<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Die Traumklinge</book-title><date>2007</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Andreas</first-name><last-name>Decker</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="11"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>The Knife of Dreams</book-title><date>2005</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>None</src-ocr><id>93366AF4-7F49-45F9-AC21-1311A4B48751</id><version>1.0</version></document-info></description><body><epigraph><p>In Erinnerung an Charles St. George Sinkler Adams</p><p>6. Juli 1976 � 13. April 2005</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><p>Die S��e des Sieges und die Bitterkeit der Niederlage, beides ist wie eine Klinge aus den Tr�umen.</p><text-author>Aus <emphasis>Nebel und Stahl</emphasis> von Madoc Comadrin</text-author></cite></section><section><title><p>Vorwort</p><p>Und das Rad dreht sich�</p></title><p><emphasis>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und gehen und hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter ihres Ursprungs wiederkehrt.</emphasis></p><p>Mit diesen Worten beginnt jede Chronik aus der Welt des Rades, eines Universums, in dem das Rad der Zeit und das Gro�e Muster, das es webt, das oberste Prinzip sind.</p><p>Am Anfang steht eine Prophezeiung, die Prophezeiung des Drachen. Sie verk�ndet die Befreiung des Dunklen K�nigs, des B�sen schlechthin, und die Wiedergeburt Lews Therin Telamons, des Drachen, der einst vor Jahrtausenden sein Gef�ngnis versiegelte und daf�r den h�chsten Preis bezahlen musste. Sie berichtet von einem Mann, der sowohl der Vernichter als auch der Erl�ser der Welt sein soll. Er kann die <emphasis>Eine Macht</emphasis> lenken und ist der Wiedergeborene Drache, der <emphasis>Tarmon Gai'don</emphasis> schlagen soll, die Letzte Schlacht gegen den Dunklen K�nig.</p><p>Rand al'Thor ist der Wiedergeborene Drache.</p><p>Man schreibt das Dritte Zeitalter seit der Zerst�rung der Welt. Wieder strecken der Dunkle K�nig und seine Vertrauten, die Verlorenen, die ihm schon in ferner Vergangenheit zur Seite standen, die Hand nach der Welt aus. Horden nichtmenschlicher Trollocs und Myrddraals �berziehen das Land mit Verw�stung, gelenkt von den Verlorenen, die nahezu unerkannt unter den Menschen wandeln, wo sie Unruhe sch�ren und Kriege ausl�sen.</p><p>Allein Rand al�Thor ist laut den Prophezeiungen dazu bestimmt, die Letzte Schlacht zu schlagen. Er beherrscht die <emphasis>Eine Macht,</emphasis> kann die Welt nach seinen W�nschen formen, und die Welt f�rchtet ihn. Er hat treue Freunde um sich geschart, Nationen besiegt und Throne gest�rzt. Er hat m�chtige Feinde und zweifelhafte Verb�ndete, aber die gr��te Bedrohung ist die <emphasis>Eine Macht.</emphasis> Denn wie alle M�nner, die sich der Macht bedienen, k�mpft er gegen den Makel des Wahnsinns an, der die mystische Energie beschmutzt.</p><p>Wie die Eingeweihten wissen, besteht sowohl die <emphasis>Eine Macht</emphasis> als auch die Wahre Quelle, der sie entspringt, aus zwei widerstreitenden und sich dennoch erg�nzenden Teilen: <emphasis>Saidin,</emphasis> der m�nnlichen H�lfte, und <emphasis>Saidar,</emphasis> der weiblichen H�lfte. Die Energie versetzt einige wenige Menschen in die Lage, die Elemente Erde, Wind, Feuer, Wasser und Geist nach ihrem Willen zu beeinflussen und Heldentaten zu vollbringen. Im untergegangenen Zeitalter der Legenden nannte man diese M�nner und Frauen Aes Sedai, was in der Alten Sprache �Diener allen� bedeutet.</p><p>Als der Dunkle K�nig, der im Augenblick der Erschaffung der Welt vom Sch�pfer au�erhalb von Zeit und Universum verbannt wurde, aus seinem Gef�ngnis auszubrechen drohte und von Lews Therin Telamon, dem st�rksten Aes Sedai seiner Zeit, besiegt wurde, geriet der triumphale Sieg zugleich zur verheerenden Niederlage. Im Augenblick der Versiegelung kam es zu einer Reaktion, die <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche Quelle der <emphasis>Einen Macht,</emphasis> mit einem Makel versah. Jeder Mann, der nach der Macht griff � was f�r ihn so nat�rlich war wie das Atmen �, wurde wahnsinnig. Das hat sich erst k�rzlich ge�ndert.</p><p>Die meisten fielen der Umnachtung in einem schleichenden Prozess anheim. Bei Lews Therin Telamon, dem Drachen, war dies anders. Blindw�tig in seinem Wahn, wandten er und seine Helfer sich mit der Macht gegen alle und jeden und schlie�lich gegen die Welt selbst. Erdbeben ersch�tterten das Land, St�rme fegten dar�ber hinweg, Vulkane brachen aus, der Ozean �berschwemmte das Land. Reiche gingen unter und ganze V�lker starben.</p><p>Nach dem Neubeginn hat sich das Antlitz der Welt ver�ndert. Nun benutzen nur noch die weiblichen Aes Sedai die <emphasis>Eine Macht.</emphasis> Sie haben die Wei�e Burg gegr�ndet, und seit jenen dunklen Tagen wachen sie unerbittlich dar�ber, dass sich kein Mann der <emphasis>Einen Macht</emphasis> bedient. Sie sp�ren sie auf und �d�mpfen� sie, schneiden sie vom Zugang zur Wahren Quelle ab, um Unheil zu verhindern.</p><p>Rand al�Thor hatte schon immer ein zwiesp�ltiges Verh�ltnis zu den Aes Sedai, die von vielen als die wahren Herrscher der Welt gef�rchtet und gehasst werden. Aber er ist der Wiedergeborene Drache, der wie kein Zweiter �ber die <emphasis>Eine Macht</emphasis> gebietet; er ist der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> der Aiel, der W�stennomaden, deren Clans ihm fast alle bis in den Tod ergeben sind; er ist der Begr�nder der Schwarzen Burg und der <emphasis>Asha�man,</emphasis> der M�nner, die ungeachtet aller Widrigkeiten gelernt haben, mit der <emphasis>Einen Macht</emphasis> umzugehen. Er hat treue Verb�ndete, die in seinem Namen handeln, und Feinde, die ihn vernichten wollen.</p><p>Und er hat Gro�es geleistet. W�hrend die Letzte Schlacht unaufhaltsam n�her r�ckt, ist es ihm gelungen, die Wahre Quelle vom Makel des Wahnsinns zu reinigen, eine Tat, deren Auswirkungen noch nicht bekannt sind. Und w�hrend sich Rand mit einigen Vertrauten in ein Versteck zur�ckgezogen hat, um sich zu erholen und dort Pl�ne zu schmieden, nimmt in der Welt des Rades das Schicksal weiterhin unerbittlich seinen Lauf.</p><p>Da sind die Invasoren aus Seanchan, die das Land erobern wollen, da ist die Wei�e Burg der Aes Sedai, die durch Streit gespalten ist, und da sind die Verlorenen, die das Chaos sch�ren. Und da sind die Gef�hrten des Drachen, M�nner wie Perrin Aybara und Mat Cauthon. Wie Rand al�Thor auch sind sie <emphasis>Ta�veren,</emphasis> Menschen, die das Muster des Rades und damit das Schicksal aller unwillk�rlich beeinflussen, ob sie wollen oder nicht. Und im Augenblick k�mpft jeder von ihnen an seiner eigenen Front.</p><p>Mat Cauthon befindet sich tief in Feindesland, im von den Seanchanern mittlerweile fast vollst�ndig eroberten Altara.</p><p>Die Invasoren aus dem fernen Kaiserreich r�cken unaufhaltsam voran. F�r sie ist es eine Heimkehr in die L�nder ihrer Vorv�ter, das Land von Luthair Paendrag, der einst als Eroberer nach Seanchan kam. Das Kaiserreich weist eine v�llig andere Gesellschaftsordnung auf. Es ist nicht nur eine von seltsamen Ehrvorstellungen getriebene Adelsgesellschaft von Sklavenhaltern � Frauen, die die Macht lenken k�nnen, gelten hier weniger als ein Mensch. F�r die Seanchaner sind es gef�hrliche Wesen, die man nicht frei herumlaufen lassen darf. Sobald ersichtlich wird, dass Frauen diese F�higkeit beherrschen, bricht man ihren Willen und macht sie zur <emphasis>Damane,</emphasis> versklavt sie mit dem Utensil namens <emphasis>A�dam,</emphasis> das aus einem Halsband und einem mit einer Leine verbundenen Armreif besteht. <emphasis>Sul�dam</emphasis> genannte Frauen, die zwar angeblich selbst die Macht nicht lenken, aber ein <emphasis>A�dam</emphasis> benutzen k�nnen, kontrollieren damit jeden Schritt der <emphasis>Damane,</emphasis> indem sie sie buchst�blich an der Leine f�hren. Nat�rlich ist es ein Hauptziel der Seanchaner, s�mtliche Machtlenkerinnen an die Leine zu legen, deren sie habhaft werden k�nnen. Und sie haben sich darin als sehr effizient erwiesen. Mittlerweile beherrschen sie gro�e Teile der L�nder Altara, Amadicia und Tarabon.</p><p>Aber die Ankunft der Hochlady Tuon hat viel Unruhe in die Reihen der Seanchaner gebracht. Tuon ist die Thronfolgerin der Kaiserin, die Tochter der Neun Monde. Und sie ist verschwunden.</p><p>Eigentlich wollte Mat nur ein paar versklavte Aes Sedai aus der Gewalt der Seanchaner befreien. Es lag nie in seiner Absicht, Tuon als Geisel mitzunehmen. Obwohl nicht ersichtlich ist, ob es tats�chlich eine Entf�hrung war oder Mat ihr damit nur in die H�nde spielte. Denn sie verfolgt ihre eigenen Pl�ne.</p><p>Noch immer sind Mat, die befreiten Aes Sedai und Tuon unterwegs nach Lugard. Sie haben sich Valan Lucas Gro�em Wanderzirkus und Pr�chtiger Zurschaustellung von Mysterien und Wundern angeschlossen und benutzen ihn als Deckung.</p><p>Mittlerweile wei� Mat, dass die ihm gemachten Prophezeiungen stimmen. Er wird die Tochter der Neun Monde heiraten, ob er will oder nicht. Das behagt ihm gar nicht, zumal er ihre Absichten nicht durchschaut. Eigentlich will der Abenteurer doch nichts anderes, als ein bequemes und gefahrloses Leben f�hren. Aber mit jeder zur�ckgelegten Meile verschlechtern sich seine Aussichten.</p><p>Perrin Aybara hingegen ist der Verzweiflung nahe. Mittlerweile ist es fast zwei Monate her, dass seine Frau Faile von den abtr�nnigen Shaido-Aiel gefangen genommen und zur <emphasis>Gai�schain</emphasis> gemacht wurde.</p><p>Die Shaido, die wie alle Nomaden-Clans aus der Aiel-W�ste jenseits der Drachenmauer kommen, weigern sich, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen. Nun streifen sie pl�ndernd und raubend durch den Norden von Altara und sammeln sich in der Stadt Maiden.</p><p>Die Lage wird f�r Faile und ihre Gef�hrtinnen, die zusammen mit ihr entf�hrt wurden, jeden Tag gef�hrlicher. Eigentlich werden nur Aiel, die bei ihresgleichen in Gefangenschaft geraten, zu <emphasis>Gai�schain</emphasis> gemacht. Ihrem komplexen Ehrenkodex zufolge dienen sie freiwillig ein Jahr und einen Tag und erhalten dann wieder die Freiheit. Aber die Shaido verraten ihre Br�uche und nehmen wahllos alle gefangen, deren sie habhaft werden. Obwohl <emphasis>Gai�schain</emphasis> mit Leib und Leben gesch�tzt sind, gelten diese Regeln pl�tzlich nicht mehr. �bergriffe jeglicher Natur sind an der Tagesordnung. Schuld daran ist nicht zuletzt Sevanna, die derzeitige Anf�hrerin der Shaido, die Gefallen am Leben in den Feuchtl�ndern gefunden hat, wie die Aiel die L�nder jenseits der W�ste nennen. Sie verfolgt noch immer den verr�ckten Plan, den Wiedergeborenen Drachen zu heiraten und sich so zur Herrscherin �ber die Feuchtl�nder aufzuschwingen.</p><p>Noch wei� Sevanna nicht, wer ihre Gefangene eigentlich ist, dass sie die Frau von Perrin Aybara in ihrer Gewalt hat, dem Gef�hrten des Drachen. Aber Faile schwebt in st�ndiger Gefahr, verraten zu werden.</p><p>Denn Sevanna und die Weise Frau Therava, die wie alle Weisen Frauen die Eine Macht lenken kann, haben auch die Aes Sedai Galina in ihrer Gewalt. Mithilfe eines Eidstabes haben sie die Anh�ngerin des Dunklen K�nigs, eine Schwarze Ajah, zu absolutem Gehorsam gezwungen. Will sich Galina jemals aus dieser erbarmungslosen Sklaverei befreien, muss sie an den Eidstab kommen. Nun erpresst sie Faile und ihre Gef�hrtinnen, zu denen unter anderem K�nigin Alliandre von Ghealdan sowie die angebliche Dienerin Maighdin geh�ren � die in Wirklichkeit niemand anders als die totgeglaubte K�nigin Morgase von Andor ist. Sie sollen f�r sie den Eidstab stehlen.</p><p>Die Shaido haben bei der eroberten Stadt Maiden ein Lager aufgeschlagen und sammeln sich, mittlerweile sind es Tausende.</p><p>Perrin und sein zusammengew�rfeltes Heer hat sie aufgesp�rt, ist ihnen jedoch zahlenm��ig hoffnungslos unterlegen. Aber er wird seine Frau befreien, koste es, was es wolle. Und wenn er dazu ein B�ndnis mit dem Dunklen K�nig eingehen muss.</p><p>Elayne Trakand im fernen Andor glaubt wie alle Welt, dass ihre Mutter Morgase, die rechtm��ige K�nigin, tot ist. Und die Tochter-Erbin k�mpft um den Thron. Noch kann sie die Hauptstadt Caemlyn gegen die �bermacht des Heeres von Arymilla Marne halten, die um jeden Preis die Rosenkrone erringen will.</p><p>Elayne zur Seite stehen die Windsucherinnen des Meervolks und die unabh�ngige Gruppe der Kusinen, die beide die Macht lenken k�nnen. Aber es sind wankelm�tige Verb�ndete, die au�erdem nicht aktiv in den Kampf eingreifen d�rfen. Sollte Elayne die Eine Macht �ffentlich benutzen, wird sich das Volk von Andor gegen sie stellen.</p><p>Die Belagerung Caemlyns zieht sich nun schon lange hin, bald muss eine Entscheidung fallen. Die Tatsache, dass Elayne die Kinder des Wiedergeborenen Drachen unter dem Herzen tr�gt, macht es f�r sie auch nicht einfacher. Ganz davon abgesehen, dass die derzeitige Herrscherin der Wei�en Burg sie immer noch in ihre Gewalt bekommen m�chte.</p><p>Dabei ist das Elaida a�Roihans geringste Sorge. Sie hat die Wei�e Burg gespalten, indem sie Siuan Sanche gest�rzt und sich selbst zur Amyrlin-Sitz gemacht hat. Sie wollte die Burg zu einem Bollwerk gegen den Dunklen K�nig machen und den Wiedergeborenen Drachen beherrschen.</p><p>Aber ihre Autorit�t schwindet, wof�r neben ihrer despotischen F�hrung auch einige herbe Fehlschl�ge verantwortlich sind. Der Versuch, Rand al�Thor zu entf�hren, hatte bei den Quellen von Dumai ein Desaster zur Folge. Der Angriff auf die Schwarze Burg ist ebenfalls gescheitert. Schlimmer noch, die Asha�man haben die Angreiferinnen praktisch versklavt. Sie haben ihnen den Beh�terbund aufgezwungen und kontrollieren sie damit. M�nner, die die Eine Macht lenken k�nnen, sind f�r die meisten Aes Sedai schon ein Albtraum, aber M�nner, die nun auch noch Aes Sedai kontrollieren� das ist ein unerh�rtes Geschehen.</p><p>Bis jetzt hat Elaida verhindern k�nnen, dass diese Misserfolge in der Burg allseits bekannt wurden, aber langsam verbreitet sich die Nachricht. Ihre Autorit�t schwindet, was dazu f�hrt, dass die verschiedenen Fraktionen der Schwestern, die sieben Ajahs, einander immer mehr misstrauen. Ein Misstrauen, das Agenten des Dunklen K�nigs noch sch�ren � die Schwestern der Schwarzen Ajah, die den Idealen der Aes Sedai entsagt haben und dem Dunklen K�nig folgen. Eine seiner Vertrauten, die Verlorene Mesaana, befindet sich unerkannt im Herzen der Burg und manipuliert die Geschehnisse. Da hilft es wenig, dass sich einige Schwestern verschiedener Ajahs insgeheim zusammengetan haben und Jagd auf die Schwarzen Schwestern machen. Denn die J�gerinnen wie Pevara und Yukiri wissen nicht, wem sie vertrauen k�nnen � und ob nicht vielleicht sogar Elaida selbst eine Schwarze Schwester ist.</p><p>Aber jetzt hat das Oberhaupt der Wei�en Burg einen wichtigen Sieg davongetragen. Egwene al'Vere ist die Anf�hrerin des Rebellenheeres, das die Wei�e Burg in Tar Valon belagert. Die Gef�hrtin des Wiedergeborenen Drachen ist die Amyrlin der Rebellen, aber sie ist nicht l�nger ein Werkzeug der Frauen, die Elaida um jeden Preis aus ihrem Amt entfernen wollen.</p><p>Das n�chtliche Unternehmen, die H�fen des belagerten Tar Valon zu blockieren, hat einen hohen Preis gekostet. Egwene ist dem Feind in die H�nde gefallen. Nun ist sie auf dem Weg in die Burg � und aller Voraussicht nach auf dem Weg in den Tod�</p><p>Das Rad dreht sich, und die Letzte Schlacht r�ckt immer n�her. Die Heere sammeln sich, und der Wiedergeborene Drache muss k�mpfen, wenn die Welt kein zweites Mal untergehen soll.</p></section><section><title><p>Prolog</p><p>Glut in trockenem Gras</p></title><p>Die Sonne stieg dem Zenit entgegen und lie� die Schatten von Galad und seinen drei Begleitern vorauseilen, w�hrend sie auf ihren Pferden die Stra�e entlangtrabten, die schnurgerade durch den dichten Wald aus Eichen und Zwerglorbeer, Tannen und Tupelob�umen f�hrte, der gr��tenteils das Rot des Fr�hlingsbewuchses zeigte. Im Gegensatz zu Galad trugen sie ihre R�stungen. Er versuchte seinen Verstand leer und ruhig zu halten, aber kleine Dinge drangen trotzdem zu ihm durch. Abgesehen vom Stampfen der Pferdehufe war der Tag still. Kein Vogel sang auf einem Ast, kein Eichh�rnchen keckerte. Zu still f�r diese Jahreszeit, als w�rde der Wald den Atem anhalten. Einst war das hier ein wichtiger Handelsweg gewesen, lange bevor Amadicia und Tarabon entstanden waren, und gelegentlich durchbrach uraltes Stra�enpflaster die harte Oberfl�che aus gelblichem Lehm. Der einsame Bauernkarren hinter dem dahinstampfenden Ochsen weit voraus war von ihnen abgesehen das einzige Lebenszeichen. Der Handel hatte sich weit nach Norden verlagert, die Bauernh�fe und D�rfer in der Gegend schwanden dahin, und die sagenhaften Minen von Aelgar blieben in den unzug�nglichen Bergen verschollen, die nur ein paar Meilen weiter im S�den begannen. Dort ballten sich dunkle Wolken zusammen und versprachen f�r den Nachmittag Regen, falls sie weiter langsam vorr�ckten. Ein rotgefl�gelter Falke strich am Waldrand vorbei und jagte dort. So wie er selbst auf der Jagd war. Aber nach dem Herzen, nicht nach dem Rand. Das Landhaus, das die Seanchaner Eamon Valda zugeteilt hatten, kam in Sicht, und er z�gelte das Pferd, w�nschte sich, er h�tte einen Helmriemen zum Festerzurren als Vorwand. Stattdessen musste er sich damit zufrieden geben, den Schwertgurt auf- und zuzumachen und so zu tun, als h�tte er nicht richtig gesessen. Eine R�stung anzulegen war sinnlos gewesen. Wenn der Morgen so verlief, wie er hoffte, w�rde er Harnisch und Kettenhemd sowieso ablegen m�ssen, und wenn alles schlecht verlief, w�rde die R�stung kaum mehr Schutz als sein wei�er Mantel bieten.</p><p>Das Geb�ude war einst Landsitz des K�nigs von Amadicia gewesen, ein gro�es Haus mit blauem Dach und rot angemalten Baikonen, ein Holzpalast mit Holzt�rmen an den Ecken auf einem Steinfundament, das an einen niedrigen, schr�g ansteigenden H�gel erinnerte. Die Au�engeb�ude � St�lle und Scheunen, Unterk�nfte f�r die Arbeiter und Werkst�tten der Handwerker � duckten sich in die gro�e Lichtung, die das Haupthaus umgab, aber mit ihrem blauen und roten Anstrich waren sie beinahe genauso gl�nzend. Eine Hand voll M�nner und Frauen bewegte sich dort, aus dieser Entfernung winzige Gestalten, und Kinder spielten unter der Aufsicht ihrer Eltern. Ein Bild der Normalit�t, wo es doch keine Normalit�t mehr gab. Seine Begleiter sa�en mit ihren gl�nzenden Helmen und Brustpanzern in ihren S�tteln und beobachteten ihn ausdruckslos. Ihre Pferde stampften ungeduldig mit den Beinen, der kurze Ritt vom Lager hatte ihrer morgendlichen Frische nichts anhaben k�nnen.</p><p>�Es ist verst�ndlich, dass Ihr zweifelt, Damodred�, sagte Trom schlie�lich. �Es ist eine schlimme Anschuldigung, so bitter wie Galle, aber��</p><p>�F�r mich gibt es keinen Zweifel�, unterbrach Galad ihn.</p><p>Seine Absichten standen seit dem Vortag fest. Aber er war dankbar. Trom hatte ihm die Gelegenheit geboten, die er brauchte. Sie waren bei seinem Aufbruch einfach aufgetaucht und hatten sich ihm wortlos angeschlossen. Da hatte es anscheinend keinen Platz f�r Worte gegeben. �Aber was ist mit euch dreien? Ihr geht ein Risiko ein, wenn ihr mich begleitet. Ein Risiko, das ihr nicht eingehen m�sst. Egal, wie der Tag auch verlaufen wird, er wird euch brandmarken. Das ist meine Angelegenheit, und ich erlaube euch, euch um eure Belange zu k�mmern.� Zu unbeholfen gesagt, aber an diesem Morgen konnte er nicht die richtigen Worte finden. Oder die Enge in seinem Hals loswerden.</p><p>Der st�mmige Mann sch�ttelte den Kopf. �Das Gesetz ist das Gesetz. Und ich kann meinen neuen Rang genauso gut einmal benutzen.� Die drei goldenen, wie Sterne geformten Knoten eines Hauptmanns hingen auf der Brust seines wei�en Mantels unter der lodernden Sonne. Bei Jeramel hatte es mehr als nur ein paar Tote gegeben, einschlie�lich drei Lordhauptm�nner. Damals hatten sie gegen die Seanchaner gek�mpft und waren nicht mit ihnen verb�ndet gewesen.</p><p>�Ich habe im Dienst des Lichts schlimme Dinge getan�, sagte Byar grimmig; die in seinem hageren Gesicht tief sitzenden Augen funkelten, als ginge es um eine pers�nliche Beleidigung, �so finster wie die mondlose Mitternacht, und vermutlich werde ich das auch wieder tun, aber manche Dinge sind zu finster, als dass man sie erlauben sollte.� Er sah aus, als wollte er ausspucken.</p><p>�Das ist richtig�, murmelte der junge Bornhaid und rieb sich mit der in einem Panzerhandschuh steckenden Hand �ber den Mund. Galad betrachtete ihn immer als jung, dabei war Dain Bornhaid nur wenige Jahre j�nger als er. Seine Augen waren blutunterlaufen, er hatte sich am vergangenen Abend wieder am Branntwein g�tlich getan. �Wenn man etwas Falsches getan hat, selbst wenn man dem Licht dient, dann muss man tun, was richtig ist, um das auszugleichen.� Byar grunzte m�rrisch. Vermutlich hatte er genau das nicht damit gemeint.</p><p>�Also gut�, sagte Galad. �Aber es wird keinem Mann, der umkehren sollte, ein Vorwurf gemacht. Das hier ist allein meine Angelegenheit.�</p><p>Doch als er seinen braunen Wallach zum leichten Galopp antrieb, freute er sich, dass sie ihn einholten und dann an seiner Seite ritten, die wei�en Umh�nge vom Wind aufgebl�ht. Er h�tte nat�rlich allein reiten k�nnen, aber ihre Anwesenheit verhinderte vielleicht, dass man ihn sofort verhaftete und aufh�ngte. Nicht, dass er damit rechnete, den Tag zu �berleben. Was getan werden musste, musste getan werden, ganz egal, wie hoch der Preis war.</p><p>Die Pferdehufe klapperten lautstark �ber den Steinweg, der zum Herrenhaus hinauff�hrte, sodass sich jeder Mann auf dem gro�en Hof umdrehte und ihrer Ankunft zusah: f�nfzig Kinder des Lichts in funkelnder R�stung und konischen Helmen, die meisten im Sattel, w�hrend �ngstlich geduckte Stallburschen aus Amadicia in dunklen M�nteln die Tiere f�r den Rest hielten. Die Balkone waren leer, wenn man von ein paar Dienern absah, die anscheinend zuschauten, w�hrend sie so taten, als w�rden sie fegen. Sechs Zweifler, gro�e M�nner mit dem scharlachroten Hirtenstab auf der Sonne ihrer Umh�nge, standen ein St�ck abseits von den anderen wie eine Leibwache dicht gedr�ngt um Rhadam Asunawa. Die Hand des Lichts stand immer vom Rest der Kinder getrennt, eine Wahl, die der Rest der Kinder begr��te. Der grauhaarige Asunawa, dessen kummervolles Gesicht Byar f�rmlich pausb�ckig erscheinen lie�, war das einzige anwesende Kind, das keine R�stung trug, und auf seinem schneewei�en Umhang prunkte nur der hellrote Hirtenstab, ein weiteres Merkmal der Abgrenzung. Aber einmal davon abgesehen, dass sich Galad vergewissern wollte, wer alles hier anwesend war, hatte er nur Augen f�r einen Mann auf dem Hof. M�glicherweise war Asunawa irgendwie darin verwickelt gewesen � das blieb unklar �, aber allein der Kommandierende Lordhauptmann konnte den Hochinquisitor zur Rechenschaft ziehen.</p><p>Eamon Valda war nicht gro�, aber sein dunkles, hartes Gesicht trug den Ausdruck eines Mannes, der von allen Gehorsam erwartete. Er stand da mit leicht gespreizten Beinen, den Kopf hoch erhoben, und jeder Fu� dr�ckte seine Befehlsgewalt aus. Er trug den wei�en und goldenen Wappenrock des Kommandierenden Lordhauptmanns �ber dem vergoldeten Brust- und R�ckenpanzer, ein Wappenrock aus Seide, der aufw�ndiger verziert war als alles, was Pedron Niall jemals getragen hatte. Sein wei�er Umhang mit den flammenden, mit goldenem Garn gestickten Sonnen auf beiden Seiten bestand ebenfalls aus Seide, genau wie der mit goldenen Stickereien besetzte Mantel. Der Helm mit der lodernden Sonne �ber dem Stirnrand, den er unter dem Arm hielt, war vergoldet, und der schwere Goldring an der linken Hand, der �ber dem Panzerhandschuh getragen wurde, hielt einen gro�en gelben Saphir in der Form eines Sonnenstrahls. Ein weiteres Zeichen der Gunstbezeugungen, die er von den Seanchanern erhielt.</p><p>Valda runzelte leicht die Stirn, als Galad und seine Begleiter abstiegen und ihren Salut entrichteten, den Arm auf die Brust geschlagen. Unterw�rfige Stallburschen kamen angerannt, um die Z�gel zu halten.</p><p>�Warum seid Ihr nicht auf dem Weg nach Nassad, Trom?� Valdas Worten waren sein Missvergn�gen anzuh�ren. �Die anderen Lordhauptm�nner werden jetzt schon den halben Weg dorthin zur�ckgelegt haben.� Er selbst traf immer sp�ter ein, wenn es um ein Treffen mit den Seanchanern ging, vielleicht um der Welt zu zeigen, dass die Kinder noch immer zumindest einen Hauch Selbstst�ndigkeit hatten � ihn bereits bei der Abreise vorzufinden war eine �berraschung; dieses Treffen musste sehr wichtig sein. Aber er sorgte immer daf�r, dass die anderen hochrangigen Offiziere p�nktlich da waren, selbst wenn das bedeutete, vor Sonnenaufgang aufzubrechen. Anscheinend war es kl�ger, ihre neuen Herren nicht zu sehr zu reizen. Die Seanchaner hegten ein tiefes Misstrauen gegen�ber den Kindern.</p><p>Trom verriet nichts von der Unsicherheit, die man vielleicht bei einem Mann erwartet h�tte, der seinen neuen Rang noch keinen Monat bekleidete. �Eine dringende Sache, mein Kommandierender Lordhauptmann�, sagte er aalglatt und machte eine pr�zise Verbeugung, keine Haaresbreite tiefer oder h�her, als das Protokoll verlangte. �Ein Kind unter meinem Befehl klagt ein anderes Kind an, eine Verwandte missbraucht zu haben, und er beansprucht das Recht des Urteils im Schein des Lichts, was Ihr vom Gesetz her gew�hren oder ablehnen m�sst.�</p><p>�Eine seltsame Bitte, mein Sohn�, sagte Asunawa, bevor Valda antworten konnte; er hatte den Kopf schief gelegt und die H�nde gefaltet. Selbst die Stimme des Hochinquisitors klang missmutig; Troms Unwissenheit schien ihm k�rperlichen Schmerz zu bereiten. Seine Augen gl�hten wie hei�e Kohlen. �F�r gew�hnlich war es der Beschuldigte, der darum bat, das Urteil dem Schwert zu �berlassen, und meines Wissens nach f�r gew�hnlich dann, wenn er wusste, dass die Beweise ihn verurteilen w�rden. Aber wie dem auch sei, das Urteil im Schein des Lichts ist seit fast vierhundert Jahren nicht mehr angewendet worden. Gebt mir den Namen des Beschuldigten, und ich werde mich der Sache ohne gro�es Aufsehen annehmen.� Sein Tonfall wurde so kalt wie eine sonnenlose H�hle im Winter, auch wenn sein Blick noch immer brannte. �Wir sind unter Fremden, und wir d�rfen nicht zulassen, dass sie erfahren, dass einer der Kinder zu so etwas f�hig ist.�</p><p>�Die Bitte ist an mich gerichtet worden, Asunawa�, fauchte Valda. Sein Blick h�tte genauso gut offenen Hass ausdr�cken k�nnen. Vielleicht war es auch einfach nur die Missbilligung, dass sich der andere Mann einmischte. Er schlug eine Seite seines Umhangs �ber die Schulter, um das Schwert zu enth�llen, er legte die Hand auf den langen Griff und reckte das Kinn noch h�her. Valda war immer f�r eine gro�e Geste zu haben, und er hob die Stimme, dass ihn vermutlich noch die Leute im Haus h�ren konnten. Er deklamierte eher, als dass er sprach.</p><p>�Ich vertrete die Ansicht, dass viele unserer alten Br�uche zu neuem Leben erweckt werden sollten, und dieses Gesetz gilt noch immer. Es wird ewig bestehen, ist es doch in der Vergangenheit niedergeschrieben worden. Das Licht gew�hrt Gerechtigkeit, weil das Licht die Gerechtigkeit ist. Sagt Eurem Mann, dass er die Herausforderung stellen darf, Trom, und sich dem von ihm Beschuldigten mit dem Schwert stellt. Sollte sich der Betreffende weigern, verk�nde ich hiermit, dass er damit seine Schuld eingesteht und auf der Stelle aufgeh�ngt wird, dass seine Besitzt�mer und sein Rang seinem Ankl�ger zufallen, so wie es das Gesetz sagt. Ich habe gesprochen.� Das sagte er mit einem weiteren auf den Hochinquisitor gem�nzten Stirnrunzeln. Vielleicht bestand zwischen ihnen ja wirklich Hass.</p><p>Trom verbeugte sich erneut f�rmlich. �Ihr habt es ihm selbst gesagt, mein Kommandierender Lordhauptmann. Damodred?�</p><p>Galad fr�stelte. Es war nicht die K�lte der Furcht, sondern die der Leere. Als Bornhaid betrunken die verwirrenden Ger�chte ausgeplaudert hatte, die ihm zu Ohren gekommen waren, als Byar z�gernd zugegeben hatte, dass es mehr als Ger�chte waren, war in Galad wilder Zorn aufgestiegen, ein knochenzerschmelzendes Feuer, das ihn fast in den Wahnsinn getrieben h�tte. Er war �berzeugt gewesen, dass sein Kopf explodieren w�rde, falls nicht vorher sein Herz zerplatzte. Jetzt war er Eis, aller Gef�hle beraubt. Er verbeugte sich ebenfalls f�rmlich. Vieles von dem, was er zu sagen hatte, war vom Gesetz vorgeschrieben, doch den Rest w�hlte er mit Sorgfalt, um der Erinnerung, die er in Ehren hielt, so viel Schande wie m�glich zu ersparen.</p><p>�Eamon Valda, Kind des Lichts, ich rufe Euch zum Urteil im Schein des Lichts f�r den unrechtm��igen Angriff auf die Person von Morgase Trakand, K�nigin von Andor, und wegen ihrer Ermordung.� Niemand hatte best�tigen k�nnen, dass die Frau, die er als seine Mutter betrachtete, tats�chlich tot war, aber es konnte nicht anders sein. Ein Dutzend M�nner waren sicher, dass sie aus der Festung des Lichts verschwunden war, bevor sie von den Seanchanern gest�rmt wurde, und genauso viele hatten ausgesagt, dass sie sie nicht aus freiem Willen hatte verlassen k�nnen.</p><p>Valda zeigte keinerlei �berraschung �ber die Anklage. Sein L�cheln h�tte genauso gut sein Bedauern �ber Galads Dummheit ausdr�cken k�nnen, eine solche Behauptung aufzustellen, aber es lag auch Verachtung darin. Er �ffnete den Mund, aber Asunawa mischte sich wieder ein.</p><p>�Das ist absurd�, sagte er in einem Tonfall, der eher Trauer als Wut ausdr�ckte. �Nehmt den Burschen, und wir werden herausfinden, was er mit dieser Verschw�rung der Schattenfreunde zu tun hat, um die Kinder in Misskredit zu bringen.� Er gab ein Zeichen, und zwei der riesigen Zweifler machten einen Schritt auf Galad zu, der eine mit einem geh�ssigen Grinsen auf dem Gesicht, der andere v�llig reglos, ein Arbeiter, der seinem Handwerk nachging.</p><p>Aber es blieb bei einem Schritt. Ein leises Schaben hallte �ber den Hof, als Kinder die Schwerter in ihren Scheiden lockerten. Mindestens ein Dutzend M�nner zogen die Klingen blank und lie�en sie an der Seite herunterh�ngen. Die amadicianischen Stallburschen versuchten sich unsichtbar zu machen. Vermutlich w�ren sie weggerannt, h�tten sie es sich getraut. Asunawa blickte sich um, seine dicken Brauen hoben sich voller Unglauben, seine F�uste verkrampften sich um den Saum seines Umhangs. Seltsamerweise erschien sogar Valda einen Augenblick lang �berrascht. Sicherlich hatte er nach seiner Ank�ndigung nicht erwartet, dass die Kinder eine Gefangennahme zulie�en. Falls doch, erholte er sich rasch.</p><p>�Seht Ihr, Asunawa�, sagte er beinahe fr�hlich, �die Kinder folgen meinen Befehlen und dem Gesetz, und nicht den Launen eines Zweiflers.� Er streckte den Helm aus, damit ihn ihm jemand abnahm. �Ich streite Eure l�cherliche Anschuldigung ab, junger Galad, und ramme Euch Eure �ble L�ge zwischen die Z�hne. Denn es ist eine L�ge, bestenfalls das verr�ckte Nachplappern eines b�sartigen Ger�chts von Schattenfreunden oder anderen, die den Kindern des Lichts schaden wollen. Aber was nun auch zutrifft, Ihr habt mich auf die sch�bigste Weise verleumdet, also akzeptiere ich Eure Herausforderung zum Urteil im Schein des Lichts, bei dem ich Euch t�ten werde.� Das entsprach nur so gerade eben dem Ritual, aber er hatte die Anschuldigung bestritten und die Herausforderung angenommen; es w�rde reichen.</p><p>Valda wurde sich bewusst, dass er noch immer den Helm in der ausgestreckten Hand hielt; er schaute eines der abgesessenen Kinder stirnrunzelnd an, einen schlanken Saldaeaner namens Kashgar, bis der Mann vortrat, um ihm den Helm abzunehmen. Kashgar war blo� Unterleutnant, der trotz einer gro�en Hakennase und einem dichten, gezwirbelten Schnurrbart jungenhaft aussah, aber er bewegte sich mit offenkundigem Z�gern, und Valdas Stimme nahm einen giftigeren Unterton an, w�hrend er den Schwertg�rtel abschnallte und auch ihn hinhielt.</p><p>�Passt gut darauf auf, Kashgar. Das ist eine Klinge mit Reiherzeichen.� Er l�ste den Seidenumhang und lie� ihn auf das Hofpflaster fallen, gefolgt von dem Wappenrock, dann wandten sich seine H�nde den Schnallen der R�stung zu. Es hatte den Anschein, dass er nicht herausfinden wollte, ob auch andere z�gern w�rden, ihm zu helfen. Er verzog keine Miene, aber w�tend blickende Augen versprachen Vergeltung f�r mehr Leute als nur Galad. �Wie ich geh�rt habe, will Eure Schwester Aes Sedai werden, Damodred. Vielleicht verstehe ich ganz genau, wo das herr�hrt. Es gab mal eine Zeit, da h�tte ich Euren Tod bedauert, aber heute nicht. Vielleicht schicke ich Euren Kopf der Wei�en Burg, damit die Hexen das Ergebnis ihres Plans sehen k�nnen.�</p><p>Dain nahm mit besorgtem Gesicht Galads Umhang und Schwertg�rtel und trat dabei von einem Fu� auf den anderen, als w�re er sich unsicher, das Richtige zu tun. Nun, er hatte seine Chance gehabt, und jetzt war es zu sp�t, die Meinung zu �ndern. Byar legte eine panzerbehandschuhte Hand auf Galads Schulter und beugte sich nahe an ihn heran.</p><p>�Er schl�gt gern nach Armen und Beinen�, sagte er mit leiser Stimme und warf Valda verstohlene Blicke �ber die Schulter zu. Den Blicken nach zu urteilen, stand da eine unerledigte Sache zwischen ihnen. Andererseits unterschied sich seine finstere Miene nur wenig von seinem �blichen Gesichtsausdruck. �Er l�sst seinen Gegner gern ausbluten, bis der Mann keinen Schritt mehr machen oder das Schwert heben kann. Dann setzt er zum Todessto� an. Er ist schneller als eine Schlange, aber wird am h�ufigsten nach Eurer linken Seite schlagen und das auch von Euch erwarten.�</p><p>Galad nickte. Viele Rechtsh�nder fanden es einfacher, auf diese Weise zuzuschlagen, aber f�r einen Schwertmeister erschien das eine seltsame Schw�che. Gareth Bryne und Henre Haslin hatten ihn abwechselnd mit der Hand �ben lassen, die den Griff oben festhielt, damit er sich das nicht angew�hnte. Seltsam war auch, dass Valda einen Kampf auf diese Weise in die L�nge ziehen wollte. Ihm hatte man beigebracht, die Sache so schnell und sauber wie m�glich zu einem Ende zu bringen.</p><p>�Danke�, erwiderte er, und der Mann mit den eingefallenen Wangen schnitt eine m�rrische Grimasse. Byar war alles andere als sympathisch, und er schien au�er dem jungen Bornhaid auch keinen der M�nner zu m�gen. Von den dreien war seine Anwesenheit die gr��te �berraschung, aber er war da, und das z�hlte zu seinen Gunsten.</p><p>Valda stand in seinem goldbesetzten wei�en Mantel in der Hofmitte, die F�uste in die H�ften gestemmt, und drehte sich in einem engen Kreis. �Jeder zur�ck an die Hauswand�, kommandierte er laut. Hufe scharrten �ber den Stein, als die Kinder und die Stallburschen gehorchten. Asunawa und seine Zweifler schnappten sich die Z�gel ihrer Tiere, dem Hochinquisitor stand die kalte Wut ins Gesicht geschrieben.</p><p>�Haltet die Mitte frei. Der junge Damodred und ich werden hier aufeinander��</p><p>�Vergebt mir, Kommandierender Lordhauptmann�, sagte Trom mit einer leichten Verbeugung, �aber da Ihr an dem Urteil beteiligt seid, k�nnt Ihr nicht der Schiedsmann sein. Abgesehen vom Hochinquisitor, der vom Gesetz her nicht teilnehmen darf, habe ich nach Euch hier den h�chsten Rang inne, also mit Eurer Erlaubnis�� Valda starrte ihn finster an, dann stolzierte er an Kashgars Seite, die Arme �ber der Brust verschr�nkt. Er wippte demonstrativ mit dem Fu�, voller Ungeduld, dass es endlich losging.</p><p>Galad seufzte. Wenn sich der Tag gegen ihn wandte, was als sicher erschien, w�rde sein Freund den m�chtigsten Mann der Kinder zum Feind haben. Vermutlich w�re das Trom sowieso passiert, aber jetzt erst recht. �Behaltet sie im Auge�, sagte er zu Bornhaid und deutete mit dem Kopf auf die Zweifler, die sich in der N�he des Tores auf ihren Pferden zusammengerottet hatten. Asunawas Untergebene umringten ihn noch immer wie Leibw�chter; jeder Mann hatte die Hand auf den Schwertgriff gelegt.</p><p>�Warum? Nicht einmal Asunawa kann jetzt noch eingreifen. Das w�re gegen das Gesetz.�</p><p>Es fiel schwer, nicht erneut zu seufzen. Der junge Dain war viel l�nger Kind als er, und sein Vater hatte ihnen sein ganzes Leben lang gedient, aber der Mann schien weniger als er �ber die Kinder zu wissen. F�r die Zweifler war das Gesetz das, was sie dazu machten. �Behaltet sie einfach im Auge.�</p><p>Trom stand in der Hofmitte, das gezogene Schwert hoch �ber den Kopf erhoben, die Klinge parallel zum Boden, und im Gegensatz zu Valda sprach er die Worte genau so, wie sie geschrieben standen. �Wir haben uns unter dem Licht hier versammelt, um Zeuge des Urteils im Schein des Lichts zu sein, das geheiligte Recht eines jeden Kindes des Lichts. Das Licht scheint auf die Wahrheit, und hier soll das Licht die Gerechtigkeit erhellen. Kein Mann soll sprechen au�er dem, der das Recht dazu hat, und jedermann, der eingreifen will, soll auf der Stelle niedergestreckt werden. Hier wird im Schein des Lichts ein Mann Gerechtigkeit finden, der sein Leben dem Licht anvertraut, durch die Kraft seines Arms und den Willen des Lichts. Die Kombattanten werden sich jetzt unbewaffnet hier treffen, wo ich stehe�, fuhr er fort und senkte das Schwert, �und miteinander sprechen, sodass nur sie es h�ren k�nnen. M�ge das Licht ihnen helfen, die n�tigen Worte zu finden, um dies ohne Blutvergie�en zu kl�ren, denn wenn es ihnen nicht gelingt, muss eines der Kinder heute sterben, wird sein Name aus unseren Schriftrollen und die Erinnerung an ihn aus unserem Ged�chtnis gestrichen. Beim Licht, so wird es geschehen.�</p><p>W�hrend Trom zur Seite des Hofes ging, bewegte sich Valda in der Haltung �Die Katze l�uft� �ber den Hof auf die Mitte zu, ein arrogantes Schlendern. Er wusste, dass es keine Worte geben w�rde, die das Blutvergie�en verhindern konnten. F�r ihn hatte der Kampf bereits begonnen. Galad ging ganz normal zu ihm. Er war beinahe einen Kopf gr��er als Valda, aber sein Gegen�ber hielt sich, als w�re er der Gr��ere, der von seinem Sieg �berzeugt war.</p><p>Diesmal dr�ckte sein L�cheln pure Verachtung aus.</p><p>�Nichts zu sagen, Junge? Kein Wunder, bedenkt man, dass in einer Minute ein Schwertmeister dir den Kopf abschneiden wird. Aber bevor ich dich t�te, m�chte ich, dass du eines ganz genau wei�t. Die Schlampe war bei bester Gesundheit, als ich sie das letzte Mal sah, und sollte sie jetzt tot sein, w�rde ich das bedauern.� Das L�cheln vertiefte sich, sowohl was die Heiterkeit betraf wie auch die Geringsch�tzung. �Sie war der beste Ritt meines Lebens, und ich hoffe, sie eines Tages wieder reiten zu k�nnen.�</p><p>Rotgl�hender Zorn schoss in Galad hoch, aber es gelang ihm mit einer gro�en Anstrengung, Valda den R�cken zuzukehren und wegzugehen. In seiner Vorstellungskraft n�hrte er mit seiner Wut bereits eine gedachte Flamme, so wie es ihm seine beiden Lehrer beigebracht hatten. Ein Mann, der im Zorn k�mpfte, starb auch im Zorn. Als er den jungen Bornhaid erreichte, hatte er das gefunden, was Gareth und Henre als Einheit bezeichneten. In der Leere schwebend, zog er das Schwert aus der Scheide, das Bornhaid ihm anbot, und die leicht gekr�mmte Klinge wurde ein Teil von ihm.</p><p>�Was hat er gesagt?�, wollte Dain wissen. �Euer Gesicht zeigte einen Augenblick lang m�rderische Wut.�</p><p>Byar packte Dains Arm. �Lenkt ihn nicht ab�, murmelte er. Galad war nicht abgelenkt. Jedes Knarren des Sattelleders war klar und ausgepr�gt, jedes hallende Huf stampfen auf dem Pflaster. Er konnte in drei Spannen Entfernung Fliegen so deutlich vorbeisummen h�ren, als w�ren sie direkt an seinem Ohr. Er glaubte beinahe, den Schlag ihrer Fl�gel sehen zu k�nnen. Er war eins mit den Fliegen, dem Hof, den beiden M�nnern. Sie waren alle ein Teil von ihm, und er konnte nicht von sich selbst abgelenkt werden.</p><p>Valda wartete damit, die Waffe zu ziehen, bis er sich auf der anderen Seite des Hofes umgedreht hatte, eine prahlerische Bewegung. Das Schwert verschwamm, als es in seiner linken Hand umherwirbelte und in seine rechte Hand hin�bersprang, wo es ein weiteres rasendes Rad schlug, bevor es aufrecht und felsenfest in beiden H�nden vor ihm aufragte. Er setzte sich in Bewegung, wieder in der Haltung �Die Katze l�uft�.</p><p>Galad hob das Schwert und ging ihm entgegen, nahm ohne bewusst nachzudenken eine Schrittfolge ein, die vermutlich von seinem Geisteszustand beeinflusst war. Sie hie� Leere, und nur ein ausgebildetes Auge w�rde �berhaupt erkennen, dass er nicht einfach so daherging. Nur ein Kennerauge w�rde bemerken, dass er sich in perfekter �bereinstimmung mit jedem Herzschlag bewegte. Valda hatte das mit dem Reiher gezeichnete Schwert nicht durch Beg�nstigung bekommen. F�nf Schwertmeister hatten seine Fertigkeiten beurteilt und ihm einstimmig den Titel verliehen. Das Urteil musste einstimmig sein. Die einzige andere M�glichkeit bestand darin, den Tr�ger einer reihergezeichneten Klinge in einem fairen Kampf zu t�ten, Mann gegen Mann. Valda war damals j�nger gewesen als Galad jetzt. Es spielte keine Rolle. Er konzentrierte sich nicht auf Valdas Tod. Er konzentrierte sich auf nichts. Aber er wollte Valdas Tod, und wenn er das Schwert in die Scheide schieben musste, die Klinge mit dem Reiherzeichen in seinem Fleisch willkommen hei�en musste, um das zu erreichen. Er akzeptierte, dass es dazu kommen konnte.</p><p>Valda verschwendete keine Zeit. In dem Augenblick, in dem er in Reichweite war, blitzte die Klinge Galads Hals entgegen, als h�tte der andere tats�chlich die Absicht, seinen Kopf in der ersten Minute zu erringen. Den niedrig h�ngenden Apfel pfl�cken. Darauf gab es mehrere Reaktionen, die alle durch hartes �ben in Instinkt verwandelt worden waren, aber Byars Warnung schwebte in den dunklen Tiefen seines Geistes, genau wie die Tatsache, dass Valda ihn genau davor gewarnt hatte. Ihn zweimal gewarnt hatte. Ohne nachzudenken w�hlte er eine andere M�glichkeit, trat zur Seite und nach vorn. Genau in dem Augenblick, in dem aus �Den niedrig h�ngenden Apfel pfl�cken� �Den Leopard liebkosen� wurde. Valdas Augen weiteten sich �berrascht, als sein Hieb Galads linke H�fte einen Fingerbreit verfehlte, und weiteten sich noch mehr, als �Die Seide zur Seite schieben� seinem rechten Unterarm einen Schnitt zuf�gte, aber er wechselte so schnell zu �Flug der Taube�, dass Galad zur�cktanzen musste, bevor die Klinge sich tief in ihn hineinbohrte, und er konnte den Angriff nur m�hsam mit �Eisvogel umkreist den Teich� abwehren.</p><p>Zur�ck und vor tanzten sie die Figuren, glitten in diese Richtung und dann in jene �ber das Steinpflaster. �Eidechse im Dornbusch� begegnete dem �Dreizackigen Blitz�. �Blatt im Wind� wehrte �Aal unter den Lilienbl�ttern� ab, und �Zwei hoppelnde Hasen� traf auf �Hummel k�sst eine Rose�. Vor und zur�ck so glatt, als w�rden sie die Figuren demonstrieren. Galad versuchte einen Angriff nach dem anderen, aber Valda <emphasis>war</emphasis> so schnell wie eine Schlange. �Das Moorhuhn tanzt� kostete ihn eine oberfl�chliche Schramme an der linken Schulter, und �Roter Falke f�ngt die Taube� eine weitere auf dem linken Arm, diesmal nur tiefer. �Fluss des Lichts� h�tte ihm den Arm abtrennen k�nnen, w�re er dem angewinkelten Schnitt nicht mit einem verzweifelt schnellen �Regen im Sturmwind� begegnet. Vor und zur�ck, die Klingen blitzten unaufh�rlich, erf�llten die Luft mit dem Klirren von Stahl auf Stahl.</p><p>Er h�tte nicht zu sagen vermocht, wie lange sie k�mpften.</p><p>Zeit hatte aufgeh�rt zu existieren, es gab nur noch den Augenblick. Es hatte den Anschein, als bewegten sich Valda und er wie zwei M�nner im Meer, deren Bewegungen vom Widerstand des Wassers verlangsamt wurden. Schwei� trat auf Valdas Gesicht, aber er l�chelte selbstbewusst, scheinbar unber�hrt von dem Schnitt auf seinem Unterarm, noch immer die einzige Verletzung, die er davongetragen hatte. Galad konnte f�hlen, wie auch ihm der Schwei� das Gesicht hinunterlief, in seinen Augen brannte. Und das Blut rann seinen Arm herab. Diese Wunden w�rden ihn schlie�lich langsamer machen, hatten es vielleicht schon getan, aber er hatte noch zwei weitere am linken Oberschenkel davongetragen, und beide waren von ernsterer Natur. Der Fu� in seinem Stiefel war feucht vom Blut, und er konnte ein leichtes Hinken nicht unterdr�cken, das mit der Zeit schlimmer werden w�rde. Wenn Valda sterben sollte, musste es bald geschehen.</p><p>Bewusst holte er tief Luft durch den offen stehenden Mund, dann noch einmal und noch einmal. Sollte Valda glauben, dass ihm der Atem ausging. Seine Klinge stach mit �Die Nadel einf�deln� zu, auf Valdas linke Schulter gezielt und nicht so schnell, wie es h�tte sein k�nnen. Sein Gegner parierte m�helos mit �Flug der Schwalbe� und ging augenblicklich in �Der L�we springt� �ber. Dadurch trug er den dritten Schnitt am Oberschenkel davon; er wagte es nicht, in der Verteidigung schneller als beim Angriff zu sein.</p><p>Wieder griff er Valdas Schulter mit �Die Nadel einf�deln� an, und immer wieder, w�hrend er die ganze Zeit keuchend nach Luft schnappte. Nur das Gl�ck verhinderte, dass er bei dem Schlagabtausch keine weiteren Verletzungen davontrug. Oder vielleicht schien das Licht tats�chlich auf diesen Kampf.</p><p>Valdas L�cheln wurde breiter; der Mann glaubte, dass er am Ende seiner Kr�fte, v�llig ersch�pft war. Als Galad zum f�nften Mal �Die Nadel einf�delte� und das viel zu langsam, hob der Gegner das Schwert zum �Flug der Schwalbe�, und das auf eine beinahe nachl�ssige Weise. Galad ver�nderte den Hieb, und �Ernten der Gerste� fuhr Valda unterhalb des Rippenbogens quer �ber den Leib.</p><p>Einen Augenblick lang hatte es den Anschein, als h�tte er gar nicht bemerkt, dass er getroffen worden war. Er machte einen Schritt, setzte zu einer Figur an, die m�glicherweise �Steine st�rzen von der Felskante� h�tte sein sollen. Dann weiteten sich seine Augen, und er taumelte, das Schwert entglitt seinen H�nden und landete scheppernd auf den Steinen, w�hrend er in die Knie brach. Er griff nach dem gewaltigen Schnitt quer �ber seinem K�rper, als wollte er versuchen, seine Eingeweide drinnen zu halten. Sein Mund �ffnete sich, sein glasiger Blick richtete sich auf Galad. Was auch immer er sagen wollte, aus seinem Mund kam nur Blut und str�mte ihm das Kinn herunter. Er kippte aufs Gesicht und regte sich nicht mehr.</p><p>Automatisch machte Galad eine ruckartige Bewegung mit der Klinge, um das Blut abzusch�tteln, das ihre Spitze befleckte, dann beugte er sich langsam vor, um die letzten Tropfen an Valdas wei�em Mantel abzuwischen. Die Schmerzen, die er ignoriert hatte, flammten jetzt auf. Seine linke Schulter und der Arm brannten; seine H�fte schien in Flammen zu stehen. Sich aufzurichten war eine Anstrengung. Vielleicht stand er k�rzer vor der Ersch�pfung als gedacht. Wie lange <emphasis>hatten</emphasis> sie gek�mpft? Er hatte geglaubt, er w�rde Zufriedenheit versp�ren, wenn er seine Mutter ger�cht hatte, aber da war nur Leere. Valdas Tod war nicht genug. Nichts w�rde genug sein, au�er Morgase Trakand wieder lebend gegen�berzustehen.</p><p>Pl�tzlich wurde er sich eines rhythmischen Klatschens bewusst und schaute auf. Die Kinder hieben sich anerkennend auf die gepanzerte Schulter. Jeder Mann. Mit Ausnahme von Asunawa und den Zweiflern. Sie waren nirgendwo zu sehen.</p><p>Byar eilte mit einem kleinen Lederbeutel herbei und zog vorsichtig die Schnitte in Galads �rmel auseinander. �Das wird gen�ht werden m�ssen�, murmelte er, �aber das kann warten.� Er kniete sich neben Galad, holte zusammengerollte Bandagen aus dem Beutel und fing an, sie um die Schnitte in seinem Oberschenkel zu binden. �Die m�ssen auch gen�ht werden, aber das hier wird verhindern, dass Ihr vorher verblutet.� M�nner kamen heran, um zu gratulieren, die zu Fu� von vorn, die noch immer im Sattel von hinten. Keiner hatte einen Blick f�r die Leiche �brig mit Ausnahme von Kashgar, der Valdas Schwert an dem bereits blutverschmierten Mantel reinigte, bevor er es in die Scheide schob.</p><p>�Wo ist Asunawa hin?�, fragte Galad.</p><p>�Er ist in dem Augenblick aufgebrochen, in dem Ihr Valda den letzten Schnitt zugef�gt habt�, erwiderte Dain unbehaglich. �Er wird zum Lager reiten, um Zweifler zu holen.�</p><p>�Er ist in die andere Richtung geritten, zur Grenze�, sagte jemand. Nassad lag direkt hinter der Grenze.</p><p>�Die Lordhauptm�nner�, sagte Galad, und Trom nickte.</p><p>�Kein Kind w�rde zulassen, dass Euch die Zweifler f�r das verhaften, was hier geschehen ist, Damodred. Es sei denn, sein Lordhauptmann befiehlt es. Ich glaube, einige w�rden es befehlen.� Aufgebrachtes Gemurmel ert�nte, M�nner bestritten, dass sie so etwas zulassen w�rden, aber Trom brachte sie mit erhobenen H�nden wieder etwas zur Ruhe. �Ihr wisst, dass das stimmt�, sagte er laut. �Alles andere w�re Meuterei.� Das rief Totenstille hervor. Bei den Kindern hatte es noch nie eine Meuterei gegeben. Es war m�glich, dass noch niemals zuvor etwas dem so nahe gekommen war wie ihre Aktion vorhin. �Ich werde Euch einen Entlassungsbrief aus den Kindern schreiben, Galad. M�glicherweise wird trotzdem jemand Eure Verhaftung befehlen, aber sie m�ssen Euch erst finden, und Ihr werdet einen guten Vorsprung haben. Asunawa wird einen halben Tag brauchen, um die anderen Lordhauptm�nner zu erreichen, und wer sich von ihnen auf seine Seite schl�gt, kann vor Einbruch der Nacht nicht da sein.�</p><p>Galad sch�ttelte �rgerlich den Kopf. Trom hatte Recht, aber das war alles nicht richtig. Zu viel war nicht mehr richtig. �Wollt Ihr auch Entlassungsbriefe f�r alle anderen M�nner schreiben? Ihr wisst, dass Asunawa eine M�glichkeit finden wird, auch sie anzuklagen. Wollt Ihr Entlassungsbriefe f�r die Kinder schreiben, die den Seanchanern nicht helfen wollen, unser Land im Namen eines Mannes zu erobern, der mehr als tausend Jahre tot ist?� Mehrere Taraboner wechselten Blicke und nickten, genau wie andere auch, darunter nicht nur Amadicianer. �Was ist mit den M�nnern, die die Festung des Lichts verteidigt haben? Wird sie ein Entlassungsbrief von ihren Ketten befreien oder die Seanchaner daran hindern, sie wie Tiere schuften zu lassen?� Erneut gab es w�tendes Gemurmel; diese Gefangenen waren f�r alle Kinder ein wunder Punkt.</p><p>Trom musterte ihn mit vor der Brust verschr�nkten Armen, als w�rde er ihn das erste Mal sehen. �Was w�rdet Ihr denn tun?�</p><p>�Die Kinder jemanden finden lassen, egal wen, der die Seanchaner bek�mpft, und sich mit ihm verb�nden. Daf�r sorgen, dass die Kinder des Lichts in die Letzte Schlacht reiten, statt den Seanchanern zu helfen, Aiel zu jagen und unsere Nationen zu unterjochen.�</p><p>�Egal wen?�, sagte ein Cairhiener namens Doirellin mit schriller Stimme. Niemand machte sich �ber Doirellins Stimme lustig. Klein geraten war er fast so breit wie hoch, er trug fast keine Unze Fett am K�rper und konnte sich Waln�sse zwischen alle Finger stecken und sie knacken, indem er die F�uste ballte. �Das k�nnte Aes Sedai bedeuten.�</p><p>�Wenn Ihr bei Tarmon Gai�don dabei sein wollt, werdet Ihr an der Seite der Aes Sedai k�mpfen m�ssen�, sagte Galad leise. Bornhaid verzog das Gesicht zu einer Grimasse, und er war da nicht der Einzige. Byar richtete sich zur H�lfte auf, bevor er sich wieder b�ckte und mit der Arbeit weitermachte. Aber niemand sprach dagegen. Doirellin nickte langsam, als h�tte er vorher noch nie dar�ber nachgedacht.</p><p>�Ich halte nicht mehr von den Hexen als jeder andere Mann�, sagte Byar schlie�lich, ohne den Kopf von der Arbeit zu heben. Blut sickerte durch die Verb�nde, noch w�hrend er sie anlegte. �Aber in den Regeln steht: Um den Raben zu bek�mpfen, darf man sich mit der Schlange verb�nden, bis die Schlacht beendet ist.� Viele der M�nner nickten. Der Rabe stand f�r den Schatten, aber jeder wusste, dass das auch das Kaiserliche Siegel der Seanchaner war.</p><p>�Ich k�mpfe an der Seite der Hexen�, sagte ein schlanker Taraboner, �sogar an der Seite dieser Asha�man, von denen wir geh�rt haben, falls sie die Seanchaner bek�mpfen. Oder in der Letzen Schlacht. Und ich trete gegen jeden Mann an, der sagt, dass ich da falsch liege.� Er warf finstere Blicke um sich, als w�re er bereit, auf der Stelle damit anzufangen.</p><p>�Es scheint, als w�rde sich alles so ergeben, wie Ihr w�nscht, mein Kommandierender Lordhauptmann�, sagte Trom und machte eine viel tiefere Verbeugung als f�r Valda.</p><p>�Zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Wer wei� schon, was die n�chste Stunde bringt, geschweige denn der n�chste Tag?�</p><p>Galad �berraschte sich selbst, indem er lachte. Seit gestern war er davon �berzeugt gewesen, nie wieder zu lachen. �Das ist ein schlechter Scherz, Trom.�</p><p>�So lautet das Gesetz. Und Valda hat es verk�ndet. Davon abgesehen habt Ihr den Mut gehabt, das auszusprechen, was viele dachten, die aber den Mund gehalten haben, unter anderem auch ich. Ihr habt einen besseren Plan f�r die Kinder als alles, was ich geh�rt habe, seit Pedron Niall gestorben ist.�</p><p>�Es ist trotzdem ein schlechter Scherz.� Wie auch immer das Gesetz lautete, diesen Teil hatte man seit dem Ende des Hundertj�hrigen Krieges ignoriert.</p><p>�Wir werden sehen, was die Kinder dazu zu sagen haben�, erwiderte Trom mit einem breiten Grinsen, �wenn Ihr sie fragt, ob sie uns in Tarmon Gai�don folgen, um an der Seite der Hexen zu k�mpfen.�</p><p>Wieder hieben sich M�nner auf die Schulter, lauter als f�r seinen Sieg. Zuerst waren es nur wenige, dann stimmten mehr mit ein, bis jeder Mann Trom eingeschlossen seine Zustimmung bekundete. Jeder Mann au�er Kashgar. Der Saldaeaner machte eine tiefe Verbeugung und hielt die mit dem Reiher gezeichnete Klinge in ihrer Scheide ausgestreckt hin.</p><p>�Die geh�rt jetzt Euch, mein Kommandierender Lordhauptmann.�</p><p>Galad seufzte. Er hoffte, dass dieser Unsinn aufh�ren w�rde, bevor sie das Lager erreichten. Die R�ckkehr allein war dumm genug, ohne einen derartigen Anspruch geltend zu machen. Vermutlich w�rde man ihn auch ohne einen solchen Versuch in Ketten legen oder gleich zu Tode pr�geln. Aber er musste gehen. Es war das einzig Richtige.</p><p>Das Licht an diesem k�hlen Fr�hlingstag wurde st�rker, auch wenn die Sonne noch kein Schimmern am Horizont war, und Rodel Ituralde hob sein mit einer Goldfassung versehenes Fernglas, um das Dorf unterhalb des H�gels zu studieren, auf dem er sich mit seinem braunen Wallach befand, tief im Herzen Tarabons. Er hasste es, darauf warten zu m�ssen, dass es genug Licht zum Sehen gab. Er achtete darauf, dass die Linse des Fernglases nicht verr�terisch funkelte, st�tzte das Ende der langen R�hre auf dem Daumen ab und beschattete es mit der gew�lbten Hand. Zu dieser Stunde war die Aufmerksamkeit der W�chter am geringsten, da sie erleichtert waren, dass die Dunkelheit, in der sich ein Gegner anschleichen konnte, nun endlich wich. Aber seit der �berquerung der Ebene von Almoth hatte er Geschichten von Aiel-�berf�llen ins Innere von Tarabon geh�rt. W�re er ein Wachtposten und die Aiel m�glicherweise in der N�he, h�tte er sich ein zus�tzliches Paar Augen wachsen lassen. Seltsam, dass das Land wegen dieser Aiel nicht wie ein getretener Ameisenhaufen in Aufruhr war. Seltsam und vielleicht unheilverk�ndend. Es liefen viele Bewaffnete herum, Seanchaner und Taraboner, die ihnen die Treue geschworen hatten, und Horden von Seanchanern, die Bauernh�fe und sogar D�rfer erbauten, aber so weit zu kommen war fast schon zu leicht gewesen. Heute war Schluss mit dieser Leichtigkeit.</p><p>Hinter ihm stampften Pferde ungeduldig zwischen den B�umen. Die hundert Domani unter den M�nnern, die ihn begleiteten, verhielten sich still, wenn man einmal von dem gelegentlichen �chzen des Sattelleders absah, falls ein Mann sein Gewicht verlagerte, aber er konnte ihre Anspannung f�hlen. Er w�nschte, er h�tte doppelt so viel. F�nfmal so viel. Am Anfang war es als Geste des guten Willens erschienen, dass er selbst mit einer Streitmacht ritt, die sich haupts�chlich aus Tarabonern zusammensetzte. Er war sich nicht l�nger sicher, ob das die richtige Entscheidung gewesen war. Aber f�r Selbstvorw�rfe war es zu sp�t.</p><p>Serana, auf dem halben Weg zwischen Elmora und der Grenze zu Amadicia, erhob sich in einem flachen grasigen Tal, umgeben von bewaldeten H�geln, und in jeder Richtung war es mindestens eine Meile bis zu den B�umen, abgesehen von der Stelle, an der er sich befand. Ein kleiner, von Schilf umgebener See speiste die beiden breiten Fl�sse, die zwischen ihm und dem Dorf lagen. Kein Ort, den man bei Tageslicht �berraschen konnte. Er war schon vor dem Eintreffen der Seanchaner von betr�chtlicher Gr��e gewesen, ein Haltepunkt f�r die Kaufmannskarawanen nach Osten, mit �ber einem Dutzend Herbergen und beinahe genauso vielen Stra�en. Dorfbewohner gingen bereits ihrem Tagewerk nach, Frauen balancierten K�rbe auf dem Kopf, w�hrend sie die Dorfstra�en entlangeilten; andere wiederum entz�ndeten die Feuer unter ihren Waschkesseln hinter ihren H�usern. M�nner gingen zu ihren Werkst�tten, blieben manchmal stehen, um ein paar Worte zu wechseln. Ein ganz normaler Morgen, an dem Kinder bereits umherrannten und spielten, Reifen rollen lie�en und sich Bohnens�ckchen zuwarfen. Aus einer Schmiede ert�nte Klirren, von der Entfernung ged�mpft. Der Rauch von den Fr�hst�cksfeuern verwehte �ber den Schornsteinen.</p><p>Soweit er sehen konnte, schenkte in Serana niemand den drei W�chterpaaren, deren Brustpanzer mit hellen Streifen versehen waren, einen zweiten Blick; sie f�hrten ihre Pferde vielleicht eine Viertelmeile vor und wieder zur�ck. Der See, der betr�chtlich breiter als das Dorf war, schottete die vierte Seite effektiv ab. Es hatte den Anschein, als w�ren die Wachen eine allt�gliche Sache geworden, das galt auch f�r das seanchanische Lager, das Serana auf mehr als die doppelte Gr��e hatte anschwellen lassen.</p><p>Ituralde sch�ttelte leicht den Kopf. Er h�tte das Lager nicht so nahe am Dorf aufgebaut. Die H�userd�cher von Serana bestanden alle aus Ziegeln, aus roten, gr�nen oder blauen, aber die Geb�ude selbst waren aus Holz; ein Feuer im Dorf konnte viel zu schnell auf das Lager �bergreifen, in dem Segeltuchzelte von den Ausma�en gro�er H�user die kleineren Zelte, in denen die M�nner schliefen, bei weitem an Zahl �bertrafen, und gro�e Stapel aus F�ssern und Kisten bedeckten zweimal so viel Grund als alle Zelte zusammen. Dorfbewohner mit flinken Fingern fern zu halten w�rde so gut wie unm�glich sein. In jedem Dorf gab es ein paar schr�ge V�gel, die alles stahlen, von dem sie glaubten, damit durchkommen zu k�nnen, und selbst ehrliche M�nner konnten durch die N�he in Versuchung gef�hrt werden. Der Standort bedeutete auch eine k�rzere Distanz, um Wasser aus dem See zu holen, wie auch einen k�rzeren Weg f�r die Soldaten, um sich in ihrer dienstfreien Zeit im Dorf mit Ale und Wein zu versorgen, es deutete alles auf einen Kommandanten mit lascher Disziplin hin.</p><p>Lasche Disziplin oder nicht, auch im Lager gab es Aktivit�ten. Die Dienststunden der Soldaten lie�en die Arbeitsstunden eines Bauern gem�tlich erscheinen. M�nner kontrollierten die Tiere an den langen Pferdeleinen, Bannertr�ger inspizierten in Reihen angetretene Soldaten, Hunderte Arbeiter ent- oder beluden Wagen, Stallburschen schirrten Gespanne an. An jedem Tag trafen Wagenz�ge im Lager ein, aus dem Osten und dem Westen, und andere reisten ab. Er bewunderte die Effizienz der Seanchaner, daf�r zu sorgen, dass ihre Soldaten das hatten, was sie brauchten, und zwar wann und wo sie es brauchten. Drachenverschworene hier in Tarabon, haupts�chlich M�nner mit m�rrischen Gesichtern, die glaubten, dass die Seanchaner ihren Traum zerst�rt hatten, waren bereit gewesen, ihm alles zu erz�hlen, was sie wussten, wenn sie nicht sogar mit ihm ritten. Das Lager enthielt alles von Stiefeln bis ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Schwertern, Pfeile und Hufeisen und Feldflaschen, genug, um Tausende von M�nnern mit allem auszur�sten. Sie w�rden seinen Verlust sp�ren.</p><p>Er senkte das Fernglas, um eine gr�ne summende Fliege vom Gesicht zu verscheuchen. Sie wurde fast augenblicklich von zwei anderen ersetzt. In Tarabon wimmelte es von Fliegen. Kamen sie hier immer so fr�h heraus? Wenn er wieder in Arad Doman war, w�rden sie gerade erst schl�pfen. Falls er wieder dort hinkam. Nein, keine schlechten Gedanken. Wenn er wieder da war. Tamsin w�rde sonst verstimmt sein, und es war selten klug, sie zu sehr zu verstimmen.</p><p>Die meisten M�nner da unten waren bezahlte Arbeiter, keine Soldaten, und nur hundert oder dergleichen waren Seanchaner. Allerdings war am Vortag gegen Mittag eine Kompanie aus dreihundert Tarabonern in streifenbemalter R�stung ins Lager geritten und hatte ihre Zahl mehr als verdoppelt und ihn gezwungen, seine Pl�ne zu �ndern. Gegen Sonnenuntergang war eine weitere, genauso gro�e Gruppe Taraboner eingetroffen, gerade rechtzeitig, um zu essen und sich dort schlafen zu legen, wo immer gerade Platz f�r ihre Decken war. Kerzen und Lampen�l waren Luxus f�r Soldaten. Im Lager befand sich auch eine dieser angeleinten Frauen, eine <emphasis>Damane.</emphasis> Er w�nschte, er h�tte warten k�nnen, bis sie das Lager wieder verlassen hatte � sie mussten sie anderswo hinbringen; was f�r einen Nutzen hatte eine <emphasis>Damane</emphasis> in einem Versorgungslager? �, aber heute war der festgesetzte Tag, und er konnte es sich nicht leisten, den Tarabonern Gr�nde f�r die Behauptung zu geben, er w�rde sich zur�ckhalten. Manchen w�rde jeder Grund recht sein, ihrer eigenen Wege zu gehen. Er wusste, dass sie ihm nicht viel l�nger folgen w�rden, und doch musste er so viele wie m�glich noch ein paar Tage l�nger halten.</p><p>Er wandte den Blick nach Westen, machte sich aber nicht die M�he, wieder nach dem Fernglas zu greifen.</p><p>�Jetzt�, fl�sterte er, und als h�tten sie seinen Befehl geh�rt, galoppierten zweihundert M�nner mit Kettenschleiern vor den Gesichtern zwischen den B�umen hervor. Und hielten sofort wieder an, dr�ngelten sich um ihre Pl�tze, fuchtelten mit den mit Stahlspitzen versehenen Lanzen herum, w�hrend die Anf�hrer vor ihnen hin- und herritten und wild mit den Armen herumfuchtelten im offensichtlichen Bem�hen, einen Anschein von Ordnung herzustellen.</p><p>Auf diese Distanz h�tte Ituralde nicht einmal mit dem Fernglas die Gesichter zu erkennen vermocht, aber er konnte sich die Wut auf Torney Lanasiets Gesicht vorstellen, diese Scharade zu spielen. Der st�mmige Drachenverschworene hatte das brennende Verlangen, gegen die Seanchaner zu k�mpfen. Egal, welche. Es war schwer gefallen, ihn davon abzuhalten, an dem Tag zuzuschlagen, an dem sie die Grenze �berquert hatten. Gestern war er sichtlich au�er sich vor Freude gewesen, endlich die verhassten Streifen vom Brustharnisch abkratzen zu k�nnen, die Loyalit�t zu den Seanchanern verk�ndeten. Wie dem auch sei, bis jetzt gehorchte er seinen Befehlen aufs Wort.</p><p>Als die Lanasiet n�chsten Wachtposten ihre Pferde drehten, um ins Dorf und Lager zu eilen, wandte Ituralde seine Aufmerksamkeit wieder in diese Richtung und hob erneut das Fernglas. Die Wachtposten w�rden erkennen, dass ihre Warnung �berfl�ssig war. Jede Bewegung hatte aufgeh�rt. Ein paar M�nner zeigten auf die Reiter auf der anderen Seite des Dorfes, w�hrend der Rest sie einfach nur anzustarren schien, Soldaten wie Arbeiter. Das Letzte, was sie erwarteten, waren Pl�nderer. Ob es nun �berf�lle der Aiel gab oder nicht, die Seanchaner betrachteten Tarabon als ihr Eigentum, und das zu Recht. Ein schneller Blick auf das Dorf zeigte Menschen auf der Stra�e, die in Richtung der seltsamen Reiter starrten. Auch sie hatten keine Pl�nderer erwartet. Die Seanchaner hatten offensichtlich Recht mit ihrer Ansicht �ber die Besitzverh�ltnisse, eine Meinung, die er in absehbarer Zukunft keinem Taraboner sagen w�rde.</p><p>Aber bei gut ausgebildeten M�nnern konnte eine �berraschung nur eine gewisse Zeit andauern. Im Lager rannten Soldaten zu ihren Pferden, von denen viele noch ungesattelt waren, obwohl die Pferdeknechte angefangen hatten, so schnell zu arbeiten, wie sie konnten. Etwa achtzig seanchanische Fu�soldaten, Bogensch�tzen, formierten sich zu R�ngen und liefen durch Serana. Nach dem Beweis, dass da tats�chlich eine Bedrohung war, fingen die Leute an, die kleineren Kinder hochzurei�en und die �lteren auf die hoffentliche Sicherheit der H�user zuzutreiben. Nur wenige Augenblicke sp�ter waren die Stra�en leer bis auf die herbeieilenden Bogensch�tzen in ihren lackierten R�stungen mit den seltsamen Helmen.</p><p>Ituralde richtete das Fernglas auf Lanasiet und entdeckte, dass er seine Reihe aus Reitern antrieb. �Warte�, knurrte er.</p><p>�Warte.�</p><p>Wieder hatte es den Anschein, als h�tte der Taraboner seinen Befehl geh�rt, denn er hob endlich die Hand, um seine M�nner anzuhalten. Der hitzk�pfige Narr sollte fast eine Meile weit weg sein, am Rand der B�ume, in scheinbarer Unordnung, leicht zu vertreiben, aber eine halbe w�rde reichen m�ssen. Er unterdr�ckte den Drang, den roten Rubin an seinem linken Ohr zu ber�hren. Die Schlacht hatte jetzt begonnen, und in der Schlacht musste man denen, die einem folgten, den Glauben einfl��en, dass man vollkommen k�hl war, einen nichts ber�hrte. Dass man einen z�gernden Verb�ndeten am liebsten <emphasis>nicht</emphasis> h�tte niederschlagen wollen. Gef�hle schienen von einem Kommandanten auf seine M�nner �berzugehen, und w�tende M�nner benahmen sich dumm, lie�en sich umbringen und verloren Schlachten.</p><p>Er ber�hrte den halbmondf�rmigen Sch�nheitsflecken auf seiner Wange � an einem Tag wie heute sollte ein Mann seinen besten Anblick pr�sentieren � und nahm langsame, genau kalkulierte Atemz�ge, bis er �berzeugt war, dass er innerlich genauso k�hl war, wie er nach au�en hin wirkte, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Lager zu. Dort waren die meisten der Taraboner mittlerweile aufgesessen, aber sie warteten darauf, dass die etwa zwanzig Seanchaner, die von einem hochgewachsenen Burschen mit einer einzelnen d�nnen Feder auf seinem seltsamen Helm angef�hrt wurden, ins Dorf ritten, bevor sie sich ihnen anschlossen; die Nachz�gler vom Vortag bildeten die Nachhut.</p><p>Ituralde musterte die Gestalt an der Spitze der Reihe, beobachtete sie durch die L�cken zwischen den H�usern. Eine einzelne Feder w�rde einen Leutnant oder vielleicht einen Unterleutnant auszeichnen. Was m�glicherweise einen bartlosen J�ngling bei seinem ersten Kommando bedeuten konnte oder einen erfahrenen Veteran, der einem beim ersten Fehler den Kopf abschlug. Seltsamerweise trieb die <emphasis>Damane,</emphasis> die anhand der glitzernden silbernen Leine zu erkennen war, die sie mit einer Frau auf einem anderen Pferd verband, ihr Pferd genauso hart an wie alle anderen. Seine s�mtlichen Informationen besagten, dass <emphasis>Damane</emphasis> Gefangene waren, aber sie erschien genauso eifrig wie die andere Frau, die <emphasis>Sul�dam.</emphasis> Vielleicht�</p><p>Pl�tzlich stockte ihm der Atem, und s�mtliche Gedanken an die <emphasis>Damane</emphasis> verschwanden. Da waren noch immer Leute auf der Stra�e, sieben oder acht M�nner und Frauen, die in einer dicht gedr�ngten Gruppe vor der herangaloppierenden Reihe hergingen und nicht zu h�ren schienen, dass sie hinter ihnen herandonnerte. Den Seanchanern blieb keine Zeit anzuhalten, selbst wenn sie es gewollt h�tten � und sie hatten gute Gr�nde, es auch nicht zu versuchen, befand sich vor ihnen doch der Feind �, aber es hatte den Anschein, als w�rden die H�nde des gro�en Burschen an seinen Z�geln nicht einmal zucken, als er und der Rest die Leute einfach niederritten. Also ein Veteran. Ituralde murmelte ein Gebet f�r die Toten und senkte das Fernglas. Was als N�chstes geschah, sah man sich besser ohne an.</p><p>Zweihundert Schritte jenseits des Dorfes, wo die Bogensch�tzen bereits stehen geblieben waren und mit eingelegten Pfeilen warteten, fing der Offizier an, seine Befehle zu geben. Er winkte die Taraboner hinter ihm in verschiedene Richtungen, dann drehte er sich um und betrachtete Lanasiet durch ein Fernglas. Sonnenlicht spiegelte sich auf der R�hre. Die Sonne ging auf. Die Taraboner teilten sich geschickt auf, Lanzenspitzen glitzerten und kippten im gleichen Winkel, disziplinierte M�nner schlossen sich zu beiden Seiten der Bogensch�tzen zu geordneten R�ngen zusammen.</p><p>Der Offizier beugte sich zur Seite, um mit der <emphasis>Sul�dam</emphasis> zu sprechen. Wenn er sie und die <emphasis>Damane</emphasis> jetzt einsetzte, konnte sich das noch immer in eine Katastrophe verwandeln. Nat�rlich konnte es das auch, wenn er es nicht tat. Die letzten Taraboner � jene, die sp�t eingetroffen waren � zogen sich f�nfzig Schritte hinter den anderen zu einer d�nnen Linie auseinander, stie�en die Lanzen mit den Spitzen voran in den Boden und zogen aus den hinter den S�tteln befestigten K�chern ihre Reiterbogen. Lanasiet, der verdammte Narr, lie� seine M�nner vorw�rts galoppieren.</p><p>Ituralde drehte den Kopf kurz und sprach laut genug, dass die M�nner hinter ihm es h�ren konnten. �Seid bereit.� Sattelleder �chzte, als M�nner nach den Z�geln griffen. Dann murmelte er ein weiteres Gebet f�r die Toten und fl�sterte: �Jetzt.�</p><p>Die dreihundert Taraboner in der lang gezogenen Reihe, <emphasis>seine</emphasis> Taraboner, hoben wie ein Mann ihre B�gen und sch�ssen. Er brauchte das Fernglas nicht, um sehen zu k�nnen, wie die <emphasis>Sul�dam,</emphasis> die <emphasis>Damane</emphasis> und der Offizier pl�tzlich mit Pfeilen gespickt waren. Sie wurden alle von beinahe einem Dutzend Treffern f�rmlich aus den S�tteln gerissen. Dieser Befehl hatte ihm einen Stich versetzt, aber die Frauen waren die gef�hrlichsten Gegner auf dem Schlachtfeld. Der Rest der Salve m�hte die meisten der Bogensch�tzen nieder und leerte S�ttel, und noch w�hrend M�nner auf dem Boden landeten, flog eine zweite Salve und machte die letzten Bogensch�tzen nieder und leerte noch mehr S�ttel.</p><p>V�llig �berrascht versuchten die seanchantreuen Taraboner zu k�mpfen. Einige von denen, die noch im Sattel sa�en, rissen die Pferde herum und senkten die Lanzen, um ihren Angreifern entgegenzust�rmen. Andere, m�glicherweise von der Irrationalit�t ergriffen, die M�nner in einer Schlacht heimsuchen konnte, lie�en die Lanzen fallen und versuchten, die K�cher ihrer Reiterb�gen zu �ffnen. Aber eine dritte Salve peitschte auf sie herab, keilf�rmige Pfeile durchschlugen auf diese Distanz Brustpanzer, und pl�tzlich schienen die �berlebenden zu begreifen, dass sie �berlebende waren. Die meisten ihrer Kameraden lagen noch immer am Boden oder versuchten sich von zwei oder drei Pfeilen durchbohrt auf die Beine zu k�mpfen. Die, die noch im Sattel sa�en, waren ihren Gegnern zahlenm��ig unterlegen. Ein paar M�nner zogen ihre Pferde herum, und blitzartig floh der Haufen nach S�den, verfolgt von einer letzten Pfeilsalve, die noch mehr niederstreckte.</p><p>�Aufh�ren�, murmelte Ituralde. �H�rt auf.�</p><p>Eine Hand voll der berittenen Bogensch�tzen schoss noch einmal, aber der Rest hielt sich klugerweise zur�ck. Sie h�tten noch ein paar mehr t�ten k�nnen, bevor der Feind ganz au�er Reichweite war, aber diese Gruppe war besiegt, und es w�rde nicht lange dauern, und sie w�rden jeden Pfeil brauchen. Vern�nftigerweise galoppierte keiner von ihnen hinterher.</p><p>Von Lanasiet konnte man das nicht behaupten. Mit wehenden Umh�ngen rasten er und seine Zweihundert den Fl�chtenden hinterher. Ituralde stellte sich vor, sie bellen h�ren zu k�nnen, J�ger auf der Spur der davonlaufenden Beute.</p><p>�Ich glaube, Lanasiet werden wir nicht mehr zu sehen bekommen, mein Lord�, sagte Jaalam und z�gelte seinen Grauen an Ituraldes Seite, der blo� mit den Schultern zuckte.</p><p>�Vielleicht, mein junger Freund. Vielleicht kommt er auch wieder zu Verstand. Ich habe sowieso nicht geglaubt, dass die Taraboner mit uns nach Arad Doman zur�ckkehren. Ihr?�</p><p>�Nein, mein Lord�, erwiderte der gr��ere Mann, �aber ich habe geglaubt, dass seine Ehre den ersten Kampf �berstehen w�rde.�</p><p>Ituralde hob das Fernglas, um Lanasiet zu betrachten, der noch immer hart galoppierte. Der Mann war weg, und es war unwahrscheinlich, dass er wieder zu Sinnen kam, die er nicht besa�. Ein Drittel seiner Streitmacht so sicher verloren, als h�tte die <emphasis>Damane</emphasis> sie get�tet. Er hatte mit ein paar Tagen mehr gerechnet. Er w�rde seine Pl�ne wieder �ndern m�ssen, sich vielleicht ein anderes n�chstes Ziel aussuchen m�ssen.</p><p>Er verdr�ngte Lanasiet aus seinen Gedanken, schwenkte das Fernglas zu der Stelle, an der man die Menschen niedergeritten hatte, und grunzte �berrascht. Dort lagen keine zertrampelten Leichen. Freunde und Nachbarn mussten gekommen sein und sie weggetragen haben, obwohl das bei einer Schlacht am Dorfrand so wahrscheinlich war, als w�ren sie nach dem Durchritt der Pferde wieder aufgestanden und weggegangen.</p><p>�Es ist Zeit, dieses sch�ne seanchanische Lager niederzubrennen�, sagte er. Er schob das Fernglas in das am Sattel festgebundene Lederfutteral, setzte den Helm auf und trieb Geruhsam mit den Hacken den H�gel hinunter, gefolgt von Jaalam und den anderen in einer Zweierreihe. Furchen von Bauernkarren markierten eine Furt in dem �stlichen Strom.</p><p>�Und, Jaalam, schickt ein paar M�nner, sie sollen die Einwohner dazu anhalten, das auszur�umen, was sie retten wollen. Ratet ihnen, in den H�usern anzufangen, die dem Lager am n�chsten stehen.� Wo sich Feuer in eine Richtung ausbreiten konnte, konnte es das auch in eine andere, und vermutlich w�rde es das auch tun.</p><p>In Wahrheit hatte er bereits einen wichtigen Brand gelegt.</p><p>Zumindest die erste Glut entfacht. Wenn das Licht auf ihn leuchtete, wenn niemand durch den W�rgegriff der Seanchaner auf Tarabon vom Eifer oder von der Verzweiflung �berw�ltigt worden war, wenn niemand dem Missgeschick zum Opfer gefallen war, das die besten Pl�ne ruinieren konnte, dann w�rden in ganz Tarabon zwanzigtausend M�nner solche Schl�ge ausgeteilt haben oder sie noch austeilen, bevor der Tag vor�ber war. Und morgen w�rden sie es wieder. Jetzt musste er nur noch den R�ckweg durch vierhundert Meilen Tarabon erk�mpfen, die tarabonischen Drachenverschworenen loswerden und seine eigenen M�nner einsammein und dann die Ebene von Almoth �berqueren. Wenn das Licht auf ihn leuchtete, w�rde diese Feuersbrunst die Seanchaner genug versengen, dass sie w�tend hinter ihm herjagten. Rasend vor Wut, wie er hoffte. So w�rden sie kopf�ber in die Falle rennen, die er aufgestellt hatte, bevor sie �berhaupt begriffen, wie ihnen geschah. Folgten sie ihm nicht, hatte er zumindest seine Heimat von den Tarabonern befreit und die domanischen Drachenverschworenen durch Eide dazu gebracht, f�r den K�nig zu k�mpfen statt gegen ihn. Und wenn sie die Falle erkannten�</p><p>Ituralde ritt den H�gel hinunter und l�chelte. Wenn sie die Falle erkannten, hatte er bereits einen anderen Plan in Bewegung gesetzt, und dahinter einen weiteren. Er plante immer voraus, plante f�r jede Eventualit�t, die er sich vorstellen konnte, vielleicht ausgenommen, dass der Wiedergeborene Drache pl�tzlich genau vor ihm erschien. Er war der Ansicht, dass die Pl�ne, die er hatte, f�r den Moment ausreichten.</p><p>Hochlady Suroth Sabelle Meldarath lag wach auf ihrem Bett und starrte die Decke an. Der Mond war untergegangen, und die dreib�gigen Fenster, die auf den Palastgarten hinausschauten, waren dunkel, aber ihre Augen hatten sich soweit daran gew�hnt, dass sie zumindest die Umrisse der aufw�ndig bemalten Stuckarbeiten erkennen konnte. Die D�mmerung war keine zwei Stunden weit entfernt, und doch hatte sie nicht geschlafen. Seit Tuons Verschwinden hatte sie die meisten N�chte wachgelegen und nur dann geschlafen, wenn die Ersch�pfung ihr die Augen zufallen lie�, wie sehr sie sich auch bem�hte, sie offen zu halten. Schlaf brachte Albtr�ume, die sie sich w�nschte, vergessen zu k�nnen. In Ebou Dar wurde es niemals richtig kalt, aber die N�chte waren zumindest etwas k�hl, genug, um sie unter der d�nnen Seidendecke wachzuhalten. Eine einfache Frage suchte ihre Tr�ume heim. Lebte Tuon, oder war sie tot?</p><p>Die Flucht der <emphasis>Damane</emphasis> der Atha�an Miere und die Ermordung K�nigin Tylins deuteten auf ihren Tod hin. Drei Ereignisse dieser Gr��enordnung, die sich in einer Nacht zutrugen, das konnte kein Zufall mehr sein, und die ersten beiden waren allein schon �bel genug, um f�r Tuon das Schlimmste bef�rchten zu lassen. Jemand versuchte unter den <emphasis>Rhyagelle,</emphasis> �Die nach Hause zur�ckkehren�, Furcht zu s�en, m�glicherweise die ganze Wiederkehr zu spalten. Wie sollte man dieses Ziel besser erreichen, als Tuon zu ermorden? Was noch viel schlimmer war, es musste einer von ihnen sein. Weil sie vom Schleier verh�llt an Land gegangen war, wusste kein Einheimischer, wer Tuon war. Tylin war bestimmt mit der Einen Macht get�tet worden, von einer <emphasis>Sul�dam</emphasis> und ihrer <emphasis>Damane.</emphasis> Suroth hatte sich auf die Annahme gest�rzt, dass Aes Sedai die Schuld trugen, aber schlie�lich w�rde jemand von Rang die Frage stellen, wie eine dieser Frauen in einer Stadt voller <emphasis>Damane</emphasis> in einen Palast voller <emphasis>Damane</emphasis> eindringen und unentdeckt bleiben konnte. Es war mindestens eine <emphasis>Sul�dam</emphasis> n�tig gewesen, um die <emphasis>Damane</emphasis> vom Meervolk vom Kragen zu befreien. Und zwei ihrer eigenen <emphasis>Sul�dam</emphasis> waren fast zur gleichen Zeit verschwunden.</p><p>Zumindest waren sie zwei Tage sp�ter vermisst worden, und niemand hatte sie seit der Nacht von Tuons Verschwinden mehr gesehen. Suroth glaubte nicht, dass sie darin verwickelt waren, obwohl sie in den Zwingern gewesen waren. Zum einen konnte sie sich nicht vorstellen, dass Renna oder Seta eine <emphasis>Damane</emphasis> losketteten. Sie hatten sicherlich Gr�nde genug, um sich davonzuschleichen und in der Ferne eine Besch�ftigung zu suchen, wo niemand ihr schmutziges Geheimnis kannte; jemand wie Egeanin Tamarath, die ein Paar <emphasis>Damane</emphasis> gestohlen hatte. Schon seltsam f�r jemanden, der erst k�rzlich ins Blut aufgenommen worden war. Seltsam, aber unwichtig; sie konnte sich nicht vorstellen, was das mit dem Rest zu tun haben sollte. Vermutlich hatte die Frau die Pflichten und die Komplexit�t des Adelsstandes als zu schwierig f�r eine einfache Seefahrerin empfunden. Nun, irgendwann w�rde man sie finden und festnehmen.</p><p>Die wichtige Tatsache, die potenziell t�dliche Tatsache bestand darin, dass Renna und Seta weg waren, und niemand konnte mit Gewissheit sagen, wann sie gegangen waren. Falls der falschen Person ihr Aufbruch in unmittelbarer N�he zu dem kritischen Zeitpunkt auffiel und sie auf den falschen Gedanken kam� Sie dr�ckte die Handkanten gegen die Augen und atmete leise aus, beinahe schon ein St�hnen.</p><p>Selbst wenn sie dem Verdacht entkam, Tuon ermordet zu haben � sollte die Frau tot sein, w�rde sie sich bei der Kaiserin � m�ge sie ewig leben � entschuldigen m�ssen. F�r den Tod der designierten Erbin des Kristallthrons w�rde es eine ausf�hrliche Entschuldigung sein m�ssen, so schmerzvoll wie dem�tigend; sie konnte mit ihrer Hinrichtung enden, oder � noch schlimmer � sie wurde als Ware auf eine Sklavenauktion geschickt. Nicht dass es tats�chlich dazu kommen w�rde, auch wenn das in ihren Albtr�umen h�ufig geschah. Ihre Hand glitt unter die Kopfkissen, um den dort liegenden blanken Dolch zu ber�hren. Die Klinge war kaum l�nger als ihre Hand, dennoch scharf genug, um ihr die Adern zu �ffnen, vorzugsweise in einem warmen Bad. Sollte die Zeit f�r eine Entschuldigung kommen, w�rde sie nicht lebend in Seandar eintreffen. Die Entehrung ihres Namens w�rde vielleicht sogar etwas gemindert, wenn die Leute zu der Ansicht kamen, dass die Tat selbst eine Entschuldigung darstellte. Sie w�rde einen Brief mit dieser Erkl�rung hinterlassen. Das w�rde vielleicht helfen.</p><p>Aber es bestand noch immer die Chance, dass Tuon lebte, und Suroth klammerte sich daran. Sie zu t�ten und die Leiche verschwinden zu lassen mochte eine Tat sein, die von Seanchan von einer ihrer �berlebenden Schwestern angeordnet worden sein konnte, die den Thron begehrten, aber Tuon hatte mehr als einmal ihr eigenes Verschwinden arrangiert. Dieser Verdacht dr�ngte sich geradezu auf, wenn man bedachte, dass Tuons <emphasis>Der�sul�dam</emphasis> s�mtliche ihrer <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> neun Tage zuvor zu einer �bung aufs Land gebracht hatte, und seitdem hatte man sie nicht mehr gesehen. Eine Damane-�bung nahm keine neun Tage in Anspruch. Und erst heute � nein, in wenigen Stunden gestern � hatte Suroth erfahren, dass der Hauptmann von Tuons Leibwache die Stadt ebenfalls vor neun Tagen mit einem betr�chtlichen Kontingent seiner M�nner verlassen hatte und nicht zur�ckgekehrt war. Das konnte kein Zufall sein, war fast schon ein Beweis. Zumindest reichte es aus, um sich Hoffnungen zu machen.</p><p>Jedes vorherige Untertauchen war jedoch Teil von Tuons Bestrebungen gewesen, die Anerkennung der Kaiserin zu erlangen, mochte sie ewig leben, und als Erbin eingesetzt zu werden. Jedes Mal war eine Konkurrentin unter ihren Schwestern zu Taten gezwungen oder ermutigt worden, die ihr Ansehen schm�lerte, als Tuon wieder auftauchte. Wozu ben�tigte sie eine derartige Strategie jetzt, hier? So sehr sich Suroth auch das Hirn zermarterte, sie konnte au�erhalb von Seanchan kein lohnendes Ziel finden. Sie hatte die M�glichkeit in Betracht gezogen, dass sie selbst das Ziel war, aber auch nur kurz und weil ihr nichts anderes einfiel. Tuon h�tte sie mit drei Worten ihrer Position in der Wiederkehr berauben k�nnen. Sie h�tte dazu nur den Schleier abnehmen m�ssen; hier sprach die Tochter der Neun Monde, die die Wiederkehr befahl, mit der Stimme des Kaiserreichs. Der blo�e Verdacht, dass Suroth <emphasis>Atha�an Shadar</emphasis> war, was man auf dieser Seite des Aryth-Meeres einen Schattenfreund nannte, h�tte f�r Tuon ausgereicht, sie den Suchern zur Befragung zu �bergeben. Nein, Tuon war auf etwas anderes aus. Falls sie noch lebte. Aber das musste sie. Suroth wollte nicht sterben. Sie ber�hrte den Dolch.</p><p>Es spielte keine Rolle, was es war, ausgenommen als Hinweis, wo Tuon sein konnte, aber das war sehr wichtig. Von immenser Wichtigkeit. Trotz der Bekanntmachung einer ausgedehnten Inspektionsreise ging beim Blut bereits das Ger�cht um, dass sie tot war. Je l�nger sie vermisst blieb, desto lauter w�rden diese Ger�chte werden, und mit ihnen der Druck auf Suroth wachsen, nach Seandar zur�ckzukehren und diese Entschuldigung vorzubringen. Sie konnte sich nur eine gewisse Zeit weigern, bevor man sie f�r so <emphasis>Sei�mosiev</emphasis> erkl�rte, dass ihr nur noch ihre Dienerschaft und ihr Besitz gehorchen w�rde. Man w�rde ihre Blicke in den Boden malmen. Das Niedere Blut wie auch das Hohe w�rde sich weigern, mit ihr zu sprechen, m�glicherweise sogar das einfache Volk. Kurz danach w�rde sie sich auf einem Schiff wiederfinden, ob sie nun wollte oder nicht.</p><p>Zweifellos w�rde Tuon nicht erfreut sein, wenn man sie fand, aber es erschien unwahrscheinlich, dass ihr Missfallen so weit gehen w�rde, dass Suroth entehrt und gezwungen sein w�rde, sich die Pulsadern aufzuschlitzen; also <emphasis>musste</emphasis> Tuon gefunden werden. Jeder Sucher in Altara suchte nach ihr-jedenfalls die, die Suroth bekannt waren. Tuons eigene Sucher waren ihr nat�rlich unbekannt, aber sie mussten doppelt so angestrengt suchen wie die anderen. Es sei denn, sie h�tte sie ins Vertrauen gezogen. Aber in siebzehn Tagen war nichts au�er der albernen Geschichte aufgedeckt worden, dass Tuon von Goldschmieden Schmuck erpresste, und das wusste jeder gew�hnliche Soldat. Vielleicht�</p><p>Die bogenf�rmige T�r zum Vorraum �ffnete sich verstohlen, und Suroth kniff schnell das rechte Auge zu, um ihre Nachtsicht vor dem einstr�menden Licht zu sch�tzen. Sobald der Spalt gro� genug war, schl�pfte eine hellhaarige Frau im durchsichtigen Gewand einer <emphasis>Da'covale</emphasis> in das Schlafgemach, schloss die T�r leise hinter sich und st�rzte den Raum in tiefe Finsternis. Bis Suroth ihr Auge wieder �ffnete und eine schattenhafte Gestalt ausmachte, die auf ihr Bett zuschlich. Pl�tzlich erhob sich ein anderer Schatten in der Zimmerecke, als sich Almandaragal lautlos erhob. Der <emphasis>Lopar</emphasis> konnte den Raum in einem Herzschlag durchqueren und das Genick der dummen Frau brechen, aber Suroth umklammerte trotzdem den Dolchgriff. Eine zweite Verteidigungsreihe war klug, selbst wenn die erste un�berwindlich erschien. Einen Schritt vor dem Bett blieb die <emphasis>Da'covale</emphasis> stehen. Ihr aufgeregter Atem erschien in der Stille sehr laut.</p><p>�Sammelst du deinen Mut, Liandrin?�, sagte Suroth grob. Das honigfarbene, zu d�nnen Z�pfen geflochtene Haar hatte ausgereicht, um sie zu erkennen.</p><p>Mit einem Quieken warf sich die <emphasis>Da'covale</emphasis> auf die Knie und dr�ckte das Gesicht auf den Teppich. Zumindest das hatte sie gelernt. �Ich w�rde Euch nichts antun, Hochlady�, log sie. �Das wisst Ihr doch.� Ihre Stimme klang gepresst, kam in atemloser Panik. Anscheinend konnte sie genauso wenig lernen, wann sie sprechen musste und wann nicht, wie mit dem n�tigen Respekt zu sprechen. �Wir sind beide verschworen, dem Gro�en Herrn zu dienen, Hochlady. Habe ich nicht bewiesen, dass ich n�tzlich sein kann? Ich habe f�r Euch doch Alwhin beseitigt, oder? Ihr habt gesagt, Ihr wollt sie tot sehen, Hochlady, und ich habe sie beseitigt.�</p><p>Suroth verzog das Gesicht und setzte sich in der Dunkelheit auf; die Decke rutschte ihr in den Scho�. Es passierte so schnell, dass man die Anwesenheit von <emphasis>Da'covale</emphasis> verga�, selbst dieser <emphasis>Da'covale,</emphasis> und dann entschl�pften einem Dinge, die man besser f�r sich behalten h�tte. Alwhin war nicht gef�hrlich gewesen, blo� ein �rgernis, l�stig in ihrer Stellung als Suroths Stimme. Sie hatte damit alles erreicht, was sie sich jemals ersehnt hatte, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie das auch nur durch den geringsten Verrat aufs Spiel gesetzt h�tte, war winzig gewesen. Sicher, h�tte sie sich bei einem Treppensturz das Genick gebrochen, w�re Suroth eine l�stige Person losgewesen, aber Gift, das hervorquellende Augen und ein blaues Gesicht hinterlie�, war eine andere Sache. Trotz der Suche nach Tuon hatte das den Blick der Sucher auf Suroths Haushalt gezogen. Sie war gezwungen gewesen, darauf zu bestehen, wegen des Mordes an ihrer Stimme. Sie akzeptierte, dass es Lauscher in ihrem Haushalt gab; jeder Haushalt hatte seinen Anteil Lauscher. Sucher taten aber mehr als nur zuzuh�ren, und m�glicherweise entdeckten sie etwas, das verborgen bleiben musste.</p><p>Ihre Wut zu verbergen erforderte eine �berraschende M�he, und ihr Ton war k�lter als gew�nscht. �Ich hoffe, du hast mich nicht geweckt, nur um wieder zu betteln, Liandrin.�</p><p>�Nein, nein!� Die N�rrin hob den Kopf und sah sie doch tats�chlich direkt an! �General Galgan hat einen Offizier geschickt, Hochlady. Er wartet, um Euch zum General zu bringen.�</p><p>Suroth versp�rte ein gereiztes Pochen im Kopf. Die Frau verz�gerte eine Botschaft von Galgan <emphasis>und</emphasis> schaute ihr in die Augen? Es geschah zwar in der Dunkelheit, aber in ihr stieg das Verlangen auf, Liandrin mit blo�en H�nden zu erw�rgen. Ein zweiter Tod so kurz nach dem ersten w�rde das Interesse der Sucher an ihrem Haushalt verst�rken, falls sie davon erfuhren, aber Elbar konnte ihre Leiche leicht verbergen; bei solchen Auftr�gen war er sehr geschickt.</p><p>Nur genoss sie es, die ehemalige Aes Sedai zu besitzen, die sie einst so hochm�tig behandelt hatte. Sie in eine in jeder Hinsicht perfekte <emphasis>Da'covale</emphasis> zu verwandeln w�rde ein gro�es Vergn�gen sein. Aber es war Zeit, die Frau an die Leine zu legen. Unter den Dienern kursierten bereits �rgerliche Ger�chte �ber eine kragenlose <emphasis>Marath'damane.</emphasis> Es w�rde Aufsehen erregen, wenn die <emphasis>Sul'dam</emphasis> entdeckten, dass sie auf eine gewisse Weise von der Einen Macht abgeschirmt war, sodass sie sie nicht lenken konnte, aber das w�rde helfen, die Frage zu beantworten, warum man sie nicht vorher an die Leine gelegt hatte. Allerdings w�rde Elbar unter den <emphasis>Sul'dam</emphasis> ein paar <emphasis>Atha'an Shadar</emphasis> finden m�ssen. Das war nie eine einfache Aufgabe � seltsamerweise wandten sich nur wenige <emphasis>Sul'dam</emphasis> dem Gro�en Herrn zu �, und eigentlich vertraute sie keiner <emphasis>Sul'dam</emphasis> mehr richtig, aber vielleicht konnte man <emphasis>Atha'an Shadar</emphasis> mehr vertrauen als dem Rest.</p><p>�Entz�nde zwei Lampen, dann bring mir ein Gewand und Schuhe�, sagte sie und schwang die Beine �ber die Bettkante.</p><p>Liandrin eilte zu dem Tisch, auf dem die zugeklappte Sandsch�ssel auf ihrem vergoldeten Dreifu� stand, und sog zischend die Luft ein, als sie mit sorgloser Hand dagegenstie�, aber sie holte schnell mit einer Zange eine gl�hende Kohle heraus, blies dagegen, bis sie aufgl�hte, und entz�ndete zwei Silberlampen, drehte an den Dochten, damit die Flammen gleichm��ig brannten und nicht qualmten. Ihre Zunge mochte den Eindruck erwecken, dass sie sich als Suroths Gleichgestellte und nicht als Besitz f�hlte, aber der Riemen hatte sie gelehrt, Befehlen schnell zu gehorchen.</p><p>Sie drehte sich mit einer Lampe in der Hand um, zuckte zusammen und stie� beim Anblick von Almandaragal in der Ecke einen unterdr�ckten Schrei aus. Seine dunklen, von W�lsten umgebenen Augen waren auf sie fixiert. Man h�tte denken k�nnen, dass sie ihn noch nie zuvor gesehen hatte! Allerdings bot er einen furchterregenden Anblick, drei Meter gro� und fast zweitausend Pfund schwer, die haarlose Haut wie r�tlich braunes Leder; er spannte die sechsgliedrigen Vorderpfoten an, sodass seine Krallen immer wieder ausfuhren und zur�ckschnellten.</p><p>�Ruhig�, sagte Suroth zu dem <emphasis>Lopar,</emphasis> ein vertrauter Befehl, aber er zog den Mund auseinander und entbl��te scharfe Z�hne, bevor er sich wieder auf dem Boden niederlie� und den gro�en runden Kopf wie ein Hund auf die Pranken bettete. Er schloss die Augen nicht wieder. <emphasis>Lopar</emphasis> waren recht intelligent, und offensichtlich vertraute er Liandrin nicht mehr als sie.</p><p>Trotz furchterf�llter Blicke auf Almandaragal holte die <emphasis>Da'covale</emphasis> schnell blaue Samtschuhe und ein wei�es Seidengewand mit aufw�ndigen gr�nen, roten und blauen Stickereien aus dem hohen, mit Schnitzereien verzierten Kleiderschrank, und sie hielt Suroth das Gewand so hin, dass sie die Arme in die �rmel schieben konnte, aber die lange Sch�rpe musste sie selbst binden und einen Fu� nach vorn strecken, bevor Liandrin daran dachte, niederzuknien und ihr die Schuhe anzuziehen. Herrje, was war diese Frau doch inkompetent!</p><p>Suroth musterte sich in dem schwachen Licht in dem vergoldeten Standspiegel an der Wand. Ihre Augen wiesen vor M�digkeit dunkle Ringe auf, ihr Haarschopf hing in einem f�r die Nachtruhe lockeren Zopf herunter, und zweifellos brauchte ihre Kopfhaut die Rasierklinge. Nun gut. Zweifellos w�rde Galgans Bote sie wegen Tuon au�er sich vor Gram halten, und das stimmte ja auch. Bevor sie jedoch die Botschaft des Generals erfuhr, musste sie noch eine kleine Sache erledigen.</p><p>�Lauf zu Rosala und bitte sie, dich t�chtig zu schlagen, Liandrin�, sagte sie.</p><p>Der angespannte kleine Mund der <emphasis>Da'covale</emphasis> �ffnete sich, und ihre Augen weiteten sich entsetzt. �Aber warum?�, jammerte sie. �Ich� ich habe doch nichts gemacht.�</p><p>Suroth besch�ftigte ihre H�nde damit, die Sch�rpe enger zu knoten, um sich davon abzuhalten, die Frau zu schlagen. Ihr Blick w�rde einen Monat lang gesenkt sein, falls bekannt wurde, dass sie eine <emphasis>Da'covale</emphasis> selbst geschlagen hatte. Sie schuldete ihrem Besitz keine Erkl�rungen, aber sobald Liandrins Ausbildung vollendet war, w�rde sie die Gelegenheiten vermissen, es dieser Frau unter die Nase zu reiben, wie tief sie gefallen war.</p><p>�Weil du getr�delt hast, mir von dem Boten des Generals zu erz�hlen. Weil du dich selbst noch immer als �Ich� bezeichnest statt als �Liandrin�. Weil du meinen Blick erwiderst.� Sie konnte nicht vermeiden, dass sie Letzteres hervorzischte. Liandrin war mit jedem Wort kleiner geworden und richtete die Augen auf den Boden, als w�rde das ihre Beleidigung verringern. �Weil du meine Befehle in Frage stellst, statt zu gehorchen. Und zuletzt � zuletzt, aber das ist f�r sich das Wichtigste �, weil ich w�nsche, dass du geschlagen wirst. Und jetzt lauf und sage Rosala jeden dieser Gr�nde, damit sie dich auch ordentlich pr�gelt.�</p><p>�Liandrin h�rt und gehorcht, Hochlady�, wimmerte die <emphasis>Da'covale</emphasis> und machte endlich etwas richtig und warf sich so schnell auf die T�r, dass sie dabei einen ihrer wei�en Schuhe verlor. Zu �ngstlich, um daf�r umzukehren oder es gar zu bemerken � und gut f�r sie, dass sie es war �, riss sie die T�r auf und rannte. Besitz zur Disziplinierung zu schicken sollte einem keine Zufriedenheit bescheren, aber das tat es. O ja, das tat es.</p><p>Suroth gestattete sich einen Augenblick, um ihre Atmung zu kontrollieren. Es war eine Sache, besorgt zu erscheinen, aber aufgeregt war eine ganz andere. Sie �rgerte sich �ber Liandrin, war durcheinander durch die Erinnerung an ihre Albtr�ume, die Angst um Tuons Schicksal und noch mehr ihr eigenes, aber sie folgte der <emphasis>Da'covale</emphasis> erst, als das Gesicht im Spiegel absolute Gelassenheit zeigte.</p><p>Der Vorraum zu ihrem Schlafgemach war auf die grelle Ebou Dar-Mode dekoriert, eine himmelblau gestrichene Decke, gelbe W�nde und gr�ne und gelbe Bodenfliesen. Nicht einmal die M�bel durch ihre eigenen hohen Wandschirme zu ersetzen � bis auf zwei waren sie von den besten K�nstlern mit V�geln oder Blumen bemalt � hatte viel geholfen, die Geschmacklosigkeit ertr�glich zu machen. Der Anblick der Au�ent�r, die Liandrin bei ihrer Flucht anscheinend offen gelassen hatte, entlockte ihr ein leises Knurren, aber sie verbannte die <emphasis>Da'covale</emphasis> f�r den Augenblick aus ihren Gedanken und konzentrierte sich auf den Mann, der den Wandschirm mit dem Bild eines Kori, einer gro�en gefleckten Raubkatze aus Sen T'jore, betrachtete. Schlank und mit ergrauendem Haar trug er eine R�stung mit blauen und gelben Streifen. Beim leisen Klang ihrer Schritte fuhr er anmutig herum und ging auf ein Knie nieder, als w�re er ein Bauer. Den Helm unter seinem Arm schm�ckten drei schmale blaue Federn, also musste die Nachricht wichtig sein. Nat�rlich war sie wichtig, wenn man sie zu dieser Stunde st�rte. Sie w�rde ihm verzeihen. Dieses eine Mal.</p><p>�Bannergeneral Mikhel Najirah, Hochlady. Generalhauptmann Galgan entbietet seinen Gru�, und er hat Nachricht aus Tarabon erhalten.�</p><p>Suroths Brauen hoben sich unwillk�rlich. Tarabon? Tarabon war so sicher wie Seandar. Automatisch zuckten ihre Finger, aber sie hatte noch keinen Ersatz f�r Alwhin gefunden. Sie musste selbst mit dem Mann sprechen. Der �rger dar�ber verh�rtete ihre Stimme, und sie gab sich keine M�he, das zu verbergen. Knien statt sich auf den Bauch zu werfen! �Was f�r Nachrichten? Wenn ich wegen Neuigkeiten �ber Aiel geweckt worden bin, werde ich nicht erfreut sein, Bannergeneral.�</p><p>Ihr Tonfall konnte den Mann nicht einsch�chtern. Er hob sogar den Blick, bis er dem ihren fast begegnete. �Nicht Aiel, Hochlady�, sagte er beherrscht. �Generalhauptmann Galgan w�nscht Euch das selber zu sagen, damit Ihr jede Einzelheit korrekt h�ren k�nnt.�</p><p>Einen Augenblick lang stockte Suroth der Atem. Ob Najirah einfach nur z�gerte, ihr den Inhalt dieser Nachrichten mitzuteilen, oder ob man ihm befohlen hatte, es nicht zu tun, das klang nicht gut. �Geht voraus�, befahl sie, dann rauschte sie aus dem Raum, ohne auf ihn zu warten, und ignorierte die beiden Angeh�rigen der Totenwache, die wie Statuen im angrenzenden Korridor zu beiden Seiten der T�r standen, so gut sie konnte. Die �Ehre�, von diesen M�nnern in den roten und gr�nen R�stungen bewacht zu werden, verschaffte ihr eine G�nsehaut. Seit Tuons Verschwinden bem�hte sie sich, sie einfach zu ignorieren.</p><p>Der Korridor wurde von vergoldeten und mit Spiegeln versehenen Kandelabern ges�umt, deren Flammen durch die gelegentliche Zugluft flackerten, die auch die Wandbeh�nge mit den Schiffen und dem Meer bewegte. Es war niemand zu sehen au�er ein paar Palastdienern in Livree, die ihren fr�hen Pflichten nachkamen und der Ansicht waren, dass tiefe Verbeugungen und Knickse ausreichten. Und sie sahen sie immer unverhohlen an! Vielleicht sollte sie mal ein Wort mit Beslan reden. Nein; der neue K�nig von Altara war ihr jetzt gleichgestellt, zumindest dem Gesetz nach, und sie bezweifelte, dass er daf�r sorgen w�rde, dass sich seine Diener korrekt benahmen. Sie starrte stur geradeaus. Auf diese Weise musste sie die Beleidigungen der Dienerschaft nicht sehen.</p><p>Najirah holte sie schnell ein, seine Stiefel dr�hnten auf den viel zu hellen blauen Bodenfliesen, und setzte sich an ihre Seite. Nat�rlich h�tte sie keinen F�hrer gebraucht. Sie wusste, wo sich Galgan aufhalten w�rde.</p><p>Urspr�nglich war es ein Tanzsaal gewesen, ein Rechteck von drei�ig Schritten L�nge an jeder Seite, dessen Decke mit phantasievollen Fischen und V�geln bemalt war, die auf manchmal verwirrende Art und Weise zwischen Wolken und Wellen ihre Spa�e trieben. Nur die Decke erinnerte noch an den fr�heren Gebrauch. Jetzt s�umten Kandelaber und Regale voller abgelegter Berichte in Ledermappen die hellroten W�nde. Mit braunen M�nteln bekleidete Schreiber eilten zwischen den langen, mit Karten bedeckten Tischen umher, die den mit gr�nen Fliesen ausgelegten Tanzboden bedeckten. Ein junger weiblicher Offizier, ein Unterleutnant ohne Feder auf dem rotgelben Helm, rannte an Suroth vorbei, ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen, sich zu Boden zu werfen. Schreiber machten ihr lediglich den Weg frei. Galgan gab seinen Leuten zu viel Freiraum. Er behauptete, dass �bertriebene F�rmlichkeit, wie er es nannte, zur �falschen Zeit� die Effizienz behinderte; sie nannte es Unverfrorenheit.</p><p>Lunal Galgan, ein hochgewachsener Mann in einer roten, mit hellfederigen V�geln reich bestickten Robe, dessen Haarschopf schneewei� und zu einem engen, aber unordentlichen Zopf geflochten war, der bis zu den Schultern reichte, stand an einem Tisch in der Mitte des Raumes, umgeben von einer Gruppe hochrangiger Offiziere, von denen einige in R�stungen und andere genauso zerzaust wie Suroth waren. Anscheinend war sie nicht die Einzige, der er einen Boten geschickt hatte. Sie k�mpfte darum, dass sich ihre Wut nicht auf ihrem Gesicht zeigte. Galgan war mit Tuon und der Wiederkehr eingetroffen, und darum wusste sie nur wenig �ber ihn, abgesehen davon, dass seine Vorfahren zu den Ersten geh�rt hatten, die sich auf Luthair Paendrags Seite geschlagen hatten, und dass er einen guten Ruf als Soldat und General genoss. Nun, manchmal waren Ruf und Wahrheit das Gleiche. Sie mochte ihn ganz einfach nicht als Mensch.</p><p>Er wandte sich bei ihrem N�herkommen um und legte ihr formell die H�nde auf die Schultern und k�sste sie auf beide Wangen, sodass sie gezwungen war, die Begr��ung zu erwidern, w�hrend sie sich bem�hte, die Nase nicht �ber den starken Moschusduft zu r�mpfen, den er bevorzugte. Galgans Gesicht war so glatt, wie es seine Falten erlaubten, aber sie glaubte einen Hauch von Sorge in seinen blauen Augen zu entdecken. Einige der M�nner und Frauen hinter ihm, gr��tenteils vom Niederen Blut und B�rgerliche, zeigten offen ihr Stirnrunzeln.</p><p>Die gro�e Karte von Tarabon auf dem Tisch vor ihr, die von vier Lampen beschwert und offen gehalten wurde, gab gen�gend Anlass zur Sorge. Sie war mit Kennzeichen bedeckt, rote Keile f�r marschierende seanchanische Streitkr�fte und rote Sterne f�r Besatzungstruppen; jeder davon trug einen kleinen Papierstreifen, auf dem mit Tinte ihre Zahl und Zusammensetzung geschrieben stand. Auf der Karte verteilt, auf der ganzen Karte, lagen schwarze Scheiben, die f�r Gefechte standen, sowie wei�e Scheiben f�r feindliche Streitkr�fte, von denen viele keine Fahnen aufwiesen. <emphasis>Wie</emphasis> konnte es in Tarabon �berhaupt Feinde geben? Es war so sicher wie�</p><p>�Was ist passiert?�, verlangte sie zu wissen.</p><p>�Vor drei Stunden trafen <emphasis>Raken</emphasis> mit Berichten von Generalleutnant Turan ein�, begann Galgan im Plauderton. Erstattete <emphasis>bewusst</emphasis> keinen Bericht. Er studierte die Karte, w�hrend er sprach, blickte nie in ihre Richtung. �Sie sind nicht vollst�ndig � jeder neue erweitert die Liste, und ich gehe davon aus, dass sich das noch eine Weile nicht �ndern wird �, aber soweit ich es verstanden habe, l�uft es so ab. Seit Anbruch der gestrigen Morgend�mmerung sind sieben wichtige Versorgungslager �berrannt und niedergebrannt worden, zusammen mit mehr als zwei Dutzend kleineren Lagern. Zwanzig Versorgungsz�ge wurden angegriffen, Wagen und Ladung in Brand gesteckt. Siebzehn kleine Au�enposten wurden vernichtet, elf Patrouillen haben sich nicht mehr gemeldet, au�erdem hat es f�nfzehn zus�tzliche Handgemenge gegeben. Und ein paar Angriffe gegen unsere Siedler. Nur eine Hand voll Todesopfer, haupts�chlich M�nner, die ihren Besitz verteidigen wollten, aber viele gute Wagen und Vorr�te sind zusammen mit zur H�lfte erbauten H�usern verbrannt, und �berall die gleiche Botschaft. Verlasst Tarabon. Das alles ist von Gruppen mit einer St�rke von zweibis f�nfhundert Mann angerichtet worden. Die Sch�tzungen belaufen sich auf ein Minimum von zehntausend, vielleicht auch doppelt so viel, fast alles Taraboner. O ja�, f�gte er abschlie�end fast beil�ufig hinzu, �und die meisten von ihnen tragen mit Streifen bemalte R�stungen.�</p><p>Suroth wollte mit den Z�hnen knirschen. Galgan befehligte die Soldaten der Wiederkehr, aber sie befehligte die <emphasis>Hailene,</emphasis> die Vorl�ufer, und darum nahm sie trotz seines Haarschopfes und der rotlackierten Fingern�gel den h�heren Rang ein. Durch ihr Eintreffen hatte die Wiederkehr die Vorl�ufer praktisch in sich eingegliedert, aber vermutlich bestand er nur aus einem Grund nicht darauf, den Befehl �ber die Vorl�ufer offiziell einzufordern. Sie zu verdr�ngen h�tte bedeutet, die Verantwortung f�r Tuons Sicherheit zu �bernehmen. Und sich daf�r zu entschuldigen, sollte es n�tig werden. �Abneigung� war ein zu milder Begriff. Sie verabscheute Galgan.</p><p>�Eine Meuterei?�, sagte sie, stolz auf ihre k�hle Stimme.</p><p>Innerlich fing sie an zu brennen.</p><p>Galgans wei�er Zopf schwankte, als er den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Nein. Alle Berichte sagen aus, dass unsere Taraboner gut gek�mpft haben, und wir haben ein paar Erfolge zu verbuchen, ein paar Gefangene gemacht. Nicht einer von ihnen steht in den Mannschaftslisten loyaler Taraboner. Mehrere wurden als Drachenverschworene identifiziert, die man oben in Arad Doman geglaubt hat. Und einige Male fiel der Name Rodel Ituralde als das Gehirn hinter allem, und als Anf�hrer. Er ist angeblich einer der besten Gener�le auf dieser Seite des Ozeans, und wenn er das alles geplant und durchgef�hrt hat� � er fuhr mit der Hand �ber die Karte � �dann glaube ich das.� Der Narr klang bewundernd! �Keine Meuterei. Ein Sto�trupp im gro�en Rahmen. Aber er wird nicht mit ann�hrend so vielen M�nnern zur�ckkehren, wie er mitgebracht hat.�</p><p>Drachenverschworene. Das Wort war wie eine Faust, die Suroths Hals umklammerte. �Sind Asha�man dabeigewesen?�</p><p>�Diese Kerle, die die Macht lenken k�nnen?� Galgan verzog das Gesicht und machte ein Zeichen gegen das B�se, ohne sich dessen scheinbar bewusst zu sein. �Man hat nichts davon erw�hnt�, sagte er trocken, �und ich w�rde denken, dass das passiert w�re.�</p><p>Hei�e Wut musste sich auf Galgan entladen, aber ein anderes Mitglied des Hohen Blutes anzuschreien w�rde ihren Blick senken. Und, was genauso schlimm war, nichts ausrichten. Aber sie musste irgendwo hingelenkt werden. Sie musste heraus. Suroth war stolz auf das, was sie in Tarabon erreicht hatte, und jetzt schien das Land auf dem halben Weg zur�ck in das Chaos, das sie bei ihrer Landung vorgefunden hatte. Und ein Mann trug daf�r die Verantwortung. �Dieser Ituralde.� Ihr Ton war eiskalt. �Ich will seinen Kopf!�</p><p>�Keine Angst�, murmelte Galgan, verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken und beugte sich vor, um ein paar der kleinen Banner n�her zu betrachten. �Es wird nicht lange dauern, bis Turan ihn mit dem Schwanz zwischen den Beinen zur�ck nach Arad Doman jagt, und mit Gl�ck wird er einer der Banden angeh�ren, die sie gefangen nehmen.�</p><p>�Gl�ck?�, fauchte sie. �Ich vertraue nicht auf Gl�ck!� Ihre Wut war jetzt offen zu sehen, und sie dachte nicht dar�ber nach, sie wieder zu unterdr�cken. Sie studierte die Karte, als k�nnte sie Ituralde auf diese Weise finden. �Wenn Turan hundert Banden jagt, wie Ihr vorschlagt, wird er mehr Sp�her brauchen, um sie aufzusp�ren, und ich will, dass man sie f�ngt. Jeden einzelnen von ihnen. Vor allem Ituralde. General Yulan, ich will, dass man vier von f�nf � nein, neun von zehn <emphasis>Raken</emphasis> in Altara und Amadicia nach Tarabon bringt. Wenn Turan sie damit nicht finden kann, dann kann er herausfinden, ob sein eigener Kopf mich beschwichtigen kann.�</p><p>Yulan, ein dunkelh�utiger kleiner Mann in einer blauen Robe mit schwarzen Adlern, musste sich zu schnell angekleidet haben, um den Klebstoff zu benutzen, der normalerweise seine Per�cke hielt, denn er ber�hrte das Ding st�ndig, um sich zu vergewissern, dass es gerade sa�. Er war der Lufthauptmann der Vorl�ufer, aber der Lufthauptmann der Wiederkehr war blo� ein Bannergeneral, da ein �lterer Mann w�hrend der Reise gestorben war. Yulan w�rde keine Schwierigkeiten mit ihm haben.</p><p>�Ein weiser Zug, Hochlady�, sagte er und betrachtete die Karte stirnrunzelnd. �Aber darf ich vorschlagen, die <emphasis>Raken</emphasis> in Amadicia zu belassen, genau wie jene, die man Bannergeneralin Khirgan zugeteilt hat? <emphasis>Raken</emphasis> sind die beste Methode, die wir haben, um Aiel aufzusp�ren, und wir haben diese Wei�m�ntel nach zwei Tagen noch immer nicht gefunden. General Turan wird dann noch immer �ber��</p><p>�Die Aiel stellen jeden Tag ein geringeres Problem dar�, fuhr sie ihm energisch ins Wort. �Und ein paar Deserteure sind nichts.� Er neigte zustimmend den Kopf, eine Hand hielt die Per�cke fest. Er war schlie�lich nur vom Niederen Blut.</p><p>�Ich w�rde siebentausend Mann kaum als ein paar Deserteure bezeichnen�, murmelte Galgan trocken.</p><p>�Es wird geschehen, wie ich es befohlen habe!�, fauchte sie. Diese so genannten Kinder des Lichts sollten verflucht sein! Sie hatte sich noch immer nicht entschieden, ob sie Asunawa und die paar tausend, die �brig geblieben waren, zu <emphasis>Da�covale</emphasis> machen sollte. Sie waren zur�ckgeblieben, aber wie lange w�rde es dauern, bevor auch sie Verrat begingen? Und Asunawa schien doch tats�chlich <emphasis>Damane</emphasis> zu hassen. Der Mann war geistig nicht richtig im Kopf!</p><p>Galgan zuckte v�llig unber�hrt mit den Schultern. Sein rotlackierter Fingernagel zeichnete Linien auf der Karte, als w�rde er Truppenbewegungen planen. �Solange Ihr nicht auch noch <emphasis>To�raken</emphasis> haben wollt, erhebe ich keine Einw�nde. Der Plan muss fortgef�hrt werden. Altara f�llt fast kampflos in unsere Hand, ich bin noch nicht bereit, gegen Illian zu marschieren, und wir m�ssen Tarabon wieder schnell befrieden. Das Volk wird sich gegen uns wenden, wenn wir ihm keine Sicherheit geben k�nnen.�</p><p>Suroth bedauerte langsam, dass sie ihre Wut gezeigt hatte.</p><p>Er hatte keine <emphasis>Einw�nde? Er</emphasis> war noch nicht f�r Illian bereit? Im Grunde sagte er, dass er ihren Befehlen nicht gehorchen musste, aber er tat es nicht offen heraus, nicht auf eine Weise, dass er zusammen mit ihrer Autorit�t auch ihre Verantwortung �bernehmen musste.</p><p>�Ich erwarte, dass Turan diese Botschaft bekommt, General Galgan.� Ihre Stimme war ganz ruhig, durch reine Willenskraft so gehalten. �Er wird mir Rodel Ituraldes Kopf schicken, und wenn er den Mann quer durch Arad Doman bis in die F�ule hinein jagen muss. Und wenn er es nicht schafft, mir diesen Kopf zu schicken, dann werde ich den seinen nehmen.�</p><p>Galgan spannte kurz die Lippen an, er betrachtete die Karte stirnrunzelnd. �Manchmal muss man unter Turan ein Feuer entz�nden�, murmelte er, �und Arad Doman war immer schon als N�chstes f�r ihn bestimmt. Gut. Eure Botschaft wird �berbracht, Suroth.�</p><p>Sie konnte es nicht l�nger ertragen, mit ihm in einem Raum zu sein. Sie ging wortlos. H�tte sie gesprochen, h�tte sie <emphasis>gebr�llt.</emphasis> Sie stolzierte den ganzen Weg zur�ck zu ihren Gem�chern, ohne sich die M�he zu machen, ihre Wut zu verbergen. Die M�nner der Totenwache lie�en sich nat�rlich nichts anmerken; sie h�tten genauso gut aus Stein gemei�elt sein k�nnen. Was sie die T�r des Vorraums hinter sich zuschlagen lie�. Vielleicht bemerkten sie ja das!</p><p>Sie ging auf ihr Bett zu, schleuderte die Schuhe von den F��en, lie� Gewand und Sch�rpe zu Boden fallen. Sie musste Tuon finden. Sie musste es. Wenn sie doch nur Tuons Ziel in Erfahrung h�tte bringen k�nnen, herausfinden k�nnen, wo sie war. Wenn sie doch nur�</p><p>Pl�tzlich erstrahlten die W�nde ihres Schlafgemachs, die Decke, sogar der Boden in einem silbrigen Licht. Diese Oberfl�chen schienen zu Licht <emphasis>geworden</emphasis> zu sein. Sie keuchte entsetzt auf, drehte sich langsam um, starrte das Rechteck aus Licht an, das sie umgab, und sah sich einer Frau gegen�ber, die aus lodernden Flammen bestand, die in lodernde Flammen gekleidet war. Almandaragal war auf den Beinen, erwartete den Angriffsbefehl seiner Besitzerin.</p><p>�Ich bin Semirhage�, sagte die Feuerfrau mit einer Stimme wie ein hallender Totengong.</p><p>�Bauch, Almandaragal!� Dieser Befehl, den sie ihm als Kind beigebracht hatte, weil es sie am�sierte, den <emphasis>Lopar</emphasis> dem�tig vor sich auf dem Boden liegen zu sehen, endete mit einem Grunzen, denn sie befolgte ihn selbst, noch w�hrend sie ihn gab. Sie k�sste den Teppich mit dem rotgr�nen Muster und sagte: �Ich lebe, um zu dienen und zu gehorchen, Gro�e Herrin.� Sie hatte nicht den geringsten Zweifel, dass diese Frau die war, die sie behauptete zu sein. Wer w�rde <emphasis>diesen</emphasis> Namen unberechtigt f�r sich in Anspruch nehmen? Oder als lebendes Feuer erscheinen k�nnen?</p><p>�Ich glaube, du w�rdest auch gern herrschen.� Der hallende Gong klang etwas am�siert, aber dann verh�rtete er sich. �Sieh mich an! Ich mag es nicht, wie ihr Seanchaner meinem Blick ausweicht. Es bringt mich auf den Gedanken, dass ihr etwas verbergt. Du wirst nichts vor mir verbergen wollen, Suroth.�</p><p>�Nat�rlich nicht, Gro�e Herrin�, sagte Suroth und stemmte sich hoch, um sich auf die Fersen zu hocken. �Niemals, Gro�e Herrin.� Sie hob den Blick bis zum Mund der Frau, aber sie konnte sich nicht dazu �berwinden, ihn noch h�her zu heben. Sicherlich w�rde das reichen.</p><p>�Besser�, murmelte Semirhage. �Also. W�rde es dir gefallen, dieses Land zu beherrschen? Eine Hand voll Todesf�lle � Galgan und ein paar andere �, und du k�nntest dich mit meiner Hilfe zur Kaiserin ausrufen. Es ist eigentlich nicht wichtig, aber die Umst�nde bieten diese M�glichkeit, und du w�rst sicher zug�nglicher, als es die derzeitige Kaiserin bis jetzt gewesen ist.�</p><p>Suroths Magen verkrampfte sich. Sie hatte Angst, sich zu �bergeben. �Gro�e Herrin�, sagte sie dumpf, �die Strafe daf�r ist, vor die wahre Kaiserin gebracht zu werden, m�ge sie ewig leben, und am ganzen K�rper die Haut abgezogen musste diese Worte herauszwingen. Die Kaiserin zu t�ten� Allein es zu denken fiel schwer. Kaiserin zu werden. Sie hatte das Gef�hl, gleich davonzuschweben. �Sie wird ihre <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> bei sich haben, und einige ihrer Totenw�chter.� Schwierig? Sie unter diesen Umst�nden zu t�ten w�rde unm�glich sein. Es sei denn, man konnte Semirhage �berreden, es selbst zu tun. Sechs <emphasis>Damane</emphasis> konnten m�glicherweise auch ihr gef�hrlich werden. Au�erdem gab es im Volk ein Sprichwort. Die M�chtigen befehlen den unter ihnen Stehenden, im Schlamm zu graben, und halten ihre eigenen H�nde sauber. Sie hatte es zuf�llig geh�rt und den Mann bestraft, der es gesagt hatte, aber es stimmte.</p><p>�Denk nach, Suroth!� Der Gong klang gebieterisch.</p><p>�Hauptmann Musenge und die anderen w�ren in derselben Nacht wie Tuon und ihre Dienerin aufgebrochen, h�tten sie geahnt, was sie vorhat. Sie suchen nach ihr. Du musst jede Anstrengung unternehmen, sie zuerst zu finden, aber wenn das nicht gelingt, wird ihre Totenwache weniger Schutz bieten, als es den Anschein hat. Jeder Soldat in deinem Heer hat geh�rt, dass zumindest ein paar der Totenw�chter etwas mit einer Hochstaplerin zu tun haben. Es scheint die allgemeine Meinung zu sein, dass man die Hochstaplerin und jeden, der sich mit ihr eingelassen hat, vierteilen und die St�cke in einem Dunghaufen begraben sollte. Und zwar ohne Aufsehen.� Feuerlippen verzogen sich zu einem kleinen, am�sierten L�cheln. �Um dem Kaiserreich Schande zu ersparen.�</p><p>Es k�nnte machbar sein. Eine Abteilung Totenw�chter w�rde leicht zu entdecken sein. Sie w�rde herausfinden m�ssen, wie viele M�nner Musenge genau mitgenommen hatte, und Elbar mit f�nfzig Mann f�r jeden von ihnen losschicken. Nein, hundert, man musste die <emphasis>Damane</emphasis> mit in die Rechnung einbeziehen. Und dann� �Gro�e Herrin, Ihr versteht, dass ich z�gere, etwas zu verk�nden, bevor ich sicher bin, dass Tuon tot ist?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Semirhage. Die Gongschl�ge klangen wieder am�siert. �Aber vergiss nicht, sollte Tuon es schaffen, nbeschadet zur�ckzukehren, wird mein Interesse nicht mehr gro� sein, also tr�dle nicht herum.�</p><p>�Das werde ich nicht, Gro�e Herrin. Ich will Kaiserin werden, und daf�r muss ich die Kaiserin t�ten.� Dieses Mal fiel es �berhaupt nicht schwer, das zu sagen.</p><p>Tsutama Raths R�ume waren mit ihrer Pracht jenseits jeder Extravaganz, fand Pevara, und ihre eigenen Anf�nge als Metzgertochter hatten nichts mit dieser Meinung zu tun. Das Wohnzimmer fl��te ihr einfach Unbehagen ein. An den W�nden unter dem mit fliegenden, vergoldeten Schwalben verziertem Sims hingen zwei gro�e Wandteppiche aus reiner Seide; der eine zeigte hellrote Blutrosen, der andere einen Calmabusch mit scharlachroten Bl�ten, die gr��er als zwei ihrer H�nde waren. Tische und St�hle konnte man als elegant bezeichnen, solange man bereit war, vergoldetes Schnitzwerk zu ignorieren, das f�r einen Thron ausgereicht h�tte. Auch die Stehlampen waren �berm��ig vergoldet, genau wie der mit galoppierenden Pferden geschm�ckte Sims des aus rotge�dertem Marmor gearbeiteten Kamins. Auf mehreren Tischen stand rotes Meervolk-Porzellan, seltene St�cke, vier Vasen und sechs Schalen, allein schon ein kleines Verm�gen wert, sowie viele Jade- und Elfenbeinschnitzereien, die alle nicht klein waren, und die handgro�e Statuette einer T�nzerin, die allem Anschein nach aus einem <emphasis>Rubin</emphasis> geschnitten war. Eine protzige Zurschaustellung von Reichtum, und Pevara wusste genau, dass au�er der goldenen Fassuhr auf dem Kaminsims noch eine weitere in Tsutamas Schlafzimmer und eine in ihrem Ankleidezimmer stand. Drei Uhren! Das ging weit �ber Protz hinaus, und da spielten Gold oder Rubine keine Rolle mehr.</p><p>Und doch passte der Raum zu der Frau, die ihr und Javindhra gegen�bersa�. �Auffallend� war genau die richtige Bezeichnung f�r ihr Erscheinungsbild. Tsutama war eine atemberaubend sch�ne Frau, ihr Haar wurde von einem feinen Goldnetz gehalten, an ihrem Hals und an den Ohren baumelten Feuertropfen, wie immer war sie in blutrote Seide gekleidet, die ihren vollen Busen zur Geltung brachte und ihn heute mit goldenen Rankenstickereien zus�tzlich betonte. H�tte man sie nicht gekannt, h�tte man auf den Gedanken kommen k�nnen, dass sie M�nner anziehen wollte. Tsutama hatte ihren Abscheu vor M�nnern lange Zeit vor ihrem Exil allgemein bekannt gemacht; sie h�tte eher einem tollw�tigen Hund Gnade erwiesen als einem Mann.</p><p>Damals war sie so hart wie ein Hammer gewesen, aber viele hatten sie nach ihrer R�ckkehr in die Wei�e Burg f�r ein zerbrochenes Schilfrohr gehalten. Zumindest eine Zeit lang. Dann hatte jeder, der sich in ihrer N�he aufhielt, erkannt, dass diese st�ndig umherhuschenden Augen alles andere als Nervosit�t verk�ndeten. Das Exil <emphasis>hatte</emphasis> sie ver�ndert, aber es hatte sie nicht weicher gemacht. Diese Augen geh�rten einer jagenden Raubkatze, die nach Feinden oder Beute Ausschau hielt. Der Rest von Tsutamas Gesicht zeigte keine abgekl�rte Ruhe, sondern stellte eine unleserliche Maske dar. Zumindest bis man sie w�tend machte. Aber selbst dann blieb ihre Stimme so ruhig wie Eis. Eine entnervende Kombination.</p><p>�Ich habe heute Morgen beunruhigende Ger�chte �ber die Schlacht bei den Quellen von Dumai geh�rt�, sagte sie unvermittelt. �Verdammt beunruhigend.� Sie hatte jetzt die Angewohnheit, lange zu schweigen, nie zu plaudern, und pl�tzlich unerwartete Feststellungen zu machen. Das Exil hatte auch ihre Ausdrucksweise derb gemacht. Der abgelegene Bauernhof, auf dem man sie unter Arrest gestellt hatte, musste eine� lebhafte� Erfahrung gewesen sein. �Einschlie�lich der Tatsache, dass drei der toten Schwestern aus unserer Ajah waren. Mutters Milch in einem Becher!� Das alles in einem v�llig unbewegten Tonfall. Aber ihre Augen blickten sie anklagend an.</p><p>Pevara erwiderte den Blick unger�hrt. Jeder von Tsutamas Blicken erschien anklagend, und ob Pevara nun nerv�s war oder nicht, sie wusste es besser, als es die Oberste ihrer Ajah sehen zu lassen. Die Frau st�rzte sich wie ein Falke auf Schw�chen. �Ich kann nicht verstehen, warum Katerine Euren Befehl missachten sollte, ihr Wissen f�r sich zu behalten, und Ihr k�nnt nicht glauben, dass Tarna Elaida diskreditieren w�rde.� Jedenfalls nicht �ffentlich. Tarna h�tete ihre Ansichten �ber Elaida so sorgf�ltig wie eine Katze ein Mauseloch. �Aber Schwestern erhalten Berichte von ihren Augen-und-Ohren. Wir k�nnen nicht verhindern, dass sie erfahren, was passiert ist. Ich bin �berrascht, dass es so lange gedauert hat.�</p><p>�So ist es�, f�gte Javindhra hinzu und gl�ttete die R�cke.</p><p>Die kantige Frau trug au�er ihrem Gro�en Schlangenring keinerlei Schmuck, ihr Kleid war schmucklos und in einem so dunklen Rot, dass es beinahe wie Schwarz erschien. �Fr�her oder sp�ter werden die Fakten bekannt werden, und wenn wir uns bem�hen, bis unsere Finger bluten.� Ihr Mund war so verkniffen, dass sie etwas abzubei�en schien, dennoch klang sie beinahe zufrieden. Seltsam. Sie war Elaidas Scho�h�ndchen.</p><p>Tsutamas Blick richtete sich auf sie, und nach einem Moment stieg R�te in Javindhras Wangen auf. Sie trank einen gro�en Schluck Tee, vielleicht als Vorwand, den Blickkontakt zu brechen. Nat�rlich aus einer Tasse aus getriebenem Gold mit fein ziselierten Leoparden und Hirschen, so wie Tsutama nun war. Die Oberste starrte weiter stumm, aber Pevara vermochte nicht mehr zu sagen, ob sie auf Javindhra blickte oder etwas jenseits von ihr.</p><p>Als Katerine die Nachricht �berbracht hatte, dass Galina zu den Toten von den Quellen von Dumai geh�rte, hatte man Tsutama fast einstimmig erhoben, um sie zu ersetzen. Sie hatte einen guten Ruf als Sitzende gehabt, zumindest vor ihrer Verwicklung in die widerw�rtigen Vorf�lle, die zu ihrem Sturz f�hrten, und viele der Roten waren der Ansicht, dass die Zeiten nach einer Obersten verlangten, die so hart war, wie man sie nur finden konnte. Galinas Tod hatte eine gro�e Last von Pevaras Schultern genommen � die Oberste, eine Schattenfreundin; oh, das war eine schlimme Qual gewesen! � und doch war sie sich unsicher, was Tsutama betraf. Da war jetzt etwas� Wildes� an ihr. Etwas Unberechenbares. War sie noch geistig gesund? Andererseits konnte man diese Frage auf die ganze Wei�e Burg ausdehnen. Wie viele der Schwestern waren wirklich noch geistig gesund?</p><p>Als w�rde Tsutama ihre Gedanken lesen k�nnen, richtete sie ihren starren Blick nun auf sie. Er lie� Pevara nicht err�ten oder zusammenzucken wie so viele andere au�er Javindhra, aber sie ertappte sich bei dem Wunsch, dass Duhara anwesend gewesen w�re, nur um der Obersten eine dritte Sitzende zu geben, die sie anstarren konnte. Sie w�nschte sich, sie w�sste, wo die Sitzende hingereist war und warum, wo doch au�erhalb von Tar Valon ein Rebellenheer sein Lager aufgeschlagen hatte. Duhara war vor �ber einer Woche einfach an Bord eines Schiffes gegangen und abgereist, ohne jemandem auch nur ein Wort zu sagen � soweit Pevara wusste �, und niemand schien zu wissen, ob sie nach Norden oder S�den gefahren war. In diesen Tagen stimmte fast jeder und alles Pevara misstrauisch.</p><p>�Habt Ihr uns wegen des Briefes kommen lassen, Oberste?�, sagte sie schlie�lich. Sie erwiderte den beunruhigenden Blick gelassen, versp�rte aber langsam das Verlangen in sich aufsteigen, einen tiefen Schluck aus ihrer viel zu protzigen Tasse zu nehmen, und sie w�nschte sich, sie w�rde Wein enthalten statt Tee. Bewusst stellte sie die Tasse auf der schmalen Stuhllehne ab. Der Blick ihres Gegen�bers erweckte in ihr das Gef�hl, Spinnen w�rden �ber ihre Haut krabbeln.</p><p>Nach einem sehr langen Moment fiel Tsutamas Blick auf den Brief auf ihrem Scho�. Allein ihre Hand verhinderte, dass er sich zu einem kleinen Zylinder aufrollte. Er war auf sehr d�nnem Papier geschrieben worden, das man f�r Brieftauben benutzte, und die kleinen, mit Tinte geschriebenen Buchstaben, die deutlich durch das Papier durchschimmerten, schienen die Seite vollst�ndig auszuf�llen.</p><p>�Er kommt von Sashalle Anderly�, sagte sie, was bei Pevara ein winziges, mitleidvolles Zucken und bei Javindhra ein Grunzen hervorrief, das alles M�gliche bedeuten konnte. Die arme Sashalle. Tsutama fuhr jedoch ohne jedes �u�ere Zeichen von Mitgef�hl fort. �Die verdammte Frau glaubt, dass Galina entkommen ist, weil er an sie adressiert ist. Vieles von dem, was sie schreibt, best�tigt lediglich, was wir bereits aus anderen Quellen wissen, Toveine eingeschlossen. Aber sie behauptet allen Ernstes, dass sie �das Kommando �ber die meisten Schwestern in Cairhien� hat, ohne sie namentlich zu benennen.�</p><p>�Wie kann Sashalle das <emphasis>Kommando</emphasis> �ber irgendwelche Schwestern haben?� Javindhra sch�ttelte den Kopf, ihre Miene bestritt diese M�glichkeit. �K�nnte sie den Verstand verloren haben?�</p><p>Pevara schwieg. Tsutama gab Antworten, wenn sie dazu Lust hatte, und nur selten, wenn man sie darum bat. Toveines fr�heren Briefe, die ebenfalls an Galina adressiert gewesen waren, hatten Sashalle mit keinem Wort erw�hnt, oder die anderen beiden Ged�mpften, was das anging, aber nat�rlich h�tte sie das ganze Thema mehr als nur widerw�rtig gefunden. Allein schon daran zu denken war, als w�rde man verfaulte Pflaumen essen. Die meisten ihrer Worte hatten Elaida die Schuld f�r die Geschehnisse gegeben, wenn allerdings auch nur indirekt.</p><p>Tsutamas Blick fuhr wie ein Dolchsto� zu Javindhra, aber sie fuhr ohne Pause fort. �Sashalle berichtet von Toveines verdammten Besuch in Cairhien mit den anderen Schwestern und den verfluchten Asha'man, obwohl sie offensichtlich nichts von dem verdammten Bund wei�. Sie fand das alles sehr seltsam, Schwestern, die auf angespannte und doch oft freundliche Weise� mit den Asha'man verkehren. Blut und verfluchte Asche! So dr�ckt sie es aus, soll man mich doch zu Asche verbrennen.� Tsutamas Tonfall, der dazu gepasst h�tte, den Preis von Spitze zu diskutieren, und der in direktem Gegensatz zur Intensit�t ihres Blickes und ihrer Ausdrucksweise stand, verriet nichts davon, was sie von der Sache hielt.</p><p>�Sashalle sagt, dass sie bei ihrer Abreise verfluchte Beh�ter mitgenommen haben, von denen sie glaubt, dass sie zu Schwestern geh�ren, die bei dem Jungen sind, also kann man wohl davon ausgehen, dass sie auf der Suche nach ihm waren und ihn mittlerweile gefunden haben d�rften. Sie hat keine Ahnung, was der Grund daf�r sein k�nnte. Aber sie best�tigt, was Toveine �ber Logain behauptet hat. Anscheinend ist der verfluchte Mann nicht l�nger ged�mpft.�</p><p>�Unm�glich�, murmelte Javindhra in ihre Teetasse, aber sie tat es leise. Tsutama mochte es nicht, wenn man ihren Behauptungen widersprach. Pevara behielt ihre Meinung f�r sich und trank nun selbst einen Schluck. Bis jetzt schien in dem Brief nichts zu stehen, was einer Diskussion w�rdig gewesen w�re, ausgenommen vielleicht die Behauptung, dass Sashalle das �Kommando� �ber irgendetwas haben k�nnte, und sie w�rde lieber �ber andere Dinge nachdenken als �ber Sashalles Schicksal. Der Tee schmeckte nach Blaubeeren. Wie hatte Tsutama so fr�h im Fr�hling Blaubeeren heranschaffen k�nnen? Vielleicht waren sie getrocknet gewesen.</p><p>�Ich lese euch den Rest vor�, sagte Tsutama, gl�ttete den Brief und �berflog ihn stumm bis fast unten, bevor sie begann. Anscheinend war Sashalle sehr ausf�hrlich gewesen. Was enthielt die Oberste ihnen alles vor? So viele Verd�chtigungen.</p><p>�Ich habe lange keine Nachricht geschickt, weil ich nicht wusste, wie ich das sagen soll, was ich sagen muss, aber jetzt sehe ich ein, dass die einzige M�glichkeit darin besteht, einfach die Fakten zu schildern. Zusammen mit einer Zahl anderer Schwestern, denen ich die Entscheidung selbst �berlasse, ob sie das enth�llen wollen, was ich jetzt enth�lle, habe ich dem Wiedergeborenen Drachen den Treueid geschworen, der so lange gilt, bis Tarmon Gai'don ausgefochten ist.�</p><p>Javindhra keuchte laut auf, ihr quollen beinahe die Augen aus dem Kopf, aber Pevara fl�sterte blo�: <emphasis>�Ta'veren.�</emphasis> Es konnte nicht anders sein. <emphasis>Ta'veren</emphasis> war immer ihre Erkl�rung f�r die meisten der beunruhigenden Ger�chte aus Cairhien gewesen.</p><p>Tsutama las einfach weiter.</p><p>�Was ich tue, tue ich zum Nutzen der Roten Ajah und der Wei�en Burg. Solltet Ihr anderer Meinung sein, werde ich mich Eurer Disziplin unterwerfen. Nach Tarmon Gai'don. Wie Ihr vielleicht geh�rt habt, wurden Irgain Fatamed, Ronaille Vevanios und ich ged�mpft, als der Wiedergeborene Drache bei den Quellen von Dumai entkam. Wir sind jedoch Geheilt worden, von einem Mann namens Damer Flinn, einem Asha'man, und wir scheinen alle wieder restlos hergestellt worden zu sein. So unwahrscheinlich das auch erscheint, ich schw�re beim Licht und bei meiner Hoffnung auf Errettung und Wiedergeburt, dass das die Wahrheit ist. Ich freue mich auf meine R�ckkehr in die Wei�e Burg, die irgendwann einmal stattfinden wird, wo ich die Drei Eide erneut ablegen werde, um meine Hingabe an meine Ajah und die Wei�e Burg nochmals zu verk�nden.�</p><p>Sie rollte den Brief zusammen und sch�ttelte kaum merklich den Kopf. �Da steht noch mehr, aber es ist nur weitere Bettelei, dass das, was sie tut, f�r die Ajah und die Burg ist.� Ein Funkeln in ihren Augen deutete an, dass Sashalle es m�glicherweise bedauern w�rde, die Letzte Schlacht zu �berleben.</p><p>�Wenn Sashalle wirklich Geheilt wurde�, setzte Pevara an und konnte dann nicht weitersprechen. Sie befeuchtete sich die Lippen mit Tee, dann hob sie die Tasse erneut und nahm einen Mund voll. Die M�glichkeit erschien zu wundervoll, um darauf hoffen zu k�nnen, eine Schneeflocke, die bei Ber�hrung vermutlich schmelzen w�rde.</p><p>�Das ist unm�glich�, knurrte Javindhra, wenn auch nicht besonders energisch. Dennoch richtete sie die Bemerkung an Pevara, damit die Oberste nicht auf den Gedanken kam, dass sie gemeint war. Ein tiefes Stirnrunzeln lie� ihre Z�ge noch kantiger erscheinen. �Eine D�mpfung kann nicht Geheilt werden. Eher lernen Schafe fliegen! Sashalle <emphasis>muss</emphasis> den Verstand verloren haben.�</p><p>�Toveine k�nnte sich irren�, sagte Tsutama in sehr energischem Tonfall, �obwohl ich dann nicht verstehe, warum die verdammten Asha'man Logain einen von ihnen sein lassen, geschweige denn ihm einen Rang verleihen, aber ich glaube kaum, dass Sashalle verdammt noch mal nicht merkt, was mit ihr geschieht. Und sie schreibt nicht wie eine Frau, die Wahnvorstellungen hat. Manchmal ist das, was verflucht unm�glich ist, nur so lange verflucht unm�glich, bis es die erste Frau tut. Also. Eine D�mpfung ist Geheilt worden. Von einem Mann. Die verfluchten seanchanischen Heuschrecken legen jede Frau an die Leine, die die Macht lenken kann, anscheinend auch ein paar Schwestern. Vor zw�lf Tagen . . . Nun, ihr wisst genauso gut wie ich, was passiert ist. Die Welt ist ein viel gef�hrlicherer Ort geworden als seit den Trolloc-Kriegen, vielleicht sogar seit der Zerst�rung der Welt selbst. Darum habe ich entschieden, dass wir Euren Plan f�r diese verfluchten Asha'man in die Tat umsetzen, Pevara. Widerlich und gef�hrlich, aber soll man mich zu Asche verbrennen, wir haben keine Wahl. Ihr und Javindhra werdet das gemeinsam arrangieren.�</p><p>Pevara zuckte zusammen. Nicht wegen der Seanchaner. Sie waren Menschen, was auch immer f�r seltsame <emphasis>Ter'angreale</emphasis> sie besa�en, und sie w�rden schlie�lich besiegt werden. Es war die Erw�hnung dessen, was die Verlorenen vor zw�lf Tagen getan hatten, das sie die Miene verziehen lie�, trotz ihrer Bem�hungen, ihr Gesicht unbewegt zu halten. So viel Macht, die an einer Stelle gelenkt worden war, das konnte kein anderer gewesen sein. Sie vermied nach M�glichkeit, dar�ber nachzudenken, was sie damit wohl versucht hatten. Oder noch schlimmer, was sie damit m�glicherweise erreicht hatten. Ein zweites Zucken r�hrte daher, dass der Vorschlag, mit den Asha'man den Bund einzugehen, nun ihr zugeschrieben wurde. Aber das war von dem Augenblick an unvermeidlich gewesen, in dem sie Tarnas Vorschlag Tsutama pr�sentiert und sich zugleich gegen die Explosion gewappnet hatte, die ihrer �berzeugung nach erfolgen musste. Sie hatte sogar das Argument benutzt, Zirkel durch M�nner zu vergr��ern, um der monstr�sen Zurschaustellung der Einen Macht entgegentreten zu k�nnen. �berraschenderweise hatte es keine Explosion gegeben, noch nicht einmal eine gro�e Reaktion. Tsutama hatte lediglich gesagt, sie w�rde dar�ber nachdenken, und darauf bestanden, dass man ihr die relevanten Schriften �ber M�nner und Zirkel aus der Bibliothek brachte. Das dritte und st�rkste Zucken kam daher, mit Javindhra zusammenarbeiten zu m�ssen, dass man ihr diese Aufgabe �berhaupt aufb�rdete. Sie hatte im Moment mehr als genug zu tun, davon abgesehen war es immer eine Qual, mit Javindhra zusammenarbeiten zu m�ssen. Die Frau hatte grunds�tzlich immer Einw�nde gegen alles, was nicht von ihr selbst kam. Fast alles.</p><p>Javindhra war vehement dagegen gewesen, mit Asha'man den Bund einzugehen, die Vorstellung, dass Rote Schwestern �berhaupt mit einem Mann den Beh�terbund eingehen sollten, hatte sie fast genauso entsetzt wie die Idee, den Bund mit M�nnern einzugehen, die die Macht lenken konnten, aber jetzt, da die Oberste es befohlen hatte, war sie matt gesetzt. �Elaida wird das niemals erlauben�, murmelte sie.</p><p>Tsutamas funkelnder Blick fixierte sie. Die knochige Frau schluckte schwer.</p><p>�Elaida wird es nicht erfahren, bevor es zu sp�t ist, Javindhra. Ich h�te ihre Geheimnisse, so gut ich kann, weil sie aus den Roten erhoben wurde � ob es nun die Katastrophe beim Angriff auf die Schwarze Burg ist oder die bei den Quellen von Dumai. Aber sie ist der Amyrlin-Sitz aller Ajah und keiner. Das bedeutet, dass sie nicht mehr zu den Roten geh�rt, und das ist Sache der Ajah und nicht ihre.� Ein gef�hrlicher Tonfall schlich sich in ihre Stimme ein. Und sie hatte nicht einmal geflucht. Das bedeutete, dass sie am Rand eines Wutanfalls stand. �Stimmt Ihr da nicht mit mir �berein? Wollt Ihr Elaida trotz meiner ausdr�cklichen W�nsche informieren?�</p><p>�Nein, Oberste�, erwiderte Javindhra schnell, dann versteckte sie das Gesicht hinter der Teetasse. Seltsamerweise schien sie ein L�cheln zu verbergen.</p><p>Pevara beschr�nkte sich darauf, den Kopf zu sch�tteln.</p><p>Wenn es getan werden musste, und sie war davon �berzeugt, dass es so war, dann musste man Elaida im Dunkeln lassen. Was gab es da zu l�cheln? Zu viele Verd�chtigungen.</p><p>�Ich bin sehr froh, dass ihr beide mir zustimmt�, sagte Tsutama trocken und lehnte sich in ihrem Stuhl zur�ck.</p><p>�Und jetzt lasst mich allein.�</p><p>Sie blieben nur noch lange genug, um die Tassen abzustellen und einen Knicks zu machen. Bei den Roten gehorchte jeder, wenn die Oberste sprach, die Sitzenden eingeschlossen. Gem�� dem Ajah-Gesetz gab es als einzige Ausnahme lediglich die Abstimmung im Saal, obwohl einige der Frauen in dieser Position es geschafft hatten, dass jede Abstimmung so nahe an ihren Herzenswunsch herankam, wie sie w�nschten. Pevara war davon �berzeugt, dass Tsutama eine von ihnen sein wollte. Dieser Kampf w�rde ausgesprochen unerfreulich werden. Sie hoffte nur, dass sie genauso gut austeilen wie einstecken konnte.</p><p>Drau�en auf dem Korridor murmelte Javindhra etwas von Korrespondenz und schoss �ber die wei�en, mit der roten Flamme von Tar Valon markierten Fliesen, bevor Pevara auch nur ein Wort sagen konnte. Nicht dass sie etwas hatte sagen wollen, aber diese Frau w�rde so gut wie nichts tun, so sicher Pfirsiche giftig waren, und ihr die ganze Sache �berlassen. Beim Licht, das war das Letzte, was sie brauchte, zum schlechtestm�glichen Zeitpunkt.</p><p>Sie blieb nur lange genug in ihrem Gemach, um die Stola mit den langen Fransen zu holen und nach der Zeit zu sehen � eine Viertelstunde vor Mittag; sie war beinahe entt�uscht, dass ihre Uhr mit Tsutamas �bereinstimmte; Uhren taten das h�ufig nicht �, dann verlie� sie das Quartier der Roten und eilte tiefer in die Burg hinein, nach unten in die f�r die Allgemeinheit zug�nglichen R�ume. Die breiten Korridore wurden von den mit Spiegeln versehenen Kandelabern hell erleuchtet, waren aber fast menschenleer, was sie h�hlenartig und die mit Simsen geschm�ckten W�nde nackt erscheinen lie�. Das gelegentliche Aufwallen eines hellen Wandbehangs durch einen Luftzug wirkte unheimlich, als h�tten die Seide oder Wolle ein Eigenleben entwickelt. Die wenigen Menschen, die ihr begegneten, waren Diener und Dienerinnen mit der Flamme von Tar Valon auf der Brust, die eilig ihren Pflichten nachkamen und kaum lange genug f�r ihre Ehrenbezeugungen stehen blieben. Sie hielten den Blick gesenkt. Da die Ajah fast zu im Krieg befindlichen Lagern geworden waren, herrschten Spannungen und Feindseligkeit in der Burg, und die Stimmung hatte die Dienerschaft angesteckt. Zumindest �ngstigte es sie.</p><p>Pevara wusste es nicht genau, aber sie glaubte, dass weniger als zweihundert Schwestern in der Wei�en Burg geblieben waren, und die meisten verweilten in den Quartieren ihrer Ajah, solange sie nicht anderswo hinmussten, also rechnete sie nicht damit, einer Spazierg�ngerin zu begegnen. Als Adelorna Bastine beinahe direkt vor ihr die kurze Treppe aus einem angrenzenden Korridor herunterrauschte, war sie so �berrascht, dass sie unwillk�rlich zusammenzuckte. Adelorna ging weiter, ohne Pevara auch nur eines Blickes zu w�rdigen. Die Saldaeanerin trug ebenfalls ihre Stola mit den Fransen, die ihre Ajah auswiesen � keine Schwester verlie� zurzeit ohne Stola das Quartier ihrer Ajah �, und wurde von ihren drei Beh�tern begleitet. Klein und gro�, breit und sehnig trugen sie ihre Schwerter, und ihre Blicke waren unabl�ssig in Bewegung. Beh�ter, die in der Wei�en Burg ihre Schwerter trugen und offensichtlich ihre Aes Sedai besch�tzten. Das war allzu verbreitet, aber Pevara h�tte deswegen weinen k�nnen. Doch es gab zu viele Gr�nde, um weinen zu k�nnen; stattdessen machte sie sich daran, so viele Dinge zu kl�ren, wie sie konnte.</p><p>Tsutama konnte Roten befehlen, mit Asha'man den Beh�terbund einzugehen, sie konnte ihnen befehlen, nicht zu Elaida zu rennen, aber es erschien besser, mit Schwestern anzufangen, die m�glicherweise bereit waren, den Gedanken in Betracht zu ziehen, ohne dass man es ihnen befahl, vor allem da sich das Ger�cht verbreitete, dass Asha'man drei Rote Schwestern umgebracht hatten. Tarna Fair hatte bereits dar�ber nachgedacht, also war ein sehr privates Gespr�ch mit ihr angebracht. Sie kannte vielleicht welche, die �hnlich dachten. Das gr��te Problem w�rde sein, den Asha'man mit der Idee gegen�berzutreten. Es war sehr unwahrscheinlich, dass sie einfach so zustimmten, nur weil sie gerade selbst einundf�nfzig Schwestern an sich gebunden hatten. Beim Licht der Welt, einundf�nfzig! Um das Thema anzuschneiden, w�rde man eine Schwester brauchen, die �ber Diplomatie verf�gte und redegewandt war. Und eiserne Nerven besa�. Sie sann noch immer �ber Namen nach, als sie die Frau erblickte, die sie treffen wollte, die bereits an der verabredeten Stelle stand und anscheinend einen gro�en Wandteppich betrachtete.</p><p>Klein gewachsen und gertenschlank, majest�tisch in ihrer hell silbrigen Seide mit etwas dunklerem Spitzenbesatz an Hals und Handgelenken, erschien Yukiri v�llig in ihre Betrachtung versunken und v�llig gelassen. Pevara konnte sich nur an eine Gelegenheit erinnern, bei der sie etwas aufgeregt gewesen war, und Talene der Befragung zu unterziehen war f�r alle Anwesenden enervierend gewesen. Yukiri war nat�rlich allein, allerdings hatte man sie in letzter Zeit sagen h�ren, sie w�rde dar�ber nachdenken, sich wieder einen Beh�ter zu erw�hlen. Zweifellos lag das zu gleichen Teilen an der Zeit und ihrer augenblicklichen Situation. Pevara h�tte selbst einen Beh�ter oder zwei gebrauchen k�nnen.</p><p>�Steckt da irgendwelche Wahrheit drin, oder ist das alles der Phantasie des K�nstlers entsprungen?�, fragte sie und gesellte sich zu der kleineren Frau. Der Wandbehang zeigte eine vor langer Zeit geschlagene Schlacht gegen Trollocs oder sollte es zumindest. Die meisten Dinge dieser Art entstanden lange nach dem Ereignis, und die Entw�rfe beruhten gew�hnlich auf H�rensagen. Dieser Teppich hier war alt genug, um den Schutz eines Machtgewebes zu brauchen, damit er nicht auseinander fiel.</p><p>�Ich wei� so viel �be Wandbeh�nge wie ein Schwein �ber Schmiedearbeit, Pevara.� Trotz ihrer ganzen Eleganz lie� Yukiri nur selten lange Zeit verstreichen, ohne ihre Herkunft vom Land zu enth�llen. Die silbergrauen Fransen ihrer Stola gerieten in Schwung, als sie sie enger um sich zog. �Ihr kommt sp�t, also lasst es uns kurz machen. Ich f�hle mich wie eine Henne, die von einem Fuchs beobachtet wird. Heute Morgen haben wir Marris' Widerstand gebrochen, und ich habe ihr den Gehorsamseid selbst abgenommen, aber wie bei den anderen ist ihre �Andere� nicht in der Burg. Ich glaube, sie ist bei den Rebellen.� Sie verstummte, als zwei Dienerinnen im Gang erschienen, die einen W�schekorb trugen, aus dem oben sauber gefaltete Bettw�sche hervorlugte.</p><p>Pevara seufzte. Am Anfang hatte es so vielversprechend ausgesehen. Auch furchteinfl��end und beinahe �berw�ltigend, aber es hatte nach einem guten Anfang ausgesehen. Talene hatte nur den Namen einer anderen Schwarzen Schwester gewusst, die sich gegenw�rtig in der Wei�en Burg befand, aber sobald Atuan entf�hrt worden war � Pevara h�tte es gern als Gefangennahme betrachtet, aber sie konnte es nicht, wenn es die H�lfte der Burggesetze verletzte und obendrein eine Menge tief verwurzelter Br�uche �, sobald man sie sicher in Gewahrsam hatte, war sie schnell dazu verleitet worden, die Namen ihres �Herzens� zu verraten: Karale Sanghir, eine Graue und Domani, und Marris Thornhill, eine Braune aus Andor. Nur Karale hatte von ihnen einen Beh�ter, allerdings hatte er sich auch als Schattenfreund entpuppt. Gl�cklicherweise hatte er sich in dem Kellerraum vergiftet, in den man ihn gesperrt hatte, w�hrend man Karale der Befragung unterzog; kurz nachdem er erfahren hatte, dass seine Aes Sedai ihn verraten hatte. Seltsam, das als gl�cklich zu bezeichnen, aber der Eidstab funktionierte nur bei denen, die die Macht lenken konnten, und sie waren zu wenig, um Gefangene bewachen und versorgen zu k�nnen.</p><p>Es war ein so furioser Anfang gewesen, wenn auch gefahrvoll, aber jetzt steckten sie in einer Sackgasse, solange keine der �Anderen� in die Burg zur�ckkehrten, fingen wieder damit an, nach Diskrepanzen zu suchen bei dem, was Schwestern behaupteten getan zu haben und was bewiesen werden konnte, dass sie es getan hatten. Was durch die Neigung der meisten Schwestern erschwert wurde, in fast allem undurchschaubar zu sein. Nat�rlich w�rden Talene und die anderen drei alles weiterleiten, was sie erfuhren, was auch immer ihnen in die H�nde fiel � daf�r sorgte der Gehorsamsschwur �, aber jede Botschaft, die wichtiger war als �nimm das und bring es dorthin� w�rde auf eine Weise verschl�sselt sein, die nur Absender und Empf�nger bekannt war. Einige wurden von einem Gewebe gesch�tzt, das die Tinte verschwinden lie�, wenn die falschen H�nde das Siegel brachen; das funktionierte mit so wenig Macht, dass es nicht auffiel, sofern man nicht danach Ausschau hielt, und es schien keinen Weg zu geben, das Schutzgewebe zu umgehen. Wenn nicht in der Sackgasse, war ihr Erfolg bestenfalls zu einem tr�pfelnden Rinnsal geworden. Und immer bestand die Gefahr, dass die Gejagten von ihnen erfuhren und zu den J�gern wurden. Und zwar unsichtbaren J�gern, so wie sie jetzt unsichtbares Wild zu sein schienen.</p><p>Und dennoch, sie hatten vier Namen und vier Schwestern in ihrer Hand, die zugaben, dass sie Schattenfreunde waren. Auch wenn Marris genauso schnell wie die anderen jetzt behaupten w�rde, dem Schatten abzuschw�ren, ihre S�nden zu bereuen und das Licht wieder anzunehmen. Und das ehrlich genug, um jeden zu �berzeugen. Angeblich wusste die Schwarze Ajah �ber alles Bescheid, das in Elaidas Arbeitsgemach passierte, aber vielleicht war es das Risiko trotzdem wert. Pevara weigerte sich, Talenes Behauptung zu glauben, Elaida sei eine Schattenfreundin. Schlie�lich hatte sie die Jagd in Gang gesetzt. Der Amyrlin-Sitz konnte die ganze Wei�e Burg aufr�tteln. Vielleicht konnte die Enth�llung, dass es die Schwarze Ajah tats�chlich gab, das erreichen, was der Aufmarsch der Rebellen mit einem Heer nicht vollbracht hatte, konnte die Ajahs abhalten, sich wie streunende Katzen anzufauchen und sie wieder zusammenschwei�en. Die Wunden der Burg verlangten nach verzweifelten Heilkuren.</p><p>Die Dienerinnen waren au�erhalb der H�rweite, und Pevara wollte den Vorschlag machen, da ergriff Yukiri wieder das Wort.</p><p>�Vergangene Nacht hat Talene den Befehl erhalten, vor ihrem �Hohen Rat� zu erscheinen.� Bei diesen Worten verzog sich ihr Mund vor Abscheu. �Anscheinend passiert das nur, wenn man geehrt wird oder eine ganz besonders wichtige Aufgabe erh�lt. Oder wenn man der Befragung unterzogen wird.� Ihre Lippen zuckten beinahe. Was sie �ber die Vorgehensweise der Schwarzen Ajah erfahren hatten, jemanden der Befragung zu unterwerfen, war so �belkeiterregend wie unglaublich. Eine Frau gegen ihren Willen in einen Zirkel zu zwingen? Einen Zirkel zu lenken, um jemanden zu foltern? Pevaras Magen verkrampfte sich. �Talene glaubt nicht, dass sie geehrt werden oder eine Aufgabe bekommen soll�, fuhr Yukiri fort, �also bettelt sie darum, versteckt zu werden. Saerin hat sie in einem Raum im untersten Keller untergebracht. Vielleicht irrt sich Talene, aber ich stimme Saerin zu. Dieses Risiko einzugehen w�re so, als w�rde man einen Hund auf den H�hnerhof lassen und auf das Beste hoffen.�</p><p>Pevara starrte den Wandteppich an, der sich hoch �ber ihre K�pfe erstreckte. M�nner in R�stungen hieben mit Schwertern und �xten und stachen mit Speeren und Hellebarden auf gewaltige, menschen�hnliche Kreaturen mit Eberschnauzen und Wolfsrachen, Ziegenh�rnern und Schafsgeweihen ein. Der K�nstler hatte Trollocs gesehen. Oder akkurate Bilder. Es k�mpften auch M�nner an der Seite der Trollocs. Schattenfreunde. Manchmal musste man Blut vergie�en, wenn man den Schatten bek�mpfte. Oder verzweifelte Heilkuren anwenden.</p><p>�Lasst Talene zu diesem Treffen gehen�, sagte sie. �Wir gehen alle. Sie werden uns nicht erwarten. Wir k�nnen sie t�ten oder gefangen nehmen und die Schwarze Ajah mit einem Streich enthaupten. Dieser Hohe Rat muss die Namen von allen kennen. Wir k�nnen die ganze Schwarze Ajah vernichten.�</p><p>Yukiri hob ein paar von Pevaras Fransen mit einer schlanken Hand hoch und bedachte sie mit einem demonstrativen Stirnrunzeln. �Ja, rot. Ich dachte schon, sie w�ren gr�n geworden, w�hrend ich wegschaute. Es werden dreizehn von ihnen sein, wisst Ihr. Selbst wenn ein paar Angeh�rige dieses �Rates� nicht in der Burg sind, wird der Rest Schwestern mitbringen, um auf diese Zahl zu kommen.�</p><p>�Ich wei߫, erwiderte Pevara ungeduldig. Talene war eine wahre Informationsquelle gewesen, das meiste davon nutzlos und vieles erschreckend, beinahe mehr, als sie ertragen konnten. �Wir nehmen jeden mit. Wir k�nnen Zerah und den anderen befehlen, an unserer Seite zu k�mpfen, sogar Talene und ihren Haufen. Sie werden tun, was man ihnen sagt.� Anfangs hatte ihr die Sache mit dem Gehorsamseid Unbehagen eingefl��t, aber im Laufe der Zeit konnte man sich an alles gew�hnen.</p><p>�Hm, neunzehn von uns gegen dreizehn von ihnen�, dachte Yukiri laut nach und klang viel <emphasis>zu</emphasis> geduldig. �Und wen auch immer sie als W�chter haben, um daf�r zu sorgen, dass ihr Treffen nicht gest�rt wird. Diebe passen immer besonders gut auf ihre Geldbeutel auf.� Das klang nervt�tend nach einem alten Sprichwort. �Am besten sagen wir, dass die Zahl ausgeglichen ist, vielleicht sogar zu ihrem Vorteil. Wie viele von uns werden sterben, um wie viele von ihnen zu t�ten oder gefangen zu nehmen? Und was noch wichtiger ist, wie viele von ihnen werden entkommen? Vergesst nicht, sie treffen sich mit Kapuzen verh�llt. Wenn nur eine entkommt, dann werden wir nicht wissen, wer sie ist, aber sie wird uns kennen, und damit auch bald die ganze Schwarze Ajah. In meinen Ohren klingt das weniger danach, ein Huhn zu k�pfen, als vielmehr mit einem Leoparden in der Dunkelheit ringen zu wollen.�</p><p>Pevara �ffnete den Mund, dann schloss sie ihn wieder wortlos. Yukiri hatte Recht. Sie h�tte die Zahlen zusammenz�hlen und zu demselben Schluss kommen m�ssen. Aber sie wollte zuschlagen, egal worauf oder auf wen, und das war auch kein Wunder. Das Oberhaupt ihrer Ajah war m�glicherweise wahnsinnig; sie hatte die Aufgabe erhalten, sich darum zu k�mmern, dass Rote, die uralten Br�uchen zufolge mit niemanden den Beh�terbund eingingen, nicht nur mit M�nnern den Bund schlossen, sondern mit Asha'man; und die Jagd nach Schattenfreunden in der Burg steckte in einer Sackgasse. Zuschlagen? Sie wollte L�cher in Ziegelsteine bei�en.</p><p>Sie glaubte ihr Treffen beendet � sie war nur gekommen, um zu erfahren, wie die Sache mit Marris vorangegangen war, und das hatte sich als bittere Ernte erwiesen �, aber Yukiri ber�hrte ihren Arm. �Begleitet mich ein St�ck. Wir stehen hier zu lange, und ich m�chte Euch etwas fragen.� Sitzende verschiedener Ajahs, die heutzutage zu lange beieinander standen, lie�en Ger�chte �ber Verschw�rungen so schnell wie Pilze nach einem Regenschauer sprie�en. Unterhaltungen bei einem Spaziergang verursachten aus irgendeinem Grund weniger. Es ergab keinen Sinn, aber so war es nun einmal.</p><p>Yukiri lie� sich Zeit mit ihrer Frage. Aus gr�nen und blauen Fliesen wurden w�hrend ihres Spaziergangs durch einen der Hauptkorridore der Burg, der eine sanfte Spirale beschrieb, gelbe und braune, und sie passierten f�nf Stockwerke, bevor sie sprach. �Haben die Roten irgendetwas von jemandem geh�rt, der Toveine begleitet hat?�</p><p>Pevara w�re beinahe �ber ihre Schuhe gestolpert. Allerdings h�tte sie das erwarten m�ssen. Unwahrscheinlich, dass Toveine als Einzige aus Cairhien schrieb. �Nur von Toveine selbst�, sagte sie und berichtete fast alles, was in Toveines Brief gestanden hatte. Unter diesen Umst�nden konnte sie nicht anders handeln. Sie hielt die Anschuldigungen gegen Elaida zur�ck und verriet auch nicht, wann der Brief eingetroffen war. Das eine war noch immer Sache der Ajah � hoffte sie zumindest �, und das andere h�tte unangenehme Erkl�rungen erfordert.</p><p>�Wir haben von Akoure Vayet geh�rt.� Yukiri schwieg die n�chsten Schritte, dann murmelte sie: �Verdammte und verfluchte Asche!�</p><p>Pevara hob schockiert die Brauen. Yukiri war oft sehr bodenst�ndig, aber sie war noch nie zuvor vulg�r gewesen. Pevara entging auch nicht, dass sie ebenfalls f�r sich behielt, wann Akoures Brief eingetroffen war. Hatten die Grauen andere Briefe aus Cairhien bekommen, von Schwestern, die dem Wiedergeborenen Drachen den Treueid geschworen hatten? Sie konnte nicht danach fragen. Bei dieser Jagd vertrauten sie sich gegenseitig ihr Leben an, aber Angelegenheiten der eigenen Ajah waren noch immer Angelegenheiten der eigenen Ajah. �Was wollt Ihr mit dieser Information machen?�</p><p>�Wir werden zum Wohl der Burg schweigen. Nur die Sitzenden und die Anf�hrerin unserer Ajah wissen Bescheid. Evanellein ist daf�r, Elaida deswegen zu st�rzen, aber das darf man jetzt nicht zulassen. Da die Burg wieder zusammenwachsen und man sich um die Seanchaner und die Asha'man k�mmern muss, vielleicht sogar nie.� Es h�rte sich nicht so an, als w�rde sie das freudig stimmen.</p><p>Pevara unterdr�ckte ihre Gereiztheit. Sie konnte Elaida nicht leiden, aber man musste den Amyrlin-Sitz auch nicht m�gen. Viele ausgesprochen unsympathische Frauen hatten die Stola der Amyrlin getragen und die Burg gut gef�hrt. Aber konnte man es gute F�hrung nennen, wenn man einundf�nfzig Schwestern in die Gefangenschaft schickte? Oder die Quellen von Dumai, was das anging, mit vier toten Schwestern und mehr als zwanzig, die in eine andere Art Gefangenschaft geraten waren, bei einem <emphasis>Ta'verent</emphasis> Egal. Elaida war eine Rote � eine ehemalige Rote �, und es war viel zu viel Zeit vergangen, seit eine Rote Stola und Stab errungen hatte. Seit dem Aufmarsch der Rebellen schienen alle �bereilten Aktionen und schlecht durchdachten Entscheidungen Dinge der Vergangenheit zu sein, und die Wei�e Burg vor der Schwarzen Ajah zu retten w�rde ihre Fehlschl�ge wieder gutmachen.</p><p>Nat�rlich sagte sie das so nicht. �Sie hat die Jagd in Gang gesetzt, Yukiri, sie verdient, sie auch zu beenden. Beim Licht, alles, was wir jetzt entdeckt haben, ist durch reinen Zufall ans Tageslicht gekommen, und wir stecken in einer Sackgasse. Wir brauchen die Autorit�t der Amyrlin im R�cken, wenn wir weiterkommen wollen.�</p><p>�Ich wei� nicht�, erwiderte Yukiri wenig �berzeugt. �Alle vier behaupten, dass die Schwarzen �ber alles Bescheid wissen, was in Elaidas Arbeitsgemach passiert.� Sie biss sich auf die Lippe und zuckte unbehaglich mit den Schultern. �Wenn wir vielleicht allein mit ihr sprechen k�nnten, au�erhalb ihres Arbeitsgemachs��</p><p>�Da seid ihr ja. Ich habe �berall nach euch gesucht.�</p><p>Pevara drehte sich unbewegt zu der pl�tzlich hinter ihr ert�nenden Stimme um, aber Yukiri zuckte zusammen und murmelte fast unh�rbar etwas Unfreundliches. Wenn sie so weitermachte, w�rde sie genauso schlimm sein wie Doesine. Oder Tsutama.</p><p>Seaine eilte mit wehenden Fransen auf sie zu; ihre dichten schwarzen Augenbrauen hoben sich �berrascht, als sie Yukiris b�sen Blick bemerkte. Wie typisch f�r eine Wei�e, logisch in allem und oft so blind f�r die Welt um sie herum. Seaine schien sich die H�lfte der Zeit nicht bewusst zu sein, dass sie in Gefahr schwebten.</p><p>�Ihr habt nach uns gesucht?� Yukiri stie� es beinahe knurrend hervor, die F�uste in die H�ften gestemmt. Trotz ihrer mangelnden Gr��e bot sie eine �berzeugende Darstellung grimmigen �berragens. Zweifellos lag das zum Teil daran, weil man sie �berrascht hatte, aber sie vertrat noch immer die Ansicht, dass man Seaine zu ihrer eigenen Sicherheit l�ckenlos bewachen sollte, ganz egal, was Saerin entschieden hatte � und da stand die Frau, v�llig allein und unterwegs.</p><p>�Nach Euch, nach Saerin, nach irgendjemandem�, erwiderte Seaine ruhig. Ihre Bef�rchtung, dass die Schwarze Ajah wusste, welche Aufgabe Elaida ihr �bertragen hatte, war so gut wie verschwunden. In ihren blauen Augen lag W�rme, ansonsten war sie wieder die typische Wei�e, eine Frau von eisiger gelassener Ruhe. �Ich habe dringende Neuigkeiten�, sagte sie in einem Tonfall, der das genaue Gegenteil besagte. �Zuerst das weniger Wichtige. Heute Morgen habe ich einen Brief von Ayako Norsoni gelesen, der vor mehreren Tagen eingetroffen ist. Aus Cairhien. Sie und Toveine und all die anderen sind von den Asha'man gefangen genommen worden und�� Sie legte den Kopf schief und musterte sie nacheinander. �Ihr seid nicht im Mindesten �berrascht. Nat�rlich. Ihr habt auch Briefe gelesen. Nun, daran kann man im Augenblick sowieso nichts �ndern.�</p><p>Pevara tauschte einen Blick mit Yukiri aus. Dann sagte sie: �Und das ist das weniger wichtige, Seaine?�</p><p>Die Selbstbeherrschung der Wei�en Sitzenden wich Sorge, ihre Lippen spannten sich an, und in ihren Augenwinkeln traten Falten zum Vorschein. Ihre H�nde ballten sich zu F�usten und klammerten sich um die Stola. �F�r uns ja. Ich war gerade bei Elaida. Sie wollte wissen, welche Fortschritte ich mache.� Seaine holte tief Luft. �Bei der Entdeckung von Beweisen, dass Alviarin eine verr�terische Korrespondenz mit dem Wiedergeborenen Drachen begonnen hat. Sie war am Anfang so vage, so indirekt, dass es kein Wunder ist, dass ich ihre W�nsche falsch verstanden habe.�</p><p>�Ich glaube, gerade ist ein Fuchs �ber mein Grab gelaufen�, murmelte Yukiri.</p><p>Pevara nickte. Die Idee, Elaida auf die Schwarzen anzusprechen, war wie Morgentau verschwunden. Die einzige Sicherheit, dass Elaida keine Schwarze Ajah war, hatte darin bestanden, dass sie die Jagd auf sie er�ffnet hatte, aber da sie das gar nicht getan hatte� Wenigstens wussten die Schwarzen Ajah nichts von ihnen. Wenigstens war es so gewesen. Aber wie lange noch?</p><p>��ber meins auch�, sagte sie leise.</p><p>Alviarin schritt �u�erlich v�llig gelassen durch die Korridore der unteren Burg, aber es kostete sie eine gro�e Anstrengung. Trotz der Kandelaber schien die Nacht an den W�nden zu kleben, die Geister von Schatten tanzten dort, wo keine h�tten sein d�rfen. Sicherlich Einbildung, aber sie tanzten am Rand des Blickfeldes. Die G�nge waren so gut wie leer, obwohl die Zweite Essensausgabe des Abends gerade geendet hatte. Heutzutage zogen die meisten Schwestern es vor, sich das Essen in ihre Gem�cher bringen zu lassen, aber die z�heren und stureren begaben sich von Zeit zu Zeit in die Speises�le, und eine Hand voll nahmen noch immer viele ihrer Mahlzeiten unten ein. Sie w�rde nicht riskieren, dass Schwestern sie durcheinander oder hektisch sahen; sie weigerte sich, in ihnen den Eindruck zu erwecken, dass sie verstohlen umherhuschte. In Wahrheit verabscheute sie es, dass sie �berhaupt jemand ansah. Nach au�en ganz ruhig scheinend, kochte sie innerlich. Pl�tzlich wurde sie sich bewusst, dass sie die Stelle auf ihrer Stirn befingerte, an der Schaidar Haran sie ber�hrt hatte. Wo der Gro�e Herr selbst sie als sein Eigentum gezeichnet hatte. Bei diesem Gedanken stieg Hysterie beinahe bis zur Oberfl�che auf, aber mit schierer Willenskraft behielt sie ein unbewegtes Gesicht bei und hob ihre wei�en Seidenr�cke ein kleines St�ck an. Das sollte ihre H�nde besch�ftigen. <emphasis>Der Gro�e Herr hatte sie gezeichnet.</emphasis> Besser, nicht daran zu denken. Aber wie sollte sie das vermeiden?</p><p><emphasis>Der Gro�e Herr�</emphasis></p><p>Nach au�en hin zeigte sie absolute Gelassenheit, aber innerlich war da ein brodelndes Gewirr aus Dem�tigung und Hass und beinahe wimmerndem Terror. Aber es war die �u�erliche Ruhe, auf die es ankam. Und da war ein Funken Hoffnung. Auch das war wichtig. Eine seltsame Sache, um sie als hoffnungsvoll zu betrachten, aber sie w�rde sich an allem festklammern, das sie wom�glich am Leben halten w�rde.</p><p>Sie blieb vor einem Wandteppich stehen, der eine Frau mit einer aufw�ndigen Krone zeigte, die vor einer l�ngst vergangenen Amyrlin kniete, und tat so, als w�rde sie ihn studieren, w�hrend sie unauff�llig nach links und rechts schaute. Abgesehen von ihr blieb der Korridor so leblos wie eine vergessene Gruft. Ihre Hand schoss hinter den Rand des Wandteppichs, und im n�chsten Augenblick umklammerte sie eine zusammengefaltete Nachricht und ging weiter. Ein Wunder, dass sie sie so schnell erreicht hatte. Das Papier schien ihre Hand zu verbrennen, aber sie konnte sie nicht hier lesen. Mit gesetzten Schritten stieg sie z�gernd zum Quartier der Wei�en Ajah hinauf. Von allem unber�hrt, jedenfalls nach au�en hin.</p><p><emphasis>Der Gro�e Herr hatte sie gez eichnet.</emphasis></p><p>Andere Schwestern w�rden sie ansehen. Die Wei�en waren die kleinste der Ajahs, im Moment hielten sich kaum mehr als zwanzig Schwestern in der Burg auf, und doch hatte es den Anschein, dass sich fast alle im Durchgangskorridor aufhielten. Der Weg �ber die wei�en Fliesen erschien wie ein Spie�rutenlauf.</p><p>Seaine und Ferane gingen trotz der sp�ten Stunde aus, die Stolen �ber die Arme drapiert, und Seaine schenkte ihr ein kleines bedauerndes L�cheln, das in ihr das Verlangen aufsteigen lie�, die Sitzende zu t�ten, die immer ihre spitze Nase in Dinge steckte, die sie nichts angingen.</p><p>Ferane zeigte kein Mitgef�hl. Ihr Stirnrunzeln verriet mehr offene Wut, als eine Schwester jemals h�tte zeigen d�rfen. Alviarin konnte nur versuchen, die kupferh�utige Frau zu ignorieren, ohne es zu offensichtlich aussehen zu lassen. Klein und st�mmig, mit einem ungew�hnlich sanften runden Gesicht und einem Tintenklecks auf der Nase, entsprach Ferane keinesfalls dem allgemeinen Bild einer Domani, aber die Erste Denkerin verf�gte �ber das hitzige Temperament einer Domani. Sie war durchaus dazu in der Lage, f�r die geringste Geringsch�tzung eine Bu�e zu verh�ngen, vor allem bei einer Schwester, die sowohl sich wie auch die Wei�en �entehrt� hatte.</p><p>Die Ajah bekam die Schande, dass man sie der Beh�terinnenstola entkleidet hatte, empfindlich zu sp�ren. Die meisten waren auch w�tend �ber den Verlust an Einfluss. Es gab viel zu viele finstere Blicke, einige davon von Schwestern, die weit genug unter ihr standen, dass sie bei einem Befehl von ihr h�tten springen sollen. Andere wandten ihr demonstrativ den R�cken zu.</p><p>Sie bahnte sich mit gleichm��igem Schritt einen Weg durch das Stirnrunzeln und die Anfeindungen, ohne jede Eile, aber sie f�hlte, wie Hitze in ihren Wangen aufstieg. Sie versuchte sich in die bes�nftigende Natur des Wei�en Quartiers zu versenken. Die schlichten wei�en W�nde, die von Silberspiegeln ges�umt wurden, wiesen nur ein paar einfache Wandteppiche auf, Bilder von schneebedeckten Bergen, schattige W�lder, Bambushaine, durch die schr�g das Sonnenlicht fiel. Seit sie zur Aes Sedai geworden war, hatte sie diese Bilder benutzt, um in Zeiten von Anspannung Ruhe zu finden. Der Gro�e Herr hatte sie gezeichnet. Sie verkrallte die F�uste im Stoff ihrer R�cke, um die H�nde an den Seiten zu halten. Die Nachricht schien ihre Hand zu verbrennen. Ein ruhiger, gesetzter Schritt.</p><p>Zwei der Schwestern, an denen sie vorbeiging, ignorierten sie einfach, weil sie sie nicht sahen. Astrelle und Tesan diskutierten �ber verdorbene Speisen. Eigentlich stritten sie, die Gesichter unbewegt, aber die Augen lebhaft und die Stimmen am Rande der Erregung. Sie waren sinnigerweise Rechenmeister, als k�nnte man Logik auf Zahlen reduzieren, und sie schienen dar�ber zu debattieren, wie diese Zahlen zu benutzen waren.</p><p>�Rechnet man mit Raduns Standard der Abweichung, ist die Rate elfmal so hoch, wie sie sein sollte�, sagte Astrelle angespannt. �Au�erdem muss das auf den Einfluss des Schattens hinweisen��</p><p>Tesan unterbrach sie, die mit Holzperlen geschm�ckten Z�pfe klickten, als sie den Kopf sch�ttelte. �Der Schatten, ja, aber Raduns Standard, der ist veraltet. Ihr m�sst Covanens Erste Regel der Mittellinie benutzen und bereits verdorbenes und verderbendes Fleisch separat berechnen. Die korrekte Antwort ist, wie ich gesagt habe, dreizehn und neun. Ich habe sie noch nicht auf Mehl oder Bohnen oder Linsen angewendet, aber es erscheint intuitiv offensichtlich��</p><p>Astrelle plusterte sich auf, und da sie eine mollige Frau mit einer formidablen Oberweite war, konnte sie sich auf beeindruckende Weise aufplustern. �Covanens Erste Regel?�, sprudelte sie hervor. �Das ist noch nicht richtig bewiesen worden. Korrekte und bewiesene Methoden sind immer schlampigen vorzuziehen��</p><p>Beinahe h�tte Alviarin gel�chelt, w�hrend sie weiterging. Also war endlich jemandem aufgefallen, dass der Gro�e Herr seine Hand auf die Burg gelegt hatte. Aber das Wissen w�rde ihnen nicht helfen, die Dinge zu �ndern. Vielleicht h�tte sie gel�chelt, aber sie unterdr�ckte es, als jemand sprach.</p><p>�Ihr w�rdet auch das Gesicht verziehen, Ramesa, wenn man Euch jeden Morgen vor dem Fr�hst�ck den Riemen zu sp�ren geben w�rde�, sagte Norine viel zu laut, damit Alviarin es auch ja h�ren konnte. Ramesa, eine hochgewachsene schlanke Frau, deren Kleider�rmel mit silbernen Gl�ckchen verziert waren, wirkte �berrascht, dass sie angesprochen wurde, und vermutlich war sie es auch. Norine hatte wenige Freunde, vielleicht auch gar keine. Sie fuhr fort, ihr Blick huschte zu Alviarin, um zu sehen, ob sie es geh�rt hatte.</p><p>�Es ist irrational, eine Bestrafung privat zu nennen und dann so zu tun, als w�rde nichts geschehen, wenn die Amyrlin sie angeordnet hat. Andererseits ist ihre Rationalit�t meiner Meinung nach immer �bersch�tzt worden.�</p><p>Gl�cklicherweise hatte es Alviarin nur noch ein kurzes St�ck bis zu ihrem Gemach. Sorgf�ltig verschloss sie die Au�ent�r und legte den Riegel vor. Nicht dass jemand sie st�ren w�rde, aber sie hatte nicht �berlebt, indem sie Risiken einging, wenn sie es nicht unbedingt musste. Die Lampen waren entz�ndet, ein kleines Feuer brannte in dem wei�en Marmorkamin, um die K�hle eines fr�hen Fr�hlingstages fern zu halten. Wenigstens die Diener erf�llten noch immer ihre Pflichten. Aber selbst die Diener wussten Bescheid.</p><p>Stumme Tr�nen der Dem�tigung fingen an, ihr die Wangen hinunterzustr�men. Sie wollte Silviana umbringen, aber das h�tte nur bedeutet, dass eine neue Oberin der Novizinnen sie jeden Morgen mit dem Riemen schlug, bis sich Elaida erweichen lie�. Aber Elaida w�rde sich niemals erweichen lassen. <emphasis>Sie</emphasis> zu t�ten w�re sinnvoller gewesen, aber solche Morde mussten sorgf�ltig rationiert werden. Zu viele unerkl�rte Todesf�lle w�rden Fragen aufwerfen, m�glicherweise gef�hrliche Fragen.</p><p>Und dennoch, sie hatte gegen Elaida getan, was sie konnte.</p><p>Katerines Mitteilungen �ber diese Schlacht verbreiteten sich in der ganzen Schwarzen Ajah und dar�ber hinaus. Alviarin hatte geh�rt, wie Schwestern, die nicht zu den Schwarzen geh�rten, detailliert �ber die Quellen von Dumai sprachen, und wenn die Einzelheiten bei der Verbreitung ausf�hrlicher geworden waren, umso besser. Bald w�rde sich auch die Nachricht �ber die Schwarze Burg hier verbreitet haben, vermutlich auf die gleiche Weise. Eine Schande, dass beides nicht ausreichen w�rde, damit Elaida entehrt und abgesetzt wurde, standen diese verfluchten Rebellen doch praktisch vor den Br�cken, aber die Quellen von Dumai und die Katastrophe in Andor, die �ber ihr schwebten, w�rden sie davon abhalten, das wieder r�ckg�ngig zu machen, was Alviarin geschafft hatte. Sie hatte den Befehl erhalten, die Wei�e Burg von innen zu vernichten. In jeder Ecke der Burg Chaos und Unfrieden zu stiften. Einen Teil von ihr hatte dieser Befehl geschmerzt, tat es immer noch, aber der gr��ere Teil ihrer Loyalit�t lag bei dem Gro�en Herrn. Elaida selbst hatte die erste Bresche in die Burg geschlagen, aber sie hatte die H�lfte so zerschlagen, dass sie nicht mehr zu reparieren war.</p><p>Unvermittelt wurde ihr bewusst, dass sie wieder ihre Stirn ber�hrte, und sie riss die Hand nach unten. Dort war kein Zeichen, nichts, das man sehen oder f�hlen konnte. Bei jedem Blick in den Spiegel kontrollierte sie es, obwohl sie es besser wusste. Und doch, manchmal glaubte sie, dass die Leute ihre Stirn anstarrten, etwas sahen, das sie selbst nicht sehen konnte. Das war unm�glich, irrational, doch der Gedanke schlich sich immer wieder bei ihr ein, ganz egal, wie oft sie ihn verjagte. Mit der Hand, die die Nachricht von dem Wandteppich hielt, wischte sie sich die Tr�nen aus dem Gesicht, dann holte sie die anderen beiden Nachrichten, die sie eingesammelt hatte, aus ihrer G�rteltasche und begab sich zu dem Schreibtisch an der Wand.</p><p>Es war ein einfacher Tisch, schmucklos wie alle ihre M�bel; vermutlich hatten die Handwerker einige davon ohne gro�en Einsatz gezimmert. Eine triviale Sache, solange M�bel die ihnen zugedachte Aufgabe erf�llten, spielte nichts weiter eine Rolle. Sie warf die drei Nachrichten neben einer kleinen geh�mmerten Kupferschale auf den Tisch, holte einen Schl�ssel aus der G�rteltasche, schloss eine mit Messingb�ndern beschlagene Truhe auf, die neben dem Tisch auf dem Boden stand, st�berte in den mit Leder eingebundenen B�chern darin herum, bis sie die drei gefunden hatte, die sie brauchte; jedes davon war besch�tzt, sodass die Tinte auf ihren Seiten verschwinden w�rde, wenn eine andere Hand au�er der ihren sie ber�hrte. Es wurden viel zu viele Chiffren benutzt, als dass sie sie sich h�tte merken k�nnen. Diese B�cher zu verlieren w�re ausgesprochen unerfreulich gewesen, sie zu ersetzen sehr m�hsam, daher die stabile Truhe und das Schloss. Ein sehr gutes Schloss. Gute Schl�sser waren keine Trivialit�t.</p><p>Hastig wickelte sie die d�nnen Papierstreifen ab, in die die Nachrichten eingewickelt waren, die sie hinter den Wandteppichen hervorgeholt hatte, hielt sie an eine Lampenflamme und warf sie in die Sch�ssel, damit sie dort verbrennen konnten. Das waren blo� Anweisungen, wo die Nachricht hinterlassen werden sollte, eine f�r jede Frau in der Kette. Die zus�tzlichen Streifen sollten lediglich verschleiern, durch wie viele H�nde die Nachricht ging, um ihre eigentliche Empf�ngerin zu erreichen. Es war unm�glich, zu viele Vorsichtsma�nahmen zu treffen. Nur drei Schwestern des Hohen Rates kannten ihre Identit�t; sie h�tte das lieber vermieden, w�re das m�glich gewesen. Man konnte nie vorsichtig genug sein, vor allem jetzt.</p><p>Die Botschaft war, nachdem sie sie entschl�sselt und auf ein anderes Blatt �bertragen hatte, so ziemlich das, was sie erwartet hatte, seit Talene am vergangenen Abend nicht gekommen war. Die Frau hatte das Quartier der Gr�nen fr�h am Vortag mit ausgebeulten Satteltaschen und einer kleinen Truhe verlassen. Sie hatte sie keinem Diener �bergeben, sondern sie selbst getragen. Niemand schien zu wissen, wo sie hin war. Nun stellte sich die Frage, ob der Ruf vor den Hohen Rat sie in Panik versetzt hatte oder etwas anderes dahintersteckte? Alviarin war davon �berzeugt, dass es Letzteres war. Talene <emphasis>hatte</emphasis> Yukiri und Doesine angesehen, als w�rde sie etwas erwarten� konnten es Anweisungen sein? Sie war �berzeugt, es sich nicht eingebildet zu haben. Oder doch? Ein sehr kleiner Hoffnungsfunke. Da musste es mehr geben. Sie <emphasis>brauchte</emphasis> eine Bedrohung der Schwarzen, oder der Gro�e Herr w�rde seinen Schutz zur�cknehmen. W�tend riss sie die Hand von der Stirn. Sie kam gar nicht auf den Gedanken, das kleine <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu benutzen, das sie versteckt hatte, um Mesaana zu rufen. Zum einen, sehr wichtig, die Frau wollte sie bestimmt t�ten, und das vermutlich trotz des Schutzes des Gro�en Herrn. Auf der Stelle, sobald es diesen Schutz nicht l�nger gab. Sie hatte Mesaanas Gesicht gesehen, wusste �ber ihre Dem�tigung Bescheid. Keine Frau w�rde das einfach �bergehen, vor allem keine der Auserw�hlten. Jede Nacht tr�umte sie davon, Mesaana zu t�ten, hatte Tagtr�ume dar�ber, wie sie das schaffen sollte, aber das musste warten, bis sie ihre Identit�t herausgefunden hatte, ohne dass die Auserw�hlte es bemerkte. In der Zwischenzeit brauchte sie mehr Beweise. Es war durchaus m�glich, dass weder Mesaana noch Schaidar Haran Talenes Verhalten als Best�tigung reichten. Schwestern waren auch schon in der Vergangenheit in Panik geraten und geflohen, auch wenn das nur selten vorkam, und die Annahme, dass Mesaana und der Gro�e Herr das nicht wussten, war gef�hrlich.</p><p>Sie f�hrte die chiffrierte Nachricht und die �bersetzung nacheinander an die Lampenflamme und hielt jede an der Ecke fest, bis sie ihr beinahe die Finger verbrannten, bevor sie sie auf die Asche in der Schale fallen lie�. Mit einem glatten schwarzen Stein, der ihr als Briefbeschwerer diente, zerrieb sie die Asche. Sie bezweifelte, dass jemand Worte aus Asche herauslesen konnte, trotzdem�</p><p>Noch immer stehend dechiffrierte sie die beiden anderen Nachrichten und erfuhr, dass sowohl Yukiri und Doesine in Zimmern schliefen, die mit Schutzgeweben gegen Eindringlinge versehen waren. Das war wenig �berraschend � zurzeit schlief kaum eine Frau in der Burg ohne Schutzgewebe �, aber das bedeutete, dass eine Entf�hrung schwierig werden w�rde. Das war immer am einfachsten, wenn es Schwestern aus der Ajah der Frau im Schutz der Nacht taten. Es mochte sich noch herausstellen, dass diese Blicke zuf�llig erfolgt waren oder sie sich diese nur eingebildet hatte. Sie musste diese M�glichkeit bedenken.</p><p>Mit einem Seufzen holte sie weitere der kleinen B�cher aus der Truhe und lie� sich langsam auf das mit G�nsefedern gef�llte Kissen auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch nieder. Nicht sanft genug, um eine Grimasse zu vermeiden, als sie ihr Gewicht dorthin platzierte. Sie unterdr�ckte ein Wimmern. Zuerst war sie der Ansicht gewesen, dass die Dem�tigung durch Silvianas Riemen weitaus schlimmer als die Schmerzen war, aber die Schmerzen gingen nie mehr ganz weg. Ihr Hinterteil war eine Masse aus Schwellungen. Und morgen w�rde die Oberin der Novizinnen weitere hinzuf�gen. Und am darauf folgenden Tag und am �bern�chsten� Eine d�stere Zukunftsperspektive, endlose Tage, die sie unter Silvianas Riemen schrie und jammerte, die Anstrengung, die Blicke der Schwestern zu erwidern, die alle �ber die Besuche in Silvianas Arbeitszimmer Bescheid wussten.</p><p>Sie versuchte die Gedanken zu verjagen, tauchte eine gute Feder mit Stahlspitze in die Tinte und fing an, chiffrierte Befehle auf d�nne Seiten zu schreiben. Talene musste nat�rlich aufgesp�rt und zur�ckgebracht werden. Zur Bestrafung und Hinrichtung, wenn sie blo� in Panik geraten war, und wenn nicht, falls sie eine M�glichkeit gefunden hatte, ihre Eide zu verraten� Alviarin klammerte sich an diese Hoffnung, w�hrend sie befahl, Yukiri und Doesine unter scharfe Beobachtung zu stellen. Es musste eine M�glichkeit gefunden werden, sie zu entf�hren. Und sollte sich alles nur als Zufall und Einbildung herausstellen, w�rde man noch immer etwas aus dem fabrizieren k�nnen, was sie gesagt hatten. Sie w�rde die Str�me des Zirkels leiten. Man w�rde etwas machen k�nnen.</p><p>Sie schrieb wie wild, sich nicht bewusst, dass ihre freie Hand zur Stirn gewandert war, auf der Suche nach dem Zeichen.</p><p>Nachmitt�gliches Sonnenlicht fiel schr�g an den hohen B�umen auf dem Kamm �ber dem Shaido-Lager vorbei, Singv�gel tr�llerten auf den Zweigen. Sommertangare und Blauh�her sch�ssen farbigen Blitzen gleich durch die Luft, und Galina l�chelte. Am Morgen hatte es heftig geregnet, und die Luft unter den langsam dahintreibenden wei�en Wolken hatte noch immer einen k�hlen Biss. Sicherlich war ihre graue Stute mit dem geschwungenen Hals und munteren Schritt der Besitz einer Adligen gewesen, oder zumindest eines reichen Kaufmanns. Niemand sonst h�tte sich ein so pr�chtiges Tier leisten k�nnen, mit Ausnahme einer Schwester vielleicht. Sie genoss die Ausritte auf dem Pferd, das sie Schnell genannt hatte, weil es sie eines Tages schnell in die Freiheit bringen w�rde; genau wie sie diese Zeit f�r sich genoss, in der sie dar�ber nachdenken konnte, was sie tun w�rde, sobald sie ihre Freiheit zur�ckerlangt hatte. Sie hatte Pl�ne, es allen heimzuzahlen, die sie im Stich gelassen hatten, und beginnen w�rde sie mit Elaida. �ber diese Pl�ne nachzudenken, dar�ber, wenn sie endlich in die Tat umgesetzt werden w�rden, machte sehr viel Spa�.</p><p>Das hie�, diese Ausritte machten ihr Spa�, solange sie vergessen konnte, dass dieses Privileg genauso sehr ein Zeichen dessen war, wie unersch�tterlich sie Theravas Besitz war, wie das dicke wei�e Seidengewand und der G�rtel und der Kragen, die mit Feuertropfen besetzt waren. Ihr L�cheln verwandelte sich in eine Grimasse. Schmuck f�r ein Scho�tier, das sich am�sieren durfte, wenn es nicht seine Besitzerin zu am�sieren hatte. Und sie konnte die juwelenbesetzten Herrschaftszeichen nicht entfernen, nicht einmal hier drau�en. Jemand konnte sie sehen. Sie ritt hier, um den Aiel aus dem Weg zu gehen, aber sie konnten auch im Wald sein. Therava konnte wom�glich davon erfahren. So schwer es auch fiel, das vor sich selbst zuzugeben, sie f�rchtete die falken�ugige Weise Frau bis in die Knochen. Therava erf�llte ihre Tr�ume, und sie waren niemals angenehm. Sie wachte oft schwei�gebadet und weinend auf. Aus diesen Albtr�umen zu erwachen war immer eine Erleichterung, ob sie nun den Rest der Nacht Schlaf fand oder nicht.</p><p>Diese Ausritte beinhalteten nie den Befehl, nicht zu fliehen, ein Befehl, dem sie h�tte gehorchen <emphasis>m�ssen,</emphasis> und sein Fehlen brachte seine eigene Bitterkeit. Therava wusste, dass sie zur�ckkehren w�rde � ganz egal, wie sehr man sie auch misshandelte �, von der Hoffnung getrieben, dass die Weise Frau eines Tages den verfluchten Gehorsamseid wieder zur�cknahm. Sie w�rde die Macht wieder lenken k�nnen, wann und wie <emphasis>sie</emphasis> es wollte. Sevanna lie� sie manchmal die Macht lenken, um unwichtige Aufgaben zu erledigen oder um einfach nur zu demonstrieren, dass sie es befehlen konnte, aber das geschah so selten, dass Galina f�rmlich selbst nach diesen Gelegenheiten hungerte, um <emphasis>Saida r</emphasis> umarmen zu k�nnen. Therava weigerte sich, sie auch nur die Macht ber�hren zu lassen, es sei denn, sie flehte und bettelte, aber selbst dann verweigerte sie die Erlaubnis, einen Strang zu lenken. Und sie hatte gebettelt und sich v�llig erniedrigt, nur um dieses Almosen zu bekommen. Ihr wurde bewusst, dass sie mit den Z�hnen knirschte, und sie zwang sich, damit aufzuh�ren.</p><p>Vielleicht w�rde der Eidstab in der Wei�en Burg sie von diesem Eid genauso befreien k�nnen wie der fast identische Eidstab in Theravas Besitz, aber sie konnte da nicht sicher sein. Die beiden waren <emphasis>nicht</emphasis> identisch. Der Unterschied bestand nur in der Zeichnung, aber was, wenn das ein Hinweis darauf war, dass ein darauf geleisteter Eid allein an diesen Stab gebunden war? Sie konnte es einfach nicht wagen, ohne Theravas Eidstab zu gehen. Die Weise Frau lie� ihn oft offen in ihrem Zelt herumliegen, aber sie hatte gesagt: <emphasis>Du wirst ihn niemal s ho chheben.</emphasis></p><p>Oh, Galina konnte den wei�en Stab mit dem Umfang eines Handgelenks ber�hren, seine glatte Oberfl�che streicheln, aber sie konnte nicht die Finger darum schlie�en, es sei denn, jemand gab ihr den Stab. Zumindest hoffte sie, dass das nicht dasselbe sein w�rde, wie ihn hochzuheben. Es <emphasis>musste</emphasis> einfach so sein. Allein der Gedanke, es k�nnte sich anders verhalten, erf�llte sie mit Verzweiflung. Das Verlangen in ihren Augen, wenn sie den Stab ansah, rief bei Therava ein seltenes L�cheln hervor.</p><p><emphasis>Will meine k leine Lina von ihrem Ei d befreit werden?,</emphasis> pflegte sie dann sp�ttisch zu sagen. <emphasis>Dann m uss Li na ei n ganz bra ves Scho �tier sein, denn ich werde nur dar�ber nachdenk en, dich zu befreien, wenn du mich davo n �berzeugst, dass du auch da nn mein Scho�tier bleibst.</emphasis></p><p>Auf Lebenszeit Theravas Spielzeug und das Ziel ihrer Launen sein? Jemand, den man als Ersatz pr�geln konnte, wann immer Therava w�tend auf Sevanna war? Das Wort <emphasis>Verz weifl ung</emphasis> war nicht stark genug, um ihre Gef�hle bei dieser Aussicht zu beschreiben. Entsetzen traf es schon eher. Sie bef�rchtete wahnsinnig zu werden, sollte das geschehen. Gleichzeitig bef�rchtete sie, dass es keine Flucht in den Wahnsinn geben w�rde.</p><p>Die Stimmung war ihr gr�ndlich verdorben, sie beschattete die Augen, um nach dem Stand der Sonne zu sehen. Therava hatte lediglich gesagt, dass sie sie vor Einbruch der Dunkelheit wiedersehen wollte, und es blieben noch zwei gute Stunden Tageslicht, aber sie seufzte bedauernd und wandte Schnell hangabw�rts, um zwischen den B�umen zur�ck zum Lager zu reiten. Die Weise Frau genoss es, M�glichkeiten zu finden, Gehorsam ohne direkten Befehl zu erzwingen. Tausend M�glichkeiten, sie kriechen zu lassen. Um sicher zu sein, musste die geringste Andeutung dieser Frau als Befehl gedeutet werden. Ein paar Minuten der Versp�tung hatten Bestrafungen zur Folge, die Galina bei der Erinnerung zusammenzucken lie�en � zusammenzucken und die Stute zu einem schnelleren Schritt antreiben. Therava akzeptierte keine Entschuldigungen.</p><p>Ein Aielmann trat hinter einem breiten Baum hervor und versperrte ihr den Weg, ein sehr gro�er Mann im <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> der seine Speere in das Geschirr geschoben hatte, das sein Bogenfutteral auf dem R�cken hielt. Sein Schleier hing auf seiner Brust. Wortlos ergriff er ihr Zaumzeug.</p><p>Sie starrte ihn einen Augenblick lang an, dann richtete sie sich emp�rt zu ihrer vollen Gr��e auf. �Narr!�, fauchte sie.</p><p>�Ihr m�sst mich mittlerweile kennen. Lasst mein Pferd los, oder Sevanna und Therava werden sich darin abwechseln, Euch die Haut abzuziehen!�</p><p>F�r gew�hnlich zeigten diese Aiel nur wenig von ihren Gesichtern, aber sie glaubte zu sehen, dass sich seine gr�nen Augen ein St�ck weiteten. Und dann schrie sie auf, als er seine gewaltige Faust in die Brust ihres Gewandes verkrallte und sie aus dem Sattel riss.</p><p>�Sei ruhig, <emphasis>Gai'schain�,</emphasis> sagte er, aber auf eine Weise, als w�re es ihm egal, ob sie gehorchte oder nicht.</p><p>Es hatte eine Zeit gegeben, da h�tte sie gehorchen m�ssen, aber sobald ihnen klar geworden war, dass sie jedem Befehl von wem auch immer gehorchen musste, hatte es zu viele gegeben, die sich einen Spa� daraus gemacht hatten, sie alberne Besorgungen erledigen zu lassen, w�hrend Therava oder Sevanna ihre Dienste brauchten. Jetzt musste sie nur noch bestimmten Weisen Frauen und Sevanna gehorchen, also trat und wand und schrie sie in der verzweifelten Hoffnung, jemanden auf sich aufmerksam zu machen, der wusste, dass sie Therava geh�rte. H�tte sie doch blo� ein Messer tragen d�rfen. Selbst das w�re eine Hilfe gewesen. Wie konnte dieser Mann sie nicht erkennen, oder nicht wissen, was ihr juwelenbesetzter G�rtel und der Kragen bedeuteten? Das Lager war riesig, mit so vielen Leuten gef�llt, wie manche St�dte Einwohner hatten, und doch hatte es den Anschein, als k�nnte jeder Theravas gefangene Feuchtl�nderin erkennen. Die Frau <emphasis>w�rde</emphasis> diesen Burschen h�uten lassen, und Galina hatte vor, zuzusehen und jede Minute zu genie�en.</p><p>Nur zu schnell wurde ersichtlich, dass ein Messer v�llig nutzlos gewesen w�re. Trotz ihrer Gegenwehr kam der Riese m�helos mit ihr zurecht, zog ihr die Kapuze �ber den Kopf und raubte ihre Sicht, dann stopfte er so viel er konnte davon in ihren Mund, bevor er sie knebelte. Er warf sie mit dem Gesicht nach unten zu Boden und band Handgelenke und Kn�chel fest zusammen. So m�helos, als w�re sie ein Kind gewesen! Sie wand sich noch immer, aber es war vergebene M�he.</p><p>�Er wollte eine <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die keine Aiel ist, Gaul, aber eine <emphasis>Gai'schain</emphasis> in Seide und Schmuck, die ausreitet?�, sagte ein Mann, und Galina erstarrte. Das war kein Aielmann. Dieser Akzent kam aus Murandy! �Das entspricht doch sicher keinem eurer Br�uche, oder?�</p><p>�Shaido!� Das Wort wurde wie ein Fluch ausgespuckt.</p><p>�Nun, wir m�ssen noch ein paar andere finden, wenn er etwas N�tzliches erfahren soll. Vielleicht mehr als nur ein paar. Da unten gibt es Tausende von Leuten in Wei�, und sie k�nnte �berall dort sein.�</p><p>�Ich glaube, die hier k�nnte Perrin Aybara sagen, was er wissen muss, Fager Neald.�</p><p>Hatte sie zuvor ihre Gegenwehr eingestellt, erstarrte sie jetzt f�rmlich. In ihrem Bauch und ihrem Herzen schien sich ein Eisklumpen gebildet zu haben. Perrin Aybara hatte diese M�nner geschickt? Wenn er die Shaido angriff, um zu versuchen, seine Frau zu retten, w�rde er get�tet werden und ihre Macht �ber Faile zerst�ren. Sollte ihr Mann sterben, w�rde es der Frau egal sein, was man �ber sie enth�llte, und die anderen hatten keine Geheimnisse, deren Aufdeckung sie f�rchteten. Entsetzt sah Galina ihre Hoffnungen, den Eidstab zu bekommen, dahinschwinden. Sie musste ihn aufhalten. Aber wie?</p><p>�Und wie kommt Ihr auf den Gedanken, Gaul?�</p><p>�Sie ist Aes Sedai. Und anscheinend eine Freundin Sevannas.�</p><p>�Ist sie das?�, sagte der Murandianer nachdenklich. �Tats�chlich?�</p><p>Seltsamerweise schien es keinem der M�nner auch nur das geringste Unbehagen zu bereiten, Hand an eine Aes Sedai zu legen. Und der Aielmann hatte es anscheinend getan, obwohl er genau wusste, was sie darstellte. Selbst wenn er ein abtr�nniger Shaido war, konnte er nicht wissen, dass sie ohne Erlaubnis nicht die Macht lenken konnte. Das wussten nur Sevanna und eine Hand voll Weise Frauen. Das alles wurde mit jedem verstreichenden Augenblick verwirrender.</p><p>Pl�tzlich wurde sie hochgehoben und auf den Bauch gelegt. �ber den eigenen Sattel, wie ihr klar wurde, und im n�chsten Augenblick wurde sie auf hartem Leder gewiegt; einer der M�nner verhinderte mit einer Hand, dass sie herunterfiel, als ihre Stute sich in Bewegung setzte.</p><p>�Lasst uns an eine Stelle gehen, an der Ihr eines Eurer L�cher machen k�nnt, Fager Neald.�</p><p>�Direkt auf der anderen Seite des H�gels, Gaul. Ich bin hier so oft gewesen, ich kann fast �berall ein Wegetor machen. Lauft ihr Aiel �berall hin?�</p><p>Ein Wegetor? Was plapperte der Mann da? Sie verwarf seinen Unsinn, sann �ber ihre M�glichkeiten nach und befand keine davon f�r gut. Zusammengeschn�rt wie ein Lamm auf dem Weg zum Markt und geknebelt, sodass man sie keine zehn Schritte weit entfernt h�ren w�rde, selbst wenn sie sich die Lungen aus dem Leib schrie, waren ihre Chancen zu entkommen nicht existent, falls nicht ein paar Shaido-Wachtposten ihre Entf�hrer abfingen. Aber wollte sie das �berhaupt? Solange sie Aybara nicht erreichte, konnte sie ihn auch nicht davon abhalten, alles zu ruinieren. Andererseits, wie viele Tagesm�rsche entfernt befand sich sein Lager? Er konnte nicht in der N�he sein, andernfalls h�tten ihn die Shaido mittlerweile gefunden. Sie wusste, dass Sp�her in einem Umkreis von zehn Meilen ausgeschw�rmt waren. So viele Tage man brauchen w�rde, ihn zu erreichen, so viele w�rde auch die R�ckreise in Anspruch nehmen. Nicht nur Minuten zu sp�t, sondern gleich Tage.</p><p>Therava w�rde sie deshalb nicht t�ten. Sie nur w�nschen lassen, sie w�re tot. Sie konnte es erkl�ren. Eine Geschichte, wie sie von R�ubern gefangen worden war. Nein, nur von zweien; es war schwer genug zu glauben, dass zwei M�nner so nahe an das Lager herangekommen waren, geschweige denn eine Bande. Unf�hig, die Macht zu lenken, hatte sie Zeit zur Flucht gebraucht. Sie konnte die Geschichte �berzeugend darlegen. Sie w�rde Therava vielleicht erweichen. Wenn sie sagte, dass�</p><p>Es war sinnlos. Als Therava sie das erste Mal wegen Unp�nktlichkeit bestraft hatte, war ihr Sattelgurt gerissen, und sie hatte das Pferd zu Fu� zur�ckf�hren m�ssen. Die Weise Frau hatte dies nicht als Entschuldigung akzeptiert, und sie w�rde auch eine Entf�hrung nicht akzeptieren. Galina h�tte heulen k�nnen. Tats�chlich wurde ihr bewusst, dass sie weinte, Tr�nen der Hoffnungslosigkeit, die sie nicht aufhalten konnte.</p><p>Das Pferd blieb stehen, und sie b�umte sich einfach auf, versuchte sich aus dem Sattel zu st�rzen, schrie so laut es der Knebel gestattete. Sie mussten versuchen, den Wachtposten aus dem Weg zu gehen. Sicherlich w�rde Therava es verstehen, wenn die Wachtposten mit ihr und ihren Entf�hrern zur�ckkamen, selbst wenn sie sich versp�tete. Sicherlich w�rde sie eine M�glichkeit finden, Faile zu zwingen, selbst wenn ihr Ehemann tot war.</p><p>Eine harte Hand traf sie grob. �Sei still�, sagte der Aielmann, und sie wurde weitergeschaukelt.</p><p>Auch ihre Tr�nen fl�ssen wieder, und die Seidenkapuze, die ihr Gesicht verh�llte, wurde feucht. Therava w�rde sie zum <emphasis>Schreien</emphasis> bringen. Aber noch w�hrend sie schluchzte, fing sie an, sich zurechtzulegen, was sie Aybara sagen w�rde.</p><p>Wenigstens konnte sie ihre Chancen retten, den Stab in die 4 H�nde zu bekommen. Therava w�rde� Nein, Nein! Sie musste sich auf das konzentrieren, was <emphasis>sie</emphasis> tun konnte. Bilder der Weisen Frau mit den grausamen Augen, die einen Stock oder einen Riemen oder Fesseln hielt, sch�ssen in ihr hoch, aber sie verdr�ngte sie jedes Mal, w�hrend sie jede Frage durchging, die Aybara m�glicherweise stellen w�rde, und jede Antwort, die sie geben w�rde. Was sie ihm sagen w�rde, damit er ihr die Sicherheit seiner Frau anvertraute.</p><p>In keiner ihrer �berlegungen hatte sie damit gerechnet, kaum mehr als eine Stunde nach ihrer Gefangennahme vom Pferd gehoben und aufrecht hingestellt zu werden.</p><p>�Sattle ihr Pferd ab, Noren, und binde es bei den anderen an�, sagte der Murandianer.</p><p>�Sofort, Meister Neald�, kam die Erwiderung. Es war ein cairhienischer Akzent.</p><p>Die Fesseln um ihre Kn�chel verschwanden, ein Messer glitt zwischen ihre Handgelenke und durchtrennte das Seil, dann wurde das gel�st, das ihren Knebel an Ort und Stelle hielt. Sie spuckte von ihrem Speichel durchtr�nkte Seide aus und riss die Kapuze zur�ck.</p><p>Ein kleiner Mann in einem dunklen Mantel f�hrte Schnell durch eine sich unregelm��ig ausbreitende Ansammlung aus gro�en, geflickten braunen Zelten und kleinen primitiven H�tten, die aus Zweigen konstruiert zu sein schienen, einschlie�lich Kiefernzweigen mit braunen Nadeln. Wie lange dauerte es, bis sich Kiefern braun verf�rbten? Tage sicherlich, vielleicht sogar Wochen. Die sechzig oder siebzig M�nner, die sich um Herdfeuer bem�hten oder auf Hockern sa�en, sahen in ihren groben M�nteln wie Bauern aus, aber einige von ihnen sch�rften Schwerter, und an einem halben Dutzend Stellen standen B�ndel aus Speeren und Hellebarden. Durch die L�cken zwischen den Zelten und H�tten konnte sie noch mehr M�nner entdecken, einige von ihnen mit Helmen und Brustharnischen, die auf Pferden sa�en und lange, mit Wimpeln versehene Lanzen hielten. Soldaten, die auf Patrouille ritten. Wie viele gab es noch au�erhalb ihrer Sicht? Egal. Was sich da vor ihren Augen erstreckte, war unm�glich! Die Shaido hatten Wachtposten in einer Entfernung vom Lager aufgestellt, die weiter als das hier war. Davon war sie �berzeugt!</p><p>�W�rde das Gesicht nicht schon ausreichen�, murmelte Neald, �dann w�rde mich diese k�hle, berechnende Musterung �berzeugen. Als w�rde sie W�rmer untersuchen, die sie unter einem umgedrehten Stein entdeckt hat.� Er war ein schlanker Bursche in einem schwarzen Mantel, und er fuhr sich am�siert �ber den gewachsten Schnurrbart, wobei er sorgf�ltig darauf achtete, die Spitzen nicht durcheinander zu bringen. Er trug ein Schwert, aber er sah keineswegs wie ein Soldat oder ein Waffenmann aus. �Nun, dann komm mit, Aes Sedai�, sagte er und ergriff ihren Oberarm. �Lord Perrin wird dir ein paar Fragen stellen wollen.� Sie riss sich los, und er fasste ruhig fester zu. �Schluss mit dem Unsinn.�</p><p>Gaul, der gro�e Aielmann, nahm den anderen Arm, und sie konnte mit ihnen gehen oder geschleift werden. Sie ging mit hoch erhobenem Kopf und tat so, als w�ren sie blo� eine Eskorte, aber jeder, der sah, wie sie ihre Arme hielten, w�rde die Wahrheit erkennen. Sie starrte stur geradeaus und war sich bewusst, dass die bewaffneten Bauernburschen � die meisten waren sehr jung � sie anschauten. Sie starrten sie nicht erstaunt an, sondern beobachteten sie nur nachdenklich. Wie konnten sie bei einer Aes Sedai nur so hochm�tig sein? Einige der Weisen Frauen, die nicht �ber den Eid Bescheid wussten, der sie gefangen hielt, hatten ihre Zweifel zum Ausdruck gebracht, dass sie �berhaupt eine Aes Sedai war, weil sie Therava so widerspruchslos gehorchte, aber diese beiden wussten, was sie war. Und es war ihnen einerlei. Sie vermutete, dass diese Bauern es ebenfalls wussten, aber keiner zeigte auch nur die geringste �berraschung �ber ihre Behandlung. Es verursachte ihr eine G�nsehaut.</p><p>Als sie sich dem gro�en, rot-wei� gestreiften Zelt n�herten, dessen Eingangsbahnen zur�ckgebunden waren, h�rte sie aus dem Inneren Stimmen ert�nen.</p><p>�� sagte, er sei bereit, sofort zu kommen�, sagte ein Mann.</p><p>�Ich kann es mir nicht leisten, auch nur noch ein Maul zu f�ttern, wenn ich nicht wei�, f�r wie lange�, erwiderte ein anderer Mann. �Blut und Asche! Wie lange dauert es denn, mit diesen Leuten ein Treffen zu arrangieren?�</p><p>Gaul musste sich ducken, um das Zelt zu betreten, aber Galina schritt hinein, als w�rde sie ihre Gem�cher in der Burg betreten. Sie mochte ja eine Gefangene sein, aber sie war eine Aes Sedai, und diese einfache Tatsache war ein m�chtiges Werkzeug. Und eine Waffe. Mit wem wollte er ein Treffen arrangieren? Bestimmt nicht mit Sevanna. Bitte mit jedem au�er Sevanna.</p><p>Im scharfen Kontrast zu dem zusammengew�rfelten Lager drau�en lag hier ein guter Teppich auf dem Boden, und von den Dachstangen hingen zwei Seidenbeh�nge, die nach cairhienischer Mode mit Blumen und V�geln bestickt waren. Galina konzentrierte sich auf einen gro�en, breitschultrigen Mann in Hemds�rmeln, der ihr den R�cken zukehrte und sich mit den F�usten auf einen Tisch mit schmalen Beinen st�tzte, der mit vergoldeten Schlangenlinien verziert und mit Karten und Papieren �berh�uft war. Sie hatte Aybara in Cairhien nur aus der Ferne gesehen, aber sie war sich sicher, dass das trotz des Seidenhemds und der auf Hochglanz polierten Stiefel der Bauernjunge aus Rand al'Thors Heimatdorf war. Auf jeden Fall schien jeder im Zelt ihn anzusehen.</p><p>Als sie das Zelt betrat, legte eine gro�e Frau in bis zum Hals geschlossener Seide mit leichtem Spitzenbesatz an �rmeln und Kragen, deren schwarzes Haar wellenf�rmig auf ihre Schultern fiel, auf vertrauliche Weise eine Hand auf Aybaras Arm. Galina erkannte sie. �Sie scheint vorsichtig zu sein, Perrin�, sagte Berelain.</p><p>�Meiner Meinung nach wittert sie eine Falle, Lord Perrin�, warf ein ergrauender, hart aussehender Mann ein, der einen verzierten Harnisch �ber einem scharlachroten Mantel trug. Ein Ghealdaner, dachte Galina. Wenigstens erkl�rten er und Berelain die Anwesenheit der Soldaten, wenn auch nicht die Tatsache, wie sie dort sein konnten, wo es unm�glich war.</p><p>Galina war sehr froh, dass sie der Frau in Cairhien nicht begegnet war. Das h�tte die Dinge hier jetzt mehr als nur schwierig gemacht. Sie w�nschte sich, ihre H�nde w�ren frei gewesen, um sich die Tr�nenspuren vom Gesicht wischen zu k�nnen, aber die beiden M�nner hielten ihre Arme fest. Daran konnte man nichts �ndern. Sie war eine Aes Sedai. Das war alles, was eine Rolle spielte. Das war alles, was sie zulassen w�rde, dass es eine Rolle spielte. Sie �ffnete den Mund, um die Initiative zu ergreifen�</p><p>Pl�tzlich sah Aybara sie �ber die Schulter an, und seine goldenen Augen lie�en ihre Zunge erstarren. Sie hatte die Geschichten nicht geglaubt, dass der Mann Wolfsaugen hatte, aber die hatte er tats�chlich. Die harten Augen eines Wolfes in einem Gesicht so hart wie Stein. Er lie� den Ghealdaner beinahe weich erscheinen. Und es war ein trauriges Gesicht mit dem kurz geschnittenen Bart. Zweifellos wegen seiner Frau. Das konnte sie sich zunutze machen.</p><p>�Eine Aes Sedai im Wei� einer <emphasis>Gai'schain�,</emphasis> sagte er ausdruckslos und wandte sich ihr zu. Er war ein gro�er Mann, wenn auch nicht ganz so gro� wie der Aielmann, aber er �berragte alle, indem er einfach blo� so dastand und mit diesen goldenen Augen alles aufnahm. �Und eine Gefangene, wie es scheint. Sie wollte nicht mitkommen?�</p><p>�Sie zappelte wie eine Forelle am Ufer, als Gaul sie zusammenschn�rte, mein Lord�, erwiderte Neald. �Ich musste blo� dastehen und zusehen.�</p><p>Eine seltsame Bemerkung, und in einem so bedeutsamen Tonfall. Was konnte er� Pl�tzlich wurde sie sich eines weiteren Mannes in einem schwarzen Mantel bewusst, einem st�mmigen Burschen mit einer silbernen Anstecknadel in Form eines Schwertes am hohen Kragen. Und ihr fiel wieder ein, wo sie M�nner in schwarzen M�nteln zuletzt gesehen hatte. Wie sie aus L�chern in der Luft sprangen, bevor sich bei den Quellen von Dumai alles in eine schreckliche Katastrophe verwandelte. Neald und seine L�cher, seine Wegetore. Diese M�nner konnten die Macht lenken.</p><p>Sie brauchte ihre ganze Kraft, um sich nicht aus dem Griff des Murandianers losrei�en zu wollen, um von ihm fortzuweichen. Allein die N�he zu ihm drehte ihr den Magen um. Von ihm ber�hrt zu werden� Sie wollte wimmern, und das �berraschte sie. Sicher war sie wohl z�her als das! Sie konzentrierte sich darauf, ein gelassenes Erscheinungsbild zu pr�sentieren, w�hrend sie versuchte, ihren pl�tzlich ganz trockenen Mund zu befeuchten.</p><p>�Sie behauptet, mit Sevanna befreundet zu sein�, f�gte Gaul hinzu.</p><p>�Eine Freundin von Sevanna�, sagte Aybara mit einem Stirnrunzeln. �Aber im Gewand einer <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Ein seidenes Gewand und Schmuck, trotzdem� Ihr wolltet nicht mitkommen, aber Ihr habt nicht die Macht gelenkt, um Gaul und Neald davon abzuhalten, Euch herzubringen. Und Ihr habt schreckliche Angst.� Er sch�ttelte den Kopf. Wie konnte er wissen, dass sie Angst hatte? �Ich finde es �berraschend, nach den Quellen von Dumai eine Aes Sedai bei den Shaido zu sehen. Oder wisst Ihr dar�ber nicht Bescheid? Lasst sie los, lasst sie los. Ich bezweifle, dass sie fl�chtet, wo sie euch so weit gefolgt ist.�</p><p>�Dumai spielt keine Rolle�, sagte sie kalt, als die H�nde der M�nner sich von ihr l�sten. Aber die beiden blieben wie W�chter an ihrer Seite stehen, und sie war stolz, wie unbewegt ihre Stimme war. Ein Mann, der die Macht lenken konnte. Zwei von ihnen, und sie war allein. Allein und nicht dazu in der Lage, einen Strang zu lenken. Sie stand mit hoch erhobenem Kopf da. Wie konnte er nur <emphasis>wissen,</emphasis> dass sie Angst hatte? In ihren Worten schwang nicht einmal ein Hauch von Furcht mit. Ihr Gesicht h�tte genauso gut aus Stein gemei�elt sein k�nnen, so wenig lie� sie sich etwas anmerken. �Die Wei�e Burg verfolgt Absichten, die allein Aes Sedai wissen oder verstehen k�nnen. Ich bin im Auftrag der Wei�en Burg unterwegs, und Ihr behindert mich. F�r keinen Mann eine kluge Entscheidung.� Der Ghealdaner nickte traurig, als h�tte er diese Lektion pers�nlich gelernt, aber Aybara sah sie blo� ausdruckslos an.</p><p>�Ich habe diesen beiden nur aus einem einzigen Grund nichts Drastisches angetan�, fuhr sie fort. �Weil ich Euren Namen geh�rt habe.� Falls der Murandianer und der Aielmann verrieten, wie lange das gedauert hatte, wollte sie behaupten, zuerst verbl�fft gewesen zu sein, aber sie schwiegen, und sie sprach schnell und energisch. �Eure Frau Faile steht unter meinem Schutz, genau wie K�nigin Alliandre, und wenn ich mit Sevanna fertig bin, werde ich sie mit mir nehmen, in Sicherheit bringen und ihnen helfen, an den von ihnen gew�nschten Ort zu kommen. In der Zwischenzeit gef�hrdet Eure Anwesenheit hier jedoch meine Angelegenheiten, die Angelegenheiten der Wei�en Burg, was ich nicht zulassen kann. Sie gef�hrdet auch Euch und Eure Frau und Alliandre. In diesem Lager halten sich Zehntausende Aiel auf. Wenn sie sich auf Euch st�rzen, und ihre Sp�her werden Euch bald finden, wenn das nicht schon geschehen ist, werden sie Euch vom Antlitz der Welt fegen. M�glicherweise werden sie darum auch Eurer Frau und Alliandre etwas antun. Vielleicht werde ich es nicht schaffen, Sevanna davon abzuhalten. Sie ist eine grausame Frau, und viele ihrer Weisen Frauen k�nnen die Macht lenken, es sind fast vierhundert von ihnen, alle bereit, die Macht zu gewaltt�tigen Zwecken einzusetzen, w�hrend ich nur eine Aes Sedai und durch meine Eide eingeschr�nkt bin. Wenn Ihr Eure Frau und die K�nigin besch�tzen wollt, reitet Ihr so schnell weg, wie Ihr k�nnt. Vielleicht greifen sie Euch nicht an, da Ihr offensichtlich auf dem R�ckzug seid. Das ist die einzige Hoffnung, die Ihr oder Eure Frau habt.� So. Wenn nur etwas von der Saat, die sie ges�t hatte, aufging, sollte das reichen, damit er verschwand.</p><p>�Wenn Alliandre in Gefahr schwebt, Lord Perrin�, fing der Ghealdaner an, aber Aybara brachte ihn mit erhobener Hand zum Schweigen. Das war alles, was es dazu brauchte.</p><p>Der Kiefer des Soldaten spannte sich an, bis sie glaubte, er w�rde gleich brechen, aber er schwieg.</p><p>�Ihr habt Faile gesehen?�, sagte der junge Mann. In seinem Tonfall schwang Aufregung mit. �Geht es ihr gut? Hat man ihr wehgetan?� Der Narr schien au�er den Worten �ber seine Frau nichts geh�rt zu haben.</p><p>�Es geht ihr gut, und sie steht unter meinem Schutz, Lord Perrin.� Wenn dieser Empork�mmling vom Bauernhof als Lord angesprochen werden wollte, w�rde sie es f�r den Augenblick tolerieren. �Sie und Alliandre.� Der Soldat starrte Aybara finster an, ergriff aber nicht die Gelegenheit, um etwas zu sagen. �Ihr m�sst mir zuh�ren. Die Shaido werden Euch alle t�ten��</p><p>�Kommt her und seht Euch das an�, schnitt Aybara ihr das Wort ab, wandte sich dem Tisch zu und zog ein gro�es Blatt heran.</p><p>�Ihr m�sst seine mangelnden Manieren entschuldigen, Aes Sedai�, murmelte Berelain und reichte ihr einen ziselierten Silberbecher mit dunklem Wein. �Er steht unter betr�chtlichem Druck, wie Ihr unter diesen Umst�nden vielleicht verstehen k�nnt. Ich habe mich nicht vorgestellt. Ich bin Berelain, die Erste von Mayene.�</p><p>�Ich wei�. Ihr d�rft mich Alyse nennen.�</p><p>Die Frau l�chelte, als w�sste sie, dass es ein falscher Name war, ihn aber dennoch akzeptierte. Die Erste von Mayene war alles andere als unkultiviert. Bedauerlich, dass sie sich stattdessen mit dem Jungen abgeben musste; kultivierte Leute, die glaubten, mit Aes Sedai tanzen zu k�nnen, waren leicht zu f�hren. Landvolk konnte aus reiner Unwissenheit stur sein. Aber der Kerl musste mittlerweile wenigstens <emphasis>etwas</emphasis> �ber Aes Sedai Bescheid wissen. Wenn man ihn ignorierte, vielleicht w�rde ihn das veranlassen, dar�ber nachzudenken, wer und was sie war.</p><p>Der Wein schmeckte wie Blumen auf ihrer Zunge. �Das ist sehr gut�, sagte sie mit ehrlicher Dankbarkeit. Sie hatte seit Wochen keinen vern�nftigen Wein mehr bekommen.</p><p>Therava erlaubte ihr kein Vergn�gen, das die Weise Frau sich selbst versagte. W�sste die Frau, dass sie in Maiden mehrere F�sser gefunden hatte, w�rde sie nicht einmal mittelm��igen Wein haben. Und mit Sicherheit geschlagen werden.</p><p>�Im Lager sind noch andere Schwestern, Alyse Sedai. Masuri Sokawa und Seonid Traighan, und meine eigene Beraterin, Annoura Larisen. M�chtet Ihr gern mit ihnen sprechen, wenn Ihr mit Perrin fertig seid?�</p><p>Mit vorgespielter L�ssigkeit zog Galina die Kapuze hoch, bis ihr Gesicht im Schatten lag, und nahm noch einen Schluck Wein, um Zeit zum Nachdenken zu haben. Annouras Anwesenheit war verst�ndlich, bedachte man Berelains Gegenwart, aber was taten die anderen beiden hier? Sie hatten zu denen geh�rt, die nach Siuans Sturz und Elaidas Erhebung aus der Burg geflohen waren. Sicher, keine von ihnen w�rde �ber ihre Beteiligung an der Entf�hrung des al'Thor-Jungen f�r Elaida Bescheid wissen, dennoch�</p><p>�Ich glaube nicht�, murmelte sie. �Ihre Angelegenheiten gehen nur sie etwas an, und meine nur mich.� Sie h�tte viel daf�r gegeben, ihre Pl�ne zu kennen, aber nicht, wenn der Preis daf�r war, erkannt zu werden. Jeder Freund des Wiedergeborenen Drachens mochte� Ideen� haben, was eine Rote betraf. �Berelain, helft mir, Aybara zu �berzeugen. Eure Gefl�gelten Wachen sind dem nicht gewachsen, was die Shaido gegen Euch aufbieten werden. Was f�r Ghealdaner ihr auch immer bei Euch habt, sie werden nicht den geringsten Unterschied machen. Eine Armee wird keinen Unterschied machen. Die Shaido sind zu viele, und sie verf�gen �ber Hunderte von Weisen Frauen, die bereit sind, die Eine Macht als Waffe zu benutzen. Ich habe sie dabei gesehen. Ihr k�nntet auch sterben, und selbst wenn Ihr nur gefangen genommen werdet, kann ich Euch nicht versprechen, dass ich Sevanna dazu bringe, Euch freizulassen, wenn ich gehe.�</p><p>Berelain lachte, als w�rden Tausende Shaido und Hunderte Weise Frauen, die die Macht lenken konnten, nicht z�hlen. �Oh, habt keine Furcht, dass sie uns finden. Dieses Lager befindet sich einen guten Drei-Tages-Ritt weit entfernt, vielleicht sogar vier. Das Gel�nde wird nicht weit von hier unwegsam.�</p><p>Drei Tage, vielleicht vier. Galina fr�stelte. Es h�tte ihr fr�her klar sein m�ssen. Eine Entfernung von drei oder vier Tagen in weniger als einer Stunde zur�ckgelegt. Durch ein Loch in der Luft erschaffen mit der m�nnlichen H�lfte der Macht. Sie war nahe genug gewesen, dass <emphasis>Saidin</emphasis> sie ber�hren konnte. Aber sie hielt ihre Stimme v�llig unter Kontrolle. �Trotzdem m�sst Ihr mir helfen, ihn davon zu �berzeugen, nicht anzugreifen. Es w�re katastrophal, f�r ihn, f�r seine Frau, f�r jeden Beteiligten. Dar�ber hinaus ist meine Arbeit wichtig f�r die Wei�e Burg. Ihr habt die Burg immer unterst�tzt.� Schmeicheleien f�r die Herrscherin einer einzigen Stadt und �ber ein paar Meilen Land, aber Schmeicheleien machten die Unbedeutenden genau wie die M�chtigen gef�lliger.</p><p>�Perrin ist stur, Alyse Sedai. Ich bezweifle, dass Ihr ihn umstimmen k�nnt. Das ist nicht so einfach, sobald er sich einmal entschieden hat.� Aus irgendeinem Grund zeigte die Frau ein L�cheln, das geheimnisvoll genug war, um einer Schwester zu stehen.</p><p>�Berelain, k�nntet Ihr Eure Ansprache sp�ter halten?�, sagte Aybara ungeduldig, und es war keine Bitte. Er tippte mit einem dicken Finger auf das Blatt. �Alyse, w�rdet Ihr Euch das ansehen?� Auch das war keine Bitte. Wer glaubte dieser Mann zu sein, dass er eine Aes Sedai herumkommandierte?</p><p>Aber zum Tisch zu gehen brachte sie ein kleines St�ck von Neald fort. Es brachte sie n�her an den anderen heran, der sie eindringlich musterte, aber er stand auf der anderen Seite des Tisches. Eine lachhafte Barriere, aber sie konnte ihn ignorieren, indem sie das Blatt unter Aybaras Finger betrachtete. Es fiel schwer, eine unbewegte Miene zu bewahren. Dort zeichneten sich die Umrisse von Maiden ab, einschlie�lich des Aqu�dukts, das von dem f�nf Meilen entfernten See Wasser transportierte; das Lager der Shaido, das die Stadt umgab, war ebenfalls grob eingezeichnet. Die wahre �berraschung war, dass die Markierungen die Septimen zu bezeichnen schienen, die eingetroffen waren, seit die Shaido Maiden erreicht hatten, und die Zahl bedeutete, dass seine M�nner das Lager seit einiger Zeit beobachteten. Eine weitere Karte schien in groben Strichen die Stadt selbst genauer darzustellen.</p><p>�Wie ich sehe, habt Ihr erfahren, wie gro� ihr Lager ist�, sagte sie. �Ihr m�sst wissen, dass ein Rettungsversuch hoffnungslos ist. Selbst wenn Ihr hundert solcher M�nner habt� � sie zu erw�hnen fiel nicht leicht, und sie konnte die Verachtung nicht g�nzlich aus ihrer Stimme heraushalten � �reicht das nicht. Diese Weisen Frauen werden sich wehren. Hunderte von ihnen. Es w�re ein Gemetzel, mit Tausenden von Toten, Eure Frau unter ihnen. Ich habe Euch gesagt, sie und Alliandre stehen unter meinem Schutz. Wenn meine Angelegenheiten erledigt sind, werde ich sie in Sicherheit bringen. Ihr habt meine Worte geh�rt, also wisst Ihr, dass sie bei den Drei Eiden die Wahrheit sind. Macht nicht den Fehler zu glauben, dass Euch Eure Verbindung zu al�Thor sch�tzen wird, wenn Ihr Euch in Dinge der Wei�en Burg einmischt. Ja, ich wei�, wer Ihr seid. Glaubt Ihr, Eure Frau h�tte es mir nicht gesagt? Sie vertraut mir, und wenn Ihr ihre Sicherheit bewahren wollt, m�sst Ihr mir auch vertrauen.�</p><p>Der Narr sah sie an, als w�ren ihre Worte an ihm vorbeigegangen, ohne seine Ohren ber�hrt zu haben. Diese Augen fl��ten einem wirklich Unbehagen ein. �Wo schl�ft sie? Sie und alle anderen, die zusammen mit ihr gefangen genommen wurden. Zeigt es mir.�</p><p>�Ich kann es nicht�, erwiderte sie leichthin. <emphasis>�Gai�schain</emphasis> schlafen nur selten zwei N�chte hintereinander am gleichen Ort.� Mit dieser L�ge schwand die letzte Chance, dass sie Faile und die anderen am Leben lassen konnte. Oh, sie hatte niemals vorgehabt, das Risiko ihrer eigenen Flucht zu erh�hen, indem sie ihnen half, aber das h�tte man sp�ter immer noch durch ver�nderte Umst�nde erkl�ren k�nnen. Sie konnte die M�glichkeit nicht riskieren, dass ihnen eines Tages tats�chlich die Flucht gelang und ihre offensichtliche L�ge aufgedeckt wurde.</p><p>�Ich werde sie befreien�, knurrte er, beinahe zu leise, dass sie es h�ren konnte. �Egal, was es auch kostet.�</p><p>Ihre Gedanken rasten. Es schien keine M�glichkeit zu geben, ihn davon abzubringen, aber vielleicht konnte sie ihn hinhalten. Zumindest das musste sie schaffen. �K�nntet Ihr mit Eurem Angriff wenigstens warten? Ich k�nnte meine Mission m�glicherweise in ein paar Tagen abschlie�en, vielleicht in einer Woche.� Eine Frist sollte Failes Anstrengungen f�rdern. Zuvor w�re es gef�hrlich gewesen; eine leere Drohung verlor alle Macht, und das Risiko, dass es die Frau nicht schaffen w�rde, den Eidstab zu besorgen, war zu gro� gewesen. Jetzt war dieses Risiko notwendig geworden. �Wenn ich das tun kann und Eure Frau und andere dort raushole, wird es keine Notwendigkeit mehr geben, dass Ihr sinnloserweise sterbt. Eine Woche.�</p><p>Auf Aybaras Gesicht zeichnete sich Frustration ab, er hieb hart genug mit der Faust auf den Tisch, dass er einen Satz machte. �Ihr k�nnt ein paar Tage haben�, knurrte er, �vielleicht sogar eine Woche oder mehr, wenn�� Er unterbrach sich. Diese seltsamen Augen richteten sich auf sie. �Aber ich kann nicht versprechen, wie viele Tage es sein werden�, fuhr er fort. �K�nnte ich, wie ich will, w�rde ich jetzt angreifen. Ich werde Faile keinen Tag l�nger eine Gefangene sein lassen, als ich muss, weil ich darauf warte, dass Aes Sedai-Pl�ne f�r die Shaido Fr�chte tragen. Ihr behauptet, sie steht unter Eurem Schutz, aber f�r welchen Schutz k�nnt Ihr wirklich in diesem Gewand sorgen? Im Lager gibt es Anzeichen f�r Trunkenheit. Sogar einige ihrer Wachtposten trinken. Sind die Weisen Frauen auch daf�r anf�llig?�</p><p>Der pl�tzliche Themenwechsel h�tte sie beinahe blinzeln lassen. �Die Weisen Frauen trinken nur Wasser, also braucht Ihr Euch nicht einbilden, sie alle im Rausch vorzufinden�, sagte sie trocken. Und ziemlich ehrlich. Es am�sierte sie immer, wenn die Wahrheit ihren Zwecken nutzte. Nicht, dass das Beispiel der Weisen Frauen viel Erfolg hatte. Unter den Shaido war Trunkenheit weit verbreitet. Jeder Raubzug brachte s�mtlichen Wein, den sie finden konnten. Dutzende kleiner Destillen produzierten widerw�rtiges Gebr�u aus Getreide, und jedes Mal, wenn die Weisen Frauen eine Destille zerst�rten, gab es an ihrer Stelle zwei neue. Aber ihn das wissen zu lassen w�rde ihn nur noch mehr ermutigen.</p><p>�Was die anderen angeht, bin ich zuvor schon bei anderen Heeren gewesen und habe dort mehr Trunkenheit erlebt als bei den Shaido. Wenn von Zehntausenden hundert betrunken sind, was bringt Euch das? Wirklich, es wird besser sein, wenn Ihr mir eine Woche versprecht. Zwei w�ren allerdings besser.�</p><p>Sein Blick fuhr zur Karte, seine rechte Hand ballte sich wieder zur Faust, aber in seiner Stimme lag keine Wut. �Begeben sich die Shaido oft in die Stadt?�</p><p>Sie stellte den Weinbecher auf dem Tisch ab und richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf. Diesen gelben Blick zu erwidern erforderte M�he, aber sie schaffte es, ohne zu schwanken. �Ich glaube, es wird h�chste Zeit, dass Ihr den n�tigen Respekt zeigt. Ich bin eine Aes Sedai, keine Dienerin.�</p><p>�Begeben sich die Shaido oft in die Stadt?�, wiederholte er in genau demselben Tonfall. Sie h�tte am liebsten mit den Z�hnen geknirscht.</p><p>�Nein�, fauchte sie. �Sie haben sich dort alles geholt, was sich zu stehlen lohnt, und einige Dinge, die es nicht tun.� Sie bedauerte die Worte in dem Moment, in dem sie sie ausgesprochen hatte. Sie waren ihr unverf�nglich erschienen, bis ihr wieder die M�nner einfielen, die durch L�cher in der Luft springen konnten. �Das hei�t nicht, dass sie sie niemals betreten. An den meisten Tagen gehen ein paar hinein. Zu jeder Zeit halten sich dort zwanzig oder drei�ig von ihnen auf, gelegentlich auch mehr, in Gruppen aus zwei oder drei M�nnern.� War er schlau genug, um zu verstehen, was das zu bedeuten hatte? Es war besser, daf�r zu sorgen, dass er es tat. �Ihr k�nntet sie nicht alle erwischen. Einige werden unweigerlich entkommen k�nnen, um das Lager zu warnen.�</p><p>Aybara nickte blo�. �Wenn Ihr Faile seht, dann sagt Ihr, dass sie und die anderen sich an dem Tag, an dem sie Nebel auf dem Kamm sieht und W�lfe bei Tageslicht heulen h�rt, in Lady Cairens Festung am n�rdlichen Ende der Stadt begeben und dort verstecken sollen. Sagt ihr, dass ich sie liebe. Sagt ihr, dass ich sie holen komme.�</p><p>W�lfe? War der Mann verr�ckt? Wie wollte er erreichen, dass W�lfe� ? Pl�tzlich war sie sich nicht l�nger sicher, ob sie es wissen wollte, nicht mit diesen auf sie gerichteten Wolfsaugen.</p><p>�Ich richte es ihr aus�, log sie. Vielleicht wollte er nur die M�nner in den schwarzen M�nteln benutzen, um seine Frau zu holen? Aber warum dann �berhaupt warten? Diese gelben Augen verbargen Geheimnisse, die sie gern erfahren h�tte. Mit wem wollte er zusammentreffen? Offensichtlich nicht mit Sevanna. Daf�r h�tte sie dem Licht gedankt, h�tte sie mit diesem Unsinn nicht schon vor langer Zeit aufgeh�rt. Wer war bereit, sofort zu ihm zu kommen? Ein Mann war erw�hnt worden, aber das bedeutete vermutlich ein K�nig mit einem Heer. Oder handelte es sich um al�Thor selbst? Sie betete, ihm niemals wieder zu begegnen.</p><p>Ihr Versprechen schien den jungen Mann von einer Last zu befreien. Er atmete langsam aus, eine Anspannung, die ihr gar nicht aufgefallen war, wich aus seinem Gesicht. �Das Problem mit einem schmiedeeisernen R�tselspiel ist immer, das Schl�sselst�ck an den richtigen Platz zu setzen�, sagte er leise und tippte auf die Umrisse von Maiden. �Nun, das ist erledigt. Oder wird es bald sein.�</p><p>�Bleibt Ihr zum Abendessen?�, fragte Berelain. �Die Stunde ist nah.�</p><p>Das Licht im T�reingang wurde schw�cher. Eine schlanke Dienerin in dunkler Wolle, die das wei�e Haar in einem Knoten trug, trat ein und fing an, die Lampen zu entz�nden.</p><p>�Werdet Ihr mir zumindest eine Woche versprechen?�, verlangte Galina zu wissen, aber Aybara sch�ttelte den Kopf.</p><p>�In diesem Fall z�hlt jede Stunde.� Sie hatte nie vorgehabt, einen Moment l�nger als n�tig zu bleiben, aber die n�chsten Worte musste sie hervorzwingen. �Lasst Ihr mich von einem Eurer� M�nner� zur�ckbringen, so nahe ans Lager heran wie m�glich?�</p><p>�Neald, erledigt das�, befahl Aybara. �Und versucht wenigstens, h�flich zu sein.� Das musste ausgerechnet <emphasis>er</emphasis> sagen!</p><p>Sie holte tief Luft und schlug die Kapuze zur�ck. �Ich m�chte, dass Ihr mich schlagt, hierhin.� Sie ber�hrte ihre Wange. �Hart genug, damit es Spuren hinterl�sst.�</p><p>Endlich hatte sie etwas gesagt, das zu dem Mann durchdrang. Diese gelben Augen weiteten sich, und er steckte die Daumen hinter den G�rtel, als wollte er seine H�nde sichern.</p><p>�Das werde ich nicht�, sagte er und klang, als w�re sie verr�ckt.</p><p>Dem Ghealdaner stand der Mund offen, und die Dienerin starrte sie an; der brennende Span in ihrer Hand hing in gef�hrlicher N�he zu ihren R�cken.</p><p>�Ich brauche das�, sagte Galina fest. Bei Therava w�rde sie jeden Fetzen Glaubw�rdigkeit brauchen, den sie beibringen konnte. �Tut es!�</p><p>�Ich glaube nicht, dass er das tun wird�, sagte Berelain und kam mit gerafften R�cken heran. �Er kann seine Herkunft vom Lande nicht verleugnen. Erlaubt Ihr?�</p><p>Galina nickte ungeduldig. Es lie� sich nicht �ndern, obwohl die Frau vermutlich keine sehr �berzeugende�</p><p>Alles wurde schwarz, und als sie wieder sehen konnte, schwankte sie leicht. Sie schmeckte Blut. Sie tastete nach ihrer Wange, und sie zuckte zusammen.</p><p>�Zu hart?�, fragte Berelain besorgt.</p><p>�Nein�, nuschelte Galina und k�mpfte darum, keine Miene zu verziehen. H�tte sie die Macht lenken k�nnen, h�tte sie der Frau den Kopf abgerissen! Andererseits, h�tte sie die Macht lenken k�nnen, w�re nichts hiervon n�tig gewesen. �Jetzt die andere Wange. Und lasst mein Pferd holen.�</p><p>Sie ritt mit dem Murandianer in den Wald, an eine Stelle, an der mehrere gro�e B�ume umgest�rzt und seltsam zerteilt lagen, bestimmt w�rde es ihr schwer fallen, dieses Loch in der Luft zu benutzen, aber als der Mann einen senkrechten silberblauen Riss produzierte, der sich zu einem Ausblick auf steiles Gel�nde vergr��erte, dachte sie �berhaupt nicht an das verschmutzte <emphasis>Saidin,</emphasis> als sie Schnell durch die �ffnung trieb. Da war nur der Gedanke an Therava.</p><p>Sie h�tte fast geschrien, als sie erkannte, dass sie auf der dem Lager gegen�berliegenden Seite des H�gelkamms stand. Wild raste sie der untergehenden Sonne entgegen. Und verlor.</p><p>Ungl�cklicherweise behielt sie Recht. Therava akzeptierte keine Entschuldigungen. Sie war vor allem �ber die blauen Flecken aufgebracht. Sie verletzte niemals Galinas Gesicht. Was folgte, kam ihren Albtr�umen sehr nahe. Und es dauerte viel l�nger. Manchmal, wenn sie am lautesten schrie, verga� sie beinahe ihr verzweifeltes Verlangen, den Eidstab zu erlangen. Aber sie klammerte sich daran. Sie musste den Eidstab bekommen und Faile und ihre Freundinnen t�ten, und sie w�rde frei sein.</p><p>Egwene kam langsam zu Bewusstsein, und so benommen wie sie war, hatte sie kaum die Geistesgegenwart, die Augen geschlossen zu halten. Ihr Kopf lag schwer auf der Schulter einer Frau, und sie h�tte ihn nicht heben k�nnen, selbst wenn sie gewollt h�tte. Die Schulter einer Aes Sedai; sie konnte die F�higkeiten der Frau sp�ren. Ihr Kopf f�hlte sich wie mit Wolle ausgestopft an, das Denken fiel schwer, ihre Gliedma�en waren so gut wie taub. Ihre wollene Reitkleidung und der Umhang waren trocken, wie ihr auffiel, obwohl sie in den Fluss gefallen war. Nun, das war mit der Macht schnell zu machen. Allerdings war es unwahrscheinlich, dass sie die Kleidung zu ihrer Bequemlichkeit getrocknet hatten. Sie sa� zwischen zwei Schwestern eingeklemmt, von denen eine blumiges Parf�m trug. Beide st�tzten sie mit einer Hand, um sie mehr oder weniger aufrecht zu halten. Dem Schaukeln und dem Klappern der Hufe eines Gespanns auf Pflastersteinen nach zu urteilen, sa�en sie in einer Kutsche. Vorsichtig �ffnete sie die Augen einen Spalt breit.</p><p>Die Vorh�nge der Kutschenfenster waren zur�ckgebunden, aber bei dem Gestank verfaulenden M�lls h�tte man sie besser zugezogen. M�ll, der verfaulte! Wie konnte das in Tar Valon passieren? Eine derartige Vernachl�ssigung der Stadt war allein schon Grund genug, um Elaida aus ihrem Amt zu entfernen. Die Fenster lie�en gen�gend Mondlicht ein, dass sie m�hsam drei Aes Sedai ausmachen konnte, die ihr gegen�ber im r�ckw�rtigen Teil der Kutsche sa�en. Selbst wenn sie nicht gewusst h�tte, dass sie die Macht lenken konnten, ihre mit Fransen besetzten Stolen h�tten keinen Zweifel daran gelassen. In Tar Valon konnte es f�r eine Frau, die keine Aes Sedai war, unerfreuliche Konsequenzen haben, eine Stola mit Fransen zu tragen. Seltsamerweise schien sich die Schwester auf der linken Seite an die Kutschenwand zu dr�ngen, weg von den anderen beiden � und die schmiegten sich zwar nicht gerade aneinander, sa�en aber zumindest sehr eng zusammen, als w�rden sie den Kontakt mit der dritten Aes Sedai vermeiden. Sehr seltsam.</p><p>Pl�tzlich wurde sich Egwene bewusst, dass sie nicht abgeschirmt war. So benommen sie auch war, es ergab keinen Sinn. Die Schwestern konnten ihre St�rke f�hlen, so wie sie die ihre f�hlen konnte, und obwohl keine von ihnen schwach war, glaubte sie dennoch, alle f�nf �berw�ltigen zu k�nnen, wenn sie schnell genug war. Die Wahre Quelle war eine gewaltige Sonne direkt am Rand ihres Blickfeldes, die sie lockte. Die erste Frage war, konnte sie es schon wagen? In dem Zustand, in dem ihr Kopf war, in dem die Gedanken durch knietiefen Schlamm zu waten schienen, war es unsicher, ob sie <emphasis>Saidar</emphasis> umarmen konnte, und ob es ihr nun gelang oder sie dabei scheiterte, sie w�rden es in dem Moment wissen, in dem sie es versuchte. Es war besser, sich erst etwas zu erholen. Die zweite Frage, die sich stellte, war, wie lange sie es wagen konnte, damit zu warten. Sie w�rden sie nicht ewig ohne Abschirmung herumlaufen lassen. Versuchsweise probierte sie, die Zehen in dem festen Schuhwerk zu kr�mmen, und war entz�ckt, als sie sich gehorsam bewegten. Langsam schien Leben in ihre Arme und Beine zur�ckzukehren. Sie glaubte, den Kopf heben zu k�nnen, wenn auch m�hsam. Was auch immer sie ihr gegeben hatten, lie� in seiner Wirkung nach. Wie lange noch?</p><p>Die dunkelhaarige Schwester auf der Mitte der R�ckbank nahm ihr die Entscheidung ab. Sie beugte sich vor und schlug sie so hart, dass sie auf den Scho� der Frau kippte, an die sie sich angelehnt hatte. Unwillk�rlich tastete ihre Hand nach der brennenden Wange. So viel dazu, eine Ohnmacht vorzut�uschen.</p><p>�Das war �berfl�ssig, Katerine�, sagte eine heisere Stimme �ber ihr, w�hrend ihre Besitzerin sie wieder aufrecht hinsetzte. Egwene konnte den Kopf oben halten, auch wenn es schwer fiel. Katerine. Das musste Katerine Alruddin sein, eine Rote. Aus irgendeinem Grund erschien es ihr wichtig, ihre Entf�hrer zu identifizieren, auch wenn sie nicht mehr �ber Katerine wusste als ihren Namen und ihre Ajah. Die Schwester, auf deren Scho� sie gefallen war, hatte blondes Haar, aber ihr vom Mondlicht in Schatten geh�lltes Gesicht geh�rte einer Fremden. �Ich glaube, Ihr habt ihr zu viel Spaltwurzel gegeben�, fuhr die Frau fort.</p><p>Ein eisiger Schrecken durchfuhr Egwene. Das also hatte man ihr eingefl��t! Sie zermarterte sich das Hirn, was ihr Nynaeve �ber diesen widerlichen Tee erz�hlt hatte, aber ihre Gedanken fl�ssen noch immer tr�ge. Auch wenn es anscheinend besser ging. Nynaeve hatte gesagt, dass es eine Zeit lang dauerte, bis die Wirkung v�llig abgeklungen war. Da war sie sich sicher.</p><p>�Ich habe ihr genau die richtige Dosis gegeben, Felaana�, erwiderte die Schwester, die sie geschlagen hatte, trocken.</p><p>�Und wie Ihr sehen k�nnt, versetzt sie sie in genau den gew�nschten Zustand. Ich will, dass sie allein gehen kann, wenn wir in der Burg eintreffen. Ich habe nicht vor, sie noch einmal zu tragen�, endete sie mit einem b�sen Blick auf die Schwester, die zu Egwenes Linken sa�, die aber lediglich den Kopf sch�ttelte. Das war Pritalle Nerbaijan, eine Gelbe, die sich stets nach Kr�ften bem�ht hatte, sich vor dem Unterricht mit Novizinnen oder Aufgenommenen zu dr�cken, und die ihren Abscheu vor dieser Aufgabe nie besonders verschleiert hatte, wenn man sie dazu zwang.</p><p>�Sie von meinem Harril tragen zu lassen w�re �u�erst unschicklich gewesen�, sagte sie kalt. Sogar eisig, wenn man es genau nahm. �Ich werde froh sein, wenn sie gehen kann, aber wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Auf jeden Fall kann ich es kaum erwarten, sie den anderen zu �bergeben. Wenn Ihr sie nicht wieder tragen wollt, Katerine, ich will sie nicht die halbe Nacht in der Zelle bewachen m�ssen.� Katerine warf absch�tzig den Kopf in den Nacken.</p><p>Die Zellen. Nat�rlich, sie war f�r einen dieser kleinen, dunklen R�ume auf der ersten Ebene der Burggew�lbe bestimmt. Elaida w�rde sie beschuldigen, sich f�lschlicherweise als Amyrlin-Sitz ausgegeben zu haben. Darauf stand die Todesstrafe. Seltsamerweise erf�llte sie dieser Gedanke nicht mit Angst. Vielleicht lag das an den Kr�utern. W�rden Romanda oder Lelaine nachgeben und sich damit einverstanden erkl�ren, dass man eine von ihnen nach ihrem Tod zur Amyrlin erhob? Oder w�rden sie sich weiter bek�mpfen, bis die ganze Rebellion scheiterte und die Schwestern eine nach der anderen bei Elaida angekrochen kamen? Eine traurige Vorstellung. Bis ins Mark traurig. Aber wenn sie Trauer f�hlen konnte, dann unterdr�ckte die Spaltwurzel keine Gef�hle. Doch warum versp�rte sie dann keine Angst? Sie tastete mit dem Daumen nach ihrem Gro�en Schlangenring. Zumindest versuchte sie es und entdeckte, dass er verschwunden war. Gl�hendhei�er Zorn flammte in ihr auf. Sie konnten sie t�ten, aber sie w�rden nicht leugnen k�nnen, dass sie eine Aes Sedai war.</p><p>�Wer hat mich verraten?�, fragte sie, erfreut, dass ihr Tonfall beherrscht und k�hl klang. �Da ich Eure Gefangene bin, kann es ja nicht schaden, mir das zu sagen.� Die Schwestern starrten sie an, als w�rde es sie �berraschen, dass sie eine Stimme hatte.</p><p>Katerine beugte sich zwanglos vor und hob die Hand. Die Rote kniff die Augen zusammen, als die blonde Felaana nach vorn schnellte, um den Schlag abzufangen, bevor er Egwene treffen konnte.</p><p>�Sie wird zweifellos hingerichtet werden�, sagte die Frau mit der heiseren Stimme ruhig, �aber sie wurde von der Burg aufgenommen, und keine von uns hat das Recht, sie zu schlagen.�</p><p>�Weg mit der Hand, Braune�, fauchte Katerine, und schockierenderweise h�llte das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> sie ein.</p><p>Einen Augenblick sp�ter umgab das Licht jede Frau in der Kutsche mit Ausnahme von Egwene. Sie betrachteten einander wie streunende Katzen, die kurz davor standen, sich anzufauchen, kurz davor standen, mit den Krallen zuzuschlagen. Nein, nicht jede: Katerine und die hochgewachsene Schwester neben ihr sahen sich nicht einmal an. Daf�r warfen sie den anderen gen�gend finstere Blicke zu. Was beim Licht ging hier vor? Die gegenseitige Feindseligkeit lag so dick in der Luft, dass Egwene sie wie Brot h�tte schneiden k�nnen.</p><p>Schlie�lich lie� Felaana Katerines Handgelenk los und lehnte sich zur�ck, aber keine lie� die Quelle los. Egwene hatte pl�tzlich den Verdacht, dass keine bereit war, den ersten Schritt zu tun. Ihre Gesichter wiesen im bleichen Mondlicht alle einen gelassenen Ausdruck auf, aber die Braune hatte die F�uste in die Stola gekrallt, und die Schwester, die mit Katerine nicht in Ber�hrung kommen wollte, gl�ttete ununterbrochen ihre R�cke.</p><p>�Ich finde, es ist endlich Zeit hierf�r�, sagte Katerine und webte eine Abschirmung. �Wir wollen doch nicht, dass Ihr etwas� Sinnloses tut.� Ihr L�cheln war b�sartig. Egwene seufzte blo�, als sich das Gewebe um sie legte; sie bezweifelte ohnehin, dass sie es geschafft h�tte, <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen, und gegen f�nf Schwestern, die bereits von der Macht erf�llt waren, h�tte sie sich ohnehin nur wenige Augenblicke behaupten k�nnen. Ihre nachgiebige Reaktion schien die Rote zu entt�uschen. �Das ist vielleicht Eure letzte Nacht auf der Welt�, fuhr sie fort. �Es w�rde mich nicht im Mindesten �berraschen, wenn Elaida Euch morgen d�mpfen und enthaupten l�sst.�</p><p>�Oder m�glicherweise sogar noch heute Nacht�, f�gte ihre schlanke Gef�hrtin hinzu und nickte. �Ich glaube, Elaida k�nnte so begierig auf Euer Ende sein.� Im Gegensatz zu Katerine stellte sie lediglich eine Tatsache fest, aber sie geh�rte mit Sicherheit auch zu den Roten. Und beobachtete die anderen Schwestern, als h�tte sie den Verdacht, dass eine von <emphasis>ihnen</emphasis> den Versuch unternehmen k�nnte, etwas zu versuchen. Das war schon sehr seltsam!</p><p>Egwene behielt ihre Beherrschung bei, verweigerte ihnen die Erwiderung, auf die sie warteten. Die Erwiderung, auf die zumindest Katerine wartete. Sie war entschlossen, ihre W�rde bis zum Richtblock zu bewahren. Ob sie nun eine gute Amyrlin gewesen war oder nicht, sie w�rde auf eine Art sterben, wie es sich f�r den Amyrlin-Sitz geh�rte.</p><p>Die Frau, die sich von den beiden Roten fern hielt, ergriff das Wort, und der deutliche Akzent von Arafel in ihrer Stimme erlaubte es Egwene, dem kantigen, schmalen Gesicht, das in dem schwachen Mondlicht kaum zu sehen war, einen Namen zuzuordnen. Berisha Terakuni, eine Graue mit dem Ruf, das Gesetz auf die strikteste und oft h�rteste Weise zu interpretieren. Immer nat�rlich nach dem Buchstaben des Gesetzes, aber niemals auch nur mit einem Hauch von Gnade.</p><p>�Nicht heute Nacht <emphasis>oder</emphasis> morgen, Barasine, solange Elaida nicht bereit ist, die Sitzenden in der Nacht zusammenzurufen und sie bereit sind zu kommen. Das erfordert ein Hohes Gericht, keine Sache von Minuten oder gar Stunden, und der Saal scheint nicht bereit zu sein, Elaida so zu unterst�tzen, wie sie es gern h�tte, was auch kein Wunder ist. Das M�dchen wird verurteilt werden, aber ich glaube, der Saal wird sich in der Angelegenheit zusammensetzen, wann er es f�r richtig h�lt.�</p><p>�Der Saal wird zusammentreten, wenn Elaida ihn ruft, oder sie wird ihnen allen Bu�en auferlegen, dass sie sich w�nschen, es getan zu haben.� Katerine verzog h�hnisch die Lippen. �So wie Jala und Merym losgaloppiert sind, als wir sahen, was wir da gefangen haben, wei� sie es mittlerweile, und ich wette, dass Elaida f�r die da die Sitzenden mit eigenen H�nden aus dem Bett zerrt, wenn es sein muss.� Ihre Stimme wurde selbstgef�llig und scharf, und das gleichzeitig. �Vielleicht wird sie Euch als Stuhl der Begnadigung benennen. W�rde Euch das nicht gefallen?�</p><p>Berisha richtete indigniert die Stola auf ihren Armen. In einigen F�llen sah sich der Stuhl der Begnadigung derselben Strafe gegen�ber wie die Person, die er verteidigte. Vielleicht war das hier der Fall; trotz Siuans unabl�ssigen Anstrengungen, ihre Ausbildung zu beenden, wusste Egwene es nicht.</p><p>�Was ich wissen will�, sagte die Graue nach einem Moment und ignorierte die Frau neben ihr, �was habt Ihr mit der Hafenkette gemacht? Wie kann man das ungeschehen machen?�</p><p>�Man kann es nicht ungeschehen machen�, erwiderte Egwene. �Ihr m�sst wissen, sie ist jetzt <emphasis>Cuendillar.</emphasis> Nicht einmal die Macht kann sie brechen, sondern sie h�chstens st�rker machen. Ich sch�tze, Ihr k�nntet sie verkaufen, falls Ihr genug von der Hafenmauer abrei�en k�nnt, um sie zu entfernen. Falls sich jemand ein so gro�es St�ck <emphasis>Cuendillar</emphasis> leisten kann. Oder es haben wollte.�</p><p>Diesmal versuchte niemand, Katerine davon abzuhalten, sie zu schlagen, und das sehr hart. �Haltet den Mund!�, fauchte die Rote.</p><p>Das schien ein guter Rat zu sein, wenn sie nicht bewusstlos gepr�gelt werden wollte. Sie konnte bereits Blut im Mund schmecken. Also blieb Egwene stumm, und Stille senkte sich �ber die fahrende Kutsche, w�hrend alle anderen mit <emphasis>Saidar</emphasis> leuchteten und sich gegenseitig misstrauisch im Auge behielten. Es war unglaublich! Warum hatte Elaida nur Frauen f�r die n�chtliche Mission ausgesucht, die sich offensichtlich verabscheuten? Als Machtdemonstration, einfach weil sie es konnte? Es spielte keine Rolle. Falls Elaida erlaubte, dass sie die Nacht �berlebte, w�rde sie immerhin Siuan wissen lassen k�nnen, was ihr zugesto�en war � und vermutlich auch Leane. Sie konnte Siuan wissen lassen, dass sie verraten worden waren. Und beten, dass Siuan den Verr�ter aufsp�ren konnte. Beten, dass die Rebellion nicht auseinander brach. Daf�r sandte sie ein kleines Gebet auf der Stelle. Das war viel wichtiger als die anderen Dinge.</p><p>Als der Kutscher die Pferde z�gelte, hatte sie sich genug erholt, um Katerine und Pritalle ohne Hilfe aus der Kutsche zu folgen, auch wenn sich ihr Kopf noch immer geschwollen anf�hlte. Sie konnte stehen, aber sie bezweifelte, die Kraft zu einem l�ngeren Lauf zu haben, nicht dass sie mit dem Versuch etwas anderes erreicht h�tte, als nach ein paar Schritten aufgehalten zu werden. Also stand sie ruhig neben der dunkel lackierten Kutsche und wartete so geduldig wie das vierk�pfige Gespann in seinem Geschirr. Schlie�lich steckte sie im �bertragenen Sinn auch in einem Geschirr. Die Wei�e Burg stieg �ber ihnen auf, ein gewaltiger bleicher Schaft, der in die Nacht hineinragte. Nur wenige Fenster waren erhellt, aber ein paar davon befanden sich in der N�he der Spitze, vielleicht in den R�umen, die Elaida bewohnte. Alles war sehr seltsam. Sie war eine Gefangene, und es war unwahrscheinlich, dass sie noch lange lebte, und doch f�hlte sie sich, als w�rde sie nach Hause kommen. Die Burg schien ihr neue Kraft zu verleihen.</p><p>Zwei Diener mit der Flamme von Tar Valon auf der Brust ihrer Livreen waren vom r�ckw�rtigen Teil der Kutsche abgestiegen, um die Treppe auszuklappen, und sie boten jeder aussteigenden Frau eine wei� behandschuhte Hand, aber nur Berisha nahm sie, und das auch nur, weil es sie das Hofpflaster schnell erreichen lie�, w�hrend sie die anderen Frauen im Auge behalten konnte, wie Egwene vermutete. Barasine warf den Burschen solche Blicke zu, dass einer von ihnen deutlich h�rbar schluckte und der andere erbleichte. Felaana, die eifrig damit besch�ftigt war, die anderen zu beobachten, winkte die M�nner lediglich gereizt fort. Alle f�nf hielten noch immer <emphasis>Saidar,</emphasis> selbst hier.</p><p>Sie befanden sich am hinteren Haupteingang; mit steinernen Gel�ndern versehene Marmorstufen f�hrten erhellt von vier massiven Bronzelaternen, die einen breiten Kreis aus flackerndem Licht schufen, von der zweiten Ebene nach unten. Zu Egwenes �berraschung stand eine einzelne Novizin allein am Fu� der Treppe und hielt ihren wei�en Umhang gegen die leichte K�hle der Nachtluft zusammen. Sie hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass Elaida sie pers�nlich empfing, um sich zusammen mit einer Gefolgschaft ihrer Speichellecker an ihrer Gefangennahme zu erg�tzen. Dass es sich bei der Novizin um Nicola handelte, war eine zweite �berraschung. Die Wei�e Burg war der letzte Ort, an dem sie die Ausrei�erin zu finden geglaubt h�tte.</p><p>Nach der Art und Weise zu urteilen, wie Nicola die Augen aufriss, als Egwene die Kutsche verlie�, war die Novizin noch erstaunter als sie, aber sie machte einen ordentlichen, wenn auch hastigen Knicks vor den Schwestern. �Die Amyrlin sagt, sie .. . sie soll der Oberin der Novizinnen �bergeben werden, Katerine Sedai. Sie sagt, dass Silviana Sedai ihre Instruktionen hat.�</p><p>�So, anscheinend werdet Ihr heute Nacht zumindest noch mit der Rute gez�chtigt�, murmelte Katerine mit einem L�cheln. Egwene fragte sich, ob die Frau sie pers�nlich hasste, ob sie das hasste, was sie repr�sentierte, oder ob sie einfach nur jeden hasste. Mit der Rute gez�chtigt zu werden. Sie hatte es nie gesehen, aber sie hatte eine Beschreibung geh�rt. Es hatte au�erordentlich schmerzhaft geklungen. Sie erwiderte Katerines Blick ruhig, und nach einem Moment erlosch das L�cheln. Die Aes Sedai sah aus, als wollte sie sie erneut schlagen. Die Aiel hatten eine Methode, mit Schmerz umzugehen. Sie umarmten ihn, �berlie�en sich ihm kampflos, verzichteten sogar auf den Versuch, Schreie zur�ckzuhalten. Vielleicht w�rde das helfen. Die Weisen Frauen behaupteten, dass man den Schmerz auf diese Weise absch�tteln konnte, ohne dass er seine Macht �ber einen behielt.</p><p>�Wenn Elaida das hier unn�tigerweise in die L�nge ziehen will, werde ich daran heute Nacht nicht mehr teilnehmen�, verk�ndete Felaana und starrte jeden in Sichtweise finster an, Nicola eingeschlossen. �Wenn das M�dchen ged�mpft und hingerichtet wird, sollte das reichen.� Die blonde Schwester raffte ihre R�cke und schoss an Nicola vorbei die Treppe hinauf. Sie rannte tats�chlich! Als sie in der Burg verschwand, wurde sie noch immer vom Licht <emphasis>Saidars</emphasis> eingeh�llt.</p><p>�Der Meinung bin ich auch�, sagte Pritalle k�hl. �Harril, ich glaube, ich leiste dir Gesellschaft, w�hrend du Blutlanze in den Stall bringst.� Ein dunkelh�utiger, st�mmiger Mann, der mit einem gro�en Braunen am Z�gel aus der Dunkelheit trat, verneigte sich vor ihr. Er trug den Cham�leonumhang eines Beh�ters, der ihn nicht da zu sein scheinen lie�, wenn er stillstand, und in allen Farben schillerte, wenn er sich bewegte. Lautlos folgte er Pritalle in die Nacht hinein, aber er blickte st�ndig �ber die Schulter und besch�tzte ihren R�cken. Auch um sie blieb das Licht bestehen. Hier ging etwas vor, das Egwene nicht verstand.</p><p>Pl�tzlich breitete Nicola ihre R�cke zu einem weiteren Knicks aus, der diesmal aber tiefer ausfiel, und die Worte sprudelten aus ihr heraus. �Es tut mir Leid, dass ich ausgerissen bin, Mutter. Ich dachte, sie w�rden mich hier schneller vorankommen lassen. Areina und ich dachten .. .�</p><p>�Nennt sie nicht so!�, br�llte Katerine, und ein Strang Luft peitschte hart genug �ber das Hinterteil der Novizin, dass sie aufschrie und einen Satz machte. �Wenn Ihr der Amyrlin heute Nacht dient, Kind, dann geht zur�ck zu ihr und richtet ihr aus, dass ich gesagt habe, ihre Befehle werden ausgef�hrt. Jetzt lauft!�</p><p>Mit einem letzten verzweifelten Blick auf Egwene raffte Nicola Umhang und R�cke und eilte die Treppe so schnell hinauf, dass sie zweimal stolperte und beinahe gest�rzt w�re. Arme Nicola. Ihre Hoffnungen waren sicherlich entt�uscht worden, und wenn die Burg ihr Alter entdeckte� Sie musste dar�ber gelogen haben, um aufgenommen zu werden; l�gen war nur eine ihrer mehreren schlechten Gewohnheiten. Egwene strich das M�dchen aus ihren Gedanken. Nicola war nicht l�nger ihre Sorge.</p><p>�Es war unn�tig, das M�dchen so zu �ngstigen�, sagte Berisha �berraschenderweise. �Novizinnen m�ssen gef�hrt werden, nicht gen�tigt.� Weit entfernt von ihren Ansichten �ber das Gesetz.</p><p>Katerine und Barasine fuhren beide zu der Grauen herum und starrten sie eindringlich an. Jetzt waren es nur noch zwei Katzen, aber statt einer anderen Katze sahen sie eine Maus.</p><p>�Wollt Ihr uns allein zu Silviana begleiten?�, fragte Katerine mit einem entschieden unerfreulichen L�cheln.</p><p>�Habt Ihr Angst, Graue?�, sagte Barasine mit einem Hauch von Spott in der Stimme. Aus irgendeinem Grund schwang sie einen Arm ein bisschen, sodass die langen Fransen ihrer Stola hin und her baumelten. �Nur eine von euch, und zwei von uns?�</p><p>Die beiden Diener standen wie Statuen da, wie M�nner, die sich nichts sehnlicher w�nschten, als anderswo zu sein, und hofften, nicht bemerkt zu werden, wenn sie nur reglos genug waren.</p><p>Berisha war nicht gr��er als Egwene, aber sie nahm die Schultern zur�ck und zog die Stola enger. �Drohungen werden vom Burggesetz ausdr�cklich verboten��</p><p>�Hat Barasine Euch bedroht?�, unterbrach Katerine sie sanft. Sanft und doch voller scharfem Stahl. �Sie hat Euch nur gefragt, ob Ihr Angst habt. Solltet Ihr?�</p><p>Berisha befeuchtete sich unbehaglich die Lippen. Sie war schneewei� geworden, ihre Augen schienen immer gr��er zu werden, als w�rde sie Dinge sehen, die sie nicht sehen wollte. �Ich� ich glaube, ich werde einen Spaziergang auf dem Gel�nde machen�, sagte sie schlie�lich mit erstickter Stimme und schlich sich davon, ohne die beiden Roten auch nur einen Augenblick lang aus dem Sichtfeld zu lassen. Katerine stie� ein kurzes, zufriedenes Lachen aus.</p><p>Das war absoluter Wahnsinn! Selbst Schwestern, die einander abgrundtief hassten, benahmen sich nicht auf diese Weise. Keine Frau, die Furcht so schnell nachgab wie Berisha, w�re jemals Aes Sedai geworden. In der Burg ging etwas vor. Etwas Schlimmes.</p><p>�Bringt sie her�, sagte Katerine und stieg die Stufen hinauf.</p><p>Barasine lie� <emphasis>Saida r</emphasis> endlich los, packte Egwene fest am Arm und folgte ihr. Ihr blieb keine Wahl, als den Reitrock zu raffen und ihr friedlich zu folgen. Aber ihre Stimmung war seltsam heiter.</p><p>Die Burg zu betreten f�hlte sich wirklich wie eine Heimkehr an. Die wei�en W�nde mit ihren Friesen und Wandteppichen und die bunt leuchtenden Bodenfliesen erschienen ihr so vertraut wie die K�che ihrer Mutter. In gewisser Weise sogar noch mehr; es war viel l�nger her, dass sie die K�che ihrer Mutter gesehen hatte statt diese Korridore. Jeder Atemzug fl��te ihr die Kraft ein, die einem sein Zuhause verleihen konnte. Aber es gab auch Seltsames. Alle Kandelaber brannten, und es konnte noch nicht so sp�t sein, aber sie sah niemanden. Es rauschten <emphasis>immer</emphasis> ein paar Schwestern durch die G�nge, selbst mitten in der Nacht. Sie erinnerte sich lebhaft daran, wie sie Schwestern gesehen hatte, wenn sie zu sp�ter Stunde auf irgendeinem Botengang durch die Burg geeilt und daran verzweifelt war, dass sie niemals so anmutig und majest�tisch aussehen w�rde. Aes Sedai hatten ihren eigenen Tagesablauf, und ein paar Braune verabscheuten es regelrecht, am Tag wach sein zu m�ssen. Nachts gab es weniger Ablenkungen von ihren Studien, weniger Unterbrechungen beim Lesen. Aber es war keiner zu sehen. Weder Katerine noch Barasine machten eine Bemerkung, w�hrend sie durch einsame Korridore schritten. Offensichtlich war die stumme Leere nun �blich.</p><p>Als sie zu einer hellen Steintreppe in einem Alkoven kamen, erschien endlich eine Schwester, die von unten kam. Eine mollige Frau in einem rotgeschlitzten Reitkleid. Ihr Mund schien gern zu l�cheln, und sie trug ihre Stola mit den langen roten Seidenfransen �ber die Arme drapiert. Katerine und die anderen hatten die ihren vermutlich getragen, damit sie am Hafen klar zu erkennen waren � in Tar Valon w�rde niemand eine Frau mit einer fransenbesetzten Stola bel�stigen; die meisten gingen so jemandem aus dem Weg, vor allem die M�nner-, aber warum hier?</p><p>Beim Anblick Egwenes hoben sich die dicken schwarzen Augenbrauen der Frau, und sie stemmte die F�uste in ihre �ppigen H�ften. Egwene glaubte nicht, die Schwester schon einmal gesehen zu haben, aber anscheinend galt das nicht f�r ihr Gegen�ber. �Was denn, das ist ja al'Vere. Sie haben <emphasis>sie</emphasis> zum Nordhafen geschickt? Elaida wird euch eine h�bsche Belohnung f�r die Bem�hungen dieser Nacht geben; ja, das wird sie. Aber seht sie euch an. Seht nur, wie sie dasteht. Man k�nnte meinen, ihr beiden seid eine Ehrenwache zur Eskorte. Ich h�tte gedacht, dass sie heult und um Gnade bettelt.�</p><p>�Ich glaube, die Kr�uter benebeln noch immer ihre Sinne�, murmelte Katerine und warf Egwene einen unwirschen Blick zu. �Sie scheint ihre Situation nicht zu erkennen.� Barasine, die noch Egwenes Arm hielt, sch�ttelte sie kr�ftig, aber nach einem kurzen Stolpern erlangte sie das Gleichgewicht zur�ck, behielt eine reglose Miene bei und ignorierte die Blicke der gr��eren Frauen.</p><p>�Unter Schock�, sagte die mollige Rote und nickte. Sie h�rte sich nicht unbedingt verst�ndnisvoll an, aber nach Katerine kam sie dem doch sehr nahe. �Ich habe so etwas schon zuvor gesehen.�</p><p>�Wie ist es am S�dhafen gelaufen?�, fragte Barasine.</p><p>�Anscheinend nicht so erfolgreich wie bei euch. Alle haben beim Anblick von uns beiden wie Schweine beim Metzger gequiekt. Ich f�rchte, wir haben die verjagt, die wir einfangen wollten. Es war gut, dass da <emphasis>zwei</emphasis> von uns waren, die miteinander reden. Wir haben blo� eine Wilde gefangen, aber nicht, bevor sie die halbe Hafenkette in <emphasis>Cuendillar</emphasis> verwandeln konnte. Wir haben beinahe die Pferde zu Tode gehetzt, weil wir so schnell zur�ckgaloppiert sind, als h�tten wir, nun, euren Fang gemacht. Zanica hat darauf bestanden und sogar den Kutscher durch ihren Beh�ter ersetzt.�</p><p>�Eine Wilde�, sagte Katerine ver�chtlich.</p><p>�Nur die H�lfte?� Barasine war deutlich ihre Erleichterung anzuh�ren. �Dann ist der S�dhafen nicht blockiert.�</p><p>Melares Brauen hoben sich erneut, als ihr die Bedeutung klar wurde. �Wir werden am Morgen sehen, wie weit er frei ist�, sagte sie langsam, �wenn sie die H�lfte senken, die noch aus Eisen besteht. Der Rest ist stocksteif wie, nun, wie eine Stange <emphasis>Cuendillar.</emphasis> Ich pers�nlich bezweifle, dass gr��ere Schiffe da durchkommen.� Sie sch�ttelte mit einem verbl�fften Gesichtsdruck den Kopf. �Aber da war etwas Seltsames. Sogar mehr als seltsam. Wir konnten die Wilde zuerst nicht finden. Wir konnten sie die Macht nicht lenken f�hlen. Kein Gl�hen h�llte sie ein, und wir konnten ihre Gewebe nicht sehen. Die Kette fing einfach an, sich wei� zu verf�rben. H�tte Arebis' Beh�ter nicht das Boot entdeckt, h�tte sie ihr Werk vollenden und entkommen k�nnen.�</p><p>�Die kluge Leane�, murmelte Egwene. Einen Augenblick lang kniff sie die Augen fest zusammen. Leane hatte beizeiten alles vorbereitet, bevor der Hafen in Sicht kam; sie hatte ihre F�higkeiten verschleiert. W�re sie so klug gewesen, h�tte sie vermutlich entkommen k�nnen. Aber im Nachhinein war man immer kl�ger.</p><p>�Das ist der Name, den sie angegeben hat�, sagte Melare. Sie runzelte die Stirn. Ihre Augenbrauen, die an dunkle Raupen erinnerten, waren <emphasis>sehr</emphasis> ausdrucksstark. �Leane Sharif. Von der <emphasis>Gr�nen</emphasis> Ajah. Zwei <emphasis>sehr</emphasis> dumme L�gen. Desala pr�gelt sie in der Zelle von oben bis unten, aber sie will nicht nachgeben. Ich bin nach oben gekommen, um Luft zu schnappen. Ich konnte Pr�gel noch nie leiden, nicht einmal f�r so etwas. Kennt Ihr ihre Tricks, Kind? Wie man Gewebe verbirgt?�</p><p>Oh, beim Licht! Sie glaubten, Leane sei eine Wilde, die sich als Aes Sedai ausgab. �Sie sagt die Wahrheit. Die D�mpfung kostete sie das alterslose Aussehen und lie� sie j�nger erscheinen. Sie ist von Nynaeve al'Meara Geheilt worden, und da sie nicht l�nger zu den Blauen geh�rte, hat sie eine neue Ajah gew�hlt. Stellt ihr Fragen, die nur Leane Sharif beantworten kann�� Ihre Worte wurden abgeschnitten, als eine Kugel Luft ihren Mund ausf�llte und ihren Kiefer so weit aufzwang, dass er knackte.</p><p>�Wir m�ssen uns diesen Unsinn nicht anh�ren�, knurrte Katerine.</p><p>Aber Melare starrte Egwene in die Augen. �Es h�rt sich sinnlos an, das stimmt�, sagte sie nach einem Augenblick, �aber ich sch�tze, es kann nicht schaden, ein paar andere Fragen als �Wie hei�t du� zu stellen. Schlimmstenfalls macht es die Antworten der Frau weniger langweilig. Sollen wir sie runter in die Zellen bringen, Katerine? Ich wage es nicht, Desala zu lange mit der anderen allein zu lassen. Sie verabscheut Wilde, und sie hasst Frauen, die sich als Aes Sedai ausgeben, abgrundtief.�</p><p>�Sie kommt noch nicht in die Zelle�, erwiderte Katerine.</p><p>�Elaida will, dass sie zu Silviana gebracht wird.�</p><p>�Nun, solange ich von diesem Kind oder der anderen diesen Trick erfahre.� Melare holte tief Luft und ging die Treppe wieder hinunter, eine Frau, auf die eine Arbeit wartete, auf die sie sich nicht freute. Aber sie gab Egwene Hoffnung f�r Leane. Leane war jetzt �die andere�, und nicht mehr �die Wilde�.</p><p>Katerine setzte sich mit schnellen Schritten in Bewegung, stumm, aber Barasine stie� Egwene vor sich her und murmelte kaum h�rbar etwas in dem Sinn, wie albern die Ansicht doch war, dass eine Schwester etwas von einer Wilden lernen konnte, oder von einer hochn�sigen Aufgenommenen, die dumme L�gen erz�hlte.</p><p>Es fiel schwer, wenigstens einen Funken W�rde zu bewahren, wenn man von einer Frau mit langen Beinen einen Korridor entlanggeschubst wurde, w�hrend einem der Mund so weit aufklaffte, wie es gerade ging, und einem der Speichel das Kinn hinuntertropfte, aber Egwene schaffte es, so gut sie konnte. In Wahrheit dachte sie kaum dar�ber nach. Melare hatte ihr zu viel verraten, �ber das sie nachdenken musste. Wenn man Melare zu den Schwestern in der Kutsche hinzurechnete. Eigentlich konnte das unm�glich bedeuten, was es schien, aber wenn doch�</p><p>Bald wechselten sich die blauwei�en Fliesen mit rotgr�nen ab, und sie n�herten sich einer schmucklosen Holzt�r zwischen zwei Wandteppichen mit bl�henden B�umen und spitzschn�beligen V�geln, die so bunt waren, dass sie wohl kaum in der Realit�t existierten. Schmucklos, aber auf Hochglanz poliert und jedermann in der Wei�en Burg bekannt. Katerine klopfte, und sie tat es auf eine Weise, die man beinahe als z�gerlich h�tte bezeichnen k�nnen, und als eine durchdringende Stimme drinnen �Herein� rief, holte sie tief Luft, bevor sie die T�r aufstie�. Hatte sie schlimme Erinnerungen an die Zeit, in der sie als Novizin oder Aufgenommene hier eingetreten war, oder war es die Frau, die sie erwartete, die sie z�gern lie�?</p><p>Das Arbeitszimmer der Oberin der Novizinnen war genauso, wie Egwene es in Erinnerung hatte, ein kleiner, mit dunklem Holz get�felter Raum mit n�chternen, stabilen M�beln. An der T�r stand ein schmaler Teetisch, dessen Beine mit einem seltsamen Muster verziert waren, und an einer Wand hing ein Spiegel, dessen Rahmen noch verblichene �berreste seiner Vergoldung aufwies, aber sonst war nichts auf irgendeine Weise verziert. Die Kandelaber und die beiden Lampen auf dem Schreibtisch bestanden aus einfachem Messing. Die Frau, die das Amt bekleidete, wechselte f�r gew�hnlich, wenn eine neue Amyrlin erhoben wurde, aber Egwene w�re jede Wette eingegangen, dass eine Frau, die diesen Raum vor zweihundert Jahren als Novizin betreten hatte, jede Holzbohle und vielleicht auch alles andere wiedererkannt h�tte.</p><p>Die derzeitige Oberin der Novizinnen � zumindest die in der Wei�en Burg � erwartete sie stehend, eine st�mmige Frau, die beinahe Barasines Gr��e hatte; ihr Haar war im Nacken zu einem Knoten gebunden, und sie hatte ein kantiges, entschlossenes Kinn. Silviana Brehon verf�gte �ber eine Ausstrahlung, die keinen Unsinn duldete. Sie war eine Rote, und die kohlenfarbenen R�cke wiesen diskrete rote Schlitze auf, aber ihre Stola lag �ber der Stuhllehne hinter dem Schreibtisch. Ihre gro�en Augen fl��ten einem jedoch Unbehagen ein. Sie schienen alles an Egwene mit einem Blick zu erfassen, als w�rde die Rote nicht nur jeden Gedanken in ihrem Kopf kennen, sondern auch das, was sie morgen denken w�rde.</p><p>�Lasst sie bei mir und wartet drau�en�, sagte Silviana mit leiser, ruhiger Stimme.</p><p>�Sie hier lassen?�, erwiderte Katerine ungl�ubig.</p><p>�Welche Worte habt Ihr nicht verstanden, Katerine? Muss ich mich wiederholen?�</p><p>Anscheinend nicht. Katerine err�tete, sagte aber nichts mehr. Das Leuchten <emphasis>Saidars</emphasis> h�llte Silviana ein, und sie �bernahm geschickt die Abschirmung, ohne sich dabei eine Bl��e zu geben, h�tte Egwene die Macht selbst ergreifen k�nnen. Sie war �berzeugt, es wieder zu schaffen. Aber Silviana war alles andere als schwach; es bestand keine Hoffnung, die Abschirmung der Frau durchbrechen zu k�nnen. Der Knebel aus Luft verschwand zur gleichen Zeit, und sie gab sich damit zufrieden, ein Taschentuch aus der G�rteltasche zu kramen und sich ruhig das Kinn abzuwischen. Die G�rteltasche war durchsucht worden � sie legte das Taschentuch immer oben drauf, nie unter alles andere �, aber herauszufinden, ob man ihr au�er ihrem Ring etwas abgenommen hatte, w�rde warten m�ssen. Es war sowieso nichts darin gewesen, was einer Gefangenen nutzen konnte. Ein Kamm, eine Schachtel N�hnadeln, eine kleine Schere, Krimskrams. Die schmale Stola der Amyrlin. Sie hatte keine Ahnung, wie viel sie von ihrer W�rde aufrechterhalten w�rde, wenn man sie mit der Rute schlug, aber das lag in der Zukunft. Jetzt stand ihr erst das hier bevor.</p><p>Silviana musterte sie mit unter der Brust verschr�nkten Armen, bis sich die T�r hinter den anderen beiden Roten geschlossen hatte. �Wenigstens seid Ihr nicht hysterisch�, sagte sie dann. �Das erleichtert die Sache, aber warum seid Ihr nicht hysterisch?�</p><p>�W�rde das irgendetwas bringen?�, erwiderte Egwene und steckte das Taschentuch zur�ck in die G�rteltasche.</p><p>�Ich w�sste nicht wie.�</p><p>Silviana begab sich zu dem Schreibtisch und las im Stehen ein Blatt Papier, blickte gelegentlich auf. Ihr Gesichtsausdruck bot die perfekte Maske von Aes Sedai-Gelassenheit. Unleserlich. Egwene wartete geduldig, die H�nde in H�fth�he gefaltet. Selbst verkehrt herum konnte sie Elaidas Handschrift auf dem Papier erkennen, auch wenn sie nicht lesen konnte, was dort stand. Die Oberin brauchte nicht zu glauben, dass Warten sie nerv�s machte. Geduld war eine der wenigen Waffen, die ihr im Augenblick noch blieben.</p><p>�Wie es scheint, hat die Amyrlin schon l�ngere Zeit dar�ber nachgedacht, was mit Euch geschehen soll�, sagte Silviana schlie�lich. Wenn sie damit gerechnet hatte, dass Egwene nun damit beginnen w�rde, von einem Fu� auf den anderen zu treten oder die H�nde zu wringen, zeigte sie zumindest keine Entt�uschung. �Sie hat einen kompletten Plan erstellt. Sie will nicht, dass die Burg Euch verliert. Und ich auch nicht. Elaida hat entschieden, dass andere Euch als Marionette benutzt haben und man Euch daf�r nicht verantwortlich machen sollte. Also wird man Euch nicht anklagen, sich als Amyrlin ausgegeben zu haben. Sie hat Euren Namen aus der Rolle der Aufgenommenen gestrichen und ihn wieder ins Novizinnenbuch eingetragen. Ehrlich gesagt, stimme ich dieser Entscheidung zu, auch wenn man das noch nie zuvor gemacht hat. Wie stark auch immer Eure F�higkeiten in der Macht sein m�gen, Ihr habt fast alles andere vers�umt, was Ihr als Novizin h�ttet lernen sollen. Aber Ihr braucht keine Angst zu haben, dass Ihr die Pr�fung zur Aes Sedai erneut ablegen m�sst. Ich w�rde niemanden dazu zwingen, <emphasis>das</emphasis> zweimal durchzumachen.�</p><p>�Ich bin Aes Sedai kraft meiner Erhebung zum Amyrlin-Sitz�, erwiderte Egwene ruhig. Es lag kein Widerspruch darin, um einen Titel zu k�mpfen, wenn seine Beanspruchung immer noch zu ihrem Tod f�hren konnte. Ihr Verzicht w�rde ein genauso harter Schlag f�r die Rebellion sein wie ihre Hinrichtung. Vielleicht sogar noch h�rter. Wieder Novizin zu sein? Das war l�cherlich! �Ich kann den relevanten Absatz im Gesetz zitieren, falls Ihr es w�nscht.�</p><p>Silviana hob eine Braue und setzte sich, um ein gro�es, in Leder gebundenes Buch aufzuschlagen. Das Bestrafungsbuch. Sie tauchte ihre Feder in das einfache Glastintenf�sschen und machte eine Notiz. �Ihr habt Euch gerade Euren ersten Besuch bei mir verdient. Ich lasse Euch die Nacht Zeit, dar�ber nachzudenken, statt Euch sofort �bers Knie zu legen. Wollen wir hoffen, dass Meditation den heilsamen Effekt noch verst�rkt.�</p><p>�Glaubt Ihr, Ihr k�nnt mich durch Schl�ge dazu bringen, das zu verleugnen, was ich bin?� Egwene hatte M�he, den Unglauben aus ihrer Stimme herauszuhalten. Sie war sich nicht sicher, dass es ihr gelungen war.</p><p>�Es gibt Schl�ge, und es gibt Schl�ge�, erwiderte die Oberin. Sie wischte die Federspitze auf einem Papierfetzen sauber, steckte die Feder zur�ck in ihren Glashalter und betrachtete Egwene. �Ihr seid an Sheriam Bayanar als Oberin der Novizinnen gew�hnt.� Silviana sch�ttelte ver�chtlich den Kopf.</p><p>�Ich habe ihre Bestrafungsb�cher durchgebl�ttert. Sie hat den M�dchen viel zu viel durchgehen lassen, und sie war viel zu nachsichtig bei ihren Favoriten. Das hat dann dazu gef�hrt, dass sie gezwungenerma�en viel �fter Strafen verh�ngen musste, als n�tig gewesen w�re. Ich trage im Monat nur ein Drittel von Sheriams Bestrafungen ein, weil ich daf�r sorge, dass jede, die ich bestrafe, hier vor allem mit dem Wunsch rausgeht, nie wieder zu mir geschickt zu werden.�</p><p>�Was auch immer Ihr tut, Ihr werdet mich niemals dazu bringen, mich selbst zu verleugnen�, sagte Egwene fest.</p><p>�Wie k�nnt Ihr nur glauben, Ihr k�nntet das schaffen? Will man mich zu den Klassen eskortieren, die ganze Zeit abgeschirmt?�</p><p>Silviana lehnte sich gegen ihre Stola, die H�nde auf den Schreibtischrand gelegt. �Ihr wollt so lange widerstehen, wie Ihr k�nnt, oder?�</p><p>�Ich werde tun, was ich tun muss.�</p><p>�Und ich werde tun, was ich tun muss. Den Tag �ber werdet Ihr gar nicht abgeschirmt. Aber Ihr bekommt zu jeder Stunde eine schwache Dosis Spaltwurzel.� Silviana verzog bei dem Wort die Lippen. Sie ergriff das Blatt mit Elaidas Notizen, als wollte sie es lesen, dann lie� sie es wieder auf den Tisch fallen und rieb sich die Finger, als w�rde etwas Giftiges daran kleben. �Ich kann dieses Zeug nicht guthei�en. Es scheint nur f�r Aes Sedai gemacht zu sein. Jemand, der die Macht nicht lenken kann, kann f�nfmal so viel davon trinken, wie man braucht, um eine Schwester zu bet�uben, und ihm wird nicht einmal schwindelig davon. Ein widerw�rtiges Gebr�u. Aber anscheinend doch n�tzlich. Vielleicht kann man es f�r diese Asha'man benutzen. Die Tinktur wird Euch nicht schwindelig machen, aber Ihr werdet nicht genug Macht lenken k�nnen, um �rger zu bereiten. Nur ein Rinnsal. Weigert Euch, es zu trinken, und man wird es Euch mit Gewalt einfl��en. Man wird Euch auch st�ndig �berwachen, also versucht erst gar nicht, zu Fu� zu fliehen. Nachts wird man Euch abschirmen, denn wenn man Euch genug Spaltwurzel geben w�rde, damit Ihr durchschlaft, w�rdet Ihr Euch am n�chsten Tag vor Magenkr�mpfen kr�mmen� Ihr seid eine Novizin, Egwene, und Ihr <emphasis>werdet</emphasis> eine Novizin sein. Viele Schwestern betrachten Euch noch immer als Ausrei�erin, ganz egal, welche Befehle Siuan Sanche auch erteilt hat, und andere werden es mit Sicherheit f�r falsch halten, dass Elaida Euch nicht enthaupten l�sst. Sie werden auf jede �bertretung achten, auf jeden Fehler. Ihr m�gt eine Pr�gelstrafe ver�chtlich abtun, jetzt, bevor Ihr sie empfangen habt, aber wenn man Euch f�nf-, sechs-, siebenmal am Tag zu mir schickt? Wir werden sehen, wie lange es dauert, bis Ihr Eure Ansicht �ndert.�</p><p>Egwene �berraschte sich selbst, indem sie kurz auflachte.</p><p>Silvianas Brauen sch�ssen in die H�he. Ihre Hand zuckte, als wollte sie nach der Feder greifen.</p><p>�Habe ich etwas Witziges gesagt, Kind?�</p><p>�Nicht im Mindesten�, erwiderte Egwene ehrlich. Ihr war eingefallen, dass sie dem Schmerz mit der Aiel-Methode beikommen konnte, aber damit schwand jede Hoffnung auf W�rde. Zumindest w�hrend sie bestraft wurde. Was die �brige Zeit anging, konnte sie nur tun, was in ihrer Macht stand.</p><p>Silviana sah ihre Feder an, stand aber schlie�lich auf, ohne sie zu ber�hren. �Dann bin ich fertig mit Euch. F�r heute Nacht. Ich werde Euch jedoch vor dem Fr�hst�ck sehen. Kommt mit.�</p><p>Sie ging zur T�r, zuversichtlich, dass Egwene ihr folgen w�rde, und Egwene gehorchte. Ein k�rperlicher Angriff auf die Oberin w�rde ihr nur einen weiteren Eintrag in das Buch einbringen. Spaltwurzel. Nun, sie w�rde einen Weg finden, wie sie das umgehen konnte. Und wenn nicht� Sie weigerte sich, dar�ber nachzudenken.</p><p>Katerine und Barasine waren gelinde gesagt �berrascht, als sie von Elaidas Pl�nen f�r Egwene erfuhren, und wenig erfreut, als sie h�rten, dass sie sie beobachten und w�hrend des Schlafens abschirmen sollten, auch wenn ihnen Silviana versicherte, sie nach ein paar Stunden von anderen Schwestern abl�sen zu lassen.</p><p>�Warum wir beide?�, wollte Katerine wissen, was ihr einen trockenen Blick von Barasine einbrachte. Wenn man nur eine schickte, dann sicherlich nicht Katerine, die eine h�here Position einnahm.</p><p>�Erstens, weil ich es sage.� Silviana wartete, bis die beiden Roten zustimmend nickten. Sie taten es mit offensichtlichem Z�gern, das aber nicht lange genug dauerte, um sie wirklich warten zu lassen. Sie hatte ihre Stola nicht angelegt, bevor sie den Korridor betrat, und auf seltsame Weise schien sie diejenige zu sein, die nicht hierher passte. �Und zweitens, weil ich glaube, dass dieses Kind durchtrieben ist. Ich will, dass sie st�ndig aufmerksam �berwacht wird, ob sie nun schl�ft oder wacht. Wer von euch hat ihren Ring?�</p><p>Nach einem Moment zog Barasine den goldenen Ring aus der G�rteltasche und murmelte: �Ich wollte ihn nur als Erinnerungsst�ck behalten. Dass man die Rebellen zur R�son gebracht hat. Sie sind nun erledigt, ganz bestimmt.� Ein Erinnerungsst�ck? Das war Diebstahl, da gab es keinen Zweifel!</p><p>Egwene griff nach dem Ring, aber Silviana war schneller, und der Ring wanderte in ihre G�rteltasche. �Ich werde ihn verwahren, bis Ihr wieder das Recht habt, ihn zu tragen, Kind. Jetzt bringt sie ins Quartier der Novizinnen. Mittlerweile m�sste ein Zimmer vorbereitet sein.�</p><p>Katerine �bernahm die Abschirmung, und Barasine griff nach Egwenes Arm, aber Egwene streckte eine Hand nach Silviana aus. �Wartet. Da gibt es etwas, das ich Euch sagen muss.� Sie hatte sich damit gequ�lt. Das Risiko war gro�, weitaus mehr zu enth�llen, als sie wollte. Aber sie musste es tun. �Ich habe das Talent des Tr�umens. Ich habe gelernt, die wahren Tr�ume zu erkennen und ein paar davon zu interpretieren. Ich habe von einer Glaslampe getr�umt, in der eine wei�e Flamme brannte. Zwei Raben kamen aus dem Nebel geflogen, stie�en gegen die Lampe und flogen weiter. Die Lampe wackelte, verspr�hte brennende �ltropfen. Einige davon verbrannten in der Luft, andere landeten �berall, und die Lampe wackelte weiter, kurz vor dem Umkippen. Es bedeutet, dass die Seanchaner die Wei�e Burg angreifen und gro�en Schaden anrichten werden.�</p><p>Barasine schniefte. Katerine stie� ein ver�chtliches Schnauben aus.</p><p>�Eine Tr�umerin�, sagte Silviana tonlos. �Gibt es jemanden, der Eure Behauptung best�tigen kann? Und wenn es ihn gibt, wie k�nnt Ihr sicher sein, dass mit dem Traum die Seanchaner gemeint sind? Meiner Meinung nach w�rden Raben auf den Schatten hindeuten.�</p><p>�Ich bin eine Tr�umerin, und wenn eine Tr�umerin etwas wei�, dann wei� sie es. Nicht der Schatten. Die Seanchaner. Und wer wei�, was ich kann�?� Egwene zuckte mit den Schultern. �Die Einzige, zu der Ihr Zugang habt, ist Leane Sharif, die unten in den Zellen festgehalten wird.� Sie sah keine M�glichkeit, wie sie die Weisen Frauen ins Spiel bringen sollte, nicht, ohne einfach zu viel zu enth�llen.</p><p>�Diese Frau ist eine Wilde und nicht��, setzte Katerine w�tend an, aber ihr Mund schloss sich schnappend, als Silviana die Hand hob.</p><p>Die Oberin der Novizinnen musterte Egwene sorgf�ltig, das Gesicht noch immer eine nicht zu deutende Maske der Ruhe. �Ihr glaubt wirklich das, was Ihr da sagt�, bemerkte sie schlie�lich. �Ich hoffe, Eure Tr�ume werden nicht so viele Probleme verursachen wie die Vorhersagen der jungen Nicola. Falls Ihr wirklich Tr�umen k�nnt. Nun, ich werde Eure Warnung weitergeben. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie uns die Seanchaner hier in Tar Valon angreifen sollten, aber Wachsamkeit hat noch nie geschadet. Und ich werde die Frau befragen, die man unten festh�lt. Sorgf�ltig. Und wenn sie Eure Geschichte nicht best�tigt, wird Euer morgendlicher Besuch noch denkw�rdiger ausfallen.� Sie gab Katerine ein Zeichen. �Bringt sie weg, bevor sie mir noch ein Br�ckchen hinwirft und mich davon abh�lt, in dieser Nacht wenigstens etwas Schlaf zu finden.�</p><p>Diesmal murmelte Katerine genauso viel wie Barasine. Aber beide warteten, bis sie au�er Silvianas H�rweite waren. Diese Frau w�rde eine au�ergew�hnliche Gegnerin sein. Egwene hoffte, dass den Schmerz zu umarmen so gut funktionierte, wie es die Weisen Frauen behauptet hatten. Sonst� Es war besser, �ber das �Sonst� nicht weiter nachzudenken.</p><p>Eine d�nne, grauhaarige Dienerin wies ihnen die Richtung zu dem Raum, den sie gerade vorbereitet hatte, und eilte los, nachdem sie vor den beiden Roten schnell einen Knicks gemacht hatte. F�r Egwene hatte sie keinen Blick �brig. Was bedeutete ihr schon eine weitere Novizin? Egwene biss die Z�hne zusammen. Sie w�rde daf�r sorgen m�ssen, dass die Leute sie <emphasis>nicht</emphasis> blo� als eine weitere Novizin betrachteten.</p><p>�Seht Euch ihr Gesicht an�, sagte Barasine. �Ich glaube, sie f�ngt endlich an zu begreifen.�</p><p>�Ich bin, wer ich bin�, erwiderte Egwene ruhig. Barasine stie� sie auf die Stufen zu, die sich in der hohlen S�ule einer Galerie befand und von dem abnehmenden Mond beleuchtet wurde. Ein Luftzug wehte, der einzige Laut. Alles erschien so friedlich. Unter keiner T�r drang Lichtschein durch. Die Novizinnen w�rden mittlerweile schlafen, ausgenommen jene, die sp�te Pflichten zu erledigen hatten. F�r sie war es friedlich. Aber nicht f�r Egwene.</p><p>Der winzige, fensterlose Raum h�tte beinahe derselbe sein k�nnen, den sie bei ihrem ersten Aufenthalt in der Wei�en Burg bewohnt hatte, mit seinem schmalen Bett an der Wand und dem kleinen Feuer, das in dem kleinen Ziegelkamin brannte. Die Lampe auf dem kleinen Tisch war entz�ndet, aber sie erhellte kaum mehr als die Tischplatte, und das �l musste verdorben sein, denn es verbreitete einen schwachen, ranzigen Gestank. Ein Waschst�nder vervollst�ndigte die M�blierung, abgesehen von dem dreibeinigen Hocker, auf dem sich Katerine augenblicklich niederlie� und wie auf einem Thron die R�cke richtete. Barasine wurde klar, dass es f�r sie keinen Sitzplatz gab, also verschr�nkte sie die Arme unter der Brust und sah Egwene finster an.</p><p>Mit drei Frauen war es in dem Zimmer ziemlich eng, aber Egwene tat so, als w�rde es die anderen beiden nicht geben, als sie sich zum Schlafen bereitmachte und Umhang, G�rtel und Kleid an drei der Haken an einer der wei�en W�nde aufh�ngte. Sie bat nicht um Hilfe bei ihren Kn�pfen. Als sie ihre ordentlich zusammengerollten Str�mpfe auf den Schuhen ablegte, hatte es sich Barasine im Schneidersitz auf dem Boden bequem gemacht und sich in ein kleines Buch vertieft, das sie in ihrer G�rteltasche verstaut gehabt haben musste. Katerine lie� Egwene keinen Augenblick lang aus den Augen, als erwartete sie, dass sie einen Fluchtversuch zur T�r versuchen w�rde.</p><p>Egwene kroch in ihrem Unterhemd unter die d�nne Wolldecke, bettete den Kopf auf das kleine Kopfkissen � kein mit G�nsedaunen gef�lltes Kissen, so viel stand fest! � und vollzog die �bungen, die sie einschlafen lassen w�rden, entspannte einen Teil ihres K�rpers nach dem anderen. Sie hatte das schon so oft gemacht, dass es den Anschein hatte, sie w�rde einschlafen, kaum dass sie damit begonnen hatte�</p><p>� und sie schwebte k�rperlos in einer Finsternis, die sich zwischen der wachenden Welt und <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> befand, der schmale Spalt zwischen dem Traum und der Realit�t, eine gewaltige Leere, gef�llt mit unz�hligen funkelnden Lichtpunkten, die Tr�ume s�mtlicher Schl�fer auf der Welt. Sie reichten so weit man sehen konnte an diesem Ort, wo es kein oben oder unten gab, schwebten um sie herum, verloschen, sobald ein Traum endete, flammten auf, sobald ein neuer begann. Sie konnte ein paar von ihnen auf Anhieb erkennen, dem Tr�umer einen Namen zuordnen, aber sie fand nicht denjenigen, den sie brauchte.</p><p>Es war Siuan, mit der sie sprechen musste, Siuan, die vermutlich mittlerweile wusste, dass eine Katastrophe geschehen war, die vermutlich nicht schlafen konnte, bis die Ersch�pfung ihren Tribut forderte. Sie richtete sich auf Warten ein. Hier gab es kein Zeitgef�hl, das Warten w�rde sie nicht langweilen. Aber sie musste �berlegen, was sie sagen wollte. So vieles hatte sich seit ihrem Aufwachen in der Kutsche ver�ndert. Sie hatte so vieles erfahren. Seinerzeit war sie davon �berzeugt gewesen, dass sie bald sterben w�rde, �berzeugt, dass die Schwestern in der Burg wie eine Armee hinter Elaida standen. Jetzt�</p><p>Elaida betrachtete sie als hilflose Gefangene. Dieses Gerede, sie wieder zur Novizin zu machen; selbst wenn Elaida wirklich daran glaubte, Egwene al'Vere tat es nicht. Sie betrachtete sich auch nicht als Gefangene. Sie trug die Schlacht in das Herz der Burg. H�tte sie an diesem Ort Lippen gehabt, dann h�tte sie gel�chelt.</p></section><section><title><p>1</p><p>Beim letzten Zapfenstreich</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und vergehen und lassen Erinnerungen zur�ck, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter wiederkehrt, aus dem er geboren wurde. In einem Zeitalter, das von einigen das Dritte Zeitalter genannt wurde, einem Zeitalter, das noch kommen sollte, einem lange vergangenen Zeitalter, erhob sich �ber dem zerbrochenen Drachenberg ein Wind. Der Wind war nicht der Anfang. Es gibt bei der Drehung des Rades der Zeit keinen Anfang und kein Ende. Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Anfang.</p><p>Geboren im Schein eines vollen, untergehenden Mondes, in einer H�he, in der Menschen nicht mehr atmen konnten, geboren in den zuckenden Str�mungen, die von den Flammen im Inneren des zerkl�fteten Gipfels angeheizt wurden, war der Wind am Anfang ein lauer Luftstrom. Aber er gewann an St�rke, als er den steilen, schroffen Abhang hinunterschoss. Er trug Asche und den Gestank von brennendem Schwefel aus den H�hen mit sich und brauste �ber die schneebedeckten H�gel, die aus der Ebene um den unvorstellbar hohen Drachenberg aufstiegen, br�llte auf und sch�ttelte B�ume in der Nacht.</p><p>In Richtung Osten heulte der Wind, fort von den H�geln, �ber ein gro�es Lager hinweg, eine richtige Stadt aus Zelten und h�lzernen Gehwegen, die Stra�en aus zugefrorenen Wagenfurchen s�umten. Bald w�rden die Furchen auftauen und der letzte Schnee verschwinden, um durch Fr�hlingsregen und Schlamm ersetzt zu werden. Falls das Lager so lange Bestand hatte. Trotz der sp�ten Stunde waren viele Aes Sedai wach, versammelten sich in kleinen Gruppen, die von Geweben aus der Einen Macht gegen Lauscher gesch�tzt wurden, und diskutierten �ber die Ereignisse der Nacht. Nicht wenige dieser Diskussionen waren sehr lebhaft, bei etlichen gab es heftigen Streit, und bei einigen kam es zweifellos zu leidenschaftlichen Argumentationen. Es w�re mit F�usten gedroht worden oder gar Schlimmeres, h�tte es sich hier nicht um Aes Sedai gehandelt. Was sollten sie als N�chstes tun, das war hier die Frage. Jede Schwester kannte mittlerweile die Nachricht vom Ufer, selbst wenn die Einzelheiten vage blieben. Die Amyrlin selbst war insgeheim aufgebrochen, um den Nordhafen zu versiegeln, und man hatte ihr gekentertes Boot im Schilf verfangen gefunden. Ein �berleben in den schnellen, eiskalten Str�mungen des Erinin war unwahrscheinlich, mit jeder vergehenden Stunde wurde es noch unwahrscheinlicher, bis es schlie�lich zur Gewissheit wurde. Die Amyrlin war tot. Jede Schwester im Lager wusste, dass ihre Zukunft und vielleicht auch ihr Leben am seidenen Faden hing, ganz zu Schweigen von der Zukunft der Wei�en Burg. Was sollten sie nun tun? Doch die Stimmen verstummten und K�pfe hoben sich, als eine wilde B�e das Lager traf, Zeltw�nde wie Flaggen flattern lie� und sie mit Schneeklumpen bewarf. Der pl�tzliche Gestank von brennendem Schwefel hing in der Luft und verk�ndete, wo der Wind hergekommen war, und mehr als nur eine Aes Sedai entsandte ein stummes Sto�gebet gegen das B�se. Aber nur Augenblicke sp�ter war der Wind vorbei, und die Schwestern steckten wieder die K�pfe zusammen und beratschlagten weiter �ber eine Zukunft, die d�ster genug aussah, um zu dem scharfen, verwehenden Gestank zu passen, der zur�ckgelassen worden war.</p><p>Weiter brauste der Wind auf Tar Valon zu, gewann unterwegs noch an Kraft, heulte �ber Heereslager am Fluss hinweg, in denen Soldaten und Trossleute, die auf dem Boden schliefen, pl�tzlich die Decken fortgerissen wurden, und die Schl�fer in den Zelten aufwachten, wenn das Segeltuch knallte und manchmal auch in die Dunkelheit fortgerissen wurde, wenn Zeltstangen nachgaben oder Spanntaue rissen. Beladene Wagen schwankten und kippten um, und Banner ragten stocksteif auf, bevor sie entwurzelt wurden und ihre Stangen nun wie Speere alles aufspie�ten, was ihnen in den Weg kam. M�nner stemmten sich gegen die B�en und k�mpften sich zu den Pferdeseilen durch, um die Tiere zu beruhigen, die auf die Hinterbeine stiegen und vor Panik schrien. Niemand wusste, was die Aes Sedai wussten, doch der bei�ende Schwefelgeruch, der die kalte Nachtluft durchdrang, schien ein b�ses Omen zu sein, und harte M�nner beteten genauso so laut und and�chtig wie bartlose J�nglinge. Der Tross f�gte seine Stimme hinzu, und das lautstark; R�stungsschmiede und Pfeilmacher, Ehefrauen und W�scherinnen und N�herinnen, sie alle wurden von der pl�tzlichen Furcht ergriffen, dass etwas Finstereres als Dunkelheit in der Nacht umherging.</p><p>Das wilde Flattern der Zeltplane �ber ihrem Kopf, die beinahe zu rei�en drohte, halfen Siuan Sanche genau wie die aufgeregten Stimmen und die wiehernden Pferde, die laut genug waren, um das Heulen des Windes zu �bert�nen, den Schlaf zum zweiten Mal abzusch�tteln.</p><p>Der pl�tzliche Gestank brennenden Schwefels lie� ihre Augen tr�nen, und daf�r war sie dankbar. Egwene mochte genauso leicht einnicken und wieder aufwachen, als w�rde sie ein Paar Str�mpfe wechseln, aber auf sie traf das nicht zu. Es war ihr schwer gefallen, endlich Schlaf zu finden, nachdem sie sich endlich dazu hatte �berwinden k�nnen, sich hinzulegen. Nachdem die Nachricht vom Ufer sie erreicht hatte, war sie davon �berzeugt gewesen, nie wieder schlafen zu k�nnen, es sei denn aus v�lliger Ersch�pfung. Sie hatte f�r Leane gebetet, aber ihre ganzen Hoffnungen ruhten auf Egwene, und ihre ganzen Hoffnungen schienen nun zerst�rt. Nun, sie hatte sich mit best�ndigem Sorgen und Umhermarschieren ersch�pft. Jetzt gab es wieder Hoffnung, und sie wagte es nicht, ihre bleiernen Lider sich noch einmal schlie�en zu lassen aus Angst, dann wom�glich wieder einzuschlafen und nicht vor dem Mittag wach zu werden, falls �berhaupt. Der wilde Wind lie� nach, aber die Rufe der Menschen und der L�rm der Pferde nicht.</p><p>M�de warf sie ihre Decken beiseite und kam unsicher auf die Beine. Ihre Bettstatt war alles andere als bequem, ausgebreitet in der Ecke eines nicht sehr gro�en rechteckigen Zeltes auf dem mit Zeltplane abgedeckten Boden, aber sie war hergekommen, auch wenn sie daf�r hatte reiten m�ssen. Nat�rlich w�re sie beinahe dauernd heruntergefallen und war aus Trauer bestimmt nicht ganz bei Verstand. Sie ber�hrte den verdrehten <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> der an einem Lederband um ihren Hals hing. Das erste Mal war sie aufgewacht � was ihr genauso schwer gefallen war wie jetzt auch �, um den Ring aus ihrer G�rteltasche zu holen. Nun, die Trauer war jetzt vertrieben, und das reichte, um sie in Bewegung zu setzen. Ein unvermitteltes G�hnen lie� ihren Kiefer knacken wie eine verrostete Ruderdolle. Nun ja, es reichte fast aus. Eigentlich h�tte Egwenes Botschaft, die Tatsache, dass sie am Leben war und �berhaupt eine Botschaft schicken konnte, doch ausreichen m�ssen, um diese bis ins Mark gehende M�digkeit zu vertreiben. Aber anscheinend war das doch nicht der Fall.</p><p>Mit der Macht erschuf sie lange genug eine Leuchtkugel, dass sie die Laterne an dem Mittelpfosten erkennen und mit einem Strang Feuer entz�nden konnte. Die einzelne Flamme sorgte f�r eine sehr schwache, flackernde Helligkeit. Es gab noch andere Lampen und Laternen, aber Gareth h�rte nicht auf zu klagen, wie wenig �l sie doch in ihren Vorr�ten hatten. Das Kohlenbecken lie� sie in Ruhe; bei Kohle war Gareth nicht so knauserig wie bei �l � an Holzkohle war auch leichter zu kommen �, aber sie nahm die kalte Luft kaum wahr. Sie bedachte sein unber�hrtes Bettzeug auf der anderen Seite des Zeltes mit einem Stirnrunzeln. Er wusste bestimmt �ber die Entdeckung des Bootes und wer es benutzt hatte Bescheid. Die Schwestern taten ihr Bestes, es vor ihm geheim zu halten, aber irgendwie hatten sie damit weniger Erfolg, als die meisten glaubten. Mehr als einmal hatte er sie mit seinem Wissen �berrascht. War er drau�en in der Nacht unterwegs, um seine Soldaten f�r das zu organisieren, was auch immer der Saal entschied? Oder war er bereits aufgebrochen und lie� eine verlorene Sache hinter sich? Aber sie war nicht l�nger verloren, doch das konnte er nicht wissen.</p><p>�Nein�, murmelte sie und versp�rte ein seltsames Gef�hl von� Verrat. Dass sie an dem Mann zweifelte, und selbst wenn nur in Gedanken. Er w�rde bei Sonnenaufgang immer noch da sein, und das bei jedem Sonnenaufgang, bis der Saal ihm zu gehen befahl. Vielleicht noch l�nger. Er war zu stur, stolz. Nein, so stimmte das nicht. Gareth Brynes Wort war seine Ehre. Einmal gegeben, w�rde er es nicht zur�cknehmen, bis man ihn davon entband, was auch immer es ihn kostete. Und vielleicht, nur vielleicht, hatte er andere Gr�nde, um zu bleiben. Sie weigerte sich, dar�ber nachzudenken.</p><p>Sie verbannte Gareth aus ihren Gedanken � warum war sie blo� in sein Zelt gegangen? Es w�re so viel einfacher gewesen, sich in ihrem eigenen Zelt im Lager der Schwestern hinzulegen, so klein es auch war, oder auch der weinenden Chesa Gesellschaft zu leisten. Obwohl, bei n�herer Betrachtung w�re sie dazu nicht imstande gewesen. Sie konnte Tr�nen nicht <emphasis>ertragen,</emphasis> und Egwenes Dienerin w�rde nicht aufh�ren zu weinen. Sie verbannte Gareth energisch aus ihren Gedanken, fuhr sich schnell mit der B�rste durchs Haar, wechselte ihr Unterhemd gegen ein frisches und zog sich in dem matten Lichtschein so schnell an, wie es ging. Ihr einfaches blaues Reitgewand war zerknittert, au�erdem waren die S�ume schlammbespritzt � sie hatte das Boot mit eigenen Augen sehen m�ssen �, aber sie nahm sich nicht die Zeit, es mit der Macht zu s�ubern und zu b�geln. Sie musste sich beeilen.</p><p>Das Zelt war alles andere als die ger�umige Unterkunft, die man bei einem General erwartet h�tte, also bedeutete sich zu beeilen, dass sie mit der H�fte so hart gegen die Ecke des Schreibtisches stie�, dass eines der zusammenklappbaren Beine beinahe zusammenkrachte, bevor sie es gerade noch rechtzeitig verhindern konnte, sie beinahe �ber den Lagerhocker stolperte, dem einzigen M�belst�ck, das einem Stuhl noch am n�chsten kam, und sie sich das Schienbein an einer der messingbeschlagenen Truhen stie�, die �berall herumstanden. Das rief einen Fluch hervor, der die Ohren eines jeden Zuh�rers versengt h�tte. Diese Dinger hatten einen doppelten Zweck, dienten als Sitzgelegenheiten und zum Verstauen, und eine von ihnen mit flachem Deckel wurde als provisorischer Waschst�nder mit einer wei�en Wasserkanne und Sch�ssel benutzt. In Wahrheit war alles durchaus ordentlich aufgestellt, aber auf seine Weise. <emphasis>Er</emphasis> fand den Weg durch dieses Labyrinth in absoluter Dunkelheit. Jeder andere w�rde sich bei dem Versuch, seine Bettstatt zu finden, das Bein brechen. Siuan vermutete, dass er sich um Attent�ter Sorgen machte, auch wenn er das nie zur Sprache gebracht hatte.</p><p>Sie nahm ihren dunklen Umhang von einer der Truhen und legte ihn sich �ber den Arm, dann blieb sie dort stehen, weil sie die Laterne mit einem Strang Luft l�schen wollte. Ihr Blick fiel auf Gareths zweites Paar Stiefel, das am Fu� seines Bettzeugs stand. Sie erzeugte wieder eine kleine Lichtkugel und sandte sie zu den Stiefeln. Wie sie sich gedacht hatte. Frisch poliert. Der verfluchte Kerl bestand darauf, dass sie ihre Schuld abarbeitete, dann schlich er sich hinter ihrem R�cken � oder noch schlimmer, unter ihrer Nase, w�hrend sie schlief � herein und polierte die eigenen verdammten Stiefel! Gareth Bryne, der verdammte Mistkerl, behandelte sie wie eine Dienerin, hatte aber nicht einmal den Versuch unternommen, sie zu k�ssen�!</p><p>Sie hob das Kinn, ihre Lippen spannten sich wie ein Anlegetau. Wo war denn dieser Gedanke auf einmal hergekommen? Ganz egal, was Egwene auch behauptete, sie hatte sich <emphasis>nicht</emphasis> in den Mistkerl Gareth Bryne verliebt! <emphasis>Niem als!</emphasis> Sie hatte zu viel zu tun, um sich bei <emphasis>solchen</emphasis> Albernheiten erwisehen zu lassen. <emphasis>Darum hast du wohl a uch aufgeh�rt, Stick ereien z u tragen,</emphasis> fl�sterte eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf. <emphasis>All diese h�bschen Kleider, in eine Truhe gestopft, weil du Angst hast.</emphasis> Angst? Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, wenn sie Angst vor ihm oder sonst einem Mann hatte!</p><p>Sie fasste sorgf�ltig Erde, Feuer und Luft zusammen und senkte das Gewebe auf die Stiefel. Die gesamte Stiefelpolitur und der gr��te Teil der F�rbung wurde abgesch�lt und ballte sich zu einer makellosen, funkelnden Kugel zusammen, die in der Luft schwebte und das Leder entschieden grau zur�cklie�. Einen Augenblick lang dachte sie dar�ber nach, die Kugel zwischen seine Decken zu positionieren. Das w�re eine passende �berraschung f�r ihn, wenn er sich endlich hinlegte!</p><p>Seufzend stie� sie die Zeltplane auf und steuerte die Kugel in die Dunkelheit hinein, um sie auf dem Boden landen zu lassen. Dieser Mann hatte eine ungeduldige und ausgesprochen respektlose Art und Weise an sich, wenn sie sich zu sehr von ihrem Temperament mitrei�en lie�. Wie sie hatte feststellen m�ssen, als sie die Stiefel, die sie gerade gereinigt hatte, ihm das erste Mal an den Kopf geworfen hatte. Oder als er sie so w�tend gemacht hatte, dass sie ihm Salz in den Tee getan hatte. Viel Salz, aber es war nicht ihre Schuld gewesen, dass er es so eilig gehabt hatte, um die Tasse mit einem Schluck zu leeren. Oder es zumindest versucht hatte. Oh, ihr Gebr�ll schien ihn nie zu st�ren, und manchmal br�llte er auch einfach zur�ck � manchmal l�chelte er auch blo�, was sie erst richtig in Rage bringen konnte! �, aber er hatte seine Grenzen. Nat�rlich h�tte sie ihn mit einem einfachen Gewebe Luft aufhalten k�nnen, aber sie hatte genauso ihre Ehre wie er, sollte er doch zu Asche verbrennen! Au�erdem musste sie in seiner N�he bleiben. Min hatte es gesagt, und das M�dchen schien sich nicht irren zu k�nnen. <emphasis>Das</emphasis> war der einzige Grund, warum sie Gareth Bryne nicht eine Hand voll Gold in den Rachen rammte und ihm erkl�rte, er sei bezahlt worden und sollte gehen und sich verbrennen lassen. Der <emphasis>einzi ge</emphasis> Grund! Abgesehen von ihrer Ehre, nat�rlich.</p><p>G�hnend lie� sie die dunkle Pf�tze im kalten Mondlicht funkeln. Wenn er reintrat, bevor sie trocknete, und den Dreck ins Zelt brachte, war es seine eigene Schuld und nicht die ihre. Wenigstens hatte der Schwefelgeruch etwas nachgelassen. Ihre Augen tr�nten nicht mehr; allerdings gab es nur Aufruhr zu sehen.</p><p>Das gro�e, von der Nacht eingeh�llte Lager hatte nie viel Ordnung besessen. Die zerkl�fteten Stra�en waren einigerma�en gerade gewesen, das schon, und breit genug f�r die marschierenden Soldaten, aber was den Rest anging, war es immer wie die zuf�llige Aneinanderreihung aus Zelten und primitiven Unterk�nften und von Steinen ges�umten Kochgruben erschienen. Au�erdem sah es jetzt wie nach einem Angriff aus. �berall lagen zusammengebrochene Zelte, einige lagen auf anderen, die noch standen, obwohl von denen viele Schlagseite hatten, und Dutzende Wagen und Karren lagen auf der Seite oder hatten sich gar �berschlagen. �berall wurde um Hilfe bei den Verletzten gerufen, von denen es einige zu geben schien. M�nner humpelten gest�tzt von anderen M�nnern an Gareths Zelt vorbei, w�hrend kleinere Gruppen im Laufschritt entlangeilten und als Tragen benutzte Decken schleppten. Ein St�ck weiter konnte Siuan vier mit Decken verh�llte Umrisse auf dem Boden erkennen; vor dreien knieten Frauen, wiegten sich vor und zur�ck und klagten schrill.</p><p>F�r die Toten konnte sie nichts tun, aber den anderen konnte sie ihre F�higkeiten im Heilen anbieten. Das war kaum ihr bestes Talent, darin war sie �berhaupt nicht stark, obwohl es in seiner vollen St�rke zur�ckgekehrt war, als Nynaeve sie Geheilt hatte, aber sie bezweifelte, dass sich noch eine andere Schwester im Lager aufhielt. Sie mieden die Soldaten, jedenfalls die meisten von ihnen. Ihre F�higkeiten w�rden besser als gar nichts sein. Sie h�tte es tun k�nnen, aber da waren die Neuigkeiten, die sie erfahren hatte.</p><p>Es war wichtig, dass sie die richtigen Leute so schnell wie m�glich erreichten. So verschloss sie ihre Ohren vor dem St�hnen und dem Klagen, ignorierte baumelnde Arme und an blutige K�pfe gedr�ckte Lumpen, und eilte zu den Pferdeseilen am Lagerrand, wo der seltsam s��e Geruch von Pferdemist anfing, den Schwefelgestank zu �berwinden. Ein grobknochiger, unrasierter Bursche mit gehetztem Gesichtsausdruck wollte an ihr vorbeieilen, aber sie erwischte seinen grobmaschigen �rmel.</p><p>�Sattle mir das sanfteste Pferd, das du finden kannst�, sagte sie zu ihm, �und zwar sofort.� Bela w�re nett gewesen, aber sie hatte keine Idee, wo die kr�ftige Stute unter all den Tieren angebunden war, und wollte nicht warten, bis man sie gefunden hatte.</p><p>�Ihr wollt reiten?�, sagte er ungl�ubig und riss sich los.</p><p>�Wenn Ihr ein Pferd besitzt, dann sattelt es selbst, wenn Ihr dumm genug dazu seid. Ich habe den Rest der Nacht in der K�lte vor mir, um mich um jene zu k�mmern, die sich selbst verletzt haben, und wir werden Gl�ck haben, wenn nicht mindestens ein Pferd stirbt.�</p><p>Siuan knirschte mit den Z�hnen. Der Dummkopf hielt sie f�r eine der N�herinnen. Oder eine der Ehefrauen! Aus irgendeinem Grund erschien das schlimmer. Sie hielt ihm die geballte Faust so schnell vors Gesicht, dass er mit einem Fluch zur�cktrat, aber sie hielt die Hand nahe genug vor seine Nase, dass ihr Gro�er Schlangenring alles war, was er sehen konnte. Er musste schielen, um ihn anschauen zu k�nnen. �Das sanfteste Tier, das du finden kannst�, sagte sie tonlos. �Aber schnell.�</p><p>Der Ring erreichte sein Ziel. Er schluckte, dann kratzte er sich den Kopf und lie� die Blicke �ber die Pferdeleinen schweifen, wo jedes Tier entweder zu stampfen oder zu zittern schien. �Sanft�, murmelte er. �Ich werde sehen, was ich tun kann, Aes Sedai. Sanft.� Er tippte sich mit dem Kn�chel an die Stirn, dann eilte er noch immer vor sich hinmurmelnd die Reihen der Pferde entlang.</p><p>Siuan murmelte selbst, w�hrend sie auf und ab ging, drei Schritte in diese Richtung und drei in die andere. Zu Matsch zertretener und dann wieder gefrorener Schnee knirschte unter ihrem festen Schuhwerk. So wie es aussah, w�rde er Stunden brauchen, um ein Pferd zu finden, das sie nicht abwerfen w�rde, wenn es ein Schwein grunzen h�rte. Sie warf sich den Umhang �ber die Schultern, r�ckte mit einem ungeduldigen Ruck die silberne Verschlussnadel an Ort und Stelle und stach sich dabei beinahe in den Daumen. Sie hatte Angst? Sie w�rde es Gareth Bryne zeigen, dem verdammten, <emphasis>verdammten</emphasis> Mistkerl! Vor und zur�ck, vor und zur�ck. Vielleicht sollte sie den ganzen langen Weg zu Fu� gehen. Es w�rde unangenehm sein, aber besser als abgeworfen zu werden und sich vielleicht auch noch einen Knochen zu brechen. Sie stieg nie auf ein Pferd, auch nicht auf Bela, ohne an gebrochene Knochen zu denken. Aber der Bursche kam mit einer schwarzen Stute mit einem Sattel mit hohem Zwiesel zur�ck.</p><p>�Die ist sanft?�, wollte Siuan skeptisch wissen. Das Tier bewegte sich unruhig, als wollte es gleich tanzen, und es sah schlank aus. Das sollte ein Anzeichen f�r Schnelligkeit sein.</p><p>�Nachtlilie ist so sanft wie Milchwasser, Aes Sedai. Geh�rt meiner Frau, und Nemaris ist zierlich. Sie mag kein Reittier, das lebhaft ist.�</p><p>�Wenn du es sagst�, erwiderte sie und schniefte. Ihrer Erfahrung nach waren Pferde selten sanft. Aber ihr blieb keine Wahl.</p><p>Sie nahm die Z�gel und stieg unbeholfen in den Sattel, dann musste sie herumrutschen, damit sie nicht auf ihrem Umhang sa� und sich nicht mit jeder Bewegung selbst halb erw�rgte. Die Stute t�nzelte und riss an den Z�geln. Siuan hatte es gewusst. Sie versuchte jetzt schon, ihr die Knochen zu brechen. Ein Boot hingegen � ob nun ein Ruder oder zwei, ein Boot fuhr dorthin, wo man wollte, und hielt an, wann man wollte, solange man kein v�lliger Idiot war, was Flut, Str�mungen und den Wind anging. Aber Pferde hatten Gehirne, auch wenn sie klein waren, und das bedeutete, dass sie es sich in den Kopf setzen konnten, Zaumzeug und Z�gel und die W�nsche des Reiters zu ignorieren. Daran musste man denken, wenn man sich auf ein verdammtes Pferd setzte.</p><p>�Eines noch, Aes Sedai�, sagte der Mann, w�hrend sie versuchte, eine bequemere Position zu finden. Warum schienen S�ttel immer h�rter als Holz zu sein? �Ich w�rde sie an Eurer Stelle heute Nacht nur im Schritt gehen lassen. Der Wind, Ihr wisst schon, und der ganze Gestank, nun, sie k�nnte vielleicht einen Hauch��</p><p>�Keine Zeit�, sagte Siuan und grub ihr die Fersen in die Seiten. Nachtlilie, die so sanft wie Milchwasser war, machte einen solchen Satz nach vorn, dass sie beinahe hinterr�cks aus dem Sattel geflogen w�re. Nur der schnelle Griff nach dem Sattelknauf hielt sie oben. Sie glaubte, dass der Bursche ihr etwas nachrief, konnte sich aber nicht sicher sein. Was beim Licht war f�r diese Nemaris ein <emphasis>lebhaftes</emphasis> Tier? Die Stute raste aus dem Lager, als wollte sie ein Rennen gewinnen, rannte auf den untergehenden Mond und den Drachenberg zu, der sich als finsterer Dorn vor der sternenerf�llten Nacht abzeichnete.</p><p>Mit flatterndem Umhang unternahm Siuan keine Anstrengungen, sie zu bremsen, sondern trat erneut mit den Fersen zu und schlug mit den Z�geln auf den Hals der Stute, so wie sie es bei anderen gesehen hatte, wenn sie ein Pferd zu gr��erer Geschwindigkeit antrieben. Sie musste die Schwestern erreichen, bevor jemand etwas Unwiderrufliches tat. Ihr kamen viel zu viele M�glichkeiten in den Sinn. Die Stute galoppierte an kleinen Dickichten, winzigen Weilern und gro�en Bauernh�fen mit ihren von Steinmauern umgebenen Wiesen und Feldern vorbei. Beherbergt von mit Schnee bedeckten Schieferd�chern und Mauern aus Stein oder Ziegeln waren die Bewohner nicht von dem Sturmwind geweckt worden; jedes Geb�ude lag still im Dunkeln. Selbst die verdammten K�he und Schafe genossen vermutlich ihre friedliche Nachtruhe. Bauern hatten immer K�he und Schafe. Und Schweine.</p><p>Sie h�pfte auf dem harten Sattelleder auf und ab und versuchte sich �ber den Hals der Stute zu beugen. So wurde es gemacht; sie hatte es gesehen. Fast sofort glitt sie aus dem linken Steigb�gel und rutschte beinahe auf dieser Seite vom Pferd herunter, sie schaffte es gerade noch rechtzeitig, sich den Weg zur�ck nach oben zu krallen und den Fu� wieder an Ort und Stelle zu platzieren. Sie musste blo� kerzengerade im Sattel sitzen, sich am Knauf festkrallen, als ginge es um ihr Leben, mit der anderen Hand die Z�gel noch fester halten. Ihr flatternder Umhang zerrte unbehaglich an ihrem Hals, und sie h�pfte so hart auf und ab, dass ihre Z�hne aufeinander schlugen, wenn sie den Mund im falschen Augenblick �ffnete, aber sie gab nicht auf, trieb die Stute sogar noch einmal an. Beim Licht, bei Sonnenaufgang w�rde sie alle Knochen im Leib sp�ren. Und es ging weiter durch die Nacht, und jeder weit ausholende, federnde Schritt des Pferdes stauchte sie in den Sattel. Immerhin verhinderten die zusammengebissenen Z�hne, dass sie g�hnen konnte.</p><p>Endlich traten nach einem schmalen Streifen aus B�umen die Pferdeleinen und Wagenreihen aus der Dunkelheit zum Vorschein, die das Aes Sedai-Lager umringten. Mit einem erleichterten Seufzer riss sie die Z�gel so hart zur�ck, wie sie nur konnte. Bei einem Pferd, das so schnell lief, musste man sicherlich so hart daran rei�en, um es anzuhalten. Nachtlilie hielt an, so abrupt, dass sie mit Sicherheit �ber den Hals der Stute geflogen w�re, w�re diese nicht zugleich auf die Hinterbeine gestiegen. Mit weit aufgerissenen Augen klammerte sich Siuan am Hals des Tieres fest, bis es schlie�lich wieder alle vier Hufe fest auf den Boden gestellt hatte. Und danach noch eine Weile l�nger.</p><p>Auch Nachtlilie atmete schwer, wie ihr bewusst wurde. Eigentlich keuchte sie sogar. Siuan versp�rte kein Mitleid. Das bl�de Tier hatte versucht, sie umzubringen, so wie es bei Pferden nun einmal �blich war! Sich zu erholen brauchte einen Moment, aber dann zog sie den Umhang zurecht, nahm die Z�gel auf und ritt in gem�chlichem Schritt an den Wagen und langen Reihen aus Pferden vorbei. Zwischen den Pferden bewegten sich schattenhafte M�nner, zweifellos Pferdeknechte, die sich um die sichtlich unruhigen Tiere k�mmerten. Die Stute schien jetzt folgsamer zu sein. Wirklich, das war gar nicht so �bel.</p><p>Als sie das eigentliche Lager betrat, z�gerte sie nur kurz, bevor sie <emphasis>Saidar</emphasis> umarmte. Es war seltsam, ein Lager voller Aes Sedai als gef�hrlich zu betrachten, und doch waren hier zwei Schwestern ermordet worden. Bedachte man die Umst�nde ihres Todes, erschien es unwahrscheinlich, dass das Halten der Macht ausreichen w�rde, um sie zu retten, sollte sie das n�chste Opfer sein, aber <emphasis>Saidar</emphasis> vermittelte zumindest die Illusion von Sicherheit. So lange, bis sie sich erinnerte, <emphasis>dass</emphasis> es nur eine Illusion war. Einen Augenblick sp�ter webte sie die Str�nge aus Geist, die ihre F�higkeiten und das Leuchten der Macht verbergen w�rden. Es bestand schlie�lich keine Notwendigkeit, sie anzuk�ndigen.</p><p>Selbst zu dieser Stunde, da der Mond tief im Westen stand, waren ein paar Leute auf den Gehwegen unterwegs, Diener und Dienerinnen, die eilig sp�te Aufgaben erledigten. Vielleicht w�re fr�he die zutreffendere Bezeichnung. Die meisten Zelte, die es in beinahe jeder vorstellbaren Gr��e und Form gab, waren dunkel, aber in einigen der gr��eren funkelte das Licht von Lampen oder Kerzen. Unter diesen Umst�nden keine gro�e �berraschung. Um jedes erleuchtete Zelt standen M�nner oder hatten sich davor versammelt. Beh�ten Niemand sonst konnte so still stehen, dass er mit der Nacht zu verschmelzen schien, vor allem nicht in einer so kalten Nacht. Erf�llt von der Macht konnte sie noch andere ausmachen, ihre Beh�terumh�nge lie�en sie in den Schatten verschwinden. Keine �berraschung, dachte man an die ermordeten Schwestern und das, was ihr Bund mit den Aes Sedai an sie �bertragen musste. Vermutlich war mehr als nur eine Schwester bereit, sich die Haare auszurei�en. Oder jemand anderem. Sie bemerkten sie, folgten ihrem Weg, w�hrend sie langsam suchend die gefrorenen Furchen entlangritt.</p><p>Der Saal musste informiert werden, nat�rlich, aber andere mussten es vorher wissen. Ihrer Einsch�tzung nach waren sie eher dazu bereit, etwas� �berst�rztes zu tun. Und m�glicherweise Verheerendes. Eide hielten sie, aber erzwungene Eide, an eine Frau, die sie nun tot w�hnten. F�r den Saal, den gr��ten Teil des Saals, galt, dass sie ihre Flagge an den Mast genagelt hatten, indem sie einen Sitz annahmen. Keine von ihnen w�rde springen, bevor sie ganz genau wussten, wo sie landen w�rden.</p><p>Sheriams Zelt war zu klein f�r das, von dem Siuan sicher war, es vorzufinden, au�erdem war es dunkel, wie sie im Vorbeigehen bemerkte. Sie bezweifelte aber sehr, dass die Frau drinnen schlief. Morvrins Unterkunft, gro� genug, um Schlafplatz f�r vier zu bieten, h�tte es getan, w�re Platz unter all den B�chern gewesen, die die Braune auf dem Marsch geschafft hatte anzusammeln, aber auch das war dunkel. Ihr dritter Versuch erwies sich jedoch als erfolgreich, und sie z�gelte Nachtlilie ein St�ck davor.</p><p>Myrelle hatte zwei Spitzzelte im Lager, eins f�r sich und eins f�r ihre drei Beh�terdie drei, die sie in der �ffentlichkeit anzuerkennen wagte �, und ihr Zelt erstrahlte in aller Helligkeit, und die Schatten von Frauen huschten �ber die geflickten W�nde. Drei sehr unterschiedliche M�nner standen auf dem Gehweg vor dem Zelt � ihre Reglosigkeit kennzeichnete sie als Beh�ter-, aber Siuan ignorierte sie f�r den Augenblick. Wor�ber sie sich drinnen wohl gerade unterhielten? �berzeugt, dass es eine sinnlose Bem�hung war, webte sie Luft mit einer Spur Feuer; ihr Gewebe ber�hrte das Zelt und traf eine Barriere gegen Lauschangriffe. Nat�rlich nach innen gerichtet und damit f�r sie unsichtbar. Sie hatte den Versuch nur auf die M�glichkeit hin unternommen, dass sie sorglos waren. Bei den Geheimnissen, die sie verbergen mussten, kaum wahrscheinlich. Die Schatten hinter den W�nden waren jetzt ganz still. Also wussten sie, dass es jemand versucht hatte. Sie ritt den Rest des Weges mit der �berlegung besch�ftigt, wor�ber sie sich wohl unterhalten hatten.</p><p>Als sie absa� � nun, immerhin schaffte sie es, einen halben Sturz in etwas zu verwandeln, das einem Sprung �hnelte �, trat einer der Beh�ter, Sheriams Arinvar, ein schlanker Cairhiener nur unwesentlich gr��er als sie, nach vorn, um mit einer kleinen Verbeugung nach den Z�geln zu greifen, aber sie winkte ihn fort. Sie lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los und band die Stute mit einem Knoten an einer der Stangen des Gehweges an, der ein gro�es Boot bei heftigem Wind und einer starken Str�mung gehalten h�tte. Keine der lockeren Schlaufen, die andere benutzten. Sie mochte das Reiten verabscheuen, aber wenn sie ein Pferd festband, dann wollte sie, dass es bei ihrer R�ckkehr noch da war. Arinvars Brauen hoben sich, als er ihr bei dem Knoten zusah, aber er w�rde auch nicht f�r das verdammte Pferd bezahlen m�ssen, falls es sich losriss und verloren ging.</p><p>Nur einer der anderen beiden Beh�ter geh�rte Myrelle, Avar Hachami, ein Saldaeaner mit einer Nase wie ein Adlerschnabel und einem dichten, mit Grau durchsetztem Schnurrbart. Nach einem kurzen Blick auf sie und einem leichten Nicken widmete er sich wieder dem Studium der Nacht. Morvrins Jori, klein und kahl und fast so breit wie hoch, ignorierte sie. Er musterte die Dunkelheit, und seine Hand ruhte locker auf dem langen Schwertgriff. Angeblich geh�rte er zu den besten Schwertk�mpfern der Beh�ter. Wo waren die anderen? Nat�rlich konnte sie nicht danach fragen, genau wie sich die Frage verbot, wer alles im Zelt war. Die M�nner w�ren bis ins Mark schockiert gewesen. Keiner versuchte, sie vom Eintritt abzuhalten. Wenigstens waren die Verh�ltnisse noch nicht so schlimm geworden.</p><p>Im Zeltinneren verbreiteten zwei Kohlenbecken Rosenduft und machten die Luft verglichen mit der Nacht beinahe schon mollig warm. Sie entdeckte fast jeden, den sie gehofft hatte zu treffen, und alle schauten, wer da eintrat.</p><p>Myrelle sa� in einem seidenen, mit roten und gelben Blumen verzierten Morgenmantel auf einem stabilen Stuhl, die Arme unter der Brust verschr�nkt; auf ihren olivefarbenen Z�gen zeichnete sich eine Gelassenheit ab, die so perfekt war, dass sie nur die Erregung in ihren dunklen Augen hervorhob. Das Licht der Macht h�llte sie ein. Schlie�lich war es ihr Zelt; sie w�rde diejenige sein, die hier ein Schutzgewebe webte. Sheriam sa� kerzengerade an einem Ende von Myrelles Pritsche und tat so, als w�rde sie ihre blaugeschlitzten R�cke richten; ihr Gesichtsausdruck war so feurig wie ihr Haar, und er wurde beim Anblick Siuans noch hitziger. Sie trug nicht die Beh�terinnenstola, ein schlechtes Zeichen.</p><p>�Ich h�tte mir denken k�nnen, dass Ihr es seid�, sagte Carlinya kalt mit in die H�ften gestemmten F�usten. Sie war noch nie eine warmherzige Frau gewesen, aber jetzt rahmten die Locken, die kurz vor ihren Schultern endeten, ein Gesicht ein, das aus Eis in der blassen Farbe ihres Kleides gemei�elt zu sein schien. �Ich werde nicht zulassen, dass Ihr meine privaten Unterhaltungen belauscht, Siuan.� O ja, sie glaubten, dass alles zu Ende war.</p><p>Morvrin mit ihrem runden Gesicht erschien trotz der Falten in ihrem braunen Wollrock zur Abwechslung mal nicht im Mindesten abwesend oder schl�frig; sie ging um den kleinen Tisch herum, auf dem eine hohe Silberkanne und f�nf Silbertassen auf einem lackierten Tablett standen. Anscheinend hatte niemand Lust auf Tee; die Tassen waren alle unbenutzt. Die langsam ergrauende Schwester griff in ihre G�rteltasche und dr�ckte Siuan einen geschnitzten Hornkamm in die Hand. �Ihr seid v�llig zerzaust, Frau. Bringt Euer Haar in Ordnung, bevor irgendein L�mmel Euch f�r eine Schankdirne statt f�r eine Aes Sedai h�lt und Euch auf sein Knie ziehen will.�</p><p>�Egwene und Leane leben und sind Gefangene in der Wei�en Burg�, verk�ndete Siuan viel ruhiger, als ihr zumute war. Eine Schankdirne? Sie tastete nach ihrem Haar und entdeckte, dass die Schwester Recht hatte. Sie fing an, mit dem Kamm Ordnung hereinzubringen. Wenn man Ernst genommen werden wollte, durfte man nicht aussehen, als h�tte man in einer Gasse gerauft. Damit hatte sie im Moment schon genug Probleme, und das w�rde auch noch ein paar Jahre so weitergehen, bis sie wieder die H�nde auf den Eidstab legen konnte. �Egwene hat im Traum zu mir gesprochen. Es ist ihnen gelungen, die H�fen so gut wie zu blockieren, aber sie wurden gefangen genommen. Wo sind Beonin und Nisao? Eine von euch holt sie. Ich habe keine Lust, denselben Fisch zweimal zu entschuppen.�</p><p>So. Falls sie glaubten, von ihrem Eid entbunden zu sein sowie von Egwenes Befehl, ihr zu gehorchen, sollte sie das eines anderen belehren. Aber keine machte auch nur die geringsten Anstalten, ihr zu gehorchen.</p><p>�Beonin wollte ins Bett�, sagte Morvrin langsam und lie� Siuan dabei nicht aus den Augen. Es war eine sehr genaue Musterung. Hinter dem gelassenen Gesicht verbarg sich ein scharfer Verstand. �Sie war zu m�de, um weiter zu diskutieren. Und warum sollten wir Nisao bitten, sich zu uns zu gesellen?� Das rief bei Myrelle, die Nisaos Freundin war, ein leichtes Stirnrunzeln hervor, aber die anderen beiden nickten. Trotz der Treueide, die sie alle teilten, hielten sie Nisao und Beonin f�r Au�enseiter. Siuan vertrat die Ansicht, dass diese Frauen nie den Glauben aufgegeben hatten, sie w�rden die Ereignisse noch irgendwie lenken. Selbst nachdem man ihnen das Ruder schon vor langem aus der Hand genommen hatte.</p><p>Sheriam erhob sich von der Pritsche, als wollte sie loseilen, sie raffte sogar die R�cke, aber das hatte nichts mit Siuans Befehl zu tun. Die Wut war verschwunden und von gl�hendem Eifer ersetzt worden. �Wir brauchen sie im Moment sowieso nicht. �Gefangene� bedeutet die Zellen im Keller, bis der Burgsaal f�r einen Prozess zusammentritt. Wir k�nnen dorthin Reisen und sie befreien, bevor Elaida �berhaupt merkt, was geschieht.�</p><p>Myrelle nickte knapp, stand auf und griff nach der Sch�rpe ihres Morgenmantels. �Ich glaube, wir sollten die Beh�ter zur�cklassen. Wir brauchen sie dazu nicht.� Sie sch�pfte voller Erwartung tiefer von der Quelle.</p><p>�Nein�, sagte Siuan scharf und verzog das Gesicht, als der Kamm in ihrem Haar h�ngen blieb. Manchmal dachte sie dar�ber nach, es aus Gr�nden der Bequemlichkeit noch k�rzer als Carlinya zu schneiden, aber Gareth hatte sich anerkennend dar�ber ge�u�ert, hatte gesagt, wie sehr es ihm gefiel, wie es ihre Schultern ber�hrte. Beim Licht, konnte sie dem Mann nicht einmal hier entkommen? �Egwene bekommt keinen Prozess, und sie sitzt nicht in den Zellen. Sie wollte mir nicht sagen, wo man sie festh�lt, nur dass man sie st�ndig bewacht. Und sie befiehlt, dass es keinen Rettungsversuch geben soll, an dem Schwestern beteiligt sind.�</p><p>Die Frauen starrten sie in schockiertem Schweigen an. Tats�chlich hatte sie selbst mit Egwene �ber diesen Punkt gestritten, aber es war sinnlos gewesen. Es war ein Befehl gewesen, der vom Amyrlin-Sitz erfolgt war.</p><p>�Was Ihr da sagt, ist irrational�, erwiderte Carlinya schlie�lich. Ihre Stimme klang noch immer k�hl, ihr Gesicht war unbewegt, aber sie gl�ttete ihre bestickten wei�en R�cke �berfl�ssigerweise. �Falls wir Elaida gefangen nehmen, werden wir sie vor Gericht stellen und aller Wahrscheinlichkeit nach d�mpfen.� Falls. Ihre Zweifel und �ngste waren noch immer nicht ausger�umt. �Da sie Egwene hat, wird sie sicherlich das Gleiche tun. Ich brauche Beonin nicht, damit sie mir sagt, was das Gesetz in einem solchen Fall vorsieht.�</p><p>�Wir <emphasis>m�ssen</emphasis> sie retten, ganz egal, was sie will!� Sheriams Stimme war so hei�, wie Carlinyas kalt war, ihre gr�nen Augen blitzten. Ihre F�uste waren in den Stoff ihrer R�cke gekrallt. �Sie begreift anscheinend nicht die Gefahr, in der sie schwebt. Sie muss unter Schock stehen. Hat sie Euch gegen�ber angedeutet, wo man sie festh�lt?�</p><p>�Siuan, versucht nicht, uns Dinge vorzuenthalten�, sagte Myrelle energisch. Ihre Augen schienen beinahe zu brennen, und sie zog die Seidensch�rpe fester, als wollte sie den Worten Nachdruck verleihen. �Warum sollte sie verbergen wollen, wo man sie festh�lt?�</p><p>�Aus Angst vor dem, was Ihr und Sheriam vorschlagt.� Siuan gab es mit den vom Wind zerzausten Locken auf und warf den Kamm auf den Tisch. Sie konnte nicht hier stehen, sich k�mmen und erwarten, dass die anderen ihr Aufmerksamkeit entgegenbrachten. Es musste eben zerzaust gehen.</p><p>�Sie wird <emphasis>bewacht,</emphasis> Myrelle. Von Schwestern. Bei einem Rettungsversuch werden Aes Sedai von der Hand von Aes Sedai sterben, so sicher wie ein Silberhecht im Schilf laicht. Das ist einmal geschehen, aber es darf nicht noch einmal geschehen, oder jede Hoffnung auf eine friedliche Wiedervereinigung der Wei�en Burg ist f�r immer zunichte. Wir k�nnen <emphasis>nicht</emphasis> zulassen, dass es noch einmal geschieht. Also wird es keine Rettung geben. Warum Elaida entschieden hat, ihr nicht den Prozess zu machen, dazu kann ich nichts sagen.� Egwene war da sehr ausweichend gewesen, als w�rde sie es selbst nicht genau verstehen. Aber was die Fakten anging, da war sie sehr eindeutig gewesen, und es war keine Behauptung, die sie machen w�rde, solange sie sich nicht sicher war.</p><p>�Friedlich�, murmelte Sheriam und lie� sich zur�ck auf die Pritsche sinken. Sie erf�llte das Wort mit einer Welt aus Bitterkeit. �Hat es diese Chance jemals gegeben, von Anfang an? Elaida hat die Blaue Ajah <emphasis>abgeschafft*.</emphasis> Wie soll es da Frieden geben?�</p><p>�Elaida kann eine Ajah nicht einfach ausl�schen�, murmelte Morvrin; als h�tte das auch nur das Mindeste damit zu tun. Sie t�tschelte Sheriams Schulter, aber die Frau mit dem feuerroten Haar stie� ihre dicke Hand einfach mit einem Schulterzucken fort.</p><p>�Es gibt immer eine Chance�, sagte Carlinya. �Die H�fen sind blockiert, das st�rkt unsere Position. Die Verhandlungsdelegationen treffen sich jeden Morgen�� Sie verstummte mit einem beunruhigten Blick, schenkte sich eine Tasse Tee ein und trank sie zur H�lfte aus, ohne sie vorher mit Honig zu s��en. Die Hafenblockade w�rde die Verhandlungen vermutlich beendet haben, nicht dass sie sich in irgendeine vielversprechende Richtung bewegt h�tten. Davon abgesehen, w�rde Elaida sie weiterf�hren, wo sie doch Egwene in der Hand hatte?</p><p>�Ich verstehe nicht, warum Elaida ihr nicht den Prozess machen will�, sagte Morvrin, �eine Verurteilung w�re doch sicher. Aber es bleibt nun einmal die Tatsache bestehen, dass sie eine Gefangene ist.� Sie zeigte weder Sheriams oder Myrelles Temperament noch Carlinyas K�lte. Sie listete einfach die Tatsachen auf, mit einer leichten Anspannung der Lippen. �Wenn sie nicht vor Gericht gestellt wird, dann soll zweifellos ihr Wille gebrochen werden. Sie hat sich als st�rkere Frau erwiesen, als ich ihr zuerst zugetraut h�tte, aber niemand ist stark genug, sich der Wei�en Burg zu widersetzen, wenn die sich dazu entschieden hat, ihren Willen zu brechen. Wir m�ssen die Konsequenzen bedenken, wenn wir sie nicht vorher dort rausholen k�nnen.�</p><p>Siuan sch�ttelte den Kopf. �Sie wird nicht einmal mit der Rute gez�chtigt werden, Morvrin. Ich verstehe das auch nicht, aber sie wird uns wohl kaum befehlen, sie in Ruhe zu lassen, wenn sie glaubt, gefoltert zu werden��</p><p>Sie verstummte, als die Zeltplane zur Seite gesto�en wurde und Lelaine Akashi eintrat, die mit blauen Fransen versehene Stola �ber die Arme drapiert. Sheriam stand auf, auch wenn sie das nicht gemusst h�tte; Lelaine geh�rte zu den Sitzenden, aber Sheriam war die Beh�terin. Andererseits bot Lelaine trotz ihrer Schlankheit eine beeindruckende Erscheinung in ihrem blaugeschlitzten Samt, zu Fleisch gewordene Erhabenheit; sie str�mte eine Autorit�t aus, die in dieser Nacht gr��er als je zuvor zu sein schien. Jedes Haar lag an Ort und Stelle; sie h�tte genauso gut nach einer ordentlichen Nachtruhe den Saal betreten k�nnen.</p><p>Ohne zu z�gern, wandte sich Siuan dem Tisch zu und nahm die Kanne, als w�rde sie sie vorbereiten. Normalerweise w�re das in dieser Gesellschaft ihre Rolle gewesen; Tee einzuschenken und zu sprechen, wenn man sie um ihre Meinung bat. Wenn sie den Mund hielt, w�rde Lelaine vielleicht das erledigen, weswegen sie gekommen war, und schnell wieder gehen, ohne ihr einen zweiten Blick zu widmen. Das tat die Frau sowieso selten.</p><p>�Ich dachte mir, dass es sich bei dem Pferd drau�en um das gleiche handelt, auf dem ich Euch habe ankommen gesehen, Siuan.� Lelaine betrachtete die anderen Schwestern, die nun alle eine ausdruckslose Miene aufgesetzt hatten. �St�re ich?�</p><p>�Siuan sagt, Egwene lebt�, bemerkte Sheriam, als w�rde sie auf dem Dock �ber den Preis von Deltabarschen plaudern.</p><p>�Und Leane auch. Egwene hat zu Siuan im Traum gesprochen. Sie verweigert jeden Rettungsversuch.� Myrelle warf ihr einen unergr�ndlichen Seitenblick zu, aber Siuan h�tte ihr eine Ohrfeige geben k�nnen! Vermutlich w�re Lelaine die N�chste gewesen, die sie aufgesucht h�tte, aber sie h�tte es ihr auf ihre Weise gesagt und w�re nicht wie auf dem Fischmarkt damit herausgeplatzt. In letzter Zeit war Sheriam so leichtsinnig wie eine Novizin geworden!</p><p>Lelaine sch�rzte die Lippen und sah Siuan durchdringend an. �Hat sie das? Ihr solltet wirklich Eure Stola tragen, Sheriam. Ihr <emphasis>seid</emphasis> die Beh�terin. Siuan, begleitet Ihr mich? Es ist viel zu lange her, dass wir uns unter vier Augen unterhalten haben.� Mit einer Hand hielt sie die Zeltplane zur�ck und richtete den durchdringenden Blick auf die anderen Schwestern. Sheriam err�tete, wie es nur eine Rothaarige tun konnte, sie wurde knallrot und fummelte die schmale blaue Stola aus der G�rteltasche, um sie sich um die Schultern zu legen, aber Myrelle und Carlinya erwiderten Lelaines Musterung unger�hrt. Morvrin hatte angefangen, mit dem Finger gegen das runde Kinn zu tippen, als w�re sie sich der anderen nicht bewusst. M�glicherweise stimmte das auch. Morvrin war so.</p><p>Waren Egwenes Befehle zu ihnen durchgedrungen? Siuan blieb nicht mal die Gelegenheit f�r einen energischen Blick, w�hrend sie die Kanne abstellte. Ein Vorschlag von einer Schwester von Lelaines Stellung � ob sie nun Sitzende war oder nicht � kam f�r jemanden von Siuans Rang einem Befehl gleich. Sie hob Umhang und R�cke an und ging hinaus, dankte Lelaine murmelnd, dass sie ihr die Plane aufhielt. Beim Licht, sie hoffte, dass diese N�rrinnen ihr auch zugeh�rt hatten.</p><p>Drau�en standen jetzt vier Beh�ter, aber einer von ihnen war Lelaines Burin, ein kleiner kupferh�utiger Domani in einem Beh�terumhang, der den gr��ten Teil von ihm nicht da zu sein scheinen lie�, und Avar war von einem anderen von Myrelles M�nnern ersetzt worden, Nuhel Dromand, einem gro�en, beleibten Mann mit einem Illianerbart, der seine Oberlippe frei lie�. Er stand so still da, dass man ihn f�r eine Statue h�tte halten k�nnen, w�ren da vor seiner Nase nicht diese winzigen Nebelschwaden gewesen. Arinvar verbeugte sich vor Lelaine, eine schnelle H�flichkeit, wenn auch formell. Nuhel und Jori lie�en in ihrer Wachsamkeit nicht nach. Burin auch nicht, was das anging.</p><p>Der Knoten, der Nachtlilie gehalten hatte, brauchte genauso lang, um wieder gel�st zu werden, wie sein Kn�pfen gedauert hatte, aber Lelaine wartete geduldig, bis sich Siuan mit den Z�geln in der Hand aufrichtete, dann setzte sie sich mit langsamen Schritten auf dem Gehweg vorbei an dunklen Zelten in Bewegung. Mondschatten verbargen ihr Gesicht. Sie verzichtete darauf, die Macht zu umarmen, also konnte Siuan es auch nicht tun. Gefolgt von Burin ging Siuan mit dem Pferd neben Lelaine her und schwieg. Es war Sache der Sitzenden anzufangen, und nicht nur, weil sie eine Sitzende war. Siuan k�mpfte gegen den Drang an, den Kopf zu senken und so die Extra-Zentimeter zu verlieren, die sie der Frau voraushatte. Sie dachte nur noch selten an die Zeit, als sie Amyrlin gewesen war. Sie war wieder als Aes Sedai aufgenommen worden, und als Aes Sedai geh�rte es dazu, instinktiv seine Nische unter den anderen Schwestern einzunehmen. Das verdammte Pferd knabberte an ihrer Hand, als w�rde es sich f�r ihr Tier halten, und sie wechselte die Z�gel lange genug in die andere Hand, um sich die Finger am Umhang abzuwischen. Dreckiges sabberndes Biest. Lelaine sah sie von der Seite an, und sie f�hlte, wie sich ihre Wangen r�teten. Instinkt.</p><p>�Ihr habt seltsame Freunde, Siuan. Ich glaube, ein paar von ihnen waren daf�r, Euch wegzuschicken, als Ihr in Salidar aufgetaucht seid. Sheriam k�nnte ich verstehen, auch wenn die Tatsache, dass sie so weit �ber Euch steht, bestimmt eine gewisse Peinlichkeit mit sich bringt. Das war auch der haupts�chliche Grund, warum ich Euch gemieden habe, um Peinlichkeiten zu vermeiden.�</p><p>Um ein Haar h�tte Siuan sie erstaunt angestarrt. Das grenzte ja beinahe schon daran, �ber das zu sprechen, wor�ber niemals gesprochen wurde, eine �berschreitung, die sie von dieser Frau niemals erwartet h�tte. Von ihr selbst, m�glicherweise � sie hatte ihre Nische gefunden, aber sie war nun einmal, wer sie war-, aber niemals von Lelaine!</p><p>�Ich hoffe, wir beide k�nnen wieder Freundinnen werden, Siuan, obwohl ich verstehen kann, falls das unm�glich sein sollte. Dieses Treffen heute Nacht best�tigt, was Faolain mir gesagt hat.� Lelaine lachte leise und faltete die H�nde in Taillenh�he. �Oh, verzieht doch nicht so das Gesicht, Siuan. Sie hat Euch nicht verraten, jedenfalls nicht absichtlich. Sie hat eine Bemerkung zu viel gemacht, und ich entschied mich, sie zu bedr�ngen, und zwar sehr energisch. Nicht die Art und Weise, wie man eine andere Schwester behandeln sollte, andererseits ist sie wirklich nicht mehr als eine Aufgenommene, bis sie sich der Pr�fung unterziehen und sie bestehen kann. Faolain wird eine gute Aes Sedai abgeben. Sie ist nur sehr z�gernd mit allem rausger�ckt. Nur Bruchst�cke und ein paar Namen, aber zusammen mit Eurer Anwesenheit bei diesem Treffen glaube ich, dass ich mir ein ziemlich genaues Bild machen kann. Ich glaube, ich kann sie jetzt wieder freilassen. Sie wird mir kein zweites Mal nachspionieren. Ihr und Eure Freundinnen seid Egwene sehr treu ergeben, Siuan. K�nnt Ihr mir gegen�ber genauso treu sein?�</p><p>Darum also war Faolain anscheinend untergetaucht. Wie viele �Bruchst�cke� hatte sie enth�llt, w�hrend sie �energisch bedr�ngt� worden war? Faolain wusste nicht alles, aber es war besser davon auszugehen, dass Lelaine es tat. Davon auszugehen, aber zugleich nichts zu enth�llen, solange sie selbst nicht unter Druck gesetzt wurde.</p><p>Siuan blieb abrupt stehen, holte tief Luft. Lelaine folgte ihrem Beispiel, wartete offensichtlich darauf, dass sie das Wort ergriff. Obwohl ihr Gesicht halb im Schatten lag, war das klar. Siuan musste sich daf�r st�hlen, dieser Frau gegen�berzutreten. Einige Instinkte waren Aes Sedai in Fleisch und Blut �bergegangen. �Ich bin Euch treu ergeben als Sitzende meiner Ajah, aber Egwene al'Vere ist der Amyrlin-Sitz.�</p><p>�Das ist sie.� Lelaines Ausdruck blieb gleich, soweit Siuan erkennen konnte. �Sie hat mit Euch in Euren Tr�umen gesprochen? Sagt mir, was Ihr �ber die Situation wisst, Siuan.� Siuan warf einen Blick �ber die Schulter auf den st�mmigen Beh�ten �Ignoriert ihn�, sagte die Sitzende. �Ich habe schon seit zwanzig Jahren keine Geheimnisse mehr vor Burin.�</p><p>�In meinen Tr�umen�, gab Siuan zu. Sie beabsichtigte mit Sicherheit nicht zuzugeben, dass es in diesem Traum nur darum gegangen war, dass sie sich in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nach Salidar begab. Sie durfte diesen Ring nicht benutzen. Der Saal w�rde ihn ihr abnehmen, wenn er das erfuhr. Ruhig � zumindest nach au�en hin � erz�hlte sie, was sie Myrelle und den anderen gesagt hatte, und mehr.</p><p>Aber nicht alles. Nicht, dass es mit Sicherheit Verrat gegeben hatte. Das hatte nur aus dem Saal kommen k�nnen. Abgesehen von den daran beteiligten Frauen hatte sonst niemand von dem Plan gewusst, die H�fen zu blockieren �, allerdings hatte derjenige, der daf�r verantwortlich war, nicht wissen k�nnen, dass er Egwene verriet. Er hatte nur Elaida geholfen, was schon f�r sich genommen merkw�rdig genug war. Warum sollte eine von ihnen Elaida helfen wollen? Von Anfang an hatte es Gerede �ber Elaidas geheime Anh�ngerinnen gegeben, aber sie hatte diese M�glichkeit schon vor langem wieder verworfen. Mit Sicherheit wollte jede Blaue Elaida inbr�nstig st�rzen, aber solange sie nicht wusste, wer daf�r verantwortlich war, w�rde keine Sitzende alles erfahren, nicht einmal eine Blaue.</p><p>�Sie hat f�r morgen eine Sitzung des Saals einberufen� nein, also f�r heute Abend, beim letzten Zapfenstreich�, endete sie. �In der Burg, im Saal der Burg.�</p><p>Lelaine lachte so sehr, dass sie sich Tr�nen aus den Augen wischen musste. �Oh, das ist unbezahlbar. Dass der Saal genau unter Elaidas Nase sitzt. Ich w�nschte mir fast, ich k�nnte sie das wissen lassen, nur um ihr Gesicht zu sehen.� Fast �bergangslos wurde sie wieder ernst. Lelaine hatte schon immer gern gelacht, wenn sie wollte, aber der Kern ihres Wesens war immer ernst gewesen. �Also glaubt Egwene, dass sich die Ajah gegeneinander wenden. Das erscheint kaum wahrscheinlich. Sie hat doch nur eine Hand voll Schwestern gesehen, sagt Ihr. Trotzdem, das sollte man sich das n�chste Mal in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ansehen. Vielleicht kann jemand herausfinden, was in den Quartieren der Ajah zu finden ist, statt sich auf Elaidas Arbeitszimmer zu konzentrieren.�</p><p>Siuan konnte nur m�hsam ein Zusammenzucken unterdr�cken. Sie plante selbst ein bisschen in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> herumzuschn�ffeln. Wenn sie die Burg in der Welt der Tr�ume betrat, war sie jedes Mal, wenn sie um eine Ecke bog, eine andere Frau in einem anderen Kleid, aber sie w�rde noch vorsichtiger als sonst sein m�ssen.</p><p>�Eine Rettung zu verweigern ist verst�ndlich, finde ich, sogar lobenswert � niemand will noch mehr tote Schwestern �, aber es ist sehr riskant�, fuhr Lelaine fort. �Kein Prozess, nicht mal eine Pr�gelstrafe? Was kann Elaida vorhaben? Glaubt sie, sie k�nnte sie dazu bringen, wieder eine Aufgenommene zu werden? Das erscheint doch kaum wahrscheinlich.� Aber sie nickte unmerklich, als m�sste sie dar�ber nachdenken.</p><p>Das hier bewegte sich in eine gef�hrliche Richtung. Wenn Schwestern zu der �berzeugung gelangten, zu wissen, wo Egwene sich m�glicherweise aufhielt, dann wuchs die Chance, dass jemand einen Versuch unternahm, sie dort herauszuholen, ob sie nun von Aes Sedai bewacht wurde oder nicht. Es am falschen Ort zu versuchen konnte genauso riskant sein wie am richtigen, wenn nicht noch riskanter. Und am schlimmsten war, dass Lelaine etwas ignorierte.</p><p>�Egwene hat den Saal zusammengerufen�, sagte Siuan giftig. �Werdet Ihr gehen?� Sie erhielt missbilligendes Schweigen zur Antwort, und ihre Wangen wurden wieder hei�. Manche Dinge waren in Fleisch und Blut �bergegangen.</p><p>�Selbstverst�ndlich werde ich gehen�, sagte Lelaine schlie�lich. Eine direkte Aussage, aber es hatte ein Z�gern gegeben. �Der ganze Saal wird gehen. Egwene al'Vere <emphasis>ist</emphasis> der Amyrlin-Sitz, und wir haben mehr als genug Traum-<emphasis>Ter''angreale.</emphasis> Vielleicht wird sie erkl�ren, wieso sie glaubt, durchhalten zu k�nnen, wenn Elaida befiehlt, ihren Willen zu brechen. Das w�rde ich gern h�ren.�</p><p>�Und bei was bittet Ihr mich, Euch die Treue zu halten?�</p><p>Statt zu antworten, nahm Lelaine ihren langsamen Gang durchs Mondlicht wieder auf, richtete sorgf�ltig ihre Stola. Burin folgte ihr, ein beinahe unsichtbarer L�we in der Nacht. Siuan beeilte sich, sie einzuholen, zog Nachtlilie hinter sich her und wehrte die Versuche der dummen Stute ab, ihr wieder an den Fingern zu knabbern.</p><p>�Egwene al'Vere ist die gesetzm��ige Amyrlin�, sagte Lelaine schlie�lich. �Bis sie stirbt. Oder ged�mpft wird. Sollte eins davon geschehen, w�ren wir wieder bei Romanda, die Stab und Stola erringen will, und mir, die ihr zuvorkommen will.� Sie schnaubte. �Diese Frau w�re eine genauso schlimme Katastrophe wie Elaida. Ungl�cklicherweise hat sie genug Unterst�tzung, um auch mir zuvorzukommen. Wir w�ren wieder an diesem Punkt angelangt, aber sollte Egwene sterben oder ged�mpft werden, werdet Ihr und Eure Freundinnen mir so treu ergeben sein wie Egwene. Und ihr werdet <emphasis>mir</emphasis> trotz Romanda helfen, den Amyrlin-Sitz zu erringen.�</p><p>Siuan hatte das Gef�hl, einen Eisklumpen im Magen zu haben. Hinter diesem ersten Verrat steckte bestimmt keine Blaue, aber jetzt hatte zumindest eine Blaue einen Grund, Egwene zu verraten.</p></section><section><title><p>2</p><p>Die Hand des Dunklen K�nigs</p></title><p>Beonin erwachte beim ersten Tageslicht, wie es ihre Gewohnheit war, auch wenn nur wenig von der Morgend�mmerung durch den geschlossenen Eingang ins Zeltinnere sickerte. Gewohnheiten waren gut, wenn es die richtigen Gewohnheiten waren. Im Laufe der Jahre hatte sie sich einige angeeignet. Die Luft im Zelt hielt noch immer einen Hauch der Nachtk�lte, aber sie verzichtete darauf, das Kohlenbecken zu entz�nden. Sie hatte nicht vor, lange zu bleiben. Sie ergriff kurz die Macht, z�ndete eine Messinglampe an, dann erhitzte sie das Wasser in der wei�en Schale und wusch sich an dem klapprigen Waschst�nder mit seinem blasigen Spiegel das Gesicht. Fast alles in dem kleinen runden Zelt war wackelig, von dem winzigen Tisch bis hin zu ihrer schmalen Lagerbettstatt, und das einzige stabile Teil, ein Stuhl mit niedriger Lehne, war primitiv genug, um aus der �rmsten Bauernhofk�che zu stammen. Sie war allerdings daran gew�hnt, damit auszukommen. Nicht alle Urteile, die sie hatte f�llen m�ssen, waren in Pal�sten erfolgt. Auch der einfachste Weiler verdiente Gerechtigkeit. Sie hatte in Scheunen und sogar Schuppen geschlafen, um daf�r zu sorgen.</p><p>Mit bedachten Bewegungen zog sie das beste Reitgewand an, das sie dabeihatte, einfache graue Seide von ausgezeichnetem Schnitt, und stramm sitzende Stiefel, die bis zu ihren Knien reichten, dann fing sie an, sich das dunkelblonde Haar mit einer mit einem Elfenbeinr�cken versehenen B�rste zu k�mmen, die ihrer Mutter geh�rt hatte. Ihr Bild in dem Spiegel war leicht verzerrt. Aus irgendeinem Grund st�rte sie das an diesem Morgen.</p><p>Jemand r�usperte sich am Zelteingang, und ein Mann mit einem murandianischen Akzent rief fr�hlich: �Fr�hst�ck, Aes Sedai, wenn es Euch recht ist.� Sie senkte die B�rste und �ffnete sich der Quelle.</p><p>Sie hatte sich keine Leibdienerin besorgt, und manchmal hatte es den Anschein, als w�rde jede Mahlzeit von einem neuen Gesicht gebracht, aber sie erinnerte sich an den st�mmigen Mann mit dem ergrauenden Haar und dem permanenten L�cheln, der nach ihrem Befehl mit einem von einem wei�en Tuch bedeckten Tablett eintrat.</p><p>�Stellt es bitte auf dem Tisch ab, Ehvin�, sagte sie, lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los und wurde mit einem L�cheln belohnt, das noch breiter wurde, einer tiefen Verbeugung �ber dem Tablett und einer weiteren, bevor er ging. Zu viele Schwestern verga�en die kleinen H�flichkeiten f�r jene, die unter ihnen standen. Kleine H�flichkeiten waren das Schmiermittel des Alltags.</p><p>Sie warf dem Tablett einen wenig enthusiastischen Blick zu und b�rstete weiter, ein Ritual zweimal am Tag, das sie immer beruhigend fand. Aber statt Trost in dem Gef�hl der durch ihr Haar gleitenden B�rste zu finden, musste sie sich an diesem Morgen dazu zwingen, die vollen einhundert Striche zu machen, bevor sie die B�rste auf den Waschst�nder neben den dazugeh�rigen Kamm und den Handspiegel legte. Einst h�tte sie den H�geln Geduld beibringen k�nnen, aber das war ihr seit Salidar zusehends schwerer gefallen. Und seit Murandy war es so gut wie unm�glich. Also zwang sie sich dazu, so wie sie sich gezwungen hatte, gegen den ausdr�cklichen Wunsch ihrer Mutter zur Wei�en Burg zu gehen, sich gezwungen hatte, die Disziplin der Burg zusammen mit ihrer Ausbildung zu akzeptieren. Als M�dchen war sie eigensinnig gewesen, hatte immer h�her hinausgewollt. Die Burg hatte sie gelehrt, dass man viel erreichen konnte, wenn man sich kontrollieren konnte. Sie war stolz auf diese F�higkeit.</p><p>Selbstbeherrschung oder nicht, sich an ihr Fr�hst�ck aus ged�nsteten Pflaumen und Brot zu setzen erwies sich als genauso schwierig, wie ihr Ritual mit der B�rste zu vollenden. Die Pflaumen waren getrocknet und vielleicht zu alt gewesen, sie waren zu Mus zerkocht, und sie war sich sicher, ein paar der schwarzen Flecken �bersehen zu haben, die das knusprige Brot zierten. Sie versuchte sich davon zu �berzeugen, dass alles, was zwischen ihren Z�hnen knackte, ein Gerstenkorn oder Roggenkorn war. Es war nicht das erste Mal, dass sie Brot mit Getreidek�fern a�, aber es war kaum etwas, das man genie�en konnte. Auch der Tee hatte einen seltsamen Beigeschmack, als st�nde er kurz vor dem Verderben.</p><p>Als sie endlich das Leinentuch wieder �ber das geschnitzte Holztablett legte, h�tte sie beinahe geseufzt. Wie lange noch, bevor es im Lager gar nichts Essbares mehr gab? Geschah das Gleiche in Tar Valon? Es musste so sein. Die Hand des Dunklen K�nigs ber�hrte die Welt, ein Gedanke so d�ster wie ein steiniges Feld. Aber der Sieg w�rde kommen. Sie weigerte sich, jede andere M�glichkeit in Betracht zu ziehen. Der junge al�Thor w�rde sich f�r vieles verantworten m�ssen, f�r sehr viel, und doch w�rde er es irgendwie schaffen. Er musste es schaffen! Irgendwie. Aber der Wiedergeborene Drache befand sich au�erhalb ihres Einflussbereichs; sie konnte die Ereignisse nur aus der Ferne verfolgen. Es hatte ihr nie gefallen, am Rand zu sitzen und zuzusehen.</p><p>Diese ganzen bitteren Gedanken waren sinnlos. Es war Zeit. Sie stand so schnell auf, dass ihr Stuhl nach hinten umkippte, aber sie lie� ihn auf dem mit Segeltuch bedeckten Boden liegen.</p><p>Sie steckte den Kopf aus dem Eingang und fand Tervail auf einem Hocker auf dem Gehweg sitzen; sein dunkler Umhang war zur�ckgeworfen, er st�tzte sich auf das von der Scheide verh�llte Schwert, das er zwischen die Stiefel geklemmt hatte. Die Sonne stand am Horizont, zwei Drittel einer hellgoldenen Kugel, aber in der anderen Richtung ballten sich dunkle Wolken um den Drachenberg und k�ndigten in K�rze weiteren Schnee an. Oder vielleicht auch Regen. Nach der vergangenen Nacht f�hlte sich die Sonne fast warm an. Mit etwas Gl�ck w�rde sie bald drinnen gem�tlich im Warmen sitzen.</p><p>Tervail nahm ihre Anwesenheit mit einem kurzen Nicken zur Kenntnis, ohne seine scheinbar oberfl�chliche Beobachtung von allen, die sich in seinem Sichtfeld bewegten, zu unterbrechen. Im Augenblick waren nur Arbeiter unterwegs, M�nner in grob gewobener Wolle mit K�rben auf dem R�cken, M�nner und Frauen in genauso einfacher Kleidung, die hochr�drige Karren beladen mit geb�ndeltem Feuerholz, Holzkohles�cken und Wasserf�ssern die zerfurchte Stra�e entlangsteuerten. Sein Interesse w�re allerdings nur jemandem oberfl�chlich vorgekommen, der keinen Beh�terbund mit ihm teilte. Ihr Tervail, er war so zielgerichtet wie ein eingespannter Pfeil. Er musterte nur die M�nner, und sein Blick verweilte auf denen, die er nicht kannte. Da zwei Schwestern und ein Beh�ter von der Hand eines Mannes, der die Macht lenken konnte, gestorben waren � es erschien unm�glich, dass es zwei M�rder dieser Art gab �, betrachtete jeder fremde M�nner mit Misstrauen. Zumindest jeder, der Bescheid wusste. Man hatte diese Erkenntnis nicht gerade �ffentlich verk�ndet.</p><p>Wieso er glaubte, den M�rder erkennen zu k�nnen, ging �ber ihren Horizont, es sei denn, der Mann h�tte ein Banner getragen, aber sie w�rde sich nicht �ber ihn lustig machen, weil er seine Pflicht erf�llen wollte. Er war gertenschlank, mit einer kr�ftigen Nase und einer dicken Narbe am Unterkiefer, die er in ihren Diensten davongetragen hatte. Er war kaum mehr als ein Junge gewesen, als sie ihn gefunden hatte, gewandt und schnell wie eine Katze und bereits einer der besten Schwertk�mpfer in ihrer Heimat Tarabon, und in keinem der seitdem vergangenen Jahre hatte es auch nur einen Moment gegeben, in dem er weniger Einsatz gezeigt h�tte. Er hatte ihr mindestens zwanzig Mal das Leben gerettet. Abgesehen von Stra�enr�ubern und Dieben, die zu dumm waren, um eine Aes Sedai zu erkennen, konnte das Gesetz gef�hrlich sein, wenn die eine oder andere Seite verzweifelt versuchte, ein gegen sie gef�lltes Urteil zu verhindern, und er hatte oft die Gefahr noch vor ihr erkannt.</p><p>�Sattle Winterfink f�r mich, und bring dein eigenes Pferd mit�, sagte sie zu ihm. �Wir machen einen kleinen Ausritt.�</p><p>Tervail hob leicht eine Braue, warf einen fl�chtigen Blick in ihre Richtung, befestigte die Schwertscheide an der rechten G�rtelseite und ging dann mit schnellen Schritten auf dem Gehweg in Richtung Pferdeleinen. Er stellte niemals unn�tige Fragen. Vielleicht war sie innerlich aufgeregter, als sie dachte.</p><p>Sie ging wieder hinein, wickelte den Handspiegel sorgf�ltig in einem Seidentuch ein � gewebt im Muster eines schwarzwei�en tairenischen Labyrinths � und schob ihn zusammen mit der Haarb�rste und dem Kamm in eine der beiden gro�en Taschen, die in ihren guten grauen Umhang gen�ht waren. Ihre ordentlich zusammengefaltete Stola und ein kleines K�stchen aus fein geschnitztem Schwarzholz kamen in die andere. Das K�stchen enthielt ein paar Schmuckst�cke, einige hatte sie von ihrer Mutter geerbt, den Rest von ihrer Gro�mutter m�tterlicherseits. Abgesehen von ihrem Gro�en Schlangenring trug sie nur selten Schmuck, aber sie nahm das K�stchen sowie B�rste, Kamm und Spiegel auf jede Reise mit, Erinnerungen an die Frauen, die sie liebte und deren Andenken und das, was sie ihr beigebracht hatten, sie ehrte. Ihre Gro�mutter, eine anerkannte Advokatin in Tanchico, hatte in ihr die Liebe f�r die Feinheiten des Gesetzes geweckt, w�hrend ihre Mutter ihr ein Beispiel daf�r gewesen war, dass es immer m�glich war, sich zu verbessern. Advokaten gelangten nur selten zu Reichtum, allerdings war es Collaris ziemlich gut gegangen, und ihre Tochter Aeldrine war trotz ihrer Missbilligung Kauffrau geworden und hatte mit dem Handel mit F�rbemitteln ein kleines Verm�gen angeh�uft. Ja, es war immer m�glich, sich zu verbessern, wenn man eine sich bietende Gelegenheit ergriff, so wie sie es getan hatte, als Elaida a�Roihan Siuan Sanche abgesetzt hatte. Seitdem hatten sich die Dinge nat�rlich nicht einmal ann�hrend so entwickelt, wie sie vorausgesehen hatte. Das taten die Dinge nur selten. Darum plante eine kluge Frau stets Alternativen.</p><p>Sie zog in Erw�gung, drinnen auf Tervails R�ckkehr zu warten � er konnte zwei Pferde nicht in wenigen Minuten holen �, aber jetzt, da der Augenblick endlich gekommen war, schien sie ihre letzte Geduld zu verlassen. Sie legte sich den Umhang �ber die Schultern und l�schte mit einer endg�ltig erscheinenden Geste die Lampen. Drau�en zwang sie sich allerdings, an einer Stelle zu stehen, statt auf den groben Planken des Gehweges auf und ab zu gehen. Auf und ab zu gehen w�rde Aufmerksamkeit erregen, und vielleicht eine Schwester, die glaubte, sie h�tte Angst, allein zu sein, veranlassen, dort stehen zu bleiben. In Wahrheit hatte sie auch Angst, jedenfalls ein bisschen. Wenn ein Mann einen t�ten konnte, ungesehen, unentdeckt, dann war es vern�nftig, Angst zu haben. Aber sie wollte keine Gesellschaft. Sie zog die Kapuze hoch, ein Signal, in Ruhe gelassen zu werden, und schloss den Umhang.</p><p>Eine d�rre graue Katze mit zerfledderten Ohren kam heran und strich um ihre F��e. Im ganzen Lager gab es Katzen; sie erschienen �berall, wo sich Aes Sedai versammelten, zahm wie Haustiere und doch so wild, wie sie zuvor gewesen waren. Da sie die Ohren nicht gestreichelt bekam, marschierte die Katze nach ein paar Momenten so stolz wie ein K�nig wieder weiter, auf der Suche nach jemandem, der sich darum k�mmern w�rde. Es gab genug Kandidaten.</p><p>Wo noch Augenblicke zuvor nur schlicht gekleidete Arbeiter und Karrenfahrer zu sehen gewesen waren, erwachte das Lager nun zum Leben. Gruppen wei� gekleideter Novizinnen, die so genannten �Familien�, eilten die Gehsteige auf dem Weg zu ihrem Unterricht entlang, der in jedem Zelt abgehalten wurde, das gro� genug war, um sie alle aufzunehmen, manchmal auch im Freien. Jene, die sie passierten, hielten mit ihrem kindischen Geplapper inne, um im Vorbeigehen perfekte Knickse zu machen. Der Anblick h�rte nie auf, sie zu erstaunen. Oder w�tend zu machen. Eine gro�e Zahl dieser �Kinder� waren bereits in ihren mittleren Jahren oder �lter � nicht wenige hatten bereits graue Str�hnen in ihrem Haar und einige waren sogar schon Gro�m�tter! � dennoch unterwarfen sie sich den uralten Br�uchen genauso gut wie jedes der M�dchen, die sie in die Wei�e Burg hatte kommen gesehen. Und es waren so viele. Eine scheinbar endlose Flut str�mte durch die Stra�en. Wie viele hatte die Wei�e Burg verloren, weil sie sich darauf konzentriert hatte, M�dchen zu suchen, die mit dem Funken geboren worden waren oder durch ihre eigenen ungeschickten Bem�hungen kurz davorstanden, die Macht zu lenken, w�hrend sie es dem Rest selbst �berlassen hatten, den Weg nach Tar Valon zu finden, ob es ihm nun m�glich war oder auch nicht? Wie viele waren verloren gegangen, weil man auf dem Standpunkt beharrt hatte, dass sich kein M�dchen �ber achtzehn der Disziplin unterwerfen konnte? Sie hatte nie Ver�nderungen gesucht, das Leben einer Aes Sedai wurde von Gesetzen und Br�uchen beherrscht, das war ein stabiles Fundament, und manche Ver�nderungen wie diese Novizinnenfamilien schienen zu radikal zu sein, um fortgef�hrt zu werden, aber wie viele hatte die Burg verloren?</p><p>Auch Schwestern rauschten die Gehwege entlang, meist in Gruppen von zwei oder drei, f�r gew�hnlich von ihren Beh�tern gefolgt. Der Strom der Novizinnen teilte sich vor ihnen in Wellen der Ehrenbezeugungen, Wellen, die durch die unverhohlenen, auf die Schwestern gerichteten Blicke, die diese vorgaben nicht zu bemerken, in Unruhe gerieten. Nur sehr wenige der Aes Sedai wurden nicht vom Leuchten der Macht umgeben. Beonin h�tte beinahe gereizt mit der Zunge geschnalzt. Die Novizinnen wussten, dass Anaiya und Kairen tot waren � es hatte keine Bestrebungen gegeben, die Bestattungsscheiterhaufen zu verbergen �, aber ihnen mitzuteilen, wie die Schwestern gestorben waren, h�tte ihnen blo� Angst gemacht. Die neuesten unter ihnen, die in Murandy ins Novizinnenbuch eingetragen worden waren, trugen das Wei� aber nun lange genug, um zu wissen, dass es mehr als ungew�hnlich war, wenn Schwestern von <emphasis>Saidar</emphasis> erf�llt umhergingen. Das allein w�rde sie irgendwann �ngstigen, und das v�llig sinnlos. Der M�rder w�rde kaum in aller �ffentlichkeit zuschlagen, in Anwesenheit von Dutzenden von Schwestern.</p><p>F�nf Schwestern, die langsam nach Osten ritten und nicht vom Licht <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben waren, erregten Beonins Aufmerksamkeit. Jede von ihnen hatte ein kleines Gefolge, f�r gew�hnlich einen Schreiber, eine Dienerin, einen Diener f�r den Fall, dass schwere Lasten gehoben werden mussten, und ein paar Beh�ten Alle ritten mit hochgeschlagenen Kapuzen, aber sie hatte keine M�he, sie zu erkennen. Varilin, wie sie eine Graue, war so gro� wie ein Mann, w�hrend Takima, die Braune, ein winziges Ding war. Saroiyas Umhang trug auff�llige wei�e Stickereien � sie musste <emphasis>Saidar</emphasis> benutzen, um dieses Funkeln so hell zu halten �, und die zwei Beh�ter, die Faiselle folgten, kennzeichneten sie so deutlich wie der hellgr�ne Umhang. Wonach die Letzte Magla sein musste, die Gelbe. Was w�rden sie vorfinden, wenn sie Darein erreichten? Sicherlich keine Delegation von der Burg, jetzt nicht mehr. Vielleicht glaubten sie, die �bliche Routine einhalten zu m�ssen. Menschen machten h�ufig mit dem weiter, was sie getan hatten, selbst wenn der Sinn darin verloren gegangen war. Allerdings dauerte das bei Aes Sedai selten lange.</p><p>�Sie scheinen kaum zusammenzugeh�ren, findet Ihr nicht, Beonin? Man k�nnte glauben, sie w�rden nur zuf�llig in dieselbe Richtung zu reiten.�</p><p>So viel dazu, dass die Kapuze ein Minimum an Privatsph�re verlieh. Gl�cklicherweise war sie darin ge�bt, Seufzer zu unterdr�cken oder alles andere, das mehr verriet, als sie w�nschte. Die beiden Schwestern, die neben ihr stehen geblieben waren, hatten etwa die gleiche Gr��e, waren beide zierlich und wiesen beide dunkles Haar und braune Augen auf, aber da h�rte die �hnlichkeit auch schon auf. Ashmanailles schmales Gesicht mit seiner spitzen Nase verriet nur selten irgendwelche Gef�hle. Ihr silbern geschlitztes Seidenkleid h�tte genauso gut gerade aus den H�nden der B�gelfrau kommen k�nnen, und die R�nder ihres fellbesetzten Umhangs wurden von silbernen Ranken geschm�ckt. Phaedrines dunkle Wolle wies etliche Falten auf, ganz zu schweigen von einigen Flecken, ihr Wollumhang war schmucklos und h�tte gestopft werden m�ssen, und sie runzelte zu oft die Stirn, genau wie jetzt auch. Ohne das h�tte sie h�bsch sein k�nnen. Seltsame Freundinnen, die f�r gew�hnlich schlampig rumlaufende Braune und die Graue, die ihrer Kleidung so viel Aufmerksamkeit widmete wie allem anderen auch.</p><p>Beonin sah den abreisenden Sitzenden nach. Sie schienen tats�chlich eher zuf�llig in dieselbe Richtung zu reiten, als dass sie zusammen ritten. Es zeigte, wie aufgeregt sie an diesem Morgen war, dass ihr das entgangen war. Sie wandte sich den unwillkommenen Besucherinnen zu. �Vielleicht denken sie �ber die Konsequenzen der letzten Nacht nach, Ashmanaille?� Unwillkommen oder nicht, die H�flichkeit musste beachtet werden.</p><p>�Wenigstens ist die Amyrlin am Leben�, erwiderte die andere Graue. �Und so wie ich geh�rt habe, bleibt sie auch am Leben. Und� in aller Gesundheit. Sie und auch Leane.� Auch wenn Nynaeve sowohl Siuan wie auch Leane Geheilt hatte, konnte niemand unber�hrt �ber das D�mpfen sprechen.</p><p>�Am Leben und eine Gefangene, das ist wohl besser, als enthauptet zu werden. Aber nicht viel besser.� Als Morvrin sie geweckt hatte, um ihr die Neuigkeiten mitzuteilen, war es schwer gefallen, die Aufregung der Braunen zu teilen. Zumindest Morvrin hatte es aufregend gefunden. Die Frau hatte doch tats�chlich gegrinst. Aber Beonin hatte nie daran gedacht, ihre Pl�ne zu �ndern. Fakten musste man sich stellen. Egwene war eine Gefangene, das war so und nicht anders. �Stimmt Ihr nicht zu, Phaedrine?�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte die Braune kurz angebunden. Kurz angebunden! Aber so war Phaedrine, immer so in das versunken, was gerade ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, dass sie ihre Manieren verga�. Und sie war noch nicht fertig.</p><p>�Aber darum haben wir Euch nicht gesucht. Ashmanaille sagt, Ihr habt betr�chtliche Erfahrungen mit M�rdern.� Ein pl�tzlicher Windsto� riss an ihren Umh�ngen, aber Beonin und Ashmanaille hielten sie geschickt fest. Phaedrine lie� ihren einfach flattern, den Blick fest auf Beonin gerichtet.</p><p>�Vielleicht habt Ihr Euch ja ein paar Gedanken �ber die Morde gemacht, Beonin�, sagte Ashmanaille unger�hrt.</p><p>�W�rdet Ihr sie mit uns teilen? Phaedrine und ich haben die K�pfe zusammengesteckt, aber wir kommen zu keinem Ergebnis. Meine eigenen Erfahrungen liegen eher im Zivilrecht. Ich wei�, dass Ihr einigen unnat�rlichen Todesf�llen auf den Grund gegangen seid.�</p><p>Nat�rlich hatte sie �ber die Morde nachgedacht. Gab es im Lager eine Schwester, die das nicht getan hatte? Sie h�tte es nicht vermeiden k�nnen, selbst wenn sie gewollt h�tte. Einen M�rder zu finden war eine Freude, viel befriedigender als einen Grenzdisput zu l�sen. Es war das schrecklichste aller Verbrechen, es wurde etwas gestohlen, das man nie zur�ckbekommen konnte, all die Jahre, die niemals gelebt werden w�rden, all das, was man in ihnen h�tte erreichen k�nnen. Und hier handelte es sich um tote Aes Sedai, was es f�r jede Schwester im Lager sicherlich zu einer pers�nlichen Sache machte. Sie wartete, dass die letzte Gruppe wei� gekleideter Frauen, zwei davon mit grauen Haaren, ihre Knickse gemacht und weitergeeilt waren. Die Zahl der Novizinnen auf den Gehwegen nahm endlich ab. Die Katzen schienen ihnen zu folgen. Novizinnen waren freigiebiger mit Streicheln als die meisten Schwestern.</p><p>�Der Mann, der aus Habgier zusticht�, sagte sie, als die Novizinnen au�er H�rweite waren, �und die Frau, die aus Eifersucht vergiftet, sie sind eine Sache. Das hier ist etwas ganz anderes. Es gibt zwei Morde, sicherlich von demselben Mann ver�bt, aber sie liegen mehr als eine Woche auseinander. Das deutet sowohl auf Geduld wie auf eine genaue Planung hin. Das Motiv ist unklar, aber es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass er die Opfer zuf�llig ausgesucht hat. Da man von ihm nicht mehr als die Tatsache wei�, dass er die Macht lenken kann, muss man damit anfangen, sich anzusehen, was die Opfer miteinander verbindet. In diesem Fall Anaiya und Kairen, sie waren beide Blaue Ajah. Also frage ich mich, welche Verbindung hat die Blaue Ajah zu einem Mann, der die Macht lenken kann? Die Antwort lautet Moiraine Damodred und Rand al�Thor. Und Kairen, sie hatte auch Kontakt zu ihm, oder?�</p><p>Die Falten auf Phaedrines Stirn wurden noch tiefer. �Ihr k�nnt nicht meinen, dass <emphasis>er</emphasis> der M�rder ist.� Also wirklich, sie verga� sich immer mehr.</p><p>�Nein�, erwiderte Beonin k�hl. �Ich sage, Ihr m�sst der Verbindung folgen. Die zu den Asha�man f�hrt. M�nner, die die Macht lenken k�nnen. M�nner, die die Macht lenken k�nnen, die das Reisen beherrschen. M�nner, die Gr�nde haben, Aes Sedai zu f�rchten, vielleicht sogar Aes Sedai mehr als alle anderen. Eine Verbindung ist kein Beweis�, gab sie z�gernd zu, �aber es wei�t doch in diese Richtung, oder?�</p><p>�Warum sollte ein Asha�man zweimal herkommen und jedes Mal eine Schwester t�ten? Das klingt doch, als h�tte es der M�rder nur auf diese beiden abgesehen und keinen anderen.� Ashmanaille sch�ttelte den Kopf. �Wie sollte er wissen, wann Anaiya und Kairen allein sind? Ihr k�nnt nicht glauben, dass er als Arbeiter verkleidet hier herumlungert. Was ich so geh�rt habe, sind diese Asha�man daf�r viel zu arrogant. Mir erscheint es viel wahrscheinlicher, dass wir einen Arbeiter hier haben, der die Macht lenken kann und irgendeinen Groll hegt.�</p><p>Beonin schnaubte abf�llig. Sie konnte Tervail n�her kommen sp�ren. Er musste gelaufen sein, um so schnell zur�ck zu sein. �Und warum sollte er bis jetzt gewartet haben? Die letzten Arbeiter sind in Murandy aufgenommen worden, vor mehr als einem Monat.�</p><p>Ashmanaille �ffnete den Mund, aber Phaedrine kam ihr zuvor, so schnell wie ein Spatz, der einen Brotkr�mel aufpickte. �M�glicherweise hat er es jetzt erst gelernt. Ein Wilder. Ich habe ein paar der Arbeiter reden h�ren. Genauso viele f�rchten die Asha�man, wie sie diese bewundern. Ich habe ein paar sogar sagen h�ren, dass sie sich w�nschten, den Mut zu haben, selbst zur Schwarzen Burg zu gehen.�</p><p>Die Brauen der anderen Grauen zuckten, was das Gleiche bedeutete, als h�tte eine andere Frau die Stirn in Falten gelegt. Die beiden waren befreundet, aber es konnte ihr nicht gefallen, dass Phaedrine ihr auf die Weise das Wort abschnitt. Aber sie sagte nur: �Ein Asha�man k�nnte ihn finden, da bin ich mir sicher.�</p><p>Beonin lie� zu, dass sie Tervail f�hlte, der jetzt nur noch wenige Schritte hinter ihr war. Der Bund �bertrug einen stetigen Strom Ruhe und Geduld, so unersch�tterlich wie die Berge. Wie sehr sie sich doch w�nschte, sich darauf st�tzen zu k�nnen, so wie sie sich auf seine k�rperlichen Kr�fte st�tzte. �Das wird wohl kaum passieren, worin Ihr mir doch sicher zustimmt�, sagte sie spitz. Romanda und die anderen mochten ja vielleicht f�r diese unsinnige �Allianz� mit der Schwarzen Burg sein, aber von diesem Augenblick an hatten sie sich wie betrunkene Kutscher dar�ber gestritten, wie man das durchf�hren wollte, wie man den Vertrag formulieren sollte, wie man ihn pr�sentieren wollte. Jede noch so kleine Einzelheit war auseinander gepfl�ckt, wieder zusammengesetzt und erneut auseinander gepfl�ckt worden. Die Sache war zum Scheitern verurteilt, dem Licht sei Dank.</p><p>�Ich muss gehen�, sagte sie und drehte sich um, um von Tervail Winterfinks Z�gel entgegenzunehmen. Sein gro�er brauner Wallach war schlank, kr�ftig und schnell, ein ausgebildetes Schlachtross. Ihre braune Stute war st�mmig und nicht schnell, aber sie hatte schon immer Ausdauer Schnelligkeit vorgezogen. Winterfink konnte noch weiter, lange nachdem gr��ere, angeblich kr�ftigere Pferde aufgaben. Sie schob einen Fu� in den Steigb�gel, legte eine Hand an den Sattelknauf und eine an den Hinterzwiesel und verharrte.</p><p>�Zwei tote Schwestern, Ashmanaille, und beides Blaue. Findet Schwestern, die sie kannten, und bringt in Erfahrung, was sie sonst noch gemeinsam hatten. Um den M�rder zu finden, m�sst ihr der Verbindung folgen.�</p><p>�Ich bezweifle sehr, dass sie zu den Asha�man f�hrt, Beonin.�</p><p>�Wichtig ist, den M�rder zu finden�, erwiderte sie, zog sich auf den Sattel und wendete Winterfink, bevor die Frau weiterdebattieren konnte. Ein abruptes Ende und unh�flich, aber sie hatte keine Weisheiten mehr, die sie teilen konnte, und die Zeit schien ihr jetzt im Nacken zu sitzen. Die Sonne hatte sich vom Horizont gel�st und stieg in den Himmel. Nach so langer Zeit dr�ngte es sie in der Tat.</p><p>Der Ritt zum Reisegel�nde, das f�r Abreisen benutzt wurde, war kurz, aber fast ein Dutzend Aes Sedai warteten in einer Schlange vor der hohen Wand aus Zeltplane; einige f�hrten Pferde, andere trugen keinen Umhang, als w�rden sie erwarten, sich �ber kurz oder lang drinnen aufzuhalten, und eine oder zwei hatten aus irgendeinem Grund ihre Stolen angelegt. Etwa die H�lfte wurde von Beh�tern begleitet, von denen sich mehrere in ihre Farben ver�ndernden Umh�nge geh�llt hatten. Eines hatten die Schwestern jedoch alle gemeinsam: jede leuchtete mit dem Glanz der Macht. Tervail zeigte keine �berraschung �ber ihr Ziel, nat�rlich nicht, aber noch wichtiger war, dass der Beh�terbund weiterhin Ausgeglichenheit bef�rderte. Er vertraute ihr.</p><p>Hinter der Plane zuckte ein silberner Blitz auf, und nachdem genug Zeit verstrichen war, um langsam bis drei�ig zu z�hlen, traten zwei Gr�ne, die kein Tor allein erschaffen konnten, zusammen mit vier Beh�tern ein, die Pferde f�hrten. Beim Reisen hatte sich bereits ein neuer Brauch etabliert: Privatsph�re. Solange man keinem gestattete, dabei zuzusehen, wie man ein Wegetor webte, kam der Versuch, das Reiseziel in Erfahrung zu bringen, der direkten Frage nach seinen pers�nlichen Angelegenheiten gleich. Beonin wartete geduldig auf Winterfink, Tervail �berragte sie auf Hammer. Wenigstens respektierten die hier anwesenden Schwestern ihre hochgeschlagene Kapuze. Vielleicht hatten sie auch ihre eigenen Gr�nde, um zu schweigen. Was nun auch zutraf, sie musste mit keinem sprechen. In diesem Augenblick w�re das unm�glich gewesen.</p><p>Die Schlange vor ihr nahm schnell ab, und kurz darauf stiegen sie und Tervail an der Spitze einer viel kleineren Schlange ab, die nun nur aus drei Schwestern bestand. Er zog das schwere Segeltuch zur Seite, damit sie zuerst eintreten konnte. Aufgeh�ngt an hohen Zeltstangen, umfassten die W�nde einen Raum mit den Ausma�en von etwa zwanzig mal zwanzig Schritten, der von gefrorenem Schneematsch bedeckt wurde, ein unebener Boden, der von sich �berlappenden Hufabdr�cken �bers�t und in der Mitte von einer rasiermesserd�nnen Furche markiert wurde. Jeder benutzte die Mitte. Der Boden schimmerte etwas, m�glicherweise der Beginn von neuem Tauwetter, das alles in Matsch verwandeln w�rde, der vielleicht wieder gefror. Hier kam der Fr�hling sp�ter als in Tarabon, aber er stand kurz bevor.</p><p>Sobald Tervail den Eingang schloss, umarmte sie <emphasis>Saida r</emphasis> und webte beinahe liebkosend den Geist. Dieses Gewebe faszinierte sie, die Wiederentdeckung einer Sache, die f�r alle Zeiten verloren geglaubt gewesen war, und sicherlich die gr��te Entdeckung Egwene al�Veres. Jedes Mal, wenn Beonin es webte, erf�llte sie ein Staunen, das ihr als Novizin und sogar noch als Aufgenommene vertraut gewesen war, das sie aber seit dem Erringen der Stola nicht mehr versp�rt hatte. Etwas Neues und Wunderbares. Der vertikale silbrige Strich erschien vor ihr, direkt auf der Linie im Boden, verwandelte sich pl�tzlich in einen Riss, der sich verbreiterte; das darin erscheinende Bild schien zu rotieren, bis sie einem rechteckigen, mehr als zwei mal zwei Schritte gro�en Loch in der Luft gegen�berstand, das Aussicht auf schneebedeckte Eichen mit dicken �sten bot. Eine leichte Brise blies aus dem Wegetor und zupfte an ihrem Umhang. Sie war oft und gern in diesem Hain spazieren gegangen, oder hatte stundenlang auf einem der niedrigen �ste gesessen und gelesen, wenn auch nie im Schnee.</p><p>Tervail erkannte ihn nicht und eilte mit dem Schwert in der Hand durch. Er zog Hammer hinter sich her, und die Hufe des Schlachtrosses lie�en auf der anderen Seite den Schnee emporstieben. Sie folgte etwas langsamer und lie� das Gewebe sich beinahe z�gerlich aufl�sen. Es war wahrhaftig wunderbar.</p><p>Tervail stand da und richtete den Blick auf das, was sich in der N�he �ber die B�ume erhob, ein gro�er heller Turm, der sich in den Himmel streckte. Die Wei�e Burg. Sein Gesicht war ausgesprochen unbewegt, und auch der Bund schien voller Schweigen zu sein. �Ich glaube, du planst etwas sehr Gef�hrliches, Beonin.� Er hielt noch immer das gezogene Schwert, hatte es aber jetzt gesenkt.</p><p>Sie legte ihm die Hand auf den Arm. Das sollte ausreichen, um ihn zu beruhigen; bei einer echten Gefahr h�tte sie seinen Schwertarm niemals behindert. �Nicht gef�hrlicher als . ..�</p><p>Sie verstummte, als sie in drei�ig Schritten Entfernung eine Frau erblickte, die langsam durch den Hain aus gewaltigen B�umen auf sie zukam. Sie musste sich hinter einem Baum versteckt haben. Eine Aes Sedai in einem altmodisch geschnittenen Kleid, mit wei�em Haar, das von einem perlengeschm�ckten Netz aus Silberdraht zur�ckgehalten wurde und bis zu ihrer Taille fiel. Das konnte unm�glich sein. Aber dieses ausdrucksvolle Gesicht mit den dunklen, schr�g stehenden Augen und der Hakennase war unverkennbar. Unverkennbar, aber Turanine Merdagon war gestorben, als Beonin eine Aufgenommene war. Die Frau verschwand mitten im Schritt.</p><p>�Was ist?� Tervail fuhr herum, sein Schwert schoss in die H�he, er starrte in die Richtung, in die sie gesehen hatte.</p><p>�Was hat dir Angst gemacht?�</p><p>�Der Dunkle K�nig, er ber�hrt die Welt�, sagte sie leise.</p><p>Es war unm�glich! Unm�glich, aber sie war nicht f�r Halluzinationen oder Einbildungen empf�nglich. Sie hatte gesehen, was sie gesehen hatte. Ihr Fr�steln hatte nichts mit dem Schnee zu tun, in dem sie bis zu den Kn�cheln versunken stand. Stumm betete sie. <emphasis>M�ge das Licht mich in all meinen Tagen erleuchten, und m�ge ich in der sicheren Hoffnung auf Errettung und Wiedergehurt in der Hand des Sch�pfers Schutz finden.</emphasis></p><p>Als sie ihm erz�hlte, dass sie eine Schwester gesehen hatte, die mehr als vierzig Jahre tot war, versuchte er nicht, das als Halluzination abzutun, sondern murmelte nur leise sein eigenes Gebet. Aber sie f�hlte keine Furcht in ihm. In sich selbst schon, aber keine in ihm. Die Toten konnten einen Mann nicht schrecken, der jeden Tag als seinen letzten betrachtete. Er war weniger ruhig, als sie ihm ihre Pl�ne enth�llte. Oder zumindest einen Teil davon. Sie tat es, indem sie in den Handspiegel blickte und sehr sorgf�ltig webte. Das Gesicht im Spiegel ver�nderte sich, als das Gewebe sie einh�llte. Es war keine gro�e Ver�nderung, aber es war nicht l�nger das Gesicht einer Aes Sedai, nicht l�nger Beonin Marinyes Gesicht, nur das einer Frau, die ihr �hnlich sah, wenn auch mit viel hellerem Haar.</p><p>�Warum willst du zu Elaida vordringen?�, wollte er misstrauisch wissen. Pl�tzlich lag Spannung in dem Bund. �Du willst nahe an sie heran und dann die Illusion fallen lassen, oder? Sie wird dich angreifen und� Nein, Beonin. Wenn es getan werden muss, dann lass mich gehen. Es sind zu viele Beh�ter in der Burg, als dass sie sie alle kennen k�nnte, und sie wird nicht damit rechnen, dass ein Beh�ter sie angreift. Ich kann ihr einen Dolch ins Herz sto�en, bevor sie �berhaupt wei�, wie ihr geschieht.� Er demonstrierte es, in seiner rechten Hand erschien blitzschnell eine kurze Klinge.</p><p>�Was ich tun muss, muss ich selbst tun, Tervail.� Sie drehte die Illusion um und verknotete sie, dann bereitete sie mehrere andere Gewebe vor, nur f�r den Fall, dass die Dinge schief gingen, danach webte sie ein anderes, sehr kompliziertes Gewebe, in das sie sich einh�llte. Das w�rde ihre F�higkeit des Machtlenkens verbergen. Sie hatte sich immer gefragt, warum man sich in manche Gewebe h�llen konnte � so wie in eine Illusion �, w�hrend es v�llig unm�glich war, mit anderen den eigenen K�rper zu ber�hren, wie beispielsweise beim Heilen. Als sie als Aufgenommene diese Frage gestellt hatte, hatte Turanine mit dieser pr�gnanten tiefen Stimme erwidert: �Da k�nnt Ihr genauso gut fragen, warum Wasser nass und Sand trocken ist, Kind. Konzentriert Euch auf das, was m�glich ist, statt dar�ber nachzugr�beln, warum manche Dinge nicht m�glich sind.� Ein guter Rat, aber sie hatte den zweiten Teil nie akzeptieren k�nnen. Die Toten wandelten auf der Welt. <emphasis>M�ge das Licht mich in all meinen Tagen erleuchten�</emphasis></p><p>Sie verknotete das letzte Gewebe und nahm den Gro�en Schlangenring ab, um ihn in der G�rteltasche zu verstauen. Jetzt konnte sie unerkannt neben jeder Aes Sedai stehen.</p><p>�Du hast mir immer vertraut, dass ich wei�, was das Beste ist�, fuhr sie fort. �Tust du es noch immer?�</p><p>Sein Gesicht blieb so reglos wie das einer Schwester, aber der Bund �bertrug einen kurzen Schock. �Aber nat�rlich, Beonin.�</p><p>�Dann nimm Winterfink und geh in die Stadt. Miete ein Zimmer in einem Gasthaus, bis ich zu dir komme.� Er �ffnete den Mund, aber sie hob mahnend die Hand. �Geh, Tervail.�</p><p>Sie sah zu, wie er mit beiden Pferden zwischen den B�umen verschwand, dann wandte sie sich der Burg zu. Die Toten wandelten auf der Welt. Aber jetzt kam es nur noch darauf an, dass sie zu Elaida vordrang. Nur das.</p><p>Der Wind r�ttelte an den Fenstern. Das Feuer in dem wei�en Marmorkamin hatte die Luft bis zu einem Grad erw�rmt, dass Feuchtigkeit auf den Glasscheiben kondensierte und Regentropfen gleich nach unten perlten. Elaida do Avriny a�Roihan, die H�terin der Siegel, die Flamme von Tar Valon, der Amyrlin-Sitz, sa� mit ruhig gefalteten H�nden hinter ihrem vergoldeten Schreibtisch und behielt ein unbewegtes Gesicht bei, w�hrend sie dem Mann vor ihr, der die Schultern gesenkt hielt und mit der Faust drohte, bei seinem Wutausbruch zuh�rte.</p><p>�� gefesselt und geknebelt f�r den gr��ten Teil der Reise, Tag und Nacht in einer Kabine eingesperrt, die man besser als Schrank bezeichnen sollte. Elaida, ich verlange, dass der Kapit�n des Schiffes daf�r bestraft wird. Au�erdem verlange ich von Euch und der Wei�en Burg eine Entschuldigung. Gl�ck stich mich, der Amyrlin-Sitz hat nicht mehr das Recht, K�nige zu entf�hren! Die Wei�e Burg hat dazu kein Recht! Ich verlange��</p><p>Er fing an, sich zu wiederholen. Der Mann hielt kaum inne, um Luft zu holen. Es fiel schwer, ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Ihr Blick wanderte zu den hellen Wandteppichen, den h�bsch arrangierten Rosen auf den wei�en Fu�leisten in der Ecke. Es war erm�dend, w�hrend dieser Tirade nach au�en hin Ruhe zu zeigen. Am Liebsten w�re sie aufgestanden und h�tte ihm eine Ohrfeige versetzt. Diese Unversch�mtheit! So zu einer Amyrlin zu sprechen! Aber es ruhig �ber sich ergehen zu lassen nutzte ihren Zwecken mehr. Sie w�rde ihn sich ersch�pfen lassen.</p><p>Mattin Stepaneos den Baigar war muskul�s, und in seiner Jugend war er vielleicht gut aussehend gewesen, aber die Jahre hatten es nicht gut mit ihm gemeint. Der wei�e Bart, der seine Oberlippe frei lie�, war sauber gestutzt, aber er hatte die meisten Haare verloren, seine Nase war mehr als nur einmal gebrochen worden, und sein Stirnrunzeln vertiefte Falten auf seinem ger�teten Gesicht, die kein Vertiefen brauchen konnten. Sein gr�ner Seidenmantel, an den �rmeln bestickt mit den Goldenen Bienen von Illian, war sauber ausgeb�rstet und gereinigt worden, fast so gut wie von einer Schwester mit Hilfe der Macht, aber es war sein einziger Mantel f�r die Reise gewesen, und nicht alle Flecken waren rausgegangen. Das Schiff, das ihn gebracht hatte, war langsam gewesen und erst sp�t am Vortag eingetroffen, aber dieses eine Mal war Elaida nicht �ber die Langsamkeit von anderen ungehalten. Allein das Licht wusste, was f�r einen Schlamassel Alviarin angerichtet h�tte, w�re er fr�her eingetroffen. Die Frau verdiente es, f�r die Klemme, in die sie die Burg gebracht hatte, zum Scharfrichter geschickt zu werden, ein Missstand, den sie nun wieder in Ordnung bringen musste, ganz zu schweigen davon, dass Alviarin es <emphasis>gewagt</emphasis> hatte, den Amyrlin-Sitz zu erpressen.</p><p>Mattin Stepaneos verstummte abrupt, trat auf dem gemusterten tarabonischen Teppich einen halben Schritt zur�ck. Elaida riss sich zusammen. Der Gedanke an Alviarin lie� sie immer finster dreinblicken, wenn sie nicht vorsichtig war.</p><p>�Eure R�ume sind ausreichend bequem?�, sagte sie in das Schweigen hinein. �Die Diener reichen aus?�</p><p>Der pl�tzliche Themenwechsel lie� ihn blinzeln. �Die R�ume sind bequem und die Diener annehmbar�, erwiderte er in einem bedeutend milderen Tonfall, vielleicht angesichts ihrer finsteren Miene von eben. �Trotzdem bin ich��</p><p>�Ihr solltet der Wei�en Burg dankbar sein, Mattin Stepaneos, und mir auch. Rand al�Thor hat Illian nur Tage nach Eurer Abreise aus der Stadt erobert. Er hat sich auch die Lorbeerkrone genommen. Die Krone der Schwerter, wie er sie nennt. Glaubt Ihr, er h�tte gez�gert, Euch den Kopf abzuschlagen, um sie sich zu nehmen? Ich wusste, dass Ihr nicht freiwillig gehen w�rdet. Ich habe Euch das Leben gerettet.� So. Jetzt sollte er eigentlich glauben, dass alles nur in seinem besten Interesse geschehen war.</p><p>Der Narr hatte die Tollk�hnheit zu schnauben und die Arme vor der Brust zu verschr�nken. �Noch bin ich kein zahnloser alter K�ter, Mutter. Ich habe bei der Verteidigung Illians oft dem Tod ins Gesicht gesehen. Glaubt Ihr, ich w�rde mich so sehr vor dem Tod f�rchten, dass ich lieber f�r den Rest meines Lebens Euer �Gast� bin?� Immerhin war es das erste Mal, dass er sie seit Betreten des Raumes mit ihrem richtigen Titel angesprochen hatte.</p><p>Die verzierte goldene Kastenuhr, die an der Wand stand, schlug, kleine Figuren aus Gold und Silber und Emaille bewegten sich auf drei Ebenen. Auf der h�chsten von ihnen �ber dem Zifferblatt knieten ein K�nig und eine K�nigin vor einer Amyrlin. Im Gegensatz zu der breiten Stola auf Elaidas Schultern wies die Stola dieser Amyrlin noch sieben Streifen auf. Sie hatte es bis jetzt noch nicht geschafft, einen Emailleur kommen zu lassen. Es gab so viel zu erledigen, das wichtiger war.</p><p>Sie richtete die Stola auf dem hellroten Seidengewand und lehnte sich zur�ck, sodass sich die Flamme von Tar Valon, die auf der hohen vergoldeten Stuhllehne von Mondsteinen dargestellt wurde, direkt �ber ihrem Kopf befand. Sie beabsichtigte, den Mann auf jedes Symbol dessen hinzuweisen, wer sie war und was sie repr�sentierte. W�re der von der Flamme gekr�nte Stab in Reichweite gewesen, h�tte sie ihn unter seine schiefe Nase gehalten. �Ein Toter kann gar nichts zur�ckfordern, mein Sohn. Von hier aus, mit meiner Hilfe, k�nnte es sein, dass Ihr Eure Krone und Eure Nation zur�ckfordern k�nnt.�</p><p>Mattin Stepaneos� Mund �ffnete sich einen Spalt, und er atmete tief ein, wie ein Mann, der ein Zuhause roch, von dem er geglaubt h�tte, es nie wiederzusehen. �Und wie wollt Ihr das bewerkstelligen, Mutter? Soweit ich wei�, wird die Hauptstadt von diesen� Asha�man gehalten� � er hatte leichte Probleme mit diesem verfluchten Namen � �und von Aiel, die dem Wiedergeborenen Drachen folgen.� Jemand hatte mit ihm gesprochen, ihm zu viel erz�hlt. F�r ihn mussten Neuigkeiten �ber Ereignisse streng eingeschr�nkt werden. Es hatte den Anschein, dass man seine Diener auswechseln musste. Aber Hoffnung hatte den Zorn aus seiner Stimme gesp�lt, und das war gut so.</p><p>�Eure Krone zur�ckzugewinnen wird Planung und Zeit erfordern�, sagte sie, da sie im Augenblick nicht die geringste Ahnung hatte, wie man das schaffen sollte. Sie beabsichtigte jedoch auf jeden Fall, eine M�glichkeit zu finden. Den K�nig von Illian zu entf�hren hatte eine Demonstration ihrer Macht sein sollen, aber ihn wieder auf einen gestohlenen Thron zu setzen, das w�rde eine noch bessere Demonstration sein. Sie w�rde den Ruhm der Wei�en Burg wieder herstellen, wie er zu seiner gr��ten Zeit gewesen war, die Tage, in denen Throne erbebten, wenn die Amyrlin die Stirn runzelte.</p><p>�Ich bin sicher, Ihr seid noch m�de von Eurer Reise�, sagte sie und stand auf. So als h�tte er sie aus freiem Willen gemacht. Sie hoffte, dass er klug genug war, um mitzuspielen. Im Gegensatz zur Wahrheit w�rde es ihnen die kommenden Tage um so vieles erleichtern. �Wir werden zusammen zu Mittag essen und besprechen, was man tun k�nnte. Cariandre, begleitet Seine Majest�t zu seinen Gem�chern und lasst einen Schneider holen. Er wird neue Kleider brauchen. Ein Geschenk von mir.� Die mollige ghealdanische Rote, die so still wie ein M�uschen an der T�r zum Vorzimmer gestanden hatte, kam angerauscht und ber�hrte seinen Arm. Er z�gerte, wollte nicht gehen, aber Elaida fuhr fort, als w�re er schon auf dem Weg. �Sagt Tarna, sie soll reinkommen, Cariandre. Ich habe heute viel Arbeit zu erledigen�, f�gte sie um seinetwillen hinzu.</p><p>Schlie�lich lie� sich Mattin Stepaneos mitziehen, und sie sa� wieder, bevor er die T�r erreicht hatte. Drei lackierte K�sten standen ordentlich arrangiert auf dem Tisch, einer davon war ihr Korrespondenzkasten, in dem sie k�rzlich eingetroffene Briefe und Berichte der Ajahs aufbewahrte. Die Roten teilen mit, was ihre Augen-und-Ohren erfuhren � zumindest glaubte sie das �, aber die anderen Ajahs steuerten noch immer nur Bruchst�cke bei, obwohl sie in der vergangenen Woche einige unwillkommene Informationen geliefert hatten. Unwillkommen teilweise darum, weil sie auf Kontakte mit den Rebellen hindeuteten, die �ber diese Verhandlungsfarce hinausgingen. Aber es war die fette, goldverzierte Ledermappe vor ihr, die sie �ffnete. Allein die Burg brachte selbst gen�gend Berichte hervor, um damit den Tisch unter sich zu begraben, h�tte sie sie alle selbst lesen wollen, und Tar Valon produzierte zehnmal so viel. Schreiber k�mmerten sich um die �berwiegende Mehrheit, w�hlten nur die wichtigsten f�r sie aus. Und das war noch immer ein gro�er Stapel.</p><p>�Ihr wolltet mich sprechen, Mutter?�, sagte Tarna k�hl und schloss die T�r hinter sich. Darin lag keine Respektlosigkeit; die blonde Frau war von Natur aus kalt, der Blick ihrer blauen Augen eisig. Das st�rte Elaida nicht. Allerdings erregte die hellrote Stola der Beh�terin um Tarnas Hals ihr Missfallen; sie wies kaum Daumenbreite auf. Die Schlitze ihres hellgrauen Kleides zeigten genug Rot, um vom Stolz auf ihre Ajah zu k�nden, also warum war ihre Stola so schmal? Aber Elaida hatte viel Vertrauen in diese Frau, und in letzter Zeit war das ein seltenes Gut.</p><p>�Wie stehen die Dinge im Hafen, Tarna?� Es war �berfl�ssig, den genauen Hafen zu bezeichnen. Allein beim S�dhafen bestand noch Hoffnung, dass er ohne gro�e Reparaturen zu benutzen war.</p><p>�Nur Flussschiffe mit geringem Tiefgang k�nnen einfahren�, sagte Tarna, w�hrend sie den Teppich �berquerte und vor dem Schreibtisch stehen blieb. Sie h�tte genauso gut vom Wetter sprechen k�nnen. Sie brachte nichts aus der Ruhe. �Aber der Rest wechselt sich darin ab, an dem Teil der Kette festzumachen, die nun aus <emphasis>Cuendillar</emphasis> besteht, um die Ladung in Barken umzustauen. Die Kapit�ne beschweren sich, und es dauert bedeutend l�nger, aber f�r den Augenblick geht es so.�</p><p>Elaida presste die Lippen zusammen, und sie trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. F�r den Augenblick. Sie konnte mit der Reparatur der H�fen nicht anfangen, bevor die Rebellen endg�ltig aufgaben. Bis jetzt hatten sie keinen Angriff unternommen, dem Licht sei Dank. Der w�rde vermutlich nur mit Soldaten beginnen, aber bestimmt w�rden Schwestern darin verwickelt werden, was die Rebellen garantiert genauso vermeiden wollten wie sie auch. Aber die Hafent�rme niederzurei�en, was f�r die Reparatur unumg�nglich war, und die H�fen offen und wehrlos zu machen, k�nnte sie zu verzweifelten Taten provozieren. Beim Licht! K�mpfe mussten vermieden werden, solange das m�glich war.</p><p>Elaida beabsichtigte, die Rebellenarmee in die Burgwache zu integrieren, sobald sie erkannt hatten, dass alles zu Ende war und sie zur Burg zur�ckgekehrt waren. Ein Teil von ihr dachte bereits so, als w�rde Gareth Bryne f�r sie die Burgwache kommandieren. Ein unendlich besserer Mann f�r den Posten des Ersten Hauptmanns als Jimar Chubain. Dann w�rde die Welt den Einfluss der Wei�en Burg sp�ren! Sie wollte nicht, dass ihre Soldaten einander t�teten, genauso wenig, wie sie wollte, dass die Burg dadurch geschw�cht wurde, dass ihre Aes Sedai einander t�teten. Die Rebellen geh�rten <emphasis>ihr</emphasis> genauso wie alle anderen in der Burg, und sie w�rde daf�r sorgen, dass das alle anerkannten.</p><p>Sie nahm das oberste Blatt Papier von dem Stapel und �berflog es kurz. �Anscheinend wurden die Stra�en trotz meines ausdr�cklichen Befehls noch immer nicht gereinigt. Warum?�</p><p>Ein unbehaglicher Ausdruck trat in Tarnas Augen. Es war das erste Mal, dass Elaida sie besorgt sah. �Die Leute haben Angst, Mutter. Sie verlassen ihre H�user nur, wenn es unbedingt sein muss, und selbst dann nur mit gro�em Z�gern. Sie sagen, sie haben die Toten auf den Stra�en wandeln gesehen.�</p><p>�Ist das best�tigt worden?�, fragte Elaida ruhig. Ihr schien das Blut zu gefrieren. �Haben Schwestern das auch gesehen?�</p><p>�Keine der Roten.� Die anderen w�rden mit ihr nur als Beh�terin sprechen, aber niemals unbefangen, niemals, um sie ins Vertrauen zu ziehen. <emphasis>Wie</emphasis> beim Licht sollte man das nur in Ordnung bringen? �Aber die Stadtbewohner beharren darauf. Sie haben gesehen, was sie gesehen haben.�</p><p>Langsam legte Elaida das Blatt zur Seite. Sie wollte fr�steln. Sie hatte alles gelesen, was sie �ber die Letzte Schlacht gefunden hatte, selbst Studien und Vorhersagen, die so alt waren, dass man sie nie aus der Alten Sprache �bersetzt hatte und sie staubbedeckt in den finstersten Ecken der Bibliothek gelegen hatten. Der junge al�Thor war ein Vorbote gewesen, aber jetzt schien es, als w�rde Tarmon Gai�don fr�her eintreten, als alle gedacht hatten. Mehrere der uralten Vorhersagen aus der Fr�hzeit der Wei�en Burg verk�ndeten, dass das Erscheinen der Toten das erste Zeichen sein w�rde, eine Schw�chung der Realit�t, w�hrend der Dunkle K�nig seine Kr�fte sammelte. Nicht mehr lange, und es w�rden schlimmere Dinge geschehen.</p><p>�Lasst die Burgwache arbeitsf�hige M�nner aus den H�usern zerren, falls es n�tig sein sollte�, sagte sie beherrscht.</p><p>�Ich will, dass die Stra�en sauber sind, und ich will h�ren, dass man heute damit anf�ngt. Heute!�</p><p>Da hatte sie doch tats�chlich ihre �bliche eisige Selbstkontrolle verloren. Die Beh�terin hob die Brauen, sagte aber nat�rlich blo�: �Wie Ihr befehlt, Mutter.�</p><p>Elaida strahlte Gelassenheit aus, aber das war eine Scharade. Was kommen w�rde, w�rde kommen. Und sie hatte den jungen al�Thor noch immer nicht unter Kontrolle. Wenn sie nur daran dachte, dass sie ihn einst in der Hand gehabt hatte! H�tte sie es doch nur damals gewusst. Die verdammte Alviarin und die dreimal verfluchte Proklamation, die jeden au�er der Wei�en Burg mit einem Bann belegte, der an ihn herantrat. Sie h�tte sie zur�cknehmen k�nnen, aber das w�re als Schw�che erschienen, und davon abgesehen, der Schaden War angerichtet und konnte nicht mehr so ohne weiteres behoben werden. Egal, bald w�rde sie Elayne wieder unter Kontrolle haben, und das K�nigshaus von Andor war der Schl�ssel, um Tarmon Gai�don zu gewinnen. <emphasis>Das</emphasis> hatte sie selbst vor langer Zeit vorhergesehen. Und die Nachricht, dass es in Tarabon zum Aufstand gegen die Seanchaner gekommen war, war eine erfreuliche Lekt�re gewesen. Nicht alles war ein undurchdringliches Dorngeb�sch, das sie von allen Seiten stach.</p><p>Sie �berflog den zweiten Bericht und verzog das Gesicht.</p><p>Niemand mochte Abwasserkan�le, aber sie stellten ein Drittel der Lebensadern einer jeden Stadt dar, die anderen beiden waren Handel und Frischwasser. Ohne die Abwasserkan�le w�rde Tar Valon Dutzenden von Krankheiten zum Opfer fallen, s�mtliche Bem�hungen der Schwestern untergraben, ganz zu schweigen den Gestank noch �bertreffen, den der verfaulende M�ll jetzt schon in den Stra�en anrichtete. Auch wenn der Handel im Augenblick zu einem Rinnsal geworden war, kam das Wasser noch immer durch das flussaufw�rts gerichtete Inselende und wurde dann an �ber die ganze Stadt verstreute Wassert�rme verteilt, um allen an einfachen und verzierten Springbrunnen zur Verf�gung zu stehen, aber jetzt hatte es den Anschein, als w�ren die Abwasserkan�le am flussabw�rts gerichteten Ende der Insel so gut wie verstopft. Sie tauchte ihre Feder in das Tintenf�sschen und kritzelte ICH WILL, DASS SIE MORGEN FREIGE- R�UMT SIND!, auf den oberen Rand der Seite setzte sie ihren Namen drunter. Wenn die Schreiber einen Funken Verstand hatten, dann war diese Arbeit bereits veranlasst worden, aber sie war noch nie der Ansicht gewesen, dass Schreiber Verstand gehabt h�tten.</p><p>Der n�chste Bericht lie� sie die Stirn runzeln. �Ratten in der Burg?� Das war mehr als nur ernst! Das h�tte ganz oben liegen m�ssen! �Tarna, lasst jemanden die Schutzgewebe �berpr�fen.� Diese Schutzgewebe hielten seit dem Bau der Burg, aber vielleicht waren sie ja nach dreitausend Jahren schw�cher geworden. Wie viele dieser Ratten waren die Spione des Dunklen K�nigs?</p><p>Es klopfte an der T�r, einen Augenblick sp�ter gefolgt von einer molligen Aufgenommenen namens Anemara, die ihre gestreiften R�cke zu einem tiefen Knicks raffte. �Bitte, Mutter, Felaana Sedai und Negaine Sedai haben eine Frau zu Euch gebracht, die sie in der Burg umherwandernd vorgefunden haben. Sie sagen, sie will dem Amyrlin-Sitz eine Petition �berbringen.�</p><p>�Sagt Ihr, sie soll warten, und bietet Ihr Tee an, Anemara�, sagte Tarna energisch. �Die Mutter ist besch�ftigt��</p><p>�Nein, nein�, unterbrach Elaida sie. �schickt sie rein, Kind, schickt sie rein.� Es war viel zu lange her, dass sich jemand mit einer Petition an sie gewandt hatte. Aber sie war in der Stimmung, sie zu gew�hren, falls es sich nicht um etwas allzu L�cherliches handelte. Vielleicht w�rde das den Strom wieder anfachen. Es war auch viel zu lange her, dass Schwestern zu ihr gekommen waren, ohne herzitiert worden zu sein. Vielleicht w�rden die beiden Braunen auch diese D�rre beenden.</p><p>Aber nur eine Frau betrat den Raum und schloss sorgf�ltig die T�r hinter sich. Dem Reitgewand aus Seide und dem guten Umhang nach zu urteilen, war sie vermutlich eine Adlige oder eine wohlhabende Kauffrau, eine Annahme, die von ihrem selbstbewussten Auftreten noch unterst�tzt wurde. Elaida war sich sicher, die Frau noch nie zuvor gesehen zu haben, aber etwas an dem Gesicht, das von Haar eingerahmt wurde, das noch heller als Tarnas war, erschien vage vertraut.</p><p>Elaida stand auf und ging mit ausgestreckten H�nden um den Tisch herum. Und mit einem ungewohnten L�cheln. Sie versuchte, es willkommen aussehen zu lassen. �Wie ich geh�rt habe, habt Ihr eine Petition f�r mich, Tochter. Tarna, eine Tasse Tee f�r sie.� Der Silberkessel auf dem Silbertablett auf dem Beistelltisch musste zumindest noch warm sein.</p><p>�Die Petition, das habe ich sie nur glauben lassen, um ohne blaue Flecke zu Euch vordringen zu k�nnen, Mutter�, erwiderte die Frau mit einem tarabonischen Akzent und machte einen Knicks, und mitten in der Bewegung war ihr Gesicht pl�tzlich das von Beonin Marinye.</p><p>Tarna umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und webte eine Abschirmung um die Frau, aber Elaida begn�gte sich damit, die F�uste in die H�ften zu stemmen.</p><p>�Es w�re eine Untertreibung, wenn ich behaupte, ich w�re �berrascht, dass Ihr es wagt, Euer Gesicht hier zu zeigen, Beonin.�</p><p>�Es ist mir gelungen, in Salidar Teil dessen zu werden, was man als herrschenden Rat bezeichnen k�nnte�, sagte die Graue ruhig. �Ich habe daf�r gesorgt, dass sie dort sa�en und nichts taten, und ich habe die Ger�chte in Umlauf gebracht, dass viele von ihnen in Wahrheit insgeheim Eure Anh�nger sind. Die Schwestern sind einander mit solchem Misstrauen begegnet, dass ich glaube, die meisten w�ren an diesem Punkt bald zur Burg zur�ckgekehrt, aber dann sind Sitzende von anderen Ajahs als der Blauen aufgetaucht. Pl�tzlich hatten sie ihren eigenen Burgsaal gew�hlt, und der Rat wurde nicht mehr gebraucht. Ich habe dennoch weiterhin getan, was ich konnte. Ich wei�, dass Ihr mir befohlen hattet, bei ihnen zu bleiben, bis sie alle zur R�ckkehr bereit sind, aber das muss in wenigen Tagen geschehen. Falls ich mir die Bemerkung erlauben darf, Mutter, es war eine ausgezeichnete Entscheidung, Egwene nicht vor Gericht zu stellen. Zum einen hat sie die �berragende F�higkeit, neue Gewebe zu entdecken, darin ist sie noch besser als Elayne Trakand oder Nynaeve al�Meara. Zum anderen haben Lelaine und Romanda miteinander darum gek�mpft, zur Amyrlin erhoben zu werden, bevor man sie auserw�hlte. Da Egwene noch lebt, werden sie wieder darum k�mpfen, aber keine kann gewinnen, oder? Ich glaube, dass mir bald andere Schwestern folgen werden. In ein oder zwei Wochen werden Lelaine und Romanda mit den Resten ihres so genannten Saals allein dastehen.�</p><p>�Wie k�nnt Ihr wissen, dass das al�Vere-M�dchen nicht vor Gericht gestellt wird?�, wollte Elaida wissen. �Wieso wisst Ihr �berhaupt, dass sie noch am Leben ist? L�st die Abschirmung, Tarna!�</p><p>Tarna gehorchte, und Beonin nickte ihr zu, als sei sie dankbar. Jedenfalls ein bisschen. Diese gro�en blaugrauen Augen lie�en Beonin m�glicherweise immer leicht �berrascht erscheinen, aber sie war eine Frau, die �ber eine ausgesprochene Selbstbeherrschung verf�gte. Kombinierte man diese Selbstbeherrschung mit einer aus tiefem Herzen kommenden Hingabe an das Gesetz und f�gte noch Ehrgeiz hinzu, von dem sie eine Menge hatte, und Elaida hatte sofort gewusst, dass Beonin die richtige Kandidatin war, die man den aus der Burg geflohenen Schwestern nachschicken konnte. Und die Frau hatte v�llig versagt! Ja, gut, vielleicht hatte sie etwas Unfrieden gestiftet, aber sie hatte absolut <emphasis>nichts</emphasis> von dem erreicht, was Elaida von ihr erwartet hatte. Nicht das Geringste! Sie w�rde feststellen, dass ihre Belohnung ihrem Versagen entsprechen w�rde.</p><p>�Egwene, sie kann <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> betreten, indem sie einfach einschl�ft, Mutter. Ich war selbst dort und habe sie gesehen, aber ich musste ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> benutzen. Ich kam an keines von denen heran, die die Rebellen in ihrem Besitz haben, um sie mitzubringen. Wie dem auch sei, sie hat mit Siuan Sanche in deren Tr�umen gesprochen, erz�hlt man sich, auch wenn ich es eher f�r wahrscheinlich halte, dass es in der Welt der Tr�ume war. Angeblich hat sie erz�hlt, dass sie eine Gefangene ist, aber sie wollte nicht verraten, wo, und sie hat jeden Rettungsversuch verboten. Darf ich mir eine Tasse Tee nehmen?�</p><p>Elaida war so verbl�fft, dass es ihr die Sprache verschlug.</p><p>Sie bedeutete Beonin, sich zu bedienen, und die Graue machte erneut einen Knicks, bevor sie zu dem Beistelltisch ging und die Silberkanne vorsichtig mit dem Handr�cken ber�hrte. Das M�dchen konnte <emphasis>Tel�aran�rhiod betreten!</emphasis> Und es gab <emphasis>Ter�angreale,</emphasis> die das ebenfalls erlaubten? Die Welt der Tr�ume war fast so etwas wie eine Legende. Und diesen beunruhigenden Hinweisen zufolge, die die Ajahs gn�digerweise mit ihr geteilt hatten, hatte das M�dchen das Gewebe f�r das Schnelle Reisen wiederentdeckt und noch jede Menge anderer Entdeckungen gemacht. Das war der ausschlaggebende Faktor f�r ihre Entscheidung gewesen, das M�dchen der Burg zu erhalten, aber nach all dem anderen jetzt auch noch das?</p><p>�Falls Egwene das tun kann, Mutter, dann ist sie vielleicht wirklich eine Tr�umerin�, sagte Tarna. �Die Warnung, die sie Silviana �bermittelt hat��</p><p>�Ist nutzlos, Tarna. Die Seanchaner sind noch immer tief im Landesinneren von Altara und haben Illian kaum ber�hrt.�</p><p>Wenigstens waren die Ajah bereit, alles weiterzugeben, was sie �ber die Seanchaner erfuhren. Zumindest hoffte sie, dass sie alles weitergaben. Der Gedanke lie� ihre Stimme rauer klingen. �Solange <emphasis>sie</emphasis> das Reisen nicht lernen, f�llt Euch irgendeine Vorsichtsma�nahme ein, die ich au�er denen ergreifen sollte, die bereits veranlasst sind?� Nat�rlich fiel ihr nichts ein. Das M�dchen hatte eine Rettungsaktion <emphasis>verboten?</emphasis> Oberfl�chlich gesehen war das gut, aber es war ein Hinweis darauf, dass sie sich noch immer als Amyrlin betrachtete. Nun, Silviana w�rde ihr diese Flausen schnell austreiben, falls die Schwestern, die sie in ihren Klassen unterrichteten, versagten. �Kann man ihr genug von dem Trank verabreichen, um sie aus <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> herauszuhalten?�</p><p>Tarna verzog leicht den Mund � niemandem gefiel das widerw�rtige Gebr�u, nicht einmal den Braunen, die sich dazu �berwunden hatten, es auszuprobieren � und sch�ttelte den Kopf. �Wir k�nnen sie f�r die Nacht bet�uben, aber sie w�re am n�chsten Tag zu nichts zu gebrauchen, und wer vermag schon zu sagen, ob es diese F�higkeit �berhaupt beeinflussen w�rde.�</p><p>�Darf ich Euch einschenken, Mutter?�, fragte Beonin und balancierte eine wei�e Teetasse aus d�nnem Porzellan auf den Fingerspitzen. �Tarna? Die wichtigste Neuigkeit, die ich mitgebracht habe��</p><p>�Ich will keinen Tee�, sagte Elaida gereizt. �Habt Ihr irgendetwas mitgebracht, um Eure Haut wegen Eurem erb�rmlichen Versagen zu retten? Kennt Ihr die Gewebe f�r das Schnelle Reisen oder dieses Gleiten .. .� Es gab so viele. Vielleicht waren es alles Talente und Fertigkeiten, die verloren gegangen waren, aber anscheinend hatte man den meisten noch nicht wieder Namen verliehen.</p><p>Die Graue sp�hte mit v�llig reglosem Gesicht �ber ihre Teetasse. �Ja�, sagte sie schlie�lich. �Ich kann kein <emphasis>Cuendillar</emphasis> herstellen, aber ich kann die neuen Heilgewebe so gut wie die meisten Schwestern weben, und ich kenne sie alle.� Ein Hauch Aufregung stahl sich in ihre Stimme. �Das Wunderbarste ist das Schnelle Reisen.� Ohne um Erlaubnis zu bitten, umarmte sie die Quelle und webte Geist. Ein vertikaler Silberstrich erschien vor einer Wand und verbreiterte sich zu einem Anblick schneebedeckter Eichen. Ein kalter Windsto� fuhr in den Raum und lie� die Kaminflammen tanzen. �Das nennt man ein Wegetor. Es kann nur erschaffen werden, wenn man mit dem Ausgangspunkt gut vertraut ist. Will man zu einem Ort, der einem nicht bekannt ist, benutzt man das Gleiten.� Sie ver�nderte das Gewebe, und die �ffnung zerschmolz wieder zu dem silbrigen Strich, der erneut breiter wurde. Die Eichen wurden von Dunkelheit ersetzt sowie einer grau gestrichenen, mit einer Reling versehenen Barke, die vor der �ffnung auf dem Nichts trieb.</p><p>�L�st das Gewebe auf�, sagte Elaida. Sie hatte das Gef�hl, dass, sollte sie zu dieser Barke gehen, sich die Dunkelheit in allen Richtungen so weit erstrecken w�rde, wie sie sehen konnte. Dass sie f�r alle Ewigkeit fallen w�rde. Es verursachte ihr ein flaues Gef�hl im Magen. Die �ffnung � das Wegetor � verschwand. Die Erinnerung daran blieb jedoch.</p><p>Sie nahm ihren Platz hinter dem Tisch wieder ein und �ffnete das gr��te der lackierten K�stchen, das mit roten Rosen und goldenen Schn�rkeln verziert war. Sie nahm eine kleine Elfenbeinminiatur von dem obersten Einsatz, eine Schwalbe mit gespreiztem Schwanz, der die Jahre eine dunkelgelbe F�rbung verliehen hatten, und strich mit dem Daumen �ber die geschwungenen Schwingen. �Ohne meine Erlaubnis werdet Ihr diese Dinge niemandem beibringen.�</p><p>�Aber .. . warum denn nicht, Mutter?�</p><p>�Einige der Ajahs widersetzen sich der Mutter beinahe genauso hartn�ckig wie jene Schwestern auf der anderen Flussseite�, sagte Tarna.</p><p>Elaida warf ihrer Beh�terin der Chroniken einen unwirschen Blick zu, aber das k�hle Gesicht nahm ihn unbeeindruckt hin. <emphasis>�Ich</emphasis> werde entscheiden, wer� verl�sslich� genug ist, um es beigebracht zu bekommen, Beonin. Ich will, dass Ihr es mir versprecht. Nein, ich will, dass Ihr schw�rt.�</p><p>�Auf dem Hinweg habe ich Schwestern verschiedener Ajahs gesehen, die sich b�se anstarrten. Was ist in der Burg geschehen, Mutter?�</p><p>�Euren Eid, Beonin.�</p><p>Die Graue stand da und schaute lange genug in ihre Teetasse, dass Elaida langsam glaubte, sie w�rde sich weigern. Aber der Ehrgeiz siegte. Sie hatte sich in der Hoffnung, bevorzugt zu werden, an Elaidas R�cke gebunden, und das w�rde sie jetzt nicht wegwerfen. �Beim Licht und bei meiner Hoffnung auf Errettung und Wiedergeburt schw�re ich, dass ich ohne die Erlaubnis des Amyrlin-Sitzes niemandem die Gewebe beibringen werde, die ich unter den Rebellen gelernt habe.� Sie hielte inne, nippte an der Tasse. �Einige Schwestern in der Burg, sie sind vielleicht weniger verl�sslich, als Ihr glaubt. Ich habe versucht, das zu verhindern, aber der �Rat� hat zehn Schwestern zur Burg zur�ckgeschickt, um die Geschichte �ber die Rote Ajah und Logain zu verbreiten.� Elaida erkannte nur wenige der Namen, die sie abspulte, aber den Letzten schon. Der lie� sie sich kerzengerade hinsetzen.</p><p>�Soll ich sie verhaften lassen, Mutter?�, fragte Tarna noch immer so kalt wie Eis.</p><p>�Nein. Lasst sie beobachten. Beobachtet jeden, mit dem sie Umgang haben.� Also gab es eine Verbindung zwischen den Ajahs in der Burg und den Rebellen. Wie tief war die F�ulnis schon gewuchert? Aber das spielte keine Rolle, sie w�rde damit aufr�umen!</p><p>�So wie die Dinge stehen, k�nnte das schwierig sein, Mutter.�</p><p>Elaida schlug mit der freien Hand auf die Tischplatte, es klang wie ein Peitschenknall. �Ich habe nicht gefragt, ob es schwierig ist. Ich sagte, tut es! Und informiert Meidani, dass ich sie heute Abend zum Essen einlade.� Die Frau hatte beharrlich versucht, wieder an eine Freundschaft anzukn�pfen, die vor vielen Jahren geendet hatte. Jetzt kannte sie den Grund daf�r. �Geht und k�mmert Euch darum.� Ein Schatten huschte �ber Tarnas Gesicht, als sie einen Knicks machte.</p><p>�Keine Sorge�, sagte Elaida. �Beonin darf Euch jedes Gewebe beibringen, das sie kennt.� Schlie�lich vertraute sie Tarna, und es hellte ihre Miene in der Tat auf, auch wenn es sie nicht w�rmer machte.</p><p>Als sich die T�r hinter ihrer Beh�terin schloss, schob Elaida die Ledermappe zur Seite, st�tzte die Ellbogen auf den Tisch und konzentrierte sich auf Beonin. �Und jetzt zeigt mir alles.�</p></section><section><title><p>3</p><p>In den G�rten</p></title><p>Aran�gar folgte Moridins Ruf, der in ihren wilden Tr�umen erfolgt war, aber sie fand ihn bei ihrem Eintreffen noch nicht vor. Das war kaum �berraschend: er liebte seinen gro�en Auftritt. Elf hohe Lehnst�hle, mit Schnitzereien �bers�t und vergoldet, standen auf dem gestreiften Holzfu�boden zu einem Kreis angeordnet, aber sie waren leer. Semirhage, wie gew�hnlich ganz in Schwarz, wandte den Kopf, um zu sehen, wer da eintrat, dann f�hrte sie ihre ged�mpfte Unterhaltung mit Demandred und Mesaana in der Zimmerecke fort. Demandreds hakennasiges Gesicht zeigte einen w�tenden Ausdruck, der ihn nur noch schneidiger machte. Nat�rlich reichte das nicht, um sie anzuziehen. Dazu war er viel zu gef�hrlich. Aber der eng sitzende Mantel aus bronzefarbener Seide mit dem �ppigen schneewei�en Spitzenbesatz an Hals und �rmeln stand ihm. Mesaana trug ebenfalls die Mode dieses Zeitalters, ein dunkleres, mit Mustern geschm�cktes Bronze. Aus irgendeinem Grund erschien sie blass und zur�ckhaltend, beinahe so, als w�re sie krank. Nun, das war m�glich. In diesem Zeitalter gab es einige widerw�rtige Krankheiten, und es erschien unwahrscheinlich, dass selbst sie Semirhage genug vertraute, um sich von ihr einer Heilung zu unterziehen. Graendal, der einzige andere anwesende Mensch, stand in der gegen�berliegenden Ecke und hielt einen feinen Kristallkelch, der mit dunklem Wein gef�llt war, aber sie beobachtete das Trio, statt zu trinken. Nur Narren ignorierten, von Graendal beobachtet zu werden, aber die drei machten mit ihrem heftigen Gemurmel weiter.</p><p>Die St�hle passten nicht zum Rest der Umgebung. Der Raum schien Bildw�nde zu haben, aber der steinerne Bogen einer T�r zerst�rte die Illusion. Hier in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> h�tten es alle m�glichen St�hle sein k�nnen, also warum nicht welche, die zu dem Raum passten, und warum elf, wenn das doch zwei mehr als n�tig waren? Asmodean und Sammael <emphasis>mussten</emphasis> so tot wie Be�lal und Rahvin sein. Warum nicht die �bliche Schwingt�r eines Aussichtsraums? Der Aufbau erweckte den Anschein, dass der Saal in den Ansaline-G�rten stand, in denen Cormalindes Masoons gewaltige Skulpturen von stilisierten Menschen und Tieren niedrige Geb�ude �berragten, die selbst wie zerbrechliche Skulpturen aus gesponnenem Glas aussahen. In den G�rten hatte man nur die besten Weine serviert, die k�stlichsten Speisen, und es war eigentlich fast immer m�glich gewesen, eine sch�ne Frau mit gro�en Gewinnen an den C/n�rz/�e-R�dern zu beeindrucken; obwohl, es war schwierig gewesen, genug zu betr�gen, um st�ndige Gewinne zu machen. Schwierig, aber notwendig f�r einen Gelehrten, dem das n�tige Geld fehlte. Das alles gab es nicht mehr, hatte im dritten Kriegsjahr in Ruinen gelegen.</p><p>Ein goldhaariges, stets l�chelndes <emphasis>Zomara</emphasis> in einer luftigen wei�en Bluse und engen Hosen verbeugte sich geschmeidig und bot Aran�gar auf einem Silbertablett einen Kristallkelch Wein an. Anmutig und wundersch�n androgyn, trotz der toten schwarzen Augen scheinbar menschlich, waren diese Kreaturen eine von Aginors weniger inspirierten Sch�pfungen gewesen. Doch selbst in ihrem Zeitalter, als man Moridin noch Ishamael genannt hatte � sie hatte nicht mehr den geringsten Zweifel, wer er war �, hatte er diesen Kreaturen mehr als menschlichen Dienern vertraut, obwohl sie f�r keine andere Aufgabe zu gebrauchen waren. Er musste irgendwo einen Stasiskasten gefunden haben, der mit diesen Dingern voll gestopft war. Er hatte Dutzende davon, auch wenn er sie nur selten rausholte. Aber zehn weitere standen da und warteten, anmutig, obwohl sie still dastanden. Er musste dieses Treffen f�r wichtiger als die meisten halten.</p><p>Sie nahm den Pokal und bedeutete der <emphasis>Zomara</emphasis> zu gehen, obwohl sie sich bereits abwandte, bevor sie eine Bewegung machen konnte. Sie hasste die F�higkeit der Kreaturen, zu wissen, was in ihrem Kopf vor sich ging. Wenigstens konnte sie anderen nicht mitteilen, was sie dort erfuhr. Abgesehen von Befehlen verblassten alle Erinnerungen innerhalb von Minuten. Sogar Aginor hatte genug Verstand, um die Notwendigkeit daf�r einzusehen. W�rde er heute kommen?</p><p>Osan�gar hatte seit dem Misserfolg in Shadar Logoth jedes Treffen vers�umt. Die wahre Frage war nat�rlich, ob er zu den Toten geh�rte oder in einem Geheimauftrag unterwegs war, vielleicht auf Anweisung des Dunklen K�nigs? Was nun auch davon stimmte, seine Abwesenheiten boten k�stliche Gelegenheiten, aber das wiederum barg viele Gefahren. In der letzten Zeit hatte sie viel �ber Gefahren nachgedacht.</p><p>Sie schlenderte zu Graendal hin�ber. �Was glaubt Ihr, Graendal, wer ist als Erster eingetroffen? Soll mich doch der Schatten holen, aber wer es auch war, er hat eine deprimierende Umgebung gew�hlt.� Lanfear hatte Zusammenk�nfte bevorzugt, die in endloser Nacht schwebten, aber auf seine Weise war das hier schlimmer, so als w�rde man sich auf einem Friedhof treffen.</p><p>Graendal l�chelte schmal. Das hei�t, sie versuchte es, aber keine Bem�hungen konnten diese Lippen schmal erscheinen lassen. �ppig war das Wort, das in jeder Hinsicht auf Graendal zutraf, �ppig und reif und wundersch�n, und das alles kaum verh�llt von ihrem Gewand aus Streith. Obwohl sie vielleicht nicht so viele Ringe h�tte tragen sollen, die mit Ausnahme von einem mit Edelsteinen geschm�ckt waren. Auch das mit Rubinen �bers�te Diadem biss sich mit dem strohblonden Haar.</p><p>Mit Aran�gars Smaragdkette war das nat�rlich etwas ganz anderes; Delana hatte sie ihr gegeben, und sie passte viel besser zu der smaragdgr�nen Seide ihres Kleides. Nat�rlich war diese Seide ein Produkt der Welt der Tr�ume, auch wenn die Smaragde echt waren. Mit einem so tief ausgeschnittenen Kleid h�tte sie in der Welt der Wachen zu viel Aufmerksamkeit erregt, falls es �berhaupt gehalten h�tte und oben geblieben w�re. Und da war der Schlitz, der ihr linkes Bein bis zur H�fte entbl��te. Sie hatte bessere Beine als Graendal. Zuerst hatte sie ja �ber zwei Schlitze nachgedacht. Im Gegensatz zu anderen von ihnen waren ihre F�higkeiten hier nicht so gro� � sie konnte Egwenes Tr�ume nicht finden, ohne dass sich das M�dchen direkt neben ihr befand �, aber sie konnte die Kleider erschaffen, die sie wollte. Sie genoss es, dass man ihren K�rper bewunderte, und je mehr sie ihn zur Schau stellte, desto mehr hielten die anderen sie f�r unwichtig.</p><p>�Ich bin als Erste eingetroffen�, sagte Graendal und runzelte leicht die Stirn. �Ich habe sch�ne Erinnerungen an die G�rten.�</p><p>Aran�gar schaffte es, ein Lachen hervorzubringen. �Ich auch, ich auch.� Die Frau war eine N�rrin, genau wie der Rest, sie lebten in der Vergangenheit inmitten der Tr�mmer dessen, was verloren war. �Wir werden die G�rten nie wiedersehen, aber wir werden Dinge sehen, die ihnen �hnlich sind.� Sie selbst war die Einzige von ihnen, die dazu geschaffen war, in diesem Zeitalter zu herrschen. Sie war die Einzige, die primitive Kulturen verstand. Vor dem Krieg waren sie ihr Spezialfach gewesen. Immerhin hatte Graendal n�tzliche F�higkeiten und weitaus mehr Kontakte unter den Freunden der Dunkelheit, als sie sie hatte. Auch wenn sie sicher nicht begeistert sein w�rde, wie Aran�gar diese benutzen wollte, sollte sie es erfahren. �Ist Euch eigentlich klar, dass all die anderen Allianzen haben, w�hrend Ihr und ich ganz allein dastehen?� Und Osan�gar, falls er noch lebte, aber es bestand keine Notwendigkeit, ihn da reinzuziehen.</p><p>Graendals Gewand nahm eine dunklere graue Farbe an und verschleierte bedauerlicherweise die Aussicht. Es war echtes Streith. Aran�gar hatte selbst zwei Stasisk�sten gefunden, aber die waren gr��tenteils mit entsetzlichem M�ll gef�llt gewesen.</p><p>�Ist <emphasis>Euch</emphasis> eigentlich bewusst, dass dieser Raum Ohren haben muss? Die <emphasis>Zomaran</emphasis> waren bei meinem Eintreffen schon hier.�</p><p>�Graendal.� Sie schnurrte den Namen. �Wenn Moridin zuh�rt, wird er annehmen, dass ich versuche, in Euer Bett zu kommen. Er wei�, dass ich niemals eine Allianz mit anderen eingegangen bin.� In Wahrheit war sie viele eingegangen, aber ihre Verb�ndeten schienen immer t�dliche Missgeschicke zu erleiden, sobald ihre N�tzlichkeit endete, und sie nahmen ihr ganzes Wissen �ber diese Verbindungen mit ins Grab. Die, die Gr�ber bekamen.</p><p>Das Streith wurde so dunkel wie die Mitternacht in Larcheen, rote Flecken erschienen auf Graendals cremig wei�en Wangen. Ihre Augen erstarrten zu blauem Eis. Aber ihre Worte widersprachen ihrem Gesichtsausdruck, und ihr Gewand verblasste zu fast v�lliger Transparenz, als sie sprach, ganz langsam, nachdenklich. �Eine interessante Idee. Eine, die ich noch nie in Betracht gezogen habe. Vielleicht tue ich das jetzt. Vielleicht. Aber Ihr werdet mich� �berzeugen m�ssen.� Gut. Graendals Verstand war so schnell wie immer. Es erinnerte sie daran, dass sie vorsichtig sein musste. Sie wollte Graendal benutzen und dann loswerden, und nicht in einer ihrer Fallen gefangen werden.</p><p>�Ich bin sehr gut darin, sch�ne Frauen zu �berzeugen.�</p><p>Sie streckte die Hand aus, um Graendals Wange zu liebkosen. Es war nie zu fr�h, damit anzufangen, die anderen zu �berzeugen. Davon abgesehen ergab sich daraus vielleicht mehr als blo� eine Allianz. Graendal hatte ihr immer schon gefallen. Sie erinnerte sich nicht mehr richtig daran, ein Mann gewesen zu sein. In ihren Erinnerungen hatte sie den K�rper, den sie jetzt besa�, was ein paar Merkw�rdigkeiten mit sich brachte, aber der Einfluss dieses K�rpers hatte nicht alles ver�ndert. Ihre Gel�ste waren nicht v�llig anders, sie waren nur umfassender geworden. Sie h�tte dieses Streithgewand gern gehabt. Nat�rlich auch alles andere N�tzliche, das Graendal m�glicherweise besa�, aber manchmal tr�umte sie davon, dieses Gewand zu tragen. Sie trug nur deshalb keines, weil sie nicht wollte, dass die andere Frau glaubte, sie w�rde sie imitieren.</p><p>Das Streith blieb kaum durchsichtig, aber Graendal trat von der Liebkosung fort und sah an Aran�gar vorbei, die sich umdrehte und Mesaana herankommen sah, die von Demandred und Semirhage flankiert wurde. Demandred machte noch immer einen �rgerlichen Eindruck, w�hrend Semirhage auf k�hle Weise am�siert zu sein schien. Mesaana war noch immer blass, aber erschien nicht l�nger niedergeschlagen. Nein, ganz und gar nicht. Sie war eine fauchende <emphasis>Coreer</emphasis> und spuckte Gift und Galle.</p><p>�Warum habt Ihr sie gehen lassen, Aran�gar? Ihr solltet sie doch kontrollieren! Seid Ihr so damit besch�ftigt gewesen, mit ihr Eure kleinen Traum-Spiele zu spielen, dass Ihr vergessen habt, in Erfahrung zu bringen, was sie dachte? Ohne sie als Galionsfigur wird die Rebellion auseinander fallen. Meine ganze sorgf�ltige Planung ist ruiniert, weil Ihr ein ignorantes M�dchen nicht unter Kontrolle halten konntet!�</p><p>Aran�gar beherrschte sich. Sie konnte ihr Temperament im Zaum halten, wenn sie es wollte. Statt zu knurren, l�chelte sie. Konnte sich Mesaana tats�chlich in der Wei�en Burg aufhalten? W�re es nicht wunderbar, wenn sie eine M�glichkeit f�nde, die drei auseinander zu bringen? �Ich habe letzte Nacht eine Sitzung des Rebellensaals belauscht. In der Welt der Tr�ume, damit sie sich in der Wei�en Burg treffen konnten, unter Egwenes Vorsitz. Sie ist nicht die Galionsfigur, f�r die Ihr sie gehalten habt. Ich habe versucht, Euch das klar zu machen, aber ihr wolltet ja nie zuh�ren.� Das kam zu hart heraus. Mit einer Anstrengung � und es kostete eine Anstrengung � schlug sie einen gem��igteren Tonfall an. �Egwene hat ihnen alles �ber die Situation in der Burg berichtet, dass sich die Ajahs gegenseitig an die Kehle gehen. Sie hat sie davon �berzeugt, dass die Burg zerbricht, und dass sie das unterst�tzen kann, dort, wo sie ist. An Eurer Stelle w�rde ich mir Sorgen machen, ob ich die Burg noch lange genug zusammenhalten kann, um diesen Konflikt weiter am Leben zu halten.�</p><p>�Sie sind entschlossen durchzuhalten?�, murmelte Mesaana. Sie nickte. �Gut. Gut. Dann geht alles nach Plan. Ich dachte, ich w�rde irgendeine �Rettung� in die Wege leiten m�ssen, aber vielleicht kann ich warten, bis Elaida ihren Willen gebrochen hat. Dann sollte ihre R�ckkehr noch mehr Verwirrung hervorrufen. Ihr m�sst mehr Unfrieden stiften, Aran�gar. Ich will, dass sich diese so genannten Aes Sedai bis aufs Blut hassen, bevor ich mit ihnen fertig bin.�</p><p>Ein <emphasis>Zomara</emphasis> erschien und verbeugte sich anmutig, w�hrend es ein Tablett mit drei Pokalen anbot. Mesaana und ihre Gef�hrten nahmen den Wein, ohne einen Blick an die Kreatur zu verschwenden, und es verneigte sich erneut, bevor es verschwand.</p><p>�Sie war schon immer gut darin, Unfrieden zu stiften�, sagte Semirhage. Demandred lachte.</p><p>Aran�gar unterdr�ckte ihren Zorn. Sie trank ihren Wein � er war ziemlich gut, mit einem berauschenden Aroma, auch wenn er den Jahrg�ngen nicht nahe kam, die in den G�rten serviert worden waren �, legte die freie Hand auf Graendals Schulter und spielte mit einer der sonnenfarbenen Locken. Die Frau verzog keine Miene, das Streith blieb nebelgleich. Entweder genoss sie es, oder sie verf�gte �ber eine bessere Selbstbeherrschung, als m�glich erschien. Semirhages L�cheln wurde noch am�sierter. Auch sie holte sich ihr Vergn�gen, wo sie es finden konnte, allerdings hatten ihre Vergn�gungen Aran�gar noch nie gereizt.</p><p>�Wenn ihr euch schon betatschen m�sst�, knurrte Demandred, �dann macht das privat.�</p><p>�Eifers�chtig?�, murmelte Aran�gar und lachte leise �ber sein Stirnrunzeln. �Wo h�lt man das M�dchen fest, Mesaana? Sie hat es nicht gesagt.�</p><p>Mesaana kniff die gro�en blauen Augen zusammen. Sie waren ihr bestes Merkmal, aber wenn sie die Stirn runzelte, wirkten sie nur noch gew�hnlich. �Warum wollt Ihr das wissen? Damit Ihr sie selbst �retten� k�nnt? Ich werde Euch das nicht verraten.�</p><p>Graendal zischte, und Aran�gar wurde sich bewusst, dass sich ihre Hand in Graendals goldenem Haar zu einer Faust verkrampft hatte, die ihren Kopf nach hinten bog. Ihr Gesicht blieb gelassen, aber ihr Gewand hatte sich in roten Nebel verwandelt, der immer dunkler wurde, weniger durchsichtig. Aran�gar l�ste ihren Griff, lie� die Hand aber dort locker ruhen. Einer der ersten Schritte bestand darin, dein Wild an deine Ber�hrung zu gew�hnen. Sie gab sich allerdings keine M�he, die Wut aus ihrer Stimme rauszuhalten. Sie bleckte offen die Z�hne. �Ich will das M�dchen haben, Mesaana. Ohne sie habe ich viel schw�chere Werkzeuge, mit denen ich arbeiten muss.�</p><p>Mesaana trank unger�hrt einen Schluck Wein, bevor sie antwortete. Unger�hrt! �Laut Euren eigenen Worten braucht Ihr sie �berhaupt nicht. Es war <emphasis>mein</emphasis> Plan, Aran�gar, von Anfang an. Ich werde ihn den Notwendigkeiten anpassen, aber es ist meiner. Und ich werde entscheiden, wann und wo das M�dchen freigelassen wird.�</p><p>�Nein, Mesaana, ich werde das Wo und Wann entscheiden, und ob sie �berhaupt befreit wird�, verk�ndete Moridin und durchschritt den Torbogen. Also hatte er Ohren an diesem Ort. Diesmal kam er ganz in Schwarz gekleidet, ein Schwarz, das noch dunkler war als das, das Semirhage trug. Wie gew�hnlich folgten ihm Moghedien und Cyndane, beide in identisches Rot und Schwarz gekleidet, das keinem von beiden stand. Welche Macht hatte er �ber sie? Zumindest Moghedien war niemals jemandem freiwillig gefolgt. Was die sch�ne, vollbusige kleine Puppe Cyndane anging� Aran�gar hatte sich an sie herangemacht, nur um zu sehen, was man in Erfahrung bringen konnte, und das M�dchen hatte eiskalt damit gedroht, ihr das Herz rauszurei�en, sollte sie sie noch einmal anfassen. Kaum die Worte von jemandem, der sich leichthin unterwarf.</p><p>�Sammael scheint wieder aufgetaucht zu sein�, verk�ndete Moridin, schritt durch den Raum und setzte sich. Er war ein gro�er Mann, und er lie� den verzierten hochlehnigen Stuhl wie einen Thron erscheinen. Moghedien und Cyndane setzten sich zu seinen Seiten, aber interessanterweise erst, nachdem er Platz genommen hatte. <emphasis>Zomaran</emphasis> in Schneewei� waren sofort mit Wein da, aber Moridin erhielt seinen zuerst. Was auch immer dort vor sich ging, die <emphasis>Zomaran</emphasis> sp�rten es.</p><p>�Das erscheint kaum m�glich�, sagte Graendal, als alle auf die St�hle zugingen. Ihr Gewand war jetzt dunkelgrau, verbarg alles. �Er muss tot sein.� Aber keiner beeilte sich. Moridin war der Nae�blis, aber au�er Moghedien und Cyndane war keiner bereit, auch nur einen Hauch von Unterw�rfigkeit zu zeigen. Aran�gar jedenfalls nicht.</p><p>Sie w�hlte einen Stuhl gegen�ber von Moridin aus, von wo aus sie ihn unauff�llig beobachten konnte. Und Moghedien und Cyndane. Moghedien war so still, dass sie genauso gut Teil des Stuhls h�tte sein k�nnen. Cyndane war eine K�nigin, ihr Gesicht wie aus Eis gemei�elt. Der Versuch, den Nae�blis zu st�rzen, war gef�hrlich, doch diese beiden hielten m�glicherweise den Schl�ssel dazu. Wenn sie nur herausfinden k�nnte, wie sie ihn drehen musste. Graendal setzte sich neben sie, der Stuhl stand pl�tzlich n�her. Aran�gar h�tte ihr die Hand auf das Handgelenk legen k�nnen, sah aber davon ab und beschr�nkte sich auf ein tr�ges L�cheln. Es war besser, sich jetzt zu konzentrieren.</p><p>�Er h�tte es niemals ertragen k�nnen, so lange verborgen zu bleiben�, warf Demandred ein, r�kelte sich auf seinem Stuhl zwischen Semirhage und Mesaana, die Beine �bereinander geschlagen, als w�re er v�llig entspannt. Das erschien zweifelhaft. Er geh�rte auch zu denen, die unvers�hnlich waren, davon war sie �berzeugt. �Sammael musste immer unbedingt im Mittelpunkt stehen.�</p><p>�Trotzdem hat Sammael oder jemand, der sich f�r ihn ausgegeben hat, den Myrddraal Befehle gegeben, also war es einer der Auserw�hlten.� Moridin sah sie einer nach dem anderen an, als k�nnte er entdecken, wer es gewesen war. Schwarzes <emphasis>Saa</emphasis> rieselte in einem stetigen Strom durch seine blauen Augen. Sie versp�rte kein Bedauern mehr, dass die Wahre Macht allein ihm zur Verf�gung stand. Der Preis war viel zu hoch. Ishamael war sicherlich halb verr�ckt gewesen, und als Moridin war er es immer noch. Wie lange w�rde es dauern, bis sie ihn entfernen konnte?</p><p>�Verratet Ihr uns, wie diese Befehle gelautet haben?� Semirhages Tonfall war k�hl, und sie nippte ruhig an ihrem Wein, beobachtete Moridin �ber den Pokalrand. Sie sa� sehr aufrecht da, aber das tat sie immer. Auch sie erschien v�llig entspannt, aber das war unwahrscheinlich.</p><p>Moridin presste die Lippen zusammen. �Ich wei� es nicht�, sagte er schlie�lich z�gernd. Das gefiel ihm nicht.</p><p>�Aber sie haben hundert Myrddraal und Tausende von Trollocs in die Wege geschickt.�</p><p>�Das h�rt sich nach Sammael an�, sagte Demandred nachdenklich, drehte seinen Pokal und betrachtete den kreisenden Wein. �Vielleicht habe ich mich geirrt.� Ein erstaunliches Eingest�ndnis, da es von ihm kam. Oder ein Versuch zu verbergen, dass er derjenige war, der sich als Sammael ausgegeben hatte. Aran�gar h�tte nur zu gern gewusst, wer da angefangen hatte, sein eigenes Spiel zu spielen. Oder ob Sammael wirklich noch am Leben war.</p><p>Moridin grunzte s�uerlich. �Gebt an eure Freunde der Dunkelheit den Befehl weiter. Jeder Bericht von Trollocs oder Myrddraal au�erhalb der F�ule geht sofort an mich weiter, sobald ihr ihn erhalten habt. Die Zeit der R�ckkehr kommt bald. Keiner darf mehr auf eigene Faust handeln.� Er musterte sie wieder, einen nach dem anderen mit Ausnahme von Moghedien und Cyndane. Aran�gar erwiderte seinen Blick mit einem L�cheln, das noch tr�ger als Graendals war. Mesaana zuckte vor ihm zur�ck.</p><p>�Wie Ihr zu Eurem Leidwesen erfahren habt�, sagte er zu Mesaana, und so unwahrscheinlich das auch erscheinen mochte, ihr Gesicht verlor noch mehr an Farbe. Sie nahm einen tiefen Schluck aus dem Pokal, ihre Z�hne klirrten gegen das Kristall. Semirhage und Demandred vermieden es, sie anzusehen.</p><p>Aran�gar wechselte mit Graendal einen Blick. Etwas war geschehen, um Mesaanas Nichterscheinen in Shadar Logoth zu bestrafen, aber was? Einst h�tte eine Pflichtverletzung von diesem Ausma� den Tod bedeutet. Daf�r waren sie jetzt zu wenige. Cyndane und Moghedien schienen so neugierig zu sein wie sie, also wussten sie es auch nicht.</p><p>�Wir k�nnen die Zeichen so deutlich erkennen wie Ihr, Moridin�, sagte Demandred gereizt. �Die Zeit <emphasis>ist</emphasis> nahe. Wir m�ssen die restlichen Siegel auf dem Kerker des Gro�en Herrn finden. Ich habe meine Anh�nger �berall suchen lassen, aber sie haben nichts gefunden.�</p><p>�Ah, ja, die Siegel. In der Tat, sie m�ssen gefunden werden.� Moridins L�cheln erschien beinahe selbstzufrieden.</p><p>�Nur drei sind noch �brig, alle in al�Thors Besitz, obwohl ich bezweifle, dass er sie bei sich tr�gt. Sie k�nnten jetzt zu schnell brechen. Er wird sie versteckt haben. F�hrt eure Leute zu den Orten, an denen er war. Sucht sie selbst.�</p><p>�Am einfachsten w�re es, Lews Therin zu entf�hren.�</p><p>Cyndanes Stimme bot einen auff�lligen Kontrast zu ihrem Auftreten als Eisk�nigin; sie war atemlos und schw�l, eine Stimme wie dazu geschaffen, sich leicht bekleidet auf weiche Kissen zu legen. In diesen gro�en blauen Augen lag jetzt eine betr�chtliche Leidenschaft. Eine verzehrende Hitze. �Ich kann ihn dazu bringen, dass er verr�t, wo die Siegel sind.�</p><p>�Nein!�, fauchte Moridin und fixierte sie mit einem starren Blick. �Ihr w�rdet ihn �versehentlich� umbringen. Den Zeitpunkt und die Art von al�Thors Tod werde ich bestimmen. Niemand sonst.� Seltsamerweise legte er die freie Hand auf die Mantelbrust, und Cyndane zuckte zusammen. Moghedien fr�stelte. �Niemand sonst�, wiederholte er in hartem Tonfall.</p><p>�Niemand sonst�, sagte Cyndane. Als er die Hand senkte, atmete sie leise aus und trank einen Schluck Wein. Schwei�perlen glitzerten auf ihrer Stirn.</p><p>Aran�gar fand den Austausch aufschlussreich. So wie es aussah, w�rde sie Moghedien und das M�dchen an der Leine haben, sobald sie sich Moridin vom Hals geschafft hatte. Sehr gut, in der Tat.</p><p>Moridin nahm die Schultern zur�ck und richtete den Blick auf den Rest von ihnen. �Das gilt f�r euch alle. Al�Thor geh�rt mir. Ihr werdet ihm kein Haar kr�mmen!� Cyndane beugte den Kopf �ber den Pokal und trank, aber der Hass in ihren Augen war offensichtlich. Graendal hatte behauptet, dass es sich in Wirklichkeit bei ihr gar nicht um Lanfear handelte, dass sie in der Einen Macht schw�cher war, aber sie war offensichtlich auf al�Thor fixiert, und sie nannte ihn bei demselben Namen, den Lanfear immer benutzt hatte.</p><p>�Wenn ihr jemanden t�ten wollt�, fuhr er fort, �dann die beiden!� Pl�tzlich standen die Abbilder zweier junger M�nner in schmuckloser Landkleidung in der Mitte des Kreises, die sich drehten, damit jeder ihre Gesichter gut sehen konnte. Der eine war gro� und breit, hatte gelbe Augen, unfassbar, w�hrend der andere nicht gerade schlank war und ein freches Grinsen zeigte. Als Sch�pfungen von <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> bewegten sie sich steif, und ihre Mienen �nderten sich nicht.</p><p>�Perrin Aybara und Mat Cauthon sind <emphasis>Ta�veren,</emphasis> leicht zu finden. Sp�rt sie auf und t�tet sie.�</p><p>Graendal lachte, ein humorloser Laut. <emphasis>�Ta�veren</emphasis> zu finden war nie so einfach, wie Ihr behauptet habt, und jetzt ist es noch schwerer als zuvor. Das ganze Muster ist in Bewegung, voller Ver�nderungen und Ausschl�gen.�</p><p>�Perrin Aybara und Mat Cauthon�, murmelte Semirhage und betrachtete die beiden Gestalten. �So sehen sie also aus. Wer wei�, Moridin, h�ttet Ihr das schon fr�her mit uns geteilt, w�ren sie m�glicherweise bereits tot.�</p><p>Moridins Faust krachte auf die Stuhllehne. �Findet sie! Versichert euch, dass eure Anh�nger ihre Gesichter kennen. Findet Aybara und Cauthon und t�tet sie! Die Zeit kommt, und sie m�ssen tot sein!�</p><p>Aran�gar nippte an ihrem Wein. Sie hatte nichts dagegen, die beiden zu t�ten, falls sie ihr zuf�llig �ber den Weg liefen, aber was Rand al�Thor betraf, w�rde Moridin schrecklich entt�uscht werden.</p></section><section><title><p>4</p><p>Ein Handel</p></title><p>Perrin trieb Traber ein St�ck von den B�umen am Waldrand weg und betrachtete die gro�e Wiese, auf der rote und blaue Wildblumen durch das winterbraune Gras lugten, das der mittlerweile verschwundene Schnee zu einer verfilzten Fl�che zusammengedr�ckt hatte. Hier gab es haupts�chlich Zwerglorbeer, der sein breites dunkles Blattwerk w�hrend des Winters beibehielt, aber die �ste der sich zwischen ihnen erhebenden Tupelob�ume schm�ckten nur ein paar kleine, helle Bl�tter. Der braune Hengst scharrte mit einer Ungeduld mit seinem Huf, die Perrin teilte, auch wenn er sich nichts davon anmerken lie�. Die Sonne stand fast genau �ber ihm; er wartete jetzt fast eine Stunde. Ein b�iger Wind wehte aus dem Westen �ber die Wiese auf ihn zu. Das war gut.</p><p>Gelegentlich streichelte er mit dem Panzerhandschuh �ber einen beinahe geraden Eichenast, dicker als sein Unterarm und mehr als doppelt so lang, der quer vor ihm �ber dem Sattel lag. Bis zur Mitte hatte er ihn auf zwei Seiten flach und glatt geschliffen. Die Wiese, die von wuchtigen Eichen und Zwerglorbeer, hohen Kiefern und kleineren Tupelos umringt wurde, ma� weniger als sechshundert Schritte im Durchmesser, war aber l�nger. Der Ast m�sste breit genug sein. Er hatte f�r jede M�glichkeit geplant, die er sich vorstellen konnte. Der Ast war f�r mehr als eine zu gebrauchen.</p><p>�Meine Lady, Ihr solltet ins Lager zur�ckkehren�, sagte Gallenne nicht zum ersten Mal und rieb sich gereizt die rote Augenklappe. Der mit einem roten Federnbusch versehene Helm hing am Sattelknauf und lie� sein schulterlanges graues Haar unbedeckt. Man hatte ihn sagen geh�rt, in Berelains Anwesenheit, dass er die meisten grauen Haare ihr zu verdanken hatte. Sein schwarzes Schlachtross versuchte Traber zu bei�en, und er z�gelte den Wallach mit der breiten Brust hart, ohne seine Aufmerksamkeit von Berelain abzuwenden. Er hatte sich von Anfang an gegen ihr Kommen ausgesprochen. �Grady kann Euch zur�ckbringen und zur�ckkommen, w�hrend der Rest von uns noch eine Weile wartet, ob die Seanchaner auftauchen oder nicht.�</p><p>�Ich bleibe, Hauptmann. Ich <emphasis>bleibe.�</emphasis> Berelains Tonfall war energisch und ruhig, doch unter ihrem gew�hnlichen Duft von Geduld lag ein Hauch von Sorge. Sie war nicht so sicher, wie sie tat. Sie hatte sich angew�hnt, ein sanftes Parf�m zu tragen, das nach Blumen duftete. Manchmal ertappte sich Perrin dabei, herausfinden zu wollen, welche Blumen es waren, aber heute war er zu konzentriert, um �ber solche Nebens�chlichkeiten nachzudenken.</p><p>Aus Annouras Geruch stach Verdrossenheit hervor, auch wenn ihr altersloses, von Dutzenden d�nner Z�pfe eingerahmtes Aes Sedai-Gesicht so reglos wie immer war. Andererseits roch die Graue Schwester mit der Hakennase seit ihrem Zerw�rfnis mit Berelain immer verdrossen. Dabei war es ihre eigene Schuld gewesen, Masema hinter Berelains R�cken zu besuchen. Auch sie hatte Berelain geraten zur�ckzubleiben. Annoura lenkte ihre braune Stute st�ckchenweise n�her an die Erste von Mayene heran, und Berelain wich mit ihrer wei�en Stute die gleiche Distanz seitw�rts, ohne auch nur einen Blick f�r ihre Beraterin �brig zu haben. Wieder stach Verdrossenheit hervor.</p><p>Berelains rotes Reitkleid, �bertrieben mit goldenen Schn�rkeln bestickt, stellte mehr Busen zur Schau, als in letzter Zeit �blich gewesen war; immerhin sorgte eine gro�e Kette aus Feuertropfen und Opalen f�r einen gewissen Grad an Schicklichkeit. Um ihre Taille wand sich ein breiter, dazu passender G�rtel, der einen juwelenbesetzten Dolch hielt. Die schmale Krone von Mayene, die auf ihrem schwarzen Haar thronte und einen fliegenden goldenen Falken �ber ihren Brauen hielt, erschien verglichen mit G�rtel und Kette gew�hnlich. Sie war eine wundersch�ne Frau, jetzt erst recht, seit sie aufgeh�rt hatte, ihm hinterherzujagen � so kam es ihm jedenfalls vor-, auch wenn sie an Faile nat�rlich nicht herankam.</p><p>Annoura trug ein schlichtes graues Reitgewand, aber die meisten von ihnen trugen ihre besten Kleider. F�r Perrin bedeutete das ein dunkelgr�ner Seidenmantel mit silbernen Stickereien auf �rmeln und Schultern. Er hielt nicht viel von aufw�ndiger Kleidung � Faile hatte ihn zu dem Kauf der wenigen St�cke dr�ngen m�ssen, die er besa�; nun ja, sie hatte sanft gedr�ngt �, aber heute musste er Eindruck machen. Wenn der breite, schlichte Lederg�rtel �ber dem Mantel den Eindruck etwas verdarb, dann war das eben nicht zu �ndern.</p><p>�Sie muss kommen�, murmelte Arganda. Alliandres Erster Hauptmann, ein kleiner, st�mmiger Mann, hatte seinen silbernen Helm mit den drei kurzen wei�en Federn nicht abgenommen, und er sa� im Sattel und lockerte das Schwert in seiner Scheide, als w�rde er einen Sturmangriff erwarten. Sein Brustharnisch war ebenfalls mit Silber �berzogen. Er w�rde im Sonnenlicht meilenweit zu sehen sein. �Sie muss!�</p><p>�Der Prophet sagt, sie werden es nicht tun�, warf Aram ein, und zwar keineswegs leise, trieb seinen langbeinigen Grauen an Trabers Seite. Der Messingwolfsknauf seines Schwertes ragte �ber der Schulter seines gr�n gestreiften Mantels empor. Einst hatte er scheinbar zu gut f�r einen Mann ausgesehen, aber jetzt wurde sein Gesicht jeden Tag grimmiger. Er machte einen abgezehrten Eindruck, seine Augen wirkten eingesunken und sein Mund verkniffen. �Der Prophet sagt, entweder das oder es ist eine Falle. Er sagt, wir sollten den Seanchanern nicht vertrauen.�</p><p>Perrin schwieg, aber er versp�rte selbst �rger in sich aufsteigen, auf sich selbst und auf den ehemaligen Kesselflicker. Balwer hatte ihn dar�ber informiert, dass Aram Zeit mit Masema verbrachte, aber es war unn�tig erschienen, dem Mann zu sagen, Masema nicht alles wissen zu lassen, was Perrin tat. Man konnte kein Ei zur�ck in die Schale packen, aber in Zukunft w�rde er schlauer sein. Ein Handwerker sollte sein Werkzeug kennen und es nicht so benutzen, dass es zerbrach. Das Gleiche galt f�r Menschen. Was Masema anging, zweifellos bef�rchtete er, dass sie jemanden treffen w�rden, der wusste, dass sich der Prophet selbst mit den Seanchanern abgab.</p><p>Sie stellten eine gro�e Gruppe dar, auch wenn die meisten hier zwischen den B�umen bleiben w�rden. F�nfzig von Berelains Gefl�gelten Wachen in ihren roten Helmen und roten Brustharnischen, an deren mit Stahlspitzen versehenen Lanzen rote Wimpel flatterten, sa�en hinter dem Goldenen Falken auf blauem Grund von Mayene zu Pferd. Neben ihnen sa�en f�nfzig Ghealdaner mit polierten Brustharnischen und dunkelgr�nen konischen Helmen hinter Ghealdans drei silbernen Sternen auf rotem Grund. Die Wimpel an ihren Lanzen waren gr�n. Sie machten einen mutigen Eindruck, und doch waren sie alle zusammen nicht einmal ann�hernd so t�dlich wie Jur Grady mit seinem von den Elementen verwittertem Bauerngesicht, selbst wenn sie ihn in seinem einfachen schwarzen Mantel mit dem angesteckten silbernen Schwert am hohen Kragen schlicht aussehen lie�en. Er wusste es, egal ob sie es taten oder nicht, und er stand mit der Gelassenheit eines Mannes neben seinem braunen Wallach, der sich vor seinem Tagwerk ausruhte.</p><p>Im Gegensatz dazu h�pften Leof Torfinn und Tod al�Caar, die einzigen anderen M�nner von den Zwei Fl�ssen, trotz der langen Wartezeit beinahe auf den S�tteln auf und ab vor Aufregung. Vielleicht h�tte es ihr Vergn�gen etwas ged�mpft, wenn sie gewusst h�tten, dass sie gr��tenteils deswegen ausgesucht worden waren, weil sie noch mit am besten in die geliehenen M�ntel aus dunkler, fein gewebter gr�ner Wolle hineinpassten. Leof hielt Perrins Rotes Wolfskopfbanner, Tod den Roten Adler von Manetheren; beide flatterten an St�ben, die etwas l�nger als die Lanzen waren. Sie hatten sich beinahe darum gepr�gelt, wer welches tragen durfte. Perrin hoffte, dass sie es getan hatten, weil keiner den Wolfskopf tragen wollte. Leof schaute durchaus gl�cklich aus. Tod sah ekstatisch aus. Nat�rlich hatte er nicht die geringste Ahnung, warum Perrin das Ding mitgenommen hatte. Aber bei jedem Handel musste man den anderen Burschen Glauben machen, dass er einen Vorteil errang und etwas bekam, wie Mats Vater oft gesagt hatte. Farben wirbelten in Perrins Kopf, und einen kurzen Augenblick lang glaubte er Mat zu sehen, der mit einer kleinen dunkelh�utigen Frau sprach. Er sch�ttelte das Bild ab. Hier und jetzt, heute, das war alles, was z�hlte. Faile war alles, was z�hlte.</p><p>�Sie werden kommen�, fauchte Arganda Aram als Antwort zu, obwohl er durch die drei Stangen seines Helmes blickte, als erwartete er eine Herausforderung.</p><p>�Und wenn doch nicht?�, wollte Gallenne wissen. Sein eines Auge blickte genauso wild wie Argandas beide. Sein rot lackierter Harnisch war nicht viel besser als Argandas silberner. So gut wie unm�glich, sie dazu zu �berreden, sie in einem matten Farbton zu lackieren. �Was, wenn es eine Falle ist?� Arganda knurrte nur, es klang fast wie das kehlige Knurren eines Wolfes. Der Mann war am Ende seiner Geduld.</p><p>Der Wind trug den Geruch von Pferden nur Augenblicke fr�her heran, bevor Perrins Ohren das erste Trillern der Blaumeisen vernahmen, viel zu weit entfernt, dass es einer der anderen h�ren konnte. Sie kamen von den B�umen, die die Wiese flankierten. Zahlenm��ig starke Gruppen von M�nnern, m�glicherweise mit unfreundlichen Absichten, betraten den Wald. Weiteres Trillern ert�nte, diesmal n�her.</p><p>�Sie sind hier�, sagte er, was ihm Blicke von Arganda und Gallenne einbrachte. Er versuchte zu vermeiden, die Sch�rfe seines Geh�rs oder seines Geruchsinns zu enth�llen, aber die beiden waren nahe dran gewesen, sich zu schlagen. Das weitergereichte Trillern kam n�her, und jeder konnte es jetzt h�ren. Die Blicke der beiden M�nner wurden seltsam.</p><p>�Falls die M�glichkeit einer Falle besteht, darf ich die Erste keinem Risiko aussetzen�, sagte Gallenne, setzte den Helm auf und schnallte ihn fest. Sie alle wussten, was das Signal zu bedeuten hatte.</p><p>�Diese Entscheidung treffe ich, Hauptmann�, erwiderte Berelain, bevor Perrin den Mund aufmachen konnte.</p><p>�Und Eure Sicherheit ist meine Verantwortung, meine Lady.�</p><p>Berelain holte tief Luft, ihre Miene verfinsterte sich, aber Perrin kam ihr zuvor. �Ich habe euch gesagt, wie wir herausbekommen, ob es eine Falle ist oder nicht. Ihr wisst, wie misstrauisch die Seanchaner sind. Vermutlich machen sie sich Sorgen, dass wir sie �berfallen.� Gallenne r�usperte sich laut. Die Geduld in Berelains Geruch flackerte, dann war sie wieder felsenfest.</p><p>�Ihr solltet ihm zuh�ren, Hauptmann�, sagte sie mit einem an Perrin gerichteten L�cheln. �Er wei�, was er tut.�</p><p>Am anderen Ende der Wiese erschien eine Gruppe Reiter und z�gelte die Pferde. Tallanvor war leicht auszumachen. In einem dunklen Mantel und auf einem gescheckten Grauen war er der einzige Mann, der keine R�stung mit kr�ftigen roten und gelben und blauen Streifen trug. Die einzigen anderen beiden ohne R�stung waren Frauen, eine in Blau mit Rot auf R�cken und Brust, die andere in Grau. Die Sonne spiegelte sich auf etwas, das die beiden miteinander verband. Aha. Eine <emphasis>Sul�dam</emphasis> und eine <emphasis>Damane.</emphasis> Davon war bei den Verhandlungen, die �ber Tallanvor erfolgt waren, keine Rede gewesen, aber Perrin hatte damit gerechnet.</p><p>�Es ist Zeit�, sagte er und nahm Trabers Z�gel in eine Hand. �Bevor sie entscheidet, dass wir nicht kommen.�</p><p>Annoura schaffte es, nahe genug heranzukommen, um Berelain eine Hand auf den Arm zu legen, bevor sie ihre Stute forttreiben konnte. �Ihr solltet mich mitkommen lassen, Berelain. Ihr k�nntet meinen Rat brauchen, stimmt�s? Diese Art von Verhandlung ist meine Spezialit�t.�</p><p>�Ich vermute, dass die Seanchaner mittlerweile das Gesicht einer Aes Sedai erkennen k�nnen, glaubt Ihr nicht, Annoura? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sie mit Euch verhandeln w�rden. Au�erdem�, f�gte Berelain in zuckers��em Tonfall hinzu, �m�sst Ihr hier bleiben, um Meister Grady zu helfen.�</p><p>Einen Augenblick lang traten rote Flecken auf den Wangen der Aes Sedai zum Vorschein, und ihr breiter Mund wurde ganz schmal. Die Weisen Frauen waren n�tig gewesen, um sie dazu zu bewegen, heute von Grady Befehle entgegenzunehmen; allerdings war Perrin froh, dass er nicht wusste, wie sie das geschafft hatten, und sie hatte seit ihrem Aufbruch im Lager versucht, sich da wieder herauszuwinden.</p><p>�Ihr bleibt auch hier�, sagte Perrin, als Aram losreiten wollte. �Ihr seid in letzter Zeit zu hitzk�pfig, und ich werde nicht riskieren, dass Ihr dort drau�en einen Fehler macht. Ich werde Faile nicht diesem Risiko aussetzen.� Das stimmte. Und er konnte sich die Bemerkung sparen, dass er es nicht riskieren wollte, dass der Mann alles, was dort drau�en gesagt wurde, an Masema weitergab. �Habt Ihr verstanden?�</p><p>Entt�uschung f�llte Arams Geruch, aber er nickte, wenn auch z�gernd, und legte die H�nde auf den Sattelknauf. Er mochte nahe dran sein, Masema anzubeten, aber er w�rde eher hundert Mal sein Leben geben, als Failes zu riskieren. Jedenfalls absichtlich. Was er tat, ohne nachzudenken, war eine andere Sache.</p><p>Perrin ritt aus den B�umen heraus, auf der einen Seite flankiert von Arganda und auf der anderen von Berelain und Gallenne. Die Bannertr�ger folgten dahinter, dann zehn Mayener und zehn Ghealdaner in einer Zweierreihe. Als sie ihre Pferde im Schritttempo vorw�rts f�hrten, setzten sich die Seanchaner ebenfalls in einer Reihe in Bewegung. Tallanvor ritt an der Seite der Anf�hrer; einer sa� auf einem Rotschimmel, der andere auf einem Braunen. Die Hufe machten auf der dicken Schicht aus totem Gras keine Ger�usche. In den Wald war Stille eingekehrt, selbst f�r Perrins Ohren.</p><p>W�hrend die Mayener und Ghealdaner zu einer Reihe ausschw�rmten und die meisten der Seanchaner in ihren hell bemalten R�stungen das Gleiche taten, hielten Perrin und Berelain auf Tallanvor und zwei der gepanzerten Seanchaner zu, von denen der eine drei schmale blaue Federn auf dem lackierten Helm trug, der so sehr an einen Insektenkopf erinnerte, und der andere zwei. Die <emphasis>Sul�dam</emphasis> und ihre <emphasis>Damane</emphasis> kamen auch. Sie trafen sich auf der Mitte der Lichtung, umgeben von Wildblumen und Stille, mit sechs Schritten Abstand zwischen sich.</p><p>Als Tallanvor sich zwischen den beiden Gruppen positionierte, nahmen die Seanchaner mit den auf den Handr�cken mit Stahl verst�rkten Panzerhandschuhen, die wie der Rest ihrer R�stung gestreift waren, die Helme ab. Der Helm mit den beiden Federn enth�llte einen blonden Mann mit einem halben Dutzend Narben in dem kantigen Gesicht. Er war ein hartgesottener Mann, der seltsamerweise nach Heiterkeit roch, aber es war die andere Person, die Perrin interessierte. Die Reiterin auf dem Braunen, einem ausgebildeten Schlachtross, wenn er je eines gesehen hatte, war gro� und breitschultrig f�r eine Frau, und sie war nicht jung. Die Schl�fen ihres kurz geschnittenen, schwarz gelockten Haares waren grau. Mit einer Hautfarbe so schwarz wie guter Mutterboden wies sie nur zwei Narben auf, von denen eine quer �ber ihre linke Wange f�hrte. Die andere auf der Stirn hatte einen Teil ihrer rechten Augenbraue zerst�rt. Einige Leute hielten Narben f�r ein Zeichen von H�rte. Perrin war der Meinung, dass weniger Narben bedeuteten, dass man wusste, was man tat. Sie roch nach Selbstvertrauen.</p><p>Ihr Blick glitt �ber die flatternden Banner. Perrin glaubte, dass er kurz auf dem Roten Adler von Manetheren verharrte, und dann wieder auf dem Goldenen Falken von Mayene, aber dann konzentrierte er sich auf ihn. Ihr Gesichtsausdruck verriet nichts, aber als sie seine gelben Augen bemerkte, trat etwas Unidentifizierbares in ihren Geruch, etwas Scharfes und Hartes. Als sie den schweren Schmiedehammer in seiner G�rtelschlaufe sah, nahm der seltsame Geruch noch zu.</p><p>�Ich stelle euch Perrin t�Bashere Aybara vor, Lord der Zwei Fl�sse, Lehnsherr von K�nigin Alliandre von Ghealdan�, verk�ndete Tallanvor und deutete mit der Hand auf Perrin. Er hatte behauptet, dass die Seanchaner es mit F�rmlichkeiten sehr genau nahmen, aber Perrin hatte keine Ahnung, ob das seanchanisches Zeremoniell war oder etwas aus Andor. Soweit es ihn betraf, h�tte Tallanvor auch alles einfach erfinden k�nnen. �Ich stelle euch Berelain sur Paendrag Paeron vor, Erste von Mayene, Gesegnete des Lichts, Verteidigerin der Wellen, Hohe Herrin von Haus Paeron.� Mit einer Verbeugung in ihre Richtung wechselte er die Z�gel in die andere Hand und deutete auf die Seanchaner. �Ich stelle euch Bannergeneralin Tylee Khirgan des Immer Siegreichen Heeres vor, in Diensten der Kaiserin von Seanchan. Ich stelle euch Hauptmann Bakayar Mishima des Immer Siegreichen Heeres vor, in Diensten der Kaiserin von Seanchan.� Noch eine Verbeugung, dann drehte Tallanvor seinen Grauen, um zu den Bannern zu reiten. Sein Gesicht war so grimmig wie das von Aram, aber er roch nach Hoffnung.</p><p>�Ich bin froh, dass er Euch nicht Wolfsk�nig genannt hat, mein Lord�, sagte die Bannergeneralin mit einem schweren Akzent. So wie sie die Worte zerdehnte, musste Perrin genau zuh�ren, um ihre Worte verstehen zu k�nnen. �Sonst w�rde ich glauben, dass Tarmon Gai�don �ber uns gekommen ist. Ihr kennt die Prophezeiungen des Drachen? �Wenn der Wolfsk�nig den Hammer tr�gt, sind die letzten Tage gekommen. Wenn der Fuchs den Raben heiratet und die Schlachtfanfaren ert�nen.� Ich pers�nlich habe die zweite Zeile noch nie verstanden. Und Ihr, meine Lady. Sur Paendrag. Das bedeutet doch von Paendrag?�</p><p>�Meine Familie stammt von Artur Paendrag Tanreall ab�, erwiderte Berelain mit hoch erhobenem Kopf. Eine B�e trug einen Hauch von Stolz inmitten der Geduld und des Parf�ms heran. Sie hatten sich darauf verst�ndigt, dass Perrin allein das Sprechen �bernahm � sie war da, um die Seanchaner als sch�ne junge Herrscherin zu blenden, oder zumindest Perrin damit mehr Gewicht zu verleihen �, aber auf eine direkte Frage musste sie wohl antworten, da konnte man nichts machen.</p><p>Tylee nickte, als w�re das genau die Antwort, die sie erwartet hatte. �Das macht Euch zu einer entfernten Kusine der Kaiserlichen Familie, meine Lady. Zweifellos wird Euch die Kaiserin, m�ge sie ewig leben, ehren. Jedenfalls solange Ihr keinen Anspruch auf Falkenfl�gels Kaiserreich anmeldet.�</p><p>�Ich beanspruche allein Mayene�, sagte Berelain stolz.</p><p>�Und das werde ich mit meinem letzten Atemzug verteidigen.�</p><p>�Ich bin nicht hergekommen, um �ber die Prophezeiungen oder Falkenfl�gel oder eure Kaiserin zu sprechen�, sagte Perrin gereizt. Zum zweiten Mal in wenigen Augenblicken versuchten diese Farben in seinem Kopf zu verschmelzen, nur um auseinander getrieben zu werden. Er hatte keine Zeit daf�r. Der Wolfsk�nig? Springer h�tte das zum Lachen gereizt, soweit ein Wolf dar�ber h�tte lachen k�nnen. Jeder Wolf h�tte das. Trotzdem versp�rte er ein Fr�steln. Ihm war nicht klar gewesen, dass er in den Prophezeiungen erw�hnt wurde. Und sein Hammer war ein Vorbote der Letzten Schlacht? Aber nichts davon spielte eine Rolle. Nur Faile. Und was auch immer n�tig war, um sie zu befreien. �Die Vereinbarung f�r dieses Treffen besagte nicht mehr als drei�ig Mann in jeder Gruppe, aber ihr habt zu beiden Seiten M�nner im Wald. Viele M�nner.�</p><p>�Genau wie Ihr�, sagte Mishima mit einem Grinsen, das von der wei�en Narbe verzerrt wurde, die bis zu seinem Mundwinkel reichte. �Sonst w�sstet Ihr nichts von unseren.� Sein Akzent war noch schlimmer.</p><p>Perrin hielt den Blick auf die Bannergeneralin gerichtet.</p><p>�Solange beide bleiben, kann es zu Zwischenf�llen kommen. Ich will keine Zwischenf�lle. Ich will meine Frau von den Shaido zur�ck.�</p><p>�Und was schlagt Ihr vor, wie sollen wir Zwischenf�lle vermeiden?�, sagte Mishima und zupfte gem�chlich an seinen Z�geln herum. Er klang, als sei diese Frage nicht dringend. Anscheinend war Tylee damit zufrieden, ihm das Reden zu �berlassen, w�hrend sie Perrins Reaktionen beobachtete. �Sollen wir Euch trauen und unsere M�nner als Erste rauskommen lassen, oder vertraut Ihr uns, wenn wir Euch bitten, dass Ihr Euch zuerst zur�ckzieht? �Ganz oben sind die Wege mit Dolchen gepflasterte Da bleibt nicht viel Platz f�r Vertrauen. Sicher, wir k�nnten unseren M�nnern beide gleichzeitig den Befehl zum R�ckzug geben, aber eine Seite k�nnte betr�gen.�</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. �Ihr werdet mir vertrauen m�ssen, Bannergeneralin. Ich habe keinen Grund, Euch anzugreifen oder gefangen nehmen zu wollen, aber jeden Grund, es nicht zu tun. Bei Euch kann ich mir da nicht so sicher sein. Ihr k�nntet glauben, dass die Gefangennahme der Ersten von Mayene schon einen kleinen Verrat wert ist.�</p><p>Berelain lachte leise. Es war Zeit f�r den Ast. Nicht um die Seanchaner als Erste aus dem Wald zu zwingen, sondern um sie davon zu �berzeugen, dass sie brauchten, was er anzubieten hatte. Er stellte den Ast auf dem Sattel aufrecht vor sich hin.</p><p>�Ich gehe davon aus, dass Eure M�nner vermutlich gute Soldaten sind. Meine M�nner sind keine Soldaten, auch wenn sie gegen Trollocs und Shaido gek�mpft und sich gegen beide gut bew�hrt haben.� Er fasste den Ast unten an der Basis und hielt ihn hoch �ber den Kopf, die gesch�lten Seiten oben und in beide Seiten gerichtet. �Aber sie sind es gewohnt, L�wen und Leoparden und Bergkatzen zu jagen, die aus den Bergen kommen, um unsere Herden zu jagen, genau wie Wildeber und B�ren, Tiere die sich wehren, in W�ldern, die sich nicht sehr von denen hier unterscheiden.�</p><p>Der Ast wollte aus dem Griff seines Panzerhandschuhs ausbrechen, als zwei von der Spanne eines Herzschlages getrennte Einschl�ge seinen Arm erzittern lie�en. Er senkte den Ast, um zwei Pfeile zu pr�sentieren; ihre dreieckigen Spitzen hatten das harte Holz auf beiden Seiten durchschlagen. Dreihundert Schritte waren eine lange Distanz f�r so ein Ziel, aber er hatte Jondyn Barran und Jori Congar als Sch�tzen ausgesucht. Sie waren die besten, die er hatte.</p><p>�Sollte es soweit kommen, werden Eure M�nner nicht einmal sehen, was sie t�tet, und diese R�stungen werden gegen einen Langbogen von den zwei Fl�ssen nicht viel ausrichten. Ich hoffe, es wird nicht dazu kommen.� Er schleuderte den Ast mit seiner ganzen Kraft in die Luft.</p><p>�Bei meinen Augen!�, knurrte Mishima, seine Hand griff nach dem Schwert, w�hrend er zugleich versuchte, den Braunen zur�ckzutreiben und Perrin und den Ast im Auge zu behalten. Sein Helm fiel vom Sattel ins Gras.</p><p>Die Bannergeneralin machte keine Anstalten, nach dem Schwert zu greifen, allerdings versuchte auch sie, Perrin und den Ast zu beobachten. Jedenfalls im ersten Augenblick. Dann folgte ihr Blick allein dem Ast, der immer h�her stieg, bis er genau zwischen ihnen hundert Fu� in der Luft hing. Pl�tzlich h�llte ihn ein Feuerball ein, der so intensiv war, dass Perrin die Hitze wie aus einem offenen Schmiedeofen f�hlen konnte. Berelain hob eine Hand, um ihr Gesicht zu beschatten. Tylee sah nur nachdenklich zu.</p><p>Das Feuer brannte nur wenige Augenblicke lang, aber das reichte aus, um nur Asche �brig zu lassen, die der Wind mit sich nahm, als es verlosch. Asche und zwei herabst�rzende K�rnchen, die ins trockene Gras fielen. Sofort sch�ssen kleine Flammen in die H�he und breiteten sich aus. Selbst die Schlachtr�sser schnaubten vor Angst. Berelains Stute t�nzelte bei dem Versuch, gegen ihre Z�gel zu k�mpfen und zu fliehen.</p><p>Perrin murmelte einen Fluch � er h�tte an die Pfeilspitzen denken m�ssen �, und machte Anstalten abzusteigen, um das Feuer auszutreten, aber bevor er das Bein �ber den Sattel schwingen konnte, verschwanden die Flammen und hinterlie�en nur d�nne Rauchw�lkchen, die aus einem Fleck geschw�rzten Grases aufstiegen.</p><p>�Brave Norie�, murmelte die <emphasis>Sul�dam</emphasis> und t�tschelte die <emphasis>Damane.</emphasis> �Norie ist eine wunderbare <emphasis>Damane.�</emphasis> Das Lob lie� die grau gekleidete Frau sch�chtern l�cheln. Die <emphasis>Sul�dam</emphasis> sah trotz ihrer Worte besorgt aus.</p><p>�So�, sagte Tylee, �Ihr habt also eine <emphasis>Marath�</emphasis>� Sie hielt inne, sch�rzte die Lippen. �Ihr habt eine Aes Sedai bei euch. Mehr als eine? Egal. Ich kann nicht behaupten, dass mich die Aes Sedai, die ich gesehen habe, sehr beeindruckt h�tten.�</p><p>�Keine <emphasis>Marath�damane,</emphasis> meine Generalin�, sagte die <emphasis>Sul�dam</emphasis> leise.</p><p>Tylee sa� ganz still da, musterte Perrin intensiv. �Asha�man�, sagte sie schlie�lich, und es war keine Frage. �Ihr fangt an, mich zu interessieren, mein Lord.�</p><p>�Dann wird Euch vielleicht eine letzte Sache �berzeugen�, sagte Perrin. �Tod, rollt das Banner auf und bringt es mir.� Er h�rte nichts hinter sich und schaute �ber die Schulter. Tod starrte ihn gequ�lt an. �Tod.�</p><p>Tod sch�ttelte sich und fing an, den Roten Adler um den Stab zu wickeln. Er sah aber noch immer ungl�cklich aus, als er nach vorn ritt und ihn Perrin �bergab. Er blieb dort mit ausgestreckter Hand stehen, wie in der Hoffnung, dass ihm der Stab zur�ckgegeben wurde.</p><p>Perrin lenkte Traber mit den Fersen zu den Seanchanern und hielt das Banner parallel zum Boden vor sich in der Faust. �Die Zwei Fl�sse waren das Herz von Manetheren, Bannergeneralin. Der letzte K�nig von Manetheren starb in einer Schlacht, die genau dort stattfand, wo Emondsfelde, das Dorf, in dem ich zur Welt kam, gegr�ndet wurde. Manetheren liegt uns im Blut. Aber die Shaido haben meine Frau gefangen. Um sie zu befreien, gebe ich jeden Anspruch auf, Manetheren wieder aufleben zu lassen, darauf gebe ich jeden Schwur, den Ihr wollt. Dieser Anspruch w�re f�r Euch Seanchaner ein Dornenfeld. Ihr k�nntet diejenige sein, die dieses Feld r�umt, ohne daf�r einen Tropfen Blut vergie�en zu m�ssen.� Hinter ihm st�hnte jemand elend. Vermutlich war das Tod.</p><p>Pl�tzlich kam ein Wind, der genau in die andere Richtung heulte und Sand auf sie prasseln lie�; er blies so hart, dass sich Perrin am Sattel festklammern musste, um nicht vom Pferd gerissen zu werden. Sein Mantel schien kurz davor zu stehen, ihm vom Leib gefetzt zu werden. Wo war der Sand hergekommen? Der Wald war zentimetertief mit toten Bl�ttern bedeckt. Der Sturmwind stank auch nach verbranntem Schwefel, scharf genug, um in Perrins Nase zu brennen. Die Pferde warfen die K�pfe nach hinten, die M�uler aufgerissen, aber das Brausen des Windes begrub ihr ver�ngstigtes Wiehern unter sich.</p><p>Der entfesselte Wind hielt nur Augenblicke an, dann h�rte er so pl�tzlich auf, wie er gekommen war. �brig blieb nur die Brise, die in die andere Richtung blies. Die Pferde standen zitternd da, schnaubten und warfen die K�pfe zur�ck, rollten mit den Augen. Perrin t�tschelte Trabers Hals und gab beruhigende Laute von sich, aber das nutzte nicht viel.</p><p>Die Bannergeneralin schlug ein seltsames Zeichen und murmelte: �Wehrt den Schatten ab. Wo beim Licht kam das denn her? Ich habe Geschichten �ber seltsame Dinge geh�rt. Oder war das weitere ��berzeugungsarbeit� von Eurer Seite, mein Lord?�</p><p>�Nein�, sagte Perrin wahrheitsgem��. Wie sich herausgestellt hatte, verf�gte Neald �ber Fertigkeiten mit dem Wetter, aber Grady nicht. �Ist das wichtig, wo es herkam?�</p><p>Tylee sah ihn nachdenklich an, dann nickte sie. �Ob das eine Rolle spielt?�, sagte sie und klang nicht unbedingt so, als w�rde sie mit ihm einer Meinung sein. �Wir kennen Geschichten �ber Manetheren. Es <emphasis>w�ren</emphasis> Dornen auf dem Boden und keine Stiefel zu haben. Halb Amadicia schwirrt von Ger�chten �ber Euch und dieses Banner, Manetheren zu neuem Leben zu erwecken und Amadicia vor uns zu �retten�. Mishima, lasst zum R�ckzug blasen.� Ohne zu z�gern hob der blonde Mann ein kleines, gerades Horn, das an einer roten Schnur von seinem Hals hing. Er blies vier schrille T�ne und wiederholte die Sequenz zweimal, bevor er das Horn loslie� und es gegen seine Brust baumelte.</p><p>�Mein Teil ist getan�, sagte Tylee.</p><p>Perrin wandte den Kopf und rief so laut und deutlich, wie er konnte. �Dannil! Teil! Wenn die letzten Seanchaner das Ende der Wiese passiert haben, sammelt euch alle und begebt euch zu Grady!�</p><p>Die Bannergeneralin steckte den kleinen Finger ins Ohr und bohrte damit trotz des Panzerhandschuhs herum. �Ihr habt eine starke Stimme�, sagte sie trocken. Erst dann griff sie nach dem Bannerstab und legte ihn sorgf�ltig vor sich auf den Sattel. Sie sah ihn nicht mehr an, strich aber mit einer Hand �ber das Banner, vielleicht unbewusst. �Nun, was k�nnt Ihr tun, um meinem Plan zu f�rdern, mein Lord?� Mishima hakte einen Fu� hinter den hohen Knauf seines Sattels und beugte sich nach unten, um seinen Helm aufzuheben. Der Wind hatte ihn �ber das niedergedr�ckte Gras den halben Weg bis zur Reihe der seanchanischen Soldaten rollen lassen. Aus Richtung der B�ume ert�nte kurzer Lerchengesang, dann noch mehrmals. Die Seanchaner zogen sich zur�ck. Hatten sie den Wind auch zu sp�ren bekommen? Egal, es spielte keine Rolle.</p><p>�Wir haben nicht einmal ann�hrend so viele M�nner, wie Euch bereits zur Verf�gung stehen�, gab Perrin zu, �jedenfalls keine ausgebildeten Soldaten, aber ich habe Asha�man und Aes Sedai und Weise Frauen, die die Macht lenken k�nnen, und Ihr werdet jede Einzelne davon brauchen.� Sie �ffnete den Mund, und er hob eine Hand. �Ich will Euer Wort, dass Ihr nicht versucht, ihnen den Kragen umzulegen.� Er warf einen bezeichnenden Blick in Richtung der <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane.</emphasis> Die <emphasis>Sul�dam</emphasis> betrachtete Tylee und wartete auf Befehle, gleichzeitig streichelte sie ruhig das Haar der anderen Frau, so wie man eine Katze streichelte, um sie zu beruhigen. Und Norie schien kurz davor zu stehen zu schnurren! Beim Licht! �Euer Wort, dass sie vor Euch sicher sind, sie und jeder im Lager, der ein wei�es Gewand tr�gt. Die meisten von ihnen sind ohnehin keine Shaido, und die einzigen Aiel darunter, die ich kenne, sind Freunde von mir.�</p><p>Tylee sch�ttelte den Kopf. �Ihr habt seltsame Freunde, mein Lord. Wie dem auch sei, wir haben Menschen aus Cairhien und Amadicia bei Banden aus Shaido gefunden und sie gehen lassen, auch wenn die meisten Cairhiener den Eindruck erweckten, zu verwirrt zu sein, um zu wissen, was sie mit sich anstellen sollten. Die Einzigen in Wei�, die wir behalten, sind Aiel. Diese <emphasis>Gai�schain</emphasis> geben wunderbare <emphasis>Da�covale</emphasis> ab, im Gegensatz zu dem Rest. Aber ich bin einverstanden, Eure Freunde gehen zu lassen. Und Eure Aes Sedai und Asha�man. Es ist sehr wichtig, diesem Zulauf ein Ende zu bereiten. Sagt mir, wo sie sind, und ich weihe Euch in meine Pl�ne ein.�</p><p>Perrin rieb sich mit dem Finger den Nasenfl�gel. Es erschien unwahrscheinlich, dass viele dieser <emphasis>Gai�schain</emphasis> Shaido waren, aber das w�rde er ihr nicht sagen. Sollten sie ihre Chance auf die Freiheit haben, wenn ihr Jahr und ein Tag vorbei waren. �Ich f�rchte, es wird mein Plan sein m�ssen. Sevanna wird eine harte Nuss zu knacken sein, aber ich wei�, wie man es machen muss. Zum einen hat sie vielleicht hunderttausend Shaido bei sich, und sie nimmt noch immer mehr auf. Nicht jeder ist ein <emphasis>Algai�d�siszvai,</emphasis> aber jeder Erwachsene wird den Speer ergreifen, wenn er muss.�</p><p>�Sevanna.� Tylee l�chelte erfreut. �Wir haben diesen Namen geh�rt. Ich w�rde Sevanna von den Jumai Shaido nur zu gern dem Generalhauptmann �bergeben.� Das L�cheln verblasste. �Hunderttausend sind mehr, als ich erwartet habe, aber nicht mehr, als ich schaffen kann. Wir haben schon gegen die Aiel gek�mpft, in Amadicia. Nicht wahr, Mishima?�</p><p>Mishima ritt zu ihnen zur�ck und lachte, aber es war ein raues Lachen, ohne jeden Funken von Heiterkeit. �Das haben wir, Bannergeneralin. Es sind wilde K�mpfer, diszipliniert und einfallsreich, aber sie sind in den Griff zu bekommen. Man kreiste eine ihre Banden, ihre Septimen, mit drei oder vier <emphasis>Damane</emphasis> ein und schl�gt drauf, bis sie aufgeben. Eine h�ssliche Arbeit. Sie haben ihre Familien dabei. Aber darum geben sie schneller auf.�</p><p>�Ihr habt etwa ein Dutzend <emphasis>Damane,</emphasis> glaube ich�, sagte Perrin, �aber reicht das, um sich drei- oder vierhundert Weisen Frauen zu stellen?�</p><p>Die Bannergeneralin runzelte die Stirn. �Ihr habt das schon einmal erw�hnt � Weise Frauen, die die Macht lenken. Jede Bande, die wir gefangen haben, hatte ihre Weisen Frauen, aber nicht eine von ihnen war eine Machtlenkerin.�</p><p>�Das liegt daran, dass alle, �ber die die Shaido verf�gen, bei Sevanna sind�, erwiderte Perrin. �Mindestens dreihundert von ihnen, vielleicht auch vierhundert. Die Weisen Frauen in meiner Gruppe sind davon �berzeugt.�</p><p>Tylee und Mishima wechselten einen Blick, und die Bannergeneralin seufzte. Mishima schaute finster drein. �Nun�, sagte sie, �Befehl oder nicht, damit kann man vergessen, das hier ohne Aufsehen zu Ende zu bringen. Die Tochter der Neun Monde wird aufgebracht sein, wenn ich mich deswegen bei der Kaiserin entschuldigen muss, m�ge sie ewig leben. Vermutlich werde ich das tun m�ssen.� Die Tochter der Neun Monde? Anscheinend eine hochrangige Seanchanerin. Aber warum sollte sie wegen dieser Sache hier aufgebracht sein?</p><p>Mishima verzog das Gesicht, bei all den Narben, die sein Gesicht durchzogen, war das ein furchterregender Anblick.</p><p>�Ich habe gelesen, dass es bei Semalaren auf jeder Seite vierhundert <emphasis>Damane</emphasis> gab, und das war ein Gemetzel. Die H�lfte der kaiserlichen Armee auf dem Schlachtfeld tot und bei den Rebellen drei von vieren.�</p><p>�Trotzdem, Mishima, wir m�ssen es tun. Das hei�t, jemand anders. Ihr k�nnt einer Entschuldigung vielleicht entgehen, aber ich nicht.� Was beim Licht war an einer Entschuldigung so schlimm? Die Frau roch� resigniert. �Ungl�cklicherweise wird es Wochen wenn nicht Monate in Anspruch nehmen, gen�gend Soldaten und <emphasis>Damane</emphasis> zusammenzuziehen, um diese Beule aufzustechen. Ich danke Euch f�r Euer Hilfsangebot, mein Lord. Man wird sich daran erinnern.� Tylee streckte das Banner aus. �Ihr werdet das hier zur�ckhaben wollen, da ich meinen Teil der Vereinbarung nicht einhalten kann, aber hier ist ein Rat f�r Euch. Das Immer Siegreiche Heer mag noch andere Aufgaben zu erledigen haben, aber wir werden nicht zulassen, dass sich jemand die Situation zunutze macht und zum K�nig ausruft. Wir wollen dieses Land wieder in unseren Besitz nehmen, nicht es in kleine St�cke aufteilen.�</p><p>�Und wir wollen unser Land behalten�, sagte Berelain wild und lie� ihre Stute die paar Schritte toten Grases zwischen ihr und den Seanchanern mit einem Satz �berwinden. Die Stute wollte springen, wollte laufen, nur fort von dem Wind, und sie hatte M�he, das Tier zu z�geln. Sogar ihr Geruch war wild. Jetzt war da keine Geduld. Sie roch wie eine W�lfin, die ihren verwundeten Gef�hrten verteidigte. �Ich habe geh�rt, dass Euer Immer Siegreiches Heer den falschen Namen tr�gt. Ich habe geh�rt, dass Euch der Wiedergeborene Drache im S�den ordentlich besiegt hat. Glaubt ja nicht, dass Perrin Aybara nicht das Gleiche tun k�nnte.� Beim Licht, und er hatte sich Sorgen wegen Arams Hitzk�pfigkeit gemacht!</p><p>�Ich will niemanden au�er den Shaido besiegen�, sagte Perrin fest und wehrte das Bild ab, das sich in seinem Kopf formen wollte. Er legte die gefalteten H�nde auf den Sattelknauf. Traber schien sich endlich zu beruhigen. Der Hengst zitterte immer noch dann und wann, aber er hatte aufgeh�rt, mit den Augen zu rollen. �Es gibt eine M�glichkeit, das zu tun und kein Aufsehen zu erregen, sodass Ihr Euch nicht zu entschuldigen braucht.� Wenn das f�r sie wichtig war, war er bereit, es zu benutzen. �Die Tochter der Neun Monde kann beruhigt sein. Ich habe Euch gesagt, dass ich alles geplant habe. Tallanvor hat mir erz�hlt, dass Ihr irgendeinen Tee habt, der einer Machtlenkerin weiche Knie macht.�</p><p>Nach einem Moment legte Tylee das Banner wieder auf ihren Sattel und musterte ihn. �Einen Mann oder eine Frau�, sagte sie schlie�lich. �Ich habe von mehreren M�nnern geh�rt, die auf diese Weise gefangen wurden. Aber wie wollt Ihr ihn vierhundert Frauen verabreichen, wenn sie von hunderttausend Aiel umgeben sind?�</p><p>�Indem man ihn ihnen gibt, ohne sie wissen zu lassen, dass sie ihn trinken. Ich werde allerdings so viel brauchen, wie ich kriegen kann. Vermutlich Wagenladungen. Es gibt keine M�glichkeit, das Wasser zu erhitzen, m�sst Ihr wissen, also muss es d�nner Tee sein.�</p><p>Tylee lachte leise. �Ein verwegener Plan, mein Lord. Ich vermute, sie haben Wagenladungen in der Manufaktur, wo der Tee hergestellt wird, aber das ist weit weg von hier, fast an der Grenze zu Tarabon, und ich k�nnte mehr als ein paar Pfund nur dann bekommen, wenn ich jemandem von h�herem Rang erkl�re, warum ich ihn haben will. Und dann h�tte es sich wieder damit erledigt, kein Aufsehen zu erregen.�</p><p>�Die Asha'man k�nnen eine Sache, die man Reisen nennt�, sagte Perrin, �eine Methode, Hunderte von Meilen mit einem Schritt zu �berbr�cken. Und was das angeht, den Tee zu bekommen, vielleicht hilft das hier.� Er zog ein fleckiges St�ck Papier aus dem linken Panzerhandschuh.</p><p>Tylee hob die Brauen, als sie es las. Perrin kannte den kurzen Text auswendig. DER BESITZER DIESES SCHREIBENS STEHT UNTER MEINEM PERS�NLICHEN SCHUTZ. GEBT IHM IM NAMEN DER KAISERIN � M�GE SIE EWIG LEBEN � ALLES, WAS ER BRAUCHT, UM DEM REICH ZU DIENEN, UND SPRECHT ZU NIEMANDEM AUSSER MIR DAR�BER. Er hatte keine Ahnung, wer Suroth Sabelle Meldarath war, aber wenn sie ihren Namen unter so ein Schriftst�ck setzte, musste sie wichtig sein. Vielleicht war sie die Tochter der Neun Monde.</p><p>Die Bannergeneralin reicht Mishima das Blatt und starrte Perrin an. Der scharfe, harte Geruch war wieder da, st�rker als je zuvor. �Aes Sedai, Asha'man, Aiel, Eure Augen, der Hammer, jetzt das! Wer <emphasis>seid</emphasis> Ihr?�</p><p>Mishima stie� einen Pfiff aus. �Suroth h�chstpers�nlich�, murmelte er.</p><p>�Ich bin ein Mann, der seine Frau zur�ckhaben will�, sagte Perrin, �und ich w�rde einen Pakt mit dem Dunklen K�nig abschlie�en, um das zu erreichen.� Er mied den Blick auf die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und ihre <emphasis>Damane.</emphasis> Er war nicht weit davon entfernt, einen Pakt mit dem Dunklen K�nig einzugehen.</p><p>�Sind wir uns einig?�</p><p>Tylee schaute auf seine ausgestreckte Hand, dann ergriff sie sie. Sie hatte einen festen Griff. Ein Pakt mit dem Dunklen K�nig. Er w�rde tun, was immer auch n�tig war, um Faile zu befreien.</p></section><section><title><p>5</p><p>Ein seltsamer Zwischenfall</p></title><p>Das Trommeln des Regens auf dem Zeltdach, das fast die ganze Nacht angedauert hatte, wurde leiser, als Faile sich Sevannas Stuhl n�herte, einem vergoldeten und mit �berm��igen Schnitzereien versehenen Thron in der Mitte der hellen Teppiche, die den Zeltboden bedeckten. Sie hielt den Blick sorgf�ltig gesenkt, um nicht aufzufallen. Der Fr�hling war pl�tzlich �ber sie hereingebrochen, aber die Kohlenpfannen waren nicht entz�ndet, und die Morgenluft hatte einen k�hlen Biss. Mit einem tiefen Knicks pr�sentierte sie das Silbertablett. Die Aiel nahm den goldenen Weinpokal und trank, ohne auch nur einen Blick in ihre Richtung zu werfen, aber sie machte einen weiteren tiefen Knicks, bevor sie r�ckw�rts zur�ckwich und das Tablett auf der blauen, mit Messingb�ndern beschlagenen Truhe absetzte, auf der bereits eine silberne Weinkanne mit hohem Hals und drei weitere Pokale standen, dann kehrte sie zu ihrem Platz bei den elf anderen anwesenden <emphasis>Gai'schain</emphasis> zur�ck, die an der roten Seidenwand des Zeltes zwischen den Spiegelstehlampen standen. Es war ein ger�umiges Zelt, und hoch. Kein niedriges Aiel-Zelt f�r Sevanna.</p><p>Manchmal fiel es schwer, sie �berhaupt als Aiel zu sehen. An diesem Morgen trug sie eine rote Brokatseidenrobe, die fest zugebunden war, sodass sie fast bis zur Taille aufklaffte und die H�lfte ihres �ppigen Busens zur Schau stellte; dabei trug sie so viele Halsketten mit Smaragden und Feuertropfen und Opalen und Reihen von Perlenketten, dass sie beinahe schon wieder ein schickliches Bild bot. Aiel trugen keine Ringe, aber Sevanna hatte mindestens einen edelsteingekr�nten Ring an jedem Finger. Die dicken Goldb�nder und Feuertropfen auf dem zusammengefalteten blauen Seidenschal, der ihr taillenlanges blondes Haar zur�ckhielt, �hnelten einem Diadem oder gar einer Krone. Das entsprach nicht im mindesten den Aiel.</p><p>Faile und die anderen � sechs Frauen und f�nf M�nner � waren in der Nacht geweckt worden, um an Sevannas Bett Aufstellung zu nehmen � zwei aufeinander gelegte Federmatratzen �, f�r den Fall, dass die Frau erwachte und einen Wunsch hatte. Wurde jede Herrscherin auf der Welt im Schlaf von einem Dutzend Dienern umgeben? Sie k�mpfte gegen ein G�hnen an. Viele Dinge w�rden <emphasis>vielleicht</emphasis> eine Bestrafung nach sich ziehen, aber G�hnen auf jeden Fall. <emphasis>Gai'schain</emphasis> sollten dem�tig und eilfertig sein, und es hatte den Anschein, als w�rde das Unterw�rfigkeit bis zum Punkt der Erniedrigung bedeuten. Bain und Chiad, so wild sie auch sonst waren, schien es leicht zu fallen. Faile war da anders. In dem Monat, der vergangen war, seit man sie wegen des Besitzes eines Messers nackt ausgezogen und kunstvoll gefesselt hatte, war sie neunmal wegen l�ppischer Vergehen gepr�gelt worden, die in Sevannas Augen ernst waren. Die letzten Striemen waren noch nicht wieder verblasst, und sie hatte nicht vor, sich durch Sorglosigkeit die n�chsten einzubrocken.</p><p>Sie hoffte, dass Sevanna sie durch die Nacht in der K�lte f�r gez�hmt hielt. Nur Rolan und seine Kohlenpfannen hatten ihr Leben gerettet. Sie hoffte, dass sie noch nicht gez�hmt war. Spielte man zu lange etwas vor, konnte es irgendwann zur Wahrheit werden. Sie war noch keine zwei Monate Gefangene, und doch konnte sie sich nicht mehr daran erinnern, vor genau wie vielen Tagen sie gefangen genommen worden war. Manchmal kam es ihr so vor, als w�rde sie das wei�e Gewand schon ein Jahr lang oder l�nger tragen. Manchmal f�hlten sich der breite G�rtel und der Kragen aus flachen goldenen Gliedern ganz normal an. Das jagte ihr Angst ein. Sie klammerte sich inbr�nstig an die Hoffnung, bald zu entkommen. Sie musste entkommen. Bevor Perrin sie einholte und versuchte, sie zu retten. Warum hatte er sie noch nicht eingeholt? Die Shaido kampierten nun schon lange Zeit vor Maiden. Er w�rde sie nicht aufgegeben haben. Ihr Wolf w�rde kommen und sie retten. Sie musste vorher entkommen, bevor er bei dem Versuch zu Tode kam. Bevor sie nicht l�nger nur so tat.</p><p>�Wie lange wollt Ihr Galina Sedai noch bestrafen, Therava?�, wollte Sevanna wissen und sah die Aes Sedai voller Unmut an. Therava sa� im Schneidersitz auf einem blauen, mit Troddeln geschm�ckten Kissen vor ihr, kerzengerade aufgerichtet und streng. �Gestern Abend hat sie mein Badewasser zu hei� gemacht, und sie ist so voller Striemen, dass ich befehlen musste, sie auf die Fu�sohlen zu schlagen. Das ist nicht sehr effektiv, wenn sie noch laufen soll.�</p><p>Faile hatte es vermieden, Galina anzusehen, seit Therava sie mit ins Zelt gebracht hatte, aber bei der Erw�hnung ihres Namens glitt ihr Blick unwillk�rlich zu der Frau. Galina kniete aufrecht in der Mitte zwischen den beiden Aiel, leicht zur Seite geneigt, auf ihren Wangen waren br�unliche Bluterg�sse zu sehen, ihre Haut war feucht und glitschig von dem unabl�ssigen Regen, durch den sie auf dem Hinweg gegangen war, ihre F��e und Kn�chel waren schlammverschmiert. Sie trug nur ihren goldenen, mit Feuertropfen besetzten Kragen und den G�rtel, und sie erschien nackter als nackt. Von ihrem Haar und ihren Brauen waren nur vereinzelte Stoppel �brig geblieben. Man hatte ihr mit der Einen Macht jedes Haar vom K�rper gebrannt. Faile hatte davon geh�rt, genau wie man die Aes Sedai f�r die erste Pr�gelstrafe an den Kn�cheln aufgeh�ngt hatte. Dar�ber hatten sich die <emphasis>Gai'schain</emphasis> tagelang unterhalten. Nur die Hand voll, die ihr altersloses Gesicht als das erkannten, was es war, glaubten noch immer, dass sie eine Aes Sedai war, und einige von ihnen hatten die gleichen Zweifel, die auch Faile plagten, seit sie eine Aes Sedai unter den <emphasis>Gai'schain</emphasis> gefunden hatte. Schlie�lich hatte sie das richtige Gesicht und den Ring, aber warum sollte sich eine Aes Sedai so von Therava behandeln lassen? Faile hatte sich das schon oft gefragt, ohne eine Antwort zu finden. Sie sagte sich immer wieder, dass Aes Sedai oft etwas aus Gr�nden taten, die niemand sonst verstehen konnte, aber das war nicht sehr befriedigend.</p><p>Was auch immer Galina f�r Gr�nde hatte, solche Qu�lereien zuzulassen, jetzt waren ihre Augen weit aufgerissen und voller Angst auf Therava gerichtet. Sie keuchte so sehr, dass ihre Br�ste bebten. Ihre Angst war berechtigt. Jeder, der an Theravas Zelt vorbeiging, konnte drinnen Galina um Gnade winseln h�ren. L�nger als eine halbe Woche hatte Faile die Aes Sedai immer wieder auf irgendeinem Botengang sehen k�nnen, wie sie so haarlos und bekleidet wie jetzt mit vor Panik verzerrtem Gesicht so schnell rannte, wie sie konnte, und jeden Tag f�gte Therava den Striemen, die sich von Galinas R�cken bis zu den Kniekehlen hinunterzogen, noch ein paar weitere hinzu. Sobald sie zu heilen anfingen, frischte Therava sie auf. Faile hatte Shaido murmeln h�ren, dass man Galina zu streng behandelte, aber niemand w�rde sich mit einer Weisen Frau anlegen.</p><p>Therava, die fast so gro� wie die meisten Aielm�nner war, zupfte mit klirrenden goldenen und elfenbeinernen Armreifen das dunkle Schultertuch zurecht und betrachtete Galina, wie ein blau�ugiger Adler eine Maus betrachtete. Ihre Halsketten, ebenfalls aus Gold und Elfenbein, wirkten im Vergleich zu Sevannas opulenter Pracht schlicht, ihre dunklen Wollr�cke und die wei�e /l/go�ie-Bluse sogar sch�big, und doch f�rchtete Faile Therava viel mehr als Sevanna. Sevanna lie� sie ja vielleicht wegen eines kleinen Fehlers bestrafen, aber Therava konnte sie aus einer Laune heraus t�ten oder verst�mmeln. Und sie w�rde es mit Sicherheit tun, wenn Failes Fluchtversuch scheiterte. �Solange auf ihrem Gesicht der kleinste blaue Fleck zu sehen ist, so lange wird auch der Rest von ihr blau sein. Ich habe ihre Vorderseite in Ruhe gelassen, damit sie f�r ihre Verfehlungen bestraft werden kann<emphasis>.�</emphasis> Galina fing an zu zittern. Stumme Tr�nen perlten ihre Wangen hinunter.</p><p>Faile wandte den Blick ab. Es war qualvoll, sich das anzusehen. Selbst wenn es ihr gelingen sollte, den Eidstab aus Theravas Zelt zu holen, konnte ihr die Aes Sedai �berhaupt noch bei der Flucht helfen? Sie sah in jeder Hinsicht v�llig gebrochen aus. Das war ein harter Gedanke, aber ein Gefangener musste vor allen Dingen praktisch denken. W�rde Galina sie verraten, in dem Versuch, sich von den Bestrafungen freizukaufen? Sie hatte damit gedroht, sie zu verraten, falls Faile nicht den Stab besorgte. Es war Sevanna, die an Perrin Aybaras Ehefrau interessiert sein w�rde, aber Galina sah verzweifelt genug aus, um alles zu versuchen. Faile betete f�r die Frau, damit sie Kraft zum Durchhalten fand. Nat�rlich plante sie eine Flucht auf eigene Faust, f�r den Fall, dass Galina ihr Versprechen nicht hielt und sie bei ihrer Abreise nicht mitnahm, aber es w�rde f�r alle Beteiligten so viel einfacher und sicherer sein, wenn sie es konnte. Oh, beim Licht, warum hatte Perrin sie noch nicht gefunden? Nein! Sie musste sich konzentrieren.</p><p>�So ist sie nicht besonders eindrucksvoll�, murmelte Sevanna und schaute finster in ihren Weinpokal. �Nicht mal der Ring l�sst sie wie eine Aes Sedai aussehen.� Sie sch�ttelte gereizt den Kopf. Aus einem Grund, den Faile nicht verstand, war es Sevanna au�erordentlich wichtig, dass jeder wusste, dass Galina eine Schwester war. Sie hatte sogar angefangen, sie mit diesem Ehrentitel anzusprechen. �Warum seid Ihr so fr�h hier, Therava? Ich habe noch nicht gegessen. Wollt Ihr Wein haben?�</p><p>�Wasser�, sagte Therava energisch. �Und was die fr�he Stunde angeht, die Sonne hat den Horizont fast schon hinter sich gelassen. Ich habe gefr�hst�ckt, bevor sie aufging. Ihr werdet so tr�ge wie ein Feuchtl�nder, Sevanna.�</p><p>Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> Lusara, eine vollbusige Domani, f�llte rasch einen Pokal aus der silbernen Wasserkanne. Sevanna schien sich �ber die Beharrlichkeit der Weisen Frau, nur Wasser zu trinken, zu am�sieren, aber sie hatte immer welches da. Alles andere w�re auch eine Beleidigung gewesen, die selbst sie zu vermeiden gesucht h�tte. Die kupferh�utige Domani war eine Kauffrau und schon weit in den mittleren Jahren, aber die paar wei�en Haare inmitten der schwarzen, die bis unterhalb ihrer Schulter fielen, hatten nicht ausgereicht, um sie zu retten. Sie war eine atemberaubende Sch�nheit, und Sevanna sammelte die Reichen, M�chtigen und Sch�nen, nahm sie sich auch dann, wenn sie die <emphasis>Gai'schain</emphasis> von anderen waren. Es gab so viele <emphasis>Gai'schain,</emphasis> dass sich nur wenige beschwerten, wenn sie einen verloren. Lusara machte einen anmutigen Knicks und verbeugte sich, um Therava auf ihrem Kissen das Tablett anzubieten, alles so, wie es sich geh�rte, aber auf dem Weg zur�ck zu ihrem Platz an der Wand l�chelte sie Faile zu. Und schlimmer noch, es war ein verschw�rerisches L�cheln.</p><p>Faile unterdr�ckte ein Seufzen. Die letzten Pr�gel hatte sie f�r ein Seufzen im falschen Augenblick bekommen. Lusara geh�rte zu jenen, die ihr in den vergangenen zwei Wochen die Treue geschworen hatten. Nach Aravine hatte Faile sich bem�ht, bei der Auswahl sorgf�ltiger vorzugehen, aber jemanden abzuweisen, der die Treue schw�ren wollte, schuf nur einen potenziellen Verr�ter, und so hatte sie viel zu viele Anh�nger, und einer guten Zahl davon konnte sie sich nicht sicher sein. Langsam kam sie zu der Ansicht, dass Lusara vertrauensw�rdig war oder sie zumindest nicht vors�tzlich verraten w�rde, aber die Frau behandelte ihre Fluchtpl�ne wie ein Kinderspiel, als w�rde es keine Konsequenzen haben, wenn sie verloren. Anscheinend hatte sie das Kaufmannsgewerbe auf die gleiche Weise betrieben, mehrere Verm�gen gemacht und auch wieder verloren, aber Faile w�rde keine zweite Chance bekommen, wenn sie scheiterten. Und das Gleiche galt f�r Alliandre oder Maighdin. Oder Lusara. Diejenigen von Sevannas <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die einen Fluchtversuch gewagt hatten, waren angekettet, wenn sie nicht arbeiteten oder sie bedienten.</p><p>Therava nahm einen Schluck Wasser, dann stellte sie den Pokal auf dem Teppich mit dem Blumenmuster ab und fixierte Sevanna mit st�hlernem Blick. �Die Weisen Frauen sind der Meinung, dass es f�r uns h�chste Zeit ist, nach Norden und Osten zu reisen. Wir k�nnen in den dortigen Bergen leicht zu verteidigende T�ler finden, und wir k�nnen sie in weniger als zwei Wochen erreichen, selbst wenn uns die <emphasis>Gai'schain</emphasis> langsamer machen. Dieser Ort hier ist nach allen Seiten offen, und unsere Streifz�ge, um Nahrung herbeizuschaffen, m�ssen wir immer weiter ausdehnen.�</p><p>Sevannas gr�ne Augen erwiderten das Starren, ohne zu blinzeln; Faile bezweifelte, das auch geschafft zu haben. Es �rgerte Sevanna, wenn sich die anderen Weisen Frauen ohne sie trafen, und sie lie� es oft an ihren <emphasis>Gai'schain</emphasis> aus, aber sie l�chelte und trank einen Schluck Wein, bevor sie in geduldigem Tonfall antwortete, so als m�sste sie jemandem etwas erkl�ren, der leicht zur�ckgeblieben war. �Hier gibt es guten Ackerboden, und wir haben ihre Aussaat zus�tzlich zu der unseren. Wer kann schon sagen, wie der Boden in den Bergen sein wird? Unsere Raubz�ge bringen uns Rinder und Schafe und Ziegen. Hier gibt es gute Weidegr�nde. Welche Weidegr�nde kennt Ihr in den Bergen, Therava? Hier haben wir mehr Wasser, als ein Clan jemals besessen hat. Wisst Ihr, wo in den Bergen das Wasser ist? Und was die Verteidigung angeht, wer will uns angreifen? Diese Feuchtl�nder laufen vor unseren Speeren fort.�</p><p>�Nicht alle laufen weg�, sagte Therava trocken. �Manche k�nnen den Tanz des Speers sogar gut tanzen. Und was ist, wenn Rand al'Thor einen der anderen Clans gegen uns ausschickt? Wir w�rden das erst bemerken, wenn uns die H�rner aufspie�en.� Pl�tzlich l�chelte sie auch, ein L�cheln, das ihre Augen nicht erreichte. �Man munkelt, Ihr habt den Plan, Euch gefangen nehmen zu lassen und Rand al'Thors <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu werden, damit Ihr ihn dazu bringen k�nnt, Euch zu heiraten. Ein am�santer Einfall, findet Ihr nicht auch?�</p><p>Faile zuckte zusammen, obwohl sie das nicht wollte.</p><p>Sevannas verr�ckte Absicht, al'Thor zu heiraten � sie musste verr�ckt sein, wenn sie glaubte, das erreichen zu k�nnen! �, war der Grund, warum Galina eine Gefahr f�r sie darstellte.</p><p>Falls die Aiel nicht wusste, dass Perrin mit al'Thor verbunden war, konnte Galina es ihr verraten. W�rde es ihr verraten, wenn sie nicht den verfluchten Eidstab in die H�nde bekam. Dann w�rde Sevanna nicht mehr das geringste Risiko eingehen, sie zu verlieren. Sie w�rde mit der gleichen Sicherheit angekettet werden, als h�tte sie einen Fluchtversuch unternommen.</p><p>Sevanna sah alles andere als am�siert aus. Sie beugte sich mit funkelnden Augen nach vorn, und ihre Robe klaffte auf, um ihren Busen endg�ltig zu entbl��en. �Wer sagt das? Wer?�</p><p>Therava ergriff den Pokal und nahm noch einen Schluck Wasser. Sevanna begriff, dass sie keine Antwort erhalten w�rde, lehnte sich zur�ck und richtete ihre Robe. Ihre Augen funkelten allerdings immer noch wie Smaragde, und in ihren Worten lag nichts Gleichg�ltiges. Sie waren so hart wie ihr Blick. �Ich werde Rand al'Thor heiraten, Therava. Ich hatte ihn fast soweit, bis Ihr und die anderen Weisen Frauen mich im Stich gelassen habt. Ich werde ihn heiraten, die Clans vereinigen und alle Feuchtl�nder erobern!�</p><p>Therava grinste h�misch hinter ihrem Pokal. <emphasis>�Couladin</emphasis> war der <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> Sevanna. Ich habe die Weisen Frauen noch nicht gefunden, die ihm die Erlaubnis gaben, nach Rhuidean zu gehen, aber das werde ich. Rand al'Thor ist eine Kreatur der Aes Sedai. Sie haben ihm vorgeschrieben, was er in Aleair Dal sagen sollte, und es war ein schwarzer Tag, als er Geheimnisse enth�llte, f�r die nur wenige stark genug sind, um damit leben zu k�nnen. Seid dankbar, dass die meisten es f�r L�gen hielten. Aber ich verga߅ Ihr seid ja nie selbst nach Rhuidean gegangen. Ihr habt seine L�gen ja selbst geglaubt.�</p><p><emphasis>Gai'schain</emphasis> traten ein. Ihre wei�en Gew�nder waren vom Regen durchn�sst, und sie hielten die S�ume bis zum Knie hoch, bis sie drinnen waren. Jeder trug den goldenen Kragen und den G�rtel. Ihre weichen wei�en Schn�rstiefel hinterlie�en schlammige Abdr�cke auf den Teppichen. Sp�ter, wenn sie getrocknet waren, w�rden sie sie entfernen m�ssen, aber deutlich sichtbare Schlammspuren auf dem Gewand brachte einem unweigerlich ein paar Stockschl�ge ein. Sevanna wollte, dass ihre <emphasis>Gai'schain</emphasis> makellos aussahen, wenn sie in ihrer N�he waren. Keine der Frauen schenkte den Neuank�mmlingen auch nur die geringste Aufmerksamkeit.</p><p>Theravas Worte schienen Sevanna best�rzt zu haben.</p><p>�Warum interessiert Euch, wer Couladin die Erlaubnis gab? Das spielt doch keine Rolle�, sagte sie; als sie keine Antwort erhielt, wedelte sie mit der Hand, als w�rde sie eine Fliege verscheuchen. �Couladin ist tot. Rand al'Thor tr�gt die Zeichen, wie auch immer er sie bekommen hat. Ich werde ihn heiraten, und ich werde ihn benutzen. Wenn ihn die Aes Sedai kontrollieren konnten � und ich habe gesehen, wie sie mit ihm wie mit einem S�ugling umgesprungen sind �, dann kann ich das auch. Mit einem klein wenig Unterst�tzung von Euch. Und Ihr werdet mir helfen. Seid Ihr nicht der Meinung gewesen, dass die Wiedervereinigung aller Clans die M�he wert ist, ganz egal, wie man das macht? Einst seid Ihr es gewesen.� Irgendwie lag da mehr als nur ein Hauch von Drohung darin. �Wir Shaido werden mit einem Sprung der m�chtigste aller Clans sein.�</p><p>Die neuen <emphasis>Gai'schain</emphasis> schlugen die Kapuzen zur�ck und marschierten in einer Einzelreihe wortlos die Zeltw�nde entlang, neun M�nner und drei Frauen, unter ihnen Maighdin. Die blonde Frau hatte einen grimmigen Gesichtsausdruck, und zwar schon seit dem Tag, an dem Therava sie in ihrem Zelt entdeckt hatte. Was auch immer Therava mit ihr angestellt hatte, Maighdin wollte nicht mit der Sprache rausr�cken, au�er, dass sie die Frau umbringen wollte. Manchmal wimmerte sie im Schlaf.</p><p>Therava behielt f�r sich, was sie davon hielt, die Clans wieder zu vereinigen. �Viele haben das Gef�hl, nicht mehr hier bleiben zu wollen. Viele Septimenh�uptlinge dr�cken jeden Morgen die rote Scheibe auf ihre <emphasis>Nar'baha.</emphasis> Ich rate Euch, auf die Weisen Frauen zu h�ren.�</p><p><emphasis>Nar'baha?</emphasis> Das bedeutete �Narrenkasten� oder dergleichen. Aber was konnte das sein? Bain und Chiad unterrichteten sie noch immer in den Br�uchen der Aiel, wenn sie die Zeit fanden, und sie hatten so etwas noch nie erw�hnt. Maighdin blieb neben Lusara stehen. Ein schlanker cairhienischer Adliger namens Doirmanes blieb neben Faile stehen. Er war jung und recht h�bsch, aber er biss sich nerv�s auf die Lippe. Falls er von dem Treueid erfuhr, w�rde man ihn t�ten m�ssen. Faile war davon �berzeugt, dass er sofort zu Sevanna rennen w�rde.</p><p>�Wir bleiben hier�, sagte Sevanna w�tend und schleuderte den Pokal von sich, sodass der Wein in hohem Bogen auf die Teppiche spritzte. �Ich spreche f�r den Clanh�uptling, und ich habe gesprochen!�</p><p>�Ihr habt gesprochen�, stimmte Therava ihr ganz ruhig zu.</p><p>�Bendhuin, der Septimenh�uptling der Gr�nen Salz, hat die Erlaubnis erhalten, nach Rhuidean zu gehen. Er ist vor f�nf Tagen mit zwanzig seiner <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> aufgebrochen, begleitet von vier Weisen Frauen, die Zeuginnen sein werden.�</p><p>Erst als jeder der neuen <emphasis>Gai'schain</emphasis> neben einem der bereits Anwesenden stand, zogen Faile und die anderen die Kapuzen �ber und gingen in einer Reihe an der Zeltwand entlang auf den Ausgang zu und hoben bereits die Gew�nder an. Mittlerweile machte es ihr schon nichts mehr aus, ihre Beine auf diese Weise zu entbl��en.</p><p>�Er will mich ersetzen, und ich wurde nicht einmal dar�ber informiert?�</p><p>�Nicht Euch, Sevanna. Couladin. Als seine Witwe sprecht Ihr f�r den Clanh�uptling, bis ein neuer H�uptling aus Rhuidean zur�ckkehrt, aber Ihr seid nicht der Clanh�uptling.�</p><p>Faile trat in den kalten, grauen morgendlichen Nieselregen hinaus, und die Zeltplane schnitt ab, was auch immer Sevanna dazu zu sagen hatte. Was ging blo� zwischen diesen beiden Frauen vor? Manchmal, so wie an diesem Morgen, erweckten sie den Eindruck, Gegnerinnen zu sein, aber an anderen erschienen sie wie z�gernde Verschw�rerinnen, die durch etwas aneinander gekettet waren, das beiden Unbehagen einfl��te. Vielleicht bereitete ihnen ja auch blo� die Tatsache Unbehagen, dass sie aneinander gekettet waren. Nun, Faile konnte nicht erkennen, dass dieses Wissen ihr bei der Flucht nutzen w�rde, also spielte es eigentlich keine Rolle. Trotzdem nagte das R�tsel an ihr.</p><p>Sechs T�chter standen in einer engen Gruppe vor dem Zelt, ihre Schleier hingen ihnen auf der Brust, die Speere waren unter die Riemen der Bogenk�cher auf ihren R�cken geschoben. Bain und Chiad verachteten Sevanna daf�r, dass sie T�chter des Speers als Ehrenwache benutzte, obwohl sie selbst nie eine Tochter gewesen war, und weil sie ihr Zelt immer bewachen lie�, aber es standen nie weniger als sechs da, Tag und Nacht. Die beiden verachteten auch die T�chter der Shaido daf�r, dass sie das zulie�en. Weder die Position des Clanh�uptlings noch sein Sprachrohr verlieh einem so viel Macht, wie sie die meisten Adligen hatten. Die H�nde der T�chter blitzten in einer schnellen Unterhaltung auf. Sie erkannte mehrmals das Zeichen f�r <emphasis>Car'a'carn,</emphasis> aber sonst nicht genug, um verstehen zu k�nnen, was sie da sagten, oder ob es um al'Thor oder Couladin ging.</p><p>Hier lange genug herumzustehen, um es herauszufinden � falls sie es herausfinden konnte �, stand au�er Frage. Da die anderen bereits durch die schlammigen Stra�en davoneilten, w�rden die T�chter m�glicherweise misstrauisch werden, und sie w�rden vielleicht selbst zum Stock greifen oder, was noch schlimmer war, ihre Stiefelschn�re benutzen. Ein paar T�chter hatten das mit ihr gemacht, weil sie so �unversch�mt� blickte, und sie wollte das nicht noch einmal erleben. Vor allem wenn das bedeutete, sich in der �ffentlichkeit zu entbl��en. Sevannas <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu sein bot keinerlei Schutz. Jeder Shaido konnte einen <emphasis>Gai'schain</emphasis> disziplinieren, wenn er der Meinung war, dass sich dieser unbotm��ig verhielt. Sogar jedes Kind konnte das, falls das Kind damit beauftragt wurde, eine Arbeit zu �berwachen. Davon abgesehen w�rde der Regen, so leicht er auch war, ihr Wollgewand bald v�llig durchn�sst haben. Es war nur ein kurzer Weg zur�ck zu ihrem Zelt, keine Viertelmeile, aber sie w�rde ihn nicht zur�cklegen, ohne aufgehalten worden zu sein.</p><p>Ein G�hnen lie� ihren Kiefer knacken, als sie sich von dem gro�en roten Zelt abwandte. Sie sehnte sich sehr nach ihren Decken und ein paar weiteren Stunden Schlaf. Am Nachmittag w�rde weitere harte Arbeit auf sie zukommen. Sie wusste nicht, was es sein w�rde. Alles w�re viel einfacher gewesen, h�tte sich Sevanna entscheiden k�nnen, wer was wann machen sollte, aber sie schien Namen v�llig zuf�llig auszusuchen und immer in letzter Minute. Es machte jede Planung sehr schwierig, von einer Flucht ganz zu schweigen.</p><p>Sevannas Zelt wurde von allen m�glichen anderen umgeben, niedrige dunkle Aiel-Zelte, Spitzzelte, Zelte jeder vorstellbaren Art und Farbe, nur getrennt von einem Wirrwarr aus Fu�wegen, die sich in Schlammpfade verwandelt hatten. Die Shaido hatten nicht genug eigene Zelte, darum nahmen sie jedes Zelt an sich, das sie finden konnten. Vierzehn Septimen kampierten nun um Maiden herum, einhunderttausend Shaido und fast genauso viele <emphasis>Gai'schain,</emphasis> und Ger�chten zufolge w�rden innerhalb der n�chsten beiden Tage zwei weitere Septimen eintreffen, die Morai und die Wei�en Klippen. Abgesehen von den kleinen Kindern, die mit Hunden durch den Schlamm tobten, trugen die meisten Leute, die Faile sehen konnte, schlammbeflecktes Wei� und trugen K�rbe oder prall gef�llte S�cke. Die meisten Frauen beeilten sich nicht; sie rannten. Shaido erledigten nur selten irgendwelche Arbeiten selbst, mit Ausnahme von Schmiedearbeiten, und das auch nur aus Langeweile, wie Faile vermutete. Mit so vielen <emphasis>Gai'schain</emphasis> war es selbst f�r sie eine Last, sich Arbeiten einfallen zu lassen. Sevanna war nicht mehr die einzige Shaido, die in der Badewanne sa� und sich von einem <emphasis>Gai'schain</emphasis> den R�cken schrubben lie�. Bis jetzt war noch keine der Weisen Frauen so weit gegangen, aber einige der anderen bewegten sich keine zwei Schritte, um etwas aufzuheben, wenn sie einem <emphasis>Gai'schain</emphasis> befehlen konnten, es zu holen.</p><p>Faile hatte fast den <emphasis>Gai'schain-Teil</emphasis> des Lagers erreicht, das in unmittelbarer N�he der grauen Steinmauern von Maiden stand, als sie eine Weise Frau auf sich zukommen sah, die sich das dunkle Schultertuch wegen des Regens um den Kopf gewunden hatte. Faile blieb nicht stehen, knickte aber in den Knien ein. Meira war nicht so furchteinfl��end wie Therava, aber die Frau mit dem grimmigen Gesicht war hart genug und kleiner als Faile. Ihr schmaler Mund wurde stets noch schmaler, wenn sie mit einer Frau konfrontiert wurde, die gr��er als sie war. Faile h�tte gedacht, dass die Nachricht von der baldigen Ankunft ihrer eigenen Septime, die Wei�en Klippen, die Stimmung der Frau aufgehellt h�tte, aber die Neuigkeit hatte keine sichtbaren Auswirkungen.</p><p>�Also hast du blo� herumgetr�delt�, sagte Meira, als sie n�her kam. Ihre Augen waren so hart wie die Saphire, denen sie �hnelten. �Ich habe Rhiale bei den anderen gelassen, weil ich Angst hatte, dass dich ein besoffener Narr ins Zelt gezerrt hat.� Sie schaute sich so finster um, als w�rde sie nach einem besoffenen Narren Ausschau halten, der das erledigen konnte.</p><p>�Niemand ist mir zu nahe getreten, Weise Frau�, sagte Faile schnell. Das war in den letzten Wochen ein paar Mal passiert, einige waren betrunken gewesen, einige auch nicht, aber Rolan war immer im letzten Augenblick aufgetaucht. Der riesige <emphasis>Mera'din</emphasis> hatte zweimal k�mpfen m�ssen, um sie zu retten, und einmal hatte er den anderen Mann get�tet. Sie hatte deswegen mit allen m�glichen Schwierigkeiten gerechnet, aber die Weisen Frauen hatten es zu einem fairen Kampf erkl�rt, und Rolan hatte gesagt, dass ihr Name nicht einmal erw�hnt worden war. So entschieden Bain und Chiad auch darauf bestanden, dass es gegen alle Br�uche verstie�, schwebten hier alle <emphasis>Gai'schain-Frauen</emphasis> in der st�ndigen Gefahr, vergewaltigt zu werden. Sie war davon �berzeugt, dass Alliandre das passiert war, bevor sie und Maighdin ebenfalls <emphasis>Mera'din</emphasis> als Schatten bekommen hatten. Rolan hatte abgestritten, sie zu bitten, ihren Leuten zu helfen. Er hatte gesagt, sie seien einfach gelangweilt und suchten nur eine Besch�ftigung. �Es tut mir sehr Leid, dass ich langsam war.�</p><p>�Du brauchst nicht zusammenzuzucken. Ich bin nicht Therava. Ich werde dich nicht aus Vergn�gen schlagen.� Worte in einem Tonfall gesagt, der hart genug f�r einen Scharfrichter gewesen w�re. Meira mochte vielleicht keinen zum Vergn�gen schlagen, aber Faile wusste genau, dass sie einen starken Arm hatte, der den Stock zu schwingen wusste. �Jetzt erz�hl mir, was Sevanna gesagt und getan hat. Dieses Wasser, das vom Himmel f�llt, mag ja eine wunderbare Sache sein, aber es ist unerfreulich, darin herumzuspazieren.�</p><p>Diesen Befehl zu erf�llen war leicht. Sevanna war w�hrend der Nacht nicht aufgewacht, und nachdem sie aufgestanden war, hatten sich ihre Gespr�che nur darum gedreht, welche Kleider und welchen Schmuck sie tragen sollte, vor allem welchen Schmuck. Ihr Schmuckkasten war urspr�nglich f�r Kleidung gewesen, und er war bis zum Rand mit mehr Edelsteinen gef�llt, als die meisten K�niginnen besa�en. Bevor sie �berhaupt ein Kleidungsst�ck anzog, verbrachte sie einige Zeit damit, verschiedene Kombinationen aus Halsketten und Ringen anzulegen und sich in dem vergoldeten Standspiegel zu betrachten. Es war sehr peinlich gewesen. F�r Faile.</p><p>Sie war gerade bei Theravas Ankunft mit Galina angelangt, als alles vor ihren Augen Wellen schlug. Sie selbst schlug Wellen! Es war keine Einbildung. Meira riss die blauen Augen auf, so weit das ging; auch sie hatte es gef�hlt. Wieder wogte alles, sie selbst eingeschlossen, h�rter als zuvor. Entsetzt richtete sich Faile zu ihrer vollen Gr��e auf und lie� das Gewand los. Die Welt schlug ein drittes Mal Wellen, dieses Mal noch h�rter, und als es sie durchdrang, f�hlte sie sich, als k�nnte eine Brise sie fortwehen oder sie sich einfach in Nebel aufl�sen.</p><p>Mit hektischen Atemz�gen wartete sie auf das vierte Wogen, das, von dem sie wusste, dass es sie und alles andere vernichten w�rde. Als es nicht kam, stie� sie vor Erleichterung jedes Qu�ntchen Luft aus ihren Lungen aus. �Was ist soeben geschehen, Weise Frau? Was war das?�</p><p>Meira ber�hrte ihren Arm und sah leicht �berrascht aus, dass die Hand nicht durch Fleisch und Knochen glitt. �Ich� ich wei� es nicht�, sagte sie langsam. Sie sch�ttelte sich und f�gte hinzu: �K�mmere dich um deine Aufgaben, M�dchen.� Sie sch�rzte die R�cke und ging an Faile vorbei, fast schon im Laufschritt, spritzte dabei Schlamm in alle Richtungen.</p><p>Die Kinder waren von den Stra�en verschwunden, aber Faile konnte sie in den Zelten weinen h�ren. Verlassene Hunde zitterten und winselten mit zwischen die Beine geklemmten Schw�nzen. Leute auf der Stra�e ber�hrten sich und andere, Shaido und <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Faile faltete die H�nde. Nat�rlich war sie vorhanden. Es hatte sich nur so angef�hlt, als w�rde sie sich in Nebel verwandeln. Nat�rlich. Sie hob das Gewand an, um jede unn�tige W�sche zu vermeiden, und setzte sich wieder in Bewegung. Sie ging, und dann rannte sie, und es war ihr egal, wie viel Schlamm sie auf sich oder andere spritzte. Sie wusste, dass man vor keiner weiteren Welle w�rde fortlaufen k�nnen. Aber sie rannte trotzdem, so schnell ihre Beine sie trugen.</p><p>Die Zelte der <emphasis>Gai'schain</emphasis> bildeten einen breiten Ring um Maldens hohe Granitmauern, und sie waren genauso kunterbunt zusammengew�rfelt wie die Zelte an der Au�enseite des Lagers, auch wenn die meisten klein waren. Ihr eigenes Spitzzelt h�tte kaum zwei Leuten Platz zum �bernachten geboten; es beherbergte sie und drei andere, Alliandre, Maighdin und eine ehemalige cairhienische Adlige namens Dairaine, eine von denen, die sich bei Sevanna einschmeicheln wollte, indem sie ihr Geschichten �ber andere <emphasis>Gai'schain</emphasis> andiente. Das komplizierte alles, aber es lie� sich nicht �ndern, es sei denn, sie h�tten die Frau umgebracht, und Faile w�rde so etwas nicht unterst�tzen. Nicht, bevor Dairaine zu einer echten Bedrohung wurde. Sie schliefen notgedrungen dicht aneinander gedr�ngt wie Hundewelpen, in den kalten N�chten froh �ber die geteilte K�rperw�rme.</p><p>Das Innere des niedrigen Zeltes war dunkel, als sie sich hineinduckte. Lampen�l und Kerzen waren Mangelware und wurden nicht f�r <emphasis>Gai'schain</emphasis> verschwendet. Nur Alliandre war da. Sie lag lediglich mit dem goldenen Kragen bekleidet auf dem Bauch auf ihren Decken, mit einem feuchten, in Kr�utersud getauchtem Tuch auf ihrem misshandelten Hinterteil. Immerhin waren die Weisen Frauen bereit, ihre Heilkr�uter gleicherma�en an <emphasis>Gai'schain</emphasis> wie an Shaido zu verteilen. Alliandre hatte nichts Falsches getan, war aber als eine der f�nf ausgew�hlt worden, die Sevanna am Vortag am wenigsten erfreut hatten. Im Gegensatz zu anderen hatte sie ihre Strafe tapfer ertragen � Doirmanes hatte zu schluchzen angefangen, bevor man ihn �ber die Truhe beugte �, aber sie schien zu jenen zu geh�ren, die alle drei oder vier Tage an die Reihe kamen. K�nigin zu sein schien einem nicht beizubringen, wie man eine K�nigin zu bedienen hatte. Andererseits wurde Maighdin fast genauso oft ausgesucht, und sie war die Zofe einer Dame, wenn auch keine besonders gute. Faile war nur einmal ausgew�hlt worden.</p><p>Es war ein deutliches Anzeichen daf�r, wie sehr Alliandres Lebensgeister gesunken waren, dass sie keine Anstalten machte, sich zu bedecken, sondern sich nur auf die Ellbogen stemmte. Wenigstens hatte sie ihr langes Haar gek�mmt. Wenn sie das einmal nicht mehr machte, w�rde Faile wissen, dass die Frau den Tiefpunkt erreicht hatte. �Ist Euch eben etwas .. . Seltsames� passiert, meine Lady?�, fragte sie mit unsicherer Stimme, aus der deutlich Furcht hervorklang.</p><p>�Das ist es�, sagte Faile geb�ckt unter dem Querbalken.</p><p>�Ich wei� nicht, was es war. Meira wei� nicht, was es war. Ich bezweifle, dass es andere Weise Frauen wissen. Aber es hat uns nicht geschadet.� Nat�rlich hatte es ihnen nicht geschadet. Nat�rlich nicht. �Und es �ndert nichts an unseren Pl�nen.� G�hnend hakte sie den breiten goldenen G�rtel auf und lie� ihn auf ihre Decken fallen, dann packte sie das Obergewand, um es sich �ber den Kopf zu ziehen.</p><p>Alliandre barg den Kopf in den H�nden und fing an, leise zu weinen. �Wir werden niemals entkommen. Ich werde heute Abend wieder geschlagen. Ich wei� es. Ich werde f�r den Rest meines Lebens jeden Tag geschlagen werden.�</p><p>Mit einem Seufzen lie� Faile das Gewand, wo es war, und kniete nieder, um ihrer Lehnsfrau das Haar zu streicheln. Es gab genauso viel Verantwortung nach unten wie nach oben.</p><p>�Mich plagen manchmal die gleichen �ngste�, gab sie leise zu. �Aber ich weigere mich, mich von ihnen entmutigen zu lassen. <emphasis>Ich</emphasis> werde entkommen. <emphasis>Wir</emphasis> werden entkommen. Ihr d�rft Euren Mut nicht verlieren, Alliandre. Ich wei�, dass Ihr tapfer seid. Ich wei�, dass Ihr Euch Masema entgegengestellt und Euren Mut nicht verloren habt. Das k�nnt Ihr jetzt auch, wenn Ihr es versucht.�</p><p>Aravine steckte den Kopf durch den Zelteingang. Sie war eine unscheinbare, pummelige Frau � Faile war davon �berzeugt, dass sie eine Adlige war, auch wenn sie es nie behauptet hatte �, und Faile konnte trotz des D�mmerlichts sehen, dass sie strahlte. Auch sie trug Sevannas G�rtel und Kragen.</p><p>�Meine Lady, Alvon und sein Sohn haben etwas f�r Euch.�</p><p>�Es wird ein paar Minuten warten m�ssen�, sagte Faile. Alliandre hatte aufgeh�rt zu schluchzen, aber sie lag stumm und reglos da.</p><p>�Meine Lady, darauf werdet Ihr nicht warten wollen.�</p><p>Faile stockte der Atem. Konnte es m�glich sein? Es schien beinahe vermessen zu sein, darauf zu hoffen.</p><p>�Ich werde den Mut nicht verlieren�, sagte Alliandre und hob den Kopf, um Aravine anzusehen. �Wenn Alvon das hat, was ich hoffe, werde ich meinen Mut auch dann nicht verlieren, sollte mich Sevanna der Befragung unterziehen.�</p><p>Faile schnappte sich ihren G�rtel � drau�en ohne G�rtel und Kragen gesehen zu werden, hatte eine Bestrafung zur Folge, die fast so schwer war wie f�r einen Fluchtversuch � und eilte aus dem Zelt. Aus dem Nieselregen war ein feuchter Nebel geworden, aber sie schlug trotzdem die Kapuze hoch. Es war immer noch kalt.</p><p>Alvon war ein schwerer Mann, der von seinem Sohn Theril �berragt wurde, einem schlanken Jungen. Beide trugen schlammbefleckte, beinahe wei�e Gew�nder aus Segeltuch. Theril, Alvons �ltester, war erst vierzehn, aber die Shaido hatten es wegen seiner Gr��e nicht geglaubt, die fast an die der meisten M�nner in Amadicia herankam. Faile war bereit gewesen, Alvon von Anfang an zu vertrauen. Er und sein Sohn waren unter den <emphasis>Gai'schain</emphasis> beinahe so etwas wie eine Legende. Sie waren dreimal weggelaufen, und jedes Mal hatten die Shaido l�nger gebraucht, um sie zur�ckzuholen. Und trotz zusehends h�rterer Bestrafungen hatten sie an dem Tag, an dem sie den Treueid geschworen hatten, den vierten Versuch geplant, zu ihrer Familie zur�ckzukehren. Faile hatte noch nie gesehen, dass einer von ihnen gel�chelt h�tte, aber heute lag sowohl auf Alvons faltigem wie auf Therils schmalem Gesicht ein L�cheln.</p><p>�Was habt ihr f�r mich?�, fragte Faile und befestigte schnell den G�rtel um ihre Taille. Sie glaubte, ihr Herz w�rde gleich explodieren, so heftig schlug es.</p><p>�Es war mein Theril, meine Lady�, sagte Alvon. Er war ein Holzf�ller und sprach mit einem heiseren Akzent, der ihn schwer verst�ndlich machte. �Er ging blo� zuf�llig vorbei, wisst Ihr, und dann war niemand in der N�he, nicht einer, also ist er schnell hineingehuscht und� Theril, zeig es der Dame.�</p><p>Sch�chtern griff Theril in seinen weiten �rmel � f�r gew�hnlich waren dort Taschen eingen�ht � und zog einen glatten wei�en Stab heraus, der aus Elfenbein zu sein schien, etwa einen Fu� lang und so schlank wie Failes Handgelenk.</p><p>Nach einem schnellen Blick in die Runde, um zu sehen, ob sie beobachtet wurden � sie standen allein auf der Stra�e, jedenfalls im Augenblick �, nahm Faile ihn schnell entgegen, schob ihn in den �rmel und steckte ihn dort in eine Tasche. Die Tasche war gerade tief genug, dass er nicht herausfallen konnte, aber jetzt, wo sie das Ding hatte, wollte sie es nicht mehr loslassen. Es f�hlte sich wie Glas an und war sehr k�hl, k�hler als die Morgenluft. Vielleicht war es ein <emphasis>Angreal</emphasis> oder ein <emphasis>Ter'ang real.</emphasis> Das w�rde erkl�ren, warum Galina es haben wollte, wenn auch nicht, warum sie es nicht selbst genommen hatte. Die Hand im �rmel vergraben, umklammerte Faile den Stab. Galina war nicht l�nger eine Bedrohung. Jetzt war sie die Rettung.</p><p>�Ihr wisst, Alvon, dass Galina Euch und Euren Sohn m�glicherweise nicht mitnehmen kann, wenn sie abreist�, sagte sie. �Ihr Versprechen gilt nur f�r mich und jene, die zusammen mit mir gefangen genommen worden sind. Aber ich verspreche Euch, dass ich einen Weg finde, euch und jeden, der mir die Treue geschworen hat, zu befreien. Auch den Rest, falls ich das kann, aber vor allem sie. Ich schw�re es unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Errettung und Wiedergeburt.� Sie hatte keine Ahnung, wie sie das bewerkstelligen sollte, falls sie nicht ihren Vater um eine Armee bitten wollte, aber sie w�rde es tun.</p><p>Der Holzf�ller schien ausspucken zu wollen, dann schaute er sie an, und sein Gesicht r�tete sich. Er schluckte stattdessen. �Diese Galina wird keinem helfen, meine Lady. Sagt, sie sei Aes Sedai und so, aber sie ist das Spielzeug dieser Therava, wenn Ihr mich fragt, und diese Therava wird sie nie gehen lassen. Aber egal, ich wei�, dass Ihr f�r uns zur�ckkommen werdet, wenn wir Euch befreien k�nnen, und Ihr braucht nicht zu schw�ren. Ihr habt gesagt, Ihr wollt den Stab, falls ihn sich jemand schnappen kann, ohne dabei erwischt zu werden, und Theril hat ihn Euch besorgt, das ist alles.�</p><p>�Ich will frei sein�, sagte Theril pl�tzlich, �aber wenn wir irgendjemandem die Freiheit verschaffen, dann haben wir sie geschlagen.� Er schien �berrascht zu sein, dass er gesprochen hatte, und wurde knallrot. Sein Vater sah ihn stirnrunzelnd an, dann nickte er nachdenklich.</p><p>�Gut gesprochen�, sagte Faile leise zu dem Jungen. �Aber ich habe es geschworen, und ich stehe dazu. Du und dein Vater�� Sie unterbrach sich, als Aravine, die �ber ihre Schulter sah, ihr die Hand auf den Arm legte. Das L�cheln der Frau war von Furcht ersetzt worden.</p><p>Faile drehte den Kopf und erblickte Rolan neben ihrem Zelt. Mindestens zwei Fu� gr��er als Perrin trug er seine <emphasis>Shou fa</emphasis> um den Hals gewickelt, und der schwarze Schleier hing auf seine breite Brust herunter. Der Regen lie� sein kurzes rotes Haar in Locken an seinem Sch�del kleben. Wie lange war er schon da? Nicht lange, sonst h�tte Aravine ihn zuvor bemerkt. Das kleine Zelt bot kein Versteck. Alvon und sein Sohn schoben die Schultern nach vorn, als w�rden sie dar�ber nachdenken, den <emphasis>Mera 'di n</emphasis> anzugreifen. Das war eine sehr schlechte Idee. M�use, die eine Katze angriffen, waren dumm, wie Perrin gesagt h�tte.</p><p>�Geht und k�mmert euch um Eure Pflichten, Alvon�, sagte sie schnell. �Ihr auch, Aravine. Geht jetzt.�</p><p>Aravine und Alvon hatten genug Verstand, auf jede Ehrenbezeugung zu verzichten, bevor sie mit einem letzten besorgten Blick auf Rolan gingen, aber Theril hatte die Hand schon fast bis zur Stirn gehoben, bevor er daran dachte. Err�tend eilte er hinter seinem Vater her.</p><p>Rolan setzte sich in Bewegung und blieb vor ihr stehen.</p><p>Seltsamerweise hatte er einen kleinen Strau� aus blauen und gelben Wildblumen in der Hand. Sie war sich des Stabes in ihrem �rmel bewusst. Wo sollte sie ihn verstecken? Sobald Therava sein Verschwinden entdeckt hatte, w�rde sie vermutlich das ganze Lager auf den Kopf stellen.</p><p>�Du musst vorsichtig sein, Faile Bashere�, sagte Rolan und l�chelte zu ihr herunter. Alliandre hatte ihn als unansehnlich bezeichnet, aber Faile war zu dem Schluss gekommen, dass sie sich irrte. Diese blauen Augen und dieses L�cheln machten ihn fast schon sch�n. �Was du da tust, ist gef�hrlich, und ich bin vielleicht nicht mehr lange da, um dich zu besch�tzen.�</p><p>�Gef�hrlich?� Sie fr�stelte. �Was sagt Ihr da? Wo geht Ihr hin?� Bei dem Gedanken, seinen Schutz zu verlieren, verkrampfte sich ihr Magen. Nur wenige Feuchtl�nderinnen waren dem Interesse der Shaido entgangen. Ohne ihn�</p><p>�Ein paar von uns denken dar�ber nach, in das Dreifache Land zur�ckzukehren.� Sein L�cheln verblasste. �Wir k�nnen keinem falschen <emphasis>Car'a'carn</emphasis> folgen, der �berdies auch noch ein Feuchtl�nder ist, aber vielleicht erlaubt man uns, unser Leben in unseren eigenen Besitzungen zu Ende zu leben. Wir denken dar�ber nach. Wir sind lange Zeit von zu Hause fort, und diese Shaido machen uns krank.�</p><p>Sie w�rde eine Strategie finden m�ssen, nach seiner Abreise damit zurechtzukommen. Sie w�rde es schaffen m�ssen. Irgendwie. �Und was tue ich Gef�hrliches?� Sie versuchte unbeschwert zu klingen, aber es fiel ihr schwer. Beim Licht, wie w�rde es ihr ohne ihn ergehen?</p><p>�Diese Shaido sind blind, selbst wenn sie nicht betrunken sind, Faile Bashere�, erwiderte er ruhig. Er schob ihre Kapuze zur�ck und steckte ihr �ber dem linken Ohr eine Wildblume ins Haar. �Wir <emphasis>Mera'din</emphasis> benutzen unsere Augen.� Noch eine Wildblume kam in ihr Haar, diesmal auf der anderen Seite. �Du hast in letzter Zeit viele neue Freunde gewonnen, und du willst mit ihnen fliehen. Ein mutiger Plan, aber gef�hrlich.�</p><p>�Werdet Ihr das den Weisen Frauen oder Sevanna sagen?� Sie war selbst �berrascht, dass das ganz sachlich herauskam. Ihr Magen wollte sich verknoten.</p><p>�Warum sollte ich das tun?�, fragte er und f�gte noch eine Blume hinzu. �Jhoradin glaubt, er wird Lacile Aldorwin mit zur�ck ins Dreifache Land nehmen, obwohl sie eine Baumm�rderin ist. Er glaubt sie davon �berzeugen zu k�nnen, ihm einen Brautkranz zu F��en zu legen.� Lacile hatte ihren eigenen Besch�tzer gefunden, indem sie unter die Decke des <emphasis>Mera'din</emphasis> gekrochen war, der sie zur <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht hatte, und Arrela hatte das Gleiche mit einer der T�chter gemacht, die sie gefangen genommen hatten, aber Faile hatte ihre Zweifel, dass Jhoradins Wunsch in Erf�llung gehen w�rde. Beide Frauen waren auf die Flucht konzentriert, so wie Pfeile auf ihr Ziel gerichtet waren. �Und jetzt, da ich dar�ber nachdenke, k�nnte ich dich mitnehmen, wenn ich gehe.�</p><p>Faile starrte zu ihm hoch. Der Nieselregen fing an, ihr Haar zu durchn�ssen. �In die W�ste? Rolan, ich liebe meinen Ehemann. Das habe ich Euch gesagt, und es ist die Wahrheit.�</p><p>�Ich wei߫, sagte er und f�gte weiterhin Blumen hinzu.</p><p>�Aber im Augenblick tr�gst du noch Wei�, und das, was passiert, solange du Wei� tr�gst, ist wieder vergessen, wenn du es ausziehst. Dein Ehemann kann dir das nicht zum Vorwurf machen. Davon abgesehen, wenn wir gehen und in die N�he einer Feuchtl�nderstadt kommen, werde ich dich gehen lassen. Ich h�tte dich niemals zu einer <emphasis>Gai'schain</emphasis> machen d�rfen. Dieser Kragen und der G�rtel sind genug Gold, damit du sicher zu deinem Mann zur�ckkehren kannst.�</p><p>Ihr blieb der Mund offen stehen. Es �berraschte sie, als ihre Faust seine breite Brust traf. <emphasis>Gai'schain</emphasis> durften niemals gewaltt�tig sein, aber der Mann grinste sie blo� an. �Ihr�!� Sie schlug ihn erneut, diesmal h�rter. Sie schlug auf ihn ein.</p><p>�Ihr�! Mir f�llt nicht einmal ein passendes Schimpfwort ein. Ihr habt mich glauben lassen, Ihr w�rdet mich den Shaido �berlassen, dabei wolltet Ihr mir die ganze Zeit bei der Flucht helfen?�</p><p>Er fing ihre Faust und hielt sie m�helos in einer Hand, die ihre v�llig verschluckte. �Falls wir gehen, Faile Bashere.� Er lachte. Der Mann lachte! �Es ist noch nicht entschieden. Au�erdem darf ein Mann eine Frau nicht glauben lassen, dass er zu interessiert ist.�</p><p>Wieder �berraschte sie sich, diesmal, indem sie versuchte, gleichzeitig zu lachen und zu weinen, und sie tat es so ausgelassen, dass sie sich an ihn anlehnen musste, weil sie sonst gefallen w�re. Dieser verdammte Aiel-Humor!</p><p>�Du siehst sehr h�bsch mit Blumen im Haar aus, Faile Bashere�, murmelte er und schob noch eine Bl�te hinein.</p><p>�Oder ohne. Und im Augenblick tr�gst du noch Wei�.�</p><p>Beim Licht! Sie hatte den Stab, der so k�hl gegen ihren Arm dr�ckte, aber man w�rde ihn unm�glich Galina geben k�nnen, bevor Therava sie wieder allein umhergehen lassen w�rde, und man konnte unm�glich sicher sein, dass die Frau sie vorher nicht aus Verzweiflung verriet. Rolan bot ihr die Flucht an, <emphasis>falls</emphasis> sich die <emphasis>Mera'din</emphasis> zur Abreise entschieden, aber solange sie Wei� trug, w�rde er versuchen, sie unter seine Decke zu bekommen. Und wenn sich die <emphasis>Mera'din</emphasis> gegen die Abreise entschieden, w�rde einer von ihnen ihre Fluchtpl�ne verraten? Wenn man Rolan Glauben schenken wollte, wussten sie alle Bescheid! Hoffnung und Gefahr, beides unaufl�sbar miteinander verkn�pft. Was f�r ein Durcheinander.</p><p>Wie sich herausstellte, hatte sie mit Theravas Reaktion genau ins Schwarze getroffen. Kurz vor Mittag wurden alle <emphasis>Gai'schain</emphasis> hinausgetrieben und mussten sich bis auf die Haut ausziehen. Faile bedeckte sich so gut es ging mit den H�nden und dr�ngte sich an die anderen Frauen, die Sevannas G�rtel und Kragen trugen � die hatten sie sofort wieder anlegen m�ssen �, dr�ngte sich an sie, um wenigstens einen Anflug von Sittsamkeit zu zeigen, w�hrend die Shaido die Zelte der <emphasis>Gai'schain</emphasis> durchw�hlten und alles hinaus in den Schlamm warfen. Faile konnte an nichts anderes als ihr Versteck in der Stadt denken und beten. Hoffnung und Gefahr, und keine M�glichkeit, beides zu entwirren.</p></section><section><title><p>6</p><p>Ein Stab und eine Rasierklinge</p></title><p>Eigentlich hatte Mat nicht damit gerechnet, dass Luca Jurador nach nur einem Tag verlassen w�rde � die von einer Mauer umgebene Salzstadt war reich, und Luca hatte es gern, wenn ein paar M�nzen in seine Tasche wanderten �, also war er nicht unbedingt entt�uscht, als ihm der Mann sagte, dass Valan Lucas Gro�er Wanderzirkus und Pr�chtige Zuschaustellung von Mysterien und Wundern mindestens noch zwei weitere Tage hier bleiben w�rde. Nicht <emphasis>unbedingt</emphasis> entt�uscht, aber er hatte gehofft, dass sein Gl�ck andauern w�rde. Er war ein <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Andererseits hatte ihm <emphasis>ta'veren</emphasis> zu sein niemals etwas anderes als Pech gebracht, soweit es ihn betraf.</p><p>�Die Schlange am Eingang ist bereits so lang wie gestern zur besten Zeit�, sagte Luca mit einer �berheblichen Geste. Sie befanden sich in Lucas gro�em bunten Wohnwagen, fr�h an dem Morgen nach Rennas Tod, und der gro�e Mann sa� auf dem vergoldeten Stuhl an dem schmalen Tisch � einem richtigen Tisch mit darunter geschobenen Hockern f�r Besucher; die meisten anderen Wohnwagen begn�gten sich mit an Seilen von der Decke h�ngenden Behelfstischen, und die Bewohner setzten sich zum Essen aufs Bett. Luca hatte noch keinen seiner grellen M�ntel angezogen, aber er machte das mit seinen Gesten wett. Latelle, seine Frau, kochte auf einem kleinen Ziegelofen mit eisernem Aufsatz, der in eine Ecke des fensterlosen Wagens eingebaut war, den Fr�hst�ckshaferbrei, und die Luft war erf�llt von scharfen Gew�rzen. Die Frau mit dem kantigen Gesicht tat in alles so viele Gew�rze rein, dass es nach Mats Geschmack so gut wie ungenie�bar war, aber Luca schlang alles, was sie ihm vorsetzte, herunter, als w�re es ein Festmahl. Er musste eine Zunge aus Leder haben. �Ich rechne heute mit doppelt so vielen Besuchern, vielleicht sogar dreimal so viel, und f�r morgen gilt das Gleiche. Die Leute k�nnen bei einem Besuch gar nicht alles sehen, und hier k�nnen sie es sich leisten, zweimal zu kommen. Mundpropaganda, Cauthon. Mundpropaganda. Das bringt genauso viele wie Aludras Nachtbl�ten. Ich f�hlte mich fast wie ein <emphasis>Ta'veren,</emphasis> so wie sich die Dinge entwickeln. Ein gro�es Publikum und die Aussicht auf noch mehr. Ein Schutzbrief von der Hochlady.� Luca verstummte abrupt, wirkte peinlich ber�hrt, als w�re ihm gerade erst wieder eingefallen, dass Mats Name in dem Brief von jedem Schutz ausgeklammert wurde.</p><p>�Vermutlich w�rde es Euch gar nicht gefallen, <emphasis>ta'veren</emphasis> zu sein�, murmelte Mat, woraufhin Luca ihm einen seltsamen Blick zuwarf. Er schob einen Finger hinter das schwarze Seidentuch, das die Narbe der Henkersschlinge verbarg, und zog daran. Einen Augenblick lang hatte sich das Ding zu eng angef�hlt. Er hatte eine Nacht mit d�steren Tr�umen �ber flussabw�rts treibende Leichen hinter sich und war zu dem Rattern der W�rfel in seinem Kopf erwacht, was immer ein schlechtes Zeichen war, und jetzt schienen sie h�rter als je zuvor �ber die Innenseite seines Sch�dels zu tanzen. �Ich kann Euch genauso viel bezahlen, wie Ihr mit jedem Auftritt zwischen hier und Lugard einnehmen w�rdet, ganz egal, wie viele Besucher kommen. Zus�tzlich zu dem, was ich Euch daf�r versprochen habe, wenn Ihr uns nach Lugard bringt.� Wenn der Zirkus nicht dauernd anhalten w�rde, k�nnten sie die Zeit, die es dauerte, um nach Lugard zu gelangen, um mindestens drei Viertel reduzieren. Sogar noch mehr, sollte er Luca davon �berzeugen k�nnen, den ganzen Tag auf der Stra�e zu bleiben statt nur den halben, so wie sie es jetzt taten.</p><p>Luca schien die Idee zu gefallen, er nickte nachdenklich, aber dann sch�ttelte er den Kopf mit einem Bedauern, das offensichtlich gespielt war, und breitete die H�nde aus. �Und wie w�rde das aussehen, ein Wanderzirkus, der niemals anh�lt, um eine Vorstellung zu geben ? Es w�rde verd�chtig aussehen, das w�rde es. Ich habe den Freibrief, und die Hochlady wird zu meinen Gunsten sprechen, aber Ihr wollt bestimmt nicht, dass die Seanchaner auf uns aufmerksam werden. Nein, so ist das sicherer f�r uns.� Er dachte nicht an Mat Cauthons verdammte Sicherheit, er dachte daran, dass seine verdammten Vorstellungen ihm m�glicherweise mehr einbrachten als das, was Mat ihm zahlte. Davon abgesehen war es ihm genauso wichtig wie Gold, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, so wie jedem K�nstler. Ein paar Schausteller sprachen davon, was sie machen w�rden, wenn sie sich zur Ruhe setzten. Luca nicht. Er wollte weitermachen, bis er mitten in einer Vorstellung tot umfiel. Und er w�rde daf�r sorgen, dass er dabei das gr��tm�gliche Publikum hatte, wenn es so weit war.</p><p>�Es ist fertig, Valan�, sagte Latelle z�rtlich, als sie den Topf mit einem Tuch, das ihre H�nde sch�tzte, vom Herd nahm und ihn auf dem Tisch auf einer dicken, gewebten Unterlage absetzte. Zwei Pl�tze waren bereits gedeckt, wei� glasierte Teller und Silberl�ffel. Luca musste Silberl�ffel haben, wenn sich alle anderen mit Zinn oder Messing oder sogar Horn oder Holz zufrieden gaben. Die wei�e Sch�rze �ber dem stern�bers�ten blauen Kleid der B�rendompteurin mit dem harten Zug um ihren Mund und dem strengen Blick sah schon merkw�rdig aus. Vermutlich w�nschten sich ihre B�ren, B�ume zum Hinaufklettern zu haben, wenn sie sie streng ansah. Seltsamerweise sprang sie f�rmlich, um f�r das Wohlergehen ihres Mannes zu sorgen.</p><p>�Wollt Ihr mit uns essen, Meister Cauthon?� In diesen Worten lag kein Willkommen, tats�chlich sogar das genaue Gegenteil, und sie machte keine Anstalten, zu dem Geschirrschrank zu gehen.</p><p>Mat entbot ihr eine Verbeugung, was ihre Miene noch m�rrischer machte. Er war der Frau nie anders als ausgesprochen h�flich begegnet, aber sie wollte ihn einfach nicht m�gen. �Ich danke Euch f�r die freundliche Einladung, Frau Luca, aber danke, nein.� Sie grunzte. So viel zur H�flichkeit. Er setzte den Hut mit der kurzen Krempe auf und ging, und die W�rfel klapperten fr�hlich weiter.</p><p>Lucas gro�er Wagen, der rot und blau funkelte und mit goldenen Sternen und Kometen �bers�t war, ganz zu schweigen von den Mondphasen in Silber, stand so weit wie nur m�glich von den stinkenden Tierk�figen und den Pferdekoppeln entfernt. Er war umgeben von niedrigeren Wagen, kleinen H�usern auf R�dern, gr��tenteils fensterlos und in nur einer Farbe gestrichen ohne Lucas zus�tzliche Verzierungen, sowie von Zelten in der Gr��e kleiner H�user in Blau oder Gr�n oder Rot, manchmal auch gestreift. Die Sonne stand fast eine Handbreit �ber dem Horizont an einem Himmel, an dem kleine W�lkchen langsam dahintrieben; Kinder liefen herum und spielten, w�hrend die Artisten sich f�r die Vormittagsvorstellung bereitmachten, M�nner und Frauen, die sich verrenkten und streckten, viele mit glitzerndem, buntem Flitter auf ihren M�nteln und Kleidern. Vier Verbiegungsk�nstler in hauchd�nnen Hosen und Blusen, die durchscheinend genug waren, um nur wenig der Phantasie zu �berlassen, lie�en ihn zusammenzucken. Zwei lagerten neben ihrem roten Zelt auf einer Decke auf dem Boden � auf den K�pfen. Andere hatten sich so ineinander verknotet, dass zweifelhaft war, ob sie sich noch entwirren konnten. Ihr R�ckgrat musste aus Sprungdraht sein! Petra, der Kraftmensch, stand mit nacktem Oberk�rper neben dem gr�nen Wagen, den er sich mit seiner Frau teilte, und w�rmte sich mit Gewichten auf; er stemmte mehr mit einer Hand, als Mat mit zweien stemmen konnte. Der Mann hatte Arme, die dicker als Mats Beine waren, und er schwitzte nicht mal. Clarines kleine Hunde standen in einer Reihe vor der Wagentreppe, wedelten mit dem Schwanz und warteten ungeduldig auf ihre Dompteurin. Im Gegensatz zu Latelles B�ren machten die Hunde ihre Kunstst�cke vermutlich, um die pummelige Frau zum L�cheln zu bringen.</p><p>Mat war immer versucht, sich einfach nur irgendwo ruhig hinzusetzen, solange die W�rfel in seinem Kopf klapperten, an einem Ort, an dem aller Voraussicht nichts passieren w�rde, wo er darauf warten konnte, dass die W�rfel verstummten, und obwohl er gern den Akrobatinnen zugesehen h�tte, von denen einige so luftig wie die Verbiegungsk�nstler gekleidet waren, machte er sich auf den Weg nach dem eine halbe Meile entfernt liegenden Jurador und musterte jeden auf der ungepflasterten Stra�e genau. Da war ein Kauf, den er abzuschlie�en hoffte.</p><p>Leute gesellten sich zu der langen Schlange, die hinter dem stabilen Seil wartete, das vor die hohe Zeltwand des Zirkus gespannt war; nur eine Hand voll der Frauenkleider und der kurzen M�nnerm�ntel trugen aufw�ndige Verzierungen. Ein paar Bauernkarren rumpelten auf ihren hohen R�dern hinter einem Pferd oder Ochsen her. In dem kleinen Wald aus Windm�hlen, die auf den niedrigen H�geln hinter der Stadt die Salzquellen leer pumpten, und um die langen Verdunstungspfannen herum bewegten sich kleine Gestalten. Eine H�ndlerkarawane aus Planwagen � zwanzig davon hinter Sechsergespannen � rollte bei seinem N�herkommen aus dem Stadttor, die Kauffrau sa� in einen hellgr�nen Umhang geh�llt auf dem ersten Wagen neben dem Kutscher. Am Himmel flog ein Kr�henschwarm vorbei und lie� Mat schaudern, aber niemand verschwand vor seinen Augen, und soweit er erkennen konnte, warf jeder einen langen Schatten. Heute bev�lkerten nicht die Schatten der Toten die Stra�e, aber er war davon �berzeugt, dass er genau das am Vortag gesehen hatte.</p><p>Dass die Toten umherwandelten, konnte sicherlich nichts Gutes bedeuten. Mit gro�er Wahrscheinlichkeit hatte das etwas mit Tarmon Gai'don und Rand zu tun. Farben wirbelten durch seinen Kopf, und einen Augenblick lang konnte er vor seinem inneren Auge Rand und Min neben einem gro�en Bett stehen sehen; sie k�ssten sich. Er stolperte und w�re beinahe �ber die eigenen F��e gefallen. Sie waren nackt gewesen! Er w�rde daran denken m�ssen, nicht an Rand zu denken� Die Farben wirbelten umher und verdichteten sich kurz zu einem festen Bild, und er stolperte erneut. Es gab Dinge, die heimlich zu beobachten noch schlimmer waren als ein Kuss. Er w�rde seine Gedanken <emphasis>kontrollieren</emphasis> m�ssen. Beim Licht!</p><p>Die beiden W�chter, die sich an dem eisenbeschlagenen Tor auf ihre Hellebarden st�tzten, hartgesichtige M�nner mit wei�en Brustpanzern und konischen wei�en Helmen mit Rosshaarb�schen, musterten ihn misstrauisch. Vermutlich hielten sie ihn f�r betrunken. Ein beruhigendes Nicken hatte nicht den geringsten Einfluss auf ihre Mienen. In diesem Moment h�tte er wirklich einen ordentlichen Schluck gebrauchen k�nnen. Die W�chter machten allerdings keine Anstalten, ihn am Betreten der Stadt zu hindern, sondern sahen ihm nur nach. Betrunkene machten �rger, vor allem ein Mann, der schon so fr�h am Tag betrunken war, aber ein Betrunkener in einem guten Mantel � zwar schlicht, aber von gutem Schnitt und aus teurer Seide �, ein Mann mit etwas Spitzenbesatz an den �rmeln war eine ganze andere Sache.</p><p>Die Kopfsteinpflasterstra�en von Jurador waren selbst zu dieser Stunde l�rmerf�llt. Stra�enh�ndler trugen Bauchl�den oder standen hinter Schubkarren und boten lautstark ihre Waren feil, die Ladenbesitzer hinter den schmalen Tischen vor ihren Gesch�ften priesen br�llend die Qualit�t ihres Angebots, und K�fer h�mmerten Reifen auf die zum Salztransport bestimmten F�sser. Das Rattern der Webst�hle der Teppichweber �bert�nte beinahe das Klirren der Schmiedeh�mmer, ganz zu schweigen die Musik der Fl�ten und Trommeln und Lauten, die aus den Schenken und Gasth�usern drang. Es war eine un�bersichtliche Stadt, Gesch�fte und H�user und Schenken standen direkt neben Gasth�usern und Mietst�llen, und alle waren aus Stein erbaut und hatten rote Dachschindeln. Jurador war eine richtige Stadt. Und eine, die an Diebe gew�hnt war. Die meisten Fenster im Erdgeschoss waren mit stabilen Gittern versehen. Bei den H�usern der Reichen � zweifellos gr��tenteils Salzh�ndler � auch die Fenster der oberen Stockwerke. Die Musik der Schenken und Gasth�user zog Mat an. Vermutlich w�rde es in den meisten von ihnen W�rfelspiele geben. Er konnte beinahe f�hlen, wie die W�rfel �ber den Tisch tanzten. Es war lange her, dass er ein paar W�rfel in der Hand gesch�ttelt hatte, statt sie in seinem Kopf zu h�ren, aber er war an diesem Morgen nicht zum Spielen hier.</p><p>Er hatte noch nicht gefr�hst�ckt, also trat er auf eine alte Frau zu, deren Bauchladen von einem Riemen um ihren Hals gehalten wurde und die �Fleischpasteten, gemacht aus dem besten Rind in ganz Altara� rief. Er nahm sie beim Wort und gab ihr die verlangten Kupferm�nzen. Auf keinem der Bauernh�fe in der N�he von Jurador hatte er Rinder gesehen, nur Schafe und Ziegen, aber es war besser, sich nicht zu genau nach dem Inhalt der Fleischpasteten zu erkundigen, die man auf der Stra�e kaufte. In keiner Stadt. Vielleicht gab es ja Rinder auf den nahe gelegenen H�fen. M�glich war es. Auf jeden Fall schmeckte die Fleischpastete, und sie war erfreulicherweise sogar noch hei�, und er ging durch die bev�lkerten Stra�en, jonglierte mit der Pastete und wischte sich das Fett vom Kinn.</p><p>Er achtete darauf, mit niemanden in der Menge zusammenzusto�en. Altaraner waren allesamt ein empfindlicher Haufen. In dieser Stadt konnte man den Status einer Person exakt am Ausma� der Stickereien auf Mantel, Kleid oder Umhang erkennen � lange bevor man nahe genug heran war, um Wolle von Seide unterscheiden zu k�nnen. Je mehr, desto h�her. Die reicheren Frauen verh�llten die olivefarbenen Gesichter mit durchsichtigen Schleiern, die von verzierten, in die festen Z�pfe gesteckten K�mmen gehalten wurden, aber alle, ob M�nner oder Frauen, ob Salzh�ndler oder B�nderverk�ufer, trugen lange G�rtelmesser mit gekr�mmter Klinge und t�tschelten gelegentlich den Griff, als w�ren sie auf einen Kampf aus. Mat versuchte immer, einem Kampf aus dem Weg zu gehen, auch wenn ihn sein Gl�ck meistens im Stich lie�, was das anging. Das war wohl das Los von <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Die W�rfel hatten noch nie einen Kampf angek�ndigt � Schlachten, ja, aber noch nie einen Stra�enkampf-, trotzdem bewegte er sich sehr vorsichtig. Nicht, dass das helfen w�rde. Wenn die W�rfel verstummten, dann verstummten sie, und das war es dann. Aber er sah keinen Grund, Risiken einzugehen. Er hasste es, Risiken einzugehen. Mit Ausnahme beim Gl�cksspiel nat�rlich, und das war f�r ihn nur selten ein Risiko.</p><p>Vor einem Laden, in dem die ausgestellten Schwerter und Dolche von einem massigen Burschen mit groben Kn�cheln, einer Nase, die mehr als einmal gebrochen worden war, und einem dicken Kn�ppel neben dem unvermeidlichen Dolch bewacht wurden, entdeckte er ein Fass voller Wanderst�be und St�cke. Der Mann verk�ndete mit rauer Stimme, dass alle ausgestellten Klingen in Andor hergestellt worden waren, aber jeder, der seine Klingen nicht selbst schmiedete, behauptete, sie w�rden aus Andor oder irgendwo aus den Grenzl�ndern kommen. Manchmal auch aus Tear. Tear stellte guten Stahl her.</p><p>Zu Mats �berraschung und Entz�cken ragte ein schlanker Stab aus dem Fa�. Anscheinend aus schwarzem Eibenholz war er beinahe einen Fu� l�nger als er. Er zog den Stab heraus und �berpr�fte die feine, leicht ge�derte Maserung. Es handelte sich tats�chlich um schwarzes Ebenholz. Es war die ge�derte Maserung, die daraus hergestellten Bogen solche Durchschlagskraft verlieh, beinahe doppelt so viel wie bei anderem Holz. Man konnte sich zwar nie sicher sein, bevor man das �berfl�ssige Holz abschliff, aber der Stab sah perfekt aus. Wie beim Licht hatte schwarzes Ebenholz seinen Weg ins s�dliche Altara gefunden? Er war sich sicher, dass es nur in den Zwei Fl�ssen wuchs.</p><p>Als die Ladenbesitzerin, eine schlanke Frau, die unter dem Busen hellgefiederte V�gel aufgestickt trug, heraustrat und sofort die Vorz�ge ihrer Klingen anpries, sagte er: �Was kostet dieser schwarze Stock, Frau?�</p><p>Sie blinzelte, �berrascht, dass ein Mann in Seide und Spitze einen Wanderstab haben wollte � sie glaubte doch allen Ernstes, dass das verdammte Ding ein Wanderstab war! �, und nannte einen Preis, den er ohne zu feilschen bezahlte. Das lie� sie erneut blinzeln und die Stirn runzeln, so als h�tte sie mehr verlangen sollen. Und er h�tte mehr f�r das Grundmaterial eines Zwei-Fl�sse-Bogens bezahlt. Mit auf die Schulter gelegtem Bogenstab ging er weiter, schlang den Rest der Fleischpastete herunter und wischte sich die Hand am Mantel ab. Aber er war genauso wenig f�r ein Fr�hst�ck oder einen Bogenstab gekommen wie zum Spielen. Es waren die St�lle, die ihn interessierten.</p><p>Mietst�lle boten immer ein paar Pferde zum Verkauf an, und wenn der Preis stimmte, verkauften sie f�r gew�hnlich auch welche, die eigentlich nicht zum Verkauf standen. Zumindest taten sie es, solange die Seanchaner sie sich nicht bereits geschnappt hatten. Gl�cklicherweise hatte es in Jurador bislang nur fl�chtige Begegnungen mit den Seanchanern gegeben. Er wanderte von einem Stall zum n�chsten und sah sich Braune und Rotschimmel an, Grauschimmel und Schecken, Falben, Rotf�chse, Rappen, Schimmel und Graue, alles nur Stuten oder Wallache. Ein Hengst kam nicht in Frage. Nicht jedes begutachtete Tier hatte einen schmalen Brustumfang oder lange Beinknochen, vor allem zu lange Hinterr�hren, dennoch kam keines seinen Vorstellungen nahe. Bis er einen schmalen Stall betrat, der zwischen dem gro�en Gasthaus <emphasis>Die Zw�lf Salzquellen</emphasis> und einem Teppichladen gequetscht stand.</p><p>Eigentlich h�tte man denken sollen, dass die lauten Teppichwebst�hle die Pferde unruhig machten, aber sie alle waren ruhig, anscheinend an den L�rm gew�hnt. Die Boxen erstreckten sich tiefer in den H�userblock hinein, als er gedacht h�tte, aber Laternen an den Pfosten sorgten auch ein St�ck vom Eingangstor entfernt f�r ausreichend Licht. In der Luft schwebte der Staub von dem Heuboden; sie roch nach Heu und Hafer und Pferdemist, aber es war kein alter Mist. M�nner mit Schaufeln misteten die Boxen aus. Der Besitzer hielt den Ort sauber. Das bedeutete, dass hier das Krankheitsrisiko geringer war. Einige St�lle hatte er nach dem ersten Atemzug sofort wieder verlassen.</p><p>Die schwarze-wei�e Stute wurde vor ihrer Box von einem Seilhalfter gehalten, w�hrend ein Stallbursche frisches Stroh hineinwarf, und sie stand ruhig da, die Ohren aufmerksam nach vorn gelegt. Etwa f�nfzehn Handspannen gro� hatte sie einen ordentlichen Brustumfang, der Ausdauer versprach, und die Beine waren perfekt proportioniert, mit kurzen Hinter- und Vorderr�hren und Fesselgelenken im richtigen Winkel. Ihre Schultern wiesen eine gute Kr�mmung auf, und ihre Kruppe lag auf einer Ebene mit ihrem Widerrist. Ihre Linien waren genauso gut wie die von Pips, vielleicht sogar noch besser. Mehr noch, sie geh�rte zu einer Rasse, von der er zwar geh�rt, die er aber niemals geglaubt hatte zu Gesicht zu bekommen, eine Rasierklinge aus Arad Doman. Keine andere Rasse hatte diese auffallende F�rbung. Auf dem Fell trafen schwarze Linien auf wei�e, und zwar so exakt, als h�tte man sie mit einer Rasierklinge geschnitten. Daher kam auch der Name. Ihre Anwesenheit hier war genauso unerkl�rlich wie das schwarze Ebenholz. Mat hatte immer nur geh�rt, dass kein Domani jemals eine Rasierklinge an einen Ausl�nder verkaufen w�rde. Er lie� den Blick an ihr vorbeischweifen, ohne ihn auf ihr verharren zu lassen, und musterte die anderen Pferde in ihren Boxen. Waren die W�rfel in seinem Kopf langsamer geworden? Nein, das war nur seine Einbildung. Er war sich sicher, dass sie genauso laut klapperten wie in Lucas Wagen.</p><p>Ein drahtiger Mann mit einem grauen Haarkranz trat auf ihn zu und beugte den Kopf �ber die gefalteten H�nde. �Toke Fearnim, mein Lord�, stellte er sich mit einem rauen Akzent vor und musterte den Bogenstab auf Mats Schulter misstrauisch. M�nner in Seidenm�nteln und mit goldenen Siegelringen trugen nur selten solche Dinge. �Wie kann ich Euch dienen? M�chte mein Lord ein Pferd mieten? Oder eins kaufen?� Die Schultern seiner Weste waren mit kleinen hellen Blumen bestickt, darunter trug er ein Hemd, das einstmals wei� gewesen war. Mat vermied es, auf die Blumen zu sehen. Der Kerl hatte eines dieser gekr�mmten Messer am G�rtel und zwei lange wei�e Narben auf dem ledrigen Gesicht. Alte Narben. Falls er in letzter Zeit in einen Kampf geraten war, hatte der ihn nirgendwo gezeichnet, wo man es sehen konnte.</p><p>�Kaufen, Meister Fearnim, falls Ihr etwas zu verkaufen habt. Falls ich etwas halbwegs Vern�nftiges finden kann. Man wollte mir mehr lahme Abdeckerkandidaten anbieten, als mir lieb ist. Die sollten angeblich sechs Jahre alt sein und waren mindestens achtzehn.� Er hob den Bogenstab mit einem Grinsen ein St�ck an. Sein Vater behauptete, dass ein Handel besser ablief, wenn man sein Gegen�ber zum Grinsen brachte.</p><p>�Ich habe drei zum Verkauf, mein Lord, und keines davon ist reif f�r den Abdecker�, erwiderte der drahtige Mann mit einer weiteren Verbeugung und ohne auch nur den Anflug eines Grinsens. Fearnim streckte den Arm aus. �Eines ist gerade aus seiner Box. F�nf Jahre alt und gro�artiges Pferdefleisch, mein Lord. Und f�r zehn Kronen ein wahres Schn�ppchen. Goldkronen�, f�gte er n�chtern hinzu.</p><p>Mat blieb der Mund offen stehen. �F�r einen <emphasis>Schwarzschecken'!</emphasis> Ich wei�, dass die Seanchaner die Preise in die H�he getrieben haben, aber das ist l�cherlich!�</p><p>�Oh, sie ist kein gew�hnlicher Schwarzschecken, mein Lord. Sie ist eine Rasierklinge. Adlige Domani reiten Rasierklingen.�</p><p>Blut und verdammte Asche! So viel zu dem Versuch, hier ein Schn�ppchen zu machen. �Das sagt Ihr, das sagt Ihr�, murmelte Mat und senkte den Bogenstab auf den Steinboden, damit er sich darauf st�tzen konnte. Sein Bein machte ihm nur noch selten zu schaffen, es sei denn, er lief lange Strecken, aber das hatte er an diesem Morgen, und es tat weh. Nun, Schn�ppchen oder nicht, er musste das Spiel spielen. Pferdehandel hatte seine Regeln. Brach man sie, und man bettelte f�rmlich darum, dass einem der Geldbeutel geleert wurde. �Ich habe noch nie von einem Pferd geh�rt, das man Rasierklinge nennt. Was habt Ihr sonst noch? Nur ein Wallach oder eine Stute.�</p><p>�Abgesehen von der Rasierklinge habe ich nur Wallache, mein Lord�, sagte Fearnim und betonte das Wort Rasierklinge leicht. Er wandte sich dem Stallinneren zu und rief: �Adela, bring mal den gro�en Braunen, der zum Verkauf steht.�</p><p>Ein schlankes, pickliges M�dchen in Hosen und einer einfachen dunklen Weste kam aus dem Hintergrund des Stalls geschossen, um zu gehorchen. Fearnim lie� Adela den Braunen und dann einen Grauschecken an Stricken in das gute Licht neben dem Tor f�hren. Mat musste es ihm zugestehen. Ihr K�rperbau war nicht �bel, aber der Braune war zu gro�, fast mehr als siebzehn Handspannen, und der Grauschecke hatte die Ohren zur�ckgelegt und versuchte zweimal, Adelas Hand zu bei�en. Aber sie kam gut mit den Tieren zurecht, wich den Schnappversuchen des �bellaunigen Grauschecken aus. Die beiden abzulehnen w�re selbst dann einfach gewesen, wenn er sich nicht schon f�r die Rasierklinge entschieden h�tte.</p><p>Ein schlanker, grau gestreifter Kater, der wie ein Miniaturbergl�we aussah, erschien und setzte sich zu Fearnims F��en, um sich eine blutige Schramme an der Schulter zu lecken. �Die Ratten sind dieses Jahr schlimmer, als ich mich erinnern kann�, murmelte der Stallbesitzer und schaute stirnrunzelnd auf die Katze herunter. �Sie wehren sich auch mehr. Ich werde mir noch eine weitere Katze besorgen m�ssen, vielleicht auch zwei.� Er konzentrierte sich wieder auf das. Gesch�ft. �M�chte sich der Lord vielleicht doch meinen Schatz ansehen, da ihm die anderen nicht zusagen?�</p><p>�Vielleicht sollte ich mir den Schwarzschecken mal ansehen, Meister Fearnim�, sagte Mat zweifelnd. �Aber nicht f�r zehn Kronen.�</p><p>�In Gold�, sagte Fearnim. �Hurd, f�hr dem Lord mal die Rasierklinge vor.� Er betonte wieder die Rasse. Den Mann herunterzuhandeln w�rde schwierig werden. Es sei denn, <emphasis>ta'veren</emphasis> zu sein half ihm mal zur Abwechslung. Sein Gl�ck half ihm nie bei so etwas einfachem wie Feilschen.</p><p>Hurd war der Bursche, der das Heu in der Box der Rasierklinge aufgefrischt hatte, ein gedrungener Mann mit noch etwa drei wei�en Haaren auf dem Kopf und keinem einzigen Zahn mehr im Mund. Das wurde ersichtlich, wenn er grinste, was er tat, als er die Stute im Kreis f�hrte. Offensichtlich mochte er das Tier, und das war auch richtig so.</p><p>Sie ging gut, aber Mat begutachtete sie trotzdem genau.</p><p>Ihre Z�hne verrieten, dass Fearnim durchaus ehrlich gewesen war, was ihr Alter betraf � nur ein Narr log kr�ftig �ber das Alter eines Pferdes, es sei denn, der K�ufer war selbst ein Narr, obwohl es �berraschend war, wie viele Verk�ufer glaubten, dass alle K�ufer genau das waren �, und sie spitzte die Ohren, als er ihre Nase streichelte, w�hrend er ihre Augen untersuchte. Sie waren klar und sauber, ohne jeden Schleim. Er tastete die Beine ab, ohne eine hei�e Stelle oder Schwellungen zu finden. Es gab auch sonst keinerlei Anzeichen f�r Verletzungen oder Bandw�rmer an ihr. Er konnte seine Faust m�helos zwischen Brustkorb und ihren Ellbogen legen � sie w�rde einen langen Schritt haben �, und konnte kaum die flache Hand zwischen ihre letzte Rippe und den H�ftkamm bekommen. Sie w�rde robust sein, sich kaum eine Sehne zerren, wenn sie schnell lief.</p><p>�Wie ich sehe, kennt sich mein Lord mit Pferden aus.�</p><p>�Das tue ich, Meister Faernim. Und zehn Goldkronen sind zu viel, vor allem f�r einen Grauschecken. Manche sagen, sie br�chten Ungl�ck. Nicht, dass ich das glaube, oder ich w�rde �berhaupt nichts bieten.�</p><p>�Ungl�ck? Davon habe ich noch nie geh�rt, mein Lord. Was w�rdet Ihr bieten?�</p><p>�Ich k�nnte tairenische Vollbl�ter f�r zehn Goldkronen bekommen. Nicht die besten, das ist wahr, aber immerhin tairenische. Ich gebe Euch zehn Kronen. In Silber.�</p><p>Fearnim warf den Kopf in den Nacken, lachte gr�lend, und als er damit aufh�rte, machten sie sich ans Feilschen. Am Ende gab Mat f�nf Goldkronen und vier Goldmark und drei Silberkronen, die alle in Ebou Dar gepr�gt worden waren. In dem Kasten unter seinem Bett befanden sich M�nzen aus vielen L�ndern, aber bei fremden M�nzen musste man meistens einen Bankier oder Geldwechsler finden, die sie dann wogen und ausrechneten, was sie vor Ort wert waren. Aber davon abgesehen, dass das mehr Aufmerksamkeit erregte, als ihm lieb war, h�tte er nur noch mehr f�r das Tier gezahlt, m�glicherweise sogar die vollen zehn Goldkronen. Die Waagen der Geldwechsler schienen immer auf diese Weise zu arbeiten.</p><p>Er hatte nicht damit gerechnet, dass der Mann so weit heruntergehen w�rde, aber seinem Gesichtsausdruck und dem Grinsen nach zu urteilen, hatte er nie erwartet, so viel zu bekommen. Das war die beste Art, wie ein Pferdehandel enden sollte, dass beide Seiten dachten, sie h�tten das bessere Gesch�ft gemacht. Alles in allem hatte der Tag sehr gut angefangen, verdammte W�rfel oder nicht. Er h�tte wissen m�ssen, dass es nicht so bleiben w�rde.</p><p>Als er gegen Mittag wieder beim Zirkus ankam � er ritt die Rasierklinge ohne Sattel wegen seiner Schmerzen und den klappernden W�rfeln in seinem Kopf �, war die Schlange viel l�nger als bei seinem Aufbruch; alle warteten darauf, unter dem gro�en blauen Banner durchgehen zu k�nnen, auf dem der Name des Zirkus in gro�en roten Buchstaben stand. Wenn die Leute ihre M�nzen in den durchsichtigen Glaskrug warfen, der von einem st�mmigen Pferdeknecht in einem groben Wollmantel gehalten wurde und von dort unter den wachsamen Blicken eines weiteren, noch st�mmigeren Pferdeknechts in eine eisenbeschlagene Kiste gesch�ttet wurden, stellten sich noch mehr Zuschauer an, sodass die Schlange nie kleiner zu werden schien. Sie erstreckte sich bis zum Seilende und dann um die Ecke. Es war ein kleines Wunder, dass niemand dr�ngelte. Es waren offensichtlich Bauern, die da in der Reihe standen, in einfache Wolle gekleidet und mit in ihren Handfl�chen eingegrabener Erde, auch wenn zumindest die Gesichter der Kinder und Bauersfrauen sauber geschrubbt waren. Luca bekam leider die erhoffte Menge. Unm�glich, ihn jetzt noch davon zu �berzeugen, morgen aufzubrechen. Die W�rfel besagten, dass etwas passieren w�rde, etwas Schicksalhaftes f�r den verfluchten Mat Cauthon, aber was? Es war schon vorgekommen, dass die W�rfel aufgeh�rt hatten und er nicht immer gewusst hatte, was eigentlich passiert war.</p><p>Innerhalb des Zirkus str�mten die Leute vorbei und genossen die Darstellungen der K�nstler, die beide Seiten der Hauptstra�e s�umten. Aludra �berwachte die Lieferung von zwei Wagenladungen F�ssern in verschiedener Gr��e. Anscheinend mehr als die F�sser. �Ich zeige euch, wo ihr die Wagen abstellen k�nnt�, sagte die schlanke Frau zu dem Kutscher des ersten Wagens, einem schlanken Mann mit hervorstehendem Kinn. Aludras taillenlange, mit Perlen geschm�ckte Z�pfe pendelten, als ihr Blick Mat einen Moment lang folgte, aber sie konzentrierte sich schnell wieder auf den Kutscher. �Die Pferde, die bringt ihr zu den Pferdeseilen, ja?�</p><p>Was hatte sie denn da in solcher Menge gekauft? Sicherlich etwas f�r ihre Feuerwerke. Jeden Abend kurz nach Einbruch der Dunkelheit, sodass es auch jeder sehen konnte, bevor er zu Bett ging, startete sie ihre Nachtblumen, zwei oder mehr f�r eine Stadt von der Gr��e Juradors oder falls mehrere D�rfer in enger Nachbarschaft zueinander standen. Er hatte sich Gedanken dar�ber gemacht, warum sie einen Glockengie�er suchte, aber der einzige Grund, der anscheinend Sinn machte, machte tats�chlich nicht den geringsten Sinn, soweit es ihn betraf.</p><p>Er versteckte die Stute bei den Pferdeseilen. Nun, eigentlich war es unm�glich, eine Rasierklinge zu verstecken, aber ein Pferd fiel nun einmal weniger unter anderen Pferden auf, und der richtige Zeitpunkt war noch nicht gekommen. Den Bogenstab lie� er in dem Wagen, den er sich mit Egeanin und Domon teilte und die nicht da waren, dann begab er sich zu Tuons Wagen mit dem verblichenen purpurfarbenen Anstrich. Der stand nicht weit von Lucas Wagen entfernt, obwohl sich Mat w�nschte, er w�re in der N�he der Proviantwagen geblieben. Nur Luca und seine Frau wussten, dass Tuon eine Hochlady und keine Dienerin war, die Egeanins angeblichem Ehemann hatte verraten wollen, dass sie und Mat ein Liebespaar waren, aber viele der Artisten wunderten sich bereits dar�ber, warum Mat mehr Zeit mit Tuon als mit Egeanin verbrachte. Wunderten sich und missbilligten es. Es war gr��tenteils ein seltsam spr�der Haufen, selbst die Verrenkungsk�nstler. Mit der Ehefrau eines grausamen Lords wegzulaufen war romantisch. Mit der Dienerin der Frau herumzumachen war abscheulich. Tuons Wagen diesen Stellplatz zu geben, der unter Leuten, die seit Jahren mit Luca zusammen und seine angesehensten Darsteller waren, sehr begehrt war, w�rde das Gerede nur noch weiter anfachen.</p><p>Da die W�rfel in seinem Kopf dr�hnten, z�gerte Mat eigentlich, zu Tuon zu gehen. Sie waren zu oft in ihrer Gegenwart verstummt, und er kannte noch immer nicht den Grund daf�r, nicht f�r ein einziges Mal. Jedenfalls nicht mit Sicherheit. Beim ersten Mal hatte es vielleicht daran gelegen, dass er sie kennen gelernt hatte. Bei dem Gedanken daran wollten sich seine Nackenhaare noch immer aufrichten. Doch bei Frauen ging man halt immer ein Risiko ein. Bei einer Frau wie Tuon zehn Risiken am Tag, und man kannte nie die Gefahren, bis es zu sp�t war. Manchmal fragte er sich, warum ihn sein Gl�ck bei Frauen immer im Stich lie�. Frauen waren sicherlich genauso unberechenbar wie ein ehrliches W�rfelspiel.</p><p>Vor dem Wagen stand keiner der Rotwaffen Wache � dar�ber waren sie mittlerweile hinaus �, also stieg er die kleine Treppe an der Hinterseite des Wagens hinauf und klopfte einmal, bevor er die T�r �ffnete und eintrat. Schlie�lich bezahlte er die Miete f�r das Ding, und sie w�rden wohl kaum zu dieser Tageszeit unbekleidet in den Betten liegen.</p><p>Au�erdem hatte die T�r einen Riegel, falls sie Leute drau�en halten wollten.</p><p>Frau Anan war irgendwo anders besch�ftigt, trotzdem war es eng im Wagen. Der schmale Tisch war an seinen Seilen von der Decke herabgelassen worden, nicht zueinander passende Teller mit Brot, Oliven und K�se standen dort zusammen mit einer von Lucas hohen silbernen Weinkannen, einem rot gestreiften Krug und mit Blumen bemalten Bechern.</p><p>Tuon sa� auf dem einzigen Hocker des Wagens am anderen Tischende, dichte schwarze Locken, die einen Monat lang gewachsen waren, auf dem Kopf. Selucia sa� auf dem einen Bett an ihrer Seite, und Noal und Olver auf dem anderen Bett, die Ellbogen auf den Tisch gestemmt. Heute trug Selucia ein dunkelblaues Ebou Dari-Kleid, das ihren beeindruckenden Busen so gut zur Geltung brachte, dazu geh�rte ein gebl�mtes Tuch um den Kopf. Tuon trug ein rotes Kleid, das vollst�ndig aus winzigen Falten zu bestehen schien. Beim Licht, er hatte ihr die Seide doch erst gestern gebracht! Wie hatte sie es nur geschafft, die Zirkusn�herin dazu zu bringen, das Kleid jetzt schon fertig zu haben? Er war sich ziemlich sicher, dass das f�r gew�hnlich l�nger als einen Tag dauerte. Vermutlich mit gro�z�gigen Angeboten seines Goldes. Nun, wenn man einer Frau Seide kaufte, musste man damit rechnen, dass man auch f�r das Schneiderhandwerk bezahlte. Er hatte das Sprichwort als Junge geh�rt, als er niemals damit gerechnet hatte, sich Seide leisten zu k�nnen, aber es war die Wahrheit.</p><p>�� man sieht nur die Frauen au�erhalb ihrer D�rfer�, sagte Noal gerade, aber der wei�haarige knorrige alte Mann unterbrach sich, als Mat den Wagen betrat und die T�r hinter sich zuzog. Der Spitzenbesatz an Noals Handgelenken hatte bessere Tage gesehen, genau wie der gut geschnittene Mantel aus feiner grauer Wolle, aber beides war sauber und ordentlich. Doch in Wahrheit sahen sie in Verbindung mit seinen krummen Fingern und dem zerschlagenen Gesicht seltsam aus. Die geh�rten einem alternden Wirtshausschl�ger, der lange nach seinen besten Tagen weitergek�mpft hatte. Olver, der den guten blauen Mantel trug, den Mat f�r ihn hatte schneidern lassen, grinste so breit wie ein Ogier. Beim Licht, er war ein guter Junge, aber mit diesen gro�en Ohren und dem breiten Mund w�rde er nie besonders anziehend sein. Seine Art mit Frauen umzugehen musste noch wesentlich verbessert werden, falls er da jemals Gl�ck haben wollte. Mat hatte versucht, mehr Zeit mit Olver zu verbringen, ihm den Einfluss seiner �Onkel� Vanin und Harnan und den anderen Rotwaffen zu entziehen, und der Junge schien das zu genie�en. Wenn auch nicht so sehr wie mit Tuon Schlangen und F�chse zu spielen und Selucias Busen anzustarren. Es war ja sch�n und gut, wenn die Burschen Olver beibrachten, wie man mit dem Bogen schoss und dem Schwert umging und dergleichen, aber falls Mat jemals herausfand, wer ihm beibrachte, l�stern zu grinsen�</p><p>�Manieren, Spielzeug�, sagte Tuon mit einem breiten Akzent wie Honig, der aus einer Speise rann. Harter Honig. Solange sie nicht mit ihm Steine spielte, war ihr Gesichtsausdruck in seiner N�he f�r gew�hnlich streng genug f�r einen Richter, der ein Todesurteil verh�ngte, und ihr Ton passte dazu. �Ihr klopft, dann wartet Ihr auf die Erlaubnis zum Eintreten. Es sei denn, man ist Besitz oder Diener. Dann klopft man nicht. Au�erdem habt Ihr Fett auf dem Mantel. Ich erwarte, dass Ihr Euch sauber haltet.�</p><p>Olvers Grinsen verblasste, als er h�rte, wie Mat ger�gt wurde. Noal fuhr sich mit den krummen Fingern durch das lange Haar und seufzte, dann fing er an, den gr�nen Teller vor ihm zu mustern, als hoffte er, einen Smaragd zwischen den Oliven zu finden.</p><p>Grimmiger Tonfall oder nicht, Mat genoss es, die dunkelh�utige kleine Frau zu betrachten, die seine Ehefrau sein sollte. Die zur H�lfte bereits seine Frau war. Beim Licht, sie musste blo� drei S�tze sagen, und die Sache war erledigt! Aber sie war wundersch�n! Zuerst hatte er sie f�r ein Kind gehalten, aber das hatte nur an ihrer Gr��e gelegen, und ihr Gesicht war von einem durchsichtigen Schleier verh�llt gewesen. Ohne den Schleier war es offensichtlich, dass das herzf�rmige Gesicht zu einer Frau geh�rte. Ihre gro�en Augen waren dunkle Teiche, in denen ein Mann sein Leben lang herumschwimmen konnte. Ihr seltenes L�cheln konnte geheimnisvoll oder schelmisch sein, und er genoss es. Es gefiel ihm, sie zum Lachen zu bringen. Zumindest wenn sie ihn nicht auslachte. Sicher, sie war etwas schlanker, als er bevorzugte, aber falls es ihm je gelingen sollte, einen Arm um sie zu legen, ohne dass Selucia in der N�he war, glaubte er, dass sie sich genau richtig anf�hlen w�rde. Und m�glicherweise konnte er sie dazu bringen, ihm mit diesen vollen Lippen ein paar K�sse zu geben. Beim Licht, davon tr�umte er manchmal! Es st�rte ihn auch nicht, dass sie ihn zurechtwies, als w�ren sie bereits verheiratet. Nun gut, es st�rte ihn selten. Sollte er doch zu Asche verbrennen, wenn er je begriff, was an ein bisschen Fett so schlimm war. Lopin und Nerim, die beiden Diener, mit denen er geschlagen war, w�rden sich darum pr�geln, wer den Mantel sauber machen durfte. Sie hatten so wenig zu tun, dass sie das wirklich tun w�rden, wenn er keinen f�r die Aufgabe bestimmte. Das sagte er ihr aber nicht. Frauen gefiel nichts mehr, als einen dazu zu bringen, sich zu verteidigen, und sobald man damit anfing, hatten sie gewonnen.</p><p>�Ich werde versuchen, mir das zu merken, mein Juwel�, sagte er mit seinem besten L�cheln, schob sich neben Selucia und legte den Hut neben sich. Die Decke zwischen ihnen schlug Falten, und obwohl sie ein Fu� Abstand trennte, h�tte man denken k�nnen, dass er sich an ihren Schenkel gepresst h�tte. Ihre Augen waren blau, aber der w�tende Blick, den sie ihm zuwarf, war hei� genug, um ein Loch in seinen Mantel zu brennen. �Ich hoffe, in Olvers Becher ist mehr Wasser als Wein.�</p><p>�Es ist Ziegenmilch�, sagte der Junge indigniert. Nun ja, vielleicht war Olver auch noch etwas zu jung f�r ordentlich verd�nnten Wein.</p><p>Tuon richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf, aber sie war immer noch kleiner als Selucia, die schon eine kleine Frau war. �Wie habt Ihr mich genannt?�, fragte sie so scharf, wie ihr Akzent erlaubte.</p><p>�Mein Juwel. Ihr habt einen Kosenamen f�r mich, also dachte ich, ich finde einen f�r Euch, mein Juwel.� Selucia stand kurz davor, dass ihr die Augen aus dem Kopf quollen.</p><p>�Ich verstehe�, murmelte Tuon und sch�rzte nachdenklich die Lippen. Die Finger ihrer rechten Hand bewegten sich wie unbewusst, und Selucia rutschte sofort vom Bett und ging zu einer der Kommoden. Sie nahm sich allerdings die Zeit, ihm �ber Tuons Kopf hinweg einen b�sen Blick zuzuwerfen. �Sehr gut�, sagte Tuon nach einem Moment.</p><p>�Es wird interessant sein zu sehen, wer <emphasis>dieses</emphasis> Spiel gewinnt, Spielzeug.�</p><p>Mats L�cheln gefror. Spiel? Er versuchte doch blo�, das Gleichgewicht wieder etwas zu richten. Aber sie sah darin ein Spiel, und das bedeutete, er konnte verlieren. W�rde vermutlich verlieren, da er keine Ahnung hatte, um was f�r ein Spiel es hier ging. Warum machten Frauen die Dinge immer nur so� kompliziert?</p><p>Selucia nahm wieder ihren Platz ein und stellte einen angesto�enen Becher vor ihn sowie einen blau glasierten Teller mit einem halben Laib knusprigem Brot, sechs verschiedenen Arten Oliven und drei Sorten K�se. Das munterte ihn wieder auf. Er hatte darauf gehofft, wenn auch nicht damit gerechnet. Hatte man eine Frau dazu gebracht, dass sie einem zu Essen gab, fiel es ihr schwer, einen davon abzuhalten, wieder die F��e unter ihren Tisch zu stellen.</p><p>�Das Interessante daran ist�, sagte Noal und fuhr mit seiner Geschichte fort, �in diesen Ayyad-D�rfern kann man Frauen jeden Alters sehen, aber keine M�nner, die weit �ber zwanzig sind. Nicht einen.� Olvers Augen wurden noch gr��er. Der Junge sog Noals Geschichten regelrecht auf, �ber die L�nder, die er gesehen hatte, sogar die L�nder jenseits der Aiel-W�ste, schluckte sie ganz ohne Butter.</p><p>�Seid Ihr mit Jain Charin verwandt, Noal?� Mat kaute eine Olive und spuckte den Kern diskret in die Hand. Das Ding schmeckte, als st�nde es kurz vor dem Verderben. Genau wie die n�chste. Aber er war hungrig, also stopfte er sie in sich hinein und lie� den kr�meligen wei�en Ziegenk�se folgen, w�hrend er Tuons Stirnrunzeln ignorierte.</p><p>Das Gesicht des alten Mannes wurde so starr wie ein Stein, und Mat hatte ein St�ck Brot abgerissen und auch das gegessen, bevor Noal antwortete. �Ein Cousin�, sagte er schlie�lich widerstrebend. �Er war mein Cousin.�</p><p>�Ihr seid verwandt mit Jain Fernstreicher?�, sagte Olver aufgeregt. <emphasis>Die Reisen vo n Jain Fernstreicher</emphasis> war das Lieblingsbuch seines Vaters gewesen, das er weit �ber seine Schlafenszeit hinaus im Lampenschein gelesen h�tte, h�tten Juilin und Thera es erlaubt. Wenn er gro� war, wollte er alles sehen, was Fernstreicher gesehen hatte, all das und noch mehr.</p><p>�Wer ist dieser Mann mit den zwei Namen?�, fragte Tuon. �Nur von gro�en M�nnern spricht man so, und Ihr sprecht, als sollte ihn jeder kennen.�</p><p>�Er war ein Narr�, sagte Noal grimmig, bevor Mat den Mund aufmachen konnte, obwohl Olver das schaffte und ihn aufstehen lie�, w�hrend der alte Mann fortfuhr. �Er reiste in der Welt herum und lie� eine gute und liebende Frau zur�ck, die am Fieber starb, ohne dass er ihr dabei die Hand hielt. Er lie� sich zum Werkzeug machen von�� Noals Gesicht wurde abrupt ausdruckslos. Er starrte durch Mat hindurch und rieb sich die Stirn, als wollte er sich an etwas erinnern.</p><p>�Jain Fernstreicher <emphasis>war</emphasis> ein gro�er Mann�, sagte Olver wild. Seine H�nde waren zu kleinen F�usten geballt, als w�re er bereit, f�r seinen Helden zu k�mpfen. �Er hat gegen Trollocs und Myrddraal gek�mpft, und er hat mehr Abenteuer erlebt als sonst jemand auf der ganzen weiten Welt! Selbst als Mat! Er hat Cowin Gemallan gefangen, nachdem Gemallan Malkier an den Schatten verraten hat!�</p><p>Noal kam mit einem Ruck wieder zu sich und klopfte Olver auf die Schulter. �Das hat er, Junge. Das muss man ihm anrechnen. Aber welches Abenteuer ist es wert, dass man seine Frau allein sterben l�sst?� Er klang traurig genug, um selbst auf der Stelle zu sterben.</p><p>Darauf wusste Olver keine Antwort, sein Gesicht nahm einen entt�uschten Ausdruck an. Wenn Noal dem Jungen sein Lieblingsbuch mies gemacht hatte, w�rde Mat mit dem alten Mann ein ernstes Wort sprechen. Lesen war wichtig � er las selbst, jedenfalls manchmal �, und er sorgte daf�r, dass Olver B�cher hatte, die ihm gefielen.</p><p>Tuon beugte sich �ber den Tisch, um Noal eine Hand auf den Arm zu legen. Der strenge Ausdruck war aus ihrem Gesicht verschwunden und durch Sanftheit ersetzt worden. Ein breiter G�rtel aus dunkelgelbem Leder schn�rte ihre Taille ein und betonte ihre schlanken Kurven. Noch mehr von seinem Geld. Nun, er hatte nie damit Probleme gehabt, an Geld zu kommen, und wenn sie es nicht ausgab, w�rde er es vermutlich f�r eine andere Frau verschwenden. �Ihr habt ein gutes Herz, Meister Charin.� Sie sprach jeden mit seinem verdammten Namen an � jeden bis auf Mat Cauthon.</p><p>�Habe ich das, meine Lady?�, sagte Noal und klang, als wollte er wirklich eine Antwort h�ren. �Manchmal glaube ich�� Was auch immer er manchmal glaubte, sie sollten es nicht erfahren.</p><p>Die T�r schwang auf, und Juilin steckte den Kopf in den Wagen. Die konische rote M�tze des tairenischen Diebef�ngers sa� wie immer keck auf seinem Kopf, aber sein dunkles Gesicht war beunruhigt. �Auf der anderen Stra�enseite nehmen seanchanische Soldaten Aufstellung. Ich gehe zu Thera. Sie wird Angst bekommen, wenn sie es von jemand anderem h�rt.� Und er verschwand so schnell, wie er gekommen war, und lie� die T�r offen.</p></section><section><title><p>7</p><p>Ein kaltes Medaillon</p></title><p>Meanchanische Soldaten. Blut und Asche! Das konnte Mat nun wirklich nicht gebrauchen, wo die W�rfel in seinem Kopf klapperten. �Noal, findet Egeanin und warnt sie. Olver, du warnst die Aes Sedai, und Bethamin und Seta.� Wenigstens w�rden die f�nf zusammen oder zumindest nahe beieinander sein. Die beiden ehemaligen <emphasis>Sul'dam</emphasis> verfolgten die Schwestern jedes Mal, wenn sie den Wagen verlie�en, den sie alle teilten. Beim Licht, er hoffte, dass keine von ihnen wieder in die Stadt gegangen war. Das k�nnte ein Wiesel auf den H�hnerhof schicken! �Ich gehe zum Eingang und versuche herauszubekommen, ob wir in Schwierigkeiten stecken.�</p><p>�Sie wird nicht auf diesen Namen reagieren�, murmelte Noal und schob sich von dem Bett. Er bewegte sich recht flink f�r einen Burschen, der aussah, als h�tte er sich irgendwann einmal die H�lfte seiner Knochen gebrochen. �Das wisst Ihr.�</p><p>�Ihr wisst, wen ich meine�, sagte Mat scharf und bedachte Tuon und Selucia mit einem Stirnrunzeln. Dieser Bl�dsinn mit den Namen war ihre Schuld. Selucia hatte Egeanin gesagt, sie w�rde ab sofort Leilwin Schiffslos hei�en, und das war der Name, den Egeanin benutzte. Nun, er w�rde diesen Unsinn nicht unterst�tzen. Fr�her oder sp�ter musste sie wieder zu Verstand kommen.</p><p>�Ich sage es ja blo߫, meinte Noal. �Komm mit, Olver.�</p><p>Mat stand nach ihnen auf, aber bevor er die T�r erreichte, ergriff Tuon das Wort.</p><p>�Keine Warnung, dass wir drinnen bleiben sollen, Spielzeug? Keiner, der uns bewacht?�</p><p>Die W�rfel sagten ihm, er sollte Harnan oder einen der anderen Rotwaffen finden und ihn drau�en postieren, nur vorsichtshalber, falls es zu Zwischenf�llen kommen sollte, aber er z�gerte nicht. �Ihr habt Euer Wort gegeben�, sagte er und setzte den Hut auf. Das L�cheln, das er zur Erwiderung erhielt, war das Risiko wert. Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, es erhellte ihr ganzes Gesicht. Frauen waren immer ein Gl�ckspiel, aber manchmal konnte ein L�cheln Gewinn genug sein.</p><p>Juradors Tage ohne seanchanische Besetzung waren vorbei, das sah er am Eingang. Direkt auf der dem Zirkus gegen�berliegenden Stra�enseite zogen mehrere hundert M�nner die R�stungen aus, entluden Waffen, schlugen in ordentlichen Reihen Zelte auf, spannten Pferdeseile. Alles sehr effizient. Er sah Taraboner mit Kettenschleiern an den Helmen und auf die Brustharnische gemalten blauen, gelben und gr�nen Strichen, sowie M�nner, die offensichtlich zur Infanterie geh�rten und lange Piken und Bogen aufstapelten, die bedeutend k�rzer als Zwei-Fl�sse-Bogen waren. Er hielt sie f�r Amadicianer. Weder Tarabon noch Altara unterhielten ein gro�es stehendes Heer, und Altaraner in Diensten der Seanchaner trugen aus irgendeinem Grund ihre R�stungen anders gekennzeichnet. Nat�rlich waren auch richtige Seanchaner dabei, etwa zwanzig oder drei�ig. Die bemalten R�stungen aus sich �berlappenden Panzerplatten waren genauso unverkennbar wie diese seltsamen, insekten�hnlichen Helme.</p><p>Drei Soldaten �berquerten gem�chlich die Stra�e, schlanke, hartgesottene M�nner. Ihre blauen M�ntel mit den gr�ngelb gestreiften Kragen waren trotz der Farben recht schlicht und zeigten Abnutzungserscheinungen von den R�stungen, aber keine Rangabzeichen. Es waren also keine Offiziere, aber vermutlich waren sie trotzdem so gef�hrlich wie rote Nattern. Zwei der Burschen h�tten aus Andor oder Murandy oder sogar von den Zwei Fl�ssen stammen k�nnen, aber der dritte hatte die schr�gen Augen eines Saldaeaners und eine honigfarbene Hautfarbe. Ohne langsamer zu werden, kamen sie auf den Zirkus zu.</p><p>Einer der Pferdeknechte am Eingang stie� einen schrillen, dreitonigen Pfiff aus, der im ganzen Zirkus weitergegeben wurde, w�hrend der andere, ein Kerl namens Bollin, den dreien den Glaskrug vor die Nase hielt. �Eintritt ist ein Silberpfennig pro Mann, Hauptmann�, sagte er mit t�uschender Sanftheit. Mat hatte den gro�en Mann in dem gleichen Tonfall sprechen h�ren, einen Augenblick, bevor er einem anderen Pferdeknecht einen Hocker �ber den Sch�del geschlagen hatte. �Kinder kosten f�nf Kupferst�cke, wenn sie meine Taille �berragen, und drei, wenn sie kleiner sind. Freier Eintritt nur f�r Kinder, die noch getragen werden k�nnen.�</p><p>Der honigfarbene Seanchaner hob die Hand, als wollte er Bollin beiseite sto�en, dann z�gerte er, und sein Ausdruck wurde noch h�rter, falls das m�glich war. Die anderen beiden bauten sich mit geballten F�usten neben ihm auf, als stampfende Stiefel die Ankunft scheinbar eines jeden Mannes des Zirkus verk�ndeten, Artisten in bunten Kost�men und Pferdeknechte in grober Wolle. Jeder Mann hielt irgendeine Art von Keule in der Hand, Luca in seinem grellroten, mit goldenen Sternen verzierten Mantel und selbst den halb nackten Petra eingeschlossen. Petra war der sanfteste Mann, den Mat je kennen gelernt hatte, aber jetzt trug sein Gesicht einen finsteren Ausdruck, der an eine Gewitterwolke erinnerte.</p><p>Beim Licht, das trug alle Anzeichen eines Massakers, waren die Kameraden dieser Kerle doch keine hundert Schritte weit entfernt und alle bewaffnet. Ein guter Ort f�r Mat Cauthon, sich zu verdr�cken. Verstohlen ber�hrte er die in den �rmeln verborgenen Wurfmesser und zuckte mit den Schultern, nur um die dort h�ngende Klinge zu f�hlen. Leider war es unm�glich, die unter dem Mantel und in seinen Stiefeln unauff�llig zu kontrollieren. Die W�rfel grollten wie Donner. Er fing an zu planen, wie er Tuon und die anderen wegschaffen konnte. Er musste sie noch eine Weile mitschleppen.</p><p>Bevor die Katastrophe eintreten konnte, erschien eine weitere Seanchanerin in einer blau, gr�n und gelb gestreiften R�stung, die den Helm auf die rechte H�fte st�tzte. Sie hatte die schr�g stehenden Augen und die honigfarbene Haut, und in ihrem kurz geschnittenen schwarzen Haar zeigten sich ein paar wei�e Str�hnen. Sie war fast einen Fu� kleiner als die anderen drei, und ihr Helm wies keine Federn auf, sondern nur vorn einen kleinen Kamm, der wie eine bronzene Pfeilspitze erschien, aber als die drei Soldaten sie sahen, nahmen sie sofort Haltung an. �Warum bin ich nicht �berrascht, dich bei etwas zu finden, das nach dem Anfang eines sch�nen Aufruhrs aussieht, M�rel?� Ihr genuschelter Akzent wies einen n�selnden Unterton auf. �Was ist hier los?�</p><p>�Wir haben unseren Eintritt bezahlt, Standartentr�gerin�, erwiderte der honigfarbene Mann mit dem gleichen n�selnden Akzent, �dann wollten sie, dass wir noch mehr zahlen, weil wir Soldaten des Kaiserreichs sind.�</p><p>Bollin �ffnete den Mund, aber sie brachte ihn mit einer erhobenen Hand zum Schweigen. Sie hatte diese Art Ausstrahlung. Sie lie� die Blicke �ber den Halbkreis aus M�nnern mit Keulen schweifen, verharrte kurz, um �ber Luca den Kopf zu sch�tteln, und blieb bei Mat h�ngen. �Habt Ihr gesehen, was passiert ist?�</p><p>�Das habe ich�, erwiderte Mat. �Und sie wollten rein, ohne zu bezahlen.�</p><p>�Das ist gut f�r dich, M�rel�, sagte sie, was bei dem Mann ein �berraschtes Blinzeln hervorrief. �F�r euch alle. Bedeutet, dass ihr eure M�nzen behalten k�nnt. Weil ihr das Lager zehn Tage nicht verlassen d�rft, und ich bezweifle, dass der Zirkus noch so lange hier sein wird. Und ihr bekommt alle zehn Tage Sold abgezogen. Ihr sollt Wagen entladen, damit die Einheimischen nicht auf die Idee kommen, dass wir glauben, wir w�ren besser als sie. Oder wollt ihr eine Anklage wegen Unruhestiften in den R�ngen?� Die drei M�nner erbleichten sichtlich. Anscheinend war das eine ernste Anklage. �Ich glaube kaum. Und jetzt verschwindet aus meinen Augen und macht euch an die Arbeit, bevor ich einen vollen Monat statt eine Woche daraus mache.�</p><p>�Ja, Standartentr�gerin�, stie�en sie wie aus einem Munde hervor und rannten so schnell sie konnten �ber die Stra�e und zogen dabei bereits die M�ntel aus. Harte M�nner, aber die Standartentr�gerin war h�rter.</p><p>Sie war allerdings noch nicht fertig. Luca trat vor und verbeugte sich pomp�s, aber sie erstickte seine beginnende Dankeshymne im Keim. �Ich mag es nicht besonders, wenn meine M�nner mit Keulen bedroht werden�, sagte sie und legte die freie Hand auf den Schwertgriff, �nicht einmal M�rel, nicht mit so einem Kr�fteverh�ltnis. Immerhin zeigt es, dass ihr R�ckgrat habt. Will einer von euch pr�chtigen Burschen ein Leben voller Ruhm und Abenteuer? Begleitet mich �ber die Stra�e, und ich schreibe euch ein. Ihr da in dem h�bschen roten Mantel. In meinen Augen seht Ihr wie der geborene Lanzenreiter aus. Ich wette, ich k�nnte Euch im Handumdrehen zu einem anst�ndigen Helden drillen.�</p><p>Die versammelten M�nner sch�ttelten die K�pfe; einige sahen, dass es vermutlich keinen �rger mehr geben w�rde, und verdr�ckten sich. Petra geh�rte zu ihnen. Luca sah aus, als h�tte man ihn mit der Axt niedergestreckt. Ein paar der anderen schienen von dem Angebot mindestens genauso verbl�fft zu sein. Kunstst�cke vorf�hren brachte mehr Geld als das Soldatentum ein, und man vermied das Risiko, von einem Schwert durchbohrt zu werden.</p><p>�Nun, so lange ihr noch dasteht, vielleicht kann ich euch ja �berzeugen. Ihr werdet vermutlich nicht reich dabei, aber der Sold wird f�r gew�hnlich p�nktlich ausgezahlt, und es besteht immer die M�glichkeit, dass man pl�ndern kann, wenn der Befehl dazu erfolgt. Kommt gelegentlich vor. Das Essen ist unterschiedlich, aber f�r gew�hnlich ist es hei�, und es reicht meistens, um einen satt zu machen. Die Tage sind lang, aber das bedeutet blo�, dass ihr m�de genug seid, um gut zu schlafen. Falls ihr nicht nachts arbeiten m�sst. Noch keiner interessiert?�</p><p>Luca riss sich zusammen. �Danke, Hauptmann, aber nein�, sagte er und klang halb erstickt. Manche Narren glaubten, Soldaten w�ren geschmeichelt, wenn jemand annahm, dass sie einen h�heren Rang hatten, als sie tats�chlich einnahmen. Bei ein paar dummen Soldaten funktionierte das auch. �Entschuldigt mich, wenn Ihr so freundlich w�rt. Wir haben eine Vorstellung zu geben. Und es gibt Leute, die nicht besonders erfreut w�ren, wenn sie noch viel l�nger darauf warten m�ssten.� Mit einem letzten misstrauischen Blick auf die Frau, als f�rchtete er, sie k�nnte ihn am Kragen packen und wegschleifen, trieb er die M�nner zusammen.</p><p>�Ihr alle geht zur�ck an eure Pl�tze. Was lungert ihr �berhaupt hier herum? Ich habe alles im Griff. Geht zur�ck auf eure Pl�tze, bevor die Besucher ihr Geld zur�ckhaben wollen.� Soweit es ihn betraf, w�re das eine Katastrophe gewesen. Vor die Wahl gestellt, was schlimmer gewesen w�re, den Eintritt zur�ckgeben zu m�ssen oder einen Aufruhr zu haben, h�tte sich Luca nicht entscheiden k�nnen.</p><p>Da die Artisten gingen und Luca forteilte � wobei er der Frau immer noch Blicke �ber die Schulter zuwarf �, wandte sich die Frau Mat zu, dem einzigen Mann, der au�er den beiden Pferdeknechten noch da war. �Und was ist mit Euch? Eurem Aussehen nach zu urteilen, k�nntet Ihr Offizier werden und mir dann Befehle geben.� Die Vorstellung schien sie zu am�sieren.</p><p>Er wusste, was sie tat. Die Leute in der Schlange hatten gesehen, dass drei seanchanische Soldaten davongerannt waren, und wer konnte schon mit Sicherheit sagen, warum sie davongerannt waren, aber jetzt hatten sie gesehen, wie sie ganz allein eine viel gr��ere Menge zerstreut hatte. Er h�tte ihr in seiner Bande sofort einen Posten als Bannertr�gerin gegeben.</p><p>�Ich w�rde einen schrecklichen Soldaten abgeben, Standartentr�gerin�, sagte er und tippte den Hut an, und sie lachte.</p><p>Als er sich abwandte, h�rte er Ballin sanft sagen: �Habt Ihr nicht geh�rt, was ich diesem Mann gesagt habe? Es ist ein Silberpfennig f�r Euch und einen weiteren f�r Eure Frau.� M�nzen klirrten in den Krug. �Danke.� Die Dinge verliefen wieder in gewohnten Bahnen. Und die W�rfel l�rmten noch immer in seinem Kopf.</p><p>Er suchte sich einen Weg durch die Menge. Die Akrobaten zeigten bereits wieder ihre Kunstst�cke auf den Holzplattformen, Jongleure jonglierten, Clarines Hunde liefen auf gro�en Holzb�llen, und Miyoras Leoparden standen in einem K�fig, der kaum stark genug erschien, um sie aufzuhalten, auf den Hinterbeinen. Er entschied sich, nach den Aes Sedai zu sehen. Die Leoparden brachten ihn auf die Idee. Das Fu�volk w�rde den Rest des Tages mit der Arbeit verbringen, aber er w�rde darauf wetten, dass zumindest ein paar der Offiziere �ber kurz oder lang vorbeischauen w�rden. Seltsamerweise vertraute er Tuon, und Egeanin hatte genug Verstand, au�er Sicht zu bleiben, wenn sich andere Seanchaner in der N�he herumtrieben, aber den Aes Sedai schien es an gesundem Menschenverstand zu mangeln. Selbst Teslyn und Edesina, die beide Zeit als <emphasis>Damane</emphasis> verbracht hatten, gingen dumme Risiken ein. Joline, der das erspart geblieben war, schien sich f�r unverwundbar zu halten.</p><p>Mittlerweile wusste jeder im Zirkus, dass es sich bei den drei Frauen um Aes Sedai handelte, aber ihr gro�er Wagen stand noch immer neben den Vorratswagen nicht weit von den Pferdeseilen. Luca war bereit gewesen, den Stellplan seines Wanderzirkus f�r eine Hochlady zu �ndern, die ihm einen Schutzbrief ausstellte, aber nicht f�r Aes Sedai, die ihn mit ihrer Anwesenheit in Gefahr brachten und au�erdem so gut wie mittellos waren. Die Frauen unter den Artisten hatten gr��tenteils Mitgef�hl mit den Schwestern, die M�nner teilweise auch � das war immer so bei Aes Sedai �, aber ohne Mats Gold h�tte Luca sie vermutlich hinausgeworfen und ihrer Wege geschickt. Aes Sedai waren mehr als andere eine Bedrohung, so lange sie sich in den von Seanchanern kontrollierten Gebieten aufhielten. Nat�rlich dankten sie es Mat Cauthon nicht, nicht dass er darauf aus war. Er h�tte sich mit einem Funken Respekt zufrieden gegeben, aber es war sehr unwahrscheinlich, dass er selbst den bekam. Aes Sedai waren schlie�lich Aes Sedai.</p><p>Jolines Beh�ter Blaeric und Fen waren nirgendwo zu sehen, also musste er nicht mit ihnen herumdiskutieren, damit sie ihm den Weg freimachten, aber als er sich den schmutzverkrusteten Stufen am Ende des Wagens n�herte, wurde das Fuchsmedaillon auf seiner Brust unter dem Hemd pl�tzlich eiskalt. Einen Augenblick lang erstarrte er wie eine Statue. Diese n�rrischen Weiber lenkten dort drinnen die <emphasis>Macht!</emphasis> Er sch�ttelte seine Beklemmung ab, st�rmte die Stufen hoch und stie� die T�r auf.</p><p>Die Frauen, die er dort erwartet hatte, waren alle anwesend. Joline, eine Schwester der Gr�nen, schlank und h�bsch und mit gro�en Augen; Teslyn, eine Rote mit schmalen Schultern, die aussah, als w�rde sie Steine zerkauen, und Edesina, eine Gelbe, eher ansehnlich als h�bsch zu nennen, mit langem schwarzen Haar, das bis zu ihrer Taille reichte. Er hatte alle drei vor den Seanchanern gerettet, hatte Teslyn und Edesina h�chstpers�nlich aus den Damane-Zwingern geholt, aber ihre Dankbarkeit war bestenfalls schwankend.</p><p>Bethamin, so dunkelh�utig wie Tuon, aber hochgewachsen und mit h�bschen Kurven versehen, und die blonde Seta waren <emphasis>Sul�dam</emphasis> gewesen, bevor man sie gezwungen hatte, bei der Rettung der drei Aes Sedai zu helfen. Die f�nf Frauen teilten sich den Wagen, die Aes Sedai, um die ehemaligen <emphasis>Sul�dam</emphasis> im Auge zu behalten, die ehemaligen <emphasis>Sul�dam,</emphasis> um die Aes Sedai im Auge zu behalten. Keine von ihnen war sich dessen wirklich bewusst, aber das gegenseitige Misstrauen sorgte daf�r, dass sie diese Aufgabe emsig erf�llten.</p><p>Die Frau, die Mat hier nicht erwartet hatte, war Setalle Anan, die in Ebou Dar das Gasthaus <emphasis>Die Wanderin</emphasis> geleitet hatte, bevor sie sich aus irgendeinem Grund zu einem Teil der Rettungsmission gemacht hatte. Aber Setalle hatte so eine Art, sich in alles hineinzudr�ngen. Sich einzumischen. Sie mischte sich st�ndig in Tuons und seine Beziehung ein. Was sie hier jedoch taten, war allerdings v�llig unerwartet.</p><p>Bethamin und Seta standen so starr wie Pfosten in der Wagenmitte, Schulter an Schulter zwischen den beiden Betten, die man nicht hochklappen konnte, und Joline schlug Bethamin immer wieder ins Gesicht, zuerst mit der einen Hand, dann mit der anderen. Stumme Tr�nen rannen der hochgewachsenen Frau die Wangen hinunter, und Seta schien Angst zu haben, die n�chste zu sein. Edesina und Teslyn sahen ausdruckslos mit unter den Br�sten verschr�nkten Armen zu, w�hrend Frau Anan ihr Missfallen deutlich anzusehen war. Mat h�tte allerdings nicht sagen k�nnen, ob sie die Schl�ge missbilligte oder das, was Bethamin getan hatte, um sie zu verdienen, und es war ihm auch egal.</p><p>Er stand mit einem Schritt hinter Joline, packte ihre erhobene Hand und wirbelte sie herum. �Was beim Licht tut Ihr�?� Soweit kam er, bevor sie ihm mit der anderen Hand eine so harte Maulschelle verpasste, dass ihm die Ohren dr�hnten.</p><p>�Nun, das hat der Ziege endg�ltig den Rest gegeben�, sagte er, lie� sich auf das am n�chsten stehende Bett sacken, w�hrend er noch immer Sterne sah, und zog eine �berraschte Joline �ber den Scho�. Seine rechte Hand landete mit einem lauten Klatschen auf ihrem Hintern und entlockte ihr ein �berraschtes Kreischen. Das Medaillon wurde noch k�lter, und Edesina keuchte auf, als nichts passierte, aber er versuchte ein Auge auf die anderen beiden Schwestern und eines wegen Jolines Beh�tern auf die offen stehende T�r zu halten, w�hrend er sie gepackt hielt und so hart und schnell auf sie einhieb, wie er nur konnte. Da er keine Ahnung hatte, wie viele Hemden oder Unterr�cke sie unter dem abgetragenen blauen Wollkleid trug, wollte er sichergehen, dass er Eindruck hinterlie�. Es kam ihm vor, als w�rde seine Hand den Takt f�r die in seinem Kopf rollenden W�rfel vorgeben. Joline wehrte sich und strampelte mit den Beinen, sie fing an, wie ein Wagenkutscher zu fluchen, w�hrend sich das Medaillon in Eis zu verwandeln schien und dann so kalt wurde, dass er sich fragte, ob es ihm Erfrierungen zuf�gen w�rde, aber bald gesellten sich wortlose spitze Schreie zu ihrem bei�enden Vokabular. Sein Arm mochte nicht an den von Petra herankommen, aber er war alles andere als schwach. �bung mit Bogen und Kampfstab gab einem starke Arme.</p><p>Edesina und Teslyn schienen genauso erstarrt zu sein wie die beiden ehemaligen <emphasis>Sul�dam</emphasis> mit ihren weit aufgerissenen Augen � nun ja, Bethamin grinste, aber sie wirkte genauso erstaunt wie Seta �, aber gerade, als er endlich zu der Ansicht kam, dass die Schreie die Fl�che �berwogen, versuchte sich Frau Anan an den beiden Aes Sedai vorbeizudr�ngen. Erstaunlicherweise bedeutete Teslyn ihr entschieden, dort zu bleiben, wo sie war! Nur sehr wenige Frauen � oder M�nnerwidersprachen den Befehlen einer Aes Sedai, aber Frau Anan schenkte der Roten einen frostigen Blick, zw�ngte sich an den beiden Aes Sedai vorbei und murmelte dabei etwas, dass sie sie beide neugierig ansehen lie�en. Sie musste sich trotzdem an ihnen vorbeizw�ngen, und Mat nutzte die Gelegenheit, eine abschlie�ende Reihe harter Schl�ge zu landen, dann rollte er die Gr�ne Schwester von seinem Scho�. Seine Hand hatte sowieso angefangen zu brennen. Joline landete mit einem dumpfen Dr�hnen auf dem Boden und keuchte: �Oh!�</p><p>Frau Anan pflanzte sich vor ihm auf, nahe genug, dass sie Joline im Weg stand, die sich hastig aufrappeln wollte, und musterte ihn mit unter den Br�sten verschr�nkten Armen, die dadurch den gro�z�gigen Ausschnitt ihres Kleides noch hervorhoben. Trotz des Kleides war sie keine Ebou Dari, nicht mit diesen haselnussbraunen Augen, aber sie trug gro�e, goldene Ohrringe, einen Hochzeitsdolch, dessen Griff mit gro�en roten und wei�en Steinen f�r ihre S�hne und T�chter versehen war und der von einer breiten Silberkette an ihrem Hals hing, sowie einen Krummdolch hinter dem G�rtel. Ihre dunkelgr�nen R�cke waren auf der linken Seite hochgen�ht, um ihre roten Unterr�cke zu zeigen. Mit grauen Str�hnen in ihrem Haar war sie jeden Zoll die majest�tische Ebou Dari-Wirtin, selbstsicher und befehlsgewohnt. Er rechnete damit, von ihr beschimpft zu werden � wenn es ums Beschimpfen ging, war sie so gut wie jede Aes Sedai! �, also war er �berrascht, als sie sehr nachdenklich klang.</p><p>�Joline muss versucht haben, Euch aufzuhalten, und Teslyn und Edesina auch, aber sie haben versagt. Ich glaube, das bedeutet, Ihr habt ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> in Eurem Besitz, das die Str�me der Macht zerst�ren kann. Ich habe davon geh�rt, angeblich besa� Cadsuane Melaidhrin eines, zumindest ger�chteweise, aber ich habe noch nie eins gesehen. Das w�rde ich sehr gern. Ich w�rde nicht versuchen, es Euch wegzunehmen, aber ich w�rde es sehr gern sehen.�</p><p>�Woher kennt Ihr Cadsuane?�, verlangte Joline zu wissen und versuchte, sich das Hinterteil ihrer R�cke abzuwischen. Die erste Ber�hrung ihrer Hand rief ein gequ�ltes Zusammenzucken hervor, und sie warf Mat einen finsteren Blick zu, der besagte, dass sie das keineswegs vergessen w�rde. Tr�nen funkelten in ihren gro�en braunen Augen und auf ihren Wangen, aber wenn er daf�r bezahlen musste, war es den Preis wert.</p><p>�Sie hat etwas �ber die Erhebung zur Aes Sedai erw�hnt�, sagte Edesina.</p><p>�Sie hat gesagt �Wie k�nnt ihr die Pr�fung bestanden haben, wenn ihr in solchen Augenblicken erstarrt?��, f�gte Teslyn hinzu.</p><p>Frau Anan presste die Lippen kurz zusammen, aber falls sie aufgeregt war, gewann sie einen Atemzug sp�ter ihre Fassung zur�ck. �Ihr werdet euch daran erinnern, dass ich ein Gasthaus besa߫, sagte sie trocken. �Viele Leute haben <emphasis>Der Wanderin</emphasis> einen Besuch abgestattet, und viele von ihnen haben geredet, vielleicht mehr, als sie sollten.�</p><p>�Aber keine Aes Sedai�, fing Joline an und drehte sich dann schnell um. Blaeric und Fen kamen die Treppe hinauf. Die beiden Grenzl�nder waren gro�e M�nner, und Mat sprang schnell auf die F��e, bereit, falls n�tig zu seinen Messern zu greifen. M�glicherweise w�rden sie ihn �berw�ltigen, aber nicht ohne daf�r zu bluten.</p><p>�berraschenderweise schoss Joline zur T�r und schlug sie direkt vor Fens Nase zu, dann legte sie den Riegel vor. Der Saldaeaner machte keine Anstalten, die T�r zu �ffnen, aber Mat hatte nicht den geringsten Zweifel, dass die beiden auf ihn warten w�rden. Als sie sich umdrehte, gl�hten ihre Augen f�rmlich, trotz der Tr�nen und allem, und sie schien Frau Anan f�r den Augenblick vergessen zu haben. �Wenn Ihr auch nur daran denken solltet��, fing sie an und fuchtelte mit dem Finger vor seinem Gesicht herum.</p><p>Er machte einen Schritt nach vorn und stach so schnell selbst mit dem Finger nach ihrer Nase, dass sie zur�cksprang und gegen die T�r stie�. Von der sie mit einem spitzen Aufschrei und roten Flecken auf den Wangen zur�ckwich. Es war ihm v�llig egal, ob sie von Wut oder Verlegenheit hervorgerufen wurden. Sie �ffnete den Mund, aber er dachte nicht daran, sie zu Wort kommen zu lassen.</p><p>�W�re ich nicht gewesen, w�rdet Ihr den Kragen einer <emphasis>Damane</emphasis> um den Hals tragen, und das gilt auch f�r Edesina und Teslyn�, sagte er mit der gleichen Heftigkeit, die auch in ihren Augen loderte. �Im Gegenzug versucht Ihr alle, mich zu bevormunden. Ihr geht Eure eigenen Wege und bringt uns alle in Gefahr. Ihr benutzt verdammt noch mal die <emphasis>Macht,</emphasis> wo Ihr genau <emphasis>wisst,</emphasis> dass Seanchaner auf der anderen Stra�enseite sind! Sie k�nnten eine <emphasis>Damane</emphasis> dabeihaben, oder ein Dutzend, soweit wir wissen.� Er bezweifelte das, aber Zweifel waren keine Sicherheit, und auf keinen Fall w�rde er seine Zweifel mit ihr teilen, nicht in diesem Augenblick. �Nun, einiges davon werde ich wohl ertragen m�ssen, obwohl Euch besser klar sein sollte, dass ich langsam die Grenzen meiner Geduld erreicht habe, aber ich werde mich nicht von Euch schlagen lassen. Macht das noch einmal, und ich schw�re, ich gerbe Euch das Fell noch einmal doppelt so hart. Mein Wort darauf!�</p><p>�Und ich werde das n�chste Mal nicht versuchen, ihn aufzuhalten�, sagte Frau Anan.</p><p>�Ich auch nicht�, f�gte Teslyn hinzu, und Edesina schloss sich ihr nach einem langen Moment an.</p><p>Joline sah aus, als h�tte sie ein Hammerschlag zwischen die Augen getroffen. Sehr zufrieden stellend. So lange er eine M�glichkeit fand, sich von Blaeric und Fen nicht die Knochen brechen zu lassen.</p><p>�Und w�rde mir jetzt jemand verraten, warum Ihr Euch verflucht noch mal dazu entschieden habt, die Macht zu lenken, als w�re die Letzte Schlacht da? M�sst Ihr sie so festhalten, Edesina?� Er deutete mit dem Kopf auf Seta und Bethamin. Es war nur eine fundierte Annahme, aber Edesinas Augen weiteten sich einen Augenblick lang, so als w�rde sie glauben, dass ihn sein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> die Str�me der Macht sehen als auch zerrei�en lassen w�rde. Auf jeden Fall standen beide Frauen gleich darauf normal da. Bethamin fing ruhig an, sich die Tr�nen mit einem wei�en Leinentaschentuch zu trocknen. Seta setzte sich auf das n�chste Bett, hielt sich selbst und zitterte; sie sah ersch�tterter aus als Bethamin.</p><p>Keine der Aes Sedai schien antworten zu wollen, also tat es Frau Anan f�r sie. �Es gab keinen Streit. Joline wollte sich die Seanchaner selbst ansehen, und sie lie� es sich nicht ausreden. Bethamin entschied, sie zu disziplinieren, so als h�tte sie keine Ahnung, was passieren w�rde.� Die Wirtin sch�ttelte angewidert den Kopf. �Sie wollte Joline �ber die Knie ziehen, und Seta half ihr, und Edesina fesselte sie mit Str�men aus Luft. Nehme ich jedenfalls an�, sagte sie, als die Aes Sedai sie scharf musterten. �Ich kann vielleicht die Macht nicht lenken, aber ich habe Augen im Kopf.�</p><p>�Das erkl�rt aber nicht das, was ich gef�hlt habe�, sagte Mat. �Hier wurde <emphasis>viel</emphasis> Macht gelenkt.�</p><p>Frau Anan und die drei Aes Sedai musterten ihn nachdenklich, bohrende Blicke, die das Medaillon zu suchen schienen. Sie w�rden sein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> nicht vergessen, so viel stand fest.</p><p>Joline erz�hlte weiter. �Bethamin hat die Macht gelenkt.</p><p>Ich habe das Gewebe, das sie benutzt hat, noch nie zuvor gesehen, aber ein paar Augenblicke lang, bis sie die Quelle verlor, hat sie uns drei in einen Funkenregen geh�llt. Ich glaube, sie hat so viel von der Macht benutzt, wie sie aufnehmen konnte.�</p><p>Pl�tzlich wurde Bethamin von Schluchzern gesch�ttelt. Sie sackte zusammen, fiel fast zu Boden. �Ich wollte es nicht�, weinte sie mit zuckenden Schultern und verzerrtem Gesicht. �Ich glaubte, ihr wolltet mich t�ten, aber ich habe das nicht beabsichtigt.� Seta fing an, vor und zur�ck zu schaukeln und starrte ihre Freundin entsetzt an. Oder vielleicht auch ihre ehemalige Freundin. Sie wussten beide, dass ein <emphasis>A�dam</emphasis> sie kontrollieren konnte, vielleicht sogar jede <emphasis>Sul�dam,</emphasis> aber sie hatten die volle Bedeutung dieser Tatsache vermutlich verdr�ngt. Jede Frau, die ein <emphasis>A�dam</emphasis> benutzen konnte, konnte lernen, die Macht zu lenken. Vermutlich hatten sie versucht, dies zu leugnen, es zu vergessen. Die Macht dann tats�chlich zu lenken ver�nderte nat�rlich alles.</p><p>Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, das war das Letzte, was er gebrauchen konnte. �Was wollt Ihr deswegen unternehmen?� Nur eine Aes Sedai konnte das regeln.</p><p>�Wenn sie jetzt damit angefangen hat, kann sie nicht mehr damit aufh�ren. Das wei� ich.�</p><p>�Lasst sie sterben�, sagte Teslyn grob. �Wir k�nnen sie abgeschirmt halten, bis wir sie loswerden k�nnen, dann kann sie sterben.�</p><p>�Das k�nnen wir nicht tun.� Edesina klang schockiert. Wenn auch offenbar nicht wegen der Vorstellung, dass Bethamin sterben w�rde. �Sobald wie sie gehen lassen, wird sie zu einer Gefahr f�r alle in ihrer Umgebung.�</p><p>�Ich werde es nicht wieder tun.� Bethamin weinte, bettelte fast. �Bestimmt nicht!�</p><p>Joline dr�ngte sich an Mat vorbei, als w�re er ein Kleiderst�nder, baute sich vor Bethamin auf und starrte mit in die H�ften gestemmten F�usten zu der gr��eren Frau hoch. �Ihr werdet nicht aufh�ren. Das geht nicht mehr, nachdem Ihr einmal angefangen habt. Oh, Ihr k�nnt vielleicht Monate ohne den Versuch verbringen, die Macht zu lenken, aber Ihr werdet es wieder versuchen, und wieder, und jedes Mal wird sich die Gefahr f�r Euch erh�hen.� Mit einem Seufzen senkte sie die H�nde. �Ihr seid viel zu alt f�r das Novizinnenbuch, aber das l�sst sich nicht �ndern. Wir werden Euch unterrichten m�ssen. Jedenfalls genug, damit Ihr wenigstens keine Gefahr darstellt.�</p><p>�Sie unterrichten?�, kreischte Teslyn und stemmte <emphasis>ihrerseits</emphasis> die F�uste in die H�ften. �Ich sage, wir lassen sie sterben! Habt Ihr auch nur eine Vorstellung davon, wie mich diese <emphasis>Sul�dam</emphasis> behandelt haben, als ich ihre Gefangene war?�</p><p>�Nein, da Ihr nie Einzelheiten erz�hlt habt, au�er dar�ber zu jammern, wie schrecklich es war�, erwiderte Joline trocken, um dann energisch hinzuzuf�gen: �Aber ich werde keine Frau sterben lassen, wenn ich es verhindern kann.�</p><p>Das war nat�rlich nicht das Ende. Edesina stellte sich auf Jolines Seite, genau wie Frau Anan, so als h�tte sie das gleiche Recht zu sprechen wie eine Aes Sedai.</p><p>Unbegreiflicherweise schlossen sich Bethamin und Seta Teslyn an, bestritten jeden Wunsch zu lernen, wie man die Macht lenkte, fuchtelten mit den H�nden herum und argumentierten genauso laut wie alle anderen. Klugerweise nutzte Mat die Gelegenheit, sich aus dem Wagen zu stehlen und leise die T�r hinter sich zuzuziehen. Unn�tig, sie an ihn zu erinnern. Die Aes Sedai w�rden es bald genug tun. Wenigstens musste er sich keine Sorgen mehr dar�ber machen, wo die verdammten <emphasis>A�dam</emphasis> waren und ob die <emphasis>Sul�dam</emphasis> versuchen w�rden, sie erneut zu benutzen. Das war endg�ltig und f�r alle Zeiten erledigt.</p><p>Er behielt Recht, was Blaeric und Fen betraf. Sie warteten an der letzten Stufe, und ihre Gesichter glichen Gewitterwolken. Ohne jeden Zweifel wussten sie genau, was mit Joline geschehen war. Aber wie sich herausstellte, nicht, wer die Schuld trug.</p><p>�Was ist da drin passiert, Cauthon?�, wollte Blaeric mit einem durchdringenden Blick wissen. Er war der etwas Gr��ere der beiden, hatte seinen schienarischen Haarknoten abrasiert und war nicht �ber die kurzen Haare erfreut, die seinen Kopf bedeckten.</p><p>�Habt Ihr damit zu tun gehabt?�, fragte Fen kalt.</p><p>�Wie k�nnte ich?�, erwiderte Mat und kam die Stufen herunter, als h�tte er keine Sorge auf der Welt. �Sie ist eine Aes Sedai, falls Ihr das nicht wissen solltet. Wenn Ihr wissen wollt, was passiert ist, dann schlage ich vor, dass Ihr sie fragt. Ich bin nicht so dumm, dar�ber zu sprechen. Aber ich w�rde sie nicht sofort fragen. Sie streiten sich noch immer. Ich habe die Gelegenheit genutzt, mich zu verdr�cken, solange das noch mit heiler Haut ging.�</p><p>Vielleicht nicht die beste Wortwahl. Die Gesichter der beiden Beh�ter wurden noch finsterer, falls das �berhaupt m�glich war. Aber sie lie�en ihn gehen, ohne dass er nach seinen Messern greifen musste. Immerhin etwas. Und keiner von ihnen schien es eilig zu haben, den Wagen zu betreten. Stattdessen machten sie es sich auf den Stufen bequem, um zu warten, Narren, die sie waren. Er bezweifelte, dass Joline ihnen viel erz�hlen w�rde, aber sie w�rde vielleicht ihre Wut an ihnen auslassen, weil sie Bescheid wussten. Er an ihrer Stelle h�tte Arbeiten gefunden, die ihn von dem Wagen fern hielten� so einen oder zwei Monate. Das h�tte vielleicht geholfen. Jedenfalls ein bisschen. Bei einigen Dingen hatten Frauen ein langes Ged�chtnis. Er selbst w�rde Joline fortan im Auge behalten m�ssen. Aber das war es wert gewesen.</p><p>Da die Seanchaner auf der anderen Stra�enseite kampierten und sich Aes Sedai stritten und Frauen die Macht lenkten, als h�tten sie noch nie von den Seanchanern geh�rt, und die W�rfel in seinem Kopf klapperten, konnte ihn nicht einmal die Tatsache beruhigen, dass er am Abend gegen Tuon zwei Partien Steine gewann. Er ging mit dem W�rfell�rm in seinem Sch�del schlafen � auf dem Boden, da Domon mit dem zweiten Bett dran war; Egeanin bekam immer das andere �, aber er war davon �berzeugt, dass der n�chste Tag besser sein musste als der vergangene. Nun, er hatte nie behauptet, immer Recht zu behalten. Er w�nschte sich nur, er w�rde sich nicht so oft irren.</p></section><section><title><p>8</p><p>Dracheneier</p></title><p>Der Himmel am n�chsten Morgen war noch dunkel, als Luca die Artisten das Lager abbrechen, die gro�e Zeltplanenwand einpacken und alles in die Wagen verstauen lie�. Der L�rm weckte Mat, der vom Schlafen auf dem Boden v�llig steif und benommen war. Soweit ihn die verdammten W�rfel �berhaupt hatten schlafen lassen. So etwas konnte jedem Mann den Schlaf rauben.</p><p>Luca eilte in Hemds�rmeln mit einer Laterne umher, gab Befehle und behinderte alle mehr, als dass er die Dinge beschleunigte, aber Petra hielt einen Moment lang darin inne, das Vierer-Gespann an seinen und Clarines Wagen anzuschirren, um alles zu erkl�ren. Da der untergehende Mond tief am Horizont stand und zur H�lfte von B�umen verdeckt wurde, spendete eine Laterne auf dem Kutschbock das einzige Licht, das sie hatten, ein flackernder gelber Lichtkreis, der Hunderte Male und mehr im Lager wiederholt wurde. Clarine f�hrte die Hunde aus, da sie den gr��ten Teil des Tages im Wagen eingesperrt sein w�rden.</p><p>�Gestern�� Der Kraftmensch sch�ttelte den Kopf und t�tschelte das Pferd, das geduldig darauf wartete, angeschirrt zu werden, als w�re es das Tier gewesen, das Nerven gezeigt h�tte. Vielleicht war er selbst nerv�s. Die Nacht war k�hl, nicht kalt, aber er war in einen dunklen Mantel geh�llt und trug eine geh�kelte M�tze. Seine Frau machte sich Sorgen, dass er durch die K�lte oder Zugluft krank wurde, und sorgte daf�r, dass das nicht passierte. �Nun, wir sind �berall Fremde, wisst Ihr, und viele Leute glauben, sie k�nnten Fremde ausnutzen. Aber wenn wir auch nur einen damit durchkommen lassen, werden es zehn weitere versuchen, wenn nicht sogar hundert. Manchmal droht uns der lokale Magistrat oder was auch immer daf�r gilt mit dem Gesetz, aber das passiert selten. Weil wir Fremde sind, und morgen oder �bermorgen sind wir wieder weg, und es wei� sowieso jeder, dass Fremde f�r gew�hnlich nichts Gutes bedeuten. Also m�ssen wir uns verteidigen, f�r das k�mpfen, was uns zusteht, falls das n�tig sein sollte. Aber sobald man das tut, ist die Zeit zum Weiterziehen gekommen. So ist das jetzt wie auch schon zu der Zeit, als nur ein Dutzend von uns bei Luca waren, wenn man die Pferdeknechte mitz�hlt, aber damals w�ren wir sofort aufgebrochen, nachdem die Soldaten weg waren. Damals gab es nicht so viel Geld zu verlieren, wenn man schnell verschwand�, sagte er trocken und sch�ttelte den Kopf, bevor er fortfuhr, vielleicht wegen Lucas Gier oder weil der Zirkus so gro� geworden war.</p><p>�Die drei Seanchaner haben Freunde oder zumindest Kameraden, denen es nicht gefallen wird, wenn welche von ihnen gedem�tigt werden. Das hat die Standartentr�gerin getan, aber Ihr k�nnt sicher sein, dass sie das uns zum Vorwurf machen, weil sie glauben, uns treffen zu k�nnen, denn gegen sie k�nnen sie nichts ausrichten. Vielleicht werden ihre Offiziere das Gesetz durchsetzen oder ihre Regeln oder was auch immer, so wie sie es getan hat, aber wir k�nnen uns darauf nicht verlassen. Aber eines ist sicher, diese Burschen werden �rger machen, wenn wir noch einen Tag l�nger verweilen. Bleiben ist sinnlos, wenn das einen Kampf mit den Soldaten bedeutet, und vielleicht werden Leute so schwer verletzt, dass sie nicht mehr auftreten k�nnen, und sicherlich gibt es dann noch �rger mit dem Gesetz.� Es war die l�ngste Rede, die Mat jemals von Petra geh�rt hatte, und der Mann r�usperte sich, als w�re es ihm peinlich, so viel gesagt zu haben. �Nun�, murmelte er und beugte sich wieder �ber das Geschirr, �Luca will bald aufbrechen. Ihr werdet Euch um Eure Pferde k�mmern wollen.�</p><p>Das wollte Mat nicht. Das Sch�ne daran, Geld zu haben, war nicht, dass man alles kaufen konnte, sondern dass man andere bezahlen konnte, seine Arbeit zu erledigen. Sobald ihm klar geworden war, dass der Zirkus aufbrach, hatte er die vier Rotwaffen in dem Zelt geweckt, das sie sich mit Chel Vanin teilten, und ihnen befohlen, die Pferde an seinem und Tuons Wagen anzuschirren, und er hatte ihnen gesagt, was sie mit der Rasierklinge machen sollten. Und dass sie Pips satteln sollten. Der st�mmige Pferdedieb � er hatte kein Pferd gestohlen, seit Mat ihn kannte, aber er war einer � hatte sich lange genug aufgerichtet, um zu sagen, dass er aufstehen w�rde, wenn die anderen zur�ckkehrten, dann hatte er sich wieder in seine Decken geh�llt und war schon wieder am Schnarchen, bevor Harnan und die anderen auch nur die Stiefel angezogen hatten. Vanins F�higkeiten waren dergestalt, dass sich niemand beschwerte, von dem �blichen Murren abgesehen, zu dieser Stunde geweckt zu werden, aber Harnan h�tte auch dann gemurrt, wenn er bis mittags h�tte schlafen d�rfen. Wenn diese F�higkeiten gebraucht wurden, w�rde er zehnfach alles zur�ckzahlen, und das wussten sie, selbst Fergin. Der d�rre Rotwaffenmann war nicht besonders schlau, solange es nicht um das Soldatenhandwerk ging, aber in diesem Fall war er schlau genug.</p><p>Der Wanderzirkus verlie� Jurador, bevor die Sonne am Horizont aufstieg, eine lange Wagenkolonne, die durch die Dunkelheit �ber die breite Stra�e rollte mit Lucas bunter, von sechs Pferden gezogener Monstrosit�t an der Spitze. Tuons Wagen fuhr direkt dahinter mit Gorderan auf dem Kutschbock, dessen Schultern beinahe breit genug waren, dass er als Kraftmensch durchging, und Tuon und Selucia quetschten sich mit ins Gesicht gezogenen Kapuzen an seine Seite. Die Vorratswagen und die Tierk�fige und die Ersatzpferde bildeten den Abschluss. Wachtposten im Seanchanerlager sahen ihrer Abreise zu, stumme gepanzerte Gestalten in der Nacht. Nicht, dass das Lager selbst still war. Schattenhafte Umrisse standen in starren Reihen zwischen den Zelten, w�hrend laute Stimmen die Namen ruhig aufriefen und andere antworteten. Mat hielt beinahe den Atem an, bis die regelm��igen Rufe hinter ihm verklangen. Disziplin war eine wunderbare Sache. Jedenfalls f�r andere M�nner.</p><p>Er ritt Pips neben dem Wagen der Aes Sedai, etwa in der Mitte der langen Schlange, zuckte jedes Mal beinahe zusammen, wenn der Fuchskopf auf seiner Brust kalt wurde, was anfing, bevor sie noch keine Meile zur�ckgelegt hatten. Anscheinend verschwendete Joline keine Zeit. Fergin an den Z�geln plauderte mit Metwyn �ber Pferde und Frauen. Beide waren so gl�cklich wie Schweine im Matsch, aber sie hatten ja keine Ahnung, was im Inneren des Wagens vor sich ging. Schlie�lich blieb das Medaillon k�hl, und das nicht einmal sehr. Sie benutzten nur kleine Mengen der Macht. Dennoch missfiel es ihm, sich in solcher N�he aufzuhalten. Seiner Erfahrung nach trugen Aes Sedai �rger in ihren G�rteltaschen und z�gerten selten, ihn zu verteilen, ganz egal, wer im Weg stand. Nein, da die W�rfel in seinem Kopf klapperten, h�tte er gut ohne die Aes Sedai auskommen k�nnen.</p><p>Er w�re ja an Tuons Seite geritten, um sich vielleicht mit ihr zu unterhalten, auch wenn Selucia und Gorderan jedes Wort h�ren w�rden, aber man durfte eine Frau nicht auf die Idee bringen, dass man zu interessiert war. Tat man das, nutzte sie das entweder zu ihrem Vorteil oder verschwand wie ein Wassertropfen in einer hei�en, fettigen Bratpfanne. Tuon fand bereits genug Gelegenheiten, sich einen Vorteil zu verschaffen, und er hatte zu wenig Zeit, um ihr nachzujagen. Fr�her oder sp�ter w�rde sie die Worte sprechen, die die Hochzeitszeremonie abschlossen, so sicher wie Wasser nass war, aber das machte es nur noch wichtiger f�r ihn, herauszufinden, wie sie eigentlich war.</p><p>Das war bis jetzt alles andere als einfach gewesen. Diese winzige Frau lie� ein R�tselspiel simpel erscheinen. Aber wie sollte man mit einer Frau verheiratet sein, wenn man sie doch gar nicht kannte? Schlimmer noch, er musste daf�r sorgen, dass sie mehr in ihm sah als blo� ein Spielzeug. Die Ehe mit einer Frau, die keinen Respekt vor ihm hatte, w�rde so sein, als w�rde man Tag und Nacht ein Brennnesselhemd tragen. Und erst recht schlimm war, dass er daf�r sorgen musste, dass sie etwas f�r ihn empfand, oder er w�rde gezwungen sein, sich vor der eigenen Frau zu verstecken, damit sie ihn nicht zu einem <emphasis>Da'covale</emphasis> machte! Und um dem allen die Krone aufzusetzen, musste er das in der ihm noch verbleibenden Zeit schaffen, bevor er sie nach Ebou Dar zur�ckschickte. Ein sch�ner Schlamassel, und zweifellos eine gro�artige Aufgabe f�r einen Helden aus der Legende, eine Kleinigkeit, mit der er seine Freizeit ausf�llen konnte, bevor er loseilte, um irgendeine gro�e Tat zu vollbringen, aber Mat Cauthon war nun einmal kein verdammter Held. Trotzdem musste er es schaffen und hatte weder Zeit noch Spielraum f�r Fehler.</p><p>Es war der fr�hestm�gliche Aufbruch gewesen, aber seine Hoffnungen, dass die Seanchaner Luca so viel Angst eingejagt hatten, dass er schneller fuhr, wurden bald zunichte gemacht. W�hrend die Sonne stieg, passierten sie Bauernh�fe aus Stein, die an H�geln klebten, und gelegentlich winzige D�rfer mit strohgedeckten H�usern, die sich zusammen mit von Steinmauern umgebenen und dem Wald entrissenen Feldern an die Stra�e schmiegten, wo M�nner und Frauen den vorbeifahrenden Zirkus anstarrten und Kinder den Weg ein St�ck mitliefen, bis ihre Eltern sie zur�ckriefen, aber ungef�hr in der Mitte des Nachmittags erreichte die Kolonne etwas Gr��eres. Runniensbr�cke war in der N�he eines so genannten Flusses, den man trotz der dar�ber f�hrenden Steinbr�cke mit weniger als zwanzig Schritten h�tte durchschreiten k�nnen, ohne weiter als zur Taille nass zu werden, und es kam nicht einmal ann�hrend an Jurador heran, aber es gab vier Gasth�user, von denen jedes vier Stockwerke aufragte und �ber gr�ne oder blaue Schindeld�cher verf�gte. Au�erdem gab es zwischen Dorf und Fluss einen beinahe eine halbe Meile gro�en Platz aus festgestampfter Erde, auf dem Kaufleute f�r die Nacht ihre Wagen parken konnten.</p><p>Bauernh�fe mit ihren eingez�unten Feldern und Obstg�rten und Wiesen machten aus der Landschaft entlang der Stra�e und so weit Mat sehen konnte auch aus den angrenzenden H�geln einen ungef�hr vier Meilen gro�en Flickenteppich. Das reichte Luca.</p><p>Er befahl, auf der Lichtung die Zeltplane aufzubauen, in Flussn�he, damit man die Tiere leichter tr�nken konnte, dann stolzierte er ins Dorf, bekleidet mit einem Mantel und einem Umhang, die rot genug waren, um Mats Augen tr�nen zu lassen, und die so �bertrieben mit goldenen Sternen und Kometen bestickt waren, dass sich ein Kesselflicker gesch�mt h�tte, sie anzuziehen. Das gro�e blaue und rote Banner war �ber dem Eingang errichtet, jeder Wagen an seinem Platz, die Auftrittsplattformen ausgeladen und die Mauer fast fertig aufgestellt, als er von drei M�nnern und drei Frauen eskortiert zur�ckkehrte. Das Dorf war gar nicht so weit von Ebou Dar entfernt, doch ihre Kleidung h�tte zu einem anderen Land geh�ren k�nnen. Die M�nner trugen kurze Wollm�ntel in hellen Farben, auf den Schultern und den �rmeln mit Schn�rkeln bestickt, und dunkle, weite Hosen, die in kniehohe Stiefel gestopft waren. Die Frauen trugen ihr Haar in einer Art gewundenem Zopf auf dem Kopf, und ihre Kleider waren beinahe so farbenpr�chtig wie Lucas Aufzug, die schmalen R�cke vom Saum bis zu den H�ften mit Blumenmustern �bers�t.</p><p>Alle hatten sie aber lange Messer am G�rtel, wenn auch gr��tenteils mit geraden Klingen, und t�tschelten die Griffe, wann immer sie jemand ansah; zumindest das war gleich. Altara war Altara, wenn es um Befindlichkeiten ging. Es handelte sich um den B�rgermeister, die vier Gasthausbetreiber und eine schlanke, wei�haarige Frau in Rot; die anderen sprachen sie respektvoll als Mutter an. Da der beleibte B�rgermeister so wei�haarig wie sie war � jedenfalls, was den kl�glichen Rest seiner Haare betraf � und keiner der Gastwirte auch nur ein graues Haar aufwies, kam Mat zu dem Schluss, dass sie die Dorfseherin war. Er l�chelte und tippte sich an den Hut, als sie vorbeiging, und sie schenkte ihm einen scharfen Blick und schnaubte in einer fast perfekten Imitation Nynaeves. O ja, sie war die Seherin.</p><p>Luca f�hrte sie mit breitem L�cheln und weit ausholenden Gesten, ausf�hrlichen Verbeugungen und Schwenken des Umhangs herum, blieb hier und da stehen, um einen Jongleur oder eine Gruppe Akrobaten f�r seine G�ste etwas vorf�hren zu lassen, aber sein L�cheln verwandelte sich in eine saure Grimasse, sobald sie auf dem R�ckweg und au�er Sicht waren. �Freier Eintritt f�r sie und ihre Ehem�nner und Ehefrauen und alle Kinder�, knurrte er zu Mat, �und ich soll einpacken, wenn ein Kaufmann kommt. Das haben sie zwar so offen nicht gesagt, aber das war unmissverst�ndlich, vor allem diese Mutter Darvale. Als w�rde dieser Fliegendreck jemals gen�gend Kaufleute anziehen, um dieses Feld zu f�llen. Diebe und Schurken, Cauthon. Landbewohner sind alles Diebe und Schurken, und ein ehrlicher Mann wie ich ist ihrer Gnade ausgeliefert.�</p><p>Bald darauf rechnete er zusammen, was er trotz der Freikarten einnehmen w�rde, aber er h�rte nie auf, sich zu beschweren, nicht einmal, als die Schlange am Eingang fast so lange wie in Jurador war. Er f�gte seinen Klagen noch hinzu, wie viel er zus�tzlich eingenommen h�tte, wenn sie blo� drei oder vier weitere Tage in der Salzstadt geblieben w�ren. Jetzt waren es schon drei oder vier weitere Tage, und vermutlich w�re er dageblieben, bis niemand mehr gekommen w�re. Vielleicht waren die drei Seanchaner das Werk von <emphasis>ta�veren.</emphasis> Es war nicht sehr wahrscheinlich, aber es war ein netter Gedanke. Jetzt, wo das alles in der Vergangenheit lag.</p><p>So kamen sie voran. Bestenfalls zwei oder drei Meilen in gem�tlichem Tempo, und f�r gew�hnlich fand Luca eine kleine Stadt oder eine Ansammlung von D�rfern, die seiner Meinung nach einen Aufenthalt erforderten. Oder besser gesagt, er fand, dass ihr Silber einen Aufenthalt erforderte. Selbst wenn sie an nichts als an winzigen Nestern vorbeikamen, die die Arbeit nicht rechtfertigten, die Zeltwand zu errichten, kamen sie nie weiter als vier Meilen, bevor Luca anhalten lie�. Er wollte es nicht riskieren, das Lager entlang der Stra�e in die L�nge zu ziehen. Wenn es keine Vorstellung gab, fand Luca gern eine Lichtung, auf der man die Wagen abstellen konnte, ohne dass sie zu dicht beieinander standen, aber wenn es nicht anders ging, handelte er einem Bauern die Erlaubnis ab, auf einem brachliegenden Feld zu lagern. Um dann den ganzen n�chsten Tag �ber die Ausgaben zu maulen, selbst wenn es nicht mehr als ein Silberpfennig war. Luca hielt seinen Geldbeutel fest verschlossen.</p><p>Kaufmannsz�ge passierten sie in beiden Richtungen, legten ein ordentliches Tempo vor und schafften es, auf den ungepflasterten Stra�en kleine Staubwolken in die H�he steigen zu lassen. Kaufleute wollten ihre Waren so schnell wie m�glich zu den M�rkten bringen. Gelegentlich sahen sie auch eine Karawane der Kesselflicker, deren rechteckige Wagen so bunt wie alles beim Zirkus waren � ausgenommen nat�rlich Lucas Wagen. Sie alle fuhren seltsamerweise in Richtung von Ebou Dar, aber sie bewegten sich so langsam wie Luca. Es war unwahrscheinlich, dass Reisende aus der anderen Richtung den Zirkus passieren w�rden. Zwei oder drei Meilen am Tag, und die W�rfel ratterten pausenlos, sodass sich Mat immer fragte, was wohl hinter der n�chsten Kurve wartete oder sie von hinten einholte. Es reichte, um einem Mann einen Schluckauf zu verpassen.</p><p>In der ersten Nacht, au�erhalb von Runniensbr�cke, ging er zu Aludra. Sie hatte in der N�he ihres hellblauen Wagens eine acht Fu� hohe, kleine Zeltplanenumrandung aufgestellt, um dort ihre Nachtblumen zu starten, und sie richtete sich mit einem finsteren Blick auf, als er die Plane zur Seite schlug und geduckt eintrat. Eine geschlossene Laterne auf dem Boden in der N�he der Wand verbreitete genug Licht, dass er sehen konnte, wie sie eine dunkle Kugel vom Umfang einer gro�en Melone hielt. Runniensbr�cke war nur gro� genug, um eine einzelne Nachtblume zu rechtfertigen. Sie �ffnete den Mund, um ihn herauszuwerfen. Nicht einmal Luca hatte hier Zutritt.</p><p>�Abschussr�hren�, sagte er schnell und deutete auf die mit Eisenringen versehene Holzr�hre, die aufrecht vor ihr in einem breiten Holzblock steckte, fast so gro� wie Mat und von einem Fu� Durchmesser. �Darum habt Ihr einen Glockengie�er gesucht. Um Abschussr�hren aus Bronze herzustellen. Aber ich komme nicht auf den Zweck.� Es erschien wie eine l�cherliche Idee � mit etwas M�he konnten zwei M�nner eine ihrer h�lzernen Abschussr�hren auf den Wagen heben, der sie und ihre anderen Ger�tschaften transportierte; eine Bronzeabschussr�hre h�tte einen Drehkran gebraucht �, aber das war das Einzige, was ihm eingefallen war.</p><p>Da die Laterne hinter ihr stand, verbargen Schatten ihren Gesichtsausdruck, aber sie war einen langen Moment stumm.</p><p>�So ein kluger junger Mann�, sagte sie schlie�lich. Ihre perlenverzierten Z�pfe klirrten leise, als sie den Kopf sch�ttelte. Ihr Lachen war leise und kehlig. �Ich sollte auf meine Worte achten. Immer gerate ich in Schwierigkeiten, wenn ich klugen jungen M�nnern Versprechungen mache. Glaubt aber blo� nicht, dass ich Euch Geheimnisse verrate, die Euch err�ten lassen werden, nicht jetzt. Anscheinend jongliert Ihr bereits mit zwei Frauen, und mit mir jongliert keiner.�</p><p>�Dann habe ich Recht?� Er konnte kaum den Unglauben aus seiner Stimme heraushalten.</p><p>�Das habt Ihr�, sagte sie. Und warf ihm die Nachtblume zu!</p><p>Er fing sie mit einem �berraschten Fluch und wagte es erst wieder zu atmen, als er sicher war, einen guten Griff zu haben. Die H�lle schien aus steifem Leder zu bestehen, aus deren Seite eine winzige Z�ndschnur ragte. Er kannte sich etwas mit kleinerem Feuerwerk aus, und angeblich explodierten diese nur durch Feuer oder wenn man das, das sich im Inneren befand, der Luft aussetzte � obwohl er einmal einen Feuerwerksk�rper aufgeschnitten hatte, ohne dass er losgegangen war �, aber wer konnte schon genau sagen, was eine Nachtblume explodieren lie�? Der Feuerwerksk�rper, den er ge�ffnet hatte, war klein genug gewesen, um in einer Hand gehalten werden zu k�nnen. Etwas von der Gr��e dieser Nachtblume w�rde ihn und Aludra vermutlich in St�cke rei�en.</p><p>Pl�tzlich kam er sich wie ein Narr vor. Sie w�rde das Ding kaum werfen, wenn es gef�hrlich war, es fallen zu lassen. Er fing an, die Kugel von einer Hand in die andere zu werfen. Nicht um das Keuchen wieder wettzumachen. Nur, um etwas zu tun zu haben.</p><p>�Wieso wird das eine bessere Waffe sein, wenn man Abschussr�hren aus Bronze gie�t?� Das war es, was sie wollte, Waffen, die man gegen die Seanchaner einsetzen konnte, um ihnen die Vernichtung der Gilde der Feuerwerker heimzuzahlen. �Sie erscheinen mir auch so furchterregend genug.�</p><p>Aludra riss ihm die Nachtblume aus der Hand, murmelte etwas von unbeholfenen Trotteln und drehte die Kugel, um die Lederh�lle zu untersuchen. Vielleicht war es doch nicht so sicher wie gedacht. �Eine ordentliche Abschussr�hre�, sagte sie, sobald sie sicher war, dass er das Ding nicht besch�digt hatte, �wird das hier mit der richtigen Ladung ungef�hr dreihundert Schritte in die H�he bef�rdern, und eine gr��ere Distanz �ber den Boden, wenn man die R�hre schr�g stellt. Aber nicht weit genug f�r das, was ich im Sinn habe. Eine Treibladung, die gro� genug ist, um sie weiter fliegen zu lassen, w�rde die R�hre zerschmettern. Mit einer Bronzer�hre k�nnte ich eine Treibladung verwenden, die etwas Kleineres fast zwei Meilen weit fliegen lie�e. Den Treibsatz langsamer brennen zu lassen, damit es so weit fliegen kann, ist nicht schwer. Kleiner, aber schwerer, aus Eisen hergestellt, und es w�rde nichts f�r sch�ne Farben verwendet werden, sondern nur f�r das Geschoss.�</p><p>Mat stie� einen leisen Pfiff aus, sah in Gedanken, wie sie unter dem Feind explodierten, bevor er nahe genug heran war, um einen deutlich zu sehen. Ein h�ssliches Geschenk. Nun w�re das genauso gut, wie eine Aes Sedai auf seiner Seite zu haben, oder einen dieser Asha'man. Sogar noch besser. Aes Sedai mussten sich in Gefahr befinden, um die Macht als Waffe zu benutzen, und obwohl er Ger�chte �ber Hunderte von Asha'man geh�rt hatte, wurden Ger�chte mit jedem Weitererz�hlen ausgeschm�ckt. Davon abgesehen, wenn Asha'man den Aes Sedai auch nur �hnlich waren, w�rden sie schnell entscheiden, wo man sie brauchte, und dann den ganzen Kampf an sich rei�en. Er stellte sich vor, Aludras Bronzer�hren zu benutzen, und sofort erkannte er ein offensichtliches Problem. S�mtliche Vorteile waren dahin, wenn der Feind aus der falschen Richtung kam oder sich einem in den R�cken setzte, und wenn man Hebekr�ne brauchte, um diese Dinger zu bewegen� �Diese Bronzeabschussr�hren��</p><p>�Drachen�, unterbrach sie ihn. �Abschussr�hren sind f�r Nachtblumen gemacht. Um das Auge zu erfreuen. Ich werde sie Drachen nennen, und die Seanchaner werden schreien, wenn meine Drachen zubei�en.� Ihr Ton war so grimmig wie scharfkantiger Stein.</p><p>�Also dann diese Drachen. Wie auch immer Ihr sie nennen wollt, sie werden schwer und schlecht zu bewegen sein. K�nnt Ihr sie auf R�der setzen? Auf einen Wagen oder einen Karren? K�nnen sie von Pferden gezogen werden, oder sind sie dazu zu schwer?�</p><p>Sie lachte wieder. �Gut zu sehen, dass Ihr nicht nur ein h�bscher Anblick seid.� Sie stieg auf eine Faltleiter mit drei Stufen, die ihre Taille auf die H�he der �ffnung der Abschussr�hre brachte, und schob die Nachtblume mit nach unten gedrehtem Z�nder hinein. Sie rutschte ein St�ck in die Tiefe und blieb dann stecken, eine Kuppel �ber der R�hren�ffnung. �Gebt mir das da�, bat sie ihn und zeigte auf einen Stab, der so lang und dick wie ein Kampfstab war. Als er ihn ihr reichte, hielt sie ihn hoch und benutzte die Ledermanschette am einen Ende, um die Nachtblume in die Tiefe zu dr�cken. Das kostete anscheinend keine gro�e M�he. �Ich habe bereits Pl�ne f�r den Drachenkarren gezeichnet. Vier Pferde k�nnten einen m�helos ziehen, zusammen mit einem zweiten Karren, der die Eier bef�rdert. Keine Nachtblumen. Dracheneier. Seht Ihr, ich habe lange und gr�ndlich dar�ber nachgedacht, wie ich meine Drachen einsetze, nicht nur, wie man sie konstruiert.� Sie zog den Stab aus der R�hre, stieg nach unten und hob die Laterne auf. �Kommt. Ich muss etwas am Himmel bl�hen lassen, dann will ich mein Abendessen und mein Bett.�</p><p>Direkt neben der Umrandung stand ein Holzgestell mit weiteren seltsamen Ger�tschaften, einem gegabelten Stock, Zangen von Mats Gr��e und andere Dinge, die genauso seltsam aussahen und alle aus Holz gemacht waren. Sie stellte die Laterne am Boden ab, schob den Stab mit der Manschette in das Gestell und holte ein rechteckiges Holzk�stchen. �Ich vermute, jetzt wollt Ihr erfahren, wie man mein Geheimpulver herstellt, oder? Nun, ich habe es versprochen. Ich allein bin jetzt die Gilde�, f�gte sie bitter hinzu und entfernte den Deckel des K�stchens. Es war ein seltsames K�stchen, ein stabiles St�ck Holz mit hineingebohrten L�chern, in denen d�nne Holzst�bchen steckten. Sie zog eines heraus und setzte den Deckel wieder auf. �Ich kann entscheiden, was geheim ist.�</p><p>�Ich m�chte lieber, dass Ihr mit mir kommt. Ich kenne jemanden, der sich gl�cklich sch�tzen w�rde, Euch die Herstellung so vieler Drachen zu bezahlen, wie Ihr wollt. Er kann jeden Glockengie�er von Andor bis Tear dazu veranlassen, keine Glocken mehr zu gie�en und stattdessen Drachen zu machen.� Rands Namen zu vermeiden verhinderte nicht, dass die Farben durch seinen Kopf wirbelten und sich einen Augenblick lang zu Rand verfestigten � der jetzt bekleidet war, dem Licht sei dank �, der sich in einem holzget�felten Zimmer im Lampenschein mit Loial unterhielt. Da waren noch andere Leute, aber das Bild konzentrierte sich auf Rand, und es verschwand zu schnell, als dass Mat h�tte erkennen k�nnen, wer es war. Er war im Grunde fest davon �berzeugt, dass das, was er sah, genau in diesem Augenblick passierte, so unm�glich das auch erschien. Es w�re sch�n gewesen, Loial wiederzusehen, aber sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, es musste eine M�glichkeit geben, diese Dinge aus seinem Kopf herauszuhalten! �Und wenn er nicht interessiert sein sollte� � wieder bl�hten die Farben auf, aber er leistete Widerstand und sie schmolzen dahin � �kann ich Euch einhundert davon bezahlen. Oder sagen wir auf jeden Fall eine Menge.�</p><p>Die Bande w�rde am Ende gegen die Seanchaner k�mpfen, und vermutlich auch gegen Trollocs. Und er w�rde dabei sein, wenn es geschah. Um diese Tatsache kam man nicht herum. Er konnte anstellen, was er wollte, um es zu vermeiden, das verfluchte <emphasis>ta�veren</emphasis> w�rde ihn mitten in den Schlamassel hinein bef�rdern. Also war er bereit, mit Gold um sich zu werfen, wenn ihm das die M�glichkeit verschaffte, seine Feinde zu t�ten, bevor sie nahe genug heran waren, ihm L�cher in den Leib zu stechen.</p><p>Aludra legte den Kopf schief, sch�rzte die rosenroten Lippen. �Wer ist der Mann mit solcher Macht?�</p><p>�Das muss aber ein Geheimnis zwischen uns bleiben. Thom und Juilin wissen es, und Egeanin und Domon, und die Aes Sedai, jedenfalls Teslyn und Joline, und Vanin und die Rotwaffen, aber sonst keiner, und ich will, dass es so bleibt.� Blut und verdammte Asche, es wussten bereits viel zu viele Leute.</p><p>Er wartete auf ihr knappes Nicken. Dann sagte er: �Der Wiedergeborene Drache.�</p><p>Die Farben wirbelten, und obwohl er dagegen ank�mpfte, wurden sie wieder kurz zu Rand und Loial. Das w�rde doch nicht so einfach werden, wie es den Anschein gehabt hatte.</p><p>�Ihr kennt den Wiedergeborenen Drachen�, sagte sie zweifelnd.</p><p>�Wir sind im selben Dorf aufgewachsen�, knurrte er und k�mpfte wieder gegen die Farben. Dieses Mal verfestigten sie sich fast, bevor sie verschwanden. �Wenn Ihr mir nicht glaubt, fragt Teslyn und Joline. Fragt Thom. Aber macht es nicht, wenn jemand anderes in der N�he ist. Vergesst nicht, es ist ein Geheimnis.�</p><p>�Die Gilde ist mein Leben gewesen, seit ich ein junges M�dchen war.� Sie schob das Holzst�bchen mit einer schnellen Bewegung �ber die Seite des K�stchens, und das Ding fing an zu brennen! Es roch nach Schwefel. �Die Drachen, sie sind jetzt mein Leben. Die Drachen und die Rache an den Seanchanern.� Sie b�ckte sich und hielt die Flamme an eine dunkle Z�ndschnur, die unter der Zeltplane verschwand. Sobald die Z�ndschnur brannte, wedelte sie mit dem St�bchen herum, bis die Flamme erlosch, dann lie� sie es fallen. Mit einem knisternden Zischen flackerte das Feuer die Z�ndschnur entlang. �Ich glaube es Euch, wenn ich dar�ber nachdenke.� Sie hielt ihm die freie Hand hin. �Wenn Ihr geht, begleite ich Euch. Und Ihr werdet mir helfen, viele Drachen herzustellen.�</p><p>Einen Augenblick lang, so lange er ihre Hand sch�ttelte, war er davon �berzeugt, dass die W�rfel verstummt waren, aber einen Herzschlag sp�ter rollten sie schon wieder. Es musste seine Einbildung gewesen sein. Sicher w�rde seine �bereinkunft mit Aludra der Bande und damit auch Mat Cauthon helfen, am Leben zu bleiben, aber man konnte sie wohl kaum als schicksalhaft bezeichnen. Er w�rde diese Schlachten immer noch schlagen m�ssen, und ganz egal, wie sehr man plante und wie gut ausgebildet seine M�nner waren, Gl�ck und Pech spielten immer eine Rolle, sogar bei ihm. Diese Drachen w�rden daran nichts �ndern. Aber klapperten die W�rfel so laut wie zuvor? Er hatte nicht den Eindruck, aber wie konnte er sich da sicher sein? Sie waren noch nie zuvor langsamer geworden, ohne ganz zu verstummen. Es konnte nur Einbildung gewesen sein.</p><p>In dem abgegrenzten Raum ert�nte ein dumpfes Dr�hnen, bei�ender Qualm wallte �ber die Plane. Augenblicke sp�ter erbl�hte die Nachtblume in der Dunkelheit �ber Runniensbr�cke, ein gro�er Ball aus roten und gr�nen Lichtstreifen. In seinen Tr�umen in dieser Nacht und in vielen kommenden N�chten erbl�hte sie immer wieder, aber diesmal erbl�hte sie zwischen anst�rmenden Reitern und Mauern aus Piken, riss Fleisch in St�cke, wie er einst Stein durch Feuerwerk in St�cke gerissen gesehen hatte. In seinen Tr�umen versuchte er die Dinger mit blo�en H�nden zu fangen, versuchte sie aufzuhalten, aber sie regneten in nicht enden wollenden Str�men auf hundert Schlachtfelder nieder. In seinen Tr�umen weinte er wegen des Todes und der Zerst�rung. Und irgendwie hatte es den Anschein, dass das Klappern der W�rfel in seinem Kopf wie Gel�chter klang. Aber nicht sein Gel�chter. Das Gel�chter des Dunklen K�nigs.</p><p>Als die Sonne am n�chsten Morgen in einen wolkenlosen Himmel aufstieg, sa� er auf den Stufen seines gr�nen Wagens und bearbeitete den Bogenstab vorsichtig mit einem scharfen Messer. Das musste man vorsichtig, mit �u�erstem Feingef�hl machen; ein sorgloser falscher Schnitt konnte die ganze Arbeit zunichte machen.</p><p>Da kamen Egeanin und Domon heraus. Seltsamerweise schienen sie sich mit besonderer Sorgfalt angekleidet zu haben; sie trugen die besten Sachen, die sie hatten. Mat war nicht der Einzige gewesen, der in Jurador Stoff gekauft hatte, aber ohne den Anreiz seines Goldes n�hten die Schneiderinnen noch immer f�r Domon und Egeanin. Die blau�ugige Seanchanerin trug ein hellgr�nes Kleid, das auf dem hohen Kragen reichhaltig mit winzigen wei�en und gelben Blumen verziert war, die sich von dort bis zu den �rmelr�ndern hinunterzogen. Ihre lange schwarze Per�cke wurde von einem blumengemusterten Tuch gehalten. Domon sah mit seinem kurz geschorenen Haar und dem Illianerbart, der die Oberlippe frei lie�, richtig seltsam aus; er hatte seinen abgetragenen braunen Mantel ausgeb�rstet, bis er beinahe ordentlich aussah. Sie dr�ngten sich wortlos an Mat vorbei und eilten los, und er dachte nicht weiter dar�ber nach, bis sie eine Stunde sp�ter zur�ckkamen und verk�ndeten, dass sie im Dorf gewesen waren und sich von Mutter Darvale hatten verm�hlen lassen.</p><p>Er konnte nicht verhindern, dass er sie anstarrte. Egeanins strenges Gesicht und ihr scharfer Blick waren ein deutlicher Hinweis auf ihren Charakter. Was konnte Domon nur dazu veranlasst haben, diese Frau zu <emphasis>heirate n?</emphasis> Da h�tte man genauso gut einen B�ren heiraten k�nnen. Ihm wurde bewusst, dass der Illianer anfing, ihn finster anzublicken, und er sprang hastig auf die F��e und brachte eine ordentliche Verbeugung �ber dem Bogenstab zustande. �Meine Gl�ckw�nsche, Meister Domon. Meine Gl�ckw�nsche, Frau Domon. M�ge das Licht Euch beide mit seinem Schein erleuchten.� Was h�tte er sonst sagen sollen?</p><p>Aber Domons Miene hellte sich keineswegs auf, als h�tte er Mats Gedanken geh�rt, und Egeanin schnaubte blo�.</p><p>�Mein Name ist Leilwin Schiffslos, Cauthon�, sagte sie in ihrem lang gezogenen Akzent. �Das ist der Name, den man mir gegeben hat, und der Name, mit dem ich sterben werde. Und es ist ein guter Name, denn er hat mir geholfen, eine Entscheidung zu treffen, die ich schon vor Wochen h�tte treffen sollen.� Stirnrunzelnd warf sie einen Blick auf Domon. �Du verstehst doch, warum ich deinen Namen nicht annehmen konnte, Bayle?�</p><p>�Nein, mein M�dchen�, erwiderte Domon sanft und legte ihr die schwere Hand auf die Schulter, �aber ich nehme dich mit jedem Namen, den du benutzen willst, solange du nur meine Frau bist. Das habe ich dir gesagt.� Sie l�chelte und legte ihre Hand auf die seine, und er fing auch an zu l�cheln. Beim Licht, aber die beiden waren einfach blo� ekelerregend. Falls eine Heirat einen Mann so zuckers�� l�cheln lie߅ Nun, Mat Cauthon w�rde das nicht passieren. Er mochte ja so gut wie verheiratet sein, aber ein Mat Cauthon w�rde niemals wie ein Narr umherstolzieren.</p><p>Und so endete er in einem gr�n gestreiften Zelt, das nicht besonders gro� war und zwei Domani-Br�dern geh�rte, die Feuer und Schwerter schluckten. Selbst Thom gab zu, dass Balat und Abar gut waren, und sie waren recht beliebt bei den anderen Artisten, also fiel es leicht, eine andere Unterkunft f�r sie zu finden, aber das Zelt kostete fast so viel wie der Wagen! Jeder wusste, dass er mit Gold um sich werfen konnte, und die beiden seufzten blo� bei dem Gedanken, ihr gem�tliches Zuhause aufgeben zu m�ssen, als er versuchte, sie herunterzuhandeln. Nun, ein frisch gebackenes Ehepaar brauchte seine Privatsph�re, und er verschaffte sie ihnen nur zu gern, wenn das bedeutete, nicht mehr mit ansehen zu m�ssen, wie sie sich verliebte Augen machten.</p><p>Davon abgesehen war er es leid, abwechselnd auf dem Boden schlafen zu m�ssen. In dem Zelt hatte er wenigstens seine eigene Pritsche � so schmal und hart sie auch sein mochte, war sie noch immer weicher als der Wagenboden �, und da er nun allein war, hatte er auch mehr Platz als in dem Wagen, und das selbst nachdem der Rest seiner Kleidung gebracht und in zwei mit Messingb�ndern beschlagenen Truhen verstaut worden war. Er hatte seinen eigenen Waschst�nder, einen Stuhl mit Lehne, der nicht zu wackelig war, einen stabilen Hocker und einen Tisch, der gro� genug war, um Platz f�r einen Teller und eine Tasse und zwei vern�nftige Messinglampen zu bieten. Die Truhe mit dem Gold lie� er in dem gr�nen Wagen. Nur ein blinder Narr w�rde versuchen, Domon zu berauben. Nur ein Verr�ckter w�rde versuchen, Egeanin zu berauben. Oder Leilwin, worauf sie bestand, auch wenn er noch immer davon �berzeugt war, dass sie irgendwann wieder zur Vernunft kommen w�rde. Nach der ersten Nacht in der N�he des Aes Sedai-Wagens, in der der Fuchskopf die H�lfte der Zeit eiskalt gewesen war, lie� er das Zelt gegen�ber von Tuons Wagen aufstellen, indem er daf�r sorgte, dass die Rotwaffen es aufbauten, bevor jemand anders den Platz f�r sich beanspruchen konnte.</p><p>�Seid Ihr ab jetzt meine Wache?�, sagte Tuon k�hl, als sie das Zelt zum ersten Mal erblickte.</p><p>�Nein�, erwiderte er. �Ich hoffe nur, mehr von Euch zu sehen.� Das war beim Licht die Wahrheit � nun gut, von den Aes Sedai wegzukommen spielte auch eine Rolle, aber das andere war auch wahr �, aber die Frau signalisierte Selucia nur mit den Fingern, und die beiden brachen in ein nicht enden wollendes Kichern aus, bevor sie sich endlich wieder einkriegten und mit der W�rde einer k�niglichen Prozession in den purpurfarbenen Wagen zur�ckzogen. Frauen!</p><p>Er war nicht oft allein in dem Zelt. Nach Naleseans Tod hatte er Lopin als Leibdiener aufgenommen, und der kr�ftige Tairener mit seinem kantigen Gesicht und dem fast bis zur Brust reichenden Bart schaute st�ndig rein, senkte den kahler werdenden Kopf und fragte, was �mein Lord� gern zu essen w�nschte oder ob �mein Lord� Wein oder Tee ben�tigte oder gern einen Teller kandierte Feigen h�tte, die er irgendwo aufgetrieben hatte. Lopin war eitel, was seine F�higkeit betraf, Delikatessen zu finden, wo es angeblich keine mehr gab. Entweder er machte so etwas, oder er st�berte in den Kleidertruhen herum auf der Suche nach Dingen, die geflickt oder ges�ubert oder geb�gelt werden mussten. Irgendetwas gab es seiner Meinung nach immer, auch wenn es in Mats Augen v�llig in Ordnung war. H�ufig wurde er von Nerim begleitet, Talmanes' melancholischem Leibdiener, haupts�chlich weil der d�rre grauhaarige Cairhiener sich langweilte. Mat konnte nicht begreifen, wie sich jemand langweilen konnte, weil er nichts zu tun hatte, aber Nerim gab st�ndig gequ�lte Bemerkungen von sich, wie schlecht es Talmanes doch ohne ihn gehen musste, beklagte sich f�nfmal an jedem Tag mit einem tiefen Seufzer dar�ber, dass Talmanes mittlerweile seine Stelle jemand anderem gegeben haben musste und dass er bereit war, notfalls mit Nerim darum zu ringen, wenn etwas zu flicken oder zu s�ubern war. Er wollte sogar zum Stiefelputzen eingeteilt werden!</p><p>Noal kam vorbei, um seine Geschichten zu erz�hlen, und Olver, um Steine oder Schlangen und F�chse zu spielen, wenn er nicht mit Tuon spielen konnte. Thom kam auch zu einer Partie Steine und um die Ger�chte weiterzuerz�hlen, die er in den D�rfern und St�dten aufgeschnappt hatte. Juilin brachte seine eigenen Berichte, aber er hatte auch immer Amathera dabei. Die ehemalige Panarchin von Tarabon war h�bsch genug, dass Mat das Interesse des Diebef�ngers verstehen konnte, mit rosigen Lippen, die wie gemacht zum K�ssen waren, und sie klammerte sich immer an Juilins Arm, als w�rde sie seine Gef�hle teilweise erwidern, aber ihre gro�en Augen blickten immer furchtsam in die Richtung von Tuons Wagen, selbst wenn sie sich alle in Mats Zelt aufhielten, und es kostete Juilin immer noch gro�e M�he, sie daran zu hindern, auf die Knie zu fallen und das Gesicht auf den Boden zu dr�cken, wenn sie auch nur einen Blick von Tuon oder Selucia erhaschte. Aber bei Egeanin und Bethamin und Seta verhielt sie sich ebenso. Zog man in Betracht, dass Amathera nur wenige Monate eine <emphasis>Da�covale</emphasis> gewesen war, verschaffte das Mat stets eine G�nsehaut. Tuon konnte ihn nicht ernsthaft zu einem <emphasis>Da�covale</emphasis> machen wollen, wenn sie ihn heiraten w�rde. Oder doch?</p><p>Er befahl ihnen bald, ihm keine Ger�chte �ber Rand mehr zu erz�hlen. Gegen die Farben in seinem Kopf anzuk�mpfen kostete eine zu gro�e Anstrengung, und er verlor den Kampf genauso oft, wie er ihn gewann. Manchmal war alles in Ordnung, aber manchmal vermittelten sie ihm auch kurze Ausblicke auf Rand und Min, und es hatte den Anschein, als w�rden sich die beiden nur f�r eine Sache interessieren. Au�erdem waren es immer die gleichen Ger�chte. Der Wiedergeborene Drache war tot, get�tet von Aes Sedai, von Asha'man, von den Seanchanern, von einem Dutzend anderer Attent�ter. Nein, er versteckte sich, er stellte eine geheime Armee auf, er tat etwas Dummes, das von Dorf zu Dorf und Schenke zu Schenke etwas anderes war. Verb�rgt war nur, dass sich Rand nicht l�nger in Cairhien aufhielt, und keiner hatte eine Ahnung, wo er war. Der Wiedergeborene Drache war verschwunden.</p><p>Es erschien seltsam, wie viele dieser altaranischen Bauern und D�rfler und St�dter dar�ber beunruhigt waren, so beunruhigt wie die durchreisenden Kaufleute und die M�nner und Frauen, die f�r sie arbeiteten. Nicht einer dieser Menschen wusste mehr �ber den Wiedergeborenen Drachen als die Geschichten, die sie geh�rt hatten, und doch �ngstigte sie sein Verschwinden. Thom und Juilin waren da eindeutig, bis er sie bat, damit aufzuh�ren. Wenn der Wiedergeborene Drache tot war, was w�rde mit der Welt geschehen? Das war die Frage, die sich die Menschen am Morgen beim Fr�hst�ck und am Abend beim Ale stellten und vermutlich auch, wenn sie zu Bett gingen. Mat h�tte ihnen sagen k�nnen, dass Rand lebte � diese verdammten Visionen verrieten ihm das mit Sicherheit �, aber die Erkl�rung, warum er das wusste, war eine andere Sache. Selbst Thom und Juilin schienen das mit den Farben nicht zu verstehen. Die Kaufleute und die anderen h�tten ihn f�r einen Verr�ckten gehalten. Und wenn sie ihm glaubten, w�rde das nur Ger�chte �ber ihn in Umlauf bringen, ganz zu schweigen davon, dass es die Seanchaner auf ihn gehetzt h�tte. Er wollte blo�, dass die verfluchten Farben aus seinem Kopf verschwanden.</p><p>Sein Umzug in das Zelt f�hrte dazu, dass ihm die Artisten seltsame Blicke zuwarfen, und das war auch kein Wunder. Zuerst war er zusammen mit Egeanin durchgebrannt � Leilwin, wenn sie darauf bestand! �, und Domon war angeblich ihr Diener, aber jetzt war sie mit ihm verheiratet und Mat hatte den Wagen verlassen. Einige der Artisten schienen der Meinung zu sein, dass er es nicht anders verdient hatte, da er doch Tuon nachstieg, aber eine �berraschende Anzahl hatten Mitleid mit ihm. Mehrere M�nner lie�en sich �ber die Unberechenbarkeit der Frauen aus � zumindest wenn keine anderen Frauen in der N�he waren �, und einige der unverheirateten Frauen, Verrenkungsk�nstlerinnen, Akrobatinnen und N�herinnen, fingen an, ihn ausgesprochen interessiert anzusehen. Vielleicht h�tte er das genossen, h�tten sie ihm nicht direkt vor Tuon feurige Blicke zugeworfen. Beim ersten Mal war er so �berrascht, dass ihm beinahe die Augen aus dem Kopf gequollen w�ren. Und Tuon schien das auch noch am�sant zu finden! Zumindest hatte es den <emphasis>Ans che i nl</emphasis> Aber nur ein Narr glaubte zu wissen, was im Kopf einer Frau vor sich ging, nur weil sie l�chelte.</p><p>Er a� auch weiterhin jeden Tag mit ihr zu Mittag, wenn sie Halt gemacht hatten, und traf fr�her zu seiner abendlichen Partie Steine ein, sodass sie ihn auch dann bewirten musste. Es war beim Licht die Wahrheit, brachte man eine Frau dazu, einen regelm��ig zu bek�stigen, hatte man sie halbwegs erobert. Andererseits a� er nur mit ihr zu Abend, wenn sie ihn in den Wagen lie�. An einem Abend fand er die T�r verriegelt vor, und kein �berredungsversuch brachte sie oder Selucia dazu, sie zu �ffnen. An diesem Tag war es wohl einem Vogel gelungen, in den Wagen zu gelangen, anscheinend ein au�erordentlich b�ses Omen, und die beiden mussten die Nacht mit Beten verbringen, um irgendetwas B�ses zu verh�ten. Sie schienen ihr halbes Leben nach irgendwelchem Aberglauben auszurichten. Sahen sie ein zerrissenes Spinnennetz mit einer Spinne darin, vollf�hrten sie seltsame Gesten mit den H�nden, und Tuon hatte ihm voller Ernst erkl�rt, dass, wenn man ein Spinnennetz wegwischte, ohne die Spinne vorher zu verscheuchen, eine einem nahe stehende Person innerhalb eines Monats starb. Sie erblickten einen Schw�rm V�gel mehr als einmal �ber sich kreisen und sagten einen Sturm voraus, oder sie zogen einen Finger durch eine Kolonne marschierender Ameisen, z�hlten, wie lange es dauerte, bis die Ameisen sich wieder in die Reihe einordneten, und sagten dann voraus, wie viele Tage g�nstiges Wetter vor ihnen lagen � und es spielte keine Rolle, dass das dann alles nicht eintraf. Oh, drei Tage nach dem Vogelschwarm � es waren ungl�cklicherweise auch noch Kr�hen � regnete es, aber es war alles andere als ein Sturm, sondern blo� ein grauer Tag mit Nieselregen.</p><p>�Offensichtlich hat sich Selucia bei den Ameisen verz�hlt�, sagte Tuon und platzierte mit dieser seltsam anmutigen Kr�mmung ihrer Finger einen wei�en Stein auf das Brett. Selucia, die in eine wei�e Bluse und einen braunen Reitrock gekleidet war, sah �ber ihrer Schulter zu und nickte. Wie gew�hnlich trug sie selbst im Wageninneren ein Kopftuch �ber dem kurzen blonden Haar, an diesem Tag eines aus roter und goldener Seide. Tuon war in blauen Seidenbrokat gekleidet, einen Mantel von seltsamem Schnitt, der ihre H�fte bedeckte, sowie einen Reitrock, der so schmal war, dass er wie eine weite Hose wirkte. Sie verbrachte viel Zeit damit, der N�herin genaue Anweisungen zu geben, was sie gen�ht haben wollte, und nur wenig davon �hnelte auch nur im Mindesten der Garderobe, die er kannte. Vermutlich war das alles im seanchanischen Stil, auch wenn sie ein paar Reitgew�nder hatte anfertigen lassen, die kein Aufsehen erregten, wenn sie nach drau�en ging. Regen prasselte leise auf das Wagendach. �Offensichtlich wurde das, was uns die V�gel sagten, durch die Ameisen abgewandelt. Es ist nie einfach, Spielzeug. Ihr m�sst diese Dinge lernen. Ich werde nicht zulassen, dass Ihr unwissend seid.�</p><p>Mat nickte, als w�rde das einen Sinn ergeben, und setzte seinen schwarzen Stein. Und sie bezeichnete sein Unbehagen wegen Kr�hen und Raben als Aberglaube! Zu wissen, wann man in Anwesenheit von Frauen den Mund zu halten hatte, war eine n�tzliche Fertigkeit. Bei M�nnern auch, aber bei Frauen noch mehr. Bei M�nnern wusste man, was ihr Temperament in Wallung brachte.</p><p>Sich mit ihr zu unterhalten konnte aber auch auf andere Weise gef�hrlich sein. �Was wisst Ihr �ber den Wiedergeborenen Drachen?�, fragte sie ihn an einem anderen Abend.</p><p>Er verschluckte sich an seinem Wein, und die wirbelnden Farben l�sten sich in einem Hustenanfall auf. Der Wein war kaum besser als Essig, aber selbst Nerim fiel es in diesen Tagen schwer, vern�nftigen Wein aufzutreiben.</p><p>�Nun, er ist der Wiedergeborene Drache�, sagte er, als er wieder sprechen konnte, und wischte sich den Wein vom Kinn. Einen Augenblick lang sah er Rand an einem gro�en dunklen Tisch essen. �Was muss man da sonst noch wissen?� Selucia f�llte geschickt seinen Becher nach.</p><p>�Eine ganze Menge, Spielzeug. Zum einen muss er vor Tarmon Gai'don vor dem Kristallthron knien. Die Prophezeiungen sind da eindeutig, aber ich habe nicht einmal in Erfahrung bringen k�nnen, wo er steckt. Es wird noch dringender, wenn er derjenige ist, der das Horn von Valere geblasen hat, wie ich vermute.�</p><p>�Das Horn von Valere?�, sagte er schwach. <emphasis>Was</emphasis> stand blo� in diesen Prophezeiungen? �Man hat es also gefunden?�</p><p>�Das muss es wohl, wenn man es geblasen hat, oder?�, meinte sie trocken. �Die Berichte, die ich �ber den Ort gelesen habe, an dem es geblasen wurde, ein Ort namens Falme, sind sehr beunruhigend. Sich denjenigen zu sichern, der das Horn geblasen hat, ob Mann oder Frau, ist vielleicht genauso wichtig, wie den Wiedergeborenen Drachen selbst zu sichern. Wollt Ihr nun Steine spielen oder nicht, Spielzeug?�</p><p>Er setzte seinen Stein, aber er war so ersch�ttert, dass die Farben wirbelten und verblassten, ohne ein Bild zu formen. Er war kaum dazu f�hig, aus einer offensichtlichen Gewinnposition noch ein Unentschieden zu erreichen.</p><p>�Ihr habt am Ende sehr schlecht gespielt�, murmelte Tuon und betrachtete das Spielbrett nachdenklich, auf dem die Kontrolle �ber die schwarzen und wei�en Steine gleichm��ig verteilt war. Er konnte f�rmlich <emphasis>sehen ,</emphasis> wie sie zu �berlegen begann, wor�ber sie gesprochen hatten, als er anfing, schlecht zu spielen. Eine Unterhaltung mit ihr war wie der Gang �ber die nachgebende Kante eines Abgrundes. Ein falscher Schritt, und Mat Cauthon war so tot wie das Hammelfleisch vom letzten Jahr. Aber er musste �ber diese Kante gehen. Ihm blieb keine verdammte Wahl. Oh, in gewisser Weise genoss er es sogar. Je mehr Zeit er mit ihr verbrachte, desto h�ufiger hatte er Gelegenheit, dieses herzf�rmige Gesicht seiner Erinnerung anzuvertrauen, es sich so genau einzupr�gen, dass er sie vor sich sehen konnte, wenn er blo� die Augen schloss. Aber da war immer der Fehltritt, der auf ihn wartete. Auch den konnte er fast sehen.</p><p>Nachdem er ihr einen kleinen Strau� Seidenblumen gegeben hatte, verzichtete er mehrere Tage lang auf Geschenke, und er glaubte einen Hauch von Entt�uschung zu entdecken, als er mit leeren H�nden ankam. Dann, vier Tage nach dem Aufbruch aus Jurador, gerade als die Sonne �ber den Horizont in einen fast wolkenlosen Himmel aufstieg, schaffte er sie und Selucia aus dem purpurfarbenen Wagen. Nun, er wollte nur Tuon, aber Selucia h�tte genauso gut ihr Schatten sein k�nnen, wenn es darum ging, sie zu trennen. Er hatte das einmal kommentiert und einen Scherz daraus gemacht, und beide Frauen hatten sich einfach weiter unterhalten, als h�tte er in die Luft gesprochen. Es war gut, dass er wusste, dass Tuon �ber einen Scherz lachen konnte, denn manchmal sah es so aus, als h�tte sie nicht den geringsten Sinn f�r Humor. Selucia hatte sich in einen gr�nen Wollumhang geh�llt, dessen Kapuze ihr rotes Kopftuch fast verbarg. Sie musterte ihn misstrauisch, aber das tat sie fast immer. Tuon verzichtete grunds�tzlich auf ein Kopftuch, aber mit hochgeschlagener Kapuze war die K�rze ihrer schwarzen Haare nicht ganz so offensichtlich.</p><p>�Bedeckt Eure Augen, mein Juwel�, sagte er. �Ich habe eine �berraschung f�r Euch.�</p><p>�Ich mag �berraschungen�, erwiderte sie und legte die H�nde auf die gro�en Augen. Einen Augenblick lang l�chelte sie erwartungsvoll, aber nur einen Augenblick lang. �Einige �berraschungen, Spielzeug.� Das klang nach einer Warnung. Selucia stand direkt neben ihr, und obwohl die vollbusige Frau v�llig entspannt erschien, sagte ihm etwas, dass sie so angespannt war wie eine sprungbereite Katze. Sie mochte vermutlich keine �berraschungen.</p><p>�Wartet hier�, sagte er und eilte um den Wagen. Bei seiner R�ckkehr f�hrte er Pips und die Rasierklinge, beide fertig gesattelt. Die Stute schritt lebhaft einher, die Aussicht auf einen Ausflug schien ihr zu gefallen.</p><p>�Jetzt k�nnt Ihr hinsehen. Ich dachte mir, vielleicht habt Ihr ja Lust auf einen Ausritt.� Sie hatten Stunden; dem Betrieb zwischen den Wagen nach zu urteilen, h�tte der Zirkus verlassen sein k�nnen. Nur bei einer Hand voll Wagen stieg Rauch aus den Schornsteinen. �Sie geh�rt Euch�, f�gte er hinzu und erstarrte, als ihm die Worte fast im Hals stecken blieben.</p><p>Diesmal gab es nicht den geringsten Zweifel. Er hatte gesagt, dass das Pferd ihr geh�rte, und pl�tzlich klapperten die W�rfel in seinem Kopf nicht mehr so laut. Es war nicht so, als w�ren sie langsamer geworden; da war er sich sicher.</p><p>Nein, dort rollten mehrere S�tze. Einer war verstummt, als er seine �bereinkunft mit Aludra getroffen hatte, und ein weiterer, als er Tuon gesagt hatte, dass das Pferd f�r sie war. Allein f�r sich genommen war das merkw�rdig � wieso sollte es schicksalhaft f�r ihn sein, wenn er ihr ein Pferd schenkte? �, aber beim Licht, es war schlimm genug gewesen, sich �ber einen W�rfelsatz sorgen zu m�ssen, der ihn warnte. Wie viele S�tze polterten noch immer in seinem Kopf herum? Wie viele schicksalhafte Augenblicke warteten denn noch darauf, �ber ihn hereinzubrechen?</p><p>Tuon ging sofort zu der Rasierklinge, l�chelte die ganze Zeit, w�hrend sie das Tier so genau untersuchte, wie er es getan hatte. Schlie�lich richtete sie in ihrer Freizeit Pferde ab. Pferde und <emphasis>Dama ne ,</emphasis> mochte das Licht ihm beistehen! Ihm wurde bewusst, dass Selucia ihn musterte; ihr Gesicht war eine ausdruckslose Maske. Wegen des Pferdes, oder weil er so steif wie ein Pfosten dastand?</p><p>�Man nennt diese Rasse Rasierklingen�, sagte er und t�tschelte Pips' Nase. Der Wallach hatte viel Auslauf bekommen, aber die Aufregung der Rasierklinge schien ihn angesteckt zu haben. �Blutgeborene Domani bevorzugen Rasierklingen, und es ist unwahrscheinlich, dass Ihr au�erhalb von Arad Doman je wieder eine zu Gesicht bekommt. Wie wollt Ihr sie nennen?�</p><p>�Es bringt Ungl�ck, einem Pferd einen Namen zu geben, bevor man es geritten hat�, erwiderte Tuon und nahm die Z�gel. Sie strahlte immer noch. Ihre gro�en Augen leuchteten. �Sie ist ein pr�chtiges Tier, Spielzeug. Ein wunderbares Geschenk. Entweder habt Ihr ein gutes Auge, oder Ihr habt gro�es Gl�ck gehabt.�</p><p>�Ich habe ein gutes Auge, mein Juwel�, sagte er misstrauisch. Sie schien sich mehr zu freuen, als die Rasierklinge eigentlich rechtfertigte.</p><p>�Wenn Ihr das sagt. Wo ist Selucias Pferd?�</p><p>Ach ja. Es war den Versuch wert gewesen. Ein kluger Mann sicherte sich gegen den Verlust einer Wette ab, und so lie� ein scharfer Pfiff Metwyn mit einem gesattelten Schecken angelaufen kommen. Mat ignorierte sein breites Grinsen. Der cairhienische Rotwaffenmann war davon �berzeugt gewesen, dass er nicht damit durchkommen w�rde, Selucia zur�ckzulassen, aber es war nicht n�tig, deswegen so bl�d zu grinsen. Mat hielt den gescheckten Wallach mit seinen zehn Jahren f�r sanft genug f�r Selucia � seiner Erfahrung nach waren Zofen selten mehr als passable Reiterinnen �, aber die Frau kontrollierte das Tier genauso gr�ndlich wie Tuon. Und als sie fertig war, schenkte sie Mat einen Blick, der eindeutig besagte, dass sie das Tier reiten w�rde, um keinen �rger zu machen, es aber f�r entschieden mangelhaft hielt. Frauen konnten viel in einen einzigen Blick hineinpacken.</p><p>Sobald sie das Feld verlassen hatten, auf dem der Zirkus lagerte, lie� Tuon die Rasierklinge ein St�ck im Schritt gehen, dann lie� sie sie traben und dann galoppieren. Die Stra�e bestand hier aus festem gelben Lehm, aus dem hier und da noch uralte Pflastersteine ragten. Aber das war kein Problem f�r ein ordentlich beschlagenes Pferd, und Mat hatte die Eisen der Rasierklinge vorher genau �berpr�ft. Er hielt Pips haupts�chlich an ihrer Seite, um sich an ihrem Vergn�gen zu erfreuen. Wenn Tuon sich vergn�gte, war der strenge Richter vergessen, und auf ihrem Gesicht spiegelte sich unverf�lschte Freude. Nicht dass das Beobachten einfach war, da Selucia den Schecken zwischen ihnen lenkte. Die blonde Frau war eine formidable Anstandsdame, und ihren Seitenblicken und dem gelegentlichen schmalen L�cheln nach zu urteilen, genoss sie es, ihn zu frustrieren.</p><p>Am Anfang hatten sie abgesehen von ein paar Bauernkarren die Stra�e f�r sich, aber nach einer Weile erschien vor ihnen eine Kesselflickerkarawane, eine Reihe grellbunt bemalter Wagen, die auf der anderen Stra�enseite langsam in Richtung S�den rollten und die von riesigen Hunden begleitet wurden. Diese Hunde waren der einzige Schutz, den Kesselflicker hatten. Der Kutscher des F�hrungswagens, ein Ding, das so rot wie Lucas Mantel war, mit gelben R�ndern und schrecklichen gelbgr�nen R�dern, stand halb auf, um zu Mat her�berzusehen, dann setzte er sich wieder und sagte etwas zu der Frau an seiner Seite, zweifellos durch die Anwesenheit der beiden Frauen an Mats Seite beruhigt. Kesselflicker waren notwendigerweise ein vorsichtiger Haufen. Die ganze Karawane w�rde vor einem einzigen Mann die Flucht ergreifen, falls sie ihn f�r eine Bedrohung hielten.</p><p>Mat nickte dem Burschen zu, als die Wagen sie passierten.</p><p>Der hochkragige Mantel des schlanken grauhaarigen Kutschers war so gr�n wie die R�der seines Wagens, und das Kleid seiner Frau wies Streifen in verschiedenen Blaut�nen auf, von denen die meisten hell genug waren, um zu den Zirkusartisten zu passen. Der grauhaarige Mann hob die Hand zu einem Gru߅</p><p>Und Tuon drehte unvermittelt die Rasierklinge und galoppierte mit flatterndem Umhang zwischen die B�ume. Augenblicklich jagte Selucia hinter ihr her. Mat riss sich den Hut herunter, um ihn nicht zu verlieren, wendete Pips und folgte ihnen. Rufe ert�nten bei den Wagen, aber er schenkte ihnen keine Beachtung. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf Tuon gerichtet. Er w�nschte, er w�sste, was sie vorhatte. Keine Flucht, da war er sich sicher. Vermutlich wollte sie ihn nur dazu bringen, sich die Haare zu raufen. Falls das zutraf, hatte sie ziemlichen Erfolg.</p><p>Pips holte den Schecken schnell ein und lie� die finster dreinblickende und ihr Tier mit den Z�geln antreibende Selucia hinter sich, aber Tuon und ihre Rasierklinge behielten die F�hrung, w�hrend das gewellte Land langsam anstieg. �berraschte Vogelschw�rme stiegen zwischen den Hufen auf, Scharen grauer Tauben und braun gesprenkelter Wachteln, manchmal auch braune Waldh�hner. Die Stute brauchte sich blo� davor zu erschrecken, und die Katastrophe war da. Das am besten ausgebildete Reittier konnte auf die Hinterbeine steigen und st�rzen, wenn ein Vogel unter seinem Huf aufflog. Und was noch viel schlimmer war, Tuon ritt wie eine Verr�ckte, wurde nie langsamer, wich nur aus, wenn das Unterholz zu dicht war, setzte �ber von St�rmen entwurzelte B�ume hinweg, als w�sste sie, was auf der anderen Seite lag. Nun, er musste selbst wie ein Verr�ckter reiten, um mitzuhalten, auch wenn er jedes Mal zusammenzuckte, wenn er Pips �ber einen Baumstumpf springen lie�. Einige davon waren fast so dick, wie er gro� war. Er grub die Stiefelfersen in die Flanken des Wallachs, dr�ngte ihn zu gr��erer Geschwindigkeit, obwohl er wusste, dass Pips so schnell wie noch nie zuvor lief. Er hatte mit der verdammten Rasierklinge eine zu gute Wahl getroffen. Sie rasten weiter durch den Wald.</p><p>So abrupt sie ihren verr�ckten Galopp begonnen hatte, h�rte sie wieder damit auf, �ber eine Meile von der Stra�e entfernt. Hier waren die B�ume alt und standen weit auseinander, schwarze, vierzig Schritte hohe Kiefern und massige Eichen mit �sten, die sich nach unten bis zum Boden durchbogen, bevor sie wieder in die H�he stiegen und die man m�helos h�tte in der Mitte durchs�gen und zu Tischen verarbeiten k�nnen, an denen bequem ein Dutzend M�nner h�tten sitzen k�nnen. Dicke Schlingpflanzen h�llten zur H�lfte im Boden vergrabene Felsen ein, aber davon abgesehen gab es nur wenige Gew�chse. Eichen dieser Gr��e t�teten s�mtliches unter ihnen sprie�ende Unterholz.</p><p>�Euer Tier ist besser, als es aussieht�, sagte die n�rrische Frau und t�tschelte ihrer Stute den Hals, als er sie erreichte. Oh, sie war die personifizierte Unschuld, einfach nur auf einem Vergn�gungsritt. �Vielleicht habt Ihr ja doch ein gutes Auge.� Da ihr die Kapuze heruntergerutscht war, konnte man ihr kurzes Haar sehen, das wie schwarze Seide funkelte. Er unterdr�ckte das Verlangen, es zu streicheln.</p><p>�Egal wie gut mein Auge ist�, knurrte er und st�lpte sich den Hut auf. Ihm war klar, dass er sanft sein musste, aber er h�tte die Grobheit nicht einmal mit einer Feile aus seiner Stimme entfernen k�nnen. �Reitet Ihr immer wie eine monds�chtige N�rrin? Ihr h�ttet der Stute den Hals brechen k�nnen, bevor sie �berhaupt einen Namen hat. Schlimmer noch, Ihr h�ttet Euch selbst den Hals brechen k�nnen. Ich habe versprochen, Euch sicher nach Hause zu bringen, und das habe ich auch vor. Wenn Ihr Euch bei jedem Ausritt umbringen wollt, dann lasse ich Euch nicht mehr reiten.� Er w�nschte sich, er h�tte sich die letzten Worte gespart, sobald sie seinen Mund verlassen hatten. Ein Mann h�tte eine solche Drohung vielleicht als Witz abgetan, falls man Gl�ck hatte, aber eine Frau� Jetzt konnte er blo� auf die Explosion warten. Er rechnete damit, dass Aludras Nachtblumen im Vergleich dazu ein schwaches Licht sein w�rden.</p><p>Sie setzte die Kapuze wieder auf. Dann musterte sie ihn, legte den Kopf erst auf die eine und dann auf die andere Seite. Schlie�lich nickte sie nachdenklich. �Ich nenne sie Akein. Das hei�t �Schwalbe�.�</p><p>Mat blinzelte. Das war's? Kein Wutanfall? �Ich wei�. Ein guter Name. Er passt zu ihr.� Was f�hrte sie jetzt wieder im Schilde? Diese Frau tat oder sagte aber auch nie das, was er erwartete.</p><p>�Was ist das f�r ein Ort, Spielzeug?�, sagte sie und betrachtete stirnrunzelnd die B�ume. �Oder sollte ich besser sagen, was war das? Wisst Ihr es?�</p><p>Was meinte sie damit, was sollte das f�r ein Ort gewesen sein? Es war ein verdammter Wald, das war alles. Aber pl�tzlich sah das, was ihm wie ein gro�er, von Schlingpflanzen �berwucherter Felsen vorgekommen war, wie ein riesiger Steinkopf aus, der leicht schr�g stand. Scheinbar ein Frauenkopf; diese glatten Vorspr�nge sollten vermutlich Edelsteine im Haar darstellen. Die Statue, zu der er geh�rte, musste gewaltig gewesen sein. Von dem Ding war eine volle Spanne zu sehen, und doch ragten nur ihre Augen und der Rest des Kopfes aus dem Boden. Und dieser lange wei�e Stein, �ber den eine Eichenwurzel wuchs, war Teil einer S�ule. �berall in ihrem Umkreis fielen ihm jetzt S�ulenst�cke und riesige bearbeitete Steine auf, die vor langer Zeit offensichtlich Teil einer gro�fl�chigen Anordnung gewesen und nun zur H�lfte begraben waren; da lag auch ein Teil eines Steinschwertes, der zwei Spannen ma�. Ruinen von St�dten und Monumenten konnte man an vielen Orten finden, und selbst unter den Aes Sedai gab es nur wenige, die eine Vorstellung davon hatten, was sie einst dargestellt hatten.</p><p>Er �ffnete den Mund, um zu sagen, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, da fiel sein Blick auf drei hohe H�gel hinter den B�umen, die in einer Reihe standen, vielleicht eine Meile weiter. In der Kuppel des mittleren H�gels klaffte eine L�cke, wie ein sauber ausgeschnittener Keil, und bei dem H�gel auf der linken Seite waren es sogar zwei. Und da wusste er es. Es konnte kaum anderswo drei genau gleiche H�gel geben.</p><p>Diese H�gel hatten die T�nzer gehei�en, als dieser Ort Londaren Cor gewesen war, die Hauptstadt von Eharon. Damals war die Stra�e hinter ihnen gepflastert gewesen und hatte durch das Herz der Stadt gef�hrt, die sich meilenweit erstreckt hatte. Manche Leute hatten behauptet, dass die Steinkunst, die die Ogier in Tar Valon praktiziert hatten, sie in Londaren Cor perfektioniert hatten. Nat�rlich hatten die B�rger einer jeden von Ogiern erbauten Stadt behauptet, dass ihre Tar Valon �bertraf. Mat verf�gte �ber ein paar Erinnerungen an die Stadt � ein Tanz auf einem Ball im Palast des Mondes, Gelage in Soldatenschenken, wo sich verschleierte T�nzerinnen wiegten, die Prozession der Fl�ten w�hrend der Segnung der Schwerter �, aber seltsamerweise hatte er eine andere Erinnerung an diese H�gel, fast f�nfhundert Jahre nachdem die Trollocs in Londaren Cor keinen Stein auf dem anderen gelassen hatten und Eharon in Blut und Feuer gestorben war. Warum es f�r Nerevan und Esandara n�tig gewesen war, in Shiota einzumarschieren, das wusste er nicht. Diese alten Erinnerungen waren Fragmente, voller L�cken. Er hatte keine Ahnung, warum man diese H�gel die T�nzer genannt hatte, oder worum es bei der Segnung der Schwerter ging. Aber er erinnerte sich daran, ein esandaranischer Lord gewesen zu sein, der in einer Schlacht in diesen Ruinen gek�mpft hatte, und er erinnerte sich daran, diese H�gel gesehen zu haben, als ihn ein Pfeil in den Hals traf. Er musste keine halbe Meile von der Stelle entfernt gefallen sein, an der nun Pips stand, um in seinem eigenen Blut zu ertrinken.</p><p><emphasis>Ich</emphasis> hasse <emphasis>es, mich ans Sterben zu erinnern,</emphasis> dachte er, und der Gedanke wurde zu einem St�ck Kohle, die in seinem Verstand brannte. Ein St�ck Kohle, das immer hei�er brannte. Er <emphasis>erinnerte</emphasis> sich an den Tod dieser M�nner, nicht nur an einen, sondern an Dutzende. Er erinnerte sich, gestorben zu sein.</p><p>�Spielzeug, ist Euch schlecht?� Tuon brachte die Stute heran und schaute zu seinem Gesicht hoch. In ihren gro�en Augen lag Sorge. �Ihr seid so blass wie der Mond geworden.�</p><p>�Mir geht es gut�, murmelte er. Sie war nahe genug, um sie zu k�ssen, er musste nur den Kopf senken, aber er machte keine Anstalten. Er konnte es nicht. Seine Gedanken rasten so schnell, dass er keine Kraft f�r eine Bewegung aufbringen konnte. Allein das Licht wusste, wie die Eelfinn die Erinnerungen gesammelt hatten, die sie in seinen Kopf gepflanzt hatten, aber wie konnten sie Erinnerungen aus einer Leiche holen? Eine Leiche aus der Welt der Menschen. Er war fest davon �berzeugt gewesen, dass sie niemals l�nger als Minuten auf diese Seite des verdrehten Tor-Ter'<emphasis>'angreals</emphasis> kamen.</p><p>Ihm kam eine Idee, aber die gefiel ihm nicht im Mindesten. Vielleicht erschufen sie eine Art Verbindung zu jedem Menschen, der sie besuchte, eine Verbindung, die ihnen erlaubte, die Erinnerungen eines Menschen bis zum Augenblick seines Todes zu kopieren. In einigen dieser Erinnerungen anderer M�nner hatte er wei�es Haar, in anderen war er nur wenige Jahre �lter, als er tats�chlich war, aber es gab niemals welche, die mit der Kindheit oder dem Heranwachsen zu tun hatten. Wie wahrscheinlich war es, dass sie ihn nur mit zuf�lligen Bruchst�cken voll gestopft hatten, vermutlich Dinge, die sie f�r Unsinn hielten oder nicht mehr gebrauchen konnten? Was <emphasis>machten</emphasis> sie �berhaupt mit diesen Erinnerungen? Sie mussten doch einen Grund haben, um sie zu sammeln, au�er sie wieder weiterzugeben.</p><p>Nein, er versuchte nur, dem aus dem Weg zu gehen, wo das hinf�hrte. Verflucht, diese verdammten F�chse waren in diesen Augenblicken immer in seinem Kopf! Es konnte nicht anders sein. Es war die einzige Erkl�rung, die einen Sinn ergab.</p><p>�Nun, Ihr seht aus, als wolltet Ihr Euch gleich �bergeben�, sagte Tuon und lie� die Rasierklinge mit einer Grimasse einen Schritt abr�cken. �Wer beim Zirkus hat Kr�uter? Ich verf�ge da �ber einige Kenntnisse.�</p><p>�Mir geht es gut, wirklich.� In Wahrheit wollte er sich �bergeben. Diese F�chse in seinem Kopf zu haben war tausendmal schlimmer als die W�rfel, selbst wenn sie rollten. Konnten die Eelfinn durch seine Augen sehen? Beim Licht, was sollte er tun? Er bezweifelte, dass eine Aes Sedai ihn davon Heilen konnte, nicht dass er ihnen soweit vertrauen w�rde, nicht wenn das bedeutete, den Fuchskopf abzunehmen. Es gab nichts, <emphasis>das</emphasis> er tun konnte. Er w�rde einfach damit leben m�ssen. Der Gedanke lie� ihn st�hnen.</p><p>Selucia trabte auf sie zu. Sie warf ihm und Tuon einen schnellen Blick zu, als w�rde sie sich fragen, was sie wohl in der Zeit zu zweit getrieben haben mochten. Andererseits hatte sie es nicht eilig gehabt, sie einzuholen, hatte ihnen diese Zeit gegeben. Das gab Anlass zu Hoffnung.</p><p>�Das n�chste Mal k�nnt Ihr dieses sanfte Gesch�pf reiten, ich werde Euren Wallach nehmen�, sagte sie zu Mat. �Hochlady, Leute aus diesen Wagen folgen uns mit den Hunden. Sie sind zu Fu�, aber sie werden bald hier sein. Die Hunde bellen nicht.�</p><p>�Also ausgebildete Wachhunde�, sagte Tuon und nahm ihre Z�gel. �Zu Pferd k�nnen wir ihnen leicht aus dem Weg gehen.�</p><p>�Das ist unn�tig�, sagte Mat. Er h�tte damit rechnen m�ssen. �Diese Leute sind Kesselflicker. Tuatha'an, und sie stellen f�r niemanden eine Gefahr da. Sie k�nnten nicht gewaltt�tig sein, und wenn ihr Leben davon abh�ngen w�rde. Das ist keine �bertreibung, sondern die reine Wahrheit.</p><p>Aber sie haben euch beide losgaloppieren gesehen, es hat ausgesehen, als wolltet ihr von mir wegkommen, und ich bin euch hinterhergejagt. Jetzt, da die Hunde die Spur aufgenommen haben, werden uns die Kesselflicker falls n�tig bis zum Wanderzirkus folgen, um sich zu vergewissern, dass ihr beide nicht entf�hrt oder zu Schaden gekommen seid. Wir gehen ihnen entgegen, um ihnen die Zeit und die M�he zu ersparen.� Die Zeit, die die Kesselflicker aufbrachten, war ihm egal. Auch Luca w�rde es nicht st�ren, wenn ein Haufen Tuatha'an den Aufbruch des Zirkus verz�gerte, aber ihn schon.</p><p>Selucia runzelte �rgerlich die Stirn, und ihre Finger flogen f�rmlich umher, aber Tuon lachte. �Das Spielzeug m�chte heute hier die Befehle geben, Selucia. Ich werde ihn befehlen lassen und beobachten, wie er sich dabei macht.� Das war wirklich nett von ihr.</p><p>Sie trabten den Weg zur�ck, den sie gekommen waren � diesmal ritten sie um die gest�rzten B�ume herum, auch wenn Tuon gelegentlich die Z�gel raffte, als wollte sie dar�ber springen, und Mat ein durchtriebenes Grinsen zuwarf �, und es dauerte nicht lange, bis die Kesselflicker in Sicht kamen. Sie rannten wie ein Schw�rm Schmetterlinge hinter ihren riesigen Hunden her, etwa f�nfzig M�nner und Frauen in bunten Farben, die oft auf schreiende Weise nicht miteinander harmonierten. Die M�nner trugen M�ntel mit roten und blauen Streifen und gelbe, in die Stiefel gestopfte Pluderhosen oder violette M�ntel �ber roten Hosen oder noch Schlimmeres. Einige Frauen trugen Kleider, die in allen vorstellbaren Farben gestreift waren und noch ein paar Farben, f�r die Mat keinen Namen wusste, w�hrend andere wiederum R�cke und Blusen in den verschiedensten T�nungen trugen, die sich genauso bissen wie die M�ntel und Hosen der M�nner. Viele trugen auch Schultert�cher, um den Anblick noch etwas bunter zu machen. Mit Ausnahme des grauhaarigen Mannes, der den F�hrungswagen gelenkt hatte, schienen sie alle in den mittleren Jahren zu sein. Er musste der Sucher sein, der Anf�hrer der Karawane. Mat stieg ab, und nach einem Augenblick schlossen sich ihm Tuon und Selucia an.</p><p>Als die Kesselflicker das sahen, befahlen sie ihren Hunden stehen zu bleiben. Die riesigen Tiere legten sich hechelnd auf den Boden, und die Angeh�rigen des Fahrenden Volkes kamen langsam n�her. Keiner von ihnen trug auch nur einen Stock, und obwohl Mat keine sichtbaren Waffen trug, musterten sie ihn misstrauisch. Die M�nner kreisten ihn ein, w�hrend sich die Frauen um Tuon und Selucia versammelten. Es lag keine Bedrohung darin, aber ganz automatisch wurden Tuon und Selucia von ihm getrennt, ein St�ck abseits gedr�ngt, wo die Kesselflickerfrauen Fragen stellen konnten. Pl�tzlich kam Mat der Gedanke, dass Tuon es vielleicht f�r ein witziges Spiel halten konnte, zu behaupten, er w�rde sie bel�stigen. Sie und Selucia konnten dann wegreiten, w�hrend die Kesselflicker sich so eng um ihn und Pips dr�ngten, dass er nicht in den Sattel kam. Das w�re alles gewesen, was sie tun w�rden, aber solange er sich keinen Weg freik�mpfen wollte, konnten sie ihn stundenlang dabehalten, um den beiden Frauen Zeit zur �Flucht� zu verschaffen.</p><p>Der Grauhaarige verneigte sich mit an die Brust geneigten H�nden. �Friede sei mit Euch und den Euren, mein Lord. Verzeiht, falls wir st�ren, aber wir haben bef�rchtet, dass unsere Hunde die Pferde der Damen erschreckt haben.�</p><p>Mat erwiderte die Verbeugung auf die gleiche Weise.</p><p>�Friede sei immer mit euch, Sucher, und mit dem ganzen Volk. Die Pferde der Damen haben sich nicht erschreckt. Die Damen sind gelegentlich� ungest�m.� Was sagten die Frauen? Er versuchte zu lauschen, aber ihre Stimmen waren ein leises Murmeln.</p><p>�Ihr habt vom Volk geh�rt, mein Lord?� Der Sucher klang �berrascht, und das zu Recht. Die Tuatha'an hielten sich von allem au�er von kleinen D�rfern fern. Sie w�rden nur selten jemandem in einem Seidenmantel begegnen.</p><p>�Nur wenig�, erwiderte Mat. Sehr wenig. Er hatte Erinnerungen, Kesselflicker kennen gelernt zu haben, hatte aber noch nie mit einem gesprochen. Was redeten die verdammten Frauen da blo�? �Wollt Ihr mir eine Frage beantworten? Ich habe in den vergangenen Tagen einige Eurer Karawanen gesehen, mehr, als ich erwartet h�tte, und sie alle fahren in Richtung von Ebou Dar. Gibt es einen Grund daf�r?�</p><p>Der Mann z�gerte, warf den Frauen einen Blick zu. Sie murmelten noch immer, und er musste sich fragen, warum ihre Unterhaltung so lange dauerte. Schlie�lich brauchten sie ja nur einen Augenblick, um zu sagen, ja, ich brauche Hilfe � oder das Gegenteil. �Es sind die Leute, die man Seanchaner nennt, mein Lord�, sagte er schlie�lich. �Unter dem Volk verbreitet sich die Nachricht, dass es dort, wo die Seanchaner herrschen, Sicherheit gibt, und Gerechtigkeit f�r alle. An anderen Orten� Ihr versteht, mein Lord?�</p><p>Mat tat es. Wie die Artisten waren Kesselflicker an jedem Ort Fremde und was noch schlimmer war, Fremde mit dem unverdienten Ruf, Diebe zu sein � nun gut, sie stahlen nicht h�ufiger als andere auch �, und dem verdienten Ruf, stets zu versuchen, junge Leute dazu zu �berreden, sich ihnen anzuschlie�en. Au�erdem stellte sich f�r Kesselflicker nicht die Frage, sich zu wehren, falls jemand versuchte, sie zu bestehlen oder wegzujagen. �Seid vorsichtig, Sucher. Ihre Sicherheit hat einen Preis, und einige ihrer Gesetze sind grausam. Ihr wisst, was sie mit Frauen machen, die die Macht lenken k�nnen?�</p><p>�Ich danke Euch f�r Eure Sorge, mein Lord�, sagte der Mann ruhig. �Aber nur wenige unserer Frauen fangen an, die Macht zu lenken, und wenn es eine tut, werden wir machen, was wir immer gemacht haben, und sie nach Tar Valon bringen.�</p><p>Pl�tzlich fingen die Frauen an zu lachen, aus vollem Hals.</p><p>Der Sucher entspannte sich sichtlich. Wenn die Frauen lachten, w�rde Mat gewiss nicht der Mann sein, der sie niederschlug oder t�tete, weil sie ihm im Weg standen. Mat hingegen runzelte die Stirn. Das Lachen gefiel ihm gar nicht.</p><p>Die Kesselflicker verabschiedeten sich mit weiteren Entschuldigungen des Suchers, sie gest�rt zu haben, aber die Frauen blickten sich immer wieder um und lachten hinter vorgehaltener Hand. Ein paar der M�nner beugten sich zu ihnen und stellten offensichtlich Fragen, aber die Frauen sch�ttelten blo� den Kopf. Und sahen wieder zur�ck und lachten.</p><p>�Was habt ihr ihnen gesagt?�, fragte Mat unwirsch.</p><p>�Ach, das geht Euch nichts an, Spielzeug, oder?�, erwiderte Tuon, und Selucia lachte. Oh, sie wollte sich aussch�tten vor Lachen. Er kam zu dem Schluss, dass es besser war, es nicht zu wissen. Frauen genossen es einfach, einen Mann zu �rgern.</p></section><section><title><p>9</p><p>Ein kurzer Pfad</p></title><p>Nat�rlich waren Tuon und Selucia nicht die einzigen Frauen, die Mat �rger machten. Manchmal hatte es f�r ihn den Anschein, als w�ren Frauen f�r die meisten Probleme in seinem Leben verantwortlich, was er �berhaupt nicht verstehen konnte, wo er doch immer versuchte, sie gut zu behandeln. Selbst Egeanin hatte ihren Anteil daran, auch wenn es bei weitem der geringste Anteil war.</p><p>�Ich hatte Recht. Ihr glaubt, Ihr k�nntet sie heiraten�, sagte sie, als er sie um Hilfe bei Tuon bat. Sie und Domon sa�en Arm in Arm auf der Treppe ihres Wagens. Aus Domons Pfeife stieg eine kleine Rauchwolke auf. Es war der Vormittag eines sch�nen Tages, obwohl sich Wolken sammelten, die sp�ter Regen versprachen, und die Artisten bereiteten sich f�r die Bewohner vier kleiner D�rfer vor, die zusammengenommen vielleicht an die Gr��e von Runniensbr�cke herankamen. Mat hatte keine Lust, sich die Vorstellung anzusehen. Oh, er hatte noch immer seinen Spa� an den Verrenkungsk�nstlern und vor allem an Artistinnen, aber wenn man Feuerschlucker und Jongleure jeden Tag sah, wurden selbst Miyora und ihre Leoparden� nun, wenn auch nicht allt�glich, so doch immerhin weniger interessant.</p><p>�Es spielt keine Rolle, was ich glaube, Egeanin. Verratet Ihr mir, was Ihr �ber sie wisst? Es aus ihr herauszubekommen ist, als w�rde man mit einer Augenbinde fischen oder mit blo�en H�nden einen Hasen in einem Dornbusch fangen wollen.�</p><p>�Mein Name ist Leilwin, Cauthon. Vergesst das nicht wieder�, sagte sie in einem Ton, der f�r die Befehle auf einem Schiffsdeck passend gewesen w�re. Ihre Blicke schlugen ihm den Befehl um die Ohren wie blaue H�mmer. �Warum sollte ich Euch helfen? Ihr greift zu hoch, als Euch zusteht, ein Maulwurf, der sich nach der Sonne sehnt. Ihr k�nntet hingerichtet werden, blo� weil Ihr sagt, Ihr wollt sie heiraten. Es ist widerlich. Davon abgesehen habe ich das alles hinter mir gelassen. Oder es hat mich zur�ckgelassen�, f�gte sie bitter hinzu. Domon verst�rkte den Druck seines Armes.</p><p>�Wenn Ihr das alles hinter Euch gelassen habt, was k�mmert es Euch dann, wie widerw�rtig mein Wunsch ist, sie zu heiraten?� Da. Er hatte es ausgesprochen. Jedenfalls teilweise.</p><p>Domon nahm die Pfeife lange genug aus dem Mund, um einen auf Mats Gesicht gezielten Rauchring zu blasen.</p><p>�Wenn sie Euch nicht helfen will, dann gebt es auf.� Er sagte es mit der gleichen Kommandostimme.</p><p>Egeanin murmelte etwas Unh�rbares. Sie schien mit sich selbst zu streiten. Schlie�lich sch�ttelte sie den Kopf. �Nein, Bayle. Er hat Recht. Wenn man mich ausgesetzt hat, dann werde ich ein neues Schiff und einen neuen Kurs finden m�ssen. Ich kann niemals nach Seanchan zur�ckkehren, also kann ich das Tau auch genauso gut kappen und damit abschlie�en.�</p><p>Was sie �ber Tuon geh�rt hatte, waren haupts�chlich Ger�chte � anscheinend lebte die Kaiserfamilie ihr Leben hinter Mauern, und was sich hinter diesen Mauern abspielte, dar�ber fl�sterte man nur hinter vorgehaltener Hand �, aber das reichte schon aus, damit Mat die Nackenhaare zu Berge standen. Seine zuk�nftige Frau hatte einen Bruder und eine Schwester <emphasis>umbringen</emphasis> lassen? Nachdem diese versucht hatten, sie zu t�ten, aber trotzdem! Was f�r eine Art von Familie brachte sich denn gegenseitig um? Nun, das seanchanische Blut und die Kaiserfamilie zum Beispiel. Die H�lfte ihrer Geschwister war tot, Attentaten zum Opfer gefallen, und die andere H�lfte vielleicht auch. Einiges von dem, was Egeanin � Leilwin � zu erz�hlen wusste, war unter den Seanchanern allgemein bekannt und kaum beruhigender. Tuon war von klein auf in der Kunst der Intrige geschult worden, im Kampf mit Waffen und ohne; sie wurde schwer bewacht, und doch erwartete man von ihr, dass sie selbst ihre letzte Verteidigungslinie war. Allen Blutgeborenen wurde beigebracht, sich nichts anmerken zu lassen, ihre Absichten und Ambitionen zu verschleiern. Beim Blut ver�nderte sich das Gleichgewicht der Macht st�ndig, manche stiegen auf, andere stiegen ab, und in der Kaiserfamilie war dieser Tanz nur schneller und gef�hrlicher. Die Kaiserin � Egeanin wollte �M�ge sie ewig leben� hinzuf�gen und hustete beinahe, weil sie die Worte herunterschluckte, dann schloss sie einen langen Augenblick die Augen, bevor sie fortfuhr �, die Kaiserin hatte viele Kinder zur Welt gebracht, wie das jede Kaiserin tat, sodass unter den �berlebenden einer stark genug sein w�rde, um nach ihr zu herrschen. Es ging nicht an, dass ein Dummkopf oder ein Narr den Kristallthron bestieg. Tuon hielt man f�r keines von beiden. Beim Licht! Die Frau, die er heiraten w�rde, war so schlimm wie ein Beh�ter und eine Aes Sedai in einer Person. Und vielleicht genauso gef�hrlich.</p><p>Er f�hrte mehrere Unterhaltungen mit Egeanin � er achtete sorgf�ltig darauf, sie Leilwin zu nennen, damit sie nicht mit dem Dolch auf ihn losging, aber in seinen Gedanken hie� sie Egeanin � und versuchte mehr zu erfahren, aber ihr Wissen �ber das Blut war gr��tenteils das einer Au�enseiterin, und ihr Wissen �ber den Kaiserhof war laut ihres eigenen Zugest�ndnisses kaum gr��er als das eines Stra�enjungen in Seandar. An dem Tag, an dem er Tuon die Stute schenkte, war er eine Weile neben Egeanins Wagen geritten und hatte eines dieser fruchtlosen Gespr�che gef�hrt. Eine Zeit lang hatte er Tuon und Selucia begleitet, aber sie sahen ihn st�ndig von der Seite an, wechselten dann einen Blick und kicherten. Ohne den geringsten Zweifel �ber das, was sie den Kesselflickerfrauen gesagt hatten. Ein Mann konnte so etwas nur eine bestimmte Zeit ertragen.</p><p>�Diese Stute war ein kluges Geschenk�, sagte Egeanin und beugte sich auf dem Kutschbock nach vorn, um an der Wagenreihe entlang nach vorn zu schauen. Domon hatte die Z�gel �bernommen. Sie tat es manchmal auch, aber ein Gespann zu lenken geh�rte nicht zu den Fertigkeiten, die sie auf Schiffen gelernt hatte. �Woher habt Ihr das gewusst?�</p><p>�Was gewusst?�, fragte er.</p><p>Sie setzte sich wieder gerade hin und richtete die Per�cke. Er vermochte nicht zu sagen, warum sie das Ding noch immer trug. Ihr schwarzes Haar war kurz, aber keinesfalls k�rzer als Selucias. �Das mit den Werbungsgeschenken. Wenn man beim Blut um jemanden wirbt, der h�hergestellt ist, macht man traditionellerweise ein Geschenk, das exotisch oder selten ist. Am besten ist es, wenn das Geschenk den Interessen des Empf�ngers entspricht, und es ist allgemein bekannt, dass die Hochlady Pferde liebt. Au�erdem ist Euer Eingest�ndnis gut, dass Ihr nicht erwartet, ihr gleichgestellt zu sein. Nicht, dass das m�glich w�re, wie Ihr verstehen m�sst. Ich habe nicht die geringste Ahnung, warum sie noch immer hier ist, jetzt, da Ihr aufgeh�rt habt, sie zu bewachen, aber Ihr k�nnt nicht ernsthaft glauben, dass sie die Worte tats�chlich sagen wird. Wenn sie heiratet, wird es zum Nutzen des Kaiserreichs sein, und nicht weil irgendein Vagabund ihr ein Pferd schenkt, das ihr ein L�cheln wert ist.�</p><p>Mat biss die Z�hne zusammen, um nicht einen Fluch herauszubr�llen. Er hatte <emphasis>was</emphasis> eingestanden? Kein Wunder, dass ein Satz der verdammten W�rfel verstummt war. Tuon w�rde ihn das nie vergessen lassen. Davon war er �berzeugt.</p><p>Leilwin Schiffslos mochte ihm einen gewissen �rger bereiten, aber die Aes Sedai �bertrafen das m�helos. Aes Sedai taten nichts lieber. Er hatte sich damit abgefunden, dass sie in jedem Dorf und jeder Stadt, in der sie Halt machten, umherstreiften, Fragen stellten und was auch immer noch taten. Er hatte keine andere Wahl, als sich damit resigniert abzufinden, da er sie nicht daran hindern konnte. Sie behaupteten, sich in Acht zu nehmen � zumindest taten es Teslyn und Edesina; Joline fauchte ihn blo� an, er sei ein Narr, sich Sorgen zu machen �, aber eine Aes Sedai, die sich in Acht nahm, war immer noch eine bedeutende Pers�nlichkeit, gleichg�ltig, ob jemand sie erkannte oder nicht. Da ihnen das Geld f�r Seide fehlte, hatten sie in Jurador Ballen feiner Wolle gekauft, und die N�herinnen arbeiteten genauso hart f�r die Aes Sedai wie f�r Mats Gold, also stolzierten sie wie wohlhabende Kauffrauen und so selbstbewusst wie Adlige umher. Niemand sah sie f�nf Schritte gehen, ohne zu wissen, dass sie erwarteten, dass die Welt ihnen Untertan war. Drei solche Frauen, die auch noch mit einem Wanderzirkus reisten, das w�rde mit Sicherheit Gerede geben. Immerhin lie� Joline wenigstens den Gro�en Schlangenring in ihrer G�rteltasche. Die anderen beiden hatten sie bei den Seanchanern verloren. H�tte Mat Joline mit dem Ding am Finger gesehen, w�re er vermutlich in Tr�nen ausgebrochen.</p><p>Er erhielt von den ehemaligen <emphasis>Sul'dam</emphasis> keine Berichte mehr �ber ihre Aktivit�ten. Joline hatte Bethamin fest in der Hand; die hochgewachsene dunkelh�utige Frau rannte, wenn Joline es befahl, und sie sprang, wenn sie es befahl. Auch Edesina gab ihr Unterricht, aber aus irgendeinem Grund betrachtete Joline sie als ein pers�nliches Projekt. Soweit Mat es mitbekam, war sie niemals gemein, nicht nach den Ohrfeigen, aber man h�tte denken k�nnen, dass sie Bethamin auf die Burg vorbereitete, und die ehemalige <emphasis>Sul'dam</emphasis> erwiderte es mit einer Art Dankbarkeit, die deutlich machte, dass sich ihre Loyalit�ten ver�ndert hatten.</p><p>Was nun Seta anging, die blonde Frau hatte eine solche Angst vor den Schwestern, dass sie es nicht l�nger wagte, ihnen zu folgen. Sie zitterte tats�chlich am ganzen Leib, als er es vorschlug. So seltsam es auch erschien, Seta und Bethamin hatten die Vorstellung, wie sich seanchanische Frauen, die die Macht lenken konnten, selbst sahen, so sehr verinnerlicht, dass sie allen Ernstes glaubten, Aes Sedai k�nnten nicht viel anders sein. Sie waren gef�hrlich, wenn sie von der Leine gelassen wurden, aber gef�hrliche Hunde konnten von jemandem beherrscht werden, der wusste, wie man es machte, und sie waren Expertinnen mit dieser besonderen Sorte von gef�hrlichen Hunden. Jetzt wussten sie, dass Aes Sedai gar keine Hunde waren. Sie waren W�lfe. Seta h�tte sich einen anderen Platz zum Schlafen gesucht, w�re das m�glich gewesen, und Mat erfuhr von Frau Anan, dass die Seanchanerin sich jedes Mal die Augen zuhielt, wenn Joline oder Edesina den Unterricht f�r Bethamin im Wagen abhielten.</p><p>�Ich bin �berzeugt, sie kann die Gewebe sehen�, sagte Setalle. Mat h�tte beinahe geschworen, dass sie neidisch klang, aber er bezweifelte, dass sie irgendjemanden beneidete. �Sie ist auf halbem Wege, das zuzugeben, oder sie w�rde sich nicht die Augen zuhalten. Fr�her oder sp�ter wird sie es einsehen und es auch lernen wollen.� Und jetzt klang sie doch irgendwie neidisch.</p><p>Mat h�tte sich gew�nscht, dass Seta eher fr�her als sp�ter dazu bereit war. Eine weitere Sch�lerin h�tte den Aes Sedai weniger Zeit gelassen, ihm �rger zu machen. Wann immer der Zirkus ein Gastspiel gab, konnte er sich nicht umdrehen, ohne Joline oder Edesina hinter einem Wagen oder Zelt in seine Richtung sp�hen zu sehen. Gew�hnlich wurde der Fuchskopf auf seiner Brust k�hler. Er konnte nicht beweisen, dass sie ihn tats�chlich mit der Macht beeinflussen wollten, aber er war davon �berzeugt. Er war sich nicht sicher, wer von ihnen das Schlupfloch seines Schutzes gefunden hatte, so wie es Adeleas und Vandene seinerzeit getan hatten, dass ihn etwas treffen konnte, das man mit der Macht schleuderte, aber danach konnte er kaum sein Zelt verlassen, ohne von einem Stein und sp�ter auch anderen Dingen getroffen zu werden, brennenden Funken wie aus einem Schmiedeofen, stechende Funken, die ihn springen und seine Haare sich str�uben lie�en. Er war sich sicher, dass Joline dahintersteckte. Er sah sie niemals, ohne dass Blaeric oder Fen oder auch alle beide zum Schutz in der N�he waren. Und sie l�chelte ihn an wie eine Katze die Maus.</p><p>Er plante, wie er sie allein erwischte � entweder das oder sich st�ndig vor ihr zu verstecken �, als sie und Teslyn in einen lautstarken Streit gerieten, der Edesina fast genauso schnell aus dem wei� gestrichenen Wagen vertrieb wie Bethamin und Seta, und diese beiden st�rzten heraus und blieben stehen, um den Wagen mit offenem Mund anzustarren. Die Gelbe Schwester machte ruhig damit weiter, ihr langes schwarzes Haar zu b�rsten, hob es mit einer Hand an und f�hrte die Holzb�rste mit der anderen in gleichm��igen Strichen nach unten. Als sie Mat entdeckte, l�chelte sie ihn an, ohne mit dem K�mmen innezuhalten. Das Medaillon wurde kalt, und das Gebr�ll verschwand wie mit dem Messer abgeschnitten.</p><p>Er erfuhr nie, was hinter dem mit der Macht gewobenen Schild gesagt wurde. Teslyn bevorzugte ihn zwar gewisserma�en, aber als er sie danach fragte, schenkte sie ihm einen jener Blicke und Schweigen. Das war Sache der Aes Sedai und nicht seine. Was auch immer dort vorgegangen sein mochte, das mit den fliegenden Steinen und den Funken h�rte auf. Er versuchte, sich bei Teslyn zu bedanken, aber die wollte nichts davon h�ren.</p><p>�Wenn �ber etwas nicht gesprochen wird, dann wird nicht dar�ber gesprochen�, teilte sie ihm energisch mit. �Es w�re gut, wenn Ihr diese Lektion lernen w�rdet, wo Ihr Euch doch in Gesellschaft von Schwestern aufhaltet, und ich glaube, dass Euer Leben an die Aes Sedai gekettet ist, und wenn das zuvor nicht so war, dann ist es jetzt so.� Die Frau hatte wirklich Nerven, so etwas zu sagen.</p><p>Sie erw�hnte sein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> mit keinem Wort mehr, aber das konnte man �ber Joline und Edesina nicht sagen, nicht einmal nach dem Streit. Jeden Tag bedr�ngten sie ihn, es ihnen zu geben. Edesina baute sich allein vor ihm auf, Joline mit ihren Beh�tern, die ihn finster �ber die Schulter anstarrten. <emphasis>Ter'angreale</emphasis> waren von Rechts wegen der Besitz der Wei�en Burg. <emphasis>Ter'angreale</emphasis> mussten ordentlich studiert werden, vor allem solche mit so seltsamen Eigenschaften. <emphasis>Ter'angreale</emphasis> waren eine potenzielle Gefahrenquelle und hatten nichts in den H�nden von Uneingeweihten verloren. Zwar sagte keine, vor allem in H�nden von M�nnern, aber Joline kam dem schon sehr nahe. Er fing an, sich Sorgen zu machen, dass die Gr�ne einfach Blaeric und Fen losschickte, um es ihm abzunehmen. Die beiden vermuteten noch immer, dass er etwas damit zu tun hatte, was mit ihr geschehen war, und den finsteren Blicken nach zu urteilen, die sie ihm zuwarfen, w�re ihnen jeder Vorwand recht gewesen, um ihn wie eine Trommel zu schlagen.</p><p>�Das w�re Diebstahl�, sagte Frau Anan in schulmeisterlichem Tonfall zu ihm und zog den Umhang enger. Das Sonnenlicht begann zu schwinden, und es wurde bereits k�hl. Sie standen vor Tuons Wagen, und er hoffte, ihn rechtzeitig zum Essen betreten zu d�rfen. Noal und Olver waren bereits drinnen. Setalle wollte offenbar die Aes Sedai besuchen, was sie h�ufig tat. �Das Burggesetz ist da ziemlich eindeutig. Es k�nnte betr�chtliche� Diskussionen� geben, ob man es Euch zur�ckgeben muss, und ich glaube, dass man es am Ende nicht tun w�rde, aber Joline w�rde man trotzdem eine ziemlich heftige Bu�e auferlegen.�</p><p>�Vielleicht ist sie ja der Meinung, dass es eine Bu�e wert w�re�, murmelte er. Sein Magen knurrte. Die Finken im Topf und die Zwiebel in So�e, die Lopin so stolz zu Mittag pr�sentiert hatte, hatten sich zum Entsetzen des Taireners als verdorben erwiesen, was bedeutete, dass Mat seit dem Fr�hst�ck nicht mehr als einen Brotkanten gegessen hatte.</p><p>�Ihr wisst wirklich eine ganze Menge �ber die Wei�e Burg.�</p><p>�Lord Mat, ich wei� nur, dass Ihr so ziemlich jeden Fehler begangen habt, den ein Mann bei einer Aes Sedai machen kann, ohne eine zu t�ten. Der Grund, warum ich Euch �berhaupt begleitet habe, statt mit meinem Mann zu gehen, und warum ich eigentlich �berhaupt noch hier bin, ist der Versuch, Euch von zu vielen Fehlern abzuhalten. Ehrlich gesagt wei� ich nicht, warum mir �berhaupt daran gelegen ist, aber das ist es nun einmal, und weiter gibt es dazu nichts zu sagen. H�ttet Ihr Euch von mir anleiten lassen, h�ttet Ihr jetzt keinen �rger mit ihnen. Ich wei� nicht, wie viel ich davon in Ordnung bringen kann, jedenfalls jetzt noch, aber ich bin noch immer bereit, es zu versuchen.�</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf. Es gab nur zwei Methoden, mit Aes Sedai umzugehen, ohne sich die Finger zu verbrennen; entweder man lie� sie auf sich herumtrampeln oder ging ihnen aus dem Weg. Ersteres kam nicht f�r ihn in Frage, und das Zweite konnte er nicht tun, also musste er einen dritten Weg finden, und er bezweifelte, dass Setalles Rat ihm den aufzeigen w�rde. Was Aes Sedai anging, lief der Rat von Frauen grunds�tzlich auf den ersten Weg hinaus, auch wenn sie das nie so ausdr�ckten. Sie sprachen von Entgegenkommen, aber es war nie die Aes Sedai, von der das Entgegenkommen erwartet wurde. �Eigentlich? Was ist es dann� ? Er grunzte, als h�tte er einen Schlag in den Magen bekommen. �Tuon? Glaubt Ihr, man kann mir bei Tuon nicht vertrauen?�</p><p>Frau Anan lachte ihn aus, so richtig aus vollem Halse. �Ihr seid ein Schurke, mein Lord. Nun, manche Schurken geben pr�chtige Ehem�nner ab, sobald man ihnen etwas die Fl�gel gestutzt hat � als ich meinen Jasfer kennen lernte, war er ein Schurke �, aber Ihr glaubt noch immer, Ihr k�nntet hier an einer Pastete knabbern und dann dort, und dann zur n�chsten weitertanzen.�</p><p>�Von der kann man nicht wegtanzen�, sagte Mat und warf der Wagent�r einen stirnrunzelnden Blick zu. Die W�rfel rollten durch seinen Kopf. �Ich nicht.� Er war sich nicht sicher, ob er wirklich noch forttanzen wollte, aber er konnte sich das ja von ganzem Herzen w�nschen und wollen, er war gefangen. Endg�ltig.</p><p>�Ist das so?�, murmelte sie. �Oh, da habt Ihr Euch eine Sch�ne ausgesucht, die Euch das Herz bricht.�</p><p>�Das mag ja so sein, Frau Anan, aber ich habe meine Gr�nde. Ich sollte besser reingehen, bevor sie mir alles wegessen.� Er wandte sich der Treppe an der Hinterseite des Wagens zu, und sie legte ihm eine Hand auf den Arm.</p><p>�K�nnte ich es sehen? Nur sehen?�</p><p>Es gab keinen Zweifel, was sie meinte. Er z�gerte, dann fischte er in seinem Kragen nach dem Leberband, an dem das Medaillon hing. Er h�tte nicht zu sagen vermocht, warum er es tat. Schlie�lich hatte er Joline und Edesina selbst nur einen Blick darauf verwehrt. Es war eine pr�chtige Arbeit, ein silberner Fuchskopf fast so gro� wie seine Handfl�che. Nur ein Auge war zu sehen, und das Tageslicht reichte noch gerade eben so aus, um zu erkennen, dass die Pupille zur H�lfte verh�llt war, um das uralte Symbol der Aes Sedai zu formen. Ihre Hand zitterte leicht, als sie mit dem Finger die Konturen des Auges nachfuhr. Sie hatte gesagt, sie wollte es nur sehen, aber er lie� zu, dass sie es ber�hrte. Ihr entfuhr ein langer Seufzer.</p><p>�Ihr seid einst eine Aes Sedai gewesen�, sagte er leise, und ihre Hand erstarrte.</p><p>Sie gewann ihre Fassung so schnell zur�ck, dass er es sich m�glicherweise nur eingebildet hatte. Sie war die stattliche Setalle Anan, die Gastwirtin aus Ebou Dar mit den gro�en goldenen Ohrringen und dem Hochzeitsdolch, der mit dem Knauf nach unten in ihrem runden Dekollete baumelte, so weit von jeder Aes Sedai entfernt, wie das nur vorstellbar war. �Die Schwestern glauben, ich w�rde l�gen, dass ich niemals in der Burg war. Sie glauben, dass ich als junge Frau dort Dienerin war und gelauscht habe, wo ich es nicht h�tte tun sollen.�</p><p>�Sie haben nicht gesehen, wie Ihr das hier angesehen habt.� Er lie� den Fuchskopf auf der Hand h�pfen, bevor er ihn wieder ins Hemd steckte. Sie tat so, als w�re ihr das egal, und er tat so, als w�sste er nicht, dass sie nur so tat.</p><p>Ihre Lippen verzogen sich zu einem kurzen, wehm�tigen L�cheln, als w�sste sie, was er dachte. �Die Schwestern w�rden es erkennen, wenn sie das nur zulassen k�nnten�, sagte sie so leichthin, als w�rden sie sich �ber das Wetter unterhalten, �aber Aes Sedai erwarten, dass� wenn gewisse Dinge geschehen� die Frau brav geht und kurz darauf stirbt. Ich bin gegangen, aber Jasfer fand mich halb verhungert und krank auf den Stra�en von Ebou Dar und brachte mich zu seiner Mutter.� Sie' kicherte, blo� eine Frau, die erz�hlte, wie sie ihren Mann kennen gelernt hatte. �Er hat auch streunende Katzen aufgenommen. Nun, jetzt kennt Ihr einige meiner Geheimnisse, und ich kenne einige der Euren. Sollen wir sie f�r uns behalten?�</p><p>�Welche meiner Geheimnisse kennt Ihr?�, verlangte er zu wissen, augenblicklich auf der Hut. Einige seiner Geheimnisse waren ein gef�hrliches Wissen, und wenn zu viele sie kannten, waren es keine Geheimnisse mehr.</p><p>Frau Anan warf dem Wagen einen stirnrunzelnden Blick zu. �Dieses M�dchen spielt so sicher ein Spiel mit Euch, wie Ihr eines mit ihr spielt. Und nicht dasselbe Spiel, das Ihr spielt. Sie ist mehr wie ein General, der eine Schlacht plant, als wie eine Frau, der man den Hof macht. Aber sollte sie erfahren, dass Ihr verr�ckt nach ihr seid, wird sie den Vorteil erringen. Ich bin bereit, Euch eine gleichwertige Chance einzur�umen. Oder zumindest die Chance, die ein Mann bei einer Frau mit einem Funken Verstand hat. Haben wir eine Abmachung?�</p><p>�Das haben wir�, erwiderte er inbr�nstig. �Das haben wir.�</p><p>Er w�re nicht �berrascht gewesen, wenn die W�rfel in diesem Augenblick verstummt w�ren, aber sie klapperten weiter.</p><p>W�re die Fixierung der Schwestern auf sein Medaillon das einzige Problem gewesen, f�r das sie gesorgt h�tten, h�tten sie sich darauf beschr�nkt, �berall Ger�chte zu streuen, wo der Zirkus anhielt, h�tte er sagen k�nnen, dass diese Tage nicht mehr als ertr�glich schlecht gewesen w�ren. Ungl�cklicherweise hatten sie zur Zeit des Aufbruchs aus Jurador erfahren, wer Tuon war. Nicht dass sie die Tochter der Neun Monde war, aber dass sie eine seanchanische Hochlady war, jemand von Rang und Einfluss.</p><p>�Haltet Ihr mich f�r einen Narren?�, protestierte Luca, als Mat ihn beschuldigte, es ihnen verraten zu haben. Er baute sich neben seinem Wagen auf, die F�uste in die H�ften gestemmt, ein gro�er, emp�rter Mann, bereit, deswegen zu k�mpfen. �Das ist ein Geheimnis, das ich tief begraben will, bis� nun� bis sie sagt, dass ich den Schutzbrief benutzen kann. Er wird nicht viel nutzen, wenn sie ihn widerruft, weil ich etwas verrate, das sie geheim halten will.� Aber seine Stimme war eine Spur zu ernst, und er wich Mats Blick aus. Die Wahrheit war, Luca prahlte fast genauso gern, wie er Gold mochte. Er musste geglaubt haben, dass es sicher warsicher! �, es den Schwestern zu verraten, und den Schlamassel, den er angerichtet hatte, erst hinterher erkannt hatte.</p><p>Und es war ein Schlamassel, so verwickelt wie eine Schlangengrube. Die Hochlady Tuon, in unmittelbarer N�he, bot eine Gelegenheit, der keine Aes Sedai h�tte widerstehen k�nnen. Teslyn war genauso schlimm wie Joline und Edesina. Die drei besuchten Tuon t�glich in ihrem Wagen und st�rzten sich auf sie, sobald sie einen Spaziergang machte. Sie sprachen von Waffenstillstand und Vertr�gen und Verhandlungen, versuchten in Erfahrung zu bringen, welche Verbindungen sie zu den Anf�hrern der Invasion hatte, versuchten sie davon zu �berzeugen, Gespr�che zu arrangieren, um die K�mpfe zu beenden. Sie boten ihr sogar an, ihr dabei zu helfen, den Zirkus zu verlassen und nach Hause zur�ckzukehren!</p><p>Es war ihr Pech, dass Tuon da keine Aes Sedai sah, Repr�sentanten der Wei�en Burg, die vielleicht gr��te Macht auf der Welt, nicht einmal nachdem die N�herinnen ihre Reitkleider geliefert hatten und sie die Lumpen ausziehen konnten, die Mat f�r sie aufgetrieben hatte. Sie sah zwei entkommene <emphasis>Damane</emphasis> und eine <emphasis>Marath'damane,</emphasis> und sie hatte keinerlei Verwendung f�r sie, bevor sie an die Leine gelegt waren. Das waren ihre Worte. Wenn sie zu ihrem Wagen kamen, verriegelte sie die T�r, und wenn es ihnen gelang, vorher einzudringen, ging sie. Wenn sie sie in die Ecke dr�ngten oder es versuchten, ging sie einfach um sie herum wie um einen Baumstumpf. Sie redeten sich fast heiser. Und sie weigerte sich zuzuh�ren.</p><p>Jede Aes Sedai konnte einem Stein Geduld beibringen, wenn sie Anlass dazu hatte, aber sie waren es nicht gewohnt, einfach ignoriert zu werden. Mat konnte ihre wachsende Frustration sehen, die angespannten Augen und zusammengepressten Lippen, die immer l�nger brauchten, um sich wieder zu entspannen, die H�nde, die sich in R�cke vergruben, um zu verhindern, dass sie Tuon packten und sie sch�ttelten. Es kam fr�her zur Explosion, als er erwartet h�tte, und �berhaupt nicht auf die Weise, mit der er gerechnet hatte.</p><p>Am Abend, nachdem er Tuon die Stute geschenkt hatte, a� er mit ihr und Selucia. Und nat�rlich mit Noal und Olver. Die beiden schafften es, genauso viel Zeit mit Tuon zu verbringen wie er. Lopin und Nerim, so f�rmlich, als w�ren sie in einem Palast statt in dem engen Raum, servierten eine typische fr�he Fr�hlingsmahlzeit, z�hes Lamm mit Erbsen, die getrocknet gewesen waren, und R�ben, die zu lange in jemandes Keller gelegen hatten. Es war noch zu fr�h, als dass etwas zur Ernte gereift gewesen w�re. Immerhin hatte Lopin Pfefferso�e f�r das Lamm gemacht, Nerim hatte Pinienn�sse f�r die Erbsen gefunden, es gab genug, und nichts schmeckte merkw�rdig, also war es eine Mahlzeit, die so gut war, wie unter den Umst�nden m�glich war. Olver ging nach dem Essen, da er bereits mit Tuon gespielt hatte, und Mat tauschte mit Selucia den Platz, um Steine zu spielen. Auch Noal blieb trotz etlicher bezeichnender Blicke, erz�hlte weiter von den Sieben T�rmen im untergegangenen Malkier, die angeblich alles in Cairhien �berragten, und Shol Arbela in Arafel, der Stadt der Zehntausend Glocken, und allen m�glichen Wundern der Grenzl�nder, seltsamen Turmspitzen aus Kristall h�rter als Stahl und einer Metallkuppel von hundert Schritten Durchmesser auf einem H�gel und dergleichen. Manchmal machte er Bemerkungen �ber Mats Spiel, dass er sich auf der linken Seite eine Bl��e gab, dass er auf der rechten Seite eine sch�ne Falle aufstellte, und das in dem Moment, als Tuon bereit schien hineinzutappen. Eben diese Art Sachen. Mat enthielt sich jeden Kommentars und plauderte mit Tuon, aber er musste mehr als einmal die Z�hne zusammenbei�en, um das zu schaffen. Tuon fand Noals Geschw�tz unterhaltsam.</p><p>Mat studierte das Brett und �berlegte, ob er eine kleine Chance hatte, einen Gleichstand zu erreichen, als Joline Teslyn und Edesina in den Wagen f�hrte; die personifizierte Hochmut, Aes Sedai bis zu den Zehenspitzen. Joline trug ihren Gro�en Schlangenring. Sie dr�ngten sich an Selucia vorbei und bedachten sie mit ausgesprochen kalten Blicken, als sie nur langsam zur Seite r�ckte, und bauten sich vor dem kleinen Tisch auf. Noal wurde ganz still und musterte die Schwestern von der Seite, eine Hand unter dem Mantel, so als w�rde der Narr glauben, dass seine Messer hier etwas ausrichten k�nnten.</p><p>�Es muss ein Ende haben, Hochlady�, sagte Joline und ignorierte Mat geflissentlich. Sie stellte etwas fest und bat nicht, verk�ndete, wie es ablaufen w�rde, weil es so sein musste. �Euer Volk hat einen Krieg in diese L�nder gebracht, wie wir ihn seit dem Hundertj�hrigen Krieg nicht mehr erlebt haben, vielleicht sogar nicht mehr wie seit den Trolloc-Kriegen. Tarmon Gai'don n�hert sich, und dieser Krieg muss enden, bevor es eintritt, weil es sonst zu einer Katastrophe f�r die ganze Welt werden wird. Es droht nicht weniger zu werden. Also wird Eure Verstocktheit ein Ende haben. Ihr werdet unser Angebot demjenigen �berbringen, der bei Euch die Befehle gibt. Bis zu Eurer R�ckkehr in Euer eigenes Land jenseits des Meeres kann Frieden herrschen, oder Ihr werdet mit der geballten Macht der Wei�en Burg konfrontiert werden, der jeder Thron von den Grenzl�ndern bis zum Meer der St�rme folgen wird. Der Amyrlin-Sitz hat sie vermutlich schon gegen Euch zusammengerufen. Ich habe von einem gewaltigen Grenzl�nderheer geh�rt, das schon im S�den ist, und andere Heere sind auf dem Weg. Aber es ist besser, das ohne weiteres Blutvergie�en zu beenden. Also verhindert die Vernichtung Eures Volkes und helft Frieden zu schaffen.�</p><p>Mat konnte Edesinas Reaktion nicht sehen, aber Teslyn blinzelte blo�. F�r eine Aes Sedai war das so gut wie ein Keuchen. Vielleicht war das nicht genau das, was sie von Joline zu h�ren erwartet hatte. Mat hingegen st�hnte leise.</p><p>Joline war keine Graue, so geschickt wie ein Jongleur, was Verhandlungen anging, so viel stand fest, aber das war er auch nicht, und er glaubte noch immer, dass sie den kurzen Pfad zu Tuons Wut gefunden hatte.</p><p>Aber Tuon faltete die H�nde unter dem Tisch auf dem Scho� und sa� sehr aufrecht da, blickte direkt durch die Aes Sedai hindurch. Ihre Miene war so streng, wie sie stets f�r ihn gewesen war. �Selucia�, sagte sie leise.</p><p>Die blonde Frau schob sich hinter Teslyn und b�ckte sich gerade lange genug, um etwas unter der Decke hervorzuziehen, auf der Mat sa�. Als sie sich wieder aufrichtete, schien alles gleichzeitig zu passieren. Ein Klicken ert�nte, und Teslyn schrie auf, fasste nach ihrem Hals. Der Fuchskopf auf Mats Brust verwandelte sich zu Eis, Joline riss den Kopf herum und starrte die Rote Schwester ungl�ubig an. Edesina drehte sich um und war mit zwei Schritten an der T�r, die ein St�ck aufschwang und dann zuknallte. Dem Ger�usch st�rzender M�nner auf der Treppe nach zu urteilen, gegen Blaeric und Fen knallte. Edesina kam ruckartig zum Stehen und stand stocksteif da, die Arme an die Seiten und die abgen�hten R�cke an die Beine von unsichtbaren Fesseln geschn�rt. Das alles nahm nur wenige Momente in Anspruch, und Selucia war nicht unt�tig geblieben. Sie beugte sich kurz �ber das Bett, auf dem Noal sa�, dann lie� sie den Silberkragen eines weiteren <emphasis>A'dam</emphasis> um Jolines Hals zuschnappen. Mat konnte sehen, dass Teslyn das <emphasis>A'dam</emphasis> mit beiden H�nden umklammert hielt. Sie unternahm keine Anstalten, es abzunehmen, hielt sich einfach nur mit wei� angelaufenen Kn�cheln daran fest. Das schmale Gesicht der Roten war ein Bild der Verzweiflung, in ihren starren Augen lag ein gequ�lter Blick. Joline hatte die unersch�tterliche Ruhe einer Aes Sedai zur�ckerlangt, aber sie ber�hrte den aus Segmenten bestehenden Kragen um ihren Hals.</p><p>�Wenn Ihr glaubt, Ihr k�nnt das tun�, begann sie und verstummte abrupt, ihre Lippen wurden schmal. Ein w�tendes Flackern lag in ihren Augen.</p><p>�Du musst wissen, das <emphasis>A�dam</emphasis> kann zur Strafe benutzt werden, auch wenn das nur selten geschieht�, sagte Tuon, und sie trug den Armreif eines <emphasis>A�dam</emphasis> an jedem Handgelenk, die funkelnden Leinen schl�ngelten sich unter die Decken auf den Betten. Wie beim Licht hatte sie es geschafft, sie in die Finger zu bekommen?</p><p>�Nein�, sagte Mat. �Ihr habt versprochen, meine Anh�nger nicht anzur�hren, mein Juwel.� Vielleicht nicht das Kl�gste, diesen Namen jetzt zu benutzen, aber es war zu sp�t, ihn wieder zur�ckzunehmen. �Bis jetzt habt Ihr Eure Versprechen gehalten. Brecht jetzt keines.�</p><p>�Ich habe versprochen, keinen Unfrieden unter deinen Anh�ngern zu stiften, Spielzeug�, sagte sie schnippisch, �davon abgesehen ist es eindeutig, dass diese drei nicht zu deinen Anh�ngern geh�ren.� Die kleine Schiebet�r, die dazu benutzt wurde, um mit dem Kutscher zu sprechen oder Essen durchzureichen, wurde mit einem lauten Knall aufgeschoben. Tuon warf einen Blick �ber die Schulter, und sie knallte noch lauter wieder zu. Drau�en fluchte ein Mann und fing an, gegen die T�r zu pochen.</p><p>�Das <emphasis>A�dam</emphasis> kann auch dazu benutzt werden, Vergn�gen zu schenken, als gro�e Belohnung�, erkl�rte Tuon Joline und ignorierte die h�mmernde Faust hinter ihr.</p><p>Jolines Lippen �ffneten sich, sie riss die Augen weit auf. Sie schwankte, und der von Seilen gehaltene Tisch schwankte, als sie mit beiden H�nden einen Sturz vermied. Falls sie jedoch beeindruckt war, verbarg sie es gut. Sobald sie wieder aufrecht stand, gl�ttete sie die dunkelgrauen R�cke, aber das musste nichts bedeuten. Ihr Gesicht war die personifizierte Aes Sedai-Beherrschung. Edesina, die �ber die Schulter sah, hatte den gleichen beherrschten Blick, obwohl sie nun das dritte <emphasis>A�dam</emphasis> um den Hals trug � und genau genommen war sie blasser als sonst �, aber Teslyn hatte angefangen, stumm und mit bebenden Schultern zu weinen, die Tr�nen str�mten ihr die Wangen herunter.</p><p>Noal sa� angespannt da, ein Mann, der bereit war, etwas Dummes zu tun. Mat versetzte ihm unter dem Tisch einen Tritt, und als Noal ihn anstarrte, sch�ttelte er den Kopf. Noals Miene wurde noch finsterer, aber er zog die Hand aus dem Mantel und lehnte sich an die Wand. Noch immer finster blickend. Nun, sollte er. Messer waren hier nutzlos, Worte vielleicht nicht. Es war viel besser, wenn man das mit Worten zu einem Ende bringen konnte.</p><p>�H�rt zu�, sagte Mat zu Tuon. �Wenn Ihr nachdenkt, werdet Ihr hundert Gr�nde erkennen, warum das nicht funktionieren wird. Beim Licht, Ihr k�nnt selbst lernen, wie man die Macht lenkt. �ndert dieses Wissen nicht alles? Ihr seid nicht so viel anders als sie.� Der Aufmerksamkeit nach zu urteilen, die sie ihm schenkte, h�tte er sich genauso gut in Rauch aufgel�st haben k�nnen.</p><p>�Versuche, <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen�, sagte sie und blickte Joline streng an. Verglichen mit ihrem Blick klang ihre Stimme verh�ltnism��ig sanft, aber sie erwartete offensichtlich Gehorsam. Gehorsam? Sie sah aus wie eine verdammte Leopardin, die drei angebundene Ziegen anstarrte. Und seltsamerweise sch�ner als je zuvor. Eine wundersch�ne Leopardin, die ihn m�glicherweise genauso schnell mit den Krallen zerfetzen w�rde wie die Ziegen. Nun, er hatte sich schon �fters Leoparden entgegengestellt, und das waren seine eigenen Erinnerungen. Die Konfrontation mit einem Leopard brachte eine seltsame Art von Aufregung mit sich. �Mach schon�, fuhr sie fort. �Du wei�t, dass die Abschirmung fort ist.� Joline gab ein �berraschtes Grunzen von sich, und Tuon nickte. �Gut. Du hast das erste Mal gehorcht. Und gelernt, dass du die Macht nicht ber�hren kannst, w�hrend du das <emphasis>A�dam</emphasis> tr�gst, es sei denn, ich w�nsche es. Aber jetzt w�nsche ich, dass du die Macht h�ltst, und du tust es, obwohl du nicht versucht hast, sie zu umarmen.� Jolines Augen weiteten sich leicht, ein kleiner Riss in ihrer Ruhe. �Und jetzt�, fuhr Tuon fort, �w�nsche ich, dass du die Macht nicht h�ltst, und sie ist fort in dir. Deine ersten Lektionen.� Joline holte tief Luft. Sie fing an, nicht� �ngstlich auszusehen, aber unbehaglich.</p><p>�Blut und Asche, Frau�, knurrte Mat. �Glaubt Ihr, Ihr k�nnt sie an diesen Leinen herumf�hren, ohne dass es jemandem auff�llt?� Die T�r dr�hnte. Ein zweiter Schlag rief das Ger�usch berstenden Holzes hervor. Wer auch immer gegen das Holzfenster h�mmerte, hatte auch noch nicht damit aufgeh�rt. Irgendwie verursachte das kein Gef�hl der Dringlichkeit. Wenn die Beh�ter hereinkamen, was konnten sie schon tun?</p><p>�Ich werde sie in dem Wagen beherbergen, den sie benutzen, und nachts ausbilden�, fauchte sie gereizt. �Ich habe nichts mit diesen Frauen gemeinsam, Spielzeug. <emphasis>Nichts.</emphasis> Vielleicht k�nnte ich es lernen, aber ich habe mich entschieden, es nicht zu tun, so wie ich mich entschieden habe, nicht zu stehlen oder zu morden. Das ist der Unterschied.�</p><p>Sie brachte sich mit einer deutlich sichtbaren Willensanstrengung wieder unter Kontrolle, setzte sich hin und legte die H�nde auf den Tisch, wieder ganz auf die Aes Sedai konzentriert. �Ich habe betr�chtlichen Erfolg mit einer Frau wie dir gehabt.� Edesina keuchte und murmelte einen Namen, zu leise, um ihn verstehen zu k�nnen. �Ja�, sagte Tuon. �Du musst meine Mylen in den Zwingern oder beim Auslauf kennen gelernt haben. Ich werde euch alle genauso gut ausbilden wie sie. Ihr seid mit einem finsteren Makel verflucht worden, aber ich werde euch beibringen, den Dienst am Kaiserreich mit Stolz zu betrachten.�</p><p>�Ich habe die drei nicht aus Ebou Dar geschafft, damit Ihr sie zur�ckbringen k�nnt�, sagte Mat fest und schob sich �ber das Bett. Der Fuchskopf wurde noch k�lter, Tuon gab ein �berraschtes Ger�usch von sich.</p><p>�Wie habt Ihr� das gemacht, Spielzeug? Das Gewebe� zerschmolz� als es Euch ber�hrte.�</p><p>�Das ist eine Gabe, mein Juwel.�</p><p>Als er aufstand, setzte sich Selucia geduckt in Bewegung, die H�nde flehentlich ausgestreckt. Furcht stand ihr ins Gesicht geschrieben. �Ihr d�rft nicht�, setzte sie an.</p><p>�Nein!�, befahl Tuon scharf.</p><p>Selucia richtete sich wieder auf und wich zur�ck, auch wenn sie ihn nicht aus den Augen lie�. Seltsamerweise verschwand die Furcht aus ihrem Ausdruck. Er sch�ttelte erstaunt den Kopf. Er wusste, dass die vollbusige Frau Tuon aufs Wort gehorchte � schlie�lich war sie <emphasis>So�jhin,</emphasis> genau wie Tuons Pferd ein St�ck Besitz, und sie hielt das auch f�r v�llig richtig �, aber wie gehorsam musste man sein, um auf Befehl seine Furcht zu verlieren?</p><p>�Sie haben mich ver�rgert, Spielzeug�, sagte Tuon, als er nach Teslyns Kragen griff. Die Rote zitterte und weinte noch immer, und sie sah aus, als k�nnte sie nicht glauben, dass er das Ding tats�chlich entfernen w�rde.</p><p>�Sie �rgern mich auch.� Er legte die Finger auf den Kragen, dr�ckte hier und da, und der Reifen �ffnete sich mit einem Klicken.</p><p>Teslyn ergriff seine H�nde und fing an, sie zu k�ssen.</p><p>�Danke�, schluchzte sie unabl�ssig. �Danke. Danke.�</p><p>Mat r�usperte sich. �Gern geschehen, aber es ist nicht n�tig� W�rdet Ihr damit aufh�ren? Teslyn?� Es kostete ihn einige M�he, die H�nde wieder freizubekommen.</p><p>�Ich will, dass sie aufh�ren, mich zu �rgern, Spielzeug�, sagte Tuon, als er sich Joline zuwandte. Bei jedem anderen h�tte das trotzig geklungen. Die dunkelh�utige kleine Frau machte daraus eine Forderung.</p><p>�Ich glaube, hiernach werden sie damit einverstanden sein�, sagte er trocken. Aber Joline sah mit stur nach vorn geschobenem Kinn zu ihm hoch. �Ihr seid doch einverstanden, oder?� Die Gr�ne schwieg.</p><p>�Ich bin einverstanden�, sagte Teslyn schnell. �Wir alle sind einverstanden.�</p><p>�Ja, wir sind alle einverstanden�, f�gte Edesina hinzu. Joline starrte ihn stumm und stur an, und Mat seufzte.</p><p>�Ich k�nnte mein Juwel Euch ein paar Tage lang behalten lassen, bis Ihr Eure Meinung ge�ndert habt.� Jolines Kragen �ffnete sich in seinen H�nden. �Aber das werde ich nicht tun.�</p><p>Sie starrte ihm noch immer in die Augen und fasste sich an den Hals, als m�sste sie sich vergewissern, dass der Kragen fort war. �M�chtet Ihr einer meiner Beh�ter sein?�, fragte sie und lachte dann leise. �Kein Grund, so ein Gesicht zu machen. Selbst wenn ich Euch gegen Euren Willen den Bund aufzwingen wollte, ich k�nnte es nicht tun, solange Ihr dieses <emphasis>Ter�angreal</emphasis> besitzt. Ich bin einverstanden, Meister Cauthon. Vielleicht macht das unsere beste Chance zunichte, die Seanchaner aufzuhalten, aber ich werde mir nicht l�nger die M�he machen� mein Juwel.�</p><p>Tuon fauchte wie eine nass gespritzte Katze, und er seufzte erneut. Was man hier gewann, verlor man dort.</p><p>Er verbrachte einen Teil der Nacht damit, das zu tun, was er auf der Welt am wenigsten mochte. Arbeiten. Ein Loch zu graben, das tief genug war, um die drei <emphasis>A�dam</emphasis> zu vergraben. Er machte es selbst, weil Joline sie �berraschenderweise haben wollte. Schlie�lich waren es <emphasis>Ter�angreale,</emphasis> und die Wei�e Burg musste sie studieren. Das konnte schon sein, aber die Burg w�rde ihre <emphasis>A�dam</emphasis> eben woanders finden m�ssen. Er war sich ziemlich sicher, dass keine der Rotwaffen sie �bergeben h�tte, wenn er ihnen befohlen h�tte, sie zu vergraben, aber er ging kein Risiko ein, dass die Aes Sedai auftauchten, um mehr �rger zu machen. Es fing an zu regnen, bevor das Loch knietief war, ein kalter, harter Regen, und als er fertig war, war er bis auf die Haut durchn�sst und bis zur Taille schlammverschmiert. Ein tolles Ende f�r einen gro�artigen Abend, und die W�rfel klapperten in seinem Sch�del umher.</p></section><section><title><p>10</p><p>Ein Dorf in Shiota</p></title><p>Der folgende Tag brachte eine Atempause, oder zumindest hatte es den Anschein. Tuon ritt in einem blauen Seidenreitgewand und mit dem breiten Lederg�rtel an seiner Seite, als der Zirkus langsam nach Norden rollte, und zudem wackelte sie mit den Fingern, als Selucia versuchte, ihr Pferd zwischen sie zu dr�ngen. Selucia hatte sich ihr eigenes Tier besorgt, einen st�mmigen Wallach, der zwar nicht an Pips oder Akein herankam, aber den Schecken bei weitem �bertraf. Die blau�ugige Frau, die heute ein gr�nes Kopftuch unter der Kapuze trug, setzte sich an Tuons andere Seite, und ihr Gesicht h�tte zu einer Aes Sedai geh�ren k�nnen, so wenig gab es preis. Mat konnte ein Grinsen nicht unterdr�cken. Sollte <emphasis>sie</emphasis> doch mal zur Abwechslung ihre Frustration unterdr�cken. Da die echten Aes Sedai keine Pferde hatten, mussten sie in ihrem Wagen bleiben; Metwyn war zu weit entfernt auf dem Kutschbock des purpurnen Wagens, um h�ren zu k�nnen, was er zu Tuon sagte; von dem n�chtlichen Regen waren nur noch ein paar d�nne Wolken �brig, und die Welt schien in Ordnung. Sogar die W�rfel in seinem Kopf konnten daran nichts �ndern. Nun, es gab ein paar schlechte Augenblicke, aber eben nur Augenblicke.</p><p>In aller Fr�he flog ein Rabenschwarm vorbei, ein Dutzend oder mehr gro�e schwarze V�gel. Sie flogen schnell, kamen nie von ihrem Kurs ab, aber er betrachtete sie trotzdem, bis sie zu kleinen Punkten schrumpften und verschwanden. Das reichte nicht aus, um den Tag zu verderben. Jedenfalls nicht ihm. Vielleicht f�r jemanden weiter oben im Norden.</p><p>�Seht Ihr ein Omen in ihnen, Spielzeug?�, fragte Tuon. Sie war im Sattel so anmutig wie in allem, was sie tat. Er konnte sich nicht daran erinnern, sie jemals unbeholfen gesehen zu haben. �Die meisten Omen, die ich �ber Raben kenne, haben etwas damit zu tun, dass sie sich auf einem Dach niederlassen oder in der Morgen- oder Abendd�mmerung kr�hen.�</p><p>�Sie k�nnen Spione des Dunklen K�nigs sein�, sagte er.</p><p>�Manchmal. Kr�hen auch. Und Ratten. Aber sie haben nicht angehalten, um uns zu betrachten, also m�ssen wir uns keine Sorgen machen.�</p><p>Sie fuhr mit einer gr�n behandschuhten Hand �ber den Kopf und seufzte. �Spielzeug, Spielzeug�, murmelte sie und setzte die Umhangkapuze wieder auf. �Wie viele Kindergeschichten glaubt Ihr eigentlich? Glaubt Ihr, dass, wenn Ihr bei Vollmond auf dem H�gel des Alten Hobs schlaft, die Schlangen Euch die wahren Antworten auf drei Fragen verraten, oder dass F�chse die Haut von Menschen stehlen und die Nahrhaftigkeit aus der Nahrung, sodass man verhungert, obwohl man isst?�</p><p>Ein L�cheln aufzusetzen kostete M�he. �Ich glaube nicht, dass ich das schon einmal geh�rt habe.� Am�siert zu klingen erforderte ebenfalls eine Anstrengung. Wie standen wohl die Chancen, dass sie Schlangen erw�hnte, die wahre Antworten gaben, wie es die Aelfinn gewisserma�en taten, und dann im gleichen Atemzug noch F�chse, die H�ute stahlen? Er war sich ziemlich sicher, dass die Eelfinn das taten und daraus Leder machten. Aber es war der Alte Hob, der ihn beinahe zusammenzucken lie�. Das eine war vermutlich blo� <emphasis>ta�veren,</emphasis> das an der Welt drehte. Sie wusste mit Sicherheit nichts �ber ihn und die Schlangen und die F�chse. Aber in Shandalle, dem Land, in dem Artur Falkenfl�gel geboren worden war, war der Alte Hob oder <emphasis>Caisen Hob</emphasis> ein anderer Name f�r den Dunklen K�nig gewesen. Die Aelfinn und die Eelfinn verdienten sicherlich beide, mit dem Dunklen K�nig in Verbindung gebracht zu werden, aber das war kaum etwas, �ber das er nachdenken wollte, wo er doch selbst eine Verbindung zu den verdammten F�chsen hatte. Und auch zu den Schlangen? Die M�glichkeit reichte aus, um ihm auf den Magen zu schlagen.</p><p>Aber es war trotzdem ein angenehmer Ritt, wurde doch der Tag w�rmer, als die Sonne stieg. Auch wenn man ihn im Grunde nicht als warm bezeichnen konnte. Er jonglierte mit sechs bunten Holzkugeln, und Tuon lachte und klatschte in die H�nde, wie es wohl auch angebracht war. Die Leistung hatte den Jongleur beeindruckt, dem er die Kugeln abgekauft hatte, und beim Reiten war es noch schwieriger. Er erz�hlte mehrere Witze, die sie zum Lachen brachte, und einen, der sie die Augen verdrehen und mit Selucia ein paar Fingerzeichen austauschen lie�. Vielleicht mochte sie ja keine Scherze �ber Gemeinschaftsraum-M�gde. Dabei war der Witz nicht im Mindesten unanst�ndig gewesen. Er war kein Narr. Allerdings h�tte er sich gew�nscht, dass sie lachte. Sie hatte ein wunderbares Lachen, vollt�nend und warm und ungezwungen. Sie unterhielten sich �ber Pferde und stritten sich �ber Dressurmethoden bei widerspenstigen Tieren. Dieser h�bsche Kopf enthielt ein paar seltsame Ideen, dass man ein st�rrisches Pferd beruhigen konnte, indem man es ins Ohr biss! Das klang eher so, als w�rde man �l ins Feuer gie�en. Und sie hatte noch nie davon geh�rt, dass man leise summte, um ein Pferd zu beruhigen, und sie wollte ohne eine Demonstration einfach nicht glauben, dass ihm sein Vater das beigebracht hatte.</p><p>�Nun, ich kann das wohl kaum ohne ein Pferd demonstrieren, das beruhigt werden muss, oder?�, sagte er. Sie verdrehte wieder die Augen. Selucia auch.</p><p>Aber es war keine hitzige Diskussion, es gab keine Wut, nur Leidenschaft. Tuon war so temperamentvoll, dass man sich fragte, wie so viel wohl in eine so kleine Frau hineinpasste.</p><p>Es war ihr Schweigen, das. manchmal f�r einen D�mpfer sorgte, noch mehr als die Schlangen und F�chse. Die waren weit weg, und es gab nichts, was man daran �ndern konnte.</p><p>Aber Tuon war direkt neben ihm, und es gab viel zu regeln. Sie hatte sich mit keinem Wort zu dem Zwischenfall mit den drei Aes Sedai ge�u�ert, oder �ber die drei Schwestern. Sie erw�hnte nie sein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> oder die Tatsache, dass das, was auch immer sie Teslyn oder Joline mit der Macht gegen ihn hatte weben lassen, versagt hatte. Der vergangene Abend h�tte genauso gut ein Traum gewesen sein k�nnen.</p><p>Sie war wie ein General, der eine Schlacht plante, hatte Setalle gesagt. Egeanin zufolge von Kindheit an in der Kunst der Intrige und der Zwietracht geschult. Und das alles zielte genau auf ihn. Aber zu welchem Zweck? Sicherlich konnte es keine Form der seanchanischen Brautwerbung sein. Egeanin wusste nicht viel dar�ber, aber das konnte es sicherlich nicht sein. Er hatte Tuon nur ein paar Wochen gekannt und sie entf�hrt, sie nannte ihn Spielzeug, hatte versucht, ihn zu kaufen, und nur ein eitler Narr konnte sich das so hindrehen, dass es hier um eine Frau ging, die sich verliebte. Womit alles offen blieb, von einem komplizierten Racheplan zu� das wusste das Licht allein. Sie hatte gedroht, ihn zu einem Pokaltr�ger zu machen. Das bedeutete <emphasis>Da�covale,</emphasis> wie Egeanin gesagt hatte, obwohl sie die Vorstellung l�cherlich gefunden hatte. Pokaltr�ger wurden wegen ihrer Sch�nheit ausgesucht, und nach Egeanins Meinung kam er da nicht einmal ann�hrend in die engere Wahl. Nun, er selbst fand das auch, um die Wahrheit zu sagen, nicht dass er das irgendjemandem gegen�ber zugegeben h�tte. Und so manche Frau hatte sein Gesicht bewundert. Wer konnte schon sagen, ob Tuon nicht die Hochzeitszeremonie vollendete, um ihn nur in Sicherheit zu wiegen, und ihn dann hinrichten lie�? Frauen waren niemals einfach, aber sie lie� den Rest wie Dilettanten aussehen.</p><p>Eine Weile lang sahen sie nicht viel anderes als Bauernh�fe, aber etwa zwei Stunden, nachdem die Sonne den Zenit �berschritten hatte, kamen sie zu einem gr��eren Dorf. Aus der Ferne ert�nte das Hallen eines Schmiedehammers auf dem Amboss. Die Geb�ude, einige von ihnen zweist�ckig, waren alle aus schwerem Holz und wei�em Gips errichtet und wiesen spitze Strohd�cher und hohe Schornsteine auf. Etwas daran kam Mat bekannt vor, aber er vermochte nicht zu sagen, was es war. In dem unber�hrten Wald ringsum war kein Bauernhof zu entdecken. Aber D�rfer waren immer mit H�fen verbunden, die sie ern�hrten und von denen sie wiederum lebten. Sie mussten sich alle ein St�ck weiter die Stra�e entlang befinden, hinter den B�umen.</p><p>Seltsamerweise ignorierten die Leute, die er sehen konnte, den n�her kommenden Wanderzirkus. Ein Bursche in Hemds�rmeln, der direkt am Stra�enrand stand, schaute von dem Beil auf, das er an einem mit einem Pedal betriebenen Schleifstein sch�rfte, dann beugte er sich wieder �ber seine Arbeit, als h�tte er nichts gesehen. Eine Gruppe Kinder schoss um eine Ecke hervor und verschwand wieder um die n�chste Ecke, ohne dem Zirkus auch nur mehr als einen Blick zu widmen. Sehr seltsam. Die meisten Dorfkinder w�rden stehen bleiben, um sich eine vor�berziehende Kaufmannskarawane anzusehen und �ber die fremden Orte zu spekulieren, an denen der Kaufmann gewesen war, und der Zirkus hatte viel mehr Wagen als jede H�ndlerkarawane. Aus dem Norden rollte ein Hausierer heran, dessen Wagen von sechs Pferden gezogen wurde und dessen hohe Wagenplane fast vollst�ndig von T�pfen und Pfannen und Kesseln verdeckt wurde. Auch er h�tte Interesse hervorrufen m�ssen. Selbst ein gro�es Dorf an einer vielbefahrenen Stra�e war f�r die Alltagsgegenst�nde, die Leute so brauchten, auf Hausierer angewiesen. Aber niemand streckte einen Arm aus oder rief, dass ein Hausierer gekommen war. Sie machten einfach mit ihren Besch�ftigungen weiter.</p><p>Vielleicht dreihundert Schritte vor dem Dorf stand Luca auf seinem Kutschbock auf und schaute �ber das Wagendach nach hinten. �Wir halten dort�, br�llte er und zeigte auf eine gro�e Wiese, auf der Wildblumen aus dem Fr�hlingsgras sprossen, das schon mindestens einen Fu� hoch wuchs. Er setzte sich wieder und folgte seiner eigenen Anweisung, und die anderen Wagen folgten ihm und ihre R�der gruben sich in den regennassen Boden.</p><p>Als Mat Pips auf die Wiese zulenkte, h�rte er die Hufe der Hausiererpferde auf Kopfsteinpflaster klappern. Das Ger�usch lie� ihn den Kopf hochrei�en. Diese Stra�e war nicht mehr gepflastert seit� Er zog den Wallach wieder herum. Der Planwagen rollte �ber graue Pflastersteine, die sich nur durch das Dorf zogen. Der Hausierer selbst, ein fetter Bursche mit rundem Hut, sp�hte auf die Pflastersteine und sch�ttelte den Kopf, sp�hte auf das Dorf und sch�ttelte den Kopf. Hausierer hatten feste Routen. Er musste diesen Weg schon hundert Mal gefahren sein. Er musste ihn kennen. Er hielt das Gespann an und schlang die Z�gel um den Bremshebel.</p><p>Mat legte beide H�nde an den Mund. �Fahrt weiter, Mann!�, schrie er, so laut er konnte. �So schnell Ihr k�nnt! Weiterfahren!�</p><p>Der Hausierer sah in seine Richtung, dann sprang er f�r einen so schweren Mann recht flink auf. Mit so gro�artigen Gesten wie Luca fing er an zu deklamieren. Mat konnte seine Worte nicht verstehen, aber er wusste, was sie verk�nden w�rden. Neuigkeiten aus aller Welt, die er unterwegs aufgeschnappt hatte, unterbrochen von Auflistungen seiner Waren und ihrer �berlegenheit. Im Dorf unterbrach keiner seine T�tigkeiten, um zuzuh�ren, sie hielten nicht einmal darin inne.</p><p>�Fahrt weiter!�, br�llte Mat. �Sie sind alle tot! Fahrt weiter!� Hinter ihm keuchte jemand auf, Tuon oder Selucia. Vielleicht auch beide.</p><p>Pl�tzlich kreischten die Pferde des Hausierers auf, warfen wild die K�pfe zur�ck. Sie schrien wie Tiere jenseits der Panik und h�rten auch nicht auf.</p><p>Pips zuckte voller Angst zusammen, und Mat hatte alle H�nde voll zu tun; der Wallach t�nzelte im Kreis, wollte loslaufen, egal in welche Richtung, Hauptsache weg von hier. Jedes Pferd des Zirkus vernahm die Schreie und fing an, furchterf�llt zu wiehern. Die L�wen und B�ren fingen an zu br�llen, und die Leoparden stimmten ein. Das wiederum lie� einige der Zirkuspferde ebenfalls schrill kreischen und sich in ihrem Gespann aufb�umen. Der Aufruhr peitschte sich selbst immer h�her. Als Mat darum k�mpfte, Pips unter Kontrolle zu bekommen, sah er, dass jeder, der Z�gel hielt, sich nach allen Kr�ften bem�hte, wild mit den Augen rollende Gespanne davon abzuhalten, einfach loszust�rmen oder sich selbst zu verletzen. Auch Tuons Stute tanzte, genau wie Selucias Falbe. Einen Augenblick lang hatte er Angst um Tuon, aber sie schien mit Akein genauso gut zurechtzukommen wie bei ihrem Galopp in den Wald. Selbst Selucia schien sicher im Sattel zu sitzen und ihr Pferd zu beherrschen. Mat bekam mit, wie der Hausierer den Hut herunterriss und zum Wanderzirkus her�bersah. Endlich brachte er Pips wieder unter Kontrolle. Der Wallach schnaufte schwer, als w�re er zu lange zu hart geritten worden, aber er versuchte nicht l�nger davonzust�rmen.</p><p>Es war zu sp�t. Vermutlich war es das schon von Anfang an gewesen. Mit dem Hut in der Hand sprang der dicke Hausierer vom Kutschbock, um nachzusehen, was eigentlich mit seinen Pferden war. Bei der Landung stolperte er unbeholfen und schaute nach unten. Der Hut fiel ihm aus der Hand, landete auf der harten Stra�e. Das war der Augenblick, in dem er zu schreien anfing. Das Kopfsteinpflaster war weg, und er stand bis zu den Kn�cheln in die Stra�e versunken, genau wie seine kreischenden Pferde. Bis zu den Kn�cheln versunken und tiefer in den steinharten Lehm hineinsinkend, als w�re es ein Sumpf, genau wie sein Gespann und der Wagen. Und das Dorf mit seinen H�usern und Menschen sackte langsam in den Boden. Die Leute hielten nicht in ihren Besch�ftigungen inne. Frauen gingen mit ihren K�rben am Arm weiter, ein paar M�nner trugen einen gro�en Baumstamm auf den Schultern, Kinder liefen umher, der Bursche am Schleifstein sch�rfte sein Beil, und sie alle befanden sich mittlerweile knietief im Boden.</p><p>Tuon griff an der einen Seite nach Mats Mantel, Selucia an der anderen. Erst da wurde ihm bewusst, dass er Pips angetrieben hatte. Auf den Hausierer zu. Beim Licht!</p><p>�Was glaubt Ihr tun zu k�nnen?�, wollte Tuon wild wissen.</p><p>�Nichts�, erwiderte er. Sein Bogen war fertig, die Hornkerben angepasst, die Leinensehne geflochten und gewachst, aber er hatte noch nicht eine Pfeilspitze an den Eschenholzstab angelegt, und wegen des vielen Regens in der letzten Zeit war der Leim, der die Befiederung aus G�nsefedern hielt, noch immer klebrig. Das war alles, woran er jetzt denken konnte, an die Gnade eines Pfeils in das Herz des Hausierers, bevor er vom Boden verschluckt wurde. W�rde der Mann sterben, oder wurde er dorthin bef�rdert, wohin auch immer die toten Shiotaner gingen? Das war es, was ihn bei den Geb�uden stutzig gemacht hatte. So baute die Landbev�lkerung in Shiota seit fast dreihundert Jahren.</p><p>Er konnte den Blick nicht losrei�en. Der versinkende Hausierer schrie laut genug, um �ber das Kreischen seiner Pferde geh�rt werden zu k�nnen.</p><p>�Hilfe!�, schrie er und fuchtelte mit den Armen. Er schien Mat direkt anzusehen. �Helft mir!� Immer wieder.</p><p>Mat wartete darauf, dass er starb, er hoffte, dass er starb � sicherlich war das besser als das andere �, aber der Mann schrie weiter, w�hrend er bis zur Taille versank, dann bis zur Brust. Verzweifelt warf er den Kopf zur�ck wie ein Ertrinkender, schnappte ein letztes Mal nach Luft. Dann verschwand sein Kopf und nur die Arme blieben, die wild umherfuchtelten, bis auch sie verschwanden. Nur der auf der Stra�e liegende Hut verriet, dass da je ein Mann gewesen war.</p><p>Als die letzten Strohd�cher und hohen Schornsteine verschwunden waren, stie� Mat die Luft aus. An der Stelle, an der sich das Dorf befunden hatte, war eine weitere Wiese mit Wildblumen, auf der rote und gelbe Schmetterlinge von Bl�te zu Bl�te flatterten. So friedlich. Er w�nschte sich, er k�nnte glauben, dass der Hausierer tot war.</p><p>Abgesehen von den wenigen Wagen, die Luca auf die Wiese gefolgt waren, standen die anderen noch auf der Stra�e, und jeder war abgesprungen; Frauen tr�steten weinende Kinder, M�nner versuchten zitternde Pferde zu beruhigen, und jeder sprach furchtsam und vor allem laut, um sich �ber dem L�rm der L�wen, B�ren und Leoparden verst�ndlich machen zu k�nnen. Nun ja, jeder mit Ausnahme der drei Aes Sedai. Sie rauschten eilig die Stra�e entlang, Joline mit Blaeric und Fen im Schlepptau. Den Mienen der Aes Sedai wie auch der Beh�ter nach zu urteilen h�tte man glauben k�nnen, dass im Erdboden versinkende D�rfer so gew�hnlich wie Hauskatzen waren. Die drei Frauen blieben neben dem breiten Hut des Hausierers stehen und starrten ihn an. Teslyn hob ihn auf und drehte ihn in den H�nden um, dann lie� sie ihn fallen. Die Schwestern begaben sich auf die Wiese, wo das Dorf gestanden hatte, diskutierten, sahen sich dies und das an, als k�nnten sie etwas von den Wildblumen und dem Gras erfahren. Keine von ihnen hatte sich die Zeit genommen, einen Umhang umzuwerfen, aber dieses eine Mal konnte ihnen Mat das nicht zum Vorwurf machen. M�glicherweise benutzten sie die Macht, aber wenn dem so war, reichte die Menge nicht aus, um den Fuchskopf erkalten zu lassen. Er h�tte es ihnen nicht vorgeworfen, wenn es denn so war. Nicht heute, nicht nach dem, was er hatte ansehen m�ssen.</p><p>Die Diskussionen fingen augenblicklich an. Niemand wollte das St�ck Lehmstra�e �berqueren, das anscheinend gepflastert gewesen war. Jeder br�llte lauter als der andere, einschlie�lich der Pferdeknechte und N�herinnen, und sie alle sagten Luca, was zu tun war und zwar sofort. Einige wollten weit genug umkehren, um eine Landstra�e zu finden und diese schmaleren Wege benutzen, um nach Lugard zu gelangen. Andere waren daf�r, Lugard ganz zu vergessen und stattdessen auf diesen Landstra�en nach Illian zu fahren oder gar bis nach Ebou Dar zur�ckzukehren. Es gab immer noch Amadicia und Tarabon. Und Ghealdan, was das anging. Dort gab es viele D�rfer und St�dte, und sie waren weit von diesem vom Schatten verfluchten Ort entfernt.</p><p>Mat sa� auf Pips Sattel, spielte mit den Z�geln und hielt w�hrend des ganzen Herumgebr�lls und Armwedeins den Mund. Der Wallach zitterte noch dann und wann, aber er versuchte nicht l�nger durchzugehen. Thom bahnte sich einen Weg durch die Menge und legte Pips die Hand auf den Hals. Juilin und Amathera kamen direkt hinter ihm, sie klammerte sich an den Diebef�nger und musterte das Artistenvolk furchtsam, dann kamen auch Noal und Olver. Der Junge sah aus, als h�tte er sich gern auf der Suche nach Trost an jemandem festgeklammert, egal wen, aber er war alt genug, dass er sich so etwas nicht anmerken lassen wollte, falls es tats�chlich so war. Auch Noal schien beunruhigt, er sch�ttelte den Kopf und murmelte etwas Unh�rbares. Er schaute immer wieder zu den Aes Sedai hin�ber. Zweifellos w�rde er am Abend behaupten, etwas �hnliches schon zuvor erlebt zu haben, nur in viel gr��erem Ausma�.</p><p>�Ich glaube, wir sollten von jetzt an allein Weiterreisen�, sagte Thom leise. Juilin nickte grimmig.</p><p>�Wenn es notwendig wird�, erwiderte Mat. Kleine Gruppen w�rden jenen auffallen, die auf der Jagd nach Tuon waren, nach der entf�hrten Erbin des seanchanischen Kaiserreichs, sonst h�tte er den Zirkus schon vor langer Zeit verlassen. Ohne den Wanderzirkus als Deckung in Sicherheit zu gelangen w�rde viel gef�hrlicher sein, aber man konnte es schaffen. Aber er w�rde es nicht schaffen, die Meinung dieser Leute zu �ndern. Ein Blick in jedes dieser ver�ngstigten Gesichter verriet ihm, dass er dazu nicht genug Gold hatte. Vermutlich gab es dazu nicht genug Gold auf der ganzen Welt.</p><p>Luca h�rte schweigend zu, in einen hellroten Umhang geh�llt, bis die Energie der meisten Artisten verbraucht war. Als ihr Geschrei abebbte, warf er den Umhang zur�ck und begab sich mitten unter sie. Jetzt gab es keine gro�en Gesten. Hier schlug er einem Mann auf die Schulter, dort sah er einer Frau ernst in die Augen. Die Landstra�en? Sie w�rden sich durch den Fr�hlingsregen in Schlamm verwandelt haben, mehr Bach als Stra�e sein. Es w�rde doppelt so lange dauern, Lugard auf diese Weise zu erreichen, dreimal so lang, vielleicht sogar l�nger. Mat blieb beinahe die Luft weg, als er Luca Schnelligkeit zu einem Argument machen h�rte. Aber er hatte sich kaum warm geredet. Er sprach von der M�he, stecken gebliebene Wagen flottzumachen, f�hrte seinen Zuh�rern plastisch vor Augen, wie sie sich anstrengen mussten, um den Gespannen durch Morast zu helfen, der beinahe bis zu den Radnaben reichte. Nicht einmal eine Landstra�e w�rde so schlimm sein, aber er lie� es sie sehen. Oder zumindest lie� er es Mat sehen. Zwischen diesen abseits gelegenen Stra�en w�rde es nur wenige St�dte geben, die D�rfer gr��tenteils winzig. Wenige Orte, um auftreten zu k�nnen, und es w�rde schwer fallen, so viele Menschen mit Nahrung zu versorgen. Das sagte er, w�hrend er ein kleines M�dchen nicht �lter als sechs Jahre traurig anl�chelte, das aus dem Schutz der R�cke seiner Mutter zu ihm hochschaute, und man wusste einfach, wie er es sich hungrig und nach Essen bettelnd vorstellte. Mehr als nur eine Frau zog ihre Kinder enger an sich.</p><p>Was nun Amadicia und Tarabon, und ja, auch Ghealdan anging, dort w�rden sie gute Orte finden, um dort auftreten zu k�nnen. Valan Lucas Gro�er Wanderzirkus und Pr�chtige Zuschaustellung von Mysterien und Wundern w�rde diese L�nder besuchen und riesige Mengen anziehen. Eines Tages. Aber um jetzt dorthin zu kommen, m�ssten sie zuerst nach Ebou Dar zur�ckkehren, auf demselben Weg, den sie in den letzten Wochen genommen hatten, vorbei an denselben St�dten, wo es unwahrscheinlich war, dass die Leute Geld daf�r ausgeben w�rden, sich etwas anzusehen, das sie erst vor kurzem gesehen hatten. Ein langer Weg, und jeden Tag w�rden die Geldbeutel von allen leerer und ihr Bauch hungriger. Oder sie konnten nach Lugard eilen.</p><p>An dieser Stelle trat neue Energie in seine Stimme. Er gestikulierte, aber nicht �berschw�nglich. Er ging noch immer zwischen ihnen umher, aber sein Schritt war lebhafter. Lugard war eine pr�chtige Stadt. Verglichen mit Lugard war Ebou Dar ein Dorf. Lugard war wahrhaft eine <emphasis>der</emphasis> gro�en St�dte, so bev�lkert, dass sie dort den ganzen Fr�hling bleiben konnten und stets neue Zuschauer haben w�rden. Mat war noch nie in Lugard gewesen, aber er hatte geh�rt, dass es eine halbe Ruine war, mit einem K�nig, der es sich nicht leisten konnte, die Stra�en sauber zu halten, aber Luca lie� es wie Caemlyn klingen. Bestimmt kannten einige der Leute die Stadt, aber sie h�rten gebannt zu, als er Pal�ste beschrieb, die den Tarasin-Palast in Ebou Dar wie eine H�tte aussehen lie�en, als er von in Seide gekleideten Adligen sprach, die scharenweise kommen w�rden, um ihre Auftritte zu sehen oder sie sogar f�r Privatvorstellungen mieten w�rden. Bestimmt w�rde K�nig Roedran das wollen. War einer von ihnen jemals vor einem K�nig aufgetreten? Sie w�rden es tun. Sie w�rden es tun. Von Lugard w�rde es nach Caemlyn weitergehen, eine Stadt, die Lugard wie die Imitation einer Stadt aussehen lassen w�rde. Caemlyn, eine der gr��ten und reichsten St�dte der Welt, wo sie den ganzen Sommer vor nicht enden wollenden Menschenmassen auftreten w�rden.</p><p>�Ich w�rde diese St�dte gern sehen�, sagte Tuon und lenkte Akein n�her an Pips. �Werdet Ihr sie mir zeigen, Spielzeug?� Selucia hielt den Falben an Tuons H�fte. Die Frau sah durchaus beherrscht aus, aber zweifellos war sie von dem ersch�ttert, was sie gesehen hatte.</p><p>�Vielleicht Lugard. Dort kann ich eine M�glichkeit finden, Euch nach Ebou Dar zur�ckzuschicken.� Mit einem gut bewachten Kaufmannszug und so vielen verl�sslichen Leibw�chtern, wie er anheuern konnte. Vielleicht war Tuon ja so f�hig und gef�hrlich, wie Egeanin gesagt hatte, aber zwei Frauen, die allein unterwegs waren, w�rden von zu vielen als leichte Opfer betrachtet werden, und nicht nur von Stra�enr�ubern. �Vielleicht Caemlyn.� Er w�rde m�glicherweise mehr Zeit daf�r brauchen als von hier nach Lugard.</p><p>�Wir werden sehen, was wir sehen werden�, erwiderte Tuon r�tselhaft, dann tauschte sie mit Selucia Fingerzeichen aus.</p><p><emphasis>Hinter meinem R�ck en �ber mich sprechen, aber direkt vor meiner Nase.</emphasis> Er hasste es, wenn sie das taten. �Luca ist so gut wie ein Gaukler, Thom, aber ich glaube nicht, dass er sie umstimmen wird.�</p><p>Thom schnaubte ver�chtlich und strich sich den langen wei�en Schnurrbart. �Er ist nicht schlecht, das muss ich ihm lassen, aber er ist kein Gaukler. Aber ich w�rde sagen, er hat sie in der Tasche. Eine Wette, mein Junge? Sagen wir eine Goldkrone?�</p><p>Mat �berraschte sich selbst, indem er lachte. Er war fest �berzeugt gewesen, nicht wieder lachen zu k�nnen, bevor er das Bild des in die Stra�e versinkenden Hausierers aus dem Kopf bekam. Und die Pferde. Er konnte sie beinahe noch immer schreien h�ren, laut genug, dass sie fast die W�rfel �bert�nten. �Du willst mit <emphasis>mir</emphasis> wetten? Also gut. Einverstanden.�</p><p>�Ich w�rde nicht mit dir w�rfeln�, sagte Thom trocken, �aber ich erkenne einen Mann, der eine Menge umstimmen kann, wenn ich ihn sehe. Ich habe das schon selbst gemacht.�</p><p>Luca kam mit Caemlyn zu einem Ende und sammelte sich mit einem Funken seiner �blichen Prahlerei. Der Mann stolzierte. �Und von dort�, verk�ndete er, �nach Tar Valon. Ich werde Schiffe mieten, die uns alle transportieren.� Mat konnte nicht glauben, was er da h�rte. Luca w�rde <emphasis>Schiff e</emphasis> mieten ? Luca, der geizig genug war, um M�use f�r den Talg durch die M�hle zu drehen? �Es werden solche Menschenmengen nach Tar Valon kommen, dass wir den Rest unseres Lebens in der Pracht dieser riesigen Stadt verbringen k�nnten, wo von Ogier gebaute L�den wie Pal�ste erscheinen und die Pal�ste jenseits aller Beschreibungen sind. Herrscher, die Tar Valon zum ersten Mal sehen, schluchzen, dass ihre St�dte D�rfer sind und ihre eigenen Pal�ste nicht mehr als Bauernh�tten. Die Wei�e Burg selbst erhebt sich in Tar Valon, vergesst das nicht, das h�chste Geb�ude der Welt. Die Amyrlin wird uns bitten, vor ihr aufzutreten. Wir haben drei Aes Sedai in Not Unterschlupf gew�hrt. Wer glaubt, dass sie etwas anderes tun werden, als zu unseren Gunsten mit der Amyrlin zu sprechen?�</p><p>Mat schaute �ber die Schulter und sah, dass die drei Schwestern nicht l�nger auf der Wiese herumwanderten, wo das Dorf gestanden hatte. Stattdessen standen sie Seite an Seite auf der Stra�e und beobachteten ihn, perfekte Abbilder der Aes Sedai-Gelassenheit. Nein, sie beobachteten gar nicht ihn. Sie musterten Tuon. Die drei hatten sich einverstanden erkl�rt, sie nicht mehr zu bel�stigen, und als Aes Sedai waren sie dadurch gebunden, aber wie weit galt das Wort einer Aes Sedai jemals? Sie fanden st�ndig Wege, um den Eid, der ihnen das L�gen verbot, zu umgehen. Also w�rde Tuon Caemlyn nicht zu sehen bekommen, und vermutlich auch nicht Lugard. Vermutlich w�rde es in beiden St�dten Aes Sedai geben. G�be es etwas Einfacheres f�r Joline und die anderen, als diese Aes Sedai dar�ber zu informieren, dass Tuon eine seanchanische Hochlady war? Aller Wahrscheinlichkeit nach w�rde Tuon auf dem Weg nach Tar Valon sein, bevor er blinzeln konnte. Nat�rlich als �Gast�, um dabei zu helfen, die K�mpfe zu beenden. Zweifellos w�rden viele behaupten, dass es f�r das Allgemeinwohl sein w�rde, dass er sie selbst h�tte �bergeben und ihnen sagen sollen, wer sie wirklich war, aber er hatte sein Wort gegeben. Er fing an zu �berlegen, wie weit er sich an Lugard heranwagen konnte, bevor er f�r sie einen R�ckweg nach Ebou Dar finden musste.</p><p>Luca hatte es schwer, Tar Valon noch gro�artiger als Caemlyn zu schildern, und falls sie jemals nach Tar Valon kommen sollten, k�nnte es einige entt�uschen, die Stadt mit seinen verr�ckten Beschreibungen zu vergleichen � die Wei�e Burg tausend Schritte hoch? Von Ogiern gebaute Pal�ste von der Gr��e kleiner Berge? Er behauptete allen Ernstes, dass es in der Stadt ein <emphasis>Stedding</emphasis> der Ogier gab! �, aber schlie�lich bat er um Handzeichen, wer weiterfahren wollte. Jede Hand schoss in die H�he, selbst die der Kinder, und eine Gegenprobe war �berfl�ssig.</p><p>Mat zog einen Geldbeutel aus der Manteltasche und �berreichte eine Ebou Dari-Krone. �Ich habe es noch nie mehr enossen zu verlieren, Thom.� Nun ja, er verlor nie gern, aber in diesem Augenblick war es besser, als zu gewinnen. Thom nahm sie mit einer Verbeugung entgegen. �Ich laube, die verwahre ich als Andenken�, sagte er und lie� die fette Goldm�nze �ber den Fingerr�cken tanzen. �Um mich daran zu erinnern, dass selbst der Mann mit dem gr��ten Gl�ck auf der Welt verlieren kann.�</p><p>Trotz aller emporgereckter H�nde gab es ein gewisses Z�gern, den Stra�enabschnitt vor ihnen zu �berqueren. Nachdem Luca seinen Wagen wieder auf die Stra�e gelenkt hatte, sa� er da und starrte geradeaus, w�hrend Latelle seinen Arm so fest umklammert hielt, wie sich Amathera an Juilin festgeklammert hatte. Schlie�lich murmelte er etwas, das m�glicherweise ein Fluch gewesen war, und trieb sein Gespann mit den Z�geln an. Als sie die fatale Stelle erreichten, galoppierten die Pferde, und Luca behielt das Tempo bei, bis sie weit hinter dem Teil mit den Pflastersteinen waren. Es war das Gleiche bei jedem anderen Wagen. Eine Pause, das Warten, bis der vorherige Wagen es geschafft hatte, dann knallende Z�gel und ein harter Galopp. Mat holte selbst tief Luft, bevor er Pips antrieb. Im Schritttempo, nicht im Galopp, aber es fiel schwer, ihm nicht die Fersen in die Flanken zu rammen, vor allem, als er an dem Hut des Hausierers vorbeikam. Tuons dunkles Gesicht und Selucias blasses zeigten nicht mehr Gef�hle als das einer Aes Sedai.</p><p>�Eines Tages werde ich Tar Valon sehen�, sagte Tuon ruhig auf halbem Weg. �Ich werde es vermutlich zu meiner Hauptstadt machen. Ich werde mir von Euch die Stadt zeigen lassen, Spielzeug. Ihr seid dort gewesen?�</p><p>Beim Licht! Sie war eine z�he kleine Frau. Wundersch�n, aber eisenhart.</p><p>Nachdem Luca nach seinem Galopp wieder langsamer geworden war, legte er ein schnelles Schritttempo vor statt dem gew�hnlichen Trotten des Zirkus. Die Sonne sank tiefer, und sie passierten mehrere Wiesen am Stra�enrand, die gro� genug waren, um den Wagen Platz zu bieten, aber Luca trieb sie an, bis sich ihre Schatten ihnen weit voraus erstreckten und die Sonne eine dicke rote Kugel am Horizont war. Und selbst dann sa� er da, hielt die Z�gel fest und schaute auf eine grasige Fl�che neben der Stra�e.</p><p>�Es ist nur ein Feld�, sagte er schlie�lich, viel zu laut, und lenkte sein Gespann darauf zu.</p><p>Mat begleitete Tuon und Selucia zu dem purpurnen Wagen, sobald die Pferde Metwyn �bergeben worden waren, aber an diesem Abend gab es weder eine Mahlzeit noch eine Partie Steine.</p><p>�Das ist ein Abend f�r das Gebet�, sagte sie zu ihm, bevor sie mit ihrer Dienerin hineinging. �Wisst Ihr gar nichts, Spielzeug? Dass die Toten wandeln, ist ein Zeichen, dass Tarmon Gai'don nahe ist.� Das hielt er f�r keinen ihrer Aberglauben; schlie�lich hatte er etwas �hnliches gedacht. Er hielt nicht viel vom Beten, und doch betete er gelegentlich. Manchmal konnte man nichts anderes tun.</p><p>Niemand wollte schlafen, also brannten die Lampen noch sp�t im ganzen Lager. Und niemand wollte allein sein. Mat a� allein in seinem Zelt, mit wenig Appetit und dem Klappern der W�rfel lauter als je zuvor in seinem Kopf, aber kurz nachdem er fertig war, kam Thom zu einer Partie Steine, und kurz darauf Noal. Lopin und Nerim schauten alle paar Minuten vorbei, verbeugten sich und fragten, ob Mat und die anderen etwas wollten, aber nachdem sie Wein und Becher gebracht hatten � Lopin trug einen gro�en Tonkrug und brach das Wachssiegel; Nerim trug die Becher auf einem Holztablett �, befahl ihnen Mat, nach Harnan und den anderen Soldaten zu sehen.</p><p>�Ich bezweifle nicht, dass sie sich betrinken, was ich f�r eine gute Idee halte�, sagte er. �Das ist ein Befehl. Sagt ihnen, ich h�tte befohlen, ihn zu teilen.�</p><p>Lopin verneigte sich ernst. �Ich habe dem Kolonnenf�hrer gelegentlich geholfen, indem ich ein paar Dinge f�r ihn besorgt habe, mein Lord. Ich erwarte, dass er mit dem Branntwein gro�z�gig sein wird. Komm mit, Nerim. Lord Mat will, dass wir uns betrinken, und du wirst dich mit mir betrinken, und wenn ich mich auf dich draufsetzen und dir den Branntwein in den Hals sch�tten muss.� Das schmale Gesicht des abstin�sen Cairhieners wurde vor Missbilligung ganz spitz, aber er verbeugte sich und folgte dem Tairener geschwind nach drau�en. Mat glaubte nicht, dass sich Lopin auf den Mann w�rde draufsetzen m�ssen, nicht an diesem Abend.</p><p>Juilin kam mit Amathera und Olver, also wurden auf dem Boden Spielbretter f�r Schlangen und F�chse ausgelegt zus�tzlich zu der Partie Steine auf dem kleinen Tisch. Amathera erwies sich als brauchbare Steine-Spielerin, aber das war wenig �berraschend, war sie doch einst eine Herrscherin gewesen, aber ihr Schmollmund wurde zusehends schmallippiger, als sie und Olver bei Schlangen und F�chsen verlor, dabei gab es bei diesem Spiel nie einen Gewinner. Andererseits vermutete Mat, dass sie keine gute Herrscherin gewesen war. Wer immer nicht spielte, sa� auf der Pritsche. Mat sah von hier aus den Spielern zu, wenn er an der Reihe war, so wie Juilin, wenn Amathera spielte. Er lie� sie nur selten aus den Augen, au�er er war an der Reihe. Noal erz�hlte unentwegt seine Geschichten � aber er spann sein Garn beim Spielen, und das Reden schien keinen Einfluss auf seine Fertigkeiten als Spieler zu haben �, w�hrend Thom dasa� und den Brief las, den Mat ihm vor scheinbar so langer Zeit gebracht hatte. Das Blatt wies tiefe Falten auf, weil Thom es in seiner Manteltasche trug, und es hatte viele Flecken vom h�ufigen Lesen. Er sagte, der Brief w�rde von einer Toten stammen.</p><p>Es war eine �berraschung, als Domon und Egeanin eintraten. Sie waren Mat seit seinem Auszug aus dem gr�nen Wagen nicht gerade aus dem Weg gegangen, aber sie hatten sich auch keine M�he gegeben, ihm zu begegnen. Wie alle anderen auch trugen sie bessere Kleidung als zu Anfang ihrer Verkleidungen. Egeanins Reitrock und der Mantel mit dem hohen Kragen, beides aus blauer Wolle und am Saum und den �rmeln mit einem Gelb bestickt, das fast schon Gold war, hatten fast schon etwas von einer Uniform an sich, w�hrend Domon in einem gut geschnittenen braunen Mantel und direkt unterhalb der Knie in die umgeschlagenen Stiefelsch�fte gestopften Pluderhosen jeden Zoll wie ein erfolgreicher, wenn auch nicht unbedingt wohlhabender illianischer Kaufmann aussah.</p><p>In dem Moment, in dem Egeanin eintrat, kr�mmte sich Amathera, die gerade mit Olver auf der Bodenplane sa�, augenblicklich auf den Knien zu einer Kugel zusammen. Juilin seufzte und stand von dem Hocker auf der Mat gegen�berliegenden Tischseite auf, aber Egeanin erreichte die Frau zuerst.</p><p>�Dazu besteht keine Notwendigkeit, weder f�r mich noch f�r andere�, sagte sie, b�ckte sich, nahm Amathera bei den Schultern und zog sie auf die F��e. Amathera erhob sich nur z�gernd und hielt den Blick zu Boden gerichtet, bis Egeanin ihr die Hand unter das Kinn legte und ihren Kopf sanft nach oben dr�ckte. �Ihr seht mir in die Augen. Ihr seht allen in die Augen.� Die Tarabonerin befeuchtete nerv�s die Lippen, aber sie blickte Egeanin direkt ins Gesicht, als die Hand von ihrem Kinn entfernt wurde. Doch ihre Augen waren weit aufgerissen.</p><p>�Das ist eine Ver�nderung�, sagte Juilin misstrauisch. Und mit einer Spur Ver�rgerung. Er stand so steif da wie eine dunkle Holzstatue. Er verabscheute alle Seanchaner f�r das, was sie Amathera angetan hatten. �Ihr habt mich einen Dieb genannt, weil ich sie befreit habe.� Darin war mehr als nur eine Spur �rger. Er hasste Diebe. Und Schmuggler wie Domon.</p><p>�Alle Dinge ver�ndern sich im Laufe der Zeit�, sagte Domon jovial und l�chelte, um weitere erhitzte Worte abzuwehren. �Nun, Ihr seht wie ein ehrlicher Mann aus, Meister Diebef�nger. Bevor Leilwin eingewilligt hat, meine Frau zu werden, hat sie mir das Versprechen abgerungen, mit dem Schmuggeln aufzuh�ren. Gl�ck stich mich, wer hat je von einer Frau geh�rt, die sich weigert, einen Mann zu heiraten, es sei denn, er w�rde ein lukratives Handwerk aufgeben?� Er lachte, als w�re das der beste Witz der Welt.</p><p>Egeanin schlug ihm hart genug mit der Faust in die Rippen, um sein Lachen in ein Grunzen zu verwandeln. Dank seiner Heirat mussten seine Rippen ein einziger blauer Fleck sein. �Ich erwarte, dass du dein Versprechen h�ltst, Bayle. Ich �ndere mich, und du musst das auch tun.� Nach einem schnellen Blick auf Amathera � vielleicht um sich zu vergewissern, dass sie noch immer gehorchte; Egeanin legte viel Wert darauf, dass andere das taten, was sie ihnen befahl � hielt sie Juilin die Hand hin. �Ich �ndere mich, Meister Sandar. Wollt Ihr das auch tun?�</p><p>Juilin z�gerte, dann nahm er ihre Hand. �Ich werde es versuchen.� Er klang nicht gerade �berzeugt.</p><p>�Ein ehrlicher Versuch, um mehr bitte ich nicht.� Sie blickte sich stirnrunzelnd in dem Zelt um, dann sch�ttelte sie den Kopf. �Ich habe Orlopdecks gesehen, die nicht so bev�lkert waren. Wir haben einen anst�ndigen Wein in unserem Wagen, Meister Sandar. Wollt Ihr und Eure Dame Euch auf einen Becher oder zwei zu uns gesellen?�</p><p>Wieder z�gerte Juilin. �Er hat das Spiel fast gewonnen�, sagte er schlie�lich. �Sinnlos, es herauszuz�gern.� Er st�lpte sich den konischen roten Hut auf den Kopf, richtete unn�tigerweise seinen dunklen, weit geschnittenen tairenischen Mantel und bot Amathera den Arm. Sie ergriff ihn fest, und obwohl ihr Blick noch immer auf Egeanins Gesicht gerichtet war, zitterte sie sichtlich. �Ich nehme an, dass Olver hier bleiben und sein Spiel zu Ende spielen will, aber meine Dame und ich werden gern mit Euch und Eurem Gemahl Wein trinken, Frau Schiffslos.� In seinem Blick lag der Hauch einer Herausforderung. F�r ihn war es klar, dass Egeanin mehr tun musste, um zu beweisen, dass sie Amathera nicht l�nger als gestohlenen Besitz betrachtete.</p><p>Egeanin nickte, als w�rde sie das genau verstehen. �Das Licht leuchte auf Euch diese Nacht, und f�r alle Tage und N�chte, die uns noch bleiben�, sagte sie zu den anderen als eine Art Abschiedsgru�. Wie aufmunternd von ihr.</p><p>Die vier waren gerade gegangen, da krachte ein Donnerschlag am Himmel. Er wiederholte sich, und Regen prasselte auf das Zeltdach und wurde schnell zu einem Wolkenbruch, der auf die gr�n gestreifte Zeltplane trommelte. Wenn Juilin und die anderen nicht gerannt waren, w�rden sie ihren Wein durchn�sst trinken.</p><p>Noal nahm den Platz gegen�ber von Olver ein und f�hrte Amatheras Spiel fort, warf die W�rfel f�r die Schlangen und F�chse. Die schwarzen Scheiben, die jetzt f�r ihn und Olver standen, befanden sich nun am Rand des mit einem Netz bemalten Tuchs, aber es war offensichtlich, dass sie es nicht schaffen w�rden. Zumindest f�r jeden au�er Olver. Er st�hnte laut, als eine helle Scheibe auf eine Schlangenlinie kam, seinen Spielstein ber�hrte, und er st�hnte erneut, als eine mit einem Dreieck markierte Scheibe Noals ber�hrte.</p><p>Noal machte da mit der Geschichte weiter, wo er bei Egeanins und Domons Eintreten aufgeh�rt hatte, einer angeblichen Reise auf einem Schiff des Meervolks. �Die Frauen der Atha'an Miere sind die anmutigsten auf der ganzen Welt�, sagte er und schob die schwarzen Scheiben zur�ck in den Kreis in der Spielfeldmitte, �noch mehr als die Domani, und du wei�t, das will schon etwas hei�en. Und wenn sie au�er Sicht vom Land sind, dann�� Er unterbrach sich abrupt und r�usperte sich, betrachtete Olver, der die Schlangen und F�chse an den Ecken der Spielfl�che aufstapelte.</p><p>�Was machen sie dann?�, fragte Olver.</p><p>�Nun�� Noal rieb sich mit einem krummen Finger die Nase. �Nun, sie klettern so flink in der Takelage herum, dass man glauben k�nnte, sie h�tten H�nde, wo ihre F��e sein sollten. Das tun sie.� Olver staunte, und Noal stie� einen leisen Seufzer der Erleichterung aus.</p><p>Mat fing an, die schwarzen und wei�en Steine von dem Spielbrett auf dem Tisch zu entfernen und verstaute sie in zwei Holzk�stchen. Die W�rfel in seinem Kopf klapperten laut herum und �bert�nten selbst den Donner drau�en.</p><p>�Noch eine Partie, Thom?�</p><p>Der wei�haarige Mann sah von seinem Brief auf. �Ich glaube nicht, Mat. Meine Gedanken stecken heute in einem Labyrinth.�</p><p>�Wenn dich die Frage nicht st�rt, Thom, warum liest du den Brief auf diese Weise? Ich meine, manchmal sieht dein Gesicht aus, als wolltest du herausfinden, was er bedeutet.� Olver jubelte bei einem guten Wurf auf.</p><p>�Das liegt daran, dass ich das tue. In gewisser Weise. Hier.�</p><p>Er streckte den Brief aus, aber Mat sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das geht mich nichts an, Thom. Es ist dein Brief, und ich bin nicht gut bei R�tselspielen.�</p><p>�Oh, aber es geht dich sehr wohl etwas an. Moiraine schrieb ihn kurz bevor� Nun, sie hat ihn geschrieben.�</p><p>Mat starrte ihn lange an, bevor er das zerknitterte Blatt nahm, und als sein Blick auf die verschmierte Tinte fiel, blinzelte er. Kleine pr�zise Schrift bedeckte das Blatt, aber es begann mit �Mein lieber Thom�. Wer h�tte je gedacht, dass ausgerechnet Moiraine von allen Leuten den alten Thom Merrilin so ansprechen w�rde? �Thom, das ist pers�nlich. Ich glaube nicht, dass ich��</p><p>�Lies ihn�, unterbrach Thom ihn. �Du wirst schon sehen.�</p><p>Mat holte tief Luft. Ein Brief von einer toten Aes Sedai, der ein R�tsel war und ihn betraf? Pl�tzlich wollte er alles andere, als diesen Brief zu lesen. Aber er fing trotzdem an. Es reichte fast, dass ihm die Haare zu Berge standen.</p><cite><p>Mein lieber Thom , es gibt viele Worte, die ich dir gern schreiben w�rde, Worte aus meinem Herzen, aber ich habe das hier vor mir herg eschoben, weil ich wusste, dass ich es tun muss, und jetzt bleibt nur noch wenig Zeit. Es gibt viele Dinge, die ich dir nicht sagen kann, ohne Unheil zu verursachen, aber ich werde dir sagen, was ich kann. H�re sorg f�ltig auf das, was ich dir sagen werde. In K�rze werde ich zu den Docks hinuntergehen, und dort werde ich Lanfear konfront ieren.</p><p>Wie kann ich das wissen? Dieses Geheimnis geh�rt anderen. Es muss reichen, dass ich es wei�, nimm dieses Vorherwissen als Beweis f�r den Rest dessen, was ich dir mitteile.</p><p>Wenn du diesen Brief bekommst, wird man dir sagen, dass ich tot bin. Alle werden das glauben. Ich bin nicht tot, und es kann sein, dass ich die mir vorher best im mt en fahre leben werde. Es kann auch sein, dass du und Mat Cauthon und noch jemand, ein Mann, den ich nicht kenne, versuchen werdet , mi ch zu retten. Es versuchen werdet, sage ich, denn es kann sein , dass du es nicht machen wirst oder kannst, oder we i l Mat sich weigern wird. Er teilt nicht die Zuneigung, die du zu hegen scheinst, under hat seine Gr�nde, die er zweifellos f�r gut h�lt. Wenn du es versuchst, m�ssen es nur du, Mat und der andere sein. Mehr werden f�r alle den Tod bedeuten. Weniger werden f�r alle den Tod bedeuten. Selbst wenn du nur mit Mat und einem anderen kommst, kann der Tod kommen. Ich habe gesehen, wie du es versuchst und stirbst, einer, zwei oder alle drei. Ich habe mich selbst bei dem Versuch sterben sehen. Ich habe uns alle �berleben und als Gefangene sterben sehen.</p><p>Solltest du dich dennoch entscheiden, den Versuch zu wagen, der junge Mat wei�, wie er mich finden kann, aber du darfst ihm den Brief nicht zeigen, bevor er danach fragt .</p><p>Das ist von entscheidender Bedeutung. Er darf nicht wissen, was in diesem Brief steht, bevor er danach fragt. Die Geschehnisse m�ssen auf bestim mte We ise ihren Verlauf neh me n , ega l , was es auch kostet .</p><p>Solltest du Lan wiedersehen, richte ihm aus, dass es besser so ist. Sein Schicksal folgt einem ande re n Weg als das meine. Ich w�nsche ihm alles Gl �ck mit Nynaeve.</p><p>Noch etwas. Erinnere dich daran, was du �ber das Spiel Schlangen und F�chse wei�t. Erinnere dich und h�r darauf.</p><p>Es ist Zeit, und ich muss tun, was getan werden muss .</p><p>M�ge dich das Licht erleuchten und dir Freude schenken , mein liebster Thom , ob wir uns nun wiedersehen oder nicht.</p><text-author>Moiraine</text-author></cite><p>Es donnerte, als er zum Ende kam. Das passte. Kopfsch�ttelnd gab er den Brief zur�ck. �Thom�, sagte er leise. �Lans Bund mit ihr wurde gebrochen. Das kann nur durch den Tod passieren. Er hat <emphasis>gesagt ,</emphasis> dass sie tot ist.�</p><p>�Und in ihrem Brief steht, dass jeder das glauben w�rde.</p><p>Sie hat es gewusst, Mat. Sie hat alles vorher gewusst.�</p><p>�Das mag schon sein, aber Moiraine und Lanfear betraten dieses T�rrahmen-Ter'angrea/, und es ist geschmolzen. Das Ding war aus Rotstein, oder schien zumindest aus Stein zu sein, Thom, und doch ist es wie Wachs geschmolzen. Ich habe es <emphasis>gesehen .</emphasis> Sie ist dort, wo immer die Eelfinn sind, und selbst wenn sie noch am Leben ist, gibt es f�r uns keinen Weg mehr, dorthin zu gelangen.�</p><p>�Der Turm von Ghenjei�, sagte Olver, und die drei Erwachsenen wandten die K�pfe und starrten ihn an. �Birgitte hat es mir erz�hlt�, wehrte er ab. �Der Turm von Ghenjei ist der Weg zu den L�ndern der Aelfinn und den Eelfinn.� Er machte das Zeichen, mit dem eine Partie Schlangen und F�chse begann, ein in die Luft gezeichnetes Dreieck, durch das man eine Wellenlinie zog. �Sie kennt sogar noch mehr Geschichten als du, Meister Charin.�</p><p>�Das ist doch nicht etwa Birgitte Silberbogen, oder?�, sagte Noal trocken.</p><p>Der Junge sah ihn geradeheraus an. �Ich bin kein Kleinkind, Meister Charin. Aber sie ist sehr gut mit dem Bogen, also ist sie es vielleicht. Die wiedergeborene Birgitte, meine ich.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass das m�glich ist�, sagte Mat. �Ich habe auch mit ihr gesprochen, wei�t du, und das Letzte, was sie will, ist irgendeine Art von Heldin zu sein.� Er hielt seine Versprechen, und Birgittes Geheimnisse waren bei ihm sicher. �Aber wie dem auch sei, das Wissen �ber diesen Turm hilft nicht viel, es sei denn, sie hat dir erz�hlt, wo er steht.� Olver sch�ttelte traurig den Kopf, und Mat beugte sich herab, um ihm das Haar zu zerzausen. �Nicht deine Schuld, Junge. Ohne dich w�ssten wir nicht einmal, dass er existiert.� Das schien nicht viel zu helfen. Olver starrte das rote Tuch mit dem Spielfeld niedergeschlagen an.</p><p>�Der Turm von Ghenjei�, sagte Noal, setzte sich mit untergeschlagenen Beinen hin und zog den Mantel zurecht.</p><p>�Diese Geschichte kennen heute nicht mehr viele. Jain hat immer gesagt, dass er eines Tages danach suchen w�rde. Irgendwo an der Schattenk�ste, sagte er.�</p><p>�Das ist immer noch ein gro�es Gebiet.� Mat schob den Deckel auf eines der K�stchen. �Es zu durchsuchen k�nnte Jahre dauern.� Jahre, die sie nicht hatten, wenn Tuon Recht behielt, und er war davon �berzeugt, dass es so war.</p><p>Thom sch�ttelte den Kopf. �Sie sagt, du wei�t es, Mat.</p><p>�Mat wei�, wie er mich finden kann.� Ich bezweifle doch sehr, dass sie es einfach so geschrieben h�tte.�</p><p>�Nun, ich kann nichts daran �ndern, was sie schreibt, oder? Ich habe bis heute Abend noch nie etwas von einem Turm von Ghenjei geh�rt.�</p><p>�Schade.� Noal seufzte. �Ich h�tte ihn gern gesehen, etwas, das der verfluchte Jain Fernstreicher nie geschafft hat. Ihr k�nnt genauso gut aufgeben�, f�gte er hinzu, als Thom den Mund �ffnete. �Er h�tte ihn nicht vergessen, wenn er ihn gesehen h�tte, und selbst wenn er den Namen nie geh�rt hat, h�tte er daran denken m�ssen, als er von einem seltsamen Turm h�rte, der Menschen in andere L�nder l�sst. Das Ding funkelt wie polierter Stahl, wie man mir erz�hlt hat, ist zweihundert Fu� hoch und vierzig dick, und es gibt keinen Eingang. Wer k�nnte vergessen, so etwas gesehen zu haben?�</p><p>Mat wurde ganz still. Sein schwarzes Tuch schien auf die Strangnarbe zu dr�cken, und die Narbe selbst f�hlte sich pl�tzlich hei� und frisch an. Das Atmen fiel ihm schwer.</p><p>�Wenn es keine �ffnung gibt, wie kommen wir dann rein?�, wollte Thom wissen.</p><p>Noal zuckte mit den Schultern, aber Olver meldete sich wieder zu Wort. �Birgitte sagt, man macht irgendwo an der Seite mit einem Bronzemesser das Zeichen.� Er vollf�hrte das Zeichen, mit dem das Spiel begann, in der Luft. �Sie sagt, es muss ein Bronzemesser sein. Macht das Zeichen, und eine T�r �ffnet sich.�</p><p>�Was hat sie dir sonst noch erz�hlt��, begann Thom, unterbrach sich aber dann stirnrunzelnd. �Mat, was ist mit dir? Du siehst aus, als w�rde dir etwas im Hals stecken.�</p><p>Es war sein Erinnerungsverm�gen, das ihm zu schaffen machte, und dieses eine Mal waren es nicht die Erinnerungen eines anderen Mannes. Die hatte man in ihn hineingestopft, um die L�cher in seiner eigenen Erinnerung zu f�llen, was sie taten und sogar mehr; zumindest hatte es den Anschein. Er erinnerte sich deutlich an mehr Tage, als er gelebt hatte. Aber ganze Phasen seines Lebens waren ihm verloren gegangen, und andere waren wie mottenzerfressene Decken oder schattenhaft und dunkel. Er hatte nur ungenaue Erinnerungen an die Flucht aus Shadar Logoth, genau wie an die Fahrt auf Domons Flussschiff, aber eine Sache, die er auf dieser Reise gesehen hatte, stach hervor. Ein Turm, der wie polierter Stahl schimmerte? Etwas im Hals stecken? Sein ganzer Magen wollte sich entleeren.</p><p>�Ich glaube, ich wei�, wo dieser Turm ist, Thom. Das hei�t, Domon wei� es. Aber ich kann dich nicht begleiten. Die Eelfinn werden wissen, dass ich komme, vielleicht auch die Aelfinn. Soll man mich doch zu Asche verbrennen, m�glicherweise wissen sie schon �ber diesen Brief Bescheid, weil ich ihn gelesen habe. Sie k�nnten jedes Wort wissen, das wir gesagt haben. Man kann ihnen nicht vertrauen. Sie werden jeden Vorteil nutzen, wenn sie k�nnen, und wenn sie wissen, dass du kommst, werden sie sich vorbereiten. Sie werden dir die Haut abziehen und daraus einen Gurt machen.� Die Erinnerungen an sie waren seine eigenen, aber sie reichten mehr als genug aus, um diese Einsch�tzung zu unterst�tzen.</p><p>Sie starrten ihn an, als h�tte er den Verstand verloren, selbst Olver. Er musste ihnen von seinen Begegnungen mit den Aelfinn und den Eelfinn erz�hlen. Zumindest so viel wie n�tig. Nichts �ber die Antworten, die er von den Eelfinn erhalten hatte, das bestimmt nicht, oder etwas �ber die beiden Geschenke der Aelfinn. Aber er musste �ber die Erinnerungen der anderen M�nner sprechen, um erkl�ren zu k�nnen, wieso er zu dem Schluss gekommen war, dass Aelfinn und Eelfinn jetzt mit ihm in Verbindung standen. Und die hellen Ledergurte, die die Eelfinn trugen; sie erschienen wichtig. Und wie sie versucht hatten, ihn zu t�ten. Das war sehr wichtig. Er hatte ihnen gesagt, er wolle gehen, hatte aber vergessen zu erw�hnen, dass er lebend gehen wollte, also brachten sie ihn hinaus und h�ngten ihn auf. Er nahm sogar das Halstuch ab, um ihnen die Narbe zu zeigen, und die lie� er nur selten jemanden sehen. Die drei h�rten schweigend zu, Thom und Noal konzentriert, w�hrend Olver vor Staunen den Mund nicht mehr zubekam. Abgesehen von seiner Stimme war nur das Prasseln des Regens auf dem Zeltdach zu h�ren.</p><p>�Das alles darf dieses Zelt nicht verlassen�, sagte er abschlie�end. �Aes Sedai haben bereits genug Gr�nde, um mich in die Finger zu kriegen. Wenn sie das mit den Erinnerungen herausfinden, werde ich sie nie loswerden.� W�rde er jemals v�llig von ihnen frei sein? Er fing an zu glauben, dass das nie geschehen w�rde, aber es gab keinen Grund, ihnen einen neuen Anlass zu geben, sich in sein Leben einzumischen.</p><p>�Steht Ihr mit Jain in irgendeiner Verbindung?� Noal hob beschwichtigend die H�nde. �Frieden. Ich glaube Euch. Es ist nur, das schl�gt alles, was ich je getan habe. Oder was Jain je getan hat. H�ttet Ihr etwas dagegen, wenn ich der dritte Mann w�re? Ihr wisst, dass ich sehr n�tzlich sein kann, wenn es mal eng wird.�</p><p>�Soll man mich doch zu Asche verbrennen, ist alles, was ich gesagt habe, in das eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus? Sie werden wissen, dass ich komme. Vielleicht wissen sie ja schon alles!�</p><p>�Und das spielt keine Rolle�, warf Thom ein, �jedenfalls f�r mich nicht. Falls n�tig, gehe ich auch allein. Aber wenn ich das hier richtig lese� � er entfaltete den Brief beinahe z�rtlich � �besteht nur Aussicht auf Erfolg, wenn du einer der drei M�nner bist.� Er setzte sich schweigend auf die Pritsche und blickte Mat in die Augen.</p><p>Mat wollte wegsehen und konnte es nicht. Verdammte Aes Sedai! Die Frau war mit ziemlicher Sicherheit tot, trotzdem versuchte sie noch immer, ihn dazu zu verlocken, ein Held zu werden. Nun, Helden t�tschelte man den Kopf und stie� sie dann beiseite, bis das n�chste Mal ein Held gebraucht wurde, immer vorausgesetzt, sie �berlebten ihre Heldentat. Sehr oft taten Helden das nicht. Er hatte Moiraine nie richtig vertraut, sie nicht einmal besonders gemocht. Nur Narren vertrauten Aes Sedai. Andererseits, ohne sie w�rde er noch immer in den Zwei Fl�ssen leben, den Stall ausmisten und die K�he seines Vaters h�ten. Oder er w�rde tot sein. Und da sa� der alte Thom, sagte nichts, starrte ihn blo� an. Das war das Problem. Er mochte Thom. <emphasis>Oh , B lu t und ver da mmt e As ch e !</emphasis></p><p>�Soll man mich doch als Narr verbrennen�, murmelte er.</p><p>�Ich gehe mit.�</p><p>Ein Donnerschlag krachte ohrenbet�ubend im Einklang mit einem Blitz, der so grell war, dass er durch die Zeltplane schien. Als das Grollen verklang, herrschte in Mats Kopf Totenstille. Der letzte Satz W�rfel war verstummt. Er h�tte weinen k�nnen.</p></section><section><title><p>11</p><p>Eine Spelunke in Maderin</p></title><p>Obwohl an jenem Abend alle sp�t zu Bett gegangen waren, brach der Zirkus am n�chsten Morgen in aller Fr�he auf. Mat schleppte sich schlaftrunken aus seinem Zelt, w�hrend der Himmel noch dunkel war, um M�nner und Frauen vorzufinden, die mit Laternen umhergingen, um alles bereitzumachen, wenn sie nicht sogar liefen, und fast jeder br�llte irgendjemand anderen an, sich schneller zu bewegen. Viele hatten den unsicheren Schritt von Leuten, die nicht geschlafen hatten. Jeder wollte den Ort weit hinter sich lassen, an dem das Dorf vor ihren Augen verschwunden war. Lucas gro�er grellbunter Wagen rollte auf die Stra�e, bevor die Sonne �ber den Horizont gestiegen war, und wieder schlug er ein gutes Tempo an. Zwei Kaufmannskarawanen, die aus etwa zwanzig Wagen bestanden und nach S�den rollten, passierten sie unterwegs, genau wie eine langsame Kesselflickerkarawane, aber niemand fuhr in ihre Richtung. Je weiter, desto besser.</p><p>Mat ritt mit Tuon, und Selucia unternahm keine Anstalten, den Falben zwischen sie zu dr�ngen, aber es gab keine Unterhaltung, ganz egal, wie er sich auch bem�hte, eine in Gang zu bringen. Bis auf den gelegentlichen unleserlichen Blick, wenn er einen Witz erz�hlte, sah Tuon stur geradeaus, und die blaue Umhangkapuze verbarg ihr Gesicht. Nicht einmal Jonglieren erregte ihre Aufmerksamkeit. Da war etwas Missmutiges an ihrem Schweigen, und das bereitete ihm Sorgen. Wenn eine Frau einem Schweigen entgegenbrachte, lauerten f�r gew�hnlich Schwierigkeiten auf einen. Wenn sie missmutig war, dann konnte man das mit dem <emphasis>gew �hn l ic h</emphasis> glatt vergessen. Er bezweifelte, dass das Dorf der Toten der Grund war. Daf�r war sie zu z�h. Nein, da lauerte �rger.</p><p>Kaum eine Stunde nach ihrem Aufbruch kam ein Bauernhof in Sicht, mit Dutzenden schwarzk�pfiger Ziegen, die auf einer gro�en Wiese und in einem Olivenhain grasten. Jungen, die zwischen den Reihen dunkelbl�ttriger Olivenb�ume Unkraut j�teten, lie�en ihre Hacken fallen und eilten zu den Steinmauern, um den vorbeifahrenden Zirkus zu betrachten. Sie wollten aufgeregt wissen, wer sie waren und wo sie hinfuhren und wo sie herkamen. Aus dem gro�en Bauernhaus und zwei Scheunen kamen M�nner und Frauen und beschatteten die Augen, um sich das anzusehen. Mat sah das mit Erleichterung. Die Toten interessierten sich nicht f�r die Lebenden.</p><p>Es gab immer mehr H�fe und Olivenhaine, bis sie nebeneinander standen und zu beiden Seiten den Wald eine Meile weit zur�ckdr�ngten, und ungef�hr in der Mitte des Vormittags erreichte der Wanderzirkus ein wohlhabendes Dorf, das etwas gr��er als Jurador war. Ein langer Kaufmannszug aus Planwagen fuhr durch das Haupttor, an dem ein halbes Dutzend M�nner mit konischen Helmen und Lederm�nteln mit aufgen�hten Stahlpl�ttchen aufpassten. Weitere M�nner mit Armbrusten standen auf den beiden Wacht�rmen auf ihren Posten. Aber wenn der Lord von Maderin, ein gewisser Nathin Sarmain Vendare, �rger erwartete, waren die W�chter das einzige Anzeichen. Bauernh�fe und Olivenhaine reichten bis zu den Steinmauern von Maderin, eine unkluge Praxis, und ziemlich kostspielig, sollte die Stadt jemals verteidigt werden m�ssen. Luca musste mit einem Bauern um das Recht schachern, den Zirkus auf einer ungenutzten Wiese aufstellen zu d�rfen, und er kam zur�ck und murmelte etwas davon, dass er dem Schurken gerade eine neue Ziegenherde oder auch zwei beschert hatte. Aber die Zeltplane wurde bald errichtet, w�hrend Luca jeden antrieb. Sie sollten noch am heutigen Tag auftreten und am fr�hen Morgen Weiterreisen. Am sehr fr�hen Morgen. Niemand beschwerte sich oder sagte auch nur ein unn�tiges Wort. Je weiter, desto besser.</p><p>�Und erz�hlt keinem, was ihr gesehen habt�, mahnte Luca sie mehr als einmal zur Vorsicht. �Wir haben nichts Ungew�hnliches gesehen. Wir wollen die Zuschauer nicht verscheuchen.� Die Leute sahen ihn an, als h�tte er den Verstand verloren. Niemand wollte an das versunkene Dorf oder den Hausierer denken, geschweige denn dar�ber reden.</p><p>Mat sa� in Hemds�rmeln in seinem Zelt und wartete darauf, dass Thom und Juilin von ihrem Abstecher in die Stadt zur�ckkamen, um zu erfahren, ob es hier Seanchaner gab. Er spielte gedankenverloren mit einem Satz W�rfel, die er auf den Tisch warf. Nachdem er zuerst hohe Augenzahlen geworfen hatte, starrten jetzt schon zehnmal hintereinander f�nf einzelne Augen zu ihm hoch; die meisten M�nner betrachteten die Augen des Dunklen K�nigs als einen Wurf, der Pech brachte.</p><p>Selucia schlug den Zelteingang zur�ck und trat ein. Trotz des einfachen braunen Reitrocks und der wei�en Bluse schaffte sie es, wie eine K�nigin auszusehen, die einen Stall betrat. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, einen schmutzigen Stall, obwohl Lopin und Nerim seine Mutter h�tten zufrieden stellen k�nnen, wenn es ums Saubermachen ging.</p><p>�Sie will Euch sehen�, sagte sie gebieterisch und tastete nach ihrem blumengemusterten Kopftuch, um sich zu vergewissern, dass ihr kurzes gelbes Haar bedeckt war. �Kommt.�</p><p>�Was will sie denn von mir?�, sagte er und st�tzte die Ellbogen auf den Tisch. Er streckte sogar die Beine aus und �berkreuzte die Kn�chel. Sobald man eine Frau glauben lie�, dass man sprang, sobald sie rief, erholte man sich nie wieder davon.</p><p>�Sie wird es Euch sagen. Ihr verschwendet Zeit, Spielzeug.</p><p>Sie wird nicht erfreut sein.�</p><p>�Wenn mein Juwel erwartet, dass ich angerannt komme, wenn sie blo� den Finger krumm macht, dann sollte sie lieber lernen, daran Gefallen zu finden, nicht erfreut zu sein.�</p><p>Selucia verzog das Gesicht � auch wenn ihre Herrin den Namen tolerierte, f�r sie blieb es eine pers�nliche Beleidigung � und verschr�nkte die Arme unter dem eindrucksvollen Busen.</p><p>Es war so klar wie gutes Glas, dass sie hier warten wollte, bis er sie begleitete, und er hatte gute Lust, sie lange warten zu lassen. Er w�rfelte. Die Augen des Dunklen K�nigs. Erwarteten von ihm, dass er sprang, wenn Tuon Kr�te sagte. Hah! Noch ein Wurf, und sie rollten �ber den Tisch und einer fiel fast herunter. Die Augen des Dunklen K�nigs. Doch er hatte im Moment nichts Besseres zu tun.</p><p>Trotzdem lie� er sich Zeit, den Mantel anzuziehen, gute bronzefarbene Seide. Als er den Hut nahm, konnte er h�ren, wie sie ungeduldig mit dem Fu� auftappte. �Nun, worauf wartet Ihr?�, fragte er. Sie fauchte ihn an. Sie hielt die Zeltplane zur Seite, aber sie fauchte wie eine Katze.</p><p>Setalle und Tuon sa�en auf einem der Betten und unterhielten sich, als er den purpurfarbenen Wagen betrat, aber sie verstummten wie abgeschnitten in dem Moment, in dem er durch die T�r kam, und warfen ihm kurze, aber absch�tzende Blicke zu. Was ihm verriet, dass Mat Cauthon ihr Thema gewesen war. Ihm str�ubten sich die Haare. Es war offensichtlich, was auch immer Tuon wollte, es war etwas, von dem sie glaubten, dass er es missbilligen w�rde. Und genauso offensichtlich w�rde sie es trotzdem machen wollen. Der Tisch war zur Decke hochgezogen, und Selucia dr�ngte sich an ihm vorbei und nahm den Platz hinter Tuon ein, w�hrend sich die kleine Frau mit ernster Miene auf den Hocker setzte. H�ngt sofort alle Gefangenen.</p><p>�Ich m�chte den Gemeinschaftsraum eines Gasthauses besuchen�, verk�ndete sie. �Oder eine Schenke. Ich habe beide noch nie von innen gesehen. Ihr werdet mich in dieser Stadt in eines davon ausf�hren, Spielzeug.�</p><p>Er wagte weiterzuatmen. �Das ist nicht schwer. Sobald Thom oder Juilin mich wissen lassen, dass es sicher ist.�</p><p>�Es muss ein billiger Laden sein. Die, die man auch Spelunke nennt.�</p><p>Ihm blieb der Mund offen stehen. Ein billiger Laden? Spelunken waren das Niedrigste vom Niedrigsten, schmutzig und schlecht beleuchtet, wo das Ale und der Wein billig und trotzdem nicht mal die H�lfte dessen wert waren, was man bezahlt hatte, wo das Essen noch schlechter war und jede Frau, die sich zu einem auf den Scho� setzte, versuchte, einem den Geldbeutel zu stehlen oder ihn aufzuschlitzen oder zwei M�nner oben warten hatte, die einem einen Scheitel zogen, sobald man durch die T�r war. Zu jeder Tages- und Nachtstunde konnte man ein Dutzend W�rfelspiele finden, manchmal mit �berraschend hohen Eins�tzen, wenn man die Umgebung in Betracht zog. Kein Gold � nur ein Narr zeigte in einer Spelunke sein Gold �, aber Silber. Nur wenige der Spieler w�rden auch nur auf halbwegs ehrliche Weise an ihre M�nzen gekommen sein, und diese wenigen w�rden genauso kalte Augen wie die Schl�ger und Messerstecher haben, die in der Nacht �ber die Betrunkenen herfielen. Spelunken hatten immer zwei oder drei Rausschmei�er mit Schlagst�cken, um K�mpfe zu beenden, und an den meisten Tagen mussten sie hart f�r ihren Lohn arbeiten. F�r gew�hnlich hielten sie die G�ste davon ab, sich gegenseitig umzubringen, aber wenn sie versagten, schleifte man die Leiche hinten raus und lie� sie irgendwo in einer Gasse liegen oder warf sie auf einen M�llhaufen. Und w�hrend sie sie fortschafften, ging das Trinken genauso weiter wie das Spielen. Das war eine Spelunke. Woher hatte sie �berhaupt von solchen Orten geh�rt?</p><p>�Habt Ihr ihr diese verr�ckte Idee in den Kopf gesetzt?�, wollte er von Setalle wissen.</p><p>�Wieso beim Licht kommt Ihr darauf?�, erwiderte sie und machte gro�e Augen wie jede Frau, die vorgab, unschuldig zu sein. Oder wenn sie einen glauben machen wollten, dass sie nur so taten, nur um einen zu verwirren. Er begriff nicht, warum sie sich �berhaupt die M�he machten. Frauen verwirrten ihn auch so, da mussten sie sich gar nicht anstrengen.</p><p>�Das kommt �berhaupt nicht in Frage, mein Juwel. Wenn ich mit einer Frau wie Euch eine Spelunke betrete, verwickelt man mich innerhalb von einer Stunde in sechs Messerk�mpfe, falls ich �berhaupt so lange �berlebe.�</p><p>Tuon zeigte ein erfreutes L�cheln. Es war ganz schnell wieder verschwunden, aber es war definitiv erfreut gewesen.</p><p>�Glaubt Ihr wirklich?�</p><p>�Das ist eine Tatsache.� Was ein weiteres entz�cktes L�cheln hervorrief. Entz�ckt! Die verdammte Frau <emphasis>wollte</emphasis> ihn bei einem Messerkampf sehen!</p><p>�Das mag ja sein, Spielzeug, aber Ihr habt es mir versprochen.�</p><p>Sie stritten sich dar�ber, ob er ein Versprechen gemacht hatte � nun, er stellte in aller Ruhe fest, dass die Worte, etwas sei nicht schwer, aller Logik zufolge keinesfalls ein Versprechen bedeuteten, w�hrend Tuon einfach stur darauf beharrte, er habe es versprochen, und Setalle ihren Stickreifen aufnahm und Selucia ihn mit dem am�sierten Ausdruck von jemandem betrachtete, der zusah, wie ein Mann versuchte, eine unhaltbare Position zu verteidigen; und nein, er br�llte nicht, ganz egal, was Tuon sagte. Da klopfte es an der T�r.</p><p>Tuon hielt inne. �Seht Ihr, Spielzeug�, sagte sie nach einem Moment, �so macht man das. Man klopft und wartet dann.� Sie gab ihrer Dienerin ein Zeichen.</p><p>�Ihr d�rft eintreten�, rief Selucia hochheitsvoll. Vermutlich erwartete sie, dass wer auch immer hereinkam, sich auf die Knie werfen w�rde!</p><p>Es war Thom in einem dunkelblauen Mantel und dunkelgrauen Umhang, die ihn in jedem Gemeinschaftsraum oder Schenke unauff�llig erscheinen lassen w�rden, weder gut situiert noch bettelarm. Ein Mann, der es sich leisten konnte, f�r seinen Becher zu zahlen, w�hrend er sich den Tratsch anh�rte, oder der einem anderen Mann einen Becher Wein ausgab, um sich anzuh�ren, welche Neuigkeiten oder Ger�chte er kannte. Er warf sich nicht zu Boden, aber er machte trotz seines schlimmen Beines eine elegante Verbeugung. �Meine Lady�, murmelte er zu Tuon, bevor er die Aufmerksamkeit wieder Mat zuwandte. �Harnan sagte, er h�tte dich in den Wagen gehen sehen. Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen? Ich habe� Stimmen geh�rt.�</p><p>Mat runzelte die Stirn. Er hatte <emphasis>ni ch t</emphasis> gebr�llt. �Du st�rst nicht. Was hast du herausgefunden?�</p><p>�Von Zeit zu Zeit kommen Seanchaner vorbei. Keine Soldaten, aber es hat den Anschein, als w�rden sie zwei Meilen n�rdlich der Stra�e zwei Bauernd�rfer errichten und ein paar Meilen s�dlich von hier drei weitere. Die Bewohner kommen gelegentlich in die Stadt, um Sachen einzukaufen.�</p><p>Mat versuchte sein L�cheln zu unterdr�cken, als er �ber die Schulter sprach. Er schaffte es sogar, ein gewisses Bedauern in die Stimme zu legen. �Ich f�rchte, es wird f�r Euch keinen Abstecher nach Maderin geben, mein Juwel. Zu gef�hrlich.�</p><p>Tuon verschr�nkte die Arme und betonte dadurch ihren Busen. Sie hatte doch mehr Kurven, als er urspr�nglich einmal geglaubt hatte. Nicht so wie Selucia, das nun gewiss nicht, aber dennoch nette Kurven. �Bauern, Spielzeug�, meinte sie geringsch�tzig. �Kein Bauer hat jemals mein Gesicht gesehen. Ihr habt mir einen Gemeinschaftsraum oder eine Schenke versprochen, und Ihr werdet Euch da nicht mit dieser l�cherlichen Entschuldigung herauswinden.�</p><p>�Ein Gemeinschaftsraum sollte keine Probleme machen�, sagte Thom. �Schlie�lich wollen diese Bauern eine Schere oder einen neuen Topf kaufen und nichts trinken. Anscheinend machen sie ihr eigenes Ale und halten nicht viel von dem hiesigen Gebr�u.�</p><p>�Danke, Thom�, sagte Mat durch die zusammengebissenen Z�hne. �Sie will eine Spelunke sehen.�</p><p>Der wei�haarige Mann hustete keuchend und strich sich �ber den Schnurrbart. �Eine Spelunke�, murmelte er.</p><p>�Eine Spelunke. Kennst du in dieser Stadt eine Spelunke, in die ich sie mitnehmen k�nnte, ohne einen Aufruhr zu verursachen?� Eigentlich sollte diese Frage der pure Sarkasmus sein, aber Thom �berraschte ihn, indem er nickte.</p><p>�Vielleicht kenne ich genau die richtige�, sagte er langsam. <emphasis>�Der W ei �e Ri ng.</emphasis> Ich wollte sowieso dorthin, um zu sehen, was ich dort in Erfahrung bringen kann.�</p><p>Mat blinzelte. So unauff�llig Thom auch anderswo erscheinen mochte, mit diesem Mantel w�rde er in einer Spelunke fehl am Platz wirken. Aber richtig. Dort sah man f�r gew�hnlich nur dreckige Wolle und schmutziges Leinen. Davon abgesehen war es eine todsichere Methode, ein Messer in den R�cken zu bekommen, wenn man in einer Spelunke Fragen stellte. Aber vielleicht meinte Thom ja, dass dieser <emphasis>We i� e Ri ng</emphasis> gar keine Spelunke war. Tuon w�rde der Unterschied gar nicht auffallen, wenn es in diesem Etablissement nur etwas rauer als gew�hnlich zuging. �Sollte ich Harnan und die anderen mitnehmen?�, fragte er, um das Wasser zu testen.</p><p>�Oh, ich glaube, du und ich sollten als Schutz f�r die Lady ausreichen�, sagte Thom mit der Andeutung eines L�chelns, und in Mats Schultern l�sten sich ein paar verkrampfte Muskeln.</p><p>Trotzdem bat er die beiden Frauen � nat�rlich stand au�er Frage, dass Selucia zur�ckblieb; Frau Anan wies Thoms Einladung, sie zu begleiten, ab, sie meinte, sie h�tte in ihrem Leben bereits genug Spelunken gesehen �, die ganze Zeit ihre Kapuzen vorsichtshalber oben zu lassen. Tuon mochte ja davon �berzeugt sein, dass kein Bauer jemals ihr Gesicht gesehen hatte, aber wenn eine Katze einen K�nig sehen konnte, wie es in dem alten Sprichwort hie�, dann war es m�glich, dass auch ein Bauer Tuon bei irgendeiner Gelegenheit zu Gesicht bekommen hatte, und es w�rde zu ihrem Gl�ck passen, dass einer oder zwei von ihnen genau in Maderin auftauchten. Seiner Erfahrung zufolge schien <emphasis>ta 'v er en</emphasis> zu sein das Muster immer auf die schlimmste Weise zu beeinflussen.</p><p>�Spielzeug�, sagte Tuon sanft, als ihr Selucia den blauen Umhang auf ihre schmalen Schultern legte, �ich habe bei Besuchen auf dem Land viele Bauern kennen gelernt, aber selbst wenn ich ihnen gestattete zu stehen, hielten sie den Blick zu Boden gerichtet, wie es der Anstand verlangte. Glaubt mir, sie haben niemals mein Gesicht gesehen.�</p><p>Oh. Er ging, um seinen Umhang zu holen. Die Sonne, die fast ihren Mittagsstand erreicht hatte, wurde fast vollst�ndig von wei�en Wolken verh�llt, und es war k�hl f�r einen Fr�hlingstag und ein kalter Wind wehte.</p><p>In der Hauptstra�e des Zirkus dr�ngten sich Leute aus der Stadt, M�nner in grober Wolle oder unauff�lligen M�nteln aus besseren Materialien, die nur an den �rmeln geringe Verzierungen aufwiesen; Frauen in schlichten hochkragigen Kleidern unter langen wei�en Sch�rzen oder hochkragigen Kleidern mit Stickereien auf der Brust, von denen viele Spitzenhauben trugen. �berall sch�ssen Kinder umher, entkamen ihren Eltern und wurden wieder eingefangen. Alle bestaunten Miyoras Leoparden oder Latelles B�ren, genau wie die Jongleure oder Balat und Abar, die Feuerschlucker. Mat blieb nicht einmal f�r einen kurzen Blick auf die Akrobatinnen stehen, sondern bahnte sich mit Tuon am Arm einen Weg durch die Menge. Daf�r hatte er gesorgt, indem er einfach ihre Hand auf sein linkes Handgelenk gelegt hatte. Sie hatte kurz gez�gert und dann knapp genickt, eine K�nigin, die einem Bauern die Freiheit gestattete, die er sich herausgenommen hatte. Thom hatte seinen Arm Selucia angeboten, aber sie blieb hinter der linken Schulter ihrer Herrin. Wenigstens versuchte sie nicht, sich dazwischenzudr�ngen.</p><p>Luca stand im scharlachroten Mantel und Umhang am Eingang unter dem gro�en Banner und sah zu, wie die M�nzen in den Glaskrug klirrten und dann noch einmal klirrten, wenn sie in das K�stchen geworfen wurden. Er trug ein L�cheln auf dem Gesicht. Die Warteschlange war fast hundert Schritte lang, und weitere Menschen kamen aus der Stadt und gingen in Richtung Zirkus. �Ich k�nnte hier in zwei oder drei Tagen ein sch�nes S�mmchen einnehmen�, sagte er zu Mat.</p><p>�Schlie�lich ist dieser Ort real, und wir sind weit genug weg von�� Sein L�cheln erlosch wie eine ausgepustete Kerze.</p><p>�Ihr glaubt doch auch, dass wir weit genug weg sind, oder?�</p><p>Mat seufzte. Bei Valan Luca w�rde Gold immer die Furcht besiegen.</p><p>Er konnte den Umhang nicht zuhalten mit Tuon am Arm, also flatterte er in der steifen Brise, aber das war ganz gut so. Die Torw�chter, die dort in einer unregelm��igen Reihe herumlungerten, musterten sie neugierig, und einer machte eine unbeholfene Verbeugung. Seide und Spitze hatte diese Wirkung auf Waffenm�nner vom Land, und nichts anderes waren diese M�nner, ganz egal, wie sehr sie die Helme auch poliert hatten. Die meisten st�tzten sich auf ihre Hellebarden wie Bauern auf ihre Schaufeln. Aber nach ein paar Schritten blieb Thom stehen, und Mat war gezwungen, ebenfalls stehen zu bleiben. Schlie�lich hatte er keine Ahnung, wo sich <emphasis>Der Wei�e Ring</emphasis> befand.</p><p>�Eine gro�e Wachmannschaft, Hauptmann�, sagte Thom und lie� Sorge aus seiner Stimme heraush�ren. �Gibt es Gesetzlose in der Gegend?�</p><p>�Hier gibt es keine Gesetzlosen�, sagte ein grauhaariger Wachmann schroff. Die wulstige wei�e Narbe, die sich schr�g durch sein kantiges Gesicht zog, verlieh ihm in Kombination mit den zusammengekniffenen Augen ein schurkisches Aussehen. Er geh�rte nicht zu den Aufst�tzern, und er hielt seine Hellebarde, als w�sste er, wie er damit umgehen musste. �Die Seanchaner haben die wenigen erledigt, die wir nicht fangen konnten. Geh jetzt weiter, alter Bursche. Du blockierst den Weg.� Es waren weder ein Wagen noch ein Karren in Sicht, und die wenigen Leute, die die Stadt zu Fu� verlie�en, hatten gen�gend Platz. Der Torbogen war breit genug f�r zwei Wagen, die nebeneinander herfuhren, auch wenn es etwas eng geworden w�re.</p><p>�Die Seanchaner haben gesagt, wir w�rden nicht genug W�chter aufstellen�, meinte ein st�mmiger Kerl in Mats Alter fr�hlich, �und Lord Nathin h�rt genau zu, wenn die Seanchaner etwas sagen.�</p><p>Der grauhaarige Mann hieb ihm die gepanzerte Hand hart genug auf den Helm, dass er stolperte. �Du passt bei Fremden auf, was du sagst, Keilar�, knurrte der �ltere Mann, �oder du findest dich im Handumdrehen hinter deinem Pflug wieder. Mein Lord�, f�gte er an Mat gewandt zu, �Ihr solltet Euren Diener zur Ordnung rufen, bevor er sich �rger einhandelt.�</p><p>�Ich bitte um Entschuldigung, Hauptmann�, sagte Thom dem�tig und senkte den Kopf, das Abbild eines ger�gten Dieners. �Ich wolle niemandem zu nahe treten. Verzeiht.�</p><p>�Er h�tte auch dich geschlagen, wenn ich nicht dabei gewesen w�re�, sagte Mat zu ihm, als er sie eingeholt hatte. Thom hinkte sichtbar. Er musste m�de sein, wenn er es sich so sehr anmerken lie�. �Beinahe h�tte er es trotzdem getan. Und was hast du erfahren, das dieses Risiko wert gewesen w�re?�</p><p>�Ich h�tte nicht gefragt, wenn du in diesem Mantel nicht dabei gewesen w�rst.� Thom kicherte, w�hrend sie weiter in die Stadt hineingingen. �Die erste Lektion besteht darin, dass man wei�, welche Fragen man stellen muss. Die zweite, und die ist genauso wichtig, ist, wann und wie man fragt. Ich habe erfahren, dass es keine Stra�enr�uber gibt, was immer gut zu wissen ist, obwohl ich nur von wenigen Banden geh�rt habe, die zahlreich genug w�ren, um etwas so Gro�es wie den Wanderzirkus anzugreifen. Ich habe erfahren, dass Nathin unter der Fuchtel der Seanchaner steht. Entweder gehorcht er mit diesen zus�tzlichen W�chtern ihrem Befehl, oder er h�lt ihre Vorschl�ge f�r Befehle. Und am wichtigsten, ich habe erfahren, dass Nathins Waffenm�nner nichts gegen die Seanchaner haben.�</p><p>Mat hob eine Braue.</p><p>�Sie haben nicht ausgespuckt, als sie den Namen sagten, Mat. Sie haben keine Grimasse geschnitten oder geknurrt. Sie werden nicht gegen die Seanchaner k�mpfen, nicht, solange Nathin es ihnen nicht befiehlt, und das wird er nicht tun.� Thom atmete schwer aus. �Es ist sehr seltsam. Mir ist das Gleiche �berall aufgefallen, von Ebou Dar bis hier. Diese Fremden kommen, �bernehmen die Herrschaft, setzen ihre Gesetze durch, schnappen sich die Frauen, die die Macht lenken k�nnen, und auch wenn die Adligen sie verabscheuen, beim Volk scheint das nur sehr selten vorzukommen. Solange sie jedenfalls keine Frau oder Verwandte hatten, denen man den Kragen umgelegt hat. Sehr seltsam, und es l�sst B�ses ahnen, was ihre Vertreibung angeht. Andererseits, Altara ist Altara. Ich w�rde darauf wetten, dass sie in Amadicia und Tarabon nicht so warmherzig empfangen werden.� Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Wir sollten es jedenfalls hoffen, denn sonst�� Er f�hrte den Satz nicht zu Ende, aber man konnte sich leicht vorstellen, was er meinte.</p><p>Mat warf Tuon einen Blick zu. Was f�hlte sie wohl, wenn sie Thom so �ber ihr Volk sprechen h�rte? Sie sagte nichts, sondern ging nur an seiner Seite und betrachtete aus dem Schutz der Kapuze alles neugierig.</p><p>Die breiten gepflasterten Stra�en von Maderin wurden von zwei- oder dreist�ckigen, gr��tenteils aus Ziegeln erbauten Geb�uden mit Schindeld�chern ges�umt. L�den, deren Schilder im Wind baumelten, waren zwischen St�lle und die H�user der Reichen mit ihren gro�en Lampen �ber den Torb�gen sowie die Unterk�nfte von �rmeren � wenn man nach der W�sche urteilte, die in fast jedem Fenster hing � gequetscht. Pferdekarren und Handkarren beladen mit Ballen oder Kisten oder F�ssern schoben sich durch die m��ig dichte Menge aus M�nnern und Frauen, die flinken Schritts dahineilten. Kinder spielten Fangen.</p><p>Tuon studierte alles mit gleichm��igem Interesse. Ein Bursche, der einen Schleifstein auf R�dern schob und rief, dass er Scheren und Messer so sch�rfte, dass man damit W�nsche schneiden konnte, erregte genauso sehr ihre Aufmerksamkeit wie eine schlanke, hartgesichtige Frau in Lederhosen, die zwei Schwerter auf den R�cken geschnallt trug. Zweifellos die Leibw�chterin eines Kaufmanns oder vielleicht auch eine J�gerin des Horns, auf jeden Fall aber eine Seltenheit. Einer vollbusigen Domani in einem eng anliegenden, fast durchsichtigen roten Kleid, die von zwei kr�ftigen Leibw�chtern in Schuppenr�stungen begleitet wurde, schenkte sie die gleiche Aufmerksamkeit wie einem d�rren ein�ugigem Burschen in zerschlissener Wollkleidung, der aus seinem Bauchladen Nadeln und Schleifen verkaufte. In Jurador war Mat diese Art von Neugier an ihr gar nicht aufgefallen, aber in Jurador hatte sie blo� Seide finden wollen. Hier schien sie alles, was sie sah, ihrem Ged�chtnis anzuvertrauen wollen.</p><p>Thom f�hrte sie bald in ein Labyrinth aus gewundenen Stra�en, von denen die meisten die Bezeichnung nur deshalb verdienten, weil sie mit groben Steinbl�cken in der Gr��e von zwei M�nnerf�usten gepflastert waren. H�user in der Gr��e wie auf der Hauptstra�e, von denen einige L�den im Erdgeschoss beherbergten, ragten �ber ihnen auf und verbargen beinahe den Himmel. Viele der Stra�en waren zu schmal f�r Pferdekarren � in einigen h�tte Mat nicht die Arme ganz ausstrecken m�ssen, um beide H�userseiten ber�hren zu k�nnen �, und mehr als nur einmal musste er Tuon gegen eine Hauswand dr�ngen, um schwer beladene Handkarren auf den unregelm��igen Pflastersteinen vorbeipoltern zu lassen; die Karrenm�nner riefen Entschuldigungen, ohne aber langsamer zu werden. Tr�ger liefen ebenfalls durch dieses enge Labyrinth, M�nner, die die Nase fast auf dem Boden hatten und von denen jeder einen Ballen oder Kisten auf dem R�cken trug, die von einem gepolsterten, um die H�ften geschlungenen Lederriemen gehalten wurden. Allein ihr Anblick bereitete Mat R�ckenschmerzen. Sie erinnerten ihn daran, wie sehr er Arbeit hasste.</p><p>Er wollte Thom schon fragen, wie weit sie noch gehen mussten � Maderin war keine so gro�e Stadt �, als sie den <emphasis>We i� en R ing</emphasis> in einer gepflasterten Seitengasse erreichten, ein Ziegelgeb�ude mit zwei Stockwerken gegen�ber einem Messerladen. Das Schild �ber der roten T�r, ein wei�er Kreis aus gekr�uselter Spitze, lie� seine Schultermuskeln erneut verkrampfen. Man konnte das ja als Ring bezeichnen, aber das war eindeutig das Strumpfband einer Frau. Es mochte keine Spelunke sein, aber Schenken mit derartigen Schildern waren auf ihre Weise sehr ungem�tlich. Er lockerte die Messer in seinen �rmeln und auch die in seinen Stiefelsch�chten, tastete nach den Klingen unter dem Mantel, zuckte mit den Schultern, blo� um den Stahl zu f�hlen, der dort hing. Obwohl, wenn es dazu kam� Tuon nickte anerkennend. Die verdammte Frau konnte es nicht <emphasis>er wart en ,</emphasis> dass er in eine Messerstecherei verwickelt wurde! Selucia hatte genug Verstand, um die Stirn zu runzeln.</p><p>�Ah, ja�, sagte Thom. �Eine weise Vorsichtsma�nahme.�</p><p>Und er �berpr�fte die eigenen Messer, was die Knoten in Mats Schultern noch verkrampfter werden lie�. Thom trug fast so viele Klingen wie er auch, in den �rmeln, unter dem Mantel.</p><p>Selucia wandte sich in der Zeichensprache an Tuon, und pl�tzlich waren sie mit blitzenden Fingern in eine Diskussion vertieft. Nat�rlich konnte das nicht sein � Tuon besa� Selucia, so wie man einen Hund besa�, und man diskutierte nicht mit seinem Hund �, aber es schien eine Diskussion zu sein, und beide Frauen hatten die Unterkiefer stur nach vorn geschoben. Schlie�lich faltete Selucia die H�nde und beugte f�gsam den Kopf. Eine z�gernde Unterwerfung.</p><p>�Alles wird gut gehen�, sagte Tuon fr�hlich zu ihr. �Du wirst sehen. Alles wird gut gehen.�</p><p>Mat w�nschte sich, er w�re da so sicher gewesen. Er holte tief Luft, hielt ihr erneut das Handgelenk f�r ihre Hand hin und folgte Thom.</p><p>Der ger�umige, holzget�felte Gemeinschaftsraum des <emphasis>Wei�en Rings</emphasis> beherbergte mehr als zwei Dutzend M�nner und Frauen, von denen offensichtlich mehr als die H�lfte Fremde waren. Sie sa�en an rechteckigen Tischen unter einer mit vielen Balken versehenen Decke. Alle waren ordentlich in feine Wolle mit nur wenig Verzierungen gekleidet; die meisten unterhielten sich gr��tenteils nur zu zweit leise �ber ihren Wein gebeugt, die Umh�nge �ber die niedrigen Lehnen der St�hle geh�ngt. An einem Tisch sa�en allerdings drei M�nner und eine Frau mit langen, perlengeschm�ckten Z�pfen und w�rfelten mit hellroten W�rfeln. Aus der K�che kamen angenehme D�fte, einschlie�lich dem nach bratendem Fleisch. Vermutlich Ziege. Neben dem breiten Steinkamin, in dem ein Feuer loderte und auf dessen Sims eine Messinguhr stand, schwang eine junge Frau die H�ften und sang. Sie war fast so gut ausgestattet wie Selucia � und die beinahe bis zur Taille aufgeschn�rte Bluse bewies dies. Sie wurde begleitet von Fl�te und Zimbel und sang von einer Frau, die mit ihren vielen Liebhabern jonglierte. Sie sang mit passend schl�pfriger Stimme. Keiner der G�ste schien zuzuh�ren.</p><p><emphasis>�An ein em sch�nen Fr�hlingstage , traf ich den jungen Jac beim Heumachen, sein Haar so sch�n wie seine Visage .</emphasis></p><p><emphasis>Ich gab ihm einen Kuss, wie h�tte ich nicht?</emphasis></p><p><emphasis>Wir schmusten und kitzelten uns bis zum Vormittage, und wie er mich zum Seufzen brachte, das verrat' ich nicht .�</emphasis></p><p>Tuon senkte die Kapuze, blieb in der T�r stehen und blickte sich stirnrunzelnd um. �Seid Ihr sicher, dass das auch eine Spelunke ist, Meister Merrilin?�, fragte sie. Dem Licht sei Dank mit leiser Stimme. An einigen Orten konnte eine solche Frage einen wieder hinausbef�rdern, und zwar auf die grobe Weise, ob man nun Seide trug oder nicht. An anderen verdoppelten sich die Preise einfach.</p><p>�Ich versichere Euch, Ihr werdet nirgendwo in Maderin zu dieser Stunde eine gr��ere Ansammlung von Dieben und Schurken finden�, murmelte Thom und strich sich �ber den Schnurrbart.</p><p><emphasis>�fetzt hat Jac eine Stunde , wenn Himmel ist klar, und Willi die, wenn der Vater ist nicht nah.</emphasis></p><p><emphasis>Moril treff ich im Heuschober, denn er kennt keine Furcht, und Keilin kommt mittags; er kennt keine Eifersucht!</emphasis></p><p><emphasis>Lord Brelan kommt abends , wenn die Nacht ist so kalt . Meister Andril den Morgen, denn er ist so alt.</emphasis></p><p><emphasis>Was soll ein armes M�dchen blo� anderes tun? So viele Liebhaber und am Tag so wenig Stund'.�</emphasis></p><p>Tuon sah wenig �berzeugt aus, aber zusammen mit Selucia ging sie zu der S�ngerin, die sich einen Moment lang von ihrer intensiven Musterung irritieren lie�, bevor sie mit dem Lied weitermachte. Sie sang �ber Tuons Kopf hinweg in dem offensichtlichen Versuch, sie zu ignorieren. Anscheinend f�gte die Frau bei jeder neuen Strophe ihrer Liste einen weiteren Liebhaber hinzu. Der Musikant, der die Zimbel spielte, l�chelte Selucia an und erhielt einen frostigen Blick als Antwort. Die beiden Frauen zogen auch andere Blicke auf sich, war doch die eine so klein und mit ausgesprochen kurzen Haaren versehen, w�hrend die andere der S�ngerin Konkurrenz machte und ein Kopftuch trug, aber es blieb bei den Blicken. Die G�ste k�mmerten sich um ihre eigenen Angelegenheiten.</p><p>�Es ist keine Spelunke�, sagte Mat leise, �aber was ist es dann? Warum sollten mitten am Tag so viele Leute hier sein?� Auf diese Weise f�llten sich Gemeinschaftsr�ume f�r gew�hnlich nur morgens und abends.</p><p>�Die Ortsans�ssigen verkaufen Oliven�l, Lackarbeiten oder Spitze�, erwiderte Thom genauso leise, �und die Fremden kaufen. Anscheinend ist es hier Brauch, mit ein paar Stunden Unterhaltung bei einem Becher Wein anzufangen. Und wenn man nichts vertr�gt�, f�gte er trocken hinzu, �wird man nach dem N�chternwerden herausfinden, dass man mit weinschwerem Kopf einen weitaus schlechteren Handel als gedacht abgeschlossen hat.�</p><p>�Beim Licht, Thom, sie wird niemals glauben, dass das hier eine Spelunke ist. Ich dachte, du w�rdest uns irgendwo hinbringen, wo die Kaufmannsw�chter trinken. Das h�tte sie vielleicht �berzeugend gefunden.�</p><p>�Vertrau mir, Mat. Ich glaube, du wirst noch entdecken, dass sie in vielerlei Hinsicht ein sehr beh�tetes Leben gef�hrt hat.�</p><p><emphasis>Beh�tet?</emphasis> Wo ihre eigenen Br�der und Schwestern versucht hatten, sie zu t�ten? �Darauf w�rdest du aber keine Krone setzen, oder?�</p><p>Thom kicherte. �Dein Geld nehme ich immer gern.�</p><p>Tuon und Selucia kamen mit ausdruckslosem Gesicht angerauscht. �Ich hatte damit gerechnet, dass die G�ste viel schlechter gekleidet sind�, sagte Tuon leise, �und es vielleicht zu einem oder zwei K�mpfen kommt, aber das Lied ist zu zotig f�r eine respektable Schenke. Obwohl sie meiner Meinung nach viel zu dick angezogen ist, um es richtig zu singen. Wof�r ist das?�, f�gte sie misstrauisch hinzu, als Mat Thom eine M�nze gab.</p><p>�Ach, das�, sagte Thom und schob die Krone in die Manteltasche, �ich hatte die Bef�rchtung, Ihr k�nntet entt�uscht sein, dass hier blo� die erfolgreicheren Schurken verkehren � die sind nicht immer so farbig wie die Versager �, aber Mat hat gesagt, das w�rde Euch nicht einmal auffallen.�</p><p>Sie schaute Mat streng an, der indigniert den Mund �ffnete. Und wieder schloss. Was gab es da noch zu sagen? Er sa� bereits im Einmachtopf. Da brauchte er das Feuer darunter nicht noch zu sch�ren.</p><p>Als die Wirtin ankam, eine rundliche Frau mit verd�chtig schwarzem Haar unter dem wei�en Spitzenh�ubchen, die sich in ein graues Kleid mit roten und gr�nen Stickereien auf dem �ppigen Busen gezw�ngt hatte, machte sich Thom mit einer Verbeugung und einem gemurmelten �Mit Eurer Erlaubnis, mein Lord, meine Lady� davon. Gemurmelt, aber laut genug, dass Frau Heilin es h�ren konnte.</p><p>Die Wirtin hatte ein unerbittliches L�cheln, aber sie bem�hte es f�r einen Lord und eine Lady, machte einen so tiefen Knicks, dass sie beim Aufstehen grunzte, und es schien sie kaum zu entt�uschen, dass Mat Wein und vielleicht etwas zu essen wollte, aber kein Zimmer. Ihren besten Wein. Doch als er bezahlte, lie� er sie sehen, dass er au�er Silber auch Gold im Geldbeutel hatte. Ein Seidenmantel war ja sch�n und gut, aber Gold, das Lumpen trug, bekam eine bessere Bewirtung als Kupfer, das Seide trug.</p><p>�Ale�, sagte Tuon. �Ich habe noch nie Ale getrunken. Sagt mir, gute Frau, ist damit zu rechnen, dass einer der G�ste bald einen Streit vom Zaun bricht?� Mat verschluckte fast seine Zunge.</p><p>Frau Heilin blinzelte und sch�ttelte knapp den Kopf, als w�re sie sich nicht sicher, ob sie wirklich das geh�rt hatte, was sie zu h�ren geglaubt hatte. �Kein Grund zur Sorge, meine Lady�, sagte sie. �Das passiert schon mal, wenn sie zu tief in ihre Becher geschaut haben, aber ich gehe hart dazwischen, wenn das geschieht.�</p><p>�Aber nicht meinetwegen�, sagte Tuon. �Sie sollen ihren Spa� haben.�</p><p>Das L�cheln der Wirtin wurde schief und hielt kaum stand, aber sie brachte einen weiteren Knicks zustande, bevor sie mit Mats Geld loseilte und rief: �Jera, Wein f�r den Lord und die Lady, einen Krug von dem Kiranaille. Und einen Becher Ale.�</p><p>�Ihr solltet nicht solche Fragen stellen, mein Juwel�, sagte Mat leise, als er Tuon und Selucia zu einem freien Tisch steuerte. Selucia verweigerte den angebotenen Stuhl, nahm Tuon den Umhang ab und legte ihn �ber den Stuhl, den sie f�r ihre Herrin bereithielt, dann baute sie sich dahinter auf.</p><p>�Das ist unh�flich. Davon abgesehen senkt ihr damit Euren Blick.� Er dankte dem Licht f�r diese Unterhaltungen mit Egeanin, mit welchem Namen sie auch immer angesprochen werden wollte. Seanchaner w�rden alle m�glichen Albernheiten tun oder jedes vern�nftige Handeln verweigern, nur um den Blick nicht senken zu m�ssen.</p><p>Tuon nickte nachdenklich. �Eure Br�uche sind oft sehr seltsam, Spielzeug. Ihr werdet mich darin unterrichten m�ssen. Ich habe einige gelernt, aber ich muss alle Br�uche der Menschen kennen, die ich im Namen der Kaiserin, m�ge sie ewig leben, beherrschen werde.�</p><p>�Es wird mir eine Freude sein, Euch beizubringen, was ich kann�, sagte Mat, l�ste seinen Umhang und warf ihn achtlos �ber die Stuhllehne. �Es wird Euch gut tun, unsere Br�uche zu kennen, selbst wenn Ihr am Ende weniger beherrschen werdet, als Ihr erwartet.� Er legte den Hut auf den Tisch.</p><p>Tuon und Selucia keuchten beide auf; H�nde griffen hektisch nach dem Hut. Tuon erreichte ihn zuerst, und sie legte ihn schnell auf den Stuhl neben sich. �Das bringt <emphasis>sc hre ck � li ch es</emphasis> Ungl�ck, Spielzeug. Ihr d�rft <emphasis>niemals</emphasis> einen Hut auf den Tisch legen.� Sie machte eine dieser seltsamen Gesten, das B�se abzuwehren, schob zwei Finger unter den Mittelfinger und streckte die anderen steif aus. Selucia tat das Gleiche.</p><p>�Ich werde es mir merken�, sagte er trocken. Vielleicht zu trocken. Tuon sah ihn streng an. Sehr streng.</p><p>�Ich habe entschieden, dass Ihr Euch nicht zum Pokaltr�ger eignet, Spielzeug. Nicht bis Ihr Demut lernt, obwohl ich bald daran verzweifle, Euch das beizubringen. Vielleicht mache ich Euch stattdessen zum Stallburschenl�ufer. Ihr k�nnt gut mit Pferden umgehen. W�rde es Euch gefallen, neben meinem Steigb�gel zu laufen, wenn ich reite? Das Gewand ist fast das gleiche wie beim Pokaltr�ger, aber ich werde Eures mit Schleifen verzieren lassen. Rosa Schleifen.�</p><p>Er schaffte es, seine Miene unbewegt zu halten, aber er f�hlte, wie sich seine Wangen r�teten. Es gab nur eine M�glichkeit, wie sie erfahren haben konnte, dass rosa Schleifen eine besondere Bedeutung f�r ihn hatten. Tylin hatte es ihr erz�hlt. Es musste so sein. Sollte er doch zu Asche verbrennen, Frauen redeten auch �ber <emphasis>al le sl</emphasis> Die Ankunft der Schankmagd mit ihren Getr�nken rettete ihn vor einer Erwiderung. Jera war eine l�chelnde junge Frau mit fast so �ppigen Kurven wie die S�ngerin, die zwar nicht so sch�n zur Schau gestellt waren, die die wei�e, eng geschn�rte Sch�rze aber auch nicht verbarg. Auch das dunkle Wollkleid sa� ziemlich eng. Nicht, dass er ihr mehr als nur einen fl�chtigen Blick zuwarf. Er sa� hier mit seiner zuk�nftigen Frau. Und davon abgesehen, nur ein Volltrottel sah in Gesellschaft einer Frau eine andere n�her an.</p><p>Jera stellte eine hohe Weinkanne aus Zinn und zwei polierte Zinnbecher auf dem Tisch ab und gab Selucia einen schweren Alekrug, dann blinzelte sie verwirrt, als Selucia den Krug an Tuon weiterreichte und daf�r den Weinbecher in Empfang nahm. Er reichte ihr einen Silberpfennig, um ihr Unbehagen zu beschwichtigen, und sie schenkte ihm daf�r bei ihrem Knicks ein strahlendes L�cheln, bevor sie nach einem weiteren Ruf der Wirtin davoneilte. Es war unwahrscheinlich, dass sie viel Silber bekam.</p><p>�Ihr h�ttet das L�cheln ruhig erwidern k�nnen, Spielzeug�, sagte Tuon, schn�ffelte an dem Krug und r�mpfte die Nase. �Sie ist sehr h�bsch. Ihr habt eine so versteinerte Miene, vermutlich habt Ihr ihr Angst eingejagt.� Sie nahm einen Schluck, und ihre Augen weiteten sich �berrascht.</p><p>�Das ist ja tats�chlich ganz gut.�</p><p>Mat seufzte und nahm einen gro�en Schluck dunklen Wein, der schwach nach Blumen duftete. Er konnte sich nicht erinnern, Frauen jemals verstanden zu haben, egal, ob es sich nun um seine eigenen Erinnerungen oder die anderer M�nner handelte.</p><p>Sie schl�rfte ihr Ale � er w�rde ihr nicht sagen, dass man Ale mit Schlucken trank und nicht mit Schl�ckchen; m�glicherweise betrank sie sich absichtlich, nur um die Spelunkenerfahrung auch richtig auszukosten, das traute er ihr heute durchaus zu. Oder auch an jedem anderen Tag, was das anging �, nahm nach jedem Satz ein Schl�ckchen und befragte ihn �ber Br�uche. Ihr zu sagen, wie man sich in einer Spelunke benahm, fiel nicht schwer. Bleib f�r dich, stell keine Fragen, sitz nach M�glichkeit mit dem R�cken zur Wand und neben einer T�r, falls du eventuell schnell verschwinden musst. Besser, sie zu meiden, aber wenn es nicht anders geht� Aber sie ging schnell zu H�fen und Pal�sten �ber und erhielt da nur wenig Antworten. Er h�tte ihr mehr �ber die Br�uche an den H�fen von Eharon oder Shiota oder einem Dutzend anderer toter Nationen sagen k�nnen als �ber die existierenden Nationen. Eigentlich kannte er nur ein paar Einzelheiten, wie man sich in Caemlyn und Tear verhielt, und ein paar Bruchst�cke �ber Fal Dara in Schienar. Nun, das und Ebou Dar, aber das wusste sie ja bereits.</p><p>�Also seid Ihr weit gereist und habt noch andere Pal�ste als den Tarsin besucht�, sagte sie schlie�lich und leerte den Krug. Er hatte nicht einmal die H�lfte seines Weins getrunken; er glaubte nicht, dass Selucia mehr als einen oder zwei Schlucke von dem ihren genommen hatte. �Aber allem Anschein nach seid Ihr nicht von adliger Geburt. Das dachte ich mir schon.�</p><p>�Das bin ich nicht�, sagte er fest. �Adlige�� Er verstummte, r�usperte sich. Er konnte ihr wohl kaum sagen, dass Adlige alles Narren waren, die ihre Nase so hoch oben trugen, dass sie nicht sehen konnten, wo sie alles drauftraten. Schlie�lich war sie, was sie war.</p><p>Tuon musterte ihn ausdruckslos, w�hrend sie den leeren Krug zur Seite schob. Ihn noch immer musternd, hob sie die Linke und schnippte mit zwei Fingern, und Selucia klatschte laut in die H�nde. Mehrere G�ste sahen �berrascht zu ihnen her�ber. �Ihr habt Euch als Spieler bezeichnet�, sagte Tuon, �und Meister Merrilin hat Euch den Mann mit dem meisten Gl�ck auf der Welt genannt.�</p><p>Jera kam angerannt, und Selucia gab ihr den Krug. �Noch einen, schnell�, befahl sie, wenn auch durchaus nicht unfreundlich. Aber sie hatte eine majest�tische Art an sich. Jera machte hastig einen Knicks und eilte los, als h�tte man sie angeschrien.</p><p>�Manchmal habe ich Gl�ck�, sagte Mat vorsichtig.</p><p>�Lasst uns doch mal sehen, ob das heute der Fall ist, Spielzeug.� Tuon blickte zu dem Tisch hin�ber, an dem die W�rfel rollten.</p><p>Er konnte darin kein Problem erkennen. Er w�rde mehr gewinnen als verlieren, das war eine Tatsache, und er hielt es f�r unwahrscheinlich, dass einer der Kaufleute ein Messer z�cken w�rde, ganz egal, wie viel Gl�ck er hatte. Ihm war bei niemandem eines dieser langen G�rtelmesser aufgefallen, die weiter s�dlich jeder trug. Er erhob sich, bot Tuon den Arm, und sie legte die Hand leicht auf sein Handgelenk. Selucia lie� den Wein auf dem Tisch stehen und blieb dicht hinter ihrer Herrin.</p><p>Zwei der Altaraner � der eine war schlank und bis auf einen Haarkranz kahl, der andere hatte ein Mondgesicht �ber einem Dreifachkinn � runzelten die Stirn, als Mat fragte, ob sich ein Fremder an dem Spiel beteiligen durfte, und der Dritte, ein langsam ergrauender st�mmiger Bursche mit einer dicken Unterlippe, wurde so steif wie ein Zaunpfahl. Die tarabonische Frau war nicht so unfreundlich.</p><p>�Nat�rlich, nat�rlich. Warum nicht?�, sagte sie leicht lallend. Ihr Gesicht war ger�tet, und das an ihn gerichtete L�cheln wirkte irgendwie unkontrolliert. Offensichtlich geh�rte sie zu jenen, die nicht viel vertragen konnten. Und die Ortsans�ssigen wollten sie wohl bei guter Laune halten, denn die finsteren Blicke verschwanden, obwohl der Grauhaarige auch weiterhin eine versteinerte Miene zeigte. Mat nahm von einem Nachbartisch zwei St�hle f�r sich und Tuon. Selucia zog es vor, sich hinter Tuon zu stellen, was auch in Ordnung war. Sechs Leute am Tisch waren mehr als genug.</p><p>Jera kam, machte einen Knicks und bot Tuon mit beiden H�nden einen nachgef�llten Krug, w�hrend sie �Meine Lady� murmelte, und eine andere Schankmagd stellte eine neue Weinkanne auf den Spielertisch. Der Kahlk�pfige f�llte den Becher der Tarabonerin l�chelnd bis zum Rand. Sie wollten sie fr�hlich und betrunken halten. Sie leerte den Becher zur H�lfte und wischte sich mit einem spitzenbesetzten Taschentuch geziert die Lippen ab. Sie ben�tigte zwei Anl�ufe, um das Tuch wieder im �rmel zu verstauen. Sie w�rde heute keine guten Abschl�sse machen.</p><p>Mat sah eine Weile beim Spiel zu und erkannte es bald.</p><p>Sie nahmen vier W�rfel statt zwei, aber es handelte sich ohne jeden Zweifel um eine Version von Pin', ein Spiel, das schon tausend Jahre vor Artur Falkenfl�gels Aufstieg zur Macht popul�r gewesen war. Vor jedem Spieler lagen kleine Silberstapel, in denen die eine oder andere Goldm�nze funkelte, und Mat warf eine Silbermark in die Tischmitte, um die W�rfel zu kaufen, w�hrend der st�mmige Mann seine Gewinne vom letzten Wurf einsammelte. Er erwartete von den Kaufleuten zwar keinen �rger, andererseits war es weniger wahrscheinlich, dass es �rger gab, wenn sie Silber statt Gold verloren.</p><p>Der schlanke Mann ging bei dem Einsatz mit, und Mat lie� die scharlachroten W�rfel im Zinnbecher kreisen, dann warf er sie auf den Tisch. Vier F�nfen.</p><p>�Ist dass ein Siegeswurf?�, wollte Tuon wissen.</p><p>�Nicht, wenn ich nicht gleichziehe�, erwiderte Mat und schob die W�rfel zur�ck in den Becher. �Ich darf aber jetzt keine Vierzehn oder die Augen des Dunklen K�nigs werfen.� Die W�rfel ratterten in dem Becher, rollten �ber den Tisch. Vier F�nfen. Sein Gl�ck hatte Bestand, so viel war sicher. Er schob die M�nzen zu sich und lie� eine in der Mitte liegen.</p><p>Abrupt schob der Grauhaarige den Stuhl zur�ck und stand auf. �Mir reicht es�, murmelte er und fing an, das vor ihm liegende Geld in seine Manteltaschen zu packen. Die beiden anderen Altaraner starrten ihn ungl�ubig an.</p><p>�Ihr <emphasis>geht,</emphasis> Vane?�, sagte der Schlanke. �Jetzt schon?�</p><p>�Ich sagte, ich habe genug, Camrin�, knurrte der Grauhaarige und st�rmte auf die Stra�e hinaus, gefolgt von Camrins finsterem Blick.</p><p>Die Tarabonerin beugte sich unsicher vor, und ihre perlenverzierten Z�pfe schleiften klirrend �ber die Tischplatte. Sie t�tschelte das Handgelenk des Dicken. �Das bedeutet blo�, dass ich meine Lackierware von Euch kaufe, Meister Kostelle�, sagte sie undeutlich. �Von Euch und von Meister Camrin.�</p><p>Kostelles Dreifachkinn bebte, als er kicherte. �Das tut es, Frau Aistaing. Das tut es. Tut es das nicht, Camrin?�</p><p>�Vermutlich�, erwiderte der Kahlk�pfige m�rrisch. �Vermutlich.� Er schob eine Mark nach vorn, um mit Mats Einsatz gleichzuziehen.</p><p>Wieder rollten die W�rfel �ber den Tisch. Dieses Mal ergaben sie Vierzehn.</p><p>�Oh�, sagte Tuon und klang entt�uscht. �Ihr habt verloren.�</p><p>�Ich habe gewonnen, mein Juwel. Das ist ein Siegeswurf, wenn es der Erste ist.� Er lie� seinen urspr�nglichen Einsatz in der Tischmitte liegen. �Noch einmal?�, fragte er.</p><p>Sein Gl�ck war da, keine Frage, so gro� wie immer. Die hellroten W�rfel rollten �ber den Tisch, sprangen �ber den Tisch, prallten manchmal von dem dort liegenden Einsatz ab, und einen Wurf nach dem anderen lagen vierzehn wei�e Augen oben. Er warf jedes Mal Vierzehn. Selbst mit nur einer M�nze als Einsatz wuchs der Silberstapel vor ihm zu einem netten S�mmchen an. Die H�lfte der G�ste des Gemeinschaftsraumes kamen an ihren Tisch, um zuzusehen. Er grinste Tuon an, die ihm knapp zunickte. Er hatte das vermisst, W�rfel in einem Gemeinschaftsraum oder einer Schenke, M�nzen auf dem Tisch, die Spannung, wie lange sein Gl�ck andauern w�rde. Und eine h�bsche Frau an seiner Seite, w�hrend er spielte. Am liebsten h�tte er vor Vergn�gen gelacht.</p><p>Als er die W�rfel wieder im Becher klappern lie�, schaute ihn die Kauffrau aus Tarabon an, und einen Augenblick lang sah sie alles andere als betrunken aus. Pl�tzlich war seine Lust zu lachen wie weggewischt. Sofort wurde ihr Blick wieder leicht unscharf, aber in diesem Moment hatten ihre Augen stechend wie Dolche gewirkt. Sie konnte den Wein viel besser vertragen, als er geglaubt hatte. Anscheinend w�rde es Camrin und Kostelle doch nicht gelingen, schlampige Arbeit zu H�chstpreisen zu verkaufen, oder wie auch immer ihr Plan ausgesehen hatte. Ihn besch�ftigte jedoch viel mehr, dass die Frau ihn mit Misstrauen betrachtete. Und wenn er so dar�ber nachdachte, hatte sie nicht eine M�nze gegen ihn gesetzt. Die beiden Altaraner sahen ihn auch finster an, aber so kommentierten M�nner, die verloren, nun einmal ihr Pech. Sie glaubte, er h�tte eine M�glichkeit gefunden, wie er sie betr�gen konnte. Ganz egal, dass er ihre W�rfel benutzte oder vielmehr die W�rfel der Taverne, was wahrscheinlicher war; die Beschuldigung, ein Betr�ger zu sein, konnte einem selbst in einer Kaufmannsschenke eine Abreibung einbringen. M�nner warteten nur selten ab, bei einer solchen Beschuldigung Beweise pr�sentiert zu bekommen.</p><p>�Ein letzter Wurf�, sagte er, �dann h�re ich lieber auf. Frau Heilin?� Die Wirtin stand bei den Zuschauern. Er gab ihr eine kleine Hand voll seiner gewonnenen Silberm�nzen.</p><p>�Um mein Gl�ck zu feiern gebt jedem der hier Anwesenden zu trinken, was er will, bis das Geld alle ist.� Beif�lliges Gemurmel ert�nte, und jemand hinter ihm schlug ihm auf die Schulter. Jemand, der seinen Wein trank, war weniger geneigt zu glauben, dass man ihn mit zu Unrecht gewonnenen M�nzen bezahlte. Oder sie w�rden wenigstens lange genug z�gern, um ihm die Chance zu geben, Tuon hier rauszuschaffen.</p><p>�Er kann das nicht ewig durchhalten�, murmelte Camrin und rieb sich mit der Hand durch das Haar, das er nicht l�nger hatte. �Was meint Ihr, Kostelle? Die H�lfte?� Er legte den Finger auf die Goldm�nze, die neben seinem M�nzstapel lag, dann schob er sie neben Mats Silbermark. �Wenn es der letzte Wurf ist, lasst uns einen richtigen Einsatz machen. So viel Gl�ck muss das Pech folgen.� Kostelle z�gerte, rieb sich nachdenklich die vielen Kinne, dann nickte er und steuerte eine eigene Goldm�nze bei.</p><p>Mat seufzte. Er musste bei dem Einsatz nicht mitgehen, aber jetzt wegzugehen w�rde wom�glich Frau Aistaings Anschuldigung ausl�sen. Genau wie diesen Wurf zu gewinnen. Z�gernd schob er genug Silberm�nzen nach vorn, um ihrem Gold zu entsprechen. Danach hatte er noch genau zwei M�nzen �brig. Er sch�ttelte den Becher noch einmal kr�ftig zus�tzlich, bevor er die W�rfel auf den Tisch warf. Er rechnete nicht damit, so etwas zu �ndern. Er machte nur seinen Gef�hlen Luft.</p><p>Die roten W�rfel rollten �ber die Tischplatte, trafen die aufget�rmten M�nzen und prallten ab, drehten sich, bevor sie fielen. Jeder zeigte ein Auge. Die Augen des Dunklen K�nigs.</p><p>Camrin und Kostelle teilten lachend ihren Gewinn auf, so als h�tten sie mehr als ihre Eins�tze zur�ckgewonnen. Die Beobachter verzogen sich, gratulierten den beiden Kaufleuten, murmelten Mat ein paar Trostworte zu, einige von ihnen hoben ihre Becher, die er bezahlt hatte, in seine Richtung. Frau Aistaing nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Weinbecher und musterte ihn �ber den Rand, allem �u�eren Anschein nach so betrunken wie eine Gans. Er bezweifelte, dass sie noch immer glaubte, er sei ein Falschspieler, nicht wenn er mit nur einer Mark mehr als zu Anfang vom Tisch ging. Manchmal konnte sich Pech auch als Gl�ck erweisen.</p><p>�Also ist Euer Gl�ck nicht endlos, Spielzeug�, sagte Tuon, als er sie zu ihrem Tisch eskortierte. �Oder habt Ihr nur Gl�ck in kleinen Dingen?�</p><p>�Niemand hat immer Gl�ck, mein Juwel. Ich pers�nlich bin der Meinung, dass der letzte Wurf einer der besten war, die ich je gemacht habe.� Er berichtete vom Misstrauen der Tarabonerin, und warum er eine Runde f�r den Gemeinschaftsraum bestellt hatte.</p><p>Am Tisch hielt er ihren Stuhl, aber sie blieb stehen und betrachtete ihn. �Ihr werdet in Seandar bestimmt gut zurechtkommen�, sagte sie schlie�lich und hielt ihm den fast leeren Krug vor die Nase. �Passt darauf bis zu meiner R�ckkehr auf.�</p><p>�Wo wollt Ihr hin?�, fragte er alarmiert. Er vertraute darauf, dass sie nicht weglaufen w�rde, aber nicht, dass sie sich ohne seinen Schutz nicht in Schwierigkeiten bringen w�rde.</p><p>Sie setzte eine gequ�lte Miene auf. Selbst damit war sie wundersch�n. �Wenn Ihr es unbedingt wissen m�sst, Spielzeug, auf das Unausweichliche.�</p><p>�Oh. Die Wirtin kann Euch sagen, wo das ist. Oder eine der M�gde.�</p><p>�Danke, Spielzeug�, sagte sie zuckers��. �Ich w�re nie auf den Gedanken gekommen, einfach zu <emphasis>fragen.�</emphasis> Sie signalisierte Selucia mit den Fingern, und die beiden gingen kichernd und in eine stumme Unterhaltung vertieft in den hinteren Teil des Gemeinschaftsraums.</p><p>Mat seufzte und starrte finster in seinen Wein. Frauen schien es immer Vergn�gen zu bereiten, dass man sich wie ein Trottel vorkam. Und mit der hier war er bereits zur H�lfte verheiratet.</p><p>�Wo sind die Frauen?�, fragte Thom, lie� sich auf den Stuhl neben ihn sacken und stellte einen fast vollen Weinbecher auf dem Tisch ab. Er grunzte, als Mat es ihm sagte, und sprach mit ged�mpfter Stimme, die Ellbogen auf den Tisch gest�tzt. �Hinter und vor uns liegt �rger. Weit genug voraus, dass er uns hier vielleicht nicht betrifft, aber wir sollten gehen, wenn sie wiederkommen.�</p><p>Mat setzte sich aufrecht hin. �Was f�r �rger?�</p><p>�Einige der Kaufmannskarawanen, die uns in den letzten Tagen �berholt haben, haben die Neuigkeit von Morden in Jurador mitgebracht. Sie sind ungef�hr zur Zeit unseres Aufbruchs geschehen. Vielleicht einen oder zwei Tage sp�ter, das l�sst sich nicht genau sagen. Ein Mann wurde mit herausgerissener Kehle in seinem Bett aufgefunden, aber es gab kaum Blut.� Er musste nicht mehr sagen.</p><p>Mat nahm einen tiefen Schluck. Der verfluchte Gholam verfolgte ihn noch immer. Wie hatte er herausfinden k�nnen, dass er mit Lucas Zirkus reiste? Aber bei dem Tempo des Wanderzirkus war er immer noch einen oder zwei Tage hinter ihnen, und vermutlich w�rde er sie so bald nicht einholen. Mat ber�hrte den Fuchskopf durch seinen Mantel. Wenigstens hatte er eine M�glichkeit, sich gegen ihn zur Wehr zu setzen, falls er auftauchte. Das Ding trug eine Narbe, die er ihm verpasst hatte. �Und der vor uns liegende �rger?�</p><p>�An der Grenze zu Murandy steht ein seanchanisches Heer. Wie sie das zusammengezogen haben, ohne dass ich es erfahren habe�� Er pustete seinen Schnurrbart in die H�he, ver�rgert �ber sein Versagen. �Nun, egal. Sie lassen jeden, der an ihnen vorbei will, eine Tasse mit irgendeinem Kr�utertee trinken.�</p><p>�Tee?�, wiederholte Mat ungl�ubig. �Was soll Tee denn f�r �rger machen?�</p><p>�Gelegentlich macht dieser Tee eine Frau unsicher auf den Beinen, und dann kommen die <emphasis>Sul�dam</emphasis> und legen ihnen den Kragen um. Aber das ist nicht das Schlimmste. Sie suchen angestrengt nach einer kleinen, schwarzen Seanchanerin.�</p><p>�Nun, nat�rlich tun sie das. Hast du geglaubt, sie w�rden das nicht tun? Das l�st mein gr��tes Problem, Thom. Wenn wir uns ihnen n�hern, k�nnen wir den Zirkus verlassen, durch den Wald reiten. Tuon und Selucia k�nnen mit Luca Weiterreisen. Luca wird der Held sein, der ihnen ihre Tochter der Neun Monde zur�ckgebracht hat.�</p><p>Thom sch�ttelte ernst den Kopf. �Sie suchen nach einer Betr�gerin, Mat. Jemand, der <emphasis>behauptet,</emphasis> die Tochter der Neun Monde zu sein. Aber die Beschreibung passt zu genau auf sie. Sie sprechen nicht offen dar�ber, aber es gibt immer M�nner, die zu viel trinken, und einige reden dann auch zu viel. Sie wollen sie umbringen, wenn sie sie finden. Irgendetwas in der Art, die Schande zu tilgen, die sie verursacht hat.�</p><p>�Beim Licht!�, keuchte Mat. �Wie kann das sein, Thom?</p><p>Welcher General dieses Heer auch immer befehligt, er muss doch ihr Gesicht kennen, oder? Und vermutlich auch ein paar der Offiziere. Es muss Adlige geben, die sie kennen.�</p><p>�Wird ihr nicht viel n�tzen. Selbst der geringste Soldat wird ihr die Kehle aufschlitzen oder den Sch�del einschlagen, sobald man sie findet. Ich habe das von drei verschiedenen Kaufleuten geh�rt. Selbst wenn sie sich alle irren, bist du bereit, dieses Risiko einzugehen?�</p><p>Das war Mat nicht, und sie fingen an, �ber ihrem Wein einen Plan zu schmieden. Nicht dass sie viel tranken. Trotz seiner vielen Besuche in Gemeinschaftsr�umen und Schenken tat Thom das nur noch selten, und Mat wollte einen klaren Kopf behalten.</p><p>�Luca wird ein gro�es Geschrei anstimmen, wenn wir genug Pferde f�r alle haben wollen, ganz egal, was du ihm zahlst�, sagte Thom irgendwann. �Und wir brauchen Lastpferde f�r Proviant und Ausr�stung, wenn wir durch den Wald reiten.�</p><p>�Dann fange ich eben an, sie zusammenzukaufen, Thom.</p><p>Wenn wir aufbrechen m�ssen, werden wir genug beisammen haben. Ich wette, ich kann hier ein paar gute Tiere finden. Auch Vanin hat ein gutes Auge. Keine Sorge. Ich sorge daf�r, dass er sie auch bezahlt.� Thom nickte zweifelnd. Er war nicht so davon �berzeugt, dass sich Vanin so sehr ver�ndert hatte.</p><p>�Kommt Aludra mit uns?�, fragte der wei�haarige Mann kurze Zeit sp�ter. �Sie wird ihre ganzen Sachen mitnehmen wollen. Daf�r brauchen wir noch mehr Lastpferde.�</p><p>�Wir haben Zeit, Thom. Es ist noch weit bis zur Grenze von Murandy. Ich wollte nach Norden nach Andor oder nach Osten, falls Vanin einen Weg durch die Berge kennt. Osten w�re besser.� Vanin w�rde nur Schmugglerpfade kennen, der Fluchtweg eines Pferdediebes. Dort w�rde die Wahrscheinlichkeit viel geringer sein, unliebsame Begegnungen zu erleben. Die Seanchaner konnten in Altara �berall sein, und der Weg nach Norden brachte ihn n�her an das Heer, als ihm lieb war.</p><p>Tuon und Selucia kamen zur�ck, und er stand auf und nahm Tuons Umhang vom Stuhl. Auch Thom erhob sich und griff nach Selucias Umhang. �Wir gehen�, sagte Mat und versuchte Tuon den Umhang auf die Schultern zu legen. Selucia riss ihn ihm aus den H�nden.</p><p>�Ich habe aber noch gar keinen Kampf gesehen�, protestierte Tuon viel zu laut. Einige Leute drehten sich um, um sie anzustarren, Kaufleute und M�gde.</p><p>�Ich erkl�re es drau�en�, sagte er leise. �Weitab von neugierigen Ohren.�</p><p>Tuon sah ausdruckslos zu ihm hoch. Er wusste, dass sie z�h war, aber sie war so winzig, wie eine h�bsche Puppe, dass man leicht auf den Gedanken kommen konnte, sie w�rde zerbrechen, wenn man sie zu grob anfasste. Er w�rde tun, was auch immer erforderlich war, um sicherzugehen, dass sie nicht in Gefahr geriet, zerbrochen zu werden. Was auch immer erforderlich war. Schlie�lich nickte sie und lie� sich von Selucia den blauen Umhang umlegen. Thom wollte das Gleiche f�r die blonde Frau tun, aber sie nahm ihm den Umhang ab und legte ihn sich selbst um. Mat konnte sich nicht daran erinnern, jemals gesehen zu haben, dass sie sich dabei helfen lie�.</p><p>Die gewundene Gasse drau�en war menschenleer. Ein brauner Hund betrachtete sie misstrauisch, dann trottete er um die n�chste Biegung. Mat w�hlte genauso schnell die andere Richtung und erkl�rte dabei alles. Falls er Staunen oder Entsetzen erwartet h�tte, w�re er entt�uscht worden.</p><p>�Es k�nnten Ravashi oder Chimal sein�, sagte die kleine Frau nachdenklich, als w�re es blo� eine nette Abwechslung, dass ein ganzes seanchanisches Heer sie t�ten wollte. �Meine beiden Schwestern, die alt genug sind. Aurana ist dazu vermutlich noch zu jung, sie ist erst acht. Ihr w�rdet sagen vierzehn. Chimal ist nicht ambitioniert genug, aber Ravashi ist schon immer der Meinung gewesen, man h�tte besser sie ernannt, nur weil sie �lter ist. Sie k�nnte jemanden geschickt haben, um Ger�chte in die Welt zu setzen f�r den Fall, dass ich eine Zeit lang verschwinde. Das ist wirklich ziemlich schlau von ihr. Falls sie es ist.� So k�hl, als w�rden sie sich �ber das Wetter unterhalten und ob es regnen w�rde.</p><p>�Man k�nnte diese Verschw�rung leicht aus der Welt schaffen, w�re die Hochlady im Tarasin-Palast, wo sie hingeh�rt�, sagte Selucia, und Tuons k�hle Blasiertheit verschwand augenblicklich.</p><p>Oh, ihre Miene wurde so kalt wie die eines Henkers, aber sie fuhr zu ihrer Dienerin herum, und ihre Finger blitzten so schnell auf, dass sie eigentlich h�tten Funken spr�hen m�ssen. Selucia wurde leichenblass; sie sank auf die Knie und senkte den Kopf, blieb zusammengeduckt dort hocken. Ihre Finger bewegten sich nur kurz, und Tuon lie� die H�nde sinken und schaute schwer atmend auf den von einem Schal verh�llten Kopf. Einen Moment sp�ter beugte sie sich vor und zog ihre Dienerin auf die F��e. Ganz nahe bei ihr stehend sagte sie etwas sehr Knappes in der Fingersprache. Selucia gab eine stumme Antwort, Tuon wiederholte die Gesten, und sie wechselten ein zittriges L�cheln. Tr�nen funkelten in ihren Augen. Tr�nen!</p><p>�Verratet ihr mir, worum es dabei ging?�, sagte Mat. Sie wandten ihm die K�pfe zu.</p><p>�Wie sehen Eure Pl�ne aus, Spielzeug?�, fragte Tuon schlie�lich.</p><p>�Nicht Ebou Dar, falls Ihr das meint, mein Juwel. Wenn ein Heer Euch t�ten will, dann wollen es vermutlich alle, und zwischen hier und Ebou Dar gibt es zu viele Soldaten. Aber sorgt Euch nicht; ich werde eine M�glichkeit finden, Euch sicher zur�ckzubringen.�</p><p>�Also denkt Ihr immer�� Ihr Blick glitt an ihm vorbei, ihre Augen weiteten sich, und er schaute �ber die Schulter und sah sieben oder acht M�nner um die letzte Biegung kommen. Jeder Mann hielt ein blankgezogenes Schwert in der Hand. Bei seinem Anblick beschleunigten sich ihre Schritte.</p><p>�Tuon, lauf!�, rief er und wirbelte zu seinen Angreifern herum. �Thom, schaff sie hier weg!� Messer glitten aus den �rmeln in seine H�nde, und er warf sie beinahe gleichzeitig. Die Klinge aus der linken Hand traf einen ergrauenden Mann ins Auge, die aus der rechten einen d�rren Burschen in den Hals. Sie st�rzten, als w�ren ihre Knochen geschmolzen, aber bevor ihre Schwerter auf das Stra�enpflaster klirrten, hatte er bereits zwei neue Messer aus den Stiefelsch�ften gerissen und rannte auf sie zu.</p><p>Sie wurden v�llig �berrascht, weil sie so schnell zwei der ihren verloren hatten und er die Distanz �berbr�ckte, statt zu fliehen. Aber da er so schnell n�her kam und sie sich in der schmalen Stra�e gegenseitig nur im Weg standen, verloren sie gr��tenteils den Vorteil, den ihnen ihre Schwerter �ber seine Messer gaben. Aber leider nur gr��tenteils. Seine Klingen konnten ein Schwert abwehren, aber er stach nur zu, wenn jemand zu einem Sto� ausholte. In k�rzester Zeit hatte er eine pr�chtige Sammlung von Schrammen, an den Rippen, der linken H�fte, auf der rechten Wange � ein Schnitt, der ihm den Hals aufgeschlitzt h�tte, h�tte er ihn nicht gerade noch rechtzeitig zur Seite gerissen. Aber bei einem Fluchtversuch h�tten sie ihn von hinten niedergemacht. Am Leben und blutend war besser als tot.</p><p>Seine H�nde bewegten sich so schnell wie nie, kurze Bewegungen, beinahe zierlich. Angeberei h�tte ihn umgebracht. Ein Messer drang in das Herz eines fetten Kerls und wieder hinaus, bevor der Bursche in die Knie sackte. Er schnitt in die Ellenbeuge eines Mannes, der wie ein Schmied gebaut war, der sein Schwert fallen lie� und unbeholfen mit der linken Hand sein G�rtelmesser zog. Mat ignorierte ihn; der Kerl taumelte bereits durch den Blutverlust, bevor seine Klinge aus der Scheide war. Ein Mann mit kantigem Gesicht keuchte auf, als Mat ihm den Hals unter dem Ohr aufschlitzte. Er dr�ckte eine Hand auf die Wunde, schaffte aber nur zwei Schritte zur�ckzutaumeln, bevor er fiel. Da die M�nner starben, gewannen die anderen an Raum, aber Mat bewegte sich noch schneller, t�nzelte umher, dass ein st�rzender Gegner ihn vor einem Schwerthieb besch�tzte, w�hrend er in den Schlag eines Dritten hineindr�ngte. F�r ihn bestand die Welt nur aus seinen beiden Messern und den M�nnern, die sich gegenseitig im Weg standen, um ihn zu erwischen, und seine Klingen zielten nach den Stellen, wo man am heftigsten blutete. Einige dieser Erinnerungen stammten von M�nnern, die alles andere als nett gewesen waren.</p><p>Und dann, welch ein Wunder, heftig blutend, aber zu erhitzt, um den Schmerz schon vollst�ndig zu sp�ren, stand er vor dem letzten Gegner, den er zuvor gar nicht bemerkt hatte. Sie war jung und schlank, trug zerlumpte Kleidung, und man h�tte sie als h�bsch bezeichnen k�nnen, w�re ihr Gesicht sauber und ihre Z�hne nicht gebleckt gewesen. Der Dolch, den sie von Hand zu Hand warf, wies eine doppelseitig geschliffene Klinge von der zweifachen L�nge seiner Hand auf.</p><p>�Du hast keine Chance, das zu Ende zu bringen, worin die anderen zusammen versagt haben�, sagte er zu ihr. �Lauf. Ich lasse dich unbeschadet gehen.�</p><p>Mit dem Aufschrei einer Wildkatze st�rzte sie sich auf ihn, hieb und stach um sich. Er konnte nur unbeholfen r�ckw�rts t�nzeln und versuchen, sie abzuwehren. Sein Stiefel glitt in einer Blutpf�tze aus, und als er stolperte, wusste er, dass er sterben w�rde.</p><p>Pl�tzlich war Tuon da, mit der linken Hand packte sie das Handgelenk der jungen Frau � leider nicht das Gelenk der Dolchhand � und verdrehte es, sodass der Arm gerade ausgestreckt nach hinten gerissen wurde. Das M�dchen war gezwungen, sich nach vorn zu kr�mmen. Und dann spielte es keine Rolle mehr, in welcher Hand sie den Dolch hielt, denn Tuons rechte Handkante blitzte wie eine Axt auf und traf ihre Kehle so hart, dass er Knorpel brechen h�rte. W�rgend griff sie nach ihrer zerst�rten Kehle, dann sackte sie auf die Knie, kippte zur Seite, noch immer heiser nach Atem ringend.</p><p>�Ich habe dir gesagt, du sollst gehen�, sagte Mat, sich nicht sicher, wen der beiden er eigentlich meinte.</p><p>�Ihr habt Euch um ein Haar von ihr umbringen lassen, Spielzeug�, sagte Tuon ernst. �Warum?�</p><p>�Ich habe mir geschworen, nie wieder eine Frau zu t�ten�, erwiderte er m�de. Sein Blut k�hlte wieder ab, und beim Licht, er hatte Schmerzen! �Sieht so aus, als h�tte ich diesen Mantel ruiniert�, murmelte er und fummelte an einem der blutbesudelten Schlitze herum. Die Bewegung lie� ihn aufst�hnen. Wann war er am linken Arm getroffen worden?</p><p>Ihr Blick schien sich in seinen Sch�del zu bohren, und sie nickte, als h�tte sie eine Entscheidung getroffen.</p><p>Thom und Selucia standen ein St�ck weiter die Stra�e hinunter, vor dem Grund, warum Tuon noch immer hier war, vor mehr als einem halben Dutzend Leichen, die verkr�mmt auf dem Pflaster lagen. Thom hielt ein Messer in jeder Hand und gestattete Selucia, durch den Riss in seinem Mantel eine Wunde an seinen Rippen zu untersuchen. Nach den dunkel glitzernden Flecken auf seinem Mantel zu urteilen, schien er seltsamerweise weniger Verletzungen als Mat zu haben. Mat fragte sich, ob Tuon dort ebenfalls an dem Kampf teilgenommen hatte, aber er konnte an ihr keine Blutflecken entdecken. Selucia hatte einen blutigen Schnitt am linken Arm, der sie aber nicht zu behindern schien.</p><p>�Ich bin ein alter Mann�, sagte Thom pl�tzlich, �und manchmal glaube ich Dinge zu sehen, die nicht sein k�nnen, aber gl�cklicherweise vergesse ich sie immer.�</p><p>Selucia hielt inne, um ihn k�hl anzusehen. Sie mochte eine Dienerin sein, aber Blut schien sie nicht im Mindesten zu st�ren. �Und was k�nntet Ihr versuchen zu vergessen?�</p><p>�Ich kann mich nicht erinnern�, erwiderte Thom. Selucia nickte und k�mmerte sich wieder um seine Wunden.</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf. Manchmal war er sich nicht ganz sicher, ob Thom noch immer seinen Verstand richtig beisammen hatte. Aber was das anging, schien auch Selucia gelegentlich nicht alle Tassen im Schrank zu haben.</p><p>�Die da wird nicht �berleben, um sie der Befragung zu unterziehen�, sagte Tuon und blickte stirnrunzelnd auf die Frau herunter, die zuckend und nach Atem ringend zu ihren F��en lag. �Und sie kann nicht sprechen, selbst wenn sie es schaffen sollte.� Sie b�ckte sich geschmeidig, hob den Dolch der Frau auf und trieb ihn ihr hart unterhalb des Brustbeins in den Leib. Der keuchende Kampf nach Luft verstummte; brechende Augen starrten auf den schmalen Streifen Himmel �ber ihnen. �Eine Gnade, die sie nicht verdient hat, aber ich sehe keinen Sinn in nutzlosem Leiden. Ich habe gewonnen, Spielzeug.�</p><p>�Ihr habt gewonnen? Was meint Ihr?�</p><p>�Ihr habt mich zuerst mit meinem Namen angesprochen, also habe ich gewonnen.�</p><p>Mat pfiff leise durch die Z�hne. Wann immer er zu wissen glaubte, wie hart und z�h sie tats�chlich war, fand sie eine M�glichkeit, ihm zu zeigen, dass er nicht einmal die H�lfte wusste. H�tte jemand zuf�llig aus dem Fenster gesehen, h�tte dieser Stich bestimmt Fragen beim �rtlichen Magistrat aufgeworfen, vielleicht vor Lord Nathin h�chstpers�nlich. Aber es gab keine Gesichter in den Fenstern, soweit er sehen konnte. Nach M�glichkeit vermieden es die Leute, in solche Angelegenheiten verwickelt zu werden. W�hrend des Kampfes h�tten durchaus Tr�ger oder Karrenfahrer vorbeikommen k�nnen. Aber falls das geschehen war, hatten sie so schnell umgedreht, wie sie nur konnten. Ob einer von ihnen Lord Nathins W�chter gerufen h�tte, war allerdings eine andere Frage. Aber Mat hatte keine Furcht vor Nathin und dem Magistrat. Zwei M�nner, die zwei Frauen eskortierten, griffen nicht mehr als ein Dutzend Schwerttr�ger an. Vermutlich waren diese Burschen und die ungl�ckselige junge Frau den Stadtwachen wohlbekannt.</p><p>Er hinkte los, um seine Wurfmesser wieder einzusammeln, hielt aber kurz inne, w�hrend er dem Grauhaarigen die Klinge aus dem Auge zog. Er hatte dieses Gesicht vorher nicht genau registriert. Alles war zu schnell gegangen, um sich mehr als nur oberfl�chlichen Eindr�cken bewusst zu werden. Er wischte das Messer sorgf�ltig am Mantel des Toten ab und schob es zur�ck in den �rmel, w�hrend er sich aufrichtete. �Unsere Pl�ne haben sich ge�ndert, Thom. Wir verlassen Maderin so schnell wir k�nnen, und wir verlassen den Zirkus so schnell wir k�nnen. Luca wird uns so schnell loswerden wollen, dass er uns alle Pferde gibt, die wir brauchen.�</p><p>�Das muss angezeigt werden, Spielzeug�, sagte Tuon ernst. �Das zu unterlassen ist genauso gesetzlos wie das, was sie getan haben.�</p><p>�Kennst du den Kerl?�, fragte Thom.</p><p>Mat nickte. �Er hei�t Vane, und ich glaube kaum, dass irgendjemand in dieser Stadt glauben wird, dass ein angesehener Kaufmann uns auf der Stra�e angreift. Luca wird uns Pferde geben, um uns loszuwerden.� Es war sehr seltsam. Der Mann hatte nicht eine M�nze an ihn verloren, hatte nicht einmal eine M�nze gesetzt. Also, warum? Sehr seltsam. Und Grund genug, schnell zu verschwinden.</p></section><section><title><p>12</p><p>Eine Manufaktur</p></title><p>Die amadicianische Mittagssonne brannte warm auf Perrins Kopf, w�hrend er unter wei�en Wolken Steher auf die D�cher von Almizar zutrieb, einhundert Meilen s�dwestlich von Amador. Ungeduldig lie� er den Braunen traben. Soweit das Auge reichte, erstreckten sich Bauernh�fe beiderseits der Stra�e, strohgedeckte Steinh�user, aus deren Schornsteinen Rauch emporstieg und H�hner vor den Scheunen im Staub scharrten. Schafe mit dicken Schw�nzen und schwarzgeflecktes Milchvieh grasten auf von Steinmauern umgebenen Weiden, w�hrend M�nner und Jungen Felder pfl�gten oder auf bereits gepfl�gten s�ten. Es schien Waschtag zu sein; hinter den H�usern konnte er gro�e Kessel auf Feuern sehen; Frauen und M�dchen h�ngten auf langen Leinen Hemden und Blusen und Bettleinen zum Trocknen auf. Hier gab es keine Wildnis, bestenfalls weit verstreute Ansammlungen von Unterholz, von denen die meisten sauber beschlagen waren, um Feuerholz zu liefern.</p><p>Er griff mit seinem Geist zu, um W�lfe zu finden, und fand nichts. Das war keine �berraschung. Bei so vielen Menschen und so gez�hmten Landstrichen hielten sich W�lfe fern. Der Wind frischte auf, und er zog den Umhang enger. Trotz der Notwendigkeit eines gro�en Auftritts war er aus einfacher brauner Wolle. Sein einziger Seidenumhang war mit Pelz gef�ttert und f�r diesen Tag zu warm. Der gr�ne Seidenmantel mit den Silberstickereien w�rde reichen m�ssen. Das und seine Umhangnadel, zwei Wolfsk�pfe in Silber und Gold. Ein Geschenk von Faile. Sie war ihm immer zu prunkvoll erschienen, um sie tragen zu k�nnen, aber an diesem Morgen hatte er sie vom Boden einer Truhe geholt. Ein kleines Etwas, um den schlichten Umhang auszugleichen.</p><p>�berraschenderweise lagerten Kesselflickerkarawanen auf Feldern um die Stadt herum, f�nf davon in seinem Blickfeld. Elyas zufolge gab es immer ein Fest, wenn sich zwei Karawanen begegneten, und die Begegnung von dreien hatte tagelange Festivit�ten zur Folge, aber gr��ere Zusammentreffen kamen nur selten vor, ausgenommen im Sommer, am Sonnentag, wenn sie ihre Treffpunkte hatten. Perrin w�nschte sich fast, Aram mitgenommen zu haben, trotz des Risikos, dass Masema zu viel erfuhr. H�tte der Mann etwas Zeit bei seinem Volk verbringen k�nnen, vielleicht h�tte er sich ja entschieden, das Schwert niederzulegen. Das war die beste L�sung, die Perrin f�r ein schwieriges Problem einfiel, auch wenn es vermutlich nicht funktionieren w�rde. Aram mochte das Schwert; vielleicht sogar zu sehr. Aber er konnte ihn nicht wegschicken. Er hatte Aram das Schwert so gut wie in die Hand gedr�ckt, und jetzt waren Aram und das Schwert seine Verantwortung. Allein das Licht wusste, was aus dem Mann werden w�rde, wenn er tats�chlich zu Masema �berlief.</p><p>�Ihr betrachtet die Tuatha�an und runzelt die Stirn, mein Lord�, sagte Generalin Khirgan. Er konnte ihren genuschelten Akzent mittlerweile besser verstehen, jetzt, da sie einige Zeit miteinander verbracht hatten. �Hattet Ihr in euren L�ndern Probleme mit ihnen? Zu Hause kennen wir so etwas gar nicht, aber soweit ich wei�, besteht der einzige �rger mit ihnen darin, dass die Ortsans�ssigen sie immer vertreiben wollen. Angeblich sollen sie gro�e Diebe sein.�</p><p>Sie und Mishima waren heute herausgeputzt. Sie trugen blaue, mit Rot und Gelb besetzte Umh�nge und rote M�ntel mit blauen Manschetten und mit gelben R�ndern versehenen Aufschl�gen. Drei kleine vertikale blaue Streifen in der Form d�nner Federn seanchanischer Helme auf der linken Brust verrieten ihren Rang; Mishima trug zwei davon. Das Dutzend Soldaten hinter ihnen ritt jedoch in voller gestreifter R�stung und bemalten Helmen; sie hielten die mit Stahlspitzen versehene Lanzen in exakt gleicher Ausrichtung. Die Gruppe von Failes Anh�ngern folgte den Seanchanern. Sie bestand ebenfalls aus zw�lf Personen, die stolz tairenische M�ntel mit aufgeplusterten, mit Satinstreifen versehenen �rmeln beziehungsweise dunkle cairhienische M�ntel mit den Streifen der Hausfarben auf der Brust trugen, aber trotz ihrer Schwerter sahen sie nicht mal ann�hernd so gef�hrlich wie die Soldaten aus und schienen das auch zu wissen. Wann immer eine B�e von hinten kam, trug sie Spuren von Gereiztheit heran, die garantiert nicht von den Seanchanern stammte. Die Soldaten rochen nach Ruhe, nach Geduld, wie W�lfe, die wussten, dass sie ihre Rei�z�hne m�glicherweise bald einsetzen w�rden, aber nicht jetzt. Noch nicht.</p><p>�Ach, sie stehlen gelegentlich ein Huhn, General�, sagte Neald mit einem Lachen und zog an seinem d�nnen, gewachsten Schnurrbart. �Aber ich w�rde sie nicht als gro�e Diebe bezeichnen.� Er hatte das Erstaunen der Seanchaner �ber das Wegetor, das sie alle hergebracht hatte, ausgesprochen genossen, und er posierte noch immer hochm�tig, brachte es fertig herumzustolzieren, obwohl er doch im Sattel sa�. Es fiel schwer, sich ins Ged�chtnis zur�ckzurufen, dass er noch immer auf dem Hof seines Vaters arbeiten w�rde und vermutlich in ein, zwei Jahren �ber die Heirat mit einer Nachbarstochter nachgedacht h�tte, h�tte er sich nicht den schwarzen Mantel verdient. �Ordentliche Diebst�hle erfordern Mut, und so etwas haben Kesselflicker nicht.�</p><p>Balwer, der in seinen dunklen Umhang geh�llt zusammengekr�mmt auf seinem Pferd sa�, zog eine Grimasse; vielleicht sollte es auch ein L�cheln sein. Das war bei dem vertrockneten kleinen Mann schwer zu sagen, solange Perrin nicht seinen Geruch auffing. Die beiden begleiteten ihn beinahe aus dem gleichen Grund, aus dem Khirgan und Mishima von einer grauhaarigen <emphasis>Sul�dam</emphasis> und ihrer <emphasis>Damane</emphasis> begleitet wurden, deren dunkles Haar graue Str�hnen aufwies: angeblich um die Anzahl auszugleichen. F�r die Seanchaner z�hlten <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> als eine Person, wenn sie durch die mehrgliederige Metallleine verbunden wurden. Perrin h�tte es gereicht, allein mit Neald zu kommen, oder h�chstens mit Neald und Balwer, doch Tallanvor hatte Recht mit den Seanchanern und ihrem Beharren auf dem Protokoll behalten.</p><p>Die Gespr�che hatten sich drei Tage lang hingezogen, und auch wenn sie einige Zeit mit der Frage verbracht hatten, ob man Perrins Plan folgen oder ihn in das einarbeiten sollte, was sich Tylee einfallen lassen w�rde � wobei sie am Ende nachgab, weil ihr nichts Besseres einfiel �, hatte man einen guten Teil davon mit der Diskussion dar�ber verschwendet, wie viele Leute jede Seite mit hierher nehmen sollte. Es hatte bei beiden dieselbe Zahl sein m�ssen, und die Bannergeneralin hatte einhundert Soldaten und zwei <emphasis>Damane</emphasis> mitnehmen wollen. Um der Ehre willen. Sie war erstaunt gewesen, dass er �berhaupt dazu bereit war, mit weniger zu kommen, und hatte es auch erst dann akzeptieren wollen, nachdem er sie darauf hingewiesen hatte, dass jeder von Failes Leuten in seinem oder ihrem Land ein Adliger war. Er hatte das Gef�hl, dass sie glaubte, hereingelegt worden zu sein, weil sie die R�nge ihrer Eskorte nicht mit entsprechenden Leuten aufstocken konnte. Diese Seanchaner waren schon ein merkw�rdiges Volk. Oh, sie repr�sentierten auf jeden Fall verschiedene Seiten, da bestand kein Zweifel. Diese Allianz war auf Zeit begrenzt, ganz zu schweigen davon, dass sie sehr zerbrechlich war, und die Bannergeneralin war sich dessen genauso sehr bewusst wie er.</p><p>�Sie haben mir zweimal Unterkunft gew�hrt, als ich sie brauchte, mir und meinen Freunden, und haben daf�r nichts haben wollen�, sagte Perrin bed�chtig. �Aber das, woran ich mich im Zusammenhang mit ihnen am deutlichsten erinnere, war, als die Trollocs Emondsfelde umzingelten. Die Tuatha�an standen mit auf den R�cken geschnallten Kindern auf dem Dorfgr�n, den wenigen, die von ihren Kindern �berlebt hatten und den unseren. Sie wollten nicht k�mpfen � das ist nicht ihre Lebensart �, aber sie waren zu dem Versuch bereit, die Kinder in Sicherheit zu bringen, falls uns die Trollocs �berrannt h�tten. Unsere Kinder zu tragen h�tte sie behindert, eine erfolgreiche Flucht noch unwahrscheinlicher gemacht, als sie ohnehin schon war, aber sie haben um diese Aufgabe gebeten.� Neald hustete peinlich ber�hrt und schaute zur Seite. Seine Wangen r�teten sich. Was auch immer er bereits alles gesehen und getan hatte, er war noch ung, gerade mal siebzehn. Diesmal war Balwers schmales L�cheln eindeutig.</p><p>�Ich glaube, Euer Leben g�be eine gute Geschichte ab�, sagte die Generalin, und ihre Miene lud ihn ein, noch mehr zu erz�hlen.</p><p>�Ich w�nschte mir, mein Leben w�re ganz normal�, sagte er zu ihr. Ein Mann, der nur Frieden wollte, hatte nichts in Geschichten verloren.</p><p>�Eines Tages w�rde ich gern einige dieser Trollocs sehen, von denen ich immer h�re�, sagte Mishima, als die Pause zu lange wurde. In seinem Geruch lag ein Hauch Belustigung, aber er strich auch �ber den Schwertgriff, m�glicherweise unbewusst.</p><p>�Nein, w�rdet Ihr nicht�, sagte Perrin zu ihm. �Fr�her oder sp�ter werdet Ihr Eure Chance bekommen, aber es wird Euch nicht gefallen.� Nach einem Moment nickte der narbige Mann ernst, und die Belustigung verschwand. Er musste endlich daran glauben, dass Trollocs und Myrddraal mehr waren als die Spukgeschichten von Reisenden. Falls er noch Zweifel hatte, es n�herte sich der Zeitpunkt, der seine Zweifel f�r immer ausl�schen w�rde.</p><p>Sie betraten Almizar, und als sie auf einen schmalen Karrenweg zum n�rdlichen Stadtende einbogen, verdr�ckte sich Balwer. Medore begleitete ihn. Sie war eine hochgewachsene Frau, fast so dunkel wie Tylee, aber mit dunkelblauen Augen. Sie trug dunkle Hosen und einen M�nnermantel mit rot gestreiften �rmeln, sowie ein Schwert an ihrer H�fte. Balwer ritt zusammengesunken, ein Vogel, der unsicher auf einem Sattel hockte, Medore hoch aufgerichtet und stolz, jeder Fu� die Tochter eines Hochlords und Anf�hrerin von Failes Anh�ngern. Allerdings folgte sie Balwer, statt an seiner Seite zu reiten. Anscheinend schienen Failes Anh�nger es akzeptiert zu haben, von dem umst�ndlichen kleinen Mann Befehle zu bekommen. Es machte sie zu einem viel kleineren �rgernis, als sie einst gewesen waren; tats�chlich machte es sie sogar auf mancherlei Weise n�tzlich, was Perrin f�r unm�glich gehalten h�tte. Die Bannergeneralin hatte nichts gegen ihr Gehen einzuwenden, auch wenn sie ihnen nachdenklich hinterherschaute.</p><p>�Nett von der Lady, die Freundin eines Dieners zu besuchen�, meinte sie nachdenklich. Das war die Geschichte, die Balwer verbreitet hatte, dass er eine Frau gekannt hatte, die in Almizar lebte, und Medore wollte sie besuchen, falls sie noch am Leben war.</p><p>�Medore ist eine freundliche Frau�, erwiderte Perrin. �So sind unsere Br�uche, nett zu unserer Dienerschaft zu sein.� Tylee warf ihm einen Blick zu, nur einen, aber er rief sich ins Ged�chtnis zur�ck, sie nicht zu untersch�tzen. Es war zu schade, dass er nichts �ber seanchanische Br�uche wusste, oder sie h�tten sich eine bessere Geschichte einfallen lassen. Aber Balwer war wild darauf gewesen � soweit er dazu f�hig war-, diese Gelegenheit zu nutzen, um Informationen dar�ber zu sammeln, was in Amadicia unter den Seanchanern vorging. Perrin konnte daf�r kaum Interesse aufbringen. Im Moment war nur Faile wichtig. Sp�ter konnte er sich dann �ber andere Dinge Sorgen machen.</p><p>Direkt n�rdlich von Almizar hatte man die Steinmauern, die sieben oder acht Felder aufgeteilt hatten, entfernt, um einen gro�en Platz zu schaffen, dessen Erde anscheinend gr�ndlich von Eggen gepfl�gt worden war. Eine gro�e seltsame Kreatur, auf deren R�cken zwei mit Kapuzen verh�llte Leute sa�en, rannte dort unbeholfen auf zwei Beinen entlang, die f�r ihre Gr��e spindeld�rr erschienen. Aber eigentlich traf es �seltsam� nicht einmal ann�hernd. Lederh�utig und grau war das Ding gr��er als ein Pferd, wenn man den angen, schlangenhaften Hals und den d�nnen, noch l�ngeren Schwanz nicht mitz�hlte, den sie steif ausgestreckt hatte, m Lauf schlug sie mit Schwingen, die gerippt wie die einer :ledermaus und so lang wie die meisten Flussschiffe waren, �errin hatte solche Tiere bereits zuvor gesehen, aber nur in der Luft und aus der Ferne. Tylee hatte ihm gesagt, dass man sie <emphasis>Raken</emphasis> nannte. Die Kreatur erhob sich langsam und schwerf�llig in die Luft und passierte gerade eben die Wipfel eines beschnittenen Baumbestandes am Ende des Feldes. Er legte den Kopf in den Nacken, um dem <emphasis>Raken</emphasis> nachzusehen, der langsam in den Himmel stieg, w�hrend die Unbeholfenheit beim Flug verschwand. Das w�re schon eine tolle Sache, auf einem von ihnen zu fliegen. Er unterdr�ckte den Gedanken, besch�mt und w�tend, dass er sich ablenken lie�.</p><p>Die Bannergeneralin z�gelte ihren Braunen und betrachtete das Feld stirnrunzelnd. Am anderen Ende f�tterten M�nner vier weitere der seltsamen Tiere, hielten ihnen gro�e K�rbe zum Fressen hin, hornige Schnauzen sch�ssen hinein und hornige M�uler mahlten. Perrin wollte gar nicht wissen, was eine Kreatur, die so aussah, wohl fra�. �Sie m�ssten hier mehr <emphasis>Raken</emphasis> haben�, murmelte sie. �Wenn das alle sind .. .�</p><p>�Wir nehmen, was wir kriegen k�nnen, und gehen wieder�, sagte Perrin. �Wir wissen bereits, wo die Shaido sind.�</p><p>�Ich w�rde gern wissen, ob etwas hinter mir aufmarschiert�, sagte sie trocken zu ihm und legte wieder an Tempo zu.</p><p>Auf einem nahe gelegenen Bauernhof, der allem Anschein nach von den Seanchanern �bernommen worden war, sa�en etwa ein Dutzend Soldaten an Tischen, die wahllos vor dem Haus mit dem Strohdach aufgestellt worden waren, und w�rfelten. Andere gingen in der steinernen Scheune ein und aus, obwohl Perrin keine Spur von Pferden sah. Abgesehen von einem Gespann an einem Wagen, der von zwei M�nnern in grober Wollkleidung entladen wurde. Zumindest nahm Perrin an, dass es sich bei den anderen um Soldaten handelte. Fast die H�lfte waren Frauen, die M�nner gr��tenteils so klein wie die Frauen, und niemand hatte ein Schwert; alle trugen eng sitzende blaue M�ntel, und jeder hatte zwei Messer in Scheiden, die an ihren eng sitzenden Stiefeln festgen�ht waren. Uniformen deuteten auf Soldaten hin.</p><p><emphasis>Mat w�rde sich bei diesem Haufen sofort wie zu Hause f�hlen,</emphasis> dachte er, sah zu, wie sie bei erfolgreichen W�rfen lachten und bei schlechten st�hnten. In seinem Kopf wirbelten diese Farben auf, und einen Augenblick lang sah er Mat von einer Stra�e abbiegen und in einen Wald reiten, gefolgt von einer Reihe Reitern und Lastpferden. Nur einen Augenblick lang, weil er das Bild sofort verdr�ngte, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, warum Mat in den Wald ritt oder wer seine Begleiter waren. Allein Faile z�hlte. An diesem Morgen hatte er den einundf�nfzigsten Knoten in die Lederschnur gekn�pft, die er in der Tasche trug. Seit einundf�nfzig Tagen war sie nun eine Gefangene. Er hoffte, dass sie so lange eine Gefangene gewesen war. Es w�rde bedeuten, dass sie noch am Leben war, um gerettet zu werden. Wenn sie tot war� Seine Faust verkrampfte sich um den Kopf des Hammers, der an seinem G�rtel hing, verkrampfte sich, bis seine Kn�chel schmerzten.</p><p>Ihm wurde bewusst, dass die Bannergeneralin und Mishima ihn betrachteten, Mishima voller Misstrauen, die Hand in der N�he des Schwertgriffes, Tylee nachdenklich. Eine zerbrechliche Allianz, mit wenig Vertrauen auf beiden Seiten. �Einen Augenblick lang habe ich geglaubt, Ihr wolltet vielleicht die Flieger t�ten�, sagte sie ruhig. �Ihr habt mein Wort. Wir werden Eure Frau befreien. Oder sie r�chen.�</p><p>Perrin holte schaudernd Luft und lie� den Hammer los.</p><p>Faile musste noch am Leben sein. Alyse hatte gesagt, sie w�rde unter ihrem Schutz stehen. Aber f�r wie viel Schutz konnte die Aes Sedai sorgen, wo sie doch selbst das Wei� der <emphasis>Gai�schain</emphasis> trug? �Bringen wir es hinter uns. Die Zeit vergeht.� Wie viele Knoten w�rde er noch in die Lederschnur kn�pfen m�ssen? Gebe das Licht, dass es nicht mehr viele sein w�rden.</p><p>Er stieg ab und gab Carlon Belcelona Stehers Z�gel, einem glatt rasierten Tairener mit langer Nase und einem ungl�cklich schmalen Kinn. Carlon hatte die Angewohnheit, an diesem Kinn herumzufingern, so als w�rde er sich fragen, wo sein Bart geblieben war, oder er fuhr sich �ber das Haar, als w�rde er sich fragen, warum es im Nacken zusammengebunden war und der Pferdeschwanz bis zu seinen Schultern reichte. Aber davon abgesehen gab es keine weiteren Anzeichen, dass er das alberne Getue aufgeben w�rde, die Aielbr�uche zu imitieren, genauso wenig wie die anderen. Balwer hatte ihnen ihre Instruktionen gegeben, und immerhin gehorchten sie ihnen. Die meisten von ihnen �berlie�en ihre Pferde bereits anderen und befanden sich auf dem Weg zu den Tischen; einige holten M�nzen hervor, andere boten mit Wein gef�llte Feldflaschen an. Die die Soldaten seltsamerweise ablehnten, auch wenn es den Anschein hatte, dass jeder, der Silber hatte, bei ihren Spielen willkommen war.</p><p>Perrin warf nur einen fl�chtigen Blick in ihre Richtung, steckte seine Panzerhandschuhe in den G�rtel und folgte den beiden Seanchanern ins Haus, schlug den Umhang zur�ck, damit der Seidenmantel zu sehen war. Wenn er wieder herauskam, w�rden Failes Anh�nger � die vermutlich auch seine Anh�nger waren � in der Zwischenzeit viel von dem in Erfahrung gebracht haben, was diese M�nner und Frauen wussten. Eines hatte er von Balwer gelernt. Wissen konnte sehr n�tzlich sein, und man wusste nie, welches aufgeschnappte Bruchst�ck sich wertvoller als Gold erweisen mochte. Aber im Augenblick w�rden die einzigen Informationen, an denen er interessiert war, nicht von diesem Ort kommen.</p><p>Der Vorderraum des Bauernhauses war mit der T�r zugewandten Tischen gef�llt, an denen Schreiber emsig �ber Papiere gebeugt sa�en. Der einzige Laut war das Kratzen von Federn auf Papier und das hartn�ckige Husten eines Mannes. Die M�nner trugen dunkelbraune M�ntel und Hosen, die Frauen Kleider in genau demselben Farbton. Ein paar hatten Anstecknadeln aus Silber oder Messing in Form einer Schreibfeder. Anscheinend hatten die Seanchaner Uniformen f�r alles. Ein pausb�ckiger Bursche im hinteren Teil des Raumes mit zwei Silberfedern auf der Brust stand auf und verneigte sich bei Tylees Eintreten tief, und sein Bauch dr�ngte gegen den Stoff. Ihre Stiefel polterten laut auf den Holzdielen, als sie zwischen den Tischen auf ihn zugingen. Er richtete sich erst wieder auf, nachdem sie seinen Tisch erreicht hatten.</p><p>�Tylee Khirgan�, sagte sie knapp. �Ich will mit demjenigen reden, der hier das Kommando hat.�</p><p>�Wie die Bannergeneralin befiehlt�, erwiderte der Bursche dem�tig, machte noch eine tiefe Verbeugung und eilte durch eine T�r hinter ihm.</p><p>Der Schreiber, der hustete, ein Bursche mit glattem Gesicht, der j�nger als Perrin war und seinem Aussehen nach von den Zwei Fl�ssen h�tte stammen k�nnen, hustete noch st�rker und hielt die Hand vor den Mund. Er r�usperte sich laut, aber das raue Husten kehrte zur�ck.</p><p>Mishima sah ihn stirnrunzelnd an. �Der Kerl sollte nicht hier sein, wenn er krank ist�, murmelte er. �Was, wenn es ansteckend ist? Im Moment h�rt man st�ndig von allen m�glichen seltsamen Krankheiten. Ein Mann ist bei Sonnenaufgang noch gesund und bei Sonnenuntergang eine aufgequollene Leiche, und keiner wei�, woran er gestorben ist. Ich habe von einer Frau geh�rt, die innerhalb einer Stunde verr�ckt wurde, und jeder, der sie ber�hrte, wurde ebenfalls verr�ckt. Nach drei Tagen waren sie und ihr ganzes Dorf tot, jedenfalls jene, die nicht geflohen waren.� Er vollf�hrte eine seltsame Geste, formte mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis, w�hrend er die restlichen Finger eng kr�mmte.</p><p>�Ihr wisst es besser, als Ger�chten zu glauben oder sie zu wiederholen�, sagte die Bannergeneralin scharf und machte dieselbe Geste. Sie schien sich dessen gar nicht bewusst zu sein.</p><p>Der dicke Schreiber erschien wieder und hielt einem Mann mit hagerem Gesicht und grauen Haaren die T�r auf; dort, wo sein rechtes Auge gewesen war, hing nun eine schwarze Lederklappe. Eine wulstige wei�e Narbe lief seine Stirn herunter, verschwand hinter der Klappe und f�hrte dann �ber die Wange. Er war so klein wie die M�nner drau�en und trug einen Mantel von einem dunkleren Blau mit zwei kleinen wei�en Streifen auf der Brust, obwohl auch er die gleichen Messerscheiden an die Stiefel gen�ht hatte.</p><p>�Blasic Faloun, Bannergeneralin�, sagte er mit einer Verbeugung, w�hrend der Schreiber zu seinem Tisch eilte. �Wie kann ich Euch dienen?�</p><p>�Hauptmann Faloun, wir m�ssen unter .. .� Tylee wurde unterbrochen, als der Mann, der gehustet hatte, auf die F��e sprang und sein Hocker krachend umst�rzte.</p><p>Er hielt sich den Leib, kr�mmte sich zusammen und erbrach einen schwarzen Strom, der sich am Boden in einen Schw�rm winziger schwarzer K�fer aufteilte, die in alle Richtungen sch�ssen. Jemand fluchte, was in der Totenstille schockierend laut klang. Der junge Mann starrte die K�fer entsetzt an, sch�ttelte den Kopf, als k�nnte er sie ungeschehen machen. Mit wildem Blick schaute er sich in dem Raum um, sch�ttelte den Kopf und �ffnete den Mund, als wollte er noch etwas sagen.</p><p>Stattdessen kr�mmte er sich wieder und spuckte einen weiteren schwarzen Strom aus, diesmal viel l�nger, wieder K�fer, die �ber den Boden eilten. Seine Gesichtshaut geriet in Bewegung, als w�rden weitere K�fer in seinem Sch�del umherkrabbeln.</p><p>Eine Frau schrie auf, ein lang gezogener Entsetzensschrei, und pl�tzlich br�llten die Schreiber durcheinander und sprangen auf, kippten in ihrer Hast Hocker und sogar Tische um, wichen hektisch den krabbelnden schwarzen Insekten aus.</p><p>Der Mann erbrach sich immer wieder, sank auf die Knie, kippte dann nach vorn, zuckte wild, w�hrend er in einem stetigen Strom immer neue K�fer ausspuckte. Er schien irgendwie .. . flacher zu werden. Sein K�rper sackte zusammen. Die Kr�mpfe h�rten auf, aber aus seinem aufklaffenden Mund ergossen sich noch immer schwarze K�fer und breiteten sich auf dem Boden aus. Endlich � es hatte den Anschein, als h�tte das alles eine Stunde gedauert, dabei konnte es nicht mehr als eine Minute oder zwei gewesen sein �, endlich wurde der Insektenstrom d�nner und h�rte dann auf. Von dem Burschen blieb nur ein blasses, flaches Etwas in seinen Kleidern �brig, wie ein Weinschlauch, den man geleert hatte. Das Gebr�ll ging nat�rlich weiter. Die H�lfte der Schreiber stand auf den Tischen, die nicht umgest�rzt waren, M�nner wie Frauen, fluchten oder beteten oder manchmal abwechselnd auch beides, so laut sie nur konnten. Die andere H�lfte war nach drau�en geflohen. �berall krabbelten kleine schwarze K�fer herum. Der Raum stank nach Entsetzen.</p><p>�Ich habe ein Ger�cht geh�rt�, sagte Faloun heiser. Seine Stirn war schwei�bedeckt. Er roch nach Furcht. Kein Entsetzen, sondern eindeutig Furcht. �Von �stlich von hier. Aber da waren es Tausendf��ler. Kleine schwarze Tausendf��ler.� Ein paar K�fer eilten auf ihn zu, und er wich mit einem Fluch zur�ck, machte dabei die gleiche seltsame Geste wie Tylee und Mishima zuvor.</p><p>Perrin zertrat die K�fer. Seine Nackenhaare wollten sich str�uben, aber nur Faile war wichtig. Nur sie! �Das sind blo� Bohrerk�fer. Man findet sie in fast jedem verrottetem Holz.�</p><p>Der Mann zuckte zusammen, hob den Blick und zuckte erneut zusammen, als er Perrins Augen bemerkte. Ihm fiel der Hammer an Perrins G�rtel auf, und er warf der Bannergeneralin einen schnellen, �berraschten Blick zu. �Diese K�fer kamen aus keinem Holz. Sie sind das Werk des Seelenbinders!�</p><p>�Das mag schon sein�, erwiderte Perrin ruhig. Vermutlich war Seelenbinder ein Name f�r den Dunklen K�nig. �Es macht keinen Unterschied.� Er hob den Fu� und zeigte die zerquetschten Panzer von sieben oder acht Insekten. �Sie k�nnen get�tet werden. Und ich kann meine Zeit nicht mit K�fern verschwenden, die ich zertreten kann.�</p><p>�Wir m�ssen unter vier Augen reden, Hauptmann�, f�gte Tylee hinzu. Auch ihr Geruch war voller Furcht, aber sie hatte sie fest unter Kontrolle. Mishimas Hand war zu der seltsamen Geste erstarrt. Seine Furcht war fast so kontrolliert wie die ihre.</p><p>Faloun riss sich sichtlich zusammen, der Angstgeruch verwehte. Er ging nicht weg, aber er hatte sich jetzt wieder unter Kontrolle. Allerdings vermied er es, die K�fer anzusehen.</p><p>�Wie Ihr befehlt, Bannergeneralin. Atal, kommt vom Tisch herunter und lasst diese� diese Dinger hier rausfegen. Und sorgt daf�r, dass Mehtan den Riten entsprechend begraben wird.� Der dicke Schreiber verbeugte sich, bevor er vom Tisch kletterte, und dann noch einmal, als er wieder auf dem Boden stand, aber der Hauptmann hatte sich bereits abgewandt. �Wenn Ihr mir folgen m�chtet, Bannergeneralin?�</p><p>Sein Arbeitszimmer war vermutlich einst ein Schlafzimmer gewesen, aber jetzt stand hier ein Schreibtisch mit flachen K�sten voller Papier sowie ein weiterer, gr��erer Tisch, auf dem mit Tintenf�sschen, Steinen und kleinen Messingfiguren beschwerte Karten ausgebreitet lagen. Ein Regal an der einen Wand enthielt Papierrollen, die vermutlich ebenfalls Karten waren. Der graue Steinkamin war kalt. Faloun deutete auf ein halbes Dutzend nicht zueinander passender St�hle, die vor dem Schreibtisch auf dem nackten Boden standen, und bot an, Wein holen zu lassen. Es schien ihn zu entt�uschen, dass Tylee beides ablehnte. Vielleicht wollte er etwas zu trinken, um seine Nerven zu beruhigen. Noch immer haftete ein kleiner Hauch von Angst an ihm.</p><p>Tylee fing an. �Ich muss sechs <emphasis>Raken</emphasis> ersetzen, Hauptmann, und achtzehn <emphasis>Morat�raken.</emphasis> Und eine volle Kompanie Bodenlinge. Jene, die ich hatte, sind irgendwo in Amadicia und bewegen sich nach Westen und sind unauffindbar.�</p><p>Faloun zog eine Grimasse. �Bannergeneralin, wenn Ihr <emphasis>Raken</emphasis> verloren habt, dann wisst Ihr, dass alles bis auf die Knochen abgenagt wurde, weil�� Sein Auge sah in Perrins Richtung, und er r�usperte sich, bevor er fortfuhr. �Ihr bittet mich um drei Viertel der Tiere, die ich noch habe. K�nnt Ihr Euch m�glicherweise nicht mit weniger begn�gen, vielleicht eines oder zwei?�</p><p>�Vier�, sagte Tylee fest, �und zw�lf Flieger. Ich gebe mich damit zufrieden.� Sie konnte den lang gezogenen seanchanischen Akzent energisch klingen lassen, wenn sie wollte.</p><p>�Soviel ich geh�rt habe, ist diese Region so befriedet wie Seandar, aber ich lasse euch vier.�</p><p>�Wie Ihr w�nscht, Bannergeneralin.� Faloun seufzte.</p><p>�D�rfte ich bitte den Befehl sehen? Alles muss niedergeschrieben werden. Seit ich selbst nicht mehr fliegen kann, verbringe ich meine ganze Zeit damit, wie ein Schreibstubenhengst Papiere hin und her zu schieben.�</p><p>�Lord Perrin?�, sagte Tylee, und er zog das Dokument aus der Manteltasche, das Suroth unterschrieben hatte.</p><p>Falouns Brauen hoben sich immer mehr, w�hrend er las, und er befingerte vorsichtig das Wachssiegel, aber er stellte es genauso wenig in Frage wie zuvor die Bannergeneralin. Anscheinend waren Seanchaner an solche Dinge gew�hnt. Er schien erleichtert zu sein, es wieder zur�ckgeben zu d�rfen, und wischte sich unbewusst die H�nde am Mantel ab. Daran gew�hnt, aber es bereitete ihnen Unbehagen. Er musterte Perrin, versuchte unauff�llig zu sein, und Perrin konnte aus seiner Miene f�rmlich die Frage herauslesen, die die Bannergeneralin gestellt hatte. Wer war er, dass er so etwas bei sich trug?</p><p>�Ich brauche eine Karte von Altara, Hauptmann, wenn Ihr eine habt�, sagte Tylee. �Ich komme auch ohne aus, wenn nicht, aber es w�re besser, wenn Ihr eine h�ttet. Ich interessiere mich f�r das Nordwestliche Viertel des Landes.�</p><p>�Das Licht ist Euch gewogen, Bannergeneralin�, sagte er und b�ckte sich, um eine Rolle vom untersten Regalfach zu holen. �Ich habe genau das, was Ihr braucht. Zuf�llig war sie bei den Karten von Amadicia, die man mir zuteilte. Ich hatte vergessen, dass ich sie habe, bis Ihr sie erw�hnt habt.� Perrin sch�ttelte leicht den Kopf. Ein Zufall, nicht das Werk von <emphasis>ta�veren.</emphasis> Nicht einmal Rand war ein so starker <emphasis>Ta�veren,</emphasis> um das geschehen zu lassen. Die Farben wirbelten, aber er vertrieb sie, bevor sie sich zu einem Bild verfestigen konnten.</p><p>Sobald Faloun die Karte auf dem Kartentisch ausgebreitet und die Ecken mit Messinggewichten in Form von <emphasis>Raken</emphasis> beschwert hatte, studierte die Bannergeneralin sie, bis sie ihre Landmarken gefunden hatte. Sie war gro� genug, um den Tisch auszuf�llen, und zeigte genau das, was sie hatte wissen wollen, zusammen mit schmalen Streifen von Amadicia und Ghealdan. Das Terrain war detailliert aufgezeichnet, mit den in winzigen Buchstaben verzeichneten Namen von St�dten und D�rfern, Fl�ssen und B�chen. Perrin wusste, dass das ein pr�chtiges Beispiel f�r die Kunst eines Kartenmachers war, viel besser als die meisten Karten. Konnte es das Werk von <emphasis>ta�veren</emphasis> sein? Nein. Nein, das war unm�glich.</p><p>�Sie werden meine Soldaten hier finden�, sagte sie und markierte einen Punkt mit dem Finger. �Sie sollen sofort aufbrechen. Ein Flieger pro <emphasis>Raken,</emphasis> und keine pers�nlichen Gegenst�nde. Sie fliegen ohne gro�es Gep�ck, und so schnell wie m�glich. Ich will, dass sie vor morgen Abend da sind. Die anderen <emphasis>Morat�raken</emphasis> reisen mit den Bodenlingen. Ich hoffe, in wenigen Stunden aufbrechen zu k�nnen. Lasst sie bis dahin antreten.�</p><p>�Karren�, sagte Perrin. Neald konnte kein Wegetor machen, das gro� genug f�r Wagen war. �Was auch immer sie mitnehmen, es muss auf Karren geladen sein, nicht auf Wagen.� Faloun formte das Wort lautlos und ungl�ubig nach.</p><p>�Karren�, willigte Tylee ein. �K�mmert Euch darum, Hauptmann.�</p><p>Perrin konnte bei dem Mann ein Verlangen riechen, das er als den Wunsch Fragen zu stellen interpretierte, aber Faloun sagte lediglich mit einer Verbeugung: �Wie Ihr befehlt, Bannergeneralin, so wird es geschehen.�</p><p>Als sie den Hauptmann verlie�en, herrschte im Vorzimmer eine andere Art Aufregung. �berall liefen Schreiber herum und schlugen wild mit ihren Besen auf die K�fer ein oder wischten sie beiseite. Einige der Frauen weinten, w�hrend sie die Besen schwangen, einige der M�nner sahen so aus, als h�tten sie es gern getan, und das Zimmer stank noch immer nach Entsetzen. Von dem Toten war keine Spur mehr zu entdecken, aber Perrin fiel auf, dass die Schreiber die Stelle mieden, an der er gestorben war, nicht einen Fu� dort hinsetzten. Sie versuchten auch, nicht auf die K�fer zu treten, was f�r ein betr�chtliches Herumgetanze sorgte. Als sich Perrin seinen Weg zur Haust�r knackend bahnte, hielten sie inne und starrten ihn an.</p><p>Drau�en war die Stimmung weniger aufgeregt, wenn auch nicht sehr. Tylees Soldaten standen in einer Reihe bei ihren Pferden, und Neald tat so, als ginge ihn das alles nichts an, g�hnte sogar und hielt sich die Hand vor den Mund, aber die <emphasis>Sul�dam</emphasis> t�tschelte die zitternde <emphasis>Damane</emphasis> und murmelte beruhigend, und die in blaue M�ntel gekleideten Soldaten � es waren viel mehr als zuvor � standen in einer gro�en Gruppe zusammen und unterhielten sich beunruhigt. Die Cairhiener und Tairener eilten auf Perrin zu und scharten sich um ihn, f�hrten ihre Pferde und redeten alle gleichzeitig.</p><p>�Stimmt es, mein Lord?�, fragte Camaille, das blasse Gesicht besorgt, und ihr Bruder Barmanes sagte: �Vier M�nner haben etwas in einer Decke herausgetragen, aber sie haben den Blick von dem abgewendet, was es war.�</p><p>Alle eng beieinander, alle so gut wie panisch riechend. �Sie sagen, er hat K�fer gespuckt� und �Sie sagen, die K�fer haben sich einen Weg aus ihm herausgefressen� und �Das Licht helfe uns, sie fegen K�fer aus der T�r; wir werden alle sterben� und �M�ge meine Seele zu Asche verbrennen, der Dunkle K�nig bricht aus� und noch mehr, das noch weniger Sinn ergab.</p><p>�Ruhe�, befahl Perrin, und �berraschenderweise verstummten alle. F�r gew�hnlich benahmen sie sich ihm gegen�ber widerspenstig, bestanden darauf, dass sie Faile dienten und nicht ihm. Jetzt standen sie da und starrten ihn an, warteten darauf, dass er ihnen die Furcht nahm. �Ein Mann hat K�fer gespuckt und ist gestorben, aber es waren ganz gew�hnliche K�fer, die man in jedem abgestorbenen Holz findet. Gibt einen h�sslichen Stich, wenn man sich auf sie setzt, aber das ist es auch schon. Vermutlich war es das Werk des Dunklen K�nigs, das ist wahr, aber es hat nichts mit der Befreiung von Lady Faile zu tun, und das bedeutet, es hat nichts mit uns zu tun. Also beruhigt euch, dann k�mmern wir uns wieder um unsere Angelegenheiten.�</p><p>Seltsamerweise funktionierte es. Mehr als eine Wange r�tete sich, und der Geruch von Angst wurde ersetzt � oder zumindest unterdr�ckt � vom Duft nach Scham, weil sie zugelassen hatten, beinahe in Panik geraten zu sein. Sie sahen verlegen aus. Aber als sie in die S�ttel stiegen, kamen ihre wahren Naturen wieder zum Vorschein. Einer nach dem anderen fing an, mit den mutigen Taten zu prahlen, die sie begehen w�rden, um Faile zu retten, und jeder �bertrieb es noch mehr als der andere. Sie wussten, dass es Prahlereien waren, weil jede Ank�ndigung bei den anderen blo� Gel�chter hervorrief, und dennoch versuchten sie sich dabei zu �bertreffen.</p><p>Die Bannergeneralin beobachtete ihn wieder, wie er sich bewusst wurde, als er von Carlon Stehers Z�gel entgegennahm. Was sah sie da blo�? Was glaubte sie zu erfahren?</p><p>�Was hat die ganzen <emphasis>Raken</emphasis> fortgeschickt?�, fragte er.</p><p>�Wir h�tten diesen Ort als zweiten oder dritten Haltepunkt aufsuchen sollen�, erwiderte sie und schwang sich in den Sattel. �Ich muss noch immer <emphasis>A�dam</emphasis> besorgen. Ich wollte einfach so lange wie m�glich glauben, dass ich eine Chance habe, aber wir k�nnen genauso gut zum Kern des Problems vorsto�en. Dieser Wisch wird jetzt richtig auf die Probe gestellt, und wenn er versagt, ist es sinnlos, sich auf die Suche nach <emphasis>A�dam</emphasis> zu begeben.� Eine zerbrechliche Allianz, wenig Vertrauen.</p><p>�Warum sollte er versagen? Hier hat er seinen Zweck erf�llt.�</p><p>�Faloun ist ein Soldat, mein Lord. Jetzt m�ssen wir mit einem kaiserlichen Beamten sprechen.� Sie legte eine geh�rige Verachtung in die Bezeichnung. Sie drehte ihren Braunen, und ihm blieb nichts anderes �brig, als aufzusteigen und ihr zu folgen.</p><p>Almizar war eine gro�e Stadt, ein bl�hendes Gemeinwesen mit sechs hohen Wacht�rmen an den Au�enbezirken, aber ohne Mauer. Elyas hatte behauptet, dass das amadicianische Gesetz Stadtmauern verbot � die Ausnahme war Amador �, ein Gesetz, das auf Betreiben der Wei�m�ntel zustande gekommen war und von ihnen genauso hartn�ckig durchgesetzt wurde wie von demjenigen, der gerade auf dem Thron sa�. Balwer d�rfte mittlerweile bestimmt in Erfahrung gebracht haben, wer das im Augenblick war; immerhin war Ailron ja tot.</p><p>Die Stra�en waren mit Granit gepflastert und wurden von stabilen Geb�uden aus Ziegeln oder Stein ges�umt; einige waren grau, andere schwarz, viele wiesen zwei oder drei Stockwerke auf und hatten �berwiegend Schieferd�cher, der Rest war strohgedeckt. Die Stra�en waren voller Menschen, die sich zwischen Wagen und Pferdekarren und Handkarren ihre Wege bahnten; Stra�enh�ndler boten lautstark ihre Ware feil, Frauen mit gro�en Hauben, die ihre Gesichter verbargen, trugen Einkaufsk�rbe, M�nner in knielangen M�nteln stolzierten umher, Lehrlinge mit Sch�rzen oder Westen besorgten im Laufschritt Boteng�nge. Es waren mindestens genauso viele Soldaten wie Einwohner unterwegs, M�nner und Frauen, deren Hautfarbe so dunkel wie die von Tairenern war oder die Farbe von Honig aufwies, aber auch M�nner, die so bleich wie Cairhiener waren, aber mit hellem Haar und hochgewachsen, und sie alle trugen bunte seanchanische Uniformen. Die meisten hatten nur G�rtelmesser oder Dolche dabei, aber Perrin entdeckte einige mit Schwertern. Sie gingen paarweise, musterten die Umgebung aufmerksam, und an ihren G�rteln baumelten auch Kn�ppel. Vermutlich eine Stadtwache, aber f�r einen Ort von der Gr��e Almizars waren es recht viele. Perrin sah nie weniger als zwei Paar von ihnen.</p><p>Aus einem gro�en Gasthaus mit Schieferdach traten zwei M�nner und eine Frau heraus und bestiegen von Stallbursehen gehaltene Pferde. Perrin erkannte die Frau nur an der Weise, wie sich der lange Mantel mit den beiden Sch��en an ihren Busen schmiegte, denn ihr Haar war noch k�rzer als das der M�nner; au�erdem trug sie wie die anderen beiden M�nnerkleidung und ein Schwert. Ihr Gesicht war genauso hart wie das ihrer Begleiter. Als die drei nach Westen ritten, grunzte Mishima s�uerlich.</p><p>�J�ger des Horns�, murmelte er. �Ich gebe meine Augen, wenn sie es nicht sind. Diese tollen Kerle machen �berall nur �rger, werden in K�mpfe verwickelt, stecken ihre Nase in alles, was sie nichts angeht. Ich habe geh�rt, dass man das Horn von Valere schon l�ngst gefunden hat. Was glaubt Ihr, mein Lord?�</p><p>�Ich habe ebenfalls geh�rt, dass es gefunden wurde�, erwiderte Perrin vorsichtig. �Da sind alle m�glichen Ger�chte im Umlauf.�</p><p>Niemand warf ihm auch nur einen Blick zu, und im Gew�hl der bev�lkerten Stra�e war es so gut wie unm�glich, ihren Geruch aufzufangen, aber aus irgendeinem Grund hatte er den Eindruck, dass sie �ber seine Antworten nachdachten, als l�gen verborgene Wahrheiten darin. Beim Licht, glaubten sie etwa, <emphasis>er</emphasis> h�tte etwas mit dem Horn zu tun? Er wusste, wo es war. Moiraine hatte es in die Wei�e Burg gebracht. Aber das w�rde er ihnen nicht sagen. Geringes Vertrauen beruhte auf Gegenseitigkeit.</p><p>Die Ortsans�ssigen schenkten den Soldaten nicht mehr Aufmerksamkeit als einander, genauso wenig wie der Bannergeneralin und ihrem gepanzerten Gefolge, aber Perrin war da eine andere Sache. Jedenfalls wenn sie seine goldenen Augen bemerkten. Er konnte immer sofort sagen, wann das der Fall war. Das schnelle Zucken eines Frauenkopfs, der offen stehende Mund, mit dem sie ihn anstarrte. Der Mann, der f�rmlich erstarrte und in seine Richtung glotzte. Ein Kerl stolperte doch tats�chlich �ber die eigenen F��e und fiel auf die Knie. Er starrte weiter, dann kam er wieder hoch und rannte los, stie� alle Leute aus dem Weg, als h�tte er Angst, Perrin k�nnte ihn verfolgen.</p><p>�Ich vermute, sie haben noch nie einen Mann mit gelben Augen gesehen�, sagte Perrin trocken.</p><p>�Sind sie da, wo Ihr herkommt, weit verbreitet?�, fragte die Bannergeneralin.</p><p>�Weit verbreitet, nein, das w�rde ich so nicht sagen, aber ich werde Euch einem weiteren Mann vorstellen, der sie hat.�</p><p>Sie wechselte einen Blick mit Mishima. Beim Licht, er hoffte, dass in den Prophezeiungen blo� nichts �ber <emphasis>zwei</emphasis> M�nner mit gelben Augen stand. Die Farben wirbelten auf, und er verscheuchte sie.</p><p>Die Bannergeneralin wusste genau, wo sie hinwollte, ein gemauerter Stall am s�dlichen Stadtrand, aber als sie in dem verwaisten Hof abstieg, kam kein Stallbursche angerannt. Neben dem Stall stand eine von einer Mauer umringte Koppel, aber nirgends waren Pferde zu sehen. Sie �bergab die Z�gel einem ihrer Soldaten und blieb dann stehen, den Blick auf das Stalltor gerichtet, von dem nur ein Fl�gel ge�ffnet war. Ihrem Geruch nach zu urteilen fand Perrin, dass sie sich innerlich st�hlte.</p><p>�Haltet Euch an das, was ich tue, mein Lord�, sagte sie schlie�lich, �und sagt nichts, was Ihr nicht sagen m�sst. Es k�nnte das Falsche sein. Wenn Ihr sprechen m�sst, dann sprecht mich an. Macht deutlich, dass Ihr zu mir sprecht.�</p><p>Das klang unheilvoll, aber er nickte. Und fing an zu planen, wie er die Spaltwurzel stehlen w�rde, wenn das hier schief ging. Er w�rde herausfinden m�ssen, ob dieser Ort nachts bewacht wurde. M�glicherweise hatte Balwer das bereits in Erfahrung gebracht. Der kleine Mann schien solche Informationen m�helos aufzuschnappen. Als er ihr nach drinnen folgte, blieb Mishima bei den Pferden zur�ck, und er schien erleichtert zu sein, sie nicht begleiten zu m�ssen. Was hatte das zu bedeuten? Bedeutete das �berhaupt etwas? Seanchaner. In nur wenigen Tagen lie�en sie ihn in allem verborgene Bedeutungen sehen.</p><p>Es war einst ein Stall gewesen, offensichtlich, aber jetzt war es etwas anderes. Der Steinboden war so sauber gefegt, dass eine Bauersfrau zufrieden gewesen w�re, es gab keine Pferde, und ein �berw�ltigender Geruch nach Minze h�tte f�r jede Nase au�er der seinen und Elyas� den bleibenden Duft nach Tieren und Heu unkenntlich gemacht. In den vorderen Boxen stapelten sich Holzkisten, und die weiter hinten waren bis auf jene, die den Heuboden st�tzten, entfernt worden. Dort arbeiteten jetzt M�nner und Frauen R�cken an R�cken; sie standen an Tischen und benutzten M�rser und St��el oder Siebe, w�hrend andere sich konzentriert um flache Pfannen k�mmerten, die auf Eisenbeinen �ber Kohlenpfannen standen, und allem Anschein nach Wurzeln mit Zangen drehten.</p><p>Ein schlanker junger Mann in Hemds�rmeln legte einen groben Jutesack in eine der Kisten, dann verbeugte er sich genauso tief wie der Schreiber vor Tylee, den Oberk�rper parallel zum Boden. Er richtete sich erst wieder auf, als sie sprach.</p><p>�Bannergeneralin Khirgan. Ich m�chte mit der Person sprechen, die hier den Befehl hat, wenn ich darf.� Ihr Tonfall war ganz anders als bei dem Schreiber, nicht im Mindesten bestimmend.</p><p>�Wie Ihr befehlt�, erwiderte der Bursche mit einem Akzent, der amadicianisch klang. Oder falls er doch Seanchaner war, sprach er zumindest mit der richtigen Geschwindigkeit und ohne die Worte zu zerkauen.</p><p>Er verneigte sich erneut, genauso tief wie zuvor, eilte zu einer Stelle, an der sechs Boxen mit einer Wand versehen worden waren, auf halber H�he der linken Reihe, und klopfte zaghaft an einer T�r, dann wartete er auf die Erlaubnis, bevor er eintrat. Als er wieder herauskam, begab er sich ohne den geringsten Blick auf Perrin und Tylee in den hinteren Teil des Geb�udes. Nach ein paar Minuten �ffnete Perrin den Mund, aber Tylee schnitt nur eine Grimasse und sch�ttelte den Kopf, also machte er ihn wieder zu und wartete. Er wartete eine gute Viertelstunde, und mit jedem Herzschlag wuchs seine Ungeduld. Die Bannergeneralin roch unersch�tterlich nach Geduld.</p><p>Endlich kam eine mollige Frau in einem knallgelben Kleid von seltsamem Schnitt aus dem kleinen Raum, aber sie blieb stehen, um die Arbeit im hinteren Teil des Geb�udes zu kontrollieren, und ignorierte Tylee und ihn. Ihr halber Kopf war kahl rasiert! Ihr restliches Haar war zu einem dicken, langsam grau werdenden Zopf geflochten, der ihr �ber der Schulter hing. Schlie�lich nickte sie zufrieden und kam ohne jede Eile auf sie zu. Ein blaues Oval auf ihrer Brust war mit drei goldenen H�nden bestickt. Tylee verbeugte sich so tief, wie Faloun sich vor ihr verbeugt hatte, und Perrin erinnerte sich an ihre Anweisung und tat es ihr gleich. Die wohlgen�hrte Frau senkte leicht den Kopf. Sie roch nach Stolz.</p><p>�Ihr w�nscht mich zu sprechen, Bannergeneralin?� Sie hatte eine glatte Stimme, so aalglatt wie sie selbst. Nicht im Mindesten willkommend. Sie war eine besch�ftigte Frau, die gest�rt wurde. Eine besch�ftigte Frau, die sich ihrer Bedeutung nur allzu bewusst war.</p><p>�Jawohl, Ehrenwerte�, sagte Tylee respektvoll. Kurz trat der scharfe Duft von Gereiztheit in den Geruch ihrer Geduld, wurde dann aber wieder heruntergeschluckt. Ihr Gesicht blieb ausdruckslos. �W�rdet Ihr mir sagen, wie viel fertige Spaltwurzel Ihr da habt?�</p><p>�Eine seltsame Bitte�, sagte die Frau so, als m�sste sie erst dar�ber nachdenken, ob sie sie erf�llen sollte oder nicht. Sie legte nachdenklich den Kopf schief. �Nun gut�, sagte sie nach einem Augenblick. �Den Vormittag mit eingerechnet, habe ich viertausendachthundertdreiundsiebzig Pfund und neun Unzen. Eine erstaunliche Leistung, wenn ich das bemerken darf, zieht man in Betracht, wie viel ich verschifft habe und wie schwer es doch ist, die Pflanze in der Wildnis zu finden, ohne die Graber absurde Entfernungen weit schicken zu m�ssen.� So unm�glich es erschien, wurde der Stolz in ihrem Geruch noch ausgepr�gter. �Ich habe dieses Problern jedoch gel�st, indem ich die hiesigen Bauern dazu bewegt habe, einige ihrer Felder mit Spaltwurzel zu bepflanzen. Im Sommer werde ich etwas Gr��eres bauen m�ssen, um diese Manufaktur unterbringen zu k�nnen. Unter uns gesagt, es w�rde mich nicht �berraschen, wenn man mir daf�r einen neuen Namen anbietet. Obwohl ich das nat�rlich m�glicherweise nicht annehmen werde.� Sie l�chelte ein kleines L�cheln und ber�hrte das Oval auf der Brust; es war fast schon eine Liebkosung.</p><p>�Das Licht wird Euch sicherlich gewogen sein, Ehrenwerte�, murmelte Tylee. �Mein Lord, w�rdet Ihr mir den Gefallen tun, der Ehrenwerten Euer Dokument zu zeigen?� Das sagte sie mit einer Verbeugung Perrin gegen�ber, die entschieden tiefer als jene war, die sie der Ehrenwerten erwiesen hatte. Die Augenbrauen der molligen Frau zuckten.</p><p>Sie streckte die Hand aus, um das Blatt Papier von ihm entgegenzunehmen, und erstarrte. Ihr waren endlich seine Augen aufgefallen. Sie sch�ttelte sich leicht, las ohne jedes �u�ere Anzeichen von �berraschung, faltete das Papier wieder zusammen und tippte sich damit gegen die freie Hand.</p><p>�Anscheinend wandelt Ihr in gro�er H�he, Bannergeneralin.</p><p>Und mit einem sehr seltsamen Gef�hrten. Um was bittet Ihr- oder er � mich?�</p><p>�Spaltwurzel, Ehrenwerte�, sagte Tylee sanft. �Alles, was Ihr habt. So schnell wie m�glich auf Karren verladen. Und ich f�rchte, Ihr m�sst auch f�r die Karren und die Kutscher sorgen.�</p><p>�Unm�glich!�, fauchte die Frau und richtete sich hochm�tig zu ihrer vollen Gr��e auf. �Ich habe strikte Pl�ne erstellt, wie viele Pfund fertige Spaltwurzel jede Woche verschifft werden, die ich streng eingehalten habe, und ich lasse nicht zu, dass diese Erfolgsbilanz besudelt wird. Das w�re ein immenser Schaden f�r das Kaiserreich. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> legen mit beiden H�nden <emphasis>Marath'damane</emphasis> an die Leine.�</p><p>�Vergebt mir, Ehrenwerte�, sagte Tylee und verneigte sich erneut. �Falls Ihr eine M�glichkeit seht, uns��</p><p>�Bannergeneralin�, unterbrach Perrin sie. Offensichtlich war das eine heikle Begegnung, und er versuchte eine unber�hrte Miene beizubehalten, aber er konnte ein Stirnrunzeln nicht unterdr�cken. Es war fraglich, ob selbst f�nf Tonnen von dem Zeug ausreichten, und sie wollte um noch weniger verhandeln! Seine Gedanken rasten auf der Suche nach einer L�sung. Seiner Meinung nach waren schnelle Gedanken schlampige Gedanken � sie f�hrten zu Fehlern und Unf�llen �, aber er hatte keine andere Wahl. �Das wird die Ehrenwerte vermutlich nicht interessieren, aber Suroth hat jedem den Tod und Schlimmeres versprochen, falls ihre Pl�ne behindert werden sollten. Ich glaube zwar nicht, dass ihre Wut �ber Euch und mich hinausgehen wird, aber sie hat gesagt, dass wir alles nehmen sollen.�</p><p>�Nat�rlich wird der Zorn der Hochlady nicht die Ehrenwerte treffen.� Aber Tylee klang, als w�re sie sich da nicht so sicher.</p><p>Die mollige Frau atmete schwer, das blaue Oval mit den goldenen H�nden hob und senkte sich. Sie verneigte sich genauso tief vor Perrin wie Tylee. �Ich werde den gr��ten Teil des Tages ben�tigen, um gen�gend Karren zu besorgen und zu beladen. Wird das ausreichen, mein Lord?�</p><p>�Das wird es wohl m�ssen, oder?�, sagte Perrin und zupfte ihr das Papier aus der Hand. Sie lie� es z�gernd los und sah voller Verlangen zu, wie er es in die Manteltasche steckte.</p><p>Drau�en sch�ttelte die Bannergeneralin den Kopf, als sie sich in den Sattel schwang. �Es ist immer schwierig, mit den Niederen H�nden umzugehen. Keine von ihnen h�lt ihren Rang f�r weniger bedeutend. Ich hatte angenommen, dass hier jemand vom Vierten oder F�nften Rang das Kommando hat, und das w�re schon schwer genug gewesen. Als ich sah, dass sie den Dritten Rang inneh�lt � das ist nur zwei Schritte unter einer Hand der Kaiserin, m�ge sie ewig leben �, war ich �berzeugt, dass wir h�chstens ein paar Hundert Pfund bekommen. Aber Ihr habt das wunderbar gemacht. Ein Risiko, sicher, aber trotzdem wunderbar gemacht.�</p><p>�Nun, niemand will den Tod riskieren�, sagte Perrin, als sie den Hof verlie�en und sich alle ihnen anschlossen. Jetzt mussten sie auf die Karren warten, vielleicht ein Gasthaus finden. In ihm brannte die Ungeduld. Mochte das Licht daf�r sorgen, dass sie hier nicht die Nacht verbringen mussten.</p><p>�Ihr konntet das nicht wissen�, sagte die dunkelh�utige Frau leise. �Diese Frau wusste, dass sie im Schatten des Todes stand, sobald sie Suroths Worte las, aber sie war bereit, ihn wegen ihrer Pflicht dem Imperium gegen�ber zu riskieren. Eine Niedere Hand des Dritten Ranges bekleidet eine Stellung, die hoch genug ist, um durch Pflichterf�llung dem Tod zu entkommen. Aber Ihr habt Suroths Namen erw�hnt. Das geht meistens in Ordnung, ausgenommen nat�rlich, Ihr sprecht die Hochlady selbst an, aber ihren Namen vor einer Niederen Hand ohne ihren Titel auszusprechen bedeutete entweder, dass Ihr ein ignoranter Einheimischer oder einer von Suroths Vertrauten seid. Das Licht hat Euch beigestanden, und sie hat sich f�r den Vertrauten entschieden.�</p><p>Perrin stie� ein humorloses Lachen aus. Seanchaner. Und vielleicht auch <emphasis>ta'veren.</emphasis></p><p>�Verratet mir, falls Euch die Frage nicht beleidigt, hat Euch Eure Lady mit einflussreichen Verbindungen oder vielleicht gro�em Landbesitz versorgt?�</p><p>Die Frage �berraschte ihn so sehr, dass er sich im Sattel umdrehte, um sie anzustarren. Etwas schlug hart gegen seine Brust, schlitzte eine feurige Linie und drang in seinen Arm. Hinter ihm wieherte ein Pferd schmerzerf�llt auf. Verbl�fft starrte er auf den Pfeil, der seinen linken Arm durchbohrte.</p><p>�Mishima�, fauchte die Bannergeneralin und deutete mit der Hand. �Das dreist�ckige Geb�ude mit dem Strohdach zwischen zwei Schieferd�chern. Ich habe auf dem Dach Bewegungen gesehen.�</p><p>Mishima br�llte einen Befehl, dass man ihm folgen sollte, dann galoppierte er mit sechs seiner Lanzentr�ger die bev�lkerte Stra�e entlang, und die Hufe klirrten auf dem Pflaster.</p><p>Leute sprangen aus dem Weg. Andere starrten. Auf der Stra�e schien niemand zu begreifen, was passiert war. Zwei Lanzenreiter waren abgestiegen und k�mmerten sich um ein zitterndes Reittier eines ihres Kameraden, aus dessen Schulter ein Pfeil ragte. Perrin bef�hlte einen zerbrochenen Knopf, der nur noch an einem Faden hing. Die Seide des Mantels war ab dem Knopf aufgeschlitzt. Blut quoll hervor, tr�nkte sein Hemd, tr�pfelte seinen Arm herunter. H�tte er sich in genau diesem Augenblick nicht umgedreht, h�tte der Pfeil sein Herz durchbohrt statt seinen Arm. Vielleicht h�tte ihn der andere auch getroffen, aber der eine h�tte seine Aufgabe erf�llt. Ein Pfeil aus den Zwei Fl�ssen w�re nicht so leicht abgelenkt worden.</p><p>Cairhiener und Tairener scharten sich um ihn, als er abstieg, sie alle wollten ihm helfen, was aber unn�tig war. Er zog das G�rtelmesser, aber Camaille nahm es ihm ab und schnitt energisch in den Pfeilschaft, sodass sie ihn sauber direkt oberhalb der Haut abbrechen konnte. Das schickte einen durchdringenden Schmerz durch den Arm. Es schien sie nicht zu st�ren, dass sie sich die Finger blutig machte; sie zog blo� ein Taschentuch mit Spitzenbesatz aus dem �rmel, das ein helleres Gr�n aufwies, als f�r Cairhiener �blich war, wischte sie ab und begutachtete das Ende des Schafts, der aus seinem Arm ragte, um sich zu vergewissern, dass da keine Splitter herausragten.</p><p>Auch die Bannergeneralin war von ihrem Braunen gestiegen und blickte finster. �Mein Blick wurde gesenkt, weil Ihr verletzt wurdet, mein Lord. Ich habe geh�rt, dass die Verbrechensrate in letzter Zeit gestiegen ist, Brandstiftung, R�uber, die t�ten, obwohl es unn�tig ist, Morde, die grundlos ver�bt werden. Ich h�tte Euch besser besch�tzen sollen.�</p><p>�Bei�t die Z�hne zusammen, mein Lord�, sagte Barmanes und band einen Lederriemen direkt �ber der Pfeilspitze fest.</p><p>�Seid Ihr bereit, mein Lord?� Perrin biss die Z�hne zusammen und nickte. Barmanes riss den blutverschmierten Schaft heraus. Perrin unterdr�ckte ein Aufst�hnen.</p><p>�Euer Blick ist nicht gesenkt worden�, sagte er heiser. Was auch immer sie damit meinte. So, wie sie es gesagt hatte, konnte es nichts Gutes sein. �Niemand hat Euch gebeten, mich in Watte zu packen. Ich f�r meinen Teil jedenfalls nicht.� Neald dr�ngte sich durch die Menge um Perrin, die H�nde bereits erhoben, aber Perrin winkte ihn fort. �Nicht hier, Mann. Die Leute schauen zu.� Die Passanten hatten es endlich mitbekommen und sammelten sich, um zuzusehen, w�hrend sie aufgeregt miteinander tuschelten. �Er kann das hier Heilen, als w�re ich niemals verletzt worden�, erkl�rte er und spannte den Arm probeweise an. Und zuckte zusammen. Das war eine bl�de Idee gewesen.</p><p>�Ihr lasst ihn mit der Einen Macht an Euch heran?�, sagte Tylee ungl�ubig.</p><p>�Um ein Loch im Arm und eine aufgeschlitzte Brust loszuwerden? Sobald wir an einer Stelle sind, an der uns nicht die halbe Stadt anstarrt. W�rdet Ihr das nicht tun?�</p><p>Sie erschauderte und machte wieder die seltsame Geste. Er w�rde sie doch fragen m�ssen, was sie zu bedeuten hatte.</p><p>Mishima gesellte sich zu ihnen; er f�hrte sein Pferd am Z�gel und sah ernst aus. �Zwei M�nner st�rzten mit Bogen und K�chern von diesem Dach�, berichtete er leise, �aber nicht der Sturz hat sie get�tet. Sie sind hart auf dem Pflaster aufgeschlagen, aber es gab kaum Blut zu sehen. Ich glaube, sie haben Gift geschluckt, als sie gesehen haben, dass sie Euch nicht t�ten konnten.�</p><p>�Das ergibt doch keinen Sinn�, murmelte Perrin.</p><p>�Wenn M�nner sich lieber umbringen, als von ihrem Versagen zu berichten�, sagte Tylee ernst, �dann bedeutet das, dass Ihr einen m�chtigen Feind habt.�</p><p>Einen m�chtigen Feind? Sicherlich w�rde Masema ihn gern tot sehen, aber sein Einfluss konnte unm�glich so weit reichen. �Meine Feinde sind weit weg und wissen nicht, wo ich bin.� Tylee und Mishima stimmten ihm zu, dass er das wissen musste, aber sie schienen zu zweifeln. Nat�rlich gab es da immer die Verlorenen. Ein paar von ihnen hatten schon zuvor versucht, ihn zu t�ten. Andere hatten versucht, ihn zu benutzen. Er hielt es nicht f�r klug, die Verlorenen zu erw�hnen. Sein Arm pochte. Der Schnitt auf der Brust auch.</p><p>�Lasst uns ein Gasthaus finden, wo ich ein Zimmer mieten kann.� Einundf�nfzig Knoten. Wie viele wohl noch? Beim Licht, wie viele denn noch?</p></section><section><title><p>13</p><p>Belagerung</p></title><p>Dr�ngt sie zur�ck!�, rief Elayne. Feuerherz wollte t�nzeln, mit anderen Pferden und Frauen zu Fu� in die enge Stra�e mit dem Kopfsteinpflaster eingezw�ngt, aber sie beruhigte den schwarzen Wallach mit fester Hand. Birgitte hatte darauf bestanden, dass auch sie zur�ckblieb. Sie hatte darauf bestanden! Als w�re sie eine hirnlose N�rrin! �Dr�ngt sie zur�ck, verdammt!�</p><p>Keiner der Hunderte von M�nnern auf dem breiten Wehrgang der f�nfzig Fu� hohen Stadtmauer aus wei� ge�dertem grauem Stein achtete auf sie. Es war zu bezweifeln, dass sie sie h�rten. �bert�nt von eigenen Rufen, Fl�chen und Schreien, hallte das Klirren von Stahl durch die breite Stra�e, die zur Mittagszeit unter einem �berraschenderweise wolkenlosen Himmel an der Mauer entlangf�hrte, w�hrend diese M�nner schwitzten und einander mit Schwert, Speer oder Hellebarde t�teten. Das Handgemenge umfasste zweihundert Schritte Mauerl�nge und drei der hohen Rundt�rme, auf denen der Wei�e L�we von Andor flatterte, und bedrohte zwei weitere; allerdings schien noch alles sicher zu sein, wof�r man dem Licht danken konnte. M�nner stachen und hieben und stie�en, und soweit sie sehen konnte, wich keiner auch nur einen Fu� Boden zur�ck oder gew�hrte das geringste Pardon. Rot gewandete Armbrustsch�tzen auf den T�rmen trugen ihren Anteil am T�ten, aber eine Armbrust brauchte nach dem Abfeuern ihre Zeit zum Nachladen, und sie waren in diesem Fall ohnehin zu wenige, um der Flut Einhalt gebieten zu k�nnen. Sie waren die einzigen Gardisten dort oben. Der Rest waren S�ldner. Bis auf Birgitte.</p><p>In dieser N�he lie� der Bund Elayne ihre Beh�terin m�helos finden. Ihr kompliziert geflochtener blonder Zopf schwang umher, w�hrend sie ihre Soldaten anfeuerte, mit dem Bogen in die Richtung zeigte, in der Verst�rkung gebraucht wurde. Von allen auf der Mauer trug nur sie keine R�stung; sie stand da in ihrem kurzen roten Mantel mit dem wei�en Kragen und den locker sitzenden himmelblauen Hosen, die in die Stiefelsch�chte gestopft waren. Sie hatte darauf bestanden, dass Elayne einfaches Grau trug in der Hoffnung, kein Aufsehen zu erregen oder Bem�hungen herauszufordern, sie gefangen zu nehmen oder zu t�ten � ein paar der M�nner dort oben hatten Armbr�ste oder Kurzbogen auf den R�cken geschlungen, und f�r die, die nicht in vorderster Reihe k�mpften, war f�nfzig Schritte ein einfacher Schuss �, aber die vier Goldknoten ihres Ranges auf der Schulter w�rden Birgitte zum Ziel eines jeden von Arymillas M�nnern mit Augen machen. Wenigstens steckte sie nicht mitten im Handgemenge, wenigstens�</p><p>Elayne stockte der Atem, als sich ein drahtiger Bursche mit einem Brustharnisch und einem konischen Helm mit dem Schwert auf Birgitte warf, aber die blonde Frau wich dem Sto� ruhig aus � der Bund h�tte genauso gut verk�nden k�nnen, dass sie einen Ausritt machte, das war alles! �, und ein R�ckhandschlag mit dem Bogen traf den Kerl am Kopf und stie� ihn von der Wehrmauer. Er hatte noch Zeit f�r einen Schrei, bevor er mit einem widerlichen Klatschen auf das Pflaster aufschlug. Seine war nicht die einzige Leiche, die die Stra�e zierte. Birgitte behauptete, dass einem M�nner nicht folgen w�rden, solange sie nicht wussten, ob man bereit war, sich den gleichen Gefahren und Entbehrungen wie sie selbst zu stellen, aber wenn sie sich wegen diesem m�nnlichen Unsinn umbrachte�</p><p>Elayne wurde sich gar nicht bewusst, dass sie Feuerherz nach vorn dr�ngte, bis Caseille nach der Trense griff. �Ich bin keine N�rrin, Leutnant�, sagte sie eisig. �Ich habe keine Absicht, n�her heranzugehen, bevor es� sicher ist.�</p><p>Die Arafelianerin riss die Hand zur�ck, und die Miene hinter den Gesichtsstangen ihres funkelnden konischen Helms wurde ausdruckslos. Sofort tat Elayne der Ausbruch Leid � Caseille tat nur ihre Arbeit �, aber sie versp�rte auch kalten Zorn. Sie w�rde sich <emphasis>nicht</emphasis> entschuldigen. Scham stieg in ihr auf, als sie den kindischen Trotz ihrer eigenen Gedanken erkannte. Blut und verfluchte Asche, aber es gab Augenblicke, da h�tte sie Rand f�r diese Babys in ihrem Bauch ohrfeigen k�nnen. Im Moment konnte sie sich nie sicher sein, in welche Richtung ihre Gef�hle im n�chsten Augenblick ausschlagen w�rden. Aber ausschlagen w�rden sie.</p><p>�Wenn das so ist, wenn man ein Kind bekommt�, sagte Aviendha und richtete das dunkle Schultertuch, das sie �ber die Arme gelegt hatte, �werde ich wohl niemals welche bekommen.� Der Sattel mit dem hohen Zwiesel schob ihre volumin�sen Aielr�cke hoch genug, um ihre bestrumpften Beine bis zu den Knien zu entbl��en, aber diese Zurschaustellung bereitete ihr nicht das geringste Unbehagen. Solange die Stute still dastand, schien sie sich auf dem Pferd richtig wohl zu f�hlen. Aber Mageen, was in der Alten Sprache G�nsebl�mchen bedeutete, war ein sanftes, ruhiges Tier, das zur Beleibtheit neigte. Gl�cklicherweise verstand Aviendha zu wenig von Pferden, um das zu erkennen.</p><p>Ged�mpftes Lachen lie� Elayne den Kopf wenden. Die Frauen ihrer Leibwache � mit Caseille waren ihr an diesem Morgen alle einundzwanzig zugeteilt worden � mit ihren Helmen und Harnischen zeigten reglose Gesichter, viel zu reglos, zweifellos lachten sie innerlich, aber die vier Kusinen, die hinter ihnen standen, hielten die H�nde vor den Mund und hatten die K�pfe zusammengesteckt. Alise, normalerweise eine Frau mit einem freundlichen Gesicht und grauen Str�hnen im Haar, sah sie zu ihnen hinblicken � nun gut, sie starrte sie finster an �, und rollte demonstrativ mit den Augen, was die anderen erneut losprusten lie�. Caiden, eine mollige, h�bsche Domani, musste so sehr lachen, dass sie sich an Kumiko festhalten musste, aber die st�mmige grauhaarige Frau hatte selbst Probleme. Elayne versp�rte einen Stich der Gereiztheit. Nicht wegen dem Gel�chter � na gut, etwas � und bestimmt nicht auf die Kusinen gem�nzt. Jedenfalls nicht viel. Sie waren unersetzlich.</p><p>Dieser Kampf auf der Mauer war keinesfalls Arymillas erster Angriff in den vergangenen Wochen. Tats�chlich nahm die H�ufigkeit zu, an manchen Tagen gab es nun drei oder vier Attacken. Sie wusste nur zu gut, dass Elayne nicht genug Soldaten hatte, um sechs Meilen Mauer zu halten. Sollte sie doch zu Asche verbrennen, Elayne war sich nur zu bewusst, dass sie nicht einmal ausgebildete M�nner an diesen Meilen aus Mauern und T�rmen stationieren konnte. Unausgebildete M�nner w�rden der Aufgabe nicht gewachsen sein. Arymilla musste nur gen�gend M�nner �ber die Mauer bringen, um ein Tor zu erobern. Dann konnte sie die Schlacht in die Stadt tragen, wo Elayne truppenm��ig b�se unterlegen war. Vielleicht w�rden sich ja die Bewohner auf ihre Seite schlagen, was nicht sicher war, aber das w�rde das Gemetzel nur verschlimmern, wenn Lehrburschen und Stallknechte und H�ndler gegen erfahrene Waffenm�nner und S�ldner antreten mussten. Wer auch immer danach auf dem L�wenthron sa� � und das w�rde vermutlich nicht Elayne Trakand sein �, er w�rde rot besudelt vom Blut Caemlyns sein. Also hatte sie ihre s�mtlichen Soldaten in die Innenstadt zur�ckgezogen, nat�rlich abgesehen von denen an den Toren und den Wachtposten auf den T�rmen, in die N�he des K�niglichen Palastes. Dort hatte sie M�nner mit Ferngl�sern auf den h�chsten T�rmen postiert. Wann immer einer der Wachtposten einen sich formierenden Angriff meldete, erschufen zu einem Zirkel verkn�pfte Kusinen Wegetore, um Soldaten an die Stelle zu transportieren. Nat�rlich nahmen die Frauen selbst nicht an den K�mpfen teil. Elayne h�tte niemals gestattet, dass sie die Macht als Waffe benutzten, selbst wenn sie es angeboten h�tten.</p><p>Bis jetzt hatte es funktioniert, auch wenn es manchmal auf Messers Schneide gestanden hatte. Das sich au�erhalb der Stadtmauern befindliche Niedercaemlyn war ein Labyrinth aus H�usern, Gesch�ften, Gasth�usern und Lagerh�usern, das es M�nnern leicht machte, sich nahe heranzuschleichen, bevor man sie sah. Dreimal waren ihre Soldaten gezwungen gewesen, im Inneren der Stadtmauer zu k�mpfen, und mussten zumindest einen Mauerturm zur�ckerobern. Das war eine blutige Arbeit gewesen. Sie h�tte ja Niedercaemlyn niedergebrannt, um Arymillas Leuten die Deckung zu nehmen, aber ein Feuer h�tte zu leicht auf die Stadt �bergreifen und einen Feuersturm entfesseln k�nnen, ob es nun den Fr�hlingsregen gab oder nicht. Ohnehin kam es in jeder Nacht zu Brandstiftungen, und diese einzud�mmen war schon schwer genug. Davon abgesehen waren die H�user Niedercaemlyns trotz der Belagerung bewohnt, und sie wollte nicht als die Frau in die Geschichte eingehen, die die H�user und Erwerbsquellen der Bewohner vernichtete.</p><p>Nein, was sie wirklich �rgerte, war, dass sie nicht schon fr�her daran gedacht hatte, die Kusinen auf diese Art einzusetzen. H�tte sie das getan, m�sste sie sich nicht mehr mit dem Meervolk herumschlagen, ganz zu schweigen von dem Abkommen, das eine Quadratmeile von Andor aufgab. Beim Licht, eine Quadratmeile! Ihre Mutter hatte nicht einen Quadratzentimeter von Andor aufgegeben! Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, die Belagerung lie� ihr nicht einmal Zeit, ihre Mutter zu betrauern. Oder Lini, ihre alte Amme. Rahvin hatte ihre Mutter ermordet, und vermutlich war Lini bei dem Versuch gestorben, sie zu besch�tzen. Wei�haarig und vom Alter abgemagert w�re Lini nicht einmal vor einem der Verlorenen zur�ckgewichen. Aber der Gedanke an Lini lie� sie die br�chige Stimme der alten Frau h�ren. <emphasis>Du kannst keinen Honig zur�ck in seine Wabe f�llen, Kind.</emphasis> Was geschehen war, war geschehen, und sie musste damit leben.</p><p>�Das war's�, sagte Caseille. �Sie ziehen sich zu den Leitern zur�ck.� Es stimmte. Auf der ganzen Mauer stie�en Elaynes Soldaten nach vorn, wichen Arymillas M�nner zur�ck, kletterten durch die L�cken zwischen den Zinnen zu ihren Sturmleitern. Noch immer starben M�nner auf den Wehrg�ngen, aber der Kampf endete.</p><p>Elayne �berraschte sich selbst, indem sie die Fersen in Feuerherz' Flanken grub. Diesmal war keiner schnell genug, um sie aufzuhalten. Von Rufen verfolgt galoppierte sie quer �ber die Stra�e und sprang am Fundament des n�chsten Turms aus dem Sattel, bevor der Wallach richtig zum Stehen gekommen war. Sie stie� die schwere T�r auf, raffte den Reitrock und raste die Stufen der Wendeltreppe hinauf, vorbei an gro�en Nischen, in denen dicht gedr�ngt stehende Gruppen von M�nnern in R�stung ihr erstaunt nachstarrten. Diese T�rme waren gebaut, um sich gegen Angreifer zur Wehr zu setzen, die sich den Weg nach unten in die Stadt freik�mpfen wollten. Schlie�lich endeten die Stufen in einem gro�en Raum, auf dessen anderer Seite Stufen in entgegengesetzter Richtung weiter nach oben f�hrten. Zwanzig M�nner in nicht zueinander passenden Helmen und Harnischen sa�en gem�tlich an der Wand, spielten W�rfel, unterhielten sich und lachten, als w�rden hinter den beiden mit Eisenriegeln versperrten T�ren des Raumes keine Toten liegen. Sie hielten inne, um sie anzustarren, als sie auftauchte.</p><p>��h, meine Lady, ich w�rde das nicht tun�, sagte eine raue Stimme, als sie die H�nde auf den einen Eisenriegel legte. Sie ignorierte den Mann, drehte den Riegel und stie� die T�r auf. Eine Hand griff nach ihrem Rock, aber sie riss sich los.</p><p>Auf der Mauer war keiner von Arymillas M�nnern mehr zu sehen. Jedenfalls keiner, der noch auf seinen F��en stand. Dutzende M�nner lagen auf dem blutbeschmierten Wehrgang, einige reglos, andere st�hnten. Es war nicht festzustellen, wer davon zu Arymilla geh�rte, aber das Klirren von Stahl war verschwunden. Die meisten S�ldner k�mmerten sich um die Verwundeten oder kauerten einfach auf den Fersen, um nach Luft zu schnappen.</p><p>�Sch�ttelt sie runter und zieht die verdammten Leitern hoch!�, rief Birgitte. Sie schickte einen Pfeil in die Masse der M�nner, die unterhalb der Mauer in die ungepflasterten Stra�en Niedercaemlyns fliehen wollten, spannte den n�chsten ein und schoss erneut. �Sollen sie neue bauen, wenn sie zur�ckkommen wollen!� Ein paar der S�ldner beugten sich �ber die Zinnen, um zu gehorchen, aber es waren nur wenige.</p><p>�Ich habe doch gewusst, dass ich dich heute nicht h�tte mitkommen lassen d�rfen�, fuhr sie fort und verschoss noch immer Pfeile, so schnell sie sie einspannen und die Sehne nach hinten ziehen konnte. Armbrustbolzen von oben trafen ebenfalls die Fl�chtenden, aber Lagerh�user mit Ziegeld�chern boten Schutz f�r jeden, der es bis in sie hinein schaffte.</p><p>Elayne brauchte einen Augenblick lang, bis ihr klar wurde, dass die letzte Bemerkung auf sie gem�nzt gewesen war, und ihre Wangen r�teten sich. �Und wie h�ttest du mich aufhalten wollen?�, verlangte sie zu wissen.</p><p>Birgitte senkte den Bogen, weil ihr K�cher leer war, und drehte sich mit finsterer Miene um. �Indem ich dich fessele und sie auf dich draufsitzen lasse�, sagte sie und deutete mit dem Kopf auf Aviendha, die aus dem Turm schritt. Der Schein <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie, dennoch hielt sie ihr G�rtelmesser mit dem Hirschhorngriff in der Faust. Caseille und der Rest der Gardistinnen quollen hinter ihr aus der T�r, mit gez�ckten Schwertern und grimmigen Gesichtern. Dass Elayne nichts geschehen war, ver�nderte ihren Ausdruck kein bisschen. Diese verfluchten Frauen waren unertr�glich, wenn es darum ging, sie wie eine Glasvase zu behandeln, die schon zerbrach, wenn man mit dem Kn�chel dagegenklopfte. Und jetzt w�rden sie noch schlimmer sein. Und sie w�rde es erdulden m�ssen.</p><p>�Ich h�tte dich davon abgehalten�, murmelte Aviendha und rieb sich die H�fte, �aber das bl�de Pferd hat mich abgeworfen.� Das war bei einem so sanften Tier ziemlich unwahrscheinlich. Aviendha hatte es einfach geschafft herunterzufallen. Sie erkannte die Situation, schob das Messer schnell zur�ck in die Scheide und versuchte so zu tun, als h�tte sie es nie gezogen. Auch das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> verschwand.</p><p>�Ich war nicht in Gefahr.� Elayne versuchte ziemlich erfolglos, den giftigen Unterton aus ihrer Stimme herauszuhalten.</p><p>�Min sagt, ich werde meine Kinder zur Welt bringen, Schwester. Bis zu ihrer Geburt kann mir nichts geschehen.�</p><p>Aviendha nickte langsam und nachdenklich, aber Birgitte knurrte: �Mir w�re es lieber, du w�rdest ihre Vision nicht auf die Probe stellen. Geh zu viele Risiken ein, und du k�nntest sie als L�gnerin blo�stellen.� Das war albern. Min irrte sich <emphasis>nie.</emphasis> Ganz bestimmt nicht.</p><p>�Das war Aldin Miheres Kompanie�, sagte ein hochgewachsener S�ldner mit einem rauen murandianischen Akzent, w�hrend er den Helm abnahm und ein schmales, verschwitztes Gesicht mit einem ergrauenden Schnurrbart enth�llte, dessen Enden gewachst waren. Er nannte sich Rhys a'Balaman, hatte Augen wie Steine und ein schmallippiges L�cheln, das immer wie ein l�sternes Grinsen wirkte. Er hatte ihrer Unterhaltung zugeh�rt, und er sah Elayne st�ndig von der Seite an, w�hrend er mit Birgitte sprach. �Ich habe ihn erkannt, das habe ich. Guter Mann, dieser Miheres. Ich habe �fter an seiner Seite gek�mpft, als ich z�hlen kann, das habe ich. Er hatte es fast bis zur Lagerhaust�r geschafft, als Euer Pfeil ihn in den Nacken traf, Generalhauptmann. Eine Schande, das.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn. �Er hat seine Wahl getroffen, genau wie Ihr, Hauptmann. Ihr k�nnt den Tod eines Freundes bedauern, aber ich hoffe, Ihr bereut Eure Entscheidung nicht.� Die meisten der S�ldner, die sie aus der Stadt gewiesen hatten, hatten sich bei Arymilla verdingt, wenn nicht sogar alle. Im Augenblick bestand ihre gr��te Furcht darin, dass es der Frau gelingen w�rde, eine der noch in der Stadt befindlichen Kompanien zu bestechen. Keiner der S�ldnerhauptm�nner hatte etwas Derartiges berichtet, aber Frau Harfor sagte, dass erste Kontaktaufnahmen stattgefunden hatten. Einschlie�lich einer Kontaktaufnahme mit a'Balaman.</p><p>Der Murandianer widmete ihr eine f�rmliche Verbeugung und schwenkte den Umhang, den er nicht trug. �Oh, ich habe genauso oft gegen ihn gek�mpft wie mit ihm, meine Lady. W�ren wir uns an diesem sch�nen Tag begegnet, h�tte ich ihn get�tet oder er mich. Mehr ein Bekannter als ein Freund, m�sst Ihr wissen. Und ich w�rde lieber Gold nehmen, um so eine Mauer zu verteidigen statt sie anzugreifen.�</p><p>�Wie ich sehe, tragen einige Eurer M�nner Armbruste auf dem R�cken, Hauptmann, aber ich habe nicht gesehen, dass sie sie auch benutzt haben.�</p><p>�Das ist nicht die Art der S�ldner�, sagte Birgitte trocken. Missmut str�mte durch den Bund, aber es war unm�glich festzustellen, ob sie a'Balaman oder Elayne galt. Das Gef�hl verschwand schnell. Birgitte hatte gelernt, ihre Gef�hle zu beherrschen, nachdem sie entdeckt hatten, wie sie und Elayne ihre Emotionen durch den Bund spiegelten. Sicher w�nschte sich ihre Beh�terin, sie k�nnte das Gleiche tun, aber der Wunsch war gegenseitig.</p><p>A'Balaman legte den Helm auf die H�fte. �Ihr m�sst wissen, meine Lady, es ist folgenderma�en. Wenn man einen Mann zu hart bedr�ngt, wenn er das Schlachtfeld verlassen will, versucht, ihn niederzureiten oder dergleichen, nun, beim n�chsten Mal, wenn man selbst versucht, das Schlachtfeld zu verlassen, dann k�nnte er den Gefallen erwidern. Wenn ein Mann das Feld verl�sst, dann ist er ja schlie�lich kein K�mpfer mehr, oder?�</p><p>�Bis er morgen zur�ckkommt�, fauchte Elayne. �Beim n�chsten Mal will ich sehen, dass diese Armbr�ste eingesetzt werden!�</p><p>�Wie Ihr befehlt, meine Lady�, sagte a'Balaman steif und machte eine genauso steife Verbeugung. �Wenn Ihr mich jetzt entschuldigen wollt, ich muss nach meinen M�nnern sehen.� Er ging, ohne die Erlaubnis abzuwarten, und br�llte seine M�nner an, ihre faulen Hintern zu bewegen.</p><p>�Wie weit kann man ihm vertrauen?�, fragte Elayne leise.</p><p>�So weit wie jedem S�ldner�, erwiderte Birgitte genauso leise. �Falls ihm jemand genug Gold bietet, wird das ein W�rfelspiel, und nicht einmal Mat Cauthon k�nnte sagen, wie die W�rfel fallen.�</p><p>Das war eine sehr seltsame Bemerkung. Sie w�nschte sich, sie w�sste, wie es Mat ging. Und dem guten Thom. Und dem armen kleinen Olver. Sie betete jede Nacht, dass sie den Seanchanern sicher entkommen waren. Aber es gab nichts, das sie tun konnte, um ihnen zu helfen. Sie hatte genug um die Ohren und musste erst einmal sich selbst helfen. �Wird er mir gehorchen? Mit den Armbr�sten?�</p><p>Birgitte sch�ttelte den Kopf, und Elayne seufzte. Es war schlecht, Befehle zu geben, die nicht befolgt werden w�rden. Es f�hrte dazu, dass die Leute aus Gewohnheit nicht gehorchten.</p><p>Sie ging n�her an Birgitte heran und fl�sterte fast. �Du siehst m�de aus, Birgitte.� Das ging fremde Ohren nichts an. Birgittes Gesicht war hager, die Augen lagen tief in den H�hlen. Das konnte jeder sehen, aber der Bund verriet, dass sie m�de bis auf die Knochen war, jetzt schon seit Tagen. Andererseits f�hlte Elayne die gleiche tief sitzende Ersch�pfung, als w�ren ihre Glieder aus Blei. Ihr Bund spiegelte mehr als blo� Gef�hle. �Du musst nicht jeden Gegenangriff selbst f�hren.�</p><p>�Und wer soll es tun?� Einen Augenblick lang schimmerte die M�digkeit auch in Birgittes Stimme durch, und ihre Schultern sackten doch tats�chlich nach unten, aber sie richtete sich schnell wieder auf, und ihre Stimme wurde st�rker. Es war reine Willenskraft. Elayne konnte es f�hlen, in dem Bund, so hart wie Stein, so hart, dass sie am liebsten geweint h�tte. �Meine Offiziere sind unerfahrene Jungen�, fuhr Birgitte fort, �oder M�nner, die aus dem Ruhestand zur�ckgekehrt sind und ihre Knochen am Kamin ihrer Enkel w�rmen sollten. Ausgenommen die S�ldnerhauptm�nner, und da ist keiner dabei, dem ich vertrauen kann, ohne ihm �ber die Schulter zu sehen. Was uns zu der Frage zur�ckbringt: wer au�er mir?�</p><p>Elayne wollte widersprechen. Nicht was die S�ldner betraf. Birgitte hatte erkl�rt, wie es sich mit ihnen verhielt, bitter und ausf�hrlich. Manchmal w�rden S�ldner so hart wie Gardisten k�mpfen, aber bei anderen Gelegenheiten zogen sie sich lieber zur�ck, als zu gro�e Verluste hinzunehmen. Weniger M�nner bedeuteten bei ihrem n�chsten Arbeitgeber auch weniger Gold, es sei denn, sie konnten durch genauso gute M�nner ersetzt werden. Schlachten, die gewonnen werden h�tten k�nnen, waren stattdessen verloren gegangen, weil die S�ldner das Schlachtfeld verlassen hatten, um ihre Mannschaftszahl zu bewahren. Allerdings taten sie das nicht gern, solange andere au�er ihresgleichen davon Zeugen wurden. Es schadete ihrem Ruf und senkte ihren Preis.</p><p>Aber es musste jemand anderen geben. Sie konnte es sich nicht leisten, dass Birgitte vor Ersch�pfung umkippte. Beim Licht, sie w�nschte sich, Gareth Bryne w�re da. Egwene brauchte ihn, aber sie auch. Sie �ffnete den Mund, doch pl�tzlich donnerte es hinter ihr in der Stadt. Sie drehte sich um und schaute mit offen stehendem Mund zu.</p><p>Wo sich noch Augenblicke zuvor �ber der Innenstadt ein klarer Himmel erstreckt hatte, erhoben sich jetzt schwarze Wolken vom Ausma� ganzer Gebirge, ge�derte Blitze zerschlitzten eine graue Regenwand, die so massiv wie die Stadtmauern erschien. Die goldenen Kuppeln des K�niglichen Palasts, die in der Sonne h�tten funkeln sollen, waren hinter dieser Mauer nicht mehr zu sehen. Die Regenflut fiel nur �ber der Innenstadt. �berall sonst blieb der Himmel hell und wolkenlos. Das war nicht nat�rlich. Aber ihr Erstaunen dauerte nur Augenblicke. Diese silberblauen Blitze, die sich dreifach oder f�nffach ver�stelten, schlugen in Caemlyn ein, richteten Sch�den an und kosteten vielleicht sogar Leben. Wie hatten diese Wolken entstehen k�nnen? Sie griff nach <emphasis>Saidar,</emphasis> um sie aufzul�sen. Die Wahre Quelle entglitt ihr. Es war wie der Versuch, eine Perle zu erwischen, die in einem Schmalztopf begraben war. Immer wenn sie glaubte, sie zu haben, entglitt sie ihr wieder. Das geschah im Moment viel zu h�ufig.</p><p>�Aviendha, w�rdest du dich bitte darum k�mmern?�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Aviendha und umarmte <emphasis>Saida r</emphasis> m�helos. Elayne unterdr�ckte ihre aufsteigende Eifersucht. Ihre Probleme waren allein Rands verdammte Schuld, nicht die ihrer Schwester. �Und danke. Ich brauche die �bung.�</p><p>Das stimmte nicht, ein Versuch, ihre Gef�hle zu schonen. Aviendha fing an, Luft, Feuer, Wasser und Erde in komplexen Mustern zu verweben, und machte es beinahe so m�helos, wie sie selbst es geschafft h�tte, wenn auch langsamer. Ihrer Schwester fehlten ihre Fertigkeiten mit dem Wetter, aber sie hatte auch nicht den Vorteil genossen, beim Meervolk zu lernen. Die Wolken verschwanden nat�rlich nicht einfach so. Zuerst verschmolzen die gespaltenen Blitze, wurden wieder zu nur einem Blitzschlag, dann nahm deren H�ufigkeit ab, und schlie�lich h�rten sie ganz auf. Das war der schwere Teil. Den Blitz zu rufen war, als w�rde man eine Feder zwischen den Fingern umherwirbeln lassen. Ihm Einhalt zu gebieten hingegen war mehr so, als w�rde man einen Amboss hochheben. Dann kam Bewegung in die Wolken, sie wurden d�nner und heller. Auch das geschah langsam. Mit dem Wetter zu viel zu schnell zu machen konnte Auswirkungen haben, die das Land noch meilenweit heimsuchten, und man konnte nie vorhersagen, wie diese Auswirkungen aussahen. W�tende St�rme und Sturmfluten waren genauso wahrscheinlich wie sonnige Tage und sanfte Brisen. Als sich die Wolken weit genug ausgebreitet hatten, um bis zur Stadtmauer Caemlyns zu reichen, waren sie grau und entlie�en gleichm��ige Regenschauer, die Elaynes Locken schnell an ihren Kopf anklatschten.</p><p>�Reicht das?� Aviendha hob l�chelnd das Gesicht, um sich den Regen �ber die Wangen flie�en zu lassen. �Ich liebe es, Wasser vom Himmel fallen zu sehen.� Beim Licht, man sollte denken, sie h�tte genug vom Regen. Seit Fr�hlingsbeginn hatte es fast jeden verdammten Tag geregnet!</p><p>�Es ist Zeit, in den Palast zur�ckzukehren, Elayne�, sagte Birgitte und verstaute ihre Bogensehne in der Manteltasche.</p><p>Sie hatte angefangen, die Sehne von ihrem Bogen zu l�sen, sobald sich die Wolken in ihre Richtung bewegten. �Ein paar dieser M�nner brauchen die Hilfe einer Schwester. Und mein letztes Fr�hst�ck scheint zwei Tage her zu sein.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn. Im Bund lag eine Sorge, die ihr alles verriet, was sie wissen musste. Sie mussten in den Palast zur�ckkehren, um Elayne in ihrem zerbrechlichen Zustand aus dem Regen zu schaffen! Sonst k�nnte sie schrumpfen!</p><p>Pl�tzlich wurde sie sich des St�hnens der Verwundeten bewusst, und ihre Wangen r�teten sich. Diese M�nner <emphasis>bra uchten</emphasis> die Hilfe einer Schwester. Selbst wenn sie <emphasis>Saida r</emphasis> h�tte halten k�nnen, lagen ihre Verletzungen jenseits ihrer bescheidenen M�glichkeiten, und Aviendha war beim Heilen keinen Deut besser.</p><p>�Ja, es ist Zeit�, sagte sie. H�tte sie doch blo� ihre Gef�hle unter Kontrolle bringen k�nnen! Das h�tte auch Birgitte erfreut. Auch auf ihren Wangen zeichneten sich rote Flecken ab, Echos von Elaynes Scham. Sie boten einen merkw�rdigen Gegensatz zu dem Stirnrunzeln, mit dem sie Elayne in den Turm dr�ngte.</p><p>Feuerherz und Mageen und die anderen Pferde standen noch alle geduldig da, wo man ihre Z�gel hatte fallen lassen, genau wie Elayne erwartet hatte. Selbst Mageen war gut abgerichtet. Sie hatten die Mauerstra�e ganz f�r sich allein, bis Ahse und die anderen Kusinen aus der schmalen Seitenstra�e kamen. Es waren weder Karren noch Wagen zu sehen. Jede T�r in Sicht war fest verriegelt, jedes Fenster verh�llt, obwohl sich m�glicherweise niemand dahinter befand. Die meisten Leute hatten genug Verstand, um zu verschwinden, sobald sie das leiseste Anzeichen bemerkten, dass bald Hunderte von M�nnern in ihrer N�he die Schwerter schwingen w�rden. Ein Vorhang bewegte sich; einen Augenblick lang war ein Frauengesicht zu sehen, dann verschwand es. Manche hatten auch ein abartiges Vergn�gen am Zusehen.</p><p>Die vier Kusinen unterhielten sich leise miteinander und nahmen die Pl�tze ein, an denen sie mehrere Stunden zuvor ihr Wegetor ge�ffnet hatten. Sie betrachteten die Leichen auf der Stra�e und sch�ttelten die K�pfe, aber das waren nicht die ersten Toten, die sie in ihrem Leben zu sehen bekommen hatten. Nicht einer von ihnen h�tte man erlaubt, sich der Pr�fung zur Aufgenommenen zu unterziehen, und doch waren sie ruhig und selbstbewusst, trotz des Regens, der ihr Haar und ihre Kleidung durchn�sste, so ehrw�rdig wie jede Schwester. Es hatte die Zukunfts�ngste der Kusinen beschwichtigt, Egwenes Pl�ne zu erfahren, der Burg angeschlossen zu werden und einen Ort zu bieten, an dem sich Aes Sedai zur Ruhe setzen konnten. Vor allem nachdem sie herausgefunden hatten, dass ihr System der Regeln bleiben und die ehemaligen Aes Sedai sich ihm unterwerfen w�rden. Nicht alle glaubten daran � im vergangenen Monat waren sieben von ihnen einfach verschwunden, ohne auch nur eine Nachricht zu hinterlassen �, aber die meisten taten es und zogen Kraft aus diesem Glauben. Eine Aufgabe zu haben hatte ihnen wieder Stolz gegeben. Elayne hatte gar nicht erkannt, dass er einen Schlag abbekommen hatte, bis sie aufgeh�rt hatten, sich als Fl�chtlinge zu betrachten, die v�llig von ihr abh�ngig waren. Sie gingen nun auch aufrechter. Die Sorge war aus ihren Gesichtern verschwunden. Und sie waren ungl�cklicherweise auch nicht mehr so schnell bereit, sich einer Schwester zu beugen. Obwohl dieser Prozess schon viel fr�her begonnen hatte. Einst hatten sie Aes Sedai allen anderen �berlegen betrachtet, aber zu ihrer Best�rzung hatten sie erfahren m�ssen, dass die Stola keine Frau zu mehr machte, als sie auch ohne war.</p><p>Ahse betrachtete Elayne, sch�rzte die Lippen und richtete unn�tigerweise ihre braunen R�cke. Sie hatte sich dagegen ausgesprochen, dass man Elayne erlaubte � erlaubte! � herzukommen. Und Birgitte hatte ihr beinahe nachgegeben! Alise war eine energische Frau. �Seid Ihr f�r uns bereit, Generalhauptmann?�</p><p>�Das sind wir�, erwiderte Elayne, aber Alise wartete erst Birgittes Nicken ab, bevor sie sich mit den anderen drei Kusinen zu einem Zirkel verkn�pfte. Sie ignorierte Elayne nach dem einen Blick. Nynaeve h�tte nie mit dem Versuch beginnen d�rfen, ihnen �etwas R�ckgrat einzubl�uen�, wie sie es bezeichnet hatte. Wirklich nicht! Wenn sie Nynaeve in die Finger bekam, w�rde sie mit ihr ein paar ernste Worte wechseln.</p><p>Der vertraute vertikale Riss erschien und weitete sich zu einem Ausblick auf den Stallhof des Palasts, ein beinahe vier mal vier Schritte gro�es Loch in der Luft, aber der Blick durch die �ffnung auf den hohen Torbogen einer der wei�en Marmorst�lle war etwas schief. Als sie auf die vom Regen �bersp�lten Pflastersteine des Hofes ritt, sah sie auch den Grund daf�r. Ein weiteres, etwas kleineres Wegetor stand ge�ffnet. Versuchte man ein Wegetor an einer Stelle zu �ffnen, an der bereits eines existierte, wurde das eigene gerade weit genug verschoben, dass sich die beiden nicht ber�hrten, obwohl der Abstand zwischen ihnen schmaler als eine Rasierklinge war. Eine Zweierreihe M�nner schien aus der Au�enmauer des Stallhofs zu reiten und bog ab, um durch das offene Eisentor den Hof zu verlassen. Einige von ihnen trugen gl�nzende Helme und Harnische oder Plattenr�stungen, aber jeder Mann hatte den roten Mantel der K�niglichen Garde. Ein gro�er, breitschultriger Mann mit zwei goldenen Knoten auf der linken Mantelschulter stand mit in die H�fte gestemmten Helm im Regen und schaute ihnen zu.</p><p>�Das ist ein Anblick f�r m�de Augen�, murmelte Birgitte. Kleine Gruppen Kusinen suchten auf dem Land nach allen, die Elayne unterst�tzen wollten, aber das war eine Sache des Zufalls. Bis jetzt hatte sie zwar von Dutzenden Gruppen geh�rt, die einen Weg in die Stadt suchten, aber nur f�nf Gruppen finden k�nnen, die zusammen weniger als tausend Mann ergaben. Es hatte sich herumgesprochen, wie viele Soldaten Arymilla um die Stadt herum zusammengezogen hatte, und M�nner, die Trakand unterst�tzten, wollten nicht so ohne weiteres gefunden werden. Vor allem machten sie sie sich Sorgen, wer sie finden w�rde.</p><p>Als Elayne und die anderen auftauchten, kam sofort rot gekleidetes Stallpersonal mit dem Wei�en L�wen auf den linken Schultern angelaufen. Ein d�rrer Bursche mit schiefen Z�hnen und einem wei�en Haarschopf griff nach Feuerherz' Trense, w�hrend eine schlanke Frau mit grauem Haar Elaynes Steigb�gel hielt, damit sie absteigen konnte.</p><p>Elayne ignorierte den Wolkenbruch und ging auf den gro�en Mann zu, lie� bei jedem Schritt Wasser aufspritzen. Das Haar hing ihm feucht ins Gesicht, aber sie konnte sehen, dass er jung war und seine mittleren Jahre noch nicht erreicht hatte.</p><p>�Das Licht leuchte auf Euch herab, Leutnant�, sagte sie.</p><p>�Euer Name? Wie viele M�nner habt Ihr mitgebracht? Und von wo?� Durch die kleinere �ffnung war eine Reihe von Reitern zu sehen, die zwischen hohen B�umen aus der Sicht verschwand. Wann immer ein Paar durch das Tor hindurchritt, erschien am anderen Ende der Reihe ein neues. Elayne h�tte nicht geglaubt, dass es noch so viele Gardisten gab.</p><p>�Charlz Guybon, meine K�nigin�, erwiderte er, lie� sich auf ein Knie sinken und dr�ckte die Hand im Panzerhandschuh auf die Steinfliesen. �Hauptmann Kindlin in Aringill gab mir die Erlaubnis zu dem Versuch, Caemlyn zu erreichen. Das war, nachdem wir erfuhren, dass Lady Naean und die anderen entkommen waren.�</p><p>Elayne lachte. �Steht auf, Mann, steht auf. Noch bin ich keine K�nigin.� Aringill? Dort waren nie so viele Gardisten stationiert gewesen.</p><p>�Wie Ihr w�nscht, meine Lady�, sagte er, kam auf die F��e und machte eine Verbeugung, wie sie f�r die Tochter-Erbin eher angemessen war.</p><p>�K�nnen wir dar�ber drinnen weitersprechen?�, fragte Birgitte gereizt. Guybon betrachtete ihren Mantel mit den goldenen �rmelstreifen und den Rangknoten und entbot ihr einen Salut, den sie mit einem fl�chtig �ber die Brust gelegten Arm erwiderte. Falls er �berrascht war, eine Frau als Generalhauptmann zu sehen, war er klug genug, es sich nicht anmerken zu lassen. �Ich bin bis auf die Haut durchn�sst, und du auch, Elayne.� Aviendha befand sich direkt hinter ihr. Sie hatte sich das Schultertuch um den Kopf gewunden und schien jetzt nicht mehr so begeistert vom Regen sein, wo ihr die wei�e Bluse am K�rper klebte und sich die dunklen R�cke mit Wasser vollgesogen hatten. Die Gardistinnen f�hrten ihre Pferde auf einen der St�lle zu � mit Ausnahme der acht Frauen, die bei Elayne bleiben w�rden, bis ihre Abl�sung eintraf. Guybon enthielt sich auch jeden Kommentars �ber sie. Ein sehr kluger Mann.</p><p>Elayne gestattete, bis zu der schlichten Kolonnade gedr�ngt zu werden, die Zugang zum Palast bot. Sogar hier umringten die Gardistinnen sie, vier vor ihr und vier hinter ihr, sodass sie sich wie eine Gefangene vorkam. Doch sobald sie aus dem Regen heraus war, spielte sie nicht l�nger mit. Sie wollte es <emphasis>wissen.</emphasis> Sie versuchte erneut, <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen � mit der Macht war es eine Kleinigkeit, die Feuchtigkeit aus ihrer Kleidung zu entfernen �, aber die Quelle entschl�pfte ihr wieder. Aviendha kannte das Gewebe nicht, also mussten sie dort stehen und alles voll tropfen. Die schmucklosen Eisenkandelaber an den W�nden waren noch nicht entz�ndet, und durch den Regen war alles in ein Halbdunkel getaucht. Guybon k�mmte sein Haar mit den Fingern halbwegs zurecht. Beim Licht, er war fast ein perfekter Mann! Seine haselnussbraunen Augen mit dem Gr�nton blickten m�de, aber sein Gesicht schien zum L�cheln gemacht zu sein. Er sah nur aus, als h�tte er zu lange nicht mehr gel�chelt.</p><p>�Hauptmann Kindlin sagte, ich k�nnte versuchen, M�nner aufzusp�ren, die Gaebril entlassen hatte, meine Lady, und sie kamen herbeigestr�mt, sobald ich es bekannt gab. Ihr w�rt �berrascht, wie viele ihre Uniformen f�r den Tag in eine Truhe gepackt hatten, an dem sie wieder gebraucht wurden. Und viele haben auch ihre R�stung mitgenommen, was sie eigentlich nicht h�tten tun d�rfen, aber ich bin froh, dass sie es getan haben. Als ich von der Belagerung h�rte, hatte ich schon die Bef�rchtung, zu lange gewartet zu haben.</p><p>Ich zog gerade in Betracht, mir den Weg zu einem der Stadttore freizuk�mpfen, als Frau Zigane und die anderen mich fanden.� Ein verwirrter Ausdruck trat in sein Gesicht. �Sie war sehr zornig, als ich sie Aes Sedai nannte, aber uns kann doch nur die Eine Macht hergebracht haben.�</p><p>�Das war es, und sie ist keine�, sagte Elayne ungeduldig.</p><p>�Wie viele, Mann?�</p><p>�Viertausendsiebenhundertzweiundsechzig Gardisten, meine Lady. Und ich bin einigen Lords und Ladys begegnet, die versuchen, Caemlyn mit ihren Waffenm�nnern zu erreichen. Keine Angst. Ich habe mich vergewissert, dass sie loyal zu Euch stehen, bevor ich zulie�, dass sie sich mir anschlie�en. Es ist keines der gro�en H�user dabei, aber zusammen mit ihnen sind es fast zehntausend, meine Lady.� Er sagte es, als w�re das v�llig unerheblich. In dem Stall stehen vierzig Pferde, die man reiten kann. Ich habe Euch zehntausend Soldaten gebracht.</p><p>Elayne lachte und klatschte entz�ckt in die H�nde. �Wunderbar, Hauptmann Guybon! Wunderbar!� Arymilla war ihr noch immer �berlegen, aber nicht mehr ganz so drastisch wie zuvor.</p><p>�Gardeleutnant, meine Lady. Ich bin Gardeleutnant.�</p><p>�Von diesem Augenblick an seid Ihr Hauptmann Guybon.�</p><p>�Und mein Stellvertreter�, f�gte Birgitte hinzu, �jedenfalls f�r den Augenblick. Ihr habt Initiative bewiesen, Ihr seid alt genug, um Erfahrung zu haben, und ich brauche beides.�</p><p>Guybon schien �berw�ltigt zu sein, er verbeugte sich und murmelte Dankesbezeugungen. Nun, ein Mann in seinem Alter musste f�r gew�hnlich noch zehn oder f�nfzehn Jahre dienen, bevor man ihn f�r den Hauptmannsrang in Betracht zog, geschweige denn als Stellvertreter des Generalhauptmanns, ganz egal f�r wie kurze Zeit auch immer.</p><p>�Und jetzt wird es h�chste Zeit, dass wir etwas Trockenes anziehen�, fuhr Birgitte fort. �Vor allem du, Elayne.� Der Beh�terbund �bermittelte eine unersch�tterliche Entschlossenheit, die ahnen lie�, dass sie Elayne n�tigenfalls auch einfach wegtragen w�rde, falls diese sich str�ubte.</p><p>Elaynes Temperament flammte hei� und w�tend hoch, aber sie bezwang es. Sie hatte die Zahl ihrer Soldaten beinahe verdoppelt, und sie w�rde sich diesen Tag durch nichts verderben lassen. Au�erdem wollte auch sie etwas Trockenes anziehen.</p></section><section><title><p>14</p><p>Feuchte Angelegenheiten</p></title><p>Die vergoldeten Kandelaber im Inneren waren entz�ndet, da das Tageslicht nie so weit in den Palast vordrang. Die Flammen flackerten in den Lampen, die keine Glasschirme aufwiesen. Ihre Spiegel sorgten f�r gutes Licht in den betriebsamen Korridoren, und betriebsam waren sie in der Tat, da livrierte Diener in alle Richtungen eilten oder mit Putzen besch�ftigt waren. Diener mit dem Wei�en L�wen auf der linken Brusth�lfte ihrer roten M�ntel standen oben auf hohen Leitern und nahmen die Winterwandbeh�nge ab, auf denen haupts�chlich Blumen und Sommerbilder zu sehen waren. Daf�r h�ngten sie die Fr�hlingswandbeh�nge auf, von denen viele bunte Herbstszenen zeigten. Es war Brauch, stets die Wandbeh�nge aufzuh�ngen, die die �bern�chste Jahreszeit zeigten, um etwas Erleichterung von der K�lte des Winters oder der Hitze des Sommers zu bringen, um daran zu erinnern, dass die �ste der B�ume zwar das neue Wachstum des Fr�hlings trugen, sie aber alle Bl�tter wieder verlieren und der Schnee erneut kommen w�rde, um daran zu erinnern, dass selbst wenn die Bl�tter fallen und die Tage l�nger werden und die Schneeflocken fallen w�rden, es danach einen Fr�hling geben w�rde. Es fanden sich unter ihnen nur wenige Schlachtenbilder, die besondere Tage von Andors Ruhm zeigten, aber Elayne betrachtete sie mit genauso wenig Begeisterung, wie sie es schon als Kind getan hatte. Aber auch sie hatten ihren Platz, zur Erinnerung, was eine Schlacht wirklich bedeutete. Der Unterschied, wie ein Kind die Dinge betrachtete und eine Frau. Ruhm wurde immer mit Blut erkauft. Und abgesehen vom Ruhm wurden auch notwendige Dinge oftmals mit Schlachten und Blut bezahlt.</p><p>Es gab zu wenig Diener, um diese Aufgaben in einer entsprechenden Zeit zu erledigen, davon abgesehen waren einige von ihnen wei�haarige Ruhest�ndler mit gebeugten R�cken, die sich ohnehin nur selten schnell genug bewegten. Aber so langsam sie auch sein mochten, war Elayne dennoch froh, dass sie freiwillig zur�ckgekehrt waren, um die neu Eingestellten auszubilden und die L�cken zu f�llen, die jene hinterlassen hatten, die w�hrend Gaebrils Herrschaft oder Rands Eroberung aus Caemlyn geflohen waren. Sonst h�tte der Palast schon vor langer Zeit wie ein Stall ausgesehen. Ein dreckiger Stall. Wenigstens waren die Winterbodenbel�ge von den B�den verschwunden. Sie hinterlie� eine feuchte Spur auf den rotwei�en Fliesen, und dank des st�ndigen Fr�hlingsregens h�tten die Bel�ge schon vor dem Abend Schimmel angesetzt.</p><p>Diener, die in Erf�llung ihrer Pflichten umhereilten, sahen entsetzt aus, wenn sie sich verbeugten oder einen Knicks machten, was ihre Laune nicht gerade hob. Es schien sie nicht zu st�ren, dass Aviendha oder Birgitte v�llig durchn�sst waren, oder die Gardistinnen, was das anging. Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, wenn sich alle nicht bald die Erwartung aus dem Kopf schlugen, dass sie den ganzen lieben langen Tag in Watte gepackt wurde�! Ihre Miene war so finster, dass die Diener ihre Ehrenbezeigungen schnell machten und weitereilten. Ihre Laune wurde zum Stoff f�r abendliche Geschichten vor dem Kamin, obwohl sie sich durchaus bem�hte, sie nicht an den Dienern auszulassen. Auch nicht an anderen, aber vor allem nicht an der Dienerschaft. Sie hatten nicht den Luxus zur�ckschreien zu k�nnen.</p><p>Sie wollte auf direktem Weg in ihre Gem�cher gehen und sich umziehen, aber sie schlug trotz ihrer guten Absichten einen anderen Weg ein, als sie Reanne Corley aus einem kreuzenden Korridor kommen sah, dessen Fliesen ganz rot waren.</p><p>Die Reaktion der Dienerschaft hatte nichts damit zu tun. Sie war <emphasis>nicht</emphasis> stur. Sie war nass, und sie wollte ganz dringend trockene Kleidung und ein warmes Handtuch, aber die Kusine zu sehen war eine �berraschung, und die beiden Frauen in Reannes Begleitung erregten ebenfalls ihre Aufmerksamkeit. Birgitte murmelte einen Fluch, bevor sie ihr folgte, und lie� den Bogenstab durch die Luft pfeifen, als wollte sie jemanden schlagen. Der Bund �bermittelte eine Mischung aus geduldig ertragenem Leid und Gereiztheit, was schnell unterdr�ckt wurde. Aviendha wich niemals von Elaynes Seite, auch wenn sie flei�ig damit besch�ftigt war, den Regen aus ihrem Schultertuch zu wringen. Trotz des vielen Regens, den sie miterlebt hatte, den vielen Fluss�berg�ngen seit der �berquerung des R�ckgrats der Welt und den riesigen Zisternen unter der Stadt zuckte Aviendha bei dieser Verschwendung zusammen, wenn das Wasser ungenutzt auf den Boden tropfte. Die acht Gardistinnen, die von ihrem pl�tzlichen Umschwenken �berrascht worden waren, eilten stoisch und stumm hinter ihr her. Aber nicht lautlos. Man musste jemandem nur Stiefel und ein Schwert geben, und er fing an zu stampfen.</p><p>Eine von Reannes Begleiterinnen war Kara Defane, einst die Seherin eines Fischerdorfs auf der tomanischen Halbinsel, bevor die Seanchaner sie an die Leine gelegt hatten. Kara war mollig und in braune, an den �rmelaufschl�gen mit blauen und wei�en Bl�mchen bestickte Wolle gekleidet. Sie erschien kaum �lter als Elayne, dabei ging sie auf die f�nfzig zu. Die andere hie� Jillari, eine ehemalige <emphasis>Damane</emphasis> aus Seanchan. Ihr Anblick bescherte Elayne unwillk�rlich eine G�nsehaut. Was auch immer man von ihr sagen konnte, diese Frau war und blieb Seanchanerin.</p><p>Nicht einmal Jillari selbst wusste, wie alt sie war, obwohl sie sich in ihren mittleren Jahren zu befinden schien. Von zierlichem K�rperbau und mit langem, feuerrotem Haar und Augen, die so gr�n wie Aviendhas waren, beharrten sie und Marille, die andere in Seanchan geborene <emphasis>Damane</emphasis> im Palast, unverr�ckbar darauf, weiterhin <emphasis>Damane</emphasis> zu sein und wegen ihren F�higkeiten angeleint werden zu m�ssen. Die Kusinen versuchten sie unter anderem mit t�glichen Spazierg�ngen an die Freiheit zu gew�hnen. Nat�rlich sorgf�ltig �berwachte t�gliche Spazierg�nge. Sie standen Tag und Nacht unter Beobachtung. Damit sie sonst nicht versuchten, die <emphasis>Sul'dam</emphasis> zu befreien. Man erlaubte auch nicht, dass sich Kara mit einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> allein in einem Raum aufhielt, das Gleiche galt f�r Lemore, eine junge tarabonische Adlige, die man nach dem Fall Tanchicos an die Leine gelegt hatte. Allein w�rden sie wohl nicht auf die Idee kommen, aber keiner vermochte zu sagen, was sie wohl tun w�rden, wenn eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihnen befahl, jemanden zu befreien. Sowohl in Kara wie auch Lemore war die Gewohnheit des Gehorsams stark verwurzelt.</p><p>Jillaris Augen weiteten sich beim Anblick Elaynes, und sie lie� sich mit einem dumpfen Aufprall auf die Knie fallen. Sie wollte sich auf den Boden kauern, aber Kara griff nach ihren Schultern und dr�ngte sie sanft zur�ck auf die F��e. Elayne bem�hte sich, sich ihren Abscheu nicht anmerken zu lassen. Und hoffte, dass, wenn man ihn doch sehen konnte, man ihm dem Niederknien und Zusammenducken zuschreiben w�rde. Zum Teil stimmte das auch. Wie konnte nur jemand <emphasis>wollen,</emphasis> an die Leine gelegt zu werden? Sie vernahm wieder Linis Stimme und erschauderte. <emphasis>Du kannst die Beweggr�nde einer anderen Fran nicht kennen, solange du nicht ein Jahr lang in ihren Kleidern gelebt hast.</emphasis> Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, sollte sie je das Verlangen versp�ren, das zu tun!</p><p>�Dazu besteht keine Notwendigkeit�, sagte Kara. �Wir machen das so.� Sie vollf�hrte einen Knicks, auch wenn der nicht besonders anmutig war. Vor der Gefangennahme durch die Seanchaner hatte sie nie eine Stadt mit mehr als ein paar hundert Einwohnern gesehen. Nach kurzem Z�gern breitete die Rothaarige ihre dunkelblauen R�cke noch unbeholfener aus. Tats�chlich kippte sie beinahe vorn�ber und err�tete stark.</p><p>�Jillari tut es Leid�, fl�sterte sie beinahe und faltete die H�nde auf Taillenh�he. Den Blick hielt sie dem�tig zu Boden gesenkt. �Jillari wird sich bem�hen, daran zu denken.�</p><p>��Ich��, sagte Kara. �Erinnert Ihr Euch, was ich Euch gesagt habe? Ich nenne Euch Jillari, aber Ihr bezeichnet Euch als �ich�. Oder es hei�t �mir�. Versucht es. Und seht mich an. Ihr k�nnt es schaffen.� Sie h�rte sich an, als w�rde sie ein Kind ermuntern.</p><p>Die Seanchanerin befeuchtete sich die Lippen, warf Kara einen Seitenblick zu. �Ich�, sagte sie leise. Und fing prompt an zu weinen, und die Tr�nen rollten ihre Wangen schneller hinab, als sie sie wegwischen konnte. Kara umarmte sie und machte beschwichtigende Ger�usche. Auch sie schien zu weinen. Aviendha trat unbehaglich von einem Bein auf das andere. Es waren nicht die Tr�nen � Aiel weinten ohne jede Scham, wenn ihnen danach war, ob nun M�nner oder Frauen �, aber f�r sie war die Ber�hrung mit den H�nden in der �ffentlichkeit eine gro�e Zurschaustellung von Gef�hlen.</p><p>�Warum geht ihr beiden nicht eine Weile allein weiter�, sagte Reanne mit einem tr�stlichen L�cheln zu ihnen, das die feinen F�ltchen in ihren Augenwinkeln tiefer werden lie�. Ihre Stimme war hoch und lieblich, gut f�r Gesang geeignet. �Ich hole euch ein, und wir k�nnen zusammen essen.� Die beiden machten auch vor ihr einen Knicks; Jillari weinte noch immer und wandte sich mit Karas Arm um die Schulter ab. �Wenn es Euch recht ist, meine Lady�, sagte Reanne, bevor sie zwei Schritte zur�ckgelegt hatten, � k�nnten wir uns auf dem Weg zu Euren Gem�chern unterhalten.�</p><p>Das Gesicht der Frau war unbewegt, und ihr Tonfall verlieh keinem der Worte ein besonderes Gewicht, und doch biss Elayne die Z�hne fester aufeinander. Sie zwang sich dazu, sich zu entspannen. Es war albern, aus reiner Sturheit stur zu sein. Sie war klatschnass. Und fing an zu fr�steln, obwohl man den Tag kaum als kalt bezeichnen konnte. �Ein ausgezeichneter Vorschlag�, sagte sie und raffte die mit Wasser vollgesogenen R�cke. �Kommt.�</p><p>�Wir k�nnten etwas schneller gehen�, murmelte Birgitte, und zwar nicht leise genug.</p><p>�Wir k�nnten auch rennen�, schlug Aviendha vor, ohne den Versuch zu unternehmen, die Stimme zu senken. �Die Anstrengung k�nnte uns trocknen.�</p><p>Elayne ignorierte sie und rauschte angemessenen Schrittes daher. Bei ihrer Mutter h�tte man das als majest�tisch bezeichnet. Sie war keineswegs davon �berzeugt, dass ihr das gelang, aber sie w�rde nicht durch ihren Palast rennen. Oder sich gar beeilen. Der Anblick, sie rennen zu sehen, w�rde ein Dutzend Ger�chte in die Welt setzen, wenn nicht sogar Hunderte, und jedes w�rde ein noch schlimmeres Ereignis vorhersagen als das vorherige. Es gingen bereits zu viele Ger�chte um. Das Schlimmste war, dass die Stadt kurz vor der Eroberung stand und sie ihre Flucht plante. Jedermann musste glauben, dass sie v�llig zuversichtlich war. Selbst wenn das eine falsche Fassade war. Bei allem anderen h�tte sie sich Arymilla auch direkt ergeben k�nnen. Die Furcht vor der Niederlage hatte zum Verlust genauso vieler Schlachten gef�hrt wie Schw�che, und sie konnte es sich nicht leisten, auch nur eine einzige zu verlieren. �Ich dachte, die Frau Generalhauptmann h�tte Euch auf eine Erkundungsmission geschickt, Reanne.�</p><p>Birgitte hatte zwei der Kusinen als Sp�her eingesetzt, Frauen, die kein Wegetor erschaffen konnten, das gro� genug f�r Pferdekarren gewesen w�re. Da nun Zirkel aus Kusinen zur Verf�gung standen, die Wegetore sowohl f�r den Handel wie auch f�r Truppenbewegungen erschaffen konnten, hatte sie sich dazu entschieden, die restlichen sechs, die Reisen konnten, so einzusetzen. Ein Belagerungsheer stellte f�r sie kein Hindernis dar. Aber Reannes sch�nes blaues Wollkleid, das bis auf den Kreis an einer Anstecknadel ohne jeden Schmuck war, war auf keinen Fall daf�r geeignet, auf dem Land herumzuschleichen.</p><p>�Die Frau Generalhauptmann glaubt, dass sich ihre Sp�her ausruhen m�ssen. Im Gegensatz zu ihr selbst�, f�gte Reanne ausdruckslos hinzu und sah Birgitte mit hochgezogener Braue an. Der Bund vermittelte ein kurzes Aufblitzen von Ver�rgerung. Aviendha lachte aus irgendeinem Grund; Elayne konnte Aiel-Humor noch immer nicht verstehen.</p><p>�Ich gehe morgen wieder los. Es f�hrt mich in die Zeit zur�ck, in der ich mit einem Muli als Hausiererin unterwegs war.� Die Kusinen hatten w�hrend ihrer langen Leben viele Handwerke betrieben, immer den Ort und das Handwerk gewechselt, bevor jemandem auffallen konnte, wie langsam sie alterten. Die �ltesten unter ihnen hatten ein halbes Dutzend Handwerke gelernt oder mehr, und waren m�helos von einem zum anderen gewechselt. �Ich habe mich dazu entschieden, meinen freien Tag dazu zu nutzen, Lillari bei der Suche nach einem Nachnamen zu helfen.� Sie verzog das Gesicht. �Es ist in Seanchan Brauch, den Namen eines M�dchens aus dem Familienstammbaum zu tilgen, wenn ihm der Kragen umlegt wird, und die arme Frau ist der Meinung, dass sie kein Recht auf den Namen hat, mit dem sie geboren wurde. Jillari ist der Name, den sie zusammen mit dem Kragen bekommen hat, aber sie will ihn behalten.�</p><p>�Es gibt mehr Gr�nde, die Seanchaner zu hassen, als ich z�hlen kann�, sagte Elayne hitzig. Dann wurde ihr etwas sp�t die Bedeutung von allem bewusst. Lernen, einen Knicks zu machen. Einen neuen Nachnahmen zu w�hlen. Verflucht, die Schwangerschaft machte sie nach allem anderen auch noch begriffsstutzig�! �Wann hat Jillari ihre Einstellung �ber den Kragen ge�ndert?� Man musste nicht jeden glauben lassen, dass sie heute begriffsstutzig war.</p><p>Die Miene der Kusine ver�nderte sich nicht, aber sie z�gerte lange genug, um Elayne wissen zu lassen, dass ihr T�uschungsman�ver nicht funktioniert hatte. �Heute Morgen erst, nach Eurem Aufbruch. Sonst h�tte man Euch informiert.� Reanne fuhr eilig fort, damit sich diese Information nicht festsetzen konnte. �Und es gibt noch mehr gute Neuigkeiten. Jedenfalls im Grunde gute. Eine der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> Marli Noichin � Ihr erinnert Euch an sie? � hat zugegeben, die Gewebe sehen zu k�nnen.�</p><p>�Oh, das sind gute Neuigkeiten�, murmelte Elayne. �Sehr gut. Nur noch achtundzwanzig weitere, aber sie sind vielleicht leichter zu �berzeugen, jetzt, da eine von ihnen gebrochen ist.� Sie hatte einem der Versuche beigewohnt, Marli davon zu �berzeugen, dass sie lernen konnte, die Macht zu lenken, dass sie die Gewebe der Macht bereits sehen konnte. Die Seanchanerin war auch noch dann verstockt geblieben, nachdem sie zu weinen angefangen hatte.</p><p>�Im Grunde gut, sagte ich.� Reanne seufzte. �W�rde man Marli Glauben schenken, h�tte sie genauso gut zugeben k�nnen, ihre Kinder ermordet zu haben. Jetzt besteht sie darauf, dass man ihr den Kragen umlegen muss. Sie <emphasis>bettelt</emphasis> nach dem <emphasis>A'dam.</emphasis> Es bereitet mir eine G�nsehaut. Ich wei� nicht, was ich mit ihr machen soll.�</p><p>�Schickt sie so bald wie m�glich zu den Seanchanern zur�ck�, erwiderte Elayne.</p><p>Reanne blieb ungl�ubig stehen. Birgitte r�usperte sich laut, und die Kusine zuckte zusammen und setzte sich wieder in Bewegung, diesmal aber schneller als zuvor. �Aber sie werden sie zu einer <emphasis>Damarie</emphasis> machen. Ich kann keine Frau zu diesem Schicksal verurteilen.�</p><p>Elayne warf ihrer Beh�terin einen Blick zu, der von ihr abglitt wie ein Dolch von einer guten R�stung. Birgittes Ausdruck war� nichtssagend. F�r die blonde Frau war das Amt einer Beh�terin auch damit verbunden, sich wie eine �ltere Schwester zu benehmen. Und manchmal auch wie eine Mutter, was noch schlimmer war.</p><p>�Ich kann�, erkl�rte sie mit Nachdruck und verl�ngerte die eigenen Schritte. Nun, es w�rde nicht schaden, fr�her in etwas Trockenes schl�pfen zu k�nnen statt sp�ter. �Sie hat dabei geholfen, genug Gefangene festzuhalten, dass sie es verdient hat, mal am eigenen Leib zu erfahren, wie das so ist. Aber das ist nicht der Grund, warum ich sie zur�ckschicke. Wenn eine der anderen bleiben und lernen will, das wieder gutmachen will, was sie getan hat, dann werde ich sie bestimmt nicht den Seanchanern �bergeben, aber beim Licht, ich hoffe, dass alle wie Marli denken. Sie werden ihr ein <emphasis>A'dam</emphasis> umlegen, Reanne, aber sie werden nicht geheim halten k�nnen, wer sie war. Jede ehemalige <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die ich zu den Seanchanern zur�ckschicken kann, damit sie ihr den Kragen umlegen, wird an ihren Fundamenten nagen.�</p><p>�Eine grausame Entscheidung�, sagte Reanne traurig. Sie zupfte aufgeregt an den R�cken, gl�ttete sie, zupfte wieder daran herum. �Vielleicht wollt Ihr ein paar Tage dar�ber nachdenken? Sicherlich muss das doch nicht sofort geschehen.�</p><p>Elayne biss die Z�hne zusammen. Die Frau hatte doch so gut wie angedeutet, dass sie diese Entscheidung in einer ihrer Gef�hlsschwankungen getroffen hatte! Aber stimmte das auch? Es erschien vern�nftig und logisch. Sie konnten die <emphasis>Sul'dam</emphasis> nicht f�r alle Ewigkeit einsperren. Diejenigen von ihnen, die nicht frei sein <emphasis>wollten,</emphasis> zu den Seanchanern zur�ckzuschicken, das war eine M�glichkeit, sie loszuwerden und gleichzeitig einen Schlag gegen die Seanchaner zu f�hren. Es war <emphasis>mehr</emphasis> als nur der Hass auf alle Seanchaner. Nat�rlich war es das. Aber sie hasste es, unsicher zu sein, wenn ihre Entscheidungen vern�nftig waren! Sie konnte es sich nicht leisten, schlechte Entscheidungen zu treffen. Aber sie hatten keine Eile. Es war sowieso besser, sie nach M�glichkeit als Gruppe zur�ckzuschicken. Diese Vorgehensweise schr�nkte die M�glichkeit ein, dass jemand einen �Unfall� arrangierte. Das traute sie den Seanchanern auf jeden Fall zu. �Ich denke dar�ber nach, Reanne, aber ich bezweifle, dass ich meine Meinung �ndern werde.�</p><p>Reanne seufzte erneut, diesmal nur tiefer. Sie konnte es kaum erwarten, wie versprochen in die Wei�e Burg zur�ckzukehren und das Wei� der Novizen anlegen zu k�nnen � sie hatte �ffentlich gesagt, wie sehr sie Kirstian und Zarya beneidete �, und sie wollte sich unbedingt der Gr�nen Ajah anschlie�en, aber Elayne hatte ihre Zweifel. Reanne hatte ein freundliches Herz, tats�chlich sogar ein weiches Herz, und Elayne hatte noch nie eine Gr�ne kennen gelernt, die man als weich h�tte bezeichnen k�nnen. Selbst jene, die nach au�en hin zerbrechlich erschienen, bestanden im Inneren aus kaltem Stahl.</p><p>Vandene rauschte aus einem kreuzenden Korridor, schlank, wei�haarig und anmutig in ihrer dunkelgrauen Wolle mit dem dunkelbraunen Besatz, und wandte sich derselben Richtung zu, in die auch sie gingen, scheinbar ohne sie wahrzunehmen. Sie war eine Gr�ne und so hart wie ein Hammerkopf. Ihr Beh�ter Jaem ging an ihrer Seite, den Kopf ihr in leiser Unterhaltung zugeneigt, sich dann und wann mit einer Hand durch das d�nner werdende Haar fahrend. Sein dunkelgr�ner Umhang hing lose um seine d�rre Gestalt, er war schon alt, aber jeden Fu� genauso hart wie sie, eine alte Wurzel, die �xte stumpf werden lassen konnte. Kirstian und Zarya folgten ihnen dem�tig in ihrem Novizinnenwei� mit auf Taillenh�he gefalteten H�nden; die eine so blass wie eine Cairhienerin, die andere klein und schmalh�ftig. F�r Ausrei�erinnen, denen gelungen war, worin so viele gescheitert waren, n�mlich jahrelang der Wei�en Burg zu entkommen � in Kirstians Fall mehr als dreihundert Jahre �, hatten sie sich mit bemerkenswerter M�helosigkeit wieder an ihre Stellung als Novizinnen gew�hnt. Aber die Regeln der Kusinen waren eine Mischung aus den Regeln, nach denen die Novizinnen lebten, und denen der Aufgenommenen. Vielleicht waren die wei�en Wollkleider und der Verlust der Freiheit, nach Belieben zu kommen und zu gehen, die einzige wirkliche Ver�nderung, obwohl die Kusinen das Letztere in gewissem Ausma� regulierten.</p><p>�Ich bin wirklich froh, dass sie sich mit den beiden besch�ftigen kann�, murmelte Reanne mitf�hlend. �Es ist gut, dass sie ihre Schwester betrauert, aber ich f�rchte, ohne Kirstian und Zarya w�re sie von Adeleas' Tod besessen. Vielleicht ist das auch schon passiert. Ich glaube, ihr Kleid geh�rte Adeleas. Ich habe einmal versucht, ihr Trost zu spenden � ich habe Erfahrung darin, Leuten bei der �berwindung von Trauer zu helfen. Ich war eine Weise Frau und habe vor vielen Jahren in Ebou Dar den roten G�rtel getragen. Aber sie hatte keine zwei Worte f�r mich �brig.�</p><p>Tats�chlich trug Vandene <emphasis>nur</emphasis> noch die Kleider ihrer toten Schwester, und auch Adeleas� blumiges Parf�m. Manchmal glaubte Elayne, dass Vandene Adeleas werden wollte, sich selbst opfern wollte, um ihre Schwester ins Leben zur�ckzuholen. Aber konnte man jemandem einen Vorwurf machen, weil er davon besessen war, den Schuldigen am Mord seiner Schwester zu finden? Kaum mehr als eine Hand voll Personen wusste, dass sie das tat. Alle anderen glaubten genau wie Reanne, dass sie v�llig in der Ausbildung von Kirstian und Zarya aufging, darin und mit dem Beginn ihrer Bestrafung f�r ihre Flucht. Vandene tat nat�rlich beides, und zwar enthusiastisch, aber es war wirklich nur die Tarnung f�r ihre wahren Absichten.</p><p>Elayne griff ohne hinzusehen zu und fand Aviendhas wartende Hand, ein tr�stlicher Griff. Sie erwiderte den Druck, unf�hig, sich die Trauer beim Verlust Aviendhas vorzustellen. Sie teilten einen schnellen Blick, und Aviendhas Augen spiegelten ihre eigenen Gef�hle wider. Hatte sie die Gesichter der Aiel wirklich einmal f�r reglos und unleserlich gehalten?</p><p>�Wie Ihr sagt, Reanne, Kirstian und Zarya halten sie besch�ftigt.� Reanne geh�rte nicht zu der Hand voll, die die Wahrheit kannten. �Wir alle trauern auf eigene Weise. Vandene wird Trost auf dem f�r sie bestimmten Pfad finden.�</p><p>Wenn sie Adeleas� M�rder fand, wie man nur hoffen konnte. Wenn das auch nicht dazu f�hrte, dass sie sich mit dem Schmerz auseinander setzte� Nun, das w�rde man dann sehen. Im Augenblick musste sie Vandene ihren Willen lassen. Vor allem da sie keinen Zweifel hatte, dass die Gr�ne jeden Versuch ignorieren w�rde, sie zu z�geln. Das war mehr als nur �rgerlich, es konnte einen in Wut versetzen. Sie musste dabei zusehen, wie sich Vandene m�glicherweise selbst zerst�rte, und noch schlimmer, sie musste es sich zunutze machen. Keine Alternative zu haben machte es nicht weniger widerw�rtig.</p><p>Als Vandene und ihre Begleitung in einen anderen Korridor abbogen, kam Reene Harfor aus einem Seitenkorridor direkt vor Elayne. Sie war eine st�mmige, stille Frau mit einem langsam grauer werdenden Haarknoten auf dem Kopf und der Ausstrahlung majest�tischer W�rde; ihr formeller scharlachroter Wappenrock sah immer frisch geb�gelt aus. Elayne hatte nie gesehen, dass auch nur ein Haar nicht an Ort und Stelle lag oder dass sie nach einem langen Tag mit der Verwaltung des Palasts auch nur im Mindesten ersch�pft aussah. Ihr rundes Gesicht schien aus irgendeinem Grund einen leicht verbl�fften Ausdruck zu tragen, aber beim Anblick Elaynes wurde es ein sorgenvoller Blick. �Aber meine Lady, Ihr seid ja v�llig durchn�sst�, sagte sie und klang schockiert, w�hrend sie ihren Hofknicks machte. �Ihr m�sst sofort aus den nassen Sachen raus.�</p><p>�Danke, Frau Harfor�, sagte Elayne durch die zusammengebissenen Z�hne. �Das ist mir noch gar nicht aufgefallen.�</p><p>Sie bedauerte den Ausbruch auf der Stelle � die Haushofmeisterin war ihr genauso treu ergeben wie ihrer Mutter �, aber dass Frau Harfor ihren Gef�hlsausbruch v�llig ignorierte und nicht einmal blinzelte, machte alles noch schlimmer. Man war nicht l�nger von Elayne Trakands Gef�hlsschwankungen �berrascht.</p><p>�Ich begleite Euch, wenn Ihr gestattet, meine Lady�, sagte sie ruhig und setzte sich an Elaynes Seite. Eine sommersprossige junge Dienerin mit einem Korb zusammengefalteter Bettw�sche setzte zu einem Knicks an, der nur um Haaresbreite mehr an Elayne als an die Haushofmeisterin gerichtet war, aber Reene machte eine schnelle Geste, die das M�dchen loseilen lie�, noch bevor sie die Knie gebeugt hatte. Vielleicht hatte sie sie nur am Lauschen hindern wollen. Reene verstummte keinen Augenblick lang. �Drei der S�ldnerhauptm�nner wollen Euch sprechen. Ich habe sie in das Blaue Audienzgemach gebracht und den Dienern gesagt, sie sollen darauf achten, dass ihnen nicht zuf�llig kleine Kostbarkeiten in die Taschen fallen. Wie sich herausstellte, war das �berfl�ssig. Careane Sedai und Sareitha Sedai kamen kurz danach herein, um den Hauptm�nnern Gesellschaft zu leisten. Hauptmann Mellar ist auch da.�</p><p>Elayne runzelte die Stirn. Sie versuchte ihn so besch�ftigt zu halten, dass er keinen Unfug anstellen konnte, aber er hatte das Talent, dort aufzutauchen, wo sie ihn nicht gebrauchen konnte. Genau wie Careane und Sareitha, was das anging. Eine von ihnen musste die M�rderin von der Schwarzen Ajah sein. Falls es nicht Merilille war, und die war anscheinend au�er Reichweite. Reene wusste dar�ber Bescheid. Es w�re kriminell gewesen, sie im Dunkeln zu lassen. Sie hatte �berall Augen, und sie w�rden vielleicht einen entscheidenden Hinweis liefern. �Was wollen die S�ldner, Frau Harfor?�</p><p>�Ich vermute mal, mehr Geld�, knurrte Birgitte und schwang den entspannten Bogen wie einen Kn�ppel.</p><p>�Vermutlich�, stimmte Reene ihr zu, �aber sie wollten es mir nicht sagen.� Ihre Lippen wurden schmaler. Das war alles, aber es hatte den Anschein, als h�tten die S�ldner geschafft, sie zu ver�rgern. Wenn sie dumm genug waren, um nicht zu erkennen, dass sie mehr als eine einfache Dienerin war, dann waren sie in der Tat sehr begriffsstutzig.</p><p>�Ist Dyelin zur�ckgekehrt?�, fragte Elayne, und als die Haushofmeisterin nicht antwortete, f�gte sie hinzu: �Dann empfange ich die S�ldner, sobald ich mich umgezogen habe.� Es war vern�nftig, sie sich so schnell wie m�glich vom Hals zu schaffen.</p><p>Sie bog um die Ecke und sah sich zwei Windsucherinnen gegen�ber und konnte nur m�hsam ein Seufzen unterdr�cken. Die Angeh�rigen des Meervolks waren die letzten Leute auf der Welt, mit denen sie sich im Augenblick herumschlagen wollte. Schlank, dunkel und barfu� in roten Seidenhosen und einer blauen Brokatseidenbluse mit einer gr�nen Sch�rpe mit einem komplizierten Knoten, trug Chanelle din Seran Wei�er Hai den richtigen Namen. Elayne hatte nicht die geringste Ahnung, wie ein wei�er Hai aussah � m�glicherweise war es ja ein ganz kleines Ding �, aber Chanelles gro�e Augen waren hart genug f�r ein wildes Raubtier, vor allem wenn sie Aviendha betrachtete. Zwischen den beiden gab es b�ses Blut. Eine t�towierte Hand hob das goldene Duftk�stchen, das an einer Kette um Chanelles Hals hing, und sie inhalierte den scharfen, w�rzigen Geruch tief, so als m�sste sie irgendeinen Gestank �berdecken. Aviendha lachte laut, was Chanelles volle Lippen schmal werden lie�. Nun ja, jedenfalls etwas schmaler. Sie konnten gar nicht schmal werden.</p><p>Die andere war Renaile din Calon, die ehemalige Windsucherin der Herrin der Schiffe. Sie trug blaue Leinenhosen und eine rote Bluse mit blauer Sch�rpe, die einen weitaus weniger aufw�ndigen Knoten aufwies. Beide Frauen trugen die langen wei�en Trauerstolen f�r Nesta din Reas, aber Renaile musste Nestas Tod st�rker getroffen haben. Sie hielt einen h�lzernen Schreibkasten mit einem verst�pselten Tintenf�sschen in der oberen Ecke und einem Blatt Papier mit ein paar draufgekritzelten Zeilen. Wei�e Str�hnen in ihrem schwarzen Haar verbargen die sechs goldenen Ohrringe; sie waren viel schmaler als die acht, die sie getragen hatte, bevor sie von Nestas Schicksal erfuhr, und die goldene Ehrenkette, die sich quer �ber ihre linke Wange zog, sah mit dem einsamen Medaillon, das ihren Clan benannte, beinahe armselig aus. Nach Nestas Tod hatte Renaile wieder von vorn anfangen m�ssen, so wie es den Br�uchen des Meervolks entsprach, sie nahm keinen h�heren Rang ein als eine Frau, die man aus dem Rang eines Lehrlings erhoben hatte. Sie strahlte noch immer W�rde aus, auch wenn sie jetzt viel verhaltener war, jetzt, da sie als Chanelles Schreiberin fungierte.</p><p>�Ich bin auf dem Weg��, begann Elayne, aber Chanelle unterbrach sie herrisch.</p><p>�Was habt Ihr Neues von Talaan geh�rt? Und von Merilille? Versucht Ihr �berhaupt, sie zu finden?�</p><p>Elayne holte tief Luft. Chanelle anzubr�llen brachte nie etwas. Die Frau br�llte gern zur�ck und war nur selten Vernunftgr�nden zug�nglich. Sie w�rde sich <emphasis>nicht</emphasis> auf einen weiteren Br�llwettbewerb einlassen. Diener, die an beiden Seiten vorbeihuschten, blieben nicht f�r Ehrenbezeugungen stehen � sie konnten die Stimmung hier sp�ren �, aber sie warfen den Meervolkfrauen finstere Blicke zu. Das war erfreulich, auch wenn es das nicht h�tte sein sollen. So sehr sie einem auch auf die Nerven gehen konnten, die Windsucherinnen waren G�ste. Jedenfalls gewisserma�en, Abkommen oder nicht. Chanelle hatte sich mehr als einmal �ber langsame Diener und lauwarmes Badewasser beschwert. Und auch das war erfreulich. Aber sie w�rde ihre H�flichkeit und ihre W�rde bewahren.</p><p>�Es sind dieselben Neuigkeiten wie gestern�, erwiderte sie in beschwichtigendem Tonfall. Nun gut, sie bem�hte sich, beschwichtigend zu klingen. Falls es Untert�ne von Sch�rfe gab, dann w�rde die Windsucherin eben damit leben m�ssen.</p><p>�Dieselben wie vorige Woche und die Woche zuvor. Man hat in jedem Gasthaus in Caemlyn Erkundigungen eingezogen. Euer Lehrling ist nicht zu finden. Merilille ist nicht zu finden. Es muss ihnen gelungen sein, die Stadt zu verlassen.� Man hatte die Torwachen aufgefordert, nach Meervolkfrauen mit t�towierten H�nden Ausschau zu halten, aber sie h�tten nicht versucht, eine Aes Sedai davon abzuhalten, die Stadt zu verlassen. Oder jemanden, der sich in ihrer Begleitung befand. Und die S�ldner w�rden jeden durchlassen, der mit ein paar M�nzen klimperte. �Und wenn Ihr mich jetzt entschuldigen w�rdet, ich bin auf dem Weg��</p><p>�Das reicht nicht.� Chanelles Stimme war hitzig genug, um Leder zu versengen. �Ihr Aes Sedai haltet so fest zusammen wie Austern. Merilille hat Talaan entf�hrt, und ich glaube, Ihr versteckt sie. Wir werden nach ihnen suchen, und ich versichere Euch, wenn wir sie finden, wird Merilille schlimm bestraft werden, bevor sie zu den Schiffen geschickt wird, um ihren Teil des Abkommens zu erf�llen.�</p><p>�Ihr scheint Euch zu vergessen�, sagte Birgitte. Ihr Tonfall war sanft, ihr Gesicht ganz ruhig, aber der Bund zitterte vor Wut. Sie hatte den Bogenstab vor sich aufgepflanzt und hielt ihn mit beiden H�nden fest, als wollte sie vermeiden, sie zu F�usten zu ballen. �Ihr werdet Eure Anschuldigungen zur�cknehmen, oder Ihr werdet es bereuen.� Vielleicht hatte sie sich doch nicht so gut unter Kontrolle, wie es den Anschein hatte.</p><p>So konnte man mit den Windsucherinnen nicht umgehen. Bei ihrem Volk waren sie Frauen mit gro�er Macht und daran gew�hnt, sie auch zu benutzen. Aber Birgitte z�gerte nicht.</p><p>�Dem Abkommen mit Zaida zufolge steht Ihr unter Lady Elaynes Befehl. Ihr steht unter <emphasis>meinem</emphasis> Befehl. Ihr werdet dann suchen, wenn ihr nicht gebraucht werdet. Und wenn mich meine Erinnerung nicht b�se tr�gt, solltet Ihr im Moment in Tear sein, um Wagen mit Getreide und eingesalzenem Rindfleisch zu holen. Ich schlage Euch dringend vor, Ihr Reist sofort dorthin, oder Ihr k�nntet selbst etwas �ber Bestrafungen erfahren.� Oh, das war genau die falsche Methode bei den Windsucherinnen.</p><p>�Nein�, sagte Elayne genauso hitzig wie Chanelle und �berraschte sich selbst. �Sucht, wenn Ihr wollt, Chanelle, Ihr und alle Windsucherinnen. Durchsucht Caemlyn von einem Ende zum anderen. Und wenn Ihr Talaan oder Merilille nicht finden k�nnt, <emphasis>werdet</emphasis> Ihr Euch daf�r entschuldigen, mich als L�gnerin bezichtigt zu haben.� Nun, das hatte sie getan. Jedenfalls so gut wie. Elayne versp�rte das heftige Verlangen, sie zu ohrfeigen. Sie wollte� Beim Licht, ihre Wut und Birgittes schaukelten sich gegenseitig hoch! Hektisch versuchte sie, ihren Zorn zu unterdr�cken, bevor er aus ihr herausbrach, aber das resultierte blo� in dem pl�tzlichen Verlangen, so heftig zu weinen, wie sie hatte k�mpfen wollen.</p><p>Chanelle plusterte sich auf. �Ihr w�rdet behaupten, wir h�tten das Abkommen nicht erf�llt. Wir haben den ganzen vergangenen Monat wie Bilgem�dchen geschuftet und mehr. Ihr werdet uns nicht los, ohne Euren Teil zu erf�llen. Renaile, man muss von Aes Sedai im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> verlangen � es verlangen, verstanden! �, dass man uns Merilille und Talaan �bergibt oder das zahlt, was die Wei�e Burg f�r sie schuldet. Sie k�nnen nicht f�r alle bezahlen, aber sie k�nnen einen Anfang machen.�</p><p>Renaile machte Anstalten, den silbernen Verschluss des Tintenf�sschens aufzuschrauben.</p><p>�Kein Brief�, fauchte Chanelle. �Geht hin und sagt es ihnen pers�nlich. Auf der Stelle.�</p><p>Renaile schraubte das F�sschen wieder zu, verbeugte sich beinahe parallel zum Boden und ber�hrte schnell das Herz mit den Fingerspitzen. �Wie Ihr befehlt�, murmelte sie, das Gesicht eine dunkle Maske. Sie z�gerte keine Sekunde, lief den Weg zur�ck, den sie gekommen war, den Schreibkasten unter den Arm geklemmt.</p><p>Elayne k�mpfte noch immer gegen den Drang an, Chanelle gleichzeitig zu schlagen und zu weinen. Es war nicht das erste Mal, dass das Meervolk in den <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> gegangen war, nicht einmal das zweite oder dritte Mal, aber zuvor waren sie immer hingegangen, um zu bitten, und nicht, um zu fordern. Im Augenblick befanden sich neun Schwestern in dem Gasthaus � die Zahl �nderte sich, Schwestern kamen und gingen, und Ger�chten zufolge waren noch andere Aes Sedai in der Stadt �, und es beunruhigte sie, dass keine von ihnen den Palast besucht hatte. Sie hatte sich vom Gasthaus fern gehalten, denn sie wusste, wie gern Elaida sie in die Finger bekommen wollte, aber sie wusste nicht, auf wessen Seite die Schwestern dort standen; sie hatten sich bei Sareitha und Careane ausgeschwiegen. Aber sie hatte erwartet, dass wenigstens ein paar von ihnen in den Palast kamen, und sei es nur, um zu erfahren, was an den Behauptungen des Meervolks dran war. Warum befanden sich so viele Aes Sedai in Caemlyn, wo doch Tar Valon belagert wurde? Die erste Antwort, die ihr dazu einfiel, war, dass es um sie ging, und das verst�rkte nur ihre Entschlossenheit, jeder Schwester aus dem Weg zu gehen, von der sie nicht pers�nlich �berzeugt war, dass sie Egwene unterst�tzte. Aber das w�rde nicht verhindern, dass sich die Kunde von dem Abkommen, das sie f�r die Benutzung der Schale der Winde geschlossen hatten, verbreitete, wie auch von dem Preis, den die Wei�e Burg f�r diese Hilfe zahlen musste. Sollte man sie zu Asche verbrennen, aber wenn sich diese Neuigkeit unter den Aes Sedai verbreitete, w�rde das eine verdammte Wagenladung Feuerwerk sein, das gleichzeitig explodierte. Schlimmer noch. Zehn Wagenladungen.</p><p>Sie sah Renaile nach und k�mpfte darum, ihre Emotionen unter Kontrolle zu bringen. Und ihre Stimme, damit sie wenigstens ann�hrend h�flich klang. �Sie geht mit der Ver�nderung sehr gut um, finde ich.�</p><p>Chanelle schnaubte ver�chtlich. �Das sollte sie auch. Jede Windsucherin wei�, dass sie viele Male aufsteigen und fallen wird, bevor man ihren K�rper wieder dem Salz �bergibt.� Sie drehte sich um, um der anderen Frau nachzusehen, und ein Hauch von Bosheit trat in ihre Stimme. Sie schien zu sich selbst zu sprechen. �Sie ist aus gr��erer H�he gest�rzt als so manch anderer, und es h�tte sie nicht �berraschen d�rfen, dass ihre Landung so hart war, wo sie doch auf so viele Finger getreten ist�� Sie schloss ruckartig den Mund und riss den Kopf herum, um Elayne, Birgitte, Aviendha, Reene, ja, selbst die Gardistinnen herausfordernd anzuschauen, ob sie es wagten, das zu kommentieren.</p><p>Elayne sagte klugerweise kein Wort, und das galt auch f�r die anderen, wof�r sie dem Licht dankte. Sie glaubte, ihre Stimmung bes�nftigt, das Verlangen zu weinen unterdr�ckt zu haben, und sie wollte nichts sagen, das Chanelle m�glicherweise veranlasste, herumzubr�llen und ihre ganze M�he zunichte zu machen. Davon abgesehen fiel ihr auch nichts ein, was sie nach dem gerade Geh�rten h�tte sagen sollen. Sie bezweifelte, dass es bei den Atha�an Miere Brauch war, sich an jemandem zu r�chen, von dem man glaubte, dass er seine h�here Position missbraucht hatte. Aber es war sehr menschlich.</p><p>Die Windsucherin musterte sie stirnrunzelnd von oben bis unten. �Ihr seid nass�, sagte sie dann, als w�re es ihr jetzt erst aufgefallen. �In Eurem Zustand ist es sehr schlecht, zu lange nass zu sein. Ihr solltet Euch sofort umziehen.�</p><p>Elayne warf den Kopf zur�ck und schrie, so laut sie konnte, einen Aufschrei purer Emp�rung und Wut. Sie schrie, bis ihre Lungen leer waren und sie keuchen musste.</p><p>In der nachfolgenden Stille starrte sie jeder erstaunt an. Fast jeder. Aviendha musste so heftig lachen, dass sie sich gegen einen Wandbehang mit berittenen J�gern, die einen sich zu ihnen umdrehenden Leoparden stellten, st�tzen musste. Sie hielt sich den Leib, als t�ten ihr die Rippen weh. Der Bund �bermittelte auch Heiterkeit � Heiterkeit! �, obwohl Birgittes Gesicht so reglos wie das einer Schwester blieb.</p><p>�Ich muss nach Tear Reisen�, sagte Chanelle nach einem Moment und drehte sich dann wortlos und ohne jede Ehrenbezeugung um. Reene und Reanne machten einen Knicks, ohne jedoch Elaynes Blick direkt zu erwidern, und murmelten etwas von wartenden Pflichten, bevor sie forteilten.</p><p>Elayne starrte nacheinander Birgitte und Aviendha an.</p><p>�Wenn eine von euch auch nur ein Wort sagt��</p><p>Birgitte setzte einen so unschuldigen Ausdruck auf, dass er nur falsch sein konnte, und der Bund �bermittelte solche Heiterkeit, dass Elayne selbst gegen ein Lachen ank�mpfen musste. Aviendha lachte nur noch lauter.</p><p>Elayne raffte ihre R�cke und so viel von ihrer W�rde, wie m�glich war, und setzte sich in Richtung ihrer Gem�cher in Bewegung. Falls sie dabei schneller als zuvor ausschritt, nun, sie <emphasis>wollte</emphasis> aus den nassen Sachen raus. Das war der einzige Grund. Der <emphasis>einzige</emphasis> Grund.</p></section><section><title><p>15</p><p>Eine andere F�higkeit</p></title><p>Zu Elaynes Wut, einer stillen, brodelnden Wut, die sie die Z�hne zusammenbei�en lie�, verirrte sie sich auf dem Weg zu ihren Gem�chern. Es waren ihre R�ume gewesen, seit sie die Kinderstube verlassen hatte, und doch bog sie zweimal ab, nur um zu merken, dass der Weg nicht dorthin f�hrte, wo sie hinwollte. Eine geschwungene, mit Marmorgel�nder versehene Treppe brachte sie in die v�llig falsche Richtung. Verflucht, ein Kind zu bekommen verwirrte ihre Sinne vollst�ndig! Durch den Bund kam Verbl�ffung und dann wachsende Sorge, als sie den Weg zur�ckging und eine andere Treppe benutzte. Einige der Gardistinnen murmelten unbehaglich, nicht laut genug, dass sie die Worte verstehen konnte, bis die befehlshabende Bannertr�gerin, eine schlanke Saldaeanerin namens Devore Zarbayan, sie mit einem scharfen Wort zum Schweigen brachte. Selbst Aviendha fing an, sie merkw�rdig anzusehen. Nun, sie w�rde sich nicht vorhalten lassen, sich verirrt zu haben � nicht in ihrem Palast!</p><p>�Keiner sagt was�, sagte sie grimmig. �Keiner!�, f�gte sie hinzu, als Birgitte trotzdem den Mund aufmachte.</p><p>Die blonde Frau machte den Mund wieder zu und zog an ihrem dicken Zopf, beinahe so, wie Nynaeve es immer tat. Sie gab sich keine M�he, Missbilligung aus ihrem Gesicht herauszuhalten, und der Bund �bermittelte noch immer Verwirrung und Sorge. Es reichte, dass Elayne selbst anfing, sich Sorgen zu machen. Sie hatte ihre M�he, das abzusch�tteln, bevor sie anfing, sich h�nderingend zu entschuldigen. So stark waren die Eindr�cke.</p><p>�Wenn ich etwas sagen darf, ich glaube, ich versuche, <emphasis>meine</emphasis> Gem�cher zu finden�, sagte Birgitte angespannt. �Ich will wieder trocken werden, bevor ich meine Stiefel durchlaufe. Wir m�ssen nachher dar�ber sprechen. Ich f�rchte, da ist nichts mehr zu �ndern, aber�� Mit einem steifen, fast unmerklichen Nicken stolzierte sie davon und lie� den Bogenstab von Seite zu Seite durch die Luft pfeifen.</p><p>Beinahe h�tte Elayne sie zur�ckgerufen. Sie wollte es. Aber Birgitte brauchte genauso dringend trockene Kleidung wie sie selbst. Davon abgesehen war ihre Stimmung jetzt auf m�rrisch und stur umgeschwenkt. Sie w�rde nicht dar�ber sprechen, sich in Korridoren verirrt zu haben, in denen sie aufgewachsen war, nicht jetzt und auch nicht sp�ter. Nichts mehr zu �ndern? Was sollte das denn bedeuten? Falls Birgitte andeuten wollte, dass ihre Sinne zu benebelt waren, um wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden zu k�nnen�! Sie biss erneut die Z�hne zusammen.</p><p>Endlich, nach einer weiteren unerwarteten Biegung, stie� sie auf die hohen, mit L�wenreliefs verzierten T�ren ihrer Gem�cher und stie� einen kleinen Seufzer der Erleichterung aus. Langsam hatte sie schon geglaubt, dass ihre Erinnerungen an den Palast wirklich v�llig durcheinander waren. Zwei Gardistinnen, pr�chtig anzuschauen mit den breitkrempigen H�ten mit wei�em Helmbusch und den spitzenges�umten Sch�rpen mit aufgestickten wei�en L�wen, die sich quer �ber die polierten Harnische zogen, sowie noch mehr Spitzenbesatz an �rmeln und Hals, nahmen Haltung an, als sie herankam. Sie plante, sie mit rot lackierten Harnischen auszustatten, die zu ihren Seidenm�nteln und Hosen passten, sobald sie Zeit hatte, sich damit zu befassen. Falls sie so h�bsch aussahen, dass jeder Angreifer sie nicht ernst nahm, bis es zu sp�t war, w�rde sie sie richtiggehend ausstaffieren. Die Gardistinnen schien es nicht zu st�ren. Tats�chlich waren sie schon sehr auf die lackierten Harnische gespannt.</p><p>Sie hatte zuf�llig geh�rt, dass einige sich ver�chtlich �ber die Gardistinnen ge�u�ert hatten � in der Hauptsache Frauen, aber auch Doilin Mellar, ihr eigener Kommandant �, doch sie hatte volles Vertrauen in ihre F�higkeiten, sie zu besch�tzen. Sie waren mutig und entschlossen, oder sie w�ren nicht hier gewesen. Yurith Azeri und andere, die Kaufmannswachen gewesen waren, ein seltenes Handwerk f�r Frauen, gaben t�glich Schwertunterricht, und auch ein paar der Beh�ter gaben noch zus�tzlich jeden Tag eine zweite Unterrichtsstunde. Sareithas Ned Yarman und Vandenes Jaem �u�erten sich sehr anerkennend dar�ber, wie schnell sie lernten. Jaem sagte, es l�ge daran, dass sie nicht zu wissen glaubten, wie man mit einer Klinge umgehen m�sste, was albern klang. Wie konnte man glauben, dass man etwas bereits wusste, wenn man Unterricht darin brauchte?</p><p>Trotz der bereits postierten W�chterinnen winkte Devore zwei von ihrer Eskorte herbei, und sie zogen die Schwerter und gingen hinein, w�hrend Elayne mit Aviendha und dem Rest im Korridor wartete und ungeduldig mit dem Fu� auftippte. Jeder vermied es, sie anzusehen. Die Suche war keine Herabsetzung der Frauen, die die T�r bewachten � Elayne hielt es f�r m�glich, dass jemand die Palastwand hochkletterte; es gab gen�gend Verzierungen, die als Haltegriffe dienen konnten �, aber es �rgerte sie, dass sie warten musste. Sie und Aviendha durften erst eintreten, nachdem die Frauen wieder herausgekommen und Devore Bericht erstattet hatten, dass in den Gem�chern keine Attent�ter lauerten und auch keine Aes Sedai darauf warteten, Elayne zur�ck zu Elaida und der Burg zu verschleppen. Die Gardistinnen nahmen zu beiden Seiten der T�r neben den anderen Aufstellung. Elayne war sich nicht sicher, ob sie sie davon abgehalten h�tten, schon vorher einzutreten, aber bis jetzt hatte sie es nicht darauf ankommen lassen wollen. Von der eigenen Leibwache festgehalten zu werden w�re einfach unertr�glich gewesen, und dabei spielte es keine Rolle, dass sie nur ihre Arbeit taten. Es war besser, es nicht herauszufinden.</p><p>In dem wei�en Marmorkamin des Vorzimmers brannte ein kleines Feuer, aber es schien nur wenig W�rme zu spenden. Man hatte die Teppiche wegen des Fr�hlings entfernt, und die Bodenfliesen f�hlten sich kalt unter ihren Stiefelsohlen an, so dick sie auch sein mochten. Essande, ihre Kammerzofe, breitete die grauen, rot ges�umten R�cke mit f�r ihr Alter �berraschender Anmut aus, auch wenn die gertenschlanke, wei�haarige Frau unter Gelenkschmerzen litt, die sie verdr�ngte und auch nicht Heilen lassen wollte. Sie h�tte sich genauso vehement gegen den Vorschlag gewehrt, wieder in den Ruhestand zur�ckzukehren. Elaynes Goldene Lilie war stolz auf der Kleiderbrust aufgen�ht und wurde stolz getragen. Die beiden j�ngeren Frauen einen Schritt hinter ihr trugen �hnliche Livreen, aber mit kleineren Lilien; es waren Sephanie und Naris, st�mmige Geschwister mit kantigen Gesichtern. Noch immer sch�chtern, wenn auch gut von Essande ausgebildet, machten sie tiefe Knickse, bei denen sie sich fast auf den Boden setzten.</p><p>So zerbrechlich und langsam Essande auch in ihren Bewegungen sein mochte, sie verschwendete nie Zeit mit belanglosem Geplauder oder damit, das Offensichtliche festzustellen. Es gab keine Klagen, wie nass Elayne und Aviendha doch waren, obwohl die Gardistinnen es ihr zweifellos gesagt hatten. �Wir sorgen daf�r, dass Ihr warm und trocken werdet, meine Lady, und dann etwas Passendes f�r das Treffen mit den S�ldnern heraussuchen. Das rote Seidengewand mit Feuertropfen am Hals sollte sie ausreichend beeindrucken. Eure Essenszeit ist auch schon lange vorbei. Spart Euch die M�he, mir zu sagen, dass Ihr gegessen habt, meine Lady. Naris, hol f�r die Lady Elayne und die Lady Aviendha etwas zu essen aus der K�che.� Aviendha gab ein schnaubendes Lachen von sich, aber sie hatte schon vor langer Zeit aufgeh�rt, sich gegen die Anrede Lady zu wehren. Was vern�nftig war, denn sie w�rde Essande niemals davon abhalten. Bei Dienern gab es Dinge, die man anordnete und Dinge, �ber die man einfach hinwegsehen musste.</p><p>Naris zog eine Grimasse und holte aus irgendeinem Grund tief Luft, machte aber einen weiteren tiefen Knicks, der diesmal Essande galt, und einen etwas tieferen f�r Elayne � sie und ihre Schwester hatten vor der �lteren Frau genauso viel Ehrfurcht wie vor der Tochter-Erbin von Andor �, bevor sie die R�cke raffte und hinaus in den Korridor eilte.</p><p>Auch Elayne verzog das Gesicht. Offensichtlich hatten die Gardistinnen Essande auch �ber die S�ldner informiert. Und dass sie nicht gegessen hatte. Sie hasste es, wenn die Leute hinter ihrem R�cken �ber sie redeten. Aber wie viel davon lag an ihren Stimmungsschwankungen? Sie konnte sich nicht daran erinnern, sich fr�her dar�ber ge�rgert zu haben, wenn eine Dienerin im Voraus wusste, welches Kleid sie herauslegen sollte oder wenn jemand wusste, dass sie hungrig war und eine Mahlzeit kommen lie�, ohne darum gebeten worden zu sein. Diener unterhielten sich � das hie�, sie klatschten ununterbrochen, das war so �, und wenn sie gut in ihrer Arbeit waren, gaben sie alles weiter, was dabei half, ihrer Herrin besser zu dienen. Essande war sehr gut in ihrer Arbeit. Trotzdem st�rte es Elayne, und es st�rte sie noch mehr, weil sie sich bewusst war, dass das irrational war.</p><p>Sie lie� zu, dass Essande sie und Aviendha in das Ankleidezimmer f�hrte. Sephanie schloss sich ihnen an. Mittlerweile f�hlte sie sich richtig elend, sie war nass und zitterte, sie war w�tend auf Birgitte, weil sie so einfach davongest�rmt war, sie versp�rte Angst, weil sie sich in dem Palast verirrt hatte, in dem sie aufgewachsen war, es st�rte sie, dass ihre Leibw�chterinnen �ber sie klatschten. In Wahrheit f�hlte sie sich absolut f�rchterlich.</p><p>Aber Essande hatte sie schnell von den nassen Sachen befreit und in ein gro�es wei�es Handtuch gewickelt, das vor dem gro�en Marmorkamin am anderen Ende des Raums auf einer W�rmestange gehangen hatte. Das hatte eine beruhigende Wirkung. Dieses Feuer war nicht so klein, und in dem Zimmer schien es fast schon zu hei� zu sein, eine willkommene Hitze, die in die Haut eindrang und das Zittern vertrieb. Essande rieb Elaynes Haar mit dem Handtuch trocken, w�hrend Sephanie das Gleiche bei Aviendha tat, was die Aiel noch immer verdross, obwohl es bei weitem nicht das erste Mal war. Sie und Elayne b�rsteten sich oft abends gegenseitig das Haar, aber diesen einfachen Dienst von einer Zofe erledigen zu lassen trieb Farbe in Aviendhas sonnengebr�unte Wangen.</p><p>Als Sephanie einen der Schr�nke an der Wand �ffnete, seufzte Aviendha tief. Sie hielt ein Handtuch lose um ihren K�rper � es war zwar peinlich, sich von einer anderen Frau das Haar trocknen zu lassen, aber fast nackt zu sein war in Ordnung �, und ein weiteres, kleineres, war um ihren Kopf gewickelt. �Elayne, findest du, ich sollte Feuchtl�nderkleidung tragen, da wir doch zu diesen S�ldnern gehen?�, fragte sie mit z�gerndem Tonfall. Essande l�chelte. Sie genoss es, Aviendha in Seide zu kleiden.</p><p>Elayne unterdr�ckte selbst ein L�cheln, was nicht einfach war, da sie selbst gern gelacht h�tte. Ihre Schwester tat so, als w�rde sie Seide verabscheuen, aber sie lie� selten eine Gelegenheit aus, sie zu tragen. �Wenn du dich �berwinden kannst, Aviendha�, sagte sie ernst und richtete sorgf�ltig ihr Handtuch. Essande sah sie jeden Tag nackt, und Sephanie auch, aber es schickte sich nicht, so etwas grundlos zu tun.</p><p>�Wir sollten sie beide beeindrucken, das erzielt den gr��ten Erfolg. Es st�rt dich doch nicht zu sehr, oder?�</p><p>Aber Aviendha stand bereits am Kleiderschrank, und ihr Handtuch klaffte sorglos weit offen, w�hrend sie mehrere Kleider ber�hrte. In einem anderen Schrank hingen mehrere Garnituren Aiel-Kleidung, aber Tylin hatte ihnen vor ihrem Aufbruch aus Ebou Dar Truhen mit aufw�ndig geschneiderten Seiden- und Wollkleidern mitgegeben, fast genug, um beinahe ein Viertel der Kleiderschr�nke zu f�llen.</p><p>Nach der kurzen Heiterkeit f�hlte sich Elayne nicht l�nger, als m�sste sie sich wegen allem streiten, also lie� sie sich ohne Widerrede von Essande in ein Kleid aus roter Seide stecken, auf dessen hohen Kragen Feuertropfen in der Gr��e von Fingergliedern aufgen�ht waren. Dieses Kleid w�rde beeindrucken, da gab es keinen Zweifel, und man brauchte auch keinen weiteren Schmuck, obwohl der Gro�e Schlangenring an ihrer rechten Hand ohnehin jeden Schmuck ersetzte. Die wei�haarige Dienerin hatte einen sanften Griff, aber trotzdem zuckte Elayne zusammen, als sie hinten die Reihen winziger Kn�pfe schloss, wodurch sich das Oberteil um ihre empfindlichen Br�ste spannte. Die Meinungen waren geteilt, wie lange das andauern w�rde, aber alle waren sich einig, dass sie mit noch mehr Schwellung rechnen musste.</p><p>Oh, wie sehr w�nschte sie sich doch, Rand w�re nahe genug, um die vollen Auswirkungen durch ihren Bund zu teilen. Das w�rde ihn lehren, ihr so ohne weiteres ein Kind zu machen. Nat�rlich h�tte sie den Herzblatttee trinken k�nnen, bevor sie sich ihm hingegeben hatte� Sie verdr�ngte den Gedanken energisch. Das alles war nur Rands Schuld, und damit Schluss.</p><p>Aviendha w�hlte Blau, wie sie es oft tat, mit Reihen winziger Perlen am Ausschnitt. Die Seide war nicht so tief ausgeschnitten, wie es in Ebou Dar Mode war, aber sie zeigte dennoch etwas Dekollete; nur wenige Kleider aus Ebou Dar taten das nicht. Als Sephanie anfing, die Kn�pfe zu schlie�en, t�tschelte Aviendha etwas, das sie aus ihrer G�rteltasche geholt hatte, einen kleinen Dolch mit einem Hirschhorngriff, der mit Golddraht umwickelt war. Er diente auch als <emphasis>Ter�angreal,</emphasis> allerdings hatte Elayne vor dem Beginn ihrer Schwangerschaft � die solche Studien unterbrochen hatte � nicht herausfinden k�nnen, was genau man damit machen konnte.</p><p>�Warum fasziniert dich das Ding nur so?�, fragte Elayne. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihre Schwester so von diesem Messer fasziniert sah.</p><p>Aviendha zuckte zusammen und blinzelte den Dolch in ihren H�nden an. Die Eisenklinge � zumindest sah sie wie Eisen aus und f�hlte sich auch beinahe so an � war niemals gesch�rft worden, soweit Elayne das wusste, und sie war etwas l�nger als ihre Handfl�che, wenn auch ziemlich breit. Selbst die Spitze war zu stumpf, um damit zustechen zu k�nnen. �Ich wollte ihn dir geben, aber du hast nie ein Wort dar�ber verloren, also glaubte ich, ich w�rde mich vielleicht irren, und dann h�tten wir alle gedacht, du w�rst sicher, jedenfalls vor einigen Gefahren, obwohl das nicht der Fall ist. Also entschied ich, ihn zu behalten. Wenn ich Recht habe, h�tte ich so wenigstens dich besch�tzen k�nnen, und wenn ich mich t�usche, macht es auch keinen Unterschied.�</p><p>Elayne sch�ttelte den handtuchumwickelten Kopf. �Womit denn Recht? Wovon redest du?�</p><p>�Na hiervon.� Aviendha hielt den Dolch hoch. �Ich glaube, wenn man diesen Dolch besitzt, kann einen der Schatten nicht sehen. Weder die Augenlosen noch die Schattenverzerrten, vielleicht sogar nicht einmal der Blattqu�ler. Aber ich muss mich da irren, wenn du es nicht sehen kannst.�</p><p>Sephanie keuchte und hielt mit der Arbeit inne, bis Essande eine leise Zurechtweisung murmelte. Essande war zu alt, um sich durch die blo�e Erw�hnung des Schattens einsch�chtern zu lassen. Oder von den meisten anderen Dingen, was das anging.</p><p>Elayne starrte Aviendha an. Sie hatte versucht, sie in der Herstellung von <emphasis>Ter�angrealen</emphasis> zu unterrichten, aber ihre Schwester hatte darin nicht das geringste Geschick. Aber vielleicht hatte sie ja eine andere F�higkeit, die man vielleicht sogar als Talent bezeichnen konnte. �Komm mit�, sagte sie, nahm Aviendha am Arm und zerrte sie beinahe aus dem Ankleidezimmer. Essande folgte protestierend, w�hrend Sephanie sich bem�hte, Aviendhas Kleid im Laufen zuzumachen.</p><p>In dem gr��eren der beiden Wohnzimmer loderten ordentliche Feuer in beiden Kaminen, und wenn die Luft vielleicht auch nicht so warm wie im Ankleidezimmer war, war es dennoch angenehm. An dem Tisch mit dem Wellenmuster an seiner Kante und den St�hlen mit der niedrigen Lehne in der Mitte des wei� gefliesten Bodens nahmen sie und Aviendha die meisten ihrer Mahlzeiten ein. An dem einen Ende des Tisches stapelten sich mehrere in Leder gebundene B�cher aus der Hofbibliothek; historische Chroniken �ber Andor und Geschichtensammlungen. Die Kandelaber sorgten f�r ein gutes Licht, und hier lasen sie oft abends.</p><p>Aber wichtiger war der lange Seitentisch an der dunkel get�felten Wand. Er war mit <emphasis>Ter�angrealen</emphasis> aus der Kiste voll gestellt, die die Kusinen in Ebou Dar versteckt gehabt hatten, Becher und Schalen, Statuetten und Tonfiguren, Juwelen, alle m�glichen Gegenst�nde. Die meisten sahen ganz normal aus, wenn man vielleicht von dem oft seltsamen Design absah, aber selbst die am zerbrechlichsten wirkenden konnten nicht zerbrochen werden, und einige waren schwerer oder leichter, als sie aussahen. Elayne konnte sie nicht l�nger auf Erfolg versprechende Weise studieren � da war zwar Mins Versicherung, dass ihre Kinder nicht verletzt werden konnten, aber da ihre Kontrolle der Macht so unberechenbar war, bestand die nicht zu untersch�tzende M�glichkeit, dass sie sich selbst schadete �, aber sie wechselte das Sortiment auf dem Tisch jeden Tag aus, holte zuf�llig ausgesuchte St�cke aus den K�rben in dem Tresorraum ihres Gemachs, nur damit sie sie ansehen und dar�ber nachdenken konnte, was sie vor Beginn ihrer Schwangerschaft �ber sie herausbekommen hatte. Nicht, dass sie viel herausbekommen h�tte � gut, sie hatte gar nichts herausbekommen �, aber sie konnte �ber sie nachdenken. Man musste sich keine Sorgen machen, dass etwas gestohlen wurde. Reene hatte die meisten Unehrlichen aus der Dienerschaft herausgesiebt, wenn nicht sogar alle, und die allgegenw�rtigen Wachen an der T�r sorgten f�r den Rest.</p><p>Die Lippen zu einem missbilligendem Strich verzogen, machte Essande mit Elaynes Kn�pfen weiter � man zog sich im Ankleidezimmer an, wie es sich geh�rte, und nicht hier drau�en, wo jeden Augenblick jemand hereinplatzen konnte. Sephanie m�hte sich hektisch und schwer atmend mit Aviendhas Kleid ab, vermutlich mehr durch das Missfallen der alten Frau nerv�s gemacht als durch alles andere.</p><p>�Such dir irgendeines aus und sag mir, was es deiner Meinung nach kann.� Ansehen und dar�ber nachdenken hatte keinen Erfolg gebracht, und sie hatte es auch nicht erwartet.</p><p>Aber wenn Aviendha die F�higkeiten eines <emphasis>Ter�angreals</emphasis> bestimmen konnte, nur indem sie es in der Hand hielt� Hei�er und bitterer Neid schoss in ihr hoch, aber sie dr�ngte ihn zur�ck und sprang dann vorsichtshalber solange darauf herum, bis er verschwunden war. Sie w�rde <emphasis>nicht</emphasis> neidisch auf Aviendha sein!</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, dass ich das kann. Ich habe doch blo� eine Ahnung, dass dieser Dolch eine Art von Abschirmung ist. Und ich muss mich irren, oder du w�rdest es wissen. Du verstehst mehr von diesen Dingen als alle anderen zusammen.�</p><p>Elaynes Wangen r�teten sich vor Verlegenheit. �Ich wei� nicht einmal ann�hrend so viel, wie du zu glauben scheinst. Versuch es, Aviendha. Ich habe noch nie davon geh�rt, dass jemand <emphasis>Ter�angreale�</emphasis> lesen kann, aber wenn du das kannst, und wenn es auch nur ein bisschen ist, begreifst du nicht, wie gro�artig das w�re?�</p><p>Aviendha nickte, doch in ihrem Gesicht blieb der Zweifel bestehen. Z�gernd ber�hrte sie einen schmalen schwarzen Stab, einen Schritt lang und so biegsam, dass man ihn zu einem Kreis biegen und er wieder in seine urspr�ngliche Form zur�ckschnellen konnte. Ber�hrte ihn und riss die Hand zur�ck, wischte sich die Finger unbewusst an ihrem Rock ab.</p><p>�Der verursacht Schmerz.�</p><p>�Das hat uns Nynaeve gesagt�, erwiderte Elayne ungeduldig, und Aviendha sah sie streng an.</p><p>�Nynaeve al�Meara hat nicht gesagt, dass du festlegen kannst, wie viel Schmerz jeder Schlag anrichtet.� Dann �berfiel sie wieder die Unsicherheit, und ihre Stimme wurde z�gernd.</p><p>�Zumindest glaube ich, dass er das kann. Ich glaube, ein Schlag kann sich wie einer oder wie hundert anf�hlen. Aber das sind blo� Vermutungen, Elayne. Ich glaube das lediglich.�</p><p>�Mach weiter�, sagte Elayne aufmunternd. �Vielleicht finden wir etwas, mit dem wir es beweisen k�nnen. Was ist damit?� Sie ergriff eine seltsam geformte Metallkappe. Bedeckt mit seltsamen, rechteckigen Mustern, die von einer besonders feinen Gravur gebildet wurden, war sie viel zu d�nn, um als Helm dienen zu k�nnen, war aber doppelt so schwer, wie es den Anschein hatte. Das Metall f�hlte sich auch ganz schmierig an, nicht nur glatt, als w�re es einge�lt.</p><p>Aviendha legte den Dolch z�gernd zur Seite und drehte die Kappe in den H�nden, bevor sie sie wieder auf dem Tisch ablegte und den Dolch an sich nahm. �Ich glaube, damit kann man eine Art von� Ger�t steuern. Eine Maschine.� Sie sch�ttelte den Kopf, um den noch immer das Handtuch gebunden war. �Aber ich wei� nicht wie oder was f�r eine Maschine. Siehst du? Ich rate blo� herum.�</p><p>Aber Elayne lie� sie nicht aufh�ren. Aviendha ber�hrte ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> nach dem anderen oder nahm es auch kurz in die Hand, und jedes Mal hatte sie eine Antwort. Z�gernd und mit der Warnung, dass es sich nur um eine Vermutung handelte, aber immer eine Antwort. Ein kleines K�stchen, scheinbar aus Elfenbein und mit gewundenen roten und gr�nen Streifen bedeckt, enthielt Musik, Hunderte Melodien, vielleicht Tausende. Bei einem <emphasis>Ter�angreal</emphasis> war das durchaus m�glich. Eine flache wei�e Sch�ssel von einem Schritt Durchmesser diente dazu, Dinge aus weiter Ferne zu beobachten, und eine hohe Vase mit gr�nen und blauen Schlingpflanzen � blauen Schlingpflanzen! � zog Wasser aus der Luft. Das klang nutzlos, aber Aviendha liebkoste sie beinahe, und nach kurzem Nachdenken erkannte Elayne, dass sie in der W�ste sehr n�tzlich sein w�rde. Wenn sie so funktionierte, wie Aviendha glaubte. Und jemand herausfinden konnte, wie man sie zum Funktionieren brachte. Das schwarzwei�e Fig�rchen eines fliegenden Vogels mit ausgebreiteten Schwingen war dazu gemacht, um aus gro�er Distanz mit Leuten zu sprechen. Genau wie die blaue Frauenfigur, die klein genug war, um in Aviendhas Hand zu passen. Und wie f�nf Ohrringe, sechs Fingerringe und drei Armreifen.</p><p>Elayne beschlich schon der Verdacht, dass Aviendha aufgab und immer das Gleiche antwortete in der Hoffnung, dass sie zu fragen aufh�rte, aber dann wurde ihr klar, dass die Stimme ihrer Schwester zusehends selbstbewusster wurde, dass die Proteste, sie w�rde nur raten, aufgeh�rt hatten. Und ihre �Vermutungen� wurden immer detaillierter. Ein gebogener, mattschwarzer schmuckloser Stab von der Breite ihres Handgelenks � er schien aus Metall zu bestehen, aber das eine Ende passte sich jeder Hand an, die ihn ergriff � lie� Aviendha an Schneiden denken, entweder Metall oder Stein, solange sie nicht zu dick waren. Allerdings nichts, das Feuer fangen konnte. Die angebliche Glasfigur eines Mannes, die einen Fu� hoch war und der die H�nde hob, als wollte er signalisieren, dass es hier nicht mehr weiterging, w�rde Ungeziefer verjagen, was bei Caemlyns Ratten- und Fliegenplagen mit Sicherheit n�tzlich gewesen w�re. Eine Steinschnitzerei von der Gr��e ihrer Hand � sie f�hlte sich wie Stein an, obwohl die Schnitzereien irgendwie durch nat�rliche Einfl�sse geformt erschienen � war daf�r gedacht, etwas wachsen zu lassen. Keine Pflanzen. Sie lie� sie an L�cher denken, aber es waren keine richtigen L�cher. Und sie glaubte nicht, dass jemand die Macht lenken musste, um sie zu aktivieren. Man musste nur das richtige Lied singen! Ein <emphasis>Ter�angreal,</emphasis> das nicht die Eine Macht brauchte! Singen?</p><p>Sephanie hatte Aviendhas Kleid endlich geschlossen und war in den Bann ihrer Beschreibungen geraten, ihre Augen wurden immer gr��er. Auch Essande h�rte interessiert zu, den Kopf zur Seite gelegt, und bei jeder neuen Enth�llung gab sie ihrem Erstaunen durch Murmeln kund, aber sie h�pfte nicht auf den Zehen herum, wie Sephanie es tat.</p><p>�Was ist damit, meine Lady?�, platzte die junge Frau heraus, als Aviendha eine Pause einlegte. Sie zeigte auf die Statuette eines st�mmigen b�rtigen Mannes mit einem fr�hlichen L�cheln, der ein Buch hielt. Zwei Fu� gro� schien sie aus vom Alter gedunkelter Bronze zu bestehen, und sie war auf jeden Fall schwer genug, um es auch zu sein. �Wenn ich ihn ansehe, m�chte ich auch immer l�cheln, meine Lady.�</p><p>�Ich auch, Sephanie Pelden�, sagte Aviendha und streichelte �ber den Bronzekopf des Mannes. �Ihr m�sst wissen, er h�lt mehr als nur ein Buch. Er h�lt Tausende und Abertausende B�cher.� Pl�tzlich h�llte das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> sie ein, und sie ber�hrte die Bronzefigur mit winzigen Str�men aus Feuer und Erde.</p><p>Sephanie quiekte auf, als �ber dem Kopf der Statuette zwei W�rter in der Alten Sprache erschienen, so schwarz wie mit guter Tinte geschrieben. Ein paar der Buchstaben waren etwas seltsam geformt, aber die Worte waren deutlich zu lesen. <emphasis>Ansoen</emphasis> und <emphasis>Imsoen</emphasis> schwebten im Nichts. Aviendha sah fast so �berrascht wie die Zofe aus.</p><p>�Ich glaube, wir haben endlich unseren Beweis�, sagte Elayne ruhiger, als sie sich f�hlte. Ihr Herz klopfte wild. L�gen und Wahrheit. So konnte man die beiden Worte �bersetzen. Oder vielleicht w�re Dichtung und Wahrheit im Kontext die bessere �bersetzung gewesen. Ihr reichte dieser Beweis. Sie merkte sich, wo die Str�me die Figur ber�hrten, f�r die Zeit, in der sie mit ihren Studien fortfahren konnte.</p><p>�Aber du h�ttest das nicht tun sollen. Es ist nicht sicher.�</p><p>Das Schimmern um Aviendha verschwand. �Beim Licht�, rief sie aus und warf die Arme um Elayne. �Ich habe nicht nachgedacht! Ich schulde dir gro�es <emphasis>Toh.</emphasis> Ich wollte dich oder deine Babys niemals in Gefahr bringen! Niemals!�</p><p>�Meine Babys und ich sind sicher.� Elayne lachte und erwiderte die Umarmung. �Mins Sicht?� Zumindest ihre Babys waren sicher. Bis zur Geburt. So viele S�uglinge starben in ihrem ersten Jahr. Min hatte nichts dar�ber hinaus gesagt, als dass sie gesund zur Welt kommen w�rden. Min hatte aber auch nichts dar�ber gesagt, ob sie ausbrennen w�rde, doch sie hatte nicht vor, das bei ihrer Schwester zur Sprache zu bringen, die sich bereits schuldig f�hlte. �Du schuldest mir kein <emphasis>Toh.</emphasis> Ich habe dabei an dich gedacht. Du h�ttest sterben k�nnen, oder deine F�higkeiten, die Macht zu lenken, h�tten ausbrennen k�nnen.�</p><p>Aviendha wich weit genug von ihr zur�ck, um ihr in die Augen zu sehen. Was sie dort las, reichte aus, um sie zu beruhigen, denn ein kleines L�cheln umspielte ihre Lippen.</p><p>�Aber ich habe es zum Funktionieren gebracht. Vielleicht kann ich ihr Studium �bernehmen. Wenn du mich anleitest, sollte es v�llig sicher sein. Es sind noch Monate, bis du es wieder selbst �bernehmen kannst.�</p><p>�Daf�r hast du keine Zeit mehr, Aviendha�, sagte eine Frauenstimme aus Richtung der T�r. �Wir brechen auf. Ich hoffe, du hast dich nicht zu sehr an das Gef�hl von Seide auf der Haut gew�hnt. Elayne, ich gr��e Euch.�</p><p>Aviendha sprang f�rmlich aus der Umarmung und err�tete aufgebracht, als zwei Aielfrauen den Raum betraten, und es waren keine beliebigen Aiel. Nadere, blond und fast so gro� und breit wie ein Mann, war eine Weise Frau, die unter den Goshien �ber eine betr�chtliche Autorit�t verf�gte, und Dorindha, in deren langen roten Haaren sich wei�e Str�hnen abzeichneten, war die Ehefrau von Bael, dem Clanh�uptling der Goshien; allerdings verdankte sie ihre Macht eigentlich ihrer Position als Dachherrin der Rauchquellenfeste, der gr��ten Festung des Clans. Sie war diejenige gewesen, die gesprochen hatte.</p><p>�Ich gr��e Euch, Dorindha�, sagte Elayne. �Ich gr��e Euch, Nadere. Warum holt ihr Aviendha fort?�</p><p>�Ihr habt gesagt, ich k�nnte bei Elayne bleiben und dabei helfen, ihr den R�cken freizuhalten�, protestierte Aviendha.</p><p>�Das habt Ihr, Dorindha.� Elayne griff nach der Hand ihrer Schwester, und Aviendha erwiderte den Druck. �Ihr und auch die Weisen Frauen.�</p><p>Armreifen aus Gold und Elfenbein klapperten, als Dorindha ihr dunkles Schultertuch zurechtr�ckte. �Wie viele braucht Ihr, damit Euer R�cken gedeckt ist, Elayne?�, fragte sie trocken. �Ihr habt ungef�hr hundert oder sogar noch mehr, die sich allein diesem Schutz verschworen haben, und jede ist so hart wie eine <emphasis>Vax Dareis Mai.�</emphasis> Ein L�cheln lie� die F�ltchen in ihren Augenwinkeln tiefer erscheinen. �Ich glaube, diese Frauen vor der T�r wollten, dass wir vor dem Eintreten unsere G�rtelmesser abgeben.�</p><p>Nadere ber�hrte den Horngriff ihres Messers, in ihren gr�nen Augen flackerte ein wildes Leuchten, obwohl es unwahrscheinlich war, dass die Leibwache so etwas verlangt hatte. Selbst Birgitte, die jeden f�r verd�chtig hielt, wenn es um Elaynes Sicherheit ging, konnte bei den Aiel keine Gefahr erkennen, und Elayne hatte verschiedene Verpflichtungen akzeptiert, als sie und Aviendha einander adoptiert hatten. Weise Frauen, die an der Zeremonie teilgenommen hatten � so wie Nadere � konnten sich im Palast zu jeder Zeit frei bewegen. Das war eine der Verpflichtungen. Was nun Dorindha anging, sie machte einen gebieterischen Eindruck � wenn auch auf eine leise, stille Art �, dass es unvorstellbar erschien, jemand k�nnte ihr den Weg versperren.</p><p>�Deine Ausbildung ist zu lange unterbrochen worden, Aviendha�, sagte Nadere fest. �Geh und zieh dir anst�ndige Kleidung an.�</p><p>�Aber ich lerne so viel von Elayne, Nadere. Gewebe, die selbst euch unbekannt sind. Ich glaube, ich kann es im Dreifachen Land regnen lassen! Und erst heute haben wir erfahren, dass��</p><p>�Was auch immer du gelernt haben magst�, wurde sie scharf von Nadere unterbrochen, �anscheinend hast du genauso viel wieder verlernt. Wie die Tatsache, dass du noch immer ein Lehrling bist. Die Macht geh�rt zu dem Geringsten, in dem sich eine Weise Frau auskennen muss, sonst w�ren ja nur jene, die die Macht lenken k�nnen, Weise Frauen. Jetzt geh und zieh dich um, und danke deinem Gl�ck, dass ich dich nicht nackt zur�ckkehren lasse, damit du eine Tracht Pr�gel bekommst. Die Zelte werden in diesem Augenblick abgebaut, und wenn sich die Abreise des Clans verz�gert, dann <emphasis>wirst</emphasis> du mit dem Riemen Bekanntschaft machen.�</p><p>Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, lie� Aviendha Elaynes Hand los und rannte aus dem Zimmer, prallte dabei gegen Naris, die stolperte und beinahe das gro�e, mit einem Tuch bedeckte Tablett h�tte fallen lassen, das sie trug. Nach einer schnellen Geste Essandes eilte Sephanie hinter Aviendha her. Beim Anblick der Aiel machte Naris gro�e Augen, aber Essande schalt sie daf�r, so lange gebraucht zu haben, und befahl ihr, das Essen aufzutragen. Die junge Zofe gehorchte eilig und murmelte dabei Entschuldigungen.</p><p>Auch Elayne wollte hinter Aviendha herrennen, um noch jeden Augenblick mit ihr ihrer Erinnerung einzupr�gen, aber Naderes Worte hielten sie davon ab. �Ihr verlasst Caemlyn, Dorindha? Wo zieht ihr hin?� So sehr Elayne die Aiel auch mochte, sie wollte nicht, dass sie im Land umherzogen. So heikel wie die Situation war, waren sie bereits ein Problem, wenn sie ihr Lager verlie�en, um zu jagen oder zu handeln.</p><p>�Wir verlassen Andor, Elayne. In ein paar Stunden werden wir weit jenseits Eurer Grenzen sein. Wohin wir gehen, das m�sst Ihr den <emphasis>Car�a�carn</emphasis> fragen.�</p><p>Nadere hatte sich zum Tisch begeben, um sich genau anzusehen, was Naris dort herrichtete, und die Zofe fing so an zu zittern, dass sie um ein Haar mehr als nur ein Gericht h�tte fallen lassen. �Das sieht gut aus, aber einige der Kr�uter erkenne ich nicht�, sagte die Weise Frau. �Hat Eure Hebamme f�r alles ihr Einverst�ndnis gegeben, Elayne?�</p><p>�Ich lasse eine Hebamme kommen, wenn meine Zeit gekommen ist, Nadere. Dorindha, Ihr k�nnt nicht glauben, dass Rand will, dass man mir Euer Ziel vorenth�lt. Was hat er gesagt?�</p><p>Dorindha zuckte kaum merklich mit den Schultern. �Er hat einen Boten geschickt, einen der Schwarzm�ntel, mit einem Brief f�r Bael. Bael hat ihn mir nat�rlich gezeigt, aber�� � ihr Tonfall machte deutlich, dass nie in Zweifel gestanden hatte, ob sie den Brief lesen w�rde oder nicht � �aber der <emphasis>Car�a�carn</emphasis> hat Bael gebeten, es keinem zu sagen, also kann ich Euch es nicht sagen.�</p><p>�Keine Hebamme?�, fragte Nadere ungl�ubig. �Wer sagt Euch, was Ihr essen oder trinken sollt? Wer gibt Euch die richtigen Kr�uter? Frau, h�rt auf, mir diese finsteren Blicke zuzuwerfen. Melaines Launen sind schlimmer, als Eure es je sein k�nnten, aber sie hat Verstand genug, sich Monaelle um diese Dinge k�mmern zu lassen.�</p><p>�Jede Frau im Palast k�mmert sich darum, was ich esse�, erwiderte Elayne bitter. �Manchmal glaube ich sogar, es ist jede Frau in Caemlyn. Dorindha, k�nnt Ihr wenigstens��</p><p>�Meine Lady, Euer Essen wird kalt�, sagte Essande leise, aber mit genau der Spur an Autorit�t, die einer �lteren Gefolgsfrau zustand.</p><p>Mit zusammengebissenen Z�hnen schritt Elayne zu dem Stuhl, hinter dem Essande wartete. Sie st�rmte nicht hin, obwohl sie es nur zu gern getan hatte. Sie schritt hoheitsvoll. Essande brachte eine B�rste mit Elfenbeingriff zum Vorschein, entfernte das Handtuch von Elaynes Kopf und fing an, ihr Haar auszub�rsten, w�hrend sie a�. Sie a� haupts�chlich deshalb, weil es nicht zu tun nur bedeutet h�tte, dass man jemandem befehlen w�rde, eine neue warme Mahlzeit zu holen, denn Essande und ihre eigene Leibwache w�rden sie m�glicherweise so lange hier behalten, bis sie gegessen hatte. Aber abgesehen von einem ged�rrten Apfel, der nicht angefault war, war die Mahlzeit auf jeden Fall unappetitlich. Das Brot war knusprig, aber voller Getreidek�fer, und die aufgekochten getrockneten Bohnen waren hart und geschmacklos, da s�mtliche eingemachten Bohnen verdorben waren. Der Apfel war in eine Sch�ssel mit Kr�utern geschnitten � gro�e Klette, schwarze Mehlbeere, Schneeballrinde, L�wenzahn � und mit einem Klecks �l angemacht, und als Fleisch gab es ein St�ck Zicklein, das in einer geschmacklosen Br�he gekocht worden war. Soweit sie es sagen konnte, so gut wie salzlos. Sie h�tte f�r ein St�ck salziges Rindfleisch t�ten k�nnen! Aber es musste vor Fett nur so triefen! Auf Aviendhas Teller lag aufgeschnittenes Rindfleisch, aber es sah z�h aus. Sie h�tte auch Wein haben k�nnen. Sie selbst konnte zwischen Wasser und Ziegenmilch w�hlen. Ihr Verlangen nach Tee war genauso stark wie nach fettem Fleisch, aber selbst bei dem schw�chsten Tee musste sie sofort zum Abort rennen, und sie hatte auch so schon gen�gend Schwierigkeiten. Also a� sie methodisch, mechanisch, versuchte an alles M�gliche zu denken, nur nicht an den Geschmack in ihrem Mund. Bis auf den Apfel, was das anging.</p><p>Sie versuchte aus den beiden Aielfrauen Neuigkeiten �ber Rand herauszupressen, aber anscheinend wussten die noch weniger als sie selbst. Jedenfalls soweit sie es zugeben wollten. Sie konnten den Mund halten, wenn sie wollten. Immerhin wusste sie, dass er irgendwo weit im S�dosten war. Vermutlich irgendwo in Tear, obwohl es genauso gut die Ebenen von Maredo oder das R�ckgrat der Welt h�tte sein k�nnen. Dar�ber hinaus wusste sie, dass er am Leben war. Und das war es auch schon. In der Hoffnung, dass sie unbeabsichtigt etwas verrieten, versuchte sie, das Thema Rand beizubehalten, aber sie h�tte genauso gut versuchen k�nnen, Ziegelsteine mit den Fingern zu behauen. Dorindha und Nadere verfolgten ihr eigenes Ziel, versuchten sie davon zu �berzeugen, sich sofort eine Hebamme zu besorgen. Sie h�rten nicht auf, davon zu sprechen, wie sie sich selbst und ihren Nachwuchs in Gefahr brachte, und nicht einmal Mins Vorhersage konnte ihre Meinung �ndern.</p><p>�Also gut�, sagte sie schlie�lich und knallte Messer und Gabel hin. �Ich fange noch heute an, mich nach einer umzusehen.� Und wenn sie keine fand, nun, sie w�rden es nie erfahren.</p><p>�Ich habe eine Nichte, die Hebamme ist, meine Lady�, sagte Essande. �Melfane verteilt Kr�uter und Salben in einem Laden auf der Kerzenstra�e in der Neustadt, und ich glaube, sie kennt sich gut aus.� Sie brachte ein paar letzte Locken an Ort und Stelle und trat mit einem zufriedenen L�cheln zur�ck. �Ihr erinnert mich so sehr an Eure Mutter, meine Lady.�</p><p>Elayne seufzte. Anscheinend w�rde sie ihre Hebamme bekommen, ob sie wollte oder nicht. Noch jemand, der daf�r sorgen w�rde, dass sie nur ungenie�bare Mahlzeiten bekam. Nun, vielleicht konnte die Hebamme eine Medizin gegen diese abendlichen R�ckenschmerzen und den empfindlichen Busen empfehlen. Sie dankte dem Licht, dass ihr wenigstens die st�ndige �belkeit erspart geblieben war. Frauen, die die Macht lenken konnten, erlitten nie diesen Teil der Schwangerschaft.</p><p>Als Aviendha zur�ckkehrte, trug sie wieder Aieltracht. Das noch immer feuchte Schultertuch war �ber ihre Arme drapiert, und ein dunkles Tuch um die Schl�fen hielt ihr Haar zur�ck. Auf dem R�cken trug sie ihr B�ndel. Im Gegensatz zu der Unzahl Armreifen und Ketten, wie Dorindha und Nadere sie trugen, hatte sie nur eine einzige Silberkette, aufw�ndig gearbeitete Scheiben in einem komplexen Muster. Au�erdem trug sie einen mit geschnitzten Rosen und Dornen verzierten Elfenbeinarmreif. Sie gab Elayne den stumpfen Dolch. �Du musst ihn behalten, dann wirst du sicher sein. Ich werde dich so oft besuchen, wie ich kann.�</p><p>�Vielleicht ist Zeit f�r einen gelegentlichen Besuch�, sagte Nadere streng, �aber du bist in deinen Studien zur�ckgefallen und musst hart arbeiten, um wieder aufzuholen.� Sie sch�ttelte nachdenklich den Kopf. �Seltsam, so zwanglos �ber Besuche aus so gro�er Ferne zu sprechen. Meilen, Hunderte von Meilen mit einem Schritt zur�ckzulegen. Wir haben seltsame Dinge in den Feuchtl�ndern gelernt.�</p><p>�Komm, Aviendha, wir m�ssen gehen�, sagte Dorindha.</p><p>�Wartet�, rief Elayne. �Bitte wartet, nur einen Moment.� Sie nahm den Dolch und eilte in das Ankleidezimmer. Sephanie hielt darin inne, Aviendhas blaues Kleid aufzuh�ngen, um einen Knicks zu machen, aber Elayne ignorierte sie und �ffnete den geschnitzten Deckel ihres Schmuckk�stchens. Auf den Halsketten und Armreifen und Anstecknadeln in ihren F�chern lag eine Brosche in Form einer Schildkr�te, die anscheinend aus Bernstein bestand, sowie eine sitzende Frau, die sich in ihr Haar einh�llte und aus uraltem, von der Zeit gedunkeltem Elfenbein geschnitzt war. Beides waren <emphasis>Angreale.</emphasis> Sie legte den Dolch in das K�stchen, nahm die Schildkr�te und schnappte sich dann noch den verdrehten Traumring aus Stein. Seit Beginn ihrer Schwangerschaft schien er nutzlos f�r sie geworden zu sein, und wenn sie es schaffte, Geist zu weben, hatte sie noch immer den Silberring aus geflochtenen Spiralen, den man von Ispan zur�ckgeholt hatte.</p><p>Sie eilte zur�ck ins Wohnzimmer und fand Dorindha und Nadere bei einem Streit vor oder zumindest einer hitzigen Diskussion, w�hrend Essande so tat, als w�rde sie nach Staub suchen, und mit dem Finger unter dem Tischrand entlangfuhr. Der Haltung ihres Kopfes nach zu urteilen, lauschte sie allerdings aufmerksam. Naris starrte die Aielfrauen offen an, w�hrend sie mechanisch Elaynes Geschirr abr�umte.</p><p>�Ich habe ihr gesagt, dass sie den Riemen zu sp�ren bekommt, wenn wir die Abreise verz�gern�, sagte Nadere gerade recht temperamentvoll, als Elayne den Raum betrat.</p><p>�Es ist sicher nicht gerecht, wenn sie nicht der Grund daf�r ist, aber ich habe gesagt, was ich gesagt habe.�</p><p>�Ihr werdet tun, was Ihr m�sst�, erwiderte Dorindha ruhig, aber mit einer gewissen Anspannung um die Augen, die andeutete, dass das nicht die ersten Worte zu diesem Thema waren. �Vielleicht verz�gern wir ja gar nichts. Und vielleicht wird Aviendha den Preis gern bezahlen, um sich von ihrer Schwester zu verabschieden.�</p><p>Elayne versuchte erst gar nicht, sich f�r Aviendha einzusetzen. Es h�tte nichts genutzt. Aviendha selbst zeigte einen Gleichmut, der einer Aes Sedai zu Gesicht gestanden h�tte; als w�rde es keine Rolle spielen, ob man sie f�r den Fehler einer anderen schlagen w�rde.</p><p>�Die sind f�r dich�, sagte Elayne und dr�ckte ihrer Schwester Brosche und Ring in die Hand. �Ich f�rchte, es sind keine Geschenke. Die Wei�e Burg wird sie zur�ckhaben wollen. Aber benutze sie.�</p><p>Aviendha sah die Gegenst�nde an und keuchte auf. �Selbst als Leihgabe sind sie ein gro�es Geschenk. Du besch�mst mich, Schwester. Ich habe kein Abschiedsgeschenk f�r dich.�</p><p>�Du schenkst mir deine Freundschaft. Du hast mir eine Schwester gegeben.� Elayne f�hlte, wie ihr eine Tr�ne die Wange hinunterlief. Sie stie� ein Lachen aus, aber es klang schwach und zittrig. �Wie kannst du sagen, du hast nichts, um es mir zu schenken? Du hast mir alles gegeben.�</p><p>Auch in Aviendhas Augen schimmerten Tr�nen. Sie legte die Arme um Elayne, auch wenn die anderen zusahen, und umarmte sie fest. �Ich werde dich vermissen, Schwester�, fl�sterte sie. �Mein Herz ist so kalt wie die Nacht.�</p><p>�Meines auch, Schwester�, fl�sterte Elayne und erwiderte die Umarmung genauso fest. �Ich werde dich auch vermissen. Aber sie werden dir erlauben, mich hin und wieder zu besuchen. Das hier ist nicht f�r ewig.�</p><p>�Nein, nicht f�r ewig. Aber ich werde dich trotzdem vermissen.�</p><p>Als N�chstes h�tten sie vermutlich angefangen zu weinen, aber Dorindha legte ihnen die H�nde auf die Schultern.</p><p>�Aviendha, es ist Zeit. Wir m�ssen aufbrechen, wenn du hoffen willst, dem Riemen zu entgehen.�</p><p>Aviendha nahm mit einem Seufzen die Schultern zur�ck und rieb sich die Augen. �M�gest du immer Wasser und Schatten finden, Schwester.�</p><p>�M�gest du immer Wasser und Schatten finden, Schwester�, erwiderte Elayne. Der Aiel-Gru� hatte so etwas Endg�ltiges, also f�gte sie hinzu: �Bis ich dich wiedersehe.�</p><p>Und dann waren sie ganz schnell weg. Und genauso schnell f�hlte sie sich sehr allein. Aviendhas Gegenwart war eine Selbstverst�ndlichkeit geworden, eine Schwester, mit der man sich unterhalten, lachen, Hoffnungen und �ngste teilen konnte, aber diesen Trost gab es nun nicht l�nger.</p><p>Essande war aus dem Zimmer geschl�pft, w�hrend sie und Aviendha sich umarmt hatten, und jetzt kehrte sie zur�ck und setzte ihr den Reif der Tochter-Erbin auf, einen einfachen Goldreif mit einer einzigen goldenen Rose an der Stirn. �Damit diese S�ldner nicht vergessen, mit wem sie sprechen, meine Lady.�</p><p>Elayne war sich gar nicht bewusst, dass sie die Schultern hatte h�ngen lassen, bis sie sie nach hinten nahm. Ihre Schwester war weg, aber sie musste eine Stadt verteidigen und einen Thron erringen. Jetzt w�rde die Pflicht ihr Kraft geben m�ssen.</p></section><section><title><p>16</p><p>Ein neuer Anh�nger</p></title><p>Das Blaue Audienzgemach hatte seinen Namen von seiner Kuppeldecke mit dem aufgemalten Himmel und den wei�en Wolken sowie dem blauen Boden, und es war der kleinste Audienzraum im Palast, kaum mehr als zehn Quadratschritt gro�. Die Bogenfenster an der einen Wand blickten auf einen Hof hinaus und sorgten trotz des drau�en fallenden Regens f�r genug Licht, aber trotz der beiden gro�en Marmorkamine, den Simsen mit Gipsl�wen und den zwei die T�r flankierdenden Wandbeh�ngen mit dem Wei�en L�wen h�tte es eine Delegation von Caemlyns Kaufleuten entr�stet, im Blauen Gemach empfangen zu werden, und eine Delegation Bankiers w�re sogar au�er sich vor Wut gewesen. Vermutlich hatte Frau Harfor die S�ldner aus genau diesem Grund dort untergebracht, obwohl sie nicht wissen w�rden, dass man sie gerade beleidigte. Sie war selbst anwesend und ��berwachte� die beiden jungen Dienerinnen in Livree, die die Weinbecher aus hohen Silberkannen auf einem Tablett auf einer schmucklosen Anrichte immer wieder nachf�llten, aber sie dr�ckte die verzierte Ledermappe mit ihren Berichten an den Busen, als w�rde sie davon ausgehen, dass man sich der S�ldner schnell entledigen w�rde.</p><p>Halwin Norry, dessen Str�hnen wei�en, hinter den Ohren abstehenden Haares wie immer ein paar Federn glichen, stand in einer Ecke, ebenfalls seine Ledermappe an die d�rre Brust gedr�ckt. Ihre Berichte waren ein fester Bestandteil des Tages, und in letzter Zeit konnten nur wenige von ihnen das Herz erfreuen. Ganz im Gegenteil.</p><p>Von den beiden Gardistinnen vorgewarnt, die den Raum vor ihrem Eintreten �berpr�ft hatten, stand jeder auf den F��en, als Elayne begleitet von zwei weiteren Leibw�chterinnen durch die T�r trat. Deni Colford, die den Befehl �ber die Abteilung der Gardistinnen hatte, die Devore und ihre Frauen abgel�st hatten, hatte einfach Elaynes Befehl ignoriert, mit den anderen drau�en auf sie zu warten. Sie hatten sie ignoriert! Sicher boten sie ein beeindruckendes Schauspiel, wie sie so stolz hineinmarschierten, aber sie konnte nicht verhindern, mit den Z�hnen zu knirschen.</p><p>Careane und Sareitha, ganz formell mit ihren befransten Stolen, neigten respektvoll leicht die Kn�pfe, aber Mellar riss sich den federgeschm�ckten Hut zu einer geschmeidigen Verbeugung herunter, die eine Hand auf die spitzenges�umte Sch�rpe quer �ber seinem auf Hochglanz polierten Harnisch gelegt. Die sechs goldenen Knoten, die auf den Harnisch gel�tet waren, drei auf jeder Schulter, �rgerten sie, aber im Augenblick musste sie sie akzeptieren. Sein scharfkantiges Gesicht schenkte ihr ein L�cheln, das viel zu warmherzig war, aber so kalt sie sich ihm gegen�ber auch verhielt, er glaubte noch immer, bei ihr Chancen zu haben, nur weil sie che Ger�chte nicht aus der Welt geschafft hatte, sie w�rde seine Kinder austragen. Der urspr�ngliche Grund, warum sie diese schmutzige Geschichte geduldet hatte, bestand nicht mehr � sie musste ihre Kinder, Rands Kinder, nicht l�nger auf diese Weise besch�tzen �, und doch lie� sie sie weiter im Umlauf. Man musste dem Mann nur Zeit geben, und er w�rde sich seine eigene Henkersschlinge kn�pfen. Und wenn nicht, dann w�rde sie sie f�r ihn kn�pfen.</p><p>Die S�ldner, die alle in ihren mittleren Jahren waren, folgten Mellars Beispiel nur einen Herzschlag sp�ter, aber ihre Ehrerbietungen waren nicht ganz so aufw�ndig. Evard Cordwyn war ein hochgewachsener Andoraner mit einem kantigen Kinn, der einen gro�en Rubin am linken Ohr trug. Aldred Gomaisen war klein und schlank; der Vorderteil seines Kopfes war rasiert, und die horizontalen roten und gr�nen und blauen Streifen, die die H�lfte seiner Brust bedeckten, schienen weitaus mehr zu sein, als ihm vermutlich in seinem heimatlichen Cairhien zustand. Hafeen Bakuvun bekam langsam graue Haare und wies einen dicken Goldring im linken Ohr auf und hatte an jedem Finger einen Edelsteinring. Der Domani war sehr st�mmig, aber die Art, wie er sich bewegte, k�ndete von harten Muskeln unter all dem Fett.</p><p>�Warten keine Pflichten auf Euch, Hauptmann Mellar?�, sagte Elayne k�hl und setzte sich auf einen der wenigen St�hle in dem Raum. Es gab nur f�nf von ihnen, ihre hohen R�cken- und Armlehnen wiesen schlichtes Schnitzwerk mit Bl�ttern und Schlingpflanzen auf und lie�en jede Vergoldung vermissen. Die St�hle standen in einer weit gef�cherten Reihe vor den Fenstern und sorgten daf�r, dass jeder, der sich auf sie setzte, das Licht im R�cken hatte. An einem hellen Tag mussten die Audienzempf�nger in den grellen Schein blinzeln. Leider gab es diesen Vorteil heute nicht. Die beiden Gardistinnen nahmen seitlich hinter ihr ihre Positionen ein, jede mit der Hand auf dem Schwertgriff, und sie beobachteten die S�ldner mit so grimmigen Mienen, dass Bakuvun l�cheln musste und Gomaisen sich das Kinn rieb, um ein verschmitztes L�cheln zu verbergen. Die Frauen lie�en sich nicht anmerken, ob sie beleidigt waren; sie kannten die Gr�nde f�r ihre Uniformen. Elayne wusste, dass sie jedes Grinsen sehr schnell wegwischen w�rden, wenn sie ihre Klingen ziehen mussten.</p><p>�Meine erste und wichtigste Pflicht besteht darin, Euch zu besch�tzen, meine Lady.� Mellar lockerte das Schwert in der Scheide und warf den S�ldnern einen Blick zu, als w�rde er warten, dass sie sie angriffen. Oder ihn. Gomaisen sah grimmig am�siert aus, und Bakuvun lachte laut. Alle drei M�nner trugen leere Scheiden, Cordwyn zwei auf dem R�cken; kein S�ldner durfte den Palast auch nur mit einem Dolch betreten.</p><p>�Ich wei�, dass Ihr andere Pflichten habt�, sagte sie ganz ruhig, �weil ich sie Euch aufgetragen habe, Hauptmann. Die Ausbildung der M�nner, die ich vom Land geholt habe. Ihr verbringt nicht so viel Zeit mit ihnen, wie ich erwartet habe.</p><p>Ihr habt eine Kompanie auszubilden, Hauptmann.� Eine Kompanie alter M�nner und Jungen, und das reichte sicherlich aus, um seine Stunden auszuf�llen. Er verbrachte wenig genug Zeit mit ihren Leibw�chterinnen, obwohl er sie befehligte. Aber das war auch ganz gut so. Er kniff gern in Hintern. �Ich schlage vor, Ihr k�mmert Euch um sie. Jetzt.�</p><p>Wut flackerte in Meilars schmalem Gesicht auf � er zitterte f�rmlich am ganzen Leib! �, aber er bekam sich sofort wieder unter Kontrolle. Sie war so schnell verschwunden, dass sie fast glaubte, sie sich nur eingebildet zu haben. Aber sie wusste, dass das nicht der Fall war. �Wie Ihr befehlt, meine Lady�, sagte er aalglatt. Auch sein L�cheln war �lig.</p><p>�Es ist meine Ehre, Euch gut zu dienen.� Nach einer weiteren anmutigen Verbeugung ging er zur T�r. Nur wenig konnte Doilin Mellars Benehmen lange beeintr�chtigen.</p><p>Bakuvun lachte erneut. �Der Mann tr�gt mittlerweile so viel Spitze, ich schw�re, ich rechne fest damit, dass er uns anbietet, uns im Tanz zu unterrichten, und jetzt tanzt er tats�chlich.� Auch der Cairhiener lachte jetzt, ein h�sslicher, gutturaler Laut.</p><p>Mellars R�cken versteifte sich, und sein Schritt geriet ins Z�gern, wurde dann aber so schnell, dass er in der T�r gegen Birgitte stie�. Ohne sich zu entschuldigen, eilte er weiter, und sie blickte ihm stirnrunzelnd nach � der Bund verriet �rger, der schnell unterdr�ckt wurde, und Ungeduld, die es nicht wurde �, bevor sie die T�r hinter sich schloss und sich neben Elaynes Stuhl stellte, wo sie eine Hand auf die R�ckenlehne legte. Ihr dicker Zopf war nicht so ordentlich geflochten wie sonst, wenn sie ihn zum Trocknen ge�ffnet hatte, aber die Uniform des Generalhauptmanns stand ihr. In den Stiefeln �berragte sie Gomaisen, und sie hatte eine gebieterische Ausstrahlung, wenn sie es darauf anlegte. Die S�ldner entrichteten ihr eine kleine Verbeugung, respektvoll, aber keineswegs unterw�rfig. Welche Einw�nde sie auch immer anfangs gegen sie gehabt haben mochten, nur wenige von denen, die sie bei der Arbeit mit dem Bogen beobachtet oder gesehen hatten, wie sie sich dem Feind stellte, hegten sie immer noch.</p><p>�Ihr sprecht, als w�rdet Ihr Hauptmann Mellar kennen, Hauptmann Bakuvun.� Elayne legte nur einen Hauch von Neugier in ihren Tonfall. Birgitte versuchte Zuversicht in den Bund zu legen, damit er ihrer Miene entsprach, aber es schlichen sich wieder Misstrauen und Sorge hinein. Und eine allgegenw�rtige M�digkeit. Elayne spannte die Kiefermuskeln an, um gegen ein G�hnen anzuk�mpfen. Birgitte <emphasis>musste</emphasis> sich ausruhen.</p><p>�Ich bin ihm ein paar Mal zuvor begegnet, meine Lady�, erwiderte der Domani vorsichtig. �Nicht mehr als h�chstens dreimal, w�rde ich sagen. Ja, bestimmt nicht �fters.� Er legte den Kopf schief und betrachtete sie beinahe von der Seite.</p><p>�Euch ist bekannt, dass er sich in der Vergangenheit in meinem Handwerk bet�tigt hat?�</p><p>�Er hat nicht versucht, diese Tatsache zu verbergen, Hauptmann�, sagte sie, als w�rde sie das Thema langweilen. H�tte er etwas Interessantes angedeutet, h�tte sie vielleicht daf�r gesorgt, ihn allein zu sprechen, aber eine nachdr�ckliche Befragung war das Risiko nicht wert, dass Mellar entdeckte, dass Fragen gestellt wurden. M�glicherweise ergriff er dann die Flucht, bevor sie erfahren konnte, was sie wissen wollte.</p><p>�Brauchen wir die Aes Sedai wirklich, meine Lady?�, fragte Bakuvun. �Die anderen Aes Sedai�, f�gte er nach einem Blick auf ihren Gro�en Schlangenring hinzu. Er streckte den Silberbecher aus, und eine der Dienerinnen schoss heran, um nachzuschenken. Beide waren h�bsche Frauen, vielleicht nicht die beste Wahl, aber Reene stand nicht viel Auswahl zur Verf�gung; die meisten Dienerinnen waren entweder blutjung oder alt und nicht mehr so flink, wie sie einst waren. �Die ganze Zeit, die wir hier sind, haben sie nichts anderes getan, als uns Ehrfurcht vor der Macht und dem Arm der Wei�en Burg einfl��en zu wollen. Ich respektiere die Aes Sedai so sehr wie jeder andere Mann auch, ja, das tue ich in der Tat, aber wenn Ihr mir verzeihen wollt, es wird erm�dend, wenn sie versuchen, einen Mann einzusch�chtern. Ich schw�re, das wird es, meine Lady.�</p><p>�Ein weiser Mann hat stets Ehrfurcht vor der Burg�, sagte Sareitha ruhig und richtete die Stola mit den braunen Fransen, m�glicherweise um Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Ihr dunkelh�utiges, rechteckiges Gesicht lie� die Alterslosigkeit noch vermissen, und sie gab zu, dass sie sich danach sehnte.</p><p>�Nur Narren versp�ren keine Ehrfurcht vor der Burg�, schloss sich Careane Sareitha unverz�glich an. Die Gr�ne war eine gro�e Frau, mit Schultern so breit wie die der meisten M�nner, und brauchte keine Gesten. Ihr kupferfarbenes Gesicht verk�ndete genau wie der Ring an ihrem rechten Zeigefinger jedem, der wusste, wonach er Ausschau halten musste, was sie war.</p><p>�Wie ich geh�rt habe�, sagte Gomaisen dunkel, �wird Tar Valon belagert. Mir wurde berichtet, dass die Wei�e Burg gespalten ist und zwei Amyrlins hat. Ich habe sogar geh�rt, dass die Burg selbst von den Schwarzen Ajah gehalten wird.� Er war ein tapferer Mann, um dieses Ger�cht gegen�ber Aes Sedai zu erw�hnen, aber er zuckte dennoch zusammen, als er es sagte. Zuckte zusammen und fuhr sofort fort. �Wovor sollen wir Eurer Ansicht nach also Ehrfurcht empfinden?�</p><p>�Glaubt nicht alles, was Ihr h�rt, Hauptmann Gomaisen.�</p><p>Sareithas Stimme war gelassen, eine Frau, die eine unwiderrufliche Tatsache verk�ndete. �Die Wahrheit hat mehr Nuancen, als Ihr vielleicht glaubt, und Entfernung verzerrt die Wahrheit oft in etwas, das sich sehr von den Fakten unterscheidet. Allerdings ist es sehr gef�hrlich, L�gen �ber Schwestern als Schattenfreunde zu wiederholen.�</p><p>�Ihr solltet eines glauben�, f�gte Careane genauso ruhig hinzu. �Die Wei�e Burg ist die Wei�e Burg, jetzt und in alle Ewigkeit. Und Ihr steht vor drei Aes Sedai. Ihr solltet Eure Worte sorgf�ltig w�hlen, Hauptmann.�</p><p>Gomaisen rieb sich mit dem Handr�cken �ber den Mund, aber in seinem Blick lag Trotz. Ein heimgesuchter Trotz. �Ich wiederhole nur das, was man auf jeder Stra�e h�ren kann�, murmelte er.</p><p>�Sind wir hier, um �ber die Wei�e Burg zu reden?�, sagte Cordwyn mit einem Stirnrunzeln. Er leerte den Becher, bevor er fortfuhr, als w�rde ihm das Thema Unbehagen bereiten. Wie viel hatte er bereits getrunken? Er schien etwas unsicher auf den Beinen zu sein, und seine Worte klangen eine Spur undeutlich. �Die Burg ist Hunderte von Meilen weit weg, und was dort passiert, ist nicht unsere Sache.�</p><p>�Das stimmt, Freund�, sagte Bakuvun. �Das stimmt.</p><p>Unsere Sache sind Schwerter, Schwerter und Blut. Was uns zu dem unerfreulichen Thema Gold bringt, meine Lady.� Er wackelte mit den dicken, juwelengeschm�ckten Fingern.</p><p>�Wir verlieren jeden Tag M�nner, einen Tag nach dem anderen, ohne dass ein Ende in Sicht ist, und in der Stadt kann man nur wenig vern�nftigen Ersatz finden.�</p><p>��berhaupt keinen, wie ich herausgefunden habe�, murmelte Cordwyn und musterte die junge Dienerin, die ihm nachschenkte. Seine Aufmerksamkeit lie� sie err�ten, und sie erledigte ihre Aufgabe schnell und vergoss Wein auf den Boden, was Frau Harfor die Stirn runzeln lie�. �Die, die in Frage kommen w�rden, schreiben sich alle bei der K�niglichen Garde ein.� Das stimmte; jeden Tag schien es mehr Dienstverpflichtungen zu geben. Die K�nigliche Garde w�rde eine Furcht einfl��ende Streitmacht werden. Irgendwann. Ungl�cklicherweise war die gro�e Mehrheit dieser M�nner noch Monate davon entfernt, ein Schwert schwingen zu k�nnen, ohne sich dabei selbst in den Fu� zu stechen, ganz davon zu schweigen, in einer Schlacht von Nutzen zu sein.</p><p>�Wie Ihr sagt, mein Freund�, murmelte Bakuvun. �Wie Ihr sagt.� Er schenkte Elayne ein breites L�cheln. Vielleicht sollte es freundlich sein, vielleicht auch vern�nftig, aber es erinnerte sie an einen Mann, der ihr ein Schwein in einem Sack verkaufen wollte. �Selbst wenn wir hier fertig sind, wird es nicht einfach sein, neue M�nner zu finden, meine Lady. Brauchbare M�nner findet man nicht unter Salatbl�ttern, nein, so funktioniert das nicht. Weniger M�nner bedeutet weniger Geld bei unseren n�chsten Auftraggebern. Eine unverr�ckbare Tatsache. Wir finden es nur gerecht, dass wir eine Entsch�digung erhalten.�</p><p>In Elayne schoss Wut hoch. Sie glaubten, dass sie sie verzweifelt brauchte! Und was noch schlimmer war, sie hatten Recht. Zusammen repr�sentierten diese drei M�nner mehr als tausend S�ldner. Selbst wenn man die in Betracht zog, die Guybon gebracht hatte, w�rde das einen schlimmen Verlust darstellen. Vor allem, wenn das andere S�ldner auf den Gedanken brachte, dass sie f�r eine verlorene Sache k�mpften. S�ldner mochten es nicht, auf der Verliererseite zu stehen. Sie w�rden wie Ratten vor einem Feuer fl�chten, um dem zu entgehen. Die Wut schoss in ihr hoch, aber sie z�gelte sie. Wenn auch nur um Haaresbreite. Ihre Verachtung konnte sie allerdings nicht aus ihrer Stimme halten.</p><p>�Habt Ihr geglaubt, Ihr w�rdet keine Verluste haben? Habt Ihr erwartet, Wache zu stehen und daf�r mit Gold bezahlt zu werden, ohne die Schwerter ziehen zu m�ssen?�</p><p>�Ihr habt f�r eine bestimmte Summe pro Tag unterschrieben�, warf Birgitte ein. Sie nannte die Summe nicht, weil jede Kompanie ihren eigenen Vertrag hatte. Dass die S�ldnerkompanien jetzt aufeinander eifers�chtig wurden, war das Letzte, was sie nun gebrauchen konnte. Es hatte ohnehin schon den Anschein, dass die H�lfte der Gasthausschl�gereien, die die Garde beendete, zwischen M�nnern verschiedener Kompanien ausbrachen. �Eine feste Summe. Um es brutal auszudr�cken, je mehr M�nner ihr verliert, desto gr��er ist euer Profit.�</p><p>�Ah, Generalhauptmann�, sagte der Mann tonlos, �aber Ihr vergesst das Totengeld, das an die Witwen und Waisen gezahlt werden muss.� Gomaisen unterdr�ckte einen erstickten Laut, und Cordwyn starrte Bakuvun ungl�ubig an und versuchte es dann zu �berspielen, indem er seinen Becher erneut leerte.</p><p>Elayne bebte am ganzen Leib, die H�nde auf den Stuhllehnen wurden zu F�usten. Sie w�rde ihrer Wut nicht nachgeben. Sie w�rde es <emphasis>nicht</emphasis> tun! �Ich werde unsere Vereinbarungen von euch einfordern�, sagte sie kalt. Nun, wenigstens tobte sie nicht. �Ihr werdet das bezahlt bekommen, f�r das ihr unterschrieben habt, einschlie�lich der �blichen Siegespr�mie, nachdem ich den Thron errungen habe, aber keinen Kupferpfennig mehr. Solltet ihr versuchen, einen R�ckzieher zu machen, gehe ich davon aus, dass ihr mich verratet und zu Arymilla �berlauft, und in diesem Fall werde ich euch und eure Kompanien verhaften und ohne Schwerter und Pferde vor die Tore bringen lassen.� Die Dienerin, die Cordwyns Weinbecher schon wieder auff�llte, kreischte pl�tzlich auf und wich sich den Oberschenkel reibend von ihm weg. Die Wut, die Elayne kontrolliert hatte, brach sich gl�hend hei� ihre Bahn. �Und sollte es einer von euch noch einmal wagen, eine meiner Frauen zu betatschen, wird man ihn und seine Kompanie ohne Schwerter, Pferde oder <emphasis>Stiefel</emphasis> hinauswerfen! Habe ich mich verst�ndlich ausgedr�ckt?�</p><p>��beraus verst�ndlich, meine Lady.� Bakuvuns Stimme war unverkennbar frostig, sein breiter Mund sehr schmal.</p><p>��beraus verst�ndlich. Und nun, da unsere� Diskussion� beendet scheint, d�rfen wir uns zur�ckziehen?�</p><p>�Denkt sorgf�ltig nach�, sagte Sareitha pl�tzlich. �Wird die Wei�e Burg eine Aes Sedai auf dem L�wenthron sehen wollen oder eine N�rrin wie Arymilla Marne?�</p><p>�Z�hlt die Aes Sedai in diesem Palast�, f�gte Careane hinzu. �Z�hlt die Aes Sedai in Caemlyn. In Arymillas Lager halten sich keine auf. Z�hlt und entscheidet, wo die Gunst der Wei�en Burg liegt.�</p><p>�Z�hlt�, sagte Sareitha, �und ruft euch in Erinnerung, dass das Missfallen der Wei�en Burg verh�ngnisvoll sein kann.�</p><p>Es war nur schwer zu glauben, dass eine von ihnen eine Schwarze Ajah war, und doch musste es so sein. Solange es nicht Merilille war. Elayne hoffte, dass das nicht der Fall war. Sie mochte Merilille. Andererseits mochte sie auch Careane und Sareitha. Nicht so sehr wie Merilille, das sicher nicht, aber sie fand sie sympathisch. Aber sie konnte es drehen, wie sie wollte, eine Frau, die sie mochte, war eine Schattenfreundin und damit bereits zum Tode verurteilt.</p><p>Nachdem die S�ldner gegangen waren, mit hastigen Ehrenbezeugungen, und Frau Harfor die Dienerinnen mit den Resten des Weins fortgeschickt hatte, beugte sich Elayne auf ihrem Stuhl vor und seufzte. �Ich habe das sehr schlecht geregelt, oder?�</p><p>�S�ldner brauchen eine harte Hand an den Z�geln�, erwiderte Birgitte, doch in ihrem Bund lagen Zweifel. Zweifel und Sorge.</p><p>�Falls mir die Bemerkung gestattet ist, meine Lady�, sagte Norry mit seiner trockenen Stimme, �ich w�sste wirklich nicht, was Ihr anders h�ttet machen k�nnen. Milde h�tte sie nur dazu ermutigt, weitere Forderungen zu stellen.� Er war so ruhig gewesen, dass Elayne seine Anwesenheit fast schon vergessen hatte. So wie er die Welt blinzelnd betrachtete, �hnelte er einem watenden Vogel, der sich fragte, wo das Wasser geblieben war. Im Gegensatz zu Frau Harfors pingeliger Ordentlichkeit war sein Wappenrock mit Tintenflecken beschmiert, genau wie seine Finger. Elayne betrachtete die Ledermappe in seinen H�nden mit regelrechtem Widerwillen.</p><p>�Sareitha, Careane, w�rdet ihr uns bitte allein lassen?�, sagte sie. Sie z�gerten unverkennbar, aber es blieb ihnen nichts anderes �brig, als sich zu verneigen und wie Schw�ne aus dem Zimmer zu rauschen. �Und ihr beiden auch�, f�gte sie �ber die Schulter an die beiden Gardistinnen gerichtet hinzu. <emphasis>Sie</emphasis> zuckten nicht einmal mit der Wimper!</p><p>�Raus!�, fauchte Birgitte und riss den Kopf so schnell in ihre Richtung, dass der Zopf pendelte. �Sofort!� Sieh an, bei ihr sprangen sie! Sie eilten so schnell zur T�r, dass sie sich genauso gut im Laufschritt h�tten bewegen k�nnen!</p><p>Elayne schaute ihnen finster hinterher. �Soll man mich doch zu Asche verbrennen, ich will keine schlechten Neuigkeiten h�ren, heute nicht. Ich will nicht wissen, wie viele von den Nahrungsmitteln aus Illian und Tear bereits bei der Ankunft verdorben sind. Ich will nichts �ber Brandstiftungen oder von Getreidek�fern schwarzem Mehl h�ren, oder von Abwasserkan�len, in denen sich die Ratten schneller vermehren, als man sie umbringen kann, und von Fliegenschw�rmen, die so dicht sind, dass man glauben k�nnte, Caemlyn sei ein dreckiger Stall. Ich will zur Abwechslung mal verdammt gute Neuigkeiten h�ren!� Verflucht, das klang <emphasis>trotzigl</emphasis> Und um die Wahrheit zu sagen, sie <emphasis>f�hlte</emphasis> sich auch trotzig. Oh, wie sie das �rgerte! Sie wollte einen Thron erringen und verhielt sich wie ein Kind in seiner Kinderstube!</p><p>Meister Norry und Frau Harfor wechselten Blicke, was die Sache nur noch schlimmer machte. Er befummelte mit einem bedauernden Seufzer seine Mappe. Der Mann <emphasis>genoss</emphasis> es, seine Zahlen herunterzuleiern, selbst wenn sie verheerend waren. Immerhin waren sie nicht l�nger bockig, weil sie ihre Berichte in der Gegenwart des anderen abgeben mussten. Jedenfalls nicht sehr. Ihre Bereiche eifers�chtig beh�tend, passten sie misstrauisch darauf auf, dass der andere sich nicht zu weit vorwagte, und waren schnell bereit, sich zu beklagen, wenn eine imagin�re Grenze �berschritten worden war. Aber sie schafften es, den Palast und die Stadt effizient und ohne allzu viele blutige Nasen zu verwalten.</p><p>�Sind wir unter uns, meine Lady?�, fragte Reene.</p><p>Elayne holte tief Luft und f�hrte Novizinnen�bungen durch, die nicht die geringste beruhigende Wirkung zu haben schienen, dann versuchte sie die Quelle zu umarmen. Zu ihrer �berraschung kam <emphasis>Saidar</emphasis> m�helos zu ihr und erf�llte sie mit der S��e des Lebens und Freude. Und es gl�ttete auch ihre Stimmungen. So war es immer. Wut oder Trauer oder auch nur die Schwangerschaft mochten einen st�renden Einfluss auf die Umarmung der Macht haben, aber sobald sie davon erf�llt war, h�rten die Stimmungsschwankungen sofort auf. Energisch verwob sie Feuer und Luft, und Spuren von Wasser, aber als sie fertig war, lie� sie die Quelle nicht los. Das Gef�hl, von der Macht erf�llt zu werden, war wunderbar, wenn auch nicht ganz so wunderbar wie das Wissen, dass sie nicht mehr grundlos in Tr�nen ausbrechen oder im n�chsten Moment aus dem nichtigsten Anlass losbr�llen w�rde. Immerhin war sie nicht so dumm, zu viel in sich aufzunehmen.</p><p>�Wir sind unter uns�, sagte sie. <emphasis>Saidar</emphasis> ber�hrte ihre Abschirmung und war wieder verschwunden. Jemand hatte zu lauschen versucht, und das nicht zum ersten Mal. Bei so vielen Frauen im Palast, die die Macht lenken konnten, w�re es �berraschend gewesen, wenn niemand zu schn�ffeln versucht h�tte, aber sie w�nschte sich, herausfinden zu k�nnen, wer diese Versuche unternahm. So wagte sie es kaum, ohne Abschirmung etwas Wichtiges zu sagen.</p><p>�Dann habe ich eine kleine gute Neuigkeit�, sagte Frau Harfor, r�ckte ihre Mappe zurecht, schlug sie jedoch nicht auf. �Von Jon Skellit.� Der Barbier war sehr gewissenhaft darin gewesen, seine vorher von Reene abgesegneten Berichte zu Arymilla zu bringen und alles zu melden, was er in dem Lager vor der Stadt in Erfahrung bringen konnte. Er stand in den Diensten von Naean Arawn, aber Naean, die Arymillas Anspruch unterst�tzte, hatte sicherlich Einsicht in seine Berichte an Arymilla. Ungl�cklicherweise waren seine Informationen bis jetzt von keinem gro�en Nutzen gewesen. �Er sagt, dass Arymilla und die Anf�hrer der H�user der ersten Gruppe angeh�ren wollen, die Caemlyn betritt. Anscheinend prahlt sie st�ndig damit.�</p><p>Elayne seufzte. Arymilla und die anderen blieben zusammen, bewegten sich soweit sie erkennen konnte v�llig willk�rlich von einem Lager zum anderen, und eine Zeit lang hatte man viel M�he darauf verwendet, vorher in Erfahrung zu bringen, wo sie sich aufhalten w�rden. Dann w�re es eine einfache Sache gewesen, Soldaten durch ein Wegetor zu schicken, sie alle auf einen Schlag zu ergreifen und die Opposition auszuschalten. Jedenfalls so einfach, wie das bei solchen Unternehmungen m�glich war. Selbst unter den g�nstigsten Umst�nden w�rde es vermutlich Tote geben, w�rden einige der Hohen Herren und Hohen Herrinnen vermutlich entkommen, aber auch wenn man nur Arymilla erwischte, w�re das das Ende gewesen. Elenia und Naean hatten ihre Anspr�che �ffentlich zur�ckgezogen, was sich nun nicht mehr zur�cknehmen lie�. Sollten die beiden in Freiheit bleiben, konnten sie Arymilla weiter unterst�tzen � sie hatten sich eng an sie gebunden �, aber mit Arymilla in ihrem Gewahrsam h�tte sich Elayne nur darum bem�hen m�ssen, die Unterst�tzung von mindestens vier weiteren der Gro�en H�user zu bekommen.</p><p>Aber als w�re das so einfach gewesen. Bislang waren alle Bem�hungen in dieser Richtung gescheitert. Doch vielleicht w�rde es ja heute noch gute Neuigkeiten geben, was das anging. Skellits Nachricht jedoch war nutzlos. Wenn Arymilla und die anderen Caemlyn betraten, w�rde das bedeuten, dass die Stadt vorher gefallen war. Und schlimmer noch, wenn Arymilla damit prahlte, musste sie davon �berzeugt sein, dass das bald geschah. Die Frau war in vielerlei Hinsicht eine N�rrin, aber es w�re ein Fehler, sie v�llig zu untersch�tzen. Sie h�tte es mit ihrem Anspruch nicht so weit gebracht, w�re sie v�llig unf�hig gewesen.</p><p>�Das ist Eure gute Nachricht?�, sagte Birgitte. Auch sie erkannte den tieferen Sinn. �Eine Andeutung, wann es so weit ist, w�re hilfreich.�</p><p>Reene breitete die H�nde aus. �Arymilla gab Skellit einst mit eigener Hand eine Goldkrone, meine Lady. Er gab sie mir als Beweis, dass er sich ge�ndert hat.� Kurz presste sie die Lippen zusammen; Skellit war dem Galgen entgangen, aber Vertrauen w�rde er nie wieder zur�ckgewinnen k�nnen. �Das war das einzige Mal, dass der Mann zehn Schritte in ihrer N�he war. Er muss sich mit dem zufrieden geben, was er von anderen aufschnappen kann.� Sie z�gerte. �Er hat gro�e Angst, meine Lady. Die M�nner in diesen Lagern sind davon �berzeugt, die Stadt in wenigen Tagen erobert zu haben.�</p><p>�Angst genug, um die Seite ein drittes Mal zu wechseln?�, fragte Elayne leise. Zu der anderen Sache gab es nichts mehr zu sagen.</p><p>�Nein, meine Lady. Sollten Naean oder Arymilla erfahren, was er getan hat, ist er ein toter Mann. Und das wei� er auch. Aber er hat Angst, dass sie es erfahren werden, sollte die Stadt fallen. Ich glaube, er wird sich bald aus dem Staub machen.�</p><p>Elayne nickte grimmig. S�ldner waren nicht die einzigen Ratten, die vor Feuer fl�chteten. �Habt Ihr irgendwelche guten Neuigkeiten, Meister Norry?�</p><p>Der Erste Schreiber hatte ganz ruhig dagestanden, an seiner Ledermappe herumgefummelt und sich den Anschein gegeben, als w�rde er Reene nicht zuh�ren. �Ich glaube, ich kann Frau Harfor �berbieten, meine Lady.� In seinem L�cheln hatte ein Hauch von Triumph gelegen; es war schwer zu sagen. In letzter Zeit hatte er selten etwas Besseres als sie zu berichten gehabt. �Ich habe einen Mann, von dem ich glaube, dass er Mellar erfolgreich verfolgen kann. Darf ich ihn reinbringen lassen?�</p><p>Nun, das <emphasis>war</emphasis> eine ausgezeichnete Neuigkeit! F�nf M�nner waren bei dem Versuch gestorben, Doilin Mellar bei seinen n�chtlichen Ausfl�gen in die Stadt zu folgen, und der �Zufall� war kaum noch glaubw�rdig. Beim ersten Mal hatte es den Anschein gehabt, dass der Verfolger einem Stra�enr�uber in die Quere gekommen war, und Elayne hatte sich nichts dabei gedacht und f�r die Witwe des Mannes eine Pension verf�gt. Die Garde hatte das Verbrechen gewisserma�en unter Kontrolle gebracht � abgesehen von den Brandstiftungen �, aber R�uber benutzten die Dunkelheit als Schutz, um sich darin zu verbergen. Bei den anderen vier schien das Gleiche geschehen zu sein; sie waren mit einem Stich get�tet worden und man hatte ihre Geldbeutel geleert, aber so gef�hrlich die Stra�en nachts auch sein mochten, so ein Zufall schien kaum m�glich.</p><p>Als sie nickte, eilte der d�rre alte Mann zur T�r und �ffnete einen Fl�gel, um den Kopf herauszustrecken. Sie konnte nicht h�ren, was er sagte � die Abschirmung verhinderte das �, aber ein paar Minuten sp�ter trat ein st�mmiger Gardist ein und stie� einen schlurfenden Mann mit Eisen um Hand- und Fu�gelenke vor sich her. Alles an dem Gefangenen schien� durchschnittlich. Er war weder dick noch d�nn, nicht gro� und nicht klein. Sein Haar war braun, seine Augen auch. Sein Gesicht war so gew�hnlich, dass sie bezweifelte, es beschreiben zu k�nnen. Nichts war markant. Seine Kleidung war genauso unauff�llig, ein einfacher brauner Mantel und Hosen, die beide nicht aus dem besten Tuch, aber auch nicht aus dem schlechtesten gemacht waren, etwas zerknittert und hier und da leicht verschmutzt, ein leicht verzierter G�rtel mit einer schlichten Metallschnalle, die in Caemlyn zehntausend Zwillinge haben mochte. Kurz und gut, nichts an ihm war bemerkenswert. Birgitte bedeutete dem Gardisten, den Kerl ein St�ck vor den St�hlen stehen zu lassen, und befahl ihm, drau�en zu warten.</p><p>�Ein verl�sslicher Mann�, sagte Norry und sah dem Gardisten hinterher. �Afrim Hansard. Er hat Eurer Mutter treu gedient und wei�, wie man den Mund h�lt.�</p><p>�Ketten?�, fragte Elayne.</p><p>�Das ist Samwil Hark, meine Lady�, sagte Norry und betrachtete den Mann mit einer Art Neugier, die er m�glicherweise einem unbekannten und seltsam geformten Tier entgegengebracht h�tte. �Ein erstaunlich erfolgreicher Beutelschneider. Die Garde hat ihn nur gefangen, weil ein anderer Schurke� �h, �ihn der Katze ausgeliefert hat�, wie man auf der Stra�e so sagt, in der Hoffnung, sein eigenes Urteil wegen eines dritten gewaltt�tigen Raub�berfalls mildern zu k�nnen.� Daran w�rde jeder Dieb Interesse haben. Nicht nur dauerte das Auspeitschen l�nger, das auf die Stirn eingebrannte Diebesmal w�re viel schwieriger zu verbergen gewesen als das Zeichen auf dem Daumen bei der zweiten Verurteilung. �Jeder, der einer Gefangennahme so lange entwischt ist wie Meister Hark hier, sollte die Aufgabe erledigen k�nnen, die ich f�r ihn im Sinn habe.�</p><p>�Ich bin unschuldig, das bin ich, meine Lady.� Hark legte die Hand an die Stirn, die Eisenglieder seiner miteinander verbundenen Ketten klirrten. Er zeigte ein einschmeichelndes L�cheln. Er sprach sehr schnell. �Das sind alles L�gen und Zuf�lle, jawohl. Ich bin ein guter Anh�nger der K�nigin, das bin ich. Ich trug die Farben Eurer Mutter bei den Aufst�nden, meine Lady. Nicht dass ich an Tumulten teilgenommen h�tte, m�sst Ihr wissen. Ich bin Schreiber, wenn ich Arbeit habe, was im Moment nicht der Fall ist. Aber ich trug ihre Farben an der M�tze, damit alle sie sehen konnten, jawohl.� Der Bund �bertrug Birgittes Unglauben.</p><p>�Meister Harks R�ume enthielten Truhen voller sauber aufgeschnittener Geldbeutel�, fuhr der Erste Schreiber fort.</p><p>�Tausende, meine Lady. Buchst�blich Tausende. Ich sch�tze, er bedauert es nun, �h .. . Troph�en behalten zu haben. Die meisten Beutelschneider haben genug Verstand, den Geldbeutel so schnell wie m�glich wieder loszuwerden.�</p><p>�Ich hebe sie auf, wenn ich einen finde, das tue ich, meine Lady.� Hark breitete die H�nde aus, so weit es die Eisen erlaubten, und zuckte mit den Schultern, die personifizierte verletzte Unschuld. �Vielleicht war das dumm, aber ich habe darin keinen Schaden gesehen. Nur ein harmloses Vergn�gen, meine Lady.�</p><p>Frau Harfor schnaubte laut, ihr war ihre Missbilligung deutlich anzusehen. Hark schaffte es, noch verletzter auszusehen.</p><p>�In seinen Zimmern fand man au�erdem M�nzen im Wert von �ber einhundertzwanzig Goldkronen, die unter den Bodendielen, in Wandl�chern, in den Tragebalken und �berall sonst versteckt waren. Seine Erkl�rung daf�r� � Norry hob die Stimme, als Hark wieder den Mund �ffnete � �lautet, dass er Bankiers misstraut. Er behauptet, das Geld sei eine Erbschaft von einer alten Tante aus Vier K�nigen. Ich pers�nlich habe jedoch meine Zweifel, dass die Magistrate in Vier K�nigen eine derartige Erbschaft registriert haben. Der Magistrat, der seinen Fall bearbeitet hat, sagte, es schien ihn �berrascht zu haben, dass Erbmassen registriert werden.� Tats�chlich verblich Harks L�cheln etwas, als er daran erinnert wurde. �Er behauptet, f�r einen Kaufmann namens Wilbin Saems gearbeitet zu haben, bis vor Saems Tod vor vier Monaten, aber Meister Saems Tochter f�hrt das Gesch�ft weiter, und weder sie noch die anderen Schreiber k�nnen sich an einen Samwil Hark erinnern.�</p><p>�Sie hassen mich, jawohl, meine Lady�, sagte Hark m�rrisch. Er umklammerte die Kette. �Ich hatte Beweise gesammelt, wie sie den guten Meister bestahlen � seine eigene Tochter, stellt Euch das nur vor! �, aber er starb, bevor ich sie ihm �bergeben konnte, und man warf mich ohne Zeugnis oder auch einen Pfennig hinaus, jawohl. Sie haben verbrannt, was ich gesammelt habe, verpr�gelten mich und warfen mich hinaus.�</p><p>Elayne tippte sich nachdenklich ans Kinn. �Ein Schreiber, sagt Ihr. Die meisten Schreiber dr�cken sich gewandter aus als Ihr, Meister Hark, aber ich gebe Euch die Chance, Eure Behauptung zu beweisen. Meister Norry w�rdet Ihr einen Scho�tisch holen lassen?�</p><p>Norry l�chelte schmal. Wie <emphasis>schaffte</emphasis> es der Mann, ein L�cheln so trocken erscheinen zu lassen. �Das ist unn�tig, meine Lady Der zust�ndige Magistrat hatte die gleiche Idee.� Zum allerersten Mal zog er in ihrer Gegenwart ein Blatt Papier aus der an seine Brust gedr�ckten Mappe. Eigentlich h�tten Fanfaren ert�nen m�ssen! Harks L�cheln erlosch vollst�ndig, als er zusah, wie das Blatt von Norrys Hand in die ihre �berwechselte.</p><p>Sie brauchte nur einen Blick. Ein paar schiefe Reihen bedeckten kaum die H�lfte der Seite, die Buchstaben waren krakelig und unbeholfen. Kaum mehr als ein halbes Dutzend Worte waren �berhaupt lesbar, und die auch nur mit M�he.</p><p>�Kaum die Schrift eines Schreibers�, murmelte sie. Sie gab Norry das Blatt zur�ck und versuchte ein strenges Gesicht zu machen. Sie hatte miterlebt, wie ihre Mutter Urteile verh�ngt hatte. Morgase hatte es geschafft, unerbittlich auszusehen.</p><p>�Ich f�rchte, Meister Hark, Ihr werdet in einer Zelle sitzen m�ssen, bis man die Magistrate in Vier K�nige befragt hat, und kurz darauf werdet Ihr h�ngen.� Harks Lippen zuckten, er legte die Hand an den Hals, als k�nnte er das Seil schon sp�ren. �Es sei denn, nat�rlich, Ihr erkl�rt Euch damit einverstanden, einen Mann f�r mich zu verfolgen. Einen gef�hrlichen Mann, dem es nicht gef�llt, verfolgt zu werden. Wenn Ihr mir sagen k�nnt, wo er nachts hingeht, werdet Ihr nicht geh�ngt, sondern nach Baerlon verbannt. Wo Ihr gut beraten w�rt, eine andere T�tigkeit zu finden. Der Gouverneur wird �ber Euch informiert werden.�</p><p>Pl�tzlich war Harks L�cheln wieder da. �Nat�rlich, meine Lady. Ich bin unschuldig, aber ich kann verstehen, dass die Dinge nicht zu meinem Vorteil erscheinen, jawohl. Ich folge jedem Mann, den Ihr wollt. Ich war der Anh�nger Eurer Mutter, das war ich, und ich bin auch Eurer Mann, jawohl. Loyal, das bin ich, meine Lady, loyal, auch wenn ich daf�r leiden muss.�</p><p>Birgitte schnaubte ver�chtlich.</p><p>�K�mmere dich darum, dass Meister Hark Mellars Gesicht zu sehen bekommt, ohne dass er es bemerkt, Birgitte.� Der Mann war unauff�llig, aber es machte keinen Sinn, Risiken einzugehen. �Dann lass ihn frei.� Hark schien bereit, auf der Stelle zu tanzen, ob ihn die Eisen nun behinderten oder nicht.</p><p>�Aber zuerst� Seht Ihr das, Meister Hark?� Sie hob die rechte Hand, sodass er ihren Gro�en Schlangenring nicht �bersehen konnte. �Ihr habt vielleicht geh�rt, dass ich eine Aes Sedai bin.� Die Macht erf�llte sie bereits; es war eine einfache Sache, Geist zu verweben. �Es ist die Wahrheit.� Das Gewebe, das sie auf Harks G�rtelschnalle, seine Stiefel, seinen Mantel und seine Hosen legte, glich dem Beh�terbund, war allerdings viel einfacher. Es w�rde sich in dem Stoff seiner Kleidung in wenigen Wochen aufl�sen, bestenfalls nach ein paar Monaten, aber Metall w�rde das Findegewebe ewig halten. �Ich habe Euch mit einem Gewebe versehen, Meister Hark. Nun kann man Euch finden, ganz egal, wo immer Ihr Euch auch aufhaltet.� In Wahrheit konnte nur sie ihn finden � ein Findegewebe war auf die Person beschr�nkt, die es gewebt hatte �, aber es gab keinen Grund, ihm das zu sagen. �Nur um sicher zu sein, dass Ihr tats�chlich loyal seid.�</p><p>Harks L�cheln schien gefroren zu sein. Auf seiner Stirn gl�nzten Schwei�perlen. Als Birgitte zur T�r ging und Hansard hereinrief, um ihm die Anweisung zu geben, Hark wegzubringen und ihn vor neugierigen Blicken zu sch�tzen, taumelte er und w�re gefallen, h�tte der kr�ftige Gardist ihn nicht auf dem Weg nach drau�en gest�tzt.</p><p>�Ich f�rchte, ich habe Mellar ein sechstes Opfer besorgt�, murmelte Elayne. �Er scheint kaum f�hig zu sein, seinem eigenen Schatten zu folgen, ohne �ber seine Stiefel zu stolpern.� Es war weniger Harks Tod, den sie bedauerte. Der Mann w�re auf jeden Fall geh�ngt worden. �Ich will den, der diesen verdammten Mann in meinen Palast gebracht hat. Ich will sie so sehr, dass es wehtut!� Im Palast wimmelte es vor Spionen � abgesehen von Skellit hatte Reene ein Dutzend entdeckt, allerdings glaubte sie, alle aufgesp�rt zu haben �, aber ob Mellar sie nun ausspionieren oder ihre Entf�hrung organisieren sollte, er war schlimmer als die anderen. Er hatte daf�r gesorgt, dass M�nner den Tod fanden oder sie selbst get�tet, um seine Stellung zu erringen. Dass diese M�nner geglaubt hatten, sie sollten <emphasis>sie</emphasis> t�ten, machte keinen Unterschied. Mord war Mord.</p><p>�Vertraut mir, meine Lady�, sagte Norry und legte einen Finger an die lange Nase. �Beutelschneider sind� �h� von Natur aus verstohlen, aber sie haben nur selten eine lange Karriere. Fr�her oder sp�ter schneiden sie einen Geldbeutel von jemandem auf, der flinker ist als sie selbst, jemand, der nicht die Garde ruft.� Er machte eine schnelle Geste, als w�rde er jemanden stechen. �Hark macht das mindestens seit zwanzig Jahren. Ein paar der Geldbeutel in seiner� �h� Sammlung waren mit Dankesgebeten f�r das Ende des Aielkrieges bestickt. Und wenn ich mich recht erinnere, sind die sehr schnell aus der Mode gekommen.�</p><p>Birgitte setzte sich auf die Lehne des benachbarten Stuhls und verschr�nkte die Arme unter der Brust. �Ich k�nnte Mellar festnehmen�, sagte sie leise, �und ihn der Befragung unterwerfen. Dann brauchst du Hark nicht.�</p><p>�Ein schlechter Witz, meine Lady, wenn ich das bemerken darf�, sagte Frau Harfor steif, w�hrend Meister Norry im gleichen Atemzug sagte: �Das w�rde� �h� gegen das Gesetz versto�en, meine Lady.�</p><p>Birgitte sprang auf die F��e, Zorn str�mte durch den Bund. �Blut und verdammte Asche! Wir wissen, dass der Mann so verdorben ist wie der Fisch vom letzten Monat!�</p><p>�Nein.� Elayne seufzte und bem�hte sich, nicht ebenfalls so w�tend zu sein. �Wir haben einen Verdacht, keinen Beweis. Diese f�nf M�nner k�nnten das Opfer von Stra�enr�ubern sein. Das Gesetz legt sehr genau fest, wann jemand der Befragung unterworfen werden darf, und Verd�chtigungen reichen nicht als Beweis aus. Man braucht handfeste Beweise. Meine Mutter hat oft gesagt: �Die K�nigin muss dem Gesetz gehorchen, das sie erlassen hat, oder es gibt kein Gesetze Ich werde nicht damit anfangen, das Gesetz zu brechen.� Der Bund �bertrug etwas� Sturheit. Sie fixierte Birgitte mit einem festen Blick. �Und du auch nicht. Hast du mich verstanden, Birgitte Trahelion? Du auch nicht.�</p><p>Zu ihrer �berraschung dauerte die Sturheit nur wenige Augenblicke, bevor sie langsam durch Reue ersetzt wurde.</p><p>�Es war ja nur ein Vorschlag�, murmelte Birgitte wenig �berzeugend.</p><p>Elayne fragte sich, wie sie das geschafft hatte und wie ihr das wieder gelingen konnte � manchmal schien Birgitte ihre Zweifel zu haben, wer von ihnen hier das Sagen hatte �, da schl�pfte Deni Colford in den Raum und r�usperte sich, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Eine lange, mit Bronzen�geln beschlagene Keule bot ein Gegengewicht zu dem Schwert an der Taille der schwergewichtigen Frau und wirkte fehl am Platz. Deni wurde besser mit dem Schwert, zog aber noch immer die Keule vor, die sie dazu benutzt hatte, um in einer Kutscherschenke f�r Ordnung zu sorgen.</p><p>�Ein Diener hat gemeldet, dass die Lady Dyelin eingetroffen ist, meine Lady, und Euch zur Verf�gung steht, sobald sie sich frisch gemacht hat.�</p><p>�Richtet der Lady Dyelin aus, dass sie mich im Kartenzimmer treffen soll.� Elayne versp�rte eine Woge der Hoffnung. Endlich w�rde sie gute Nachrichten zu h�ren bekommen. Vielleicht.</p></section><section><title><p>17</p><p>Der Bronzeb�r</p></title><p>Elayne verlie� Frau Harfor und Meister Norry und machte sich ungeduldig auf den Weg zum Kartenzimmer; sie hielt <emphasis>Saidar</emphasis> noch immer fest. Ungeduldig, aber keinesfalls eilig. Deni und drei Gardistinnen gingen ihr voraus, st�ndig nach Bedrohungen Ausschau haltend, und die anderen vier stapften hinter ihr her. Sie bezweifelte, dass Dyelin lange zum Frischmachen brauchen w�rde, ob sie nun gute oder schlechte Nachrichten brachte. Mochte das Licht geben, dass es gute waren. Birgitte ging mit auf dem R�cken verschr�nkten H�nden sowie einem Stirnrunzeln daher und schien in Schweigen versunken zu sein, allerdings betrachtete sie jede Korridorkreuzung, als w�rde sie aus dieser Richtung einen Angriff erwarten. Der Bund �bertrug noch immer Sorge. Und M�digkeit. Ein G�hnen lie� Elaynes Kiefer knacken, bevor sie es verhindern konnte.</p><p>Es war nicht nur der Widerwille, Ger�chte in die Welt zu setzen, der f�r Elaynes gem�chlichen Schritt sorgte. Jetzt hielten sich nicht nur Diener in den G�ngen auf. Die H�flichkeit hatte es verlangt, den Adligen, die es geschafft hatten, sich mit ihren Waffenm�nnern bis zur Stadt durchzuschlagen � die Bezeichnung Waffenm�nner war dabei gro�z�gig auszulegen; ein paar waren gut ausgebildet und trugen jeden Tag ein Schwert, andere hatten blo� ihre Pfl�ge geschoben, bevor man sie aufgefordert hatte, ihren Herren oder Herrinnen zu folgen �, Gem�cher im Palast zur Verf�gung zu stellen, und eine gro�e Anzahl hatte angenommen. Haupts�chlich jene, die in Caemlyn keine Unterkunft besa�en oder das Geld beisammen halten wollten, wie sie vermutete. Bauern und Tagel�hner glaubten zwar immer, dass alle Adlige reich waren, und mit Sicherheit waren es die meisten auch, aber auch nur verglichen mit ihnen. Die Ausgaben, die ihre Position und ihre Pflichten erforderten, lie�en viele ihre M�nzen so sorgf�ltig wie jede Bauersfrau z�hlen. Elayne hatte keine Ahnung, was sie mit den letzten Neuank�mmlingen machen sollte. Adlige schliefen bereits zu dritt oder viert in einem Bett, wo die Betten gro� genug waren; abgesehen von den schm�lsten konnte jedes von ihnen zumindest zwei Schl�fer aufnehmen und tat es auch. Viele Kusinen mussten in den Dienerunterk�nften auf Pritschen schlafen, und man konnte nur dem Licht danken, dass der Fr�hling das m�glich gemacht hatte.</p><p>Es hatte den Anschein, als w�rden s�mtliche ihrer adligen G�ste einen Spaziergang machen, und wenn sie sie gr��ten, musste sie stehen bleiben und zumindest ein paar Worte wechseln. Sergase Gilbearn, klein und schlank in ihrem gr�nen Reitgewand, die ihre ganzen zwanzig Waffenm�nner in ihren Diensten mitgebracht hatte, und der z�he alte Kelwin Janevor in seinem diskret gestopften blauen Wollmantel, der mit zehn gekommen war, wurden genauso freundlich behandelt wie der d�rre Barel Layden und die st�mmige Anthelle Sharplyn, obwohl sie ein Hoher Herr und eine Hohe Herrin waren, wenn auch von unbedeutenden H�usern. Sie alle waren zu ihrer Unterst�tzung geritten gekommen mit dem, was sie zusammenkratzen konnten, und keiner war umgekehrt, nachdem man ihm die Lage erkl�rt hatte. Aber vielen war ihr Unbehagen anzusehen.</p><p>Niemand �u�erte sich dazu � sie alle hatten nur gute W�nsche und hofften auf eine schnelle Kr�nung und wie geehrt sie waren, ihr folgen zu k�nnen �, aber die Sorge stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Arilinde Branstorm, die normalerweise so �berschw�nglich war, dass man glauben konnte, ihre f�nfzig Waffenm�nner w�rden allein das Ruder zu Elaynes Gunsten herumrei�en, war nicht die einzige Frau, die auf der Unterlippe herumkaute, und Laerid Traehand, st�mmig und zur�ckhaltend und f�r gew�hnlich so phlegmatisch wie ein Stein, war nicht der einzige Mann mit gefurchter Stirn. Selbst die Neuigkeiten �ber Guybon und der von ihm gebrachten Hilfe rief nur fl�chtiges L�cheln hervor, das schnell von neuem Unbehagen verdr�ngt wurde.</p><p>�Glaubst du, die haben von Arymillas Zuversicht geh�rt?�, fragte sie in einer der kurzen Pausen, in denen sie keine Verbeugungen oder Knickse erwiderte. �Nein, das w�rde nicht reichen, um Arilinde oder Laerid zu beunruhigen.� Die beiden w�ren vermutlich nicht mal dann aufgebracht, wenn sich Arymilla mit drei�igtausend Mann innerhalb der Stadtmauern befinden w�rde.</p><p>�Das w�rde es nicht�, best�tigte Birgitte. Sie blickte sich um, um sich zu vergewissern, wer au�er den Gardistinnen zuh�ren konnte, bevor sie fortfuhr. �Vielleicht machen sie sich �ber das Sorgen, was mir Sorgen bereitet. Du hast dich bei unserer R�ckkehr nicht verlaufen. Oder vielmehr, es war nicht deine Schuld.�</p><p>Elayne hielt inne, um ein paar Worte mit einem grauhaarigen P�rchen zu wechseln, dessen Wollkleidung wohlhabenden Bauern gut gestanden h�tte. Brannin und Elvaine Martans Gutshaus hatte gro�e �hnlichkeit mit einem gro�en Bauernhaus und beherbergte Generationen unter seinem Dach. Ein Drittel ihrer Waffenm�nner waren ihre S�hne und Enkel, Neffen und Gro�neffen. Nur jene, die zu jung oder zu alt zum Reiten waren, hatte man zur�ckgelassen, um sich um die Aussaat zu k�mmern. Sie hoffte, dass die beiden nicht das Gef�hl hatten, abgekanzelt worden zu sein, aber sie ging fast in dem Moment weiter, in dem sie schwiegen. �Was meinst du damit, es war nicht meine Schuld?�, wollte sie wissen., �Der Palast ist� ver�ndert.� Einen Augenblick lang war Verwirrung in dem Bund. Birgitte verzog das Gesicht. �Es klingt verr�ckt, ich wei�, aber es ist so, als w�re das ganze Geb�ude nach einem leicht ver�nderten Bauplan entstanden.� Eine der Gardistinnen der Vorhut kam aus dem Tritt, fing sich aber wieder. �Ich habe ein gutes Erinnerungsverm�gen�� Birgitte z�gerte, der Bund f�llte sich mit allen m�glichen Gef�hlen, die schnell unterdr�ckt wurden. Die meisten ihrer Erinnerungen an vergangene Leben hatten sich so sicher aufgel�st wie der Schnee vom Winter. Aus der Zeit vor der Gr�ndung der Wei�en Burg war nichts mehr �brig geblieben, und die vier Leben, die sie zwischen diesem Zeitpunkt und dem Ende der Trolloc-Kriege gelebt hatte, fingen an, zu Fragmenten zu zerfallen. Nur wenig schien ihr Angst machen zu k�nnen, aber sie f�rchtete sich davor, den Rest zu verlieren, vor allem ihre Erinnerungen an Gaidal Cain. �Ich vergesse keinen Weg, den ich einmal gegangen bin�, fuhr sie fort, �und manche dieser Korridore sind nicht mehr die gleichen wie fr�her. Einige G�nge sind� verschoben worden. Andere gibt es gar nicht mehr, und ein paar sind neu. Soweit ich es ergr�nden konnte, spricht niemand dar�ber, aber ich glaube, die alten Leute schweigen dar�ber, weil sie Angst haben, den Verstand zu verlieren, und die j�ngeren haben Angst, ihre Stellungen zu verlieren.�</p><p>�Das ist doch�� Elayne machte den Mund zu. Offensichtlich war das doch nicht unm�glich. Birgitte litt nicht unter pl�tzlichen Halluzinationen. Pl�tzlich ergab Naris' Z�gern, ihre Gem�cher zu verlassen, einen Sinn, vielleicht auch Reenes Verbl�ffung vorhin. Beinahe w�nschte sie sich, die Schwangerschaft h�tte ihren Verstand tats�chlich getr�bt. Aber wie konnte das sein? �Nicht die Verlorenen�, sagte sie bestimmt. �Wenn sie zu so etwas f�hig w�ren, h�tten sie es schon vor langer Zeit getan, und schlimmer als� auch Euch einen sch�nen Tag, Lord Aubrem.�</p><p>D�rr und z�h und abgesehen von einem d�nnen Haarkranz v�llig kahl, h�tte Aubrem Pensenor die Kinder seiner Enkel auf den Knien wiegen sollen, aber sein R�cken war gerade und sein Blick messerscharf. Er hatte zu den Ersten geh�rt, die in Caemlyn eingetroffen waren, mit fast hundert Mann und der Nachricht, dass es Arymilla Marne war, die unterst�tzt von Naean und Elenia auf die Stadt zumarschierte. Er fing an, in Erinnerungen an die Zeit zu schwelgen, in der er f�r die Thronfolge ihrer Mutter geritten war, bis Birgitte etwas davon murmelte, dass Lady Dyelin sie erwartete.</p><p>�Oh, in diesem Fall lasst Euch nicht von mir aufhalten, meine Lady�, sagte der alte Mann herzlich. �Bitte richtet Lady Dyelin meine Gr��e aus. Sie ist so besch�ftigt gewesen, ich habe seit ihrer Ankunft in Caemlyn keine zwei Worte mit ihr wechseln k�nnen. Meine Empfehlung, wenn Ihr so freundlich sein wollt.� Haus Pensenor war seit undenkbaren Zeiten mit Dyelins Taravin verb�ndet.</p><p>�Nicht die Verlorenen�, sagte Birgitte, sobald Aubrem au�er H�rweite war. �Aber was daf�r die Ursache ist, das ist blo� die erste Frage. Wird es erneut passieren? Wenn ja, werden die Ver�nderungen immer ungef�hrlich sein? Oder wachst du auf und findest dich in einem Zimmer ohne Fenster und T�ren wieder? Was passiert, wenn du in einem Zimmer schl�fst, das verschwindet? Wenn ein Korridor verschwinden kann, dann auch ein Zimmer. Und was, wenn mehr als nur der Palast davon betroffen ist? Was ist, wenn das n�chste Mal einfach ein Teil der Stadtmauer nicht mehr da ist?�</p><p>�Du w�lzt wirklich finstere Gedanken�, sagte Elayne d�ster. Obwohl die Macht sie ausf�llte, reichten die M�glichkeiten, um ihr Magenschmerzen zu bereiten.</p><p>Birgitte ber�hrte die vier goldenen Knoten auf der Schulter des roten Mantels mit dem wei�en Kragen. �Die sind mit dem hier gekommen.� Seltsam, die Sorge, die der Bund �berbrachte, war nun nicht mehr so stark, nachdem sie ihre Bef�rchtungen geteilt hatten. Elayne hoffte, dass ihre Freundin nicht glaubte, <emphasis>sie</emphasis> w�sste die Antworten. Nein, das war unm�glich. Daf�r kannte Birgitte sie zu gut.</p><p>�Macht Euch das Angst, Deni?�, fragte sie. �Ich muss zugeben, mir macht es Angst.�</p><p>�Nicht mehr als n�tig, meine Lady�, sagte die st�mmige Frau, ohne in ihrer Wachsamkeit nachzulassen. Wo die anderen mit der Hand auf dem Schwertgriff gingen, ruhte ihre Hand auf der Keule. Ihre Stimme war so n�chtern und ruhig wie ihre Miene. �Einmal h�tte mir ein gro�er Kutscher namens Eldrin Hackly fast das Genick gebrochen. Eigentlich war er kein brutaler Mann, aber an diesem Abend war er mehr als betrunken. Ich konnte nicht im richtigen Winkel zuschlagen, und meine Keule schien von seinem Sch�del abzuprallen, ohne auch nur eine Beule zu hinterlassen. Das hat mir mehr Angst gemacht, weil ich mit absoluter Sicherheit wusste, ich w�rde sterben. Das hier ist nur eine M�glichkeit, und jeder Tag, an dem man erwacht, kann der Tag sein, an dem man stirbt.�</p><p>Jeder Tag, an dem man erwacht, kann der Tag sein, an dem man stirbt. Vermutlich gab es schlimmere M�glichkeiten, das Leben zu betrachten, fand Elayne. Trotzdem versp�rte sie ein Fr�steln. Sie war sicher, zumindest bis zur Geburt ihrer Kinder, aber sonst niemand.</p><p>Die beiden Wachtposten vor der breiten, mit L�wen verzierten Fl�gelt�r des Kartenzimmers waren erfahrene Gardisten, der eine klein und fast schon hager, der andere breit genug, um gewaltig zu erscheinen, obwohl er von normaler Gr��e war. Nichts schien sie von den anderen Mitgliedern der Garde zu unterscheiden, aber diesen Posten bekamen nur gute Schwertk�mpfer, vertrauensw�rdige M�nner. Der kleine Mann nickte Deni zu, dann nahm er Haltung an, als er Birgittes missbilligenden Blick bemerkte. Deni l�chelte ihm sch�chtern zu � Deni! sch�chtern! w�hrend zwei Gardistinnen das unvermeidbare Ritual absolvierten. Birgitte wollte etwas sagen, aber Elayne legte ihr die Hand auf den Arm, und ihre Beh�terin sah sie an und sch�ttelte dann den Kopf. Der dicke goldene Zopf baumelte langsam hin und her.</p><p>�Das ist nicht gut, wenn sie im Dienst sind, Elayne. Sie sollen sich auf ihre Pflichten konzentrieren und sich nicht anhimmeln.� Sie hob ihre Stimme nicht, aber Denis Wangen r�teten sich, und ihr L�cheln verschwand, und sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Korridor. Vielleicht war das besser so, aber es war trotzdem schade. Wenigstens <emphasis>irgendjemand</emphasis> sollte etwas Spa� in seinem Leben haben.</p><p>Das Kartenzimmer war der zweitgr��te Ballsaal des Palasts und �beraus ger�umig. In vier rot ge�derten Marmorkaminen brannten kleine Feuer unter den gemei�elten Simsen, eine kuppeif�rmige, teilweise vergoldete Decke wurde von weit auseinander liegenden S�ulen gest�tzt, die zwei Spannen von den wei�en Marmorw�nden entfernt waren, von denen man s�mtliche Wandteppiche abgenommen hatte. Es gab genug Spiegellampen, um den Raum so zu erhellen, als h�tte er Fenster. Der gr��te Teil des Fliesenbodens stellte eine detaillierte Mosaikkarte von Caemlyn dar, die urspr�nglich vor mehr als tausend Jahren angefertigt worden war, nach der Fertigstellung der Neustadt, aber vor der Ausbreitung Niedercaemlyns. Lange bevor es ein Andor gegeben hatte, selbst lange vor Artur Falkenfl�gel. Sie war seitdem mehrere Male erneuert worden, da Fliesen verblichen oder sich abgenutzt hatten, und so war jede Stra�e korrekt dargestellt � jedenfalls bis zum heutigen Tag, und das Licht gab, dass es noch immer so war �, und obwohl im Laufe der Jahre viele Geb�ude ersetzt worden waren, unterschieden sich selbst einige Gassen nicht von dem, was der gewaltige Stadtplan zeigte.</p><p>In absehbarer Zukunft w�rde es aber keinen Tanz im Kartenzimmer geben. Lange Tische zwischen den S�ulen bewahrten weitere Karten, einige davon gro� genug, �ber die R�nder hinauszuragen, und Regale an den W�nden hielten Stapel von Berichten, die nicht so heikel waren, dass man sie einschlie�en oder dem Ged�chtnis anvertrauen und danach verbrennen musste. Birgittes breiter Schreibtisch, der fast mit K�rben voll gestellt war, in denen sich gr��tenteils Papier stapelte, stand am anderen Ende des Raums. Als Generalhauptmann hatte sie ihr eigenes Arbeitszimmer, aber nachdem sie das Kartenzimmer entdeckt hatte, war sie zu der Einsicht gelangt, dass der Bodenplan einfach zu gut war, um nicht benutzt zu werden.</p><p>Eine kleine, rot bemalte Holzscheibe markierte die Stelle auf der Au�enmauer, wo zuvor der Angriff zur�ckgeschlagen worden war. Birgitte hob sie im Vorbeigehen auf und warf sie in einen runden Korb auf ihrem Schreibtisch, der mit diesen Dingern gef�llt war. Elayne sch�ttelte den Kopf. Es war ein kleiner Korb, aber falls es ausreichend gleichzeitige Angriffe gab, dass man so viele Scheiben brauchte�</p><p>�Meine Lady Birgitte, ich habe den Bericht �ber das zur Verf�gung stehende Futter, um den Ihr gebeten habt�, sagte eine Frau, deren Haar langsam grau wurde, und hielt ein mit ordentlichen Reihen gef�lltes Blatt hin. Der Wei�e L�we auf der Brust ihrer ordentlichen braunen Tracht war klein. F�nf andere Schreiber fuhren mit kratzenden Schreibfedern mit ihrer Arbeit fort. Sie geh�rten zu Meister Norrys vertrauensw�rdigsten Leuten, und Frau Harfor hatte h�chstpers�nlich das halbe Dutzend Boten in wei�roten Livreen ausgew�hlt, die hinter den kleinen Pulten der Schreiber an der Wand standen; es handelte sich um flinke junge M�nner, eigentlich noch Jungen. Einer von ihnen, ein h�bscher Kerl, fing an sich zu verbeugen, bevor er err�tend aufh�rte. Birgitte hatte die Frage der Ehrenbezeugungen f�r sie und andere Adlige mit ein paar kurzen Worten ein f�r alle Mal geregelt. Die Arbeit kam an erster Stelle, und jeder Adlige, dem das missfiel, konnte einen Bogen um das Kartenzimmer machen.</p><p>�Danke, Frau Anford. Ich sehe es mir sp�ter an. Wenn Ihr und die anderen drau�en warten w�rdet, bitte?�</p><p>Frau Anford trieb schnell die Boten und die anderen Schreiber zusammen, gab ihnen gerade genug Zeit, die Tintenfl�schchen zuzust�pseln und ihre Arbeit abzudecken. Keiner zeigte auch nur die geringste �berraschung. Sie waren daran gew�hnt, dass man von Zeit zu Zeit w�nschte, unter sich zu sein. Elayne hatte geh�rt, dass das Kartenzimmer nun auch das Zimmer der Geheimnisse genannt wurde, obwohl es hier eigentlich nichts gab, was besonders geheim war. Das war in ihren Gem�chern weggeschlossen.</p><p>W�hrend die Schreiber und Boten hinausgingen, begab sich Elayne zu einem der langen Tische, auf dem eine Karte Caemlyns lag und mindestens f�nfzig Meilen seines Umlandes zeigte. Sogar die Schwarze Burg war eingezeichnet worden, ein Rechteck weniger als zwei Meilen s�dlich von der Stadt. Ein Geschw�r in Andor, und es gab keine M�glichkeit, es loszuwerden. An manchen Tagen schickte sie noch immer Abteilungen der Garde zur Inspektion, durch Wegetore, aber das Gel�nde war gro� genug, dass die Asha'man alles M�gliche h�tten machen k�nnen, ohne dass sie es erfahren h�tte. Nadeln mit Emaillek�pfen markierten Arymillas acht um die Stadt verteilte Lager, und kleine Metallfiguren verschiedene andere Lager. Ein kunstfertig aus Gold gefertigter Falke, kaum gr��er als ihr kleiner Finger, zeigte den Standort der Goshien. Beziehungsweise den ehemaligen Standort. Waren sie schon weg? Sie schob den Falken in die G�rteltasche. Aviendha war ein richtiger Falke. Birgitte auf der anderen Tischseite hob fragend eine Braue.</p><p>�Sie sind abgezogen, oder zumindest im Aufbruch begriffen�, sagte Elayne. Es w�rde Besuche geben. Aviendha war nicht f�r immer weg. �Rand hat sie irgendwohin geschickt. Ich wei� nicht wohin, verdammter Kerl.�</p><p>�Ich habe mich schon gefragt, warum Aviendha nicht bei dir ist.�</p><p>Elayne legte einen Finger auf einen Bronzereiter, der keinen Fu� gro� war und ein paar Meilen westlich von der Stadt stand. �Jemand muss einen Blick auf Davram Basheres Lager werfen. Finde heraus, ob die Saldaeaner auch abziehen. Und die Legion des Drachen.� Es spielte keine Rolle, ob sie es taten. Sie hatten sich nicht eingemischt, dem Licht sei Dank, und die Zeit, in der man h�tte bef�rchten m�ssen, dass sie Arymilla aufhalten w�rden, war lange vorbei. Aber sie mochte es nicht, wenn in Andor Dinge ohne ihr Wissen geschahen. �Und schicke morgen ein paar Gardisten zur Schwarzen Burg. Sag ihnen, sie sollen z�hlen, wie viele Asha'man sie sehen.�</p><p>�Also plant er eine gro�e Schlacht. Eine weitere gro�e Schlacht. Vermutlich gegen die Seanchaner.� Birgitte verschr�nkte die Arme unter der Brust und blickte die Karte stirnrunzelnd an. �Ich frage mich wo und wann, aber wir haben selbst genug zu tun.�</p><p>Die Karte zeigte die Gr�nde, warum Arymilla ihre Truppen zur Eile antrieb. Zum einen, nord�stlich von Caemlyn, beinahe am Rand der Karte, lag die Bronzefigur eines schlafenden B�ren, der zusammengerollt dalag und die Tatzen �ber die Nase gelegt hatte. Zweihunderttausend Mann, fast genauso viele gedrillte M�nner wie ganz Andor ins Feld schicken konnte. Vier Herrscher der Grenzl�nder, begleitet von vielleicht einem Dutzend Aes Sedai, die sie zu verbergen suchten und die aus nicht genannten Gr�nden nach Rand fahndeten. Soweit Elayne es wusste, hatten die Grenzl�nder keinen Grund, sich gegen Rand zu wenden � auch wenn er sie nicht an sich gebunden hatte wie andere L�nder, was eine Tatsache war-, aber Aes Sedai waren eine andere Sache, vor allem, wenn es ungewiss war, wen sie unterst�tzten, und zw�lf kamen einer Zahl nahe, die selbst ihm gef�hrlich werden konnte. Nun, die vier Herrscher hatten Elaynes Motive, ihnen den Zugang zu Andor zu gew�hren, zum Teil erkannt, aber sie hatte es geschafft, sie hinters Licht zu f�hren, was Rands Aufenthaltsort anging. Ungl�cklicherweise hatten die Grenzl�nder jede Geschichte L�gen gestraft, wie schnell sie sich vorw�rts bewegen konnten, als sie nach S�den krochen, und jetzt sa�en sie an Ort und Stelle und versuchten eine M�glichkeit zu finden, einer belagerten Stadt aus dem Weg zu gehen. Das war verst�ndlich, sogar l�blich. Fremde Heere in der N�he von andoranischen Waffenm�nnern auf dem Boden Andors sorgten f�r eine heikle Situation. Ein paar Hitzk�pfe gab es immer. Unter solchen Umst�nden konnte es nur zu leicht zu Blutvergie�en, wenn nicht sogar zu einem Krieg kommen. Und es w�rde schwierig werden, Caemlyn zu umgehen; die schmalen Landstra�en waren durch die Regenf�lle in Schlamm verwandelt worden, was das Vorankommen eines jeden so gro�en Heeres erschwerte. Aber Elayne h�tte sich fast gew�nscht, sie w�ren noch zwanzig oder drei�ig Meilen weiter auf Caemlyn vorger�ckt. Sie hatte gehofft, dass ihre Anwesenheit eine andere Wirkung gehabt h�tte. Aber vielleicht geschah das ja noch.</p><p>Wichtiger f�r Arymilla und m�glicherweise auch f�r sie stand ein paar Meilen unterhalb der Schwarzen Burg ein kleiner silberner Schwertk�mpfer, der die Klinge waagerecht vor sich ausgestreckt hielt, und ein silberner Hellebardenk�mpfer, offensichtlich von demselben Silberschmied gefertigt. Einer stand westlich des schwarzen Rechtecks, der andere �stlich. Luan, Ellorien und Abelle, Aemlyn, Arathelle und Pelivar standen in diesen beiden Lagern etwa sechzigtausend Mann zur Verf�gung. Ihre L�ndereien und die der ihnen verpflichteten Adligen mussten fast v�llig entv�lkert sein. In diesen beiden Lagern war Dyelin die letzten drei Tage gewesen und hatte versucht, ihre Absichten in Erfahrung zu bringen.</p><p>Der kleine Gardist �ffnete einen der T�rfl�gel und hielt sie f�r eine �ltere Dienerin auf, die ein Silbertablett mit zwei hohen goldenen Weinkannen und einer Reihe Pokalen aus blauem Meervolkporzellan hereintrug. Reene musste sich unsicher gewesen sein, wie viele Leute anwesend sein w�rden. Die gebrechliche Frau bewegte sich langsam, achtete darauf, dass das schwere Tablett nicht kippte und sie nichts fallen lie�. Elayne wob Str�me aus Luft, um ihr das Tablett abzunehmen, dann lie� sie sie sich ungen�tzt aufl�sen. Anzudeuten, dass die Frau ihrer Arbeit nicht gewachsen war, w�rde nur dem�tigend sein. Aber sie dankte ihr �berschw�nglich. Die alte Frau l�chelte breit, offensichtlich begeistert, und machte einen tiefen Knicks, sobald sie das Tablett abgestellt hatte.</p><p>Dyelin kam fast zeitgleich mit der Dienerin, ein Abbild bl�hender Vitalit�t, und scheuchte sie hinaus, bevor der Inhalt einer der Kannen sie das Gesicht verziehen lie� � Elayne seufzte; zweifellos war es Ziegenmilch � und sie sich aus der anderen bediente. Offensichtlich hatte Dyelin ihre Toilette auf Gesichtwaschen und K�mmen beschr�nkt, denn ihr dunkelgraues Reitkleid mit der gro�en runden Silbernadel mit Taravins Eule und Eiche an dem hohen Kragen wies Flecken halb getrockneten Schlamms auf den R�cken auf.</p><p>�Hier stimmt etwas nicht�, sagte sie und lie� den Wein im Pokal kreisen, ohne zu trinken. Ein Stirnrunzeln lie� die feinen Falten um ihre Augenwinkel st�rker hervortreten. �Ich bin �fters in diesem Palast gewesen, als ich z�hlen kann, und heute habe ich mich zweimal verlaufen.�</p><p>�Dar�ber wissen wir Bescheid�, erwiderte Elayne und erkl�rte schnell, was sie sich zusammengereimt hatten und was sie vorhatte. Zu sp�t webte sie eine Abschirmung gegen Lauscher und war keineswegs �berrascht, als sie <emphasis>Saidar</emphasis> zertrennte. Immerhin w�rde der Lauscher einen Schlag erhalten. Einen kleinen Schlag, da so wenig von der Macht benutzt worden war, dass sie sie vorher nicht wahrgenommen hatte. Vielleicht w�rde es n�chstes Mal eine M�glichkeit geben, einen harten Schlag daraus zu machen. Vielleicht w�rde das ja Lauscher endlich entmutigen.</p><p>�Also k�nnte es erneut passieren�, sagte Dyelin, als Elayne verstummte. Ihr Ton war ganz ruhig, aber sie befeuchtete sich die Lippen und nahm einen Schluck Wein, als h�tte sie pl�tzlich einen trockenen Mund. �Nun gut. Wenn Ihr die Ursache nicht kennt und nicht wisst, ob es erneut geschehen wird, was sollen wir dann tun?�</p><p>Elayne starrte sie an. Wieder schien jemand zu denken, sie h�tte Antworten, die sie jedoch gar nicht hatte. Aber das bedeutete es nun einmal, K�nigin zu sein. Es wurde st�ndig von einem erwartet, Antworten zu haben oder welche zu finden. Das bedeutete es, eine Aes Sedai zu sein. �Wir k�nnen es nicht aufhalten, also werden wir damit leben m�ssen, Dyelin, und versucht daf�r zu sorgen, dass die Leute nicht zu viel Angst bekommen. Ich werde verk�nden, was geschehen ist, soweit wir es jedenfalls wissen, und ich sorge daf�r, dass die anderen Schwestern es ebenfalls tun. So werden alle wissen, dass die Aes Sedai Bescheid wissen, und das sollte ein gewisser Trost sein. Sie werden sich nat�rlich trotzdem f�rchten, aber nicht so sehr, als wenn wir schweigen und es wieder geschieht.�</p><p>Ihr kam das wie eine schwache Ma�nahme vor, aber �berraschenderweise stimmte ihr Dyelin ohne Z�gern zu. �Ich kann selbst vorschlagen, dass nichts anderes unternommen wird. Die meisten Menschen glauben, dass ihr Aes Sedai alles regeln k�nnt. Das m�sste unter diesen Umst�nden reichen.�</p><p>Und wenn sie erkannten, dass Aes Sedai nicht alles regeln konnten, dass sie das nicht konnte? Nun, das war ein Fluss, den sie �berqueren w�rde, wenn sie an seinem Ufer stand.</p><p>�Sind es gute Neuigkeiten oder schlechte?�</p><p>Bevor Dyelin antworten konnte, �ffnete sich die T�r schon wieder.</p><p>�Ich habe geh�rt, dass Lady Dyelin zur�ckgekehrt ist. Ihr h�ttet nach uns schicken sollen, Elayne. Noch seid Ihr nicht die K�nigin, und ich mag es nicht, wenn Ihr Geheimnisse vor mir habt. Wo ist Aviendha?� Catalyn Haevin, eine wilde junge Frau mit k�hlem Blick � in Wahrheit war sie noch ein M�dchen, das noch lange Monate von ihrer Vollj�hrigkeit entfernt war, auch wenn ihr Vormund sie im Stich gelassen hatte, damit sie ihren eigenen Weg gehen konnte �, war stolz bis zu den Zehenn�geln und hielt das speckige Kinn hoch erhoben. Aber das konnte auch an dem gro�en Emailleabzeichen mit Haevins Blauem B�ren liegen, das den hohen Kragen ihres blauen Reitkleides schm�ckte. Sie hatte angefangen, Dyelin gegen�ber Respekt und ein gewisses Misstrauen zu zeigen, seit sie sich mit ihr und Sergase ein Bett teilen musste, aber bei Elayne bestand sie auf jedem Vorrecht einer Hohen Herrin.</p><p>�Wir alle haben es geh�rt�, sagte Conail Northan. Schlank und hochgewachsen in einem roten Seidenmantel, mit vergn�gt funkelnden Augen und einer Adlernase, war er vollj�hrig, wenn auch erst ein paar Monate seit seinem sechzehnten Namenstag vergangen waren. Er stolzierte daher und strich viel zu vernarrt �ber den Schwertgriff, aber er schien harmlos zu sein. Nur jungenhaft, ein unvorteilhafter Wesenszug bei einem Hohen Herrn. �Und keiner von uns konnte abwarten, zu erfahren, wann Luan und die anderen sich uns anschlie�en werden. Die beiden hier w�ren den ganzen Weg sogar gelaufen.� Er zerzauste den beiden j�ngeren Jungen an seiner Seite die K�pfe, Perival Mantear und Branlet Gilyard, die ihm finstere Blicke zuwarfen und sich mit den Fingern durchs Haar fuhren, um es glatt zu streifen. Perival err�tete. Ziemlich klein, aber bereits recht h�bsch war er mit zw�lf Jahren der j�ngste, doch Branlet war nur ein Jahr �lter.</p><p>Elayne seufzte, aber sie konnte sie nicht bitten zu gehen.</p><p>Auch wenn die meisten von ihnen eigentlich noch Kinder waren � vielleicht auch alle, wenn man Conails Benehmen betrachtete �, waren sie doch alle die F�hrer ihrer H�user und zusammen mit Dyelin ihre wichtigsten Verb�ndeten. Sie w�nschte sich allerdings, sie w�sste, wie sie von dem Zweck von Dyelins Reise erfahren hatten. Das hatte ein Geheimnis bleiben sollen, bis feststand, welche Neuigkeiten Dyelin brachte. Noch eine Aufgabe f�r Reene. Ungehinderter Klatsch, der falsche Klatsch, konnte genauso gef�hrlich wie Spione sein.</p><p>�Wo ist Aviendha?�, verlangte Catalyn zu wissen. Seltsamerweise war sie sehr eingenommen von Aviendha. Fasziniert war das bessere Wort. Und sie hatte allen Ernstes erreichen wollen, dass Aviendha ihr den Umgang mit dem Speer beibrachte!</p><p>�Also, meine Lady�, sagte Conail und ging l�ssig zum Tisch, um sich einen blauen Pokal mit Wein zu f�llen, �wann sto�en sie zu uns?�</p><p>�Die schlechte Neuigkeit ist, dass sie das nicht tun werden�, sagte Dyelin ruhig. �Die gute Nachricht ist, dass sie alle Arymillas Einladung abgelehnt haben, sich auf ihre Seite zu schlagen.� Sie r�usperte sich laut, als Branlet nach der Weinkanne griff. Seine Wangen r�teten sich, und er nahm die andere Kanne, als h�tte er sie die ganze Zeit gemeint. Der Hohe Herr von Haus Gilyard, doch trotz des Schwertes an seiner H�fte noch ein Junge. Auch Perival trug ein Schwert, das �ber den Boden schleifte und zu gro� f�r ihn aussah, aber er hatte sich bereits mit Ziegenmilch bedient. Catalyn schenkte sich Wein ein und grinste die J�ngeren sp�ttisch an, ein �berlegenes L�cheln, das verschwand, als sie Dyelins Blick bemerkte.</p><p>�Das soll eine gute Nachricht sein?�, sagte Birgitte. �Soll man mich doch zu Asche verbrennen, wenn es das nicht ist. Ihr bringt ein verdammtes, halb verhungertes Eichh�rnchen und nennt es eine Rinderh�lfte.�</p><p>�Sarkastisch wie immer�, sagte Dyelin trocken. Die beiden Frauen starrten sich finster an, Birgittes H�nde ballten sich zu F�usten, Dyelins Finger tasteten �ber den Dolch an ihrem G�rtel.</p><p>�Keinen Streit�, sagte Elayne und legte Sch�rfe in ihren Tonfall. Die Wut in dem Bund half. Manchmal hatte sie die Bef�rchtung, die beiden w�rden sich noch pr�geln. �Mir steht heute nicht der Sinn nach euren Wortgefechten.�</p><p>�Wo ist Aviendha?�</p><p>�Fort, Catalyn. Was habt Ihr sonst noch in Erfahrung bringen k�nnen, Dyelin?�</p><p>�Wo ist sie hin?�</p><p>�Sie ist weg�, sagte Elayne ruhig. <emphasis>Saidar</emphasis> oder nicht, sie wollte das M�dchen ohrfeigen. �Dyelin?�</p><p>Die Hohe Herrin trank einen Schluck Wein, um das Ende ihres Blickeduells mit Birgitte zu �berspielen. Sie trat an Elaynes Seite, nahm den silbernen Schwertk�mpfer, drehte ihn um, setzte ihn wieder ab. �Aemlyn, Arathelle und Perivar wollten mich davon �berzeugen, meinen Anspruch auf den Thron anzumelden, aber sie beharrten nicht mehr so darauf wie bei unserem letzten Gespr�ch. Ich glaube, ich habe sie fast davon �berzeugt, dass ich es nicht tun werde.�</p><p>�Fast?� Birgitte legte �tzenden Spott in das Wort. Dyelin ignorierte sie einfach. Elayne warf Birgitte einen �rgerlichen Blick zu, die sich unbehaglich abwandte und lange genug wegging, um sich einen Pokal Wein zu holen. Sehr zufriedenstellend. Was auch immer sie richtig machte, sie hoffte, es w�rde auch weiterhin funktionieren.</p><p>�Meine Lady�, sagte Perival mit einer Verbeugung und reichte Elayne einen von zwei Pokalen. Sie brachte ein L�cheln zustande sowie einen kleinen Knicks, bevor sie den Pokal annahm. Ziegenmilch. Beim Licht, sie fing an, das Zeug zu verabscheuen!</p><p>�Luan und Abelle waren� unverbindlich�, fuhr Dyelin fort und blickte den Hellebardentr�ger stirnrunzelnd an.</p><p>�M�glicherweise sind sie Euch zugeneigt.� Sie h�rte sich allerdings nicht so an, als w�rde sie das glauben. �Ich habe Luan daran erinnert, dass er mir geholfen hat, Naean und Elenia festzunehmen, damals am Anfang, aber das hat vermutlich genauso wenig genutzt wie bei Pelivar.�</p><p>�Also warten sie vermutlich alle darauf, dass Arymilla gewinnt�, sagte Birgitte grimmig. �Wenn du �berlebst, werden sie sich f�r dich und gegen sie aussprechen. Tust du es nicht, wird einer von ihnen seinen eigenen Anspruch geltend machen. Ellorien hat nach dir den besten Anspruch, oder?� Dyelin runzelte die Stirn, erhob aber keine Einw�nde.</p><p>�Und Ellorien?�, fragte Elayne ganz ruhig. Sie war sich sicher, die Antwort bereits zu kennen. Ihre Mutter hatte Ellorien auspeitschen lassen. Das war unter Rahvins Einfluss geschehen, aber das schienen nur wenige zu glauben. So wie nur wenige zu glauben schienen, dass Gaebril in Wahrheit Rahvin gewesen war.</p><p>Dyelin schnitt eine Grimasse. �Die Frau hat einen Kopf aus Stein! Sie w�rde einen Anspruch in meinem Namen verk�nden, wenn sie der Ansicht w�re, das w�rde etwas bringen. Wenigstens hat sie genug Verstand, um zu erkennen, dass das nutzlos w�re.� Elayne entging nicht, dass sie nichts von einem m�glichen Anspruch von Ellorien selbst sagte.</p><p>�Wie dem auch sei, ich habe Keraille Surtovni und Julanya Fote zur�ckgelassen, um sie im Auge zu behalten. Ich bezweifle, dass sie abr�cken, aber sollten sie es dennoch tun, werden wir es sofort erfahren.� Drei Kusinen, die einen Zirkel bilden mussten, um Reisen zu k�nnen, beobachteten die Grenzl�nder aus dem gleichen Grund.</p><p>Also keinen guten Nachrichten, ganz egal, wie Dyelin es verkaufen wollte. Elayne hatte gehofft, dass die Bedrohung der Grenzl�nder einige der H�user dazu treiben w�rde, sie zu unterst�tzen. <emphasis>Immerhin erf�llt wenigstens einer der Gr�nde, warum ich sie nach Andor einreisen lie�, seinen Zweck ,</emphasis> dachte sie grimmig. Selbst wenn es ihr nicht gelang, den Thron zu erringen, hatte sie Andor wenigstens diesen Dienst erwiesen. Immer vorausgesetzt, derjenige, der den Thron errang, verpfuschte nicht alles. Was sie sich bei Arymilla nur zu gut vorstellen konnte. Nun, Arymilla w�rde sich die Rosenkrone nicht aufsetzen, und damit war die Sache erledigt. Sie musste aufgehalten werden, auf die eine oder andere Weise.</p><p>�Also sind es sechs, sechs und sechs�, sagte Catalyn und fuhr mit dem Daumen �ber den langen Siegelring an ihrer linken Hand. Sie wirkte nachdenklich, was ungew�hnlich f�r sie war. Normalerweise sagte sie das, was sie dachte, ohne auch nur einen Moment �ber die Konsequenzen nachzudenken. �Selbst wenn sich Candraed uns anschlie�t, fehlen uns zehn.� Fragte sie sich, ob sie Haevin einer hoffnungslosen Sache versprochen hatte? Ungl�cklicherweise hatte sie ihr Haus nicht so fest mit Elayne verbunden, dass sich die Knoten nicht mehr l�sen lie�en.</p><p>�Ich war sicher, dass sich Luan uns anschie�en w�rde�, murmelte Conail. �Und Abelle und Pelivar.� Er trank einen gro�en Schluck Wein. �Sobald wir Arymilla geschlagen haben, werden sie kommen. Denkt an meine Worte.�</p><p>�Aber was denken sie sich dabei?�, wollte Branlet wissen.</p><p>�Wollen sie einen Dreifrontenkrieg anfangen?� W�hrend seiner Worte kippte seine Stimme, und er wurde knallrot. Er vergrub das Gesicht in seinem Pokal, schnitt aber eine Grimasse. Anscheinend mochte er Ziegenmilch genauso wenig wie sie.</p><p>�Es sind die Grenzl�nder.� Perival hatte noch die Stimme eines Jungen, aber er klang selbstbewusst. �Sie halten sich zur�ck, denn wer auch immer hier gewinnt, er muss sich mit ihnen auseinander setzen.� Er nahm den B�ren und wog ihn in der Hand, als k�nnte ihm sein Gewicht Antworten geben. �Aber was ich dabei nicht verstehe, warum sie �berhaupt bei uns eingefallen? Wir sind so weit von den Grenzl�ndern weg. Und warum sind sie nicht weitermarschiert und haben Caemlyn angegriffen? Sie k�nnten Arymilla zur Seite fegen, und ich bezweifle, dass wir sie so leicht abwehren k�nnten wie Arymilla. Also warum sind sie hier?�</p><p>Conail schlug ihm l�chelnd auf die Schulter. �Na, das wird eine tolle Schlacht werden, wenn wir uns den Grenzl�ndern entgegenstellen. Northans Adler und Mantears Amboss werden Andor an diesem Tag mit Stolz erf�llen, was?� Perival nickte, aber die Vorstellung schien ihm nicht zu gefallen. Conail hingegen schon.</p><p>Elayne wechselte einen Blick mit Dyelin und Birgitte, die beide erstaunt aussahen. Elayne war selbst erstaunt. Die beiden Frauen wussten nat�rlich Bescheid, aber der kleine Perival hatte beinahe an ein Geheimnis ger�hrt, das bewahrt werden musste. Irgendwann w�rde man darauf kommen, dass die Grenzl�nder die anderen H�user dazu h�tten bringen sollen, sich ihr anzuschlie�en, aber das durfte man um keinen Preis best�tigen.</p><p>�Luan und die anderen haben Arymilla um einen Waffenstillstand gebeten, bis die Grenzl�nder vertrieben worden sind�, sagte Dyelin nach einem Augenblick. �Sie hat um Bedenkzeit gebeten. So wie ich mir das ausgerechnet habe, ist das der Zeitpunkt gewesen, an dem sie die Angriffe auf die Mauer verst�rkt hat. Sie hat ihnen mitgeteilt, dass sie noch immer dar�ber nachdenkt.�</p><p>�Mal von allem anderen abgesehen zeigt das genau, warum Arymilla den Thron nicht verdient�, sagte Catalyn hitzig. �Ihre eigenen Ambitionen sind ihr wichtiger als Andors Sicherheit. Luan und die anderen m�ssen Narren sein, wenn sie das nicht erkennen.�</p><p>�Sie sind keine Narren�, erwiderte Dyelin. �Nur M�nner und Frauen, die glauben, dass sie die Zukunft besser vorsehen k�nnen, als sie es in Wahrheit tun.�</p><p>Was, wenn sie und Dyelin diejenigen waren, die die Zukunft nicht klar sahen?, fragte sich Elayne. Um Andor zu retten, h�tte sie auch Dyelin unterst�tzt. Nicht gern, aber um Andors Blut zu retten, h�tte sie es getan. Dyelin h�tte die Unterst�tzung von zehn H�usern gehabt, sogar mehr als zehn. Selbst Danine Candraed h�tte sich m�glicherweise endlich entschieden, ihre Lethargie abzusch�tteln, um Dyelin zu unterst�tzen. Aber Dyelin wollte nicht K�nigin werden. Sie glaubte, dass Elayne die Richtige war, um die Rosenkrone zu tragen. Elayne glaubte das auch. Aber was, wenn sie sich irrte? Diese Frage stellte sich ihr nicht zum ersten Mal, aber jetzt, da sie die Karte mit all ihren schlechten Nachrichten anstarrte, konnte sie sie nicht absch�tteln.</p><p>An diesem Abend sa� sie nach einem Nachtmahl, das nur deshalb erw�hnenswert war, weil man sie mit ein paar winzigen Erdbeeren �berrascht hatte, in dem gro�en Wohnzimmer ihrer Gem�cher und las. Versuchte zu lesen. Das in Leder gebundene Buch war eine Geschichte Andors, wie in letzter Zeit der gr��te Teil ihrer Lekt�re. Um an eine echte Version der Wahrheit zu kommen, war es erforderlich, so viele davon zu lesen wie m�glich und sie miteinander zu vergleichen. Zum einen erw�hnte kein Buch, das w�hrend der Herrschaft einer Monarchin ver�ffentlicht worden war, ihre oder die Fehltritte ihrer unmittelbaren Vorg�ngerinnen, wenn sie demselben Haus angeh�rten. Man musste B�cher lesen, die geschrieben worden waren, w�hrend Trakand den Thron besetzte, um Mantears Fehler zu erfahren, und B�cher, die unter Mantears Herrschaft erschienen waren, um Norwelyns Fehler zu erfahren. Die Fehler anderer konnten sie lehren, sie nicht zu wiederholen. Das war fast die erste Lektion gewesen, die ihre Mutter ihr beigebracht hatte.</p><p>Aber sie konnte sich nicht konzentrieren. Oftmals ertappte sie sich dabei, eine Seite anzustarren, ohne ein Wort wahrzunehmen, in Gedanken bei ihrer Schwester, oder dass sie anfing, Aviendha etwas sagen zu wollen, bevor ihr einfiel, dass sie nicht da war. Sie f�hlte sich sehr einsam, was l�cherlich war. Sephanie stand in der Ecke, nur f�r den Fall, dass sie etwas brauchte. Acht Gardistinnen standen vor der T�r ihrer Gem�cher, und eine von ihnen, Yurith Azeri, war eine ausgezeichnete Gespr�chspartnerin, eine gebildete Frau, die aber nie �ber ihre Vergangenheit redete. Aber keine von ihnen war Aviendha.</p><p>Als Vandene gefolgt von Kirstian und Zarya ins Zimmer rauschte, erschien das eine Erleichterung. Die beiden wei� gekleideten Frauen blieben mit dem�tigen Mienen in der T�r stehen. Vom Eidstab unber�hrt, schien die blasse Kirstian, die die H�nde auf Taillenh�he gefaltet hatte, in ihren mittleren Jahren zu sein; Zarya mit ihren schr�g stehenden Augen und der Hakennase kurz davor. Sie hielt etwas, das in ein wei�es Tuch gewickelt war.</p><p>�Entschuldigt, falls ich Euch st�re�, setzte Vandene an und runzelte dann die Stirn. Trotz ihrer Aes Sedai-Z�ge vermittelte das Gesicht der wei�haarigen Gr�nen irgendwie den Eindruck von Alter. Es h�tten zwanzig oder auch vierzig Jahre sein k�nnen oder alles M�gliche dazwischen; das schien sich bei jedem Blinzeln zu ver�ndern. Vielleicht waren es ihre dunklen Augen, die leuchtend und schmerzerf�llt waren, die so viel gesehen hatten. Irgendwie machte sie auch einen m�den Eindruck. Sie hielt sich kerzengerade, aber sie sah trotzdem ersch�pft aus. �Nat�rlich geht mich das nichts an�, sagte sie taktvoll, �aber gibt es einen Grund, warum Ihr so viel von der Macht haltet? Als ich Euch im Korridor gesp�rt habe, dachte ich, Ihr m�sst etwas sehr Komplexes weben.�</p><p>�berrascht wurde sich Elayne bewusst, dass sie fast so viel <emphasis>Saidar</emphasis> hielt, wie sie ohne Schaden nehmen konnte. Wie war das passiert? Sie konnte sich nicht daran erinnern, so tief davon gesch�pft zu haben. Hastig lie� sie die Quelle los, Bedauern erf�llte sie, als die Macht versickerte und die Welt� wieder gew�hnlich wurde. Sofort kippte ihre Stimmung um.</p><p>�Ihr st�rt nicht�, sagte sie verdrossen und legte das Buch vor sich auf den Tisch. Sie hatte sowieso keine drei Seiten von dem Ding geschafft.</p><p>�Darf ich dann f�r Abgeschiedenheit sorgen?�</p><p>Elayne nickte knapp � es ging die Frau verdammt noch mal nichts an, wie viel von der Macht sie hielt; sie kannte das Protokoll genauso gut wie Elayne, wenn nicht sogar besser � und befahl Sephanie, im Vorraum zu warten, w�hrend Vandene eine Abschirmung gegen Lauscher webte.</p><p>Dennoch wartete Vandene, bis sich die T�r hinter der Zofe geschlossen hatte, bevor sie sprach. �Reanne Corley ist tot, Elayne.�</p><p>�Oh, beim Licht, nein.� Die Ver�rgerung wandelte sich in Schluchzen, und sie zog schnell ein Spitzentaschentuch aus dem �rmel, um die Tr�nen abzutupfen, die ihr pl�tzlich die Wangen hinunterstr�mten. Ihre verfluchten Stimmungsschwankungen waren am Werk, aber Reanne verdiente sicherlich Tr�nen. Sie w�re doch so gern eine Gr�ne geworden.</p><p>�Wie?� Verdammt, sie w�nschte sich, sie h�tte aufh�ren k�nnen zu heulen!</p><p>Bei Vandene gab es keine Tr�nen. Vielleicht hatte sie keine Tr�nen mehr. �Sie wurde mit der Macht erstickt. Wer auch immer das getan hat, hat viel mehr davon benutzt, als n�tig war. Die Spuren von <emphasis>Saidar</emphasis> hafteten dicht an ihr und dem Zimmer, in dem sie gefunden wurde. Die M�rderin wollte sichergehen, dass jeder erf�hrt, auf welche Weise sie starb.�</p><p>�Das ergibt doch keinen Sinn, Vandene.�</p><p>�Vielleicht doch. Zarya?�</p><p>Die Saldaeanerin legte ihr kleines B�ndel auf den Tisch und wickelte es aus. Darin lag eine Gelenkpuppe aus Holz. Sie war sehr alt, das einfache Kleidchen fadenscheinig, das bemalte Gesicht bl�tterte ab und es fehlte ein Auge, die H�lfte des langen Haares war weg.</p><p>�Die geh�rte Mirane Larinen�, sagte Zarya. �Derys Nermala fand sie hinter einem Geschirrschrank.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was eine von Mirane zur�ckgelassene Puppe mit Reannes Tod zu tun haben soll�, sagte Elayne und wischte sich �ber die Augen. Mirane war eine jener Kusinen, die weggelaufen waren.</p><p>�Nur das�, antwortete Vandene. �Als Mirane damals zur Wei�en Burg ging, versteckte sie diese Puppe au�erhalb, weil sie geh�rt hatte, dass man alle ihre Besitzt�mer verbrennen w�rde. Nachdem man sie hinauswarf, holte sie sie zur�ck und trug sie immer bei sich. Immer. Sie hatte da allerdings einen Tick. Wo auch immer sie eine Zeit lang verweilte, versteckte sie die Puppe wieder. Fragt mich nicht nach dem Grund. Aber sie w�re nicht weggelaufen und h�tte die Puppe zur�ckgelassen.�</p><p>Elayne tupfte sich noch immer die Augen und lehnte sich in den Stuhl zur�ck. Ihr Weinen war zu einem Schniefen abgeklungen, aber noch immer liefen Tr�nen. �Also ist Mirane nicht weggelaufen. Sie wurde ermordet und ihre Leiche . . . weggeschafft.� Eine schreckliche Art, es auszudr�cken. �Glaubt Ihr, die anderen auch? Sie alle?�</p><p>Vandene nickte, und einen Augenblick lang sackten ihre schmalen Schultern nach unten. �Ich bef�rchte es in der Tat�, sagte sie und straffte sich wieder. �Ich vermute, man hinterlie� Hinweise bei den Sachen, die sie zur�cklie�en, geliebte Erinnerungst�cke wie diese Puppe, ein Lieblingsschmuckst�ck. Die M�rderin wollte uns glauben machen, dass sie ihre Verbrechen geschickt verbergen konnte, aber eben nicht geschickt genug, blo� dass <emphasis>wir</emphasis> nicht schlau genug waren, diese Hinweise zu finden. Also entschied sie sich, offensichtlicher zu werden.�</p><p>�Um den Kusinen Angst einzujagen, damit sie die Flucht ergreifen�, murmelte Elayne. Das w�rde sie nicht v�llig handlungsunf�hig machen, aber dann w�re sie wieder allein auf die Gnade der Windsucherinnen angewiesen, und die schienen damit geizig zu werden. �Wie viele von ihnen wissen Bescheid?�</p><p>�Mittlerweile wohl alle, vermute ich�, sagte Vandene trocken. �Zarya hat Derys befohlen, den Mund zu halten, aber diese Frau h�rt sich gern reden.�</p><p>�Das scheint gegen mich gerichtet zu sein, um Arymilla auf den Thron zu helfen, aber warum sollte sich eine Schwarze Schwester daf�r interessieren? Ich kann nicht glauben, dass wir <emphasis>zwei</emphasis> M�rderinnen in unserer Mitte haben. Wenigstens ist damit die Frage mit Merilille gekl�rt. Vandene, sprecht mit Sumeko und Alise. Sie k�nnen daf�r sorgen, dass der Rest nicht in Panik ausbricht.� Sumeko war nach Reanne die Rangh�chste gewesen, so wie die Kusinen ihre Rangfolge regelten, und auch wenn Alise eine bedeutend niedrigere Stellung einnahm, war sie doch eine Frau mit gro�em Einfluss. �Von jetzt an soll keine von ihnen mehr allein sein, bei keiner Gelegenheit. Immer mindestens zwei zusammen, und drei oder vier w�ren besser. Und sagt ihnen, sie sollen sich vor Careane und Sareitha in Acht nehmen.�</p><p>�Davon rate ich ab�, sagte Vandene schnell. �In der Gruppe sollten sie sicher sein, und Careane und Sareitha w�rden das mitbekommen. Sie vor Aes Sedai warnen? Die Kusinen w�rden sich auf der Stelle verraten.� Kirstian und Zarya nickten ernst.</p><p>Nach einem kurzen Moment stimmte Elayne der weiteren Geheimhaltung z�gernd zu. Die Kusinen <emphasis>m�ssten</emphasis> in Gruppen sicher sein. �Informiert Chanelle �ber Reanne und die anderen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Windsucherinnen in Gefahr sind � sie zu verlieren w�rde mir nicht so schaden wie der Verlust der Kusinen �, aber w�re es nicht wunderbar, wenn sie sich zur Abreise entscheiden w�rden?�</p><p>Sie rechnete nicht damit, dass das passieren w�rde � Chanelle f�rchtete sich davor, zum Meervolk zur�ckzukehren, ohne ihren Teil des Abkommens eingehalten zu haben �, aber sollten sie es dennoch tun, w�re das ein Lichtblick in einem ansonsten erb�rmlichen Tag gewesen. Zumindest erschien es unwahrscheinlich, dass dieser Tag noch schlimmer werden konnte. Der Gedanke lie� sie erschaudern. Beim Licht, man konnte nur hoffen, dass er nicht noch schlimmer wurde.</p><p>Arymilla schob den Teller mit dem Eintopf mit einer Grimasse von sich. Man hatte ihr verschiedene �bernachtungsm�glichkeiten angeboten � Arlene, ihre Zofe, traf mittlerweile die Wahl; die Frau wusste, was ihr gefiel �, und das Mindeste, was sie erwartete, war eine vern�nftige Mahlzeit, aber das Hammelfleisch war fettig und hatte definitiv angefangen zu vergammeln. Das war in letzter Zeit zu oft passiert. Dieses Mal w�rde der Koch ausgepeitscht werden! Sie war sich nicht sicher, welcher der Adligen im Lager ihn besch�ftigte, nur dass er angeblich der Beste sein sollte, der zur Verf�gung stand � der Beste! Aber das spielte keine Rolle. Er w�rde ausgepeitscht werden, um ein Exempel zu statuieren. Und danach nat�rlich fortgeschickt werden. Man konnte keinem Koch weiterhin vertrauen, nachdem er bestraft worden war.</p><p>Die Stimmung im Zelt war alles andere als lebhaft. Mehrere der Adligen im Lager hatten auf eine Einladung zum Essen gehofft, aber keiner von ihnen stand hoch genug im Rang. So langsam bedauerte sie, nicht doch einen oder zwei gefragt zu haben, selbst welche von Naeans oder Elenias Leuten. Sie w�ren vielleicht unterhaltsam gewesen. Ihre engsten Verb�ndeten sa�en zusammen am Tisch, und man h�tte glauben k�nnen, sie w�ren bei einem Totenschmaus. Oh, der d�rre alte Nasin, dessen sich lichtendes Haar ungek�mmt war, a� herzhaft, ohne dabei zu bemerken, dass das Fleisch fast verfault war, und t�tschelte ihr dabei immer mal wieder auf v�terliche Weise die Hand. Sie erwiderte sein L�cheln wie eine brave Tochter. Heute Abend trug der Narr einen seiner mit Blumen bestickten M�ntel. Das Ding w�re als der Morgenmantel einer Frau durchgegangen! Gl�cklicherweise war sein st�ndiges l�sternes Grinsen an Elenia gerichtet, die ein St�ck weiter unterhalb am Tisch sa�; die Frau mit dem honigblonden Haar zuckte immer zusammen und ihr fuchshaftes Gesicht wurde blass, wenn sie ihn ansah. Sie kontrollierte Haus Sarand, als w�re sie seine Herrscherin und nicht ihr Ehemann, und doch f�rchtete sie, dass Arymilla sie trotz allem Nasin �berlie�. Die Drohung war mittlerweile unn�tig geworden, aber es war praktisch, sie f�r den Ernstfall in der Hinterhand zu haben. Ja, Nasin war mit seiner sinnlosen Jagd auf Elenia zufrieden, aber die anderen waren in ihre d�steren Gedanken versunken. Ihre Teller waren kaum anger�hrt, und sie lie�en ihre beiden Diener ununterbrochen die Weinbecher nachf�llen. Sie hatte noch nie gern fremden Dienern vertraut. Wenigstens war der Wein genie�bar.</p><p>�Ich sage, wir sollten einen energischeren Angriff durchf�hren�, murmelte Lir angetrunken in seinen Becher. Der Hohe Herr von Baryn, ein gertenschlanker Mann, dessen roter Mantel die Abnutzung durch die R�stungsriemen zeigte, war immer begierig zuzuschlagen. Subtilit�t war f�r ihn ein Fremdwort. �Meine Augen-und-Ohren berichten, dass jeden Tag neue Gardisten durch diese �Wegetore� kommen.� Er sch�ttelte den Kopf und murmelte etwas Unverst�ndliches. Der Mann glaubte doch allen Ernstes diese Ger�chte �ber Dutzende von Aes Sedai im Palast. �Diese halbherzigen Angriffe sind doch blo� eine Verschwendung von M�nnern.�</p><p>�Dem stimme ich zu�, sagte Karind und spielte an der gro�en goldenen Anstecknadel mit dem laufenden roten Fuchs von Anshar herum, die an ihrer Brust befestigt war. Sie war nicht weniger betrunken als Lir. Es war ihrem kantigen Gesicht deutlich anzusehen. �Wir m�ssen den Druck erh�hen, statt diese M�nner wegzuwerfen. Sobald wir �ber die Mauer sind, wird sich unsere �berlegenheit auszahlen.�</p><p>Arymilla presste die Lippen zusammen. Sie h�tten ihr wenigstens den Respekt erweisen k�nnen, der einer Frau, die bald K�nigin von Andor sein w�rde, zustand, statt die ganze Zeit anderer Meinung zu sein. Ungl�cklicherweise waren Baryn und Anshar nicht so fest an sie gebunden wie Sarand und Arawn. Im Gegensatz zu Jarid und Naean hatten Lir und Karind ihre Unterst�tzung nicht schriftlich festgelegt. Nasin zwar auch nicht, aber bei ihm hatte sie nicht die Bef�rchtung, ihn zu verlieren. Ihn hatte sie sich um den Finger gewickelt.</p><p>Sie zwang sich zu einem L�cheln und legte einen jovialen Ton in ihre Stimme. �Wir verlieren S�ldner. Wozu sind S�ldner sonst gut, als an Stelle unserer Waffenm�nner zu sterben?� Sie hielt ihren Weinbecher hoch, und ein schlanker Mann in ihrem mit Silber abgesetzten Blau eilte herbei, um ihn zu f�llen. Tats�chlich hatte er es so eilig, dass er einen Tropfen auf ihre Hand vergoss. Ihr finsterer Blick lie� ihn ein Taschentuch aus seiner Tasche rei�en, um den Tropfen abzutupfen, bevor sie die Hand wegziehen konnte. Sein Taschentuch! Allein das Licht wusste, wo das dreckige Ding zuvor alles gewesen war, und er hatte sie damit <emphasis>ber�hrtl</emphasis> Furcht stand in sein Gesicht geschrieben, als er sich verbeugend und Entschuldigungen murmelnd zur�ckzog. Sollte er noch bei dem Essen bedienen. Er konnte danach rausgeworfen werden. �Wir werden alle unsere Waffenm�nner brauchen, wenn ich gegen die Grenzl�nder reite. Stimmt Ihr mir zu, Naean?�</p><p>Naean zuckte zusammen, als h�tte man sie mit einer Nadel gestochen. Zierlich und blass, in gelbe Seide gekleidet, die auf der Brust das silberne Muster von Arawns Drei Schl�sseln aufgestickt hatte, machte sie seit einigen Wochen einen verh�rmten Eindruck, ihre blauen Augen blickten m�de und angespannt. Ihr anma�endes Benehmen war so gut wie verschwunden. �Nat�rlich, Arymilla�, sagte sie lammfromm und leerte ihren Becher. Gut. Sie und Elenia waren definitiv gez�hmt, aber Arymilla �berpr�fte es gelegentlich gern, um sich zu vergewissern, dass keiner von ihnen ein neues R�ckgrat wuchs.</p><p>�Wenn Luan und die anderen Euch nicht unterst�tzen, was nutzt es Euch dann, Caemlyn zu erobern?� Sylvase, Nasins Enkelin, sprach so selten, dass die Frage ein Schock war. Derb und im Grunde eigentlich nicht h�bsch, schaute sie f�r gew�hnlich stumpf drein, aber im Augenblick funkelte ein ziemlich scharfer Blick in ihren blauen Augen. Alle starrten sie an. Das schien sie nicht im Mindesten zu st�ren. Sie spielte mit ihrem Weinbecher, aber Arymilla glaubte nicht, dass sie mehr als zwei getrunken hatte. �Wenn wir gegen die Grenzl�nder k�mpfen m�ssen, warum dann nicht Luans Waffenstillstandsangebot annehmen, damit Andor seine volle St�rke nicht entzweit ins Feld schickt?�</p><p>Arymilla l�chelte. Dabei h�tte sie die dumme Kuh am liebsten geohrfeigt. Aber das h�tte Nasin ver�rgert. Er wollte, dass sie Arymillas �Gast� blieb, um seine Absetzung als Hoher Herr zu verhindern � ein Teil von ihm schien sich bewusst zu sein, dass sein Verstand nicht mehr funktionierte; aber sein ganzes Wesen hatte vor, sich bis zu seinem Tod an der Position des Hohen Herrn festzuklammern �, doch er liebte sie. �Ellorien und einige der anderen werden sich mir noch anschlie�en, Kind�, sagte sie aalglatt. Gl�tte erforderte einige Anstrengung. F�r wen hielt sich diese Schlampe?</p><p>�Aemlyn, Arathelle, Pelivar. Sie hegen Groll gegen Trakand.�</p><p>Sie w�rden bestimmt zu ihr kommen, sobald Elayne und Dyelin aus dem Weg geschafft waren. Diese beiden w�rden Caemlyns Fall nicht �berleben. �Sobald die Stadt mir geh�rt, werden sie auf jeden Fall auf meiner Seite sein. Drei von Elaynes Anh�ngern sind Kinder, und Conail Northan ist kaum mehr als ein Kind. Ich werde sie mit Sicherheit m�helos �berzeugen k�nnen, mich �ffentlich zu unterst�tzen.� Und sollte ihr das nicht gelingen, Meister Lounalt w�rde das sicherlich keine M�he bereiten. Es w�re eine Schande, ihm und seinen Schn�ren Kinder �bergeben zu m�ssen. �Bei Sonnenuntergang des Tages, an dem Caemlyn mir in die H�nde f�llt, werde ich K�nigin sein. Ist es nicht so, Vater?�</p><p>Nasin lachte und spuckte St�cke halb zerkauten Eintopfs �ber den Tisch. �Ja, ja�, sagte er und t�tschelte Arymillas Hand. �H�r auf deine Tante, Sylvase. Tu, was sie dir sagt. Sie wird bald die K�nigin von Andor sein.� Sein L�cheln verblasste, und ein seltsamer Ton trat in seine Stimme. Es h�tte beinahe ein� Flehen sein k�nnen. �Vergiss nicht, du wirst die Hohe Herrin von Caeren sein, wenn es mich nicht mehr gibt. Wenn es mich nicht mehr gibt. Du wirst die Hohe Herrin sein.�</p><p>�Wie du befiehlst, Gro�vater�, murmelte Sylvase und neigte kurz den Kopf. Als sie wieder aufschaute, war ihr Blick so leer wie immer. Die Intelligenz musste eine Lichtspiegelung gewesen sein. Nat�rlich.</p><p>Nasin grunzte und machte sich beherzt wieder daran, den Eintopf runterzuschlingen. �Der Beste, den ich seit Tagen hatte. Ich glaube, ich nehme noch eine Portion. Mehr Wein, Mann. Siehst du nicht, dass mein Becher leer ist?�</p><p>Die Stille am Tisch wurde immer unbehaglicher. Nasins deutliche Zurschaustellung seiner Senilit�t brachte das mit sich.</p><p>�Ich sage trotzdem��, fing Lir schlie�lich an, nur um durch das Eintreten eines Waffenmannes mit Marnes vier Silbernen Monden auf der Brust unterbrochen zu werden.</p><p>Der Bursche verbeugte sich respektvoll, ging um den Tisch herum und beugte sich vor, um Arymilla ins Ohr zu fl�stern. �Meister Hernvil bittet um ein privates Wort, meine Lady.�</p><p>Bis auf Nasin und seine Enkelin taten alle so, als w�rden sie sich auf ihren Wein konzentrieren und nicht versuchen zu lauschen. Er a� weiter. Sie sah Arymilla ausdruckslos an. Diese Sch�rfe <emphasis>musste</emphasis> eine Lichtspiegelung gewesen sein.</p><p>�Ich bin gleich wieder da�, sagte Arymilla und erhob sich. Sie deutete mit der Hand auf das Essen und den Wein. �Genie�t das bis zu meiner R�ckkehr. Genie�t.� Lir verlangte mehr Wein.</p><p>Drau�en machte sie sich nicht die M�he, die R�cke zu heben, um sie vor dem Schlamm zu bewahren. Arlene w�rde sie sowieso reinigen m�ssen, also kam es auf ein kleines bisschen mehr Schlamm auch nicht an. Aus einigen Zelten fiel Licht, aber gr��tenteils lag das Lager dunkel im Schein des Halbmondes da. Jakob Hernvil, ihr Sekret�r, wartete ein kleines St�ck von dem Zelt entfernt; er hielt eine Laterne, die einen gelben Lichtkreis um ihn herum erschuf. Er war ein kleiner Mann und d�rr, als h�tte man alles Fett aus ihm herausgekocht. Diskretion war ihm angeboren, und sie versicherte sich seiner Loyalit�t, indem sie ihm genug zahlte, dass nur die gr��ten Bestechungssummen f�r ihn von Interesse sein konnten, weitaus mehr, als sonst jemand f�r einen Schreiber bezahlen w�rde.</p><p>�Verzeiht mir, dass ich Eure Mahlzeit unterbrochen habe, meine Lady�, sagte er mit einer Verbeugung, �aber ich war mir sicher, dass Ihr das sofort erfahren wolltet.� Es war immer eine �berraschung, bei einem so winzigen Mann eine so tiefe Stimme zu h�ren. �Sie haben sich einverstanden erkl�rt. Aber sie wollen die volle Summe des Goldes im Voraus.�</p><p>Unwillk�rlich presste sie die Lippen zusammen. Die volle Summe. Sie hatte gehofft, nur die erste H�lfte zahlen zu m�ssen. Denn wer w�rde es wagen, sie wegen ihrer Schulden zu bedr�ngen, sobald sie K�nigin war? �Setzt einen Brief f�r Frau Andscale auf. Ich unterschreibe und versiegele ihn morgen fr�h als Erstes.� So viel Gold zu transportieren w�rde Tage in Anspruch nehmen. Und wie lange w�rde es dauern, bis die Waffenm�nner bereitstanden? Sie hatte noch nie richtig zugeh�rt, wenn es um solche Dinge ging. Lir h�tte es ihr sagen k�nnen, aber sie hasste es, Schw�chen zu zeigen.</p><p>�Richtet ihnen aus, von morgen an eine Woche, auf den Tag genau.� Das sollte ausreichen. In einer Woche w�rde Caemlyn ihr geh�ren. Der Thron w�rde ihr geh�ren. Arymilla, durch die Gnade des Lichts, K�nigin von Andor, Verteidigerin des Reiches, Besch�tzerin des Volkes, Hohe Herrin von Haus Marne. Mit einem L�cheln ging sie zur�ck ins Zelt, um den anderen die wunderbare Nachricht mitzuteilen.</p></section><section><title><p>18</p><p>Neuigkeiten f�r den Drachen</p></title><p>�Loial, es reicht�, sagte Rand al�Thor energisch und stopfte mit dem Daumen Tabak aus dem Ziegeniederbeutel in die kurzstielige Pfeife. Es war eine Mischung aus Tear, mit einem leicht �ligen Beigeschmack, aber etwas anderes gab es nicht. �ber ihren K�pfen grollte Gewitterdonner, langsam und schwerf�llig. �Ich werde noch heiser bei all diesen Fragen.�</p><p>Sie sa�en an einem langen Tisch in einem der gr��eren R�ume von Lord Algarins Herrenhaus; die Reste des Mittagessens hatte man an das eine Ende geschoben. Die Diener waren gr��tenteils alt und bewegten sich langsamer denn je, seit Algarin zur Schwarzen Burg aufgebrochen war. Der drau�en fallende Regen schien nachzulassen, aber heftige Windb�en trieben Tropfen noch immer hart genug gegen die Fenster, um das Glas in den sechs gelb lackierten Rahmen klirren zu lassen. Viele der Scheiben wiesen Blasen auf; einige verzerrten alles, was drau�en war, bis zur Unkenntlichkeit. Tisch und St�hle waren schlicht, kaum kunstfertiger als in vielen Bauernh�usern, und die gelben Simse unter der hohen, mit Balken gest�tzten Decke waren kaum aufw�ndiger gestaltet. Die Kamine an beiden Enden des Raumes waren breit und hoch, aber aus einfachen Steinen gefertigt, Kaminbock und Sch�rhaken bestanden aus einfachem Eisen. Auch wenn er ein Lord war, war Algarin doch alles andere als reich.</p><p>Rand schob den Tabaksbeutel in die Tasche, schlenderte zu einem Kamin und nahm eine kleine Messingzange vom Sims, um damit einen brennenden Eichenspan an seine Pfeife zu halten, um sie zu entz�nden. Er hoffte, dass das niemand seltsam fand. Er vermied es, die Macht zu lenken, solange es nicht unbedingt n�tig war, vor allem, wenn andere zugegen waren � die Gleichgewichtsst�rungen, die ihn �berfielen, wenn er es tat, waren nur schwer zu verbergen �, aber bis jetzt hatte niemand eine Bemerkung gemacht. Ein Windsto� rief ein Knirschen hervor, als h�tten �ste �ber das Fenster geschabt. Einbildung. Die n�chsten B�ume standen jenseits der Felder, mehr als eine halbe Meile weit weg.</p><p>Loial hatte einen mit Ranken verzierten Stuhl aus den Ogier-Gem�chern nach unten gebracht, der seine Knie auf H�he der Tischkante brachte, sodass er sich nach vorn beugen musste, um in das Notizbuch mit dem Ledereinband schreiben zu k�nnen. F�r ihn war es ein kleiner Band, klein genug, um in eine der Taschen seines volumin�sen Mantels zu passen, aber es war immer noch so gro� wie die meisten menschlichen B�cher, die Rand gesehen hatte. Loials Oberlippe und eine Stelle unterhalb des Kinns waren mit feinem Haar bewachsen; er versuchte sich Bart und Schnurrbart wachsen zu lassen, aber da er das erst seit wenigen Wochen tat, schien er bislang nicht besonders erfolgreich gewesen zu sein.</p><p>�Aber du hast mir fast nichts Verwertbares erz�hlt�, grollte der Ogier, eine Trommel, die ihre Entt�uschung herausdr�hnte. Seine Spitzohren senkten sich. Trotzdem fing er an, die Stahlfeder seines Holzschreibers zu polieren. Dicker als Rands Daumen und lange genug, um schlank zu erscheinen, passte er perfekt zwischen Loials Finger. �Du hast keine Heldentaten erw�hnt, au�er denen der anderen. Du hast alles so allt�glich klingen lassen. Wenn man dich h�rt, war der Fall von Illian so aufregend, als w�rde man einem Weber dabei zuschauen, wie er seinen Webstuhl repariert. Und die Reinigung der Wahren Quelle? Du hast dich mit Nynaeve zu einem Zirkel verkn�pft, dann habt ihr euch hingesetzt und die Macht gelenkt, w�hrend alle anderen die Verlorenen bek�mpft haben. Selbst Nynaeve hat mir mehr erz�hlt, und sie behauptet, sich an so gut wie nichts mehr zu erinnern.�</p><p>Nynaeve, die ihre s�mtlichen <emphasis>Schmuck</emphasis>-<emphasis>Ter�angreale</emphasis> und ihr seltsames Armreif-und-Ringe-Angreal trug, rutschte auf ihrem Stuhl vor dem anderen Kamin herum und widmete sich wieder Alivias Beobachtung. Gelegentlich warf sie einen Blick aus den Fenstern und zog an ihrem dicken Zopf, aber haupts�chlich konzentrierte sie sich auf die blonde Seanchanerin. Alivia stand wie eine Wache neben der T�r und zeigte ein kurzes, am�siertes L�cheln. Die ehemalige <emphasis>Damane</emphasis> wusste, dass Nynaeves Aufmachung ihr galt. Doch die falken�hnlichen blauen Augen verloren keinen Augenblick lang ihre Intensit�t. Das taten sie nur selten, seit man ihr in Caemlyn den Kragen abgenommen hatte. Die beiden T�chter, die in ihrer N�he auf den Fersen hockten und ihr Fadenspiel spielten, Harilin von den Eisenbergen Taardad und Enaila von den Jarra Chareen, trugen ihre eigene Aufmachung zur Schau. Die <emphasis>Shoufa</emphasis> um die K�pfe gewickelt und die schwarzen Schleier auf der Brust h�ngend, hatte jede von ihnen drei oder vier Speere unter die Riemen des Ledergeschirrs gesteckt, das ihr Bogenfutteral auf dem R�cken hielt, und auf dem Boden lagen die Rundschilde aus Rindsleder. In dem Herrenhaus hielten sich f�nfzig T�chter auf, mehrere von ihnen Shaido, und alle waren bereit, auf der Stelle den Tanz der Speere zu tanzen. M�glicherweise mit Rand. Sie schienen hin und hergerissen zu sein zwischen dem Entz�cken, wieder seine Leibwache zu stellen, und dem Missfallen, wie lange er ihnen aus dem Weg gegangen war.</p><p>Er konnte jedoch keine von ihnen ansehen, ohne dass in seinem Kopf die Litanei der Frauen losging, die f�r ihn gestorben waren, der Frauen, die er get�tet hatte. <emphasis>Moiraine Damodred.</emphasis> Sie kam an erster Stelle. Ihr Name stand mit Feuer auf die Innenseite seines Sch�dels geschrieben. <emphasis>Liah von den Cosaida Chareen, Sendara von den Eisenberg Taardad, Lamelle von den Rauchwasser Miagoma, Andhilin von den Roten Salz Goshien, Desora von den Musara Reyn�</emphasis> So viele Namen. Manchmal wachte er mitten in der Nacht auf, diese Liste murmelnd, w�hrend Min ihn in den Armen hielt und ihm zumurmelte, als w�rde sie ein Kind tr�sten. Er sagte ihr immer, dass es ihm gutging und er weiterschlafen w�rde, aber wenn er die Augen schloss, konnte er erst schlafen, nachdem er die Liste vollendet hatte. Manchmal sang Lews Therin sie mit ihm.</p><p>Min sah von dem Buch auf, das aufgeschlagen auf dem Tisch vor ihr lag, eines von Herid Fels B�chern. Sie verschlang sie und benutzte die Nachricht als Lesezeichen, die er Rand vor seiner Ermordung geschickt hatte, jene, in der er sie als Ablenkung bezeichnet hatte, weil sie so h�bsch sei. Ihr kurzer blauer Mantel, der auf den �rmeln und Aufschl�gen mit wei�en Blumen bestickt war, war so geschnitten, dass er sich eng um ihre Brust schmiegte, auf der ihre cremewei�e Seidenbluse einen Hauch von Dekollete zeigte. Ihre gro�en dunklen Augen, die von den dunklen, bis zu ihren Schultern fallenden Locken eingerahmt wurden, funkelten vergn�gt. Er konnte ihr Vergn�gen durch den Bund sp�ren. Es gefiel ihr, wenn er sie ansah. Ohne den geringsten Zweifel verriet ihr der Bund, wie sehr es ihm gefiel, sie zu betrachten. Seltsamerweise verk�ndete er, dass auch ihr es gefiel, ihn anzusehen. H�bsch? Er zog an seinem Ohrl�ppchen. Sie war wundersch�n. Und fester an ihn gebunden denn je. Sie und Elayne und Aviendha. Wie sollte er sie alle jetzt noch besch�tzen k�nnen? Er zwang sich, ihr L�cheln an dem Pfeifenstiel vorbei zu erwidern, sich unsicher, wie gut seine T�uschung funktionierte. Von ihrer Seite war eine Spur von Gereiztheit in den Bund getreten, aber es ging �ber sein Begriffsverm�gen hinaus, warum es sie immer �rgerte, wenn sie glaubte, er w�rde sich um sie sorgen. Beim Licht, <emphasis>si e</emphasis> wollte <emphasis>ihn</emphasis> besch�tzen!</p><p>�Rand ist nicht sehr gespr�chig, Loial�, sagte sie, ohne l�nger zu l�cheln. Ihre tiefe, beinahe melodi�se Stimme enthielt keine Wut, aber der Bund erz�hlte eine andere Geschichte. �Tats�chlich ist er manchmal so gespr�chig wie eine Auster.� Der Blick, den sie ihm zuwarf, lie� ihn seufzen. Es hatte den Anschein, als w�rde ein langes Gespr�ch auf ihn warten, sobald sie unter sich waren. �Ich kann dir nicht viel dazu sagen, aber ich bin sicher, Cadsuane und Verin werden dir alles verraten, was du wissen m�chtest. Andere auch. Frage sie, wenn du mehr als ja und nein und zwei, drei weitere Worte h�ren willst.�</p><p>Die st�mmige kleine Verin, die auf dem Stuhl neben Nynaeve strickte, schien �berrascht zu sein, als ihr Name fiel. Sie blinzelte, als w�rde sie sich fragen, wie es dazu gekommen war. Cadsuane, die am anderen Ende des Tisches sa�, das ge�ffnete N�hk�rbchen vor sich, nahm ihre Aufmerksamkeit nur lange genug von dem Stickreifen, um Loial einen Blick zuzuwerfen. Der goldene Schmuck, der von dem eisengrauen Knoten auf ihrem Kopf baumelte, geriet in Bewegung. Es war nicht mehr als das, nur ein Blick, nicht mal ein Stirnrunzeln, trotzdem zuckten Loials Ohren. Aes Sedai beeindruckten ihn immer, und Cadsuane mehr als andere.</p><p>�Oh, das werde ich, Min, das werde ich�, sagte er. �Aber Rand nimmt in meinem Buch die zentrale Rolle ein.� Da er kein Sandfass zur Hand hatte, fing er an, vorsichtig auf die Buchseite zu pusten, um die Tinte zu trocknen, aber da Loial nun einmal Loial war, sprach er trotz Pusten weiter.</p><p>�Du erz�hlst nie genug Einzelheiten, Rand. Ich muss dir alles aus der Nase ziehen. Du hast nicht einmal erw�hnt, dass du in Far Madding ein Gefangener warst, bevor Min es erw�hnt hat. Es nicht einmal erw�hnt! Was hat der Rat der Neun gesagt, als er dir die Lorbeerkrone anbot? Und wann hast du ihr ihren neuen Namen gegeben? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihnen das gefallen hat. Wie war die Kr�nung? Gab es ein Fest, ein Bankett, Umz�ge? Wie viele der Verlorenen sind in Shadar Logoth gegen dich angetreten? Welche von ihnen? Wie hat es da am Ende <emphasis>ausgesehen?</emphasis> Wie hat es sich <emphasis>angef�hlt?</emphasis> Ohne diese Einzelheiten wird mein Buch nicht sehr gut sein. Ich hoffe, Mat und Perrin werden mir bessere Antworten geben.� Er runzelte die Stirn, und die langen Brauen ber�hrten seine Wangen. �Ich hoffe, es geht ihnen gut.�</p><p>Farben wirbelten in Rands Kopf, zwei sich im Wasser drehende Regenb�gen. Er wusste, wie er sie unterdr�cken konnte, mittlerweile konnte er das, aber diesmal lie� er sie zu. Einer verfestigte sich zu einem kurzen Bild von Mat, der an der Spitze einer Reihe von Reitern durch einen Wald ritt. Er schien mit einer kleinen, dunkelh�utigen Frau zu diskutieren, die an seiner Seite ritt, nahm den Hut ab, schaute hinein und dr�ckte ihn sich wieder auf den Kopf. Das dauerte nur Momente und wurde von Perrin ersetzt, der mit einem Mann und einer Frau in identischen, mit Rot, Blau und Gelb besetzten M�nteln in einem Gemeinschaftsraum oder einer Schenke sa�. Seltsame Kleidung. Perrin sah so grimmig wie der Tod aus, seine Begleitung wirkte misstrauisch. Wegen ihm?</p><p>�Ihnen geht es gut�, sagte er ruhig und ignorierte einen Blick von Cadsuane. Sie wusste nicht alles, und er hatte vor, es auch dabei zu belassen. An der Oberfl�che ganz ruhig, zufrieden, ein paar Rauchringe aussto�end. Wie es drinnen aussah, war eine ganz andere Sache. <emphasis>Wo sind sie blo�?,</emphasis> dachte er w�tend und unterdr�ckte eine weitere Farberscheinung. Das ging nun so leicht wie das Atmen. <emphasis>Ich brauche sie, und sie machen sich in den Ansaline</emphasis>-<emphasis>G�rten einen sch�nen Tag!</emphasis></p><p>Pl�tzlich schwebte ein anderes Bild in seinem Kopf, das Gesicht eines Mannes, und ihm stockte der Atem. Zum ersten Mal wurde es nicht von einem Schwindelanfall begleitet. Zum ersten Mal konnte er es klar sehen, bevor es wieder verschwand. Ein blau�ugiger Mann mit einem kantigen Kinn, vielleicht ein paar Jahre �lter als er. Oder vielmehr verhielt es sich so, dass er es das erste Mal seit langer Zeit deutlich sah. Es war das Gesicht des Fremden, der ihm in Shadar Logoth bei seinem Kampf gegen Sammael das Leben gerettet hatte. Und noch schlimmer�</p><p><emphasis>Er war sich meiner bewusst,</emphasis> sagte Lews Therin. Ausn ahmsweise klang er einmal normal. Das tat er manchmal, aber der Wahnsinn kehrte unweigerlich zur�ck. <emphasis>Wie kann ein Gesicht, das in meinem Verstand erscheint, sich</emphasis> meiner <emphasis>bewusst sein?</emphasis></p><p><emphasis>Wenn du es nicht wei�t, wieso erwartest du dann von mir, dass ich es wei�?,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Aber ich war mir seiner auch bewusst.</emphasis> Es war ein seltsames Gef�hl gewesen, als w�rde er den anderen Mann irgendwie� ber�hren. Aber keinesfalls k�rperlich. Es war ein R�ckstand geblieben. Es hatte den Anschein, als m�sste er sich um Haaresbreite bewegen, egal in welche Richtung, um ihn erneut ber�hren zu k�nnen. <emphasis>Ich glaube, er hat auch mein Gesicht gesehen.</emphasis></p><p>Mit einer Stimme in seinem Kopf zu sprechen kam ihm nicht l�nger merkw�rdig vor. Tats�chlich schon seit langem nicht mehr. Und jetzt�? Jetzt konnte er Mat und Perrin sehen, nur indem er an sie dachte oder ihre Namen h�rte, und da war dieses andere Gesicht, das ihm einfach so erschien. Und das anscheinend mehr als nur ein Gesicht war. Was war, verglichen damit, schon dabei, in seinem Kopf eine Unterhaltung zu f�hren? Aber der Mann <emphasis>war</emphasis> sich dieser Begegnung bewusst gewesen, genau wie Rand auch.</p><p><emphasis>Als sich die Str�me unseres Baalsfeuers in Shadar Logoth ber�hrt haben, muss das eine Art Verbindung zwischen uns geschaffen haben. Ich habe keine andere Erkl�rung daf�r. Das war das einzige Mal, dass wir uns pers�nlich begegnet sind. Er benutzte ihre sogenannte Wahre Macht. Sie muss es gewesen sein. Ich habe nichts gef�hlt oder gesehen bis auf sein Baalsfeuer.</emphasis> Es kam ihm auch nicht l�nger merkw�rdig vor, �ber Bruchst�cke von Wissen zu verf�gen, das zwar seins zu sein schien, tats�chlich aber von Lews Therin stammte. Er <emphasis>konnte</emphasis> sich an die Ansaline-G�rten erinnern, die im Schattenkrieg zerst�rt worden waren, und zwar genauso gut wie an den Hof seines Vaters. Wissen bewegte sich auch in die andere Richtung. Manchmal sprach Lews Therin von Emondsfelde, als w�re er dort aufgewachsen. <emphasis>Ergibt das f�r dich irgendeinen Sinn?</emphasis></p><p><emphasis>Oh, beim Licht, warum habe ich diese Stimme in meinem Kopf?,</emphasis> jammerte Lews Therin. <emphasis>Warum kann ich nicht sterben? Oh, Ilyena, meine geliebte Ilyena, ich will zu dir kommen.</emphasis> Er fing an zu schluchzen. Das tat er oft, wenn er von der Ehefrau sprach, die er in seiner Umnachtung ermordet hatte.</p><p>Es spielte keine Rolle. Rand unterdr�ckte die Laute des weinenden Mannes, stie� sie so weit von sich, bis sie nur noch ein leises Ger�usch an der Grenze des H�rverm�gens waren. Er war �berzeugt, Recht zu haben. Aber wer war der Kerl? Sicherlich ein Schattenfreund, aber keiner der Verlorenen. Lews Therin kannte ihre Gesichter so gut wie das eigene, und Rand tat es mittlerweile auch. Ein pl�tzlicher Einfall lie� ihn das Gesicht verziehen. Wie <emphasis>sehr</emphasis> war sich der andere Mann seiner bewusst? <emphasis>Ta�veren</emphasis> konnte man durch ihren Einfluss auf das Muster finden, allerdings wussten nur die Verlorenen, wie man das machte. Lews Therin hatte mit Sicherheit nie erw�hnt, wie das ging � ihre �Unterhaltungen� waren immer nur kurz, und der Mann gab Informationen nur selten freiwillig weiter �, und ihm war �ber das Thema auch nie etwas zugetrieben. Zumindest Lanfear und Ishamael hatten gewusst, wie das ging, aber seit sie gestorben waren, hatte ihn niemand mehr auf diese Weise aufgesp�rt. Konnte diese Verbindung auf die gleiche Weise benutzt werden? Sie mochten alle in Gefahr sein. In gr��erer Gefahr als gew�hnlich, als w�rde die allt�gliche Bedrohung nicht schon reichen.</p><p>�Alles in Ordnung, Rand?�, fragte Loial besorgt und schraubte den mit Bl�ttern gravierten Silberverschluss seines Tintenf�sschens zu. Sein Glas war so dick, dass es alles h�tte �berstehen k�nnen, solange man es nicht gegen einen Felsen warf, aber Loial ging damit um, als w�re es zerbrechlich. In seinen H�nden <emphasis>sah</emphasis> es zerbrechlich aus. �Ich fand ja, dass der K�se merkw�rdig schmeckt, aber du hast ein ordentliches St�ck davon gegessen.�</p><p>�Mir geht es gut�, sagte Rand, aber nat�rlich glaubte ihm Nynaeve kein Wort. Sie hatte ihren Stuhl schon verlassen und rauschte mit wehenden blauen R�cken wie ein Blitz durchs Zimmer. Er bekam eine G�nsehaut, als sie <emphasis>Saidar</emphasis> umarmte und ihm die H�nde auf den Kopf legte. Einen Augenblick sp�ter durchfuhr ihn ein Fr�steln. Diese Frau fragte <emphasis>niel</emphasis> Manchmal benahm sie sich, als w�re sie noch die Seherin von Emondsfelde und er der Bauer, der am n�chsten Morgen auf seinen Hof zur�ckging.</p><p>�Du bist nicht krank�, sagte sie erleichtert. Verdorbenes Essen verursachte unter der Dienerschaft alle m�glichen Krankheiten, einige davon sogar sehr ernst. Ohne die Anwesenheit von Asha�man und Aes Sedai, die Heilen konnten, w�ren Menschen gestorben. Sie z�gerten, die ohnehin knappe Barschaft ihres Herrn zu vergeuden, indem sie Essen wegwarfen, und a�en trotz der st�ndigen Ermahnungen von Cadsuane und Nynaeve und anderen Aes Sedai Dinge, die auf den Misthaufen geh�rt h�tten. Kurz empfand er eine andere Art von Kribbeln um die zweifache Verletzung in seiner linken Seite.</p><p>�Diese Wunde ist kein St�ck besser�, sagte sie mit einem Stirnrunzeln. Sie hatte versucht, sie zu Heilen, und kein bisschen mehr Erfolg gehabt als Flinn. Das lie� ihr keine Ruhe. F�r Nynaeve war jede Niederlage eine pers�nliche Beleidigung. �Wie kannst du �berhaupt aufrecht stehen? Du musst schreckliche Schmerzen haben.�</p><p>�Er ignoriert sie�, sagte Min knapp. O ja, da w�rde es eine Unterhaltung geben.</p><p>�Es schmerzt im Stehen nicht mehr als im Sitzen�, sagte er zu Nynaeve und schob sanft die H�nde von seinem Kopf. Die schlichte Wahrheit. Genau wie das, was Min gesagt hatte. Er konnte es sich nicht leisten, sich vom Schmerz zu einem Gefangenen machen zu lassen.</p><p>Ein T�rfl�gel �ffnete sich quietschend, um einen wei�haar igen Mann in einem abgetragenen gelben Mantel einzulassen, der f�rmlich an seiner knochigen Gestalt herabhing. Seine Verbeugung kam z�gernd, woran eher seine Gelenke schuld waren als Respektlosigkeit. Seine Stimme �chzte beinahe so sehr wie die T�rangeln. �Mein Lord Drache, Lord Logain ist zur�ckgekehrt.�</p><p>Logain wartete nicht auf eine Einladung, sondern trat praktisch im Kielwasser des Dieners ein. Er war ein hochg ewachsener Mann mit dunklen Locken, die bis zu seinen Schultern reichten, und einer Hautfarbe, die dunkel f�r einen Ghealdaner war; Frauen fanden ihn vermutlich attraktiv, aber er hatte auch einen unverkennbar dunklen Wesenszug an sich. Er trug seinen schwarzen Mantel mit dem Schwert und dem Drachen am hohen Kragen sowie ein Schwert mit langem Griff an der H�fte, aber er hatte etwas hinzugef�gt, eine runde Emailleanstecknadel auf der Schulter, die drei goldene Kronen auf blauem Untergrund zeigte. Hatte der Mann ein Siegel angenommen? Die Augenbrauen des alten Dieners sch�ssen �berrascht in die H�he, und er sah zu Rand her�ber, als w�rde er ihn fragen, ob er Logain vor die T�r setzen sollte.</p><p>�Ich sch�tze, die Neuigkeiten aus Andor sind gut genug�, sagte Logain und schob schwarze Panzerhandschuhe hinter den Schwertg�rtel. Er widmete Rand eine minimale Verbeugung. �Elayne h�lt Caemlyn noch immer, und Arymilla hat ihre Belagerung nicht aufgegeben. Aber Elayne ist im Vorteil, da Arymilla nicht einmal verhindern kann, dass Lebensmittel in die Stadt gelangen, geschweige denn Verst�rkung. Kein Grund, finster dreinzuschauen. Ich habe mich von der Stadt ferngehalten. Davon abgesehen sind Schwarzm�ntel dort nicht sehr willkommen. Die Grenzl�nder befinden sich noch immer am selben Ort. Anscheinend war es klug von Euch, sie zu meiden. Ger�chten zufolge halten sich bei ihnen dreizehn Aes Sedai auf. Es hei�t, sie suchen nach Euch. Ist Bashere schon wieder zur�ck?� Nynaeve warf ihm einen finsteren Blick zu und entfernte sich von Rand, den Zopf fest umklammert. Aes Sedai, die mit Asha�man den Beh�terbund eingingen, sch�n und gut, das war f�r sie in Ordnung, aber nicht das Gegenteil.</p><p>Dreizehn, die nach ihm suchten? Er hatte sich von den Grenzl�ndern ferngehalten, weil Elayne seine Hilfe nicht wollte � sie nannte es Einmischung, und er hatte langsam eingesehen, dass sie Recht hatte; es war ihre Aufgabe, den L�wenthron zu erringen, nicht die seine, ihn zu vergeben �, aber vielleicht war es gut, dass er es getan hatte. Die Herrscher der Grenzl�nder hatten allesamt Verbindungen zur Wei�en Burg, und zweifellos war Elaida noch immer begierig, ihn in die Finger zu bekommen. Sie und diese verr�ckte Proklamation, dass sich ihm niemand n�hern durfte au�er mit ihrer Erlaubnis. Falls sie geglaubt hatte, das w�rde ihn zwingen, zu ihr zu kommen, dann war sie eine N�rrin.</p><p>�Danke, das ist alles, Ethin. <emphasis>Lord</emphasis> Logain?�, fragte er, als der Diener sich mit einem letzten m�rrischen Blick auf Logain abwandte. Rand glaubte, der Mann h�tte es tats�chlich versucht, h�tte er ihm befohlen, Logain hinauszuwerfen.</p><p>�Der Titel steht ihm von Geburt zu�, sagte Cadsuane, ohne von ihrer Stickerei aufzusehen. Sie musste es wissen; sie hatte dabei geholfen, ihn wieder gefangen zu nehmen, als er sich als Wiedergeborener Drache bezeichnete, ihn <emphasis>und</emphasis> Taim. Ihr Haarschmuck geriet in Bewegung, als sie versonnen nickte.</p><p>�Pah! Ein unbedeutender Lord mit einem Flecken Land in den Bergen, das meiste davon steil und zerkl�ftet. Aber nachdem er ein falscher Drache wurde, haben ihm K�nig Johanin und der Hohe Kronrat Land und Titel aberkannt.�</p><p>Kleine rote Flecken traten auf Logains Wangen, aber seine Stimme war k�hl und beherrscht. �Sie konnten meine L�ndereien nehmen, aber sie konnten mir nicht nehmen, was ich bin.�</p><p>Cadsuane schien noch immer fest auf ihre Nadel konzentriert zu sein, lachte aber leise. Verins Stricknadeln waren verstummt. Sie musterte Logain, ein fetter Spatz, der ein Insekt studierte. Auch Alivia hatte ihren brennenden Blick auf den Mann gerichtet, und Harilin und Enaila schienen nur so zu tun, als w�rden sie spielen. Min schien noch immer in ihr Buch vertieft zu sein, aber ihre H�nde ruhten beide in der N�he des gegen�berliegenden �rmels. Dort hielt sie einige ihrer Messer verborgen. Keiner von ihnen vertraute ihm.</p><p>Rand runzelte die Stirn. Der Mann konnte sich nennen, wie auch immer er wollte, solange er das tat, was er tun sollt e, aber Cadsuane provozierte ihn und jeden anderen im schwarzen Mantel fast so sehr, wie sie es bei Rand tat. Er war sich nicht sicher, wie weit er Logain vertraute, aber er musste mit den Werkzeugen arbeiten, die er nun einmal hatte. �Ist alles erledigt?� Da Logain gekommen war, schraubte Loial sein Tintenf�sschen wieder auf.</p><p>�Mehr als die H�lfte der Schwarzen Burg ist in Arad Doman und Illian. Ich habe alle M�nner losgeschickt, die mit Aes Sedai den Bund eingegangen sind, ausgenommen jene, die hier sind, wie Ihr befohlen habt.� Logain ging beim Reden zum Tisch, fand eine blaue Kanne, die zwischen dem benutzten Geschirr noch Wein enthielt, und f�llte einen gr�nen Becher. In diesem Haus gab es nicht viel Silber. �Ihr h�ttet mich mehr M�nner herbringen lassen sollen. Die Zahl neigt sich hier viel zu sehr den Aes Sedai zu, wie ich finde.�</p><p>Rand grunzte. �Da das zum Teil Euer Verdienst ist, k�nnt Ihr damit leben. Andere werden das auch tun m�ssen. Fahrt fort.�</p><p>�Dobraine und Rhuarc schicken einen Soldaten mit einer Botschaft, sobald sie jemanden finden, der mehr als nur ein Dorf beherrscht. Der Kaufmannsrat behauptet, dass K�nig Alsalam noch immer regiert, aber sie wollten oder konnten ihn nicht vorzeigen oder sagen, wo er ist, anscheinend gehen sie sich gegenseitig an die Kehle, und Bandar Eban ist mehr als halb leer und dem Mob �berlassen.� Logain verzog das Gesicht. �Schl�gerbanden sorgen f�r das bisschen Ordnung, das es da noch gibt, und sie erpressen Geld und Essen von den Leuten, die sie zu besch�tzen vorgeben, und nehmen sich, was sie wollen, Frauen inbegriffen.� Der Bund �bermittelte pl�tzlich gl�hend hei�en Zorn, und Nynaeve stie� ein Knurren aus. �Rhuarc k�mmert sich darum, dem ein Ende zu machen, aber als ich ging, verwandelte sich das bereits in eine Schlacht.�</p><p>�Schl�gerbanden werden sich nicht lange gegen Aiel behaupten k�nnen. Wenn Dobraine keinen findet, der das Kommando hat, dann wird er es im Moment eben �bernehmen m�ssen.� Falls Alsalam tot war, was wahrscheinlich erschien, w�rde er in Arad Doman einen Verwalter f�r den Lord Drachen einsetzen m�ssen. Aber wen? Es w�rde jemand sein m�ssen, den die Domani akzeptierten.</p><p>Logain trank einen gro�en Schluck Wein. �Taim war nicht erfreut, dass ich so viele M�nner aus der Burg abzog und ihm nicht gesagt habe, wo sie hingehen. Ich glaubte schon, er w�rde Euren Befehl zerrei�en. Er hat keinen Versuch ausgelassen, um zu erfahren, wo Ihr seid. Oh, er brennt darauf, es zu erfahren. Seine Augen loderten f�rmlich. Ich h�tte ihm zugetraut, mich der Befragung zu unterwerfen, w�re ich so dumm gewesen, ihm ohne Begleitung entgegenzutreten. Allerdings hat ihn eines erfreut: dass ich keine seiner Busenfreunde genommen habe. Das stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.� Er l�chelte, ein finsteres L�cheln ohne jede Belustigung. ��brigens sind das mittlerweile einundvierzig Mann. Er hat in den vergangenen Tagen �ber einem Dutzend M�nner das Drachenabzeichen verliehen, und er hat noch f�nfzig mehr in seinem �Spezialunterricht�, die meisten davon neue Rekruten. Er hat etwas vor, und ich bezweifle, dass es Euch gefallen wird.�</p><p><emphasis>Ich habe dir gesagt, du sollst ihn t�ten, als du dazu die Gelegenheit hattest,</emphasis> kicherte Lews Therin irre. <emphasis>Ich habe es dir gesagt. Und jetzt ist es zu sp�t. Zu sp�t.</emphasis></p><p>Rand stie� �rgerlich eine blaugraue Rauchwolke aus.</p><p>�H�rt auf damit�, sagte er und meinte sowohl Logain wie auch Lews Therin. �Taim hat die Schwarze Burg aufgebaut, bis sie zahlenm��ig fast der Wei�en Burg entsprochen hat, und sie w�chst jeden Tag. W�re er ein Schattenfreund, wie Ihr es behauptet, warum sollte er das tun?�</p><p>Logain erwiderte seinen w�tenden Blick unger�hrt. �Weil er es nicht verhindern kann. Soweit ich geh�rt habe, gab es selbst am Anfang M�nner, die Reisen konnten und nicht seine Kr�tenfresser waren, und er hatte keinen Vorwand, sich <emphasis>allein</emphasis> um die Rekrutierung zu k�mmern. Aber er hat seine eigene Burg erschaffen, die sich in der Schwarzen Burg verbirgt, und diese M�nner sind ihm loyal und nicht Euch. Er hat die �Deserteursliste� zur�ckgenommen und bittet um Entschuldigung f�r diesen �Fehler, der in gutem Glauben geschaht aber Ihr k�nnt Euren ganzen Besitz darauf verwetten, dass es kein Fehler war.�</p><p>Und wie loyal war Logain? Wenn es einem falschen Drachen nicht gefiel, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen, warum dann nicht auch einem anderen? M�glicherweise fand er ja, dass er einen Grund dazu hatte. Er war als falscher Drache weitaus ber�hmter als Taim gewesen, und erfolgreicher, hatte ein Heer aufgestellt, das aus Ghealdan st�rmte und auf seinem Weg nach Tear beinahe bis nach Lugard gekommen war. Die H�lfte der bekannten Welt war bei dem Namen Logain erzittert. Und doch befahl Mazrim Taim �ber die Schwarze Burg, und Logain Ablar war nur ein einfacher Asha�man. Min sah noch immer eine Aura des Ruhms an ihm. Aber wie dieser Ruhm zustande kommen sollte, konnte sie auch nicht erkennen.</p><p>Rand nahm die Pfeife aus dem Mund, und ihr Kopf f�hlte sich warm auf dem Reiher an, der in seine Handfl�che gebrannt war. Er musste wild gepafft haben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die Schwierigkeit war blo�, dass Taim und Logain die geringeren Probleme darstellten. Sie mussten warten. Die Werkzeuge, die zur Verf�gung standen. Es kostete ihn M�he, seine Stimme ruhig zu halten. �Taim hat ihre Namen von der Liste genommen. Darauf kommt es an. Sollte er zeigen, dass er M�nner vorzieht, werde ich dem ein Ende bereiten, wenn ich die Gelegenheit habe. Aber die Seanchaner m�ssen an erster Stelle kommen. Und vielleicht auch Tarmon Gai�don.�</p><p>�Sollte er es zeigen?� Logain knallte den Becher so hart auf den Tisch, dass er zerbrach. Wein ergoss sich �ber die Tischplatte und tropfte von der Kante. �rgerlich wischte er sich die feuchte Hand am Mantel ab. �Glaubt Ihr, ich bilde mir etwas ein?� Sein Ton wurde bei jedem Wort hitziger.</p><p>�Oder erfinde es? Haltet Ihr das f�r <emphasis>Eifersucht,</emphasis> al�Thor? Ist es das, was Ihr glaubt?�</p><p>�Jetzt h�rt mir genau zu�, setzte Rand an und hob die Stimme, um ein Gewitterdonnern zu �bert�nten.</p><p>�Ich habe Euch gesagt, dass ich von Euch und Euren Freunden in den schwarzen M�nteln erwarte, dass sie sich mir, meinen Freunden und meinen G�sten gegen�ber h�flich benehmen�, sagte Cadsuane streng, �aber ich habe entschieden, dass das auch f�r Euren Umgang untereinander gelten muss.� Ihr Kopf war noch immer �ber den Stickreifen gebeugt, aber sie sprach, als w�rde sie beiden mit dem Finger drohen. �Zumindest in meiner Anwesenheit. Das bedeutet, wenn ihr Euch weiter streitet, muss ich Euch beiden den Hintern versohlen.� Harilin und Enaila fingen so laut an zu lachen, dass sie ihren Spielfaden verhedderten. Auch Nynaeve lachte, obwohl sie es hinter vorgehaltener Hand zu verbergen suchte. Selbst <emphasis>Min</emphasis> l�chelte!</p><p>Logains Kiefermuskeln arbeiteten, bis Rand glaubte, die Z�hne des Mannes knirschen zu h�ren. Er hatte selbst alle M�he, es ihm nicht nachzutun. Cadsuane und ihre verdammten Regeln. Ihre <emphasis>Bedingungen,</emphasis> seine Beraterin zu werden. Sie tat immer so, als h�tte er darum <emphasis>gebeten,</emphasis> und st�ndig f�gte sie der Liste neue hinzu. Die Regeln waren nicht unbedingt l�stig, von ihrer grunds�tzlichen Existenz einmal abgesehen, aber sie pr�sentierte sie immer so, als w�rde sie einem mit einem spitzen Stock in die Rippen stechen. Er �ffnete den Mund, um ihr zu sagen, dass Schluss mit ihren Regeln war, und falls n�tig auch mit ihr.</p><p>�Taim wird mit gro�er Wahrscheinlichkeit bis nach der Letzten Schlacht warten m�ssen�, sagte Verin unvermittelt. Ihr Strickwerk, ein formloses Etwas Wolle, das alles M�gliche h�tte darstellen k�nnen, lag auf ihrem Scho�. �Sie kommt bald. Nach allem, was ich �ber dieses Thema gelesen habe, sind die Anzeichen deutlich zu erkennen. Die H�lfte der Dienerschaft hat Tote in den Korridoren umherwandeln gesehen, Leute, die sie kannten, als sie noch am Leben waren. Das ist so oft passiert, dass es ihnen nicht einmal mehr Angst einjagt. Und nur ein paar Meilen weiter n�rdlich haben ein Dutzend M�nner, die Vieh auf die Fr�hlingsweidegr�nde treiben wollten, mit eigenen Augen gesehen, wie ein Dorf von betr�chtlicher Gr��e sich in Nebel aufgel�st hat.�</p><p>Cadsuane hatte den Kopf gehoben und starrte die st�mm ige Braune Schwester an. �Danke, dass Ihr wiederholt, was Ihr uns gestern erz�hlt habt, Verin�, sagte sie trocken. Verin blinzelte, dann nahm sie ihr Strickzeug wieder auf und starrte es an, als w�re auch sie sich nicht sicher, was daraus eigentlich werden sollte.</p><p>Min fing Rands Blick ein und sch�ttelte langsam den Kopf, und er seufzte. Der Bund vermittelte Gereiztheit und Misstrauen, das Letztere vermutlich eine bewusste Warnung f�r ihn. Manchmal schien sie seine Gedanken lesen zu k�nnen. Nun, wenn er Cadsuane brauchte und Min behauptete, dass das so war, dann brauchte er sie eben. Er w�nschte nur, er w�sste, was sie ihm angeblich beibringen musste. Abgesehen davon, mit den Z�hnen zu knirschen.</p><p>�Beratet mich, Cadsuane. Was haltet Ihr von meinem Plan?�</p><p>�Endlich fragt der Junge�, murmelte sie und legte den Stickreifen neben den N�hkorb. �Seine s�mtlichen Pl�ne sind in Bewegung gesetzt, einige davon durfte ich nicht erfahren, und <emphasis>jetzt</emphasis> fragt er mich. Also gut. Euer Friede mit den Seanchanern wird unpopul�r sein.�</p><p>�Ein Waffenstillstand�, unterbrach er sie sofort. �Und ein Waffenstillstand mit dem Wiedergeborenen Drachen wird nur so lange Bestand haben, wie es den Wiedergeborenen Drachen gibt. Wenn ich sterbe, wird jeder wieder gegen die Seanchaner in den Krieg ziehen k�nnen, wenn er will.�</p><p>Min knallte das Buch zu und verschr�nkte die Arme unter der Brust. �Rede nicht so!�, sagte sie, dunkelrot vor Wut. Der Bund enthielt auch Angst.</p><p>�Die Prophezeiungen, Min�, sagte er traurig. Nicht um seinetwillen, sondern wegen ihr. Er wollte sie besch�tzen, sie und Elayne und Aviendha, aber am Ende w�rde er ihnen wehtun.</p><p>�Ich sagte, rede nicht so! In den Prophezeiungen steht <emphasis>keinesfalls,</emphasis> dass du sterben musst! Ich werde dich nicht sterben lassen, Rand al�Thor! Elayne und Aviendha und ich werden das nicht zulassen!� Sie starrte Alivia finster an, die Rand beim Sterben helfen w�rde, wie ihr die Sicht verraten hatte, und ihre H�nde n�herten sich ihren �rmeln.</p><p>�Min, benimm dich�, sagte er. Ihre H�nde sch�ssen von den �rmeln fort, aber sie reckte das Kinn vor, und der Bund wurde pl�tzlich von Sturheit �berflutet. Beim Licht, musste er sich jetzt auch noch Sorgen machen, dass Min versuchte, Alivia zu t�ten? Nicht, dass sie es aller Voraussicht nach schaffen w�rde � sie h�tte genauso gut ein Messer auf eine Aes Sedai werfen k�nnen wie auf die Seanchanerin �, aber sie k�nnte sich dabei verletzen. Er war sich nicht sicher, ob Alivia �berhaupt Gewebe <emphasis>kannte,</emphasis> die keine Waffen darstellten.</p><p>�Unpopul�r, wie ich sagte�, sagte Cadsuane und hob die Stimme. Sie widmete Min ein kurzes Stirnrunzeln, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder Rand zuwandte. Ihr Gesicht war glatt, beherrscht, das Gesicht einer Aes Sedai. Ihre dunklen Augen waren hart, wie polierte schwarze Steine. �Vor allem in Tarabon, Amadicia und Altara, aber auch an anderen Orten. Wenn Ihr Euch damit einverstanden erkl�rt, dass die Seanchaner behalten k�nnen, was sie sich bereits genommen haben, welche L�nder werdet Ihr dann als N�chstes weggeben? So werden die meisten Herrscher diese Sache betrachten.�</p><p>Rand lie� sich wieder auf seinen Stuhl fallen, streckte die Beine aus und schlug die Kn�chel �bereinander. �Es spielt keine Rolle, wie unpopul�r das ist. Ich bin durch dieses T�rrahmen-Ter�angreal in Tear gegangen, Cadsuane. Ihr wisst dar�ber Bescheid?� Goldener Schmuck wippte, als sie ungeduldig nickte. �Eine meiner Fragen an die Aelfinn lautete: �Wie kann ich die Letzte Schlacht gewinnen ?��</p><p>�Eine gef�hrliche Frage�, sagte sie leise, �da sie den Schatten ber�hrt. Angeblich k�nnen diese Ergebnisse ziemlich unangenehm sein. Wie lautete die Antwort?�</p><p>�Der Norden und der Osten m�ssen eins sein. Der Westen und der S�den m�ssen eins sein. Die zwei m�ssen eins sein.� Er blies einen Rauchring aus, pustete einen weiteren in seine Mitte, als er sich ausbreitete. Das war nicht die ganze Wahrheit gewesen. Er hatte gefragt, wie er siegen und �berleben konnte. Der letzte Teil der Antwort hatte gelautet: �Um zu leben, musst du sterben.� Nichts, was er in n�chster Zeit vor Min zur Sprache bringen w�rde. Oder vor jemand anderem. Ausgenommen Alivia, was das anging. Jetzt musste er nur noch herausfinden, wie man leben konnte, indem man starb. �Zuerst glaubte ich, es w�rde bedeuten, dass ich alles erobern muss, aber das haben sie damit nicht gesagt. Wenn es jedoch bedeutet, dass die Seanchaner den Westen und S�den halten, was, wie man behaupten k�nnte, sie bereits tun, und es eine Allianz gibt, um die Letzte Schlacht auszufechten, mit den Seanchanern und allen anderen?�</p><p>�Es ist m�glich�, r�umte sie ein. �Aber wenn Ihr dies en� Waffenstillstand� schlie�en wollt, warum verlegt Ihr dann ein allem Anschein nach betr�chtliches Heer nach Arad Doman und verst�rkt jenes, das bereits in Illian ist?�</p><p>�Weil Tarmon Gai�don kommt, Cadsuane, und ich kann nicht gleichzeitig gegen die Seanchaner und den Schatten k�mpfen. Ich werde meinen Waffenstillstand bekommen, oder ich werde sie vernichten, koste es, was es wolle. Die Prophezeiungen sagen, dass ich die neun Monde an mich binden muss. Ich habe erst vor wenigen Tagen verstanden, was damit gemeint ist. Sobald Bashere zur�ckkehrt, werde ich wissen, wo und wann ich die Tochter der Neun Monde treffen werde. Es bleibt nur noch die Frage �brig, wie ich sie an mich binde, und das wird sie wissen.�</p><p>Er sprach jetzt ganz n�chtern, stie� gelegentlich einen Rauchring zur Unterstreichung aus. Loial schrieb sehr schnell, versuchte jedes Wort einzufangen, w�hrend Harilin und Enaila einfach weiterspielten. Wenn die Speere getanzt werden mussten, waren sie bereit. Alivia nickte nachdr�cklich, zweifellos von der Hoffnung getrieben, dass man am Ende unweigerlich jene zerschmettern w�rde, die sie f�nfhundert Jahre lang gezwungen hatten, das <emphasis>A�dam</emphasis> zu tragen. Logain hatte einen neuen Becher gefunden und f�llte ihn mit dem Rest, der noch in der Kanne war, hielt ihn dann aber nur in der Hand, statt zu trinken, seine Miene unleserlich. Jetzt war es Rand, den Verin intensiv musterte. Aber sie hatte sich schon immer f�r ihn interessiert. Doch warum beim Licht sollte Min eine Traurigkeit versp�ren, die bis ins Mark ging? Und Cadsuane�</p><p>�Stein zersplittert, wenn der Schlag hart genug ist�, sagte sie, ihre Miene eine starre Aes Sedai-Maske. �Stahl zersplittert. Die Eiche k�mpft gegen den Wind und zerbricht. Die Weide beugt sich, wo sie muss, und �berlebt.�</p><p>�Eine Weide wird Tarmon Gai�don nicht gewinnen�, erwid erte er.</p><p>Die T�r �ffnete sich erneut quietschend, und Ethin schlurfte herein. �Mein Lord Drache, drei Ogier sind eingetroffen. Sie waren h�chst erfreut, als sie erfuhren, dass Meister Loial hier ist. Eine von ihnen ist seine Mutter.�</p><p>�Meine Mutter?�, kreischte Loial, und selbst das klang wie ein Windsto� in einer leeren H�hle. Er sprang so schnell auf, dass sein Stuhl umkippte, rang die H�nde. Sein Kopf ruckte von einer Seite zur anderen, als w�rde er nach einem weiteren Fluchtweg au�er der T�r suchen. �Rand, was soll ich tun? Die anderen beiden m�ssen der �lteste Haman und Erith sein. Was soll ich nur tun?�</p><p>�Frau Covril sagte, sie k�nnte es kaum erwarten, mit Euch zu sprechen, Meister Loial�, sagte Ethan mit seiner �chzenden Stimme. �Es kaum erwarten. Sie sind alle nass durch den Regen, aber sie sagte, sie wird auf Euch oben im Ogierwohnzimmer warten.�</p><p>�Was soll ich tun, Rand?�</p><p>�Du hast gesagt, du willst Erith heiraten�, sagte Rand, so sanft er konnte. Ausgenommen bei Min fiel ihm Sanftheit schwer.</p><p>�Aber mein Buch! Meine Notizen sind noch nicht volls t�ndig, und ich werde nie herausfinden, was als N�chstes geschieht. Erith wird mich zur�ck ins <emphasis>Stedding</emphasis> Tsofu mitnehmen.�</p><p>�Pah!� Cadsuane griff wieder nach ihrem Stickreifen und fing an, feine Nadelstiche zu machen. Sie n�hte das uralte Symbol der Aes Sedai, Drachenzahn und die Flamme von Tar Valon verschmolzen zu einer Scheibe, Schwarz und Wei� von einer Schlangenlinie getrennt. �Geht zu Eurer Mutter, Loial. Wenn sie Covril ist, Tochter von Ella Tochter von Soong, wollt Ihr sie nicht warten lassen. Wie Ihr sicher wisst.�</p><p>Loial schien Cadsuanes Worte f�r einen Befehl zu halten.</p><p>Er wischte die Feder ab, schraubte das Tintenf�sschen zu. Aber er tat alles sehr langsam, mit h�ngenden Ohren. Gelegentlich seufzte er traurig, kaum verst�ndlich. �Mein Buch!�</p><p>�Nun�, sagte Verin und hielt ihre Strickarbeit hoch, um sie zu begutachten, �ich glaube, ich habe hier alles getan, was ich konnte. Ich werde jetzt Tomas suchen. Der Regen l�sst sein Knie schmerzen, auch wenn er es selbst mir gegen�ber bestreitet.� Sie warf einen Blick auf das Fenster. �Es scheint nachzulassen.�</p><p>�Und ich glaube, ich sollte besser nach Lan sehen�, sagte Nynaeve und raffte die R�cke. �Wo er ist, da ist die Gesellschaft besser.� Das mit einem harten Ruck an dem Zopf und einem finsteren Blick, der sowohl Alivia wie auch Logain galt. �Der Wind verr�t mir, dass ein Sturm naht, Rand. Und du wei�t, dass ich nicht von Regen spreche.�</p><p>�Die Letzte Schlacht?�, fragte Rand. �Wie bald?� Wenn es ums Wetter ging, verriet ihr der Wind manchmal auf die Stunde genau, wann der Regen kam.</p><p>�Vielleicht, und ich wei� es nicht. Vergiss nur eines nicht. Ein Sturm naht. Ein schrecklicher Sturm.� Am Himmel grollte der Donner.</p></section><section><title><p>19</p><p>Schw�re</p></title><p>Mit einigem Unbehagen schaute Loial zu, wie Nynaeve auf dem von Kandelabern erhellten Korridor in die eine und Verin in die andere Richtung davonrauschten. Keine von ihnen ging �ber seine Taille hinaus, aber sie waren Aes Sedai. Diese Tatsache reichte aus, um ihm lange genug einen Knoten in die Zunge zu machen, sodass sie, als er endlich den Mut gesammelt hatte, eine von ihnen zu bitten, ihn doch zu begleiten, um die Ecken verschwunden waren. Das Herrenhaus war ein weitl�ufiger Ort, das im Laufe der Jahre seiner Meinung nach immer weiter planlos ausgebaut worden war, und Korridore machten oft scharfe und seltsame Biegungen. Er w�nschte sich sehr, seiner Mutter in Begleitung einer Aes Sedai gegen�bertreten zu k�nnen. Sogar mit Cadsuane, obwohl sie ihn durch die Art und Weise, wie sie Rand immer verkniffen ansah, sehr nerv�s machte. Fr�her oder sp�ter w�rde Rand explodieren. Er war nicht mehr derselbe Mann, den er in Caemlyn kennengelernt hatte, nicht einmal mehr der Mann, den er in Cairhien zur�ckgelassen hatte. In Rands Gegenwart war die Stimmung nun immer d�ster und unbehaglich, ein mit L�wenklaue bewachsenes Feld, auf tr�gerischem Grund. Das ganze Haus f�hlte sich dank Rands Anwesenheit so an.</p><p>Eine schlanke grauhaarige Dienerin, die einen Korb mit zusammengefalteten Handt�chern trug, zuckte zusammen, dann sch�ttelte sie den Kopf und murmelte etwas vor sich hin, bevor sie einen schnellen Knicks vollf�hrte und weiterging. Sie machte einen kleinen Schritt zur Seite, als m�sste sie um etwas herumgehen. Oder jemanden. Er starrte auf die Stelle und kratzte sich hinter dem Ohr. Vielleicht konnte er ja nur tote Ogier sehen. Nicht, dass er das tats�chlich wollte. Das Wissen, dass die menschlichen Toten nicht l�nger in Frieden ruhen konnten, war schon traurig genug. Die Best�tigung, dass das auch f�r Ogier galt, h�tte ausgereicht, ihm das Herz zu brechen. Und auf jeden Fall w�ren sie sicher nur in einem <emphasis>Stedding</emphasis> erschienen. Allerdings w�rde er gern sehen, wie so eine Stadt verschwand. Keine richtige Stadt, aber eine Stadt, die so tot war wie diese Geister, die Menschen zu sehen behaupteten. M�glicherweise konnte man durch ihre Stra�en gehen, bevor sie zerschmolz, und h�tte sich ansehen k�nnen, wie die Menschen vor dem Hundertj�hrigen Krieg waren, vielleicht sogar vor den Trolloc-Kriegen. Das hatte jedenfalls Verin gesagt, und sie schien eine ganze Menge dar�ber zu wissen. Das w�re mit Sicherheit eine Erw�hnung in seinem Buch wert gewesen. Es w�rde ein gutes Buch werden. Er kratzte sich mit zwei Fingern den Bart � das Ding juckte! � und seufzte. Es w�re ein sch�nes Buch geworden.</p><p>Im Korridor herumzustehen schob nur das Unvermeidlic he auf. Schob man es auf, das Geb�sch zu beseitigen, fand man garantiert Schlingpflanzen darin, wie das alte Sprichwort besagte. Nur dass er das Gef�hl hatte, die Schlingpflanzen w�rden ihn fesseln statt einen Baum. Er folgte der Dienerin mit tiefen Seufzern bis zu einer breiten Treppe, die hinauf zu den Ogierr�umen f�hrte. Die Treppe wies zwei massive Gel�nder auf, die der grauhaarigen Frau bis zu den Schultern reichten und einen ordentlichen Halt boten. Er scheute sich oft, ein f�r Menschen gemachtes Treppengel�nder nur zu ber�hren, aus Angst, es m�glicherweise zu zerbrechen. Eines davon verlief in der Mitte, die Stufen an der holzvert�felten Wand waren f�r menschliche F��e gemacht, die an der Au�enseite f�r Ogier.</p><p>Die Frau war alt, was Menschenjahre anging, aber sie stieg schneller in die H�he als er und eilte bereits den Korridor entl ang, als er oben ankam. Zweifellos brachte sie die Handt�cher in das Zimmer seiner Mutter und in die des �ltesten Haman und Eriths. Sicherlich w�rden sie sich noch trocknen wollen, bevor sie sich unterhielten. Er w�rde das vorschlagen. So w�rde er Zeit zum Nachdenken gewinnen. Seine Gedanken schienen so tr�ge wie seine F��e zu sein, und seine F��e f�hlten sich wie M�hlsteine an.</p><p>Auf diesem Korridor gab es sechs f�r Ogier bestimmte Schlafzimmer, und auch der Korridor selbst war entsprechend dimensioniert � Loials erhobener Hand h�tte noch ein Schritt bis zur Decke gefehlt. Au�erdem gab es noch einen Lagerraum, ein Badezimmer mit einer gro�en Messingbadewanne und das Wohnzimmer. Das war der �lteste Teil des Hauses und reichte beinahe f�nfhundert Jahre zur�ck. Die Lebensspanne eines sehr alten Ogiers, aber viele Lebensspannen f�r Menschen. Ihr Leben war so kurz, abgesehen von den Aes Sedai; das musste der Grund sein, warum sie wie Kolibris umherschwirrten. Aber selbst Aes Sedai konnten beinahe genauso hektisch wie der Rest sein. Das war ein R�tsel.</p><p>In die Wohnzimmert�r war ein gro�er Baum einges chnitzt, nicht die Arbeit eines Ogiers, aber dennoch sehr detailliert und unverkennbar. Er blieb stehen, zog den Mantel zurecht, fuhr sich mit den Fingern durchs Haar, w�nschte sich, er h�tte Zeit, die Stiefel zu putzen. Am �rmelaufschlag war ein Tintenfleck. Auch daf�r war keine Zeit. Cadsuane hatte Recht. Seine Mutter war keine Frau, die man warten lie�. Seltsam, dass Cadsuane von ihr geh�rt hatte. Sie vielleicht sogar kannte, so wie sie von ihr gesprochen hatte. Covril, Tochter von Ella Tochter von Soong war eine ber�hmte Sprecherin, aber ihm war nicht bewusst gewesen, dass sie im Drau�en bekannt war. Beim Licht, er keuchte ja fast schon vor Nervosit�t.</p><p>Er bem�hte sich, seine Atmung unter Kontrolle zu bekomm en, und trat ein. Selbst hier quietschten die T�rangeln. Die Diener waren entsetzt gewesen, als er um �l gebeten hatte � das war ihre Aufgabe; er war ein Gast �, aber sie waren noch immer nicht dazu gekommen, es selbst zu tun.</p><p>Das Zimmer mit der hohen Decke war recht ger�umig, mit dunklen, gl�nzenden Tapeten und mit Ranken verzierten St�hlen und kleinen Tischen und schmiedeeisernen Kandelabern von vern�nftiger Gr��e, deren von Spiegeln verst�rkte Flammen �ber seinem Kopf tanzten. Abgesehen von einem Regal voller B�cher, die alle alt genug waren, dass ihre Ledereinb�nde abbl�tterten und die er alle schon zuvor gelesen hatte, stammte nur eine kleine Schale aus gesungenem Holz von Ogierhand. Ein h�bsches Teil; er w�nschte sich, er h�tte gewusst, wer sie besungen hatte, aber sie war alt genug, dass es nicht einmal ein Echo gegeben hatte, als er sie besungen hatte. Doch alles war von jemandem gemacht worden, der ein <emphasis>Stedding</emphasis> besucht haben musste. Alles h�tte in eine Siedlung gepasst. Nat�rlich hatte der Raum keine �hnlichkeit mit einem Raum in einem <emphasis>Stedding,</emphasis> aber Lord Algarins Vorfahre hatte sich die M�he gemacht, dass sich seine Besucher hier wohlf�hlen konnten.</p><p>Seine Mutter stand vor einem der Ziegelkamine, eine Frau mit einem energischen, eindrucksvollen Gesicht, die ihre mit einem Rebenmuster bestickten R�cke ausgebreitet hielt, damit die W�rme sie trocknen konnte. Er seufzte erleichtert, dass sie nicht so nass war, wie er gedacht hatte, aber das schloss den Vorschlag aus, dass sie sich erst trockneten. Ihre Regenumh�nge mussten durchl�ssig geworden sein. Das geschah nach einiger Zeit, da sich das Anssed-�l verfl�chtigte. Vielleicht w�rde ihre Laune auch nicht so schlecht sein, wie er bef�rchtet hatte. Der wei�haarige �lteste Haman, dessen Mantel mehrere gro�e feuchte Stellen aufwies, musterte eine der �xte, die an der Wand hingen, sch�ttelte den Kopf dar�ber. Ihr Schaft war so lang, wie er gro� war. Es gab zwei davon. Sie stammten aus der Zeit der Trolloc-Kriege oder sogar noch davor, die Axtk�pfe waren mit Einlegearbeiten aus Gold und Silber verziert, und es gab auch noch zwei spitze, verzierte Baummesser, die ebenfalls lange Griffe aufwiesen. Nat�rlich wiesen Baummesser, die auf der einen Seite glatt geschliffen und auf der anderen mit S�gez�hnen versehen waren, immer lange Griffe auf, aber die Einlegearbeiten und langen roten Quasten waren ein deutlicher Hinweis, dass man sie auch als Waffen hergestellt hatte. Nicht gerade die gl�cklichste Wahl, um sie in einen Raum zu h�ngen, der zum Lesen oder f�r Unterhaltungen oder einfach das stumme Genie�en von Stille gedacht war.</p><p>Aber Loials Blicke glitten an seiner Mutter und dem �ltesten Haman vorbei zu dem anderen Kamin, an dem Erith ihre R�cke trocknete. Sie war klein und erschien beinahe zerbrechlich. Ihr Mund war gerade, die Nase kurz und wohlgerundet, ihre Augen wiesen exakt die Farbe der reifen Samenkapsel eines Silbergl�ckchens auf. Kurz gesagt: Sie war wundersch�n! Und diese Ohren, die aus dem schimmernden schwarzen Haar ragten, das auf ihren R�cken herunterstr�mte� Geschwungen und drall, mit feinen Haarb�scheln versehen, die so weich wie G�nseblumensamen aussahen, waren sie die sch�nsten Ohren, die er je gesehen hatte. Nicht, dass er so vulg�r w�re, das laut auszusprechen. Sie l�chelte ihn an, ein sehr geheimnisvolles L�cheln, und seine Ohren zitterten vor Verlegenheit. Sicherlich konnte sie nicht wissen, was er gedacht hatte. Oder doch? Rand behauptete, dass Frauen das manchmal konnten, aber da ging es um Menschenfrauen.</p><p>�So, da bist du ja�, sagte seine Mutter und stemmte die F�uste in die H�ften. Sie l�chelte nicht. Ihre Brauen waren nach unten gezogen, ihr Kiefer nach vorn geschoben. Wenn das ihre bessere Laune war, h�tte sie genauso gut klatschnass gewesen sein k�nnen. �Ich muss schon sagen, du hast uns eine sch�ne Verfolgungsjagd geliefert, aber jetzt habe ich dich erwischt, und ich habe nicht vor, dich wieder� Was ist das da auf deiner Lippe? Und deinem Kinn? Nun, das kannst du sofort wieder abrasieren. Und schneide mir keine Grimassen, Sohn Loial!�</p><p>Er tastete unbehaglich nach den Haaren �ber seiner Oberl ippe und bem�hte sich, seine Stirn zu gl�tten � wenn deine Mutter dich als Sohn bezeichnete, dann war sie nicht zu Scherzen aufgelegt � aber es fiel schwer. Er <emphasis>wollte</emphasis> den Bart. M�glicherweise hielten das ja viele f�r albern, so jung wie er war, trotzdem�</p><p>�Eine sch�ne Verfolgungsjagd, in der Tat�, sagte der �lteste Haman trocken und h�ngte die Axt wieder an die Wand. <emphasis>Er</emphasis> hatte einen langen wei�en Schnurrbart, der �ber sein Kinn hinausreichte, und auch einen langen schmalen Kinnbart, der bis zu seiner Brust reichte. Sicher, er war �ber dreihundert Jahre alt, aber es erschien trotzdem ungerecht.</p><p>�Eine sehr sch�ne Verfolgungsjagd. Zuerst sind wir nach Cairhien gegangen, da wir geh�rt hatten, du w�rst dort, aber du warst schon wieder fort. Nach einem Aufenthalt im <emphasis>Stedding</emphasis> Tsofu begaben wir uns nach Caemlyn, wo uns der junge al�Thor dar�ber informierte, dass du bei den Zwei Fl�ssen bist, und uns dort hinbrachte. Aber du warst wieder weg. Nach Caemlyn, wie es den Anschein hatte!� Seine Brauen hoben sich beinahe bis zu seinem Haaransatz. �Ich hatte fast schon den Eindruck, Fangen zu spielen.�</p><p>�Die Menschen von Emondsfelde haben uns gesagt, wie heldenhaft du gewesen bist�, sagte Erith. Ihre hohe Stimme klang wie Musik. Sie hielt die R�cke mit beiden H�nden, ihre Ohren wackelten vor Aufregung, sie schien kurz davor, auf und ab zu springen. �Sie haben uns alles dar�ber erz�hlt, wie du gegen die Trollocs und Myrddraal gek�mpft hast, und wie du dich ganz allein zwischen sie gedr�ngt hast, um das Manetheren-Wegetor zu versiegeln, damit keine mehr von ihnen kommen konnten.�</p><p>�Ich war nicht allein�, protestierte Loial. Er hatte das Gef�hl, seine Ohren w�rden sich gleich von seinem Kopf l�sen, so sehr zuckten sie vor Verlegenheit. �Gaul war dabei. Wir haben es zusammen getan. Ohne Gaul h�tte ich das Wegetor niemals erreicht.�</p><p>Seine Mutter schnaubte. <emphasis>Ihre</emphasis> Ohren waren starr vor Abscheu. �Dummheit. In Schlachten zu k�mpfen. Dich in Gefahr zu begeben. <emphasis>Zu spielen.</emphasis> Das alles. Reine Dummheit, und damit ist jetzt Schluss.�</p><p>Der �lteste r�usperte sich, seine Ohren zuckten gereizt, und er verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken. Er mochte es nicht, unterbrochen zu werden. �Also sind wir nach Caemlyn zur�ckgekehrt, aber du warst schon weg, und dann wieder nach Cairhien, nur um entdecken zu m�ssen, dass du bereits wieder weg warst.�</p><p>�Und in Cairhien hast du dich erneut in Gefahr gebracht�, mischte sich seine Mutter ein und drohte ihm mit dem Fing er. �Hast du keinen Funken Verstand in deinem Kopf?�</p><p>�Die Aiel sagen, du bist bei den Quellen von Dumai sehr tapfer gewesen�, murmelte Erith und blickte ihn durch die langen Wimpern an. Er schluckte m�hsam. Ihr Blick sorgte daf�r, dass seine Kehle ganz rau war. Er wusste, er h�tte wegsehen sollen, aber wie konnte er Einw�nde erheben, wenn sie ihn ansah ?</p><p>�In Cairhien hat deine Mutter entschieden, nicht l�nger vom Gro�en Stumpf fortbleiben zu k�nnen, auch wenn ich nicht wei�, warum, da sie vermutlich sowieso noch ein oder zwei Jahre brauchen werden, um zu einer Entscheidung zu kommen, also brachen wir zum Stedding Shangtai auf, in der Hoffnung, dich sp�ter zu finden.� �ltester Haman sagte das alles sehr schnell und schaute die beiden Frauen finster an, als w�rde er damit rechnen, dass sie ihn erneut unterbrachen. Sein Bart und sein Schnurrbart schienen sich zu str�uben.</p><p>Loials Mutter schnaubte erneut, diesmal nur sch�rfer. �Ich erwarte, eine Entscheidung sehr schnell herbeif�hren zu k�nnen, in einem Monat oder zwei, oder ich h�tte mich niemals auf die Suche nach Loial begeben. Jetzt, da ich ihn gefunden habe, k�nnen wir alles erledigen und dann ohne jede weitere Verz�gerung aufbrechen.� Ihr wurde bewusst, dass der �lteste Haman die Stirn runzelte, und schlug einen anderen Ton an.</p><p>�Vergebt mir, �ltester Haman. Ich wollte sagen, w�rdest du die Zeremonie durchf�hren, wenn es dir recht ist?�</p><p>�Ich glaube, es w�re mir recht, Covril�, sagte er sanft. Sehr sanft. Wenn Loial diesen Tonfall von seinem Lehrer geh�rt hatte, hatte er immer gewusst, dass er einen gro�en Fehler gemacht hatte. Der �lteste Haman hatte immer kurz davorgestanden, mit einem St�ck Kreide zu werfen, wenn er in diesem Ton gesprochen hatte. �Da ich meine Sch�ler verlassen habe, ganz zu schweigen davon, nicht beim Gro�en Stumpf zu sprechen, um dir aus genau diesem Grund auf diese wilde Jagd zu folgen, glaube ich, dass es mir in der Tat recht ist. Erith, du bist sehr jung.�</p><p>�Sie ist �ber achtzig, alt genug, um zu heiraten�, sagte Loials Mutter scharf und verschr�nkte die Arme. Ihre Ohren zuckten ungeduldig. �Ihre Mutter und ich sind zu einer Einigung gekommen. Du hast selbst bezeugt, dass wir die Verm�hlung und Loials Mitgift unterzeichnet haben.�</p><p>Die Ohren des �ltesten Haman legten sich noch ein St�ck weiter nach hinten, und seine Schultern hoben sich, als w�rde er die H�nde hinter dem R�cken sehr fest verschr�nken. Er lie� Erith nicht aus den Augen. �Ich wei�, dass du Loial heiraten willst, aber bist du sicher, dass du dazu bereit bist? Einen Ehemann zu nehmen ist eine ernste Verantwortung.�</p><p>Loial w�nschte sich, jemand w�rde <emphasis>ihm</emphasis> diese Frage stell en, aber das war nicht der Fall. Seine und Eriths Mutter hatten eine Vereinbarung getroffen, und allein Erith konnte das noch aufhalten. Wenn sie es wollte. Wollte er, dass sie es tat? Er konnte nicht aufh�ren, an sein Buch zu denken. Er konnte nicht aufh�ren, an Erith zu denken.</p><p>Auf jeden Fall sah sie sehr ernst aus. �Meine Websachen sind sehr gefragt, und ich bin bereit, einen weiteren Webstuhl zu kaufen und einen Lehrling einzustellen. Aber vermutlich meinst du das nicht. Ich bin bereit, mich um einen Ehemann zu k�mmern.� Pl�tzlich grinste sie, ein wundersch�nes Grinsen, das ihr Gesicht teilte. �Vor allem einen mit so sch�nen langen Augenbrauen.�</p><p>Loials Ohren bebten, und die des �ltesten Haman auch, wenn auch nicht so stark. Frauen redeten untereinander sehr offen, hatte er zumindest geh�rt, aber f�r gew�hnlich versuchten sie nicht, M�nner damit in Verlegenheit zu bringen. F�r gew�hnlich. Die Ohren seiner Mutter zitterten tats�chlich vor Heiterkeit!</p><p>Der �ltere Mann r�usperte sich. �Das ist ernst, Erith. Komm jetzt. Wenn du dir sicher bist, nimm seine H�nde.�</p><p>Ohne zu z�gern kam sie heran und trat vor Loial, l�chelte zu ihm hoch und ergriff seine H�nde. Ihre kleinen H�nde f�hlten sich sehr warm an. Seine waren taub und kalt. Er schluckte. Es w�rde tats�chlich geschehen.</p><p>�Erith, Tochter von Iva Tochter von Alar�, sagte der �lteste Haman und hielt ihnen die H�nde �ber die K�pfe, �willst du Loial, Sohn von Arent Sohn von Halan, zu deinem Ehemann nehmen und beim Licht und dem Baum schw�ren, ihn zu ehren, zu achten und zu lieben, solange er lebt, sich um ihn zu k�mmern und seine Schritte auf den Pfad zu lenken, dem sie folgen sollen?�</p><p>�Beim Licht und beim Baum, ich schw�re.� Eriths Stimme war fest und deutlich, und ihr L�cheln schien breiter als ihr Gesicht geworden zu sein.</p><p>�Loial, Sohn von Arent Sohn von Halan, willst du Erith, Tochter von Iva Tochter von Alar, zur Ehefrau nehmen und beim Licht und dem Baum schw�ren, sie zu ehren, zu achten und zu lieben, solange sie lebt, sich um sie zu k�mmern und ihrer F�hrung zu folgen?�</p><p>Loial holte tief Luft. Seine Ohren zitterten. Er wollte sie heiraten. Das wollte er. Aber jetzt noch nicht. �Beim Licht und beim Baum, ich schw�re�, sagte er heiser.</p><p>�Dann erkl�re ich euch beim Licht und beim Baum f�r verheiratet. M�get ihr immer den Segen des Lichts und des Baums haben.�</p><p>Loial sah auf seine Frau herunter. Seine Ehefrau. Sie hob die Hand und strich mit schlanken Fingern �ber seinen Schnurrbart. Jedenfalls die Anf�nge seines Schnurrbarts.</p><p>�Du siehst sehr gut aus, und ich glaube, ein Schnurrbart wird dir gut stehen. Und ein Bart auch.�</p><p>�Unfug�, sagte seine Mutter. �berraschenderweise tupfte sie sich mit einem kleinen Spitzentaschentuch die Augen ab. Sie zeigte selten Gef�hle. �Er ist viel zu jung f�r so etwas.�</p><p>Einen Augenblick lang glaubte er, Eriths Ohren w�rden sich zur�cklegen. Das musste er sich eingebildet haben. Er hatte einige lange Gespr�che mit ihr gef�hrt � sie war eine wunderbare Gespr�chspartnerin; obwohl, wenn man so dar�ber nachdachte, gr��tenteils h�rte sie zu, aber das, was sie sagte, war immer sehr vern�nftig �, und er war sich sicher, dass sie nicht launisch war. Sie legte die H�nde auf seine Arme, erhob sich auf die Zehenspitzen, und er beugte sich nach unten, um seine Nase gegen die ihre zu reiben. In Wahrheit n�selten sie l�nger, als sie es in Anwesenheit seiner Mutter und des �ltesten Haman h�tten tun sollen, aber die anderen verschwanden aus seinen Gedanken, als er den Duft seiner Frau einatmete und sie den seinen. Und das <emphasis>Gef�hl</emphasis> ihrer Nase auf der seinen! Er hielt ihren Hinterkopf und hatte kaum die Geistesgegenwart, ihre Ohren nicht zu liebkosen. Sie zog bei ihm an den Haaren! Nach einer Weile, anscheinend einer sehr langen Weile, drangen Stimmen zu ihnen durch.</p><p>�Es regnet noch immer, Covril. Du kannst nicht ernsthaft vorschlagen, dass wir aufbrechen sollen, solange wir ein stabiles Dach �ber dem Kopf haben und zur Abwechslung einmal in richtigen Betten schlafen k�nnen. Nein, sage ich. Nein! Ich werde heute Nacht nicht auf dem Boden schlafen oder in einer Scheune oder, noch schlimmer, in einem Haus, in dem meine F��e und Knie �ber das gr��te vorhandene Bett baumeln.�</p><p>�Wenn du darauf bestehst�, sagte seine Mutter widerstreb end, �aber ich will morgen in aller Fr�he aufbrechen. Ich weigere mich, auch nur eine unn�tige Stunde zu verschwenden. Das Buch der �bersetzung <emphasis>muss</emphasis> so schnell ge�ffnet werden, wie das m�glich ist.�</p><p>Loials Ohren zuckten entsetzt in die H�he. <emphasis>�Dar�ber</emphasis> ber�t der Gro�e Stumpf? Das k�nnen sie nicht machen, nicht jetzt!�</p><p>�Wir werden diese Welt am Ende verlassen m�ssen, also k�nnen wir es tun, wenn sich das Rad dreht�, sagte seine Mutter und ging zur�ck zum Kamin, um die R�cke wieder auszubreiten. �So steht es geschrieben. Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, und je fr�her, desto besser.�</p><p>�Glaubst du das auch, �ltester Haman?�, fragte Loial besorgt.</p><p>�Nein, mein Junge, �berhaupt nicht. Vor unserem Aufbruch habe ich eine drei Stunden lange Rede gehalten, die, wie ich glaube, bei einigen zu einem Sinneswandel gef�hrt hat.� �ltester Haman nahm eine gro�e gelbe Kanne und f�llte eine blaue Tasse, aber statt zu trinken, schaute er stirnrunzelnd in den Tee. �Ich f�rchte, deine Mutter hat mehr auf ihre Seite gebracht. Sie k�nnte sogar ihre Entscheidungen in wenigen Monaten erreichen, wie sie gesagt hat.�</p><p>Erith f�llte eine Tasse f�r seine Mutter, dann noch zwei, von denen sie ihm eine brachte. Wieder bebten seine Ohren peinlich ber�hrt. Das h�tte er tun sollen. Er musste noch viel dar�ber lernen, Ehemann zu sein, aber das wusste er.</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte vor dem Stumpf sprechen�, sagte er bitter.</p><p>�Du klingst sehr interessiert, Gemahl.� Gemahl. Das bedeutete, dass Erith sehr ernst war. Das war fast so schlimm wie Sohn Loial genannt zu werden. �Was w�rdest du dem Stumpf sagen?�</p><p>�Ich werde nicht zulassen, dass er sich zum Narren macht, Erith�, sagte seine Mutter, bevor er den Mund aufmachen konnte. �Loial schreibt gut, und �ltester Haman sagt, er hat das Talent zum Gelehrten, aber er bekommt schon bei hundert Zuh�rern keinen Ton heraus. Au�erdem ist er noch ein Junge.�</p><p><emphasis>Das</emphasis> hatte der �lteste Haman gesagt? Loial fragte sich, wann seine Ohren zu zittern aufh�ren w�rden.</p><p>�Jeder verheiratete Mann darf vor dem Stumpf sprechen�, sagte Erith fest. Diesmal gab es keinen Zweifel. Sie hatte die Ohren zur�ckgelegt. �Gestattest du mir, mich um meinen Gemahl zu k�mmern, Mutter Covril?� Die Lippen seiner Mutter bewegten sich, aber es ert�nte kein Laut. Er konnte sich nicht erinnern, sie jemals so verbl�fft gesehen zu haben, obwohl sie damit gerechnet haben musste. Eine Ehefrau zog ihren Mann immer seiner Mutter vor. �Nun, Gemahl, was w�rdest du sagen?�</p><p>Er war nicht sehr interessiert, er war verzweifelt. Er trank einen gro�en Schluck von dem gew�rzten Tee, aber sein Mund f�hlte sich trotzdem trocken an. Seine Mutter hatte Recht; je mehr Zuh�rer er hatte, desto mehr neigte er dazu, das zu vergessen, was er hatte sagen wollen, und abzuschweifen. Ehrlich gesagt musste er zugeben, dass er schon bei wenigen Zuh�rern weitschweifig herumplapperte. Jedenfalls etwas. Dann und wann. Er kannte die Formen � jedes Kind von f�nfzig kannte die Formen �, und doch konnte er die Worte nicht �ber die Lippen bringen. Die wenigen Leute, die ihm jetzt zuh�rten, waren keine beliebigen Leute. Seine Mutter war eine ber�hmte Sprecherin, der �lteste Haman ebenfalls, ganz zu schweigen davon, dass er ein �ltester war. Und da war Erith. Ein Mann wollte in den Augen seiner Frau gut aussehen.</p><p>Er wandte ihnen den R�cken zu, trat ans n�chste Fenster und drehte die Teetasse zwischen den H�nden. Das Fenster wies eine ordentliche Gr��e auf, auch wenn die Scheiben in den geschnitzten Rahmen nicht gr��er als in den unteren R�umen waren. Der Regen war zu einem Nieseln geworden, das aus dem grauen Himmel fiel, und trotz der Schlieren im Glas konnte er die B�ume jenseits der Felder ausmachen, Pinien und Tupelob�ume und gelegentlich eine Eiche. Algarins Leute k�mmerten sich gut um den Wald, schafften das tote Holz fort, um m�glichen Waldbr�nden seine Nahrung zu rauben. Feuer musste sorgf�ltig benutzt werden.</p><p>Die Worte kamen jetzt viel m�heloser zu ihm, da er die anderen nicht sah, wie sie ihn beobachteten. Sollte er mit dem Sehnen beginnen? Konnten sie den Aufbruch wagen, wenn sie in einer Hand voll Jahren anfangen w�rden zu sterben? Nein, diese Frage w�rde man als Erstes angesprochen und vern�nftige Antworten gefunden haben, sonst w�re der Stumpf innerhalb eines Jahres fertig geworden. Beim Licht, wenn er den Stumpf ansprach� Einen Augenblick lang konnte er die Menge sehen, die um ihn herumstand, Hunderte M�nner und Frauen, die darauf warteten, seine Worte zu h�ren, vielleicht sogar Tausende. Seine Zunge wollte an seinem Rachen festkleben. Er blinzelte, und da waren nur das blasige Glas und die B�ume vor ihm. Er musste es tun. Er war nicht besonders mutig, ganz egal, was Erith auch glauben mochte, aber er hatte �ber Mut gelernt, indem er die Menschen beobachtete; er hatte zugesehen, wie sie nicht loslie�en, egal wie kr�ftig der Wind wurde, wie sie k�mpften, auch wenn sie keine Hoffnung hatten, k�mpften und siegten, weil sie mit dem Mut der Verzweiflung k�mpften. Pl�tzlich wusste er, was er zu sagen hatte.</p><p>�Im Krieg gegen den Schatten haben wir uns nicht in unserem <emphasis>Stedding</emphasis> verkrochen, in der Hoffnung, dass kein Trolloc oder Myrddraal dazu getrieben w�rde, sich dort Zugang zu verschaffen. Wir haben das Buch der �bersetzung nicht ge�ffnet und sind geflohen. Wir sind an der Seite der Menschen marschiert und haben den Schatten bek�mpft. In den Trolloc-Kriegen haben wir uns weder im <emphasis>Stedding</emphasis> versteckt noch das Buch der �bersetzung ge�ffnet. Wir sind an der Seite der Menschen marschiert und haben gegen den Schatten gek�mpft. In den finstersten Jahren, als es keine Hoffnung mehr zu geben schien, haben wir gegen den Schatten gek�mpft.�</p><p>�Und zur Zeit des Hundertj�hrigen Krieges haben wir gelernt, uns nicht in die Angelegenheiten der Menschen zu verstricken�, warf seine Mutter ein. Das war erlaubt. Sprechen konnte sich in eine Debatte verwandeln, es sei denn, die pure Sch�nheit der Worte hielt die Zuh�rer in ihrem Bann. Sie hatte einmal vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang ohne eine Unterbrechung zugunsten einer sehr unpopul�ren Position gesprochen, und niemand war aufgestanden, um gegen sie zu sprechen. Er konnte keine wundersch�nen S�tze bilden. Er konnte nur das sagen, woran er glaubte. Er wandte sich nicht von dem Fenster ab.</p><p>�Der Hundertj�hrige Krieg war eine Angelegenheit der Menschen und nicht die unsere. Der Schatten <emphasis>ist</emphasis> unsere Angelegenheit. Wenn der Schatten bek�mpft werden muss, sind unseren �xten immer lange Stiele gewachsen. Vielleicht werden wir das Buch der �bersetzung in einem oder f�nf oder zehn Jahren �ffnen, aber wenn wir es jetzt tun, k�nnen wir nicht weglaufen in der vielversprechenden Hoffnung auf Sicherheit. Tarmon Gai�don kommt, und daran h�ngt nicht nur das Schicksal dieser Welt, sondern auch das einer jeden Welt, auf die wir fliehen k�nnten. Wenn das Feuer die B�ume bedroht, rennen wir nicht weg und hoffen, dass uns die Flammen nicht folgen. Wir k�mpfen. Der Schatten kommt heran wie ein Waldbrand, und wir k�nnen es nicht wagen, vor ihm wegzulaufen.� Zwischen den B�umen bewegte sich etwas, dem Anschein nach entlang des ganzen Waldrandes. Eine Viehherde? Wenn, dann war es eine gro�e Viehherde.</p><p>�Das ist nicht �bel�, sagte seine Mutter. �Viel zu offen heraus, um in einem <emphasis>Stedding</emphasis> von Gewicht zu sein, geschweige denn nat�rlich bei einem Gro�en Stumpf, aber nicht schlecht. Mach weiter.�</p><p>�Trollocs�, hauchte er. Das war es, Tausende Trollocs in Schwarz, in stachelbewehrten R�stungen, die mit erhobenen, wie Sicheln gekr�mmten Schwertern zwischen den B�umen hervorst�rmten, die mit den Speeren drohten, Fackeln trugen. Links und rechts Trollocs, so weit er sehen konnte. Nicht Tausende. Zehntausende.</p><p>Erith dr�ngte sich neben ihn ans Fenster und keuchte auf.</p><p>�So viele! Werden wir sterben, Loial?� Sie klang nicht �ngstl ich. Sie klang� aufgeregt!</p><p>�Nicht, wenn ich Rand und die anderen warnen kann.� Er war bereits auf dem Weg zur T�r. Jetzt konnten sie nur noch die Aes Sedai und die Asha�man retten.</p><p>�Hier, mein Junge. Ich glaube, die k�nnten wir brauchen.�</p><p>Er drehte sich noch rechtzeitig um, um die langsch�ftige Axt zu fangen, die der �lteste Haman ihm zuwarf. Die Ohren des anderen Mannes zeigten ganz nach hinten, waren flach an den Sch�del angelegt. Loial wurde sich bewusst, dass das auch f�r seine galt.</p><p>�Hier, Erith�, sagte seine Mutter ruhig und nahm eines der Baummesser von der Wand. �Sollten sie hereinkommen, werden wir versuchen, sie an der Treppe aufzuhalten.�</p><p>�Du bist mein Held, Gemahl�, sagte Erith, als sie den Messergriff nahm, �aber wenn du dich umbringen l�sst, werde ich sehr b�se auf dich sein.� Sie klang, als w�re es ihr damit auch ernst.</p><p>Und dann rannten er und �ltester Haman zusammen den Korridor entlang, polterten die Treppe hinunter, br�llten aus vollem Halse eine Warnung und einen Schlachtruf, den man seit zweitausend Jahren nicht mehr geh�rt hatte. �Trollocs kommen! Hoch die �xte und das Feld r�umen! Trollocs kommen !�</p><p>�� und so werde ich mich um Tear k�mmern, Logain, w�hrend Ihr�� Pl�tzlich r�mpfte Rand die Nase. Es war nicht so, dass er pl�tzlich tats�chlich einen fauligen Misthaufen roch, aber es kam ihm so vor, und das Gef�hl wurde st�rker.</p><p>�Schattengez�cht�, sagte Cadsuane leise, legte den Stickreifen zur Seite und stand auf. Seine Haut prickelte, als sie die Quelle umarmte. Oder vielleicht war es auch Alivia, die energisch hinter der Gr�nen Schwester zum Fenster ging. Min stand auf und zog Wurfmesser aus den �rmeln.</p><p>Im gleichen Augenblick h�rte er durch die dicken W�nde undeutlich die Ogier rufen. Diese tiefen, trommel�hnlichen Stimmen waren unverkennbar. �Trollocs kommen! Hoch die �xte und das Feld r�umen!�</p><p>Mit einem Fluch sprang auch er auf die F��e und rannte zu einem Fenster. Tausende Trollocs rannten durch den leichten Regen �ber die frisch ges�ten Felder, Trollocs so gro� wie Ogier und gr��er, Trollocs mit Widderh�rnern und Ziegenh�rnern, Wolfsschnauzen, Keilerschnauzen, Trollocs mit Adlerschn�beln und befiederter Brust. Schlamm spritzte unter Stiefeln und Hufen und Tatzen auf. Sie rannten so lautlos wie der Tod. Hinter ihnen galoppierten schwarz gekleidete Myrddraal; ihre Umh�nge hingen herunter, als w�rden sie ganz still dastehen. Er konnte drei�ig oder vierzig ausmachen. Wie viele waren noch auf den anderen Seiten des Hauses?</p><p>Andere hatten die Rufe der Ogier geh�rt oder vielleicht auch nur aus dem Fenster gesehen. Blitze gingen unter den angreifenden Trollocs nieder, silbrige Blitze, die mit einem Krachen einschlugen und gewaltige K�rper in alle Richtungen schleuderten. An anderen Stellen brach der Boden in Flammen aus, schickte Font�nen aus Erde und Teilen von Trollocs in die H�he, K�pfe, Arme und Beine wirbelten durch die Luft. Feuerb�lle trafen sie und explodierten, jeder t�tete Dutzende. Aber sie rannten weiter, so schnell wie Pferde, wenn nicht noch schneller. Rand konnte die Gewebe nicht sehen, die einige der Blitze anzogen. Jetzt, da sie entdeckt worden waren, fingen die Trollocs an zu br�llen, ein wortloser Aufschrei der Wut. In den strohgedeckten Wirtschaftsgeb�uden, gro�en, stabilen Scheunen und St�llen, steckten einige von Basheres Soldaten die K�pfe heraus und zogen sie schnell wieder zur�ck, knallten die T�ren hinter sich zu.</p><p>�Ihr habt Euren Aes Sedai erlaubt, dass sie zur Selbstvert eidigung die Macht lenken k�nnen?�, sagte er ruhig.</p><p>�Sehe ich wie ein solcher Narr aus, das nicht zu tun?�, fauchte Logain. Er stand an einem anderen Fenster und hielt bereits <emphasis>Saidin,</emphasis> beinahe genauso viel, wie Rand sch�pfen konnte. Er webte so schnell er konnte. �Wollt Ihr hier helfen oder blo� zusehen, mein Lord Drache?� In den Worten lag viel zu viel Sarkasmus, aber jetzt war nicht der Augenblick, das zur Sprache zu bringen.</p><p>Rand holte tief Luft, ergriff den Fensterrahmen, um gegen den Schwindel gewappnet zu sein, der kommen w�rde � die goldm�hnigen Drachenk�pfe auf seinen Handr�cken schienen sich zu winden �, und griff nach der Macht. Alles drehte sich in seinem Kopf, als <emphasis>Saidin</emphasis> in ihn hineinfloss, eisige Flammen und zerberstende Berge, Chaos, das ihn fortsp�len wollte. Aber von s��er Reinheit. Dieses Wunder ber�hrte ihn noch immer. In seinem Kopf drehte sich alles, und sein Magen wollte sich ausleeren, die seltsame �belkeit, die mit dem Makel h�tte verschwinden sollen, aber das war nicht der Grund, warum er sich noch fester am Fenster festkrallte. Die Eine Macht erf�llte ihn � aber in dem Moment der �belkeit hatte sie Lews Therin ihm entrissen.</p><p>Starr vor Entsetzen starrte er die Trollocs und Myrddraal an, die auf die Scheunen zuhielten. Gef�llt mit der Macht konnte er die Anstecker ausmachen, die an gewaltigen gepanzerten Schultern befestigt waren. Der silberne Wirbelwind der Ahf�frait und der blutrote Dreizack der Ko�bal. Der gespaltene Blitz der Ghraem�lan und die Krummaxt der Al�ghol. Die Eisenfaust der Dhai�mon und die rote, blutbefleckte Faust der Kno�mon. Und da waren Sch�del. Der geh�rnte Sch�del der Dha�vol und die aufgeschichteten Totenk�pfe der Ghar�ghael und der mit der sensenf�rmigen Klinge gespaltene Sch�del der Dhjin�nen und der mit einem Dolch durchbohrte Sch�del der Bhan�sheen. Trollocs liebten Totensch�del, sofern sie �berhaupt etwas liebten. Es hatte den Anschein, dass die zw�lf Hauptst�mme hier vertreten waren, und ein paar der weniger bedeutenden. Er sah Symbole, die ihm unbekannt waren. Ein starrendes Auge, eine von einem Dolch durchbohrte Hand, eine in Flammen geh�llte menschliche Gestalt. Sie n�herten sich den St�llen, aus deren Strohd�chern sich Schwerter bohrten, als die Saldaeaner versuchten, sich Wege aufs Dach freizuschneiden. Stroh war z�h. Sie w�rden verzweifelt arbeiten m�ssen. Seltsam. Die Gedanken, die einem kamen, obwohl ein Verr�ckter mit Todessehnsucht einen beim n�chsten Herzschlag t�ten konnte.</p><p>Glas und Holz splitterten, als Str�me aus Luft den Fensterr ahmen vor ihm herausstie�en. <emphasis>Meine H�nde,</emphasis> keuchte Lews Therin. <emphasis>Warum kann ich meine H�nde nicht bewegen? Ich muss die H�nde heben!</emphasis> Erde, Luft und Feuer str�mten in ein Gewebe, das Rand nicht kannte, sechs von ihnen zugleich. Obwohl er sie erkannte, als er das fertige Gewebe sah. Feuerb lumen. Sechs vertikale rote Sch�fte erschienen mitten unter den Trollocs, zehn Fu� hoch und d�nner als Rands Unterarme. Der n�chststehende Trolloc w�rde ihr schrilles Jaulen h�ren, aber falls seit dem Krieg gegen den Schatten nicht die Erinnerungen weitervererbt worden waren, w�rden sie nicht erkennen, dass sie den Tod h�rten. Lews Therin drehte den letzten Strom Luft, und Feuer bl�hte auf. Mit einem das Herrenhaus ersch�tternden Donnern dehnte sich jeder der roten Sch�fte schlagartig zu einer drei�ig Fu� durchmessenden Flammenscheibe aus. Geh�rnte K�pfe und mit Schnauzen versehene K�pfe flogen durch die Luft, umherwirbelnde Arme und Stiefel und Beine, die in Pfoten oder Hufen endeten. Hundert Schritte oder weiter von der Explosion entfernte Trollocs st�rzten, und nur einige standen wieder auf. Er hatte die Gewebe noch nicht fertiggestellt, da webte Lews Therin schon sechs andere, mit Feuer versetzter Geist, das Gewebe f�r ein Wegetor, aber dann f�gte er hier und da Erde hinzu. Die vertrauten vertikalen, silbrig blauen Striche erschienen, nicht weit von dem Herrenhaus entfernt, Gel�nde, das Rand gut kannte, rotierten zu� nicht zu �ffnungen, sondern nur zu dem vier mal vier Schritte gro�en nebelhaften Hintergrund eines Tors. Statt offen zu bleiben, schnappten sie wieder zu, um sich dann wieder drehend zu �ffnen. Und statt an Ort und Stelle zu bleiben, rasten sie auf die Trollocs zu. Wegetore und doch etwas anderes. Todestore. Sobald sich die Todestore in Bewegung setzten, verknotete Lews Therin die Gewebe, ein lockerer Knoten, der nur wenige Minuten halten w�rde, bevor er dem Gewebe erlaubte, sich wieder aufzul�sen. Und er webte schon weiter. Mehr Todestore, mehr Feuerblumen, die die Hausw�nde erbeben lie�en und Trollocs in St�cke rissen. Die ersten der fliegenden Todestore trafen die Trollocs und schnitten sich einen Weg durch sie hindurch. Es war nicht nur der messerscharfe Rand der sich �ffnenden und schlie�enden Tore. Wo ein Todestor vorbeizog, da gab es einfach keine Trollocs mehr. <emphasis>Meine H�nde!,</emphasis> heulte der Wahnsinnige. <emphasis>Meine H�nde!</emphasis></p><p>Langsam hob Rand die H�nde, stie� sie durch die �ffnung. Augenblicklich webte Lews Therin Feuer und Erde in komplizierten Kombinationen, und aus Rands Fingerspitzen l�sten sich rote F�den, zehn an jeder Hand. Flammenpfeile. Sobald sie verschwanden, erschienen die n�chsten, und das so schnell, das sie nur zu flackern schienen statt sich auszubreiten. Trollocs zuckten, wenn sich von diesen Blitzen getroffenes Fleisch und Blut erhitzte und verfl�ssigte, zuckten und st�rzten mit L�chern, die durch ihre massigen K�rper gestanzt worden waren. Oft st�rzten auch nur drei oder vier hinter dem ersten Opfer, bis sich die Blitze ersch�pften. Er spreizte die Finger und bewegte langsam die H�nde hin und her, verbreitete den Tod entlang der ganzen Linie. Feuerblumen erschienen, die er nicht gewebt hatte, und Todestore, die etwas kleiner als Lews Therins waren, und Feuerpfeile, die von Logain kommen mussten. Die anderen Asha�man passten auf, aber nur wenige w�rden auf Positionen stehen, auf denen sie sehen konnten, wie man die letzten beiden Gewebe herstellte.</p><p>Trollocs fielen zu Hunderten, zu Tausenden, niederg estreckt von Blitzen und von Feuerb�llen, Feuerblumen und Todestoren und Flammenpfeilen, die Erde selbst explodierte unter ihren F��en, und doch st�rmten sie br�llend weiter und schwangen die Waffen. Myrddraal ritten dicht hinter ihnen, Schwerter mit schwarzen Klingen in der Hand. Als sie die Au�engeb�ude erreichten, kreisten ein paar der Trollocs sie ein, h�mmerten mit den F�usten gegen die T�ren, gingen mit Schwertern und Speeren auf die W�nde los, warfen Fackeln auf die Strohd�cher. Die dort oben stehenden Saldaeaner bedienten ihre Reiterb�gen, so schnell sie konnten, traten die Fackeln zur�ck nach unten, aber ein paar blieben an den Dachr�ndern h�ngen, und selbst das feuchte Stroh fing Feuer.</p><p><emphasis>Das Feuer,</emphasis> dachte Rand, an Lews Therin gewandt. <emphasis>Die Sald aeaner werden brennen! Tu was!</emphasis></p><p>Lews Therin gab keine Erwiderung, webte nur den Tod, so schnell wie er konnte, und warf ihn den Trollocs entgegen, Todestore und Flammenpfeile. Ein von einem halben Dutzend roter F�den durchbohrter Myrddraal wurde aus dem Sattel geschleudert, dann ein weiterer. Ein Dritter verlor durch einen Flammenpfeil den Kopf in einer Explosion aus kochendem Blut und Fleisch, aber er ritt weiter und schwenkte das Schwert, als w�sste er nicht, dass er tot war. Rand suchte sie sich heraus. Wenn die Myrddraal alle get�tet wurden, wandten sich die Trollocs m�glicherweise zur Flucht.</p><p>Jetzt webte Lews Therin nur noch Todestore und Flamm enpfeile. Die Masse der Trollocs befand sich unterdessen zu nahe am Haus f�r Feuerblumen. Einige der Asha�man erkannten das offensichtlich nicht sofort. Lautes Donnern lie� das Zimmer erbeben, das ganze Herrenhaus erzitterte wie von riesigen Vorschlagh�mmern getroffen, bebte, als w�rde es sich in seine Bestandteile aufl�sen, und dann h�rten die Explosionen auf, au�er an den Stellen, wo ein Feuerball aufflammte oder der Boden selbst explodierte, um Trollocs wie kaputte Spielzeuge umherzuwirbeln. Der Himmel schien Blitze zu regnen. Silberblaue Blitze schlugen so nahe am Haus ein, dass die Haare auf Rands Armen und Brust sich aufrichten wollten, genau wie die auf seinem Kopf.</p><p>Ein paar Trollocs gelang es, die T�ren zu einer der Scheun en aufzuzwingen, und sie str�mten hinein. Rand bewegte die H�nde, m�hte die noch drau�en stehenden mit flackernden roten F�den nieder, die L�cher in sie hineinstanzten. Ein paar hatten es ins Innere geschafft, aber mit denen w�rden die Saldaeaner selbst fertig werden m�ssen. Auf einer anderen Scheune und einem Stall flackerten Flammen im Stroh auf, M�nner husteten durch den �tzenden Rauch, w�hrend sie mit ihren B�gen sch�ssen.</p><p><emphasis>H�r mir zu, Lews Therin. Das Feuer. Du musst etwas dagegen unternehmen!</emphasis></p><p>Lews Therin schwieg, webte nur seine Gewebe, um Troll ocs und Myrddraal zu t�ten.</p><p>�Logain�, rief Rand. �Die Feuer! L�scht sie!�</p><p>Der Asha�man antwortete auch nicht, aber Rand sah Gewebe, die die Hitze aus den Flammen sogen und sie l�schten. Sie verschwanden einfach, lie�en kaltes, geschw�rztes Stroh zur�ck, von dem nicht einmal mehr Rauch aufstieg. Der Tod wandelte unter den Trollocs, aber sie waren jetzt so nahe am Haus, dass sogar die Explosionen der Feuerb�lle das Geb�ude ersch�tterten.</p><p>Pl�tzlich stand ein Myrddraal vor dem Fenster, das blasse, augenlose Gesicht so ruhig wie das einer Aes Sedai. Das Schwert zuckte bereits auf Rand zu. Zwei geschleuderte Aiel-Speere trafen seine Brust, ein Wurfmesser bohrte sich in seine Kehle, aber er stolperte blo� zur�ck, bevor er das Schwert erneut hob. Rand legte die Finger zusammen, und kurz bevor ihn die Klinge treffen konnte, sch�ssen hundert Flammenpfeile durch den Myrddraal und warfen ihn zwanzig Schritte zur�ck. Er blieb durchbohrt liegen, schwarzes Blut tr�nkte den Boden. Myrddraal starben selten auf der Stelle, aber dieser zuckte nicht einmal mehr.</p><p>Hastig suchte Rand nach weiteren Zielen, aber dann bemerkte er, dass Lews Therin aufgeh�rt hatte, die Macht zu lenken. Er konnte noch immer die G�nsehaut sp�ren, die ihm verriet, dass Cadsuane und Alivia die Macht hielten, konnte noch immer das <emphasis>Saidin</emphasis> in Logain f�hlen, aber der andere Mann webte auch nicht l�nger. Der Erdboden drau�en war mit Leichen und K�rperteilen �bers�t, von den Feldern bis fast zur Hauswand. Nur noch wenige Schritte entfernt. Ein paar Pferde der Myrddraal standen noch, eines hielt den Vorderlauf hoch, als w�re er gebrochen. Ein kopfloser Myrddraal stolperte herum, hieb wild mit dem Schwert um sich, und hier und da zuckte ein Trolloc oder versuchte sich vergeblich noch einmal zu erheben, aber sonst r�hrte sich nichts mehr.</p><p><emphasis>Es ist vorbei,</emphasis> dachte er. <emphasis>Es ist vorbei, Lews Therin. Du kannst</emphasis> Saidin <emphasis>jetzt loslassen.</emphasis> Harilin und Enaila standen auf dem Tisch, verschleiert und mit Speeren in den H�nden. Min stand mit grimmigem Gesicht neben ihnen, in jeder Hand ein Wurfmesser. Der Bund war voller Furcht, und nicht um sich selbst, wie er vermutete. Sie hatten ihm das Leben gerett et, aber jetzt musste er sich selbst retten.</p><p>�Das war knapp�, murmelte Logain. �W�re das vor meiner Ankunft geschehen� Wirklich knapp.� Er sch�ttelte sich und lie� die Quelle los, wandte sich von dem glaslosen Fenster ab. �Wollt Ihr diese neuen Gewebe nur Euren Favoriten �berlassen, so wie Taim? Diese Tore. Wo haben wir diese Trollocs hingeschickt? Ich habe Euer Gewebe lediglich genau kopiert.�</p><p>�Es ist egal, wo sie gelandet sind�, sagte Rand abwesend. Seine Aufmerksamkeit war auf Lews Therin konzentriert. Der Wahnsinnige, diese verfluchte Stimme in seinem Kopf, sch�pfte noch etwas mehr von der Macht. <emphasis>Lass los, Mann.</emphasis></p><p>�Schattengez�cht �berlebt den Durchgang durch ein Weget or nicht.�</p><p><emphasis>Ich will sterben,</emphasis> sagte Lews Therin. <emphasis>Ich will zu meiner Ilyena.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn du wirklich sterben wolltest, warum hast du dann die Trollocs get�tet?,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Warum diesen Myrddraal t�ten?</emphasis> �Die Leute werden Gruppen toter Trollocs und vielleicht auch Myrddraal ohne jede �u�ere Verletzung finden�, sagte er laut.</p><p><emphasis>Ich glaube, ich kann mich ans Sterben erinnern,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Ich erinnere mich, wie ich es getan habe.</emphasis> Er sch�pfte weiter, und Rands Schl�fen fingen an zu schmerzen.</p><p>�Aber nicht zu viele an einer Stelle. Das Ziel �ndert sich jedes Mal, wenn sich das Todestor �ffnet.� Rand rieb sich die Schl�fen. Dieser Schmerz war eine Warnung. Er stand kurz davor, die Menge an <emphasis>Saidin</emphasis> zu halten, die er kontrollieren konnte, ohne zu sterben oder ausgebrannt zu werden. <emphasis>Du kannst noch nicht sterben,</emphasis> sagte er zu Lews Therin. <emphasis>Wir m�ssen bis Tarmon Gai�don �berleben, oder die</emphasis> Welt <emphasis>stirbt.</emphasis></p><p>�Ein Todestor�, sagte Logain voller Abscheu. �Warum haltet Ihr noch immer die Macht?�, fragte er dann pl�tzlich.</p><p>�Und so viel. Wenn Ihr mir beweisen wollt, dass Ihr st�rker seid, als ich es bin, das wei� ich bereits. Ich habe gesehen, wie gro� Eure <emphasis>Todestore</emphasis> verglichen mit meinen waren. Und ich w�rde behaupten, dass Ihr jeden Tropfen <emphasis>Saidin</emphasis> haltet, der m�glich ist.�</p><p>Das zog jedermanns Aufmerksamkeit auf sich. Min steckte die Messer weg und sprang vom Tisch; der Bund schien pl�tzlich so voller Furcht, dass er f�rmlich davor pulsierte. Harilin und Enaila wechselten besorgte Blicke, dann schauten sie wieder aus dem Fenster. Sie vertrauten nicht darauf, dass Trollocs wirklich tot waren, bevor sie nicht drei Tage lang begraben blieben. Alivia trat stirnrunzelnd einen Schritt auf ihn zu, aber er sch�ttelte kaum merklich den Kopf, und sie wandte sich wieder ihrem Fenster zu, auch wenn das Stirnrunzeln bestehen blieb.</p><p>Cadsuane rauschte durch den Raum; ihr Gesicht trug einen strengen Ausdruck. �Was f�hlt er?�, wollte sie von Min wissen. �Keine Ausfl�chte, M�dchen. Ihr kennt den Preis. Ich wei�, dass er sich mit Euch verbunden hat, und Ihr wisst, dass ich es wei�. F�rchtet er sich?�</p><p>�Er hat nie Angst�, sagte Min. �Au�er wegen mir und��</p><p>Sie schob stur das Kinn nach vorn und verschr�nkte die Arme unter den Br�sten, widmete Cadsuane einen Blick, der die Gr�ne Schwester herausforderte, ihr Schlimmstes zu tun. Der komplizierten Mixtur aus Gef�hlen nach zu urteilen, die von Angst bis zu Scham reichte, die sie aus dem Bund halten wollte, worin sie aber scheiterte, hatte sie durchaus eine genaue Vorstellung, wie Cadsuanes Schlimmstes aussehen w�rde.</p><p>�Ich stehe genau vor Euch�, sagte Rand. �Wenn Ihr wissen wollt, wie ich mich f�hle, dann fragt mich.� <emphasis>Lews Therin?,</emphasis> dachte er. Keine Antwort, und das <emphasis>Saidin,</emphasis> das ihn erf�llte, nahm nicht ab. Seine Schl�fen fingen an zu pochen.</p><p>�Und?�, sagte Cadsuane ungeduldig.</p><p>�Ich f�hle mich blendend.� <emphasis>Lews Therinl</emphasis> �Aber ich habe eine Regel f�r Euch, Cadsuane. Droht Min nie wieder. Und mehr noch, lasst sie in Frieden.�</p><p>�So, so. Der Junge zeigt die Z�hne.� Goldene V�gel und Fische, Sterne und Monde wackelten, als sie den Kopf sch�ttelte. �Zeigt aber nicht zu viele. Und Ihr k�nntet die junge Frau fragen, ob sie Euren Schutz �berhaupt will.� Seltsamerweise hatte Min ihren Missmut jetzt auf ihn gerichtet, und der Bund prickelte vor Gereiztheit. Beim Licht, es war schlimm genug, dass es ihr nicht gefiel, wenn er sich um sie sorgte. Jetzt wollte sie sich anscheinend auch noch im Alleingang auf Cadsuane st�rzen, etwas, das nicht einmal er gern getan h�tte.</p><p><emphasis>Wir k�nnen bei Tarmon Gai�don sterben,</emphasis> sagte Lews Ther in, und pl�tzlich str�mte die Macht aus ihm heraus.</p><p>�Er hat losgelassen�, sagte Logain, als w�re er pl�tzlich auf Cadsuanes Seite.</p><p>�Ich wei߫, erwiderte sie. Er riss �berrascht den Kopf zu ihr her�ber.</p><p>�Min kann sich selbst mit Euch auseinandersetzen, wenn sie es will�, sagte Rand und ging in Richtung T�r. �Aber bedroht sie nicht.� <emphasis>]a,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wir k�nnen bei Tarmon Gai�don sterben.</emphasis></p></section><section><title><p>20</p><p>Der Goldene Kranich</p></title><p>Der Wind hatte sich gelegt, als der Regen nachlie�, aber die Sonne wurde noch immer von grauen Wolken verborgen. Der feine Nieselregen reichte allerdings aus, um Rands Haar zu durchn�ssen, und drang auch in seinen mit goldenem Besatz bestickten schwarzen Mantel, w�hrend er zwischen den toten Trollocs umherging. Logain hatte einen Schild aus Luft gewebt, sodass die Regentropfen von ihm abprallten oder um ihn herum zu Boden perlten, aber Rand wollte kein weiteres Mal das Risiko eingehen, dass Lews Therin wieder <emphasis>Saidin</emphasis> an sich riss. Der Mann hatte gesagt, er k�nnte mit dem Sterben bis zur Letzten Schlacht warten, aber wie weit konnte man einem Verr�ckten schon vertrauen?</p><p><emphasis>Verr�ckt?,</emphasis> wisperte Lews Therin. <emphasis>Bin ich verr�ckter als du?</emphasis> Er wollte sich vor Lachen aussch�tten.</p><p>Gelegentlich sah Nandera Rand �ber die Schulter an. Die hochgewachsene, sehnige Frau, die ihr grau werdendes Haar unter der braunen <emphasis>Shoufa</emphasis> verbarg, war die Anf�hrerin der T�chter, zumindest jener auf dieser Seite der Drachenmauer, aber sie hatte beschlossen, seine Leibwache pers�nlich zu befehligen. Ihre gr�nen Augen � das war alles, was er �ber dem schwarzen Schleier von ihrem von der Sonne gebr�unten Gesicht sehen konnte � waren ziemlich ausdruckslos, aber er war davon �berzeugt, dass sie sich Sorgen machte, weil er sich nicht vor dem Regen sch�tzte. T�chter schienen es zu bemerken, wenn etwas nicht wie immer war. Er hoffte, dass sie den Mund hielt.</p><p><emphasis>Du musst mir vertrauen,</emphasis> sagte Lews Therin. <emphasis>Vertrau mir.</emphasis></p><p><emphasis>Oh, beim Licht, ich flehe eine Stimme in meinem Kopf an! Ich</emphasis> muss <emphasis>verr�ckt sein!</emphasis></p><p>Nandera und der Rest der f�nfzig verschleierten T�chter bildeten einen gro�en Kreis um Rand. Sie standen beinahe Schulter an Schulter und stie�en die Speere in jeden Trolloc und Myrddraal, an dem sie vorbeikamen, traten entschlossen �ber gro�e abgetrennte Arme und Beine, �ber abgetrennte K�pfe mit H�rnern oder Sto�z�hnen oder Rei�z�hnen. Gelegentlich st�hnte ein Trolloc oder versuchte, matt von ihnen fortzukriechen � oder sich knurrend auf sie zu st�rzen �, aber sie taten es nicht lange. Krieg mit Trollocs war wie Krieg mit tollw�tigen Hunden. Entweder man t�tete sie oder sie t�teten einen. Es gab kein Palaver, kein Ergeben, nur sie oder wir.</p><p>Bis jetzt hatte der Regen die Geier ferngehalten, aber �berall flatterten Kr�hen und Raben umher; ihr schwarzes Gefieder funkelte feucht, und falls einige von ihnen die Augen des Dunklen K�nigs waren, hielt sie das nicht davon ab, Trollocs die Augen auszurupfen oder zu versuchen, einen anderen Bissen zu erbeuten. Es waren gen�gend Trollocs in St�cke gerissen worden, dass die V�gel reiche Nahrung fanden. Aber keiner ging in die N�he eines toten Myrddraals, und sie mieden Trollocs, die zu nahe bei einem Myrddraal lagen. Aber das deutete nur auf Vorsicht hin. Vermutlich rochen die Myrddraals falsch f�r die V�gel. Das Blut eines Myrddraals konnte Stahl ver�tzen, falls man es zu lange dort lie�. F�r Raben und Kr�hen musste es wie Gift gerochen haben.</p><p>Die �berlebenden Saldaeaner erlegten die V�gel mit Pfeil en oder spie�ten sie mit ihren leicht gekr�mmten Schwertern auf oder erschlugen sie einfach mit Schaufeln oder Hacken oder Rechen, mit allem, was als ordentliche Keule diente � in den Grenzlanden war es undenkbar, eine Kr�he oder einen Raben am Leben zu lassen; sie waren zu oft die Augen des Dunklen K�nigs �, aber es waren zu viele. Hunderte schwarz gefiederte V�gel lagen zwischen den Trollocs, und f�r jeden Kadaver schienen sich hundert weitere lautstark um die Weichteile zu streiten, einschlie�lich Teile ihrer toten Artgenossen. Die Asha�man und Aes Sedai hatten den Versuch, sie zu t�ten, schon lange aufgegeben.</p><p>�Mir gef�llt es nicht, dass sich meine M�nner auf diese Weise verausgaben�, sagte Logain. <emphasis>Seine</emphasis> M�nner. �Oder die Schwestern, was das angeht. Gabrelle und Toveine werden bei Einbruch der Nacht der Ersch�pfung nahe sein.� Er war mit beiden Schwestern den Bund eingegangen, also musste er es wissen. �Was ist, wenn noch ein Angriff erfolgt?�</p><p>�berall um das Herrenhaus und die Au�enbezirke herum flammten kurzzeitige Feuer auf, die so hei� waren, dass sich die Leute zum Schutz die Augen beschatteten. Aes Sedai und Asha�man �scherten Trollocs und Myrddraals dort ein, wo sie lagen. Es waren zu viele, um sie einsammeln und aufschichten zu k�nnen. Mit weniger als zwanzig Aes Sedai und keinem Dutzend Asha�man und etwa hunderttausend Trollocs w�rde es eine langwierige Arbeit sein. Vermutlich w�rde sich der Verwesungsgestank zu den bereits �blen Ger�chen in der Luft dazugesellen, bevor sie erledigt war, der kupferige Geruch von Schattengez�chtblut, der Gestank dessen, was auch immer sich in den Trolloceingeweiden befunden haben mochte, als sie aufgerissen worden waren. Besser, nicht zu lange dar�ber nachzudenken. Vermutlich gab es zwischen dem Herrenhaus und dem R�ckgrat der Welt keinen lebenden Bauern oder Dorfbewohner mehr. Dort mussten die Trollocs hergekommen sein, aus dem Wegetor au�erhalb des <emphasis>Stedding</emphasis> Shangtai. Wenigstens war Loials Heimat sicher. Weder Trollocs noch Myrddraals w�rden ein <emphasis>Stedding</emphasis> betreten, solange sie nicht dazu getrieben wurden, und dazu ben�tigte man einen energischen Antrieb.</p><p>�Wollt Ihr sie lieber an Ort und Stelle verrotten lassen?�, fragte Cadsuane und klang, als w�re ihr pers�nlich das v�llig gleichg�ltig. Sie hielt die gr�nen R�cke hoch, sodass die Seide nicht durch den blutgetr�nkten Schlamm oder die Eingeweide schleifte, aber sie stieg genauso unbeteiligt wie die T�chter �ber Beine und K�pfe. Sie hatte ebenfalls einen Regenschirm gewebt, genau wie Alivia auch, aber die hatte es erst getan, nachdem sie es bei der Gr�nen gesehen hatte. Rand hatte versucht, die ihm verschworenen Schwestern dazu zu bringen, der Seanchanerin mehr �ber die Macht beizubringen, aber ihrer Ansicht nach hatte das nichts mit dem Treueid zu tun. Sie war keine Gefahr f�r sich und auch keine f�r andere, und es reichte ihnen, es dabei zu belassen. Auch Nynaeve hatte sich geweigert, wegen Mins Sicht. Cadsuane hatte ihn k�hl dar�ber informiert, dass sie keine Wilden unterrichtete.</p><p>�Das hier w�rde zu einem wahren Schlachthaus�, sagte Min. Ihr Gang hatte einen auffallenden Schwung, auch wenn sie sich offensichtlich bem�hte, nicht an das zu denken, was unter ihren F��en lag, w�hrend sie es gleichzeitig vermied, einen mit einem Absatz versehenen blauen Stiefel daraufzusetzen, und das lie� sie gelegentlich straucheln. Auch sie wurde nass, ihre Locken fingen an, am Kopf zu kleben, aber der Bund verriet keinen Verdruss dar�ber. Nur Wut, und dem Blick nach zu urteilen, mit dem sie Logain bedachte, war sie auf ihn gerichtet. �Wo sollten die Diener hingehen, und die Menschen, die auf den Feldern und in den St�llen arbeiten? Wie sollen sie leben?�</p><p>�Es wird keinen weiteren Angriff geben�, sagte Rand.</p><p>�Nicht bevor derjenige, der sie losgeschickt hat, von seinem Fehlschlag erf�hrt, und vielleicht nicht einmal dann. Das war alles, was sie geschickt haben. Die Myrddraals h�tten nicht einzeln angegriffen.� Logain grunzte, aber dagegen konnte er nichts sagen.</p><p>Rand schaute zur�ck zum Herrenhaus. An einigen Stellen lagen tote Trollocs direkt an den Fundamenten. Keiner hatte es hinein geschafft, aber� <emphasis>Logain hatte Recht,</emphasis> dachte er und betrachtete das Schlachtfeld. Es <emphasis>war</emphasis> knapp gewesen. Ohne die Asha�man und Aes Sedai, die Logain mitgebracht hatte, h�tte die Sache anders ausgehen k�nnen. Sehr knapp. Und falls es sp�ter noch einen weiteren Angriff gab�?</p><p>Offensichtlich kannte jemand Ishamaels Trick. Oder der blau�ugige Mann in seinem Kopf konnte ihn wirklich lokalisieren. Ein weiterer Angriff w�rde gr��er ausfallen. Entweder das oder er w�rde aus einer unerwarteten Richtung kommen. Vielleicht sollte er Logain noch ein paar weitere Asha�man bringen lassen.</p><p><emphasis>Du h�ttest sie t�ten sollen,</emphasis> schluchzte Lews Therin. <emphasis>Dazu ist es jetzt zu sp�t. Zu sp�t.</emphasis></p><p><emphasis>Die Quelle ist jetzt sauber, du Narr,</emphasis> dachte Rand.</p><p><emphasis>Ja,</emphasis> erwiderte Lews Therin. <emphasis>Aber sind</emphasis> sie <emphasis>es? Bin ich es?</emphasis></p><p>Dar�ber hatte sich Rand auch schon Gedanken gemacht. Die eine H�lfte der zweifachen Wunde in seiner Seite stammte von Ishamael, die andere H�lfte von Padan Fains Dolch, der mit dem Makel von Shadar Logoth beschmutzt gewesen war. Sie pulsierten oft, und wenn sie das taten, schienen sie zu leben.</p><p>Der Kreis der T�chter �ffnete sich ein St�ck, um einen wei�haarigen Diener mit einer langen spitzen Nase durchzulassen, der noch gebrechlicher als Ethin aussah. Er versuchte sich ausgerechnet unter einen Sonnenschirm des Meervolks zu ducken, aber die alte blaue Seide wies mehrere L�cher auf, und ein paar Rinnsale pl�tscherten auf seinen gelben Mantel und seinen Kopf. Das d�nner werdende Haar klebte ihm am Sch�del und tropfte. Er schien klitschnass zu sein, als h�tte er auf den Schirm verzichtet. Zweifellos hatte einer von Algarins Vorfahren das Ding als Souvenir mitgebracht, und wo er es herhatte, war bestimmt eine Geschichte f�r sich. Rand bezweifelte, dass sich das Meervolk so ohne weiteres vom Sonnenschirm einer Herrin der Wogen trennte.</p><p>�Mein Lord Drache�, sagte der alte Mann mit einer Verb eugung, die noch mehr Wasser seinen R�cken runterschickte. �Verin Sedai hat mir aufgetragen, Euch das hier sofort zu geben.� Er zog ein zusammengefaltetes und versiegeltes Blatt Papier unter dem Mantel hervor.</p><p>Rand stopfte es schnell in die Manteltasche, um es vor dem Regen zu sch�tzen. Tinte verschwamm schnell. �Danke, aber das h�tte warten k�nnen, bis ich zur�ck im Haus bin. Ihr solltet schnell wieder hineingehen, bevor Ihr v�llig durchn�sst seid.�</p><p>�Sie sagte <emphasis>sofort,</emphasis> mein Lord Drache.� Der Bursche klang ver�rgert. �Sie ist eine Aes Sedai.�</p><p>Nach Rands Nicken verbeugte er sich erneut und ging langsam zum Haus zur�ck, den R�cken steif vor Stolz, w�hrend der Sonnenschirm ihn mit noch mehr Wasser tr�nkte. Sie war eine Aes Sedai. Jeder sprang f�r eine Aes Sedai, selbst in Tear, wo sie nicht beliebt waren. Was hatte Verin zu sagen, dass sie es schriftlich niederlegen musste? Rand strich mit dem Daumen �ber das Siegel und ging weiter.</p><p>Sein Ziel war eine der Scheunen, deren Strohdach teilw eise verbrannt war. Es war die Scheune, in die die Trollocs eingedrungen waren. Ein st�mmiger Kerl in einem schlichten braunen Mantel und schlammverschmierten Stiefeln, der am Torpfosten lehnte, stellte sich bei Rands N�herkommen aufrecht hin und schaute aus irgendeinem Grund hastig �ber die Schulter ins Scheuneninnere. Die T�chter schw�rmten aus und umstellten die Scheune.</p><p>Er blieb an der Schwelle wie angewurzelt stehen, Min und die anderen taten es ihm nach. Logain knurrte einen Fluch. Zwei Laternen, die an den Pfeilern des Heubodens hingen, verbreiteten nur schwaches Licht, aber es reichte aus, um zu sehen, dass jede Fl�che vor Fliegen wimmelte, selbst der strohbedeckte Boden. Und genauso viele schienen in der Luft umherzuschwirren.</p><p>�Wo kommen die her?�, fragte Rand. Algarin mochte nicht reich sein, aber seine Scheunen und St�lle wurden so sauber wie m�glich gehalten. Der st�mmige Kerl zuckte schuldbewusst zusammen. Er war j�nger als die meisten der Diener, aber sein Haar hatte sich bereits gelichtet, und seine Augen und seine Mundwinkel wiesen tiefe Falten auf.</p><p>�Wei� nicht, mein Lord�, murmelte er und f�hrte einen schmutzigen Kn�chel an die Stirn. Er konzentrierte sich so sehr auf Rand, dass offensichtlich war, dass er nicht in die Scheune sehen wollte. �Ich bin zur T�r gegangen, um Luft zu schnappen, und als ich mich wieder umdrehte, waren sie da. Ich dachte� ich dachte, es w�ren vielleicht tote Fliegen.�</p><p>Rand sch�ttelte angewidert den Kopf. Diese Fliegen waren nur zu lebendig. Nicht jeder der Saldaeaner, die diese Scheune verteidigt hatten, war gestorben, aber man hatte alle Gefallenen der Saldaeaner hierher gebracht. Sie mochten es nicht, im Regen begraben zu werden. Keiner von ihnen konnte den Grund daf�r nennen, aber man begrub einfach niemanden, solange es regnete. Auf dem Boden lagen neunzehn M�nner in einer ordentlichen Reihe, so ordentlich das ging, wenn einigen Gliedma�en fehlten oder eingeschlagene Sch�del aufwiesen. Aber sie waren von ihren Freunden und Kameraden sorgf�ltig hingelegt worden, die Gesichter gewaschen, die Augen geschlossen. Er war ihretwegen gekommen. Nicht um sich zu verabschieden oder aus anderen sentimentalen Gr�nden; er hatte keinen dieser M�nner pers�nlich gekannt, lediglich das eine oder andere Gesicht war ihm vertraut. Er war gekommen, um sich in Erinnerung zu rufen, dass selbst etwas, das wie ein vollst�ndiger Sieg erschien, Blut kostete. Und dennoch hatten sie etwas Besseres verdient, als von Fliegen �bers�t zu sein.</p><p><emphasis>Ich brauche keine Erinnerung,</emphasis> knurrte Lews Therin.</p><p><emphasis>Ich bin nicht du,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Ich muss mich abh�rten.</emphasis></p><p>�Logain, schafft die verdammten Mistviecher weg!�, sagte er laut.</p><p><emphasis>Du bist h�rter, als ich es jemals war,</emphasis> sagte Lews Therin. Pl�tzlich kicherte er. <emphasis>Wenn du nicht ich bist, wer bist du dann?</emphasis></p><p>�Bin ich jetzt hier die verdammte Fliegenklatsche?�, murm elte Logain.</p><p>Rand wirbelte w�tend zu ihm herum, aber Alivia sprach, bevor er auch nur ein Wort hervorbringen konnte.</p><p>�Lasst es mich versuchen, mein Lord.� In gewisser Weise bat sie, aber sie wartete wie eine Aes Sedai nicht auf die Erlaubnis. Er bekam eine G�nsehaut, als sie <emphasis>Saidar</emphasis> umarmte und die Macht lenkte.</p><p>Fliegen suchten selbst vor dem leichtesten Regen Schutz, weil ein Regentropfen ausreichte, um eine Fliege zu Boden zu rei�en, was sie zu einer leichten Beute machte, bis ihre Fl�gel wieder getrocknet waren, aber pl�tzlich war das Tor mit einer summenden Fliegenmasse erf�llt, als w�re der Regen der Scheune vorzuziehen. Die Luft schien nur noch aus ihnen zu bestehen. Rand schlug Fliegen von seinem Gesicht fort, und Min bedeckte das Gesicht mit den H�nden, w�hrend Ekel im Bund pulsierte, aber sie waren nur an der Flucht interessiert. In wenigen Augenblicken waren sie alle verschwunden. Der �ltere Mann starrte Alivia mit offenem Mund an, dann hustete er pl�tzlich und spuckte zwei Fliegen in die Hand. Cadsuane warf ihm einen Blick zu, der seinen Mund zuschnappen und den Kn�chel an die Stirn fliegen lie�. Nur ein Blick, aber sie war, was sie war.</p><p>�Also seht Ihr zu�, sagte sie zu Alivia. Ihre dunklen Augen waren auf das Gesicht der Seanchanerin gerichtet, aber Alivia zuckte nicht zusammen und stotterte auch nicht. Aes Sedai konnten sie nicht so sehr beeindrucken wie andere Leute.</p><p>�Und ich erinnere mich an das, was ich sehe. Ich muss ja irgendwie lernen, wenn ich dem Lord Drachen helfen soll. Ich habe mehr gelernt, als Ihr ahnt.� Min gab einen Laut von sich, beinahe ein Knurren aus tiefster Kehle, und Wut schoss durch den Bund, aber die blonde Frau ignorierte sie.</p><p>�Ihr seid mir nicht b�se?�, fragte sie Rand nerv�s.</p><p>�Nein. Lernt, so viel Ihr k�nnt. Ihr macht das sehr gut.�</p><p>Sie err�tete und schlug die Augen wie ein M�dchen nieder, das von einem unerwarteten Kompliment �berrascht worden war. Ihre Augenwinkel wiesen feine F�ltchen auf, aber manchmal fiel es schwer, nicht zu vergessen, dass sie hundert Jahre �lter als jede lebende Aes Sedai und nicht ein halbes Dutzend Jahre j�nger als er war. Er <emphasis>musste</emphasis> jemanden finden, der sie weiter unterrichtete.</p><p>�Rand al�Thor�, sagte Min �rgerlich, �du wirst doch wohl diese Frau nicht��</p><p>�Deine Sicht irrt dich nie�, unterbrach er sie. �Was du siehst, passiert auch. Du hast versucht, die Dinge zu �ndern, und es hat nie funktioniert. Das hast du mir selbst gesagt. Wie kommst du also darauf, dass es diesmal anders sein soll?�</p><p>�Weil es anders sein <emphasis>muss�,</emphasis> sagte sie aufgebracht. Sie beugte sich vor, als wollte sie sich auf ihn st�rzen. �Weil ich <emphasis>will,</emphasis> dass es anders ist. Weil es anders sein <emphasis>wird.</emphasis> Davon abgesehen wei� ich nicht, ob alles eintrifft, was ich sehe. Menschen ver�ndern sich. Ich habe mich bei Moiraine geirrt. Ich habe alle m�glichen Dinge in ihrer Zukunft gesehen, und sie ist tot. Vielleicht sind auch ein paar andere der Dinge, die ich gesehen habe, niemals wahr geworden.�</p><p><emphasis>Es darf diesmal nicht anders sein,</emphasis> keuchte Lews Therin.</p><p><emphasis>Du hast es versprochen!</emphasis></p><p>Ein leichtes Stirnrunzeln erschien auf Logains Gesicht, und er sch�ttelte den Kopf. Es konnte ihm nicht gefallen, h�ren zu m�ssen, dass Min ihre F�higkeiten in Frage stellte. Beinahe bedauerte es Rand, dass er ihm von ihrer Sicht erz�hlt hatte, auch wenn es seinerzeit nur eine harmlose Ermunterung zu sein schien. Der Mann hatte doch tats�chlich Aes Sedai gebeten, Mins Gabe zu best�tigen, obwohl er klug genug gewesen war, seine Zweifel nicht vor Rand zum Ausdruck zu bringen.</p><p>�Ich verstehe nicht, warum diese junge Frau so leidens chaftlich ist, was Euch betrifft, mein Junge�, sagte Cadsuane nachdenklich. Sie sch�rzte nachdenklich die Lippen, dann sch�ttelte sie den Kopf und lie� den Schmuck baumeln.</p><p>�Oh, Ihr seid ja ganz attraktiv, sch�tze ich mal, aber ich kann das einfach nicht nachvollziehen.�</p><p>Um weiteren Streit mit Min zu vermeiden � sie nannte das anders, sie bezeichnete es als �Gespr�ch�, aber er kannte den Unterschied �, holte Rand Verins Brief aus der Tasche und brach das gelbe Wachssiegel, in das der Gro�e Schlang enring eingepr�gt war. Die spinnenhafte Handschrift der Braunen Schwester bedeckte den gr��ten Teil der Seite; ein paar Buchstaben waren verschwommen, wo das Papier Regentropfen abbekommen hatte. Er ging zur n�chsten Laterne. Sie stank leicht nach ranzigem �l.</p><p>Wie ich bereits gesagt habe, habe ich hier getan, was ich tun konnte. Ich glaube, ich kann meinen Eid Euch gegen�ber anderswo besser erf�llen, also bin ich mit Tomas abgereist. Schlie�lich gibt es viele M�glichkeiten, Euch zu dienen, und viele Notwendigkeiten. Ich bin �berzeugt, dass Ihr Cadsuane vertrauen k�nnt, und Ihr solltet auf ihren Rat h�ren, aber h�tet Euch vor den anderen Schwestern, eingeschlossen denen, die Euch die Treue geschworen haben. Einer Schwarzen Schwester bedeutet dieser Eid gar nichts, und selbst jene, die im Licht wandeln, k�nnten ihn auf eine Weise interpretieren, die Euch nicht gefallen d�rfte. Ihr wisst bereits, dass nur wenige diesen Eid in allen Dingen im Sinne absoluten Gehorsams sehen. Einige m�gen andere Schlupfl�cher finden. Ob Ihr nun Cadsuanes Rat folgt oder nicht, und ich finde, Ihr solltet ihn befolgen, h�rt aber auf jeden Fall auf meinen. Seid sehr misstrauisch.</p><p>Die Unterschrift lautete schlicht �Verin�.</p><p>Er grunzte m�rrisch. Nur <emphasis>wenige</emphasis> waren der Meinung, dass der Eid absoluten Gehorsam bedeutete? Wohl eher keine. F�r gew�hnlich gehorchten sie, aber das bedeutete nicht, dass sie auch dahinterstanden. Man musste nur Verin als Beispiel nehmen. Sie warnte ihn davor, dass die anderen Dinge taten, die er vermutlich missbilligen w�rde, aber sie hatte nicht gesagt, wo sie hinging oder was sie dort tun wollte. F�rchtete sie, er w�rde damit nicht einverstanden sein? Vielleicht war es nur die Geheimniskr�merei einer Aes Sedai. F�r Schwestern waren Geheimnisse so nat�rlich wie das Atmen.</p><p>Als er Cadsuane den Brief reichte, zuckte ihre linke Augenbraue. Sie musste wirklich �berrascht gewesen sein, um sich so viel anmerken zu lassen, aber sie nahm den Brief und hielt ihn ins Laternenlicht.</p><p>�Eine Frau mit vielen Masken�, sagte sie schlie�lich, als sie den Brief zur�ckgab. �Aber sie erteilt da einen guten Rat.�</p><p>Was hatte das mit den Masken denn zu bedeuten? Er wollte sie danach fragen, aber da erschienen Loial und der �lteste Haman pl�tzlich in der T�r, jeder mit einer langsch�ftigen Axt auf der Schulter. Die Pinselohren des wei�haarigen Ogiers waren dicht an den Kopf gelegt, seine Miene war grimmig. Und Loials Ohren zuckten. Vermutlich vor Aufregung, nahm Rand an. Das konnte man nur schwer einsch�tzen.</p><p>�Ich hoffe, wir st�ren nicht?�, sagte �ltester Haman. Seine Ohren hoben sich, als er traurig auf die Reihe der Toten schaute.</p><p>��berhaupt nicht�, sagte Rand und schob den Brief in die Tasche. �Ich w�nschte, ich k�nnte zu deiner Hochzeit kommen, Loial, aber��</p><p>�Oh, die ist vorbei, Rand�, sagte Loial. Er <emphasis>musste</emphasis> aufgeregt sein; es war ungew�hnlich f�r ihn, jemanden zu unterbrechen. �Meine Mutter hat darauf bestanden. Es wird nicht einmal Zeit f�r ein gro�es Hochzeitsfest geben, vielleicht gibt es sogar gar keines, wegen der Sache mit dem Stumpf und weil ich�� Der �ltere Ogier legte ihm die Hand auf den Arm. �Was?�, sagte Loial und sah ihn an.</p><p>�Oh. O ja. Nat�rlich. Gut.� Er rieb sich mit einem Finger von der Gr��e einer Wurst unter der Nase.</p><p>Etwas, das er nicht sagen durfte? Anscheinend hatten selbst Ogier ihre Geheimnisse. Rand ber�hrte den Brief in seiner Tasche. Andererseits hatte die jeder.</p><p>�Ich verspreche dir eines, Rand�, sagte Loial. �Was auch immer passiert, ich werde bei Tarmon Gai�don an deiner Seite stehen. Was auch geschieht.�</p><p>�Mein Junge�, murmelte �ltester Haman, �ich glaube nicht, dass du so etwas . ..� Er verstummte, sch�ttelte den Kopf und murmelte etwas Unverst�ndliches; es klang wie ein fernes Erdbeben.</p><p>Rand �berbr�ckte in drei Schritten die Distanz zwischen ihnen und streckte die rechte Hand aus. Loial ergriff sie mit einem breiten L�cheln, und bei einem Ogier bedeutete das sehr breit. Aus dieser N�he musste Rand den Kopf in den Nacken legen, um seinen Freund ansehen zu k�nnen. �Danke, Loial. Ich kann dir nicht sagen, wie viel es mir bedeutet, das zu h�ren. Aber ich brauche dich vorher.�</p><p>�Du� brauchst mich?�</p><p>�Loial, ich habe die Tore des Kurzen Weges versiegelt, die ich kenne, jene in Caemlyn und Cairhien, Illian und Tear, und ich habe das, das in der N�he von Fal Dara ge�ffnet wurde, mit einer sehr h�sslichen Falle versehen, aber das in der N�he von Far Madding konnte ich nicht finden. Selbst wenn ich wei�, dass so ein Tor in der Stadt ist, kann ich es selbst nicht finden, und dann sind da noch alle diese St�dte, die es nicht mehr gibt. Ich brauche dich, damit du f�r mich den Rest findest, oder Trollocs werden gleichzeitig in jedes Land str�men k�nnen, und keiner wird es mitbekommen, bevor sie im Herzen von Andor oder Cairhien sind.�</p><p>Loials L�cheln verschwand. Seine Ohren zuckten, und seine Brauen senkten sich, bis ihre Enden seine Wangen ber�hrten. �Das kann ich nicht, Rand�, sagte er traurig.</p><p>�Ich muss morgen in aller Fr�he aufbrechen, und ich wei� nicht, wann ich wieder nach Drau�en kommen kann.�</p><p>�Ich wei�, dass du schon lange au�erhalb eines <emphasis>Stedding</emphasis> bist.� Rand bem�hte sich um einen sanften Tonfall, aber es klang trotzdem hart. Sanftheit schien nur noch eine verblassende Erinnerung zu sein. �Ich werde mit deiner Mutter sprechen. Ich werde sie davon �berzeugen, dich wieder gehen zu lassen, wenn du dich etwas erholt hast.�</p><p>�Er braucht mehr als nur eine kleine Ruhepause.� �ltester Haman stellte den Knauf der Axt auf den Boden, umfasste den aus dem Axtkopf herausragenden Schaft mit beiden H�nden und richtete einen strengen Blick auf Rand. Ogier waren friedliche Wesen, aber er sah nicht im mindesten so aus. �Er war jetzt l�nger als f�nf Jahre drau�en, viel zu lange.</p><p>Er braucht mindestens wochenlange Ruhe in einem <emphasis>Stedd ing.</emphasis> Monate w�ren besser.�</p><p>�Rand, meine Mutter trifft nicht l�nger solche Entscheidungen. Obwohl, um die Wahrheit zu sagen, ich glaube, diese Erkenntnis �berrascht sie immer noch. Erith tut das. Meine Gemahlin.� Seine dr�hnende Stimme legte so viel Stolz in dieses Wort, dass er f�rmlich davor zu platzen schien. Auf jeden Fall schwoll seine Brust damit an, und das L�cheln schien sein Gesicht in zwei Teile zu spalten.</p><p>�Und ich habe dir noch nicht einmal gratuliert�, sagte Rand und schlug ihm auf die Schulter. Sein Versuch, herzlich zu klingen, klang selbst in seinen eigenen Ohren einfach nur falsch, aber es war das Beste, zu dem er imstande war. �Wenn du Monate brauchst, dann sollst du auch Monate haben. Aber ich brauche trotzdem einen Ogier, der diese Tore findet. Ich bringe euch morgen fr�h selbst zum <emphasis>Stedding</emphasis> Shangtai. Vielleicht kann ich da jemanden �berzeugen, diese Aufgabe zu erledigen.� �ltester Haman richtete das Stirnrunzeln auf die H�nde auf dem Axtschaft und fing wieder an zu murmeln, zu leise, um die Worte verstehen zu k�nnen; es klang wie eine Hummel von der Gr��e einer gewaltigen Bulldogge, die im Nebenraum in einem riesigen Glas umherschwirrte. Er schien mit sich zu ringen.</p><p>�Das k�nnte einige Zeit beanspruchen�, sagte Loial zweif elnd. �Du wei�t, dass wir nicht gern hastige Entscheidungen treffen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie einen Menschen in das <emphasis>Stedding</emphasis> lassen, wegen des Stumpfs. Rand? Wenn ich vor der Letzten Schlacht nicht zur�ckkommen kann� Du wirst mir doch erz�hlen, was w�hrend meines Aufenthalts im <emphasis>Stedding</emphasis> passiert ist, oder? Ich meine, ohne dass ich dir alles aus der Nase ziehen muss?�</p><p>�Wenn ich es kann, werde ich es tun�, erwiderte Rand.</p><p><emphasis>Wenn du kannst,</emphasis> fauchte Lews Therin. <emphasis>Du hast eingewilligt, dass wir bei Tarmon Gai�don endlich sterben k�nnen. Du hast eingewilligt, du Wahnsinniger!</emphasis></p><p>�Er wird dir alle Fragen beantworten, Loial�, sagte Min fest, �und wenn ich ihm die ganze Zeit �ber die Schulter sehen muss.� Der Bund war von Wut erf�llt. Sie schien wirklich zu wissen, was er dachte.</p><p>�ltester Haman r�usperte sich. �Ich habe den Eindruck, dass ich abgesehen von den Steinmetzen mehr an das Drau�en gew�hnt bin als sonst jemand. Hm. Ja. Tats�chlich glaube ich, dass ich vermutlich der beste Kandidat f�r Eure Aufgabe bin.�</p><p>�Pff�, machte Cadsuane. �Anscheinend k�nnt Ihr jeden Ogier beeinflussen, mein Junge.� Ihr Tonfall war streng, aber ihr Gesicht trug die Miene einer typischen Aes Sedai, unleserlich verbarg es alles, was hinter diesen dunklen Augen vorging.</p><p>Loials Ohren versteiften sich vor �berraschung, und er lie� beinahe die Axt fallen. �Du? Aber der Stumpf, �ltester Haman! Der Gro�e Stumpf?�</p><p>�Ich glaube, ich kann das beruhigt dir �berlassen, mein Junge. Deine Worte waren einfach, aber wohl gew�hlt. Hm. Hm. Ich rate dir, versuch nicht, es sch�n klingen zu lassen. Bewahre die schlichte Beredsamkeit, und du k�nntest einige �berraschen. Deine Mutter eingeschlossen.�</p><p>Es erschien unm�glich, dass Loials Ohren noch steifer wurden, aber das taten sie. Seine Lippen bewegten sich, doch es kamen keine Worte. Also sollte er zum Stumpf sprechen. Was war daran so geheim?</p><p>�Mein Lord Drache, Lord Davram ist zur�ckgekehrt.� Das sagte Elza Penfell, die Bashere in die Scheune eskortierte. Sie war eine attraktive Frau in einem dunkelgr�nen Reitgewand; der Blick ihrer braunen Augen erhielt einen fiebrigen Glanz, als sie Rand erblickten. Wenigstens musste er sich ihretwegen keine Sorgen machen. Elza war fanatisch in ihrer Ergebenheit.</p><p>�Danke, Elza�, sagte er. �Am besten kehrt Ihr zur�ck und helft beim Aufr�umen. Da ist noch immer viel zu tun.�</p><p>Ihre Lippen spannten sich etwas an, und ihr Blick nahm alle eifers�chtig auf, von Cadsuane bis zu den Ogiern, bevor sie einen Knicks machte und sich entfernte. Ja, fanatisch war das richtige Wort.</p><p>Bashere war ein kleiner schlanker Mann in einem goldbestickten, grauen Mantel, der den mit einem goldenen Wolfssch�del versehenen Elfenbeinstab des Generalmarschalls von Saldaea gegen�ber von seinem Schwert im G�rtel stecken hatte. Seine Pluderhosen steckten in Stiefeln mit umgeschlagenen Stulpen, die trotz einiger Schlammspritzer funkelten, weil sie so gr�ndlich gewachst worden waren. Sein letzter Auftrag hatte so viel F�rmlichkeit und W�rde erfordert, wie er nur aufbringen konnte, und er konnte eine Menge davon aufbringen. Selbst die Seanchaner mussten mittlerweile von seinem Ruf geh�rt haben. Sein schwarzes Haar war mit grauen Str�hnen durchsetzt, genau wie der dicke Schnurrbart, der seinen Mund wie zwei nach unten gedrehte H�rner umgab. Mit einem traurigen Ausdruck in den schr�g stehenden dunklen Augen ging er mit dem schaukelnden Gang eines Mannes, der mehr an den Sattel als an seine eigenen F��e gew�hnt war, an Rand vorbei, schritt langsam die Reihe der Toten ab, betrachtete intensiv jedes Gesicht. So ungeduldig Rand auch war, er lie� ihm die Zeit zum Trauern.</p><p>�So etwas habe ich noch nie gesehen�, sagte Bashere leise, w�hrend er sie abschritt. �Ein gro�er Sturmtrupp aus der F�ule umfasst tausend Trollocs. Die meisten sind nur ein paar hundert gro�. Ach, Kirkun, du hast deine linke Flanke nie vern�nftig gedeckt. Und selbst dann musste man ihnen dreifach oder vierfach �berlegen sein, wenn man nicht in ihren Kocht�pfen landen wollte. Da drau�en� Ich glaube, ich sehe einen Vorgeschmack auf Tarmon Gai�don. Einen kleinen Teil von Tarmon Gai�don. Hoffen wir, dass es wirklich die Letzte Schlacht sein wird. Sollten wir das �berleben, glaube ich nicht, dass wir noch jemals eine weitere erleben wollen. Aber nat�rlich werden wir das. Es wird immer eine weitere Schlacht geben. So wird es immer sein, bis die ganze Welt zu Kesselflickern geworden ist.� Am Ende der Reihe blieb er vor einem Mann stehen, dessen Gesicht fast bis zu seinem pr�chtigen schwarzen Bart verst�mmelt war.</p><p>�Ahzkan hatte eine blendende Zukunft vor sich. Aber das k�nnte man von vielen toten M�nnern sagen.�</p><p>Er wandte sich mit einem tiefen Seufzer zu Rand um.</p><p>�Die Tochter der Neun Monde wird Euch in drei Tagen in einem Herrenhaus im Norden von Altara treffen, in der N�he der Grenze zu Andor.� Er ber�hrte seine Mantelbrust.</p><p>�Ich habe eine Karte. Sie ist bereits irgendwo in der N�he, aber sie sagen, das ist kein Teil des von ihnen kontrollierten Landes. Wenn es um Geheimniskr�merei geht, lassen die Seanchaner Aes Sedai so offenherzig wie Bauernm�dchen erscheinen.� Cadsuane schnaubte.</p><p>�Ihr vermutet eine Falle?� Logain lockerte das Schwert in der Scheide, vielleicht unbewusst.</p><p>Bashere winkte ab, aber auch er lockerte das Schwert. �Ich rechne immer mit einer Falle. Das ist es nicht. Die Hochlady Suroth wollte noch immer nicht, dass Manfor oder ich mit jemand anderem au�er ihr sprechen. Mit keinem. Unsere Diener waren alles Stumme, genau wie damals, als wir mit Loial nach Ebou Dar gereist sind.�</p><p>�Meinem Burschen hatte man die Zunge herausgeschnitt en�, sagte Loial angewidert und legte die Ohren zur�ck. Seine um die Axt gelegten Kn�chel verf�rbten sich wei�. Haman gab einen schockierten Laut von sich, seine Ohren wurden so steif wie Zaunpf�hle.</p><p>�Altara hat gerade einen neuen K�nig gekr�nt�, fuhr Bashere fort, �aber im Tarasin-Palast scheint jeder auf Eiern zu gehen und �ber die Schulter zu blicken. Seanchaner und Altaraner. Selbst Suroth sah aus, als w�rde sie ein Schwert im Nacken sp�ren.�</p><p>�Vielleicht f�rchten sie sich vor Tarmon Gai�don�, meinte Rand. �Oder vor dem Wiedergeborenen Drachen. Ich werde vorsichtig sein m�ssen. �ngstliche Leute tun t�richte Dinge. Wie sehen die Arrangements aus, Bashere?�</p><p>Der Saldaeaner zog die Karte aus seinem Mantel, ging zu Rand und entfaltete sie dabei. �Sie sind sehr pr�zise. Sie wird sechs <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> mitbringen, aber keine weiteren Diener.� Alivia gab einen Laut wie eine w�tende Katze von sich, und er blinzelte, bevor er fortfuhr, sich zweifellos unsicher, wie man eine befreite <emphasis>Damane</emphasis> einzusch�tzen hatte, um es h�flich auszudr�cken. �Ihr k�nnt f�nf Leute mitbringen, die die Macht lenken k�nnen. Sie wird annehmen, dass das jeder Eurer M�nner kann, aber Ihr k�nnt auch eine Frau mitbringen, die das nicht kann, damit die Zahl ausgeglichen ist.�</p><p>Min stand pl�tzlich an Rands Seite und legte die Arme um ihn.</p><p>�Nein�, sagte er energisch. Er w�rde sie nicht in eine m�gliche Falle mitnehmen.</p><p>�Dar�ber reden wir noch�, murmelte sie, und der Bund f�llte sich mit sturer Entschlossenheit.</p><p><emphasis>Die unheilvollsten Worte, die eine Frau au�er �Ich bringe dich um� sagen kann,</emphasis> dachte Rand. Pl�tzlich versp�rte er ein Fr�steln. Hatte <emphasis>er</emphasis> das �berhaupt gedacht? Oder war es Lews Therin gewesen? Der Verr�ckte kicherte leise in seinem Hinterkopf. Egal. In drei Tagen w�rde ein Problem gel�st sein. Auf die eine oder andere Weise. �Was gibt es noch, Bashere?�</p><p>Nynaeve hob den feuchten Lappen von ihren Augen, und zwar vorsichtig, damit sie sich mit ihrem Armreifen und Ringen nicht in ihrem Haar verfing � mittlerweile trug sie ihn und das Schmuck-Ter�angreal st�ndig �, und setzte sich auf die Bettkante. Da M�nner von f�rchterlichen Verletzungen wie beispielsweise abgetrennten Gliedma�en Geheilt werden mussten, war es kleinlich erschienen, darum zu bitten, von Kopfschmerzen befreit zu werden, aber die Weidenrinde schien ganz gut angeschlagen zu haben. Wenn auch viel langsamer. Tief im Inneren des blassgr�nen Edelsteins eines der Ringe schien nun ein schwaches Licht zu glimmen, und er vibrierte unaufh�rlich auf ihrem Finger, ohne sich allerdings dabei zu bewegen. Das Muster der Vibrationen ver�nderte sich, eine Reaktion auf <emphasis>Saidar</emphasis> und <emphasis>Saidin,</emphasis> die beide drau�en gelenkt wurden. Allerdings war es durchaus m�glich, dass die Macht auch im Haus gelenkt wurde. Cadsuane war davon �berzeugt, dass der Stein die Richtung h�tte angeben m�ssen, sie konnte aber nicht sagen, wie das funktionieren sollte. Ha! Cadsuane und ihr angeblich so �berlegenes Wissen! Nynaeve w�nschte sich, das der Frau ins Gesicht sagen zu k�nnen. Es war nicht so, dass die Frau sie einsch�chterte, das nun mit Sicherheit nicht, schlie�lich stand sie �ber Cadsuane, aber sie wollte ein gewisses Ma� an Harmonie bewahren. Das war der einzige Grund, warum sie in ihrer Anwesenheit den Mund hielt.</p><p>Die Gem�cher, die sie mit Lan teilte, waren gro�z�gig bemessen, aber zugig. Keiner der Fensterrahmen passte genau, und im Laufe der Generationen hatte sich das Haus genug gesetzt, dass die T�ren abgeschliffen worden waren, damit sie ordentlich zugingen, aber das hatte nur zu weiteren Spalten gef�hrt, die jeden Windzug durchlie�en. Das Feuer in dem Steinkamin tanzte, als w�rde es im Freien brennen, knisterte und lie� Funken aufstieben. Der Teppich war so verblichen, dass sie das Muster nicht mehr erkennen konnte, und er wies mehr Brandl�cher auf, als sie z�hlen konnte. Das Bett mit den schweren Bettpfosten und dem fadenscheinigen Himmel war gro� und stabil, aber die Matratze war voller Knubbel, es stachen mehr Federn durch die Kissen, als dass sie eine weiche Fl�che boten, und die Decken schienen mehr aus gestopften Stellen als aus urspr�nglichem Stoff zu bestehen. Aber Lan wohnte hier mit ihr, und das machte den ganzen Unterschied aus. Das machte die R�ume zu einem Palast.</p><p>Er stand an einem der Fenster, wo er seit dem Angriff gestanden hatte, und starrte auf die Arbeit herunter. Vielleicht studierte er auch den Schlachthof, zu dem das Gel�nde geworden war. Er stand so reglos da, dass er genauso gut eine Statue h�tte sein k�nnen, ein hochgewachsener Mann in einem gut sitzenden dunkelgr�nen Mantel, mit Schultern, die breit genug waren, um die Taille schlank erscheinen zu lassen. Die Lederschnur des <emphasis>Hadori</emphasis> hielt sein schulterlanges schwarzes Haar zur�ck, das an den Schl�fen wei�e Spuren aufwies. Ein Mann mit einem harten Gesicht, dennoch wundersch�n. Jedenfalls in ihren Augen, sollten andere doch sagen, was sie wollten. Aber besser nicht in ihrer H�rweite. Selbst Cadsuane. Ein Ring mit einem makellosen Saphir an ihrer rechten Hand war kalt. Es erschien wahrscheinlicher, dass er eher Wut statt Feindseligkeit f�hlte. Nynaeves Meinung nach wies der Ring einen Fehler auf. Es war sch�n und gut zu wissen, ob jemand in unmittelbarer N�he Wut oder Feindseligkeit versp�rte, aber das musste nicht bedeuten, dass das Gef�hl auch auf einen gerichtet war.</p><p>�Es wird Zeit f�r mich, wieder hinauszugehen und zu helf en�, sagte sie.</p><p>�Noch nicht�, erwiderte er, ohne sich vom Fenster abzuwenden. Ring oder nicht, seine tiefe Stimme war ganz ruhig. Und entschlossen. �Moiraine hat immer gesagt, dass Kopfschmerzen ein Zeichen von �berm��igem Machtlenken sind. Das ist gef�hrlich.�</p><p>Ihre Hand tastete nach ihrem Zopf, bevor sie sie wieder nach unten rei�en konnte. Als ob er mehr vom Machtlenken verstehen w�rde als sie! Nun, auf gewisse Weise tat er es. Zwanzig Jahre als Moiraines Beh�ter hatten ihn so viel �ber <emphasis>Saidar</emphasis> gelehrt, wie ein Mann dar�ber wissen konnte. �Meine Kopfschmerzen sind ganz verschwunden. Mir geht es wieder gut.�</p><p>�Sei nicht trotzig, meine Liebe. Es sind nur noch wenige Stunden bis zur Abendd�mmerung. Morgen wird noch eine Menge Arbeit da sein.� Seine linke Hand umklammerte den Schwertgriff, entspannte sich, verkrampfte sich wieder. Allein die Hand bewegte sich.</p><p>Sie presste die Lippen zusammen. Trotzig? Sie gl�ttete wild die R�cke. Sie war <emphasis>nicht</emphasis> trotzig! Wenn sie f�r sich waren, machte er nur selten sein Recht geltend, ihr etwas befehlen zu k�nnen � das Meervolk sollte verflucht sein, sich jemals so etwas ausgedacht zu haben! �, aber wenn er es tat, war er unbeugsam. Nat�rlich h�tte sie trotzdem gehen k�nnen. Er w�rde nicht versuchen, sie mit Gewalt daran zu hind em. Davon war sie �berzeugt. Mehr oder weniger. Aber sie hatte nicht vor, auch nur auf die geringste Weise gegen ihr Ehegel�bnis zu versto�en. Selbst wenn sie ihrem geliebten Mann am liebsten vors Schienbein getreten h�tte.</p><p>Stattdessen trat sie gegen ihre R�cke, stellte sich neben ihn ans Fenster und hakte sich bei ihm ein. Sein Arm war allerdings so hart wie ein Felsen. Er hatte harte Muskeln, was wunderbar war, aber das war die H�rte von Anspannung, als w�rde er eine gro�e Last stemmen. Wie sehr sie sich doch w�nschte, mit ihm durch den Bund vereinigt zu sein, damit er Hinweise gab, was ihn so besch�ftigte. Wenn sie Myrelle in die Finger bekam� Nein, es war besser, nicht an <emphasis>dies e</emphasis> Schlampe zu denken! Gr�ne! Man konnte ihnen einfach nicht vertrauen, wenn es um M�nner ging!</p><p>Nicht weit vom Haus entfernt konnte sie zwei dieser schwarz gekleideten Asha�man und die mit ihnen verbundenen Schwestern sehen. Sie war diesem Haufen nach M�glichkeit aus dem Weg gegangen. Den Asha�man aus offensichtlichen Gr�nden, den Schwestern, weil sie zu Elaidas Partei geh�rten. Aber man konnte nicht in einem Haus wohnen und vermeiden, sie zu erkennen � nicht einmal in einem Haus, das so gro� und weitl�ufig wie Algarins war. Arel Malevin war ein Cairhiener, der noch breiter erschien, als er tats�chlich war, weil er Lan kaum bis zur Brust reichte, Donalo Sandomere war ein Tairener mit einem Granat im linken Ohr und einem spitz zulaufenden, ge�lten Bart, obwohl sie stark bezweifelte, dass sein faltiges, wettergegerbtes Gesicht einem Adligen geh�rte. Malevin war den Bund mit Aisling Noon eingegangen, einer Gr�nen mit feurigen Augen, die ihre Worte gelegentlich mit Grenzl�nder-Fl�chen w�rzte, die manchmal selbst Lan zusammenzucken lie�en. Nynaeve w�nschte sich, sie verstehen zu k�nnen, aber er weigerte sich, sie ihr zu erkl�ren. Sandomeres Gefangene war Ayako Norsoni, eine winzige Wei�e mit gewelltem, taillenlangen schwarzen Haar, die fast eine so braune Hautfarbe wie eine Domani aufwies. Sie erschien sch�chtern, eine Selt enheit unter Aes Sedai. Beide Frauen trugen ihre mit Fransen besetzten Stolen. Das taten die Gefangenen fast immer, vielleicht als Trotzgeste. Andererseits schienen sie wider Erwarten gut mit den M�nnern auszukommen. Nynaeve hatte oft beobachtet, wie sie kameradschaftlich miteinander plauderten, kaum das Verhalten trotziger Gefangener. Und sie hatte ebenfalls den Verdacht, dass Logain und Gabrelle nicht das einzige Paar waren, die ohne verheiratet zu sein das Bett teilten. Es war eine Schande!</p><p>Pl�tzlich flammten unten Feuer auf, sechs h�llten vor Malevin und Aisling tote Trollocs ein, sieben vor Sandomere und Ayako, und der blendende Glanz lie� sie die Augen zusammenkneifen. Es war, als w�rde man in dreizehn Mittagssonnen an einem wolkenlosen Himmel blicken. Sie alle waren miteinander verkn�pft. Das erkannte sie an der Art und Weise, wie sich die Str�me aus <emphasis>Saidar</emphasis> bewegten, ganz steif, als w�rde sie an Ort und Stelle gezwungen statt gelenkt. Das hei�t, die M�nner versuchten, sie zu zwingen. Das funktionierte nie bei der weiblichen H�lfte der Macht. Es war reines Feuer, und es loderte wie wild, wilder, als sie von Feuer allein erwartet h�tte. Aber nat�rlich w�rden sie auch <emphasis>Saidin</emphasis> benutzen, und wer vermochte schon zu sagen, was die M�nner aus diesem m�rderischen Chaos hinzuf�gten? Das Wenige, an das sie sich noch von der Verkn�pfung mit Rand erinnern konnte, hatte jedes Verlangen in ihr ausgel�scht, sich jemals wieder auch nur in die N�he <emphasis>von dem</emphasis> zu begeben. Die Feuer l�sten sich innerhalb weniger Minuten in nichts auf, lie�en blo� kleine gr�uliche Ascheh�ufchen auf verbranntem Erdboden zur�ck, der hart und gesprungen aussah. Das konnte nicht gut f�r den Boden sein.</p><p>�Du kannst das doch nicht unterhaltsam finden, Lan. Was denkst du?�</p><p>�Nichts Besonderes�, sagte er, und der Arm unter ihrer Hand war so hart wie Stein. Drau�en flammten die n�chsten Feuer auf.</p><p>�Verrate es mir.� Sie schaffte es, den Hauch einer Frage in die Worte zu legen. Die Natur ihres Gel�bnisses schien ihn zu am�sieren, dennoch weigerte er sich kategorisch, auch nur den unbedeutendsten Anordnungen zu folgen, wenn sie allein waren. Bitten erf�llte er auf der Stelle � nun, jedenfalls gr��tenteils �, aber er w�rde seine Stiefel schlammbeschmiert lassen, bis der Schlamm abbl�tterte, wenn sie ihm <emphasis>befa hl,</emphasis> keinen Dreck mit hereinzutragen.</p><p>�Es sind unerfreuliche Gedanken, aber wenn du es m�chtest. Die Myrddraal und Trollocs lassen mich an Tarmon Gai�don denken.�</p><p>�Unerfreuliche Gedanken, f�rwahr.�</p><p>Er starrte weiter aus dem Fenster und nickte. Seine Miene war v�llig ausdruckslos � Lan konnte einer Aes Sedai noch etwas beibringen, wenn es darum ging, Gef�hle zu verbergen! �, aber eine Spur Leidenschaft schlich sich in seine Stimme. �Es kommt bald, Nynaeve, al�Thor hingegen scheint der Ansicht zu sein, er h�tte alle Zeit der Welt, um mit den Seanchanern zu tanzen. W�hrend wir hier stehen, k�nnte Schattengez�cht durch die F�ule nach S�den ziehen, nach S�den durch�� Er schloss ruckartig den Mund. Nach S�den durch Malkier, h�tte er beinahe gesagt, durch das tote Malkier, das ermordete Land seiner Geburt. Davon war sie �berzeugt. Er fuhr fort, als w�re er nie verstummt. �Sie k�nnten morgen gegen Schienar zuschlagen, gegen alle Grenzl�nder, morgen oder n�chste Woche. Und al�Thor sitzt da und spinnt seine seanchanischen Pl�ne. Er sollte jemanden zu K�nig Easar und den anderen schicken, um sie davon zu �berzeugen, dass sie wieder ihre Pflicht an der F�ule aufnehmen. Er sollte s�mtliche Streitkr�fte zusammenziehen, an die er herankommt, und sie in die F�ule f�hren. Dort wird die Letzte Schlacht stattfinden, und in Shayol Ghul. <emphasis>Do rt</emphasis> ist der Krieg.�</p><p>In ihr stieg Trauer auf, aber es gelang ihr, sie aus ihrer Stimme zu halten. �Du musst zur�ckgehen�, sagte sie leise.</p><p>Endlich wandte er den Kopf, blickte stirnrunzelnd zu ihr herunter. Seine blauen Augen waren so kalt. In ihnen stand weniger Tod geschrieben, als fr�her der Fall gewesen war, davon war sie �berzeugt, aber sie waren noch immer so kalt. �Mein Platz ist an deiner Seite. Herz meines Herzens. Immer und ewig.�</p><p>Sie sammelte ihren ganzen Mut und hielt ihn fest, so fest, dass es wehtat. Sie wollte schnell sprechen, die Worte herausbekommen, bevor sie der Mut wieder verlie�, aber sie zwang sich zu einem ruhigen, gesetzten Tonfall. �Du hast mir einmal ein Grenzl�ndersprichwort gesagt. �Der Tod ist leichter als eine Feder, die Pflicht aber schwerer als ein Berg.� Meine Pflicht liegt hier, daf�r zu sorgen, dass Alivia Rand nicht umbringt. Aber ich werde dich zu den Grenzl�ndern bringen. Dort liegt deine Pflicht. Willst du nach Schienar? Du hast K�nig Easar und Schienar erw�hnt. Und es liegt n�her bei Malkier.�</p><p>Er schaute lange auf sie herab, aber schlie�lich atmete er leise aus, und die Anspannung verschwand aus seinem Arm.</p><p>�Bist du dir sicher, Nynaeve? Wenn du es bist, dann ja, Schienar. In den Trolloc-Kriegen hat der Schatten den Tarwinpass oft dazu benutzt, viele Trollocs durchzuschleusen, genau wie vor ein paar Jahren, als wir nach dem Auge der Welt gesucht haben. Aber nur, wenn du dir auch ganz sicher bist.�</p><p>Nein, sie war sich nicht sicher. Sie wollte weinen, ihn anschreien, dass er ein Narr war, dass sein Platz an ihrer Seite war, statt allein in einem sinnlosen Privatkrieg gegen den Schatten zu sterben. Aber sie konnte nichts davon sagen. Bund oder nicht, sie wusste, dass er innerlich hin und hergerissen war, hin und hergerissen zwischen der Liebe zu ihr und seiner Pflicht, innerlich zerrissen und genauso am Bluten, als h�tte man ihn mit einem Schwert durchbohrt. Sie konnte seinen Wunden keine neuen hinzuf�gen. Aber sie konnte versuchen, daf�r zu sorgen, dass er �berlebte.</p><p>�W�rde ich dieses Angebot machen, wenn ich nicht sicher w�re?�, sagte sie trocken und war �berrascht, wie ruhig sie klang. �Es wird mir nicht gefallen, dich weggeschickt zu haben, aber du hast deine Pflicht und ich die meine.�</p><p>Er legte die Arme um sie und dr�ckte sie an die Brust, zuerst ganz z�rtlich, dann fester, bis sie glaubte, er w�rde ihr die Luft aus den Lungen dr�cken. Es war ihr egal. Sie erwiderte die Umarmung genauso fest und musste ihre H�nde mit Gewalt von seinem breiten R�cken losrei�en, als sie fertig war. Beim Licht, sie wollte weinen. Und wusste, dass sie es nicht durfte.</p><p>Als er anfing, seine Satteltaschen zu packen, zog sie schnell ein Reitkleid aus gelb geschlitzter gr�ner Seide und feste Lederschuhe an, dann schl�pfte sie aus dem Raum, bevor er fertig war. Algarins Bibliothek war gro�, ein rechteckiger Raum mit hoher Decke, der von Regalen ges�umt wurde. Ein halbes Dutzend gepolsterter St�hle stand �berall verteilt, und ein langer Tisch und ein hoher Kartenst�nder komplettierten die Einrichtung. Die Steinkamine waren kalt und die schmiedeeisernen Stehlampen nicht angez�ndet, daher lenkte sie kurz die Macht, um drei von ihnen zu entz�nden. Eine hastige Suche brachte die gew�nschten Karten in den diamantf�rmigen F�chern des Kartenst�nders zum Vorschein. Sie waren so alt wie die meisten der B�cher, aber so gro�e Ver�nderungen gab es in zwei oder dreihundert Jahren nicht.</p><p>Als sie in ihre Gem�cher zur�ckkehrte, stand Lan mit den Satteltaschen �ber der Schulter im Wohnzimmer. Er hatte den farbver�ndernden Beh�ter-Umhang angelegt. Sein Gesicht war reglos, eine steinerne Maske. Sie nahm sich nur die Zeit, ihren Umhang zu holen, blaue, mit Samt gef�tterte Seide, und sie gingen schweigend los zu den dunklen St�llen, in denen ihre Pferde standen; ihre rechte Hand ruhte leicht auf seinem linken Handgelenk. Die Luft roch nach Heu und Pferden und Pferdemist, wie es in St�llen so �blich war.</p><p>Ein schlanker, allm�hlich kahlk�pfig werdender Pferdek necht mit einer mehr als nur einmal gebrochenen Nase seufzte, als Lan ihm befahl, Mandarb und Liebesknoten zu satteln. Eine grauhaarige Frau fing an, an Nynaeves kr�ftiger brauner Stute zu arbeiten, w�hrend drei der �lteren M�nner sich bem�hten, Lans gro�en schwarzen Hengst zu satteln und aus seiner Box zu holen.</p><p>�Ich will, dass du mir etwas versprichst�, sagte Nynaeve leise, w�hrend sie warteten. Mandarb t�nzelte herum, sodass der dicke Bursche, der dem Hengst den Sattel auf den R�cken wuchten wollte, hinterherrennen musste. �Einen Schwur. Ich meine das ernst, Lan Mandragoran. Wir sind nicht l�nger allein.�</p><p>�Was soll ich denn schw�ren?�, fragte er misstrauisch.</p><p>Der Stallbursche mit dem schwindenden Haar rief zwei weit ere M�nner zu Hilfe.</p><p>�Dass du nach Fal Moran reitest, bevor du die F�ule betrittst, und dass du jeden, der mit dir reiten will, auch mitreiten l�sst.�</p><p>Sein L�cheln war schmal und traurig. �Ich habe mich immer geweigert, M�nner in die F�ule zu f�hren, Nynaeve. Es gab Zeiten, da ritten M�nner an meiner Seite, aber ich w�rde nie��</p><p>�Wenn M�nner einst mit dir geritten sind�, unterbrach sie ihn, �k�nnen auch wieder M�nner mit dir reiten. Deinen Schwur, oder ich schw�re, dass ich dich den ganzen langen Weg bis nach Schienar reiten lasse.� Die Frau schnallte Liebesknotens Sattelgurt fest, aber die drei M�nner bem�hten sich noch immer, Mandarb den Sattel aufzulegen und zu verhindern, dass er die Satteldecke wieder absch�ttelte.</p><p>�Wie weit s�dlich in Schienar willst du mich zur�cklass en?�, fragte er. Als sie keine Antwort gab, nickte er. �Also gut, Nynaeve. Wenn es das ist, was du willst. Ich schw�re beim Licht und bei meiner Hoffnung auf Wiedergeburt und Errettung.�</p><p>Es fiel sehr schwer, nicht vor Erleichterung zu seufzen. Sie hatte es geschafft, und das ohne zu l�gen. Sie bem�hte sich, nach Egwenes W�nschen zu handeln und sich zu verhalten, als h�tte sie bereits die Drei Eide auf den Eidstab abgelegt, aber es war sehr schwer, mit einem Ehemann umzugehen, wenn man nicht einmal dann l�gen durfte, wenn es absolut n�tig war.</p><p>�K�ss mich�, sagte sie und f�gte hastig hinzu: �Das war kein Befehl. Ich will blo� meinen Mann k�ssen.� Ein Abschiedskuss. Sp�ter w�rde daf�r keine Zeit sein.</p><p>�Vor all den Leuten?�, sagte er und lachte. �Dazu warst du doch immer zu sch�chtern.�</p><p>Die Frau war mit Liebesknoten fast fertig, und einer der Stallburschen hielt Mandarb so ruhig, wie er konnte, w�hrend die anderen beiden eilig die Schnallen schlossen.</p><p>�Sie sind zu besch�ftigt, um etwas zu sehen. K�ss mich, oder ich glaube, du bist derjenige, der zu�� Seine Lippen schnitten ihr die Worte ab. Ihre Zehen kr�mmten sich.</p><p>Einige Zeit sp�ter lehnte sie an seiner Brust, um wieder zu Atem zu kommen, w�hrend er ihr Haar streichelte. �Vielleicht k�nnen wir noch eine letzte Nacht in Schienar haben�, murmelte er leise. �Es k�nnte einige Zeit dauern, bevor wir wieder zusammen sind, und ich werde es vermissen, den R�cken zerkratzt zu bekommen.�</p><p>Ihr Gesicht wurde hei�, und sie stie� sich unsicher auf den Beinen von ihm ab. Die Stallburschen waren fertig und starrten bezeichnend auf den strohbedeckten Boden, aber sie waren nahe genug, um ihnen m�glicherweise zuzuh�ren!</p><p>�Ich glaube nicht.� Sie war stolz, dass sie nicht atemlos klang. �Ich will Rand nicht so lange mit Alivia allein lassen.�</p><p>�Er vertraut ihr, Nynaeve. Ich verstehe es zwar nicht, aber so ist es, und nur darauf kommt es an.�</p><p>Sie schnaubte. Als ob ein Mann je gewusst h�tte, was gut f�r ihn ist.</p><p>Ihre kr�ftige Stute wieherte unbehaglich, als sie an toten Trollocs vorbei zu einer Stelle nicht weit vom Stall entfernt ritten, die sie gut genug kannte, um ein Wegetor zu weben. Mandarb, ein ausgebildetes Schlachtross, reagierte �berhaupt nicht auf das ganze Blut und den Gestank und die riesigen Leichen. Der schwarze Hengst schien so ruhig wie sein Reiter zu sein, jetzt, da Lan auf seinem R�cken sa�. Das konnte sie nachvollziehen. Lan hatte auch auf sie eine sehr beruhigende Wirkung. Meistens jedenfalls. Manchmal hatte er auch die genau entgegengesetzte Wirkung. Sie w�nschte sich, sie <emphasis>h�tt en</emphasis> diese Nacht gehabt. Ihr Gesicht f�hlte sich wieder hei� an.</p><p>Sie stieg ab, sog <emphasis>Saidar</emphasis> in sich, ohne das <emphasis>Angreal</emphasis> zu benutzen, und webte ein Wegetor, das gerade gro� genug war, dass sie Liebesknoten auf eine grasige Ebene mit Best�nden aus schwarz gepunkteten Buchen und anderen B�umen, die ihr unbekannt waren, f�hren konnte. Die Sonne war eine goldene Scheibe nur ein St�ck von ihrem Zenit entfernt, aber die Luft war entschieden k�hler als in Tear. Kalt genug, dass sie den Umhang enger zog. Im Osten und Norden und S�den erhoben sich schneegekr�nte und von Wolken bedeckte Berge. Sobald Lan durch war, lie� sie das Gewebe sich aufl�sen und webte sofort ein weiteres Tor, diesmal nur gr��er, w�hrend sie in den Sattel stieg und den Umhang erneut richtete.</p><p>Lan f�hrte Mandarb ein paar Schritte nach Westen und starrte. Keine zwanzig Schritte von ihm entfernt endete das Land abrupt an einer Klippe, von der aus sich bis zum Horizont der Ozean erstreckte. �Was hat das zu bedeuten?�, wollte er wissen. �Das ist nicht Schienar. Das hier ist Weltende in Saldaea, so weit entfernt von Schienar, wie das m�glich ist, um immer noch in den Grenzlanden zu sein.�</p><p>�Ich habe dir gesagt, ich bringe dich in die Grenzl�nder, und das habe ich. Denk an deinen Schwur, mein Herz, denn ich werde das tun.� Und damit grub sie die Fersen in die Flanken ihrer Stute und lie� das Tier durch das offene Wegetor st�rmen. Sie h�rte ihn ihren Namen rufen, aber sie lie� das Tor hinter sich zusammenfallen. Sie w�rde ihm eine �berlebenschance verschaffen.</p><p>Nur wenige Stunden nach Mittag waren in dem gro�en Gemeinschaftsraum in der K�niginnenlanze ein halbes Dutzend Tische besetzt. Die meisten der gut gekleideten M�nner und Frauen, hinter denen aufmerksam ihre Diener und Schreiber standen, hielten sich hier auf, um Eispfeffer zu sehen, der reichlich in den H�geln der landeinw�rts gelegenen Seite der Banikhanberge wuchs, die in Saldaea auch von vielen Seemauer genannt wurden. Weilin Aldragoran interessierte sich nicht f�r Pfeffer. Die Seemauer hatte andere, wertvollere Feldfr�chte zu bieten.</p><p>�Mein letztes Wort�, sagte er und fuhr mit der Hand �ber den Tisch. Jeder Finger wies einen juwelengeschm�ckten Ring auf. Keine gro�en Steine, aber gute. Ein Mann, der Edelsteine verkaufte, musste Werbung machen. Er handelte auch noch mit anderen Dingen wie Pelzen, seltenen H�lzern f�r Schreiner, guten Schwertern und R�stungen, gelegentlich auch anderen Dingen, die einen ordentlichen Profit versprachen. Aber Edelsteine machten jedes Jahr den gr��ten Teil seines Einkommens aus. �Ich gehe nicht noch weiter runter.� Auf dem Tisch lag ein Tuch aus schwarzem Samt, auf dem ein guter Teil seines Angebots ausgebreitet lag. Smaragde, Feuertropfen, Saphire und, das Beste von allem, Diamanten. Einige davon waren gro� genug, um einen Herrscher zu interessieren, und keiner davon war klein. Es wies auch keiner einen Fehler auf. Er war in allen Grenzlanden f�r seine makellosen Steine bekannt. �Akzeptiert den Preis, oder ein anderer wird es tun.�</p><p>Der j�ngere der beiden dunkel�ugigen Illianer auf der anderen Tischseite, ein glatt rasierter Mann namens Pavil Geraneos, wollte w�tend etwas erwidern, aber Jeorg Damentanis, dessen mit Grau durchsetzter Bart f�rmlich zitterte, legte eine feiste Hand auf Geraneos� Arm und warf ihm einen entsetzten Blick zu. Aldragoran gab sich keine M�he, sein L�cheln zu verbergen.</p><p>Er war noch ein S�ugling gewesen, als die Trollocs Malkier �berrannt hatten, und er hatte nicht die geringsten Erinnerungen an dieses Land � er dachte nur selten an Malkier; das Land <emphasis>war</emphasis> tot und vergessen �, aber er war froh, dass er sich von seinen Onkeln den <emphasis>Hadori</emphasis> hatte geben lassen. An einem anderen Tisch br�llten sich Managan und eine schwarze Tairenerin mit einem Spitzenkragen an; sie �bert�nten beinahe die junge Frau, die auf dem niedrigen Podest neben einem der gro�en Steinkamine auf der Zimbel spielte.</p><p>Dieser schlanke junge Mann hatte den <emphasis>Hadori</emphasis> abgelehnt, genau wie Gorenellin, der etwa Aldragorans Alter hatte. Gorenellin feilschte angestrengt mit zwei olivefarbenen Altaranern, von denen der eine einen h�bschen Rubin im linken Ohr trug, und auf Gorenellins Stirn perlte der Schwei�. Niemand schrie einen Mann mit <emphasis>Hadori</emphasis> und Schwert an, wie Aldragoran sie trug, und sie bem�hten sich, es zu vermeiden, ihn zum Schwitzen zu bringen. Solche M�nner hatten den Ruf, unberechenbar und gewaltt�tig zu sein. Er war nur selten gezwungen gewesen, das Schwert an seiner H�fte zu benutzen, aber es war allgemein bekannt, dass er es konnte und auch tun w�rde.</p><p>�Ich bin einverstanden, Meister Aldragoran�, sagte Damentanis und warf seinem Gef�hrten einen Seitenblick zu. Geraneos bemerkte es nicht und bleckte die Z�hne zu etwas, von dem er vermutlich hoffte, dass Aldragoran es als L�cheln interpretieren w�rde. Aldragoran lie� es durchgehen. Schlie�lich war er Kaufmann. Ein Ruf war eine feine Sache, wenn er die Verhandlungsposition st�rkte, aber nur ein Narr war auf einen Kampf aus.</p><p>Der Schreiber der Illianer, ein hagerer Bursche mit grauem Haar und ebenfalls Illianer, schloss unter den aufmerksamen Blicken ihrer beiden Leibw�chter die eisenbeschlagene Geldkiste auf. Die Leibw�chter waren st�mmige M�nner mit diesen seltsamen Barten, die die Oberlippe frei lie�en. Sie trugen Lederm�ntel mit aufgen�hten Stahlscheiben, Schwerter und Keulen. Hinter Aldragoran stand sein eigener Schreiber, ein Saldaeaner mit hartem Blick, der die Schwertspitze nicht vom Knauf unterscheiden konnte. Er benutzte nie Leibw�chter. Auf seinem Anwesen gab es zwar W�chter, aber keine Leibw�chter. Das unterst�tzte seinen Ruf nur noch. Und nat�rlich brauchte er sie auch nicht.</p><p>Sobald Damentanis zwei Besitzurkunden auf der R�cks eite unterschrieben und drei dicke Geldbeutel voller Gold her�bergeschoben hatte � Aldragoran z�hlte die M�nzen, hielt sich aber nicht damit auf, sie zu wiegen; einige der dicken Kronen aus zehn verschiedenen L�ndern w�rden leichter als andere sein, aber er war bereit, den unweigerlichen Verlust zu akzeptieren �, sammelten die Illianer die Edelsteine ein und schoben sie in Waschlederbeutel, die in der Geldkiste verstaut wurden. Er bot ihnen noch Wein an, aber der st�mmige Mann lehnte h�flich ab, und sie gingen. Die Leibw�chter trugen zusammen die Geldkiste. Aldragoran konnte nicht verstehen, wie sie so beladen �berhaupt etwas besch�tzen wollten. Kayacun war sicher keine gesetzlose Stadt, aber zurzeit waren mehr R�uber unterwegs als �blich, auch mehr M�rder und Brandstifter, es gab viel mehr Verbrechen, ganz zu schweigen von Wahnsinn einer Art, �ber die kein Mann nachdenken wollte. Aber die Edelsteine waren jetzt die Sorge der Illianer.</p><p>Ruthan hatte Aldragorans Geldkiste ge�ffnet � drau�en warteten zwei Tr�ger-, aber er sa� da und starrte die Besitzurkunden und die Geldbeutel an. Wieder mehr als doppelt so viel, was er erwartet hatte. Leichte M�nzen aus Altara und Murandy oder nicht, es war doppelt so viel. Das w�rde sein profitabelstes Jahr sein. Und alles nur, weil Geraneos seine Wut gezeigt hatte. Danach hatte Damentanis Angst gehabt, noch weiter zu verhandeln. So ein Ruf war doch eine wunderbare Sache.</p><p>�Meister Aldragoran?�, sagte eine Frau und st�tzte sich auf den Tisch. �Ihr seid mir als Kaufmann mit einem umf angreichen Brieftaubennetz empfohlen worden.�</p><p>Nat�rlich fiel ihm zuerst ihr Schmuck auf, aus reiner Gewohnheit. Der schmale goldene G�rtel und die lange Halskette waren mit sehr guten Rubinen besetzt, genau wie einer ihrer Armreifen, und mit einigen hellgr�nen und blauen Steinen, die er nicht erkannte und als wertlos einstufte. Der goldene Reif an ihrem linken Arm, ein seltsames St�ck, das durch flache Ketten mit vier Fingerringen verbunden war und komplizierte Gravuren aufwies, war ohne Edelsteinbesatz, aber ihre letzten beiden Armreifen waren mit sch�nen Saphiren und weiteren gr�nen Steinen verziert.</p><p>Zwei der Ringe an ihrer rechten Hand wiesen ebenfalls diese gr�nen Steine auf, aber die anderen beiden hatten besonders sch�ne Saphire. Ganz hervorragende sogar. Dann wurde ihm bewusst, dass sie an dieser Hand einen f�nften Ring trug, vor einem der Ringe mit dem wertlosen Stein. Eine goldene Schlange, die sich in den Schwanz biss.</p><p>Sein Blick flog zu ihrem Gesicht hoch, und das war der zweite Schock. Das von der Kapuze eingerahmte Gesicht war sehr jung, aber sie trug den Ring, und nur wenige waren so dumm, das zu tun, ohne das Recht dazu zu haben. Er hatte schon ein paar Mal junge Aes Sedai gesehen. Nein, es war nicht ihr Alter, das ihn schockierte. Aber sie trug den <emphasis>Ki�sain</emphasis> auf der Stirn, den roten Fleck einer verheirateten Frau. Aber sie sah nicht wie eine Malkieri aus. Sie klang auch nicht wie eine Malkieri. Viele j�ngere Leute hatten den Akzent von Saldaea oder Kandor, Arafel oder Schienarer selbst den von Saldaea �, aber sie h�rte sich �berhaupt nicht wie eine Grenzl�nderin an. Au�erdem konnte er sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal von einer Malkieri geh�rt hatte, die zur Wei�en Burg ging. Die Burg hatte Malkier in seiner Not im Stich gelassen, und die Malkieri hatten der Burg den R�cken zugewandt. Trotzdem stand er schnell auf. Bei Aes Sedai war es immer klug, h�flich zu sein. In ihren dunklen Augen lag Temperament. Ja, H�flichkeit war klug.</p><p>�Wie darf ich Euch helfen, Aes Sedai? Soll ich f�r Euch mit meinen Tauben eine Botschaft schicken? Es w�re mir ein Vergn�gen.� Es war auch klug, Aes Sedai jeden Gefallen zu erweisen, um den sie baten, und eine Taube war ein kleiner Gefallen.</p><p>�Eine Botschaft an jeden Kaufmann, mit dem Ihr korresp ondiert. Tarmon Gai�don kommt bald.�</p><p>Er zuckte unbehaglich mit den Schultern. �Damit habe ich nichts zu tun, Aes Sedai. Ich bin Kaufmann.� Sie bat um viele gute Tauben. Er korrespondierte bis nach Schienar.</p><p>�Aber ich werde Eure Botschaft weiterleiten.� Das w�rde er auch, ganz egal, wie viele V�gel er brauchte. Nur Narren hielten Versprechen bei Aes Sedai nicht ein. Au�erdem wollte er sie und ihr Gerede �ber Tarmon Gai�don loswerden.</p><p>�Erkennt Ihr das?�, fragte sie und zog eine Lederschnur aus dem Halsausschnitt.</p><p>Ihm stockte der Atem, und er streckte die Hand aus, fuhr mit dem Finger �ber den schweren Goldsiegelring an der Schnur. �ber den fliegenden Kranich. Wie war sie daran gekommen? Beim Licht, wie nur? �Ich erkenne ihn�, sagte er mit pl�tzlich heiserer Stimme.</p><p>�Mein Name ist Nynaeve ti al�Meara Mandragoran. Ich will folgende Botschaft verschickt haben. Mein Ehemann reitet von Weltende auf den Tarninpass zu, auf Tarmon Gai�don zu. Wird er allein reiten?�</p><p>Er zitterte. Er wusste nicht, ob er lachte oder weinte. Verm utlich beides. Sie war seine <emphasis>Frau?</emphasis> �Ich werde Eure Botschaft schicken, meine Lady, aber das hat nichts mit mir zu tun. Ich bin Kaufmann. Malkier ist tot. Tot, sage ich Euch.�</p><p>Das Feuer in ihrem Blick schien noch hei�er zu werden, und sie griff mit einer Hand nach ihrem langen, dicken Zopf.</p><p>�Lan hat mir einst gesagt, dass Malkier lebt, solange ein Mann mit seinem <emphasis>Hadori</emphasis> den Schwur erf�llt, dass er gegen den Schatten k�mpft, solange eine Frau mit ihrem <emphasis>Ki�sain</emphasis> den Schwur erf�llt, dass sie ihre S�hne ausschickt, um gegen den Schatten zu k�mpfen. Ich trage den <emphasis>Ki�sain,</emphasis> Meister Aldragoran. Mein Ehemann tr�gt den <emphasis>Hadori.</emphasis> Ihr auch. Wird Lan Mandragoran allein in die Letzte Schlacht reiten?�</p><p>Er lachte, er sch�ttelte sich vor Lachen aus. Er konnte f�hl en, wie ihm die Tr�nen die Wangen hinunterliefen. Es war Wahnsinn! V�lliger Wahnsinn! Aber er konnte nichts dagegen tun. �Das wird er nicht, meine Lady. Ich kann nat�rlich nicht f�r andere sprechen, aber ich schw�re Euch beim Licht und bei meiner Hoffnung auf Wiedergeburt und Errettung, dass er nicht allein reiten wird.� Sie studierte einen Augenblick lang sein Gesicht, dann nickte sie nachdr�cklich und wandte sich ab. Er griff nach ihr. �Darf ich Euch Wein anbiet en, meine Lady? Meine Frau wird Euch kennenlernen wollen.� Alida war Saldaeanerin, aber sie w�rde auf jeden Fall die Frau des Ungekr�nten K�nigs kennenlernen wollen.</p><p>�Vielen Dank, Meister Aldragoran, aber ich muss heute noch einige St�dte besuchen, und ich muss heute Abend wieder in Tear sein.�</p><p>Er blinzelte ihr hinterher, als sie zur T�r rauschte. Sie musste heute noch mehrere St�dte besuchen, und sie musste heute <emphasis>Abend</emphasis> wieder in Tear sein? Aes Sedai konnten Wunder wirken!</p><p>In dem Gemeinschaftsraum herrschte Stille. Sie hatten nicht leise gesprochen, und selbst das M�dchen hatte aufgeh�rt, ihre Zimbel zu spielen. Jeder starrte ihn an. Den meisten Ausl�ndern stand der Mund offen.</p><p>�Nun, Managan, Gorenellin�, sagte er, �wisst ihr noch, wer ihr seid? Erinnert ihr euch an euer Blut? Wer reitet mit mir zum Tarwinpass?�</p><p>Einen Augenblick lang glaubte er, dass keiner der M�nner sprechen w�rde, aber dann sprang Gorenellin mit Tr�nen in den Augen auf die F��e. �Der Goldene Kranich fliegt f�r Tarmon Gai�don�, sagte er leise.</p><p>�Der Goldene Kranich fliegt f�r Tarmon Gai�don!�, rief Managan und sprang so schnell auf, dass er seinen Stuhl umkippte.</p><p>Lachend fiel Aldragoran ein, sie alle drei schrien aus voll em Halse. �Der Goldene Kranich fliegt f�r Tarmon Gai�don!�</p></section><section><title><p>21</p><p>Im Stein</p></title><p>Die schlammigen Stra�en der Vorstadt wichen an der Mauer von Tear Kopfsteinpflaster. Das Erste, was Rand auffiel, war die Abwesenheit von Wachtposten. Trotz der Festungsw�lle mit ihren T�rmen war die Stadt weniger wehrhaft als das <emphasis>Stedding</emphasis> Shangtai, wo man ihm und jedem Menschen im Morgengrauen freundlich, aber bestimmt den Eintritt verweigert hatte. Hier waren die Sch�tzeng�nge auf den T�rmen verwaist. Die T�r des rechteckigen grauen Wachhauses direkt hinter dem breiten Tor stand weit ge�ffnet; dort sa� eine hartgesichtige Frau in einem grauen Wollkleid mit hochgeschobenen �rmeln an einem Waschzuber und schrubbte W�sche auf dem Waschbrett. Sie schien dort eingezogen zu sein; zwei kleine, schmutzige Kinder, die an den Daumen lutschten, starrten ihn und seine Gef�hrten mit gro�en Augen an. Oder zumindest ihre Pferde.</p><p>Tai�daishar bot einen spektakul�ren Anblick, ein schlanker schwarzer Hengst mit gewaltiger Brust, ein Pferd, das auffiel, trotzdem hatte er sich f�r dieses Tier entschieden. Wenn ihn die Verlorenen so leicht finden konnten wie in Algarins Herrenhaus, ergab jedes Versteckspiel nicht viel Sinn. Oder zumindest jede gr��ere Anstrengung, unerkannt bleiben zu wollen. Er trug schwarze Reithandschuhe, um die Drachenk�pfe auf seinen Handr�cken und die Reiher in seinen Handfl�chen zu verbergen. Sein Mantel bestand aus dunkelgrauer Wolle ohne die geringste Stickerei, die Satteldecke des Hengstes war schlicht, und Schwertgriff und Scheide waren in schmuckloses Eberleder geh�llt, seit sie in seinen Besitz gekommen waren; nichts, was einen zweiten Blick lohnte. Cadsuane trug schlichtes graues Tuch und hatte die Kapuze ihres dunkelgr�nen Umhangs hochgeschlagen, um ihr Aes-Sedai-Gesicht zu verh�llen, aber Min, Nynaeve und Alivia mussten sich nicht verstecken. Auch wenn Mins blumenbestickter roter Mantel und die engen Hosen m�glicherweise die Blicke auf sich zogen, ganz zu schweigen von ihren hochhackigen roten Stiefeln. Rand hatte in Cairhien Frauen gesehen, die sich �hnlich anzogen und sie nachahmten, aber es erschien unwahrscheinlich, dass ihr Stil auch in Tear popul�r wurde, da hier gro�er Wert auf Schicklichkeit gelegt wurde. Jedenfalls in der �ffentlichkeit. Nynaeve trug gelb geschlitzte blaue Seide und all ihren Schmuck, den der blaue Umhang kaum verdeckte, aber in Tear w�rde es viel blaue Seide geben. Sie hatte ihre Stola anlegen wollen! Allerdings steckte sie in der Satteltasche. Jede gr��ere Anstrengung, unerkannt zu bleiben. In der Tat.</p><p>Das Zweite, was ihm auffiel, war das Ger�usch, ein rhythm isches Klappern, das in regelm��igen Abst�nden von einem durchdringenden Pfeifen begleitet wurde. Zuerst nur leise, schien es sich schnell zu n�hern. Trotz der fr�hen Stunde waren die Stra�en bev�lkert, soweit er es von den Toren aus sehen konnte. Die H�lfte der sichtbaren Menschen schienen vom Meervolk zu stammen, die M�nner mit nacktem Oberk�rper, die Frauen in hellen Leinenblusen. Sie alle trugen lange Sch�rpen, die farbiger waren als jene, die die tairenischen B�rger trugen. Jeder Kopf schien dem Ger�usch zugewandt zu sein. Kinder flitzten in der Menge umher, wichen gr��tenteils von Ochsen gezogenen Karren aus und rasten auf das Ger�usch zu. Mehrere gut gekleidete M�nner und Frauen waren aus ihren S�nften gestiegen und standen neben den Tr�gern, um zuzusehen. Ein Kaufmann mit einem Gabelbart und Silberketten auf der Brust lehnte sich zur H�lfte aus dem Fenster einer rot lackierten Kutsche und br�llte seinen Fahrer an, das nerv�s t�nzelnde Gespann zu beruhigen, w�hrend er versuchte, besser sehen zu k�nnen.</p><p>Wei�e Tauben stiegen pl�tzlich von schr�gen Schieferd�chern auf, aufgeschreckt von einem besonders schrillen Pfeifen. Und zwei gro�e Schw�rme kollidierten miteinander und bombardierten die Menschen auf der Stra�e mit benommenen V�geln.</p><p>Jeder einzelne Vogel st�rzte in die Tiefe.</p><p>Ein paar Leute h�rten tats�chlich auf, in die Richtung des n�her kommenden Ger�uschs zu starren, und schauten stattdessen in den Himmel. Eine �berraschend gro�e Zahl von ihnen rissen abgest�rzte V�gel vom Pflaster und drehten ihnen die H�lse um, und es waren nicht nur barf��ige Leute in fadenscheiniger Wolle. Eine Frau in Seide und Spitze neben einer der S�nften sammelte schnell ein halbes Dutzend, bevor sie wieder in Richtung des Ger�usches schaute. V�gel baumelten von ihren H�nden.</p><p>Alivia gab einen �berraschten Laut von sich. �Ist das Pech oder Gl�ck?�, fragte sie. �Es muss Pech sein. Es sei denn, die Tauben hier sind anders?� Nynaeve warf ihr einen unwirschen Blick zu, sagte aber kein Wort. Seit Lans Verschwinden am Vortag war sie sehr still gewesen, ein Thema, zu dem sie erst recht eisern schwieg.</p><p>�Einige dieser Leute werden verhungern�, sagte Min traurig. Der Bund zitterte vor Trauer. �Bei jedem Einzelnen von ihnen kann ich etwas sehen.�</p><p><emphasis>Wie kann ich mich verstecken!</emphasis> Lews Therin lachte. <emphasis>Ich bin ein</emphasis> Ta�veren!</p><p><emphasis>Du bist tot!,</emphasis> dachte Rand scharf. Menschen vor ihm w�rden verhungern, und er lachte? Nat�rlich w�rde man nichts machen k�nnen, nicht, wenn Min es sagte, aber zu lachen war eine andere Sache. <emphasis>Ich bin</emphasis> Ta�veren. <emphasis>Ich!</emphasis></p><p>Was geschah noch in Tear wegen seiner Anwesenheit? Sein Wirken als <emphasis>Ta�veren</emphasis> zeigte nicht immer eine Wirkung, aber wenn es das tat, konnte das Resultat eine ganze Stadt betreffen. Es war besser, das zu erledigen, weswegen er hergekommen war, bevor die falschen Leute herausfanden, was Dinge wie miteinander kollidierende Tauben zu bedeuten hatten. Wenn die Verlorenen Trolloc-Heere gegen ihn losschickten, konnte man davon ausgehen, dass Schattenfreunde jede Gelegenheit ergriffen, ihm einen Pfeil in den Leib zu jagen. Sich wenig M�he zu geben, sich zu verbergen, war nicht das Gleiche, als sich gar keine M�he zu geben.</p><p>�Ihr h�ttet genauso gut das Banner des Lichts und eine taus end Mann starke Ehrengarde mitbringen k�nnen statt nur sechs Leute�, murmelte Cadsuane trocken und warf einen Blick auf die T�chter, die so taten, als h�tten sie nichts mit Rands Gruppe zu tun, w�hrend sie einen gro�en Kreis um ihn bildeten, die <emphasis>Shoufa</emphasis> um die K�pfe geschlungen, die Schleier auf der Brust. Zwei waren Shaido, die immer wild blickten, wenn sie ihn ansahen. Die Speere der T�chter steckten hinter den Riemen ihrer Bogenfutterale auf dem R�cken, aber auch nur, weil Rand angedroht hatte, sie zur�ckzulassen und andere mitzunehmen. Nandera hatte auf zumindest einigen T�chtern beharrt und ihn mit Augen so hart wie Smaragde angesehen. Er hatte nicht einmal daran gedacht, sich zu weigern. Als das einzige Kind einer Tochter, das die T�chter je kennengelernt hatten, hatte er Verpflichtungen zu erf�llen.</p><p>Er nahm Tai�daishars Z�gel, und pl�tzlich kam ein gro�er Wagen voller Maschinen zischend und klappernd in Sicht, breite, eisenbeschlagene R�der schlugen Funken auf dem grauen Kopfsteinpflaster, w�hrend er so schnell wie ein Mann im Dauerlauf auf der Stra�e fuhr. Die Maschinen schwitzten Dampf; ein schwerer Holzschaft fuhr auf und nieder und bewegte einen weiteren, vertikalen Schaft; grauer Holzrauch quoll aus einem Eisenschornstein, aber vorn war kein Pferd zu sehen, sondern nur eine seltsame Ruderpinne, die die R�der lenkte. Einer der drei M�nner, die auf dem Wagen standen, zog an einer langen Schnur, und aus einer R�hre auf einem gewaltigen Eisenzylinder entwich mit einem schrillen Pfeifen Dampf. Die Zuschauer sahen ehrf�rchtig zu oder bedeckten sich die Ohren, aber das Gespann des Kaufmanns mit dem Gabelbart hatte daran kein Interesse. Die Pferde wieherten schrill, dann gingen sie durch, lie� en Leute auseinanderspritzen und schleuderten beinahe den Passagier heraus. Fl�che folgten ihnen, und mehrere bl�kende Maultiere galoppierten mit ihren Karren los, w�hrend die Fahrer sich gegen die Z�gel stemmten. Selbst ein paar Ochsen trotten schneller daher. Mins Erstaunen erf�llte den Bund.</p><p>Auch Rand starrte erstaunt � w�hrend er den schwarzen Hengst mit einem Schenkeldruck kontrollierte. Tai�daishar war ein ausgebildetes Schlachtross und reagierte augenblicklich, auch wenn er schnaubte. Anscheinend hatte Meister Poel seinen Dampfwagen tats�chlich zum Laufen gebracht.</p><p>�Aber wie ist das Ding nach Tear gekommen?�, fragte er laut. Als er es das letzte Mal gesehen hatte, hatte es in der Akademie von Cairhien gestanden und war alle paar Schritte stehen geblieben.</p><p>�Man nennt das ein Dampfpferd, mein Lord�, sagte ein barf��iger Stra�enjunge mit schmutzigem Gesicht und zerlumptem Hemd, der auf und ab h�pfte. Selbst die Sch�rpe, die seine weiten Hosen hielt, schien aus fast so vielen L�chern wie Stoff zu bestehen. �Ich habe es neunmal gesehen! Cam da vorn hat ihn blo� siebenmal gesehen!�</p><p>�Ein Dampfwagen, Doni�, warf sein genauso zerlumpter Gef�hrte ein. �Ein D�mpfungen.� Keiner von ihnen konnte �lter als zehn sein, und sie waren eher hager als d�rr. Ihre schlammverdreckten F��e, zerrissenen Hemden und l�cherigen Hosen bedeuteten, dass sie von au�erhalb der Mauern kamen, wo die �rmsten Leute lebten. Rand hatte einige Gesetze Tears ge�ndert, vor allem jene, die besonders die Armen schwer knechteten, aber er hatte nicht alles ver�ndern k�nnen. Er hatte nicht einmal gewusst, wo er �berhaupt anfangen sollte. Lews Therin fing an, sich �ber Steuern und Geld, das Arbeitspl�tze schaffte, auszulassen, aber er h�tte genauso gut Worte aufs Geratewohl von sich geben k�nnen, so viel Sinn ergaben sie. Rand d�mpfte die Stimme, bis sie blo� ein Summen war, eine Fliege in der anderen Zimmerh�lfte.</p><p>�Vier von ihnen zusammengebunden, einer hinter dem anderen, haben hundert Wagen den ganzen Weg von Cairhien hergezogen�, fuhr Doni fort und ignorierte den anderen Jungen. �Sie haben fast hundert Meilen am Tag zur�ckgelegt, mein Lord. Hundert Meilen!�</p><p>Com seufzte schwer. �Es waren sechs von ihnen, Doni, und sie haben nur f�nfzig Wagen gezogen, aber sie haben jeden Tag mehr als hundert Meilen zur�ckgelegt. Manchmal hundertzwanzig Meilen, habe ich geh�rt, und das hat einer der Dampfm�nner gesagt.� Doni drehte sich um und starrte ihn finster an, sie ballten die F�uste.</p><p>�Es ist auf jeden Fall eine erstaunliche Leistung�, sagte Rand schnell, bevor sie sich zu pr�geln anfingen. �Hier.�</p><p>Er griff in die Manteltasche, zog zwei M�nzen heraus und warf jedem der Jungen eine zu, ohne auf ihren Wert zu achten. Gold funkelte in der Luft, bevor die Jungen begierig nach den M�nzen griffen. Sie tauschten �berraschte Blicke aus, dann rannten sie so schnell sie konnten durch das Tor, ohne jeden Zweifel von der Furcht erf�llt, dass er die M�nzen zur�ckverlangen w�rde. Von so viel Gold konnten ihre Familien monatelang leben.</p><p>Min sah ihnen mit einer Trauer nach, die im Bund noch nachhallte, nachdem sie den Kopf gesch�ttelt und ihre Miene wieder unter Kontrolle gebracht hatte. Was hatte sie gesehen? Vermutlich den Tod. Rand versp�rte Wut, aber keine Trauer. Wie viele Zehntausende w�rden sterben, bevor die Letzte Schlacht vorbei war? Wie viele w�rden Kinder sein? In ihm war kein Platz f�r Trauer mehr �brig.</p><p>�Sehr gro�z�gig�, sagte Nynaeve mit angespannter Stimme, �aber wollen wir hier den ganzen Tag lang herumstehen?� Der Dampfwagen verschwand schnell aus der Sicht, aber ihre kr�ftige braune Stute schnaubte noch immer nerv�s und warf den Kopf hoch, und sie hatte Schwierigkeiten mit dem Tier, so friedlich seine Natur auch sonst war. Sie war bei weitem keine so gute Reiterin, wie sie dachte. Was das anging, Mins Reittier, eine graue Stute aus Algarins St�ll en, t�nzelte so sehr, dass nur Mins fester Griff an den Z�geln sie vom Durchgehen abhielt, und Alivias Rotschimmel wollte t�nzeln, aber die ehemalige <emphasis>Damane</emphasis> kontrollierte das Tier so leicht wie Cadsuane ihren Braunen. Manchmal zeigte Alivia �berraschende Talente. Von <emphasis>Damane</emphasis> wurde erwartet, dass sie gut reiten konnten.</p><p>Auf dem Weg in die Stadt warf Rand dem verschwindend en Dampfwagen einen letzten Blick hinterher. Bemerkenswert traf es nicht einmal ann�hernd. Einhundert Wagen oder nur f�nfzig � nur! �, <emphasis>unglaublich</emphasis> kam dem schon n�her. W�rden Kaufleute anfangen, diese Dinger statt Pferden zu benutzen? Das erschien unwahrscheinlich. Kaufleute waren konservativ, nicht daf�r bekannt, sich auf neue Methoden zu st�rzen. Aus irgendeinem Grund fing Lews Therin wieder an zu lachen.</p><p>Tear war nicht so wundersch�n wie Caemlyn oder Tar Valon, und nur wenige seiner Stra�en konnte man als breit bezeichnen, aber es war gro� und weitl�ufig, eine der gro�en St�dte der Welt, und wie die meisten gro�en St�dte stellte es ein Durcheinander dar, das zuf�llig gewachsen war. In den verworrenen Stra�en standen schindelgedeckte Gasth�user und schiefergedeckte St�lle, deren Dachkanten scharfe Winkel aufwiesen, neben Pal�sten mit wei�en Kuppeln und hohen, von Baikonen ges�umten T�rmen, die oft spitz zuliefen, und die hohen Kuppeln und T�rme funkelten im Licht der Morgensonne. Schmieden und Messerschmieden, N�herinnen und Metzger, Fischh�ndler und Teppichl�den dr�ngten sich an Marmorgeb�ude mit hohen Bronzetoren hinter massiven wei�en S�ulen, Gildenhallen und Banken und Kaufmannsb�rsen.</p><p>Zu dieser Stunde lagen die Stra�en noch in tiefe Schatten geh�llt, dennoch wimmelten sie mit jener sprichw�rtlichen s�dlichen Gesch�ftigkeit. S�nften suchten sich ihren Weg fast genauso schnell durch die Menge wie die spielenden Kinder, w�hrend Kutschen mit vier oder sechs Pferden genauso langsam vorankamen wie die Karren und Wagen, die gr��t enteils von gro�en Ochsen gezogen wurden. Tr�ger trotteten vorbei, die Lasten an Stangen geh�ngt, die auf den Schultern von zwei M�nnern ruhten, und Lehrlinge trugen zusammengerollte Teppiche und Kisten mit der Arbeit ihrer Meister auf dem R�cken. Stra�enh�ndler priesen lautstark ihre Waren auf den Bauchl�den oder Schubkarren an, Nadeln und Schleifen, ger�stete N�sse und Fleischpasteten, und an fast jeder Ecke standen Jongleure und Musikanten. Man w�re nie auf den Gedanken gekommen, dass sich diese Stadt im Belagerungszustand befand.</p><p>Aber nicht alles war friedlich. Trotz der fr�hen Stunde sah Rand l�rmende Betrunkene, die aus Schenken und Gasth�usern geworfen wurden, und so viele M�nner, die sich auf dem Stra�enpflaster balgten, dass es den Anschein hatte, dass das eine Paar noch nicht au�er Sicht war, bevor man auf das n�chste stie�. In der Menge waren viele Waffenm�nner zu sehen, Schwerter an den H�ften und die dicken �rmel ihrer Wollm�ntel mit den Streifen diverser Hausfarben versehen, aber selbst jene mit Brustharnischen und Helmen machten keine Anstalten, die K�mpfe zu beenden. In etliche waren die Waffenm�nner selbst verwickelt, sie k�mpften gegeneinander, mit dem Meervolk, mit einfach gekleideten Burschen, die m�glicherweise Tagel�hner oder Lehrlinge waren. Soldaten, die nichts zu tun hatten, langweilten sich schnell, und gelangweilte Soldaten betranken sich und rauften. Rand war froh, die Waffenm�nner der Rebellen gelangweilt zu sehen.</p><p>Die T�chter, die sich ihren Weg durch die Menge suchten und noch immer so taten, als w�rden sie nicht zu Rand geh�ren, zogen verbl�ffte Blicke auf sich, vor allem von dem dunkelh�utigen Meervolk. Einige Kinder folgten ihnen sogar und starrten sie an. Die Tairener, von denen viele kaum hellh�utiger als das Meervolk waren, hatten schon Aiel gesehen, und falls sie sich fragten, warum sie wieder in der Stadt waren, besch�ftigten sie heute Morgen anscheinend wichtigere Dinge. Niemand schien f�r Rand oder seine anderen Gef�hrten einen zweiten Blick �brig zu haben. Auf der Stra�e waren noch andere M�nner und Frauen zu Pferd, die meisten davon Ausl�nder, hier ein blasser cairhienischer Kaufmann in einem dunklen Mantel, dort ein Arafelianer mit Silbergl�ckchen an seinen dunklen Z�pfen, hier eine kupferh�utige Domani in einem beinahe durchsichtigen Reitgewand, das kaum von ihrem Umhang verh�llt wurde, begleitet von zwei riesigen Leibw�chtern in Lederm�nteln mit aufgen�hten Stahlscheiben, und dort ein fetter Schienarer mit bis auf einen grauen Haarschopf glatt rasiertem Kopf. Man konnte in Tear keine zehn Schritte gehen, ohne einen Ausl�nder zu sehen. Der tairenische Handel hatte lange Arme.</p><p>Was nicht bedeutete, dass Rand die Stadt ohne jeden Zwis chenfall durchquerte. Vor ihm stolperte ein laufender B�ckerbursche, fiel und schleuderte seinen Korb in die Luft; als sich der Junge aufrappelte, ritt Rand gerade vorbei, und er hielt mitten in der Bewegung mit offen stehendem Mund inne und starrte die langen Brote an, die ganz in der N�he des Korbes alle aufrecht standen und in etwa einen Kegel bildeten. Ein Bursche in Hemds�rmeln, der im ersten Stock eines Gasthauses am offenen Fenster stand und trank, verlor das Gleichgewicht und fiel mit einem Aufschrei auf die Stra�e, der verstummte, als er keine zehn Schritte von Tai�daishar entfernt auf den F��en landete, den Becher noch immer in der Hand. Rand lie� ihn zur�ck, wie er sich erstaunt und mit noch immer weit aufgerissenen Augen betastete. Wellen ver�nderter Wahrscheinlichkeiten folgten Rand und breiteten sich in der ganzen Stadt aus.</p><p>Nicht jedes Ereignis w�rde so harmlos wie die Brotlaibe sein oder so n�tzlich wie der Mann, der auf den F��en statt auf dem Kopf landete. Diese Wellen konnten eine harmlose Rauferei ohne blaue Flecken in eine mit Knochenbr�chen oder einem gebrochenen Genick verwandeln. Lebenslange Fehden konnten von M�nnern ausgel�st werden, die Worte sprachen, von denen sie nie geglaubt h�tten, dass sie ihnen jemals �ber die Lippen kommen w�rden. Frauen konnten sich entscheiden, ihre Ehem�nner wegen trivialer Streitereien zu vergiften, die sie jahrlang geduldig ertragen hatten. Oh, m�glicherweise entdeckte irgendjemand in seinem Keller einen vergrabenen und verrotteten Sack voller Gold, ohne zu wissen, warum er eigentlich auf die Idee gekommen war, dort zu graben, oder ein Mann bat um die Hand einer Frau, die er zuvor sich niemals getraut hatte anzusprechen, und erhielt sie, aber genauso viele, wie ihr Gl�ck fanden, w�rden ihren Ruin erleben. Gleichgewicht, hatte Min es genannt. Etwas Gutes, das jedes Schlechte wieder ausglich. Er hingegen sah es als etwas Schlechtes, das jedes Gute wieder ausglich. Er musste seine Gesch�fte in Tear erledigen und so schnell wie m�glich wieder abreisen. In diesen belebten Stra�en zu galoppieren war unm�glich, aber er beschleunigte sein Tempo genug, dass die T�chter in den Laufschritt verfielen.</p><p>Sein Ziel war lange vor dem Betreten der Stadt in Sicht gewesen, eine Masse aus Stein, die einem leblosen, steil aufragenden Berg �hnelte, der sich vom Wasser des Erinin bis in das Herz der Stadt erstreckte und mindestens zwei Quadratmeilen oder mehr in Anspruch nahm und die Stadt dominierte. Der Stein von Tear war die �lteste Festung der Menschheit, das �lteste Bauwerk der Welt, erschaffen in den letzten Tagen der Zerst�rung der Welt mit Hilfe der Einen Macht. Er war ein solider Stein, ohne die kleinste Fuge; allerdings hatten mehr als dreitausend Jahre Regen und Wind die Oberfl�che verwittert. Die ersten Wehrmauern ragten hundert Schritte �ber den Boden, jedoch gab es viel tiefer gen�gend Schie�scharten und Pechnasen, die Angreifer mit siedendem �l oder geschmolzenem Blei �bergie�en konnten. Kein Belagerer konnte verhindern, dass der Stein durch seine eigenen, gut gesch�tzten Docks versorgt wurde, und es gab in ihm Schmieden und Fabriken, um jede vorstellbare Waffe zu reparieren oder zu ersetzen, sollten sich seine Waffenkammern leeren. Sein h�chster Turm, der aus der Mitte des Steins herausragte, hielt das Banner von Tear, je zur H�lfte rot und golden mit silbernen Halbmonden in einer schr�gen Reihe, und es war so gro�, dass man es deutlich in der starken Brise flattern sehen konnte. Sie musste stark sein, um diese Flagge bewegen zu k�nnen. Tiefere T�rme wiesen kleinere Exemplare auf, aber auf ihnen gab es auch ein anderes Banner, das uralte Symbol der Aes Sedai. Schwarz und Wei� auf rotem Grund. Das Banner des Lichts. Manche bezeichneten es auch als das Drachenbanner, als g�be es nicht bereits ein anderes, das diesen Namen trug. Hochlord Darlin stellte seine Untertanenpflicht anscheinend zur Schau. Das war gut so.</p><p>Alanna hielt sich dort auf, und ob das gut oder schlecht war, w�rde sich noch zeigen. Seit Elayne und Aviendha und Min gemeinsam mit ihm den Bund eingegangen waren, war er sich ihr nicht mehr so deutlich bewusst � er glaubte es zumindest; die anderen hatten sie irgendwie zur Seite gedr�ngt, um sich an die erste Stelle zu setzen, und sie hatte ihm gesagt, sie k�nnte kaum noch mehr als seine Gegenwart sp�ren �, aber sie war noch immer in seinem Hinterkopf, ein B�ndel aus Gef�hlen und k�rperlichen Empfindungen. Es schien lange her zu sein, dass er nahe genug gewesen war, um sie zu sp�ren. Wieder f�hlte sich der Bund mit ihr wie ein Eindringling an, ein M�chtegern-Usurpator seines Bundes mit Elayne, Aviendha und Min. Alanna war m�de, so als h�tte sie in letzter Zeit m�glicherweise nicht genug Schlaf bekommen, und sie war verbittert, ein Gef�hl, das von starker Wut und Trotz durchsetzt war. Liefen die Verhandlungen so schlecht? Er w�rde es bald wissen. Sie w�rde sich bewusst sein, dass er in der Stadt war, sich bewusst sein, dass er n�her kam, wenn auch kaum mehr. Min hatte versucht, ihm einen Trick beizubringen, den man Maskerade nannte, der ihn angeblich vor dem Bund verbergen konnte, aber er hatte es nie geschafft, ihn durchzuf�hren. Nat�rlich hatte sie daraufhin zugegeben, dass ihr das auch nie gelungen war.</p><p>Bald fand er sich auf einer Stra�e wieder, die auf geradem Weg zu dem Platz f�hrte, der den Stein auf drei Seiten umgab, aber er hatte nicht die Absicht, direkt zu ihm zu reiten. Zum einen w�rde jedes der massiven eisenbeschlagenen Tore fest verriegelt sein. Zum anderen konnte er mehrere hundert Waffenm�nner am Ende dieser Stra�e sehen. Er ging davon aus, dass es vor jedem der Tore das Gleiche sein w�rde. Sie machten kaum den Eindruck von M�nnern, die eine Festung belagerten. Sie schienen ohne jede Ordnung herumzulungern � viele hatten die Helme abgenommen und die Hellebarden an die H�userw�nde ringsum gelehnt, und M�gde aus nahen Schenken und Gasth�usern liefen gesch�ftig umher und verkauften Becher mit Ale oder Wein �, aber es war doch sehr unwahrscheinlich, dass sie jemanden einfach so vorbeilassen w�rden, der in den Stein wollte. Nicht, dass sie ihn h�tten aufhalten k�nnen. Er konnte ein paar hundert M�nner wie Motten zur Seite fegen.</p><p>Aber er war nicht nach Tear gekommen, um jemanden zu t�ten, nicht, wenn er es nicht musste, also ritt er in den Stallhof eines schindelgedeckten Gasthauses mit zwei Stockwerken aus dunkelgrauem Stein, das allem Anschein nach gute Gesch�fte machte. Das Schild an der Vorderseite war neu, es zeigte ausgerechnet eine ungef�hre Darstellung der Kreaturen, die sich um seine Unterarme schl�ngelten. Aber der K�nstler war anscheinend der Meinung gewesen, dass ihre Beschreibung nicht ad�quat gewesen war, denn er hatte lange, scharfe Z�hne und ledrige Schwingen hinzugef�gt. Schwingen! Sie sahen fast so aus wie die fliegenden Bestien der Seanchaner. Cadsuane betrachtete das Schild und schnaubte. Nynaeve sah es an und kicherte. Min auch!</p><p>Selbst nachdem Rand den barf��igen Stallburschen Silber gegeben hatte, damit sie sich um die Pferde k�mmerten, starrten sie die T�chter intensiver als die M�nzen an, aber nicht fassungsloser als die G�ste im hohen Gemeinschaftsraum des Drachen. Unterhaltungen verstummten, als die T�chter Rand und den anderen folgten, mit den runden Lederschilden in der Hand und den �ber ihren K�pfen hinausragenden Speerspitzen. M�nner und Frauen, die meisten in einfacher, aber hochwertiger Wolle, drehten sich auf den St�hlen mit den niedrigen Lehnen um und starrten in ihre Richtung. Es schien eine Mischung aus Kaufleuten und Handwerkern zu sein, dennoch starrten sie wie D�rfler, die zum ersten Mal eine richtige Stadt sahen. Die Bedienungen in ihren hochgeschlossenen Kleidern und den wei�en Sch�rzen blieben stehen und starrten �ber ihre Tabletts. Selbst die Frau, die zwischen den beiden an diesem sch�nen Morgen kalten Steinkaminen die Zimbel schlug, h�rte auf zu spielen.</p><p>Ein sehr dunkler Bursche mit dichten Locken, der neben der T�r an einem Tisch sa�, schien die T�chter nicht wahrzunehmen. Rand hielt ihn zuerst f�r jemanden vom Meervolk, auch wenn er einen seltsamen Mantel ohne Kragen oder Aufschl�ge trug, der einst wei�, nun aber voller Flecken und zerknittert war. �Ich sage Euch, ich habe viele, viele von den� W�rmern, die� ja, die auf einem Schiff Seide machen�, sagte er stockend mit einem seltsamen, melodischen Akzent. �Aber ich brauche die� die� Andbeerenbl�tter� ja, Andbeerenbl�tter, um sie zu f�ttern. Wir werden reich.�</p><p>Sein Gef�hrte winkte absch�tzig mit einer plumpen Hand, w�hrend er die T�chter anstarrte. �W�rmer?�, sagte er abgel enkt. �Jeder wei� doch, dass Seide auf B�umen w�chst.�</p><p>Rand ging weiter in den Gemeinschaftsraum hinein und sch�ttelte den Kopf, w�hrend der Besitzer auf ihn zukam. W�rmer! Die Geschichten, die sich manche Leute einfallen lie�en, um anderen ein paar M�nzen abzuringen.</p><p>�Agardo Saranche zu Euren Diensten, mein Lord, meine Ladys�, sagte der schlanke, langsam kahl werdende Mann mit einer tiefen Verbeugung und breitete die H�nde aus. Nicht alle Tairener waren dunkelh�utig, aber er war fast so hell wie ein Cairhiener. �Wie kann ich zu Diensten sein?� Sein Blick wanderte immer wieder zu den T�chtern, und jedes Mal zupfte er an seinem langen blauen Mantel, als s��e der pl�tzlich zu eng.</p><p>�Wir wollen ein Zimmer mit einem guten Blick auf den Stein�, sagte Rand.</p><p>�Es <emphasis>sind</emphasis> W�rmer, die die Seide machen, Freund�, sagte ein Mann hinter ihm mit einem gedehnten Akzent. �Bei meinem Augenlicht.�</p><p>Bei dem vertrauten Akzent wirbelte Rand herum und fand Alivia mit totenbleichem Gesicht vor, aus dem jedes Blut gewichen war, wie sie einen Mann in einem dunklen Mantel anstarrte, der gerade auf dem Weg nach drau�en war. Mit einem Fluch rannte Rand zur T�r, aber soeben verlie�en mindestens ein Dutzend M�nner in dunklen M�nteln das Gasthaus, und jeder h�tte der Sprecher sein k�nnen. Es war unm�glich, einen Mann von normaler Gr��e herauszupicken, den man nur von hinten gesehen hatte. Was tat ein Seanchaner in Tear? Der Spion einer weiteren Invasion? Darum w�rde er sich bald genug k�mmern. Trotzdem wandte er sich mit dem Wunsch von der T�r ab, den Mann in seine Finger bekommen zu haben. Wissen w�rde besser als Spekulationen sein.</p><p>Er fragte Alivia, ob sie einen guten Blick auf den Burschen hatte werfen k�nnen, aber sie sch�ttelte stumm den Kopf. Sie war noch immer blass. Sie war wild, wenn sie davon sprach, was sie mit <emphasis>Sul�dam</emphasis> machen wollte, aber anscheinend brauchte sie blo� den Akzent ihrer Heimat zu h�ren, um tief ersch�ttert zu sein. Er hoffte, dass sich das nicht als Schw�che herausstellen w�rde. Sie w�rde ihm irgendwie helfen, und er konnte es sich nicht leisten, dass sie schwach war.</p><p>�Was wisst Ihr �ber den Mann, der gerade gegangen ist?�, wollte er von Saranche wissen. �Der mit dem langgezogenen Akzent.�</p><p>Der Wirt blinzelte. �Nichts, mein Lord. Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen. Ihr wollt <emphasis>ein</emphasis> Zimmer, mein Lord?� Er musterte Min und die anderen Frauen, und seine Lippen bewegten sich, als w�rde er z�hlen.</p><p>�Solltet Ihr an etwas Unschickliches denken, Meister Saranche�, sagte Nynaeve indigniert und zog an dem Zopf, der aus ihre Kapuze hing, �dann solltet Ihr das schleunigst lassen. Bevor ich Euch eins auf die Ohren gebe.� Min zischte leise, und eine Hand n�herte sich ihrem anderen Handgelenk, bevor sie in der Bewegung innehielt. Beim Licht, sie griff schnell nach ihren Messern!</p><p>�Was f�r eine Unschicklichkeit denn?�, wollte Alivia verb l�fft wissen. Cadsuane schnaubte.</p><p>�Ein Zimmer�, sagte Rand geduldig. <emphasis>Frauen finden immer einen Grund, um indigniert zu sein,</emphasis> dachte er. Oder war das Lews Therin gewesen? Er zuckte unbehaglich mit den Schultern. Und da war ein Anflug von Gereiztheit, den er noch gerade eben aus seinem Tonfall halten konnte. �Euer Gr��tes mit einem Blick auf den Stein. Wir brauchen es nicht lange. Ihr m�sstet es heute Abend wieder vermieten k�nnen. M�glicherweise m�sst Ihr nur unsere Pferde einen oder zwei Tage unterstellen.�</p><p>Erleichterung schlich sich in Saranches Miene, allerdings trug seine Stimme einen ge�bten Tonfall des Bedauerns.</p><p>�Ich bedaure, dass mein gr��tes Zimmer vergeben ist, mein Lord. Tats�chlich sind alle meine gro�en Zimmer vergeben. Aber ich w�rde Euch gern �ber die Stra�e zu den <emphasis>Drei Monden</emphasis> f�hren und��</p><p>�Pah!� Cadsuane schob die Kapuze weit genug zur�ck, um ihr Gesicht und etwas von ihrem goldenen Haarschmuck zu enth�llen. Sie war die personifizierte k�hle Selbstbeherrschung, ihr Blick unleserlich. �Ich glaube, Ihr k�nnt eine M�glichkeit finden, dieses Zimmer zur Verf�gung zu stellen, mein Junge. Ich glaube, Ihr solltet besser eine M�glichkeit finden. Bezahlt ihn gut�, f�gte sie an Rand gem�nzt hinzu, und der Schmuck baumelte an seinen Ketten. �Das war ein Rat, kein Befehl.�</p><p>Saranche nahm Rands fette Goldkrone geschickt � es war zu bezweifeln, dass das Gasthaus in einer Woche so viel einnahm �, aber es war Cadsuanes altersloses Gesicht, das ihn die Treppe im hinteren Teil des Gemeinschaftsraums hinauflaufen lie�, nur um wenige Minuten sp�ter zur�ckzukehren und sie zu einem Zimmer mit polierter Holzt�felung und einem zerw�hlten Bett im ersten Stock zu f�hren, das breit genug f�r drei Leute war. Es wurde von zwei Fenstern flankiert, die von dem �ber die D�cher ragenden Stein ausgef�llt wurden. Der vorige Bewohner war so schnell ausquartiert worden, dass er einen am Fu� des Betts liegenden zerkn�llten Wollstrumpf und einen auf dem Waschstand in der Ecke liegenden Hornkamm vergessen hatte. Der Wirt bot an, ihre Satteltaschen nach oben bringen zu lassen, und auch Wein, und er erschien �berrascht, als Rand das ablehnte, aber nach einem Blick auf Cadsuanes Gesicht verschwand er unter vielen Verbeugungen.</p><p>Das Zimmer war ziemlich ger�umig, was Gasthauszimmer betraf, aber nicht, wenn man es mit den meisten R�umen in Algarins Herrenhaus verglich, geschweige denn mit den Gem�chern eines Palasts. Vor allem, wenn es fast ein Dutzend Leute beherbergte. Die W�nde schienen Rand einzusperren. Pl�tzlich kam ihm seine Brust beengt vor. Jeder Atemzug kostete M�he. Der Bund war mit einem Mal voller Mitgef�hl und Sorge.</p><p><emphasis>Die Kiste,</emphasis> hechelte Lews Therin. <emphasis>Muss aus dieser Kiste raus!</emphasis></p><p>Er hielt den Blick fest auf die Fenster gerichtet. Den Stein zu sehen war eine Notwendigkeit, und den freien Platz zwischen dem <emphasis>Gasthaus zum Drachen</emphasis> und dem Stein sowie den offenen Himmel sehen zu k�nnen lie� ihn wenigstens etwas leichter atmen. Er hielt den Blick auf den Himmel �ber dem Stein fixiert und befahl jedem, sich an die W�nde zu stellen. Sie gehorchten eilig. Nun ja, Cadsuane warf ihm einen scharfen Blick zu, bevor sie zur Wand rauschte, und Nynaeve schniefte, bevor sie es ihr gleichtat, aber der Rest beeilte sich. Wenn sie glaubten, er wollte den Platz aus Sicherheitsgr�nden, in gewisser Weise stimmte das. Sie aus dem Sichtfeld zu haben lie� den Raum etwas gr��er erscheinen. Zwar nur ein bisschen, aber jeder Fingerbreit war eine segensvolle Erleichterung. Im Bund lag Sorge.</p><p><emphasis>Muss raus,</emphasis> jammerte Lews Therin. <emphasis>Muss hier raus.</emphasis></p><p>Er st�hlte sich gegen das, von dem er wusste, dass es kommen w�rde, h�tete sich vor jedem Versuch Lews Therins, ergriff die m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle, und <emphasis>Saidin</emphasis> str�mte in ihn hinein. Hatte der Verr�ckte versucht, es zuerst zu ergreifen? Er hatte es ber�hrt, da gab es keinen Zweifel, aber es geh�rte Rand. Flammenberge brachen zu feurigen Lawinen zusammen und wollten ihn verbrennen. Wellen, die Eis warm erscheinen lie�en, versuchten ihn in sturmgepeitschten Meeren zu zerschmettern. Er badete darin, pl�tzlich so lebendig, als w�re er die ganze Zeit zuvor schlaf gewandelt. Er konnte den Atem eines jeden im Raum Anwesenden h�ren, er konnte das gro�e Banner oben auf dem Stein so deutlich sehen, dass er beinahe die einzelnen F�den wahrnehmen konnte. Die zweifache Verletzung in seiner Seite pulsierte, als w�rde sie versuchen, sich aus seinem K�rper zu rei�en, aber mit der Macht, die ihn erf�llte, konnte er diesen Schmerz ignorieren. Er h�tte selbst einen Schwertsto� ignorieren k�nnen.</p><p>Doch mit <emphasis>Saidin</emphasis> kam die unweigerliche wilde �belkeit, das beinahe �berw�ltigende Verlangen, sich zusammenzukr�mmen und jede Mahlzeit auszuspucken, die er je zu sich genommen hatte. Sie lie� seine Knie zittern. Er k�mpfte so hart dagegen an wie gegen die Macht, und <emphasis>Saidin</emphasis> musste immer bek�mpft werden. Ein Mann unterwarf <emphasis>Saidin</emphasis> seinem Willen, oder es vernichtete ihn. Einen Augenblick lang stieg in ihm das Gesicht des Mannes aus Shadar Logoth auf. Er sah w�tend aus. Und kurz davor, sich zu �bergeben. Ohne den geringsten Zweifel war er sich in diesem Augenblick Rand <emphasis>bewusst,</emphasis> so wie Rand sich seiner bewusst war. Nur eine winzige, haard�nne Bewegung, und sie w�rden sich ber�hren. Weniger.</p><p>�Was ist los?�, wollte Nynaeve wissen, kam n�her heran und schaute besorgt zu ihm auf. �Du bist ganz grau im Gesicht.� Sie griff nach seinem Kopf, und er bekam �berall eine G�nsehaut.</p><p>Er schob ihre H�nde zur�ck. �Mir geht es gut. Tritt zur�ck.� Sie blieb stehen und schenkte ihm einen jener Blicke, die Frauen in den G�rteltaschen bei sich trugen. Dieser hier besagte, dass sie wusste, dass er sie anlog, es aber nicht beweisen konnte. �bte sie diese Blicke vor dem Spiegel?</p><p>�Tritt zur�ck, Nynaeve.�</p><p>�Es geht ihm gut, Nynaeve�, sagte Min, obwohl auch ihr Gesicht einen grauen Schimmer aufwies und sie beide rotbehandschuhte H�nde gegen den K�rper presste. Sie wusste Bescheid.</p><p>Nynaeve schnaubte, r�mpfte geringsch�tzig die Nase, aber sie ging ihm endlich aus dem Weg. Vielleicht hatte Lan endg�ltig genug gehabt und war weggelaufen. Nein, das bestimmt nicht. Lan w�rde sie nicht verlassen, es sei denn, sie sagte es ihm, und dann auch nur so lange wie n�tig. Wo auch immer er steckte, Nynaeve wusste es und hatte ihn vermutlich aus eigenen Beweggr�nden dort hingeschickt. Aes Sedai und ihre verdammten Geheimnisse.</p><p>Er lenkte die Macht, von Feuer ber�hrter Geist, und der bekannte vertikale silbrige Strich erschien am Fu� des Bettes und schien sich zu einem undeutlichen Ausblick auf massive, in Dunkelheit geh�llte S�ulen zu dehnen. Licht aus dem Gasthauszimmer sorgte f�r die einzige Beleuchtung. Die �ffnung stand nur wenige Fingerbreit �ber dem Boden und war nicht gr��er als die Zimmert�r, doch sobald sie v�llig ge�ffnet stand, warfen sich drei bereits verschleierte T�chter hindurch und zogen dabei die Speere, und Rands Haut kribbelte, als Alivia hinter ihnen hersprang. Ihn zu besch�tzen war eine selbst auferlegte Pflicht, aber eine, die sie genauso ernst nahm wie die T�chter.</p><p>Aber hier w�rden keine Gefahren warten, kein Hinterhalt, also trat er hindurch und ein St�ck tiefer. Am anderen Ende stand das Wegetor mehr als einen Fu� �ber den gro�en grauen Steinfliesen, die er nicht mehr hatte besch�digen wollen, als er es ohnehin schon getan hatte. Das war das Herz des Steins, und mit der Macht in ihm und durch das Licht, das durch das Wegetor aus dem Zimmer im <emphasis>Gasthaus zum Drachen</emphasis> quoll, konnte er das schmale Loch in einem der Steine sehen, wo er Callandor in den Boden gerammt hatte. <emphasis>Wer es zieht, soll ihm folgen.</emphasis> Er hatte lange und ausgiebig nachgedacht, bevor er Narishma losgeschickt hatte, um ihm Callandor zu bringen. Aber auch wenn die Prophezeiungen besagten, dass der Mann ihm folgen w�rde, heute war Narishma an einem anderen Ort besch�ftigt. Ein Wald aus gewaltigen Rotsteins�ulen umgab ihn, wuchsen in die Dunkelheit, die nicht entz�ndete goldene Lampen und die gew�lbte Decke und die gro�e Kuppel verbarg. Seine Stiefel verursachten ein hallendes Echo in dem leeren Gemach, das taten selbst die weichen Stiefel der T�chter. In diesem gro�en Raum verschwand das Gef�hl des Eingesperrtseins.</p><p>Min sprang direkt hinter ihm nach unten � ein Wurfmesser in jeder Hand, mit Blicken die Dunkelheit durchdringend �, aber Cadsuane stand am Rand des Wegetors und sagte: �Ich springe nicht, wenn ich es nicht unbedingt muss, mein Junge.� Sie streckte eine Hand aus und wartete darauf, dass er sie nahm.</p><p>Er hob sie nach unten, und sie nickte. Es h�tte ein Dank sein k�nnen. Es h�tte aber auch genauso gut �Du hast dir verdammt viel Zeit damit gelassen� bedeuten k�nnen. Eine Lichtkugel erschien �ber ihrer nach oben gedrehten Handfl�che, und einen Augenblick sp�ter balancierte auch Alivia eine Lichtkugel. Die beiden Frauen schufen einen hellen Kreis, der die umgebene Dunkelheit nur noch tiefer erscheinen lie�. Nynaeve verlangte die gleiche H�flichkeit und hatte den Anstand, ein Dankesch�n zu murmeln � sie erschuf schnell ihre eigene Lichtkugel �, aber als er einer der T�chter seine Hand bot � er glaubte, es war Sarendhra, eine der Shaido, doch er konnte von ihrem Gesicht nur blaue Augen �ber dem schwarzen Schleier sehen �, grunzte sie nur ver�chtlich und sprang hinunter, den Speer in der Hand, gefolgt von den anderen beiden. Er lie� das Wegetor sich schlie�en, hielt aber trotz des W�hlens in seinem Magen und Kopf <emphasis>Saidin</emphasis> fest. Er rechnete nicht damit, vor Verlassen des Steins noch einmal die Macht lenken zu m�ssen, aber er wollte Lews Therin auch keine neue Gelegenheit bieten, die Macht zu ergreifen.</p><p><emphasis>Du musst mir vertrauen,</emphasis> knurrte Lews Therin. <emphasis>Wenn wir es bis Tarmon Gai�don schaffen wollen, damit wir sterben k�nnen, dann musst du mir vertrauen.</emphasis></p><p><emphasis>Du hast mir mal gesagt, keinem zu vertrauen,</emphasis> dachte Rand. <emphasis>Dir eingeschlossen.</emphasis></p><p><emphasis>Nur Verr�ckte vertrauen niemandem,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. Pl�tzlich fing er an zu weinen. <emphasis>Oh, warum habe ich einen Verr�ckten in meinem Kopf?</emphasis> Rand verdr�ngte die Stimme.</p><p>Als er den hohen Torbogen durchschritt, der aus dem Herzen f�hrte, war er erstaunt, zwei Verteidiger des Steins in Helmen und funkelnden Brustharnischen vorzufinden. Die Pluder�rmel ihrer schwarzen M�ntel waren mit schwarzen und goldenen Streifen versehen. Mit gezogenen Schwertern starrten sie auf den Torbogen, auf ihren Gesichtern zeichnete sich mit Verwirrung gepaarte grimmige Entschlossenheit ab. Zweifellos hatte es sie �berrascht, in einem Raum mit nur einem Eingang Lichter zu sehen und Schritte zu h�ren, einen Eingang, den sie bewachten. Die T�chter breiteten sich auf beiden Seiten aus, duckten sich, hoben die Speere, kreisten die beiden langsam ein.</p><p>�Beim Stein, er ist es�, sagte einer der M�nner und steckte das Schwert schnell weg. Er war st�mmig und hatte eine wulstige Narbe, die auf seiner Stirn begann und sich �ber seinen Nasenr�cken bis zum Kiefer hinunterzog. Er machte eine tiefe Verbeugung, breitete die H�nde in den stahlverst�rkten Handschuhen weit aus. �Mein Lord Drache�, sagte er. �lagin Handar, mein Lord. Der Stein steht. Ich habe das hier an diesem Tag davongetragen.� Er ber�hrte die Narbe.</p><p>�Eine ehrenwerte Wunde, Handar, und ein Tag, den man in Erinnerung behalten soll�, sagte Rand zu ihm, w�hrend der andere, viel schlankere Mann hastig die Klinge wegsteckte und sich verbeugte. Erst dann senkten die T�chter die Speere, aber ihre Gesichter blieben verschleiert. Ein Tag, den man in Erinnerung behalten sollte? Trollocs und Myrddraals im Inneren des Steins. Das zweite Mal, dass er Callandor wirklich benutzt hatte, <emphasis>Das Schwert, das kein Schwert war,</emphasis> so benutzt hatte, wie es gedacht war. �berall hatten die Toten herumgelegen. Ein totes M�dchen, das er nicht wieder zum Leben erwecken konnte. Wer konnte schon so einen Tag vergessen? �Ich wei�, dass ich den Befehl gegeben habe, dass man das Herz bewacht, solange Callandor dort ist, aber warum steht ihr beide noch immer Wache?�</p><p>Beide M�nner wechselten verbl�ffte Blicke. �Ihr habt den Befehl gegeben, Wachtposten aufzustellen, mein Lord Drache�, sagte Handar, �und die Verteidiger gehorchen, aber Ihr habt nie etwas von Callandor gesagt, au�er dass sich ihm niemand n�hern soll, es sei denn, sie haben Beweise, dass sie von Euch kommen.� Pl�tzlich zuckte der st�mmige Mann zusammen und verbeugte sich erneut, diesmal nur tiefer. �Vergebt mir, mein Lord, wenn ich Eure Anordnungen scheinbar in Frage stelle. Das habe ich nicht vor. Soll ich die Hochlords in Eure Gem�cher rufen? Eure Gem�cher sind f�r Eure R�ckkehr bereitgehalten worden.�</p><p>�Das ist nicht n�tig�, sagte Rand. �Darlin wird mich erwarten, und ich wei�, wo ich ihn finde.�</p><p>Handar verzog das Gesicht. Der andere Mann fand pl�tzlich etwas ungeheuer Interessantes auf dem Boden, was es zu studieren galt. �Ihr werdet vielleicht einen F�hrer brauchen, mein Lord�, sagte Handar langsam. �Die Korridore� Manchmal ver�ndern sich die Korridore.�</p><p>Aha. Also l�ste sich das Muster tats�chlich. Das bedeutete, der Dunkle K�nig ber�hrte die Welt mehr, als er es seit dem Krieg des Schattens getan hatte. Falls es sich vor Tarmon Gai�don zu stark lockerte, konnte sich das Zeitaltergewebe aufl�sen. Das Ende von Zeit und Realit�t und Sch�pfung. Irgendwie musste es ihm gelingen, die Letzte Schlacht herbeizuf�hren, bevor das geschah. Aber er wagte es nicht. Noch nicht.</p><p>Er versicherte Handar und dem anderen Mann, dass er keinen F�hrer brauchte, und die beiden verneigten sich erneut, anscheinend davon �berzeugt, dass der Wiedergeborene Drache alles tun konnte, was er sagte. In Wahrheit wusste er, dass er Alanna lokalisieren konnte � er h�tte direkt auf sie zeigen k�nnen �, und sie hatte sich bewegt, seit er sie das erste Mal gef�hlt hatte. Sicher um Darlin zu finden und ihn dar�ber zu informieren, dass Rand al�Thor kam. Min hatte sie als eine von jenen bezeichnet, die er in der Hand hatte, aber Aes Sedai fanden immer eine M�glichkeit, alle gegeneinander auszuspielen. Sie hatten immer eigene Pl�ne, eigene Ziele. So wie Nynaeve und Verin. So wie sie alle.</p><p>�Sie springen, wenn Ihr nur Kr�te sagt�, bemerkte Cads uane k�hl und schlug die Kapuze zur�ck, w�hrend sie sich vom Herz entfernten. �Das kann schlecht f�r Euch sein, wenn zu viele Leute springen, wenn Ihr nur den Mund aufmacht.� Sie hatte wirklich Nerven! Das musste ausgerechnet sie sagen! Verfluchte Cadsuane Melaidhrin!</p><p>�Ich f�hre einen Krieg�, erwiderte er grob. Die �belkeit zerrte an seinen Nerven. Das war teilweise der Grund f�r seine Schroffheit. �Je weniger Leute gehorchen, desto gr��er die Wahrscheinlichkeit, dass ich verlieren werde, und wenn ich verliere, verlieren alle. Wenn ich jeden zum Gehorsam zwingen k�nnte, dann w�rde ich das tun!� Es gab schon gen�gend Leute, die nicht gehorchten oder so gehorchten, wie sie es f�r richtig hielten. Warum, beim Licht, sollte Min <emphasis>Mitleid</emphasis> versp�ren?</p><p>Cadsuane nickte. �Wie ich mir gedacht habe�, murmelte sie nachdenklich. Und was sollte das jetzt schon wieder bedeuten?</p><p>Der Stein hatte alles, was ein Palast brauchte, von Wandteppichen aus Seide und dicken L�ufern aus Tarabon und Altara und Tear selbst auf den B�den bis hin zu goldenen Spiegelkandelabern. Truhen an den Steinw�nden dienten zwar als Stauraum f�r die Putzsachen der Dienerschaft, aber sie waren aus seltenen H�lzern gefertigt, oft aufw�ndig beschnitzt und immer mit vergoldeten Reifen versehen. In Nischen standen Sch�sseln und Vasen aus Meervolkporzellan, d�nn wie Bl�tter und das Vielfache ihres Gewichts in Gold wert, oder massive, edelstein�bers�te Statuen. Ein goldener Leopard mit Rubinaugen versuchte einen Silberhirschen von einem Fu� Gr��e mit perlenbesetztem Geweih zu rei�en, und da war ein goldener L�we mit Smaragdaugen und Feuertropfen als Krallen, der noch gr��er war; andere waren so �bertrieben mit Edelsteinen besetzt, dass kein Metall mehr zu sehen war. Diener in schwarzgoldener Livree verbeugten sich oder machten einen Knicks, w�hrend Rand durch den Stein schritt, und jene, die ihn erkannten, verbeugten sich besonders tief. Ein paar Augen weiteten sich beim Anblick der T�chter, die hinter ihm hergingen, aber ihre �berraschung verlangsamte nie ihre Ehrenbezeugungen.</p><p>Alles, was ein Palast brauchte, aber der Stein war sowohl im Inneren wie im �u�eren f�r den Krieg gebaut worden. Wo immer sich zwei Korridore kreuzten, war die Decke mit Mordl�chern �bers�t. Hoch oben in den W�nden zeigten sich Schie�scharten zwischen Wandteppichen, in einem Winkel, dass der Korridor in beide Richtungen gedeckt war, und keine Treppenflucht, die nicht mit Pfeilen oder Armbrustbolzen �bersch�ttet werden konnte. Nur ein Angreifer hatte es je geschafft, sich den Zugang zum Stein zu erzwingen, die Aiel, und sie hatten die Opposition zu schnell zur Seite gefegt, als dass viele dieser Verteidigungseinrichtungen ins Spiel gekommen w�ren, aber jeder andere Feind, der in den Stein gelangte, w�rde f�r jeden Korridor einen hohen Blutzoll zahlen. Aber das Schnelle Reisen hatte die Kriegsf�hrung f�r immer ver�ndert. Wegetore und Feuerbl�ten und so viel mehr. Der Blutzoll w�rde immer noch gezahlt werden m�ssen, aber Steinmauern und hohe T�rme konnten keinen Angriff mehr abhalten. Die Asha�man hatten den Stein so �berfl�ssig gemacht wie die Bronzeschwerter und Stein�xte, die M�nner nach der Zerst�rung der Welt so oft gezwungen waren zu benutzen. Die �lteste Festung der Menschheit war jetzt ein Relikt.</p><p>Der Bund mit Alanna f�hrte ihn hinauf und hinab, bis er zu einer hohen, polierten Fl�gelt�r mit goldenen Leoparden als T�rgriffe kam. Sie befand sich auf der anderen Seite. Beim Licht, sein Magen wollte sich entleeren. Er st�hlte sich, zog eine der T�rh�lften auf und trat ein, lie� die T�cht er als Wache zur�ck. Min und die anderen folgten ihm hinein.</p><p>Das Wohnzimmer war fast so pr�chtig wie seine eigenen Gem�cher im Stein, die gro�fl�chigen Seidenwandteppiche zeigten Jagd und Schlachtszenen, der gro�e tarabonische Teppich auf dem Boden war genug Gold wert, um ein gro�es Dorf ein Jahr lang ern�hren zu k�nnen, der schwarze Marmorkamin hoch genug, um einem Mann ungehindert den Zutritt zu erlauben, und breit genug f�r acht. Jedes der massiven M�belst�cke war mit kunstvollen Schnitzereien versehen, mit Gold verkrustet und mit Edelsteinen �bers�t, genau wie die hohen Kandelaber, deren durch die Spiegel verst�rkten Flammen das Licht unterst�tzten, das durch die aus Glasscheiben bestehende Deckent�felung fiel. Auf der einen Seite des Raumes stand ein mehr als einen Schritt gro�er goldener B�r mit Rubinaugen und silbernen Klauen und Z�hnen auf einer vergoldeten S�ule, w�hrend auf einer identischen S�ule ein fast genauso gro�er Adler mit Smaragdaugen und Rubinkrallen prangte. F�r Tear waren das dezente St�cke.</p><p>Alanna sa� in einem Lehnstuhl und schaute bei seinem Eintreten auf; sie hielt einer der beiden Dienerinnen in Schwarz und Gold einen goldenen Pokal hin, damit sie dunklen Wein aus einem hohen goldenen Krug nachf�llen konnte. Schlank und mit einem grauen Reitgewand mit gelben Schlitzen bekleidet, war Alanna sch�n genug, dass Lews Therin anfing, leise vor sich hin zu summen. Rand griff sich beinahe nach dem Ohrl�ppchen, bevor er die Hand nach unten riss, sich pl�tzlich unsicher, ob es seine Geste oder die des Verr�ckten war. Sie l�chelte, aber es war ein finsteres L�cheln, und als ihr Blick �ber Min und Nynaeve, Alivia und Cadsuane glitt, �bertrug der Bund ihr Misstrauen, ganz zu schweigen von Wut und Trotz. Letzteres erh�hte sich bei Cadsuane. Als ihr Blick auf ihn fiel, war da auch Freude zu sp�ren, die sich mit all dem anderen vermengte. Nicht, dass es ihrer Stimme anzumerken war. �Nun, wer h�tte mit Euch gerechnet, mein Lord Drache�, murmelte sie. In seinem Titel lag ein scharfer Untert on. �Eine echte �berraschung, findet Ihr nicht, Lord Astor il?� Also hatte sie niemand vorgewarnt. Interessant.</p><p>�Eine sehr angenehme �berraschung�, sagte ein �lterer Mann in einem Mantel mit rot-blau gestreiften �rmeln, als er aufstand, um sich zu verbeugen. Er strich sich den ge�lten Bart, der zu einer Spitze geschnitten war. Das Gesicht von Hochlord Astoril Damara war faltig, das Haar, das ihm bis zu den Schultern hing, wei� und d�nn. Aber sein R�cken war gerade und der Blick seiner dunklen Augen scharf. �Ich habe mich schon seit einiger Zeit auf diesen Tag gefreut.� Er verbeugte sich erneut, diesmal vor Cadsuane, und nach einem Moment auch vor Nynaeve. �Aes Sedai�, sagte er. Sehr h�flich f�r Tear, wo Machtlenken und sogar die Aes Sedai selbst verboten gewesen waren, bevor Rand das Gesetz ge�ndert hatte.</p><p>Darlin Sisnera, Hochlord und Verwalter des Wiedergeborenen Drachen in Tear, war weniger als einen Kopf kleiner als Rand, mit kurz geschnittenem Haar und einem spitzen Bart, einer Hakennase und blauen Augen, die es in Tear selten gab. Er trug einen gr�nen Seidenmantel mit gelben Streifen am �rmel und Stiefel mit goldenen Stickereien. Seine Augen weiteten sich, als er sich von seiner Unterhaltung mit Caroline Damodred in der N�he des Kamins abwandte. Die cairhienische Adlige versetzte Rand einen Stich, obwohl er erwartet hatte, sie hier zu treffen. Die Litanei, die er benutzte, um seine Seele im Feuer zu schmieden, stieg beinahe in seinem Kopf auf, bevor er sie unterdr�cken konnte. Sie war klein, schlank und blass, mit gro�en dunklen Augen und einem kleinen Rubin, der von einer goldenen, in ihr schwarzes, bis auf die Schultern fallendes Haar geflochtenen Kette auf ihrer Stirn baumelte. Sie glich ihrer Cousine Moiraine auf verbl�ffende Weise. Sie trug ausgerechnet einen langen blauen Mantel, der abgesehen von den roten, gr�nen und wei�en Streifen, die vom Kragen bis zum Saum reichten, mit goldenen Ornamenten bestickt war; dazu geh�rten eng sitzende gr�ne Reithosen und hochhackige blaue Stiefel. Es hatte den Anschein, als h�tte sich die Mode doch verbreitet. Sie machte sogar einen Knicks, obwohl das in dieser Aufmachung seltsam aussah. Lews Therin summte noch st�rker, was in Rand den Wunsch aufkommen lie�, dass der Mann ein Gesicht h�tte, damit er ihn schlagen konnte. Moiraine war eine Erinnerung, damit er seine Seele abh�rtete, nicht um sie anzusummen.</p><p>�Mein Lord Drache�, sagte Darlin und verbeugte sich steif. Er war kein Mann, der daran gew�hnt war, als Erster eine Ehrenbezeugung zu erweisen. F�r Cadsuane hatte er keine Verbeugung �brig, nur einen scharfen Blick, bevor er ihre Anwesenheit zu ignorieren schien. Sie hatte ihn und Caraline einige Zeit als �G�ste� in Cairhien beherbergt. Unwahrscheinlich, dass er das vergessen oder vergeben w�rde. Nach einer Geste beeilten sich die Dienerinnen, Wein anzubieten. Wie zu erwarten, erhielt Cadsuane mit ihrem alterslosen Gesicht den ersten Pokal, aber �berraschenderweise bekam Nynaeve den zweiten. Der Wiedergeborene Drache war eine Sache, eine Frau, die den Gro�en Schlangenring trug, etwas ganz anderes, selbst in Tear. Cadsuane schlug den Umhang nach hinten und zog sich zur Wand zur�ck. Es sah ihr nicht �hnlich, sich zur�ckzuziehen. Aber von dort aus konnte sie alle gleichzeitig beobachten. Alivia nahm einen Platz neben der T�r ein, zweifellos aus dem gleichen Grund.</p><p>�Ich sehe mit Freude, dass es Euch besser geht, als ich Euch das letzte Mal gesehen habe�, fuhr Darlin fort. �Ihr habt mir eine gro�e Ehre erwiesen. Obwohl ich deswegen noch immer meinen Kopf verlieren k�nnte, wenn Eure Aes Sedai nicht bald Fortschritte macht.�</p><p>�Schmollt nicht, Darlin�, murmelte Caraline. Ihre kehlige Stimme klang am�siert. �M�nner schmollen, oder nicht, Min?� Aus irgendeinem Grund stie� Min ein Lachen aus.</p><p>�Was tut Ihr hier?�, wollte Rand von den beiden Leuten wissen, die er hier nicht erwartet hatte. Er nahm einer der Dienerinnen einen Pokal ab, w�hrend die andere zwischen Min und Alivia z�gerte. Min trug den Sieg davon, vielleicht weil Alivias blaues Kleid so schlicht war. Den Wein schl�rfend, schlenderte Min zu Caraline her�ber � nach einem Blick der Cairhienerin bewegte sich Darlin grinsend von ihr fort � und die beiden Frauen steckten die K�pfe zusammen und fl�sterten. Mit der Macht gef�llt, konnte Rand gelegentlich ein Wort aufschnappen. Seinen Namen. Darlins.</p><p>Weiramon Saniago, ebenfalls ein Hochlord aus Tear, war nicht klein, und er stand so gerade wie ein Schwert da, aber er hatte etwas von einem umherstolzierenden Gockel an sich. Sein mit Grau durchsetzter Bart, einge�lt und zu einer Spitze getrimmt, zitterte f�rmlich vor Stolz. �Heil dem Herrn des Morgens�, sagte er mit einer Verbeugung. Oder intonierte es vielmehr. Weiramon war wie dazu geschaffen, etwas zu intonieren oder deklamieren. �Warum ich hier bin, mein Lord Drache?� Die Frage schien ihn zu verbl�ffen. �Als ich h�rte, dass Darlin im Stein belagert wird, was h�tte ich da anderes tun k�nnen, als ihm zu Hilfe zu eilen? Soll man meine Seele verbrennen, ich habe versucht, ein paar der anderen dazu zu �berreden, mich zu begleiten. Wir h�tten Estanda und dem ganzen Haufen ein schnelles Ende bereiten k�nnen, das schw�re ich!� Er packte seine Faust, um zu demonstrieren, wie er die Rebellen zerquetscht h�tte. �Aber nur Anaiyella hatte den Mut!� Caraline hielt in ihrer Unterhaltung mit Min inne, um ihm einen Blick zuzuwerfen, der ihn nach einer Stichwunde h�tte suchen lassen, w�re er ihm aufgefallen. Astoril sch�rzte die Lippen und fuhr darin fort, seinen Wein zu betrachten.</p><p>Hochlady Anaiyella Narencelona trug ebenfalls einen Mantel mit eng sitzenden Reithosen und hochhackigen Stiefeln, allerdings hatte sie wei�e Spitze hinzugef�gt, und ihr gr�ner Mantel war mit Perlen bestickt. Auf ihrem dunklen Haar sa� eine Perlenhaube. Sie war eine zierliche, h�bsche Frau und machte einen anbiedernden Knicks, und irgendwie lie� sie es so aussehen, als wollte sie Rand die Hand k�ssen. Mut war nicht das Wort, das er mit ihr in Verbindung gebracht h�tte. Unversch�mtheit, andererseits� �Mein Lord Drache�, s�uselte sie. �Ich w�nschte, wir k�nnten v�lligen Erfolg melden, aber mein Pferdehauptmann starb im Kampf gegen die Seanchaner, und Ihr habt die meisten meiner Waffenm�nner in Illian gelassen. Aber wir haben in Eurem Namen einen Schlag austeilen k�nnen.�</p><p>�Erfolg? Einen Schlag austeilen?� Alannas finsterer Blick umfasste Weiramon und Anaiyella, bevor er sich wieder Rand zuwandte. �Sie sind mit einem Schiff an den Docks des Steins gelandet, aber sie haben die meisten ihrer Waffenm�nner und die S�ldner, die sie in Cairhien angeheuert haben, flussaufw�rts ausgeladen. Mit dem Befehl, die Stadt zu betreten und die Rebellen anzugreifen.� Sie schnaubte ver�chtlich. �Das einzige Ergebnis war, dass viele M�nner tot sind und unsere Verhandlungen mit den Rebellen wieder zum Anfang zur�ckgeworfen werden.� Anaiyellas einf�ltiges L�cheln wurde krampfhaft.</p><p>�Mein Plan sah einen Ausfall aus dem Stein vor, um sie von beiden Seiten anzugreifen�, protestierte Weiramon.</p><p>�Darlin hat sich geweigert. Geweigert!�</p><p>Darlin grinste nicht mehr. Er stand mit leicht gespreizten Beinen da und sah aus wie ein Mann, der sich w�nschte, ein Schwert in der Hand zu haben statt einen Pokal. �Ich habe es Euch erkl�rt, Weiramon. Wenn ich die Verteidiger aus dem Stein abgezogen h�tte, w�ren uns die Rebellen immer noch weit �berlegen gewesen. Bedeutend �berlegen. Sie haben jeden S�ldner vom Erinin bis zur Bucht von Remara angeheuert.�</p><p>Rand nahm sich einen Stuhl und lie� einen Arm �ber die Lehne baumeln. Die massiven Armlehnen hatten vorn keine St�tzen, also stellte sein Schwert kein Problem dar. Caraline und Min schienen ihre Unterhaltung dem Thema Mode zugewandt zu haben. Jedenfalls fummelten sie sich gegenseitig an den M�nteln herum, und er bekam Worte wie Steppstich und Diagonalschnitt mit, was auch immer sie zu bedeuten hatten. Alannas Blick glitt zwischen ihm und Min hin und her, und er sp�rte, wie in dem Bund Unglaube mit Misstrauen k�mpfte. �Ich habe euch beide in Cairhien gelassen, weil ich euch in Cairhien haben wollte�, sagte er. Er vertraute keinem von ihnen, aber in Cairhien, wo sie Ausl�nder ohne Macht darstellten, konnten sie nicht viel Schaden anrichten. Von der �belkeit angeheizte Wut trat in seine Stimme. �Und ihr werdet so schnell wie m�glich Pl�ne zur R�ckkehr machen. So schnell wie m�glich.�</p><p>Anaiyellas einf�ltiges L�cheln wurde noch krampfhafter; sie zuckte leicht zusammen.</p><p>Weiramon war da aus h�rterem Holz geschnitzt. �Mein Lord Drache, ich werde Euch dort dienen, wo Ihr es befehlt, aber am besten kann ich auf meiner Heimaterde dienen. Ich kenne diese Rebellen, wei�, wo man ihnen vertrauen kann und wo��</p><p>�So schnell wie m�glich!�, fauchte Rand und schlug die Faust hart genug auf die Armlehne, dass das Holz laut prot estierte.</p><p>�Eins�, sagte Cadsuane ziemlich deutlich und ziemlich unverst�ndlich.</p><p>�Ich rate Euch dringend, das zu tun, was er sagt, Lord Weiramon.� Nynaeve sah Weiramon ausdruckslos an, nippte am Wein. �Er ist in letzter Zeit sehr aufbrausend, schlimmer als je zuvor, und Ihr wollt nicht, dass sich sein Unmut auf Euch richtet.�</p><p>Cadsuane seufzte lautstark. �Haltet Euch da raus, M�dc hen�, sagte sie scharf. Nynaeve warf ihr einen Blick zu, �ffnete den Mund, verzog das Gesicht und schloss ihn wieder. Sie packte ihren Zopf und rauschte �ber den Teppich, um sich zu Min und Caraline zu gesellen. Sie hatte das durch ein Zimmer Rauschen sehr gut gelernt.</p><p>Weiramon musterte Cadsuane einen Augenblick lang, legte den Kopf in den Nacken, sodass er von oben herabblickte. �Wenn der Wiedergeborene Drache befiehlt�, sagte er schlie�lich, �wird Weiramon Saniago gehorchen. Ich sch�tze, mein Schiff kann morgen segeln. Reicht das?�</p><p>Rand nickte knapp. Es w�rde reichen m�ssen. Er w�rde nicht einen Augenblick verschwenden, um ein Wegetor zu machen, damit er diese beiden Narren noch heute dorthin schaffen konnte, wo sie hingeh�rten. �In der Stadt herrscht Hunger�, sagte er und betrachtete den goldenen B�ren. Wie viele Tage w�rde er Tear ern�hren k�nnen? Der Gedanke an Essen lie� seinen Magen verkrampfen. Er wartete auf eine Erwiderung, die auch schnell kam, wenn auch nicht aus der Richtung, die er erwartet hatte.</p><p>�Darlin hatte Vieh und Schafe in die Stadt treiben lassen�, sagte Caraline mit betr�chtlicher W�rme in der Stimme. Jetzt war es Rand, der den stechenden Blick bekam. �Im Moment�� Sie verstummte einen Augenblick lang, obwohl ihr Blick diese Wildheit nicht verlor. �Im Moment ist das Fleisch zwei Tage nach dem Schlachten ungenie�bar, also lie� er die Tiere bringen und Wagen voller Getreide. Estanda und ihre Gef�hrten haben alles f�r sich genommen.�</p><p>Darlin schenkte ihr ein inniges L�cheln, aber seine Stimme klang entschuldigend. �Ich habe es dreimal versucht, aber anscheinend ist Estanda gierig. Ich fand es sinnlos, meine Feinde weiterhin zu versorgen. Eure Feinde.�</p><p>Rand nickte. Immerhin ignorierte der Mann die Situation in der Stadt nicht. �Da gibt es zwei Jungen, die au�erhalb der Mauer leben. Doni und Com. Ich wei� nicht, wie sie weiter hei�en. Etwa zehn Jahre alt. Sobald die Sache mit den Rebellen gekl�rt ist und Ihr den Stein verlassen k�nnt, w�rde ich es zu sch�tzen wissen, wenn Ihr sie findet und ein Auge auf sie habt.� Min machte tief in ihrer Kehle einen Laut, und der Bund �bertrug eine so ausweglose Traurigkeit, dass sie beinahe die emporschie�ende Liebe �berlagerte, die damit kam. Aha. Also hatte sie den Tod gesehen. Aber bei Moiraine hatte sie sich geirrt. Vielleicht w�rde diese Sicht von einem <emphasis>Ta�veren</emphasis> ver�ndert werden k�nnen.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> knurrte Lews Therin. <emphasis>Ihre Sichten d�rfen sich nicht ver�ndern. Wir m�ssen sterben!</emphasis> Rand ignorierte ihn.</p><p>Darlin schien von der Bitte �berrascht zu sein, aber er nickte. Was h�tte er auch anderes tun k�nnen, wenn der Wiedergeborene Drache es verlangte?</p><p>Rand wollte den Grund f�r seinen Besuch ansprechen, als Bera Harkin, eine weitere der Aes Sedai, die er nach Tear geschickt hatte, um sich um die Rebellen zu k�mmern, den Raum betrat und einen unwirschen Blick �ber die Schulter warf, als h�tten ihr die T�chter Schwierigkeiten gemacht. M�glicherweise war es auch so. Die Aiel betrachteten die Aes Sedai, die ihm die Treue geschworen hatten, wie Lehrlinge der Weisen Frauen, und T�chter nutzten jede Gelegenheit, um Lehrlinge daran zu erinnern, dass sie noch keine Weisen Frauen waren. Sie war eine st�mmige Frau mit kurz geschnittenem braunen Haar und einem kantigen Gesicht, und trotz ihres gr�nen Seidenkleids h�tte sie wie eine B�uerin ausgesehen, w�re da nicht die Alterslosigkeit einer Aes Sedai gewesen. Allerdings eine B�uerin, die ihr Haus und ihren Hof mit fester Hand regierte und einem K�nig befehlen w�rde, keinen Schmutz in ihre K�che hineinzutragen. Schlie�lich war sie eine Gr�ne Ajah, mit dem typischen Stolz und Hochmut einer Gr�nen Ajah. Sie schaute auch Alivia finster an, mit dem ganzen Abscheu, den eine Aes Sedai f�r Wilde �brig hatte, und der wurde erst durch Selbstbeherrschung ersetzt, als sie Rand sah.</p><p>�Nun, ich muss sagen, dass es mich nicht �berraschen sollte, dass Ihr hier seid, wenn man bedenkt, was heute Morgen geschehen ist�, sagte sie. Sie �ffnete die schlichte Umhangbrosche aus Silber, befestigte sie an ihrer G�rteltasche und legte den Umhang �ber den Arm. �Allerdings h�tte es auch die Nachricht sein k�nnen, dass die anderen keinen Tag mehr westlich vom Erinin entfernt sind.�</p><p>�Die anderen?�, sagte Rand leise. Leise und so hart wie Stahl.</p><p>Bera schien nicht beeindruckt zu sein. Sie fuhr darin fort, ihren Umhang sorgf�ltig zusammenzulegen. �Nat�rlich die anderen Hochlords und Hochladys. Sunamon, Tolmeran, sie alle. Anscheinend reisen sie so schnell nach Tear, wie es die Pferde ihrer Waffenm�nner k�nnen.�</p><p>Rand sprang so schnell auf, dass sich sein Schwert einen Augenblick lang unter der Armlehne verhakte. Nur einen Augenblick lang, weil das vergoldete Holz geschw�cht von seinem fr�heren Hieb mit lautem Krachen zerbrach und die Lehne auf den Teppich fiel. Er hatte nicht einmal einen Blick daf�r �brig. Diese Narren! Die Seanchaner an der Grenze von Altara, und sie kamen nach Tear zur�ck? �Wei� keiner mehr, was Gehorsam ist?�, br�llte er. �Ich will, dass sofort Boten zu ihnen geschickt werden! Sie werden schneller nach Illian zur�ckkehren, als sie aufgebrochen sind, oder ich lasse sie alle h�ngen!�</p><p>�Zwei�, sagte Cadsuane. Was beim Licht z�hlte sie da?</p><p>�Ein kleiner Rat, mein Junge. Fragt sie, was heute Morgen geschehen ist. Ich rieche gute Neuigkeiten.�</p><p>Bera zuckte leicht zusammen, als sie bemerkte, dass Cadsuane im Zimmer war. Sie warf ihr einen vorsichtigen Seitenblick zu und h�rte auf, an ihrem Umhang herumzufummeln. �Wir haben eine Einigung erzielt�, sagte sie, als w�re die Frage gestellt worden. �Tedosian und Simaan waren wie gewohnt schwankend, aber Hearne war beinahe so unnachgiebig wie Estanda.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich glaube, Tedosian und Simaan h�tten vielleicht fr�her eingelenkt, aber ein paar Leute mit seltsamem Akzent haben ihnen Gold und M�nner versprochen.�</p><p>�Seanchaner�, sagte Nynaeve. Alivia �ffnete den Mund, schloss ihn aber wieder wortlos.</p><p>�M�glicherweise�, gestand Bera zu. �Sie gehen uns aus dem Weg und sehen uns an, als w�ren wir tollw�tige Hunde, die jeden Augenblick zubei�en w�rden. Das h�rt sich nach dem wenigen an, was ich �ber die Seanchaner wei�. Wie dem auch sei, es ist noch keine Stunde her, dass Estanda pl�tzlich fragte, ob ihr der Wiedergeborene Drache wohl ihre Titel und L�ndereien zur�ckgeben w�rde, und sie sind alle eingebrochen. Die Einigung sieht folgenderma�en aus. Darlin wird als Verwalter des Wiedergeborenen Drachen in Tear anerkannt, alle Gesetze, die Ihr erlassen habt, bleiben bestehen, und sie bezahlen als Strafe f�r die Rebellion ein Jahr lang f�r die Ern�hrung der Stadt. Daf�r erhalten sie ihre Besitzt�mer zur�ck, Darlin wird zum K�nig von Tear gekr�nt, und sie schw�ren ihm die Treue. Merana und Rafela bereiten die Dokumente f�r die Unterschriften und Siegel vor.�</p><p>�K�nig?�, sagte Darlin ungl�ubig. Caraline trat zu ihm hin und ergriff seinen Arm.</p><p>�Die R�ckgabe ihres Besitzes?�, knurrte Rand und schleuderte den Pokal zur Seite. Wein spritzte durch die Luft. Der Bund �bertrug Vorsicht, eine Warnung von Min, aber er war zu w�tend, um darauf zu h�ren. Die �belkeit, die seine Eingeweide aufw�hlte, fachte auch den Zorn an. �Blut und verfluchte Asche! Ich habe ihnen ihre L�ndereien und Titel weggenommen, weil sie gegen mich rebelliert haben. Sie k�nnen B�rgerliche bleiben und mir die Treue schw�ren!�</p><p>�Drei�, sagte Cadsuane, und Rand bekam eine G�nsehaut, kurz bevor ihn etwas wie ein hart geschwungener Rohrstock quer �ber den Hintern traf. Bera �ffnete schockiert den Mund, und ihr Umhang rutschte von ihrem Arm zu Boden. Nynaeve lachte. Sie unterdr�ckte es schnell, aber sie lachte.</p><p>�Lasst mich Euch nicht weiter an Eure Manieren erinnern, mein Junge�, fuhr Cadsuane fort. �Alanna hat mir vor ihrer Abreise die Bedingungen mitgeteilt, die Ihr gestellt habt � Darlin als Verwalter, Eure Gesetze bleiben, alles andere wird auf den Tisch gelegt � und anscheinend sind sie erf�llt worden. Nat�rlich k�nnt Ihr tun, was Ihr wollt, aber hier kommt noch ein Rat. Wenn Eure Bedingungen akzeptiert werden, haltet Euch daran.�</p><p><emphasis>Sonst wird dir keiner vertrauen,</emphasis> sagte Lews Therin und klang v�llig normal. Jedenfalls f�r den Moment.</p><p>Rand sah Cadsuane mit geballten F�usten an, unmittelbar davor, etwas zu weben, das sie verbrennen w�rde. Er konnte einen Striemen auf seinem Hinterteil sp�ren und w�rde ihn noch st�rker im Sattel sp�ren. Er schien zu pulsieren, und seine Wut pulsierte mit ihm. Sie sah ruhig �ber ihren Wein zur�ck. War da eine Spur von Herausforderung in ihrem Blick, forderte sie ihn heraus, die Macht zu lenken? Die Frau verbrachte jeden Augenblick in seiner Gegenwart damit, ihn herauszufordern! Das Problem war nur, ihr Rat war gut. Er <emphasis>hatte</emphasis> Alanna diese Bedingungen aufgetragen. Er hatte von ihnen erwartet, h�rter zu verhandeln, mehr herauszuholen, aber sie hatten erreicht, was er verlangt hatte. Sogar mehr. Er hatte nicht an Bu�gelder gedacht.</p><p>�Wie es scheint, ist Euch das Gl�ck hold, K�nig Darlin�, sagte er. Eine der Dienerinnen machte einen Knicks und gab Rand einen neuen Pokal. Ihr Gesicht war so ruhig wie das einer Aes Sedai. Man h�tte denken k�nnen, dass es f�r sie allt�glich war, M�nner mit Schwestern streiten zu sehen.</p><p>�Heil K�nig Darlin�, intonierte Weiramon und klang halb erstickt, und einen Augenblick sp�ter machte Anaiyella es ihm nach, so atemlos, als w�re sie gerade eine Meile gerannt. Einst hatte sie selbst die Krone Tears begehrt.</p><p>�Aber warum sollten sie mich als K�nig haben wollen?�</p><p>Darlin fuhr sich durchs Haar. �Oder �berhaupt jemanden. Es hat im Stein seit Moreinas Tod keinen K�nig mehr gegeben, und das war vor tausend Jahren. Oder habt Ihr das verlangt, Bera Sedai?�</p><p>Bera richtete sich gerade auf, weil sie den Umhang aufg ehoben hatte, und sch�ttelte ihn aus. �Es war ihre� �Bedingung� w�re zu viel gesagt� es war ihr Vorschlag. Jeder von ihnen h�tte die Chance auf einen Thron mit beiden H�nden ergriffen, vor allem Estanda.� Anaiyella gab ein unterdr�cktes Keuchen von sich. �Aber nat�rlich wussten sie, dass das aussichtslos ist. So k�nnen sie Euch die Treue schw�ren statt dem Wiedergeborenen Drachen, was das etwas weniger widerw�rtig macht.�</p><p>�Und wenn Ihr K�nig seid�, warf Caraline ein, �dann bedeutet das, dass Verwalter des Wiedergeborenen Drachen der geringere Titel ist.� Sie lachte kehlig. �Vielleicht h�ngen sie noch drei oder vier edel klingende Titel an, damit er noch obskurer ist.� Bera sch�rzte die Lippen, als h�tte sie genau das zur Sprache bringen wollen.</p><p>�W�rdest du einen K�nig heiraten, Caraline?�, fragte Darlin. �Wenn du es machst, werde ich die Krone annehmen. Obwohl ich eine Krone anfertigen lassen muss.�</p><p>Min r�usperte sich. �Wenn Ihr wollt, kann ich Euch sagen, wie sie aussehen soll.�</p><p>Caraline lachte wieder und lie� Darlins Arm los. �Ich werde dich vorher damit sehen m�ssen, bevor ich darauf antworte. Lass Mins Krone anfertigen, und wenn du damit h�bsch aussiehst�� Sie l�chelte. �Dann ziehe ich es vielleicht in Betracht.�</p><p>�Ich w�nsche euch beiden alles Gute�, sagte Rand kurz angebunden, �aber im Moment gibt es wichtigere Dinge.� Min warf ihm einen scharfen Blick zu, Missbilligung flutete in den Bund. <emphasis>Nynaeve</emphasis> warf ihm einen scharfen Blick zu. Was hatte <emphasis>das</emphasis> denn schon wieder zu bedeuten? �Ihr <emphasis>werdet</emphasis> diese Krone annehmen, Darlin, und sobald diese Dokumente unterzeichnet sind, will ich, dass Ihr diese Seanchaner verhaftet und dann jeden Mann in Tear um Euch schart, der das eine Ende des Schwerts vom anderen unterscheiden kann. Ich sorge daf�r, dass Asha�man euch nach Arad Doman bringen.�</p><p>�Und ich, mein Lord Drache?�, fragte Weiramon begierig.</p><p>Er zitterte fast vor Eifer, schaffte es umherzustolzieren, obwohl er still dastand. �Wenn gek�mpft werden muss, kann ich Euch besser dienen, als in Cairhien zu verschmachten.�</p><p>Rand musterte den Mann. Und Anaiyella. Weiramon war ein nutzloser Trottel, und er vertraute keinem von ihnen, aber er konnte nicht erkennen, welchen Schaden sie mit ihren wenigen Anh�ngern anrichten sollten. �Also gut. Ihr beiden d�rft den Hochlord� das hei�t, K�nig Darlin begleiten.� Anaiyella schluckte, als w�re sie lieber nach Cairhien zur�ckgekehrt.</p><p>�Aber was soll ich in Arad Doman tun?�, wollte Darlin wissen. �Soviel ich wei�, ist dieses Land ein Irrenhaus.� Lews Therin lachte wild in Rands Kopf.</p><p>�Tarmon Gai�don kommt bald�, sagte Rand. Mochte das Licht daf�r sorgen, dass es nicht zu bald kam. �Ihr geht nach Arad Doman, um alles f�r Tarmon Gai�don vorzubereiten.�</p></section><section><title><p>22</p><p>Dass selbst die Anker weinen</p></title><p>Harine din Togara sa� trotz des von den hohen Wellen verursachten Stampfens gerade aufgerichtet neben ihrer Schwester, ein St�ck vor ihren Sonnenschirmtr�gern und dem Steuermann an seinem langen Ruderstock. Shalon schien begierig zu sein, die zw�lf M�nner und Frauen an den Rudern zu beobachten. Vielleicht war sie auch nur tief in Gedanken versunken. In letzter Zeit gab es vieles, wor�ber man nachdenken musste, nicht zuletzt dieses Treffen, zu dem man sie gerufen hatte, aber sie lie� ihre Gedanken umherschweifen. Bereitete sich vor. Seit ihrer Ankunft in Illian hatte sie sich jedes Mal innerlich vorbereiten m�ssen, wenn die Ersten Zw�lf der Atha�an Miere zusammentrafen. Als sie seinerzeit Tear erreicht und Zaidas <emphasis>Blaue M�we</emphasis> noch immer am Fluss verankert vorgefunden hatte, war sie �berzeugt gewesen, dass sich die Frau in Caemlyn aufhielt oder zumindest weit hinter ihr war. Das war ein schmerzlicher Irrtum gewesen. Obwohl es in Wahrheit nur wenig ver�ndert h�tte, w�re Zaida erst Wochen sp�ter eingetroffen. Jedenfalls nicht f�r Harine. Nein, nicht an Zaida denken.</p><p>Die Sonne stand nur eine Faust �ber dem Horizont im Osten, und die Schiffe der K�stenbewohner hielten auf die langen Wellenbrecher zu, die Illians Hafen sch�tzten. Eines trug drei Masten und war der �u�eren Form nach hoch getakelt, s�mtliche Hauptsegel hatten rechteckige Formen, aber das Schiff war gedrungen und schlecht gesegelt, es walzte mit aufspr�hender Gischt durch die niedrige D�nung, statt sie zu durchschneiden. Die meisten der Fahrzeuge waren klein und niedrig getakelt, die Dreieckssegel beinahe alle mit einem hoch angesetzten Baum versehen. Ein paar schienen durchaus schnell zu sein, aber da die Landgebundenen selten au�erhalb der K�stensicht segelten und f�r gew�hnlich aus Furcht vor Sandb�nken nachts ankerten, brachte ihnen ihre Schnelligkeit nichts ein. Fracht, die wirklich schnell bef�rdert werden musste, landete auf den Schiffen der Atha�an Miere. Nat�rlich zu einem festgesetzten Preis. Sie machte nur einen kleinen Anteil der Dinge aus, die die Atha�an Miere transportierten, teilweise wegen des Preises, teilweise weil nur wenige Dinge tats�chlich ihre Schnelligkeit ben�tigten. Nat�rlich garantierte Frachttransport einigen Profit, aber wenn der Zahlmeister f�r sich verhandelte, ging der ganze Profit an Schiff und Clan.</p><p>�stlich und westlich der K�ste lagen Schiffe der Atha�an Miere vor Anker, soweit das Auge reichte, Springer und Wogent�nzer, Gleiter und Klipper, die meisten von Bumbooten belagert, die so schlampig aussahen, dass sie wie betrunkene K�stenfestg�nger aussahen. Die Bumboote wurden aus der Stadt gerudert und boten alles zum Verkauf an, von getrockneten Fr�chten bis hin zu geviertelten Rindern und Schafen, von Eisenn�geln und Werkzeugen bis hin zu Schwertern und Dolchen, von h�bschem illianischen Tand, der vielleicht das Interesse eines jeden Deckmatrosen erregte, bis hin zu Gold und Edelsteinen. Auch wenn das Gold f�r gew�hnlich so d�nn aufgetragen war, dass nach ein paar Monaten das darunter liegende Messing zum Vorschein kam und die Edelsteine buntes Glas waren. Sie brachten auch Ratten, obwohl die nicht zum Verkauf standen. Nach so langer Ankerzeit wurde mittlerweile jedes Schiff von Ratten heimgesucht. Ratten und Verdorbenes sorgten daf�r, dass es immer einen Markt f�r fahrende H�ndler gab.</p><p>Auch die massiv gebauten Seanchanerschiffe, Dutzende und Aberdutzende von ihnen, die f�r �die Flucht� benutzt worden waren, wurden von Bumbooten umlagert. So hie� das jetzt, die Flucht aus Ebou Dar. Wenn man �die Flucht� sagte, fragte keiner, welche Flucht man meinte. Es waren gro�e Fahrzeuge mit fast senkrechtem Heck, mit fast doppelt so vielen oder gar noch mehr Rahen wie ein Klipper, dazu f�hig, sich durch schwere See zu k�mpfen, aber seltsam getakelt und mit merkw�rdig gerippten Segeln ausgestattet, die zu steif f�r ein vern�nftiges Ausrichten waren. M�nner und Frauen waren �ber diese Masten und Rahen ausgeschw�rmt und ver�nderten die Takelage, damit man sie auch ordentlich benutzen konnte. Niemand wollte diese Schiffe haben, aber die Werften w�rden Jahre brauchen, um all die Fahrzeuge zu ersetzen, die in Ebou Dar verloren gegangen waren. Und die Kosten! Ob sie nun zu viele Rahen hatten oder nicht, diese Schiffe w�rden viele Jahre benutzt werden. Keine Herrin der Segel hatte das Verlangen, sich in gro�e Schulden zu st�rzen und sich Geld aus den Clanschatztruhen zu leihen, wenn das meiste oder auch ihr ganzes Gold von den Seanchanern in Ebou Dar �bernommen worden war, nicht solange sie keine andere Wahl hatte. Einigen von ihnen, die das Pech gehabt hatten, weder ihre eigenen Schiffe zur�ckzubekommen noch die der Seanchaner zu �bernehmen, blieb keine andere Wahl.</p><p>Harines zw�lf Ruderer passierten die hohe Mauer des Wellenbrechers, die dicht mit dunklem, schleimigem Tang bewachsen war, die die Wellen, die gegen den grauen Stein krachten, nicht abl�sen konnten, und der breite, graugr�ne Hafen der Stadt Illian �ffnete sich vor ihr. Er wurde von weitl�ufigem Marschland umgeben, in dem an einigen Stellen das Braun des Winters durch das Fr�hlingsgr�n ersetzt wurde und in dem V�gel mit langen Beinen umherstolzierten. Feine Nebelschwaden wehten von einer leichten Brise getrieben �ber das Boot und benetzten ihr Haar, bevor sie den Hafen hinaufwehten. An den Ausl�ufern des Marschlandes zogen kleine Fischerboote ihre Netze durchs Wasser, ein Dutzend Arten von M�wen und Seeschwalben kreiste �ber ihnen, um zu stehlen, was sie konnten. Was jenseits der langen, von Handelsschiffen ges�umten Steindocks lag, interess ierte sie nicht, aber der Hafen� Die breite, beinahe kreisrunde Wasserfl�che war der gr��te bekannte Ankerplatz und mit Meeres und Flussgef�hrten gef�llt, von denen die meisten auf ihren Zugang zu den Docks warteten. Sie war wirklich gef�llt, mit Hunderten Schiffen jeder Gr��e und Form, und nicht alle diese Schiffe geh�rten den Landgebundenen. Hier gab es nur Klipper, diese schlanken Dreimaster, die T�mmler ein Rennen liefern konnten. Klipper und drei der unbeholfenen seanchanischen Monstrosit�ten. Das waren die Schiffe der Herrinnen der Wogen sowie der Herrinnen der Segel, die die Ersten Zw�lf eines jeden Clans bildeten, jedenfalls jene, die es in den Hafen geschafft hatten, bevor es dort keinen Platz mehr gab. Selbst der Ankerplatz von Illian hatte seine Grenzen, und der Rat der Neun und ganz zu schweigen diese Verwalter des Wiedergeborenen Drachen in Illian h�tten �rger gemacht, wenn die Atha�an Miere den Handel behindert h�tten.</p><p>Pl�tzlich pfiff ein starker, eiskalter Wind aus dem Norden.</p><p>Nein, er kam nicht auf; er war einfach da mit voller Kraft, peitschte das Hafenwasser zu kabbeliger Gischt auf und trug den Geruch von Kiefern und etwas .. . Erdigem heran. Sie verstand nur wenig von B�umen, aber viel von dem Holz, das man zum Schiffsbau benutzte. Allerdings glaubte sie nicht, dass es in der N�he von Illian viele Kiefern gab. Dann fiel ihr die Nebelgrenze auf. W�hrend die Schiffe durch die Gewalt der einfallenden, nach S�den peitschenden B�e schaukelten, trieb der Nebel weiterhin langsam nach Norden. Die H�nde auf den Knien zu lassen kostete eine Anstrengung. Sie versp�rte den dringenden Wunsch, sich die Feuchtigkeit aus dem Haar zu wischen. Sie hatte geglaubt, dass sie nach Shadar Logoth nichts mehr ersch�ttern k�nnte, aber in letzter Zeit hatte sie zu viele� Merkw�rdigkeiten� gesehen, Merkw�rdigkeiten, die von einer aus den Fugen geratenen Welt k�ndeten.</p><p>So abrupt der Wind gekommen war, so pl�tzlich war er auch wieder verschwunden. Gemurmel ert�nte, der Ruders chlag geriet durcheinander, und das vierte Ruder auf der Backbordseite wurde durchgezogen und spritzte Wasser ins Boot. Die Mannschaft wusste, dass sich Wind nicht auf diese Weise verhielt.</p><p>�Ganz ruhig�, sagte Harine fest. �Ruhig!�</p><p>�Zieht zusammen durch, ihr Kanalratten�, schrie ihre Decksherrin vom Bug her. Drahtig und lederh�utig hatte Jadein auch Lungen wie Blaseb�lge. �Muss ich euch den Schlag vorgeben?� Die doppelte Beleidigung lie� einige Gesichter sich vor Wut verzerren, andere vor Scham, aber die Ruder begannen sich wieder im Gleichtakt zu bewegen.</p><p>Shalon musterte jetzt den Nebel. Sie zu fragen, was sie sah, was sie dachte, w�rde jetzt warten m�ssen. Harine war sich nicht sicher, ob sie wollte, dass ihre Mannschaft es h�rte. Sie hatten bereits genug gesehen, das ihnen Angst machte.</p><p>Der Ruderg�nger legte nun einen Kurs auf einen der bauchigen Seanchaner an, wo jedes Bumboot, das sich in seine N�he wagte, fortgejagt wurde, bevor die H�ndler auch nur zwei Worte hervorbringen konnten. Es war eines ihrer gr��ten Schiffe, mit einem sich hoch auft�rmenden Heckkastell, das drei Ebenen aufwies. Drei! Und das Ding hatte tats�chlich zwei <emphasis>Balkone</emphasis> am Heck! Harine wollte gar nicht wissen, was das von einem Cemaros oder einem Soheen des Aryth-Meeres aufgew�hlte Heckwasser damit anstellen w�rde. Andere Zw�lferboote und ein paar Achter warteten in der Reihenfolge der Wichtigkeit ihrer Passagiere darauf, l�ngsseits zu gehen.</p><p>Jadein stand im Bug auf und br�llte: �Shodein!� Ihre Stimme trug weit, und ein Zw�lfer, der sich dem Schiff n�herte, schlug einen weiten Bogen ein. Die anderen warteten weiter.</p><p>Harine stand erst auf, nachdem die Mannschaft die Ruder gehoben und sie auf der Steuerbordseite eingezogen hatte und den Zw�lfer direkt an der Stelle zum Stehen brachte, an der Jadein ein baumelndes Tau ergreifen und das kleine Boot l�ngsseits halten konnte. Shalon seufzte.</p><p>�Mut, Schwester�, sagte Harine zu ihr. �Wir haben Shadar Logoth �berlebt, auch wenn ich mir beim Licht allein nicht sicher bin, <emphasis>was</emphasis> wir da �berlebt haben.� Sie lachte rau.</p><p>�Mehr als das, wir haben Cadsuane Melaidhrin �berlebt, und ich bezweifle, dass das jemand anders geschafft h�tte.�</p><p>Shalon l�chelte schwach, aber immerhin war es ein L�cheln.</p><p>Harine kletterte die Strickleiter so m�helos hinauf wie vor zwanzig Jahren und wurde von dem Decksherrn, einem gedrungenen Burschen mit einer frischen Narbe unter der Lederklappe, die das bedeckte, wo sein rechtes Auge gewesen war, mit einem Signal aus seiner Pfeife begr��t. Viele hatten bei der Flucht Verletzungen davongetragen. Viele waren gestorben. Sogar das Deck dieses Schiffes f�hlte sich seltsam unter den Sohlen ihrer nackten F��e an, die Bohlen waren in einem merkw�rdigen Muster verlegt. Die Ehrenformation war jedoch so gebildet, wie es sich geh�rte, zw�lf M�nner mit blo�em Oberk�rper zu ihrer Linken, zw�lf Frauen in hellen Leinenblusen zu ihrer Rechten, und alle verbeugten sich, bis sie das Deck anschauten. Sie wartete auf Shalon und die Schirmtr�ger, bevor sie sich in Bewegung setzte. Die Herrin der Segel und die Windsucherin des Schiffes am Ende der Reihe verbeugten sich weniger tief, w�hrend sie Herzen, Lippen und Stirn ber�hrten. Beide trugen taillenlange wei�e Trauerstolen, die beinahe ihre vielen Ketten verbargen, genau wie bei ihr und Shalon.</p><p>�Mein Schiff hei�t Euch willkommen, Herrin der Wogen�, sagte die Herrin der Segel, die das Schiff kommandierte, und schn�ffelte an ihrem Duftk�stchen. �Und ruhe der Segen des Lichts auf Euch, bis Ihr seine Decks verlasst. Die anderen warten auf Euch in der gro�en Kabine.�</p><p>�Der Segen des Lichts ruhe auch auf Euch�, erwiderte Harine. Turane in ihren blauen Seidenhosen und einer roten Seidenbluse war st�mmig genug, um ihre Windsucherin Serine schlanker als die Mehrheit aussehen zu lassen, und sie hatte einen stechenden Blick und einen m�rrischen Zug um die Lippen, aber weder das noch das Schn�ffeln sollten eine Unh�flichkeit sein. So mutig war Turane nicht. Dieser Blick galt f�r alle; ihr eigenes Schiff lag auf dem Grund des Hafens von Ebou Dar, und nach der Luft der offenen See stank der Hafen.</p><p>Die gro�e Kabine nahm fast die ganze Breite des hohen Heckkastells ein, ein Raum, der abgesehen von dreizehn St�hlen und einem Tisch vor einem Bullauge mit Weinkr�gen und Pokalen aus gelbem Porzellan v�llig leer war, und zwei Dutzend Frauen in brokatverzierter Seide konnten ihn nicht einmal ann�hernd ausf�llen. Sie traf als Letzte der Ersten Zw�lf der Atha�an Miere ein, und die Reaktion der anderen Herrinnen der Wogen auf ihre Ankunft war genauso, wie sie erwartet hatte. Lincora und Wallein wandten ihr wohl�berlegt den R�cken zu. Die rundgesichtige Niolle sah sie stirnrunzelnd an, dann ging sie los, um ihren Pokal nachzuf�llen. Lacine, so schlank, dass ihr Busen immens erschien, sch�ttelte den Kopf, als w�rde sie sich �ber Harines Erscheinen wundern. Andere plauderten weiter, als w�re sie einfach nicht da. Nat�rlich trugen alle Trauerstolen.</p><p>Pelanna schritt �ber das Deck auf sie zu. Die lange rosa Narbe, die sich �ber die rechte Seite ihres kantigen Gesichts zog, verlieh ihr ein gef�hrliches Aussehen. Ihr eng gelocktes Haar war fast vollst�ndig ergraut, die Ehrenkette, die sich �ber ihre linke Wange spannte, wog schwer mit den vielen goldenen Medaillons, die ihre Triumphe verk�ndeten, einschlie�lich dem f�r ihre Rolle bei der Flucht. Ihre Hand und Fu�gelenke trugen noch immer die Spuren der seanchanischen Ketten, auch wenn sie jetzt von ihrer Seide verborgen wurde. �Ich hoffe, Ihr habt Euch erholt, Harine�, sagte sie, neigte den Kopf zur Seite und legte die t�towierten H�nde in vorget�uschtem Mitleid zusammen. �Das Sitzen geht wieder? Ich habe f�r alle F�lle ein Kissen auf Euren Stuhl legen lassen.�</p><p>Sie lachte schallend und sah ihre Windsucherin an, aber Caire warf ihr einen teilnahmslosen Blick zu, als h�tte sie nicht zugeh�rt, dann lachte sie verhalten. Pelanna runzelte die Stirn. Wenn sie �ber etwas lachte, erwartete sie, dass ihre Untergebenen ebenfalls lachten. Allerdings hatte die imposante Windsucherin ihre eigenen Sorgen, eine ihrer T�chter war bei den Landgebundenen verloren gegangen, entf�hrt von Aes Sedai. Daf�r <emphasis>w�rden</emphasis> sie bezahlen.</p><p>Harine schenkte den beiden ein gezwungenes L�cheln und rauschte nahe genug an Pelanna vorbei, dass die Frau zur�cktreten musste, wenn sie nicht wollte, dass man ihr auf die Zehen trat. Sie runzelte dabei b�se die Stirn. <emphasis>Tochter des Sandes,</emphasis> dachte Harine bitter.</p><p>Mareil entlockte ihr jedoch ein echtes L�cheln. Die hochg ewachsene schlanke Frau, deren Haar genauso viel Wei� wie Schwarz aufwies, war seit ihren Anf�ngen als Decksfrau auf einem alten Klipper, der von einer vom Leben verbitterten Herrin der Segel mit eiserner Hand kommandiert worden war, ihre Freundin gewesen. Es war eine freudige Nachricht gewesen, dass Mareil unbeschadet aus Ebou Dar entkommen war. Sie bedachte Pelanna und Caire mit einem Stirnrunzeln. Tebreille, ihre Windsucherin, widmete den beiden ebenfalls einen finsteren Blick, aber im Gegensatz zu ihnen tat sie es nicht, weil Mareil verlangte, dass man ihr das Handgelenk leckte. Tebreille und Caire waren Schwestern und teilten eine tiefe Sorge wegen Talaan, Caires Tochter, aber dar�ber hinaus h�tten sie f�r ein Kupferst�ck der jeweils anderen die Kehle aufgeschlitzt. Oder � in ihrem Fall � noch lieber zugesehen, wie man ihre Schwester zum Bilgereinigen abkommandierte. Es gab keinen tieferen Hass als den Hass zwischen Geschwistern.</p><p>�Lass dich von diesen Schlammenten nicht bei�en, Harin e.� F�r eine Frau hatte Mareil eine tiefe Stimme, aber sie war melodisch. Sie reichte Harine einen der beiden Pokale, die sie hielt. �Du hast getan, was du f�r richtig gehalten hast, und wenn es das Licht so will, wird alles gut.�</p><p>Unwillk�rlich sah Harine zu dem Ringbolzen in einem der Deckenbalken. Man h�tte ihn mittlerweile entfernen k�nn en. Sie war davon �berzeugt, dass man ihn dort nur hatte h�ngen lassen, um sie zu provozieren. Diese seltsame junge Frau namens Min hatte Recht behalten. Ihr Abkommen mit dem Coramoor war als unzul�nglich beurteilt worden, zu viel f�r zu wenig. In genau dieser Kabine war sie unter den Augen der Ersten Zw�lf und der neuen Herrin der Schiffe nackt ausgezogen und an den Fu�kn�cheln an diesem Ringbolzen aufgeh�ngt worden, die Handgelenke waren an einen Eisenring im Boden gebunden worden, dass sie straff dort hing, und dann hatte man sie mit dem Tauende geschlagen, bis sie sich die Lungen aus dem Leib schrie. Die Striemen und blauen Flecke waren verschwunden, aber die Erinnerung blieb, ganz egal, wie sehr sie sich bem�hte, sie zu verdr�ngen. Immerhin hatte sie nicht um Gnade gewinselt oder gefleht, dass man aufh�rte. Das war unm�glich gewesen, denn sonst w�re ihr keine andere Wahl geblieben, als zur Seite zu treten und wieder zur einfachen Herrin der Segel zu werden, w�hrend eine andere zur Herrin der Wogen vom Clan Shodein erhoben wurde. Die meisten der hier Anwesenden vertraten ohnehin die Ansicht, dass sie das nach einer solchen Bestrafung h�tte tun sollen, vielleicht tat das auch Mareil. Aber da war der zweite Teil von Mins Vorhersage gewesen, der ihr Mut gemacht hatte. Eines Tages w�rde sie die Herrin der Schiffe sein. Dem Gesetz zufolge konnten die Ersten Zw�lf der Atha�an Miere jede beliebige Herrin der Segel zur Herrin der Schiffe erheben, aber in einem Zeitraum von mehr als dreitausend Jahren hatten sie nur f�nfmal au�erhalb ihrer eigenen R�nge gesucht. Die Aes Sedai behaupteten, dass sich Mins seltsame Visionen immer bewahrheiteten, aber Harine hatte nicht vor, sich auf ein Gl�cksspiel einzulassen.</p><p>�Alles wird gut, wenn das Licht es will, Mareil�, sagte sie.</p><p>Eines Tages. Sie musste nur den Mut haben, das abzusegeln, was auch immer vorher auf sie zukam.</p><p>Wie gew�hnlich kam Zaida ohne jeden Pomp, sie rauschte einfach herein, gefolgt von ihrer Windsucherin Shielyn � hochgewachsen, schlank und reserviert � und Amylia, der vollbusigen, hellhaarigen Aes Sedai, die sie aus Caemlyn mitgebracht hatte. Das alterslose Gesicht der Aes Sedai sah st�ndig �berrascht aus, die blauen Augen immer weit aufgerissen, und aus irgendeinem Grund atmete sie schwer. Alle verneigten sich, aber Zaida ignorierte das. Sie war klein und in gr�nen Brokat gekleidet � die wei�e Trauerstola fehlte nat�rlich nicht �, ihre grau werdenden Locken waren kurz geschnitten, aber es gelang ihr, genauso gro� wie Shielyn zu erscheinen. Eine Sache der Ausstrahlung, wie Harine zugeben musste. Die hatte Zaida, und sie konnte mit einer Ruhe nachdenken, die nicht einmal ein Cemaros an einer Leek�ste ersch�ttern konnte.</p><p>Abgesehen davon, dass sie mit der ersten der Aes Sedai zur�ckgekehrt war, wie man bei dem Handel f�r die Benutzung der Schale der Winde vereinbart hatte, hatte sie auch ihren eigenen Vertrag mitgebracht, ein St�ck Land in Andor, das den Gesetzen der Atha�an Miere unterlag, und wo man Harines Handel als mangelhaft betrachtet hatte, war Zaidas begeistert aufgenommen worden. Das und die Tatsache, dass sie durch eines dieser seltsamen Wegetore direkt nach Illian gekommen wargewoben von ihrer eigenen Windsucherin �, waren nicht die einzigen Gr�nde f�r ihre Wahl zur Herrin der Schiffe, aber beides hatte ihrer Sache bestimmt nicht geschadet. Harine hielt das Schnelle Reisen f�r �berbewertet. Shalon konnte jetzt auch ein Wegetor erschaffen, aber es war sehr schwierig, es ohne jeden Schaden auf einem Schiffsdeck zu �ffnen, selbst in so ruhigen Gew�ssern wie diesen hier, vor allem vom Deck eines fremden Schiffes, und niemand konnte das Tor gro� genug machen, damit ein Schiff hindurchsegeln konnte. V�llig �berbewertet.</p><p>�Der Mann ist noch nicht eingetroffen�, verk�ndete Zaid a, w�hlte den Stuhl aus, der mit dem R�cken zu den gro�en Heckfenstern stand, und zupfte die lange, fransenverzierte rote Sch�rpe zurecht und richtete den mit Smaragden �bers�ten Dolch, der darin steckte. Sie war eine Frau, die es mit solchen Dingen besonders genau nahm. Es war nur nat�rlich, dass man wollte, dass an Bord eines Schiffes alles an seinem Platz war � Ordentlichkeit wurde einem zur Gewohnheit und zur Notwendigkeit �, aber sie war selbst nach den �blichen Ma�st�ben pingelig. Die �brigen St�hle waren nicht am Deck befestigt, so wie es sich geh�rte, und sie bildeten zwei Reihen. Die Herrinnen der Wogen nahmen ihre Pl�tze ein, w�hrend die Windsucherinnen dahinter Aufstellung nahmen. �Anscheinend will er uns warten lassen. Amylia, seht zu, dass die Pokale gef�llt bleiben.� Aha. Anscheinend war die Frau wieder ins Fettn�pfchen getreten.</p><p>Amylia zuckte zusammen, dann sch�rzte sie die bronzefarb enen R�cke bis zu den Knien und rannte zu dem Tisch mit den Weinkr�gen. Anscheinend in ein tiefes Fettn�pfchen. Harine fragte sich, wie lange Zaida ihr noch erlauben w�rde, Kleider statt Hosen zu tragen, die an Bord so viel praktischer waren. Sie w�rde sicherlich schockiert sein, wenn sie au�er Sichtweite der K�ste waren und man die Blusen ablegen w�rde. Amylia geh�rte der Braunen Ajah an und hatte die Atha�an Miere studieren wollen, aber man lie� ihr nur wenig Zeit f�r ihre Studien. Sie sollte arbeiten, und Zaida sorgte daf�r, dass sie es auch tat. Sie war da, um allen Windsucherinnen das Wissen der Aes Sedai zu vermitteln. Damit haderte sie immer noch, aber K�stenlehrer � so selten es sie auch gab � standen vom Rang her kaum �ber einfachen Deckmatrosen, und die Neunschw�nzige Katze der Decksherrin, die mit einiger H�ufigkeit auf ihrem Hintern landete, sorgte angeblich daf�r, dass sie ihre Ansichten �nderte � wenn auch nur langsam. Am Anfang hatte die Frau allen Ernstes geglaubt, Zaida mindestens gleichgestellt zu sein, wenn nicht sogar �ber ihr zu stehen! Und sie hatte tats�chlich dreimal versucht zu desertieren ! Seltsamerweise wusste sie nicht, wie man ein Wegetor erschuf, ein Wissen, das ihr sorgf�ltig vorenthalten wurde, und ihr h�tte klar sein m�ssen, dass man sie viel zu genau beobachtete, als dass sie sich einen Platz auf einem Bumboot h�tte erkaufen k�nnen. Nun, es war unwahrscheinlich, dass sie es noch einmal versuchte. Berichten zufolge hatte man sie dar�ber informiert, dass ein vierter Versuch diesmal ein �ffentliches Auspeitschen nach sich ziehen w�rde, danach w�rde man sie an den F��en in die Takelage h�ngen. Sicherlich w�rde niemand eine solche Schande riskieren. Danach hatte man Herrinnen der Segel und sogar Herrinnen der Wogen zu Deckmatrosen degradiert, und sie hatten es bereitwillig akzeptiert, begierig, mit ihrer Schande in den Massen der M�nner und Frauen unterzutauchen, die Taue zogen und sich um die Segel k�mmerten.</p><p>Harine nahm das Kissen von ihrem Stuhl und lie� es ver� chtlich zu Boden fallen, dann nahm sie ihren Platz am Ende der linken Reihe ein, w�hrend sich Shalon hinter sie stellte. Abgesehen von Mareil, die ihr gegen�bersa�, war sie die Dienstj�ngste hier. Aber h�tte Zaida sich nicht den sechsten fetten goldenen Ohrring an jedem Ohr verdient und die Kettchen, die sie verbanden, h�tte sie auch blo� einen Platz weiter h�her gesessen. Vermutlich schmerzten ihre Ohrl�ppchen noch immer vom Durchstechen. Eine erfreuliche Vorstellung. �Da er uns warten l�sst, sollten wir vielleicht ihn warten lassen, wenn er endlich auftaucht.�</p><p>Mit einem unber�hrten Pokal in der Hand winkte Harine die nerv�se Aes Sedai fort, die dann weiter zu Mareil eilte. Diese dumme Frau. Wusste sie denn nicht, dass man zuerst die Herrin der Schiffe und dann die Herrinnen der Wogen bediente, und zwar nach dem <emphasis>Dienstalter?</emphasis></p><p>Zaida spielte mit ihrem Duftk�stchen, das an einer sehr schweren Goldkette um ihren Hals hing. Sie trug auch eine breite, eng anliegende Kette aus schweren Goldgliedern, ein Geschenk von Elayne von Andor. �Er kommt vom Coramoor�, sagte sie trocken, �an dem Ihr wie eine Muschel kleben solltet.� Ihre Stimme nahm keinen h�rteren Ton an, aber jedes Wort traf Harine wie ein Schnitt. �Ich werde nie n�her mit dem Coramoor sprechen k�nnen als mit diesem Mann, au�er in extremen Notf�llen, da Ihr eingewilligt habt, dass er nicht mehr als dreimal in einem Zeitraum von zwei Jahren vor mir erscheinen muss. Euretwegen muss ich die Unh�flichkeiten dieses Mannes hinnehmen, falls er sich als dreckiger Trunkenbold erweist, der nach jedem zweiten Satz zur Reling rennen und seinen Magen ausleeren muss. Die Botschafterin, die <emphasis>ich</emphasis> zum Coramoor schicke, wird jemand sein, die wei�, wie man Befehlen gehorcht.� Pelanna schnalzte mit der Zunge und grinste h�misch. Sie glaubte, alle anderen w�ren so wie sie.</p><p>Shalon t�tschelte beruhigend Harines Schulter, aber das brauchte sie gar nicht. Beim Coramoor bleiben? Es war ihr einfach nicht gelungen, den anderen � nicht einmal Shalon � die groben Methoden der Aes Sedai Cadsuane, ihren Willen durchzusetzen, zu erkl�ren, oder ihren v�lligen Mangel an Respekt f�r Harines Ehre. Sie war nur dem Namen nach die Botschafterin der Atha�an Miere gewesen, gezwungen, zu jeder Melodie zu tanzen, welche die Aes Sedai pfiff. Sie war bereit zuzugeben � wenn auch nur vor sich selbst �, dass sie beinahe vor Erleichterung geweint hatte, als ihr klar geworden war, dass diese verfluchte Frau sie gehen lassen w�rde. Davon abgesehen trafen die Visionen dieses M�dchens immer ein. Das hatte die Aes Sedai gesagt, und sie konnten nicht l�gen. Es reichte aus.</p><p>Turane schl�pfte in die Kabine und verbeugte sich vor Zaida. �Der Botschafter des Coramoors ist eingetroffen, Herrin der Schiffe. Er� er ist auf dem Achterdeck aus einem Wegetor getreten.� Das lie� die Windsucherinnen murmeln, und Amylia zuckte zusammen, als h�tte sie schon wieder die Neunschw�nzige Katze der Decksherrin gesp�rt.</p><p>�Ich hoffe, er hat Euer Deck nicht zu sehr besch�digt, Tur ane�, sagte Zaida. Harine trank einen Schluck Wein, um ihr L�cheln zu verbergen. Anscheinend w�rde man den Mann wenigstens etwas warten lassen.</p><p>��berhaupt nicht, Herrin der Schiffe.� Turane klang �berrascht. �Das Wegetor �ffnete sich einen Fu� �ber dem Deck, und er kam von einem der Docks in der Stadt.�</p><p>�Ja�, fl�sterte Shalon. �Mir wird klar, wie man das schaffen kann.� Sie glaubte, dass alles an der Macht wunderbar war.</p><p>�Das muss ein Schock gewesen sein, ein steinernes Dock �ber Eurem Achterdeck zu sehen�, sagte Zaida. �Nun gut. Ich werde sehen, ob mir der Coramoor einen dreckigen Trunkenbold geschickt hat. Schickt ihn rein, Turane. Aber beeilt Euch nicht. Amylia, bekomme ich meinen Wein noch vor Einbruch der Dunkelheit?�</p><p>Die Aes Sedai keuchte auf, gab ein leises Wimmern von sich, als w�rde sie gleich in Tr�nen ausbrechen, und eilte los, um einen Pokal zu holen, w�hrend sich Turane verbeugte und ging. Beim Licht, was hatte Amylia <emphasis>getan?</emphasis> Augenblicke vergingen, und Zaida hatte ihren Wein, lange bevor ein Mann mit Locken, die bis zu seinen breiten Schultern reichten, die Kabine betrat. Er war keinesfalls verdreckt, und er erschien auch nicht betrunken. Am hohen Kragen seines schwarzen Mantels war auf der einen Seite eine Anstecknadel in Form eines Schwertes befestigt, w�hrend auf der anderen Seite eine rot-goldene Nadel steckte, die wie eine der Kreaturen geformt war, die sich um die Unterarme des Coramoors schl�ngelten. Ein Drache. Ja, so hie�en sie. Ein rundes Abzeichen auf seiner linken Schulter zeigte drei goldene Kronen auf blauem Emaillegrund. Vielleicht ein Siegel? War er ein Adliger der Landgebundenen? Hatte der Coramoor Zaida tats�chlich eine Ehre erwiesen, indem er diesen Mann schickte? So wie sie Rand al�Thor kannte, bezweifelte sie, dass das absichtlich geschehen war. Es war nicht so, dass er versuchte, jeden zu br�skieren, aber er interessierte sich nur wenig f�r die Ehre von anderen.</p><p>Der Mann verbeugte sich vor Zaida, aber er ber�hrte weder Herz noch Lippen und Stirn. Nun ja, manche Unzul�nglichkeiten musste man Landgebundenen eben nachsehen. �Ich entschuldige mich f�r mein Zusp�tkommen, Herrin der Schiffe�, sagte er, �aber es erschien unn�tig zu kommen, bevor ihr alle versammelt seid.� Er musste ein sehr gutes Fernglas haben, um das von den Docks aus zu beobachten.</p><p>Zaida musterte ihn stirnrunzelnd von oben bis unten und trank ihren Wein. �Ihr habt einen Namen?�</p><p>�Ich bin Logain�, sagte er schlicht.</p><p>Die H�lfte der in dem Raum anwesenden Frauen atmete scharf aus, und den restlichen blieb gr��tenteils der Mund offen stehen. Mehr als eine versch�ttete Wein. Nicht Zaida und auch nicht Harine, aber andere. Logain. Das war ein Name, den selbst die Atha�an Miere kannten.</p><p>�Darf ich sprechen, Herrin der Schiffe?�, fragte Amylia atemlos. Sie umklammerte den Porzellankrug so hart, dass Harine bef�rchtete, er k�nnte in ihren H�nden zerbrechen, aber die Frau hatte genug Verstand eingebl�ut bekommen, um nicht mehr zu sagen, bevor Zaida nickte. Dann sprudelten die Worte atemlos aus ihr hervor. �Dieser Mann war ein falscher Drache. Er wurde deshalb ged�mpft. Ich wei� nicht, wieso er wieder die Macht lenken kann, aber er lenkt <emphasis>Saidin. Saidin!</emphasis> Er ist beschmutzt, Herrin der Schiffe. Wenn Ihr Euch mit ihm abgebt, werdet Ihr den Zorn der Wei�en Burg erregen. Ich wei߅�</p><p>�Schluss damit�, unterbrach Zaida sie. �Ihr solltet mittlerw eile doch genau wissen, wie sehr ich den Zorn der Wei�en Burg f�rchte.�</p><p>�Aber�!� Zaida hielt einen Finger hoch, und die Aes Sedai lie� den Mund zuschnappen, und ihre Lippen verzogen sich gequ�lt. Das eine Wort konnte m�glicherweise dazu f�hren, dass sie die Schwester der Decksherrin erneut k�ssen musste, und das wusste sie.</p><p>�Was sie sagt, stimmt zum Teil�, sagte Logain ruhig. �Ich bin ein Asha�man, aber es gibt keinen Makel mehr. <emphasis>Saidin</emphasis> ist sauber. Anscheinend ist der Sch�pfer bereit, uns Gnade zu erweisen. Ich m�chte sie etwas fragen. Wem dient Ihr, Aes Sedai? Egwene al�Vere oder Elaida a�Roihan?� Amylia hielt klugerweise den Mund.</p><p>�F�r das n�chste Jahr dient sie mir, Logain�, sagte Zaida energisch. Die Aes Sedai kniff einen Moment lang die Augen fest zusammen, und als sie sie wieder �ffnete, waren sie weiter aufgerissen als zuvor, so unm�glich das auch erschien, und in ihnen lag ein Ausdruck des Entsetzens.</p><p>Hatte sie allen Ernstes geglaubt, Zaida w�rde einlenken und sie fr�her gehen lassen? �Ihr k�nnt mir Eure Fragen stellen�, fuhr die Herrin der Schiffe fort, �aber zuerst habe ich zwei f�r Euch. Wo ist der Coramoor? Ich muss ihm einen Botschafter schicken, und er muss sie in seiner N�he behalten, so wie es das Abkommen bestimmt. Erinnert ihn daran. Und welche Nachricht von ihm bringt Ihr? Sicher irgendeine Bitte, sch�tze ich.�</p><p>�Ich kann nicht sagen, wo er ist.� Der Mann l�chelte schmal, als h�tte er einen Witz gemacht. Er l�chelte!</p><p>�Ich verlange�, fing Zaida an, aber er unterbrach sie, was bei den anderen Frauen hei�bl�tige Blicke und w�tendes Gemurmel hervorrief. Der Narr schien zu glauben, der Herrin der Schiffe gleichgestellt zu sein!</p><p>�Er will seinen Aufenthaltsort f�r den Augenblick geheim halten, Herrin der Schiffe. Die Verlorenen haben versucht, ihn zu t�ten. Ich bin jedoch bereit, Harine din Togara mitzunehmen. Soweit ich geh�rt habe, glaube ich, dass er sie akzeptabel findet.�</p><p>Harine zuckte so zusammen, dass sie sich Wein �ber den Handr�cken goss, dann nahm sie noch einen gro�en Schluck. Aber� nein, Zaida w�rde sich eher von Amel scheiden lassen und einen Steinballast heiraten, bevor sie Harine din Togara als ihre Botschafterin schickte. Andererseits reichte allein die Vorstellung, dass ihre Zunge am Gaumen kleben blieb. Selbst Herrin der Schiffe zu werden reichte vermutlich nicht als Entsch�digung daf�r, Cadsuane noch l�nger ertragen zu m�ssen.</p><p>Zaida studierte Logain mit steinerner Miene und befahl Amylia, ihm Wein zu bringen. Die Aes Sedai zuckte zusammen, und als sie den Tisch erreichte, zitterte sie so sehr, dass die T�lle des Kruges gegen den Pokalrand stie�. Fast genauso viel Wein landete auf dem Boden wie in dem Pokal. Seltsamerweise ging Logain zu ihr und legte seine H�nde auf die ihren, um sie zu beruhigen. Geh�rte er zu jenen, die anderen nicht ihre Arbeit �berlassen konnten?</p><p>�Ihr habt nichts von mir zu bef�rchten, Aes Sedai�, sagte er. �Es ist lange her, dass ich jemanden zum Fr�hst�ck verspeist habe.� Sie starrte mit offen stehendem Mund zu ihm hoch, als w�re sie sich nicht sicher, ob er nun einen Scherz gemacht hatte oder nicht.</p><p>�Und welchen Dienst erbittet er?�, fragte Zaida.</p><p>�Keine Bitte, Herrin der Schiffe.� Er musste den Krug wieder aufrichten, damit der Pokal nicht �berlief. Er nahm den Pokal und trat von Amylia weg, aber sie konnte ihm blo� nachstarren. Beim Licht, die Frau fand kein Ende, wenn es darum ging, sich in Schwierigkeiten zu bringen. �Einen Dienst von Eurer Seite gem�� dem Abkommen mit dem Coramoor. Ihr habt ihm unter anderem Schiffe versprochen, und er braucht Schiffe, um Lebensmittel und andere Ausr�stung von Illian und Tear nach Bandar Eban zu bringen.�</p><p>�Das kann erledigt werden�, sagte Zaida, ohne ihre Erl eichterung besonders gut zu verbergen, obwohl sie Harine mit einem Stirnrunzeln bedachte. Pelanna warf ihr nat�rlich ebenfalls einen finsteren Blick zu, aber das taten auch Lacine und Niolle und mehrere andere. Harine unterdr�ckte ein Seufzen.</p><p>Einige Einzelheiten des Handels waren ziemlich l�stig, wie sie zugeben musste, etwa die Forderung, dass die Herrin der Schiffe bereit sein musste, <emphasis>ihm</emphasis> im Verlauf von zwei Jahren dreimal die Aufwartung zu machen. Die Jendai-Prophezeiung besagte, dass die Atha�an Miere dem Coramoor dienen w�rden, aber nur wenige Auslegungen, wie sie dienen sollten, schlossen ein, dass die Herrin der Schiffe angerannt kam, wenn er pfiff. Aber die anderen waren nicht dabei gewesen, hatten nicht mit Aes Sedai verhandeln m�ssen, die davon �berzeugt gewesen waren, dass sie gar keine andere Wahl gehabt hatte, als in jedes Abkommen einfach einzuwilligen. Beim Licht der Wahrheit, es war ein Wunder, dass sie so viel herausgeholt hatte!</p><p>�Waren f�r mehr als eine Million Menschen, Herrin der Schiffe�, f�gte Logain so beil�ufig hinzu, als w�rde er um einen weiteren Pokal Wein bitten. �Wie viele mehr, das kann ich nicht sagen, aber Bandar Eban leidet Hunger. Die Schiffe m�ssen so schnell wie m�glich dort eintreffen.�</p><p>Ein Schock ging durch die Kabine. Harine war nicht die Einzige, die einen Schluck Wein trank. Selbst Zaidas Augen weiteten sich vor Erstaunen. �Das k�nnte mehr Klipper erfordern, als wir besitzen�, sagte sie schlie�lich, unf�hig, den Unglauben aus ihrer Stimme zu halten.</p><p>Logain zuckte mit den Schultern, als w�rde das nicht z�hlen. �Trotzdem, das fordert er von Euch. Nehmt andere Schiffe, wenn es sein muss.�</p><p>Zaida versteifte sich. Forderte? Ob sie nun ein Abkommen hatten oder nicht, solche Worte durfte man bei ihr nicht benutzen.</p><p>Turane schl�pfte wieder in die Kabine und rannte � obwohl es gegen jedes Protokoll verstie� � zu Zaida; ihre nackten F��e klatschten auf die Planken. Sie beugte sich vor und fl�sterte der Herrin der Schiffe ins Ohr. Langsam stahl sich Entsetzen in Zaidas Miene. Sie hob ihr Duftk�stchen an, dann erbebte sie und lie� es auf ihren Busen fallen.</p><p>�Schickt sie rein�, sagte sie. �Schickt sie sofort herein. Es gibt eine Neuigkeit, die selbst einen Anker weinen lassen w�rde�, fuhr sie fort, als Turane aus der Kabine raste. �Ich werde sie euch allen von der Person mitteilen lassen, die sie �berbracht hat. Ihr m�sst warten�, f�gte sie hinzu, als Logain den Mund �ffnete. �Ihr m�sst warten.� Er hatte genug Verstand, den Mund zu halten, aber nicht, um seine Ungeduld zu verbergen; er ging auf die andere Seite der Kabine und stand mit angespanntem Mund und gerunzelter Stirn da.</p><p>Die junge Frau, die eintrat und sich tief vor Zaida verbeugte, war gro� und schlank, und man h�tte sie als h�bsch bezeichnen k�nnen, w�re ihr Gesicht nicht so eingefallen gewesen. Ihre blaue Leinenbluse und die gr�nen Hosen sahen aus, als w�rden sie seit Tagen getragen, und sie schwankte vor M�digkeit. Ihre Ehrenkette hielt nur eine Hand voll Medaillons, wie es sich bei ihrer Jugend auch geh�rte, aber Harine entging keinesfalls, dass nicht weniger als <emphasis>drei</emphasis> von ihnen f�r Taten von gro�em Mut verliehen worden waren.</p><p>�Ich bin Cemeille din Selaan Gro�e Augen, Herrin der Schiffe�, sagte sie heiser, �Herrin der Segel des Springers <emphasis>Windl�ufer.</emphasis> Ich bin so schnell gesegelt, wie ich konnte, aber ich f�rchte, es ist zu sp�t, um noch etwas tun zu k�nnen. Ich habe bei jeder Insel zwischen Tremaiking und hier angehalten, aber ich kam immer zu sp�t.� Tr�nen liefen ihr �ber die Wangen, aber sie schien sich dessen nicht bewusst zu sein.</p><p>�Erz�hlt den Ersten Zw�lf Eure traurige Geschichte auf Eure Weise, so wie Ihr es f�r richtig haltet�, sagte Zaida sanft. �Amylia, gebt Ihr Wein!� Das kam nicht sanft heraus. Die Aes Sedai sprang.</p><p>�Es ist fast drei Wochen her�, sagte Cemeille, �da fingen die Amayar auf Tremaiking an, das Geschenk der freien �berfahrt auf jede Insel zu erbitten. Immer ein Mann und eine Frau zu jeder Insel. Die, die nach Aile Somera baten, verlangten, dass man sie au�er Sichtweite vom Land in Booten aussetzte, als sie erfuhren, dass die Seanchaner ganz Somera besetzt halten.� Sie nahm von Amylia einen vollen Pokal entgegen, nickte dankend und trank.</p><p>Harine warf Mareil einen fragenden Blick zu, die kaum merklich den Kopf sch�ttelte. Soweit Harine sich erinnern konnte, hatte kein Amayar jemals um das Geschenk der freien �berfahrt gebeten, obwohl es f�r sie wirklich ein Geschenk darstellte, ohne dass ein Gegengeschenk erwartet wurde. Und sie mieden das Salz, entfernten sich mit ihren kleinen Fischerbooten nie von der K�ste, darum war die Bitte, sie au�erhalb der Sichtweite vom Land auszusetzen, genauso seltsam wie die Bitte um �berfahrt. Aber was konnte daran so schlimm sein?</p><p>�Alle Amayar in den H�fen gingen, selbst jene, die noch von den Werften oder den Seilmachereien Geld bekamen, aber zwei oder drei Tage lang hat sich keiner etwas dabei gedacht.� Der Wein hatte Cemeilles Kehle nicht genug befeuchtet, um ihre Heiserkeit zu lindern. Sie rieb sich mit dem Handr�cken die Tr�nen von den Wangen. �Nicht, bis uns auffiel, dass keiner zur�ckgekommen war. Der Gouverneur schickte Leute in die Amayar-D�rfer, und sie fanden�� Sie kniff die Augen zusammen. �Die Amayar waren alle tot oder lagen im Sterben. M�nner, Frauen�� � ihre Stimme brach � �� Kinder.�</p><p>Trauerklagen erhoben sich in der Kabine, und Harine ertappte sich �berrascht dabei, dass der schrille Laut auch aus ihrem Mund kam. Traurig genug, um einen Anker weinen zu lassen? Das sollte den Himmel schluchzen lassen. Kein Wunder, dass die Herrin der Segel heiser war. Wie viele Stunden, wie viele Tage hatte sie geweint, seit sie von dieser Katastrophe erfahren hatte?</p><p>�Wie?�, wollte Pelanna wissen, als die Klage erstarb. Sie lehnte sich mit best�rzter Miene auf ihrem Gesicht vor. Sie hielt sich das Duftk�stchen vor die Nase, als k�nnte der Duft den Gestank dieser Nachricht irgendwie abhalten.</p><p>�Eine Krankheit? Sprecht, Frau!�</p><p>�Gift, Herrin der Wogen�, erwiderte Cemeille. Sie k�mpfte um Beherrschung, trotzdem liefen die Tr�nen weiter.</p><p>�Wo ich auch war, es war �berall das Gleiche. Sie gaben ihren Kindern ein Gift, das sie in einen tiefen Schlaf versetzte, aus dem sie nicht mehr erwachten. Anscheinend hatten sie nicht genug davon f�r alle, also nahmen viele der Erwachsenen ein langsamer wirkendes Gift. Einige lebten noch lange genug, um gefunden zu werden und die Geschichte zu erz�hlen. Die Gro�e Hand auf Tremaiking ist geschmolzen. Der H�gel, auf dem sie stand, ist jetzt Berichten zufolge eine tiefe Senke. Anscheinend hatten die Amayar Prophezeiungen, die von der Hand sprachen, und als sie zerst�rt wurde, glaubten sie, das w�rde das Ende der Zeit bedeuten, was sie als das Ende der Illusion bezeichneten. Sie glaubten, die Zeit sei gekommen, diese� diese Illusion�� � dieses Wort lie� sie bitter lachen � �� die wir Welt nennen, zu verlassen.�</p><p>�Ist keiner gerettet worden?�, fragte Zaida. �Nicht einer?� Auch auf ihren Wangen funkelten Tr�nen, aber das konnte Harine ihr nicht zum Vorwurf machen. Ihre Wangen waren ebenfalls feucht.</p><p>�Keiner, Herrin der Schiffe.�</p><p>Zaida stand auf, und Tr�nen oder nicht, sie hatte eine befehlsgewohnte Ausstrahlung, und ihre Stimme war beherrscht. �Die schnellsten Schiffe m�ssen zu jeder Insel geschickt werden. Selbst jene von Aile Somera. Ein Weg muss gefunden werden. Als sich das Salz nach der Zerst�rung der Welt gl�ttete, erbaten die Amayar unseren Schutz vor Gesetzlosen und Seer�ubern, und wir schulden ihnen diesen Schutz noch immer. Und wenn wir nur eine Hand voll von ihnen noch lebend finden, wir schulden es ihnen noch immer.�</p><p>�Das ist eine wirklich traurige Geschichte.� Logains Stimme klang nicht �berm��ig laut, als er sich wieder in Bewegung setzte und vor Zaida trat. �Aber Eure Schiffe sind f�r Bandar Eban bestimmt. Wenn Ihr nicht genug Schiffe habt, dann m�sst Ihr eben auch Eure anderen schnellen Schiffe benutzen. Sie alle, falls das n�tig wird.�</p><p>�Seid Ihr nicht nur herzlos, sondern auch noch verr�ckt?�, wollte Zaida wissen. Die F�uste in die H�ften gestemmt und die Beine gespreizt, schien sie auf dem Achterdeck zu stehen. Ihr Blick wollte Logain durchbohren. �Wir m�ssen trauern. Wir m�ssen retten, wen auch immer wir k�nnen, und wir m�ssen um die zahllosen Tausende trauern, die wir nicht retten k�nnen.�</p><p>Sie h�tte genauso gut l�cheln k�nnen, so viel Wirkung hatten ihre Blicke bei Logain. Er fing an zu sprechen, und Harine kam es so vor, als w�rde es kalt im Raum und das Licht dunkler. Sie war nicht die einzige Frau, die sich wegen dieser K�lte selbst umarmte. �Trauert, wenn Ihr das tun m�sst�, sagte er, �aber trauert auf dem Weg nach Tarmon Gai�don.�</p></section><section><title><p>23</p><p>Einberufung zur Sitzung</p></title><p>Da Magla und Salita an diesem Morgen anderweitig besch�ftigt waren, hatte Romanda das geflickte Zelt f�r sich allein, eine ersehnte Gelegenheit, einmal in Ruhe lesen zu k�nnen, auch wenn die beiden nicht zueinander passenden Messinglampen auf dem kleinen Tisch den leichten, wenn auch durchaus unerfreulichen Geruch von ranzigem �l verbreiteten. In diesen Tagen musste man solche Dinge einfach hinnehmen. Vermutlich w�rde so mancher <emphasis>Die Flamme, die Klinge und das Herz</emphasis> als wenig geeignete Lekt�re f�r jemanden von ihren F�higkeiten und ihrem Rang halten � als M�dchen waren derartige B�cher in Far Madding f�r sie verboten gewesen �, aber es war eine nette Abwechslung zu trockenen historischen Texten und erschreckenden Berichten �ber verdorbene Nahrung. Sie hatte eine Rinderh�lfte gesehen, die monatelang so frisch wie am Tag der Schlachtung gehalten worden war, aber jetzt versagte ein Frischhaltegewebe nach dem anderen. Es ging das Ger�cht um, dass es einen Fehler in Egwenes Sch�pfung gab, aber das war nur dummes Gerede. Wenn ein Gewebe einmal funktionierte, dann funktionierte es immer, wenn man es richtig webte, es sei denn, etwas zerst�rte das Gewebe, und Egwenes neue Gewebe hatten immer so funktioniert, wie sie sollten. Das musste sie der Frau lassen. Und sosehr sie es auch versuchten, und sie hatten sich dabei alle M�he gegeben, keiner hatte einen fremden Einfluss aufsp�ren k�nnen. Es war, als w�rde <emphasis>Saidar</emphasis> selbst versagen. Es war undenkbar! Und unausweichlich. Und am schlimmsten dabei war, dass keinem etwas einfiel, was man dagegen tun konnte! Sie konnte jedenfalls nichts dagegen unternehmen. Eine kurze Pause mit Geschichten voller Romantik und Abenteuer war dem Nachgr�beln �ber absolute Nutzlosigkeit und dem Versagen dessen, was von seiner Natur her nicht versagen konnte, bei weitem vorzuziehen.</p><p>Die Novizin, die das Zelt aufr�umte, hatte genug Vers tand, keine Bemerkung �ber ihre Lekt�re zu machen oder dem in Holzdeckeln eingebundenen Buch auch nur einen zweiten Blick zuzuwerfen. Bodewhin Cauthon war recht h�bsch, aber sie war auch ein intelligentes M�dchen. Dennoch hatte sie etwas von ihrem Bruder um die Augen und mehr von ihm in ihrem Kopf, als sie zuzugeben bereit war. Zweifellos war sie schon auf dem Weg zu den Gr�nen, vielleicht auch zu den Blauen. Das M�dchen wollte Abenteuer <emphasis>erleben,</emphasis> nicht dar�ber lesen; als w�rde das Leben einer Aes Sedai ihr nicht mehr Abenteuer einbringen, als ihr lieb sein w�rde. Romanda versp�rte kein Bedauern wegen des M�dchens und seinem Weg. Die Gelben w�rden eine gro�e Auswahl bei besser geeigneten Novizinnen haben. Nat�rlich stellte sich nicht die Frage, welche der �lteren Frauen man aufnehmen sollte, trotzdem war die Auswahl reichhaltig. Sie versuchte, sich auf die Seite zu konzentrieren. Ihr gefiel die Geschichte von Birgitte und Gaidal Cain.</p><p>Das Zelt war nicht besonders gro� und ziemlich vollg estellt. Es enthielt drei harte Segeltuchpritschen, die von den d�nnen, mit klumpiger Wolle gef�llten Auflagen kaum weicher gemacht wurden, drei hochlehnige St�hle, die offensichtlich aus den Werkst�tten verschiedener Handwerker stammten, einen wackeligen Waschst�nder mit einem gesprungenen Spiegel und einer angeschlagenen blauen Wasserkanne, die in dem wei�en Becken stand, der wie auch der Tisch von einem Holzkeil unter einem Bein gerade gehalten wurde, sowie mit Messingb�ndern versehene Truhen f�r die Kleidung, die Bettw�sche und pers�nliche Besitzt�mer.</p><p>Als Sitzende h�tte Romanda das Zelt f�r sich allein beans pruchen k�nnen, aber sie behielt Magla und Salita lieber im Auge. Nur weil sie alle f�r die Gelben im Burgsaal sa�en, war das noch lange kein Grund, ihnen zu vertrauen. Magla galt angeblich als ihre Verb�ndete im Saal, beschritt aber viel zu oft ihre eigenen Wege, und Salita tat nur selten �berhaupt etwas. Dennoch, es war beschwerlich, und das nicht nur wegen der Enge. Bodewhin hatte viel zu tun, musste haupts�chlich die Kleider und Stoffschuhe wegr�umen, die Salita auf dem zerschlissenen Teppich verteilte, nachdem sie sich gegen sie entschieden hatte. Die Frau war fast so flatterhaft wie eine Gr�ne. Jeden Morgen probierte sie ihre ganze Garderobe durch! Vermutlich glaubte sie, Romanda w�rde ihre Dienerin aufr�umen lassen � sie schien stets der Meinung zu sein, dass Aelmara genauso sehr in ihren Diensten stand wie in Romandas �, aber Aelmara hatte Romanda jahrelang gedient, bevor sie in den Ruhestand gegangen war, ganz zu schweigen davon, dass sie ihr kurze Zeit sp�ter nach einem kleinen Missverst�ndnis bei der Flucht aus Far Madding geholfen hatte. V�llig ausgeschlossen, dass sie von Aelmara verlangte, nebenher auch noch hinter einer anderen Schwester herzur�umen.</p><p>Sie schaute stirnrunzelnd auf das Buch, ohne ein Wort wahrzunehmen. Warum beim Licht hatte Magla damals in Salidar nur auf Salita bestanden? In Wahrheit hatte Magla mehrere Namen vorgeschlagen, ja, einer l�cherlicher als der andere, aber sie hatte sich f�r Salita entschieden, sobald sie zu der Ansicht gekommen war, dass die mollige Tairenerin die besten Aussichten hatte, f�r einen Stuhl erhoben zu werden. Romanda hatte Dagdara unterst�tzt, eine weitaus geeignetere Kandidatin, ganz zu schweigen davon, dass sie geglaubt hatte, sie sich ohne gro�e M�he hinbiegen zu k�nnen. Aber sie hatte selbst f�r einen Stuhl kandidiert, w�hrend Magla bereits einen besetzte. Das hatte Gewicht, und dabei spielte es keine Rolle, dass Romanda davor l�nger als sonst jemand zuvor einen Stuhl besetzt hatte. Nun, das war Vergangenheit. Was man nicht �ndern konnte, musste man erdulden.</p><p>Nisao duckte sich ins Zelt, das Licht <emphasis>Saidars,</emphasis> das sie einh�llte, erlosch. In dem kurzen Moment, in dem die Eingangsplane zur�ckfiel, war Sarin drau�en zu sehen, ihr kleiner kahler Beh�ter, der mit der Hand auf dem Schwertgriff offensichtlich Wache hielt.</p><p>�Kann ich allein mit Euch sprechen?�, sagte die winzige Schwester. Klein genug, um Sarin gro� erscheinen zu lassen, erinnerte sie Romanda immer an einen Spatz mit gro�en Augen. Aber weder ihre Beobachtungsgabe noch ihr Intellekt waren winzig. Sie war eine selbstverst�ndliche Wahl f�r den Rat gewesen, den die Ajahs gegr�ndet hatten, um Egwene im Auge zu behalten, und es war bestimmt nicht ihr Fehler, dass dieser Rat keinen oder nur geringen Einfluss auf die Frau gehabt hatte.</p><p>�Nat�rlich, Nisao.� Romanda schloss unauff�llig das Buch und erhob sich ein St�ck, um es unter das mit gelben Quasten versehene Kissen auf dem Stuhl zu schieben. Das fehlte noch, dass allgemein bekannt wurde, dass sie ausgerechnet so etwas las. �Es muss fast Zeit f�r Eure n�chste Klasse sein, Bodewhin. Ihr wollt nicht zu sp�t kommen.�</p><p>�O nein, Aes Sedai! Sharina w�re dar�ber sehr aufgebracht.� Die Novizin zog ihre R�cke f�r einen sehr tiefen Knicks auseinander und schoss aus dem Zelt.</p><p>Romanda presste die Lippen zusammen. <emphasis>Sharina</emphasis> w�re sehr aufgebracht. Diese Frau war die Personifizierung all dessen, was daran verkehrt war, alles �ber achtzehn in die R�nge der Novizinnen aufzunehmen. Ihr Potenzial war mehr als nur unglaublich, aber darum ging es nicht. Sharina Melloy war ein St�renfried. Aber wie sollten sie sie loswerden? Sie und all die anderen Frauen, die zu alt waren, um ihre Namen �berhaupt ins Novizinnenbuch eintragen zu lassen. Die Bestimmungen, nach denen man eine Frau wegschicken konnte, sobald ihr Name im Buch stand, waren streng begrenzt. Leider war es so, dass im Laufe der Jahre viele Frauen �ber ihr Alter gelogen hatten, um Zugang zur Burg zu bekommen. Meistens nur wenige Jahre, aber ihnen das Bleiben zu gestatten hatte Pr�zedenzf�lle geschaffen. Und Egwene al�Vere hatte einen weiteren, viel schlimmeren geschaffen. Es musste eine M�glichkeit geben, das wieder umgehen zu k�nnen.</p><p>�Darf ich uns privat machen?�, fragte Nisao.</p><p>�Wenn Ihr wollt. Habt Ihr etwas �ber die Verhandlungen in Erfahrung bringen k�nnen?� Trotz Egwenes Gefangennahme gingen die Gespr�che in dem Pavillon am Fu� der Br�cke von Darein weiter. Beziehungsweise die vorget�uschten Gespr�che. Es war eine Farce, eine d�mliche Zurschaustellung reiner Halsstarrigkeit, und doch war es erforderlich, die Verhandlungsf�hrer genau im Auge zu behalten. Varilin hatte den gr��ten Teil dieser Arbeit an sich gerissen und das Vorrecht der Grauen geltend gemacht, aber Magla fand Wege, sich in die Angelegenheit hineinzudr�ngen, wann immer sie konnte, genau wie Saroiya und Takima und Faiselle. Aber viel schlimmer als die Tatsache, dass manchmal keine von ihnen den anderen zutraute, die Verhandlungen vern�nftig zu f�hren, war der Eindruck, dass sie manchmal f�r Elaidas Seite zu verhandeln schienen. Nun gut, so schlimm war es vermutlich nicht. Immerhin hatten sie der l�cherlichen Forderung der Frau standgehalten, dass man die Blaue Ajah aufl�ste, und � wenn auch nicht nachdr�cklich genug � verlangt, dass Elaida von ihrem Amt zur�cktrat, aber wenn Romanda und zugegebenerma�en Lelaine ihnen nicht gelegentlich den R�cken gest�rkt h�tten, w�rden sie m�glicherweise einigen von Elaidas anderen abscheulichen Bedingungen zustimmen. Beim Licht, manchmal war es so, als h�tten sie den Grund f�r ihren Marsch auf Tar Valon vergessen! �Gie�t uns Tee ein�, fuhr sie fort und zeigte auf ein bemaltes Holztablett auf zwei aufeinander gestellten Truhen mit einer Silberkanne und mehreren abgenutzten Zinntassen, �und sagt mir, was Ihr geh�rt habt.�</p><p>Kurz umgab der Schimmer Nisao, w�hrend sie das Zelt mit einer Abschirmung umgab und das Gewebe verknotete.</p><p>�Ich wei� nichts �ber die Verhandlungen�, sagte sie und f�llte zwei Tassen. �Ich m�chte Euch bitten, mit Lelaine zu sprechen.�</p><p>Romanda nahm die angebotene Tasse entgegen und nutzte einen langsamen Schluck daf�r aus, Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Wenigstens war dieser Tee nicht verdorben. Lelaine? Was konnte es �ber Lelaine geben, das eine Abschirmung gegen Lauschangriffe erforderte? Aber alles, was ihr ein Druckmittel gegen die andere Frau gab, w�rde n�tzlich sein. Lelaine schien in letzter Zeit viel zu selbstgef�llig zu sein, als dass sie das so ohne weiteres h�tte ignorieren k�nnen. Sie rutschte auf dem Kissen herum. �Weswegen? Warum sprecht ihr nicht selbst mit ihr? Wir sind nicht so tief gefallen wie anscheinend die Wei�e Burg unter Elaida.�</p><p>�Ich habe mit ihr gesprochen. Das hei�t, sie hat zu mir gesprochen, und zwar sehr energisch.� Nisao setzte sich und stellte die Tasse auf dem Tisch ab, um dann ihre gelb geschlitzten R�cke mit �bertriebener Sorgfalt zu richten. Sie zeigte ein leichtes Stirnrunzeln. Anscheinend wollte auch sie Zeit gewinnen. �Lelaine verlangt, dass ich aufh�re, Fragen �ber Anaiya und Kairen zu stellen�, sagte sie schlie�lich. �Ihr zufolge sind ihre Ermordung Sache der Blauen Ajah.�</p><p>Romanda schnaubte, setzte sich erneut zurecht. Der Holzd eckel des Buches war ein harter Buckel unter ihr. �Das ist doch v�lliger Unsinn. Aber warum habt Ihr Fragen gestellt? Ich kann mich nicht erinnern, dass Ihr Euch f�r solche Dinge interessiert habt.�</p><p>Die winzige Frau f�hrte die Tasse an den Mund, aber falls sie trank, war es weniger als ein Nippen. Sie senkte die Tasse und schien dabei beinahe gr��er zu werden, so gerade setzte sie sich hin. Ein Spatz, der zum Falken wurde. �Weil die Mutter es mir befohlen hat.�</p><p>Nur m�hsam konnte Romanda verhindern, dass sich ihre Brauen hoben. Aha. Zu Beginn hatte sie Egwene aus dem gleichen Grund akzeptiert wie vermutlich alle Sitzenden. Jedenfalls wie Lelaine, sobald sie begriffen hatte, dass sie nicht Stola und Stab erringen w�rde. Ein willf�hriges junges M�dchen w�rde eine Marionette in den H�nden des Saals sein, und Romanda hatte auf jeden Fall beabsichtigt, diejenige zu sein, die an den F�den zog. Sp�ter dann schien es offensichtlich gewesen zu sein, dass Siuan die wahre Puppenspielerin war, und es hatte keine M�glichkeit gegeben, das zu behindern, ohne gegen eine zweite Amyrlin rebellieren zu m�ssen, was die Rebellion gegen Elaida zunichte gemacht h�tte. Romanda hatte nur die Hoffnung gehabt, dass Lelaine deshalb genauso sehr mit den Z�hnen knirschte, wie sie es getan hatte. Jetzt war Egwene in Elaidas Hand, doch in mehreren Besprechungen war sie k�hl und beherrscht geblieben, entschieden in ihrem Kurs und dem der Schwestern au�erhalb der Mauern Tar Valons. Romanda hatte einen widerwilligen Respekt f�r das M�dchen empfunden. Ausgesprochen widerwillig, aber sie konnte ihn nicht verneinen. Es musste sich um Egwene selbst handeln. Der Saal hielt die Traum-<emphasis>Ter�angreale</emphasis> mit eiserner Faust unter Kontrolle, und auch wenn keiner das Exemplar finden konnte, das sich Leane vor jener schlimmen Nacht ausgeliehen hatte, war es undenkbar, dass sie es an Siuan weitergegeben hatte; sie und Siuan waren spinnefeind gewesen. Es war daher unm�glich, dass Siuan ins <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> schl�pfte, um der Frau vorzubeten, was sie zu sagen hatte. War es m�glich, dass Nisao zu dem gleichen Schluss �ber Egwene gekommen war, ohne sie in der Unsichtbaren Welt erlebt zu haben? Dieser Rat hatte viel Zeit mit Egwene verbracht.</p><p>�Das reicht Euch, Nisao?� Sie konnte das Buch kaum vers chwinden lassen, ohne dass ihre Besucherin es bemerkte. Sie rutschte wieder herum, aber auf dem Ding gab es einfach keine bequeme Position. Wenn das so weiterging, w�rde sie einen blauen Fleck haben.</p><p>Nisao schob ihre Zinntasse auf dem Tisch herum, aber sie schaute noch immer nicht weg. �Das ist der haupts�chliche Grund. Am Anfang glaubte ich, sie w�rde als Euer Scho�tier enden. Oder Lelaines. Sp�ter, als sich herausstellte, dass sie euch beiden entgangen war, glaubte ich, Siuan w�rde die Leine halten, aber mir ist bald klar geworden, dass das ein Irrtum war. Siuan ist eine Lehrerin gewesen, da bin ich mir sicher, vielleicht sogar eine Freundin, aber ich habe erlebt, wie Egwene sie zur�ckgepfiffen hat. Niemand f�hrt Egwene al�Vere an der Leine. Sie ist intelligent, aufmerksam, geschickt und lernt schnell. Sie wird vielleicht eine gro�e Amyrlin.� Pl�tzlich lachte die vogel�hnliche Schwester auf.</p><p>�Ist Euch bewusst, dass sie die Amyrlin mit der l�ngsten Amtszeit in der Geschichte sein wird? Niemand wird jemals lange genug leben, um sie zu �berholen, es sei denn, sie tritt von sich aus fr�hzeitig zur�ck.� Das L�cheln wich Ernst, vielleicht auch Sorge. Nicht weil sie beinahe die Br�uche verletzt h�tte. Nisao hatte ihre Z�ge ausgezeichnet unter Kontrolle, aber ihr Blick war angespannt. �Nat�rlich nur, falls wir es schaffen, Elaida zu st�rzen.�</p><p>Mit den eigenen Gedanken konfrontiert zu werden, auch wenn sie weitergedacht worden waren, war entnervend. Eine gro�e Amyrlin? Nun! Es w�rden viele Jahre vergehen, damit man sehen konnte, ob sich das so entwickelte. Aber ob Egwene dieses betr�chtliche und unwahrscheinliche Kunstst�ck nun vollbringen w�rde oder nicht, sie w�rde feststellen, dass der Saal bedeutend weniger zug�nglich sein w�rde, sobald es ihre Kriegsbefugnisse nicht l�nger gab. Romanda Cassin w�rde es jedenfalls mit Sicherheit nicht mehr sein. Respekt war eine Sache, ein Scho�h�ndchen zu werden eine ganz andere. Unter dem Vorwand, ihre dunkelgelben R�cke gl�tten zu wollen, stand sie kurz auf und zog das Buch unter dem Kissen hervor, dann setzte sie sich wieder und versuchte, es unauff�llig fallen zu lassen. Es landete mit einem dumpfen Ger�usch auf dem Teppich, und Nisaos Brauen zuckten. Romanda ignorierte es und zog das Buch mit der Fu�spitze unter den Tisch.</p><p>�Das werden wir.� Sie legte mehr �berzeugung hinein, als sie versp�rte. Diese seltsamen Verhandlungen und Egwenes Gefangenschaft machten sie nachdenklich, ganz zu schweigen von der Behauptung des M�dchens, sie k�nnte Elaidas Posit ion im Inneren der Burg unterminieren. Obwohl es den Anschein hatte, dass die H�lfte ihrer Arbeit von anderen erledigt worden war, falls ihre Berichte �ber die Situation in der Burg stimmten. Aber Romanda glaubte es, weil sie es glauben musste. Sie hatte nicht die Absicht, von ihrer Ajah getrennt zu leben, Elaidas Bu�e zu akzeptieren, bis sie sie wieder f�r <emphasis>geeignet</emphasis> hielt, wieder eine Aes Sedai mit allen Rechten zu sein; sie hatte nicht die Absicht, Elaida a�Roihan als Amyrlin zu akzeptieren. Besser Lelaine als das, und eines der Argumente f�r Egwenes Erhebung, die sie sich in ihrem Kopf zurechtgelegt hatte, war gewesen, dass sie Lelaine von Stola und Stab ferngehalten hatte. Zweifellos hatte Lelaine das Gleiche �ber sie gedacht. �Und ich werde Lelaine auf unzweifelhafte Weise dar�ber informieren, dass Ihr jede Frage stellen k�nnt, die Ihr wollt. Wir m�ssen die Morde aufkl�ren, und der Mord an einer Schwester geht alle Schwestern an. Was habt Ihr bis jetzt herausgefunden?� Keine angemessene Frage vielleicht, aber die Stellung als Sitzende verlieh einem gewisse Privilegien. Zumindest hatte sie das immer geglaubt.</p><p>Nisao schien die Frage nicht zu st�ren, sie z�gerte nicht mit einer Antwort. �Sehr wenig, f�rchte ich�, sagte sie voller Reue und blickte stirnrunzelnd in ihre Teetasse. �Allem Anschein nach muss es eine Verbindung zwischen Anaiya und Kairen geben, einen Grund, warum es die beiden getroffen hat, aber bis jetzt habe ich nur erfahren, dass die beiden seit vielen Jahren befreundet gewesen waren. Blaue haben sie und eine weitere Schwester namens Cabriana Mecandes als �die Drei� bezeichnet, weil sie sich so nahestanden. Aber sie waren auch alle sehr zur�ckhaltend. Niemand kann sich daran erinnern, dass eine von ihnen je �ber ihre Angelegenheiten gesprochen h�tte, es sei denn untereinander. Wie dem auch sei, Freundschaft scheint ein schwaches Motiv f�r Mord zu sein. Ich hoffe, ich kann einen Grund finden, warum sie jemand ermorden sollte, vor allem ein Mann, der die Macht lenken kann, aber ich muss gestehen, dass es nur eine schwache Hoffnung ist.�</p><p>Romanda runzelte die Stirn. Cabriana Mecandes. Sie schenkte anderen Ajahs nur wenig Aufmerksamkeit � allein die Gelben hatten eine wirklich n�tzliche Funktion; keine der anderen Interessen kam an das Heilen heran � aber der Name lie� in ihrem Hinterkopf einen leisen Gong ert�nen. Warum? Es w�rde ihr wieder einfallen oder auch nicht. Es konnte nicht wichtig sein. �Aus kleinen Hoffnungen k�nnen �berraschende Fr�chte erwachsen, Nisao. Das ist in Far Madding ein altes Sprichwort, und es stimmt. F�hrt Eure Untersuchung weiter. In Egwenes Abwesenheit d�rft Ihr Eure Erkenntnisse mir mitteilen.�</p><p>Nisao blinzelte, und kurz spannte sich ihr Mund an, aber ob es ihr nun gefiel, Romanda Bericht zu erstatten, oder nicht, es blieb ihr wenig anderes �brig, als zu gehorchen. Sie konnte kaum behaupten, dass man sich in ihre Angelegenheiten einmischte. Mord konnte nicht allein die Angelegenheit einer Schwester sein. Davon abgesehen, Magla hatte vielleicht ihre l�cherliche Wahl f�r die dritte Sitzende der Gelben durchgesetzt, aber Romanda hatte sich die Position der Ersten Weberin m�helos gesichert. Schlie�lich war sie vor ihrem Ruhestand die Anf�hrerin der Gelben gewesen, und selbst Magla war nicht bereit gewesen, sich gegen sie zu stellen. Die Position verlieh bedeutend weniger Macht, als ihr lieb war, aber wenigstens konnte sie sich in den meisten F�llen auf den Gehorsam der anderen Gelben Schwestern verlassen, wenn schon nicht auf den der Sitzenden.</p><p>Als Nisao ihre Abschirmung gegen Lauscher aufkn�pfte und sich aufl�sen lie�, trat Theodrin ins Zelt. Sie trug ihre Stola �ber Schultern und Arme gelegt, sodass die langen Fransen sofort ins Auge fielen. Das taten viele frisch erhobene Schwestern. Die sehnige Domani hatte das Braun gew�hlt, nachdem Egwene ihr die Stola zugebilligt hatte, aber die Braunen hatten nicht gewusst, was sie mit ihr anfangen sollten, obwohl sie sie schlie�lich aufgenommen hatten. Anscheinend waren sie bereit gewesen, sie gr��tenteils zu ignorieren, genau die falsche Entscheidung, also hatte sich Romanda ihrer angenommen. Theodrin versuchte sich zu verhalten wie eine richtige Aes Sedai, aber sie war ein kluges, vern�nftiges M�dchen. Sie breitete die braunen Wollr�cke f�r einen Knicks aus. Einen kleinen Knicks, aber immerhin einen Knicks. Sie war sich durchaus bewusst, dass sie eigentlich vor ihrer bestandenen Pr�fung kein Recht auf ihre Stola hatte. Es w�re grausam gewesen, nicht daf�r zu sorgen, dass ihr das klar war.</p><p>�Lelaine hat eine Sitzung des Saals einberufen�, sagte sie atemlos. �Ich konnte den Anlass nicht herausfinden. Ich bin losgerannt, um Euch Bescheid zu geben, aber ich wollte nicht hereinkommen, solange die Abschirmung bestand.�</p><p>�Und das war auch richtig so�, sagte Romanda. �Nisao, wenn Ihr mich entschuldigen wollt, ich muss sehen, was Lelaine will.� Sie holte ihre mit gelben Fransen versehene Stola von einer der Truhen, die ihre Garderobe enthielten, drapierte sie �ber ihren Armen und �berpr�fte die Frisur in dem gesprungenen Spiegel, bevor sie die anderen herausdr�ngte und ihrer Wege schickte. Es war nicht so, dass sie glaubte, Nisao w�rde nach der Ursache des dumpfen Aufpralls suchen, falls sie das Zelt allein verlie�, aber es war besser, kein Risiko einzugehen. Aelmara w�rde das Buch dort verstauen, wo es hingeh�rte, zu den diversen �hnlichen B�nden in der Truhe, in der sich Romandas pers�nliche Besitzt�mer befanden. Die wies ein sehr stabiles Schloss mit nur zwei Schl�sseln auf, von denen der eine in ihrer G�rteltasche und der andere in Aelmaras ruhte.</p><p>Der Morgen war k�hl, aber der Fr�hling war pl�tzlich eing etroffen. Die dunklen Wolken, die sich hinter dem zerschmetterten Gipfel des Drachenbergs zusammenballten, w�rden eher Regen statt Schnee bringen, aber hoffentlich nicht im Lager. Viele Zelte waren undicht, und die Lagerstra�en hatten sich bereits in Morast verwandelt. Pferdekarren, die ihre Lieferungen brachten, verspritzten Schlamm von ihren hohen R�dern, w�hrend sie neue Spuren machten; sie wurden gr��tenteils von Frauen gelenkt und ein paar grauh aarigen M�nnern. F�r M�nner war der Zugang ins Lager der Aes Sedai nun streng begrenzt. Trotzdem war fast jede der Schwestern, die sie die unebenen Holzstege entlangrauschen sah, in das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> geh�llt und wurde von ihrem Beh�ter begleitet, sofern sie einen hatte. Romanda weigerte sich, die Quelle zu umarmen, wenn sie hinausging � jemand musste ja in einem Lager nerv�ser Schwestern ein Beispiel f�r das angebrachte Benehmen geben �, aber sie war sich des Mangels sehr bewusst. Genau wie des fehlenden Beh�ters. Es war ja sch�n und gut, die meisten M�nner aus dem Lager fernzuhalten, aber ein M�rder w�rde sich kaum davon abhalten lassen.</p><p>Voraus ritt Gareth Bryne aus einer Seitenstra�e, ein st�mm iger Mann mit gr��tenteils grauem Haar, der den Brustharnisch �ber einen braunen Mantel geschnallt hatte und dessen Helm am Sattelknauf hing. Siuan war bei ihm. Sie schwankte auf einer dicken, zotteligen Stute und sah so h�bsch aus, dass man beinahe vergessen konnte, was f�r eine hartgesottene und spitzz�ngige Amyrlin sie gewesen war. Beinahe vergessen konnte, dass sie noch immer eine erfahrene R�nkeschmiedin war. Das waren alle Blauen. Die Stute trottete daher, aber Siuan fiel beinahe herunter, bevor Bryne zugriff und sie st�tzte. Am Rand des Quartiers der Blauen Ajah � das Lager entsprach in seinem Grundriss grob den Ajah-Quartieren in der Burg � stieg er lange genug ab, um ihr herunterzuhelfen, dann stieg er wieder in den Sattel und lie� sie dort stehen, wie sie die Z�gel ihrer Stute hielt und ihm nachsah. Warum sollte sie das wohl tun? Die Stiefel des Mannes putzen, seine W�sche zu besorgen. Diese Beziehung war ekelhaft. Die Blaue sollte dem ein Ende machen, und in den Krater des Verderbens mit den Br�uchen. Ganz egal, wie tief verwurzelt Br�uche auch waren, sie sollten nicht dazu missbraucht werden, um alle Aes Sedai l�cherlich zu machen.</p><p>Sie wandte Siuan den R�cken zu und hielt auf den Pavill on zu, der als ihr zeitweiliger Burgsaal diente. So angenehm es auch war, sich in dem echten Saal zu treffen, ganz zu schweigen davon direkt unter Elaidas Nase, gelang es nur wenigen Schwestern, zu jeder beliebigen Stunde einzuschlafen, also musste der Pavillon auch weiterhin zur Verf�gung stehen. Sie rauschte ohne Hast �ber den Gehweg. Sie w�rde nicht dabei gesehen werden, wie sie wegen Lelaines Ruf rannte. Was konnte die Frau blo� wollen?</p><p>Ein Gong ert�nte, verst�rkt von der Macht, sodass er deutl ich im ganzen Lager zu h�ren war � ein weiterer von Sharinas Vorschl�gen �, und pl�tzlich dr�ngten sich Novizinnen auf dem eiligen Weg zu ihren n�chsten Klassen oder ihren Pflichten auf den Gehwegen, alle in ihrem Familienverbund versammelt. Diese aus sechs oder sieben Angeh�rigen bestehenden Familien begaben sich immer gemeinsam in die Klassen, genau wie sie ihre Pflichten gemeinsam erledigten; tats�chlich taten sie alles gemeinsam. Es war eine effektive Methode, so viele Novizinnen zu organisieren � allein in den letzten beiden Wochen waren fast f�nfzig weitere ins Lager gekommen, was die Gesamtzahl trotz der Ausrei�erinnen auf fast eintausend erh�hte, und fast ein Viertel waren jung genug, um vern�nftige Novizinnen zu sein, mehr, als die Burg seit Jahrhunderten aufgenommen hatte! �, und doch w�nschte sie sich, es w�re nicht Sharinas Werk gewesen. Die Frau hatte es nicht einmal der Oberin der Novizinnen vorgeschlagen. Sie hatte die ganze Sache selbst organisiert und sie Tiana v�llig fertig pr�sentiert! Die Novizinnen, von denen einige graue Haare oder faltige Gesichter hatten, sodass es schwer fiel, sie trotz der wei�en Gew�nder als Kinder zu betrachten, dr�ngten sich an den Rand des Gehwegs, um die Schwestern passieren zu lassen, w�hrend sie ihre Knickse machten, aber keine trat auf die schlammige Stra�e, um mehr Platz zu machen. Wieder Sharina. <emphasis>Sharina</emphasis> hatte verbreitet, dass sie nicht sehen wollte, dass die M�dchen ihre sch�nen wei�en Wollgew�nder unn�tigerweise schmutzig machten. Das reichte aus, um Romanda mit den Z�hnen knirschen zu lassen. Die Novizinnen, die vor ihr einen Knicks machten, richteten sich schnell wieder auf und rannt en f�rmlich weiter.</p><p>Ein St�ck voraus entdeckte sie Sharina selbst, die mit der in den Schein <emphasis>Saidars</emphasis> geh�llten Tiana sprach. Sie besorgte das Sprechen, w�hrend Tiana nur gelegentlich nickte. An Sharinas Benehmen war nichts Respektloses, aber trotz ihres Novizinnenwei� sah sie mit ihrem faltigen Gesicht und dem engen grauen Haarknoten auf dem Hinterkopf genau wie das aus, was sie auch war. Eine Gro�mutter. Und Tiana bot ungl�cklicherweise ein jugendliches Erscheinungsbild. Etwas an ihrem Knochenbau und die gro�en braunen Augen �berragten das alterslose Aussehen einer Aes Sedai. Angebrachter Respekt oder nicht, das sah viel zu sehr nach einer Frau aus, die ihre Enkelin instruierte. Als sie auf sie zutrat, machte Sharina einen angebrachten Knicks � einen sehr angebrachten Knicks, wie Romanda zugeben musste, � und eilte in die andere Richtung, um sich zu ihrer eigenen Familie zu gesellen, die auf sie wartete. Waren da in ihrem Gesicht weniger Falten als noch zuvor gewesen? Nun, wer vermochte schon zu sagen, was geschehen konnte, wenn eine Frau in ihrem Alter mit der Macht anfing. Siebenundsechzig und Novizin!</p><p>�Macht sie Euch �rger?�, fragte sie, und Tiana zuckte zusammen, als h�tte ihr jemand einen Eiszapfen in den Kragen geschoben. Der Frau fehlten einfach die W�rde und die Gesetztheit, die bei einer Oberin der Novizinnen n�tig waren. Manchmal erschien sie auch von der Zahl ihrer Sch�tzlinge wie erdr�ckt. Dar�ber hinaus war sie viel zu nachsichtig, akzeptierte Entschuldigungen, wo es keine geben konnte.</p><p>Sie fasste sich aber schnell und ging neben Romanda her, obwohl sie unn�tigerweise ihre dunkelgrauen R�cke gl�ttete.</p><p>��rger? Nat�rlich nicht. Sharina ist eine vorbildliche Novizin. Um die Wahrheit zu sagen, die meisten benehmen sich ausgezeichnet. Der gr��te Teil derer, die man in mein Arbeitszimmer schickt, sind M�tter, die aufgebracht sind, weil ihre T�chter schneller als sie lernen oder ein h�heres Potenzial haben, oder Tanten, die die gleichen Beschwerden �ber ihre Nichten vorbringen. Sie scheinen zu glauben, man k�nnte das irgendwie ungeschehen machen. Sie k�nnen erstaunlich beharrlich darin sein, bis ich ihnen klarmache, was es hei�t, einer Schwester gegen�ber beharrlich zu sein. Obwohl ich f�rchte, dass man eine Menge von ihnen mehr als nur einmal zu mir schicken muss. Eine Hand voll scheint es noch immer zu �berraschen, dass sie den Rohrstock zu sp�ren bekommen k�nnen.�</p><p>�Ist das so?�, sagte Romanda abwesend. Sie hatte Delana entdeckt, die in die gleiche Richtung eilte, die mit grauen Fransen versehene Stola �ber die Arme gelegt und ihre sogenannte Sekret�rin an ihrer Seite. Delana trug ein relativ dunkles Grau, aber die Schlampe neben ihr war in blaugeschlitzte gr�ne Seide gekleidet, die ihren halben Busen zur Schau stellte und viel zu eng an ihren H�ften anlag, mit denen sie eklatant wackelte. In letzter Zeit schienen die beiden auf die Geschichte zu verzichten, dass Halima blo� Delanas Dienerin war. Tats�chlich gestikulierte die Frau energisch, w�hrend Delana blo� auf die unterw�rfigste Weise nickte, die man sich vorstellen konnte. Unterw�rfig! Es war immer ein Fehler, sich eine Kopfkissenfreundin auszusuchen, die keine Stola trug. Vor allem, wenn man dumm genug war, ihr die F�hrung zu �berlassen.</p><p>�Sharina verh�lt sich nicht nur vorbildlich�, fuhr Tiana fr�hlich fort, �sie zeigt auch gro�es Geschick in Nynaeves neuer Heilungsmethode. Wie einige der �lteren Novizinnen. Die meisten waren auf die eine oder andere Weise Dorfseherinnen, auch wenn mir nicht klar ist, wieso das von Bedeutung sein sollte. Eine war Adlige in Murandy.�</p><p>Romanda stolperte �ber die eigenen F��e, ruderte mit den Armen, um das Gleichgewicht wiederzufinden, fing sich wieder. Tiana ergriff ihren Arm, um sie zu st�tzen, murmelte etwas �ber die unebenen Gehwege, aber Romanda sch�ttelte sie ab. <emphasis>Sharina</emphasis> hatte ein Talent f�r die neue Heilung? Und <emphasis>einige</emphasis> der �lteren Frauen auch? Sie selbst hatte die neue Methode gelernt, aber obwohl sie sich so weit von der alten unterschied, dass die Einschr�nkung, nach der man dasselbe Gewebe, das man sp�ter in abgewandelter Form erlernte, nicht anwenden konnte, hier nicht zuzutreffen schien, hatte sie kein gro�es Talent daf�r. Nicht einmal ann�hernd so viel, wie sie f�r die alte Methode hatte.</p><p>�Und warum d�rfen <emphasis>Novizinnen</emphasis> das �ben, Tiana?�</p><p>Tiana err�tete, wie es sich auch geh�rte. Solche Gewebe waren zu kompliziert f�r Novizinnen, ganz zu schweigen davon, dass sie gef�hrlich waren, wenn sie falsch angewandt wurden. Auf die falsche Weise angewandt, konnte das Heilen t�ten statt helfen. Die Machtlenkerin genauso wie den Patienten. �Ich kann sie wohl kaum davon abhalten, nicht zuzusehen, wenn eine Heilung vollzogen wird, Romanda�, rechtfertigte sie sich und bewegte die Arme, als w�rde sie eine Stola richten, die sie nicht trug. �Es gibt immer gebrochene Knochen oder einen Narren, der sich schlimm geschnitten hat, ganz zu schweigen von den vielen Krankheiten, mit denen wir in letzter Zeit zu tun haben. Die meisten der �lteren Frauen brauchen ein Gewebe nur einmal zu sehen, um es zu beherrschen.� F�r einen kurzen Augenblick lang kehrte pl�tzlich die R�te in ihre Wangen zur�ck. Sie brachte ihre Miene wieder unter Kontrolle, nahm die Schultern zur�ck, und das Entschuldigende verschwand aus ihrer Stimme. �Wie dem auch sei, Romanda, ich sollte Euch nicht daran erinnern m�ssen, dass die Novizinnen und Aufgenommenen mir unterstehen. Als Oberin der Novizinnen entscheide <emphasis>ich,</emphasis> was sie lernen d�rfen und was nicht. Einige dieser Frauen k�nnten heute die Pr�fung zur Aufgenommenen ablegen, nach nur wenigen Monaten. Jedenfalls, soweit es die Macht angeht. Wenn ich entscheide, dass sie keine D�umchen drehen sollen, dann ist das meine Entscheidung.�</p><p>�Vielleicht solltet Ihr schnell nachsehen, ob Sharina noch weitere Anweisungen f�r Euch hat�, sagte Romanda kalt.</p><p>Mit blutroten Flecken auf den Wangen drehte sich Tiana auf dem Absatz um und schritt wortlos davon. Es kam nicht ganz an unter Schwestern nicht zu tolerierende Unversch�mtheit heran, aber es war nahe dran. Selbst von hinten bot sie das Abbild perfekter Emp�rung, den R�cken so starr wie eine Eisenstange, die Schritte schnell. Nun, Romanda war bereit zuzugeben, dass sie selbst beinahe unversch�mt gewesen war. Aber nicht grundlos.</p><p>Sie versuchte die Oberin der Novizinnen aus den Gedanken zu verbannen und hielt wieder auf den Pavillon zu, aber sie musste sich zusammenrei�en, nicht genauso schnell wie Tiana auszuschreiten. Sharina. Und <emphasis>mehrere</emphasis> der �lteren Frauen. Sollte sie ihre Position �berdenken? Nein. Nat�rlich nicht. Ihre Namen h�tten niemals in das Novizinnenbuch aufgenommen werden d�rfen. Doch ihre Namen standen da, und anscheinend hatten sie dieses wunderbare neue Heilen gemeistert. Oh, was f�r ein schrecklich kompliziertes Durcheinander. Sie wollte nicht dar�ber nachdenken. Nicht jetzt.</p><p>Der Pavillon stand in der Lagermitte, ein mit zahllosen Flicken versehenes Gebilde aus schwerem Segeltuch, das von einem dreimal so breiten Gehweg wie alle anderen Zelte umgeben wurde. Sie sch�rzte die R�cke, um sie vor dem Schlamm zu sch�tzen, und eilte auf die andere Seite. Eile st�rte sie nicht, wenn es darum ging, schnell aus dem Schlamm zu kommen. Trotzdem w�rde Aelmara einige Arbeit haben, ihre Schuhe sauber zu machen. Und ihre Unterr�cke, dachte sie, als sie die R�cke fallen lie� und ihre Kn�chel wieder anst�ndig bedeckte.</p><p>Die Nachricht von einer Sitzung des Saals zog immer Schwestern an, die auf Neuigkeiten �ber die Verhandlungen oder �ber Egwene warteten, und etwa f�nfzig oder mehr versammelten sich bereits mit ihren Beh�tern um den Pavillon oder standen bereits drinnen, hinter den Pl�tzen ihrer Sitzenden. Selbst hier leuchteten die meisten mit dem Licht der Macht. Als w�ren sie hier umgeben von anderen Aes Sedai in Gefahr. Romanda versp�rte das starke Bed�rfnis, einmal um den Pavillon zu gehen und Ohrfeigen zu verteil en. Das war nat�rlich unm�glich. Selbst wenn man die Br�uche vergessen k�nnte, wozu sie kein Verlangen versp�rte, verlieh einem ein Sitz im Saal nicht die Autorit�t, um so etwas zu tun.</p><p>Sheriam trug die schmale blaue Stola der Beh�terin um den Hals und stach aus der Menge heraus, was teilweise daran lag, dass um sie herum Platz war. Andere Schwestern vermieden es, sie anzusehen, und gesellten sich erst recht nicht zu ihr. Die flammenhaarige Frau brachte viele der Schwestern in Verlegenheit, weil sie jedes Mal auftauchte, wenn der Saal zusammengerufen wurde. Das Gesetz war eindeutig. Jede Schwester konnte an einer Sitzung des Saals teilnehmen, sofern sie nicht geschlossen war, aber die Amyrlin konnte den Saal der Burg nicht betreten, ohne von der Beh�terin vorher angek�ndigt worden zu sein, und die Beh�terin wiederum durfte nicht ohne Amyrlin hinein. Wie gew�hnlich waren Sheriams gr�ne Augen zusammengekniffen, und sie trat auf ungeh�rige Weise nerv�s von einem Fu� auf den anderen, wie eine Novizin, der ein Besuch bei der Oberin bevorstand. Wenigstens hielt sie nicht die Quelle umarmt, und ihr Beh�ter war nirgendwo in Sicht.</p><p>Bevor Romanda unter den Pavillon trat, warf sie einen Blick �ber die Schulter und seufzte. Die Masse der dunklen Wolken hinter dem Drachenberg war verschwunden. Nicht auseinander getrieben, sondern einfach weg. Sicherlich w�rde es unter den Pferdeknechten und Tagel�hnern und Dienerinnen neue Panik entfachen. �berraschenderweise schienen die Novizinnen diese seltsamen Vorg�nge viel gelassener zu nehmen. Vielleicht weil sie die Schwestern nachahmen wollten, aber sie vermutete darin erneut Sharinas Einfluss. <emphasis>Was</emphasis> konnte sie blo� wegen dieser Frau unternehmen?</p><p>Drinnen dienten achtzehn mit in den Farben der sechs im Lager vertretenen Ajahs gehaltenen Decken verkleidete K�sten als Plattform f�r polierte B�nke. Sie standen in einer V-f�rmigen Formation, die sich auf einen einzelnen Kasten hin �ffnete. Er wurde von einem Tuch mit Streifen in allen sieben Farben verh�llt. Trotz heftiger Proteste hatte Egwene auf das Rot bestanden. Wo Elaida entschlossen schien, alle Ajahs voneinander zu entzweien, war Egwene entschlossen, sie alle zusammenzuhalten, einschlie�lich der Roten. Auf der Holzbank auf dieser Plattform lag die siebenfach gestreifte Stola der Amyrlin. Niemand beanspruchte die Verantwortung daf�r, sie dort hingelegt zu haben, aber es hatte sie auch niemand entfernt. Romanda war sich unsicher, ob es eine Erinnerung an Egwene al�Vere war, an den Amyrlin-Sitz, ein Echo ihrer Anwesenheit, oder eine Erinnerung daran, dass sie abwesend und eine Gefangene war. Die Sichtweise kam zweifellos auf die betreffende Schwester an.</p><p>Sie war nicht die einzige Sitzende, die sich Zeit gelassen hatt e, Lelaines Ruf zu folgen. Delana war nat�rlich da, hockte zusammengesunken auf ihrer Bank und rieb sich die Nasenseite, einen nachdenklichen Blick in den w�ssrigen blauen Augen. Einst hatte Romanda sie f�r vern�nftig gehalten. Ungeeignet f�r einen Sitz, aber vern�nftig. Wenigstens hatte sie Halima nicht erlaubt, ihr in den Saal zu folgen und sie weiter zu bel�stigen. Oder Halima hatte es nicht gewollt. Niemand, der je geh�rt hatte, wie diese Frau Delana anbr�llte, hatte auch nur den geringsten Zweifel, wer hier die Befehle gab.</p><p>Lelaine sa� bereits auf ihrer Bank, die direkt unter der Bank der Amyrlin stand, eine schlanke Frau mit harten Augen in blau geschlitzter Seide, die ihr L�cheln streng rationierte. Was es doppelt seltsam machte, dass sie gelegentlich zu der siebenfarbigen Stola hinsah und kurz l�chelte. Dieses L�cheln bereitete Romanda Unbehagen, und das schafften nur wenige Dinge. Moria in ihrer silbern verzierten blauen Wolle ging vor der blau verh�llten Plattform auf und ab. Runzelte sie die Stirn, weil sie wusste, warum Lelaine den Saal einberufen hatte und dagegen war, oder weil sie sich sorgte, weil sie es nicht wusste?</p><p>�Ich habe Myrelle an Llyws Seite gesehen�, sagte Malind und zog die gr�nfransige Stola hoch, als Romanda den Pavillon betrat, �und ich glaube nicht, jemals eine so gequ�lte Schwester gesehen zu haben.� Trotz des Mitleids in ihrem Ton lag ein Funkeln in ihren Augen, und ihre vollen Lippen zuckten vor Heiterkeit. �Wie habt Ihr sie nur jemals dazu �berreden k�nnen, mit ihm den Bund einzugehen? Ich war dabei, als ihr das jemand einmal vorgeschlagen hat, und ich schw�re, sie wurde <emphasis>leichenblass.</emphasis> Der Mann k�nnte doch fast als Ogier durchgehen.�</p><p>�Ich habe nachdr�cklich auf die Pflicht hingewiesen.� Die st�mmige Faiselle mit ihrem kantigen Gesicht war in allem energisch; ehrlich gesagt �hnelte sie einem Hammer. Sie lie� jede Geschichte von verf�hrerischen Domani l�cherlich aussehen. �Ich habe darauf hingewiesen, dass Llyw seit Kairens Tod immer gef�hrlicher f�r sich selbst und andere wurde, und ich habe ihr gesagt, dass das nicht so weitergehen darf. Ich habe ihr klargemacht, dass sie als einzige Schwester, die unter gleichen Umst�nden zwei andere Beh�ter gerettet hat, die einzige Person ist, die es noch einmal versuchen konnte. Ich muss zugeben, ich habe sie da etwas unter Druck gesetzt, aber schlie�lich hat sie es eingesehen.�</p><p>�Wie beim Licht habt Ihr es geschafft, Myrelle unter Druck zu setzen?� Malind beugte sich begierig vor.</p><p>Romanda ging an ihnen vorbei. Wie hatte man blo� <emphasis>Myrelle</emphasis> unter Druck setzen k�nnen? Nein. Keinen Klatsch.</p><p>Janya sa� auf der Bank der Braunen und dachte offensichtlich nach. Jedenfalls hatte sie die Augen zusammengekniffen, andererseits schien die Frau immer damit besch�ftigt zu sein, �ber etwas nachzudenken, selbst wenn sie mit einem sprach. Vielleicht hatte sie auch einfach nur schlechte Augen. Die restlichen B�nke waren allerdings noch verwaist. Romanda w�nschte sich, sich mehr Zeit gelassen zu haben. Sie w�re viel lieber als Letzte eingetroffen statt als eine der Ersten.</p><p>Nach kurzem Z�gern trat sie zu Lelaine hin. �W�rdet Ihr mir vielleicht einen Hinweis geben, warum Ihr den Saal einb erufen habt?�</p><p>Lelaine l�chelte zu ihr herunter, ein am�siertes L�cheln, das trotzdem unangenehm war. �Ihr k�nnt genauso gut warten, bis genug Sitzende da sind, um anfangen zu k�nnen. Ich wiederhole mich nicht gern. Aber so viel will ich Euch verraten: Es wird dramatisch sein.� Ihr Blick glitt wieder zu der gestreiften Stola, und Romanda fr�stelte.</p><p>Aber sie lie� es sich nicht anmerken, sondern setzte sich auf die Lelaine gegen�berliegende Bank. Sie konnte es nicht vermeiden, selbst unbehaglich zur Stola zu blicken. War das ein Man�ver, um Egwene ihres Amtes zu entheben? Es erschien unwahrscheinlich, dass diese Frau auch nur irgendetwas sagen konnte, das sie dazu bewegen w�rde, sich dem gro�en Konsens anzuschlie�en. Oder viele der anderen Sitzenden, denn das w�rde sie alle wieder zu dem Machtkampf zwischen ihr und Lelaine zur�ckwerfen und ihre Position gegen�ber Elaida schw�chen. Aber Lelaines selbstbewusste Ausstrahlung machte einen nerv�s. Sie setzte eine ruhige Miene auf und wartete. Sie konnte nichts anderes tun.</p><p>Kwamesa schoss f�rmlich in den Pavillon hinein, das Gesicht mit der scharf geschnittenen Nase von Reue erf�llt, nicht die Erste sein zu k�nnen, und gesellte sich zu Delana. Salita kam, dunkelh�utig und mit k�hlem Blick, in gelb geschlitztes Gr�n gekleidet, das auf dem Busen mit gelben Ranken verziert war, und pl�tzlich kam es zu einem Ansturm. Lyrelle rauschte hinein, anmutig und elegant in mit Brokat abgesetzter blauer Seide, um ihren Platz bei den Blauen einzunehmen, dann kamen Saroiya und Aledrin, die die K�pfe zusammengesteckt hatten; die st�mmige Domani wirkte neben der korpulenten Tarabonerin beinahe schlank. W�hrend sie ihre Pl�tze auf der Bank der Wei�en einnahmen, gesellte sich die fuchsgesichtige Samalin zu Faiselle und Malind, und die kleine Escaralde eilte herein. Sie eilte! Die Frau kam auch aus Far Madding. Sie h�tte es doch wohl besser wissen m�ssen, wie man sich benahm.</p><p>�Ich glaube, Varilin ist in Darein�, sagte Romanda, als Escaralde zu Janya hochstieg, �aber selbst wenn einige der anderen sp�ter eintreffen, wir sind jetzt mehr als elf. Wollt Ihr anfangen, Lelaine, oder wollt Ihr warten?�</p><p>�Ich will anfangen.�</p><p>�W�nscht Ihr eine formelle Sitzung?�</p><p>Lelaine l�chelte wieder. Damit war sie heute Morgen sehr gro�z�gig. Aber es lie� ihr Gesicht keinesfalls w�rmer aussehen. �Das wird nicht n�tig sein, Romanda.� Sie zupfte an ihren R�cken herum. �Aber ich bitte darum, dass das, was hier gesagt wird, f�r den Augenblick im Saal Versiegelt bleibt.� Von der wachsenden Menge der Schwestern, die hinter den B�nken und au�erhalb des Pavillons standen, erhob sich ein Murmeln. Selbst einige der Sitzenden zeigten �berraschung. Wenn es keine formelle Sitzung sein sollte, warum sollte es dann notwendig sein, das Wissen �ber das, was gesagt wurde, so streng zu begrenzen?</p><p>Romanda nickte jedoch, als w�re es die vern�nftigste Bitte auf der Welt. �Lasst alle gehen, die keinen Sitz innehaben. Aledrin, w�rdet Ihr uns privat machen?�</p><p>Trotz ihrer dunkelblonden seidenen Haare und den gro�en, feuchten braunen Augen war die tarabonische Wei�e keine Sch�nheit, aber sie hatte einen vern�nftigen Kopf auf den Schultern, was viel wichtiger war. Sie stand auf, schien sich unsicher zu sein, ob sie die formellen Worte aufsagen sollte oder nicht, und gab sich schlie�lich damit zufrieden, ein Gewebe gegen Lauscher um den Pavillon zu weben und es zu halten. Das Murmeln verstummte, als Schwestern und Beh�ter das Gewebe durchschritten, bis die letzte gegangen war und Stille einkehrte. Allerdings standen sie Schulter an Schulter in mehreren Reihen auf dem Gehweg, die Beh�ter alle hinten, damit jeder sehen konnte.</p><p>Lelaine richtete die Stola und stand auf. �Man brachte eine Gr�ne Schwester zu mir, die nach Egwene gefragt hatte.� In die Gr�nen Sitzenden kam Bewegung, sie tauschten Blicke aus und fragten sich sicherlich, warum die Schwester stattdessen nicht zu ihnen gebracht worden war. Lelaine schien es nicht zu sehen. �Nicht nach dem Amyrlin-Sitz, sondern nach Egwene al�Vere. Sie hat einen Vorschlag, der einige unserer Anliegen l�st, obwohl sie z�gerte, mir die Einzelheiten zu erkl�ren. Moria, w�rdet Ihr sie holen, damit sie ihren Vorschlag dem Saal unterbreiten kann?� Sie setzte sich wieder.</p><p>Moria verlie� den Pavillon, noch immer stirnrunzelnd, und die Menge machte gerade Platz genug, damit sie hindurchkonnte. Romanda konnte Schwestern sehen, die versuchten, ihr Fragen zu stellen, aber sie ignorierte sie und verschwand in den Quartieren der Blauen Ajah. Romanda lagen Dutzende von Fragen auf der Zunge, die sie w�hrend dieser Pause gern gestellt h�tte, aber ob es nun eine zwanglose Sitzung war oder nicht, Fragen zu diesem Zeitpunkt w�ren ungeh�rig gewesen. Allerdings warteten die Sitzenden nicht schweigend. Die Blauen ausgenommen, stiegen von jeder Ajah Frauen von den K�sten, damit sie zusammenkommen und mit gesenkten Stimmen miteinander reden konnten. Ausgenommen die Blauen und die Gelben. Salita stieg herunter und ging zu Romanda hin�ber, aber Romanda hob nur ein St�ck die Hand, als sie den Mund �ffnete.</p><p>�Was gibt es zu diskutieren, bevor wir diesen Vorschlag geh�rt haben, Salita?�</p><p>Das Gesicht der tairenischen Sitzenden war so unleserlich wie ein Stein, aber sie nickte nach einem Moment und ging zu ihrem Sitz zur�ck. Sie war nicht einf�ltig, im Gegenteil. Nur einfach nicht geeignet.</p><p>Schlie�lich kehrte Moria mit einer hochgewachsenen Frau in sattem Gr�n zur�ck. Ihr dunkles Haar war aus dem strengen, elfenbeinfarbenen Gesicht gek�mmt und wurde von einem Silberkamm gehalten. Jeder stieg wieder auf seine Bank. Drei M�nner mit Schwertern gingen durch die Menge der wartenden Schwestern hinter ihr her und betraten den Pavillon. Das war ungew�hnlich. Sehr ungew�hnlich, wenn die Sitzung Versiegelt war. Zuerst brachte Romanda ihnen keine gro�e Aufmerksamkeit entgegen. Seit dem Tod ihres letzten Beh�ters vor vielen Jahren hatte sie kein gro�es Inter esse f�r sie. Aber jemand unter den Gr�nen keuchte auf, und Aledrin stie� einen spitzen Schrei aus. Einen spitzen Schrei! Und sie starrte die Beh�ter an. Das mussten sie sein, und nicht nur, weil sie der Gr�nen folgten. Die t�dliche Anmut eines Beh�ters war unverkennbar.</p><p>Romanda sah genauer hin und h�tte beinahe selbst ein Keuchen ausgesto�en. Es waren unterschiedliche M�nner, die sich lediglich auf die Weise �hnelten, wie ein Leopard einem L�wen �hnelt, aber einer von ihnen, ein h�bscher, von der Sonne dunkel gebr�unter Junge mit Gl�ckchen in den Z�pfen und von Kopf bis Fu� schwarz gekleidet, trug zwei Anstecknadeln an dem hohen Kragen seines schwarzen Mantels. Ein Silberschwert und eine sich windende Kreatur in Rot und Gold. Romanda hatte genug Beschreibungen geh�rt, um zu wissen, dass sie einen Asha�man ansah. Einen Asha�man, der offensichtlich einen Bund eingegangen war. Malind raffte die R�cke, sprang von der Bank und eilte hinaus in die Menge der Schwestern. Sie konnte doch wohl sicherlich keine Angst haben? Auch wenn Romanda zugeben musste, jedenfalls tief im Inneren, dass sie selbst eine Spur Unbehagen versp�rte.</p><p>�Ihr seid keine von uns�, sagte Janya und meldete sich wie immer dort zu Wort, wo sie h�tte schweigen sollen. Sie beugte sich vor und starrte die soeben eingetroffene Schwester mit zusammengekniffenen Augen an. �Soll ich das so verstehen, dass Ihr nicht gekommen seid, um Euch uns hier anzuschlie�en?�</p><p>Der Mund der Gr�nen verzog sich in offensichtlichem Abscheu. �Das seht Ihr ganz richtig�, sagte sie in einem starken tarabonischen Akzent. �Mein Name ist Merise Haindehl, und ich werde nicht an der Seite einer Schwester stehen, die sich gegen andere Schwestern stellt, w�hrend es um das Schicksal der Welt geht. Unser Feind ist der Schatten, nicht Frauen, die wie wir die Stola tragen.� Gemurmel ert�nte in dem Pavillon, zum Teil w�tend, zum Teil auch besch�mt, wie Romanda fand.</p><p>�Wenn Ihr das missbilligt, was wir tun�, fuhr Janya fort, als h�tte sie das Recht, vor Romanda zu sprechen, �warum �berbringt Ihr uns dann �berhaupt einen Vorschlag?�</p><p>�Weil der Wiedergeborene Drache Cadsuane gefragt hat, und Cadsuane hat mich gefragt�, erwiderte Merise. Der Wiedergeborene Drache? Die Spannung im Saal war pl�tzlich deutlich zu sp�ren, aber die Frau fuhr fort, als w�rde sie sie nicht bemerken. �Im Grunde ist es nicht mein Vorschlag. Jahar, sprecht zu ihnen.�</p><p>Der sonnenverbrannte Junge trat vor, und als er an Merise vorbeiging, klopfte sie ihm aufmunternd auf die Schulter. Romandas Respekt vor ihr stieg. Den Bund mit einem Asha�man einzugehen war schon eine Leistung. Um einen so zu t�tscheln, wie man einen Jagdhund t�tschelte, da brauchte man schon Mut und ein Selbstbewusstsein, von dem sie nicht wusste, ob sie es aufgebracht h�tte.</p><p>Der Junge schlenderte bis in die Mitte des Pavillons und starrte die Bank mit der Stola der Amyrlin an, dann drehte er sich langsam um und musterte alle Sitzenden mit einem Blick, der etwas Herausforderndes an sich hatte. Romanda wurde klar, dass auch er keine Angst hatte. Eine Aes Sedai bestimmte seinen Bund, er war allein und von Schwestern umgeben, doch falls er auch nur einen Funken Furcht versp�rte, hatte er sie fest unter Kontrolle. �Wo ist Egwene al�Vere?�, wollte er wissen. �Man hat mir befohlen, ihr das Angebot zu unterbreiten.�</p><p>�Manieren, Jahar�, murmelte Merise, und seine Wangen r�teten sich.</p><p>�Die Mutter ist im Moment unabk�mmlich�, sagte Romanda glatt. �Ihr k�nnt es uns sagen, und wir werden es an sie weitergeben, so schnell wir k�nnen. Dieses Angebot kommt vom Wiedergeborenen Drachen?� Und von Cadsuane. Aber zu erfahren, was <emphasis>diese</emphasis> Frau in der Gesellschaft des Wiedergeborenen Drachen tat, war zweitrangig.</p><p>Statt zu antworten, fuhr er herum und sah Merise an.</p><p>�Gerade wollte ein Mann lauschen�, sagte er. �Oder viell eicht einer der Verlorenen, die Eben get�tet haben.�</p><p>�Er hat Recht.� Aledrins Stimme klang unsicher. �Auf jeden Fall hat etwas mein Gewebe ber�hrt, und es war nicht <emphasis>Saidar.�</emphasis></p><p><emphasis>�Er lenkt die Machtl�,</emphasis> stie� jemand ungl�ubig hervor. Unruhe brach unter den Sitzenden aus, und um einige flammte das Licht der Macht auf.</p><p>Delana erhob sich hastig. �Ich brauche frische Luft�, verk�ndete sie und starrte Jahar an, als wollte sie ihm die Kehle herausrei�en.</p><p>�Es gibt keinen Grund zum Unbehagen�, sagte Romanda, obwohl sie sich da nicht so sicher war, aber Delana eilte in ihre Stola geh�llt aus dem Pavillon.</p><p>Malind passierte sie beim Eintreten, genau wie Nacelle, eine hochgewachsene, schlanke Malkieri, eine von der Hand voll, die in der Burg geblieben waren. Viele waren gestorben in den Jahren, nachdem Malkier an den Schatten gefallen war, sie hatten sich in Pl�ne verstricken lassen, ihre Heimat zu r�chen, und seitdem hatte es nur selten Ersatz f�r sie gegeben. Nacelle war nicht besonders intelligent, andererseits brauchten Gr�ne auch keine Intelligenz, sondern blo� Mut.</p><p>�Diese Sitzung des Saals ist Versiegelt worden�, sagte Romanda scharf.</p><p>�Nacelle braucht blo� einen Augenblick�, erwiderte Malind und rieb sich die H�nde. Sie machte sich unversch�mterweise nicht einmal die M�he, Romanda anzusehen, sondern hielt ihren Blick auf die andere Gr�ne gerichtet.</p><p>�Das ist ihre erste Gelegenheit, ein neues Gewebe zu testen. Los, Nacelle, versucht es.�</p><p>Das Leuchten <emphasis>Saidars</emphasis> h�llte die schlanke Gr�ne ein. Schoc kierend! Die Frau fragte weder um Erlaubnis noch sagte sie ihnen, welches Gewebe sie weben wollte, dabei gab es genaue Vorschriften, welche Anwendungen der Macht im Saal erlaubt waren. Sie lenkte alle F�nf M�chte und webte etwas um den Asha�man herum, das dem Gewebe f�r das Aufsp�ren von Machtr�ckst�nden �hnelte, etwas, f�r das Romanda kein gro�es Talent hatte. Nacelles blaue Augen weiteten sich. �Er lenkt die Macht�, hauchte sie. �Oder h�lt zumindest <emphasis>Saidin.�</emphasis></p><p>Romandas Brauen hoben sich. Selbst Lelaine keuchte auf. Einen Mann zu finden, der die Macht lenken konnte, hing immer davon ab, die R�ckst�nde aus dem zu lesen, was er getan hatte, dann m�hsam die Verd�chtigen nacheinander auszuschalten, bis man den wahren Schuldigen gefunden hatte. Zumindest war es so gewesen. Das hier war wirklich wunderbar. Oder w�re es gewesen, bevor die M�nner, die die Macht lenken konnten, angefangen hatten, schwarze M�ntel zu tragen und in aller �ffentlichkeit herumzustolzieren. Immerhin glich es einen Vorteil aus, den diese M�nner immer gegen�ber den Aes Sedai gehabt hatten. Den Asha�man schien das nicht zu k�mmern. Seine Lippen verzogen sich zu etwas, das m�glicherweise ein h�misches Grinsen h�tte sein k�nnen.</p><p>�K�nnt Ihr sagen, was er lenkt?�, fragte sie, und Nacelle sch�ttelte entt�uschenderweise den Kopf.</p><p>�Ich dachte, ich m�sste es k�nnen, aber nein. Andererseits .. . Ihr da, Asha�man. Lenkt einen Strom auf eine der Sitzenden zu. Nichts Gef�hrliches, nat�rlich, und ber�hrt sie nicht.� Merise warf ihr einen finsteren Blick zu, die H�nde in die H�ften gestemmt. Vielleicht war Nacelle gar nicht klar, dass er einer ihrer Beh�ter war. Auf jeden Fall gestikulierte sie befehlend.</p><p>Jahar �ffnete den Mund, einen sturen Ausdruck in den Augen.</p><p>�Tut es, Jahar�, sagte Merise. �Er geh�rt mir, Nacelle, aber ich erlaube, dass Ihr ihm einen Befehl gebt. Dieses eine Mal.� Nacelle sah schockiert aus. Anscheinend hatte sie es <emphasis>nicht</emphasis> begriffen.</p><p>Der sture Ausdruck des Asha�mans blieb, aber er musste gehorcht haben, weil Nacelle entz�ckt in die H�nde klatschte und lachte.</p><p>�Saroiya�, sagte sie aufgeregt. �Ihr habt einen Strom auf Saroiya gelenkt. Die Wei�e Domani. Habe ich Recht?�</p><p>Saroiyas kupferfarbene Haut wurde blass, sie schlang die Stola mit den wei�en Fransen enger um sich und rutschte hastig so weit auf ihrer Bank nach hinten, wie sie konnte. Was das anging, r�ckte Aledrin ebenfalls zur�ck.</p><p>�Sagt es ihr�, befahl Merise. �Jahar kann stur sein, aber er ist ein guter Junge.�</p><p>�Die Wei�e Domani�, stimmte Jahar z�gernd zu. Saroiya schwankte, als w�rde sie umkippen, und er sah sie ver�chtlich an. �Es war nur Geist, und er ist weg.� Saroiyas Gesicht verfinsterte sich, aber es war unm�glich zu sagen, ob aus Wut oder Verlegenheit.</p><p>�Eine bemerkenswerte Entdeckung�, sagte Lelaine, �und ich bin sicher, dass Euch Merise weitere Tests erlauben wird, aber der Saal hat etwas zu erledigen. Ich bin sicher, Ihr stimmt mir zu, Romanda.�</p><p>Romanda schaffte es gerade noch, sich davon abzuhalten, sie b�se anzustarren. Lelaine �berschritt ihre Grenzen einfach zu oft. �Wenn Eure Demonstration zu Ende ist, d�rft Ihr Euch zur�ckziehen, Nacelle�, sagte sie. Die Malkieri z�gerte, vielleicht weil sie Merises Miene entnehmen konnte, dass es keine weiteren Experimente mehr geben w�rde � eigentlich h�tte man doch annehmen sollen, dass ausgerechnet eine Gr�ne vorsichtig mit einem Mann umgehen w�rde, der m�glicherweise der Beh�ter einer anderen Schwester war �, aber nat�rlich hatte sie keine Wahl. �Welchen Vorschlag hat der Wiedergeborene Drache f�r uns, Junge?�, fragte Romanda, sobald Nacelle auf der anderen Seite der Abschirmung war.</p><p>�Das Folgende�, sagte er und sah sie stolz an. �Jede Schwester, die treu zu Egwene al�Vere steht, darf mit einem Asha�man den Bund eingehen, insgesamt siebenundvierzig. Ihr k�nnt nicht um den Wiedergeborenen Drachen bitten und auch nicht um einen Mann, der das Drachenabzeichen tr�gt, aber jeder Soldat und Geweihte, den ihr fragt, darf nicht ablehnen.� Romanda hatte das Gef�hl, dass man ihr jeglichen Atem aus den Lungen gepresst hatte.</p><p>�Ihr m�sst zugeben, dass das unseren Bed�rfnissen entg egenkommt�, sagte Lelaine ruhig. Die Frau musste von Anfang an gewusst haben, worum es ging, sollte sie doch zu Asche verbrennen.</p><p>�Das tue ich�, erwiderte Romanda. Mit siebenundvierzig M�nnern, die die Macht lenken konnten, w�rden sie ihre Zirkel so weit ausdehnen k�nnen, wie das m�glich war. Vielleicht sogar einen Zirkel, der sie alle mit einschloss. Falls es Grenzen gab, w�rde man die in Erfahrung bringen m�ssen.</p><p>Faiselle sprang auf die F��e, als w�re das hier eine formelle Sitzung. �Das muss besprochen werden. Ich verlange eine formelle Sitzung.�</p><p>�Daf�r sehe ich keine Notwendigkeit�, sagte Romanda und blieb sitzen. �Das ist viel besser als� als das, auf das wir uns zuvor geeinigt hatten.� Es machte keinen Sinn, zu viel vor dem Jungen zu sagen. Oder vor Merise. Was war ihre Verbindung zu dem Wiedergeborenen Drachen? Konnte sie eine der Schwestern sein, die ihm angeblich den Treueid geschworen hatten?</p><p>Saroiya stand bereits, bevor Romanda zu Ende gesprochen hatte. �Da ist noch immer die Frage der Vereinbarungen, um sicherzugehen, dass wir die Kontrolle haben. Darauf haben wir uns noch immer nicht geeinigt.�</p><p>�Ich glaube, der Beh�terbund wird s�mtliche Vereinb arungen �berfl�ssig machen�, sagte Lyrelle trocken.</p><p>Faiselle erhob sich hastig, und sie und Saroiya sprachen fast gleichzeitig. �Der Makel�� Sie verstummten, starrten sich gegenseitig misstrauisch an.</p><p><emphasis>�Saidin</emphasis> ist sauber�, sagte Jahar, obwohl ihn niemand ang esprochen hatte. Merise h�tte dem Jungen wirklich Benehmen beibringen k�nnen, wenn sie ihn schon in den Saal brachte.</p><p>�Sauber?�, sagte Saroiya ver�chtlich.</p><p>�Es ist seit mehr als dreitausend Jahren beschmutzt�, warf Faiselle scharf ein. �Wie kann es da sauber sein?�</p><p>�Ruhe!�, fauchte Romanda und versuchte, die Kontrolle wiederzuerlangen. �Ruhe!� Sie starrte Saroiya und Faiselle so lange an, bis sie wieder ihre Sitze einnahmen, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit erneut Merise zu. �Kann ich davon ausgehen, dass Ihr Euch mit ihm verkn�pft habt?� Die Gr�ne nickte blo�. Sie mochte ihre gegenw�rtige Gesellschaft wirklich nicht und wollte kein Wort mehr als n�tig sagen. �K�nnt Ihr best�tigen, dass <emphasis>Saidin</emphasis> vom Makel befreit ist?�</p><p>Die Frau z�gerte nicht. �Das kann ich. Ich habe lange gebraucht, bis ich davon �berzeugt war. Die m�nnliche H�lfte der Macht ist viel fremder, als ihr euch vorstellen k�nnt. Nicht die unerbittliche und dennoch sanfte Macht <emphasis>Saidars,</emphasis> sondern eher ein wildes Meer aus Feuer und Eis, das von einem Wirbelsturm aufgepeitscht wird. Und doch bin ich �berzeugt. Es ist sauber.�</p><p>Romanda atmete tief aus. Ein Wunder, um wenigstens einige der Schrecken auszugleichen. �Wir haben keine formelle Sitzung, aber ich stelle die Frage. Wer steht auf, um dieses Angebot zu akzeptieren?� Sie stand, bevor sie zu Ende gesprochen hatte, aber Lelaine war noch schneller als sie, und Janya schlug sie beide. Augenblicke sp�ter waren bis auf Saroiya und Faiselle alle auf den Beinen. Au�erhalb der Abschirmung drehten sich K�pfe, als Schwestern zweifellos dar�ber zu diskutieren begannen, was m�glicherweise gerade beschlossen worden war. �Der geringere Konsens ist getroffen, das Angebot, mit siebenundvierzig Asha�man den Bund einzugehen, ist angenommen.� Saroiya lie� die Schultern h�ngen, und Faiselle atmete heftig aus.</p><p>Romanda rief im Namen der Einheit nach dem gro�en Konsens, aber es �berraschte sie nicht, dass die beiden stur auf ihren Pl�tzen sitzen blieben. Schlie�lich hatten sie vehement gegen eine Ann�herung an die Asha�man gek�mpft, hatten sich trotz Gesetz und Brauchtum darum bem�ht, sie zu verhindern, selbst nachdem man sie beschlossen hatte. Aber nun war es vollbracht, und das sogar ohne die Notwendigkeit einer zeitweiligen Allianz. Der Bund w�rde nat�rlich ein Leben lang halten, und doch w�rde es besser als jede Allianz sein. Sie h�tte zu viel Gleichheit impliziert.</p><p>�Eine seltsame Zahl, siebenundvierzig�, meinte Janya nachdenklich. �Darf ich Eurem Beh�ter eine Frage stellen, Merise ? Danke. Jahar, wie ist der Wiedergeborene Drache auf diese Zahl gekommen?� Eine sehr gute Frage, dachte Romanda. Durch den Schock, das erreicht zu haben, was sie brauchten, ohne auch nur im mindesten eine Partnerschaft eingehen zu m�ssen, war sie selbst gar nicht darauf gekommen.</p><p>Jahar nahm die Schultern zur�ck, als h�tte er mit dieser Frage gerechnet und w�rde eine Antwort f�rchten. Aber sein Gesicht blieb hart und kalt. �Es sind bereits einundf�nfzig Schwestern von Asha�man gebunden worden, und vier von uns sind mit Aes Sedai verbunden. Es waren f�nf von uns, aber einer starb, als er seine Aes Sedai verteidigte. Haltet seinen Namen in Erinnerung. Eben Hopwil. Haltet ihn in Erinnerung!�</p><p>Auf den B�nken herrschte verbl�fftes Schweigen. Romanda kam sich vor, als h�tte sie einen Eisklumpen im Leib. Einundf�nfzig Schwestern? Von Asha�man gebunden? Das war abscheulich!</p><p>�Manieren, Jahar!�, fauchte Merise. �Ich will Euch das nicht noch einmal sagen m�ssen!�</p><p>Schockierenderweise ging er jetzt auf sie los. �Sie m�ssen es wissen, Merise. Sie m�ssen es wissen!� Er drehte sich wieder um und lie� die Blicke �ber die B�nke schweifen. In seinen Augen loderte es. Er hatte sich nicht gef�rchtet. Er war w�tend gewesen und war es immer noch. �Eben war mit seiner Daigian und Beldeine verkn�pft, und Daigian kontrollierte die Verkn�pfung, und als sie sich einer der Verlorenen gegen�bersahen, konnte er nur noch rufen �Sie lenkt <emphasis>S�idirk</emphasis> und sie mit dem Schwert angreifen. Und trotz allem, was sie ihm angetan hat, so zerst�rt er war, er schaffte es, sich am Leben festzuklammern, an <emphasis>Saidin</emphasis> festzuklammern, lange genug, dass Daigian sie vertreiben konnte. Also haltet seinen Namen in Erinnerung! Eben Hopwil. Er hat noch f�r seine Aes Sedai gek�mpft, lange nachdem er h�tte tot sein m�ssen!�</p><p>Nachdem er verstummt war, sagte keiner ein Wort, bis Escaralde schlie�lich ganz leise sagte: �Wir werden ihn in Erinnerung behalten, Jahar. Aber wie konnten einundf�nfzig Schwestern von Asha�man� gebunden werden?� Sie beugte sich vor, als w�rde seine Antwort genauso leise erfolgen.</p><p>Der Junge zuckte mit den Schultern, noch immer w�tend. Asha�man, die Aes Sedai an sich banden, das k�mmerte ihn nicht. �Elaida hat sie geschickt, um uns zu vernichten. Der Wiedergeborene Drache hat einen Befehl erlassen, dass keine Aes Sedai verletzt werden darf, es sei denn, sie versucht zuerst, einen von uns zu verletzen, also entschied sich Taim, sie gefangen zu nehmen und zu binden, bevor sie Gelegenheit dazu hatten.�</p><p>Aha. Sie waren Elaidas Anh�ngerinnen. Sollte das einen Unterschied machen? Irgendwie tat es das, jedenfalls ein kleines bisschen. Aber jede Schwester, die von einem Asha�man gebunden wurde, brachte das Thema Gleichheit erneut zur Sprache, und das war nicht zu tolerieren.</p><p>�Ich habe eine andere Frage an ihn, Merise�, sagte Moria und wartete, bis die Gr�ne nickte. �Ihr habt Euch jetzt zweimal so ausgedr�ckt, als h�tte eine Frau <emphasis>Saidin</emphasis> gelenkt. Warum? Das ist unm�glich.� Zustimmendes Gemurmel ert�nte im Pavillon.</p><p>�Das mag unm�glich sein�, erwiderte der Junge k�hl, �aber das hat sie getan. Daigian hat uns erz�hlt, was Eben gesagt hat, und sie konnte nicht das Geringste f�hlen, nicht einmal, als die Frau die Macht lenkte. Es muss <emphasis>Saidin</emphasis> gewesen sein.�</p><p>Abermals ert�nte der leise Gong in Romandas Hinterkopf, und sie wusste wieder, wo sie den Namen Cabriana Mecandes geh�rt hatte. �Wir m�ssen sofort die Festnahme von Delana und Halima anordnen�, sagte sie.</p><p>Nat�rlich musste sie das erkl�ren. Nicht einmal der Amyrlin-Sitz konnte ohne Erkl�rung die Festnahme einer Sitzenden anordnen. Die Ermordung von zwei Schwestern mit Hilfe von <emphasis>Saidin,</emphasis> die enge Freundinnen Cabrianas gewesen waren, eine Frau, mit der Halima angeblich ebenfalls befreundet gewesen war. Eine Verlorene, die die m�nnliche H�lfte der Macht lenkte. Die anderen waren nicht �berzeugt, vor allem nicht Lelaine, nicht bevor eine gr�ndliche Durchsuchung des Lagers keine der Frauen zum Vorschein brachte. Man hatte gesehen, wie sie zum Reisegrund gingen, Delana und ihre Dienerin mit schweren B�ndeln und hinter Halima her eilend, aber sie waren weg.</p></section><section><title><p>24</p><p>Honig im Tee</p></title><p>Egwene hatte von Anfang an gewusst, dass ihre seltsame Gefangenschaft schwierig werden w�rde, aber sie hatte geglaubt, dass der einfachste Teil darin bestehen w�rde, den Schmerz so zu umarmen, wie es die Aiel taten. Schlie�lich hatte sie heftige Pr�gel bekommen, als sie den Weisen Frauen das <emphasis>toh</emphasis> bezahlte, das sie f�r ihre L�gen auf sich geladen hatte. Sie war von einer nach der anderen mit dem Riemen geschlagen worden, also hatte sie Erfahrung. Aber den Schmerz zu umarmen bedeutete nicht, sich ihm einfach nur zu ergeben, statt dagegen anzuk�mpfen. Man musste den Schmerz in sich hineinziehen und ihn als Teil seiner selbst willkommen hei�en. Aviendha sagte, man m�sste l�cheln und vor Freude lachen und singen k�nnen, w�hrend einen der Schmerz noch immer festhielt. Das war nicht so einfach.</p><p>Am ersten Morgen vor Sonnenaufgang tat sie in Silvianas Arbeitszimmer ihr Bestes, w�hrend die Oberin der Novizin ihren blanken Hintern mit der harten Sohle eines Halbschuhs bearbeitete. Sie gab sich keine M�he, das Schluchzen zu unterdr�cken, als es kam, oder sp�ter ihr wortloses Gebr�ll. Als ihre Beine treten wollten, lie� sie sie zappeln, bis die Oberin sie unter eines ihrer Beine klemmte � was wegen Silvianas R�cken gar nicht so einfach war �, und dann lie� sie ihre Zehen auf den Boden trommeln, w�hrend ihr Kopf wild zuckte. Sie versuchte den Schmerz in sich hineinzuziehen, ihn wie Atemluft aufzusaugen. Schmerz war genauso ein Teil des Lebens wie das Atmen. So sahen die Aiel das Leben. Aber, beim Licht, es tat weh!</p><p>Als sie schlie�lich wieder nach einer scheinbar unendlich langen Zeit aufstehen durfte, zuckte sie zusammen, als Unterhemd und Kleid mit der Haut in Ber�hrung kamen. Die wei�e Wolle schien so schwer wie Blei zu sein. Sie versuchte, die lodernde Hitze willkommen zu hei�en. Aber es war schwer. So schwer. Doch es kam ihr so vor, als w�rde das Schluchzen bald von selbst aufh�ren, und der Tr�nenstrom trocknete schnell. Weder heulte noch jammerte sie. Sie musterte sich in dem Spiegel an der Wand mit seiner verblassenden Vergoldung. Wie viele Tausende von Frauen hatten im Lauf der Jahre in diesen Spiegel geblickt? Die, die in diesem Raum diszipliniert wurden, mussten danach immer ihr Spiegelbild studieren und dar�ber nachdenken, warum sie bestraft worden waren, aber aus diesem Grund tat sie es nicht. Ihr Gesicht war noch immer ger�tet, und doch erschien es bereits� ruhig. Trotz der qualvollen Hitze auf ihrem Hintern f�hlte sie sich tats�chlich ruhig. Sollte sie singen? Vielleicht besser nicht. Sie zog ein wei�es Leinentaschentuch aus dem �rmel und trocknete sich sorgf�ltig die Wangen.</p><p>Silviana musterte sie mit zufriedenem Blick, bevor sie den Halbschuh wieder in dem schmalen Schrank gegen�ber dem Spiegel verstaute. �Ich glaube, ich habe von Anfang an Eure Aufmerksamkeit erregt, oder ich h�tte fester zugeschlagen�, sagte sie trocken und �berpr�fte den Haarknoten am Hinterkopf. �Ich bezweifle, dass ich Euch so bald wiedersehe. Vielleicht interessiert Euch, dass ich Fragen gestellt habe, so wie Ihr gew�nscht habt. Melare hat sich bereits erkundigt. Die Frau <emphasis>ist</emphasis> Leane Sharif, auch wenn das Licht allein wei�, wie�� Sie verstummte, sch�ttelte den Kopf, zog den Stuhl hinter ihrem Schreibtisch zur�ck und setzte sich. �Sie hat sich gro�e Sorgen um Euch gemacht, mehr als �ber sich selbst. Ihr d�rft sie in Eurer Freizeit besuchen. Falls Ihr Freizeit haben solltet. Ich werde die Anweisung geben. Sie ist in den offenen Zellen. Und jetzt solltet Ihr besser laufen, wenn Ihr vor Eurer ersten Klasse noch etwas essen wollt.�</p><p>�Danke�, sagte Egwene und wandte sich der T�r zu.</p><p>Silviana seufzte tief. �Keinen Knicks, Kind?� Sie tauchte die Feder in das in der silbernen Fassung steckende Tintenf�sschen und notierte etwas ins Bestrafungsbuch, in einer sauberen, pr�zisen Handschrift. �Ich sehe Euch heute Mittag. So, wie es aussieht, werdet Ihr Eure beiden ersten Mahlzeiten in der Burg stehend essen.�</p><p>Egwene h�tte es dabei bewenden lassen, aber w�hrend sich die Sitzenden in der Nacht im Saal in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> versammelt hatten, hatte sie sich f�r einen schwierigen Kurs entschieden, den sie einhalten wollte. Sie wollte k�mpfen, aber sie musste dabei den Anschein des Gehorsams bieten. Jedenfalls bis zu einem gewissen Ma�. Innerhalb der Grenzen, die sie sich selbst setzte. Jeden Befehl zu verweigern w�rde blo� bedeuten, dass sie halsstarrig erschien � und vielleicht w�rde sie in einer Zelle landen, wo sie nichts ausrichten konnte �, aber manche Befehle durfte sie nicht befolgen, wenn sie auch nur einen Funken W�rde behalten wollte. Und das musste sie tun. Mehr als nur einen Funken. Sie durften nicht verleugnen, wer sie war, wie sehr sie es auch versuchten; das durfte sie nicht zulassen. �Die Amyrlin kniet vor niemandem�, sagte sie ganz ruhig und wusste genau, welche Reaktion erfolgen w�rde.</p><p>Silvianas Z�ge verh�rteten sich, und sie griff wieder nach der Feder. �Ich sehe Euch auch zur Abendbrotzeit. Ich schlage vor, Ihr geht jetzt ohne weiteres Wort, es sei denn, Ihr wollt den ganzen Tag �ber meinen Knien verbringen.�</p><p>Egwene ging wortlos. Und ohne einen Knicks zu machen. Ein schwieriger Kurs, wie auf einem Drahtseil �ber einem tiefen Abgrund. Aber sie musste darauf gehen.</p><p>Zu ihrer �berraschung marschierte Alviarin in dem Korridor vor dem Arbeitszimmer auf und ab, die wei�fransige Stola eng um den Leib geschlungen. Sie starrte auf etwas in der Ferne, das nur sie allein sehen konnte. Egwene wusste, dass die Frau nicht l�nger Elaidas Beh�terin der Chroniken war, wenn auch nicht, warum sie so schnell aus dem Amt entfernt worden war. Das Spionieren in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> erlaubte nur kurze Blicke und Eindr�cke; es war in so vielerlei Hinsicht eine unsichere Widerspiegelung der Welt. Alviarin musste ihr Gebr�ll geh�rt haben, aber seltsamerweise versp�rte Egwene keine Scham. Sie k�mpfte eine seltsame Schlacht, und in der Schlacht trug man Wunden davon. Die normalerweise eiskalte Wei�e erschien heute alles andere als k�hl. Tats�chlich erschien sie sogar ziemlich aufgeregt, ihre Lippen standen ge�ffnet, und in ihrem Blick loderte es. Egwene machte keinen Knicks vor ihr, aber Alviarin warf ihr nur einen finsteren Blick zu, bevor sie in Silvianas Arbeitszimmer verschwand. Ein Drahtseilakt.</p><p>Ein St�ck weiter den Korridor hinunter standen zwei Rote auf ihrem Beobachtungsposten, eine mit rundem Gesicht, die andere schlank, beide mit k�hlen Blicken und die Stolen so auf den Armen drapiert, dass die langen roten Fransen deutlich zu sehen waren. Nicht das gleiche Paar, das bei ihrem Aufwachen zugegen gewesen war, aber sie waren nicht zuf�llig da. Sie waren keine W�chter im Sinne des Wortes, aber sie waren sehr wohl auch W�chter. Vor ihnen machte sie auch keinen Knicks. Sie betrachteten sie ausdruckslos.</p><p>Egwene hatte noch kein halbes Dutzend Schritte auf den roten und gr�nen Fliesen gemacht, da h�rte sie hinter sich das gequ�lte Gebr�ll einer Frau, das kaum von der schweren T�r zu Silvianas Arbeitszimmer ged�mpft wurde. Also erf�llte Alviarin eine Bu�e, und sie nahm es nicht gut hin, wenn sie so bald schon aus vollem Hals schrie. Es sei denn, sie versuchte, den Schmerz zu umarmen, was aber unwahrscheinlich erschien. Egwene h�tte gern gewusst, <emphasis>warum</emphasis> Alviarin eine Bu�e zu erf�llen hatte, <emphasis>falls</emphasis> es eine auferlegte Bu�e war. Ein General hatte Sp�her und Augen-und-Ohren, die ihn �ber den Feind informierten. Sie hatte nur ihre eigenen Augen und Ohren und das Wenige, das sie in der Unsichtbaren Welt erfahren konnte. Jedes Fitzelchen Wissen konnte sich als n�tzlich erweisen, also musste sie alles ausgraben, was m�glich war.</p><p>Fr�hst�ck oder nicht, sie kehrte lange genug in ihr winzig es Zimmer in den Novizinnenquartieren zur�ck, um sich am Waschst�nder das Gesicht mit kaltem Wasser zu waschen und das Haar zu k�mmen. Die B�rste, die sich in ihrer G�rteltasche befunden hatte, geh�rte zu den paar pers�nlichen Dingen, die sie behalten hatte. In der Nacht waren ihre Kleider verschwunden und durch das Novizinnenwei� ersetzt worden, aber die Kleider und Unterhemden, die an der wei�en Wand hingen, geh�rten ihr. Sie waren nach ihrem Aufstieg zur Aufgenommenen verstaut worden und trugen noch immer die kleinen Schildchen mit ihrem Namen, die man in die S�ume gen�ht hatte. Die Burg war nie verschwenderisch. Man konnte nie wissen, wann einem neuen M�dchen ein alter Satz Kleider passen w�rde. Aber nichts au�er dem Wei� einer Novizin zum Anzuziehen zu haben, das machte sie nicht zu einer Novizin, egal, was Elaida und die anderen auch glaubten.</p><p>Sie ging erst, als sie sich sicher war, dass ihr Gesicht nicht l�nger ger�tet war und sie so beherrscht aussah, wie sie sich f�hlte. Wenn einem nur wenige Waffen blieben, dann konnte das Erscheinungsbild eine davon sein. Dieselben Roten warteten auf der Galerie, um sie zu beschatten.</p><p>Der Speisesaal der Novizinnen lag auf der untersten Ebene der Burg, neben einer der Hauptk�chen. Es war ein gro�er, ganz in Wei� gehaltener Raum, schmucklos, auch wenn die Bodenfliesen die Farben aller Ajahs zeigten, und er war mit Tischen gef�llt, von denen jeder sechs oder acht Frauen auf schmalen B�nken beherbergen konnte. An diesen Tischen sa�en ungef�hr hundert oder mehr Frauen und plauderten beim Fr�hst�ck. Elaida musste sehr mit ihrer Zahl zufrieden sein. Die Burg hatte seit Jahren nicht mehr so viele Novizinnen gehabt. Zweifellos hatte selbst die Nachricht �ber die Spaltung der Burg in einige K�pfe den Gedanken gepflanzt, nach Tar Valon zu gehen. Egwene war nicht beeindruckt. Diese Frauen f�llten kaum die H�lfte des Speisesaals, und eine Etage �ber ihnen gab es noch einen, der schon seit Jahrhunderten geschlossen war. Sobald sie in der Burg herrschte, w�rde man die zweite K�che wieder er�ffnen, und die Novizinnen w�rden trotzdem in Schichten essen m�ssen, was seit den Trolloc-Kriegen nicht mehr geschehen war.</p><p>Nicola entdeckte sie, sobald sie eintrat � die Frau schien nach ihr Ausschau gehalten zu haben � und stie� die Novizinnen neben sich an. Schweigen senkte sich in einer Welle �ber die Tische, und jeder Kopf drehte sich, als Egwene den Mittelgang hinunterrauschte. Sie sah nicht nach rechts oder nach links.</p><p>Auf halbem Weg zur K�chent�r stie� eine kleine, schlanke Novizin mit langem schwarzen Haar einen Fu� nach vorn und stellte ihr ein Bein. Sie konnte gerade noch das Gleichgewicht bewahren, ohne vorn�ber aufs Gesicht zu fallen. Sie drehte sich k�hl. Ein weiteres Scharm�tzel. Die junge Frau hatte das blasse Aussehen einer Cairhienerin. Aus dieser N�he konnte Egwene sicher sein, dass man sie der Pr�fung zur Aufgenommenen unterziehen w�rde, solange sie keine anderen Fehler hatte. Aber die Burg war gut darin, solche Dinge auszumerzen. �Wie ist Euer Name?�</p><p>�Alvistere�, erwiderte die junge Frau, und ihr Akzent best�tigte ihr Aussehen. �Warum wollt Ihr das wissen? Damit Ihr Silviana etwas erz�hlen k�nnt? Das wird Euch nichts n�tzen. Jeder hier wird sagen, dass er nichts gesehen hat.�</p><p>�Das ist eine Schande, Alvistere. Ihr wollt Aes Sedai werden und die F�higkeit zum L�gen aufgeben, und doch wollt Ihr, dass andere f�r Euch l�gen. Seht Ihr darin keinen Widerspruch?�</p><p>Alvisteres Gesicht r�tete sich. �Wer seid Ihr, dass Ihr mich belehren wollt?�</p><p>�Ich bin die Amyrlin. Eine Gefangene, aber noch immer die Amyrlin.� Alvisteres gro�e Augen weiteten sich, und Gefl�ster summte durch den Raum, w�hrend Egwene weiter zur K�che ging. Sie hatten nicht geglaubt, dass sie noch immer den Titel beanspruchen w�rde, obwohl sie das Wei� trug und unter ihnen schlief. Es war gut, ihnen diese Idee schnell auszutreiben.</p><p>Die K�che war ein gro�er Raum mit hoher Decke und grauem Fu�boden, wo die Bratspie�e in dem langen Kamin reglos hingen, die Eisen�fen jedoch genug Hitze verbreiteten, dass sie sofort in Schwei� ausgebrochen w�re, h�tte sie nicht gewusst, wie sie sie ignorieren konnte. Sie hatte oft genug in dieser K�che geschuftet, und es erschien als sicher, dass sie es wieder tun w�rde. Es gab auf drei Seiten Speises�le, f�r die Aufgenommenen, die Aes Sedai und die Novizinnen. Laras, die Herrin der K�chen, watschelte mit schwei�bedecktem Gesicht und in einer makellos sauberen wei�en Sch�rze umher, aus der man drei Novizinnengew�nder h�tte machen k�nnen, und schwenkte ihren langen Holzl�ffel wie ein Zepter, w�hrend sie K�che und Jungk�che und K�chenhilfen dirigierte, die f�r sie so schnell wie f�r eine K�nigin eilten. Vielleicht sogar schneller. Eine K�nigin w�rde einem kaum einen Hieb mit ihrem Zepter versetzen, nur weil man sich nicht schnell genug bewegte.</p><p>Viele Mahlzeiten schienen auf Tabletts zu landen, manchm al aus Silber, manchmal aus Holz, die Frauen durch die T�r zum Hauptspeisesaal der Schwestern trugen. Keine K�chenfrauen mit der wei�en Flamme von Tar Valon auf den Busen, sondern w�rdevolle Frauen in gut geschnittenen Wollgew�ndern mit dezenten Stickereien, die pers�nlichen Dienerinnen der Schwestern, die den langen Aufstieg zu den Quartieren der Ajahs machen w�rden.</p><p>Jede Aes Sedai konnte in ihren Gem�chern speisen, so sie es w�nschte, auch wenn das bedeutete, die Macht zu lenken, um das Essen aufzuw�rmen, aber die meisten genossen die Gesellschaft beim Essen. Zumindest hatten sie das in der Vergangenheit. Der st�ndige Strom von Frauen mit abgedeckten Tabletts war eine Best�tigung, dass die Wei�e Burg von einem Spinnennetz aus Rissen durchzogen wurde. Egwene h�tte Zufriedenheit versp�ren m�ssen. Elaida stand auf einem Podest, das kurz davorstand, unter ihr zusammenzubrechen. Aber die Burg <emphasis>war</emphasis> ihr Zuhause. Alles, was sie f�hlte, war Trauer. Und Wut auf Elaida. Diese Frau verdiente es allein schon f�r alles, was sie der Burg angetan hatte, seit sie Stab und Stola errungen hatte, aus ihrem Amt gezerrt zu werden!</p><p>Laras warf ihr einen langen Blick zu, zog ihr Kinn ein, bis sie nur noch vier davon hatte, dann schwenkte sie wieder den L�ffel und schaute einem Jungkoch �ber die Schulter. Die Frau hatte einst Siuan und Leane bei der Flucht geholfen, also war ihre Loyalit�t zu Elaida wenig ausgepr�gt. W�rde sie jetzt jemand anderem helfen? Sie gab sich jedenfalls alle M�he, nicht noch einmal in Elaidas Richtung zu sehen. Eine Jungk�chin, die sicher nicht wusste, wer sie war, eine l�chelnde Frau, die an ihrem zweiten Kinn arbeitete, �berreichte ihr ein Tablett mit einer gro�en Tasse dampfendem Tee und einem dicken, wei� glasierten Teller mit Brot, Oliven und br�ckeligem wei�en K�se, das sie zur�ck in den Speisesaal brachte.</p><p>Wieder kehrte Schweigen ein, und wieder richtete sich jedes Auge auf sie. Nat�rlich. Sie wussten, dass sie zur Oberin der Novizinnen zitiert worden war. Sie wollten sehen, ob sie im Stehen a�. Sie wollte sich nur zu gern ganz vorsichtig auf der harten Bank niederlassen, aber sie zwang sich dazu, sich ganz normal hinzusetzen. Was die Flammen nat�rlich wieder hochschie�en lie�. Nicht so stark wie zuvor, aber immerhin stark genug, dass sie herumrutschte, bevor sie sich wieder unter Kontrolle brachte. Seltsamerweise versp�rte sie kein echtes Verlangen, das Gesicht zu verziehen oder sich zu winden. Sich hinzustellen, ja, das schon, aber nicht das andere. Der Schmerz war ein Teil von ihr. Sie akzeptierte ihn ohne Gegenwehr. Sie versuchte, ihn willkommen zu hei�en, aber das schien au�erhalb ihrer F�higkeiten zu liegen.</p><p>Sie riss ein St�ck Brot ab � anscheinend gab es auch hier Getreidek�fer im Mehl �, und langsam fingen die Unterhaltungen wieder an, aber leise, weil man von Novizinnen erwartete, nicht so viel L�rm zu machen. Auch an ihrem Tisch ging die Unterhaltung weiter, auch wenn keiner Anstrengungen machte, sie mit einzubeziehen. Auch das war gut so. Sie war nicht hier, um unter den Novizinnen Freundschaften zu schlie�en. Und sie sollten sie auch nicht als eine der ihren betrachten. Nein, sie hatte ein ganz anderes Ziel.</p><p>Nachdem sie das Tablett zur�ckgebracht hatte und zusammen mit den Novizinnen den Speisesaal verlie�, warteten bereits zwei andere Rote auf sie. Eine war Katerine Alruddin, fuchsartig in rot geschlitztem Grau; rabenschwarzes Haar wogte in einer Masse bis zu ihrer Taille, und ihre Stola ruhte in ihrer Ellenbeuge.</p><p>�Trinkt das�, sagte Katerine herrisch und hielt ihr einen Zinnbecher hin. �Alles.� Die andere Rote, dunkelh�utig und mit kantigem Gesicht, richtete ungeduldig die Stola und verzog den Mund. Anscheinend gefiel es ihr nicht, als Dienerin herhalten zu m�ssen. Vielleicht war es auch die Abscheu vor dem, was in dem Becher war.</p><p>Egwene unterdr�cke ein Seufzen und trank. Der schwache Spaltwurzeltee sah aus und schmeckte wie hellbraun gef�rbtes Wasser, mit einer Spur Minze. Eher die Erinnerung an Minze als der Geschmack selbst. Ihre erste Tasse hatte sie kurz nach dem Aufwachen erhalten, die diensthabende Rote Schwester hatte es eilig, die Abschirmung zu l�sen und sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu k�mmern. Katerine hatte die Stunde etwas �berzogen, aber sie bezweifelte, dass sie die Macht h�tte lenken k�nnen. Jedenfalls nicht mit genug St�rke, dass es ihr irgendwie genutzt h�tte.</p><p>�Ich will nicht zu sp�t zu meiner ersten Klasse kommen�, sagte sie und gab die Tasse zur�ck. Katerine nahm sie, allerdings schien es sie zu �berraschen, dass sie sie entgegengenommen hatte. Egwene rauschte hinter den Novizinnen her, bevor die Schwester Einw�nde erheben konnte. Oder bevor ihr einfiel, sie zu r�gen, weil sie keinen Knicks gemacht hatte.</p><p>Die erste Klasse, ein einfacher, fensterloser Raum, in dem zehn Novizinnen auf Holzb�nken f�r drei�ig oder mehr gedachte Sch�lerinnen sa�en, war genau das Desaster, das sie erwartet hatte. Allerdings kein Desaster f�r sie, ganz egal, wie es endete. Die Lehrerin war Idrelle Menford, eine Frau mit harten Augen, die bereits Aufgenommene gewesen war, als Egwene das erste Mal die Burg betreten hatte. Sie trug noch immer das wei�e Kleid mit den sieben Farbstreifen an Saum und �rmelaufschl�gen. Egwene suchte sich einen Platz am Ende der Bank, wieder ohne an ihre empfindliche Kehrseite zu denken. Es war besser geworden, wenn auch nicht sehr. Trinke den Schmerz.</p><p>Idrelle stand auf einem kleinen Podium an der Vorderseite des Raums und sah mit mehr als nur einem Funken Zufriedenheit, dass Egwene wieder Wei� trug. Es schien fast ihr st�ndiges Stirnrunzeln zu mildern. �Ihr seid alle �ber die Erschaffung einfacher Feuerb�lle hinaus�, sagte sie zu der Klasse, �aber wollen wir doch mal sehen, was unser neues M�dchen kann. Ihr m�sst wissen, sie war einst sehr von sich �berzeugt.� Ein paar der Novizinnen kicherten. �Macht einen Feuerball, Egwene. Macht schon, Kind.� Ein Feuerball? Das war eines der ersten Dinge, die Novizinnen lernten. Was hatte sie vor?</p><p>Egwene �ffnete sich der Quelle und umarmte <emphasis>Saidar,</emphasis> lie� es in sich hineinschie�en. Die Spaltwurzel erlaubte nur ein Tr�pfeln, ein Faden, wo sie an Str�me gew�hnt war, aber es war die Macht, und ob ein Tr�pfeln oder nicht, es brachte das ganze Leben und die Freude <emphasis>Saidars,</emphasis> das erh�hte Bewusstsein ihrer selbst und des sie umgebenden Raums. Erh�htes Bewusstsein ihrer selbst bedeutete, dass ihr brennender Hintern sich sofort frisch verpr�gelt anf�hlte, aber sie r�hrte sich nicht. Atme den Schmerz ein. Sie konnte den schwachen Duft der Seife von der Morgentoilette der Novizinnen riechen, sah eine kleine Ader auf Idrelles Stirn pochen. Ein Teil von ihr wollte der Frau mit einem Strom Luft eine Ohrfeige geben, aber bei der Menge an Macht, die sie jetzt lenkte, h�tte Idrelle es kaum gesp�rt. Stattdessen lenkte sie Feuer und Luft, um einen kleinen gr�nen Feuerball zu produzieren, der vor ihr schwebte. Es war ein blasses, armseliges Ding, in der Tat sogar durchsichtig.</p><p>�Sehr gut�, sagte Idrelle sarkastisch. Ah ja. Sie hatte damit anfangen wollen, indem sie den Novizinnen zeigte, wie schwach Egwene in der Macht war. �Lasst <emphasis>Saidar</emphasis> los. Also, Klasse��</p><p>Egwene f�gte einen blauen Feuerball hinzu, dann noch einen braunen und einen grauen, lie� sie umeinander wirbeln.</p><p>�Lasst die Quelle los!�, sagte Idrelle br�sk.</p><p>Ein gelber Ball gesellte sich hinzu, ein wei�er und schlie�lich ein roter. Schnell f�gte sie miteinander verbundene Feuerringe um die wirbelnden B�lle. Diesmal kam rot zuerst, weil sie es kleiner wollte, gr�n zuletzt und am gr��ten. H�tte sie eine Ajah ausw�hlen k�nnen, w�re es die Gr�ne gewesen. Sieben Flammenringe rotierten, keine zwei in der gleichen Richtung, um sieben Feuerb�lle, die einen komplizierten Tanz auff�hrten. Sie mochten klein und schwach sein, aber es war eine beeindruckende Zurschaustellung, davon abgesehen, dass sie ihre Str�me vierzehn Mal teilte. Das Jonglieren mit der Macht war nicht viel leichter als mit den H�nden.</p><p>�H�rt auf damit!�, schrie Idrelle. �Aufh�ren!� Der Schein <emphasis>Saidars</emphasis> h�llte die Lehrerin ein, und ein Hieb Luft traf Egwene hart quer �ber den R�cken. �Ich sagte aufh�ren!� Der Schlag traf erneut, dann noch einmal.</p><p>Egwene lie� ruhig die Ringe wirbeln, die B�lle tanzen. Nach Silvianas hart geschwungenem Schuh fiel es leicht, den Schmerz von Idrelles Schl�gen zu trinken. Wenn nicht sogar, ihn willkommen zu hei�en. W�rde sie jemals l�cheln k�nnen, w�hrend man sie schlug?</p><p>Katerine und die andere Rote erschienen in der T�r. �Was geht hier vor?�, wollte die Schwester mit dem rabenschwarzen Haar wissen. Die Augen ihrer Begleiterin weiteten sich, als sie sah, was Egwene da tat. Es war sehr unwahrscheinlich, dass eine von ihnen ihre Str�me so oft teilen konnte.</p><p>Die Novizinnen sprangen nat�rlich alle auf die F��e und machten einen Knicks, als die Aes Sedai eintraten. Egwene blieb sitzen.</p><p>Idrelle spreizte ihre R�cke und sah aufgeregt aus. �Sie will nicht aufh�ren�, jammerte sie. �Ich habe es ihr befohlen, aber sie h�rt nicht auf!�</p><p>�Egwene, Schluss damit�, befahl Katerine streng.</p><p>Egwene hielt ihre Gewebe aufrecht, bis die Frau wieder den Mund �ffnete. Erst dann lie� sie <emphasis>Saidar</emphasis> los und stand auf.</p><p>Katerine lie� den Mund zuschnappen, und sie holte tief Luft. Ihre Miene behielt die Aes-Sedai-Gelassenheit, aber ihre Augen funkelten. �Ihr werdet zu Silvianas Arbeitszimmer laufen und ihr sagen, dass Ihr Eurer Lehrerin nicht gehorcht und eine Klasse gest�rt habt. Geht!�</p><p>Egwene verharrte lange genug, um die R�cke zu gl�tten � wenn sie gehorchte, durfte sie dabei nicht den Anschein von Hast oder Eifer erwecken �, dann dr�ckte sie sich an den beiden Aes Sedai vorbei und rauschte den Korridor entlang.</p><p>�Ich sagte lauft�, sagte Katerine scharf hinter ihr.</p><p>Ein Strom Luft traf ihr noch immer empfindliches Hinterteil. Akzeptiere den Schmerz. Ein weiterer Schlag. Trinke den Schmerz wie Luft. Ein dritter, hart genug, um sie stolpern zu lassen. Hei�e den Schmerz willkommen.</p><p>�Lasst mich los, Jezrail�, knurrte Katerine.</p><p>�Das werde ich nicht tun�, erwiderte die andere Schwester mit einem starken tairenischen Akzent. �Ihr geht zu weit, Katerine. Ein Klaps oder zwei sind erlaubt, aber jede weitere Bestrafung ist Sache der Oberin. Beim Licht, wenn Ihr so weitermacht, wird sie nicht mehr laufen k�nnen, bevor sie bei Silviana ankommt.�</p><p>Katerine atmete schwer. �Also gut�, sagte sie schlie�lich.</p><p>�Aber sie kann Ungehorsam gegen�ber einer Schwester der Liste ihrer Missetaten hinzuf�gen. Ich <emphasis>werde</emphasis> mich erkundigen, Egwene, also glaubt nicht, Ihr k�nntet das vergessen.�</p><p>Als sie das Arbeitszimmer betrat, hoben sich Silvianas Brauen �berrascht. �So bald schon? Holt den Schuh aus dem Schrank, Kind, und dann sagt Ihr mir, was Ihr jetzt angestellt habt.�</p><p>Nach zwei weiteren Klassen und zwei weiteren Besuchen bei Silviana � sie weigerte sich, sich verspotten zu lassen, und wenn eine Aufgenommene nicht wollte, dass sie etwas besser tat, als die Aufgenommene selbst dazu in der Lage war, dann sollte die Frau sie eben nicht danach fragen � und dem festgesetzten Mittagstermin entschied die strenggesichtige Frau, dass sie jeden Tag mit einer Heilung beginnen sollte.</p><p>�Ansonsten habt Ihr bald zu viele Striemen, um geschlagen werden zu k�nnen, ohne dass es blutet. Aber glaubt nicht, dass das bedeutet, dass ich es Euch leicht mache. Wenn Ihr dreimal am Tag Geheilt werden m�sst, schlage ich nur h�rter zu, um das wieder wettzumachen. Falls n�tig, gehe ich zum Riemen oder dem Rohrstock �ber. Weil ich Euch den Kopf gerader�cken werde, Kind. Das k�nnt Ihr mir glauben.�</p><p>Diese drei Klassen, die drei in Verlegenheit gebrachte Aufg enommene hinterlie�en, hatten ein anderes Resultat. Ihr Unterricht wurde ge�ndert, nun gab es Einzelstunden bei Aes Sedai, was normalerweise den Aufgenommenen vorbehalten blieb. Das bedeutete, die langen, mit Wandteppichen ges�umten Spiralkorridore zu den Ajah-Quartieren hinaufzusteigen, wo Schwestern W�chtern gleich an den Eing�ngen standen. Und sie waren auch W�chter. Besucherinnen von anderen Ajahs waren nicht willkommen, um es h�flich auszudr�cken. Tats�chlich sah sie nie eine Aes Sedai in der N�he der Quartiere anderer Ajahs.</p><p>Mit Ausnahme von Sitzenden sah sie auch nur selten Schwestern in den Korridoren au�erhalb der Quartiere, au�er in Gruppen; und dann trugen sie immer ihre Stolen, dicht gefolgt von ihren Beh�tern, aber das hier war nicht wie die Furcht, die das Lager au�erhalb der Mauern ergriffen hatte. Hier waren es immer Schwestern derselben Ajah, die einhergingen, und wenn sich zwei Gruppen begegneten, dann schnitten sie sich, wenn sie sich nicht b�se Blicke zuwarfen. Die Burg blieb selbst in der schlimmsten Sommerhitze k�hl, aber die Luft schien fiebrig und kalt, wenn sich Schwestern verschiedener Ajahs zu nahe kamen. Selbst die Sitzenden, die sie erkannte, gingen schnell. Die wenigen, die sich bewusst wurden, wer sie war, schenkten ihr lange, musternde Blicke, aber die meisten erschienen in Gedanken versunken. Pevara Tazanovni, eine plumpe, h�bsche Sitzende der Roten, lief fast jeden Tag in sie hinein � sie w�rde nicht zur Seite springen, nicht einmal f�r Sitzende �, aber Pevara eilte weiter, als w�rde sie es nicht bemerken. Ein anderes Mal tat Doesine Alwain, jungenhaft schlank, aber elegant gekleidet, das Gleiche, w�hrend sie in eine Unterhaltung mit einer anderen Gelben vertieft war. Keine von ihnen schenkte ihr einen zweiten Blick. Sie w�nschte, sie h�tte gewusst, wer die andere Gelbe war.</p><p>Sie kannte die Namen der zehn �Spitzel�, die Sheriam und die anderen in dem Versuch, Elaidas Position zu untergraben, in die Burg geschickt hatten, und sie h�tte sehr gern mit ihnen Kontakt aufgenommen, aber sie kannte ihre Gesichter nicht, und nach ihnen zu fragen h�tte nur die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt. Sie hoffte, eine von ihnen w�rde sie zur Seite nehmen oder ihr eine Nachricht zukommen lassen, aber das tat keine. Sie w�rde ihre Schlacht allein schlagen m�ssen, es sei denn, sie h�rte etwas, das diesen Namen Gesichtern zuordnete.</p><p>Nat�rlich vernachl�ssigte sie Leane nicht. In ihrer zweiten Nacht in der Burg ging sie trotz ihrer tiefen Ersch�pfung nach dem Essen hinunter zu den offenen Zellen. Dieses halbe Dutzend R�ume im ersten Kellergeschoss diente dazu, Frauen festzuhalten, die die Macht lenken konnten, sie aber nicht einzukerkern. Jeder enthielt einen gro�en K�fig aus Eisenstangen, die von der Decke zum Steinboden ragten, um den herum vier Schritte Platz waren und Eisenkandelaber f�r Licht sorgten. Vor Leanes Zelle sa�en zwei Braune auf B�nken an der Wand, begleitet von einem Beh�ter, einem breitschultrigen Mann mit attraktivem Gesicht und wei�en Schl�fen. Er schaute bei Egwenes Eintreten auf, dann konzentrierte er sich wieder darauf, seinen Dolch mit einem Schleifstein zu sch�rfen.</p><p>Eine der Braunen war Felaana Bevaine, eine schlanke Frau mit langem blonden Haar, das aussah, als w�rde sie es mehrmals am Tag b�rsten. Sie schrieb etwas in ein mit Leder eingebundenes Notizbuch, das auf einem Scho�pult lag, und schaute kurz auf, um mit heiserer Stimme zu sagen: �Oh. Ihr seid das, oder? Nun, Silviana hat gesagt, Ihr d�rft sie besuchen, Kind, aber gebt ihr nichts, ohne es vorher Dalevien oder mir zu zeigen, und macht keinen �rger.� Sie senkte den Kopf sofort wieder �ber das Notizbuch. Dalevien, eine st�mmige Frau mit grau durchsetztem, kurzen schwarzen Haar, schaute nicht davon auf, die Texte zweier B�cher zu vergleichen, die beide aufgeschlagen auf ihren Knien lagen. Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> umgab sie, und sie hielt eine Abschirmung um Leane aufrecht, aber es gab f�r sie keinen Grund, sie im Auge zu behalten, nachdem sie gewebt worden war.</p><p>Egwene verlor keine Zeit, zu dem K�fig zu eilen, die H�nde durch die Gitterst�be zu schieben und Leanes zu ergreifen. �Silviana hat mir gesagt, dass sie Euch endlich Eure Identit�t glauben�, sagte sie lachend, �aber ich habe nicht erwartet, Euch in einem solchen Luxus vorzufinden.�</p><p>Es war nur dann luxuri�s, wenn man es mit den kleinen, finsteren Zellen verglich, in denen Schwestern festgehalten wurden, auf die ein Prozess wartete, wo es statt einer Matratze Stroh auf dem Boden und eine Decke nur dann gab, wenn man viel Gl�ck hatte, aber Leanes Unterbringung erschien halbwegs komfortabel. Sie hatte ein schmales Bett, das weicher als die in den Novizinnenquartieren war, einen Stuhl mit Sprossenlehne und einem blauen, quastengeschm�ckten Kissen und einen Tisch, auf dem drei B�cher und ein Tablett mit den Resten ihres Abendessens lagen. Es gab sogar einen Waschst�nder, allerdings waren sowohl die wei�e Wasserkanne wie die Waschsch�ssel angesto�en, und der Spiegel war blasig. Ein Paravent, durchsichtig genug, dass sie dahinter als Schatten erscheinen w�rde, verbarg den Nachttopf.</p><p>Auch Leane lachte. �Oh, ich bin sehr beliebt�, sagte sie lebhaft. Sogar ihre Pose erschien schmachtend, trotz des schlichten schwarzen Wollkleids bot sie das Bild einer typischen verf�hrerischen Domani, aber die energische Stimme war ein �berbleibsel aus der Zeit, bevor sie sich entschieden hatte, sich auf die Weise neu zu erfinden, die sie wollte. �Ich hatte den ganzen Tag Besuch, von jeder Ajah au�er der Roten. Selbst die Gr�nen wollten mich �berzeugen, ihnen doch zu verraten, wie man Reist, und sie wollten mich haupts�chlich in die Finger bekommen, weil ich �behaupte�, jetzt eine Gr�ne zu sein.� Sie schauderte zu �bertrieben, als dass es echt gewirkt h�tte. �Das w�re genauso schlimm, als wieder bei Melare und Desala zu sein. Eine schreckliche Frau, diese Desala.� Ihr L�cheln verblasste wie Nebel in der Mittagssonne. �Sie haben mir erz�hlt, dass man Euch in Wei� gesteckt hat. Vermutlich immer noch besser als die Alternative. Sie geben Euch Spaltwurzel? Mir auch.�</p><p>�berrascht sah Egwene zu der Schwester, die die Abschirm ung hielt, und Leane schnaubte.</p><p>�Der Brauch. W�re ich nicht abgeschirmt, k�nnte ich nicht mal eine Fliege zerquetschen, aber der Brauch schreibt vor, dass eine Frau in der offenen Zelle immer abgeschirmt werden muss. Aber Euch lassen sie einfach herumspazieren?�</p><p>�Nicht unbedingt�, sagte Egwene trocken. �Drau�en wart en zwei Rote, um mich zu meinem Zimmer zu eskortieren und mich im Schlaf abzuschirmen.�</p><p>Leane seufzte. �Also. Ich stecke in einer Zelle, Ihr steht unter Beobachtung, und wird sind beide mit Spaltwurzeltee abgef�llt.� Sie warf einen Seitenblick auf die Braunen. Felaana konzentrierte sich noch immer auf ihre Notizen. Dalevien schlug bei beiden B�chern auf ihren Knien Seiten um und murmelte etwas Unverst�ndliches. Der Beh�ter musste sich mit dem Dolch rasieren wollen, so scharf schliff er ihn. Seine Hauptaufmerksamkeit war jedoch auf die T�r gerichtet. Leane senkte die Stimme. �Und wann fliehen wir?�</p><p>�Gar nicht�, erwiderte Egwene und legte fast im Fl�stert on ihre Gr�nde und ihren Plan dar, w�hrend sie die Schwestern unauff�llig im Auge behielt. Sie erz�hlte Leane alles, was sie gesehen hatte. Und getan hatte. Es fiel schwer zu sagen, wie oft sie an diesem Tag geschlagen worden war und wie sie sich dabei benommen hatte, aber es war n�tig, um die andere Frau davon zu �berzeugen, dass man ihren Willen nicht brechen w�rde.</p><p>�Ich kann ja verstehen, dass ein Befreiungskommando nicht in Frage kommt, aber ich hatte gehofft�� In den Beh�ter kam Bewegung, und Leane verstummte, aber er steckte blo� den Dolch weg. Er verschr�nkte die Arme �ber der Brust, streckte die Beine aus und lehnte sich an die Wand, die Augen auf die T�r gerichtet. Er sah aus, als k�nnte er in einem Wimpernschlag auf den F��en sein. �Laras hat mir einmal bei der Flucht geholfen�, fuhr sie leise fort, �aber ich wei� nicht, ob sie das noch einmal tun w�rde.� Sie schauderte, und diesmal lag darin nichts Gespieltes. Sie war ged�mpft worden, als Laras ihr und Siuan bei der Flucht half. �Sie hat es sowieso mehr f�r Min als f�r Siuan und mich getan. Seid Ihr sicher, was Euren Plan betrifft? Silviana Brehon ist eine harte Frau. Gerecht, wie ich geh�rt habe, aber hart genug, um Eisen zu brechen. Seid Ihr Euch absolut sicher, Mutter?� Als Egwene es best�tigte, seufzte sie erneut.</p><p>�Nun, dann sind wir zwei W�rmer, die an der Wurzel nagen, nicht wahr?� Es war keine Frage.</p><p>Sie besuchte Leane an jedem Abend, an dem die Ersch�pfung sie nicht sofort nach dem Essen ins Bett zerrte, und fand sie �berraschend heiter f�r eine Gefangene in einer Zelle. Leanes Besucherstrom h�rte nicht auf, und sie brachte in jede Unterhaltung die Leckerbissen ein, die Egwene vorschlug. Diese Besucher konnten nicht die Bestrafung einer Aes Sedai anordnen, nicht mal einer in einer offenen Zelle, obwohl ein paar w�tend genug wurden, um sich zu w�nschen, sie k�nnten es; dar�ber hinaus trug es deutlich mehr Gewicht, wenn sie solche Dinge von einer Schwester h�rten als von jemandem, den sie als Novizin betrachteten. Leane konnte sogar offen heraus debattieren, jedenfalls so lange, bis ihre Besucher einfach gingen. Aber wie sie berichtete, taten viele das nicht. Ein paar stimmten ihr zu. Z�gerlich, vorsichtig, vielleicht was einen Punkt betraf und keinen anderen, aber sie stimmten zu. Fast genauso wichtig war � jedenfalls f�r Leane �, dass einige der Gr�nen entschieden, dass sie das Recht hatte, bei jeder gew�nschten Ajah um Aufnahme zu bitten, sobald sie wieder eine Schwester war, da sie ged�mpft worden und darum eine Zeit lang keine Aes Sedai gewesen war. Nicht alle, das keineswegs, aber �ein paar� waren besser als �keine�. Egwene fing langsam an zu glauben, dass Leane in ihrer Zelle mehr ausrichtete als sie, die sich frei bewegen konnte. Nun ja, frei in gewissem Sinne. Sie versp�rte keinen Neid, das nicht. Sie taten hier eine wichtige Arbeit, und es spielte keine Rolle, wer von ihnen sie besser machte, solange sie nur erfolgte. Aber es gab Augenblicke, in denen es den Gang zu Silvianas Arbeitszimmer viel schwerer machte. Dennoch konnte sie Erfolge vorweisen. Gewisserma�en.</p><p>Da war dieser erste Nachmittag in Bennae Nalsads vollg estopftem Wohnzimmer. �berall stapelten sich B�cher auf den Bodenfliesen, und die Regalbretter waren voller Knochen und Sch�del und pr�parierten H�uten von Tieren, V�geln und Schlangen sowie ausgestopften Exemplaren von einigen kleineren Spezies; auf einem gro�en B�rensch�del hockte eine gro�e braune Echse so reglos, dass man sie auch f�r ausgestopft hielt, bis sie blinzelte. An diesem ersten Nachmittag befahl ihr die Braune aus Schienar, eine ersch�pfende Reihe an Geweben nach der anderen zu weben. Bennae sa� auf einem hochlehnigen Stuhl an der Seite des braun ge�derten Marmorkamins, Egwene mit entschiedenem Unbehagen auf der anderen. Man hatte sie nicht gebeten, sich zu setzen, aber Bennae hatte auch keine Einw�nde erhoben.</p><p>Egwene erschuf jedes gew�nschte Gewebe, bis Bennae beil �ufig nach dem Gewebe f�r das Schnelle Reisen fragte, und dann l�chelte sie blo� und legte die H�nde in den Scho�. Die Schwester lehnte sich zur�ck und zupfte an den dunkelbraunen Seidenr�cken herum. Bennaes Augen waren blau und scharf, das dunkle Haar in dem Silbernetz mit vielen grauen Str�hnen durchzogen. Zwei ihrer Finger wiesen Tintenflecken auf, ein weiterer sa� auf ihrem Nasenfl�gel. Sie hielt eine Porz ellantasse mit Tee, aber Egwene hatte sie keinen angeboten.</p><p>�Ich glaube, es gibt nur noch wenig in der Macht, das Ihr lernen k�nnt, Kind, vor allem, wenn man Eure wundervollen Entdeckungen in Betracht zieht.� Egwene neigte den Kopf, akzeptierte das Kompliment. Manche dieser Dinge waren wirklich ihre Entdeckung, davon abgesehen spielte das jetzt wirklich keine Rolle mehr. �Aber das bedeutet nicht, dass es f�r Euch gar nichts mehr zu lernen gibt. Ihr habt ein paar Novizinnenklassen mitgemacht, bevor Ihr�� Die Braune bedachte Egwenes wei�es Kleid mit einem Stirnrunzeln und r�usperte sich. �Und weniger Lektionen als� nun, lassen wir das erst mal. Sagt mir, falls Ihr es wisst, welche Fehler hat Shein Chunla gemacht, die den Dritten Krieg vor Garens Wall ausl�ste? Was waren die Gr�nde f�r den Gro�en Winterkrieg zwischen Andor und Cairhien? Was hat die Weikinrebellion ausgel�st, und wie hat sie geendet? Geschichte scheint gr��tenteils das Studium von Kriegen zu sein, und unser Interesse richtet sich vornehmlich darauf, warum und wie sie entstanden und warum sie endeten. Viele gro�e Kriege h�tten nie stattgefunden, h�tten die Leute die Fehler beachtet, die andere vor ihnen begingen. Nun?�</p><p>�Shein hat keine Fehler gemacht�, sagte Egwene langsam, �aber Ihr habt Recht, ich muss noch viel lernen. Ich kenne nicht einmal die Namen dieser anderen Kriege.� Sie stand auf und goss sich eine Tasse Tee aus der Silberkanne auf dem Beistelltisch ein. Abgesehen von dem Silbertablett befanden sich noch ein ausgestopfter Luchs und ein Schlangensch�del auf dem Tisch. Und der war so gro� wie der Totensch�del eines Mannes!</p><p>Bennae runzelte die Stirn, aber nicht wegen des Tees. Das schien sie kaum zu bemerken. �Wie kommt Ihr darauf, dass Shein keine Fehler gemacht hat, Kind? Sie hat die Situation so schlimm verpfuscht, wie es schlimmer nicht ging.�</p><p>�Lange vor dem Dritten Krieg an Garens Wall�, sagte Egwene und kehrte zu ihrem Stuhl zur�ck, �hat Shein genau das getan, was der Saal ihr befohlen hatte, und nichts, was er nicht gesagt hatte.� Auf anderen Gebieten der Geschichte mochte sie ihre L�cken haben, aber Siuan hatte sie ausgiebig in den Fehlern anderer Amyrlins unterrichtet. Und vor allem diese Frage erm�glichte ihr eine �ffnung. Sich ganz normal hinzusetzen kostete eine Anstrengung.</p><p>�Wovon redet Ihr da?�</p><p>�Sie hat versucht, die Burg mit eiserner Faust zu regieren, hat niemals Kompromisse gemacht, hat jede Opposition r�cksichtslos unterdr�ckt. Der Saal wurde das leid, aber sie konnten sich nicht auf einen Ersatz einigen, und statt sie abzusetzen, taten sie etwas viel Schlimmeres. Sie belie�en sie in ihrem Amt und zwangen ihr eine Bu�e auf f�r jedes Mal, wenn sie einen Befehl geben wollte. Egal was f�r einen Befehl.� Ihr war klar, dass sie klang, als w�re sie hier die Lehrerin, aber sie musste es loswerden. Es fiel schwer, nicht das Gewicht auf dem harten Holz des Stuhlsitzes zu verlagern. Den Schmerz willkommen zu hei�en. �Der Saal f�hrte Shein und die Burg. Aber er handhabte vieles sehr schlecht, vor allem, weil jede Ajah ihre eigenen Ziele hatte und es keine Hand gab, die sie auf ein Ziel f�r die Burg hinlenkte. Sheins Amtszeit zeichnete sich durch Kriege auf der ganzen Welt aus. Schlie�lich waren die Schwestern selbst die Fehler des Saals leid. In einer der sechs Meutereien in der Geschichte der Burg wurden Shein <emphasis>und</emphasis> der Saal gest�rzt. Ich wei�, dass sie angeblich eines nat�rlichen Todes in der Burg starb, aber in Wirklichkeit wurde sie einundf�nfzig Jahre sp�ter im Exil in ihrem Bett erstickt, nachdem man eine Verschw�rung entdeckte, sie wieder auf den Amyrlin-Sitz zu setzen.�</p><p>�Meutereien?�, sagte Bennae ungl�ubig. �Sechs Meuter eien? Ins Exil geschickt und <emphasis>erstickt?�</emphasis></p><p>�Es steht alles in der geheimen Chronik im Dreizehnten Depositorium. Obwohl ich Euch das wohl nicht h�tte erz�hlen d�rfen.� Egwene nahm einen Schluck Tee und verzog das Gesicht. Er war fast faul. Kein Wunder, dass Bennae ihren nicht anger�hrt hatte.</p><p>�Geheime Chroniken? Ein <emphasis>Dreizehntes</emphasis> Depositorium? Falls es so etwas geben sollte, und ich glaube, davon w�sste ich, warum h�ttet Ihr mir das nicht erz�hlen d�rfen?�</p><p>�Weil dem Gesetz zufolge nur die Amyrlin, die Beh�terin und die Sitzenden von der Existenz der geheimen Chroniken wie auch von ihrem Inhalt wissen d�rfen. Sie und die Bibliothekare, die die Unterlagen f�hren. Selbst das Gesetz ist Teil des Dreizehnten Depositoriums, also h�tte ich Euch das wohl auch nicht sagen d�rfen. Aber wenn Ihr irgendwie dazu Zugang finden solltet oder jemanden fragt, der Bescheid wei� und es Euch erz�hlt, dann werdet Ihr sehen, dass ich Recht habe. In der Geschichte der Burg haben sich die Schwestern sechsmal erhoben, wenn die Amyrlin auf gef�hrliche Weise zersetzend oder erschreckend inkompetent war und der Saal dagegen nichts unternommen hat.� So. Sie h�tte die Saat nicht mit einer Schaufel tiefer pflanzen k�nnen. Oder sie mit einem Hammer einh�mmern k�nnen.</p><p>Bennae starrte sie einen langen Augenblick an, dann hob sie die Tasse an die Lippen. Sie spuckte, sobald der Tee ihre Zunge ber�hrt hatte, und fing an, die Flecken auf ihrem Kleid mit einem zarten Spitzentaschentuch abzutupfen.</p><p>�Der Gro�e Winterkrieg�, sagte sie heiser, nachdem sie die Tasse neben dem Stuhl auf dem Boden abgestellt hatte, �begann Ende sechshunderteinundsiebzig�� Sie erw�hnte weder geheime Chroniken noch Meutereien erneut, aber das war auch gar nicht n�tig. Mehr als einmal in ihrer Lektion verlor sie den Faden, starrte an Egwene vorbei ins Leere, und Egwene hatte nicht den geringsten Zweifel, wor�ber sie nachdachte.</p><p>Sp�ter an diesem Tag sagte Lirene Doirellin: �Ja, da hat Elaida einen entscheidenden Fehler gemacht�, und marschierte vor dem Kamin ihres Wohnzimmers auf und ab. Die cairhienische Schwester war nur ein St�ck kleiner als Egwene, aber ihr gehetzter Blick erweckte den Eindruck eines gejagten Tieres, ein Spatz, der Angst vor Katzen hatte und fest davon �berzeugt war, dass es in der N�he viele Katzen gab. Ihre dunk elgr�nen R�cke wiesen vier diskrete rote Schlitze auf, obwohl sie einst eine Sitzende gewesen war. �Ihre Proklamation, und dann ihr Versuch, ihn entf�hren zu lassen, man h�tte den jungen al�Thor kaum erfolgreicher dazu bringen k�nnen, sich so weit von der Burg fernzuhalten, wie er nur kann. Oh, sie hat Fehler gemacht, das hat Elaida.�</p><p>Egwene wollte nach Rand und der Entf�hrung fragen � eine Entf�hrung? �, aber Lirene gab ihr keine Gelegenheit, w�hrend sie weiter Elaidas viele Fehler aufz�hlte und dabei unabl�ssig auf und ab ging, wobei ihre Blicke umherhuschten und sie unbewusst die H�nde rang. Egwene war sich nicht sicher, ob man diese Unterrichtsstunde als Erfolg bezeichnen konnte, aber immerhin war es kein Reinfall gewesen. Und sie hatte etwas erfahren.</p><p>Nat�rlich verliefen nicht alle ihre Vorst��e so gut.</p><p>�Das hier ist keine Diskussion�, sagte Pritalle Nerbaijan. Ihr Ton war v�llig ruhig, aber in ihren schr�g stehenden gr�nen Augen lag ein wildes Funkeln. Ihre Gem�cher sahen eher wie die einer Gr�nen als einer Gelben aus; an den W�nden hingen mehrere blanke Schwerter und ein seidener Wandbehang, auf dem M�nner gegen Trollocs k�mpften. Sie schloss die Finger um den Dolchgriff in ihrem gewebten Silberg�rtel. Es handelte sich nicht um ein schlichtes G�rtelmesser; die Dolchklinge war fast einen Fu� lang, und ein Smaragd kr�nte den Knauf. Warum sie eingewilligt hatte, Egwene Unterricht zu geben, blieb ein Geheimnis, wo sie das Unterrichten doch so verabscheute. Vielleicht, weil es sich um Egwene handelte. �Ihr seid hier f�r eine Lektion in den Grenzen der Macht. Eine grunds�tzliche Lektion, wie sie f�r eine Novizin passend ist.�</p><p>Egwene wollte auf dem dreibeinigen Hocker herumruts chen, den ihr Pritalle als Sitzgelegenheit gegeben hatte, aber stattdessen konzentrierte sie sich auf das Brennen, um es willkommen zu hei�en. An diesem Tag hatte sie Silviana bereits drei Besuche abgestattet, und sie konnte einen vierten herannahen f�hlen, dabei dauerte es noch eine Stunde bis zum Mittagessen. �Ich habe lediglich gesagt, wenn Shemerin von einer Aes Sedai zur Aufgenommenen degradiert werden konnte, dann hat Elaidas Macht keine Grenzen. Wenigstens glaubt sie das. Aber wenn Ihr das so akzeptiert, dann hat sie es wirklich nicht.�</p><p>Pritalles Griff um den Dolch wurde so fest, dass sich die Kn�chel wei� verf�rbten, aber sie schien es nicht zu bemerken. �Da Ihr es besser zu wissen vermeint als ich�, sagte sie k�hl, �d�rft Ihr Silviana besuchen, wenn wir hier fertig sind.� Vielleicht ein Teilerfolg. Egwene glaubte nicht, dass Pritalles Zorn auf sie gerichtet war.</p><p>�Ich erwarte von Euch anst�ndiges Benehmen�, sagte Serancha Colvine an einem anderen Tag zu ihr. Das Wort, um die Graue zu beschreiben, lautete �verkniffen�. Ein verkniffener Mund und eine verkniffene Nase, die st�ndig irgendeinen Gestank zu riechen schien. Selbst ihre hellblauen Augen schienen vor Missbilligung verkniffen zu sein. Sonst h�tte man sie als durchaus h�bsch bezeichnen k�nnen. �Habt Ihr verstanden?�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Egwene und setzte sich auf den Hocker, der vor Seranchas hochlehnigen Stuhl gestellt worden war. Der Morgen war k�hl, im Steinkamin brannte ein kleines Feuer. Trink den Schmerz. Hei�e den Schmerz willkommen.</p><p>�Eine falsche Antwort�, sagte Serancha. �Die richtige Antwort w�ren ein Knicks und ein �Ich verstehe, Serancha Sedai� gewesen. Ich habe vor, eine Liste Eurer Fehler zu machen, die Ihr dann zu Silviana tragt, sobald wir fertig sind. Habt Ihr verstanden, Kind?�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Egwene ohne aufzustehen. Aes-Sedai-Gelassenheit oder nicht, Seranchas Gesicht lief knallrot an. Am Ende umfasste ihre Liste vier eng beschriebene Seiten. Sie verbrachte mehr Zeit mit Schreiben als mit dem Unterricht! Kein Erfolg.</p><p>Und dann war da Adelorna Bastine. Die Gr�ne aus Saldaea schaffte es, erhaben zu wirken, obwohl sie gertenschlank und nicht gr��er als Egwene war, und sie hatte eine majest�tis ehe, befehlsgewohnte Art, die einsch�chternd h�tte sein k�nnen, h�tte Egwene das zugelassen. �Wie ich h�re, macht Ihr �rger�, sagte sie und nahm eine mit Elfenbein verst�rkte B�rste von einem kleinen Intarsientisch neben ihrem Stuhl.</p><p>�Wenn Ihr bei mir �rger machen wollt, werdet Ihr lernen, dass ich hiermit umgehen kann.�</p><p>Egwene lernte es, ohne sich anstrengen zu m�ssen. Dreimal hing sie �ber Adelornas Scho�, und die Frau wusste in der Tat, was man mit einer Haarb�rste noch tun konnte, au�er sich das Haar zu b�rsten. Das lie� eine Unterrichtsstunde zu zweien werden.</p><p>�Darf ich jetzt gehen?�, fragte Egwene schlie�lich und trocknete sich so gut sie konnte die Wangen mit einem Taschentuch, das bereits feucht war. Atme den Schmerz ein. Nimm das Feuer in dich auf. �Ich soll Wasser f�r die Roten noch oben bringen, und ich m�chte nicht zu sp�t kommen.�</p><p>Adelorna sah ihre B�rste stirnrunzelnd an, bevor sie sie wieder auf dem Tisch ablegte, den Egwene zweimal mit ihren strampelnden Beinen umgeworfen hatte. Dann betrachtete sie Egwene stirnrunzelnd, musterte sie, als w�rde sie versuchen, ihr in den Kopf zu sehen. �Ich w�nschte, Cadsuane w�re in der Burg�, murmelte sie. �Ich glaube, sie w�rde Euch als Herausforderung betrachten.� In ihrer Stimme schien ein Hauch von Respekt zu liegen.</p><p>Dieser Tag stellte auf gewisse Weise einen Wendepunkt dar. Zum einen entschied Silviana, dass Egwene <emphasis>zweimal</emphasis> t�glich Geheilt werden sollte.</p><p>�Ihr scheint es darauf <emphasis>anzulegen,</emphasis> geschlagen zu werden, Kind. Das ist die pure Sturheit, und ich werde das nicht dulden. Ihr <emphasis>werdet</emphasis> Euch der Realit�t stellen. Bei Eurem n�chsten Besuch werden wir herausfinden, wie Euch der Riemen gef�llt.� Die Oberin faltete Egwenes Unterhemd auf ihrem R�cken zurecht, dann hielt sie inne. �L�chelt Ihr etwa? Habe ich etwas Witziges gesagt?�</p><p>�Mir ist gerade etwas Wichtiges eingefallen�, erwiderte Egwene. �Nichts von Bedeutung.� Jedenfalls nicht f�r Silv iana von Bedeutung. Sie hatte erkannt, wie man den Schmerz willkommen hie�. Sie f�hrte einen Krieg, nicht eine einzelne Schlacht, und jedes Mal, wenn sie geschlagen wurde, jeder Gang zu Silviana war ein Zeichen, dass sie eine weitere Schlacht geschlagen hatte und unnachgiebig geblieben war. Der Schmerz war ein Orden. Sie schrie und strampelte so wild wie immer w�hrend der Bestrafung, aber als sie hinterher ihre Wangen trocknete, summte sie leise vor sich hin. Es war leicht, einen Orden in Empfang zu nehmen.</p><p>Das Verhalten der Novizinnen begann sich am zweiten Tag ihrer Gefangenschaft zu ver�ndern. Es hatte den Anschein, dass Nicola und Areina � Areina arbeitete in den St�llen und besuchte Nicola oft; sie schienen sich so nahe zu stehen, dass sich Egwene fragte, ob sie wohl zu Kopfkissenfreundinnen geworden waren, so wie sie immer die K�pfe zusammensteckten und sich geheimnisvoll zul�chelten � die anderen mit Geschichten �ber sie erfreut hatten. Sehr �bertriebenen Geschichten. Die beiden Frauen hatten sie wie die Verk�rperung jeder legend�ren Schwester aus den Geschichtsb�chern erscheinen lassen, einschlie�lich Birgitte Silberbogen und Amaresu h�chstpers�nlich, die das Schwert der Sonne in die Schlacht f�hrte. Die eine H�lfte schien Ehrfurcht vor ihr zu haben, die andere war aus irgendeinem Grund w�tend auf sie oder schlichtweg ver�chtlich. Dummerweise versuchten einige, ihr Verhalten in den Klassen nachzuahmen, aber eine Flut von Besuchen bei Silviana machte dem ein schnelles Ende. Beim Mittagessen des dritten Tages a�en fast zwei Dutzend Novizinnen mit schamroten Gesichtern im Stehen, Nicola unter ihnen. Und �berraschenderweise auch Alvistere. Die Zahl fiel beim Abendessen auf sieben, und am vierten Tag waren es nur Nicola und die Cairhienerin. Und das war dann das Ende davon.</p><p>Egwene ging davon aus, dass es einige ihr �belnehmen w�rden, dass sie sich auch weiterhin nicht beugte, w�hrend sie so schnell wieder auf den richtigen Weg gef�hrt worden waren, aber ganz im Gegenteil schien es die Zahl zu mind ern, die w�tend oder ver�chtlich waren, und den Respekt zu steigern. Niemand jedoch wollte ihre Freundin werden, und das war auch richtig so. Ob sie nun ein wei�es Kleid trug oder nicht, sie war Aes Sedai, und es schickte sich nicht f�r eine Aes Sedai, sich mit einer Novizin anzufreunden. Das Risiko war viel zu hoch, dass das dem M�dchen zu Kopf stieg und es deswegen �rger bekam. Aber Novizinnen kamen zu ihr, um sie um Rat zu fragen oder um Hilfe bei ihren Lektionen zu bitten. Zuerst nur eine Hand voll, aber die Zahl wuchs t�glich. Sie war bereit, ihnen beim Lernen zu helfen, f�r gew�hnlich reichte es, das Selbstvertrauen eines M�dchens zu st�rken oder eine junge Frau davon zu �berzeugen, dass Vorsicht angeraten war, oder sie geduldig durch die Stadien eines schwierigen Gewebes zu f�hren. Novizinnen war es verboten, ohne Aes Sedai oder Aufgenommene die Macht zu lenken, auch wenn sie es fast alle insgeheim trotzdem taten, aber sie <emphasis>war</emphasis> eine Schwester. Allerdings weigerte sie sich, mehr als einer gleichzeitig zu helfen. Gruppen w�rden sich herumsprechen, und sie w�rde nicht die Einzige sein, die man zu Silviana schickte. Sie w�rde diesen Gang so oft wie n�tig machen, aber sie wollte ihn nicht anderen einbrocken. Was den Rat anging� Da die Novizinnen streng von M�nnern ferngehalten wurden, fiel das leicht. Obwohl durch Kopfkissenfreundinnen verursachte Spannungen genauso schlimm wie alles sein konnten, was M�nner je anrichteten.</p><p>Als sie eines Abends von einer Sitzung bei Silviana zur�ckkehrte, bekam sie zuf�llig mit, wie Nicola zu zwei Novizinnen sprach, die kaum �lter als f�nfzehn oder sechzehn sein konnten. Egwene konnte sich gar nicht mehr daran erinnern, einmal so jung gewesen zu sein. Es schien in einem anderen Leben gewesen zu sein. Marah war eine st�mmige Murandianerin mit durchtriebenen blauen Augen, Namene eine gro�e, gertenschlanke Domani, die ununterbrochen kicherte.</p><p>�Fragt die Mutter�, sagte Nicola. Ein paar der Novizinnen hatten angefangen, Egwene so zu nennen, allerdings nicht in H�rweite von Leuten, die kein Wei� trugen. Sie waren leichtsinnig, aber nicht dumm. �Sie ist immer bereit, einen Rat zu geben.�</p><p>Namene kicherte nerv�s. �Ich will sie nicht bel�stigen.�</p><p>�Au�erdem�, sagte Marah, �sagen die anderen, dass sie immer dieselben Ratschl�ge gibt.�</p><p>�Und es sind gute Ratschl�ge.� Nicola hielt eine Hand hoch, um an den Fingern abzuz�hlen. �Gehorcht den Aes Sedai. Gehorcht den Aufgenommenen! Arbeitet hart. Und dann arbeitet h�rter.�</p><p>Egwene ging zu ihrem Zimmer weiter und l�chelte. Als offizielle Amyrlin hatte sie es nicht geschafft, Nicola ein vern�nftiges Benehmen beizubringen, aber in der Maskerade einer Novizin war es ihr anscheinend nun doch gelungen. Bemerkenswert.</p><p>Es gab noch etwas, das sie f�r sie tun konnte: sie tr�sten.</p><p>So unglaublich das zuerst erschienen war, manchmal ver�nderte sich das Innere der Burg. Leute verliefen sich auf dem Weg zu R�umen, in denen sie dutzende Male gewesen waren. Frauen wurden gesehen, die aus W�nden kamen oder in ihnen verschwanden, oft in altmodischen Kleidern, manchmal in bizarren Aufmachungen, Gew�nder, die wie grellbunte Stoffbahnen erschienen, die man um den K�rper gewunden hatte, bestickte kn�chellange Wappenr�cke �ber weiten Hosen und noch seltsamere Dinge. Beim Licht, wann konnte eine Frau ein Kleid getragen haben wollen, das ihren Busen vollst�ndig entbl��te? Egwene konnte solche Dinge in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> mit Siuan besprechen, darum wusste sie, dass dies Zeichen des sich n�hernden Tarmon Gai�don waren. Ein unerfreulicher Gedanke, aber daran konnte man nichts �ndern. Was war, das war, und es war ja nicht so, als w�re nicht Rand selbst ein Bote der Letzten Schlacht. Auch einige der Schwestern in der Burg mussten gewusst haben, was es bedeutete, aber sie waren so mit sich selbst besch�ftigt, dass sie sich nicht die M�he machten, Novizinnen zu tr�sten, die vor Angst weinten. Egwene tat es.</p><p>�Die Welt ist voller seltsamer Wunder�, sagte sie zu Coride, einem hellblonden M�dchen, das b�uchlings auf dem Bett lag und heulte. Nur ein Jahr j�nger als sie selbst, war Coride noch definitiv ein M�dchen, obwohl sie sich schon anderthalb Jahre in der Burg befand. �Warum sollte es so �berraschend sein, wenn einige dieser Wunder in der Wei�en Burg erscheinen? Was g�be es denn f�r einen besseren Ort?� Den M�dchen gegen�ber erw�hnte sie die Letzte Schlacht nicht. Das w�rde wohl kaum ein Trost sein.</p><p>�Aber sie ist in der Wand verschwunden!�, schluchzte Coride und hob den Kopf. Ihr Gesicht war rot und fleckig, ihre Wangen glitzerten feucht. �Eine Wand! Und dann konnte keine von ihnen das Klassenzimmer finden, und Pedra auch nicht, und sie wurde w�tend auf uns. Pedra wird nie w�tend. Auch sie hatte Angst!�</p><p>�Ich wette, Pedra hat nicht angefangen zu weinen.�</p><p>Egwene setzte sich auf den Bettrand und war erfreut, dass sie nicht zusammenzuckte. Novizinnenmatratzen waren nicht bekannt f�r ihre Weichheit. �Die Toten k�nnen den Lebenden nichts antun, Coride. Sie k�nnen uns nicht ber�hren. Sie scheinen uns nicht einmal wahrzunehmen. Davon abgesehen, haben sie hier in der Burg gelebt oder waren Diener. Das war genauso ihr Zuhause, wie es Eures ist. Und wenn die Zimmer oder Korridore nicht dort sind, wo sie sein sollen, dann m�sst Ihr nur daran denken, dass die Burg ein Ort der Wunder ist. Denkt daran, und es wird Euch keine Angst machen.�</p><p>Egwene kam das schwach vor, aber Coride wischte sich die Augen und schwor, sie w�rde nie wieder Angst haben. Ungl�cklicherweise gab es zweihundertundzwei wie sie, die sich nicht alle so einfach beruhigen lie�en. Es machte Egwene noch w�tender auf die Schwestern in der Burg, als sie ohnehin schon war.</p><p>Ihre Tage bestanden nicht nur aus Unterricht, dem Tr�sten von Novizinnen und von der Oberin bestraft zu werden, auch wenn das Letztere einen unerfreulich gro�en Bestandteil eines jeden Tages in Anspruch nahm. Silviana hatte Recht behalten, ihr blieb nicht viel Freizeit. Novizinnen mussten immer arbeiten. Oft waren es �berfl�ssige T�tigkeiten, da die Burg �ber tausend Diener und Dienerinnen hatte, ohne die Tagel�hner mitzuz�hlen, aber k�rperliche Arbeit half, den Charakter zu formen; diese Ansicht hatte die Burg schon immer vertreten. Au�erdem half es angeblich, die Novizinnen so m�de zu halten, dass sie nicht an M�nner dachten. Sie bekam allerdings wesentlich mehr Arbeit als andere Novizinnen zugeteilt. Manche von Schwestern, die sie als Ausrei�erin betrachteten, andere von Silviana in der Hoffnung, dass die M�digkeit ihre �rebellische Seite� d�mpfte.</p><p>T�glich schrubbte sie nach irgendwelchen Mahlzeiten schmutzige T�pfe im Arbeitsraum neben der Hauptk�che. Gelegentlich steckte Laras den Kopf durch die T�r, aber sie sagte kein Wort. Und sie gebrauchte auch nie ihren langen L�ffel, selbst wenn Egwene ihr Kreuz massierte, das vom Eintauchen in den gro�en Kessel schmerzte, statt zu scheuern. Laras verteilte gro�z�gig Klapse an K�chenjungen und Jungk�che, die Egwene einen Streich spielen wollten, wie es �blich bei Novizinnen war, die man an die K�chenarbeit schickte. Angeblich tat sie das, weil, wie sie lautstark stets verk�ndete, wenn sie einen Schlag austeilte, sie genug Zeit zum Spielen hatten, wenn sie nicht arbeiten mussten, aber Egwene fiel auf, dass Laras nicht so schnell war, wenn man einer echten Novizin in den Hintern kniff oder ihr eine Tasse kaltes Wasser von hinten in den Kragen goss. Anscheinend hatte sie eine Art Verb�ndete. Wenn sie blo� gewusst h�tte, wie sie sie benutzen k�nnte.</p><p>Sie schleppte Wassereimer an den Enden einer Tragestange �ber ihren Schultern in die K�che, das Novizinnenquartier, das Aufgenommenenquartier und ganz nach oben in die Quartiere der Ajahs. Sie brachte Mahlzeiten in die Gem�cher der Schwestern, harkte Gartenwege, j�tete Unkraut, erledigte Boteng�nge, diente Sitzenden, kehrte B�den, wischte B�den auf, schrubbte B�den auf H�nden und Knien, und das war nur ein Teil der Liste. Sie dr�ckte sich nie vor diesen Arbeiten, und das nicht nur, weil sie niemandem Grund zu der Behauptung geben wollte, sie sei faul. Auf gewisse Weise betrachtete sie sie als Bu�e daf�r, dass sie sich nicht vern�nftig vorbereitet hatte, bevor sie die Hafenkette in <emphasis>Cuendillar</emphasis> verwandelte. Bu�en mussten mit W�rde vollzogen werden. Jedenfalls so viel W�rde, wie man aufbringen konnte, wenn man auf allen vieren den Boden schrubbte.</p><p>Immerhin gaben ihr die Besuche im Quartier der Aufg enommenen die Gelegenheit, in Erfahrung zu bringen, was sie von ihr hielten. In der Burg befanden sich einunddrei�ig Aufgenommene, aber st�ndig unterrichteten welche von ihnen Novizinnen und hatten selbst Unterricht, also fand sie selten mehr als zehn oder zw�lf in ihren Zimmern um den neunst�ckigen Schacht, der einen kleinen Garten umgab. Aber die Nachricht ihrer Ankunft schien sich immer schnell zu verbreiten, und ihr mangelte es nie an Publikum. Zuerst versuchten viele von ihnen, sie mit Befehlen zu �berfordern, vor allem Mair, eine pummelige, blau�ugige Arafelianerin, und Asseil, eine schlanke Tarabonerin mit blondem Haar und braunen Augen. Sie waren Novizinnen gewesen, als sie damals in die Burg gekommen war, und waren eifers�chtig auf sie, weil sie so schnell zur Aufgenommenen geworden war. Bei ihnen war jeder zweite Satz �holt dies� oder �tragt das�. F�r sie alle war sie die �Novizin�, die so viel �rger gemacht hatte, die �Novizin�, die sich f�r den Amyrlin-Sitz hielt. Sie trug ohne Widerworte Wassereimer, bis ihr R�cken schmerzte, aber sie weigerte sich, ihre Befehle zu befolgen. Was ihr nat�rlich mehr Besuche bei der Oberin einbrachte. Aber im Laufe der Zeit zeigten ihre st�ndigen Besuche in Silvianas Arbeitszimmer keine Wirkung, und diese Flut der Befehle ebbte ab und versiegte dann ganz. Selbst Asseil und Mair hatten nicht gemein sein wollen, sondern wollten sich nur so verhalten, wie sie glaubten, dass es von ihnen unter diesen Umst�nden erwartet wurde, und sie wussten nicht, wie sie mit Egwene umgehen sollten.</p><p>Einige der Aufgenommenen zeigten Furcht wegen der wandelnden Toten und den Ver�nderungen im Lageplan der Burg, und wann immer Egwene ein bleiches Gesicht oder tr�nenerf�llte Augen sah, sagte sie das Gleiche wie bei den Novizinnen. Sie sprach die Frau nie direkt an, was m�glicherweise nur zu sturen Reaktionen gef�hrt h�tte, sondern tat so, als w�rde sie mit sich selbst sprechen. Es funktionierte bei den Aufgenommenen genauso gut wie bei den Novizinnen. Viele zuckten zusammen, wenn sie anfing, oder �ffneten den Mund, als wollten sie ihr befehlen, still zu sein, aber keine tat es, und sie hinterlie� stets nachdenkliche Gesichter. Die Aufgenommenen traten auch weiterhin auf die von steinernen Gel�ndern ges�umten Galerien, aber sie sahen ihr stumm zu, als w�rden sie sich fragen, wer sie war. Irgendwann w�rde sie ihnen das beibringen, ihnen und den Schwestern.</p><p>Wenn man Sitzende und Schwestern bediente, wurde eine Frau in Wei�, die stumm in der Ecke stand, schnell zu einem Teil des Inventars, selbst wenn sie ber�chtigt war. Wenn man sie bemerkte, �nderten sich die Unterhaltungen, aber sie schnappte vieles auf, oft Pl�ne, sich f�r Beleidigungen anderer Ajahs zu r�chen. Seltsamerweise schienen die meisten Schwestern die anderen Ajahs in der Burg mehr als ihre Feinde anzusehen als die Schwestern im Lager vor der Stadt, und die Sitzenden waren da nicht viel besser. Es lie� in Egwene das Verlangen aufsteigen, sie zu ohrfeigen. Sicher, es war ein gutes Zeichen f�r die sp�teren Beziehungen, wenn die anderen Schwestern wieder in die Burg eingezogen waren, trotzdem�</p><p>Sie schnappte auch andere Dinge auf. Das unglaubliche Desaster bei einer Expedition, die man gegen die Schwarze Burg geschickt hatte. Einige der Schwestern schienen es nicht zu glauben, und doch versuchten sie sich anscheinend selbst davon zu �berzeugen, dass es nicht geschehen sein konnte. Andere Schwestern, die nach einer gro�en Schlacht in Gefangenschaft geraten und irgendwie gezwungen worden waren, Rand die Treue zu schw�ren. Davon hatte sie bereits ger�chteweise zuvor geh�rt, und es gefiel ihr genauso wenig wie Schwestern, die von Asha�man den Bund aufgezwungen bekommen hatten. <emphasis>Ta�veren</emphasis> oder der Wiedergeborene Drache zu sein war keine Entschuldigung. Noch nie zuvor hatte eine Aes Sedai einem Mann die Treue geschworen. Die Sitzenden und Schwestern stritten sich darum, wer daran schuld war, und Rand und die Asha�man standen ganz oben auf der Liste. Aber ein Name tauchte immer wieder auf. Elaida do Avriny a�Roihan. Sie sprachen auch �ber Rand, wie man ihn vor Tarmon Gai�don aufsp�ren sollte. Sie wussten, dass es herannahte, trotz ihres Versagens, die Novizinnen und Aufgenommenen zu beruhigen, und sie wollten ihn, koste es, was es wolle, in ihre Gewalt bekommen.</p><p>Manchmal riskierte sie eine Bemerkung, erw�hnte, dass man Shemerin gegen alle Br�uche die Stola abgenommen hatte oder dass Elaidas Edikt in Bezug auf Rand die beste Methode auf der ganzen Welt gewesen war, dass er sich vehement wehrte. Sie zeigte Mitgef�hl f�r die von den Asha�man gefangen genommenen Schwestern oder die von den Quellen von Dumai � und lie� Elaidas Namen fallen � oder bedauerte die Schlamperei, die dazu f�hrte, dass auf den einst makellosen Stra�en von Tar Valon der M�ll verfaulte. Da brauchte man Elaidas Namen nicht zu erw�hnen; jeder wusste, wer f�r Tar Valon verantwortlich war. Manchmal brachten ihr diese Bemerkungen die n�chsten Besuche bei Silviana ein und noch mehr Arbeiten, aber �berraschend oft auch nicht. Sie merkte sich die Schwestern, die ihr blo� befahlen, den Mund zu halten. Oder, was noch besser war, gar nichts sagten. Manche nickten sogar beipflichtend, bevor sie sich wieder unter Kontrolle brachten.</p><p>Manche dieser Arbeiten f�hrten zu interessanten Begegn ungen.</p><p>Am Morgen des zweiten Tages ihres Aufenthalts in der Burg fischte sie mit einem langstieligen Rechen Schmutz aus den Teichen des Wassergartens. In der Nacht hatte es stark geregnet, und der Sturmwind hatte Bl�tter und Gras zu den hellgr�nen Seerosen und den sprie�enden Schwertlilien in den Teichen geweht, und sogar einen verendeten Spatz, den sie in einem der Blumenbeete begrub. Zwei Rote standen auf einer der bogenf�rmigen Teichbr�cken, lehnten sich auf die Steinbr�stung und beobachteten sie und die Fische, die in roten, goldenen und wei�en Schw�rmen unter ihnen hindurchflitzten. Ein halbes Dutzend Kr�hen sch�ssen aus einem Geb�sch und flogen stumm nach Norden. Kr�hen! Das Burggel�nde sollte angeblich gegen Kr�hen und Raben abgeschirmt sein. Die Roten schienen sie nicht gesehen zu haben.</p><p>Egwene hockte neben einem Teich auf den Fersen und wusch sich den Schmutz von den H�nden, nachdem sie den armen Vogel begraben hatte, als Alviarin auftauchte, die mit wei�en Fransen besetzte Stola fest um den K�rper gewickelt, als w�re der Morgen noch immer windig, statt hell und freundlich. Das war jetzt das dritte Mal, dass sie Alviarin sah, und jedes Mal war sie allein und nicht in Gesellschaft anderer Wei�er gewesen. Dabei hatte sie in den G�ngen Gruppen aus Wei�en gesehen. War das ein Hinweis? Wenn dem so war, verstand sie ihn nicht, es sei denn, Alviarin w�rde aus irgendeinem Grund von ihrer eigenen Ajah geschnitten. Sicherlich war die F�ulnis noch nicht so tief eingedrungen.</p><p>Alviarin warf den Roten einen Blick zu und ging dann auf dem Kiesweg zwischen den Teichen auf Egwene zu. �Ihr seid tief gefallen�, sagte sie, als sie nahe heran war. �Und Ihr m�sst es deutlich sp�ren.�</p><p>Egwene richtete sich auf und trocknete die H�nde an den R�cken ab, dann hob sie den Rechen auf. �Da bin ich nicht die Einzige.� Sie hatte vor der Morgend�mmerung eine weitere Sitzung bei Silviana gehabt, und beim Verlassen des Arbeitszimmers hatte Alviarin wieder vor der T�r gewartet. F�r Alviarin war das ein t�gliches Ritual, und es war das Gespr�ch im Novizinnenquartier, und jeder spekulierte �ber die Gr�nde daf�r. �Meine Mutter hat immer gesagt, weine nicht �ber Dinge, die nicht geflickt werden k�nnen. Das scheint ein guter Rat unter diesen Umst�nden.�</p><p>Rote Flecken tauchten auf Alviarins Wangen auf. �Aber ihr scheint viel zu weinen. Sogar endlos, wie man so h�rt. Ihr w�rdet sicherlich fliehen, wenn Ihr k�nntet.�</p><p>Egwene fing ein weiteres Blatt und sch�ttelte es �ber dem Holzeimer voller feuchter Bl�tter zu ihren F��en ab. �Eure Loyalit�t zu Elaida ist nicht sehr stark, oder?�</p><p>�Wie kommt Ihr darauf?�, sagte Alviarin misstrauisch. Nach einem Blick auf die Roten, die sich jetzt mehr f�r die Fische als f�r Egwene zu interessieren schienen, trat sie noch n�her heran und lud zu gesenktem Tonfall ein.</p><p>Egwene fischte einen langen Grashalm heraus, der den ganzen weiten Weg von den Ebenen jenseits des Flusses gekommen sein musste. Sollte sie den Brief erw�hnen, den diese Frau Rand geschrieben und in dem sie ihm praktisch die Wei�e Burg zu F��en gelegt hatte? Nein, diese Information w�rde sich vielleicht als n�tzlich erweisen, aber es schien eines jener Dinge zu sein, die man nur einmal benutzen konnte. �Sie hat Euch die Beh�terinnenstola weggenommen und Eure Bu�e angeordnet. Das f�rdert kaum die Loyalit�t.�</p><p>Alviarins Gesicht blieb ausdruckslos, aber ihre Schultern entspannten sich sichtlich. Aes Sedai lie�en sich nur selten so viel anmerken. Sie musste unter ph�nomenalem Druck stehen, um sich so wenig unter Kontrolle zu haben. Sie warf den Roten noch einen schnellen Blick zu. �Denkt �ber Eure Situation nach�, sagte sie beinahe fl�sternd. �Wenn Ihr fliehen wollt, nun, vielleicht findet Ihr ja eine M�glichkeit.�</p><p>�Ich bin mit meiner Situation zufrieden�, sagte Egwene.</p><p>Alviarins Brauen sch�ssen �berrascht nach oben, aber nach einem weiteren Blick auf die Roten � von denen jetzt eine her�berschaute � rauschte sie davon, ein sehr schnelles Rauschen am Rande eines Laufschritts.</p><p>Sie tauchte alle zwei oder drei Tage auf, w�hrend Egwene irgendeine Arbeit verrichtete, und auch wenn sie niemals offen Hilfe bei einer Flucht anbot, benutzte sie dieses Wort doch h�ufig, und sie fing an, Frustration zu zeigen, weil Egwene nicht nach dem K�der schnappte. Und es konnte nur ein K�der sein. Egwene vertraute ihr nicht. Vielleicht war es der Brief, der bestimmt dazu gedacht gewesen war, Rand in die Burg zu locken und damit in Elaidas Krallen, vielleicht war es auch die Art, in der sie darauf wartete, dass Egwene den ersten Schritt machte, vielleicht bettelte. Sicherlich w�rde Alviarin versuchen, dann Bedingungen zu stellen. Aber Egwene hatte sowieso nicht die Absicht, die Flucht zu ergreifen, es sei denn, ihr blieb keine andere Wahl, also gab sie immer die gleiche Erwiderung.</p><p>�Ich bin mit meiner Situation zufrieden.�</p><p>Alviarin fing an, deutlich h�rbar mit den Z�hnen zu knirs chen, wenn sie das h�rte.</p><p>Am vierten Tag schrubbte sie auf H�nden und Knien blaue und wei�e Fliesen, als die Stiefel von drei M�nnern in Begleitung einer Schwester in aufw�ndig bestickter, roter Seide an ihr vorbeigingen. Ein paar Schritte weiter blieben die Stiefel stehen.</p><p>�Das k�nnte sie sein�, sagte eine M�nnerstimme mit illianischem Akzent. �Man hat mich auf sie hingewiesen. Ich glaube, ich werde mit ihr sprechen.�</p><p>�Sie ist blo� irgendeine Novizin, Mattin Stepaneos�, sagte die Schwester zu ihm. �Ihr wolltet im Garten spazieren.� Egwene tauchte ihre B�rste in den Eimer mit dem Seifenwasser und k�mmerte sich um die n�chste Fliesenreihe.</p><p>�Gl�ck, stich mich, Cariandre, das hier mag ja die Wei�e Burg sein, aber ich bin noch immer der rechtm��ige K�nig von Illian, und wenn ich mit ihr sprechen m�chte � mit Euch als Anstandsdame; alles so schicklich, wie es sich geh�rt �, dann spreche ich auch mit ihr. Man hat mir gesagt, dass sie zusammen mit al�Thor aufgewachsen ist.� Ein auf Hochglanz poliertes Stiefelpaar trat vor Egwene hin.</p><p>Erst da stand sie auf, die tropfende B�rste in der Hand.</p><p>Mit der anderen strich sie sich das Haar aus dem Gesicht.</p><p>Sie nahm davon Abstand, sich das Kreuz zu massieren, sosehr sie es auch wollte.</p><p>Mattin Stepaneos war st�mmig und fast kahl, mit einem sauber gestutzten wei�en Bart nach der illianischen Mode und einem faltigen Gesicht. Seine Augen blickten scharf und �rgerlich. Eine R�stung h�tte ihm besser gestanden als der gr�ne Seidenmantel mit den aufgestickten goldenen Bienen an Aufschl�gen und Manschetten. �Irgendeine Novizin?�, murmelte er. �Ich glaube, Ihr m�sst Euch irren, Cariandre.�</p><p>Die mollige Rote lie� die beiden Diener mit der Flamme von Tar Valon auf der Brust mit zusammengepressten Lippen stehen und gesellte sich zu dem Mann. Ihr missbilligender Blick verweilte kurz auf Egwene, bevor er sich wieder auf ihn richtete. �Sie ist eine oft bestrafte Novizin, die einen Boden zu putzen hat. Kommt. Im Garten m�sste es heute Morgen sehr sch�n sein.�</p><p>�Sch�n w�re es�, sagte er, �einmal mit jemand anderem als einer Aes Sedai zu sprechen. Und dann auch nur mit einer Roten Ajah, da Ihr es ja immer schafft, mich von den anderen fernzuhalten. Dar�ber hinaus k�nnten die Diener, die Ihr mir gegeben habt, genauso gut stumm sein, und ich glaube, die Turmw�chter haben auch den Befehl, in meiner N�he den Mund zu halten.�</p><p>Er verstummte, als sich zwei weitere Rote n�herten. Nesita, mollig und blau�ugig und so gemein wie eine Schlange mit Juckreiz, nickte Cariandre kameradschaftlich zu, w�hrend Barasine Egwene den mittlerweile allzu vertrauten Zinnbecher reichte. In gewisser Weise schienen die Roten f�r sie zust�ndig zu sein � ihre Beobachter waren immer Rote, und sie lie�en nur selten viel mehr als die versprochene Stunde vergehen, bevor jemand mit dem Becher Spaltwurzeltee kam. Sie leerte ihn und gab ihn zur�ck. Nesita schien entt�uscht zu sein, dass sie weder protestierte noch sich weigerte, ihn zu trinken, aber das schien nicht viel Sinn zu ergeben. Sie hatte es einmal versucht, und Nesita hatte geholfen, ihr das eklige Zeug mit einem Trichter in den Hals zu sch�tten, den sie immer in der G�rteltasche bereithielt. Das w�re ein sch�nes, w�rdevolles Schauspiel vor Mattin Stepaneos gewesen.</p><p>Er sah dem stummen Schauspiel mit verbl�fftem Inter esse zu, obwohl Cariandre an seinem �rmel zupfte und ihn erneut zu seinem Spaziergang im Garten dr�ngte. �Schwestern bringen Euch Wasser, wenn Ihr Durst habt?�, fragte er, als Barasine und Nesita davonrauschten.</p><p>�Ein Tee, der meine Stimmung verbessern soll�, sagte sie zu ihm. �Ihr seht gut aus, Mattin Stepaneos. F�r einen Mann, den Elaida entf�hren lie�.� Auch diese Geschichte war im Novizinnenquartier das Gespr�chsthema.</p><p>Cariandre zischte und �ffnete den Mund, aber er kam ihr zuvor. �Elaida hat mich davor bewahrt, von al�Thor ermordet zu werden�, sagte er. Die Rote nickte wohlwollend.</p><p>�Warum solltet Ihr eine Gefahr f�r ihn sein?�, fragte Egwene.</p><p>Der Mann grunzte. �Er hat Morgase in Caemlyn ermordet und Colavaere in Cairhien. Er hat bei der Gelegenheit den halben Sonnenpalast zerst�rt, wie ich geh�rt habe. Und ich habe auch von tairenischen Hochlords geh�rt, die in Cairhien vergiftet oder erstochen wurden. Wer wei� schon, welche anderen Herrscher er ermordet und ihre Leichen beseitigt hat?� Cariandre nickte wieder l�chelnd. Man h�tte ihn f�r einen Schuljungen halten k�nnen, der seine Lektionen aufsagte. Verstand die Frau denn gar nichts von M�nnern? Ihm entging es jedenfalls nicht. Sein Unterkiefer spannte sich noch mehr an, und kurz ballten sich seine H�nde zu F�usten.</p><p>�Colavaere hat sich selbst erh�ngt�, sagte Egwene und achtete darauf, geduldig zu klingen. �Der Sonnenpalast wurde sp�ter besch�digt, als jemand den Wiedergeborenen Drachen t�ten wollte, vielleicht die Verlorenen, und laut Elayne Trakand wurde ihre Mutter von Rahvin get�tet. Rand hat ihren Anspruch sowohl auf den L�wenthron wie auch den Sonnenthron unterst�tzt. Er hat keinen der cairhienischen Adligen get�tet, die gegen ihn rebellierten, oder die rebellierenden Hochlords. Tats�chlich hat er einen von ihnen in Tear zu seinem Verwalter gemacht.�</p><p>�Ich glaube, das reicht��, fing Cariandre an und zog die Stola �ber ihre Schultern, aber Egwene ging einfach �ber sie hinweg.</p><p>�Das alles h�tte Euch jede Schwester sagen k�nnen. H�tten sie es gewollt. Falls sie miteinander sprechen w�rden. Denkt mal dar�ber nach, warum Ihr nur Rote Schwestern seht. Habt Ihr irgendwelche Schwestern zweier verschiedener Ajah gesehen, die miteinander sprechen? Man hat Euch entf�hrt und auf ein sinkendes Schiff gebracht.�</p><p>�Das ist mehr als genug�, fauchte Cariandre. �Wenn Ihr mit dem Boden hier fertig seid, werdet Ihr zur Oberin der Novizinnen laufen und sie bitten, Euch wegen Dr�ckebergerei zu bestrafen. Und weil Ihr respektlos zu einer Aes Sedai gewesen seid.�</p><p>Egwene begegnete dem w�tenden Blick der Frau ruhig.</p><p>�Ich habe kaum genug Zeit, um mich nach dem Putzen f�r meinen Unterricht bei Kiyoshi sauber zu machen. K�nnte ich Silviana nach dem Unterricht besuchen?�</p><p>Cariandre r�ckte die Stola zurecht, scheinbar von ihrer Ruhe aus dem Konzept gebracht. �Das ist allein Euer Problem�, sagte sie schlie�lich. �Kommt, Mattin Stepaneos. Ihr habt diesem Kind lange genug geholfen, sich vor der Arbeit zu dr�cken.�</p><p>Nachdem Egwene Silvianas Arbeitszimmer verlie�, blieb ihr nicht genug Zeit, um ihr feuchtes Kleid zu wechseln oder sich gar zu k�mmen, nicht, wenn sie p�nktlich bei Kiyoshi sein wollte, ohne zu rennen, was sie ablehnte. Also kam sie zu sp�t, und es stellte sich heraus, dass die schlanke Graue penibel sowohl auf P�nktlichkeit wie auf Ordentlichkeit achtete, sodass sie kaum mehr als eine Stunde sp�ter wieder unter Silvianas hart geschwungenem Riemen kreischte und um sich trat. Abgesehen davon, den Schmerz zu umarmen, half ihr noch etwas anderes, das durchzustehen. Die Erinnerung an Mattin Stepaneos� nachdenklichen Gesichtsausdruck, als Cariandre ihn den Korridor entlangf�hrte, und wie er sich zweimal �ber die Schulter zu ihr umdrehte. Sie hatte eine weitere Saat gepflanzt. Genug Saat, und vielleicht w�rde das, was aus ihr erwuchs, die Risse in der Plattform unter Elaida endg�ltig sprengen. Gen�gend Saatk�rner w�rden Elaida st�rzen.</p><p>Am siebten Tag ihrer Gefangenschaft trug sie wieder in aller Fr�he Wasser nach oben, diesmal zum Quartier der Wei�en Ajah, da blieb sie pl�tzlich wie angewurzelt stehen und hatte das Gef�hl, einen harten Schlag in den Magen bekommen zu haben. Zwei Frauen mit graufransigen Stolen kamen den Spiralkorridor herunter ihr entgegen, gefolgt von zwei Beh�tern. Die eine war Melavaire Someinellin, eine st�mmige Cairhienerin in kostbarer grauer Wolle und mit wei�en Str�hnen im Haar. Die andere war Beonin!</p><p>�Also habt Ihr mich verraten!�, stie� Egwene w�tend herv or. Ihr kam ein Gedanke. Wie konnte Beonin sie verraten haben, nachdem sie ihr die Treue geschworen hatte? �Ihr m�sst eine Schwarze Ajah sein!�</p><p>Melavaire richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf, was nicht besonders gro� war, da sie kleiner als Egwene war, und stemmte die F�uste in die �ppigen H�ften, bevor sie den Mund �ffnete, um ordentlich loszubr�llen. Egwene hatte einmal bei ihr Unterricht gehabt, und obwohl sie f�r gew�hnlich eine freundliche Frau war, konnte sie furchteinfl��end sein, wenn sie w�tend wurde.</p><p>Beonin legte der Schwester die Hand auf den Arm. �Mel avaire, lasst mich allein mit ihr sprechen.�</p><p>�Ich gehe davon aus, dass Ihr streng mit Ihr seid�, sagte Melavaire steif. �Allein auf die Idee zu kommen, eine solche Beschuldigung auszusprechen�! Manche Dinge �berhaupt in den Mund zu nehmen�!� Sie sch�ttelte angewidert den Kopf und entfernte sich ein St�ck den Korridor hinauf, gefolgt von ihrem Beh�ter, der noch breiter als sie war, ein B�r von einem Mann, obwohl er sich mit der erwarteten Beh�teranmut bewegte.</p><p>Beonin gab ein Zeichen und wartete, bis ihr Beh�ter, ein schlanker Mann mit einer Narbe im Gesicht, sich ihnen angeschlossen hatte. Sie richtete mehrere Male die Stola.</p><p>�Ich, ich habe gar nichts verraten�, sagte sie ruhig. �Niemals h�tte ich Euch die Treue geschworen, wenn mich der Saal nicht mit einem Rohrstock h�tte pr�geln lassen, wenn er die Geheimnisse erfahren h�tte, die Ihr kennt. Vielleicht sogar mehr als einmal. Grund genug, um zu schw�ren, oder? Ich habe nie behauptet, Euch zu lieben, aber ich habe mich an den Eid gehalten, bis man Euch gefangen genommen hat. Aber Ihr seid nicht l�nger die Amyrlin, richtig? Nicht als Gefangene, nicht, wenn keine Hoffnung bestand, Euch zu retten, wo Ihr doch nicht gerettet werden wolltet. Und Ihr seid wieder Novizin. Was also diesen Eid angeht, es gibt zwei Gr�nde, warum er nicht l�nger gilt. Dieses Gerede von Rebellion, es war dummes Gerede. Die Rebellion ist vorbei. Die Wei�e Burg wird bald wieder vereint sein, und mir wird das nicht leidtun.�</p><p>Egwene nahm die Tragestange von den Schultern, stellte die Wassereimer ab und verschr�nkte die Arme unter den Br�sten. Sie hatte versucht, seit ihrer Gefangennahme ganz ruhig zu sein � nun ja, au�er wenn sie bestraft wurde �, aber diese Begegnung h�tte einen Stein auf die Probe gestellt. �Ihr habt viele Erkl�rungen�, sagte sie trocken. �Wollt Ihr Euch selbst �berzeugen? Das wird nicht funktionieren, Beonin. Das wird es nicht. Wenn die Rebellion vorbei ist, wo ist dann die Flut der Schwestern, die kommen, um vor Elaida niederzuknien und ihre Bu�e auf sich zu nehmen? Beim Licht, was habt Ihr noch verraten? Alles?� Es erschien m�glich. Sie hatte Elaidas Arbeitszimmer mehrmals in <emphasis>Tel�aran�rhiod</emphasis> besucht, aber der Korrespondenzkasten der Frau war immer leer gewesen. Jetzt kannte sie den Grund.</p><p>Scharfe rote Flecken erschienen auf Beonins Wangen. �Ich sage Euch, ich habe nichts verrat�!� Sie endete mit einem erstickten Grunzen und legte eine Hand an den Hals, als wollte er die L�ge nicht auf ihrer Zunge liegen lassen. Das bewies, dass sie keine Schwarze Ajah war; aber es bewies noch viel mehr.</p><p>�Ihr habt die Spione verraten. Sind sie alle unten in den Zellen?�</p><p>Beonins Blick huschte den Korridor hinauf. Melavaire sprach mit ihrem Beh�ter; er neigte den Kopf zu ihr herunter. St�mmig oder nicht, er war gr��er als sie. Beonins Tervail beobachtete sie mit besorgter Miene. Die Entfernung war zu gro�, als dass einer von ihnen h�tte lauschen k�nnen, aber Beonin trat n�her heran und senkte die Stimme. �Elaida, sie l�sst sie beobachten, aber ich glaube, die Ajahs behalten ihre Erkenntnisse f�r sich. Nur wenige Schwestern wollen Elaida mehr sagen, als sie m�ssen. Es war n�tig, das m�sst Ihr verstehen. Ich konnte kaum in die Burg zur�ckkehren und ihre Existenz geheim halten. Man h�tte das irgendwann entdeckt.�</p><p>�Dann m�sst Ihr sie warnen.� Egwene schaffte es nicht, ihre Verachtung aus der Stimme herauszuhalten. Diese Frau spaltete Haare mit einer Rasierklinge! Sie benutzte die fadenscheinigste Entschuldigung, um ihre Entscheidung zu rechtfertigen, dass sie sich nicht l�nger an ihren Eid halten musste, und dann <emphasis>verriet</emphasis> sie die Frauen, bei deren Auswahl sie geholfen hatte. Blut und verdammte Asche!</p><p>Beonin schwieg einen langen Augenblick, fummelte an ihrer Stola herum, aber dann sagte sie �berraschenderweise: �Ich habe Meidani und Jennet bereits gewarnt.� Das waren die beiden Grauen unter den Spioninnen. �Ich habe f�r sie getan, was ich konnte. Die anderen m�ssen allein schwimmen oder untergehen. Schwestern sind schon angegriffen worden, nur weil sie zu nahe bei den Quartieren anderer Ajahs waren. Ich, ich werde nicht nur mit meiner Stola bekleidet und voller Striemen zu meinen Gem�chern zur�ckschleichen, nur um��</p><p>�Betrachtet es als Bu�e�, unterbrach Egwene sie. Beim Licht! Man hatte Schwestern angegriffen? Die Dinge standen noch schlimmer, als sie gedacht h�tte. Sie musste daran denken, dass ein gut ged�ngter Boden ihrer Saat beim Bl�hen helfen w�rde.</p><p>Beonin schaute erneut in den Korridor hinauf, und Tervail machte einen Schritt auf sie zu, bevor sie den Kopf sch�ttelte. Trotz ihrer verf�rbten Wangen war ihr Gesicht unbewegt, aber im Inneren musste sie aufgew�hlt sein. �Ihr wisst, dass ich Euch zur Oberin der Novizinnen schicken k�nnte?�, sagte sie angespannt. �Wie ich geh�rt habe, jammert Ihr Silviana den halben Tag etwas vor. Euch w�rden noch mehr Besuche wohl kaum gefallen, oder?�</p><p>Egwene l�chelte sie an. Keine zwei Stunden zuvor war es ihr gelungen, in dem Augenblick zu l�cheln, in dem Silvianas Riemen nicht mehr fiel. Das hier war viel schwerer. �Wer wei� schon, was ich alles dabei von mir gebe? Vielleicht etwas �ber Eide?� Die Farbe wich aus Beonins Wangen und machte ihr Gesicht totenblass. Nein, sie konnte nicht wollen, dass das bekannt wurde. �Ihr m�gt Euch selbst davon �berzeugt haben, dass ich nicht l�nger die Amyrlin bin, Beonin, aber es ist Zeit, dass Ihr anfangt, Euch davon zu �berzeugen, dass ich es noch immer bin. Ihr werdet die anderen warnen, ganz egal, welchen Preis Ihr daf�r bezahlen m�sst. Sagt Ihnen, sie sollen mich meiden, bis ich ihnen eine Nachricht zukommen lasse. Sie haben bereits mehr als genug Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Aber von jetzt an werdet Ihr jeden Tag zu mir kommen, f�r den Fall, dass ich Anweisungen f�r sie habe. So wie jetzt.� Schnell listete sie die Dinge auf, die sie in Gespr�che einflie�en lassen sollten. Shemerin, der man die Stola abnahm. Elaidas Verstrickung in die Katastrophen bei den Quellen von Dumai und der Schwarzen Burg, die Saat, die sie bereits ges�t hatte. Aber jetzt w�rde sie nicht mehr nur eine nach der anderen s�en, sondern man w�rde sie mit vollen H�nden ausstreuen.</p><p>�Ich, ich kann nicht f�r die anderen Ajahs sprechen�, sagte Beonin, als sie geendet hatte, �aber bei den Grauen sprechen die Schwestern oft davon. In letzter Zeit sind die Augen-und-Ohren sehr besch�ftigt. Geheimnisse, die Elaida bewahren wollte, sie kommen jetzt heraus. Ich bin davon �berzeugt, dass es bei den anderen genauso ist. Vielleicht ist es nicht n�tig, dass ich��</p><p>�Warnt sie und �berbringt meine Befehle, Beonin.�</p><p>Egwene hob den Tragestab wieder auf die Schultern und r�ckte ihn in die bequemste Position, die sie finden konnte. Zwei oder drei der Wei�en w�rden sie mit einer Haarb�rste oder einem Halbschuh traktieren <emphasis>und</emphasis> sie zu Silviana schicken, wenn sie auf den Gedanken kamen, sie w�rde tr�deln. Den Schmerz zu umarmen, selbst ihn willkommen zu hei�en, hie� nicht, ihn unn�tigerweise herauszufordern. �Vergesst nicht. Es ist eine Bu�e, die ich Euch auferlege.�</p><p>�Ich werde tun, was Ihr sagt�, erwiderte Beonin mit offensichtlichem Z�gern. Pl�tzlich trat ein harter Ausdruck in ihre Augen, aber er war nicht f�r Egwene bestimmt. �Es w�re erfreulich, mit ansehen zu k�nnen, wie Elaida gest�rzt wird�, sagte sie in einem geh�ssigen Tonfall, bevor sie zu Melavaire eilte.</p><p>Diese schockierende Begegnung, die zu einem unerwartet en Sieg geworden war, bescherte Egwene einen sch�nen Tag, und es machte ihr nicht einmal etwas aus, dass Ferane tats�chlich der Meinung war, sie h�tte getr�delt. Die Wei�e Sitzende war mollig, aber ihr Arm war so stark wie Silvianas.</p><p>An diesem Abend schleppte sie sich nach dem Essen nach unten in die offenen Zellen, obwohl sie nur noch ins Bett wollte. Abgesehen von dem Unterricht und dem Br�llen unter Silvianas Riemen � das letzte Mal kurz vor dem Abendessen � hatte sie den gr��ten Teil des Tages damit verbracht, Wasser zu schleppen. R�cken und Schultern schmerzten. Sie schwankte vor M�digkeit. Seltsamerweise hatte sie seit ihrer Gefangennahme keine dieser entsetzlichen Kopfschmerzen mehr und auch keinen dieser schlimmen Tr�ume, die sie immer verst�rt zur�ckgelassen hatten, obwohl sie sich nie an ihren Inhalt hatte erinnern k�nnen, aber vermutlich w�rde sie heute Nacht pr�chtige Kopfschmerzen bekommen. Das w�rde es erschweren, wahre Tr�ume zu bekommen, und sie hatte in letzter Zeit ein paar sch�ne gehabt, �ber Rand, Mat, Perrin, sogar �ber Gawyn, obwohl es bei Letzterem nur einfache Tr�ume gewesen waren.</p><p>Leane wurde von drei Wei�en Schwestern bewacht, die sie fl�chtig kannte: Nagora, eine schlanke Frau mit hellem Haar, das sie in einer Rolle im Nacken trug, und die immer kerzengerade dasa�, um ihre mangelnde Gr��e auszugleichen; Norine, die mit ihren gro�en feuchten Augen sehr h�bsch aussah, aber oftmals genauso geistesabwesend wie eine Braune war; und Miyasi, gro� und mollig mit eisengrauem Haar, eine strenge Frau, die keinen Unsinn duldete, ihn aber �berall sah. Nagora hielt Leonins Abschirmung aufrecht, doch sie diskutierten �ber irgendein Problem der Logik, und Egwene konnte den wenigen Worten, die sie aufschnappen konnte, nicht entnehmen, um was es ging. Sie konnte nicht einmal sagen, ob es zwei unterschiedliche Meinungen oder gar drei gab. Es gab keine erhobenen Stimmen, keine drohenden F�uste, die Gesichter blieben Aes-Sedai-Masken, aber die K�lte in ihren Stimmen lie� keinen Zweifel, dass, w�ren sie keine Aes Sedai gewesen, sie sich angeschrien oder gar gepr�gelt h�tten. Der Aufmerksamkeit nach zu urteilen, die sie ihr beim Eintreten schenkten, h�tte sie genauso gut nicht existieren k�nnen.</p><p>Sie beobachtete die drei aus dem Augenwinkel, ging so nahe an die Gitterst�be heran, wie sie konnte, und packte sie mit beiden H�nden, um sich zu st�tzen. Beim Licht, war sie m�de! �Ich habe heute Beonin gesehen�, sagte sie leise. �Sie ist hier in der Burg. Sie behauptete, ihr Treueid mir gegen�ber w�rde keine Bedeutung mehr haben, weil ich nicht l�nger der Amyrlin-Sitz sei.�</p><p>Leane keuchte auf und trat nahe genug heran, dass sie das Gitter ber�hrte. <emphasis>�Sie</emphasis> hat uns verraten?�</p><p>�Die nat�rliche Unm�glichkeit verborgener Strukturen ist eine Voraussetzung�, sagte Nagora entschieden. Ihre Stimme war ein eisiger Hammer. �Eine Voraussetzung.�</p><p>�Sie bestreitet es, und ich glaube ihr�, fl�sterte Egwene.</p><p>�Aber sie gibt zu, die Spione verraten zu haben. Elaida l�sst sie im Augenblick nur beobachten, aber ich habe Beonin befohlen, sie zu warnen, und sie hat gesagt, sie w�rde es tun. Sie sagt, sie h�tte Meidani und Jennet bereits gewarnt, aber warum sollte sie sie verraten und es ihnen danach offenbaren? Und sie sagte, sie w�rde Elaida gern gest�rzt sehen. Warum sollte sie zu Elaida fliehen, wenn sie sie noch immer st�rzen will? Sie hat so gut wie zugegeben, dass niemand sonst unsere Sache im Stich gelassen hat. Ich �bersehe da etwas, und ich bin zu m�de, um zu erkennen, was es ist.� Ein G�hnen, das sie kaum rechtzeitig mit der Hand bedecken konnte, lie� ihren Kiefer knacken.</p><p>�Verborgene Strukturen werden von vier der f�nf Axiome des sechsten Systems der Rationalit�t impliziert�, sagte Miyasi genauso energisch. �Stark impliziert.�</p><p>�Das sogenannte sechste System der Rationalit�t ist von jedem vernunftbegabten Menschen als Irrweg verworfen worden�, warf Norine scharf ein. �Aber verborgene Strukturen sind unabdingbar, wenn man je verstehen will, was jeden Tag genau hier in der Burg geschieht. Die Realit�t selbst verschiebt sich, ver�ndert sich jeden Tag.�</p><p>Leane warf den Wei�en einen Blick zu. �Manche waren immer der Meinung, dass Elaida Spione unter uns hatte. Falls Beonin dazugeh�rte, h�tte ihr Eid an Euch sie so lange gebunden, bis sie sich selbst davon �berzeugen konnte, dass Ihr nicht l�nger die Amyrlin seid. Aber wenn ihr Empfang hier nicht so war, wie sie erwartet hatte, h�tte das m�glicherweise ihre Loyalit�ten �ndern k�nnen. Beonin war schon immer ehrgeizig. Falls sie nicht die Anerkennung bekam, die sie f�r angebracht hielt�� Sie breitete die H�nde aus.</p><p>�Beonin hat immer ihren geb�hrenden Lohn und noch mehr erwartet.�</p><p>�Logik ist immer auf die reale Welt anwendbar�, sagte Miyasi abwertend, �aber nur eine Novizin w�rde glauben, dass man die reale Welt auf die Logik anwenden kann. Ideale <emphasis>m�ssen</emphasis> die ersten Prinzipien sein. <emphasis>Nicht</emphasis> die allt�gliche Welt.� Nagora lie� den Mund mit einem finsteren Blick zuschnappen, als w�rde sie glauben, dass man ihr gerade die Worte aus dem Mund genommen hatte.</p><p>Norine err�tete leicht, erhob sich und rauschte auf Egwene zu. Die anderen beiden folgten ihr mit Blicken, und sie schien die Blicke zu sp�ren, zog unbehaglich an ihrer Stola herum.</p><p>�Kind, Ihr seht ersch�pft aus. Geht jetzt zu Bett.�</p><p>Egwene wollte nichts mehr, als ins Bett zu gehen, aber sie hatte eine Frage, die zuerst noch beantwortet werden musste. Aber jetzt musste sie vorsichtig sein. Die drei Wei�en h�rten nun alle aufmerksam zu. �Leane, stellen die Schwestern, die Euch besuchen, noch immer dieselben Fragen?�</p><p>�Ich habe Euch gesagt, Ihr sollt zu Bett gehen�, sagte Norine scharf. Sie klatschte in die H�nde, als w�rde Egwene so besser gehorchen.</p><p>�Ja�, sagte Leane. �Ich verstehe, was Ihr meint. Vielleicht kann es da ein gewisses Ma� an Vertrauen geben.�</p><p>�Ein kleines Ma߫, sagte Egwene.</p><p>Norine stemmte die F�uste in die H�ften. Weder in ihrem Gesicht noch in ihrer Stimme lag nun noch K�hle. �Da Ihr Euch weigert, zu Bett zu gehen, k�nnt Ihr zur Oberin der Novizinnen gehen und ihr sagen, dass Ihr einer Schwester nicht gehorcht habt.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Egwene schnell und wandte sich zum Gehen. Sie hatte ihre Antwort � Beonin hatte das Schnelle Reisen nicht weitergegeben, und das bedeutete, dass sie vermutlich auch sonst nichts weitergegeben hatte; vielleicht konnte man ein kleines bisschen Vertrauen haben � und Nagora und Miyasi kamen auf sie zu. Sie hatte nicht die geringste Lust, zu Silviana gezerrt zu werden, wozu zumindest Miyasi f�hig war. Sie hatte noch kr�ftigere Arme als Ferane.</p><p>Am Morgen ihres neunten Tages in der Burg kam Doesine vor Anbruch der Morgend�mmerung in Egwenes kleines Zimmer, um das morgendliche Heilen zu vollziehen. Drau�en regnete es mit einem dumpfen Rauschen. Die beiden Roten, die ihren Schlaf beobachtet hatten, verabreichten ihr die Spaltwurzel, warfen Doesine einen finsteren Blick zu und eilten fort. Die Gelbe Sitzende schnaubte ver�chtlich, als sich hinter ihnen die T�r schloss. Sie benutzte die alte Methode des Heilens, die Egwene aufkeuchen lie�, als h�tte man sie in eiskaltes Wasser getaucht, und in ihr einen Hei�hunger aufs Fr�hst�ck entfachte. Und die ihr die Schmerzen in ihrem Hinterteil nahm. Das f�hlte sich tats�chlich seltsam an; im Laufe der Zeit konnte man sich an alles gew�hnen, und ein blaues Hinterteil schien bereits v�llig normal zu sein. Aber die Benutzung der alten Methode, mit der sie jedes Mal seit ihrer Gefangennahme Geheilt worden war, best�tigte, dass Beonin einige Geheimnisse f�r sich behalten hatte, auch wenn es noch immer ein Geheimnis war, wie sie das geschafft hatte. Beonin selbst hatte lediglich gesagt, dass die meisten Schwestern die Geschichten �ber neue Gewebe als Ger�chte abtaten.</p><p>�Ihr wollt, verflucht noch mal, einfach nicht nachgeben, was, Kind?�, sagte Doesine, w�hrend sich Egwene das Kleid �ber den Kopf zog. Ihre Ausdrucksweise stand im Widerstreit mit dem eleganten Erscheinungsbild dieser Frau in ihrem goldbestickten Blau mit den Saphiren im Ohr und in den Haaren.</p><p>�Sollte die Amyrlin jemals nachgeben?�, fragte Egwene, als ihr Kopf wieder zum Vorschein kam. Sie verdrehte die Arme, um die gebleichten Hornkn�pfe auf dem R�cken zu schlie�en.</p><p>Doesine schnaubte wieder, wenn auch diesmal nicht ver� chtlich, wie Egwene fand. �Ein mutiger Kurs, Kind. Und doch wette ich, dass Silviana Euch bald auf den richtigen Weg f�hren wird.� Aber sie ging, ohne Egwene daf�r zu bestrafen, weil sie sich als Amyrlin bezeichnet hatte.</p><p>Egwene hatte eine weitere Verabredung mit der Oberin vor dem Fr�hst�ck � bis jetzt hatte sie noch keinen Tag gefehlt �, und nach dem entschlossenen Versuch, Doesines Arbeit in einer Sitzung ungeschehen zu machen, h�rten ihre Tr�nen in dem Moment auf, in dem Silvianas Riemen nicht mehr zuschlug. Als sie sich vom Ende des Schreibtischs erhob, auf dem eine Lederplatte befestigt war, die dazu diente, dass man sich dar�berbeugte � und deren Oberfl�che von wer wei� wie vielen Frauen abgenutzt war-, und Unterhemd und R�cke auf ihre brennende Haut fielen, versp�rte sie nicht das Bed�rfnis zusammenzuzucken. Sie akzeptierte die schmerzhafte W�rme, hie� sie willkommen, w�rmte sich daran, so wie sie sich an einem kalten Wintermorgen die H�nde am Kamin gew�rmt h�tte. Im Augenblick gab es eine starke �hnlichkeit zwischen ihrem Hinterteil und einem lodernden Kamin. Aber der Blick in den Spiegel zeigte ihr ein unber�hrtes Gesicht. Rotwangig, aber ganz ruhig.</p><p>�Wie konnte man Shemerin zu einer Aufgenommenen zur�ckstufen?�, fragte sie und wischte sich mit dem Taschentuch die Tr�nen ab. �Ich habe mich erkundigt, und in den Burggesetzen steht nichts dar�ber.�</p><p>�Wie oft hat man Euch wegen dieser �Erkundigungen� zu mir geschickt?�, fragte Silviana und h�ngte den in der Mitte geteilten Riemen in den schmalen Schrank, neben den Halbschuh und den elastischen Rohrstock. �Ich h�tte gedacht, Ihr h�ttet mittlerweile schon lange aufgegeben.�</p><p>�Ich bin neugierig. Wie, wenn es daf�r keine Bestimmung gibt?�</p><p>�Keine Bestimmung, Kind�, sagte Silviana sanft, als w�rde sie zu einem kleinen Kind sprechen, �aber auch kein Verbot. Ein Schlupfloch, das� Nun, wir wollen das nicht vertiefen. Ihr w�rdet Euch nur wieder eine weitere Pr�gelstrafe einhandeln.� Sie sch�ttelte den Kopf, nahm ihren Platz hinter dem Schreibtisch ein und legte die H�nde auf die Tischoberfl�che. �Das Problem war, dass Shemerin es akzeptierte. Andere Schwestern best�rmten sie, das Urteil zu ignorieren, aber sobald sie erkannte, dass Betteln nichts an der Entscheidung der Amyrlin �ndern w�rde, zog sie in das Quartier der Aufgenommenen.�</p><p>Egwenes Magen knurrte laut und verlangte nach Fr�hs t�ck, aber sie war noch nicht fertig. Sie f�hrte tats�chlich mit Silviana eine Unterhaltung. Eine Unterhaltung, und es spielte keine Rolle, wie merkw�rdig das Thema war. �Aber warum sollte sie weglaufen? Sicherlich haben ihre Freundinnen nicht aufgeh�rt, sie zur Vernunft bringen zu wollen.�</p><p>�Ein paar hatten etwas Vern�nftiges zu sagen�, bemerkte Silviana trocken. �Andere�� Sie bewegte die H�nde wie zwei Waagschalen, zuerst war die eine oben, dann die andere.</p><p>�Andere wollten sie zwingen, Vernunft anzunehmen. Sie schickten sie fast so oft zu mir wie Euch. Ich behandelte ihre Besuche als private Bu�en, aber ihr fehlte Euer . ..� Sie verstummte abrupt, lehnte sich in ihrem Stuhl zur�ck und musterte Egwene �ber die aneinander gelegten Finger. �Sieh an. Ihr habt mich tats�chlich zum Plaudern gebracht. Das ist sicherlich nicht verboten, aber unter diesen Umst�nden schickt es sich wohl kaum. Geht zum Fr�hst�ck�, sagte sie, ergriff die Schreibfeder und �ffnete das Tintenf�sschen. �Ich trage Euch wieder f�r den Mittag ein, weil ich wei�, dass Ihr keinen Knicks machen werdet.� In ihrer Stimme lag ein leiser Hauch von Resignation.</p><p>Als Egwene den Speisesaal der Novizinnen betrat, stand die erste Novizin, die sie erblickte, auf, und pl�tzlich scharrten laut B�nke �ber die farbigen Bodenfliesen, als es die anderen auch taten. Sie standen schweigend an ihren B�nken, w�hrend Egwene den Mittelgang zur K�che ging. Da schoss Ashelin, ein h�bsches, dickes M�dchen aus Altara, in die K�che. Bevor Egwene die K�chent�r erreichte, war Ashelin mit einem Tablett zur�ck, auf dem der �bliche dicke Becher mit dampfendem Tee und der Teller mit Brot, Oliven und K�se standen. Egwene griff nach dem Tablett, aber das M�dchen mit dem dunklen Teint eilte zum n�chsten Tisch und stellte es vor einer leeren Bank ab, machte die Andeutung eines Knicks, als sie zur�cktrat. Zum Gl�ck f�r sie hatte keiner von Egwenes Begleitung an diesem Morgen diesen Augenblick gew�hlt, um in den Speisesaal zu schauen. Zum Gl�ck f�r alle Novizinnen, die aufgestanden waren.</p><p>Auf der Bank vor Egwenes Tablett lag ein Kissen. Ein zerlumptes Ding, das aus mehr verschiedenfarbigen Flicken als Originalmaterial bestand, aber immerhin noch ein Kissen. Egwene hob es auf und legte es ans Tischende, bevor sie sich setzte. Den Schmerz willkommen zu hei�en fiel leicht. Sie badete in der W�rme ihres eigenen Feuers. Ein leises Zischen wehte durch den Raum, ein kollektives St�hnen. Erst als sie eine Olive in den Mund schob, setzten sich die Novizinnen.</p><p>Um ein Haar h�tte sie sie sofort wieder ausgespuckt � sie war so gut wie verdorben �, aber sie war nach der Heilung ausgehungert, also spuckte sie nur den Kern in die Hand und legte ihn auf den Teller, sp�lte den Geschmack mit einem Schluck Tee fort. Der Tee war mit Honig ges��t! Novizinnen bekamen Honig nur bei besonderen Gelegenheiten. Sie versuchte, nicht zu l�cheln, als sie den Teller leerte, und sie leerte ihn richtig, tupfte selbst die Brot und K�sekr�mel mit dem angefeuchteten Finger auf. Aber es fiel schwer, nicht zu l�cheln. Zuerst Doesine � eine Sitzende! �, dann Silvianas Resignation, jetzt das. Die beiden Schwestern waren viel wichtiger als die Novizinnen oder der Honig, aber das alles wies auf dasselbe hin. Sie gewann ihren Krieg.</p></section><section><title><p>25</p><p>Dienst bei Elaida</p></title><p>Die goldverzierte Ledermappe unter dem Arm, blieb Tarna im Zentralschacht der Burg, als sie zu Elaidas Gem�chern hinaufstieg, auch wenn das bedeutete, eine scheinbar endlose Reihe von Treppen zu benutzen, statt die sanft ansteigenden Spiralkorridore. Zweimal befanden sich diese Treppen nicht mehr da, wo sie sie in Erinnerung hatte, aber solange sie nach oben stieg, w�rde sie ihr Ziel erreichen. Au�er Dienern, die sich verneigten oder knicksten, bevor sie weitereilten, begegnete ihr niemand auf den Stufen. In den Spiralkorridoren musste sie an den Eing�ngen der Ajah-Quartiere vorbei und w�rde vielleicht anderen Schwestern begegnen. Ihre Beh�terinnenstola erlaubte ihr, jedes Ajah-Quartier zu betreten, aber mit Ausnahme von dem der Roten mied sie sie alle, sofern es die Pflicht nicht verlangte. Unter den Schwestern der anderen Ajahs war sie sich nur zu bewusst, dass ihre schmale Stola rot war, nur zu bewusst, dass die erhitzten Blicke aus eiskalten Gesichtern sie verfolgten. Sie machten sie nicht nerv�s, das konnte nur wenig, sie nahm selbst das sich ver�ndernde Innere der Burg gelassen hin, aber trotzdem� Zwar glaubte sie nicht, dass sich die Situation so verschlechtert hatte, dass man die Beh�terin der Chroniken angreifen w�rde, aber sie ging keine Risiken ein. Es w�rde ein langer, harter Kampf sein, diese Situation wieder zu �ndern, ganz egal, was Elaida glaubte, und ein Angriff auf die Beh�terin w�rde das m�glicherweise endg�ltig zunichte machen.</p><p>Davon abgesehen, nicht st�ndig �ber die Schultern blicken zu m�ssen, verschaffte es ihr Zeit, �ber Pevaras beunruhig ende Frage nachdenken zu k�nnen, eine Frage, die vor dem Vorschlag, mit Asha�man den Bund einzugehen, nicht von Bedeutung gewesen war. Wem von den Roten konnte man eine solche Aufgabe �berhaupt anvertrauen? M�nner zu jagen, die die Macht lenken konnten, brachte Rote Schwestern dazu, alle M�nner mit Misstrauen zu betrachten, und eine gro�e Zahl von ihnen hasste sie. Ein �berlebender Bruder oder Vater mochte diesem Hass entkommen, vielleicht auch ein Lieblingscousin oder Onkel, aber sobald alle gestorben waren, verschwand auch die Zuneigung. Und das Vertrauen. Mit irgendeinem Mann den Bund einzugehen verstie� gegen Br�uche, die so bindend wie das Gesetz waren. Selbst mit Tsutamas Segen, wer w�rde m�glicherweise auf der Stelle zu Elaida rennen, wenn man das Thema anschnitt, sich mit einem Asha�man zu verbinden? Als sie den Eingang zu Elaidas Gem�chern erreicht hatte, nur zwei Stockwerke unter dem Dach der Burg, hatte sie drei Namen von ihrer geistigen Liste gestrichen. Nach fast zwei Wochen enthielt die Liste derer, denen sie sich sicher sein konnte, lediglich einen einzigen Namen, und der war f�r diese Aufgabe nicht geeignet.</p><p>Elaida befand sich in ihrem Wohnzimmer, wo s�mtliche M�bel vergoldet und mit Elfenbeinintarsien verziert waren und der gro�e Teppich einer von Tears kostbarsten Sch�pfungen war. Sie sa� auf einem Stuhl mit niedriger Lehne vor dem Marmorkamin und trank Wein mit Meidani. Trotz der fr�hen Stunde war es keine �berraschung, die Graue zu sehen. Meidani a� meistens mit der Amyrlin zu Abend und erhielt oft die Einladung, sie am Tag zu besuchen. Elaidas Stola mit den sechs Farbstreifen war breit genug, um ihre Schultern zu bedecken. Sie musterte die gr��ere Frau �ber den Rand ihres Kristallpokals, ein dunkel�ugiger Adler, der eine Maus mit gro�en blauen Augen musterte. Meidani schien sich dieses Blickes sehr bewusst zu sein. Ihre vollen Lippen l�chelten, aber sie schienen zittern zu wollen. Ihre freie Hand war st�ndig in Bewegung, ber�hrte den Smar agdkamm �ber dem linken Ohr, betastete das Haar oder legte sich auf den Busen, der von dem eng sitzenden Oberteil aus silbergrauer Brokatseide gr��tenteils entbl��t wurde. Ihr Busen war nicht unbedingt �ppig, aber ihre schlanke Figur lie� ihn so aussehen, und es hatte den Anschein, als w�rde er gleich aus dem Gewand h�pfen. Die Frau war f�r einen Ball gekleidet. Oder f�r eine Verf�hrung.</p><p>�Die Morgenberichte sind fertig, Mutter�, sagte Tarna und verbeugte sich leicht. Beim Licht! Sie kam sich vor, als w�rde sie zwei Geliebte st�ren!</p><p>�Es st�rt Euch doch nicht, wenn Ihr uns verlasst, Meidani?� Selbst das L�cheln, das Elaida an die blonde Frau richtete, war raubtierhaft.</p><p>�Nat�rlich nicht, Mutter.� Meidani stellte den Pokal auf einem kleinen Beistelltisch neben ihrem Stuhl ab und sprang auf die F��e, machte einen Knicks, der sie beinahe aus dem Kleid schl�pfen lie�. �Nat�rlich nicht.� Sie eilte schwer atmend und mit weit aufgerissenen Augen aus dem Raum.</p><p>Als sich die T�r hinter ihr schloss, lachte Elaida. �Als Novizinnen waren wir Kopfkissenfreundinnen�, sagte sie und stand auf, �und ich glaube, sie will diese Beziehung wieder aufleben lassen. Vielleicht mache ich das. M�glicherweise enth�llt sie zwischen den Kissen mehr, als sie bis jetzt verraten hat. N�mlich nichts, um die Wahrheit zu sagen.� Sie schritt zum n�chsten Fenster und starrte nach unten auf die Stelle, an der sich ihr fantastischer Palast erheben w�rde, der die Burg selbst �berragen sollte. Irgendwann. Falls man die Schwestern davon �berzeugen konnte, daran weiterzuarbeiten. Der heftige Regen, der w�hrend der Nacht eingesetzt hatte, fiel noch immer, und es erschien unwahrscheinlich, dass sie etwas von den Fundamenten sehen konnte, jedenfalls von denen, die es bereits gab. �Nehmt Euch Wein, wenn Ihr wollt.�</p><p>Es kostete Tarna M�he, keine Miene zu verziehen. Kopfk issenfreundinnen waren bei Novizinnen und Aufgenomm enen keine Seltenheit, aber Jugenddinge sollte man mit der Jugend abschlie�en. Das sahen nicht alle Schwestern so, das nicht. Galina war sehr �berrascht gewesen, als Tarna ihre Avancen abgewiesen hatte, nachdem sie die Stola errungen hatte. Sie selbst fand M�nner bedeutend attraktiver als Frauen. Die meisten M�nner schienen sich von Aes Sedai schwer einsch�chtern zu lassen, vor allem sobald sie erfuhren, dass man der Roten Ajah angeh�rte, aber im Laufe der Jahre war sie auf einige gesto�en, die das nicht taten.</p><p>�Das erscheint seltsam, Mutter�, sagte sie und legte die Ledermappe auf den Tisch, auf dem ein goldenes Tablett mit einer Kristallkaraffe und Pokalen stand. �Sie scheint sich vor Euch zu f�rchten.� Sie f�llte einen Pokal und schnupperte an dem Wein, bevor sie trank. Die Haltbarkeitsgewebe schienen zu halten. Im Augenblick. Elaida hatte schlie�lich eingewilligt, zumindest dieses Gewebe mit allen zu teilen. �So als w�sste sie, dass Ihr �ber ihre Rolle als Spionin Bescheid w�sstet.�</p><p>�Nat�rlich hat sie Angst vor mir.� In Elaidas Stimme lag deutlich Sarkasmus, dann verh�rtete sie sich zu Stein. �Ich will, dass sie Angst hat. Ich will sie durch die Mangel drehen. Wenn ich sie mit dem Rohrstock pr�geln lasse, wird sie sich selbst an das Ger�st fesseln, wenn ich es befehle. Wenn sie w�sste, dass ich es wei�, Tarna, w�rde sie sofort die Flucht ergreifen, statt sich mir auszuliefern.� Elaida starrte noch immer in den Regensturm hinaus und trank ihren Wein.</p><p>�Habt Ihr etwas Neues �ber die anderen erfahren?�</p><p>�Nein, Mutter. Wenn ich die Sitzenden dar�ber informier en k�nnte, warum man sie beobachten soll��</p><p>�Nein!�, fauchte Elaida und wirbelte zu ihr herum. Ihr Kleid war so mit aufw�ndigem roten Stickwerk �bers�t, dass es beinahe die graue Seide darunter verbarg. Tarna hatte vorgeschlagen, dass eine weniger auff�llige Zurschaustellung ihrer ehemaligen Ajah m�glicherweise helfen w�rde, die Ajahs wieder zusammenzubringen. Sie hatte es nat�rlich diplomatischer ausgedr�ckt, aber das hatte sie gemeint. Elaidas Wutausbruch hatte gereicht, dass sie dieses Thema seitd em mied. �Was ist, wenn einige der Sitzenden mit ihnen zusammenarbeiten? Ich w�rde ihnen das zutrauen. Diese l�cherlichen Gespr�che an der Br�cke werden trotz meiner Befehle fortgesetzt. Nein, ich w�rde ihnen das in der Tat zutrauen.�</p><p>Tarna neigte den Kopf �ber ihrem Pokal, akzeptierte, was sie nicht �ndern konnte. Elaida wollte einfach nicht einsehen, dass, wenn die Ajahs schon ihrem Befehl zum Abbruch der Verhandlungen nicht gehorchten, sie bestimmt nicht ohne jede Erkl�rung nur aufgrund ihres Befehls die eigenen Schwestern ausspionieren w�rden. Aber das zu erw�hnen w�rde nur eine weitere Tirade herausfordern.</p><p>Elaida starrte sie an, wie um sich zu vergewissern, dass sie keine Widerworte geben w�rde. Die Frau erschien noch h�rter als sonst. Und noch zerbrechlicher. �Eine Schande, dass die Rebellion in Tarabon gescheitert ist�, sagte sie schlie�lich. �Aber vermutlich l�sst sich daran nichts �ndern.� Seit die Nachricht eingetroffen war, dass die Seanchaner das Land wieder weitgehend unter Kontrolle hatten, erw�hnte sie das h�ufig, v�llig zusammenhanglos. Sie war nicht so resigniert, wie sie tat. �Ich will ein paar gute Neuigkeiten h�ren, Tarna. Was ist mit den Siegeln f�r das Gef�ngnis des Dunklen K�nigs? Wir m�ssen daf�r sorgen, dass nicht noch mehr davon gebrochen werden.� Als w�sste Tarna das nicht!</p><p>�Davon haben die Ajahs nichts berichtet, Mutter, und ich glaube nicht, dass sie das f�r sich behalten w�rden.� Sie hatte die letzten Worte noch nicht ganz ausgesprochen, als sie sich auch schon w�nschte, sie niemals gesagt zu haben.</p><p>Elaida grunzte. Die Ajahs gaben nur Bruchst�cke dessen weiter, was ihre Augen-und-Ohren erfuhren, und sie hasste es. Ihre eigenen Augen-und-Ohren waren in Andor konzentriert. �Wie geht die Arbeit in den H�fen voran?�</p><p>�Langsam, Mutter.� Da der G�terfluss behindert war, bekam die Stadt den ersten Hunger zu sp�ren. Falls man die H�fen nicht bald wieder w�rde �ffnen k�nnen, w�rde sie bald richtig hungern. Selbst den Teil der Kette des S�dhafens wegzuschneiden, der noch aus Eisen bestand, hatte nicht geholfen, gen�gend Schiffe nach Tar Valon zu lassen, um die Stadt zu versorgen. Nachdem Tarna Elaida von der Notwendigkeit �berzeugt hatte, hatte die Amyrlin angeordnet, die Kettent�rme abzurei�en, damit man die riesigen St�cke aus <emphasis>Cuendillar</emphasis> entfernen konnte. Aber wie die Stadtmauern waren auch die T�rme mit Hilfe der Macht gebaut worden, und nur die Macht konnte sie einrei�en. Und selbst das war alles andere als leicht. Die damaligen Baumeister hatten gute Arbeit geleistet, und <emphasis>diese</emphasis> Schutzgewebe schienen keinen Deut geschw�cht zu sein. �Im Augenblick leisten die Roten die meiste Arbeit. Gelegentlich kommen Schwestern von anderen Ajahs, aber es sind nur wenige. Allerdings erwarte ich, dass sich das bald �ndert.� Sie kannten die Bedeutung dieser Arbeit, sosehr sie sie auch verabscheuen mochten � keine Schwester schuftete gern auf diese Weise; die Roten, die den L�wenanteil leisteten, murrten ziemlich laut �, aber der Befehl war von Elaida gekommen, und im Moment bedeutete das, dass man sich zierte.</p><p>Elaida atmete tief ein, dann nahm sie einen gro�en Schluck. Sie schien ihn zu brauchen. Sie hielt den Pokal so fest umschlossen, dass ihre Sehnen auf dem Handr�cken hervortraten. Sie schoss �ber den gemusterten Seidenteppich auf Tarna zu, als wollte sie sie schlagen. �Sie trotzen mir schon wieder. Schon wieder! Sie <emphasis>werden</emphasis> mir gehorchen, Tarna. Das <emphasis>werden</emphasis> sie! Schreibt einen Befehl und h�ngt ihn in jedem Ajah-Quartier aus, sobald ich ihn unterschrieben habe.� Sie blieb so kurz vor Tarna stehen, dass sich ihre Nasenspitzen beinahe ber�hrten; ihre dunklen Augen funkelten wie die eines Raben. �Die Sitzenden einer jeden Ajah, die nicht ihre gerechte Anzahl an Schwestern zur Arbeit an den Hafent�rmen schicken, werden von Silviana t�glich ihre Bu�e erhalten, bis die Arbeiten erledigt sind. T�glich! Und f�r die Sitzenden jeder Ajah, die weiterhin Schwestern zu diesen� diesen <emphasis>Gespr�chen</emphasis> schicken, gilt das Gleiche. Schreibt das und legt es mir zur Unterschrift vor!�</p><p>Tarna holt tief Luft. Bu�en konnten funktionieren oder auch nicht, das kam auf die Entschlossenheit der Sitzenden und der Anf�hrerinnen der Ajahs an � sie glaubte nicht, dass die Dinge so schlimm standen, dass sie sich alle weigern w�rden, die Bu�en anzunehmen; das w�re mit Sicherheit Elaidas Ende, vielleicht sogar das Ende der Burg. Aber diesen Befehl �ffentlich auszustellen, den Sitzenden keine M�glichkeit zu lassen, ihre W�rde zu behalten, war die falsche Methode. M�glicherweise sogar die schlimmste �berhaupt.</p><p>�Falls ich einen Vorschlag machen darf��, begann sie so vorsichtig, wie sie konnte. Sie war nie f�r ihre Vorsicht bekannt gewesen.</p><p>�Das d�rft Ihr nicht�, unterbrach Elaida sie grob. Sie nahm noch einen gro�en Schluck, leerte den Pokal und rauschte �ber den Teppich, um sich nachzuschenken. In letzter Zeit trank sie zu viel. Tarna hatte sie sogar einmal betrunken gesehen! �Wie kommt Silviana mit dem al�Vere-M�dchen voran?�, fragte sie, w�hrend sie Wein nachf�llte.</p><p>�Egwene verbringt fast die H�lfte des Tages in Silvianas Arbeitszimmer.� Sie gab sich M�he, ihren Tonfall neutral zu halten. Das war das erste Mal, dass sich Elaida nach der jungen Frau seit ihrer Gefangennahme vor neun Tagen erkundigte.</p><p>�So oft? Ich will sie gez�hmt haben, nicht ihren Willen gebrochen.�</p><p>�Ich� bezweifle, dass ihr Wille gebrochen wird, Mutter.</p><p>Silviana wird da schon aufpassen.� Und dann war da noch das M�dchen selbst. Aber das war nicht f�r Elaidas Ohren bestimmt. Tarna hatte sich bereits genug anbr�llen lassen. Sie hatte es gelernt, Themen zu meiden, die nur in Gebr�ll endeten. Unausgesprochene Ratschl�ge und Vorschl�ge waren nicht n�tzlicher als Ratschl�ge und Vorschl�ge, die nicht angenommen wurden, und Elaida nahm beides so gut wie nie an. �Egwene ist stur, aber ich rechne damit, dass sie sich bald einsichtig zeigt.� Das M�dchen musste es. Galina, die Tarna ihre Blockade herausgepr�gelt hatte, hatte nicht ein Zehntel der M�he aufbringen m�ssen, die Silviana in Egwene hineinsteckte. Das M�dchen musste bald nachgeben.</p><p>�Ausgezeichnet�, murmelte Elaida. �Ausgezeichnet.� Sie blickte �ber die Schulter, das Gesicht eine Maske der Ruhe. Aber ihre Augen funkelten noch immer. �Setzt ihren Namen auf meinen Dienerplan. Nein, sie soll mir heute Abend aufwarten. Sie kann mich und Meidani beim Abendessen bedienen.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Mutter.� Anscheinend war ein weiterer Besuch bei der Oberin unausweichlich, aber zweifellos w�rde sich Egwene genauso viele verdienen, wenn sie nicht in Elaidas N�he kam.</p><p>�Und jetzt zu Euren Berichten, Tarna.� Elaida setzte sich wieder und schlug die Beine �bereinander.</p><p>Tarna stellte den kaum anger�hrten Pokal zur�ck auf das Tablett und setzte sich auf den Stuhl, den Meidani benutzt hatte. �Die erneuerten Schutzgewebe scheinen die Ratten aus der Burg fernzuhalten, Mutter�� � f�r wie lange, war eine andere Frage; sie �berpr�fte die Gewebe h�chstpers�nlich jeden Tag � �� aber man hat Raben und Kr�hen auf dem Burggel�nde gesehen, also m�ssen die Schutzgewebe in den Mauern��</p><p>Die mitt�gliche Sonne warf ihr Licht vorbei an den bl�tterbewachsenen �sten der hohen B�ume, gr��tenteils Eichen und Tupelos, dazwischen Pappeln und st�mmige Kiefern. Anscheinend hatte es vor einigen Jahren einen heftigen Sturm gegeben, denn �berall lagen Baumst�mme, die in derselben Richtung umgest�rzt waren und gute Sitzgelegenheiten boten; man musste nur ein paar �ste wegschlagen. Sp�rliches Unterholz erlaubte einen guten Blick in alle Richtungen, und nicht weit entfernt pl�tscherte ein kleiner, sauberer Bach �ber moosbewachsene Steine. Es w�re ein guter Lagerplatz gewesen, h�tte Mat nicht an jedem Tag so viele Meilen wie m�glich zur�cklegen wollen, aber es war auch ein guter Platz, um die Pferde verschnaufen zu lassen und zu essen. Die Damonab erge im Osten waren noch immer mindestens dreihundert Meilen entfernt, und er hatte vor, sie in einer Woche zu erreichen. Vanin kannte einen Schmugglerpass � nat�rlich war das reines H�rensagen; er hatte zuf�llig gelauscht, aber er wusste genau, wo er zu finden war-, der sie innerhalb von zwei Tagen nach Murandy bringen w�rde. Viel sicherer als der Versuch, nach Norden nach Andor vorzusto�en oder nach S�den auf Illian zuzureiten. In jeder Richtung w�rde der Weg in die Sicherheit l�nger und die Gefahr, auf Seanchaner zu sto�en, gr��er sein.</p><p>Mat knabberte den letzen Fetzen Fleisch vom Hinterlauf des Hasen und warf den Knochen auf den Boden. Lopin schoss herbei, strich sich konsterniert den Bart, hob ihn auf und lie� ihn in die Grube fallen, die er und Nerim in den mit Mulch bedeckten Waldboden gegraben hatten, obwohl die Grube keine halbe Stunde nach ihrem Aufbruch von Tieren aufgegraben sein w�rde. Mat wollte sich die H�nde an den Reithosen abwischen. Tuon, die auf der anderen Seite des kleinen Feuers an einem Rebhuhnschenkel knabberte, warf ihm mit erhobenen Brauen einen strengen Blick zu, w�hrend sie mit den Fingern der freien Hand Selucia, die ein halbes Rebhuhn in sich hineingestopft hatte, etwas �bermittelte. Die vollbusige Frau erwiderte nichts, aber sie schnaubte. Laut. Er erwiderte Tuons Blick und wischte sich die H�nde ganz langsam an den Reithosen ab. Er h�tte zu dem Fl�sschen gehen k�nnen, wo sich die Aes Sedai die H�nde wuschen, aber wenn sie Murandy erreichten, w�rde niemandes Kleidung mehr makellos sein. Davon abgesehen, wenn einen eine Frau st�ndig Spielzeug nannte, war es nur nat�rlich, jede Gelegenheit zu ergreifen, um sie wissen zu lassen, dass man niemandes Spielzeug war. Sie sch�ttelte den Kopf und fuchtelte wieder mit den Fingern. Diesmal lachte Selucia, und Mat f�hlte, wie ihm hei� das Blut in die Wangen stieg. Er konnte sich zwei oder drei Dinge vorstellen, die sie gesagt haben mochte, und nichts davon h�tte er gern geh�rt.</p><p>Setalle, die am Ende seines Stammes sa�, sorgte daf�r, dass er sie trotzdem h�rte. Die �bereinkunft mit der ehemaligen Aes Sedai hatte ihr Verhalten nicht um ein Haar ge�ndert. �Sie k�nnte gesagt haben, dass M�nner Schweine sind�, murmelte sie, ohne den Blick von ihrem Stickreifen zu heben, �oder dass blo� Ihr eines seid.� Ihr dunkelgraues Reitgewand wies einen hohen Kragen auf, aber sie trug noch immer die eng sitzende Silberkette mit dem Hochzeitsdolch. �Sie k�nnte gesagt haben, dass Ihr ein Bauernl�mmel mit Dreck in den Ohren und Stroh im Haar seid. Oder sie k�nnte gesagt haben��</p><p>�Ich glaube, wir verstehen, was Ihr meint�, sagte er durch die zusammengebissenen Z�hne zu ihr. Tuon kicherte, obwohl ihr Gesicht im n�chsten Augenblick wieder das eines Scharfrichters war, kalt und streng.</p><p>Er holte die Pfeife mit dem silbernen Kopfst�ck und den Tabaksbeutel aus Ziegenleder aus der Manteltasche, f�llte den Kopf mit dem Daumen und hob dann den Deckel des Schwefelholzkastens zu seinen F��en an. Es faszinierte ihn, wie das Feuer aufflammte, wie die Funken in alle Richtungen sprangen, wenn er den unf�rmigen, rotwei�en Kopf des Schwefelholzes �ber die harte Seite des K�stchens zog. Er wartete, bis die Flamme vom Kopf weggebrannt war, bevor er es dazu benutzte, die Pfeife anzuz�nden. Einmal hatte gereicht, den Schwefelgeschmack einzuatmen. Er lie� das brennende Schwefelholz fallen und trat es sorgf�ltig aus. Der Mulch war noch immer feucht vom letzten Regen, aber er ging im Wald kein Risiko ein. Bei den Zwei Fl�ssen kamen M�nner aus einer Entfernung von Meilen herbei, wenn der Wald brannte. Und trotzdem verbrannten manchmal Hunderte von Quadratmeilen.</p><p>�Man sollte die Schwefelh�lzer nicht verschwenden�, sagte Aludra und hob den Blick von dem kleinen Steine-Spielbrett, das auf einem Baumstamm in der N�he jonglierte. Thom strich sich den langen wei�en Schnurrbart und musterte das Spielbrett weiterhin nachdenklich. Er verlor nur selten eine Partie Steine, aber sie hatte es seit Verlassen des Zirkus geschafft, zweimal zu gewinnen. Zwei Partien von einem Dutzend oder mehr, aber Thom ging sorgf�ltig mit jedem um, der ihn auch nur einmal besiegen konnte. Sie streifte die perlenverzierten Z�pfe �ber die Schultern. �Ich muss zwei Tage lang am selben Ort sein, um neue herzustellen. M�nner finden immer M�glichkeiten, um Frauen Arbeit zu machen, oder?�</p><p>Mat paffte vor sich hin, wenn auch nicht zufrieden, so doch immerhin mit einem gewissen Grad an Vergn�gen. Frauen! Sch�n anzusehen und sch�n, in ihrer Gesellschaft zu sein. Wenn sie keine M�glichkeit fanden, einem Mann Salz ins Fell zu reiben.</p><p>Die meisten Mitglieder der Gruppe waren fertig mit dem Essen � an den Spie�en �ber dem Feuer waren nur noch die Reste von zwei Rebh�hnern und einem Hasen, aber die w�rde man in Leinent�cher eingepackt mitnehmen; die Jagd w�hrend des Morgenritts war gut gewesen, aber es war keinesfalls sicher, dass der Nachmittag genauso ergiebig sein w�rde, und Brot und Bohnen boten eine armselige Mahlzeit. Jene, die fertig gegessen hatten, ruhten sich aus, oder, im Fall der Rotwaffen, kontrollierten die an den Kn�cheln gefesselten Lastpferde, mehr als sechzig an vier Leinen. So viele in Maderin zu kaufen war teuer gewesen, aber Luca war in die Stadt geeilt, um sie selbst zu kaufen, sobald er von dem toten Kaufmann auf der Stra�e geh�rt hatte. Danach war er beinahe bereit gewesen � aber auch nur beinahe �, ihnen Lastpferde vom Zirkus zu geben, nur um Mat loszuwerden. Viele der Tiere waren mit Aludras Ger�tschaften beladen. Am Ende hatte Luca den gr��ten Teil von Mats Gold bekommen. Mat hatte auch Petra und Clarine einen fetten Geldbeutel zugesteckt, aber das war aus Freundschaft geschehen, damit sie sich ihre kleine Schenke etwas fr�her kaufen konnten. Was jetzt noch in seinen Satteltaschen steckte, reichte allerdings mehr als genug, um bequem nach Murandy zu kommen, und um es aufzuf�llen, brauchte er nur einen Gemeinschaftsraum, in dem die W�rfel rollten.</p><p>Auf einem anderen Stamm in der N�he plauderten Leilwin, die an dem breiten Lederg�rtel quer �ber der Brust ein Krummschwert trug, und Domon, der an der einen Seite seines G�rtels ein Kurzschwert und an der anderen eine mit Messingnieten beschlagene Keule trug, mit Juilin und Amathera. Leilwin � Mat hatte schlie�lich akzeptiert, dass das der einzige Name war, den sie ertragen w�rde � stellte demonstrativ zur Schau, dass sie Tuon und Selucia nicht aus dem Weg ging, und sie senkte auch nicht den Blick, wenn sie sich begegneten, obwohl sie sich sichtlich zusammenrei�en musste, um das zu schaffen. Juilin hatte die �rmel seines schwarzen Mantels umgeschlagen, ein Zeichen, dass er sich unter Freunden glaubte oder zumindest Leuten, denen er vertrauen konnte. Die einstige Panarchin von Tarabon klammerte sich noch immer an den Arm des Diebef�ngers, aber sie erwiderte Leilwins Blicke ohne gro�es Zusammenzucken. Tats�chlich schien sie die andere Frau oft mit einem Gef�hl anzusehen, das fast schon an Ehrfurcht grenzte.</p><p>Noal sa� im Schneidersitz auf dem Boden, obwohl es dort feucht war, spielte Schlangen und F�chse mit Olver und gab wilde Geschichten �ber die L�nder jenseits der Aiel-W�ste von sich, �ber eine gro�e K�stenstadt, die Fremde nur mit dem Schiff verlassen durften und die Einwohner gar nicht. Mat w�nschte sich, sie w�rden ein anderes Spiel finden. Jedes Mal, wenn sie das rote St�ck Stoff mit dem Spinnennetz aus schwarzen Linien ausbreiteten, erinnerte es ihn an sein Versprechen Thom gegen�ber, erinnerte es ihn daran, dass die verdammten Eelfinn irgendwie in seinem Kopf steckten und die verfluchten Aelfinn vielleicht auch.</p><p>Die Aes Sedai kamen von dem Bach zur�ck, und Joline h�rte auf, sich mit Blaeric und Fen zu unterhalten. Bethamin und Seta gingen hinter ihnen her und z�gerten, bis eine Geste der Gr�nen sie hinter den Stamm schickte, auf dem Teslyn und Edesina so weit voneinander entfernt sa�en, wie das nur m�glich war, mit nicht abgeschlagenen �sten zwischen sich. Bethamin und Seta stellten sich hinter Edesina und fingen an, in kleinen B�chern mit Ledereinband aus ihren G�rteltaschen zu lesen.</p><p>Seta, die blonde ehemalige <emphasis>Sul�dam,</emphasis> hatte sich auf spektakul�re und schmerzliche Weise ver�ndert. Schmerzlich f�r sie und die Schwestern. Als sie sie am Vorabend beim Essen z�gernd gebeten hatte, auch sie zu unterrichten, hatten sie sich geweigert. Sie unterrichteten Bethamin nur, weil sie bereits die Macht gelenkt hatte. Seta war zu alt, um Novizin zu werden, sie hatte nicht die Macht gelenkt, und damit war das Thema erledigt. Also machte sie nach, was auch immer Bethamin getan hatte, und alle drei Schwestern h�pften, eingeh�llt von einem Funkenregen, so lange kreischend um das Kochfeuer herum, wie sie die Macht halten konnten. Da erkl�rten sie sich bereit, sie zu unterrichten. Jedenfalls Joline und Edesina. Teslyn wollte noch immer nichts mit einer <emphasis>Sul�dam</emphasis> zu tun haben, ob es sich nun um ehemalige handelte oder nicht. Allerdings hatten alle drei den Stock geschwungen, und Seta war den ganzen Morgen unbehaglich auf dem Sattel herumgerutscht. Sie sah noch immer aus, als h�tte sie Angst vor der Einen Macht und vielleicht auch vor den Aes Sedai, aber seltsamerweise erschien sie auch irgendwie� zufrieden. Mat konnte es nicht nachvollziehen.</p><p>Er h�tte selbst zufrieden sein m�ssen. Er war einer Mordanklage entgangen, hatte vermieden, blindlings in eine seanchanische Falle zu reiten, die Tuon das Leben gekostet h�tte, und war dem Gholam entgangen, und zwar diesmal f�r immer. Er w�rde Lucas Zirkus folgen, und Luca war gewarnt worden, was auch immer das bringen w�rde. In weniger als zwei Wochen w�rde er die Berge �berquert haben und in Murandy sein. Die Notwendigkeit, sich einen Plan einfallen zu lassen, Tuon sicher nach Ebou Dar zur�ckzuschaffen, was nun keine einfache Aufgabe mehr war, nicht zuletzt deshalb, weil er sie vor Aes Sedai besch�tzen musste, die sie verschleppen wollten, w�rde bedeuten, dass er ihr Gesicht noch viel l�nger betrachten konnte. Und dass er herausfinden konnte, was hinter diesen gro�en, wundersch�nen Augen vor sich ging. Er h�tte so gl�cklich wie eine Ziege auf der Wiese sein m�ssen. Er war es nicht. Nicht im mindesten.</p><p>Erstens schmerzten die vielen Schwertschnitte, die er in Maderin davongetragen hatte. Einige hatten sich entz�ndet, allerdings hatte er das bis jetzt vor allen verheimlichen k�nnen. Gepflegt zu werden hasste er fast so sehr, wie sich mit der Macht behandeln zu lassen. Lopin und Nerim hatten ihn so gut zusammengeflickt, wie sie konnten, und er hatte das Heilen verweigert, obwohl alle drei Aes Sedai versucht hatten, es ihm aufzudr�ngen. Es hatte ihn �berrascht, dass von allen Leuten ausgerechnet Joline versucht hatte, ihn zu �berreden, aber sie tat es, und sie hatte angewidert die H�nde in die Luft geworfen, als er nicht nachgegeben hatte. Eine andere �berraschung war Tuon gewesen.</p><p>�Nicht albern sein, Spielzeug�, hatte sie mit unter den Br�sten verschr�nkten Armen in seinem Zelt gesagt, w�hrend Lopin und Nerim mit ihren Nadeln herumfuhrwerkten und er die Z�hne zusammenbiss. Ihre besitzergreifende Art, die sehr an eine Frau erinnerte, die sich darum k�mmerte, dass ihr Besitz ordentlich repariert wurde, hatte gereicht, dass er mit den Z�hnen geknirscht hatte, und das nicht nur wegen der Nadeln. Oder dass er nur seine Unterhose trug! Sie war einfach hereingeplatzt und hatte sich geweigert zu gehen, man h�tte sie schon heraustragen m�ssen, und er hatte sich nicht stark genug gef�hlt, eine Frau wegzuschleppen, die ihm vermutlich den Arm brechen konnte. �Dieses Heilen ist eine wunderbare Sache. Meine Mylen kann es, und ich habe es auch meinen anderen <emphasis>Damane</emphasis> beigebracht. Nat�rlich sind viele Leute so dumm und wollen sich nicht von der Macht ber�hren lassen. Die H�lfte meiner Diener w�rde schon bei dem Vorschlag in Ohnmacht fallen, und es w�rde mich nicht �berraschen, wenn das auch f�r die meisten Angeh�rigen des Blutes gelten w�rde. Aber von Euch h�tte ich das nicht erwartet.� H�tte sie auch nur ein Viertel seiner Erfahrungen mit den Aes Sedai gehabt, h�tte sie das doch.</p><p>Sie hatten die Stra�e von Maderin genommen, als wollten sie nach Lugard, dann waren sie in den Wald geritten, sobald die letzten Bauernh�fe au�er Sicht waren. In dem Augenblick, in dem sie sich zwischen den B�umen befanden, fingen wieder die W�rfel in seinem Kopf zu rattern an. Das war die andere Sache, die ihm die Laune verdarb, diese verfluchten W�rfel, die seit zwei Tagen in seinem Kopf dr�hnten. Es erschien kaum wahrscheinlich, dass sie hier im Wald verstummen w�rden. Was konnte schon im Wald Weltbewegendes geschehen? Dennoch mieden sie die kleinen D�rfer, an denen sie vorbeikamen. Aber fr�her oder sp�ter w�rden die W�rfel anhalten, und er konnte es nur abwarten.</p><p>Tuon und Selucia gingen zum Bach, um sich zu waschen, dabei unterhielten sie sich unabl�ssig mit den Fingern. Bestimmt �ber ihn, da war er sich sicher. Wenn Frauen anfingen, die K�pfe zusammenzustecken, konnte man sicher sein�</p><p>Amathera schrie auf, und jeder Kopf fuhr zu ihr herum.</p><p>Mat entdeckte den Grund genauso schnell wie Juilin, eine schwarze, sieben Fu� lange Schlange glitt schnell von dem Stamm fort, auf dem Juilin sa�. Leilwin fluchte und sprang auf die F��e, wobei sie ihr Schwert zog, aber Juilin war noch schneller, riss das Kurzschwert aus der Scheide und eilte der Schlange so schnell hinterher, dass seine rote M�tze vom Kopf fiel.</p><p>�Lass sie gehen, Juilin�, sagte Mat. �Sie schl�ngelt weg.</p><p>Lass sie gehen.� Das Tier hatte vermutlich einen Schlupfwinkel unter dem Stamm und war �berrascht gewesen, auf Menschen zu sto�en. Gl�cklicherweise waren Schwarzlanzen Einzelg�nger.</p><p>Juilin z�gerte, bevor er zu dem Schluss kam, dass es wicht iger war, eine zitternde Amathera zu tr�sten, als eine Schlange zu verfolgen. �Was ist das �berhaupt f�r eine?�, fragte er und nahm sie in die Arme. Schlie�lich war er ein Stadtmensch. Mat verriet es ihm, und einen Augenblick lang sah er aus, als wollte er wieder hinter ihr her. Klugerw eise entschied er sich dagegen. Schwarzlanzen waren blitzschnell, und mit einem Kurzschwert h�tte er nahe herangemusst. Davon abgesehen klammerte sich Amathera so fest an ihn, dass es einige Zeit gedauert h�tte, sich von ihr zu befreien.</p><p>Mat nahm seinen Hut vom Schaft seines <emphasis>Ashandarei,</emphasis> der mit der Spitze im Erdreich steckte, und setzte ihn auf. �Das Tageslicht schwindet�, sagte er um den Pfeifenstiel herum.</p><p>�Zeit, dass wir weiterkommen. Tr�delt nicht herum, Tuon. Eure H�nde sind sauber genug.� Er hatte versucht, sie Schatz zu nennen, aber seit sie in Maderin behauptet hatte, gewonnen zu haben, behandelte sie ihn wie Luft, wenn er es tat.</p><p>Nat�rlich beeilte sie sich nicht. Als sie zur�ckkehrte und sich die kleinen H�nde mit einem Handtuch trocknete, das Selucia dann zum Trocknen an ihren Sattelknauf h�ngen w�rde, hatten Lopin und Nerim die Abfallgrube aufgef�llt, die Essensreste eingepackt und in Nerims Satteltaschen verstaut und das Feuer mit Wasser aus dem Bach gel�scht. Den <emphasis>Ashandarei</emphasis> in der Hand, war Mat bereit, auf Pips aufzusitzen.</p><p>�Ein seltsamer Mann, der eine giftige Schlange davonkomm en l�sst�, sagte Tuon. �Nach der Reaktion des Burschen zu urteilen, nehme ich an, dass eine Schwarzlanze giftig ist?�</p><p>�Sehr sogar�, erwiderte er. �Aber Schlangen bei�en nichts, was sie nicht fressen k�nnen, solange sie nicht bedroht werden.� Er schob einen Fu� in den Steigb�gel.</p><p>�Ihr d�rft mich k�ssen, Spielzeug.�</p><p>Er zuckte zusammen. Ihre Worte, die nicht leise ausgesprochen worden waren, hatte sie in aller Blickpunkt ger�ckt. Selucias Gesicht war so bem�ht ausdruckslos, dass ihre Missbilligung nicht deutlicher h�tte sein k�nnen.</p><p>�Jetzt?�, sagte er. �Wenn wir heute Abend lagern, k�nnen wir allein spazieren gehen��</p><p>�Bis heute Abend k�nnte ich meine Meinung ge�ndert haben, Spielzeug. Nennt es eine Laune, f�r einen Mann, der Giftschlangen gehen l�sst.� Hatte sie darin m�glicherweise eines ihrer Omen gesehen?</p><p>Er steckte den schwarzen Speer zur�ck in die Erde, setzte den Hut ab, nahm die Pfeife aus dem Mund und dr�ckte einen keuschen Kuss auf ihre vollen Lippen. Ein erster Kuss durfte nicht grob sein. Er wollte nicht, dass sie ihn f�r aufdringlich oder primitiv hielt. Sie war keine Schankmagd, der ein Klaps auf den Hintern gefallen w�rde. Au�erdem konnte er die Blicke der Zuschauer f�rmlich sp�ren. Jemand kicherte. Selucia verdrehte die Augen.</p><p>Tuon verschr�nkte die Arme unter den Br�sten und schaute durch die langen Lider zu ihm hoch. �Erinnere ich Euch an Eure Schwester?�, fragte sie in gef�hrlichem Tonfall.</p><p>�Oder vielleicht an Eure Mutter?� Jemand lachte. Tats�chlich sogar mehr als einer.</p><p>Grimmig klopfte Mat den Pfeifenkopf an seinem Stiefelabsatz aus und stopfte die warme Pfeife in die Manteltasche. Er h�ngte den Hut wieder auf den <emphasis>Asha ndarei.</emphasis> Wenn sie einen richtigen Kuss haben wollte� Hatte er wirklich geglaubt, sie w�rde seine Arme nicht f�llen? Sie war schlank, das auf jeden Fall, und klein, aber sie f�llte sie auf eine sehr erfreuliche Weise. Er beugte den Kopf zu ihr herunter. Sie war bei weitem nicht die erste Frau, die er gek�sst hatte. Er wusste, was er zu tun hatte. �berraschenderweise � oder vielleicht auch nicht � wusste sie es nicht. Aber sie lernte schnell. Sehr schnell.</p><p>Als er schlie�lich von ihr ablie�, stand sie da, schaute zu ihm hoch und versuchte zu Atem zu kommen. Was das anging, atmete er auch etwas schwer. Metwyn pfiff anerkennend. Mat l�chelte. Was w�rde sie wohl von dem denken, was offensichtlich ihr erster richtiger Kuss gewesen war? Aber er versuchte, nicht zu breit zu l�cheln. Er wollte nicht, dass sie auf die Idee kam, er w�rde grinsen.</p><p>Sie legte die Finger auf seine Wange. �Das habe ich mir gedacht�, sagte sie in ihrem Akzent, der so dick wie Honig war. �Ihr fiebert. Einige Eurer Wunden m�ssen entz�ndet sein.�</p><p>Mat blinzelte. Er gab ihr einen Kuss, der ihr bis in die Zehenspitzen gefahren sein musste, und ihr fiel blo� ein, dass sich sein Gesicht hei� anf�hlte? Er beugte den Kopf erneut � diesmal w�rde sie jemand danach verdammt noch mal st�tzen m�ssen! �, aber sie stemmte nur eine Hand gegen seine Brust und wehrte ihn ab.</p><p>�Selucia, hol den Kasten mit den Salben, den ich von Frau Luca bekommen habe�, befahl sie. Selucia eilte zu Tuons Pferd.</p><p>�Daf�r haben wir jetzt keine Zeit�, sagte Mat. �Ich schmiere heute Abend was drauf.� Er h�tte sich die Worte sparen k�nnen.</p><p>�Zieht Euch aus, Spielzeug�, sagte sie in demselben Tonfall, den sie bei ihrer Dienerin benutzt hatte. �Die Salbe wird brennen, aber ich erwarte, dass Ihr tapfer seid.�</p><p>�Ich werde <emphasis>nicht��</emphasis></p><p>�Reiter kommen�, verk�ndete Harnan. Er sa� bereits im Sattel, auf einem dunkelgrauen Wallach mit wei�en Vorderl�ufen, und hielt die Leine von einem Gespann Lastpferde.</p><p>�Einer von ihnen ist Vanin.�</p><p>Mat schwang sich auf Pips, um besser sehen zu k�nnen. Zwei Reiter n�herten sich im schnellen Galopp, wichen umgest�rzten B�umen aus, wenn es sein musste. Davon abgesehen, dass Chel Vanins Brauner deutlich zu erkennen war, war auch der Mann selbst unverkennbar. Niemand sonst, der so breit und wie ein Sack Talg im Sattel hockte, h�tte diese Haltung so scheinbar m�helos aufrechterhalten k�nnen. Der Mann w�re auf einem wilden Eber im Sattel geblieben. Dann erkannte Mat den anderen Reiter, dessen Umhang hinter ihm flatterte, und es war, als h�tte ihm jemand einen Schlag in den Magen versetzt. Es h�tte ihn nicht im mindesten �berrascht, w�ren die W�rfel in genau diesem Augenblick verstummt, aber sie polterten weiter in seinem Kopf herum. Was beim Licht hatte Talmanes verdammt noch mal in Altara zu suchen?</p><p>Die beiden Reiter z�gelten beim Anblick von Mat die Pferde, und Vanin hielt an, um Talmanes allein weiterreiten zu lassen. Es war keine Sch�chternheit. Vanin wusste nicht, was Sch�chternheit war. Er st�tzte sich auf den hohen Sattelknauf und spuckte durch eine Zahnl�cke aus. Nein, er wusste, dass Mat nicht erfreut sein w�rde, und er wollte nichts damit zu tun haben.</p><p>�Vanin hat mich auf den neuesten Stand gebracht�, sagte Talmanes. Klein und drahtig, mit zur H�lfte rasiertem Kopf und gepudert, hatte der Cairhiener das Recht, viele Farbstreifen auf der Brust zu tragen, aber die kleine rote Hand auf der Brust seines dunklen Mantels war sein einziger Schmuck, solange man nicht das lange rote Tuch mitz�hlte, das er um den linken Arm gebunden hatte. Er lachte niemals und l�chelte selten, aber er hatte seine Gr�nde daf�r. �Es hat mir leidgetan, das von Nalesean und den anderen zu h�ren. Nalesean war ein guter Mann. Das waren sie alle.�</p><p>�ja, das waren sie�, sagte Mat und z�gelte sein Temperam ent. �Ich nehme an, Egwene ist nie zu Euch gekommen, damit Ihr ihr helft, von diesen n�rrischen Aes Sedai wegzukommen, aber was, beim verdammten Licht, tut Ihr hier?� Nun, vielleicht hatte er sich doch nicht so gut unter Kontrolle.</p><p>�Sagt mir nicht, dass Ihr die ganze verdammte Bande dreihund ert verdammte Meilen nach Altara hinein mitgebracht habt.�</p><p>�Egwene ist noch immer die Amyrlin�, sagte Talmanes beherrscht und richtete den Umhang. Er zeichnete sich durch eine weitere, gr��ere rote Hand aus. �Ihr habt Euch in ihr geirrt, Mat. Sie ist wirklich der Amyrlin-Sitz, und sie hat die Aes Sedai fest am Kragen gepackt. Auch wenn das ein paar von ihnen vielleicht noch nicht wissen. Als ich sie zuletzt sah, zogen sie und ihr Haufen nach Tar Valon, um es zu belagern. M�glicherweise hat sie es mittlerweile erobert. Sie k�nnen L�cher in die Luft machen, so wie es der Wiedergeborene Drache getan hat, um uns in die N�he von Salidar zu bringen.� Die Farben wirbelten in Mats Kopf, verfestigten sich kurz zu Rand, der mit irgendeiner Frau mit grauem, zu einem Knoten zusammengefassten Haar sprach, vermutlich einer Aes Sedai, aber seine Wut blies das Bild fort.</p><p>Das ganze Gerede von Tar Valon und dem Amyrlin-Sitz lockte nat�rlich die Schwestern an. Sie trieben ihre Pferde neben Mat und versuchten, das Kommando an sich zu rei�en. Nun, Edesina blieb ein St�ck zur�ck, wie sie es immer tat, wenn Joline oder Teslyn giftig wurden, aber die anderen beiden�</p><p>�Von wem redet Ihr da?�, verlangte Teslyn zu wissen, w�hrend Joline noch den Mund aufmachte. �Egwene? Es gab eine Aufgenommene namens Egwene al�Vere, aber sie ist eine Ausrei�erin.�</p><p>�Von ihr ist die Rede, Aes Sedai�, sagte Talmanes h�flich. Der Mann war immer h�flich zu Aes Sedai. �Und sie ist keine Ausrei�erin. Sie ist der Amyrlin-Sitz, mein Wort drauf.� Edesina gab einen Laut von sich, den man bei jemand anderem als einer Aes Sedai als Quieken bezeichnet h�tte.</p><p>�Das hat Zeit bis sp�ter�, murmelte Mat. Joline �ffnete den Mund erneut, diesmal w�tend. �Sp�ter, habe ich gesagt.� Das reichte nicht, um die schlanke Gr�ne aufzuhalten, aber Teslyn legte ihr die Hand auf den Arm und murmelte ihr etwas zu, und das reichte dann. Allerdings schaute Joline noch immer finster drein, ein Versprechen, sp�ter alles in Erfahrung zu bringen, was sie wissen wollte. �Talmanes, die Bande?�</p><p>�Oh. Nein. Ich habe nur drei Banner Pferde und viertaus end berittene Armbrustm�nner mitgebracht. In Murandy habe ich drei Banner Pferde und f�nf Infanterien zur�ckgelassen, die jetzt etwas knapp mit Armbrustm�nnern sind, mit dem Befehl, nach Norden auf Andor zu marschieren. Und nat�rlich das Banner Maurer. Praktisch, Maurer dabeizuhaben, wenn man eine Br�cke oder so etwas braucht.�</p><p>Einen Augenblick lang kniff Mat fest die Augen zu. Sechs Banner Pferde und f�nf zu Fu�. Und ein Banner Maurer! Als er die Bande in Salidar zur�ckgelassen hatte, hatte sie nur aus zwei Bannern Pferde und Fu�soldaten bestanden! Er w�nschte sich, er k�nnte die H�lfte des Goldes zur�ckfordern, das er Luca so freigebig gegeben hatte. �Wie soll ich so viele M�nner bezahlen?�, wollte er wissen. �In einem Jahr k�nnte ich nicht so viele W�rfelspiele finden!�</p><p>�Nun, was das angeht, ich habe mit K�nig Roedran ein kleines Gesch�ft gemacht. Wir sind fertig mit ihm, und keinen Augenblick zu fr�h� ich glaube, er stand kurz davor, sich gegen uns zu wenden; ich erkl�re das sp�ter. Aber die Schatztruhen der Bande enthalten den Sold f�r ein Jahr und l�nger. Davon abgesehen wird der Wiedergeborene Drache Euch fr�her oder sp�ter G�ter geben, und zwar gro�artige. Wie ich geh�rt habe, hat er M�nner zu Herrschern �ber Nationen gemacht, und Ihr seid zusammen mit ihm aufgewachsen.�</p><p>Diesmal k�mpfte er nicht gegen die Farben an, als sie sich zu Rand und der Aes Sedai verfestigten. Es war eine Aes Sedai, bestimmt. Sie wirkte wie eine harte Frau. Sollte Rand versuchen, ihm irgendwelche Titel aufzudr�ngen, w�rde er sie ihm in den Rachen rammen, genau das w�rde er tun. Mat Cauthon mochte keine Adligen � nun ja, ein paar wie Talmanes waren schon ganz in Ordnung, und da war Tuon; die durfte man nicht vergessen! �, und er hatte bestimmt nicht das Verlangen, einer zu werden! Trotzdem sagte er: �Kann schon sein.�</p><p>Selucia r�usperte sich laut. Sie und ihre Herrin lenkten ihre Pferde an Mats Seite, und Tuon sa� so gerade im Sattel, so k�hl und so majest�tisch, dass er erwartete, dass Selucia ihre Titel verk�nden w�rde. Das tat sie jedoch nicht. Stattdessen rutschte sie auf ihrem Braunen herum und schaute ihn finster an, ihre Augen waren wie blaue Kohlen in einem Feuer, dann r�usperte sie sich erneut. Sehr laut. Ah.</p><p>�Tuon�, sagte Mat, �erlaubt mir, Euch Lord Talmanes Delovinde von Cairhien vorzustellen. Seine Familie ist alt und ehrenhaft, und er hat ihr noch mehr Ehre gemacht.� Die kleine Frau neigte den Kopf. Vielleicht einen ganzen Fingerbreit. �Talmanes, das ist Tuon.� Solange sie ihn Spielzeug nannte, w�rde sie von ihm keine Titel zu h�ren bekommen. Selucia starrte wieder, mit noch hitzigerem Blick, so unm�glich das auch erschien.</p><p>Talmanes jedoch blinzelte �berrascht und verbeugte sich sehr tief auf seinem Sattel. Vanin zog die h�ngende Krempe seines Hutes noch tiefer und verbarg sein Gesicht zur H�lfte. Er vermied es noch immer, Mat direkt anzusehen. Aha. Also hatte der Mann Talmanes anscheinend schon genau dar�ber informiert, wer Tuon war.</p><p>Mat knurrte kaum h�rbar und beugte sich vor, um den Hut vom Speer zu nehmen und den <emphasis>Ashandarei</emphasis> aus dem Boden zu ziehen. Er rammte sich den Hut auf den Kopf.</p><p>�Wir wollten weiterreiten, Talmanes. Bringt uns zu Euren M�nnern, und wir werden sehen, ob wir auf dem Weg aus Altara genauso viel Gl�ck haben werden, die Seanchaner zu meiden, wie Ihr auf dem Weg ins Land.�</p><p>�Wir haben viele Seanchaner gesehen�, sagte Talmanes und wendete seinen Braunen, um sich an Pips� Seite zu setzen.</p><p>�Allerdings scheinen die meisten M�nner, die wir unterwegs gesehen haben, Altaraner gewesen zu sein. Anscheinend haben sie �berall Lager aufgeschlagen. Gl�cklicherweise haben wir keine dieser fliegenden Kreaturen gesehen, von denen Ihr erz�hlt habt. Aber es gibt ein Problem, Mat. Da gab es einen Erdrutsch. Ich habe meine Nachhut und einige der Lastpferde verloren. Der Pass ist blockiert, Mat. Ich habe drei M�nner losgeschickt, die versuchen sollten, mit Befehlen, die die Bande nach Andor schickten, dar�ber hinwegzuklettern. Einer hat sich den Hals gebrochen, ein anderer das Bein.�</p><p>Mat hielt Pips an. �Ich nehme an, das ist derselbe Pass, von dem Vanin gesprochen hat?�</p><p>Talmanes nickte, und Vanin, der sich noch weiter nach hinten verziehen wollte, sagte: �Verdammt richtig, das war er. P�sse wachsen nicht auf B�umen, nicht in Bergen wie den Damonas.� Er hatte R�nge noch nie respektiert.</p><p>�Dann werdet Ihr einen anderen finden m�ssen�, erwiderte Mat. �Ich habe geh�rt, dass Ihr auch einen Weg um Mitternacht mit verbundenen Augen findet. Das sollte Euch nicht schwerfallen.� Schmeichelei konnte nie schaden. Davon abgesehen hatte er das tats�chlich �ber den Mann geh�rt.</p><p>Vanin gab einen Laut von sich, als w�rde er seine Zunge verschlucken. �Einen anderen Pass finden, sagt der Mann. In Bergen wie den Damonas findet man nicht so einfach einen anderen Pass. Warum, glaubt Ihr, kannte ich nur den einen?� Er musste ersch�ttert sein, um das zuzugeben. Zuvor hatte er steif und fest behauptet, nur davon geh�rt zu haben.</p><p>�Was meint Ihr?�, wollte Mat wissen, und Vanin erkl�rte es. Ziemlich ausf�hrlich, soweit es ihn betraf.</p><p>�Das hat mir mal eine Aes Sedai erkl�rt. Versteht Ihr, es gibt alte Berge. Die gab es schon vor der Zerst�rung der Welt, vielleicht auf dem Meeresgrund oder so. Die haben viele P�sse, sind breit und sanft. Da kann man hineinreiten, und solange man die Nerven beh�lt und die Richtung kennt und gen�gend Vorr�te hat, kommt man fr�her oder sp�ter auf der anderen Seite an. Und dann gibt es die Berge, die w�hrend der Zerst�rung der Welt erschaffen wurden.� Der fette Mann wandte den Kopf und spuckte gro�z�gig aus.</p><p>�In denen sind die P�sse schmale, gewundene Dinge, und manchmal sind sie auch nicht das, was man als Pass bezeichnen kann. Reitet man in einen von denen hinein, kann man umherwandern, bis der Proviant alle ist, ohne einen Weg auf die andere Seite zu finden. Der Verlust dieses Passes wird einer Menge Leute schaden, die ihn f�r, sagen wir, unversteuerte Ware benutzen, und M�nner werden sterben, bevor sie einen neuen finden, der sie auf die andere Seite bringt. Ziehen wir ohne diesen Pass in die Damonas, werden wir vermutlich auch alle sterben. Die, die nicht rechtzeitig umkehren, die werden auch den R�ckweg nicht mehr finden.�</p><p>Mat sah sich um, schaute Tuon an, die Aes Sedai, Olver.</p><p>Sie alle verlie�en sich darauf, dass er sie in Sicherheit brachte, aber seine sichere Route aus Altara heraus gab es nicht l�nger. �Reiten wir�, sagte er. �Ich muss nachdenken.� Er musste verflucht noch mal so angestrengt nachdenken, wie er nur konnte.</p></section><section><title><p>26</p><p>Wie eine Welt aus Nebel</p></title><p>Spielzeug legte ein schnelles Tempo durch den Wald vor, aber Tuon ritt dicht hinter ihm � nat�rlich mit Selucia an ihrer Seite �, damit sie ihm und Talmanes zuh�ren konnte. Allerdings lenkten sie ihre eigenen Gedanken beim Lauschen ab. Er war also zusammen mit dem Wiedergeborenen Drachen aufgewachsen? Dem Wiedergeborenen Drachen! Und er hatte abgestritten, etwas �ber den Mann zu wissen. Das war eine seiner L�gen, die ihr durchgegangen war, und sie war gut darin, L�gen zu erahnen. In Seandar konnte die nicht erahnte L�ge die L�ge sein, die einen das Leben kostete oder einen auf den Sklavenmarkt brachte. H�tte sie von seinen Ausfl�chten gewusst, h�tte sie ihn vermutlich eher geohrfeigt, als ihm zu erlauben, sie zu k�ssen. Nun, <emphasis>das</emphasis> war eine �berraschung gewesen, und sie war sich nicht sicher, ob sie sich davon schon erholt hatte. Selucia hatte ihr beschrieben, wie es war, von einem Mann gek�sst zu werden, aber die Wirklichkeit wurde der Beschreibung nicht einmal ann�hernd gerecht. Nein, sie musste zuh�ren.</p><p>�Ihr habt <emphasis>Estean</emphasis> den Befehl �bergeben?�, rief Spielzeug aus, und zwar so laut, dass ein Schw�rm grauer Tauben mit �rgerlichem Gurren aus dem Schutz des d�nnen Unterholzes emporflatterte. �Der Mann ist ein Narr!�</p><p>�Aber keineswegs so dumm, um nicht auf Daerid zu h�ren�, erwiderte Talmanes ruhig. Er schien kein Mann zu sein, der sich �berm��ig aufregte. Er war st�ndig auf der Hut; sein Kopf war immer in Bewegung. Gelegentlich �berpr�fte er vorbei an dem dichten Astwerk auch den Himmel �ber ihnen. Er hatte nur von <emphasis>Raken</emphasis> geh�rt, und doch hielt er nach ihnen Ausschau. Seine Worte kamen noch schneller und akzentuierter als die Spielzeugs, und es fiel schwer, ihm zu folgen. Diese Leute sprachen alle so schnell! �Carlomin und Reimon sind keine Narren. Reimon jedenfalls nur selten. Aber keiner von ihnen wird auf einen B�rgerlichen h�ren, ganz egal, wie sehr er ihnen auch im Kriegshandwerk �berlegen ist. Edorion w�rde es, aber ich wollte ihn bei mir haben.�</p><p>Das Symbol der roten Hand, das Talmanes trug, war r�ts elhaft. Sogar mehr als r�tselhaft. Er stammte aus einem alten und ehrenhaften Haus? Aber Spielzeug war der Richtige. Er erinnerte sich an Falkenfl�gels Gesicht. Das erschien nat�rlich v�llig unm�glich, aber als er es abgestritten hatte, war das eine offensichtliche L�ge gewesen, so offensichtlich wie die Flecken auf einem Leopardenfell. Konnte die Rote Hand Spielzeugs Siegel sein? Aber wenn es das war, was war dann mit seinem Ring? Als sie ihn das erste Mal gesehen hatte, war sie fast in Ohnmacht gefallen. Nun, jedenfalls war sie so nahe daran gewesen, wie sie es seit ihrer Kindheit gewesen war.</p><p>�Das wird sich �ndern, Talmanes�, knurrte Spielzeug. �Ich habe das zu lange zugelassen. Wenn Reimon und die anderen jetzt Banner befehlen, dann macht sie das zu Bannergener�len. Und Euch zu einem Generalleutnant. Daerid befehligt f�nf Banner, und das macht ihn auch zu einem Generalleutnant. Reimon und die anderen werden seinen Befehlen gehorchen, oder sie k�nnen nach Hause gehen. Ich werde mir bei Tarmon Gai�don nicht den Sch�del spalten lassen, nur weil sie sich verdammt noch mal weigern, auf jemanden zu h�ren, der keine verdammten G�ter vorzuweisen hat.�</p><p>Talmanes lenkte sein Pferd um einen Dornbusch herum, und jeder folgte ihm. Das Gestr�pp schien besonders lange Dornen zu haben, die auch noch gekr�mmt waren. �Es wird ihnen nicht gefallen, Mat, aber sie werden auch nicht nach Hause gehen. Das wisst Ihr. Habt Ihr schon eine Idee, wie wir aus Altara herauskommen?�</p><p>�Ich denke dar�ber nach�, murmelte Spielzeug. �Ich denke dar�ber nach. Diese Armbrustm�nner�.� Er atmete schwer aus. �Das war nicht klug, Talmanes. Zum einen sind sie ans Marschieren gew�hnt. Die H�lfte von ihnen wird gro�e Probleme haben, blo� im Sattel zu bleiben, wenn wir schnell vorr�cken, und das werden wir. In W�ldern wie hier k�nnen sie n�tzlich sein oder an anderen Orten, an denen sie viel Deckung haben, aber wenn wir auf offenem Gel�nde sind, ohne Piken, dann werden sie niedergeritten, bevor sie eine zweite Salve abschie�en k�nnen.�</p><p>In der Ferne br�llte ein L�we. In der Ferne, aber es reichte, um die Pferde nerv�s wiehern und ein paar Schritte t�nzeln zu lassen. Spielzeug beugte sich �ber den Hals seines Wallachs und schien dem Tier etwas ins Ohr zu fl�stern. Es wurde sofort wieder ruhig. Also war das doch keine weitere seiner phantasievollen Geschichten gewesen. Erstaunlich.</p><p>�Ich habe M�nner genommen, die reiten k�nnen, Mat�, sagte Talmanes, sobald sich sein Brauner wieder beruhigt hatte. �Und sie haben alle die neuen Winden.� Jetzt schlich sich eine Spur Begeisterung in seine Stimme. Selbst beherrschte M�nner neigten dazu, sich bei dem Thema Waffen zu erw�rmen. �Drei Drehungen der Winde� � seine H�nde beschrieben einen schnellen Kreis �, �und die Sehne ist gespannt. Mit etwas �bung kann ein Mann sieben oder acht Bolzen in der Minute abschie�en. Mit einer schweren Armbrust.�</p><p>Selucia machte ein leises Ger�usch tief in der Kehle. Sie durfte �berrascht sein. Wenn Talmanes die Wahrheit sagte, und soweit es Tuon betraf, hatte er keinen Grund zu l�gen, dann musste sie sich eine dieser wunderbaren Winden besorgen. Mit einer als Modell konnten die Handwerker sie nachbauen. Bogensch�tzen konnten schneller als Armbrustm�nner schie�en, aber ihre Ausbildung dauerte auch l�nger. Es gab immer mehr Armbrustm�nner als Bogensch�tzen.</p><p><emphasis>�Si eben?�,</emphasis> rief Spielzeug ungl�ubig. �Das w�re mehr als n�tzlich, aber so etwas habe ich ja noch nie geh�rt. Niemals.�</p><p>Er murmelte etwas vor sich hin, als w�re das von besonderer Bedeutung, dann sch�ttelte er den Kopf. �Wie seid Ihr daran gekommen?�</p><p>�Sieben oder sogar acht Mal. Da war ein Handwerker in Murandy, der eine Wagenladung von Dingen, die er erfunden hatte, nach Caemlyn bringen wollte. Dort gibt es irgendeine Schule f�r Gelehrte und Erfinder. Er brauchte Geld f�r die Reise, und er war bereit, den Waffenschmieden der Bande zu zeigen, wie man sie herstellt. Decke deine Feinde bei jeder Gelegenheit mit Pfeilen ein. Es ist immer besser, deine Feinde in der Ferne zu t�ten statt aus der N�he.�</p><p>Selucia hielt die H�nde so, dass Tuon sie sehen konnte; die schlanken Finger bewegten sich flink. WAS IST DIESE BANDE, VON DER SIE DA SPRECHEN? Sie benutzte die angebrachte Form, Untertan zu H�hergestellten, aber ihre Ungeduld war fast sp�rbar. Ungeduld mit allem, was geschah. Tuon hatte nur wenige Geheimnisse vor ihr, aber ein paar erschienen im Moment ratsam. Sie w�rde es Selucia zutrauen, dass sie sie mit Gewalt nach Ebou Dar zur�ckschleppte, damit sie ihr Wort nicht brach. Ein Schatten hatte viele Pflichten, und manche erforderten es, auch den h�chsten Preis zu zahlen. Sie wollte nicht Selucias Hinrichtung anordnen m�ssen.</p><p>In der kaiserlichen Form erwiderte sie: OFFENSICHTLICH SPIELZEUGS PERS�NLICHES HEER. H�R ZU, VIELLEICHT ERFAHREN WIR MEHR.</p><p>Es erschien seltsam, dass Spielzeug ein Heer befehligte. Er war manchmal charmant, sogar durchaus schlagfertig und am�sant, aber oft war er auch ein Possenrei�er und immer ein Schuft. Als Tylins Scho�tier war er v�llig in seinem Element erschienen. Aber er war auch unter den Zirkusartisten in seinem Element erschienen und unter den <emphasis>Marath�da</emphasis> � <emphasis>mane</emphasis> und den beiden entflohenen <emphasis>Damane</emphasis> und in der Spelunke. Die war eine solche Entt�uschung gewesen. Nicht mal ein einziger Kampf! Daf�r waren nicht einmal die sp�teren Geschehnisse ein vollwertiger Ersatz gewesen. In einen Stra�enkampf verwickelt zu werden war kaum das Gleiche, wie K�mpfe in einer Spelunke zu sehen. Die zugegebenerma�en viel langweiliger gewesen war, als die in Ebou Dar aufgeschnappten Ger�chte ahnen lie�en. Bei diesem Stra�enkampf hatte Spielzeug eine unerwartete Seite gezeigt. Ein pr�chtiger Mann, aber einer mit einer merkw�rdigen Schw�che. Aus irgendeinem Grund fand sie das auf seltsame Weise anziehend.</p><p>�Gute Einstellung�, sagte er gedankenverloren und zupfte an dem schwarzen Halstuch, das er um den Hals gebunden trug. Sie fragte sich, was so besonders an der Narbe war, die er zu verbergen sich solche M�he gab. Dass er es tat, war verst�ndlich. Warum hatte man ihn geh�ngt, und wie hatte er �berlebt? Das konnte sie ihn nicht fragen. Es st�rte sie keinesfalls, seinen Blick etwas senken zu m�ssen � tats�chlich machte es sogar Spa�, ihn sich winden zu lassen; das kostete so wenig M�he �, aber sie wollte seine Ehre nicht vernichten. Jedenfalls nicht zu diesem Zeitpunkt.</p><p>�Erkennt Ihr ihn nicht wieder?�, sagte Talmanes. �Er ist aus Eurem Buch. K�nig Roedran hat zwei Ausgaben in seiner Bibliothek. Er hat sich den Inhalt eingepr�gt. Der Mann glaubt, dass ihn das zu einem gro�en Hauptmann machen wird. Er war so erfreut �ber unseren Handel, dass er f�r mich eine Ausgabe drucken und binden lie�.�</p><p>Spielzeug warf ihm einen verbl�fften Blick zu. �Mein Buch?�</p><p>�Das, von dem Ihr uns erz�hlt habt, Mat. <emphasis>Nebel und Stahl,</emphasis> von Madoc Comadrin.�</p><p>�Ach, das Buch.� Spielzeug zuckte mit den Schultern.</p><p>�Das habe ich vor langer Zeit gelesen.�</p><p>Tuon knirschte mit den Z�hnen. Ihre Finger blitzten. WANN H�REN SIE AUF, VON B�CHERN ZU SPRECHEN, UND KOMMEN WIEDER ZU INTERESSANTEN DINGEN?</p><p>VIELLEICHT ERFAHREN WIR MEHR, WENN WIR ZUH�- REN, erwiderte Selucia. Tuon warf ihr einen finsteren Blick zu, aber die Frau stellte eine so unschuldige Miene zur Schau, dass sie ihr Stirnrunzeln nicht beibehalten konnte. Sie lachte � leise, damit Spielzeug sich nicht bewusst wurde, wie nahe sie doch hinter ihm war-, und Selucia fiel ein. Leise.</p><p>Aber Spielzeug war verstummt, und Talmanes schien zufrieden, es dabei zu belassen. Sie ritten in Stille, wenn man von den Ger�uschen des Waldes einmal absah; V�gel sangen, seltsame Eichh�rnchen mit schwarzen Schw�nzen keckerten auf �sten. Tuon hielt nach Omen Ausschau, aber ihr fiel nichts auf. Hellbunte V�gel sch�ssen zwischen den B�umen umher. Einmal entdeckten sie eine Viehherde von vielleicht f�nfzig schlanken Tieren mit langen H�rnern, die auf beiden Seiten fast gerade aus dem Kopf ragten. Die Tiere hatten sie kommen geh�rt und bauten sich angriffslustig auf. Ein Bulle warf den Kopf zur�ck und scharrte �ber den Boden. Spielzeug und Talmanes f�hrten die Gruppe in gro�em Abstand um die Herde herum. Tuon schaute �ber die Schulter. Die Rotwaffen � warum wurden sie so genannt?, sie musste Spielzeug das fragen �, die Rotwaffen lenkten die Lastpferde, aber Gorderan hatte die Armbrust gehoben, und die anderen hatten Pfeile eingespannt. Also war dieses Vieh gef�hrlich. Vieh brachte nur wenige Omen, und sie war erleichtert, als die Herde hinter ihnen zur�ckblieb. Sie war nicht so weit gekommen, um jetzt von einer Kuh umgebracht zu werden. Oder zu sehen, wie Spielzeug von einer Kuh umgebracht wurde.</p><p>Nach einiger Zeit setzten sich Thom und Aludra an ihre Seiten. Die Frau warf ihr einen Blick zu, dann starrte sie geradeaus. Das Gesicht der Tarabonerin, das von den Z�pfen mit den hellen Perlen eingerahmt wurde, war immer wie erstarrt, wenn sie sie oder Selucia ansah, also geh�rte sie offensichtlich zu jenen, die sich weigerten, die Wiederkehr zu akzeptieren. Sie musterte Spielzeug, und sie sah� zufrieden aus. Als h�tte sie eine Best�tigung erhalten. Warum hatte Spielzeug sie mitgenommen? Bestimmt nicht wegen ihres Feuerwerks. Das war ja ganz h�bsch, konnte sich aber nicht einmal ann�hernd mit den Himmelslichtern von selbst erst zur H�lfte ausgebildeten <emphasis>Damane</emphasis> messen.</p><p>Thom Merrilin war viel interessanter. Offensichtlich war der wei�haarige alte Mann ein erfahrener Spion. Wer hatte ihn nach Ebou Dar geschickt? Die Wei�e Burg schien der offensichtlichste Auftraggeber zu sein. Er verbrachte nur wenig Zeit mit den dreien, die sich selbst als Aes Sedai bezeichneten, aber ein gut ausgebildeter Spion w�rde sich nicht auf diese Weise verraten. Seine Anwesenheit besorgte sie. Bis die letzte Aes Sedai an die Leine gelegt worden war, musste man sich vor der Wei�en Burg in Acht nehmen. Trotz allem suchte sie gelegentlich noch immer der beunruhigende Gedanke heim, dass Spielzeug Teil eines Plans der Wei�en Burg war. Das war unm�glich, solange nicht einige Aes Sedai allwissend waren, aber manchmal kam ihr der Gedanke.</p><p>�Ein seltsamer Zufall, Meister Merrilin, findet Ihr nicht?�, sagte sie. �Mitten in einem altaranischen Wald auf einen Teil von Spielzeugs Heer zu sto�en.�</p><p>Er fuhr sich mit einem Kn�chel �ber den Bart und schaffte es nicht, ein kleines L�cheln zu unterdr�cken. �Er ist <emphasis>ta�veren,</emphasis> meine Lady, und man kann nie sagen, was um einen <emphasis>Ta�veren</emphasis> herum geschieht. Es ist immer� interessant� wenn man zusammen mit einem von ihnen reist. Mat neigt dazu, stets das zu finden, was er braucht, wenn er es braucht. Manchmal bevor er wei�, dass er es braucht.�</p><p>Sie starrte ihn an, aber er schien das ernst zu meinen. �Er ist mit dem Muster verbunden?� Das war die �bersetzung dieses Begriffs. �Was soll das bedeuten?�</p><p>Die Augen des alten Mannes weiteten sich vor Erstaunen.</p><p>�Das wisst Ihr nicht? Aber es hei�t doch, dass Artur Falkenfl�gel der st�rkste <emphasis>Ta�veren</emphasis> war, den es jemals gab, vielleicht genauso stark wie Rand al�Thor. Ich dachte, dass ausgerecht Ihr das wissen� Nun, wenn Ihr es nicht wisst, dann wisst Ihr es nicht. <emphasis>Ta�veren</emphasis> sind Menschen, um die sich das Muster formt, Menschen, die vom Muster selbst gewebt werden, um die richtige Richtung des Gewebes aufrechtzuerhalten, vielleicht um Fehler zu korrigieren, die sich eingeschlichen haben. Eine der Aes Sedai k�nnte das besser erkl�ren als ich.� Als w�rde sie sich mit einer <emphasis>Marath�damane</emphasis> unterhalten, oder schlimmer noch, mit einer ausgerissenen <emphasis>Damane.</emphasis></p><p>�Danke�, sagte sie h�flich. �Ich glaube, ich habe genug geh�rt.� <emphasis>Ta�veren.</emphasis> Diese Leute und ihr unersch�pflicher Aberglaube! Ein kleiner brauner Vogel, sicherlich ein Fink, flog von einer hohen Eiche und kreiste dreimal um Tuons Kopf, bevor er weiterflog. Sie hatte ihr Omen gefunden. Bleib in Spielzeugs N�he. Nicht dass sie die Absicht gehabt h�tte, etwas anderes zu tun. Sie hatte ihr Wort gegeben, das Spiel gespielt, wie es gespielt werden musste, und sie hatte ihr Wort in ihrem ganzen Leben noch nicht gebrochen.</p><p>Weniger als eine Stunde nach ihrem Aufbruch ert�nte voraus ein kehliger Vogelruf, und Selucia deutete auf einen Wachtposten, einen Mann mit einer Armbrust oben im dichten Ge�st einer knorrigen Eiche, der eine Hand an den Mund legte. Es war also kein Vogel gewesen. Weitere Vogelrufe gingen ihnen voraus, und bald ritten sie durch ein ordentliches Lager. Es gab keine Zelte, aber die Lanzen waren akurat aufgestapelt, die Pferde waren zwischen den B�umen festgemacht, ganz in der N�he ihrer Reiter, und beim Kopf eines jeden Tieres lag ein Sattel oder ein Packsattel. Sie w�rden nicht lange brauchen, um das Lager abzubrechen und weiterzumarschieren. Ihre Feuer waren klein und machten nur wenig Rauch.</p><p>Als sie heranritten, sprangen M�nner mit mattgr�nen Brustharnischen mit der roten Hand auf den �rmeln und roten T�chern um den linken Arm auf die F��e. Tuon sah wettergegerbte alte Gesichter mit Narben und frische junge Gesichter, die alle die Blicke auf Spielzeug richteten und dabei einen Ausdruck trugen, den sie nur als eifrig bezeichnen konnte. Ein Murmeln schwoll an, rauschte einer Brise gleich durch den Wald.</p><p>�Es ist Lord Mat.�</p><p>�Lord Mat ist zur�ck.�</p><p>�Lord Mat hat uns gefunden.�</p><p>�Lord Mat.�</p><p>Tuon wechselte einen Blick mit Selucia. Die Zuneigung in diesen Stimmen war echt. Das war selten und oft bei Kommandanten mit lascher Disziplin zu finden. Andererseits hatte sie erwartet, dass ein Heer, das Spielzeug geh�rte, ein zerlumpter Haufen sein musste, voller M�nner, die ihre Zeit mit Trinken und W�rfeln verbrachten. Blo� dass dieses Heer nicht zerlumpter als jedes Regiment aussah, das einen Berg �berquert und mehrere hundert Meilen geritten war. Keiner schien betrunken zu sein.</p><p>�Wir lagern gr��tenteils am Tag und reisen nachts, um nicht von den Seanchanern gesehen zu werden�, sagte Talmanes zu Spielzeug. �Blo� weil wir keine dieser fliegenden Ungeheuer gesehen haben, hei�t das nicht, dass keine in der N�he sind. Die meisten Seanchaner scheinen weiter n�rdlich oder s�dlich zu sein, aber anscheinend gibt es keine drei�ig Meilen von hier ein Lager, und Ger�chten zufolge gibt es dort eine dieser Kreaturen.�</p><p>�Ihr scheint gut informiert zu sein�, sagte Spielzeug und musterte die Soldaten, an denen sie vorbeikamen. Pl�tzlich nickte er, als h�tte er eine Entscheidung getroffen. Er erschien grimmig und� konnte das Resignation sein?</p><p>�Das bin ich auch, Mat. Ich habe die H�lfte der Sp�her mitgebracht, und ich habe ein paar Altaraner aufgenommen, die gegen die Seanchaner gek�mpft haben. Nun, die meisten von ihnen scheinen blo� Pferde gestohlen zu haben, aber einige waren bereit, das gegen die Chance einzutauschen, wirklich gegen sie k�mpfen zu k�nnen. Ich glaube, ich kenne die meisten seanchanischen Lager vom Malvidedurchgang im S�den bis hier.�</p><p>Pl�tzlich fing ein Mann mit tiefer Stimme an zu singen, und viele andere stimmten ein.</p><p><emphasis>Ale und Wein sind fein, so wie M�dchen mit h�bschem Bein, aber ich, ja ich, hab meinen Spa� am Tanz mit Schattenjak.</emphasis></p><p>Jetzt sang jeder Mann im Lager, Tausende Stimmen gr�lten das Lied.</p><p><emphasis>Wir werfen die W�rfel, egal wie sie fallen, und herzen die M�dchen, ob dick oder d�nn, und folgen Lord Mat, wann immer er ruft, zum Tanz mit Schattenjak.</emphasis></p><p>Sie endeten mit Rufen, lachten und hieben sich gegenseitig auf die Schultern. Wer beim Licht war dieser Schattenjak?</p><p>Spielzeug z�gelte sein Pferd und hob die Hand, in der er seinen seltsamen Speer hielt. Das war alles, und doch verstummten die Soldaten. Also war er doch nicht lasch mit der Disziplin. Es gab nur wenige andere Gr�nde, warum Soldaten ihre Offiziere mochten, aber der h�ufigste schien unm�glich zu Spielzeug zu passen.</p><p>�Wir wollen ihnen nicht verraten, dass wir hier sind, bis sie es wissen sollen�, sagte Spielzeug laut. Er schrie nicht, er sorgte nur daf�r, dass seine Stimme weit trug. Und die M�nner h�rten es, gaben die Worte an die M�nner hinter ihnen weiter, die zu weit weg standen, um sie verstehen zu k�nnen. �Wir sind weit von zu Hause weg, aber ich werde uns nach Hause f�hren. Also seid zum Marsch bereit, zu einem schnellen Marsch. Die Bande der Roten Hand kann schneller marschieren als alle anderen, und das werden wir beweisen m�ssen.� Es gab keinen Jubel, aber viele nickten. Er wandte sich an Talmanes und sagte: �Habt Ihr Karten?�</p><p>�Die besten, die man finden konnte�, erwiderte Talmanes.</p><p>�Die Bande hat jetzt ihren eigenen Kartenmacher. Meister Roidelle hatte bereits gute Karten von allem, vom Aryth-Meer bis zum R�ckgrat der Welt, und seit wir die Damonas �berquert haben, haben er und seine Assistenten neue Karten von dem Land angefertigt, das wir durchquert haben. Sie haben sogar auf einer Karte des �stlichen Altara alles eingetragen, was wir �ber die Seanchaner erfahren haben. Die meisten dieser Lager sind aber nur kurzfristig. Soldaten r�cken auf andere Ziele zu.�</p><p>Selucia rutschte auf ihrem Sattel herum, und Tuon signalisierte GEDULD in der hohen Befehlsform. Sie hielt ihre Miene ausdruckslos, aber innerlich kochte sie. Zu wissen, wo Soldaten waren, gab Hinweise, wo sie hinwollten. Es musste eine M�glichkeit geben, diese Karte zu verbrennen. Das w�rde genauso wichtig sein, wie eine dieser Armbrust-Winden in die H�nde zu bekommen.</p><p>�Ich will auch mit Meister Roidelle sprechen�, sagte Spielz eug.</p><p>Soldaten kamen, um die Pferde zu nehmen, und eine Weile lang schien alles ein gro�er Wirrwarr zu sein. Ein Bursche mit Zahnl�cken nahm Akeins Z�gel, und Tuon gab ihm genaue Instruktionen, wie er die Stute zu behandeln hatte. Er schenkte ihr zusammen mit seiner Verbeugung einen schiefen Blick. In diesen L�ndern schienen einfache B�rger zu glauben, mit allen anderen gleich zu sein. Selucia gab dem schlanken jungen Mann, der Rosenknospe nahm, die gleichen Instruktionen. Sie hielt das f�r einen passenden Namen f�r ein so zierliches Pferd. Der junge Mann starrte Selucias Oberweite an, bis sie ihm eine Ohrfeige gab. Eine ordentliche. Er grinste blo� und f�hrte den Falben sich die Wange reibend weg. Tuon seufzte. F�r Selucia war das v�llig in Ordnung, aber h�tte sie einen einfachen B�rger geschlagen, h�tte das ihren Blick monatelang gesenkt.</p><p>Kurz darauf sa� sie auf einem Klapphocker, Selucia hinter sich, und Lopin bot ihnen winzige Tassen mit schwarzem Tee an, verbeugte sich ganz anst�ndig vor Selucia wie auch ihr. Nicht tief genug, aber er versuchte es wenigstens. Ihr Tee war leicht und perfekt ges��t, aber er hatte ihr-oft genug welchen gebracht, um zu wissen, wie sie ihn mochte. Um sie herum brodelte es vor Aktivit�t. Talmanes hie� den grauhaarigen Nerim kurz willkommen, der anscheinend sein Diener war und sich freute, wieder mit ihm vereint zu sein. Zumindest zeigte sich ein kurzes L�cheln auf der �blicherweise tiefe rnsten Miene des d�rren Mannes. So etwas h�tte in der Abgeschiedenheit eines privaten Ortes stattfinden m�ssen. Leilwin und Domon erlaubten Meister Charin, mit Olver und Juilin und Thera das Lager zu erforschen � Thom und Aludra gingen auch mit, um sich die Beine zu vertreten �, dann setzten sie sich in unmittelbarer N�he auf Hocker. Leilwin ging sogar so weit und starrte Tuon einen langen Augenblick ohne zu blinzeln an. Selucia gab ein leises Ger�usch von sich, das stark an ein Knurren erinnerte, aber Tuon ignorierte die Provokation und bedeutete Frau Anan, sich mit ihrem Hocker neben sie zu setzen. Irgendwann w�rden die Verr�ter und Diebe bestraft, der Besitz seinen rechtm��igen Eigent�mern zur�ckgegeben und die <emphasis>Marath�damane</emphasis> an die Leine gelegt werden, aber diese Dinge mussten vor den wichtigeren Angelegenheiten zur�ckstehen.</p><p>Drei weitere Offiziere erschienen, junge Adlige mit dieser roten Hand auf den dunklen Seidenm�nteln, und sie hatten ihre eigene Wiedervereinigung mit Spielzeug, es wurde viel gelacht und es gab viel Schultergeklopfe, was f�r sie wohl eine Art Ausdruck ihrer Zuneigung war. Tuon konnte sie bald voneinander unterscheiden. Edorion war der dunkelh�utige, schlanke Mann mit der ernsthaften Miene, wenn er nicht gerade l�chelte, Reimon der breitschultrige Bursche, der viel l�chelte, und Carlomin der hochgewachsene, d�nne. Edorion war glatt rasiert, w�hrend Reimon und Carlomin dunkle Barte trugen, die zu Spitzen geformt waren und wie einge�lt funkelten. Alle drei machten gro�es Aufhebens um die Aes Sedai, verneigten sich tief. Sie verneigten sich sogar vor Bethamin und Seta! Tuon sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich habe Euch oft genug gesagt, dass das eine andere Welt als die ist, die Ihr gewohnt seid�, murmelte Frau Anan, �aber Ihr wollt das immer noch nicht wahrhaben, oder?�</p><p>�Nur weil eine Sache so ist, wie sie ist�, erwiderte Tuon, �bedeutet das noch lange nicht, dass sie so sein sollte, selbst wenn sie schon eine lange Zeit so ist.�</p><p>�Das Gleiche k�nnten einige �ber Euer Volk sagen, meine Lady.�</p><p>�Das k�nnten sie.� Tuon lie� es dabei bewenden, obwohl sie f�r gew�hnlich ihre Unterhaltungen mit der Frau genoss. Frau Anan sprach sich wie erwartet dagegen aus, <emphasis>Marath�damane</emphasis> an die Leine zu legen, sie war sogar gegen die Haltung von <emphasis>Da�covale,</emphasis> aber das waren Diskussionen und keine Streitgespr�che, und Tuon hatte es geschafft, dass sie bei einigen Dingen eingelenkt hatte. Sie hoffte, die Frau eines Tages ganz auf ihre Seite zu bringen. Aber nicht heute. Sie wollte sich voll und ganz auf Spielzeug konzentrieren.</p><p>Meister Roidelle kam, ein Mann mit einem runden Gesicht und grauen Haaren, dessen K�rpermasse seinen dunklen Mantel spannte. Ihm folgten sechs durchtrainiert erscheinende junge M�nner, von denen jeder einen ledernen Kartenzylinder trug. �Ich habe s�mtliche Karten von Altara mitgebracht, die ich habe, mein Lord�, sagte er mit seinem melodischen Akzent zu Talmanes, w�hrend er sich verneigte. Sprach denn in diesem Land jeder so, als k�nnte er die Worte nicht schnell genug hervorsto�en? �Einige decken das ganze Land ab, das tun sie, einige nicht mehr als hundert Quadratmeilen. Die besten sind nat�rlich meine eigenen, die ich in den vergangenen Wochen angefertigt habe.�</p><p>�Lord Mat wird Euch sagen, was er braucht�, erwiderte Talmanes. �Wollt Ihr Euch das in Ruhe ansehen, Mat?�</p><p>Aber Spielzeug sagte dem Kartenmacher bereits, was er wollte, die Karte mit den seanchanischen Lagern. In k�rzester Zeit war sie aussortiert und auf dem Boden ausgebreitet worden, und Spielzeug hockte davor auf den Fersen. Meister Roidelle schickte einen seiner Assistenten los, um ihm einen Hocker zu besorgen. H�tte er versucht, es Spielzeug nachzumachen, h�tte er seine Mantelkn�pfe abgesprengt und w�re vermutlich auch noch umgekippt. Tuon starrte die Karte gierig an. Wie konnte sie sie in die H�nde bekommen?</p><p>Talmanes und die anderen drei M�nner tauschten Blicke aus und lachten, als w�re es die lustigste Sache auf der ganz en Welt, ignoriert zu werden, dann schlenderten sie zu Tuon her�ber. Die Aes Sedai versammelten sich um die Karte auf dem Boden, bis Spielzeug ihnen befahl, ihm nicht mehr �ber die Schultern zu sehen. Sie bewegten sich ein kleines St�ck zur�ck � Bethamin und Seta hielten ein St�ck Abstand von ihnen � und fingen an, sich leise zu unterhalten, blickten gelegentlich in seine Richtung. H�tte Spielzeug auf ihre Mienen geachtet, vor allem Jolines, h�tte er sich vielleicht trotz des unglaublichen <emphasis>Ter�angreals,</emphasis> das sich laut Frau Anan in seinem Besitz befand, Sorgen gemacht.</p><p>�Wir sind etwa hier, richtig?�, sagte er und markierte eine Stelle mit dem Finger. Meister Roidelle murmelte, dass es so war. �Und das ist das Lager, wo sich angeblich der <emphasis>Raken</emphasis> befindet? Die Flugbestie?� Wieder ert�nte zustimmendes Gemurmel. �Gut. Was f�r ein Lager ist das? Wie viele M�nner sind dort stationiert?�</p><p>�Berichten zufolge ist es ein Versorgungslager, mein Lord. Um Patrouillen auszur�sten.� Der junge Mann kam mit einem weiteren Klapphocker zur�ck, und der st�mmige Mann lie� sich mit einem Grunzen darauf nieder. �Es sollen etwa hundert Soldaten, gr��tenteils Altaraner, und etwa zweihundert Arbeiter sein, aber wie man mir gesagt hat, halten sich dort auch manchmal bis zu f�nfhundert Soldaten auf.� Ein sorgf�ltiger Mann, dieser Meister Roidelle.</p><p>Talmanes machte eine dieser seltsamen Verbeugungen, mit einem nach vorn gestellten Fu�, und die anderen drei taten es ihm nach. �Meine Lady�, sagte Talmanes, �Vanin hat mir von Euren Problemen berichtet und den Versprechungen, die Lord Mat gemacht hat. Ich wollte Euch nur sagen, dass er sein Wort h�lt.�</p><p>�Das tut er, meine Lady�, murmelte Edorion. �Immer.�</p><p>Tuon winkte ihn zur Seite, damit sie Spielzeug weiter beobachten konnte, und er tat es nach einem verbl�fften Blick auf Spielzeug und dann auf sie. Sie schenkte ihm einen strengen Blick. Dass diese M�nner anfingen, sich Dinge einzubilden, war das Letzte, was sie wollte. Noch hatte sich nicht alles so ergeben, wie es sollte. Es bestand noch immer die M�glichk eit, dass das alles schiefging.</p><p>�Ist er ein Lord oder ist er keiner?�, verlangte sie zu wiss en.</p><p>�Verzeiht�, sagte Talmanes, �aber k�nntet Ihr das wiederholen? Ich muss mich entschuldigen. Ich muss Dreck in den Ohren haben.� Sie wiederholte den Satz langsam und sorgf�ltig, aber sie brauchten trotzdem eine Minute, um zu ergr�nden, was sie gesagt hatte.</p><p>�Verbrennt meine Seele, nein�, sagte Reimon schlie�lich mit einem Lachen. Er strich sich den Bart. �Au�er f�r uns. F�r uns ist er Lord genug.�</p><p>�Er verabscheut Adlige gr��tenteils�, sagte Carlomin. �Es ist eine Ehre f�r mich, den wenigen anzugeh�ren, die er nicht verabscheut.�</p><p>�Eine Ehre�, stimmte Reimon zu. Edorion beschr�nkte sich auf ein Nicken.</p><p>�Soldaten, Meister Roidelle�, sagte Spielzeug energisch.</p><p>�Zeigt mir, wo die Soldaten sind. Und mehr als nur ein paar hundert.�</p><p>�Was tut er da?�, sagte Tuon stirnrunzelnd. �Er kann doch wohl nicht so viele M�nner aus Altara herausschmuggeln wollen, selbst wenn er wei�, wo sich jeder Soldat aufh�lt. Es gibt immer Patrouillen und Fl�ge von <emphasis>Raken.�</emphasis> Wieder lie�en sie sich mit der Antwort Zeit. Vielleicht sollte sie versuchen, ganz schnell zu sprechen.</p><p>�Wir haben seit �ber dreihundert Meilen keine Patrouill en mehr gesehen und keine� <emphasis>Raken? Raken�,</emphasis> sagte Edorion ruhig. Er studierte sie. Zu sp�t, seine Gedanken zu unterbinden.</p><p>Reimon lachte wieder. �Wie ich Mat kenne, plant er eine Schlacht f�r uns. Die Bande der Roten Hand reitet wieder in die Schlacht. Es ist viel zu lange her, wenn ihr mich fragt.�</p><p>Selucia schnaubte, genau wie Frau Anan. Tuon musste ihnen beipflichten. �Eine Schlacht wird euch nicht aus Altara rausschaffen�, sagte sie scharf.</p><p>�In diesem Fall plant er einen Krieg�, sagte Talmanes. Die anderen nickten zustimmend, als w�re das die nat�rlichste Sache unter dem Licht. Reimon lachte sogar. Er schien alles f�r witzig zu halten.</p><p>�Dreitausend?�, sagte Spielzeug. �Seid Ihr sicher? Sicher genug? Sicher genug muss reichen. Vanin kann sie aufsp�r en, wenn sie nicht tagelang weitergezogen sind.�</p><p>Tuon sah ihn an, wie er da vor der Karte hockte, den Finger �ber ihre Oberfl�che f�hrte, und pl�tzlich sah sie ihn in einem neuen Licht. Ein Possenrei�er? Nein. Ein L�we in einer Pferdebox mochte vielleicht wie ein besonders eigent�mlicher Witz aussehen, aber ein L�we auf den Hochebenen war etwas ganz anderes. Spielzeug war jetzt auf der Hochebene freigelassen. Sie versp�rte ein Fr�steln. Mit was f�r einem Mann hatte sie sich da eingelassen? Ihr wurde eines klar. Nach all der Zeit hatte sie noch immer nicht die geringste Ahnung.</p><p>Die Nacht war k�hl genug, um Perrin trotz seines pelzgef�tterten Umhangs leicht fr�steln zu lassen, wenn der Wind blies. Ein Schimmern um die fette Mondsichel verk�ndete baldigen Regen. Dichte Wolken, die am Mond vorbeizogen, lie�en das bleiche Licht st�rker und schw�cher werden, st�rker und schw�cher, aber f�r seine Augen reichte es aus. Er hielt Traber direkt am Waldrand und beobachtete die vier hohen, grauen Steinwindm�hlen auf einer Lichtung oben auf dem H�gel, deren blasse Fl�gel bei ihren Umdrehungen nacheinander funkelten und sich wieder verdunkelten. Die Mechanik der Windm�hlen knarrte laut. Es erschien zweifelhaft, ob die Shaido �berhaupt wussten, dass man sie schmieren musste. Der Steinaqu�dukt war ein dunkler Balken, der sich auf hohen B�gen vorbei an verlassenen Bauernh�fen und eingez�unten Feldern � die Shaido hatten die Aussaat bei diesem st�ndigen Regen viel zu fr�h ges�t � auf den n�chsten H�gelkamm und den dahinter liegenden See erstreckte. Maiden lag einen H�gel weiter westlich. Perrin lockerte den schweren Hammer in seiner Schlaufe an seinem G�rtel. Maiden und Faile. In wenigen Stunden w�rde er der Lederschnur in seiner Tasche den vierundf�nfzigsten Knoten hinzuf�gen.</p><p>Er schickte seine Gedanken aus. <emphasis>Schnee in der D�mmerung, bist du bereit?,</emphasis> dachte er. <emphasis>Bist du schon nahe genug?</emphasis> W�lfe mieden St�dte, und durch die Jagdgruppen der Shaido in den umliegenden W�ldern am Tag blieben sie weiter von Maiden fort als gew�hnlich.</p><p><emphasis>Geduld, junger Bulle,</emphasis> kam die leicht gereizte Erwiderung. Aber Schnee in der D�mmerung war von Natur aus j�hzornig, ein vernarbtes M�nnchen mit einem betr�chtlichen Alter f�r einen Wolf, der einmal ganz allein einen Leoparden get�tet hatte. Manchmal hielten diese alten Verletzungen ihn davon ab, f�r l�ngere Zeit durchzuschlafen. <emphasis>Von jetzt an zwei Tage, hast du gesagt. Wir werden da sein, jetzt lass mich versuchen zu schlafen. Wir m�ssen morgen gut jagen, da wir am Tag danach nicht jagen k�nnen.</emphasis> Nat�rlich kamen da Bilder und Ger�che statt Worte � �zwei Tage� war die Sonne, die zweimal den Himmel �berquerte, und �Jagen� ein Rudel, das die Schnauzen in den von Hirschduft erf�llten Wind hielt �, aber Perrins Verstand verwandelte die Bilder in Worte, w�hrend er sie in seinem Kopf sah.</p><p>Geduld. Ja. Hast verdarb die Arbeit. Aber jetzt, so kurz davor, fiel sie schwer. So schwer.</p><p>Eine Gestalt erschien in dem dunklen Eingang der n�chstgelegenen M�hle und schwenkte einen Aielspeer �ber dem Kopf. Das Knarren hatte ihn davon �berzeugt, dass die Windm�hlen noch immer verlassen sein mussten � als die T�chter sie zuvor ausgekundschaftet hatten, waren sie es jedenfalls gewesen, und niemand w�rde diesen L�rm l�nger als n�tig ertragen �, aber er hatte Gaul und ein paar T�chter losgeschickt, um sich zu vergewissern.</p><p>�Gehen wir, Mishima�, sagte er und griff nach den Z�geln. �Es ist erledigt.� So oder so.</p><p>�Wie k�nnt Ihr �berhaupt etwas erkennen?�, murmelte der Seanchaner. Er vermied es, Perrin anzusehen, dessen goldgelbe Augen in der Nacht funkeln w�rden. Als der narbige Mann das zum ersten Mal gesehen hatte, war er zusammengezuckt. Heute Nacht roch er nicht am�siert. Er roch angespannt. Aber er rief leise �ber die Schulter. �Bringt die Karren. Schnell jetzt. Schnell. Und seid leise, oder ich hole mir eure Ohren!�</p><p>Perrin trieb seinen hellbraunen Hengst an, ohne auf die anderen zu warten oder auf die sechs Karren mit den gro�en R�dern. Gro�z�gig geschmierte Achsen machten sie so leise, wie das bei Karren nur m�glich war. Ihm erschienen sie noch immer l�rmend, die Hufe der Zugpferde schmatzten im Schlamm, die Karren �chzten, aber er bezweifelte, dass andere sie in f�nfzig Schritt Entfernung geh�rt h�tten, vielleicht nicht einmal in geringerer Entfernung. Oben auf einem sanft ansteigenden H�gel stieg er aus dem Sattel und lie� Trabers Z�gel fallen. Als ausgebildetes Schlachtross w�rde der Hengst wie angeleint dort stehen bleiben, solange die Z�gel zu Boden baumelten. Die Windm�hlennaben quietschten, drehten sich leicht, als der Wind drehte. Die sich langsam drehenden Fl�gel waren lang genug, dass Perrin einen von ihnen bei seinem niedrigsten Stand h�tte ber�hren k�nnen. Er starrte auf den letzten H�gelkamm, der Maiden verbarg. Dort wuchs nichts H�heres als ein Busch. In der Dunkelheit bewegte sich nichts. Nur ein H�gel zwischen ihm und Faile. Die T�chter waren nach drau�en getreten und hatten sich zu Gaul gesellt; alle waren noch verschleiert.</p><p>�Es war keiner da�, sagte Gaul, und das keineswegs leise.</p><p>In dieser N�he h�tte das Mahlen der Windm�hlenmechanik leise Worte �bert�nt.</p><p>�Der Staub ist nicht ber�hrt worden, seit ich das letzte Mal da war�, f�gte Sulin hinzu.</p><p>Perrin kratzte sich den Bart. Gut so. H�tten sie Shaido t�ten m�ssen, h�tten sie die Leichen wegtragen m�ssen, aber die Toten w�ren vermisst worden, und das h�tte Aufmerksamkeit auf die Windm�hlen und den Aqu�dukt gezog en. M�glicherweise h�tte jemand angefangen, sich Gedank en �ber das Wasser zu machen.</p><p>�Helft mir, die Abdeckungen zu entfernen, Gaul.� Das war unn�tig. Das w�rde nur wenige Minuten einsparen, aber Perrin musste etwas tun. Gaul schob den Speer einfach durch das Geschirr, das sein Bogenfutteral hielt.</p><p>Der Aqu�dukt folgte dem H�gelkamm, vorbei zwischen den vier Windm�hlen, und reichte Perrin bis zu den Schultern, Gaul noch tiefer. Direkt im Anschluss an die letzten beiden Windm�hlen konnte man auf beiden Seiten mit Hilfe von Bronzegriffen schwere Steine abheben, die zwei Fu� breit und f�nf Fu� lang waren. Perrin hatte keine Ahnung, wozu die �ffnung gedacht war. Auf der anderen Seite gab es noch eine. Vielleicht, um an den Klappen arbeiten zu k�nnen, die daf�r sorgten, dass das Wasser in nur eine Richtung floss, oder um reinzukommen und Lecks zu reparieren. Er konnte kleine Wirbel sehen, w�hrend es nach Maiden str�mte und dabei mehr als die H�lfte des Steintunnels f�llte.</p><p>Mishima gesellte sich zu ihnen und stieg vom Pferd, um Sulin und den T�chtern einen unsicheren Blick zuzuwerfen. Vermutlich glaubte er, die Nacht w�rde seine Miene verbergen. Jetzt roch er misstrauisch. Ihm folgte der erste der rot gekleideten seanchanischen Soldaten � eine Frau �, die den schlammigen H�gel hinaufeilten und von denen jeder zwei mittelgro�e Jutes�cke trug. Mittelgro�, aber nicht schwer. Jeder enthielt nur zehn Pfund. Die drahtige Frau musterte die Aiel misstrauisch, setzte ihre S�cke ab und schlitzte einen mit dem Dolch auf. Eine Hand voll feiner dunkler K�rner rieselte auf den schlammigen Boden.</p><p>�Macht das �ber der �ffnung�, sagte Perrin. �Sorgt daf�r, dass jedes Korn im Wasser landet.�</p><p>Die drahtige Frau sah Mishima an, der energisch sagte: �Tut, was Lord Perrin befiehlt, Arrata.�</p><p>Perrin sah zu, wie sie den Sack in den Aqu�dukt leerte, die H�nde �ber den Kopf gestemmt. Die dunklen K�rner str�mten in Richtung Maiden. Er hatte eine Prise davon in einen Becher Wasser gestreut, obwohl ihn selbst diese Verschwendung gest�rt hatte, und sie hatte einige Zeit gebraucht, um allein genug Wasser aufzunehmen, bis sie versunken war. Lange genug, um die gro�e Zisterne in der Stadt zu erreichen. Und wenn nicht, konnten die K�rner auch im Aqu�dukt aufweichen. Die Zisterne w�rde sich auch dann irgendwann in Spaltwurzeltee verwandeln. Man konnte nur hoffen, dass er stark genug war. Mit etwas Gl�ck vielleicht sogar stark genug, dass auch die <emphasis>Algai�d�siswai</emphasis> betroffen waren. Die Weisen Frauen, die die Macht lenken konnten, waren sein Ziel, aber er w�rde jeden Vorteil nutzen, der sich ihm bot. Hoffentlich wirkte es nur noch schneller als erwartet. Sollten die Weisen Frauen zu schnell unsicher auf den Beinen werden, bekamen sie m�glicherweise den Grund daf�r heraus, bevor er bereit war. Aber ihm blieb nichts anderes �brig, als so weiterzumachen, als w�sste er alles ganz genau. Das und zu beten.</p><p>Als der zweite Sack in den Steinkanal gesch�ttet wurde, kamen die anderen den Abhang hinauf. Als Erste kam Seonid, die ihre dunklen Reitr�cke hochhielt, um sie nicht mit Schlamm zu beschmutzen. Mishima richtete seine Aufmerksamkeit von den T�chtern auf sie und machte eine jener kleinen Gesten, die das B�se abwehren sollten. Schon seltsam, dass sie glaubten, so etwas w�rde funktionieren. Die Soldaten, die sich mit ihren S�cken aufgereiht hatten, starrten sie gr��tenteils mit weit aufgerissenen Augen an und bewegten sich unruhig. Es fiel den Seanchanern nicht leicht, mit Aes Sedai zusammenzuarbeiten. Ihre Beh�ter F�ren und Teryl folgten direkt hinter ihr, jeder die Hand auf dem Schwertgriff. Sie versp�rten das gleiche Unbehagen bei den Seanchanern. Der eine war dunkelh�utig und hatte graue Str�hnen in seinem schwarz gelockten Haar, der andere war jung und hatte helle Haare und einen gebogenen Schnurrbart, und doch �hnelten sie sich wie zwei Bohnen, waren hochgewachsen, schlank und hart. Rovair Kirklin kam ein St�ck hinter ihnen, ein kompakter Mann mit dunklem, zur�ckweichendem Haar und einem d�steren Gesichtsausdruck. Es gefiel ihm nicht, von Masuri getrennt zu sein. Alle drei M�nner trugen kleine B�ndel Proviant auf den R�cken geschnallt und dicke Wasserschl�uche �ber den Schultern. Ein schlaksiger Mann stellte seine S�cke auf der Seite der �ffnung ab, w�hrend die drahtige Frau den Abhang hinunterging, um neue zu holen. Sie stapelten sich auf den Karren.</p><p>�Denkt daran�, sagte Perrin zu Seonid, �am gef�hrlichst en wird es sein, von der Zisterne zur Festung zu kommen. Ihr m�sst die Wehrg�nge auf den Mauern benutzen, und selbst zu dieser Stunde k�nnten Shaido in der Stadt sein.� Alyse, die Aes Sedai im Wei� der <emphasis>Gai�schain,</emphasis> war sich da nicht sicher gewesen. In der Ferne grollte Donner, dann noch einmal. �Vielleicht wird Euch ja der Regen verbergen.�</p><p>�Danke�, sagte sie eisig. Ihr im Mondschatten liegendes Gesicht war eine Maske der Aes-Sedai-Gelassenheit, aber aus ihrem Geruch stach Emp�rung hervor. �Wenn Ihr mir das nicht gesagt h�ttet, h�tte ich davon keine Ahnung gehabt.� Im n�chsten Augenblick wurde ihr Ausdruck weicher, und sie legte ihm die Hand auf den Arm. �Ich wei�, dass Ihr Euch um sie sorgt. Wir werden tun, was wir k�nnen.� Ihr Ton war nicht unbedingt als herzlich zu bezeichnen � das war er nie �, aber er war nicht mehr ganz so kalt wie zuvor, und ihr Geruch verk�ndete nun Mitgef�hl.</p><p>Teryl hob sie auf den Aqu�dukt � der Seanchaner, der gerade Spaltwurzel in das Ding sch�ttete, ein hochgewachsener Bursche, der fast so viele Narben wie Mishima aufwies, lie� beinahe den Sack fallen �, und sie verzog leicht das Gesicht, bevor sie die Beine in die �ffnung schwang und sich mit einem leisen Aufkeuchen in das Wasser sinken lie�. Es musste kalt sein. Sie senkte den Kopf und verschwand aus der Sicht in Richtung Maiden. F�ren kletterte hinter ihr rein, dann Teryl und schlie�lich Rovair. Sie mussten sich sehr zusammenkr�mmen, um unter das Dach des Aqu�dukts zu passen.</p><p>Elyas schlug Perrin auf die Schulter, bevor er sich nach oben zog. �H�tte meinen Bart so kurz wie du stutzen sollen, um ihn da rauszuhalten�, sagte er und schaute hinunter ins Wasser. Der langsam grau werdende Bart, zerzaust von der Brise, breitete sich �ber seine Brust aus. Sein Haar, das im Nacken mit einem Lederband zusammengehalten wurde, reichte bis zu seiner Taille. Auch er trug ein kleines Proviantb�ndel und einen Wasserschlauch. �Aber ein kaltes Bad hilft einem Mann, ihn von seinem Kummer abzulenken.�</p><p>�Ich dachte, es hilft einem, nicht an Frauen zu denken�, sagte Perrin. Er war nicht in der Stimmung f�r Scherze, aber er konnte nicht erwarten, dass jeder so grimmig wie er war.</p><p>Elyas lachte. �Was macht einem Mann denn sonst Sorg en?� Er verschwand im Wasser, und Tallanvor nahm seinen Platz ein.</p><p>Perrin griff nach seinem dunklen Mantel�rmel. �Keine Heldentaten, verstanden?� Er war sich uneins gewesen, ob er den Mann daran teilnehmen lassen sollte.</p><p>�Keine Heldentaten, mein Lord�, stimmte Tallanvor zu.</p><p>Zum ersten Mal seit langer Zeit sah er eifrig aus. Sein Geruch zitterte f�rmlich vor Eifer. Aber da war auch ein Hauch von Vorsicht. Diese Vorsicht war der einzige Grund, dass er nicht ins Lager zur�ckgeschickt wurde. �Ich werde Maighdin nicht in Gefahr bringen. Oder Lady Faile. Ich will Maighdin blo� schneller sehen.�</p><p>Perrin nickte und lie� ihn gehen. Er konnte das verstehen.</p><p>Ein Teil von ihm wollte auch in den Aqu�dukt steigen. Um Faile schneller wiederzusehen. Aber jede Arbeit musste richtig erledigt werden, und auf ihn warteten noch andere Aufgaben. Davon abgesehen, w�re er tats�chlich in Maiden gewesen, h�tte er nicht zu sagen vermocht, ob er es geschafft h�tte, nicht nach ihr zu suchen. Sich selbst konnte er nat�rlich nicht riechen, aber er bezweifelte, dass jetzt irgendwelche Vorsicht in seinem Geruch lag. Die Windm�hlennaben drehten sich erneut lautstark, als sich der Wind drehte.</p><p>Wenigstens schien er hier oben nie einzuschlafen. Jede Behinderung des Wasserflusses zu diesem Zeitpunkt w�re verheerend gewesen.</p><p>Auf dem H�gel wurde es nun eng. Zwanzig von Failes Anh�ngern warteten darauf, dass sie beim Aqu�dukt an die Reihe kamen, das waren alle bis auf die beiden, die Masema beobachteten. Die Frauen trugen M�nnerkleidung und hatten das Haar kurz geschnitten bis auf den Pferdeschwanz, der die Aiel imitierte, auch wenn kein Aiel wie sie ein Schwert getragen h�tte. Viele der Tairener hatten sich die Barte geschoren, weil Aiel keine trugen. Hinter ihnen trugen f�nfzig M�nner von den Zwei Fl�ssen Hellebarden und Bogen ohne Sehnen; die Sehnen waren sicher in ihren M�nteln verstaut, und jeder trug neben dem Proviantb�ndel noch drei volle K�cher auf dem R�cken. Jeder Mann im Lager hatte sich freiwillig gemeldet, und Perrin hatte sie darum losen lassen. Er hatte dar�ber nachgedacht, die Zahl zu verdoppeln.</p><p>Der st�ndige Strom der seanchanischen Soldaten floss weiter, sie schleppten volle S�cke nach oben und leere wieder nach unten. Sie waren diszipliniert. Wenn ein Mann im Schlamm ausrutschte und fiel, was mit einiger Regelm��igkeit geschah, gab es keine Fl�che, nicht einmal w�tendes Gemurmel. Sie standen einfach wieder auf und machten weiter.</p><p>Selande Darengil, die einen dunklen Mantel mit sechs horizontalen Farbstreifen auf der Brust trug, blieb stehen, um Perrin die Hand zu geben. Sie reichte ihm blo� bis zur Brust, aber Elyas behauptete, sie k�nnte mit dem Schwert am G�rtel ordentlich umgehen. Perrin hielt sie und die anderen nicht l�nger f�r Narren � nun, jedenfalls nicht immerweil sie versuchten, die Sitten der Aiel zu kopieren. Nat�rlich mit Abstrichen. Der dunkle Pferdeschwanz in Selandes Nacken wurde von einem dunklen Band zusammengehalten. In ihrem Geruch lag keine Furcht, nur Entschlossenheit.</p><p>�Danke, dass Ihr uns erlaubt, daran teilzuhaben, mein Lord�, sagte sie mit ihrem pr�zisen cairhienischen Akzent. �Wir werden Euch nicht entt�uschen. Oder die Lady Faile.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte er und sch�ttelte ihr die Hand. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte sie darauf hingewiesen, dass sie Faile diente und nicht ihm. Er sch�ttelte jedem von ihnen die Hand, bevor sie in den Aqu�dukt stiegen. Sie alle rochen entschlossen. Wie auch Ban al�Seen, der den Befehl �ber die M�nner von den Zwei Fl�ssen hatte, die nach Maiden gingen.</p><p>�Wenn Faile und die anderen kommen, verkeilt die Au�ent�ren, Ban.� Perrin hatte ihm das schon einmal gesagt, aber er konnte es nicht vermeiden, sich zu wiederholen.</p><p>�Seht, ob ihr sie in den Aqu�dukt schaffen k�nnt.� Die Festung hatte die Shaido beim ersten Mal nicht aufgehalten, und wenn etwas schiefging, w�rde sie sie auch diesmal nicht drau�en halten. Er wollte nicht von seiner Abmachung mit den Seanchanern zur�cktreten � die Shaido w�rden f�r das bezahlen, was sie Faile angetan hatten, und davon abgesehen, er konnte sie nicht zur�cklassen und weiter das Land verw�sten lassen �, aber er wollte sie so schnell wie m�glich aus der Gefahrenzone bringen.</p><p>Ban lehnte Bogenstab und Hellebarde gegen den Aqu�d ukt und zog sich nach oben, um mit einer Hand hineinzureichen. Als er sich wieder auf den Boden hinablie�, wischte er sich die feuchte Hand am Mantel ab und rieb sich dann den ausladenden Nasenfl�gel. �Unter dem Wasser ist es mit etwas beschichtet, das sich wie Teichschleim anf�hlt. Es wird sehr schwer sein, die letzte Schr�ge hinunterzukommen, ohne den ganzen Weg zu rutschen, Lord Perrin, geschweige denn zu versuchen, dort wieder hinaufzuklettern. Das Vern�nftigste wird wohl sein, in dieser Festung zu warten, bis Ihr zu uns sto�t.�</p><p>Perrin seufzte. Er hatte daran gedacht, Seile zu holen, aber sie h�tten fast zwei Meilen f�r diese letzte Schr�ge �berbr�cken m�ssen, das war eine Menge, die man schleppen musste, und falls ein Shaido die Seilenden im Aqu�dukt entdeckte, w�rden sie jede Ecke und jeden Winkel der Stadt durchsuchen. Ein kleines Risiko, sicher, aber das bittere Ende, das daraus resultieren konnte, lie� es riesig erscheinen. �Ich werde so schnell da sein, wie ich kann, Ban. Das verspreche ich.�</p><p>Er sch�ttelte auch jedem von ihnen die Hand. Tod al�Caar mit dem kantigen Kinn und Leof Torfinn mit der wei�en Str�hne im Haar, wo eine Narbe verlief, die von einem Trolloc stammte. Der junge Kenly Maerin, der ungl�cklicherweise wieder versuchte, sich einen Bart wachsen zu lassen, und Bili Adarra, der fast so breit wie Perrin, allerdings eine Handspanne k�rzer war. Bili war ein entfernter Cousin von ihm und geh�rte zur engsten noch lebenden Verwandtschaft Perrins. Er war mit vielen dieser M�nner aufgewachsen, auch wenn einige von ihnen ein paar Jahre �lter waren. Einige waren auch ein paar Jahre j�nger. Mittlerweile kannte er die M�nner von Devenritt bis hinauf zu Wachh�gel genauso gut wie die aus der Gegend von Emondsfelde. Er hatte mehr Gr�nde als nur Faile, diese Festung so schnell wie m�glich zu erreichen.</p><p>Had al�Lora, ein schlanker Bursche mit einem dichten Schnurrbart wie ein Taraboner, war der letzte der M�nner von den Zwei Fl�ssen. Als er in den Aqu�dukt stieg, erschien Gaul, das Gesicht noch immer verschleiert und mit vier Speeren in der Hand mit dem Lederschild. Er legte eine Hand auf den Rand des Aqu�dukts und sprang hinauf, um sich auf den Stein zu setzen.</p><p>�Du gehst rein?�, sagte Perrin �berrascht.</p><p>�Die T�chter k�nnen f�r dich kundschaften, Perrin Aybara.� Der gro�e Aiel warf einen Blick �ber die Schulter zu den T�chtern hin. Perrin glaubte zu sehen, dass er die Stirn runzelte, auch wenn das schwer zu sagen war, weil der schwarze Schleier alles bis auf seine Augen verbarg. �Ich habe geh�rt, was sie sagten, als sie sich unbelauscht glaubten. Im Gegensatz zu deiner Frau und den anderen ist Chiad eine rechtm��ige <emphasis>Gai�schain.</emphasis> Bain auch, aber sie ist mir egal. Chiad muss noch immer den Rest ihres Jahres und einem Tag dienen, nachdem wir sie gerettet haben. Wenn ein Mann eine Frau als <emphasis>Gai�schain</emphasis> hat oder eine Frau einen Mann, wird manchmal ein Hochzeitskranz geflochten, sobald das Wei� abgelegt wird. Das ist nicht ungew�hnlich. Aber ich habe geh�rt, dass die T�chter sagten, sie w�rden Chiad vor mir erreichen, um sie von mir fernzuhalten.� Hinter ihm blitzten Sulins Finger in der Handsprache der T�chter, und eine der anderen schlug die Hand vor den Mund, als wollte sie ein Lachen unterdr�cken. Also hatten sie ihn aufgestachelt. Vielleicht waren sie gar nicht so vehement gegen seine Werbung um Chiad, wie sie taten. Oder vielleicht gab es da auch etwas, das Perrin nicht wusste. Aielhumor konnte grob sein.</p><p>Gaul schl�pfte ins Wasser. Er musste sich beinahe verbieg en, um in den Aqu�dukt zu passen. Perrin starrte auf die �ffnung. Es war so einfach, Gaul zu folgen. Sich abzuwenden fiel schwer. Die Reihe der seanchanischen Soldaten schl�ngelte sich noch immer den Abhang hinauf und hinunter.</p><p>�Mishima. Ich kehre in mein Lager zur�ck. Grady wird Euch in Eures bringen, wenn Ihr hier fertig seid. Verwischt die Spuren, soweit es geht, bevor Ihr geht.�</p><p>�Gut, mein Lord. Ich habe ein paar M�nner abkommand iert, um Schmiere von den Achsen zu kratzen und die Windm�hlen zu schmieren. Sie h�ren sich an, als w�rden sie jeden Augenblick stehen bleiben. Wir k�nnen die auf dem anderen Kamm auch behandeln.�</p><p>Perrin nahm Trabers Z�gel und schaute zu den sich langsam drehenden Fl�geln. Langsam, aber regelm��ig. Sie waren nie dazu gemacht worden, um sich schnell zu drehen.</p><p>�Und wenn ein paar Shaido morgen vorbeikommen und sich fragen, wo die frische Schmiere herkommt?�</p><p>Mishima sah ihn einen langen Augenblick an, das Gesicht zur H�lfte von den Mondschatten verborgen. Diesmal schienen ihn die gl�henden gelben Augen nicht zu st�ren. Sein Geruch� Er roch, als s�he er etwas Unerwartetes. �Die Bannergeneralin hatte Recht, was Euch betrifft�, sagte er langsam.</p><p>�Was hat sie gesagt?�</p><p>�Da m�sst Ihr sie schon selbst fragen, mein Lord.�</p><p>Perrin ritt den Abhang hinunter und zur�ck zu den B�um en und dachte die ganze Zeit, wie einfach es doch w�re, jetzt umzukehren. Von jetzt an konnte sich Gallenne um alles k�mmern. Der Plan stand fest. Aber der Mayener war der festen �berzeugung, dass der H�hepunkt einer jeden Schlacht der gro�e Kavallerieangriff war. Und sie vorzugsweise auch damit anfing. Wie lange w�rde er sich an den Plan halten? Arganda war vern�nftiger, aber er sorgte sich so sehr um K�nigin Alliandre, dass auch er m�glicherweise den Sturmangriff befahl. Damit blieb nur er �brig. Der Wind wehte stark, und er zog den Umhang enger.</p><p>Grady sa� auf einer kleinen Lichtung auf einem zur H�lfte bearbeiteten, moos�berwucherten Stein, der teilweise im Boden versunken war und zweifellos bei der Errichtung des Aqu�dukts �brig geblieben war. Von der Sorte gab es hier noch andere. Der Wind hielt seinen Geruch von Perrins Nase fern. Er schaute erst auf, als Perrin vor ihm den Hengst z�gelte. Das Wegetor, mit dem sie hergekommen waren, stand noch immer ge�ffnet und zeigte eine andere Lichtung zwischen hohen B�umen, nicht weit vom Lager der Seanchaner entfernt. Vielleicht w�re es bequemer gewesen, sie in die N�he von Perrins Lager zu bringen, aber er wollte die Aes Sedai und Weisen Frauen so weit wie nur m�glich von den <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> entfernt wissen. Er bef�rchtete nicht, dass die Seanchaner Tylees Wort brachen, aber Aes Sedai und Weise Frauen verfielen allein schon bei dem Gedanken an <emphasis>Damane</emphasis> in Raserei. Vermutlich w�rden die Weisen Frauen und Annoura im Augenblick aber nichts unternehmen. Vermutlich. Bei Masuri war er sich da nicht so sicher. In mehrerer Hinsicht. Es war besser, ein paar Meilen Abstand zwischen ihnen zu bewahren, solange das m�glich war.</p><p>�Alles in Ordnung, Grady?� Das wettergegerbte Gesicht des Mannes schien ein paar neue Falten aufzuweisen. M�glicherweise wurde dieser Eindruck auch nur von den durch die B�ume verursachten Mondschatten hervorgerufen, aber Perrin glaubte das nicht. Die Karren hatten das Wegetor m�helos passieren k�nnen, aber war es etwas kleiner als das Erste, das er Grady hatte �ffnen sehen?</p><p>�Nur etwas m�de, mein Lord�, sagte Grady ersch�pft. Er blieb sitzen, die Ellbogen auf die Knie gest�tzt. �Das viele Reisen in letzter Zeit� Nun, ich h�tte das Tor gestern nicht lange genug aufhalten k�nnen, damit diese vielen Soldaten durchreiten k�nnen. Darum habe ich damit angefangen, sie zu verknoten.�</p><p>Perrin nickte. Beide Asha�man waren m�de. Machtlenken erm�dete einen Mann so sicher, wie den ganzen Tag einen Hammer am Schmiedeofen zu schwingen. Sogar noch mehr. Der Mann mit dem Hammer konnte viel l�nger durchhalten als jeder Asha�man. Darum war der Aqu�dukt der Weg nach Maiden hinein und kein Wegetor, darum w�rde es kein Wegetor geben, um Faile und die anderen dort rauszuholen, sosehr sich Perrin das auch gew�nscht h�tte. Die beiden Asha�man hatten nicht mehr viel zu geben, bevor sie sich ausruhen konnten, und das Wenige musste dort eingesetzt werden, wo es am meisten gebraucht wurde. Beim Licht, das war eine schwere Entscheidung gewesen. Aber konnten Grady und Neald ein dringend ben�tigtes Tor nicht mehr �ffnen, w�rde das vielen M�nnern den Tod bringen. Eine schwere Entscheidung.</p><p>�Ich werde Euch und Neald �bermorgen brauchen.�</p><p>Genauso gut h�tte er sagen k�nnen, dass er Luft zum Atmen brauchte. Ohne die Asha�man war alles unm�glich.</p><p>�Ihr werdet dann viel zu tun haben.� Noch eine gewaltige Untertreibung.</p><p>�So besch�ftigt wie ein Einarmiger, der die Decke kalkt, mein Lord.�</p><p>�Werdet Ihr es schaffen?�</p><p>�Ich werde es wohl m�ssen, mein Lord, oder?�</p><p>Perrin nickte erneut. Man tat, was getan werden musste.</p><p>�Bringt mich zur�ck in unser Lager. Nachdem Ihr Mishima und seine M�nner in ihr Lager gebracht habt, k�nnt Ihr und die T�chter dort schlafen, wenn Ihr wollt.� Das w�rde es Grady in zwei Tagen etwas leichter machen.</p><p>�Ich wei� nicht, was die T�chter machen wollen, mein Lord, aber ich w�rde heute Nacht lieber nach Hause kommen.� Er drehte den Kopf, um das Wegetor ansehen zu k�nnen, ohne aufstehen zu m�ssen, und es wurde kleiner auf genau die umgekehrte Weise, wie es sich ge�ffnet hatte, der Ausblick schien zu rotieren, w�hrend es kleiner wurde, und es endete mit einem vertikalen Schlitz aus silbrig blauem Licht, das ein leicht purpurnes Schimmern in Perrins Blickfeld hinterlie�, als es erlosch. �Diese <emphasis>Damane</emphasis> machen mir eine G�nsehaut. Sie wollen nicht frei sein.�</p><p>�Woher wollt Ihr das wissen?�</p><p>�Ich habe mich mit ein paar von ihnen unterhalten, wenn keine dieser <emphasis>Sul�dam</emphasis> in der N�he waren. Sobald ich das Thema anschnitt, ob sie nicht von diesen Leinen befreit werden wollen, es auch nur andeutete, fingen sie an, nach ihren <emphasis>Sul�dam</emphasis> zu schreien. Die <emphasis>Damane</emphasis> weinten, und die <emphasis>Sul�dam</emphasis> t�tschelten sie und starrten mich b�se an. Hat mir eine G�nsehaut beschert.�</p><p>Traber stampfte ungeduldig mit dem Huf auf, und Perrin klopfte auf den Hals des Hengstes. Grady hatte Gl�ck gehabt, dass ihn die <emphasis>Sul�dam</emphasis> in einem St�ck hatten abziehen lassen.</p><p>�Was auch immer mit den <emphasis>Damane</emphasis> geschieht, Grady, es wird nicht diese Woche passieren und auch nicht n�chste. Und es werden nicht wir sein, die das regeln. Also lasst die <emphasis>Damane</emphasis> in Ruhe. Wir haben eine Aufgabe vor uns, die erledigt werden muss.� Und einen Pakt mit dem Dunklen K�nig, um sie zu erledigen. Er verdr�ngte den Gedanken. Au�erdem fiel es mittlerweile schwer, Tylee Khirgan auf der Seite des Dunklen K�nigs zu sehen. Oder Mishima. �Versteht Ihr das?�</p><p>�Ich verstehe, mein Lord. Ich sage nur, dass es mir eine G�nsehaut macht.�</p><p>Endlich erschien ein weiterer silberblauer Strich, der sich zu einer �ffnung ausdehnte, die eine Lichtung zwischen gro�en, weit auseinander stehenden B�umen zeigte. Perrin beugte sich �ber Trabers Hals und ritt hindurch. Das Tor schloss sich hinter ihm. Er ritt weiter, bis er zu der gro�en Lichtung kam, in der sich das Lager befand, ganz in der N�he dessen, was einst das kleine Dorf Brytan gewesen war, eine Ansammlung von ungezieferverseuchten H�tten, die einen Mann nicht einmal in der regnerischsten Nacht h�tten anlocken k�nnen. Die Wachtposten oben in den B�umen gaben nat�rlich keinen Alarm. Sie erkannten ihn.</p><p>In diesem Augenblick wollte er nichts so sehr wie seine Wolldecken. Nun gut, Faile, aber da sie nicht da war, wollte er in der Dunkelheit allein sein. Vermutlich w�rde er wieder keinen Schlaf finden, aber er w�rde die Nacht so verbringen, wie schon so oft zuvor, in Gedanken an sie, in der Erinnerung an sie. Doch ein St�ck vor dem zehn Schritte breiten Dickicht aus angespitzten Pf�hlen, das das Lager umgab, zog er an den Z�geln. Direkt vor den Pf�hlen kauerte ein <emphasis>Raken,</emphasis> der seinen langen grauen Hals senkte, damit eine Frau in einem braunen Kapuzenmantel seine ledrige Schnauze kratzen konnte. Die Kapuze hing auf ihrem R�cken und enth�llte kurz geschnittenes Haar und ein hartes, schmales Gesicht. Sie sah Perrin an, als w�rde sie ihn erkennen, machte aber mit dem Kratzen weiter. Der Sattel auf dem R�cken der Kreatur bot Platz f�r zwei Reiter. Anscheinend war ein Bote gekommen. Er ritt in einen der schmalen Wege durch die Pf�hle, die f�r Reiter freigelassen worden waren. Aber langsam.</p><p>Fast jeder war bereits zu Bett gegangen. Er sp�rte Beweg ungen bei den Pferdeseilen im Herzen des Lagers, vermutlich welche der cairhienischen Pferdeknechte, aber die geflickten Segeltuchzelte und kleinen H�tten aus Immergr�nzweigen, die schon lange braun waren, lagen dunkel und still da. Zwischen den niedrigen Aielzelten bewegte sich nichts, und im mayenischen Teil des Lagers patrouillierten ein paar Soldaten. Die Mayener und Ghealdaner vertrauten den M�nnern von den Zwei Fl�ssen in den B�umen nicht. Sein gro�es, rot gestreiftes Zelt war allerdings hell erleuchtet, und an den Segeltuchw�nden zeichneten sich die Silhouetten mehrerer Personen ab. Als er vor dem Zelt abstieg, erschien �than Chandin, um die Z�gel zu nehmen und mit dem Kn�chel die Stirn zu ber�hren, w�hrend er eine Art Verb eugung machte. �than war ein guter Bogensch�tze, sonst w�re er nicht hier gewesen, aber er hatte eine kriecherische Art. Perrin trat ein und l�ste dabei die Umhangnadel.</p><p>�Da seid Ihr ja�, sagte Berelain fr�hlich. Sie musste sich schnell angezogen haben, weil ihr langes schwarzes Haar aussah, als w�re es nicht gro� mit einer B�rste in Kontakt gekommen, aber das graue Reitgewand mit dem hohen Kragen schien frisch zu sein. Ihre Dienerin lie� sie nie etwas anziehen, das nicht frisch aufgeb�gelt war. Sie hielt Breane einen silbernen Weinpokal zum Nachf�llen hin, was die Cairhienerin mit einer Grimasse tat. Failes Dienerin hasste Berelain von ganzem Herzen. Aber Berelain schien das nicht zu bemerken. �Vergebt mir, dass ich in Eurem Zelt G�ste empfange, aber die Bannergeneralin wollte Euch sehen, und ich dachte, ich leiste ihr Gesellschaft. Sie hat uns etwas �ber ein paar Wei�m�ntel berichtet.�</p><p>Balwer stand unauff�llig in einer Ecke � der kleine Mann, der so an einen Vogel erinnerte, konnte so unauff�llig sein wie eine Eidechse auf einem Ast, wenn er wollte �, aber bei der Erw�hnung der Wei�m�ntel wurde sein Geruch sch�rfer.</p><p>Tylee, deren Schultern den Fliegermantel zu sprengen drohten, machte eine steife Verbeugung, w�hrend sie ein Auge auf Annoura hielt. Sie schien tats�chlich zu glauben, dass sich die Aes Sedai jeden Augenblick in eine tollw�tige H�ndin verwandeln k�nnte. Perrin glaubte, Verzweiflung riechen zu k�nnen, aber ihrem schwarzen Gesicht war nichts anzumerken. �Mein Lord, ich habe zwei Neuigkeiten f�r Euch, die Ihr meiner Meinung nach sofort erfahren solltet. Habt Ihr angefangen, die Spaltwurzel in das Wasser der Stadt zu geben?�</p><p>�Ja�, sagte er besorgt und warf den Umhang auf eine der messingbeschlagenen Truhen. Tylee seufzte. �Ich habe Euch gesagt, dass ich das tue. Ich h�tte es schon vor zwei Tagen getan, h�tte diese dumme Frau in Almizar nicht so getr�delt. Was ist passiert?�</p><p>�Verzeiht mir�, verk�ndete Lini, �aber man hat mich aus meinen Decken geholt, und ich w�rde gern wieder schlafen gehen. Braucht noch jemand etwas diese Nacht?� Von der zerbrechlich wirkenden Frau mit dem wei�en Haar in dem lockeren Schlafzopf gab es keine Knickse oder �mein Lord�. Im Gegensatz zu Berelain sah ihr braunes Kleid hastig �bergestreift aus. Ihr Geruch war scharf vor Missbilligung. Sie geh�rte zu jenen, die die l�cherliche Geschichte glaubten, dass Perrin ausrechnet in der Nacht nach Failes Entf�hrung mit Berelain geschlafen hatte. Sie schaffte es, ihn nicht anzusehen, w�hrend ihr Blick durch das Zelt schweifte.</p><p>�Ich nehme noch etwas Wein�, sagte Aram und hielt sein en Pokal hin. Mit seiner grimmigen Miene und den tief in den H�hlen liegenden Augen versuchte er sich in seinem rot gestreiften Mantel auf dem Klappstuhl l�ssig zu r�keln, aber das auf den R�cken geschnallte Schwert machte es ihm unm�glich, sich gegen die vergoldete Lehne zu lehnen. Breane ging auf ihn zu.</p><p>�Er hat genug gehabt�, sagte Lini scharf, und Breane kehrte um. Lini hatte Failes Diener fest im Griff.</p><p>Aram murmelte einen Fluch und sprang auf die F��e, warf den Pokal auf den blumengemusterten Teppich, der als Fu�boden diente. �Ich kann auch genauso gut dorthin gehen, wo mir keine alte Frau st�ndig im Nacken sitzt, wenn ich mal etwas trinke.� Er schenkte Perrin einen m�rrischen Blick, bevor er aus dem Zelt stolzierte. Zweifellos auf dem Weg in Masemas Lager. Er hatte gebettelt, der Gruppe f�r Maiden angeh�ren zu d�rfen, aber man konnte einem solchen Hitzkopf nicht vertrauen.</p><p>�Ihr k�nnt gehen, Lini�, sagte Berelain. �Breane kann sich um uns k�mmern.� Lini schnaubte � sie lie� es beinahe feinf�hlig klingen �, bevor sie mit hoch erhobenem Kopf und nach Missbilligung stinkend hinausging. Und Perrin noch immer ignorierte.</p><p>�Verzeiht mir, mein Lord�, sagte Tylee bed�chtig, �aber Ihr scheint Euren Haushalt� lockerer� zu f�hren, als ich es gewohnt bin.�</p><p>�Das ist unsere Kultur, Bannergeneralin�, sagte Perrin und hob Arams Pokal auf. Unn�tig, noch einen schmutzig zu machen. �Hier ist niemand ein St�ck Besitz.� Sollte das scharf klingen, auch egal. Er hatte Tylee auf gewisse Weise sch�tzen gelernt, aber diese Seanchaner hatten eine Lebensweise, die eine Ziege h�tte w�rgen lassen. Er nahm Breane den Weinkrug ab � sie hielt ihn doch tats�chlich einen Augenblick lang fest, sah ihn stirnrunzelnd an, als wollte sie ihm etwas zu trinken verweigern � und schenkte sich ein, bevor er ihn zur�ckgab. Sie riss ihm den Krug f�rmlich aus den H�nden. �Also, was ist passiert? Was ist mit diesen Wei�m�nteln?�</p><p>�Ich habe <emphasis>Raken</emphasis> auf Sp�hfl�ge ausgeschickt, so weit, wie sie vor der Morgend�mmerung kamen, und dann erneut direkt nach Sonnenuntergang. Eine der Fliegerinnen kehrte heute Abend fr�her als erwartet zur�ck. Sie hat siebentausend Kinder des Lichts keine f�nfzig Meilen von meinem Lager entfernt marschieren gesehen.�</p><p>�Marschieren sie auf Euch zu?� Perrin schaute den Wein stirnrunzelnd an, statt zu trinken. �Siebentausend scheint eine sehr genaue Z�hlung zu sein, um sie in der Dunkelheit machen zu k�nnen.�</p><p>�Anscheinend sind diese M�nner Deserteure�, warf Annoura ein. �Jedenfalls h�lt die Bannergeneralin sie daf�r.� In ihrer grauen Seide erschien sie so herausgeputzt, als h�tte sie eine Stunde mit Ankleiden verbracht. Ihre spitze Nase lie� sie wie eine Kr�he mit perlengeschm�ckten Z�pfen aussehen, wie sie Tylee anstarrte, und die Bannergeneralin ein besonders interessantes St�ck Aas. Sie hielt einen Weinpokal, aber er erschien unber�hrt. �Ich habe ger�chteweise geh�rt, dass Pedron Niall im Kampf gegen die Seanchaner gestorben ist, aber anscheinend hat Eamon Valda, der Niall ersetzt hat, der Kaiserin von Seanchan die Treue geschworen.� Tylee formte lautlos �m�ge sie ewig leben� mit den Lippen; Perrin bezweifelte, dass es jemand au�er ihm geh�rt hatte. Auch Balwer �ffnete den Mund, schloss ihn aber wied er, ohne etwas zu sagen. Die Wei�m�ntel waren f�r ihn ein Schreckgespenst. �Aber vor etwa einem Monat�, fuhr die Graue Schwester fort, �hat Galad Damodred Valda get�tet und siebentausend Wei�m�ntel dazu gebracht, die Seanchaner zu verlassen. Eine Schande, dass er sich mit den Wei�m�nteln eingelassen hat, aber vielleicht hat es auch etwas Gutes. Wie dem auch sei, es hat den Anschein, dass der Befehl ausgegeben wurde, diese M�nner auf der Stelle zu t�ten, wenn man sie findet. Ich habe es doch gut zusammengefasst, Bannergeneralin, oder?�</p><p>Tylees Hand zuckte, als wollte sie eines dieser Zeichen gegen das B�se machen. �Es ist eine gute Zusammenfassung.� Sie sagte es zu Perrin, nicht zu Annoura. Der Seanchanerin schien es schwerzufallen, mit einer Aes Sedai zu sprechen. �Bis auf den Teil mit dem Guten. Eidbrechen und Desertation sind nichts Gutes.�</p><p>�Ich nehme an, sie bewegen sich nicht auf Euch zu, oder Ihr h�ttet es gesagt.� Perrin lie� es leicht fragend klingen, aber f�r ihn bestand da kein Zweifel.</p><p>�Nach Norden�, antwortete Tylee. �Sie reiten nach Norden.� Balwer wollte wieder etwas sagen, aber er schloss deutlich h�rbar den Mund.</p><p>�Wenn Ihr einen Rat habt�, sagte Perrin zu ihm, �dann raus damit. Aber mir ist egal, wie viele Wei�m�ntel von den Seanchanern desertiert sind. Mich interessiert nur Faile. Und ich glaube nicht, dass die Bannergeneralin die Chance, drei oder vierhundert <emphasis>Damane</emphasis> an die Leine legen zu k�nnen, aufgeben wird, um ihnen hinterherzujagen.� Berelain verzog das Gesicht. Annouras Miene blieb ausdruckslos, aber sie nahm einen gro�en Schluck Wein. Keiner der Aes Sedai gefiel dieser Teil des Plans. Den Weisen Frauen auch nicht.</p><p>�Das werde ich nicht tun�, sagte Tylee fest. �Ich glaube, ich nehme doch etwas Wein.� Breane holte tief Luft, bevor sie gehorchte, und ein Hauch von Furcht trat in ihren Geruch. Anscheinend sch�chterte die hochgewachsene Schwarze sie ein.</p><p>�Ich will nicht abstreiten, dass es mir gefallen w�rde, einen Schlag gegen die Wei�m�ntel zu f�hren�, sagte Balwer in dieser staubtrockenen Stimme, �aber um die Wahrheit zu sagen, schulde ich diesem Galad Damodred Dank.� Vielleicht galt sein Hass diesem Valda pers�nlich. �Wie dem auch sei, Ihr braucht meinen Rat nicht. Die Ereignisse in Maiden haben angefangen, und selbst wenn dem nicht so w�re, bezweifle ich, dass Ihr Euch auch nur noch einen Tag lang zur�ckhalten w�rdet. Und ich h�tte auch nicht dazu geraten, mein Lord. Falls ich so offen sein darf, ich mag Lady Faile sehr.�</p><p>�Ihr d�rft�, sagte Perrin. �Bannergeneralin, Ihr habt etwas von zwei Neuigkeiten gesagt?�</p><p>Die Seanchanerin nahm von Breane den angebotenen Weinpokal entgegen und sah ihn so geradeheraus an, dass ersichtlich war, dass sie die anderen im Zelt nicht ansehen wollte. �K�nnen wir allein sprechen?�, fragte sie leise.</p><p>Berelain rauschte �ber den Teppich, legte ihm eine Hand auf den Arm und l�chelte zu ihm hoch. �Annoura und ich haben nichts dagegen zu gehen�, sagte sie. Beim Licht, wie konnte nur jemand glauben, dass zwischen ihnen etwas war? Sie war so sch�n wie immer, ja, aber der Geruch, der an eine jagende Raubkatze gemahnte, war schon so lange bei ihr verschwunden, dass er sich kaum noch daran erinnern konnte. Das Fundament ihres Geruchs war jetzt Geduld und Entschlossenheit. Sie hatte akzeptiert, dass er Faile liebte und nur Faile, und sie schien seine Entschlossenheit zu teilen, Faile zu befreien.</p><p>�Ihr k�nnt bleiben�, sagte er. �Was auch immer Ihr zu sagen habt, Bannergeneralin, Ihr k�nnt es vor jedem hier Anwesenden sagen.�</p><p>Tylee z�gerte, warf Annoura einen Blick zu. �Zwei gro�e Gruppen Aiel marschieren auf Maiden zu�, sagte sie schlie�lich z�gernd. �Eine aus dem S�dosten, eine aus dem S�dwesten. Die <emphasis>Morat�raken</emphasis> sch�tzen, dass sie in drei Tagen hier sein k�nnten.�</p><p>Pl�tzlich schien alles in Perrins Sichtweite Wellen zu schlagen. Er f�hlte, wie er selbst Wellen schlug. Breane stie� einen Schrei aus und lie� den Weinkrug fallen. Die Welt schlug erneut Wellen, und Berelain griff nach seinem Arm. Tylees Hand schien in dieser seltsamen Geste erstarrt zu sein, Daumen und Zeigefinger bildeten einen Halbmond. Alles schlug ein drittes Mal Wellen, und Perrin f�hlte sich, als best�nde er aus Nebel, als w�re die Welt aus Nebel und ein Sturmwind brauste heran. Berelain zitterte, und er legte einen tr�stenden Arm um sie. Sie klammerte sich zitternd an ihm fest. Schweigen und der Geruch von Furcht erf�llten das Zelt. Drau�en ert�nten Stimmen, und auch sie klangen furchterf�llt.</p><p>�Was war das?�, wollte Tylee schlie�lich wissen.</p><p>�Ich wei� es nicht.� Annouras Miene blieb gelassen, aber ihre Stimme war unsicher. �Beim Licht, ich habe nicht die geringste Ahnung.�</p><p>�Es spielt keine Rolle, was es war�, sagte Perrin zu ihnen. Er ignorierte ihre Blicke. �In drei Tagen wird alles vorbei sein. Das ist das Einzige, was z�hlt.� Faile war das Einzige, das z�hlte.</p><p>Die Sonne stand noch nicht im Zenit, aber Faile war bereits entnervt. Das Wasser f�r Sevannas Morgenbad � sie badete jetzt zweimal t�glich! � war nicht hei� genug gewesen, und Faile war zusammen mit allen anderen geschlagen worden, dabei waren sie und Alliandre nur da gewesen, um der Frau den R�cken zu waschen. Mehr als zwanzig der Feuchtl�nder-<emphasis>Gai�schain</emphasis> hatten seit Sonnenaufgang gebettelt, den Treueid schw�ren zu d�rfen. Drei von ihnen hatten einen Aufstand vorgeschlagen, hatten darauf hingewiesen, dass es in diesen Zelten mehr <emphasis>Gai�schain</emphasis> als Shaido gab. Allem Anschein nach hatten sie zugeh�rt, als sie sie darauf aufmerksam gemacht hatte, dass fast alle diese Aiel mit einem Speer umgehen konnten, w�hrend die meisten Feuchtl�nder Bauern oder Handwerker waren. Nur wenige von ihnen hatten je eine Waffe in der Hand gehalten, geschweige denn eine benutzt. Allem Anschein nach hatten sie zugeh�rt, aber das war das erste Mal, dass jemand so etwas direkt nach dem Schw�ren des Eides vorgeschlagen hatte. F�r gew�hnlich brauchten sie ein paar Tage dazu, um den Mut aufzubringen. Der Druck erh�hte sich. Auf ein Massaker zu, wenn sie es nicht verhindern konnte. Und jetzt das hier�</p><p>�Es ist nur ein Spiel, Faile Bashere�, sagte Rolan und �berragte sie, w�hrend sie eine der schlammigen Stra�en zwischen den Shaido-Zelten entlanggingen. Er klang am�siert, und ein ganz kleines L�cheln umspielte seine Lippen. Er war ein sch�ner Mann, keine Frage.</p><p>�Ein Kussspiel, habt Ihr gesagt.� Sie r�ckte die gestreiften Handt�cher auf ihrem Arm zurecht, damit er seine Aufmerksamkeit darauf lenkte. �Ich muss arbeiten, habe keine Zeit f�r Spiele. Vor allem keine Kussspiele.�</p><p>Sie konnte ein paar Aiel sehen, einige davon M�nner, die schon zu dieser Stunde betrunken umhertaumelten, aber die meisten Leute auf der Stra�e waren Feuchtl�nder in schmutzigen Gai`shan-Gew�ndern oder Kinder, die fr�hlich in den Pf�tzen von den schweren Regenf�llen der vergangenen Nacht spielten. Auf der Stra�e dr�ngten sich M�nner und Frauen in schlammbeschmutztem Wei�, die K�rbe, Eimer oder T�pfe trugen. Einige mussten tats�chlich arbeiten. Im Lager waren so viele <emphasis>Gai'schain,</emphasis> dass es nicht genug Arbeit f�r alle gab. Das hinderte keinen Shaido daran, seiner Ansicht nach m��igen H�nden irgendeine Arbeit aufzutragen, und wenn es sinnlose T�tigkeiten waren. Um auf schlammigen Feldern keine nutzlosen L�cher graben oder bereits saubere T�pfe schrubben zu m�ssen, waren viele <emphasis>Gai'schain</emphasis> dazu �bergegangen, irgendetwas zu tragen, damit sie besch�ftigt aussahen. Das half keinem, echter Arbeit zu entgehen, aber es half, der anderen aus dem Weg zu gehen. Faile brauchte sich dar�ber keine Sorgen zu machen, nicht, solange sie die dicke Goldkette um Taille und Hals trug, aber Goldkragen und G�rtel konnten Weise Frauen nicht abschrecken. Sie hatte schon f�r einige von ihnen saubere T�pfe geschrubbt. Und war manchmal bestraft worden, weil sie nicht verf�gbar gewesen war, wenn Sevanna nach ihr verlangte. Darum die Handt�cher.</p><p>�Wir k�nnten mit dem Kussspiel anfangen, das Kinder spielen�, sagte er, �obwohl das Pfand manchmal peinlich ist. Beim Erwachsenenspiel ist das Pfand lustig. Verlieren kann genauso sch�n wie Gewinnen sein.�</p><p>Sie musste lachen, obwohl sie es gar nicht wollte. Der Mann war hartn�ckig. Pl�tzlich sah sie Galina in der Menge in ihre Richtung eilen. Sie hielt ihr wei�es Seidengewand aus dem Schlamm und suchte offensichtlich jemanden. Faile hatte geh�rt, dass die Frau seit dem Morgen wieder Kleidung tragen durfte. Nat�rlich war sie nie ohne die breite Halskette und den breiten G�rtel und die Feuertropfen gegangen. Die Haare auf ihrem Kopf waren nicht l�nger als ein Fingernagel, und von allen Dingen hatte man darin ausgerechnet eine gro�e rote Schleife befestigt. Es erschien unwahrscheinlich, dass sie ihre Wahl gewesen war. Allein das Gesicht, dem Faile kein Alter zuordnen konnte, �berzeugte sie davon, dass Galina wirklich eine Aes Sedai war. Dar�ber hinaus war sie sich bei ihr in allem unsicher � abgesehen von der Gefahr, die sie darstellte. Galina entdeckte sie und blieb wie angewurzelt stehen, ihre H�nde kneteten das Gewand. Die Aes Sedai musterte Rolan unsicher.</p><p>�Ich muss dar�ber nachdenken, Rolan.� Sie w�rde ihn nicht wegjagen, bevor sie sich mit Galina sicher sein konnte.</p><p>�Ich brauche Zeit zum Nachdenken.�</p><p>�Frauen wollen immer Zeit zum Nachdenken haben. Denk daran, wie du deine Probleme bei einem harmlosen Spiel vergessen kannst.�</p><p>Der Finger, mit dem er z�rtlich �ber ihre Wange strich, bevor er fortging, lie� sie erbeben. F�r Aiel kam es einem Kuss gleich, jemandem in der �ffentlichkeit die Wange zu ber�hren. Ihr war es wirklich wie ein Kuss vorgekommen. Harmlos? Irgendwie bezweifelte sie, dass es bei einem Spiel, bei dem man Rolan k�ssen musste, nur beim K�ssen bleiben w�rde. Gl�cklicherweise w�rde sie es nicht herausfinden m�ssen � oder etwas vor Perrin verbergen m�ssen �, falls sich Galina als ehrlich erwies. Falls sie es tat.</p><p>Die Aes Sedai schoss sofort auf sie zu, als Rolan fort war.</p><p>�Wo ist er?�, verlangte Galina zu wissen und packte ihren Arm. �Sagt es mir! Ich wei�, dass Ihr ihn habt. Ihr m�sst ihn haben!� Sie h�rte sich fast flehend an. Theravas Behandlung hatte die ber�hmte Aes-Sedai-Gelassenheit zerschmettert.</p><p>Faile sch�ttelte ihre Hand ab. �Zuerst sagt Ihr mir erneut, dass Ihr meine Freunde und mich mitnehmt, wenn Ihr geht. Sagt es mir geradeheraus. Und sagt mir, wann Ihr geht.�</p><p>�Wagt es nicht, so mit mir zu sprechen�, zischte Galina. Schwarze Punkte tanzten in Failes Sicht, bevor ihr klar wurde, dass sie geschlagen worden war. Zu ihrer �berraschung schlug sie zur�ck, so hart sie konnte, und lie� die andere Frau taumeln. Sie unterlie� es, sich das brennende Gesicht zu halten, aber Galina rieb sich mit vor Unglauben weit aufgerissenen Augen die Wange. Faile st�hlte sich, vielleicht gegen einen Schlag mit der Macht oder Schlimmeres, aber nichts passierte. Ein paar vorbeigehende <emphasis>Gai'schain</emphasis> starrten sie an, aber niemand blieb stehen oder verlangsamte auch nur das Tempo. Alles, das nach einer Versammlung von <emphasis>Gai'schain</emphasis> aussah, w�rde die Aufmerksamkeit der Shaido wecken und allen Beteiligten eine Bestrafung einbringen.</p><p>�Sagt es�, verlangte sie erneut.</p><p>�Ich werde Euch und Eure Freunde mitnehmen�, fauchte Galina f�rmlich und riss die Hand nach unten. �Ich breche morgen auf. Wenn ich ihn habe. Wenn nicht, wird Sevanna innerhalb der n�chsten Stunde wissen, wer Ihr seid!� Nun, das war eine direkte Aussage.</p><p>�Er ist in der Stadt versteckt. Ich hole ihn Euch.�</p><p>Aber als sie sich umdrehte, ergriff Galina erneut ihren Arm. Die Blicke der Aes Sedai sch�ssen umher, und sie senkte die Stimme, als h�tte sie pl�tzlich Angst, belauscht zu werden. Sie klang �ngstlich. �Nein. Ich werde nicht das Risiko eingehen, dass es jemand sieht. Ihr werdet ihn mir morgen fr�h geben. In der Stadt. Wir treffen uns dort. Am S�dende der Stadt. Ich werde das Geb�ude markieren. Mit einem roten Halstuch.�</p><p>Faile blinzelte. Die S�dh�lfte von Maiden waren ausg ebrannte Ruinen. �Warum da?�, fragte sie ungl�ubig.</p><p>�Weil niemand da hingeht, N�rrin! Weil uns dort niemand sehen wird!� Galinas Blicke huschten noch immer in alle Richtungen. �Morgen, in aller Fr�he. Lasst mich im Stich, und Ihr werdet es bereuen!� Sie hob die Seidenr�cke an und verschwand in der Menge.</p><p>Faile sah ihr stirnrunzelnd nach. Sie h�tte jubeln m�ssen, aber sie tat es nicht. Galina erschien wie eine Wilde, v�llig unberechenbar. Und dennoch, Aes Sedai konnten nicht l�gen. Es schien keine M�glichkeit zu geben, wie sie sich aus ihrem Versprechen herauswinden konnte. Und falls doch, da waren noch immer ihre eigenen Fluchtpl�ne, obwohl sie darin noch nicht weitergekommen war, sie mittlerweile sogar noch gef�hrlicher als zuvor erschienen. Womit Rolan �brig blieb. Und sein Kussspiel. Galina musste die Wahrheit gesagt haben. Sie musste es.</p></section><section><title><p>27</p><p>Ein einfacher Holzkasten</p></title><p>Die altaranische Mittagssonne war warm, allerdings wehte ein b�iger Wind, der manchmal an Rands Umhang riss. Sie befanden sich jetzt seit zwei Stunden auf dem H�gelkamm. Eine gro�e dunkle Wolkenmasse kroch �ber einem blaugrauen Schimmer aus dem Norden heran und versprach Regen und Abk�hlung. Andor lag nur wenige Meilen in dieser Richtung entfernt, hinter niedrigen, bewaldeten H�geln voller Eichen und Kiefern. Diese Grenze hatte zahllose Generationen von Viehdieben gesehen. Schaute Elayne in Caemlyn dem Regen zu? Das lag gute sechshundert Meilen weiter �stlich, zu weit weg, als dass sie mehr als eine schwache Pr�senz in seinem Hinterkopf war. Aviendha in Arad Doman f�hlte sich noch schw�cher an. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die Weisen Frauen sie mitnahmen. Immerhin w�rde sie unter Zehntausenden Aiel sicher sein, so sicher wie Elayne hinter Caemlyns Mauern. Tai'daishar stampfte mit dem Huf und warf den Kopf zur�ck, begierig, sich zu bewegen. Rand klopfte dem gro�en schwarzen Schlachtross auf den Hals. Der Hengst konnte die Grenze in weniger als einer Stunde erreichen, aber ihr Weg lag heute im Westen. Ein kurzer Weg in einer kleinen Weile.</p><p>Er musste bei der heutigen Begegnung beeindrucken, und er hatte seine Aufmachung sorgf�ltig ausgesucht. Allerdings sa� die Krone der Schwerter nicht nur auf seinem Kopf, um Eindruck zu schinden. Die H�lfte der kleinen Schwerter zwischen den Lorbeerbl�ttern des breiten Reifs wies nach unten und machte das Tragen unangenehm, sie erinnerten st�ndig an ihr Gewicht, sowohl was das Gold wie auch die Verantwortung anging. Eine kleine Kante in einem der Lorbeerbl�tter bohrte sich in seine Schl�fe, um ihn an die Schlacht mit den Seanchanern zu erinnern, wo sie entstanden war. Eine verlorene Schlacht, wo er sich keine Niederlage leisten konnte. Sein dunkelgr�ner Seidenmantel war auf �rmeln, Schultern und dem hohen Kragen golden bestickt, der Schwertg�rtel wurde von einer goldenen Schnalle in Form eines Drachens gehalten, und er hielt das Drachenzepter in der Hand, eine zwei Fu� lange Speerspitze mit einer gr�nen und wei�en Quaste unter der polierten Stahlspitze. Falls die Tochter der Neun Monde sie als den Teil eines seanchanischen Speers erkannte, dann musste sie auch die Drachen sehen, die die T�chter in den Rest des Schafts geschnitzt hatten. Heute trug er keine Handschuhe. Die goldenm�hnigen Drachenk�pfe auf seinen Handr�cken funkelten metallisch in der Sonne. Wie hoch ihre Stellung unter den Seanchanern auch war, sie w�rde wissen, wem sie gegen�bertrat.</p><p><emphasis>Einem Na rren.</emphasis> Lews Therins wildes Gel�chter hallte durch seinen Kopf. <emphasis>Einem Narren, der in eine Fall e l�uf t.</emphasis> Rand ignorierte den Verr�ckten. Es mochte eine Falle sein, aber er war bereit, sie auszul�sen, wenn es denn eine war. Es war das Risiko wert. Er konnte die Seanchaner zerschmettern, aber was w�rde das an Blut kosten? Und an Zeit, die er m�glicherweise nicht hatte? Er sah wieder nach Norden. Abgesehen von ein paar wei�en Wolken in gro�er H�he war der Himmel �ber Andor frei. Die Letzte Schlacht stand bevor. Er musste das Risiko eingehen.</p><p>Min spielte in der N�he mit den Z�geln ihrer grauen Stute und war mit sich zufrieden, und das �rgerte ihn. In einem schwachen Augenblick hatte sie ihm ein Versprechen abgerungen und weigerte sich, ihn daraus zu entlassen. Er konnte es einfach brechen. Er sollte es brechen. Sie sah ihn an, als k�nnte sie seine Gedanken lesen. Ihr von dunklen, schulterlangen Locken umrahmtes Gesicht war ausdruckslos, aber der Bund �bermittelte pl�tzlich Misstrauen und die erst en Anfl�ge von Wut. Anscheinend versuchte sie beides zu unterdr�cken, und doch richtete sie die Manschetten ihres kunstvoll bestickten roten Mantels, so wie sie es immer tat, wenn sie ihre Messer �berpr�fte. Nat�rlich w�rde sie keine der Klingen bei ihm benutzen. Nat�rlich nicht.</p><p><emphasis>Die Liebe einer Frau kann gewaltt�tig sein,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Manchmal verletzen sie einen Mann schlimmer, als ihnen bewusst ist, schlimmer, als sie wollten. Manchmal tut es ihnen hinterher sogar leid.</emphasis> In diesem Augenblick klang er normal, aber Rand verdr�ngte die Stimme.</p><p>�Ihr solltet uns weiter sp�hen lassen, Rand al'Thor�, sagte Nandera. Sie und die zwei Dutzend T�chter auf dem sp�rlich bewaldeten H�gel hatten die schwarzen Schleier hochgezogen. Einige hatten den Bogen in der Hand und einen Pfeil eingelegt. Der Rest der T�chter war zwischen den B�umen unterhalb des Kamms, um unliebsamen �berraschungen vorzubeugen. �Das Land ist den ganzen Weg bis zum Herrenhaus frei, aber f�r mich riecht das immer noch nach einer Falle.� Es hatte eine Zeit gegeben, in der sich ein Wort wie �Herrenhaus� aus ihrem Mund falsch angeh�rt hatte. Aber sie war jetzt schon lange Zeit in den Feuchtl�ndern.</p><p>�Nandera sagt die Wahrheit�, murmelte Alivia m�rrisch und trieb ihren Wallach mit den Hacken n�her heran. Anscheinend st�rte die blonde Frau noch immer die Tatsache, dass sie ihn nicht begleiten w�rde, aber ihre Reaktion in Tear, als sie ihren heimatlichen Akzent geh�rt hatte, machte das unm�glich. Sie hatte zugegeben, ersch�ttert gewesen zu sein, aber behauptet, die �berraschung sei daran schuld gewesen. Aber er konnte das Risiko nicht eingehen. �Ihr k�nnt keinem Angeh�rigen des Hohen Blutes trauen, vor allem keiner Tochter der Kaiserin, m�ge sie�� Ihr Mund schnappte zu, und sie gl�ttete �berfl�ssigerweise die dunkelblauen R�cke und verzog das Gesicht dessentwegen, was sie beinahe gesagt h�tte. Er vertraute ihr, buchst�blich mit seinem Leben, aber sie hatte zu viele tief verwurzelte Instinkte, um zu riskieren, sie der Frau gegen�berzustellen, die er treff en w�rde. Jetzt trug der Bund Wut, die nicht zu verschleiern versucht wurde. Min mochte es nicht, Alivia in seiner unmittelbaren N�he zu sehen.</p><p>�F�r mich riecht das auch nach einer Falle�, sagte Bashere und lockerte sein gekr�mmtes Schwert in der Scheide. Er war einfach gekleidet, mit gl�nzendem Helm und Brustharnisch; allein der graue Seidenmantel unterschied ihn von den einundachtzig saldaeanischen Lanzenreitern, die auf dem H�gel verteilt standen. Sein dichter, nach unten gebogener Schnurrbart str�ubte sich beinahe hinter den Gesichtsstangen seines Helms. �Ich w�rde zehntausend Kronen geben, um zu wissen, wie viele Soldaten sie hier drau�en hat. Und wie viele <emphasis>Damarie.</emphasis> Diese Tochter der Neun Monde ist ihre Thronerbin, Mann.� Er war schockiert gewesen, als Alivia das enth�llt hatte. In Ebou Dar hatte das ihm gegen�ber niemand erw�hnt, als w�re das nicht wichtig. �Sie behaupten vielleicht, dass ihre Kontrolle viel weiter s�dlich endet, aber Ihr k�nnt darauf wetten, dass sie zu ihrer Sicherheit mindestens eine kleine Armee dabeihat.�</p><p>�Und wenn unsere Sp�her diese Armee aufsp�ren�, erwiderte Rand ruhig, �k�nnen wir sicher sein, dass sie nicht gesehen werden?� Nandera gab einen ver�chtlichen Laut von sich.</p><p>�Besser davon auszugehen, dass man nicht der Einzige ist, der Augen hat�, sagte er zu ihr. �Wenn sie glauben, dass wir sie angreifen oder die Frau entf�hren wollen, f�llt alles zusammen.� Vielleicht hatten sie es darum geheim gehalten. Die Erbin des Kaiserreichs w�rde ein viel interessanteres Ziel f�r eine Entf�hrung sein als eine hochgestellte Adlige. �Ihr passt blo� auf, dass sie nicht <emphasis>uns</emphasis> �berraschen. Wenn alles schiefgeht, Bashere, dann wisst Ihr, was zu tun ist. Davon abgesehen, sie mag eine Armee haben, aber die habe ich auch, und sie ist nicht klein.� Da musste Bashere nicken.</p><p>Abgesehen von den Saldaeanern und den T�chtern dr�ngt en sich auf dem H�gel Asha'man und Aes Sedai und Beh�ter, zusammen mehr als f�nfundzwanzig, und eine genauso schlagkr�ftige Gruppe wie ein kleines Heer. Sie vermengten sich mit �berraschendem Gleichmut und nur wenigen �u�eren Anzeichen f�r Spannungen. Oh, Toveine, eine kleine, kupferh�utige Rote, starrte Logain finster an, aber Gabrelle, eine Braune mit lodernden gr�nen Augen, plauderte ziemlich kameradschaftlich mit ihm, vielleicht sogar auf kokette Weise. M�glicherweise war das der Grund f�r Toveines finsteren Blick, obwohl Missbilligung wahrscheinlicher erschien als Eifersucht. Adrielle und Kurin hatten einen Arm um die Taille des anderen gelegt, obwohl sie gro� genug war, den Domani-Asha'man zu �berragen, und wundersch�n, wo er durchschnittlich aussah und graue Schl�fen hatte. Ganz zu schweigen davon, dass er sich gegen ihren Willen mit der Grauen verbunden hatte. Beldeine, die die Stola so kurze Zeit hatte, dass sie einfach wie eine junge Saldaeanerin mit leicht schr�g gestellten braunen Augen aussah, streckte gelegentlich die Hand aus, um Manfor zu ber�hren, und er l�chelte jedes Mal. Dass sie sich mit ihm verbunden hatte, war ein Schock gewesen, aber anscheinend war der blonde Mann mehr als willig gewesen. Keiner hatte Rand vor dem Bund um seine Meinung gefragt.</p><p>Am seltsamsten von allen waren vielleicht Jenare und Kajima � sie war blass und st�mmig in einem grauen Reitgewand, dessen R�cke mit roten Stickereien besetzt waren, er ein Bursche mit dem Aussehen eines Schreibers in seinen mittleren Jahren, der sein Haar wie Narishma in zwei Z�pfen mit Silbergl�ckchen geteilt trug. Sie lachte �ber etwas, das er sagte, und murmelte etwas, das ihn wiederum lachen lie�. Eine <emphasis>Rote</emphasis> scherzte mit einem Mann, der die Macht lenken konnte! Vielleicht hatte Taim etwas Gutes bewirkt, ganz egal, wie seine Absichten auch gewesen waren. Und vielleicht lebte auch Rand al'Thor in einem Traum. Aes Sedai waren ber�hmt daf�r, ihre Gef�hle zu verbergen. Aber konnte sich eine Rote so sehr verstellen?</p><p>Nicht jeder f�hlte sich heute friedfertig. Ayakos Augen erschienen beinahe schwarz, wie sie Rand anstarrte, aber wenn man in Betracht zog, was mit einem Beh�ter passierte, wenn seine Aes Sedai starb, hatte die kleine Wei�e Grund zur Furcht, dass sich Sandomere in eine m�gliche Gefahr begab. Der Asha'man-Bund unterschied sich auf mancherlei Weise von dem Beh�ter-Bund, aber in vielen Dingen war er identisch, und noch wusste niemand, welche Auswirkungen der Tod eines Asha'man auf die Frau hatte, mit der er verbunden gewesen war. Auch Elza sah Rand finster an, eine Hand auf der Schulter ihres hochgewachsenen, schlanken Beh�ters Fearil, als w�rde sie das Halsband eines Wachhundes halten und �berlegen, ihn loszulassen. Nicht auf Rand, das mit Sicherheit nicht, aber er machte sich Sorgen um jeden, von dem sie glaubte, er k�nnte eine Bedrohung f�r ihn sein. Er hatte ihr deswegen Befehle gegeben, und ihr Eid m�sste daf�r sorgen, dass sie sie auch befolgte, aber Aes Sedai konnten fast immer Schlupfl�cher finden.</p><p>Merise redete energisch auf Narishma ein, w�hrend ihre anderen beiden Beh�ter ein St�ck entfernt auf ihren Pferden sa�en. Die Art und Weise, wie die Frau mit dem strengen Gesicht gestikulierte, w�hrend sie sprach, und sich nahe zu ihm lehnte, damit sie leise sprechen konnte, war unmissverst�ndlich. Sie gab ihm Anweisungen. Unter diesen Umst�nden gefiel das Rand gar nicht, aber es schien nur wenig zu geben, das er dagegen tun konnte. Merise hatte keinen Eid geleistet, und sie w�rde es ignorieren, wenn es um einen ihrer Beh�ter ging. Oder um andere Dinge, was das anging.</p><p>Auch Cadsuane beobachtete Rand. Sie und Nynaeve trug en ihren s�mtlichen Ter'angreaZ-Schmuck. Nynaeve gelang es, die Aes-Sedai-Gelassenheit gut zu imitieren. Sie schien das oft zu �ben, seit sie Lan weggeschickt hatte, wo auch immer sie ihn hingeschickt hatte. Nat�rlich trennte der halbe H�gel ihre kr�ftige braune Stute von Cadsuanes Braunem. Nynaeve w�rde das niemals zugeben, aber Cadsuane sch�chterte sie ein.</p><p>Logain ritt zwischen Rand und Bashere heran, sein schwarzer Wallach stolzierte. Das Pferd hatte fast genau die gleiche Farbe wie sein Umhang und Mantel. �Die Sonne hat fast ihren h�chsten Stand erreicht�, sagte er. �Zeit zum Aufbruch?� Da lag nur die Andeutung einer Frage darin. Der Mann hatte Probleme, Befehle zu befolgen. Er wartete nicht auf eine Erwiderung. �Sandomere!�, rief er laut. �Narishma.�</p><p>Merise hielt Narishma noch einen Augenblick lang am �rmel fest f�r ein paar letzte Instruktionen, bevor sie ihn losreiten lie�, woraufhin Logain die Stirn runzelte. Der sonnenverbrannte Narishma mit seinen dunklen, gl�ckchengeschm�ckten Z�pfen sah Jahre j�nger als Rand aus, obwohl er in Wahrheit ein paar Jahre �lter war. Er sa� so gerade wie ein Schwert auf seinem Falben und nickte Logain wie einem Gleichgestellten zu, was ein erneutes Stirnrunzeln zur Folge hatte. Sandomere sagte etwas zu Ayako, bevor er auf seinen Schecken stieg, und sie ber�hrte kurz seinen Schenkel, sobald er im Sattel sa�. Mit seinen Falten, dem zur�ckweichenden Haar und dem grau gesprenkelten, spitz zugeschnittenen und ge�lten Bart lie� er sie eher jugendlich als alterslos aussehen. Er trug jetzt den goldenen und roten Drachen an seinem hohen schwarzen Kragen, wie auch das Silberschwert. Das tat jeder Asha'man auf dem H�gel, selbst Manfor. Er war erst k�rzlich zum Geweihten erhoben worden, aber er war einer der ersten M�nner der Schwarzen Burg gewesen, bevor es �berhaupt eine Schwarze Burg gegeben hatte. Die meisten der M�nner, die mit ihm zusammen angefangen hatten, waren tot. Selbst Logain hatte nicht bestritten, dass er es verdient hatte.</p><p>Logain hatte genug Verstand, Cadsuane oder Nynaeve nicht herbeizuzitieren, aber sie ritten ohnehin zu Rand und nahmen ihre Pl�tze zu seinen beiden Seiten ein; jede sah ihn kurz an, die Mienen so reglos, dass sie alles M�gliche h�tten denken k�nnen. Ihre Blicke trafen sich, und Nynaeve schaute schnell zur Seite. Cadsuane schnaubte leise. Und auch Min kam. Seine �eine mehr�, um die Ehre auszugleichen. Ein Mann sollte im Bett keine Versprechungen machen. Er �ffnete den Mund, und sie hob eine Braue und sah ihm ins Gesicht. Der Bund war mit etwas gef�llt� etwas Gef�hrlichem.</p><p>�Sobald wir da sind, bleibst du hinter mir�, sagte er zu ihr, und das war bestimmt nicht das, was er zu ihr hatte sagen wollen.</p><p>Die Gefahr zerschmolz zu etwas, das er gelernt hatte, als Liebe zu erkennen. Aus irgendeinem Grund floss auch trockene Belustigung in dem Bund. �Das werde ich, wenn ich es will, du wollk�pfiger Schafhirte�, sagte sie mit etwas mehr als nur einer Spur Strenge, so als w�rde ihm der Bund nicht ihre wahren Gef�hle �bermitteln. So schwer sie auch zu entziffern sein mochten.</p><p>�Wenn wir diese idiotische Angelegenheit durchf�hren wollen, dann sollten wir sie hinter uns bringen�, sagte Cadsuane energisch und lenkte ihren Braunen den H�gel hinunter.</p><p>Ein kurzes St�ck von dem H�gel entfernt gab es die ersten Bauernh�fe, die den gewundenen Weg durch den Wald s�umten; lange Jahre der Benutzung hatten den Untergrund hart zusammengebacken, trotzdem war die Oberfl�che vom letzten Regen noch immer schlammig. Aus den Schornsteinen der strohgedeckten Steinh�user quoll der Rauch der Mittagsmahlzubereitung. Manchmal sa�en M�dchen und Frauen drau�en in der Sonne an ihren Spinnr�dern. M�nner in groben Wollm�nteln �berpr�ften auf ihren von Steinmauern eingegrenzten Feldern das sprie�ende Getreide, w�hrend Jungen Unkraut j�teten. Auf den Wiesen standen braunwei�es Vieh oder schwarzschw�nzige Schafe, die f�r gew�hnlich von einem oder zwei Jungen mit Bogen oder Schleuder geh�tet wurden. Es gab W�lfe in den W�ldern und Leoparden und andere Wesen, denen Rind und Lamm schmeckte. So mancher beschattete die Augen, um die Vorbeireitenden zu betrachten; sicherlich fragten sie sich, wer diese gut gekleideten Leute waren, die Lady Deirdru besuchten. Sicherlich konnte es keinen anderen Grund f�r ihre Anwesenheit geben, da sie in Richtung Herrenhaus ritten und so weit von irgendetwas Wichtigem entfernt waren. Aber niemand erschien aufgeregt oder �ngstlich, alle k�mmerten sich um ihr Tagewerk. Ger�chte �ber ein Heer in der N�he h�tten mit Sicherheit f�r Aufregung gesorgt, und Ger�chte dieser Art verbreiteten sich wie ein Buschfeuer. Seltsam. Die Seanchaner beherrschten nicht das Schnelle Reisen und konnten nicht ankommen, ohne dass sich diese Neuigkeit in Windeseile verbreitet h�tte. Es war sehr seltsam.</p><p>Rand f�hlte, wie Logain und die anderen beiden M�nner <emphasis>Saidin</emphasis> ergriffen und sich damit vollstopften. Logain hielt beinahe so viel, wie er gekonnt h�tte, Narishma und Sandomere etwas weniger. Und sie waren die st�rksten Asha'man, und beide waren bei den Quellen von Dumai dabei gewesen. Logain hatte an anderen Orten, bei anderen Schlachten bewiesen, dass er sich behaupten konnte. Falls das eine Falle war, w�rden sie bereit sein, und die andere Seite w�rde das erst merken, wenn es zu sp�t war. Rand griff nicht nach der Quelle. Er konnte Lews Therin in seinem Kopf lauern f�hlen. Es war keine Zeit da, dem Verr�ckten eine Chance zu geben, die Macht an sich zu rei�en.</p><p>�Cadsuane, Nynaeve, ihr solltet besser jetzt die Quelle umarmen�, sagte er. �Wir sind gleich da.�</p><p>�Ich habe schon oben auf dem H�gel <emphasis>Saidar</emphasis> gehalten�, sagte Nynaeve. Cadsuane schnaubte und schenkte ihm einen Blick, der ihn als Narr bezeichnete.</p><p>Rand unterdr�ckte eine Grimasse, bevor sie sich bilden konnte. Seine Haut hatte nicht gekribbelt, es hatte keine G�nsehaut gegeben. Sie hatten ihre F�higkeiten maskiert und so verhindert, dass er die Macht in ihnen sp�ren konnte. Was das Machtlenken betraf, hatten M�nner Frauen gegen�ber nur wenige Vorteile, aber die wenigen hatten sie jetzt verloren, w�hrend Frauen alle behielten. Ein paar Asha'man bem�hten sich nach Kr�ften, herauszufinden, wie sie Nacelles Sch�pfung kopieren konnten, ein Gewebe, das M�nnern erlaubte, Gewebe von Frauen zu entdecken, aber bis jetzt waren sie erfolglos geblieben. Nun, da w�rde sich jemand anderes drum k�mmern m�ssen. Im Augenblick hatte er mehr als genug zu tun.</p><p>Sie kamen weiterhin an H�fen vorbei, einige standen allein auf Lichtungen, andere dr�ngten sich zu viert oder f�nft aneinander. W�ren sie dem Weg lange genug gefolgt, h�tten sie nach wenigen Meilen die Stadt K�nigsbr�cke erreicht, wo eine Holzbr�cke einen schmalen Fluss namens Reshalle �berquerte, aber ein ganzes St�ck davor passierte die Stra�e eine gro�e Lichtung, die von zwei hohen Steinpfosten markiert wurde, obwohl es weder Zaun noch Tor gab. Hundert Schritte dahinter lag Lady Deirdrus Herrenhaus am Ende eines Lehmpfades, zwei Stockwerke aus grauem Stein und Strohdach, und nur die Torpfosten und die hohe Fl�gelt�r des Eingangs verhinderten, dass es wie ein gro�es Bauernhaus aussah. St�lle und Au�engeb�ude hatten das gleiche Erscheinungsbild, alles war stabil und praktisch. Es war niemand zu sehen, kein Stallbursche, keine Dienerin auf dem Weg, Eier zu holen, keine M�nner auf den Feldern, die den Weg flankierten. Aus den hohen Schornsteinen des Hauses kam kein Rauch. Es roch <emphasis>tats�chlich</emphasis> nach einer Falle. Aber die Umgebung war friedlich, die Bauern ganz normal. Es gab nur eine M�glichkeit, es herauszufinden.</p><p>Rand lenkte Tai'daishar an den Torpfosten vorbei, und die anderen folgten ihm. Min ignorierte seine Warnung. Sie dr�ngte ihren Grauen zwischen Tai'daishar und Nynaeves Stute und grinste ihn an. Im Bund lag Nervosit�t, aber die Frau grinste!</p><p>Als Rand den halben Weg zum Haus zur�ckgelegt hatte, schwangen die T�ren auf, und zwei Frauen traten nach drau�en, eine in Dunkelgrau, die andere in Blau mit roten Stoffrechtecken auf der Brust und kn�chellangen R�cken. Sonnenlicht funkelte auf der silbrigen Leine, die sie verband. Zwei weitere erschienen, dann noch mehr, bis zu beiden Seiten der T�r drei Paare in einer Reihe standen. Als er drei Viertel des Weges zur�ckgelegt hatte, trat eine andere Frau aus der T�r, sie war sehr dunkelh�utig und sehr klein, in Wei� gekleidet, mit einem durchsichtigen Schleier, der Kopf und Gesicht verh�llte. Die Tochter der Neun Monde. Man hatte sie Bashere beschrieben, bis hin zu ihrem rasierten Sch�del. Eine Spannung zwischen seinen Schultern verschwand, der er sich gar nicht bewusst gewesen war. Dass sie tats�chlich hier war, schloss die M�glichkeit einer Falle aus. Die Seanchaner w�rden ihre Thronerbin nicht dem Risiko eines so gef�hrlichen Unternehmens aussetzen. Er zog an den Z�geln und stieg ab.</p><p>�Eine von ihnen lenkt die Macht�, sagte Nynaeve gerade laut genug, dass er es h�ren konnte, w�hrend sie vom Pferd stieg. �Ich kann nichts sehen, also muss sie ihre F�higkeiten maskiert und das Gewebe umgedreht haben, und mich w�rde wirklich interessieren, wo die Seanchaner <emphasis>das</emphasis> gelernt haben, aber sie lenkt die Macht. Nur eine von ihnen. Da ist nicht genug, als dass es zwei sein k�nnten.� Ihr <emphasis>Ter'angreal</emphasis> konnte nicht feststellen, ob <emphasis>Saidin</emphasis> oder <emphasis>Saidar</emphasis> gelenkt wurde, aber es war unwahrscheinlich, dass es sich um einen Mann handelte.</p><p><emphasis>Ich habe dir gesagt, es ist eine Falle,</emphasis> st�hnte Lews Therin.</p><p><emphasis>Ich habe es dir gesagt!</emphasis></p><p>Rand tat so, als w�rde er den Sattelgurt �berpr�fen.</p><p>�Kannst du sagen, wer es ist?� Er griff noch immer nicht nach <emphasis>Saidin.</emphasis> Unm�glich zu sagen, was Lews Therin anstellen w�rde, wenn es ihm unter diesen Umst�nden wieder gelang, die Kontrolle an sich zu rei�en. Auch Logain fummelte an seinem Sattelgurt herum, und Narishma sah zu, wie Sandomere einen der Hufe des Schecken �berpr�fte. Sie hatten es mitbekommen. Die kleine Frau wartete in der T�r, reglos, aber sicherlich ungeduldig und aller Wahrscheinlichkeit nach von ihrem vorget�uschten Interesse an ihren Pferden beleidigt.</p><p>�Nein�, erwiderte Cadsuane grimmig. �Aber ich kann etwas dagegen unternehmen. Sobald wir n�her heran sind.� Ihr goldener Haarschmuck baumelte, als sie den Umhang zur�ckwarf, als w�rde sie ein Schwert enth�llen.</p><p>�Bleib hinter mir�, sagte er zu Min, und zu seiner Erleichterung nickte sie. Ein leichtes Stirnrunzeln lag auf ihrem Gesicht, und der Bund trug Besorgnis. Aber keine Furcht. Sie wusste, dass er sie besch�tzen w�rde.</p><p>Er lie� die Pferde hinter sich zur�ck und ging zusammen mit Cadsuane und Nynaeve, die ein St�ck Abstand zu ihm hielten, auf die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> zu. Logain hatte die Hand auf den Schwertgriff gelegt, als w�re das seine wahre Waffe, und ging ein St�ck abseits von Cadsuane; Narishma und Sandomere hielten sich hinter Nynaeve. Die kleine dunkelh�utige Frau setzte sich langsam in Bewegung, auf sie zu, l�pfte die Faltenr�cke von dem feuchten Boden.</p><p>Pl�tzlich flackerte sie, keine zehn Schritte mehr von ihnen entfernt. Einen Augenblick lang war sie gr��er als die meisten M�nner, ganz in Schwarz gekleidet, mit einem Ausdruck der �berraschung auf dem Gesicht, und obwohl sie noch immer den Schleier trug, wuchsen schwarze Locken auf ihrem Kopf. Nur einen winzigen Augenblick lang, dann war die kleine Frau wieder da, deren Schritt stockte, als sie die wei�en R�cke loslie�, aber dann trat das Flackern wieder auf, und die hochgewachsene Frau stand dort, das Gesicht hinter dem Schleier wutverzerrt. Rand erkannte das Gesicht, obwohl er es nie zuvor gesehen hatte. Aber Lews Therin hatte es, und das reichte.</p><p>�Semirhage�, sagte er entsetzt, bevor er das Wort zur�ckhalten konnte, und pl�tzlich schien alles auf einmal zu passieren.</p><p>Er griff nach der Quelle und stie� auf Lews Therin, der auch danach krallte, und jeder versuchte den anderen daran zu hindern, sie zu erreichen. Semirhages Hand schnellte nach vorn, und ein Feuerball schoss aus ihren Fingerspitzen auf ihn zu. M�glicherweise schrie sie auch etwas, einen Befehl. Er konnte nicht zur Seite springen; Min stand direkt hinter ihm. Hektisch versuchte er nach der Quelle zu greifen, verzweifelt riss er sch�tzend die Hand mit dem Drachenzepter nach oben. Die Welt schien in Flammen zu explodieren.</p><p>Ihm wurde bewusst, dass seine Wange auf dem feuchten Boden lag. Schwarze Flecken tanzten durch sein Blickfeld, und alles erschien leicht verschwommen, als w�rde man es durch Wasser sehen. Wo war er? Was war passiert? Sein Kopf f�hlte sich wie mit Wolle ausgestopft an. Etwas stie� in seine Rippen. Sein Schwertgriff. Die alten Wunden dar�ber waren ein harter Knoten aus purem Schmerz. Langsam wurde ihm klar, dass er das Drachenzepter ansah, oder vielmehr das, was davon noch �brig war. Drei Schritte entfernt lagen die Speerspitze und ein St�ck des angekokelten Schaftes. Kleine, flackernde Flammen verzehrten die lange Quaste. Die Schwertkrone lag daneben.</p><p>Pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass in der N�he <emphasis>Saidin</emphasis> gelenkt wurde. Genau wie <emphasis>Saidar,</emphasis> das verriet ihm die G�nsehaut am ganzen K�rper. Das Herrenhaus. Semirhage! Er wollte sich hochstemmen und brach mit einem Aufschrei wieder zusammen. Langsam drehte er den linken Arm, der von der Stelle an schmerzte, wo er seine Hand sehen konnte. Sehen konnte, wo seine Hand gewesen war. Es war nur ein zerfetzter, verkohlter Stumpf �brig. Ein Stumpf, der aus einem �rmel ragte, von dem d�nne Rauchwolken emporstiegen. Aber um ihn herum wurde noch immer die Macht gelenkt. Seine Leute k�mpften um ihr Leben. Sie konnten sterben. Min! Er wollte sich erneut aufrappeln und sackte wieder zusammen.</p><p>Als h�tte sie der Gedanke an sie herbeigeholt, lag Min pl�tzlich �ber ihm. Versuchte, ihn mit dem K�rper zu decken. Der Bund pulsierte vor Mitgef�hl und Schmerz. Keinem k�rperlichen Schmerz. Er h�tte gewusst, h�tte sie auch nur die kleinste Verletzung davongetragen. Sie versp�rte Qualen wegen ihm. �Bleib still liegen�, sagte sie. �Du bist� du bist verletzt worden.�</p><p>�Ich wei߫, erwiderte er heiser. Wieder griff er nach <emphasis>Saidin,</emphasis> und wunderbarerweise versuchte Lews Therin dieses Mal nicht, sich einzumischen. Die Macht erf�llte ihn, und das verlieh ihm die Kraft, sich mit einer Hand hochzustemmen und dabei ein paar sehr h�ssliche Gewebe vorzubereiten. Trotz seines schlammbeschmutzten Mantels ergriff Min seinen unverletzten Arm, als wollte sie versuchen, ihn aufrechtzuerhalten. Aber der Kampf war vor�ber.</p><p>Semirhage stand steif da, die Arme an den K�rper gepresst, die R�cke gegen die Beine gedr�ckt, zweifellos in Str�me aus Luft geh�llt. Aus ihrer Schulter ragte der Griff von Mins Messer, und sie musste auch abgeschirmt sein, aber ihr dunkelh�utiges, wundersch�nes Gesicht zeigte nichts als Verachtung. Sie war schon einmal Gefangene gewesen, f�r kurze Zeit, im Krieg des Schattens. Sie war aus einem Kerker entkommen, indem sie ihren W�chtern eine solche Angst eingejagt hatte, dass sie sie doch tats�chlich in die Freiheit geschmuggelt hatten.</p><p>Andere hatten schlimmere Verletzungen davongetragen. Eine kleine schwarze <emphasis>Sul'dam</emphasis> und eine gro�e blonde <emphasis>Damane</emphasis> lagen verbunden durch ein <emphasis>A'dam</emphasis> auf dem Boden und starrten mit bereits starr werdenden Augen in die Sonne, ein anderes Paar lag aneinander geklammert auf den Knien; Blut lief ihnen ins Gesicht und verklebte das Haar. Die anderen Paare standen so steif wie Semirhage da, und er konnte die Abschirmungen um drei der <emphasis>Damane</emphasis> sehen. Sie sahen wie bet�ubt aus. Eine der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> eine schlanke, dunkelhaarige junge Frau, schluchzte leise.</p><p>Auch Narishmas Gesicht war blutverschmiert, sein Mantel erschien angesengt. Genau wie bei Sandomere; ein Knochen durchstie� seinen linken �rmel, rot verschmiertes Wei�, bis Nynaeve den Arm mit festem Ruck richtete. Er verzog gequ�lt das Gesicht und stie� ein gutturales St�hnen aus. Sie legte die H�nde �ber den Bruch, und Augenblicke sp�ter spannte er den Arm an und bewegte die Finger und murmelte einen Dank. Logain erschien unversehrt, genau wie Nynaeve und Cadsuane, die Semirhage musterte, so wie eine Braune ein zuvor noch nie gesehenes exotisches Tier studieren w�rde.</p><p>Da klafften �berall um das Herrenhaus herum Wegetore auf und spuckten berittene Asha'man und Aes Sedai und Beh�ter aus, desgleichen verschleierte T�chter. Bashere ritt an der Spitze seiner Reiter. Ein Asha'man und eine Aes Sedai, die sich zu einem Zirkel verkn�pften, konnten ein betr�chtlich gr��eres Tor erschaffen, als Rand allein imstande gewesen w�re. Also musste es jemand geschafft haben, das Signal zu geben, eine rote, zerplatzende Flammenkugel am Himmel. Jeder Asha'man war mit <emphasis>Saidin</emphasis> gef�llt, und Rand vermutete, dass die Aes Sedai gleicherma�en viel <emphasis>Saidar</emphasis> hielten. Die T�chter schw�rmten zwischen den B�umen aus.</p><p>�Aghan, Hamad, durchsucht das Haus!�, rief Bashere.</p><p>�Matoun, formiert die Lanzenreiter! Sie werden sich auf uns st�rzen, so schnell sie k�nnen!� Zwei Soldaten rammten ihre Lanzen in die Erde, sprangen aus den S�tteln und st�rmten mit gezogenen Schwertern ins Haus, w�hrend der Rest in zwei Reihen Aufstellung bezog.</p><p>Ayako warf sich f�rmlich aus dem Sattel und eilte zu Sand omere; dabei achtete sie nicht einmal auf ihre R�cke, die durch den Schlamm schleiften. Merise ritt zu Narishma, bevor sie direkt vor ihm zu Boden glitt und wortlos seinen Kopf zwischen die H�nde nahm. Er b�umte sich auf und h�tte fast den Kopf losgerissen, w�hrend sie ihn Heilte. Sie kannte sich kaum in Nynaeves Heilungsmethode aus.</p><p>Nynaeve ignorierte die Aufregung, raffte die R�cke mit blutverschmierten H�nden und eilte zu Rand. �Oh, Rand�, sagte sie, als sie den Arm erblickte, �es tut mir so leid. Ich� ich werde tun, was ich kann, aber ich werde ihn nicht wieder so hinbekommen, wie er war.� In ihren Augen lag Qual.</p><p>Wortlos streckte er den linken Arm aus. In ihm pulsierte der Schmerz. Seltsamerweise konnte er noch immer seine Hand sp�ren. Er schien Finger, die nicht l�nger da waren, zu einer Faust formen zu k�nnen. Seine G�nsehaut wurde intensiver, als sie viel mehr <emphasis>Saidar</emphasis> sch�pfte, und der Qualm verschwand von seinem �rmel. Sie ergriff den Arm oberhalb des Handgelenks. Der ganze Arm fing an zu kribbeln, und der Schmerz verschwand. Langsam wich geschw�rzte Haut glatter Haut, die nach unten zu quellen schien, bis sie den kleinen H�cker umgab, der sein Handballen gewesen war. Ein wunderbarer Anblick. Auch der Drache mit den scharlachroten und goldenen Schuppen wuchs wieder, soweit das m�glich war, und endete in einem St�ck goldener M�hne. Rand konnte noch <emphasis>immer</emphasis> die ganze Hand f�hlen.</p><p>�Es tut mir so leid�, sagte Nynaeve erneut. �Lass mich nach anderen Verletzungen Ausschau halten.� Sie fragte, aber nat�rlich wartete sie keine Antwort ab. Sie nahm seinen Kopf zwischen die H�nde, und ein Schauder durchfuhr ihn.</p><p>�Da stimmt etwas nicht mit deinen Augen�, sagte sie stirnrunzelnd. �Ich habe Angst, das zu Heilen, ohne es vorher zu studieren. Der kleinste Fehler k�nnte dich erblinden lassen. Wie gut kannst du sehen? Wie viele Finger halte ich hoch?�</p><p>�Zwei. Ich kann gut sehen�, log er. Die schwarzen Flecken waren verschwunden, aber alles schien immer noch unter Wasser zu liegen, und er wollte die Augen zusammenkneifen, um sie vor einer Sonne zu sch�tzen, die scheinbar zehnmal heller als zuvor zu sein schien. Die alten Wunden in seiner Seite verkrampften sich vor Schmerz.</p><p>Bashere stieg vor ihm von seinem st�mmigen Braunen und betrachtete den linken Armstumpf stirnrunzelnd. Er l�ste den Helmriemen, nahm ihn ab und hielt ihn unter dem Arm. �Wenigstens seid Ihr noch am Leben�, sagte er rau. �Ich habe schon schlimmer verletzte M�nner gesehen.�</p><p>�Ich auch�, erwiderte Rand. �Aber ich werde den Schwertkampf noch einmal erlernen m�ssen.� Bashere nickte. F�r die meisten Formen brauchte man zwei H�nde. Rand beugte sich vor, um die Krone von Illian aufzuheben, aber Min lie� seinen Arm los und gab ihm hastig die Krone. Er setzte sie sich auf. �Ich werde alles neu lernen m�ssen.�</p><p>�Du musst einen Schock haben�, sagte Nynaeve langsam.</p><p>�Du hast gerade eine ernsthafte Verletzung erlitten. Vielleicht solltest du dich hinlegen. Lord Davram, einer Eurer M�nner soll einen Sattel bringen, auf dem er die F��e hochlegen kann.�</p><p>�Er hat keinen Schock�, sagte Min traurig. Der Bund war erf�llt von Niedergeschlagenheit. Sie hielt wieder seinen Arm, als wollte sie ihn st�tzen. �Er hat eine Hand verloren, aber da kann man nichts machen, also hat er das bereits hinter sich gelassen.�</p><p>�Wollk�pfiger Narr�, murmelte Nynaeve. Ihre noch mit Sandomeres Blut beschmierte Hand griff unwillk�rlich nach dem dicken Zopf, der �ber ihrer Schulter hing, aber sie riss sie zur�ck. �Du bist schlimm verletzt worden. Zu trauern ist v�llig in Ordnung. Sich bet�ubt zu f�hlen ist v�llig in Ordnung. Das ist normal!�</p><p>�Dazu habe ich keine Zeit�, sagte er zu ihr. Mins Niederg eschlagenheit drohte alles im Bund zu �bert�nen. Beim Licht, er war in Ordnung! Warum war sie blo� so traurig?</p><p>Nynaeve murmelte etwas wie �Wollsch�del� und �Narr� und �stur wie ein Mann�, aber sie war noch nicht fertig.</p><p>�Diese alten Wunden in deiner Seite sind wieder aufgebrochen�, knurrte sie beinahe. �Du blutest zwar nicht schlimm, aber du blutest. Vielleicht kann ich endlich etwas dagegen unternehmen.�</p><p>Aber sosehr sie sich auch bem�hte � und sie versuchte es drei Mal �, es funktionierte nicht. Er sp�rte den langsamen Blutstrom seine Rippen hinuntertr�pfeln. Die Wunden waren noch immer ein pulsierender Knoten des Schmerzes. Schlie�lich dr�ngte er sanft ihre Hand zur Seite.</p><p>�Du hast getan, was du konntest, Nynaeve. Es reicht.�</p><p>�Narr.� Diesmal knurrte sie tats�chlich. �Wie kann es reichen, wenn du noch immer blutest?�</p><p>�Wer ist die gro�e Frau?�, fragte Bashere. Wenigstens er verstand es. Man verschwendete keine Zeit mit Sachen, die man nicht reparieren konnte. �Sie haben doch wohl nicht versucht, sie als die Tochter der Neun Monde auszugeben, oder? Nicht nachdem sie mir gesagt hatten, sie sei recht klein.�</p><p>�Das haben sie�, erwiderte Rand und erkl�rte schnell alles.</p><p>�Semirhage?�, murmelte Bashere ungl�ubig. �Wie k�nnt Ihr da so sicher sein?�</p><p>�Sie ist Anath Dorje, nicht� nicht jene, die Ihr behauptet�, sagte da eine blonde <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit schleppendem Akzent. Ihre dunklen Augen waren schr�g, und ihr Haar war mit grauen Str�hnen durchsetzt. Sie sah wie die �lteste der <emphasis>Sul'dam</emphasis> aus und die am wenigsten ver�ngstigte. Es war nicht so, dass sie keine Angst zu haben schien, aber sie hatte sie gut unter Kontrolle. �Sie ist die Wahrheitssprecherin der Hochlady.�</p><p>�Falendre, sei still�, sagte Semirhage kalt und blickte �ber die Schulter. Ihr Blick versprach Schmerzen. Die Herrin des Schmerzes war gut darin, ihre Versprechen zu halten. Gefangene hatten sich umgebracht, nachdem sie erfahren hatten, wer sie da gefangen hielt, M�nner und Frauen, die es geschafft hatten, mit Z�hnen oder Fingern�geln Adern zu �ffnen.</p><p>Falendre schien ihn aber nicht zu bemerken. �Ihr habt mir nichts zu befehlen�, sagte sie ver�chtlich. �Ihr seid nicht einmal <emphasis>So'jhin.�</emphasis></p><p>�Wie k�nnt Ihr so sicher sein?�, wollte Cadsuane wissen. Die goldenen Monde und Sterne, Fische und V�gel baumelten, als sie ihren durchdringenden Blick von Rand zu Semirhage und zur�ck schweifen lie�.</p><p>Semirhage ersparte ihm die M�he, sich eine L�ge einfall en lassen zu m�ssen. �Er ist wahnsinnig�, sagte sie k�hl. Wie sie da so stand, steif wie eine Statue, mit Mins Messergriff, der noch immer neben ihrem Schl�sselbein herausragte, und der blutverschmierten Kleiderbrust, h�tte sie genauso gut eine K�nigin auf ihrem Thron sein k�nnen. �Graendal k�nnte es besser erkl�ren als ich. Wahnsinn war ihre Spezialit�t. Aber ich werde es versuchen. Ihr habt von Leuten geh�rt, die Stimmen h�ren? Manchmal, ganz selten, sind die Stimmen, die sie h�ren, die Stimmen fr�herer Leben. Lanfear behauptete, er w�sste Dinge aus unserem Zeitalter, Dinge, die nur Lews Therin Telamon wissen konnte. Er h�rt eindeutig Lews Therins Stimme. Es macht aber keinen Unterschied, dass seine Stimme real ist. Tats�chlich verschlimmert das seine Situation noch. Selbst Graendal ist meistens darin gescheitert, eine Reintegration bei jemandem zu erreichen, der eine echte Stimme h�rte. Soviel ich wei�, kann der Sturz in den echten Wahnsinn� ganz pl�tzlich erfolgen.� Ihre Lippen verzogen sich zu einem L�cheln, das die schwarzen Augen nie erreichte.</p><p>Sahen sie ihn jetzt mit anderen Augen? Logains Gesicht war eine starre Maske, unleserlich. Bashere sah aus, als k�nnte er das alles trotzdem nicht glauben. Nynaeves Mund stand offen, ihre Augen waren weit aufgerissen. Der Bund� Einen langen Augenblick war der Bund wie� bet�ubt. Wenn sich Min von ihm abwandte, dann wusste er nicht, ob er das ertragen konnte. Aber die Bet�ubung wurde durch Mitgef�hl und Entschlossenheit so unverr�ckbar wie ein Berg ersetzt, und einer Liebe, die hell strahlte, dass er sich daran die H�nde h�tte w�rmen k�nnen. Ihr Griff um seinen Arm wurde fester, und er versuchte seine Hand auf die ihre zu legen. Die Erinnerung kam zu sp�t, und er riss den Stumpf zur�ck, aber nicht, bevor er sie ber�hrt hatte. In ihrem Bund schwankte nichts, auch nicht um Haaresbreite.</p><p>Cadsuane trat einen Schritt auf die gr��ere Frau zu und schaute zu ihr hoch. Einer der Verlorenen gegen�berzustehen schien ihr nicht mehr auszumachen, als dem Wiedergeborenen Drachen gegen�berzustehen. �Ihr seid sehr ruhig f�r eine Gefangene. Statt die Anschuldigung zu bestreiten, belastet Ihr Euch selbst.�</p><p>Semirhage lenkte das kalte L�cheln von Rand auf Cadsuane. �Warum sollte ich mich selbst verleugnen?� Jedes einzelne ihrer Worte troff vor Stolz. �Ich bin Semirhage.� Jemand keuchte auf, und einige der <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> fingen an zu zittern und zu weinen. Eine <emphasis>Sul'dam,</emphasis> eine h�bsche blonde Frau, erbrach sich pl�tzlich �ber die Brust, und eine andere, st�mmig und dunkelh�utig, sah aus, als w�rde sie es ihr gleich nachmachen.</p><p>Cadsuane nickte blo�. �Ich bin Cadsuane Melaidhrin. Ich freue mich auf lange Gespr�che mit Euch.� Semirhage grinste ver�chtlich. An Mut hatte es ihr noch nie gemangelt.</p><p>�Wir hielten sie f�r die Hochlady�, beeilte sich Falendre zu sagen und klang zugleich z�gernd. Sie schien kurz davor, mit den Z�hnen zu klappern, aber sie zwang die Worte heraus. �Wir dachten, wir w�rden geehrt. Sie brachte uns im Tarasin-Palast in ein Zimmer, in dem� in dem ein Loch in der Luft war, und wir traten hindurch und befanden uns an diesem Ort. Ich schw�re es bei meinem Augenlicht! Wir hielten sie f�r die Hochlady.�</p><p>�Also kommt kein Heer auf uns zu�, sagte Logain. Seinem Ton war nicht anzumerken, ob er erleichtert oder entt�uscht war. Er zog das Schwert einen Fingerbreit und stie� es zur�ck in die Scheide. �Was machen wir mit ihnen?� Er deutete ruckartig mit dem Kopf auf die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane.</emphasis> �Schicken wir sie wie die anderen nach Caemlyn?�</p><p>�Wie schicken sie zur�ck nach Ebou Dar�, sagte Rand.</p><p>Cadsuane drehte sich um und starrte ihn an. Ihr Gesicht war eine perfekte Maske der Aes-Sedai-Gelassenheit, doch er bezweifelte, dass sie innerlich tats�chlich gelassen war. Das Anleinen von <emphasis>Damane</emphasis> war eine Abscheulichkeit, die Aes Sedai pers�nlich nahmen. Nynaeve war alles andere als gelassen. In ihrem Blick funkelte der Zorn, sie hielt ihren Zopf so fest mit der Faust umklammert, dass ihre Kn�chel wei� hervortraten; sie �ffnete den Mund, aber er kam ihr zuvor. �Ich brauche diesen Waffenstillstand, Nynaeve, und diese Frauen gefangen zu nehmen wird mir dabei nicht helfen. Streite nicht mit mir. So w�rden sie es bezeichnen, und die <emphasis>Damane</emphasis> auch, und du wei�t das genauso so gut wie ich. Sie k�nnen die Nachricht �berbringen, dass ich die Tochter der Neun Monde treffen will. Die Thronerbin allein kann einem Waffenstillstand Bestand verleihen.�</p><p>�Es gef�llt mir trotzdem nicht�, sagte sie entschieden.</p><p>�Wir k�nnten die <emphasis>Damane</emphasis> befreien. Die anderen k�nnen genauso gut Botschaften �bermitteln.� Die <emphasis>Damane,</emphasis> die zuvor nicht geweint hatte, brach jetzt in Tr�nen aus. Ein paar von ihnen flehten die <emphasis>Sul'dam</emphasis> an, sie zu retten. Nynaeve sah aus, als w�rde <emphasis>ihr</emphasis> jetzt �bel, aber sie warf nur die H�nde nach oben und beendete die Diskussion.</p><p>Die beiden Soldaten, die Bashere ins Haus geschickt hatte, kamen wieder heraus, junge M�nner, die mit einem rollenden Gang daherschritten, mehr an S�ttel als an ihre eigenen F��e gew�hnt waren. Hamad hatte einen pr�chtigen schwarz en Bart, der unter dem Helmrand herausragte, und eine Narbe im Gesicht. Aghan trug einen dichten Schnurrbart wie Bashere; unter dem Arm hielt er einen schlichten Holzkasten ohne Deckel. Sie verbeugten sich vor Bashere, mit der freien Hand schwangen sie die Schwerter nach hinten.</p><p>�Das Haus ist leer, mein Lord�, sagte Aghan, �aber in mehreren Zimmern sind die Teppiche blutverschmiert. Sieht aus wie in einem Schlachthaus, mein Lord. Ich glaube, die Bewohner sind alle tot. Das hier stand am Eingang. Es sah nicht so aus, als w�rde es hierher geh�ren, also habe ich es mitgebracht.� Er hielt ihnen den Kasten hin. Darin lagen zusammengerollte <emphasis>A'dam</emphasis> und eine Anzahl von Armb�ndern aus schwarzen Metallsegmenten, einige gro�, andere klein.</p><p>Rand wollte mit seiner linken Hand danach greifen, bevor er daran dachte. Min fiel die Bewegung auf und lie� seinen rechten Arm los, damit er ein paar der schwarzen Metallarmb�nder herausnehmen konnte. Nynaeve keuchte auf.</p><p>�Wei�t du, was das ist?�, fragte er.</p><p>�Das sind <emphasis>A'dam</emphasis> f�r M�nner�, sagte sie w�tend. �Egeanin hatte versprochen, sie w�rde das Ding ins Meer werfen! Wir haben ihr vertraut, und sie hat es jemandem gegeben, um Kopien zu machen!�</p><p>Rand warf die Dinger zur�ck in den Kasten. Von den gr��eren Armb�ndern gab es sechs St�ck, und f�nf von den silbrigen Leinen. Semirhage war vorbereitet gewesen, ganz egal, wen er mitgebracht h�tte. �Sie glaubte wirklich, uns alle gefangen nehmen zu k�nnen.� Diese Vorstellung h�tte ihn wirklich schaudern lassen sollen. Er vermeinte f�hlen zu k�nnen, wie Lews Therin erzitterte. Niemand wollte Semirhage in die H�nde fallen.</p><p>�Sie hat ihnen zugerufen, uns abzuschirmen�, sagte Nynaeve, �aber sie konnten es nicht, weil wir alle bereits die Macht hielten. H�tten wir das nicht getan, h�tten Cadsuane und ich nicht unsere <emphasis>Ter'angreale,</emphasis> dann wei� ich nicht, was passiert w�re.� Sie zitterte tats�chlich.</p><p>Er sah die hochgewachsene Verlorene an, und sie starrte v�llig unbewegt zur�ck. Eiskalt. Ihre Grausamkeit war so ber�chtigt, dass man leicht vergessen konnte, wie gef�hrlich sie sonst war. �Verknote die Abschirmungen der anderen, sodass sie sich in ein paar Stunden aufl�sen, dann schicke sie irgendwo in die N�he von Ebou Dar.� Einen Augenblick lang glaubte er, Nynaeve w�rde erneut protestieren, aber sie beschr�nkte sich darauf, kr�ftig an ihrem Zopf zu ziehen und sich abzuwenden.</p><p>�Wer seid Ihr, dass Ihr es wagt, um ein Treffen mit der Hochlady zu bitten?�, verlangte Falendre zu wissen. Aus irgendeinem Grund betonte sie den Titel.</p><p>�Mein Name ist Rand al'Thor. Ich bin der Wiedergebor ene Drache.� Hatten sie geweint, als sie Semirhages Namen geh�rt hatten, verfielen sie in schrilles Wehklagen, als sie den seinen h�rten.</p><p>Den <emphasis>Ashandarei</emphasis> quer �ber dem Sattel, sa� Mat auf Pips in der Dunkelheit zwischen den B�umen und wartete, umgeben von zweitausend berittenen Armbrustm�nnern. Die Sonne war noch nicht lange untergegangen, und die Geschehnisse sollten im Gange sein. In dieser Nacht w�rden die Seanchaner an einem halben Dutzend Orten harte Schl�ge erhalten. Das Mondlicht, das durch das Laubwerk fiel, verbreitete gerade genug Helligkeit, dass er Tuons im Schatten befindliches Gesicht ausmachen konnte. Sie hatte darauf bestanden, bei ihm zu bleiben, was bedeutete, dass Selucia nat�rlich auf ihrem Falben an ihrer Seite war und ihn wie gew�hnlich finster anstarrte. Leider gab es nicht genug Mondschatten, um das zu verbergen. Tuon konnte nicht gefallen, was heute Nacht passieren w�rde, aber sie lie� sich nichts anmerken. Was dachte sie? Ihr Ausdruck war ganz der strenge Magistrat.</p><p>�Euer Plan verl�sst sich auf eine Menge Gl�ck�, sagte Teslyn nicht zum ersten Mal. Selbst in den Schatten sah ihr Gesicht hart aus. Sie rutschte auf ihrem Sattel herum, richtete den Umhang. �Es ist zu sp�t, um alles zu ver�ndern, aber dieser Teil ist auf jeden Fall unn�tig.� Er h�tte es vorg ezogen, Bethamin oder Seta dabeizuhaben, die nicht an die Drei Eide gebunden waren und beide wussten, welche Gewebe die <emphasis>Damane</emphasis> als Waffen benutzten, etwas, das die Aes Sedai entsetzte. Nicht die Gewebe, nur dass Bethamin und Seta sie kannten. Zumindest glaubte er, dass sie ihm lieber gewesen w�ren. Leilwin hatte sich schlicht geweigert, au�er in Selbstverteidigung gegen Seanchaner zu k�mpfen. Bethamin und Seta h�tten m�glicherweise das Gleiche getan oder in letzter Minute herausgefunden, dass sie nicht gegen ihre Landsm�nner vorgehen konnten. Aber wie dem auch sei, die Aes Sedai hatten nicht erlaubt, dass die beiden Frauen darin verwickelt wurden, und keine von ihnen hatte auch nur einen Ton gesagt, nachdem das verk�ndet worden war. Die beiden waren in Anwesenheit von Aes Sedai zu eingesch�chtert, um auch nur einen Mucks zu machen.</p><p>�Verzeiht, Teslyn Sedai, aber Lord Mat hat Gl�ck�, sagte Hauptmann Mandevwin. Der st�mmige, ein�ugige Mann war seit den ersten Tagen der Bande in Cairhien dabei, und er hatte sich die grauen Str�hnen im Haar verdient, das jetzt unter dem gr�n lackierten Helm verborgen lag, einem einfachen, offenen Infanteristenhelm, und zwar in Schlachten gegen Tear und Andor. �Ich erinnere mich an Zeiten, in denen wir in der Minderzahl waren, und er hat die Bande um sie herumtanzen lassen. Nicht um sich zu verdr�cken, nein, sondern um sie zu schlagen. Wunderbare Schlachten.�</p><p>�Eine wunderbare Schlacht ist eine, die man nicht schlag en muss�, sagte Mat sch�rfer als beabsichtigt. Er mochte Schlachten nicht. In einer Schlacht konnte es passieren, dass jemand L�cher in einen hineinstach. Er wurde nur immer wieder darin verwickelt, das war alles. Die meisten dieser T�nze <emphasis>waren</emphasis> der Versuch gewesen, sich zu verdr�cken. Aber das w�rde es heute Nacht nicht geben, und auch nicht in den kommenden Tagen. �Unsere Aufgabe ist wichtig, Teslyn.� Was hielt Aludra blo� auf, sollte sie doch zu Asche verbrennen! Der Angriff auf das Nachschublager musste bereits im Gange sein, gerade heftig genug, dass die Verteidigung der Meinung war, durchhalten zu k�nnen, bis Hilfe eintraf, heftig genug, dass sie zu dem Schluss kamen, Hilfe zu ben�tigen. Die anderen w�rden von Anfang an mit voller Kraft durchgef�hrt werden, um die Verteidiger zu �berw�ltigen, bevor sie �berhaupt wussten, wie ihnen geschah. �Ich will die Seanchaner bluten lassen, sie so hart und schnell und oft bluten lassen, dass sie auf unsere Aktionen reagieren, statt ihre eigenen Pl�ne zu machen.� Sobald die Worte aus seinem Mund waren, w�nschte er, er h�tte das anders ausgedr�ckt.</p><p>Tuon beugte sich zu Selucia her�ber, und die hochgewachsene Frau senkte ihr mit einem Kopftuch verh�lltes Haupt, um ein Fl�stern austauschen zu k�nnen. Es war zu dunkel f�r ihre verfluchte Fingersprache, aber er konnte kein Wort von dem verstehen, was sie sagten. Er konnte es sich vorstellen. Sie hatte versprochen, ihn nicht zu verraten, und damit war auch gemeint gewesen, nicht zu versuchen, seine Pl�ne zu verraten, aber sie musste sich w�nschen, von diesem Versprechen entbunden zu werden. Er h�tte sie bei Reimon oder einem der anderen lassen sollen. Das w�re sicherer gewesen, als sie mitzunehmen. Das w�re auch machbar gewesen, er h�tte sie blo� fesseln m�ssen, sie und Selucia. Und vermutlich auch Setalle. Die verdammte Frau schlug sich jedes Mal auf Tuons Seite.</p><p>Mandevwins Brauner stampfte mit dem Huf auf, und er t�tschelte den Hals des Tieres mit seiner in einem Panzerhandschuh steckenden Hand. �Ihr k�nnt nicht abstreiten, dass es so etwas wie Schlachtengl�ck gibt, wenn man eine Schw�che in den gegnerischen Reihen findet, mit der man nie gerechnet hat, wenn man den Gegner gegen einen Angriff aus dem Norden aufgestellt findet, man aber aus dem S�den kommt. Das Schlachtengl�ck reitet auf Eurer Schulter, mein Lord. Ich habe es erlebt.�</p><p>Mat grunzte und r�ckte gereizt den Hut zurecht.</p><p>�Eine gr�ne Nachtblume�, rief ein Mann aus der H�he.</p><p>�Zwei! Beide gr�n!� Ein Schaben verriet ihm, dass jemand schnell nach unten kletterte.</p><p>Mat stie� einen kleinen Seufzer der Erleichterung aus. Der <emphasis>Raken</emphasis> war weg und in s�dlicher Richtung unterwegs. Er hatte sich darauf verlassen � die n�chste gro�e Abteilung Soldaten, die treu zu den Seanchanern standen, befand sich im Westen � und sogar gemogelt, indem er so weit nach Westen geritten war, wie er es wagte. Nur weil man davon �berzeugt war, dass der Gegner auf eine gewisse Weise reagierte, bedeutete das nicht, dass er es auch tat. Reimon w�rde jede Minute das Nachschublager �berrennen und die Verteidiger mit zehnfacher �bermacht erdr�cken und dringend ben�tigten Proviant sicherstellen.</p><p>�Geht, Vanin�, sagte er, und der Dicke trieb seinen Falben an und ritt im Galopp in die Nacht hinein. Er konnte nicht schneller als der <emphasis>Raken</emphasis> sein, aber solange er die Botschaft rechtzeitig �berbrachte� �Es ist Zeit, Mandevwin.�</p><p>Ein schlanker Bursche sprang das letzte St�ck von einem niedrigen Ast herunter und hielt sorgf�ltig ein Fernglas fest, das er zu dem Cairhiener hochhielt.</p><p>�Aufsitzen, Londraed�, sagte Mandevwin und stopfte das Fernglas in den an seinem Sattel festgebundenen Lederzylinder. �Connl, die M�nner in Viererreihen antreten lassen.�</p><p>Ein kurzer Ritt brachte sie zu einer schmalen Stra�e, die sich durch niedrige H�gel schl�ngelte und die Mat zuvor gemieden hatte. In dieser Gegend gab es nur wenige Bauernh�fe und noch weniger D�rfer, aber er wollte nicht, dass sich Ger�chte �ber gro�e Gruppen bewaffneter M�nner verbreiteten. Jedenfalls nicht, bevor er wollte, dass sie sich verbreiteten. Jetzt brauchte er Schnelligkeit, und heute Nacht konnten ihn die Ger�chte nicht mehr �berholen. Die meisten der Bauernh�user, an denen sie vorbeikamen, waren dunkle Umrisse im Mondlicht, wo Kerzen und Lampen bereits gel�scht waren. Das Dr�hnen der Hufe und das �chzen des Sattelleders waren abgesehen vom gelegentlichen Ruf eines Nachtvogels oder einer Eule die einzigen Laute, aber ungef�hr zweitausend Pferde machten schon einen gewissen L�rm. Sie kamen durch ein kleines Dorf, in dem blo� in einer Hand voll strohgedeckter H�user und einer winzigen Schenke Licht brannte, aber Leute steckten die K�pfe aus T�ren und Fenstern und starrten in die Nacht. Zweifellos glaubten sie Soldaten zu sehen, die loyal zu den Seanchanern standen. In Altara schien es nicht mehr viele andere zu geben. Jemand jubelte, aber niemand stimmte ein.</p><p>Mat ritt an Mandevwins Seite, und Tuon und die anderen Frauen dahinter, und gelegentlich warf er einen Blick �ber die Schulter. Nicht um sicherzugehen, dass sie noch da war. So seltsam das auch war, er hatte nicht den geringsten Zweifel, dass sie ihr Wort halten und nicht fliehen w�rde, nicht einmal jetzt. Und auch nicht, um sich zu vergewissern, dass sie mitkam. Die Rasierklinge lief m�helos, und sie war eine gute Reiterin. Pips h�tte Akein nicht �berholen k�nnen. Nein, er sah sie einfach nur gern an, selbst im Mondlicht. In der Nacht zuvor hatte er versucht, sie noch einmal zu k�ssen, und sie hatte ihn so hart in die Seite geschlagen, dass er zuerst glaubte, sie h�tte ihm eine Rippe gebrochen. Aber an diesem Abend hatte sie ihn kurz vor ihrem Aufbruch erneut gek�sst. Nur einmal, und als er versucht hatte, einen zweiten Kuss zu bekommen, hatte sie ihm blo� befohlen, nicht gierig zu sein. Die Frau schmolz in seinen Armen dahin, wenn er sie k�sste, und verwandelte sich in dem Augenblick zur�ck in Eis, in dem sie zur�cktrat. Was sollte er nur von ihr halten? Eine gro�e Eule flog �ber ihnen hinweg, ihre Schwingen schlugen lautlos. W�rde sie darin ein Omen sehen? Vermutlich.</p><p>Er h�tte nicht so viel Zeit damit verbringen sollen, �ber sie nachzudenken, nicht heute Nacht. In Wahrheit verlie� er sich bis zu einem gewissen Ausma� auf sein Gl�ck. Bei den dreitausend Lanzenreitern, die Vanin aufgesp�rt hatte, gr��tenteils Altaraner und ein paar Seanchaner, mochte es sich um jene handeln, die Meister Roidelle auf seiner Karte markiert hatte, oder auch nicht, obwohl sie nicht weit von der Stelle entfernt waren, die er markiert hatte, aber man konnte unm�glich mit Sicherheit sagen, in welche Richtung sie seitdem marschiert waren. Mit an Sicherheit grenzender Wahrs cheinlichkeit nach Nordosten, auf den Malvidedurchgang und die dahinter liegende Molvainekluft zu. Es hatte den Anschein, als h�tten die Seanchaner die Lugardstra�e nicht f�r Truppenbewegungen benutzt � einmal abgesehen von ihrem letzten St�ck �, zweifellos, um ihre Zahl und Ziele auf den Landstra�en zu verbergen. Aber mit ziemlicher Sicherheit bedeutete nicht mit absoluter Sicherheit. Wenn sie nicht zu weit marschiert waren, war das die Stra�e, die sie benutzen w�rden, um das Nachschublager zu erreichen. Wenn. Aber falls sie weiter marschiert waren, als er erwartet hatte, benutzten sie m�glicherweise eine andere Stra�e. Darin lag keine Gefahr; es w�re blo� eine verschwendete Nacht gewesen. Aber ihr Befehlshaber konnte sich m�glicherweise auch entscheiden, den direkten Weg durch die H�gel zu nehmen. Das konnte dann h�sslich werden, falls er an der falschen Stelle auf diese Stra�e abbog.</p><p>Etwa vier Meilen hinter dem Dorf kamen sie zu einer Stelle, an der die Stra�e von zwei sanft ansteigenden H�geln ges�umt wurde, und er lie� anhalten. Meister Roidelles Karten waren gut, aber die, die er von anderen M�nnern hatte, waren auch das Werk von Meistern. Roidelle kaufte nur die besten. Mat erkannte die Stelle wieder, als h�tte er sie schon zuvor gesehen.</p><p>Mandevwin riss das Pferd herum. �Admar, Eyndel, bringt eure M�nner auf den Nordh�gel. Madwin, Dongal, der S�dh�gel. Jeder vierte Mann h�lt die Pferde.�</p><p>�Bindet ihnen die Vorderbeine zusammen�, sagte Mat, �und st�lpt ihnen die Futters�cke �ber, damit sie nicht wiehern.� Sie traten Lanzenreitern gegen�ber. Wenn alles schiefging und sie die Flucht ergreifen sollten, w�rden diese Lanzenreiter sie niederreiten, als w�rden sie Wildschweine jagen. Eine Armbrust taugte nichts auf einem Pferder�cken, vor allem nicht, wenn man wegkommen wollte. Sie mussten hier an dieser Stelle siegen.</p><p>Der Cairhiener starrte ihn an, die Gesichtsstangen seines Helmes verbargen jeden Ausdruck, aber er z�gerte nicht.</p><p>�Bindet ihnen die Vorderbeine zusammen und nehmt die Futters�cke�, befahl er. �Jeder Mann in die Reihe.�</p><p>�Kommandiert ein paar dazu ab, den Norden und S�den im Auge zu behalten�, sagte Mat zu ihm. �Schlachtengl�ck kann sich genauso schnell gegen einen wenden.� Mandevwin nickte und gab die Befehle.</p><p>Die Armbrustm�nner teilten sich in zwei Gruppen und ritten die sp�rlich bewaldeten H�gel hinauf; ihre dunklen M�ntel und die in mattem Gr�n bemalten R�stungen verschmolzen mit den Schatten. Gl�nzende R�stungen waren ja ganz nett f�r Paraden, aber sie konnten genauso gut das Mondlicht wie den Sonnenschein reflektieren. Talmanes zufolge hatte die Schwierigkeit darin bestanden, die Lanzenreiter davon zu �berzeugen, ihre funkelnden Harnische aufzugeben, und die Adligen ihre vergoldeten. Die Fu�soldaten hatten es sofort eingesehen. Eine Zeit lang raschelte es, als M�nner und Pferde sich einen Weg durch Unterholz und B�sche bahnten, aber schlie�lich kehrte Stille ein. Von der Stra�e aus h�tte Mat nicht sagen k�nnen, ob sich jemand auf den H�geln aufhielt oder nicht. Jetzt brauchte er nur noch zu warten.</p><p>Tuon und Selucia leisteten ihm Gesellschaft, genau wie Teslyn. Aus dem Westen kam pl�tzlich ein b�iger Wind auf, der an den Umh�ngen zerrte, aber nat�rlich konnten Aes Sedai solche Dinge ignorieren. Allerdings hielt Teslyn ihren geschlossen. Selucia �berlie� seltsamerweise ihren Umhang der Laune des Windes, aber Tuon hielt ihren mit einer Hand fest geschlossen.</p><p>�M�glicherweise ist es zwischen den B�umen bequemer f�r Euch�, sagte er zu ihr. �Sie werden den Wind abhalten.�</p><p>Einen Augenblick lang sch�ttelte sie sich vor lautlosem Lachen. �Ich genie�e es zuzusehen, wie Ihr gem�tlich auf Eurem hohen H�gel sitzt.�</p><p>Mat blinzelte. H�gel? Er sa� mitten auf der verdammten Stra�e auf Pips, w�hrend eiskalte B�en an seinem Mantel zerrten, als w�rde der Winter zur�ckkehren. Wovon redete sie da, welcher H�gel?</p><p>�Habt Geduld mit Joline�, sagte Teslyn unvermittelt. �Sie ist in manchen Dingen� kindisch, und Ihr fasziniert sie, so wie ein Kind von einem funkelnden neuen Spielzeug fasziniert ist. Sie wird mit Euch den Bund eingehen, sobald sie sich entscheiden kann, wie sie Euch davon �berzeugen kann, darin einzuwilligen. Vielleicht sogar, wenn Euch gar nicht klar wird, dass Ihr eingewilligt habt.�</p><p>Er �ffnete den Mund, um ihr zu sagen, dass es da verflucht noch mal nicht die geringste Chance geben w�rde, aber Tuon kam ihm zuvor.</p><p>�Sie kann ihn nicht haben�, sagte sie scharf. Sie holte tief Luft und fuhr dann in am�siertem Tonfall fort. �Spielzeug geh�rt mir. Bis ich keine Lust mehr habe, mit ihm zu spielen. Aber selbst dann w�rde ich ihn keiner <emphasis>Marath'damane</emphasis> geben. Hast du verstanden, Tessi? Sag es Rosi. Das ist der Name, den ich ihr geben werde. Das kannst du ihr auch sagen.�</p><p>Der schneidende Wind hatte Teslyn anscheinend nichts ausgemacht, aber ihren Damane-Namen zu h�ren lie� sie zittern. Die Aes-Sedai-Gelassenheit verschwand, als Wut ihr Gesicht verzerrte. �Was ich verstanden habe��</p><p>�Schluss damit!�, mischte sich Mat ein. �Ihr beide. Ich habe keine Lust, mir anh�ren zu m�ssen, wie ihr euch zankt.� Teslyn starrte ihn an, ihre Entr�stung war selbst im Mondlicht deutlich zu erkennen.</p><p>�Aber Spielzeug�, sagte Tuon fr�hlich. �Ihr seid ja wieder herrisch.� Sie beugte sich zu Selucia her�ber und fl�sterte etwas, das die vollbusige Frau laut losprusten lie�.</p><p>Er zog den Umhang enger, st�tzte sich auf den hohen Sattelknauf und suchte die Nacht nach Vanin ab. Frauen! Er w�rde auf sein ganzes Gl�ck verzichten � na gut, das halbe �, h�tte er daf�r Frauen verstanden.</p><p>�Was glaubt Ihr eigentlich mit �berf�llen erreichen zu k�nnen?�, fragte Teslyn, und das nicht zum ersten Mal.</p><p>�Die Seanchaner werden blo� genug Soldaten entsenden, um Euch zu jagen und zur Strecke zu bringen.� Sie und Joline hatten versucht, sich in seine Planung einzumischen, genau wie in geringerem Ma�e auch Edesina, bis er sie weggejagt hatte. Aes Sedai glaubten alles zu wissen, und auch wenn zumindest Joline etwas �ber Kriegf�hrung Bescheid wusste, hatte er doch keine Ratschl�ge gebraucht. Ratschl�ge von Aes Sedai klangen immer verd�chtig danach, dass man gesagt bekam, was man zu tun hatte. Diesmal entschied er sich dazu, ihr eine Antwort zu geben.</p><p>�Ich z�hle darauf, dass sie mehr Soldaten schicken, Teslyn�, sagte er und hielt noch immer nach Vanin Ausschau.</p><p>�Tats�chlich sogar das ganze Heer, das sie in der Molvainekluft haben. Jedenfalls genug davon. Sie werden aller Wahrscheinlichkeit nach eher das entsenden als ein anderes. Alles, was Thom und Juilin aufgeschnappt haben, deutet darauf hin, dass ihr gro�er Vorsto� auf Illian gerichtet ist. Ich glaube, das Heer in der Kluft soll ein Schutz gegen alles sein, das aus Murandy oder Andor gegen sie ziehen k�nnte. Aber sie sind auch f�r uns der Korken in der Flasche. Ich will diesen Korken herausziehen, damit wir durchk�nnen.�</p><p>Nach mehreren Minuten Stille schaute er �ber die Schulter. Die drei Frauen sa�en blo� auf ihren Pferden und betrachteten ihn. Er w�nschte sich, genug Licht gehabt zu haben, um ihre Mienen sehen zu k�nnen. Warum starrten sie ihn verflucht noch mal so an? Er konzentrierte sich wieder auf die Suche nach Vanin, und doch schien er ihre Blicke im R�cken sp�ren zu k�nnen.</p><p>Dem Vorr�cken der fetten Mondsichel nach zu urteilen vergingen ungef�hr zwei Stunden, in denen der Wind langsam an St�rke zunahm. Es reichte, um aus der k�hlen Nacht eine kalte zu machen. In regelm��igen Abst�nden versuchte er die Frauen dazu zu bringen, zwischen den B�umen Schutz zu suchen, aber sie weigerten sich beharrlich. Er musste bleiben, um Vanin abzupassen, ohne zu rufen � die Lanzenreiter w�rden dicht hinter dem Mann sein; vielleicht sogar sehr nah, wenn ihr Befehlshaber ein Narr war-, aber sie mussten das nicht. Er hatte die Vermutung, dass sich Teslyn weigerte, weil Tuon und Selucia es taten. Das machte zwar keinen Sinn, aber so war das nun einmal. Und warum sich Tuon weigerte, nun, das h�tte er nicht sagen k�nnen, es sei denn, weil sie gern zuh�rte, wie er sich heiser redete.</p><p>Schlie�lich trug der Wind die Laute eines galoppierenden Pferdes heran, und er richtete sich in seinem Sattel auf. Vanins Falbe kam aus der Nacht heraus, und wie immer bot der dicke Mann im Sattel einen seltsamen Anblick.</p><p>Vanin z�gelte das Pferd und spuckte durch eine L�cke in den Z�hnen. �Sie sind ungef�hr eine Meile hinter mir, aber es sind etwa tausend mehr als heute Morgen. Wer auch da den Befehl hat, er kennt sich aus. Sie r�cken mit aller Eile vor, ohne die Pferde zuschanden zu reiten.�</p><p>�Wenn Ihr zwei zu eins in der Minderzahl seid�, sagte Teslyn, �dann �berlegt Ihr es Euch vielleicht noch��</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, eine Feldschlacht gegen sie zu f�hren�, unterbrach Mat sie. �Und ich kann es mir nicht leisten, viertausend Lanzenreiter unbehelligt zu lassen, damit sie mir sp�ter �rger machen. Lasst uns zu Mandevwin gehen.�</p><p>Die knienden Armbrustm�nner auf dem Abhang des Nordh�gels machten keinen Laut, als er mit den Frauen und Vanin durch ihre Reihe ritt; sie r�ckten blo� zur Seite, um sie durchzulassen. Er h�tte mindestens zwei Reihen bevorzugt, aber er musste eine lange Front abdecken. Die wenigen B�ume schirmten den Wind nicht besonders erfolgreich ab, und die meisten M�nner hatten sich in ihre Umh�nge gekauert. Dennoch war jede Armbrust, die er sehen konnte, gespannt und ein Bolzen eingelegt. Mandevwin hatte Vanin eintreffen gesehen und gewusst, was das zu bedeuten hatte.</p><p>Der Cairhiener schritt direkt hinter der Reihe auf und ab, bis Mat sich von Pips schwang. Mandevwin h�rte mit Erleichterung, dass er auf der R�ckseite keine Wache mehr aufstellen musste. Er nickte blo� nachdenklich, als er h�rte, dass es tausend mehr Lanzenreiter gab als erwartet, und schickte einen Mann los, der die Wachtposten vom H�gelkamm holte, damit sie ihre Pl�tze in der Reihe einnehmen konnten. Wenn sich Mat Cauthon schon nichts deswegen anmerken lie�, dann w�rde er das auch nicht. Mat hatte das vergessen. Die Bande vertraute ihm bedingungslos. Einst h�tte ihn das beinahe die Flucht ergreifen lassen. In dieser Nacht war er froh dar�ber.</p><p>Eine Eule rief zweimal, irgendwo hinter ihm, und Tuon seufzte.</p><p>�Ist das ein Omen?�, fragte er, blo� um etwas zu sagen.</p><p>�Ich bin froh, dass Ihr endlich daf�r Interesse zeigt, Spielzeug. Vielleicht werde ich Euch ja doch noch etwas beibringen k�nnen.� Ihre Augen schimmerten im Mondlicht. �Eine Eule, die zweimal ruft, bedeutet, dass bald jemand stirbt.� Nun, das beendete die Unterhaltung abrupt.</p><p>Kurz darauf erschienen die Seanchaner, in Viererreihe f�hrten sie die Pferde im Laufschritt an den Z�geln, die Lanzen in der Hand. Vanin hatte Recht gehabt, ihr Anf�hrer verstand etwas von seiner Arbeit. Wenn man Pferde galoppieren lie� und sie dann ein St�ck f�hrte, konnten sie schnell gro�e Distanzen zur�cklegen. Narren versuchten, sie gro�e Distanzen galoppieren zu lassen, und hatten am Ende tote oder verkr�ppelte Pferde. Nur ungef�hr die ersten vierzig trugen die Segmentr�stungen und seltsamen Helme der Seanchaner. Eine Schande. Mat hatte keine Ahnung, wie die Seanchaner Verluste ihrer altaranischen Verb�ndeten aufnehmen w�rden. Verluste bei den eigenen M�nnern w�rde allerdings Aufmerksamkeit erringen.</p><p>Als die Mitte der Kolonne direkt vor ihm war, br�llte eine tiefe Stimme auf der Stra�e pl�tzlich: �Banner! Halt!� Die beiden Worte hatten den vertrauten Akzent der Seanchaner. Die M�nner in den Segmentr�stungen hielten zackig an. Die anderen waren da etwas weniger diszipliniert.</p><p>Mat holte tief Luft. Nun, das konnte nur das Werk von <emphasis>ta'veren</emphasis> sein. Sie h�tten kaum besser Aufstellung nehmen k�nnen, h�tte er den Befehl selbst gegeben. Er legte Teslyn eine Hand auf die Schulter. Sie zuckte leicht zusammen, aber er musste ihre Aufmerksamkeit lautlos erlangen.</p><p>�Banner!�, rief die tiefe Stimme. �Aufsitzen!�</p><p>�Jetzt�, sagte Mat leise.</p><p>Der Fuchskopf auf seiner Brust wurde kalt, und pl�tzlich schwebte eine rote Lichtkugel hoch �ber der Stra�e und tauchte die Soldaten in ein unirdisches Licht. Ihnen blieben nur wenige Herzschl�ge, um zu starren. Ein St�ck weit unter Mat schwirrten tausend Armbrustsehnen, und es klang wie ein einziges lautes Schnappen. Tausend Bolzen sch�ssen in die Formation, durchschlugen Harnische auf diese kurze Distanz, rissen M�nner von ihren Beinen, lie�en Pferde sich wiehernd aufb�umen, w�hrend tausend weitere von der anderen Seite trafen. Nicht jeder Schuss traf richtig, aber das spielte bei einer schweren Armbrust kaum eine Rolle. M�nner st�rzten mit zerschmetterten Beinen, mit zur H�lfte abgerissenen Beinen. M�nner umklammerten Armst�mpfe und versuchten, das herausschie�ende Blut zu stoppen. M�nner schrien so laut wie die Pferde.</p><p>Mat sah zu, wie ein Armbrustmann in seiner N�he sich b�ckte, um die Doppelkralle der klobigen, kasten�hnlichen Winde, die vorn an seinem G�rtel hing, an der Armbrustsehne zu befestigen. Als sich der Mann aufrichtete, spulte sich das Kabel aus der Winde; sobald er aufrecht stand, steckte er die Winde auf den Kolben der Armbrust, legte einen kleinen Hebel an der Seite des Kastens um und fing an, die Handgriffe zu drehen. Drei schnelle Drehungen mit einem schwirrenden Laut, und die Sehne schnappte ein.</p><p>�In die B�ume!�, rief die tiefe Stimme. �Schnappt sie euch, bevor sie nachladen k�nnen! Bewegt euch!�</p><p>Einige versuchten aufzusteigen, um reitend anzugreifen, andere lie�en Z�gel und Lanzen fallen, um Schwerter zu ziehen. Keiner schaffte es bis zu den B�umen. Zweitausend weitere Bolzen regneten auf sie herab, schnitten M�nner nieder, durchschlugen M�nner, um hinter ihnen stehende M�nner zu t�ten oder Pferde umst�rzen zu lassen. Auf den H�gelseiten bearbeiteten M�nner wie wild ihre Winden, aber das war unn�tig. Auf der Stra�e trat hier und da noch ein Pferd mit erlahmender Kraft um sich. Die einzigen M�nner, die sich noch bewegten, versuchten hektisch alles anzulegen, was sich als Aderpresse benutzen lie�, um nicht zu verbluten. Der Wind trug die Laute galoppierender Pferde heran. Einige mochten sogar Reiter haben. Die tiefe Stimme war verstummt.</p><p>�Mandevwin�, rief Mat, �wir sind hier fertig. Lasst die M�nner aufsitzen. Wir haben noch an anderen Orten zu tun.�</p><p>�Ihr m�sst bleiben und Hilfe anbieten�, sagte Teslyn energisch. �Das verlangen die Regeln des Krieges.�</p><p>�Das ist eine neue Art von Krieg�, sagte er grob zu ihr. Beim Licht, auf der Stra�e ert�nte kein Laut, aber er konnte noch immer die Schreie h�ren. �Sie werden auf ihre eigenen Leute warten m�ssen, wenn sie Hilfe wollen.�</p><p>Tuon murmelte etwas. Er glaubte �Ein L�we kann kein Mitleid haben� zu verstehen, aber das konnte nicht sein.</p><p>Er sammelte die M�nner und f�hrte sie die Nordseite des H�gels hinunter. Es bestand keine Notwendigkeit, die Uberlebenden ihre Zahl sehen zu lassen. In ein paar Stunden w�rden sie sich wieder mit den M�nnern von dem anderen H�gel vereinen, und noch ein paar Stunden sp�ter mit Carlomin. Vor Sonnenaufgang w�rden sie die Seanchaner erneut treffen. Er w�rde daf�r sorgen, dass sie <emphasis>rannten,</emphasis> damit sie f�r ihn diesen verdammten Korken herauszogen.</p></section><section><title><p>28</p><p>In Malden</p></title><p>Kurz vor Tagesanbruch befestigte Faile zum ersten mal den breiten G�rtel aus goldenen Ringen um ihre Taille. Da betrat Dairaine das kleine, bereits �berf�llte Spitzzelt, in dem sie alle schliefen. Drau�en w�rde sich der Himmel langsam warzen Haar, das ihr in Locken bis zur Taille reichte, g�hnte und runzelte gleichzeitig die Stirn. Sie hatte die erste Stellung direkt unter dem Hohen Herrn ihres Hauses in Cairhien eingenommen, aber sie war mitten in der Nacht geweckt worden, weil Sevanna nicht schlafen konnte und vorgelesen haben wollte. Sevanna h�rte gern Dairaines Stimme, vermutlich genauso gern wie ihre Geschichten �ber die angeblichen Untaten der anderen <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Die Cairhienerin geh�rte nie zu denen, die Sevanna ver�rgert hatten. Ihre H�nde griffen nach dem goldenen Kragen, z�gerten aber, als ihr bewusst wurde, dass Faile, Alliandre und Maighdin bereits angezogen und auf den Beinen waren.</p><p>�Ich habe vergessen, das Buch zur�ck an seinen richtigen Platz zu legen�, sagte sie mit ihrer melodischen Stimme und wandte sich zu der Zeltplane um. �Sevanna wird mich schlagen lassen, wenn sie beim Aufwachen sieht, dass es nicht dort ist.�</p><p>�Sie l�gt�, knurrte Maighdin, und Dairaine schoss nach drau�en.</p><p>Das reichte, um Faile zu �berzeugen. Sie griff nach der Kapuze der Frau und riss sie zur�ck ins Zelt. Dairaine �ffnete den Mund, um zu schreien, aber Alliandre hielt ihn ihr zu, und zu dritt rangen sie die Frau auf die mit Wolldecken �bers�te Bodenplane. Dazu waren alle drei n�tig. Dairaine war klein, aber sie wand sich wie eine Schlange, versuchte zu kratzen und zu bei�en. W�hrend die anderen beiden die Frau am Boden hielten, holte Faile das zweite Messer hervor, das sie sich hatte besorgen k�nnen, einen brauchbaren Dolch mit einem geriffelten Stahlgriff und einer mehr als handlangen Klinge, und fing an, von einer der Decken Streifen abzuschneiden.</p><p>�Wie habt Ihr das gewusst?�, fragte Alliandre und k�mpfte weiter darum, einen von Dairaines Armen festzuhalten, w�hrend sie gleichzeitig ihren Mund zuhielt, ohne dabei gebissen zu werden. Maighdin hatte sich um die Beine der Frau gek�mmert, indem sie sich daraufgesetzt hatte, und hielt ihren anderen Arm bis zu den Schulterbl�ttern hochgedreht. Dairaine konnte sich trotzdem noch immer winden, auch wenn es sinnlos war.</p><p>�Sie hat die Stirn gerunzelt, aber als sie sprach, wurde ihr Gesicht ganz glatt. Ich konnte es zuf�llig sehen. H�tte sie sich wirklich Sorgen wegen Pr�gel gemacht, h�tte sie st�rker mit der Stirn gerunzelt und nicht damit aufgeh�rt.� Die blonde Frau war keine besonders gute Zofe, aber zumindest eine aufmerksame.</p><p>�Aber was hat sie Verdacht sch�pfen lassen?�</p><p>Maighdin zuckte mit den Schultern. �Vielleicht hat eine von uns �berrascht oder schuldig ausgesehen. Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie sie das ohne Licht sehen konnte.�</p><p>Kurze Zeit sp�ter hatten sie Dairaine ordentlich vers chn�rt, Kn�chel und Handgelenke hinter dem R�cken zusammengebunden. Auf diese Weise w�rde sie nicht kriechen k�nnen. Ein zusammengekn�lltes St�ck Stoff von ihrem Unterhemd, das von einem weiteren St�ck Wolldecke an Ort und Stelle gehalten wurde, diente als Knebel, mit dem sie nur ein paar Grunzlaute aussto�en konnte. Sie verdrehte den Kopf, um b�se zu ihnen hochzustarren. Faile konnte ihr Gesicht nicht gut sehen, aber ihr Gesichtsausdruck konnte nur b�se oder flehend sein, und Dairaine flehte nur bei den Shaido. Sie nutzte ihre Position als eine von Sevannas <emphasis>Gai'schain</emphasis> aus, um andere <emphasis>Gai'schain</emphasis> einzusch�chtern, und mit ihren Geschichten sch�chterte sie ihresgleichen ein. Das Problem war nur, sie konnten sie nicht hier lassen. Jeden Augenblick konnte jemand kommen, um eine von ihnen zum Dienst bei Sevanna zu rufen.</p><p>�Wir k�nnen sie t�ten und die Leiche verstecken�, schlug Alliandre vor und strich sich das lange Haar zurecht. Der Kampf hatte es durcheinander gebracht.</p><p>�Wo?�, fragte Maighdin und k�mmte sich ihr sonnengoldenes Haar mit den Fingern. Sie klang nicht im mindesten wie eine Dienerin, die mit einer K�nigin sprach. Gefangene waren in ihrer Gefangenschaft alle gleich, oder sie machten es ihren W�rtern einfacher. Es hatte Zeit gebraucht, bis Alliandre das begriffen hatte. �Es muss eine Stelle sein, an der man sie mindestens einen Tag lang nicht findet. Sevanna k�nnte Galina M�nner hinterherschicken, um uns zur�ckzuholen, wenn man uns verd�chtigt, eines ihrer <emphasis>Besitzt�mer</emphasis> get�tet zu haben.� Sie belegte das Wort mit der ganzen Verachtung, zu der sie f�hig war. �Und ich vertraue Galina nicht so weit, dass sie sie daran hindern w�rde, uns zur�ckzubringen.� Dairaine fing erneut an, gegen ihre Fesseln zu k�mpfen, und grunzte noch lauter als zuvor. Vielleicht hatte sie sich doch zum Betteln entschlossen.</p><p>�Wir werden sie nicht t�ten�, sagte Faile. Sie war weder zimperlich noch gn�dig. Aber es gab einfach keinen Ort, von dem man mit Sicherheit ausgehen konnte, dass dort eine Leiche lange genug verborgen bleiben w�rde, jedenfalls keinen, den sie ohne gesehen zu werden erreichen konnten. �Ich f�rchte, unsere Pl�ne haben sich etwas ge�ndert. Wartet hier.�</p><p>Sie duckte sich hinaus, wo der Himmel langsam heller wurde, und fand heraus, was Dairaines Misstrauen erregt hatte. Bain und Chiad waren wie erwartet in ihren wei�en Gew�ndern da, um sie bis zum Treffpunkt zu eskortieren.</p><p>Rolan und seine Freunde waren vermutlich noch nicht mit dem Fr�hst�ck fertig � sie hoffte es aus ganzem Herzen; m�glicherweise taten sie etwas Dummes und ruinierten alles � und Bain und Chiad hatten sich freiwillig gemeldet, M�nner abzulenken, die sich m�glicherweise an sie heranmachen w�rden. Faile hatte sich nicht zu der Frage �berwinden k�nnen, wie sie das machen wollten. Manche Opfer verdienten einen Schleier des Stillschweigens. Und Dankbarkeit aus tiefstem Herzen. Zwei <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit Weidenk�rben h�tten nicht gereicht, um die Cairhienerin Verdacht sch�pfen zu lassen, aber drei�ig oder vierzig <emphasis>Gai'schain</emphasis> schon, die sich auf dem schmalen lehmigen Weg zwischen den Zelten dr�ngten. Aravines derbes Gesicht schaute aus der wei�en Kapuze, genau wie Lusaras sch�nes. Alvon war mit seinem Sohn Theril da, und Dormin, ein st�mmiger cairhienischer Schuster, und Corvila, ein schlanker Weber aus Altara, und� Sie repr�sentierten nicht einmal ein Zehntel der Leute, die ihr die Treue geschworen hatten, aber eine so gro�e Versammlung von <emphasis>Gai'schain</emphasis> h�tte einen Stein misstrauisch werden lassen. Jedenfalls wenn man hinzuz�hlte, dass sie drei schon angezogen gewesen waren. Vermutlich hatte Dairaine mitbekommen, wer Sevanna heute Morgen dienen musste. Wie hatten sie alle erfahren, dass sie heute ging? Es war zu sp�t, sich dar�ber noch Sorgen zu machen. H�tten die Shaido Bescheid gewusst, h�tte man sie alle schon l�ngst aus den Zelten gezerrt.</p><p>�Was macht ihr hier?�, wollte sie wissen.</p><p>�Wir wollten Euch gehen sehen, meine Lady�, sagte Theril mit seinem groben, fast unverst�ndlichen Akzent. �Wir sind sehr vorsichtig gewesen, nur allein oder zu zweit gegangen.� Lusara nickte fr�hlich, und sie war nicht die Einzige.</p><p>�Nun, wir k�nnen uns jetzt verabschieden�, sagte Faile fest. Unn�tig, ihnen zu sagen, dass sie um ein Haar die Flucht zunichte gemacht hatten. �Bis ich f�r euch zur�ckkomme.� Wenn ihr Vater ihr kein Heer zur Verf�gung stellte, dann eben Perrin. Seine Freundschaft mit Rand al'Thor w�rde daf�r sorgen. Beim Licht, wo blieb er blo�? Nein! Sie musste froh sein, dass er sie noch nicht gefunden hatte, dass er sich nicht bei dem Versuch, sich in das Lager zu schleichen und sie zu befreien, umgebracht hatte. Sie musste froh sein und nicht daran denken, was ihn m�glicherweise aufhielt. �Und jetzt geht, bevor euch jemand hier sieht und losl�uft, um Geschichten zu erz�hlen. Und zu niemandem auch nur ein Wort!� Ihre Gefolgsleute waren sicher, sonst h�tte man sie schon l�ngst in Ketten gelegt, aber es gab unter den <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu viele wie Dairaine, und nicht nur unter den schon in Gefangenschaft befindlichen Cairhienern. Manche Leute leckten immer Handgelenke, wo auch immer sie waren.</p><p>Sie verneigten sich oder machten einen Knicks und f�hrten die Kn�chel zur Stirn, als k�nnte niemand den Kopf aus dem Zelt stecken und das sehen, und verteilten sich mit gekr�nkten Mienen in alle Richtungen. Sie hatten allen Ernstes erwartet, ihrem Aufbruch zusehen zu k�nnen! Also sie hatte jetzt wirklich keine Zeit, sich �ber so etwas aufzuregen. Sie eilte zu Bain und Chiad und erkl�rte schnell die Situation im Zelt.</p><p>Als sie geendet hatte, wechselten die beiden Blicke und stellten die K�rbe ab, um die H�nde frei f�r die Zeichensprache der T�chter zu haben. Faile vermied es, ihnen auf die Finger zu sehen, da sie offensichtlich Privatsph�re wollten. Au�erdem h�tte sie ihnen sowieso nicht folgen k�nnen. Ihre H�nde bewegten sich sehr schnell. Die rothaarige Bain mit ihren dunkelblauen Augen �berragte sie fast um eine halbe Handspanne, die grau�ugige Chiad war nur einen Fingerbreit gr��er. Sie waren eng befreundet, aber die beiden hatten einander als Erstschwestern adoptiert, und das schuf eine Verbindung, die n�her als jede Freundschaft war.</p><p>�Wir k�mmern uns um Dairaine Saighan�, sagte Chiad schlie�lich. �Aber das bedeutet, dass du allein in die Stadt musst.�</p><p>Faile seufzte, aber es war nicht zu �ndern. Vielleicht <emphasis>war</emphasis> Rolan ja bereits wach. Er konnte sie in diesem Augenblick beobachten. Er schien immer aus dem Nichts zu erscheinen, wenn sie ihn brauchte. Sicherlich w�rde er nichts dagegen unternehmen, wenn sie ging, nicht wenn er versprochen hatte, sie mitzunehmen, sollte er aufbrechen. Doch so lange sie das Wei� trug, machte er sich noch Hoffnungen. Er und seine Kussspiele! M�glicherweise wollte er sie ja noch l�nger in ihrem Gai'sc/zairc-Gewand sehen. Wenn M�nner helfen wollten, glaubten sie immer, dass nur ihre Weise die richtige war.</p><p>Bain und Chiad duckten sich in das kleine Spitzzelt, und Alliandre und Maighdin kamen heraus. Dort drinnen war wirklich kein Platz f�r f�nf Personen. Maighdin ging um das Zelt herum und kam mit einem Korb wie dem zur�ck, den die beiden anderen Frauen getragen hatten. Aus jedem von ihnen quollen schmutzige Gai'sc/iain-Gew�nder, was den Eindruck von schmutziger W�sche erweckte, aber darunter befand sich Kleidung, die fast passte, ein Beil, eine Schleuder, Schnur f�r Fallen, Feuerstein und Stahl, Mehl, Fleisch, getrocknete Bohnen, Salz und Hefe, ein paar M�nzen, die sie hatten finden k�nnen, eben alles, was sie f�r den Weg nach Westen zu Perrin brauchen w�rden. Galina w�rde sie aus dem Lager bringen, aber man konnte unm�glich wissen, wohin sie ihre Aes-Sedai-Angelegenheiten f�hren w�rden. Sie mussten von Anfang an unabh�ngig sein. Faile hielt die Aes Sedai durchaus dazu f�hig, sie bei der ersten Gelegenheit im Stich zu lassen.</p><p>Maighdin stand entschlossen �ber ihrem Korb, das Kinn nach vorn geschoben und in den Augen einen sturen Ausdruck, aber Alliandre strahlte �bers ganze Gesicht.</p><p>�Versucht, nicht zu gl�cklich auszusehen�, sagte Faile zu ihr. Feuchtl�nder-Gai'schairc l�chelten nur selten, und niemals so fr�hlich.</p><p>Alliandre versuchte es, aber jedes Mal, wenn sie das L�cheln unterdr�ckt hatte, schlich es sich zur�ck. �Wir fl�chten heute�, sagte sie. �Es f�llt schwer, nicht zu l�cheln.�</p><p>�Ihr werdet schon damit aufh�ren, wenn Euch eine Weise Frau sieht und herausfinden will, warum Ihr gl�cklich seid.�</p><p>�Wir werden kaum eine Weise Frau bei den <emphasis>Gai'schain-</emphasis>Zelten oder in Maiden finden�, sagte die Frau und l�chelte. Entschlossen oder nicht, Maighdin nickte.</p><p>Faile gab es auf. Ehrlich gesagt versp�rte sie selbst trotz Daigian so etwas wie Ubermut. Heute war der Tag der Flucht.</p><p>Bain kam aus dem Zelt, hielt den Eingang f�r Chiad zur�ck, die ein in Decken geh�lltes B�ndel auf dem R�cken trug, das gerade gro� genug war, um eine kleine, gekr�mmte Frau sein zu k�nnen. Chiad war stark, aber sie musste sich etwas nach vorn beugen, um das Gewicht besser zu verteilen.</p><p>�Warum ist sie so still?�, fragte Faile. Sie hegte nicht die Bef�rchtung, dass sie Dairaine get�tet hatten. Sie folgten eisern den Regeln der <emphasis>Gai'schain,</emphasis> und Gewalt war verboten. Aber die Decke h�tte genauso gut voller Holz sein k�nnen, so reglos war sie.</p><p>Bain sprach leise, ein am�siertes Funkeln in den Augen.</p><p>�Ich habe ihr �bers Haar gestreichelt und ihr gesagt, dass es mich sehr aufbringen w�rde, wenn ich ihr wehtun m�sste. Die schlichte Wahrheit, wenn man bedenkt, wie viel <emphasis>toh</emphasis> es mich kosten w�rde, wenn ich sie blo� schlagen w�rde.� Chiad kicherte. �Ich glaube, Dairaine Saighan dachte, wir w�rden ihr drohen. Ich glaube, sie wird sehr still sein, bis wir sie gehen lassen.� Sie sch�ttelte sich vor lautlosem Gel�chter. Aiel-Humor war Faile noch immer so gut wie unverst�ndlich. Aber ihr war klar, dass die beiden daf�r sp�ter streng bestraft werden w�rden. Beihilfe bei einem Fluchtversuch war genauso schlimm wie ein Fluchtversuch selbst.</p><p>�Ich danke euch von ganzem Herzen�, sagte sie, �dir und Chiad, jetzt und f�r alle Zeiten. Ich habe ein gro�es <emphasis>toh.�</emphasis> Sie k�sste Bain auf die Wange, was die Frau nat�rlich so rot werden lie� wie ihr Haar. Aiel waren in der �ffentlichkeit beinahe pr�de zur�ckhaltend. Jedenfalls in gewissen Dingen.</p><p>Bain sah Chiad an, und ein schmales L�cheln trat auf ihre Lippen. �Wenn du Gaul siehst, dann sag ihm, dass Chiad die <emphasis>Gai'schain</emphasis> eines Mannes mit starken H�nden ist, eines Mann es, dessen Herz aus Feuer ist. Er wird es verstehen. Ich muss ihr helfen, unsere Last an einen sicheren Ort zu bringen. M�gest du immer Wasser und Schatten finden, Faile Bashere.� Sie strich leicht mit den Fingerspitzen �ber Failes Wange. �Eines Tages werden wir uns wiedersehen.�</p><p>Sie ging zu Chiad hin�ber und nahm das andere Ende der Decke, und sie eilten fort. Gaul mochte es verstehen, aber Faile konnte es nicht. Jedenfalls nicht das mit dem Herzen aus Feuer, und sie bezweifelte, dass Manderics H�nde Chiad auch nur im mindesten interessierten. Der Mann stank aus dem Mund, und solange er nicht auf die Jagd oder einen Raubzug ging, fing er sofort nach dem Aufwachen an, sich zu betrinken. Aber sie verdr�ngte Gaul und Manderic aus ihren Gedanken und stemmte ihren Korb auf die Schulter. Sie hatten bereits zu viel Zeit verschwendet.</p><p>Der Himmel fing an, nach Tageslicht auszusehen, und <emphasis>Gai'schain</emphasis> bewegten sich zwischen den unterschiedlichen Zelten des Lagers in der N�he von Maldens Mauern, eilten los, um eine Arbeit zu erledigen oder zumindest etwas zu tragen, um den Anschein zu erwecken, sie w�rden arbeiten, aber niemand schenkte drei Frauen in Wei�, die W�schek�rbe in Richtung der Stadttore trugen, auch nur die geringste Aufmerksamkeit. Anscheinend gab es immer W�sche zu erledigen, selbst f�r Sevannas <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Es gab viel zu viele Feuchtl�nder-Gaf'sc/zain, als dass Faile jeden h�tte kennen k�nnen, und sie sah auch kein bekanntes Gesicht, bis sie Arrela und Lacile begegneten, die mit K�rben auf den Schultern von einem Fu� auf den anderen traten. Arrela war gr��er als die meisten Aielfrauen und dunkelh�utig; sie trug das schwarze Haar so kurz wie jede der T�chter und ging wie ein Mann. Lacile war klein und blass und schlank und trug rote Schleifen im Haar, das nicht viel l�nger war. Sie bewegte sich in dem Gewand ausgesprochen anmutig; in Reithosen hatte ihr H�ftschwung sogar skandal�s ausgesehen. Aber ihre erleichterten Seufzer waren beinahe identisch.</p><p>�Wir glaubten schon, etwas w�re passiert�, sagte Arrela.</p><p>�Nichts, mit dem wir nicht fertig geworden w�ren�, erwiderte Faile.</p><p>�Wo sind Bain und Chiad?�, fragte Lacile nerv�s.</p><p>�Sie haben eine andere Aufgabe�, sagte Faile. �Wir gehen allein.�</p><p>Sie tauschten einen Blick aus, und diesmal war ihr Seufzen alles andere als erleichtert. Nat�rlich w�rde sich Rolan nicht einmischen. Nicht bei ihrer Flucht. Nat�rlich nicht.</p><p>Die eisenbeschlagenen Tore von Maiden standen weit offen, bis zu den Granitmauern geschoben, wie seit dem Tag, an dem die Stadt gefallen war. Rost hatte die breiten Eisenbeschl�ge braun verf�rbt, und die Angeln waren so verrostet, dass es vermutlich unm�glich war, die Tore je wieder zu schlie�en. Tauben nisteten jetzt in den grauen Steint�rmen, die sie flankierten.</p><p>Sie waren die Ersten, die eintrafen. Jedenfalls konnte Faile niemanden voraus auf der Stra�e sehen. Als sie durch das Tor schritten, zog sie den Dolch aus der �rmeltasche und hielt die Klinge gegen das Handgelenk gedr�ckt, die Spitze nach oben.</p><p>Die anderen beiden machten �hnliche Bewegungen, wenn auch nicht so energisch. Ohne Bain und Chiad und in der Hoffnung, dass Rolan und seine Freunde anderweitig besch�ftigt waren, mussten sie selbst f�r ihren Schutz sorgen. Maiden war nicht f�r Frauen gef�hrlich � h�chstens f�r <emphasis>Gai'schain-</emphasis>Frauen; Shaido, die ihresgleichen nachstellten, bekamen eine Abfuhr �, nicht so gef�hrlich wie das Shaido-Lager, aber es hatte hier schon �bergriffe auf Frauen gegeben, manchmal von Gruppen von M�nnern. Mochte das Licht daf�r sorgen, dass sie nur von einem oder zweien angesprochen werden w�rden. Einen oder zwei M�nner konnten sie �berraschen und t�ten, bevor ihnen klar wurde, dass diese <emphasis>Gai'schain</emphasis> Z�hne hatten. Sollten es mehr sein, w�rden sie tun, was in ihrer Macht stand, aber ein Aiel-T�pfer oder Weber war so gef�hrlich wie die meisten Waffenm�nner. Trotz ihrer K�rbe gingen sie wie auf Zehenspitzen, mit umherschweifenden Blicken, bereit, in jede Richtung zu springen.</p><p>Dieser Teil der Stadt war nicht niedergebrannt, aber er sah verlassen aus. Zerbrochenes Geschirr knirschte unter ihren weichen wei�en Stiefeln. Noch immer lagen Kleiderfetzen auf dem Pflaster; man hatte sie M�nner und Frauen vom Leib geschnitten, die man zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht hatte. Die traurigen Fetzen hatten zuerst im Schnee und dann �ber einen Monat lang im Regen gelegen, und Faile bezweifelte, dass sie selbst ein Lumpensammler jetzt noch genommen h�tte. Hier und da lag Kinderspielzeug, ein Holzpferd oder eine Puppe, deren Farbe abbl�tterte, fallen gelassen von den ganz Jungen, die hatten fliehen d�rfen, genau wie die ganz Alten und Kranken und Versehrten. Schiefergedeckte Geb�ude aus Holz oder Stein wiesen klaffende L�cher auf, wo T�ren und Fenster gewesen waren. Die Stadt war zusammen mit allem, was die Shaido als n�tzlich betrachtet hatten, von jedem leicht entfernbaren St�ck Holz befreit worden, und allein die Tatsache, dass H�user abzurei�en weniger effizient war, als in den umgebenden W�ldern Feuerholz zu schlagen, hatte die Geb�ude gerettet. Diese �ffnungen erinnerten Faile an die Augenh�hlen von Totensch�deln. Sie war diese Stra�e zahllose Male entlanggegangen, aber an diesem Morgen hatte es den Anschein, als w�rden sie sie beobachten. Sie verschafften ihr eine G�nsehaut.</p><p>Nach dem halben Weg durch die Stadt schaute sie zur�ck zu den Toren, die sich nicht weiter als hundertf�nfzig Schritte hinter ihnen befanden. Im Augenblick war die Stra�e noch immer leer, aber bald w�rden die ersten wei� gekleideten M�nner und Frauen mit ihren Wassereimern auftauchen. Wasserholen war eine Arbeit, die fr�h begann und den ganzen Tag lang dauerte. Sie mussten sich jetzt beeilen. Faile bog in eine schmalere Seitenstra�e ab und schritt schneller aus, auch wenn es schwierig war, den Korb in der Balance zu halten. Die anderen mussten das gleiche Problem haben, aber niemand beschwerte sich. Sie mussten aus der Sicht sein, bevor die <emphasis>Gai'schain</emphasis> kamen. Es gab keinen Grund f�r einen <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die Hauptstra�e zu verlassen, bevor er die Zisterne unterhalb der Festung erreichte. Der Versuch, einen Gefallen zu erbitten, oder auch nur ein achtloses Wort konnte die Shaido in die Stadt holen, die sie jagen w�rden, und es gab nur einen Weg nach drau�en, solange man nicht auf die Mauer stieg und zehn Schritte in die Tiefe sprang und dabei hoffte, sich nicht das Bein zu brechen.</p><p>An einem mittlerweile schildlosen Gasthaus, drei Stockw erke Stein und leere Fenster, schoss Faile in den Gemeinschaftsraum, gefolgt von den anderen. Lacile stellte den Korb ab und dr�ckte sich gegen den T�rrahmen, um die Stra�e zu beobachten. Der Raum mit der hohen Holzdecke war bis auf die staubigen Bodendielen leer, und bei den Steinkaminen fehlten die Feuerb�cke und die Feuerger�tschaften. Eine Treppe im hinteren Teil des Raums hatte man ihres Gel�nders beraubt, und auch die T�r zur K�che war fort. Die K�che war genauso leer. Faile hatte es �berpr�ft. T�pfe und Messer und L�ffel waren n�tzlich. Sie stellte ihren Korb auf dem Boden ab und eilte zur Treppe. Es war eine solide Konstruktion, aus schwerem Holz und dazu geschaffen, Generationen zu halten. Sie abzurei�en w�re genauso schwer gewesen wie das ganze Haus abzurei�en. Faile tastete darunter, unter die breite Au�enverkleidung, und ihre Hand schloss sich um den handgelenkdicken, nicht ganz glasigen Stab. Dieses Versteck war genauso gut erschienen wie alle anderen, die sie finden konnte, ein Ort, an dem niemand einen Grund hatte nachzusehen, aber sie war �berrascht, als ihr klar wurde, dass sie die Luft angehalten hatte.</p><p>Lacile blieb an der T�r, aber die anderen eilten ohne ihre K�rbe zu Faile.</p><p>�Endlich�, sagte Alliandre und ber�hrte den Stab vorsichtig mit den Fingerspitzen. �Der Preis unserer Freiheit. Was ist das?�</p><p>�Ein <emphasis>Angreal�,</emphasis> sagte Faile, �vielleicht auch ein <emphasis>Ter'angreal.</emphasis> Ich wei� es nicht genau, nur dass Galina es verzweifelt haben will, also muss es das eine oder das andere sein.�</p><p>Maighdin legte unerschrocken die Hand auf den Stab. �Es k�nnte beides sein�, murmelte sie. �Sie f�hlen sich oft seltsam an. Das hat man mir jedenfalls erz�hlt.� Sie behauptete, nie in der Wei�en Burg gewesen zu sein, aber Faile war sich da nicht mehr so sicher. Maighdin konnte die Macht lenken, aber so schwach und mit solchen Problemen, dass die Weisen Frauen keine Gefahr darin sahen, sie unbehelligt gehen zu lassen. Nun, jedenfalls so unbehelligt, wie das f�r eine <emphasis>Gai'schain</emphasis> m�glich war. Ihr Leugnen mochte auch nur aus Scham erfolgen. Faile hatte geh�rt, dass Frauen, die man aus der Burg fortgeschickt hatte, weil sie keine Aes Sedai werden konnten, manchmal leugneten, je dort gewesen zu sein, um ihr Versagen zu verschleiern.</p><p>Arrela sch�ttelte den Kopf und trat einen Schritt zur�ck. Sie war Tairenerin, und obwohl sie mit Aes Sedai reiste, erf�llte sie alles, was mit der Macht zu tun hatte, mit Unbehagen. Sie sah den glatten wei�en Stab an, als w�re es eine tote Natter, und befeuchtete sich die Lippen. �Galina k�nnte auf uns warten. Sie k�nnte �rgerlich werden, wenn wir sie zu lange warten lassen.�</p><p>�Ist der Weg noch immer frei, Lacile?�, fragte Faile, w�hrend sie den Stab tief unten in ihrem Korb versteckte. Arrela atmete h�rbar aus, offensichtlich genauso erleichtert, das Ding nicht mehr sehen zu m�ssen, wie sie zuvor der Anblick Failes erleichtert hatte.</p><p>�Ja�, sagte die Cairhienerin, �aber ich verstehe nicht, warum das so ist.� Sie stand noch immer so, dass sie mit einem Auge am Rahmen vorbeisehen konnte. �Die ersten <emphasis>Gai'schain</emphasis> m�ssten mittlerweile zum Wasserholen da sein.�</p><p>�Vielleicht ist etwas im Lager passiert�, sagte Maighdin. Pl�tzlich trug ihr Gesicht einen grimmigen Ausdruck, und sie hielt ihr Messer mit Holzgriff und eingekerbter Klinge in der Hand.</p><p>Faile nickte langsam. Vielleicht hatte man Dairaine bereits gefunden. Sie konnte nicht verraten, wo Faile und die anderen hingegangen waren, aber m�glicherweise hatten sie ein paar der wartenden <emphasis>Gai'schain</emphasis> erkannt. Wie lange w�rden sie durchhalten, wenn man sie der Befragung unterzog? Wie lange w�rde Alvon durchhalten, wenn man Theril folterte?</p><p>�Wir k�nnen nichts daran �ndern. Galina wird uns hier rausschaffen.�</p><p>Trotzdem rannten sie, als sie das Gasthaus verlie�en, hielten die K�rbe an die K�rper gedr�ckt und versuchten gleichzeitig, die Gew�nder hochzuhalten, um nicht zu stolpern. Faile war nicht die Einzige, die oft �ber die Schulter sah und stolperte. Sie vermochte nicht zu sagen, ob es sie erleichterte, als sie endlich <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit Stangen auf den Schultern auf der Hauptstra�e sah. Sie wurde nicht langsamer.</p><p>Sie mussten nicht mehr weit laufen. Wenige Augenblicke sp�ter wurde der Geruch nach verbranntem Holz st�rker, der im Rest der Stadt bereits verblichen war. Das S�dende von Maiden war eine Ruine. Sie blieben am Rand der Zerst�rung stehen und schoben sich vorsichtig um eine Ecke, sodass sie keiner entdecken konnte, als sie die Stra�e entlangsp�hten. Die s�dliche Stadtmauer war fast zweihundert Schritte von ihrem Standort entfernt, dazwischen gab es nur Ruinen mit geschw�rzten Steinmauern, aus denen hier und da verbrannte Balken herausragten, von denen der Regen die Asche abgewaschen hatte. An manchen Stellen war nicht einmal das h�rteste Holz �brig geblieben. Nur auf der S�dseite der Stra�e gab es noch halbwegs intakte Geb�ude. Hier hatten die Br�nde, die nach der Eroberung der Stadt durch die Shaido gew�tet hatten, schlie�lich aufgeh�rt. Ein halbes Dutzend H�user hatte keine D�cher mehr, aber die unteren Stockwerke sahen unversehrt aus, w�hrend doppelt so viele schiefe Tr�mmerhaufen aus ru�geschw�rzten Balken und halb verbrannten Bodenplanken dastanden, die kurz vor dem Einsturz zu stehen schienen.</p><p>�Da�, sagte Maighdin und zeigte nach Osten. Ein langes St�ck roter Stoff flatterte in der Brise. Es war an ein Haus gebunden, das einsturzgef�hrdet aussah. Sie gingen langsam darauf zu und stellten ihre K�rbe auf dem Kopfsteinpflaster ab. Das rote Tuch erhob sich wieder.</p><p>�Warum sollte sie uns hier treffen wollen?�, murmelte Alliandre. �Das k�nnte einst�rzen, wenn jemand niest.� Sie rieb sich die Nase, als w�rde allein das Wort sie jucken lassen.</p><p>�Es ist stabil genug. Ich habe mich vergewissert.� Galinas Stimme hinter ihnen lie� Faile den Kopf herumrei�en. Die Frau schritt auf sie zu, kam offensichtlich aus einem der unversehrten H�user auf der Nordseite der Stra�e. Nachdem man sie so lange mit diesem G�rtel, dem goldenen Kragen und den Feuertropfen gesehen hatte, sah sie ohne irgendwie merkw�rdig aus. Sie trug noch immer ihr wei�es Seidengewand, aber der fehlende Schmuck war �berzeugend. Galina hatte es nicht irgendwie geschafft, die Wahrheit zu verdrehen. Sie reiste heute ab.</p><p>�Warum nicht in einem der H�user?�, wollte Faile wissen.</p><p>�Oder direkt hier?�</p><p>�Weil ich nicht will, dass ihn jemand in meinen H�nden sieht�, sagte Galina und ging an ihr vorbei. �Weil niemand in diese Ruine hineinsehen wird. Weil ich es so sage.� Sie trat �ber das hinweg, was einst die T�rschwelle gewesen war, duckte sich unter einem schweren, verkohlten Deckenbalken hindurch, der quer �ber dem Eingang lag, und wandte sich sofort nach rechts und stieg die Treppe nach unten hinunter. �Tr�delt nicht.�</p><p>Faile wechselte einen Blick mit den anderen Frauen. Das entwickelte sich mehr als nur seltsam.</p><p>�Wenn sie uns hier rausschafft�, knurrte Alliandre und riss ihren Korb in die H�he, �bin ich bereit, ihr das Ding auf dem Abort zu �bergeben.� Trotzdem wartete sie, bis Faile ihren Korb nahm und vorausging.</p><p>Verkohlte Balken und geschw�rzte Deckent�felung hingen niedrig �ber der Steintreppe, aber Galinas unbeschwertes Eintreten beruhigte Faile. Die Frau w�rde es nicht riskieren, sich in dem Augenblick, in dem sie endlich den Stab bekam, lebendig begraben oder erschlagen zu lassen. Lichtstrahlen drangen durch Spalten in den Tr�mmern und sorgten f�r genug Helligkeit, um sehen zu k�nnen, dass der Keller trotz des tr�gerischen Erdgeschosses so gut wie unversehrt war.</p><p>Die gro�en F�sser an der einen Steinwand, die gr��tenteils angesengt waren und bei denen die Hitze die Dauben hatte herausspringen lassen, k�ndeten davon, dass hier eine Schenke oder ein Gasthaus gewesen war. Vielleicht auch der Laden eines Weinh�ndlers. Die Gegend um Maiden herum hatte viel mittelm��igen Wein hervorgebracht.</p><p>In einem schmalen Lichtstrahl in der Mitte des ger�llb edeckten Steinbodens blieb Galina stehen. Ihr Gesicht bot jetzt die personifizierte Aes-Sedai-Ruhe, die Aufregung des Vortages war v�llig unterdr�ckt. �Wo ist er?�, fragte sie k�hl. �Gebt ihn mir.�</p><p>Faile setzte ihren Korb ab und griff tief hinein. Als der wei�e Stab zum Vorschein kam, zuckten Galinas H�nde. Faile streckte ihr den Stab entgegen, und sie griff beinahe z�gernd danach. H�tte Faile es nicht besser gewusst, h�tte sie gesagt, sie w�rde sich davor f�rchten, ihn zu ber�hren. Galinas Finger schlossen sich um den Stab, und sie atmete tief aus. Sie riss Faile den Stab f�rmlich aus den Fingern. Die Aes Sedai schien zu zittern, aber ihr L�cheln war� triumphierend.</p><p>�Wie wollt Ihr uns aus dem Lager schaffen?�, fragte Faile.</p><p>�Sollen wir uns jetzt umziehen?�</p><p>Galina wollte etwas sagen, dann hob sie pl�tzlich die freie Hand. Ihr Kopf neigte sich der Treppe zu, als w�rde sie lauschen. �Vermutlich ist es nichts�, sagte sie leise, �aber ich sollte besser nachsehen. Wartet hier und seid leise.� Faile wollte etwas sagen, und sie zischte: �Still.� Die Aes Sedai hob den Saum ihres Seidengewands, eilte zu den Stufen und schlich sich wie eine Frau nach oben, die sich vor dem f�rchtete, was sie oben m�glicherweise entdeckte. Ihre F��e verschwanden hinter den sich durchbiegenden Deckenbrettern und losen Balken aus der Sicht.</p><p>�Hat eine von euch etwas geh�rt?�, fl�sterte Faile. Alle sch�ttelten den Kopf. �Vielleicht h�lt sie die Macht. Ich habe geh�rt, dass das die Sinne��</p><p>�Das hat sie nicht�, unterbrach Maighdin. �Ich habe nie gesehen, dass sie die Macht��</p><p>Pl�tzlich �chzte das Holz �ber ihren K�pfen, die verbrannten Balken und Bretter zersplitterten, schickten die sichtverh�llenden schwarzen Staub und M�rtelschwaden in die Tiefe, die Faile w�rgend husten lie�en. Auf einmal lag der Brandgeruch so dicht in der Luft wie an dem Tag, an dem Maiden in Flammen gestanden hatte. Etwas fiel aus der H�he herab und landete hart auf ihrer Schulter, und sie duckte sich zusammen, versuchte den Kopf zu sch�tzen. Jemand schrie auf. Andere herabst�rzende Objekte trafen den Kellerboden, ganze Deckendielen oder Dielenst�cke. Nichts machte genug L�rm, um ein Dachbalken oder ein schwerer Deckentr�ger sein zu k�nnen.</p><p>Schlie�lich h�rte der Tr�mmerregen auf � er war wie Stunden erschienen, aber er konnte nur Minuten gedauert haben. Der Staub wurde weniger. Schnell sah sie sich nach ihren Gef�hrtinnen um und fand sie alle auf dem Boden kauernd vor, mit den Armen die K�pfe sch�tzend. Es schien jetzt mehr Licht als zuvor da zu sein. Ein wenig mehr. Einige der L�cken in der H�he waren jetzt breiter. Ein schmaler Blutstrom rann Alliandre vom Kopf das Gesicht herunter. Jeder war von Kopf bis Fu� mit schwarzem Staub gepudert.</p><p>�Ist jemand verletzt?�, fragte Faile und endete mit einem Husten. Der Staub hatte sich noch nicht v�llig gesetzt, und ihre Kehle und ihr Mund f�hlten sich an, als w�ren sie mit einer Schicht davon �berzogen. Das Zeug schmeckte wie Holzkohle.</p><p>�Nein�, sagte Alliandre und ber�hrte vorsichtig ihren Kopf. �Ein Kratzer, das ist alles.� Auch die anderen waren angeblich unverletzt, obwohl Arrela den rechten Arm nur vorsichtig zu bewegen schien. Zweifellos hatten alle blaue Flecken davongetragen, und Faile vermutete, dass ihre linke Schulter bald schwarz und blau sein w�rde, aber das z�hlte nicht als richtige Verletzung.</p><p>Dann fiel ihr Blick auf die Treppe, und sie h�tte heulen k�nnen. Wo vorhin noch die Stufen gewesen waren, f�llten nun Tr�mmer den ganzen Platz aus. M�glicherweise h�tten sie sich durch eine der Spalten in der Decke quetschen k�nnen. Faile glaubte, sie erreichen zu k�nnen, wenn sie sich auf Arrelas Schulter stellte, aber sie bezweifelte, sich mit nur einem guten Arm nach oben ziehen zu k�nnen. Oder dass Arrela es schaffen w�rde. Und selbst wenn eine von ihnen es schaffte, w�rde sie mitten in einer ausgebrannten Ruine stehen und den Rest des Hauses vermutlich auch noch zum Einsturz bringen.</p><p>�Nein!�, st�hnte Alliandre. �Nicht jetzt! Nicht, wenn wir so nahe dran waren!� Sie erhob sich, eilte so dicht an die Tr�mmer heran, wie sie nur konnte, dr�ckte sich fast gegen sie, und fing an zu rufen. �Galina! Helft uns! Wir sitzen hier fest! Lenkt die Macht und hebt die Balken weg! R�umt uns einen Weg frei, damit wir herausk�nnen! Galina! Galina! Galina!� Sie sackte mit bebenden Schultern gegen das Balkengewirr. �Galina�, schluchzte sie. �Galina, helft uns.�</p><p>�Galina ist fort�, sagte Faile bitter. Die Frau h�tte geantw ortet, st�nde sie noch immer da oben oder h�tte die Absicht, ihnen zu helfen. �Da wir hier unten gefangen oder m�glicherweise tot sind, hat sie die perfekte Entschuldigung, uns zur�ckzulassen. Davon abgesehen wei� ich gar nicht, ob eine Aes Sedai diese Tr�mmer �berhaupt allein bewegen k�nnte.� Sie wollte nicht die M�glichkeit erw�hnen, dass Galina diese Entschuldigung selbst arrangiert hatte. Beim Licht, sie h�tte diese Frau niemals schlagen d�rfen. Aber jetzt war es zu sp�t f�r Selbstvorw�rfe.</p><p>�Was machen wir jetzt?�, fragte Arrela.</p><p>�Uns den Weg freigraben�, sagten Faile und Maighdin gleichzeitig. Faile sah die andere Frau �berrascht an. Das schmutzige Gesicht ihrer Dienerin trug die Entschlossenheit einer K�nigin.</p><p>�Ja�, sagte Alliandre und richtete sich wieder auf. Sie drehte sich um, und auch wenn sich Tr�nenbahnen durch den Staub auf ihrem Gesicht gruben, kamen doch keine frischen Tr�nen mehr. Sie war wirklich eine K�nigin, und es konnte ihr nicht gefallen, durch den Mut einer Dienerin besch�mt zu werden. �Wir graben uns allein aus. Und wenn wir es nicht schaffen� Wenn wir es nicht schaffen, werde ich nicht <emphasis>hiermit</emphasis> sterben!� Sie nahm den goldenen G�rtel ab und schleuderte ihn ver�chtlich in eine Kellerecke. Der goldene Kragen folgte ihm.</p><p>�Wir brauchen sie, um durch das Shaido-Lager zu komm en�, sagte Faile sanft. �Galina bringt uns vermutlich nicht aus dem Lager, aber ich habe vor, heute zu verschwinden.� Dairaine machte das unumg�nglich. Bain und Chiad konnten sie nicht lange verstecken. �Jedenfalls sobald wir uns ausgegraben haben. Wir behaupten, zum Beerenpfl�cken losgeschickt worden zu sein.� Dennoch wollte sie die mutige Geste ihrer Lehnsfrau nicht herabw�rdigen. �Aber wir brauchen sie jetzt nicht zu tragen.� Sie nahm G�rtel und Kragen ab, r�ckte den Korb zurecht und legte sie auf die schmutzigen <emphasis>Gai'schain-Gew�nder.</emphasis> Die anderen taten es ihr nach. Alliandre holte ihren G�rtel und Kragen mit einem reuevollen Lachen zur�ck. Immerhin konnte sie wenigstens wieder lachen. Faile w�nschte sich, sie h�tte es auch gekonnt.</p><p>Das Chaos aus verkohlten Balken und zur H�lfte verbrannten Dielen, das die Treppe f�llte, �hnelte einem der Geschicklichkeitsspiele, die ihr Perrin so sehr liebte. Fast alles schien etwas anderes zu st�tzen. Und was noch schlimmer war, die schwereren Balken lagen m�glicherweise jenseits ihrer gemeinsamen Kr�fte. Aber wenn sie genug wegr�umen konnten, dass sie sich an den dicken Balken vorbeiwinden konnten� Das w�rde gef�hrlich sein. Aber wenn ein gef�hrlicher Pfad der einzige Weg in die Sicherheit war, dann musste man ihn nehmen.</p><p>Ein paar Dielen l�sten sich leicht und wurden weiter hinten aufgestapelt, aber danach mussten sie jedes Holzst�ck mit Sorgfalt ausw�hlen, mussten es untersuchen, um zu sehen, ob etwas nachrutschen w�rde; sollten sie es entfernen, mussten sie so weit in die Tr�mmer hineintasten, wie es ging, nach N�geln tasten, die m�glicherweise h�ngen blieben, durften nicht daran denken, dass der ganze Berg in sich zusammenfall en und einen Arm einklemmen und zerquetschen konnte. Erst dann konnten sie mit dem Herausziehen beginnen, manchmal zu zweit, zogen immer st�rker, bis das Holz pl�tzlich nachgab. Die Arbeit ging nur langsam voran, und die Masse �chzte gelegentlich oder verlagerte sich etwas. Wenn das geschah, sch�ssen alle zur�ck, hielten den Atem an. Niemand bewegte sich, bis sie sicher waren, dass das ineinander verkantete Holz nicht zusammenbrechen w�rde. Die Arbeit wurde zum Mittelpunkt ihrer Welt. Einmal glaubte Faile Wolfsgeheul zu h�ren. W�lfe lie�en sie immer an Perrin denken, aber diesmal nicht. Diesmal gab es nur die Arbeit.</p><p>Dann riss Alliandre ein verbranntes Dielenbrett frei, und alles verlagerte sich mit einem lauten �chzen. Auf sie zu. Jeder rannte auf den hinteren Teil des Kellers zu, w�hrend die Tr�mmer mit einem ohrenbet�ubenden Krachen in sich zusammenfielen und weitere Staubwolken emporwallten.</p><p>Als sie aufh�rten zu husten und wieder sehen konnten, jedenfalls etwas, da der Staub noch immer dicht in der Luft hing, war etwa ein Viertel des Kellers mit Tr�mmern gef�llt. Ihre ganze Arbeit war zunichte gemacht worden, und was noch schlimmer war, die Tr�mmermasse beugte sich ihnen bedrohlich entgegen. Sie �chzte, sackte noch ein St�ck in ihre Richtung und kam zur Ruhe. Alles daran verk�ndete, dass die Tr�mmer bei der ersten gezogenen Diele auf sie herabregnen w�rden. Arrela fing leise an zu weinen. Qu�lend lockende L�cken lie�en Sonnenlicht herein und gestatteten ihnen den Blick auf die Stra�e und den Himmel, aber keine war gro� genug, um hindurchkriechen zu k�nnen, nicht einmal f�r Lacile. Faile konnte das rote Tuch sehen, mit dem Galina das Haus markiert hatte. Es flatterte einen Augenblick lang im Wind.</p><p>Sie starrte das Tuch an und ergriff Maighdins Schulter.</p><p>�Ich will, dass Ihr versucht, das Tuch etwas machen zu lassen, das der Wind nicht schaffen kann.�</p><p>�Ihr wollt die Aufmerksamkeit auf uns lenken?�, sagte Alliandre heiser. �Das d�rften doch wohl zuerst Shaido sein.�</p><p>�Besser, als hier unten zu verdursten�, erwiderte Faile gr�ber als beabsichtigt. Wenn das geschah, w�rde sie Perrin niemals wiedersehen. Wenn Sevanna sie in Ketten legen lie�, w�rde sie immerhin noch am Leben sein, und er konnte sie retten. Er w�rde sie retten; das wusste sie. Ihre Pflicht bestand nun darin, die Frauen, die ihr folgten, am Leben zu halten. Und wenn das Gefangenschaft bedeutete, dann sollte es eben so sein. �Maighdin?�</p><p>�Ich k�nnte den ganzen Tag versuchen, die Quelle zu umarmen, und es nie schaffen�, sagte die blonde Frau dumpf. Sie stand mit h�ngenden Schultern da, starrte ins Leere. Ihrer Miene war abzulesen, dass sie zu ihren F��en nur einen Abgrund sah. �Wenn ich es schaffe, sie zu umarmen, kann ich fast nie etwas weben.�</p><p>Faile lie� Maighdin los und strich ihr stattdessen �ber das Haar. �Ich wei�, dass es schwierig ist�, sagte sie beruhigend.</p><p>�Nun, eigentlich wei� ich es nicht. Ich habe das nie getan. Aber Ihr schon. Und Ihr k�nnt es wieder schaffen. Unser Leben h�ngt von Euch ab, Maighdin. Ich kenne die Kraft, die Ihr habt. Ich habe sie immer wieder gesehen. Ihr gebt niemals auf. Ich wei�, dass Ihr es schaffen k�nnt, und Ihr wisst das auch.�</p><p>Maighdin richtete sich langsam auf, die Verzweiflung vers chwand aus ihrem Gesicht. M�glicherweise sah sie noch immer den Abgrund, aber wenn sie schon hineinst�rzte, w�rde sie es ohne eine Miene zu verziehen tun. �Ich versuche es�, sagte sie.</p><p>Sie starrte eine lange Weile zu dem Tuch hoch, dann sch�ttelte sie deprimiert den Kopf. �Die Quelle ist da, als w�re sie die Sonne, die man aus dem Augenwinkel sieht�, fl�sterte sie, �aber jedes Mal, wenn ich versuche, sie zu umarmen, ist das wie der Versuch, Rauch mit den Fingern fangen zu wollen.�</p><p>Faile zog schnell die Gafsc/iam-Gew�nder aus ihrem Korb und einem anderen, und es war ihr egal, dass der Goldg�rtel und der Kragen zu Boden fielen. �Setzt Euch�, sagte sie und legte die Gew�nder �bereinander. �Macht es Euch bequem. Ich wei�, dass Ihr es schaffen k�nnt, Maighdin.� Sie dr�ckte die Dienerin nach unten, dann setzte sie sich mit �berkreuzten Beinen neben sie.</p><p>�Ihr k�nnt es schaffen�, sagte Alliandre leise und setzte sich auf Maighdins andere Seite.</p><p>�Ja, Ihr k�nnt es�, fl�sterte Lacile und gesellte sich zu ihnen.</p><p>�Ich wei�, dass Ihr es k�nnt�, sagte Arrela, als sie sich setzte. Zeit verging; Maighdin starrte das Tuch an. Faile fl�sterte ihr aufmunternd zu und klammerte sich an der Hoffnung fest. Pl�tzlich wurde das Tuch ganz steif, als h�tte es jemand straff gezogen. Ein erstauntes L�cheln erschien auf Maighdins Gesicht, als das Tuch wie ein Pendel hin und herschwang. Es pendelte sieben, acht Mal. Dann flatterte es wieder im Wind und fiel schlaff herunter.</p><p>�Das war wunderbar�, sagte Faile.</p><p>�Wunderbar�, sagte Alliandre. �Ihr werdet uns retten, Maighdin.�</p><p>�Ja�, murmelte Arrela, �Ihr werdet uns retten, Maighdin.�</p><p>Es gab viele verschiedene Arten von Kampf. Sie sa�en auf dem Boden, fl�sterten Ermunterungen, Maighdin k�mpfte darum, das zu finden, was sie selten finden konnte; sie k�mpften um ihr Leben, w�hrend das Tuch pendelte, dem Wind zum Opfer fiel, flatterte und schlaff nach unten sackte. Aber sie k�mpften weiter.</p><p>Galina hielt den Kopf gesenkt und zwang sich dazu, nicht zu laufen, w�hrend sie sich einen Weg aus Maiden heraus suchte, vorbei an den Str�men wei� gekleideter M�nner und Frauen, die leere Eimer in die Stadt trugen und volle wieder hinaus. Sie wollte keine Aufmerksamkeit erregen, nicht ohne den verfluchten G�rtel und Kragen. Sie hatte sie angelegt, als sie sich nachts, w�hrend Therava noch schlief, angekleidet hatte, aber es war eine solche Freude gewesen, sie wieder abzunehmen und bei der Kleidung und den anderen Dingen zu verbergen, die sie f�r ihre Flucht versteckt hatte, dass sie nicht hatte widerstehen k�nnen. Au�erdem w�rde Therava �rgerlich gewesen sein, als sie sie beim Aufwachen vermisst hatte. Sie w�rde befohlen haben, nach ihrer �kleinen Lina� Ausschau zu halten, und jeder erkannte sie an diesem Schmuck. Nun, er w�rde helfen, ihre R�ckkehr in die Burg zu finanzieren, die R�ckkehr an den Ort, an den sie geh�rte. Diese arrogante Faile und die anderen N�rrinnen waren tot oder w�rden es bald sein, und sie war frei. Sie strich �ber den Stab, der in ihrem �rmel verborgen war, und erbebte vor Entz�cken. Frei!</p><p>Sie hasste es, Therava am Leben lassen zu m�ssen, aber h�tte jemand das Zelt betreten und sie mit einem Messer im Herzen vorgefunden, w�re sie die erste Verd�chtige gewesen. Davon abgesehen� In ihrem Kopf stiegen Bilder auf, wie sie sich verstohlen �ber die schlafende Therava beugte, das G�rtelmesser der Frau in der Hand, wie Theravas Augen sich weiteten, ihren Blick in der Dunkelheit erwiderten, wie sie aufschrie, sich ihre Hand wie gel�hmt �ffnete, um das Messer fallen zu lassen, wie sie bettelte, wie Therava� Nein! Nein! So w�re es nicht abgelaufen. Mit Sicherheit nicht! Sie hatte Therava aus reiner Notwendigkeit am Leben gelassen, nicht weil sie� Nicht aus irgendwelchen anderen Gr�nden.</p><p>Pl�tzlich heulten W�lfe, aus allen Richtungen, ein Dutzend oder mehr. Ihre F��e blieben aus eigenem Antrieb stehen. Eine bunt zusammengew�rfelte Sammlung aus Zelten umgab sie, eingez�unte Zelte, Spitzzelte, niedrige Aielzelte. Sie war direkt durch den <emphasis>Gai'schain-Tei\</emphasis> des Lagers marschiert, ohne es zu bemerken. Ihr Blick hob sich zu dem H�gelkamm westlich von Maiden, und sie zuckte zusammen. Dichter Nebel h�llte seine ganze L�nge ein, verbarg die B�ume, so weit sie in jede Richtung sehen konnte. Die Stadtmauer verbarg den H�gel im Osten, aber sie war davon �berzeugt, dass auch dort dichter Nebel wogen w�rde. Der Mann war eingetroffen! Beim gro�en Herrn, sie hatte es gerade noch rechtzeitig geschafft. Nun, er w�rde seine d�mliche Frau nicht finden, selbst wenn es ihm gelang, das zu �berleben, was auch immer er vorhatte, genauso wenig, wie er Galina Casban finden w�rde.</p><p>Sie dankte dem Gro�en Herrn, dass Therava ihr nicht verboten hatte auszureiten � die Frau hatte sie lieber mit der m�glichen Erlaubnis gek�dert, solange sie nur gen�gend vor ihr kroch � und eilte auf ihr Versteck zu. Sollten die Narren, die hier sterben wollten, doch sterben. Sie war frei. Frei!</p></section><section><title><p>29</p><p>Der letzte Knoten</p></title><p>Perrin stand direkt unterhalb des H�gelkamms, am Rand des Nebels, und musterte das Lager und die von der Mauer eingeschlossene Stadt in der Tiefe. Zweihundert Schritte den ziemlich steilen Abhang hinunter, der bis zur Ebene sp�rlich mit niedrigen B�schen bewachsen war, vielleicht siebenhundert weitere Schritte gerodeten Bodens bis zu den ersten Zelten, dann etwas mehr als eine Meile bis zur Stadt. Sie erschien jetzt so nahe. Er benutzte das Fernglas nicht. Ein Lichtreflex durch die Sonne, die gerade �ber den Horizont sp�hte, ein fingernagelgro�er goldenroter Schimmer, das konnte alles ruinieren. Die graue Masse um ihn herum war in Bewegung, bewegte sich aber dennoch nicht mit dem Wind, obwohl er wehte und mit seinem Umhang spielte. Der dichte Nebel auf dem anderen H�gel, der die Windm�hle unkenntlich machte, schien ebenfalls unbeweglich zu sein, wenn man ihn eine Weile musterte. Wie lange w�rde es dauern, bevor das jemandem bei den Zelten auffiel? Man konnte nichts daran �ndern. Der Nebel f�hlte sich wie ganz normaler Nebel an, feucht und leicht k�hl, aber irgendwie hatte Neald diese Nebelb�nke an Ort und Stelle verankert, bevor er sich um seine anderen Aufgaben k�mmerte. Die Sonne w�rde sie nicht einmal zur Mittagszeit fortbrennen, das hatte der Asha'man zumindest behauptet. Am Mittag w�rde alles erledigt sein, so oder so, aber Perrin hoffte, dass der Mann Recht behielt. Der Himmel war klar. F�r den Fr�hlingsanfang schien es ein warmer Tag zu werden.</p><p>Nur wenige Shaido schienen sich au�erhalb des Lagers aufzuhalten, relativ gesehen, aber zwischen den Zelten eilten Tausende wei� gekleideter Gestalten umher. Zehntausende. Seine Augen schmerzten, weil er Faile unter ihnen finden wollte, sein Herz schmerzte, so sehr wollte er sie wiedersehen, aber genauso gut h�tte er versuchen k�nnen, in auf dem Boden versch�tteter Gerste ein bestimmtes Korn zu finden. Stattdessen starrte er auf die Stadttore, die weit offen standen, so wie immer, wenn er sie betrachtet hatte. Einladend offen. Sie riefen ihn. Bald w�rden Faile und ihre Gef�hrtinnen wissen, dass die Zeit gekommen war, zu diesen Toren zu eilen und weiter zu der turmbewehrten Festung, die sich am Nordende der Stadt erhob. M�glicherweise ging sie ihren Pflichten nach, aber wenn die T�chter Recht hatten, wie man die Gefangenen als <emphasis>Gai'schain</emphasis> behandeln w�rde, w�rde sie schon wissen, wie sie sich verdr�cken konnte, und in die Festung gehen. Sie und ihre Freunde und Alyse vermutlich auch. Was auch immer sie bei den Shaido f�r einen Plan verfolgte, die Aes Sedai w�rde nicht auf einem Schlachtfeld bleiben wollen. Eine zweite Schwester in der Festung w�rde m�glicherweise ganz n�tzlich sein. Sollte das Licht daf�r sorgen, dass es nicht so weit kam.</p><p>Er hatte sorgf�ltig f�r jede Eventualit�t geplant, die ihm eingefallen war, einschlie�lich einem v�lligen Fehlschlag, aber das hier war kein R�tselspiel, sosehr er sich das auch w�nschte. Die in sich verdrehten St�cke eines schmiedeeisernen Geschicklichkeitsspiels konnte man nur auf eine bestimmte Weise bewegen. Tat man es auf die richtige Weise, l�sten sich die Teile voneinander. Menschen konnten auf tausend verschiedene Arten reagieren, manchmal auf eine Weise, die man f�r unm�glich hielt, bis sie es taten. W�rden seine Pl�ne standhalten, wenn die Shaido etwas Unerwartetes taten? Das w�rden sie tun, bestimmt sogar, und er konnte nur hoffen, dass es nicht in diese Katastrophe f�hrte. Mit einem letzten, verlangenden Blick auf Maldens Tore wandte er sich ab und schritt den H�gel wieder hinauf.</p><p>Im Nebel konnte er keine zehn Schritte weit sehen, aber bald fand er Dannil Lewin zwischen den B�umen auf dem Kamm. So schlank, dass man ihn fast schon als d�rr bezeichnen konnte, mit einer Nase wie eine Spitzhacke und einem dicken Schnurrbart nach tarabonischer Mode, stach Dannil unter anderen auch dann hervor, wenn man sein Gesicht nicht deutlich sehen konnte. Die anderen M�nner von den Zwei Fl�ssen waren nur Umrisse hinter ihm und wurden mit wachsender Entfernung undeutlicher. Die meisten hockten auf den Fersen oder sa�en auf dem Boden, ruhten sich aus, solange noch Gelegenheit dazu war. Jori Congar versuchte ein paar der anderen zu einer W�rfelpartie zu �berreden, aber er tat es leise, also ignorierte Perrin es. Es ging sowieso niemand auf den Vorschlag ein. Jori hatte mit seinen W�rfeln ungew�hnlich viel Gl�ck.</p><p>Dannil machte einen Kratzfu�, als er Perrin sah, und murm elte: �Mein Lord.� Der Mann hatte zu viel Zeit mit Failes Gefolge verbracht. Er nannte es �den letzten Schliff bekommene, was auch immer das bedeuten sollte. Ein Mann war doch kein Messer.</p><p>�Sorgt daf�r, dass niemand etwas so Dummes tut, wie ich es gerade getan habe, Dannil. Scharfe Augen unten k�nnten Bewegungen am Rand des Nebels entdecken und einen Sp�htrupp ausschicken.�</p><p>Dannil hustete diskret in die Hand. Beim Licht, er wurde noch so schlimm wie diese Cairhiener und Tairener. �Wie Ihr befehlt, mein Lord. Ich halte jeden zur�ck.�</p><p>�Mein Lord?�, sagte Balwers trockene Stimme aus dem Nebel. �Ah, da seid Ihr ja, mein Lord.� Der d�rre Mann erschien, gefolgt von zwei gr��eren Umrissen, obwohl der eine davon nicht viel gr��er war. Sie blieben nach einem Zeichen von ihm stehen, unkenntliche Gestalten im Nebel, und er ging allein weiter. �Masema ist unten aufgetaucht, mein Lord�, sagte er leise und faltete die H�nde. �Ich hielt es unter diesen Umst�nden f�r das Beste, Haviar und Nerion au�er seiner und der Sicht seiner M�nner zu halten. Ich glaube nicht, dass er ihnen misstraut. Ich glaube, er hat jeden umbringen lassen, dem er misstraut. Aber aus den Augen, aus dem Sinn, das ist hier das Beste.�</p><p>Perrin biss die Z�hne zusammen. Masema sollte mit seinem Heer jenseits des Osth�gels sein � wenn man es so bezeichnen wollte. Er hatte diese M�nner und die paar Frauen gez�hlt, w�hrend sie voller Unbehagen durch die von den beiden Asha'man erzeugten Wegetore geschlurft waren, und er war auf zwanzigtausend gekommen. Masema war immer vage geblieben, was ihre Zahl anging, und Perrin hatte erst vergangene Nacht eine genaue Z�hlung erhalten. Zerlumpt und dreckig trugen nur einige wenige einen Helm oder gar einen Brustharnisch, aber jede Hand hatte Schwert oder Speer oder Axt gehalten, Hellebarde oder Armbrust, die Frauen eingeschlossen. Die Frauen unter Masemas Anh�ngern waren viel schlimmer als die M�nner, und das sagte schon etwas aus. Sie waren gr��tenteils nur dazu zu gebrauchen, Leute solange einzusch�chtern, bis sie dem Wiedergeborenen Drachen die Treue schworen � die Farben wirbelten in Perrins Kopf und wurden von seinem Zorn zerfetzt �, und sie zu erschlagen, wenn sie sich weigerten. Heute dienten sie einem besseren Zweck. �Vielleicht ist f�r Haviar und Nerion der Zeitpunkt gekommen, sich f�r immer von Masemas Leuten fernzuhalten�, sagte er.</p><p>�Wenn Ihr das w�nscht, mein Lord, aber meiner Einsch�tzung nach sind sie dort noch immer so sicher, wie es ein Mann sein kann, der das tut, was sie tun, und sie sind eifrig.� Balwer legte den Kopf schief, ein neugieriger Spatz auf dem Ast. �Sie sind nicht korrumpiert worden, wenn es das ist, was Ihr f�rchtet, mein Lord. Die Gefahr besteht immer, wenn man einen Mann losschickt, der etwas vorgeben soll, was er nicht ist, aber ich habe eine empfindliche Nase f�r so etwas.�</p><p>�Haltet sie in der N�he, Balwer.� Mit etwas Gl�ck w�rde nach dem heutigen Tag nicht mehr viel von Masemas Heer �brig sein, was sich auszuspionieren lohnte. M�glicherweise w�rde es nicht einmal mehr einen Masema geben, um den man sich sorgen musste.</p><p>Perrin eilte den bewachsenen Abhang auf der anderen Seite hinunter, vorbei an den Mayenern und Ghealdanern, die dort im dichten Nebel neben ihren Pferden warteten, die wimpelbewehrten Lanzen auf die Schultern gelegt oder ihre Stahlspitzen in den Boden gerammt. Die rot lackierten Helme und Harnische der Gefl�gelten Wachen h�tten auf dem H�gelkamm vermutlich keine Gefahr dargestellt, aber das galt nicht f�r die gl�nzenden R�stungen der Ghealdaner, und da sich sowohl bei Gallenne wie auch Arganda die Nackenhaare str�ubten, wenn einer von ihnen vorgezogen wurde, warteten beide hier. Der Nebel erstreckte sich �ber eine weite Strecke � Neald hatte behauptet, dies sei Absicht, aber er hatte �berrascht gerochen und erfreut, als ihm klar geworden war, was er da geschafft hatte �, also schritt Perrin noch immer durch das Grau, als er den Ansatz des H�gels erreichte, wo s�mtliche der hochr�drigen Karren mit angeschirrten Pferden in einer Reihe standen. Zwischen ihnen bewegten sich undeutlich die cairhienischen Kutscher, �berpr�ften Geschirre, zogen die Schn�re fester, die die Segeltuchplanen hielten.</p><p>Masema wartete, und Perrin h�tte nichts lieber getan, als dem Mann den Arm abzubei�en, aber er entdeckte die st�mmige Gestalt von Basel Gill neben einem der Karren und ging in die Richtung. Lini war bei ihm, in einen dunklen Umhang geh�llt, und Breane, die einen Arm um Lamgwins Taille gelegt hatte, Perrins riesigen Leibdiener. Meister Gill riss den breitkrempigen Hut herunter, um sein d�nnes, ergrauendes Haar zu enth�llen, das er �ber eine kahle Stelle gek�mmt hatte, die es aber nicht verbergen konnte. Lini schnaubte blo� und mied es ostentativ, in Perrins Richtung zu sehen, w�hrend sie so tat, als w�rde sie ihre Kapuze richten. Sie roch nach Wut und Angst. Meister Gill roch nur nach Angst.</p><p>�Meister Gill, es ist Zeit, dass Ihr nach Norden aufbrecht�, sagte Perrin. �Wenn Ihr die Berge erreicht, folgt Ihr ihrem Verlauf bis zur Jehannahstra�e. Mit Gl�ck holen wir Euch ein, bevor Ihr die Berge erreicht, aber wenn nicht, schickt Ihr Alliandres Dienerschaft nach Jehannah, dann fahrt Ihr nach Osten durch den Pass und dann wieder nach Norden. Wir werden so nahe hinter Euch sein, wie es geht.� Wenn sein Plan nicht zu sehr scheiterte. Beim Licht, er war Schmied, kein Soldat. Aber selbst Tylee hatte schlie�lich zugegeben, dass es ein guter Plan war.</p><p>�Ich werde diesen Platz nicht verlassen, bevor ich wei�, dass Maighdin in Sicherheit ist�, sagte Lini dem Nebel; ihre d�nne Stimme war wie ein Schilfrohr, aber eines aus Stahl.</p><p>�Und nat�rlich die Lady Faile.�</p><p>Meister Gill rieb sich �ber den Kopf. �Mein Lord, Lamgwin und ich, wir dachten daran, dass wir vielleicht helfen k�nnten. Die Lady Faile bedeutet uns sehr viel, und Maighdin� Maighdin ist eine von uns. Ich kann das eine Ende eines Schwerts vom anderen unterscheiden, und Lamgwin auch.� Er hatte eine Klinge um seine Massen geschnallt, doch Perrin w�rde den ganzen G�rtel fressen, wenn er sie in den vergangenen zwanzig Jahren geschwungen hatte. Breanes Griff um Lamgwin wurde fester, aber der gro�e Mann t�tschelte ihre Schulter und legte die andere Hand auf den Griff eines Kurzschwerts. Nebelschwaden verh�llten kurz sein narbiges Gesicht und die wulstigen Fingerkn�chel. Er war ein Schenkenschl�ger, wenn auch trotzdem ein guter Mann, aber er war kein Schwertk�mpfer.</p><p>�Ihr seid mein <emphasis>Shambayan,</emphasis> Meister Gill�, sagte Perrin fest. �Es ist Eure Pflicht, die Kutscher und Pferdeknechte und Diener in Sicherheit zu bringen. Eure und Lamgwins. Jetzt geht und k�mmert Euch darum.� Der st�mmige Mann nickte z�gerlich. Breane stie� einen verhaltenen Seufzer der Erleichterung aus, als Lamgwin gehorsam die Kn�chel an die Stirn f�hrte. Perrin bezweifelte, dass der Mann den Seufzer geh�rt hatte, allerdings legte er den Arm um sie und murmelte tr�stende Worte.</p><p>Lini war nicht so gehorsam. Den R�cken so steif wie ein Stock, sprach sie wieder den Nebel an. �Ich werde diesen Platz nicht verlassen, bevor ich wei߅�</p><p>Perrin klatschte laut in die H�nde, und sie zuckte zusammen und sah ihn �berrascht an. �Hier werdet Ihr Euch nur einen Sch�ttelfrost holen, weil Ihr im Feuchten steht. Das und sterben, falls die Shaido unsere Linien durchbrechen. Ich werde Faile dort rausholen. Ich werde Maighdin und die anderen dort rausholen.� Das w�rde er oder bei dem Versuch sterben. Aber es gab keinen Grund, das zu sagen. Sie mussten bis ins Mark daran glauben, dass er mit Faile und dem Rest nachkam. �Und Ihr geht nach Norden, Lini. Faile wird b�se auf mich sein, wenn ich zulasse, dass Euch etwas zust��t. Meister Gill, sorgt daf�r, dass sie mit Euch f�hrt, und wenn Ihr sie fesseln und hinten auf den Wagen laden m�sst.�</p><p>Meister Gill zuckte zusammen, zerknautschte den Hut zwischen den H�nden. Pl�tzlich roch er alarmiert, und Lini emp�rt. In Lamgwins Geruch trat Heiterkeit, und er rieb sich die Nase, als wollte er ein L�cheln verbergen, aber seltsamerweise war auch Breane emp�rt. Nun, er hatte noch nie behauptet, Frauen zu verstehen. Wenn er nicht einmal die Frau verstehen konnte, die er geheiratet hatte � was die H�lfte der Zeit so war-, dann war es unwahrscheinlich, dass er den Rest von ihnen jemals verstehen w�rde.</p><p>Am Ende stieg Lini neben den Kutscher, ohne gezwungen werden zu m�ssen, auch wenn sie Meister Gills Hand wegschlug, als er ihr helfen wollte, und die Karrenreihe setzte sich langsam nach Norden in Bewegung. Hinter einem der Karren marschierte eine mit den Zelten und Besitzt�mern der Weisen Frauen beladene Gruppe <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die selbst jetzt sanftm�tig waren, Frauen und M�nner, die mit hochgeschlagenen Kapuzen und gesenkten Blicken daherschritten. Es waren vor Cairhien gefangene Shaido, und in wenigen Monaten w�rden sie das Wei� ausziehen und zu ihrem Clan zur�ckkehren. Perrin lie� sie trotz der Versicherungen der Weisen Frauen, dass sie sich an das <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> halten w�rden, diskret �berwachen, aber anscheinend behielten die Weisen Frauen Recht. Es waren noch immer siebzehn. Kein er hatte versucht wegzulaufen und die Shaido jenseits des H�gels zu warnen. Die Karrenachsen waren gro�z�gig geschmiert worden, aber f�r seine Ohren quietschten sie immer noch. Mit etwas Gl�ck <emphasis>w�rden</emphasis> er und Faile sie kurz vor den Bergen einholen.</p><p>Als ihn die Reihen der Ersatzpferde passierten, gef�hrt von berittenen Pferdeknechten, erschien eine Tochter aus dem Nebel zwischen den Karren. Langsam sch�lten sich die Konturen von Sulin heraus, die die <emphasis>Shoufa</emphasis> um den Hals trug, um ihr kurzes wei�es Haar zu enth�llen, und deren schwarzer Schleier auf ihrer Brust hing. Ein frischer Kratzer auf der linken Wange w�rde ihrem Gesicht eine weitere Narbe hinzuf�gen, solange sie nicht von einer der Schwestern das Angebot zum Heilen annehmen w�rde. Vermutlich w�rde sie es nicht tun. Die T�chter schienen den Lehrlingen der Weisen Frauen eine merkw�rdige Einstellung entgegenzubringen, vielleicht lag es auch einfach daran, dass die Lehrlinge Aes Sedai waren. Sie betrachteten selbst Annoura als Lehrling, obwohl sie keiner war.</p><p>�Die Shaido-Wachtposten im Norden sind tot, Perrin Aybara�, sagte sie. �Und die M�nner, die sie abl�sen sollten. F�r Shaido haben sie gut getanzt.�</p><p>�Verluste?�, fragte er leise.</p><p>�Elienda und Briain sind aus dem Traum erwacht.� Sie h�tte genauso gut vom Wetter sprechen k�nnen statt vom Tod zweier Frauen, die sie kannte. �Wir alle m�ssen irgendwann aufwachen. Wir mussten Aviellin die letzten beiden Meilen tragen. Sie wird eine Heilung brauchen.� Aha. Sie w�rde es also akzeptieren.</p><p>�Ich werde Euch eine der Aes Sedai �berlassen�, sagte er und schaute sich um. Abgesehen von der Reihe aus Pferden, die ihn passierte, konnte er nichts sehen. �Sobald ich eine finden kann.�</p><p>Er hatte noch nicht ganz ausgesprochen, da hatten sie ihn auch schon gefunden. Annoura und Masuri traten aus dem Nebel und f�hrten ihre Pferde mit Berelain und Masema, dessen kahl geschorener Kopf feucht funkelte. Selbst im Nebel konnte man den abgetragenen Mantel des Mannes nicht �bersehen, genauso wenig wie die sch�bigen Flicken auf den Schultern. Von dem Gold, das seine Anh�nger pl�nderten, blieb nichts bei ihm h�ngen. Das ging alles an die Armen. Das war das einzige Gute, das sich �ber Masema sagen lie�. Andererseits waren einige der Armen, die das Gold ern�hrte, nur verarmt, weil Masemas Leute ihre Besitzt�mer gestohlen und ihre L�den oder H�fe niedergebrannt hatten. Aus irgendeinem Grund trug Berelain heute Morgen das Diadem der Ersten von Mayene, den goldenen fliegenden Falken, obwohl ihr Reitgewand und Umhang einfach dunkelgrau waren. Der Geruch unter dem schlichten blumigen Parf�m k�ndete von Geduld und Nervosit�t, eine seltsame Mischung. Die sechs Weisen Frauen begleiteten sie; die dunklen Schultert�cher �ber die Arme drapiert, hielten die zusammengefalteten T�cher um ihre Schl�fen das lange Haar zur�ck. Mit all den Ketten und Armreifen aus Gold und Elfenbein lie�en sie Berelain ausnahmsweise schlicht gekleidet aussehen. Auch Aram war bei ihnen, der Wolfskopfknauf seines Schwerts ragte �ber die rot gestreifte Schulter, und der Nebel konnte nicht die Abwesenheit seiner �blichen finsteren Miene verbergen. Der Mann schien fast in einem Licht zu baden, das Masema ausstrahlte. Perrin fragte sich, ob er Aram nicht besser zusammen mit den Karren h�tte wegschicken sollen. Aber selbst wenn, bestimmt h�tte sich Aram zur�ckgeschlichen, sobald er au�er Sichtweite war. Davon war Perrin �berzeugt.</p><p>Er erkl�rte den beiden Aes Sedai die Sache mit Aviellin, aber als Masuri sagte, sie w�rde sich darum k�mmern, hielt die hellblonde Edarra eine Hand hoch, was die schlanke Braune wie angewurzelt stehen bleiben lie�. Annoura bewegte sich unbehaglich. Sie war kein Lehrling, und Seonids und Masuris Beziehung zu den Weisen Frauen gefiel ihr nicht. Sie versuchten sie ebenfalls mit einzubeziehen, und manchmal hatten sie Erfolg damit.</p><p>�Janina wird sich darum k�mmern�, sagte Edarra. �Sie ist darin geschickter als Ihr, Masuri Sokawa.�</p><p>Masuri presste die Lippen zusammen, schwieg aber. Die Weisen Frauen waren durchaus dazu f�hig, eine Sch�lerin zu pr�geln, weil sie zum falschen Zeitpunkt den Mund aufmachte, selbst wenn sie Aes Sedai war. Sulin f�hrte Janina, eine flachshaarige Frau, die anscheinend durch nichts zu ersch�ttern war, in den Nebel. Janina schritt trotz ihrer ausladenden R�cke genauso schnell wie Sulin aus. Also hatten die Weisen Frauen das Heilen gelernt, oder? Das konnte sp�ter vielleicht noch n�tzlich sein; mochte das Licht daf�r sorgen, dass es nicht oft ben�tigt wurde.</p><p>Masema sah zu, wie die beiden im Nebel verschwanden, und grunzte. Die dichten Schwaden verbargen den verzehrenden Blick seiner tief liegenden Augen und machten die dreieckige Narbe auf seiner Wange so gut wie unkenntlich, aber sein Geruch stach hart und scharf wie eine frisch abgezogene Rasierklinge und zugleich vor Wahnsinn zuckend in Perrins Nase. Manchmal glaubte er, der Gestank des Irrsinns m�sste seine Nase bluten lassen.</p><p>�Schlimm genug, dass Ihr diese blasphemischen Frauen benutzt, die das tun, was allein der Lord Drache, gesegnet sei sein Name, tun darf�, sagte Masema. In seiner Stimme lag die Leidenschaft, die der Nebel in seinen Augen verbarg.</p><p>Die in Perrins Kopf wirbelnden Farben verwandelten sich in das kurze Bild von Rand und Min und einem hochgewachsenen Mann im schwarzen Mantel, einem Asha'man, und ein Schock durchzuckte ihn. Rands linke Hand war verschwunden! Egal. Was geschehen war, war geschehen. Und heute musste er sich um andere Dinge k�mmern.</p><p>�� aber wenn sie sich im Heilen auskennen�, fuhr Masema fort, �wird es viel schwerer sein, die Wilden zu t�ten. Eine Schande, dass Ihr die Seanchaner nicht alle von ihnen an die Leine legen lasst.�</p><p>Sein Seitenblick zu Annoura und Masuri besagte, dass er sie mit einschloss, obwohl beide ihn mehr als nur einmal insg eheim besucht hatten. Sie betrachteten ihn mit der Ruhe von Aes Sedai, aber Masuris schlanke H�nde bewegten sich einmal, um ihre braunen R�cke zu gl�tten. Sie hatte behauptet, ihre Meinung ge�ndert zu haben und nun zu glauben, dass der Mann get�tet werden musste, aber warum traf sie sich dann mit ihm? Warum tat es Annoura? Warum empfing Masema sie? Er hasste Aes Sedai. Vermutlich konnte man jetzt, da Haviar und Nerion keinen Schutz mehr brauchten, Antworten finden.</p><p>Die Weisen Frauen hinter Masema regten sich. Die flammenhaarige Carelle, die aussah, als w�re sie aufbrausend, obwohl sie es nicht war, strich tats�chlich �ber den Messergriff, und Nevarin, die Nynaeve Unterricht im Aufbrausen h�tte geben k�nnen, schloss die Finger um den ihren. Masema h�tte die Blicke sp�ren m�ssen, die sich in seinen R�cken bohrten, aber sein Geruch ver�nderte sich nicht. Er mochte verr�ckt sein, aber feige war er nicht.</p><p>�Ihr wolltet mit Lord Perrin sprechen, mein Lord Prophet�, sagte Berelain sanft, aber Perrin konnte die Anstrengung riechen, die sie ihr L�cheln kostete.</p><p>Masema starrte sie an. �Ich bin blo� der Prophet des Lord Drachen, kein Lord. Der Lord Drache ist nun der einzige Lord. Sein Kommen hat alle Bande zerbrochen und alle Titel zerst�rt. K�nige und K�niginnen, Lords und Ladys sind nur Staub unter seinen F��en.�</p><p>Die wirbelnden Farben drohten wieder, aber Perrin zerq uetschte sie. �Was macht Ihr hier?�, wollte er wissen. Es war unm�glich, die Augenblicke mit Masema angenehmer zu machen. Der Mann war so hart wie eine gute Feile. �Ihr solltet bei Euren M�nnern sein. Ihr riskiert, gesehen zu werden, wenn Ihr herkommt, und Ihr riskiert es bei Eurer R�ckkehr erneut. Ich vertraue Euren Leuten nicht, f�nf Minuten durchzuhalten, ohne dass Ihr ihnen den R�cken st�rkt. Sie werden abhauen, sobald sie die Shaido auf sich zukommen sehen.�</p><p>�Das sind nicht meine Leute, Aybara. Es sind die Leute des Lord Drachen.� Beim Licht, in Masemas N�he zu sein bedeut ete, die Farben alle paar Minuten unterdr�cken zu m�ssen!</p><p>�Ich habe Nengar den Befehl �bergeben. Er hat in mehr Schlachten gek�mpft, als Ihr Euch tr�umen lasst. Die Wilden eingeschlossen. Au�erdem habe ich den Frauen den Befehl gegeben, jeden Mann zu t�ten, der fliehen will, und ich habe allgemein bekannt gemacht, dass ich jeden jage, der den Frauen entkommt. Sie werden bis zum letzten Mann ausharren, Aybara.�</p><p>�Ihr klingt, als w�rdet Ihr nicht zur�ckgehen�, sagte Perrin.</p><p>�Ich beabsichtige, in Eurer N�he zu bleiben.� Nebel mochte die Hitze in Masemas Augen verbergen, aber Perrin konnte sie f�hlen. �Es w�re doch eine Schande, wenn Euch in dem Moment, in dem Ihr Eure Frau zur�ckerobert, ein Ungl�ck befallen sollte.�</p><p>Und so hatte sich bereits ein kleiner Teil seines Planes aufg el�st. Eigentlich eher eine Hoffnung als der Teil des Planes. Wenn alles andere gut funktionierte, w�rden sich die Shaido, die fliehen konnten, einen Weg durch Masemas Leute bahnen, ohne auch nur einen Schritt langsamer zu werden, aber statt einen Speer durch die Rippen zu bekommen, w�rde Masema� ihn im Auge behalten. Zweifellos war die Leibwache des Mannes nicht weit entfernt, etwa zweihundert Schurken, die besser beritten und bewaffnet als der Rest seines Heeres waren. Perrin sah Berelain nicht an, aber die Sorge in ihrem Geruch war st�rker geworden. Masema hatte seine Gr�nde, sie beide tot sehen zu wollen. Er w�rde Gallenne einen Wink geben, dass seine Hauptaufgabe heute darin bestand, Berelain vor Masemas M�nnern zu besch�tzen. Und er w�rde auf seinen eigenen R�cken aufpassen m�ssen.</p><p>Ein St�ck weiter im Nebel entfernt blitzte es kurz blausilbern auf, und er runzelte die Stirn. F�r Grady war es zu fr�h. Zwei Gestalten sch�lten sich aus dem Nebel. Die eine war Neald, der ausnahmsweise einmal nicht stolzierte. Tats�chlich stolperte er. Er sah m�de aus. Sollte er doch zu Asche verbrennen, warum verschwendete er auf diese Weise seine Kraft? Der andere war ein junger Seanchaner in lackierter R�stung mit einer einzigen d�nnen Feder auf dem seltsamen Helm, den er unter dem Arm trug. Perrin erkannte ihn. Es war Gueye Arabah, ein Leutnant, von dem Tylee viel hielt. Die beiden Aes Sedai rafften die R�cke, als wollten sie verhindern, dass er sie ber�hrte, obwohl er nicht einmal in ihre N�he kam. Er wiederum kam aus dem Tritt, als er nahe genug war, um ihre Gesichter zu erkennen, und Perrin h�rte, wie er schwer schluckte. Pl�tzlich roch er nerv�s.</p><p>Arabahs Verbeugung schloss Perrin und Berelain ein, und er sah Masema mit einem leichten Stirnrunzeln an, als w�rde er sich fragen, was solch ein zerlumpter Kerl in ihrer Gesellschaft tat. Masema grinste h�hnisch, und die freie Hand des Seanchaners glitt auf seinen Schwertgriff zu, bevor er damit innehielt. Seanchaner schienen empfindliche Leute zu sein. Aber Arabah verschwendete keine Zeit. �Eine Empfehlung von Bannergeneralin Khirgan, mein Lord, meine Erste Lady. <emphasis>Morat'raken</emphasis> berichten, dass diese Aielbanden schneller als erwartet reisen. Sie werden irgendwann heute eintreffen, m�glicherweise schon gegen Mittag. Die Gruppe aus dem Westen umfasst etwa f�nfundzwanzig oder drei�igtausend, die aus dem Osten ist ein Drittel gr��er. Etwa die H�lfte von ihnen tr�gt Wei�, aber das sind immer noch eine Menge Speere, die Ihr hinter Euch habt. Die Bannergeneralin m�chte wissen, ob Ihr Ver�nderungen im Aufmarschplan besprechen wollt. Sie schl�gt vor, ein paar tausend altaranische Lanzenreiter zu Euch abzukommandieren.�</p><p>Perrin schnitt eine Grimasse. Bei jeder dieser Gruppen w�rden mindestens drei oder viertausend <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> sein. Eine Menge Speere, um sie im R�cken zu haben. Neald g�hnte. �Wie geht es Euch, Neald?�</p><p>�Oh, ich bin bereit zu tun, was getan werden muss, mein Lord�, sagte der Mann mit nur einer Spur seiner �blichen Eleganz.</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Man konnte den Asha'man nicht ein Tor mehr machen lassen als n�tig. Er betete, dass ihnen am Ende nicht gerade dieses eine Tor fehlte. �Wir werd en hier gegen Mittag fertig sein. Sagt der Bannergeneralin, wir gehen wie geplant vor.� Und beten, dass nichts anderes schiefgeht. Das sagte er allerdings nicht laut.</p><p>Drau�en im Nebel heulten W�lfe, ein unheimlicher Laut, der um ganz Maiden herum erscholl. Es hatte wahrhaftig angefangen.</p><p>�Ihr macht das gro�artig, Maighdin�, kr�chzte Faile. Ihr war leicht schwindelig, ihr Hals ganz trocken davon, die Frau zu unterst�tzen. Jeder hatte einen trockenen Hals. Dem Einfall des durch die L�cken in der Decke eindringenden Lichts nach zu urteilen, war der Vormittag zur H�lfte vergangen, und sie hatten den gr��ten Teil der Zeit mit Reden verbracht. Sie hatten versucht, sich bei den unversehrten F�ssern zu bedienen, aber der darin enthaltene Wein war zu verdorben, um selbst die Lippen damit befeuchten zu k�nnen. Jetzt wechselten sie sich mit dem Zuspruch ab. Sie sa� neben ihrer hellblonden Dienerin, w�hrend die anderen an der Wand sa�en, so weit entfernt von dem Tr�mmergewirr aus Balken und Dielen, wie sie nur konnten. �Ihr werdet uns retten, Maighdin.�</p><p>Uber ihnen war das rote Tuch so gerade eben durch einen schmalen Spalt in dem Tr�mmerhaufen zu sehen. Es hing jetzt schon einige Zeit lang schlaff herunter, solange der Wind nicht wehte. Maighdin starrte es gebannt an. Ihr schmutziges Gesicht war schwei�bedeckt, und sie atmete, als w�re sie gelaufen. Pl�tzlich schnellte das Tuch starr nach oben und fing an zu pendeln, einmal, zweimal, dreimal. Dann ergriff es der Wind und lie� es flattern, und es sackte herunter. Maighdin starrte es weiterhin an.</p><p>�Das war wunderbar�, sagte Faile heiser. Ihre Dienerin wurde m�de. Zwischen jedem Erfolg verging immer mehr Zeit, und die Erfolge hielten immer k�rzer an. �Es war��</p><p>Da erschien ein Gesicht neben dem Tuch, eine Hand packte den roten Stoff. Einen Augenblick lang hielt sie es f�r eine Einbildung. Aravines Gesicht, das von ihrer wei�en Kapuze eingerahmt wurde.</p><p>�Ich sehe sie!�, sagte die Frau aufgeregt. �Ich sehe die Lady Faile und Maighdin! Sie leben!� Stimmen jubelten und verstummten schnell wieder.</p><p>Maighdin schwankte, als w�rde sie gleich umkippen, aber ein wundersch�nes L�cheln lie� sie strahlen. Faile h�rte ein Weinen hinter ihr, und sie wollte selbst vor Freude weinen. Freunde hatten sie gefunden, nicht die Shaido. M�glicherweise war ihre Flucht noch nicht vorbei.</p><p>Sie erhob sich m�hsam und ging n�her an den schiefen Tr�mmerhaufen heran. Sie versuchte Feuchtigkeit in ihrem Mund zu erzeugen. �Wir leben alle�, schaffte sie heiser hervorzusto�en. �Wie, beim Licht, habt ihr uns gefunden?�</p><p>�Es war Theril, meine Lady�, erwiderte Aravine. �Der Schurke ist Euch trotz Eurer Befehle gefolgt, und das Licht segne ihn daf�r. Er sah Galina gehen und das Haus einst�rzen, und er hielt euch alle f�r tot. Er setzte sich und weinte.� Eine Stimme protestierte in rauem amadicianischem Akzent, und Aravine drehte kurz den Kopf. �Ich wei�, wenn jemand geweint hat, Junge. Sei froh, dass du zu weinen aufgeh�rt hast. Als er sah, wie sich das Tuch bewegte, meine Lady, rannte er Hilfe holen.�</p><p>�Sagt ihm, dass Tr�nen keine Schande sind�, erwiderte Faile. �Sagt ihm, dass ich meinen Mann habe weinen gesehen, wenn es angebracht war.�</p><p>�Meine Lady�, begann Aravine z�gernd, �er sagt, Galina hat ein St�ck Holz herausgezogen, als sie heraustrat. Es war wie ein Hebel, sagt er. Sie hat das Haus einst�rzen lassen, sagt er.�</p><p>�Warum sollte sie so etwas tun?�, wollte Alliandre wiss en. Sie hatte Maighdin auf die F��e geholfen und st�tzte sie beinahe, um Faile zu erreichen. Lacile und Arrela gesellten sich zu ihnen, waren abwechselnd am Lachen und Weinen. Alliandres Miene war so finster wie eine Gewitterwolke.</p><p>Faile verzog das Gesicht. Wie oft in den vergangenen paar Stunden hatte sie sich gew�nscht, diesen Schlag zur�cknehmen zu k�nnen. Galina hatte es <emphasis>versprochen^.</emphasis> Konnte die Frau eine Schwarze Ajah sein? �Das spielt jetzt keine Rolle mehr. Ich werde es ihr heimzahlen, so oder so.� Das Wie war eine andere Sache. Schlie�lich <emphasis>wa r</emphasis> Galina Aes Sedai. �Aravine, wie viele Leute habt Ihr mitgebracht? K�nnt Ihr��</p><p>Gro�e H�nde nahmen Aravine bei den Schultern und schoben sie beiseite. �Genug geredet.� Rolans Gesicht erschien in dem Spalt, die <emphasis>Sho ufa</emphasis> um den Hals und den Schleier auf der Brust. Rolan! �Wir k�nnen nichts wegr�umen, solange du da stehst, Faile Bashere. Das k�nnte einst�rzen, wenn wir anfangen. Geh ans andere Ende und dr�ck dich gegen die Wand.�</p><p>�Was tut Ihr hier?�, wollte sie wissen.</p><p>Der Mann kicherte. Er kicherte! �Du tr�gst noch immer Wei�, Frau. Tu, was man dir sagt, oder ich versohle dir ordentlich den Hintern, wenn ich dich da raushabe. Und dann werden wir deine Tr�nen vielleicht mit einem Kussspiel lindern.�</p><p>Sie zeigte ihm die Z�hne, hoffte, er hielt es nicht f�r ein Grinsen. Aber er hatte Recht, dass sie weggehen mussten, also f�hrte sie ihre Gef�hrtinnen �ber den mit Tr�mmern �bers�ten Steinboden an das andere Ende des Kellers, wo sie sich gegen die Wand dr�ckten. Sie konnte drau�en Stimmengemurmel h�ren, vermutlich diskutierten sie dar�ber, wie sie einen Weg freir�umen konnten, ohne den Rest des Hauses �ber ihren K�pfen einst�rzen zu lassen.</p><p>�Das alles f�r nichts und wieder nichts�, sagte Alliandre bitter. �Was glaubt Ihr, wie viele Shaido sind da oben?�</p><p>Holz �chzte laut, der Tr�mmerhaufen ruckte ein St�ck weiter nach unten. Die Stimmen ert�nten erneut.</p><p>�Ich habe keine Ahnung�, sagte Faile, �aber es m�ssen alles <emphasis>Mera'din</emphasis> sein, keine Shaido.� Die Shaido gaben sich nicht mit den Bruderlosen ab. �Das k�nnte uns helfen.� Sicherlich w�rde Rolan sie gehen lassen, sobald er von Dairaine erfuhr. Nat�rlich w�rde er das. Und wenn er stur blieb� In diesem Fall w�rde sie tun, was auch immer n�tig war, um ihn zu �berzeugen. Perrin w�rde es nie erfahren.</p><p>Wieder schabte Holz gegen Holz, und wieder ruckte der Haufen aus verbrannten Balken und Dielenbrettern ein St�ck in die Tiefe.</p><p>Der Nebel verbarg die Sonne, aber Perrin sch�tzte, dass der Vormittag zur H�lfte vor�ber war. Grady w�rde bald kommen. Er h�tte schon l�ngst da sein m�ssen. Wenn der Mann zu ersch�pft war, um ein weiteres Tor zu �ffnen� Nein. Grady w�rde kommen. Bald. Aber seine Schultern waren so verspannt, als h�tte er den ganzen Tag und l�nger am Schmiedeofen schwer gearbeitet.</p><p>�Ich sage Euch, der gef�llt mir nicht�, murmelte Gallenne. In dem dichten Nebel war seine rote Augenklappe nur ein weiterer Schatten. Sein Brauner mit der breiten Brust stupste seinen R�cken an, ungeduldig, und er t�tschelte fl�chtig seinen Hals. �Wenn Masema die Erste Lady wirklich t�ten will, dann sage ich, lasst ihn uns jetzt erledigen. Wir sind in der �berzahl. Wir k�nnen seine Leibwache in wenigen Minuten �berw�ltigen.�</p><p>�Narr�, knurrte Arganda und schaute nach rechts, als k�nnte er Masema und seine M�nner durch das wallende Grau sehen. Im Gegensatz zu dem Mayener hatte er seinen silberfarbenen Helm mit den drei buschigen wei�en Federn aufgesetzt. Genau wie der mit Gold und Silber veredelte Harnisch funkelte er vor Feuchtigkeit. Nebel oder nicht, seine R�stung schien beinahe zu gl�hen. �Glaubt Ihr, wir k�nnen zweihundert M�nner lautlos umbringen? Man wird auf der anderen Seite des H�gels Schreie h�ren. Ihr habt Eure Herrscherin, wo Ihr sie mit neunhundert M�nnern umgeben und sie m�glicherweise fortbringen k�nnt. Alliandre ist noch immer in dieser verdammten Stadt und wird von Shaido umringt.�</p><p>Erz�rnt griff Gallenne nach dem Schwertgriff, als wollte er bei Arganda �ben, bevor er bei Masema weitermachte.</p><p>�Heute werden nur Shaido get�tet�, sagte Perrin energisch. Gallenne grunzte, aber er versuchte nicht, eine Diskuss ion anzufangen. Doch er stank f�rmlich nach Unzufriedenheit. Berelains Schutz w�rde daf�r sorgen, dass sich die Gefl�gelten Wachen aus dem Kampf heraushielten.</p><p>Links blitzte es blau, und die Anspannung in Perrins Schultern lockerte sich. Grady erschien, er sah sich um. Seine Schritte wurden schneller, als er Perrin erblickte, aber sie waren unsicher. Ein anderer Mann war bei ihm, der ein gro�es schwarzes Pferd f�hrte. Perrin l�chelte das erste Mal seit langer Zeit.</p><p>�Es ist sch�n, Euch zu sehen, Tarn�, sagte er.</p><p>�Gut, auch Euch zu sehen, mein Lord.� Tarn al'Thor war noch immer ein kr�ftiger Mann, der aussah, als k�nnte er ohne Pause von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang durcharbeiten, aber das Haar auf seinem Kopf war v�llig grau geworden, seit Perrin ihn das letzte Mal gesehen hatte, und sein Gesicht wies ein paar zus�tzliche Falten auf. Er musterte Arganda und Gallenne mit ruhigem Blick. H�bsche R�stungen beeindruckten ihn nicht.</p><p>�Haltet Ihr durch, Grady?�, fragte Perrin.</p><p>�Ich halte durch, mein Lord.� Die Stimme des wettergegerbten Mannes klang abgrundtief ersch�pft. So vom Nebel beschattet, sah sein Gesicht noch �lter als das von Tarn aus.</p><p>�Nun, sobald Ihr hier fertig seid, geht Ihr zu Mishima. Ich will, dass ihn jemand im Auge beh�lt. Jemand, der ihn so nerv�s macht, dass er nicht auf die Idee kommt, etwas zu �ndern, worin sie eingewilligt haben.� Er h�tte Grady gern aufgetragen, sein Wegetor zu verknoten. Es w�re ein kurzer Weg, um Faile zur�ck zu den Zwei Fl�ssen zu bringen. Aber falls heute alles schieflief, w�re es auch ein kurzer Weg f�r die Shaido gewesen.</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich im Augenblick eine Katze nerv�s machen k�nnte, mein Lord, aber ich tue, was ich kann.�</p><p>Tarn sah Grady mit einem Stirnrunzeln nach, als er in der grauen Suppe verschwand. �Ich w�nschte, ich h�tte einen anderen Weg hierher gehabt�, sagte er. �Vor einer Weile haben Burschen wie er die Zwei Fl�sse besucht. Einer nannte sich Mazrim Taim, ein Name, den wir alle kennen. Ein falscher Drache. Aber jetzt tr�gt er einen schwarzen Mantel mit schicken Stickereien und nennt sich der M'Hael. Sie haben �berall davon gesprochen, M�nner im Lenken der Macht zu unterrichten, haben von dieser Schwarzen Burg gesprochen.� Er legte Missbilligung in die Worte. �Der Dorfrat hat versucht, dem einen Riegel vorzuschieben, genau wie der Frauenkreis, aber am Ende nahmen sie vierzig M�nner und Jungen mit. Dem Licht sei Dank haben einige auf die Stimme der Vernunft geh�rt, oder sie h�tten bestimmt zehnmal so viele mitgenommen.� Sein Blick richtete sich auf Perrin. �Taim sagte, Rand h�tte ihn geschickt. Er sagte, Rand w�re der Wiedergeborene Drache.� Da lag der Hauch einer Frage darin, vielleicht die Hoffnung, dass man es abstritt, vielleicht das Verlangen, wissen zu wollen, warum Perrin geschwiegen hatte.</p><p>Diese Farben schwirrten in Perrins Kopf, aber er vertrieb sie und antwortete, indem er nicht antwortete. Tatsachen waren nun einmal Tatsachen. �Daran l�sst sich nichts mehr �ndern, Tarn.� Laut Grady und Neald lie� die Schwarze Burg die M�nner nicht mehr gehen, sobald sie erst einmal dort waren.</p><p>Kummer trat in Tams Geruch, auch wenn er ihn sich nicht anmerken lie�. Er kannte das Schicksal der M�nner, die die Macht lenken konnten. Grady und Neald behaupteten, die m�nnliche H�lfte der Quelle sei nun sauber, aber Perrin konnte sich nicht vorstellen, wie das m�glich sein sollte. Tatsachen waren Tatsachen. Man erledigte die Aufgabe, die einem �bertragen wurde, folgte dem Weg, dem man folgen musste, und das war es. Sinnlos, �ber Blasen an den F��en oder den steinigen Boden zu klagen.</p><p>�Das sind Bertain Gallenne, Lordhauptmann der Gefl�gelten Wachen, und Gerard Arganda, Erster Hauptmann der Legion der Mauer.� Arganda zuckte unbehaglich mit den Schultern. Dieser Name hatte in Ghealdan politisches Gewicht, und anscheinend hatte sich Alliandre nicht stark genug gef�hlt, um zu verk�nden, dass sie die Legion wieder aufstellte. Aber Balwer hatte eine Nase daf�r, Geheimnisse zu erschn�ffeln. Dieses jedenfalls w�rde daf�r sorgen, dass Arganda nicht bei dem Versuch durchdrehte, seine K�nigin zu finden. �Gallenne, Arganda, das ist Tarn al'Thor. Er ist mein Erster Hauptmann. Ihr habt die Karte studiert, Tarn, und meinen Plan?�</p><p>�Ich habe sie studiert, mein Lord�, sagte Tarn trocken. Nat�rlich hatte er das. �Es sieht wie ein guter Plan aus. So gut wie jeder, bis die Pfeile fliegen.�</p><p>Arganda schob den Stiefel in den Steigb�gel seines Roans.</p><p>�Solange er Euer Erster Hauptmann ist, mein Lord, habe ich keine Einw�nde.� Zuvor hatte er viele gehabt. Weder er noch Gallenne waren erfreut gewesen, dass Perrin ihnen jemanden vor die Nase gesetzt hatte.</p><p>Oben auf dem Kamm ert�nte der schrille Alarmruf einer schwarzen Spottdrossel. Nur einmal. W�re es ein echter Vogel gewesen, w�re der Ruf wiederholt ert�nt.</p><p>Perrin eilte den Abhang so schnell hoch, wie er konnte. Arganda und Gallenne �berholten ihn auf ihren Reittieren, aber sie trennten sich, um zu ihren M�nnern zu reiten, und verschwanden in den dichten grauen Schwaden. Perrin eilte �ber den Kamm und wieder nach unten. Dannil stand beinahe an der Grenze des Nebels. Er schaute zum Lager der Shaido. Er zeigte, aber der Grund f�r den Alarm war offensichtlich. Eine gro�e Gruppe <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> verlie� die Zelte, vielleicht vierhundert oder mehr. Die Shaido schickten oft Jagdgruppen aus, aber diese kam direkt auf Perrin zu. Sie gingen im Schritttempo, aber sie w�rden nicht lange brauchen, um den H�gel zu erreichen.</p><p>�Es ist Zeit, dass sie uns sehen, Dannil�, sagte er, l�ste seinen Umhang und legte ihn �ber einen niedrigen Busch. Er w�rde ihn sich sp�ter dort abholen. Wenn er konnte. Aber jetzt w�rde er ihn nur behindern. Dannil deutete eine Verbeugung an, bevor er zur�ck zwischen die B�ume eilte; Aram erschien, das Schwert bereits in der Hand. Er roch begierig. Perrin schob die Umhangnadel sorgf�ltig in die Tasche. Faile hatte sie ihm gegeben. Er wollte sie nicht verlieren. Seine Finger fanden die Lederschnur, in die er jeden Tag ihrer Gefangenschaft einen Knoten gemacht hatte. Er zog sie heraus und lie� sie zu Boden fallen, ohne einen Blick darauf zu verschwenden. Dieser Morgen hatte den letzten Knoten gesehen.</p><p>Er schob die Daumen hinter den breiten G�rtel, der seinen Hammer und das G�rtelmesser hielt, und schlenderte aus dem Nebel heraus. Aram hielt sich dicht hinter ihm, bereits in einer der Schwertfiguren. Perrin ging ganz normal. Er hatte die Morgensonne, die tats�chlich den halben Weg zu ihrem Mittagsstand zur�ckgelegt hatte, in den Augen. Eine Zeit lang hatte er dar�ber nachgedacht, den Osth�gel zu nehmen und Masemas M�nner hier zu postieren, aber das h�tte bedeutet, dass die Stadttore noch weiter entfernt gewesen w�ren. Ein alberner Grund, aber diese Tore zogen ihn an wie ein Magnetstein Eisensplitter. Er lockerte den schweren Hammer in seiner Schlaufe am G�rtel, lockerte das G�rtelmesser. Seine Klinge war so lang wie seine Hand.</p><p>Das Auftauchen zweier M�nner, die anscheinend gem�tlich auf sie zukamen, reichte aus, um die Shaido anhalten zu lassen. Nun ja, vielleicht nicht unbedingt gem�tlich, bedachte man Arams Schwert. Sie h�tten blind sein m�ssen, um nicht zu sehen, wie das Sonnenlicht von seiner langen Klinge reflektiert wurde. Sie mussten sich fragen, ob sie da ein paar Verr�ckte sahen. Auf halbem Weg den Abhang hinunter blieb er stehen.</p><p>�Entspannt Euch�, sagte er zu Aram. �So ersch�pft ihr Euch blo�.�</p><p>Der Kesselflicker nickte lediglich, ohne den Blick von den Shaido zu wenden, und suchte sich einen festen Stand. Sein Geruch war der eines J�gers, der ein gef�hrliches Wild jagte und entschlossen war, es zu erlegen.</p><p>Nach einem Moment kam ein halbes Dutzend Shaido langsam auf sie zu. Sie hatten sich nicht verschleiert. Verm utlich hofften sie, dass er und Aram nicht furchterf�llt die Flucht ergriffen. Zwischen den Zelten zeigten Leute mit den Fingern auf die zwei Narren.</p><p>Das Ger�usch polternder Stiefel und Hufe und schnaubender Pferde lie� ihn �ber die Schulter sehen. Argandas Ghealdaner waren als Erste aus dem Nebel gekommen, ritten in ihren funkelnden Brustharnischen und Helmen hinter einem wehenden roten Banner mit den drei sechszackigen Silbersternen von Ghealdan, und dann kamen die Gefl�gelten Wachen in ihrer roten R�stung hinter dem goldenen Falken auf blauem Untergrund von Mayene. Dazwischen lie� Dannil die M�nner von den Zwei Fl�ssen in drei Reihen Aufstellung nehmen. Jeder Mann trug zwei gef�llte K�cher am G�rtel sowie ein B�ndel Pfeile, die er mit den Spitzen in den Boden des Abhangs rammte, bevor er das Halteband durchtrennte. Sie trugen ihre Schwerter und Kurzschwerter, aber die Hellebarden und anderen Stangenwaffen waren an diesem Morgen auf den Karren zur�ckgeblieben. Einer von ihnen hatte das rote Wolfssch�delbanner mitgebracht, aber der Schaft war hinter ihnen in den Boden gerammt worden. Keiner von ihnen konnte er�brigt werden, um das Ding zu tragen. Auch Dannil hielt einen Bogen.</p><p>Masema und seine Leibwache aus Lanzentr�gern nahmen eine Position rechts von den Gefl�gelten Wachen ein, ihre schlecht gef�hrten Pferde t�nzelten und stiegen auf die Hinterhand. Ihre R�stungen wiesen braune Flecken auf, wo man den Rost abgekratzt hatte, statt sie richtig zu s�ubern. Masema ritt an ihrer Spitze, ein Schwert an der H�fte, aber ohne Helm und Harnisch. Nein, an Mut mangelte es ihm wahrlich nicht. Er starrte die Mayener an, bei denen Perrin Berelain genau in der Mitte dieses Waldes aus Lanzen entdecken konnte. Er hatte keinen klaren Blick auf ihr Gesicht, aber er nahm an, dass ihre Miene noch immer k�hl war. Sie hatte sich beharrlich dagegen gewehrt, dass ihre Soldaten vom Kampf ferngehalten wurden, und er hatte sehr energisch sein m�ssen, damit sie es einsah. Beim Licht, die Frau hatte doch so gut wie vorgeschlagen, die M�nner bei einem Sturmangriff <emphasis>anzuf�hren^.</emphasis></p><p>Die Weisen Frauen und die beiden Aes Sedai kamen zwischen den Ghealdanern und den M�nnern von den Zwei Fl�ssen herunter, begleitet von den T�chtern, von denen jede lange rote Stoffstreifen um die Oberarme und die Handgelenke gekn�pft hatte. Er konnte Aviellin nicht ausmachen, aber ihrer Zahl nach zu urteilen, musste sie dabei sein, Geheilt oder nicht. Schwarze Schleier verh�llten ihre Gesichter bis auf die Augen, aber er brauchte ihre Gesichter nicht zu sehen oder ihren Geruch aufzufangen, um zu wissen, dass sie emp�rt waren. Die Abzeichen waren n�tig gewesen, um Unf�lle zu vermeiden, aber Edarra hatte laut werden m�ssen, damit sie sie auch trugen.</p><p>Goldene und elfenbeinerne Armreifen klirrten, als Edarra das schwarze Schultertuch richtete. Mit den glatten, von der Sonne gebr�unten Wangen, die wegen des hellblonden Haars noch dunkler erschienen, sah sie etwas �lter als Perrin aus, aber in ihren blauen Augen lag eine unersch�tterliche Ruhe. Er hielt sie f�r viel �lter, als es den Anschein hatte. Diese Augen hatten viel gesehen. �Ich glaube, es wird bald anfangen, Perrin Aybara�, sagte sie.</p><p>Perrin nickte. Die Stadttore riefen ihn.</p><p>Der Aufmarsch von fast zweitausend Lanzenreitern und zweihundert Bogensch�tzen reichte, damit die Shaido die Schleier anlegten und ausschw�rmten, w�hrend mehr von ihnen aus den Zelten eilten und sich in einer dichten, immer l�nger werdenden Reihe zu ihnen gesellten. Ausgestreckte Finger in dieser Reihe und ausgestreckte Speere lie�en Perrin erneut nach hinten blicken.</p><p>Tarn stand jetzt da, weitere M�nner von den Zwei Fl�ssen str�mten mit Langb�gen in den H�nden aus dem Nebel. Einige wollten sich zu den M�nnern gesellen, die Perrin gefolgt waren, um sich zu Br�dern, S�hnen, Neffen und Freunden zu gesellen, aber Tarn scheuchte sie weg, lie� seinen schwarzen Wallach den Abhang auf und ab reiten, w�hr end er sie zu beiden Seiten der Reiter in drei st�ndig gr��er werdenden Reihen Aufstellung nehmen lie�. Perrin entdeckte Hu Barran und seinen genauso schlaksigen Bruder Tad, die Stallburschen von der Weinquellen-Schenke, und Bar Dowtry, der nur wenige Jahre �lter als er war und sich einen Namen als Kunsttischler machte, und der d�rre Thad Torfinn, der seinen Hof nur selten verlie� und dann auch nur, um Emondsfelde zu besuchen. Oren Dautry, schlank und gro�, stand zwischen Jon Ayellin, der dick und kahl war, und Kev Barstere, der offensichtlich endlich dem Daumen seiner Mutter entkommen war, wenn er hier war. Da waren Marwins und al'Dais, al'Seens und Coles, Thanes und al'Caars und Crawes, M�nner aus jeder ihm bekannten Familie, ihm unbekannte M�nner aus Devenritt oder Wachh�gel oder Taren-F�hre, alle mit grimmigen Gesichtern und mit gef�llten K�chern und zus�tzlichen Pfeilb�ndeln beladen. Und zwischen ihnen standen andere, M�nner mit kupferner Haut, M�nner mit durchsichtigen Schleiern vor der unteren Gesichtsh�lfte, M�nner mit heller Haut, die einfach nicht nach den Zwei Fl�ssen aussahen. Sie trugen nat�rlich k�rzere Bogen � es dauerte ein Leben lang, den Umgang mit dem Langbogen von den Zwei Fl�ssen zu lernen �, aber jedes Gesicht trug den gleichen entschlossenen Ausdruck wie das der Zwei Fl�sse-M�nner. Was, beim Licht, hatten diese Ausl�nder hier zu suchen? Die Str�me laufender M�nner h�rten nicht auf, bis diese drei langen Reihen mindestens dreitausend M�nner enthielten, vielleicht auch viertausend.</p><p>Tarn f�hrte sein Pferd im Schritttempo den Abhang bis zu Perrin hinunter und musterte die anschwellenden R�nge der Shaido unter ihnen, dennoch schien er Perrins unausgesprochene Frage geh�rt zu haben. �Ich habe bei den Zwei Fl�ssen nach Freiwilligen gefragt und die besten Bogensch�tzen ausgew�hlt, aber die, die Ihr aufgenommen habt, traten in Gruppen an. Ihr habt ihnen und ihren Familien ein Heim gegeben, und sie sagten, sie w�ren jetzt auch M�nner der Zwei Fl�sse. Einige dieser B�gen werden nicht viel weiter als zweihundert Schritte tragen, aber die M�nner, die ich ausgesucht habe, treffen, worauf sie zielen.�</p><p>Unten fingen die Shaido an, mit den Speeren rhythmisch gegen die Lederrundschilde zu h�mmern. RAT-tat-tat-tat! RAT-tat-tat-tat! RAT-tat-tat-tat! Das Dr�hnen wurde lauter, wie ein Donnerschlag. Die Flut verschleierter Gestalten, die von den Zelten herbeiliefen, wurde zu einem Rinnsaal, das immer weniger wurde und schlie�lich versiegte. Anscheinend hatte man s�mtliche <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> herausgelockt. Das war ja auch der Plan gewesen. Es mussten fast zwanzigtausend von ihnen sein, die alle auf ihre Schilde h�mmerten. RAT-tat-tat-tat! RAT-tat-tat-tat! RAT-tat-tat-tat!</p><p>�Ich hatte nach dem Aielkrieg gehofft, das nie wieder zu h�ren�, sagte Tarn laut, um sich verst�ndlich zu machen. Dieser L�rm konnte einem Mann auf die Nerven gehen.</p><p>�Gebt Ihr den Befehl, Lord Perrin?�</p><p>�Das tut Ihr.� Perrin lockerte den Hammer erneut, das G�rtelmesser auch. Sein Blick glitt immer wieder von den Shaido zu den Stadttoren und der finsteren Masse der Festung in der Stadt. Dort wartete Faile.</p><p>�Wir werden es bald wissen�, sagte Edarra. Sie meinte den Tee. Wenn sie nicht lange genug gewartet hatten, dann waren sie alle tot. Ihre Stimme klang jedoch ganz ruhig. Aram bewegte sich nerv�s, das Schwert mit beiden H�nden vor sich in die H�he erhoben.</p><p>Perrin konnte Tarn rufen h�ren, als er die Reihen der Bogensch�tzen abritt. �Langb�gen, einspannen! Kurzb�gen, wartet, bis ihr nahe dran seid! Nicht die Sehne spannen, ihr Narren! Ihr wisst es doch besser! Langb�gen�!�</p><p>Unter ihnen wandte sich vielleicht ein Viertel der Shaido ab und lief im Laufschritt parallel zum H�gel nach Norden, dabei immer noch auf die Rundschilde schlagend. Ein weiteres Viertel ging nach S�den. Sie wollten den H�gel umgehen und die M�nner auf dem Abhang von beiden Seiten angreifen. Sie flankieren, wie Tylee das nannte. Eine wellenf�rmige Bewegung kam in die Verbleibenden, als sie die Speere unter ihr Ledergeschirr schoben, die Schilde am G�rtel befestigten und die Bogen zogen.</p><p>�Gleich�, murmelte Edarra.</p><p>Ein Feuerball gr��er als ein M�nnerkopf schoss zwischen den Zelten empor und raste auf den H�gel zu, dann noch einer, der doppelt so gro� war, und noch viele weitere. Der Erste war hoch in den Himmel gestiegen und raste jetzt in die Tiefe. Und explodierte mit lautem Krachen hundert Schritte �ber ihren K�pfen. In schneller Folge explodierten auch die anderen, ohne Schaden anzurichten, aber es folgten weitere Flammenkugeln, die in einem best�ndigen Strom auf den H�gelkamm zujagten. Ver�stelte silberne Blitze stachen aus dem wolkenlosen Himmel und zerplatzten mit ohrenbet�ubenden Donnerschl�gen und im Funkenregen, ohne auch nur in Bodenn�he zu kommen.</p><p>�Etwa f�nfzehn oder zwanzig Weise Frauen sind dem Tee entkommen�, sagte Edarra, �sonst h�tten sich mittlerweile mehr eingemischt. Ich kann blo� neun Machtlenkerinnen ausmachen. Der Rest muss irgendwo zwischen den Zelten sein.� Sie verabscheute seine Abmachung mit den Seanchanern genauso sehr wie die Aes Sedai, aber ihre Stimme war v�llig ruhig. Soweit es sie betraf, hatten die Shaido das <emphasis>ji'e'toh</emphasis> in einem solchen Ausma� verletzt, dass es fraglich war, ob man sie �berhaupt noch als Aiel bezeichnen konnte. F�r sie stellten sie etwas dar, das man aus der Volksmasse der Aiel herausschneiden musste, und ihre Weisen Frauen verk�rperten den schlimmsten Krankheitsherd, weil sie das zugelassen hatten. Masuri nahm den Arm nach hinten, aber Edarra legte ihr die Hand auf die Schulter. �Noch nicht, Masuri Sokawa. Wir sagen schon Bescheid, wenn es so weit ist.� Masuri nickte gehorsam, obwohl sie nach Ungeduld roch.</p><p>�Nun, ich f�r meinen Teil f�hlte mich gef�hrdet�, sagte Annoura fest und nahm den Arm zur�ck. Edarra sah sie blo� an. Nach einem Moment senkte die Aes Sedai den Arm wieder. Ihre perlengeschm�ckten Z�pfe stie�en klirrend aneinander, als sie ruckartig den Kopf drehte, um dem Blick der Weisen Frau auszuweichen. Von ihr ging der Geruch starken Unbehagens aus. �Vielleicht sollte ich ja noch etwas warten�, murmelte sie.</p><p>Die Feuerb�lle, die �ber das Firmament sausten, explodierten weiterhin weit �ber ihren K�pfen, die Blitze zuckten auf den H�gel herunter, aber die Shaido unten warteten nicht. Mit einem Aufschrei setzte sich die Masse der Krieger im Laufschritt in Richtung Abhang in Bewegung. Und sie sangen aus vollem Halse. Perrin bezweifelte, dass jemand anders auf dem Hang mehr als ein Br�llen verstehen konnte, aber seine Ohren konnten undeutlich Worte ausmachen. Sie sangen gruppenweise.</p><p><emphasis>Wasch den Speer�</emphasis></p><p><emphasis>� wenn die Sonne am Himmel steht. Wasch den Speer�</emphasis></p><p><emphasis>� wenn die Sonne sinkt. Wasch den Speer�</emphasis></p><p><emphasis>� wer hat Angst vor dem Tod?</emphasis></p><p><emphasis>Wasch den Speer�</emphasis></p><p><emphasis>� keiner, den ich kenn'!</emphasis></p><p>Er sperrte den Laut aus, ignorierte ihn, w�hrend sein Blick �ber die anst�rmende Masse verschleierter Gestalten hinaus zu den Toren von Maiden glitt. Eisensp�ne und ein Magnetstein. Die Gestalten unter ihm schienen einen halben Schritt langsamer geworden zu sein, obwohl er wusste, dass das nicht stimmte. In solchen Augenblicken schien f�r ihn alles langsamer zu werden. Wie lange, bevor sie in Reichweite waren? Sie hatten etwa die H�lfte des Weges zum H�gel zur�ckgelegt.</p><p>�Langbogen, auf! Auf mein Signal!�, rief Tarn. �Langbogen, auf! Auf mein Signal!�</p><p>Perrin sch�ttelte den Kopf. Zu fr�h. Hinter ihm schnappt en Tausende von Bogensehnen zur�ck. Pfeile zischten �ber seinen Kopf hinweg. Der Himmel schien sich durch sie verd unkelt zu haben. Sekunden sp�ter folgte eine zweite Salve, dann eine dritte. Feuerb�lle brannten Schneisen in sie hinein, trotzdem regneten noch immer Tausende Pfeile in einem t�dlichen Hagel auf die Shaido herab. Nat�rlich. Er hatte den h�heren Standort der Bogensch�tzen nicht mit einkalkuliert. Das gab ihnen eine etwas gr��ere Reichweite. Man konnte sich auf Tarn verlassen, das zu bedenken. Nat�rlich traf nicht jeder Pfeil einen Mann. Viele gruben sich in den Boden. Vielleicht die H�lfte trafen <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> durchbohrten Arme und Beine, schlugen in K�rper ein. Verwundete Shaido wurden selten langsamer, selbst wenn sie sich vom Boden wieder hochk�mpfen mussten. Dennoch blieben Hunderte von ihnen reglos liegen, und die zweite Salve f�llte noch einmal Hunderte, genau wie die dritte, w�hrend die vierte und f�nfte bereits auf dem Weg waren. Die Shaido behielten ihren eingeschlagenen Weg bei, beugten sich vor, als w�rden sie in einen Regensturm hineinlaufen, w�hrend die Feuerb�lle und Blitze ihrer Weisen Frauen hoch �ber ihren K�pfen explodierten. Ihr Lied war verstummt. Einige hoben die B�gen und sch�ssen. Ein Pfeil streifte Perrins linken Arm, aber der Rest fiel au�er Reichweite zu Boden. Aber nicht mehr weit au�er Reichweite. Noch zwanzig Schritte, und dann�</p><p>Der pl�tzliche, durchdringende Schall seanchanischer Signalh�rner lie� seinen Blick nach Norden und S�den huschen, gerade noch rechtzeitig, um zu beobachten, wie der Boden zwischen den flankierenden Gruppen in Gestalt von Flammens�ulen aufbrach. Blitze zuckten in sie hinein. Die <emphasis>Damane</emphasis> hielt man im Augenblick zwischen den B�umen postiert, aber sie verrichteten ihr t�dliches Werk. Immer wieder schleuderten Explosionen und Blitze M�nner wie Zweige umher. Diese <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> konnten nicht wissen, wo dieser Angriff herkam. Sie begannen auf die B�ume zuzulaufen, auf ihre M�rder zu. Einige der Feuerb�lle aus dem Lager flogen nun auf den Wald zu, in dem die <emphasis>Damane</emphasis> waren, Blitze zuckten auf die B�ume zu, aber sie richteten genauso wenig aus wie zuvor auf dem H�gel. Tylee hatte behauptet, man w�rde <emphasis>Damane</emphasis> f�r alle m�glichen Arbeiten einsetzen, aber in Wahrheit stellten sie Kriegswaffen dar, und sie und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> verstanden ihr Handwerk vortrefflich.</p><p>�Jetzt�, sagte Edarra, und Feuerb�lle regneten auf die Shaido unter ihnen herab. Die Weisen Frauen und die Aes Sedai machten mit beiden Armen Wurfbewegungen, so schnell sie konnten, und jedes Mal schien ein Feuerball aus ihren Fingerspitzen zu wachsen. Nat�rlich explodierten viele davon zu fr�h. Die Weisen Frauen der Shaido verteidigten ihre Leute. Aber die <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> befanden sich nun viel n�her am H�gel, also blieb ihnen eine geringere Reaktionszeit. Feuerb�lle zerplatzten zwischen den Shaido, schleuderten M�nner zur Seite, wirbelten abgetrennte Arme und Beine in die Luft. Silberblaue Blitze ver�stelten sich in die Tiefe, und die meisten von ihnen trafen auch. Die Haare auf Perrins Armen kr�uselten sich. Die Haare auf seinem Kopf wollten sich aufstellen. Die Luft schien durch die Blitzentladungen zu knistern.</p><p>Und w�hrend Edarra und die anderen den Tod auf die Angreifer schleuderten, wehrten sie gleichzeitig die Angriffe der gegnerischen Weisen Frauen ab, und die ganze Zeit �ber bedienten die M�nner von den Zwei Fl�ssen ihre B�gen, so schnell sie konnten. Ein ge�bter Sch�tze konnte zw�lf Pfeile in der Minute verschie�en, und der Abstand war nun k�rzer. Die Shaido trennten keine zweihundert Schritte mehr vom Fu� des H�gels. Ihre Pfeile fielen immer noch vor Perrin zu Boden, aber auf diese Distanz trafen die Zwei-Fl�sse-Pfeile jedes Mal. Nat�rlich w�hlte jeder Bogensch�tze sein eigenes Ziel, also sah Perrin <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> von zwei, drei, sogar vier Pfeilen getroffen st�rzen.</p><p>Es gab Grenzen, was das Fleisch erdulden konnte. Die erst en Shaido fielen zur�ck. Sie flohen nicht. Viele sch�ssen auf den Hang, obwohl keine Aussicht bestand, die Distanz �berbr�cken zu k�nnen. Aber dann drehten sie wie auf einen unh�rbaren Befehl und rannten los, versuchten ausreichend Abstand zwischen sich und die Pfeile der Zwei Fl�sse und den Feuer und Blitzregen zu legen. Die Flankierenden fielen ebenfalls zur�ck, als Lanzenreiter zwischen den B�umen hervorschossen und sich zu tausend Pferde breiten R�ngen formierten, dann langsam vorr�ckten, w�hrend Feuer und Blitz die Shaido heimsuchten.</p><p>�Ein Rang nach dem anderen�, rief Tarn, �drei Schritte vor und schie�en!�</p><p>�Im Schritttempo vorw�rts!�, br�llte Arganda.</p><p>�Mir nach!�, donnerte Masema.</p><p>Eigentlich sollte Perrin zusammen mit den anderen den langsamen Vorsto� machen, aber er schritt den Abhang mit jedem Schritt schneller hinunter. Die Tore zerrten an ihm. Sein Blut verwandelte sich in Feuer. Elyas behauptete, dies sei ein ganz nat�rliches Gef�hl, wenn man in Lebensgefahr schwebte, aber er konnte das nicht so sehen. Einst war er im Wasserwald beinahe ertrunken, und er hatte nicht einmal ann�hernd so etwas wie die Aufregung versp�rt, die ihn jetzt durchzuckte. Hinter ihm schrie jemand seinen Namen, aber er machte im Laufschritt weiter, wurde immer schneller. Er befreite den Hammer aus seiner G�rtelschlaufe, zog mit der Linken das Messer. Aram rannte an seiner Seite, wie ihm bewusst wurde, aber seine ganze Konzentration war auf die Stadttore gerichtet, auf die Shaido, die noch immer zwischen ihm und Faile standen. Feuer, Blitz und Pfeile regneten wie Hagel auf sie herab, und sie drehten sich nicht l�nger um, um zu schie�en, aber sie schauten oft �ber die Schulter. Viele st�tzten Verwundete, M�nner, die ein Bein nachzogen oder sich die Seite hielten, aus der zwei der langen Zwei-Fl�sse-Pfeile ragten, und er holte auf.</p><p>Pl�tzlich drehten sich ein halbes Dutzend verschleierter M�nner mit Speeren in den H�nden um und liefen auf ihn und Aram zu. Dass sie nicht ihre B�gen benutzten, bedeutete, dass sie keine Pfeile mehr hatten. Er hatte Geschichten von Helden geh�rt, von M�nnern, die durch einen Zweikampf die Zukunft entschieden und deren Heere sich nach dem Ausgang richteten. Die Aiel kannten solche Geschichten nicht. Allerdings wurde er nicht langsamer. Sein Blut <emphasis>war</emphasis> wie Feuer. <emphasis>Er</emphasis> war das Feuer.</p><p>Ein Pfeil von den Zwei Fl�ssen bohrte sich mitten in die Brust eines Shaido, und er war noch nicht auf dem Boden aufgeschlagen, als drei weitere von mindestens einem Dutzend Pfeilen getroffen wurden. Aber nun waren Aram und er zu nahe an den beiden letzten Gegnern. Jeder au�er dem allerbesten Sch�tzen w�rde riskieren, Aram oder ihn zu treffen. Aram glitt auf einen der Shaido zu, als w�rde er tanzen, seine Klinge war wie ein funkelnder Schemen, aber Perrin hatte keine Zeit, sich einen Kampf anzusehen, selbst wenn er gewollt h�tte. Ein verschleierter Mann, der ihn um mindestens einen Kopf �berragte, stach mit einem Kurzspeer nach ihm. Perrin parierte den Speer mit dem G�rtelmesser und schwang den Hammer. Der Shaido wollte ihn mit dem Rundschild abwehren, aber er ver�nderte die Richtung des Schwungs etwas und h�rte die Unterarmknochen des Mannes bersten, als sie zehn Pfund von einem Schmiedarm geschwungener Stahl trafen. Jetzt hatte er die Speerspitze weit hinter sich gelassen und hieb dem Mann ohne langsamer zu werden das Messer quer �ber den Hals. Blut spritzte, und er rannte weiter, w�hrend der Mann fiel. Er musste Faile finden. Feuer in seinem Blut, Feuer in seinem Herzen. Feuer in seinem Kopf. Nichts und niemand w�rde ihn von Faile fernhalten.</p></section><section><title><p>30</p><p>Vor den Toren</p></title><p>Faile bem�hte sich anhand der schr�gen Lichtstrahlen, die durch die L�cher des zerst�rten Hauses fielen, die Zeit zu sch�tzen, aber es schien noch kurz vor Mittag zu sein. Bis jetzt war nur eine kleine Stelle ganz oben auf der Kellertreppe frei ger�umt. Jede von ihnen w�re daran vorbeigekommen, h�tte sie es gewagt, �ber den schiefen Haufen geschw�rzter Tr�mmer nach oben zu klettern, aber der sah noch immer aus, als k�nnte er jeden Augenblick in die Tiefe poltern. Gelegentlich �chzte er bedrohlich. Das einzig Gute an ihm war, dass er noch nicht angefangen hatte, ihnen auf den Kopf zu fallen. Wie lange das so bleiben w�rde, war eine andere Frage. Seit einiger Zeit hatte Faile Donnerschl�ge geh�rt, sogar ziemlich viele, und sie kamen langsam n�her. Sie ert�nten beinahe ununterbrochen. Ein so starker Sturm reichte wom�glich aus, um das Haus endg�ltig einst�rzen zu lassen. Beim Licht, war sie durstig.</p><p>Pl�tzlich erschien Rolan in der �ffnung und legte sich auf den steinernen Treppenabsatz. Er hatte das Geschirr mit seinem Bogenfutteral abgelegt. Behutsam schob er sich <emphasis>auf</emphasis> die Tr�mmer. Der Haufen �chzte leise unter seinem Gewicht. Kinhuin, ein Mann mit gr�nen Augen, der eine gute Handspanne k�rzer als er war, kniete nieder, um seine Kn�chel zu ergreifen. Anscheinend waren da oben nur drei der Bruderlosen, aber das waren drei zu viel.</p><p>Kopf und Schultern �ber den Rand der Tr�mmer geschoben, senkte Rolan einen Arm. �Wir haben keine Zeit mehr, Faile Bashere. Nimm meine Hand.�</p><p>�Zuerst Maighdin�, sagte Faile mit belegter Stimme und wischte die zaghaften Proteste der blonden Frau fort. Beim Licht, ihr Mund war voller M�rtelstaub und zu trocken, um ihn auszuspucken. �Dann Arrela und Lacile. Ich gehe als Letzte.� Alliandre nickte beipflichtend, aber auch Arrela und Lacile wollten protestieren. �Seid still und tut, was ich euch sage�, rief sie energisch. Ununterbrochen donnerte es. Der Sturm, der so viel Donner produzierte, w�rde eine �berschwemmung bringen, nicht blo� einen Regenschauer.</p><p>Rolan lachte. Wie konnte er in so einem Augenblick <emphasis>lachen?</emphasis> Er h�rte erst auf, als das verkohlte Holz unter ihm durch seine Bewegungen erneut �chzte. �Du tr�gst noch immer Wei�, Frau. Also sei still und tu, was ich dir sage.� Da lag ein Hauch von Spott in seiner Stimme, aber der war verschwunden, als er hinzuf�gte: �Hier wird keine vor dir rausgeholt.� Das klang wie ein St�ck Eisen.</p><p>�Meine Lady�, sagte Alliandre leise und heiser. �Ich glaube, er meint es wirklich ernst. Ich schicke die anderen in der Reihenfolge raus, die Ihr festgelegt habt.�</p><p>�H�r auf zu schmollen und gibt mir deine Hand�, befahl Rolan.</p><p>Sie schmollte <emphasis>nicht!</emphasis> Dieser Mann konnte genauso unversch�mt stur wie Perrin sein. Nur, bei Perrin war das interessant und nicht unbedingt unversch�mt. Sie hob die rechte Hand, so weit sie konnte, lie� sie von Rolans Hand umschlie�en. Er hob sie m�helos nach oben, bis ihr Gesicht mit seinem fast auf einer H�he war.</p><p>�Halte dich an meinem Mantel fest.� Trotz des ung�nstigen Winkels seines Armes war seiner Stimme keinerlei Anstrengung anzuh�ren. �Du musst �ber mich klettern.�</p><p>Sie schwang die linke Hand nach oben und erwischte eine Faust voll rauer Wolle, hielt mit aller Kraft fest. Die Schmerzen in ihrer Schulter verrieten ihr, dass sie so schlimm geprellt war, wie sie bef�rchtet hatte. Als er ihre andere Hand loslie�, lie� der stechende Schmerz sie aufst�hnen, und sie griff schnell mit den nun frei gewordenen Fingern nach seinem Mantel. Er packte ihre Taille mit beiden H�nden und schob sie h�her, sodass sie auf seinem breiten R�cken lag. Es donnerte ununterbrochen. Bald musste der Regen fallen. Das w�rde es noch schwerer machen, die anderen hier rauszuschaffen.</p><p>�Mir gef�llt es, dein Gewicht auf mir zu sp�ren, Faile Bashere, aber vielleicht k�nntest du etwas schneller klettern, damit ich die anderen rausschaffen kann.� Er kniff sie in den Hintern, und sie lachte wider Willen. Dieser Mann konnte es einfach nicht lassen!</p><p>�ber ihn hinwegzuklettern ging langsamer, als sie gehofft hatte. Sie glaubte zwar nicht, dass etwas in ihrer Schulter gebrochen war, aber es tat verflucht <emphasis>weh.</emphasis> Einmal glaubte sie, Rolan vor den Kopf getreten zu haben. Er kniff sie?</p><p>Schlie�lich war sie drau�en und an Kinhuin vorbei, wied er auf den F��en unter freiem Himmel. Ihr erster Blick auf das Haus von au�en lie� sie schlucken und dann heftig husten, als sie M�rtel in den Hals bekam. Die verbrannten Balken standen auf alarmierende Weise schr�g, bereit, in den Keller zu st�rzen. Jhoradin, der dritte Bruderlose, ein blau�ugiger Mann mit rotblondem Haar und einem Gesicht, das man fast h�bsch h�tte nennen k�nnen, behielt Kinhuin und Rolan im Blick, aber immer wieder schaute er das Geb�ude an, als w�rde er erwarten, es einst�rzen zu sehen. F�r einen Aiel war er st�mmig, nicht ganz so gro� wie Perrin, daf�r aber fast doppelt so breit. In der Stra�e mussten mindestens hundert ihrer Leute sein, die sie alle nerv�s anstarrten; bei einigen waren die wei�en Gew�nder ru�verschmiert, weil sie sich bem�ht hatten, sie auszugraben. Hundert! Aber sie konnte sich nicht dazu �berwinden, sie zu tadeln. Vor allem nachdem Aravine ihr einen prallen Wasserschlauch in die H�nde dr�ckte. Der erste wieder ausgespuckte Schluck nahm M�rtel und Staub mit sich, obwohl sie ihn so gern trotzdem heruntergeschluckt h�tte, aber danach hielt sie den Schlauch hoch und sch�ttete sich das Wasser beinahe die Kehle hinunter. Ihre angeschlagene Schulter protestierte. Sie ignorierte sie und trank weiter.</p><p>Pl�tzlich wurde sie sich der Blitze bewusst, die im Westen vor der Stadt einschlugen, und sie senkte den Wasserschlauch, um dorthin zu starren. Nahe au�erhalb der Stadt. Aus einem wolkenlosen Himmel. Und manchmal schlugen sie gar nicht ein. Viele der silbrigen, ver�stelten Blitze explodierten donnernd weit �ber dem Boden. Feuerb�lle sch�ssen �ber den Himmel, platzten manchmal mitten im Flug mit einem Get�se wie Gewitterdonner. Jemand k�mpfte eine Schlacht mit der Macht! Aber wer? Konnte Perrin gen�gend Aes Sedai oder Asha'man aufgetrieben haben, um das Lager anzugreifen? Aber etwas war sehr seltsam. Sie wusste, wie viele der Weisen Frauen im Lager die Macht lenken konnten, und es schienen bei weitem nicht genug Feuerb�lle und Blitze zu sein. Vielleicht war es gar nicht Perrin. Unter den Weisen Frauen gab es Fraktionen. Nicht nur bei denen, die f�r oder gegen Sevanna waren, sondern auch zwischen Septimen mit alten B�ndnissen oder Animosit�ten. Vielleicht bek�mpften sich ja zwei solche Fraktionen. Das erschien zwar sehr unwahrscheinlich, aber die Vorstellung, dass Perrin genug Aes Sedai f�r einen Angriff gefunden hatte und die Weisen Frauen nicht mit allem zur�ckschlugen, was sie hatten, war nicht minder albern.</p><p>�Als die Blitze anfingen, sagte Rolan, es w�rde eine Schlacht geben�, erwiderte Aravine, als Faile sie fragte.</p><p>�Das ist alles. Keiner wollte hingehen und mehr herausfinden, bevor wir wussten, dass Ihr in Sicherheit seid.�</p><p>Faile knirschte frustriert mit den Z�hnen. Selbst wenn sie sich nicht mit Rolan h�tte auseinandersetzen m�ssen, was sich auch immer da vor den Stadtmauern abspielte, machte jede Flucht noch schwieriger. Wenn sie nur gewusst h�tte, worum es da ging, w�re ihr eine M�glichkeit eingefallen, wie sie die Schlacht h�tte meiden k�nnen. Oder sie benutzen.</p><p>�Niemand geht irgendwohin, Aravine. Es k�nnte gef�hrlich sein.� Und sie k�nnten bei ihrer R�ckkehr unabsichtlich Shaido mitbringen. Beim Licht, was ging dort blo� vor?</p><p>Maighdin stolperte an Kinhuin vorbei und rieb sich das Hinterteil. �Er hat mich gekniffen!� Ihre Stimme war belegt, aber ihr war deutlich ihre Emp�rung anzuh�ren. Faile versp�rte einen Stich der� Nein, keine Eifersucht. Bestimmt nicht. Der verdammte Kerl konnte kneifen, wen er wollte. Er war nicht Perrin.</p><p>Mit einer Grimasse gab sie der blonden Frau den Wassers chlauch, und Maighdin sp�lte sich schnell den Mund aus, bevor sie durstig mit gro�en Schlucken trank. Im Augenblick war sie nicht so blond, ihre Locken waren schwei�verklebt und genau wie ihr erhitztes Gesicht voller Staub. Im Augenblick war sie nicht einmal h�bsch.</p><p>Arrela kam aus der Ruine, rieb sich den Hintern und schaute so grimmig wie der Tod aus, aber sie griff dankbar nach dem Wasserschlauch, den Aldin ihr hinhielt. Der hochgewachsene junge Amadicianer, ein Bursche mit breiten Schultern, der eher wie ein Soldat aussah denn wie der Buchhalter, der er war, schaute sie hingerissen an, w�hrend sie trank. Arrela mochte M�nner nicht auf diese Weise, aber Aldin weigerte sich einzusehen, dass es sinnlos war, sie zu einer Heirat zu �berreden. Lacile erschien � sie rieb sich den Hintern! � und Jhoradin gab ihr einen anderen Wasserschlauch, streichelte mit dem Finger �ber ihre schmutzige Wange. Sie l�chelte zu ihm hoch, bevor sie trank. Sie bereitete schon ihren Weg zur�ck unter seine Decke vor, falls Rolan sich als uneinsichtig erweisen w�rde. Zumindest glaubte Faile, dass sie das tat.</p><p>Endlich stolzierte Alliandre an Kinhuin vorbei, und auch wenn sie sich nicht das Hinterteil rieb, sprach die frostige Wut auf ihrem Gesicht doch B�nde. Kinhuin glitt r�ckw�rts aus der �ffnung und stand auf, w�hrend sich Rolan aus dem gef�hrlichen Tr�mmerhaufen arbeitete.</p><p>�Meine Lady�, rief Aravine entsetzt, und Faile drehte sich um und fand die Frau mit dem unscheinbaren Gesicht auf den Pflastersteinen kniend vor, wo sie Maighdins Kopf auf den Scho� bettete. Maighdins Lider flatterten, aber sie bekam sie nie weiter als bis zur H�lfte ge�ffnet. Ihre Lippen bewegten sich schwach, aber es ert�nte blo� ein unverst�ndliches Gemurmel.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte Faile und eilte zu ihnen, kniete nieder.</p><p>�Ich wei� es nicht, meine Lady. Sie trank, als wollte sie den Schlauch leeren, dann taumelte sie auf einmal. Dann brach sie einfach so zusammen.� Aravines H�nde bewegten sich wie fallende Bl�tter.</p><p>�Sie muss sehr m�de sein�, sagte Faile, gl�ttete das Haar ihrer Dienerin und versuchte nicht dar�ber nachzudenken, wie sie die Frau aus dem Lager schaffen sollten, wenn sie nicht gehen konnte. Dann w�rden sie sie eben tragen m�ssen. Beim Licht, ihr war selbst leicht schwindelig. �Sie hat uns gerettet, Aravine.� Die Amadicianerin nickte ernst.</p><p>�Ich werde dich bis heute Abend an einem sicheren Ort verstecken, Faile Bashere�, sagte Rolan und schloss die letzten Schnallen seines Futteralgeschirrs. Seine braune <emphasis>Sho ufa</emphasis> war bereits um seinen Kopf geschlungen. �Dann bringe ich dich in den Wald.� Er nahm von Jhoradin drei kurze Speere entgegen, die er auf dem R�cken in das Geschirr steckte, sodass die langen Speerspitzen hinter seinem Kopf emporragten und in der Sonne funkelten.</p><p>Faile brach vor Erleichterung beinahe neben Maighdin zusammen. Sie w�rde nichts vor Perrin verbergen m�ssen. Aber sie konnte sich jetzt keine Schw�chen leisten. �Unsere Ausr�stung�, fing sie an, und als w�re der Klang ihrer Stimme der letzte Strohhalm gewesen, gab das Geb�ude ein schauriges �chzen von sich und st�rzte mit einem Krachen ein, das einen Augenblick lang sogar die Explosionen �bert�nte.</p><p>�Ich werde daf�r sorgen, dass du alles hast, was du brauchst�, sagte Rolan und schob sich den schwarzen Schleier vors Gesicht. Jhoradin gab ihm noch einen Speer und seinen Rundschild, den er an seinem G�rtelmesser aufh�ngte, bevor er nach ihrem rechten Arm griff und sie auf die Beine zog.</p><p>�Wir m�ssen uns beeilen. Ich wei� nicht, mit wem wir die Speere tanzen, aber die <emphasis>Mera'din</emphasis> werden heute tanzen.�</p><p>�Aldin, tragt Ihr Maighdin?�, war alles, was sie hervorsto�en konnte, bevor Rolan sich in Bewegung setzte und sie einfach mitschleifte.</p><p>Sie schaute �ber die Schulter und sah Aldin sich die schlaffe Maighdin auf die Arme laden. Jhoradin hielt Lacile so fest am Arm wie Rolan sie. Die drei Bruderlosen f�hrten eine Parade wei� gekleideter M�nner und Frauen an. Und einen Jungen. Theril hatte einen grimmigen Gesichtsausdruck. Sie tastete trotz Rolans gro�er Hand um den Arm in ihrem �rmel herum, schloss die Finger um den Dolchgriff. Was auch immer au�erhalb der Stadtmauern geschah, m�glicherweise w�rde sie diese Klinge noch vor dem Abend brauchen.</p><p>Perrin rannte die gewundene Stra�e zwischen den Zelten entlang. Nichts bewegte sich in seinem Sichtfeld, aber er konnte trotz des Donnerns der explodierenden Feuerb�lle und der Blitze den zus�tzlichen Schlachtenl�rm h�ren. Stahl krachte gegen Stahl. M�nner br�llten, als sie t�teten oder starben. M�nner schrien. Von einem Schnitt auf seinem Kopf rann Blut seine linke Gesichtsh�lfte herunter, und er konnte es �ber seine rechte Seite tr�pfeln sp�ren, wo ihn ein Speer gestreift hatte, seinen linken Oberschenkel herunterlaufen, wo ein Speer tiefer getroffen hatte. Das Blut an ihm war nicht alles seines. Im Eingang eines niedrigen, dunklen Zeltes erschien ein Gesicht und zog sich schnell wieder zur�ck. Ein Kindergesicht, ver�ngstigt, nicht das erste, das er gesehen hatte. Die Shaido wurden so hart bedr�ngt, dass eine Menge Kinder zur�ckgeblieben waren. Aber das w�rde ein Problem f�r sp�ter sein. �ber den Zeltspitzen konnte er die Tore kaum mehr als hundert Schritte voraus sehen. Dahinter warteten die Festung und Faile.</p><p>Zwei verschleierte Shaido sch�ssen hinter einer schmutzig braunen Zeltwand hervor, die Speere bereit. Aber nicht f�r ihn. Sie blickten auf etwas zu seiner Linken. Ohne einen Schritt langsamer zu werden, rannte er in sie hinein. Beide waren gr��er als er, aber die Wucht seines Aufpralls riss sie alle zu Boden, und er fiel k�mpfend. Sein Hammer krachte unter das Kinn des einen Mannes, w�hrend er immer wieder auf den anderen Mann einstach und die Klinge sich tief ins Fleisch grub. Der Hammer hob sich und zerschmetterte das Gesicht des ersten Mannes, verspritzte Blut, hob und senkte sich erneut, w�hrend er zugleich zustach. Der Mann mit dem zerschlagenen Gesicht zuckte einmal, w�hrend sich Perrin erhob. Der andere starrte blicklos in den Himmel.</p><p>Die Andeutung einer Bewegung im linken Augenwinkel lie� ihn sich nach rechts werfen. Ein Schwert durchteilte die Luft, wo sich eben noch sein Hals befunden hatte. Arams Schwert. Auch der ehemalige Kesselflicker hatte Wunden davongetragen. Blut beschmierte sein Gesicht wie eine seltsame Maske, sein rot gestreifter Mantel wies blutfeuchte Schnitte auf, und seine Augen sahen beinahe gl�sern aus, wie die einer Leiche, aber er schien noch immer mit dieser Klinge in seinen H�nden zu tanzen. Sein Geruch war der Geruch des Todes, ein Tod, den er suchte.</p><p>�Seid Ihr verr�ckt geworden?�, knurrte Perrin. Stahl traf auf Stahl, als er das Schwert mit dem Hammerkopf parierte.</p><p>�Was tut Ihr da?� Er blockierte einen weiteren Stich der Klinge, versuchte den anderen Mann zu packen, und sprang gerade noch schnell genug zur�ck, um blo� mit einem Schnitt auf den Rippen davonzukommen.</p><p>�Der Prophet hat es mir erkl�rt.� Aram klang wie benommen, aber sein Schwert bewegte sich mit anmutiger Leichtigkeit, Hiebe, die weder der Hammer noch das G�rtelmesser kaum abwehren konnten, w�hrend Perrin zur�ckwich. Er konnte blo� hoffen, nicht �ber ein Zeltseil zu stolpern oder gegen eine Plane zu prallen. �Deine Augen. Du bist wirklich Schattengez�cht. Du warst es, der die Trollocs zu den Zwei Fl�ssen geholt hat. Er hat alles erkl�rt. Diese Augen. Ich h�tte es wissen m�ssen, als ich dich das erste Mal gesehen habe. Du und Elyas mit Schattengez�chtaugen. Ich muss Lady Faile vor dir retten.�</p><p>Perrin sammelte sich. Er konnte zehn Pfund Stahl nicht so schnell wie Aram sein Schwert bewegen, das nur ein Drittel davon wog. Irgendwie musste er nahe herankommen, an dieser Klinge vorbeikommen, die durch die Schnelligkeit ihrer Bewegungen verschwamm. Das war unm�glich zu schaffen, ohne getroffen zu werden, und zwar vermutlich schlimm, aber wenn er zu lange wartete, w�rde der Mann ihn t�ten. Etwas stie� gegen seine Ferse, und er taumelte r�ckw�rts, w�re um ein Haar gefallen.</p><p>Aram schoss vor, das Schwert in seiner Hand fuhr herab. Da erstarrte er mitten in der Bewegung, und die Klinge fiel ihm aus den H�nden. Er st�rzte vorn�ber aufs Gesicht, zwei Pfeile ragten aus seinem R�cken. Drei�ig Schritte entfernt hatten zwei verschleierte Shaido bereits neue Pfeile eingespannt und die Sehnen durchgezogen. Perrin sprang zur Seite, hinter ein gr�nes Spitzzelt, rollte sich ab und kam wieder auf die F��e. Ein Pfeil hatte die Zeltecke durchbohrt und zitterte noch. Geduckt suchte er sich seinen Weg an dem gr�nen Zelt vorbei und dann an einem verblichenen blauen, vorbei an einem niedrigen, sch�bigen braunen, den Hammer in der einen, das G�rtelmesser in der anderen Hand. Das war heute nicht das erste Mal, dass er dieses Spiel spielte. Vorsichtig sp�hte er um die Ecke des braunen Zelts. Die beiden Shaido waren nirgendwo zu sehen. M�glicherweise schlichen sie ihm nach oder jagten bereits jemand anderen. Er konnte Aram sehen, der da lag, wo er gest�rzt war. Der Hauch einer Brise zerzauste die dunkle Befiederung der Pfeile, die aus seinem R�cken ragten. Elyas hatte Recht behalten. Er h�tte Aram niemals dieses Schwert ergreifen lassen d�rfen. Er h�tte ihn mit den Karren wegschicken sollen oder ihn dazu bringen m�ssen, zu den Kesselflickern zur�ckzukehren. Er h�tte so viele Dinge tun m�ssen. Jetzt war es daf�r zu sp�t.</p><p>Die Tore riefen ihn. Er schaute �ber die Schulter. So nahe jetzt. Noch immer geduckt lief er nun diese gewundenen Stra�en entlang, immer auf der Hut vor diesen beiden Shaido oder anderen, die m�glicherweise auf ihn warteten. Der Schlachtenl�rm lag jetzt voraus, kam aus Norden und S�den, aber das bedeutete nicht, dass es keine Nachz�gler gab.</p><p>Er bog nur wenige Schritte vor den weit ge�ffnet stehenden Toren um eine Ecke und fand es voller Menschen. Die meisten trugen schmutzige wei�e Gew�nder, aber drei von ihnen waren verschleierte <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> einer davon ein H�ne, der Lamgwin h�tte klein aussehen lassen. Er hatte Failes Arm in der Faust. Sie sah aus, als h�tte sie sich im Dreck rumgew�lzt.</p><p>Mit einem Aufschrei st�rzte Perrin vorw�rts und riss den Hammer hoch, und der H�ne stie� Faile zur�ck und rannte auf ihn zu, hob den Speer, w�hrend er den Rundschild von seinem G�rtel nahm.</p><p>�Perrin!�, schrie Faile.</p><p>Der gro�e Shaido schien einen Augenblick lang zu z�gern, und Perrin nutzte den Vorteil. Sein Hammer traf den Mann so hart am Kopf, dass seine F��e den Kontakt mit dem Boden verloren, als er fiel. Ein anderer Mann war direkt hinter ihm, den Speer bereit zum Zusto�en. Pl�tzlich grunzte der Aiel, in den gr�nen Augen �ber dem Schleier stand �berraschung geschrieben, und er sackte auf die Knie und schaute Faile, die nahe bei ihm stand, �ber die Schulter an. Langsam fiel er nach vorn und enth�llte einen st�hlernen Dolchgriff, der aus seinem R�cken ragte. Perrin sah sich hastig nach dem dritten um, aber der lag auch auf dem Gesicht; aus seinem R�cken ragten zwei h�lzerne Dolchgriffe. Lacile st�tzte sich auf Arrela und weinte. Jemanden zu t�ten war f�r sie zweifellos nicht so einfach, wie sie sich vorgestellt hatte.</p><p>Auch Alliandre stand vor der Menge, und Maighdin befand sich direkt hinter ihr, ein junger Mann in Wei� trug sie, aber Perrin hatte nur Augen f�r Faile. Er lie� Hammer und Messer fallen, stieg �ber die Toten hinweg und riss sie in seine Arme. Ihr Duft stieg in seine Nase. Er f�llte seinen Kopf. Sie roch ausgerechnet stark nach verbranntem Holz, aber er konnte <emphasis>sie</emphasis> trotzdem riechen.</p><p>�Ich habe so lange von diesem Augenblick getr�umt�, hauchte er.</p><p>�Ich auch�, sagte sie, das Gesicht gegen seine Brust gedr�ckt, die Arme fest um ihn geschlungen. Ihr Geruch war voller Freude, aber sie zitterte auch.</p><p>�Haben sie dir wehgetan?�, fragte er sanft.</p><p>�Nein. Sie� Nein, Perrin, sie haben mir nichts getan.� Aber in ihre Freude dr�ngten sich andere Ger�che, die untrennbar damit verbunden waren. Der dumpfe, qu�lende Geruch von Trauer und das schmierige Aroma von Schuld. Scham, so stechend wie tausend feine Nadeln. Nun, der Mann war tot, und eine Frau hatte das Recht, ihre Geheimnisse f�r sich zu behalten, wenn sie das wollte.</p><p>�Nur dass du lebst ist wichtig, und dass wir wieder zusammen sind�, sagte er zu ihr. �Das ist alles, was z�hlt auf dieser Welt.�</p><p>�Alles, was z�hlt auf dieser Welt�, stimmte sie ihm zu und umarmte ihn noch fester. Fest genug, dass die Anstrengung sie tats�chlich st�hnen lie�. Aber im n�chsten Augenblick hatte sie sich von ihm gel�st und untersuchte seine Wunden, weitete mit den Fingern die Schlitze in seinem Mantel, um sie zu betrachten. �Das sieht nicht so schlimm aus�, sagte sie lebhaft, obwohl sich alle diese Gef�hle noch immer in ihre Freude mischten. Sie griff nach oben, um sein Haar zu teilen, und zog, bis er nachgab und das Haupt beugte, damit sie den Riss in seiner Kopfhaut begutachten konnte. �Nat�rlich musst du Geheilt werden. Wie viele Aes Sedai hast du mitgebracht? Wie bist du� ? Nein, das spielt jetzt keine Rolle. Es sind genug da, um die Shaido zu besiegen, und darauf kommt es an.�</p><p>�Diese Shaido�, sagte er und richtete sich wieder auf, um sie zu betrachten. Beim Licht, schmutzig oder nicht, sie war so wundersch�n. �Es werden weitere sechs oder siebentausend in�� � er schaute zur Sonne hoch; eigentlich h�tte sie schon h�her am Himmel stehen m�ssen �, �� vermutlich weniger als zwei Stunden hier sein. Wir m�ssen hier vorher zu einem Ende kommen und auf dem Weg sein, wenn das m�glich ist. Was hat Maighdin?� Sie lehnte so schlaff wie ein Federkissen an der Brust des jungen Mannes. Ihre Lider flatterten, ohne sich zu �ffnen.</p><p>�Sie ist ersch�pft, weil sie uns das Leben gerettet hat�, sagte Faile, riss die Aufmerksamkeit von seinen Verletzungen los und drehte sich zu den anderen Leuten in Wei� um.</p><p>�Aravine, ihr alle, holt die <emphasis>Gai'schain</emphasis> zusammen. Nicht nur die, die mir die Treue geschworen haben. Jeden in Wei�. Wir lassen keinen zur�ck, den wir nicht m�ssen. Perrin, welche Richtung ist die sicherste?�</p><p>�Norden�, sagte er. �Der Norden ist sicher.�</p><p>�Fangt an, sie nach Norden zu schicken�, fuhr Faile fort.</p><p>�Holt Karren, Wagen, Lastpferde und beladet sie mit allem, was ihr f�r n�tzlich haltet. Beeilt euch!� Leute setzten sich in Bewegung. Rannten los. �Nein, Ihr bleibt hier, Aldin. Maighdin muss getragen werden. Ihr bleibt auch, Alliandre. Und Arrela. Lacile braucht im Augenblick eine Schulter, an der sie sich ausweinen kann.�</p><p>Perrin grinste. Stellte man seine Frau in die Mitte eines brennenden Hauses, w�rde sie in aller Ruhe damit anfangen, die Flammen zu l�schen. Und sie <emphasis>w�rde</emphasis> sie l�schen. Er b�ckte sich und wischte das G�rtelmesser am Mantel des gr�n�ugigen Mannes sauber, bevor er es wegsteckte. Sein Hammer musste auch ordentlich sauber gemacht werden. Er versuchte, nicht dar�ber nachzudenken, was er da am Mantel des Mannes abwischte. Das Feuer wich aus seinem Blut. Es blieb keine Aufregung zur�ck, sondern nur M�digkeit. Seine Wunden finden an zu pochen. �Schickst du bitte jemanden in die Festung, um Ban und Seonid wissen zu lassen, dass sie jetzt rauskommen k�nnen?� Er schob den Hammergriff durch die Schlaufe an seinem G�rtel.</p><p>Faile starrte ihn erstaunt an. �Sie sind in der <emphasis>Festung!</emphasis></p><p>Wie? Warum?�</p><p>�Alyse hat dir nicht Bescheid gesagt?� Vor Failes Entf�hrung war er nur schwer in Wut zu bringen gewesen. Jetzt sp�rte er, wie der Zorn in ihm emporsprudelte. In Blasen wie aus wei�gl�hendem Eisen. �Sie hat gesagt, sie w�rde dich mitnehmen, wenn sie geht, aber sie hat versprochen, dir zu sagen, dass du in die Festung gehen solltest, wenn du den Nebel auf den H�gelk�mmen siehst und am Tag die W�lfe heulen h�rst. Ich schw�re, sie hat es ohne Umschweife versprochen. Soll man mich doch zu Asche verbrennen, man kann keiner Aes Sedai �ber den Weg trauen.�</p><p>Faile schaute zum Westh�gel, wo noch immer die dichten Nebelschwaden wogten, und verzog den Mund. �Nicht Alyse, Perrin. Galina. Wenn auch das keine L�ge war. Es kann nur sie sein. Und sie muss eine Schwarze Ajah sein. Oh, wie sch�n w�re es doch, wenn ich ihren richtigen Namen kennen w�rde.� Sie bewegte den linken Arm und zuckte zusammen. Sie <emphasis>war</emphasis> verletzt. Perrin versp�rte das dringende Verlangen, den gro�en Shaido noch einmal zu t�ten. Faile lie� sich aber nicht durch ihre Verletzung st�ren. �Theril, komm da weg. Ich sehe dich.�</p><p>Ein d�rrer junger Mann schob sich sch�chtern um die Torecke. �Mein Vater hat mir befohlen, hier zu bleiben und auf Euch aufzupassen, meine Lady�, sagte er in einem so starken Akzent, dass Perrin ihn kaum verstehen konnte.</p><p>�Das mag ja sein�, sagte Faile energisch, �aber du l�ufst jetzt so schnell du kannst zur Festung und richtest wem auch immer du dort finden solltest aus, dass Lord Perrin ihnen sagt, sie sollen jetzt kommen. Beeil dich.� Der Junge legte den Kn�chel an die Stirn und rannte los.</p><p>Etwa eine Viertelstunde sp�ter kam er zur�ckgerannt, gefolgt von Seonid und Ban und all den anderen. Ban machte einen Kratzfu� vor Faile und murmelte galant, wie froh er war, sie zu sehen, bevor er den M�nnern von den Zwei Fl�ssen befahl, einen Schutzkreis um das Tor zu bilden, die Bogen bereit und die Hellebarden in den Boden gerammt. Daf�r benutzte er seinen normalen Tonfall. Er geh�rte auch zu denen, die den letzten Schliff erstrebten. Selande und Failes andere Anh�nger eilten auf sie zu und plapperten aufgeregt; sie sagten, wie beunruhigt sie doch gewesen waren, als sie nach dem Wolfsgeheul nicht aufgetaucht war.</p><p>�Ich gehe zu Masuri�, verk�ndete Kirklin in einem herausfordernden Tonfall. Er wartete auch keine Erlaubnis ab, sondern zog einfach das Schwert und rannte die Mauer entlang nach Norden.</p><p>Tallanvor gab einen Aufschrei von sich, als er Maighdin von dem hochgewachsenen jungen Mann getragen sah, und er musste davon �berzeugt werden, dass sie blo� ersch�pft war. Er nahm sie dem Burschen trotzdem ab und hielt sie an die Brust gedr�ckt, wo er auf sie einfl�sterte.</p><p>�Wo ist Chiad?�, wollte Gaul wissen. Als er erfuhr, dass sie nie bei den anderen gewesen war, schob er den Schleier vors Gesicht. �Die T�chter haben mich reingelegt�, sagte er grimmig, �aber ich werde sie vor ihnen finden.�</p><p>Perrin griff nach seinem Arm. �Da drau�en sind eine Menge M�nner, die dich f�r einen Shaido halten werden.�</p><p>�Ich muss sie vor ihnen finden, Perrin Aybara.� In der Stimme des Aiel und in seinem Geruch lag etwas, das Perrin nur als Liebeskummer bezeichnen konnte. Er verstand das Leid nur zu gut, das einem die Vorstellung brachte, dass die Frau, die man liebte, f�r alle Zeiten verloren war. Er lie� Gauls �rmel los, und der Mann rannte Speer und Rundschild in der Hand an der Reihe der Bogensch�tzen vorbei.</p><p>�Ich begleite ihn.� Elyas grinste. �Vielleicht kann ich ihm �rger ersparen.� Er zog das lange Messer, das ihm bei den W�lfen den Namen Langmesser eingebracht hatte, und lief hinter dem gro�en Aielmann her. Wenn die beiden keinen sicheren Weg aus dem Chaos hier finden konnten, dann konnte es keiner.</p><p>�Wenn Ihr fertig mit Eurem Geplapper seid, haltet Ihr vielleicht mal still f�rs Heilen�, sagte Seonid zu Perrin. �Ihr seht aus, als k�nntet Ihr es brauchen.� F�ren und Teryl standen dicht hinter ihr, die H�nde am Schwertgriff, w�hrend sie versuchten, alle Richtungen gleichzeitig im Auge zu behalten. Der Ring aus Zwei-Fl�sse-M�nnern war ja sch�n und gut, schien ihr Benehmen zu verk�nden, aber Seonids Sicherheit war ihre Angelegenheit. Sie sahen aus wie Leopard en, die eine Hauskatze verfolgten. Blo� dass sie keine Hauskatze war.</p><p>�K�mmert Euch zuerst um Faile�, sagte er. �Ihr Arm ist verletzt.� Faile unterhielt sich mit Alliandre, und beide waren so w�tend, dass sich ihre Haare h�tten str�uben m�ssen. Zweifellos waren sie auf Alyse oder Galina, oder wie auch immer ihr Name lautete, w�tend.</p><p>�Ich sehe sie nicht wie ein angestochenes Schwein blut en.� Seonid hob die H�nde, um seinen Kopf zu umfassen, und die viel zu vertraute K�lte traf ihn, als w�re er pl�tzlich im Winter in einem fast zugefrorenen Teich gelandet. Er keuchte auf und zuckte, seine Arme zuckten unkontrolliert, und als sie ihn loslie�, waren seine Verletzungen verschwunden, aber nicht das Blut in seinem Gesicht und auf seinem Mantel und seinen Hosen. Au�erdem hatte er das Gef�hl, einen ganzen Hirsch allein verdr�cken zu k�nnen.</p><p>�Was war das?� Die kleine Gr�ne wandte sich von ihm ab und drehte sich zu Faile um. �Habt Ihr Galina Casban erw�hnt?�</p><p>�Ich kenne ihren Nachnamen nicht�, sagte Faile. �Eine Aes Sedai mit vollen Lippen und schwarzen Haaren und gro�en Augen. Auf eine gewisse Weise ganz h�bsch, aber eine unerfreuliche Frau. Kennt Ihr sie? Ich glaube, sie muss eine Schwarze Ajah sein.�</p><p>Seonid versteifte sich, krallte die F�uste in ihre R�cke.</p><p>�Das h�rt sich nach Galina an. Eine Rote, und sehr unerfreulich. Aber warum bringt Ihr eine derartige Anschuldigung vor? Das ist keine Anklage, die man leichtfertig gegen eine Schwester vorbringen sollte, nicht einmal eine, die so schlimm wie Galina ist.�</p><p>Als Faile alles erkl�rte, mit der ersten Begegnung mit Galina anfing, wuchs Perrins Wut erneut. Die Frau hatte sie erpresst, sie bedroht, sie angelogen, dann hatte sie versucht, sie umzubringen. Seine F�uste waren so fest geballt, dass seine Arme bebten. �Wenn ich sie in die Finger kriege, breche ich ihr das Genick�, knurrte er, als sie zum Ende kam.</p><p>�Dazu habt Ihr kein Recht�, sagte Seonid. �Galina muss sich vor drei Schwestern verantworten, die �ber sie zu Gericht sitzen, und bei dieser Anklage m�ssen es Sitzende sein. M�glicherweise tritt der ganze Saal der Burg zusammen. Befindet man sie f�r schuldig, wird sie ged�mpft und hingerichtet, aber f�r diese Gerechtigkeit sind die Aes Sedai zust�ndig.�</p><p>�Falls man sie f�r schuldig befindet?�, sagte er ungl�ubig.</p><p>�Ihr habt geh�rt, was Faile gesagt hat. Wie k�nnt Ihr da Zweifel haben?� Er musste bedrohlich ausgesehen haben, denn F�ren und Teryl traten mit einem geschmeidigen Schritt an Seonids Seite, die H�nde locker auf den Schwertgriffen, die Blicke hart auf ihn gerichtet.</p><p>�Sie hat Recht, Perrin�, sagte Faile leise. �Als man Jac Coplin und Len Congar beschuldigt hat, eine Kuh gestohlen zu haben, da hast du gewusst, dass sie Diebe sind, aber du hast Meister Thane den Diebstahl beweisen lassen, bevor du dem Dorfrat erlaubt hast, sie auszupeitschen. Bei Galina ist das genauso wichtig.�</p><p>�Der Dorf rat h�tte sie nicht ohne Verfahren ausgep eitscht, ganz egal, was ich gesagt h�tte�, murmelte er. Faile lachte. Sie lachte! Beim Licht, es war zu sch�n, das wieder zu h�ren. �Na gut. Galina geh�rt den Aes Sedai. Aber wenn sie sich nicht um sie k�mmern, werde ich das, falls sie mir je begegnet. Ich mag es nicht, wenn dir Leute wehtun.�</p><p>Seonid schnaubte blo�, ihr Geruch war missbilligend.</p><p>�Euer Arm ist verletzt, meine Lady?�</p><p>�K�mmert Euch bitte zuerst um Arrela.� Die Aes Sedai verdrehte ver�rgert die Augen und nahm Failes Kopf zwischen die H�nde. Faile erbebte und atmete aus, es war kaum mehr als ein schwerer Seufzer. Also war es keine schlimme Verletzung, die jetzt verschwunden war. Sie dankte Seonid, w�hrend sie sie zu Arrela f�hrte.</p><p>Pl�tzlich wurde sich Perrin bewusst, dass er keine Explos ionen mehr h�rte. Tats�chlich hatte er sie schon eine Weile nicht mehr geh�rt. Das musste gut sein. �Ich muss wissen, was passiert. Ban, Ihr bewacht Faile.�</p><p>Faile protestierte, dass er allein gehen wollte, und als er endlich eingewilligt hatte, zehn von den Zwei-Fl�sse-M�nnern mitzunehmen, kam ein Reiter in einer lackierten R�stung um die n�rdliche Ecke der Stadtmauer geritten. Drei schmale blaue Federn wiesen ihn als Tylee aus. Als sie n�her ritt, sah er, dass sie eine nackte Frau vor sich auf ihrem gro�en Braunen liegen hatte. Eine Frau, die an Kn�cheln und Knien, Handgelenken und Ellbogen gefesselt war. Ihr langes blondes Haar ber�hrte beinahe den Boden, es waren juwelenbesetzte Ketten und Perlen hineingeflochten. Eine Kette aus gro�en gr�nen Steinen und Gold l�ste sich und fiel in den Staub, als Tylee das Pferd z�gelte. Sie nahm ihren seltsamen Helm mit den in Panzerhandschuhen steckenden H�nden ab und setzte ihn auf dem nach oben ragenden Hinterteil der Frau ab.</p><p>�Eine erstaunliche Waffe, eure Bogen�, sagte sie und warf den M�nnern von den Zwei Fl�ssen einen Blick zu. �Ich w�nschte, wir h�tten auch welche. Kirklin hat mir gesagt, wo ich Euch finden kann, mein Lord. Sie haben angefangen, sich zu ergeben. Masemas Leute haben fast bis zum Punkt des Selbstmordes standgehalten � die meisten von ihnen sind tot oder sterben, glaube ich. Die <emphasis>Damane</emphasis> haben diesen Kamm in eine Todesfalle verwandelt, in die sich nur ein Verr�ckter wagen w�rde. Und am besten von allem, die <emphasis>Sul'dam</emphasis> haben bereits �ber zweihundert Frauen <emphasis>A'dam</emphasis> angelegt. Euer �kalter Tee� hat gereicht, dass die meisten nicht mehr ohne Hilfe stehen konnten. Ich werde <emphasis>Raken</emphasis> kommen lassen m�ssen, um sie alle ausfliegen zu k�nnen.�</p><p>Seonid gab einen erstickten Laut von sich. Ihr Gesicht verriet keine Regung, aber ihr Geruch trug den scharfen Gestank hitzigen Zorns mit sich. Sie starrte Tylee an, als wollte sie sie mit Blicken durchbohren. Tylee schenkte ihr keinerlei Aufmerksamkeit, wenn man davon absah, dass sie leicht den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Nachdem meine Leute und ich weg sind�, sagte Perrin. Er hatte seine Vereinbarung mit ihr getroffen. Er wollte es nicht riskieren, sie bei jemand anderem auf die Probe zu stellen. �Wie hoch sind unsere Verluste, abgesehen von Masemas M�nnern?�</p><p>�Beim Licht�, erwiderte Tylee. �Wegen Eurer Bogens ch�tzen und den <emphasis>Damane</emphasis> haben sie es nicht geschafft, an uns heranzukommen. Ich habe noch keinen Schlachtplan gesehen, der so glatt gelaufen ist. Es w�rde mich �berraschen, wenn wir zusammen hundert Tote haben.�</p><p>Perrin zuckte zusammen. Unter diesen Umst�nden waren das leichte Verluste, aber einige davon w�rden von den Zwei Fl�ssen sein. Ob er sie nun pers�nlich kannte oder nicht, sie waren in seiner Verantwortung. �Wisst Ihr, wo Masema ist?�</p><p>�Bei den Resten seines Heeres. Er ist kein Feigling, das muss ich ihm lassen. Er und seine zweihundert, nun ja, jetzt noch etwa einhundert, haben sich einen Weg durch die Shaido bis zum H�gel gehauen.�</p><p>Perrin knirschte mit den Z�hnen. Der Mann war wieder zur�ck bei seinem Abschaum. Sein Wort w�rde gegen Masemas stehen, wenn es darum ging, warum Aram versucht hatte, ihn zu t�ten, und es war sowieso unwahrscheinlich, dass die Anh�nger des Mannes ihn f�r eine Gerichtsverhandlung ziehen lassen w�rden. �Wir m�ssen aufbrechen, bevor die anderen hier sind. Wenn die Shaido glauben, dass Rettung naht, k�nnten sie vergessen, dass sie sich ergeben haben. Wer ist Eure Gefangene?�</p><p>�Sevanna�, sagte Faile kalt. Der Geruch ihres Hasses war beinahe so stark wie bei dem Gespr�ch �ber Galina.</p><p>Die Frau mit dem goldenen Haar stemmte sich hoch, sch�ttelte ein paar Str�hnen aus dem Gesicht und verlor dabei noch ein paar Ketten. Ihre Augen, die Faile anstarrten, waren wie ein gr�nes Feuer �ber dem Stoffstreifen, der den Knebel an Ort und Stelle hielt. Sie stank nach Zorn.</p><p>�Sevanna von den Jumai Shaido.� In Tylees Stimme lag starke Zufriedenheit. �Sie hat es mir voller Stolz gesagt. Auch sie ist kein Feigling. Nur in einem seidenen Morgenmantel und ihren Juwelen ist sie uns entgegengetreten, aber es ist ihr gelungen, zwei meiner Altaraner mit dem Speer zu durchbohren, bevor ich ihn ihr abnehmen konnte.� Sevanna knurrte etwas durch den Knebel und wand sich, als wollte sie sich von dem Pferd werfen. Jedenfalls bis Tylee ihr auf den Hintern schlug. Danach beschr�nkte sie sich darauf, jeden in Sichtweite b�se anzustarren. Sie hatte h�bsche Rundungen, obwohl ihm so etwas nicht h�tte auffallen d�rfen, wo doch seine Frau neben ihm stand. Aber Elyas sagte, sie w�rde von ihm erwarten, dass es ihm auffiel, also �berwand er sich und musterte sie offen.</p><p>�Ich beanspruche den Inhalt ihres Zelts�, verk�ndete Faile und warf ihm einen scharfen Blick zu. Vielleicht war das doch zu offen gewesen. �Sie hat dort eine gro�e Truhe mit Juwelen, und ich will sie haben. Sieh mich nicht so an, Perrin. Wir m�ssen hunderttausend Leute ern�hren, kleiden und ihnen helfen, wieder nach Hause zu kommen. Mindestens hunderttausend.�</p><p>�Ich m�chte Euch begleiten, meine Lady, wenn es Euch recht ist�, sagte der junge Bursche, der Maighdin getragen hatte. �Ich werde nicht der Einzige sein, wenn Ihr gestattet.�</p><p>�Eure Frau, nehme ich an, mein Lord�, sagte Tylee und musterte Faile.</p><p>�Das ist sie. Faile, darf ich dir Bannergeneralin Tylee Khirgan vorstellen, im Dienst der Kaiserin von Seanchan.� Vielleicht bekam er selbst etwas von diesem letzten Schliff mit.</p><p>�Bannergeneralin, meine Frau, Lady Faile ni Bashere t'Aybar a.� Tylee verneigte sich im Sattel. Faile machte einen kleinen Knicks, senkte den Kopf ein St�ck. Schmutziges Gesicht oder nicht, sie sah majest�tisch aus. Was ihn an die Zerbrochene Krone denken lie�. Die Diskussion �ber diese nebens�chliche Angelegenheit w�rde sp�ter erfolgen m�ssen. Zweifellos w�rde es eine ziemlich lange Diskussion werden. Er glaubte nicht, dass es ihm diesmal schwerfallen w�rde, die Stimme zu heben, so wie sie es anscheinend wollte. �Und das ist Alliandre Maritha Kigarin, K�nigin von Ghealdan, Gesegnete des Lichts, Verteidigerin von Garens Wall. Und meine Lehnsfrau. Ghealdan steht unter meinem Schutz.� Es war albern, das zu sagen, aber es musste gesagt werden.</p><p>�In unserer �bereinkunft war davon keine Rede, mein Lord�, sagte Tylee vorsichtig. �Ich entscheide nicht, wo das Immer Siegreiche Heer hingeht.�</p><p>�Nur damit Ihr Bescheid wisst, Bannergeneralin. Und sagt Euren Vorgesetzten, dass sie Ghealdan nicht haben k�nnen.� Alliandre l�chelte ihn so breit, so dankbar an, dass er beinahe gelacht h�tte. Beim Licht, auch Faile l�chelte. Ein stolzes L�cheln. Er rieb sich die Nase. �Wir m�ssen wirklich los, bevor diese anderen Shaido eintreffen. Ich will sie nicht vor mir haben und alle diese Gefangenen hinter mir, die daran denken, den Speer wieder aufzunehmen.�</p><p>Tylee kicherte. �Ich habe etwas mehr Erfahrung mit diesen Leuten als Ihr, mein Lord. Sobald sie sich ergeben, k�mpfen sie nicht wieder und versuchen drei Tage lang nicht zu entkommen. Au�erdem lasse ich einige meiner Altaraner aus ihren Speeren und B�gen einen Scheiterhaufen machen, nur um sicherzugehen. Wir haben Zeit, unseren Aufmarsch in Gang zu setzen. Mein Lord, ich hoffe, ich muss Euch niemals auf dem Schlachtfeld gegen�bertreten.� Tylee zog den Panzerhandschuh von der Hand. �Ich w�rde mich geehrt f�hlen, wenn Ihr mich Tylee nennen w�rdet.� Sie beugte sich �ber Sevanna, um die Hand auszustrecken.</p><p>Einen Augenblick lang konnte Perrin sie nur anstarren. Es war eine seltsame Welt. Er war mit dem Gedanken zu ihr gegangen, einen Handel mit dem Dunklen K�nig abzuschlie�en, und das Licht wusste, einige der Dinge, die die Seanchaner taten, waren unentschuldbar, aber die Frau war eine unersch�tterliche K�mpferin und stand zu ihrem Wort.</p><p>�Ich bin Perrin, Tylee�, sagte er und ergriff die Hand. Eine sehr seltsame Welt.</p><p>Galina zog das Unterhemd aus, warf es auf das Seidengewand und b�ckte sich, um das Reitkleid aufzuheben, das sie aus Schnells Satteltasche gezogen hatte. Es war f�r eine etwas gr��ere Frau gen�ht worden, aber es w�rde reichen m�ssen, bis sie einen der Feuertropfen verkaufen konnte.</p><p>�Bleib so stehen, Lina�, ert�nte Theravas Stimme, und pl�tzlich h�tte sich Galina nicht einmal dann aufrichten k�nnen, wenn der Wald um sie in Flammen gestanden h�tte. Aber sie konnte schreien. �Sei still.� Sie w�rgte, als sich ihre Kehle verkrampfte und den Schrei verschluckte. Aber sie konnte noch immer stumm weinen, und Tr�nen fielen auf den weichen Waldboden. Eine Hand schlug sie auf unanst�ndige Weise. �Irgendwie hast du den Stab bekommen�, sagte Therava. �Sonst w�rst du nicht hier. Gib ihn mir, Lina.�</p><p>Sich zu weigern stand au�er Frage. Galina richtete sich auf, zog den Stab aus der Satteltasche und gab ihn der Frau mit den Falkenaugen, w�hrend ihr die Tr�nen die Wangen hinunterliefen.</p><p>�H�r auf zu heulen, Lina. Und leg deinen G�rtel und dein en Kragen an. Ich werde dich bestrafen m�ssen, weil du sie abgelegt hast.�</p><p>Galina zuckte zusammen. Nicht einmal Theravas Befehl konnte ihre Tr�nen versiegen lassen, und sie wusste, dass sie auch daf�r bestraft werden w�rde. Der goldene G�rtel und der Kragen kamen aus der Satteltasche und wurden angelegt. Sie stand nur mit ihren wei�en Wollstr�mpfen und den wei�en Stiefeln bekleidet da, und das Gewicht des mit Feuertropfen besetzten Kragens schien zu reichen, um sie zu Boden zu dr�cken. Ihre Blicke klammerten sich f�rmlich an dem wei�en Stab in Theravas H�nden fest.</p><p>�Dein Pferd wird als Lasttier herhalten, Lina. Was dich angeht, dir ist verboten, jemals wieder zu reiten.�</p><p>Es musste eine M�glichkeit geben, diesen Stab wieder in die H�nde zu bekommen. Das musste es! Therava drehte das Ding in den H�nden, verspottete sie.</p><p>�H�rt auf, mit Eurem Scho�tier zu spielen, Therava. Was sollen wir tun?� Belinde, eine schlanke Weise Frau mit von der Sonne fast ausgebleichten Haaren, kam heranstolziert und starrte Therava finster an. Sie war knochig, mit einem Gesicht, das gut b�se schauen konnte.</p><p>In diesem Moment fiel Galina das erste Mal auf, dass Therava nicht allein war. Hinter ihnen standen mehrere hundert M�nner, Frauen und Kinder zwischen den B�umen, und einige der M�nner trugen ausgerechnet Frauen �ber der Schulter. Sie schlug die H�nde vor ihre Bl��e, ihr Gesicht r�tete sich. Die langen Tage erzwungener Nacktheit hatten sie nicht daran gew�hnt, entkleidet vor M�nnern stehen. Dann bemerkte sie eine andere Merkw�rdigkeit. Nur eine Hand voll waren <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> mit Bogenfutteralen auf den R�cken und K�chern an den H�ften, aber jeder Mann und jede Frau mit Ausnahme der Weisen Frauen trug mindestens einen Speer. Sie hatten auch ihre Gesichter verschleiert, mit Halst�chern oder auch nur einem Fetzen Stoff. Was hatte das zu bedeuten?</p><p>�Wir kehren ins Dreifache Land zur�ck�, sagte Therava.</p><p>�Wir werden L�ufer losschicken zu jeder Septime, die sie finden k�nnen, und ihnen befehlen, ihre Feuchtl�nder-<emphasis>Gai'schain</emphasis> aufzugeben, alles aufzugeben, was sie m�ssen, und sich heimlich ins Dreifache Land aufzumachen. Wir werden unseren Clan wieder aufbauen. Die Shaido werden sich aus der Katastrophe erheben, in die Sevanna uns gef�hrt hat.�</p><p>�Das wird Generationen dauern!�, protestierte Modarra.</p><p>Schlank und recht h�bsch, aber noch gr��er als Therava, fast so gro� wie die meisten Aielm�nner, stellte sie sich Therava furchtlos entgegen. Galina konnte nicht begreifen, wie sie das schaffte. Die Frau lie� sie mit einem Blick zusammenzucken.</p><p>�Dann werden wir eben Generationen brauchen�, sagte Therava entschieden. �Wir werden uns die Zeit nehmen, die wir brauchen. Und wir werden das Dreifache Land nie mehr verlassen.� Ihr Blick glitt zu Galina. Die zusammenzuckte.</p><p>�Du wirst das hier nie wieder anfassen�, sagte sie und hob kurz den Stab. �Und du wirst nie wieder versuchen, mir zu entkommen. Sie hat einen kr�ftigen R�cken. Beladet sie und lasst uns aufbrechen. M�glicherweise verfolgen sie uns.�</p><p>So mit Wasserschl�uchen und T�pfen und Kesseln beladen, dass sie sich fast sittsam verh�llt vorkam, stolperte Galina hinter Therava durch den Wald. Sie dachte nicht an den Stab oder an eine Flucht. Etwas in ihr war zerbrochen. Sie war Galina Casban, die H�chste der Roten Ajah, die im Obersten Rat der Schwarzen Ajah sa�, und sie w�rde f�r den Rest ihres Lebens Theravas Spielzeug sein. Sie war Theravas kleine Lina. F�r den Rest ihres Lebens. Tief in ihrem Inneren wusste sie das. Stumme Tr�nen liefen ihr �bers Gesicht.</p></section><section><title><p>31</p><p>Das Haus in der Vollmondstra�e</p></title><p>Sie m�ssen zusammenbleiben�, sagte Elayne energisch.</p><p>�Ihr beiden solltet auch nicht allein ausgehen, was das angeht. Immer zu dritt oder zu viert, in ganz Caemlyn. Nur so kann man sicher sein.� Lediglich zwei der Spiegelkandelaber waren entz�ndet, sechs Flammen erf�llten das Wohnzimmer mit schwachem Licht und Lilienduft � so viel von dem Lampen�l war mittlerweile verdorben, dass es fast immer parf�miert war �, aber das knisternde Feuer im Kamin fing an, etwas von der K�hle der fr�hen Stunde zu vertreiben.</p><p>�Es gibt Augenblicke, in denen eine Frau etwas Zeit f�r sich haben will�, erwiderte Sumeko ruhig, so als w�re nicht gerade eine weitere Kusine gestorben, weil sie hatte allein sein wollen. Zumindest ihre Stimme war ruhig, aber dicke H�nde strichen unabl�ssig �ber die dunkelblauen R�cke.</p><p>�Wenn Ihr ihnen keine Angst einjagt, Sumeko, dann werde ich es tun�, sagte Alise, und ihr f�r gew�hnlich so gutm�tiges Gesicht war streng. Sie sah wie die �ltere der beiden aus � im Gegensatz zu Sumekos gl�nzendem schwarzen Haar, das �ber die st�mmigen Schultern fiel, wies das ihre graue Str�hnen auf �, tats�chlich war sie fast zweihundert Jahre j�nger. Alise war unerschrocken gewesen, als Ebou Dar gefallen war und sie vor den Seanchanern fliehen mussten, aber auch ihre H�nde strichen nerv�s �ber die braunen R�cke.</p><p>Die von Essandes Nichte Melfane festgesetzte Schlafenszeit war schon lange vergangen, aber so m�de Elayne auch war, sobald sie einmal aufwachte, konnte sie nicht mehr eins chlafen, und warme Ziegenmilch half nicht. Warme Ziegenmilch schmeckte noch grauenhafter als kalte. Sie w�rde dem verfluchten Rand al'Thor so lange warme verfluchte Ziegenmilch einfl��en, bis sie ihm wieder aus den Ohren herauskam! Direkt nachdem sie herausgefunden hatte, was ihn so schlimm verletzt hatte, dass sie einen stechenden Schmerz in dem kleinen Knoten in ihrem Hinterkopf versp�rt hatte, der ihn verk�rperte und der sonst so nichtssagend wie ein Stein blieb. Seitdem war er auch wieder wie ein Stein gewesen, also ging es ihm gut, aber etwas hatte ihn so schlimm verletzt, dass sie es hatte sp�ren k�nnen. Und warum Reiste er so oft? An dem einen Tag war er tief im S�dosten, am n�chsten im Nordwesten und noch ferner, am Tag darauf irgendwo anders. Fl�chtete er vor dem, der ihn verletzt hatte, wer auch immer das war? Aber sie hatte im Moment ihre eigenen Sorgen.</p><p>Ruhelos und unf�hig zum Schlafen, hatte sie das Erstbeste angezogen, was zur Hand gewesen war, ein dunkelgraues Reitkleid, und war spazieren gegangen, um die Stille des Palasts in den ersten Stunden des neuen Tages zu genie�en, wenn selbst die Dienerschaft im Bett war und die flackernden Fackeln au�er ihr das Einzige waren, das in Bewegung war. Sie und ihre Leibw�chterinnen, aber sie lernte es, ihre Anwesenheit zu ignorieren. Sie genoss die Einsamkeit, bis die beiden Frauen ihr begegnet waren und die traurige Nachricht �berbracht hatten, die sonst bis zum Sonnenaufgang gewartet h�tte. Sie hatte sie in das kleinere der Wohnzimmer gef�hrt, um die Angelegenheit hinter einem Schutzgewebe gegen Lauscher ausf�hrlich zu besprechen.</p><p>Sumeko bewegte ihre Massen in dem Lehnstuhl und starrte Alise b�se an. �Reanne hat Euch die Grenzen immer wieder verschieben lassen, aber als �lteste erwarte ich��</p><p>�Ihr seid nicht die �lteste, Sumeko�, erwiderte die kleinere Frau k�hl. �Ihr habt hier die Autorit�t, aber den Regeln zufolge besteht das N�hkr�nzchen aus den dreizehn �ltesten von uns in Ebou Dar. Wir sind aber nicht mehr in Ebou Dar, also gibt es auch kein N�hkr�nzchen.�</p><p>Sumekos rundes Gesicht wurde so hart wie Granit. �Immerhin gebt Ihr zu, dass ich die Autorit�t habe.�</p><p>�Und ich erwarte von Euch, dass Ihr sie benutzt, um zu verhindern, dass noch mehr von uns ermordet werden. Es reicht nicht, es vorzuschlagen, Sumeko, ganz egal, wie nachdr�cklich Ihr es auch vorschlagt. Es reicht nicht.�</p><p>�Streiten bringt uns nicht weiter�, sagte Elayne. �Ich wei�, dass ihr nerv�s seid. Ich bin es auch.� Beim Licht, drei mit der Einen Macht ermordete Frauen in den vergangenen zehn Tagen, und vermutlich sieben davor, das reichte, um einen Amboss nerv�s werden zu lassen. �Aber uns anzufauchen ist das Schlimmste, was wir tun k�nnen. Sumeko, Ihr m�sst ein Machtwort sprechen. Es ist mir egal, wie sehr jemand seine Privatsph�re sch�tzt, niemand kann auch nur eine Minute lang allein sein. Alise, benutzt Eure �berredungsk�nste.� �berredungskunst war nicht das richtige Wort. Alise �berredete niemanden. Sie erwartete einfach, dass die Leute das taten, was sie sagte, und meistens funktionierte das auch. ��berzeugt die anderen, dass Sumeko Recht hat. Ihr beiden m�sst��</p><p>Die T�r �ffnete sich und lie� Deni ein, die sie wieder hinter sich schloss und sich dann verbeugte, eine Hand auf dem Schwertgriff, die andere auf ihrer langen Keule. Die rot lackierten und mit wei�en R�ndern versehenen Harnische und Helme waren erst gestern geliefert worden, und die kr�ftige Frau hatte gel�chelt, seit sie sie angelegt hatte, aber jetzt schaute sie hinter den Gesichtsstangen des Helms ernst drein. �Entschuldigt die Unterbrechung, meine Lady, aber da ist eine Aes Sedai, die Euch zu sehen verlangt. Ihrer Stola nach zu urteilen eine Rote. Ich habe ihr gesagt, dass Ihr vermutlich schlaft, aber sie war bereit, selbst hereinzukommen und Euch zu wecken.�</p><p>Eine Rote. Gelegentlich gab es Berichte, dass Rote in der Stadt waren, wenn auch nicht mehr so oft wie fr�her � die meisten Aes Sedai in der Stadt verzichteten auf ihre Stolen und verbargen ihre Ajah �, doch was konnte eine Rote von ihr wollen? Sicherlich wussten mittlerweile alle von ihnen, dass sie an Egwenes Seite stand und damit gegen Elaida war. Es sei denn, es versuchte endlich jemand, sie wegen des Handels mit dem Meervolk zur Rechenschaft zu ziehen.</p><p>�Sagt ihr, dass ich��</p><p>Die T�r �ffnete sich wieder, prallte gegen Denis R�cken und schubste sie aus dem Weg. Die Frau, die eintrat und die im Rebenmuster bestickte Stola so �ber die Arme drapiert hatte, dass die langen roten Fransen eindeutig zur Geltung kamen, war gro�, schlank und hatte eine Haut wie Kupfer. Eigentlich h�tte sie ganz h�bsch sein k�nnen, aber ihr Mund war so verkniffen, dass ihre vollen Lippen schmal erschienen. Ihr Reitgewand war so dunkel, dass es schwarz erschien, aber das matte Licht der Kandelaber brachte einen roten Glanz zum Vorschein, und die abgen�hten R�cke waren mit einem helleren Rot geschlitzt. Duhara Basaheen machte niemals ein Geheimnis aus ihrer Ajah. Einst w�ren Sumeko und Alise wie der Blitz aufgesprungen, um vor einer Aes Sedai einen Knicks zu machen, aber jetzt blieben sie sitzen und musterten sie. Deni, die sonst immer gelassen erschien, runzelte die Stirn und fummelte an ihrer Keule herum.</p><p>�Wie ich sehe, stimmen die Geschichten, dass Ihr die Wilden um Euch versammelt�, sagte Duhara. �Eine echte Schande. Ihr beiden da, raus hier. Ich will allein mit Elayne sprechen. Wenn ihr schlau seid, reist ihr heute Nacht noch ab, in getrennte Richtungen, und sagt den anderen eures Schlages, das Gleiche zu tun. Die Wei�e Burg nimmt es �bel, wenn sich Wilde zusammenrotten. Wenn die Wei�e Burg etwas �bel nimmt, sind schon Throne erbebt.� Weder Sumeko noch Alise r�hrten sich. Alise hob sogar eine Braue.</p><p>�Sie k�nnen bleiben�, sagte Elayne k�hl. Dank der Macht in ihr waren ihre Gef�hle nicht au�er Kontrolle. Sie waren ganz ruhig und bestanden aus eiskaltem Zorn. �Sie sind hier willkommen. Ihr dagegen� Elaida wollte mich <emphasis>entf�hren</emphasis> lassen, Duhara. Entf�hren! <emphasis>Ihr</emphasis> k�nnt gehen.�</p><p>�Ein armseliger Empfang, Elayne, wo ich doch sofort nach meiner Ankunft zum Palast gekommen bin. Und das nach einer Reise, deren Beschreibung so qu�lend w�re, wie sie zu ertragen war. Andor hat immer gute Beziehungen zur Burg gehabt. Die Burg will daf�r sorgen, dass sie gut bleiben. Seid Ihr sicher, dass diese Wilden alles h�ren sollen, was ich Euch zu sagen habe? Nun gut. Wenn Ihr darauf besteht.� Sie rauschte zu einer der mit Schnitzereien verzierten Kommoden, r�mpfte die Nase �ber die Silberkanne mit Ziegenmilch und schenkte sich einen Becher dunklen Wein ein, bevor sie sich auf einen Elayne gegen�berstehenden Stuhl setzte. Deni machte eine Bewegung, als wollte sie versuchen, sie rauszuschleifen, aber Elayne sch�ttelte den Kopf. Die Domani-Schwester ignorierte die Kusinen, als h�tten sie zu existieren aufgeh�rt. �Die Frau, die Euch bet�ubt hat, ist bestraft worden, Elayne. Sie wurde vor ihrem eigenen Gesch�ft ausgepeitscht, und jeder Bewohner ihres Dorfes war Zeuge.� Duhara trank ihren Wein und wartete darauf, dass Elayne etwas erwiderte.</p><p>Sie sagte nichts. Sie wusste ganz genau, dass Ronde Macura wegen ihres Versagens ausgepeitscht worden war und nicht, weil sie ihr diesen widerw�rtigen Tee gegeben hatte, aber dieses Eingest�ndnis h�tte Duhara nur auf die Frage gebracht, woher sie das wusste, und das f�hrte m�glicherweise zu Dingen, die im Verborgenen bleiben mussten.</p><p>Das Schweigen zog sich hin, und schlie�lich fuhr die andere Frau fort. �Ihr m�sst wissen, die Wei�e Burg m�chte sehr gern, dass Ihr den L�wenthron besteigt. Um das zu gew�hrleisten, hat mich Elaida als Eure Beraterin hergeschickt.�</p><p>Elayne konnte nicht anders, sie musste lachen. <emphasis>Elaida</emphasis> hatte ihr eine Beraterin geschickt? Es war so l�cherlich! �Ich habe Aes Sedai, die mich beraten, wenn ich Rat brauche, Duhara. Ihr <emphasis>m�sst</emphasis> doch wissen, dass ich gegen Elaida bin. Ich w�rde von dieser Frau nicht einmal ein Paar Str�mpfe annehmen.�</p><p>�Eure sogenannten Beraterinnen sind Rebellen, Kind�, sagte Duhara scheltend und betonte das Wort �Rebellen� mit schwerem Missfallen. Sie gestikulierte mit dem silbernen Weinbecher. �Warum, glaubt Ihr wohl, stehen so viele H�user gegen Euch, und warum sind so viele schwankend? Sie wissen sicherlich, dass Euch in Wirklichkeit die Unterst�tzung der Burg fehlt. Mit mir als Eurer Beraterin wird sich das �ndern. Ich k�nnte Euch die Krone innerhalb einer Woche aufsetzen. Schlimmstenfalls sollte es nicht l�nger als einen oder zwei Monate dauern.�</p><p>Elayne begegnete dem Blick ihres Gegen�bers ganz ruhig.</p><p>Ihre H�nde wollten sich zu F�usten ballen, aber sie hielt sie ganz still auf ihrem Scho�. �Selbst wenn dem so w�re, w�rde ich Euch ablehnen. Ich rechne jeden Tag mit der Nachricht, dass man Elaida abgesetzt hat. Die Wei�e Burg wird wieder vereint sein, und dann wird niemand mehr behaupten k�nnen, dass mir ihre Unterst�tzung fehlt.�</p><p>Duhara musterte einen Augenblick lang ihren Wein, ihr Gesicht eine Maske der Aes-Sedai-Gelassenheit. �Das wird f�r Euch etwas unerfreulich werden�, sagte sie, als h�tte Elayne nichts gesagt. �Das ist der Teil, von dem ich annahm, Ihr wolltet nicht, dass ihn die Wilden h�ren. Und diese Wache. Glaubt sie, ich w�rde Euch angreifen? Egal. Sobald die Krone fest auf Eurem Kopf sitzt, werdet Ihr einen Regenten einsetzen m�ssen, weil Ihr dann n�mlich in die Burg zur�ckkehren m�sst, um Eure Ausbildung zu vollenden und schlie�lich die Pr�fung f�r die Stola abzulegen. Ihr m�sst keine Angst haben, wegen Eures Weglaufens gepr�gelt zu werden. Elaida akzeptiert, dass Siuan Sanche Euch befohlen hat, die Burg zu verlassen. Sich f�lschlicherweise als Aes Sedai auszugeben ist eine andere Sache. Daf�r werdet Ihr mit Tr�nen zahlen.� Sumeko und Alise r�hrten sich, und Duhara beachtete sie wieder. �Ah, habt Ihr nicht gewusst, dass Elayne in Wirklichkeit nur eine Aufgenommene ist?�</p><p>Elayne stand auf und starrte auf Duhara herunter. F�r gew�hnlich war einer, der sa�, einem Stehenden gegen�ber im Vorteil, aber sie machte ihren Blick hart und ihre Stimme noch h�rter. Am liebsten h�tte sie die Frau geohrfeigt! �Ich wurde von Egwene al'Vere zur Aes Sedai erhoben an dem Tag, an dem sie zur Amyrlin erhoben wurde. Ich habe die Gr�ne Ajah gew�hlt und wurde aufgenommen. Behauptet nie wieder, ich w�re keine Aes Sedai, Duhara. Soll man mich zu Asche verbrennen, wenn ich das ungestraft dulde!�</p><p>Duharas Mund wurde so verkniffen, dass ihre Lippen wie Schlitze erschienen. �Denkt nach, und Ihr werdet die Realit�t Eurer Situation erkennen�, sagte sie schlie�lich. �Denkt gr�ndlich nach, Elayne. Eine Blinde k�nnte sehen, wie sehr Ihr mich braucht, und den Segen der Wei�en Burg. Wir sprechen sp�ter noch einmal. Lasst mich zu meinen Gem�chern bringen. Ich bin mehr als bereit f�r mein Bett.�</p><p>�Ihr werdet Euch ein Zimmer in einem Gasthaus suchen m�ssen, Duhara. Jedes Bett im Palast wird bereits von drei oder vier Personen benutzt.� Und wenn Dutzende von Betten frei gewesen w�ren, h�tte sie Duhara keines angeboten. Sie drehte sich um, ging zum Kamin und w�rmte sich die H�nde. Die vergoldete Pendeluhr auf dem Marmorsims schlug drei Mal. Vielleicht noch einmal so viele Stunden bis Sonnenaufgang. �Deni, lasst Duhara von jemandem zum Tor geleiten.�</p><p>�So einfach werdet Ihr mich nicht los, Kind. Niemand wird die Wei�e Burg einfach los. Denkt nach, und Ihr werdet einsehen, dass ich Eure einzige Hoffnung bin.� Seide raschelte auf Seide, als sie das Zimmer verlie�, und die T�r fiel hinter ihr ins Schloss. Es war durchaus nicht unwahrscheinlich, dass Duhara �rger machen w�rde, nur um dann gebraucht zu werden, aber ein Problem nach dem anderen.</p><p>�Hat sie Zweifel in euch geweckt?�, sagte Elayne und wandte sich vom Feuer ab.</p><p>�Nein�, erwiderte Sumeko. �Vandene und die anderen beiden akzeptieren Euch als Aes Sedai, also m�sst Ihr eine sein.� Ihre Stimme verriet feste �berzeugung, andererseits hatte sie gen�gend Gr�nde, es glauben zu wollen. Wenn Elayne eine L�gnerin war, waren ihre Tr�ume gestorben, zur Burg zur�ckzukehren oder sich der Gelben Ajah anzuschlie�en.</p><p>�Aber diese Duhara glaubt, die Wahrheit gesagt zu haben.� Ahse breitete die H�nde aus. �Ich sage nicht, dass ich an Euch zweifle. Das tue ich nicht. Aber die Frau glaubt daran.�</p><p>Elayne seufzte. �Die Situation ist� kompliziert.� Das war so, als w�rde man sagen, Wasser ist nass. �Ich bin Aes Sedai, aber Duhara glaubt es nicht. Sie kann es nicht, weil sie dann zugeben m�sste, dass Egwene al'Vere wirklich der Amyrlin-Sitz ist, und das wird Duhara nicht tun, bevor Elaida gest�rzt ist.� Sie hoffte, dass Duhara es dann glauben w�rde. Oder es zumindest akzeptierte. Die Burg <emphasis>musste</emphasis> wieder geeint werden. �Sumeko, werdet Ihr den Kusinen befehlen, in der Gruppe zusammenzubleiben? Immer?� Die st�mmige Frau murmelte ihre Zustimmung. Im Gegensatz zu Reanne hatte Sumeko kein Gesp�r f�r die F�hrung, und sie gefiel ihr auch nicht. Bedauerlich, dass keine �ltere Kusine gekommen war, um ihr die Last abzunehmen. �Alise, Ihr sorgt daf�r, dass sie gehorchen?� Alises Zustimmung kam schnell und energisch. Sie w�re die perfekte Kandidatin gewesen, h�tten die Kusinen ihre Rangordnung nicht durch das Alter entschieden. �Dann haben wir getan, was wir k�nnen. Ihr solltet schon lange im Bett liegen.�</p><p>�Ihr auch�, sagte Alise, als sie aufstand. �Ich k�nnte Melfane kommen lassen.�</p><p>�Es ist nicht notwendig, auch ihr den Schlaf zu rauben�, sagte Elayne hastig. Und entschieden. Melfane war klein und st�mmig, eine fr�hliche Frau, die gern lachte, aber auch in anderer Hinsicht anders als ihre Tante war. Doch fr�hlich oder nicht, die Hebamme war eine Tyrannin, die es nicht mit Wohlgefallen zur Kenntnis nehmen w�rde, dass sie noch wach war. �Ich schlafe, wenn ich kann.�</p><p>Nachdem sie weg waren, lie� sie <emphasis>Saidar</emphasis> los und nahm ein Buch aus dem Stapel auf der zweiten Kommode, wieder einmal eine Geschichte Andors, aber sie konnte sich nicht konzentrieren. Ohne die Macht war ihr m�rrisch zumute. Sollte sie doch zu Asche verbrennen, sie war so m�de, dass sich ihre Augen wie mit Sand gef�llt anf�hlten. Aber ihr war klar, dass, wenn sie sich hinlegen w�rde, sie nur bis zum Sonnenaufgang an die Decke starren w�rde. Sie hatte die Seite nur wenige Minuten angestarrt, als Deni erneut eintrat.</p><p>�Meister Norry ist hier, meine Lady, mit diesem Hark.</p><p>Sagte, er h�tte geh�rt, dass Ihr noch wach seid, und ob Ihr wohl ein paar Minuten Zeit f�r ihn h�ttet?�</p><p>Er hatte <emphasis>geh� rt,</emphasis> dass sie noch wach war? Wenn er sie bespitzeln lie߅! Die Bedeutung durchbrach ihre m�rrische Stimmung. Hark. Er hatte Hark nicht mehr seit diesem ersten Besuch mitgebracht, und das war vor zehn Tagen gewesen. Nein, jetzt elf Tagen. Verdrossenheit wich �berschw�nglichkeit. Sie befahl Deni, sie hereinzubringen, und folgte ihr bis in den Vorraum, wo ein gemusterter Teppich den gr��ten Teil der roten und wei�en Fliesen bedeckte. Auch hier waren nur ein paar Kandelaber entz�ndet und verbreiteten ein schwaches, flackerndes Licht und Rosenduft.</p><p>Meister Norry sah mehr denn je wie ein wei�br�stiger Watvogel aus, mit seinen langen, spindeld�rren Schenkeln und den abstehenden Haarb�scheln hinter den Ohren, aber ausnahmsweise schien er einmal aufgeregt zu sein. Er rieb sich doch tats�chlich die H�nde. In dieser Nacht hatte er seine Ledermappe nicht dabei; selbst in dem schwachen Licht waren die Tintenflecken auf seinem blutroten Wappenrock zu sehen. Einer hatte das Haarb�schel am Schwanz des Wei�en L�wen schwarz verf�rbt. Er machte eine steife Verbeugung, und der unauff�llige Hark imitierte ihn unbeholfen, dann f�hrte er noch den Kn�chel an die Stirn, um sicherzugehen. Er trug ein dunkleres Braun als zuvor, aber immer noch den gleichen G�rtel. �Verzeiht die St�rung zu so fr�her Stunde, meine Lady�, begann Norry in seinem trockenen Tonfall.</p><p>�Woher habt Ihr gewusst, dass ich noch wach bin?�, wollte sie wissen, weil ihre Gef�hle wieder verr�ckt spielten.</p><p>Norry blinzelte, von der Frage �berrascht. �Eine der K�chinnen hat erw�hnt, Euch warme Ziegenmilch geschickt zu haben, als ich mir selbst welche holte, meine Lady. Ich finde warme Ziegenmilch sehr beruhigend, wenn ich nicht schlafen kann. Aber sie hat auch Wein erw�hnt, also bin ich davon ausgegangen, dass Ihr Besucher habt und m�glicherweise noch wach seid.�</p><p>Elayne schnaubte. Sie wollte noch immer jemanden anschreien. Das aus ihrer Stimme herauszuhalten bedurfte einer Anstrengung. �Ich nehme an, dass Ihr einen Erfolg zu vermelden habt, Meister Hark?�</p><p>�Ich bin ihm gefolgt, so wie Ihr gesagt habt, meine Lady, und er ist in drei N�chten zu demselben Haus gegangen, heute eingeschlossen. Es ist in der Vollmondstra�e in der Neustadt, jawohl. Der einzige Ort, den er besucht, abgesehen von Schenken und Gemeinschaftsr�umen. Er trinkt was, ja. Spielt auch oft W�rfel.� Der Mann z�gerte, rang nerv�s die H�nde. �Ich kann doch jetzt gehen, nicht wahr, meine Lady? Ihr befreit mich von dem, was Ihr mir auch immer auferlegt habt, oder?�</p><p>�Dem Steuerregister zufolge geh�rt das Haus Lady Shiaine Avarhin, meine Lady�, sagte Norry. �Sie scheint die Letzte ihres Hauses zu sein.�</p><p>�Was k�nnt Ihr mir noch �ber diesen Ort erz�hlen, Meister Hark? Wer lebt dort au�er Lady Shiaine?�</p><p>Hark rieb sich unbehaglich die Nase. �Nun, ich wei� nicht, ob sie dort leben, meine Lady, aber heute Nacht sind dort zwei Aes Sedai. Ich habe gesehen, wie eine von ihnen Mellar herauslie�, w�hrend die andere eintrat, und die, die eintrat, sagte: �Schade, dass wir nur zu zweit sind, Falion, so wie uns Lady Shiaine auf Trab h�lt.� Blo� hat sie �Lady� so gesagt, als w�rde sie das gar nicht so meinen. Komisch. Sie trug eine streunende Katze, und die war genauso d�rr wie sie.� Er machte eine pl�tzliche, nerv�se Verbeugung. �Bitte um Verzeihung, meine Lady. Wollte niemanden beleidigen, so von einer Aes Sedai zu sprechen, aber ich brauchte eine Minute, um zu erkennen, dass sie Aes Sedai <emphasis>war.</emphasis> Da fiel genug Licht aus der Eingangshalle, das tat es, aber sie war so d�nn und schlicht, mit einer breiten Nase, dass sie niemand auf den ersten Blick f�r eine Aes Sedai gehalten h�tte.�</p><p>Elayne legte ihm die Hand auf den Arm. Aufregung brodelte in ihrer Stimme, und sie unterdr�ckte sie nicht. �Wie hat ihr Akzent geklungen?�</p><p>�Ihr Akzent, meine Lady? Nun, die mit der Katze, sie war direkt hier aus Caemlyn, w�rde ich sagen. Die andere� Nun, sie hat nicht mehr als zwei S�tze gesagt, aber ich w�rde sagen, sie war eine Kandori. Nannte die andere Marillin, wenn das hilft, meine Lady.�</p><p>Lachend t�nzelte Elayne ein paar Schritte. Sie wusste jetzt, wer Mellar auf sie angesetzt hatte, und es war schlimmer, als sie bef�rchtet hatte. Marillin Gemalphin und Falion Bhoda, zwei Schwarze Schwestern, die nach Morden aus der Burg geflohen waren. Das hatte einen Diebstahl erm�glichen sollen, aber es waren die Morde, f�r die sie ged�mpft und hingerichtet werden w�rden. Um sie und die anderen in ihrer Begleitung aufzusp�ren, waren Nynaeve, Egwene und sie aus der Burg losgeschickt worden. Die Schwarze Ajah hatte Mellar in ihrer unmittelbaren N�he platziert, vermutlich nur um sie auszuspionieren, aber es war trotzdem eine furchteinfl��ende Vorstellung. Schlimmer, als sie gef�rchtet hatte, und doch, die beiden jetzt zu finden, das war, als w�rde sich ein Kreis schlie�en.</p><p>Hark starrte sie mit offenem Mund an. Meister Norry musterte bem�ht den befleckten L�wenschwanz. Sie h�rte auf zu tanzen und faltete die H�nde. M�nner waren albern!</p><p>�Wo ist Mellar jetzt?�</p><p>�In seinem Gemach, glaube ich�, sagte Norry.</p><p>�Meine Lady, nehmt Ihr es jetzt von mir?�, bat Hark. �Und ich kann gehen? Ich habe getan, was Ihr verlangt habt.�</p><p>�Zuerst m�sst Ihr uns zu diesem Haus f�hren�, sagte sie und schoss an ihm vorbei auf die T�rfl�gel zu. �Dann reden wir dar�ber.� Sie steckte den Kopf in den Korridor und fand Deni und sieben weitere Gardistinnen zu beiden Seiten der T�ren aufgereiht vor. �Deni, jemand soll Lady Birgitte so schnell wie m�glich holen, und jemand anders soll die Aes Sedai wecken und sie bitten zu kommen, zusammen mit ihren Beh�tern und zum Ritt bereit. Dann geht Ihr und weckt so viele Gardistinnen, wie Ihr Eurer Meinung nach braucht, um Mellar festzunehmen. Ihr braucht dabei nicht zu sanft vorzugehen. Die Anklagen sind Mord und ein Schattenfreund zu sein. Sperrt ihn in einem der Vorratsr�ume im Keller ein, mit einer starken Wache.� Die st�mmige Frau l�chelte breit und fing an Befehle zu geben, als Elayne wieder hineinging.</p><p>Hark rang die H�nde und trat nerv�s von einem Fu� auf den anderen. �Meine Lady, was meint Ihr damit, wir reden dar�ber? Ihr habt mir versprochen, mich von dieser B�rde zu befreien, wenn ich dem Mann folge, das habt Ihr. Und ich habe es getan, also m�sst Ihr Euer Wort halten.�</p><p>�Ich habe nie gesagt, ich w�rde das Findegewebe entfernen, Meister Hark. Ich sagte, man w�rde Euch nach Baerlon ins Exil schicken, statt Euch zu h�ngen, aber w�rdet Ihr nicht lieber in Caemlyn bleiben?�</p><p>Der Mann riss die Augen auf, versuchte ehrlich auszusehen. Und scheiterte. Er l�chelte sogar. �O nein, meine Lady. Ich habe von der frischen Landluft in Baerlon getr�umt, das habe ich. Ich wette, dort muss man sich nie dar�ber Sorgen machen, verdorbenes Fleisch in seinem Eintopf zu finden. Hier muss man sorgf�ltig an allem riechen, bevor man etwas isst. Ich freue mich darauf, das tue ich.�</p><p>Elayne setzte die strenge Miene auf, die ihre Mutter immer gezeigt hatte, wenn sie ein Urteil verh�ngte. �Ihr w�rt zwei Minuten nach den Gardisten, die Euch dort hinbringen w�rden, aus Baerlon verschwunden. Und dann w�rdet Ihr h�ngen, weil Ihr Euer Exil verlassen h�ttet. Es ist viel besser f�r Euch, wenn Ihr in Caemlyn bleibt und Euch nach einer neuen Besch�ftigung umseht. Meister Norry k�nntet Ihr einen Mann mit Harks Talenten gebrauchen?�</p><p>�Das k�nnte ich, meine Lady�, erwiderte Norry, ohne auch nur einen Moment lang nachzudenken. Ein zufriedenes L�cheln umspielte seine schmalen Lippen, und Elayne erkannte, was sie getan hatte. Sie hatte ihm ein Werkzeug gegeben, mit dem er sich in Frau Harfors Kompetenzen einmischen konnte. Aber daran war jetzt nichts mehr zu �ndern.</p><p>�Diese Arbeit wird nicht so lukrativ wie Euer fr�heres �Handwerk� sein, Meister Hark, aber Ihr werdet daf�r nicht h�ngen.�</p><p>�Sie wird was nicht sein, meine Lady?� Hark kratzte sich am Kopf.</p><p>�Sie wird nicht so viel Geld einbringen. Was sagt Ihr?</p><p>Baerlon, wo Ihr mit Sicherheit einen Beutel aufschneiden oder fl�chten und so oder so h�ngen w�rdet, oder Caemlyn, wo Ihr eine geregelte Arbeit habt, ohne Furcht vor dem Henker. Solange Ihr nicht wieder als Beutelschneider arbeitet.�</p><p>Hark schwankte, rieb sich mit dem Handr�cken �ber den Mund. �Ich brauche etwas zu trinken, das brauche ich�, murmelte er heiser. Vermutlich glaubte er, das Findegewebe w�rde ihr verraten, falls er wieder einen Geldbeutel stahl. Falls dem so war, hatte sie nicht vor, ihn vom Gegenteil zu �berzeugen.</p><p>Meister Norry sah ihn streng an, aber als er den Mund aufmachte, sagte sie: �Im kleinen Wohnzimmer ist Wein. Lasst ihn einen Becher trinken, dann kommt er zu mir in das gro�e Wohnzimmer.�</p><p>Das gro�e Wohnzimmer war dunkel, als sie es betrat, aber sie lenkte die Macht, um die Spiegelkandelaber vor den dunkel get�felten W�nden zu entz�nden und das bereits sauber aufgeschichtete Holz in den sich gegen�ber befindlichen Kaminen. Dann nahm sie auf einem der St�hle mit den niedrigen Lehnen um den an der Kante mit Schn�rkeln verzierten Tisch Platz und lie� <emphasis>Saidar</emphasis> wieder los. Seit ihrem Experiment, die Macht den ganzen Tag lang zu halten, hatte sie sie nicht mehr l�nger als n�tig festgehalten. Ihre Stimmung schwang von freudiger Erregung zu d�sterer Sorge und wieder zur�ck. Einerseits musste sie Mellar nicht l�nger ertragen und w�rde bald zwei Schwarze Schwestern in der Hand haben. Ihre Befragung f�hrte m�glicherweise zum Rest von ihnen oder w�rde zumindest ihre Pl�ne enth�llen. Und wenn nicht, diese Shiaine w�rde ihre eigenen Geheimnisse haben. Jeder, der zwei Schwarze Schwestern �auf Trab� hielt, w�rde Geheimnisse haben, die zu erfahren sich lohnte. Andererseits, was w�rde Duhara tun, um sie zu zwingen, sie als Beraterin zu akzeptieren? Duhara w�rde sich auf irgendeine Weise einmischen, aber ihr fiel nichts ein, was es sein mochte. Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, sie konnte nicht noch mehr Schwierigkeiten zwischen sich und dem Thron gebrauchen. Mit etwas Gl�ck w�rde sie heute Nacht nicht nur zwei Schwarze Schwestern gefangen nehmen, m�glicherweise w�rde sie auch noch eine dritte entlarven, eine zehnfache M�rderin. Sie �berdachte alles immer wieder, ging von Falion und Marillin zu Duhara, und das selbst noch, nachdem sich Meister Norry und Hark zu ihr gesellt hatten.</p><p>Hark wollte sich mit einem Silberbecher in der Hand an den Tisch setzen, aber Norry tippte ihm auf die Schulter und deutete mit dem Kopf auf eine Ecke. Mit finsterer Miene begab sich Hark dorthin. Er musste zu trinken angefangen haben, sobald der Becher gef�llt worden war, denn er leerte ihn mit einem gro�en Schluck und drehte ihn dann unabl�ssig zwischen den H�nden, w�hrend er ihn anstarrte. Pl�tzlich richtete er ein einschmeichelndes L�cheln in ihre Richtung. Was auch immer er auf ihrem Gesicht las, es lie� ihn zusammenzucken. Er eilte zu dem langen Tisch an der Wand, stellte den Becher mit �bertriebener Sorgfalt ab und eilte zur�ck in seine Ecke.</p><p>Birgitte traf als Erste ein, der Bund war voller m�der Unzufriedenheit. �Ein Ritt?�, fragte sie, und als Elayne erkl�rt hatte, erhob sie Einw�nde. Nun, zum Teil waren es Einw�nde, bei dem Rest handelte es sich um schlichte Beleidigungen.</p><p>�Was f�r einen hirnverbrannten, schwachsinnigen Plan, Birgitte?�, fragte Vandene, als sie den Raum betrat. Sie trug ein Reitgewand, das lose an ihrem K�rper hing. Es hatte ihrer Schwester geh�rt und h�tte ihr zu Adeleas Lebzeiten perfekt gepasst, aber die wei�haarige Frau hatte Gewicht verloren. Ihr drahtiger Beh�ter Jaem warf einen Blick auf Hark und stellte sich so, dass er den Mann im Auge behalten konnte. Hark l�chelte zaghaft, aber es verblich, als Jaems Ausdruck eisenhart blieb. Das graue Haar des Beh�ters lichtete sich, doch es war nichts Sanftes an ihm.</p><p>�Sie will heute Nacht zwei Schwarze Schwestern gefang en nehmen�, erwiderte Birgitte und warf Elayne einen harten Blick zu.</p><p>�Zwei Schwarze Schwestern?�, rief Sareitha aus, die durch die T�r kam. Sie zog den schwarzen Umhang enger, als w�rden die Worte sie fr�steln lassen. �Wen?� Ihr Beh�ter Ned, ein gro�er, breitschultriger junger Mann mit blondem Haar, musterte Hark und ber�hrte den Schwertgriff. Auch er w�hlte einen Platz, von dem aus er den Mann im Auge behalten konnte. Hark bewegte sich unruhig. M�glicherweise dachte er dar�ber nach, einen Fluchtversuch zu machen.</p><p>�Falion Bhoda und Marillin Gemalphin�, sagte Elayne. Sareithas Lippen wurden schmal.</p><p>�Was ist mit Falion und Marillin?�, fragte Careane, als sie ins Zimmer rauschte. Ihre Beh�ter waren sehr unterschiedliche M�nner, ein hochgewachsener schlaksiger Tairener, ein gertenschlanker Saldaeaner und ein breitschultriger Cairhiener. Sie tauschten einen Blick aus, und Tavan, der Cairhiener, lehnte sich an die Wand und beobachtete Hark, w�hrend Cieryl und Venr auf der T�rschwelle stehen blieben. Hark wurde blass um die Nase.</p><p>Es blieb Elayne nichts anderes �brig, als alles noch einmal von vorn zu erkl�ren. Was sie mit einer wachsenden Ungeduld tat, die nichts mit ihren Stimmungsschwankungen zu tun hatte. Je l�nger das hier dauerte, desto gr��er die Wahrscheinlichkeit, dass Falion und Marillin weg waren, wenn sie das Haus in der Vollmondstra�e erreichte. Sie <emphasis>wollte</emphasis> sie haben. Und sie w�rde sie bekommen! Sie h�tte Birgitte warten lassen sollen, bis alle da waren.</p><p>�Ein guter Plan, finde ich�, sagte Vandene, als sie zum Ende gekommen war. �Ja, das ist gut.� Andere zeigten sich weniger begeistert.</p><p>�Das ist kein Plan, das ist nackter Wahnsinn!�, sagte Birg itte scharf. Die Arme unter den Br�sten verschr�nkt, starrte sie finster auf Elayne herunter, und der Bund war so aufgew�hlt, dass Elayne die Gef�hle kaum auseinanderhalten konnte. �Ihr vier betretet das Haus allein. Allein! Das ist kein Plan. Das ist verdammter Irrsinn! Beh�ter sollen ihrer Aes Sedai den R�cken sch�tzen. Lass uns mitkommen.� Die anderen Beh�ter stimmten grimmig zu, aber wenigstens versuchte sie nicht mehr, die ganze Sache aufzuhalten.</p><p>�Wir sind zu viert�, erwiderte Elayne. �Wir k�nnen selbst auf uns aufpassen. Und Schwestern bitten ihre Beh�ter nicht, gegen andere Schwestern vorzugehen.� Birgittes Miene verfinsterte sich. �Wenn ich dich brauche, schreie ich so laut, dass du mich noch im Palast h�ren k�nntest. Die Beh�ter bleiben drau�en!�, f�gte sie hinzu, als Birgitte den Mund �ffnete. Der Bund f�llte sich mit hilfloser Wut, aber Birgitte machte den Mund mit einem Ruck zu.</p><p>�Vielleicht kann man diesem Mann ja trauen�, sagte Sareitha und warf Hark einen Blick zu, der alles andere als Vertrauen ausdr�ckte, �aber selbst wenn er sich nicht verh�rt hat, kann keiner sagen, ob noch immer nur die beiden Schwestern im Haus sind. Oder �berhaupt welche. Sollten sie weg sein, besteht keine Gefahr, aber wenn noch andere dazugekommen sind, k�nnten wir den Hals in eine Schlinge legen.�</p><p>Careane verschr�nkte die st�mmigen Arme und nickte.</p><p>�Die Gefahr ist zu gro�. Ihr habt uns selbst erz�hlt, dass sie bei ihrer Flucht aus der Burg einige <emphasis>Ter'angreale</emphasis> gestohlen haben, darunter ein paar gef�hrliche St�cke. Man hat mich nie als Feigling bezeichnet, aber ich habe keine Lust, zu versuchen, mich an jemanden anzuschleichen, der m�glicherweise einen Stab hat, mit dem er Baalsfeuer machen kann.�</p><p>�Er wird wohl kaum etwas so Simples wie �wir sind nur zu zweit� missverstanden haben�, erwiderte Elayne entschieden.</p><p>�Und es h�rte sich nicht so an, als w�rden sie noch andere erwarten.� Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, verglich man ihre Stellung, h�tten sie darum wetteifern m�ssen, ihr zu gehorchen, statt mit ihr zu diskutieren. �Wie dem auch sei, das hier ist keine Diskussion.� Schade, dass beide protestierten. H�tte es nur eine getan, h�tte das ein Hinweis sein k�nnen. Falls nicht beide Schwarze Ajah waren. Ein be�ngstigender Gedanke, aber ihr Plan zog diese M�glichkeit mit in Betracht. �Falion und Marillin werden nicht wissen, dass wir kommen, bevor es zu sp�t ist. Sind sie nicht mehr da, verhaften wir diese Shiaine, aber wir gehen.�</p><p>Es war eine gr��ere Gruppe als erwartet, die hinter ihr und Hark aus dem K�niglichen Stall ritt. Birgitte hatte darauf bestanden, f�nfzig Gardistinnen mitzunehmen, obwohl die nur umsonst auf ihren Schlaf verzichten w�rden, eine Zweierreihe in rot lackierten Helmen und Harnischen, schwarz in der Nacht, die sich hinter den Aes Sedai und ihren Beh�tern am Palast entlangschl�ngelte. Als sie die Vorderseite des Palasts erreichten, hielten sie sich am Rand des K�niginnenplatzes, des gro�en Ovals, auf dem sich jetzt primitive Unterk�nfte dr�ngten, die schlafende Gardisten und die Waffenm�nner der Adligen beherbergten. M�nner waren �berall untergebracht worden, wo man Platz hatte finden k�nnen, aber in der N�he des Palastes gab es nicht genug Keller und Dachb�den und Zimmer und auch nicht gen�gend Parks, in denen die Zirkel der Kusinen die M�nner an die Orte schafften, wo sie gebraucht wurden. Sie k�mpften zu Fu�, auf den Mauern, also waren ihre Pferde alle in weiter entfernten Parks und den gr��eren Palastg�rten untergebracht. Ein paar Wachtposten regten sich, als sie vorbeiritten, aber da Elayne die Kapuze hochgeschlagen hatte, wussten sie nicht mehr, als dass ein gro�es Kontingent Gardistinnen eine Gruppe durch die Nacht begleitete. Der Himmel im Osten war noch immer dunkel, aber es konnten keine zwei Stunden mehr bis zur Morgend�mmerung sein. Die vom Licht gesandte D�mmerung w�rde Falion und Marillin in Haft sehen. Und noch eine andere. Zumindest eine andere.</p><p>Gewundene Stra�en f�hrten �ber und an H�geln entlang, vorbei an ziegelgedeckten T�rmen, die bei Sonnenaufgang in hundert Farben funkeln w�rden und im wolkenverhangenen Mondlicht schwach glitzerten, vorbei an stummen Gesch�ften und dunklen Schenken, einfachen Steinh�usern mit Schieferd�chern und kleinen Pal�sten, die auch nach Tar Valon gepasst h�tten. Das Klappern der Pferdehufe auf dem Kopfsteinpflaster und das leise Knarren des Sattelleders klang laut in der Stille. Abgesehen von dem gelegentlichen Stra�enk�ter, der sich tiefer in die schattenverh�llten Gassen dr�ckte, bewegte sich nichts. Zu dieser Stunde waren die Stra�en gef�hrlich, aber kein R�uber w�rde so verr�ckt sein, sich einer so gro�en Gruppe in den Weg zu stellen. Eine halbe Stunde nach Verlassen des Palasts lenkte Elayne Feuerherz durch das Mondeltor, einen breiten, zwanzig Fu� hohen Bogen in der wei�en Mauer der Innenstadt. Fr�her hatten hier Gardisten auf Posten gestanden, um den Frieden zu wahren, aber daf�r war die Garde der K�nigin jetzt zu beansprucht.</p><p>Fast sofort nach dem Betreten der Neustadt wandte sich Hark ostw�rts in ein Labyrinth aus Stra�en, das sich in alle Richtungen durch die Stadth�gel wand. Er ritt unbeholfen, auf einer braunen Stute, die man f�r ihn gefunden hatte. Beutelschneider verbrachten nur selten Zeit im Sattel. Einige der Stra�en hier waren ziemlich schmal, und in einer davon z�gelte er schlie�lich das Pferd, umgeben von H�usern, die sich bis zu vier Stockwerken erhoben. Birgitte hob die Hand, um die Kolonne anhalten zu lassen. Die pl�tzliche Stille erschien ohrenbet�ubend.</p><p>�Es ist direkt hier um die Ecke, meine Lady, das ist es, auf der anderen Stra�enseite�, sagte Hark beinahe fl�sternd.</p><p>�Aber wenn wir dort hineinreiten, k�nnten sie uns h�ren oder sehen. Es tut mir leid, meine Lady, aber wenn diese Aes Sedai das sind, was Ihr behauptet, will ich nicht, dass sie mich sehen.� Er kletterte umst�ndlich vom Pferd und schaute zu ihr hoch, rang mit einem nerv�sen, im Mondschatten liegenden Gesichtsausdruck die H�nde.</p><p>Elayne stieg ab und f�hrte Feuerherz zur Stra�enecke und sp�hte am Rand eines schmalen, dreist�ckigen Geb�udes vorbei. Die H�user in der anderen Stra�e lagen mit einer Ausnahme alle im Dunkeln; dieses Haus erhob sich drei Stockwerke aus Stein in die H�he, daneben gab es ein geschlossenes Stallhoftor. Kein �berm��ig pr�chtiges Haus, aber gro� genug f�r einen reichen Kaufmann oder Bankier. Allerdings war es unwahrscheinlich, dass Kaufm�nner oder Bankiers zu dieser Stunde noch wach waren.</p><p>�Da�, fl�sterte Hark heiser und streckte den Arm aus. Er stand so weit zur�ck, dass er sich vorbeugen musste, um zeigen zu k�nnen. Er hatte wirklich Angst, gesehen zu werden.</p><p>�Das mit dem Licht im ersten Stock, das ist es.�</p><p>�Wir sollten herausfinden, ob da noch jemand wach ist�, sagte Vandene und schaute an Elayne vorbei. �Jaem? Geh nicht ins Haus.�</p><p>Elayne wartete darauf, dass der schlanke alte Beh�ter sich die Stra�e entlangschleichen w�rde, aber er schlenderte einfach daher, den Umhang gegen die fr�he Morgenk�hle fest geschlossen. Ihn schien sogar die gef�hrliche Anmut eines Beh�ters verlassen zu haben. Vandene schien ihre �berraschung zu sp�ren.</p><p>�Schleichen zieht Blicke auf sich und schafft Misstrauen�, sagte sie. �Jaem ist blo� ein Fu�g�nger, und da es fr�h ist, um unterwegs zu sein, bewegt er sich nicht verstohlen, sodass jeder, der ihn sehen sollte, einen allt�glichen Grund f�r seine Anwesenheit voraussetzen wird.�</p><p>Jaem erreichte das Tor zum Stallhof, zog es auf und ging hindurch, als h�tte er jedes Recht dazu. Lange Minuten vergingen, bevor er wieder herauskam, das Tor sorgf�ltig hinter sich verschloss und zur�ckkam. Er bog um die Ecke, und die raubtierhafte Anmut kehrte in seinen Schritt zur�ck.</p><p>�Bis auf das eine sind alle Fenster dunkel�, berichtete er Vandene leise. �Die K�chent�r ist unverschlossen. Genau wie die Hintert�r. Die f�hrt auf eine Hintergasse. Sehr leichtsinnig f�r Schattenfreunde. Oder gef�hrlich genug, dass sie keine Einbrecher f�rchten. In der Scheune schl�ft ein gro�er Bursche, oben auf dem Heuboden. Gro� genug, um jeden Einbrecher zu verscheuchen, aber er war so betrunken, dass er nicht einmal aufgewacht ist, als ich ihn gefesselt habe.� Vandene hob fragend eine Braue. �Ich wollte lieber auf Nummer sicher gehen. Betrunkene wachen manchmal genau dann auf, wenn man nicht damit rechnet. Ihr wollt doch nicht, dass er Euch reingehen sieht und Alarm schl�gt.� Sie nickte.</p><p>�Es ist Zeit�, sagte Elayne. Sie trat von der Ecke fort und gab ihre Z�gel Birgitte, dann versuchte sie die Quelle zu umarmen. Es war wie der Versuch, Rauch mit den Fingern zu fangen. Frustration und Wut sch�ssen in ihr hoch, die Dinge, die man unterdr�cken musste, wenn man die Macht lenken wollte. Sie versuchte es erneut und scheiterte wieder. Falion und Marillin w�rden davonkommen. So nahe zu sein und dann� Sie mussten in dem beleuchteten Zimmer sein. Sie wusste es. Und sie w�rden fliehen k�nnen. Niedergeschlagenheit ersetzte die Wut, und pl�tzlich str�mte <emphasis>Saidar</emphasis> in sie hinein. Sie konnte noch gerade eben einen erleichterten Seufzer unterdr�cken. �Ich mische die Str�me, Sareitha. Vandene, Ihr mischt f�r Careane.�</p><p>�Ich begreife nicht, warum wir uns verkn�pfen m�ssen�, murmelte die tairenische Braune, aber sie bereitete sich darauf vor, die Macht zu ergreifen. �Sie sind zu zweit und wir sind zu viert, wir sind mehr als sie, aber verkn�pft sind es zwei gegen zwei.� Ein Hinweis? Vielleicht wollte sie, dass es drei gegen drei stand?</p><p>�Zwei sind zusammen stark genug, um sie auch dann zu �berw�ltigen, sollten sie die Macht halten. Sareitha.� Elayne griff durch sie hindurch, als w�re sie ein <emphasis>Angreal,</emphasis> und das Leuchten <emphasis>Saidars</emphasis> h�llte die andere Frau ein, als die Verkn�pfung vollendet wurde. Tats�chlich h�llte es sie beide ein, aber sie konnte nur den Teil um Sareitha sehen � bis sie Geist um sie webte. Da verschwand das Leuchten. Sie legte das gleiche Gewebe �ber sich und bereitete vier Abschirmungen und mehrere andere Gewebe vor, die alle umgedreht waren. Sie f�hlte sich fast ausgelassen vor Aufregung, aber sie hatte nicht vor, sich �berraschen zu lassen. Noch immer pulsierte Frustration durch den Bund, aber davon abgesehen f�hlte sich Birgitte wie ein eingespannter Pfeil ein. Elayne ber�hrte ihren Arm. �Behalte Meister Hark im Auge, Birgitte. Es w�re eine Schande, wenn man ihn h�ngen m�sste, nur weil er der Versuchung zur Flucht nicht widerstehen konnte.� Hark quiekte auf.</p><p>Sie tauschte einen Blick mit Vandene, die sagte: �Wir k�nnen los.�</p><p>Die vier Frauen betraten die Vollmondstra�e, langsam, als w�rden sie spazieren gehen, und schl�pften in den von Schatten erf�llten Stallhof. Elayne �ffnete behutsam die K�chent�r, aber die T�rangeln waren gut ge�lt und gaben nicht einmal ein Quietschen von sich. Die K�che wurde nur von einem kleinen Feuer in dem breiten Steinkamin erhellt, �ber dem ein dampfender Kessel hing, aber es reichte, um sie zu durchqueren, ohne gegen den Tisch oder die St�hle zu sto�en. Jemand seufzte, und sie legte einen warnenden Finger an die Lippen. Vandene sah Careane strafend an, die peinlich ber�hrt aussah und die H�nde ausbreitete.</p><p>Ein kurzer Korridor f�hrte zu einer Treppe im Vorderteil des Hauses. Elayne raffte die R�cke und machte sich an den Aufstieg, lautlos in den weichen Halbschuhen. Sie achtete sorgf�ltig darauf, dabei Sareitha im Auge zu behalten. Vandene tat das Gleiche mit Careane. Sie konnten nichts mit der Macht anstellen, aber das bedeutete nicht, dass sie nichts tun konnten. Ab dem zweiten Treppenabsatz h�rte sie Stimmengemurmel. Aus einer offenen T�r fiel Licht.</p><p>�� mir ist egal, was Ihr denkt�, sagte eine Frau in dem Zimmer. �Ihr �berlasst das Denken mir und tut, was Euch befohlen wird.�</p><p>Elayne huschte zur T�r. Es war ein Wohnzimmer mit vergoldeten Kandelabern und kostbaren Teppichen auf dem Boden und einem gro�en Kamin aus blauem Marmor, aber sie hatte nur Augen f�r die drei Frauen, die sich darin aufh ielten. Nur eine von ihnen sa�, eine Frau mit scharf geschnittenen Z�gen. Das musste Shiaine sein. Die anderen beiden standen mit dem R�cken zur T�r, die K�pfe wie reuige S�nder gesenkt. Die Augen der Frau mit den scharfen Z�gen weiteten sich, als sie sie in der T�r entdeckte, aber Elayne lie� ihr keine Zeit, den Mund zu �ffnen. Die beiden Schwarzen Schwestern schrien alarmiert auf, als sich die Abschirmungen �ber sie st�lpten und Str�me aus Luft ihre Arme an die Seiten fesselten und die R�cke an die Beine dr�ckten. Weitere Str�me aus Luft fesselten Shiaine an ihren vergoldeten Lehnstuhl.</p><p>Elayne zog Sareitha mit sich ins Zimmer und platzierte sich so, dass sie alle Gesichter sehen konnte. Sareitha versuchte zur�ckzutreten. M�glicherweise nur, um ihr den Vortritt zu lassen, aber Elayne griff wieder nach ihrem �rmel und hielt sie in Sichtweite. Vandene und Careane gesellten sich zu ihnen. Marillins schmales Gesicht zeigte nur die Gelassenheit einer Aes Sedai, aber Falion bleckte stumm die Z�hne.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�, verlangte Shiaine zu wissen.</p><p>�Ich erkenne Euch. Ihr seid Elayne Trakand, die Tochter-Erbin. Aber das gibt Euch kein Recht, in mein Haus einzudringen und mich anzugreifen.�</p><p>�Falion Bhoda�, sagte Elayne ruhig, �Marillin Gemalphin, Shiaine Avarhin, ich verhafte euch als Schattenfreunde.� Nun, ihre Stimme war ruhig. Dabei w�re sie am liebsten vor Freude geh�pft. Und Birgitte hatte das Ganze f�r gef�hrlich gehalten!</p><p>�Das ist l�cherlich�, sagte Shiaine eiskalt. �Ich wandle im Licht!�</p><p>�Nicht, wenn Ihr mit diesen beiden da wandelt�, erwiderte Elaine. �Ich wei� genau, dass sie sich in Tar Valon, Tear und Tanchico als Schwarze Ajah erwiesen haben. Sie haben es nicht bestritten, oder? Weil sie wissen, dass ich��</p><p>Pl�tzlich umschwirrten sie Funken. Sie zuckte hilflos, Muskeln verkrampften sich, <emphasis>Saida r</emphasis> entglitt ihr. Sie konnte Vandene und Careane und Sareitha zucken sehen, als auch sie Funken schlugen. Es dauerte nur einen Augenblick lang, aber als die Funken verschwanden, f�hlte sich Elayne wie durch die Mangel gedreht. Sie hielt sich an Sareitha fest, um nicht zu fallen, und Sareitha klammerte sich mindestens genauso hart an ihr fest. Vandene und Careane st�tzten einander schwankend, jede hatte der anderen das Kinn auf die Schulter gelegt. Falion und Marillin sahen �berrascht aus, aber wenige Herzschl�ge sp�ter h�llte sie das Licht der Macht ein. Elayne f�hlte, wie sich die Abschirmung um sie legte, sah, wie sie sich um die anderen drei legte. Fesseln waren nicht n�tig. Ohne einander zu st�tzen, w�re jede von ihnen gefallen. Sie h�tte geschrien, w�re ihr das m�glich gewesen. H�tte sie gedacht, dass Birgitte und die anderen mehr h�tten tun k�nnen als zu sterben.</p><p>Vier Frauen traten ein, die Elayne erkannte. Asne Zeramene und Temaile Kinderode. Chesmal Emry und Eldrith Jhondar. Vier Schwarze Schwestern. Sie h�tte heulen k�nnen. Sareitha st�hnte leise.</p><p>�Warum habt ihr so lange gewartet?�, verlangte Asne w�tend von Falion und Marillin zu wissen. Die schr�g stehenden Augen der Saldaeanerin funkelten erbost. �Ich habe das benutzt, damit sie nicht f�hlen, wie wir <emphasis>Saidar</emphasis> umarmen, aber warum habt Ihr blo� hilflos da rumgestanden?� Sie fuchtelte mit einem kleinen, gekr�mmten schwarzen Stab herum, vielleicht von einem Fingerbreit Durchmesser, der seltsam matt schimmerte. Das Ding schien sie zu faszinieren.</p><p>�Ein �Geschenk� von Moghedien. Eine Waffe aus dem Zeitalter der Legenden. Ich kann damit einen Mann auf hundert Schritte t�ten oder ihn nur bet�uben, wenn ich ihn der Befragung unterziehen will.�</p><p>�Ich kann einen Mann t�ten, wenn ich ihn sehe�, sagte Chesmal ver�chtlich. Gro� und h�bsch war sie das Abbild eisiger Arroganz.</p><p>Asne schniefte. �Aber mein Ziel k�nnte von hundert Schwestern umgeben sein, und niemand w�rde wissen, was ihn get�tet hat.�</p><p>�Vermutlich kann er ganz n�tzlich sein�, gab Chesmal widerstrebend zu. �Warum seid ihr da blo� so einfach rumgestanden?�</p><p>�Sie hatten uns abgeschirmt�, sagte Falion erbittert.</p><p>Eldrith stockte der Atem, und sie legte eine dicke Hand an die runde Wange. �Das ist unm�glich. Es sei denn�� Sie kniff die dunklen Augen zusammen. �Sie haben eine Methode entdeckt, den Schein zu verbergen, ihre Gewebe zu verbergen. Nun, das k�nnte n�tzlich sein.�</p><p>�Ich danke euch f�r eure Rettung im richtigen Moment�, sagte Shiaine und stand auf, �aber habt ihr einen Grund, heute Nacht herzukommen? Hat Moridin euch geschickt?�</p><p>Asne lenkte einen Strom Luft, der Shiaines Wange mit einem lauten Klatschen traf und sie taumeln lie�. �Bleibt h�flich, und vielleicht lassen wir Euch mitkommen. Oder wir k�nnen Euch auch tot zur�cklassen.� Shiaines Wange war ger�tet, aber ihre H�nde blieben an ihrer Seite. Ihr Gesicht war ausdruckslos.</p><p>�Wir brauchen blo� Elayne�, sagte Temaile. Sie war h�bsch auf eine fuchsgesichtige Art und Weise, dem Erscheinungsbild nach trotz des alterslosen Gesichts fast ein zerbrechliches Kind, aber in ihren blauen Augen lag ein ungesundes Flackern. Sie fuhr sich mit der Zungenspitze �ber die Lippen. �Ich w�rde ja gern mit den anderen spielen, aber sie w�ren eine Last, die wir nicht brauchen k�nnen.�</p><p>�Wenn Ihr t�ten wollt�, sagte Marillin, als w�rde sie �ber den Brotpreis sprechen, �dann verschont Careane. Sie geh�rt zu uns.�</p><p>�Ein Geschenk von Adeleas�, murmelte Vandene, und Careane riss die Augen weit auf. Ihr Mund �ffnete sich, aber es kam kein Laut heraus. Die beiden Frauen sackten zusammen, fielen auf den Teppich. Vandene wollte sich wieder auf die F��e k�mpfen, aber Careane starrte blo� zur Decke; der Griff von Vandenes G�rtelmesser ragte unter ihrem Brustbein empor.</p><p>Das Leuchten h�llte Chesmal ein, und sie ber�hrte Vand ene mit einem komplizierten Gewebe aus Feuer, Erde und Wasser. D;e wei�haarige Frau brach zusammen, als w�ren ihre Knochen geschmolzen. Das gleiche Gewebe ber�hrte Sareitha, und sie zog Elayne mit sich nach unten, als sie zusammenbrach. Sareithas Blick wurde bereits starr.</p><p>�Ihre Beh�ter werden jetzt kommen�, sagte Chesmal.</p><p>�Noch ein paar, die wir t�ten m�ssen.�</p><p><emphasis>Lauf, Birgitte, lauf,</emphasis> dachte Elayne und w�nschte sich, der Bund k�nnte Worte �bertragen. <emphasis>Lauf!</emphasis></p></section><section><title><p>32</p><p>Der Handel wird eingehalten</p></title><p>Birgitte lehnte an der Steinwand des zweist�ckigen Geb�udes und dachte traurig an Gaidal, als das B�ndel aus Gef�hlen und k�rperlichen Empfindungen in ihrem Hinterkopf, ihr Bewusstsein von Elayne, sich pl�tzlich verkrampfte. Das war das einzige passende Wort. Was auch immer es war, es dauerte nur einen Augenblick lang, aber danach war der Bund voller� Schlaffheit. Elayne war bei Bewusstsein, schwankte, versp�rte jedoch keine Angst. Trotzdem warf Birgitte den Umhang zur�ck und ging zur Ecke, um in die Vollmondstra�e hineinzuschauen. Elayne konnte mutiger sein, als ihr gut tat. Das Schwerste daran, Elaynes Beh�terin zu sein, bestand in der Aufgabe, sie davon abzuhalten, sich �berm��ig in Gefahr zu bringen. Niemand war unverletzlich, aber die verdammte Frau hielt sich daf�r. Ihr Wappen h�tte ein eiserner L�we und keine goldene Lilie sein sollen. Hinter dem Fenster brannte das Licht, warf einen blassen Schimmer auf die schmale Stra�e, und au�er einer kreischenden Katze irgendwo in der Nacht gab es keinen Laut.</p><p>�Sareitha f�hlt sich� schwindelig�, murmelte Ned Yarm an neben ihr. Das jungenhafte Gesicht des Beh�ters in der Kapuze seines Umhangs war eine grimmige Schattenmaske.</p><p>�Sie f�hlte sich schwach.�</p><p>Birgitte wurde sich bewusst, dass sich die anderen Beh�ter dicht um sie scharten, mit versteinerten Gesichtern und harten Blicken. Das war selbst im Mondlicht deutlich zu sehen. Etwas war mit den Aes Sedai geschehen, aber was? �Lady Elayne hat gesagt, sie w�rde rufen, wenn sie uns braucht�, sagte sie zu ihnen, sowohl um sich selbst zu beruhigen wie auch sie. Selbst wenn Careane und Sareitha <emphasis>beide</emphasis> Schattenfreunde waren, in der Verkn�pfung w�ren sie hilflos gewesen, und anscheinend war das, was passiert war, auch ihnen passiert. Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, sie h�tte darauf bestehen sollen, zusammen mit den anderen Beh�tern.</p><p>�Careane wird nicht erfreut sein, wenn wir unn�tigerweise eingreifen�, sagte Venr Kosaan leise. So schlank wie eine Klinge und dunkelh�utig, mit wei�en Str�hnen in seinem lockigen schwarzen Haar und dem kurzen Bart, schien er v�llig entspannt zu sein. �Ich sage, wir warten. Sie f�hlt sich zuversichtlich, was auch immer da geschieht.�</p><p>�Jedenfalls mehr als noch beim Betreten des Hauses�, warf Cieryl Arjuna ein, was ihm einen scharfen Blick von Venr einbrachte. Obwohl Cieryl, ein Mann mittleren Alters, breite Schultern hatte, schien er nur aus Knochen zu bestehen.</p><p>Birgitte nickte. Auch Elayne war zuversichtlich. Anderers eits w�rde Elayne auch dann zuversichtlich sein, wenn sie �ber einem sich aufl�senden Seil �ber eine Grube mit angespitzten Pf�hlen balancieren m�sste. In der Ferne fing ein Hund an zu bellen, und die kreischende Katze verstummte, aber andere Hunde antworteten dem ersten in einem sich ausbreitenden Radius, der so pl�tzlich verstummte, wie er begonnen hatte.</p><p>Sie warteten, und Birgitte sorgte sich stumm. Pl�tzlich knurrte Venr einen Fluch und warf den Umhang ab. Im n�chsten Augenblick hielt er die Klinge in der Hand und rannte die Stra�e entlang, gefolgt von Cieryl und Tavan, die ebenfalls die Klingen hielten und mit wehenden Umh�ngen liefen. Bevor sie zwei Schritte weit gekommen waren, stie� Jaem einen wilden Schrei aus. Er zog das Schwert, warf den Umhang zu Boden und rannte in einem Tempo hinter den anderen her, das sein Alter vergessen lie�. Mit einem Wutschrei auf den Lippen rannte auch Ned, der Stahl in seiner Faust funkelte im Mondlicht. Zorn fuhr wie ein Stich durch den Bund; er �hnelte der Berserkerwut, die manche M�nner �berw�ltigte. Und da war auch Trauer, aber noch immer keine Furcht.</p><p>Birgitte h�rte hinter sich das leise Schaben von Schwert ern, die gezogen wurden, und wirbelte mit wehendem Umhang herum. �Weg damit! Die nutzen hier nichts.�</p><p>�Ich wei� genauso gut wie Ihr, was es zu bedeuten hat, wenn die Beh�ter losrennen, meine Lady�, sagte Yurith in ihrem h�fischen Akzent und gehorchte. Mit sichtlichem Z�gern. So hochgewachsen wie die meisten M�nner, bestritt die Saldaeanerin, von adliger Geburt zu sein, aber wann immer die Sprache auf ihre T�tigkeiten vor dem Schwur zur J�gerin des Horns kam, zeigte sie blo� eines ihrer seltenen L�cheln und wechselte das Thema. Aber sie konnte sehr geschickt mit diesem Schwert umgehen. �Wenn die Aes Sedai sterben��</p><p>�Elayne lebt�, unterbrach Birgitte sie. Sie lebte und war in Schwierigkeiten. �Um <emphasis>sie</emphasis> m�ssen wir uns jetzt k�mmern, aber wir brauchen viele Schwerter mehr, um sie zu retten.� Und noch mehr als nur Schwerter. �Jemand schnappt sich den Mann!� Zwei Gardistinnen ergriffen Harks Mantel, bevor er sich in der Dunkelheit verdr�cken konnte. Anscheinend wollte er nicht bleiben, wo Aes Sedai gestorben waren. Genauso wenig wie sie. �Sammelt die� die frei gewordenen Pferde und folgt mir�, sagte sie und schwang sich in Pfeils Sattel. �Und reitet wie der Wind!� Sie setzte ihre Worte in Taten um, grub die Fersen in die Flanken des sehnigen grauen Wallachs, ohne auf sie zu warten.</p><p>Es war ein wilder Galopp durch die dunklen, gewundenen Stra�en, in denen gerade die ersten Fu�g�nger erschienen. Sie lenkte Pfeil um ein paar Karren und Wagen herum, die zu dieser fr�hen Stunde schon drau�en waren, aber M�nner und Frauen mussten ihr aus dem Weg springen, sch�ttelten oft die F�uste und br�llten Fl�che. Sie trieb den Wallach nur zu gr��erer Geschwindigkeit an, der Umhang wehte hinter ihr her. Sie hatte das Mondeltor noch nicht erreicht, da war Elayne bereits in Bewegung. Zuerst war sie sich nicht sicher gewesen, aber jetzt war es unmissverst�ndlich. Elayne bewegte sich in Schrittgeschwindigkeit nach Nordosten. Der Bund verriet, dass sie zu weiche Knie hatte, um weit gehen zu k�nnen, m�glicherweise konnte sie auch gar nicht gehen, aber ein Wagen w�rde die gleiche Geschwindigkeit haben. Der Himmel verf�rbte sich grau. Wie lange w�rde sie brauchen, um alles beisammen zu haben, was n�tig war? In der Innenstadt f�hrten die Stra�en spiralenf�rmig auf einen Mittelpunkt zu, f�hrten vorbei an T�rmen, die in Hunderten Farben funkelten, hoch zu den goldenen Kuppeln und den bleichen Turmspitzen des K�niglichen Palasts auf dem h�chsten von Caemlyns H�geln. Als sie am Rand des K�niginnenplatzes vorbeigaloppierte, starrten die Soldaten sie an. Sie bekamen ihr Fr�hst�ck aus schwarzen T�pfen auf Schubkarren, K�che l�ffelten irgendeinen braunen Eintopf auf Zinnteller, und jeder sichtbare Mann trug seinen Harnisch und hatte den Helm am Schwertgriff aufgeh�ngt. Gut. Jeder eingesparte Augenblick war ein Augenblick, der zu Elaynes Rettung f�hrte.</p><p>Zwei Reihen Gardistinnen �bten auf dem Stallhof den Schwertkampf, als sie herangaloppierte, aber die �bungsklingen verstummten, als sie aus dem Sattel schnellte, Pfeils Z�gel fallen lie� und auf den S�ulengang zurannte. �Hadora, lauft und sagt den Windsucherinnen, sie sollen mich sofort im Kartenzimmer treffen!�, rief sie, ohne langsamer zu werden. �Sie alle! Sanetre, Ihr holt Hauptmann Guybon! Und lasst mir ein anderes Pferd satteln!� Pfeil war f�r heute ersch�pft. Da war sie schon an den S�ulen vorbei, aber sie schaute nicht zur�ck, um zu sehen, ob sie gehorchten. Das w�rden sie.</p><p>Sie rannte durch mit Wandteppiche geschm�ckte Korridore und weit ausladende Marmortreppen hinauf, verirrte sich und br�llte Fl�che, als sie wieder zur�cklief. Schlie�lich erreichte sie die mit den L�wen verzierten T�ren des Kartenzimmers, wo sie nur lange genug stehen blieb, um den st�mm igen Gardisten auf Posten zu befehlen, die Windsucherinnen auf der Stelle hereinzuf�hren, dann trat sie ein. Guybon war bereits da, in seinem funkelnden Harnisch mit den drei goldenen Knoten auf den Schultern. Aber auch Dyelin war da und hielt beim Gehen geziert die blauen Seidenr�cke hoch; die beiden betrachteten stirnrunzelnd den gewaltigen Mosaikstadtplan, auf dem �ber ein Dutzend roter Scheiben die Nordmauer der Stadt markierten. Nie zuvor hatte es so viele Angriffe zur gleichen Zeit gegeben, nicht einmal zehn, aber Birgitte hatte kaum einen Blick f�r die Scheiben �brig.</p><p>�Guybon, ich brauche jedes Pferd und jede Hellebarde, die Ihr zusammenholen k�nnt�, sagte sie, �ffnete die Umhangspange und warf den Mantel auf ihren langen Schreibtisch.</p><p>�Die Armbrustm�nner und Bogensch�tzen werden eine Zeit lang allein mit allem fertig werden m�ssen. Elayne ist von Aes-Sedai-Schattenfreunden gefangen genommen worden, und sie wollen sie aus der Stadt bringen.� Ein paar der Schreiber und Boten fingen an zu murmeln, aber Frau Anford brachte sie mit einem scharfen Befehl zum Schweigen. Birgitte betrachtete die bunte Karte auf dem Boden, berechnete Entfernungen. Elayne schien sich auf das Sonnenaufgangstor und die Stra�e zum Fluss Erinin zuzubewegen, aber selbst wenn sie eines der kleineren Tore benutzen wollten, waren sie schon zu weit gegangen, um auf etwas anderes als die Ostmauer zuzuhalten. �Vermutlich haben sie sie durch die Tore geschafft, bis wir so weit sind. Wir Reisen zu dem H�gel �stlich von der Stadt.� Und die Dinge, die da kommen w�rden, w�rden sie auf der Stra�e ausfechten, abseits von bewohnten H�usern. Offenes Gel�nde w�rde auf jeden Fall besser sein. In dem Stra�engewirr, wo die Reiter und Hellebardenm�nner zusammengedr�ngt stehen w�rden, w�rden viel zu viele Menschen im Weg sein, konnte zu viel schiefgehen.</p><p>Guybon nickte, gab bereits knappe Befehle, die braun gekleidete Schreiber hastig niederschrieben und ihm zur Unterschrift vorhielten, bevor sie sie an in Rot und Wei� gekleidete Boten weiterreichten, die losliefen, sobald sie das Papier in der Hand hielten. Die Gesichter der Jungen waren �ngstlich. Birgitte hatte keine Zeit f�r ihre eigene Angst. Elayne versp�rte keine, und sie war eine Gefangene. Trauer, ja, aber keine Furcht.</p><p>�Wir m�ssen Elayne auf jeden Fall retten�, sagte Dyelin ruhig, �aber sie wird es Euch kaum danken, wenn Ihr auf diese Weise Arymilla Caemlyn in die H�nde spielt. Ohne die M�nner in den T�rmen und an den Toren mitzuz�hlen, sind fast die H�lfte der ausgebildeten Soldaten und Waffenm�nner in der Stadt auf der Nordmauer. Zieht Ihr den Rest ab, wird der n�chste Angriff einen Teil der Mauer erobern. Armbr�ste und Bogen allein werden sie nicht aufhalten. Sobald sie sie erobert haben, werden Arymillas Streitkr�fte in die Stadt str�men, genug, um jene zu �berw�ltigen, die wir Eurer Meinung nach zur�cklassen sollen. Ihr werdet unsere Positionen sauber und ordentlich umgekehrt und die Eure verschlechtert haben. Arymilla wird Caemlyn haben und Elayne drau�en sein, ohne gen�gend Waffenm�nner, um wieder hereinkommen zu k�nnen. Sollten diese Schattenfreunde nicht irgendwie ein Heer nach Caemlyn eingeschmuggelt haben, werden ein paar hundert M�nner genauso viel ausrichten wie Tausende.�</p><p>Birgitte sah sie finster an. Sie hatte Dyelin noch nie leiden k�nnen. Sie konnte nicht einmal genau sagen, warum das so war, aber es war Abneigung auf den ersten Blick gewesen. Sie war sich ziemlich sicher, dass die andere Frau das Gleiche f�r sie empfand. Sie konnte nie �oben� sagen, ohne dass Dyelin sofort �unten� sagte. �Ihr wollt Elayne auf den Thron setzen, Dyelin. Ich will sie am Leben erhalten, damit sie diesen Thron besteigen kann. Oder auch nicht, solange sie nur am Leben bleibt. Ich schulde ihr mein Leben, und ich werde das ihre nicht in den H�nden eines Schattenfreundes verrinnen lassen.� Dyelin schnaubte und konzentrierte sich wieder auf die roten Scheiben, als k�nnte sie die Soldaten k�mpfen sehen; ihr Stirnrunzeln lie� die Falten um ihre Augen sich vertiefen.</p><p>Birgitte verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken und zwang sich dazu, still dazustehen. Sie wollte vor Ungeduld auf und ab gehen. Elayne rollte noch immer auf das Sonnenaufgangstor zu. �Da gibt es etwas, das Ihr wissen m�sst, Guybon. Uns stehen mindestens zwei Aes Sedai gegen�ber, vermutlich mehr, und sie haben vielleicht eine Waffe, ein <emphasis>Ter�angreal,</emphasis> das Baalsfeuer macht. Habt Ihr je davon geh�rt?�</p><p>�Nein. Aber es klingt gef�hrlich.�</p><p>�Oh, das ist es. Gef�hrlich genug, dass es f�r Aes Sedai verboten ist. Im Krieg des Schattens haben selbst Schattenfreunde aufgeh�rt, es zu benutzen.� Sie stie� ein bitteres Lachen aus. Sie wusste von Baalsfeuer nur noch, was Elayne ihr erz�hlt hatte. Und das hatte sie Elayne zuvor gesagt, aber das machte alles nur noch schlimmer. W�rden s�mtliche ihrer Erinnerungen verschwinden? Sie glaubte nicht, in letzter Zeit welche verloren zu haben, aber wie sollte sie wissen, ob es passiert war? Sie konnte sich an Bruchst�cke �ber die Gr�ndung der Wei�en Burg erinnern, Bruchst�cke daran, wie sie und Gaidal dabei geholfen hatten, aber nichts mehr an die Zeit davor. S�mtliche ihrer fr�hesten Erinnerungen hatten sich in Rauch aufgel�st.</p><p>�Nun, immerhin haben wir unsere eigenen Aes Sedai�, sagte Guybon und unterschrieb einen weiteren Befehl.</p><p>�Bis auf Elayne sind alle tot�, sagte sie ihm tonlos. Keine M�glichkeit, das jemandem schonend beizubringen. Dyelin keuchte auf, sie wurde kreidebleich. Eine der Schreiberinnen schlug die H�nde vor den Mund, ein anderer warf sein Tintenf�sschen um. Die Tinte breitete sich in einem schwarzen Strom �ber die Tischplatte aus und fing an, auf den Boden zu tropfen. Statt den Mann zu tadeln, st�tzte sich Frau Anford auf den Schreibtisch eines anderen Schreibers. �Ich hoffe, das ausgleichen zu k�nnen�, fuhr Birgitte fort, �aber ich kann nichts versprechen, au�er, dass wir heute M�nner verlieren werden. Vielleicht viele M�nner.�</p><p>Guybon straffte sich. Seine Miene war nachdenklich, der Blick seiner haselnussbraunen Augen war ganz ruhig. �Das wird ein interessanter Tag�, sagte er schlie�lich. �Aber wir werden die Tochter-Erbin zur�ckbekommen, koste es, was es wolle.� Ein verl�sslicher Mann, dieser Charlz Guybon, und tapfer. Das hatte er auf der Mauer oft genug gezeigt. F�r ihren Geschmack nat�rlich zu gut aussehend.</p><p>Birgitte wurde sich bewusst, dass sie angefangen hatte, auf dem Mosaik auf und ab zu gehen, und blieb stehen. Sie hatte keine Ahnung, was ein General zu tun hatte, ganz egal, was Elayne dachte, aber sie wusste, dass man andere damit anstecken konnte, wenn man Nerven zeigte. Elayne lebte. Allein das war wichtig. Am Leben und entfernte sich jeden Augenblick weiter. Der linke T�rfl�gel �ffnete sich, und einer der kr�ftigen Gardisten verk�ndete, dass Julanya Fote und Keraille Surtovni zur�ckgekehrt waren. Guybon z�gerte, sah sie an, aber als sie nichts sagte, befahl er ihm, sie einzulassen.</p><p>Sie waren sehr unterschiedliche Frauen, jedenfalls in ihrem Erscheinungsbild, obwohl jede einen Wanderstab trug. Julanya war mollig und h�bsch, mit wei�en Str�hnen im schwarzen Haar, w�hrend Keraille klein und schlank war, mit schr�g stehenden gr�nen Augen und wilden roten Locken. Birgitte fragte sich, ob das ihre richtigen Namen waren. Diese Kusinen wechselten die Namen so oft wie andere Frauen die Str�mpfe. Sie trugen einfache Wollkleider, wie sie zu Landhausierern passten, was jede von ihnen in der Vergangenheit gewesen war, und jede war eine scharfe Beobachterin und konnte auf sich aufpassen. Sie konnten sich aus den meisten Situationen herausreden, aber ihre einfachen G�rtelmesser waren nicht die einzigen Klingen, die sie trugen, und sie konnten starke M�nner mit dem �berraschen, was sie mit diesen Wanderst�ben zustande brachten. Beide knicksten. Julanyas R�cke und ihr Umhang waren feucht und am Saum schlammbespritzt.</p><p>�Ellorien, Luan und Abelle haben fr�h am Morgen damit angefangen, das Lager abzubrechen, meine Lady�, sagte sie.</p><p>�Ich bin nur lange genug geblieben, um mich zu vergewissern, dass sie nach Norden ziehen, bevor ich zu meinem Bericht aufgebrochen bin.�</p><p>�Das Gleiche gilt f�r Aemlyn, Arathelle und Pelivar, meine Lady�, f�gte Keraille hinzu. �Sie kommen nach Caemlyn.�</p><p>Birgitte brauchte nicht die gro�e Karte mit den Standfiguren konsultieren, die auf dem Tisch ausgebreitet lag. Je nachdem, wie schlammig die Stra�en waren und wie stark es regnen w�rde, konnten sie die Stadt gegen Nachmittag erreichen.</p><p>�Das habt ihr gut gemacht, ihr beide. Nehmt ein hei�es Bad.</p><p>Glaubt Ihr, sie haben es sich anders �berlegt?�, fragte sie Dyel in, nachdem die beiden Frauen gegangen waren.</p><p>�Nein�, erwiderte die Frau ohne zu z�gern, dann seufzte sie und sch�ttelte den Kopf. �Ich f�rchte, vermutlich hat Ellorien die anderen �berzeugt, ihren Anspruch auf den L�wenthron zu unterst�tzen. Vielleicht glauben sie, Arymilla besiegen und die Belagerung �bernehmen zu k�nnen. Ihnen stehen noch einmal halb so viele Leute mehr als ihr zur Verf�gung, und doppelt so viel wie uns.� Sie sprach nicht weiter. Das war auch unn�tig. Selbst wenn die Kusinen M�nner von einer Stelle zur anderen brachten, w�rden sie kaum die Mauern halten k�nnen.</p><p>�Zuerst holen wir Elayne zur�ck, dann k�nnen wir uns um diesen Haufen Sorgen machen�, sagte Birgitte. Wo blieb en die verfluchten Windsucherinnen?</p><p>Sie hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gef�hrt, da kamen sie hinter Chanelle auf blo�en F��en in den Raum, ein bunter Regenbogen aus Farben. Ausgenommen Renaile, die in ihrer Leinenkleidung die Letzte in der Reihe war, aber auch sie war bunt genug in der roten Bluse, den gr�nen Hosen und der dunkelgelben Sch�rpe. Allerdings lie� selbst Rainyn, eine junge Frau mit nur einem halben Dutzend goldenen Medaillons auf der Wange, Renailes Ehrenkette armselig aussehen. Renailes Gesicht trug einen Ausdruck stoischen Duldens.</p><p>�Ich sch�tze es nicht, bedroht zu werden!�, sagte Chanelle w�tend und schn�ffelte an dem goldenen Duftk�stchen an der Goldkette um ihren Hals. Ihre dunklen Wangen waren ger�tet. �Diese Gardistin sagte, wenn wir nicht laufen, w�rde sie uns in den�! Egal, was sie genau gesagt hat. Es war eine Drohung, und ich werde nicht�!�</p><p>�Elayne ist von Aes Sedai-Schattenfreunden gefangen genommen worden�, unterbrach Birgitte sie. �Ich brauche euch, um ein Wegetor f�r die M�nner zu machen, die sie retten werden.� Unter den anderen Windsucherinnen ert�nte Gemurmel. Chanelle machte eine scharfe Geste, aber nur Renaile verstummte. Die anderen senkten zu ihrem offensichtlichen Missfallen nur die Stimmen und fl�sterten weiter. Den vielen Medaillons an ihren Ehrenketten nach zu urteilen, nahmen einige von ihnen Chanelles Rang ein.</p><p>�Warum habt Ihr uns alle f�r ein Wegetor geholt?�, wollte sie wissen. �Ich halte den Handel ein, wie Ihr seht. Ich habe jede mitgebracht, wie Ihr befohlen habt. Aber warum braucht Ihr mehr als nur eine?�</p><p>�Weil ihr alle einen Zirkel bilden und ein Tor erschaffen werdet, das gro� genug ist, um Tausende von M�nnern und Pferde durchzubringen.� Das war einer der Gr�nde.</p><p>Chanelle erstarrte, und sie war nicht die Einzige. Kurin, deren Gesicht wie schwarzer Stein war, zitterte f�rmlich vor Wut, und Rysael, normalerweise eine sehr zur�ckhaltende Frau, zitterte ebenfalls. Senine mit ihrem wettergegerbten Gesicht und den alten Narben, die zeigten, dass sie einst mehr als sechs Ohrringe getragen hatte, ber�hrte den juwelengeschm�ckten Dolch, der in ihrer gr�nen Sch�rpe steckte.</p><p>�Soldaten?�, sagte Chanelle indigniert. �Das ist verboten!</p><p>Unser Vertrag besagt, dass wir nicht an eurem Krieg teilnehmen werden. Zaida din Parede Schwarze Schwinge hat es so befohlen, und jetzt, da sie die Herrin der Schiffe ist, hat ihr Befehl noch mehr Gewicht. Nehmt die Kusinen. Nehmt die Aes Sedai.�</p><p>Birgitte trat nahe an die schwarze Frau heran, schaute ihr direkt in die Augen. Die Kusinen waren daf�r nicht zu gebrauchen. Keine von ihnen hatte die Macht jemals als Waffe benutzt. M�glicherweise wussten sie nicht einmal, wie das ging. �Die anderen Aes Sedai sind tot�, sagte sie leis e. Jemand hinter ihr keuchte auf, einer der Schreiber. �Was ist Euer Handel wert, wenn Elayne verschwindet? Arymilla wird ihn bestimmt nicht einhalten.� Ihre Stimme ruhig zu halten kostete eine Anstrengung. Sie wollte vor Wut zittern, vor Furcht zittern. Sie brauchte diese Frau, aber sie konnte ihnen den Grund daf�r nicht nennen, oder Elayne w�rde verloren sein. �Was wird Zaida sagen, wenn Ihr das Abkommen mit Elayne ruiniert?�</p><p>Chanelles t�towierte Hand hob das Duftk�stchen wieder, dann lie� sie es zwischen ihre vielen Juwelenketten zur�ckfallen. Nach dem zu urteilen, was Birgitte von Zaida din Parede wusste, w�rde sie mehr als nur ver�rgert �ber jemanden sein, der diesen Handel zugrunde richtete, und es war unvorstellbar, dass sich Chanelle der Wut dieser Frau stellen wollte, aber sie sah blo� nachdenklich aus. �Also gut�, sagte sie schlie�lich. �Aber nur Transport. Einverstanden?� Sie k�sste die Fingerspitzen ihrer rechten Hand, bereit, den Handel zu besiegeln.</p><p>�Ihr m�sst nur das tun, was Ihr wollt�;, sagte Birgitte und wandte sich ab. �Guybon, es ist Zeit. Sie m�ssen sie mittlerw eile am Tor haben.�</p><p>Guybon schnallte das Schwert um, nahm den Helm und die Panzerhandschuhe und folgte ihr und Dyelin aus dem Kartenzimmer, gefolgt von den Windsucherinnen, wobei Chanelle vehement darauf bestand, dass sie lediglich f�r ein Wegetor sorgen w�rden. Birgitte fl�sterte Guybon Befehle zu, bevor er zur Vorderseite des Palasts eilte, w�hrend sie zum Stallhof der K�nigin lief, wo bereits ein hammernasiger Wallach, ein Falbe, mit ihrem Sattel wartete, dessen Z�gel von einer jungen Stallfrau gehalten wurde; sie trug das Haar zu einem Zopf geflochten, der Birgittes �hnelte. Sie fand auch alle einhunderteinundzwanzig Gardistinnen aufgesessen und ger�stet vor. Sie stieg in den Sattel des Falben und bedeutete ihnen, ihr zu folgen. Die Sonne war eine goldene Scheibe ein St�ck �ber dem Horizont an einem Himmel mit wenigen, in der H�he treibenden wei�en Wolken.</p><p>Wenigstens w�rden sie sich nicht mit Regen abplagen m�ssen. Bei einigen der schweren St�rme, die Caemlyn in letzter Zeit heimgesucht hatten, h�tte selbst ein Wagen sich davonstehlen k�nnen.</p><p>Eine dichte Kolonne aus M�nnern, zehn oder zw�lf nebeneinander, zog sich �ber den K�niginnenplatz, ohne dass ihr Ende sichtbar gewesen w�re, Reiter mit Helmen und Harnischen wechselten sich mit M�nnern mit allen vorstellbaren Helmen ab, die Hellebarden geschultert trugen; die meisten von ihnen besa�en Kettenhemden oder mit Stahlplatten ben�hte W�mser, nur vereinzelt sah man Harnische. Jede kleine oder gro�e Gruppe wurde vom Banner ihres Hauses angef�hrt. Oder dem Banner einer S�ldnertruppe. Heute w�rde es f�r die S�ldner zu viele Beobachter geben, um sich zu dr�cken. Rechnete man die Armbrustm�nner und Bogensch�tzen ab, umfasste die Kolonne etwa zw�lftausend Mann, zwei Drittel davon beritten. Wie viele davon w�rden noch vor dem Mittag tot sein? Birgitte verdr�ngte den Gedanken. Sie brauchte jeden Einzelnen von ihnen, um das Meervolk zu �berzeugen. Jeder Mann, der heute starb, konnte genauso gut morgen auf der Mauer sterben. Jeder von ihnen war mit der Bereitschaft nach Caemlyn gekommen, f�r Elayne zu sterben.</p><p>An der Spitze der Kolonne waren mehr als tausend Gard isten, deren Helme und Harnische in der Sonne funkelten, die Lanzen mit den Stahlspitzen pr�zise schr�g ausgerichtet; die ersten warteten am Rand eines Parks hinter dem Banner von Andor, dem Wei�en L�wen auf scharlachrotem Feld, und Elaynes Banner, der Goldenen Lilie auf blauem Grund. Jedenfalls war es einst ein Park gewesen, aber Hunderte von uralten Eichen waren gef�llt und zusammen mit den anderen B�umen und bl�henden B�schen weggeschafft worden, ihre Wurzeln waren ausgegraben worden, um einen hundert Schritte breiten, ebenen Platz zu schaffen. Die Kieswege und der Rasen waren schon vor langem von Hufen und Stiefeln zu Schlamm zertrampelt worden. Drei andere Parks in Palastn�he hatten die gleiche Behandlung erfahren, um Orte f�r das Weben von Wegetoren zu schaffen.</p><p>Guybon und Dyelin waren bereits da, zusammen mit all den Lords und Ladys, die Elaynes Ruf gefolgt waren, vom jungen Perival Mantear bis zu Brannin Martan und seiner Gemahlin, und sie alle sa�en im Sattel. Perival trug wie jeder der anwesenden M�nner Helm und Harnisch. Brannins waren schlicht und stumpf und leicht eingebeult, wo der Hammer des Waffenschmieds nicht gut gearbeitet hatte. Perivals waren so vergoldet wie Conails und Branlets, bei ihm hatte man den Silbernen Amboss von Mantear eingearbeitet, w�hrend die ihren mit Northans Schwarzen Adlern und Gilyards Roten Leoparden bemalt waren. H�bsche R�stungen, die repr�sentierten. Birgitte hoffte, dass die Frauen genug Verstand hatten, diese Jungen aus den Kampfhandlungen herauszuhalten. Sie schaute in einige der grimmigen und entschlossenen Gesichter der Frauen und hoffte, dass sie genug Verstand hatten, sich selbst herauszuhalten. Wenigstens trug keine ein Schwert. Es war nun einmal so, eine Frau musste geschickter als ein Mann sein, um ihm mit dem Schwert gegen�berzutreten. Sonst machten kr�ftigere Arme zu viel Unterschied. Viel besser, einen Bogen zu benutzen.</p><p>Die Windsucherinnen verzogen das Gesicht, als sie mit nackten F��en auf dem Boden standen, der von dem gestrigen Schauer noch schlammig war. An N�sse waren sie mehr als gewohnt, aber nicht an Schlamm.</p><p>�Dieser Mann sagt mir nicht, wo das Wegetor hinf�hren soll�, sagte Chanelle w�tend und zeigte auf Guybon, als Birgitte vom Pferd stieg. �Ich will es hinter mich bringen, damit ich meine F��e waschen kann.�</p><p>�Meine Lady!�, ert�nte da eine Frauenstimme aus dem hinteren Teil der Stra�e. �Meine Lady Birgitte!� Reene Harfor rannte die Reihe der Gardisten entlang, die roten R�cke gesch�rzt, die bestrumpften Beine bis zu den Knien entbl��t. Birgitte glaubte nicht, die Frau jemals auch nur im Laufschritt gesehen zu haben. Frau Harfor geh�rte zu jenen Frauen, die alles perfekt machten. Bei jeder Begegnung rief sie Birgitte s�mtliche Fehler ins Ged�chtnis, die sie je begangen hatte. Zwei M�nner in roten und wei�en Livreen rannten hinter ihr her und schleppten eine Trage. Als sie n�her kamen, sah Birgitte, dass darauf ein schlaksiger, helmloser Gardist lag, dessen rechter Arm von einem Pfeil durchbohrt wurde, w�hrend in seinem rechten Oberschenkel ein weiterer steckte. Blut tropfte beide Sch�fte herab; er hinterlie� eine d�nne rote Spur auf dem Pflaster. �Er bestand darauf, sofort zu Euch oder Hauptmann Guybon gebracht zu werden, meine Lady�, sagte Frau Harfor atemlos und f�chelte sich Luft zu.</p><p>Der junge Gardist k�mpfte darum, sich aufzusetzen, bis Birgitte ihn wieder nach unten dr�ckte. �Drei oder vier S�ldnerkompanien greifen das Far-Madding-Tor an, meine Lady.� Schmerz lie� ihn das Gesicht verzerren. �Aus dem Stadtinneren, meine ich. Sie haben Bogensch�tzen aufgestellt, um jeden zu erschie�en, der mit Signalflaggen Hilfe herbeiholen will, aber ich schaffte es davonzukommen, und mein Pferd hielt lange genug durch.�</p><p>Birgitte stie� einen Fluch hervor. Cordwyn, Gomaisen und Bakuvun w�rden dabei sein, darauf ging sie jede Wette ein. Sie h�tte Elayne dr�ngen sollen, sie aus der Stadt zu werfen, nachdem sie ihre Forderungen erhoben hatten. Ihr war nicht bewusst, dass sie laut gesprochen hatte, bis der verwundete Gardist sprach.</p><p>�Nein, meine Lady. Jedenfalls nicht Bakuvun. Er und ein Dutzend seiner M�nner kamen vorbei, um ein paar W�rfel� �h, um sich die Zeit zu vertreiben, und der Leutnant sch�tzt, dass es allein ihnen zu verdanken ist, dass wir ausharren konnten. Falls sie noch ausharren. Als ich zur�ckschaute, rannten sie mit Sturmb�cken gegen die Turmt�ren an. Aber da ist noch mehr, meine Lady. Vor den Toren sammeln sich M�nner in Niedercaemlyn. Zehntausend, vielleicht doppelt so viel. Schwer zu sagen, bei den krummen Stra�en.�</p><p>Birgitte zuckte zusammen. Zehntausend Mann w�rden f�r einen Angriff von drau�en reichen, ob man die S�ldner aufhalten konnte oder nicht � es sei denn, sie schickte alle hin, und das konnte sie nicht. Was beim Licht sollte sie nur tun? Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, sie konnte einen Angriff planen, um jemanden aus einer Festung zu retten, oder in Feindesland Sp�htrupps durchf�hren und wissen, was sie da tat, aber das hier war eine Schlacht, und das Schicksal Caemlyns und vielleicht sogar des Throns stand auf dem Spiel. Trotzdem, sie musste es tun. �Frau Harfor, bringt diesen Mann in den Palast und k�mmert Euch um seine Wunden.� Sinnlos, die Windsucherinnen um eine Heilung zu bitten. Sie hatten bereits klargemacht, dass das ihrer Ansicht nach eine Teilnahme am Krieg bedeutete. �Dyelin, �berlasst mir alle Pferde und tausend Hellebardisten. Ihr nehmt den Rest und alle Bogensch�tzen und Armbrustm�nner. Und alle M�nner, die ein Schwert halten k�nnen. Wenn das Tor noch steht, sobald euch die Kusinen dort hingebracht haben, sorgt Ihr daf�r, dass es auch weiterhin h�lt. Ist es gefallen, erobert es zur�ck. Und haltet diese verdammte Mauer, bis ich es schaffe, dorthin zu kommen.�</p><p>�Jawohl�, erwiderte Dyelin, als w�re es die leichteste Sache der Welt, diese Befehle auszuf�hren. �Conail, Catalyn, Branlet, Perival, ihr kommt mit mir. Eure Fu�soldaten werden besser k�mpfen, wenn ihr dabei seid.� Conail sah entt�uscht aus, zweifellos hatte er sich selbst schon bei einem ehrenvollen Sturmangriff gesehen, aber er nahm die Z�gel und fl�sterte etwas zu den beiden j�ngeren Jungen, das sie kichern lie�.</p><p>�Ich will dabei helfen, Elayne zu retten�, protestierte Catal yn.</p><p>�Ihr seid gekommen, um ihr dabei zu helfen, den Thron zu besteigen�, sagte Dyelin scharf, �und Ihr werdet dorthin gehen, wo Ihr gebraucht werdet, um daf�r zu sorgen, oder wir werden uns sp�ter noch einmal unterhalten.� Was auch immer das zu bedeuten hatte, Catalyns Gesicht r�tete sich, aber sie folgte Dyelin und den anderen m�rrisch, als sie losritten.</p><p>Guybon sah Birgitte an, sagte aber nichts, obwohl er sich vermutlich fragte, warum sie nicht mehr schickte. Er w�rde ihre Autorit�t nicht �ffentlich in Frage stellen. Das Problem war nur, dass sie nicht wusste, wie viele Schwarze Schwestern bei Elayne sein w�rden. Sie brauchte jede Windsucherin, sie mussten ihr glauben, dass sie alle erforderlich waren. W�re Zeit gewesen, h�tte sie die Wachtposten von den Au�ent�rmen abgezogen, sie h�tte sie selbst von den Toren abgezogen.</p><p>�Macht das Wegetor�, sagte sie zu Chanelle. �Genau auf dem Abhang dieses H�gels �stlich von der Stadt, direkt auf der Erininstra�e und in der entgegengesetzten Richtung zur Stadt.�</p><p>Die Windsucherinnen stellten sich zu einem Kreis auf, taten, was auch immer sie tun mussten, um sich zu verkn�pfen, und lie�en sich verflucht viel Zeit dabei. Pl�tzlich erschien der blausilberne, vertikale Strich eines Wegetors und verbreiterte sich zu einer f�nf Schritte hohen �ffnung, die sich �ber den gerodeten Boden erstreckte und eine breite Lehmstra�e zeigte, die die sanfte Steigung des zehn Spannen hohen H�gels auf seinem Weg zum Fluss Erinin zeigte. Arymilla hatte Lager jenseits dieses H�gels. Nach diesen Neuigkeiten zu urteilen, waren sie m�glicherweise verlassen � mit etwas Gl�ck waren sie es tats�chlich �, aber damit konnte sie sich jetzt nicht belasten.</p><p>�Vorw�rts und wie befohlen formieren!�, rief Guybon und trieb seinen gro�en Braunen hindurch, gefolgt von den versammelten Adligen und den Gardisten, die zu zehnt nebeneinander standen. Die Gardisten bogen links ab und verschwanden aus der Sicht, w�hrend die Adligen ein St�ck den H�gel hinauf Aufstellung nahmen. Ein paar fingen an, mit Ferngl�sern in Richtung Stadt zu schauen. Guybon stieg ab und rannte geduckt zur H�gelkuppe, um durch sein Fernglas zu sp�hen. Birgitte konnte f�rmlich die Ungeduld der Gardistinnen hinter ihr sp�ren.</p><p>�Ihr habt kein so gro�es Tor gebraucht�, sagte Chanelle und schaute stirnrunzelnd den Reitern nach, die in das Wegetor str�mten. �Warum�?�</p><p>�Kommt mit�, sagte Birgitte und nahm die Windsucherin beim Arm. �Ich m�chte Euch etwas zeigen.� Sie nahm den Falben am Z�gel und zog die Frau auf das Wegetor zu. �Ihr k�nnt zur�ckgehen, sobald Ihr es gesehen habt.� Wenn sie eines �ber Chanelle wusste, dann, dass sie es war, die den Zirkel leitete. Was den Rest anging, da verlie� sie sich auf die menschliche Natur. Sie schaute nicht zur�ck, h�tte aber beinahe vor Erleichterung geseufzt, als sie die anderen Windsucherinnen untereinander tuscheln h�rte. Und wie sie ihnen folgten.</p><p>Was auch immer Guybon gesehen hatte, es bedeutete gute Neuigkeiten, denn er richtete sich auf, bevor er zur�ck zu seinem Pferd rannte. Arymilla musste ihre Lager fast v�llig ger�umt haben. Dann waren es zwanzigtausend vor dem Far-Madding-Tor, wenn nicht sogar mehr. Mochte das Licht daf�r sorgen, dass es standhielt. Aber zuerst Elayne. Zuerst und vor allem anderen.</p><p>Als sie Guybon erreichte, der wieder auf seinem Braunen sa�, nahmen die Gardistinnen an der Seite hinter Caseille in drei Reihen Aufstellung. Die ganze hundert Schritte umfassende Breite des Wegetors war nun voller M�nner und Pferde, die im Laufschritt nach links und rechts eilten, um sich zu den anderen zu gesellen, die sich bereits an beiden Stra�enseiten zu drei R�ngen formierten. Gut. Die Windsucherinnen w�rden eine Weile lang nicht so einfach zur�ckk�nnen. Direkt hinter den letzten H�usern von Niedercaemlyn, vielleicht eine Meile entfernt, stand ein von vier Pferden gezogener Planwagen, der von einer kleinen Gruppe Berittener umgeben wurde. Hinter ihm wimmelte es vor Leuten auf den offenen Ziegelm�rkten, die die Stra�en s�umten, die ihr Leben lebten, so gut sie konnten, aber sie h�tten genauso gut nicht existieren k�nnen. Elayne war in dem Wagen. Birgitte hob die Hand, ohne den Blick von dem Wagen zu nehmen, und Guybon legte ihr die Messingr�hre des Fernglases auf die Handfl�che. Wagen und Reiter sprangen n�her heran, als sie das Glas ans Auge hob.</p><p>�Was sollte ich sehen?�, verlangte Chanelle zu wissen.</p><p>�Einen Moment�, erwiderte Birgitte. Da waren vier M�nner, drei von ihnen zu Pferde, aber wichtiger waren die sieben Frauen, die im Sattel sa�en. Es war ein gutes Fernglas, aber nicht gut genug, um auf diese Entfernung ein altersloses Gesicht erkennen zu k�nnen. Dennoch musste sie davon ausgehen, dass alle sieben Aes Sedai waren. Acht gegen sieben mochte vielleicht als ausgeglichene Chance erscheinen, aber nicht, wenn die acht verkn�pft waren. Nicht, wenn sie die acht dazu bringen konnte, ihr zu helfen. Was dachten die Schattenfreunde wohl, die Tausende von Soldaten und Waffenm�nnern hinter etwas auftauchen sahen, das wie ein Hitzeflimmern in der Luft erschien? Sie senkte das Fernglas. Adlige ritten den H�gel herab, als ihre Waffenm�nner erschienen und sich zu den Reihen gesellten.</p><p>So �berrascht die Schattenfreunde auch sein mochten, sie z�gerten nicht lange. Aus dem klaren Himmel zuckten Blitze herab, silbrig blaue Blitze, die krachend in den Boden einschlugen und M�nner und Pferde wie aufspritzenden Schlamm umherwirbelten. Pferde stiegen auf die Hinterbeine und wieherten kreischend, aber M�nner k�mpften darum, ihre Tiere unter Kontrolle zu bringen, ihre Pl�tze einzuhalten. Niemand ergriff die Flucht. Der krachende Donner, der diese Blitze begleitete, traf Birgitte wie k�rperliche Schl�ge, lie� sie taumeln. Sie f�hlte, wie sich ihr Haar aufrichtete, wie es sich aus ihrem Zopf l�sen wollte. Die Luft roch� scharf. Sie schien zu kribbeln. Wieder regneten Blitze auf die R�nge herab. In Niedercaemlyn rannten die Leute. Viele flohen, aber manche Narren rannten tats�chlich auf Standorte zu, wo sie bessere Sicht haben w�rden. Die Enden der schmalen Stra�en, die ins offene Land hineinf�hrten, f�llten sich mit Zuschauern.</p><p>�Wenn wir uns dem entgegenstellen m�ssen, k�nnen wir genauso gut in Bewegung sein und es ihren schwerer machen�, sagte Guybon und nahm die Z�gel. �Mit Eurer Erlaubnis, meine Lady?�</p><p>�Wir werden geringere Verluste haben, wenn wir in Bewegung sind�, stimmte Birgitte zu, und er galoppierte den H�gel hinunter.</p><p>Caseille hielt ihr Pferd vor Birgitte an und salutierte. Ihr schmales Gesicht hinter den Visierstangen ihres lackierten Helms war grimmig. �Bitte um die Erlaubnis f�r die Leibwache, sich in die Linie einzureihen, meine Lady.� Man konnte den Stolz in ihrer Stimme h�ren. Sie waren nicht blo� irgendeine Leibwache, sie waren die Leibwache der Tochter-Erbin, und sie w�rden die Leibwache der K�nigin sein.</p><p>�Gew�hrt�, sagte Birgitte. Wenn jemand das Recht dazu hatte, dann diese Frauen.</p><p>Die Arafelianerin riss ihr Pferd herum und galoppierte den H�gel hinunter, gefolgt vom Rest der Leibwache, um ihre Pl�tze in den von den Blitzen zerrissenen R�ngen einzunehmen. Eine Kompanie S�ldner, vielleicht zweihundert M�nner mit schwarz bemalten Helmen und Harnischen, die hinter einem roten Banner mit einem rennenden schwarzen Wolf ritten, hielten an, als sie sahen, worein sie da ritten, aber M�nner hinter den Bannern von vielleicht einem halben Dutzend H�usern dr�ngten an ihnen vorbei, und sie hatten keine andere Wahl, als weiterzureiten. Mehr Adlige ritten nach unten, um ihre M�nner anzuf�hren, Brannin und Kelwin, Laerid und Barel. Niemand z�gerte, sobald er sein Banner auftauchen sah. Sergase war nicht die einzige Frau, die ihr Pferd ein paar Schritte zur Seite lenkte, als wollte auch sie sich zu ihren Waffenm�nnern begeben, sobald ihr Banner aus dem Tor kam.</p><p>�Im Schritttempo!�, rief Guybon, um �ber dem Explosionsl�rm geh�rt werden zu k�nnen. Entlang der Linie gaben andere Stimmen den Befehl weiter. �Vorw�rts!� Er ritt langsam auf die Aes-Sedai-Schattenfreunde zu, w�hrend Blitze krachend herabzuckten und M�nner und Pferde inmitten von Erdfont�nen umhergewirbelt wurden.</p><p>�Was sollte ich mir denn ansehen?�, verlangte Chanelle erneut zu wissen. �Ich will hier weg.� Daran war im Augenblick kaum zu denken. Noch immer kamen M�nner aus dem Wegetor, galoppierten oder liefen einfach, um zu den anderen aufzuschlie�en. Jetzt landeten auch Feuerb�lle inmitten der R�nge, sorgten f�r zus�tzliche Explosionen aus Dreck, Leibern und Gliedma�en. Ein Pferdekopf wirbelte sich �berschlagend durch die Luft.</p><p>�Das da�, sagte Birgitte und zeigte auf das Bild, das sich ihnen bot. Guybon war in den Trab verfallen und zog die anderen mit sich, die drei Reihen r�ckten stetig vor, weitere M�nner beeilten sich nach allen Kr�ften, zu ihnen zu sto�en. Pl�tzlich schoss von einer der Frauen neben dem Wagen ein beindicker Strahl aus scheinbar fl�ssigem wei�en Feuer. Er schnitt buchst�blich eine f�nfzehn Schritte breite Schneise in die Reihen. Einen Herzschlag lang schwebten Funken in der Luft, die Umrisse getroffener M�nner und Pferde, und wurden dann verschlungen. Der Strahl zuckte auf einmal in die Luft, schoss immer h�her, um schlie�lich zu verblassen und matt schimmernde purpurne Linien auf Birgittes Sicht zu hinterlassen. Baalsfeuer, das Menschen aus dem Muster brannte, sodass sie bereits tot waren, bevor sie davon getroffen wurden. Sie riss das Fernglas lange genug ans Auge, um zu sehen, dass die Frau einen schlanken schwarzen Stab hielt, der anscheinend einen Schritt lang war.</p><p>Guybon setzte zum Sturmangriff an. Es war zu fr�h, aber seine einzige Hoffnung lag darin, an sein Ziel heranzukommen, solange ihm noch M�nner zur Verf�gung standen. Seine einzige Hoffnung, abgesehen von einer anderen M�glichkeit. Zwischen den donnernden Explosionen der Feuerb�lle und Blitze stieg der abgehackte Ruf �F�r Elayne und Andor!� empor. Abgehackt, aber aus vollem Halse. Alle Banner flatterten. Ein tapferes Bild, wenn man ignorieren konnte, wie viele M�nner fielen. Ein Pferd und sein Reiter wurden frontal von einem Feuerball getroffen und l�sten sich einfach in nichts auf; M�nner und Pferde um sie herum st�rzten ebenfalls. Ein paar schafften es, sich wieder zu erheben. Ein reiterloses Pferd stand auf drei Beinen da, wollte davonlaufen und krachte zuckend zu Boden.</p><p>�Das?�, fragte Chanelle ungl�ubig. �Ich versp�re nicht den Wunsch, M�nnern beim Sterben zuzusehen.� Ein weiterer Streifen Baalsfeuer schnitt eine fast zwanzig Schritte breite Bresche in die angreifenden R�nge, bevor er sich in den Boden grub und einen Graben zur�ck zum Wagen fr�ste, um sich nach der halben Distanz aufzul�sen. Es gab viele Tote, wenn auch nicht so viele, wie man eigentlich h�tte annehmen sollen. Birgitte hatte das Gleiche in den Schlachten der Trolloc-Kriege gesehen, in denen man die Macht angewendet hatte. F�r jeden reglos daliegenden Mann erhoben sich zwei oder drei andere taumelnd wieder auf die F��e oder versuchten Blutstr�me zu stillen. F�r jedes tote Pferd mit steif ausgestreckten Beinen standen zwei andere wieder zitternd auf. Der Feuer und Blitzhagel ging ununterbrochen weiter.</p><p>�Dann macht ihm ein Ende�, sagte Birgitte. �Wenn sie alle Soldaten t�ten oder auch nur genug, dass der Rest die Flucht ergreift, dann ist Elayne verloren.� Nicht f�r immer. Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, sie w�rde sie f�r den Rest ihres Lebens verfolgen, um sie zu befreien, aber allein das Licht wusste, was sie ihr in der Zwischenzeit antun w�rden. �Zaidas Handel ist dann zunichte. <emphasis>Ihr</emphasis> werdet ihn zunichte gemacht haben.�</p><p>Der Morgen war noch nicht warm, und doch standen Schwei�perlen auf Chanelles Stirn. Feuerb�lle und Blitze explodierten zwischen den Reitern, die Guybon folgten. Die Frau mit dem Stab hob wieder den Arm. Selbst ohne Fernglas war sich Birgitte sicher, dass er direkt auf Guybon zielte. Er musste es sehen, aber er kam keinen Augenblick lang ins Schwanken.</p><p>Pl�tzlich zuckte ein weiterer Blitz in die Tiefe. Und traf die Frau mit dem Stab. Sie flog in die eine Richtung, ihr Pferd in die andere. Ein Tier des Kutschengespanns sackte zu Boden, w�hrend die anderen t�nzelten und auf die Hinterhand stieg en. Auch die anderen Pferde um den Wagen herum b�umten sich auf. Der Feuerregen h�rte auf, als die Aes Sedai darum k�mpften, ihre Reittiere unter Kontrolle zu bringen, sich in den S�tteln zu halten. Statt zu versuchen, sein Gespann zu beruhigen, sprang der Mann auf dem Kutschbock herunter und zog das Schwert, w�hrend er auf die angreifenden Reiter zurannte. Die Zuschauer in Niedercaemlyn rannten auch, diesmal aber weg.</p><p>�Fangt die anderen lebend!�, rief Birgitte. Ihr war zieml ich egal, ob sie �berlebten � sie w�rden ohnehin bald sterben, weil sie Schattenfreunde und M�rder waren �, aber Elayne sa� in dem verdammten Wagen!</p><p>Chanelle nickte steif, und im Umkreis des Wagens st�rzt en Reiterinnen von ihren unruhigen Tieren zu Boden und wanden sich, als w�ren sie an H�nden und F��en gefesselt. Was sie nat�rlich auch waren. Der laufende Mann fiel aufs Gesicht und blieb sich windend dort liegen. �Ich habe die Frauen auch abgeschirmt�, sagte Chanelle. Selbst mit der Macht h�tten sie nichts gegen einen Zirkel aus acht Frauen ausrichten k�nnen.</p><p>Guybon hob die Hand und verlangsamte die Attacke zum Schritttempo. Es war erstaunlich, wie wenig Zeit vergangen war. Noch immer str�mten M�nner auf Pferden und zu Fu� aus dem Wegetor. Birgitte schwang sich in den Sattel des Falben und galoppierte auf Elayne zu. <emphasis>Verdammte Frau,</emphasis> dachte sie. Der Bund hatte nicht einmal das geringste Zeichen von Furcht �bermittelt.</p></section><section><title><p>33</p><p>Neun von zehn</p></title><p>Die Schattenfreunde waren mit Elayne kein Risiko eingegangen. Temaile hatte sie abgeschirmt und mit anscheinend sadistischem Vergn�gen zu einem engen Knoten verschn�rt, mit dem Kopf zwischen den Beinen. Ihre Muskeln schmerzten bereits von der eingeengten Position. Der Knebel, ein schmutziger Fetzen Stoff mit einem ekelhaften, �ligen Geschmack, war so fest gebunden, dass er in ihre Mundwinkel einschnitt; er hatte verhindern sollen, dass sie an den Toren um Hilfe rief. Nicht, dass sie das getan hatte. Damit h�tte sie nur die Wachtposten zum Tode verurteilt. Sie konnte f�hlen, dass die sechs Schwarzen Schwestern <emphasis>Saidar</emphasis> hielten, bis sie durch das Tor waren. Aber die Augenbinde war unn�tig gewesen. Vermutlich wollten sie ihre Hilflosigkeit nur noch steigern, aber sie weigerte sich, sich hilflos zu f�hlen. Schlie�lich konnte ihr nichts passieren, bis ihre Kinder geboren waren, und ihren Kindern auch nicht. Min hatte das gesagt.</p><p>Durch die Ger�usche des Gespanns und die groben Planken wusste sie, dass sie in einem Karren oder Wagen lag. Sie hatten sich nicht die M�he gemacht, den Boden mit Decken auszulegen. Ein Wagen, dachte sie. Er schien von mehr als einem Pferd gezogen zu werden. Der Wagen roch so stark nach altem Heu, dass sie einen Niesreiz versp�rte. Ihre Situation erschien hoffnungslos, aber Birgitte w�rde sie nicht im Stich lassen.</p><p>Sie f�hlte Birgitte von irgendwo Meilen hinter ihr zu einem Standort vielleicht eine Meile vor ihr springen, und am liebsten h�tte sie gelacht. Der Bund verriet, dass Birgitte auf ihr Ziel gerichtet war, und Birgitte Silberbogen verfehlte nie. Als das Machtlenken zu beiden Seiten des Wagens begann, verblich das Bed�rfnis zu lachen. Die Entschlossenheit im Bund war felsenfest, aber da war jetzt auch noch etwas anderes, ein starkes Missfallen und aufsteigende .. . nicht Wut, aber etwas �hnliches. Dort drau�en w�rden M�nner sterben. Statt zu lachen, wollte Elayne weinen. Sie verdienten es, dass jemand um sie weinte, und sie starben f�r sie. So wie Vandene und Sareitha gestorben waren. Wieder stieg Trauer in ihr auf. Aber keine Schuld. Sie w�ren nur dann verschont worden, wenn sie Falion und Marillin einfach h�tten laufen lassen, und das h�tte keine von ihnen gutgehei�en. Die Ankunft der anderen war unm�glich vorherzusehen gewesen, oder Asnes seltsame Waffe.</p><p>Ein gewaltiger Donnerschlag krachte in unmittelbarer N�he, und das Gef�hrt wurde so heftig durchgesch�ttelt, dass sie �ber den Boden rollte. Ihre Knie und Schienbeine w�rden blau sein. Sie nieste in dem aufsteigenden Staub, nieste erneut. Sie sp�rte, wie sich Haare aufstellten, wo sie nicht von Knebel und Augenbinde gehalten wurden. Die Luft roch seltsam. Anscheinend ein Blitzschlag. Sie hoffte, dass Birgitte es geschafft hatte, die Windsucherinnen zum Eingreifen zu bringen, so unwahrscheinlich das auch erschien. Die Zeit w�rde kommen, in der die Kusinen die Macht als Waffe benutzen mussten � niemand w�rde Tarmon Gai�don entgehen k�nnen �, aber sollten sie ihre Unschuld noch eine Zeit lang behalten. Augenblicke sp�ter l�sten sich die Abschirmungen um sie herum auf.</p><p>Da sie nicht sehen konnte, konnte sie die Macht auch nicht zielgerichtet einsetzen, aber sie konnte Gewebe in der N�he sp�ren, aus Geist und aus Luft. Ohne die Gewebe zu sehen, konnte sie auch nicht wissen, um was es sich handelte, aber sie konnte es sich denken. Ihre H�scher waren jetzt selbst Gefangene, abgeschirmt und gefesselt. Und sie konnte blo� ungeduldig warten. Birgitte n�herte sich schnell, aber jetzt konnte sie es nicht mehr erwarten, die verdammten Fesseln loszuwerden.</p><p>Das Wagenbett �chzte, als jemand einstieg. Birgitte. Der Bund �bertrug kurz aufblitzende Freude. In wenigen Augenblicken fielen die Fesseln ab, und Birgittes H�nde k�mmerten sich um den Knoten des Knebels. Mit etwas steifen Bewegungen nahm Elayne die Augenbinde selbst ab. Beim Licht, sie w�rde �ble Schmerzen erleiden, bis sie um eine Heilung bitten konnte. Das erinnerte sie daran, dass sie die Windsucherinnen w�rde fragen m�ssen, und wieder stieg die Trauer wegen Vandene und Sareitha in ihr auf.</p><p>Sobald sie den Knebel ausspucken konnte, wollte sie um Wasser bitten, um den �ligen Geschmack herunterzusp�len, aber stattdessen sagte sie: �Was hat dich aufgehalten?� Ihr Gel�chter �ber die Verbl�ffung ihrer Freundin wurde von einem weiteren Niesen unterbrochen. �Lass uns hier verschwinden, Birgitte. Die Kusinen?�</p><p>�Windsucherinnen�, antwortete Birgitte und schlug die Plane am hinteren Teil des Wagens zur Seite. �Chanelle entschied, Zaida lieber nicht zu beichten, dass sie f�r das Scheitern des Handels verantwortlich ist.�</p><p>Elayne schnaubte ver�chtlich, was ein Fehler war. Sie nieste mehrmals und stieg so schnell aus dem Wagen, wie sie konnte. Ihre Beine waren so steif wie ihre Arme. Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, aber sie sehnte sich nach einem hei�en Bad. Und einer Haarb�rste. Birgittes roter Mantel mit dem wei�en Kragen sah irgendwie zerknittert aus, aber Elayne vermutete, dass ihre Beh�terin im Gegensatz zu ihr wie frisch aus dem Ankleidezimmer erschien.</p><p>Als ihre F��e den Boden ber�hrten, jubelten die beritten en Gardisten laut auf, die den Wagen in einem breiten Ring umgaben, und schwenkten die Lanzen. Auch die Gardistinnen schrien, und anscheinend war jede Einzelne von ihnen anwesend. Zwei der M�nner trugen Andors Wei�en L�wen und ihre Goldene Lilie. Das lie� sie l�cheln. Die K�nigliche Garde leistete den Schwur, Andor zu verteidigen, genau wie die K�nigin und die Tochter-Erbin, aber es musste Charlz Guybons Entscheidung gewesen sein, ihr pers�nliches Banner zu tragen. Er sa� auf einem gro�en Braunen und hatte den Helm �ber den Sattelknauf gest�lpt, und er verneigte sich vor ihr, ein breites L�cheln auf den Lippen. Der Mann war erfreulich anzusehen. Vielleicht w�rde er einen guten dritten Beh�ter abgeben. Jenseits der Gardisten erhoben sich Hausbanner und die Banner der S�ldnerkompanien, eines nach dem anderen. Beim Licht, wie viele M�nner hatte Birgitte mitgebracht? Aber die Frage konnte sp�ter beantwortet werden. Zuerst wollte Elayne ihre Gefangenen sehen.</p><p>Asne lag mit ausgebreiteten Gliedma�en auf der Stra�e und starrte mit leerem Blick in den Himmel; die Abschirmung bei ihr war unn�tig. Die anderen lagen genauso still da, mit Str�men aus Luft gefesselt, die ihre Arme an die Seiten banden und die abgen�hten Reitr�cke gegen die Beine pressten. Eine viel bequemere Position, als ihre es gewesen war. Die meisten erschienen erstaunlich beherrscht, wenn man ihre Situation bedachte, obwohl Temaile sie b�se anstarrte und Falion kurz davor stand, sich zu �bergeben. Shiaines schlammverschmiertes Gesicht h�tte jede Aes Sedai stolz gemacht. Die drei mit Luft gefesselten M�nner waren alles andere als beherrscht. Sie wanden sich und k�mpften, starrten die sie umgebenden Reiter an, als h�tten sie sie am liebsten alle angegriffen. Das reichte, um sie als Asnes Beh�ter zu identifizieren, wenn auch nicht unbedingt als Schattenfreunde. Ob sie das nun waren oder nicht, man w�rde sie trotzdem einsperren m�ssen, um andere vor der Todesraserei zu besch�tzen, in die Asnes Tod sie gest�rzt hatte. Sie w�rden alles tun, um die ihrer Ansicht nach Verantwortlichen t�ten zu k�nnen.</p><p>�Wie haben sie uns gefunden?�, verlangte Chesmal zu wissen. H�tte sie nicht mit dreckigem Gesicht auf der Stra�e gelegen, h�tte sie niemand f�r eine Gefangene gehalten.</p><p>�Meine Beh�terin�, sagte Elayne und l�chelte Birgitte an.</p><p>�Sie ist eine von ihnen.�</p><p>�Eine Frau als Beh�ter?�, sagte Chesmal ver�chtlich. Marillin erbebte kurz vor lautlosem Gel�chter in ihren Fess ein. �Ich hatte es geh�rt�, sagte sie, als sie sich wieder beruhigt hatte, �aber es erschien zu unglaublich, um wahr zu sein.�</p><p>�Ihr habt es geh�rt und nie erw�hnt?�, sagte Temaile und verrenkte sich, um jetzt Marillin b�se anzustarren. �Bl�de N�rrin!�</p><p>�Ihr vergesst Euch�, sagte Marillin scharf, und im n�chsten Augenblick stritten sie sich darum, ob Temaile sich ihr zu unterwerfen hatte oder nicht! Eigentlich h�tte Temaile es tun m�ssen � Elayne konnte jeweils ihre St�rke in der Macht sp�ren �, aber es schien kaum das Thema zu sein, �ber das sie jetzt diskutieren mussten!</p><p>�Jemand soll diese Frauen knebeln�, befahl Elayne. Caseille stieg vom Pferd, �berreichte ihre Z�gel einer anderen Gardistin, kam heran und fing an, mit dem Dolch Stoffstreifen aus Temailes R�cken zu schneiden. �Schafft sie in den Wagen, und schneidet das tote Pferd ab. Ich will wieder hinter den Stadtmauern sein, bevor Arymillas Leute jenseits des H�gels in Versuchung geraten.� Eine Schlacht war jetzt das Letzte, was sie gebrauchen konnte. Wie auch immer sie ausgehen w�rde, Arymilla konnte es sich leisten, mehr M�nner als sie zu verlieren. �Wo sind die Windsucherinnen?�</p><p>�Noch immer auf dem H�gel. Meiner Meinung nach glauben sie, abstreiten zu k�nnen, an der Sache teilgenommen zu haben, wenn sie sich von dem Gemetzel fernhalten. Aber du musst dir keine Sorgen machen, hier angegriffen zu werden. Die Lager hinter dem H�gel sind verlassen.� Caseille warf sich Temaile �ber die Schulter und stolperte zum Wagen, um sie dort wie einen Hafersack hineinzuwerfen. Gardistinnen k�mmerten sich um die anderen Frauen. Die sich windenden Beh�ter �berlie�en sie klugerweise den Gardisten. Man ben�tigte zwei, um einen zu b�ndigen. Zwei M�nner schirrten den Pferdekadaver ab.</p><p>�Ich habe nur Pferdeknechte und dergleichen gesehen�, warf Charlz ein.</p><p>�Ich glaube, alle ihre Lager sind leer�, fuhr Birgitte fort.</p><p>�Sie hat heute Morgen die Nordmauer massiv angegriffen, um so viele unserer M�nner wie m�glich zu besch�ftigen, und sie hat zwanzigtausend weitere oder mehr in Niedercaemlyn unterhalb vom Far-Madding-Tor versammelt. Ein paar der S�ldner haben den Herrn gewechselt und es von innen angegriffen, aber ich habe Dyelin mit allem losgeschickt, was ich entbehren konnte. Sobald du wieder sicher hinter den Mauern bist, werde ich ihr mit dem Rest zu Hilfe kommen. Und um die guten Nachrichten zu vervollst�ndigen, Luan und der Rest dieses Haufens reiten nach Norden. Sie k�nnten heute Nachmittag hier sein.�</p><p>Elayne stockte der Atem. Um Luan und die anderen w�rde man sich k�mmern m�ssen, wenn sie auftauchten, aber das andere� ! �Erinnerst du dich an Frau Harfors Bericht, Birgitte? Arymilla und die anderen wollten bei der ersten Gruppe sein, die in Caemlyn einreitet. Sie m�ssen auch vor dem Far-Madding-Tor sein. Wie viele M�nner hast du hier?�</p><p>�Wie sieht die Verlustrechnung aus, Guybon?�, fragte Birgitte und musterte Elayne misstrauisch. Auch der Bund vermittelte Misstrauen. Gro�es Misstrauen.</p><p>�Ich habe die genaue Z�hlung noch nicht, meine Lady. Einige der Leichen . ..� Charlz zog eine Grimasse. �Ich w�rde sagen, es sind f�nf oder sechshundert Tote, vielleicht auch mehr. Doppelt so viele Verwundete. Die �belsten paar Minuten, die ich je gesehen habe.�</p><p>�Sagen wir zehntausend, Elayne�, sagte Birgitte, und der dicke Zopf schwankte, als sie den Kopf sch�ttelte. Sie schob die Daumen hinter den G�rtel, und Entschlossenheit f�llte den Bund. �Arymilla muss mindestens doppelt so viele vor dem Far-Madding-Tor haben, vielleicht dreimal so viele, wenn sie wirklich die Lager ger�umt hat. Wenn du glaubst, was ich glaube, dass du glaubst� Ich habe Dyelin befohlen, das Tor zur�ckzuerobern, falls es gefallen sein sollte, aber es ist viel wahrscheinlicher, dass sie in der Stadt gegen Arymilla k�mpft. Falls das Tor durch ein Wunder halten sollte, rechnest du besser damit, dass es zwei zu eins gegen uns steht.�</p><p>�Wenn sie durch das Tor sind�, sagte Elayne stur, �ist es unwahrscheinlich, dass sie es wieder hinter sich geschlossen haben. Wir fallen ihnen in den R�cken.� Es war keine reine Sturheit. Nicht ganz. Sie war nicht an Waffen ausgebildet worden, aber sie hatte all die anderen Lektionen empfangen, die Gawyn von Gareth Bryne bekommen hatte. Eine K�nigin musste die Schlachtpl�ne verstehen k�nnen, die ihre Gener�le ihr vorlegten, statt sie blindlings zu akzeptieren.</p><p>�Wenn das Tor h�lt, dann haben wir sie zwischen uns und der Mauer gefangen. In Niedercaemlyn haben Zahlen nicht viel zu bedeuten. Arymilla wird nicht mehr M�nner in einer Stra�e aufstellen k�nnen als wir. Wir werden es tun, Birgitte. Und jetzt soll mir jemand ein Pferd besorgen.�</p><p>Einen Augenblick lang glaubte sie, ihre Beh�terin w�rde sich weigern, was ihre Sturheit noch verst�rkte, aber Birgitte stie� einen tiefen Seufzer aus. �Tzigan, fangt die gro�e graue Stute da f�r Lady Elayne ein.�</p><p>Es hatte den Anschein, als w�rde jeder in ihrer Umgebung, mit Ausnahme der Schattenfreunde, seufzen. Sie mussten geglaubt haben, einen von Elayne Trakands ber�hmten Gef�hlsausbr�chen erleben zu d�rfen. Diese Erkenntnis h�tte beinahe einen ausgel�st. Sollten ihre verfluchten Stimmungsschwankungen doch zu Asche verbrennen!</p><p>Birgitte trat n�her heran und senkte die Stimme. �Aber du wirst von deiner Leibwache umgeben reiten. Das hier ist keine alberne Geschichte mit einer K�nigin, die an der Spitze ihrer Truppen mit ihrem Banner in die Schlacht reitet. Ich wei�, dass eine deiner Ahnfrauen das getan hat, aber du bist nicht sie, und du hast kein verstreutes Heer, das sich um dich sammelt.�</p><p>�Aber genau das war mein Plan�, sagte Elayne zuckers��.</p><p>�Wie <emphasis>bist</emphasis> du nur darauf gekommen?�</p><p>Birgitte schnaubte vor Lachen und murmelte �Verdammte Frau� nicht leise genug, damit es nicht geh�rt werden konnte. Aber in dem Bund lag Zuneigung.</p><p>Nat�rlich funktionierte das nicht so einfach. M�nner mussten abkommandiert werden, den Verwundeten zu helfen. Einige von ihnen konnten gehen, aber viele konnten es auch nicht. Zu viele hatten Aderpressen um blutige Arm oder Beinst�mpfe geschlungen. Charlz und die Adligen scharten sich um Elayne und Birgitte, um den Angriffsplan zu erfahren, der notwendigerweise ganz einfach war, aber dann weigerte sich Chanelle, das Tor in eine andere Richtung zu lenken, bis Elayne versprach, dass sie dieses Mal nur Transport brauchten, und den Handel mit ihnen besiegelte, indem sich beide die Fingerspitzen k�ssten und einander auf die Lippen dr�ckten. Erst dann schrumpfte das Wegetor zu einem vertikalen silbrigen Schlitz und verbreiterte sich wieder zu einem hundert Schritte breiten Ausblick auf Caemlyn aus s�dlicher Richtung.</p><p>In den aus Ziegeln erbauten M�rkten zu beiden Seiten der gro�en Stra�e, die n�rdlich vom Wegetor bis zum Far-Madding-Tor verlief, waren keine Leute zu sehen, daf�r dr�ngte sich dort gerade au�erhalb der Bogenschussweite der Stadtmauern eine riesige Masse von M�nnern zu Fu� und zu Pferd. Die ersten von ihnen befanden sich nur wenige hundert Schritte von dem Wegetor entfernt. Anscheinend hatten sie sich auch auf die Seitenstra�en ausgebreitet. Die Reiter mit ihren unz�hligen Bannern standen ganz vorn, aber egal ob Kavallerie oder Infanterie, sie alle schauten zu den Toren von Caemlyn. Den verschlossenen Toren. Elayne h�tte vor Freude jubeln k�nnen.</p><p>Sie ritt als Erste durch das Wegetor, aber Birgitte ging kein Risiko ein. Ihre Leibwache sammelte sich um sie und dr�ngte sie zur Seite ab. Birgitte war direkt neben ihr, aber irgendwie schienen sie sie nicht zu leiten. Gl�cklicherweise schien niemand etwas dagegen zu haben, dass sie die graue Stute weiter antrieb, bis sich nur noch eine Reihe Gardistinnen zwischen ihr und der Stra�e befand. <emphasis>Diese</emphasis> Reihe h�tte allerdings genauso gut ein Steinwall sein k�nnen. Die Stute war aber tats�chlich sehr gro�, und so konnte sie sehen, ohne in den Steigb�geln stehen zu m�ssen. Sie h�tte sie l�nger machen sollen.</p><p>Sie waren etwas zu kurz f�r sie. Also war das Chesmals Pferd, da sie die Einzige war, die etwa an ihre Gr��e herankam. Ein Pferd konnte nicht von seinem Reiter verdorben werden � nur weil Chesmal eine Schwarze Ajah war, machte das das Pferd nicht zu einer b�sen Kreatur �, aber ihr war nicht nur wegen der zu kurzen Steigb�gel auf dem Tier unbehaglich zumute. Die graue Stute w�rde verkauft werden, sie und all die anderen Tiere, die die Schattenfreunde geritten hatten, und das Geld w�rde man unter den Armen verteilen.</p><p>Kavallerie und Infanterie kamen hinter Charlz aus dem Wegetor, genug Leute, um es auf seiner ganzen Breite zu f�llen. Gefolgt von dem Wei�en L�wen und der Goldenen Lilie, trabte er mit f�nfhundert Gardisten die Stra�e hoch, die davor ausf�cherten, um sie ganz einzunehmen. Weitere Gruppen von �hnlicher Gr��e trennten sich und verschwanden in den Stra�en von Niedercaemlyn. Als die letzten M�nner das Tor verlassen hatten, schrumpfte es zusammen und verschwand. Jetzt gab es keine schnelle Flucht mehr, falls etwas schieflief. Jetzt mussten sie siegen, oder Arymilla w�rde den Thron bekommen, ob sie Caemlyn nun eroberte oder auch nicht.</p><p>�Heute brauchen wir Mat Cauthons verdammtes Gl�ck�, murmelte Birgitte.</p><p>�Das hast du schon einmal gesagt�, entgegnete Elayne.</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>Birgitte sah sie schief an. Der Bund �bertrug� Heiterk eit! �Hast du ihm je beim W�rfelspielen zugesehen?�</p><p>�Ich verbringe kaum Zeit an Orten, wo gew�rfelt wird, Birgitte.�</p><p>�Sagen wir einfach, er hat mehr Gl�ck als jeder Mann, den ich je kennengelernt habe.�</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf und verdr�ngte Mat Cauthon aus ihren Gedanken. Charlz� M�nner versperrten ihr die Sicht, als sie nach vorn ritten. Noch nicht im Galopp, noch versuchten sie nicht mehr L�rm als unbedingt n�tig zu machen. Mit etwas Gl�ck w�rden ihre M�nner Arymillas Leute umzingelt haben, bevor diese mitbekamen, was da eigentlich geschah. Und dann w�rden sie Arymilla von allen Seiten treffen. Von allen M�nnern, die Birgitte je kennengelernt hatte, war Mat der mit dem meisten Gl�ck. In diesem Fall musste er wirklich au�erordentlich viel Gl�ck haben.</p><p>Pl�tzlich bewegten sich Charlz� Gardisten schneller, die Lanzen mit den Stahlspitzen schwangen nach vorn. Jemand musste nach hinten geschaut haben. Schreie ert�nten, Alarmschreie und ein donnernder Ruf, der aus vielen Richtungen aufgenommen wurde. �F�r Elayne und Andor!�</p><p>Da waren auch andere Rufe. �Die Monde!� und �Der Fuchs!�, �Die Drei Schl�ssel!� und �Der Hammer!� und �Das Schwarze Banner!� Und noch weitere, f�r geringere H�user. Aber von ihrer Seite kam nur der eine, der unabl�ssig wiederholt wurde. �F�r Elayne und Andor!�</p><p>Pl�tzlich zitterte sie am ganzen Leib, lachte und weinte zugleich. Mochte das Licht daf�r sorgen, dass sie die M�nner nicht vergebens in den Tod schickte.</p><p>Die Rufe verstummten, wurden gr��tenteils vom Klirren von Stahl auf Stahl ersetzt, von Rufen und Schreien, als M�nner t�teten oder starben. Pl�tzlich wurde sich Elayne bewusst, dass sich die Stadttore �ffneten. Und sie konnte nichts sehen! Sie strampelte die F��e aus den Steigb�geln und kletterte auf den hochzwieseligen Sattel. Die graue Stute bewegte sich nerv�s, nicht daran gew�hnt, als Trittleiter zu dienen, aber nicht genug, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Birgitte murmelte einen besonders h�sslichen Fluch, aber im n�chsten Augenblick stand auch sie auf dem Sattel. Hunderte Armbrustm�nner und Bogensch�tzen str�mten aus dem Far-Madding-Tor, aber waren es ihre M�nner oder die abtr�nnigen S�ldner?</p><p>Die Sch�tzen gaben die Antwort; sie er�ffneten das Feuer auf Arymillas dicht zusammengedr�ngt stehende Kavallerie, so schnell sie die Sehne spannen und loslassen konnten. Die ersten Armbr�ste schnellten nach oben und feuerten eine Salve. Augenblicklich begannen diese M�nner zu kurbeln, um ihre Armbr�ste wieder zu spannen, aber andere eilten an ihnen vorbei, um eine zweite Bolzensalve abzuschie�en, die M�nner und Pferde wie eine Sense bei der Gerstenernte niederm�hte. Noch mehr Sch�tzen str�mten aus dem Tor, sch�ssen so schnell sie konnten. Eine dritte Reihe Armbrustm�nner st�rmte nach vorn, um zu schie�en, eine vierte, eine f�nfte, und dann dr�ngten sich M�nner mit Hellebarden an den Armbrustm�nnern vorbei, die noch immer aus dem Tor kamen. Eine Hellebarde war eine furchteinfl��ende Waffe, die Speerspitze und Axtklinge mit einem Haken kombinierte, um M�nner aus dem Sattel zu zerren. Reiter, die keinen Platz hatten, um ihre Lanzen zum Einsatz zu bringen, und deren Schwerter wegen der langen Hellebardensch�fte keine Reichweite hatten, fingen an zu fallen. Jetzt kamen M�nner in roten M�nteln und funkelnden Brustharnischen aus dem Tor galoppiert, Gardisten, die nach links und rechts schwenkten, um einen anderen Weg zu finden, an Arymillas R�nge heranzukommen. Der Strom h�rte gar nicht mehr auf. Wie, beim Licht, konnte Dyelin so viele Gardisten haben? Es sei denn .. . Sollte man die Frau doch zu Asche verbrennen, sie musste die noch nicht fertig ausgebildeten M�nner mobilisiert haben! Nun, ob sie nun ausgebildet waren oder nicht, heute w�rden sie mit Blut gesalbt werden.</p><p>Da ritten drei Gestalten mit vergoldeten Helmen und Harn ischen durch das Tor, die Schwerter gez�ckt. Zwei von ihnen waren ziemlich klein. Die Rufe, die bei ihrem Erscheinen ert�nten, klangen wegen der Entfernung sehr leise, aber sie waren trotzdem �ber dem Schlachtenl�rm zu h�ren. �Die Schwarzen Adler!� und �Der Amboss!� und �Die Roten Leoparden!�. Zwei Frauen zu Pferd erschienen im Tor und rangelten, bis die gr��ere es schaffte, das Pferd der anderen au�er Sicht zu zerren.</p><p>�Blut und verfluchte Asche!�, fauchte Elayne. �Conail ist vermutlich alt genug, aber Branlet und Perival sind doch noch Kinder! Jemand h�tte sie von dort fernhalten sollen!�</p><p>�Dyelin hat sie lange genug ferngehalten�, sagte Birgitte ruhig. Der Bund vermittelte eiskalte Ruhe. �Conail jedenfalls l�nger, als ich geglaubt h�tte. Und sie hat es geschafft, Catalyn aus dem Kampf zu halten. Wie dem auch sei, die Jungs haben ein paar hundert Mann zwischen sich und der Frontlinie, und ich kann nicht erkennen, dass ihnen jemand Platz macht.� Es stimmte. Die drei schwangen nutzlos ihre Schwerter, mindestens f�nfzig Schritte von dem Ort entfernt, an dem M�nner starben. Andererseits waren f�nfzig Schritte nur eine kurze Distanz f�r einen Bogen oder eine Armbrust.</p><p>M�nner erschienen auf den D�chern, zuerst Dutzende, dann Hunderte, Bogensch�tzen und Armbrustm�nner, die �ber die Dachgiebel hinwegkletterten und sich dann spinnengleich �ber die Ziegel hinunterarbeiteten, bis sie in die dicht gedr�ngt stehende Masse unter ihnen schie�en konnten. Einer rutschte aus und st�rzte, sein K�rper landete mitten auf den M�nnern in der Stra�e und zuckte, als man ihn mehrmals aufspie�te. Ein anderer b�umte sich pl�tzlich auf, ein Pfeil ragte aus seiner Seite, und er kippte aus seiner hohen Stellung. Er landete ebenfalls auf den M�nnern und zuckte, w�hrend man immer wieder auf ihn einstach.</p><p>�Sie stehen zu eng beieinander�, sagte Birgitte aufgeregt.</p><p>�Sie k�nnen keinen Bogen heben, geschweige denn ihn spannen. Ich wette, die Toten haben nicht einmal genug Platz, um fallen zu k�nnen. Das wird nicht mehr lange dauern.�</p><p>Aber das Gemetzel ging noch eine gute halbe Stunde, bevor die ersten Rufe �Gnade!� ert�nten. M�nner st�lpten ihre Helme auf Schwertgriffe und stemmten sie empor, riskierten den Tod in der Hoffnung, leben zu k�nnen. Infanteristen nahmen die Helme ab und hielten die leeren H�nde hoch. Reiter warfen Lanzen, Helme und Schwerter zu Boden und hoben die H�nde. Es verbreitete sich so schnell wie ein Fieber, ein Ruf aus Tausenden von Kehlen. �Gnade!�</p><p>Elayne setzte sich wieder in den Sattel. Es war geschafft. Nun musste sie erfahren, wie gut es geschafft worden war.</p><p>Nat�rlich h�rten die K�mpfe nicht sofort auf. Ein paar versuchten weiterzuk�mpfen, aber sie k�mpften allein und starben oder wurden von den M�nnern um sie herum aus dem Sattel gezerrt, die nicht l�nger zu sterben bereit waren. Aber schlie�lich fingen selbst die stursten an, Waffen und R�stung abzulegen, und wenn auch nicht jede Stimme nach Gnade verlangte, war es noch immer ein Ruf wie Donnerhall. Waffenlose M�nner ohne Helme oder Harnische oder sonstige R�stung taumelten mit erhobenen H�nden durch die Linie der Gardisten. Hellebardiere trieben sie wie Schafe zusammen. Sie hatten auch etwas von dem benommenen Ausdruck von Schafen auf dem Schlachthof. Das Gleiche musste sich in Dutzenden von Niedercaemlyns schmalen Stra�en und vor dem Tor wiederholt haben, denn die einzigen Rufe, die sie h�rte, waren die nach Gnade, und die wurden auch immer weniger, als die M�nner begriffen, dass sie gew�hrt wurde.</p><p>Der Sonne fehlte noch eine Stunde bis zu ihrem Mittagss tand, als man die Adligen aussortiert hatte. Die unbedeutenderen unter ihnen wurden in die Stadt eskortiert, wo man sie f�r ein L�segeld festhalten w�rde. Das gezahlt werden musste, sobald der Thron sicher war. Die ersten der m�chtigeren Adligen, die man zu Elayne brachte, eskortiert von einem Dutzend Gardisten und Charlz, waren Arymilla, Naean und Elenia. Charlz hatte eine blutige Schramme am linken �rmel und eine Beule in seinem gl�nzenden Harnisch, die von einem Hammertreffer herr�hren musste, aber die Z�ge hinter den Visierstangen seines Helms zeigten Gelassenheit. Sie stie� einen gro�er Seufzer der Erleichterung aus, als sie die drei Frauen sah. Die anderen w�rde man unter den Toten oder den Gefangenen finden. Sie hatte die Opposition enthauptet. Zumindest so lange, bis Luan und die anderen eintrafen. Die Gardistinnen vor ihr traten endlich zur Seite, auf dass sie den Gefangenen gegen�bertreten konnte.</p><p>Die drei waren gekleidet, als h�tten sie noch an diesem Tag Arymillas Kr�nung beiwohnen wollen. Die Brust von Arymillas rotem Seidengewand war mit Zuchtperlen bestickt, aufrecht gehende wei�e L�wen marschierten die �rmel hinauf. Sie schwankte im Sattel und hatte den gleichen benommenen Ausdruck in den Augen wie ihre Soldaten.</p><p>Naean trug Blau mit den silbernen Drei Schl�sseln von Arawn auf den �rmeln und silbernen Schn�rkeln auf der Brust, ihr gl�nzendes schwarzes Haar steckte in einem mit Saphiren besetzten Silbernetz; sie erschien eher gez�hmt als benommen. Sie brachte sogar ein ver�chtliches L�cheln zustande, auch wenn es schwach ausfiel. Die honigblonde Elenia, in aufw�ndig mit Gold bestickter gr�ner Seide, lie� ihre finsteren Blicke zwischen Arymilla und Elayne hin und herschweifen. Der Bund �bermittelte zu gleichen Teilen Triumph und Abscheu. Birgittes Abneigung gegen�ber diesen Frauen war so pers�nlich wie Elaynes.</p><p>�Ihr werdet f�r die n�chste Zeit meine G�ste im Palast sein�, sagte Elayne zu ihnen. �Ich hoffe, eure Taschen sind tief. Euer L�segeld wird diesen Krieg bezahlen, den ihr angefangen habt.� Das war eine b�sartige Bemerkung, aber pl�tzlich war ihr so zumute. Ihre Taschen waren alles andere als tief. Sie hatten sich viel mehr geliehen, als sie zur�ckzahlen konnten, um S�ldner anzuheuern. Und S�ldner zu bestechen. Auch ohne L�segeld sahen sie dem Ruin entgegen. Mit ihm waren sie am Ende.</p><p>�Ihr k�nnt nicht der Meinung sein, dass es auf diese Weise endet�, sagte Arymilla heiser. Sie klang, als wollte sie sich selbst von den Worten �berzeugen. �Jarid ist noch immer mit einer betr�chtlichen Streitmacht auf dem Feld. Jarid und andere. Sagt es ihr, Elenia.�</p><p>�Jarid wird versuchen, so viel wie m�glich von Sarand aus dieser Katastrophe zu retten, in die Ihr uns hineingezwungen habt�, fauchte Elenia. Sie fingen an, sich anzuschreien, aber Elayne ignorierte sie. Sie frage sich, wie es ihnen gefallen w�rde, sich das Bett mit Naean teilen zu m�ssen.</p><p>Als N�chstes eskortierte man Lir Baryn und Augenblicke sp�ter Karind Anshar heran. Schlank wie eine Klinge und genauso stark, zeigte Lir eher einen nachdenklichen Ausdruck statt eines m�rrischen oder trotzigen. Sein gr�ner Mantel mit dem aufgestickten silbernen Gefl�gelten Hammer von Haus Baryn zeigte die Einkerbungen des Brustharnischs, den er nicht l�nger trug, und sein dunkles Haar war schwei�verklebt. Noch mehr schimmerte auf seinem Gesicht. Er war nicht so ins Schwitzen geraten, weil er anderen M�nnern beim Kampf zugesehen hatte. Karind war so pomp�s wie die anderen Frauen gekleidet, in leuchtende blaue Seide mit silbernen Stickereien und Perlen in dem grau durchzogenen Haar. Ihr kantiges Gesicht sah resigniert aus, vor allem, nachdem Elayne sie �ber das L�segeld informiert hatte. Soweit sie wusste, hatten sich die beiden nicht so schwer verschuldet wie die anderen drei, aber das L�segeld w�rde ihnen trotzdem wehtun.</p><p>Dann erschienen zwei Gardisten mit einer Frau in schlicht em Blau, die kaum �lter als Elayne sein konnte, eine Frau, die sie zu erkennen glaubte. Allem Anschein nach bestand ihr einziger Schmuck aus einer Emaillebrosche, auf der ein roter Stern und ein silbernes Schwert auf schwarzem Grund funkelten. Aber warum brachte man Sylvase Caeren zu ihr? Die h�bsche Frau mit den lebhaften blauen Augen, deren Blick fest auf Elaynes Gesicht haftete, war Lord Nasins Erbin und nicht die Hohe Herrin von Caeren.</p><p>�Caeren steht f�r Trakand�, sagte Sylvase schockierenderw eise, sobald sie ihr Pferd z�gelte. Der Bund spiegelte Elaynes �berraschung wider. Arymilla starrte Sylvase an, als h�tte sie den Verstand verloren. �Mein Gro�vater hatte einen Schlaganfall, Arymilla�, sagte die junge Frau ruhig, �und meine Cousins haben sich �berschlagen, mich als Hohe Herrin zu best�tigen. Ich werde es vor aller Augen schriftlich niederlegen, Elayne, falls Ihr es w�nscht.�</p><p>�Das w�re vermutlich das Beste�, sagte Elayne langsam. Die �ffentliche Unterschrift w�rde ihre Unterst�tzung unwiderruflich machen. Es w�rde nicht das erste Mal sein, dass ein Haus die Seiten gewechselt hatte, selbst ohne den Tod des Hohen Herrn, aber es war besser, in diesem Fall sicherzugehen. �Trakand hei�t Caeren erfreut willkommen, Sylvase.� Es war auch besser, nicht zu distanziert zu sein. Sie wusste nicht viel �ber Sylvase Caeren.</p><p>Sylvase nickte und akzeptierte es. Also hatte sie wenigst ens einen Funken Intelligenz. Ihr war klar, dass man ihr nicht v�llig vertrauen w�rde, bis sie ihre Loyalit�t demonstriert hatte, indem sie ihre Unterst�tzung �ffentlich verk�ndete. �Wenn Ihr mir ein wenig Vertrauen entgegenbringt, darf ich die Obhut �ber Arymilla, Naean und Elenia �bernehmen? Nat�rlich im K�niglichen Palast oder wo auch immer Ihr mich sonst unterbringen werdet. Ich glaube, mein neuer Sekret�r Meister Lounalt k�nnte sie davon �berzeugen, Euch zu unterst�tzen.�</p><p>Aus irgendeinem Grund stie� Naean einen lauten Schrei aus und w�re aus dem Sattel gefallen, h�tte ein Gardist sie nicht am Arm gepackt und sie gest�tzt. Arymilla und Elenia sahen beide aus, als m�ssten sie sich gleich �bergeben.</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte Elayne. Keine vorgeschlagene Unterhaltung mit einem Sekret�r rief eine solche Reaktion hervor. Anscheinend hatte Sylvase einen stahlharten Kern.</p><p>�Naean und Elenia haben ihre Unterst�tzung f�r Arymilla bekundet. Sie werden sich wohl kaum selbst vernichten, indem sie sie wiederrufen.� Das w�rde sie wirklich vernichten. Die ihnen verschworenen kleineren H�user w�rden abfallen, bis ihre eigenen H�user in Vergessenheit geraten waren. Au�erdem, wenn sie verk�ndeten, dass sie jetzt f�r Trakand standen, w�rden sie m�glicherweise nicht in ihren Positionen als Hohe Herrinnen �berleben. Und was Arymilla anging� Elayne w�rde nicht zulassen, dass Arymilla jetzt ihr Lied �nderte. Sie w�rde die Unterst�tzung dieser Frau selbst dann ablehnen, wenn sie ihr angeboten w�rde!</p><p>Etwas Grimmiges trat in Sylvases Blick, als sie die drei Frauen betrachtete. �M�glicherweise schon, mit der richtigen �berredung.� O ja, ein sehr harter Kern. �Aber wie Ihr w�nscht, Elayne. Doch nehmt Euch vor ihnen in Acht. Verrat liegt ihnen im Blut und in den Knochen.�</p><p>�Baryn steht f�r Trakand�, verk�ndete Lir pl�tzlich.</p><p>�Auch ich werde es �ffentlich niederlegen.�</p><p>�Anshar steht f�r Trakand�, sagte Karind entschlossen.</p><p>�Ich werde die Proklamation noch heute aufsetzen lassen.�</p><p>�Verr�ter!�, schrie Arymilla. �Ihr seid tot!� Sie fummelte an ihrem G�rtel herum, wo die juwelenbesetzte leere Dolchscheide baumelte, als wollte sie die Sache selbst erledigen. Elenia fing an zu lachen, aber sie klang nicht am�siert. Eigentlich klang es wie ein Schluchzen.</p><p>Elayne holte tief Luft. Jetzt hatte sie neun der zehn H�us er, die sie brauchte. Sie gab sich keinen Illusionen hin. Welche Gr�nde auch immer Sylvase bewegten, Lir und Karind versuchten zu retten, was zu retten war, indem sie sich von einer verlorenen Sache lossagten und sich dem Haus anschlossen, das pl�tzlich aufzusteigen schien. Sie w�rden von ihr erwarten, eine Vorzugsbehandlung zu bekommen, weil sie sie vor ihrer Thronbesteigung unterst�tzt hatten, w�hrend sie gleichzeitig verga�, dass sie je Arymilla unterst�tzt hatten. Sie w�rde keines von beiden tun. Aber sie konnte sie auch nicht so einfach ablehnen. �Trakand hei�t Baryn willkommen.� Aber nicht erfreut. Das niemals. �Trakand hei�t Anshar willkommen. Hauptmann Guybon, bringt die Gefangenen so schnell in die Stadt, wie Ihr k�nnt. Waffenm�nner von Caeren, Baryn und Anshar erhalten ihre Waffen und die Ausr�stung zur�ck, sobald die Proklamationen verschickt wurden, aber sie k�nnen ihre Banner jetzt sofort zur�ckhaben.� Er salutierte und zog den Braunen herum, rief bereits Befehle.</p><p>Als Elayne die graue Stute in Richtung Dyelin in Beweg ung setzte, die gefolgt von Catalyn und den drei jungen Narren in ihren vergoldeten R�stungen aus einer Seitenstra�e kam, schlossen sich Sylvase, Lir und Karind ihr hinter Birgitte an. Sie versp�rte kein Unbehagen, sie im R�cken zu haben, nicht mit hundert Gardistinnen um sie herum. Bis zu diesen Proklamationen w�rde man sie genau im Auge behalten. Sylvase eingeschlossen. Elayne dachte bereits an die Zukunft.</p><p>�Du bist schrecklich still�, sagte Birgitte leise. �Du hast gerade einen gro�en Sieg davongetragen.�</p><p>�Und in ein paar Stunden�, erwiderte sie, �werde ich erfahren, ob ich noch einen erringen muss.�</p></section><section><title><p>34</p><p>Eine Tasse Kaf</p></title><p>Furyk Karede dr�ckte die Faust in dem Panzerhandschuh ans Herz, erwiderte den Salut des Wachtpostens und ignorierte die Tatsache, dass der Mann ausspuckte, als er an ihm vorbeiritt. Er hoffte, dass die achtzig M�nner und einundzwanzig Ogier hinter ihm es ebenfalls ignorierten. Sie taten es besser, wenn sie wussten, was gut f�r sie war. Er wollte hier Informationen erhalten, und jedes Blutvergie�en w�rde das nur schwerer machen. Seit sein Leibdiener Ajimbura wegen einer angeblichen Beleidigung seines Herrn einem Standartentr�ger sein Messer ins Herz gerammt hatte � es hatte sich um eine echte Beleidigung gehandelt, aber Ajimbura h�tte sein Temperament genauso z�geln m�ssen, wie er es auch tat �, hatte er den drahtigen kleinen Bergnomaden im Wald bei den <emphasis>Sul�dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> und einigen der Totenw�chter bei der Bewachung der Lasttiere zur�ckgelassen, wann immer er ein Lager betrat. Er hatte einen langen Weg von Ebou Dar zur�ckgelegt und den Wind gejagt, war beinahe vier Wochen hinter Ger�chten hergehetzt, bis ihn die Hinweise hier in dieses Lager im �stlichen Zentral-A ltara gebracht hatte.</p><p>Die ordentlichen Reihen heller Zelte und Pferdeleinen standen in einer Waldlichtung, die gro� genug f�r landende <emphasis>Raken</emphasis> gewesen w�re, aber es gab keine Anzeichen von <emphasis>Raken</emphasis> oder Fliegern, keine Bodenmannschaft mit ihren Wagen und Rafcenbetreuern. Aber er hatte schon seit l�ngerem keinen <emphasis>Raken</emphasis> mehr am Himmel gesehen. Angeblich hatte man sie alle nach Westen geschickt. Den Grund daf�r kannte er nicht, und er war ihm auch egal. Die Hochlady war sein Ziel und seine ganze Welt. Ein hoher, schmaler Nachrichtenpfosten warf seinen langen Schatten in der fr�hen Morgensonne, also musste es hier irgendwo <emphasis>Raken</emphasis> geben. Seiner Einsch�tzung nach umfasste das Lager eintausend M�nner, die Hufschmiede und K�che und dergleichen nicht mit eingerechnet. Interessanterweise trug jeder Soldat, den er sehen konnte, die vertraute R�stung der Heimat und nicht diese zweiteiligen Harnische und Helme mit Visierstangen. Normalerweise verst�rkte man die Streitkr�fte mit M�nnern von dieser Seite des Ozeans. Es war auch bemerkenswert, dass sie alle die R�stungen trugen. Nur selten lie� ein Kommandant seine Soldaten die R�stungen tragen, solange er nicht bald mit einem Einsatz rechnete. Den Ger�chten nach zu urteilen, die er aufgeschnappt hatte, konnte das hier der Fall sein.</p><p>Drei Flaggenstangen markierten das Kommandozelt, eine hohe, geschlossene Konstruktionen aus heller Zeltplane mit Luftl�chern entlang der Spitze, die auch als Rauchabzugsl�cher dienten. Jetzt kam kein Rauch aus ihnen, denn der Morgen war nicht besonders kalt, obwohl die Sonne noch nicht weit �ber dem Horizont hing. An einem Flaggenstab hing das Kaiserliche Banner mit seinem blauen Rand schlaff herunter, weswegen man den goldenen Falken mit den ausgebreiteten Schwingen und den Blitzen in seinen Krallen nicht sehen konnte. Manche Kommandanten befestigten es an einer waagerechten Stange, damit es immer gut zu sehen war, aber er hielt das f�r reine Prahlerei. Die anderen beiden Banner an ihren k�rzeren Stangen w�rden das Regiment verk�nden, zu dem diese M�nner geh�rten.</p><p>Karede stieg vor diesem Zelt aus dem Sattel und nahm den Helm ab. Hauptmann Musenge folgte seinem Beispiel und enth�llte eine grimmige Miene auf seinem wettergegerbten Gesicht. Auch die anderen M�nner stiegen ab, um ihren Tieren eine Verschnaufpause zu g�nnen, und blieben dann neben den Pferden stehen. Die Ogier-G�rtner st�tzten sich auf die langsch�ftigen �xte mit den schwarzen Quasten. Jeder wusste, dass sie nicht lange bleiben w�rden.</p><p>�Sorgt daf�r, dass die M�nner keinen �rger machen�, sagte er zu Musenge. �Und wenn das bedeutet, Beleidigungen zu ertragen, dann ist das eben so.�</p><p>�Es w�rde weniger Beleidigungen geben, wenn wir ein paar von ihnen get�tet h�tten�, murmelte Musenge. Er war noch l�nger als Karede bei der Totenwache, auch wenn sein schwarzes Haar keine einzige graue Str�hne zeigte, und er w�rde Beleidigungen der Kaiserin, mochte sie ewig leben, genauso erfreut aufnehmen wie Beleidigungen der W�chter.</p><p>Hartha kratzte mit einem Finger von der Gr��e einer fett en Wurst eine Seite seines langen, grauen Schnurrbarts. Der Erste G�rtner, Befehlshaber aller Ogier in der Leibwache der Hochlady Tuon, war fast so gro� wie ein Mann im Sattel und sehr breit. Seine rot und gr�n lackierte R�stung enthielt genug Stahl, um R�stungen f�r drei oder vier Menschen zu schmieden. Sein Gesicht war so m�rrisch wie das Musenges, aber seine dr�hnende Stimme war ganz ruhig. Ogier waren immer ruhig, ausgenommen in der Schlacht. Dann waren sie so kalt wie der tiefe Winter in Jeranem. �Wir k�nnen so viele von ihnen t�ten wie n�tig, Musenge, nachdem wir die Hochlady gerettet haben.�</p><p>Musenge war an seine Pflicht erinnert worden und err�tet e, weil er zugelassen hatte, sie zu vergessen. �Danach�, stimmte er zu.</p><p>Karede hatte sich im Verlauf der Jahre zu intensiv geschult und war von seinen Lehrern einer zu gr�ndlichen Ausbildung unterworfen worden, um zu seufzen, aber w�re er etwas anderes als ein Angeh�riger der Totenwache gewesen, h�tte er es vielleicht jetzt getan. Nicht, weil Musenge jemanden t�ten wollte und eigentlich so gut wie jeder daf�r geeignet gewesen w�re. Sondern weil die Beleidigungen, denen er in den vergangenen Wochen den R�cken gekehrt hatte, genauso an ihm nagten wie an Musenge und Hartha. Aber die W�chter taten, was n�tig war, um ihre Aufgabe zu erf�llen, und wenn das bedeutete, an einem Mann vorbeizugehen, der beim Anblick einer R�stung ausspuckte, die in Rot und einem so dunklen Gr�n gehalten war, dass manche es als Schwarz bezeichneten, oder es wagte, in seiner H�rweite vom Senken des Blicks zu murmeln, dann musste er eben weitergehen. Nur eines z�hlte � Hochlady Tuon aufzusp�ren und zu retten. Daneben war alles andere bedeutungslos.</p><p>Den Helm unter den Arm geklemmt, duckte er sich in das Zelt hinein und fand anscheinend die meisten der Lageroffiziere um eine gro�e Karte versammelt vor, die auf einem Klapptisch ausgebreitet lag. Die eine H�lfte trug mit horizontalen roten und blauen Streifen bemalte Segmentharnische, die andere rote und gelbe. Sie richteten sich auf und starrten ihn beim Hereinkommen an, M�nner aus Khoweal oder Dalenshar mit einer Haut schw�rzer als Holzkohle, honigbraune M�nner aus N�Kon, blonde M�nner aus Mechoacan, hell�ugige M�nner aus Alquam, M�nner aus jedem Teil des Reiches. Ihre Blicke zeigten nicht das oft von Bewunderung getr�bte Misstrauen, an das er immer gew�hnt gewesen war, sondern beinahe schon eine Herausforderung. Anscheinend glaubte jeder die dreckige Geschichte, dass sich die Wache mit einem M�dchen eingelassen hatte, das vorgab, die Hochlady Tuon zu sein, und Kaufleuten Gold und Silber abpresste. Vermutlich glaubten sie dann auch die andere, hinter vorgehaltener Hand verbreitete Geschichte �ber das M�dchen, die nicht blo� widerlich, sondern schrecklich war. Nein. Die Vorstellung, dass die Hochlady vor dem Immer Siegreichen Heer um ihr Leben f�rchten musste, ging �ber alles Schreckliche hinaus. Das war eine Welt, die aus den Fugen geraten war.</p><p>�Furyk Karede�, sagte er k�hl. Seine Hand wollte zum Schwert greifen. Reine Disziplin hielt sie an seiner Seite. Disziplin und Pflichtbewusstsein. Die Pflicht hatte ihn Schwertst��e ertragen lassen. F�r sie konnte er auch Beleidigungen ertragen. �Ich m�chte mit dem Kommandanten dieses Lagers sprechen.� Einen Augenblick lang dehnte sich die Stille aus.</p><p>�Alles raus�, bellte schlie�lich ein Mann mit dem scharfen Akzent Dalenshars. Die anderen salutierten, nahmen die Helme von einem anderen Tisch und verlie�en nacheinander das Zelt. Nicht einer entbot Karede einen Salut. Seine rechte Hand zuckte einmal, er konnte f�rmlich den Schwertgriff auf der Handfl�che f�hlen, dann war er wieder ganz ruhig.</p><p>�Gamel Loune�, stellte sich der schlanke Mann vor. Ihm fehlte der obere Teil des rechten Ohrs, und dar�ber zog sich ein wei�er Streifen durch seine dichten schwarzen Locken; auch an anderen Stellen gab es graue Flecken. �Was wollt Ihr?� In den Worten lag ein Hauch von Misstrauen. Ein harter Mann. Mit viel Selbstkontrolle. Das w�rde er auch sein m�ssen, um die drei roten Federn zu verdienen, die den Helm auf seinem Schwertst�nder zierten. Schwache M�nner ohne Selbstbeherrschung stiegen nicht zum Bannergeneral auf. Karede vermutete, dass Loune nur deshalb mit ihm sprach, weil sein Helm drei schwarze Federn aufwies.</p><p>�Euch nicht in Euer Kommando reinreden.� Loune hatte Grund, das zu bef�rchten. Die R�nge in der Totenwache waren eine halbe Stufe h�her als alle anderen. Er h�tte sich falls n�tig in das Kommando des Mannes einmischen k�nnen, allerdings h�tte er sich sp�ter f�r seine Gr�nde verantworten m�ssen. Und es h�tten gute Gr�nde sein m�ssen, um nicht den Kopf zu verlieren. �Wie ich geh�rt habe, gibt es seit kurzem in diesem Teil von Altara� Schwierigkeiten. Ich will wissen, wo ich da reinreite.�</p><p>Loune grunzte. �Schwierigkeiten.� So kann man das auch bezeichnen.�</p><p>Ein gedrungener Mann in einem einfachen braunen Mantel, von dessen Kinn ein schmaler Bart baumelte, betrat das Zelt mit einem �ppig mit Schnitzereien verzierten Holztablett, auf dem eine Silberkanne und zwei stabile wei�e Tassen von der Art standen, die bei einem Transport in einem Wagen nicht so leicht zerbrechen w�rden. Der Duft nach frisch aufgebr�htem <emphasis>Kaf</emphasis> erf�llte die Luft.</p><p>�Euer <emphasis>Kaf,</emphasis> Bannergeneral.� Er stellte das Tablett auf dem Rand des Tisches mit der Karte ab und f�llte vorsichtig eine Tasse mit der schwarzen Fl�ssigkeit, w�hrend er Karede aus dem Augenwinkel betrachtete. Er war irgendwo in den mittleren Jahren, trug zwei lange Messer am G�rtel, und seine H�nde wiesen die Schwielen eines Messerk�mpfers auf. Karede sp�rte eine nahe Verwandtschaft zu Ajimbura, wenn auch nicht im Blut, so doch im Geist. Diese dunkelbraunen Augen stammten niemals aus den Kaensadabergen. �Ich habe gewartet, bis die anderen gegangen waren, da noch kaum genug f�r Euch da ist. Ich wei� nicht, wann ich neuen bekomme, ich wei� es wirklich nicht.�</p><p>�M�chtet Ihr einen <emphasis>Kaf,</emphasis> Karede?� Lounes Z�gern war offensichtlich, aber er konnte sich kaum vor dem Angebot dr�cken. Eine so gro�e Beleidigung h�tte Karede gezwungen, ihn zu t�ten. Zumindest w�rde der Mann das denken.</p><p>�Mit Vergn�gen�, erwiderte Karede. Er stellte seinen Helm neben dem Tablett ab, zog die Panzerhandschuhe aus und legte sie daneben.</p><p>Der Diener f�llte die zweite Tasse, dann wollte er sich in eine Zeltecke zur�ckziehen, aber Loune sagte: �Das ist im Moment alles, Mantual.� Der gedrungene Mann z�gerte und musterte Karede, bevor er sich vor Loune verbeugte, Augen und Lippen mit den Fingerspitzen ber�hrte und ging.</p><p>�Mantual �bertreibt es mit meinem Schutz�, erkl�rte Loune. Offensichtlich wollte er es nicht erkl�ren, aber er wollte auch nicht, dass es zu etwas kam, das man als offene Beleidigung interpretieren konnte. �Seltsamer Bursche. Hat sich mir vor Jahren in Pujili angeschlossen, hat nicht geruht, bis er mein Leibdiener wurde. Ich glaube, er w�rde auch dann bleiben, wenn ich ihn nicht mehr bezahlte.� Ja, ein naher Verwandter Ajimburas.</p><p>Eine Weile tranken sie einfach ihren <emphasis>Kaf,</emphasis> balancierten die Tassen auf den Fingerspitzen und genossen die aromatische Bitterkeit. Das Gebr�u schien eine reine Ijazmischung zu sein, und wenn dem so war, war es sehr teuer. Karedes Vorrat an den schwarzen Bohnen, die definitiv nicht aus den Ijazberg en gekommen waren, war schon vor Wochen ausgegangen, und es �berraschte ihn, wie sehr er den <emphasis>Kaf</emphasis> vermisst hatte. Nachdem die erste Tasse geleert war, schenkte Loune nach.</p><p>�Ihr wolltet mir von den Schwierigkeiten erz�hlen�, dr�ngte Karede ihn, nachdem eine Unterhaltung nicht mehr unh�flich sein w�rde. Er versuchte immer h�flich zu sein, selbst bei M�nnern, die er t�tete, und hier w�rde Unh�flichkeit den Mann verstummen lassen.</p><p>Loune stellte die Tasse ab und st�tzte die F�uste auf den Tisch, starrte die Karte stirnrunzelnd an. Kleine rote Keile mit winzigen Papierbannern standen darauf verstreut, markierten seanchanische Streitkr�fte, die in Bewegung waren, und rote Sterne zeigten Streitkr�fte, die eine Stellung hielten. Kleine schwarze Scheiben, die Kampfhandlungen symbolisierten, lagen �berall verstreut, aber seltsamerweise gab es keine wei�en Scheiben f�r den Feind. �berhaupt keine.</p><p>�Im Verlauf der letzten Woche�, sagte Loune, �gab es vier Zusammenst��e von betr�chtlichem Ausma� und fast sechzig Hinterhalte, Gepl�nkel und �berf�lle, von denen einige recht gro� waren, alle im Umkreis von dreihundert Meilen.� Das schloss fast die ganze Karte ein. Seine Stimme war steif. Es war klar, h�tte er die Wahl gehabt, h�tte er Karede nichts gesagt. Aber der geringf�gig h�here Rang lie� ihm keine.</p><p>�Auf der anderen Seite m�ssen sechs oder acht verschiedene Heere darin verwickelt sein. Die Nacht nach dem ersten gro�en Gefecht sah neun gro�e �berf�lle, jeder vierzig oder f�nfzig Meilen von dem Schlachtfeld entfernt. Es waren auch keine kleinen Heere, jedenfalls nicht, wenn man sie zusammenz�hlt, aber wir k�nnen sie nicht finden, und niemand hat auch nur eine Idee, wo sie herkommen. Wer auch immer sie sind, sie haben <emphasis>Damane</emphasis> dabei, diese Aes Sedai, vielleicht auch diese verfluchten Asha�man. M�nner sind von Explosionen zerrissen worden, die laut unseren <emphasis>Damane</emphasis> nicht von der Macht verursacht wurden.�</p><p>Karede trank seinen <emphasis>Kaf.</emphasis> Der Mann dachte nicht nach.</p><p>Wenn der Feind �ber Aes Sedai und Asha�man verf�gte, konnten sie sich mit der F�higkeit namens Reisen mit einem Schritt so schnell bewegen, wie sie wollten. Aber wenn sie das konnten, warum hatten sie sie nicht dazu benutzt, ihren kostbaren Preis mit einem Schritt in Sicherheit zu bringen? Vielleicht konnten ja nicht alle Aes Sedai und Asha�man Reisen, aber das warf eine andere Frage auf. Warum hatten sie nicht die geschickt, die es beherrschten? Vielleicht waren die einzigen Aes Sedai ja die <emphasis>Damane,</emphasis> die aus dem Tarasin-Palast gestohlen worden waren. Berichten zufolge wusste von denen aber keine, wie dieses Reisen funktionierte. Das ergab einen Sinn. �Was sagen die Gefangenen, wer hat sie geschickt?�</p><p>Lounes Lachen war bitter. �Bevor man augenlose Gefang ene hat, braucht man einen augenlosen Sieg. Wir hatten blo� eine Reihe augenloser Niederlagen.� Er nahm die Tasse und trank einen Schluck. Seine Stimme lockerte sich, als h�tte er die Farben von Karedes R�stung vergessen. Jetzt war er blo� ein Soldat, der �ber sein Handwerk sprach. �Vor zwei Tagen glaubte Gurat, ein paar von ihnen zu haben. Er hat vier Banner Pferde und f�nf Infanterie fast bis auf den letzten Mann verloren. Nicht alle tot, aber die meisten Verwundeten sind es beinahe. Gespickt mit Armbrustbolzen. Haupts�chlich Taraboner und Amadicianer, aber das soll ja keine Rolle spielen, nicht wahr? M�ssen zwanzigtausend oder mehr Armbrustm�nner sein, um so viele auszuschalten. Vielleicht drei�igtausend. Und doch schaffen sie es, Sich vor den <emphasis>Morat�raken</emphasis> zu verbergen. Ich wei�, dass wir ein paar get�tet haben, zumindest behaupten das die Berichte, aber sie lassen ihre Toten nicht zur�ck. Ein paar Narren fl�stern schon, dass wir gegen Geister k�mpfen.� M�glicherweise hielt er sie f�r Narren, aber die Finger seiner linken Hand machten ein Zeichen zur Abwehr des B�sen. �Ich will Euch etwas sagen, Karede. Ihre Kommandanten sind sehr gut. Sehr, sehr gut. Jeder Mann, der sich ihnen entgegengestellt hat, ist niedergek�mpft worden, v�llig ausman�vriert und �berw�ltigt.�</p><p>Karede nickte nachdenklich. Er hatte spekuliert, dass die Wei�e Burg eine ihrer Besten mit der Entf�hrung der Hochl ady Tuon beauftragt hatte, aber er hatte nicht in die Richtung gedacht, was die Menschen auf dieser Seite des Ozeans als Gro�e Hauptm�nner bezeichneten. Vielleicht lautete Thom Merrilins richtiger Name ja Agelmar Jagad oder Gareth Bryne. Er freute sich darauf, den Mann kennenzulernen, und ihn vor allem zu fragen, woher er gewusst hatte, dass <emphasis>sie</emphasis> nach Ebou Dar kommen w�rde. Vielleicht w�rde er Suroths Verwicklung in diese Angelegenheit verbergen, aber vielleicht auch nicht. In den luftigen H�hen konnten die Verb�ndeten von heute das Opfer von morgen sein. Mit Ausnahme der G�rtner waren die Totenw�chter <emphasis>Da�covale</emphasis> der Kaiserin, mochte sie ewig leben, und doch lebten sie in den luftigen H�hen. �Es muss einen Plan geben, sie zu finden und in die Ecke zu treiben. Habt Ihr den Befehl dar�ber?�</p><p>�Nein, dem Licht sei Dank!�, sagte Loune inbr�nstig. Er nahm einen tiefen Schluck, als w�nschte er sich, es w�re Branntwein. �General Chisen bringt sein ganzes Heer zur�ck durch den Malvidedurchgang. Anscheinend hat der Tarasin-Palast entschieden, dass das hier wichtig genug ist, Vorst��e aus Murandy oder Andor zu riskieren, obwohl, soweit ich geh�rt habe, ist derzeit keiner davon dazu in der Lage. Ich muss blo� hier warten, bis Chisen eintrifft. Dann werden wir wohl ein anderes Ergebnis sehen. Mehr als die H�lfte von Chisens M�nnern werden Veteranen aus der Heimat sein.�</p><p>Pl�tzlich schien Loune wieder einzufallen, mit wem er da sprach. Sein Gesicht verwandelte sich in eine starre Maske aus dunklem Holz. Es spielte keine Rolle. Karede war �berzeugt, dass es das Werk von Merrilin, oder wie auch immer er hie�, war. Und er wusste, warum der Mann das tat, was er tat. Unter anderen Umst�nden h�tte er Loune seine �berlegungen dargestellt, aber die Hochlady w�rde nicht sicher sein, bevor sie wieder im Tarasin-Palast war, unter jenen, die ihr Gesicht kannten. Wenn der Mann ihm keinen Glauben schenkte, worum es hier tats�chlich ging, dass es sich wirklich um die Hochlady handelte, w�rde er nur ihre Gef�hrdung f�r nichts und wieder nichts erh�ht haben.</p><p>�Ich danke Euch f�r den <emphasis>Kaf� ,</emphasis> sagte er, stellte die Tasse ab und nahm Helm und Handschuhe. �Das Licht besch�tze Euch, Loune. Eines Tages sehen wir uns in Seandar.�</p><p>�Das Licht besch�tze Euch, Karede�, sagte Loune nach einem Moment, offensichtlich von dem h�flichen Abschied �berrascht. �Eines Tages sehen wir uns in Seandar.� Der Mann hatte seinen <emphasis>Kaf</emphasis> geteilt, und Karede hatte keinen Streit mit ihm. Warum sollte er �berrascht sein?</p><p>Karede sprach nicht mit Musenge, bis sie das Lager hinter sich gelassen hatten, die Ogier gingen den menschlichen Wachen voraus. Hartha ging an Karedes anderer Seite, die lange Axt auf die Schulter gest�tzt, den Kopf fast auf ihrer H�he.</p><p>�Wir gehen nach Nordosten�, sagte er, �zu dem Malvided urchgang.� Wenn er die Karte richtig im Ged�chtnis hatte, und er verga� selten eine Karte, auf die er einen Blick hatte werfen k�nnen, konnten sie in vier Tagen da sein. �Das Licht erleuchte uns, dass wir vor der Hochlady dort sind.� Und wenn nicht, w�rde die Verfolgung weitergehen, falls n�tig bis nach Tar Valon. Der Gedanke, ohne die Hochlady zur�ckzukehren, kam ihm nicht. Wenn er sie aus Tar Valon herausholen musste, dann w�rde er das tun.</p></section><section><title><p>35</p><p>Dyelins Bedeutung</p></title><p>Sie wollen sicheres Geleit?�, fragte Elayne ungl�ubig. �Um Caemlyn zu betreten?� Drau�en vor den Fenstern zuckten Blitze, gefolgt vom krachenden Donner. Heftiger Regen ging auf die Stadt nieder, ein wahrer Wolkenbruch. Die Sonne musste weit �ber dem Horizont stehen, aber die Lampen waren entz�ndet, um das Zwielicht zur�ckzudr�ngen.</p><p>Der schlanke junge Mann, der vor ihrem Stuhl mit der niedrigen Lehne stand, err�tete vor Verlegenheit, aber er senkte den Blick nicht. Er war kaum �lter als ein Junge, seine glatten Wangen waren vermutlich nur der Form halber rasiert und nicht, weil sie eine Klinge sehr oft brauchten. Hanselle Renshar, Arathelles Enkel, trug weder Schwert noch R�stung, wie es sich geh�rte, aber die Spuren des Harnischs waren deutlich auf seinem gr�nen Mantel zu sehen, eingedr�ckt durch das lange Tragen. Ein gro�er feuchter Fleck auf seiner linken Schulter zeigte, wo sein Umhang undicht gewesen war. Seltsam, die Dinge, die man in einem solchem Augenblick bemerkte. �Man hat mir aufgetragen, danach zu fragen, meine Lady�, sagte er mit standhafter Stimme.</p><p>Dyelin hatte die Arme unter der Brust verschr�nkt und grunzte m�rrisch. Sie stand kurz davor, ihn b�se anzusehen. Frau Harfor, wie immer pr�chtig anzuschauen in ihrem makellosen scharlachroten Wappenrock mit dem Wei�en L�wen auf ihrem beeindruckenden Busen, schnaubte deutlich h�rbar. Hanselle err�tete erneut. Sie waren in Elaynes schlichtem Wohnzimmer, wo ein kleines Feuer im Marmorkamin den gr��ten Teil der Morgenk�hle wegnahm und das Lampen�l die Luft mit Rosenduft erf�llte. Sie w�nschte sich, Birgitte w�re da gewesen. Der oberfl�chlichen Gereiztheit nach zu urteilen, die durch den Bund str�mte, besch�ftigte sie sich mit Berichten. Ihr �rger war nicht gro� genug, dass es etwas Dringendes sein konnte.</p><p>Die Ankunft Luans und der anderen vor der Stadt mit ihren sechzigtausend Waffenm�nnern hatte mehr als nur etwas Aufregung verursacht und spontane Feiern in den Stra�en ausgel�st, als klar wurde, dass sie nicht in die von Jarid Sarand verlassenen Lager ziehen w�rden. Er hatte M�nner aus anderen H�usern mitgenommen, die jetzt auf Elaynes Seite standen, obwohl sie das noch nicht wissen konnten. Allein das Licht wusste, welchen �rger dieser verdammte Mann machen w�rde. Aber Hanselles Botschaft verlieh dem riesigen Lager nur eine Meile s�dlich von Niedercaemlyn eine neue Bedeutung. Wenn Arathelle, Luan und die anderen wussten, dass die Stadt mit Hilfe von Wegetoren aus Tear und Illian versorgt wurde, und bestimmt wusste das mittlerweile ganz Andor, waren sie vielleicht zu der Einsicht gekommen, dass eine Belagerung sinnlos war. Sicheres Geleit war eine Sache von Heeren im Feld. Vielleicht beabsichtigten sie, Caemlyns Aufgabe zu verlangen, um einen gro�en Angriff zu vermeiden. Die Unterst�tzungsproklamationen waren von Kusinen statt von Reitern bef�rdert und angeschlagen worden, und zwar von Aringill bis zu den Minenst�dten in den Verschleierten Bergen, oder w�rden es vielmehr bald sein, aber selbst wenn Sumeko und die anderen Kusinen sich beim Heilen verausgabten, w�rden die Waffenm�nner von Caeren, Anshar und Baryn, die nicht von Jarid mitgenommen worden waren, ihre Streitkr�fte nicht einmal ann�hrend auf sechzigtausend Mann aufstocken. Kleine Gruppen Waffenm�nner str�mten nun in die Stadt, nachdem sich die Nachricht verbreitete, dass es sicher war, sich Caemlyn zu n�hern, aber es waren nicht genug. Es mochte noch eine Woche oder l�nger dauern, bevor Gruppen in vern�nftiger Gr��e erschienen. Jene, die aus Furcht vor Arymillas Heer die Stadt gemieden hatten. Das Ergebnis eines massiven Angriffs stand keinesfalls von vornherein fest � M�nner auf einer Mauer hatten betr�chtliche Vorteile gegen�ber denen, die sie zu erklimmen suchten � aber bestenfalls w�rde es eine knappe Sache sein, und es bestand keine Aussicht auf baldige Hilfe. Dyelin hatte Danine Candraed im Westen noch einen Besuch abgestattet, aber die Frau zauderte noch immer. Elayne hatte neun H�user, wo sie zehn brauchte, alles hing in der Schwebe, und Danine konnte sich verflucht noch mal nicht entscheiden, ob sie f�r oder gegen Trakand war.</p><p>�Warum wollen sie mit mir sprechen?� Es gelang ihr, Birg ittes Gereiztheit aus der Stimme zu halten. Birgittes und ihre eigene.</p><p>Hanselle err�tete erneut. Das schien er schnell zu tun. Sollt en sie doch alle zu Asche verbrennen, sie hatten wahrhaftig einen Jungen geschickt! �Dar�ber hat man mich nicht informiert, meine Lady. Man hat mir einfach aufgetragen, nach sicherem Geleit zu fragen.� Er z�gerte. �Ohne Zusicherung werden sie die Stadt nicht betreten, meine Lady.�</p><p>Sie erhob sich, ging zu ihrem Schreibtisch, nahm ein Blatt gutes, wei�es Papier aus dem Papierkasten aus Rosenholz und tauchte eine Feder in das Kristalltintenf�sschen mit der Silberfassung. Pr�zise Buchstaben fl�ssen ohne ihren �blichen Schwung auf die Seite. Sie war knapp und punktgenau.</p><p>Lord Luan Norwelyn, Lady Arathelle Renshar, Lord Pelivar Coelan, Lady Aemlyn Carand, Lady Ellorien Traemane und Lord Abelle Pendar d�rfen Caemlyn ohne Bef�rchtungen betreten und k�nnen versichert sein, dass sie und ihr Gefolge die Stadt zu jedem gew�nschten Zeitpunkt wieder verlassen k�nnen. Ich werde sie heute Nachmittag zwanglos im Gro�en Saal empfangen, wie es ihrer Stellung entspricht. Wir m�ssen �ber die Grenzl�nder sprechen.</p><p>Elayne Trakand Tochter-Erbin von Andor Hohe Herrin von Haus Trakand Sie versuchte ruhig zu bleiben, aber die Stahlspitze grub sich bei den letzten Buchstaben in das Papier. Sicheres Geleit. Mit der Macht brannte sie eine Siegelkerze an, und ihre Hand zitterte, als sie goldgelben Lack auf die Seite tr�pfelte. Sie deuteten an, dass sie versuchen w�rde, sie gewaltsam festzuhalten. Nein, sie deuteten es mehr als nur an! Im Grunde genommen sagten sie es! Sie dr�ckte ihr Siegel, eine bl�henden Lilie, in den Lack, als wollte sie versuchen, ihn durch die Tischplatte zu treiben.</p><p>�Hier�, sagte sie und gab dem jungen Mann das Blatt.</p><p>Ihre Stimme war eiskalt, und sie unternahm keine Bem�hungen, sie freundlicher zu machen. �Wenn sie sich damit auch nicht sicherer f�hlen, dann k�nnen sie ja versuchen, sich in Windeln zu h�llen.� Es donnerte zur Betonung.</p><p>Er err�tete wieder, diesmal offensichtlich aus Wut, aber klugerweise beschr�nkte er sich darauf, sich zu bedanken, w�hrend er das Blatt zusammenfaltete. Er schob es sorgf�ltig in seinen Mantel, als Frau Harfor ihn hinausbegleitete. Sie w�rde ihn pers�nlich zu seinem Pferd bringen. Einem Boten von Adligen so m�chtig wie Luan und den anderen musste man eine gewisse Ehre erweisen.</p><p>Pl�tzlich verwandelte sich Elaynes Wut in Niedergeschlag enheit. Sie h�tte nicht einmal sagen k�nnen, weswegen sie traurig war. Ihre Stimmungen schienen sich oft grundlos zu ver�ndern. Vielleicht wegen allen, die gestorben waren, und all jenen, die es noch w�rden. �Seid Ihr <emphasis>sicher,</emphasis> dass Ihr nicht die K�nigin sein wollt, Dyelin? Luan und der ganze Haufen w�rden augenblicklich f�r Euch stimmen, und wenn ich f�r Euch stimme, werden sich jene, die f�r mich waren, mir anschlie�en. Verflucht noch mal, vermutlich w�rde sogar Danine f�r Euch stimmen.�</p><p>Dyelin setzte sich und richtete sorgf�ltig die blauen R�cke, bevor sie antwortete. �Ich bin mir v�llig sicher. Mein eigenes Haus zu f�hren ist mir genug Arbeit, ohne noch ganz Andor hinzuzuf�gen. Davon abgesehen halte ich nichts davon, wenn der Thron ohne guten Grund die H�user wechselt � wegen einer fehlenden Tochter-Erbin oder noch schlimmer, einer, die eine N�rrin oder inkompetent, grausam oder gierig ist. Ihr seid nichts dergleichen. Kontinuit�t sorgt f�r Stabilit�t, und Stabilit�t bringt Wachstum.� Sie nickte; diese Formulierung gefiel ihr. �Sicher, w�rt Ihr gestorben, bevor Ihr nach Caemlyn zur�ckgekehrt w�rt und Euren Anspruch geltend gemacht h�ttet, h�tte ich meinen eigenen angemeldet, aber es ist schlicht und ergreifend so, dass Ihr die bessere Herrscherin als ich sein werdet. Besser f�r Andor. Zum Teil liegt das an Eurer Verbindung mit dem Wiedergeborenen Drachen.� Dyelins erhobene Braue lud Elayne ein, diese Verbindung n�her zu erl�utern. �Aber gr��tenteils�, fuhr sie fort, als Elayne schwieg, �seid Ihr es selbst. Ich habe Euch aufwachsen gesehen, und als Ihr f�nfzehn wart, da wusste ich, dass Ihr eine gute K�nigin sein werdet, vielleicht die beste, die Andor je hatte.�</p><p>Elaynes Wangen brannten, Tr�nen traten in ihre Augen.</p><p>Sollten ihre Stimmungsschwankungen doch zu Asche verbrennen! Aber sie wusste, dass sie diesmal nicht ihre Schwangerschaft daf�r verantwortlich machen konnte. Ein Lob von Dyelin war wie ein Lob von ihrer Mutter; niemals widerstrebend gegeben, aber auch niemals, wenn sie nicht der Ansicht war, dass es verdient war.</p><p>Ihr Morgen war hektisch, dabei musste sie sich nur um Caemlyn und den Palast k�mmern, statt um ganz Andor. Frau Harfor berichtete, dass alle Spione im Palast, die best�tigterweise f�r Arymilla und ihre Verb�ndeten gearbeitet hatten, ganz still und stumm geworden waren, so wie M�use, die f�rchteten, von der Katze beobachtet zu werden.</p><p>�Wenigstens ist es jetzt sicher, sie fortzuschicken, meine Lady�, sagte Reene sehr zufrieden. Sie verabscheute Spione im K�niglichen Palast mindestens genauso sehr wie Elayne, vielleicht sogar mehr. Die Tochter-Erbin oder die K�nigin mochten ja im Palast leben, aber in den Augen der Haushofmeisterin geh�rte er ihr. �Sie alle.� Spione von anderen waren im Palast geblieben, damit niemand Verdacht hegte, Reene k�nnte Bescheid wissen.</p><p>�Behaltet sie und beobachtet sie weiter�, sagte Elayne. �Sie sind es, die am ehesten von anderen Geld nehmen, und wir kennen sie.� Einen bekannten Spion konnte man daran hindern, etwas zu erfahren, das er nicht erfahren sollte, und konnte daf�r sorgen, dass er genau das mitbekam, was er sollte. Das Thema wechselte zu den Augen-und-Ohren der Ajahs, die Frau Harfor ebenfalls entdeckt hatte. Die Ajahs hatten kein Recht, sie auszuspionieren, und wenn sie sie gelegentlich mit falschen Informationen f�tterte, w�rde es ihre eigene Dummheit sein, wenn sie danach handelten. Das konnte man nicht zu oft machen, oder die Gegenseite w�rde merken, dass man ihre Spione entdeckt hatte, aber bei Bedarf konnte man es machen.</p><p>�Wie Ihr w�nscht, meine Lady. Die Welt hat sich ver� ndert, oder?�</p><p>�Ich f�rchte, das hat sie, Frau Harfor.�</p><p>Die rundliche Frau nickte traurig, dann kehrte sie schnell zum gesch�ftlichen Teil zur�ck. �Eines der Fenster im Gro�en Saal ist undicht, meine Lady. Wegen einer solchen Kleinigkeit h�tte ich Euch nicht gest�rt, aber es ist ein Sprung im Glas, was bedeutet, dass wir einen�� Die Liste der Probleme, die Elaynes Zustimmung bed�rften, der Papiere, die ihre Unterschrift brauchten, nahm ihren Lauf.</p><p>Meister Norry berichtete in seinem staubtrockenen Tonf all �ber Wagenladungen von Korn und Bohnen und Handelswaren und verk�ndete mit einiger �berraschung, dass die Zahl der Brandstiftungen konstant geblieben war. In dieser Nacht hatten siebzehn Geb�ude gebrannt. Er war �berzeugt gewesen, dass Arymillas Gefangennahme dem ein Ende machen w�rde, und es tat ihm leid, dass er sich da geirrt hatte. Er legte ihr Todesurteile mit den Namen Rhys a�Balaman und Aldred Gomaisen zur Unterschrift vor. S�ldner, die die Seiten gewechselt hatten, konnten nichts anderes erwarten, solange ihre neuen Herren nicht siegreich waren. Evard Cordwyn war vor dem Tor gestorben, oder er w�re auch aufs Schafott gestiegen. Hafeen Bakuvun hatte ein Bittschreiben geschickt, in dem er um eine Belohnung f�r seine Handlung en am Far-Madding-Tor gebeten hatte, aber es fiel nicht schwer, das abzulehnen. Die Anwesenheit des Domani-S�ldners und seiner M�nner am Tor war m�glicherweise entscheidend gewesen, bis Dyelin eintraf, aber sie hatten sich ihren Sold verdient und nichts anderes.</p><p>�Ich f�rchte, die Gefangenen sind noch immer verschloss en�, sagte Norry und schob die abgelehnte Bittschrift zur�ck in seine Ledermappe. Er schien das Gef�hl zu haben, dass, wenn er das nur schnell genug tat, es das Gleiche war, als h�tte er sie nie hervorgezogen. �Ich meine die Aes-Sedai-Schattenfreunde. Und die anderen beiden. Sehr verschlossen, wenn man mal von den� �h� Schm�hungen absieht. Mellar ist der Schlimmste von allen, schreit herum, was er mit den Frauen vorhat, die ihn gefangen genommen haben.� Deni hatte ihren Befehl w�rtlich genommen; die Gardistinnen hatten Mellar �bel verpr�gelt, ihn von Kopf bis Fu� in eine Masse aus Prellungen verwandelt. �Aber die Aes Sedai k�nnen auch sehr� �h� ausfallend sein. Wenn wir etwas N�tzliches erfahren wollen, dann f�rchte ich, m�ssen wir sie der Befragung unterziehen.�</p><p>�Bezeichnet sie nicht als Aes Sedai�, fauchte sie. �Aes Sedai� in Verbindung mit �Schattenfreund� zu h�ren, das drehte ihr den Magen um. �Diese Frauen haben jedes Recht verwirkt, Aes Sedai genannt zu werden.� Sie hatte ihnen die Gro�en Schlangenringe pers�nlich abgenommen und sie einschmelzen lassen. Das war Egwenes Vorrecht gewesen und nicht ihres, und m�glicherweise w�rde man sie daf�r r�gen, aber sie hatte sich nicht beherrschen k�nnen. �Bittet die Lady Sylvase, uns ihren Sekret�r auszuleihen.� Sie hatte keine eigenen Folterknechte, und Aviendha zufolge w�rde ein unerfahrener Fragesteller denjenigen, der der Befragung ergebnislos unterzogen wurde, vermutlich umbringen. <emphasis>Wann</emphasis> w�rde man ihrer Schwester einen Besuch erlauben? Beim Licht, sie vermisste Aviendha. �Ich vermute, er ist etwas anderes.� Ein Blitz erhellte die Fenster des Wohnzimmers, der folgende Donner lie� die Scheiben klirren.</p><p>Norry dr�ckte die Fingerspitzen zusammen, hielt die Ledermappe gegen den tintenfleckigen Wappenrock gedr�ckt und runzelte ernst die Stirn. �Nur wenige Leute besch�ftigen einen privaten Fragesteller, meine Lady. Es deutet auf� �h� eine dunkle Seite hin. Andererseits, soweit ich wei�, hat ihr Gro�vater jeden Mann fortgejagt, der ein Interesse an ihr zeigte, bis die M�nner aufgeh�rt haben, Interesse an ihr zu zeigen, und sie ist seit ihrer Vollj�hrigkeit buchst�blich eine Gefangene gewesen. Das w�rde wohl jeden die Welt als einen finsteren Ort betrachten lassen. M�glicherweise ist sie nicht� �h� so vertrauensw�rdig, wie Ihr w�nschen m�gt, meine Lady.�</p><p>�Glaubt Ihr, Ihr k�nnt einige ihrer Diener bestechen, f�r mich als Augen-und-Ohren zu arbeiten?� Wie leicht es doch fiel, diese Frage zu stellen. Spione waren genauso ein Teil ihrer Welt geworden wie Steinmetze oder Glaser.</p><p>�Das k�nnte machbar sein, meine Lady. In ein paar Tagen kann ich es mit Sicherheit sagen.� Einst w�re er entsetzt gewesen bei dem Gedanken, etwas mit Spionen zu tun zu haben. Anscheinend �nderte sich irgendwann alles. Seine H�nde fuhren �ber die Ledermappe, h�tten sie beinahe ge�ffnet, um es dann doch nicht zu tun. �Ich f�rchte, die Abwasserkan�le im s�dlichen Teil der Neustadt brauchen dringend unsere Aufmerksamkeit.�</p><p>Elayne seufzte. Nicht alles ver�nderte sich. Sollte man sie doch zu Asche verbrennen sobald sie ganz Andor regierte, w�rde sie vermutlich nur selten auch nur eine Stunde f�r sich allein haben. Was wollten Luan und die anderen blo�?</p><p>Der Vormittag war gerade zur H�lfte vorbei, da erschien Melfane Dawlish und lie� Elayne von Essande und Naris nackt ausziehen, damit sie auf einer gewaltigen Waage gewogen werden konnte, die die Hebamme mitgebracht hatte, ein t�gliches Ritual. Die Messingwaagschale war dank des Lichts mit einer Decke ausgelegt! Die st�mmige kleine Frau h�rte mit einem hohlen Holzrohr ihr Herz ab, auf der Brust und auf dem R�cken, dr�ckte ihre Lider hoch, um ihre Augen untersuchen zu k�nnen, und roch an ihrem Atem. Sie lie� Elayne Wasser lassen, dann hielt sie das Glas ins Licht einer Stehlampe, um es zu untersuchen. Sie roch sogar daran, tauchte einen Finger hinein und leckte daran! Ein weiteres t�gliches Ritual. Elayne wandte den Blick ab und zog den blumenbestickten Seidenmorgenrock enger um sich, aber sie fr�stelte dennoch. Diesmal bemerkte Melfane es.</p><p>�Ver�nderungen im Geschmack k�nnen mir Krankheiten verraten, meine Lady. Au�erdem gibt es Schlimmeres. Mein Junge Jaem, der mir die Waage getragen hat, hat sich sein erstes Geld mit dem Ausmisten eines Stalls verdient. Er behauptete, alles, was er danach a�, schmeckte wie�� Ihr runder Bauch sch�ttelte sich vor Lachen. �Nun, Ihr k�nnt es Euch vorstellen, meine Lady� Elayne konnte es in der Tat, und sie war froh, dass sie nicht zur �belkeit neigte. Trotzdem schauderte sie erneut. Essande erschien ziemlich beherrscht, sie hatte die H�nde auf Taillenh�he gefaltet und betrachtete ihre Nichte voller Zustimmung, aber Naris schien sich �bergeben zu wollen. �Eine Schande, dass er mein Handwerk nicht erlernen kann, aber niemand w�rde von einem Mann Kr�uter kaufen. Oder einen Mann als Hebamme besch�ftigen.� Melfane lachte laut �ber diese absurde Vorstellung. �Will bei einem Waffenschmied in die Lehre gehen, ausgerechnet. Zu alt daf�r, aber was soll man machen. Nun, Ihr denkt daran, Eurem Baby vorzulesen.� Sie zweifelte Elaynes Behauptung, einen Jungen und ein M�dchen zu bekommen, mehr als nur etwas an. Sie w�rde es auch nicht glauben, bevor sie die Herzt�ne h�ren konnte, und das w�rde noch ein paar Wochen dauern. �Und lasst Musikanten f�r es spielen. Es wird den Klang Eurer Stimme kennenlernen. Und Lesen und Musik m�gen. Es hilft auch in anderer Hinsicht. Macht das Kind kl�ger.�</p><p>�Das sagt Ihr jedes Mal, Frau Dawlish�, sagte Elayne gereizt.</p><p>�Ich kann mir so etwas merken, wisst Ihr? Und ich tue es!�</p><p>Melfane lachte erneut, ein Zwinkern in den dunklen Augen. Sie nahm Elaynes Stimmungsschwankungen wie Regen und Donner. �Ihr w�rt �berrascht, wie viele nicht glauben, dass ein Baby im Mutterleib h�ren kann, aber ich sehe den Unterschied bei jenen, denen man vorgelesen hat, und bei allen anderen. Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich noch ein paar Worte mit meiner Tante wechsle, bevor ich gehe, meine Lady? Ich habe ihr einen Kuchen und eine Salbe f�r ihre Gelenke mitgebracht.� Essandes Gesicht r�tete sich. Nun, jetzt, da ihre L�ge enth�llt worden war, w�rde sie eine Heilung akzeptieren, oder Elayne w�rde den Grund f�r ihre Weigerung erfahren.</p><p>Gegen Ende des Mittagessens brachte Elayne das Thema Luan und die anderen Birgitte gegen�ber zur Sprache. Es war eine wunderbare Mahlzeit, und sie a� mit Hei�hunger. Melfane hatte die K�che und jede andere Frau in Reichweite f�r die eint�nige Kost gescholten, die man ihr verabreicht hatte. Heute gab es kleine Teichforellen, zur Perfektion gegrillt, mit wei�em Schafsk�se gef�llte Salatbl�tter, dicke Bohnen mit Pinienn�ssen und eine Apfeltorte. Es war auch deshalb wunderbar, weil nichts auch nur im Geringsten verdorben war. Zu trinken gab es guten schwarzen Tee mit Minze, die sie sich einen Augenblick lang versteifen lie�, bis sie begriff, dass es tats�chlich Minze war. Das Einzige, was Melfane verboten hatte, war Wein, ganz egal, wie sehr er mit Wasser verd�nnt wurde. Sogar Birgitte hatte aufgeh�rt, ihn zu trinken, obwohl es unm�glich erschien, dass er durch den Bund einen Einfluss haben konnte. Elayne sparte sich allerdings, darauf hinzuweisen. Birgitte hatte zu viel getrunken, um den Schmerz �ber den Verlust ihres Gaidals zu bet�uben. Elayne verstand das, selbst wenn sie es nicht guthie�. Sie konnte sich nicht vorstellen, was sie tun w�rde, sollte Rand sterben.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Birgitte, nachdem sie das letzte St�ck Kuchen heruntergeschlungen hatte. �Am wahrscheinlichsten ist doch, dass sie gekommen sind, um dich gegen die Grenzl�nder um Hilfe zu bitten. Nur eines steht verdammt noch mal mit Sicherheit fest, sie sind nicht gekommen, um dir ihre Stimme zu geben.�</p><p>�Ja, das d�rfte wohl am wahrscheinlichsten sein, das glaube ich auch.� Elayne pickte mit einem angeleckten Finger K�sekr�mel auf und schob sie sich in den Mund. Sie h�tte noch einmal so viel essen k�nnen, aber Melfane hatte ihre Absicht verk�ndet, ihre Gewichtszunahme zu begrenzen. Gerade genug und nicht zu viel. Eine Kuh, die f�r den Markt gem�stet wurde, f�hlte sich vermutlich genauso. �Es sei denn, sie sind gekommen, um zu verlangen, dass ich Caemlyn aufgebe.�</p><p>�Oder das�, sagte Birgitte und klang beinahe fr�hlich. Der Bund verriet, dass das genaue Gegenteil zutraf. �Aber wir haben noch immer Beobachtungsposten in den T�rmen, und Julanya und Keraille arbeiten als Waschfrauen in ihrem Lager, also wissen wir, wenn sie sich auf die Stadt zubewegen, bevor der erste Mann aufbricht.�</p><p>Elayne w�nschte sich, nicht so seufzen zu m�ssen. Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, sie hatte Arymilla, Naean und Elenia unter Hausarrest, und es gefiel ihnen definitiv nicht, sich ein Bett teilen zu m�ssen � diese Vorstellung h�tte sie nicht erfreuen d�rfen, aber sie tat es trotzdem �, und sie hatte drei weitere Verb�ndete dazubekommen, auch wenn es nicht die verl�sslichsten waren. Wenigstens waren sie jetzt untrennbar mit ihr verbunden. Sie h�tte triumphieren m�ssen.</p><p>Am Nachmittag kleideten Essande und Sephanie sie in dunkles, an den R�cken smaragdgr�n geschlitztes und auf der Brust, den �rmeln und am Saum silbern besticktes Gr�n. Als Schmuck trug sie ihren Gro�en Schlangenring und eine pr�chtige Silbernadel, die den Umriss von Trakands Schlussstein zeigte und mit blauer Emaille �berzogen war. Die Nadel machte sie tr�bsinnig. In ihrem Haus sagte man, dass Trakand der Schlussstein war, der Andor zusammenhielt. Bis jetzt hatte sie da keine gute Arbeit geleistet.</p><p>Sie und Birgitte wechselten sich darin ab, den Babys vorz ulesen. Nat�rlich aus Geschichtsb�chern; wenn Melfane Recht hatte, wollte sie sie keinen frivolen Erz�hlungen aussetz en. Es war z�her Lesestoff. Ein dicker Mann in Rot und Wei� spielte auf der Fl�te, w�hrend eine Frau in Livree die zw�lfsaitige Harfe spielte, und sie machten fr�hliche Musik. Zumindest, wenn das Gewitterdonnern sie nicht �bert�nte. Barden wuchsen nicht auf B�umen, und Birgitte hatte nur ungern jemanden von au�erhalb des Palasts in Elaynes unmittelbare N�he lassen wollen, aber Frau Harfor hatte einige erfahrene Musikanten gefunden, die sich um die Chance rissen, das Livree anzulegen. Die Bezahlung im Palast war betr�chtlich besser als in einem Gemeinschaftsraum, und sie bekamen die Kleidung gestellt. Elayne dachte daran, einen Gaukler einzustellen, aber das lie� sie an Thom denken. Sa� er im Trockenen? War er �berhaupt noch am Leben? Da konnte sie nur beten. Mochte das Licht daf�r sorgen. Bitte.</p><p>Frau Harfor trat ein und verk�ndete die Ankunft von Luan, Arathelle und den anderen, und Elayne setzte das Diadem der Tochter-Erbin auf, ein einfacher Goldreif, der �ber ihrer Stirn eine einzelne goldene, von Dornen umgebene Rose hielt. Caseille ging mit acht Gardistinnen hinter ihr, Birgitte und Essande her, nachdem sie die Gem�cher verlassen hatten, und ihre Stiefel donnerten laut im Gleichschritt auf den Fliesen. Neun Gardistinnen waren gestorben, als man sie vor den Schattenfreunden gerettet hatte, und das schien die anderen nur noch mehr zusammengeschmolzen zu haben. Sie verliefen sich zweimal auf dem Weg zum Gro�en Saal, aber keiner kommentierte es auch nur mit einem Murmeln. Was waren schon sich ver�ndernde Korridore, wenn man mit der Macht erzeugten Blitzen und Feuer gegen�bergestanden hatte? Die hohen Fl�gelt�ren des Gro�en Saals, auf beiden Seiten mit geschnitzten L�wen verziert, standen weit ge�ffnet, und Caseille lie� die Gardistinnen davor Aufstellung nehmen, w�hrend sie, Birgitte und Essande eintraten.</p><p>Die hohen Fenster in den W�nden waren dunkel vor Regen, solange kein Blitz aufleuchtete, aber die Spiegelkandelaber an den W�nden und um die wei�en S�ulen, die sich in Reihen an den Seiten des Gemachs entlangzogen, waren alle entz�ndet.</p><p>In dem gro�en Raum hallte ein regelm��iges Tropfen wider, Wassertropfen, die in einen einfachen Holzeimer unter einem der bunten Deckenfenster zwanzig Schritte �ber ihnen fielen, wo an einem Sprung in einem der aufrecht stehenden Wei�en L�wen sich Wasser sammelte, ganz in der N�he von Schlachtenbildern und den Gesichtern von Andors fr�hesten K�niginnen. Wie immer in diesem Saal sp�rte Elayne das Urteil dieser Frauen, als sie �ber die roten und wei�en Fliesen schritt. Sie hatten Andor mit ihrem scharfen Verstand und dem Blut ihrer S�hne und Ehem�nner aufgebaut, hatten mit einer Stadt angefangen und aus den Tr�mmern von Falkenfl�gels Imperium eine starke Nation geformt. Sie hatten das Recht, jede Frau zu beurteilen, die auf dem L�wenthron sa�. Elayne vermutete, dass ihre Gesichter so platziert worden waren, damit jede K�nigin f�hlte, wie ihre Handlungen von der Geschichte beurteilt wurden.</p><p>Der Thron selbst stand auf einer wei�en Marmorplattform am anderen Ende des Raums, geschnitzt und vergoldet und in den Ma�en f�r eine Frau gehalten, und doch war er mit seinen L�wenprankenbeinen massiv. Der Wei�e L�we, in einem Feld funkelnder Rubine aus Mondsteinen in der hohen Lehne gebildet, w�rde selbst den Kopf der gr��ten Frau �berragen, die auf dem Thron sa�. Dyelin stand bereits am Fu� der Stufen des Podests und sah zu, wie Sylvase sich mit Conail und Catalyn unterhielt, w�hrend Branlet und Perival aufmerksam zuh�rten. Perival fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und nickte. Ob wohl auch Dyelin Bedenken hatte, was Sylvase betraf? Lir und Karind standen ein St�ck abseits vom Rest, und auch voneinander entfernt. Sie vermieden es, sich anzusehen. Sie waren Verb�ndete gegen Elayne gewesen, und sie w�rden nicht wollen, dass sie auf den Gedanken kam, dass sie es noch immer waren. Essande begab sich zu den Dienern und Dienerinnen in den Livreen der anderen acht H�user, die sich um einen Tisch mit gro�en Silberkannen voller Wein und Tee versammelt hatten. Das bedeutete zwanglos in diesem Zusammenhang. Jeder von ihnen w�rde einen Diener mitbring en. Bei einem formellen Treffen h�tte Elayne f�r die Bediensteten sorgen m�ssen, und im Gro�en Saal h�tte sich jeder Adlige in Caemlyn gedr�ngt, und jeder Adlige aus dem Lager unterhalb von Caemlyn.</p><p>�Ellorien k�nnte provozieren, Elayne�, sagte Dyelin jetzt zum bestimmt f�nften Mal, seit sie von der Bitte um sicheres Geleit geh�rt hatte. Ihr Gesicht war k�hl und beherrscht, aber sie musste nerv�s sein. Sie gl�ttete unn�tigerweise ihre goldverzierten R�cke.</p><p>�Ich werde nicht zulassen, dass sie mich provoziert�, erwiderte Elayne. �Und auch sonst keiner. Ich meine Euch, Conail, und Euch, Lir.� Conail err�tete so schnell wie Hanselle. Er war mit einem S�ldner aneinandergeraten, von dem er geglaubt hatte, er h�tte abf�llig von Elayne gesprochen, und hatte den Mann um ein Haar get�tet. Er hatte Gl�ck gehabt, dass der andere zuerst seine Klinge gezogen hatte. Selbst S�ldner verdienten Gerechtigkeit, und Andor war nicht Tear, wo Adlige Untertanen ohne Furcht vor Konsequenzen t�ten konnten. Nun, jedenfalls bevor Rand so viele ihrer Gesetze ver�ndert hatte. Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, warum Reiste er so viel durch die Gegend?</p><p>�Ich habe f�r Euch gestimmt, Elayne, und das bedeutet, dass ich mich immer vor Euch stellen werde�, sagte Lir glatt. Er sah jeden Fingerbreit wie ein selbstbewusster H�fling aus in der silberbestickten gr�nen Seide mit Haus Baryns silbernem Gefl�gelten Hammer am Kragen, aber er war etwas zu glatt. �Trotzdem werde ich mich beherrschen, ganz egal, was Ellorien sagt.� Im Bund flackerte kurz Verachtung auf. Weil Lir hatte demonstrieren wollen, wie loyal er zu Elayne stand, hatte er dreimal mit S�ldnern gek�mpft. In zwei Tagen. Der Mann hatte nach K�mpfen Ausschau halten m�ssen, um das zu schaffen.</p><p>�Wenn sie uns herausfordern will, warum sollten wir uns dann auf die Zunge bei�en?�, wollte Catalyn wissen. Ihr rotes Kleid, das an Saum und auf den �rmeln mit breiten Goldstreifen bestickt war, passte nicht gut zu ihrem Teint, vor allem dann nicht, wenn ihre Wangen vor Wut ger�tet waren. Ihr Kinn war erhoben. Vielleicht trug sie die lange Emailleanstecknadel mit Haevins Blauem B�r da, wo sie ihn trug, damit sie gezwungen war, das Kinn in die H�he zu halten und auf jeden herabzublicken. �Ich habe noch nie jemandem erlaubt, mich zu schubsen und ungeschoren zu gehen.�</p><p>�Ein Ochse reagiert auf den Stich und tut, was der Ochsenhirte will�, sagte Dyelin trocken. �Und genauso werdet ihr tun, was Ellorien will, wenn ihr auf sie hereinfallt.� Catalyns Wangen belieben ger�tet, jetzt zweifellos vor Scham.</p><p>Reene Harfor erschien in der T�r. �Meine Ladys�, sagte sie laut, und ihre Stimme hallte durch den fast leeren Raum, �meine Lords.�</p><p>Das war zwanglos, wenn sich zwei Seiten trafen und keiner wusste, wie weit sie voneinander entfernt waren. Frau Harfor k�ndete die eingetroffenen Adligen streng nach der Reihenfolge ihres Ranges an, obwohl zwischen den versammelten H�usern kein gro�er Unterschied bestand. Luan Norwelyn, mit hartem Gesicht und mehr grauen Haaren, als Elayne in Erinnerung hatte; abgesehen von Norwelyns Silbernem Lachs war sein blauer Mantel schmucklos. Arathelle Renshar hatte ein faltiges Gesicht, und ihr braunes Haar wurde von grauen Str�hnen durchzogen; sie trug ein rotes Reitgewand, das aufw�ndig mit goldenem Stickwerk verziert war sowie mit einer gro�en, rubinenbesetzten Anstecknadel, die die Drei Goldenen Hunde zeigte. Pelivar Coelan, hochgewachsen und schlank, sein dunkles Haar war geschwunden, bis er fast so aussah, als w�rde er sich den Kopf vorn rasieren wie ein Cairhiener; er trug silberbesticktes Blau mit verschlungenen roten Rosen auf dem Kragen, den Rosen von Coelan. Aemlyn Carand, mollig in grauer Seide mit den drei Goldenen Pfeilen auf den �rmeln und so vielen auf der Brust, dass sie wie ein bebender K�cher aussah. Ellorien Traemane, nicht so dick, wie Elayne sie in Erinnerung hatte, aber noch immer h�bsch in gr�n geschlitztem Blau, das auf den �rmeln mit wei�en Hirschen mit goldenen Geweihen verziert war, dem Wei�en Hirsch von Traemane. Abelle Pendar, dessen ebenm��iges Gesicht einen ernsten Ausdruck trug, in Dunkelgrau gekleidet mit den drei Goldenen Sternen auf dem Kragen. Sie gingen zusammen durch den Gro�en Saal, gefolgt von ihren Dienern, aber sie bildeten keine geeinte Gruppe. Ellorien und Abelle gingen mit Luan, Pelivar und Aemlyn mit Arathelle, zwei Schritte trennten die Gruppen. Aha. Sie hatten als Gruppe um sicheres Geleit gebeten, aber sie waren keine. Das machte die Forderung nach Kapitulation etwas weniger wahrscheinlich. Selbst bekannte Feinde konnten manchmal gemeinsam handeln. Reitr�cke und Reithosen glitzerten feucht. Bei einem solchen Regen konnte nicht einmal der beste Umhang einen Reiter v�llig trocken halten. Sie w�rden nicht bester Laune sein.</p><p>�Seid willkommen�, sagte sie zu ihnen, als sich ihre Dien er zu den anderen gesellten. �Nehmt ihr Wein oder Tee? Der Wein ist hei� und gew�rzt. F�r den Fr�hling scheint das ein winterlicher Tag zu sein.�</p><p>Luan �ffnete den Mund, aber Ellorien ergriff als Erste das Wort. �Wenigstens sitzt Ihr nicht auf dem Thron.� Ihr Gesicht h�tte aus Marmor gemei�elt sein k�nnen, und ihre Stimme war hart und kalt. �Ich hatte eigentlich damit gerechnet.� Am Himmel grollte der Donner.</p><p>Luan sah peinlich ber�hrt aus. Arathelle verdrehte die Augen, als w�rde sie etwas h�ren, das sie schon zu oft geh�rt hatte. Lir r�hrte sich, aber Elayne fixierte ihn mit einem harten Blick, und er machte eine kleine, entschuldigende Verbeugung.</p><p>�Ich habe kein Recht, auf diesem Thron zu sitzen, Ellorien�, erwiderte sie ruhig. Beim Licht, hoffentlich spielten ihre Stimmungen jetzt nicht wieder verr�ckt. �Noch nicht.� Das hatte einen ungewollten Biss. Vielleicht war sie doch nicht so ruhig, wie sie es w�nschte.</p><p>Ellorien l�chelte h�misch. �Wenn Ihr darauf wartet, dass Danine Eure Zehn voll macht, dann k�nnt Ihr lange warten. Danine hat die letzte Thronfolge damit verbracht, ihre Herrenh�user zu besuchen. Sie hat sich nie f�r jemanden erkl�rt.�</p><p>Elayne l�chelte, aber es fiel schwer. Eine Thronfolge war, wenn ein Haus ein anderes auf dem Thron abl�ste. �Ich nehme Tee.�</p><p>Ellorien blinzelte, aber es veranlasste die anderen, ihre W�nsche anzumelden. Nur Elayne, Birgitte, Branlet und Perival nahmen Tee. Jeder roch an seinem Gef��, ob es silberne Weinbecher oder Porzellantassen waren, bevor er einen Schluck nahm. Elayne f�hlte sich nicht beleidigt. Essen und Wein konnte in der K�che v�llig in Ordnung sein und verdorben, wenn es auf den Tisch kam. Man konnte nicht vorhersehen, wann und ob etwas verdarb. Der Tee wies einen feinen Nachgeschmack von Ingwer auf, aber das reichte nicht aus, um den Geschmack eines guten, tremalkingschen Schwarzen zu �bert�nen.</p><p>�Wie ich sehe, habt Ihr Euch Eure Unterst�tzung gr��t enteils unter den Kindern und Arymillas Hinterlassenschaft geholt�, sagte Ellorien. Catalyn wurde so rot wie ihr Kleid, und Branlet nahm w�tend die Schultern zur�ck, bis Perival ihm eine Hand auf den Arm legte und den Kopf sch�ttelte. Ein vern�nftiger Junge, dieser Perival, und kl�ger, als sein Alter vermuten lie�. Lir schaffte es diesmal, sich zu beherrschen, aber Conail setzte zu einer scharfen Erwiderung an, bevor Elaynes strenger Blick ihn den Mund zuschnappen lie�. Karind erwiderte Elloriens geh�ssigen Blick stoisch. Karind war nicht besonders intelligent, aber sie brachte nur wenig aus der Ruhe.</p><p>�Ihr m�sst einen Grund gehabt haben, um dieses Treffen zu bitten�, sagte Elayne. �Wenn es blo� darum ging, Beleidigungen auszutauschen�� Sie beendete den Satz nicht. Sie hatte ihre eigenen Gr�nde, dieses Treffen zu w�nschen. H�tten sie sie gebeten, zu ihnen zu kommen, h�tte sie es getan. <emphasis>Ohne</emphasis> um sicheres Geleit zu bitten. Sie f�hlte Wut im Bund pulsieren und brachte die ihre fest unter Kontrolle. Birgitte sah Ellorien finster an. Wenn sie anfingen, sich gegenseitig aufzustacheln� Daran durfte sie gar nicht denken, nicht hier, nicht jetzt.</p><p>Ellorien �ffnete erneut den Mund, und diesmal kam Luan ihr zuvor. �Wir sind gekommen, um einen Waffenstillstand zu erbitten, Elayne.� Ein Blitz zuckte auf und erhellte die n�rdlichen Fenster und die in der Decke, aber die Dauer bis zum Donner verriet, dass er ein ganzes St�ck entfernt eingeschlagen war.</p><p>�Ein Waffenstillstand? Befinden wir uns im Krieg, Luan?</p><p>Hat jemand Anspruch auf den Thron erhoben, von dem ich nichts wei�?� Sechs Augenpaare richteten sich auf Dyelin, die blo� grunzten �Narren. Ich habe es euch immer wieder gesagt, und ihr wolltet mir nicht glauben. Als Sylvase, Karind und Lir die Proklamationen ihrer Unterst�tzung schickten, habe ich meine eigene losgeschickt. Taravin steht f�r Trakand, und das wird bald ganz Andor wissen.�</p><p>Ellorien err�tete w�tend und schaffte es, selbst das kalt aussehen zu lassen. Aemlyn nahm einen gro�en Schluck und sah nachdenklich aus. Arathelle zeigte einen Funken Entt�uschung, bevor ihre Miene wieder eine fast so harte Maske wie bei Ellorien wurde.</p><p>�Das ist ja sch�n und gut�, sagte Luan, �wir wollen trotzd em .. . wenn nicht einen Waffenstillstand, dann eine zeitweilige �bereinkunft.� Er trank einen kleinen Schluck Wein und sch�ttelte traurig den Kopf. �Selbst wenn wir alles sammeln, was wir haben, d�rfte es uns schwerfallen, die Grenzl�nder zu besiegen, aber wenn wir nicht gemeinsam handeln, dann werden sie Andor unter sich aufteilen, sobald sie losschlagen. Ehrlich gesagt �berrascht es mich, dass sie so lange an einem Ort geblieben sind. Selbst nach einem Tausend-Meilen-Marsch m�ssten ihre M�nner nun ausgeruht sein.� Blitze erhellten die S�dfenster, und der Donner krachte so laut, dass es den Anschein hatte, die Scheiben w�rden erzittern. Der war sehr nahe gewesen.</p><p>�Ich h�tte selbst erwartet, dass sie mittlerweile in Murandy sind�, sagte Elayne. �Aber ich glaube, sie sitzen noch an dem einen Ort, weil sie Angst haben, einen Krieg auszul�sen, sollt en sie Caemlyn zu nahe kommen. Sie scheinen zu versuchen, einen Weg nach Murandy �ber Landstra�en zu finden. Ihr wisst, in welchem Zustand die zu dieser Jahreszeit sind. Sie wollen keinen Krieg mit uns. Als ich ihnen die Erlaubnis gab, Andor zu durchqueren, haben sie mir gesagt, dass sie auf der Suche nach dem Wiedergeborenen Drachen sind.�</p><p>Ellorien stotterte; Eisst�cke h�tten aus ihrem Mund komm en m�ssen. �Als Ihr <emphasis>wast</emphasis> Ihr gebt damit an, dass Ihr kein Recht habt, auf dem Thron zu sitzen, jedenfalls noch nicht, und dann ma�t Ihr Euch das Recht an�!�</p><p>�Das einer Aes Sedai, Ellorien.� Elayne hielt die rechte Hand hoch, damit sie den Gro�en Schlangenring an ihrem dritten Finger nicht �bersehen konnten. Ihre Stimme klang trotz ihrer ganzen Bem�hungen frostig. �Ich habe nicht als Tochter-Erbin gesprochen, nicht einmal als Hohe Herrin von Haus Trakand. Ich habe als Elayne Aes Sedai der Gr�nen Ajah gesprochen. H�tte ich das nicht getan, w�ren sie trotzdem gekommen. Ihnen mangelte es an Proviant und Futter. H�tte ich versucht, sie aufzuhalten, h�tte irgendjemand versucht, sie aufzuhalten, dann <emphasis>h�tte</emphasis> es Krieg gegeben. Sie sind entschlossen, den Wiedergeborenen Drachen zu finden. Es w�re ein Krieg gewesen, den Andor kaum h�tte gewinnen k�nnen. Ihr sprecht davon, gemeinsam zu handeln, Luan? Sammelt ganz Andors Kr�fte, und wir k�nnten fast ihrer Zahl entsprechen, aber zwei von drei unserer M�nner w�rden M�nner sein, die zwar mit einem Speer oder einer Hellbarde umgehen k�nnten, die aber die meisten ihrer Tage hinter einem Pflug verbringen. Jeder ihrer M�nner ist ein lang gedienter Waffenmann, den es nicht �berraschen w�rde, jeden Tag seines Lebens Trollocs entgegenzutreten. Statt einen Krieg zu f�hren, der Andor in Blut tr�nken und es f�r eine Generation verkr�ppeln w�rde, durchqueren die Grenzl�nder unsere Nation friedlich. Ich habe sie beobachten lassen. Sie bezahlen f�r die Nahrungsmittel und das Futter, das sie brauchen, und sie zahlen gut.� Zu einem anderen Zeitpunkt und bei anderen Zuh�rern h�tte sie dar�ber gelacht. Andoranische Bauern w�rden versuchen, dem Dunklen K�nig hohe Preise abzupressen. �Das Schlimmste, was sie getan haben, ist ein paar Pferdediebe auszupeitschen, und auch wenn sie sie dem Magistrat h�tten �bergeben sollen, kann ich es ihnen doch nicht zum Vorwurf machen. Und jetzt verratet mir, Ellorien: Was h�ttet Ihr anders gemacht, und wie?�</p><p>Ellorien blinzelte, mit eisiger Griesgr�migkeit, dann schnaubte sie ver�chtlich und trank von ihrem Wein.</p><p>�Und was plant Ihr f�r die Schwarze Burg?�, fragte Abelle leise. �Ich .. . ich vermute, Ihr habt auch f�r sie einen Plan?� Glaubte er, sie h�tte andere Gr�nde gehabt, die Grenzl�nder Andor durchqueren zu lassen? Konnte er ruhig, solange er es nicht zur Sprache brachte. Solange er schwieg, schienen ihre Motive nur zu Andors Bestem zu sein. Das war Heuchelei, keine Frage, aber es war auch realistisch. Sie hatte die Wahrheit gesagt, was ihre anderen Beweggr�nde anging, aber h�tte man das laut ausgesprochen, h�tte sie das viel kosten k�nnen. Sie brauchte noch immer ein Haus, und es sah so aus, als m�sste es Candraed sein, aber Danine w�rde sich nie bewegen, wenn sie glaubte, Elayne wollte sie dazu zwingen.</p><p>�Nichts�, sagte sie zu ihm. �Ich schicke regelm��ig Gard isten, die das Gel�nde der Schwarzen Burg abreiten und sie daran erinnern, dass sie Andor und seinen Gesetzen unterworfen sind, aber davon abgesehen kann ich nicht mehr tun, als wenn die Wei�e Burg irgendwie nach Caemlyn versetzt werden w�rde.� Sie starrten sie einen langen Augenblick an.</p><p>�Pendar steht f�r Trakand�, sagte Abelle pl�tzlich, und dann sagte Luan: �Norwelyn steht f�r Trakand.� Blitze zuckten �ber den Himmel, erhellten die bunten Fenster in der Decke.</p><p>Elayne verhinderte mit einiger Anstrengung, dass sie schwankte. Birgittes Gesicht war unbewegt, aber der Bund �bertrug Erstaunen. Es war vollbracht. Sie hatte elf, und der Thron geh�rte ihr.</p><p>�Je mehr f�r sie stehen, desto besser ist es f�r Andor.� Dyelin klang selbst leicht benommen. �Steht mit mir f�r Trakand.�</p><p>Wieder trat eine Pause ein, diesmal nur l�nger, voller Blicke, die gewechselt wurden, aber dann verk�ndete einer nach dem anderen, Arathelle, Pelivar und Aemlyn, dass ihre H�user f�r Trakand standen. Aber sie taten es f�r Dyelin. Daran w�rde Elayne immer denken m�ssen. Vielleicht konnte sie im Laufe der Zeit ihre Loyalit�t gewinnen, aber im Augenblick unterst�tzten sie sie um Dyelins willen.</p><p>�Sie hat den Thron�, sagte Ellorien, so kalt wie immer.</p><p>�Der Rest ist nur eine sch�ne Beigabe.�</p><p>Elayne bem�hte sich um einen warmen Tonfall. �Wollt Ihr heute Abend mit uns essen, Ellorien? Bleibt doch wenigstens, bis der Regen nachl�sst.�</p><p>�Ich habe meine eigenen K�che�, erwiderte Ellorien und setzte sich in Richtung T�r in Bewegung. Ihre Dienerin rannte herbei, um ihren Becher zu nehmen und zum Tisch zur�ckzubringen. �Sobald der Regen aufh�rt, breche ich nach Sheldyn auf. Ich bin zu lange fort gewesen.�</p><p>�Tarmon Gai�don kommt bald�, sagte Elayne. �Dann werd et Ihr nicht auf Euren G�tern bleiben k�nnen.�</p><p>Ellorien blieb stehen, sah zur�ck �ber die Schulter. �Wenn Tarmon Gai�don kommt, wird Traemane in die Letzte Schlacht reiten, und wir reiten hinter dem L�wen von Andor.� Donner krachte, als sie aus dem Gro�en Saal schritt, dicht gefolgt von ihrer Dienerin.</p><p>�Kommt ihr alle mit in meine Gem�cher?�, fragte Elayne die anderen.</p><p>Hinter dem L�wen von Andor, aber kein Wort dar�ber, hinter Elayne Trakand zu reiten. Fast die H�lfte ihrer Unterst�tzung war auf die eine oder andere Weise wenig vertrauensw�rdig, Jarid Sarand war noch immer mit einer nicht unbetr�chtlichen Streitmacht im Land unterwegs, und irgendwann w�rde sie mit Ellorien �rger bekommen. In Romanen funktionierte das immer anders. In Romanen wurde am Ende immer alles sauber aufgel�st. Das wahre Leben war viel� unordentlicher. Dennoch, endlich geh�rte der Thron ihr. Da war noch die Kr�nung, aber das war jetzt eine Formalit�t. Als sie die Prozession aus dem Gro�en Saal f�hrte, mit Luan und Pelivar plauderte, dr�hnte der Donner am Himmel wie Kriegstrommeln, die den Marsch nach Tarmon Gai�don schlugen. Wie lange noch, bevor Andors Heere zur Letzten Schlacht marschieren mussten?</p></section><section><title><p>36</p><p>Unter einer Eiche</p></title><p>Die Sonne stand ein gutes St�ck �ber den Bergen, als Karede zwischen den B�umen auf den sogenannten Malvidedurchgang zuritt, der vielleicht acht Meilen voraus lag. In der f�nf Meilen breiten L�cke in den Bergen verlief die Stra�e von Ebou Dar nach Lugard, die sich eine Meile s�dlich von ihm befand. Kurz vor dem Durchgang w�rde er auf das Lager sto�en, das Ajimbura entdeckt hatte. Ajimbura war nicht so dumm gewesen, den Versuch zu unternehmen, das Lager zu betreten, also wusste Karede noch immer nicht, ob er f�r nichts und wieder nichts in eine Todesfalle ritt. Nein, nicht f�r nichts. F�r die Hochlady Tuon. Jeder Totenw�chter war bereit, f�r sie zu sterben. Ihre Ehre war die Pflicht, und Pflicht bedeutete oft Tod. Am Himmel waren nur ein paar wei�e Wolken, die keinen Regen verk�ndeten.</p><p>Er hatte immer gehofft, im Sonnenschein sterben zu k�nnen.</p><p>Er hatte nur eine kleine Gruppe mitgenommen. Nat�rlich Ajimbura, der auf seinem wei�f��igen Fuchs sa�. Der drahtige kleine Mann hatte seinen von wei�en Str�hnen durchzogenen Zopf abgeschnitten, ein Zeichen seiner gro�en Ergebenheit. Die Bergst�mme nahmen diese Z�pfe jenen als Troph�en ab, die sie in ihren endlosen Fehden get�tet hatten, und ihr Verlust bedeutete, in den Augen des Stammes und der Familie entehrt zu sein, sich selbst als Feigling zu bezeichnen. Diese Ergebenheit geh�rte Karede statt der Hochlady oder dem Kristallthron, aber Karedes Ergebenheit war wiederum so gro�, dass es auf das Gleiche hinauslief. Hinter ihm ritten zwei W�chter; ihre rote und gr�ne R�stung war poliert word en, bis sie gl�nzte, genau wie die seine. Hartha und zwei G�rtner liefen mit gro�en Schritten daneben her, die langen �xte auf der Schulter, und hielten m�helos mit den Pferden mit. Auch ihre R�stung funkelte. Melitene, die <emphasis>Der�sul�dam</emphasis> der Hochlady, hatte ihr langes, grau werdendes Haar heute mit einer roten Schleife gebunden; sie sa� auf einem Grauen, und die silbrige Leine des <emphasis>A�dam</emphasis> verband ihr linkes Handgelenk mit Mylens Hals. Man hatte nur wenig tun k�nnen, um diese beiden noch eindrucksvoller erscheinen zu lassen, aber das <emphasis>A�dam</emphasis> und Melitenes blaues Kleid mit den roten Rechtecken mit den silbernen, ver�stelten Blitzen auf den R�cken und der Brust sollte die Blicke auf sich ziehen. Eigentlich d�rfte Ajimbura nicht auffallen. Der Rest war bei Musenge, falls das Ganze doch eine Todesfalle war.</p><p>Er hatte dar�ber nachgedacht, eine andere <emphasis>Damane</emphasis> als Mylen zu nehmen. Die winzige Frau mit dem Gesicht, dem er kein Alter zumessen konnte, h�pfte fast vor Verlangen auf dem Sattel, die Hochlady wiedersehen zu k�nnen. Ihr fehlte die richtige Selbstbeherrschung. Aber ohne Melitene konnte sie nichts tun, und sie war als Waffe nutzlos, eine Tatsache, die dazu gef�hrt hatte, dass sie den Kopf h�ngen lie�, als er die <emphasis>Der�sul�dam</emphasis> darauf hinwies. Sie hatte Trost gebraucht, ihre <emphasis>Sul�dam</emphasis> hatte sie gestreichelt und ihr gesagt, was f�r wundersch�ne Himmelslichter sie doch machte und wie gro�artig sie im Heilen war. Allein daran zu denken lie� Karede schaudern. Abstrakt gesehen mochte es als eine wundervolle Sache erscheinen, Wunden in Momenten wieder ungeschehen zu machen, aber er w�rde wohl dem Tode nahe sein m�ssen, bevor er sich von jemandem mit der Macht ber�hren lassen w�rde. Und doch, h�tte das seine Frau Kalia retten k�nnen� Nein, die Waffen waren bei Musenge zur�ckgelassen worden. Falls es heute eine Schlacht gab, w�rde sie von einer anderen Art sein.</p><p>Der erste Vogelruf schien sich nicht von denen zu unterscheiden, die er den ganzen Morgen geh�rt hatte, aber er wurde weiter voraus wiederholt, und dann erneut. Jedes Mal nur ein Ruf. Er entdeckte einen Mann hoch oben in einer Eiche mit einer Armbrust, die auf ihn zielte. Ihn zu sehen fiel nicht leicht; sein Brustharnisch und der offene Helm waren mit einem matten Gr�n bemalt, das mit den Bl�ttern des Baums verschmolz. Aber das rote Tuch um seinen linken Arm half. H�tte er sich wirklich verstecken wollen, h�tte er das entfernen sollen.</p><p>Karede gab Ajimbura ein Zeichen, und der drahtige kleine Mann grinste ihn an wie eine verschrumpelte blau�ugige Ratte, bevor er den Fuchs hinter die W�chter zur�ckfallen lie�. Heute steckte sein langes Messer unter dem Mantel. Er sollte als Diener durchgehen.</p><p>Kurz darauf ritt Karede in das Lager. Es hatte keine Zelte oder Unterst�nde irgendwelcher Art, aber es gab lange, ordentlich gespannte Pferdeseile, zudem noch viele der M�nner mit gr�nen Harnischen. K�pfe wandten sich, um seine Gruppe vorbeireiten zu sehen, aber nur wenige der M�nner waren auf den Beinen, und noch weniger hielten Armbr�ste. Etliche von ihnen schliefen auf ihren Decken, zweifellos m�de von dem harten Nachtritt. Also hatte der Vogelruf ihnen verraten, dass er keine Gefahr darstellte. Sie hatten das Aussehen gut ausgebildeter Soldaten, aber das hatte er auch erwartet. Nicht erwartet hatte er ihre geringe Zahl. Oh, die B�ume mochten noch einige verbergen, aber bestimmt enthielt das Lager nicht mehr als sieben oder achttausend Mann, viel zu wenige, um den Feldzug auszuf�hren, den Loune beschrieben hatte. Pl�tzlich versp�rte er eine Enge in der Brust. Wo war der Rest? Die Hochlady konnte bei einer der anderen Gruppen sein. Er hoffte, dass Ajimbura sich ihre genaue Zahl merkte.</p><p>Er war noch nicht weit gekommen, als sich ihm ein kleiner Mann auf einem gro�en Falben in den Weg stellte und er das Pferd z�geln musste, wenn er ihn nicht niederreiten wollte. Die vordere H�lfte seines Kopfes war glatt rasiert und schien doch tats�chlich auch noch gepudert zu sein. Aber er war kein Geck. Der dunkle Mantel war zwar aus Seide, aber er trug den gleichen mattgr�nen Harnisch wie das Fu�volk. Sein Blick war hart und ausdruckslos, als er Melitene und Mylen betrachtete, dann die Ogier. Seine Miene ver�nderte sich nicht, als er sich wieder auf Karede konzentrierte. �Lord Mat hat uns die R�stung beschrieben�, sagte er mit einem Akzent, der noch schneller und abgehackter als der der Altaraner war.</p><p>�Was verschafft uns die Ehre eines Besuchs der Totenwache?�</p><p>Lord Mat? Wer, beim Licht, war Lord Mat? �Furyk Karede�, sagte Karede. �Ich will mit dem Mann sprechen, der sich Thom Merrilin nennt.�</p><p>�Talmanes Delovinde�, sagte der Mann und fand endlich seine Manieren. �Ihr wollt mit <emphasis>Thom</emphasis> sprechen? Nun, dagegen ist nichts einzuwenden. Ich bringe Euch zu ihm.�</p><p>Karede lenkte Aldazar hinter Delovinde. Der Mann hatte das Offensichtliche nicht erw�hnt, dass man ihm und den anderen nicht erlauben konnte, wieder zu gehen und den Standort dieses Heers zu verraten. Ein paar Manieren hatte er ja doch. Zumindest w�rde man ihnen die Abreise nicht erlauben, solange Karedes verr�ckter Plan nicht funktionierte. Musenge war der Ansicht gewesen, dass daf�r die Chancen eins zu zehn standen, und eins zu f�nf, die Sache zu �berleben. Er pers�nlich hielt die Chancen f�r noch schlechter, aber er musste den Versuch machen. Und Merrilins Anwesenheit sprach auch f�r die Anwesenheit der Hochlady.</p><p>Delovinde stieg vor einem seltsam heimischen Bild zwischen den B�umen ab, Leute auf Lagerhockern oder Decken um ein kleines Lagerfeuer mit einem dar�bergeh�ngten Topf unter einer ausladenden Eiche. Karede stieg aus dem Sattel und bedeutete den W�chtern und Ajimbura, ebenfalls abzusteigen. Melitene und Mylen blieben auf den Pferden, um den Vorteil der Gr��e nicht zu verlieren. Von allen Leuten sa� ausgerechnet Frau Anan, der einst das Gasthaus geh�rt hatte, in dem er in Ebou Dar logiert hatte, auf einem dreibeinigen Hocker und las in einem Buch. Sie trug nicht l�nger eines dieser enth�llenden Kleider, die er so gern betrachtet hatte, aber an der engen Halskette baumelte noch immer dieser kleine, juwelenbesetzte Dolch auf ihrem beeindruckenden Busen. Sie schloss das Buch und nickte ihm kurz zu, als w�re er nach wenigen Stunden in <emphasis>Die Wanderin</emphasis> zur�ckgekehrt. Ihre haselnussbraunen Augen blickten beherrscht. Vielleicht war der Plan ja noch komplizierter, als Sucher Mor gedacht hatte.</p><p>Ein hochgewachsener, wei�haariger Mann, dessen Schnurrb art fast so lang wie Harthas war, sa� auf einer gestreiften Decke im Schneidersitz einer schlanken Frau mit vielen perlenverzierten Z�pfen gegen�ber, zwischen sich ein Steine-Spielbrett. Er warf Karede einen Blick zu, sch�ttelte den Kopf und wandte sich wieder dem Spiel zu. Sie starrte Karede und seine Begleiter mit purem Hass an. Auf einer anderen Decke lag ein knorriger alter Bursche mit langem wei�en Haar neben einem erstaunlich h�sslichen Jungen und spielte mit ihm auf einem roten, mit einem schwarzen Spinnennetz versehenen Tuch irgendein Spiel. Sie setzten sich auf, der Junge betrachtete die Ogier voller Interesse, der Mann hielt eine Hand so, als wollte er nach einem Messer unter dem Mantel greifen. Ein gef�hrlicher Mann � und misstrauisch. Vielleicht war er Merrilin.</p><p>Zwei M�nner und zwei Frauen hatten zusammen auf Lagerst�hlen gesessen und sich unterhalten, als Karede herangeritten war, aber als er aus dem Sattel stieg, stand eine Frau mit strengem Gesicht auf und richtete den Blick ihrer blauen Augen fast schon herausfordernd auf ihn. An einem breiten Lederg�rtel quer �ber der Brust trug sie ein Schwert, nach der Art von Seeleuten. Ihr Haar war kurz geschnitten, statt nach der Mode des Niederen Bluts gehalten, ihre Fingern�gel waren kurz und nicht lackiert, aber er war sich sicher, dass es sich bei ihr um Egeanin Tamarath handelte. Neben ihr stand ein Mann mit ebenso kurzem Haar und einem dieser seltsamen Illianerb�rte, die eine Hand auf den Griff eines Kurzschwerts gelegt, und er starrte Karede an, als wollte er ihre Herausforderung unterst�tzen. Eine h�bsche Frau mit dunklem, taillenlangen Haar und dem gleichen Rosenknospenmund wie der Taraboner stand auf, und einen Augenblick lang hatte es den Anschein, als wollte sie knien oder sich zu Boden werfen, aber dann nahm sie die Schultern zur�ck und sah ihm direkt in die Augen. Der letzte Mann, ein schmaler Bursche mit einer seltsamen roten M�tze, der aus dunklem Holz geschnitzt zu sein schien, lachte laut und warf die Arme um sie. Das Grinsen, das er Karede schenkte, konnte man nur als triumphierend bezeichnen.</p><p>�Thom�, sagte Delovinde, �das ist Furyk Karede. Er will mit dem Mann sprechen, der sich Thom Merrilin nennt.�</p><p>�Mit mir?� Der wei�haarige Mann stand unbeholfen auf. Sein rechtes Bein schien etwas steif zu sein. Vielleicht eine alte Kriegsverletzung? �Aber ich nenne mich nicht Thom Merrilin. Das ist mein Name, obwohl es mich �berrascht, dass Ihr ihn kennt. Was wollt Ihr von mir?�</p><p>Karede nahm den Helm ab, aber bevor er etwas sagen konnte, eilte eine h�bsche Frau mit gro�en braunen Augen heran, der zwei andere folgten. Alle drei hatten diese Aes Sedai-Gesichter, in der einen Minute sahen sie wie zwanzig aus, in der n�chsten doppelt so alt, in der dritten irgendwo in der Mitte. Es war sehr verwirrend.</p><p>�Das ist Sheraine!�, rief die h�bsche Frau und starrte Mylen an. �Lasst sie frei!�</p><p>�Ihr versteht nicht, Joline�, sagte eine der Frauen in ihrer Begleitung w�tend. Mit ihren schmalen Lippen und der schmalen Nase sah sie aus, als k�nnte sie Steine zerkauen.</p><p>�Sie ist nicht mehr Sheraine. Sie h�tte uns verraten, bei der ersten Gelegenheit.�</p><p>�Teslyn hat Recht, Joline�, sagte die dritte Frau. Eher ansehnlich als h�bsch fiel ihr langes schwarzes Haar bis hinunter zur Taille. �Sie h�tte uns verraten.�</p><p>�Ich glaube das nicht, Edesina�, fauchte Joline. �Ihr werdet sie sofort freilassen�, sagte sie zu Melitene, �oder ich .. .� Pl�tzlich keuchte sie auf.</p><p>�Ich habe es Euch gesagt�, sagte Teslyn bitter.</p><p>Ein junger Mann mit einem breitkrempigen schwarzen Hut galoppierte auf einem dunklen Fuchs mit breiter Brust heran und sprang aus dem Sattel. �Was ist hier verdammt noch mal los?�, wollte er wissen und ging auf das Lagerfeuer zu.</p><p>Karede ignorierte ihn. Die Hochlady Tuon war neben dem jungen Mann geritten, auf einem schwarz-wei�en Pferd. Selucia war an ihrer Seite, auf einem Falben, den Kopf mit einem scharlachroten Tuch umwunden, aber er hatte nur Augen f�r die Hochlady. Kurzes schwarzes Haar bedeckte ihren Kopf, aber dieses Gesicht war unverwechselbar. Sie warf ihm nur einen ausdruckslosen Blick zu, bevor sie sich wieder auf den jungen Mann konzentrierte. Karede fragte sich, ob sie ihn erkannt hatte. Vermutlich nicht. Es war lange her, seit er in ihrer Leibwache gedient hatte. Er sah nicht �ber die Schulter, aber er wusste, dass die Z�gel von Ajimburas Fuchs jetzt von einem der W�chter gehalten wurden. Scheinbar unbewaffnet und ohne seinen auff�lligen Zopf d�rfte er kein Problem haben, das Lager zu verlassen. Die Wachtposten w�rden den kleinen Mann nie zu Gesicht bekommen. Ajimbura war ein guter L�ufer und verstohlen. Bald w�rde Musenge wissen, dass die Hochlady hier war.</p><p>�Sie hat uns abgeschirmt, Mat�, sagte Joline, und der junge Mann riss sich den Hut herunter und schritt zu Melitenes Pferd, als wollte er nach dem Zaumzeug greifen. Er hatte lange Beine, auch wenn man ihn nicht als hochgewachsen bezeichnen konnte, und er trug ein schwarzes Seidentuch um den Hals, das bis auf seine Brust baumelte. Das machte ihn zu dem, den alle Tylins Spielzeug genannt hatten, als w�re das das Einzige, was ihn ausmachte. Vermutlich war es das auch. Spielzeuge hatten selten noch andere Seiten. Seltsamerweise schien er daf�r kaum h�bsch genug zu sein. Aber er sah durchtrainiert aus.</p><p>�Hebt die Abschirmung auf�, sagte er zu ihr, als w�rde er Gehorsam erwarten. Karede hob die Brauen. Das sollte das Spielzeug sein? Melitene und Mylen keuchten beinahe zugleich auf, und der junge Mann lachte abgehackt. �Seht ihr, bei mir funktioniert das nicht. Und jetzt hebt Ihr verdammt noch mal die Abschirmungen auf, oder ich zerre Euch aus den S�tteln und versohle euch den Hintern.� Melitenes Gesicht verfinsterte sich. Nur wenige Leute wagten es, so zu einer <emphasis>Der�sul�dam</emphasis> zu sprechen.</p><p>�Weg mit den Abschirmungen, Melitene�, sagte Karede.</p><p>�Die <emphasis>Marath��damane</emphasis> wollten <emphasis>Saidar</emphasis> umarmen�, sagte sie, statt zu gehorchen. �Es ist unm�glich zu sagen, was sie��</p><p>�Weg mit den Abschirmungen�, sagte er energisch. �Und lasst die Macht los.�</p><p>Der junge Mann nickte zufrieden, dann fuhr er pl�tzlich herum und zeigte mit dem Finger auf die drei Aes Sedai.</p><p>�Und Ihr fangt jetzt verflucht noch mal nicht an! Sie hat die Macht losgelassen. Ihr tut das auch. Jetzt, sofort!� Wieder nickte er, als w�re er sich sicher, dass sie gehorcht hatten. So wie Melitene ihn anstarrte, war er das tats�chlich. War er vielleicht ein Asha�man? Vielleicht konnten Asha�man ja irgendwie sp�ren, wenn eine <emphasis>Damane</emphasis> die Macht lenkte. Das erschien zwar wenig wahrscheinlich, aber etwas anderes fiel Karede dazu nicht ein. Aber das passte kaum zu dem, wie Tylin den jungen Mann allen Berichten zufolge behandelt hatte.</p><p>�Eines Tages, Mat Cauthon�, sagte Joline giftig, �wird Euch jemand zeigen, wie man eine Aes Sedai mit dem n�tigen Resp ekt behandelt, und ich hoffe, ich kann das miterleben.�</p><p>Die Hochlady und Selucia lachten schallend. Es war gut zu sehen, dass sie es geschafft hatte, trotz ihrer Gefangenschaft ihre gute Laune zu behalten. Zweifellos hatte die Kameradschaft ihrer Dienerin geholfen. Aber es war Zeit, weiterzumachen. Zeit, sein verr�cktes Spiel zu wagen.</p><p>�General Merrilin�, sagte Karede, �Ihr habt einen kurzen, aber bemerkenswerten Feldzug durchgef�hrt und Wunder vollbracht, Eure Streitkr�fte zu verstecken, aber Euer Gl�ck n�hert sich seinem Ende. General Chisen hat Eure wahren Absichten aufgedeckt. Er hat sein Heer gewendet und marschiert so schnell auf den Malvidedurchgang zu, wie er kann. Er wird in zwei Tagen hier sein. Nicht weit entfernt von hier habe ich zehntausend Mann stehen, was ausreichend ist, um Euch bis zu seiner Ankunft hier festzuhalten. Aber die Hochl ady Tuon w�rde in Gefahr sein, und das will ich vermeiden. Lasst mich mit ihr gehen, und ich erlaube Euch und Euren M�nnern den ungehinderten Abzug. Ihr k�nnt auf der anderen Seite des Berges sein, in der Molvainekluft, bevor Chisen eintrifft, und in Murandy, bevor er Euch fangen kann. Die einzige andere Wahl ist die Vernichtung. Chisen hat gen�gend M�nner, um Euch auszul�schen. Es w�rde keine Schlacht sein. Hunderttausend M�nner gegen achttausend wird ein Gemetzel sein.�</p><p>Sie h�rten ihm zu, jedes Gesicht so ausdruckslos, als w�ren sie wie bet�ubt. Sie waren gut geschult. Oder vielleicht waren sie tats�chlich benommen, weil Merrilins Plan im letzten Augenblick anscheinend scheiterte.</p><p>Merrilin strich mit einem langen Finger �ber seinen wei� en Schnurrbart. Er schien ein L�cheln zu verbergen. �Ich f�rchte, Ihr verwechselt mich, Bannergeneral Karede.� F�r die Dauer eines Satzes wurde seine Stimme au�erordentlich ausdrucksvoll. �Ich bin Gaukler, eine Stellung, die sicherlich h�her als die eines jeden Hofbarden ist, aber kein General. Der Mann, mit dem Ihr sprechen wollt, ist Lord Matrim Cauthon.� Er machte eine kleine Verbeugung in die Richtung des jungen Mannes, der gerade den flachen schwarzen Hut wieder aufsetzte.</p><p>Karede runzelte die Stirn. Tylins <emphasis>Spielzeug</emphasis> war der Gener al? Machten sie sich �ber ihn lustig?</p><p>�Ihr habt etwa hundert M�nner dabei, Totenw�chter, und vielleicht zwanzig G�rtner�, sagte Cauthon ruhig. �Soweit ich wei�, w�re das ein fairer Kampf gegen die f�nffache Zahl an einfachen Soldaten, aber die Bande besteht gr��tenteils nicht aus Soldaten, und ich habe bedeutend mehr als sechshundert. Was Chisen angeht, wenn das der Bursche ist, der durch den Durchgang kommt, selbst wenn er herausgefunden hat, was ich vorhabe, k�nnte er es nicht in weniger als f�nf Tagen zur�ckschaffen. Den letzten Berichten meiner Sp�her zufolge marschiert er so schnell er kann s�dwestlich entlang der Ebou-Dar-Stra�e. Aber die Frage, die sich hier wirklich stellt, ist die folgende. K�nnt Ihr Tuon sicher zum Tarasin-Palast bringen?�</p><p>Karede f�hlte sich, als h�tte ihn Hartha in den Bauch getreten, und das nicht nur, weil der Mann den Namen der Hochlady so zwanglos benutzte. �Ihr meint, Ihr lasst sie mich mitnehmen?�, sagte er ungl�ubig.</p><p>�Wenn sie Euch vertraut. Wenn Ihr sie sicher in den Palast bringen k�nnt. Sie ist in Gefahr, bis sie ihn erreicht. Nur f�r den Fall, dass Ihr es nicht wisst, Euer ganzes verdammtes Immer Siegreiches Heer ist bereit, ihr den Hals durchzuschneiden oder ihr den Sch�del einzuschlagen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Karede ruhiger, als er sich f�hlte. Warum sollte dieser Mann die Hochlady einfach freilassen, wo sich die Wei�e Burg so viel M�he gegeben hatte, sie zu entf�hren? Warum, nach diesem kurzen, blutigen Feldzug? �Wir werden bis zum letzten Mann sterben, wenn das n�tig ist, um sie in Sicherheit zu bringen. Am besten brechen wir sofort auf.� Bevor es sich der Mann anders �berlegte. Bevor er aus diesem Fiebertraum erwachte. Es kam ihm jedenfalls wie ein Fiebertraum vor.</p><p>�Nicht so schnell.� Cauthon wandte sich der Hochlady zu.</p><p>�Tuon, vertraut Ihr diesem Mann, dass er Euch sicher zum Palast in Ebou Dar bringt?� Karede unterdr�ckte den Impuls zusammenzuzucken. Der Mann mochte ein General und Lord sein, aber er hatte kein Recht, den Namen der Hochlady so zu benutzen!</p><p>�Ich vertraue den Totenw�chtern mein Leben an�, erwiderte die Hochlady ruhig, �und ihm mehr als allen anderen.� Sie schenkte Karede ein L�cheln. Selbst als Kind hatte sie nur selten gel�chelt. �Habt Ihr zuf�llig noch meine Puppe, Bannergeneral Karede?�</p><p>Er verneigte sich formell vor ihr. Ihre Wortwahl verriet ihm, dass sie noch immer unter dem Schleier verborgen war. �Vergebt mir, Hochlady. Ich habe alles beim gro�en Brand von Sohima verloren.�</p><p>�Das bedeutet, Ihr habt sie zehn Jahre lang behalten. Ihr habt mein Beileid f�r den Verlust Eurer Frau und Eures Sohnes, auch wenn er tapfer und gut gestorben ist. Nur wenige M�nner w�rden ein brennendes Haus auch nur einmal betreten. Er hat f�nf Menschen gerettet, bevor es ihn �berw�ltigt hat.�</p><p>Karede versp�rte einen Klo� im Hals. Sie hatte sich �ber ihn auf dem Laufenden gehalten. Er konnte sich nur noch einmal verbeugen, diesmal nur tiefer.</p><p>�Genug davon�, murmelte Cauthon. �Ihr werdet Euch nur den Kopf auf dem Boden sto�en, wenn Ihr so weitermacht. Sobald sie und Selucia gepackt haben, schafft Ihr sie hier weg und reitet schnell. Talmanes, ruft die Bande zusammen. Nicht, dass ich Euch nicht trauen w�rde, Karede, aber ich glaube, ich werde jenseits des Durchgangs besser schlafen.�</p><p>�Matrim Cauthon ist mein Ehemann�, sagte die Hochlady mit lauter, klarer Stimme. Jeder erstarrte an Ort und Stelle.</p><p>�Matrim Cauthon ist mein Ehemann.�</p><p>Karede f�hlte sich schon wieder, als h�tte Hartha ihn getreten. Nein, nicht Hartha. Aldazar. Was f�r ein Wahnsinn war das ? Cauthon sah aus wie ein Mann, der einen Pfeil auf sein Gesicht zufliegen sah und wusste, dass er nicht die geringste Chance zum Ausweichen hatte.</p><p>�Der verdammte Matrim Cauthon ist mein Ehemann. Das waren doch Eure Worte, oder nicht?� Es musste ein Fiebertraum sein.</p><p>Es dauerte eine Minute, bevor Mat sprechen konnte. Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, es schien eine Stunde zu dauern, bevor er sich wieder bewegen konnte. Als er es konnte, riss er den Hut herunter, ging zu Tuon und packte das Zaumzeug der Rasierklinge. Sie schaute zu ihm herunter, so k�hl wie eine K�nigin auf ihrem verdammten Thron. All diese Schlachten, in denen die verfluchten W�rfel in seinem Kopf ratterten, all die Gepl�nkel und Sto�trupps, und sie mussten verstummen, als sie die paar Worte sagte. Nun, wenigstens wusste er diesmal, dass das, was passiert war, verf lucht schicksalhaft f�r den dummen Mat Cauthon war. �Warum? Ich meine, ich wusste, dass Ihr das fr�her oder sp�ter tun w�rdet, aber warum jetzt? Ich mag Euch, vielleicht ist da sogar mehr, und es hat mir gefallen, Euch zu k�ssen�� � er glaubte, Karede grunzen zu h�ren � �� aber Ihr habt Euch nicht wie eine verliebte Frau benommen. Die eine H�lfte der Zeit seid Ihr eiskalt und den gr��ten Teil vom Rest �rgert Ihr mich.�</p><p>�Liebe?� Tuon klang �berrascht. �Vielleicht werden wir uns ineinander verlieben, Matrim, aber ich habe immer gewusst, dass ich heiraten werde, um dem Kaiserreich zu dienen. Was habt Ihr damit gemeint, Ihr <emphasis>wusstet,</emphasis> dass ich die Worte sagen w�rde?�</p><p>�Nennt mich Mat.� Nur seine Mutter hatte ihn Matrim genannt, wenn er �rger hatte, und seine Schwestern, wenn sie Geschichten weitererz�hlten, um ihn in Schwierigkeiten zu bringen.</p><p>�Euer Name ist Matrim. Was habt Ihr damit gemeint?�</p><p>Er seufzte. Die Frau wollte nie viel. Nur ihren Kopf durchsetzen. Also genau wie jede andere Frau, die er jemals kennengelernt hatte. �Ich bin durch ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> an einen anderen Ort gegangen, vielleicht in eine andere Welt. Die Menschen dort sind eigentlich keine richtigen Menschen, sie sehen wie Schlangen aus, aber sie beantworten einem drei Fragen, und ihre Antworten werden immer wahr. Eine der Antworten lautete, dass ich die Tochter der Neun Monde heiraten w�rde. Aber Ihr habt meine Frage nicht beantwortet. Warum jetzt?�</p><p>Ein feines L�cheln umspielte Tuons Lippen, und sie beugte sich im Sattel nach vorn. Und schlug ihm hart mit den Kn�cheln auf den Kopf! �Euer Aberglaube ist schlimm genug, Matrim, aber ich toleriere keine L�gen. Eine am�sante L�ge, das schon, aber trotzdem eine L�ge.�</p><p>�Beim Licht, es ist die Wahrheit�, protestierte er und st�lpte sich den Hut auf den Kopf. Vielleicht w�rde ihn das etwas sch�tzen. �Ihr k�nntet Euch selbst davon �berzeugen, wenn Ihr Euch �berwinden k�nntet, mit einer Aes Sedai zu sprechen. Sie k�nnten Euch von den Aelfinn und den Eelfinn erz�hlen.�</p><p>�Es k�nnte die Wahrheit sein�, mischte sich Edesina ein, als w�re sie hilfreich. �Soweit ich wei�, k�nnen die Aelfinn durch ein <emphasis>Ter�angreal</emphasis> im Stein von Tear erreicht werden, und angeblich sind ihre Antworten die Wahrheit.� Mat warf ihr einen finsteren Blick zu. Sie war schon eine gro�artige Hilfe mit ihrem �soweit ich wei߫ und �angeblich�. Tuon starrte ihn weiter an, als h�tte Edesina kein Wort gesagt.</p><p>�Ich habe Eure Frage beantwortet, Tuon, also gebt mir auch eine Antwort.�</p><p>�Ihr wisst, dass <emphasis>Damane</emphasis> die Zukunft vorhersagen k�nnen?� Sie sah ihn streng an, wartete offensichtlich darauf, dass er das Aberglauben nannte, aber er nickte nur knapp. Aes Sedai konnten die Zukunft vorhersehen. Warum also nicht auch <emphasis>Damane?</emphasis> �Ich habe Lidya gefragt, bevor ich in Ebou Dar an Land gegangen bin. Sie hat Folgendes gesagt.</p><p>�H�tet euch vor dem Fuchs, der den Raben fliegen l�sst, denn er wird Euch heiraten und fortbringen. H�tet Euch vor dem Mann, der sich an Falkenfl�gels Gesicht erinnert, denn er wird Euch heiraten und befreien. H�tet Euch vor dem Mann der roten Hand, denn ihn werdet Ihr heiraten und keinen anderen.� Es war Euer Ring, der meine Aufmerksamkeit erregt hat.� Unbewusst strich er mit dem Daumen �ber den Ring, und sie l�chelte. Ein schmales L�cheln, aber immerhin ein L�cheln. �Ein Fuchs, der anscheinend zwei Raben aufscheucht und neun Mondsicheln. Ein deutlicher Hinweis, findet Ihr nicht? Und gerade jetzt habt Ihr den zweiten Teil erf�llt, also wusste ich mit Sicherheit, dass Ihr es seid.� Selucia gab einen leisen Laut von sich, und Tuon signalisierte ihr etwas mit den Fingern. Die vollbusige kleine Frau gab es auf, richtete das Kopftuch, aber der Blick, den sie Mat zuwarf, h�tte von einem Dolch in ihrer Hand begleitet werden sollen.</p><p>Er lachte humorlos. Blut und verdammte Asche. Den Ring hatte er einfach nur so anprobiert und auch nur gekauft, weil er ihn nicht mehr vom Finger bekam; diese Erinnerungen an Falkenfl�gels Gesicht w�rde er zusammen mit allen anderen alten Erinnerungen mit Begeisterung aufgeben, solange er daf�r nur die verdammten Schlangen aus dem Kopf bekam; und doch hatten diese Dinge ihm eine Ehefrau verschafft. Ohne diese alten Erinnerungen an Schlachten h�tte es die Bande der Roten Hand nie gegeben.</p><p>�Anscheinend beeinflusst mich <emphasis>ta�veren</emphasis> zu sein genauso wie alle anderen auch.� Einen Augenblick lang glaubte er, sie w�rde ihm noch eine Knopfnuss geben. Er schenkte ihr sein sch�nstes L�cheln. �Noch ein Kuss, bevor Ihr geht?�</p><p>�Im Moment bin ich nicht in Stimmung�, sagte sie k�hl. Der Henkermagistrat war wieder da. Alle Gefangenen werden auf der Stelle verurteilt. �Vielleicht sp�ter. Ihr k�nntet mit mir nach Ebou Dar zur�ckkehren. Ihr habt jetzt einen ehrenhaften Platz im Kaiserreich.�</p><p>Er z�gerte nicht, bevor er den Kopf sch�ttelte. Auf Leilwin oder Domon wartete kein ehrenhafter Platz, und f�r die Aes Sedai oder die Bande gar keiner. �Ich sch�tze, das n�chste Mal werde ich Seanchaner wohl auf dem Schlachtfeld sehen, Tuon.� Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, so w�rde es sein. Sein Leben w�rde in dieser Richtung verlaufen, ganz egal, was er tat.</p><p>�Ihr seid nicht meine Feindin, aber Euer Kaiserreich ist es.�</p><p>�Ihr seid auch nicht mein Feind, mein Ehemann�, sagte sie k�hl, �aber ich lebe, um dem Kaiserreich zu dienen.�</p><p>�Nun, ich sch�tze, Ihr solltet besser Eure Sachen�� Sich n�herndes Hufgetrappel lie� ihn verstummen.</p><p>Vanin z�gelte seinen Grauen neben Tuon, warf Karede und den anderen Totenw�chtern einen Blick zu, spuckte durch eine L�cke zwischen seinen Z�hnen aus und st�tzte sich auf den hohen Sattelknauf. �In einer kleinen Stadt f�nf Meilen westlich von hier sind etwa zehntausend Soldaten�, sagte der fette Mann zu Mat. �Nur ein Seanchaner, soweit ich das in Erfahrung bringen konnte. Der Rest sind Altaraner, Taraboner, Amadicianer. Alle beritten. Sie erkundigen sich nach Kerlen in solchen R�stungen.� Er deutete mit dem Kopf auf Karede. �Und Ger�chten zufolge bekommt derjenige von ihnen, der ein M�dchen t�tet, das sich sehr nach der Hochlady hier anh�rt, hunderttausend Goldkronen. Sie lechzen f�rmlich danach.�</p><p>�Ich kann an ihnen vorbeischl�pfen�, sagte Karede. Sein Gesicht sah v�terlich aus. Seine Stimme klang wie ein gezogenes Schwert.</p><p>�Und falls nicht?�, fragte Mat ruhig. �Es kann kein Zufall sein, dass sie so nahe sind. Sie haben irgendwie die Witterung aufgenommen. Noch ein Schnuppern mehr, und das k�nnte alles sein, was es braucht, um Tuon zu t�ten.� Karedes Miene verfinsterte sich.</p><p>�Wollt Ihr Euer Wort zur�cknehmen?� Eine gezogene Klinge, die m�glicherweise bald benutzt w�rde. Aber noch schlimmer war, dass Tuon ihn ansah, als w�re sie wirklich ein Henkermagistrat. Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, wenn sie starb, w�rde etwas in ihm verdorren. Und die einzige M�glichkeit, das aufzuhalten, wirklich sicherzugehen, dass es zu Ende war, bedeutete, dass er das tun musste, was er noch mehr als Arbeit hasste. Einst war er der Ansicht gewesen, dass Schlachten zu schlagen, sosehr er das auch hasste, besser als Arbeit war. Fast neunhundert Tote im Verlauf weniger Tage hatten ihn eines Besseren belehrt.</p><p>�Nein�, sagte er. �Sie geht mit Euch. Aber Ihr �berlasst mir ein Dutzend Eurer Totenw�chter und ein paar der G�rtner. Wenn ich Euch diese Leute vom Hals schaffe, m�ssen sie mich f�r Euch halten.�</p><p>Tuon lie� den gr��ten Teil der Kleidung zur�ck, die Matrim ihr gekauft hatte, weil sie mit leichtem Gep�ck reisen musste. Das kleine B�ndel roter Seidenrosen, das er ihr geschenkt hatte, verstaute sie in ein Leinentuch eingeschlagen in ihrer Satteltasche, so sorgf�ltig, als w�re es eine Glasbl�serarbeit. Au�er von Frau Anan musste sie sich von niemandem verabschieden � sie w�rde ihre Gespr�che wirklich vermissen �, und so waren sie und Selucia schnell zum Aufbruch bereit. Mylen grinste so breit bei ihrem Anblick, dass sie die kleine <emphasis>Damane</emphasis> t�tscheln musste. Anscheinend hatte sich schon verbreitet, was geschehen war, denn als sie mit den Totenw�chtern durch das Lager ritt, standen M�nner der Bande auf und verneigten sich vor ihr. Es hatte gro�e �hnlichkeit mit einer Regimentsinspektion in Seandar.</p><p>�Was haltet Ihr von ihm?�, fragte sie Karede, sobald sie die Soldaten hinter sich gelassen hatten. Sie musste nicht sagen, wen sie meinte.</p><p>�Es steht mir nicht zu, ein Urteil abzugeben, Hochlady�, sagte er ernst. Sein Kopf war in st�ndiger Bewegung, behielt die umgebenden B�ume im Auge. �Ich diene dem Kaiserreich und der Kaiserin, m�ge sie ewig leben.�</p><p>�Wie wir alle, Bannergeneral. Aber ich frage nach Eurem Urteil.�</p><p>�Ein guter General, Hochlady�, erwiderte er ohne zu z�gern. �Mutig, aber nicht zu mutig. Er wird sich nicht umbringen lassen, blo� um zu zeigen, wie mutig er ist. Und er ist� anpassungsf�hig. Ein vielschichtiger Mann. Und wenn Ihr mir verzeiht, Hochlady, ein Mann, der in Euch verliebt ist. Ich habe gesehen, wie er Euch angesehen hat.�</p><p>In sie verliebt? Vielleicht. M�glicherweise k�nnte sie ihn irgendwann einmal lieben. Angeblich hatte ihre Mutter ihren Vater geliebt. Und ein vielschichtiger Mann? Matrim Cauthon lie� eine Zwiebel wie einen Apfel aussehen! Sie fuhr sich mit der Hand �ber den Kopf. Sie war noch immer nicht an das Gef�hl von Haaren gew�hnt. �Als Erstes brauche ich eine Rasierklinge.�</p><p>�Vielleicht w�re es besser, bis Ebou Dar zu warten, Hochl ady.�</p><p>�Nein�, widersprach sie ihm sanft. �Wenn ich sterbe, dann werde ich als die sterben, die ich bin. Ich habe den Schleier abgenommen.�</p><p>�Wie Ihr sagt, Euer Hoheit.� Er salutierte l�chelnd, die Faust in dem Panzerhandschuh traf seine Brust so hart, dass Stahl auf Stahl klirrte. �Wenn wir sterben, dann werden wir als die sterben, die wir sind.�</p></section><section><title><p>37</p><p>Prinz der Raben</p></title><p>Mat st�tzte sich auf den hohen Sattelknauf, den <emphasis>Ashandar ei</emphasis> quer �ber Pips� Nacken gelegt, und schaute stirnrunzelnd in den Himmel. Die Sonne war weit �ber ihren Zenit hinaus. Wenn Vanin und diese Totenw�chter nicht bald zur�ckkehrten, w�rden die Armbrustm�nner beim Kampf die Sonne in den Augen haben oder, noch unerfreulicher, die Abendd�mmerung br�che herein. Und noch schlimmer war, dass sich �ber den Bergen im Osten dunkle Wolken auft�rmten. Der b�ige Wind kam aus dem Norden. Das war nicht hilfreich, o nein. Regen w�rde das Wiesel in den H�hnerhof lassen. Bogensehnen mochten keinen Regen. Nun, mit etwas Gl�ck w�rde der Regen noch ein paar Stunden auf sich warten lassen, aber sein Gl�ck hatte noch nie verhindert, dass er bei einem Wolkenbruch nicht durchn�sst wurde. Er hatte es nicht gewagt, noch einen Tag zu warten. Die Burschen, die Tuon jagten, w�rden vielleicht noch eine Spur von Karede finden, und dann w�rde er versuchen m�ssen, sie anzugreifen oder in einen Hinterhalt zu locken, bevor sie Karede fangen konnten. Besser, sie zu sich kommen zu lassen, an einen Ort, den er sich ausgesucht hatte. Die richtige Stelle zu finden war nicht schwer gewesen, mit Meister Roidelles Kartensammlung und Vanin und den anderen Sp�hern.</p><p>Aludra k�mmerte sich hektisch um eine ihrer gro�en, eisenverst�rkten Abschussr�hren, die Z�pfe verbargen ihr Gesicht, als sie etwas an dem breiten Holzfundament �berpr�fte. Er w�nschte, sie w�re bereit gewesen, mit Thom und Frau Anan bei den Lasttieren zu bleiben. Selbst Noal war bereit gewesen, dort zu bleiben, und wenn auch nur, um Juilin und Amathera zu helfen, dass Olver nicht losrannte, um sich die Schlacht anzusehen. Der Junge wollte das unbedingt, was schnell dazu f�hren konnte, dass er den Tod fand. Es war schon schlimm genug gewesen, als nur Harnan und die drei anderen ihn verderben konnten, aber jetzt brachte ihm die H�lfte der M�nner bei, wie man mit Schwert oder Dolch umging oder mit H�nden und F��en k�mpfte, und seinem Verhalten nach zu urteilen, f�llten sie seinen Kopf anscheinend mit Heldengeschichten, da er Mat anbettelte, ihn auf Sto�trupps begleiten zu d�rfen.</p><p>Aludra war fast genauso schlimm. Jeder h�tte die Z�nds chn�re mit den Schwefelh�lzern entz�nden k�nnen, sobald sie diese R�hre geladen hatte, aber sie bestand darauf, es selbst zu tun. Aludra war eine energische Frau und nicht gerade dar�ber erfreut, sich auf der gleichen Seite wie die Seanchaner wiederzufinden, ganz egal, wie befristet das Abkommen auch war. Es erschien ihr nicht richtig, dass sie etwas von ihrer Arbeit sehen w�rden, ohne dem Ergebnis ausgesetzt zu werden. Leilwin und Domon sa�en in der N�he auf ihren Pferden, um sie im Auge zu behalten, sowohl um sicherzugehen, dass sie keine Dummheiten machte, wie auch sie zu besch�tzen. Mat hoffte, dass auch Leilwin keine Dummheiten machte. Da bei den Leuten, gegen die sie heute k�mpfen w�rden, angeblich nur ein Seanchaner war, hatte sie entschieden, dass es in Ordnung war, dabei zu sein, und der Art und Weise nach zu urteilen, wie sie Musenge und die anderen Totenw�chter anstarrte, dachte sie vielleicht, ihnen etwas beweisen zu m�ssen.</p><p>Die drei Aes Sedai, die mit den Z�geln in der Hand beie inander standen, warfen den Seanchanern ebenfalls finstere Blicke zu, genau wie Blaeric und Fen, die ihre Schwertgriffe m�glicherweise unbewusst t�tschelten. Joline und ihre beiden Beh�ter waren die Einzigen gewesen, die �ber Sheraines willige Abreise mit Tuon entsetzt gewesen waren � was eine Aes Sedai wegen einer Sache empfand, das empfand f�r gew�hnlich auch ihr Beh�ter � aber f�r Teslyn oder Edesina musste die Erinnerung an die Leine zu frisch sein, um sich in der N�he von seanchanischen Soldaten wohlf�hlen zu k�nnen. Bethamin und Seta standen ein St�ck abseits von den Schwestern, unterw�rfig und die H�nde auf Taillenh�he gefaltet. Bethamins heller Brauner stupste sie mit der Nase an der Schulter an, und die hochgewachsene, dunkelh�utige Frau griff nach oben, um das Tier zu streicheln, bevor sie die Hand zur�ckriss und ihre dem�tige Pose wieder einnahm. Sie w�rden an nichts teilnehmen. Joline und Edesina hatten das deutlich klargestellt, aber es hatte den Anschein, dass sie die beiden Frauen in Sichtweise haben wollten, um auch sicherzugehen. Die Seanchanerinnen schauten nat�rlich in alle Richtungen <emphasis>bis</emphasis> auf die seanchanischen Soldaten. Was das anging, f�r Musenge und seinen Haufen h�tten Bethamin, Seta und Leilwin genauso gut Luft sein k�nnen. Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, es lagen so viele Spannungen in der Luft, dass er fast die Schlinge um seinen Hals wieder sp�ren konnte.</p><p>Pips scharrte mit dem Huf, unbehaglich, so lange an einer Stelle stehen zu m�ssen, und Mat t�tschelte seinen Hals und kratzte dann an der Narbe, die sich an seinem Kinn bildete. Tuons Salben hatten genauso schlimm gebrannt, wie sie angek�ndigt hatte, aber sie hatten geholfen. Dennoch juckte seine neue Narbensammlung. Tuon. Seine Frau. Er war <emphasis>verheiraten.</emphasis> Er hatte gewusst, dass das auf ihn zukam, hatte es schon seit langem gewusst, trotzdem� Verheiratet. Er h�tte sich irgendwie� anders� f�hlen m�ssen, aber er f�hlte sich so wie immer. Und er hatte auch die Absicht, das so zu belassen, und er wollte verdammt sein, wenn er das nicht schaffte! Falls Tuon erwartete, dass Mat Cauthon sesshaft wurde, das Spielen aufgab oder dergleichen, dann w�rde sie eine �berraschung erleben. Vermutlich w�rde er es aufgeben m�ssen, anderen Frauen hinterherzujagen, geschweige denn sie einzufangen, aber er w�rde sich auch weiterhin das Vergn�gen leisten, mit ihnen zu tanzen. Und sie anzusehen. Nur nicht, wenn <emphasis>sie</emphasis> dabei war. Wann auch immer das sein w�rde. Er w�rde nirgendwo hingehen, wo sie die Oberhand hatte, sie und ihr Gerede von Pokaltr�gern und laufenden Pferdeknechten und einer Heirat im Dienst des Kaiserreichs. Wieso sollte das dem verfluchten Kaiserreich dienen, wenn sie ihn zum Mann nahm?</p><p>Musenge verlie� die anderen zehn M�nner und f�nf Ogier in ihren roten und schwarzen R�stungen und lenkte seinen schwarzen Wallach zu Mat. Das Pferd hatte gute Linien, war f�r Geschwindigkeit und Ausdauer gebaut, so weit Mat das beurteilen konnte, ohne es sich genau anzusehen. Auch Musenge schien f�r Ausdauer gebaut zu sein, ein st�mmiger Mann mit einem faltigen, aber harten Gesicht, dessen Augen wie polierte Steine waren. �Verzeihung, Euer Hoheit�, sagte er und schlug den Panzerhandschuh gegen den Harnisch, �aber sollten die M�nner nicht weiterarbeiten?� Er zerdehnte die Worte noch schlimmer als Selucia, war fast unverst�ndlich. �Ihre Ruhepause dauert nun schon lange. Ich bezweifle, dass sie den Wall vor der Ankunft des Verr�ters fertigstellen k�nnen.� Mat hatte sich gefragt, wie lange es wohl dauern w�rde, bis er das zur Sprache brachte. Er hatte das fr�her erwartet.</p><p>Die Armbrustm�nner sa�en mit abgenommenen Helmen, aber mit den Harnischen hinter einem langen, gebogenen Wall; davor hatte man die Erde etwa das Drittel eines Kreises aus einem vier Fu� tiefen Graben aufgesch�ttet, davor und bis kurz hinter den Enden des Grabens hatte man ein Dickicht aus angespitzten Pf�hlen in den Boden gerammt. Sie hatten das schnell erledigt. Infanterie musste genauso gut mit Schaufel, Hacke und Axt umgehen k�nnen wie mit Waffen. Das galt auch f�r Kavalleristen, aber es war schwerer, Reiter davon zu �berzeugen. Fu�soldaten wussten, dass es nach M�glichkeit besser war, etwas zwischen sich und dem Feind zu haben. Die Werkzeuge lagen jetzt verstreut vor dem Graben herum. Ein paar der M�nner w�rfelten, andere ruhten sich aus oder machten sogar ein Nickerchen.</p><p>Soldaten schliefen bei jeder Gelegenheit, die sich ihnen bot. Ein paar lasen doch tats�chlich. Sie lasen! Mandevwin bewegte sich zwischen ihnen, fummelte an seiner Augenklappe herum und beugte sich gelegentlich herunter, um ein paar Worte mit einem Bannertr�ger zu wechseln. Der einzige anwesende Lanzenreiter stand neben seinem Pferd, alles an ihm dr�ckte aus, dass er nichts mit den Armbrustm�nnern zu tun hatte, aber er hielt keine Lanze, sondern einen langen Bannerstab, der zur H�lfte mit Leder umwickelt war.</p><p>Es war das perfekte Gel�nde f�r das, was Mat im Sinn hatt e. Fast zwei Meilen Grasland mit Wildblumen und gelegentlich niedrigen B�schen, das sich von dem Wall bis zu den hohen B�umen am westlichen Ende erstreckte. Im Norden befand sich ein Schwarzwassersumpf voller Eichen und seltsamen, mit wei�en Bl�ten �bers�ten B�umen, die zur H�lfte nur aus dicken Wurzeln zu bestehen schienen; am westlichen Sumpfrand lag ein See, und unterhalb des Sees stand ein Wald. Eine halbe Meile hinter Mat floss ein kleiner Fluss aus dem Sumpf, zuerst in s�dliche Richtung, bevor er dann ein ordentliches St�ck zu Mats Linken nach Westen abdrehte. Ein kleiner Fluss, aber breit und tief genug, dass Pferde ihn durchschwimmen mussten. Das andere Ufer lag au�erhalb der Bogenschussreichweite. F�r Angreifer gab es nur einen Weg, zu dem Wall zu kommen. Direkt darauf zu.</p><p>�Wenn sie kommen, will ich nicht, dass sie anhalten und z�hlen, wie viele M�nner in Rot und Schwarz da sind�, erwiderte er. Aus irgendeinem Grund verzog Musenge kurz die Stirn. �Ich will, dass sie einen halbfertigen Verteidigungswall sehen und weggeworfene Werkzeuge, weil wir erfuhren, dass sie so nah sind. Die Aussicht auf hunderttausend Goldkronen muss ihr Blut in Wallung gebracht haben, aber ich will, dass sie zu aufgeregt sind, um klar zu denken. Sie werden uns verwundbar sehen, unsere Stellung nicht fertig, und mit etwas Gl�ck st�rmen sie direkt drauflos. Sie werden davon ausgehen, dass die H�lfte von ihnen sterben wird, wenn wir feuern, aber das wird f�r jeden anderen nur die Chancen erh�h en, das Gold zu bekommen. Sie werden nur damit rechnen, dass wir eine Salve abschie�en k�nnen.� Er klatschte in die H�nde, und Pips bewegte sich. �Dann schlie�t sich die Falle.�</p><p>�Dennoch, Euer Hoheit, ich w�nschte, wir h�tten mehr von Euren Armbrustm�nnern. Wie ich geh�rt habe, habt Ihr fast drei�igtausend.� Musenge hatte auch geh�rt, dass er Tuon gesagt hatte, er w�rde gegen die Seanchaner k�mpfen. Der Mann wollte Informationen herauslocken.</p><p>�Ich habe weniger, als ich hatte�, sagte Mat mit einer Grim asse. Seine Siege waren nicht gerade unblutig verlaufen. Fast vierhundert Armbrustm�nner lagen in altaranischen Gr�bern und fast f�nfhundert Kavalleristen. Unter den Umst�nden nur eine geringe Schlachterrechnung, aber er hatte es am liebsten, wenn der Schlachter gar keine Rechnung pr�sentierte. �Aber was ich habe, reicht f�r den Tag.�</p><p>�Wie Ihr meint, Euer Hoheit.� Musenges Stimme war so neutral, dass er genauso gut �ber den Bohnenpreis h�tte sprechen k�nnen. Seltsam. Er sah nicht wie ein Mann aus, der seine Meinung f�r sich behielt. �Ich bin immer bereit gewesen, f�r sie zu sterben.� Er brauchte nicht zu erl�utern, wen er meinte.</p><p>�Ich sch�tze, ich auch, Musenge.� Beim Licht, er glaubte das tats�chlich! Ja, es war sein Ernst gewesen. Bedeutete das, dass er sich verliebt hatte? �Aber besser, f�r sie zu leben, findet Ihr nicht auch?�</p><p>�Solltet Ihr nicht Eure R�stung anlegen, Euer Hoheit?�</p><p>�Ich habe nicht vor, nahe genug ans Kampfgeschehen heranzugehen, um eine R�stung zu brauchen. Ein General, der sein Schwert zieht, hat seinen Generalsstab zur Seite gelegt und ist ein gew�hnlicher Soldat geworden.�</p><p>Er zitierte nur wieder Comadrin � was er oft zu tun schien, wenn er �ber das Soldatenhandwerk sprach, aber der Mann hatte alles gewusst, was es dar�ber zu wissen gab �, es war blo� ein Zitat, aber anscheinend beeindruckte es den erfahrenen Mann, der erneut salutierte und um die verdammte Erlaubnis bat, zu seinen M�nnern zur�ckreiten zu d�rfen. Mat war versucht, ihn zu fragen, was der Unsinn mit der �Hoheit� sollte. Vermutlich war das blo� die seanchanische Art, ihn einen Lord zu nennen, aber in Ebou Dar hatte er nichts dergleichen geh�rt, und da war er von Seanchanern umgeben gewesen.</p><p>F�nf Gestalten erschienen aus dem Wald am Wiesenrand, und er brauchte kein Fernglas, um sie zu erkennen. Die beiden Ogier in den rot und schwarz gestreiften R�stungen h�tten es ihm verraten, selbst wenn Vanins Fettmassen es nicht getan h�tten. Die Reiter galoppierten, aber die Ogier konnten mithalten, ihre langen Arme schwangen hin und her, und die �xte schwangen wie der Antriebsschaft einer S�gem�hle.</p><p>�Schleuderm�nner fertig machen!�, rief Mat. �Alle ander en schnappen sich eine Schaufel!� Das Bild musste richtig aussehen.</p><p>W�hrend sich die meisten der Armbrustm�nner verteilten, um nach den Werkzeugen zu greifen und so zu tun, als w�rden sie an Wall und Graben arbeiten, setzten f�nfzig andere die Helme auf und reihten sich vor Aludra auf. Allesamt hochgewachsene M�nner, trugen sie noch immer die Kurzschwerter, die sie Katzenmeuchler nannten, aber statt Armbr�sten waren sie mit vier Fu� langen Schleuderst�ben bewaffnet. Er h�tte lieber mehr als f�nfzig gehabt, aber Aludra verf�gte nur �ber eine bestimmte Menge ihres Pulvers. Jeder Mann trug einen Stoffg�rtel mit aufgen�hten Taschen quer �ber dem Harnisch, und jede Tasche enthielt einen stumpfen Lederzylinder, der gr��er als eine M�nnerfaust war und aus dessen einem Ende eine kurze dunkle Z�ndschnur ragte. Aludra war noch kein toller Name daf�r eingefallen. Aber das war nur eine Frage der Zeit. Sie hatte ein Talent f�r tolle Namen. Drachen und Dracheneier.</p><p>Ein Mann nach dem anderen hielt ihr einen langen Holzs pan hin, den sie mit einem Schwefelholz entz�ndete. Sie tat es schnell, benutzte jedes Schwefelholz, bis das lange Holzst�ck fast bis auf ihre Fingerspitzen abgebrannt war, aber sie zuckte nie zusammen, lie� das Ding einfach fallen und entz �ndete das n�chste, w�hrend sie den Schleuderm�nnern befahl, schneller zu machen, dass ihr die Schwefelh�lzer ausgingen. Beim Licht, sie war aber auch geizig mit den Dingern. Soweit Mat wusste, hatte sie noch f�nf K�stchen davon. Die M�nner wandten sich von ihr ab, klemmten die langsam brennenden Sp�ne zwischen die Z�hne und befestigten einen der Zylinder an den Schleuderst�ben, w�hrend sie zu dem Wall gingen. Zwischen den Schleuderm�nnern befanden sich gro�e Abst�nde. Sie mussten den ganzen Wall bemannen.</p><p>�Zeit, Eure Leute auf die Position zu bringen, Musenge�, sagte Mat laut.</p><p>Die Totenw�chter bildeten eine Reihe mit den G�rtnern am Ende. Jeder, der auch nur einen Blick durch das Fernglas warf, w�rde wissen, was sie waren. Beim Licht, sie brauchten blo� die Ogier in R�stungen zu sehen und die Sonne, die sich auf dem ganzen Rot und Schwarz spiegelte. Und selbst wenn sie dar�ber nachdenken w�rden, wie wenig W�chter dort eigentlich standen, w�rden sie immer noch sehen, dass Mat in der Unterzahl war, und es w�rde nur eine M�glichkeit geben, um herauszufinden, ob sich Tuon bei ihm befand.</p><p>Vanin galoppierte hinter den Wall, warf sich aus dem Satt el und fing sofort damit an, seinen schwei�bedeckten Falben zu f�hren, damit sich das erhitzte Tier abk�hlen konnte. Sobald er am Wall vorbei war, lie�en die Armbrustm�nner die Werkzeuge fallen und rannten los, um die Helme aufzusetzen und die Armbr�ste zu nehmen. Die hatte man so hingelegt, dass die M�nner drei auseinandergezogene Reihen formten, mit L�cken f�r die Schleuderm�nner. Es spielte keine Rolle mehr, ob sie jemand aus dem Wald beobachtete. Was sie sahen, w�rde ganz nat�rlich erscheinen.</p><p>Mat lie� Pips im Schritttempo zu Vanin gehen und stieg ab.</p><p>Die beiden Totenw�chter und die beiden Ogier gesellten sich zu ihren Leuten. Die N�stern der Pferde bl�hten sich durch ihr schweres Atmen, aber die Ogier atmeten keinesfalls schwerer. Einer von ihnen war Hartha, ein Bursche mit steinernem Blick, dessen Rang dem von Musenge ziemlich nahekam.</p><p>Vanin schaute b�se zu den M�nnern hin, die ihre Pferde nicht bewegten. Er mochte ein Pferdedieb sein, reformiert oder auch nicht, aber es gefiel ihm nicht, wenn man Pferdefleisch misshandelte. �Als sie uns auch nur sahen, explodierten sie wie eine ihrer Nachtblumen�, sagte er mit einem Nicken in Aludras Richtung. �Wir haben ausreichend daf�r gesorgt, dass sie einen guten Blick auf die sch�ne bunte R�stung werfen konnten, dann haben wir uns davongemacht, sobald sie aufsa�en. Sie sind dicht hinter uns. Dichter, als sie sollten.� Er spuckte zu Boden. �Ich konnte keinen guten Blick auf ihre Pferde werfen, aber ich bezweifle, dass sie alle diesen Lauf schaffen. Einige werden zusammenbrechen, bevor sie hier sind.�</p><p>�Je mehr, desto besser�, sagte Mat. �Je weniger es schaff en, desto besser.� Er musste Tuon nur einen oder zwei Tage Vorsprung verschaffen, und wenn der zustande kam, weil sie ihre Pferde zuschanden ritten, bis sie den Wald verlie�en und zu dem Schluss kamen, dass er zu viele M�nner hatte, um dagegen vorzugehen, w�rde er das jeder Schlacht sofort vorziehen. Nach einem Galopp von sechs Meilen an diesem Tag w�rden sie ihre Pferde ein paar Tage lang schonen m�ssen, bevor sie wieder in der Lage waren, �berhaupt eine Distanz zur�ckzulegen. Vanin richtete den finsteren Blick auf ihn. Andere sprachen ihn ja vielleicht als Lord oder Hoheit an, aber nicht Chel Vanin.</p><p>Mat lachte und schlug ihm auf die Schulter, bevor er sich wieder in Pips� Sattel schwang. Es war gut zu wissen, dass es jemanden gab, der ihn nicht f�r einen adligen Narren hielt oder dem es zumindest gleichg�ltig war, ob er einer war oder nicht. Er ritt zu den Aes Sedai, die jetzt im Sattel sa�en.</p><p>Blaeric und Fen, der eine auf einem braunen Wallach, der andere auf einem schwarzen, starrten ihn fast so finster an wie zuvor Musenge. Sie hatten noch immer den Verdacht, dass er etwas mit dem zu tun hatte, was Joline passiert war. Sollte er Fen sagen, dass sein kurzer Haarknoten albern aussah? Fen rutschte auf dem Sattel herum und strich �ber den Schwertgriff. Vielleicht lieber nicht.</p><p>�� was ich Euch gesagt habe�, sagte Joline zu Bethamin und Seta und wackelte mahnend mit dem Finger. Ihr dunkelbrauner Wallach sah wie ein Schlachtross aus, war aber keines. Das Tier war schnell, aber sein Temperament war so sanft wie Milchwasser. �Wenn Ihr auch nur daran denkt, <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen, werdet Ihr es bereuen.�</p><p>Teslyn grunzte s�uerlich. Sie t�tschelte ihre kastanienbraune Stute mit dem wei�en Gesicht, ein wesentlich lebhafteres Gesch�pf als Jolines Reittier, und wandte sich an niemand Bestimmten. �Sie bildet Wilde aus und erwartet von ihnen, dass sie sich benehmen, sobald sie au�er Sicht ist. Oder vielleicht glaubt sie, dass die Burg Novizinnen aufnimmt, die �ber das Aufnahmealter hinaus sind.� Farbige Flecken erschienen auf Jolines Wangen, aber sie sagte nichts. Wie gew�hnlich konzentrierte sich Edesina auf etwas anderes, wenn die beiden Streit bekamen, diesmal strich sie imagin�ren Staub von ihrem Reitrock. Da gab es gen�gend Spannungen, um daran zu ersticken.</p><p>Pl�tzlich kamen Reiter zwischen den B�umen am anderen Ende der Wiese hervor, in einem gewaltigen Strom, der zu einem Meer aus Lanzen wurde, als sie die Tiere zugehen, zweifellos �berrascht von dem, was da vor ihnen lag. Anscheinend waren doch nicht so viele Pferde zusammengebrochen, wie Mat gehofft hatte. Er zog das Fernglas aus seinem Futteral, das an den Sattelknauf gebunden war, und hob es ans Auge. Die Taraboner waren leicht auszumachen mit ihren Kettenschleiern, die das Gesicht ab den Augen verbargen, aber die anderen trugen alle vorstellbaren Arten von Helmen, rund oder konisch, mit Visierstangen oder ohne. Er sah sogar ein paar mit Spitzen versehene tairenische Helme, obwohl das nicht bedeutete, dass Tairener dabei waren. Die meisten M�nner nahmen die R�stungen, an die sie herankamen. <emphasis>Nicht nachdenken,</emphasis> dachte er. <emphasis>Die Frau ist hier. Die hunderttausend Goldkronen warten. Nicht dumm sein�</emphasis></p><p>Ein schrilles seanchanisches Horn ert�nte, leise durch die Entfernung, und die Reiter r�ckten im Schritttempo vor, breiteten sich bereits �ber die R�nder des Walls hinaus aus.</p><p>�Rollt das Banner aus, Macoll�, befahl Mat. Also glaubten diese verfluchten Hurens�hne, sie k�nnten Tuon ermorden?</p><p>�Diesmal werden wir sie wissen lassen, wer sie t�tet. Mand evwin, Ihr habt das Kommando.�</p><p>Mandevwin drehte seinen Braunen nach vorn. �Alle bereithalten!�, rief er, und die Unteroffiziere und Bannertr�ger reichten den Befehl weiter.</p><p>Macoll zog die Lederh�lle ab, befestigte sie sorgf�ltig an seinem Sattel. Das Banner entfaltete sich flatternd im Wind, ein mit roten Fransen versehenes wei�es Rechteck mit einer gro�en, offenen roten Hand in der Mitte, und darunter die roten Worte <emphasis>Dovie�andi se tovya sagain. Es ist Zeit, den W�rfel zu werfen,</emphasis> �bersetzte Mat in Gedanken. Und das war es. Er sah, wie Musenge sie betrachtete. Er schien ausgesprochen ruhig f�r einen Mann, auf den zehntausend Lanzen zukamen.</p><p>�Aludra, bereit?�, rief Mat.</p><p>�Nat�rlich bin ich bereit�, erwiderte sie. �Ich w�nschte blo�, ich h�tte meine Drachen!� Musenge richtete die Aufmerksamkeit auf sie. Sollte man sie doch zu Asche verbrennen, sie musste auf ihre Worte achten! Mat wollte, dass diese Drachen ein Schock waren, wenn die Seanchaner das erste Mal mit ihnen konfrontiert wurden.</p><p>Vielleicht zw�lfhundert Schritte vor dem Wall verfielen die Lanzenreiter in den Trab, bei sechshundert fingen sie an zu galoppieren, aber nicht so schnell, wie sie es vielleicht gern getan h�tten. Diese Pferde waren nach dem langen Ritt bereits ersch�pft. Sie bewegten sich schwerf�llig. Noch war keine der Lanzen gesenkt worden. Das w�rde auch nicht vor den letzten hundert Schritten passieren. Ein paar davon wiesen Wimpel auf, die hinter ihnen in der Luft flatterten, hier ein gro�er roter Knoten, dort ein gr�ner oder blauer. M�glicherweise waren es Hausfarben, vielleicht auch die Abzeichen von S�ldnerkompanien. Die vielen Hufe machten ein Ger�usch wie fernes Donnergrollen.</p><p>�Aludra!�, rief Mat, ohne sich umzudrehen. Ein dumpfes Dr�hnen, und der bei�ende Schwefelgeruch verk�ndete, dass das Abschussrohr seine Nachtblume in die Luft geschossen hatte, dann ein lautes <emphasis>Plopp,</emphasis> als in der H�he eine rote Kugel explodierte. Ein paar der galoppierenden Reiter zeigten erstaunt darauf. Keiner von ihnen schaute nach hinten, um zu sehen, dass Talmanes drei Banner Reiter aus dem Wald unterhalb des Sees f�hrte. Ihre Lanzen waren bei den Lasttieren zur�ckgeblieben, aber jeder Mann w�rde seinen Reiterbogen halten. Sie f�cherten zu einer Reihe aus und fingen an, den galoppierenden Reitern zu folgen, und sie wurden immer schneller. Ihre Pferde waren in der vergangenen Nacht weit geritten, aber sie waren nicht geschunden worden, und sie hatten sich den ganzen Morgen ausruhen k�nnen. Die Distanz zwischen den beiden Gruppen schmolz zusammen.</p><p>�Erste Reihe!�, rief Mandevwin, als die Reiter vierhund ert Schritte weit weg waren. �Feuer!� Etwa tausend Bolzen flogen, dunkle Streifen in der Luft. Augenblicklich beugte sich die erste Reihe, um die Winden an den Armbr�sten zu befestigen, und die zweite Reihe hob die Waffen. �Zweite Reihe!�, rief Mandevwin. �Feuer!� Noch einmal flogen tausend Bolzen den herankommenden Reitern entgegen.</p><p>Auf diese Entfernung konnten sie keinen Brustharnisch durchschlagen, trotz ihrer Spitzen, die dazu konstruiert waren, aber M�nner mit gebrochenen Beinen st�rzten aus den S�tteln, und M�nner mit zerfetzten Armen z�gelten hektisch die Pferde, um den Blutstrom zu stillen. Und die Pferde� Ach, beim Licht, die armen Pferde. Pferde st�rzten zu Hunderten, manche um sich tretend und schrill wiehernd, die versuchten, sich wieder auf die Beine zu k�mpfen, andere bewegten sich nicht mehr, und viele von ihnen brachten andere Pferde zu Fall. Abgeworfene Reiter rollten �ber den grasigen Boden, bis sie von den nachfolgenden Reitern zertrampelt wurden.</p><p>�Dritte Reihe! Feuer!�, rief Mandevwin, und sobald die Bolzen in der Luft waren, erhob sich die erste Reihe wieder.</p><p>�Erste Reihe!�, rief Mandevwin. �Feuer!� Und weitere tausend Bolzen trugen ihren Teil zum Gemetzel bei. �Zweite Reihe! Feuer!�</p><p>Nat�rlich war es kein so einseitiger Kampf wie bei einem Hinterhalt. Ein paar der galoppierenden Reiter hatten die Lanzen weggeworfen und die Reiterbogen aus den Futteralen gerissen. Pfeile sch�ssen auf die Armbrustm�nner zu. Von einem galoppierenden Pferd zu zielen und zu treffen war nicht leicht, und die Entfernung war zu gro�, dass die Pfeile zu Anfang t�ten konnten, aber mehr als nur ein Mann hatte mit einem Pfeil im Arm mit seiner Armbrust zu k�mpfen. Noch besch�tzte der Wall ihre Beine. Zu weit, um zu t�ten, es sei denn, das Ziel hatte das Gl�ck verlassen. Mat sah einen Mann mit einem Pfeil im Auge fallen, ein anderer mit einem Schaft im Hals. Es gab noch weitere L�cken in den Reihen. M�nner eilten nach vorn, um sie zu f�llen.</p><p>�Ihr k�nntet jederzeit mitmachen, Joline�, sagte er.</p><p>�Dritte Reihe! Feuer!�</p><p>Die Aes Sedai sch�ttelte gereizt den Kopf. �Ich muss in Gefahr sein. Ich f�hle mich noch nicht in Gefahr.� Teslyn nickte. Sie beobachtete den Sturmangriff, als w�re es eine Parade, und keine besonders interessante.</p><p>�W�rdet Ihr Seta und mir erlauben�, fing Bethamin an, aber Joline blickte kalt �ber die Schulter, und die seanchanische Frau gab nach und senkte den Blick auf ihre H�nde. Seta l�chelte nerv�s, aber das L�cheln erlosch bei Jolines finsterer Miene.</p><p>�Erste Reihe! Feuer!�</p><p>Mat verdrehte die Augen und murmelte ein Gebet, das zur H�lfte ein Fluch war. Die verdammte Frau f�hlte sich nicht gef�hrdet! Er f�hlte sich, als l�ge sein Kopf auf dem Richtblock!</p><p>�Zweite Reihe! Feuer!�</p><p>Talmanes war jetzt in Schussweite und verk�ndete seine Anwesenheit mit einer Salve aus viertausend Bogen auf dreihundert Schritte, die S�ttel leer fegte. Sie �berbr�ckten die Distanz und sch�ssen erneut. Und erneut. Die Reihen der Feinde schienen zu schwanken. Ein paar M�nner rissen die Pferde herum und st�rmten mit gesenkten Lanzen auf Talmanes� Reihe zu. Andere fingen an, den Pfeilregen mit ihren B�gen zu erwidern. Die meisten ritten jedoch einfach weiter.</p><p>�Bildet das Karree!�, rief Mandevwin einen Herzschlag, bevor Mat es tun konnte. Er hoffte, dass der Mann den Befehl nicht zu sp�t gegeben hatte.</p><p>Aber die Bande war gut ausgebildet. Die M�nner an den Flanken fielen rennend zur�ck, so ruhig, als w�rden keine Pfeile auf sie herabregnen, die auf Helme und Harnische prasselten. Und manchmal auch nicht. M�nner fielen. Aber die drei R�nge verloren niemals ihre Geschlossenheit, als sie sich zu einem hohlen Kasten mit Mat als Zentrum aufstellten. Musenge und die anderen Totenw�chter hatten die Schwerter gezogen, und die Ogier hoben ihre langen �xte.</p><p>�Schleuderm�nner!�, rief Mandevwin. �Feuert nach Gutd �nken! Erste Reihe im Westen! Feuer!� Die Schleuderm�nner auf der westlichen Position hoben die Schleuderst�be heran, dass sie die Z�ndschn�re aus den Zylindern zu den langsam brennenden Sp�nen zwischen ihren Z�hnen f�hren konnten, und als die Salve von den Armbr�sten schoss, rissen sie die St�be nach hinten und dann nach vorn. Die dunklen Zylinder flogen mehr als hundert Schritte, um zwischen den heranst�rmenden Reitern zu landen. Die Schleuderm�nner klemmten bereits neue Zylinder auf ihre Schleudern, bevor die ersten gelandet waren. Aludra hatte jede Z�ndschnur mit F�den markiert, die verschiedene Brennzeiten anzeigten, und jeder Zylinder explodierte in einem Flammenball, manche auf dem Boden, andere auf der H�he der K�pfe der Reiter. Die Explosion war nicht die eigentliche Waffe, obwohl ein Mann, der im Gesicht getroffen wurde, pl�tzlich keinen Kopf mehr hatte. Er blieb noch drei Schritte lang im Sattel, bevor er fiel. Nein, Aludra hatte um den Pulverkern eines jeden Zylinders eine Schicht harter Kieselsteine gepackt, und die bohrten sich tief ins Fleisch, wenn sie trafen. Kreischende Pferde st�rzten zu Boden und wanden sich dort. Reiter fielen und blieben reglos liegen.</p><p>Ein Pfeil zupfte an Mats linkem �rmel, ein anderer durchbohrte den rechten �rmel, und nur die Befiederung verhinderte, dass es ein sauberer Durchschuss wurde, und ein dritter riss seine rechte Mantelschulter auf. Er steckte einen Finger unter das Tuch um seinen Hals und zerrte daran. Pl�tzlich kam ihm das verdammte Ding ausgesprochen eng vor. Vielleicht sollte er doch mal dar�ber nachdenken, bei solchen Gelegenheiten eine R�stung zu tragen. Die feindlichen Reihen schlossen sich und bereiteten sich darauf vor, die Armbrustm�nner hinter dem Wall in die Zange zu nehmen. Talmanes� M�nner beschossen sie noch immer von hinten mit Pfeilen, aber mehrere hundert M�nner waren gezwungen, die Bogen fallen zu lassen, um sich mit ihren Schwertern zu verteidigen, und es war unwahrscheinlich, dass alle Pferde mit leeren S�tteln dort drau�en Tarabonern oder Amadicianern geh�rt hatten. Er hatte in der Mitte der Reihe eine L�cke gelassen, einen Pfad f�r jeden, der die Flucht ergreifen wollte, aber bis jetzt hatte noch keiner das Angebot angenommen. Sie konnten diese hunderttausend Goldkronen riechen.</p><p>�Ich glaube�, sagte Joline langsam, �ja, jetzt f�hle ich mich in Gefahr.� Teslyn nahm einfach die Hand zur�ck und warf einen Feuerball gr��er als ein Pferdekopf. Die Explosion schleuderte Erde und Teile von M�nnern und Tieren durch die Luft. Es war auch verdammt noch mal Zeit!</p><p>Die Aes Sedai teilten sich in drei Richtungen auf und fingen an, so schnell sie konnten, Feuerb�lle zu schleudern, aber die Vernichtung, die sie anrichteten, half nicht, den Angriff zu verlangsamen. Die M�nner h�tten mittlerweile sehen m�ssen, dass sich in dem Karree keine Frau mit Tuons Beschreibung befand, aber zweifellos stand mittlerweile ihr Blut in Flammen, und sie hatten den Geruch von Reichtum in der Nase. Mit hunderttausend Goldkronen konnte ein Mann f�r den Rest seines Lebens wie ein Adliger leben. Das Karree war eingekreist, und sie k�mpften darum, n�her zu kommen, k�mpften und starben, als Bolzensalven auf sie herabregneten und Schleuderm�nner sie t�teten. Ein neuer Wall t�rmte sich auf, einer aus toten und sterbenden M�nnern und Pferden, ein Wall, den einige �berwinden wollten und sich dabei dazugesellten. Andere rutschten aus den S�tteln und versuchten dar�ber hinwegzuklettern. Armbrustbolzen warfen sie zur�ck. Aus dieser N�he durchdrangen Bolzen Harnische wie hei�e Messer, die in Butter stachen. Sie kamen und starben.</p><p>Die Stille schien ganz pl�tzlich einzutreten. Keine richtige Stille. Die Luft war vom Keuchen der M�nner erf�llt, die die Winden so schnell bedient hatten, wie sie nur konnten. Und da war das St�hnen der Verwundeten. Irgendwo wieherte ein Pferd. Aber Mat konnte zwischen dem Totenwall und Talmanes niemanden mehr auf den F��en sehen, niemand sa� mehr im Sattel au�er M�nner mit gr�nen Helmen und Harnischen. M�nner, die B�gen und Schwerter gesenkt hatten. Die Aes Sedai falteten die H�nde auf den hohen Sattelkn�ufen. Auch sie atmeten schwer.</p><p>�Es ist vollbracht, Mat!�, ert�nte Talmanes� Ruf. �Jene, die nicht tot sind, sterben. Nicht einer der Narren hat vers ucht zu entkommen.�</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf. Er hatte damit gerechnet, dass sie vor Goldgier halb verr�ckt geworden waren. Aber sie hatten v�llig den Verstand verloren.</p><p>Es w�rde n�tig sein, tote M�nner und Pferde wegzuschleifen, damit Mat und die anderen hier rauskamen, und Talmanes schickte die M�nner an die Arbeit, befestigte Seile an Pferden, um sie wegzuschleifen. Dar�ber wollte niemand hinwegsteigen. Niemand bis auf die Ogier.</p><p>�Ich will sehen, ob ich den Verr�ter finden kann�, sagte Hartha, und er und die anderen sechs G�rtner schulterten die �xte und stiegen �ber die Leichen, als w�ren sie Erde.</p><p>�Nun, wenigstens haben wir das geregelt�, sagte Joline und tupfte das Gesicht mit einem spitzenbesetzten Taschentuch ab. Ihre Stirn war schwei�bedeckt. �Ihr schuldet uns etwas, Mat.</p><p>Aes Sedai mischen sich grunds�tzlich nicht in Privatkriege ein. Ich werde mir etwas einfallen lassen m�ssen, wie Ihr sie bezahlt.� Mat hatte eine ziemliche genaue Vorstellung, was sie sich einfallen lassen w�rde. Sie musste verr�ckt sein, wenn sie glaubte, dass er darin einwilligen w�rde.</p><p>�Armbr�ste haben das geregelt, <emphasis>Marath�damane�,</emphasis> sagte Musenge. Er hatte Helm, Harnisch und Mantel abgelegt, sodass einer der W�chter einen Verband anlegen konnte, wo ein Pfeil eingedrungen war. Der �rmel war sauber abgetrennt, als w�re die Naht schwach gewesen. Er hatte einen Raben auf die Schulter t�towiert. �Armbr�ste und M�nner mit Mut. Ihr hattet nie mehr zur Verf�gung, oder, Euer Hoheit?� Das war keine Frage. �Nur diese und welche Verluste auch immer Ihr erlitten habt.�</p><p>�Ich habe es Euch gesagt�, entgegnete Mat. �Ich hatte genug.� Er w�rde dem Mann nicht mehr enth�llen, als unbedingt n�tig war, aber Musenge nickte, als h�tte er alles best�tigt.</p><p>Als man eine �ffnung geschaffen hatte, damit Mat und die anderen hindurchreiten konnten, waren Hartha und die G�rtner zur�ckgekehrt. �Ich habe den Verr�ter gefunden�, sagte Hartha und hielt einen abgetrennten Kopf an den Haaren hoch.</p><p>Beim Anblick des schwarzen, hakennasigen Gesichts sch�ssen Musenges Brauen in die H�he. �Sie wird sehr interessiert sein, das zu sehen�, sagte er leise. So leise, wie ein aus der Scheide gezogenes Schwert leise war. �Wir m�ssen ihn ihr bringen.�</p><p>�Ihr kennt ihn?�, fragte Mat.</p><p>�Wir kennen ihn, Euer Hoheit.� Musenges Miene, die pl�tzlich wie aus Stein gemei�elt schien, verriet, dass er nicht mehr zu dem Thema sagen w�rde.</p><p>�H�rt mal, k�nntet Ihr nicht aufh�ren, mich so zu nennen? Mein Name ist Mat. Und nach dem heutigen Tag habt Ihr ein Recht, ihn zu benutzen.� Mat �berraschte sich selbst, indem er die Hand ausstreckte.</p><p>Die steinerne Maske wich Erstaunen. �Das k�nnte ich unm�glich tun, Euer Hoheit�, sagte Musenge entsetzt. �Als sie Euch geheiratet hat, seid Ihr der Prinz der Raben geworden. Euren Namen auszusprechen w�rde meinen Blick f�r immer senken.�</p><p>Mat nahm den Hut ab und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Er hatte jedem gesagt, der zuh�ren wollte, dass er keine Adligen mochte und auch keiner sein wollte, und er hatte es auch so gemeint. Er meinte es noch immer. Und jetzt war er verdammt noch mal selber einer! Er tat das Einzige, was er tun konnte. Er lachte, bis ihm der Bauch wehtat.</p></section><section><title><p>EPILOG</p><p>Bedenkt das alte Sprichwort</p></title><p>Der mit roten W�nden versehene Raum, dessen Decke mit V�geln und Fischen bemalt war, die zwischen Wolken und Wellen umhertollten, wimmelte vor braun gekleideten Schreibern, die zwischen den langen Tischen umhereilten. Niemand schien zuzuh�ren � die meisten sahen wie bet�ubt aus, und das mit gutem Grund �, aber Suroth verabscheute ihre Anwesenheit. Sie mussten einiges von dem mitbekommen, was gesagt wurde, und es waren potenziell schlimme Neuigkeiten. Aber Galgan hatte darauf bestanden. Sie mussten sich auf ihre Arbeit konzentrieren, um sich von den verheerenden Neuigkeiten aus der Heimat abzulenken, und bei ihnen handelte es sich alles um vertrauensw�rdige M�nner und Frauen. Er hatte darauf bestanden! Wenigstens war der wei�haarige alte Mann heute Morgen nicht wie ein Soldat gekleidet. Die blauen Pluderhosen und der kurze rote Mantel mit dem hohen Kragen und den Reihen von Goldkn�pfen, in die sein Siegel gepr�gt war, stellten die neueste seanchanische Mode dar, die aktuelle Mode im Kaiserreich. Wenn er R�stung trug oder auch nur seine rote Uniform, dr�ngte sich ihr manchmal der Eindruck auf, dass sie eine Soldatin unter seinem Kommando war!</p><p>Nun, sobald Elbar die Nachricht brachte, dass Tuon tot war, konnte sie Galgan t�ten lassen. Seine Wangen waren mit Asche beschmiert, genau wie die ihren. Das von Semirhage versprochene Schiff hatte die Nachricht vom Tod der Kaiserin gebracht und dass das Reich von Rebellion ersch�ttert wurde. Es gab keine Kaiserin, keine Tochter der Neun Monde. F�r die einfachen Untertanen erzitterte die Welt am Rand des Untergangs. F�r einige Angeh�rige des Blutes auch. Sobald Galgan und ein paar andere tot waren, w�rde keiner mehr Einspruch erheben, wenn Suroth Sabelle Meldarath sich zur Kaiserin ausrief. Sie versuchte nicht daran zu denken, welchen neuen Namen sie annehmen w�rde. Sich vorher einen neuen Namen auszusuchen brachte Ungl�ck.</p><p>Mit einem Stirnrunzeln betrachtete Galgan die vor ihnen ausgebreitete Karte und tippte mit einem rot lackierten Fingernagel auf die Berge an der s�dlichen K�ste von Arad Doman. Suroth wusste nicht, wie die Berge hie�en. Die Karte zeigte ganz Arad Doman und enthielt drei Markierungen, einen roten Keil und zwei wei�e Kreise, die in einer langen Linie von Norden nach S�den aufgestellt waren. �Hat Turan genaue Zahlen, wie viele M�nner aus diesen Bergen kamen, um sich Ituralde anzuschlie�en, als er nach Arad Doman kam, Yamada?�</p><p>Efraim Yamada trug ebenfalls Asche, da er dem Blut angeh �rte, wenn auch nur dem Niederen Blut, und er trug das Haar als Schopf und Pferdeschwanz, statt als schmalen Kamm auf einem ansonsten kahl rasierten Kopf. Nur die einfachen Untertanen um den Tisch trugen keine Asche, ganz egal, welchen Rang sie einnahmen. Yamada, hochgewachsen mit breiten Schultern und schmalen H�ften, mit einem blauen und goldenen Harnisch, wies noch immer Spuren von der Sch�nheit seiner Jugend auf, obwohl seine Haare langsam grau wurden. �Er berichtet von mindestens einhunderttausend, Generalhauptmann. Vielleicht ist es auch nur die H�lfte.�</p><p>�Und wie viele kamen heraus, nachdem Turan die Grenze �berschritten hat?�</p><p>�M�glicherweise zweihunderttausend, Generalhauptmann.� Galgan seufzte und richtete sich wieder auf. �Also hat Turan ein Heer vor sich und eins hinter sich, vermutlich alles, was Arad Doman aufbieten kann, und zwischen ihnen ist er in der Minderzahl.� Dieser Narr! Das Offensichtliche in Worte zu fassen.</p><p>�Turan h�tte jedes Schwert und jede Lanze aus Tarabon abziehen sollen!�, fauchte Suroth. �Wenn er dieses Debakel �berlebt, werde ich seinen Kopf fordern!�</p><p>Galgan hob die Brauen. �Ich glaube kaum, dass Tarabon schon loyal genug ist, um so etwas machen zu k�nnen�, sagte er trocken. �Au�erdem hat er <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Raken.</emphasis> Das sollte seine geringere Zahl wieder wettmachen. Und da wir gerade von <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Raken</emphasis> sprechen, ich habe den Befehl unterschrieben, der Tylee Khirgan zum Generalleutnant und zum Niederen Blut erhebt, da Ihr das immer wieder verz�gert habt, und ich habe Befehle gegeben, dass die meisten dieser <emphasis>Raken</emphasis> nach Amadicia und Altara zur�ckkehren. Chisen hat noch immer nicht herausfinden k�nnen, wer diese kleine Unruhe im Norden angezettelt hat, und mir gef�llt die Vorstellung nicht, dass wer auch immer das war, wieder aus der Deckung kommt, sobald Chisen in die Molvainekluft zur�ckkehrt.�</p><p>Suroth zischte und verkrallte die F�uste in den blauen R�cken, bevor sie die H�nde kontrollieren konnte. Sie w�rde nicht zulassen, dass der Mann sie dazu brachte, ihre Gef�hle zu zeigen! �Ihr �bertretet Eure Kompetenzen, Galgan�, sagte sie kalt. �Ich befehlige die Vorl�ufer. Im Augenblick befehlige ich auch die Wiederkehr. Ohne meine Zustimmung werdet Ihr keine Befehle unterzeichnen.�</p><p>�Ihr befehligt die Vorl�ufer, die in die Wiederkehr eingegliedert worden sind�, erwiderte er ganz ruhig, und Suroth schmeckte Bitterkeit. Die Neuigkeiten aus dem Reich hatten ihn mutiger gemacht. Da die Kaiserin tot war, wollte sich Galgan zum ersten Kaiser seit neunhundert Jahren machen. Es hatte den Anschein, dass er in dieser Nacht sterben musste.</p><p>�Und was Euer Kommando �ber die Wiederkehr betrifft�� Das Poltern schwerer Stiefel im Korridor unterbrach ihn.</p><p>Pl�tzlich f�llten Totenw�chter die T�r, in R�stungen und die H�nde auf den Schwertgriffen. Harte Augen starrten aus den rotgr�nen Helmen und musterten den Raum. Erst als sie zufrieden waren, traten sie zur�ck und enth�llten, dass der Korridor mit Totenw�chtern gef�llt war, menschlichen und Ogiern. Suroth nahm sie kaum wahr. Sie hatte blo� Augen f�r die kleine schwarze Frau in Blau mit dem kahl geschorenen Kopf und der Asche auf den Wangen. Die Neuigkeiten waren in der ganzen Stadt bekannt. Sie konnte den Palast nicht erreicht haben, ohne vom Tod ihrer Mutter geh�rt zu haben, dem Tod ihrer ganzen Familie, aber ihr Gesicht war eine reglose Maske. Suroths Knie prallten wie von selbst auf den Boden. Das Blut um sie herum kniete nieder, die nichtadligen Untertanen warfen sich auf den Bauch.</p><p>�Gesegnet sei das Licht f�r Eure sichere Heimkehr, Euer Hoheit�, sagte sie im Chor mit dem restlichen Blut. Also hatte Elbar versagt. Egal. Tuon w�rde vor dem Ende der Trauerzeit keinen neuen Namen annehmen oder Kaiserin werden. Sie konnte immer noch sterben und den Weg f�r eine neue Kaiserin ebnen.</p><p>�Zeigt ihnen, was mir Hauptmann Musenge gebracht hat, Bannergeneral Karede�, sagte Tuon.</p><p>Ein hochgewachsener Mann mit drei dunklen Federn auf dem Helm beugte sich vor und lie� aus einem Sack einen gro�en Klumpen auf die gr�nen Bodenfliesen rollen. Der atemraubende Gestank von Verwesung breitete sich sofort aus. Er lie� den Sack fallen und trat quer durch den Raum an Suroths Seite.</p><p>Sie brauchte einen Augenblick, um Elbars hakennasiges Gesicht in der verfaulenden Masse zu erkennen, aber sobald sie es tat, warf sie sich auf den Bauch und k�sste den Boden. Aber nicht aus Verzweiflung. Das war nur ein R�ckschlag, den man wieder ausgleichen konnte. Solange sie Elbar nicht der Befragung unterzogen hatten. �Mein Blick ist gesenkt, Euer Hoheit, dass einer von meinen Leuten Euch so schwer beleidigt hat, dass Ihr seinen Kopf genommen habt.�</p><p>�Mich beleidigt?� Tuon schien die Worte zu wiegen.</p><p>�Man k�nnte sagen, dass er mich beleidigt hat. Er hat vers ucht, mich zu t�ten.�</p><p>Entsetztes Keuchen erf�llte den Raum, und bevor Suroth auch nur den Mund �ffnen konnte, stemmte der Bannergeneral der Totenwache einen Stiefel in ihr Kreuz, packte ihren Haarschopf mit der Faust und riss ihren Oberk�rper glatt vom Boden. Sie wehrte sich nicht. Das h�tte die Entehrung nur noch schlimmer gemacht.</p><p>�Mein Blick ist tief gesenkt, dass einer meiner Leute ein Verr�ter sein soll, Euer Hoheit�, stie� sie heiser hervor. Sie w�nschte sich, sie h�tte normal sprechen k�nnen, aber der verfluchte Mann hielt ihren R�cken so nach hinten gebogen, dass es ein Wunder war, dass sie �berhaupt einen Ton herausbrachte. �H�tte ich das geahnt, h�tte ich ihn selbst der Befragung unterworfen. Aber wenn er versucht hat, mich zu beschuldigen, Euer Hoheit, dann hat er gelogen, um seinen wahren Herrn zu besch�tzen. Ich habe da eine Ahnung, die ich unter vier Augen mit Euch besprechen m�chte, falls mir das erlaubt ist.� Mit etwas Gl�ck konnte sie das Galgan unterschieben. Dass er ihr die Autorit�t geraubt hatte, w�rde helfen.</p><p>Tuon schaute �ber Suroths Kopf. Sie erwiderte Galgans Blick, Abaldars und Yamadas, von jedem Angeh�rigen des Blutes, aber nicht den Suroths. �Es ist allgemein und wohlbekannt, dass Zaired Elbar von ganzem Herzen Suroths Mann war. Er hat nichts getan, das sie nicht befohlen hat. Darum gibt es Suroth Sabelle Meldarath nicht mehr. Diese <emphasis>Da�covale</emphasis> wird der Totenwache dienen, bis ihr Haar wieder ausreichend nachgewachsen ist, damit sie schicklich aussieht, wenn sie auf den Block geschickt wird, um verkauft zu werden.�</p><p>Suroth dachte nicht an das Messer, mit dem sie sich die Adern hatte aufschlitzen wollen, ein Messer, das jenseits ihrer Reichweite in ihren Gem�chern lag. Sie konnte �berhaupt nicht denken. Sie fing an zu schreien, ein wortloses Kreischen, bevor sie �berhaupt anfingen, ihr die Kleider vom Leib zu schneiden.</p><p>Nach Tar Valon war die andoranische Sonne warm. Pevara nahm den Umhang ab und schnallte ihn hinter sich am Sattel fest, w�hrend sich das Wegetor schloss und mit ihm der Ausb lick auf den Ogierhain in Tar Valon. Keine von ihnen hatte gewollt, dass jemand ihre Abreise beobachtete. Aus dem gleichen Grund w�rden sie auch wieder in den Hain zur�ckkehren. Solange das Unternehmen kein schlimmes Ende nahm. In diesem Fall kehrten sie vielleicht nie wieder zur�ck. Sie war der Ansicht gewesen, dass diese Aufgabe jemand erf�llen musste, der das gr��te diplomatische Geschick mit dem Mut eines L�wen kombinierte. Nun, wenigstens war sie kein Feigling. Das konnte sie von sich behaupten.</p><p>�Wo habt Ihr das Gewebe f�r den Beh�terbund gelernt?�, fragte Javindhra unvermittelt, w�hrend sie ihren Umhang ebenfalls verstaute.</p><p>�Ihr solltet Euch daran erinnern k�nnen, dass ich einst vorgeschlagen habe, dass die Roten Schwestern wohlberaten w�ren, Beh�ter zu haben.� Pevara zog die roten Reithandschuhe fester und verriet keine Sorge wegen der Frage. Eigentlich hatte sie sie schon fr�her erwartet. �Warum seid Ihr �berrascht, dass ich das Gewebe kenne?� In Wahrheit hatte sie Yukiri fragen m�ssen und war sehr bedr�ngt worden, den Grund daf�r zu verraten. Aber sie bezweifelte, dass Yukiri einen Verdacht hegte. Eher sah man eine fliegende Frau, als dass sich eine Rote mit einem Beh�ter verband. Nur dass sie aus diesem Grund nach Andor gekommen war. Sie alle.</p><p>Javindhra war nur dabei, weil Tsutama es ihr befohlen hatte, nachdem Pevara und Tarna nach Ansicht ihrer Obersten nicht genug Namen beisammen hatten. Die knochige Sitzende gab sich keine M�he, ihren �rger dar�ber zu verbergen, jedenfalls nicht gegen�ber Pevara, obwohl sie ihn in Tsutamas Gegenwart tief vergraben hatte. Tarna war nat�rlich dabei, aber ohne ihre Beh�terinnenstola; daf�r war ihr Reitrock bis zu den Knien mit Rot bestickt. F�r sie w�rde es schwer sein, einen Beh�ter zu haben, da sie doch Elaida diente, auch wenn man die M�nner in der Stadt unterbringen w�rde, weit weg von der Burg, aber es war von Anfang an ihre Idee gewesen, und auch wenn sie sich nicht darauf freut e, so war sie doch fest entschlossen, an diesem ersten Exper iment teilzuhaben.</p><p>Davon abgesehen wurde sie gebraucht, denn sie hatten nur drei andere Schwestern gefunden, die bereit gewesen waren, auch nur �ber die Idee nachzudenken. Die Hauptaufgabe der Roten, die f�r lange Zeit darin bestanden hatte, M�nner aufzusp�ren, die die Macht lenken konnten, und sie dann in die Burg zu bringen, um sie zu d�mpfen, brachte es oft mit sich, dass die Frauen alle M�nner zu verabscheuen lernten, also hatte man nach wenigen Indizien Ausschau halten m�ssen.</p><p>Jezrail war eine Tairenerin mit kantigem Gesicht, die noch immer eine Miniatur des Jungen aufbewahrte, den sie beinahe geheiratet h�tte, statt zur Burg zu kommen. Ihre Enkel w�rden jetzt Gro�eltern sein, aber sie sprach noch immer liebevoll von ihm.</p><p>Desala war eine �u�erst attraktive Cairhienerin mit gro�en dunklen Augen und unerfreulichem Temperament, die, wenn sie die Gelegenheit gehabt h�tte, die ganze Nacht mit unz�hligen M�nnern bis zur Ersch�pfung tanzen w�rde.</p><p>Und Melare, mollig und schlagfertig, die Konversation liebte, schickte f�r die Ausbildung ihres Gro�neffen Geld nach Andor, genau wie sie es auch f�r ihre anderen Neffen und Nichten getan hatte.</p><p>Nachdem Pevara der Suche nach solch winzigen Anhaltsp unkten m�de geworden war, nachdem sie es m�de geworden war, ganz behutsam Fragen zu stellen, ob es ihnen auch ernst mit dem war, was sie meinten, hatte sie Tsutama davon �berzeugt, dass sechs f�r den Anfang reichen w�rden. Davon abgesehen forderte eine zu gro�e Abordnung m�glicherweise eine unerfreuliche Reaktion heraus. Sollte die ganze Rote Ajah vor dieser sogenannten Schwarzen Burg auftauchen oder auch nur die H�lfte, w�rden die M�nner vielleicht glauben, dass man sie angriff. Keiner konnte sagen, wie weit sie schon dem Wahnsinn verfallen waren. Das war eine Sache, auf die sie sich alle geeinigt hatten, hinter Tsutamas R�cken. Sie w�rden sich nicht mit M�nnern verbinden, die Anzeichen von Umnachtung hatten. Falls man ihnen �berhaupt gestattete, mit ihnen den Bund einzugehen, i Augen-und-Ohren der Ajah in Caemlyn hatten reichlich Berichte �ber die Schwarze Burg geschickt, einige hatten dort sogar eine Anstellung gefunden, also hatten sie keine Schwierigkeiten, den ungepflasterten, h�ufig benutzten Weg zu finden, der von der Stadt zu einem grandiosen schwarzen Tor f�hrte, das fast f�nfzig Fu� hoch und zehn Spannen breit war und �ber einem nach unten zeigenden zentralen Schlussstein von Zinnen gekr�nt und von zwei dicken, zinnenbewehrten schwarzen T�rmen flankiert wurde, die mindestens f�nfzehn Spannen hoch waren. Es gab keine Torfl�gel, um diese �ffnung zu schlie�en, und die schwarze Steinmauer, die sich so weit nach Osten und Westen erstreckte, dass man sie aus der Sicht verlor, und in regelm��igen Abst�nden durch die Fundamente von Bastionen und T�rmen markiert wurde, war nirgendwo h�her als vier oder f�nf Schritte. Auf der unregelm��igen Oberfl�che wuchs Unkraut, der Wind strich durch hohes Gras. Diese unfertigen Mauern, die aussahen, als w�rde man sie nie vollenden, lie�en das Tor l�cherlich erscheinen.</p><p>Aber die drei M�nner, die aus der �ffnung traten, waren alles andere als l�cherlich. Sie trugen lange schwarze M�ntel und Schwerter an der Seite. Einer von ihnen, ein schlanker junger Bursche mit einem gewellten Schnurrbart, trug eine Silbernadel in der Form eines Schwertes an dem hohen Kragen. Einer der Geweihten also. Pevara widerstand dem Instinkt, ihn f�r das �quivalent einer Aufgenommenen zu halten und die anderen beiden f�r Novizen. Novizinnen und Aufgenommene wurden besch�tzt und geleitet, bis sie sich ausreichend in der Einen Macht auskannten, um Aes Sedai zu werden. Allen Berichten zufolge betrachtete man die Soldaten und Geweihten als zur Schlacht tauglich, sobald sie gerade eben gelernt hatten, die Macht zu lenken. Und sie wurden vom ersten Tag an dazu gezwungen, unter Druck gesetzt, so viel <emphasis>Saidin</emphasis> zu ergreifen, wie sie nur konnten, dazu gebracht, es so gut wie immer zu benutzen. M�nner starben daran, und sie nannten es �Ausbildungsverluste�, als k�nnten sie den Tod mit nichtssagenden Worten besch�nigen. Der Gedanke, Novizinnen oder Aufgenommene auf diese Weise zu verlieren, drehte Pevara den Magen um, aber anscheinend hatten diese M�nner damit kein Problem.</p><p>�Ich w�nsche Euch einen sch�nen Morgen, Aes Sedai�, sagte der Geweihte mit einer kleinen Verbeugung, als sie vor ihm das Pferd z�gelte. Eine sehr kleine Verbeugung, und er lie� sie dabei auch keinen Augenblick lang aus den Augen. Seinem Akzent nach zu urteilen, kam er aus Murandy. �Was k�nnten sechs Schwestern an diesem sch�nen Morgen wohl von der Schwarzen Burg wollen?�</p><p>�Den M�Hael sprechen�, erwiderte Pevara und schaffte es, nicht an dem Wort zu ersticken. In der Alten Sprache bedeutete das �F�hrer�, aber allein schon diesen Begriff als Titel auszuw�hlen, verlieh dem Wort eine viel st�rkere Bedeutung, als w�rde er alles und jeden f�hren.</p><p>�Ah, um den M�Hael zu sprechen also? Und welche Ajah soll ich melden?�</p><p>�Die Rote�, erwiderte Pevara und sah ihn blinzeln. Sehr zufriedenstellend. Aber nicht sehr hilfreich.</p><p>�Die Rote�, sagte er tonlos. Die �berraschung hatte nicht lange gedauert. �Nun ja. Enkazin, al�Seen, ihr haltet Wache, w�hrend ich sehe, was der M�Hael dazu zu sagen hat.�</p><p>Er wandte ihnen den R�cken zu, und der vertikale silberne Strich eines Wegetors erschien vor ihm und verbreiterte sich zu einer �ffnung, die nicht gr��er als eine T�r war. Konnte er sie nur so gro� machen? Es hatte eine lange Diskussion dar�ber gegeben, ob man sich mit M�nnern verbinden sollte, die so stark oder so schwach wie m�glich waren. Die Schwachen w�rde man m�glicherweise leichter kontrollieren k�nnen, w�hrend die Starken vermutlich � nein, bestimmt � n�tzlicher waren. Sie hatten keine Einigung erzielt; das musste jede Schwester f�r sich selbst entscheiden. Er eilte durch das Wegetor und schloss es wieder, bevor sie mehr sehen konnte als eine wei�e Steinplattform, zu der seitlich Stufen hinauff�hrten und auf der ein rechteckiger schwarzer Stein thronte, der von der Mauer h�tte stammen k�nnen und der auf Hochglanz poliert worden war.</p><p>Die zwei zur�ckgebliebenen M�nner blieben in der Mitte des Torbogens stehen, als wollten sie die Schwestern vom Eintritt abhalten. Einer war ein Saldaeaner, ein d�rrer Mann mit breiter Nase, der kurz vor den mittleren Jahren stand und etwas vom Aussehen eines Schreibers hatte, der leicht gebeugt dastand, als h�tte er viele Stunden �ber einem Schreibpult verbracht; der andere war ein Junge, kaum �lter als ein Kind, der sich das dunkle Haar mit den Fingern aus der Stirn strich, nur damit der Wind es schnell wieder zur�ckwehen konnte. Keiner von ihnen schien auch nur das geringste Unbehagen zu versp�ren, sechs Schwestern allein gegen�berzustehen. <emphasis>Falls</emphasis> sie allein waren. Hielten sich die anderen in den T�rmen auf? Pevara vermied es, zu den T�rmen hochzuschauen.</p><p>�Du da, Junge�, sagte Desala in glockenhellem Tonfall. Glocken, die vor Wut l�uteten. Die sicherste Methode, ihr Temperament in Wallung zu bringen, bestand darin, einem Kind zu schaden. �Du solltest zu Hause sein, wo deine Mutter dich das Schreiben lehrt. Was tust du hier?� Der Junge wurde knallrot und strich sich wieder das Haar aus der Stirn.</p><p>�Saml ist schon in Ordnung, Aes Sedai�, sagte der Saldaeaner und klopfte dem Jungen auf die Schulter. �Er lernt schnell, und man muss ihm nichts zweimal zeigen, damit er es beherrscht.� Der Junge stand sehr gerade da, Stolz auf dem Gesicht, und steckte die Daumen hinter den Schwertg�rtel. Ein Schwert, in seinem Alter! Sicher, der Sohn eines Adligen w�rde in Saml al�Seens Alter schon seit Jahren den Umgang mit dem Schwert erlernen, aber man w�rde ihm nicht erlauben, das Ding in der �ffentlichkeit zu tragen!</p><p>�Pevara�, sagte Tarna k�hl, �keine Kinder. Ich wusste, dass sie Kinder hier haben, aber keine Kinder.�</p><p>�Beim Licht!�, keuchte Melare. Ihre wei�e Stute sp�rte ihre Anspannung und warf den Kopf zur�ck. �Mit Sicherheit keine Kinder!�</p><p>�Das w�re abscheulich�, sagte Jezrail.</p><p>�Keine Kinder�, stimmte Pevara schnell zu. �Ich glaube, wir sollten nichts mehr sagen, bevor wir Meister� den M�Hael gesprochen haben.� Javindhra schnaubte.</p><p>�Keine Kinder, Aes Sedai?�, fragte Enkazin stirnrunzelnd.</p><p>�Wieso keine Kinder?�, fragte er erneut, als er keine Antw ort erhielt.</p><p>Jetzt erschien er weniger wie ein Schreiber. Die gebeugte Haltung blieb, aber etwas in seinen schr�g stehenden Augen erschien pl�tzlich� gef�hrlich. Hielt er die m�nnliche H�lfte der Macht? Die M�glichkeit lie� Pevara fr�steln, aber sie widerstand dem Wunsch, <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen. Einige M�nner, die die Macht lenken konnten, schienen sp�ren zu k�nnen, wenn eine Frau sie hielt. Enkazin sah jetzt aus, als k�nnte er sehr schnell �bereilt reagieren.</p><p>Sie warteten in aller Stille, abgesehen vom gelegentlichen Hufscharren. Pevara zwang sich zur Geduld, Javindhra murmelte etwas vor sich hin. Pevara konnte die Worte nicht verstehen, aber sie erkannte w�tendes Gemurmel, wenn sie es h�rte. Tarna und Jezrail holten B�cher aus den Satteltaschen und lasen. Gut. Sollten diese Asha�man sehen, dass sie unbesorgt waren. Leider erschien nicht einmal der Junge beeindruckt. Er und der Saldaeaner standen einfach in der Mitte des Tors und beobachteten sie, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.</p><p>Nach vielleicht einer halben Stunde �ffnete sich ein gr�� eres Wegetor, und der Murandianer trat hindurch. �Der M�Hael wird Euch im Palast empfangen, Aes Sedai. Geht durch.� Er deutete mit dem Kopf auf die �ffnung.</p><p>�Zeigt Ihr uns den Weg?�, fragte Pevara und stieg ab. Das Wegetor war gr��er, aber sie h�tte sich ducken m�ssen, wenn sie geritten w�re.</p><p>�Auf der anderen Seite wartet jemand, der Euch f�hrt.� Er bellte ein Lachen. �Der M�Hael gibt sich nicht mit meinesgleichen ab.� Pevara merkte sich das, um sp�ter dar�ber nachzudenken.</p><p>Sobald die Letzte von ihnen hindurch und in der N�he der wei�en Steinplattform mit dem spiegelhellen schwarzen Stein war, schloss sich das Tor wieder, aber sie waren nicht allein. Vier M�nner und zwei Frauen in schlichter Wolle �bernahmen die Z�gel der Pferde, und ein dunkelh�utiger, schwergewichtiger Mann mit dem Silberschwert und einer schlangenhaften Figur in Rot und Gold, einem Drachen, am hohen Kragen, deutete eine Verbeugung an.</p><p>�Folgt mir�, sagte er knapp mit einem tairenischen Akzent. Seine Augen waren stechend wie Dolche.</p><p>Der Palast, von dem der Murandianer gesprochen hatte, war genau das, zwei Stockwerke aus wei�em Marmor, die von Spitzkuppeln und T�rmen im saldaeanischen Stil gekr�nt wurden. Ein gro�er, ungepflasterter Platz trennte ihn von der wei�en Plattform. Es war kein verh�ltnism��ig gro�er Palast, aber die meisten Adligen lebten in bedeutend kleineren und wenig gro�artigen H�usern. Breite Steinstufen f�hrten zu einem gro�z�gigen Treppenabsatz vor einer hohen Fl�gelt�r. Jede davon zeigte eine Faust in einem Panzerhandschuh, die drei Blitze hielt; die Schnitzereien waren gro� und vergoldet. Die beiden Fl�gel schwangen auf, bevor der Tairener sie erreichte, aber es waren keine Diener zu sehen. Der Mann musste die Macht benutzt haben. Pevara versp�rte wieder dieses Fr�steln. Javindhra murmelte etwas Unh�rbares. Diesmal klang es nach einem Gebet.</p><p>Der Palast h�tte jedem beliebigen Adligen geh�ren k�nn en, dem der Sinn nach Wandteppichen mit Schlachtenszenen und roten und schwarzen Bodenfliesen stand, nur dass keine Diener zu sehen waren. Er hatte Diener, auch wenn leider keine Augen-und-Ohren der Roten Ajah darunter waren, aber erwartete er von ihnen, dass sie au�er Sicht blieben, wenn sie nicht gebraucht wurden, oder hatte er sie aus dem Saal gewiesen? Vielleicht sollte keiner die Ankunft der sechs Aes Sedai sehen. Diese M�glichkeit f�hrte zu Gedanken, die sie lieber nicht dachte. Ihr waren die Gefahren vor dem Verlassen der Wei�en Burg bekannt gewesen. Sinnlos, sich dar�ber den Kopf zu zerbrechen.</p><p>Das Gemach, in das der Tairener sie f�hrte, war ein Thronraum, wo ein Kreis aus mit Spiralenmustern versehenen S�ulen die vermutlich gr��te Kuppel des Palasts st�tzte, deren Gew�lbe vergoldet und zur H�lfte mit vergoldeten Lampen an vergoldeten Ketten gef�llt war. Auch unten an den W�nden standen hohe Spiegelkandelaber. Etwa hundert M�nner in Schwarz standen zu beiden Seiten. Jeder Mann, den Pevara sehen konnte, trug Schwert und Drachen; es waren M�nner mit harten Gesichtern, mit h�mischen und grausamen Z�gen. Ihre Blicke konzentrierten sich auf sie und die anderen Schwestern.</p><p>Der Tairener k�ndigte sie nicht an, sondern gesellte sich zu der Masse der Asha�man und lie� sie den Raum allein durchqueren. Auch hier waren die Bodenfliesen rot und schwarz. Taim mussten ausgerechnet diese Farben gefallen. Der Mann selbst r�kelte sich auf etwas herum, das man nur als Thron bezeichnen konnte, einem massiven Stuhl, der so �berm��ig beschnitzt und vergoldetet war wie jeder Thron, den sie je in ihrem Leben gesehen hatte, und der auf einem wei�en Marmorpodest stand. Pevara konzentrierte sich auf ihn, und das nicht nur, um die Blicke all der M�nner ignorieren zu k�nnen, die die Macht lenken konnten. Mazrim Taim zog die Blicke auf sich. Er war gro�, hatte eine kr�ftige Hakennase und strahlte k�rperliche Kraft aus. Sowie etwas Finsteres. Er sa� da mit �berkreuzten Kn�cheln und einen Arm �ber die wuchtige Thronlehne gelegt, und doch schien er jeden Augenblick zu einem Gewaltausbruch bereit. Interessanterweise war sein schwarzer Mantel mit blauen und goldenen Drachen bestickt, die sich von den Ellbogen bis zu den Manschetten um die �rmel wanden, aber er trug nicht die Anstecknadeln am Kragen.</p><p>�Sechs Schwestern der Roten Ajah�, sagte er, als sie kurz vor dem Podest stehen blieben. Seine Augen� Und sie hatte gedacht, nur der Tairener h�tte einen durchdringenden Blick gehabt. �Offensichtlich seid Ihr nicht gekommen, um uns alle zu d�mpfen.� Leises Gel�chter hallte durch den Raum.</p><p><emphasis>�Warum</emphasis> wollt Ihr mich sprechen?�</p><p>�Ich bin Pevara Tazanovni, Sitzende der Roten�, sagte sie.</p><p>�Das ist Javindhra Doraille, ebenfalls eine Rote Sitzende. Die anderen sind Tarna Feir, Desala Nevanche��</p><p>�Ich habe nicht nach Euren Namen gefragt�, unterbrach Taim sie kalt. �Ich habe gefragt, warum Ihr hier seid.�</p><p>Das lief nicht gut. Sie schaffte es, nicht tief Luft zu holen, obwohl sie es wollte. Nach au�en hin war sie k�hl und ruhig. Im Inneren fragte sie sich, ob der Tag wohl damit enden w�rde, dass man sie zwangsweise dem Bund unterwarf. Oder mit ihrem Tod. �Wir m�chten dar�ber sprechen, mit Asha�man den Beh�terbund einzugehen. Schlie�lich habt Ihr Euch mit einundf�nfzig Schwestern verbunden. Gegen ihren Willen.� Sollte er ruhig von Anfang an wissen, dass ihnen das bekannt war. �Wir schlagen allerdings nicht vor, einem Mann den Bund gegen seinen Willen aufzuzw�ngen.�</p><p>Ein hochgewachsener blonder Mann in der N�he des Podest es lachte h�misch. �Warum sollten wir Aes Sedai erlauben, auch nur einen Mann�� Etwas Unsichtbares traf seinen Kopf so hart an der Seite, dass seine F��e den Kontakt mit dem Boden verloren, bevor er zusammenbrach und mit geschlossenen Augen und aus der Nase tropfendem Blut liegen blieb.</p><p>Ein schlanker Mann mit graumeliertem Haar und einem Spitzbart beugte sich hinunter, um dem Gefallenen einen Finger auf den Kopf zu legen. �Er lebt�, verk�ndete er, als er sich wieder aufrichtete, �aber er hat einen Sch�delbruch und einen gebrochenen Kiefer.� Er h�tte genauso gut �ber das Wetter sprechen k�nnen. Nicht einer der M�nner bot an, ihn zu Heilen. Nicht einer.</p><p>�Ich habe ein paar Fertigkeiten im Heilen�, sagte Melare, sch�rzte die R�cke und ging auf den gefallenen Mann zu.</p><p>�Daf�r reicht es. Mit Eurer Erlaubnis.�</p><p>Taim sch�ttelte den Kopf. �Ihr habt meine Erlaubnis nicht. Falls Mishraile bis zum Einbruch der Dunkelheit �berlebt, wird er Geheilt werden. Vielleicht wird der Schmerz ihn lehren, seine Zunge zu h�ten. Ihr sagt, <emphasis>Ihr</emphasis> wollt den Beh�terbund eingehen? <emphasis>Rotel�</emphasis></p><p>Das letzte Wort enthielt eine Menge Verachtung, die Pevara zu ignorieren beschloss. Tarnas Blick h�tte allerdings die Sonne in einen Eiszapfen verwandeln k�nnen. Pevara legte ihr vorsichtshalber die Hand auf den Arm. �Rote haben Erfahrung mit M�nnern, welche die Macht lenken k�nnen.� Unter den zusehenden Asha�man erhob sich Gemurmel. �rgerliches Gemurmel. Das ignorierte sie auch.</p><p>�Wir haben keine Angst vor ihnen. Br�uche k�nnen so schwer zu �ndern sein wie Gesetze, manchmal sogar noch schwerer, aber es ist entschieden worden, die unseren zu �ndern. Darum d�rfen Rote Schwestern sich mit Beh�tern verbinden, aber nur mit M�nnern, die die Macht lenken k�nnen. Jede Schwester kann sich mit so vielen verbinden, wie sie es will. Betrachtet man beispielsweise die Gr�nen, halte ich es f�r unwahrscheinlich, dass es mehr als drei oder vier sein werden.�</p><p>�Einverstanden.�</p><p>Pevara blinzelte; sie konnte es nicht verhindern. �Einverstanden?� Sie musste ihn missverstanden haben. Er konnte nicht so leicht �berzeugt worden sein.</p><p>Taims Blicke schienen sich in ihren Kopf zu bohren. Er breitete die H�nde aus, und es war eine sp�ttische Geste.</p><p>�Was soll ich denn Eurer Meinung nach sagen? Fair ist fair? F�r jeden den gleichen Anteil? Akzeptiert �einverstanden� und fragt, wer mit Euch den Bund eingehen will. Au�erdem solltet Ihr das alte Sprichwort bedenken. Lasst den Herrn des Chaos herrschen.� Die M�nner brachen in schallendes Gel�chter aus.</p><p>Pevara hatte dieses Sprichwort noch nie geh�rt. Aber das Gel�chter lie� sie fr�steln.</p></section><section><title><p>Glossar</p></title><subtitle>Vorbemerkung zur Datierung</subtitle><p>Der Tomanische Kalender (von Torna dur Ahmid entworfen) wurde ungef�hr zwei Jahrhunderte nach dem Tod des letzten m�nnlichen Aes Sedai eingef�hrt. Er z�hlte die Jahre nach der Zerst�rung der Welt (NZ). Da aber die Jahre der Zerst�rung und die darauffolgenden Jahre �ber fast totales Chaos herrschte und dieser Kalender erst gut hundert Jahre nach dem Ende der Zerst�rung eingef�hrt wurde, hat man seinen Beginn v�llig willk�rlich gew�hlt. Am Ende der Trolloc-Kriege waren so viele Aufzeichnungen vernichtet worden, dass man sich stritt, in welchem Jahr der alten Zeitrechnung man sich �berhaupt befand. Tiam von Gazar schlug die Einf�hrung eines neuen Kalenders vor, der am Ende dieser Kriege einsetzte und die (scheinbare) Erl�sung der Welt von der Bedrohung durch Trollocs feierte. In diesem zweiten Kalender erschien jedes Jahr als sogenanntes Freies Jahr (FJ). Innerhalb der zwanzig auf das Kriegsende folgenden Jahre fand der Gazareische Kalender weitgehend Anerkennung. Artur Falkenfl�gel bem�hte sich, einen neuen Kalender durchzusetzen, der auf seiner Reichsgr�ndung basierte (VG = Von der Gr�ndung an), aber dieser Versuch ist heute nur noch den Historikern bekannt. Nach weitreichender Zerst�rung, Tod und Aufruhr w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges entstand ein vierter Kalender durch Uren din Jubai Fliegende M�we, einem Gelehrten der Meerleute, und wurde von dem Panarchen Farede von Tarabon weiterverbreitet. Dieser Farede-Kalender z�hlt die Jahre der Neuen �ra (N�) von dem willk�rlich angenommenen Ende des Hundertj�hrigen Krieges an und ist w�hrend der geschilderten Ereignisse in Gebrauch.</p><empty-line/><p><strong>Aelfinn:</strong> Eine Rasse von Wesen, die gr��tenteils menschlich aussehen, aber auch schlangen�hnliche Z�ge haben. Sie beantworten drei Fragen wahrheitsgem��. Wie auch immer die Frage lautet, ihre Antworten sind stets korrekt, werden aber h�ufig so formuliert, dass sie nicht eindeutig verst�ndlich sind. Fragen �ber den Schatten k�nnen au�erordentlich gef�hrlich sein. Ihr eigentlicher Aufenthaltsort ist unbekannt, aber man kann sie mit Hilfe eines <emphasis>Ter�angreals</emphasis> besuchen, das sich einst in Mayene befand, seit einigen Jahren aber im Stein von Tear steht. Berichten zufolge kann man sie auch durch den Turm von Ghenjei erreichen. Sie sprechen die Alte Sprache, erw�hnen Vertr�ge und Abmachungen und fragen jeden Besucher, ob er Eisen, Musikinstrumente oder Ger�tschaften zum Feuermachen bei sich tr�gt <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Eelfinn).</p><p><strong>Amayar, die:</strong> Bewohner der Meervolk-Inseln. Die Amayar sind gr��tenteils nur den Atha�an Miere bekannt und stellen das Porzellan her, das allgemein als Meervolk-Porzellan bekannt ist. Als Anh�nger des Wasserweges, der die Akzeptanz der Verh�ltnisse preist und nicht das, was w�nschenswert w�re, fl��t ihnen das Meer Unbehagen ein. Sie wagen sich nur in kleinen Fischerbooten aufs Wasser und verlassen nie die Ufern�he. Ihre Lebensweise ist sehr friedlich und bedarf nur wenig �berwachung durch die aus den Reihen des Atha�an Miere ausgew�hlten Gouverneure. Da diese Gouverneure nur wenig Verlangen versp�ren, sich weit vom Meer zu entfernen, verwalten die Amayar ihre D�rfer haupts�chlich nach ihren eigenen Regeln und Br�uchen.</p><p><strong>Arad Doman:</strong> Eine Nation am Aryth-Meer, die zurzeit vom B�rgerkrieg und den K�mpfen gegen die Anh�nger des Wiedergeborenen Drachen zerrissen wird. Die Hauptstadt ist Bandar Eban. In Arad Doman nennt man die Nachkommen des Adels, der seine Herkunft auf die Zeit der Gr�ndung der Nation zur�ckf�hren kann, die Blutgeborenen � im Gegensatz zu jenen, die erst sp�ter in den Adelsstand erhoben wurden. Der Herrscher (ein K�nig oder eine K�nigin) wird von einem Rat der Kaufleute erw�hlt, der sich aus den Vorsitzenden der Kaufmannsgilden � in der Hauptsache Frauen � zusammensetzt. Er oder sie muss von adligem Blut und darf kein Kaufmann sein, die Person wird auf Lebenszeit gew�hlt. Der K�nig oder die K�nigin verf�gt �ber die absolute Autorit�t, kann aber durch eine Abstimmung des Rates abgesetzt werden; dazu ist eine Dreiviertelmehrheit erford erlich. Der derzeitige Herrscher ist K�nig Alsalam Saeed Almadar, Lord von Almadar, der Hohe Herrscher von Haus Almadar. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt und geheimnisumwittert.</p><p><strong>Asha�man:</strong> (1) In der Alten Sprache �W�chter�, immer ein W�chter von Gerechtigkeit und Wahrheit. (2) Die Bezeichnung der M�nner � sowohl allgemein als auch im Sinne eines Ranges �, die zur Schwarzen Burg in der N�he von Caemlyn in Andor gezogen sind, um dort den Gebrauch der Einen Macht zu erlernen. Ihre Ausbildung konzentriert sich auf die M�glichkeiten, die Eine Macht als Waffe zu benutzen. Sobald sie gelernt haben, <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche H�lfte der Macht, zu ergreifen, wird von ihnen verlangt � eine weitere Abweichung von den Gepflogenheiten der Wei�en Burg �, alle m�hevollen Arbeiten mit Hilfe der Macht zu erledigen. Ein neu aufgenommener Rekrut wird Soldat genannt; er tr�gt einen schlichten schwarzen Mantel mit einem hohen Kragen nach der andoranischen Mode. Mit der Bef�rderung zum Geweihten erh�lt er das Recht, eine als Schwert bezeichnete silberne Anstecknadel am Mantelkragen zu tragen. Die Bef�rderung zum Asha�man beinhaltet das Recht, auf der dem Schwert gegen�berliegenden Kragenseite die aus Gold und roter Emaille bestehende Anstecknadel in Form eines Drachen zu tragen. Obwohl viele Frauen � einschlie�lich der Ehefrauen � die Flucht ergreifen, wenn sie erfahren, dass ihr Mann die Macht lenken kann, sind eine stattliche Anzahl der M�nner aus der Schwarzen Burg verheiratet, und sie benutzen eine Abart des Beh�terbundes, um eine Verbindung zu ihren Frauen herzustellen. Dieser Bund wurde k�rzlich so modifiziert, dass er Gehorsam erzwingt, und dazu benutzt, gefangene Aes Sedai gef�gig zu machen. Einige Aes Sedai sind auch mit Asha�man den Bund eingegangen, allerdings handelt es sich hier um den traditionellen Beh�terbund. Anf�hrer der Asha�man ist Mazrim Taim, der sich selbst die Bezeichnung M�Hael verliehen hat, was in der Alten Sprache �F�hrer� bedeutet.</p><p><strong>Balwer, Sebban:</strong> Ehemals Pedron Nialls (der Kommandierende Lordhauptmann der Kinder des Lichts) offizieller Sekret�r und insgeheim sein Meister der Spione. Nach Nialls Tod half er aus ureigenen Beweggr�nden in Amador Morgase (die ehemalige K�nigin von Andor) bei ihrer Flucht vor den Seanchanern und ist jetzt der Sekret�r von Perrin t�Bashere Aybara und Faile ni Bashere t�Aybara. Allerdings sind noch andere Pflichten hinzugekommen, und er leitet nun die Aktivit�ten der <emphasis>Cha Faile</emphasis> und arbeitet f�r Perrin als Meister der Spione, obwohl Perrin das nicht so sieht <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Cha Faile).</p><p><strong>Bande der Roten Hand:</strong><emphasis>siehe:</emphasis> Shen an Calhar.</p><p><strong>Blut, das:</strong> Bezeichnung der Seanchaner f�r ihren Adel. Es gibt vier verschiedene Adelsr�nge, zwei beim Hohen Blut und zwei beim Niederen Blut. Das Hohe Blut l�sst die Fingern�gel bis auf eine L�nge von zweieinhalb Zentimetern wachsen, rasiert den Kopf auf beiden Seiten und l�sst nur in der Mitte einen Haarschopf �brig; bei den M�nnern f�llt er schmaler als bei den Frauen aus. Die L�nge des Haarschopfes richtet sich nach der Mode. Das Niedere Blut l�sst ebenfalls die Fingern�gel wachsen, aber sie rasieren au�er den Seiten auch den Hinterkopf, au�er dem Schopf bleibt ein breiter Zopf �brig, der bei M�nnern oft bis zur Schulter und bei Frauen bis zur Taille reichen kann. Die Angeh�rigen der h�chsten Adelsr�nge des Hohen Blutes bezeichnet man als Hochlady oder Hochlord; sie lackieren sich die ersten beiden Fingern�gel einer jeden Hand. Die Angeh�rigen des darunter befindlichen Ranges werden einfach als Lord oder Lady bezeichnet und lackieren sich lediglich die Zeigefingern�gel. Angeh�rige des Niederen Blutes werden ebenfalls einfach als Lord oder Lady angesprochen, aber hier lackieren sich die Mitglieder des h�heren Ranges die N�gel der letzten beiden Finger, w�hrend sich der untere Rang nur die N�gel der kleinen Finger lackiert. Die Kaiserin und die unmittelbaren Angeh�rigen der Kaiserfamilie rasieren sich den Kopf ganz und lackieren alle Fingern�gel. Man wird ins Blut hineingeboren, kann aber auch zu diesem Rang erhoben werden. Das ist eine h�ufige Belohung f�r au�ergew�hnliche Leistungen oder Verdienste f�r das Kaiserreich.</p><p><strong>Cha Faile:</strong> (1) In der Alten Sprache die �Krallen des Falken�. (2) Von jungen Cairhienern und Tairenern angenommener Name, die versuchen, dem <emphasis>Ji�e�toh</emphasis> zu folgen. Sie haben Faile ni Bashere t�Aybara den Treueid geschworen und handeln im Geheimen als ihre pers�nlichen Sp�her und Spione. Seit ihrer Gefangennahme durch die Shaido f�hren sie ihre Aktivit�ten unter dem Kommando von Sebban Balwer weiter.</p><p><strong>Corenne:</strong> In der Alten Sprache �Die Wiederkehr�. Die Seanchaner bezeichnen damit sowohl die Flotte aus Tausenden von Schiffen wie auch die Hunderttausende von Soldaten, Handwerkern und anderen Menschen, die die Schiffe transportierten und die den Vorl�ufern folgen, um das Land zu beanspruchen, das Artur Falkenfl�gels Nachfahren gestohlen wurde. Der Anf�hrer der <emphasis>Corenne</emphasis> ist Generalhauptmann Lunal Galgan <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hailene, Rhyagelle).</p><p><strong>Cuendillar:</strong> Eine angeblich unzerst�rbare Substanz, die w�hrend des Zeitalters der Legenden erschaffen wurde. Jede bekannte Kraft, die dazu benutzt wird, <emphasis>Cuendillar</emphasis> zu zerst�ren, wird davon absorbiert und macht sie st�rker. Die Kunst der Herstellung galt als verloren, aber Ger�chten zufolge wurden wieder neue Gegenst�nde daraus hergestellt. Auch als Herzstein bekannt.</p><p><strong>Da�covale:</strong> (1) In der Alten Sprache bezeichnet man damit eine Person, die einer anderen geh�rt oder ihr �Besitz� ist. (2) Bei den Seanchanern wird dieser Begriff h�ufig f�r Besitzt�mer und Sklaven verwendet. In Seanchan hat die Sklaverei eine lange und ungew�hnliche Geschichte, da Sklaven die M�glichkeit haben, zu Positionen mit gro�er Macht und �ffentlicher Autorit�t aufzusteigen, darunter auch solche, wo sie �ber freie B�rger bestimmen. Es ist allerdings auch m�glich, dass hochgestellte Personen zu <emphasis>Da�covale</emphasis> gemacht werden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> So�jhin).</p><p><strong>Depositorium:</strong> Eine Abteilung der Burgbibliothek. Es gibt zw�lf allgemein bekannte Depositorien, in denen B�cher und Aufzeichnungen �ber jeweils bestimmte Sachgebiete und artverwandte Themen aufbewahrt werden. Ein dreizehntes Depositorium, das allein f�r Aes Sedai zug�nglich ist, enth�lt geheime Dokumente, Aufzeichnungen und historische Unterlagen, die nur vom Amyrlin-Sitz, der Beh�terin der Chroniken und den Sitzenden vom Saal der Burg eingesehen werden d�rfen. Und nat�rlich von der Hand voll Bibliothekare, die das Depositorium leiten.</p><p><strong>Der�morat:</strong> (1) In der Alten Sprache �Meisterbezwinger�. (2) Bezeichnung der Seanchaner f�r einen Tierb�ndiger und Ausbilder von Exoten beziehungsweise f�r jeden Ausbilder, wobei das Suffix einen langj�hrigen und f�higen Meister bezeichnet, so wie beispielsweise in <emphasis>Der�morat�raken. Der�morat</emphasis> k�nnen eine ziemlich hohe soziale Stellung erreichen; der h�chste ist der <emphasis>Der�sul�dam,</emphasis> die Ausbilder der <emphasis>Sul�dam,</emphasis> die mit ziemlich hohen Armeeoffizieren gleichzusetzen sind <emphasis>(siehe auch: Morat).</emphasis></p><p><strong>Eelfinn:</strong> Eine Rasse von Wesen, die gr��tenteils menschlich aussehen, aber auch fuchs�hnliche Z�ge haben. Sie erf�llen drei W�nsche, allerdings verlangen sie als Gegenleistung einen Preis. Wenn der Bittsteller keinen Preis aushandelt, legen die Eelfinn ihn fest. F�r gew�hnlich ist das unter diesen Umst�nden der Tod. Aber sie halten ihren Teil des Handels ein, auch wenn die Art und Weise, wie sie die W�nsche erf�llen, nur selten den Erwartungen des Bittstellers entsprechen. Ihr eigentlicher Aufenthaltsort ist unbekannt, aber man kann sie mit Hilfe eines <emphasis>Ter�angreals</emphasis> besuchen, das sich in Rhuidean befand. Dieses <emphasis>Ter�angreal</emphasis> wurde von Moiraine Damodred nach Cairhien gebracht, wo es zerst�rt wurde. Berichten zufolge kann man sie auch durch den Turm von Ghenjei erreichen. Sie stellen die gleichen Fragen wie die Aelfinn, was Eisen, Musikinstrumente oder Ger�tschaften zum Feuermachen betrifft <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aelfinn).</p><p><strong>Erste Denkerin:</strong> Titel der Anf�hrerin der Wei�en Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Ferane Neheran bekleidet. Ferane Sedai ist eine von derzeit nur zwei Ajah-Anf�hrerinnen, die gleichzeitig im Saal der Burg das Amt einer Sitzenden innehalten.</p><p><strong>Erste Weberin:</strong> Titel der Anf�hrerin der Gelben Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Suana Dragand bekleidet. Suana Sedai ist eine von derzeit nur zwei Ajah-Anf�hrerinnen, die gleichzeitig im Saal der Burg das Amt einer Sitzenden innehalten. Bei den Aes-Sedai-Rebellen nimmt Romanda Cassin diese Stellung ein.</p><p><strong>Fain, Padan:</strong> Ehemaliger Schattenfreund, der mittlerweile etwas viel Schlimmeres als ein Schattenfreund ist. Er ist genauso sehr ein Feind der Verlorenen wie Rand al�Thor, den er leidenschaftlich hasst. Zuletzt wurde er zusammen mit Toram Riatin in Far Madding gesehen, der dort gestorben ist.</p><p><strong>Fei, Harid:</strong> Der Autor von <emphasis>Vernunft und Unvernunft</emphasis> und anderer B�cher. Fei war Student (und Lehrer) der Geschichte und der Philosophie an der Universit�t von Cairhien. Seine Leiche wurde in St�cke gerissen in seinem Arbeitszimmer entdeckt.</p><p><strong>Feuerwerker, Gilde der:</strong> Eine Gesellschaft, die das Geheimnis zur Herstellung von Feuerwerk h�tet. Sie h�tet dieses Geheimnis sehr gewissenhaft, bis hin zum Mord. Die Gilde leitet ihren Namen von ihren gro�artigen Feuerwerken ab, die man auch als Illuminationen bezeichnet � man nennt sie auch die Gilde der Illuminatoren �, und die sie f�r Herrscher und gelegentlich einflussreiche Lords veranstaltet. Einfaches Feuerwerk wurde auch im freien Handel verkauft, aber stets mit strengen Warnungen vor den schlimmen Folgen, die aus dem Versuch resultieren k�nnten, etwas �ber das Innere der Feuerwerksk�rper in Erfahrung zu bringen. Einst hatte die Gilde in Cairhien und Tanchico Stiftungsh�user, aber sie sind nun zerst�rt. Die Gildenangeh�rigen in Tanchico haben sich gegen die Invasion der Seanchaner zur Wehr gesetzt; die �berlebenden wurden zu <emphasis>Da�covale</emphasis> gemacht, die Gilde als solche existiert nicht l�nger. Allerdings konnten einzelne Feuerwerker den Seanchanern entkommen und arbeiten darauf hin, dass die Gilde nicht in Vergessenheit ger�t <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Da�covale).</p><p><strong>Gefl�gelten Wachen, die:</strong> Die Leibwache der Ersten von Mayene und gleichzeitig die Eliteeinheit des Mayenischen Milit�rs. Soldaten der Gefl�gelten Wache tragen rot lackierte Brustharnische und rote Topfhelme mit Nackenschutz, ihre Bewaffnung besteht aus mit Wimpeln versehenen Lanzen. An den Helmen der Offiziere sind an den Seiten Fl�gel aus dem Eisen geh�mmert, der Rang wird durch d�nne Federn angezeigt.</p><p><strong>Generalhauptmann:</strong> (1) Der milit�rische Rang des Befehlshabers der K�niglichen Garde von Andor. Diese Position wird zurzeit von Lady Birgitte Trahelion eingenommen. (2) Der Titel der Anf�hrerin der Gr�nen Ajah, die allerdings allein den Mitgliedern der Gr�nen namentlich bekannt ist. In der Wei�en Burg hat diese Position zurzeit Adelorna Bastine inne, bei den von Egwene al�Vere angef�hrten Aes-Sedai-Rebellen ist es Myrelle Berengari. (3) Milit�rischer Rang bei den Seanchanern, der h�chste in dem Immer Siegreichen Heer. Allerdings gibt es noch den h�hergestellten Rang des Generalmarschalls, der in Kriegszeiten f�r befristete Zeit einem Generalhauptmann verliehen wird.</p><p><strong>Gewichtseinheiten:</strong> 10 Unzen = 1 Pfund, 10 Pfund = 1 Stein, 10 Steine = 1 Zentner, 10 Zentner = 1 Tonne.</p><p><strong>Hailene:</strong> In der Alten Sprache �Vorl�ufer� oder �Jene, die vorher kommen�. Bezeichnung der Seanchaner f�r die gewaltige Expeditionsstreitmacht, die �ber das Aryth-Meer geschickt wurde, um die L�nder auszuspionieren, die einst von Artur Falkenfl�gel beherrscht wurden. Seitdem sie unter dem Befehl der Hochlady Suroth steht und ihre Gr��e durch in den eroberten L�ndern eingezogene Rekruten stark angeschwollen ist, hat die Hailene ihre urspr�nglichen Ziele weit hinter sich gelassen und ist von der <emphasis>Corenne</emphasis> �bertrumpft worden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Corenne, Rhyagelle).</p><p><strong>Hand:</strong> Bei den Seanchanern bezeichnet man mit dieser Stellung einen hochrangigen Assistenten oder einen Angeh�rigen einer Hierarchie von kaiserlichen Funktion�ren. Eine Hand der Kaiserin geh�rt zum Ersten Rang, in den niedrigeren R�ngen bezeichnet man sie als Niedere H�nde. Manche H�nde arbeiten im Geheimen so wie die Anf�hrer der Sucher und Lauscher; andere sind allgemein bekannt und tragen als Rangabzeichen die entsprechende Zahl von goldenen H�nden auf die Kleidung aufgestickt.</p><p><strong>Hanion, Daved:</strong> Schattenfreund und ehemaliger Befehlshaber der Wei�en L�wen, der in den Diensten des Verlorenen Rahvin stand, w�hrend dieser als Lord Gaebril Caemlyn beherrschte. Sp�ter f�hrte Hanion befehlsgem�� die Wei�en L�wen nach Cairhien, um dort die Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen voranzutreiben. Die Wei�en L�wen wurden von einer �Blase des B�sen� vernichtet und Hanion nach Caemlyn zur�ckbeordert, wo er sich unter dem Namen Doilin Mellar bei der Tochter-Erbin Elayne eingeschmeichelt hat. Ger�chten zufolge hat er betr�chtlich mehr getan, als sich nur eingeschmeichelt.</p><p><strong>Herz:</strong> Basiseinheit in der Organisation der Schwarzen Ajah. Im Grunde genommen eine Zelle. Ein Herz besteht aus drei Schwestern, die einander kennen; jede Angeh�rige eines Herzens kennt wiederum eine weitere Schwarze Schwester, die den anderen beiden Mitgliedern des Herzens unbekannt ist.</p><p><strong>Hierarchie des Meervolks:</strong> Die Atha�an Miere, das Meervolk, werden von der Herrin der Schiffe der Atha�an Miere beherrscht. Ihr zur Seite stehen die Windsucherin der Herrin der Schiffe sowie der Meister der Klingen. Den n�chsten untergeordneten Rang bekleiden die Herrinnen der Wogen der einzelnen Clans, von denen jede ebenfalls �ber eine Windsucherin und einen Schwertmeister verf�gt. Die Herrin der Wogen eines Clans herrscht �ber die Herrinnen der Segel (die Schiffskapit�ne), die den Befehl �ber die Schiffe haben und von ihren eigenen Windsucherinnen und Zahlmeistern unterst�tzt werden. Die Windsucherin der Herrin der Schiffe hat die Autorit�t �ber alle Windsucherinnen des Meervolks, aber nat�rlich hat die jeweilige Herrin der Wogen zugleich die Autorit�t �ber alle Windsucherinnen ihres Clans. Das Gleiche gilt f�r den Meister der Klingen, der die Autorit�t �ber alle Schwertmeister hat, denen wiederum die Zahlmeister ihres Clans unterstehen. Beim Meervolk ist Rang nicht erblich. Die Herrin der Schiffe wird auf Lebenszeit von den Ersten Zw�lf der Atha�an Miere gew�hlt, den zw�lf �ltesten Herrinnen der Wogen. Die Herrin der Wogen eines Clans wird wiederum von den zw�lf �ltesten Herrinnen der Segel ihres Clans gew�hlt, die man schlicht die Ersten Zw�lf nennt � ein Begriff, der ebenfalls dazu benutzt wird, um die �lteste Herrin der Segel vor Ort zu benennen. Sie kann von denselben Ersten Zw�lf durch eine Abstimmung wieder abgesetzt werden. In der Tat kann bis auf die Herrin der Schiffe jeder wegen Gesetzes�bertretungen, Feigheit oder anderen Vergehen bis hinunter zum einfachen Deckmatrosen degradiert werden. Beim Tod einer Herrin der Wogen oder der Herrin der Schiffe muss ihre Windsucherin notwendigerweise einer Frau mit niederem Rang dienen, und ihr eigener Rang f�llt deswegen ebenfalls auf die niedrigste Stufe und entspricht von nun an dem Rang einer Frau, die vom Lehrling zur Windsucherin erhoben wurde. Bis vor kurzem noch haben sich die Atha�an Miere mit verschiedenen T�uschungsman�vern von den Aes Sedai ferngehalten. Sie wissen, dass Frauen, die die Macht lenken k�nnen, eine viel h�here Lebensspanne als gew�hnlich aufweisen, aber das Leben auf dem Meer ist so gef�hrlich, dass sie ihr normales Alter nur selten erreichen, und darum wissen sie auch, dass eine Windsucherin in ihrem Leben einige Male zu gro�en H�hen aufsteigen und wieder tief fallen kann.</p><p><strong>Ishara:</strong> Die erste K�nigin von Andor (zirka 994 � 1020 FJ). Nach dem Tod Artur Falkenfl�gels �berzeugte Ishara ihren Gemahl, einen von Falkenfl�gels wichtigsten Gener�len, die Belagerung von Tar Valon abzubrechen und sie mit so vielen Soldaten, wie er von dem Heer auf seine Seite ziehen konnte, nach Caemlyn zu begleiten. Wo viele andere versuchten, Falkenfl�gels ganzes Reich f�r sich zu erobern und scheiterten, nahm Ishara erfolgreich von einem kleinen Teil Besitz. Heutzutage weist fast jedes Adelshaus Andors etwas von Isharas Blut auf, und der rechtm��ige Anspruch auf den L�wenthron h�ngt sowohl von der direkten Abstammung von ihr als auch von der nachgewiesenen Anzahl an Verbindungen zu ihr ab.</p><p><strong>Kaensada:</strong> Ein Gebiet in Seanchan, das von unzivilisierten Bergst�mmen bev�lkert wird. Diese St�mme k�mpfen oft untereinander, das Gleiche gilt f�r individuelle Familien innerhalb der St�mme. Jeder Stamm hat seine eigenen Br�uche und Tabus, die f�r Au�enstehende oft wenig Sinn machen. Die meisten Stammesleute meiden die zivilisierten Bewohner Seanchans.</p><p><strong>Kalender:</strong> Die Woche hat zehn Tage, der Monat 28, und es gibt 13 Monate im Jahr. Mehrere Festtage geh�ren keinem bestimmten Monat an: der Sonntag oder Sonnentag (der l�ngste Tag des Jahres), das Erntedankfest (einmal alle vier Jahre zur Fr�hlingssonnenwende) und das Fest der Rettung aller Seelen, auch Allerseelen genannt (einmal alle zehn Jahre zur Herbstsonnenwende). Obwohl die Monate Namen haben � Taisham, Jumara, Saban, Aine, Adar, Saven, Amadaine, Tammaz, Maigdhal, Choren, Shaldine, Nesan und Danu �, benutzt man sie nur selten, und dann auch nur in offiziellen Dokumenten. Dem Volk reicht die Jahreszeit.</p><p><strong>Kinder des Lichts:</strong> Eine Gemeinschaft von Asketen, die sich den Sieg �ber den dunklen K�nig und die Vernichtung aller Schattenfreunde zum Ziel gesetzt hat. Die Gemeinschaft wurde w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges von Lothair Mantelar gegr�ndet, um als Prediger gegen die ansteigende Zahl der Schattenfreunde anzugehen. W�hrend des Krieges entwickelte sich daraus eine vollst�ndig milit�rische Organisation, extrem streng ideologisch ausgerichtet und fest im Glauben, allein sie w�rden der absoluten Wahrheit und dem Recht dienen. Sie hassen die Aes Sedai und halten sie, sowie alle, die sie unterst�tzen oder sich mit ihnen befreunden, f�r Schattenfreunde. Sie werden geringsch�tzig Wei�m�ntel genannt. Ihr Hauptquartier befand sich in Amador in Amadicia, aber sie wurden vertrieben, als die Seanchaner die Stadt eroberten. Im Wappen f�hren sie eine goldene Sonne mit Strahlen auf wei�em Feld <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Zweifler).</p><p><strong>K�nigliche Garde:</strong> Eliteeinheit des Milit�rs von Andor. In Friedenszeiten vollstreckt die Garde die Gesetze der K�nigin und h�lt den Frieden aufrecht. Die Uniform der K�niglichen Garde setzt sich aus rotem Mantel, funkelndem Harnisch, einem roten Umhang und einem konischen Helm mit Gittervisier zusammen. Hochrangige Offiziere tragen auf den Schultern Knoten als Rangabzeichen, sie d�rfen auch Sporen mit goldenen L�wenk�pfen benutzen. K�rzlich ist die K�nigliche Garde um die pers�nliche Leibwache der Tochter-Erbin erweitert worden, die abgesehen von ihrem Hauptmann Doilin Mellar nur aus Frauen besteht. Gardistinnen tragen wesentlich aufw�ndigere Uniformen als die M�nner, dazu geh�ren breitkrempige H�te mit wei�en Federn, rot lackierte Harnische, mit wei�em Besatz versehene Helme und mit Spitzen besetzte Sch�rpen mit dem Wei�en L�wen von Andor.</p><p><strong>Kusinen:</strong> Selbst w�hrend der Trolloc-Kriege vor mehr als zweitausend Jahren (zirka 1000 � 1350 NZ) hielt die Wei�e Burg ihren Standard aufrecht und schickte Frauen fort, die nicht die n�tigen Vorraussetzungen erf�llten. Eine Gruppe solcher Frauen, die sich davor f�rchteten, w�hrend der Kriege nach Hause zur�ckzukehren, floh nach Barashta (in der N�he des heutigen Ebou Dar), so weit von den K�mpfen entfernt, wie es nur m�glich war. Sie bezeichneten sich als Kusinen, blieben im Untergrund und boten einen sicheren Hafen f�r all jene, die aus der Burg fortgeschickt wurden. Im Laufe der Zeit f�hrte die Verbindung mit Frauen, denen man befohlen hatte, die Burg zu verlassen, zu Kontakten mit Ausrei�erinnen, und obwohl man die wahren Gr�nde vermutlich nie erfahren wird, fingen die Kusinen an, auch Ausrei�erinnen bei sich aufzunehmen. Sie unternahmen gro�e Anstrengungen, dass diese M�dchen nichts �ber die Kusinen erfuhren, bis sie sicher sein konnten, dass die Aes Sedai sich nicht auf sie st�rzen und sie zur�ckholen w�rden. Schlie�lich war allgemein bekannt, dass Ausrei�erinnen fr�her oder sp�ter immer eingefangen wurden, und die Kusinen wussten ganz genau, dass man auch sie streng bestrafen w�rde, falls sie ihre Existenz nicht geheim hielten. Allerdings wussten die Aes Sedai der Wei�en Burg fast von Anfang an �ber sie Bescheid, doch die Kriege lie�en keine Zeit �brig, sich um sie zu k�mmern. Nach Beendigung der Kriege kam die Burg zu der Einsicht, dass es m�glicherweise nicht in ihrem besten Interesse lag, die Kusinen zu vernichten. Im Gegensatz zur Propaganda der Burg war vielen Ausrei�erinnen die Flucht gelungen, aber sobald die Kusinen ihnen halfen, wusste die Burg genau, in welche Richtung sie flohen, und nun holte sie neun von zehn zur�ck. Da die Kusinen in dem Bem�hen, ihre Existenz und ihre Anzahl zu verbergen, Barashta (und sp�ter Ebou Dar) immer wieder verlie�en, um sp�ter wieder dorthin zur�ckzukehren, und nie l�nger als zehn Jahre an einem Ort blieben, damit niemand bemerkte, dass sie nicht mit normaler Geschwindigkeit alterten, kam die Burg zu dem Glauben, dass es nur wenige von ihnen gab, die niemals gro�es Aufsehen erregten. Um die Kusinen als Falle f�r Ausrei�erinnen zu benutzen, entschied sich die Burg, sie im Gegensatz zu jeder �hnlichen Verbindung im Verlauf der Geschichte in Ruhe zu lassen. Tats�chlich ist sogar die Existenz der Kusinen ein Geheimnis, das allein den anerkannten Aes Sedai bekannt ist. Die Kusinen haben keine Gesetze, sondern nur Regeln, die teilw eise auf dem Regelwerk der Wei�en Burg f�r Novizinnen und Aufgenommene basieren und teilweise auf der Notwendigkeit zur Geheimhaltung. Wie bei der Entstehungsgeschichte der Kusinen vielleicht zu erwarten ist, werden die Regeln bei allen Mitgliedern streng eingehalten. K�rzlich erfolgte offene Kontakte zwischen Aes Sedai und Kusinen sind zwar nur einer Hand voll Schwestern bekannt, haben jedoch zu schockierenden Erkenntnissen gef�hrt, einschlie�lich der Tatsache, dass es doppelt so viele Kusinen wie Aes Sedai gibt. Dar�ber hinaus sind einige von ihnen mehr als hundert Jahre �lter, als jede Aes Sedai seit Beginn der Trolloc-Kriege und auch schon zuvor geworden ist. Die Auswirkungen dieser Enth�llungen sowohl auf die Kusinen wie auf die Aes Sedai ist jedoch noch eine Sache der Spekulation <emphasis>(siehe auch:</emphasis> N�hkr�nzchen).</p><p><strong>L�ngenma�e:</strong> 10 Finger = 1 Fu�, 3 Fu� = 1 Schritt, 2 Schritte = 1 Spanne, 1000 Spannen = 1 Meile.</p><p><strong>Lanzenhauptmann:</strong> In den meisten L�ndern f�hren Adelsfrauen normalerweise ihre Waffenm�nner nicht pers�nlich in den Kampf. Stattdessen nehmen sie professionelle Soldaten in Dienst, meistens einen Mann von niederer Geburt, der f�r die Ausbildung und das Kommando �ber die Waffenm�nner verantwortlich ist. Je nach Land nennt man diesen Mann Lanzenhauptmann, Schwerthauptmann, Meister der Pferde oder Meister der Lanzen. Unweigerlich entstehen oft Ger�chte �ber eine engere Beziehung als zwischen Lady und Diener. Manchmal entsprechen sie sogar der Wahrheit.</p><p><strong>Lauscher:</strong> Seanchanische Spionageorganisation. So gut wie jeder Angeh�rige im Haushalt eines Adligen, Kaufmanns oder Bankiers k�nnte ein Lauscher sein, gelegentlich sogar <emphasis>Da�covale,</emphasis> wenn auch selten <emphasis>So�jhin.</emphasis> Sie greifen nie aktiv ein, sondern beobachten nur alles und berichten. Ihre Berichte werden zu den Niederen H�nden geschickt, die sowohl sie wie auch die Sucher kontrollieren und dann entscheiden, was an die Sucher f�r weitere Aktionen weitergeleitet wird <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Sucher, Hand).</p><p><strong>Legion des Drachen:</strong> Eine gro�e Milit�rformation, die nur aus Infanterie besteht und dem Wiedergeborenen Drachen die Treue geschworen hat. Ihre Ausbildung liegt in den H�nden von Davram Bashere, und zwar nach Vorschriften, die er selbst zusammen mit Mat Cauthon erarbeitet hat und die sich rigoros vom �blichen Einsatz der Fu�soldaten unterscheiden. Viele M�nner melden sich als Freiwillige, aber ein gro�er Teil der Legion wird von Rekrutierungskommandos der Schwarzen Burg herangeschafft, die zuerst alle M�nner, die bereit sind, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen, an einer Sammelstelle zusammenholen, und auch das erst, nachdem sie sie durch Wegetore in die N�he von Caemlyn schaffen, um diejenigen herauszusieben, die man im Gebrauch der Einen Macht unterweisen kann. Der Rest � bei weitem der gr��ere Teil � wird in Basheres Ausbildungslager geschickt.</p><p><strong>Legion der Mauer:</strong> Einst eine Eliteformation des Milit�rs von Ghealdan, die nicht nur den Kern eines jeden Heeres bildete, die von den Waffenm�nnern des ghealdanischen Adels gestellt wurden, sondern zus�tzlich f�r den Herrscher von Ghealdan als Leibwache dienten und in der Hauptstadt Jehannah die Aufgaben einer Stadtwache �bernahmen. Nach ihrer Vernichtung wurden die �berlebenden von den Anh�ngern des Propheten Masema in alle Windrichtungen verstreut. Daraufhin entschied der Hohe Kronrat, dass seine Macht und sein Einfluss auf den jeweiligen Herrscher ohne die Legion gr��er ist, darum schaffte er es, die Gr�ndung einer neuen Legion zu verhindern. Die derzeitige K�nigin Alliandre Maritha Kigarin verfolgt jedoch Pl�ne, genau das zu tun; Pl�ne, die eine explosive Wirkung haben w�rden, sollte der Hohe Kronrat davon erfahren.</p><p><strong>Marath�damane:</strong> In der Alten Sprache �jene, die an die Leine gelegt werden m�ssen� und �eine, die man anleinen muss�. So bezeichnen die Seanchaner jede Frau, die die Macht lenken kann und nicht den Kragen einer <emphasis>Damane</emphasis> tr�gt.</p><p><strong>Meister der Lanzen:</strong><emphasis>siehe:</emphasis> Lanzenhauptmann Meister der Pferde: <emphasis>siehe:</emphasis> Lanzenhauptmann Mellar, Doilin: <emphasis>siehe:</emphasis> Hanion, Daved <emphasis>Mera�din:</emphasis> In der Alten Sprache �die Bruderlosen�. Der Name wurde von jenen Aiel angenommen, die Clan und Septime verlie�en und sich den Shaido anschlossen, weil sie Rand al�Thor, einen Feuchtl�nder, nicht als den <emphasis>Car�a�carn</emphasis> akzeptieren konnten oder sich weigerten, seine Enth�llungen �ber die Geschichte und die Urspr�nge der Aiel zu glauben. Clan und Septime zu verlassen � egal, aus welchem Grund � ist unter Aiel eine unvorstellbare Tat, weswegen die Kriegergemeinschaften der Shaido sie nicht aufnehmen wollten. Darum gr�ndeten sie ihre eigene Gemeinschaft, die Bruderlosen.</p><p><strong>Mera'din:</strong> In der Alten Sprache �die Bruderlosen�. Der Name wurde von jenen Aiel angenommen, die Clan und Septime verlie�en und sich den Shaido anschlossen, weil sie Rand al'Thor, einen Feuchtl�nder, nicht als den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> akzeptieren konnten oder sich weigerten, seine Enth�llungen �ber die Geschichte und die Urspr�nge der Aiel zu glauben. Clan und Septime zu verlassen � egal, aus welchem Grund � ist unter Aiel eine unvorstellbare Tat, weswegen die Kriegergemeinschaften der Shaido sie nicht aufnehmen wollten. Darum gr�ndeten sie ihre eigene Gemeinschaft, die Bruderlosen.</p><p><strong>Morat:</strong> In der Alten Sprache �Tierb�ndiger�. Die Seanchaner bezeichnen damit die M�nner und Frauen, die die Exoten abrichten; es gibt <emphasis>Morat�raken,</emphasis> Ra/cenb�ndiger oder Reiter, die zwanglos auch Flieger genannt werden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Der�morat).</p><p><strong>N�hkr�nzchen:</strong> Die Anf�hrerinnen der Kusinen. Da keine Angeh�rige der Kusinen jemals erfahren hat, wie die Hierarchie der Aes Sedai funktioniert � das Wissen dar�ber wird erst dann weitergegeben, wenn eine Aufgenommene die Pr�fung f�r die Stola bestanden hat �, legten sie keinen Wert auf die St�rke in der Macht, sondern ma�en dem Alter ein gr��eres Gewicht zu; so nimmt die �ltere Frau immer einen h�heren Rang als die j�ngere ein. Das N�hkr�nzchen (die Bezeichnung wurde gew�hlt, weil sie � wie der Begriff Kusine � unverf�nglich ist) setzt sich daher aus den dreizehn �ltesten in Ebou Dar lebenden Kusinen zusammen, und die Frau mit dem h�chsten Alter und damit die Vorsitzende tr�gt den Titel �lteste. Nach den Regeln m�ssen alle zur�cktreten, wenn die Zeit zum Weiterziehen gekommen ist, aber solange sie in Ebou Dar beheimatet sind, haben sie die absolute Autorit�t �ber die Kusinen, und zwar in einem Ma�, um das sie jeder Amyrlin-Sitz beneiden w�rde. Da die Kusinen Ebou Dar verlassen haben, gibt es das N�hkr�nzchen technisch gesehen zurzeit nicht <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kusinen).</p><p><strong>Prophet:</strong> Die formelle Bezeichnung lautet �Prophet des Lord Drachen�. Einst war Masema Dagar ein schienarischer Soldat, der eine Offenbarung erlebte und entschied, dass er dazu auserw�hlt wurde, die Worte des Wiedergeborenen Drachen auf der Welt zu verbreiten. Er glaubt, dass es nichts Wichtigeres gibt, als die Tatsache anzuerkennen, dass der Wiedergeborene Drache das gestaltgewordene Licht ist und man willens ist, seinem irgendwann erfolgenden Ruf zu folgen. Er und seine Anh�nger sind zu jeder Gewalttat bereit, um andere zu zwingen, die glorreichen Taten des Wiedergeborenen Drachen zu preisen. Er hat seinem Namen entsagt, l�sst sich nur noch als �der Prophet� ansprechen und hat gro�e Teile von Ghealdan und Amadicia, die nun unter seiner Herrschaft stehen, ins Chaos gest�rzt. Dank seiner Abwesenheit haben die Seanchaner in Amadicia und der Hohe Kronrat in Ghealdan wieder f�r Ordnung sorgen k�nnen. Er hat sich Perrin Aybara angeschlossen, der ausgesandt wurde, ihn zu Rand zu bringen; aus unbekannten Gr�nden ist er bei ihm geblieben, obwohl das sein Zusammentreffen mit dem Wiedergeborenen Drachen verz�gert. Seine Anh�nger sind alles M�nner und Frauen von niederster Gesinnung; falls sie es noch nicht waren, als sie seinem Charisma verfielen, sind sie es unter seinem Einfluss geworden.</p><p><strong>Rhyagelle, die:</strong> In der Alten Sprache �Die, die Heimkehren�. Eine andere Bezeichnung f�r die Seanchaner, die in die L�nder zur�ckgekehrt sind, die einst von Artur Falkenfl�gel beherrscht wurden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Corenne, Hailene).</p><p><strong>Rotwaffen:</strong> Soldaten der Bande der Roten Hand, die zum zeitweiligen Polizeidienst ausgesucht wurden und daf�r sorgen, dass die anderen Soldaten der Bande in St�dten oder D�rfern keinen �rger machen oder Schaden anrichten. Der Name geht auf die breiten roten Armb�nder zur�ck, die sie im Dienst tragen und die fast den ganzen �rmel bedecken. F�r gew�hnlich werden sie aus den erfahrensten und verl�sslichsten M�nnern ausgew�hlt. Da m�gliche Sch�den von den M�nnern bezahlt werden m�ssen, die als Rotwaffen dienen, arbeiten sie mit dem vollen Einsatz ihrer Kr�fte, um daf�r zu sorgen, dass alles ruhig und friedlich bleibt. Eine Hand voll ehemaliger Rotwaffen wurden auserw�hlt, um Mat Cauthon nach Ebou Dar zu begleiten <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Shen an Calhar).</p><p><strong>Schlangen und F�chse:</strong> Ein Spiel, das bei Kindern sehr beliebt ist, bis sie erwachsen genug sind, um zu begreifen, dass man es niemals gewinnen kann, ohne die Regeln zu brechen. Auf dem Spielbrett ist ein Netz aufgezeichnet, an dem Pfeile die Richtung zeigen. Es gibt zehn Scheiben mit aufgezeichneten Dreiecken, die die F�chse repr�s entieren, und zehn Scheiben mit Wellenlinien, die f�r die Schlangen stehen. Zu Spielbeginn sagt man: �Mut, um st�rker zu sein, Feuer, um zu blenden, Musik, um zu verwirren, Eisen, um zu binden�, w�hrend man mit einer Hand ein Dreieck mit einer Wellenlinie in der Mitte in die Luft zeichnet. Mit W�rfeln ermittelt man die Z�ge f�r den Spieler und die Schlangen und F�chse. Landet eine Schlange oder ein Fuchs auf der Scheibe des Spielers, wird er aus dem Spiel herausgeworfen, und das passiert immer, solange man die Regeln befolgt.</p><p><strong>Seandar:</strong> Die Kaiserliche Hauptstadt von Seanchan, die sich im Nordosten des seanchanischen Kontinents befindet. Es ist gleichzeitig die gr��te Stadt im Kaiserreich.</p><p><strong>Sei�mosiev:</strong> In der Alten Sprache �gesenkter Blick�. Ist bei den Seanchanern die Rede davon, dass jemand <emphasis>sei�mosiev</emphasis> wurde, bedeutet das, dass er das �Gesicht verloren� hat <emphasis>(siehe auch:</emphasis> sei�taer).</p><p><strong>Sei�taer:</strong> In der Alten Sprache �offener Blick�. Die Seanchaner bezeichnen damit Ehre oder �Gesicht�, die F�higkeit, jemandem ohne Scham in die Augen sehen zu k�nnen. Es ist m�glich, <emphasis>sei�taer</emphasis> �zu haben�, was soviel bedeutet, dass man eine ehrenhafte Person ist, die einem anderen offen ins Gesicht sehen kann, so wie es m�glich ist, <emphasis>sei�taer</emphasis> zu �gewinnen� oder zu �verlieren� <emphasis>(siehe auch:</emphasis> sei�mosiev).</p><p><strong>Shara:</strong> Ein geheimnisvolles Land �stlich der Aiel-W�ste. Das Land wird von lebensfeindlichen nat�rlichen Hindernissen und von Menschen erbauten Mauern besch�tzt. �ber Shara ist nur wenig bekannt, da die Bewohner ihre Kultur anscheinend geheim halten wollen. Die Sharaner bestreiten, von den Trolloc-Kriegen in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, obwohl Aiel das Gegenteil behaupten. Sie bestreiten, von Artur Falkenfl�gels Invasionsversuchen zu wissen, obwohl es dar�ber Augenzeugenberichte vom Meervolk gibt. Den wenigen Informationen nach zu urteilen, die durchgesickert sind, werden die Sharaner von absolutistischen Monarchen beherrscht, der Sh�boan, wenn es eine Frau ist, und dem Sh�botay, wenn es ein Mann ist. Dieser Monarch herrscht genau sieben Jahre lang und stirbt dann. Die Herrschaft geht dann auf den jeweiligen Gemahl �ber, der sieben Jahre lang herrscht und stirbt. Dieses Muster wiederholt sich seit der Zerst�rung der Welt. Die Sharaner glauben, diese Todesf�lle seien der �Wille des Musters�. Es gibt in Shara Machtlenker, die dort als Ayyad bekannt sind; sie erhalten bei ihrer Geburt Gesichtst�towierungen. Die Frauen unter den Ayyad vollstrecken strikt die Gesetze, die sie betreffen. Auf eine sexuelle Beziehung zwischen einem Ayyad und einem Nicht-Ayyad steht die Todesstrafe f�r den Nicht-Ayyad, der Ayyad wird ebenfalls hingerichtet, wenn ihm oder ihr nachgewiesen werden kann, dass er/sie dabei die Macht benutzt hat. Ein Kind aus solch einer Verbindung wird ausgesetzt und stirbt. M�nnliche Ayyad werden wie Zuchtvieh benutzt. Erreichen sie ihr einundzwanzigstes Lebensjahr oder fangen an, die Macht zu lenken � was auch immer zuerst eintrifft �, werden sie von den Ayyad-Frauen hingerichtet, und die Leiche wird einge�schert. Angeblich lenken die Ayyad die Macht nur auf direkten Befehl der Sh�boan oder des Sh�botay, die st�ndig von Ayyad-Frauen umgeben sind. Selbst der Name des Landes ist umstritten. Von den Bewohnern ist bekannt, dass sie viele verschiedene Namen benutzen, einschlie�l ich Shamara, Co�dansin, Tomaka, Kigali und Shibouya.</p><p><strong>Shen an Calhar:</strong> In der Alten Sprache �die Bande der Roten Hand�. (i) Eine legend�re Gruppe von Helden, die viele Abenteuer bestand und schlie�lich bei der Verteidigung von Manetheren starb, als das Land w�hrend der Trolloc-Kriege vernichtet wurde. (2) Eine Truppenformation, die eher zuf�llig von Mat Cauthon begr�ndet wurde; sie ist �hnlich den Streitkr�ften organisiert, die es auf dem H�hepunkt der milit�rischen Kunst gab, den Tagen von Artur Falkenfl�gel und den unmittelbar darauf folgenden Jahrhunderten.</p><p><strong>Sisnera, Darlin:</strong> Ein Hochlord in Tear, der eine Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen anf�hrte, nun aber in seinem Namen das Amt des Verwalters von Tear aus�bt.</p><p><strong>So�jhin:</strong> Die treffendste �bersetzung aus der Alten Sprache d�rfte die Umschreibung �Erhabenheit unter Niederen� sein, obwohl es einige auch unter anderem als �sowohl Himmel wie auch Tal� �bersetzen. Mit <emphasis>So�jhin</emphasis> bezeichnen Seanchaner die H�heren Diener, deren Rang erblich ist. Sie sind <emphasis>Da�covale,</emphasis> Besitz, bekleiden jedoch Positionen von betr�chtlicher Autorit�t und Macht. Selbst Angeh�rige des Blutes behandeln die <emphasis>So�jhin</emphasis> der Kaiserfamilie mit Vorsicht und sprechen die pers�nlichen <emphasis>So�jhin</emphasis> der Kaiserin als Gleichgestellte an <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Blut, Da�covale).</p><p><strong>Standartentr�ger:</strong> Seanchanischer Milit�rrang, der einem Bannert r�ger entspricht.</p><p><strong>Stumpf:</strong> Ein �ffentlicher Versammlungsort der Ogier. Die Versammlung kann in oder auch unter den <emphasis>Stedding</emphasis> abgehalten werden. Sie wird von dem Rat der �lteren eines <emphasis>Stedding</emphasis> geleitet, aber jeder erwachsene Ogier hat das Recht zu sprechen oder darf einen F�rsprecher erw�hlen, der f�r ihn spricht. Ein Stumpf wird oft beim gr��ten Baumstumpf eines <emphasis>Stedding</emphasis> abgehalten und kann mehrere Jahre dauern. Gibt es ein Problem, das alle Ogier betrifft, wird ein Gro�er Stumpf abgehalten, und Ogier aller <emphasis>Stedding</emphasis> versammeln sich, um die Frage zu besprechen. Die verschiedenen <emphasis>Stedding</emphasis> wechseln sich darin ab, einen Gro�en Stumpf auszurichten.</p><p><strong>Sucher, die:</strong> Auch als die Sucher der Wahrheit bekannt, handelt es sich bei ihnen um eine Polizei und Spitzelorganisation des Kaiserlichen Throns von Seanchan. Obwohl es sich bei den meisten Suchern um <emphasis>Da�covale</emphasis> und somit Besitz der Kaiserfamilie handelt, verf�gen sie �ber weitreichende Befugnisse. Jedes Mitglied des Blutes kann verhaftet werden, wenn es die Frage eines Suchers nicht beantwortet oder die vollst�ndige Kooperation verweigert, wobei Letzteres allein von der Definition des Suchers abh�ngt; nur die Kaiserin kann entscheiden, ob der Sucher richtig gehandelt hat. Die Sucher, die <emphasis>Da�covale</emphasis> sind, tragen auf einer Schulter eine T�towierung mit einem Raben und einem Turm. Im Gegensatz zu den Totenw�chtern sind Sucher nur selten bereit, ihre Raben zu zeigen, weil sie dadurch nat�rlich ihre Identit�t enth�llen w�rden <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hand, Lauscher).</p><p><strong>Taborwin, Breane:</strong> Eine gelangweilte Adlige in Cairhien, die Reichtum und Status verlor und jetzt nur noch Dienerin ist, aber eine ernste romantische Beziehung mit einem Mann eingegangen ist, den sie einst verachtet h�tte.</p><p><strong>Taborwin, Dobraine:</strong> Ein Lord in Cairhien. Zurzeit dient er als Verw alter des Wiedergeborenen Drachen in Cairhien.</p><p><strong>Tarabon:</strong> Eine Nation am Aryth-Meer. Einst eine gro�e Handelsnation, die f�r ihre Teppiche, Farben und die Gilde der Feuerwerker ber�hmt war. Nun herrschen in Tarabon schwere Zeiten. Von Anarchie und B�rgerkrieg geplagt, die zus�tzlich von Kriegen gegen Arad Doman und die Drachenverschworenen erschwert wurden, war das Land der Landung der Seanchaner hilflos ausgesetzt. Es steht nun unter Kontrolle der Seanchaner; das Stiftungshaus der Gilde der Feuerwerker wurde zerst�rt und zahlreiche Feuerwerker zu <emphasis>Da�covale</emphasis> gemacht. Die meisten Taraboner scheinen dankbar zu sein, dass die Seanchaner die Ordnung wiederhergestellt haben, und da ihnen die Invasoren erlauben, von kleinen Einschr�nkungen abgesehen ihr Leben wie gewohnt fortzuf�hren, versp�ren sie nicht den geringsten Wunsch, weiteren Krieg ins Land zu holen, um die Seanchaner wieder zu vertreiben. Allerdings gibt es einige Lords und Soldaten, die sich au�erhalb der seanchanischen Einflusssph�re befinden und hoffen, ihr Land zur�ckerobern zu k�nnen.</p><p><strong>Thronfolge:</strong> Im Allgemeinen bezeichnet man damit die �bernahme des Throns durch ein anderes Haus. In Andor steht dieser Begriff im �bertragenen Sinn f�r die Machtk�mpfe um die K�nigskrone, die nach Mordrellens Tod anfingen. Tigraines Verschwinden lie� Haus Mantear ohne Tochter-Erbin zur�ck, und es vergingen zwei Jahre, bevor Morgase vom Haus Trakand den Thron f�r sich erk�mpfte. Au�erhalb von Andor wurde dieser Konflikt als der Dritte Andoranische Thronfolgekrieg bekannt.</p><p><strong>Tiefenschau:</strong> (1) Die F�higkeit, mit Hilfe der Einen Macht Krankheiten zu diagnostizieren. (2) Die F�higkeit, mit Hilfe der Einen Macht Erzvorkommen aufzusp�ren. Dies ist eine seit langem verschollene F�higkeit der Aes Sedai, was wom�glich auch der Grund daf�r ist, dass der Name heute eine andere F�higkeit bezeichnet.</p><p><strong>Totenwache:</strong> Eliteeinheit des seanchanischen Kaiserreichs, in der sowohl Menschen wie auch Ogier dienen. Die menschlichen Mitglieder der Totenwache sind alle <emphasis>Da�covale,</emphasis> die als Sklaven geboren und in fr�hester Jugend ausgew�hlt wurden, um der Kaiserin, zu deren Besitz sie z�hlen, zu dienen. Bis zum Fanatismus loyal und von wildem Stolz erf�llt, haben sie oftmals Raben auf die Schultern t�towiert, das Zeichen eines <emphasis>Da�covale</emphasis> der Kaiserin. Die Ogier in der Wache sind auch als die G�rtner bekannt, und sie sind keine <emphasis>Da�covale.</emphasis> Die G�rtner sind genauso fanatisch loyal wie die menschlichen Totenw�chter und werden noch mehr gef�rchtet. Ob Mensch oder Ogier, die Totenw�chter sind nicht nur bereit, f�r die Kaiserin und die Kaiserfamilie zu sterben, sondern vertreten die �berzeugung, dass ihr Leben der Kaiserin geh�rt und sie damit nach Belieben verf ahren kann. Helme und R�stung sind dunkelgr�n und blutrot lackiert, die Schilde sind schwarz lackiert, und Speere und Schwerter haben schwarze Quasten <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Da�covale).</p><p><strong>Verteidiger des Steins:</strong> Milit�rische Eliteeinheit von Tear. Der derzeitige Hauptmann des Steins (und Befehlshaber der Verteidiger) ist Rodrivar Tihera. Nur Tairener werden als Verteidiger akzeptiert, und die Offiziere sind f�r gew�hnlich von adliger Geburt, obwohl sie oftmals niederen H�usern oder unbedeutenden Seitenzweigen m�chtiger H�user entstammen. Die Aufgabe der Verteidiger besteht darin, die gewaltige Festung namens Stein von Tear in der Stadt Tear zu besch�tzen und die Stadt zu verteidigen. Zudem �bernehmen sie die Aufgaben einer Stadtwache. Au�er in Kriegszeiten f�hren sie ihre Pflichten nur selten weit von der Stadt fort. Dann bilden sie allerdings genau wie vergleichbare Eliteeinheiten den Kern der aufzustellenden Armee. Die Uniform der Verteidiger besteht aus einem schwarzen Mantel mit wattierten �rmeln, die mit schwarzen und goldenen Streifen versehen sind, sowie einem Brustharnisch und einem Helm mit Stahlkrempe und Stangenvisier. Der Hauptmann der Verteidiger tr�gt drei kurze wei�e Federn auf dem Helm und auf den Manschetten seines Mantels drei ineinander verschlungene goldene Tressen auf einem wei�en Band. Die anderen Hauptm�nner tragen zwei wei�e Federn und eine goldene Tresse auf den wei�en Manschetten, Leutnants eine wei�e Feder und eine schwarze Tresse auf der wei�en Manschette und Unterleutnants eine kurze schwarze Feder und eine unbestickte Manschette. Bannertr�ger tragen goldfarbene Manschetten an ihren M�nteln und einfache Soldaten haben schwarz und goldgestreifte Manschetten.</p><p><strong>Verlorene:</strong> Name von dreizehn m�chtigen Aes Sedai, sowohl M�nner als auch Frauen, die w�hrend des Zeitalters der Legenden zum Schatten �berliefen und in der Versiegelung des Stollens zum Gef�ngnis des Dunklen K�nigs gefangen wurden. Obwohl lange Zeit angenommen wurde, dass w�hrend des Schattenkrieges allein sie dem Licht entsagten, gab es in Wahrheit noch andere; diese dreizehn nahmen lediglich die h�chsten R�nge ein. Die Verlorenen (die sich selbst die Auserw�hlten nennen) sind seit ihrem Erwachen in der neuen Zeit dezimiert worden. Einige der Get�teten sind in neuen K�rpern reinkarniert worden und haben neue Namen erhalten, aber noch ist nicht viel �ber ihre Identit�ten und Aufenthaltsorte bekannt.</p><p><strong>Vorl�ufer:</strong><emphasis>siehe:</emphasis> Hailene</p><p><strong>W�hrung:</strong> Nach vielen Jahrhunderten des Handels gelten in jedem Land die gleichen Standards f�r M�nzen: Kronen (die gr��te M�nze), Mark und Pfennige. Krone und Mark k�nnen aus Gold oder Silber gepr�gt sein, w�hrend Pfennige aus Silber oder Kupfer sind. Letztere werden auch oft einfach nur als Kupferst�ck bezeichnet. In verschiedenen L�nden k�nnen diese M�nzen jedoch in Gr��e und Gewicht variieren. Selbst in einer Nation haben verschiedene Herrscher M�nzen von verschiedener Gr��e und Gewicht pr�gen lassen. Darum benutzen Bankiers, Geldverleiher und Kaufleute grunds�tzlich Waagen, um den Geldwert zu bestimmen. Aus diesem Grund werden selbst kleine Summen gewogen. Die schwersten M�nzen kommen aus Andor und Tar Valon, und der relative Wert entspricht dort: 10 Kupferpfennige = 1 Silberpfennig; 100 Silberpfennige = 1 Silbermark; 10 Silbermark = 1 Silberkrone; 10 Silberkronen = 1 Goldmark; 10 Goldmark = 1 Goldkrone. In Altara, wo die gr��eren M�nzen einen geringeren Gold oder Silberanteil aufweisen, geht man hingegen von dem folgenden Gegenwert aus: 10 Kupferpfennige = 1 Silberpfennig; 21 Silberpfennige = 1 Silbermark; 20 Silbermark = 1 Silberkrone; 20 Silberkronen = 1 Goldmark; 20 Goldmark = 1 Goldkrone. Papiergeld existiert lediglich in der Form von �Kreditbriefen�, die von Bankiers ausgestellt werden. F�r sie bekommt man eine bestimmte Menge Gold oder Silber ausgezahlt. Aufgrund der gro�en Entfernungen zwischen den St�dten, der ben�tigten Reisezeit und der Schwierigkeiten, die derartige Transaktionen mit sich bringen, kann es passieren, dass man f�r Kreditbriefe in St�dten, die sich in der N�he der Bank befinden, den vollen Wert erh�lt, w�hrend man sich in weiter entfernten St�dten mit einem geringeren Wert zufrieden geben muss. Im Allgemeinen wird sich eine bedeutende Pers�nlichkeit, die sich auf eine lange Reise begibt, mit einem oder mehreren Kreditbriefen ausr�sten, um zu Geld zu kommen. F�r gew�hnlich werden Kreditbriefe nur von Bankiers oder Kaufleuten akzeptiert und w�rden nie in L�den benutzt.</p><p><strong>Waffenm�nner:</strong> Soldaten, die einem bestimmten Lord oder einer Lady die Lehnstreue schulden.</p><p><strong>Weise Frauen:</strong> In Ebou Dar benutzter Ehrentitel f�r Frauen, die f�r ihre unglaublichen Heilk�nste ber�hmt sind. F�r gew�hnlich wird eine Weise Frau durch einen roten G�rtel bezeichnet. Es ist auff�llig, dass viele der Weisen Frauen weder aus Ebou Dar geschweige denn aus Altara stammen, aber es ist erst k�rzlich aufgedeckt worden, dass es sich bei allen Weisen Frauen in Wahrheit um Kusinen handelt, die verschiedene Arten des Heilens mit der Einen Macht benutzen, was sie durch das Verordnen von Naturheilmitteln tarnen. Durch die Flucht der Kusinen aus Ebou Dar nach der Eroberung durch die Seanchaner gibt es dort keine Weise Frauen mehr <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kusinen).</p><p><strong>Wiederkehr, die:</strong><emphasis>siehe:</emphasis> Corenne</p><p><strong>Zweifler, die:</strong> Ein Orden innerhalb der Gemeinschaft der Kinder des Lichts. Sie bezeichnen sich als die Hand des Lichts � die Bezeichnung Zweifler wird vehement verabscheut � und sehen ihre Aufgabe darin, die Wahrheit im Wortstreit zu erkennen und Schattenfreunde zu entlarven. Ihre Suche nach der Wahrheit und dem Licht erfolgt in der Regel durch Folter; sie sind der Auffassung, dass sie die Wahrheit bereits kennen und ihre Opfer nur dazu bringen m�ssen, sie zu gestehen. Gelegentlich verhalten sie sich, als w�rden sie v�llig unabh�ngig von den Kindern und dem Rat der Gesalbten agieren, der die Kinder befehligt. Das Oberhaupt der Zweifler ist der Hochinquisitor, zurzeit Rhadam Asunawa, der dem Rat der Gesalbten angeh�rt. Ihr Wappen ist ein blutroter Hirtenstab.</p></section></body><binary id="cover" 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