<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Zwielichtige Pfade</book-title><date>2003</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Andreas</first-name><last-name>Decker</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="10"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Crossroads of Twilight</book-title><date>2003</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>None</src-ocr><id>DD0E7532-9B47-4B45-9C6C-10F646F23CA5</id><version>1.0</version></document-info></description><body><epigraph><p>F�r Harrtet</p><p>Damals, jetzt und f�r immer</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><cite><p>Und in den Tagen, wenn die Dunkle Jagd reitet, wenn die rechte Hand z�gert und die linke Hand sich verirrt, dann wird die Menschheit an den Kreuzweg des Zwielichts kommen, und alles das ist, alles das war und alles, das sein wird, wird auf einer Schwertspitze balancier en, w�hrend der Sturmwind des Schatten w�chst.</p><text-author>Aus den <emphasis>Prophezeiungen des Drachen,</emphasis> die �bersetzung wird Jain Charin zugeschrieben, auch als Jain Weitstreicher bekannt, verfasst kurz vor seinem Verschwinden.</text-author></cite></section><section><title><p>Und das Rad dreht sich</p></title><p><emphasis>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und vergehen und lassen Erinnerungen zur�ck, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter ihres Ursprungs wiederkehrt.</emphasis></p><p>Mit diesen Worten beginnt jede Chronik aus der Welt des Rades, eines Universums, in dem das Rad der Zeit und das Gro�e Muster, das es webt, das oberste Prinzip sind.</p><p>Am Anfang steht eine Prophezeiung, die Prophezeiung des Drachen. Sie verk�ndet die Befreiung des Dunklen K�nigs, des B�sen schlechthin, und die Wiedergeburt Lews Therin Telamons, des Drachen, der einst vor Jahrtausenden sein Gef�ngnis versiegelte und daf�r den h�chsten Preis bezahlen musste. Sie berichtet von einem Mann, der sowohl der Vernichter als auch der Erl�ser der Welt sein soll. Er kann die <emphasis>Eine Macht</emphasis> lenken, und er ist der Wiedergeborene Drache, der <emphasis>Tarmon Gai'don</emphasis> schlagen soll, die Letzte Schlacht gegen den Dunklen K�nig.</p><p>Rand al'Thor ist der Wiedergeborene Drache.</p><p>Man schreibt das Dritte Zeitalter seit der Zerst�rung der Welt. Wieder strecken der Dunkle K�nig und seine Vertrauten, die Verlorenen, die ihm schon in tiefer Vergangenheit zur Seite standen, die Hand nach der Welt aus. Horden nichtmenschlicher Trollocs und Myrddraals �berziehen das Land mit Verw�stung, gelenkt von den Verlorenen, die nahezu unerkannt unter den Menschen wandeln, wo sie Unruhe sch�ren und Kriege ausl�sen.</p><p>Allein Rand al'Thor ist den Prophezeiungen zufolge dazu bestimmt, die Letzte Schlacht zu schlagen. Er beherrscht die <emphasis>Eine Macht,</emphasis> kann die Welt nach seinen W�nschen formen, und die Welt f�rchtet ihn. Er hat treue Freunde um sich geschart, Nationen besiegt und Throne gest�rzt. Er hat m�chtige Feinde und zweifelhafte Verb�ndete, aber die gr��te Bedrohung ist die <emphasis>Eine Macht.</emphasis> Denn wie alle M�nner, die sich der Macht bedienen, k�mpft er gegen den Makel des Wahnsinns an, der die mystische Energie beschmutzt.</p><p>Wie die Eingeweihten wissen, besteht sowohl die <emphasis>Eine Macht</emphasis> als auch die Wahre Quelle, der sie entspringt, aus zwei widerstreitenden und sich dennoch erg�nzenden Teilen: <emphasis>Saidin,</emphasis> der m�nnlichen H�lfte, und <emphasis>Saidar,</emphasis> dem weiblichen Teil. Die Energie versetzt einige wenige Menschen in die Lage, die Elemente Erde, Wind, Feuer, Wasser und Geist nach ihrem Willen zu beeinflussen und Heldentaten zu vollbringen. Im untergegangenen Zeitalter der Legenden nannte man diese M�nner und Frauen Aes Sedai, was in der Alten Sprache �Diener aller� bedeutet.</p><p>Als der Dunkle K�nig, der im Augenblick der Sch�pfung vom Sch�pfer des Universums au�erhalb von Zeit und Sch�pfung gefangen gesetzt wurde, aus seinem Gef�ngnis auszubrechen drohte und von Lews Therin Telamon, dem st�rksten Aes Sedai seiner Zeit, besiegt wurde, geriet der triumphale Sieg zugleich zur verheerenden Niederlage. Bei der Versiegelung wurde <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche Quelle der <emphasis>Einen Macht,</emphasis> mit einem Makel versehen. Jeder Mann, der nach der Macht griff � was f�r ihn so nat�rlich war wie das Atemholen �, wurde wahnsinnig. Das hat sich bis auf den heutigen Tag nicht ge�ndert.</p><p>Bei den meisten vollzieht sich das als schleichender Prozess. Bei Lews Therin Telamon, dem Drachen, war dies anders. Blindw�tig in seinem Wahn, wandten er und seine Helfer sich gegen alle und jeden und schlie�lich gegen die Welt selbst. Erdbeben ersch�tterten das Land, St�rme fegten dar�ber hinweg, Vulkane brachen aus, der Ozean �berschwemmte das Land. Reiche gingen unter und ganze V�lker starben.</p><p>Nach dem Neubeginn hat sich das Antlitz der Welt ver�ndert. Nun benutzen nur noch die weiblichen Aes Sedai die <emphasis>Eine Macht.</emphasis> Sie haben die Wei�e Burg gegr�ndet, und seit jenen dunklen Tagen wachen sie unerbittlich dar�ber, dass sich kein Mann der <emphasis>Einen Macht</emphasis> bedient. Sie sp�ren sie auf und d�mpfen sie, schneiden sie vom Zugang zur Wahren Quelle ab, um Unheil zu verhindern.</p><p>Rand al'Thor hatte seit jeher ein zwiesp�ltiges Verh�ltnis zu den Aes Sedai, die von vielen als die wahren Herrscher der Welt gef�rchtet und gehasst wer � den. Aber er ist der Wiedergeborene Drache, der wie kein Zweiter �ber die <emphasis>Eine Macht</emphasis> gebietet; er ist der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> der Aiel, der W�stennomaden, deren Clans ihm fast alle bis in den Tod ergeben sind; er ist der Begr�nder der Schwarzen Burg und der <emphasis>Asha'man,</emphasis> der M�nner, die ungeachtet aller gegenteiligen Bem�hungen gelernt haben, mit der <emphasis>Einen Macht</emphasis> umzugehen. Und er hat treue Verb�ndete, die in seinem Namen handeln, und Feinde, die ihn vernichten wollen.</p><p>Noch hat der Winter die Welt in seinem eisigen Griff, aber das Rad kommt genauso wenig zum Stillstand wie das Muster. Die Welt ist allerorten im Umbruch, so auch in der Wei�en Burg der Aes Sedai in Tar Valon.</p><p>Dreitausend Jahre lang haben Aes Sedai die Geschicke der Welt gelenkt und das Talent in der <emphasis>Einen Macht</emphasis> zu ihren Bedingungen gef�rdert. Jede von ihnen hat die Drei Eide geleistet, die es ihnen unm�glich machen, die <emphasis>Eine Macht</emphasis> au�er zur Selbstverteidigung als Waffe einzusetzen oder zu l�gen. Doch mittlerweile stellt sich die Frage, ob die Schwestern den Blick f�r die Realit�t nicht verloren haben. Denn es gibt viele andere Gruppierungen, die ebenfalls nach Gutd�nken �ber die <emphasis>Eine Macht</emphasis> gebieten. Die Weisen Frauen der Aiel, die Windsucherinnen vom Meer volk und die Kusinen, die aus jenen Frauen hervorgegangen sind, die aus der Wei�en Burg vertrieben wurden.</p><p>Aber Elaida a'Rohan, die als Amyrlin-Sitz die Burg beherrscht, plagen noch ganz andere Sorgen. Sie ist mit Gewalt auf den Thron gelangt, was letztlich zur Rebellion vieler Aes Sedai gef�hrt hat. Egwene al'Vere ist eine Jugendfreundin Rand al'Thors und stark in der Einen Macht. Sie haben die Rebellen zur Anf�hrerin gemacht, und ihr Heer r�ckt unbeirrt auf Tar Valon vor ...</p><p>Mit einem Heer ganz anderer Art muss sich Elayne Trakand besch�ftigen, die Tochter-Erbin des m�chtigen K�nigreichs von Andor. Die Welt h�lt ihre Mutter K�nigin Morgase f�r tot, und die Machenschaften des Verlorenen Rahvin, der dem Dunklen K�nig diente, haben das Land verw�stet. Elayne ist eine Aes Sedai und hat ein Anrecht auf den Thron, aber sie muss die anderen Adelsh�user des Landes auf ihre Seite bringen. Und das ist nicht leicht, vor allem, da sie den Wiedergeborenen Drachen liebt und sein Kind unter dem Herzen tr�gt. Ihr zur Seite stehen die legend�re Heldin Birgitte Trahelion und Aviendha, eine junge Frau aus dem Volk der Aiel, die zur Weisen Frau ausgebildet wird und zu ihrer Adoptivschwester geworden ist. Ihre gef�hlsm��igen Bande sind noch verst�rkt worden durch Bande der <emphasis>Einen Macht.</emphasis></p><p>Nun haben sich die Heere ihrer Konkurrenten vereinigt und sind vor der Hauptstadt Caemlyn aufmarschiert, um eine andere Adlige auf den Thron zu setzen. Elayne hat sich auf ein gewagtes Spiel eingelassen. Ein Attentat ist bereits gescheitert, aber weder sie noch ihre Freundinnen wissen, dass es nur dazu diente, den S�ldner Doilin Mellar in ihrer unmittelbaren N�he zu platzieren. Mellar ist in Wahrheit ein Schattenfreund, der nur auf den Befehl zum Zuschlagen wartet. Der Feind ist also in ihrer unmittelbaren Umgebung, und sie sch�pft keinen Verdacht. Genauso wenig ahnt sie, dass ihre Mutter Morgase noch lebt.</p><p>Nicht, dass das etwas �ndern w�rde. Nach einer langen Irrfahrt hat K�nigin Morgase unter dem Namen Maighdin Unterschlupf bei Faile t'Aybara gefunden, der Frau von Perrin Aybara, dem Mann, der mit den W�lfen sprechen kann. Perrin ist ein Jugendfreund von Rand al'Thor und wie er <emphasis>Ta'veren,</emphasis> seine Handlungen beeinflussen das Muster und das Schicksal der Welt. Aber im Moment interessiert ihn die Welt nicht.</p><p>Es war kein leichter Auftrag, der ihn und seine Gefolgsleute nach Ghealdan gef�hrt hat. Er sollte den verr�ckten Propheten Masema, dessen Horden das Land verw�sten, zum Wiedergeborenen Drachen bringen. Alles verlief nach Plan, bis zu dem Augenblick, in dem Aiel vom Clan der Shaido, die Rand al'Thor als Einzige nicht anerkennen, seine Frau Faile entf�hrten.</p><p>Sie war mit ihrer Zofe Maighdin und K�nigin Alliandre von Ghealdan ausgeritten und kehrte nicht zur�ck. Nun sind sie zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht worden. Normalerweise sind das gefangen genommene Aiel, deren �u�erst strenger Ehrenkodex verlangt, dass sie ihrem Bezwinger ein Jahr und einen Tag dienen. Aber die Shaido unter der F�hrung der Weisen Frau Sevanna ignorieren die alten Werte, ziehen mordend und pl�ndernd durch das Land und machen jeden Gefangenen zu einem Sklaven.</p><p>Perrin ist au�er sich vor Wut und Schmerz, ihm ist jedes Mittel recht, um Faile zu befreien. So hat er mit dem Heer, das sich um ihn geschart hat, die Ver folgung der Shaido aufgenommen. Es ist eine selt � same Allianz: Bogensch�tzen aus Perrins Heimat, den Zwei Fl�ssen, Lanzenreiter aus Mayene und Ghealdan, Aiel � und die m�rderische Horde des Propheten. Eine Allianz, deren Mitglieder sich mit Misstrauen und t�dlichem Hass begegnen ...</p><p>Mit einer anderen Art von Verfolgung muss sich Mat Cauthon auseinander setzen. Wie seine Gef�hrten Rand und Perrin ist auch er <emphasis>Ta'veren,</emphasis> drei Prophezeiungen haben sein Leben ver�ndert: Er wird die Tochter der Neun Monde heiraten.</p><p>Er wird sterben und wieder leben und noch einmal einen Teil dessen erleben, was einst war.</p><p>Er wird die H�lfte des Lichts der Welt aufgeben, um die Welt zu retten.</p><p>Er erhielt den <emphasis>Ashandarei,</emphasis> einen schwarzen, mit Raben gezeichneten Speer, ein silbernes Medaillon in der Form eines Fuchskopfes und die Erinnerungen vor langer Zeit gestorbener M�nner, die seinen Kopf geh�rig durcheinander wirbeln, ihm aber auch n�tzliches Wissen vermitteln. Inzwischen ist er ein Abenteurer und der Anf�hrer der Bande der Roten Hand und wird von vielen als Lord betrachtet. Aber scheinbar hat ihn sein sprichw�rtliches Gl�ck verlassen. Ein gebrochenes Bein hielt ihn in der Hafenstadt Ebou Dar fest, die von den Seanchanern erobert wurde. Als Geliebter der K�nigin Tylin wohnte er im Palast und erlebte hautnah mit, wie die Invasoren aus Seanchan gefangene Machtlenkerinnen zu <emphasis>Damane</emphasis> versklavten, die als lebende Waffen dienen. Nach langen Planungen entschied er sich, eine Flucht zu wagen und einige der Aes Sedai und der Windsucherinnen vom Meervolk zu befreien. Dazu benutzt er die Seanchanerin Egeanin Tamarath, die mittlerweile zum Blut, zum seanchanischen Adel, geh�rt. Egeanin wei� nichts von seiner Verbindung zum Wiedergeborenen Drachen; ihr ist die Geheimpolizei auf den Fersen, und das Pflaster in Ebou Dar wird ihr zu hei�. Und sie ist f�r Mat der Schl�ssel, um die <emphasis>Damane</emphasis> aus der streng bewachten Stadt zu schaffen.</p><p>Aber in der Nacht, in der er die Flucht wagen will, stellt sich ihm die k�rzlich eingetroffene Hochlady Tuon in den Weg. Ausgerechnet sie entpuppt sich als die Erbin des Kaiserthrons von Seanchan. Und was f�r Mat viel schlimmer ist, Tuon ist die Tochter der Neun Monde, die Frau, die er laut der Prophezeiung heiraten soll. Nun steht er erst recht mit dem R�cken zur Wand.</p><p>Aber er kann nicht mehr zur�ck. Und so wagt er die Flucht aus Ebou Dar ...</p><p>Rand al'Thor hingegen ist vom ewigen Kampf zerm�rbt. In der Stadt Far Madding hat er einige der Verr�ter stellen k�nnen, die ihn im Sonnenpalast von Cairhien angegriffen haben. Aber ihr R�delsf�hrer ist ihm abermals entkommen. Er hat sich widerstrebend auf ein B�ndnis mit Cadsuane Melaidhrin eingelassen, einer Aes Sedai, die f�r ihre R�nke ber�chtigt ist.</p><p>Aber sie hat ihm auch ihre volle Unterst�tzung zugesagt. Der Wiedergeborene Drache ist vielleicht der m�chtigste Mann auf der Welt, aber auch ihn wird eines Tages der Wahnsinn umbringen, der vom Makel <emphasis>Saidins</emphasis> ausgeht, der m�nnlichen H�lfte der Wahren Quelle. Und gegen den er jedes Mal ank�mpfen muss, wenn er die Quelle umarmt und aus ihr die <emphasis>Eine Macht</emphasis> sch�pft.</p><p>Und so hat er einen wahnwitzigen Plan geschmiedet. Er will die vom Dunklen K�nig verdorbene Quelle von ihrem zersetzenden Makel s�ubern.</p><p>Rand al'Thor, der Schafhirte von den Zwei Fl�ssen, den das Muster auserw�hlt hat, zum Wiedergeborenen Drachen zu werden, hat gegen die Verlorenen des Dunklen K�nigs gek�mpft und gesiegt und Reiche er � obert. Verglichen mit diesem Unternehmen waren das Kindereien. Denn hier wagt er sich an Kr�fte heran, die buchst�blich die Welt zerst�r en k�nnten. Aber ihm bleibt keine andere Wahl, wenn er bei <emphasis>Tarmon Gai'don,</emphasis> der Letzten Schlacht, siegen will.</p><p>Das Rad dreht sich, und die Letzte Schlacht r�ckt immer n�her. Die Heere sammeln sich, und der Wiedergeborene Drache muss k�mpfen, wenn die Welt kein zweites Mal untergehen soll.</p><cite><text-author>Andreas Decker</text-author></cite></section><section><title><p>Prolog</p><p>Ausblicke auf das Muster</p></title><p>Rodel Ituralde hasste das Warten, obwohl er genau wusste, dass der gr��te Teil des Soldatendaseins aus nichts anderem bestand. Das Warten auf die n�chste Schlacht, das Warten, dass der Feind sich bewegt, dass er einen Fehler macht. Er betrachtete den winterlichen Wald und war so reglos wie die B�ume. Die Sonne hatte die H�lfte ihres Weges zum Zenit erklommen und verbreitete keine W�rme. Sein Atem verwandelte sich vor seinem Gesicht in wei�en Nebel und blieb als Reif an dem sauber gestutzten Schnurrbart und dem schwarzen Fuchspelz, mit dem seine Kapuze gef�ttert war, haften. Er war froh, dass sein Helm am Sattelknauf hing. Sein Brustpanzer hielt die K�lte fest und schickte sie durch sein Wams und s�mtliche darunterliegenden Schichten aus Wolle, Seide und Leinen. Sogar Pfeils Sattel war kalt, so als w�re der wei�e Wallach aus gefrorener Milch. Der Helm h�tte seinen Verstand getr�bt.</p><p>Der Winter hatte sp�t in Arad Doman Einzug gehalten, sehr sp�t sogar, aber daf�r hatte er mit aller Macht zugeschlagen. In weniger als einem Monat von der Sommerhitze, die sich auf unnat�rliche Weise bis sp�t in den Herbst gehalten hatte, zum Herzen des Winters. Die Bl�tter, die die sommerliche D�rre �berstanden hatten, waren gefroren, bevor sie die Farben hatten wechseln k�nnen, und jetzt funkelten sie in der Morgensonne wie seltsame, eisbedeckte Edelsteine. Die Pferde der zwanzig Soldaten in seiner N�he stampften in dem knietiefen Schnee gelegentlich mit den Hufen. Es war ein langer Ritt gewesen, und sie mussten noch weiter, ganz egal, ob es ein guter oder schlechter Tag werden w�rde. Dunkle Wolken trieben am Himmel nach Norden. Er brauchte seinen Wetterdeuter nicht, um zu wissen, dass es noch vor Einbruch der Dunkelheit zu einem Temperatursturz kommen w�rde. Bis dahin mussten sie einen Unterschlupf gefunden haben.</p><p>�Nicht so schlimm wie der vorletzte Winter, nicht wahr, mein Lord?�, sagte Jaalam besonnen. Der hochgewachsene junge Offizier hatte so eine Art, Ituraldes Gedanken zu lesen, und seine Stimme war laut genug, dass die anderen ihn h�ren konnten. �Trotzdem w�rden einige M�nner bereits von hei�em Wein tr�umen.</p><p>Nat�rlich nicht dieser Haufen. Erstaunlich gen�gsam.</p><p>Ich glaube, sie alle trinken Tee. Kalten Tee. Wenn sie ein paar Weidenruten h�tten, w�rden sie sich ausziehen, um ein Bad im Schnee zu nehmen.�</p><p>�Im Moment m�ssen sie die Kleidung anbehalten�, erwiderte Ituralde trocken, �aber mit etwas Gl�ck bekommen sie heute Abend kalten Tee.� Das rief Kichern hervor. Leises Kichern. Er hatte diese M�nner mit gro�er Sorgfalt ausgesucht, und sie wussten �ber L�rm zum falschen Zeitpunkt Bescheid.</p><p>Er selbst h�tte nichts gegen einen dampfenden Becher voller hei�em Wein oder sogar auch Tee einzuwenden gehabt. Aber es war lange her, dass Kaufleute Teebl�tter nach Arad Doman gebracht hatten. Es war lange her, dass ausl�ndische Kaufleute weiter als bis zur Grenze nach Saldaea gekommen waren. Bis ihn Neuigkeiten aus der weiten Welt erreichten, waren sie so alt wie Brot vom Vormonat, falls sie �berhaupt mehr als Ger�chte darstellten. Aber das spielte keine gro�e Rolle. Falls die Wei�e Burg tats�chlich gespalten war oder M�nner, die �ber die Eine Macht geboten, wirklieh nach Caemlyn gerufen wurden ... nun, bis in Arad Doman wieder Frieden herrschte, w�rde die Welt ohne Rodel Ituralde auskommen m�ssen. Im Augenblick war Arad Doman mehr als genug, als ein geistig gesunder Mann bew�ltigen konnte.</p><p>Er �berdachte erneut die Befehle, die er mit den schnellsten Reitern, die ihm zur Verf�gung standen, an jeden Adligen gesandt hatte, der loyal zum K�nig stand. So zerstritten sie durch Missgunst und alte Fehden auch waren, zumindest das hatten sie noch gemeinsam. Wenn der Befehl vom Wolf kam, w�rden sie ihre Heere sammeln und losreiten; zumindest so lange, wie er in der Gunst des K�nigs stand. Oh, sie w�rden toben, und einige w�rden seinen Namen verfluchen, aber sie w�rden gehorchen. Sie wussten, dass der Wolf Schlachten gewann. Mehr noch, sie wussten, dass er Kriege gewann. Wenn sie ihn au�er H�rweite w�hnten, nannten sie ihn den Kleinen Wolf, aber es st�rte ihn nicht, wenn sie auf seine K�rpergr��e anspielten � jedenfalls nicht sehr �, solange sie ritten, wenn er es befahl.</p><p>Sehr bald w�rden sie hart reiten, um eine Falle zu stellen, die erst in Monaten zuschnappen w�rde. Er ging ein gro�es Risiko ein. Komplizierte Pl�ne konnten auf vielerlei Weise scheitern, und sein Plan war vielschichtig. Wenn es ihm nicht gelang, f�r den K�der zu sorgen, w�rde alles fehlgeschlagen sein, bevor es begann. Oder wenn jemand seinen Befehl ignorierte, die Kuriere des K�nigs zu meiden. Aber sie alle kannten seine Gr�nde, und selbst die Stursten unter ihnen stimmten mit ihm �berein, auch wenn nur wenige von ihnen bereit waren, �ber die Angelegenheit zu sprechen. Er selbst hatte sich wie ein vom Sturm getriebener Geist bewegt, seit er Alsalams letzten Befehl erhalten hatte. Das zusammengefaltete St�ck Papier steckte in seinem �rmel, unter der wei�en Spitze, die �ber den mit Stahl verst�rkten Handschuh fiel. Sie hatten eine letzte Chance, eine sehr kleine Chance, Arad Doman noch zu retten. Vielleicht sogar Alsalam vor sich selbst zu retten, bevor der Rat der Kaufleute den Entschluss fasste, einen anderen Mann an seiner Stelle auf den Thron zu setzen. Er war �ber zwanzig Jahre lang ein guter Herrscher gewesen. Das Licht mochte daf�r sorgen, dass er es wieder sein konnte.</p><p>Ein lautes Krachen im S�den ert�nte. Ituraldes Hand fuhr zum Griff seines Langschwerts. Leder und Metall quietschten leise, als die anderen ihre Waffen lockerten. Ansonsten herrschte Stille. Der Wald war so still wie eine gefrorene Gruft. Es war nur ein Ast, der unter dem Gewicht des Schnees abgebrochen war. Nach einem Augenblick lie� Ituralde zu, dass er sich wieder entspannte � so sehr er sich entspannen konnte, seit die Geschichten, dass der Wiedergeborene Drache in Falme am Himmel erschienen war, nach Norden vorgedrungen waren. Vielleicht war der Mann wirklich der Wiedergeborene Drache, vielleicht war er tats�chlich am Himmel erschienen, aber was auch immer die Wahrheit war, diese Geschichten hatten Arad Doman in Brand gesetzt.</p><p>Ituralde war davon �berzeugt, dass er dieses Feuer h�tte austreten k�nnen, wenn man ihm nur freie Hand gelassen h�tte. Das war keine Prahlerei. Er wusste, was er mit einer Schlacht, einem Feldzug oder einem Krieg erreichen konnte. Aber seit der Rat entschieden hatte, dass es besser f�r den K�nig w�re, wenn man ihn aus Bandar Eban herausschmuggelte, schien Alsalam sich in den Kopf gesetzt zu haben, die Wiedergeburt von Artur Falkenfl�gel zu sein. Seitdem hatte er seine Unterschrift und sein Siegel unter zahllose Kampfbefehle gesetzt, eine wahre Flut, die aus dem Versteck str�mte, wo auch immer ihn der Rat verborgen hatte. Sie wollten niemandem verraten, wo er war, nicht einmal Ituralde. Jede Frau des Rates, die er gefragt hatte, war bei der Erw�hnung des K�nigs ausweichend geworden. Es hatte fast den Anschein, als w��ten sie nicht, wo Alsalam war. Das war nat�rlich ein l�cherlicher Gedanke. Der Rat richtete ein waches Auge auf den K�nig. Ituralde war immer der Meinung gewesen, dass sich die Handelsh�user zu sehr einmischten, und doch w�nschte er sich, sie w�rden jetzt eingreifen. Warum sie die H�nde in den Scho� legten, blieb ein Geheimnis, denn ein K�nig, der den Handel sch�digte, blieb nie lange auf dem Thron.</p><p>Er stand loyal zu seinen Eiden, au�erdem war Alsalam ein Freund, aber die Befehle, die der K�nig verfasst hatte, drohten ein Chaos anzurichten. Doch man konnte sie nicht ignorieren. Alsalam war der K�nig. Er hatte Ituralde befohlen, so schnell wie m�glich nach Norden gegen eine gro�e Ansammlung von Drachenverschworenen zu marschieren, von der Alsalam angeblich von seinen Spionen erfahren hatte; nach zehn Tagen, als noch immer kein Drachenverschworener in Sicht gekommen war, kam dann der Befehl, wieder mit der gr��tm�glichen Schnelligkeit nach S�den zu marschieren, gegen eine andere Horde, die nie gefunden wurde. Er hatte den Befehl erhalten, seine Streitkr�fte f�r die Verteidigung Bandar Ebans zu konzentrieren, wo ein Angriff von drei Seiten die Sache ein f�r allemal entschieden h�tte; dann sollte er sie teilen, wo ein Hammerschlag ebenfalls eine Entscheidung herbeigef�hrt h�tte, nur um Boden einzunehmen, von dem er wusste, dass die Drachenverschworenen ihn aufgegeben hatten, und von der Stelle wegzumarschieren, wo sie ihr Lager aufgeschlagen hatten. Was noch viel schlimmer war, Alsalams Befehle waren oft an die m�chtigen Adligen gegangen, die Ituralde folgen sollten, und so wurden Machir in die eine Richtung, Teacal in die andere und Rahman in eine dritte geschickt. Viermal war es zu Scharm�tzeln gekommen, weil Teile des Heeres in der Nacht aufeinandertrafen, w�hrend sie auf Befehl des K�nigs Eilm�rsche zur�cklegten und nur mit Feinden rechneten. Und die ganze Zeit �ber nahmen die Drachenverschworenen an Zahl und Zuversicht zu. Ituralde hatte seine Triumphe gehabt � bei Solanje und Maseen, bei dem See von Somal und Kandelmar; die Lords von Katar hatten gel ernt, die Produkte ihrer Minen und Schmieden nicht an die Feinde Arad Domans zu verkaufen �, aber jedes Mal hatten Alsalams Befehle seine Erfolge zunichte gemacht.</p><p>Aber dieser letzte Befehl war anders. Zum einen hatte einer der Grauen M�nner Lady Tuva ermordet, um zu verhindern, dass er Ituralde erreichte. Warum der Schatten diesen Befehl mehr als jeden anderen f�rchtete, blieb ein Geheimnis; aber das war mehr als Grund genug, schnell zu marschieren � bevor ihn der n�chste Befehl Alsalams erreichte. Dieser Befehl er�ffnete viele M�glichkeiten, und er hatte jede einzelne davon, die ihm in den Sinn gekommen war, in Erw�gung gezogen. Aber die guten fingen alle hier an, und zwar heute. Wenn nur noch geringe Erfolgaussichten bestanden, musste man sie ergreifen.</p><p>In der Ferne erscholl der schrille Ruf eines Schneevogels, dann ein zweites und ein drittes Mal. Ituralde legte die Hand an den Mund und erwiderte die drei Rufe. Augenblicke sp�ter kam ein zottiger, gescheckter Wallach zwischen den B�umen hervor, sein Reiter trug einen wei�en Umhang mit schwarzen Streifen. Reiter und Pferd w�ren in dem verschneiten Wald kaum zu sehen gewesen, h�tten sie sich nicht bewegt. Der Reiter hielt neben Ituralde an. Er war ein st�mmiger Mann, der mit einem Kurzschwert bewaffnet war; am Sattel hingen ein K�cher Pfeile und ein Bogen in einem Lederfutteral.</p><p>�Sieht so aus, als w�ren alle gekommen, mein Lord�, sagte er mit seiner st�ndig heiseren Stimme und schob die Kapuze zur�ck. Jemand hatte Donjel aufh�ngen wollen, als er noch jung gewesen war, allerdings war der Grund daf�r im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten. Was von seinem kurzgeschnittenen Haar noch �brig war, wies eine eisengraue Farbe auf. Die dunkle Lederklappe, die die leere rechte Augenh�hle verbarg, war ein weiteres Andenken an eine jugendliche Rauferei. Aber ob nur ein Auge oder zwei, er war der beste Kundschafter, der Ituralde jemals begegnet war. �Die meisten jedenfalls�, fuhr er fort. �Sie haben das Schloss mit zwei W�chterketten umgeben, die eine in der anderen. Man kann sie aus einer Meile Entfernung sehen, aber keiner wird sich n�hern k�nnen, ohne dass die im Schloss es merken und rechtzeitig verschwinden k�nnen. Den Spuren nach zu urteilen, haben sie nicht mehr M�nner mitgebracht, als Ihr es mir gesagt habt. Nat�rlich�, f�gte er beil�ufig hinzu, �seid Ihr ihnen noch immer zahlenm��ig �berlegen.�</p><p>Ituralde nickte. Er hatte das Wei�e Band angeboten, und die M�nner, die er treffen wollte, hatten zugestimmt. Die M�nner hatten beim Licht, ihren Seelen und der Hoffnung auf Erl�sung geschworen, in diesen drei Tagen keine Waffe gegeneinander zu ziehen oder Blut zu vergie�en. Allerdings war das Wei�e Band in diesem Krieg noch keiner Probe unterzogen worden, und in diesen Tagen hatten manche M�nner seltsame Vorstellungen davon, wo die Erl�sung lag. Zum Beispiel jene, die sich Drachenverschworene nannten. Er war immer als Spieler bezeichnet worden, auch wenn er das nicht war. Der Trick bestand darin, dass man wusste, welche Risiken man einging und welche nicht. Und manchmal, welche man einfach eingehen musste.</p><p>Er zog ein in gewachste Seide eingen�htes P�ckchen aus dem Stiefelschacht und gab es Donjel. �Sollte ich nicht in zwei Tagen an der Coron-Furt sein, �bergebt das hier meiner Frau.�</p><p>Der Kundschafter schob das P�ckchen unter den Umhang, ber�hrte seine Stirn und lenkte sein Pferd nach Westen. Er hatte schon zuvor �hnliche P�ckchen f�r Ituralde bef�rdert, f�r gew�hnlich vor einer Schlacht. Sollte das Licht daf�r sorgen, dass Tamsin nicht gezwungen wurde, es diesmal zu �ffnen. Sie w�rde ihn heimsuchen � das hatte sie ihm versprochen �, das erste bekannte Mal, dass die Lebenden die Toten heimsuchten.</p><p>�Jaalam�, sagte Ituralde, �lasst uns sehen, was uns in Lady Osanas Jagdschlo� erwartet.� Als er Pfeil antrieb, schl�ssen sich die anderen ihm an.</p><p>Die Sonne erreichte den Zenit und senkte sich wieder. Die dunklen Wolken im Norden kamen n�her heran, die K�lte wurde schlimmer. Bis auf das Klirren der Hufe, die in die Schneedecke einbrachen, gab es keinen Laut. Von den Reitern abgesehen schien der Wald menschenleer zu sein. Ituralde sah keinen der W�chter, von denen Donjel gesprochen hatte. Die Meinung des Mannes, was man aus einer Meile Entfernung sehen konnte, unterschied sich von denen der meisten. Nat�rlich w�rden sie ihn erwarten. Und ihn beobachten, um sicherzugehen, dass ihm kein Heer folgte, Wei�es Band oder nicht. Eine betr�chtliche Zahl von ihnen w�rde vermutlich gute Gr�nde haben, Rodel Ituralde mit Pfeilen zu spicken. Ein Lord mochte das Wei�e Band im Namen seiner M�nner schw�ren, aber w�rden sich auch alle daran gebunden f�hlen?</p><p>Manchmal gab es Risiken, die man einfach eingehen musste.</p><p>In der Mitte des Nachtmittags ragte Osanas so genanntes Jagdschloss unvermittelt zwischen den B�umen hervor, eine Masse aus blassen T�rmen und schlanken Spitzkuppeld�chern, die auch in Bandar Eban nicht Fehl am Platz gewesen w�ren. Sie hatte es schon immer auf M�nner oder Macht abgesehen, ihre Troph�en waren trotz ihrer Jugend zahlreich und bemer � kenswert, und die �Jagden�, die hier stattgefunden hatten, h�tten selbst in der Hauptstadt viele Brauen gehoben. Das Jagdschloss bot einen traurigen Anblick. Zerbrochene Fenster klafften wie M�nder mit spitzen Z�hnen. Nirgendwo war ein Lichtschimmer oder eine Bewegung zu sehen. Der Schnee, der den Boden um das Schloss bedeckte, war allerdings deutlich sichtbar von Pferden zertrampelt worden. Die verzierten Mes � singtore des Haupthofes standen weit offen, und Ituralde ritt ohne zu z�gern mit seinen M�nnern hinein. Wo der Schnee zu Matsch zertreten war, klapperten die Pferdehufe auf den Pflastersteinen.</p><p>Es erschienen keine Diener, um ihn zu begr��en, auch wenn er das nicht erwartet hatte. Osana war fr�hzeitig in dem Chaos verschwunden, das Arad Doman sch�ttelte wie ein Hund eine Ratte am Genick, und ihre Diener hatten sich schnell anderen ihrer Familie angeschlossen und jeden Platz eingenommen, den sie finden konnten. Heutzutage verhungerten die Herrenlosen oder wurden zu Banditen. Oder Drachenverschworenen. Er stieg vor der breiten Marmortreppe am Ende des Hofes ab und �bergab Pfeils Z�gel einem seiner M�nner, w�hrend Jaalam den �brigen den Befehl gab, sich mit ihren Pferden dort unterzustellen, wo es ging. Mit argw�hnischen Blicken auf die marmornen Balkone und die breiten Fenster, die den Hof s�umten, bewegten sie sich, als w�rden sie damit rechnen, jeden Augenblick zwischen den Schulterbl�ttern von Armbrustbolzen getroffen zu werden. Eines der Stalltore stand einen Spalt breit ge�ffnet, aber trotz der K�lte teilten sie sich zwischen den Ecken des Hofes auf und dr�ngten sich zwischen die Pferde, wo sie in alle Richtungen Wache halten konnten. Wenn es zum Schlimmsten kam, w�rde vielleicht einigen von ihnen die Flucht gl�cken.</p><p>Ituralde zog die Panzerhandschuhe aus und steckte sie in den G�rtel, w�hrend er mit Jaalam die Treppe emporklomm. Unter seinen Stiefeln knirschte breitgetretener Schnee, der erneut gefroren war. Er vermied es, irgendwo anders hin zu sehen als geradeaus. Er musste v�llig selbstbewusst erscheinen, als best�nde nicht die geringste M�glichkeit, dass sich die Ereignisse anders als erwartet entwickelten. Zuversicht war ein Schl�ssel zum Sieg. Wenn die andere Seite glaubte, dass man zuversichtlich war, war das manchmal genauso gut, als w�re man tats�chlich zuversichtlich.</p><p>Oben auf dem Treppenabsatz zog Jaalam eine der hohen, mit Schnitzereien versehenen T�ren an ihrem vergoldeten Ring auf. Bevor Ituralde eintrat, tastete er mit einem Finger nach seinem Sch�nheitsfleck, um sich zu vergewissern, dass er an Ort und Stelle war � seine Wangen waren zu kalt, um den dort klebenden schwarzen Samtstern f�hlen zu k�nnen. So selbstbewusst, als w�rde er an einem Ball teilnehmen.</p><p>In der h�hlenartigen Eingangshalle war es so kalt wie drau�en. Ihr Atem wurde zu feinem Nebel. Unbeleuchtet schien der Raum bereits in Zwielicht geh�llt zu sein. Den Boden zierte ein farbiges Mosaik aus J�gern und Tieren; an manchen Stellen waren die Fliesen zersprungen, als w�ren schwere Lasten dar�ber geschleift oder m�glicherweise auch darauf fallengelassen worden. Abgesehen von einem umgekippten Sockel, auf dem vielleicht eine gro�e Vase oder eine kleine Statue gestanden hatte, war die Halle leer. Was die Diener bei ihrer Flucht nicht mitgenommen hatten, war schon vor langer Zeit von Banditen gepl�ndert worden. Ein Mann erwartete sie, er hatte wei�es Haar und sah noch schmaler aus als bei ihrer letzten Begegnung. Sein Brustpanzer wies Dellen auf, sein Ohrring bestand nur aus einem kleinen goldenen Reif, aber der wei�e Spitzenbesatz seiner Kleidung war tadellos, und die funkelnde rote Mondsichel unter seinem linken Auge h�tte in besseren Zeiten am Hof f�r Aufsehen gesorgt.</p><p>�Beim Licht, seid willkommen unter dem Wei�en Band, Lord Ituralde�, sagte er f�rmlich und mit einer kleinen Verbeugung.</p><p>�Beim Licht, ich komme im Zeichen des Wei�en Bandes, Lord Shimron�, entgegnete Ituralde und erwiderte die Verbeugung. Shimron war einst einer von Alsalams engsten Beratern gewesen. Zumindest bis er sich den Drachenverschworenen angeschlossen hatte. Jetzt nahm er eine hohe Position in ihrem Rat ein.</p><p>�Mein Waffentr�ger ist Jaalam Nishur, ehrenverbunden dem Haus Ituralde, so wie all jene, die mit mir gekommen sind.�</p><p>Vor Rodel hatte es kein Haus Ituralde gegeben, aber Shimron erwiderte Jaalams Verbeugung, die Hand auf dem Herzen. �Ehre sei der Erde. Wollt Ihr mich begleiten, Lord Ituralde?�, sagte er, als er sich wieder aufrichtete.</p><p>Die gro�e Fl�gelt�r zum Ballsaal hing nicht mehr in ihren Angeln, allerdings konnte sich Ituralde nur schwerlich vorstellen, dass sie von Banditen geraubt worden war. Der hohe, spitze Torbogen war breit genug, um von zehn Seite an Seite gehenden M�nnern durchschritten zu werden. In dem fensterlosen ovalen Raum trieben f�nfzig Laternen jeder Gr��e und Art die Schatten zur�ck, allerdings reichte das Licht kaum bis zur Kuppeldecke. Getrennt von der freien Tanzfl�che standen zwei Gruppen von M�nnern vor den bemalten W�nden, und auch wenn das Wei�e Band sie dazu veranlasst hatte, auf die Helme zu verzichten, waren dennoch alle zweihundert oder mehr bewaffnet, keiner hatte auf sein Schwert verzichtet. Auf der einen Seite standen ein paar Lords der Domani � Rajabi, Wakeda, Ankaer �, die genauso m�chtig wie Shimron waren, umringt von ihren jeweiligen niederen Gefolgsleute und eidverschworenen freien M�nnern, sowie ein paar kleine Gruppen, die teilweise nur aus ein oder zwei Personen bestanden und manchmal gar keine Adligen aufwiesen. Die Drachenverschworenen hatten R�te, aber keinen �bergeordneten Befehlshaber. Dennoch war jeder dieser M�nner ein Anf�hrer, ihr Gefolge bestand aus Dutzenden und bei einigen sogar aus Tausenden. Keiner schien gl�cklich zu sein, dass er hier war, und ein paar warfen finstere Blicke durch den Raum zu der Stelle, an der f�nfzig oder sechzig Taraboner dicht beieinander standen, die genauso grimmig zur�ckschauten. Sie mochten alle Drachenverschworene sein, aber zwischen Domani und Tarabonern herrschte keine Freundschaft. Beinahe h�tte Ituralde beim Anblick der Ausl�nder gel�chelt. Er hatte nicht zu hoffen gewagt, dass auch nur die H�lfte von ihnen heute erscheinen w�rde.</p><p>�Lord Rodel Ituralde kommt im Zeichen des Wei�en Bandes.� Shimrons Stimme hallte durch die von Laternenlicht geschaffenen Schatten. �Soll der, der Gewalt im Sinn hat, sein Herz erforschen und an seine Seele denken.� Und das war das Ende der F�rmlichkeiten.</p><p>�Warum bietet Lord Ituralde das Wei�e Band an?�, verlangte Wakeda zu wissen, der die eine Hand an dem Langschwert an seiner Seite und die andere zur Faust geballt hatte. Er war kein gro�er Mann, wenn auch gr��er als Ituralde, und so hochm�tig, als w�rde er auf dem Thron sitzen. Einst hatten ihn die Frauen als attraktiv beschrieben. Jetzt bedeckte ein schr�g gebundenes schwarzes Tuch die leere rechte Augenh�hle, und sein Sch�nheitsfleck war eine schwarze Pfeilspitze, die auf eine dicke, von der Wange zur Stirn verlaufende Narbe zeigte. �Will er sich uns anschlie�en? Oder uns bitten, sich zu ergeben? Alle wissen, dass der Wolf so mutig wie durchtrieben ist. Ist er so mutig?� In die M�nner auf seiner Seite des Raums kam Unruhe; zum Teil war es Heiterkeit, zum Teil aber auch Wut.</p><p>Ituralde verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken, um nicht an dem Rubin in seinem linken Ohrl�ppchen herumzufummeln. Es war weithin als Zeichen daf�r bekannt, dass er w�tend war, und manchmal tat er es auch absichtlich, aber jetzt musste er eine ruhige Miene zur Schau stellen. Selbst wenn der Mann an seinem Ohr vorbei sprach! Nein. Ruhe. Duelle entstanden aus Zorn, aber er war hier, um ein Duell auszufechten, und dazu brauchte er Ruhe. Worte konnten t�dlichere Waffen als Schwerter sein.</p><p>�Jeder Mann hier wei�, dass wir im S�den einen weiteren Feind haben�, sagte er mit ruhiger Stimme.</p><p>�Die Seanchaner haben Tarabon geschluckt.� Er schaute zu den Tarabonern hin�ber und sah sich mit ausdruckslosen Blicken konfrontiert. Er hatte noch nie in den Gesichtern von Tarabonern lesen k�nnen. Anstelle dieser l�cherlichen Schnurrb�rte, die wie haarige Sto�z�hne waren � schlimmer noch als die Saldaeaner! �, und den albernen Gesichtsschleiern h�tten sie genauso gut Masken tragen k�nnen, und das armselige Licht der Laternen war auch keine Hilfe. Aber er hatte sie auch schon gesehen, wenn sie sich mit R�stungen verschleierten, und er brauchte sie. �Sie sind auf die Ebene von Almoth gestr�mt und bewegen sich weiter nach Norden. Ihr Ziel ist klar. Sie wollen auch Arad Doman unterwerfen. Ich f�rchte, sie wollen die ganze Welt.�</p><p>�Will Lord Ituralde wissen, wen wir unterst�tzen, falls diese Seanchaner bei uns einfallen?�, fragte Wakeda.</p><p>�Ich glaube fest daran, dass Ihr f�r Arad Doman k�mpfen werdet, Lord Wakeda�, sagte Ituralde sanft.</p><p>Wakeda lief purpurrot an, als er die offene Beleidigung h�rte, und seine Eidm�nner griffen nach den Schwertern.</p><p>�Fl�chtlinge haben berichtet, dass Aiel auf der Ebene sind�, warf Shimron schnell ein, als f�rchtete er, Wakeda k�nnte das Wei�e Band zerrei�en. Keiner von Wakedas Eidm�nnern w�rde blankziehen, bevor er es tat oder es befahl. �Den Berichten zufolge k�mpfen sie f�r den Wiedergeborenen Drachen. Er muss sie geschickt haben, vielleicht um uns beizustehen. Niemand hat je ein Heer der Aiel besiegt, nicht einmal Artur Falkenfl�gel. Lord Ituralde, erinnert Ihr Euch an den Blutigen Schnee, als wir noch j�nger waren? Ihr stimmt gewiss mit mir darin �berein, dass wir sie dort nicht besiegt haben, was auch immer in den �berlieferungen steht, und ich kann nicht glauben, dass die Seanchaner �ber die Zahl an M�nnern verf�gen, die wir damals hatten. Ich selbst habe geh�rt, dass sich die Seanchaner nach S�den bewegen, von der Grenze fort. Nein, ich vermute, dass wir als N�chstes h�ren werden, dass sie sich von der Ebene <emphasis>zur�ckziehen</emphasis> und nicht auf uns zur�cken.� Im Feld war er kein schlechter Befehlshaber, aber er war schon immer ein Pedant gewesen.</p><p>Ituralde l�chelte. Aus dem S�den kamen die Nachrichten schneller als von �berall anders, aber er hatte bef�rchtet, die Aiel selbst zur Sprache bringen zu m�ssen, und sie h�tten vielleicht geglaubt, er wollte sie hintergehen. Er konnte es selbst kaum glauben. Aiel auf der Ebene von Almoth. Er sparte sich den Hinweis, dass Aiel, die geschickt worden waren, um den Drachenverschworenen zu helfen, wahrscheinlich direkt in Arad Doman erschienen w�ren. �Auch ich habe mit Fl�chtlingen gesprochen, und sie erz�hlen von �berf�llen der Aiel, nicht von Heeren. Was auch immer die Aiel auf der Ebene tun, es hat den Vormarsch der Seanchaner vielleicht verlangsamt, aber es hat sie nicht zur�ckgedr�ngt. Ihre fliegenden Bestien kundschaften unsere Seite der Grenze aus. Das klingt nicht nach R�ckzug.�</p><p>Mit einer energischen Bewegung zog er das Papier aus dem �rmel und hielt es in die H�he, sodass alle das in gr�nes und blaues Wachs eingedr�ckte Siegel mit Schwert und Hand sehen konnten. Wie immer in letzter Zeit hatte er das k�nigliche Siegel auf der einen Seite mit einer hei�en Klinge vom Papier gel�st, um es intakt zu lassen, damit er es denen ungebrochen vorlegen konnte, die m�gliche Zweifel hatten. Und von denen gab es eine ganze Menge, nachdem sie Alsalams Befehle vernommen hatten. �K�nig Alsalam hat mir den Befehl gegeben, so viele M�nner zu nehmen, wie ich zusammenbekomme, ganz egal woher, und die Seanchaner so hart anzugreifen, wie ich kann.� Er holte tief Luft. Hier ging er ein weiteres Wagnis ein, und Alsalam w�rde m�glicherweise seinen Kopf auf den Richtblock schicken, wenn der W�rfel nicht auf die gew�nschte Seite fiel. �Ich biete einen Waffenstillstand an. Ich schw�re im Namen des K�nigs, gegen keinen von Euch ins Feld zu ziehen, solange die Seanchaner Arad Doman bedrohen, falls Ihr alle den gleichen Schwur leistet und an meiner Seite k�mpft, bis sie zur�ckgeschlagen sind.�</p><p>Verbl�fftes Schweigen antwortete ihm. Der stier nackige Rajabi schien vom Schlag getroffen zu sein.</p><p>Wakeda kaute wie ein erschrockenes M�dchen auf der Unterlippe herum.</p><p>Dann murmelte Shimron: �K�nnen sie <emphasis>zur�ckgeschlagen</emphasis> werden, Lord Ituralde? Ich habe auf der Ebene von Almoth ihren angeketteten ... Aes Sedai gegen�bergestanden, genau wie Ihr auch.� Stiefel knirschten, als M�nner mit den F��en scharrten, Gesichter verdunkelten sich vor hilflosem Zorn. Keinem Mann gefiel die Vorstellung, einem Feind hilflos gegen�berzustehen, aber viele von ihnen hatten in den fr�hen Tagen an der Seite von Ituralde und Shimron gek�mpft, um zu wissen, wie dieser Feind war.</p><p>�Sie k�nnen besiegt werden, Lord Shimron�, erwiderte Ituralde, �selbst mit ihren ... kleinen �berraschungen.� Schon seltsam, es so zu bezeichnen, wenn der Boden unter den F��en in die H�he geschleudert wurde und Kundschafter etwas ritten, das wie Schattengez�cht aussah, aber er musste so sicher klingen, wie er aussah. Davon abgesehen passte man sich an, wenn man wusste, wozu der Feind imstande war. Das war eine Faustregel des Kriegshandwerks, und zwar schon lange, bevor die Seancha ner aufgetaucht waren. Dunkelheit verschaffte den Seanchanern Vorteile, genau wie St�rme, und ein Wetterdeuter konnte einem immer sagen, wann ein Sturm heraufzog. �Ein kluger Mann h�rt auf zu kauen, wenn er auf den Knochen st��t�, fuhr er fort, �aber bis jetzt haben die Seanchaner ihr Fleisch in d�nnen Scheiben abgeschnitten, bevor sie danach griffen. Ich habe vor, ihnen einen knorrigen Unterschenkel zu geben, an dem sie herumkauen k�nnen. Mehr noch, ich habe einen Plan, der sie so schnell zuschnappen lassen wird, dass sie sich die Z�hne an dem Knochen ausbei�en werden, bevor sie �berhaupt einen Bissen Fleisch bekommen. Nun, ich habe meinen Schwur geleistet. Was ist mit Euch?�</p><p>Es fiel schwer, nicht die Luft anzuhalten. Jeder Mann schien nach innen zu schauen. Er konnte f�rmlich sehen, wie sie dar�ber nachdachten. Der Wolf hatte einen Plan. Die Seanchaner hatten angekettete Aes Sedai und fliegende Bestien und das Licht allein wusste was noch. Aber der Wolf hatte einen Plan. Die Seanchaner. Der Wolf.</p><p>�Wenn ein Mann sie besiegen kann�, sagte Shimron schlie�lich, �dann seid Ihr es, Lord Ituralde. Ich schw�re.�</p><p><emphasis>�Ich</emphasis> schw�re auch!�, rief Rajabi. �Wir jagen sie �ber den Ozean dorthin zur�ck, wo sie hergekommen sind!� Er hatte das passende Temperament zu seinem Stiernacken.</p><p>�berraschenderweise gab Wakeda seine Zustimmung mit dem gleichen Enthusiasmus kund, und dann erscholl ein Sturm aus Stimmen, sie riefen, dass auch sie den Schwur des K�nigs leisteten, dass sie die Seanchaner zerschmettern w�rden, manche sogar, dass sie dem Wolf in die Grube der H�lle selbst folgen w�rden. Das war alles sehr zufriedenstellend, aber es war nicht alles, weswegen Ituralde hergekommen war.</p><p>�Wenn Ihr <emphasis>uns</emphasis> bittet, f�r Arad Doman zu k�mpfen�, �bert�nte eine Stimme den Rest, �dann fragt uns!� Die M�nner, die ihre Schw�re verk�ndet hatten, verfielen in w�tendes Gemurmel oder leise Fl�che.</p><p>Ituralde verbarg sein Vergn�gen hinter seinem ausdruckslosen Gesicht und drehte sich dem Sprecher zu, der auf der anderen Seite des Raums stand. Der Taraboner war ein schlanker Mann mit einer spitzen Nase, die seinen Schleier hervorstehen lie�. Aber seine Augen blickten scharf und hart. Einige der Taraboner runzelten die Stirn, als w�rde ihnen nicht gefallen, dass er das Wort ergriffen hatte; allem Anschein nach hatten sie genau wie die Domani keinen Anf�hrer mehr, aber er hatte nun einmal das Wort ergriffen. Ituralde hatte gehofft, die Eide zu erhalten, aber sie waren f�r seinen Plan nicht notwendig. Die Taraboner schon. Zumindest w�rden sie die Chance hundertfach verst�rken, dass er funktionierte. Er begr��te den Mann mit einer h�flichen Verbeugung.</p><p>�Ich biete Euch die Gelegenheit, f�r Tarabon zu k�mpfen, mein guter Mann. Die Aiel stiften auf der Ebene einige Verwirrung, das berichten die Fl�chtlinge. Sagt, k�nnte eine kleine Kompanie Eurer Leute � hundert, oder vielleicht auch zweihundert � in diesem Aufruhr die Ebene �berqueren und Tarabon betreten, vorausgesetzt, ihre R�stungen w�ren mit den Streifen jener markiert, die f�r die Seanchaner reiten?�</p><p>Es erschien unvorstellbar, dass das Gesicht des Taraboners noch verkniffener wurde, aber so war es, und jetzt waren die M�nner rings um ihn mit �rgerlichem Murmeln und Fl�chen dran. Aus dem Norden waren gen�gend Neuigkeiten bis zu ihnen gedrungen, um zu wissen, dass die Seanchaner einen K�nig und eine Panarchin auf die Throne gesetzt hatten, die einer Kaiserin auf der anderen Seite des Aryth-Meers die Treue geschworen hatten. Sie w�rden es nicht sch�tzen, daran erinnert zu werden, wie viele ihr er Landsleute jetzt f�r diese Kaiserin ritten. Die meisten der �Seanchaner� auf der Ebene von Almoth waren Taraboner.</p><p>�Was k�nnte eine kleine Kompanie schon ausrichten?�, knurrte der schlanke Mann ver�chtlich.</p><p>�Wenig�, erwiderte Ituralde. �Aber wenn es f�nfzig solcher Kompanien geben w�rde? Oder hundert?�</p><p>Den Berichten zufolge verf�gten diese Taraboner �ber so viele M�nner. �Wenn sie alle am selben Tag zuschlagen w�rden, in ganz Tarabon? Ich selbst w�rde mit ihnen reiten, und so viele meiner M�nner, wie man tarabonische R�stungen f�r sie auftreiben kann. Nur damit ihr wisst, dass das kein Vorwand ist, um euch loszuwerden.�</p><p>Hinter ihm fingen die Domani lautstark an zu protestieren. Wakeda am lautesten von allen, falls man das glauben wollte! Der Plan des Wolfes war ja sch�n und gut, aber sie wollten den Wolf selbst an ihrer Spitze reiten sehen. Die meisten Taraboner fingen eine hitzige Diskussion untereinander an, ob so viele M�nner die Ebene ungesehen �berqueren konnten, selbst in so kleinen Gruppen, was so kleine Kompanien in Tarabon ausrichten konnten, ob sie bereit waren, mit seanchanischen Streifen versehene R�stungen zu tragen. Taraboner diskutierten genauso gern wie Saldaeaner, und genauso hitzig. Aber nicht der Mann mit der spitzen Nase. Er erwiderte Ituraldes Blick. Dann nickte er kaum merklich. Es war schwer zu sagen, aber Ituralde glaubte, dass er unter dem dicken Schnurrbart l�chelte.</p><p>Die letzte Anspannung wich aus Ituraldes Schultern. Der Bursche h�tte nicht zugestimmt, w�hrend die anderen noch debattierten, w�re er nicht einflussreicher gewesen, als es den Anschein hatte. Auch die anderen w�rden kommen, da war er sich sicher. Sie w�rden mit ihm nach S�den in das Herz dessen reiten, was die Seanchaner als das ihre betrachteten, und ihnen einen harten Schlag ins Gesicht versetzen. Die Taraboner w�rden nat�rlich bleiben und den Kampf in ihrer Heimat fortsetzen wollen. Er konnte nicht mehr erwarten.</p><p>Was dazu f�hren w�rde, dass man ihn und die paar tausend Mann, die er mitnehmen konnte, wieder zur�ck nach Norden jagen w�rde, den ganzen Weg �ber die Ebene von Almoth. Wenn das Licht auf ihn leuchtete, voller Wut jagen.</p><p>Er erwiderte das L�cheln des Taraboners, wenn es denn ein L�cheln war. Mit etwas Gl�ck w�rden die w�tenden Gener�le nicht sehen, wo er sie hinf�hrte, bis es zu sp�t war. Und wenn doch ... Nun, er hatte noch einen zweiten Plan.</p><p>Eamon Valda zog den Umhang eng um seinen K�rper, w�hrend er zwischen den B�umen durch den Schnee stapfte. Der Wind raunte kalt und best�ndig durch die schneebeladenen �ste, in dem feuchten grauen Licht ein t�uschend leiser Laut. Er drang durch die dicke wei�e Wolle wie Watte und lie� ihn bis auf die Knochen frieren. Das Lager, das sich um ihn herum im Wald erstreckte, war zu still. Bewegung sorgte nur f�r wenig W�rme, aber hier dr�ngten sich die M�nner aneinander, solange sie nicht angetrieben wurden.</p><p>Abrupt blieb er stehen und r�mpfte die Nase, als ihn pl�tzlich Gestank einh�llte, eine w�rgende F�ulnis wie von zwanzig Misthaufen, in denen es vor Maden wimmelte. Er w�rgte nicht; stattdessen runzelte er die Stirn. Dem Lager fehlte die Ordnung, die er vorzog. Die Zelte standen zuf�llig dort verstreut, wo in der H�he die dicksten �ste wuchsen, die Pferde waren in der N�he angebunden statt ordentlich angepflockt. Es war die Art von Nachl�ssigkeit, die zu Unrat f�hrte. Unbeaufsichtigt vergruben die M�nner den Pferdedung unter ein paar Schaufeln Erde, um schneller fertig zu sein, und hoben Latrinen dort aus, wo sie in der K�lte nicht weit zu gehen hatten. Jeder seiner Offiziere, der so etwas erlaubt h�tte, w�re nicht l�nger Offizier gewesen und h�tte aus erster Hand erfahren, wie man mit einer Schaufel umging.</p><p>Er suchte nach der Quelle, als der Gestank pl�tzlich nicht mehr da war. Der Wind hatte sich nicht gedreht, der Gestank war einfach verschwunden. Eamon war nur kurz �berrascht. Er ging weiter und blickte noch grimmiger drein. Der Gestank war irgendwo hergekommen. Er w�rde herausfinden, wer f�r die Nachl�ssigkeit verantwortlich war, und ein Exempel statuieren. Die Disziplin musste streng sein, jetzt noch mehr als je zuvor.</p><p>Am Rand einer gro�en Lichtung blieb er erneut stehen. Die Schneedecke war trotz des darum verborgenen Lagers vollkommen unber�hrt. Er trat zur�ck zwischen die B�ume und musterte den Himmel. Graue Wolken verbargen die Mittagssonne. Eine fl�chtige Bewegung lie� ihm den Atem stocken, bevor ihm klar wurde, dass es nur ein Vogel war, ein kleines braunes Ding, das vor Falken auf der Hut war und darum tief flog. Er stie� ein Lachen aus, das mehr als nur einen Hauch Bitterkeit hatte. Es war nicht mal ein ganzer Monat vergangen, dass die vom Licht verfluchten Seanchaner Amador und die Hochburg des Lichts mit einem unglaublichen Bissen geschluckt hatten, und er hatte bereits neue Instinkte erworben. Kluge M�nner lernten, w�hrend Narren ...</p><p>Ailron war ein aufgeblasener Narr gewesen, der alten Geschichten �ber vergangene Triumphe nachhing, welche die Zeit verkl�rt hatte, von neuer Hoffnung erf�llt, zusammen mit der Krone wahre Macht zu erringen. Er hatte sich geweigert, die Wirklichkeit zu sehen, die sich vor seinen Augen abspielte, und Ailrons Ungl�ck war das Resultat gewesen. Valda war zu Ohren gekommen, dass man es die Schlacht von Jeramel genannt hatte, aber das waren nur die wenigen amadicianischen Adligen gewesen, die benommen wie zur Schlachtung gef�hrte Rinder entkommen waren und noch immer versuchten, die Geschehnisse im besten Licht darzustellen. Er fragte sich, wie Ailron es wohl genannt hatte, als die gez�hmten Hexen der Seanchaner anfingen, seine ordentlichen Formationen in blutige B�ndel zu verwandeln. Er hatte noch immer das Bild vor Augen, wie sich die Erde in Feuerfont�nen verwandelte. Er sah es in seinen Tr�umen. Nun, Ailron war tot, niedergestreckt auf der Flucht vom Schlachtfeld, und sein Kopf war auf eine tarabonische Lanze gesteckt worden. Ein passender Tod f�r einen Narren. Er hingegen hatte �ber neuntausend der Kinder um sich versammelt. Ein Mann, der einen klaren Blick bewahrte, konnte daraus in solchen Zeiten einiges machen.</p><p>Auf der anderen Seite der Lichtung, direkt in der Baumlinie, stand eine einfache H�tte, die einst einem K�hler geh�rt hatte, ein Raum mit steinernen W�nden, in deren L�cken winterbraunes Unkraut wucherte. Allem �u�eren Anschein nach hatte der Mann das Haus schon vor einiger Zeit aufgegeben; Teile des Strohdachs sackten auf bedenkliche Weise durch, und was auch immer die schmalen Fenster ausgef�llt hatte, war seit langem verschwunden und wurde nun von dunklen Wolldecken ersetzt. Neben der schiefen Holzt�r standen zwei Wachen, gro�e M�nner mit dem Wappen des scharlachroten Hirtenstabs vor der goldenen Sonne auf den Umh�ngen. Sie hatten die Arme um den K�rper gelegt und stampften mit den Stiefeln auf, um gegen die K�lte anzugehen. W�re Valda ein Feind gewesen, h�tte keiner von ihnen rechtzeitig das Schwert ziehen k�nnen. Die Zweifler arbeiteten lieber drinnen.</p><p>Ihre Gesichter h�tten aus Stein gemei�elt sein k�nnen, w�hrend sie seinem N�herkommen entgegensahen. Keiner entrichtete mehr als einen halbherzigen Salut. Nicht f�r einen Mann ohne Hirtenstab, selbst wenn er der Kommandierende Lordhauptmann der Kinder war. Einer von ihnen �ffnete den Mund, als wollte er nach Valdas Ansinnen fragen, aber er ging einfach an ihnen vorbei und stie� die roh gezimmerte T�r auf. Immerhin versuchten sie nicht, ihn aufzuhalten. H�tten sie dies getan, h�tte er sie beide get�tet.</p><p>Asunawa schaute bei seinem Eintreten von dem schiefen Tisch auf, an dem er ein kleines Buch las, in einer knochigen Hand einen dampfenden Zinnbecher, von dem der Geruch von Gew�rzen ausging. Der Stuhl mit der hohen Lehne, auf dem er sa�, das einzige andere M�belst�ck im Raum, schien hinf�llig zu sein, aber jemand hatte ihn mit Lederriemen verst�rkt.</p><p>Valda presste die Lippen aufeinander, um ein h�hnischen Grinsen zu vermeiden. Der Hochinquisitor der Hand des Lichts beanspruchte ein richtiges Dach �ber dem Kopf und kein Zelt, selbst wenn es nur aus Stroh bestand, das dringend geflickt h�tte werden m�s sen, und gew�rzten Wein, wo kein anderer seit einer Woche auch nur irgendwelchen Wein zu trinken bekommen hatte. In dem gemauerten Kamin brannte na t�rlich ein kleines Feuer und verbreitete etwas W�rme. Schon vor dem Ungl�ck waren Lagerfeuer untersagt worden, um zu verhindern, dass sie der Rauch verriet. Doch obwohl die meisten Kinder die Zweifler verabscheuten, hatten sie f�r Asunawa einen seltsamen Respekt, als w�rden ihn sein graues Haar und das hagere M�rtyrergesicht mit allen Idealen der Kinder des Lichts auszeichnen. Als Va lda das zum ersten Mal er � fahren hatte, war das eine �berraschung gewesen; er war sich nicht sicher, ob Asunawa selbst es wusste. Auf jeden Fall gab es genug Zweifler, um �rger zu machen. Nichts, das er nicht h�tte meistern k�nnen, aber es war besser, diese Art �rger zu vermeiden. Zumindest im Augenblick.</p><p>�Es ist fast soweit�, sagte er und schloss hinter sich die T�r. �Seid Ihr fertig?�</p><p>Asunawa machte keinerlei Anstalten aufzustehen oder nach dem wei�en Umhang zu greifen, der gefaltet vor ihm auf dem Tisch lag. Das Kleidungsst�ck trug kein Sonnenbanner, lediglich den scharlachroten Hirtenstab. Stattdessen faltete er die H�nde �ber dem Buch und verbarg die Seiten. Valda hielt es f�r Mantelars <emphasis>Der Weg des Lichts.</emphasis> Seltsame Lekt�re f�r einen Hochinquisitor. Eher geeignet f�r neue Rekruten; jene, die bei der Vereidigung nicht lesen konnten, bekamen es beigebracht, damit sie Mantelars Worte studieren konnten. �Ich habe Berichte �ber ein andoranisches Heer in Murandy erhalten, mein Sohn�, sagte Asunawa. �M�glicherweise sogar tief in Murandy.�</p><p>�Murandy ist weit von hier entfernt�, erwiderte Valda, als w�re ihm nicht klar, dass eine alte Streitfrage hier zu neuem Leben erweckt wurde. Eine Streitfrage, von der Asunawa oft zu vergessen schien, dass er sie bereits verloren hatte. Aber was hatten die Andoraner in Murandy zu suchen? Falls die Berichte der Wahrheit entsprachen; so viele waren nichts als Hirngespinste von Reisenden, die in L�gen verpackt waren. Andor. Allein schon der Name versetzte Valda in Wut. Morgase war tot oder die Dienerin eines Seanchaners. Sie hatten wenig Achtung vor Titeln, die nicht die ihren waren. Tot oder Dienerin, f�r ihn war sie verloren, und, was viel wichtiger war, seine Pl�ne f�r Andor waren gescheitert. Galadedrid war von einem n�tzlichen Werkzeug zu einem beliebigen jungen Offizier geworden, und dazu noch einer, der beim Fu�volk viel zu beliebt war. Gute Offiziere waren niemals beliebt. Aber Valda war ein pragmatischer Mann. Die Vergangenheit war vergangen. Neue Pl�ne hatten Andor ersetzt.</p><p>�Nicht so weit, wenn wir nach Osten durch Altara marschieren, mein Sohn, durch den Norden von Altara. Die Seanchaner k�nnen sich noch nicht weit von Ebou Dar ausgebreitet haben.�</p><p>Valda streckte die H�nde aus, um etwas von der armseligen W�rme des Kaminfeuers abzubekommen, und seufzte. In Tarabon hatten sie sich wie eine Seuche ausgebreitet, und hier in Amadicia auch. Wie kam der Mann auf die Idee, dass es in Altara anders sein w�rde? �Vergesst Ihr da nicht die Hexen in Altara? MUSS ich Euch daran erinnern, dass sie ein eigenes Heer haben? Es sei denn, sie sind bereits in Murandy.� Die Berichte von den marschierenden Hexen glaubte er. Ohne es zu wollen, hob sich seine Stimme. �Vielleicht handelt es sich bei dem so genannten andoranischen Heer, von dem Ihr geh�rt habt, um die Hexen und ihre Streitkr�fte! Vergesst nicht, sie haben al'Thor Caemlyn gegeben! Und Illian, und den halben Osten! Glaubt Ihr wirklich, dass die Hexen uneins sind? Glaubt Ihr das?� Er atmete langsam ein und beruhigte sich. Versuchte es zumindest. Jeder Bericht aus dem Osten war schlimmer als der vorherige. Ein Windsto�, der den Schornstein hinunterraste, blies Funken in den Raum, und er trat mit einem Fluch zur�ck. Verfluchtes Bauernloch! Selbst der Kamin war erb�rmlich!</p><p>Asunawa klappte das kleine Buch mit beiden H�nden zu. Sie waren wie zum Gebet gefaltet, aber in seinen tiefliegenden Augen schien pl�tzlich ein Feuer zu lodern, das hei�er war als das im Kamin. �Die Hexen m�ssen vernichtet werden! Das ist es, woran ich glaube!�</p><p>�Mir w�rde es reichen, wenn wir w�ssten, wie die Seanchaner sie z�hmen.� Mit gen�gend zahmen Hexen k�nnte er al'Thor aus Andor vertreiben, aus Illian und �berall sonst, wo er sich wie der Schatten selbst ausgebreitet hatte. Er k�nnte mehr erreichen als Falkenfl�gel!</p><p>�Sie m�ssen vernichtet werden�, sagte Asunawa stur.</p><p>�Und wir mit ihnen?�, wollte Valda wissen.</p><p>Es klopfte an der T�r, und nach Asunawas kurzem Ruf trat einer der Wachen ein, nahm stocksteif Haltung an und hieb in einem zackigen Gru� den Arm quer �ber die Brust. �Mein Lord Hochinquisitor�, sagte er ehrerbietig, �der Rat der Gesalbten ist eingetroffen.�</p><p>Valda wartete. W�rde der alte Narr weiterhin auf seinem Standpunkt beharren, wo drau�en alle zehn �berlebenden Lordhauptm�nner im Sattel sa�en, zum Ritt bereit? Was geschehen war, war geschehen. Was geschehen musste ...</p><p>�Wenn es die Wei�e Burg vernichtet�, sagte Asunawa schlie�lich, �dann kann ich f�r den Augenblick zufrieden sein. Ich werde zu der Versammlung kommen.�</p><p>Valda l�chelte schmal. �Dann bin ich zufrieden. Wir werden das Ende der Hexen Seite an Seite erleben.� Er w�rde es auf jeden Fall erleben. �Ich schlage vor, Ihr lasst Euer Pferd bereitmachen. Bei Anbruch der Nacht steht uns ein langer Ritt bevor.� Ob Asunawa es mit ihm zusammen erleben w�rde, war eine andere Sache.</p><p>Gabrelle genoss den Ritt durch den winterlichen Wald mit Logain und Toveine. Er lie� sie und Toveine stets in scheinbarer Ungest�rtheit in ihrem eigenen Tempo folgen, solange sie nicht zu weit zur�ckblieben. Die beiden Aes Sedai sprachen allerdings selten mehr als das unumg�nglich Notwendige, selbst wenn sie tats�chlich allein unter sich waren. Sie waren alles andere als Freundinnen. Gabrelle w�nschte sich oft, Toveine w�rde darum bitten, zur�ckbleiben zu d�rfen, wenn Logain diese Ausritte anbot. Es w�re sehr angenehm gewesen, wirklich allein zu sein.</p><p>Mit einer behandschuhten Hand hielt sie die Z�gel, w�hrend sie mit der anderen den mit Fuchspelz gef�tterten Umhang zuhielt, und sie lie� zu, dass sie die K�lte f�hlte, nur ein bisschen, nur f�r die erfrischende Energie, die sie bot. Der Schnee lag nicht hoch, aber die Morgenluft war ausgesprochen frisch. Dunkelgraue Wolken versprachen bald weiteren Schnee. Hoch �ber ihren K�pfen flog irgendein Vogel mit gro�en Fl�geln. Vielleicht ein Adler; sie kannte sich nicht besonders mit V�geln aus. Pflanzen und Steine blieben an Ort und Stelle, w�hrend man sie studierte, genau wie B�cher und Manuskripte, obwohl sie unter ihren Fingern zerfielen, wenn sie alt genug waren. Sie konnte den Vogel in dieser H�he ohnehin kaum sehen, aber ein Adler passte in die Landschaft. Sie waren von Wald umgeben, zwischen weit auseinanderstehenden B�umen wuchs niedriges Gestr�pp. Gro�e Eichen und m�chtige Kiefern und Tannen hatten den gr��ten Teil des Unterholzes vertrieben, obwohl hier und da die dicken braunen �berreste z�her Schlingpflanzen, die auf den noch fernen Fr�hling warteten, an Felsen oder niedrigen grauen Steinvorspr�ngen klebten. Sie vertraute das Bild der Landschaft sorgf�ltig ihrem Ged�chtnis an, als w�rde es sich um eine Novizinnen�bung handeln; in ihrem Inneren war sie kalt und leer.</p><p>Da au�er ihren beiden Gef�hrten niemand in Sicht war, konnte sie sich beinahe vorstellen, irgendwo anders als in der Schwarzen Burg zu sein. Dieser schreckliche Name kam einem jetzt viel zu leicht in den Sinn. Eine Sache, die so real war wie die Wei�e Burg; und f�r jemanden, der die gro�en Unterk�nfte mit ihren Hunderten von M�nnern in der Ausbildung und das Dorf gesehen hatte, das ringsum entstanden war, war es nicht l�nger die �so genannte� Schwarze Burg. Sie hatte fast zwei Wochen in diesem Dorf gelebt, und es gab Teile der Schwarzen Burg, die sie noch nicht gesehen hatte. Ihr Grundriss nahm Meilen in Anspruch, umgeben von den Anf�ngen einer Mauer aus schwarzem Stein. Doch hier in den W�ldern konnte sie das beinahe vergessen.</p><p>Beinahe. W�re da nicht das B�ndel aus Gef�hlen und Empfindungen gewesen, die Essenz von Logain Ablar, die stets in ihrem Hinterkopf gegenw�rtig war, das st�ndige Gef�hl beherrschter Vorsicht, von Muskeln, die stets kurz davor standen, sich anzuspannen. So f�hlte sich vermutlich ein jagender Wolf, oder vielleicht ein L�we. Der Kopf des Mannes war in st�ndiger Bewegung; selbst hier beobachtete er seine Umgebung, als rechnete er mit einem Angriff.</p><p>Sie hatte nie einen Beh�ter gehabt � sie waren nutzlose Schmuckst�cke f�r Braune; ein eingestellter Diener konnte alles erledigen, was sie brauchte �, und es f�hlte sich seltsam an, nicht nur Teil eines Bundes, sondern auch sozusagen am falschen Ende zu sein. Sogar schlimmer als am falschen Ende zu sein; <emphasis>sein</emphasis> Bund verlangte ihren Gehorsam, und sie war zahllosen Beschr�nkungen unterworfen. Also war es eigentlich nicht das gleiche wie ein Beh�terbund. Schwestern <emphasis>zwangen</emphasis> ihre Beh�ter nicht zum Gehorsam. Nun, jedenfalls nicht oft. Und Schwestern hatten schon seit Jahrhunderten keinen M�nnern mehr den Bund gegen ihren Willen aufgezwungen. Dennoch, es war Stoff f�r eine faszinierende Studie. Sie hatte ihre Gef�hle er � forscht. Manchmal vermochte sie fast seine Gedanken zu lesen. Bei anderen Gelegenheiten war es so, als w�rde sie sich ohne Laterne den Weg durch einen Minenschacht suchen. Vermutlich w�rde sie auch dann noch forschen, wenn ihr Kopf auf dem Block eines Scharfrichters lag. Was auf sehr reale Weise sogar zutraf. <emphasis>Er</emphasis> konnte sie genauso gut ertasten wie sie ihn.</p><p>Das durfte sie nie vergessen. Einige der Asha'man mochten glauben, dass sich die Aes Sedai mit ihrer Gefangenschaft abgefunden hatten, aber nur ein Narr konnte glauben, dass einundf�nfzig Schwestern, die man mit Zwang gebunden hatte, alle der Resignation verfallen w�rden, und Logain war kein Narr. Au�er � dem wusste er, dass sie geschickt worden waren, um die Schwarze Burg zu vernichten. Aber wenn er Ver � dacht sch�pfte, dass sie noch immer nach einer M�g � lichkeit suchten, die Bedrohung von Hunderten von M�nnern zu beenden, die die Eine Macht lenken konnten ... Beim Licht, so eingeschr�nkt, wie sie waren, h�tte ein einziger Befehl sie auf der Stelle stillstehen lassen! <emphasis>Du wirst nichts tun, was der Schwarzen Burg schaden k�nnte.</emphasis> Sie konnte nicht begreifen, warum man ihnen diesen Befehl nicht als einfache Vorsichtsma� � nahme erteilt hatte. Sie mussten Erfolg haben. Versagten sie, war die Welt dem Untergang geweiht.</p><p>Logain drehte sich im Sattel um, eine eindrucksvolle, breitschultrige Gestalt in einem gut sitzenden, pech � schwarzen Mantel, der abgesehen von dem silbernen Schwert und dem rotgoldenen Drachen an dem ho � hen Kragen keine Farbe aufwies. Der schwarze Um � hang war zur�ckgeworfen, als w�rde er sich weigern, sich von der K�lte ber�hren zu lassen. M�glicherweise stimmte das sogar; diese M�nner schienen zu glauben, gegen alles k�mpfen zu m�ssen, die ganze Zeit. Er l�chelte sie an � beruhigend? �, und sie blinzelte. Hatte sie zu viel Besorgnis in ihr Ende des Bundes sickern lassen? Es war ein so heikler Tanz, der Versuch, die eigenen Gef�hle zu beherrschen, nur die richtigen Erwiderungen zu pr�sentieren. Es war fast so, also w�rde man die Pr�fung f�r die Stola machen, wo jedes Gewebe ohne das geringste Z�gern trotz aller m�glichen St�rungen perfekt erschaffen werden musste, nur dass diese Pr�fung ununterbrochen weiterging.</p><p>Er wandte seine Aufmerksamkeit Toveine zu, und Gabrelle musste sich nicht das erste Mal da von abhalten, verbl�fft den Kopf zu sch�tteln. Sie zog die Kapuze ein St�ck weiter nach vorn, wie um sich vor der K�lte zu sch�tzen; dabei wollte sie nur einen Rand haben, an dem vorbei sie die Schwester der Roten verstohlen betrachten konnte.</p><p>�ber die andere Frau wusste sie lediglich, dass sie ihren Hass in flachen Gr�bern begrub, wenn �berhaupt, und Toveine verabscheute M�nner, die die Macht lenken konnten, noch mehr als jede der Roten, die Gabrelle kennengelernt hatte. Nach den Behauptungen, die Logain Ablar in die Welt gesetzt hatte, musste jede Rote ihn verabscheuen, dass es die Rote Ajah gewesen sein sollte, die ihn zu einem falschen Drachen machen wollte. Mittlerweile schwieg er diesbez�glich, aber der Schaden war angerichtet. Manche der gefangenen Schwestern schauten die Roten an, als w�ren sie davon �berzeugt, in eine von ihnen gestellte Falle hineingelaufen zu sein. Es fehlte nicht viel, und Toveine h�tte ihn affektiert <emphasis>angestrahlt.</emphasis> Sicher, Desandre und Lemai hatten jeder Frau befohlen, herzliche Beziehungen zu den Asha'man aufzubauen, mit denen sie verbunden waren � die M�nner mussten in Sicherheit gewiegt werden, bevor die Schwestern etwas N�tzliches tun konnten �, aber Toveine str�ubte sich offen gegen jeden Befehl der beiden. Sie hatte es verabscheut, ihnen den Oberbefehl zu �berlassen, und h�tte sich vielleicht sogar geweigert, h�tte Lemai nicht auch den Roten angeh�rt, und dabei hatte es keine Rolle gespielt, dass sie zugeben musste, dass es nicht anders ging. Dass keiner mehr ihre Autorit�t anerkannt hatte, nachdem sie sie in die Gefangenschaft gef�hrt hatte. Auch das verabscheute sie. Aber danach hatte sie angefangen, Logain anzul�cheln.</p><p>Und was das anging, wie konnte Logain am anderen Ende des Bundes sitzen und dieses L�cheln f�r etwas anderes als eine T�uschung halten? Gabrelle hatte auch an diesem Knoten gezupft, ohne ihn auch nur ansatzweise l�sen zu k�nnen. Er wusste zu viel �ber Toveine. Allein schon ihre Ajah zu kennen h�tte reichen m�ssen. Aber wenn er die Schwester der Roten anblickte, sp�rte Gabrelle genauso wenig Misstrauen in ihm, als wenn er sie betrachtete. Nicht, dass er <emphasis>gar nicht</emphasis> misstrauisch gewesen w�re; allem Anschein nach schien dieser Mann jedem mit Misstrauen zu begegnen. Aber er trat <emphasis>jeder</emphasis> Schwester unbefangener gegen�ber als einigen der Asha'man. Und auch das ergab keinen Sinn.</p><p><emphasis>Er ist kein Narr,</emphasis> rief sie sich ins Ged�chtnis. <emphasis>Also, warum! Und warum tut Toveine das? Was f�r einen Plan verfolgt sie?</emphasis></p><p>Pl�tzlich schenkte ihr Toveine ein scheinbar warmherziges L�cheln und antwortete, als h�tte sie zumindest eine ihrer Fragen laut ausgesprochen. �Mit Euch in der N�he�, murmelte sie, �ist er sich meiner Anwesenheit kaum bewusst. Ihr habt ihn zu <emphasis>Eurem</emphasis> Gefangenen gemacht, Schwester.�</p><p>Ertappt wurde Gabrelle knallrot im Gesicht. Toveine betrieb niemals Konversation, und zu behaupten, dass sie Gabrelles Verh�ltnis mit Logain missbilligte, w�re eine drastische Untertreibung gewesen. Ihn zu verf�hren war als so offensichtliche M�glichkeit erschienen, um nahe an ihn heranzukommen und auf diese Weise seine Pl�ne und seine Schw�chen in Erfahrung zu bringen. Selbst wenn er ein Asha'man war, sie war schon lange vor seiner Geburt Aes Sedai gewesen, und sie war kaum ein unbeschriebenes Blatt, was M�nner betraf. Er war so �berrascht gewesen, als er begriffen hatte, was sie da tat, dass sie ihn beinahe f�r noch unschuldig gehalten hatte. Was nur wieder zeigte, was f�r eine N�rrin sie gewesen war. Eine Domani zu spielen verbarg, wie sich herausstellte, viele �berraschungen und ein paar Stolpergruben. Und, was am Schlimmsten von allem war, eine Falle, die sie niemals jemandem enth�llen durfte. Sie bef�rchtete sehr, dass Toveine es wusste, zumindest einen Teil davon. Andererseits musste jede Schwester, die ihrem Beispiel gefolgt war, es ebenfalls wissen, und sie glaubte, dass einige von ihnen es tats�chlich taten. Keine hatte dies zur Sprache gebracht, und nat�rlich w�rde das auch keine tun. Logain konnte den Bund auf eine unbeholfene Weise maskieren � sie war �berzeugt, ihn trotzdem aufsp�ren zu k�nnen, ganz egal, wie gut dies seine Empfindungen verbarg �, aber manchmal, wenn sie das Kopfkissen teilten, lie� er die Maske verrutschen. Die Resultate waren ... verheerend, um es h�flich auszudr�cken. Da war dann keine Spur mehr von ruhiger Zur�ckhaltung oder k�hlem Interesse. Da gab es so gut wie keine Vernunft mehr.</p><p>Schnell beschwerte sie wieder das Bild der verschneiten Landschaft herauf und hielt es in Gedanken fest. B�ume und Felsen und unber�hrter wei�er Schnee. Glatter, <emphasis>kalter</emphasis> Schnee.</p><p>Logain blickte nicht zur�ck, aber der Bund verriet ihr, dass er �ber ihren momentanen Kontrollverlust Bescheid wusste. Der Mann barst f�rmlich vor Selbstgef�lligkeit! Und <emphasis>Zufriedenheit]</emphasis> Es kostete sie ihre ganze Beherrschung, nicht vor Wut zu kochen. Aber er w�rde erwarten, dass sie w�tend wurde, sollte er doch zu Asche verbrennen! Er <emphasis>musste</emphasis> wissen, welche Gef�hle sie von ihm empfing. Aber ihre Wut erf�llte den Kerl nur mit <emphasis>Heiterkeit.</emphasis> Und er unternahm nicht einmal den Versuch, es zu verbergen!</p><p>Toveine trug ein kleines, zufriedenes L�cheln, was Gabrelle keinesfalls entging, aber ihr blieb nur ein Augenblick, in dem sie sich nach dem Grund daf�r fragen konnte.</p><p>Sie hatten den Morgen f�r sich gehabt, aber jetzt kam ein anderer Reiter zwischen den B�umen hervor, ein Mann in Schwarz ohne Umhang, der sein Pferd in ihre Richtung lenkte, als er sie sah. Trotz des Schnees trieb er seine Abs�tze in die Flanken des Tieres. Logain z�gelte sein Pferd, um auf ihn zu warten, ein Bild der Ruhe, und Gabrelle erstarrte, als sie neben ihm anhielt. Die durch den Bund �bertragenen Gef�hle hatten sich ver�ndert. Jetzt waren sie die Anspannung eines Wolfes, der auf seinen Sprung wartete. Sie rechnete damit, seine mit Panzerhandschuhen versehenen H�nde auf dem Schwertgriff zu sehen, statt ruhig auf dem hohen Knauf seines Sattels zu liegen.</p><p>Der Neuank�mmling war fast so gro� wie Logain, sein goldenes Haar fiel in Wellen auf seine breiten Schultern, und er hatte ein gewinnendes L�cheln. Gabrelle vermutete, dass er genau wusste, dass es ein gewinnendes L�cheln war. Er war zu h�bsch, um es nicht zu wissen, viel attraktiver als Logain. Die Schmieden des Lebens hatten Logains Gesicht geh�rtet und Kanten hinterlassen. Dieser junge Mann war noch glatt und unversehrt. Aber an seinem Kragenmantel steckten Schwert und Drache. Er musterte die beiden Schwestern mit hellblauen Augen. �Teilt Ihr mit beiden das Lager, Logain?�, sagte er mit tiefer Stimme. �Die Pummelige erscheint mir kalt�ugig, aber die andere wird warm genug sein.�</p><p>Toveine zischte w�tend, und Gabrelle biss die Z�hne zusammen. Sie hatte kein gro�es Geheimnis daraus gemacht, was sie da tat � sie war keine Cairhienerin, die ihre Zweisamkeit schamhaft in den Mantel des Privaten h�llen musste �, aber das hie� nicht, dass sie da � mit gerechnet hatte, zum Tagesgespr�ch zu werden. Schlimmer noch, der Mann sprach, als w�re sie ein leichtes Schankm�dchen.</p><p>�Lasst mich das nie wieder h�ren, Mishraile�, sagte Logain leise, und sie erkannte, dass sich der Bund wieder ver�ndert hatte. Er war jetzt kalt; kalt genug, um den Schnee warm erscheinen zu lassen. Kalt genug, um ein Grab warm erscheinen zu lassen. Sie hatte den Namen Atal Mishraile schon zuvor geh�rt, und sie sp�rte das Misstrauen in Logain, wenn er ihn aussprach � es war zweifellos st�rker als das Misstrauen, das er ihr oder Toveine entgegenbrachte �, aber so f�hlte sich jemand an, der t�ten wollte. Es war fast zum Lachen. Der Mann hielt sie als Gefangene, und doch war er zur Gewalt bereit, um ihren Ruf zu verteidigen? Ein Teil von ihr wollte lachen, aber sie pr�gte sich alles genau ein. Jede Kleinigkeit konnte wichtig sein.</p><p>Der junge Bursche lie� sich nichts anmerken. Sein L�cheln geriet keinen Augenblick lang ins Schwanken. �Der M'Hael sagt, Ihr k�nnt gehen, wenn Ihr es w�nscht. Ich verstehe nicht, warum Ihr Euch um die Rekrutierung k�mmern wollt.�</p><p>�Jemand muss es tun�, erwiderte Logain ruhig.</p><p>Gabrelle wechselte einen verbl�fften Blick mit Toveine. Warum sollte Logain rekrutieren wollen? Sie hatten Abteilungen Asha'man gesehen, die davon zur�ckkehrten, und sie waren immer ersch�pft vom Schnellen Reisen �ber gro�e Distanzen und f�r gew�hnlich schmutzig und gereizt. M�nner, die f�r den Wiedergeborenen Drachen die Trommel schlugen, erhielten nicht immer einen herzlichen Empfang, und das, bevor die Leute erfuhren, was sie wirklich wollten. Und warum erfuhren sie und Toveine erst jetzt davon? Sie h�tte <emphasis>schw�ren</emphasis> k�nnen, dass er ihr alles erz�hlte, wenn sie zusammen im Bett lagen.</p><p>Mishraile zuckte mit den Schultern. �F�r diese Arbeit gibt es gen�gend Geweihte und Soldaten. Nat�rlich glaube ich gern, dass es Euch langweilt, Euch nur um die Ausbildung zu k�mmern. Narren beizubringen, in den W�ldern herumzuschleichen und Berge zu erklimmen, als k�nnten sie mit der Einen Macht nicht mal ein Schnurrbarthaar bewegen. Selbst ein winziges Dorf w�re interessanter.� Sein L�cheln verwandelte sich in ein h�misches Grinsen, voller Geringsch�tzung und alles andere als gewinnend. �Wenn Ihr den M'Hael bittet, l�sst er Euch vielleicht bei seinen Klassen im Palast mitmachen. Da w�re Euch nicht langweilig.�</p><p>Logain verzog keine Miene, aber Gabrelle sp�rte durch den Bund den scharfen Stich des Zorns. Sie hatte von Mazrim Taim und seinem Privatunterricht geh�rt, aber die Schwestern wu�ten lediglich, dass Logain und seine Spie�gesellen weder Taim noch denen vertrauten, die daran teilnahmen, und Taim schien Logain nicht zu vertrauen. Ungl�cklicherweise konnten die Schwestern kaum etwas �ber diesen Unterricht erfahren; niemand war mit einem Mann aus Taims Gruppe verbunden. Manche glaubten, das Misstrauen k�me daher, weil beide M�nner sich als der Wiedergeborene Drache ausgegeben hatten, oder dass es ein Zeichen des Wahnsinns war, den das Lenken der Macht bei M�nnern verursachte. Sie hatte in Logain keine Anzeichen f�r Wahnsinn entdeckt, und sie hielt genauso scharf danach Ausschau, wie sie darauf achtete, ob er die Eine Macht umarmen wollte. Wenn sie noch immer mit ihm verbunden war, wenn er verr�ckt wurde, konnte das auch ihren Verstand in Mitleidenschaft ziehen. Aber was auch immer die Reihen der Asha'man spaltete, man musste es ausnutzen.</p><p>Mishrailes L�cheln verblasste, als Logain ihn blo� ansah. �Vergn�gt Euch mit Eurem Fliegendreck�, sagte er schlie�lich und wendete sein Pferd. Ein Sto� mit dem Absatz lie� das Tier losspringen, w�hrend er �ber die Schulter sah. �Auf einige von uns wartet Ruhm, Logain.�</p><p>�Er wird nicht lange Freude an seinem Drachen haben�, murmelte Logain und schaute dem anderen Mann hinterher. �Er hat seine Zunge nicht im Zaum.� Gabrelle glaubte nicht, dass er die Bemerkung �ber sie und Toveine meinte, aber worauf bezog er sich dann? Und warum war er pl�tzlich beunruhigt? Er verbarg es sehr gut, vor allem, wenn man den Bund bedachte, aber er war besorgt. Beim Licht, manchmal, wenn man wusste, was im Kopf eines Mannes vor sich ging, hatte es den Anschein, dass er die Verwirrung nur noch schlimmer machte!</p><p>Abrupt wandte er den Kopf und musterte sie und Toveine. Ein neuer Hauch von Besorgnis kam durch den Bund. War es ihretwegen? Oder � ein seltsamer Gedanke � machte er sich <emphasis>um</emphasis> sie Sorgen?</p><p>�Ich f�rchte, wir m�ssen unseren Ausritt abbrechen�, sagte er nach einem Augenblick. �Ich muss Vorbereitungen treffen.�</p><p>Er galoppierte nicht los, aber er schlug auf dem R�ckweg zu dem Dorf der M�nner, die in der Ausbildung waren, ein schnelleres Tempo an als zuvor. Er war jetzt konzentriert und dachte gr�ndlich nach. Der Bund vibrierte f�rmlich. Er musste die Z�gel instinktiv bedienen.</p><p>Sie waren noch nicht weit gekommen, als Toveine sich mit ihrem Pferd neben Gabrelles schob. Sie ver suchte Gabrelle mit einem intensiven Blick zu fixieren, w�hrend sie Logain schnelle Blicke zuwarf, als h�tte sie Angst, er k�nnte zur�ckschauen und sehen, dass sie miteinander sprachen. Sie schien nie darauf zu achten, was der Bund ihr �bermittelte. Die geteilte Aufmerksamkeit lie� sie wie eine Puppe im Sattel hin und her h�pfen und drohte sie st�rzen zu lassen.</p><p>�Wir m�ssen mit ihm gehen�, fl�sterte die Rote.</p><p>�Was auch immer Ihr daf�r tun m�sst, Ihr m�sst es schaffen.� Gabrelle hob die Brauen, und Toveine hatte den Anstand zu err�ten, aber sie verlor nichts von ihrer Beharrlichkeit. �Wir k�nnen es uns nicht leisten, zur�ckgelassen zu werden�, hauchte sie eilig. �Der Mann hat seine Ambitionen nicht aufgegeben, als er herkam. Welche Schandtaten er auch immer im Sinn hat, wir k�nnen nichts ausrichten, wenn wir nicht bei ihm sind.�</p><p>�Ich kann erkennen, was sich vor meiner Nase abspielt�, erwiderte Gabrelle schroff, und sie versp�r � te Erleichterung, als Toveine blo� nickte und dann schwieg. Es kostete Gabrelle ihre ganze Kraft, die Furcht niederzuringen, die in ihr aufstieg. Dachte Toveine denn nie �ber das nach, was sie durch den Bund sp�ren musste? Etwas, das in der Verbindung mit Logain immer dagewesen war � Entschlossenheit <emphasis>-,</emphasis> lag nun so hart und scharf wie ein Messer da. Sie glaubte zu wissen, was es bedeutete, jedenfalls dieses Mal, und das Wissen lie� ihren Mund trocken werden. Sie konnte nicht sagen, gegen wen, aber sie war davon �berzeugt, dass Logain Ablar in den Krieg zog.</p><p>Yukiri schritt langsam einen der vielen breiten Korridore entlang, die in sanft abfallenden Spiralen im Turm der Wei�en Burg in die Tiefe f�hrten, und f�hlte sich so unwohl wie eine hungrige Katze. Sie konnte sich kaum dazu �berwinden, sich auf das zu konzentrieren, was die Schwester neben ihr sagte. Der Morgen war noch dunkel, das erste Licht wurde von dem Schnee verd�stert, der dicht auf Tar Valon fiel, und die mittleren Ebenen des Turms waren so eiska lt wie der Winter in den Grenzl�ndern. Nun ja, vielleicht doch nicht so kalt, gestand sie sich einen Moment sp�ter ein. Sie war schon einige Jahre nicht mehr so weit im Norden gewesen, und die Erinnerung schm�ckte das aus, was sie nicht verdr�ngte. Das war der Grund, warum schriftliche Aufzeichnungen so wichtig waren. Es sei denn, man wagte nicht, alles niederzuschreiben.</p><p>Trotzdem, es war kalt genug. So geschickt und kunstfertig die uralten Baumeister auch gewesen waren, die W�rme aus den gro�en �fen im Keller kam nie so weit nach oben. Zugluft lie� die Flammen auf den vergoldeten Kandelabern tanzen, manchmal war sie sogar stark genug, die schweren Wandbeh�nge von den wei�en W�nden zu heben, auf denen sich Fr�hlingsblumen und W�lder und exotische Tiere und V�gel mit Szenen von den Triumphen der Burg abwechselten, die man niemals unten in den �ffentlich zug�nglichen R�umen ausgestellt h�tte. Yukiris eigene Gem�cher mit ihren warmen Kaminen waren einst viel behaglicher gewesen.</p><p>Neuigkeiten aus der Welt au�erhalb der Burg gingen ihr durch den Kopf, obwohl sie sich alle M�he gab, nicht daran zu denken. Oder vielmehr der Mangel an verl�sslichen Nachrichten. Was die Augen-und-Ohren aus Altara und Arad Doman berichteten, konnte man nur als verwirrend bezeichnen, und die wenigen Berichte, die langsam wieder aus Tarabon heraussickerten, waren be�ngstigend. Ger�chten zufolge waren die Herrscher der Grenzl�nder �berall, von der Gro�en F�ule und Andor und Amadicia bis zur Aiel-W�ste; fest stand lediglich, dass keiner von ihnen dort war, wo sie h�tten sein sollen, an der Grenze zur Gro�en F�ule, die sie zu bewachen hatten. Die Aiel <emphasis>waren</emphasis> �berall, und anscheinend hatte al'Thor endlich die Kontrolle �ber sie verloren, falls er sie je gehabt hatte. Die letzten Nachrichten aus Murandy h�tten sie am liebsten zugleich mit den Z�hnen knirschen und weinen lassen, w�hrend Cairhien ...! �berall im Sonnenpalast waren Schwestern, von denen einige als Rebellen verd�chtigt wurden und keine als loyal galt, und noch immer gab es von Coiren und ihrer Gesandtschaft kein Lebenszeichen, seit sie die Stadt verlassen hatten, obwohl sie schon l�ngst wieder in Tar Valon h�tten sein m�ssen. Und als w�re das noch nicht genug, war al'Thor mal wieder wie eine Seifenblase vom Erdboden verschwunden. Konnten die Geschichten, dass er den halben Sonnenpalast zerst�rt hatte, m�glicherweise der Wahrheit entsprechen? Beim Licht, der Mann <emphasis>durfte</emphasis> noch nicht dem Wahnsinn verfallen! Oder hatte Elaidas t�richtes Angebot, ihm �Schutz� zu gew�hren, ihn furchterf�llt in den Untergrund getrieben? Gab es <emphasis>�berhaupt</emphasis> etwas, das ihm Angst einjagte? <emphasis>Er</emphasis> jagte <emphasis>ihr</emphasis> Angst ein. Er jagte auch dem Rest des Saals Angst ein, ganz egal, wie sie es auch darstellen mochten.</p><p>Das Einzige, was wirklich sicher war, war die Tatsache, dass nichts von alldem so viel bedeutete wie ein Ausspucken in einen Regenschauer. Dieses Wissen hob ihre Laune nicht im mindesten. Sich dar�ber zu sorgen, in einem Rosenbusch festzustecken, selbst wenn einen die Dornen sp�ter umbringen konnten, war ein Luxus, wenn einem ein Messer in die Rippen gedr�ckt wurde.</p><p>�Jedes Mal, wenn sie in den vergangenen zehn Jahren die Burg verlassen hat, ging es um ihre Privatangelegenheiten, also gibt es keine neueren Aufzeichnungen, die man �berpr�fen kann�, murmelte ihre Begleiterin. �Es l�sst sich nur schwer feststellen, wann genau sie die Burg verlie� ... also in aller Diskretion.� Elfenbeink�mme hielten Meidanis dunkelblondes Haar; sie war so hochgewachsen und gertenschlank, dass ihre gewaltigen Br�ste sie nach vorn zu ziehen schienen, ein Eindruck, der sowohl von ihrem silbern bestickten Oberteil als auch von der Art und Weise verst�rkt wurde, wie sie gebeugt daherging, damit ihr Mund auf der H�he von Yukiris Ohr war. Ihre Stola lag �ber ihren Handgelenken, die langen grauen Fransen strichen �ber die Bodenfliesen.</p><p>�Geht gerade�, knurrte Yukiri. �Meine Ohren sind nicht mit Dreck verstopft.�</p><p>Meidani schoss mit leicht ger�teten Wangen ruckartig in die H�he. Sie richtete die Stola und warf einen halbherzigen Blick �ber die Schulter zu ihrem Beh�ter Leonin, der in gebotenem Abstand folgte. Aber wenn sie das leise Klirren der Silbergl�ckchen in den schwarzen Z�pfen des schlanken Mannes kaum wahrnehmen konnten, konnte er auch nicht verstehen, was in halblautem Tonfall gesagt wurde. Der Mann wusste nicht mehr als n�tig � tats�chlich wusste er sogar ziemlich wenig, eben nur, dass seine Aes Sedai gewisse Dinge von ihm verlangte; das reichte einem guten Beh�ter �, und er konnte zu einem Problem werden, wenn er zu viel erfuhr, aber es war nicht n�tig zu fl�stern. Leute, die andere fl�stern sahen, wollten wissen, was sie zu verbergen hatten.</p><p>Die andere Graue war jedoch genauso wenig der Anlass ihrer Gereiztheit wie die Au�enwelt, selbst wenn die Frau eine Dohle in Schwanfedern war. Jedenfalls nicht der Hauptgrund. Sie war widerw�rtig, eine Rebellin, die Loyalit�t vorgab, aber Yukiri war sogar froh, dass Saerin und Pevara sie davon �berzeugt hatten, Meidani und ihre Dohlenschwestern nicht dem Burggesetz zu �bergeben. Ihre Fl�gel waren jetzt gestutzt, und sie waren n�tzlich. M�glicherweise lie� rnan sogar Gnade walten, wenn sie vor Gericht standen. Zugegeben, wenn man den Eid entdeckte, mit dem sie Meidanis Fl�gel gestutzt hatten, konnte es ganz schnell geschehen, dass Yukiri selbst um Gnade bat. Ob Rebellen oder nicht, was sie und die anderen mit Meidani und ihren Verb�ndeten gemacht hatten, stand genauso weit au�erhalb des Gesetzes wie Mord. Oder Verrat. Ein Gehorsamseid � ein Eid, der auf den Eidstab abgelegt wurde, ein mit Gewalt erzwungener Eid � kam Zwangsbeeinflussung mit der Einen Macht zu nahe,, was eindeutig verboten, wenn auch nicht genau definiert war. Aber manchmal musste man den Verputz besch�digen, um Hornissen auszur�uchern, und die Schwarzen Ajah waren Hornissen mit giftigen Stacheln. Das Gesetz w�rde seinen Verlauf nehmen � ohne das Gesetz waren sie nichts �, aber sie durfte sich nicht darum sorgen, welche Strafen sie erwarteten, sondern musste dar�ber nachdenken, wie sie das Ausr�uchern �berleben wollte. Leichen mussten sich keine Sorgen mehr wegen Strafen machen.</p><p>Sie beschied Meidani knapp weiterzumachen, aber die andere Frau hatte den Mund noch nicht ge�ffnet, als drei Braune, die ihre Stolen wie Gr�ne zur Schau trugen, direkt vor ihnen aus einem angrenzenden Korridor traten. Yukiri kannte Marris Thornhill und Doraise Mesianos fl�chtig, so wie die Sitzenden die Schwestern anderer Ajahs, die viel Zeit in der Burg verbrachten, nun einmal kannten, was nichts anderes hie�, als dass man Gesichtern Namen zuordnen konnte. Das war es auch schon. Bei weiterer Nachfrage h�tte sie sie als sanftm�tig und in ihre Studien vertieft beschrieben. Elin Warrel hatte die Stola erst vor so kurzer Zeit errungen, dass sie sich noch immer instinktiv h�tte verneigen m�ssen. Aber statt einer Sitzenden den n�tigen Respekt zu erweisen, starrten die drei Yukiri und Meidani auf eine Weise an, wie Katzen fremde Hunde anstarrten. Oder vielleicht auch Hunde fremde Katzen. Von Sanftheit keine Spur.</p><p>�Darf ich Euch eine Frage �ber arafelische Gesetze stellen, Sitzende?�, sagte Meidani so �bergangslos, als h�tte sie dies schon die ganze Zeit sagen wollen.</p><p>Yukiri nickte, und Meidani fing mit Fischereirechten auf Fl�ssen im Gegensatz zu Seen an, was kaum eine kluge Wahl war. Eine Magistratin w�rde eine Aes Sedai m�glicherweise bitten, sich ein Verfahren anzuh�ren, bei dem es um Fischereirechte ging, aber auch nur, falls dabei m�chtige Leute im Spiel waren und sie deswegen eine zweite Meinung h�ren wollte, da sie ein Berufungsverfahr en vor dem Thron bef�rchtete.</p><p>Die Braunen wurden von einem Beh�ter begleitet � Yukiri konnte sich nicht mehr erinnern, ob er zu Marris oder Doraise geh�rte �, einem st�mmigen Burschen mit einem harten, runden Gesicht und einem dunklen Haarknoten, der Leonin und die Schwerter auf seinem R�cken mit einem Misstrauen betrachtete, das er sicherlich von seiner Schwester aufgeschnappt hatte.</p><p>Das P�rchen stolzierte den spiralf�rmigen Korridor mit hoch erhobenem, feistem Kinn nach oben, w�hrend sich die d�rre Neue beeilte, mit ihnen Schritt zu halten. Der Beh�ter schlenderte hinter ihnen her mit der Haltung eines Mannes auf feindlichem Gebiet.</p><p>Feindseligkeit war heutzutage fast schon der Normalzustand. Die unsichtbaren W�nde zwischen den Ajah, die einst kaum dick genug gewesen waren, um die Geheimnisse der Gruppen zu verbergen, waren zu massiven Festungsw�llen mit Wassergr�ben geworden. Nein, keine Wassergr�ben; breite und tiefe Erdspalten. Schwestern verlie�en die Quartiere ihrer Ajahs niemals allein, oft nahmen sie ihre Beh�ter sogar in die Bibliothek oder die Speises�le mit und trugen immer ihre Stolen, als k�nnte sonst jemand ihre Ajah verwechseln. Yukiri selbst trug ihre beste Stola, die mit silbernen und goldenen Stickereien versehen war und deren lange Seidenfransen bis zu ihren Kn�cheln hingen. Also trug wohl auch sie ihre Ajah etwas zur Schau. Und letztens hatte sie dar�ber nachgedacht, dass ein Dutzend Jahre wohl genug waren, auf einen Beh�ter zu verzichten. Ein schrecklicher Gedanke. Keine Schwester sollte im Inneren der Wei�en Burg einen Beh�ter ben�tigen.</p><p>Nicht zum ersten Mal kam ihr der unerfreuliche Gedanke, dass jemand zwischen den Ajahs vermitteln musste, und zwar bald, oder die Rebellen w�rden so dreist wie Diebe zur Eingangst�r hereinspazieren und das Haus ausr�umen, w�hrend sich der Rest von ihnen dar�ber zankte, wer Gro�tante Sumis Zinnkrug bekommen sollte. Aber sie sah nur ein Ende des Fadens, mit dem man das Kn�uel h�tte entwirren k�nnen: Meidani und ihre Freundinnen mussten �ffentlich zugeben, dass die Rebellen sie in die Burg geschickt hatten, um Ger�chte zu verbreiten � Geschichten, von denen sie noch immer behaupteten, dass sie der Wahrheit entsprachen! �, dass die Rote Ajah Logain als falschen Drachen erschaffen hatte. Konnte das die Wahrheit sein? Ohne dass Pevara es wusste? Der Gedanke, dass eine Sitzende, vor allem Pevara, get�uscht worden war, war unvorstellbar. Aber wie dem auch sei, dieser Teil des Kn�uels lag mittlerweile von so vielen anderen �berdeckt, dass er allein kaum noch einen Unterschied machte. Au�erdem w�rde sie, bevor der Sturm der Entr�stung sich gelegt hatte, die Hilfe von zehn von vierzehn Frauen verlieren, von denen sie sicher sein konnte, dass sie keine Schwarzen Ajah waren, ganz zu schweigen davon, dass es vermutlich enth�llen w�rde, womit der Rest von ihnen besch�ftigt war.</p><p>Sie fr�stelte, und das hatte nichts mit der Zugluft in dem Korridor zu tun. Sie und jede andere Frau, welche die Wahrheit aufdecken konnte, w�rde vor dem Ende des Sturms sterben, entweder durch so genannte Unf�lle oder im Schlaf. Oder sie w�rde einfach verschwinden, schlichtweg die Burg verlassen, und niemand w�rde sie jemals wiedersehen. Daran hatte sie nicht den geringsten Zweifel. Jeder Beweis w�rde so tief vergraben sein, dass nicht einmal eine Armee mit Schaufeln ihn je wieder w�rde ausgraben k�nnen. Sogar die Ger�chte w�rde man <emphasis>zum</emphasis> Verstummen bringen. So etwas war schon vorgekommen. Die Welt und die meisten Schwestern glaubten noch immer, dass Tamra Ospenya im Schlaf gestorben war. Yukiri hatte es geglaubt. Bevor sie es wagen konnten, sich an die �ffentlichkeit zu wenden, mussten sie die Schwarze Ajah so weit wie m�glich aufgesp�rt und unsch�dlich gemacht haben.</p><p>Sobald die Braunen au�er Sicht waren, fuhr Meidani mit ihrem Bericht fort, verstummte aber Augenblicke sp�ter erneut, als unmittelbar vor ihnen eine gro�e, haarige Hand einen Wandbehang zur Seite stie�, der mit den grellbunten V�geln des Versunkenen Landes bestickt war. Aus der verborgenen T�r�ffnung str�mte ein eiskalter Luftschwall, und ein schwerer Bursche in einem dicken braunen Arbeitsmantel schob sich r�ckw�rts in den Korridor. Er zog einen hoch mit Holzscheiden beladenen Handkarren, den ein zweiter Diener in einem einfachen Mantel von hinten schob. Es waren einfache Arbeiter; keiner trug die wei�e Flamme auf der Brust.</p><p>Beim Anblick der Aes Sedai lie�en die beiden M�nner den Wandbehang schnell wieder an Ort und Stelle fallen und zerrten ihren Wagen an die Wand, w�hrend sie versuchten, ihre Verbeugungen zu machen. Dabei kippte beinahe ihre Ladung um, was sie hektisch nach dem verrutschenden Feuerholz greifen lie�, w�hrend sie sich noch immer verneigten. Zweifellos hatten sie erwartet, ihre Arbeit erledigen zu k�nnen, ohne irgendwelchen Schwestern zu begegnen. Yukiri hatte schon immer Mitgef�hl mit den Leuten gehabt, die Holz, Wasser und alles andere den ganzen Weg von den Laderampen der Diener im Erdgeschoss nach oben schaffen mussten, aber jetzt ging sie mit einem finsteren Blick an ihnen vorbei.</p><p>Niemand konnte belauscht werden, wenn er sich beim Gehen unterhielt, und die Korridore in den �ffentlichen Trakten waren als ein guter Ort erschienen, um sich mit Meidani unter vier Augen zu unterhalten. Viel besser als ihre eigenen Gem�cher, wo jeder Schutz gegen Lauscher nur jedem im Quartier der Grauen verriet, dass sie �ber Geheimnisse sprach, und, was noch viel schlimmer war, mit wem. Im Augenblick hielten sich in der Wei�en Burg nur etwa zweihundert Schwestern auf, eine Zahl, die die Burg wie ausgestorben wirken lie�, und da jeder f�r sich blieb, h�tten die �ffentlichen Trakte leer sein sollen. Das hatte sie zumindest geglaubt.</p><p>Dabei hatte sie die livrierten Diener in ihre Erw�gung mit einbezogen, die umhereilten und Lampendochte und �lstand und Dutzende andere Dinge �berpr�ften, und auch die einfach gekleideten Arbeiter, die Weidenk�rbe mit was auch immer auf dem R�cken trugen. Sie waren in den fr�hen Stunden immer unterwegs, um die Burg f�r den Tag vorzubereiten, aber sie machten hastige Verbeugungen und beeilten sich, den Schwestern aus dem Weg zu gehen. Au�er H�rweite. Burgdiener wu�ten, wie man sich taktvoll zu benehmen hatte, vor allem, da jedes Belauschen einer Schwester dazu f�hren konnte, dass man die T�r gezeigt bekam. In der derzeitigen Stimmung, die in der Burg herrschte, hatten die Diener es besonders eilig, auch nur der M�glichkeit aus dem Weg zu gehen, etwas zu h�ren, das nicht f�r ihre Ohren bestimmt war.</p><p>Aber sie hatte nicht bedacht, wie viele Schwestern trotz der K�lte und der Stunde zu zweit oder zu dritt einen Spaziergang au�erhalb ihrer Quartiere unternehmen w�rden. Die Roten versuchten jeden, dem sie begegneten, niederzustarren, mit Ausnahme nat�rlich anderer Roter, Gr�ne und Gelbe wetteiferten um die Krone des Hochmuts, und die Braunen gaben ihr Bestes, beide dabei auszustechen. Ein paar Wei�e, die bis auf eine beh�terlos waren, versuchten eine Fassade k�hler Vernunft aufrechtzuerhalten, w�hrend sie vor dem Widerhall ihrer eigenen Schritte erschraken. Es hatte den Anschein, als w�re eine kleine Gruppe gerade au�er Sicht, bevor die n�chste ankam, also verbrachte Meidani genauso viel Zeit damit, �ber Gesetze zu sprechen, wie sie Bericht erstattete.</p><p>Am schlimmsten aber war, dass bei zwei Gelegenheiten Graue beim Anblick ihrer Ajah scheinbar erleichtert l�chelten und sich ihnen angeschlossen h�tten, h�tte Yukiri nicht den Kopf gesch�ttelt. Was sie endlos erboste, denn es verriet allen, die sie sahen, dass sie einen besonderen Grund hatte, mit Meidani allein sein zu wollen. Selbst wenn die Schwarze Ajah nichts bemerkte, und mochte das Licht daf�r sorgen, dass es keinen Grund gab, warum sie es sollte, spionierten heutzutage zu viele Schwestern den anderen Ajahs hinterher, und die Geschichten nahmen trotz der Drei Eide bei der Verbreitung an Gewicht zu. Da Elaida anscheinend versuchte, die Ajahs mit brutaler Gewalt zur R�son zu bringen, f�hrten solche Geschichten oft zu Strafen, und am besten tat man dann so, als h�tte man sie aus ureigenen Gr�nden angenommen. Yukiri hatte bereits eine durchlitten, und sie versp�rte nicht das geringste Bed�rfnis, wieder tagelang B�den zu schrubben, vor allem jetzt nicht, da sie mehr zu tun hatte, als sie bew�ltigen konnte. Und die andere M�glichkeit, ein Besuch bei Silviana, war keinesfalls besser, selbst wenn es einem Zeit sparte! Seit Elaida angefangen hatte, Silviana f�r ihre angeblich privaten Bestrafungen zu holen, schien sie r�cksichtsloser als je zuvor. Die ganze Burg klatschte noch immer dar�ber.</p><p>So sehr Yukiri es auch hasste, es zugeben zu m�ssen, das alles lie� sie die anderen Schwestern, denen sie begegnete, vorsichtiger ansehen. Schaute man zu lange hin, war man anscheinend selbst eine Spionin. Wandte man den Blick zu schnell ab und sah verstohlen aus, war das Ergebnis das gleiche. Trotzdem konnte sie kaum den Blick von zwei Gelben wenden, die wie K�niginnen in ihrem Palast durch einen kreuzenden Kor � ridor schwebten.</p><p>Der dunkle, st�mmige Beh�ter, der ihnen gerade weit genug entfernt folgte, um ihre Privatsph�re zu gew�hrleisten, musste Pritalle Nerbaijan geh�ren, einer Frau mit gr�nen Augen, die der saldaeanischen Nase gr��tenteils entkommen war, denn Atuan Larisett hatte keinen Beh�ter. Yukiri wusste nicht viel �ber Pritalle, aber sie w�rde mehr �ber sie in Erfahrung bringen, nachdem sie sie im vertrauten Gespr�ch mit Atuan gesehen hatte. Die Tarabonerin trug ein hochgeschlossenes graues Kleid mit gelben Streifen und eine gelbe Stola mit silbernen Fransen, und sie sah atemberaubend aus. Das dunkle Haar hing ihr in d�nnen, mit hellen Perlen versehenen Z�pfen bis zur Taille, und es rahmte ein Gesicht ein, das irgendwie perfekt erschien, ohne auf klassische Weise sch�n zu sein. Sie war sogar ziemlich bescheiden, jedenfalls was Gelbe anging. Aber sie war die Frau, die Meidani und die anderen auszuspionieren versuchten, ohne ertappt zu werden. Atuan Larisett, die Frau, deren Namen sie sich au�er hinter starken Schutzgeweben auszusprechen f�rchteten, war eine der nur drei Schwarzen Schwestern, die Talene kannte. Auf diese Weise orga nisierten sie sich, drei Frauen, die einander kannten, drei Frauen, die ein Herz bildeten, wobei jede einzelne Frau eine weitere kannte, die den beiden anderen unbekannt war. Atuan war Talenes �weitere Frau� gewesen, darum bestand eine gewisse Hoffnung, dass man durch sie die beiden anderen aufsp�rte.</p><p>Kurz bevor die beiden um die Ecke bogen, schaute Atuan zur�ck. Ihr Blick streifte Yukiri nur, aber das reichte aus, dass ihr das Herz bis zum Halse schlug. Sie ging weiter, hielt ihre Miene m�hsam ausdruckslos und riskierte einen schnellen Blick, als sie zu der Abzweigung kam. Atuan und Pritalle waren bereits weit im Korridor und gingen in Richtung des �u�eren Rings. Der Beh�ter stand im Weg, aber keine von ihnen schaute zur�ck. Pritalle sch�ttelte den Kopf. War es etwas, das Atuan gesagt hatte? Sie waren zu weit weg, sodass Yukiri nur das leise Klicken der Stiefelabs�tze des Beh�ters auf den Fliesen h�ren konnte. Es war nur ein fl�chtiger Blick gewesen. Nat�rlich. Sie beschleunigte ihre Schritte, um au�er Sichtweite zu sein, sollte eine von ihnen �ber die Schulter sehen, und stie� den Atem aus, den sie unbewusst angehalten hatte.</p><p>Meidani machte es ihr nach, ihre Schultern sanken nach vorn.</p><p><emphasis>Seltsam, wie es uns zusetzt,</emphasis> dachte Yukiri und nahm die Schultern zur�ck.</p><p>Als sie erfahren hatten, dass Talene eine Schattenfreundin war, war sie eine abgeschirmte Gefangene gewesen. <emphasis>Dennoch hat sie uns eine furchtbare Angst einge jagt,</emphasis> musste sie sich eingestehen. Nun, was sie getan hatten, um sie zu einem Gest�ndnis zu bringen, hatte ihnen zuerst furchtbare Angst eingejagt, aber die Wahrheit, die sie dann erfuhren, verwandelte ihre Zungen in Staub. Jetzt war Talene fester an die Leine genommen als Meidani, obwohl sie sich scheinbar frei bewegen konnte, denn nicht einmal Saerin war eine M�glichkeit eingefallen, wie man eine Sitzende gefangen halten konnte, ohne dass es auffiel. Sie stand unter st�ndiger Bewachung, und sie war auf eine unterw�rfige Weise begierig, jede Kleinigkeit anzubieten, die sie wusste oder auch nur erahnte, weil sie hoffte, es k�nnte ihr Leben retten. Nicht, dass sie eine andere Wahl hatte. Sie stellte kaum etwas dar, vor dem man sich f�rchten musste. Was den Rest anging ...</p><p>Pevara hatte zun�chst darauf beharrt, dass Talene sich bei Galina Casban irrte; als sie schlie�lich zu der �berzeugung gelangte, dass ihre Schwester von den Roten tats�chlich den Schwarzen angeh�rte, hatte sie einen Wutanfall bekommen, der einen ganzen Tag lang andauerte. Noch immer sprach sie davon, Galina mit den eigenen H�nden zu erw�rgen. Yukiri hatte eine kalte Gleichg�ltigkeit versp�rt, als Temaile Kinderodes Namen gefallen war. Wenn es in der Burg Schattenfreunde gab, war es nur nat�rlich, dass einige von ihnen Graue sein mussten; vielleicht hatte es auch geholfen, dass sie Temaile nicht mochte. Sie war auch dann noch k�hl geblieben, nachdem sie ihre Hausaufgaben gemacht und erkannt hatte, dass Temaile die Burg zur gleichen Zeit verlassen hatte, in der drei Schwestern ermordet worden waren. Das setzte neue Namen den Verd�chtigungen aus, andere Schwestern, die damals ebenfalls unterwegs gewesen waren, aber Galina und Temaile und der Rest befanden sich nicht in der Burg und waren darum im Augenblick au�er Reichweite, und nur die beiden konnten erwiesenerma�en Schattenfreunde sein.</p><p>Atuan war genau hier, geh�rte ohne jeden Zweifel zur Schwarzen Ajah, konnte in der Burg tun, was sie wollte, nicht gebunden durch die Drei Eide. Und bis Doesine ihre Befragung im Geheimen in die Wege leiten konnte � selbst eine Sitzende aus Atuans Ajah konnte das nur mit Schwierigkeiten bewerkstelligen, da man es vor jedermann geheimhalten musste �, konnten sie nichts anderes tun, als sie zu beobachten.</p><p>Eine unauff�llige, unverd�chtige Beobachtung. Es war, als w�rde man mit einer roten Natter leben, man wusste nie, wann man sich ihr Auge in Auge gegen�bersah, man wusste nie, wann sie zubei�en w�rde. Es war, als w�rde man in einer Grube voller roter Nattern leben, aber nur eine sehen k�nnen.</p><p>Pl�tzlich wurde sich Yukiri bewusst, dass der breite gebogene Korridor vor ihr leer war, und ein Blick zur�ck zeigte nur Leonin. Bis auf sie drei h�tte die Burg leer sein k�nnen. Bis auf die flackernden Flammen der Kandelaber bewegte sich nichts in Sichtweite. Stille.</p><p>Meidani zuckte zusammen. �Ver zeiht mir, Sitzende. Sie so unvermittelt zu sehen hat mich best�rzt. Wo war ich? Ach ja. Soviel ich wei�, wollen Celestin und Annharid herausfinden, wer bei den Gelben ihre engsten Freundinnen sind.� Celestin und Annharid waren Meidanis Mitverschw�rerinnen, beide Gelbe. Es gab zwei von jeder Ajah � ausgenommen die Roten und Blauen nat�rlich �, die sich als sehr n�tzlich erwiesen hatten.</p><p>�Ich f�rchte, das wird uns nicht viel weiterhelfen. Sie hat einen gro�en Freundeskreis, oder hatte ihn zumindest, bevor die derzeitige ... Situation zwischen den Ajah entstand.� Auch wenn ihre Miene unbewegt war, schwang ein Hauch von Zufriedenheit in ihrer Stimme mit. �Es wird schwierig, wenn nicht gar unm�glich sein, sie alle einer Untersuchung zu unterziehen.�</p><p>�Vergesst sie f�r den Augenblick.� Es kostete Yukiri eine bewusste Anstrengung, sich nicht den Nacken zu verrenken bei dem Versuch, in alle Richtungen gleichzeitig zu blicken. Ein Wandbehang mit gro�en wei�en Blumen bewegte sich leicht, und sie z�gerte, bis sie sicher war, dass es ein Luftzug war und kein weiterer Diener, der aus einem Durchgang kam. Sie konnte sich nie merken, wo sie waren. Ihr neues Thema war auf seine Weise genauso gef�hrlich wie das Gespr�ch �ber Atuan. �Vergangene Nacht fiel mir ein, dass Ihr gemeinsam mit Elaida Novizin gewesen seid, wenn ich mich recht erinnere, sogar enge Freundinnen. Es w�re eine gute Idee, diese Freundschaft wieder aufzufrischen.�</p><p>�Das ist einige Jahre her�, erwiderte die gr��ere Frau steif, schob die Stola auf die Schultern und wickelte sich darin ein, als w�re ihr pl�tzlich kalt. �Als Elaida aufgenommen wurde, brach sie die Freundschaft ab, wie es sich geh�rte. Man h�tte sie der Beg�nstigung beschuldigen k�nnen, w�re ich in einer Klasse gewesen, die sie unterrichtete.�</p><p>�Wie sch�n f�r Euch, dass Ihr keine Favoritin gewesen seid�, sagte Yukiri trocken. Elaidas derzeitige Wildheit war nicht neu. Bevor sie vor Jahren nach Andor gegangen war, hatte sie diejenigen, die sie bevorzugte, so hart angetrieben, dass die Schwestern mehr als einmal hatten eingreifen m�ssen. Siuan Sanche war darunter gewesen, eine seltsame Erinnerung in diesem Zusammenhang, obwohl man sie nie vor Anforderungen hatte bewahren m�ssen, die sie nicht erf�llen konnte. Seltsam und traurig. �Trot zdem werdet Ihr alles in Eurer Macht Stehende tun, um diese Freundschaft aufzufrischen.�</p><p>Zwei Dutzend Schritte lang �ffnete und schloss Meidani den Mund, r�ckte die Stola zurecht, zuckte mit den Schultern, als wollte sie eine Pferdebremse verscheuchen, und sah �berall hin mit Ausnahme auf Yukiri. Wie hatte diese Frau mit so geringer Selbstkontrolle je eine Graue werden k�nnen? �Ich habe es ver sucht�, sagte sie schlie�lich atemlos. Sie mied noch immer Yukiris Blick. �Mehrere Male. Die Beh�terin ,..</p><p>Alviarin hat mich immer abgewimmelt. Die Amyrlin sei besch�ftigt, sie h�tte Termine, sie brauchte Ruhe. Es gab immer eine Ausrede. Ich glaube, Elaida wollte einfach keine Freundschaft erneuern, die sie vor mehr als drei�ig Jahren beendet hat.�</p><p>Also hatten sich auch die Rebellen daran erinnert. Wie hatten sie sich diese Freundschaft zunutze machen wollen? H�chstwahrscheinlich Spionage. Sie w�rde herausfinden m�ssen, wie Meidani die gesammelten Erkenntnisse weitergeben sollte. Auf jeden Fall hatten die Rebellen ein Werkzeug zur Verf�gung gestellt, und Yukiri w�rde es ben�tzen. �Alviarin steht Euch nicht mehr im Weg. Sie hat die Burg gestern oder vielleicht sogar vorgestern verlassen. Keiner wei� es genau. Aber die Dienerinnen sagten, dass sie Kleidung zum Wechseln mitgenommen hat, also ist es unwahrscheinlich, dass sie in den n�chsten Tagen zur�ckkehrt.�</p><p>�Wo h�tte sie bei diesem Wetter hingehen k�nnen?� Meidani runzelte die Stirn. �Seit gestern Morgen schneit es, was abzusehen war.�</p><p>Yukiri blieb stehen und drehte die andere Frau mit beiden H�nden herum, sodass sie sie ansehen musste.</p><p>�Meidani, f�r Euch ist nur eines wichtig, n�mlich dass sie weg ist�, sagte sie energisch. <emphasis>Wohin</emphasis> war Alviarin gegangen? �Ihr habt freien Zugang zu Elaida, und Ihr werdet davon Gebrauch machen. Und Ihr werdet danach Ausschau halten, ob jemand in Elaidas Papieren herumst�bert. Passt nur auf, dass Ihr dabei niemandem auffallt.� Talene hatte ausgesagt, dass die Schwarze Ajah �ber alles Bescheid wusste, was aus dem Arbeitszimmer der Amyrlin kam, und zwar, bevor es allgemein bekannt gemacht wurde, und wenn sie herausfinden wollten, wie das m�glich war, brauchten sie jemanden in Elaidas N�he. Nat�rlich bekam Alviarin alles zu Gesicht, bevor Elaida es unterzeichnete, und die Frau hatte sich mehr Autorit�t verschafft als jede in der Geschichte bekannte Beh�terin, aber das war kein Grund, sie als Schattenfreundin zu beschuldigen. Aber es war auch kein Grund, es nicht zu tun. Auch ihre Vergangenheit wurde untersucht. �Behaltet auch Alviarin im Auge, so gut es geht, aber hier kommt es auf Elaidas Papiere an.�</p><p>Meidani seufzte und nickte z�gernd. Sie musste gehorchen, ob sie wollte oder nicht, aber sie erkannte die zus�tzliche Gefahr, in der sie schweben w�rde, falls sich Alviarin als Schattenfreundin erwies. Aber auch Elaida konnte eine Schwarze sein, ganz egal, worauf Saerin und Pevara beharrten. Eine Schattenfreundin als Amyrlin. <emphasis>Das</emphasis> war ein Gedanke, der einem den Tag verderben konnte.</p><p>�Yukir��, rief eine Frau hinter ihnen im Korridor.</p><p>Eine Sitzende aus dem Saal der Wei�en Burg zuckte <emphasis>nicht</emphasis> wie eine erschrockene Ziege zusammen, wenn sie ihren eigenen Namen h�rte, aber Yukiri tat es. H�tte sie sich nicht an Meidani festgehalten, w�re sie m�glicherweise gefallen, aber so stolperten sie beide umher wie betrunkene Bauern beim Erntedanktanz.</p><p>Yukiri gewann ihre Fassung wieder, riss die Stola zurecht und setzte eine finstere Miene auf, die sich nicht aufheiterte, als sie sah, wer da auf sie zueilte. Wenn Seaine nicht in Gesellschaft von Yukiri oder einer der anderen Sitzenden war, die �ber Talene und die Schwarze Ajah Bescheid wu�ten, sollte sie in ihren Gem�chern bleiben, mit so vielen Wei�en Schwestern um sie herum, wie sie auftreiben konnte, aber hier eilte sie den Korridor entlang mit nur Bernaile Gelbarn als Begleitung, einer st�mmigen Tarabonerin, die ebenfalls eine von Meidanis Dohlen war. Leonin trat zur Seite und entrichtete Seaine eine formelle Verbeugung, die Fingerspitzen aufs Herz gelegt. Meidani und Ber naile waren dumm genug, sich zuzul�cheln. Sie waren Freundinnen, aber sie h�tten es besser unterlassen sollen, konnten sie doch gar nicht wissen, wer sie alles m�glicherweise beobachtete.</p><p>Yukiri war nicht in der Stimmung, sich ein L�cheln abzuringen. �Frische Luft schnappen, Seaine?�, sagte sie scharf. �Saerin wird nicht erfreut sein, wenn ich ihr das erz�hle. Nicht im mindesten. Ich bin <emphasis>nicht</emphasis> erfreut, Seaine.�</p><p>Meidani gab einen leisen, kehligen Laut von sich, und Bernailes Kopf fuhr so schnell herum, dass die d�nnen, mit eingeflochtenen Perlen versehenen Z�pfe klirrend aneinander stie�en. Die beiden richteten ihre ganze Aufmerksamkeit auf einen Wandteppich, der die Erniedrigung von K�nigin Rhiannon zeigte, und es war trotz ihrer ausdruckslosen Gesichter offensichtlich, dass sie sich w�nschten, woanders zu sein. In ihren Augen sollten Sitzende einander gleichgestellt sein. Und das waren sie auch. Normalerweise. Gewisserma � �en. Leonin h�tte eigentlich kein Wort mitbekommen d�rfen, aber er konnte nat�rlich Meidanis Stimmung sp�ren, und er trat noch einen Schritt zur�ck, w�hrend er auch weiterhin den Korridor im Auge behielt. Ein guter Mann. Ein kluger Mann.</p><p>Seaine war vern�nftig genug, verlegen auszusehen. Sie gl�ttete unbewusst das Kleid, das am Saum und auf dem Oberteil mit aufgestickten Schneeflocken ver � ziert war, aber sogleich verkrampften sich ihre H�nde um die Stola, und ihre Augenbrauen zogen sich stur zusammen. Seaine hatte von ihrem ersten Tag in der Burg an einen starken Willen bewiesen, die Tochter eines M�belschreiners aus Lugard, die ihren Vater �berredet hatte, f�r sie und ihre Mutter eine Schiffspassage zu kaufen. Zwei Personen flussaufw�rts, aber nur eine zur�ck. Willensstark und selbstbewusst. Und oft so blind wie eine Braune, was die Welt um sie herum anging. Die Wei�en waren oft so, nur Logik und kein Urteilsverm�gen. �Es besteht keine Notwendigkeit, mich vor der Schwarzen Ajah zu verbergen, Yukiri�, sagte sie.</p><p>Yukiri zuckte zusammen. Diese dumme Kuh, in aller �ffentlichkeit die Schwarzen zur Sprache zu bringen.</p><p>Soweit die Biegung des Korridors zu beiden Seiten freie Sicht erlaubte, waren sie noch immer allein, aber oft f�hrte Sorglosigkeit nur zu noch mehr Sorglosigkeit. Sie konnte auch stur sein, wenn es n�tig war, aber wenigstens bewies sie mehr Verstand als eine Gans, was das Wann und Wo anging. Sie holte tief Luft, um Seaine geh�rig ihre Meinung zu sagen, aber die andere Frau sprach weiter, bevor sie ein Wort �u�ern konnte.</p><p>�Saerin hat mir erlaubt, Euch zu suchen.� Seaine presste die Lippen aufeinander, und ihre Wangen r�teten sich, entweder weil sie um Erlaubnis gefragt hatte oder weil sie �berhaupt darum bitten musste. Nat�rlich war es verst�ndlich, dass sie ihre Situation verabscheute. Aber es war dumm von ihr, es nicht zu akzeptieren. �Ich muss Euch allein sprechen, Yukiri. Es geht um ein zweites Geheimnis.�</p><p>Einen Augenblick lang war Yukiri so verbl�fft, wie Meidani und Bernaile aussahen. Sie konnten so tun, als w�rden sie nicht zuh�ren, aber das machte sie nicht taub. Ein zweites Geheimnis? Was meinte Seaine? Es sei denn ... Konnte sie die Sache meinen, die Yukiri erst in die Jagd auf die Schwarze Ajah verwickelt hatte? Angesichts der Notwendigkeit, die Schattenfreundinnen unter den Schwestern aufzusp�ren, hatte die Frage, warum sich die Anf�hrerinnen der Ajahs im Geheimen trafen, ihre Dringlichkeit verloren.</p><p>�Also gut, Seaine�, sagte Yukiri ruhiger, als ihr zumute war. �Meidani, geht mit Leonin den Korridor weiter entlang, bis Ihr Seaine und mich gerade noch sehen k�nnt. Haltet scharf nach jedem Aussicht, der aus dieser Richtung kommen k�nnte. Bernaile, Ihr tut das Gleiche in der anderen Richtung.� Sie setzten sich in Bewegung, bevor sie zu Ende gesprochen hatte, und sobald sie au�er H�rweite waren, wandte sie Seaine ihre ganze Aufmerksamkeit zu. �Und?�</p><p>Zu ihrer �berraschung flackerte um die Sitzende der Wei�en das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> auf, als sie um sie beide einen Abwehrschild gegen Lauscher webte. F�r jeden m�glichen Beobachter ein deutliches Zeichen, das es hier um Geheimnisse ging. Wehe, es war nicht wichtig.</p><p>�Denkt einmal in aller Ruhe dar�ber nach.� Seaines Stimme war ruhig, aber sie hielt ihre Stola noch immer mit geballten F�usten umklammert. Ganz gerade stand sie da, �berragte Yukiri, obwohl sie doch gar nicht so viel gr��er als der Durchschnitt war. �Es ist mehr als einen Monat her, fast schon zwei, seit Elaida zu mir gekommen ist, und es sind fast zwei Wochen vergangen, seit Ihr Pevara und mich ertappt habt. Wenn die Schwarze Ajah �ber mich Bescheid w�sste, w�re ich mittlerweile tot. Pevara und ich w�ren tot gewesen, bevor Ihr und Doesine und Saerin uns �berhaupt �berraschen konntet. Also wissen sie es nicht. Von keiner von uns. Ich gebe zu, dass ich zuerst Angst hatte, aber ich habe mich jetzt unter Kontrolle. Es gibt nicht den geringsten Grund, dass der Rest von Euch mich behandelt, als w�re ich eine Novizin� � eine Spur von Temperament schlich sich in die Gelassenheit ein � �und zwar eine ohne jeden Funken Verstand, was das angeht.�</p><p>�Da m�sst Ihr Euch an Saerin wenden�, erwiderte Yukiri kurz angebunden. Saerin hatte von Anfang an das Kommando an sich gerissen � nach vierzig Jahren als Vertreterin der Braunen im Saal war Saerin ausgesprochen gut darin, das Kommando zu �bernehmen �, und Yukiri hatte nicht die geringste Absicht, sich ohne Not gegen sie zu stellen, nicht ohne das Privileg der Sitzenden, das sie unter diesen Umst�nden kaum in Anspruch nehmen konnte. Da h�tte man genauso gut einen in die Tiefe st�rzenden Felsen auffangen k�nnen.</p><p>Wenn Saerin �berzeugt werden konnte, w�rden Pevara und Doesine sich ihr anschlie�en, und sie selbst w�rde kaum versuchen, sich in den Weg zu stellen.</p><p>�Also, worum geht es bei diesem �zweiten Geheimnis^ Ihr <emphasis>meint</emphasis> doch das Treffen der Ajah-Anf�hrerinnen, oder?�</p><p>Seaines Gesicht nahm den Ausdruck eines sturen Esels an. Fast schon rechnete Yukiri damit, dass sie die Ohren anlegte. Dann atmete sie aus. �Hatte die Anf�hrerin Eurer Ajah etwas damit zu tun, Andaya in den Saal zu w�hlen? Ich meine, mehr als gew�hnlich?�</p><p>�Das hatte sie�, erwiderte Yukiri vorsichtig. Jedermann war davon �berzeugt gewesen, dass Andaya eines Tages Mitglied des Saals werden w�rde, vielleicht in vierzig oder f�nfzig Jahren, aber Serancha hatte sie f�rmlich berufen, obwohl das Verfahren f�r gew�hnlich aus einer Diskussion bestand, bis man sich auf drei oder vier Kandidaten einigen konnte, gefolgt von einer geheimen Abstimmung. Aber das war Sache der Ajah, so geheim wie Seranchas Name und Titel.</p><p>�Ich wusste es.� Seaine nickte aufgeregt, was sonst gar nicht ihre Art war. �Saerin hat gesagt, dass Juilaine ebenfalls f�r die Braunen ausgew�hlt wurde, auch wenn dies nicht den Gepflogenheiten entspricht, und Doesine sagt das Gleiche �ber Suana, obwohl sie zuerst gez�gert hat, �berhaupt etwas zu sagen. Ich glaube, Suana k�nnte die Anf�hrerin der Gelben sein. Auf jeden Fall war sie das erste Mal vierzig Jahre lang eine Sitzende, und Ihr wisst, dass man normalerweise keinen Sitz mehr �bernimmt, wenn man diesen Posten so lange innegehabt hat. Und Ferane ist vor weniger als zehn Jahren f�r die Wei�en zur�ckgetreten; noch nie zuvor ist jemand wieder so schnell in den Saal zur�ckgekehrt. Und Talene sagt, dass die Gr�nen Nominierungen durchf�hren und ihr Generalhauptmann eine aussucht, aber Adelorna hat Rina ohne Nominierung ausgew�hlt.�</p><p>Yukiri schaffte es, eine Grimasse zu unterdr�cken, aber nur um Haaresbreite. Jeder hatte seine Vermutungen, wer andere Ajah anf�hrte, denn andernfalls w� � ren die Treffen gar nicht aufgefallen, aber diese Namen auszusprechen war bestenfalls unh�flich. Von Sitzenden abgesehen, h�tte jede Schwester daf�r bestraft werden k�nnen. Nat�rlich wu�ten sie und Seaine Bescheid, wenn es um Adelorna ging. In ihren Bem�hungen, sich anzubiedern, hatte Talene ungefragt s�mtliche Geheimnisse der Gr�nen verraten. Sie alle waren peinlich ber�hrt gewesen, ausgenommen Talene nat�rlich. Wenigstens hatte es erkl�rt, warum die Gr�nen so au�er sich vor Zorn gewesen waren, als man Adelorna mit der Rute gepr�gelt hatte. Trotzdem war Generalhauptmann ein alberner Titel, selbst wenn sie eine Kampf-Ajah waren. Oberschreiberin war ein treffenderer Ausdruck f�r Seranchas T�tigkeit, jedenfalls gewisserma�en.</p><p>Ein St�ck entfernt standen Meidani und ihr Beh�ter und unterhielten sich leise miteinander. Allerdings sp�hte einer von ihnen immer die Biegung entlang. In der anderen Richtung war auch Bernaile gerade noch am Ende der Biegung zu sehen. Sie drehte st�ndig den Kopf, da sie versuchte, Yukiri und Seaine zu beobachten, w�hrend sie gleichzeitig darauf achtete, ob jemand kam. Die Art und Weise, wie sie dabei von dem einen auf den anderen Fu� trat, h�tte auch Aufmerksamkeit erregt, aber im Augenblick lud jede Schwester, die sich allein au�erhalb der Quartiere ihrer Ajah bewegte, den �rger f�rmlich ein, und das wusste sie. Diese Unterhaltung musste bald enden.</p><p>Yukiri hob einen Finger. �F�nf Ajahs mussten neue Sitzende erw�hlen, nachdem die Frauen, die sie im Saal sitzen hatten, sich den Rebellen angeschlossen hatten.� Seaine nickte wieder, und Yukiri hob einen zweiten Finger. �Jede dieser Ajahs w�hlte eine Frau als Sitzende aus, die nicht die ... logische Wahl war.� Seaine nickte abermals. Ein dritter Finger gesellte sich zu den ersten beiden. �Die Braunen mussten zwei neue Sitzende w�hlen, aber Ihr habt Shevan nicht erw�hnt. Gibt es an ihr ...� � Yukiri musste trocken l�cheln � �... auch etwas Merkw�rdiges?�</p><p>�Nein. Laut Saerin w�re Shevan aller Voraussicht nach ihr Ersatz gewesen, h�tte sie sich entschieden zur�ckzutreten, aber ...�</p><p>�Seaine, wenn Ihr tats�chlich meint, dass die F�hrerinnen der Ajahs in einer <emphasis>Verschw�rung</emphasis> entschieden haben, wer in den Saal einzieht � und ich habe noch nie eine verr�cktere Idee geh�rt! �, wenn Ihr das meint, warum sollten sie dann f�nf ungew�hnliche Frauen aussuchen und eine, die es nicht ist?�</p><p>�Ja, das meine ich. Da der Rest von Euch mich mehr oder weniger gefangen gehalten hat, hatte ich mehr Zeit zum Nachdenken, als mir lieb war. Juilaine und Rina und Andaya gaben mir den ersten Hinweis, und Ferane lie� in mir den Entschluss entstehen, es zu �berpr�fen.� Was meinte Seaine damit, Andaya und die anderen beiden h�tten sie �berhaupt erst darauf gebracht? Oh, nat�rlich: auch Rina und Andaya wa � ren eigentlich nicht alt genug, um im Saal zu sitzen. Der Brauch, nicht �ber das Alter zu sprechen, wurde schnell zur Gewohnheit, auch nicht dar�ber nachzudenken.</p><p>�Zwei k�nnten ein Zufall sein�, fuhr Seaine fort, �sogar drei, obwohl das schon sehr unglaubw�rdig ist, aber f�nf sind ein Muster. Von den Blauen abgesehen, waren die Braunen die einzige Ajah, bei der sich zwei Sitzende den Rebellen angeschlossen haben. Vielleicht ist das der Grund, warum sie eine ungew�hnliche und eine herk�mmliche Schwester ausgesucht haben. Aber da besteht ein Muster, Yukiri, ein R�tsel, und ob es nun eine Erkl�rung daf�r gibt oder nicht, etwas sagt mir, dass wir es lieber l�sen sollten, bevor die Rebellen hier sind. Es erweckt in mir das Gef�hl, dass mir jemand die Hand auf die Schulter legt, aber wenn ich mich umdrehe, ist da keiner.�</p><p>Unglaubw�rdig war nur die Vorstellung, dass die Anf�hrerinnen der Ajah sich zu einer Verschw�rung zusammenfanden. <emphasis>Andererseits ist eine Verschw�rung der Sitzenden noch viel weiter hergeholt, und ich stecke mit in einer drin,</emphasis> dachte Yukiri. Und da war die einfache Tatsache, dass niemand au�erhalb einer Ajah die Anf�hrerin der betreffenden Ajah kennen sollte, aber entgegen aller Br�uche wu�ten die Anf�hrerinnen �ber einander Bescheid. �Wenn es da ein R�tsel gibt�, sagte sie m�de, �habt Ihr viel Zeit, es zu l�sen. Die Rebellen k�nnen Murandy nicht vor dem Fr�hling verlassen, egal, was sie den Leuten auch erz�hlen, und der Marsch flussaufw�rts wird Monate in Anspruch nehmen, fall sie �berhaupt das Heer so lange zusammenhalten.� Sie hatte nicht den geringsten Zweifel, dass ihnen das gelingen w�rde; das war vorbei. �Geht wieder in Eure Gem�cher, bevor uns jemand hier von einem Schutzgewebe umgeben sieht, und denkt �ber Euer R�tsel nach�, sagte sie nicht unfreundlich und legte eine Hand auf Seaines �rmel. �Ihr m�sst Euch damit abfinden, besch�tzt zu werden, bis wir alle davon �berzeugt sind, dass Ihr in Sicherheit seid.�</p><p>Bei jeder anderen au�er einer Sitzenden h�tte man den Ausdruck auf Seaines Gesicht als m�rrisch bezeichnet. �Ich spreche noch einmal mit Saerin�, sagte sie, aber das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> um sie herum erlosch.</p><p>Als Yukiri zusah, wie sie sich zu Bernaile gesellte und die beiden dann in Richtung der Ajah-Quartiere gingen, beide so vorsichtig wie Rehkitze, wenn die W�lfe unterwegs waren, wurde ihr das Herz schwer. Es war schade, dass die Rebellen nicht vor dem Sommer da sein w�rden. Wenigstens das h�tte die Ajahs m�glicherweise wieder zusammengebracht, sodass Schwestern nicht gezwungen gewesen w�ren, in der Wei�en Burg herumzuschleichen. <emphasis>Und sich Fl�gel zu w�nschen,</emphasis> dachte sie traurig.</p><p>Fest entschlossen, sich nichts anmerken zu lassen, begab sie sich zu Meidani und Leonin. Sie hatte eine Schwarze Schwester zu entlarven, und eine Untersuchung war wenigstens ein R�tsel, von dem sie wusste, wie sie es zu l�sen hatte.</p><p>Gawyn schlug in der Dunkelheit die Augen auf, als ein neuer kalter Luftschwall durch den Heuschober wehte. Normalerweise hielten die dicken Steinmauern der Scheune die gr�bste Nachtk�lte ab. Unten ert�nten Stimmen; keine klang aufgeregt. Er nahm die Hand von dem neben ihm liegenden Schwert und zog die Panzerhandschuhe fester. Wie die anderen J�nglinge schlief auch er mit jedem Fetzen Kleidung, den er anziehen konnte. Vermutlich war es gerade Zeit, einige der um ihn herum liegenden M�nner f�r ihre Wache zu wecken, aber er war jetzt hellwach und bezweifelte, bald wieder Schlaf finden zu k�nnen. Sein Schlaf war sowieso unruhig und von dunklen Tr�umen erf�llt, von der Frau heimgesucht, die er liebte. Er wusste nicht, wo Egwene sich aufhielt oder ob sie �berhaupt noch am Leben war. Oder ob sie ihm vergeben konnte. Er stand auf, lie� das lose Stroh, das er �ber sich gezogen hatte, von seinem Umhang fallen und schnallte den Schwertg�rtel um.</p><p>Als er sich seinen Weg um die schattenhaften H�gel aus M�nnern herum suchte, die auf den aufgestapelten Heuballen schliefen, verriet ihm das leise Schaben von Stiefeln auf Holzsprossen, dass jemand die Leiter zum Heuboden hinaufkletterte. Eine undeutliche Gestalt er � schien oben an der Leiter und verharrte dann, um auf ihn zu warten.</p><p>�Lord Gawyn?�, sagte Rajars tiefe Stimme leise; sechs Jahre der Ausbildung in Tar Valon hatten seinem Domani-Akzent nichts anhaben k�nnen. Die grollende Stimme des Ersten Leutnants war immer eine �berraschung, kam sie doch von einem schm�chtigen Mann, der Gawyn gerade mal bis zur Schulter reichte. Trotzdem w�re Rajar zu einer anderen Zeit mit Sicherheit schon ein Beh�ter gewesen. �Ich dachte, ich m�sste Euch wecken. Eben ist eine Schwester eingetroffen, sie kam zu Fu�. Eine Botin aus der Burg. Sie wollte die befehlshabende Schwester sprechen. Ich habe Tomil und seinen Bruder angewiesen, sie zum Haus des B�rgermeisters zu bringen, bevor sie schlafen gehen.�</p><p>Gawyn seufzte. Er h�tte in die Heimat zur�ckkehren sollen, als er in Tar Valon gewesen war, statt hier zu �berwintern. Vor allem, nachdem er zu der �berzeugung gelangt war, dass Elaida sie alle tot sehen wollte. Irgendwann w�rde seine Schwester Elayne nach Caemlyn kommen, falls sie nicht bereits schon dort war. Sicherlich w�rde jede Aes Sedai daf�r sorgen, dass die Tochter-Erbin von Andor Caemlyn rechtzeitig erreichte, um den Anspruch auf den Thron zu erheben, bevor ihr jemand zuvorkam. Die Wei�e Burg w�rde nicht den Vorteil einer K�nigin aus der Hand geben, die gleichzeitig Aes Sedai war. Andererseits konnte Elayne genauso gut auf dem Weg nach Tar Valon sein oder in genau dieser Minute in der Wei�en Burg weilen. Er wusste nicht, wie sie an Siuan Sanche geraten oder wie tief sie darin verstrickt war � sie sprang immer in einen Teich, ohne vorher nachzusehen, wie tief er war �, aber Elaida und der Saal der Burg w�rden sie befragen wollen, und da spielte es keine Rolle, dass sie die Tochter-Erbin war. Oder die K�nigin. Allerdings war er fest davon �berzeugt, dass man sie nicht zur Rechenschaft ziehen konnte. Noch immer war sie nur eine Aufgenommene. Er m�sste sich das �fters vor Augen halten.</p><p>Seine neueste Sorge galt dem Heer, das zwischen ihm und Tar Valon lag. Mindestens f�nfundzwanzigtausend Soldaten auf dieser Seite des Flusses Erinin und angeblich genauso viele auf der anderen Seite. Sie unterst�tzten angeblich die Aes Sedai, die Elaida als Rebellen bezeichnete. Wer sonst w�rde es wagen, Tar Valon zu belagern? Die Art und Weise, wie das Heer erschienen war, wie es mitten in einem Schneesturm aus dem Nichts auftauchte, das reichte aus, um ihm noch immer eine G�nsehaut zu verschaffen. Jedem marschierenden Heer eilten Ger�chte und Alarmmeldungen voraus. Immer. Dieses Heer war lautlos wie Geister erschienen. Aber das Heer war so real wie ein Stein, also konnte er weder nach Tar Valon, um herauszufinden, ob sich Elayne in der Burg aufhielt, noch nach S�den reiten. Jedes Heer w�rde dreihundert M�nner bemerken, und die Rebellen w�rden f�r die J�nglinge nicht viel �brig haben. Und selbst wenn er allein aufbrach, im Winter kam er nur langsam voran, und er konnte Caemlyn genauso schnell erreichen, wenn er auf den Fr�hling wartete. Es gab auch nicht die geringste Hoffnung, eine Schiffspassage zu finden. Die Belagerung w�rde den Flussverkehr zum Stillstand bringen. Er sa� fest.</p><p>Und jetzt war in der Mitte der Nacht eine Aes Sedai gekommen. Sie w�rde die Sache gewiss nicht erleichtern.</p><p>�Lasst uns herausfinden, welche Neuigkeiten sie bringt�, sagte er leise und gab Rajar ein Zeichen, vor ihm die Leiter hinunterzuklettern.</p><p>Zwanzig Pferde und ihre aufgestapelten S�ttel nahmen fast jeden Fingerbreit der dunklen Scheune ein, der nicht von Frau Millins etwa ein Dutzend Milchk�hen eingenommen wurde, und so mussten er und Rajar sich ihren Weg zu dem breiten Tor suchen. Die einzige W�rme kam von den schlafenden Tieren. Die zwei M�nner, die die Pferde bewachten, waren stumme Schatten, aber Gawyn sp�rte ihre neugierigen Blicke, als er und Rajar in die eisige Nacht hinausschl�pften. Sie w�rden �ber die Botin Bescheid wissen.</p><p>Der Himmel war klar, und der abnehmende Mond spendete noch immer gen�gend Licht. Der Schnee, der Dorlan einh�llte, funkelte hell. Die beiden M�nner hielten die Umh�nge zusammen und stapften stumm durch das Dorf, auf einer Stra�e, die von einer Stadt nach Tar Valon gef�hrt hatte, die es seit Jahrhunderten nicht mehr gab. Heutzutage reiste niemand mehr aus Tar Valon in diese Richtung, au�er er wollte nach Dorlan, und im Winter gab es dazu keinen Grund. Das Dorf lieferte K�se an die Wei�e Burg, wie es Tradition war, und an niemanden sonst. Es war ein winziger Ort, f�nfzehn mit Schiefer gedeckte graue Steinh�user, an denen sich der Schnee bis zu den Fenstern im Erdgeschoss auft�rmte. Wenige Schritte hinter jedem Haus stand der Kuhstall, in dem sich nun neben den K�hen M�nner und Pferde dr�ngten. In Tar Valon hatten die meisten vermutlich vergessen, dass Dorlan �berhaupt existierte. Wer dachte schon dar�ber nach, wo der K�se herkam? Es war als ein guter Ort erschienen, um au�er Sicht zu bleiben. Bis jetzt.</p><p>Alle H�user des Dorfes waren dunkel bis auf eines.</p><p>Licht drang durch die L�den mehrerer Fenster im Haus von Meister Burlow, zu ebener Erde und im ersten Stock. Garon Burlow hatte das Pech, das gr��te Haus von Dorlan zu besitzen � und B�rgermeister zu sein. D�rfler, die ihre Schlafzimmer ger�umt hatten, um Platz f�r Aes Sedai zu schaffen, w�rden das mittlerweile vermutlich bereuen; Meister Burlow hatte bereits zwei leer stehende R�ume gehabt.</p><p>Gawyn stampfte auf den steinernen Stufen den Schnee von den Stiefeln und klopfte mit dem Panzerhandschuh an die stabile T�r des B�rgermeisters. Niemand kam, und nach einem Moment hob er den Riegel und ging mit Rajar hinein.</p><p>Das vordere Zimmer mit seiner balkengest�tzten Decke war f�r ein Bauernhaus recht gro�. Das Mobiliar bestand aus mehreren hohen Regalen voller Zinnkr�ge und glasiertem Steingut sowie einem langen, auf Hochglanz poliertem Tisch mit hochlehnigen St�hlen. S�mtliche �llampen waren entz�ndet worden, im Winter eine Extravaganz, wenn es ein paar Talgkerzen auch getan h�tten, aber die Flammen im Kamin z�ngelten nur sp�rlich an den Holzscheiten. Trotzdem standen die beiden Schwestern, die ihre Zimmer im ersten Stock hatten, barfu� auf dem blanken Fu�boden, die pelzgef�tterten Umh�nge hastig �ber die Leinennachthemden geworfen. Katerine Alruddin und Tarna Feir beobachteten eine kleine Frau in einem dunklen, gelb gestreiften Reitkleid und einem Umhang, der schneefeucht an ihren H�ften klebte. Sie stand so nahe am Kamin, wie es m�glich war, w�rmte m�de ihre H�nde und zitterte. Zu Fu� hatte sie die Reise von Tar Valon bei dem Schnee nicht in weniger als zwei oder drei Tagen machen k�nnen, und selbst Aes Sedai sp�rten irgendwann die K�lte. Sie musste die Schwester sein, von der Rajar gesprochen hatte, doch verglichen mit den beiden anderen war ihr die Alterslosigkeit kaum anzumerken.</p><p>Die Abwesenheit des B�rgermeisters und seiner Frau verursachte Gawyn Unbehagen, auch wenn er damit gerechnet hatte. Sie w�rden hier sein und um die Aes Sedai herumscharwenzeln, trotz der Stunde hei�e Getr�nke und Essen anbieten, es sei dann, man hatte sie wieder in ihre Betten geschickt, um Katerine und Tarna mit der Botin allein zu lassen. Was vermutlich bedeutete, dass er ein Narr war, die Botschaft h�ren zu wollen. Aber das hatte er gewusst, bevor er den Stall verlassen hatte.</p><p>�... der Bootsmann sagte, er w�rde hier bleiben, bis die Belagerung zu Ende sei�, sagte die kleine Frau gerade m�de, als Gawyn eintrat, �aber er hatte solche Angst, mittlerweile k�nnte er meilenweit flussabw�rts sein.� Als die K�lte von der T�r sie erreichte, sah sie sich um, und etwas von der M�digkeit verschwand aus ihrem kantigen Gesicht. �Gawyn Trakand�, sagte sie. �Ich habe Befehle f�r Euch vom Amyrlin-Sitz.�</p><p>�Befehle?� Gawyn zog die Handschuhe aus und schob sie hinter den G�rtel, um Zeit zu gewinnen. Er kam zu dem Schluss, dass diesmal die nackte Wahrheit angebracht war. �Warum sollte Elaida mir Befehle schicken? Warum sollte ich ihnen gehorchen, wenn sie es t�te? Sie wollte nichts mehr mit mir und den J�nglingen zu tun haben.� Rajar hatte eine respektvolle Haltung angenommen, die H�nde hinter dem R�cken gefaltet, und er warf Gawyn einen schnellen Seitenblick zu. Er w�rde nicht ungefragt sprechen, ganz egal, was Gawyn auch sagte, aber die J�nglinge teilten Gawyns Meinung nicht. Aes Sedai taten, was sie taten, und kein Mann konnte den Grund kennen, bis eine Schwester ihm diesen erkl�rte. Die J�nglinge hatten sich aus ganzem Herzen der Wei�en Burg verschrieben und ihr Schicksal angenommen.</p><p>�Das kann warten, Narenwin�, fauchte Katerine und zog ruckartig den Umhang enger. Ihr schwarzes Haar war auf Schulterh�he verfilzt, so als h�tte sie ein paar hastige Striche mit der B�rste gemacht und dann aufgegeben. Von ihr ging eine Intensit�t aus, die Gawyn an einen jagenden Luchs erinnerte. Oder einen, der misstrauisch nach Fallen suchte. Sie hatte f�r ihn und Rajar nur einen fl�chtigen Blick �brig, nicht mehr. �Ich habe in der Burg dringende Dinge zu erledigen. Sagt mir, wie ich dieses namenlose Fischerdorf finden kann. Ob Euer Bootsmann noch da ist oder nicht, ich finde schon jemanden, der mich r�berbringt.�</p><p>�Und mich auch�, warf Tarna ein; ihr kr�ftiges Kinn war stur nach vorn geschoben, und ihre blauen Augen blickten so scharf wie Speere. Im Gegensatz zu Katerine sa� ihr langes, blondes Haar so ordentlich, als h�tte sie es sich von einer Zofe richten lassen, bevor sie nach unten gegangen war. Allerdings war sie genauso konzentriert, nur eben beherrschter. �Ich habe ebenfalls dringende Gr�nde, die Burg ohne jede weitere Verz�gerung zu erreichen.� Sie widmete Gawyn ein Nicken, Rajar erhielt ein angedeutetes, das so k�hl wie der Marmor war, aus dem sie gemei�elt zu sein schien. Immerhin war das freundlicher als die Miene, die sie f�r Katerine �brig hatte oder die sie im Gegenzug erhielt. Zwischen den beiden Frauen herrschte immer eine gewisse Steifheit, obwohl sie derselben Ajah angeh�rten. Sie mochten sich nicht, verabscheuten einander m�glicherweise sogar. Bei Aes Sedai war das schwer zu sagen.</p><p>Gawyn h�tte den beiden keine Tr�ne nachgeweint, wenn sie abgereist w�ren. Tarna war kaum einen Tag nach der Ankunft des mysteri�sen Heeres angeritten gekommen, und wie Aes Sedai solche Dinge auch immer entschieden, hatte sie Lusonia Cole sofort aus ihrem Zimmer im ersten Stock vertrieben und Covarla Baldene der Befehlsgewalt �ber die elf anderen Schwestern enthoben, die sich bereits im Dorf aufhielten. So wie sie das Kommando an sich riss, die anderen Schwestern ausfragte und jeden Tag die J�nglinge eingehend inspizierte, als w�rde sie nach potenziellen Beh�tern Ausschau halten, h�tte sie durchaus eine Gr�ne sein k�nnen. Aber auf diese Weise von einer Roten gemustert zu werden f�hrte dazu, dass die M�nner anfingen, �ber die Schulter zu sehen. Aber noch schlimmer war, dass Tarna viele Stunden ohne R�cksicht auf das Wetter mit Ausreiten verbrachte und versuchte, einen Einheimischen zu finden, der ihr an den Belagerern vorbei einen Weg in die Stadt zeigen konnte. Fr�her oder sp�ter w�rde sie die Sp�her nach Dor � lan f�hren. Katerine war erst gestern eingetroffen, au�er sich vor Zorn, dass der Weg nach Tar Valon versperrt war, und hatte auf der Stelle Tarna das Kommando und Covarla ihr Zimmer weggenommen. Nicht, dass sie ihre Autorit�t auf die gleiche Weise ben�tzte. Sie ging den anderen Schwestern aus dem Weg und weigerte sich zu verraten, warum sie bei den Quellen von Dumai verschwunden oder wo sie gewesen war. Aber auch sie hatte die J�nglinge inspiziert. Mit der Miene einer Frau, die eine Axt begutachtete, die sie benutzen wollte, und der es v�llig gleichg�ltig war, wie viel Blut vergossen wurde. Gawyn w�re nicht �berrascht gewesen, h�tte sie versucht, ihn dazu zu bringen, einen Weg zu den Br�cken in die Stadt freizuk�mpfen. Er w�re mehr als froh gewesen, beide gehen zu sehen. Aber wenn sie weg waren, w�rde er sich mit Narenwin auseinandersetzen m�ssen. Und mit Elaidas Befehlen.</p><p>�Es ist nicht mal ein richtiges Dorf, Katerine�, sagte die frierende Schwester, �nur drei oder vier sch�bige Fischerh�tten, auf dem Land einen ganzen Tag flussabw�rts. Von hier sogar noch l�nger.� Sie hob ihren feuchten Rock an und hielt ihn n�her ans Feuer. �Wir finden vielleicht einen Weg, Botschaften in die Stadt zu schicken, aber ihr beide werdet hier gebraucht. Allein die Schwierigkeit, selbst bei Dunkelheit auch nur ein kleines Boot ungesehen �ber den Fluss zu bekommen, hat Elaida davon abgehalten, f�nfzig Schwestern zu schicken statt nur mich. Ich muss sagen, mich hat die Nachricht �berrascht, dass in dieser N�he zu Tar Valon Schwestern sind. Unter diesen Umst�nden muss jede Schwester, die sich au�erhalb der Stadt aufh�lt ...�</p><p>Tarna unterbrach sie energisch, indem sie die Hand hob. �Elaida kann nicht einmal wissen, dass ich hier bin.� Katerine runzelte die Stir n und hob das Kinn, aber sie lie� die andere Rote fortfahren. �Was sind ihre Befehle hinsichtlich der Schwestern in Dorlan, Narenwin?� Rajar fing an, interessiert die Bodendielen vor seinen Stiefeln <emphasis>zu</emphasis> mustern. Er hatte ohne mit der Wimper zu zucken an Schlachten teilgenommen, aber nur ein Narr wollte in der N�he von Aes Sedai sein, die sich stritten.</p><p>Die kleine Frau fummelte noch einen Augenblick l�nger an ihrem Reitrock herum. �Ich habe den Befehl, das Kommando �ber die hier gefundenen Schwestern zu �bernehmen�, sagte sie verdrossen, �und das zu tun, was ich kann.� Einen Moment sp�ter seufzte sie und verbesserte sich z�gernd. �Die Schwestern, die ich unter Covarla antreffe. Aber bestimmt ...�</p><p>Diesmal unterbrach sie Katerine. �Ich habe niemals unter Covarlas Kommando gestanden, Narenwin, also gelten diese Befehle nicht f�r mich. Ich breche am Morgen auf und finde diese Fischerh�tten.�</p><p>�Aber ...�</p><p>�Es reicht, Narenwin�, sagte Katerine eisig. �Trefft Eure �bereinkunft mit Covarla.� Die schwarzhaarige Frau warf ihrer Ajah-Schwester einen Seitenblick zu.</p><p>�Ihr k�nnt mich begleiten, wenn Ihr wollt, Tarna.</p><p>Ein Fischerboot sollte Platz f�r zwei haben.� Tarna neigte andeutungsweise den Kopf, m�glicherweise als Dank.</p><p>Da sie ihre Dinge geregelt hatten, zogen die beiden Roten ihre Umh�nge enger und rauschten auf die T�r zu, die ins Innere des Hauses f�hrte. Narenwin warf ihnen einen verdrossenen Blick nach und wandte ihre Aufmerksamkeit dann Gawyn zu; ihr Gesicht nahm die Z�ge einer reglosen Maske an.</p><p>�Habt Ihr etwas von meiner Schwester geh�rt?�, fragte er, bevor sie den Mund aufmachen konnte.</p><p>�Wisst Ihr, wo sie ist?�</p><p>Die Frau war wirklich m�de. Sie blinzelte, und er konnte f�rmlich sehen, wie sie eine nichtssagende Antwort formulierte.</p><p>Tarna blieb auf dem halben Weg zur T�r stehen.</p><p>�Als ich sie das letzte Mal sah, war Elayne bei den Rebellen.� S�mtliche K�pfe wandten sich ihr ruckartig zu. �Aber Eure Schwester braucht keine Strafe zu bef�rchten�, fuhr sie gelassen fort, �also denkt nicht l�nger daran. Aufgenommene k�nnen nicht w�hlen, welchen Schwestern sie gehorchen wollen. Ich gebe Euch mein Wort, dem Gesetz nach kann sie deshalb keinen bleibenden Schaden erleiden.� Sie schien sich Katerines finsterem Blick oder Narenwins hervorquellenden Augen nicht bewusst zu sein.</p><p>�Das h�ttet Ihr mir auch schon fr�her sagen k�nnen�, sagte Gawyn grob. Niemand sprach eine Aes Sedai in einem groben Tonfall ein, jedenfalls nicht mehr als einmal, aber das war ihm schon lange egal. Waren die anderen beiden �berrascht, dass Tarna die Antwort kannte oder dass sie sie gegeben hatte? �Was meint Ihr damit, keinen bleibenden Schaden�?�</p><p>Die blonde Schwester lachte ver�chtlich. �Ich kann kaum versprechen, dass sie nicht ein paar Striemen davontr�gt, wenn sie ihre F��e zu weit in die falsche Richtung gesetzt hat. Elayne <emphasis>ist</emphasis> eine Aufgenommene, sie ist keine Aes Sedai. Das besch�tzt sie vor gr��erem Schaden, wenn sie von einer Schwester auf den falschen Weg gef�hrt wird. Und Ihr habt nie gefragt. Davon abgesehen braucht sie nicht gerettet werden, selbst wenn Ihr das k�nntet. Sie ist bei den Aes Sedai. Nun wisst Ihr so viel, wie ich Euch �ber sie sagen kann, und ich werde vor Tagesanbruch noch ein paar Stunden schlafen. Ich �berlasse Euch Narenwin.�</p><p>Katerine sah zu, wie sie ging, ohne ihre Miene auch nur einen Hauch zu ver�ndern, eine Frau aus Eis mit den Augen einer Raubkatze, aber dann verlie� sie den Raum selbst so �berst�rzt, dass der Umhang hinter ihr herwehte.</p><p>�Tarna hat Recht�, sagte Narenwin, als sich die T�r hinter Katerine geschlossen hatte. In Anwesenheit der anderen beiden brachte die kleine Frau die Gelassenheit und das Geheimnisvolle der Aes Sedai vielleicht nicht gut zur Geltung, aber allein war sie ganz gut darin. �Elayne ist mit der Wei�en Burg verbunden. Genau wie Ihr, trotz Eures Geredes dar�ber, versto�en worden zu sein. Die Geschichte Andors bindet Euch an die Burg.�</p><p>�Die J�nglinge sind alle durch ihre freie Entscheidung an die Burg gebunden, Narenwin Sedai�, sagte Rajar und verneigte sich f�rmlich. Narenwins Blick blieb auf Gawyn gerichtet.</p><p>Er schloss die Augen, und er konnte sich nur mit M�he davon abhalten, sie mit den Handballen zu massieren. Die J�nglinge <emphasis>waren</emphasis> an die Wei�e Burg gebunden. Niemand w�rde je vergessen, dass sie auf dem Gel�nde der Burg darum gek�mpft hatten, die Rettung einer abgesetzten Amyrlin zu verhindern. Ob im Guten oder im Schlechten, diese Geschichte w�rde ihnen bis ins Grab folgen. Auch er war davon gezeichnet, wie auch von seinen eigenen Geheimnissen. Nach all dem Blutvergie�en war er der Mann, der Siuan Sanche hatte gehen lassen. Aber was noch viel wichtiger war, Elayne band ihn an die Wei�e Burg, genau wie Egwene al'Vere, und er wusste nicht, was den Knoten fester zog, die Liebe zu seiner Schwester oder die Liebe seines Herzens. Eines davon aufzugeben bedeutete, alle drei aufzugeben, und solange er atmete, konnte er weder Elayne noch Egwene im Stich lassen.</p><p>�Ihr habt mein Wort, dass ich alles tun werde, was in meiner Macht steht�, sagte er m�de. �Was will Elaida von mir?�</p><p>Der Himmel �ber Caemlyn war klar, die Sonne eine blasse goldene Scheibe in der N�he ihres Zenits. Sie warf strahlend helles Licht auf die wei�e Decke, die das umliegende Land einh�llte, spendete jedoch keine W�rme. Aber das Wetter war w�rmer, als Davram Bashere erwartet h�tte � und wie es zu Hause in Saldaea gewesen w�re �, obwohl er es nicht bereute, dass sein neuer Umhang mit Marderfell gef�ttert war. Zumindest war es kalt genug, dass sein Atem seinen buschigen Schnurrbart mit mehr Wei� gesprenkelt hatte, als die Jahre geschafft hatten. Er stand etwa eine Meile von Caemlyn entfernt auf einer Anh�he zwischen kahlen B�umen, bis zu den Kn�cheln im Schnee versunken, und hielt ein langes, vergoldetes Fernglas ans Auge und studierte die Aktivit�ten, die sich etwa eine Meile s�dlich von ihm im niedrigeren Gel�nde abspielten. Schnellhuf stupste ihn ungeduldig gegen die Schulter, aber er ignorierte den Braunen. Schnellhuf stand nicht gern still da, aber manchmal musste man das tun, ganz egal, was man wollte.</p><p>Dort unten entstand zwischen vereinzelt stehenden B�umen ein gro�es Lager, mitten auf der Stra�e nach Tar Valon; Soldaten entluden Proviantwagen, gruben Latrinen, bauten Zelte auf und errichten Unterst�nde aus B�schen und Holz. Jeder Lord und jede Lady hielt ihre M�nner in der N�he. Sie rechneten damit, einige Zeit lang hier zu bleiben. Nach den Halteseilen f�r die Pferde und der allgemeinen Gr��e des Lagers zu urteilen, sch�tzte er die Zahl auf etwa f�nftausend Mann, vielleicht waren es ein paar hundert mehr oder weniger. Pfeilmacher, Huf- und Waffenschmiede, W�scherinnen, Kutscher und andere Angeh�rige des Lagervolks verdoppelten die Zahl der Krieger beinahe, aller � dings schlugen sie ihr eigenes Lager wie gew�hnlich an den R�ndern auf. Der gr��te Teil des Lagervolks verbrachte mehr Zeit damit, zu dem H�gel hinaufzublicken, auf dem Bashere stand, als zu arbeiten. Hier und da hielt auch ein Soldat bei der Arbeit inne, um zu dem h�her gelegenen Gel�nde zu sehen, aber die Bannerm�nner und Gruppenf�hrer trieben sie schnell wieder an die Arbeit. Die Adligen und Offiziere, die in dem entstehenden Lager umherritten, warfen nicht mal einen Blick nach Norden. Das entging Bashere nicht. Eine Senke verbarg sie vor der Stadt, aber er konnte von seinem erh�hten Standpunkt aus die grauen, mit silbernen Streifen versehenen Stadtmauern sehen. Die Stadt wusste nat�rlich, dass sie da waren; sie hatten sich am Morgen in Sichtweite der Mauern mit Fanfaren und Flaggen gezeigt. Allerdings weit au�erhalb jeder Bogenschussreichweite.</p><p>Es war keine einfache Sache, eine Stadt zu belagern, deren hohe, starke Mauern sich fast sechs Meilen lang erstreckten. In diesem Fall wurde das noch von Niedercaemlyn erschwert, dem Stadtbezirk aus Ziegel- und Steinh�usern und Gesch�ften, fensterlosen Lagerh�usern und langen M�rkten, der au�erhalb von Caemlyns Mauern lag. Sieben weitere Lager dieser Art wurden rings um die Stadt errichtet, wo sie jede Stra�e und jedes Tor �berwachen konnten, die einen schlagkr�ftigen Ausfall erlaubten. Sie hatten bereits Patrouillen ausgeschickt, und vermutlich lauerten Beobachter in den nun verlassenen Geb�uden Niedercaemlyns. Kleine Gruppen w�rden es vielleicht vorbei an den Lagern in die Stadt schaffen, vielleicht ein paar Lasttiere in der Nacht, aber das w�rde nicht einmal ann�hernd ausreichen, um eine der gr��ten St�dte der Welt zu ern�hren. Hunger und Seuchen hatten mehr Belagerungen beendet als Schwerter oder Belagerungsmaschinen. Die einzige Frage war, ob sie zuerst die Belagerer oder die Eingeschlossenen besiegten.</p><p>Allem Anschein nach war der Plan von jemandem gut durchdacht worden, aber was ihn verwirrte, waren die Banner in dem Lager unter ihm. Es war ein starkes Fernglas, hergestellt von einem Cairhiener namens Tovere, ein Geschenk von Rand al'Thor, und er konnte die meisten Banner bestimmen, wenn eine Brise sie entfaltete. Er wusste genug �ber andoranische Siegel, um Eiche und Axt von Dawlin Armaghn und die f�nf silbernen Sterne von Daerilla Raened sowie einige der geringeren Adligen zu erkennen, die Naean Arawns Anspruch auf den L�wenthron und die Rosenkrone von Andor unterst�tzten. Aber da unten waren auch Jailin Marans Rote Mauer und Carlys Ankerins Wei�e Leoparden, und Eram Talkends goldene Schwingenhand. Allen Berichten zufolge waren sie Naeans Rivalin Elenia Sarand eidverpflichtet. Es war ein Anblick, als w�rde man W�lfen und Wolfshunden bei einer gemeinsamen Mahlzeit zusehen. Mit einem ge�ffneten Fass guten Weins.</p><p>Es waren noch zwei andere Banner aufgestellt, mindestens doppelt so gro� wie die �brigen und mit goldenen Fransen versehen, allerdings waren beide zu schwer, als dass der gelegentliche Windsto� sie h�tte entfalten k�nnen. Sie leuchteten mit dem Glanz dicker Seide. Er hatte beide allerdings schon ausgiebig zuvor sehen k�nnen, als die Bannerm�nner auf dem H�gel, der das Lager verbarg, hin und her galoppierten und die Banner flattern lie�en. Das eine stellte den L�wen von Andor dar, wei� auf rotem Feld, der gleiche, der auf den hohen Rundt�rmen der Stadtmauer wehte. In beiden F�llen deklarierte er das Recht von jemanden auf Thron und Krone. Das zweite gro�e Banner bezeichnete die Frau, die ihren Anspruch gegen den von Elayne Trakand geltend machte. Vier Silbermonde auf zwielichtblauem Untergrund, das Zeichen von Haus Marne. Sie alle unterst�tzten Arymilla Marne? Noch vor einem Monat h�tte sie Gl�ck gehabt, wenn ihr jemand � mal abgesehen von Mitgliedern ihres eigenen Haues oder diesem halb verr�ckten Nasin Caeren � ein Bett f�r die Nacht angeboten h�tte!</p><p>�Sie ignorieren uns�, knurrte Bael. �Ich k�nnte sie noch vor Sonnenuntergang zerschmettern und keinen am Leben lassen, um den n�chsten Sonnenaufgang zu sehen, und sie ignorieren uns.�</p><p>Bashere warf dem Aielmann einen pr�fenden Blick zu. Der Mann �berragte ihn um mindestens einen Fu�.</p><p>�ber dem schwarzen Schleier vor seinem Gesicht waren nur die grauen Augen und ein Streifen von der Sonne verbrannter Haut zu sehen. Bashere hoffte, dass er lediglich Mund und Nase vor der K�lte sch�tzte.</p><p>Bael trug seine Kurzspeere und den Rundschild aus Stierleder, auf dem R�cken steckte ein Bogen in seinem Futteral, an der H�fte hing ein K�cher mit Pfeilen, aber allein der Schleier z�hlte. Das war nicht der richtige Augenblick f�r den Aiel, mit dem T�ten anzufangen.</p><p>Zwanzig Schritte den H�gel hinunter in Richtung des Lagers kauerten drei�ig weitere Aiel auf den Fersen und hielten l�ssig ihre Waffen. Einer von dreien hatte sein Gesicht entbl��t, also war es vielleicht die K�lte.</p><p>Aber bei den Aiel konnte man sich nie sicher sein.</p><p>Bashere �berdachte schnell mehrere Ans�tze, dann entschied er sich f�r Unbefangenheit. �Das w�rde Elayne Trakand nicht gefallen, Bael, und falls Ihr ver gessen haben solltet, wie es ist, ein junger Mann zu sein, es bedeutet auch, dass es Rand al'Thor nicht gefallen w�rde.�</p><p>Bael grunzte ver�chtlich. �Melaine hat mir berichtet, was Elayne Trakand gesagt hat. Wir d�rfen ihretwegen nichts unternehmen. Das ist einf�ltig. Wenn ein Feind auf einen zukommt, dann setzt man alles ein, was die Speere auf deiner Seite tanzen l�sst. Spielen sie den Krieg so, wie sie das Spiel der H�user spielen?�</p><p>�Wir sind Ausl�nder, Bael. Das z�hlt in Andor.�</p><p>Der gro�e Aielmann grunzte erneut.</p><p>Es erschien sinnlos, die politische Situation zu er � kl�ren. Hilfe aus dem Ausland konnte Elayne ebendies kosten, was sie erreichen wollte, und das wu�ten ihre Feinde, so wie sie wu�ten, dass sie es wusste, darum f�rchteten sie weder Bashere oder Bael oder die Legion des Drachen, ganz egal, wie gro� ihre Anzahl auch war. Tats�chlich w�rden beide Seiten trotz der Belagerung gro�e Anstrengungen unternehmen, eine Schlacht zu vermeiden. Es war ein Krieg, aber einer aus Man�vern und Scharm�tzeln, solange niemand einen schwerwiegenden Fehler beging, und der Gewinner w�rde derjenige sein, der eine unangreifbare Position erreichte oder den anderen in eine zwang, die nicht verteidigt werden konnte. Bael w�rde keinen Unterschied zum <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> sehen. Sogar Bashere selbst sah viele �hnlichkeiten. Mit der Gro�en F�ule vor der T�rschwelle konnte sich Saldaea keinen Wettstreit um den Thron leisten. Tyrannen konnten ertragen werden, und die Gro�e F�ule t�tete schnell die Dummen und die Gierigen, aber schon diese seltsame Art von B�rgerkrieg w�rde der F�ule gestatten, Saldaea zu vernichten.</p><p>Er machte sich wieder daran, das Lager durch sein Fernglas zu studieren und zu ergr�nden, wie eine hoffnungslose N�rrin wie Arymilla Marne die Unterst�tzung von Naean Arawn und Elenia Sarand hatte bekommen k�nnen. Die beiden waren gierig und ehrgeizig, jede von ihnen war der unersch�tterlichen �berzeugung, das Recht auf den Thron zu haben, und wenn er das verworrene Netz richtig verstand, mit dem die Andoraner diese Angelegenheiten entschieden, hatte jede von ihnen einen weitaus besseren Anspruch als Arymilla. W�lfe und Wolfshunde traf nicht zu. Das waren W�lfe, die sich entschieden hatten, einem Scho�hund zu folgen. Vielleicht kannte Elayne den Grund, aber sie w�rde kaum mit ihm aufschlussreiche Depeschen austauschen. Das Risiko war zu gro�, dass jemand davon erfuhr und auf den Gedanken kam, sie w�rde mit ihm konspirieren. Es <emphasis>hatte</emphasis> gro�e �hnlichkeit mit dem Spiel der H�user.</p><p>�Jemand wird den Tanz der Speere tanzen�, sagte Bael, und Bashere senkte das verzierte Rohr lange genug, um zu sehen, wohin der Aielmann zeigte.</p><p>Seit Tagen war ein stetiger Strom von Leuten vor der Belagerung aus der Stadt geflohen, aber jemand war zu sp�t aufgebrochen. Ein halbes Dutzend mit Segeltuch bespannte Wagen standen au�erhalb von Niedercaemlyn in der Mitte der Stra�e nach Tar Valon, umgeben von f�nfzig Reitern mit einem blauwei�en geviertelten Banner, das einen laufenden B�ren oder vielleicht auch einen st�mmigen Hund zeigte, wenn es sich im Wind bewegte. Auf der einen Seite dr�ngten sich entmutigte Menschen, die ihre Umh�nge enger zogen, M�nner mit gesenkten K�pfen und Kinder, die sich an die R�cke ihrer M�tter klammerten. Ein paar Reiter waren abgestiegen, um die Wagen zu pl�ndern; Truhen, Kisten und, soweit zu erkennen war, sogar Kleidungsst�cke lagen verstreut im Schnee. Vermutlich suchten sie nach Geld oder Schnaps, allerdings w�rden auch andere Wertgegenst�nde, die ihnen in die H�nde fielen, den Weg in ihre Satteltaschen finden. Bald w�rde jemand die Zugtiere abschneiden, vielleicht w�rden sie auch die Wagen nehmen. Jedes Heer konnte Pferde und Wagen gebrauchen, und die seltsamen Regeln dieses sehr seltsamen andoranischen B�rgerkriegs schienen jenen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, nicht viel Schutz zu gew�hren. Aber die Stadttore schwangen auf, und sobald der Spalt gro� genug war, str�mten rotgewandete Lanzenreiter im Galopp aus dem zwanzig Fu� hohen Torbogen und preschten die Stra�e zwischen den langen, verlassenen Marktst�nden entlang. Sonnenlicht funkelte auf Lanzenspitzen, Harnischen und Helmen. Die K�nigliche Garde kam. Jedenfalls genug davon. Bashere schwang das Fernglas zur�ck auf die Wagen.</p><p>Anscheinend hatte der Offizier unter der B�renstandarte, wenn es nun ein B�r war, bereits seine Rechenaufgaben gemacht. F�nfzig gegen zweihundert Mann war wenig aussichtsreich, wo es doch nur um ein paar Wagen ging. Die M�nner, die abgestiegen waren, sa�en bereits wieder in den S�tteln, und als Bashere sie erneut im Blickfeld hatte, galoppierten sie bereits in n�rdliche Richtung auf ihn zu, und das blauwei�e Banner flatterte an seinem Stab. Die meisten der Menschen, die sich am Stra�enrand zusammendr�ngten, starrten hinter den Soldaten her, ihre Verwirrung war unverkennbar, aber ein paar von ihnen eilten bereits los, um ihr verstreutes Eigentum aus dem Schnee zu bergen und in die Wagen zu laden.</p><p>Die Ankunft der Gardesoldaten, die ein paar Minuten sp�ter die Pferde um die Wagen herum z�gelten, machte dem ein schnelles Ende. Die Gardisten dr�ngten unverz�glich die Leute zu den Wagen. Ein paar von ihnen versuchten trotzdem, an ihnen vorbei zu gesch�tzten Besitzt�mern zu gelangen, und ein Mann fing an, mit den Armen vor einem Gardisten herumzufuchteln, offensichtlich ein Offizier mit wei�en Federn auf dem Helm und einer roten Sch�rpe quer �ber dem Harnisch, aber der Soldat beugte sich aus dem Sattel nach unten und schlug dem Protestierenden mit dem Handr�cken ins Gesicht. Der Bursche st�rzte r�cklings wie ein Stein zu Boden, und nach einem Moment der Erstarrung eilte jeder, der noch nicht zur�ck auf die Wagen kletterte, los, mit Ausnahme von zwei M�nnern, die verharrten, um den Gest�rzten an Schultern und F��en zu packen, und auch sie beeilten sich, so gut es mit dem schlaffen K�rper ging. Eine Frau auf dem letzten Wagen schnalzte bereits mit den Z�geln, um ihre Pferde zum Wenden zu bewegen und zur Stadt zur�ckzufahren.</p><p>Bashere senkte das Fernglas, um den Blick �ber das Lager schweifen zu lassen, dann dr�ckte er es zur�ck ans Auge. Noch immer gruben M�nner mit Schaufel und Hacke, w�hrend andere S�cke und F�sser von den Wagen stemmten. Adlige und Offiziere lenkten ihre Pferde im Schritttempo durch das Lager und behielten die Arbeiten im Auge. Alle so ruhig wie Vieh auf der Weide. Dann zeigte jemand auf den H�gel zwischen ihnen und der Stadt, und dann noch andere, und die berittenen M�nner verfielen in den Trab und riefen offensichtlich Befehle. Das B�renbanner kam gerade oben auf dem H�gelkamm in Sicht.</p><p>Bashere klemmte sich das Fernglas unter den Arm und runzelte die Stirn. Sie hatten auf dem h�heren Gel�nde keine Wachen aufgestellt, um sie vor dem zu warnen, was m�glicherweise au�erhalb ihrer Sicht geschah. Selbst in der Gewissheit, dass niemand eine Schlacht provozieren w�rde, war das ausgesprochen dumm. Es h�tte unter Umst�nden aber auch n�tzlich sein k�nnen, falls die anderen Lager genauso sorglos waren und niemand den Fehler berichtigte. Er blies durch seinen Schnurrbart. H�tte er die Belagerer bek�mpft.</p><p>Ein Blick verriet ihm, dass die Wagen mit ihrer Gardeeskorte den halben Weg zum Tor zur�ckgelegt hatten; die Kutscher peitschten ihre Gespanne, als w�rden ihnen Verfolger im Nacken sitzen. Aber vielleicht war es auch der Offizier mit der Sch�rpe, der aus irgendeinem Grund mit seinem Schwert herumfuchtelte.</p><p>�Heute wird es keinen Tanz geben�, sagte er.</p><p>�Dann habe ich Besseres zu tun, als Feuchtl�ndern beim Graben zuzusehen�, erwiderte Bael. �M�get Ihr immer Wasser und Schatten finden, Davram Bashere.�</p><p>�Im Moment w�ren mir trockene F��e und ein warmes Feuer lieber�, murmelte Bashere ohne Nachzudenken und w�nschte sofort, er h�tte das nicht gesagt. Beleidige die Br�uche eines Mannes, und er konnte einen t�ten, und die Aiel waren von ihrem Brauchtum besessen; au�erdem waren sie seltsam.</p><p>Aber Bael warf den Kopf zur�ck und lachte. �Die Feuchtl�nder stellen alles auf den Kopf, Davram Bashere.� Eine unauff�llige Geste seiner rechten Hand brachte die anderen Aiel auf die F��e, und sie liefen in langen, m�helosen Schritten nach Osten. Der Schnee schien sie nicht im mindesten zu behindern.</p><p>Bashere schob das Fernglas in das Lederfutteral an Schnellhufs Sattelknauf, stieg auf und lenkte den Braunen nach Westen. Seine Eskorte hatte auf der anderen H�gelseite gewartet, und die M�nner schl�ssen sich ihm nur mit dem leisen �chzen von Leder und nicht dem geringsten Klirren ungesicherten Stahls an. Sie war zahlenm��ig geringer als Baels Eskorte, aber es waren harte M�nner von seinem Grundbesitz in Tyr, und er hatte sie viele Male in die F�ule gef�hrt, bevor er sie in den S�den gebracht hatte. Jeder Mann hatte seinen Teil der Umgebung, den er �berwachen musste, voraus oder hinter ihnen, links oder rechts, oben oder unten, und ihre K�pfe befanden sich in st�ndiger Bewegung. Bashere hoffte, dass sie es auch mit der n�tigen Aufmerksamkeit taten. Der Wald war hier recht sp�rlich und die �ste kahl � abgesehen bei Eichen, Zwerglorbeer, Kiefern und Fichten �, aber die schneebedeckte Landschaft war so h�gelig, dass keine f�nfzig Schritte weit weg hundert Reiter ungesehen warten konnten. Nicht, dass er damit rechnete, andererseits war es immer das Unerwartete, das einen umbrachte. Unbewusst lockerte er das Schwert in seiner Scheide. Man musste immer mit dem Unerwarteten rechnen.</p><p>Tumad hatte das Kommando �ber die Eskorte, so wie an den meisten Tagen, an denen Bashere f�r den jungen Leutnant nichts Wichtigeres zu tun hatte. Er baute ihn auf. Der junge Mann konnte klar denken und �ber das hinaus sehen, was sich vor seiner Nase befand; er war f�r die h�heren R�nge bestimmt, falls er lange genug lebte. Er war hochgewachsen, wenn auch ein paar Handbreit kleiner als Bael, und heute trug er �berdeutlich Verstimmung zur Schau.</p><p>�Was ist, Tumad?�</p><p>�Der Aielmann hatte recht, mein Lord.� Tumad zupfte �rgerlich mit einer behandschuhten Faust an seinem dichten schwarzen Vollbart. �Diese Andoraner spucken vor unsere F��e. Es gef�llt mir nicht, wegreiten zu m�ssen, w�hrend sie uns eine lange Nase drehen.�</p><p>Nun ja, er war noch jung.</p><p>�Findet Ihr unsere Situation langweilig?� Bashere lachte. �Ihr braucht mehr Aufmerksamkeit? Tenobia ist nur f�nfzig Meilen n�rdlich von uns, und falls man den Ger�chten Glauben schenken darf, hat sie Ethenielle von Kandor, Paitar von Arafel und sogar diesen Schienarer Easar mitgebracht. Die versammelte Macht der Grenzl�nder sucht nach uns, Tumad. Ich habe geh�rt, dass diesen Andoranern unten in Murandy nicht gef�llt, dass wir in Andor sind, und falls dieses Heer aus Aes Sedai, dem sie gegen�berstehen, sie nicht in St�cke haut oder es bereits getan hat, k�nnten sie aufbrechen und nach uns Ausschau halten. Die Aes Sedai �brigens auch, fr�her oder sp�ter. Wir sind f�r den Wiedergeborenen Drachen geritten, und ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur eine Schwester das jemals vergessen wird. Und dann sind da die Seanchaner, Tumad. Glaubt Ihr wirklich, dass wir sie das letzte Mal gesehen haben? Sie kommen zu uns, oder wir werden zu ihnen gehen m�ssen; das eine oder das andere ist gewiss. Ihr jungen M�nner habt keinen Blick f�r Aufregung, und wenn sie euch in den Schnurrbart kriecht!�</p><p>Leises Gel�chter ging durch die folgenden M�nner, die gr��tenteils in Basheres Alter waren, und selbst Tumad lie� die wei�en Z�hne zu einem Lachen aufblitzen. Sie alle hatten schon zuvor an Feldz�gen teilgenommen, wenn auch noch keiner so seltsam wie dieser gewesen war. Bashere wandte den Kopf nach vorn und musterte den Weg, der zwischen den B�umen vorbeif�hrte, aber seine Gedanken schweiften ab.</p><p>In Wahrheit bereitete ihm Tenobia Sorgen. Das Licht allein wusste, warum Easar und die anderen den Entschluss gefasst hatten, die Grenze zur Gro�en F�ule zu verlassen, ganz zu schweigen davon, dort so viele Soldaten abzuziehen, wie sie angeblich mit nach S�den gebracht hatten. Selbst wenn man die Zahl der Ger�chte noch halbierte. Zweifellos hatten sie Gr�nde, die sie als ausreichend betrachteten, und zweifellos teilte Tenobia sie. Aber er kannte sie; er hatte ihr das Reiten beigebracht, hatte sie aufwachsen gesehen und ihr die Zerbrochene Krone aufgesetzt, als sie den Thron bestieg. Sie war eine gute Herrscherin, ihre Hand war weder zu streng noch zu lasch, sie war intelligent, wenn auch nicht immer klug, mutig, ohne leichtsinnig zu sein, aber impulsiv war ein zu schwaches Wort f�r sie. Manchmal traf es nicht einmal hitzig. Und er war so sicher, wie er nur sein konnte, dass sie abgesehen von den Zielen der anderen � was auch immer sie erstrebten � ihr eigenes Ziel verfolgte. Der Kopf von Davram Bashere. Wenn dem so war, w�rde sie sich kaum mit einigen weiteren Jahren im Exil zufrieden geben, nicht, nachdem sie so weit gereist war.</p><p>Je l�nger Tenobia an einem Knochen herumkaute, desto schwerer war es, sie davon zu �berzeugen, ihn loszulassen. Es war ein h�bsches Problem. Eigentlich sollte sie in Saldaea sein und die Grenze zur F�ule bewachen, er aber auch. Sie konnte ihn wegen dem, was er seit seiner Ankunft im S�den getan hatte, mindestens zweimal wegen Verrats verurteilen lassen, aber ihm war noch immer nicht eingefallen, was er h�tte anders machen k�nnen. Rebellion � wenn Tenobia wollte, konnte sie den Begriff gro�z�gig auslegen �, es war schrecklich, Rebellion in Betracht zu ziehen, aber er hatte fest vor, seinen Kopf noch eine Weile auf den Schultern zu tragen. Ein h�bsches und dorniges Problem.</p><p>Das Lager, das die etwa achttausend Mann umfassende leichte Kavallerie beherbergte, �ber die er noch verf�gte, nachdem er Illian verlassen und gegen die Seanchaner gek�mpft hatte, breitete sich �ber eine gr��ere Fl�che aus als das Lager auf der Stra�e nach Tar Valon, aber man konnte nicht behaupten, dass es in alle Richtungen wucherte. Die Halteseile der Pferde bestanden aus gleich gro�en Reihen, an deren beiden Enden die �fen der Hufschmiede aufgebaut waren; sie erstreckten sich zwischen gleicherma�en geraden Reihen gro�er grauer oder muschelwei�er Zelte, die gr��tenteils Flicken aufwiesen. Jeder Mann konnte nach einem Trompetensignal in der Zeit, in der man bis f�nfzig z�hlte, aufgesessen und kampfbereit sein, und seine Wachen waren so aufgestellt, dass gew�hrleistet war, dass sie diese Zeit und mehr auch hatten. Selbst das Lager des Trosses mit seinen Zelten und Wagen einhundert Schritte weiter s�dlich war ordentlicher als das der Soldaten, die die Stadt belagerten, so als w�ren sie dem Beispiel der Saldaeaner gefolgt. Jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt.</p><p>Als er mit seiner Eskorte angeritten kam, str�mten M�nner schnell und grimmig zu den Pferdeseilen, so als w�re das Signal zum Aufsitzen ert�nt. Mehr als einer hatte das Schwert gezogen. Stimmen riefen ihm entgegen, aber beim Anblick einer gro�en Menge M�nner und Frauen � es waren haupts�chlich Frauen �, die in der Lagermitte versammelt war, versp�rte er pl�tzlich ein taubes Gef�hl in seinem Inneren. Er stie� mit den Fersen zu, und Schnellhuf verfiel in Galopp. Er wusste nicht, ob ihm jemand folgte oder nicht. Er h�rte nichts au�er dem Pochen seines Bluts in den Ohren, sah nichts au�er der Menge vor seinem eigenen hoch aufragenden Zelt. Das Zelt, das er mit Deira teilte.</p><p>Er z�gelte nicht einmal das Pferd, als er die Menge erreichte, sondern sprang einfach aus dem Sattel und landete laufend auf dem Boden. Er h�rte die Leute sprechen, ohne wahrzunehmen, was sie sagten. Sie wichen vor ihm zur�ck und �ffneten einen Pfad zu seinem Zelt; er h�tte sie sonst �ber den Haufen gelaufen.</p><p>Hinter der Schwelle kam er zum Stehen. Das Zelt war gro� genug, um zwanzig Soldaten einen Schlafplatz zu gew�hren, aber nun dr�ngten sich Frauen bis zu den W�nden, die Ehefrauen von Adligen und Offizieren, aber sein suchender Blick fand schnell seine eigene Frau. Deira sa� auf einem Klappstuhl in der Mitte des Teppichs, und das Gef�hl der Taubheit verschwand. Ihm war klar, dass sie eines Tages sterben w�rde � das w�rden sie beide �, aber er f�rchtete nur eines: ohne sie leben zu m�ssen. Dann sah er, dass einige der Frauen ihr halfen, das Gewand bis zur Taille abzustreifen. Eine andere dr�ckte ein zusammengefaltetes Tuch gegen Deiras linken Arm, und der Stoff verf�rbte sich rot, w�hrend Blut den Arm hinunterstr�mte und von ihren Fingern in eine auf den Teppich gestellte Sch�ssel tropfte. In der Sch�ssel befand sich bereits eine betr�chtliche Menge dunkles Blut.</p><p>Sie sah ihn im gleichen Augenblick, und ihre Augen blitzten in einem Gesicht auf, das viel zu blass war.</p><p>�Das kommt davon, wenn man Ausl�nder in seine Dienste nimmt�, sagte sie wild und drohte ihm mit dem Dolch in ihrer rechten Hand. So gro� wie die meisten M�nner, ein paar Fingerbreit gr��er als er, und wundersch�n, wurde ihr Gesicht von rabenschwarzem, mit wei�en Str�hnen durchzogenem Haar eingerahmt; sie hatte ein dominierendes Auftreten, das herrisch werden konnte, wenn sie w�tend war. Selbst wenn sie sich offensichtlich kaum aufrecht halten konnte. Die meisten Frauen h�tte es verunsichert, in Anwesenheit ihres Gemahls vor so vielen Menschen nackt bis zur Taille zu sitzen. Aber nicht Deira. �Wenn du nicht immer darauf beharren w�rdest, schnell wie der Wind zu reisen, k�nnten wir gute M�nner von unseren eigenen G�tern haben, um alles Notwendige zu erledigen.�</p><p>�Ein Streit mit der Dienerschaft, Deira?�, sagte er und hob eine Braue. �Ich h�tte nie gedacht, dass du mit Messern auf sie losgehst.� Ein paar Frauen warfen ihm k�hle Seitenblicke zu. Nicht jeder Mann und seine Frau gingen so miteinander um wie er und Deira. Manche hielten sie f�r merkw�rdig, weil sie sich nur selten anschrien.</p><p>Deira sah ihn stirnrunzelnd an, dann gab sie ein kurzes, unwillk�rliches Lachen von sich. �Ich werde am Anfang beginnen, Davram. Und es langsam erz�hlen, damit du auch mitkommst�, f�gte sie mit einem schmalen L�cheln hinzu und hielt inne, um der Frau zu danken, die ein wei�es Leinentuch um ihren nackten Oberk�rper drapiert hatte. �Ich kehrte von meinem Ausritt zur�ck und ertappte zwei seltsame M�nner dabei, wie sie unser Zelt durchw�hlten. Sie zogen Dolche, also schlug ich den einen mit einem Stuhl nieder und versetzte dem anderen einen Stich.� Sie bedachte ihren verletzten Arm mit einer Grimasse. �Nicht gut genug, da es ihm gelang, mich zu verletzen. Dann kamen Zavion und ein paar der anderen herein, und die beiden flohen durch den Schlitz, den sie in die R�ckseite des Zelts geschnitten hatten.�</p><p>Mehrere Frauen nickten grimmig und griffen nach den Dolchen, die sie alle trugen. Bis Deira finster sagte: �Ich habe ihnen befohlen, die Verfolgung aufzunehmen, aber sie bestanden darauf, diesen Kratzer zu versorgen.� H�nde lie�en Dolche los, und Gesichter r�teten sich, obwohl keine auch nur ann�hernd so aussah, als w�rde es ihr Leid tun, den Befehl nicht befolgt zu haben. Sie waren in einer schwierigen Lage gewesen. Deira war ihre Lehnsherrin, so wie er ihr Lehnsherr war, aber auch wenn sie es nur als Kratzer bezeichnete, h�tte sie verbluten k�nnen, w�hrend sie die Diebe verfolgten. �Wie dem auch sei�, fuhr sie fort, �ich habe eine Suche angeordnet. Sie werden nicht schwer zu finden sein. Der eine hat eine Beule am Kopf, der andere blutet.� Sie nickte energisch und zufrieden.</p><p>Zavion, die sehnige rothaarige Lady von Gahaur, hielt eine eingef�delte Nadel in die H�he. �Solltet Ihr kein Interesse f�r Stickerei entwickelt haben, mein Lord�, sagte sie k�hl, �darf ich vorschlagen, dass Ihr Euch zur�ckzieht?�</p><p>Bashere stimmte mit einem knappen Nicken zu. Deira konnte es nicht ausstehen, wenn er zusah, wie sie zusammengeflickt wurde. Er konnte es nicht ausstehen, wenn er zusehen musste, wie sie zusammengeflickt wurde.</p><p>Vor dem Zelt blieb er stehen und verk�ndete mit lauter Stimme, dass es seiner Gemahlin gut gehe und man sich um sie k�mmern w�rde, und dass alle wieder an die Arbeit gehen sollten. Die M�nner stapften mit Besserungsw�nschen davon, aber keine der Frauen r�hrte auch nur einen Fu�. Er dr�ngte sie nicht.</p><p>Sie w�rden bleiben bis Deira pers�nlich erschien, ganz egal, was er auch sagte, und ein kluger Mann bem�hte sich, Niederlagen zu vermeiden, bei denen er sich auch noch zum Narren machen w�rde.</p><p>Tumad wartete am Rand der Menge, und er schloss sich Bashere an, der mit fest hinter dem R�cken ver � schr�nkten H�nden daherschritt. Er hatte damit gerechnet, dass so etwas passieren w�rde, und zwar schon seit langem, aber er hatte fast schon angefangen zu glauben, es w�rde doch nicht geschehen. Und er hatte nie geglaubt, dass Deira deswegen sterben k�nnte.</p><p>�Die beiden M�nner sind gefunden worden, mein Lord�, sagte Tumad. �Das hei�t, M�nner, die ungef�hr Lady Deiras Beschreibung entsprechen.� Mit m�rderischem Gesichtsausdruck fuhr Bashere herum, und der Offizier f�gte schnell hinzu: �Sie waren tot, mein Lord, direkt au�erhalb des Lagers. Jeder hat einen Sto� mit einer schmalen Klinge bekommen.� Er tippte sich mit dem Finger direkt hinter das Ohr. �Falls derjenige nicht schnell wie eine Felsviper war, muss es mehr als einer gewesen sein.�</p><p>Bashere nickte. Der Tod war oft der Preis f�r Versagen. Zwei f�r die Suche, und wie viele, um sie zum Schweigen zu bringen? Wie viele waren noch �brig, und wie lange, bevor sie es wieder versuchten? Und was das Schlimmste war, wer steckte dahinter? Die Wei�e Burg? Die Verlorenen? Es hatte den Anschein, als h�tte man seinetwegen eine Entscheidung getroffen.</p><p>Au�er Tumad war niemand in seiner N�he, der ihn h�tte h�ren k�nnen, trotzdem sprach er leise und w�hlte seine Worte mit Bedacht. Manchmal war der Tod auch der Preis f�r Sorglosigkeit. �Ihr wisst, wo Ihr den Mann findet, der mich gestern besucht hat? Findet ihn und sagt ihm, dass ich einverstanden bin, aber es werden ein paar mehr als besprochen sein.�</p><p>Die federleichten Schneeflocken, die auf die Stadt Cairhien fielen, d�mpften das morgendliche Sonnenlicht ein wenig und nahmen der Helligkeit etwas von ihrem harten Glanz. Von dem hohen schmalen Fenster des Sonnenpalasts aus, das mit guten Glasscheiben gegen die K�lte ausgestattet war, konnte Samitsu deutlich die Holzger�ste sehen, die um den zerst�rten Teil des Palasts errichtet worden waren. Zwischen zerborstenen Quadern aus dunklem Stein lag noch immer Ger�ll, w�hrend abgestufte T�rme unvermittelt aufh�rten und nicht mehr die H�he der �brigen Palastt�rme erreichten. Ein Turm, der Turm der Aufgegangenen Sonne, war einfach nicht mehr da. Mehrere der ber�hmten abgedeckten T�rme der Stadt ragten durch den sanft fallenden Schnee in die H�he, gewaltige rechteckige Turmbauten mit gro�en Erkern, viel h�her als jeder der T�rme des Palasts, obwohl er auf dem h�chsten H�gel einer Stadt voller H�gel stand. Sie wurden von ihren eigenen Ger�sten eingeh�llt und waren auch zwanzig Jahre nachdem die Aiel sie angez�ndet hatten, noch nicht wieder v�llig hergestellt; noch weitere zwanzig Jahre, und sie w�rden vielleicht fertig sein. Nat�rlich waren auf keinem der Ger�ste irgendwelche Arbeiter zu sehen, nicht bei diesem Wetter. Samitsu ertappte sich bei dem Wunsch, der Schnee w�rde auch ihr eine Pause verschaffen.</p><p>Als Cadsuane vor einer Woche abgereist war und ihr die Befehlsgewalt �berlassen hatte, da war ihre Aufgabe geradlinig erschienen. Sie sollte daf�r sorgen, dass der cairhienische Kessel nicht wieder zu kochen anfing. Zu diesem Zeitpunkt war es wie eine einfache Aufgabe erschienen, obwohl sie selten mit richtiger Politik zu tun gehabt hatte. Nur ein Adliger verf�gte �ber eine nennenswerte Streitmacht, und Lord Dobraine war gr��tenteils kooperativ und wollte anscheinend, dass alles ruhig blieb. Nat�rlich hatte er die l�cherliche Ernennung zum �Verwalter von Cairhien im Namen des Wiedergeborenen Drachen� akzeptiert. Der Junge hatte auch in Tear einen Verwalter eingesetzt, einen Mann, der vor einem Monat in eine Rebellion gegen ihn verstrickt gewesen war! Wenn er das Gleiche auch in Illian getan hatte ... Vermutlich hatte er es. Diese Ernennungen w�rden den Schwestern endlosen �rger bereiten, den sie zu bew�ltigen hatten, bevor alles zu Ende war! Der Junge machte <emphasis>nichts</emphasis> als �rger! Doch bis jetzt hatte Dobraine seinen neuen Posten anscheinend nur dazu benutzt, die Stadt zu verwalten. Und um unauff�llig f�r Elayne Trakands Anspruch auf den Sonnenthron zu werben, falls sie ihn jemals erheben sollte. Samitsu begn�gte sich damit, es dabei zu belassen, es interessierte sie nicht, wer den Sonnenthron bekam. Sie hatte nicht viel f�r Cairhien �brig.</p><p>Der fallende Schnee jenseits des Fensters wirbelte von einem pl�tzlichen Windsto� getrieben wie ein wei�es Kaleidoskop. Es war so ... friedlich. Hat sie einen solchen Frieden je zuvor gesch�tzt? Falls ja, dann konnte sie sich jedenfalls nicht daran erinnern.</p><p>Weder die M�glichkeit einer Thronbesteigung durch Elayne Trakand noch Dobraines neuer Titel hatten soviel Best�rzung hervorgerufen wie das l�cherliche und hartn�ckige Ger�cht, dass der junge al'Thor nach Tar Valon reiste, um vor Elaida einen Kniefall zu machen; allerdings hatte sie nichts unternommen, um es zu unterdr�cken. Diese Geschichte verschlug so gut wie jedem, vom Adligen bis zum Stallburschen, vor Angst die Luft, was v�llig in Ordnung war, um den Frieden aufrechtzuerhalten. Das Spiel der H�user war knirschend zum Stillstand gekommen; nun, jedenfalls verglichen damit, wie es f�r gew�hnlich in Cairhien zuging. Die Aiel, die aus ihrem gewaltigen Lager ein paar Meilen �stlich in die Stadt kamen, waren vermutlich ebenfalls eine Hilfe, wie sehr das Volk sie auch hasste.</p><p>Jeder wusste, dass sie dem Wiedergeborenen Drachen folgten, und keiner versp�rte Lust, sich am falschen Ende Tausender Aiel-Speere wiederzufinden. Der junge al'Thor war abwesend <emphasis>viel</emphasis> n�tzlicher. Ger�chte aus dem Westen von umherziehenden Aiel, die Aussagen von Kaufleuten zufolge pl�nderten, brandschatzten und wahllos t�teten, gaben den Leuten einen weiteren Grund, mit den Aiel vorsichtig umzugehen.</p><p>Tats�chlich hatte es den Anschein, dass es nichts gab, das Cairhien aus seiner Ruhe rei�en konnte, mal abgesehen von den gelegentlichen Stra�enk�mpfen zwischen den Leuten aus Vortor und den Stadtbewohnern, die die l�rmenden, bunt gekleideten Vortorer f�r genauso fremdartig wie die Aiel, aber bedeutend folgenloser zu bek�mpfen hielten. Die Stadt war bis zu den Dachb�den bev�lkert, die Menschen schliefen �berall, wo sie Schutz vor der K�lte finden konnten, dennoch waren die Lebensmittelvorr�te mehr als ausreichend, wenn nicht sogar �berreichlich, und der Handel war sogar besser, als man im Winter erwarten konnte.</p><p>Alles in allem h�tte Samitsu sich dem zufriedenen Gef�hl hingeben k�nnen, Cadsuanes Anweisungen so gut auszuf�hren, wie es die Gr�ne gew�nscht hatte.</p><p>Nur dass Cadsuane mehr erwarten w�rde. Das tat sie immer.</p><p>�H�rt Ihr mir zu, Samitsu?�</p><p>Seufzend wandte sie sich von dem friedlichen Blick aus dem Fenster ab und beherrschte sich m�hsam, ihren Rock mit den gelben Schlitzen nicht zu gl�tten.</p><p>Die Silbergl�ckchen in ihrem Haar klirrten leise, aber heute konnte sie das nicht beruhigen. Selbst in den besten Zeiten f�hlte sie sich in ihren Gem�chern im Palast nicht richtig wohl, obwohl das prasselnde Feuer in dem breiten Marmorkamin f�r angenehme W�rme sorgte und das Bett im angrenzenden Raum eine Federmatratze von bester Qualit�t und G�nsefederkopfkissen aufwies. Alle drei R�ume waren in echter cairhienischer Art �bertrieben ausgeschm�ckt, die wei�e Stuckdecke war in miteinander verschachtelten Quadraten gehalten, die breiten Simse waren vergoldet, und die h�lzerne Wandt�felung war zu einem sanften und dennoch dunklen Schimmer poliert. Die M�bel waren noch dunkler und massiv, an den R�ndern mit d�nnen Streifen Blattgold versehen und mit gemuster � ten Elfenbeindreiecken eingelegt. Der tairenische Teppich mit Blumenmuster in diesem Zimmer erschien verglichen mit allem anderen auf grelle Weise fehl am Platz und betonte die Steifheit der Umgebung. In letzter Zeit erschien das alles zu sehr wie ein K�fig.</p><p>Was ihr aber wirklich zu schaffen machte, war die Frau mit den Locken bis zu den Schultern, die mitten im Zimmer stand, die F�uste in die H�ften gestemmt, das Kinn stur nach vorn gestreckt, die blauen Augen zusammengekniffen. Sashalle trug den Gro�en Schlangenring, nat�rlich an der rechten Hand, aber auch eine Aielkette mit passendem Armreif, dicke Perlen aus Silber und Elfenbein, eine meisterhafte Handwerksarbeit, die auf dem schlichten, wenn auch gut geschnittenen braunen Wollkleid protzig wirkten. Keine vulg�ren Schmuckst�cke, das nicht, aber ... auffallend und kaum passend f�r eine Schwester. Die Andersartigkeit dieses Schmucks war m�glicherweise der Schl�ssel zu vielem, falls Samitsu jemals herausbekommen sollte, was ihm zugrunde lag. Die Weisen Frauen, vor allem Sorilea, hatten sie angesehen, als w�re sie dumm, weil sie es nicht wusste, ohne fragen zu m�ssen, und hatten sich zu keiner Antwort herabgelassen. Das taten sie viel zu oft. Insbesondere Sorilea. Samitsu war es nicht gew�hnt, f�r eine N�rrin gehalten zu werden, und sie verabscheute es von ganzem Herzen.</p><p>Nicht zum ersten Mal fand sie es schwierig, den Blick der anderen Schwester zu erwidern. Sashalle war der haupts�chliche Grund, warum sie unzufrieden war, ganz egal, wie gut alles andere lief. Am �rgerlichsten war, dass Sashalle eine Rote war, die trotz ihrer Ajah dem jungen al'Thor <emphasis>eidverschworen</emphasis> war. Wie konnte eine Aes Sedai nur jemandem oder etwas au�er der Wei�en Burg die Treue schw�ren? Wie, beim <emphasis>Licht,</emphasis> konnte eine <emphasis>Rote</emphasis> einen Eid auf einen Mann ablegen, der die Macht lenken konnte? Vielleicht hatte Verin ja Recht, dass <emphasis>ta'veren</emphasis> das Schicksal ver�nderte. Samitsu fiel beim besten Willen kein anderer Grund ein, warum einunddrei�ig Schwestern, davon <emphasis>f�nf</emphasis> Rote, einen solchen Eid ablegen sollten.</p><p>�Lady Ailil ist von Lords und Ladies angesprochen worden, die den gr��ten Einflu� von Haus Riatin repr�sentieren�, erwiderte sie mit viel mehr Geduld, als sie versp�rte. �Sie wollen, dass sie die Hohe Herrin von Riatin wird, und sie will die Zustimmung der Wei�en Burg. Oder zumindest die Zustimmung der Aes Sedai.� Um noch etwas anderes zu tun, als finstere Blicke auszutauschen � und dabei aller Wahrscheinlichkeit nach zu verlieren �, begab sie sich zu einem Tisch aus Schwarzholz, auf dem eine mit Gold verzierte Silberkanne auf einem Silbertablett noch den leichten Duft von Gew�rzen verstr�mte. Einen Becher mit gew�rztem Wein zu f�llen verschaffte ihr einen Vorwand, den Blickkontakt zu unterbrechen. Dass sie �berhaupt einen Vorwand brauchte, lie� sie die Kanne mit einem scharfen Klirren auf das Tablett zur�ckstellen. Sie vermied es zu oft, Sashalle anzusehen. Selbst jetzt ertappte sie sich dabei, dass sie die andere Frau nur von der Seite ansah. Zu ihrem eigenen Unmut konnte sie sich nicht dazu �berwinden, sich ganz umzudrehen, um ihrem Blick zu begegnen.</p><p>�Lehnt dieses Ansinnen ab, Sashalle. Als ihr Bruder das letzte Mal gesehen wurde, war er noch am Leben, und eine Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen ist nichts, das die Burg interessieren muss; vor allem jetzt nicht, da sie zu Ende ist.� In ihr stieg die Erinnerung an das letzte Lebenszeichen von Toram Riatin auf, wie er in einen seltsamen Nebel hineingelaufen war, der feste Gestalt annehmen und t�ten konnte. Ein Nebel, der der Einen Macht widerstand. An diesem Tag war der Schatten vor den Mauern von Cairhien vorbeigeschritten. Ihre Stimme klang angespannt von der Anstrengung, sie am Zittern zu hindern. Nicht aus Furcht, sondern vor Zorn. Das war der Tag gewesen, an dem sie darin versagt hatte, den jungen al'Thor mit der Macht zu Heilen. Sie hasste es zu versagen, hasste es, sich daran erinnern zu m�ssen. Und sie h�tte sich nicht erkl�ren m�ssen. �Die meisten von Riatins m�chtigsten Vertretern sind nicht alle. Diejenigen, die noch immer mit Toram verbunden sind, werden sich gegen sie stellen, notfalls mit Waffengewalt, und Umw�lzungen in den H�usern zu n�hren ist auf keinen Fall der Weg, den Frieden zu erhalten. In Cairhien existiert jetzt ein zerbrechliches Gleichgewicht, Sashalle, aber es <emphasis>ist</emphasis> ein Gleichgewicht, und wir d�rfen es nicht st�ren.� Sie konnte gerade noch vermeiden zu sagen, dass Cadsuane nicht erfreut sein w�rde, wenn sie es taten. Das w�rde bei Sashalle nichts bewirken.</p><p>�Es wird Umw�lzungen geben, ob wir sie nun n�hren oder nicht�, sagte die andere Schwester �berzeugt.</p><p>Ihr Stirnrunzeln war verschwunden, sobald Samitsu gezeigt hatte, dass sie zuh�rte, aber ihr Kinn war noch immer vorgereckt. Vielleicht war es ja eher Sturheit als Streitlust, obwohl das kaum eine Rolle spielte. Die Frau diskutierte nicht und versuchte auch nicht, sie zu �berzeugen, sondern legte nur ihre eigene Position dar.</p><p>Und was dabei das �rgerlichste war, sie tat es offensichtlich aus H�flichkeit. �Der Wiedergeborene Drache ist der Herold von Umw�lzungen und Ver�nderung, Samitsu. Der prophezeite Herold. Und selbst wenn er das nicht w�re, das hier ist Cairhien. Glaubt Ihr denn, sie h�tten ernsthaft aufgeh�rt, <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> zu spielen?</p><p>Die Wasseroberfl�che mag still sein, aber die Fische h�ren nicht auf zu schwimmen.�</p><p>Eine <emphasis>Rote,</emphasis> die den Wiedergeborenen Drachen pries wie ein Gassenprediger! Beim Licht! �Und was ist, wenn Ihr Euch irrt?� Ohne es zu wollen, stie� Samitsu die Worte scharf hervor. Sashalle � sollte sie zu Asche verbrennen! � blieb die Beherrschung in Person.</p><p>�Ailil hat zugunsten von Elayne Trakand jedem Anspruch auf den Sonnenthron entsagt, was der Wiedergeborene Drache w�nscht, und sie ist bereit, ihm die Treue zu schw�ren, wenn ich sie darum bitte. Toram hat ein Heer gegen Rand al'Thor gef�hrt. Die Ver�nderung lohnt sich, und die Chance ist es wert, ergriffen zu werden, und das werde ich ihr auch sagen.�</p><p>Ein gereiztes Kopfsch�tteln lie� die Gl�ckchen in Samitsus Haar klirren, und sie konnte nur m�hsam ein weiteres Seufzen unterdr�cken. Achtzehn dieser Drachenverschworenen Schwestern waren in Cairhien geblieben � Cadsuane hatte ein paar von ihnen mitgenommen und dann Alanna zur�ckgeschickt, um noch weitere zu holen �, und au�er Sashalle nahmen noch andere der achtzehn einen h�heren Rang als sie ein, aber die Weisen Frauen der Aiel hielten sie ihr vom Hals. Im Prinzip missbilligte sie die Weise, wie dies bewerkstelligt wurde � Aes Sedai konnten <emphasis>unm�glich</emphasis> Lehrlinge sein, f�r niemanden! Es war unerh�rt! �, aber in der Praxis erleichterte es ihre Aufgabe. Solange die Weisen Frauen ihr Leben bestimmten und sie jede Stunde im Auge hatten, konnten sie sich nicht einmischen oder versuchen, die F�hrung an sich zu rei�en.</p><p>Ungl�cklicherweise verfuhren die Weisen Frauen bei Sashalle und den anderen beiden Schwestern, die bei den Quellen von Dumai ged�mpft worden waren, da etwas anders, und zwar aus einem Grund, den sie nicht in Erfahrung bringen konnte. <emphasis>Ged�mpft.</emphasis> Der Gedanke erf�llte sie mit einem leisen Schaudern, aber es war eben <emphasis>nur</emphasis> ein leises Schaudern, und es w�rde gar nicht mehr auftauchen, wenn sie jemals herausfinden konnte, wie Damer Flinn das mit der Einen Macht Geheilt hatte, was nicht Geheilt werden konnte. Endlich konnte <emphasis>jemand</emphasis> eine D�mpfung Heilen, selbst wenn es ein Mann war. Ein Mann, der die Macht lenkte. Beim Licht, wie die Schrecken von gestern heute lediglich nur noch ein Unbehagen hervorriefen, sobald man sich daran gew�hnte.</p><p>Sie war davon �berzeugt, dass Cadsuane vor ihrer Abreise die Dinge mit den Weisen Frauen geregelt h�tte, w�re sie �ber den Unterschied informiert gewesen, den man bei Sashalle, Irgain und Ronaille machte. Zumindest glaubte sie es. Es war nicht das erste Mal, dass sie in die Pl�ne der legend�ren Gr�nen verwickelt worden war. Cadsuane konnte verschlagener als eine Blaue sein, sie spann Intrigen innerhalb von Verschw�rungen, die in einer List verpackt waren, und das alles blieb hinter anderem verborgen. Einige sollten vors�tzlich scheiter n, damit andere gelangen, und allein Cadsuane wusste, welche welche waren, nicht unbedingt ein beruhigender Gedanke. Auf jeden Fall durften diese drei Schwestern kommen und gehen, wie sie wollten. Und sie versp�rten mit Sicherheit nicht das geringste Bed�rfnis, der Anleitung zu folgen, die Cadsuane zur�ckgelassen hatte, oder der Schwester zu gehorchen, die sie zur Anf�hrerin bestimmt hatte. Nur ihr verr�ckter Eid gegen�ber al'Thor leitete oder hielt sie zur�ck.</p><p>Samitsu hatte sich in ihrem Leben nie schwa ch oder nutzlos gef�hlt, ausgenommen der Momente, in denen ihre Talente sie im Stich lie�en, trotzdem w�nschte sie sich, Cadsuane w�rde zur�ckkehren und ihr die Sache aus den H�nden nehmen. Nat�rlich w�rden ein paar gefl�sterte Worte in Ailils Ohr jedes Verlangen der Lady ersticken, zur Hohen Herrin zu werden, aber das w�rde nichts n�tzen, wenn sie keine M�glichkeit fand, Sashalle von ihrem Ziel abzubringen. Es spielte keine Rolle, dass Ailil Angst davor hatte, man k�nnte ihre albernen Geheimnisse in der �ffentlichkeit verbreiten, Uneinigkeit bei den Aes Sedai konnte dazu f�hren, dass sie zu dem Schluss kam, es w�rde besser f�r sie sein, wenn sie auf ihre Landg�ter verschwand, statt das Risiko einzugehen, mit ihren Aktivit�ten eine Schwester zu beleidigen. Cadsuane w�rde ver�rgert sein, wenn sie Ailil verloren. Samitsu w�rde es ebenfalls �rgern. Ailil war die Verbindung zur H�lfte der Verschw�rungen, die unter den Adligen brodelten, sie allein wusste, ob diese Intrigen noch harmlos und es unwahrscheinlich war, dass sie irgendwelchen Schaden anrichten w�rden. Die verfluchte Rote wusste das. Und sobald Sashalle Ailil diese Erlaubnis gab, w�rde sie es sein, zu der die Frau mit ihren Neuigkeiten angelaufen kam, und nicht l�nger Samitsu Tamagowa.</p><p>Noch w�hrend Samitsu �ber ihr Dilemma nachdachte, �ffnete sich die T�r zum Korridor, und eine blasse Cairhienerin mit ernstem Gesicht trat ein, die eine Handbreit kleiner als die Aes Sedai war. Ihr Haar war im Nacken zu einem dicken grauen Knoten aufgerollt, und sie trug ein schmuckloses graues Kleid, das so dunkel war, dass es beinahe schwarz wirkte, die derzeitige Livree der Diener des Sonnenpalasts. Diener baten nat�rlich niemals um die Erlaubnis, eintreten zu d�rfen oder k�ndigten sich an, aber Corgaide Marendevin war keine gew�hnliche Dienerin; der schwere silberne Ring mit den langen Schl�sseln an ihrer Taille war das Zeichen ihres Amtes. Wer auch immer Cairhien beherrschte, die Schl�sselbewahrerin beherrschte den Sonnenpalast, und es gab nichts Unterw�rfiges an Corgaides Benehmen. Sie machte einen winzigen Knicks, der sorgf�ltig gleicherma�en an Samitsu und Sashalle gerichtet war.</p><p>�Ich wurde gebeten, etwas sehr Ungew�hnliches zu berichten�, sagte sie zur Luft, obwohl es Samitsu gewesen war, welche die Frage gestellt hatte. Vermutlich hatte sie �ber den Machtkampf zwischen ihnen im gleichen Moment Bescheid gewusst, in dem es ihnen klargeworden war. Nur wenig im Palast entging ihrer Aufmerksamkeit. �Man hat mir gesagt, dass ein Ogier in der K�che ist. Er und ein junger Mann suchen angeblich nach Arbeit als Steinmetze, aber ich habe noch nie geh�rt, dass Ogier und Menschen als Steinmetze zusammenarbeiten. Als wir uns nach dem ... Zwischenfall im <emphasis>Stedding</emphasis> Tsofu erkundigten, gab man uns Bescheid, dass in absehbarer Zukunft aus keinem <emphasis>Stedding</emphasis> Steinmetze zur Verf�gung stehen werden.� Die Pause war kaum h�rbar, und ihr ernster Gesichtsausdruck ver�nderte sich nicht, aber die eine H�lfte des Klatsches �ber den Angriff auf den Sonnenpalast gab al'Thor die Schuld, die andere den Aes Sedai. Ein paar Geschichten erw�hnten auch die Verlorenen, aber nur, um sie entweder mit al'Thor oder den Aes Sedai in Verbindung zu bringen.</p><p>Samitsu sch�rzte nachdenklich die Lippen und schob in Gedanken das verfluchte Durcheinander zur Seite, das Cairhiener aus allem machten, was sie anfassten. Jede Verwicklung von Aes Sedai abzustreiten nutzte nur wenig; in einer Stadt, in der ein einfaches Ja oder Nein sechs gegens�tzliche Ger�chte zur Folge haben konnte, nutzen einem die Drei Eide nicht viel. Aber Ogier ... Die Palastk�che nahm sich selten fremden Durchreisenden an, aber einem Ogier w�rden die K�che vermutlich eine hei�e Mahlzeit geben, nur um ihn sich ansehen zu k�nnen. Seit etwa einem Jahr waren Ogier noch ungew�hnlicher als sonst. Dann und wann wurden noch welche gesehen, aber f�r gew�hnlich gingen sie so schnell, wie es nur Ogier konnten, und sie blieben selten l�nger als eine Nacht an einem Ort. Sie reisten nur selten mit Menschen und arbeiteten auch nicht mit ihnen zusammen. Aber dieses Paar erinnerte sie dunkel an etwas. In der Hoffnung, ihrem Ged�chtnis auf die Spr�nge zu helfen, wollte sie ein paar Fragen stellen.</p><p>�Danke, Corgaide�, sagte Sashalle mit einem L�cheln. �Ihr wart sehr hilfreich. W�rdet Ihr uns jetzt bitte allein lassen?� Die Schl�sselbewahrerin kurz abzufertigen war eine hervorragende Methode, um sich mit schmutziger Bettw�sche, schlecht gew�rztem Essen, ungeleerten Nachtt�pfen und verloren gegangenen Botschaften herumschlagen zu d�rfen, tausend �rgernisse, die das Leben zu einer Qual machen konnten, doch irgendwie schien das L�cheln ihren Wor � ten die Sch�rfe zu nehmen, was Corgaide anging. Die grauhaarige Frau neigte zustimmend den Kopf und machte wieder einen winzigen Knicks. Diesmal war er un�bersehbar an Sashalle gerichtet.</p><p>Die T�r hatte sich noch nicht ganz hinter der Frau geschlossen, als Samitsu ihren Silberbecher hart genug auf dem Tablett abstellte, um warmen Wein �ber ihr Handgelenk zu spritzen. Sie fuhr zu der Roten Schwester herum. Da stand sie kurz davor, die Kontrolle �ber Ailil zu verlieren, und jetzt schien ihr auch noch der Sonnenpalast selbst durch die Finger zu schl�pfen!</p><p>Corgaide w�rden eher Fl�gel wachsen und sie umherfliegen, als dass sie Stillschweigen �ber das bewahrte, was sie hier gesehen hatte, und was auch immer sie sagte, w�rde wie der Blitz durch den Palast gehen und jeden Diener anstecken bis hinunter zu den M�nnern, die die St�lle ausmisteten. Der letzte Knicks hatte deutlich gezeigt, was sie dachte. Beim Licht, wie Samitsu Cairhien hasste! Der Brauch, einander mit H�flichkeit zu begegnen, war tief in den Schwestern verwurzelt, aber Sashalle stand nicht hoch genug in der Rangordnung, als dass sie angesichts dieses Desasters ihren Mund halten w�rde, und sie beabsichtigte, sich nicht zur�ckzuhalten.</p><p>Doch als sie Sashalle mit finsterem Blick musterte, sah sie ihr Gesicht � sah es vielleicht das erste Mal richtig �, und pl�tzlich war ihr klar, warum es ihr so sehr zu schaffen machte, vielleicht sogar, warum es ihr solche Schwierigkeiten bereitet hatte, der Roten ins Auge zu sehen. Es war nicht l�nger das Gesicht einer Aes Sedai, au�erhalb der Zeit und jenseits des Alters. Die meisten Leute erkannten nicht, was das Besondere an diesem Aussehen war, bis man sie darauf hinwies, aber f�r eine andere Schwester war es unverkennbar. Vielleicht war noch etwas davon �brig, ein paar �berreste, die Sashalle sch�ner erscheinen lie�en, als sie in Wirklichkeit war, doch keiner w�rde sie �lter als in ihren mittleren Jahren sch�tzen. Die Erkenntnis lahmte Samitsus Zunge.</p><p>Was man �ber Frauen wusste, die ged�mpft worden waren, war kaum besser als Ger�chte. Sie liefen weg und verbargen sich vor anderen Schwestern; f�r gew�hnlich starben sie bald darauf. Die wenigsten Frauen konnten den Verlust von <emphasis>Saidar</emphasis> lange ertragen.</p><p>Aber das war alles nur Gerede; soweit Samitsu wusste, hatte schon seit langer Zeit niemand mehr den Mut gehabt, mehr dar�ber in Erfahrung zu bringen. Im dunkelsten Winkel des Bewusstseins einer jeden Schwester existierte die nur ganz selten eingestandene Furcht, dass sie in einem achtlosen Augenblick das gleiche Schicksal heimsuchen k�nnte, und das hielt jeden davon ab, zu viel wissen zu wollen. Selbst Aes Sedai konnten ihren Blick abwenden, wenn sie etwas nicht sehen wollten. Aber da gab es diese Ger�chte, so gut wie nie zur Sprache gebracht und so vage, dass man sich daran erinnern konnte, wo man sie das erste Mal geh�rt hatte, Gefl�ster am Rand der Wahrnehmung, und doch stets im Umlauf. Ein Ger�cht, an das sich Samitsu bis jetzt nur undeutlich erinnert hatte, besagte, dass eine ged�mpfte Frau wieder jung wurde, falls sie es �berlebte. Die Vorstellung war ihr immer l�cherlich erschienen � bis jetzt. Sashalle hatte die F�higkeit wiedererlangt, die Macht lenken zu k�nnen, aber nicht alles war wieder so, wie es gewesen war. Sie w�rde jahrelang mit der Macht arbeiten m�ssen, um das Gesicht zu bekommen, das sie f�r jede Schwester, die sie genau ansah, zur Aes Sedai machen w�rde. Aber ... w�rde sie es �berhaupt wiedererlangen? Es erschien unausweichlich, aber das war unbekanntes Gebiet. Und wenn sich ihr Gesicht ver�ndert hatte, hatten sich bei ihr auch noch andere Dinge ver�ndert? Samitsu schauderte erneut, und zwar schlimmer als bei dem Gedanken an die D�mpfung. Vielleicht war es ganz gut, dass sie nicht mehr mit Nachdruck daran arbeiten konnte, Damers Heilungsmethode zu ergr�nden.</p><p>Sashalle spielte an ihrer Aielkette herum und schien sich nicht bewusst zu sein, dass Samitsu sie so genau betrachtete. �Das muss nichts zu bedeuten haben, vielleicht lohnt es sich nicht einmal, da nachzuhaken�, sagte sie, �aber Corgaide hat nur berichtet, was sie geh�rt hat. Wenn wir etwas erfahren wollen, m�ssen wir uns das selbst ansehen.� Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, hob sie die R�cke an und war auf dem Weg nach drau�en, was Samitsu nur die Wahl lie�, sich ihr entweder anzuschlie�en oder zur�ckzubleiben. Das war unerh�rt! Aber zur�ckzubleiben war undenkbar.</p><p>Sashalle war nicht gr��er als sie, jedenfalls nicht nennenswert, aber sie musste sich beeilen, um den Anschluss nicht zu verlieren, als die Rote durch die breiten Korridore rauschte. Es stand au�er Frage, die F�hrung zu �bernehmen, dazu h�tte sie rennen m�ssen. Sie kochte still vor sich hin, auch wenn dies erforderte, dass sie die Z�hne zusammenbiss. Es war bestenfalls ungeh�rig, sich mit einer anderen Schwester in der �ffentlichkeit zu streiten. Aber noch viel schlimmer war, dass es zweifellos sinnlos gewesen w�re. Und dass es das Loch, in dem sie steckte, nur noch tiefer gemacht h�tte. Sie versp�rte gro�e Lust, etwas einen Tritt zu versetzen.</p><p>Kandelaber in regelm��igen Abst�nden spendeten selbst in den dunkelsten Passagen der Korridore genug Licht, aber abgesehen von einem gelegentlichen Wandbehang mit wohlgef�lligen Motiven wie Jagdszenen oder Adligen, die ehrenvoll in der Schlacht k�mpften, gab es hier nur wenig Farben oder Zierrat. In ein paar Wandnischen gab es vergoldete Statuetten oder Meervolk-Porzellan, und in einigen Korridoren waren die Simse als allerdings gr��tenteils unbemalte Friese gestaltet. Das war alles. Cairhien verbarg seinen Reichtum vor dem Auge der �ffentlichkeit, so wie es mit vielem anderen genauso verfuhr. Die Dienerschaft, die gesch�ftig wie Ameisenstr�me durch die Korridore eilte, trug Livreen in der Farbe von Holzkohle; die einzigen Ausnahmen bildeten jene M�nner und Frauen, die in den Diensten von Adligen standen, die im Palast wohnten � verglichen mit dem Rest erschienen sie mit ihren auf der Brust aufgestickten Hauswappen und den in Hausfarben gehaltenen Kragen und manchmal auch �rmeln fast bunt. Ein paar trugen sogar einen Mantel oder ein Kleid in den Hausfarben und wirkten unter den anderen beinahe wie Ausl�nder. Aber sie alle hatten den Blick gesenkt und hielten gerade lange genug inne, um den beiden Schwestern eine schnelle Verbeugung oder einen Knicks zu erweisen. Der Sonnenpalast ben�tigte Hunderte von Dienern, und es hatte den Anschein, als w�ren sie an diesem Morgen alle unterwegs, um ihren Pflichten nachzukommen.</p><p>Auch Adlige flanierten durch die Korridore und entboten den Aes Sedai im Vorbeigehen ihre eigenen zaghaften Ehrerbietungen, Gr��e, die ein vorsichtiges Mittelding zwischen der Illusion von Gleichheit und dem wahren Sachverhalt darstellten und mit leisen Stimmen gesprochen wurden, die nicht weit trugen. Sie bewiesen das alte Sprichwort, dass seltsame Zeiten seltsame Weggef�hrten zur Folge hatten. Angesichts neuer Gefahren waren alte Feindschaften in den Hintergrund ger�ckt. F�r den Augenblick. Hier promenierten ein paar blasse cairhienische Lords in dunkelsilbernen M�nteln mit schmalen Farbstreifen, von denen einige die Vorderseite des Sch�dels rasiert und nach Soldatenart gepudert hatten, Seite an Seite mit der derselben Anzahl von dunklen Tairenern, die in ihren hellen M�nteln mit den dicken, gestreiften �rmeln gr��er wirkten. Dort spazierte eine tairenische Adlige mit einer enganliegenden, perlenbestickten M�tze, in einem farbenpr�chtig mit Brokatmustern verzierten Gewand mit hellem Spitzenbesatz Arm in Arm mit einer kleineren cairhienischen Adligen in einem Gewand aus dunkler Seide mit ausladendem Rock und rauchgrauem Spitzenbesatz bis unters Kinn, an dessen Vorderseite die schmalen Streifen ihrer Hausfarben kaskadenf�rmig hinunterstr�mten; ihr kunstvoll zu einem aufw�ndigen Turm hochfrisiertes Haar �berragte weit den Kopf ihrer Gef�hrtin. Sie alle benahmen sich wie Busenfreunde und gesch�tzte Vertraute.</p><p>Manche der Paarungen sahen seltsamer aus als andere. Einige der Frauen hatten in letzter Zeit angefangen, ausl�ndische Trachten zu tragen, und ihnen schien anscheinend nicht aufzufallen, wie sie die Blicke der M�nner auf sich zogen und selbst Diener ihre M�he hatten, nicht hinzustarren. Enge Hosen und ein Mantel, der kaum �ber die H�ften reichte, waren keine passende Kleidung f�r eine Frau, gleichg�ltig, wie viel Arbeit in den aufw�ndigen Stickereien steckte oder die M�ntel mit Mustern aus Edelsteinen geschm�ckt waren. Juwelenhalsketten und Armreifen und Nadeln mit bunten Federn unterstrichen den seltsamen Anblick nur noch. Und diese hellgef�rbten Stiefel mit Abs�tzen, welche die Frauen beinahe eine Handspanne gr��er machten, erweckten den Anschein, als schwebten sie in Gefahr, bei jedem schwankenden Schritt zu st�rzen.</p><p>�Emp�rend�, murmelte Sashalle, die zwei dieser Frauen betrachtete und missbilligend an ihren R�cken zupfte.</p><p>�Skandal�s�, murmelte Samitsu, bevor sie es verhindern konnte, dann machte sie den Mund so hart zu, dass ihre Z�hne aufeinander schlugen. Sie musste ihre Zunge im Zaum halten. Zustimmung zu �u�ern, nur weil sie derselben Meinung war, war eine Gewohnheit, die sie bei Sashalle nicht gebrauchen konnte.</p><p>Trotzdem konnte sie nicht widerstehen, die beiden Frauen missbilligend anzusehen. Und auch mit etwas Staunen. Vor einem Jahr w�ren sich Alaine Chuliandred und Fionnda Annariz noch an die Kehle gegangen. Das hei�t, sie h�tten ihren Soldaten befohlen, sich an die Kehle zu gehen. Andererseits, wer h�tte je damit gerechnet, Bertome Saighan friedlich an der Seite von Weiramon Saniago zu sehen, ohne dass einer der beiden M�nner nach dem Dolch an seinem G�rtel griff?</p><p>Seltsame Zeiten und seltsame Weggef�hrten. Zweifellos spielten sie das Spiel der H�user, bem�hten sich wie immer, vorteilhaftere Ausgangspositionen zu erreichen, aber wie sich jetzt herausstellte, waren die Trennlinien, die einst in Stein gemei�elt waren, doch nur in Wasser gezogen gewesen. Sehr seltsame Zeiten.</p><p>Der K�chentrakt befand sich im Erdgeschoss des Sonnenpalasts, eine Anzahl von R�umen mit Steinw�nden und balkendurchzogenen Decken, die sich um einen langgezogenen, fensterlosen Raum voller Eisenund Ziegel�fen und offener, steinverkleideter Kamine gruppierten, und die Hitze reichte aus, um jeden vergessen zu lassen, dass es drau�en schneite, ja, dass �berhaupt Winter war. Normalerweise h�tten K�che und K�chenhilfen mit schwei��berstr�mten Gesichtern und den gleichen dunklen Kleidern unter den wei�en Sch�rzen wie die anderen Palastbediensteten umhereilen m�ssen, um die Vorbereitungen f�r das Mittagsmahl abzuschlie�en, an langen, mehlbest�ubten, mit Marmoroberfl�chen ausgestatteten Tischen Brotlaibe kneten oder die sich in den �fen auf ihren Spie�en drehenden Bratenst�cke und das Gefl�gel mit Fett begie�en m�ssen. Aber jetzt bewegten sich blo� die umhertrottenden Spie�hunde, die begierig waren, sich ihre Teile vom Braten zu verdienen. K�rbe voller Karotten und R�ben standen ungesch�lt herum, und aus unbeaufsichtigten So�ent�pfen drangen s��e und w�rzige D�fte. Sogar die K�chenjungen und M�gde, die sich verstohlen mit den Sch�rzen die Gesichter s�uberten, standen am Rand einer Gruppe von Frauen, die sich um einen der Tische dr�ngte. Von der T�r aus konnte Samitsu den Hinterkopf eines Ogiers an seinem Platz am Tisch sehen; er war im Sitzen gr��er als die meisten M�nner im Stehen, und er war breiter. Nat�rlich waren Cairhiener oftmals kleinw�chsig, was auch hilfreich war. Sie legte Sashalle eine Hand auf den Arm, und wie durch ein Wunder blieb die andere Frau ohne jeden Protest an Ort und Stelle stehen.</p><p>�... verschwunden ohne jeden Hinweis, wo er hinwollte?�, fragte der Ogier mit einer Stimme, die so tief war, als w�rde die Erde beben. Seine langen, pinsel�hnlichen Ohren, die aus dem dunklen Haar herausragten, das bis zu seinem hohen Kragen reichte, bewegten sich unbehaglich.</p><p>�Oh, h�rt auf, �ber ihn zu sprechen, Meister Ledar�, erwiderte eine Frauenstimme mit einem Zittern, das wohleinstudiert erschien. �B�se war er. Den halben Palast hat er mit der Einen Macht auseinandergerissen. Er brauchte einen blo� anzusehen, um einem das Blut in den Adern zu Eis erstarren zu lassen, und t�tete einen genauso schnell, wie er einen ansah. Tausende sind von seiner Hand gestorben. Zehntausende! Oh, ich mag gar nicht �ber ihn sprechen!�</p><p>�F�r jemanden, der nie gern �ber etwas spricht, Eldrid Methin�, sagte eine andere Frau scharf, �sprecht Ihr sicherlich von wenig anderem.� St�mmig und gro� f�r eine Cairhienerin, fast so gro� wie Samitsu, lugten ein paar graue Haarstr�hnen unter ihrer schlichten wei�en Spitzenhaube hervor; sie musste die diensthabende Chefk�chin sein, denn jedermann nickte schnell zustimmend, lachte oder sagte �Oh, da habt Ihr Recht, Frau Beldair� auf besonders kriecherische Weise. Diener hatten ihre eigenen Hierarchien, an denen so starr festgehalten wurde wie an jenen in der Wei�en Burg.</p><p>�Aber es steht uns eigentlich nicht zu, �ber solche Dinge zu klatschen, Meister Ledar�, fuhr die St�mmige fort. �Das sind Angelegenheiten der Aes Sedai, und nichts f�r Leute wie uns. Erz�hlt uns mehr �ber die Grenzl�nder. Habt Ihr wirklich Trollocs gesehen?�</p><p>�Aes Sedai�, murmelte ein Mann. Von der Gruppe um den Tisch verborgen, musste er Ledars Begleiter sein. Samitsu konnte an diesem Morgen keinen er wachsenen Mann unter dem K�chenpersonal sehen. �Sagt, glaubt Ihr wirklich, dass sie mit diesen M�nnern, von denen ihr gesprochen habt, diesen Asha'man, den Bund eingegangen sind? Als Beh�ter?</p><p>Und was ist mit dem, der gestorben ist? Ihr habt nie gesagt, wie das passiert ist.�</p><p>�Nun, es war der Wiedergeborene Drache, der es getan hat�, mischte sich Eldrid ein. �Und mit was f�r M�nnern w�rden Aes Sedai sonst den Bund eingehen?</p><p>Oh, schrecklich waren sie, diese Asha'man. Konnten einen mit einem Blick zu Stein erstarren lassen, das konnten sie. Man brauchte sie blo� anzusehen, um sie zu erkennen, wisst Ihr? Furchteinfl��ende, gl�hende Augen, das haben sie.�</p><p>�Schweigt, Eldrid�, sagte Frau Beldair streng. �Vielleicht waren sie Asha'man, vielleicht auch nicht, Meister Unterberg. Vielleicht waren sie gebunden, vielleicht auch nicht. Ich kann nur sagen, dass sie mit <emphasis>ihm</emphasis> zusammen waren� � der Nachdruck in ihrer Stimme machte klar, von wem sie da sprach; Eldrid mochte Rand al'Thor f�r furchteinfl��end halten, aber diese Frau wollte nicht einmal seinen Namen aussprechen �und sobald <emphasis>er</emphasis> weg war, sagten ihnen pl�tzlich die Aes Sedai, was sie tun sollten, und sie taten es. Nat�rlich wei� jeder Narr, dass man das tut, was eine Aes Sedai einem befiehlt. Aber wie dem auch sei, diese Kerle sind jetzt alle weg. Warum interessiert Ihr Euch so f�r sie, Meister Unterberg? Ist das ein andoranischer Name?�</p><p>Ledar warf den Kopf zur�ck und lachte, ein hallender Laut, der den Raum erf�llte. Seine Ohren zuckten wild. �Oh, wir wollen alles �ber die Orte wissen, die wir besuchen, Frau Beldair. Die Grenzl�nder, sagt Ihr?</p><p>Man sollte meinen, hier sei es kalt, aber wir haben gesehen, wie in den Grenzl�ndern B�ume vor K�lte wie N�sse im Feuer aufplatzten. Ihr habt Eisschollen gesehen, die flussabw�rts im Wasser trieben, aber wir haben Fl�sse von der Breite des Alguenya zugefroren gesehen, sodass Kaufleute mit ganzen Wagenz�gen dar�berfahren k�nnen und M�nner durch L�cher hindurch fischten, die fast eine Spanne tief waren. Nachts sind Lichterstreifen am Himmel, die zu knistern scheinen, hell genug, um die Sterne dunkel erscheinen zu lassen, und ...�</p><p>Selbst Frau Beldair beugte sich gebannt zu dem Ogier hin, aber einer der K�chenjungen, der zu klein war, um an den Erwachsenen vorbeisehen zu k�nnen, warf einen Blick nach hinten, und seine Augen wurden ganz gro�, als er Samitsu und Sashalle entdeckte. Sein Blick blieb wie gebannt auf sie gerichtet, w�hrend er mit einer Hand herumfummelte, bis er an Frau Beldairs �rmel ziehen konnte. Beim ersten Mal sch�ttelte sie ihn ab, ohne sich umzudrehen. Beim zweiten Mal drehte sie mit einem Stirnrunzeln den Kopf, das sofort verschwand, als auch sie die Aes Sedai entdeckte.</p><p>�M�ge Euch die Gnade hold sein, Aes Sedai�, sagte sie und schob hastig ein paar Haarstr�hnen unter die Haube, w�hrend sie ihren Knicks machte. �Wie kann ich Euch dienen?� Ledar unterbrach sich mitten im Satz, einen Augenblick lang versteiften sich seine Ohren. Er schaute nicht in Richtung T�r.</p><p>�Wir m�chten mit Euren Besuchern sprechen�, sagte Sashalle und betrat die K�che. �Wir werden Euren K�chenbetrieb nicht lange st�ren.�</p><p>�Nat�rlich, Aes Sedai.� Falls es die st�mmige Frau �berraschte, dass die beiden Schwestern mit K�chenbesuchern sprechen wollten, zeigte sie es nicht. Sie drehte den Kopf von einer Seite zur anderen, um jeden ins Auge zu fassen, klatschte in die plumpen H�nde und erteilte Befehle. �Eldrid, diese R�ben sch�len sich nicht allein. Wer hat sich um die Feigenso�e gek�mmert? Getrocknete Feigen sind schwer zu bekommen!</p><p>Wo ist Eure Fettkelle, Kasi? Andil, lauft und holt ...�</p><p>K�chinnen, K�chenjungen und M�gde stoben in alle Richtungen auseinander, und kurz darauf erf�llte das Klirren von T�pfen und L�ffeln die K�che, obwohl sich offensichtlich jeder die gr��te M�he gab, so leise wie m�glich zu sein, um die Aes Sedai nicht zu st�ren.</p><p>Dabei unternahmen sie alle Anstrengungen, nicht einmal in ihre Richtung zu schauen, obwohl sich einige deswegen verrenken mussten.</p><p>Der Ogier erhob sich geschmeidig, sein Kopf erreichte fast die Deckenbalken. Seine Kleidung sah so aus, wie es Samitsu von fr�heren Begegnungen mit Ogiern in Erinnerung hatte, ein langer dunkler Mantel, der bis zu den Stiefeln reichte. Flecken auf dem Stoff verrieten, dass er eine beschwerliche Reise hinter sich hatte; Ogier waren sehr reinlich. Er wandte sich ihr und Sashalle nur zur H�lfte zu, w�hrend er seine Verbeugung machte, und er rieb sich die breite Nase, als w�rde sie jucken, und verbarg dabei zum Teil sein breites Gesicht, aber er erschien jung f�r einen Ogier.</p><p>�Verzeiht uns, Aes Sedai�, murmelte er, �aber wir m�ssen wirklich los.� Er b�ckte sich, um eine gro�e Ledertasche aufzuheben, auf der eine gro�e, zusammengerollte Decke festgeschnallt war und sich die Abdr�cke mehrerer rechteckiger Gegenst�nde abzeichneten, die um das herum eingepackt waren, was sich sonst noch darin befand. Er schob den breiten Riemen auf eine Schulter. Auch seine ger�umigen Manteltaschen beulten sich durch rechteckige Gegenst�nde aus. �Wir m�ssen vor Einbruch der Nacht noch eine weite Strecke zur�cklegen.� Sein Gef�hrte blieb sitzen, die H�nde auf die Tischplatte gelegt; er war ein blonder junger Mann mit einem mehr als einer Woche alten Bart, der mehr als nur eine Nacht in seinem zerknitterten braunen Mantel geschlafen zu haben schien. Er beobachtete die Aes Sedai misstrauisch mit dunklen Augen, die an einen in die Ecke getriebenen Fuchs erinnerten.</p><p>�Was ist das Ziel Eurer Reise, das Ihr bis Einbruch der Nacht erreichen wollt?� Sashalle blieb nicht stehen, bis sie vor dem jungen Ogier stand, so nahe, dass sie den Kopf in den Nacken legen musste, um zu ihm hochsehen zu k�nnen, obwohl sie es eher anmutig als linkisch aussehen lie�, was es eigentlich h�tte tun m�ssen. �Seid Ihr auf dem Weg zu dem Treffen, von dem wir geh�rt haben, im <emphasis>Stedding</emphasis> Shagtai? Meister ...</p><p>Ledar, das ist doch richtig, oder?�</p><p>Seine Ohren zuckten wild, dann standen sie still, und seine Augen, die so gro� wie Untertassen waren, zogen sich beinahe so misstrauisch wie die des jungen Mannes zusammen, bis die baumelnden Enden seiner Augenbrauen seine Wangen ber�hrten. �Ledar, Sohn von Shandin, Sohn von Koimal, Aes Sedai�, sagte er z�gernd. �Aber ich gehe gewiss nicht zum gro�en Stumpf. Die Alten w�rden mich nicht weit genug heranlassen, um zu h�ren, was gesagt wird.� Er gab ein tiefes Kichern von sich, das gezwungen klang.</p><p>�Unser Ziel werden wir bis heute Abend nicht erreichen, Aes Sedai, aber jede hinter uns liegende Meile ist eine Meile, die wir morgen nicht mehr gehen m�ssen. Wir m�ssen los.� Der unrasierte junge Mann stand auf und fuhr nerv�s mit der Hand �ber den langen Griff des Schwerts an seinem G�rtel, aber er machte keine Anstalten, die Tasche mit der Decke zu seinen F��en aufzuheben und dem Ogier zu folgen, der zu der T�r ging, die hinaus auf die Stra�e f�hrte, nicht einmal, als er �ber Schulter sagte: �Wir m�ssen gehen, Karldin.�</p><p>Sashalle vertrat dem Ogier anmutig den Weg, obwohl sie f�r jeden seiner Schritte drei machen musste.</p><p>�Ihr habt nach Arbeit als Steinmetz gefragt, Meister Ledar�, sagte sie in einem Tonfall, der keinen Wider spruch duldete, �aber Eure H�nde weisen nicht die Schwielen auf, wie ich sie bei anderen Steinmetzen gesehen habe. Es w�re besser f�r Euch, wenn Ihr meine Fragen beantworten w�rdet.�</p><p>Samitsu unterdr�ckte ein triumphierendes L�cheln und stellte sich neben die Rote Schwester. Glaubte Sashalle allen Ernstes, sie k�nnte sie zur Seite dr�ngen und allein herausfinden, was hier vor sich ging? Die Frau w�rde eine �berraschung erleben. �Ihr m�sst wirklich noch bleiben�, sagte sie leise zu dem Ogier; der K�chenl�rm sollte ausreichen, dass niemand zuh�rte, aber warum sollte man ein Risiko eingehen?</p><p>�Als ich in den Sonnenpalast kam, hatte ich bereits von einem jungen Ogier geh�rt, einem Freund Rand al'Thors. Er hat Cairhien vor ein paar Monaten verlassen, in Begleitung eines jungen Mannes namens Karldin. Ist es nicht so, Loial?� Die Ohren des Ogiers senkten sich.</p><p>Dem jungen Mann entfuhr ein heiserer Fluch, von dem er es besser h�tte wissen sollen, als ihn in Gegenwart der Schwestern auszusto�en. �Ich gehe, wann ich will, Aes Sedai�, sagte er grob, aber leise. Er teilte seinen Blick gr��tenteils zwischen ihr und Sashalle auf, aber er achtete auch auf K�chenbedienstete, die m�glicherweise in ihre N�he kamen. Auch er wollte nicht belauscht werden. �Bevor ich etwas tue, will <emphasis>ich</emphasis> ein paar Antworten haben. Was ist mit meinen ... Freunden geschehen? Und <emphasis>ihm?</emphasis> Ist er dem Wahnsinn ver fallen?�</p><p>Loial seufzte schwer und machte mit einer riesigen Hand eine beschwichtigende Geste. �Ganz ruhig, Karldin�, murmelte er. �Rand w�rde nicht wollen, da ss du dich mit den Aes Sedai streitest. Beherrsche dich.� Karldins Miene verfinsterte sich nur noch mehr.</p><p>Pl�tzlich wurde Samitsu bewusst, dass sie das h�tte besser regeln k�nnen. Das waren nicht die Augen eines in die Enge getriebenen Fuchses, sondern die eines Wolfes. Sie hatte sich zu sehr an Damer und Jahar und Eben gew�hnt, die dem sicheren Bund unterworfen und gez�hmt worden waren. Das mochte zwar eine etwas �bertriebene Beschreibung sein, auch wenn sich Merise bei Jahar sehr bem�hte � das war eben Merises Art �, dennoch hatte es den Anschein, als k�nnte der gestrige Schrecken zur heutigen Annehmlichkeit werden; man musste ihm nur lange genug ausgesetzt sein. Karldin Manfor war ebenfalls ein Asha'man, und er war weder gebunden noch gez�hmt. Umarmte er die m�nnliche H�lfte der Macht? Beinahe h�tte sie gelacht. Flogen V�gel?</p><p>Sashalle musterte den jungen Mann mit einem nachdenklichen Stirnrunzeln, die H�nde an ihrem Rock waren viel zu reglos, aber Samitsu war froh, sie nicht in das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> eingeh�llt zu sehen. Asha'man konnten es f�hlen, wenn eine Frau die Macht hielt, und das h�tte ihn ... �bereilt handeln lassen k�nnen. Bestimmt konnten sie und Samitsu ihn �berw�ltigen � konnten sie das, wenn er bereits die Macht hielt? Nat�rlich! Ganz bestimmt! �, aber es w�re viel besser gewesen, wenn sie es nicht tun mussten.</p><p>Sashalle schien nicht gewillt zu sein, die F�hrung zu �bernehmen, also legte Samitsu ihm sanft die Hand auf den linken Arm. Er f�hlte sich unter dem Mantel�rmel wie Stahl an. Also war ihm genauso unbehaglich zumute wie ihr. So unbehaglich wie ihr? Beim Licht, Damer und die anderen hatten wirklich alle ihre Instinkte verdorben!</p><p>�Als ich <emphasis>ihn</emphasis> das letzte Mal sah, erschien er wie die meisten M�nner�, sagte sie leise und kaum betont. Vom K�chenpersonal war keiner in der N�he, aber ein paar hatten angefangen, verstohlene Blicke zu dem Tisch zu werfen. Loial atmete erleichtert aus, es klang wie ein Windsto�, der aus einer H�hlen�ffnung rauschte, aber sie hielt ihre Aufmerksamkeit auf Karldin gerichtet. �Ich wei� nicht, wo er ist, aber vor ein paar Tagen war er noch am Leben.� Alanna war so verschlossen wie eine Auster und mit Cadsuanes Brief in der Faust schier unertr�glich gewesen; dar�ber hinaus hatte sie so gut wie nichts verraten. �Ich f�rchte, Fedwin Morr ist an Gift gestorben, aber ich habe nicht die geringste Idee, wer es ihm verabreicht hat.� Zu ihrer �berraschung sch�ttelte Karldin mit einer wehm�tigen Grimasse den Kopf und murmelte etwas Unverst�ndliches �ber Wein. �Was die anderen betrifft, sie sind aus freien St�cken Beh�ter geworden.� Jedenfalls so sehr ein Mann jemals etwas aus freien St�cken tat. Roshan hatte jedenfalls bestimmt kein Beh�ter werden wollen, bis sie entschieden hatte, dass sie ihn haben wollte. Selbst eine Frau, die keine Aes Sedai war, konnte einen Mann dazu bringen, die Entscheidung zu treffen, die sie haben wollte. �Sie hielten es f�r die bessere Wahl und sicherer, als dorthin zur�ckzukehren, wo ... die anderen wie Ihr seid. Ihr m�sst wissen, dass der Schaden hier im Palast mit <emphasis>Saidin</emphasis> angerichtet wurde. Ihr begreift, wer dahinterstecken muss? Es war ein Versuch, den zu t�ten, um dessen geistige Gesundheit Ihr f�rchtet.�</p><p>Auch das schien ihn nicht zu �berraschen. Was f�r M�nner waren diese Asha'man blo�? War ihre so genannte Schwarze Burg eine M�rdergrube? Aber seine Muskeln entspannten sich, und pl�tzlich war er nur ein von der Reise ersch�pfter junger Mann, der eine Rasur brauchte. �Beim Licht!�, sagte er leise. �Was tun wir jetzt, Loial? Wo sollen wir hingehen?�</p><p>�Ich ... wei� es nicht�, erwiderte Loial, der zuerst m�de die Schultern und dann die langen Ohren h�ngen lie�. �Ich ... Wir m�ssen ihn finden, Karldin. Irgendwie. Wir k�nnen jetzt nicht aufgeben. Wir m�ssen ihn wissen lassen, dass wir das getan haben, worum er uns gebeten hat. Soweit es in unserer Macht stand.�</p><p>Und worum hatte al'Thor sie gebeten? Mit etwas Gl�ck konnte sie von diesen beiden eine Menge erfahren. Ein ersch�pfter Mann, ein m�der Ogier, die sich verloren und allein f�hlten, sie waren f�rmlich reif daf�r, Fragen zu beantworten.</p><p>Karldin zuckte zusammen und umklammerte den Schwertgriff fester, und sie unterdr�ckte einen Fluch, als eine Palastdienerin mit fast bis zu den Knien gesch�rzten R�cken in den Raum gest�rzt kam. �Lord Dobraine ist ermordet worden!�, kreischte die Frau.</p><p>�Man wird uns alle in unseren Betten umbringen! Mit meinen eigenen Augen habe ich die Toten wandeln gesehen, den alten Maringil, und meine Mutter sagt, die Geister werden einen umbringen, wo ein Mord geschehen ist! Sie ...� Ihr blieb der Mund offen stehen, als sie sich der Anwesenheit der Aes Sedai bewusst wurde, und sie kam rutschend zum Halt, die R�cke noch immer gerafft. Auch die K�chenbediensteten schienen wie erstarrt zu sein und beobachteten die Aes Sedai aus den Augenwinkeln.</p><p>�Nicht Dobraine�, st�hnte Loial und legte die Ohren flach an. �Nicht er auch.� Er sah w�tend und auch traurig aus, seine Miene war wie versteinert. Samitsu konnte sich nicht erinnern, einen Ogier jemals w�tend gesehen zu haben.</p><p>�Wie hei�t du?�, wollte Sashalle von der Dienerin wissen, bevor Samitsu den Mund aufmachen konnte.</p><p>�Woher wei�t du, dass er ermordet wurde? Woher wei�t du, dass er �berhaupt tot ist?�</p><p>Die Frau schluckte, von Sashalles k�hlem Blick gefangen. �Cera, Aes Sedai?�, sagte sie z�gernd, dr�ckte die Knie f�r einen Knicks durch und wurde sich erst da bewusst, dass sie noch immer die R�cke hochhielt. Sie hastig zu richten schien sie aber nur noch mehr zu verwirren. �Cera Doinal? Sie sagen ... jeder sagt, dass Lord Dobraine ... ich meine, er war ...� Sie schluckte m�hsam. �Alle sagen, dass seine Gem�cher voller Blut sind. Er wurde in einer gro�en Blutlache gefunden. Sie sagen, man hat ihn gek�pft.�</p><p><emphasis>�Sie</emphasis> sagen viel, wenn der Tag lang ist�, entgegnete Sashalle grimmig, �und f�r gew�hnlich irren sie sich. Samitsu, Ihr kommt mit mir. Falls Lord Dobraine verletzt wurde, k�nnt Ihr vielleicht etwas f�r ihn tun. Loial, Karldin, ihr kommt auch mit. Ich will euch nicht aus den Augen lassen, bevor ich Gelegenheit hatte, euch ein paar Fragen zu stellen.�</p><p>�Eure Fragen k�nnen mir gestohlen bleiben!�, knurrte der junge Asha'man und schulterte seine Besitzt�mer. �Ich gehe!�</p><p>�Nein, Karldin�, sagte Loial leise und legte seinem Gef�hrten eine gro�e Hand auf die Schulter. �Wir k�nnen nicht gehen, bevor wir �ber Dobraine Bescheid wissen. Er ist ein Freund, Rands Freund und auch mein Freund. Wir k�nnen nicht. Au�erdem, wo sollten wir hingehen?� Karldin blickte zur Seite. Er wusste keine Antwort.</p><p>Samitsu kniff die Augen zusammen und holt tief Luft, aber es half alles nichts. Sie folgte Sashalle aus der K�che und musste sich wieder beeilen, um mit den weit ausholenden, anmutigen Schritten der anderen Frau mithalten zu k�nnen. Tats�chlich lief sie fast; Sashalle legte ein noch schnelleres Tempo vor.</p><p>Sobald sie aus der T�r waren, ert�nte hinter ihnen Stimmengewirr. Vermutlich befragte das K�chenpersonal die Dienerin nach Einzelheiten, Details, die sie bestimmt erfinden w�rde, wo ihr Wissen versagte. Aus dieser K�che w�rden zehn verschiedene Versionen der Ereignisse ihren Weg nach drau�en finden, wenn nicht sogar so viele, wie es in der K�che Bedienstete gab.</p><p>Das Schlimmste aber war, dass zehn verschiedene Versionen von den Ereignissen <emphasis>in</emphasis> der K�che ihren Weg hinaus finden w�rden, und eine jede w�rde zu den Ger�chten hinzukommen, die Corgaide zweifellos bereits verbreitete. Samitsu fiel kaum ein Tag ein, der so �bel f�r sie verlaufen war, und das auch noch so unvermutet; es war, als w�rde man auf einem St�ck Eis ausrutschen, nur um sofort auf ein anderes St�ck zu treten und dann auf ein weiteres. Cadsuane w�rde aus ihrer Haut Handschuhe machen!</p><p>Wenigstens folgten Loial und Karldin ihnen ebenfalls. Was auch immer sie von ihnen erfahren konnte, mochte zu ihrem Vorteil gereichen. Sie eilte an Sashalles Seite und musterte die beiden mit schnellen Blicken �ber die Schulter. Der Ogier machte kleine Schritte, um die Aes Sedai nicht zu �berholen, und runzelte besorgt die Stirn. Vermutlich wegen Dobraine, aber vielleicht auch, wie er den geheimnisvollen Auftrag zu Ende f�hren sollte, �so gut wie er konnte�. Das war ein Geheimnis, das sie zu l�sen gedachte. Der junge Asha'man hatte keine M�he, mit ihnen mitzuhalten, allerdings dr�ckte seine Miene stures Z�gern aus, und seine Hand blieb am Schwertgriff. Aber bei ihm ging die Gefahr nicht vom Stahl aus. Er starrte die Aes Sedai argw�hnisch an, und einmal erwiderte er Samitsus Blick finster. Allerdings hatte er den Verstand, den Mund geschlossen zu halten. Sie w�rde sp�ter einen Weg finden m�ssen, ihn aufzustemmen, damit mehr als ein Knurren herauskam.</p><p>Sashalle blickte sich nicht einmal um, um sich zu vergewissern, dass die beiden ihnen folgten, aber sie konnte ja das Dr�hnen der Ogierschritte auf den Fliesen h�ren. Ihr Gesicht war nachdenklich, und Samitsu h�tte viel daf�r gegeben, ihre Gedanken lesen zu k�nnen. Sashalle mochte einen Eid auf Rand al'Thor abgelegt haben, aber welchen Schutz gew�hrte das einem Asha'man? Immerhin war sie eine Rote. Im Gegensatz zu ihrem Gesicht hatte sich daran <emphasis>nichts</emphasis> ge�ndert. Beim Licht, das konnte von allem Glatteis das schlimmste sein!</p><p>Es war ein langer und m�hsamer Aufstieg von der K�che zu Lord Dobraines Gem�chern im Turm des Vollmonds, der f�r gew�hnlich hohen Adligen vorbehalten war, die zu Besuch kamen, und auf dem ganzen Weg sah Samitsu den Beweis, dass Cera nicht die Erste gewesen war, die von der Bluttat geh�rt hatte. Statt gesch�ftig durch die Korridore zu eilen, standen die Diener in kleinen Gruppen beieinander und fl�sterten aufgeregt. Beim Anblick der Aes Sedai sprangen sie auseinander und hasteten fort. Eine Handvoll schaute ungl�ubig, als sie den Ogier sahen, doch gr��tenteils ergriffen sie die Flucht. S�mtliche Adlige waren verschwunden, zweifellos in ihre Gem�cher, um dar�ber nachzudenken, welche Gelegenheiten und Gefahren Dobraines Tod ihnen brachte. Was auch immer Sashalle glaubte, Samitsu hatte nicht mehr den geringsten Zweifel. W�re Dobraine noch am Leben, h�tten seine Diener die Ger�chte schon aus der Welt geschafft.</p><p>Im Korridor vor Dobraines Gem�chern dr�ngten sich aschfahle Diener, deren �rmel bis zu den Ellbogen die blauwei�en Ringe des Hauses Taborwin aufwiesen. Einige weinten, andere sahen verloren aus, weil man den Boden unter ihren F��en weggezogen hatte. Ein Wort von Sashalle reichte aus, damit sie den Weg f�r die Aes Sedai freimachten, aber sie bewegten sich wie betrunken oder mechanisch. Benommene Blicke streiften den Ogier, ohne �berhaupt richtig wahrzunehmen, was sie da sahen. Nur wenige dachten daran, halbherzige Verbeugungen zu machen.</p><p>Im Vorzimmer hielten sich mindestens genauso viele von Dobraines Dienern auf, die meisten starrten ins Leere, als h�tte man ihnen einen Schlag mit der Axt verpasst. Dobraine selbst lag in der Mitte des Raums reglos auf einer Trage, sein Kopf sa� noch immer auf den Schultern, aber seine Augen waren geschlossen und seine reglosen Z�ge mit geronnenem Blut aus einem langen Schnitt auf dem Kopf beschmiert. Aus seinem schlaffen Mund war ein dunkler Strom gesichert. Zwei Diener, denen Tr�nen �ber die Wangen str�mten, hielten beim Eintritt der Aes Sedai darin inne, sein Gesicht mit einem wei�en Tuch zu bedecken. Dobraine schien nicht mehr zu atmen, die Brust seines Mantels, dessen schmale Farbstreifen bis hinunter zu den Knien reichten, wies blutige Schnitte auf. Neben der Trage verunstaltete ein dunkler Fleck, der gr��er als der K�rper des Mannes war, das gr�ngelbe tairenische Labyrinthmuster des fransengeschm�ckten Teppichs. Jeder, der so viel Blut verloren hatte, musste tot sein. Auf dem Boden lagen noch zwei weitere M�nner, der eine starrte mit gebrochenem Blick an die Decke, der andere lag auf der Seite, aus seinen Rippen ragte ein Dolchgriff aus Elfenbein, dessen Klinge bestimmt sein Herz erreicht hatte. Beide waren kleingewachsene, blassh�utige Cairhiener in der Livree von Palastdienern, aber kein Diener trug lange Dolche mit Holzgriffen, wie sie neben den Leichen lagen. Ein Mann vom Haus Taborwin, der den Fu� zur�ckgenommen hatte, um eine der Leichen zu treten, z�gerte, als er die beiden Schwestern eintreten sah, dann stie� er seinen Stiefel trotzdem hart in die Rippen des Toten. Offensichtlich dachte im Augenblick keiner an geh�riges Benehmen.</p><p>�Nehmt das Tuch weg�, befahl Sashalle den M�nnern an der Trage. �Samitsu, seht, ob Ihr Lord Dobraine noch helfen k�nnt.�</p><p>Der Instinkt hatte Samitsu auf Dobraine zueilen lassen, da spielte es keine Rolle, was sie glaubte, aber dieser Befehl � es war <emphasis>eindeutig</emphasis> ein Befehl! � lie� sie kurz z�gern. Mit zusammengebissenen Z�hnen kniete sie neben der Trage nieder, und zwar auf der gegen�berliegenden Seite der noch immer feuchten Lache, um die H�nde auf Dobraines blutverschmierten Kopf zu legen. Es hatte sie noch nie gest�rt, sich die H�nde mit Blut zu besudeln, aber Blutflecken waren unm�glich aus Seide herauszubekommen, es sei denn, man benutzte die Macht, und sie versp�rte noch immer einen Anflug schlechten Gewissens, wenn sie sie f�r so allt�gliche Dinge verwendete.</p><p>Die notwendigen Gewebe waren ihr so sehr zur zweiten Natur geworden, dass sie ohne nachzudenken die Quelle umarmte und den cairhienischen Lord Erforschte. Und �berrascht blinzelte. Der Instinkt hatte sie handeln lassen, obwohl sie davon �berzeugt gewesen war, dass in dem Raum drei Leichen lagen, aber in Dobraine flackerte noch Leben. Ein winziges, zitterndes Fl�mmchen, das der Schock des Heilens durchaus l�schen konnte. Der Schock des Heilens, in dem sie sich auskannte.</p><p>Ihr Blick suchte nach dem blonden Asha'man. Er hockte neben einem der toten Diener und durchsuchte den Mann unbewegt, ohne sich um die entsetzten Blicke der Umstehenden zu k�mmern. Eine der Frauen bemerkte pl�tzlich Loial, der in der T�r stehengeblieben war, und starrte ihn an, als w�re er unversehens aus der Luft erschienen. Mit seinen vor der Brust verschr�nkten Armen und dem grimmigen Gesichtsausdruck sah der Ogier aus, als w�rde er Wache halten.</p><p>�Karldin, wisst Ihr etwas �ber die Art des Heilens, die Damer Flinn benutzt?�, fragte Samitsu. �Die Art, bei der alle F�nf M�chte eingesetzt werden?�</p><p>Er sah sie stirnrunzelnd an und schwieg einen Moment, bevor er antwortete. �Flinn? Ich wei� nicht mal, wovon Ihr da sprecht. Au�erdem ist mein Talent im Heilen nicht besonders ausgepr�gt.� Er betrachtete Dobraine und f�gte hinzu: �Ich kann kein Lebenszeichen erkennen, aber ich hoffe, Ihr k�nnt ihn retten. Er war bei den Quellen dabei.� Er beugte sich wieder �ber den toten Diener und durchw�hlte weiter seine Taschen.</p><p>Samitsu fuhr mit der Zunge �ber die Lippen. In solchen Situationen erschien ihr die Aufregung, mit <emphasis>Saidar</emphasis> erf�llt zu sein, immer getr�bt zu sein. Situationen, in denen alle m�glichen Entscheidungen schlecht waren.</p><p>Behutsam sammelte sie die Str�me von Luft, Geist und Wasser und webte sie zu dem ganz normalen Gewebe des Heilens zusammen, das jede Schwester kannte. Soweit bekannt war, verf�gte keine von ihnen �ber ein so ausgepr�gtes Talent zum Heilen wie sie, die meisten hatten darin nur sehr eingeschr�nkte F�higkeiten, einige konnten kaum mehr als blaue Flecke beseitigen. Sie konnte allein auf sich gestellt fast so gut Heilen wie ein ganzer Zirkel. Die meisten Schwestern konnten das Gewebe nicht im mindesten beeinflussen; die meisten Schwestern versuchten es nicht einmal zu lernen. Sie hatte das von Anfang an beherrscht. Oh, sie konnte nicht eine bestimmte Sache Heilen und alles andere unber�hrt lassen, so wie Damer es konnte; was sie tat, w�rde alles beeinflussen von der Stichwunde bis zu der verstopften Nase, unter der Dobraine ebenfalls litt. Das Erforschen hatte ihr alle seine k�rperlichen Beschwerden verraten. Aber sie konnte die schlimmsten Verletzungen beseitigen, als h�tte sie es nie gegeben oder sie so Heilen, dass der behandelte Patient den Anschein erweckte, schon seit Tagen zu genesen. Das alles kostete sie dieselbe Anstrengung, aber von dem Patienten erforderte es weniger. Je kleiner die erforderliche Ver�nderung im K�rper war, desto weniger verschlang sie von der Kraft des K�rpers. Doch von dem Riss in der Kopfhaut abgesehen, geh�rten Dobraines Wunden alle in die ernste Kategorie, vier tiefe Einstiche in seinen Lungen, davon hatten zwei noch das Herz verletzt. Die st�rkste Heilung w�rde ihn t�ten, bevor sich seine Wunden geschlossen hatten, w�hrend die schw�chste ihn lange genug beleben w�rde, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Sie musste etwas dazwischen w�hlen und hoffen, dass sie richtig lag.</p><p><emphasis>Ich bin die Beste, die es je gegeben hat,</emphasis> dachte sie energisch. <emphasis>Ich bin die Beste!</emphasis> Sie ver�nderte das Gewebe leicht und lie� es in den reglosen Mann sinken.</p><p>Ein paar der Diener schrien auf, als Dobraines K�r � per zuckte. Er riss die tiefliegenden Augen weit auf und richtete sich lange genug ein St�ck weit auf, damit etwas, das verd�chtig nach einem langgezogenen Todesr�cheln klang, aus seinem Mund kam. Dann rollten seine Augen nach oben, er entglitt ihrem Griff und fiel zur�ck auf die Trage. Schnell berichtigte sie das Gewebe und Erforschte ihn mit angehaltenem Atem erneut. Er lebte. Um Haaresbreite und so schwach, dass er noch immer sterben konnte, aber die Stichverletzungen w�rden ihn nicht t�ten, es sei denn indirekt. Durch das trocknende Blut, das sein bis zur Stirn wegrasiertes Haar verklebte, konnte sie die wulstige, rosafarbene frische Narbe sehen, die sich �ber seine Kopfhaut zog. Die gleichen w�rde er unter dem Mantel haben, und er w�rde bei Anstrengungen m�glicherweise unter Atemnot leiden � falls er durchkam, und das war im Moment alles, was z�hlte. Im Moment. Da war noch immer die Frage, wer ihn tot sehen wollte und warum.</p><p>Sie lie� die Macht los und erhob sich schwankend. Aus ihr str�mendes <emphasis>Saidar</emphasis> machte sie immer m�de. Einer der sie anstarrenden Diener hielt ihr das Tuch hin, das er auf das Gesicht seines Herrn hatte legen wollen, und sie benutzte es, um sich die H�nde abzuwischen. �Bringt ihn in sein Bett�, sagte sie. �Fl��t ihm so viel mildes Honigwasser ein, wie ihr k�nnt. Er wird schnell an Kraft gewinnen. Und holt eine Weise Frau ... eine Leserin? Ja, eine Leserin. Er wird sie ebenfalls brauchen.� Sie konnte jetzt nichts mehr f�r ihn tun, und Krauter w�rden helfen. Zumindest w�rden sie ihm nicht schaden, wenn sie von einer Leserin kamen; schlimmstenfalls w�rde die Frau daf�r sorgen, dass sie ihm genug Honigwasser gaben und nicht zu viel.</p><p>Unter vielen Verbeugungen und gemurmelten Dankesbezeugungen ergriffen vier Diener die Trage und trugen Dobraine tiefer in die Gem�cher hinein. Die meisten anderen Dienstboten folgten ihnen sichtlich erleichtert, w�hrend der Rest in den Korridor hinauseilte. Einen Augenblick sp�ter ert�nten frohe Rufe und Jubel, und Samitsu vernahm ihren Namen so oft wie den Dobraines. Sehr befriedigend. Es w�re noch befriedigender gewesen, h�tte Sashalle nicht gel�chelt und anerkennend genickt. Anerkennend! Warum t�tschelte sie ihr nicht gleich noch den Kopf, wenn sie schon mal dabei war!</p><p>Karldin hatte die Heilung nicht verfolgt, soweit sie sagen konnte. Er beendete die Durchsuchung der zweiten Leiche, erhob sich und ging auf Loial zu, um dem Ogier etwas zu zeigen, das er mit dem K�rper verdeckte, damit es die Aes Sedai nicht sahen. Loial nahm es dem Asha'man aus der Hand � es handelte sich um ein St�ck elfenbeinfarbenes Papier �, hielt es sich mit seinen dicken Fingern vors Gesicht und ignorierte Karldins Stirnrunzeln.</p><p>�Aber das macht doch keinen Sinn�, murmelte der Ogier und las stirnrunzelnd. �Nicht den geringsten Sinn. Es sei denn ...�Er unterbrach sich und wechselte mit seinem blonden Gef�hrten, der knapp nickte, einen angespannten Blick. �Oh, das ist wirklich schlimm�, sagte Loial. �Wenn es mehr als zwei waren, Karldin, wenn sie es gefunden ...� Er unterbrach sich erneut, als der junge Mann hastig den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Ich will das sehen, bitte�, sagte Sashalle und streckte die Hand aus, und es war nicht als Bitte gemeint.</p><p>Karldin wollte dem Ogier das Papier aus der Hand rei�en, aber der Ogier gab es Sashalle seelenruhig, die es ausdruckslos betrachtete und clann an Samitsu weiterreichte. Es war dickes Papier, glatt, teuer und anscheinend neu. W�hrend Samitsu las, musste sie gegen das Verlangen ihrer Augenbrauen ank�mpfen, in die H�he zu wandern.</p><cite><p>Aufgrund meines Befehls sollen die Tr�ger dieses Papiers gewisse Gegenst�nde, die ihnen bekannt sind, aus meinen Gem�chern holen und sie aus dem Sonnenpalast bringen. Lasst sie in meinen R�umen allein, gebt ihnen, was auch immer sie verlangen, und behandelt die Angelegenheit mit Stillschweigen, im Namen des Wiedergeborenen Drachen und auf die Gefahr seines Unmutes.</p><text-author>DOBRAINE TABORWIN</text-author></cite><p>Sie hatte Dobraines Handschrift oft genug gesehen, um sie zu erkennen. �Offensichtlich besch�ftigt jemand einen guten F�lscher�, sagte sie und erntete einen schnellen, ver�chtlichen Blick von Sashalle.</p><p>�Es erscheint unwahrscheinlich, dass er es selbst geschrieben hat und versehentlich von seinen eigenen M�nnern niedergestochen wurde�, sagte die Rote schneidend. Ihr Blick richtete sich auf Loial und den Asha'man. �Was k�nnten sie gefunden haben?�, verlangte sie zu wissen. �Was <emphasis>f�rchtet</emphasis> ihr, haben sie gefunden?� Karldin starrte ausdruckslos zur�ck.</p><p>�Ich meinte das, wonach sie gesucht haben�, antwortete Loial. �Sie m�ssen hier gewesen sein, um etwas zu stehlen.� Aber seine Ohren zuckten so heftig, dass sie beinahe vibrierten, bevor er sie unter Kontrolle bekam. Die meisten Ogier waren schlechte L�gner, vor allem die Jungen.</p><p>Sashalles Locken flogen hin und her, als sie den Kopf sch�ttelte. �Was ihr wisst, ist wichtig. Ihr beiden geht nirgend wohin, bevor ich es auch wei�.�</p><p>�Und wie wollt Ihr uns aufhalten?� Der leise Tonfall, mit dem Karldin die Worte sprach, machte sie noch gef�hrlicher. Er erwiderte Sashalles Blick geradeheraus, als h�tte er keine Sorge auf der Welt. O ja, viel eher ein Wolf als ein Fuchs.</p><p>�Ich dachte schon, ich w�rde Euch niemals finden�, verk�ndete Rosara Medrano und marschierte in diesem Moment unheilverk�ndender Stille in den Raum, noch immer mit ihrem pelzgef�tterten Umhang und den roten Handschuhen bekleidet, nur die Kapuze war zur�ckgeworfen, um die Elfenbeink�mme in ihrem schwarzen Haar zu enth�llen. Feuchte Flecken auf ihren Schultern k�ndeten von geschmolzenem Schnee. Die hochgewachsene Frau, die so braun wie eine von der Sonne verbrannte Aiel war, war beim ersten Tageslicht aufgebrochen, um Gew�rze f�r irgendeinen Fischeintopf aus ihrem heimatlichen Tear aufzutreiben. Sie musterte Loial und Karldin nur fl�chtig und verschwendete keinen Augenblick, um sich nach Dobraine zu erkundigen. �Eine Gruppe Schwestern hat die Stadt betreten, Samitsu. Ich bin wie eine Verr�ckte geritten, um vor ihnen hier zu sein, aber sie k�nnten jeden Augenblick eintreffen. Sie sind in Begleitung von Asha'man, und einer der Asha'man ist Logain!�</p><p>Karldin stie� ein raues Lachen aus, und Samitsu fragte sich unvermittelt, ob sie wohl lange genug leben w�rde, damit Cadsuane ihr �berhaupt die Haut abziehen konnte.</p></section><section><title><p>1</p><p>Zeit zu verschwinden</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen <emphasis>und</emphasis> vergehen und lassen Erinnerungen zur�ck, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter wiederkehrt, aus dem er geboren wurde. In einem Zeitalter, das von einigen das Dritte Zeitalter genannt wurde, einem Zeitalter, das noch kommen sollte, einem lange vergangenen Zeitalter, erhob sich in den Rhannon-H�geln ein Wind. Der Wind war nicht der Anfang. Es gibt bei der Drehung des Rads der Zeit keinen Anfang und kein Ende. Aber es war <emphasis>ein</emphasis> Anfang.</p><p>Geboren in den Weinbergen und Geh�lzen, die den gr��ten Teil der zerkl�fteten H�gel bedeckten, den Reihen von Olivenb�umen und Rebst�cken, die bis zum Fr�hling blattlos bleiben w�rden, wehte der kalte Wind nach Westen und Norden �ber die wohlhabenden Bauernh�fe, mit denen das Land zwischen den H�geln und dem gro�en Hafen von Ebou Dar gesprenkelt war. Das Land lag noch immer winterbrach, aber M�nner und Frauen �lten bereits Pflugscharen und flickten Gespanne, um sich auf die kommende Aussaat vorzubereiten. Sie beachteten die schwer beladenen Wagenz�ge kaum, die auf den unbefestigten Stra�en nach Osten fuhren und Leute bef�rderten, die ungewohnte Kleidung trugen und mit seltsamem Akzent sprachen. Viele der Fremde schienen ebenfalls Bauern zu sein, an ihre Wagenk�sten war vertraut aussehendes Ger�t festgeschnallt, auf den Wagen waren unbekannte Setzlinge geladen, deren Wurzeln in groben Stoff geh�llt waren, aber sie fuhren in ferne L�nder. Sie hatten nichts mit dem Leben hier und jetzt zu tun. Die seanchanische Hand ruhte leicht auf jenen, die sich nicht gegen ihre Herrschaft wehrten, und f�r die Bauern der Rhannon-H�gel hatte sich das Leben nicht ver�ndert. F�r sie war ohnehin der Regen oder sein Ausbleiben der wahre Herrscher gewesen.</p><p>Der Wind blies nach Westen und Norden, �ber den breiten blaugr�nen Hafen, in dem Hunderte von Schiffen im Wellengang an ihren Ankern schaukelten. Einige davon wiesen einen breiten Bug auf und waren mit gerippten Segeln geriggt, andere wiederum hatten einen langen, scharf geschnittenen Bug, und auf ihnen waren M�nner damit besch�ftigt, ihre Segel und die Takelage denen der breiteren Schiffe anzupassen. Viele lagen im flachen Wasser, ru�geschw�rzte Wracks, die auf die Seite gekippt waren, verbrannte Spanten, die schwarzen Skeletten gleich in dem tiefen grauen Schlamm versanken. Boote sch�ssen unter der Kraft von Dreieckssegeln voran oder krochen von Rudern getrieben daher wie vielgliedrige Wasserk�fer; die meisten bef�rderten Arbeiter und Nachschub zu den Schiffen, die unversehrt waren. Andere kleine Fahrzeuge und Barken waren an etwas festgezurrt, das �hnlichkeit mit entasteten Baumst�mpfen hatte, die aus dem blaugr�nen Wasser ragten; hier sprangen M�nner in die Fluten, mit Steinen in den H�nden, die sie schnell zu den versunkenen Schiffen in der Tiefe tragen w�rden, wo sie dann Seile an allem festzurrten, was man bergen konnte. Vor sechs N�chten war hier der Tod auf dem Wasser gewandelt, hatte die Eine Macht M�nner und Frauen get�tet, Schiffe vernichtet und die Finsternis mit silbernen Blitzen und durch die Luft rasenden Feuerb�llen gespalten. Heute erschien der Hafen mit seinem unruhigen Wasser trotz der hektischen Aktivit�t friedlich, die aufspritzende Gischt vermischte sich mit dem Wind, der in die Flussm�ndung des Eldar nach Norden und Westen und ins Landesinnere wehte.</p><p>Mat sa� mit untergeschlagenen Beinen auf einem moosbewachsenen Felsen am schilfges�umten Ufer des Flusses, kr�mmte die Schultern gegen den Wind und fluchte stumm. Hier gab es kein Gold, keine Frauen, kein Tanz, keinen Spa�. Daf�r aber gro�es Unbehagen. Kurz gesagt, es war der letzte Ort, den er sich normalerweise ausgesucht h�tte. Der Himmel war schiefergrau, und die dicken purpurfarbenen Wolken, die vom Meer herantrieben, verk�ndeten Regen. Ohne Schnee schien der Winter kein richtiger Winter zu sein � bis jetzt hatte er in Ebou Dar noch keine einzige Schneeflocke gesehen, aber ein kalter, feuchter Morgenwind, der vom Wasser kam, konnte einen Mann genauso gut wie Schnee bis auf die Knochen frieren lassen. Sechs N�chte waren vergangen, seit er in einem Sturm aus der Stadt geritten war, und seine pochende H�fte schien noch immer zu glauben, er w�rde sich durchn�sst bis auf die Haut an seinen Sattel klammern.</p><p>Er w�nschte sich, er h�tte einen Umhang mitgenommen. Er w�nschte sich, er w�re im Bett geblieben.</p><p>H�gel verbargen Ebou Dar, das eine Meile im S�den lag, und verbargen ihn auch vor der Stadt, aber nirgendwo war ein Baum oder auch nur mehr als ein Geb�sch in Sicht. Das offene Gel�nde verursachte in ihm das Gef�hl, als w�rden Ameisen unter seiner Haut krabbeln. Aber er w�rde hier sicher sein. Der schlichte braune Wollmantel mit der dazugeh�rigen M�tze hatte nicht die geringste �hnlichkeit mit der Kleidung, mit der man ihn in der Stadt gekannt hatte. Statt schwarzer Seide verbarg ein einfacher Wollschal die Narbe an seinem Hals, und der Mantelkragen war zus�tzlich hochgeklappt. Kein St�ck Spitze oder Stickerei. Farblos genug f�r einen Bauern, der K�he molk. Keiner, dem er aus dem Weg gehen musste, w�rde ihn erkennen. Nicht, bevor sie nahe an ihn herangekommen waren. Trotzdem zog er die M�tze ein St�ck tiefer in die Stirn.</p><p>�Wollt Ihr noch l�nger hier sitzen, Mat?� Noals zer � schlissener dunkelblauer Mantel hatte schon bessere Tage gesehen, aber das Gleiche lie� sich auch �ber ihn sagen. Der alte Bursche mit seinen gekr�mmten Schultern, den wei�en Haaren und der gebrochenen Nase hockte unterhalb des Felsens auf den Fersen und fischte mit einer Bambusangel im Fluss. Die meisten seiner Z�hne fehlten, und manchmal tastete er mit der Zunge nach einer L�cke, so als w�re er �berrascht, sie dort zu finden. �Falls Ihr es noch nicht bemerkt haben solltet, es ist kalt. Alle glauben, in Ebou Dar sei es immer warm, aber der Winter ist �berall kalt, selbst an Orten, die Ebou Dar wie Schienar erscheinen lassen. Meine Knochen sehnen sich nach einem Feuer. Oder zumindest einer Wolldecke. Ein Mann kann es sich mit einer Wolldecke gem�tlich machen, solange er nicht im Wind sitzt. Gedenkt Ihr, irgendetwas anderes zu tun, als flussabw�rts zu starren?�</p><p>Als Mat ihn blo� ansah, zuckte Noal mit den Schultern und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den geteerten Holzschwimmer, der im Schilf trieb. Gelegentlich bewegte er eine der knotigen H�nde, so als w�rden seine verkr�mmten Finger die K�lte ganz besonders sp�ren, aber wenn dem so war, war das seine eigene Schuld. Der alte Narr war am seichten Ufer herumgewatet, um mit einem Korb Pfrillen f�r K�der einzufangen; der Korb stand zur H�lfte mit einem glatten Stein verankert im Wasser. Trotz seiner Klagen �ber das Wetter war Noal ohne Aufforderung mit zum Fluss gekommen. Nach allem, was er erz�hlt hatte, war jeder, der ihm etwas bedeutet hatte, schon viele Jahre tot, und ehrlich gesagt schien er verzweifelt bem�ht, irgendeine Art von Gesellschaft zu haben. So verzweifelt, dass er Mats Gesellschaft w�hlte, wo er mittlerweile schon f�nf Tage von Ebou Dar entfernt sein k�nnte. Ein Mann konnte in f�nf Tagen eine h�bsche Distanz zur�cklegen, wenn er einen triftigen Grund und ein Pferd hatte. Mat hatte oft dar�ber nachgedacht.</p><p>Auf der anderen Seite des Eldar, halb verdeckt von einer der sumpfigen Inseln, von denen der Fluss nur so wimmelte, wurden in einem breiten Ruderboot die Ruder hochgehoben, dann stand ein Mann auf und fischte mit einem langen Bootshaken im Schilf herum.</p><p>Ein anderer Ruderer half ihm, das, was er gefunden hatte, ins Boot zu hieven. Auf diese Entfernung sah es wie ein gro�er Sack aus. Mat zuckte zusammen und wandte den Blick flussabw�rts. Sie fanden noch immer Leichen, und er war verantwortlich. Die Unschuldigen starben an der Seite der Schuldigen. Und wenn man nichts unternahm, dann starben nur die Unschuldigen oder erlitten ein Schicksal, das fast so schlimm wie der Tod war. Oder vielleicht auch schlimmer, je nachdem, wie man es betrachtete.</p><p>Er runzelte gereizt die Stirn. Blut und Asche, er verwandelte sich in einen verfluchten Philosophen!</p><p>Die Verantwortung presste s�mtliche Freude aus dem Leben und lie� einen Mann zu Staub vertrocknen. In diesem Augenblick w�nschte er sich einen ordentlichen Krug Wein in einer gem�tlichen Sch�nke voller Musik und eine �ppige, h�bsche Dienstmagd auf dem Scho�, irgendwo weit weg von Ebou Dar. Sehr weit weg. Doch er hatte nur Verpflichtungen, vor denen er nicht weglaufen konnte, und eine Zukunft, die ihm nicht zusagte. Es schien nicht zu helfen, wenn man <emphasis>Ta'veren</emphasis> war, nicht, wenn sich das Muster auf diese Weise formte. Wenigstens hatte er noch immer sein Gl�ck. Er lebte und war nicht in einer Zelle angekettet. Unter diesen Urnst�nden durfte er sich gl�cklich sch�tzen.</p><p>Von seinem Sitz aus hatte er einen ziemlich freien Blick vorbei an den niedrigen sumpfigen Flussinseln. Vom Wind erfasste Gischt trieb Nebelb�nken gleich vom Hafen heran, aber sie reichte nicht aus, um das zu verstecken, was er sehen musste. Er versuchte alles im Kopf auszurechnen, z�hlte die verankerten Schiffe, versuchte die Wracks zu z�hlen. Aber er verlor den �berblick, glaubte, manche Schiffe doppelt erfasst zu haben, und fing von vorn an. Die Leute vom Meervolk, die man wieder eingefangen hatte, schlichen sich ebenfalls in seine Gedanken. Er hatte geh�rt, dass an den Galgen im Rahad mehr als hundert Leichen zur Schau gestellt wurden, ihre Verbrechen auf den dazugeh�rigen Schildern wurden als �Mord� und �Rebellion� bezeichnet. F�r gew�hnlich benutzten die Seanchaner Henkersbeil und Pfahl, w�hrend der Adel, das Blut, das Privileg der W�rgeschnur erhielt, aber Besitztum musste sich damit zufrieden geben, aufgeh�ngt zu werden.</p><p><emphasis>Soll man mich doch zu Asche verbrennen, ich habe getan, was ich konnte,</emphasis> dachte er m�rrisch. Es war sinnlos, sich Vorw�rfe zu machen, nicht mehr getan zu haben. Sinnlos! V�llig sinnlos! Er musste an die Menschen denken, die entkommen waren.</p><p>Die Atha'an Miere, die entkommen waren, hatten Schiffe aus dem Hafen f�r ihre Flucht benutzt, und obwohl sie kleinere Fahrzeuge h�tten nehmen k�nnen alles, was sie in der Nacht betreten und erobern konnten �, hatten sie so viele ihrer Leute mitnehmen wollen wie nur m�glich. Da Tausende von ihnen als Gefangene im Rahad schufteten, mussten gro�e Schiffe her, also seanchanische Gro�schiffe. Sicher w�ren viele der Schiffe des Meervolks gro� genug gewesen, aber sie alle waren von ihren Segeln und der Takelage befreit worden, um nach seanchanischer Art ausger�stet zu werden. Wenn er herausfinden konnte, wie viele Gro�schiffe noch da waren, konnte er sich m�glicherweise eine ungef�hre Vorstellung davon machen, wie viele Atha'an Miere es in die Freiheit geschafft hatten. Es war richtig gewesen, die Windsucherinnen des Meervolks zu befreien, es war das Einzige gewesen, was er hatte tun k�nnen, aber von den Geh�ngten abgesehen, hatte man in den vergangenen f�nf Tagen Hundert e von Toten aus dem Hafen gefischt, und allein das Licht wusste, wie viele mit den Gezeiten hinaus aufs offene Meer getragen worden waren. Die Totengr�ber arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und die Friedh�fe waren gef�llt mit weinenden Frauen und Kindern. Auch mit M�nnern. Mehr als nur ein paar dieser Toten waren Atha'an Miere gewesen, um die niemand weinte, w�hrend sie in Massengr�ber geworfen wurden, und Mat wollte eine Vorstellung von der Zahl haben, die er gerettet hatte, um damit seine d�steren Vermutungen �ber die Zahl auszugleichen, die er umgebracht hatte.</p><p>Aber es war schwer, auch nur zu sch�tzen, wie viele Schiffe es hinaus aufs Meer der St�rme geschafft hatten, selbst wenn er sich nicht immer wieder verz�hlte.</p><p>Im Gegensatz zu den Aes Sedai hatten die Windsucherinnen keine Schwierigkeiten damit, die Macht als Waffe zu benutzen, nicht wenn das Wohlergehen ihrer Leute auf dem Spiel stand, und mit Sicherheit hatten sie die Verfolgung verhindern wollen, bevor sie begann. Niemand nahm in einem brennenden Schiff die Verfolgung auf. Die Seanchaner mit ihren <emphasis>Damane</emphasis> hatten noch weniger Skrupel, zur�ckzuschlagen. <emphasis>Blitze so zahlreich wie Grashalme zuckten durch den Regen, und Feuerb�lle von der Gr��e von Pferden rasten durch den Himmel, und der Hafen schien von der einen Seite bis zur anderen in Flammen zu stehen, bis die Nacht selbst im Sturm das Schauspiel eines Feuerwerkers armselig erscheinen lie�.</emphasis> Ohne den Kopf drehen zu m�ssen, konnte Mat Dutzende Stellen z�hlen, an denen die verbrannten Spannten eines Gro�schiffes aus dem niedrigen Wasser ragten oder ein Rumpf auf der Seite lag und die Hafenwellen gegen das Deck schlugen, und es gab doppelt so viele, an denen die Reihen aus verkohltem Holz schmaler waren, die �berreste von Klippern des Meervolks. Offenbar hatten sie den Leuten, die sie in Ketten gelegt hatten, nicht ihre Schiffe �berlassen wollen. Drei Dutzend genau vor ihm, und das ohne die versunkenen Wracks hinzuzuz�hlen, �ber denen die Bergungsboote arbeiteten. Vielleicht konnte ein Seefahrer anhand der aus dem Wasser ragenden Mastspitzen ein Gro�schiff von einem Klipper unterscheiden, aber das lag jenseits seiner F�higkeiten.</p><p>Pl�tzlich stieg in ihm eine alte Erinnerung empor, �ber das Beladen von Schiffen f�r einen Angriff vom Meer, und wie viele M�nner man wie lange Zeit auf welchem Raum unterbringen konnte. Eigentlich war das nicht seine Erinnerung, an einen l�ngst vergangenen Krieg zwischen Fergansea und Moreina, aber sie schien es zu sein. Die Erkenntnis, dass er die Szenen aus dem Leben anderer M�nner einer l�ngst vergangenen Zeit tats�chlich nicht selbst erlebt hatte, �berraschte ihn immer wieder aufs Neue, und vielleicht geh�rten sie ihm ja doch auf gewisse Weise. Sie waren auf jeden Fall klarer als manche Phasen seines Lebens. Die Schiffe, an die er sich erinnert hatte, waren kleiner als die meisten Schiffe im Hafen gewesen, aber das Prinzip war das gleiche.</p><p>�Sie haben nicht genug Schiffe�, murmelte er. Die Seanchaner hatten in Tanchico noch mehr, als hier vor Anker gegangen waren, aber die Verluste reichten aus, um einen Unterschied zu machen.</p><p>�Genug Schiffe wof�r?�, sagte Noal. �Ich habe noch nie zuvor so viele an einem Ort gesehen.� Da es von ihm kam, war das schon eine beachtliche Aussage. Wenn man Noal Glauben schenken wollte, hatte er schon alles gesehen, und so gut wie immer war es gr��er oder gro�artiger als das gewesen, was sich vor seiner Nase abspielte. Zu Hause h�tte man gesagt, er w�rde die Wahrheit fest verschn�rt im Beutel halten.</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf. �Sie haben nicht genug Schiffe, um wieder alle nach Hause schaffen zu k�nnen.�</p><p>�Wir haben unser Zuhause nicht verlassen�, sagte eine Frauenstimme mit einem breiten Akzent hinter ihm. �Wir sind nach Hause gekommen.�</p><p>Der seanchanische Akzent lie� Mat nicht zusammenzucken, aber es h�tte nicht viel gefehlt, bevor er die Sprecherin erkannte.</p><p>Egeanin schaute finster drein, ihre Augen erinnerten an blaue Dolche, aber das war nicht auf ihn gem�nzt. Zumindest glaubte er das nicht. Sie war hochgewachsen und schlank und hatte ein hartes Gesicht, das trotz eines Lebens auf See blass geblieben war. Ihr gr�nes Kleid war grell genug f�r eine Kesselflickerin und an dem hohen Kragen und den �rmelaufschl�gen mit winzigen gelben und wei�en Bl�ten bestickt. Ein fest unter dem Kinn gebundener Schal mit Blumenmuster hielt die schwarze Per�cke auf ihrem Kopf fest, deren Locken bis �ber die Schultern reichten. Sie hasste den Schal und das Kleid, das nicht so richtig passte, aber alle paar Minuten tasteten ihre Finger nach der Per�cke, um sich zu vergewissern, dass sie noch richtig sa�. Das machte ihr mehr Sorgen als die Kleidung, obwohl Sorgen nicht mal ann�hernd das passende Wort war.</p><p>Die langen Fingern�gel kurz schneiden zu m�ssen hatte ihr lediglich ein Seufzen entlockt, aber sie hatte fast einen Wutanfall bekommen, mit rotem Gesicht und hervorquellenden Augen, als er ihr klar gemacht hatte, dass sie sich den Kopf kahl rasieren musste. Die Art und Weise, wie sie ihr Haar zuvor getragen hatte � oberhalb der Ohren rasiert bis auf einen runden Sch�pf und einen bis zu den Schultern reichenden Pferdeschwanz �, schrie der Welt f�rmlich zu, dass sie als niedrige Adlige dem seanchanischen Blut angeh�rte. Selbst jemand, der noch nie zuvor einen Seanchaner gesehen hatte, h�tte sich an sie erinnert. Sie hatte z�gernd eingewilligt, aber danach war sie beinahe hysterisch geworden, bis sie den Kopf hatte bedecken k�nnen. Allerdings nicht aus Gr�nden, aus denen die meisten Frauen rasend geworden w�ren. Nein, bei den Seanchanern rasierte sich allein die kaiserliche Familie den Kopf. M�nner, die kahl wurden, trugen Per�cken, sobald der Haarausfall sichtbar wurde. Egeanin w�re eher gestorben, als jemanden glauben zu lassen, sie w�rde vort�uschen, ein Mitglied des Kaiserhauses zu sein, und selbst wenn es Leute gewesen w�ren, die nie im Leben auf diesen Gedanken gekommen w�ren. Nun, unter den Seanchanern stand auf diese Art der T�uschung die Todesstrafe, aber Mat h�tte es nie f�r m�glich gehalten, dass sie so darauf herumreiten w�rde. Was bedeutete schon ein Todesurteil mehr, wenn man ohnehin die Axt im Nacken sp�rte? Oder in ihrem Fall die W�rgeschnur. F�r ihn w�rde es das Henkersseil sein.</p><p>Er schob das zur H�lfte gezogene Messer zur�ck in seinen linken �rmel und rutschte von dem Felsen herunter. Er landete ungeschickt und w�re fast gefallen; der stechende Schmerz in seiner H�fte lie� ihn beinahe das Gesicht verziehen. Aber nur beinahe. Sie war eine Adlige und ein Schiffskapit�n, und sie versuchte oft genug, das Kommando zu �bernehmen, ohne dass er auch noch irgendwelche Schw�chen zeigen musste, die ihr einen weiteren Anlass gegeben h�tten. Sie hatte ihn um Hilfe gebeten, nicht umgekehrt, aber das galt bei ihr nichts. Er lehnte sich mit verschr�nkten Armen an den Felsen und tat so, als w�rde er dort ganz gem�tlich stehen, dabei trat er l�ssig nach abgestorbenen Grasb�scheln, um die schmerzenden Muskeln zu lockern. <emphasis>Das</emphasis> tat so weh, dass ihm trotz des kalten Windes der Schwei� ausbrach. Die Flucht im Sturm hatte seiner H�fte geschadet, und noch hatte er nicht wieder an Boden gut gemacht.</p><p>�Seid Ihr sicher, was das Meervolk angeht?�, fragte er sie. Sinnlos, den Mangel an Schiffen noch einmal zu erw�hnen. Es hatten sich sowieso zu viele seanchanische Siedler von Ebou Dar aus ausgebreitet, und von Tanchico mussten es noch mehr sein. Wie viele Schiffe sie auch immer hatten, keine Macht auf der Welt w�rde jetzt noch alle Seanchaner wieder zur�ckwerfen k�nnen.</p><p>Sie griff erneut nach der Per�cke, z�gerte, sah stirnrunzelnd ihre kurzen Fingern�gel an und schob sich stattdessen die H�nde unter die Achselh�hlen. �Was ist damit?� Sie wusste, dass er hinter dem Ausbruch der Windsucherinnen steckte, aber keiner von ihnen hatte es erw�hnt. Sie bem�hte sich immer zu vermeiden, �ber die Atha'an Miere zu sprechen. Einmal abgesehen von all den versunkenen Schiffen und den Toten war die Befreiung von <emphasis>Damane</emphasis> ein weiteres Verbrechen, auf das die Todesstrafe stand, dar�ber hinaus war es in den Augen der Seanchaner eine so widerw�rtige Tat wie Vergewaltigung oder Kindesmissbrauch. Nat�rlich hatte sie ebenfalls bei der Befreiung einiger <emphasis>Damane</emphasis> geholfen, allerdings geh�rte das ihrer Meinung nach zu den geringsten ihrer Verbrechen.</p><p>Dennoch mied sie auch dieses Thema. Es gab einige Themen, bei denen sie stumm blieb.</p><p>�Seid Ihr sicher, was die Windsucherinnen betrifft, die man gefangen hat? Ich habe geh�rt, man will ihnen H�nde oder F��e abhacken.� Mat schluckte einen bitteren Geschmack herunter. Er hatte M�nner sterben sehen, hatte M�nner mit eigenen H�nden get�tet. Das Licht sei ihm gn�dig, er hatte sogar eine Frau get�tet! Nicht einmal die finsterste Erinnerung der anderen M�nner brannte so qu�lend hei� wie diese, dabei waren einige davon finster genug, um in Wein ertr�nkt werden zu m�ssen, wenn sie an die Oberfl�che kamen. Aber der Gedanke, jemandem absichtlich die H�nde abzuhacken, bereitete ihm �belkeit.</p><p>Egeanins Kopf zuckte herum, und einen Augenblick lang glaubte er, sie w�rde seine Frage ignorieren. �Ich wette, das Gerede kommt von Renna�, sagte sie abf�llig. �Ein paar <emphasis>Sul'dam</emphasis> erz�hlen solchen Unsinn, um ungehorsame <emphasis>Damane</emphasis> zu �ngstigen, die neu an der Leine sind, aber das hat schon seit sechshundert oder siebenhundert Jahren keiner mehr getan. Jedenfalls nicht viele, und Leute, die ihren Besitz nicht ohne Verst�mmelungen im Griff haben, sind sowieso ... <emphasis>sei'mosiev.�</emphasis> Ihr Mund verzog sich vor Abscheu, aber es blieb unklar, ob wegen der Verst�mmelung oder dem <emphasis>sei'mosiev.</emphasis></p><p>�Ob nun besch�mt oder nicht, sie tun es�, fauchte er.</p><p>F�r einen Seanchaner bedeutete <emphasis>sei'mosiev</emphasis> mehr als nur besch�mt zu sein, aber er bezweifelte, dass jemand, der einer Frau absichtlich die Hand abschnitt, ausreichend gedem�tigt werden konnte, um sich deswegen umzubringen. �Geh�rt Suroth zu den �wenigen�?�</p><p>Die Seanchanerin erwiderte seinen w�tenden Blick mit der gleichen Intensit�t und stemmte die F�uste in die H�ften, sie beugte sich mit gespreizten Beinen vor, als st�nde sie auf dem Deck eines Schiffes und w�re im Begriff, einen begriffsstutzigen Matrosen zu schelten.</p><p>�Die Hochlady Suroth ist nicht die Besitzerin dieser <emphasis>Damane,</emphasis> Ihr dummer Bauer! Sie sind der Besitz der Kaiserin, m�ge sie ewig leben. Suroth k�nnte sich genauso gut die Adern aufschlitzen, wenn sie so etwas f�r eine kaiserliche <emphasis>Damane</emphasis> anordnet. Das hei�t, falls sie so etwas �berhaupt tun k�nnte; ich habe nie geh�rt, dass sie ihren Besitz schlecht behandelt. Ich will es mal so erkl�ren, dass Ihr es auch versteht. Wenn Euer Hund wegl�uft, dann verst�mmelt Ihr ihn nicht. Ihr pr�gelt den Hund, damit er wei�, dass er das nicht tun darf, und bringt ihn zur�ck in seinen Zwinger. Au�erdem sind <emphasis>Damane</emphasis> so ...�</p><p>�So wertvoll�, vollendete Mat den Satz trocken. Er hatte das schon so oft geh�rt, dass es ihm aus den Ohren herauskam.</p><p>Sie reagierte nicht auf seinen Sarkasmus oder bemerkte es vielleicht auch nicht. Seiner Erfahrung nach konnte eine Frau, wenn sie etwas nicht h�ren wollte, es so lange ignorieren, bis man anfing zu zweifeln, es �berhaupt gesagt zu haben. �Endlich fangt Ihr an zu verstehen�, sagte sie und nickte. �Diese <emphasis>Damane,</emphasis> �ber die Ihr Euch solche Sorgen macht, haben vermutlich nicht mal mehr Striemen.� Sie schaute zu den Schiffen im Hafen, und langsam trat ein Ausdruck des Verlusts in ihr Gesicht, der von der H�rte ihrer Z�ge noch verst�rkt wurde. Sie strich mit den Daumen �ber die Fingerspitzen. �Ihr w�rdet nicht glauben, was mich meine <emphasis>Damane</emphasis> gekostet hat�, sagte sie leise, �sie und die <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Sie war nat�rlich jeden Thron wert, den ich bezahlt habe. Ihr Name ist Serrisa. Gut ausgebildet und aufmerksam. W�rde sich mit honigges��ten N�ssen voll stopfen, wenn man sie lie�e, aber sie wird niemals seekrank. Eine Schande, dass ich sie in Cantorin zur�cklassen musste. Ich sch�tze, ich werde sie nie wiedersehen.� Sie seufzte bedauernd.</p><p>�Ich bin sicher, sie vermisst Euch genauso sehr�, sagte Noal und lie� ein l�ckenhaftes L�cheln aufblitzen, und er klang ernst. Vielleicht war es sogar sein Ernst. Er hatte behauptet, Schlimmeres als <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Da'covale</emphasis> gesehen zu haben, was auch immer das bedeuten mochte.</p><p>Egeanin versteifte sich, und sie runzelte die Stirn, als w�rde sie ihm sein Verst�ndnis nicht abnehmen. Oder ihr war gerade aufgefallen, wie sie die Schiffe im Hafen anstarrte. Auf jeden Fall wandte sie sich auff�llig vom Wasser ab. �Ich habe den Befehl gegeben, dass keiner die Wagen verl�sst�, sagte sie energisch. Die M�nner auf ihren Schiffen waren bei diesem Tonfall garantiert gesprungen. Sie riss den Kopf vom Fluss weg, als w�rde sie erwarten, dass Mat und Noal ebenfalls in die von ihr erwartete Richtung sprangen.</p><p>�Habt Ihr das?� Mat grinste und zeigte seine Z�hne. Er konnte ein so unversch�mtes Grinsen zustande bringen, dass die meisten aufgeblasenen Narren kurz vor einem Schlaganfall standen. Egeanin war alles andere als eine N�rrin, aber aufgeblasen war sie. Schiffskapit�n und Adlige. Er wusste nicht, was davon schlimmer war. Ach, beide taugten nichts! �Nun, ich wollte sowieso dort hin. Es sei denn, Noal, dass Ihr noch nicht mit Fischen fertig seid. Wir k�nnen hier noch eine Weile warten, wenn Ihr noch nicht soweit seid.�</p><p>Aber der alte Mann leerte bereits die �brig gebliebenen silbergrauen Pfrillen aus dem Korb in den Fluss. Seine H�nde waren �bel gebrochen gewesen, ihrem verkr�mmten Erscheinungsbild nach zu urteilen sogar mehr als nur einmal, aber sie konnten die Angelschnur geschickt um das Bambusrohr wickeln. In der kurzen Zeit hatte er fast ein Dutzend Fische gefangen, von denen der gr��te nicht ganz einen Fu� lang war. Er hatte behauptet, mit dem richtigen Pfeffer � aus Shara, ausgerechnet! Er h�tte genauso gut auf dem Mond wachsen k�nnen! � eine Fischsuppe machen zu k�nnen, die Mat seine H�fte vergessen lassen w�rde. So wie Noal auf dem Pfeffer beharrte, vermutete Mat, dass er alles h�chstens deshalb vergessen w�rde, weil er vollauf damit besch�ftigt w�re, genug Ale zu finden, um seine Zunge zu k�hlen.</p><p>Egeanin, die voller Ungeduld wartete, beachtete Mats Grinsen ebenfalls nicht, also legte er einen Arm um sie. Wenn sie schon zur�ckgingen, konnten sie genauso gut auch jetzt schon damit anfangen. Sie schlug seine Hand von ihrer Schulter. Diese Frau lie� ein paar altj�ngferliche Tanten, die er gekannt hatte, wie Tavernenm�dchen aussehen.</p><p>�Wir sollen ein Paar darstellen, Ihr und ich�, erinnerte er sie.</p><p>�Hier ist niemand, der uns sehen kann�, knurrte sie.</p><p>�Wie oft muss ich dir das noch sagen, Leilwin?� Das war der Name, den sie benutzte. Sie behauptete, er stamme aus Tarabon. Auf jeden Fall klang er nicht seanchanisch. �Wenn wir nur dann H�ndchen halten, wenn wir sehen, dass uns jemand beobachtet, wird uns jeder, den wir nicht sehen, f�r ein seltsames Liebespaar halten.�</p><p>Sie schnaubte ver�chtlich, wehrte sich aber nicht, als er den Arm wieder um sie legte und sie es ihm nachmachte. Aber sie schenkte ihm gleichzeitig einen warnenden Blick.</p><p>Mat sch�ttelte den Kopf. Sie war so verr�ckt wie ein M�rzhase, wenn sie glaubte, ihm w�rde das Spa� machen. Die meisten Frauen hatten eine gewisse Polsterung �ber den Muskeln, zumindest die Frauen, die ihm gefielen, aber Egeanin zu umarmen war wie einen Zaunpfosten in den Arm zu nehmen. Fast genauso hart und definitiv genauso steif. Er konnte nicht verstehen, was Domon in ihr sah. Vielleicht hatte sie dem Illianer ja keine Wahl gelassen. Immerhin hatte sie den Mann gekauft, so wie man ein Pferd kaufte. <emphasis>Soll man mich zu Asche verbrennen, ich werde diese Seanchaner nie � mals verstehen,</emphasis> dachte er. Nicht, dass er es �berhaupt wollte. Das Problem war nur, dass er es musste.</p><p>Als sie sich abwandten, warf er einen letzten Blick in Richtung Hafen und w�nschte sich beinahe, er h�tte es nicht getan. Zwei kleine Segelschiffe durchbrachen die breite Nebelwand, die sich langsam auf den Hafen herabsenkte. Gegen den Wind herabsenkte. Zeit zu verschwinden; eigentlich h�tten sie schon l�ngst weg sein m�ssen.</p><p>Vom Fluss bis zur Gro�en Nordstra�e waren es fast mehr als zwei Meilen durch eine h�gelige Landschaft, die von winterbraunem Gras und Unkraut bedeckt wurde und mit schlingpflanzendurchzogenen Geb�schen gesprenkelt war, die selbst jetzt in fast bl�tterlosem Zustand zu dicht waren, um sich hindurchzw�ngen zu k�nnen. Die Steigungen verdienten kaum die Bezeichnung H�gel, jedenfalls nicht f�r jemanden, der als Junge in den Verschleierten Bergen herumgeklettert war � Mat hatte Ged�chtnisl�cken, aber an ein paar seiner Exkursionen konnte er sich erinnern �, doch es dauerte nicht lange, und er war froh, den Arm um jemanden legen zu k�nnen. Er hatte zu lange reglos auf dem verdammten Felsen gesessen. Das Pochen in seiner H�fte war zu einem dumpfen Schmerz geschwunden, aber es lie� ihn noch immer hinken, und ohne eine St�tze w�re er auf den Abh�ngen ins Stolpern geraten. Nicht, dass er sich auf Egeanin st�tzte, nat�rlich nicht, aber sich an ihr festzuhalten half ihm, gleichm��ig zu gehen. Die Frau schaute ihn d�ster an, als glaubte sie, er wolle sich etwas herausnehmen.</p><p>�Wenn Ihr das tun w�rdet, was man Euch sagt�, knurrte sie, �m�sste ich Euch nicht tragen.�</p><p>Er zeigte ihr wieder die Z�hne, aber diesmal versuchte er nicht, es als L�cheln zu tarnen. Noal spazierte m�helos neben ihnen her; obwohl er den Korb mit den Fischen auf die eine H�fte st�tzte und in der anderen Hand die Angelrute trug, ging er so sicher wie auf ebenem Gel�nde, und es war peinlich. So ausgemergelt der Alte auch aussah, so agil war er doch. Manchmal sogar zu agil.</p><p>Ihre Route f�hrte sie n�rdlich am Himmelskreis vor � bei mit seinen langen Sitzreihen aus poliertem Stein, auf denen bei w�rmerem Wetter reiche G�nner unter bunten Zeltplanen auf Kissen sa�en und den Pferderennen zuschauten. Jetzt waren die Zeltbahnen und ihre Pfosten verstaut und die Pferde alle in ihren St�llen auf dem Land untergebracht � jedenfalls diejenigen, die die Seanchaner nicht genommen hatten �, und die Sitze waren bis auf ein paar Jungen leer, die die Reihen rauf- und runtersprangen und Fangen spielten. Mat mochte Pferde und Pferderennen, aber sein Blick glitt an dem Kreis vorbei in Richtung Ebou Dar. Jedes Mal, wenn er eine Anh�he erklomm, waren die massiven wei�en Stadtmauern sichtbar, auf denen eine Stra�e die ganze Stadt umkreiste, und der Anblick gab ihm einen Vorwand, einen Augenblick lang stehenzubleiben. Dumme Frau! Ein bisschen Hinken hie� noch lange nicht, dass sie ihn trug! Ihm gelang es, seine gute Laune zu behalten, es nicht zu ernst zu nehmen und sich nicht zu beschweren. Warum nicht also auch ihr?</p><p>In der Stadt funkelten wei�e D�cher und Mauern, wei�e Kuppeln und T�rme, die mit schmalen Farbringen geschm�ckt waren, ein Bild des Friedens. Er konnte nicht die L�cken ausmachen, wo H�user niedergebrannt waren. Eine lange Schlange aus Ochsenkarren mit hohen R�dern w�lzte sich durch den breiten Torbogen, der sich auf die Gro�e Nordstra�e hin �ffnete, Landleute auf ihrem Weg zu den Stadtm�rkten, die das verkauften, was auch immer sie so sp�t im Winter noch anzubieten hatten, und in ihrer Mitte befand sich ein Kaufmannszug aus gro�en Planwagen, die von Gespannen mit sechs oder acht Pferden gezogen wurden, und allein das Licht wusste, wo die Waren herkamen, die sie transportierten. Sieben weitere Wagenz�ge, die sich aus vier bis zehn Wagen zusammensetzten, standen am Stra�enrand in einer Reihe und warteten darauf, dass die Torw�chter ihre Inspektionen beendeten. Solange die Sonne schien, h�rte der Handel nicht auf, ganz egal, wer eine Stadt beherrschte, es sei denn, es wurde gerade gek�mpft. Und manchmal h�rte er nicht einmal dann auf.</p><p>Der Menschenstrom in die andere Richtung bestand haupts�chlich aus Seanchanern, Soldaten in ihren mit Streifen bemalten R�stungen und Helmen, die wie gro�e Insektenk�pfe aussahen. Einige von ihnen marschierten und andere ritten, Adlige, die immer im Sattel sa�en und verzierte Umh�nge, Reitgew�nder und Spitzenschleier trugen oder Pluderhosen und lange M�ntel. Auch seanchanische Siedler verlie�en noch immer die Stadt, ein Wagen nach dem anderen voller Bauern und Handwerker und ihrem jeweiligen Handwerkszeug. Die Siedler waren unmittelbar nach dem Ausschiffen aufgebrochen, aber es w�rde Wochen dauern, bis sie alle weg waren. Es war ein friedlicher Anblick, allt�glich und gew�hnlich, wenn man au�er Acht lie�, was geschehen war, aber jedes Mal, wenn sie an eine Stelle kamen, an der er die Tore sehen konnte, blitzte in Mat wieder die Erinnerung an den Augenblick vor sechs N�chten auf, und er war wieder da, am Tor.</p><p>Der Sturm war schlimmer geworden, als sie die Stadt vom Tarasin-Palast aus durchquert hatten. Der Regen fiel k�belweise, trommelte auf die dunkle Stadt herab und machte die Pflastersteine unter den Pferdehufen glitschig, und der Wind heulte vom Meer der St�rme heran und trieb den Regen wie aus Schleudern geschossene Steine vor sich her und riss an ihren Umh�ngen, sodass der Versuch, sich trocken zu halten, ein aussichtsloser Kampf war. Wolken verbargen den Mond, und die Sintflut schien das Licht der Stablaternen aufzusaugen, die Blaeric und Fen zu Fu� vor ihnen hertrugen. Dann betraten sie den langen Tunnel durch die Stadtmauer und fanden zumindest etwas Schutz vor dem Regen. Der Wind lie� den hohen Tunnel wie eine Fl�te pfeifen. Die Torw�chter warteten am anderen Ende des Durchgangs; vier von ihnen trugen ebenfalls Stablaternen. Ein weiteres Dutzend, die H�lfte davon Seanchaner, trugen Hellebarden, die einen Mann aus dem Sattel zerren konnten. Zwei Seanchaner mit abgenommenen Helmen schauten aus der T�r der hell erleuchteten Wachshabe, die in die wei� get�nchte Stadtmauer hineingebaut war, und zuckende Schatten hinter ihnen verrieten, dass sich dort noch mehr von ihnen aufhielten. Zu viele, um sich lautlos an ihnen vorbeik�mpfen zu k�nnen, vielleicht sogar zu viele, um sich �berhaupt an ihnen vorbeik�mpfen zu k�nnen.</p><p>Die W�chter waren sowieso nicht die eigentliche Gefahr. Eine hochgewachsene, pausb�ckige Frau in Dunkelblau, auf deren kn�chellangem Hosenrock rote Rechtecke mit Silberblitzen aufgen�ht waren, trat an den M�nnern in der Wachstubent�r vorbei. In der linken Hand der <emphasis>Sul'dam</emphasis> war eine lange, silberne Metallleine, deren anderes Ende sie mit der grauhaarigen Frau in einem dunkelgrauen Kleid verband, die ihr mit einem eifrigen Grinsen nach drau�en folgte. Mat hatte gewusst, dass sie da sein w�rden. Die Seanchaner hatten mittlerweile an allen Toren <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> platziert. M�glicherweise hielt sich sogar noch ein Paar oder auch zwei in der Stube auf. Sie dachten nicht im Traum daran, auch nur eine Frau, welche die Eine Macht lenken konnte, durch ihre Netze schl�pfen zu lassen. Das silberne Fuchskopf-Medaillon unter seinem Hemd lag kalt auf seiner Haut; es war nicht <emphasis>die</emphasis> K�lte, die signalisierte, dass in unmittelbarer N�he jemand die Quelle umarmte, sondern blo� die K�lte der Nacht, und seine Haut war zu kalt, es zu erw�rmen, aber er konnte nicht auf die anderen warten. Beim Licht, er jonglierte heute Nacht mit Feuerwerk, und die Lunten brannten!</p><p>Die W�chter h�tten sich vielleicht gefragt, warum eine Adlige zusammen mit �ber einem Dutzend Bediensteten und einer Reihe Packpferde, die auf eine l�ngere Reise hindeuteten, Ebou Dar mitten in der Nacht und dann noch bei diesem Wetter verlie�, aber Egeanin geh�rte dem Blut an, ihr Umhang zeigte einen aufgestickten Adler mit gespreizten schwarzwei�en Schwingen, und ihre roten Reithandschuhe hatten lange Finger, um Platz f�r ihre Fingern�gel zu lassen. Gew�hnliche Soldaten stellten nie in Frage, was das Blut tat, nicht einmal das rangniedrige Blut. Was nicht bedeutete, dass es keine Formalit�ten gab. Jeder konnte die Stadt nach freiem Willen verlassen, aber die Seanchaner f�hrten �ber die Bewegungen von <emphasis>Damane</emphasis> Buch, und im Gefolge ritten drei von ihnen. Sie hielten die K�pfe gesenkt, die Gesichter von den Kapuzen ihrer grauen Umh�nge verborgen, und waren mit der silbernen L�nge eines <emphasis>Adam</emphasis> mit einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> verbunden.</p><p>Die pausb�ckige <emphasis>Sul'dam</emphasis> ging an ihnen vorbei, ohne ihnen mehr als einen fl�chtigen Blick zu widmen. Aber ihre <emphasis>Damane</emphasis> musterte jede Frau genau, sie sp�rte, ob sie die Macht lenken konnte, und Mat hielt den Atem an, als sie neben der letzten berittenen <emphasis>Damane</emphasis> mit einem leichten Stirnrunzeln verharrte. Selbst mit seinem Gl�ck h�tte er nicht gewettet, dass den Seanchanern das alterslose Gesicht einer Aes Sedai entging, wenn sie in die Kapuze hineinschauten. Es gab Aes Sedai, die als <emphasis>Damane</emphasis> gehalten wurden, aber wie wahrscheinlich war es, dass sich drei von ihnen bei Egeanin aufhielten? Beim Licht, wie standen die Chancen, dass eine vom niedrigen Blut drei von ihnen besa�?</p><p>Die pausb�ckige Frau gab ein Schnalzen von sich, so wie man es vielleicht einem Scho�hund widmete, und zog am <emphasis>Adam,</emphasis> und die <emphasis>Damane</emphasis> folgte ihr. Sie hielten nach <emphasis>Marath'damane</emphasis> Ausschau, die der Leine zu entkommen versuchten. Mat glaubte noch immer zu ersticken. In seinem Kopf ert�nte wieder das Klappern rollender W�rfel, laut genug, um das gelegentliche Grollen fernen Donners zu �bert�nen. Etwas w�rde schief gehen; er wusste es.</p><p>Der Wachoffizier, ein st�mmiger Seanchaner mit den schr�g stehenden Augen eines Saldaeaners, aber blasser, honigbrauner Haut, verbeugte sich h�flich und lud Egeanin in die Wachstube ein, dort einen Becher gew�rzten Wein zu trinken, w�hrend der Schreiber die Angaben �ber die <emphasis>Damane</emphasis> notierte. Jede Wachstube, die Mat je gesehen hatte, war ein unfreundlicher Ort gewesen, aber das Lampenlicht, das durch die Schie�scharten drang, lie� diese beinahe einladend erscheinen. Vermutlich erschien eine F�ngerpflanze einer Fliege ebenfalls einladend. Er war froh �ber den Regen gewesen, der von seiner Kapuze getropft und sein Gesicht hinuntergelaufen war. Das Wasser verbarg den Schwei� der Anspannung. Er hielt eines seiner Wurfmesser; es lag flach auf dem langen B�ndel, das vor ihm auf dem Sattel festgeschnallt war. Dort w�rde es keiner der Soldaten entdecken. Er konnte die Frau in dem B�ndel unter seinen H�nden atmen sp�ren, und die Muskeln seiner Schultern waren verspannt, weil er darauf wartete, dass sie um Hilfe rief. Selucia hielt ihr Pferd in seiner unmittelbaren N�he, beobachtete ihn aus dem Schutz ihrer Kapuze heraus, den blonden Zopf au�er Sicht versteckt, und wandte den Blick nicht einmal ab, als die <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit ihrer <emphasis>Damane</emphasis> vorbeiging. Ein Ruf von Selucia h�tte alles auffliegen lassen k�nnen, genau wie einer von Tuon. Er glaubte, dass die Drohung des Messers beide Frauen schweigen lie� � sie mussten einfach glauben, dass er verzweifelt oder verr�ckt genug war, um es zu benutzen �, aber er konnte sich dessen nicht sicher sein. In dieser Nacht gab es so vieles, dessen er sich nicht sicher sein konnte, so vieles, das aus dem Gleichgewicht und unberechenbar war.</p><p>In seiner Erinnerung hielt er erneut den Atem an und fragte sich, wann jemandem auffallen w�rde, dass das B�ndel, das er transportierte, mit kostbaren Stickereien verziert war, und sich fragte, warum er es im Regen nass werden lie�; er verfluchte sich, dass er einen Wandbehang genommen hatte, nur weil er in der N�he gewesen war. In der Erinnerung verlangsamte sich alles. Egeanin stieg ab und warf Domon ihre Z�gel zu, der sie mit einer Verbeugung im Sattel auffing. Domons Kapuze war gerade weit genug zur�ckgerutscht, um zu zeigen, dass sein Sch�del auf der einen Seite rasiert und sein restliches Haar zu einem Zopf geflochten war, der ihm bis zu den Schultern ging. Regen tropfte von dem kurzen Bart des kr�ftigen Illianers, dennoch schaffte er es, die halsstarrige Arroganz eines <emphasis>So'jhin</emphasis> zu bewahren, eines erbberechtigten Oberdieners einer des Blutes und somit dem Blut fast gleichgestellt. Auf jeden Fall von h�herem Rang als ein gew�hnlicher Soldat. Egeanin warf einen Blick zur�ck zu Mat und seiner Last, das Gesicht eine erstarrte Maske, die als Hochmut durchgehen konnte, wenn man nicht wusste, dass sie von dem entsetzt war, was sie da taten. Die hochgewachsene <emphasis>Sul'dam</emphasis> und ihre Dom�ne kamen zur�ck, sie hatten ihre Kontrolle beendet.</p><p>Vanin, der direkt hinter Mat eine Kolonne Packpferde f�hrte und wie immer wie ein Sack Mehl im Sattel sa�, beugte sich vor und spuckte aus. Mat vermochte nicht zu sagen, warum das in seiner Erinnerung h�ngen geblieben war, aber das war es. Vanin spuckte aus, und weit hinter ihnen in der Ferne erscholl Trompetenschall. Aus dem S�den der Stadt, wo M�nner geplant hatten, auf der Buchtstra�e abgeladenen seanchanischen Nachschub in Brand zu setzen.</p><p>Der Offizier der Wache verharrte beim Ton der Trompeten, aber pl�tzlich fing mitten in der Stadt eine Glocke an zu l�uten, dann noch eine, und dann hatte es den Anschein, als w�rden Hunderte von ihnen in der Nacht Alarm schlagen, w�hrend der schwarze Himmel von mehr Blitzen zerrissen wurde, als jeder Sturm jemals hervorgebracht hatte, silberblaue Blitze, die innerhalb der Stadtmauern in die Tiefe zuckten. Sie tauchten den Tunnel in flackerndes Licht. Das war der Augenblick, in dem die ersten Schreie ert�nten, gefolgt von donnernden Explosionen in der Stadt.</p><p>Einen Augenblick lang verfluchte Mat die Windsucherinnen daf�r, fr�her zugeschlagen zu haben, als sie ihm versprochen hatten. Aber dann wurde ihm klar, dass die W�rfel in seinem Kopf verstummt waren.</p><p>Warum? Es wollte ihn losfluchen lassen, aber nicht einmal dazu war Zeit. Im n�chsten Augenblick dr�ngte der Offizier Egeanin eilig dazu, wieder in den Sattel zu steigen und ihre Reise fortzusetzen, dann rief er den M�nnern, die aus der Wachstube st�rmten, Befehle zu und schickte einen in die Stadt hinein, um zu ergr�nden, worum es bei dem Alarm ging, w�hrend er die �brigen M�nner gegen Bedrohungen von innen oder au�en aufstellte. Die pausb�ckige Frau rannte los, um zusammen mit ihrer <emphasis>Dom�ne</emphasis> zwischen den Soldaten Aufstellung zu nehmen, gefolgt von einem weiteren mit einem <emphasis>A'dam</emphasis> verbundenen Paar, das aus der Wachstube gelaufen kam. Und Mat und die anderen galoppierten hinaus in den Sturm, unter ihnen drei Aes Sedai, von denen zwei entflohene <emphasis>Damane</emphasis> waren, sowie die entf�hrte Erbin des Kristallthrons von Seanchan, w�hrend sich hinter ihnen ein viel schlimmerer Sturm �ber Ebou Dar entlud. <emphasis>Blitze so zahlreich wie Grashalme...</emphasis></p><p>Mit einem Schauder riss sich Mat zur�ck in die Gegenwart. Egeanin sah ihn finster an und zog ihn �bertrieben fest weiter. �Liebesp�rchen beeilen sich nicht�, murmelte er. �Sie ... flanieren.� Sie verzog h�hnisch die Lippen. Domon musste blind vor Liebe sein. Entweder das, oder er hatte zu viele Schl�ge auf den Kopf kassiert.</p><p>Das Schlimmste war vorbei. Mat hoffte jedenfalls, dass die Flucht aus der Stadt das Schlimmste gewesen war. Seitdem hatte er die W�rfel nicht mehr geh�rt. Sie waren immer ein unheilverk�ndendes Zeichen gewesen. Seine Spuren waren so verwischt, wie es ihm m�glich gewesen war, und er war davon �berzeugt, dass man mindestens einen Gl�ckspilz wie ihn brauchen w�rde, um das Gold vom Stroh zu trennen. Die Sucher hatten Egeanins Witterung bereits vor jener Nacht aufgenommen, und sie w�rde jetzt auch noch wegen des Diebstahls von <emphasis>Damane</emphasis> gesucht werden, aber die Beh�rden w�rden erwarten, dass sie ritt, so schnell sie konnte und bereits meilenweit von Ebou Dar entfernt war, statt in Sichtweite der Stadt zu verweilen. Abgesehen von einer zuf�lligen Zeit�bereinstimmung brachte sie nichts mit Tuon in Verbindung. Oder mit Mat, und das war wichtig. Tylin hatte sicherlich ihre eigenen Anklagen gegen ihn vorgebracht � keine Frau w�rde einem Mann vergeben, dass er sie gefesselt unters Bett geschoben hatte, selbst wenn es ihr Vorschlag gewesen war �, aber mit etwas Gl�ck w�rde er �ber jeden Verdacht erhaben sein, was die anderen Vorf�lle jener Nacht betraf. Mit etwas Gl�ck w�rde niemand au�er Tylin einen Gedanken an ihn verschwenden. Eine K�nigin zu verschn�ren wie ein f�r den Markt bestimmtes Schwein h�tte f�r gew�hnlich mehr als nur ausgereicht, einem Mann den Tod zu bringen, aber neben dem Verschwinden der Tochter der Neun Monde war das nebens�chlich, und was konnte Tylins Spielzeug damit zu tun haben? Es �rgerte ihn noch immer, dass man ihn als ein Anh�ngsel betrachtet hatte � schlimmer noch, als Spielzeug! �, aber es hatte auch seine Vorteile.</p><p>Er glaubte in Sicherheit zu sein � zumindest vor den Seanchanern �, aber eine Sache lie� ihm keine Ruhe, wie ein eingetretener Dorn. Nun, eigentlich waren es mehrere Dinge, die sich gr��tenteils aus Tuon ergaben, aber dieser Dorn hatte eine besonders lange Spitze. Tuons Verschwinden h�tte so schockierend wie das Verschwinden der Sonne am Mittag sein sollen, aber es war kein Alarm gegeben worden! Nicht einer! Keine Belohnungen und keine Angebote f�r L�segeld, keine hei�bl�tigen Soldaten, die jeden Karren und jeden Wagen innerhalb von Meilen durchsuchten oder �ber das Land galoppierten, um jeden Verschlag und jedes Loch aufzusp�ren, in dem man eine Frau h�tte verstecken k�nnen. Die alten Erinnerungen verrieten ihm etwas �ber die Jagd nach entf�hrten Adligen, aber abgesehen von den Galgen und den verbrannten Schiffen im Hafen erschien Ebou Dar nach au�en hin genauso wie am Tag vor der Entf�hrung. Egeanin behauptete, die Suche w�rde unter absoluter Geheimhaltung stattfinden, daher w�ssten sogar viele Seanchaner noch nichts von Tuons Verschwinden. Ihre Erkl�rung hatte mit dem Entsetzen des Kaiserreichs und b�sen Omen f�r die Wiederkehr und dem Verlust von <emphasis>Sei'taer</emphasis> zu tun, und sie h�rte sich an, als sei sie fest davon �berzeugt, aber Mat glaubte kein Wort davon. Die Seanchaner waren seltsame Leute, aber keiner konnte so seltsam sein. Die Stille in Ebou Dar lie� seine Haut jucken.</p><p>Er f�hlte eine Falle in dieser Stille. Als sie die Gro�e Nordstra�e erreichten, war er dankbar, dass die Stadt hinter den H�geln verborgen war.</p><p>Die Stra�e war eine gro�e �berlandstra�e, eine wichtige Handelsroute, breit genug, dass f�nf oder sechs Wagen ungehindert nebeneinander herfahren konnten; Hunderte von Jahren der Benutzung hatten die Oberfl�che aus Erde und Lehm so hart wie die uralten Pflastersteine gemacht, die gelegentlich am Rand oder einer Ecke ein paar Fingerbreit in die H�he ragten. Mat und Egeanin eilten zwischen einem Handelszug, der auf die Stadt zurollte und von zehn M�nnern mit harten Augen in mit Eisenscheiben besetzten Lederwesten bewacht wurde, und einer Anzahl von Pferden, Maultieren oder Ochsen gezogenen Siedlerwagen, die vorn und hinten auf diese seltsame Weise spitz zuliefen, auf die andere Seite; Noal blieb ihnen dicht auf den Fersen. Zwischen den Wagen trieben barf��ige Jungen mit St�cken vierhornige Ziegen mit langem, schwarzem Fell und gro�e wei�e K�he mit langen Hautlappen. Hinter den Wagen f�hrte ein Mann mit blauen Pluderhosen einen gewaltigen Bullen an einem dicken Seil an seinem Nasenring. Von der Kleidung einmal abgesehen, h�tte er von den Zwei Fl�ssen stammen k�nnen. Er warf Mat und anderen, die in dieselbe Richtung gingen, einen Blick zu, als wollte er sie ansprechen, aber dann sch�ttelte er den Kopf und marschierte weiter, ohne noch einmal in ihre Richtung zu schauen. Wegen Mats Hinken gingen sie nicht besonders schnell, und die Siedler bewegten sich langsam, aber stetig.</p><p>Egeanin ging mit gekr�mmten Schultern und hielt mit der freien Hand den Schal unter dem Kinn fest, dann seufzte sie und l�ste die Finger, die sich fast schon schmerzhaft in Mats Seite gegraben hatten. Einen Moment sp�ter richtete sie sich auf und starrte auf den R�cken des sich entfernenden Bauern, als wollte sie ihm hinterherst�rmen und ihm und seinem Bullen eins auf die Ohren geben. Und als w�re das nicht schlimm genug, sobald der Bauer zwanzig Schritte entfernt war, richtete sie ihre finstere Miene auf eine Abteilung seanchanischer Soldaten, die in der Mitte der Stra�e in einem Tempo marschierte, das sie die Siedler bald �berholen lassen w�rde, etwa zweihundert Mann in Viererreihe, denen von Maultieren gezogene Wagen mit festgezurrten Segeltuchplanen folgte. Die Stra�enmitte war f�r Milit�rverkehr freigehalten. An der Spitze der Marschreihe ritten ein halbes Dutzend Offiziere mit Helmen, die lediglich ihre Augen freilie�en, sie blickten weder nach rechts noch nach links, und ihre roten Umh�nge waren ordentlich �ber die Kruppen ihrer Pferde ausgebreitet. Das Banner zeigte allem Anschein nach eine stilisierte silberne Pfeilspitze oder einen Anker, �ber dem sich ein langer Pfeil und ein gezackter Blitz in Gold kreuzten, darunter standen Zeichen und Ziffern, die Mat nicht lesen konnte, da Windb�en das Banner in alle Richtungen flattern lie�en. Die M�nner auf den Proviantwagen trugen dunkelblaue M�ntel und rechteckige rotblaue M�tzen, aber die Soldaten waren noch herausgeputzter als die meisten Seanchaner, die mit blauen Streifen versehene Segmentr�stung wies am unteren Ende einen silberwei�en und roten, goldgelb abgesetzten Streifen auf, und die Helme waren mit allen vier Farben bemalt, sodass sie den Fratzen furcht einfl��ender Spinnen �hnelten. An der Vorderseite eines jeden Helms war ein gro�es Abzeichen mit dem Anker und dem gekreuzten Blitz und Pfeil befestigt � Mat hielt es jetzt f�r einen Anker �, und jeder Mann mit Ausnahme der Offiziere trug einen Bogen, einen gef�llten K�cher am G�rtel und auf der anderen Seite ein Kurzschwert.</p><p>�Schiffsbogensch�tzen�, murmelte Egeanin und starrte die Soldaten finster an. Ihre freie Hand lie� den Schal los, war aber noch immer zur Faust geballt. �Tavernenschl�ger. Die machen immer �rger, wenn sie zu lange an Land sind.�</p><p>Auf Mat machten sie einen gut ausgebildeten Eindruck. Davon abgesehen hatte er noch nie von Soldaten geh�rt, die nicht in Raufereien verwickelt wurden, vor allem, wenn sie betrunken oder gelangweilt waren, und gelangweilte Soldaten neigten nun einmal dazu, sich zu betrinken. Er fragte sich, wie weit diese Bogen wohl trugen, aber es war ein fl�chtiger Gedanke. Er wollte nichts mit irgendwelchen seanchanischen Soldaten zu haben. Wenn es nach ihm ging, w�rde er nie wieder etwas mit irgendwelchen Soldaten zu tun haben. Aber anscheinend reichte sein Gl�ck daf�r nicht aus. Schicksal und Gl�ck waren zwei verschiedene Dinge. H�chstens zweihundert Schritte, entschied er. Eine gute Armbrust w�rde sie �bertreffen. Oder jeder Bogen von den Zwei Fl�ssen.</p><p>�Wir sind aber nicht in der Taverne�, sagte er zwischen zusammengebissenen Z�hnen, �und im Augenblick pr�geln sie sich nicht. Und wollen auch keine Pr�gelei anfangen, nur weil Ihr Angst hattet, ein Bauer k�nnte Euch ansprechen.� Sie schob ihr Kinn vor und warf ihm einen Blick zu, der hart genug war, um ihm den Sch�del zu spalten. Aber es war die Wahrheit. Sie hatte Angst, den Mund in der N�he eines Fremden aufzumachen, der ihren Akzent erkennen konnte. Seiner Meinung nach war das eine kluge Vorsichtsma�nahme, aber sie schien alles zu �rgern. �Wenn Ihr sie weiter so finster anstarrt, haben wir gleich einen Bannertr�ger hier, der Fragen stellt. Die Frauen im Umkreis von Ebou Dar sind ber�hmt f�r ihre Zur�ckhaltung�, log er. Was konnte sie schon von den hiesigen Br�uchen wissen?</p><p>Sie musterte ihn kurz von der Seite � vielleicht versuchte sie zu ergr�nden, was Zur�ckhaltung bedeutete �, aber sie h�rte auf, die Bogensch�tzen anzustarren. Sie sah bereit aus, zu bei�en statt zu schlagen.</p><p>�Der Bursche ist so dunkel wie ein Atha'an Miere�, murmelte Noal gedankenverloren und starrte die vorbeimarschierenden Soldaten an. �Dunkel wie ein Sharan. Aber ich k�nnte schw�ren, er hat blaue Augen. Ich habe solche M�nner schon zuvor gesehen, aber wo?� Er wollte sich die Schl�fe reiben und schlug sich mit der Bambusangel beinahe auf den Kopf, dann beschleunigte er seinen Schritt, als wollte er den Mann nach seinem Geburtsort fragen.</p><p>Mit einem Sprung erwischte Mat den alten Mann am �rmel. �Wir gehen zur�ck zum Zirkus, Noal. Jetzt. Wir h�tten ihn nie verlassen sollen.�</p><p>�Das habe ich Euch gleich gesagt�, meinte Egeanin mit einem energischen Nicken.</p><p>Mat st�hnte, aber er konnte blo� weitergehen. Oh, der Zeitpunkt, an dem sie h�tten weg sein sollen, war vergangen. Er hoffte blo�, dass er nicht zu sp�t aufgebrochen war.</p></section><section><title><p>2</p><p>Zwei Kapit�ne</p></title><p>Etwa zwei Meilen n�rdlich der Stadt flatterte ein breites zwischen zwei Pfosten aufgespanntes blaues Spruchband im Wind; die hellroten Buchstaben, die gro� genug waren, um auch noch von der hundert Schritte �stlich gelegenen Stra�e gelesen werden zu k�nnen, k�ndigten Valan Lucas Gro�en Wanderzirkus und Pr�chtige Zurschaustellung von Mysterien und Wundern an. Und f�r jene, die nicht les en konnten, wies es auf einen Ort hin, an dem sich etwas Ungew�hnliches befand. Dies war der gr��te Wanderzirkus auf der ganzen Welt, zumindest behauptete dies das Banner. Luca behauptete vieles, aber in dem Punkt sagte er Mats Meinung zufolge die Wahrheit. Die zehn Fu� hohe und am Boden fest verankerte Segeltuchwand umgab die Fl�che eines mittelgro�en Dorfes.</p><p>Die vorbeistr�menden Leute betrachteten das Banner neugierig, aber die Bauern und Kaufleute hatten ihre Arbeit vor sich und die Siedler ihre Zukunft, und keiner machte einen Abstecher. Dicke, an im Boden versenkten Pfosten befestigte Taue sollten die Menschenmengen zu dem breiten, torbogenf�rmigen Eingang direkt hinter dem Banner leiten, aber keiner wartete auf Einlass, nicht zu dieser Stunde. In letzter Zeit kamen nur wenige, egal zu welcher Stunde. Der Fall von Ebou Dar hatte nur ein leichtes Absinken der Zuschauerzahlen zur Folge gehabt, aber sobald die Leute erkannt hatten, dass die Stadt nicht gepl�ndert werden w�rde und sie nicht um ihr Leben fl�chten mussten, sondern dass die Wiederkehr die ganzen Schiffe und Siedler brachte, entschloss sich fast jeder, sein Geld f�r dringendere Bed�rfnisse aufzuheben. Unter dem Banner standen zwei kr�ftige M�nner in Umh�ngen, die aussahen, als k�men sie aus einer Kleidersammlung, und schoben dort ihren Dienst, der daraus bestand, jeden fernzuhalten, der sich ohne zu bezahlen umsehen wollte, aber selbst von denen gab es im Moment kaum jemanden. Die beiden kauerten auf den Fersen und w�rfelten, der eine hatte eine Hakennase und einen dicken Schnurrbart, dem anderen fehlte ein Auge.</p><p>�berraschenderweise schaute Petra Anhill, der Kraftprotz des Zirkus, den beiden Pferdeknechten beim Spiel zu, die Arme, die gr��er waren als die meisten M�nnerbeine, vor der Brust verschr�nkt. Er war kleiner als Mat, aber mindestens doppelt so breit, seine Schultern spannten den Stoff des schweren blauen Mantels, den seine Frau ihm wegen der K�lte aufgen�tigt hatte. Petra schien v�llig in das W�rfelspiel versunken zu sei n, dabei spielte der Mann nicht, warf nicht einmal Kupferm�nzen. Er und seine Frau Clarine, die Hunde dressierte, sparten jede M�nze, die sie er�brigen konnten, und Petra brauchte keine gro�e Aufmunterung, um lang und breit �ber den Gasthof zu sprechen, den sie eines Tages kaufen wollten. Noch �berraschender war, dass Clarine an seiner Seite stand, vermummt in einen dunklen Umhang und anscheinend genauso in das Spiel vertieft wie er.</p><p>Petra schaute misstrauisch �ber die Schulter in Richtung Lager, als er Mat und Egeanin Arm in Arm n�her kommen sah, was Mat die Stirn runzeln lie�. Leute, die �ber die Schulter blickten, das war nie gut. Aber Clarines ausdrucksloses braunes Gesicht verzog sich zu einem warmen L�cheln. Wie die meisten Frauen des Zirkus glaubte sie, dass er und Egeanin ein Liebespaar waren. Der Pferdeknecht mit der Hakennase, ein breitschultriger Tairener namens Col, grinste anz�glich, als er den bescheidenen Gewinn einstrich. Allein Domon konnte Egeanin etwas Attraktives abgewinnen, aber f�r ein paar Narren spendete Adel Sch�nheit. Oder das Geld sorgte daf�r, und eine Adlige musste reich sein. Ein paar dachten, dass jede Adlige, die ihren Mann f�r jemanden wie Mat Cauthon aufgab, dazu bereit sein musste, auch ihn fallenzulassen und sich mit ihrem Geld dem n�chsten zuzuwenden. Das war die Geschichte, die Mat und die anderen herumerz�hlt hatten, um zu erkl�ren, warum sie sich vor den Seanchanern verbargen: ein b�sartiger Ehemann und die Flucht von Liebenden. Jeder kannte solche Geschichten, von M�rchenerz�hlern oder aus B�chern, wenn auch selten vom Leben selbst, aber alle hatten sie oft genug geh�rt, um sie zu akzeptieren. Col behielt jedoch seinen Kopf unten. Egeanin � Leilwin � hatte bereits bei einem Schwertjongleur, einem zu h�bschen Burschen, der mit seiner Einladung zu einem Becher Wein in seinem Wagen zu forsch gewesen war, ihr G�rtelmesser gez�ckt, und keiner hegte auch nur den geringsten Zweifel, dass sie die Klinge benutzt h�tte, w�re er auch nur einen Fingerbreit n�her an sie herangekommen.</p><p>Als Mat den Kraftprotz erreichte, sagte Petra leise: �Seanchanische Soldaten sprechen gerade mit Luca, etwa zwanzig Mann. Das hei�t, der Offizier spricht mit ihm.� Er klang nicht �ngstlich, aber die Falten auf seiner Stirn k�ndeten von Besorgnis, und er legte seiner Frau eine besch�tzende Hand auf die Schulter. Clarines L�cheln verblasste, und sie hob eine Hand, um die seine zu ber�hren. Sie vertrauten Lucas Urteilsverm�gen, aber sie kannten auch das Risiko, das sie eingingen. Oder glaubten es zu kennen. Das Risiko, an das sie glaubten, war schon schlimm genug.</p><p>�Was wollen sie?�, verlangte Egeanin zu wissen und l�ste sich von Mat, bevor er etwas sagen konnte.</p><p>�Haltet das f�r mich�, sagte Noal und dr�ckte dem Ein�ugigen, der ungl�ubig <emphasis>zu</emphasis> ihm hochschaute, Korb und Angel in die Hand. Er richtete sich wieder auf und schob eine knotige Hand unter den Mantel, wo er zwei Messer mit langen Klingen versteckte. �K�nnen wir es zu den Pferden schaffen?�, fragte er Petra. Der Kraftprotz musterte ihn zweifelnd. Mat war nicht der Einzige, der sich nicht ganz sicher war, ob Noal noch immer alle Sinne beisammen hatte.</p><p>�Sie scheinen nicht an einer Durchsuchung interessiert zu sein�, sagte Clarine hastig und deutete vor Egeanin einen Knicks an. Jeder sollte so tun, als geh�rten Mat und die anderen zum Zirkus, aber nur wenigen gelang das bei Egeanin. �Die Offiziere sind seit einer guten halben Stunde in Lucas Wagen, aber die Soldaten waren die ganze Zeit bei ihren Pferden.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass sie wegen Euch gekommen sind�, f�gte Petra respektvoll hinzu. Ebenfalls an Egeanin gem�nzt. Warum sollte er auch anders sein? Vermutlich �bte er, Adlige in dem Gasthof willkommen zu hei�en. �Wir wollten blo� nicht, dass Ihr �berrascht seid oder Euch Sorgen macht, wenn Ihr sie seht. Ich bin sicher, dass Luca sie bald wieder los wird.� Trotz seines Tonfalls blieben die Sorgenfalten auf seiner Stirn. Die meisten M�nner wurden w�tend, wenn ihre Frauen wegliefen, und Adlige konnten andere die Macht ihres Zorns sp�ren lassen. Ein durchreisender Wanderzirkus bot da ein besonders leichtes Ziel ohne Komplikationen. �Ihr m�sst Euch keine Sorgen machen, dass jemand etwas Falsches sagt, meine Lady.� Petra warf dem Pferdeknecht einen Blick zu. �Oder, Col?� Hakennase sch�ttelte den Kopf, den Blick auf die W�rfel in seiner Hand gerichtet. Er war ein gro�er Mann, aber nicht so kr�ftig wie Petra, und der Kraftprotz konnte mit blo�en H�nden Hufeisen verbiegen.</p><p>�Jedem gef�llt dann und wann die Gelegenheit, einem Adligen auf die Stiefel zu spucken�, murmelte der Ein�ugige und schaute in den Korb mit den Fischen. Er war fast so gro� und breitschultrig wie Col, aber sein Gesicht bestand fast nur aus Falten, und er verf�gte �ber noch weniger Z�hne als Noal. Mit einem Seitenblick auf Egeanin zog er den Kopf ein und f�gte hinzu: �Entschuldigt, Lady. Au�erdem kommen wir auf diese Weise alle an ein paar M�nzen, und von denen hat es in letzter Zeit nicht viel gebeben. Stimmt's, Col? Wenn jemand den Mund aufmacht, dann nehmen uns die Seanchaner alle mit, h�ngen uns vielleicht auf wie diese Leute vom Meervolk.</p><p>Oder sie lassen uns die Kan�le auf der anderen Hafenseite s�ubern.� Pferdeknechte erledigten im Zirkus alle anfallenden Arbeiten, vom S�ubern der Tierk�fige bis zum Auf- und Abbau der Segeltuchwand, aber er erschauderte, als w�re die Vorstellung, im Rahad versandete Kan�le freizugraben, viel schlimmer, als geh�ngt zu werden.</p><p>�Hab ich was davon gesagt, dass einer redet?�, protestierte Col und breitete die H�nde aus. �Ich hab blo� gefragt, wie lange wir hier noch rumsitzen, das ist alles. Ich hab blo� gefragt, wann wir etwas von dem Geld zu sehen bekommen.�</p><p>�Wir bleiben so lange hier, wie ich es sage.� Es war schon erstaunlich, wie hart Egeanin diesen breiten Akzent klingen lassen konnte, ohne die Stimme zu heben, es klang wie eine Klinge, die aus der Scheide glitt. �Ihr seht euer Geld, wenn wir unser Ziel erreichen. F�r die, die mir treu gedient haben, wird es etwas extra geben.</p><p>Und ein kaltes Grab f�r jeden, der an Verrat denkt.�</p><p>Col zog seinen flicken�bers�ten Umhang enger und weitete die Augen gerade genug, um erstaunt oder vielleicht auch unschuldig auszusehen, aber das war nur gespielt, als w�rde er hoffen, dass sie so nahe an ihn herankam, dass er ihren Geldbeutel stehlen konnte.</p><p>Mat knirschte mit den Z�hnen. Zum einen war es sein Gold, das sie hier so gro�z�gig verteilte. Sie hatte selbst welches, aber bei weitem nicht genug f�r das hier. Aber viel wichtiger war, dass sie erneut versuchte, die Z�gel in die Hand zu nehmen. Beim Licht, ohne ihn w�rde sie noch immer in Ebou Dar hocken und Pl�ne schmieden, wie sie den Suchern entwischen konnte, oder bereits der Befragung unterzogen werden. Ohne ihn w�re sie nie auf die Idee gekommen, in der N�he von Ebou Dar zu bleiben, um die Verfolger abzusch�tteln, oder h�tte einen Unterschlupf bei Lucas Zirkus gefunden. Aber warum waren die Soldaten hier? Schon beim Hauch eines Verdachts, Tuon k�nnte sich hier befinden, h�tten die Seanchaner hundert, nein, tausend Mann geschickt. Wenn sie den Verdacht hatten, dass die Aes Sedai ... Nein, Petra und Clarine wu�ten nicht, dass sie dabei halfen, Aes Sedai zu verstecken, aber sie h�tten <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> erw�hnt, und die Soldaten w�rden ohne sie keine Schwestern jagen. Er ber�hrte den Fuchskopf durch den Mantel. Er trug ihn Tag und Nacht, und vielleicht w�rde er ihm eine kleine Warnung zukommen lassen.</p><p>Es w�re ihm nicht im Traum eingefallen, den Versuch zu unternehmen, zu den Pferden zu gelangen, und das nicht nur, weil Col und ein Dutzend weitere wie er zu den Seanchanern rennen w�rden, noch bevor er au�er Sicht war. Soweit er wusste, hatten sie zwar nichts gegen ihn oder Egeanin � selbst Rumann, der Schwertjongleur, schien sich mit einer Verrenkungsk�nstlerin namens Adria zusammengetan zu haben �, aber manche Leute w�rden der Versuchung, etwas mehr Gold zu erhalten, gewiss nicht wiederstehen. Auf jeden Fall rollten keine warnenden W�rfel in seinem Kopf. Und hinter dieser Segeltuchwand befanden sich Menschen, die er nicht zur�cklassen konnte.</p><p>�Wenn sie nichts suchen, dann haben wir auch nichts zu bef�rchten�, sagte er zuversichtlich. �Aber danke f�r die Warnung, Petra. Ich habe �berraschungen noch nie ausstehen k�nnen.� Der Kraftmensch machte eine kleine Geste, als wollte er sagen, dass das doch nichts Besonderes war, aber Egeanin und Clarine sahen Mat an, als w�ren sie �berrascht, ihn dort stehen zu sehen. Sogar Col und der Ein�ugige schauten ihn an. Es kostete ihn wieder einige M�he, nicht mit den Z�hnen zu knirschen. �Ich gehe hin�ber zu Lucas Wagen und sehe, was ich herausfinde. Leilwin, du und Noal sucht Olver und bleibt bei ihm.� Sie mochten den Jungen, das tat jeder, und das w�rde sie ihm vom Leib halten. Lauschen konnte er besser allein. Und falls sie die Flucht ergreifen mussten, konnten Egeanin und Noal vielleicht wenigstens den Jungen rausschaffen. Das Licht gebe, dass es nicht dazu kommen w�rde. Das konnte nur in einer Katastrophe enden.</p><p>�Nun, ich sch�tze, niemand lebt ewig�, seufzte Noal und holte seine Angel und den Korb zur�ck. Sollte er doch zu Asche verbrennen, aber der Bursche konnte eine Ziege mit einer Kolik fr�hlich erscheinen lassen! Petras Stirnfalten vertieften sich. Verheiratete M�nner schienen sich immer Sorgen zu machen, ein weiterer Grund, warum Mat es nicht mit dem Heiraten eilig hatte. Als Noal hinter der Ecke der Segeltuchwand verschwand, sah der Ein�ugige dem Fisch bedauernd nach. Er schien auch zu den Burschen zu geh�ren, die anscheinend nicht alle beisammen hatten. Vermutlich hatte er irgendwo eine Frau.</p><p>Mat zog sich die M�tze bis fast zu den Augen hinunter. Noch immer keine W�rfel. Er versuchte nicht daran zu denken, wie oft ihm ohne die W�rfel bei � nahe der Sch�del gespalten oder die Kehle durchgeschnitten worden war. Aber sicherlich w�ren sie da gewesen, h�tte es eine Gefahr gegeben. Nat�rlich w� � ren sie das.</p><p>Er hatte noch keine drei Schritte in den Eingang hinein gemacht, als Egeanin ihn auch schon einholte und ihm den Arm um die Taille legte. Er blieb stehen und starrte sie unheilvoll an. Sie wiedersetzte sich seinen Befehlen wie eine Forelle dem Angelhaken, aber das hier ging �ber jede Sturheit hinaus. �Was soll das werden? Was ist, wenn dieser seanchanische Offizier dich erkennt, <emphasis>Leilwin?�</emphasis> Das erschien so wahrscheinlich, als h�tte Tylin pers�nlich den Zirkus betreten, aber alles, was sie zum Verschwinden brachte, war einen Versuch wert.</p><p>�Wie stehen die Chancen, dass dieser Bursche jemand ist, den ich kenne?�, spottete sie. �Ich habe nicht ...� � ihr Gesicht verzog sich kurz � �... hatte nicht viele Freunde auf dieser Seite des Ozeans, und in Ebou Dar �berhaupt keine.� Sie ber�hrte das Ende der langen Per�cke, das �ber ihrem Busen hing. �Au�erdem w�rde mich meine eigene Mutter nicht erkennen.� Am Ende wurde ihre Stimme kalt.</p><p>Er w�rde sich noch ein St�ck von einem Zahn absplittern, wenn er weiterhin die Z�hne so hart zusammenbiss. Hier herumzustehen und sich mit ihr zu streiten w�rde schlimmer als sinnlos sein, aber ihm war noch immer der Blick im Ged�chtnis, mit dem sie die seanchanischen Soldaten angestarrt hatte. �Sieh niemanden b�se an�, warnte er sie. �Sieh am besten gar keinen an.�</p><p>�Ich bin eine zur�ckhaltende Ebou Dari.� Sie lie� es wie eine Herausforderung klingen. �Du kannst das Reden �bernehmen.� Das klang jetzt wie eine Warnung. Beim Licht! Wenn eine Frau nicht daf�r sorgte, dass alles reibungslos verlief, dann machte sie die Dinge richtig ungem�tlich, und Egeanin sorgte niemals daf�r, dass etwas reibungslos verlief. Er schwebte eindeutig in Gefahr, einen Zahn abzusplittern.</p><p>Jenseits des Eingangs schl�ngelte sich der Hauptweg des Zirkus an Wagen vorbei, die denen von Kessel � flickern �hnelten, Behausungen auf R�dern, deren Achsen vor die Kutschb�cke hochgeklappt waren, und Zelte, die oftmals die Gr��e von kleinen H�usern hatten. Die meisten Wagen waren bunt gestrichen, rot, gr�n, gelb oder blau in allen Schattierungen, und viele Zelte waren genauso bunt, manche sogar gestreift. Hier und dort standen Podeste am Wegrand, auf denen die Artisten ihre Vorstellungen geben konnten, ihre bunten F�hnchen fingen langsam an, vergilbt auszusehen. Der Pfad, fast drei�ig Schritte breit und von Tausenden von F��en festgetreten, war wirklich eine Stra�e, eine von vielen, die durch den Zirkus f�hrten. Der Wind riss d�nne graue Rauchfa hnen von den Schornsteinen auf den Wagend�chern und von einigen Zelten mit sich. Die meisten Artisten waren entweder beim Fr�hst�ck oder noch im Bett. Sie standen meist sp�t auf � eine Regel, die Mat gut fand �, und bei dieser K�lte w�rde keiner drau�en um ein Lagerfeuer sitzen wollen. Die einzige Person, die er sah, war Aludra, deren hellblauer Wagen an der Ecke einer kleineren Seitenstra�en stand; sie hatte die �rmel ihres dunkelgr�nen Kleids bis zu den Ellbogen hinaufgeschoben und zerstampfte etwas in dem M�rser auf dem Tisch, der sich von der Wagenseite herunterklappen lie�.</p><p>Ganz in ihre Arbeit versunken, konnte die schlanke Tarabonerin Egeanin und Mat nicht sehen. Er konnte jedoch nicht widerstehen, sie zu betrachten. Mit ihren schmalen, bis zur Taille reichenden Z�pfen war Aludra m�glicherweise das Exotischste von Lucas Wundern.</p><p>Er pries sie als Feuerwerkerin an, und im Gegensatz zu den anderen Artisten und Wundern was sie wirklich genau das, was Luca behauptete, obwohl er es vermutlieh nicht einmal selbst glaubte. Mat fragte sich, was sie da zerkleinerte. Und ob es explodieren w�rde. Sie hatte versprochen, ihm das Geheimnis des Feuerwerks zu verraten, wenn er ein R�tsel l�ste, aber bis jetzt hatte er nicht einmal den Ansatz zur L�sung gefunden. Aber das w�rde er. Egal, auf welche Weise.</p><p>Egeanin stie� ihm einen Finger in die Rippen. �Wir sollen ein Liebespaar darstellen, wie <emphasis>du</emphasis> mich st�ndig erinnerst�, knurrte sie. �Wer wird das glauben, wenn du diese Frau anstarrst, als h�ttest du Hunger?�</p><p>Mat grinste l�stern. �Ich sehe mir h�bsche Frauen immer an, ist dir das noch nicht aufgefallen?� Sie richtete den Schal mit etwas mehr Nachdruck als gew�hnlich und grunzte ver�chtlich, und er war zufrieden. Gelegentlich war ihre pr�de Ader ganz n�tzlich. Egeanin lief um ihr Leben, aber sie war noch immer eine Seanchanerin, und sie wusste bereits mehr �ber ihn, als ihm recht war. Er w�rde ihr nicht alle seine Geheimnisse anvertrauen. Nicht einmal jene, die er selbst noch nicht kannte.</p><p>Lucas Wagen stand in der Mitte des Lagers auf der besten Position, soweit wie nur m�glich von den Tierk�figen und Pferdehalteseilen entfernt, die sich entlang der Segeltuchwand zogen. Selbst im Vergleich zu den anderen war der Wagen grell, ein rotes und blaues Ding, das wie eine kostbare Lackarbeit gl�nzte, jede Oberfl�che war mit goldenen Kometen und Sternen gesprenkelt. Die Mondphasen zogen sich in Silber bis kurz unter das Dach um ihn herum. Selbst der Zinnschornstein war mit roten und blauen Ringen bemalt.</p><p>Ein Kesselflicker w�re err�tet. An der einen Seite des Wagens standen zwei Reihen seanchanische Soldaten mit aufgesetzten Helmen stramm neben ihren Pferden, die mit gr�nen Quasten ausgestatteten Lanzen in genau dem gleichen Winkel ausgerichtet. Einer der M�nner hielt die Z�gel eines zweiten Pferdes, ein pr�chtiger grauer Wallach mit starken Keulen und guten Fesseln. Neben Lucas Wagen erschien die blaue und gr�ne R�stung des Soldaten farblos.</p><p>Es �berraschte Mat nicht, dass sich noch andere f�r die Seanchaner interessierten. Bayle Domon hockte etwa drei�ig Schritte von den Soldaten entfernt auf den Fersen, den R�cken gegen ein Rad des gr�nen Wagens gelehnt, der Petra und Clarine geh�rte; eine dunkle Strickm�tze verbarg seinen rasierten Sch�del. Clarines Hunde lagen unter dem Wagen, ein kunterbuntes Rudel kleiner Tiere, die dicht aneinandergedr�ngt schliefen. Der kr�ftige Illianer tat so, als w�rde er schnitzen, aber bis jetzt hatte er nur einen kleinen Haufen Sp�ne produziert. Mat w�nschte sich, der Kerl w�rde sich entweder einen Schnurrbart wachsen lassen, um die Oberlippe zu verbergen, oder den Rest des Barts abrasieren. Jemand k�nnte einen Illianer mit Egeanin in Verbindung bringen. Blaeric Negina, ein gro�er Bursche, der an dem Wagen lehnte, als wollte er Domon Gesellschaft leisten, hatte nicht gez�gert, seinen schienarischen Haarknoten zu entfernen, um bei den Seanchanern keine Aufmerksamkeit zu erregen, obwohl er ungef�hr genauso oft mit der Hand �ber die nachwachsenden Stoppeln fuhr, wie Egeanin ihre Per�cke �berpr�fte. Vielleicht h�tte er eine M�tze aufsetzen sollen.</p><p>Beide M�nner konnten in ihren dunklen M�nteln mit den ausgefransten �rmeln und abgetragenen Stiefeln als Zirkusleute durchgehen, sie h�tten durchaus Pferdeknechte sein k�nnen. Allerdings nicht bei anderen Zirkusleuten. Sie beobachteten die Seanchaner, taten aber so, als w�rden sie es nicht tun. Blaeric war darin glaubw�rdiger, wie man es von einem Beh�ter auch erwarten konnte. Abgesehen von gelegentlichen Blicken zu den Seanchanern hin�ber schien seine volle Aufmerksamkeit auf Domon gerichtet zu sein. Domon starrte die Seanchaner finster an, wenn er nicht d�ster auf das St�ck Holz in seinen H�nden blickte, als wollte er ihm befehlen, sich in eine sch�ne Schnitzarbeit zu verwandeln. Der Mann hatte sich seine Rolle als <emphasis>So'jhin</emphasis> zu sehr zu Herzen genommen.</p><p>Mat sann nach einer M�glichkeit, wie er ungesehen von den Soldaten zu Lucas Wagen schleichen und dort lauschen konnte, als sich die T�r am hinteren Ende des Wagens �ffnete und ein Seanchaner mit hellem Haar die Stufen hinuntermarschierte und sich einen Helm mit einem schmalen blauen Federbusch aufst�lpte, als die Stiefel den Boden ber�hrten. Luca erschien hinter ihm, pr�chtig anzuschauen in seinem scharlachroten Mantel mit aufgestickten Sonnen, und verbeugte sich ausgiebig, w�hrend er dem Offizier folgte. Luca besa� mindestens zwei Dutzend M�ntel, von denen die meisten rot und noch geschmackloser als die Vorg�nger waren. Es war gut, dass sein Wagen der gr��te des ganzen Zirkus war, sonst h�tte er daf�r keinen Platz gehabt.</p><p>Der Seanchaner ignorierte Luca und schwang sich in den Sattel, richtete das Schwert und bellte Befehle, die seine M�nner anmutig aufsitzen und eine Zweierreihe bilden lie�en, die im langsamen Schritt auf den Eingang zuhielt. Luca sah ihnen mit einem starren L�cheln auf dem Gesicht hinterher, bereit f�r eine weitere Verbeugung, falls jemand zur�cksah.</p><p>Mat verharrte ein St�ck hinter dem Stra�enrand und lie� den Mund offen stehen, so als w�rde er staunend die vorbeireitenden Soldaten betrachten. Nicht, dass auch nur einer in seine Richtung blickte � der Offizier starrte stur geradeaus, und die Soldaten hinter ihm folgten seinem Beispiel �, aber niemand verschwendete je einen Gedanken an einen Bauerntrampel oder erinnerte sich an einen.</p><p>Zu seiner �berraschung musterte Egeanin den Boden vor ihren Zehen und umklammerte den Schalknoten unter dem Kinn, bis der letzte Reiter vorbei war. Als sie den Kopf hob, um ihnen hinterherzusehen, sch�rzte sie einen Augenblick lang die Lippen. �Ich glaube, diesen Jungen kenne ich�, sagte sie leise. �Ich habe ihn auf der <emphasis>Furchtlos</emphasis> nach Falme gebracht. Mitten auf der Reise starb sein Diener, und er dachte, er k�nnte sich einen aus meiner Mannschaft schnappen. Ich musste ihm den Kopf zurechtsetzen. Er hat ein solches Theater gemacht, man h�tte meinen k�nnen, er w�rde zum Blut geh�ren.�</p><p>�Blut und verfluchte Asche�, zischte Mat. Wie viele Leute hatte sie vor den Kopf gesto�en, die sich ihr Gesicht eingepr�gt hatten? So wie Egeanin nun einmal war, vermutlich Hunderte. Und er hatte sie lediglich mit einer Per�cke und anderer Kleidung umherspazieren lassen! Hunderte? Vermutlich Tausende! Sie konnte einen Ziegel zur Wei�glut bringen.</p><p>Aber was soll's, der Offizier war jetzt weg. Mat atmete langsam aus. Manchmal glaubte er, dass dies das Einzige war, das ihn davon abhielt, wie ein S�ugling zu flennen. Er ging auf Luca zu, um herauszufinden, was die Soldaten gewollt hatten.</p><p>Domon und Blaeric erreichten Luca zur gleichen Zeit wie er und Egeanin, und Domons finsterer Blick wurde noch finsterer, als er auf Mats Arm um Egeanins Schulter starrte. Der Illianer verstand die Notwendigkeit des Schauspiels, oder behauptete zumindest, es zu verstehen, aber er schien der Meinung zu sein, dass man das ohne H�ndchenhalten machen konnte. Mat nahm den Arm von ihr � hier musste keiner schauspielern; Luca kannte die ganze Wahrheit �, und Egeanin fing ebenfalls an, auch von ihm abzur�cken, aber nach einem Blick auf Domon fasste sie Mats Taille fester, und das, ohne auch nur die geringste Miene zu verziehen. Domon schaute weiter finster drein, aber nun richtete er den Blick zu Boden. Mat kam zu dem Schluss, dass er Seanchaner viel eher verstehen w�rde als die Frauen. Oder Illianer, was das betraf.</p><p>�Pferde�, knurrte Luca fast, bevor Mat stehenblieb. Seine d�stere Miene schien sie alle mit einzuschlie�en, aber dann konzentrierte er seine ganze Wut auf Mat. Luca war etwas gr��er als Mat, und er richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf, um auf ihn hinunterzustarren.</p><p>�Das wollte er. Ich habe ihm das Dokument gezeigt, das mich von der Pferdelotterie befreit, unterschrieben von Hochlady Suroth h�chstpers�nlich, aber war er beeindruckt? Ihm war es egal, dass ich eine hochrangige Seanchanerin gerettet habe.� Die Frau war alles andere als hochrangig gewesen, und er hatte sie auch weniger gerettet als ihr vielmehr die M�glichkeit gegeben, als Artistin mitzureisen, aber Luca �bertrieb immer zu seinem Vorteil. �Ich wei� sowieso nicht, wie lange diese Ausnahmeverf�gung noch g�ltig sein wird. Die Seanchaner suchen verzweifelt nach Pferden. Sie k�nnten sie jeden Tag beschlagnahmen!� Sein Gesicht nahm langsam die Farbe seines Mantels an, und er stie� mehrmals mit dem Finger nach Mat. �Ihr werdet noch daf�r sorgen, dass man mir die Pferde wegnimmt! Wie soll ich meinen Zirkus ohne Pferde transportieren? Beantwortet mir das, wenn ihr k�nnt. Ich wollte aufbrechen, als ich diesen Wahnsinn im Hafen sah, bis Ihr mich gezwungen habt, es nicht zu tun. Ihr werdet es noch schaffen, dass sie mir den Kopf abschlagen! Ohne Euch k�nnte ich schon hundert Meilen weit weg sein, aber nein, Ihr musstet in der Nacht angeritten kommen und mich in einen Eurer verr�ckten Pl�ne verstricken!</p><p>Ich verdiene hier keine M�nze! In den letzten drei Tagen waren nicht einmal gen�gend Zuschauer da, um das Tierfutter f�r einen Tag zu bezahlen! F�r einen halben Tag! Ich h�tte vor einem Monat aufbrechen sollen!</p><p>Noch fr�her! Das h�tte ich tun sollen!�</p><p>Beinahe h�tte Mat gelacht, als Luca die Worte ausgingen. Pferde. Das war alles; blo� Pferde. Davon abgesehen war die Annahme, die schwerbeladenen Zirkuswagen k�nnten in f�nf Tagen hundert Meilen zur�cklegen, genauso l�cherlich wie Lucas Wagen. Der Mann h�tte schon vor einem, nein, vor zwei Monaten aufbrechen k�nnen, aber er hatte aus Ebou Dar und seinen seanchanischen Eroberern jedes Kupferst�ck herauspressen wollen, das m�glich war. Und ihn vor sechs N�chten zum Bleiben zu �berreden war so einfach gewesen, wie aus dem Bett zu fallen.</p><p>Aber statt zu lachen, legte Mat ihm die Hand auf die Schulter. Der Bursche war so eitel wie ein Pfau, dar�ber hinaus auch gierig, aber es brachte nichts, ihn noch w�tender zu machen, als er ohnehin schon war.</p><p>�W�rt Ihr in dieser Nacht aufgebrochen, glaubt Ihr nicht, dass sie misstrauisch geworden w�ren? Die Seanchaner h�tten Euch die Wagen auseinandergerissen, bevor Ihr zwei Meilen weit gekommen w�rt. Man k�nnte sagen, ich habe Euch das erspart.� Luca starrte ihn finster an. Manche Leute konnten einfach nicht weiter als bis zur eigenen Nasenspitze sehen. �Aber egal, Ihr k�nnt aufh�ren, Euch Sorgen zu machen. Sobald Thom aus der Stadt zur�ckgekehrt ist, k�nnen wir so viele Meilen hinter uns legen, wie Ihr wollt.�</p><p>Luca sprang so pl�tzlich hoch, dass Mat alarmiert zur�cktrat, aber der Mann tanzte blo� in einem kleinen Kreis herum und lachte. Domon starrte ihn an, und selbst Blaeric riss die Augen auf. Manchmal schien Luca nichts weiter als ein alberner Narr zu sein.</p><p>Der Zirkusbesitzer hatte kaum mit seinem Tanz angefangen, als Egeanin Mat von sich stie�. �Sobald Merrilin zur�ckkehrt? Ich habe den Befehl gegeben, dass hier keiner geht!� Ihr Blick schwenkte zwischen ihm und Luca in kalter Wut hin und her. �Ich erwarte, dass meine Befehle befolgt werden!�</p><p>Luca blieb wie angewurzelt stehen und musterte sie aus den Augenwinkeln, dann machte er eine Verbeugung, die so anmutig war, dass man f�rmlich den nicht vorhandenen, ausgebreiteten Umhang sehen konnte. Man konnte f�rmlich die <emphasis>Stickerei</emphasis> auf dem Umhang sehen! Luca glaubte allen Ernstes, mit Frauen umgehen zu k�nnen. �Ihr befehlt, s��e Lady, und ich springe, um zu gehorchen.� Er richtete sich wieder auf und zuckte entschuldigend mit den Schultern. �Aber Meister Cauthon hat Gold, und ich f�rchte, Gold ist ein gewichtigeres Argument, um mir zu befehlen.� Mats mit Goldst�cken gef�llte Truhe in seinem Wagen war der einzige Zwang gewesen, den man gebraucht hatte, um ihn zu �berzeugen. Vielleicht hatte es geholfen, dass Mat <emphasis>Ta'veren</emphasis> war, aber f�r genug Gold w�rde Valan Luca dabei helfen, den Dunklen K�nig zu entf�hren.</p><p>Egeanin holte zischend Luft, bereit, Luca weiter anzubr�llen, aber er wandte ihr den R�cken zu und t�nzelte die Stufen zu seinem Wagen hinauf. Dabei rief er: �Latelle! Latelle! Wir m�ssen sofort jeden wecken! Wir brechen endlich auf, in dem Augenblick, in dem Merrilin zur�ckkehrt! Das Licht sei gesegnet!�</p><p>Einen Augenblick sp�ter war er wieder da und kam die kurze Treppe hinuntergeschossen, gefolgt von seiner Frau, die einen schwarzen, mit funkelndem Flitter bestickten Samtumhang um sich zog. Sie hatte ein ernstes Gesicht, und sie r�mpfte die Nase, als w�rde Mat streng riechen. Egeanin warf sie einen Blick zu, der ihre dressierten B�ren vermutlich die B�ume hochgejagt h�tte. Latelle missfiel die Vorstellung, dass eine Frau ihrem Mann fortlief, obwohl sie wusste, dass es eine L�ge war. Gl�cklicherweise schien sie Luca aus unerfindlichen Gr�nden anzubeten, und sie liebte das Gold fast genauso sehr wie er. Luca rannte zum n�chsten Wagen und trommelte gegen die T�r, und Latelle tat das gleiche beim �bern�chsten.</p><p>Mat blieb nicht stehen, um zuzusehen, sondern eilte in eine der Seitenstra�en. Mehr eine Gasse, die von der Hauptstra�e abzweigte, wand sie sich um die gleiche Art von Wagen und Zelten, die alle hermetisch gegen die K�lte verschlossen waren und aus deren eisernen Schornsteinen Rauch emporstieg. Hier gab es keine Plattformen f�r Artisten, sondern W�scheleinen zwischen den Wagen und hier und da auf dem Boden liegendes Holzspielzeug. Diese Stra�e war nur zum Leben gedacht, ihre Enge sollte Fremde abschrecken.</p><p>Er bewegte sich trotz seiner schmerzenden H�fte schnell, aber er hatte noch keine zehn Schritte zur�ckgelegt, als Egeanin und Domon ihn eingeholt hatten. Blaeric war verschwunden, vermutlich um die Schwestern zu benachrichtigen, dass sie noch immer in Sicherheit waren und endlich aufbrechen konnten. Die Aes Sedai, die sich als Dienerinnen verkleidet hatten, die krank vor Sorge waren, dass der Ehemann ihrer Herrin sie finden w�rde, hatten genug davon, in ihrem Wagen eingesperrt zu sein, davon abgesehen reichte es ihnen, ihn auch noch mit den <emphasis>Sul'dam</emphasis> teilen zu m�ssen. Mat hatte sie dazu gebracht, sich den Wagen zu teilen, damit die Aes Sedai die <emphasis>Sul'dam</emphasis> unter Kontrolle halten konnten, w�hrend die <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihm die Aes Sedai vom Hals hielten. Dennoch war Mat froh, dass Blaeric ihm abgenommen hatte, diesen Wagen noch einmal aufsuchen zu m�ssen. Seit ihrer Flucht aus der Stadt hatte jede der Schwestern ihn vier oder f�nf Mal am Tag zu sich befohlen, und er ging, wenn es sich nicht vermeiden lie�, aber es war niemals eine erfreuliche Erfahrung.</p><p>Diesmal legte Egeanin nicht den Arm um ihn. Sie ging an seiner Seite, schaute stur geradeaus und lie� es ausnahmsweise einmal sein, die Per�cke zu �berpr�fen. Domon stapfte wie ein B�r hinter ihnen her und murmelte dabei etwas Unverst�ndliches vor sich hin.</p><p>Die M�tze verriet die Tatsache, dass sein Bart abrupt auf der halben H�he eines jeden Ohrs aufh�rte und dar�ber nur Stoppeln zu sehen waren. Es lie� ihn ... irgendwie unfertig aussehen.</p><p>�Zwei Kapit�ne auf einem Schiff steuern es nur in die Katastrophe�, sagte Egeanin in �berbetrieben geduldigem Tonfall. Ihr verst�ndnisvolles L�cheln sah aus, als w�rde es ihr Schmerzen bereiten.</p><p>�Wir sind auf keinem Schiff�, erwiderte Mat.</p><p>�Das Prinzip ist das gleiche, Cauthon! Ihr seid ein Bauer. Ich wei�, dass Ihr in kritischen Situationen ein guter Mann seid.� Egeanin warf Domon �ber die Schulter einen finsteren Blick zu. Er hatte sie und Mat zusammengebracht, damals, als sie noch glaubte, einen Mann einzustellen. �Aber diese Situation braucht Urteilsverm�gen und Erfahrung. Wir segeln in gef�hrlichen Gew�ssern, und Ihr habt nicht die geringste Ahnung vom Befehlen.�</p><p>�Mehr, als Ihr vielleicht glauben w�rdet�, sagte er trocken. Er h�tte eine Liste der Schlachten hervorbeten k�nnen, in denen er das Kommando gef�hrt hatte, aber die meisten w�rden nur einem Historiker etwas sagen, und vielleicht nicht einmal dem. Davon abgesehen w�rde es ihm ohnehin niemand glauben. Er h�tte es gewiss nicht getan, h�tte ein anderer etwas Vergleichbares behauptet. �Solltet Ihr und Domon euch nicht fertig machen? Ihr wollt doch nicht alles zur�cklassen.� Ihr ganzer Besitz war bereits in dem Wagen verstaut, den sie und Mat sich mit Domon teilten wahrlich kein bequemes Arrangement �, aber er beschleunigte den Schritt in der Hoffnung, dass sie den Wink verstand. Au�erdem sah er sein Ziel vor sich.</p><p>Das hellblaue Zelt, das sich zwischen einen giftgelben und einen smaragdgr�nen Wagen dr�ngte, war kaum gro� genug f�r drei Pritschen, aber f�r jeden, den er aus Ebou Dar herausgeschafft hatte, eine Unterkunft zu besorgen, hatte Bestechungsgelder erfordert, die Leute umziehen lie�en, und noch mehr Geld, damit andere sie einziehen lie�en. Er hatte nur mieten k�nnen, was ihm die Besitzer bereitwillig �berlassen hatten. Mit Preisen, die eines guten Gasthofs w�rdig gewesen w�ren. Juilin, ein dunkler st�mmiger Mann mit kurzem schwarzem Haar, sa� mit untergeschlagenen Beinen zusammen mit Olver, dem d�nnen kleinen Jungen, der f�r seine zehn Jahre � zumindest behauptete er, so alt zu sein � recht klein geraten und nicht mehr ganz so d�nn war wie zu der Zeit, als Mat ihn kennengelernt hatte, vor dem Zelt auf dem Boden. Beide trugen trotz des Winds keine M�ntel und spielten eine Partie Schlangen und F�chse auf dem Spielbrett, das der verstorbene Vater des Jungen f�r ihn auf ein rotes St�ck Tuch gemalt hatte. Olver warf die W�rfel, z�hlte sorgf�ltig die Augen und �berlegte seinen Zug auf dem Spinnennetz aus schwarzen Linien und Pfeilen. Der tairenische Diebef�nger schenkte dem Spiel weniger Aufmerksamkeit. Bei Mats Anblick richtete er sich auf.</p><p>Pl�tzlich kam Noal um das Zelt herumgeschossen und atmete so schwer, als w�re er gerannt. Juilin schaute �berrascht zu dem Alten hoch, und Mat runzelte die Stirn. Er hatte Noal befohlen, sich unverz�glich hierherzubegeben. Wo war er stattdessen gewesen? Noal blickte ihn erwartungsvoll an, ohne jedes schlechte Gewissen oder Verlegenheit, begierig zu h�ren, was Mat zu sagen hatte.</p><p>�Wei�t du �ber die Seanchaner Bescheid?�, fragte Juilin und richtete ebenfalls die Aufmerksamkeit auf Mat.</p><p>Im Zelteingang bewegte sich ein Schatten, und eine dunkelhaarige Frau, die in einen alten grauen Umhang gewickelt auf dem Ende einer der Pritschen sa�, beugte sich vor, um Juilin die Hand auf den Arm zu legen.</p><p>Und Mat einen misstrauischen Blick zuzuwerfen. Thera war h�bsch, wenn einem ein Mund gefiel, der st�ndig zu schmollen schien, was bei Juilin wohl der Fall war, wenn man sah, wie er sie beruhigend anschaute und ihre Hand t�tschelte. Sie war au�erdem Amathera Aelfdene Casmir Lounault, Panarchin von Tarabon und so etwas �hnliches wie eine K�nigin. Zumindest war sie das einst gewesen. Juilin hatte das gewusst, Thom auch, aber keiner von ihnen hatte daran gedacht, Mat davon in Kenntnis zu setzen, jedenfalls nicht, bevor sie den Zirkus erreicht hatten. Bedachte man alles andere, so spielte das wohl kaum noch eine Rolle. Sie reagierte schneller auf Thera als auf Amathera, stellte abgesehen von Juilins Zeit keine Anspr�che, und es erschien unwahrscheinlich, dass jemand sie hier erkennen w�rde. Auf jeden Fall hoffte Mat, dass sie f�r ihre Rettung mehr als nur Dankbarkeit empfand, denn Juilin empfand mehr f�r sie. Wer konnte schon ausschlie�en, dass eine entthronte Panarchin sich in einen Diebf�nger verlieben konnte? Seltsamere Dinge waren geschehen. Auch wenn sich Mat nicht sicher war, aus dem Stegreif eins benennen zu k�nnen.</p><p>�Sie wollten blo� die Freistellungsurkunde f�r Lucas Pferde sehen�, sagte er, und Juilin nickte und entspannte sich sichtlich.</p><p>�Gut, dass sie nicht die Pferdeseile gez�hlt haben.� Die Urkunde listete die genaue Zahl an Pferden auf, die Luca besitzen durfte. Die Seanchaner konnten gro�z�gig mit ihren Belohnungen sein, aber bei ihrem Bedarf an Reittieren und Gespannen w�rden sie niemandem eine Lizenz zum Pferdehandel �berlassen.</p><p>�Bestenfalls h�tten sie die �berz�hligen mitgenommen. Schlimmstenfalls ...� Der Diebef�nger zuckte mit den Schultern. Noch eine fr�hliche Seele.</p><p>Pl�tzlich keuchte Thera auf, zog den Umhang enger und zuckte in die Tiefen des Zelts zur�ck. Juilin schaute an Mat vorbei, H�rte trat in seinen Blick, und der Tairener konnte es mit Beh�tern aufnehmen, wenn es um Dinge wie H�rte ging. Egeanin schien Andeutungen nicht zu verstehen, und sie starrte das Zelt finster an. Domon stand mit verschr�nkten Armen neben ihr und kaute gedankenverloren oder in erzwungener Geduld an seiner Unterlippe.</p><p>�Baut Euer Zelt ab, Sandar�, befahl Egeanin. �Der Wanderzirkus bricht auf, sobald Merrilin zur�ckkehrt.� Ihr Kinn spannte sich, und der Blick, den sie Mat zuwarf, war nicht besonders giftig. Jedenfalls hielt es sich in Grenzen. �K�mmert Euch darum, dass Eure ... Frau keinen �rger macht.� Thera war zuletzt Dienerin gewesen, <emphasis>Da'covale,</emphasis> Besitz der Hochlady Suroth. Bis Juilin sie gestohlen hatte. F�r Egeanin war der Diebstahl einer <emphasis>Da'covale</emphasis> beinahe so schlimm wie die Befreiung einer <emphasis>Damane.</emphasis></p><p>�Darf ich Wind reiten?�, rief Olver aus und sprang auf die F��e. �Darf ich, Mat? Darf ich, Leilwin?� Egeanin l�chelte ihn tats�chlich an. Mat hatte noch nie zuvor gesehen, dass sie jemanden anl�chelte, nicht mal Domon.</p><p>�Noch nicht�, sagte Mat. Nicht, bis sie so weit von Ebou Dar weg waren, dass sich niemand mehr an den Grauen erinnerte, der mit einem kleinen Jungen auf dem R�cken Rennen gewann. �Vielleicht in ein paar Tagen. Juilin, sagst du den anderen Bescheid? Blaeric wei� es bereits, also k�mmert sich schon jemand um die Schwestern.�</p><p>Juilin vergeudete keine Zeit, wenn man davon absah, dass er im Zelt verschwand, um Thera zu beruhigen. Sie schien oft beruhigt werden zu m�ssen. Als er herauskam, trug er einen abgetragenen tairenischen Mantel; er befahl Olver, das Spiel wegzur�umen und Thera bis zu seiner R�ckkehr beim Packen zu helfen, dann set zte er den konischen roten Hut auf und ging los. Er ignorierte Egeanin. Sie hielt ihn f�r einen Dieb, was f�r einen Diebef�nger besonders verwerflich war, und der Tairener hatte ebenfalls nichts f�r sie �brig.</p><p>Mat wollte Noal fragen, wo er gewesen war, aber der Alte eilte flink hinter Juilin her und rief �ber die Schulter, er w�rde dabei helfen, die anderen �ber den bevorstehenden Aufbruch zu informieren. Nun, zwei konnten die Nachricht schneller verbreiten als einer � Vanin und die vier �berlebenden Rotwaffen teilten sich ein zu enges Zelt an der Seite des Zirkus, w�hrend Noal sich auf der anderen Seite eins mit Thom und den beiden Dienern Lopin und Nerim teilte �, und die Frage konnte warten. Vermutlich hatte er blo� seinen kostbaren Fisch irgendwo in Sicherheit gebracht. Auf jeden Fall erschien die Frage pl�tzlich unwichtig.</p><p>Das Lager hallte wider vom L�rm der Leute, die nach Pferdeknechten riefen, um ihre Gespanne zu bringen, und anderen, die lauthals wissen wollten, was denn los sei. Adria, eine schlanke Frau, die sich in einen gr�nen Morgenrock mit Blumenmustern h�llte, kam mit nackten F��en angelaufen und verschwand in dem gelben Wagen, wo die anderen vier Verrenkungsk�nstler hausten. Jemand in dem gr�nen Wagen br�llte heiser, hier g�be es Leute, die schlafen wollten. Ein paar voll Artistenkinder, von denen einige schon selbst Artisten waren, rannten vorbei, und Olver schaute vom Zusammenpacken des Spiels auf. Das war sein kostbarster Besitz, und wenn es ihn nicht gegeben h�tte, w�re er ihnen offensichtlich gern nachgelaufen. Es w�rde noch einige Zeit dauern, bis der Wanderzirkus zur Reise bereit war, aber nicht das lie� Mat st�hnen.</p><p>Er hatte gerade geh�rt, dass die verdammten W�rfel wieder in seinem Kopf rollten.</p></section><section><title><p>3</p><p>Ein farbiger F�cher</p></title><p>Mat wusste nicht, ob er fluchen oder weinen sollte.</p><p><emphasis>Da</emphasis> die Soldaten fort waren und Ebou Dar in seinem Staub zur�ckbleiben w�rde, schien es f�r die W�rfel keinen Grund zu geben, aber es gab nie einen verfluchten Grund zu erkennen, bis es zu sp�t war.</p><p>Was auch immer auf ihn zukam, konnte Tage in der Zukunft liegen oder auch nur eine Stunde, aber er war nie dazu f�hig gewesen, es vorher herauszufinden. Sicher war nur, dass etwas Wichtiges � oder Furchtbares � geschehen w�rde, und dass er es nicht verhindern konnte. Manchmal, wie in jener Nacht am Tor, verstand er nicht einmal dann, wenn die W�rfel verstummt waren, warum sie �berhaupt gerollt waren. Er wusste nur eines mit Sicherheit: so sehr ihn die W�rfel auch nerv�s machten wie eine Ziege mit Juckreiz, sobald sie loslegten, wollte er, dass sie nie wieder aufh�rten. Aber das taten sie. Fr�her oder sp�ter verstummten sie immer.</p><p>�Alles in Ordnung, Mat?�, fragte Olver. �Diese Seanchaner werden uns nicht erwischen.� Er versuchte im Brustton der �berzeugung zu sprechen, aber in seinem Tonfall lag der Hauch einer Frage.</p><p>Unvermittelt wurde sich Mat bewusst, dass er ins Leere gestarrt hatte. Egeanin musterte ihn stirnrunzelnd, w�hrend sie nachdenklich an ihrer Per�cke herumfummelte, offensichtlich w�tend, dass er sie nicht beachtete. Domon blickte beflissen; Mat h�tte seine M�tze gefressen, wenn er nicht dar�ber nachdachte, ob er zu Egeanins Unterst�tzung w�tend werden sollte oder nicht. Selbst Thera sah ihn am Zelteingang vorbei an, und sie bem�hte sich stets, nicht in Egeanins Blickfeld zu geraten. Er konnte es nicht erkl�ren. Nur ein Mann mit Hafergr�tze im Kopf w�rde glauben, dass ihm laut klappernde, f�r alle unsichtbare W�rfel Warnungen zukommen lie�en. Und es konnte genauso gut wie in der Nacht am Tor sein. Nein, das war kein Geheimnis, das er verraten wollte. Au�erdem w�rde es sowieso nichts bringen.</p><p>�Sie werden uns nie erwischen, Olver, nicht dich und mich.� Er fuhr dem Jungen durchs Haar, und Olver grinste breit; so einfach war es, seine Zuversicht wiederherzustellen. �Nicht solange wir die Augen offen und unseren Verstand gesch�rft halten. Vergiss nicht, du kannst einen Weg aus jeder Schwierigkeit heraus finden, wenn du die Augen offen und einen klaren Verstand beh�ltst, aber wenn du das nicht tust, wirst du �ber deine eigenen F��e stolpern.� Olver nickte ernst, aber Mat hatte mit dieser Mahnung die anderen gemeint. Oder vielleicht auch sich selbst. Beim Licht, es war f�r jeden von ihnen unm�glich, noch aufmerksamer zu sein. Mit Ausnahme von Olver, der das alles f�r ein gro�es Abenteuer hielt, waren sie schon alle aus der Haut gefahren, bevor sie die Stadt verlassen hatten.</p><p>�Geh und hilf Thera, wie es dir Juilin gesagt hat, Olver.� Eine kalte B�e schnitt durch Mats Mantel und lie� ihn fr�steln. �Und zieh deinen Mantel an, es ist kalt�, f�gte er hinzu, als sich der Junge neben Thera ins Zelt duckte. Schleifende Ger�usche aus dem Inneren verk�ndeten, dass sich Olver an die Arbeit machte, mit oder ohne Mantel, aber Thera blieb im Zelteingang hocken und betrachtete Mat. Bei der Sorgfalt, die alle au�er Mat Cauthon walten lie�en, konnte sich der Junge noch den Tod holen.</p><p>Sobald Olver verschunden war, trat Egeanin n�her an Mat heran, die F�uste in die H�ften gestemmt, und er st�hnte leise. �Wir werden diese Sache zu Ende bringen, Cauthon�, sagte sie mit harter Stimme. �Jetzt sofort! Ich werde unsere Reise nicht scheitern lassen, weil Ihr meine Befehle widerruft.�</p><p>�Es gibt nichts zu regeln�, sagte er zu ihr. �Ich bin nie in Eure Dienste getret en, und das war's.� Irgendwie schaffte es ihr Gesicht, noch kantiger zu werden, das war so deutlich, als h�tte sie gebr�llt, dass sie die Dinge ganz anders sah. Die Frau war so hartn�ckig wie eine zuschnappende Schildkr�te, aber es musste einen Weg geben, ihren Kiefer von seinem Bein zu befreien. Er wollte lieber zu Asche verbrennen als mit den rollenden W�rfeln allein zu sein, und doch war das besser, als ihnen zuh�ren zu m�ssen, w�hrend er sich mit ihr herumstritt. �Ich werde nach Tuon sehen, bevor wir aufbrechen.� Die Worte kamen aus seinem Mund, bevor er dar�ber nachgedacht hatte. Ihm wurde bewusst, dass sie dort f�r einige Zeit geruht und sich ganz langsam entwickelt hatten.</p><p>Das Blut verschwand aus Egeanins Wangen, sobald er Tuons Namen aussprach, und er h�rte das Quieken Theras, dem das Ger�usch eines zuschnappenden Zelteingangs folgte. Die einstige Panarchin hatte w�hrend ihrer Zeit als Suroths Besitz viele seanchanische Sitten angenommen und anscheinend auch viele ihre Tabus.</p><p>Egeanin war da aus h�rterem Holz geschnitzt. �Warum?�, verlangte sie zu wissen. Um im gleichen Atemzug fortzufahren, zugleich w�tend und voller Unbehagen. �Ihr d�rft sie nicht so nennen. Ihr m�sst Respekt zeigen.� Zumindest in machen Sachen h�rter.</p><p>Mat grinste, aber sie schien den Witz nicht zu verstehen. Respekt? Es war nicht besonders respektvoll, jemandem einen Knebel in den Mund zu stopfen und ihn dann in einen Wandbehang einzurollen. Tuon eine Hochlady oder sonst wie zu nennen w�rde daran nichts �ndern. Nat�rlich war Egeanin eher dazu bereit, �ber die Befreiung von <emphasis>Damane</emphasis> zu sprechen als �ber Tuon. H�tte sie so tun k�nnen, als h�tte es die Entf�hrung nie gegeben, dann h�tte sie das auch getan, und tats�chlich versuchte sie es auch. Beim Licht, sie hatte diese Entf�hrung zu ignorieren versucht, w�hrend sie geschah. In ihrer Welt waren s�mtliche ihrer anderen Verbrechen im Gegensatz dazu bedeutungslos.</p><p>�Weil ich mit ihr sprechen m�chte�, sagte er. Und warum auch nicht? Fr�her oder sp�ter musste er es tun. Mittlerweile schoben sich Leute durch die schmale Stra�e, zur H�lfte bekleidete M�nner, denen die Hemden aus den Hosen hingen, und Frauen, deren Haar noch immer von Nachtschals verborgen wurde. Einige von ihnen f�hrten Pferde, andere vertraten sich blo� die Beine. Ein drahtiger Junge, nur etwas gr��er als Olver, schlug ein Rad nach dem anderen, wenn ihm die Menge daf�r Platz machte, entweder �bte er oder spielte. Der verschlafene Bursche aus dem dunkelgr�nen Wagen war noch immer nicht aufgetaucht. Es w�rde noch Stunden dauern, bevor sich Lucas Gro�er Wanderzirkus in Bewegung setzte. Es war also noch genug Zeit. �Ihr solltet mich begleiten�, schlug er in seinem unschuldigsten Tonfall vor. Das h�tte ihm viel fr�her einfallen sollen.</p><p>Die Einladung lie� Egeanin so starr wie einen Zaunpfahl werden. Es erschien kaum m�glich, dass sie noch blasser wurde, aber ihr Gesicht verlor noch eine Spur Farbe. �Ihr werdet Ihr den geb�hrenden Respekt erweisen�, sagte sie heiser und packte den Schal mit beiden H�nden, als wollte sie sich die schwarze Per�cke noch enger auf den Kopf dr�cken. �Komm, Bayle. Ich will sichergehen, dass meine Sachen ordentlich verstaut werden.�</p><p>Domon z�gerte, als sie sich umdrehte und sich ohne einen Blick zur�ck in die Menge st�rzte, und Mat beobachtete ihn misstrauisch. Er hatte eine vage Erinnerung an einen Kampf auf Domons Flussschiff vor langer Zeit, aber sie war einfach nicht richtig greifbar. Thom begegnete Domon freundlich, was f�r den Illianer sprach, aber er war Egeanins Mann, dazu bereit, sie in allem zu unterst�tzen, bis hin zu ihrer Abneigung gegen�ber Juilin, und Mat vertraute ihm nicht weiter als ihr. Also nicht besonders weit. Egeanin und Domon verfolgten ihre eigenen Ziele, und in ihnen spielte es keine Rolle, ob Mat Cauthon mit heiler Haut davonkam. Er bezweifelte, dass der Mann ihm vertraute, was das anging, aber im Augenblick blieb keinem von ihnen eine Wahl.</p><p>�Gl�ck stich mich�, murmelte Domon und kratzte sich an den Stoppeln, die �ber seinem linken Ohr wuchsen, �was auch immer Ihr vorhabt, Ihr k�nntet Euch da geh�rig �bernehmen. Ich glaube, sie ist h�rter, als Ihr vermutet.�</p><p>�Egeanin?�, sagte Mat ungl�ubig. Er schaute sich hektisch um, ob jemand in der Gasse seinen Ausrutscher mitbekommen hatte. Ein paar warfen ihm und Domon im Vorbeigehen einen Blick zu, aber keiner sah zweimal hin. Luca war nicht der Einzige, der es eilig hatte, eine Stadt zu verlassen, wo der Zuschauerstrom versiegt war und n�chtliche Blitze, die den Hafen in Brand setzten, noch frisch in Erinnerung waren. Am liebsten w�ren sie alle in jener Nacht geflohen und h�tten Mat kein Versteck gelassen, aber Luca hatte es ihnen ausgeredet. Das versprochene Gold hatte Luca sehr �berzeugend gemacht. �Ich wei�, dass sie z�her als altes Stiefelleder ist, Domon, aber alte Stiefel z�hlen bei mir nicht. Das hier ist kein verdammtes Schiff, und ich werde nicht zulassen, dass sie das Kommando �bernimmt und alles ruiniert.�</p><p>Domon verzog das Gesicht, als w�re Mat schwachsinnig. �Das M�dchen, Mann. Glaubt Ihr, Ihr k�nntet so ruhig sein, wenn man Euch in der Nacht ver � schleppt h�tte? Was auch immer Ihr vorhabt, mit diesem ganzen wirren Gerede, sie sei Eure Frau, seid vor � sichtig, oder sie k�nnte Euch den Kopf auf Schulterh�he rasieren.�</p><p>�Ich habe blo� den Narren gespielt�, murmelte Mat.</p><p>�Wie oft muss ich das noch sagen? Ich hatte f�r einen Moment die Nerven verloren.� Oh, das war die Wahr heit. Zu erfahren, wer Tuon war, w�hrend er mit ihr rang, h�tte einen verdammten Trolloc die Nerven verlieren lassen.</p><p>Domon grunzte ungl�ubig. Nun, es war kaum die beste Geschichte, die Mat je eingefallen war. Allerdings schien sie jeder, der ihn brabbeln geh�rt hatte, zu akzeptieren � mit Ausnahme von Domon. Zumindest glaubte Mat, dass die anderen sie geglaubt hatten.</p><p>Egeanin mochte ja allein schon beim Gedanken an Tuon einen Knoten in der Zunge bekommen, aber sie h�tte ihm ihre Meinung gesagt, h�tte sie ihn ernst genommen. Vermutlich h�tte sie ihn auf der Stelle erdolcht.</p><p>Der Illianer schaute in die Richtung, in der Egeanin verschwunden war, und sch�ttelte den Kopf. �Versucht von jetzt an, Eure Zunge im Zaum zu halten.</p><p>Jedes Mal, wenn ... Leilwin an Eure Worte denkt, bekommt sie beinahe einen Anfall. Ich habe sie murmeln geh�rt, und Ihr k�nnt darauf wetten, dass das M�dchen es keinesfalls leichter nimmt. Spielt bei ihr den Narren, und Ihr k�nntet uns alle einen Kopf k�rzer machen.� Er fuhr sich mit dem Finger �ber die Kehle und nickte kurz, bevor er in der Menge verschwand.</p><p>Mat sah ihm hinterher und sch�ttelte den Kopf. Tuon, hart? Sicher, sie war die Tochter der Neun Monde und alles, was dazugeh�rte, und im Tarasin-Palast war ihm ihr Blick unter die Haut gegangen, als er sie noch f�r eine weitere seanchanische Adlige gehalten hatte, die die Nase zu hoch in der Luft trug, aber das war nur deshalb passiert, weil sie st�ndig da auftauchte, wo er sie nicht erwartete. Mehr gab es dazu nicht zu sagen. Hart? Sie sah aus wie eine Puppe aus schwarzem Porzellan. Wie hart konnte sie sein?</p><p>Es <emphasis>hat dich deine ganze Kraft gekostet, zu verhind ern, dass sie dir die Nase und wer wei� was sonst noch brach,</emphasis> erinnerte er sich.</p><p>Er hatte darauf geachtet, nicht das zu wiederholen, was Domon als �wirres Gerede� bezeichnet hatte, aber es war nun einmal die Wahrheit, er <emphasis>w�rde</emphasis> Tuon heiraten. Der Gedanke lie� ihn seufzen. Er wusste es so sicher, wie er die Prophezeiung kannte. Er konnte sich nicht vorstellen, wie eine solche Ehe zustande kommen sollte; n�chtern betrachtet erschien es unm�glich, und er w�rde nicht weinen, wenn es so kam. Aber er wusste, dass das nicht passieren w�rde. Warum verdammt noch mal hatte er immer Frauen am Hals, die ihn mit Messern bedrohten oder versuchten, ihm den Sch�del einzuschlagen? Es war nicht fair.</p><p>Er wollte auf direktem Weg zu dem Wagen gehen, in dem Tuon und Selucia unter der Aufsicht von Setalle Anan standen � die Gastwirtin konnte einen Stein weich erscheinen lassen; eine verw�hnte Adlige und ihre Zofe w�rden ihr keine Schwierigkeiten bereiten, vor allem, da einer der Rotwaffen drau�en Wache schob �, aber seine F��e trugen ihn die gewundenen Stra�en entlang, die sich durch das Zirkusgel�nde zogen. Sie alle, die breiten und die schmalen, waren von hektischer Aktivit�t erf�llt. M�nner zogen eilig Pferde, die scheuten und umhert�nzelten, weil sie zu lange nicht bewegt wor den waren. Andere bauten Zelte ab und beluden Lastkarren oder schleppten in Tuch verpackte B�ndel und messingbeschlagene Truhen und F�sser und Kanister in s�mtlichen vorstellbaren Gr��en aus den haus�hnlichen Wagen, die dort monatelang gestanden hatten, sie entluden sie teilweise, sodass alles f�r die Reise neu beladen werden konnte, w�hrend vorn die Gespanne angeschirrt wurden. Der L�rm war best�ndig: Pferde wieherten, Frauen riefen nach Kindern, Kinder weinten wegen verlorenem Spielzeug oder schrien aus purem Spa� am L�rm, M�nner br�llten herum, weil sie wissen wollten, wer an ihren Gespannen gewesen oder wer sich ein Werkzeug ausgeliehen hatte. Eine Akrobatentruppe, schlanke, aber muskul�se Frauen, die an von hohen Pfosten herabh�ngenden Seilen arbeiteten, hatten einen der Pferdeknechte umzingelt; sie alle fuchtelten mit den Armen und kreischten so laut sie konnten herum, und keiner h�rte zu. Mat blieb kurz stehen, um herauszufinden, wobei es bei dem Streit eigentlich ging, aber schlie�lich kam er zu der Erkenntnis, dass sie es selbst nicht wu�ten. Zwei M�nner ohne Mantel w�lzten sich am Boden, scharf beobachtet vom vermutlichen Anlass des Kampfes, einer gertenschlanken N�herin mit gl�henden Augen namens Jameine, aber bevor Mat auch nur eine Wette auf den Ausgang abgeben konnte, erschien Petra und zog sie auseinander.</p><p>Er hatte keine Angst, Tuon wiederzusehen. Nat�rlich nicht. Nachdem er sie in diesem Wagen untergebracht hatte, hatte er sich von ihr ferngehalten, um ihr Zeit zu geben, wieder zur Ruhe zu kommen. Das war alles. Domon hatte sie als beherrscht bezeichnet, und das stimmte. Mitten in der Nacht entf�hrt, von Leuten, die, soweit sie es wusste, ihr ohne zu z�gern die Kehle durchschneiden w�rden, in einen Sturm verschleppt, und sie war von ihnen allen die ruhigste gewesen. Beim Licht, sie h�tte es selbst geplant haben k�nnen, so wenig aufgebracht war sie! Es hatte ihm das Gef�hl gegeben, als w�rde ein Messer zwischen seinen Schulterbl�ttern schweben, und allein bei dem Gedanken an sie war das Messer wieder da. Und diese W�rfel rollten in seinem Sch�del.</p><p><emphasis>Die Frau wird wohl kaum anbieten, das Ehegel�bnis hier und jetzt auszutauschen,</emphasis> dachte er mit einem Kichern, aber es klang selbst f�r seine Ohren gezwungen. Dennoch gab es f�r ihn keinen Grund unter der Sonne, Angst zu haben. Er war nur auf angemessene Weise vorsichtig, nicht �ngstlich.</p><p>Der Zirkus entsprach der Gr��e eines durchschnittlichen Dorfes, aber ein Mann konnte nur eine gewisse Zeit auf dieser Fl�che umherwandern, bevor er anfing, die gleichen Wege erneut einzuschlagen. Bald, zu bald, stand er vor einem fensterlosen Wagen in verblichenem Purpur in Sichtweite der s�dlichen Pferdeleinen, der von Planwagen umgeben wurde. Die Dungkarren waren an diesem Morgen nicht abgeholt worden, und der Geruch war stark. Der Wind trug auch schwere Ger�che von den nahen Tierk�figen heran, den moschusartigen Duft von Gro�katzen und B�ren und das Licht allein wusste von was sonst noch. Jenseits der Planwagen und Pfl�cke fiel ein Teil der Segeltuchwand und ein weiterer begann zu zittern, als M�nner die Vert�uung l�sten. Die mittlerweile von dunklen Wolken verborgene Sonne war auf dem halben Weg zur h�chsten Stelle geklettert, aber es war noch immer zu fr�h.</p><p>Harnan und Merwyn, zwei der Rotwaffen, hatten bereits die ersten beiden Pferde an die Achse des purpurnen Wagens angeschirrt und waren mit dem zweiten Paar fast fertig. Als bei der Bande der Roten Hand gut ausgebildete Soldaten w�rden sie zum Aufbruch bereit sein, wenn das Zirkusvolk noch immer versuchte herauszufinden, wie man die Pferde anschirren musste. Mat hatte der Bande beigebracht, sich zu beeilen, wenn es notwendig war. Er schlurfte daher, als w�rde er durch Schlamm waten.</p><p>Harnan, der diese alberne Falkent�towierung auf der Wange hatte, entdeckte ihn zuerst. Der Gruppenf�hrer mit dem kantigen Kiefer war gerade dabei, einen Zugriemen festzuschnallen, und er wechselte einen Blick mit Metwyn, dem Cairhiener mit dem jungenhaften Aussehen, das sowohl seinem Alter wie auch seiner Schw�che f�r Wirtshausschl�gereien widersprach. Sie hatten kein Recht, �berrascht auszusehen.</p><p>�L�uft alles glatt? Ich will noch heute hier weg sein.� Mat rieb sich die H�nde warm und musterte den purpurnen Wagen unbehaglich. Er h�tte ihr ein Geschenk mitbringen sollen, Geschmeide oder Blumen. Beides funktionierte gut, jedenfalls bei den meisten Frauen.</p><p>�Glatt genug, mein Lord�, erwiderte Harnan vorsichtig. �Kein Geschrei, keine Proteste, keine Tr�nen.�</p><p>Er sah den Wagen an, als k�nnte er es selbst nicht glauben.</p><p>�Die Ruhe gef�llt mir�, sagte Metwyn und schob einen Z�gel durch einen Ring des Kummets. �Wenn Frauen zu weinen anfangen, dann kann man nur gehen, wenn einem seine Haut etwas bedeutet, und wir k�nnen sie schlecht am Stra�enrand absetzen.� Aber auch er warf dem Wagen einen Blick zu und sch�ttelte ungl�ubig den Kopf.</p><p>Mat blieb wirklich nichts anderes mehr �brig, als ihn zu betreten. Also tat er es. Er ben�tigte nur zwei Anl�ufe mit einem aufgesetzten L�cheln, um die kurze, bemalte Holztreppe an der Hinterseite des Wagens zu erklimmen. Er hatte keine Angst, aber jeder Narr w�rde genug wissen, um nerv�s zu sein.</p><p>Trotz der fehlenden Fenster war das Wageninnere hell erleuchtet; vier Spiegellampen brannten, und sie waren mit gutem �l gef�llt, sodass es keine ranzigen Ger�che gab. Allerdings w�re das durch den drau�en herrschenden Gestank kaum aufgefallen. Er musste einen besseren Stellplatz f�r diesen Wagen finden. Ein kleiner Ziegelofen mit Eisenklappe und einem Eisengitter zum Kochen machte den Raum mollig warm. Es war kein gro�er Wagen, und jede freie Handspanne Wand wurde mit Kommoden oder Regalbrettern oder Haken zum Aufh�ngen von Kleidung und Handt�chern und dergleichen genutzt, aber der Tisch, den man an Schn�ren herablassen konnte, hing oben an der Decke, und die Frauen im Wagen waren kaum in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschr�nkt.</p><p>Die drei Frauen h�tten nicht unterschiedlicher sein k�nnen. Frau Anan sa� auf einem der beiden schmalen Betten, die in die W�nde eingebaut waren, eine gebieterische Frau, deren Haar die ersten Spuren von Grau aufwies; auf ihren Stickrahmen konzentriert, erweckte sie nicht im mindesten den Eindruck einer W�chterin. An jedem ihrer Ohren hing ein gro�er goldener Ohrring, von der eng anliegenden Silberkette baumelte ihr Hochzeitsdolch, dessen mit roten und wei�en Steinen verzierter Griff sich in das Dekollete schmiegte, das der schmale, tief nach unten f�hrende Ausschnitt ihres Kleids freigab; der Rocksaum war an der einen Seite hochgen�ht und entbl��te die gelben Unterr�cke. Sie trug noch ein weiteres Messer mit langer, gebogener Klinge, das hinter dem G�rtel steckte, aber das war nur ein Brauch aus Ebou Dar. Setalle hatte jede Verkleidung verweigert, was vern�nftig erschienen war. Keiner hatte einen Grund, sie zu verfolgen, und es war auch so schon schwer genug gewesen, f�r jeden der anderen passende Kleidung zu finden.</p><p>Selucia sa� mit untergeschlagenen Beinen zwischen den Betten auf dem Boden. Sie war eine h�bsche Frau mit heller Haut, ihr kahl rasierter Kopf wurde von einem dunklen Tuch verborgen. Auf ihrem Gesicht lag ein m�rrischer Ausdruck, obwohl sie f�r gew�hnlich w�rdevoll genug aussah, um Frau Anan wie ein leichtes M�dchen erscheinen zu lassen. Ihre Augen waren so blau wie die Egeanins und noch durchbohrender, und sie hatte wegen des Verlusts ihrer restlichen Haare noch mehr Theater als sie gemacht. Sie verabscheute auch das dunkelblaue Gewand, das man ihr gegeben hatte, und behauptete, der tiefe Ausschnitt sei unanst�ndig, aber er machte sie so unkenntlich wie eine Maske. Nur wenige M�nner w�rden sich lange auf Selucias Gesicht konzentrieren k�nnen, nachdem sie einen Blick auf ihren eindrucksvollen Busen geworfen hatten. Mat h�tte den Anblick gern selbst f�r kurze Zeit genossen, aber da war Tuon, die auf dem einzigen Stuhl des Wagens sa�, ein in Leder gebundenes, aufgeschlagenes Buch auf dem Scho�, und er konnte sich kaum dazu �berwinden, woanders hinzuschauen. Seine zuk�nftige Gemahlin. Beim Licht!</p><p>Tuon war winzig, nicht nur klein, sondern auch noch fast so schlank wie ein Junge, und das lose sitzende braune Wollkleid, ausgeliehen von einer Artistin, lie� sie wie ein Kind aussehen, das die Kleider seiner �lteren Schwester auftrug. Nicht im mindesten die Sorte von Frau, die er bevorzugte, vor allem mit den seit ein paar Tagen sprie�enden schwarzen Haarstoppeln, die ihren Kopf bedeckten. Wenn man das ignorierte, <emphasis>war</emphasis> sie auf eine zur�ckgenommene Art und Weise durchaus h�bsch zu nennen; sie hatte ein herzf�rmiges Gesicht mit vollen Lippen, und ihre dunklen Augen waren wie ruhige Teiche. Diese absolute Ruhe machte ihn beinahe nerv�s. Nicht einmal eine Aes Sedai w�re in ihrer Lage so gelassen gewesen. Die verdammten W�rfel in seinem Kopf waren auch keine Hilfe.</p><p>�Setalle hat mich auf dem Laufenden gehalten�, sagte sie k�hl, als er die T�r schloss. Mittlerweile konnte er Unterschiede in seanchanischen Akzenten erkennen; Tuon lie� Egeanin klingen, als h�tte sie den Mund voll Brei, aber sie alle klangen langsam und verwaschen. �Sie hat mir die Geschichte erz�hlt, die Ihr �ber mich verbreitet habt, Spielzeug.� Tuon hatte im Tarasin-Palast angefangen, ihn so zu nennen. Damals hatte es ihn nicht gest�rt. Jedenfalls nicht besonders.</p><p>�Mein Name ist Mat�, fing er an. Er vermochte nicht zu sagen, wo die Tasse in ihrer Hand hergekommen war, aber er konnte sich noch rechtzeitig zu Boden werfen, damit sie die T�r statt seinen Kopf traf.</p><p>�Bin ich eine <emphasis>Dienerin,</emphasis> Spielzeug?� War Tuons Tonfall zuvor k�hl gewesen, war er jetzt so hart wie Eis. Ihr Gesichtsausdruck h�tte einen Richter, der gerade eine Todesstrafe verh�ngte, fr�hlich aussehen lassen.</p><p>�Eine <emphasis>diebische</emphasis> Dienerin?� Das Buch rutschte von ihrem Scho�, als sie aufstand und sich b�ckte, um den wei�en Nachttopf mit Deckel zu ergreifen. �Eine <emphasis>treulose</emphasis> Dienerin?�</p><p>�Den brauchen wir noch�, sagte Selucia bed�chtig und nahm Tuon das bauchige Gef�� aus den H�nden.</p><p>Sie stellte es vorsichtig auf der Seite ab und hockte geduckt zu Tuons F��en, so als w�re sie bereit, sich selbst auf Mat zu werfen, so l�cherlich diese Vorstellung auch war. Obwohl im Augenblick eigentlich nichts l�cherlich war.</p><p>Frau Anan griff nach einem der mit einer Holzstange gesicherten Regalbretter �ber ihrem Kopf und reichte Tuon eine weitere Tasse. �Davon haben wir genug�, murmelte sie.</p><p>Mat warf ihr einen w�tenden Blick zu, aber in ihren haselnussbraunen Augen funkelte es am�siert. Am�siert! Sie sollte die beiden <emphasis>bewachen\</emphasis> Eine Faust pochte an die T�r. �Braucht Ihr Hilfe?�, rief Harnan unsicher. Mat fragte sich, wen er wohl meinte.</p><p>�Wir haben hier alles im Griff�, rief Setalle zur�ck und stie� ruhig ihre Nadel durch den auf dem Stickrahmen aufgespannten Stoff. Man h�tte glauben k�nnen, die Stickarbeit sei die wichtigste Sache auf der Welt. �Macht mit eurer Arbeit weiter. Tr�delt nicht herum.� Die Frau war keine Ebou Dari, aber sie hatte deren Art offensichtlich in sich aufgesogen. Einen Augenblick sp�ter polterten drau�en Stiefel die Treppe hinunter. Anscheinend hatte sich auch Harnan zu lange in Ebou Dar aufgehalten.</p><p>Tuon drehte die neue Tasse in ihrer Hand, als wollte sie die aufgemalten Blumen studieren, und ihre Lippen verzogen sich zu einem L�cheln, das so kurz w�hrte, dass Mat beinahe glaubte, es sich nur eingebildet zu haben. Sie war mehr als nur h�bsch, wenn sie l�chelte, aber es war eines jener L�cheln, das besagte, dass sie Dinge wusste, die ihm unbekannt waren. Wenn sie so weitermachte, w�rde er einen Schluckauf bekommen.</p><p>�Man wird mich nicht f�r eine Dienerin halten, Spielzeug.�</p><p>�Mein Name ist Mat, nicht ... diese andere Sache�, sagte er, stellte sich auf die F��e und belastete vorsichtig seine H�fte. �berraschenderweise schmerzte sie nach der Bekanntschaft mit dem Boden nicht st�rker. Tuon hob eine Braue und wog die Tasse in der Hand.</p><p>�Ich konnte den Zirkusleuten ja wohl kaum sagen, dass ich die Tochter der Neun Monde entf�hrt habe�, sagte er verzweifelt.</p><p>�Die Hochlady Tuon, Bauer!�, sagte Selucia entschieden. �Sie ist unter dem Schleier!� Schleier? Tuon hatte im Palast einen Schleier getragen, jetzt aber nicht.</p><p>Die kleine Frau machte eine anmutige Geste, eine K�nigin, die eine Gnade erwies. �Das ist nicht von Bedeutung, Selucia. Er ist unwissend. Noch. Wir m�ssen ihn unterrichten. Aber Ihr werdet diese Geschichte �ndern, Spielzeug. Ich werde keine Dienerin sein.�</p><p>�Es ist zu sp�t, um etwas zu �ndern�, sagte Mat und behielt die Tasse im Auge. Ihre H�nde sahen zerbrechlich aus, jetzt, da die langen Fingern�gel kurz geschnitten waren, aber er erinnerte sich, wie schnell sie sein konnten. �Niemand hat von Euch verlangt, als Dienerin zu arbeiten.� Luca und seine Frau kannten die Wahrheit, aber es war eine Erkl�rung erforderlich gewesen, warum Tuon und Selucia in diesem Wagen eingesperrt worden waren und unter Bewachung standen. Die perfekte L�sung war die Geschichte von zwei Dienerinnen gewesen, die wegen Diebstahls entlassen werden sollten und die Flucht ihrer Herrin mit ihrem Liebhaber verraten wollten. F�r Mat hatte das perfekt geklungen. F�r das Zirkusvolk machte es die Sache nur noch romantischer. Er hatte bef�rchtet, Egeanin w�rde ihre Zunge verschlucken, als er es Luca erkl�rte. Vielleicht hatte sie ja gewusst, wie Tuon das aufnehmen w�rde. Beim Licht, fast w�nschte er, die W�rfel w�rden verstummen. Wie sollte ein Mann mit so etwas im Kopf nachdenken k�nnen?</p><p>�Ich konnte Euch nicht zur�cklassen, damit Ihr Alarm schlagt�, fuhr er geduldig fort. Das stimmte auch, gewisserma�en. �Ich wei�, dass Frau Anan es Euch erkl�rt hat.� Er dachte daran zu erkl�ren, dass ihn seine blankliegenden Nerven zu der Behauptung veranlasst hatten, sie sei seine Frau � sie musste ihn f�r v�llig verr�ckt halten! �, aber es schien am besten, das gar nicht mehr zu erw�hnen. Wenn sie die Sache auf sich beruhen lie�, umso besser. �Ich wei�, dass sie es Euch bereits gesagt hat, aber ich verspreche, dass Euch keiner etwas antun wird. Wir sind nicht auf L�segeld aus, wir wollen nur unsere K�pfe auf den Schultern behalten. Sobald ich wei�, wie ich Euch unversehrt nach Hause zur�ckschicken kann, werde ich das tun. Das verspreche ich Euch. Bis dahin werde ich es Euch so bequem machen, wie es mir m�glich ist. Ihr werdet Euch nur mit dem anderen abfinden m�ssen.�</p><p>Tuons gro�e dunkle Augen funkelten, ein W�rmegewitter am Nachthimmel, aber sie sagte: �Es hat den Anschein, als musste ich abwarten, was Eure Versprechungen wert sind, Spielzeug.� Zu ihren F��en fauchte Selucia wie eine nass gespritzte Katze und drehte den Kopf, als wollte sie widersprechen, aber Tuon gestikulierte mit der linken Hand, und die Frau mit den blauen Augen err�tete und verstummte. Manchmal benutzte das Blut etwas �hnliches wie die Aiel-Handsprache bei ihren hochrangigen Dienern. Mat w�nschte sich, er k�nnte die Signale verstehen.</p><p>�Beantwortet mir eine Frage, Tuon�, sagte er.</p><p>Er glaubte, Setalle �Narr� murmeln zu h�ren. Selucia biss die Z�hne zusammen, und in Tuons Augen funkelte es gef�hrlich, aber wenn sie ihn weiterhin �Spielzeug� nannte, wollte er verdammt sein, wenn er ihr ihre Titel zugestand.</p><p>�Wie alt seid Ihr?� Er hatte geh�rt, dass sie nur wenige Jahre j�nger als er war, aber wenn er sie in diesem Sack von Kleid ansah, erschien das unm�glich.</p><p>Zu seiner �berraschung entz�ndete sich das gef�hrliche Funkeln zu einer Flamme. Diesmal war es nicht nur ein W�rmegewitter. Er h�tte auf der Stelle ger�stet werden m�ssen. Tuon warf die Schultern zur�ck und richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf. So hoch das auch sein mochte: er bezweifelte, dass sie auf mehr als f�nf Fu� kam, selbst wenn sie sich streckte. �Mein vierzehnter Wahrer �Namensgebungstag ist in f�nf Monaten�, sagte sie mit einer Stimme, die alles andere als kalt war. Tats�chlich h�tte sie den Wagen besser als der Ofen heizen k�nnen. Er versp�rte einen Augenblick der Hoffnung, aber sie war noch nicht fertig. �Nein, ihr pflegt eure Geburtsnamen zu behalten, nicht wahr?</p><p>Das wird mein zwanzigster Namensgebungstag sein.</p><p>Seid Ihr zufrieden, Spielzeug? Habt Ihr bef�rchtet, Ihr h�ttet ein ... Kind entf�hrt?� Die letzten Worte zischte sie f�rmlich.</p><p>Mat fuchtelte mit beiden H�nden, um diese Vorstellung hektisch zu entkr�ften. Wenn eine Frau anfing, einen wie ein Teekessel anzufauchen, fand ein Mann, der auch nur einen Funken Verstand sein eigen nannte, ganz schnell einen Weg, sie wieder abzuk�hlen. Sie hielt die Tasse so fest umklammert, dass auf ihrem Handr�cken die Sehnen hervortraten, und er wollte seine H�fte nicht mit einem weiteren Sturz auf die Probe stellen. Und wenn er dar�ber nachdachte, konnte er nicht absch�tzen, wie sehr sie sich bem�ht hatte, ihn das erste Mal zu treffen. Ihre H�nde waren sehr schnell. �Ich wollte es nur wissen�, sagte er hastig. �Ich war neugierig, wollte ein wenig plaudern. Ich bin nur etwas �lter.� Zwanzig. Soviel also zu der Hoffnung, dass sie zu jung war, um in den n�chsten drei oder vier Jahren zu heiraten. Alles, was sich zwischen ihn und seinen Hochzeitstag stellte, w�re willkommen gewesen.</p><p>Tuon musterte ihn mit schr�g gelegtem Kopf, dann warf sie die Tasse neben Frau Anan aufs Bett und setzte sich wieder auf den Stuhl; dabei richtete sie ihren volumin�sen Wollrock mit der gleichen Aufmerksamkeit, als h�tte es sich um ein Seidengewand gehandelt. Aber dabei musterte sie ihn weiterhin durch die langen Wimpern. �Wo ist Euer Ring?�, wollte sie wissen.</p><p>Unbewusst strich er mit dem Daumen �ber den Finger der linken Hand, an dem f�r gew�hnlich der lange Ring steckte. �Ich trage ihn nicht immer.� Nicht, wenn jeder im Tarasin-Palast von ihm wusste. Das Ding w�re bei seiner groben Tagel�hnertracht sowieso nur aufgefallen. Es war nicht einmal sein Siegelring, sondern blo� das Versuchsst�ck eines Schnitzer s. Seltsam, wie sich seine Hand betr�chtlich leichter ohne diesen Ring anf�hlte. Zu leicht. Seltsam auch, dass sie es erw�hnte. Andererseits, warum auch nicht? Beim Licht, diese W�rfel lie�en ihn vor Schatten zur�ckzucken und bei Seufzern zusammenschrecken. Aber vielleicht war das ja auch nur sie, ein beunruhigender Gedanke.</p><p>Er wollte sich auf das unbenutzte Bett setzen, aber Selucia schwang sich so schnell darauf, dass jeder Akrobat neidisch gewesen w�re, und streckte sich aus, den Kopf auf eine Hand gest�tzt. Das lie� einen Augenblick lang das Tuch verrutschen, aber sie richtete es hastig, und die ganze Zeit starrte sie ihn so stolz und kalt wie eine K�nigin an. Er schaute auf das andere Bett, und Frau Anan legte ihre Stickarbeit lange genug ab, um eingehend ihre R�cke zu gl�tten und deutlich zu machen, dass sie nicht vorhatte, auch nur einen Fingerbreit zur Seite zu r�cken. Sollte sie doch zu Asche verbrennen, sie benahm sich, als w�rde sie Tuon vor ihm besch�tzen! Frauen schienen sich immer zusammenzurotten, sodass kein Mann jemals eine faire Chance hatte. Nun, bis jetzt war es ihm gelungen, Egeanin davon abzuhalten, das Kommando zu �bernehmen, und er w�rde sich nicht von Setalle Anan oder einer vollbusigen Zofe oder der ach so m�chtigen Hochlady Tochter der Neun verdammten Monde herumschubsen lassen! Jedoch konnte er wohl kaum eine von ihnen aus dem Weg dr�ngen, um einen Sitzplatz zu finden.</p><p>Er lehnte sich an eine Kommode am Fu� des Bettes, auf dem Frau Anan sa�, und versuchte sich etwas einfallen zu lassen, was er sagen konnte. Er hatte nie Probleme damit, mit Frauen zu sprechen, aber der L�rm dieser W�rfel lahmte seinen Verstand. Alle drei Frauen warfen ihm missbilligende Blicke zu � er konnte f�rmlich h�ren, wie zumindest eine von ihnen ihm befahl, sich gerade hinzustellen! �, also l�chelte er. Die meisten Frauen fanden sein bestes L�cheln sehr gewinnend.</p><p>Tuon gab einen langen Seufzer von sich, der nicht im mindesten angetan klang. �Erinnert Ihr Euch an Falkenfl�gels Gesicht, Spielzeug?� Frau Anan blinzelte �berrascht, und Selucia setzte sich mit einem finsteren Blick auf. Der Blick galt ihm! Wieso denn <emphasis>ihm?</emphasis> Tuon sah ihn einfach nur weiterhin an, die H�nde im Scho� gefaltet, so ruhig und gesammelt wie eine Seherin am Sonntag.</p><p>Mats L�cheln f�hlte sich wie erstarrt an. Beim Licht, was wusste sie? Wie konnte sie �berhaupt etwas wissen? <emphasis>Er lag unter der brennenden Sonne, hielt sich mit bei den H�nden die Seite, versuchte den Rest seines Lebens daran zu hindern, aus ihm herauszustr�men, und fragte sich, ob es �berhaupt einen Grund gab, daran festzuhalten.</emphasis></p><p><emphasis>Nach den Anstrengungen dieses Tages war Aldeshar erle digt. Einen Augenblick lang verdeckte ein Schatten die Sonne, dann kniete ein gro�er Mann in einer R�stung neben ihm nieder, den Helm un ter den Arm geklemmt, mit tiefliegenden Augen, die eine Hakennase einrahmten. �Ihr habt heute gut gegen mich gek�mpft, Culain, wie schon viele Tage in der Vergangenheit�, sagte diese markante Stimme.</emphasis></p><p><emphasis>�Werdet Ihr mit mir in Frieden leben?� Mit seinem letz ten Atemzug lachte er Artur Falkenfl�gel ins Gesicht.</emphasis> Mat <emphasis>hasste</emphasis> es, sich an das Sterben zu erinnern. Ein Dutzend weitere Begegnungen sch�ssen ebenfalls durch seinen Verstand, uralte Erinnerungen, die jetzt die seinen waren. Mit Artur Paendrag war auch schon schwierig auszukommen gewesen, bevor die Kriege angefangen hatten.</p><p>Er holte tief Luft und w�hlte seine Worte mit Sorgfalt. Das war nicht der richtige Zeitpunkt, um in der Alten Sprache zu sprechen. �Nat�rlich nicht!�, log er. Mit einem Mann, der nicht �berzeugend l�gen konnte, machten Frauen kurzen Prozess. �Beim Licht, Falkenfl�gel starb vor tausend Jahren! Was f�r eine Frage ist denn das?�</p><p>Ihr Mund �ffnete sich langsam, und einen Augenblick lang war er �berzeugt, sie wollte eine Frage mit einer Frage beantworten. �Eine dumme, Spielzeug�, erwiderte sie stattdessen. �Ich kann nicht sagen, warum sie mir in den Sinn kam.�</p><p>Die Anspannung in Mats Schultern lie� etwas nach.</p><p>Nat�rlich. Er war <emphasis>ta'veren.</emphasis> In seiner N�he taten und sagten Leute Dinge, die sie anderswo niemals tun w�rden. Unsinn geh�rte auch dazu. Trotzdem konnte eine Sache wie diese doch sehr unangenehm sein, wenn sie zu nahe ans Ziel traf. �Mein Name ist Mat. Mat Cauthon.� Das h�tte er sich genauso gut sparen k�nnen.</p><p>�Ich kann nicht sagen, was ich nach meiner R�ckkehr nach Ebou Dar tun werde, Spielzeug. Ich habe mich noch nicht entschieden. Vielleicht lasse ich Euch zu einem <emphasis>Da'covale</emphasis> machen. Ihr seid nicht h�bsch genug f�r einen Pokaltr�ger, aber es k�nnte mich trotzdem erfreuen. Aber egal, Ihr habt mir gewisse Versprechungen gemacht, also erfreut es mich jetzt, ebenfalls etwas zu versprechen. Solange Ihr Eure Versprechen haltet, werde ich weder fliehen noch Euch auf irgendeine Weise verraten, und ich werde unter Euren Anh�ngern auch keine Unruhe stiften. Ich glaube, das deckt alles N�tige ab.� Diesmal starrte Frau Anan sie an, und Selucia machte tief in ihrer Kehle einen Laut, aber Tuon schien keine von ihnen zu beachten. Sie sah ihn blo� erwartungsvoll an und wartete auf eine Antwort.</p><p>Auch er machte einen Laut. Es war kein Wimmern, nur ein Laut. Tuons Gesicht war so glatt wie eine Maske aus dunklem Glas. Ihre Ruhe war verr�ckt, aber das hier lie� das Gestammel eines Verr�ckten v�llig normal erscheinen! Sie musste verr�ckt sein, wenn sie glaubte, er w�rde ihr dieses Angebot abnehmen. Aber er glaubte, dass sie es tats�chlich ernst meinte. Entweder das, oder sie war die beste L�gnerin, der er jemals begegnet war. Wieder beschlich ihn das unangenehme Gef�hl, dass sie mehr als er wusste. Das war nat�rlich l�cherlich, aber es war da. Er schluckte den Klo� in seinem Hals herunter. Es war ein harter Klo�.</p><p>�Nun, das alles gilt f�r Euch�, sagte er und ver suchte Zeit zu schinden, �aber was ist mit Selucia?�</p><p>Zeit wof�r? Er konnte nicht na chdenken, solange diese W�rfel in seinem Sch�del herumkollerten.</p><p>�Selucia folgt meinen W�nschen, Spielzeug�, sagte Tuon ungeduldig. Die blau�ugige Frau richtete sich auf und starrte ihn an, als f�nde sie es schockierend, dass er daran gezweifelt hatte. F�r eine Zofe konnte sie wild aussehen, wenn sie es versuchte.</p><p>Mat wusste nicht, was er tun oder sagen sollte. Ohne nachzudenken spuckte er in seine Hand und bot sie an, so als wollte er einen Pferdekauf besiegeln.</p><p>�Eure Br�uche sind sehr ... rustikal�, sagte Tuon trocken, aber sie spuckte in die Hand und ergriff seine.</p><p>��So ist unser Abkommen geschrieben; so ist die Abmachung erfolgt. � Was bedeutet diese Aufschrift auf Eurem Speer, Spielzeug?�</p><p>Diesmal war es ein Wimmern, und das nicht, weil sie die Inschrift in der Alten Sprache auf seinem <emphasis>Ashandarei</emphasis> gelesen hatte. Ein verdammter Stein h�tte gewimmert. Die W�rfel waren in dem Moment verstummt, als er ihre Hand ber�hrt hatte. Beim Licht, was war geschehen?</p><p>Kn�chel pochten an die T�r, und er stand so unter Anspannung, dass er ohne nachzudenken handelte; er fuhr herum, in jeder Hand ein Messer, dazu bereit, sie auf alles zu schleudern, was auch immer hereinkam.</p><p>�Bleibt hinter mir�, fauchte er.</p><p>Die T�r �ffnete sich, und Thom steckte den Kopf herein. Die Kapuze seines Umhangs war hochgeschlagen, und Mat erkannte, dass es drau�en regnete. Mit Tuon und den W�rfeln waren ihm die Laute des prasselnden Regens �berhaupt nicht aufgefallen. �Ich st�re doch nicht, oder?� sagte Thom und strich mit den Kn�cheln �ber seinen langen wei�en Schnurrbart.</p><p>Mats Gesicht wurde hei�. Setalle war mit der Nadel ihrer Stickarbeit in der Hand erstarrt, und ihre Brauen schienen unter ihren Haaransatz kriechen zu wollen. Selucia hockte angespannt auf der anderen Bettkante und verfolgte mit betr�chtlichem Interesse, wie er die Messer wieder in den �rmeln verschwinden lie�. Er h�tte sie nicht f�r die Art Frau gehalten, die gef�hrliche M�nner mochte. Diese Art Frau mied man besser; sie neigten dazu zu sorgen, dass ein Mann gef�hrlich sein musste. Er sah Tuon nicht an. Vermutlich starrte sie ihn an, als h�tte er sich benommen wie Luca. Nur weil er nicht heiraten wollte, hie� das noch lange nicht, dass seine zuk�nftige Frau ihn f�r einen Narren halten sollte.</p><p>�Was hast du herausgefunden, Thom?�, fragte er kurz angebunden. Etwas <emphasis>war</emphasis> geschehen, oder die W�rfel w�ren nicht verstummt. Ihm kam ein Gedanke, bei dem sich seine Haare str�uben wollten. Da war das zweite Mal, dass sie in Tuons Gegenwart verstummt waren. Das dritte Mal, wenn er das Stadttor in Ebou Dar mitz�hlte. Drei verdammte Male, und immer hatten sie mit ihr zu tun.</p><p>Der wei�haarige Mann kam mit einem leichten Hinken herein, schob die Kapuze zur�ck und zog die T�r hinter sich zu. Sein Hinken kam von einer alten Verletzung, nicht von �rger in der Stadt. Hochgewachsen und schlank, mit scharfen blauen Augen und einem schneewei�en Schnurrbart, dessen Spitzen bis unters Kinn gingen, schien er �berall sofort Aufmerksamkeit zu erregen, aber er hatte �bung darin, nirgendwo aufzufallen, und sein dunkeler Mantel und der braune Wollumhang passten zu einem Mann, der �ber etwas Geld verf�gte, wenn auch nicht viel. �Auf den Stra�en wimmelt es nur so von Ger�chten �ber sie�, sagte er und deutete mit dem Kopf auf Tuon, �aber nichts �ber ihr Verschwinden. Ich habe ein paar seanchanischen Offizieren einen Becher Wein ausgegeben, und sie scheinen zu glauben, dass sie gem�tlich im Palast sitzt oder auf einer Inspektionsreise ist. Ich habe keine Heuchelei gesp�rt, Mat. Sie haben keine Ahnung.�</p><p>�Habt Ihr �ffentliche Verlautbarungen erwartet, Spielzeug?�, sagte Tuon ungl�ubig. �M�glicherweise denkt Suroth dar�ber nach, sich wegen der Schande das Leben zu nehmen. Erwartet Ihr, dass sie ein so schlechtes Omen f�r die Wiederkehr verbreitet?�</p><p>Also hatte Egeanin recht gehabt. Es erschien <emphasis>trotzdem</emphasis> unm�glich. Und verglichen mit den verstummten W�rfeln erschien es auch nicht im mindesten wichtig. Was war passiert? Er hatte Tuon die Hand gesch�ttelt, das war alles. Die H�nde gesch�ttelt und ein Abkommen besiegelt. Er hatte vor, sich daran zu halten, aber was hatten die W�rfel ihm gesagt? Dass sie sich ebenfalls daran halten w�rde? Oder doch nicht? Soweit er wusste, heirateten seanchanische Adlige f�r gew�hnlich � zu was hatte sie ihn noch mal machen wollen, ach ja, zu einem Pokaltr�ger �, vielleicht verheirateten sie sich ja st�ndig mit Pokaltr�gern.</p><p>�Da ist noch mehr, Mat�, sagte Thom und musterte Tuon nachdenklich und mit einer gewissen �berraschung. Mat wurde klar, dass der Gedanke, Suroth k�nnte sich umbringen, sie nicht besonders zu belasten schien. Vielleicht war sie ja so hart, wie Domon glaubte. Was hatten die verdammten W�rfel ihm blo� sagen wollen? Das war es, was hier wichtig war. Dann sprach Thom weiter, und Mat verga� Tuon und sogar die W�rfel. �Tylin ist tot. Sie halten es geheim, weil sie Angst vor Unruhen haben, aber eine der Palastwachen, ein junger Leutnant, der nicht viel vertragen konnte, hat mir verraten, dass sie ihre Begr�bnisfeier und Beslans Kr�nung f�r denselben Tag vorbereiten.�</p><p>�Wie?�, wollte Mat wissen. Sie war �lter als er, aber nicht so viel �lter! Beslans Kr�nung! Beim Licht! Wie w�rde Beslan damit zurechtkommen, wo er die Seanchaner doch hasste? Es war sein Plan gewesen, den Nachschub auf der Buchtstra�e in Brand zu setzen.</p><p>H�tte Mat ihn nicht davon �berzeugen k�nnen, dass ein Aufstand nur in einem Massaker geendet h�tte, und zwar nicht unter den Seanchanern, h�tte er auch das versucht.</p><p>Thom z�gerte und fuhr sich mit einem Daumen �ber den Schnurrbart. Schlie�lich seufzte er. �Man hat sie in ihrem Schlafgemach gefunden, Mat, am Morgen nach unserem Aufbruch, noch immer an H�nden und F��en gefesselt. Ihr Kopf ... Man hat ihr den Kopf abgerissen.�</p><p>Mat war sich nicht bewusst, dass seine Knie unter ihm nachgegeben hatten, bis er sich mit dr�hnendem Sch�del auf dem Boden sitzend wiederfand. Er konnte ihre Stimme h�ren. <emphasis>Du wirst deinen Kopf verlieren, wenn du nicht vorsichtig bist, Schweinchen, und das w�rde mir nicht gefallen.</emphasis> Setalle beugte sich vor und fuhr ihm mitf�hlend �ber die Wange.</p><p>�Die Windsucherinnen?�, fragte er tonlos. Er musste nicht mehr sagen.</p><p>�Diesem Leutnant zufolge haben die Seanchaner beschlossen, die Aes Sedai daf�r verantwortlich zu machen, weil Tylin den Seanchanern die Treue geschworen hat. Das werden sie bei ihrer Begr�bnisfeier verk�nden.�</p><p>�Tylin stirbt in derselben Nacht, in der die Windsucherinnen entkommen, und die Seanchaner glauben, die Aes Sedai h�tten sie get�tet?� Er konnte es noch gar nicht fassen, dass Tylin tot war. <emphasis>Du wirst mein Abendessen sein, Schweinchen.</emphasis> �Das ergibt doch keinen Sinn, Thom.�</p><p>Thom z�gerte und dachte mit gerunzelter Stirn nach.</p><p>�Es k�nnte teilweise politisch veranlasst sein, aber ich vermute, sie glauben das wirklich, Mat. Der Leutnant meinte, sie seien davon �berzeugt, dass die Windsucherinnen es viel zu eilig hatten, um Umwege zu machen, und von den Dom�ne-Zwingern f�hrt der schnellste Weg aus dem Palast nicht einmal ann�hernd an Tylins Gem�chern vorbei.�</p><p>Mat grunzte. Er war davon �berzeugt, dass das nicht die Wahrheit war. Und wenn doch, gab es nichts auf der Welt, was er daran �ndern konnte.</p><p>�Die <emphasis>Mamth'damane</emphasis> hatten Grund, Tylin zu ermorden�, sagte Selucia pl�tzlich. �Sie mussten f�rchten, dass sie anderen ein Beispiel gab. Welchen Grund h�tten die <emphasis>Damane,</emphasis> von denen Ihr sprecht? Keinen. Die Hand der Gerechtigkeit ben�tigt Motive und Beweise, selbst f�r <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Da'covale.�</emphasis> Sie h�rte sich an, als w�rde sie die Worte von einem Blatt ablesen. Und sie sah Tuon aus den Augenwinkeln an.</p><p>Mat blickte �ber die Schulter, aber wenn die zierliche Frau Selucia mit den H�nden vorgesagt hatte, ruhten sie jetzt wieder in ihrem Scho�. Sie beobachtete ihn, einen neutralen Ausdruck auf dem Gesicht. �Hegtet Ihr so tiefe Gef�hle f�r Tylin?�, fragte sie vorsichtig.</p><p>�Ja. Nein. Soll man mich doch zu Asche verbrennen, ich habe sie <emphasis>gemocht*.�</emphasis> Er wandte sich ab, fuhr sich mit den Fingern durchs Haar, schob die M�tze herunter. Noch nie in seinem Leben war er so froh gewesen, von einer Frau wegzukommen, aber das ...! �Und ich habe sie gefesselt und geknebelt zur�ckgelassen, sodass sie nicht einmal um Hilfe rufen konnte, dass sie eine leichte Beute f�r den <emphasis>Gholam</emphasis> war�, sagte er bitter. �Er war auf der Suche nach mir. Sch�ttle nicht den Kopf, Thom. Du wei�t es genauso gut wie ich.�</p><p>�Was ist ein ... <emphasis>Gholam?�,</emphasis> fragte Tuon.</p><p>�Schattengez�cht, meine Lady�, antwortete Thom. Er sah besorgt aus. Er machte sich nie schnell Sorgen, aber nur ein Narr w�rde sich wegen eines <emphasis>Gholams</emphasis> keine Sorgen machen. �Er sieht aus wie ein Mann, aber er kann durch ein Mausloch gehen oder unter einer T�r hindurchschl�pfen, und er ist stark genug, um ...� Er r�usperte sich. �Nun, genug davon. Mat, sie h�tte von hundert Wachen umgeben sein k�nnen, und es h�tte diese Kreatur nicht aufgehalten.� Sie h�tte keine hundert Wachen gebraucht, h�tte sie sich nicht mit Mat Cauthon eingelassen.</p><p>�Ein <emphasis>Gholam�,</emphasis> murmelte Tuon trocken. Pl�tzlich klopfte sie Mat hart mit den Kn�cheln auf den Kopf. Er starrte ungl�ubig �ber die Schulter. �Ich bin sehr erfreut, dass Ihr Loyalit�t zu Tylin zeigt, Spielzeug�, sagte sie streng, �aber ich werde Euch keinen abergl�ubischen Unsinn durchgehen lassen. Das lasse ich nicht zu. Es erweist Tylin keine Ehre.� Sollte er doch zu Asche verbrennen, Tylins Tod schien sie genauso wenig zu ber�hren wie die Frage, ob sich Suroth umbrachte oder nicht. Was f�r eine Frau w�rde er da blo� heiraten?</p><p>Als eine Faust an die T�r klopfte, machte er sich gar nicht erst die M�he aufzustehen. Er f�hlte sich taub bis ins Mark. Blaeric platzte ohne zu fragen in den Wagen, von seinem dunkelbraunen Umhang tropfte der Regen. Es war ein alter Umhang, an einigen Stellen durchgescheuert, aber es schien ihm egal zu sein, dass er den Regen nicht abhielt. Der Beh�ter ignorierte jeden au�en Mat � oder fast jeden. Der Mann nahm sich doch tats�chlich einen Augenblick Zeit, Selucias Busen zu bewundern! �Joline will Euch sprechen, Cauthon�, sagte er und betrachtete sie immer noch. Beim Licht! Das war alles, was Mat noch zu einem perfekten Tag fehlte.</p><p>�Wer ist Joline?�, wollte Tuon wissen.</p><p>Mat beachtete sie nicht. �Bestellt Joline, dass ich sie besuche, wenn wir unterwegs sind, Blaeric.� Sich noch mehr Beschwerden der Aes Sedai anzuh�ren war das letzte, was er jetzt wollte.</p><p>�Sie will Euch jetzt sprechen, Cauthon.�</p><p>Seufzend stand Mat auf und hob seine M�tze vom Boden auf. Blaeric sah aus, als w�rde er ihn notfalls auch mitzerren. Bei seiner derzeitigen Stimmung w�rde er dem Mann vielleicht einen Dolch in den Leib rammen, falls er es versuchen sollte. Und er selbst w�rde ein gebrochenes Genick davontragen; ein Beh�ter lie� sich nicht so ohne weiteres einen Dolch zwischen die Rippen jagen. Mat war ziemlich davon �berzeugt, das eine Mal gestorben zu sein, das ihm zustand, und das nicht in alten Erinnerungen. Jedenfalls �berzeugt genug, keine Risiken einzugehen, die sich umgehen lie�en.</p><p>�Wer ist Joline, Spielzeug?� H�tte er es nicht besser gewusst, h�tte er gesagt, dass Tuon eifers�chtig klang.</p><p>�Eine verdammte Aes Sedai�, murmelte er, setzte die M�tze auf und erhielt eine kleine Freude an diesem Tag. Tuon blieb entsetzt der Mund offen stehen. Er schloss hinter sich die T�r, bevor sie ihre Sprache wiederfand. Eine sehr kleine Freude. Ein Schmetterling auf einem Misthaufen. Tylin war tot, und man w�rde die Windsucherinnen daf�r verantwortlich machen, ganz egal, was Thom sagte. Und dann waren da noch Tuon und die verfluchten W�rfel. Ein sehr kleiner Schmetterling auf dem Misthaufen.</p><p>Der Himmel war jetzt voller dunkler Wolken, und der Regen fiel stetig. Trotz der M�tze klebte er ihm das Haar an den Sch�del und sickerte durch den Mantel, sobald er drau�en war. Blaeric schien ihn nicht weiter wahrzunehmen. Mat blieb nichts anderes �brig, als die Schultern einzuziehen und durch die immer gr��er werdenden Pf�tzen zu stapfen. Bis er an seinem Wagen gewesen w�re, um einen Umhang zu holen, w�re er sowieso bis auf die Haut durchn�sst gewesen. Au�erdem passte das Wetter gut zu seiner Stimmung.</p><p>Zu seiner �berraschung war trotz des Regens in der kurzen Zeit seiner Abwesenheit im Wagen viel Arbeit erledigt worden. Soweit er sehen konnte, war die Zeltwand in beiden Richtungen verschwunden, und die H�lfte der Frachtwagen, die um Tuons Wagen gestanden hatten, fehlten ebenfalls. So wie die meisten der Tiere, die an den Pferdeleinen angezurrt gewesen waren. Ein gro�er Eisenk�fig mit einem schwarzm�hnigen L�wen rollte von einem m�hsam stampfenden Gespann gezogen der Stra�e entgegen, die Pferde st�rten sich anscheinend genauso wenig an dem scheinbar schlafenden L�wen hinter ihnen wie an dem Regenguss. Auch Artisten befanden sich bereits auf der Stra�e, wie sie die Reihenfolge ihres Aufbruchs festgelegt hatten, blieb ein Geheimnis. Die meisten Zelte waren verschwunden; an einer Stelle schienen drei hellbunt bemalte Wagen zu fehlen, an einer anderen jeder zweite Wagen, w�hrend anderswo die abgestellten Wagen noch immer eine solide Masse bildeten. Luca stolzierte in seinem hellroten Umhang die Stra�e entlang und blieb gelegentlich stehen, um einem Mann auf die Schulter zu schlagen oder einer Frau etwas zuzumurmeln, das sie lachen lie�. W�re der Zirkus auseinandergebrochen, h�tte Luca jene, die weg wollten, zu erwischen versucht. Er hielt den Zirkus nicht zuletzt mit �berredungskunst zusammen, und er w�rde niemals jemanden ziehen lassen, ohne sich vorher heiser zu reden bei dem Versuch, ihn davon abzubringen. Mat war klar, dass es ihn h�tte freuen m�ssen, Luca noch immer hier zu sehen, obwohl ihm nie in den Sinn gekommen war, dass der Mann sich mit dem Gold h�tte absetzen k�nnen, aber in diesem Augenblick bezweifelte er, dass es irgendetwas gab, das ihn sich anders als bet�ubt und w�tend f�hlen lassen w�rde.</p><p>Der Wagen, zu dem Blaeric ihn f�hrte, war fast so gro� wie Lucas Wagen, aber er war wei� gestrichen statt bemalt. Das Wei� war schon vor langer Zeit abgebl�ttert und verblichen, und der Regen wusch ihn dort, wo das Holz nicht schon bereits blank lag, etwas mehr dem Grau entgegen. Der Wagen geh�rte einer Truppe von Spa�machern, vier m�rrischen M�nnern, die sich f�r die Zuschauer die Gesichter anmalten, sich mit Wasser �bersch�tteten und mit aufgeblasenen Schweinsblasen aufeinander einschlugen, und die den Rest ihrer Zeit und ihres Geldes damit verbrachten, soviel Wein zu trinken, wie sie kaufen konnten. Mit dem, was Mat als Miete gezahlt hatte, konnten sie sich monatelang betrinken, und es hatte noch mehr gekostet, jemanden zu finden, der sie aufnahm.</p><p>Vier zottige, unauff�llige Pferde waren bereits angeschirrt, und Fen Mizar, Jolines anderer Beh�ter, sa� in einen grauen Umhang geh�llt und mit den Z�geln in der Hand oben auf dem Kutschbock. Seine schr�g stehenden Augen betrachteten Mat, so wie ein Wolf einen unbotm��igen Welpen betrachten mochte. Die Beh�ter waren von Anfang an gegen Mats Plan gewesen, davon �berzeugt, dass sie, sobald sie au�erhalb der Stadtmauern waren, die Schwestern in Sicherheit h�tten bringen k�nnen. Vielleicht stimmte das sogar, aber die Seanchaner machten gnadenlos Jagd auf Frauen, welche die Macht lenken konnten � in den Tagen nach der Eroberung von Ebou Dar war der Zirkus viermal durchsucht worden �, und es h�tte nur eines Versprechers bedurft, um sie alle im Kerker landen zu lassen. Wenn man Egeanin und Domon Glauben schenken wollte, konnten die Sucher einen Stein dazu bringen, ihnen alles zu erz�hlen, was er je gesehen hatte. Gl�cklicherweise waren nicht alle Schwestern so �berzeugt wie Jolines Beh�ter.</p><p>Aes Sedai neigten zum Zaudern, wenn sie sich nicht darauf einigen konnten, was zu tun war.</p><p>Als Mat die Treppe am Wagenende erreichte, hielt Blaeric ihn zur�ck, indem er ihm die Hand auf die Brust legte. Das Gesicht des Beh�ters h�tte geschnitzt sein k�nnen, der Regen, der ihm die Wangen hinunterlief, schien ihn nicht mehr zu st�ren, als es ein St�ck Holz gest�rt h�tte. �Fen und ich sind Euch dankbar, dass Ihr sie aus der Stadt geschafft habt, Cauthon, aber so kann es nicht weitergehen. Die Schwestern sind eng zusammengepfercht, da sie den Wagen mit den anderen Frauen teilen m�ssen, und sie verstehen sich nicht. Es wird �rger geben, wenn wir keinen anderen Wagen finden k�nnen.�</p><p>�Geht es darum?�, fragte Mat �rgerlich und zog den Kragen enger. Nicht, dass es etwas n�tzte. Sein R�cken war bereits nass, und vorn sah es nicht viel besser aus. Wenn Joline ihn hergezerrt hatte, um wieder �ber die Unterbringung zu jammern ...</p><p>�Sie wird Euch sagen, worum es geht, Cauthon. Ver gesst nur nicht, was ich Euch gesagt habe.�</p><p>Mat erklomm leise vor sich hinmurmelnd die schmutzigen Stufen und trat ein; er knallte die T�r nicht hinter sich zu, aber es fehlte nicht viel daran.</p><p>Vom Aufbau �hnelte er Tuons Wagen, allerdings gab es hier vier Betten, von denen zwei �ber den anderen beiden flach an die Wand geklappt waren. Mat hatte keine Ahnung, wie die sechs Frauen die Betten verteilt hatten, aber er vermutete, dass es nicht friedlich abgelaufen war. Die Luft im Wagen knisterte f�rmlich. Auf jedem der unteren Betten sa�en drei Frauen, von denen jede die Frauen auf der gegen�berliegenden Seite entweder beobachtete oder ignorierte. Joline war niemals als <emphasis>Damane</emphasis> gehalten worden, und sie verhielt sich, als w�rden die drei <emphasis>Sul'dam</emphasis> nicht existieren. Sie las in einem kleinen Buch und war trotz des abgetragenen blauen Kleids, das einst einer L�wendompteuse geh�rt hatte, jeden Zoll Aes Sedai, die personifizierte Arroganz. Aber die anderen beiden Schwestern wu�ten aus eigener Erfahrung, was es bedeutete, <emphasis>Damane</emphasis> zu sein. Edesina musterte die drei <emphasis>Sul'dam</emphasis> argw�hnisch, die Hand in der N�he ihres G�rtelmessers, w�hrend Teslyns Augen in st�ndiger Bewegung waren und alles betrachteten au�er den <emphasis>Sul'dam,</emphasis> und sie knetete unabl�ssig den Stoff ihres dunkelbraunen Wollrocks.</p><p>Mat hatte nicht die geringste Ahnung, wie Egeanin die drei <emphasis>Sul'dam</emphasis> dazu �berredet hatte, den <emphasis>Damane</emphasis> bei der Flucht zu helfen, aber obwohl sie mit Sicherheit genau wie sie von den Beh�rden gesucht wurden, hatten sie keineswegs ihre Einstellung Frauen gegen�ber ge�ndert, die die Macht lenken konnten. Bethamin war hochgewachsen und sah in der Tracht Ebou Dars mit dem tiefen Ausschnitt und den an der einen Seite hochgen�hten R�cken, die verblichene rote Unterr�cke entbl��ten, genauso dunkel wie Tuon aus; sie erinnerte an eine Mutter, die auf das unausweichliche schlechte Benehmen ihrer Kinder wartete. Die blonde Seta in hochgeschlossener grauer Wolle, die sie von Kopf bis Fu� bedeckte, schien gef�hrliche Hunde im Auge zu behalten, die fr�her oder sp�ter in einem Zwinger eingesperrt werden mussten. Renna, die vom Abhacken der H�nde und F��e gesprochen hatte, tat ebenfalls so, als w�rde sie lesen, aber ihre t�uschend sanften braunen Augen hoben sich st�ndig von dem schmalen Buch, um die Aes Sedai zu be�ugen, und wenn sie es tat, l�chelte sie b�sartig. Mat h�tte am liebsten geflucht, noch bevor eine von ihnen den Mund aufmachen konnte. Ein kluger Mann hielt sich fern, wenn Frauen Streit hatten, vor allem, wenn Aes Sedai darunter waren, aber so war es immer gewesen, wenn er diesen Wagen betreten hatte.</p><p>�Ich hoffe, es ist wichtig, Joline.� Er kn�pfte den Mantel auf und versuchte, ein paar Regentropfen abzusch�tteln. Vermutlich w�re es vern�nftiger gewesen, ihn gleich auszuwringen. �Ich habe gerade erfahren, dass der <emphasis>Gholam</emphasis> Tylin in der Nacht unseres Aufbruchs ermordet hat, und ich bin nicht in Stimmung f�r Beschwerden.�</p><p>Joline markierte die Stelle sorgf�ltig mit einem verzierten Lesezeichen und faltete die H�nde auf dem Buch, bevor sie sprach. Aes Sedai beeilten sich niemals; das erwarteten sie blo� von allen anderen. Ohne ihn h�tte sie vermutlich mittlerweile selbst ein <emphasis>A'dam</emphasis> getragen, aber er hatte auch nie erlebt, dass Aes Sedai viel f�r Dankbarkeit �brig hatten. Sie ignorierte das, was er von Tylin erz�hlt hatte. �Blaeric hat mir gesagt, dass der Zirkus im Aufbruch begriffen ist�, sagte sie k�hl, �aber Ihr m�sst ihn aufhalten. Luca h�rt nur auf Euch.� Bei diesen Worten spannten sich ihre Lippen leicht an. Aes Sedai waren es auch nicht gew�hnt, dass man nicht auf sie h�rte, und die Gr�nen waren nicht gut darin, ihre Unzufriedenheit zu verbergen. �Wir m�ssen den Plan, nach Lugard zu gehen, f�r den Augenblick aufgeben. Wir m�ssen die F�hre �ber den Hafen nehmen und nach Illian reisen.�</p><p>Das war der d�mmste Vorschlag, den er je von ihr geh�rt hatte, obwohl sie es nat�rlich keineswegs als Vorschlag gemeint hatte; in dieser Beziehung war sie loch schlimmer als Egeanin. Da die H�lfte oder fast die H�lfte der Zirkuswagen bereits unterwegs war, mrde man den ganzen Tag ben�tigen, nur um alle zur F�hrstelle zu bekommen, davon abgesehen, m�ssten sie die Stadt betreten. Die Reise nach Lugard brachte den Zirkus so schnell wie m�glich von den Seanchanern weg, w�hrend sie entlang der Grenze zu Illian und m�glicherweise sogar dar�ber hinaus �berall Soldatenlager errichtet hatten. Egeanin z�gerte, ihr Wissen preiszugeben, aber Thom hatte so seine M�glichkeiten, solche Dinge in Erfahrung zu bringen. Mat machte sich gar nicht erst die M�he, mit den Z�hnen zu knirschen. Er brauchte es nicht.</p><p>�Nein�, sagte Teslyn angespannt und mit starkem illianischem Akzent. Sie lehnte sich an Edesina vorbei und sah aus, als w�rde sie dreimal am Tag Felsen verspeisen, so hart war ihre Miene, aber die Wochen als <emphasis>Damane</emphasis> hatten ein nerv�ses Flackern in ihre Augen treten lassen. �Nein, Joline. Ich habe Euch gesagt, dass wir das nicht wagen k�nnen! Wir k�nnen es nicht wagen!�</p><p>�Beim Licht!�, fauchte Joline und warf ihr Buch zu Boden. �Rei�t Euch endlich zusammen, Teslyn. Nur weil Ihr eine Zeitlang eine Gefangene gewesen seid, ist das noch lange kein Grund, sich derart gehenzulassen!�</p><p>�Sich gehenzulassen? Sich gehenzulassen? Lasst Euch den Kragen um den Hals legen, dann wollen wir doch mal sehen, ob Ihr noch immer davon redet, sich gehenzulassen!� Teslyns Hand fuhr zu ihrem Hals, als w�rde sie das <emphasis>A'dam</emphasis> noch immer dort sp�ren. �Helft mir, sie zu �berzeugen, Edesina. Wenn wir sie nicht aufhalten, wird sie daf�r sorgen, dass man uns wieder an die Leine legt!�</p><p>Edesina dr�ckte sich an die Wand hinter dem Bett � sie war eine schlanke h�bsche Frau, deren langes schwarzes Haar bis zu ihrer Taille reichte, die immer, wenn sich die Rote und die Gr�ne stritten � was h�ufig geschah � ganz stumm wurde �, aber Joline hatte nicht einmal einen Blick f�r sie �brig. �Ihr bittet eine <emphasis>Rebellin</emphasis> um Hilfe, Teslyn? Wir h�tten sie f�r die Seanchaner zur�cklassen sollen! H�rt mir zu. Ihr k�nnt es genauso f�hlen wie ich. W�rdet Ihr wirklich eine gr��ere Gefahr in Kauf nehmen, um einer geringeren aus dem Weg zu gehen?�</p><p>�Geringer!�, fauchte Teslyn. �Ihr habt doch keine Ahnung ...'.�</p><p>Renna streckte die Hand mit dem Buch aus und lie� es mit einem Knall auf dem Boden landen. �Wenn mein Lord uns einen Augenblick entschuldigen w�rde, wir haben unsere <emphasis>A'dam</emphasis> noch, und wir k�nnen diesen M�dchen in kurzer Zeit wieder beibringen, wie man sich benimmt.� Ihr Akzent hatte etwas Melodisches, aber das L�cheln auf ihren Lippen reichte nie bis zu ihren braunen Augen. �Es funktioniert nie, wenn man bei ihnen auf diese Weise die Z�gel schleifen l�sst.� Seta nickte grimmig und stand auf, als wollte sie die Peitsche holen.</p><p>�Ich glaube, mit den <emphasis>Adam</emphasis> sind wir durch�, sagte Bethamin und ignorierte die entsetzten Blicke der anderen beiden <emphasis>Sul'dam,</emphasis> �aber es gibt andere Methoden, diese M�dchen zur Vernunft zu bringen. Darf ich vorschlagen, dass mein Lord in einer Stunde wieder kommt? Dann werden sie Euch sagen, was Ihr wissen wollt, ohne das geringste Gez�nk. Sobald sie wieder sitzen k�nnen.� Sie klang, als w�rde sie genau das meinen, was sie da sagte. Joline starrte die drei <emphasis>Sul'dam</emphasis> in ungl�ubigem Zorn an, aber Edesina sa� stocksteif da und hielt mit entschlossenem Gesichtsausdruck ihr Messer, w�hrend Teslyn jetzt diejenige war, die sich mit verschr�nkten H�nden gegen die Wand dr�ckte.</p><p>�Das wird nicht n�tig sein�, sagte Mat nach einem Augenblick. So befriedigend es auch sein mochte, Joline �zur Vernunft gebracht� zu sehen, Edesina w�rde vielleicht das Messer z�cken, und das w�rde die Katze auf die H�hner loslassen, ganz egal, wie der Ausgang war. �Von welcher gr��eren Gefahr sprecht Ihr, Joline?</p><p>Welche Gefahr ist gr��er als jene, die im Moment von den Seanchanern ausgeht?�</p><p>Die Gr�ne war zu dem Schluss gekommen, dass ihr vernichtender Blick auf Bethamin keinen Eindruck machte und richtete ihn stattdessen auf Mat. W�re sie keine Aes Sedai gewesen, h�tte er gesagt, sie w�rde schmollen; Joline hasste es, etwas erkl�ren zu m�ssen.</p><p>�Wenn Ihr es unbedingt wissen m�sst, jemand lenkt die Macht.� Teslyn und Edesina nickten, die Rote Schwester z�gernd, die Gelbe mit Nachdruck.</p><p>�Im Lager?�, sagte er alarmiert. Seine rechte Hand hob sich wie von allein, um den silbernen Fuchskopf unter dem Hemd zu ber�hren, aber das Medaillon war nicht kalt geworden.</p><p>�Weit entfernt�, erwiderte Joline noch immer unwillig. �Im Norden.�</p><p>�Viel weiter entfernt, als eine von uns Machtlenkerinnen wahrnehmen d�rfte�, sagte Edesina. In ihrer Stimme lag ein Anflug von Furcht. �Die Menge an <emphasis>Saidar,</emphasis> die dort benutzt wird, muss unvorstellbar gro� sein.� Ein scharfer Blick von Joline lie� sie verstummen, die sich dann wieder Mat zuwandte und ihn ansah, als m�sste sie sich entscheiden, wie viel sie ihm verraten durfte.</p><p>�Auf diese Entfernung w�rden wir nicht einmal sp�ren k�nnen, wenn jede Schwester in der Wei�en Burg die Macht lenkt�, fuhr sie fort. �Es m�ssen die Verlorenen sein, und was auch immer sie tun, wir wollen nicht n�her heran, als unbedingt notwendig ist.�</p><p>Mat schwieg einen Augenblick lang, dann sagte er schlie�lich: �Wenn es weit weg ist, bleiben wir bei unserem Plan.�</p><p>Joline wollte das nicht akzeptieren, aber er h�rte ihr nicht weiter zu. Wann immer er an Rand oder Perrin dachte, wirbelten in seinem Kopf Farben. Vermutlich hatte das damit zu tun, dass man ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war. Diesmal hatte er an keinen der beiden Freunde gedacht, aber die Farben waren pl�tzlich dagewesen, wie ein F�cher aus tausend Regenbogen. Diesmal hatten sie fast ein Bild geformt, einen vagen Eindruck, m�glicherweise einen Mann und eine Frau, die einander gegen�ber auf dem Boden sa�en. Es war sofort wieder verschwunden gewesen, aber er wusste es so sicher, wie er seinen Namen kannte. Nicht die Verlorenen. Rand. Und eine Frage ging ihm nicht mehr aus dem Sinn: Was hatte Rand getan, als die W�rfel verstummt waren?</p></section><section><title><p>4</p><p>Die Geschichte einer Puppe</p></title><p>Furyk Karede starrte auf seinen Schreibtisch, ohne die vor ihm ausgebreiteten Papiere und Karten wahrzunehmen. Beide �llampen waren entz�ndet und standen auf dem Tisch, aber er brauchte sie nicht l�nger. Die Sonne musste mittlerweile den Horizont ber�hren, aber seit er aus einem unruhigen Schlaf erwacht und der Kaiserin seine Ergebenheit bekundet hatte, mochte sie ewig leben, hatte er nur seinen Morgenmantel angezogen, den in dem dunklen kaiserlichen Gr�n, das manche beharrlich als Schwarz bezeichneten, sich dort hingesetzt und seitdem nicht ger�hrt. Er hatte sich nicht einmal rasiert. Der Regen hatte aufgeh�rt, und er �berlegte, seinem Diener Ajimbura den Befehl zu geben, ein Fenster zu �ffnen, um in seinem Zimmer im Gasthof <emphasis>Die Wanderin</emphasis> frische Luft einzulassen. Frische Luft w�rde vielleicht seinen Verstand kl�ren. Aber in den vergangenen f�nf Tagen hatte es Unterbrechungen in dem Regen gegeben, die mit pl�tzlichen Schauern endeten, und sein Bett stand zwischen den Fenstern. Er hatte bereits einmal Matratze und Bettzeug in der K�che zum Trocknen aufh�ngen lassen m�ssen.</p><p>Ein leises Quieken und erfreutes Grunzen von Ajimbura lie� ihn aufsehen; der drahtige kleine Mann hielt eine schlaffe Ratte von der halben Gr��e einer Katze am Ende seines langen Messers in die H�he. Es war nicht die erste, die Ajimbura in diesem Zimmer erlegt hatte, etwas, von dem Karede �berzeugt war, dass es nicht geschehen w�re, wenn Setalle Anan noch die Besitzerin gewesen w�re, obwohl sich kurz vor dem Fr�hling in Ebou Dar die Zahl der Ratten betr�chtlich zu vergr��ern schien. Ajimbura sah selbst etwas wie eine verschrumpelte Ratte aus, sein Grinsen war zugleich zufrieden und wild. Nach mehr als drei Jahrhunderten Herrschaft unter dem Kaiserreich waren die Bergst�mme von Kaensada nur zur H�lfte zivilisiert und weniger als halb gez�hmt. Der Mann trug sein von grauen Str�hnen durchzogenes Haar als dicken Zopf, der bis zu seiner Taille reichte und eine gute Troph�e abgegeben h�tte, sollte er jemals seinen Weg zur�ck in die Berge finden und in eine jener endlosen Stammesfehden verwickelt werden, und er bestand darauf, aus einer Schale mit einem Silberstiel zu trinken, die, wie jedem bei n�herer Betrachtung aufgefallen w�re, aus der Hirnschale eines Menschen bestand.</p><p>�Wenn du das isst�, sagte Karede, als w�re das gar keine Frage, �wirst du es im Stall tun, wo keiner zusehen kann.� Au�er Echsen w�rde Ajimbura alles essen, die waren seinem Stamm aus irgendeinem Grund, �ber den er sich nie n�her �u�erte, verboten.</p><p>�Aber nat�rlich, Ehrenwerter�, erwiderte der Mann mit einem Schulterzucken, das bei seinem Volk als Verbeugung durchging. �Ich kenne die Sitten der Stadtmenschen gut, und ich w�rde den Ehrenwerten nie in Verlegenheit bringen.� Nach fast zwanzig Jahren in Karedes Diensten h�tte er die Ratte ohne Ermahnung geh�utet und �ber den Flammen des kleinen Ziegelofens gebraten.</p><p>Ajimbura sch�ttelte den Kadaver von der Klinge in einen kleinen Segeltuchsack, den er f�r sp�ter in einer Ecke abstellte, wischte sorgf�ltig die Klinge sauber, bevor er sie wieder in die Scheide schob, und hockte sich auf die Fersen, um Karedes Anweisungen zu erwarten.</p><p>Falls n�tig w�rde er geduldig wie ein <emphasis>Da'covale</emphasis> den ganzen Tag so warten. Karede hatte niemals zufriedenstellend ergr�nden k�nnen, warum Ajimbura seine Bergfestung verlassen hatte, um einem Angeh�rigen der Totenwache zu folgen. Es war ein bedeutend eingeschr�nkteres Leben, als der Mann zuvor gekannt hatte, davon abgesehen hatte Karede ihn beinahe drei Mal get�tet, bevor er diese Entscheidung getroffen hatte.</p><p>Er verwarf die Gedanken an seinen Diener und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Schreibtisch, obwohl er im Augenblick nicht die Absicht hatte, den Stift zu ergreifen. Nach einem kleinen Erfolg in den Schlachten gegen die Asha'man war er zum Bannergeneral bef�rdert worden, in Tagen, an denen wenige �berhaupt etwas erreicht hatten, und weil er gegen M�nner, die die Macht lenken konnten, den Befehl gehabt hatte, waren einige der Meinung, er w�re imstande, Wissen �ber den Kampf gegen <emphasis>Marath'damane</emphasis> weiterzugeben. Derartiges war seit Jahrhunderten nicht mehr vorgekommen, und da die so genannten Aes Sedai ihre unbekannte Waffe nur Meilen von dem Ort enth�llt hatten, an dem er jetzt sa�, war intensiv dar�ber nachgedacht worden, wie man ihre Macht schw�chen konnte. Das war nicht der einzige Befehl, der den Schreibtisch bedeckte. Abgesehen von den �blichen Ersuchen und Berichten, die seine Unterschrift erforderten, hatten vier Lords und drei Ladies seine Beurteilung der gegnerischen Streitkr�fte in Illian angefordert, sechs Ladies und f�nf Lords ging es um das besondere Aiel-Problem, aber diese Fragen w�rden anderswo entschieden werden; aller Wahrscheinlichkeit nach waren diese Entscheidungen sogar bereits gefallen. Seine Anmerkungen w�rden nur f�r die Grabenk�mpfe benutzt, wer bei der Wiederkehr was kontrollierte. Krieg war f�r die Totenwache stets nur eine zweitrangige Besch�ftigung gewesen. Sicher, die Wache war immer dabei, wenn eine wichtige Schlacht geschlagen wurde, die Schwerthand der Kaiserin, mochte sie ewig leben, um einen Schlag gegen ihre Feinde zu f�hren, ob sie selbst nun anwesend war oder nicht; die Totenwache war immer da, um dort zu f�hren, wo das Kampfget�mmel am heftigsten war, aber ihr eigentlicher Daseinszweck bestand darin, die Kaiserfamilie zu sch�tzen. Falls n�tig mit dem eigenen Leben und es willig opfern. Und vor neun N�chten war die Hochlady Tuon verschwunden, als h�tte sie ein Sturm verschluckt. In seinen Gedanken war sie nicht die Tochter der Neun Monde, er konnte nicht so an sie denken, bis er wu�te, dass sie nicht l�nger den Schleier trug.</p><p>Er hatte auch nicht dar�ber nachgedacht, sich das Leben zu nehmen, auch wenn ihm die Schmach sehr zusetzte. Es blieb dem Blut �berlassen, den einfachen Weg zu nehmen, um der Schande zu entkommen; die Totenwache k�mpfte bis zuletzt. Musenge befehligte ihre pers�nliche Leibwache, aber als h�chstrangiger Vertreter der Wache auf dieser Seite des Aryth-Meers war es Karedes Pflicht, sie sicher zur�ckzubringen. Jeder Winkel in der Stadt wurde unter diesem oder jenem Vorwand durchsucht, jedes Schiff, das gr��er als ein Ruderboot war, aber meistens wurde diese Aufgabe von M�nnern erledigt, die gar nicht wu�ten, wonach sie suchten, die nicht einmal ahnten, dass das Schicksal der Wiederkehr m�glicherweise von ihrer Aufmerksamkeit abhing. Es war seine Pflicht. Nat�rlich gab es in der Kaiserfamilie viel komplizierten Intrigen als beim restlichen Blut, und die Hochlady Tuon spielte h�ufig mit scharfsinnigem und t�dlichem Geschick ein �u�erst undurchsichtiges Spiel. Nur wenigen war bekannt, dass sie bereits zweimal zuvor verschwunden war, dass man sie f�r tot erkl�rt und schon die Begr�bnisriten vorbereitet hatte, und es war alles ihr Plan gewesen. Aber welche Gr�nde ihr Verschwinden auch immer hatte, er musste sie finden und besch�tzen. Bis jetzt hatte er nicht die geringste Ahnung, wie er das machen sollte. Vom Sturm verschluckt. Oder vielleicht von der Lady der Schatten. Seit dem Tag ihrer Geburt hatte es zahllose Attentats- und Entf�hrungsversuche gegeben. Wenn er sie tot auffand, musste er herausfinden, wer sie get�tet und wer letztlich den Befehl dazu gegeben hatte, und sie r�chen, ganz egal, was es kostete. Auch das war seine Pflicht.</p><p>Ein schlanker Mann schob sich ohne anzuklopfen ins Zimmer. Seinem sch�bigen Mantel nach zu urteilen, h�tte er einer der Pferdeknechte des Gasthofs sein k�nnen, aber kein Ortsans�ssiger hatte sein blondes Haar oder so blaue Augen, deren Blicke durch den Raum glitten, als wollten sie sich alles, was sich darin befand, genauestens einpr�gen. Seine Hand fuhr unter den Mantel, und in dem kurzen Augenblick, bevor er eine kleine, mit Gold eingefasste Elfenbeinmarke mit dem Raben und dem Turm z�ckte, ging Karede in Gedanken zwei Methoden durch, wie er ihn mit blo�en H�nden t�ten konnte. Sucher der Wahrheit brauchten nicht anzuklopfen. Sie zu t�ten wurde nicht gern gesehen.</p><p>�Geh�, befahl der Sucher Ajimbura und steckte die Marke weg, nachdem er sicher war, dass Karede sie erkannt hatte. Der kleine Mann blieb reglos auf den Fersen hocken, und der Sucher hob �berrascht die Brauen. Selbst in den Kaensada �Bergen wusste jeder, dass das Wort eines Suchers Gesetz war. Nun, vielleicht nicht in den abgelegeneren Bergfestungen, nicht, wenn sie der Meinung waren, dass niemandem der Aufenthaltsort des Suchers bekannt war, aber Ajimbura wusste es besser.</p><p>�Warte drau�en�, befahl Karede scharf, und Ajimbura erhob sich bereitwillig und murmelte: �Ich h�re und gehorche, Ehrenwerter.� Aber er sah den Sucher offen an, bevor er den Raum verlie�, so als wollte er sichergehen, dass der Sucher wusste, dass er sich sein Gesicht gemerkt hatte. Eines Tages w�rde er es noch fertig bringen, dass man ihn enthauptete.</p><p>�Loyalit�t ist ein kostbares Gut�, sagte der blonde Mann und warf einen Blick auf den Schreibtisch, nachdem Ajimbura die T�r hinter sich zugezogen hatte.</p><p>�Ihr seid an Lord Yulans Pl�nen beteiligt, Bannergeneral Karede? Ich h�tte nicht erwartet, dass die Totenwa � che daran Anteil hat.�</p><p>Karede schob die beiden wie L�wen geformten Bronzebeschwerer zur Seite und lie� die Karte von Tar Valon sich aufrollen. Die andere war noch nicht entrollt gewesen. �Da m�sst Ihr Lord Yulan fragen, Sucher. Loyalit�t dem Kristallthron gegen�ber ist kostbarer als der Atem des Lebens, dicht gefolgt von dem Wissen, wann man schweigen muss. Je mehr von einer Sache sprechen, desto mehr erfahren davon, die nichts davon wissen sollten.�</p><p>Mit Ausnahme der Kaiserfamilie widersprach niemand einem Sucher oder der Hand, die ihn f�hrte, aber das schien den Burschen nicht zu st�ren. Er setzte sich auf den gepolsterten Stuhl und formte die Finger zu einem Zelt, �ber dem er Karede betrachtete, der nun die Wahl hatte, seinen Stuhl zu verr�cken oder den Mann beinahe in seinem R�cken sitzen zu lassen. Die meisten Leute w�ren sehr nerv�s gewesen, einen Sucher hinter sich zu haben. Die meisten w�ren nerv�s gewesen, mit einem Sucher im selben Raum zu sein. Karede verbarg ein L�cheln und r�hrte sich nicht. Er musste nur den Kopf ein wenig drehen, und er war darin ausgebildet, das zu sehen, was sich am Rand seines Blickfelds befand.</p><p>�Ihr m�sst sehr stolz auf Eure S�hne sein�, sagte der Sucher, �zwei sind Euch in die Totenwache gefolgt, der dritte ist unter den geehrten Gefallenen aufgelistet. Eure Frau w�re sehr stolz gewesen.�</p><p>�Wie ist Euer Name, Sucher?� Das Schweigen, das er zur Antwort erhielt, war ohrenbet�ubend. Mehr Leute widersprachen Suchern, als sich nach ihren Namen zu erkundigen.</p><p>�Mor�, kam schlie�lich die Antwort. �Almurat Mor.� Also Mor. Er hatte einen Ahnen, der Luthair Paendrag begleitet hatte, und war zu Recht stolz darauf. Ohne Zugang zu den Zuchtb�chern, der keinem <emphasis>Da'covale</emphasis> erlaubt war, konnte Karede nicht wissen, ob die Geschichten �ber seine eigene Herkunft der Wahrheit entsprachen � m�glicherweise hatte auch er einen Vorfahren, der dem gro�en Falkenfl�gel gefolgt war �, aber es spielte keine Rolle. M�nner, die versuchten, auf den Schultern ihrer Vorfahren zu stehen, fanden sich oftmals einen Kopf k�rzer. Vor allem <emphasis>Da'covale.</emphasis></p><p>�Nennt mich Furyk. Wir sind beide Besitz des Kristallthrons. Was wollt Ihr von mir, Almurat? Doch wohl nicht �ber meine Familie reden, oder?� W�ren seine S�hne in Schwierigkeiten gewesen, h�tte der Bursche sie nie so fr�h erw�hnt, und Kalia war jenseits allen Elends. Aus dem Augenwinkel konnte Karede auf dem Gesicht des Suchers den inneren Kampf sehen, den er mit sich austrug, obwohl er ihn beinahe gut genug verborgen h�tte. Der Mann hatte die Kontrolle �ber das Gespr�ch verloren � womit er h�tte rechnen m�ssen; einem Totenw�chter seine Marke zu zeigen, als w�ren sie nicht bereit, sich auf Befehl den Dolch ins eigene Herz zu sto�en.</p><p>�H�rt einer Geschichte zu�, sagte Mor langsam, �und sagt mir, was Ihr davon haltet.� Sein Blick war unverwandt auf Karede gerichtet, er studierte ihn, wog ihn ab, sch�tzte ihn ein, als st�nde er auf dem Verkaufsblock. �Das ist uns in den letzten Tagen zu Ohren gekommen.� Mit <emphasis>uns</emphasis> meinte er die Sucher. �Soweit wir sagen k�nnen, kam es unter der �rtlichen Bev�lkerung auf, obwohl wir die urspr�ngliche Quelle noch nicht gefunden haben. Angeblich hat ein M�dchen mit seandarischem Akzent von Kaufleuten hier in Ebou Dar Gold und Juwelen erpresst. Der Titel Tochter der Neun Monde wurde erw�hnt.� Er verzog angewidert das Gesicht, und einen Augenblick lang verf�rbten sich seine Fingerspitzen wei�, da er sie so hart gegeneinander presste. �Keiner der Einheimischen schien zu begreifen, was der Titel bedeutete, aber die Beschreibung des M�dchens ist erstaunlich pr�zise. Und keiner kann sich erinnern, dieses Ger�cht vor der Nacht geh�rt zu haben, in der ... die Nacht, nach der Tylins Ermordung entdeckt wurde�, kam er zum Schluss und erw�hnte das am wenigsten unerfreuliche Ereignis, um die Zeit festzusetzen.</p><p>�Ein seandarischer Akzent�, sagte Karede tonlos, und Mor nickte. �Dieses Ger�cht ist auch zu unseren Leuten vorgedrungen.� Das war keine Frage, aber Mor nickte erneut. Ein seandarischer Akzent und eine genaue Beschreibung, zwei Dinge, die kein Ortsans�ssiger erfinden konnte. Jemand spielte hier ein sehr gef�hrliches Spiel. Gef�hrlich f�r sich selbst und f�r das Reich. �Wie werden im Tarasin-Palast die Vorf�lle der letzten Zeit aufgenommen?� Unter den Dienern w�rde es Lauscher geben, mittlerweile vermutlich sogar unter den Dienern aus Ebou Dar, und was die Lauscher h�rten, wurde schnell an die Sucher weitergegeben.</p><p>Mor verstand die Frage nat�rlich. Es war unn�tig, das zu erw�hnen, was nicht erw�hnt werden sollte. Er antwortete in einem gleichg�ltigen Tonfall. �Das Gefolge der Hochlady Tuon macht weiter, als w�re nichts geschehen, nur Anath, ihre Wahrheitssprecherin, hat sich zur�ckgezogen, aber wie man mir sagte, ist das nicht ungew�hnlich. Suroth ist im Privaten noch aufgew�hlter als in der �ffentlichkeit. Sie schl�ft schlecht, faucht ihre G�nstlinge an und l�sst ihren Besitz wegen Nichtigkeiten pr�geln. Sie hat befohlen, dass jeden Tag, an dem die Dinge nicht wieder in Ordnung gebracht worden sind, ein Sucher sterben soll, und hat diesen Befehl erst heute Morgen zur�ckgenommen, als ihr klar wurde, dass ihr eher die Sucher als die Tage ausgehen k�nnten.� Er zuckte kaum merklich mit den Schultern, vielleicht um zu zeigen, dass das f�r die Sucher nichts Besonderes war, vielleicht auch aus Erleichterung, noch mal davongekommen zu sein. �Es ist verst�ndlich. Sollte man sie zur Rechenschaft ziehen, wird sie f�r den Tod der Zehntausend Tr�nen beten. Die vom Blut, die die Wahrheit kennen, versuchen sich Augen im Hinterkopf wachsen zu lassen. Ein paar ha � ben sogar insgeheim Begr�bnisarrangements getroffen, um auf jede Eventualit�t vorbereitet zu sein.�</p><p>Karede wollte einen besseren Blick auf das Gesicht des Mannes haben. Gegen Beleidigungen war er abgeh�rtet � das hatte zu seiner Ausbildung geh�rt �, aber das hier ... Er schob den Stuhl zur�ck, stand auf und setzte sich auf die Schreibtischkante. Mor starrte ihn ohne zu blinzeln an, bereitete sich darauf vor, sich gegen einen Angriff zu wappnen, und Karede holte tief Luft, um seinen Zorn zu bes�nftigen. �Warum seid Ihr zu mir gekommen, wenn Ihr glaubt, dass die Totenwache in diese Angelegenheit verstrickt ist?� Die Anstrengung, seine Stimme neutral zu halten, schn�rte ihm fast die Luft ab. Seit die ersten M�nner der Totenwache �ber dem Leichnam Luthair Paendrags geschworen hatten, seinen Sohn zu verteidigen, hatte es niemals Verrat in der Wache gegeben! Niemals!</p><p>Mor entspannte sich sichtlich, als ihm klar wurde, dass Karede ihn nicht t�ten wollte, zumindest nicht in diesem Augenblick, aber auf seiner Stirn lag eine d�nne Schwei�schicht. �Man sagt, ein Totenw�chter k�nnte den Atem eines Schmetterlings sehen. Habt Ihr etwas zu trinken?�</p><p>Karede deutete mit einer knappen Geste zum Kamin, wo ein Silberpokal und eine Kanne standen, um warm zu bleiben. Sie hatten dort unber�hrt gestanden, seit Ajimbura sie bei Karedes Aufwachen gebracht hatte. �Der Wein ist vermutlich mittlerweile kalt, aber bedient Euch. Und wenn Eure Kehle angefeuchtet ist, werdet Ihr mir meine Frage beantworten. Entweder Ihr verd�chtigt M�nner der Wache, oder Ihr wollt mich in Euer Spiel verwickeln, und bei meinem Augenlicht, ich werde erfahren, was es ist und warum.�</p><p>Der Bursche ging zum Kamin und beobachtete ihn aus den Augenwinkeln, aber als er sich nach der Kanne b�ckte, runzelte er die Stirn und verharrte kurz. Neben dem Pokal stand eine mit Silber eingefasste Schale mit einem in der Form eines Widderhorns gestalteten Silberstiel. Beim Licht des Himmels, er hatte Ajimbura doch oft genug gesagt, dieses Ding au�er Sicht zu halten! Es bestand nicht der geringste Zweifel, dass Mor es als das erkannte hatte, was es war.</p><p>Der Mann hielt es f�r m�glich, dass es in der Wache Verrat gab? �Schenkt mir auch etwas ein, wenn Ihr schon dabei seid.�</p><p>Mor blinzelte und zeigte eine leichte Verwirrung � er hielt den einzigen offensichtlichen Pokal in der Hand �, dann d�mmerte Verstehen in seinen Augen auf. Ein unbehagliches Verstehen. Er f�llte die Schale mit zitternder Hand und wischte sich die Finger am Mantel ab, bevor er den Stiel ergriff und sie hochhob. Jeder Mann hatte seine Grenzen, selbst ein Sucher, und ein Mann, den man bis an den Rand seiner Grenzen trieb, war besonders gef�hrlich, aber er war auch aus dem Gleichgewicht gebracht.</p><p>Karede nahm die Sch�delschale mit beiden H�nden entgegen, hob sie in die H�he und neigte den Kopf.</p><p>�Auf die Kaiserin, m�ge sie ewig in Ehre und Ruhm leben. Tod und Schande ihren Feinden.�</p><p>�Auf die Kaiserin, m�ge sie ewig in Ehre und Ruhm leben�, sprach Mor ihm nach, senkte den Kopf und hob den Pokal. �Tod und Schande ihren Feinden.�</p><p>Als Karede Ajimburas Schale an die Lippen f�hrte, war er sich bewusst, dass sein Besucher ihn beobachtete. Der Wein war tats�chlich k�hl und die Gew�rze bitter, dar�ber hinaus war da ein schwacher, strenger Nachgeschmack von Silberpolitur; er sagte sich, dass der Geschmack nach dem Staub des Toten nur in seiner Vorstellung existierte.</p><p>Mor st�rzte die H�lfte seines Weins in hastigen Z�gen hinunter, dann starrte er auf seinen Pokal, schien zu begreifen, was er getan hatte, und machte eine sichtliche Anstrengung, die Selbstbeherrschung zur�ckzuerlangen. �Furyk Karede�, sagte er energisch. �Vor zweiundvierzig Jahren als Sohn von Webern zur Welt gekommen, dem Besitz eines gewissen Jalid Magonine, einem Handwerker in Ancarid. Mit f�nfzehn zur Ausbildung in der Totenwache aufgenommen worden.</p><p>Zweimal wegen Tapferkeit verzeichnet, dreimal in den Tagesberichten erw�hnt, dann als Veteran von sieben Jahren bei der Geburt der Hochlady Tuon zu ihrer Leibwache befohlen.� Nat�rlich war das damals nicht ihr Name gewesen, aber ihren Geburtsnamen zu erw�hnen w�re eine Beleidigung gewesen. �Im gleichen Jahr als einer von drei �berlebenden des ersten bekannt gewordenen Anschlags auf ihr Leben zur Ausbildung als Offizier erw�hlt. Dienst w�hrend des Muyami-Aufstands und dem Jianmin-Zwischenfall, weitere Erw�hnungen f�r Tapferkeit, weitere Erw�hnungen in Tagesberichten, dann kurz vor dem ersten Wahren Namenstag der Hochlady zur�ck zu ihrer Leibwache abkommandiert.� Mor schaute in seinen Wein, dann blickte er pl�tzlich auf. �Aufgrund Eurer Bitte, was ungew�hnlich war. Im folgenden Jahr habt Ihr drei ernsthafte Verletzungen davongetragen, als Ihr sie mit dem K�rper gegen weitere Attent�ter gedeckt habt. Sie gab Euch ihren kostbarsten Besitz, eine Puppe. Nach weiterem ehrenvollem Dienst, mit weiteren Erw�hnungen, hat man Euch f�r die Leibwache der Kaiserin erw�hlt, m�ge sie ewig leben, dort habt Ihr gedient, bis man Euch dazu abkommandiert hat, den Hochlord Turak mit der <emphasis>Hailene</emphasis> in dieses Land zu begleiten. Die Zeiten �ndern sich, und M�nner �ndern sich, aber bevor Ihr den Thron bewacht habt, habt Ihr noch zwei weitere Gesuche eingebracht, Hochlady Tuons Leibwache zugeteilt zu werden. Was sehr ungew�hnlich war. Und Ihr habt diese Puppe behalten, bis sie beim Gro�en Brand von Sohima zerst�rt wurde, also insgesamt zehn Jahre.�</p><p>Nicht zum ersten Mal dankte Karede der Ausbildung, die ihm erlaubte, ein regloses Gesicht zu behalten, was auch immer geschah. Sorgloses Mienenspiel verriet einem Gegner zu viel. Er erinnerte sich an das Gesicht des kleinen M�dchens, das diese Puppe auf seine Trage gelegt hatte. Er hatte noch immer ihre Worte im Ohr. <emphasis>Ihr habt mein Leben besch�tzt, darum m�sst Ihr Emela nehmen, damit sie Euch besch�tzen kann,</emphasis> sagte sie. <emphasis>Nat�rlich kann sie Euch nicht richtig besch�tzen; sie ist blo� eine Puppe. Aber behaltet sie als Erinnerung, dass ich es immer h�ren werde, wenn Ihr meinen Namen sagt. Nat�rlich nur, wenn ich noch am Leben bin.</emphasis></p><p>�Meine Ehre hei�t Loyalit�t�, sagte er und stellte Ajimburas Trinkschale vorsichtig auf dem Tisch ab, um keinen Wein auf die Dokumente zu versch�tten. So oft der Bursche auch das Silber polierte, Karede bezweifelte, dass er sich die M�he machte, das Ding auszuwaschen. �Loyalit�t dem Thron gegen�ber. Warum seid Ihr zu mir gekommen?�</p><p>Mor machte einen Schritt, sodass sich der Lehnstuhl zwischen ihnen befand. Zweifellos glaubte er, ganz entspannt dazustehen, aber er war offensichtlich ber eit, den Pokal zu schleudern. Er hatte auf dem R�cken unter dem Mantel ein Messer stecken, und vermutlich irgendwo noch ein anderes. �Drei Gesuche, der Leibwache von Hochlady Tuon zugeteilt zu werden. Und Ihr habt die Puppe behalten.�</p><p>�Das habe ich schon verstanden�, erwiderte Karede trocken. Totenw�chter sollten keine Beziehung zu denen aufbauen, die sie besch�tzen sollten. Die Totenwa � che diente allein dem Kristallthron, diente <emphasis>allein</emphasis> dem, der auf dem Thron sa�, mit ganzem Herzen und voller �berzeugung. Aber er erinnerte sich an das Gesicht dieses ernsten Kindes, das sich bereits dar�ber im Klaren war, dass es nicht �berleben w�rde, um seine Pflicht zu tun, und es trotzdem versuchte, und er hatte die Puppe behalten. �Aber da steckt mehr dahinter als nur das Ger�cht �ber ein M�dchen, oder?�</p><p>�Der Atem eines Schmetterlings�, murmelte der Bursche. �Es ist ein Vergn�gen, sich mit jemandem zu unterhalten, der so tief blickt. In der Nacht, in der Tylin ermordet wurde, wurden zwei <emphasis>Damane</emphasis> aus den Zwingern des Tarasin-Palasts geholt. Beides ehemalige Aes Sedai. Findet Ihr diesen Zufall nicht auch verd�chtig?�</p><p>�Ich finde jeden Zufall verd�chtig, Almurat. Aber was hat das mit Ger�chten und ... anderen Geschehnissen zu tun?�</p><p>�Dieses Netz ist verworrener, als Ihr denkt. In jener Nacht haben noch andere den Palast verlassen, darunter ein junger Mann, der offensichtlich Tylins Spielzeug war, und ein �lterer Mann namens Thom Merrilin, zumindest nannte er sich so, der angeblich Diener war, aber sich durch eine viel gr��ere Bildung auszeichnete, als man erwarten sollte. Sie alle wurden irgendwann in Begleitung von Aes Sedai gesehen, die sich in der Stadt aufhielten, bevor das Reich sie zur�ckeroberte.� Der Sucher beugte sich angespannt �ber die Stuhllehne.</p><p>�Vielleicht wurde Tylin gar nicht ermordet, weil sie den Treueid leistete, sondern weil sie von Dingen er fahren hat, die gef�hrlich sind. Sie k�nnte sorglos gewesen sein und dem Jungen bei ihren Kopfkissengespr�chen zu viel enth�llt haben, und er hat es dann Merrilin berichtet. Wir k�nnen ihn so nennen, bis wir einen zutreffenderen Namen in Erfahrung gebracht haben. Je mehr ich �ber ihn erfahre, desto interessanter wird er: er kennt sich in der Welt aus, wei� sich auszudr�cken, kann mit Adligen und gekr�nten H�uptern umgehen. Eigentlich ein H�fling, wenn man nicht wei�, dass er Diener war. Falls die Wei�e Burg in Ebou Dar gewisse Pl�ne verfolgte, k�nnten sie solch einen Mann schicken, um sie durchzuf�hren.�</p><p>Pl�ne. Ohne nachzudenken nahm Karde Ajimburas Schale und h�tte beinahe getrunken, bevor ihm bewusst wurde, was er da tat. Er hielt die Schale jedoch weiter, um nicht seine Aufregung zu verraten. Jedermann � also die Eingeweihten � waren davon �berzeugt, dass Hochlady Tuons Verschwinden Teil des Wettkampfs war, der Kaiserin auf den Thron zu folgen, mochte sie ewig leben. So war das Leben in der Kaiserfamilie. Sollte die Hochlady tot sein, musste eine neue Nachfolgerin ernannt werden. Sollte sie tot sein. Und wenn nicht ... Die Wei�e Burg h�tte ihre Besten geschickt, falls sie die Absicht gehabt h�tte, sie zu entf�hren. Falls der Sucher ihn nicht in sein eigenes Spiel verwickeln wollte. �Ihr habt diese Idee Euren Vor � gesetzten vorgetragen, und sie haben sie verworfen, sonst w�rt Ihr nicht zu mir gekommen. Entweder das, oder ... Ihr habt es ihnen gegen�ber gar nicht erw�hnt, richtig? Warum nicht?�</p><p>�Viel verwickelter, als Ihr Euch vorstellen k�nnt�, sagte Mor leise und warf einen Blick zur T�r, als w�rde er bef�rchten, dass man sie belauschte. Warum wurde er jetzt vorsichtig? �Es gibt da viele ... Komplikationen. Die beiden <emphasis>Damane</emphasis> wurden von der Lady Egeanin Tamarath abgeholt, die schon zuvor mit den Aes Sedai Kontakt hatte. Tats�chlich sogar engen Kontakt. Offensichtlich hat sie die anderen <emphasis>Damane</emphasis> freigelassen, um ihre Flucht zu decken. Egeanin hat die Stadt noch in derselben Nacht verlassen, mit drei <emphasis>Damane</emphasis> in ihrem Gefolge, und, wie wir glauben, in Begleitung von Merrilin und den anderen. Wir wissen nicht, wer die dritte <emphasis>Damane</emphasis> war � wir vermuten, es war eine wichtige Pers�nlichkeit der Atha'an Miere oder vielleicht auch eine Aes Sedai, die sich in der Stadt versteckt hatte �, aber wir haben die <emphasis>Sul'dam</emphasis> identifiziert, die sie benutzt hat, und zwei davon stehen in enger Verbindung zu Suroth, die selbst enge Verbindungen zu den Aes Sedai hat.� Trotz seiner Vorsicht sagte Mor das nicht so, als w�re es ein Blitzschlag aus heiterem Himmel. Kein Wunder, dass er nerv�s war.</p><p>Also ... Suroth hatte sich mit Aes Sedai verschworen und zumindest ein paar von Mors Vorgesetzten korrumpiert, und die Wei�e Burg hatte einem ihrer besten M�nner eine Mannschaft gegeben, um gewisse Dinge zu tun. Es war alles glaubw�rdig. Als man Karede den Vorl�ufern zugeteilt hatte, hatte man ihm auch die Aufgabe �bertragen, einige Angeh�rige des Blutes wegen �bertriebenen Ambitionen im Auge zu behalten. Soweit vom Kaiserreich entfernt hatte immer die M�glichkeit bestanden, dass sie versuchen w�rden, ihre eigenen K�nigreiche zu gr�nden. Und er selbst hatte M�nner in eine Stadt geschickt, von der er wusste, dass sie fallen w�rde, ganz egal, welche Anstrengungen man auch zu ihrer Verteidigung unternehmen w�rde, damit sie dem Feind von innen schaden konnten.</p><p>�Wisst Ihr die Richtung, Almurat?�</p><p>Mor sch�ttelte den Kopf. �Sie sind unterwegs nach Norden, und in den Palastst�llen wurde Jehannah erw�hnt, aber das scheint ein offensichtlicher T�uschungsversuch zu sein. Sie werden bei der ersten Gelegenheit die Richtung ge�ndert haben. Wir haben alle Boote �berpr�ft, die gro� genug waren, um die Gruppe �ber den Fluss zu bringen, aber Fahrzeuge von dieser Gr��e kommen und gehen st�ndig. Es gibt keine Ordnung an diesem Ort, keine Kontrolle.�</p><p>�Das gibt mir viel zum Nachdenken.�</p><p>Der Sucher verzog das Gesicht, ein leichtes Verziehen der Lippen, aber er schien zu begreifen, dass Karede ihm nicht mehr zugestehen w�rde. Er nickte einmal. �Was auch immer Ihr zu tun gedenkt, eines solltet Ihr wissen. Ihr fragt Euch vielleicht, wie das M�dchen etwas von diesen Kaufleuten erpressen konnte. Anscheinend wurde sie immer von zwei oder drei Soldaten begleitet. Die Beschreibung ihrer R�stung war ebenfalls sehr genau.� Er wollte die Hand ausstrecken, wie um Karedes Morgenmantel zu ber�hren, lie� sie klugerweise jedoch wieder sinken. �Die meisten Leute bezeichnen das als Schwarz. Versteht Ihr, was ich da mit sagen will? Zu was auch immer Ihr Euch entscheidet, z�gert nicht.� Mor hob den Pokal. �Auf Euer Wohl, Bannergeneral. Auf Euer Wohl und das Wohl des Kaiserreichs.�</p><p>Karede leerte Ajimburas Schale ohne zu z�gern.</p><p>Der Sucher ging so pl�tzlich, wie er eingetreten war, und nur Augenblicke, nachdem sich die T�r hinter ihm geschlossen hatte, �ffnete sie sich erneut, um Ajimbura hereinzulassen. Der kleine Mann starrte die Sch�delschale in Karedes H�nden anklagend an.</p><p>�Hast du von diesem Ger�cht gewusst, Ajimbura?�</p><p>Die Frage, ob der Bursche gelauscht hatte, war genauso �berfl�ssig wie die Frage, ob die Sonne am Morgen aufgegangen war. Er stritt es auch nicht ab.</p><p>�Ich w�rde meine Zunge nicht mit solchem Schmutz beflecken, Ehrenwerter�, sagte er.</p><p>Karede gestattete sich einen Seufzer. Ob das Ver schwinden der Hochlady Tuon nun von ihr selbst in die Wege geleitet worden war oder ob jemand anders daf�r verantwortlich war, sie schwebte in gro�er Gefahr. Und wenn das Ger�cht nur eine List Mors war � die beste Methode, das Spiel eines anderen zu besiegen, lag darin, es zu seinem eigenen Spiel zu machen.</p><p>�Bereite mein Rasierzeug vor.� Er setzte sich, griff nach dem Stift und hielt mit der Linken den �rmel seines Morgenmantels aus der Tinte. �Dann suchst du Kapit�n Musenge; wenn er allein ist, gibst du ihm das hier. Komm schnell zur�ck; ich habe noch mehr Befehle f�r dich.�</p><p>Kurz nach Mittag des folgenden Tages durchquerte er den Hafen auf der F�hre, die jede Stunde zum L�uten der Glocken ablegte. Es war eine schwerf�llige Barke, die sich hob und senkte, als die langen Ruderschl�ge sie �ber die unruhige Oberfl�che des Hafens trugen. Die Taue, die das halbe Dutzend Planwagen einer Kauffrau an Deck festgezurrt hielten, �chzten bei jedem Windwechsel, die Pferde stampften nerv�s mit den Hufen, und die Ruderer mussten Kutscher und Mietw�chter abwehren, die sich �bergeben mussten.</p><p>Manche M�nner hatten nicht den Magen f�r die Bewegungen des Wassers. Die Kauffrau selbst, eine unscheinbare Frau mit kupferfarbener Haut, stand in ihren dunklen Umhang geh�llt am Bug, glich die Bewegungen m�helos aus, starrte stur auf die n�her kommende Anlegestelle und ignorierte Karede neben sich.</p><p>Vermutlich wusste sie, dass er Seanchaner war, allein schon durch den Sattel seines Braunen, aber sein mit Rot abgesetzter gr�ner Mantel wurde von einem einfachen grauen Umhang verborgen, und falls sie �berhaupt an ihn dachte, dann als einfachen Soldaten.</p><p>Nicht als Siedler, nicht mit einem Schwert an der H�fte. M�glicherweise hatte es in der Stadt trotz seiner vielf�ltigen Bem�hungen, ihnen zu entgehen, sch�rfere Augen gegeben, aber daran konnte er nichts �ndern.</p><p>Mit etwas Gl�ck hatte er einen Tag, vielleicht auch zwei, bevor jemand bemerkte, dass er in absehbarer Zeit nicht in den Gasthof zur�ckkehren w�rde.</p><p>Er schwang sich in den Sattel, sobald die F�hre hart gegen das mit Leder gepolsterte Dock der Anlegestelle krachte, und verlie� sie als Erster, als die Ladetore zur Seite schwangen; die Kauffrau scheuchte ihre Kutscher zu den Wagen, und die F�hrleute machten R�der los.</p><p>Er f�hrte Aldazar in langsamem Schritttempo �ber die Pflastersteine, die noch vom morgendlichen Regen, Pferdemist und der Hinterlassenschaft einer Schafherde feucht waren, und lie� den Braunen erst schneller gehen, als er die Stra�e nach Illian erreichte, obwohl er selbst da noch nicht ganz in den Trab �berging. Ungeduld war ein Laster, wenn man eine Reise von unbekannter L�nge begann.</p><p>Die Stra�e jenseits der Anlegestelle wurde von Gasth�usern ges�umt, Geb�ude mit flachen D�chern, die mit zersprungenem und abbl�tterndem wei�em Verputz bedeckt waren und an der Vorderseite verblichene Schilder aufwiesen, und selbst das war nicht immer der Fall. Diese Stra�e markierte den n�rdlichen Rand des Rahad, und schlecht gekleidete M�nner, die vor den Gasth�usern auf B�nken herumlungerten, sahen ihn m�rrisch passieren. Nicht, weil er Seanchaner war; vermutlich h�tten sie niemanden auf einem Pferder�cken freundlich angesehen. Oder �berhaupt jemanden, der zwei M�nzen sein eigen nannte, was das anging. Aber sie blieben bald hinter ihm zur�ck, und in den n�chsten paar Stunden kam er an Olivenhainen und kleinen Bauernh�fen vorbei, wo die Lagerarbeiter so an den Stra�enverkehr gew�hnt waren, dass sie nicht von ihrem Tagwerk aufsahen. Der Verkehr war in jedem Fall sp�rlich, eine Handvoll hochr�driger Bauernkarren und zweimal Kaufmanns/�ge, die von S�ldnern umgeben auf Ebou Dar zurollten.</p><p>Viele der Kutscher und beide Kaufleute trugen die unverwechselbaren Illianerb�rte. Es erschien seltsam, dass Illian weiterhin seine Kaufleute nach Ebou Dar schickte, w�hrend es gleichzeitig gegen das Kaiserreich k�mpfte, aber die Menschen auf dieser Seite des Ostmeers waren oft seltsam, hatten merkw�rdige Br�uche und nur wenig �hnlichkeit mit den Geschichten, die man �ber die Heimat des gro�en Falkenfl�gel erz�hlte. Manchmal auch gar keine. Nat�rlich musste man sie verstehen, wenn man sie ins Reich heimholen wollte, aber Verst�ndnis war eine Sache f�r andere, die h�her � gestellt waren als er. Er hatte seine Pflicht zu erf�llen.</p><p>Die H�fe wichen Waldland und mit B�schen bewachsenen Ebenen, und sein Schatten wurde vor ihm immer l�nger, aber als die Sonne schon mehr als die H�lfte des Weges zum Horizont zur�ckgelegt hatte, fand er, was er suchte. Direkt voraus hockte Ajimbura am n�rdlichen Stra�enrand und spielte auf einer Schilffl�te. Bevor Karede ihn erreichte, steckte er die Fl�te hinter den G�rtel, hob seinen braunen Umhang auf und verschwand zwischen den Str�uchern und B�umen. Karede blickte �ber die Schulter, um sicherzugehen, dass die Stra�e auch in dieser Richtung leer war, dann lenkte er Aldazar an derselben Stelle in das Waldgebiet.</p><p>Der kleine Mann wartete gleich au�er Sicht der Stra�e unter einer Baumgruppe, die irgendeine Art von Kiefer waren; der h�chste Baum erreichte leicht eine H�he von hundert Fu�. Er machte seine bekannte, schulterzuckende Verbeugung und zog sich auf den Sattel eines schlanken Fuchses mit wei�en F��en. Er beharrte darauf, dass wei�e F��e an einem Pferd Gl�ck brachten. �Hier entlang, Ehrenwerter?�, sagte er, und nach Karedes zustimmender Geste f�hrte er sein Pferd tiefer in den Wald hinein.</p><p>Sie hatten nicht weit zu reiten, kaum mehr als eine halbe Meile, aber niemand, der auf der Stra�e vorbeigekommen w�re, h�tte erahnt, was sie auf einer gro�en Lichtung erwartete. Musenge hatte hundert Totenw�chter auf guten Pferden und zwanzig Ogier-G�rtner mitgebracht, alle in voller R�stung, zusammen mit zwanzig Packpferden und Vorr�ten f�r zwei Wochen. Das Packpferd, das Ajimbura am Vortag mitgenommen hatte und auf dem sich Karedes R�stung befand, w�rde sich unter ihnen befinden. Eine Gruppe <emphasis>Sul'dam</emphasis> stand neben ihren eigenen Pferden, ein paar von ihnen t�tschelten die sechs angeleinten <emphasis>Damane.</emphasis> Als Musenge nach vorn geritten kam, um Karede zu begr��en, schloss sich ihm Hartha, der Erste G�rtner, mit langen Schritten und grimmiger Miene an, die mit gr�nen Quasten geschm�ckte Axt auf der Schulter. Eine der Frauen, Melitene, die <emphasis>Der'sul'dam</emphasis> der Hochlady Tuon, stieg in den Sattel und schloss sich ihnen an.</p><p>Musenge und Hartha f�hrten die F�uste in Herzh�he zur Brust, und Karede erwiderte ihren Gru�, aber seine Blicke wanderten zu den <emphasis>Damane.</emphasis> Zu einer ganz bestimmten, einer kleinen Frau, der gerade eine dunkelh�utige <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit kantigem Gesicht das Haar streichelte. Das Gesicht einer <emphasis>Damane</emphasis> war stets irref�hrend � sie alterten langsam und lebten lange Zeit �, aber diese wies einen Unterschied auf, den er jenen zuzuordnen gelernt hatte, die sich Aes Sedai nannten.</p><p>�Unter welchem Vorwand habt Ihr sie alle auf einmal aus der Stadt schaffen k�nnen?�, fragte er.</p><p>�Man�ver, Bannergeneral�, erwiderte Melitene mit einem trockenen L�cheln. �An Man�ver glaubt jeder.� Es hie�, die Hochlady Tuon w�rde in Wahrheit keine <emphasis>Der'sul'dam</emphasis> brauchen, um ihren Besitz oder ihre <emphasis>Sul'dam</emphasis> auszubilden, aber Melitene, deren langes Haar mehr Grau als Schwarz war, kannte sich in mehr als nur ihrem Handwerk aus, und sie wusste, was er da verlangte. Er hatte Musenge befohlen, ein paar <emphasis>Damane</emphasis> mitzubringen, wenn er konnte. �Keiner von uns w�rde zur�ckbleiben, Bannergeneral. Nicht bei dem, worum es hier geht. Was Mylen betrifft ...� Das musste die ehemalige Aes Sedai sein. �Nachdem wir die Stadt verlassen hatten, haben wir den <emphasis>Damane</emphasis> erkl�rt, warum wir gegangen sind. Es ist immer besser, wenn sie wissen, was wir von ihr erwarten. Seitdem haben wir Mylen beruhigen m�ssen. Sie liebt die Hochlady. Das tun sie alle, aber Mylen betet sie an, als s��e sie bereits auf dem Kristallthron. Wenn Mylen eine dieser Aes Sedai in die H�nde bekommt ...� � sie kicherte � �... dann m�ssen wir schnell sein, damit diese Frau nicht zu sehr besch�digt wird, um an die Leine gelegt werden zu k�nnen.�</p><p>�Ich sehe da keinen Anlass zur Heiterkeit�, grollte Hartha. Der Ogier war mit seinem langen grauen Schnurrbart und den schwarzen Augen, die wie Steine aus seinem Helm herausblickten, noch faltiger und st�rker von den Elementen gezeichnet als Musenge. Er war schon G�rtner gewesen, bevor Karedes Vater geboren wurde, vielleicht sogar schon vor seinem Gro�vater. �Wir haben kein Ziel. Wir wollen den Wind mit einem Netz fangen.� Melitene wurde rasch ernst, und Musenge schaute noch grimmiger drein als Hartha, falls das �berhaupt m�glich war.</p><p>In zehn Tagen hatten die Leute, die sie suchten, eine Menge Meilen hinter sich gelassen. Die Besten, die die Wei�e Burg schicken konnte, w�rden nicht so unvorsichtig sein, um nach der List mit Jehannah nach Osten zu reisen, aber auch nicht dumm genug, um genau fast n�rdliche Richtung einzuschlagen, aber da blieb noch immer ein gro�es und immer gr��er werdendes Gebiet �brig, das durchsucht werden musste. �Dann m�ssen wir anfangen, unsere Netze ohne Verz�gerung auszuwerfen�, sagte Karede, �und wir m�ssen sie eng spannen.�</p><p>Musenge und Hartha nickten. F�r die Totenwache wurde das, was getan werden musste, einfach getan.</p><p>Und wenn sie den Wind einfangen wollten.</p></section><section><title><p>5</p><p>Ein Hammer wird geschmiedet</p></title><p><emphasis>Trotz des Schnees lief er leichtf��ig durch die Nacht. Er war eins mit den Schatten, schl�pfte durch den Wald, und das Mondlicht war f�r seine Augen fast so hell wie die Sonne. Ein kalter Wind fuhr durch sein dickes Fell und trug pl�tzlich einen Geruch heran, der seine Haare sich aufrichten und sein Herz mit einem Hass pochen lie�, der den Hass f�r die Niegeborenen noch weit �bertraf. Hass und das sichere Wissen vom herannahenden Tod. Es waren keine Entscheidungen zu treffen, jetzt nicht. Er lief schneller, dem Tod entgegen.</emphasis></p><p>Perrin erwachte abrupt in der tiefen Dunkelheit vor dem Morgengrauen unter einem der Proviantkarren mit den hohen R�dern. Trotz des schweren, pelzgef�tterten Umhangs und zwei Decken war die K�lte in seine Knochen gekrochen, und es wehte eine unbest�ndige Brise, nicht stark genug, um als leichter Wind bezeichnet zu werden, aber eiskalt. Als er sich mit seinen behandschuhten H�nden das Gesicht rieb, knisterte Frost in seinem kurzen Bart. Wenigstens schien es w�hrend der Nacht nicht mehr geschneit zu haben. Viel zu oft war er trotz des sch�tzenden Wagens wie best�ubt aufgewacht, und der Schnee erschwerte den Sp�hern die Arbeit. Er w�nschte sich, er k�nnte mit Elyas auf die gleiche Weise sprechen wie mit den W�lfen. Dann w�rde er nicht dieses endlose Warten erdulden m�ssen. M�digkeit haftete an ihm wie eine zweite Haut; er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal eine Nacht vern�nftig durchgeschlafen hatte. Schlaf oder auch der Mangel daran schien ohnehin bedeutungslos zu sein. In diesen Tagen verlieh ihm nur die Hitze des Zorns die Kraft zum Weitermachen.</p><p>Er glaubte nicht, dass ihn der Traum geweckt hatte. Jeden Abend legte er sich hin und erwartete Albtr�ume, und jede Nacht kamen sie auch. In den schlimmsten fand er Falle tot oder niemals. Diese Tr�ume lie�en ihn zitternd und schwei�gebadet aufwachen. Bei allen weniger schrecklichen schlief er durch oder sein Schlaf wurde nur unruhiger, wenn Trollocs ihn f�r den Kochtopf lebendig in Scheiben schnitten oder ein Draghkat seine Seele fra�. Dieser Traum verblasste schnell, so wie es die Art von Tr�umen war, doch er erinnerte sich, ein Wolf gewesen zu sein und etwas gerochen zu haben ... Aber was? Etwas, das W�lfe noch mehr hassten als Myrddraal. Etwas, von dem ein Wolf wusste, dass es ihn umbringen konnte. Das Wissen, das er im Traum gehabt hatte, war verschwunden; geblieben waren nur noch kaum fassbare Eindr�cke. Er hatte sich nicht im Wolfstraum befunden, dieser Spiegelung seiner Welt, in der tote W�lfe weiterlebten und die Lebenden sie um Rat fragen konnten. Der Wolfstraum hielt sich immer klar in seinem Bewusstsein, nachdem er ihn verlassen hatte, ob er sich nun bewusst oder unbewusst hineinbegeben hatte. Und doch schien dieser Traum real gewesen zu sein, und irgendwie dringend.</p><p>Reglos auf dem R�cken liegend, schickte er seine Gedanken aus und tastete nach den W�lfen. Er hatte versucht, die W�lfe dazu zu benutzen, ihm bei seiner Jagd zu helfen, doch ohne Erfolg. Sie f�r die Angelegenheiten der Zweibeiner zu interessieren war schwierig, um es h�flich auszudr�cken. Sie mieden gro�e Menschenansammlungen; f�r sie reichten schon ein halbes Dutzend, um ihnen aus dem Weg zu gehen. M�nner verjagten das Wild, und die meisten M�nner versuchten einen Wolf sofort zu t�ten, sobald sie ihn sahen. Seine Gedanken fanden nichts, aber nach einiger Zeit ber�hrte er W�lfe in der Ferne. Er vermochte nicht zu sagen, wie weit sie entfernt waren, aber es war, als w�rde er ein Fl�stern am �u�eren Rand des H�rverm�gens wahrnehmen. Eine gro�e Distanz. Das war seltsam. Trotz verstreuter D�rfer und Landg�ter und selbst der einen oder anderen Stadt war das hier typisches Wolfsgebiet, gr��tenteils unber�hrte W�lder mit vielen Hirschrudeln und kleinerem Wild.</p><p>Wollte man mit einem fremden Rudel sprechen, gab es immer F�rmlichkeiten zu beachten. H�flich entbot er seinen Namen unter W�lfen, Junger Bulle, teilte seinen Geruch und erhielt als Erwiderung ihre Namen, Blattj�gerin und Gro�er B�r, Wei�er Schwanz, Feder, Donnernebel und viele andere. Es war ein gro�es Rudel, und Blattj�gerin, ein Weibchen mit einer in sich gefestigten Sicherheit, war ihre Anf�hrerin. Feder, klug und in seinen besten Jahren, war ihr Gef�hrte. Sie hatten von Junger Bulle geh�rt und konnten es kaum erwarten, mit dem Freund des legend�ren Langzahn zu sprechen, die ersten beiden Zweibeiner, die nach einer Zeitspanne, die sich wie ein in den Nebeln der Ver � gangenheit verschwundenes Zeitalter anf�hlte, gelernt hatten, mit den W�lfen zu sprechen. Es war ein Malstrom aus Bildern und Erinnerungen an Ger�che, die sein Verstand in Worte verwandelte, so wie die Worte, die er dachte, irgendwie zu Bildern und Ger�chen wurden, die sie verstehen konnten.</p><p><emphasis>Da gibt es etwas, das ich wissen m�chte,</emphasis> dachte er, nachdem die Begr��ungen vorbei waren. <emphasis>Was w�rde ein Wolf noch mehr hassen als die Niegeboren en?</emphasis> Er versuchte sich an den Geruch aus dem Traum zu erinnern, um ihn hinzuzuf�gen, aber er war aus seiner Erinnerung verschwunden. <emphasis>Etwas, von dem ein Wolf wei�, dass es den Tod bedeutet.</emphasis></p><p>Die Antwort bestand aus Schweigen, und eine Spur Furcht vermengte sich mit Hass, Entschlossenheit und Z�gern. Er hatte schon zuvor Furcht von W�lfen gesp�rt � vor allem f�rchteten sie seines Wissens nach Waldbr�nde �, aber das hier war die Art von Furcht, die einem Mann eine G�nsehaut verschaffte, die ihn zittern und vor unsichtbaren Dingen zusammenzucken lie�. Durchtr�nkt von einem Schuss Entschlossenheit weiterzumachen, ganz egal, was passierte, reichte es an Entsetzen heran. W�lfe kannten diese Art Schrecken nicht. Aber dieses Rudel schon.</p><p>Einer nach dem anderen zogen sie sich aus seinem Bewusstsein zur�ck, eine willentliche Handlung, die ihn ausschloss, bis nur noch Blattj�gerin da war. <emphasis>Die Letzte Jagd naht,</emphasis> sagte sie schlie�lich, und dann war auch sie verschwunden.</p><p><emphasis>Habe ich euch beleidigt?,</emphasis> �bersandte er ihnen. <emphasis>Wenn ja, dann aus Unwissenheit.</emphasis> Aber es kam keine Erwiderung. Zumindest diese W�lfe w�rden in der n�chsten Zeit nicht mehr mit ihm sprechen.</p><p><emphasis>Die Letzte Jagd naht.</emphasis> So nannten die W�lfe die Letzte Schlacht. Tarmon Gai'don. Sie wu�ten, dass sie dabei sein w�rden, bei der letzten Konfrontation zwischen dem Licht und dem Schatten, obwohl sie den Grund daf�r nicht erkl�ren konnten. Manche Dinge waren vom Schicksal bestimmt, so sicher wie der Lauf der Gestirne, und es war vom Schicksal vorherbestimmt, dass viele W�lfe in der Letzten Schlacht sterben w�rden. Sie f�rchteten etwas anderes. Perrin hatte das starke Gef�hl, dass auch er dort sein musste, zumindest dort sein sollte, aber wenn die Letzte Schlacht bald kam, w�rde das nicht passieren. Er hatte eine Aufgabe zu erf�llen, vor der er sich nicht dr�cken konnte � und es auch nicht w�rde! Nicht einmal f�r Tarmon Gai'don.</p><p>Er verdr�ngte namenlose �ngste und die Letzte Schlacht aus seinen Gedanken, zog seine Panzerhandschuhe aus und tastete in der Manteltasche nach dem St�ck Lederschnur, das er dort verwahrte. In einem morgendlichen Ritual banden seine Finger mechanisch einen weiteren Knoten und tasteten dann die Schnur ab. Er z�hlte zweiundzwanzig Knoten. Zweiundzwanzig Morgen, seitdem Faile entf�hrt worden war.</p><p>Anfangs hatte er nicht geglaubt, dass Z�hlen �berhaupt n�tig sein w�rde. Am ersten Tag war er �berzeugt gewesen, zwar kalt und wie bet�ubt, aber konzentriert zu sein, doch im R�ckblick sah er ein, dass er von z�gelloser Wut und dem verzehrenden Verlangen �berw�ltigt gewesen war, die Shaido so schnell wie m�glich zu finden. Unter den Aiel, die Faile geraubt hatten, hatten sich auch M�nner aus anderen Clans befunden, doch den Spuren zufolge waren die meisten Shaido gewesen, und das waren sie f�r ihn, wenn er an sie dachte. Das Verlangen, ihnen Faile zu entrei�en, bevor sie ihr etwas antun konnten, hatte ihm die Kehle zugeschn�rt, bis er beinahe keine Luft mehr bekam. Nat�rlich w�rde er die anderen Frauen retten, die man zusammen mit ihr gefangen genommen hatte, aber manchmal musste er ihre Namen im Kopf auflisten, um sich zu vergewissern, dass er sie nicht v�llig vergessen hatte. Alliandre Maritha Kigarin, K�nigin von Ghealdan und seine Lehnsfrau. Es erschien noch immer seltsam, dass jemand auf seine Person einen Lehnseid geschworen hatte, vor allem eine K�nigin � er war Schmied! Jedenfalls war er einstmals Schmied gewesen �, aber er trug Alliandre gegen�ber eine Verantwortung, und ohne ihn w�re sie nie in Gefahr geraten. Bain von den Schwarzfelsen Sharaad und Chiad von den Steinflu� Goshien, beide Aiel und T�chter des Speers, die Faile nach Ghealdan und Amadicia gefolgt waren. Auch sie hatten in den Zwei Fl�ssen Trollocs gegen�bergestanden, als Perrin jede Hand gebraucht hatte, die eine Waffe halten konnte, und damit hatten sie sich das Recht verdient, sich auf ihn verlassen zu k�nnen. Arrela Shiego und Lacile Aldorwin, zwei dumme junge Frauen, die glaubten, sie k�nnten lernen, Aiel zu werden oder zumindest eine seltsame Version der Aiel. Sie hatten einen Eid auf Falle geschworen, genau wie Maighdin Dorlain, eine mittellose Fl�chtlingsfrau, die Falle als Dienerin unter ihre Fittiche genommen hatte. Er konnte Falles Leute nicht im Stich lassen. Falle ni Bashere t'Aybara.</p><p>Seine Frau, der Atem seines Lebens. Mit einem Aufst�hnen packte er die Schnur so fest, dass sich die Knoten schmerzhaft in eine Hand gruben, die vom langen Schwingen eines Hammers am Schmiedefeuer geh�rtet worden war. Beim Licht, zweiundzwanzig Tage!</p><p>Mit Eisen zu arbeiten hatte ihn gelehrt, dass Hast Metall ruinieren konnte, aber am Anfang war er hastig gewesen. Zuerst nach S�den durch von den beiden Asha'man Grady und Neald geschaffene Wegetore zu der Stelle, an der man kaum sichtbare Spuren der Shaido gefunden hatte, dann, sobald die Asha'man wieder Wegetore erschaffen konnten, wieder ein Sprung nach S�den, jene Richtung, in die die Spuren zeigten. Voller Wut �ber jede Stunde der Erholung, die die beiden brauchten, weil sie das erste Wegetor erschaffen und lange genug offengehalten hatten, damit jeder hindurchschreiten konnte. Besessen von dem Gedanken, Faile um jeden Preis befreien zu m�ssen. Gefunden hatte er nur Tage wachsenden Schmerzes, in denen sich die Kundschafter immer weiter in eine unbesiedelte Wildnis ausbreiteten, ohne auch nur das geringste Anzeichen zu finden, dass jemand diesen Weg zuvor benutzt hatte � bis ihm klar geworden war, dass er seinen Weg zur�ckverfolgen musste, und er noch mehr Tage damit verschwendete, Gel�nde zu durchqueren, �ber das die Asha'man ihn mit einem Schritt h�tten bef�rdern k�nnen, nur um nach einem Hinweis zu suchen, wo die Shaido abgebogen waren.</p><p>Er h�tte wissen m�ssen, dass sie abbiegen w�rden. Die s�dliche Richtung brachte sie den w�rmeren L�ndern entgegen, wo es keinen Schnee gab, der den Aiel so fremd erschien, aber sie brachte sie auch n�her an die Seanchaner in Ebou Dar heran. Er wusste �ber die Seanchaner Bescheid, und er h�tte damit rechnen m�ssen, dass die Shaido von ihnen erfuhren! Sie waren auf Pl�nderung aus, nicht auf einen Kampf mit Seanchanern und <emphasis>Damane.</emphasis> Tage des langsamen Marsches, in denen die Kundschafter an der Spitze ausschw�rmten, Tage, an denen der fallende Schnee selbst den Aiel die Sicht raubte und sie alle zum Anhalten zwang, bis Jondyn Barran schlie�lich einen von einem Wagen gestreiften Baum fand und Elyas einen zerbrochenen Aiel-Speerschaft aus dem Schnee ausgrub. Schlie�lich war Perrin nach Osten abgebogen, h�chstens zwei Tage s�dlich von der Stelle, an der er das erste Mal mit einem Wegetor Gereist war. Als ihm das klar geworden war, h�tte er am liebsten laut aufgeheult, aber er hielt sich eisern unter Kontrolle. Er konnte nicht nachgeben, nicht mal einen Daumenbreit, nicht wenn Falle sich auf ihn verlie�. Das war der Augenblick, in dem er sich seine Wut zunutze machte, sie zu schmieden begann.</p><p>Ihre Entf�hrer hatten einen gewaltigen Vorsprung erzielt, weil er zu hastig gewesen war, aber seitdem war er so �berlegt wie in einer Schmiede vorgegangen.</p><p>Seine Wut war auf ein Ziel hin geh�rtet und geschmiedet worden. Seit er die Spur der Shaido wiedergefunden hatte, war er in einem Sprung nicht weiter Gereist, als die Kundschafter zwischen Sonnenauf- und Unter gang zur�cklegen konnten, und seine Vorsicht hatte sich ausgezahlt, denn die Shaido hatten pl�tzlich mehrmals die Richtung gewechselt, waren im Zickzack gegangen, so als k�nnten sie sich nicht auf ein Ziel einigen. Oder vielleicht hatten sie gedreht, um sich mit anderen ihrer Art zu vereinen. Er konnte sich nur nach alten Spuren richten, alten Lagerst�tten, die der Schnee begraben hatte, doch alle Kundschafter hatten �bereinstimmend best�tigt, dass die Zahl der Shaido angewachsen war. Es mussten mindestens zwei oder drei Septimen sein, vielleicht auch mehr, ein formidables Wild, das hier zu jagen war. Doch langsam, aber sicher hatte er angefangen, sie zu �berholen. Nur darauf kam es an.</p><p>Bedachte man die Zahl der Shaido und den Schnee, legten sie auf ihrem Marsch eine gr��ere Strecke zur�ck, als er f�r m�glich gehalten h�tte, aber es schien ihnen gleichg�ltig zu sein, ob sie jemand verfolgte. Vielleicht glaubten sie ja, es w�rde keiner wagen. Manchmal hatten sie mehrere Tage an einem Ort kampiert. Wut, die zu einem Ziel geschmiedet worden war. Zerst�rte D�rfer und kleine St�dte und H�fe s�umten den Pfad der Shaido, als w�ren sie menschliche Heuschrecken, Lagerh�user und Wertsachen waren gepl�ndert, M�nner und Frauen zusammen mit dem Vieh verschleppt worden. Oft war niemand mehr bei seinem Eintreffen vorzufinden, nur verlassene H�user; die Menschen suchten anderswo nach Nahrung, um bis zum Fr�hling �berleben zu k�nnen. Er hatte den Eldar an einer Stelle nach Altara �berquert, an der eine kleine F�hre, die von Tagel�hnern und hiesigen Bauern, aber nicht von Kaufleuten benutzt worden war, zwischen zwei D�rfern an den bewaldeten Flussufern verkehrte. Wie die Shaido den �bergang vollbracht hatten, vermochte er nicht zu sagen, aber er hatte die Asha'man Wegetore errichten lassen. Von der F�hre waren nur noch die steinernen Fundamente der Anlegestellen an den Ufern �brig, und die wenigen Geb�ude, die nicht niedergebrannt worden waren, lagen verlassen da bis auf ein paar verwilderte Hunde, deren Rippen hervortraten und die beim Anblick der Menschen geduckt davonschlichen. Wut, die zu einem Hammer geformt wurde.</p><p>Am gestrigen Morgen war er zu einem winzigen Dorf gekommen, in dem zwei Handvoll verbl�ffter Leute mit schmutzigen Gesichtern die Hunderte von Lanzenreitern und Bogensch�tzen angestarrt hatten, die beim ersten Tageslicht unter dem Roten Adler von Manetheren und dem scharlachroten Wolfskopf, den Silbernen Sternen von Ghealdan und dem Goldenen Falken von Mayene aus dem Wald geritten kamen, gefolgt von einer langen Reihe Wagen mit hohen R�dern und Scharen von Ersatzpferden. Beim ersten Blick auf Gaul und die anderen Aiel �berwanden die Leute ihre L�hmung und rannten voller Entsetzen auf die B�ume zu. Ein paar zu fangen, um Ausk�nfte zu erhalten, war schwierig gewesen; sie h�tten sich lieber zu Tode gerannt als einen Aiel in ihre N�he kommen zu lassen. Brytan hatte nur aus einem Dutzend Familien bestanden, aber die Shaido hatten neun junge M�nner und Frauen mitgenommen, und das gesamte Vieh, und zwar erst vor zwei Tagen. Zwei Tage. Ein Hammer war ein Werkzeug, das einem Zweck diente und ein Ziel hatte.</p><p>Er wusste, dass er vorsichtig sein musste, sonst w�rde er Faile f�r immer verlieren, aber durch zu gro�e Vorsicht konnte er sie ebenfalls verlieren. Gestern am fr�hen Vormittag hatte er den Kundschaftern befohlen, weiter vorzusto�en als zuvor und erst nach einem vollen Sonnendurchlauf zur�ckzukehren, es sei denn nat�rlich, sie fanden die Shaido fr�her. Gleich w�rde die Sonne aufgehen, und h�chstens ein paar Stunden sp�ter w�rden Elyas und Gaul und die anderen zur�ckkehren, die T�chter und die M�nner von den Zwei Fl�ssen, von denen er wusste, dass sie einen Schatten �ber einen Strom verfolgen konnten. So schnell die Shaido auch reisten, die Kundschafter kamen schneller voran. Sie wurden nicht von Familien und Wagen und Gefangenen behindert. Diesmal w�rden sie ihm genau sagen k�nnen, wo die Shaido waren. Sie w�rden es tun. Er konnte es in seinen Knochen sp�ren. Die �berzeugung floss in seinen Adern. Er w�rde Faile finden und sie befreien. Das kam vor allem anderen, sogar dem Leben selbst, wenn er nur lange genug lebte, um das zu erreichen, aber er war jetzt ein Hammer, und falls es eine M�glichkeit gab, sein Ziel zu erreichen, hatte er vor, diese Shaido zu zermalmen.</p><p>Perrin warf die Decken zur Seite, zog die Handschuhe wieder an, hob die Axt auf, eine halbmondf�rmige Klinge mit einem schweren Dorn, rollte sich ins Freie und stand auf. �berall um ihn herum standen Karren in Reihen auf dem, was einst Brytans Felder gewesen waren. Die Ankunft von noch mehr Fremden mit ihren ausl�ndischen Bannern, so vielen und dann auch noch bewaffnet, war mehr gewesen, als die �berlebenden des kleinen Dorfes ertragen konnten. Sobald Perrin sie hatte gehen lassen, war der traurige Rest in den Wald geflohen; ihre Habseligkeiten schleppten sie auf dem R�cken oder auf Schlitten mit. Sie waren so schnell gelaufen, als w�re Perrin ein weiterer Shaido, und hatten sich aus Furcht, er k�nnte ihnen folgen, nicht einmal umgedreht.</p><p>Als er den Axtschaft durch die dicke Schlaufe an seinem G�rtel schob, wurde ein tiefer Schatten neben einem Karren gr��er und verwandelte sich in einen Mann, dessen Umhang in der Dunkelheit schwarz erschien. Perrin war nicht �berrascht; die nahegelegenen Halteseile der Pferde erf�llten die Luft mit dem Geruch mehrerer Tausend Tiere, Reitpferde und Ersatzpferde und Zugpferde, ganz zu schweigen von dem s��lichen Gestank von Pferdemist, dennoch hatte er den Geruch des anderen beim Aufwachen gerochen. Menschengeruch ragte immer hervor. Au�erdem war Aram immer da, wenn Perrin aufwachte, und wartete. Die verblassende Mondsichel tief am Himmel sorgte noch immer f�r genug Licht, damit er das Gesicht des anderen Mannes und den mit einem Messingknauf versehenen Schwertgriff �ber seiner Schulter ausmachen konnte, wenn auch nicht gut. Aram war einst Kesselflicker gewesen, aber Perrin konnte sich nicht vorstellen, dass er jemals wieder dieser Besch�ftigung nachgehen w�rde, selbst wenn er einen hellgestreiften Kesselflickermantel trug. Von Aram ging jetzt eine m�rrische H�rte aus, die Mondschatten nicht verbergen konnten. Er stand da, als w�re er bereit, das Schwert zu ziehen, und seit Failes Entf�hrung schien Zorn ein best�ndiger Teil seines Geruchs zu sein. Failes Entf�hrung hatte viel ver�ndert. Aber Perrin verstand Wut. Das hatte er vor Failes Entf�hrung nicht getan, jedenfalls nicht richtig.</p><p>�Sie wollen Euch sehen, Lord Perrin�, sagte Aram und deutete ruckartig mit dem Kopf auf zwei schattenhafte Gestalten, die ein St�ck weiter entfernt zwischen den Karrenreihen standen. In der kalten Luft verwandelten sich die Worte in d�nnen Nebel. �Ich habe ihnen gesagt, sie sollen Euch schlafen lassen.� Das war ein Fehler, den Aram hatte, er passte ungebeten zu viel auf ihn auf.</p><p>Perrin schmeckte die Luft und trennte die Ger�che der beiden Schatten von den maskierenden Ger�chen der Pferde. �Ich spreche jetzt mit ihnen. Lasst Traber f�r mich bereit machen, Aram.� Er versuchte immer im Sattel zu sein, bevor der Rest des Lagers aufwachte. Das lag zum Teil daran, dass es ihm unm�glich erschien, l�ngere Zeit irgendwo unt�tig herumzustehen. Unt�tiges Herumstehen w�rde die Shaido nicht einholen. Zum Teil wollte er aber auch die Gesellschaft von anderen meiden. Er w�re mit den Kundschaftern ausgeritten, w�ren die M�nner und Frauen, die diese Arbeit machten, darin nicht so viel besser als er gewesen.</p><p>�Ja, mein Lord.� Ar am roch nach Schroffheit, als er �ber den Schnee stapfte, aber Perrin bemerkte es kaum. Nur etwas Wichtiges konnte Sebban Balwer ver � anlasst haben, sich in der Dunkelheit aus seinen Decken zu sch�len, und was Selande Darengil anging ...</p><p>Balwer erschien in seinem dicken Mantel schm�chtig, sein verkniffenes Gesicht wurde fast vollst�ndig von der tiefen Kapuze verborgen. H�tte er sich gerade hingestellt statt so gekr�mmt, h�tte er die Frau aus Cairhien noch immer fast eine Handl�nge �berragt, die nicht gro� war. Mit um den Leib geschlungenen Armen h�pfte er von einem Fu� auf den anderen und versuchte der K�lte zu entgehen, die durch seine Stiefelsohlen dringen musste. Selande in ihrem dunklen M�nnermantel und den Hosen gab sich trotz des wei�en Dampfs bei jedem Atemzug recht viel M�he, die K�lte zu ignorieren. Sie zitterte, schaffte es aber, still dazustehen; die eine Seite ihres Umhangs war zur�ckgeworfen, und eine behandschuhte Hand ruhte auf dem Schwertgriff. Auch ihre Kapuze war zur�ckgeschlagen und enth�llte Haar, das bis auf den im Nacken mit einem dunklen Band zusammengebundenen Pferdeschwanz kurz geschnitten war. Selande war die Anf�hrerin dieser Narren, die Aiel imitieren wollten, Aiel mit Schwertern. Ihr Geruch war weich und dick, wie Gelee. Sie machte sich Sorgen. Balwer roch ... angespannt, aber das tat er fast immer, obwohl seine Anspannung niemals Leidenschaft aufwies, sondern nur Konzentration.</p><p>Der schm�chtige kleine Mann h�rte auf zu h�pfen und machte eine steife, schnelle Verbeugung. �Lady Selande hat Neuigkeiten, die Ihr, wie ich finde, von ihr selbst h�ren solltet, mein Lord.� Balwers d�nne Stimme war trocken und pr�zise, genau wie ihr Besitzer. Sollte sein Kopf einmal auf einem Richtblock liegen, w�rde er sich genauso anh�ren. �Meine Lady, wenn ihr so nett w�ret?� Er war blo� Sekret�r � Falles und Perrins Sekret�r �, gr��tenteils ein �bertrieben penibler, zur�ckhaltender Bursche, und Selande war eine Adlige, aber Balwer lie� es nicht unbedingt wie eine Bitte klingen.</p><p>Sie warf ihm einen scharfen Seitenblick zu und r�ckte das Schwert zurecht. Perrin hielt sich bereit, nach ihr zu greifen. Er glaubte eigentlich nicht, dass sie tats�chlich die Klinge ziehen und auf den Mann richten w�rde, aber andererseits kannte er sie und ihre l�cherlichen Freunde nicht gut genug, um es auszuschlie�en. Balwer beobachtete sie blo� mit schr�g gelegtem Kopf, und sein Geruch trug lediglich Ungeduld heran und keine Sorge.</p><p>Selande warf den Kopf zur�ck und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Perrin. �Ich gr��e Euch, Lord Perrin Goldauge�, begann sie mit dem scharfen Akzent Cairhiens, aber da ihr klar war, dass er nur wenig Geduld f�r ihre vorgebliche Aiel-F�rmlichkeit hatte, legte sie an Tempo zu. �Ich habe in dieser Nacht drei Dinge erfahren. Zuerst die am wenigsten wichtige Sache. Haviar berichtet, dass Masema gestern einen weiteren Reiter zur�ck nach Amadicia geschickt hat.</p><p>Nerion hat versucht, ihn zu verfolgen, ihn aber aus den Augen verloren.�</p><p>�Sagt Nerion, ich habe befohlen, dass er niemandem folgen soll�, sagte Perrin schroff. �Und Haviar k�nnt Ihr das Gleiche sagen. Sie sollten das wissen! Sie sollen aufpassen, zuh�ren und berichten, was sie sehen und h�ren, mehr nicht! Habt Ihr mich verstanden?� Selande nickte schnell, und einen Augenblick lang stahl sich dornige Furcht in ihren Duft. Furcht vor ihm, vermutete Perrin, die Angst, dass er auf sie w�tend war.</p><p>Gelbe Augen bei einem Mann machten manche Leute nerv�s. Er lie� die Axt los und verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken.</p><p>Haviar und Nerion geh�rten ebenfalls zu Failes zwei Dutzend jungen Narren, der eine war Tairener, der andere aus Cairhien. Faile hatte sie als Augen-und-Ohren benutzt, eine Tatsache, die ihn aus irgendeinem Grund noch immer �rgerte, obwohl sie ihm ins Gesicht gesagt hatte, dass Spionieren die Aufgabe einer Ehefrau war. Ein Mann musste genau zuh�ren, wenn er glaubte, dass seine Frau scherzte; m�glicherweise war es ihr n�mlich ernst. Das ganze Konzept des Spionierens bereitete ihm Unbehagen, aber wenn Faile sie so benutzen konnte, dann konnte es ihr Mann erst recht, wenn die Notwendigkeit bestand. Aber nur die beiden. Masema schien davon �berzeugt zu sein, dass abgesehen von Schattenfreunden jedermann vom Schicksal dazu bestimmt war, ihm fr�her oder sp�ter zu folgen, aber er konnte misstrauisch werden, wenn zu viele Perrins Lager verlie�en und sich ihm anschl�ssen.</p><p>�Nennt ihn nicht Masema, nicht einmal hier�, f�gte er br�sk hinzu. In letzter Zeit behauptete der Mann, Masema Dagar sei tats�chlich gestorben und als Prophet des Wiedergeborenen Drachen aus dem Grabe auferstanden, und er war empfindlicher als je zuvor, was die Erw�hnung seines fr�heren Namens anging.</p><p>�Geht am falschen Ort sorglos mit Eurer Zunge um, und Ihr k�nnt Euch gl�cklich sch�tzen, wenn er Euch das n�chste Mal, wenn seine Schl�ger Euch allein erwischen, nur von ihnen auspeitschen l�sst.� Selande nickte wieder ernst, und diesmal ohne Angstgeruch. Beim Licht, Failes Narren hatten nicht einmal genug Verstand, um zu erkennen, wovor sie sich f�rchten sollten.</p><p>�Der Morgen d�mmert bereits�, murmelte Balwer und zog den Umhang enger. �Alle werden gleich erwachen, und einige Dinge bespricht man am besten ungesehen. Wenn die Lady fortfahr en w�rde?� Wieder war es mehr als ein Vorschlag. Selande und der Rest von Falles Narrenbande hatten bis jetzt nur �rger gemacht, das war jedenfalls Perrins Meinung, und Balwer schien aus irgendeinem Grund zu versuchen, sie zu provozieren, aber sie zuckte blo� verlegen zusammen und murmelte eine Entschuldigung.</p><p>Die Dunkelheit nahm tats�chlich ab, jedenfalls f�r Perrins Augen. Der Himmel �ber ihnen sah noch immer schwarz und mit hellen Sternen best�ubt aus, aber er konnte schon die Farben von sechs der schmalen Streifen ausmachen, die sich auf der Vorderseite von Selandes Mantel kreuzten. Zumindest konnte er einen von dem anderen unterscheiden. Die Erkenntnis, dass er l�nger geschlafen hatte als gew�hnlich, lie� ihn ein Knurren aussto�en. Er konnte es sich nicht leisten, der Ersch�pfung nachzugeben, ganz egal, wie m�de er auch war! Er musste Selandes Bericht h�ren � sie w�rde sich keine Sorgen machen, nur weil Masema Reiter losschickte; das machte der Mann fast jeden Tag �, und doch hielt er nerv�s nach Aram und Traber Ausschau. Seine Ohren nahmen die Laute von Aktivit�ten bei den Pferdeseilen wahr, aber noch war von seinem Pferd keine Spur zu entdecken.</p><p>�Die zweite Sache besteht darin, mein Lord�, fuhr Selande fort, �dass Haviar F�sser mit gesalzenem Fisch und gep�keltem Rindfleisch gesehen hat, die altaranische Markierungen tragen, und zwar viele davon. Er sagt auch, dass sich unter Ma... unter den Leuten des Propheten Altaraner befinden. Einige scheinen Handwerker zu sein, und einer oder zwei k�nnten Kaufleute oder st�dtische Amtstr�ger sein. Auf jeden Fall angesehene M�nner und Frauen, anst�ndige Leute, und einige scheinen sich nicht sicher zu sein, ob sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Ein paar Fragen k�nnten enth�llen, wo der Fisch und das Fleisch her gekommen sind. Und vielleicht weitere Augen-und-Ohren f�r Euch gewinnen.�</p><p>�Ich wei�, wo der Fisch und das Fleisch herkommen, und Ihr wisst es auch�, sagte Perrin gereizt. Hinter seinem R�cken ballten sich die H�nde zu F�usten.</p><p>Er hatte gehofft, dass die Schnelligkeit seines Marsches Masema davon abhalten w�rde, Pl�nderer auszuschicken. Das war es, was sie waren, und genauso schlimm wie die Shaido, wenn nicht sogar noch schlimmer. Sie gaben den Leuten eine Chance, einen Treueid auf den Wiedergeborenen Drachen zu schw�ren, und jene, die sich weigerten, starben durch Feuer und Stahl manchmal auch jene, die einfach nur zu lange z�gerten. Ob jene, die den Eid abgelegt hatten, sich nun Masema auf seinem Marsch anschl�ssen oder nicht, man erwartete von ihnen, dass sie der Sache des Propheten eine gro�z�gige Spende zukommen lie�en, w�hrend jene, die starben, offensichtlich Schattenfreunde waren, deren Besitz man konfiszierte. Masemas Gesetzen zufolge verloren Diebe eine Hand, aber das, was seine Pl�nderer da taten, war seiner Meinung nach kein Diebstahl. Seinen Gesetzen zufolge verdienten Mord und eine ganze Reihe anderer Verbrechen den Strang, aber eine gro�e Anzahl seiner Anh�nger schienen lieber t�ten zu wollen, als neue Eide zu erzwingen. So gab es mehr Beute, und f�r einige von ihnen war Mord ein h�bsches Spiel, mit dem man sich vor dem Essen die Zeit vertreiben konnte.</p><p>�Sagt ihnen, sie sollen sich von diesen Altaranern fernhalten�, fuhr Perrin fort. �Alle m�glichen Leute schlie�en sich Masema an, und selbst wenn sie Bedenken haben, wird es nicht lange dauern, bis sie wie der Rest nach Hingabe stinken. Dann w�rden sie nicht z�gern, einem Nachbarn den Bauch aufzuschlitzen, ganz zu schweigen von jemandem, der die falschen Fragen stellt. Ich will wissen, was Masema vorhat.�</p><p>Dass der Mann einen Plan verfolgte, erschien offensichtlich. Masema behauptete, es sei Blasphemie, wenn jemand au�er Rand die Eine Macht ber�hrte, und gab vor, nichts mehr zu wollen als sich im Osten Rand anzuschlie�en. Wie immer lie� der Gedanke an Rand in Perrins Kopf Farben umherwirbeln, diesmal viel deutlicher als gew�hnlich, aber der Zorn zerst�ubte sie. Blasphemie oder nicht, Masema akzeptierte das Schnelle Reisen, bei dem nicht nur die Macht gelenkt wurde, sondern das auch noch von M�nnern. Und was er auch behauptete, er hatte es getan, um so lange wie m�glich im Westen bleiben zu k�nnen, nicht um bei Falles Rettung zu helfen. Perrin neigte dazu, Menschen zu vertrauen, bis sie sich als unzuverl�ssig erwiesen, aber ein Hauch von Masemas Geruch hatte ihm verraten, dass der Kerl so verr�ckt wie ein tollw�tiges Tier war und bedeutend weniger vertrauensw�rdig.</p><p>Er hatte �ber M�glichkeiten nachgedacht, diesen Plan zu verhindern und Masemas T�ten und Brandschatzen ein Ende zu bereiten. Masema hatte zehn- oder zw�lftausend Mann bei sich, vielleicht sogar mehr � er behielt die Zahl f�r sich, und die Art, wie sie sich �berall ausbreiteten, wenn sie lagerten, verhinderte jede Z�hlung �, w�hrend Perrin weniger als ein Viertel davon zur Verf�gung stand, und davon waren mehrere Hundert Fuhrleute und Pferdeknechte und andere, die bei einem Kampf mehr Behinderung als Hilfe sein w�rden, doch mit den drei Aes Sedai, den beiden Asha'man und nicht zu vergessen den sechs Weisen Frauen der Aiel konnte er Masema in Schach halten. Die Weisen Frauen und zwei der Aes Sedai w�rden ihm bereitwillig helfen. Sogar mehr als bereitwillig. Sie wollten Masema tot sehen. Aber die Aufl�sung von Masemas Heer w�rde es nur in Hunderte von kleinen Gruppen zersplittern, die sich in ganz Altara und den umliegenden Gebieten ausbreiten und weiter t�ten und pl�ndern w�rden, nur auf eigene Rechnung statt im Namen des Wiedergeborenen Drachen. <emphasis>Die Zerschlagung der Shaido wird das gleiche Ergebnis haben,</emphasis> dachte er und verdr�ngte den Gedanken. Masema aufzuhalten w�rde Zeit erfordern, die er nicht hatte. Der Mann w�rde warten m�ssen, bis Faile in Sicherheit war. Bis die Shaido zu Kleinholz verarbeitet waren.</p><p>�Was ist die dritte Sache, die Ihr heute Nacht erfahren habt, Selande?�, fragte er grob. Zu seiner �ber � raschung verst�rkte sich die Sorge, die von der Frau ausging.</p><p>�Haviar hat jemanden gesehen�, sagte sie z�gernd.</p><p>�Er hat es mir zuerst gar nicht gesagt.� Einen Augenblick lang verh�rtete sich ihre Stimme. �Ich habe daf�r gesorgt, dass sich das nicht wiederholen wird!� Sie holte tief Luft, schien mit sich zu k�mpfen und platzte dann heraus: �Masuri Sedai hat Masema ... den Propheten besucht. Es ist wahr, mein Lord; glaubt mir!</p><p>Haviar hat sie mehr als einmal gesehen. Sie schleicht mit hochgeschlagener Kapuze in sein Lager und verl�sst es auch auf die gleiche Art, aber er hat zweimal einen guten Blick auf ihr Gesicht werfen k�nnen. Sie wird jedes Mal von einem Mann begleitet, und manchmal auch von einer anderen Frau. Haviar hat den Mann nicht gut genug sehen k�nnen, um sicher zu sein, aber die Beschreibung passt auf Rovair, Masuris Beh�ter, und Haviar ist davon �berzeugt, dass die zweite Frau Annoura Sedai ist.�</p><p>Sie verstummte abrupt, ihre Augen funkelten dunkel im Mondlicht, w�hrend sie ihn beobachtete. Beim Licht, sie war genauso wegen seiner Reaktion besorgt wie �ber das, was diese Nachricht bedeutete! Er zwang seine F�uste dazu, sich zu entspannen. Masema verabscheute Aes Sedai so sehr wie Schattenfreunde; fast betrachtete er sie als Schattenfreunde. Also warum sollte er zwei Schwestern empfangen? Warum sollten sie ihn besuchen? Annouras Meinung �ber Masema lag hinter Geheimnistuerei und zweideutigen Kommentaren verborgen, die alles bedeuten konnten, aber Masuri hatte geradeheraus gesagt, dass man den Mann wie einen tollen Hund erschlagen m�sste.</p><p>�Sorgt daf�r, dass Haviar und Nerion die Schwestern im Auge behalten, vielleicht k�nnen sie ja eines ihrer Treffen mit Masema belauschen.� Konnte sich Haviar geirrt haben? Nein, es gab nur wenige Frauen in Masemas Lager, relativ gesprochen, und es war kaum vorstellbar, dass der Tairener eine dieser ungewaschenen, verr�ckten Schreckschrauben mit Masuri verwechseln konnte. Jene Frauen, die bereit waren, Masemas Heer zu begleiten, lie�en die M�nner f�r gew�hnlich wie Kesselflicker aussehen. �Aber sagt ihnen, sie sollen vorsichtig sein. Es ist besser, wenn sie eine Gelegenheit verstreichen lassen, als dabei ertappt zu werden. An einem Baum aufgekn�pft nutzen sie niemandem.� Perrin wusste, dass er grob klang, und versuchte seine Stimme zu m��igen. Seit Failes Entf�hrung schien das schwieriger geworden zu sein. �Das war gute Arbeit, Selande.� Wenigstens klang er nicht so, als w�rde er sie anbr�llen. �Von Euch und Haviar und Nerion. Faile w�re stolz auf Euch, wenn sie es wusste.�</p><p>Ein L�cheln erhellte ihr Gesicht, und sie stand etwas aufrechter da, falls das �berhaupt m�glich war. Reiner Stolz, der Stolz einer vollbrachten Leistung, �berw�ltigte beinahe jeden anderen Geruch, der von ihr ausging! �Danke, mein Lord. Danke!� Man h�tte glauben k�nnen, er h�tte ihr einen Preis �berreicht. Vielleicht hatte er das sogar, wenn man es n�her bedachte. Obwohl � wenn man dar�ber nachdachte, konnte es durchaus sein, dass Faile nicht besonders dar�ber erfreut sein w�rde, dass er ihre Augen-und-Ohren benutzte oder �berhaupt von ihnen wusste. Fr�her h�tte der Gedanke an eine ver�rgerte Falle ihm Unbehagen bereitet, aber das war gewesen, bevor er von ihren Spionen erfahren hatte. Und diese kleine Sache mit der Zerbrochenen Krone, die Elyas versehentlich herausgerutscht war. Alle behaupteten immer, Ehefrauen w�rden ihre Geheimnisse f�r sich behalten, aber es gab Grenzen!</p><p>Balwer richtete mit einer Hand seinen Umhang auf den schmalen Schultern und hustete in die andere hinein. �Gut gesagt, mein Lord. Sehr gut gesagt. Meine Lady, Ihr wollt gewiss Lord Perrins Anweisungen so schnell wie m�glich weitergeben. Es w�re nicht gut, wenn es da Missverst�ndnisse g�be.�</p><p>Selande nickte, ohne den Blick von Perrin zu wenden. Ihr Mund �ffnete sich, und Perrin war davon �berzeugt dass sie ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen wollte, dass er Wasser und Schatten fand. Beim Licht, Wasser war das eine, was sie im �berfluss hatten.</p><p>Selbst wenn es haupts�chlich gefroren war, und zu dieser Jahreszeit brauchte man nicht einmal am Mittag Schatten! Vermutlich hatte sie es vorgehabt, denn sie z�gerte, bevor sie schlie�lich sagte: �Die Gnade sei Euch gewogen, mein Lord. Wenn ich so offen sein darf, die Gnade ist Lady Faile gewogen gewesen, da sie Euch gefunden hat.�</p><p>Perrin nickte ruckartig zum Dank. In seinem Mund lag der Geschmack von Asche. Die Gnade hatte eine merkw�rdige Art gehabt, Faile gewogen zu sein, indem sie ihr einen Gemahl beschert hatte, der sie nach zwei Wochen der Suche noch immer nicht gefunden hatte. Die T�chter hatten behauptet, dass man sie zur <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht hatte und sie nicht schlecht behandeln w�rde, aber sie hatten auch zugeben m�ssen, dass diese Shaido ihre Br�uche bereits auf hundert verschiedene Arten gebrochen hatten. Seiner Meinung nach reichte Entf�hrung aus, um als schlechte Behandlung zu gelten. Bittere Asche.</p><p>�Die Lady wird ihre Sache gut machen, mein Lord�, sagte Balwer leise und sah zu, wie Selande zwischen den Wagen in der Dunkelheit verschwand. Seine Zustimmung war eine �berraschung; er hatte versucht, Perrin den Einsatz von Selande und ihren Freunden auszureden, weil sie hitzk�pfig und unzuverl�ssig waren. �Sie hat die n�tigen Instinkte. Das haben Cairhiener f�r gew�hnlich, und Tairener bis zu einem gewissen Grade auch, zumindest die Adligen, vor allem, sobald ...�Er verstummte abrupt und musterte Perrin vorsichtig. Bei jedem anderen Mann w�re Perrin zu dem Schluss gekommen, dass er mehr als bea bsichtigt gesagt hatte, aber er bezweifelte, dass Balwer sich auf diese Art versprach. Der Geruch des Mannes ver�nderte sich nicht, schwankte nicht auf die Weise, wie er es bei einem unsicheren Mann tun w�rde. �Darf ich auf einen oder zwei Punkte ihres Berichts n�her eingehen, mein Lord?�</p><p>Das Knirschen von Hufen im Schnee verk�ndete Arams N�herkommen, der Perrins Hengst und seinen grauen Wallach brachte. Die beiden Tiere versuchten, nacheinander zu schnappen, und Aram hielt sie auseinander, wenn auch mit einiger M�he. Balwer seufzte.</p><p>�Ihr k�nnt vor Aram sprechen, Meister Balwer�, sagte Perrin. Der kleine Mann neigte zustimmend den Kopf, aber er seufzte erneut. Im Lager wusste jeder, dass Balwer die F�higkeit hatte, Ger�chte, zuf�llig aufgeschnappte Kommentare und Beobachtungen zu einem Bild dessen zusammenzusetzen, was wirklich passiert war oder m�glicherweise geschehen w�rde, und Balwer selbst betrachtete das als Teil seiner Aufgabe als Sekret�r, aber aus irgendeinem Grund tat er gern so, als w�rde das nicht stimmen. Es war eine harmlose Marotte, und Perrin lie� sie ihm durchgehen.</p><p>Er nahm von Aram Trabers Z�gel entgegen und sagte: �Geht ein paar Schritte hinter uns, Aram. Ich muss allein mit Meister Balwer sprechen.� Balwers Seufzer war so leise, dass Perrin ihn kaum h�rte.</p><p>Aram blieb wortlos hinter ihnen zur�ck, als sie sich in Bewegung setzten und der Schnee unter ihren F��en knirschte, aber er roch wieder m�rrisch und bebend; es war ein d�nner, saurer Geruch. Diesmal nahm Perrin ihn wahr, aber er schenkte ihm nicht mehr Aufmerksamkeit als gew�hnlich. Aram war auf jeden eifers�chtig, der Zeit mit ihm verbrachte, Falle einmal ausgenommen. Perrin sah keine M�glichkeit, wie er das beenden sollte, au�erdem war er genauso an Arams Besitzgier gew�hnt wie an die Weise, auf die Balwer neben ihm herh�pfte und �ber die Schulter blickte, um zu sehen, ob Aram nahe genug war, um etwas mitzubekommen, als er schlie�lich sprach. Balwers rasiermesserscharfer Geruch nach Misstrauen, der selten trocken und nicht einmal warm war, aber dennoch Misstrauen ausdr�ckte, sorgte f�r ein Gegengewicht zu Arams Eifersucht. Man konnte M�nner nicht �ndern, die sich nicht �ndern wollten.</p><p>Die Halteseile der Pferde und Proviantwagen waren in der Mitte des Lagers, wo Diebe nur schwer an sie herankommen w�rden, und obwohl der Himmel f�r die meisten Augen noch immer schwarz war, waren die Kutscher und Pferdeknechte, die in der N�he ihrer Sch�tzlinge schliefen, bereits wach und falteten ihre Decken zusammen; ein paar von ihnen k�mmerten sich um aus Kiefern�sten und kleinen Baumst�mmen gefertigte Unterst�nde, nur f�r den Fall, dass man sie noch eine Nacht l�nger brauchte. Lagerfeuer wurden entz�ndet und kleine schwarze Kessel dar�ber aufgeh�ngt, obwohl es au�er Haferbrei und getrockneten Bohnen kaum etwas zu essen gab. Jagen und Fallenstellen f�gte etwas Fleisch hinzu, Wild und Hasen, Rebh�hner und Fasane und dergleichen, aber bei so vielen M�ndern, die gef�ttert werden mussten, reichte das nicht lange aus, und schon vor der �berquerung des Eldar hatten sie nirgendwo Vorr�te kaufen k�nnen. Verbeugungen und Knickse und gemurmelte �Einen guten Morgen, mein Lord� und �Das Licht sei Euch gn�dig, mein Lord� folgten Perrin, aber die M�nner und Frauen, die ihn sahen, h�rten mit den Bem�hungen auf, ihre Unterst�nde zu verst�rken, und ein paar fingen an, sie abzurei�en, als h�tten sie aus seinem Schritt seine Entschlossenheit gesp�rt. Mittlerweile h�tten sie seine Entschlossenheit kennen m�ssen. Seit dem Tag, an dem er das Ausma� seines Irrtums er � kannt hatte, hatte er keine zwei N�chte am selben Ort mehr verbracht. Er erwiderte ihre Gr��e, ohne langsamer zu werden.</p><p>Der Rest des Lagers bildete einen schmalen Ring um die Pferde und Wagen, der dem Wald entgegensah; die M�nner von den Zwei Fl�ssen waren in vier Gruppen aufgeteilt, die Lanzenreiter aus Ghealdan und Mayene waren dazwischen untergebracht. Wer auch immer auf sie zukam, egal aus welcher Richtung, w�rde sich Langbogen von den Zwei Fl�ssen und schlagkr�ftiger Kavallerie gegen�bersehen. Perrin f�rchtete keinen �berraschungsangriff der Shaido, sondern Masema. Der Mann schien ihm brav zu folgen, aber von den Nachrichten �ber die Pl�nderungen abgesehen waren in den vergangenen zwei Wochen neun Ghealdaner und acht Mayener verschwunden, und keiner glaubte, dass sie desertiert waren. Und am Tag von Failes Entf�hrung waren zwanzig Mayener �berfallen und get�tet worden, und keiner glaubte, dass daf�r jemand anders als Masemas M�nner verantwortlich sein konnte. So gab es einen unsicheren Frieden, eine seltsame dornige Art von Frieden, doch eine auf die M�glichkeit gesetzte Kupferm�nze, dass er ewig Bestand haben w�rde, w�re eine verlorene Kupferm�nze gewesen. Masema tat so, als sei er sich der Br�chigkeit dieses Friedens nicht bewusst, aber seinen Anh�ngern schien es so oder so gleichg�ltig zu sein; was auch immer ihr Anf�hrer nach au�en hin sagen mochte, sie nahmen sich ihn zum Vorbild. Aber Perrin hatte sich vorgenommen, den Frieden irgendwie zu bewahren, bis Faile wieder frei war. Sein Lager zu einer zum Knacken zu harten NUSS zu machen war eine Methode, diesen Frieden zu erhalten.</p><p>Die Aiel hatten auf ihr eigenes schmales St�ck des seltsamen Kuchens bestanden, obwohl sie kaum mehr als f�nfzig Personen waren, die <emphasis>Gai'schain</emphasis> mitgez�hlt, die den Weisen Frauen dienten, und Perrin blieb stehen, um ihre niedrigen dunklen Zelte zu mustern. Die einzigen anderen Zelte, die im Lager errichtet worden waren, geh�rten Berelain und ihren beiden Dienerinnen; sie standen auf der gegen�berliegenden Seite, nicht weit von den paar H�usern Brytans entfernt. Horden von Fl�hen und L�usen machten sie selbst f�r abgeh�rtete Soldaten auf der Suche nach einem Unterschlupf vor der K�lte unbewohnbar, und die Scheunen waren einfache Schuppen, durch die der Wind pfiff und die noch viel schlimmeres Ungeziefer beherbergten als die H�user. Die T�chter und Gaul, der einzige Mann unter den Aiel, der kein <emphasis>Gai'schain</emphasis> war, waren alle mit den Kundschaftern unterwegs, und die Aielzelte lagen still da, allerdings verriet ihm der Rauch, der aus einigen �ffnungen aufstieg, dass die <emphasis>Gai'schain</emphasis> f�r die Weisen Frauen das Fr�hst�ck vorbereiteten. Annoura war Berelains Beraterin und teilte f�r gew�hnlich ihr Zelt, aber Masuri und Seonid w�rden bei den Weisen Frauen sein, vielleicht sogar den <emphasis>Gai'schain</emphasis> bei der Zubereitung des Fr�hst�cks helfen. Sie versuchten noch immer die Tatsache zu verbergen, dass die Weisen Frauen sie als Lehrlinge betrachteten, obwohl das mittlerweile jedem im Lager klar sein musste. Jeder, der eine Aes Sedai sah, die Feuerholz oder Wasser schleppte, oder der h�rte, wie sie geschlagen wurde, konnte sich das zusammenreimen. Die beiden Aes Sedai waren auf Rand eidverschworen � wieder wirbelten die Farben in seinem Kopf, eine wahre Explosion an bunten Mustern; wieder zerschmolzen sie durch seinen unb�ndigen Zorn �, aber Edarra und die anderen Weisen Frauen waren geschickt worden, um sie im Auge zu behalten.</p><p>Allein die Aes Sedai wu�ten, wie streng sie ihre Eide banden oder welche Spielr�ume sie zwischen den Worten sahen, und keine von ihnen durfte auch nur springen, ohne dass eine Weise Frau ihnen vorher sagte, wie hoch. Seonid und Masuri hatten <emphasis>beide</emphasis> gesagt, man m�sse Masema wie einen tollw�tigen Hund erschlagen, und die Weisen Frauen hatten ihnen zugestimmt. Zumindest hatten sie das gesagt. Bei ihnen gab es keine Drei Eide, die ihnen befahlen, die Wahrheit zu sagen, obwohl gerade dieser Eid auch von den Aes Sedai eher als Richtschnur gesehen wurde. Und Perrin glaubte sich zu erinnern, dass eine der Weisen Frauen ihm gesagt hatte, Masuri sei der Ansicht, ein tollw�tiger Hund k�nne an die Leine gelegt werden. Nicht springen, ohne dass ihnen eine Weise Frau sagte, wie hoch. Es war wie ein schmiedeeisernes R�tselspiel, dessen Kanten gesch�rft worden waren. Perrin musste es l�sen, aber ein Fehler, und er konnte sich bis auf den Knochen schneiden.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah er, dass Balwer ihn mit nachdenklich gesch�rzten Lippen beobachtete. Wie ein Vogel, der etwas Unbekanntes musterte, ohne Furcht, ohne Hunger, einfach nur neugierig. Er hielt Trabers Z�gel fester und ging so schnell weiter, dass der kleine Mann fast schon springen musste, um ihn einzuholen.</p><p>M�nner von den Zwei Fl�ssen hatten den Lagerbereich neben den Aiel und deckten den Nordosten ab, und Perrin �berlegte, ein St�ck nach Norden zu den ghealdanischen Lanzenreitern oder nach S�den zu den n�chsten Mayenern zu gehen, aber dann holte er tief Luft und zwang sich dazu, sein Pferd an seinen Freunden und Nachbarn aus der Heimat vorbeizuf�hren. Sie waren alle wach, h�llten sich in ihre Umh�nge und f�tterten die Lagerfeuer mit den �berresten ihrer Unterst�nde oder schnitten die Reste der Hasen vom Vorabend auf, um sie in den Haferbrei in den Kesseln zu mischen. Gespr�che verstummten, und der Geruch von Vorsicht verdichtete sich, als K�pfe sich drehten, um ihm entgegenzusehen. Schleifsteine hielten darin inne, Stahl entlangzugleiten, und nahmen dann ihr zischendes Fl�stern wieder auf. Ihre bevorzugte Waffe war der Bogen, aber jeder von ihnen trug auch einen schweren Dolch oder ein Kurzschwert, manchmal auch ein Langschwert, und sie hatten Speere und Hellebarden und andere Langwaffen mit seltsamen Klingen und Spitzen unterwegs aufgesammelt, welche die Shaido bei ihren Pl�nderungen als wertlos eingestuft hatten. Mit Speeren waren sie vertraut, und H�nde, die daran gew�hnt waren, an den Festtagswettk�mpfen Kampfst�be zu schwingen, fanden den Umgang mit Langwaffen nicht schwer, sobald sie sich an das zus�tzliche Gewicht des Metalls gew�hnt hatten. Ihre Gesichter waren hungrig, m�de und in sich gekehrt.</p><p>Ein paar riefen halbherzig �Goldauge!�, aber keiner nahm den Ruf auf, eine Tatsache, die Perrin noch vor einem Monat erfreut h�tte. Seit Failes Entf�hrung hatte sich vieles ver�ndert. Jetzt war ihr Schweigen bleiern. Der junge Kenly Maerin, dessen Wangen dort, wo er den gescheiterten Versuch eines Bartes abrasiert hatte, noch immer blass waren, mied Perrins Blick, und Jori Congar, der immer flinke Finger hatte, wenn er etwas Kleines und Wertvolles sah und sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit betrank, spuckte ver�chtlich aus, als Perrin an ihm vorbeiging. Ban Crawe stie� ihn deswegen hart gegen die Schulter, aber auch er schaute Perrin nicht an.</p><p>Dannil Lewin stand auf und zupfte nerv�s am dichten Schnurrbart, der unter seiner Hakennase so albern aussah. �Befehle, Lord Perrin?� Der d�rre Mann sah tats�chlich erleichtert aus, als Perrin den Kopf sch�ttelte, und er setzte sich schnell wieder und starrte den n�chststehenden Topf an, als w�rde er begierig auf den morgendlichen Haferschleim warten. Vielleicht tat er es tats�chlich; in letzter Zeit wurde keiner mehr satt, und Dannil hatte noch nie zuviel Fleisch auf den Knochen gehabt. Aram gab hinter Perrin einen angewiderten Laut von sich, der gro�e �hnlichkeit mit einem Knurren hatte.</p><p>Hier gab es au�er den Leuten von den Zwei Fl�ssen noch andere, aber sie waren keinesfalls besser. Oh, Lamgwin Dorn, ein gro�er Bursche mit narbigem Gesicht, riss an seiner Haarlocke und nickte. Lamgwin sah aus wie ein Wirtshausschl�ger, aber er war jetzt Perrins Leibdiener, wenn er einen ben�tigte, was nicht oft vorkam, und er wollte es sich vermutlich nicht mit seinem Arbeitgeber verderben. Aber Basel Gill, der st�mmige einstige Gastwirt, den Faile als ihr <emphasis>Shambayan</emphasis> aufgenommen hatte, faltete seine Decken mit �bertriebener Sorgfalt zusammen und hielt seinen kahl werdenden Kopf gesenkt, und Lini Eltring, Failes Erste Dienerin, eine hagere Frau, deren schmales Gesicht vom strengen wei�en Haarknoten nur noch schmaler gemacht wurde, erhob sich mit zusammengepressten Lippen von dem Kessel, in dem sie r�hrte, und hob den L�ffel, als wollte sie Perrin abwehren. Breane Taborwin mit ihrem blassen cairhienischen Gesicht und den funkelnden dunklen Augen schlug hart nach Lamgwins Arm und sah ihn stirnrunzelnd an. Sie war Lamgwins Gef�hrtin, m�glicherweise auch seine Ehefrau, und die zweite von Failes drei Dienerinnen. Falls n�tig w�rden sie den Shaido folgen, bis sie tot umfielen, und sie w�rden Falle um den Hals fallen, wenn sie sie fanden, aber nur Lamgwin brachte Perrin einen Funken Willkommen entgegen. Von Jur Grady h�tte er vermutlich etwas mehr bekommen � die Asha'man wurden selbst von allen anderen auf Distanz gehalten, und keiner von ihnen hatte gegen�ber Perrin irgendwelche Feindseligkeit gezeigt �, aber Grady lag trotz des L�rms der Leute, die �ber den gefrorenen Schnee stapften und fluchten, wenn sie ausrutschten, noch immer in seine Decken geh�llt und schnarchte unter einem Unterstand aus Kiefern�sten. Perrin bahnte sich einen Weg an seinen Freunden und Nachbarn und Dienern vorbei und f�hlte sich allein. Ein Mann konnte seine Treue nur eine gewisse Zeit lang beteuern, bevor er einfach aufgab. Das Herz seines Lebens befand sich irgendwo im Nordosten. Alles w�rde wieder wie fr�her werden, sobald er sie zur�ckhatte.</p><p>Das Lager wurde von einer zehn Schritte tiefen Barriere aus angespitzten Pfl�cken umgeben, und Perrin ging zur Sektion der Ghealdaner, wo gewundene Pfade f�r Reiter freigelassen worden waren; Balwer und Aram mussten auf dem schmalen Weg hintereinander hergehen. Vor dem Abschnitt der Zwei Fl�sse h�tte ein Mann einen verschlungenen Weg zur�cklegen m�ssen, um hier durchzukommen. Der Waldrand lag kaum einhundert Schritte weit entfernt, eine bequeme Bogenschussreichweite f�r die M�nner von den Zwei Fl�ssen; gro�e B�ume bildeten hoch oben ein undurchdringliches Bl�tterdach. Einige der B�ume waren Perrin unbekannt, aber es gab auch Kiefern und Zwerglorbeer und Ulmen, manche St�mme durchma�en an ihrer Basis fast drei oder vier Schritte, und die Eichen waren noch gr��er. B�ume, die alles verdr�ngt hatten, was gr��er als ein Busch oder Unkraut war und zwischen ihnen hatte wachsen wollen; das hatte weite, offene Fl�chen zwischen ihnen freigelassen, aber diese Fl�chen waren jetzt mit Schatten gef�llt, die dunkler als die Nacht waren. Ein alter Wald, einer von der Sorte, der ganze Heere verschlingen und die Gebeine niemals freigeben w�rde.</p><p>Balwer folgte ihm den Weg an den Pfl�cken vorbei, bevor er zu dem Schluss kam, dass er in absehbarer Zeit wohl kaum n�her an seinen Herrn herankommen w�rde. �Die Reiter, die Masema losgeschickt hat, mein Lord�, sagte er und hielt den Umhang eng um den K�rper geschlungen, w�hrend er dem hinter ihm gehenden Aram einen argw�hnischen Blick zuwarf, den dieser mit einem ausdruckslosen Starren erwiderte.</p><p>�Ich wei߫, sagte Perrin, �Ihr glaubt, sie sind zu den Wei�m�nteln unterwegs.� Er hatte es eilig, noch weiter von seinen Freunden wegzukommen. Er legte die Hand mit den Z�geln auf den Sattelknauf, sah aber davon ab, einen Stiefel in den Steigb�gel zu schieben. Traber warf voller Ungeduld den Kopf in den Nacken. �Masema k�nnte genauso gut den Seanchanern Botschaften schicken.�</p><p>�Wie Ihr bereits gesagt habt, mein Lord. Eine denkbare M�glichkeit, sicher. Darf ich aber noch einmal erw�hnen, dass Masemas Ansichten �ber die Aes Sedai denen der Wei�m�ntel sehr �hneln? Tats�chlich stimmen sie �berein. Am liebsten w�rde er jede Schwester tot sehen. Die seanchanische Einstellung ist da ... pragmatischer, falls es mir erlaubt ist, das so auszudr�cken.</p><p>Auf jeden Fall stehen sie Masema nicht zu nahe.�</p><p>�So sehr Ihr die Wei�m�ntel auch hasst, Meister Balwer, sie sind nicht die Wurzel allen �bels. Und Masema hatte schon seine Auseinandersetzungen mit den Seanchanern.�</p><p>�Wie Ihr meint, mein Lord.� Balwer verzog keine Miene, aber er stank nach Zweifel. Perrin konnte nicht beweisen, dass sich Masema mit den Seanchanern getroffen hatte, und jemandem zu erz�hlen, wie er davon erfahren hatte, w�rde seine derzeitigen Probleme nur noch verschlimmern. Das stellte Balwer nicht zufrieden; er war ein Mann, der gern Beweise sah. �Was die Aes Sedai und die Weisen Frauen angeht, mein Lord ... Aes Sedai scheinen immer davon �berzeugt zu sein, es besser als alle anderen zu wissen, ausgenommen vielleicht andere Aes Sedai. Ich glaube, die Weisen Frauen sind da sehr �hnlich.�</p><p>Perrin schnaubte wei�e W�lkchen in die Luft. �Erz�hlt mir etwas, das ich nicht wei�. Zum Beispiel, warum sich Masuri mit Masema treffen sollte, und warum die Weisen Frauen es erlaubt haben. Ich wette Traber gegen einen Hufeisennagel, dass sie es nicht ohne ihre Erlaubnis getan hat.� Bei Annoura sah es anders aus, sie konnte durchaus aus eigenem Antrieb gehandelt haben. Mit Sicherheit erschien es unwahrscheinlich, dass sie es aufgrund von Berelains Bitte getan hatte.</p><p>Balwer r�ckte den Umhang auf seinen Schultern zurecht und schaute �ber die Reihen von spitzen Pfl�cken zu den Zelten der Aiel; dabei kniff er die Augen zusammen, als hoffte er, durch das Segeltuch blicken zu k�nnen. �Es gibt viele M�glichkeiten, mein Lord�, sagte er gereizt. �F�r manche, die einen Eid schw�ren, ist alles erlaubt, was nicht verboten ist, und was nicht befohlen wird, kann ignoriert werden. Andere tun Dinge, von denen sie glauben, dass es ihrem Lehnsherrn helfen wird, und zwar ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Es hat den Anschein, als w�rden Aes Sedai und Weise Frauen in eine dieser Kategorien fallen, aber dar�ber hinaus kann ich, so wie die Dinge stehen, nur spekulieren.�</p><p>�Ich k�nnte sie fragen. Aes Sedai k�nnen nicht l�gen, und wenn ich genug Druck aus�be, k�nnte Masuri mir die Wahrheit sagen.�</p><p>Balwer verzog das Gesicht, als h�tte er pl�tzlich Magenschmerzen. �Vielleicht, mein Lord, Vielleicht. Aber es ist eher wahrscheinlich, dass sie Euch etwas sagt, das wie die Wahrheit klingt. Wie Ihr wisst, sind Aes Sedai darin sehr erfahren. Auf jeden Fall w�rde sich Masuri fragen, woher Ihr davon wisst, mein Lord, und diese �berlegungen k�nnten zu Haviar und Nerion f�hren. Wer kann unter diesen Umst�nden schon sagen, mit wem sie dar�ber spricht? Der gerade Weg ist nicht immer der beste. Gewisse Dinge muss man manchmal aus Gr�nden der Sicherheit hinter Masken erledigen.�</p><p>�Ich habe Euch gesagt, dass man den Aes Sedai nicht vertrauen kann�, sagte Aram pl�tzlich. �Ich habe Euch das gesagt, Lord Perrin.� Er schwieg, als Perrin die Hand hob, aber der Wutgestank, der von ihm ausging, war so stark, dass er ausatmen musste, um seine Lungen zu kl�ren. Ein Teil von ihm wollte den Geruch tief inhalieren und sich von ihm �berw�ltigen lassen.</p><p>Perrin musterte Balwer. Wenn die Aes Sedai die Wahrheit so lange verdrehen konnten, bis man oben nicht mehr von unten unterscheiden konnte, und sie konnten und taten es auch, wie weit konnte man ihnen vertrauen? Vertrauen war immer die Frage. Das hatte er in harten Lektionen gelernt. Aber er legte seinem Zorn die Z�gel an. Ein Hammer musste mit Sorgfalt geschwungen werden, und er arbeitete in einer Schmiede, wo ihm ein Fehler das Herz aus dem Leib rei�en w�rde. �W�rden sich die Dinge �ndern, wenn ein paar von Selandes Freunden mehr Zeit mit den Aiel verbringen w�rden? Schlie�lich wollen sie ja Aiel sein. Das sollte ihnen einen ausreichenden Vorwand geben. Und vielleicht kann einer von ihnen mit Berelain und ihrer Beraterin Freundschaft schlie�en.�</p><p>�Das sollte m�glich sein, mein Lord�, sagte Balwer nach kurzem Z�gern. �Der Vater von Lady Medore ist ein Hochlord von Tear, was ihr eine ausreichend hohe Stellung verleiht, um sich der Ersten von Mayene zu n�hern, und auch einen Grund. F�r eine oder zwei der Cairhiener gilt das Gleiche. Aber es wird dennoch einfacher sein, jene zu finden, die unter den Aiel leben wollen.�</p><p>Perrin nickte. Unendliche Sorgfalt mit dem Hammer, auch wenn man alles in Reichweite zerschlagen wollte.</p><p>�Dann k�mmert Euch darum. Aber, Meister Balwer, Ihr habt versucht, mich ... dazu zu verleiten, seit Selande gegangen ist. Wenn Ihr wieder einen Vorschlag zu machen habt, dann tut es. Selbst wenn ich neunmal nein sage, werde ich immer ein zehntes Mal zuh�ren. Ich bin kein kluger Mann, aber ich bin bereit, klugen Leuten zuzuh�ren, und ich glaube, Ihr seid es. Aber versucht nicht, mich in die Richtung zu schubsen, die Ihr f�r richtig haltet. Das mag ich nicht, Meister Balwer.�</p><p>Balwer blinzelte, dann verneigte er sich unvermittelt mit in H�fth�he gefalteten H�nden. Er roch �berrascht. Und erfreut. Erfreut? �Wie Ihr befehlt, mein Lord. Mein voriger Dienstherr mochte es nicht, wenn ich ungefragt Vorschl�ge machte. Ich werde den gleichen Fehler nicht noch einmal machen, das versichere ich Euch.� Er musterte Perrin und schien sich zu einer Entscheidung durchzuringen. �Falls ich das sagen darf�, begann er vorsichtig, �die Arbeit in Euren Diensten hat sich auf eine Weise ... angenehm ... erwiesen, mit der ich nie gerechnet hatte. Ihr seid, was Ihr zu sein scheint, mein Lord, keine verborgenen Giftnadeln, um die Unvorsichtigen zu erwischen. Mein voriger Dienstherr war weithin bekannt f�r seine Gewitztheit, aber ich halte Euch f�r genauso klug, wenn auch auf eine andere Weise. Ich glaube, ich w�rde es bedauern, Eure Dienste zu verlassen. Jeder Mann w�rde das sagen, um seine Stellung zu behalten, aber ich meine es ernst.�</p><p>Giftnadeln? Bevor Balwer in Perrins Dienste getreten war, war er Sekret�r einer murandianischen Adligen gewesen, die verarmt war und sich ihn nicht l�nger leisten konnte. Murandy musste ein schwierigerer Ort sein, als Perrin dachte. �Ich sehe keinen Grund, warum Ihr meine Dienste verlassen solltet. Sagt mir einfach, was Ihr tun wollt, und lasst mich entscheiden, versucht aber nicht, mich zu dr�ngen. Und die Schmeichelei k�nnt Ihr vergessen.�</p><p>�Ich schmeichle nie, mein Lord. Aber ich bin darin ge�bt, mich den Bed�rfnissen meines Herrn anzupassen; das ist in meinem Beruf erforderlich.� Der kleine Mann verbeugte sich erneut. Er war noch nie zuvor so formell gewesen. �Wenn Ihr keine weiteren Fragen habt, mein Lord, darf ich dann zu Lady Medore gehen?�</p><p>Perrin nickte. Der kleine Mann verbeugte sich noch einmal r�ckw�rtsgehend, dann rutschte er dem Lager entgegen, und sein Umhang flatterte hinter ihm her, als er sich wie ein durch den Schnee h�pfender Spatz einen Weg an den Pfl�cken vorbei suchte. Er war ein seltsamer Bursche.</p><p>�Ich vertraue ihm nicht�, murmelte Aram und starrte Balwer hinterher. �Und ich vertraue auch nicht Selande und ihrem Haufen. Sie werden sich mit den Aes Sedai verb�nden, denkt an meine Worte.�</p><p>�Irgendjemandem muss man vertrauen�, sagte Perrin grob. Die Frage war nur: wem? Er schwang sich auf Trabers R�cken und stie� dem Braunen die Stiefel in die Rippen. Ein Hammer war nutzlos, wenn er herumlag.</p></section><section><title><p>6</p><p>Der Geruch eines Traums</p></title><p>Die kalte Luft roch sauber und frisch, als Perrin in den Wald galoppierte; die Brise war erf�llt von der Reinheit des Schnees, der font�nenartig unter Trabers Hufen aufspritzte. Hier drau�en konnte er alte Freunde vergessen, die bereit waren, aufgrund von Ger�chten das Schlimmste zu glauben. Er konnte versuchen, Masema zu vergessen, und die Aes Sedai und die Weisen Frauen. Die Shaido hingegen waren mit dem Inneren seines Sch�dels verschmolzen, ein R�tselspiel, das nicht nachgab, wie sehr er auch daran zerrte. Er wollte es auseinanderrei�en, aber das funktionierte nie bei einem schmiedeeisernen R�tselspiel.</p><p>Nach einem kurzen Sprint z�gelte er den Mausgrauen, bis er Schritt ging, und versp�rte einen Anflug von schlechtem Gewissen. Die Dunkelheit unter dem Bl�tterdach war tief, und zwischen den hohen B�umen hervorragende Felsspitzen warnten vor weiteren, die unter dem Schnee verborgen lagen, hundert Stellen, die einem galoppierenden Pferd das Bein brechen konnten, und da waren Maulwurfsl�cher und Fuchsh�hlen nicht mit eingerechnet. Es war unn�tig, dieses Risiko einzugehen. Ein Galopp w�rde Falle keine Stunde fr�her befreien, davon abgesehen konnte kein Pferd dieses Tempo lange durchhalten. Der Schnee war an verwehten Stellen knietief, und �berall sonst tief genug. Er ritt nach Nordosten. Die Kundschafter w�rden aus Nordosten kommen, mit Neuigkeiten �ber Falle. Oder zumindest Neuigkeiten �ber die Shaido. Er hatte so oft darauf gehofft, daf�r gebetet, aber heute w�rden sie eintreffen, das wu�te er. Aber dieses Wissen verst�rkte seine Anspannung nur. Sie zu finden war blo� der erste Teil dieses R�tselspiels. Der Zorn lie� seine Gedanken von einer Sache zur n�chsten springen, aber was Balwer auch sagen mochte, Perrin wu�te, dass er bestenfalls methodisch war. Er war nicht gut darin, schnell zu denken, und da es ihm an Gewitztheit fehlte, musste das Methodische reichen. Irgendwie.</p><p>Aram schlo� zu ihm auf und trieb seinen Grauen hart an, dann wurde er langsamer und ritt ein St�ck hinter ihm, an der Seite wie ein Hund, der bei Fu� ging. Aram roch niemals entspannt, wenn Perrin ihm befahl, neben ihm zu reiten. Der ehemalige Kesselflicker sagte kein Wort, aber Str�me in der eisigen Luft trieben seinen Geruch heran, eine Mischung aus Wut und Entt�uschung und Ver�rgerung. Er sa� so angespannt wie eine �berdrehte Uhrenfeder im Sattel und beobachtete den Wald grimmig, als w�rde er erwarten, dass hinter dem n�chsten Baum Shaido hervorspringen w�rden.</p><p>In Wahrheit h�tte sich in diesem Wald so gut wie alles vor den meisten M�nnern verbergen k�nnen. Wo durch das Bl�tterdach der Himmel hindurchschimmerte, zeigte er einen dunkelgrauen Ton, aber im Augenblick war der Wald in Schatten getaucht, die verschwommener als die Nacht waren, und die B�ume selbst waren massive S�ulen aus Dunkelheit. Doch Perrins Augen nahmen selbst die Bewegung einer schwarzen Dohle auf einem verschneiten Ast wahr, deren Federn sich wegen der K�lte str�ubten, und eine jagende Kiefernschwalbe, die ein tieferes Schwarz als die Dunkelheit aufwies. Er nahm auch von beiden den Geruch wahr. Von einer massiven Eiche mit �sten, die so dick wie Baumst�mme waren, trieb ein schwacher Hauch von M�nnergeruch heran. Die Ghealdaner und Mayener lie�en ihre berittenen Patrouillen das Lager im Umkreis von ein paar Meilen umrunden, aber Perrin bevorzugte es, in der N�he M�nner von den Zwei Fl�ssen zu haben. Er hatte nicht genug Leute, um das Lager komplett zu umringen, aber sie waren an W�lder gew�hnt und daran, Tiere zu jagen, die im Gegenzug sie jagen w�rden, daran gew�hnt, Bewegungen zu bemerken, die einem Mann entgehen w�rden, der in Begriffen wie Soldat und Krieg dachte. Raubkatzen aus den Bergen, die Jagd auf Schafe machten, konnten sich �berall verbergen, und B�ren und wilde Eber waren daf�r bekannt, dass sie sich ihren Verfolgern stellten und im Hinterhalt lauerten. Von drei�ig oder vierzig Fu� hohen �sten sahen die M�nner alles, was sich bewegte, und zwar rechtzeitig, um das Lager zu warnen, und mit ihren Langb�gen konnten sie von jedem, der sich den Weg an ihnen vorbeik�mpfen wollte, einen blutigen Preis einfordern. Aber er nahm die Anwesenheit des W�chters so fl�chtig wahr wie die Dohle. Seine Konzentration war jenseits der B�ume und Schatten gerichtet, auf das erste Anzeichen der zur�ckkehrenden Kundschafter.</p><p>Pl�tzlich warf Traber den Kopf in die H�he und schnaubte eine Nebelwolke, seine Augen verdrehten sich vor Furcht, er blieb abrupt stehen, und Arams Grauer wieherte und scheute. Perrin beugte sich vor, um den Hals des zitternden Hengstes zu t�tscheln, aber seine Hand erstarrte, als er den Hauch eines Geruchs wahrnahm, den Geruch von brennendem Schwefel, bei dem sich seine Nackenhaare aufrichten wollten. Es roch aber nur beinahe wie verbrannter Schwefel; dies war nur eine schwache Imitation dieses Geruchs. Es hatte den Gestank von ... etwas Unnat�rlichem, etwas, das nicht in diese Welt geh�rte. Der Geruch war nicht neu � man h�tte diesen Gestank niemals frisch nennen k�nnen �, aber auch nicht alt. Eine Stunde, vielleicht weniger. Vielleicht die Zeit, zu der er aufgewacht war. Die Zeit, in der er diesen Geruch getr�umt hatte.</p><p>�Was ist, Lord Perrin?� Aram hatte M�he, seinen Grauen <emphasis>zu</emphasis> bes�nftigen, der sich im Kreis drehte, gegen die Z�gel ank�mpfte und in jede Richtung laufen wollte, solange sie ihn nur hier fort brachte. Aber obwohl er an den Z�geln zerrte, hatte er das Schwert mit dem Wolfkopfknauf gezogen. Er �bte t�glich damit, stundenlang, wenn er konnte, und jene, die sich in solchen Dingen auskannten, waren der Ansicht, dass er gut darin war. �Ihr k�nnt hier vielleicht einen schwarzen Faden von einem wei�en unterscheiden, aber f�r mich ist es noch nicht Tag. Ich kann in der Dunkelheit nichts erkennen.�</p><p>�Steckt das Schwert weg�, sagte Perrin. �Es wird nicht gebraucht. Schwerter w�rden sowieso nichts ausrichten.� Er musste sein zitterndes Pferd dazu verleiten, sich wieder vorw�rts zu bewegen, aber er folgte dem ranzigen Duft und studierte den schneebedeckten Boden. Er kannte diesen Geruch, und nicht nur aus seinem Traum.</p><p>Er brauchte nicht lange, um das zu finden, was er suchte, und Traber wieherte dankbar, als Perrin ihn ein St�ck vor einem abgeflachten grauen Felsen anhielt, der rechts von ihm in die H�he ragte. Der umliegende Schnee war unber�hrt, aber die schr�g stehende Felsplatte war mit Pfotenabdr�cken von Hunden versehen, so als w�re ein Rudel dar�bergelaufen. Ob das Licht nun schlecht war oder nicht, f�r Perrins Augen waren sie deutlich sichtbar. Pfotenabdr�cke, die gr��er als seine Hand waren und sich in den Stein eingegraben hatten, als best�nde er aus Lehm. Er t�tschelte wieder Trabers Hals. Kein Wunder, dass das Tier Angst hatte.</p><p>�Aram, reitet ins Lager zur�ck und sucht Dannil. Sagt ihm, ich h�tte befohlen, alle wissen zu lassen, dass Schattenhunde hier waren, vielleicht vor einer Stunde. Ihr w�rdet nicht versuchen wollen, einen Schattenhund mit dem Schwert zu t�ten, glaubt mir.�</p><p>�Schattenhunde?�, rief Aram aus und schaute in die tr�ben Schatten zwischen den B�umen. Jetzt ging eine nerv�se Furcht von ihm aus. Die meisten M�nner h�tten �ber die Geschichten von Reisenden oder Kinderm�rchen gelacht. Kesselflicker durchstreiften das Land und wu�ten, auf was man in der Wildnis sto�en konnte. Aram schob das Schwert mit offensichtlichem Z�gern wieder in die Scheide auf seinem R�cken, aber seine rechte Hand blieb erhoben, auf halber H�he zum Griff. �Wie t�tet man einen Schattenhund? K�nnen sie �berhaupt get�tet werden?�</p><p>�Seid froh, dass Ihr es nicht versuchen m�sst, Aram. Und jetzt geht und tut, was ich Euch aufgetragen habe. Jeder muss auf der Hut sein f�r den Fall, dass sie zur�ckkommen. Ich w�rde zwar sagen, dass das nicht sehr wahrscheinlich ist, aber es ist besser, vorbereitet zu sein.� Perrin erinnerte sich daran, wie er einem Rudel gegen�bergestanden und einen get�tet hatte. Er hatte gedacht, einen get�tet zu haben, nachdem er ihn mit drei guten Pfeilen getroffen hatte. Schattengez�cht starb nicht so leicht. Moraine hatte das Rudel mit Baalsfeuer ausl�schen m�ssen. �Sorgt daf�r, dass die Aes Sedai und Weisen Frauen davon erfahren, und die Asha'man.� Ziemlich unwahrscheinlich, dass einer von ihnen wusste, wie man Baalsfeuer erschuf � die Frauen w�rden m�glicherweise nicht zugeben wollen, dass sie ein verbotenes Gewebe kannten, wenn sie es denn taten, und f�r die M�nner galt m�glicherweise das Gleiche �, aber vielleicht wu�ten sie etwas anderes, das funktionierte.</p><p>Aram wollte ihn nicht allein lassen, bis Perrin ihn anschnauzte, und dann wandte er sich beleidigt dem Lager zu, als w�ren zwei M�nner auch nur eine Spur sicherer gewesen als einer allein. Sobald er au�er Sicht war, lenkte Perrin Traber nach S�den, die Richtung, die auch die Schattenhunde genommen hatten. Hierf�r wollte er keine Begleitung, nicht einmal Aram. Nur weil Leute manchmal seine scharfen Augen erw�hnten, war das kein Grund, sie unter Beweis zu stellen, genauso wenig wie seinen Geruchssinn. Es gab bereits mehr als genug Gr�nde, ihm aus dem Weg zu gehen, da musste man nicht noch welche hinzuf�gen.</p><p>M�glicherweise war es Zufall gewesen, dass die Kreaturen so nahe an seinem Lager vorbeigelaufen waren, aber die letzten paar Jahre hatten ihn vorsichtig gemacht, was Zuf�lle anging. Allzu oft waren es �berhaupt keine Zuf�lle, nicht in dem Sinn, wie andere M�nner sie auffassten. Falls dies wieder einmal einer der F�lle war, an denen sein <emphasis>ta'veren</emphasis> am Muster zupfte, h�tte er darauf verzichten k�nnen. Diese Veranlagung schien mehr Nachteile als Vorteile zu haben, selbst wenn sie zum Vorteil zu gereichen schien. Die Chance, die einem noch in dem einen Augenblick einen Vorteil brachte, konnte sich im n�chsten gegen einen wenden. Und es gab da auch immer eine andere M�glichkeit. Als <emphasis>Ta'veren</emphasis> stach man immer aus dem Muster heraus, und einige der Verlorenen konnten einen dadurch manchmal aufsp�ren; zumindest hatte man ihm das erz�hlt. Vielleicht verf�gte ein Teil des Schattengez�chts ebenfalls �ber diese F�higkeit.</p><p>Die Spur, der er folgte, war mindestens eine Stunde alt, aber Perrin sp�rte eine Anspannung zwischen den Schulterbl�ttern, ein Prickeln in der Kopfhaut. Der Himmel war da, wo er sich zeigte, noch immer dunkelgrau, sogar f�r seine Augen. Die Morgenr�te hatte den Horizont noch nicht erhellt. Kurz vor Sonnenaufgang war einer der schlechtesten Augenblicke, um der Wilden Jagd zu begegnen, wenn sich die Dunkelheit in Licht verwandelte, das Licht aber noch nicht Fu� gefasst hatte. Wenigstens gab es in der N�he keine Kreuzwege, auch keinen Friedhof, aber die einzigen Herdsteine, die man h�tte ber�hren k�nnen, gab es ein St�ck zur�ck in Brytan, und er war sich nicht sicher, wie viel Schutz diese H�tten boten. In Gedanken markierte er den Verlauf eines naheliegenden Stroms, wo man Wasser f�r das Lager gesch�pft hatte, indem man das Eis aufschlug. Er war kaum breiter als zehn oder zw�lf Schritte und nur knietief, aber flie�endes Wasser zwischen sich und Schattenhunde zu bringen sollte sie angeblich aufhalten. Aber das sollte es auch, wenn man sich ihnen stellte, und er hatte gesehen, wie das Ergebnis war. Seine Nase pr�fte die Brisen und suchte nach jenem alten Geruch. Und nach jedem Hinweis auf einen neuen. Nichtsahnend auf diese Ungeheuer zu sto�en w�rde schlimmer als nur unerfreulich sein.</p><p>Traber witterte fast so m�helos wie Perrin und erkannte die Ger�che manchmal sogar fr�her, aber jedes Mal, wenn das mausgraue Pferd scheute, zwang Perrin es weiter. Der Schnee wies viele Spuren auf, Hufabdr�cke der berittenen Patrouillen, gelegentlich auch F�hrten von Hasen und F�chsen, aber die Spuren der Schattenhunde waren nur dort zu sehen, wo Stein aus dem Schnee ragte. Der Gestank nach verbranntem Schwefel war hier stets am st�rksten, aber er verweilte ausreichend dazwischen, um Perrin zu der n�chsten Stelle zu f�hren, an der ihre Abdr�cke zu sehen waren. Die gewaltigen Pfotenspuren �berlappten einander, und man konnte unm�glich sagen, wie viele Schattenhunde es gewesen waren, aber ob die von ihnen �berquerte felsige Fl�che nun einen Schritt oder sechs breit war, sie war von einer Seite zur anderen mit Abdr�cken �bers�t. Ein gr��eres Rudel als das, das <emphasis>er</emphasis> au�erhalb von Illian gesehen hatte. Viel gr��er. War das der Grund, warum es in der Gegend keine W�lfe gab? Er war davon �berzeugt, dass der sichere Tod, den er im Traum gef�hlt hatte, etwas Reales war, und in diesem Traum <emphasis>war</emphasis> er ein Wolf gewesen.</p><p>Als der Pfad nach Westen abbog, beschlich ihn ein wachsender Verdacht, der zur Gewissheit wurde, als er die Richtung beibehielt. Die Schattenhunde hatten das Lager vollst�ndig umrundet, sie hatten die Stelle n�rdlich des Lagers �berquert, an der mehrere gro�e B�ume zur H�lfte umgest�rzt lagen und von ihren Nachbarn gest�tzt wurden; bei jedem der zersplitterten St�mme war ein gro�es St�ck sauber herausgestanzt. Die Spuren f�hrten �ber eine Felsplatte, die die flache Gl�tte eines Marmorbodens aufwies, wenn man von dem haard�nnen Spalt absah, der sich in einer geraden Linie quer dar�berzog. Nichts konnte der �ffnung eines Asha'man-Wegetors widerstehen, und hier hatten sich zwei aufgetan. Eine st�mmige Kiefer, die ihnen im Weg gestanden hatte und umgest�rzt war, wies eine vier Schritte breite L�cke auf, die aus ihr herausgebrannt war, doch die verkohlten Enden schl�ssen so sauber ab, als w�ren sie in einer S�gem�hle entstanden. Aber anscheinend hatten sich die Schattenhunde nicht f�r die Eine Macht interessiert. Das Rudel hatte hier genauso wenig wie an anderen Stellen verweilt und war, soweit Perrin sehen konnte, auch nicht langsamer geworden. Schattenhunde konnten schneller als Pferde laufen und auch l�nger, und ihr Gestank schien sich an keinem Ort mehr aufgel�st zu haben als an anderen. An zwei Stellen des Kreises hatte er eine Abzweigung vom Weg gesp�rt, aber hier war das Rudel nur aus dem Norden gekommen und sp�ter nach S�den weitergeeilt. Einmal um das Lager herum und dann weiter ihrem Wild nach, wer oder was das auch immer war.</p><p>Offensichtlich war er es nicht. Vielleicht hatte das Rudel die Runde eingelegt, weil sie ihn gesp�rt hatten, jemanden, der <emphasis>ta'veren</emphasis> war, aber er bezweifelte, dass die Schattenhunde auch nur einen Augenblick lang gez�gert h�tten, in das Lager einzufallen, wenn sie hinter ihm hergewesen w�ren. Das Rudel, dem er seinerzeit entgegengetreten war, war in die Mauern Illians eingedrungen, obwohl es ihn erst sp�ter hatte umbringen wollen. Aber erstatteten Schattenhunde Bericht �ber das, was sie sahen, so wie Ratten und Raben? Der Gedanke lie� ihn die Z�hne zusammenbei�en. Jeder geistig gesunde Mann f�rchtete die Aufmerksamkeit der Schatten, und sie k�nnte die Befreiung Failes beeintr�chtigen. Das sorgte ihn mehr als alles andere. Aber sollte es dazu kommen, es gab Methoden, Schattengez�cht zu bek�mpfen, Methoden, die Verlorenen zu bek�mpfen. Was auch immer sich zwischen ihn und Falle stellte, Schattenhunde oder die Verlorenen oder etwas anderes, er w�rde einen Weg finden, es zu umgehen oder mitten hindurchzumarschieren, was auch immer n�tig war. Ein Mann konnte in einer Situation nur bis zu einem gewissen Grad Angst haben, und seine s�mtlichen �ngste drehten sich um Faile. Da war einfach kein Platz mehr f�r andere.</p><p>Bevor er seinen Ausgangspunkt erreichte, trug der Wind die Ger�che von Menschen und Pferden heran, die in der eiskalten Luft scharf hervortraten, und er z�gelte Traber zum langsamen Schritt und schlie�lich zum Halt. Etwa hundert Schritte voraus hatte er f�nfzig oder sechzig Pferde gesehen. Die Sonne blinzelte endlich �ber den Horizont und schickte schr�ge Lichtstrahlen durch das Bl�tterdach, die vom Schnee widergespiegelt wurden und das D�mmerlicht etwas aufhellten; allerdings blieben zwischen den schlanken Fingern der Sonne tiefe Schattent�mpel bestehen. Einige dieser Schatten h�llten ihn ein. Die berittene Gruppe war nicht weit von der Stelle entfernt, an der er die F�hrte der Schattenhunde entdeckt hatte, und er konnte Arams giftgr�nen Umhang und rotgestreiften Mantel ausmachen. Die Kesselflickertracht passte �berhaupt nicht zu dem Schwert auf seinem R�cken. Die meisten Reiter trugen wie T�pfe geformte, rote Helme und dunkle Umh�nge �ber roten Brustpanzern, und die langen roten Wimpel an ihren Lanzen flatterten im leichten Windzug, als die Soldaten versuchten, in alle Richtungen Ausschau zu halten. Die Erste von Mayene ritt oft morgens aus, begleitet von einer Leibwache aus Gefl�gelten Wachen.</p><p>Perrin fing an, sich davonzustehlen, um Berelain nicht begegnen zu m�ssen, aber dann entdeckte er drei hochgewachsene Frauen, die barfu� zwischen den Pferden gingen, lange dunkle Schultert�cher um die K�pfe und die Oberk�rper geschlungen, und er z�gerte. Weise Frauen ritten, wenn sie es mussten, wenn auch unwillig, aber eine Meile oder mehr mit schweren R�cken durch den Schnee zu stapfen war kein ausreichender Grund, um sie auf einen Pferder�cken zu zwingen. Mit ziemlicher Sicherheit befanden sich auch Seonid oder Masuri bei der Gruppe; die Aielfrauen schienen Berelain aus irgendeinem unerfindlichen Grund zu m�gen.</p><p>Er hatte nicht daran gedacht, sich den Reitern anzuschlie�en, wer auch immer bei ihnen war, aber sein Z�gern beraubte ihn der Chance, ihnen ungesehen aus dem Weg zu gehen. Eine der Weisen Frauen � er glaubte Carelle zu erkennen, eine Frau mit feuerrotem Haar, deren scharfe blauen Augen stets eine Herausforderung zu verk�nden schien � hob eine Hand, um in seine Richtung zu zeigen, und die ganze Gruppe drehte sich, die Soldaten rissen die Pferde herum, schauten zwischen den B�umen zu ihm her�ber und senkten die mit einem Fu� Stahl versehenen Lanzen. Es war unwahrscheinlich, dass sie ihn in den tiefen Schattenflecken und den hellen Sonnenlichtstrahlen deutlich erkennen konnten. Es �berraschte ihn, dass es der Weisen Frau gelungen war, aber f�r gew�hnlich hatten Aiel scharfe Augen.</p><p>Masuri war da, eine schlanke Frau mit einem bronzefarbenen Umhang, die eine gescheckte Stute ritt, und Annoura, die ihre braune Stute ein ganzes St�ck abseits hielt, doch an den Dutzenden d�nnen schwarzen Z�pfen zu erkennen war, die aus ihrer Kapuzen�ffnung hingen. Berelain sa� an der Spitze auf einem schlanken kastanienbraunen Wallach, eine gro�e wundersch�ne junge Frau mit langem schwarzem Haar, die einen roten, mit schwarzem Pelz gef�tterten Umhang trug. Aber ihre Sch�nheit wurde von einem einfachen Makel geschm�lert: sie war nicht Faile. Und so weit es ihn betraf, wurde sie noch von einem viel schlimmeren Makel entstellt. Sie hatte ihm die Nachricht von Failes Entf�hrung �berbracht und von Masemas Kontakt mit den Seanchanern, aber beinahe jeder im Lager glaubte, er h�tte mit ihr in der Nacht des Tages geschlafen, an dem Faile entf�hrt worden war, und sie hatte nichts getan, um diese Verleumdung zu entkr�ften. Bei einer solchen Geschichte konnte er sie wohl kaum bitten, die Verleumdung �ffentlich zu widerlegen, aber sie h�tte etwas tun k�nnen, h�tte ihren Dienerinnen befehlen k�nnen, es abzustreiten, irgendetwas. Stattdessen schwieg Berelain, und ihre Dienerinnen, die wie die Elstern klatschten, n�hrten die Geschichte auch noch.</p><p>So etwas blieb an einem Mann h�ngen, jedenfalls in den Zwei Fl�ssen.</p><p>Seit jener Nacht war er Berelain aus dem Weg gegangen, und er w�re jetzt weggeritten, obwohl sie ihn gesehen hatte, aber sie nahm von der Dienerin in ihrer Begleitung, einer molligen Frau in einem blauen und goldenen Umhang, einen Korb entgegen, sagte etwas zu den anderen und lenkte ihren Wallach in seine Richtung. Allein. Annoura hob eine Hand und rief ihr etwas hinterher, aber Berelain sah sich nicht einmal um. Perrin hatte nicht den geringsten Zweifel, dass sie ihm folgen w�rde, wo auch immer er sich hinwandte, und wenn er jetzt ging, w�rden die Leute beim derzeitigen Stand der Dinge nur glauben, dass er mit ihr allein sein wollte. Er stie� seine Hacken in Trabers Flanken, um sich zu den anderen zu gesellen, so wenig Lust er dazu auch hatte � sollte sie ihm doch zur�ck zu ihnen folgen, wenn sie wollte �, aber sie trieb ihr Pferd trotz des schwierigen Gel�ndes und des Schnees zum leichten Galopp an, setzte sogar mit wehendem rotem Umhang �ber einen hervorragenden Felsen hinweg und traf ihn auf halbem Weg. Sie war eine gute Reiterin, wie er widerstrebend zugeben musste. Nicht so gut wie Faile, aber besser als die meisten.</p><p>�Eure finstere Miene ist ziemlich wild�, sagte sie und lachte leise, als sie vor Traber anhielt. Nach der Art zu urteilen, wie sie die Z�gel hielt, war sie bereit, ihm den Weg zu verstellen, sollte er versuchen, um sie herumzureiten. Die Frau hatte nicht das geringste Schamgef�hl! �L�chelt, damit die Leute denken, wir w�rden flirten.� Sie hielt ihm den Korb entgegen. �Zumindest das sollte Euch aufmuntern. Wie ich geh�rt habe, habt Ihr vergessen zu fr�hst�cken.� Sie r�mpfte die Nase. �Und Euch zu waschen. Euer Bart musste ebenfalls gestutzt werden. Ein gramgebeugter, etwas ungepflegter Ehemann, der seine Frau rettet, ist eine romantische Figur, aber sie d�rfte nicht sehr von einem schmutzigen zerlumpten Kerl angetan sein. Keine Frau wird jemals verzeihen, wenn Ihr ihr Bild von Euch zer � st�rt.�</p><p>Verwirrt nahm Perrin den Korb entgegen, stellte ihn vor sich auf dem hohen Knauf seines Sattels ab und rieb sich unbewusst die Nase. An gewisse D�fte von Berelain war er gew�hnt, f�r gew�hnlich die einer jagenden W�lfin und er war das Wild, aber heute verstr�mte sie keinen Jagdgeruch. Nicht einmal einen Hauch davon. Sie roch so geduldig wie ein Stein, und am�siert mit einem Unterton von Furcht. Soweit er sich erinnern konnte, hatte sich diese Frau noch nie vor ihm gef�rchtet. Und weswegen musste sie geduldig sein? Und wenn er schon dabei war, wor�ber konnte sie sich am�sieren? Ein Bergl�we, der wie ein Lamm roch, h�tte ihn nicht mehr verwirren k�nnen.</p><p>Verwirrt oder nicht, der aus dem zugeklappten Korb aufsteigende Duft lie� seinen Magen knurren. Gebratenes Rebhuhn, wenn er sich nicht irrte, und Brot, das noch warm war. Mehl war knapp geworden, und Brot war fast so selten wie Fleisch. Es stimmte, dass er an manchen Tagen das Essen vers�umte. Er verga� es einfach manchmal, und wenn er sich daran erinnerte, war es eine Last, denn um eine Mahlzeit zu bekommen, musste er entweder Linis und Breanes Spie�rutenlauf erdulden oder sich von Leuten, mit denen er aufgewachsen war, die kalte Schulter zeigen lassen. Essen direkt unter seine Nase lie� ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. W�re es verwerflich, von Berelain gebrachtes Essen zu verspeisen?</p><p>�Danke f�r das Brot und das Huhn�, sagte er grob, �aber das letzte, was ich auf dieser Welt will, ist, dass jemand auf die Idee kommt, wir w�rden flirten. Und ich wasche mich, wenn ich kann, auch wenn Euch das nichts angeht. Bei diesem Wetter ist das nicht einfach.</p><p>Davon abgesehen riecht keiner besser als ich.� Und pl�tzlich wurde ihm klar, dass sie es tat. Unter ihrem leichten Parf�m war nicht das geringste Anzeichen von Schwei� oder Schmutz. Es �rgerte ihn, dass ihm ihr Parf�m �berhaupt aufgefallen war, oder dass sie sauber roch. Es kam ihm wie ein Verrat vor.</p><p>Berelains Augen weiteten sich einen Augenblick lang �berrascht � warum? �, dann seufzte sie mit einem L�cheln, das langsam aufgesetzt aussah, und eine Spur von Gereiztheit schlich sich in ihren Duft. �Lasst Euer Zelt aufbauen. Ich wei�, dass auf einem Eurer Wagen eine gute Kupferbadewanne ist. Die werdet Ihr nicht zur�ckgelassen haben. Die Leute erwarten, dass ein Adliger auch wie einer aussieht, Perrin, und das schlie�t mit ein, dass man pr�sentabel ist, selbst wenn das zus�tzliche M�he kostet. Das ist ein Handel zwischen ihnen und Euch. Ihr m�sst ihnen nicht nur das geben, was sie brauchen, sondern auch das, was sie erwarten, oder sie verlieren den Respekt und fangen an, einen zu verachten. Offen gesagt kann sich keiner von uns leisten, dass Ihr es soweit kommen lasst. Wir sind alle weit von zu Hause weg, umgeben von Feinden, und ich bin der festen �berzeugung, dass Ihr, Lord Perrin Goldauge, vermutlich unsere einzige Chance seid, wieder lebend nach Hause zu kommen. Ohne Euch wird alles auseinanderfallen. Und jetzt l�chelt, denn wenn wir flirten, dann sprechen wir �ber nichts anderes.�</p><p>Perrin bleckte die Z�hne. Die Mayener und die Weisen Frauen sahen zu, aber auf f�nfzig Schritte w�rde man es in diesem D�mmerlicht f�r ein L�cheln halten.</p><p>Den Respekt verlieren? Berelain hatte dabei geholfen, ihm jeden Respekt zu nehmen, den er jemals bei den Leuten von den Zwei Fl�ssen gehabt hatte, ganz zu schweigen bei Failes Dienern. Aber was noch schlimmer war, Falle hatte ihm ihren Vortrag �ber die Pflicht eines Adligen, den Leuten das zu geben, was sie erwarteten, mehr als einmal gehalten. Es machte ihn w�tend, von allen Leuten ausgerechnet dieser Frau zuh�ren zu m�ssen, wie sie das Gleiche wie seine Gemahlin von sich gab. �Und wor�ber wollt Ihr mit mir sprechen, was Eure eigenen Leute nicht mitkriegen sollen?�</p><p>Ihr Gesicht blieb unbewegt und freundlich, aber der Unterton von Furcht, der von ihr ausging, wurde st�rker. Es handelte sich keinesfalls um Panik, aber sie glaubte sich in Gefahr. Ihre behandschuhten H�nde verkrampften sich um die Z�gel. �Ich habe meine Diebef�nger in Masemas Lager herumschn�ffeln und Freundschaften schlie�en lassen. Nicht so gut, als h�tte man dort Augen-und-Ohren, aber sie haben Wein mitgebracht, den sie mir angeblich gestohlen haben, und sie haben ein paar Dinge erfahren.� Einen Augenblick lang betrachtete sie ihn fragend mit schr�g gelegtem Kopf. Beim Licht! Sie wusste, dass Falle Selande und die anderen Narren als Spione eingesetzt hatte! Schlie�lich war Berelain diejenige gewesen, die ihn �berhaupt dar�ber in Kenntnis gesetzt hatte. Vermutlich hatten Gendar und Santes, ihre Diebef�nger, Haviar und Nerion in Masemas Lager gesehen. Man w�rde Balwer warnen m�ssen, bevor er versuchte, Medore auf Berelain und Annoura anzusetzen. Das w�rde ein sch�nes Durcheinander geben.</p><p>Als er nichts sagte, fuhr sie fort. �Ich habe neben dem Brot und dem Huhn noch etwas anderes in den Korb gelegt. Ein ... Dokument, das Santes gestern Fr�h entdeckt hat, es war in Masemas Lagertisch eingeschlossen. Der Narr konnte noch nie an einem Schloss vorbeigehen, ohne sich zu fragen, was dahinter wohl verborgen ist. Wenn er schon seine Nase in das stecken musste, was Masema unter Verschluss hielt, h�tte er es seinem Ged�chtnis anvertrauen sollen, statt es mitzunehmen, aber was geschehen ist, ist geschehen. Nach der ganzen M�he, die ich mir gemacht habe, um es zu verstecken, lasst bitte keinen sehen, wie Ihr es lest!�, f�gte sie scharf hinzu, als er den Korbdeckel hob und ein in ein Tuch eingewickeltes B�ndel enth�llte, von dem ein noch st�rkerer Duft von warmem Brot und gebratenem Gefl�gel ausging.</p><p>�Mir ist schon einmal aufgefallen, dass Masemas M�nner Euch folgen. Sie k�nnten Euch in diesem Augenblick beobachten!�</p><p>�Ich bin kein Narr!�, knurrte er. Es war ihm nicht neu, dass Masema ihn beobachten lie�. Die meisten seiner Anh�nger waren Stadtleute, und der gr��te Teil von ihnen verhielt sich im Wald so unbeholfen, dass es jedem Zehnj�hrigen in der Heimat peinlich gewesen w�re. Aber das bedeutete nicht, dass sich keiner von ihnen irgendwo zwischen den B�umen verbarg und aus den Schatten heraus spionierte. Sie blieben immer auf Distanz, da sie ihn wegen seiner Augen f�r eine halb gez�hmte Schattenbrut hielten, und so stie� er nur selten auf ihren Geruch, und an diesem Morgen hatte er andere Dinge im Kopf.</p><p>Er schob das Tuch ein St�ck zur Seite, um das Rebhuhn auszupacken, das fast so gro� wie ein normales Huhn und dessen Haut knusprig braun gebraten war, und riss eine Keule ab, w�hrend er unter dem B�ndel herumtastete und ein schweres, elfenbeinfarbenes, viermal gefaltetes St�ck Papier nach vorn schob. Ohne auf Fettflecken zu achten, entfaltete er das Papier auf dem Huhn, was mit seinen Panzerhandschuhen nicht ganz leicht war, und las, w�hrend er an der Keule nagte. F�r jeden Zuschauer w�rde es so aussehen, als �berlegte er, welches St�ck Huhn als n�chstes dran war. Ein dickes gr�nes Wachssiegel war auf der einen Seite gebrochen; soweit er erkennen konnte, zeigte es drei H�nde, deren Zeigefinger und kleiner Finger ausgestreckt und die anderen gefaltet waren. Die Buchstaben der geschwungenen Schrift waren seltsam geformt, teilweise nicht zu erkennen, aber mit etwas M�he konnte es lesen.</p><cite><p>Der Besitzer dieses Schreibens steht unter meinem pers�nlichen Schutz. Gebt ihm im Namen der Kaiserin � m�ge sie ewig leben � alles was er braucht, um dem Reich zu dienen, und sprecht zu niemandem au�er mir dar�ber.</p><text-author><emphasis>Bei Ihrem Siegel</emphasis> SUROTH SABELLE MELDARATH VON ASINBAYAR UND BARSABBA <emphasis>Hochlady</emphasis></text-author></cite><p>�Die Kaiserin�, hauchte er so sanft wie �ber Seide gleitender Stahl. Eine Best�tigung f�r Masemas Verbindungen zu den Seanchanern, auch wenn er pers�nlich keine gebraucht h�tte. Bei einer solchen Angelegenheit h�tte Berelain gewiss nicht gelogen. Suroth Sabelle Meldarath musste eine wichtige Person sein, um so ein Dokument ausstellen zu k�nnen. �Das wird ihn erledigen, sobald Santes bezeugt, wo er es gefunden hat.� Ein Dienst am Reich? Masema wusste, dass Rand gegen die Seanchaner gek�mpft hatte! In seinem Kopf flammte der Regenbogen auf und wurde fortgerissen. Der Mann war ein Verr�ter!</p><p>Berelain lachte, als h�tte er etwas Geistreiches gesagt, aber ihr L�cheln sah jetzt eindeutig gezwungen aus. �Santes hat mir versichert, dass ihn im Chaos des Lagerbaus keiner gesehen hat. Also habe ich ihm und Gendar erlaubt, mit meinem letzten Fass guten Tunaighan zur�ckzugehen. Sie sollten eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit zur�ck sein, aber das ist nicht geschehen. Vielleicht schlafen sie ja ihren Rausch aus, aber sie sind noch nie ...�</p><p>Sie verstummte mit einem �berraschten Laut und starrte ihn an, und er wurde sich bewusst, dass er gerade den Knochen der H�hnerkeule durchgebissen hatte. Beim Licht, er hatte das Bein von der letzten Faser Fleisch befreit, ohne es zu bemerken. �Ich bin hungriger, als ich gedacht habe�, murmelte er. Er spuckte ein St�ck Knochen in seinen Panzerhandschuh und warf es zu Boden. �Masema wei�, dass Ihr dieses Dokument habt, davon kann man mit Sicherheit ausgehen. Ich hoffe, Ihr umgebt Euch nicht nur beim Ausritt mit einer starken Wache.�</p><p>�Gallenne l�sst seit gestern Abend f�nfzig Mann um mein Zelt herum schlafen�, sagte sie. Dabei starrte sie ihn noch immer an, und er seufzte. Man h�tte denken k�nnen, sie h�tte noch nie zuvor gesehen, wie jemand einen Knochen entzweibiss.</p><p>�Was hat Euch Annoura geraten?�</p><p>�Sie wollte, dass ich es ihr gebe, damit sie es vernichten kann; dann h�tte ich im Zweifelsfall behaupten k�nnen, dass ich nichts davon wei�, und sie k�nnte meine Worte best�tigen. Aber ich habe meine Zweifel, ob sich Masema damit zufrieden geben w�rde.�</p><p>�Ja, das bezweifle ich auch.� Annoura h�tte das ebenfalls wissen m�ssen. Aes Sedai konnten miteinander starrk�pfig und sogar uneinsichtig sein, aber sie waren niemals dumm. �Hat sie gesagt, sie w�rde das Dokument vernichten, oder dass sie es vernichten k�nnte, wenn Ihr es ihr �berlasst?�</p><p>Berelains Stirn runzelte sich nachdenklich, und es dauerte ein paar Augenblicke, bis sie sagte: �Dass sie es tun w�rde.� Das Pferd t�nzelte ein paar Schritte, aber sie brachte es m�helos unter Kontrolle, ohne sich darauf konzentrieren zu m�ssen. �Ich kann mir nicht vorstellen, wof�r sie es sonst haben wollte�, sagte sie nach einer weiteren Pause. �Masema ist wohl kaum zug�nglich f�r ... Druck.� Sie meinte Erpressung. Perrin konnte sich nicht vorstellen, dass Masema sich so etwas gefallen lie�. Vor allem nicht Erpressung durch eine Aes Sedai.</p><p>Er gab vor, eine weitere Keule abzurei�en, und schaffte es, das Papier zusammenzufalten und sich in den �rmel zu stecken. Es war trotz allem ein Beweis. Aber wovon? Wie konnte ein Mann gleichzeitig den Wiedergeborenen Drachen fanatisch verehren und ein Verr�ter sein? Konnte er das Dokument jemandem abgenommen haben? Aber wem? Einem gefangenen Kollaborateur? Aber warum sollte Masema es unter Verschluss halten, es sei denn, es war f�r ihn bestimmt? Er <emphasis>hatte</emphasis> sich mit den Seanchanern getroffen. Und wof�r hatte er es benutzen wollen? Wer vermochte schon zu sagen, was man mit so einem Dokument alles tun konnte? Perrin seufzte schwer. Er hatte so viele Fragen und keine Antworten. Vielleicht w�rde Balwer eine Idee haben.</p><p>Auf den Geschmack gekommen wollte sein Magen, dass er die Keule in seiner Hand und den Rest des Rebhuhns verschlang, aber er verschloss den Korbdeckel fest und versuchte, kleine Bissen zu nehmen. Eines konnte er selbst herausfinden. �Was hat Annoura sonst noch gesagt? �ber Masema?�</p><p>�Nichts, au�er dass er gef�hrlich ist und ich ihm aus dem Weg gehen soll, als h�tte ich das nicht schon bereits gewusst. Sie verabscheut ihn und spricht auch nicht gern �ber ihn.� Wieder ein kurzes Z�gern, dann f�gte Berelain hinzu: �Warum?� Die Erste von Mayene war an Intrigen gew�hnt, und sie achtete auf das, was nicht gesagt wurde.</p><p>Perrin nahm noch einen Bissen, um sich einen Augenblick Zeit zu verschaffen, w�hrend er kaute und schluckte. Er war nicht an Intrigen gew�hnt, aber er war gen�gend Intrigen ausgesetzt gewesen, um zu wissen, dass es gef�hrlich sein konnte, wenn man zuviel sagte. Oder zu wenig, selbst wenn Balwer anders dar�ber dachte. �Annoura hatte ein Geheimtreffen mit Masema. Masuri auch.�</p><p>Berelains aufgesetztes L�cheln blieb an Ort und Stelle, aber jetzt ging auch noch Sorge von ihr aus. Sie wollte sich im Sattel umdrehen, um zu den beiden Aes Sedai hin�berzublicken, beherrschte sich aber und fuhr sich mit der Zungenspitze �ber die Lippen. �Aes Sedai haben immer ihre Gr�nde�, war alles, was sie dazu zu sagen hatte. Nun ja, war sie besorgt, weil sich ihre Beraterin mit Masema traf oder dass Perrin davon wusste oder...? Er hasste diese ganzen Verwicklungen. Sie behinderten nur die wichtigen Dinge. Beim Licht, er hatte die zweite Keule auch schon abgenagt! In der Hoffnung, dass Berelain es nicht bemerkt hatte, warf er den Knochen hastig zur Seite. Sein Magen verlangte knurrend nach mehr.</p><p>Ihre Leute waren auf Distanz geblieben, aber Aram war ein kurzes St�ck auf Perrin und Berelain zugeritten und beugte sich vor, um sie zwischen den schattenverh�llten B�umen zu betrachten. Die Weisen Frauen standen etwas abseits und unterhielten sich, ohne anscheinend zu bemerken, dass sie bis zu den Kn�cheln im Schnee standen oder dass die kalte Brise heftig genug geworden war, um die Enden ihrer Schultert�cher zu bewegen. Trotzdem schaute gelegentlich auch eine von ihnen in Perrins und Berelains Richtung.</p><p>Perrins Privatsph�re hielt keine Weise Frau davon ab, ihre Nase dort hineinzustecken, wo auch immer sie wollte. In dieser Beziehung waren sie wie die Aes Sedai. Auch Masuri und Annoura schauten zu, obwohl sie sich von den anderen fern zu halten schienen. Perrin w�re jede Wette eingegangen, dass beide Schwestern ohne die Anwesenheit der Weisen Frauen mit der Einen Macht gelauscht h�tten. Nat�rlich wu�ten auch die Weisen Frauen, wie man das anstellte, und sie hatten Masuris Besuch bei Masema erlaubt. W�rden die Aes Sedai die Z�hne zusammenbei�en, wenn sie bemerkten, dass die Weisen Frauen mit der Macht lauschten? Annoura schien die Weisen Frauen beinahe mit der gleichen Vorsicht zu behandeln wie Masuri.</p><p>Beim Licht, er hatte keine Zeit f�r dieses Dornengestr�pp! Aber er musste darin leben.</p><p>�Wir haben ihnen genug gegeben, wor�ber sie sich das Maul zerrei�en k�nnen�, sagte er. Nicht, dass sie mehr brauchten, als sie ohnehin schon hatten. Er schob den Tragegriff des Korbs �ber den Sattelknauf und stie� Traber in die Flanken. Es konnte wohl kaum als treulos gelten, ein gebratenes Huhn zu essen.</p><p>Berelain schloss sich ihm nicht sofort an, holte ihn aber ein, bevor er Aram erreichte, und z�gelte ihr Pferd neben ihm. �Ich werde herausfinden, was Annoura vorhat�, sagte sie entschlossen und schaute starr geradeaus. Ihr Blick war hart. Perrin h�tte Annoura bedauert, h�tte er nicht schon selbst versucht, Antworten aus ihr herauszusch�tteln. Aber Aes Sedai brauchten selten Mitleid, und sie gaben selten Antworten, die sie nicht geben wollten. Im n�chsten Augenblick war Berelain wieder die personifizierte Lebenslust und l�chelte strahlend, auch wenn der Geruch der Entschlossenheit sie noch immer umgab und die Furcht beinahe ausl�schte. �Der junge Aram hat uns erz�hlt, dass Herzverderber mit der Wilden Jagd durch diese W�lder reitet, Lord Perrin. Haltet Ihr das f�r m�glich? Ich erinnere mich, diese Geschichten in meiner Kinderstube erz�hlt bekommen zu haben.� Ihre Stimme war hell und am�siert. Arams Wangen f�rbten sich rot, und ein paar der M�nner hinter ihm lachten.</p><p>Dann h�rten sie auf zu lachen, als Perrin ihnen die Spuren auf der Felsplatte zeigte.</p></section><section><title><p>7</p><p>Scharfkantige R�tselspiele</p></title><p>Als das Gel�chter abrupt verstummte, setzte Aram ein selbstzufriedenes Grinsen auf, und der Furchtgeruch, der zuvor von ihm ausgegangen war, war verschwunden. Jeder h�tte geglaubt, dass er die Spuren bereits selbst gesehen hatte und alles wusste, was es dar�ber zu wissen gab. Aber alle hatten nur Augen f�r die riesigen Pfotenabdr�cke auf dem Stein, und keiner beachtete das Grinsen oder sonst etwas, nicht einmal Perrins Erkl�rung, dass die Schattenhunde schon lange fort waren. Nat�rlich konnte er ihnen nicht verraten, woher er das wusste, aber diesen Mangel schien keiner zu bemerken. Ein schr�ger Sonnenstrahl fiel direkt auf die graue Platte und erhellte sie deutlich. Traber hatte sich an den vergehenden Geruch nach verbranntem Schwefel gew�hnt � zumindest schnaubte er nur und legte die Ohren an �, aber die anderen Pferde scheuten vor dem schr�gen Stein. Abgesehen von Perrin konnte keiner der Menschen den Geruch wahrnehmen, und die meisten fluchten �ber das Verhalten ihrer Reittiere und betrachteten den seltsam gezeichneten Felsen, als w�re er eine von einem Wanderzirkus zur Schau gestellte Kuriosit�t.</p><p>Berelains mollige Dienerin schrie auf, als sie die Spuren sah, und schwankte so auf ihrer dickb�uchigen, nerv�s t�nzelnden Stute herum, dass sie hinunterzufallen drohte, aber Berelain bat Annoura lediglich gedankenverloren, auf sie aufzupassen, und starrte die Pfotenabdr�cke so regungslos an, als w�re sie selbst eine Aes Sedai. Aber ihre H�nde verkrampften sich um die Z�gel, bis sich das d�nne rote Leder um ihre Kn�chel spannte. Bertain Gallenne, der Lordhauptmann der Gefl�gelten Wachen, dessen roter Helm mit den herausgeh�mmerten Fl�geln von drei d�nnen roten Federn gekr�nt wurde, hatte an diesem Morgen pers�nlich das Kommando �ber Berelains Leibwache, und er trieb seinen gro�en schwarzen Wallach an den Felsen heran, schwang sich aus dem Sattel in den knietiefen Schnee und nahm seinen Helm ab, um die Platte mit seinem einen Auge zu betrachten. Die leere Augenh�hle wurde von einer scharlachroten Klappe bedeckt, deren Riemen durch sein schulterlanges graues Haar f�hrte. Seine Grimasse verk�ndete, dass er �rger sah, aber er sah immer zuerst die Probleme. Perrin vermutete, dass das bei einem Soldaten besser war, als immer nur das Gute zu sehen.</p><p>Auch Masuri stieg ab, aber sobald sie auf dem Boden stand, blieb sie mit den Z�geln in der einen behandschuhten Hand stehen und sah unsicher zu den drei sonnenverbrannten Aielfrauen hin�ber. Ein paar mayenische Soldaten murmelten unbehaglich, aber mittlerweile h�tten sie sich daran gew�hnen m�ssen. Annoura verbarg ihr Gesicht tiefer in der grauen Kapuze, als wollte sie den Felsen nicht sehen, und sch�ttelte Berelains Dienerin energisch; die Frau starrte sie erstaunt an. Masuri andererseits wartete scheinbar geduldig neben ihrem Pferd, aber ihr unabl�ssiges, unbewusstes Gl�tten des rotbraunen Seidenreitrocks verriet ihre Nervosit�t. Die Weisen Frauen wechselten so ausdruckslos wie die Schwestern stumme Blicke. Carelle stand zwischen Nevarin, einer d�rren Frau mit gr�nen Augen, und Marline, deren Augen das Blau des Zwielichts aufwiesen und deren schwarzes Haar � eine Seltenheit unter den Aiel � unter dem Tuch hervor schaute. Alle drei waren hochgewachsene Frauen, so gro� wie M�nner, und keine von ihnen schien mehr als ein paar Jahre �lter als Perrin zu sein, aber ihre ruhige Gelassenheit w�re nicht m�glich gewesen, ohne mehr Jahre gelebt zu haben, als ihre Gesichter verk�ndeten. Abgesehen von den langen Ketten und schweren Armreifen aus Gold und Elfenbein h�tten ihre schweren dunklen R�cke und die dunklen Schultert�cher auch zu B�uerinnen gepasst, aber es bestand nicht der geringste Zweifel, wer hier das Kommando hatte, die Aes Sedai oder sie. Wenn man ehrlich war, schienen manchmal sogar Zweifel zu bestehen, wer den Oberbefehl hatte, Perrin oder sie.</p><p>Schlie�lich ruckte Nevarin und zeigte ein warmes und zustimmendes L�cheln. Perrin hatte sie noch nie l�cheln gesehen. Nevarin ging nie mit finsterer Miene umher, aber f�r gew�hnlich schien sie nach jema ndem Ausschau zu halten, den sie ausschimpfen konnte.</p><p>Masuri hatte auf das Nicken gewartet, bevor sie ihre Z�gel einem Soldaten gab. Ihr Beh�ter war nirgendwo in Sicht, und das musste das Werk der Weisen Frauen sein. F�r gew�hnlich klebte Rovair an ihr wie Pech. Sie hob ihren Reitrock und stapfte durch den Schnee, der in der N�he des Steins immer tiefer wurde, dann strich sie mit den H�nden �ber die Pfotenabdr�cke und lenkte offensichtlich die Macht, obwohl nichts passierte, das Perrin sehen konnte. Die Weisen Frauen beobachteten sie genau, aber sie konnten Masuris Gewebe sehen. Annoura zeigte kein Interesse. Die Enden ihrer schmalen Z�pfe zuckten, als w�rde sie in der Kapuze den Kopf sch�tteln, und die Graue Schwester lenkte ihr Pferd von der Dienerin fort und aus der Sichtweite der Weisen Frauen, obwohl sie das auch weiter von Berelain fortbrachte, die vielleicht gerade jetzt ihren Rat gebraucht h�tte. Annoura ging den Weisen Frauen so gut aus dem Weg, wie sie nur konnte.</p><p>�Wandelnde Lagerfeuergeschichten�, murmelte Gallenne und zog mit einem Seitenblick auf Masuri seinen Wallach von dem Felsen fort. Er verehrte Aes Sedai, aber nur wenige M�nner wollten in der N�he einer Aes Sedai sein, wenn sie die Macht lenkte. �Obwohl ich eigentlich gar nicht wei�, warum ich noch �berrascht bin nach all dem, was ich gesehen habe, seit wir Mayene verlassen haben.� Masuri schien ihn nicht zu bemerken, sie konzentrierte sich auf die Spuren.</p><p>Eine Unruhe ging durch die Lanzenreiter, so als h�tten sie ihren eigenen Augen nicht getraut, bis ihr Befehlshaber ihnen eine Best�tigung gab, und ein paar von ihnen fingen an, nach unbehaglicher Furcht zu riechen, als rechneten sie jeden Augenblick mit dem Angriff von Schattenhunden.</p><p>Gallenne schien zu sp�ren, was Perrin roch; er hatte seine Fehler, aber er f�hrte schon lange Zeit Soldaten. Er h�ngte seinen Helm auf den langen Schwertknauf und grinste. Die Augenklappe verlieh dem Grinsen eine grimmige Note, da war ein Mann, der im Angesicht des Todes etwas witzig finden konnte und erwartete, dass andere es ebenso sahen. �Wenn uns die Schwarzen Hunde �rgern, salzen wir ihre Ohren ein�, verk�ndete er mit energischer Stimme. �Das macht man doch in den Geschichten, oder? Streue ihnen Salz auf die Ohren, und sie verschwinden.� Ein paar Lanzenreiter lachten, allerdings hatte das auf den Gestank nach Furcht keinen gro�en Einfluss. Geschichten am Lagerfeuer waren eine Sache, wenn die Gespenster einem leibhaftig begegneten, eine ganz andere.</p><p>Gallenne f�hrte seinen Schwarzen zu Berelain und legte eine behandschuhte Hand auf den Hals ihres Braunen. Er warf Perrin einen fragenden Blick zu, den dieser ruhig erwiderte, denn er dachte nicht daran, nach diesem K�der zu schnappen. Was auch immer der Mann zu sagen hatte, konnte er vor ihm und Aram sagen. Gallenne seufzte. �Die Gefl�gelten W�chter werden die Nerven nicht verlieren, meine Lady�, sagte er leise, �aber die Tatsache bleibt bestehen, dass unsere Lage unsicher ist; wir sind von allen Seiten von Feinden umgeben, und unsere Vorr�te gehen zur Neige. Schattengez�cht kann alles nur noch verschlimmern. Meine Pflicht liegt bei Euch und Mayene, meine Lady, und bei allem Respekt Lord Perrin gegen�ber, vielleicht wollt Ihr ja Eure Pl�ne �ndern.� Zorn loderte in Perrin empor � der Mann wollte Falle im Stich lassen! �, aber Berelain ergriff das Wort, bevor er das sagen konnte.</p><p>�Es wird keine �nderung geben, Lord Gallenne.� Manchmal fiel es leicht zu vergessen, dass sie eine Herrscherin war, wie klein Mayene auch sein mochte, und in ihrer Stimme lag ein majest�tischer Klang, der zu einer K�nigin von Andor gepasst h�tte. Aufrecht dasitzend lie� sie ihren Sattel wie einen Thron erscheinen, und sie sprach laut genug, damit auch jeder ihre Entscheidung h�ren konnte, und entschieden genug, dass auch jeder wusste, dass es sich um eine endg�ltige Entscheidung handelte. �Wenn wir von Feinden umzingelt sind, dann ist der Vorsto� genauso sicher wie der R�ckzug. Und selbst wenn es zehnmal sicherer w�re, sich zur�ckzuziehen, w�rde ich weitermarschieren. Ich will, dass Lady Falle gerettet wird, und wenn wir uns den Weg durch tausend Schattenhunde freik�mpfen m�ssen, und Trollocs obendrein. Das habe ich geschworen!�</p><p>Lauter Jubel antwortete ihr, die Gefl�gelten W�chter br�llten und stie�en ihre Lanzen in die Luft, sodass die roten Wimpel tanzten. Der Furchtgeruch blieb bestehen, aber sie klangen bereit, sich lieber einen Weg durch eine beliebige Anzahl von Trollocs zu bahnen, als in Berelains Augen an Ansehen zu verlieren. Gallenne f�hrte sie an, aber sie empfanden mehr als nur Zuneigung f�r ihre Herrscherin, und das trotz ihres Rufes, was M�nner anging. Vielleicht sogar deswegen. Berelain hatte verhindert, dass Mayene von Tear geschluckt wurde, indem sie einen Mann, der sie wundersch�n fand, gegen den n�chsten ausgespielt hatte. Perrin musste sich beherrschen, sie nicht �berrascht anzustarren. Sie klang so entschlossen wie er! Sie <emphasis>roch</emphasis> so entschlossen! Gallenne neigte den grauen Kopf in unwilligem Einverst�ndnis, und Berelain zeigte ein schnelles, zufriedenes Nicken, bevor sie ihre Aufmerksamkeit auf die Aes Sedai neben der Felsplatte richtete.</p><p>Masuri hatte aufgeh�rt, mit den H�nden herumzufuchteln, tippte sich nachdenklich mit einem Finger gegen die Lippen und starrte die Pfotenabdr�cke an. Sie war eine h�bsche Frau, ohne dabei eine Sch�nheit zu sein, obwohl das auch an der Alterslosigkeit der Aes Sedai liegen konnte, und sie verf�gte �ber eine anmutige Eleganz, die m�glicherweise ebenfalls darin begr�ndet war. Es fiel oft sehr schwer, eine Schwester, die auf einem Bauernhof geboren war, von einer aus einem Palast zu unterscheiden. Perrin hatte sie mit rotem Gesicht und zornig gesehen, ersch�pft und am Ende ihrer Beherrschung, aber trotz der beschwerlichen Reise und dem Leben in den Aielzelten sahen ihr dunkles Haar und ihre Kleidung aus, als st�nde auch ihr eine Zofe zur Verf�gung. Sie h�tte genauso gut in einer Bibliothek stehen k�nnen.</p><p>�Was habt Ihr erfahren, Masuri?�, fragte Berelain.</p><p>�Masuri, bitte? Masuri?�</p><p>Ihre letzten Worte klangen etwas sch�rfer, und Masuri zuckte zusammen, als w�rde sie pl�tzlich �berrascht erkennen, dass sie nicht allein war. M�glicherweise war sie tats�chlich �berrascht; in vielerlei Hinsicht schien sie eher den Gr�nen Ajahs zu entsprechen als den Braunen, neigte eher zum Handeln statt zum Nachdenken, kam immer direkt zur Sache, aber sie war noch immer dazu f�hig, sich v�llig in dem zu verlieren, was gerade ihre Aufmerksamkeit fesselte. Sie faltete die H�nde in H�fth�he und �ffnete den Mund, aber statt zu sprechen z�gerte sie und blickte fragend zu den Weisen Frauen hin�ber.</p><p>�Macht schon, M�dchen�, sagte Nevarin ungeduldig und stemmte mit klirrenden Armreifen die F�uste in die H�ften. Ein Stirnrunzeln lie� sie so m�rrisch wie immer erscheinen, aber keine der anderen Weisen Frauen sah freundlicher aus. Drei finstere Mienen in einer Reihe wie drei hell�ugige Kr�hen auf einem Zaun. �Wir lassen Euch nicht einfach Eure Neugier stillen. Macht schon, sagt uns, was Ihr erfahren habt.�</p><p>Masuris Gesicht r�tete sich, aber sie sprach sofort, den Blick auf Berelain gerichtet. Es konnte ihr nicht gefallen, in der �ffentlichkeit zurechtgewiesen zu werden, gleichg�ltig, was �ber ihre Beziehung zu den Aes Sedai nach au�en gedrungen war. ��ber die Schattenhunde ist nur wenig bekannt, aber ich habe sie studiert. Im Laufe der Jahre bin ich sieben Rudeln begegnet, f�nf von ihnen zweimal und zwei weiteren dreimal.� Die Farbe schwand aus ihren Wangen, und langsam klang sie, als w�rde sie einen Vortrag halten. �Einige der alten Chronisten behaupten, dass es nur sieben Rudel gibt, andere wiederum neun oder dreizehn oder eine andere Zahl, die ihrer Meinung nach eine besondere Bewandtnis hat, aber w�hrend der TrollocKriege schrieb Sorelana Alsahhan von den �Hunderten Rudeln von Schattenhunden, die die Nacht heimsuchen^ und davor schrieb Ivonell Bharatiya von �aus dem Schatten geborenen Hunden, deren Anzahl so gro� ist wie die Albtr�ume der Menschheit^ Obwohl Ivonell, um die Wahrheit zu sagen, apokryph sein k�nnte. Wie dem auch sei, der ...� Sie gestikulierte, als w�rde sie nach einem passenden Ausdruck suchen.</p><p>�Geruch ist nicht das richtige Wort. Die Ausstrahlung, die von jedem Rudel ausgeht, ist einzigartig, und ich kann mit Sicherheit sagen, dass mir dieses hier noch nie begegnet ist, also wissen wir, dass die Zahl sieben falsch ist. Ob die korrekte Zahl nun neun oder dreizehn oder anders ist, es gibt viel mehr Geschichten �ber Schattenhunde als Schattenhunde selbst, und so weit s�dlich von der Gro�en F�ule sind sie �u�erst selten. Und da ist noch eine zweite Ausnahme: dieses Rudel d�rfte fast f�nfzig Tiere umfasst haben. F�r gew�hnlich sind zehn oder zw�lf die Grenze. Eine n�tzliche Maxime: zwei Ausnahmen, die zusammentreffen, verlangen n�here Aufmerksamkeit.� Sie hielt inne und hob einen Finger, um den Punkt zu unterstreichen, dann nickte sie, als sie davon �berzeugt war, dass Berelain es begriffen hatte, und faltete wieder die H�nde. Ein heftiger Wind stie� ihr den gelbbraunen Umhang von einer Schulter, aber sie schien den W�rmeverlust nicht zu sp�ren.</p><p>�Von den Spuren der Schattenhunde geht immer das Gef�hl von Dringlichkeit aus, aber das �ndert sich durch eine Vielzahl von Faktoren, die ich nicht alle mit Sicherheit benennen kann. Diese hier weisen eine intensive Beimischung von ... ich sch�tze, man k�nnte es Ungeduld nennen. Das trifft es zwar nicht einmal ann�hernd � genauso gut k�nnte man eine Stichwunde als Nadelstich bezeichnen �, aber es muss reichen. Ich w�rde sagen, ihre Jagd dauert schon eine Weile, und ihr Wild entgeht ihnen irgendwie. Was die Geschichten auch behaupten m�gen � �brigens, Lord Gallenne, Salz kann den Schattenhunden nicht im mindesten schaden.� Also war sie doch nicht v�llig in Gedanken versunken gewesen. �Den Geschichten zum Trotz jagen sie niemals zuf�llig, obwohl sie t�ten, wenn sich die Gelegenheit bietet und sie nicht die Jagd behindert. Bei den Schattenhunden kommt die Jagd an erster Stelle. Ihr Opfer ist dem Schatten immer wichtig, auch wenn uns der Grund daf�r manchmal verborgen bleibt. Sie sind daf�r bekannt, die Gro�en und M�chtigen links liegen zu lassen, um eine Bauersfrau oder einen Handwerker zu t�ten, oder ein Dorf oder eine Stadt zu betreten und ohne zu t�ten wieder zu verschwinden, obwohl sie doch offensichtlich aus einem bestimmten Grund kamen. Mein erster Gedanke, was sie hergef�hrt hat, musste verworfen werden, da sie weitergelaufen sind.� Ihr Blick glitt zu Perrin her�ber, so schnell, dass er sich nicht sicher war, ob es jemand bemerkt hatte. �Darum bezweifle ich sehr, dass sie zur�ckkommen werden. O ja, und sie sind eine Stunde oder l�nger weg. Ich f�rchte, das ist alles, was ich euch sagen kann.� Nevarin und die anderen Weisen Frauen nickten zufrieden, als sie endete, und in ihre Wangen trat wieder eine Spur Farbe, die allerdings schnell verschwand, als sie die gelassene Maske der Aes Sedai aufsetzte. Eine Ver�nderung der Windrichtung trug ihren Geruch an Perrin heran; sie war �berrascht und erfreut � und aufgebracht, dass sie erfreut war.</p><p>�Danke, Masuri Sedai�, sagte Berelain f�rmlich und machte im Sattel eine kleine Verbeugung, die Masuri mit einem leichten Nicken entgegennahm. �Ihr habt uns unsere Sorgen genommen.�</p><p>Tats�chlich begann die Furcht unter den Soldaten zu verblassen, obwohl Perrin h�rte, wie Gallenne leise murmelte: �Sie h�tte uns das Letzte auch zuerst sagen k�nnen.�</p><p>Perrins Ohren nahmen durch das Stampfen der Pfer � dehufe und das leise, erleichterte Gel�chter der M�nner hindurch allerdings noch etwas anderes wahr. Im S�den ert�nte das Trillern eines Blaufinken, das sonst keiner wahrnehmen konnte, dicht gefolgt vom summenden Ruf eines Maskenspatzen. Ein weiterer Blaufink ert�nte, wieder gefolgt von einem Maskenspatzen, und dann rief das Paar aus noch gr��erer N�he. Es mochte in Altara Blaufinken und Maskenspatzen geben, aber er wusste, dass diese V�gel Langbogen aus den Zwei Fl�ssen trugen. Der Blaufink bedeutete, dass M�nner kamen, mehr als nur ein paar und m�glicherweise mit unfreundlichen Absichten. Der Maskenspatz andererseits, der zu Hause auch Diebvogel genannt wurde, weil er gern funkelnde Gegenst�nde stahl ... Perrin fuhr mit dem Daumen �ber die Axtschneide, wartete aber auf weitere Rufe, die nahe genug ert�nten, dass sie auch den anderen auffielen.</p><p>�H�rt Ihr das?�, sagte er und schaute nach S�den, als w�re es ihm gerade erst aufgefallen. �Meine Posten haben Masema entdeckt.� Das f�hrte dazu, dass sich K�pfe hoben und lauschten, und mehrere M�nner nickten, als die Rufe aus noch gr��erer N�he wiederholt wurden. �Er kommt hier entlang.�</p><p>Gallenne st�lpte sich unter Fl�chen den Helm auf den Kopf und stieg in den Sattel. Annoura zog die Z�gel enger, und Masuri stapfte zur�ck zu ihrem Pferd. Die Lanzenreiter rutschten in den S�tteln umher und fingen an, nach Wut zu riechen, in die sich wieder Furcht mischte. In ihren Augen schuldete Masema den Gefl�gelten Wachen eine Blutschuld, aber keiner war darauf versessen, sie mit nur f�nfzig Mann einzufordern, nicht, wenn Masema immer mit hundert Mann ritt.</p><p>�Ich werde nicht vor ihm davonlaufen�, verk�ndete Berelain. Sie starrte mit einem kalten Blick nach S�den.</p><p>�Wir werden hier auf ihn warten.�</p><p>Gallenne �ffnete den Mund und schloss ihn wieder, ohne etwas gesagt zu haben � jedenfalls zu ihr. Er holte tief Luft, dann begann er, Befehle zu br�llen, um seine M�nner zu gruppieren. Das war nicht einfach. Auch wenn die B�ume weit voneinander entfernt standen, ein Wald war kein guter Ort f�r einen Lanzenreiter. Jeder Ausfall w�rde von Anfang an unzusammenh�ngend sein, und es war schwer, einen Mann mit der Lanze aufzuspie�en, wenn er sich hinter einem Baumstamm verstecken und einem in den R�cken fallen konnte. Gallenne versuchte, sie vor Berelain aufzustellen, vor ihr und den n�her kommenden M�nnern, aber sie warf ihm einen missbilligenden Blick zu, und der Ein�ugige �nderte seine Befehle und stellte die Lanzenreiter in einer einzigen, leicht schr�gen Reihe auf, die sich um gro�e B�ume ballte, aber sie in die Mitte nahm. Gallenne schickte einen Soldaten ins Lager zur�ck; er duckte sich tief in seinen Sattel, hielt die Lanze wie bei einem Angriff gesenkt, und ritt so schnell, wie es Schnee und Gel�nde erlaubten. Berelain nahm das mit einer erhobenen Braue zur Kenntnis, sagte aber nichts.</p><p>Annoura fing an, ihren Braunen auf Berelain zuzusteuern, hielt aber inne, als Masuri ihren Namen rief. Die Braune Schwester hatte ihr Pferd geholt, stand aber noch immer von den Weisen Frauen umgeben im Schnee. Verglichen mit ihr waren sie so gro�, dass sie wie eine Halbw�chsige erschien. Annoura z�gerte, bis Masuri sie erneut rief, diesmal etwas sch�rfer, und Perrin glaubte sie seufzen zu h�ren, bevor sie zu ihnen ritt und abstieg. Was auch immer die Aielfrauen zu sagen hatten � ihre Stimmen waren zu leise, als dass Perrin sie verstehen konnte, und sie dr�ngten sich vor Annoura und steckten die K�pfe zusammen �, es gefiel der Schwester aus Tarabon nicht. Ihr Gesicht blieb in der Kapuze verborgen, aber ihre d�nnen Z�pfe wirbelten immer schneller umher, je l�nger sie den Kopf sch�ttelte, und schlie�lich wandte sie sich abrupt ab und schob einen Fu� in den Steigb�gel. Masuri hatte still dagestanden und die Weisen Frauen reden lassen, aber jetzt legte sie Annoura eine Hand auf den �rmel und sagte leise etwas, das Annouras Schultern nach vorn sacken und die Weisen Frauen nicken lie�. Annoura stie� die Kapuze zur�ck und wartete, bis Masuri aufgesessen war, bevor sie auf ihr Pferd stieg, und dann ritten die beiden Schwestern zusammen zu der Reihe der Lanzenreiter und schoben sich auf der anderen Seite von Perrin neben Berelain, w�hrend sich die Weisen Frauen dazwischendr�ngten. Annouras Mundwinkel hingen m�rrisch nach unten, und sie rieb sich nerv�s ihre Daumen.</p><p>�Was habt Ihr vor?�, fragte Perrin und versuchte nicht, sein Misstrauen zu verbergen. Vielleicht hatten die Weisen Frauen ja erlaubt, dass sich Masuri mit Masema traf, aber sie behaupteten noch immer, der Meinung zu sein, dass dieser Mann sterben sollte. Die Aes Sedai konnten die Macht nicht als Waffe verwenden, solange sie nicht in Gefahr schwebten, aber die Weisen Frauen kannten diese Beschr�nkung nicht. Er fragte sich, ob sie einen Zirkel gebildet hatten. Er wusste mehr �ber die Eine Macht, als ihm lieb war, und genug �ber die Weisen Frauen, um sicher zu sein, dass Nevarin in diesem Fall den Befehl �ber einen Zirkel hatte.</p><p>Annoura �ffnete den Mund, lie� ihn nach einer warnenden Ber�hrung von Carelle zuschnappen und warf Masuri einen finsteren Blick zu. Die Braune Schwester sch�rzte die Lippen und sch�ttelte kaum merklich den Kopf, was Annoura nicht zu beschwichtigen schien.</p><p>Ihre H�nde griffen die Z�gel so fest, dass sie zitterten.</p><p>Nevarin schaute an Berelain vorbei zu Perrin hoch, als w�rde sie seine Gedanken lesen. �Wir wollen daf�r sorgen, dass Ihr wieder sicher ins Lager zur�ckkommt, Perrin Aybara�, sagte sie entschieden, �Ihr und Berelain Paeron. Wir wollen daf�r sorgen, dass so viele wie m�glich den heutigen Tag �berleben, und die kommenden Tage auch. Habt Ihr Einw�nde?�</p><p>�Unternehmt nichts, bevor ich es auch sage�, erwiderte er. Diese Antwort konnte alles m�gliche bedeuten. �Aber auch gar nichts.�</p><p>Nevarin sch�ttelte angewidert den Kopf, und Carelle lachte, als h�tte er einen gro�artigen Witz erz�hlt. Keine der Weisen Frauen schien zu glauben, dass eine weitere Erwiderung notwendig war. Man hatte ihnen befohlen, ihm zu gehorchen, aber ihr Verst�ndnis von Gehorsam stimmte mit keinem �berein, das er kannte. Schweinen w�rden Fl�gel wachsen, bevor er eine bessere Antwort aus ihnen herausbekam.</p><p>Er h�tte dem ein Ende setzen k�nnen. Er wusste, er h�tte es tun sollen. Was die Weisen Frauen auch geplant haben mochten, Masema so weit entfernt vom Lager zu treffen, obwohl der Mann wissen musste, wer seinen seanchanischen Brief gestohlen hatte, war so �hnlich wie die Hoffnung, die Hand vom Amboss rei�en zu k�nnen, bevor der Hammer traf. Berelain war beinahe genauso schlimm wie die Weisen Frauen, wenn es darum ging, Befehle zu befolgen, aber er glaubte, sie w�rde auf ihn h�ren, wenn er befahl, sich ins Lager zur�ckzuziehen. Er glaubte es, obwohl ihr Geruch verk�ndete, dass sie die Abs�tze tief in den Boden gerammt hatte. Hier zu bleiben war ein sinnloses Risiko. Er war zuversichtlich, sie davon �berzeugen zu k�nnen. Und doch wollte auch er nicht vor dem Mann davonlaufen. Ein Teil von ihm sagte ihm, dass er ein Narr war. Der gr��ere Teil schwelte mit einem Zorn, der sich kaum b�ndigen lie�. Aram dr�ngte sich mit finsterer Miene neben ihn, aber immerhin hatte er das Schwert nicht gezogen. Mit dem Schwert herumzufuchteln mochte eine gl�hende Kohle in den Heuschober werfen, und der Zeitpunkt f�r die Konfrontation mit Masema war noch nicht gekommen. Perrin legte eine Hand auf die Axt. Noch nicht.</p><p>Trotz der schr�gen Sonnenstrahlen, die ihren Weg durch das dichte Bl�tterdach hindurchfanden, war der Wald in d�mmerige Schatten geh�llt. Selbst am Mittag w�rde es hier d�ster sein. Zuerst h�rte er die Ger�usehe, das ged�mpfte Stampfen von Hufen im Schnee, das heisere Schnauben von Pferden, die angetrieben wurden, und dann erschien eine Masse von Reitern, eine wilde Horde, die trotz Schnee und unwegsamem Gel�nde fast im Galopp an den gewaltigen B�umen vorbeistr�mte. Es waren keine Hundert, sondern zwei- oder dreimal soviel. Ein Pferd st�rzte mit schrillem Wiehern und blieb zuckend auf seinem Reiter liegen, aber keiner verlangsamte auch nur das Tempo, bis ein siebzig oder achtzig Schritte vorausreitender Mann die Hand hob, und sie rissen an den Z�geln, und Schnee spritzte auf, und die schwitzenden Pferde schnaubten und dampften. Hier und da ragten bei den Reitern Lanzen in die H�he. Die meisten trugen keine R�stung, viele blo� einen Brustpanzer oder einen Helm, aber an ihren S�tteln hingen Schwerter und �xte und Keulen. Sonnenstrahlen beleuchteten ein paar Gesichter, grimmige M�nner, die aussahen, als h�tten sie nie in ihrem Leben gel�chelt und w�rden es auch niemals tun.</p><p>Perrin kam der Gedanke, dass es ein Fehler gewesen war, Berelain nicht zu �berstimmen. Das kam davon, wenn man hastige Entscheidungen traf, der Wut das Denken �berlie�. Jeder wusste, dass sie morgens oft ausritt, und Masema wollte m�glicherweise sein seanchanisches Dokument verzweifelt wiederhaben. Selbst mit den Aes Sedai und den Weisen Frauen konnte ein Kampf in diesen W�ldern zu einem blutigen Handgemenge werden, bei dem M�nner und Frauen sterben konnten, ohne zu sehen, wer sie get�tet hatte. Wenn keine Zeugen �brig blieben, konnte man alles auf Banditen oder sogar die Shaido schieben. Das war schon zuvor geschehen. Und falls Zeugen �brig blieben, w�rde Masema nicht z�gern, ein paar Dutzend seiner eigenen M�nner aufzuh�ngen und zu behaupten, die Schuldigen seien bestraft worden. Allerdings w�rde er Perrin Aybara vermutlich noch eine Weile am Leben lassen wollen, und er w�rde nicht mit den Weisen Frauen gerechnet haben, oder einer zweiten Aes Sedai. Kleine Punkte, um daran f�nfzig Leben festzumachen. Sehr kleine Punkte, um daran Failes Leben festzumachen. Perrin lockerte die Axt im G�rtel. Berelain neben ihm roch nach k�hler Ruhe und steinerner Entschlossenheit. Seltsamerweise war da keine Furcht. Nicht mal ein Hauch. Aram roch ... aufgeregt.</p><p>Die beiden Gruppen musterten sich schweigend, bis Masema schlie�lich von nur zwei M�nnern gefolgt nach vorn ritt; alle drei schoben die Kapuzen zur�ck. Keiner trug einen Helm oder eine R�stung. Wie Masema kamen auch Nengar und Bartu aus Schienar, aber genau wie er hatten sie die Haarknoten abrasiert und waren jetzt kahlk�pfig, was ihnen das Aussehen von Totensch�deln verlieh. Das Auftauchen des Wiedergeborenen Drachen hatte alle Bande zerst�rt, einschlie�lich der Eide dieser M�nner, an der Grenze der F�ulnis gegen den Schatten zu k�mpfen. Nengar und Bartu trugen jeder ein Schwert auf dem R�cken und ein zus�tzliches am Sattelknauf, und Bartu, der kleinere der beiden, hatte ein Futteral mit einem Reiterbogen und einen K�cher am Sattel befestigt. Masema trug keine sichtbaren Waffen. Der Prophet des Wiedergeborenen Lord Drachen brauchte keine. Perrin war froh, dass Gallenne die von Masema zur�ckgelassenen M�nner im Auge behielt, denn der Prophet hatte etwas an sich, das die Blicke auf sich zog. Vielleicht war es nur das Wissen, wer er war, aber das reichte schon aus.</p><p>Masema z�gelte seinen schlanken Fuchs ein paar Schritte von Perrin entfernt. Der Prophet war ein Mann von durchschnittlicher Gr��e mit einer strengen Miene, dessen eine Wange von einer verblassten Pfeilnarbe gezeichnet wurde. Er trug einen abgetragenen braunen Wollmantel und einen dunklen Umhang mit ausgefransten S�umen. Masema k�mmerte sich nicht um das �u�ere Erscheinungsbild, am wenigsten um das seine. Nengar und Bartu hinter ihm hatten einen fiebrigen Blick, aber Masemas tiefsitzende, beinahe schwarze Augen erschienen so hei� wie die Kohlen in einem Schmiedefeuer, als w�rde der Wind sie gleich zum Gl�hen anfachen, und sein Geruch war die zerrissene Sch�rfe unverf�lschten Wahnsinns. Er ignorierte die Weisen Frauen und Aes Sedai mit einer Verachtung, die er nicht einmal verbarg. In seinen Augen waren die Weisen Frauen noch viel schlimmer als die Aes Sedai; nicht nur, dass sie Blasphemie betrieben, indem sie die Eine Macht lenkten, sie waren au�erdem auch noch wilde Aiel, also eine zweifache S�nde. Die Gefl�gelten Wachen unter den B�umen h�tten genauso gut Schatten sein k�nnen. �Macht ihr ein Picknick?�, fragte er mit einem Blick auf den Korb, der an Perrins Sattel hing. Normalerweise war Masemas Stimme so intensiv wie sein Blick, aber jetzt klang sie trocken, und seine Lippen verzogen sich, als er zu Berelain hin�ber � schaute. Nat�rlich hatte er die Ger�chte geh�rt.</p><p>Wut loderte in Perrin emp or, aber er zwang sie zur�ck. Seine Wut hatte ein Ziel, und er w�rde sie nicht verschwenden, indem er nach einem anderen schlug. Traber nahm die Stimmung seines Reiters wahr und schien nach Masemas Wallach schnappen zu wollen, und Perrin musste ihn scharf z�geln. �Hier waren Schattenhunde in der Nacht�, sagte er nicht besonders elegant, aber besser brachte er es nicht zustande. �Sie sind weg, und Masuri glaubt nicht, dass sie zur�ckkehren, also gibt es keinen Grund zur Sorge.�</p><p>Masema roch nicht im mindesten besorgt. Er roch nie nach etwas anderem als Wahnsinn. Der Fuchs stie� heftig mit dem Kopf nach Traber, aber Masema zog ihn mit einem brutalen Ruck zur�ck. Masema war ein guter Reiter, aber er behandelte seine Tiere genauso, wie er Menschen behandelte. Zum ersten Mal sah er Masuri an. Sein Blick wurde noch etwas brennender, falls das m�glich war. �Man kann den Schatten �berall finden�, sagte er, die hitzige Verk�ndigung einer unzweifelhaften Wahrheit. �Keiner, der dem Wiedergeborenen Lord Drachen folgt � m�ge das Licht seinen Namen leuchten lassen �, muss den Schatten f�rchten. Selbst im Tode werden sie den endg�ltigen Sieg des Lichts finden.�</p><p>Masuris Stute scheute, als h�tte sie der Blick verbrannt, aber sie z�gelte das Tier und erwiderte Masemas Blick mit der Unergr�ndlichkeit einer Aes Sedai, so ruhig wie ein zugefrorener Teich. Nichts wies darauf hin, dass sie mit dem Mann ein Geheimtreffen gehabt hatte. �Wenn sie gut kontrolliert wird, ist Furcht ein n�tzlicher Antrieb f�r das Urteilsverm�gen und die Entschlossenheit. Wenn wir uns vor unseren Feinden nicht f�rchten, bleibt nur Verachtung �brig, und Verachtung f�hrt zum Sieg des Feindes.� Man h�tte glauben k�nnen, sie w�rde mit einem einfachen Bauern sprechen, dem sie noch nie zuvor begegnet war. Annoura sah aus, als sei ihr leicht �bel. F�rchtete sie, ihr Geheimnis w�rde ans Tageslicht kommen? Dass ihre Pl�ne f�r Masema durchkreuzt werden k�nnten?</p><p>Masema verzog erneut die Lippen; es konnte genauso gut ein L�cheln wie ein ver�chtliches Grinsen sein. Die Aes Sedai schienen f�r ihn nicht l�nger zu existieren, als er seine Aufmerksamkeit wieder Perrin zuwandte. �Einige von denen, die dem Lord Drachen folgen, haben eine Stadt namens So Habor gefunden.� So nannte er seine Anh�nger: nat�rlich folgten sie in Wirklichkeit dem Wiedergeborenen Drachen und nicht etwa ihm. Die Tatsache, dass Masema ihnen sagte, was sie wann und wie zu tun hatten, war nur eine Nebens�chlichkeit. �Ein h�bscher Ort mit drei- oder viertausend Einwohnern, etwa einen Tag oder weniger im S�dwesten. Anscheinend waren sie abseits vom Weg der Aiel, und trotz der D�rre haben sie letztes Jahr eine gute Ernte eingefahren. Sie haben Speicher voller Gerste, Hirse und Hafer, und noch anderer n�tzlicher Dinge, wie ich glaube. Ich wei�, dass Ihr nur noch wenig Vorr�te habt. Sowohl f�r Eure M�nner wie auch f�r die Tiere.�</p><p>�Warum sollten ihre Speicher zu dieser Jahreszeit voll sein?� Berelain beugte sich mit einem Stirnrunzeln nach vorn; ihr Tonfall war nicht weit von einem Befehl entfernt und klang fast ungl�ubig.</p><p>Nengar legte mit einem finsteren Blick die Hand auf das Sattelschwert. Keiner gab dem Propheten des Lord Drachen einen Befehl. Und erst recht stellte ihn keiner in Frage. Keiner, der weiterleben wollte. Leder �chzte, als die Lanzenreiter in ihren S�tteln das Gewicht verlagerten, aber Nengar ignorierte sie. Der Gestank von Masemas Wahnsinn kroch in Perrins Nase. Masema musterte Berelain. Er schien sich weder Nengar noch den Lanzenreitern noch der M�glichkeit bewusst zu sein, dass die M�nner jeden Augenblick damit anfangen konnten, einander zu t�ten.</p><p>�Eine Sache der Habgier�, sagte er schlie�lich. �Anscheinend glaubten die Kornh�ndler von So Habor, sie k�nnten gr��ere Profite machen, wenn sie ihre Vorr�te zur�ckhalten, bis der Winter die Preise in die H�he treibt. Aber normalerweise verkaufen sie in den Westen, nach Ghealdan und Amadicia, und die Geschehnisse dort und in Ebou Dar haben in ihnen die Bef�rchtung geweckt, dass man ihre Lieferungen beschlagnahmen k�nnte. Ihre Habgier hat dazu gef�hrt, dass sie volle Speicher und leere Geldbeutel haben.� Ein zufriedener Ton stahl sich in Masemas Stimme. Er verabscheute Habgier. Aber er verabscheute jede menschliche Schw�che, ob gro� oder klein. �Ich glaube, dass sie sich jetzt sehr billig von ihrem Korn trennen werden.�</p><p>Perrin witterte eine Falle, und dazu brauchte er nicht die Sp�rnase eines Wolfs. Masema musste seine eigenen M�nner und Tiere ern�hren, und wie gr�ndlich sie das Umland auch gepl�ndert hatten, sie konnten kaum in besserer Verfassung sein als Perrins Leute. Warum hatte Masema nicht ein paar Tausend seiner Anh�nger in die Stadt geschickt und sich genommen, was es dort zu holen gab? Einen Tag entfernt. Das w�rde ihn weiter von Faile wegbringen und den Shaido vielleicht Zeit verschaffen, um weiter an Boden zu gewinnen. Was war der Grund f�r dieses seltsame Angebot? Oder sollte es nur eine weitere Verz�gerung sein, damit Masema im Westen bleiben konnte, in der N�he seiner seanchanischen Freunde?</p><p>�Vielleicht werden wir Zeit genug haben, dieser Stadt einen Besuch abzustatten � nachdem meine Frau befreit ist.� Wieder nahmen Perrins Ohren vor allen anderen die kaum wahrnehmbaren Ger�usche von M�nnern und Pferden wahr, die sich durch den Wald bewegten, diesmal von Westen her aus dem Lager. Gallennes Bote musste die ganze Strecke im Galopp zur�ckgelegt haben.</p><p>�Eure Frau�, sagte Masema tonlos und warf Berelain einen Blick zu, der Perrins Blut kochen lie�. Selbst Berelain wurde rot, obwohl ihr Gesicht v�llig reglos blieb. �Glaubt Ihr wirklich, Ihr werdet heute etwas �ber sie erfahren?�</p><p>�Das tue ich.� Perrins Stimme war genauso tonlos wie Masemas, nur h�rter. Er umfasste den Sattelknauf, oberhalb der Henkel von Berelains Korb, um nicht nach seiner Axt zu greifen. �Ihre Befreiung kommt an erster Stelle. Ihre und die der anderen. Sobald das vollbracht ist, k�nnen wir unsere B�uche bis zum Platzen f�llen, aber das kommt zuerst.�</p><p>Die n�her kommenden Pferde waren jetzt f�r alle h�rbar. Im Westen erschien eine lange Reihe Lanzenreiter, die gefolgt von einer weiteren Reihe an den im Schatten liegenden B�umen vorbeizog. Die roten Wimpel und Brustpanzer von Mayene wurden durchsetzt von den gr�nen Wimpeln und gl�nzenden Brustpanzern Ghealdans. Die Reihen erstreckten sich von der gegen�berliegenden Seite Perrins und dann entlang der Reiterhorde, die auf Masema wartete. Unberittene M�nner huschten geisterhaft von Baum zu Baum, die Langb�gen der Zwei Fl�sse in H�nden. Perrin hoffte, dass sie nicht zu viele M�nner vom Lager abgezogen hatten. Der Diebstahl des seanchanischen Dokuments hatte Masema zum Handeln gezwungen, und er war ein Veteran, der an der F�ule und gegen die Aiel gek�mpft hatte. M�glicherweise hatte er nicht weiter gedacht, als einfach loszureiten und Berelain aufzusp�ren. Es war wie ein weiteres R�tselspiel. Man musste ein Teil bewegen, um ein anderes gerade genug verschieben zu k�nnen, dass ein drittes freikam. Ein Lager mit einer geschw�chten Verteidigung konnte �berrannt werden, und in diesen W�ldern konnte die Anzahl genauso viel bedeuten wie die Frage, wem Leute zur Verf�gung standen, die die Macht lenken konnten. Wollte Masema sein Geheimnis so sehr bewahren, dass er den Versuch unternahm, es hier und jetzt aus der Welt zu schaffen? Perrin wurde sich bewusst, dass er seine Hand auf die Axt gelegt hatte, aber er lie� sie da.</p><p>In Masemas Horde t�nzelten Pferde nerv�s umher, weil ihre Reiter an den Z�geln zogen, br�llten M�nner und fuchtelten mit Waffen herum, aber der Prophet selbst musterte die herannahenden Lanzenreiter und Bogensch�tzen ohne die geringste Gef�hlsregung. Sie h�tten genauso gut V�gel sein k�nnen, die von einem Ast zum n�chsten h�pften. Sein Geruch wirbelte wie verr�ckt, ver�nderte sich um keinen Hauch.</p><p>�Was getan wird, um dem Licht zu dienen, muss getan werden�, sagte er, als die Neuank�mmlinge etwa zweihundert Schritte entfernt anhielten. Das war eine m�helose Reichweite f�r die Bogensch�tzen von den Zwei Fl�ssen, und Masema hatte Demonstrationen ihrer Kunst gesehen, aber er gab durch nichts zu erkennen, dass die breiten Pfeilspitzen m�glicherweise auf sein Herz zielten. �Alles andere ist Abfall und Unrat. Vergesst das nie, Lord Perrin Goldauge. <emphasis>Alles</emphasis> andere ist Abfall und Unrat!�</p><p>Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, riss er seinen Fuchs herum und ritt begleitet von Nengar und Bartu zu seinen wartenden M�nnern zur�ck und dann weiter, und alle drei trieben ihre Pferde ohne R�cksicht auf gebrochene Beine oder angeschlagene K�pfe an. Der Rest schloss sich ihnen an, eine Horde, die nach S�den str�mte. Ein paar M�nner aus der letzten Reihe hielten an, um eine schlaffe Gestalt unter dem verletzten Pferd hervorzuziehen und das Tier mit einem schnellen Dolchhieb von seinen Qualen zu befreien. Dann fingen sie mit dem Schlachten an. So viel Fleisch durfte man nicht umkommen lassen. Den Reiter lie�en sie dort zur�ck, wo sie ihn hatten fallen lassen.</p><p>�Er glaubt jedes Wort, das er sagt�, hauchte Annoura, �aber wo f�hrt ihn sein Glaube hin?�</p><p>Perrin zog in Betracht, sie geradeheraus zu fragen, wo Masemas Glaube ihn denn ihrer Meinung nach hinf�hren w�rde, wo <emphasis>sie</emphasis> ihn hinf�hren wollte, aber pl�tzlich setzte sie wieder die undurchdringliche Beherrschung der Aes Sedai auf. Ihre Nasenspitze hatte sich durch die K�lte ger�tet; sie betrachtete ihn mit einem energischen Blick. Eher h�tte man die von Schattenhunden markierte Felsplatte mit blo�en H�nden aus der Erde gezogen als eine Antwort von einer Aes Sedai erhalten, die diesen Blick zeigte. Er w�rde die Fragen Berelain �berlassen m�ssen.</p><p>Der Mann, der die Lanzenreiter herbeigef�hrt hatte, trieb pl�tzlich sein Pferd nach vorn. Gerard Arganda war ein kleiner st�mmiger Bursche mit einem silbern funkelnden Brustpanzer und einem Helm mit Gittervisier; er war ein Soldat, der sich von ganz unten hochgearbeitet hatte, um gegen alle Wahrscheinlichkei � ten zum Ersten Hauptmann von Alliandres Leibwache aufzusteigen. Er hatte nichts f�r Perrin �brig, der seine K�nigin aus nichtigen Gr�nden nach S�den gebracht und dann zugelassen hatte, dass man sie entf�hrte, aber Perrin erwartete, dass er anhielt und Berelain seinen Respekt erwies, bevor er sich vermutlich mit Gallenne besprach. Arganda empfand gro�en Respekt f�r Gallenne, die beiden sa�en oft zusammen und rauchten eine Pfeife. Aber stattdessen trabte sein Rotschimmel an Perrin und den anderen vorbei, und dann stie� Arganda dem Tier seine Abs�tze in die Flanken. Als Perrin sah, wo der Mann hinwollte, begriff er. Aus dem Osten n�herte sich in gem�chlichem Tempo ein einzelner Reiter auf einem mausgrauen Tier, und an seiner Seite schlurfte ein Aiel auf Schneeschuhen.</p></section><section><title><p>8</p><p>Farbstrudel</p></title><p>Perrin war sich gar nicht dar�ber im Klaren, dass er etwas getan hatte, bis er sich �ber Trabers Hals gebeugt hinter Arganda hergaloppierend wiederfand. Der Schnee war nicht weniger tief, der Boden nicht gleichm��iger und das Licht keinesfalls besser, aber Traber preschte durch die Schatten, nicht willens, dem Rotschimmel die F�hrung zu �berlassen, und Perrin dr�ngte ihn, noch schneller zu laufen. Der n�her kommende Reiter war Elyas, sein Bart breitete sich auf seiner Brust aus, ein breitkrempiger Hut tauchte sein Gesicht in Schatten, und sein pelzverbr�mter Umhang bedeckte seinen R�cken. Der Aiel an seiner Seite war eine der T�chter, die die dunkle <emphasis>Shoufa</emphasis> um den Kopf gewunden hatte und �ber dem Mantel und den Hosen in grauen, braunen und gr�nen Farbt�nen einen wei�en Umhang trug, der zur Tarnung im Schnee benutzt wurde. Elyas und eine Tochter, das bedeutete, dass sie Falle gefunden hatten. Es musste so sein.</p><p>Arganda trieb sein Pferd ohne R�cksicht darauf an, ob er dem Rotschimmel den Hals brach oder seinen eigenen, er sprang �ber Felsen und spritzte beinahe im Galopp durch den Schnee, aber Traber �berholte ihn in dem Augenblick, in dem er Elyas erreichte und grob rief: �Habt Ihr die K�nigin gesehen? Lebt sie? Sagt es mir, Mann!� Die Tochter, Elienda, hob mit ausdruckslosem Gesicht eine Hand in Perrins Richtung. Es h�tte ein Gru� sein k�nnen oder auch eine Geste des Mit gef�hls, aber sie unterbrach ihren weit ausholenden Schritt nicht. W�hrend Elyas ihm Bericht erstattete, w�rde sie den ihren den Weisen Frauen vortragen.</p><p>�Hast du sie gefunden?� Pl�tzlich war Perrins Kehle so trocken wie Sand. Er hatte so lange auf diese Nachricht gewartet. Arganda knurrte lautlos durch die Stahlstangen des Visiers, denn er wusste, dass Perrin nicht Alliandre meinte.</p><p>�Wir haben die Shaido gefunden, denen wir gefolgt sind�, sagte Elyas bed�chtig und legte beide H�nde auf den Sattelknauf. Selbst Elyas, der sagenhafte Langzahn, der unter W�lfen gelebt hatte, zeigte die Anstrengung von zu vielen Meilen und zu wenig Schlaf. Sein ganzes Gesicht wurde von einer M�digkeit gezeichnet, die das gelbgoldene Gl�hen seiner Augen unter der Hutkrempe noch betonte. Sein dichter Bart war mit Grau durchsetzt, und sein Haar reichte bis zur Taille und war im Nacken mit einem Lederband zusammengebunden, und zum ersten Mal, seit Perrin ihn kannte, sah er alt aus.</p><p>�Sie lagern um eine mittelgro�e Stadt, die sie eingenommen haben, in h�geligem Gel�nde, fast vierzig Meilen von hier entfernt. In unmittelbarer N�he haben sie keine nennenswerten Wachen aufgestellt, und die Au�enposten scheinen mehr nach Gefangenen Ausschau zu halten, die fl�chten wollen, als nach sonst etwas, also konnten wir nahe genug heran, um einen eingehenden Blick auf sie werfen zu k�nnen. Perrin, es sind viel mehr, als wir dachten. Mindestens neun oder zehn Septimen, sagen die T�chter. Z�hlt man die <emphasis>Gai'schain</emphasis> hinzu, oder alle Leute in Wei�, k�nnten dort so viele Menschen sein wie in Mayene oder Ebou Dar. Ich wei� nicht, wie viele Speerk�mpfer es sind, aber nach dem zu urteilen, was ich gesehen habe, d�rfte zehntausend eine niedrige Sch�tzung sein.�</p><p>Verzweiflung verknotete Perrins Eingeweide. Sein Mund war so trocken, dass er nicht h�tte sprechen k�nnen, w�re Falle jetzt wunderbarerweise vor ihm aufgetaucht. Zehntausend <emphasis>Algai'd'sisivai,</emphasis> und selbst Weber und Silberschmiede und alte M�nner, die ihre Tage mit dem Austausch von Erinnerungen im Schatten verbrachten, w�rden zum Speer greifen, wenn sie angegriffen wurden. Er hatte weniger als zweitausend Lanzenreiter, und sie w�ren bei der gleichen Anzahl von Aiel unterlegen gewesen. Weniger als dreihundert M�nner von den Zwei Fl�ssen, die aus der Ferne mit ihren B�gen gro�e Vernichtung anrichten, aber keine Zehntausend aufhalten konnten. So viele Shaido w�rden Masemas m�rderischen Abschaum zerfetzen wie ein Kater ein M�usenest. Selbst wenn man die Asha'man und die Weisen Frauen und Aes Sedai hinzurechnete ... Edarra und die anderen Weisen Frauen hatten ihm nicht gerade viel �ber Weise Frauen erz�hlt, aber er wusste, dass zehn Septimen vermutlich �ber f�nfzig Frauen verf�gten, die die Macht lenken konnten, vielleicht sogar mehr. Vielleicht auch weniger � es gab keine feststehende Zahl �, aber nicht so viel weniger, dass es einen Unterschied gemacht h�tte.</p><p>Mit einer gro�en Anstrengung erw�rgte er die Verzweiflung, die in ihm aufstieg, dr�ckte so lange, bis nur noch ein paar sich windende Fasern �brig waren, die sein Zorn verbrennen konnte. In einem Hammer war kein Platz f�r Verzweiflung. Zehn Septimen oder der ganze Clan der Shaido, sie hielten noch immer Falle gefangen, und er musste noch immer einen Weg finden.</p><p>�Was spielt es f�r eine Rolle, wie viele es sind?�, wollte Aram wissen. �Als Trollocs zu den Zwei Fl�ssen kamen, da waren es Tausende, Zehntausende, aber wir haben sie trotzdem get�tet. Shaido k�nnen nicht schlimmer als Trollocs sein.�</p><p>Perrin blinzelte, v�llig �berrascht, den Mann hinter sich zu finden, ganz zu schweigen von Berelain und Gallenne und den Aes Sedai. In seiner Eile, Elyas zu erreichen, hatte er alles andere verdr�ngt. Zwischen den B�umen hielten die kaum auszumachenden Soldaten, die Arganda herangef�hrt hatte, um Masema abzuwehren, noch immer ihre unregelm��igen Reihen aufrecht, aber Berelains Leibwache bildete einen losen Kreis mit Elyas in der Mitte, die Lanzen ausw�rts gerichtet. Die Weisen Frauen standen au�erhalb des Kreises und h�rten Elienda mit ernsten Gesichtern zu. Sie sprach leise und sch�ttelte manchmal den Kopf. Ihre Einsch�tzung der Dinge war kein bisschen zuversichtlicher als die von Elyas. Perrin musste in der Eile den Korb verloren oder ihn weggeworfen haben, denn er hing jetzt an Berelains Sattel. Ihr Gesicht zeigte einen Ausdruck von ... konnte es etwa Mitgef�hl sein? Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, er war zu m�de, um vern�nftig denken zu k�nnen. Aber jetzt musste er vern�nftig denken, in diesem Augenblick mehr als jemals zuvor. Sein n�chster Fehler konnte der letzte sein � f�r Faile.</p><p>�So wie man es mir erz�hlt hat, Kesselflicker�, sagte Elyas ruhig, �kamen bei den Zwei Fl�ssen die Trollocs zu euch, und es ist euch gelungen, sie in die Zange zu nehmen. Hast du irgendwelche gro�artigen Pl�ne, um die Shaido in die Zange zu nehmen?� Aram starrte ihn m�rrisch an. Elyas hatte ihn schon gekannt, bevor er das Schwert ergriffen hatte, und trotz seiner hellbunten Kleidung mochte es Aram gar nicht, an diese Zeit erinnert zu werden.</p><p>�Zehn Septimen oder f�nfzig�, knurrte Arganda, �es muss eine M�glichkeit geben, die K�nigin zu befreien. Und die anderen nat�rlich auch.� Sein hartes Gesicht war zu einer w�tenden Grimasse verzogen, aber er roch ungest�m, wie ein Fuchs, der bereit war, sich das eigene Bein abzunagen, um aus einer Falle zu entkommen. �W�rden ...? W�rden sie ein L�segeld akzeptieren?� Der Ghealdaner sah sich um, bis er Marline entdeckte, die sich an den Gefl�gelten Wachen vorbeischob. Trotz des Schnees schritt sie gleichm��ig daher, geriet nicht ein einziges Mal ins Stolpern. Die anderen Weisen Frauen waren nicht l�nger zwischen den B�umen zu sehen, genauso wenig wie Elienda. �W�rden diese Shaido ein L�segeld annehmen ... Weise Frau?� Die Nennung ihres Titels klang wie ein nachtr�glicher Einfall. Arganda war nicht l�nger der �berzeugung, dass die sich bei ihnen befindlichen Aiel von der Entf�hrung gewusst hatten, aber da gab es noch immer ein tiefsitzendes Misstrauen.</p><p>�Das wei� ich nicht.� Marline schien seinen Tonfall nicht zu bemerken. Mit vor der Brust verschr�nkten Armen stand sie da und blickte Perrin an und nicht Arganda. Es war einer jener Blicke, mit denen eine Frau einen ma� und absch�tzte, bis sie einem einen Anzug h�tte n�hen oder sagen k�nnen, wann man das letzte Mal die Unterw�sche gewaschen hatte. Als er noch Zeit f�r solche Dinge gehabt hatte, h�tte ihm das Unbehagen bereitet. Als sie weitersprach, war ihr Tonfall keinesfalls belehrend; sie stellte lediglich die Fakten dar. M�glicherweise meinte sie es sogar so. �Die Zahlung von L�segeld, wie ihr Feuchtl�nder es nennt, entspricht nicht unseren Br�uchen. <emphasis>Gai'schain</emphasis> k�nnen als Geschenk weitergereicht werden oder gegen andere <emphasis>Gai'schain</emphasis> eingetauscht werden, es sind jedoch keine Tiere, die man verkauft. Aber es hat den Anschein, als w�rden die Shaido nicht l�nger dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> folgen. Sie machen Feuchtl�nder zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> und nehmen jeden, statt nur jeden f�nften. Vielleicht setzten sie einen Preis fest.�</p><p>�Meine Juwelen stehen Euch zur Verf�gung, Perrin�, warf Berelain mit fester Stimme und unbewegtem Gesicht ein. �Falls n�tig, k�nnen Grady oder Neald aus Mayene auch Gold holen.�</p><p>Gallenne r�usperte sich. �Altaraner sind an Pl�nderer gew�hnt, meine Lady, ob es nun benachbarte Adlige oder Banditen sind�, sagte er langsam und schlug die Z�gel in die Handfl�che. Obwohl er z�gerte, Berelain zu widersprechen, hatte er sich offensichtlich dazu entschlossen. �So weit von Ebou Dar entfernt gibt es kein Gesetz, wenn man einmal davon absieht, was die �rtlichen Lords oder Ladies bestimmen. Adlige oder Gemeine, sie sind daran gew�hnt, jeden zu bezahlen, den sie nicht abwehren k�nnen, und sie sind ge�bt darin, schnell zu erkennen, was im Einzelfall erforderlich ist. Es ist wider jede Vernunft, dass keiner von ihnen versucht hat, sich Sicherheit zu erkaufen, und doch haben wir auf dem Pfad dieser Shaido nur Zerst�rung gesehen, haben nur von Pl�nderungen geh�rt. M�glicherweise akzeptieren sie ein L�segeld, aber kann man ihnen vertrauen, dass sie auch die Gegenleistung erbringen? Allein schon ein Angebot gibt unseren einzigen wahren Vorteil preis, n�mlich dass sie nichts von uns wissen.� Annoura sch�ttelte kaum merklich den Kopf, aber Gallenne bemerkte es, und er runzelte die Stirn. �Ihr widersprecht, Annoura Sedai?�, fragte er h�flich. Und mit einer Spur von �berraschung. Manchmal war die Graue beinahe scheu, vor allem f�r eine Schwester, aber sie z�gerte nie, ihre Meinung zu sagen, wenn sie mit einem f�r Berelain bestimmten Rat nicht einverstanden war.</p><p>Aber diesmal z�gerte Annoura und verbarg es, indem sie ihren Umhang enger zog und die Falten sorgf�ltig richtete. Das war unbeholfen von ihr; wenn sie wollten, konnten Aes Sedai Hitze oder K�lte ignorieren und blieben unber�hrt, w�hrend alles um sie herum schwei�gebadet war oder darum k�mpfte, ein Z�hneklappern zu unterdr�cken. Eine Aes Sedai, die der Temperatur Aufmerksamkeit schenkte, schindete Zeit zum Nachdenken, f�r gew�hnlich, um zu verbergen, was sie gerade dachte. Sie schenkte Marline ein leises Stirnrunzeln und kam endlich zu einer Entscheidung, und die paar Falten auf ihrer Stirn verschwanden.</p><p>�Verhandeln ist immer besser als k�mpfen�, sagte sie in ihrem k�hlen tarabonischen Akzent, �und bei Verhandlungen ist das Vertrauen stets eine Sache der Vor � sichtsma�nahmen, oder? Wir m�ssen sorgf�ltig die Vorsichtma�nahmen bedenken, die sie ergriffen haben m�ssen. Und es ist die Frage, wer sich ihnen n�hert. Die Weisen Frauen sind vielleicht nicht l�nger unber�hrbar, seit sie an der Schlacht bei den Quellen von Dumai teilgenommen haben. Eine Schwester oder eine Gruppe von Schwestern k�nnte da besser sein, aber selbst das sollte sorgf�ltig vorbereitet sein. Ich biete mich an ...�</p><p>�Kein L�segeld�, sagte Perrin, und als alle ihn anstarrten, die meisten verbl�fft, Annoura mit unleserlichem Gesicht, wiederholte er es mit harter Stimme.</p><p>�Kein L�segeld.� Er w�rde diese Shaido nicht auch noch daf�r bezahlen, dass sie Faile hatten leiden lassen. Sie w�rde Angst haben, und daf�r mussten sie bezahlen und nicht profitieren. Nichts von dem, was Perrin in Altara oder Amadicia oder davor in Cairhien gesehen hatte, wies auch nur im mindesten darauf hin, dass man den Shaido vertrauen konnte, einen Handel einzuhalten. Da konnte man genauso gut den Ratten im Kornspeicher vertrauen. �Elyas, ich will ihr Lager sehen.� Als Junge hatte er einen blinden Mann gekannt. Nat Torfinn mit seinem faltigen Gesicht und dem d�nnen wei�en Haar konnte jedes R�tselspiel allein durch seinen Tastsinn l�sen. Jahrelang hatte Perrin versucht zu lernen, wie man dieses Bravourst�ck nachahmen konnte, aber es war ihm nie gelungen. Er musste sehen, wie die St�cke zusammenpassten, bevor er sie begriff. �Aram, findet Grady und sagt ihm, er soll so schnell wie m�glich an der Reisestelle zu mir kommen.� So nannten sie mittlerweile die Stelle, an der sie nach jedem Sprung ankamen und von der sie auch wieder aufbrachen. Es fiel den Asha'man leichter, ein Wegetor an einem Ort zu weben, der bereits von einem fr�heren Tor ber�hrt worden war.</p><p>Aram nickt knapp, dann zog er seinen Grauen herum und galoppierte in Richtung Lager, aber Perrin konnte von den ihn umgebenden Gesichtern Einw�nde, Fragen und Forderungen ablesen. Marline musterte ihn noch immer, so als w�re sie sich pl�tzlich nicht mehr genau dar�ber im Klaren, was er war, und Gallenne betrachtete mit finsterer Miene die Z�gel in seiner Hand; zweifellos malte er sich schon aus, dass die Dinge schlimm ausgehen w�rden, ganz egal, was Perrin auch machte. Aber Berelain zeigte einen beunruhigten Ausdruck, der ihre Einw�nde deutlich zutage treten lie�, und Annouras Lippen waren zu einem schmalen Strich verzogen. Aes Sedai mochten es gar nicht, wenn man sie unterbrach, und ob sie nun f�r eine Aes Sedai scheu war oder nicht, sie sah bereit aus, ihrem �rger Luft zu machen. Argandas Gesicht verf�rbte sich rot, und er �ffnete den Mund mit der klaren Absicht, sofort loszubr�llen. Arganda hatte oft herumgebr�llt, seit seine K�nigin entf�hrt worden war. Es war sinnlos, sich das wieder anzuh�ren.</p><p>Perrin stie� Traber die Fersen in die Flanken, lie� ihn die Reihe der Gefl�gelten Wachen durchbrechen und hielt auf die B�ume zu. Nicht im Galopp, aber auch nicht in gem�tlichem Tempo � ein schneller Trab durch den Wald, die Z�gel fest in der Hand, mit dem Blick bereits auf der Suche nach Grady. Elyas schloss sich ihm wortlos auf seinem Wallach an. Perrin war davon �berzeugt gewesen, in seinem Inneren keinen Platz mehr f�r auch nur eine weitere Unze Furcht zu haben, aber Elyas' Schweigen machte die Last noch schwerer, die auf ihm ruhte. Elyas sah nie ein Hindernis, ohne zugleich einen Weg zu sehen, wie man es umgehen konnte. Sein Schweigen schrie geradezu von unpassierbaren Bergen. Aber es musste einen Weg geben. Als sie den Ort des Tors erreichten, f�hrte Perrin seinen Hengst durch die Sonnenstrahlen an den umgest�rzten B�umen vorbei und zwischen den stehenden hindurch, nicht dazu in der Lage, einfach stehen zu bleiben. Er musste in Bewegung bleiben. Es musste einen Weg geben. Seine Gedanken sch�ssen hin und her wie eine Ratte im K�fig.</p><p>Elyas stieg ab und hockte sich auf die Fersen; er musterte stirnrunzelnd die Felsplatte und achtete nicht auf seinen Wallach, der an den Z�geln zerrte und vor ihr zur�ckweichen wollte. Neben dem Felsen ruhte der dicke Stamm einer Kiefer, die gute f�nfzig Fu� in die H�he geragt hatte, auf den zersplitterten �berresten ihres Stumpfs; hoch genug, dass Elyas darunter aufrecht h�tte hindurchgehen k�nnen. Grelle Sonnenstrahlen, die an anderen Stellen das Bl�tterdach durchstie�en, schienen die Schatten um den mit Spuren versehenen Stein fast in eine undurchdringliche Finsternis zu verwandeln, aber das st�rte ihn genauso wenig wie Perrin. Er r�mpfte die Nase wegen des Gestanks nach verbranntem Schwefel, der noch in der Luft hing. �Ich habe mir auf dem Weg hierher doch gedacht, diesen Gestank gerochen zu haben. Ich sch�tze, du h�ttest es erw�hnt, wenn du nicht andere Dinge im Kopf haben w�rdest. Ein gro�es Rudel. Gr��er als alles, was ich je gesehen habe. Oder von dem ich geh�rt habe.�</p><p>�Das hat Masuri auch gesagt�, erwiderte Perrin gedankenverloren. Was hielt Grady blo� auf? Wie viele Menschen gab es in Ebou Dar? Das war die Gr��e des Shaido-Lagers. �Sie hat gesagt, sie sei sieben Rudeln begegnet, aber dieses ist ihr unbekannt.�</p><p>�Sieben�, murmelte Elyas �berrascht. �Selbst eine Aes Sedai muss weit herumkommen, um das zu erreichen. Hinter den meisten Geschichten von Schattenhunden stecken blo� Leute, die sich vorm Dunkeln f�rchten.� Er starrte die Pfotenspuren an, die sich �ber den glatten Stein zogen, und sch�ttelte den Kopf. Trauer stahl sich in seine Stimme, als er sagte: �Einst waren sie W�lfe. Jedenfalls die Seelen von W�lfen, die der Schatten eingefangen und verzerrt hat. Das war der Kern, aus dem die Schattenhunde entstanden, die Schattenbr�der. Ich glaube, darum m�ssen die W�lfe bei der Letzten Schlacht dabei sein. Oder vielleicht wurden die Schattenhunde auch erschaffen, weil die W�lfe dort sein werden, um gegen sie zu k�mpfen. Manchmal l�sst das Muster die feine Spitze aus Sovarra wie aus einem St�ck Bindfaden gewoben aussehen. Wie dem auch sei, es war vor langer Zeit, soweit ich wei�, w�hrend der Trolloc-Kriege, und davor dem Schattenkrieg. W�lfe haben weit zur�ckreichende Erinnerungen. Was ein Wolf wei�, ger�t nie wirklich in Vergessenheit, solange noch andere W�lfe leben. Aber sie ver meiden es, �ber die Schattenhunde zu sprechen, und sie meiden auch die Schattenhunde selbst. Hundert W�lfe k�nnten bei dem Versuch sterben, einen Schattenbruder zu t�ten. Schlimmer, wenn sie scheitern, kann der Schattenhund die Seelen derjenigen fressen, die noch nicht verendet sind, und ein Jahr sp�ter g�be es ein neues Rudel Schattenbr�der, die sich nie mehr daran erinnern w�rden, dass sie einmal W�lfe waren. Ich hoffe jedenfalls, dass sie sich nicht mehr daran erinnern.�</p><p>Perrin z�gelte Traber, obwohl es ihn in den Fingern juckte, weiter in Bewegung zu bleiben. Die Bezeichnung der W�lfe f�r Schattenhunde hatte eine zus�tzliche grimmige Note erhalten. �K�nnen sie die Seele eines Menschen fressen, Elyas? Sagen wir, von einem Mann, der zu den W�lfen sprechen kann?� Elyas zuckte mit den Schultern. Soweit beide wu�ten, konnten nur eine Hand voll Leute das tun, was sie taten. Eine Antwort auf diese Frage w�rde es m�glicherweise erst im Augenblick des Todes geben. Was aber jetzt viel wichtiger war, wenn sie einst W�lfe gewesen waren, dann mussten sie auch intelligent genug sein, um Bericht �ber das zu erstatten, was sie gesehen hatten. Masuri hatte etwas in der Art angedeutet. Es w�re n�rrisch gewesen, etwas anderes anzunehmen. Wie lange, bevor sie es taten? Wie lange blieb ihm, um Falle zu befreien?</p><p>Die Laute von im Schnee knirschenden Hufen verk�ndeten das Eintreffen von Reitern, und er setzte Elyas schnell dar�ber in Kenntnis, dass sie das La � ger umrundet hatten und �ber ihn Bericht erstatten w�rden, wem auch immer sie Rechenschaft schuldig waren.</p><p>�Ich w�rde mir deswegen keine gro�en Sorgen machen, mein Junge�, erwiderte der �ltere Mann und hielt argw�hnisch nach den herannahenden Pferden Ausschau. Er bewegte sich von dem Stein fort und fing an sich zu strecken und dehnte Muskeln, da er zu lange im Sattel gesessen hatte. Elyas war zu vorsichtig, um sich dabei erwischen zu lassen, wie er etwas studierte, was f�r andere Augen von Schatten verh�llt wurde. �Klingt, als w�rden sie jemanden Wichtigeres jagen als dich. Sie werden weitermachen, bis sie ihn finden, und wenn es das ganze Jahr dauert. Mach dir keine Sorgen. Wir werden deine Frau befreien, bevor die Schattenhunde berichten k�nnen, dass du hier warst. Ich sage nicht, dass es einfach werden wird, aber wir werden es schaffen.� Entschlossenheit lag in seiner Stimme und in seinem Geruch, aber nicht viel Hoffnung. Eigentlich sogar gar keine.</p><p>Perrin k�mpfte die erneut aufsteigende Verzweiflung nieder und lie� Traber umherschreiten, als Berelain mit ihrer Leibwache zwischen den B�umen erschien. Marline sa� hinter Annoura auf dem Pferd. Sobald die Aes Sedai die Z�gel anzog, rutschte die Weise Frau zu Boden und sch�ttelte die volumin�sen R�cke zurecht, um ihre dunklen Str�mpfe zu bedecken. Einer anderen Frau w�re es m�glicherweise peinlich gewesen, ihre Beine entbl��t zu haben, aber nicht Marline. Sie richtete lediglich ihre Kleidung. Annoura war diejenige, die aufgebracht aussah, eine griesgr�mige Verstimmung, die ihre Nase noch mehr wie einen Schnabel aussehen lie�. Sie sagte kein Wort, aber ihr Mund lauerte f�rmlich darauf, zubei�en zu k�nnen. Sie musste fest davon �berzeugt gewesen sein, dass man ihr Angebot, mit den Shaido zu verhandeln, annehmen w�rde, vor allem, weil Berelain es unterst�tzte und sich Marline anscheinend schlimmstenfalls neutral verhalten h�tte. Graue waren Vermittler und Unterh�ndler, sie sprachen Recht und handelten Vertr�ge aus. M�glicherweise waren das ihre Beweggr�nde gewesen. Oder doch nicht? Ein Problem, das er im Moment beiseite schieben musste, aber keineswegs vergessen durfte. Er musste alles, was sich zu einem Hindernis f�r Failes Befreiung entwickeln konnte, in seine Pl�ne mit einbeziehen, aber das Problem, das er l�sen konnte, lag vierzig Meilen im Nordosten.</p><p>W�hrend die Gefl�gelten Wachen zwischen den riesigen B�umen um den Wegetorplatz herum ihren Schutzkreis bildeten, lenkte Berelain ihren Braunen neben Traber und versuchte, Perrin in ein Gespr�ch zu verwickeln und ihn mit dem Rest des Rebhuhns zu locken. Der Geruch von Unsicherheit ging von ihr aus, Zweifel an seiner Entscheidung. Vielleicht hoffte sie, ihn doch zu einem L�segeldangebot �berreden zu k�nnen. Er lie� Traber weitergehen und h�rte einfach nicht zu. Der Vorschlag mit dem L�segeld kam dem Versuch gleich, alles auf einen W�rfelwurf zu setzen. Er konnte nicht mit Falle als Einsatz spielen. Es musste so methodisch wie die Arbeit in einer Schmiede gemacht werden. Beim Licht, war er m�de. Er umarmte den Zorn in ihm noch fester, zog aus der lodernden Hitze Energie.</p><p>Gallenne und Arganda trafen kurz nach Berelain mit einer Zweierreihe ghealdanischer Lanzenreiter in ihren funkelnden Brustpanzern und hellen Spitzhelmen ein, die sich zwischen den B�umen zu den Mayenern gesellten. Ein Hauch von Gereiztheit trat in Berelains Geruch, und sie verlie� Perrin und ritt zu Gallenne hin�ber. Die beiden f�hrten ihre Pferde aneinander, bis sich ihre Knie fast ber�hrten, der Ein�ugige beugte den Kopf vor, um verstehen zu k�nnen, was Berelain sagte. Ihre Stimme war leise, aber Perrin war klar, wor�ber sie sprach, jedenfalls teilweise. Gelegentlich warf einer von ihnen einen Blick in seine Richtung, w�hrend er Traber unabl�ssig auf und ab gehen lie�. Arganda lie� seinen Rotschimmel stehen und starrte an den B�umen vorbei nach S�den, in Richtung des Lagers, einerseits so unbeweglich wie eine Statue, strahlte er dennoch Ungeduld aus wie ein Feuer Hitze. Mit seinen Helmfedern, dem Schwert und der silbernen R�stung und dem versteinerten Gesicht verk�rperte er das Bild eines Soldaten, aber sein Geruch verk�ndete, dass er am Rand der Panik stand. Perrin fragte sich, wie er selbst wohl roch. Nur in einem abgeschlossenen Raum konnte man den eigenen Geruch wahrnehmen. Er glaubte nicht, dass er nach Panik roch, blo� nach Furcht und Zorn.</p><p>Alles w�rde wieder gut, sobald er Falle zur�ckhatte.</p><p>Dann w�rde wieder alles gut sein. Auf und ab. Auf und ab.</p><p>Endlich erschien Aram mit einem g�hnenden Jur Grady auf einem braunen Wallach, der so dunkel war, dass die Bl�sse auf seiner Stirn ihn beinahe schwarz erscheinen lie�. Hinter ihm ritten Dannil und zwei Dutzend M�nner von den Zwei Fl�ssen, die ihre Speere und Hellebarden f�r den Augenblick gegen ihre Langb�gen eingetauscht hatten, aber sie blieben immer ein St�ck hinter ihm. Grady war ein untersetzter Bursche mit wettergegerbtem Gesicht, in dem sich bereits die ersten Falten zeigten, obwohl er noch nicht einmal seine mittleren Jahre erreicht hatte, und er sah trotz des Schwerts an seiner Taille und dem schwarzen Mantel mit dem silbernen Schwertanstecker an dem hohen Kragen wie ein verschlafener Bauer aus, aber er hatte seinen Hof f�r immer hinter sich gelassen, und Dannil und die anderen hielten immer geb�hrenden Abstand zu ihm ein. Genau wie zu Perrin; sie blieben ein St�ck weit entfernt stehen und schauten zu Boden, manchmal warfen sie ihm oder Berelain auch peinlich ber�hrte Blicke zu. Es spielte keine Rolle. Alles w�rde wieder gut werden.</p><p>Aram wollte Grady zu Perrin bringen, aber der Asha'man wusste, warum er geholt worden war. Mit einem Seufzen stieg er neben Elyas aus dem Sattel, der in einem Flecken Sonnenlicht kauerte, mit dem Finger eine Karte in den Schnee malte und von Entfernung und Richtung sprach, den Ort, zu dem er wollte, in allen Details beschrieb; eine Lichtung auf einem H�gel, die fast genau nach S�den ausgerichtet war, und der weiter oben befindliche H�gelkamm wies an drei Stellen Einkerbungen auf. Entfernung und Richtung reichten, wenn Entfernung und Richtung pr�zise waren, aber je besser sich der Asha'man das Bild vorstellen konnte, desto besser w�rde er die genaue Stelle treffen.</p><p>�F�r einen Fehler bleibt da kein Spielraum, mein Junge.� Elyas' Augen schienen vor Intensit�t zu funkeln. Was auch immer die anderen von den Asha'man hielten, ihn konnten sie nicht einsch�chtern. �In dieser Gegend gibt es viele H�gel, und das Hauptlager liegt auf der anderen Seite dieses H�gels und ist kaum eine Meile entfernt. Es wird Wachen geben, kleine Gruppen, die jede Nacht an einer anderen Stelle lagern, vielleicht weniger als zwei Meilen in der anderen Richtung. Setzt Ihr uns ein gutes St�ck weiter ab, wird man uns mit Sicherheit entdecken.�</p><p>Grady erwiderte seinen Blick, ohne zu blinzeln. Dann nickte er, fuhr sich mit den dicken Fingern durch die Haare und holte tief Luft. Er sah so m�de wie Elyas aus. So erschlagen, wie sich Perrin f�hlte. Wegetore zu erschaffen und lange genug aufzuhalten, dass Tausende von Leuten und Pferden sie passieren konnten, war eine m�hsame Arbeit.</p><p>�Seid Ihr dazu ausgeruht genug?�, fragte Perrin. M�de M�nner machten Fehler, und Fehler bei der Einen Macht konnten t�dlich sein. �Soll ich Neald holen lassen?�</p><p>Grady starrte kurzsichtig zu ihm hoch, dann sch�ttelte er den Kopf. �Fager ist nicht ausgeruhter, als ich es bin. Vielleicht sogar weniger. Ich bin etwas st�rker als er. Besser, ich mache es.� Er wandte sich der nord�stlichen Richtung zu, und neben dem mit Pfotenspuren �bers�ten Stein erschien ohne Vorwarnung ein senkrechter, silberblauer Strich. Annoura riss ihre Stute mit einem lauten St�hnen aus dem Weg, als sich der Lichtbalken zu einer �ffnung verbreiterte, einem Loch in der Luft, das eine sonnenbeschienene Lichtung auf einer steilen Anh�he zeigte, die von B�umen ges�umt wurde � kleineren als jenen, die sich um Perrin und die anderen herum befanden. Die zersplitterte Kiefer erbebte, als sie einen weiteren schmalen Keil verlor, und landete �chzend mit einem vom Schnee ged�mpften Krachen, das die Pferde schnauben und scheuen lie�, auf dem Boden. Annoura warf dem Asha'man einen finsteren Blick zu, ihr Gesicht verf�rbte sich dunkel, aber Grady blinzelte nur und sagte: �Ist das der richtige Ort?� Elyas richtete den Hut, bevor er nickte.</p><p>Perrin hatte nur auf dieses Nicken gewartet. Er zog den Kopf ein und ritt mit Traber in Schnee, der ihm bis zu den Fesseln reichte. Es war eine kleine Lichtung, aber der mit wei�en Wolken gef�llte Himmel lie� sie nach der Enge des Waldes riesig erscheinen. Das Licht war fast blendend, dabei wurde die Sonne noch immer von dem bewaldeten H�gelkamm verborgen. Das Shaido-Lager befand sich auf der anderen H�gelseite. Er starrte voller Sehnsucht die Anh�he hinauf. Es kostete ihn seine ganze Beherrschung, an dem Ort zu bleiben, an dem er war, statt loszugaloppieren, um endlich zu sehen, wo Faile war. Er zwang sich dazu, Traber zum Tor zu drehen, als Marline herauskam.</p><p>Sie musterte ihn immer noch, nahm den Blick kaum lange genug von ihm, um sich ohne zu stolpern den Weg durch den Schnee zu bahnen, und trat zur Seite, um Aram und die M�nner von den Zwei Fl�ssen durchreiten zu lassen. Mittlerweile hatten sie sich so sehr an das Schnelle Reisen gew�hnt � wenn auch nicht an den Asha'man �, dass sie kaum die K�pfe senkten, um die Oberseite des Tors nicht zu ber�hren, und nur der gr��te von ihnen tat es. Es fiel Perrin auf, dass das Wegetor gr��er als jene war, die Grady zuerst erschaffen hatte. Damals hatte er noch absteigen m�ssen. Es war aber nur ein fl�chtiger Gedanke, nicht wichtiger als eine vorbeisummende Fliege. Aram ritt auf geradem Weg zu Perrin; er roch ungeduldig und entschlossen. Sobald Dannil und die anderen aus dem Weg waren � sie stiegen ab und spannten Pfeile in die B�gen, w�hrend sie die umliegenden B�ume betrachteten �, erschien Gallenne und starrte grimmig um sich, als erwartete er jeden Augenblick, den Feind aus dem Wald st�rmen zu sehen. Ihm folgten ein halbes Dutzend Mayener, die ihre mit roten Wimpeln versehenen Lanzen senken mussten.</p><p>Ein langer Augenblick verging, in dem das Tor leer blieb, aber gerade als Perrin beschlossen hatte zur�ckzugehen, um zu sehen, was Elyas aufhielt, f�hrte der b�rtige Mann sein Pferd hindurch, gefolgt von Ar � ganda und sechs Ghealdanern, deren Gesichter deutlich Unmut verrieten. Ihre funkelnden Helme und Brustpanzer waren nirgendwo in Sicht, und sie schauten so finster drein, als h�tte man sie gezwungen, ihre Hosen zur�ckzulassen.</p><p>Perrin nickte. Nat�rlich. Das Shaido-Lager war auf der anderen Seite dieses H�gels, genau wie die Sonne. Die funkelnden R�stungen w�ren wie Spiegel gewesen. Daran h�tte er denken m�ssen. Noch immer lie� er zu, dass ihn die Angst zur Ungeduld verleitete und seinen Verstand vernebelte. Er musste einen klaren Kopf behalten, in diesem Moment noch mehr als je zuvor. Das Detail, das er jetzt �bersah, konnte ihn t�ten und Faile den Shaido �berlassen. Aber seine Angst loszulassen war leichter gesagt als getan. Wie konnte er denn aufh�ren, Angst um Faile zu haben? Das musste doch zu schaffen sein, blo� wie?</p><p>Zu seiner �berraschung ritt Annoura direkt vor Grady durch das Wegetor, der seinen Braunen an den Z�geln f�hrte. Wie immer, wenn er sie ein Tor durchqueren sah, lag sie so flach auf ihrer Stute, wie es der hohe Sattelknauf erlaubte, und betrachtete die �ffnung, die mit der verdorbenen m�nnlichen H�lfte der Einen Macht erschaffen worden war, mit einer Grimasse, und sobald sie sie hinter sich gelassen hatte, galoppierte sie den H�gel so weit hinauf, wie sie nur konnte, ohne den Wald zu betreten. Grady lie� das Wegetor zuschnappen, was in Perrins Augen einen Moment lang das purpurfarbene Nachbild eines vertikalen Strichs funkeln lie�, und Annoura zuckte zusammen, schaute weg und starrte Marline und dann Perrin b�se an. W�re sie keine Aes Sedai gewesen, h�tte er gesagt, sie w�rde vor Wut kochen. Berelain musste ihr befohlen haben, die anderen zu begleiten, aber sie gab nicht der Ersten von Mayene die Schuld daf�r, dass sie hier war.</p><p>�Ab jetzt gehen wir zu Fu߫, verk�ndete Elyas mit leiser Stimme, die kaum das gelegentliche Aufstampfen eines Pferdehufs �bert�nte. Er hatte gesagt, dass die Shaido unvorsichtig waren und kaum Wachen aufgestellt hatten, aber er sprach, als w�rden sie keine zwanzig Schritte entfernt lauern. �Ein Mann auf einem Pferd ist auff�llig. Die Shaido sind nicht blind, nur blind f�r Aiel, was bedeutet, dass sie doppelt so gut sehen k�nnen wie jeder von euch, also zeigt euch oben auf dem Kamm nicht. Und versucht, so wenig L�rm wie m�glich zu machen. Sie sind auch nicht taub. Irgendwann werden sie unsere Spuren finden � da kann man wegen des Schnees nichts machen �, aber wir d�rfen sie jetzt nicht wissen lassen, dass wir hier sind.�</p><p>Arganda, der bereits �ber den Verlust seiner R�stung verstimmt war, fing an sich zu beschweren, dass Elyas jetzt die Befehle gab. Da er kein kompletter Narr war, tat er es mit leiser Stimme, die nicht weit trug, aber er war seit seinem f�nfzehnten Lebensjahr Soldat, er hatte Soldaten gegen Wei�m�ntel, Altaraner und Amadicianer in den Kampf gef�hrt, und, wie er gern betonte, er hatte im Aiel-Krieg gek�mpft und in Tar Valon den Blutigen Schnee erlebt. Er wusste �ber die Aiel Bescheid, und er brauchte keinen Waldl�ufer, der ihm sagte, wie er die Stiefel anzuziehen hatte. Perrin lie� es geschehen, da er sich erst beschwerte, nachdem er zwei M�nner dazu abkommandiert hatte, auf die Pferde aufzupassen. Er war kein Narr, er hatte nur Angst um seine K�nigin. Gallenne lie� seine M�nner alle zur�ck und murmelte etwas dar�ber, dass Lanzenreiter ohne ihre Pferde weniger als nutzlos waren und sich vermutlich den Hals brechen w�rden, wenn er sie zu Fu� losschickte. Auch er war kein Narr, aber er sah zuerst immer die schlechte Seite. Elyas �bernahm die F�hrung, und Perrin wartete nur lange genug, um sein Fernglas aus Trabers Satteltasche in seine Manteltasche zu stecken, bevor er ihm folgte.</p><p>Das Unterholz � haupts�chlich Kiefern, Tannen und andere Baumgruppen, jetzt wintergrau und blattlos � war nicht besonders dicht, und das Gel�nde war nicht steiler als die Sandh�gel zu Hause, wenn auch etwas felsiger, also stellte es f�r Dannil und die M�nner von den Zwei Fl�ssen kein Hindernis dar; geistergleich und fast so lautlos wie der Nebel ihres Atems schw�rmten sie mit eingespannten Pfeilen und wachsamen Blicken den H�gel hinauf. Aram hielt sich mit gezogenem Schwert in Perrins N�he; auch ihm waren W�lder nicht fremd. Einmal fing er an, ein Dickicht aus braunen Schlingpflanzen aus seinem Weg zu hacken, bis Perrin ihn mit einer Ber�hrung innehalten lie�, dennoch machte er kaum mehr L�rm als Perrin, von dem nur das leise Knirschen von Stiefeln im Schnee zu h�ren war. Es war keine gro�e �berraschung, dass sich Marline zwischen den B�umen bewegte, als w�re sie in einem Wald statt in der Aiel-W�ste aufgewachsen, wo alles, das die Bezeichnung Baum verdiente, selten und Schnee v�llig unbekannt war; eigentlich h�tte man annehmen sollen, dass ihre Ketten und Armb�nder bei ihren Bewegungen klirrten, aber das taten sie nicht.</p><p>Annoura stieg mit beinahe der gleichen M�helosigkeit den Hang hinauf; zwar musste sie sich mit ihren R�cken manchmal etwas abm�hen, aber sie wich geschickt den scharfen Dornen von Katzenklauen und Schlingpflanzen aus. Aes Sedai fanden f�r gew�hnlich eine M�glichkeit, einen zu �berraschen. Sie schaffte es sogar, Grady misstrauisch im Auge zu behalten, dabei schien sich der Asha'man lediglich darauf zu konzentrieren, einen Fu� vor den anderen zu setzen. Gelegentlich seufzte er tief, blieb eine Minute lang stehen und schaute stirnrunzelnd zum Kamm hinauf, aber irgendwie fiel er nie zur�ck. Gallene und Arganda waren keine jungen M�nner mehr und auch nicht daran gew�hnt zu gehen, wenn sie reiten konnten, und ihre Atmung wurde schwerer, je h�her sie kamen, manchmal zogen sie sich sogar von einem Baum zum n�chsten, aber sie beobachteten einander fast so oft wie den Boden, keiner von ihnen war ber eit, sich von dem anderen �berholen zu lassen. Die vier ghealdanischen Lanzenreiter hingegen rutschten aus und stolperten �ber vom Schnee verborgene Wurzeln, verfingen sich mit ihren Schwertscheiden im Gestr�pp und knurrten Fl�che, wenn sie auf Steinen landeten und von Dornen geritzt wurden. Perrin zog langsam in Betracht, sie zur�ck zu den Pferden zu schicken. Entweder das, oder ihnen eins �ber den Sch�del zu verpassen und sie auf dem R�ckweg wieder einzusammeln.</p><p>Pl�tzlich kamen vor Elyas zwei Aiel aus dem Unterholz. Dunkle Schleier verh�llten ihre Gesichter bis zu den Augen, wei�e Umh�nge bedeckten ihre R�cken, in H�nden hielten sie Speere und Schilde. Der Gr��e nach zu urteilen, waren es T�chter des Speers, was sie keineswegs weniger gef�hrlich machte als jeden anderen <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> und im n�chsten Augenblick wurden neun Langb�gen gespannt, und breite Pfeilspitzen zielten auf ihre Herzen.</p><p>�Ihr k�nntet Euch auf diese Weise verletzten, Tuandha�, murmelte Elyas. �Sulin, Ihr solltet es besser wissen.� Perrin bedeutete den M�nnern von den Zwei Fl�ssen, die Bogen zu senken, und Aram, das Schwert herunterzunehmen. Er hatte ihre Ger�che im gleichen Augenblick wie Elyas erkannt, bevor sie aus ihrem Versteck getreten waren.</p><p>Die T�chter wechselten einen �berraschten Blick, aber sie nahmen die Schleier ab und lie�en sie auf der Brust h�ngen. �Ihr habt scharfe Augen, Elyas Machera�, sagte Sulin. Drahtig und mit einem Gesicht wie Leder, das auf einer Wange eine Narbe aufwies, hatte sie scharfe blaue Augen, die so durchdringend wie eine Nadel blicken konnten, aber jetzt schauten sie noch immer �berrascht. Tuandha war gr��er und j�nger, und m�glicherweise war sie h�bsch gewesen, bevor sie das rechte Auge verloren und die wulstige Narbe erhalten hatte, die vom Kinn unterhalb ihrer <emphasis>Shoufa</emphasis> nach oben f�hrte. Sie verzerrte ihren Mundwinkel zu einem halben L�cheln, aber das war auch das einzige L�cheln, das sie je zeigte.</p><p>�Eure M�ntel sind anders�, sagte Perrin. Tuandha blickte stirnrunzelnd an sich herab, ihr Mantel war grau und gr�n und braun, genau wie Sulins Kleidung.</p><p>�Eure Umh�nge auch.� Elyas <emphasis>war</emphasis> m�de. So einen Fehler zu machen. �Sie sind doch nicht etwa aufgebrochen?�</p><p>�Nein, Perrin Aybara�, sagte Sulin. �Die Shaido scheinen eine Zeitlang an diesem Ort bleiben zu wollen. Letzte Nacht haben sie die Menschen aus der Stadt dazu gezwungen, sie zu verlassen und nach Norden zu gehen, zumindest jene, die sie weggelassen haben.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, noch immer verwirrt dar�ber, dass die Shaido Leute dazu zwangen, <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu werden, die nicht dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> folgten. �Eure Freunde Jondyn Barran und Get Ayliah und Hu Marwin sind ihnen gefolgt, um zu sehen, ob sie etwas in Erfahrung bringen k�nnen. Unsere Speerschwestern und Gaul umrunden wieder das Lager. Wir haben hier darauf gewartet, dass Elyas Machera mit Euch zur�ckkehrt.� Sie lie� nur selten Gef�hle in ihrer Stimme zu, und es waren auch jetzt keine herauszuh�ren, aber sie roch nach Traurigkeit. �Kommt, ich zeige es Euch.�</p><p>Die beiden T�chter wandten sich dem H�gel zu, und er eilte ihnen hinterher und verga� alles andere um sich herum. Ein kurzes St�ck vor dem Kamm gingen sie in die Hocke, dann auf H�nde und Knie, und er machte es ihnen nach und kroch die letzten paar Handspannen, um oben auf dem Kamm an einem Baum vorbei durch den Schnee zu sp�hen. Der Wald endete hier und ging auf dem Abhang in verstreut wachsende B�sche und vereinzelte Sch�sslinge �ber. Perrin konnte mehrere Meilen weit sehen, hinweg �ber Bodenwellen, die wie baumlose H�gel aussahen, bis zu der Stelle, an der das dunkle Band des Waldes wieder begann. Er konnte alles sehen, was er sehen wollte, mehr, als ihm lieb gewesen w�re.</p><p>Er hatte versucht, sich das Lager der Shaido aufgrund von Elyas' Beschreibung vorzustellen, aber die Wirklichkeit machte dieses Bild zunichte. Eintausend Schritte unter ihm lag eine Masse aus niedrigen Aielzelten und jeder anderen Art von Zelt, eine Masse aus Wagen und Karren, Menschen und Tieren. Sie breitete sich fast �ber eine Meile von den grauen Mauern der Stadt bis zur H�lfte des Weges zur n�chsten Anh�he in alle Richtungen aus. Ihm war klar, das es auf der anderen Seite genauso aussehen musste. Es handelte sich um keine der gro�en St�dte, sie war nicht wie Caemlyn oder Tar Valon; auf der Seite, die er sehen konnte, ma� sie weniger als vierhundert Schritte und war auf der anderen offensichtlich noch schmaler, doch es war dennoch eine Stadt mit hohen Mauern und T�rmen und allem Anschein nach einer Festung am n�rdlichen Ende. Aber das Lager der Shaido verschluckte sie v�llig. Faile befand sich irgendwo in diesem riesigen Meer aus Menschen.</p><p>Er zog das Fernglas aus der Tasche und dachte im letzten Augenblick daran, eine Hand �ber das andere Ende zu w�lben, um f�r Schatten zu sorgen. Die Sonne war eine goldene Kugel fast direkt vor ihm und hatte fast den halben Weg zum Zenit erklommen. Eine zuf�llige Spiegelung der Linse konnte alles verderben. Gruppen aus Menschen sprangen ihm in dem Fernglas entgegen, ihre Gesichter waren deutlich zu erkennen, zumindest f�r seine Augen. Langhaarige Frauen mit dunklen Schultert�chern und Dutzenden langer Halsketten, Frauen mit weniger Ketten, die Ziegen molken, Frauen im <emphasis>Cadirisor</emphasis> und manchmal mit Speer und Schild, Frauen, die aus den Tiefen der Kapuzen schwerer wei�er Roben blickten, w�hrend sie durch matschigen Schnee eilten. Da waren auch M�nner und Kinder, aber sein Auge glitt an ihnen vorbei. Tausende �ber Tausende von Frauen, und da waren nur die in Wei� gez�hlt.</p><p>�Zu viele�, fl�sterte Marline, und er senkte das Glas, um sie b�se anzustarren. Die anderen hatten sich zu den T�chtern und ihm gesellt, sie alle lagen entlang des Kamms in einer Reihe im Schnee. Die M�nner von den Zwei Fl�ssen unternahmen gro�e Anstrengungen, ihre Bogensehen vom Schnee fernzuhalten, ohne ihre Bogen �ber den Kamm zu heben. Arganda und Gallenne studierten das Lager mit ihren eigenen Ferngl�sern, und Grady starrte mit auf den H�nden aufgest�tztem Kinn den Abhang hinunter; er war genauso konzentriert wie die beiden Soldaten. Vielleicht benutzte er auf irgendeine Weise die Macht. Auch Marline und Annoura starrten hinunter zum Lager, die Aes Sedai befeuchtete sich die Lippen, und die Weise Frau runzelte die Stirn. Perrin glaubte nicht, dass Marline beabsichtigt hatte, das laut zu sagen.</p><p>�Wenn Ihr glaubt, ich gehe wieder, nur weil dort unten mehr Shaido als erwartet sind ...�, begann er hitzig, aber sie unterbrach ihn und erwiderte seinen Blick gleichm�tig.</p><p>�Zu viele Weise Frauen, Perrin Aybara. Wo ich auch hinsehe, entdecke ich eine Frau, die die Macht lenken kann. Nur f�r einen Augenblick hier, einen Augenblick da � Weise Frauen lenken nicht ununterbrochen die Macht �, aber sie sind �berall, wo ich hinsehe. Zu viele, um die Weisen Frauen von zehn Septimen zu sein.�</p><p>Er holte tief Luft. �Was glaubt Ihr, wie viele sind es?�</p><p>�Ich glaube, dass da unten alle Weisen Frauen der Shaido versammelt sind�, erwiderte Marline so ruhig, als w�rde sie �ber den Haferpreis sprechen. �Alle, die die Macht lenken k�nnen.�</p><p>Alle? Das ergab keinen Sinn! Wie konnten sie alle dort versammelt sein, wo die Shaido doch in alle Winde verstreut waren? Immerhin hatte er Geschichten von Shaido-Raubz�gen in ganz Ghealdan und Amadicia geh�rt, Geschichten von Raubz�gen hier in Altara, und zwar lange vor Failes Entf�hrung. Warum sollten sie alle zusammengekommen sein? Falls die Shaido sich hier sammeln wollten, der ganze Clan ... Nein, er musste von dem ausgehen, was ihm als Tatsache bekannt war. Das war schlimm genug. �Wie viele?�, fragte er noch einmal, diesmal in vern�nftigem Tonfall.</p><p>�Knurrt mich nicht an, Perrin Aybara. Ich kann nicht genau sagen, wie viele Weise Frauen der Shaido am Leben geblieben sind. Selbst Weise Frauen sterben an Krankheiten, Schlangenbissen, Unf�llen. Einige sind bei den Quellen von Dumai gestorben. Wir haben zur�ckgelassene Leichen gefunden, und sie m�ssen jene, die sie mitschleppen konnten, f�r ein angemessenes Begr�bnis mitgenommen haben. Nicht einmal die Shaido k�nnen alle Sitten aufgegeben haben. Wenn alle �berlebenden dort unten sind, und die Lehrlinge, die die Macht lenken k�nnen, dann w�rde ich sagen, etwa vierhundert. Vielleicht auch mehr, aber weniger als f�nfhundert. Bevor die Weisen Frauen der Shaido das R�ckgrat der Welt �berquert haben, gab es weniger als f�nfhundert von ihnen, und vielleicht f�nfzig Lehrlinge.� Die meisten Bauern h�tten lebhafter �ber Hafer gesprochen.</p><p>Annoura, die noch immer das Lager der Shaido anstarrte, gab einen erstickten Laut von sich, der zur H�lfte ein Schluchzen war. <emphasis>�F�nfliundert?</emphasis> Beim Licht! Die H�lfte der Wei�en Burg in einem Clan? Oh, Licht!�</p><p>�Wir k�nnten uns nachts hineinschleichen�, murmelte Dannil von seiner Position ein St�ck weiter in der Reihe, �so wie Ihr zu Hause in das Lager der Wei�m�ntel geschlichen seid.� Elyas gab ein Grunzen von sich, das alles h�tte bedeuten k�nnen, aber nicht hoffnungsvoll klang.</p><p>Sulin schnaubte ver�chtlich. <emphasis>�Wir</emphasis> k�nnten uns nicht in dieses Lager schleichen, wir h�tten kaum eine Hoffnung, wieder heil herauszukommen. Euch w�rde man verschn�ren wie eine Ziege auf dem Bratspie�, bevor Ihr an den ersten Zelten vorbei seid.�</p><p>Perrin nickte langsam. Er hatte auch schon daran gedacht, im Schutz der Dunkelheit hineinzuschleichen und Faile irgendwie dort herauszuschaffen. Und die anderen nat�rlich. Sie w�rde nicht ohne die anderen gehen. Aber er glaubte nicht, dass das gut gehen w�rde, nicht bei Aiel, und die Gr��e des Lagers hatte die letzten Funken Hoffnung erstickt. Er h�tte dort tagelang zwischen den Menschen umherwandern k�nnen, ohne sie zu finden.</p><p>Pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass er keine Verzweiflung mehr niederk�mpfen musste. Die Wut blieb, aber sie war jetzt so kalt wie Stahl im Winter, und er konnte nicht einen Tropfen von der Hoffnungslosigkeit entdecken, die zuvor gedroht hatte, ihn zu ersticken. In diesem Lager hielten sich zehntausend <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> auf, und f�nfhundert Frauen, die die Macht lenken konnten � Gallenne hatte Recht, bereite dich auf das Schlimmste vor, und du wirst nur noch angenehme �berraschungen erleben �, f�nfhundert Frauen, die nicht z�gern w�rden, die Eine Macht als Waffe zu benutzen. Faile war verborgen wie eine Schneeflocke auf einer schneebedeckten Wiese, aber wenn man so viel auft�rmte, dann war Verzweiflung nur noch sinnlos.</p><p>Entweder man machte sich ans Werk oder wurde untergepfl�gt. Au�erdem begriff er jetzt das R�tsel. Nat Torfinn hatte immer behauptet, dass jedes R�tsel zu l�sen sei, sobald man herausgefunden hatte, wo man schieben und wo man ziehen musste.</p><p>Im Norden und S�den der Stadt hatte man das Land wesentlich weiter als bis zu dem H�gel, auf dem er lag, gerodet. Vereinzelte Bauernh�user, aus deren Schornsteinen kein Rauch aufstieg, sprenkelten die Landschaft, und Z�une markierten die unter dem Schnee liegenden Felder, aber w�ren aus diesen Richtungen mehr als nur eine Handvoll M�nner anger�ckt, h�tten sie genauso gut Fackeln und Banner schwingen und Fanfarenst��e von sich geben k�nnen. Es gab eine Stra�e, die ungef�hr im S�den an den H�fen vorbeif�hrte; f�r den Norden galt das gleiche. Vermutlich nutzte ihm das nichts, aber das konnte man nie sagen.</p><p>M�glicherweise brachte Jondyn ein paar Informationen �ber die Stadt mit, aber was das nutzen w�rde, wo sie doch vom Lager der Shaido umgeben war, wusste Perrin nicht. Gaul und die T�chter, die das Lager umrundeten, w�rden ihm sagen k�nnen, was hinter dem n�chsten H�gel lag. Sein Kamm wies einen Sattel auf, der dem �u�eren Anschein nach eine Stra�e vermuten lie�, die nach Osten f�hrte. Seltsamerweise stand etwa eine Meile n�rdlich von dem Sattel eine Gruppe Windm�hlen, deren lange wei�e Fl�gel sich langsam drehten, und auf dem dahinterliegenden H�gel schien es eine weitere Gruppe von Windm�hlen zu geben. Eine Reihe von Steinb�gen, die an eine lange schmale Br�cke denken lie�en, erstreckten sich von der vordersten M�hle den H�gel hinunter bis hin zur Stadtmauer.</p><p>�Wei� jemand, was das ist?�, fragte er und zeigte in die Richtung. Der Blick durch das Fernglas hatte ihm nicht mehr verraten als die Tatsache, dass die B�gen anscheinend aus dem gleichen grauen Stein wie die Stadtmauer erbaut waren. Die Konstruktion war viel zu schmal f�r eine Br�cke. Es fehlten Seitenmauern, au�erdem schien es hier nichts zu geben, wof�r eine Br�cke notwendig gewesen w�re.</p><p>�Das ist f�r den Transport von Wasser�, erwiderte Sulin. �Es erstreckt sich �ber f�nf Meilen bis zu einem See. Ich wei� nicht, warum sie ihre Stadt nicht n� � her herangebaut haben, aber der gr��te Teil des Landes um den See herum sieht aus, als best�nde er aus Schlamm, wenn die K�lte weg ist.� Sie stolperte nicht l�nger �ber unvertraute Worte wie Schlamm, aber bei �See�, der Vorstellung von so viel Wasser an einem Ort, schwang noch immer eine Spur von Ehrfurcht mit.</p><p>�Ihr denkt daran, ihre Wasserversorgung zu unterbrechen? Das wird sie sicherlich hervor locken.� Ein Kampf um Wasser, das konnte sie verstehen. In der W�ste nahmen die meisten K�mpfe wegen Wasser ihren Anfang. �Aber ich glaube nicht ...�</p><p>Die Farben explodierten in Perrins Kopf, und zwar so stark, dass Sicht- und H�rverm�gen verschwand.</p><p>Die Farben einmal ausgenommen, was die Sicht anging. Sie kamen als eine riesige Welle, als h�tten die viele Male, die er sie aus seinem Kopf gedr�ngt hatte, einen Damm errichtet, den sie nun in einer stummen Flut zerschmetterten, um in lautlosen Strudeln zu kreisen, die ihn in die Tiefe zu rei�en drohten. Mittendrin nahm ein Bild Gestalt an, Rand und Nynaeve, die einander gegen�ber auf dem Boden sa�en, und es war so klar, als s��en sie direkt vor ihm. Er hatte keine Zeit f�r Rand, nicht jetzt. Nicht jetzt! Er krallte die Farben beiseite, wie ein Ertrinkender das Wasser zur Seite krallte, um zur Oberfl�che zu gelangen, er ... zwang ...</p><p>sie ... aus ... seinem ... Kopf!</p><p>Sicht- und H�rverm�gen, die ganze Welt schlug �ber ihm zusammen.</p><p>�... ist Wahnsinn�, sagte Grady besorgt. �Niemand kann so viel <emphasis>Saidin</emphasis> lenken, dass ich es aus dieser Entfernung noch sp�re! Niemand!�</p><p>�Und niemand kann so viel <emphasis>Saidar</emphasis> lenken�, murmelte Marline. �Aber jemand tut es.�</p><p>�Die Verlorenen?� Annouras Stimme zitterte. �Die Verlorenen, die ein <emphasis>Sa'angreal</emphasis> benutzen, von dem wir nichts wu�ten. Oder ... der Dunkle K�nig selbst.�</p><p>Alle drei schauten nach Nordwesten, und wenn Marline beherrschter als Annoura oder Grady aussah, roch sie doch genauso ver�ngstigt. Mit Ausnahme von Elyas beobachteten alle sie mit dem Gesichtsausdruck von M�nnern, die die Ank�ndigung erwarteten, dass die erneute Zerst�rung der Welt ihren Anfang genommen hatte. Elyas' Miene dr�ckte Akzeptanz aus. Ein Wolf w�rde nach einem Erdrutsch schnappen, der ihn in den Tod riss, aber ein Wolf wusste auch, dass der Tod fr�her oder sp�ter kam, und gegen den Tod konnte man nicht k�mpfen.</p><p>�Es ist Rand�, murmelte Perrin heiser. Der Versuch der Farben, ihn erneut zu �berschwemmen, lie� ihn erbeben, aber er h�mmerte sie nieder. �Das ist seine Sache. Er wird sich darum k�mmern, was auch immer es ist.� Alle starrten ihn an, selbst Elyas. �Sulin, ich brauche Gefangene. Sie schicken sicher Jagdexpeditionen aus. Elyas hat gesagt, dass sie Wachen ein paar Meilen weit ausgesandt haben, kleine Gruppen. K�nnt Ihr mir Gefangene besorgen?�</p><p>�H�rt mir genau zu�, stie� Annoura hervor. Sie erhob sich weit genug aus dem Schnee, um �ber Marline hinweg eine Handvoll von Perrins Umhang zu ergreifen. �Etwas geschieht gerade, vielleicht etwas Wunderbares, vielleicht auch etwas Schreckliches, aber auf jeden Fall etwas Gewaltiges, und zwar weitaus bedeutsamer, als alles in der �berlieferten Geschichte! Wir m�ssen wissen, was das ist! Grady kann uns nahe genug heranbringen, um es zu beobachten. <emphasis>Ich</emphasis> k�nnte uns dort hinbringen, wenn ich w�sste, wie man das Gewebe erschaffen muss. Wir m�ssen es wissen!�</p><p>Perrin erwiderte ihren Blick und hob die Hand, und sie verstummte mit offenstehendem Mund. So leicht lie�en sich Aes Sedai sonst nicht zum Schweigen bringen, aber sie lie� es geschehen. �Ich habe Euch gesagt, was zu tun ist. Unsere Arbeit liegt direkt vor uns.</p><p>Sulin?�</p><p>Sulin sah von ihm zu der Aes Sedai und dann zu Marline. Schlie�lich zuckte sie mit den Schultern. �Ihr werdet nur wenig N�tzliches erfahren, selbst wenn Ihr sie der Befragung unterzieht. Sie werden den Schmerz umarmen und Euch auslachen. Und Scham wird nur langsam wirken � falls diese Shaido �berhaupt noch zu besch�men sind.�</p><p>�Was auch immer ich erfahre, wird mehr sein, als ich jetzt wei߫, erwiderte er. Seine Arbeit lag vor ihm ausgebreitet. Ein R�tsel musste gel�st, Faile musste befreit und die Shaido vernichtet werden. Das war alles, was auf der Welt z�hlte.</p></section><section><title><p>9</p><p>Fallen</p></title><p>Und sie hat sich wieder dar�ber beschwert, dass die anderen Weisen Frauen so zaghaft sind�, beendete Faile in ihrer besten dem�tigen Stimme den Satz, r�ckte den hohen Korb auf ihrer Schulter zurecht und trat in dem matschigen Schnee von einem Fu� auf den anderen. Der Korb war nicht schwer, auch wenn er mit schmutziger W�sche gef�llt war, und die Wolle ihres wei�en Gewands war dick und warm, und darunter trug sie noch zwei Untergew�nder, aber ihre weichen, wei� gebleichten Lederstiefel boten nur wenig Schutz gegen den Schneematsch. �Man hat mir befohlen, die genauen Worte der Weisen Frau Seva nna wiederzugeben�, f�gte sie schnell hinzu. Someryn war eine der �anderen� Weisen Frauen, und ihr Mund hatte sich bei dem Wort zaghaft verzogen.</p><p>Mit ihrem gesenkten Blick war das alles, was Faile von Someryns Gesicht sehen konnte. <emphasis>Gai'schain</emphasis> hatten eine dem�tige Haltung einzunehmen, ganz besonders die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die keine Aiel waren, und obwohl sie durch die Wimpern blinzelte, um Someryns Miene zu erfassen, war ihr Gegen�ber doch gr��er als die meisten M�nner, Aiel eingeschlossen; sie war eine blonde Riesin, die sie hoch �berragte. In der Hauptsache konnte sie blo� Someryns �bertrieben gro�en Busen sehen, das �ppige, von der Sonne verbrannte Dekollete, das von einer Bluse enth�llt wurde, die bis zur H�lfte ihrer Brust hinunter nicht verschn�rt war und gr��tenteils von einer gewaltigen Sammlung langer Halsketten aus Feuertropfen, Smaragden, Rubinen und Opalen sowie dreilagigen Str�ngen dicker Perlen und aufw�ndig verzierter Goldketten bedeckt wurde. Die meisten Weisen Frauen schienen Sevanna, die �f�r den H�uptling� sprach, bis man einen neuen Clanh�uptling der Shaido erw�hlen konnte � eine Prozedur, die kaum in absehbarer Zeit stattfinden w�rde �, nicht leiden zu k�nnen. Sie versuchten ihre Autorit�t bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu untergraben, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig bek�mpften oder Cliquen bildeten, aber viele von ihnen teilten Sevannas Vorliebe f�r Feuchtl�nderschmuck, und ein paar waren sogar ihrem Beispiel gefolgt und trugen Ringe an den Fingern. An Someryns rechter Hand steckte ein gro�er wei�er Opal, in dem rote Adern aufblitzten, wenn sie ihr Schultertuch richtete, und an der linken war ein langer blauer, mit Rubinen eingefasster Saphir. Allerdings hatte sie nicht die Seidenkleidung �bernommen. Ihre Bluse war einfaches wei�es <emphasis>Aglode</emphasis> aus der W�ste, und Rock und Schultertuch bestanden aus dicker Wolle, die genauso dunkel wie das zusammengefaltete Halstuch war, mit dem sie ihr taillenlanges blondes Haar aus dem Gesicht hielt. Die K�lte schien sie nicht im mindesten zu st�ren.</p><p>Sie standen direkt jenseits der Grenze, die Falles Ansicht zufolge das Lager der Shaido von dem der <emphasis>Gai'schain</emphasis> trennte � dem der Gefangenen �, aber nat�rlich gab es in Wirklichkeit keine zwei Lager. Ein paar <emphasis>Gai'schain</emphasis> schliefen bei den Shaido, aber den Rest hielt man in der Mitte des Lagers, wenn sie nicht ihren aufgetragenen Arbeiten nachgingen, Vieh, das durch eine Mauer aus Shaido vom Lockruf der Freiheit abgegrenzt wurde. Die meisten M�nner und Frauen, die an ihnen vorbeigingen, trugen die wei�en Gew�nder der <emphasis>Gai'schain,</emphasis> wenn auch nur wenige so fein gewoben waren wie das ihre. Da so viele einzukleiden waren, nahmen die Shaido s�mtliches wei�es Tuch, das sie finden konnten. Manche trugen grobes Leinen oder Handtuchstoff oder gar Gew�nder aus rauer Zeltplane, und viele Gew�nder waren schlammverschmiert oder mit Asche verdreckt. Nur gelegentlich hatte einer der <emphasis>Gai'schain</emphasis> die Gr��e und die hellen Augen eines Aiel. Die �berwiegende Mehrzahl waren rotgesichtige Amadicianer, Altaraner mit olivenfarbener Haut und blasse Cairhiener, dazu kamen der eine oder andere Reisende oder Kaufmann aus Illian oder Tarabon oder woher auch immer, die sich zur schlimmsten Zeit am schlimmsten Ort aufgehalten hatten. Die Cairhiener befanden sich am l�ngsten von allen in Gefangenschaft und hatten sich � abgesehen von den Aiel in Wei� � resigniert in ihr Schicksal gef�gt, aber sie alle hielten den Blick gesenkt und gingen ihren Arbeiten so schnell nach, wie es der zertrampelte Schnee und Schlamm erlaubte. Von <emphasis>Gai'schain</emphasis> wurde erwartet, dass sie Demut und Gehorsam zeigten und sich beides bereitwillig zu Eigen machten. Jede geringere Anstrengung f�hrte zu schmerzhaften Lektionen.</p><p>Faile w�re auch gern weitergeeilt. Die kalten F��e spielten bei dem Wunsch nur eine geringe Rolle, und das Verlangen, Sevannas W�sche zu waschen, noch weniger. Zu viele Augen konnten sehen, wie sie hier in aller �ffentlichkeit mit Someryn zusammenstand, und obwohl die tiefe Kapuze ihr Gesicht verbarg, kennzeichnete der breite G�rtel aus funkelnden Goldgliedern um ihre Taille und der dazu passende engsitzende Kragen sie als Sevannas Dienerin. Niemand nannte sie so � in den Augen der Aiel war die T�tigkeit als Diener dem�tigend �, aber genau das waren sie, zumindest die Feuchtl�nder, nur dass man sie nicht bezahlte und sie noch weniger Rechte und Freiheiten hatten als jeder Diener, von dem Faile je geh�rt hatte.</p><p>Fr�her oder sp�ter w�rde Sevanna erfahren, dass Weise Frauen ihre <emphasis>Gai'schain</emphasis> befragten. Sevanna hatte �ber hundert Diener und vergr��erte deren Anzahl st�ndig, und Faile war davon �berzeugt, dass jeder einzelne von ihnen vor den Weisen Frauen jedes Wort wiederholen w�rde, das sie Sevanna hatten sagen h�ren.</p><p>Es war eine brutal effiziente Falle. Sevanna war eine strenge Herrin, und zwar auf eine eher gleichg�ltige Weise, sie schrie nie jemanden an und zeigte auch nur selten offen irgendwelche Wut, aber die kleinste �bertretung, der winzigste Ausrutscher in Betragen oder Verhalten wurde auf der Stelle mit dem Riemen oder der Rute bestraft, und jeden Abend wurden die f�nf <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die sie an diesem Tag am wenigsten zufriedengestellt hatten, f�r zus�tzliche Bestrafungen � au�er einer weiteren Pr�gelstrafe mussten sie die Nacht gefesselt und geknebelt verbringen � ausgesondert, um dem Rest als Beispiel zu dienen. Faile wollte gar nicht daran denken, was diese Frau mit einem Spion machen w�rde. Andererseits hatten die Weisen Frauen deutlich gemacht, dass sich jeder, der nicht freiwillig das weitergab, was er geh�rt hatte oder der etwas zur�ckhielt, einer Ungewissen Zukunft gegen�bersah, die vermutlich in einem flachen Grab endete. Einem <emphasis>Gai'schain</emphasis> �ber die erlaubten Grenzen der Disziplin hinaus zu schaden, war ein Versto� gegen das <emphasis>Ji'e'toh,</emphasis> das Netz aus Ehre und Verpflichtung, das das Leben der Aiel beherrschte, aber die Feuchtl�nder-Gafscfr�zn schienen von einer Vielzahl von Regeln ausgenommen zu sein.</p><p>Fr�her oder sp�ter w�rde die eine oder die andere Seite der Falle zuschnappen. Bis jetzt hatte nur eines ihren Rachen auseinandergehalten: die Shaido schienen ihre Feuchtl�nder-Gai'scham nicht anders als ihre Karrenpferde oder Lasttiere zu betrachten, obwohl in Wahrheit die Tiere viel besser behandelt wurden. Gelegentlich versuchte ein <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu fliehen, aber davon abgesehen gab man ihnen zu essen und eine Unterkunft, trug ihnen Arbeit auf und bestrafte sie, wenn sie nicht schnell genug waren. Die Weisen Frauen rechneten genauso wenig damit, dass sie ungehorsam sein k�nnten, und Sevanna rechnete genauso wenig damit, dass sie sie ausspionieren k�nnten, wie sie erwartet h�tten, dass ein Karrenpferd singen w�rde. Aber fr�her oder sp�ter ... Und das war nicht die einzige Falle, in der Faile steckte.</p><p>�Weise Frau, ich habe nicht mehr zu sagen�, murmelte sie, als Someryn schwieg. Solange man seine f�nf Sinne beisammen hatte, lie� man eine Weise Frau nicht einfach stehen, nicht, bevor sie einen entlassen hatte. �Die Weise Frau Sevanna spricht frei vor uns, aber sie sagt nur wenig.�</p><p>Die gro�e Frau schwieg weiter, und nach einem langen Augenblick wagte es Faile, den Blick ein St�ck weiter zu heben. Someryn starrte �ber Failes Kopf hinweg, ihr Mund stand in v�lliger Verbl�ffung offen. Stirnrunzelnd r�ckte Faile den Korb auf ihrer Schulter zurecht und sah dabei nach hinten, aber da war nichts, das Someryns Gesichtsausdruck gerechtfertigt h�tte, nur das riesige Lager, in dem sich dunkle, niedrige Aiel-Zelte mit Spitzzelten und allen anderen Arten von Zelten vermengten, von denen die meisten schmutzigwei� oder hellbraun waren. Aber es gab auch gr�ne und blaue und rote und sogar gestreifte Zelte. Die Shaido nahmen alles mit, was sie gebrauchen konnten, wenn sie zuschlugen, und sie lie�en nichts zur�ck, das auch nur �hnlichkeit mit einem Zelt hatte.</p><p>Trotzdem hatten sie kaum genug Unterk�nfte. Hier hatten sich zehn Septimen versammelt, Failes Sch�tzung nach waren es mehr als siebzigtausend Shaido und fast genausoviele <emphasis>Gai'schain,</emphasis> und �berall sah sie nur das �bliche Gewimmel, dunkel gewandete Aiel, die zwischen wei�gekleideten Gefangenen ihren Alltagsgesch�ften nachgingen. Vor einem offenen Zelt bet�tigte ein Schmied den Blasebalg seines Schmiedefeuers, w�hrend seine Werkzeuge ausgebreitet auf einer gegerbten Stierhaut lagen, Kinder trieben Ziegenherden mit Ruten, eine H�ndlerin stellte ihre Waren in einem offenen Pavillon aus gelbem Segeltuch aus, angefangen von goldenen Kerzenst�ndern und Silberschalen bis zu T�pfen und Kesseln, nat�rlich alles Beutest�cke. Ein schlanker Mann, der ein Pferd an seinem Seil f�hrte, unterhielt sich mit einer grauhaarigen Weisen Frau namens Masalin, der Art und Weise nach zu urteilen, wie er immer wieder auf den Pferdeleib zeigte, war er zweifellos auf der Suche nach einer Behandlung f�r eine Krankheit, die das Tier plagte. Nichts davon gab Anlass f�r Someryns ungl�ubigen Blick.</p><p>Faile wollte sich gerade wieder umdrehen, als ihr eine dunkelhaarige Aiel auffiel, die in die andere Richtung blickte. Das Haar war nicht nur dunkel, sondern rabenschwarz, eine gro�e Seltenheit unter den Aiel. Selbst von hinten glaubte Faile Alarys zu erkennen, eine der Weisen Frauen. Im Lager hielten sich �ber vierhundert von ihnen auf, aber sie hatte schnell gelernt, sie alle am Aussehen zu erkennen. Eine Weise Frau mit einer T�pferin oder einer Weberin zu verwechseln brachte einem schnell die Pr�gelstrafe ein.</p><p>M�glicherweise hatte es nichts zu bedeuten, dass Alarys stocksteif dastand und in dieselbe Richtung wie Someryn starrte, oder dass sie ihr Schultertuch zu Boden hatte fallen lassen, aber nur ein St�ck von ihr entfernt entdeckte Faile eine weitere Weise Frau, die ebenfalls in nordwestliche Richtung blickte und nach Leuten schlug, die sich ihr in den Weg stellten. Das musste Jesain sein, eine Frau, die man selbst dann als klein bezeichnet h�tte, w�re sie keine Aiel gewesen, und deren wild wucherndes rotes Haar jedes Feuer h�tte verblassen lassen und deren Temperament dementsprechend war. Masalin unterhielt sich mit dem Mann mit dem Pferd und zeigte auf das Tier. Sie konnte nicht die Macht lenken, aber drei Weise Frauen, die es vermochten, starrten alle in dieselbe Richtung. Daf�r konnte es nur eine Erkl�rung geben; sie sahen eine Machtlenkerin auf dem bewaldeten H�gelkamm jenseits des Lagers. Eine Weise Frau, die nach der Macht griff, h�tte bestimmt keine von ihnen in diese Richtung starren lassen. Konnte es eine Aes Sedai sein? Oder mehr als nur eine? Besser, sich keine Hoffnungen zu machen. Es war zu fr�h.</p><p>Ein Schlag auf den Kopf lie� sie taumeln, beinahe h�tte sie den Korb fallen gelassen.</p><p>�Was stehst du da dumm herum?�, fauchte Someryn. �Geh an deine Arbeit. Geh, bevor ich ...�</p><p>Falle setzte sich in Bewegung, balancierte mit der einen Hand den Korb und hob mit der anderen den Gewandsaum aus dem Schneematsch, und ging so schnell sie konnte, ohne auszurutschen und in den Dreck zu fallen. Someryn schlug nie jemanden, und sie hob auch nie die Stimme. Wenn sie beides tat, dann war es vern�nftiger, ihr sofort aus dem Weg zu gehen.</p><p>Dem�tig und gehorsam.</p><p>Der Stolz befahl ihr, k�hlen Trotz aufrechtzuerhalten, eine stille Weigerung, sich zu unterwerfen, aber der Verstand sagte ihr, dass das der beste Weg war, um doppelt so streng bewacht zu werden, als es der Fall war. Die Shaido betrachteten die Feuchtl�nder<emphasis>Gai'schain</emphasis> vielleicht als gez�hmte Haustiere, aber sie waren nicht v�llig blind. Sie mussten glauben, dass Faile sich in ihre Gefangenschaft gef�gt hatte, nur dann hatte sie eine Chance zur Flucht. Je fr�her, desto besser. Auf jeden Fall, bevor Perrin sie einholte. Sie hatte nie daran gezweifelt, dass Perrin ihr folgte, dass er sie irgendwie aufsp�ren w�rde � der Mann w�rde durch eine Mauer laufen, wenn er es sich in den Kopf gesetzt hatte! �, aber sie musste zuvor fliehen. Sie war die Tochter eines Soldaten. Sie kannte die Zahl der Shaido, sie wusste, wie viele M�nner Perrin zur Verf�gung standen, und sie wusste, dass sie ihn vor dieser Auseinandersetzung erreichen musste. Da gab es blo� das kleine Problem, sich vorher von den Shaido zu befreien.</p><p>Was hatten die Weisen Frauen gesehen � Aes Sedai oder die Weisen Frauen in Perrins Gefolge? Beim Licht, sie hoffte nicht, noch nicht! Aber andere Dinge hatten Vorrang, und die W�sche geh�rte dazu. Sie trug den Korb auf die Ruinen der Stadt Maiden zu und bahnte sich ihren Weg durch den st�ndigen Fluss an <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Jene, die die Stadt verlie�en, balancierten jeweils zwei schwere Eimer an einer Stange auf den Schultern, w�hrend die Eimer derer, die hineingingen, leer auf ihren Stangen baumelten. Die vielen Menschen im Lager ben�tigten reichlich Wasser, und so wurde es zu ihnen gebracht, Eimer f�r Eimer. Es fiel leicht, die <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu erkennen, die einst Maiden bewohnt hatten. So weit n�rdlich von Altara wiesen sie alle helle Haut statt olivfarbige aus, und manche hatten sogar blaue Augen, aber sie alle stolperten wie bet�ubt daher. In der Nacht hatten die Shaido die Stadtmauern erklommen und die Verteidiger �berw�ltigt, bevor die meisten Bewohner �berhaupt begriffen hatten, in welcher Gefahr sie schwebten, und sie schienen noch immer nicht glauben zu k�nnen, wie sehr sich ihr Leben verwandelt hatte.</p><p>Faile hielt nach einem bestimmten Gesicht Ausschau, nach jemandem, von dem sie hoffte, dass sie heute kein Wasser trug. Sie suchte nach ihr, seit die Shaido vor vier Tagen hier ihr Lager aufgeschlagen hatten. Und sie fand sie direkt vor den Stadttoren, die weit offen und an die Granitmauern gelehnt standen, eine wei�gekleidete Frau, die gr��er als sie war und einen flachen Korb mit Brot in die H�fte stemmte. Ihre Kapuze war gerade weit genug zur�ckgeschoben, um dunkles, r�tliches Haar zu zeigen. Chiad schien die eisenverst�rkten Tore zu betrachten, die Maiden nicht hatten besch�tzen k�nnen, aber sie wandte sich sofort von ihnen ab, als Falle herankam. Sie blieben nebeneinander stehen, ohne sich anzusehen, w�hrend sie so taten, als w�rden sie ihre K�rbe zurechtr�cken. Es gab keinen Grund, warum zwei <emphasis>Gai'schain</emphasis> nicht miteinander sprechen sollten, aber niemand sollte sich daran erinnern, dass sie zusammen gefangen genommen worden waren. Bain und Chiad standen nicht unter so strenger Aufsicht wie die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die Sevanna dienten, aber das konnte sich �ndern, falls es jemandem wieder einfiel. Fast jeder in Sichtweite war <emphasis>Gai'schain</emphasis> und dar�ber hinaus von der Westseite des Drachenwalls, aber schon zu viele hatten gelernt, sich mit Hilfe von Geschichten und Ger�chten Vorteile zu erschleichen. Die meisten Leute taten, was sie mussten, um zu �berleben, und einige versuchten immer, ihre eigenen Nester zu federn, unter welchen Umst�nden auch immer.</p><p>�Sie sind in der ersten Nacht entkommen�, murmelte Chiad. �Bain und ich haben sie in den Wald gef�hrt und auf dem R�ckweg ihre Spuren verwischt. Soweit ich es beurteilen kann, scheint niemand ihr Fehlen zu bemerken. Bei so vielen <emphasis>Gai'schain</emphasis> scheint es ohnehin ein Wunder zu sein, dass den Shaido Fl�chtlinge auffallen.�</p><p>Falle gestattete sich einen leisen Seufzer der Erleichterung. Drei Tage weg. Die Shaido bemerkten sehr wohl, wenn jemand fl�chtete. Einigen gelang es, einen vollen Tag in Freiheit zu verbringen, aber die Cha ncen auf Erfolg wuchsen mit jedem Tag, den man nicht wieder eingefangen wurde, und es schien sicher zu sein, dass die Shaido am n�chsten oder �bern�chs ten Tag weiterziehen w�rden. So lange waren sie seit Falles Gefangennahme noch nie an einem Ort geblieben. Sie vermutete, dass sie zur�ck zum Drachenwall marschieren und von dort aus in die W�ste gelangen wollten.</p><p>Es war nicht einfach gewesen, Lacile und Arrela da � zu zu �berreden, ohne sie aufzubrechen. �berzeugt hatte sie letztlich das Argument, dass sie Perrin dar�ber informieren konnten, wo Falle war, zusammen mit einer Warnung, wie viele Shaido es gab, und der Behauptung, dass Falle ihre Flucht im Griff hatte und jede Einmischung sie nur in Gefahr bringen w�rde. Sie war davon �berzeugt, dass sie ihr das abgenommen hatten � sie hatte ihre Flucht im Griff, jedenfalls in gewisser Weise; tats�chlich hatte sie mehrere Pl�ne, und einer davon musste funktionieren �, aber bis zu dieser Minute hatte sie bef�rchtet, die beiden Frauen w�rden darauf beharren, dass die auf ihre Person abgelegten Treueide sie zum Bleiben verpflichteten. In mancherlei Hinsicht waren Wassereide bindender als Lehnseide, aber sie lie�en einen betr�chtlichen Spielraum f�r Dummheiten im Namen der Ehre. In Wahrheit hatte sie nicht die geringste Ahnung, ob die beiden Perrin je finden w�rden, aber sie waren frei, und jetzt gab es nur noch zwei Frauen, um die sie sich sorgen musste.</p><p>Nat�rlich w�rde man das Fehlen von drei von Sevannas Dienerinnen sehr schnell bemerken, innerhalb weniger Stunden, und man w�rde die besten F�hrtenleser einsetzen, um sie zur�ckzubringen. Falle kannte sich in W�ldern aus, aber sie wusste es besser, als gegen Aiel-F�hrtenleser anzutreten. F�r gew�hnliche <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die wegliefen und wieder eingefangen wurden, hatte das unangenehme Konsequenzen zur Folge.</p><p>F�r Sevannas <emphasis>Gai'schain</emphasis> war es besser, wenn sie bei dem Versuch starben. Bestenfalls w�rden sie nie wieder die Gelegenheit zu einem zweiten Versuch haben.</p><p>�Der Rest von uns h�tte eine bessere Chance, wenn du und Bain mitkommen w�rdet�, sagte sie leise. Der Strom der M�nner und Frauen in Wei�, die Wasser transportierten, bewegte sich unabl�ssig fort, niemand schien mehr als einen Blick in ihre Richtung zu verschwenden, aber in den vergangenen zwei Wochen war Vorsicht zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden. Beim Licht, es schienen mehr als zwei Jahre zu sein! �Was f�r einen Unterschied kann es machen, Lacile und Arrela bis in den Wald zu helfen, dem Rest von uns aber ein St�ck weiter zu helfen?� Da sprach die Verzweiflung aus ihr. Sie kannte den Unterschied � Bain und Chiad waren ihre Freundinnen und hatten sie in den Sitten der Aiel unterrichtet, dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> und sogar etwas in der Handsprache der T�chter � und es �berraschte sie nicht im mindesten, als Chiad den Kopf ein St�ck drehte und sie mit grauen Augen anblickte, in denen nichts von Gaz'scfoam-Demut lag. Genauso wenig wie in ihrer Stimme, obwohl sie noch immer leise sprach.</p><p>�Ich werde dir helfen, soweit ich kann, weil es nicht richtig ist, dass die Shaido euch gefangen halten. Ihr folgt nicht dem <emphasis>Ji'e'toh.</emphasis> Ich schon. Wenn ich meine Ehre und meine Verpflichtungen zur Seite werfe, nur weil die Shaido dies getan haben, dann erlaube ich ihnen, meine Handlungen zu bestimmen. Ich werde das Wei� ein Jahr und einen Tag tragen, und dann werden sie mich freilassen oder ich gehe, aber ich werde nicht wegwerfen, wer ich bin.� Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, f�delte sich Chiad in den Strom der <emphasis>Gai'schain</emphasis> ein.</p><p>Faile hob die Hand, um sie aufzuhalten, dann lie� sie sie sinken. Sie hatte diese Frage schon zuvor gestellt und eine freundlichere Antwort erhalten, und weil sie sie erneut gestellt hatte, hatte sie ihre Freundin beleidigt. Sie w�rde sich entschuldigen m�ssen. Nicht um Chiads Hilfe zu behalten � die Frau w�rde sie nicht zur�cknehmen �, sondern weil sie selbst Ehre besa�, selbst wenn sie nicht dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> folgte. Man beleidigte Freunde nicht und verga� es dann einfach, oder erwartete, dass sie es verga�en. Aber Entschuldigungen mussten warten. Sie wagten es nicht, dass man sie zu lange miteinander sprechen sah.</p><p>Maiden war eine bl�hende Stadt gewesen, ein Umschlagplatz f�r gute Wolle und eine Menge ordentlichen Wein, aber innerhalb der Stadtmauern war es jetzt nur noch eine leere Ruine. Viele der schiefergedeckten H�user waren sowohl aus Stein wie aus Holz gebaut, und w�hrend der Pl�nderung war das Feuer au�er Kontrolle geraten. Das s�dliche Ende der Stadt bestand aus Haufen geschw�rzter Holzbalken, die von Eiszapfen verziert wurden, zur H�lfte niedergebrannte, dachlose Grundmauern. Die vom Wind verwehte Asche f�rbte die Stra�en grau, ob sie nun gepflastert oder nur aus Erde bestanden, und die ganze Stadt stank nach verbranntem Holz. Wasser war die einzige Sache, von der es in Maiden anscheinend niemals zu wenig gab, aber wie alle Aiel ma�en die Shaido ihm einen hohen Wert zu, und sie verstanden nichts von Brandbek�mpfung. In der Aiel-W�ste gab es nur wenig, das brennen konnte. W�ren sie mit Stehlen fertig gewesen, h�tten sie die ganze Stadt niederbrennen lassen, und tats�chlich hatten sie wegen der Wasserverschwendung gezaudert, bevor sie die <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit vorgehaltenen Speeren zu Eimerreihen gezwungen und den M�nnern von Maiden gestattet hatten, ihre Pumpenwagen hervorzuholen. Faile h�tte gedacht, dass die Shaido wenigstens diese M�nner belohnt h�tten, indem sie sie zusammen mit den Leuten gehen lie�en, die der Auswahl als <emphasis>Gai'schain</emphasis> entgangen waren, aber die M�nner an den Pumpen waren jung und kr�ftig, genau die Sorte, welche die Shaido als <emphasis>Gai'schain</emphasis> haben wollten. Die Shaido hielten sich an einige der Regeln, die f�r <emphasis>Gai'schain</emphasis> galten � Frauen, die schwanger waren oder Kinder unter dem Alter von zehn Jahren hatten, durften gehen, genau wie Jugendliche unter sechzehn Jahren und die Schmiede der Stadt, die zu gleichen Ma�en verbl�fft und dankbar gewesen wa � ren �, aber Dankbarkeit spielte dabei keine Rolle.</p><p>M�bel lagen auf den Stra�en, gro�e umgest�rzte Tische und verzierte Truhen und St�hle, und manchmal auch ein zerknitterter Wandbehang oder kaputtes Geschirr. �berall lagen Kleidungsst�cke, M�ntel und Hosen und Kleider, die meisten zu Fetzen zerschlitzt. Die Shaido hatten alles genommen, was aus Gold oder Silber war, alles, was mit Edelsteinen verziert war, alles, was n�tzlich oder essbar war, aber die M�bel mussten w�hrend der Pl�nderung hinausgeworfen und dann zur�ckgelassen worden sein, wenn derjenige, der sie erbeutet hatte, zu dem Schluss gekommen war, dass eine kleine vergoldete Gravur oder sch�ne Schnitzerei die M�he nicht lohnte. Aiel benutzten sowieso keine St�hle, und f�r die schweren Tische war auf den Wagen und Karren kein Platz. Ein paar Shaido streiften noch immer durch die H�user und Gasth�fe und L�den und suchten nach allem, was sie m�glicherweise �bersehen hatten, aber die meisten Leute, die Faile begegneten, waren <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die Eimer schleppten. Aiel hatten kein Interesse an St�dten, es sei denn an Lagerh�usern, die man pl�ndern konnte. Zwei T�chter gingen an ihr vorbei, die einen nackten Mann mit wildem Blick, dem man die Arme auf den R�cken gefesselt hatte, mit den Speersch�ften auf das Tor zutrieben.</p><p>Zweifellos hatte er geglaubt, er k�nnte sich in einem Keller oder Dachboden verstecken, bis die Shaido abgezogen waren. Zweifellos hatten die T�chter geglaubt, eine Truhe mit M�nzen zu finden. Als ihr ein gro�er Mann im <emphasis>Cadin'sor</emphasis> eines <emphasis>Algai'd'siswai</emphasis> den Weg versperrte, wich sie ihm so geschickt aus, wie sie konnte. Ein <emphasis>Gai'schain</emphasis> machte einem Shaido immer Platz.</p><p>�Du bist sehr h�bsch�, sagte er und vertrat ihr den Weg. Er war der gr��te Mann, den sie je gesehen hatte, bestimmt sieben Fu� gro� und massig. Nicht dick � sie hatte noch keinen dicken Aiel gesehen �, aber sehr breit. Er r�lpste, und sie roch Wein. Betrunkene Aiel hatte sie schon gesehen, seit sie in Maiden die vielen Weinf�sser gefunden hatten. Aber sie versp�rte keine Furcht. <emphasis>Gai'schain</emphasis> wurden f�r alle m�glichen Verfehlungen bestraft, oft f�r Dinge, die nur wenige Feuchtl�nder �berhaupt begreifen konnten, aber die wei�en Gew�nder boten einen gewissen Schutz.</p><p>�Ich bin <emphasis>Gai'schain</emphasis> der Weisen Frau Sevanna�, sagte sie im unterw�rfigsten Ton, den sie zustande brachte. Zu ihrem Widerwillen musste sie feststellen, dass sie ihn sehr gut traf. �Sevanna w�re ver�rgert, w�rde ich meine Pflichten vernachl�ssigen, um mich zu unterhalten.� Sie versuchte noch einmal, um ihn herumzugehen, und keuchte auf, als er ihren Arm mit einer Hand ergriff, die zweimal darum gepasst und noch Platz �brig gelassen h�tte.</p><p>�Sevanna hat Hunderte von <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Eine mehr oder weniger wird sie eine oder zwei Stunden nicht vermissen.�</p><p>Der Korb fiel auf die Stra�e, als er sie mit der gleichen M�helosigkeit in die Luft hob, als w�rde er ein Kissen hochheben. Bevor sie wusste, wie ihr geschah, hatte er sie sich unter den Arm geklemmt. Sie wollte schreien, doch er dr�ckte mit seiner freien Hand ihr Gesicht gegen seine Brust. Der Geruch von verschwitzter Wolle stieg ihr in die Nase. Sie konnte nur graubraune Wolle sehen. Wo waren die beiden T�chter? T�chter des Speers w�rden ihn das nicht tun lassen! Jeder Aiel, der dies sah, w�rde einschreiten! Von den <emphasis>Gai'schain</emphasis> erwartete sie keine Hilfe. Wenn sie Gl�ck hatte, w�rden einer oder zwei vielleicht loslaufen, um Hilfe zu holen, aber die erste Lektion eines jeden <emphasis>Gai'schain</emphasis> bestand darin, dass selbst nur die Androhung von Gewalt dazu f�hrte, an den F��en aufgeh�ngt und so lange geschlagen zu werden, bis man schrie. Zumindest die erste Lektion der Feuchtl�nder, Aiel wu�ten das: den <emphasis>Gai'schain</emphasis> war jede Art von Gewalt verboten. Egal aus welchem Grund. Was Falle nicht davon abhielt, w�tend nach dem Mann zu treten. Sie h�tte genauso gut gegen eine Wand treten k�nnen, soviel Eindruck machte sie damit. Er lief weiter und trug sie irgendwo hin. Sie biss so hart zu, wie sie konnte, und bekam f�r ihre Anstrengungen nur den Mund voll kratziger schmutziger Wolle, w�hrend ihre Z�hne �ber Muskern glitten, die keinen Ansatzpunkt boten. Er schien aus Stein gemacht zu sein. Sie schrie, aber selbst in ihren Ohren klang der Schrei ged�mpft. Pl�tzlich blieb das Ungeheuer, das sie trug, stehen.</p><p>�Ich habe sie zur <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht, Nadric�, sagte eine tiefe M�nnerstimme.</p><p>Faile sp�rte ein grollendes Lachen in der Brust, gegen die ihr Gesicht gedr�ckt wurde, bevor sie es h�rte. Sie h�rte nicht auf zu treten, genauso wenig wie sie aufh�rte, sich zu winden oder zu schreien, aber ihr Entf�hrer schien nichts davon zu bemerken. �Sie geh�rt jetzt Sevanna, Bruderloser�, sagte der gro�e Mann � Nadric? � ver�chtlich. �Sevanna nimmt sich, was sie will, und ich nehme mir, was ich will. Das sind die neuen Sitten.�</p><p>�Sevanna hat sie sich genommen�, erwiderte der andere Mann ruhig, �aber ich habe sie nie Sevanna gegeben. Ich habe nie angeboten, sie gegen etwas einzutauschen. Wollt Ihr Eure Ehre preisgeben, nur weil Sevanna die ihre preisgibt?�</p><p>Eine lange Stille trat ein, die nur von Failes ged�mpften Ger�uschen unterbrochen wurde. Sie h�rte nicht auf, sich zu wehren, sie konnte es nicht, aber sie h�tte genauso gut ein S�ugling in Windeln sein k�nnen.</p><p>�Sie ist nicht h�bsch genug, um wegen ihr zu k�mpfen�, sagte Nadric schlie�lich. Er klang nicht �ngstlich, nicht einmal besorgt.</p><p>Er lie� Faile los, und ihre Z�hne wurde so pl�tzlich von seinem Mantel losgerissen, dass sie glaubte, einen oder zwei verloren zu haben, aber dann landete sie mit dem R�cken auf dem Boden, und der Aufprall trieb ihr s�mtliche Luft aus den Lungen und fast jeden klaren Gedanken aus dem Kopf. Als sie wieder zu genug Atem gekommen war, um sich auf die H�nde st�tzen zu k�nnen, schritt der gro�e Mann die Gasse entlang und hatte die Stra�e fast schon wieder erreicht. Es <emphasis>war</emphasis> eine Gasse, ein schmaler Lehmweg zwischen zwei Steinh�usern. Niemand h�tte gesehen, was er hier tat. Zitternd spuckte sie den Geschmack nach ungewaschener Wolle und Nadrics Schwei� aus � sie bebte nicht, sie zitterte blo�! � und starrte auf seinen R�cken. W�re sie jetzt an ihr verstecktes Messer gekommen, h�tte sie auf ihn eingestochen. Nicht h�bsch genug, um wegen ihr zu k�mpfen, ach ja? Ein Teil von ihr wusste, dass das einfach l�cherlich war, aber sie griff nach allem, das ihre Wut anfachen konnte, nur um ihre W�rme zu sp�ren und das Zittern zu unterdr�cken.</p><p>Sie h�tte so lange auf ihn eingestochen, bis sie die Arme nicht mehr h�tte heben k�nnen.</p><p>Sie stand auf, stellte sich auf ihre unsicheren Beine und tastete mit der Zunge ihre Z�hne ab. Sie waren alle noch da, keiner war zerbrochen oder fehlte. Die raue Wolle von Nadrics Mantel hatte ihr das Gesicht aufgescheuert und ihre Lippen waren wund, aber sie war unverletzt. Sie hielt diesen Gedanken fest. Sie war unverletzt und konnte die Gasse aus freiem Willen ver lassen. Jedenfalls so frei, wie man in einem <emphasis>Gai'schain</emphasis>Gewand sein konnte. Wenn es viele wie Nadric gab, die den Schutz dieses Gewands nicht l�nger anerkannten, dann brach unter den Shaido die Ordnung zusammen. Das Lager w�rde ein noch gef�hrlicherer Ort sein, aber fehlende Ordnung w�rde nur noch mehr Gelegenheiten zur Flucht erschaffen. Aus dieser Perspektive musste sie es betrachten. Sie hatte etwas erfahren, das ihr helfen konnte. Wenn sie doch blo� aufgeh�rt h�tte zu zittern.</p><p>Schlie�lich wandte sie sich z�gernd ihrem Retter zu. Sie hatte seine Stimme erkannt. Er stand ein gutes St�ck von ihr entfernt und beobachtete sie ruhig, machte keinerlei Anstalten, sie zu tr�sten. Vermutlich h�tte sie geschrien, wenn er sie ber�hrt h�tte. Noch eine Absurdit�t, immerhin hatte er sie gerettet, aber das war eine Tatsache. Rolan war kaum mehr als ein paar Fingerbreit kleiner als Nadric und beinahe genauso breit, und Falle hatte auch genug Gr�nde, ihn zu erstechen. Er war kein Shaido, sondern geh�rte zu den Bruderlosen, den <emphasis>Mera'din,</emphasis> M�nner, die ihre Clans verlassen hatten, weil sie Rand al'Thor nicht folgen wollten, und er war tats�chlich derjenige gewesen, der sie �zur <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht� hatte. Sicher, er hatte sie in der Nacht ihrer Entf�hrung vor dem Erfrieren bewahrt, indem er sie in seinen Mantel geh�llt hatte, aber sie h�tte das Kleidungsst�ck nicht gebraucht, h�tte er nicht zuvor jeden Fetzen Stoff von ihrem K�rper heruntergeschnitten. Der erste Schritt, jemanden zum <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu machen, bestand immer darin, ihn nackt auszuziehen, aber das war kein Grund f�r sie, ihm zu vergeben.</p><p>�Danke�, sagte sie, und das Wort schmeckte bitter auf ihrer Zunge.</p><p>�Ich habe nicht um Dankbarkeit gebeten�, sagte er milde. �Sieh mich nicht an, als wolltest du mich nur bei�en, weil du Nadric nicht bei�en konntest.�</p><p>Sie schaffte es, ihn nicht anzufauchen, wenn auch nur mit M�he � im Augenblick h�tte sie keine Demut zustande gebracht, selbst wenn sie es gewollt h�tte �, bevor sie sich abwandte und zur Stra�e marschierte. Das hei�t, sie wollte marschieren. Ihre Beine zitterten noch immer so sehr, dass es mehr ein Taumeln war. Die vorbeigehenden <emphasis>Gai'schain</emphasis> schenkten ihr kaum einen Blick, w�hrend sie sich mit ihren Wassereimern die Stra�e entlangschleppten. Nur wenige der Gefangenen wollten sich mit den Sorgen anderer Leute belasten. Sie hatten genug eigene.</p><p>Als Faile den W�schekorb erreichte, stie� sie ein Seufzen aus. Er lag auf der Seite, und wei�e Seidenblusen und dunkle Seidenreitr�cke breiteten sich �ber das schmutzige, ascheverschmierte Kopfsteinpflaster aus. Wenigstens war keiner daraufgetreten. Man h�tte niemandem, der den ganzen Morgen Wasser geschleppt und einen weiteren Tag dieser Besch�ftigung noch vor sich hatte, ver�beln k�nnen, wenn er keinen Bogen um herumliegende Kleidungsst�cke gemacht h�tte, die man den zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemachten B�rgern Maidens vom Leib geschnitten hatte. Sie h�tte versucht, ihnen zu vergeben. Sie stellte den Korb aufrecht hin und fing an, die Kleider einzusammeln, sch�ttelte soweit m�glich den Dreck und die Asche ab und achtete sorgf�ltig darauf, den verbleibenden Rest nicht tiefer in den Stoff zu dr�cken. Im Gegensatz zu Someryn hatte Sevanna an Seide Gefallen gefunden. Sie trug nichts anderes mehr. Sie war auf ihre seidene Kleidung genauso stolz wie auf ihre Juwelen, und bei beiden gleicherma�en besitzergreifend. Sie w�rde nicht erfreut sein, wenn auch nur eines dieser Kleidungsst�cke nicht sauber zur�ckkam.</p><p>Als Faile die letzte Bluse obenauf legte, griff Rolan an ihr vorbei und hob den Korb mit einer Hand hoch. Im Begriff, ihn anzuschnauzen � sie konnte ihre Last selbst tragen, vielen herzlichen Dank! �, schluckte sie die Worte wieder hinunter. Ihr Verstand war die einzige Waffe, die ihr zur Verf�gung stand, und sie musste ihn benutzen, statt ihrem Temperament freien Lauf zu lassen. Rolan war nicht zuf�llig da gewesen. Das war kaum vorstellbar. Seit ihrer Gefangennahme hatte sie ihn oft gesehen, viel zu oft, als sich nur durch Zuf�lle erkl�ren lie�. Er war ihr gefolgt. Was hatte er Nadric gesagt? Er hatte sie Sevanna nicht gegeben und sie auch nicht gegen etwas eingetauscht. Obwohl er sie gefangen genommen hatte, schien er es nicht f�r richtig zu halten, Feuchtl�nder zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu machen � die meisten Bruderlosen vertraten diese Ansicht �, aber anscheinend beanspruchte er noch immer das Recht auf ihre Person.</p><p>Sie war sich sicher, keine Angst haben zu m�ssen, dass er versuchen w�rde, sie mit Gewalt zu nehmen. Rolan hatte seine Chance gehabt, als er sie nackt und gefesselt vor sich hatte, und damals h�tte er genauso gut einen Zaunpfosten ansehen k�nnen. Vielleicht konnte er Frauen nichts abgewinnen. Auf jeden Fall waren die Bruderlosen fast ebensolche Au�enseiter unter den Shaido wie die Feuchtl�nder. Kein Shaido vertraute ihnen vorbehaltlos, und die Bruderlosen erschienen selbst oft wie M�nner, die sich die Nase zuhielten und das in ihren Augen kleinere �bel akzeptierten, statt sich mit dem gr��eren abzufinden, die sich aber nicht l�nger so sicher waren, was das kleinere �bel wirklich war. Wenn sie mit dem Mann Freundschaft schlie�en konnte, w�rde er vielleicht bereit sein, ihr zu helfen. Nicht bei einer Flucht � das w�re zuviel verlangt gewesen �, aber ... Oder doch nicht? Die einzige M�glichkeit, das herauszufinden, bestand darin, es zu versuchen.</p><p>�Danke�, sagte sie erneut, und diesmal brachte sie ein L�cheln zustande. �berraschenderweise erwiderte er das L�cheln. Es war ein kleines L�cheln, kaum zu sehen, aber Aiel waren nicht f�r ihre �berschw�ngliche Art bekannt. Sie erschienen kalt und abweisend, bevor man sie besser kennenlernte.</p><p>Ein paar Schritte gingen sie schweigend nebeneinander her, er trug den Korb mit einer Hand, und sie hielt den Gewandsaum hoch. Man h�tte denken k�nnen, sie w�rden einen Spaziergang machen. Wenn man etwas im Auge hatte. Einige der vorbeigehenden <emphasis>Gai'schain</emphasis> starrten sie �berrascht an, senkten aber schnell wieder den Blick. Faile wusste nicht, wie sie anfangen sollte, er sollte schlie�lich nicht glauben, dass sie mit ihm flirtete; m�glicherweise gefielen ihm Frauen ja doch, aber er kam ihr zuvor.</p><p>�Ich habe dich beobachtet�, sagte er. �Du bist stark und wild, und ich glaube, du hast keine Angst. Sie meisten Feuchtl�nder sind halb wahnsinnig vor Angst. Die stellen sich so lange dumm an, bis sie bestraft wer � den, und dann weinen sie und kriechen. Ich glaube, du bist eine Frau mit viel /z.�</p><p>�Ich habe Angst�, erwiderte sie. �Ich versuche blo�, es nicht zu zeigen. Weinen n�tzt nichts.� Das glaubten die meisten M�nner. Tr�nen konnten einem in die Quere kommen, wenn man dies zulie�, aber ein paar in der Nacht vergossene Tr�nen konnten einem dabei helfen, den n�chsten Tag zu �berstehen.</p><p>�Es gibt Augenblicke, in denen man weinen sollte, und Augenblicke, in denen sollte man lachen. Ich w�rde dich gern einmal lachen sehen.�</p><p>Sie lachte, ein trockenes Lachen. �Solange ich Wei� trage, gibt es daf�r wenig Anlass, Rolan.� Sie betrachtete ihn aus dem Augenwinkel. War sie zu schnell?</p><p>Aber er nickte nur.</p><p>�Ich w�rde es trotzdem gern sehen. Ein L�cheln passt zu deinem Gesicht. Lachen w�rde ihm noch besser stehen. Ich habe keine Ehefrau, aber manchmal kann ich eine Frau zum Lachen bringen. Ich habe geh�rt, du hast einen Ehemann?�</p><p>�berrascht stolperte Faile �ber die eigenen F��e und griff haltsuchend nach seinem Arm. Sie riss die Hand schnell weg und musterte ihn am Kapuzenrand vorbei. Er blieb lange genug stehen, bis sie wieder sicher stand, und ging weiter, als sie sich in Bewegung setzte. Seine Miene verriet nicht mehr als milde Neugier. Nadric zum Trotz stellte nach den Sitten der Aiel die Frau die Fragen, nachdem ein Mann ihr Interesse erregt hatte. Ihr Geschenke zu machen war eine M�glichkeit. Sie zum Lachen zu bringen, eine andere. Soviel zu der �berlegung, dass er nicht auf Frauen stand. �Ich habe einen Ehemann, Rolan, und ich liebe ihn sehr. Sogar �ber alles.</p><p>Ich kann es nicht erwarten, zu ihm zur�ckzukehren.�</p><p>�Was mit dir geschieht, w�hrend du <emphasis>Gai'schain</emphasis> bist, kann man dir nicht zum Vorwurf machen, sobald du das Wei� abgelegt hast�, sagte er ruhig. �Aber vielleicht betrachtet ihr Feuchtl�nder das nicht auf diese Weise. Dennoch kann es sehr einsam sein, wenn man <emphasis>Gai'schain</emphasis> ist. Vielleicht k�nnen wir uns ja gelegentlich unterhalten.�</p><p>Der Mann wollte sie lachen sehen, und sie wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Er verk�ndete, dass er keinesfalls vorhatte, seine Bem�hungen einzustellen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Aielfrauen bewunderten Hartn� ckigkeit an einem Mann. Aber wenn Bain und Chiad ihr nicht weiter als bis zum Waldrand helfen wollten oder konnten, stellte Rolan ihre beste Hoffnung dar. Mit etwas Zeit glaubte sie, ihn �berzeugen zu k�nnen. Nat�rlich w�rde sie das schaffen; zaghafte Herzen waren niemals erfolgreich! Er war ein verachteter Au�enseiter, der nur geduldet wurde, weil die Shaido seinen Speer brauchten. Aber sie w�rde ihm einen Grund geben m�ssen, sein Interesse aufrechtzuerhalten.</p><p>�Das w�rde mir gefallen�, sagte sie vorsichtig. Vielleicht w�rde sie doch etwas flirten m�ssen, aber sie konnte ihm schlecht im einen Atemzug sagen, wie sehr sie ihren Mann Hebte, um ihn im n�chsten anzuhimmeln. Nicht, dass sie vorhatte, soweit zu gehen � schlie�lich war sie keine Domani! �, aber m�glicherweise musste sie n�her an ihn herankommen. Im Moment w�rde eine kleine Erinnerung, dass Sevanna sein �Recht� an sich gerissen hatte, nicht schaden. �Aber jetzt muss ich arbeiten, und ich bezweifle, dass Sevanna erfreut w�re, wenn ich mich stattdessen mit Euch unterhalte.�</p><p>Rolan nickte wieder, und Faile seufzte. Vermutlich wusste er, wie er eine Frau zum Lachen bringen konnte, so wie er es behauptet hatte, aber gespr�chig war er nicht. Wenn sie von ihm mehr als Witze h�ren wollte, die sie ohnehin nicht verstehen w�rde, musste sie einiges tun, um ihn aus sich herauszulocken. Trotz Chiads und Bains Bem�hungen war ihr der Humor der Aiel v�llig unverst�ndlich geblieben.</p><p>Sie hatten einen gro�en Platz vor der Festung am Nordende der Stadt erreicht; es war eine sich auft�rmende Masse grauer Steinmauern, die ihre Bewohner nicht besser besch�tzt hatte als die Stadtmauern. Faile glaubte, unter den wasserschleppenden <emphasis>Gai'schain</emphasis> die Lady gesehen zu haben, die Maiden und alles im Umkreis von zwanzig Meilen beherrscht hatte, eine ansehnliche, ehrw�rdige Witwe in den mittleren Jahren. Auf dem gepflasterten Platz dr�ngten sich in Wei� gekleidete M�nner und Frauen, die alle Eimer trugen. Am �stlichen Ende des Platzes schien sich ein Teil der Stadtmauer grau und drei�ig Fu� hoch zu erheben, aber in Wirklichkeit war das die Mauer einer gro�en Zisterne, die von dem Aqu�dukt gespeist wurde. Vier Pumpen, die jeweils von zwei M�nnern bedient wurden, lie�en Wasser in die bereitstehenden Eimer flie�en, dabei spritzte mehr auf das Stra�enpflaster, als die M�nner zugelassen h�tten, w�re ihnen bewusst gewesen, dass Rolan in der N�he war. Faile hatte �berlegt, durch den tunnel�hnlichen Aqu�dukt zu fliehen, aber es war unm�glich, sich trocken zu halten, und wo auch immer sie die R�hren hinf�hrten, sie w�re triefend nass gewesen und wahrscheinlich eher erfroren, als im Schnee mehr als zwei Meilen weit zu kommen.</p><p>Es gab in der Stadt noch zwei andere Stellen, an denen man Wasser bekommen konnte, die beide von unterirdischen R�hren gespeist wurden, aber hier hatte man einen langen Schwarzholztisch mit L�wenpfoten als F��e an der Zisternenmauer aufgestellt. Einst war es ein Banketttisch gewesen, dessen Oberfl�che mit Elfenbeinintarsien geschm�ckt war, aber die hatte man herausgebrochen. Daf�r standen jetzt mehrere Waschzuber dort. Neben dem Tisch standen zwei Holzeimer, und an einem Ende dampfte ein Kupferkessel �ber einem mit zersplitterten St�hlen gef�tterten Feuer. Faile bezweifelte, dass Sevanna ihre Schmutzw�sche in die Stadt schleppen lie�, um ihrer <emphasis>Gai'schain</emphasis> die M�he zu ersparen, Wasser zu den Zelten schleppen zu m�ssen, aber was auch der Grund war, Faile war dankbar daf�r. Ein Korb mit W�sche war leichter als zwei Eimer Wasser. Davon hatte sie genug geschleppt, um es zu wissen. Auf dem Tisch standen zwei K�rbe, aber nur eine Frau mit goldenem G�rtel und Kragen war an der Arbeit, die �rmel ihres wei�en Gewands waren so weit aufgerollt, wie es ging, und ihr langes dunkles Haar war mit einem Stoffstreifen zur�ckgebunden, damit es nicht in das Wasser des Waschzubers fiel.</p><p>Als Alliandre Faile zusammen mit Rolan n�her kommen sah, richtete sie sich auf und trocknete sich die nackten Arme am Gewand ab. Alliandre Maritha Kigarin, K�nigin von Ghealdan, Gesegnete des Lichts, Verteidiger von Garens Wall und Tr�gerin eines Dutzends weiterer Titel, war eine elegante, zur�ckhaltende, ausgeglichene und vornehme Frau gewesen. Alliandre die <emphasis>Gai'schain</emphasis> war noch immer h�bsch, aber sie trug st�ndig einen gehetzten Ausdruck. Mit den feuchten Flecken auf ihrem Gewand und den vom langen Eintauchen ins Wasser geschrumpelten H�nden h�tte sie als h�bsche Waschfrau durchgehen k�nnen. Sie sah zu, wie Rolan den Korb abstellte und Falle zul�chelte, bevor er davonging, sah zu, wie Falle das L�cheln erwiderte, und hob fragend eine Braue.</p><p>�Er ist derjenige, der mich gefangen genommen hat�, sagte Faile und stapelte Kleidungsst�cke aus dem Korb auf den Tisch. Selbst hier unter <emphasis>Gai'schain</emphasis> war es besser, beim Sprechen zu arbeiten. �Er geh�rt zu den Bruderlosen, und ich glaube, es missf�llt ihm, dass man Feuchtl�nder zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> macht. Ich glaube, er k�nnte uns n�tzlich sein.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Alliandre. Mit einer Hand strich sie behutsam �ber den R�cken von Falles Gewand.</p><p>Stirnrunzelnd blickte Faile �ber die Schulter. Einen Augenblick lang starrte sie den Schmutz und die Asche an, die ihren R�cken von den Schultern abw�rts bedeckten, dann schoss Hitze in ihre Wangen. �Ich bin gefallen�, sagte sie schnell. Sie konnte Alliandre nicht erz�hlen, was mit Nadric vorgefallen war. Sie glaubte nicht, es jemals jemandem erz�hlen zu k�nnen. �Rolan hat angeboten, mir den Korb zu tragen.�</p><p>Alliandre zuckte mit den Schultern. �Wenn er mir bei der Flucht helfen w�rde, w�rde ich ihn heiraten.</p><p>Oder auch nicht, ganz wie er will. Er ist nicht besonders ansehnlich, aber es w�re auch keine Qual, und mein Ehemann, wenn ich denn einen h�tte, m�sste es niemals erfahren. Wenn er auch nur einen Funken Verstand h�tte, w�re er �bergl�cklich, mich zur�ckzuhaben, und w�rde keine Fragen stellen, deren Antworten er nicht w�rde h�ren wollen.�</p><p>Falle biss die Z�hne zusammen, ihre H�nde krallten sich in eine Seidenbluse. Alliandre war durch Perrin ihre Lehnsfrau. Zwar befolgte sie Befehle, aber es hatten sich Spannungen in die Natur ihrer Beziehung geschlichen. Sie waren �bereingekommen, dass sie, wenn sie �berleben wollten, versuchen mussten, wie Diener zu denken, versuchen mussten, Diener <emphasis>zu sein.</emphasis> Aber das bedeutete auch, dass sie beide gesehen hatten, wie die andere auf die Knie ging und jedem Befehl eifrig nachkam. Sevannas Bestrafungen wurden immer von dem <emphasis>Gai'schain</emphasis> ausgef�hrt, der gerade in der N�he stand, und einmal hatte Faile den Befehl erhalten, Alliandre eine Pr�gelstrafe zu verabreichen. Noch schlimmer aber war, dass Alliandre den Gefallen zweimal hatte erwidern m�ssen. Dabei Zur�ckhaltung an den Tag zu legen, bedeutete nur, dass man selbst in den Geschmack der Strafe kam, au�erdem erhielt die andere Frau dann die doppelte Abreibung von jemandem, der seinen Arm nicht schonte. Es musste einen Unterschied machen, wenn man seine Lehnsherrin zweimal zum Zappeln und Schreien gebracht hatte.</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewusst, dass die Bluse, die sie da hielt, zu denen geh�rte, die noch schmutziger geworden waren, als der Korb umkippte. Sie l�ste den Griff und musterte sie erschrocken. Aber es hatte nicht den Anschein, dass sie den Schmutz in den Stoff gerieben hatte. Einen Augenblick lang versp�rte sie Erleichterung und dann Gereiztheit, weil sie erleichtert war.</p><p>Und noch viel schlimmer war, dass die Erleichterung nicht verschwand.</p><p>�Arrela und Lacile sind vor drei Tagen entkommen�, raunte sie. �Mittlerweile mussten sie au�er Reichweite sein. Wo ist Maighdin?�</p><p>Ein besorgter Ausdruck trat in das Gesicht der anderen Frau. �Sie will sich in Theravas Zelt schleichen.</p><p>Therava ist uns mit einer Gruppe Weiser Frauen entgegengekommen, und soweit wir h�ren konnten, waren sie auf dem Weg zu einem Treffen mit Sevanna. Maighdin hat mir ihren Korb in die Hand gedr�ckt und gesagt, sie wolle es versuchen. Ich glaube ... ich glaube, sie ist so verzweifelt, dass sie zu gro�e Risiken eingeht�, sagte sie resigniert. �Mittlerweile h�tte sie l�ngst wieder dasein m�ssen.�</p><p>Faile holte tief Luft und atmete langsam wieder aus. Sie alle wurden verzweifelt. Sie hatten Dinge f�r die Flucht gesammelt � Messer und Nahrung, Stiefel und M�nnerhosen und M�ntel, die halbwegs passten, und alles lag sorgf�ltig in den Wagen versteckt; die wei�en Gew�nder w�rden als Decken dienen sowie als Umh�nge, um sie im Schnee zu verbergen �, aber die Gelegenheit, dies alles auch zu benutzen, schien kein St�ck n�her ger�ckt zu sein als an dem Tag ihrer Gefangennahme. Nur zwei Wochen. Zweiundzwanzig Tage, um genau zu sein. Das h�tte nicht lange genug sein d�rfen, um alles zu ver�ndern, aber trotz alledem ver�nderte sie die Rolle als Diener. Nur zwei Wochen, und sie sprangen bei jedem Befehl, ohne nachzudenken, sorgten sich wegen Bestrafungen und ob sie Sevanna erfreuten. Das Schlimmste daran war, dass sie selbst Zeuginnen wurden, wie sie diese Dinge taten, dass sie genau wu�ten, dass ein Teil von ihnen gegen ihren Willen umgeformt wurde. Im Moment konnten sie sich einreden, dass sie nur das taten, was n�tig war, um keinen Verdacht zu erregen und dann entkommen zu k�nnen, aber jeden Tag wurden die Reaktionen mechanischer. Wie lange w�rde es noch dauern, bevor Flucht ein verblasster Traum in der Nacht nach einem Tag als perfekter <emphasis>Gai'schain</emphasis> sowohl in Gedanken als auch in Taten war? Bis jetzt hatte keine gewagt, die Frage laut zu stellen, und Faile wusste, dass sie sich bem�hte, nicht daran zu denken, aber die Frage lauerte immer in einem Winkel ihres Bewusstseins. In gewisser Weise hatte sie Angst davor, dass sie ver � schwand. Denn wenn sie das tat, w�rde sie vorher beantwortet sein?</p><p>Mit einer bewussten Anstrengung zwang sie sich, die Verzweiflung zu verdr�ngen. Sie war die zweite Falle, und allein Willenskraft lie� sie nicht zuschnappen. �Maighdin wei�, dass sie vorsichtig sein muss�, sagte sie mit fester Stimme. �Sie wird bald hier sein, Alliandre.�</p><p>�Und wenn sie erwischt wird?�</p><p>�Das wird nicht passieren!�, sagte Faile scharf. Wenn sie ... Nein, sie musste an den Sieg denken, nicht an die Niederlage. Verzagte Herzen gewannen nie.</p><p>Die Seide zu waschen war zeitaufw�ndig. Das Wasser aus der Zisterne war eiskalt, aber das hei�e Wasser aus dem Kupferkessel lie� die Temperatur in den Waschzubern auf lauwarm ansteigen. Man konnte Seide nicht in hei�em Wasser waschen. Die H�nde in die Waschzuber zu tauchen f�hlte sich in der K�lte wunderbar an, aber man musste sie immer wieder herausnehmen, und dann biss die K�lte zweimal so schlimm zu. Es gab keine Seife, jedenfalls keine, die mild genug gewesen w�re, also musste man jede Bluse und jeden Rock einzeln eintauchen und den Stoff behutsam reiben. Das feuchte Kleidungsst�ck wurde dann in einen weiteren Waschzuber getaucht, der mit einer Mischung aus Wasser und Essig gef�llt war � das verhinderte das Ausbleichen und lie� die Seide gl�nzen �, danach rollte man es wieder in ein Handtuch ein. Das feuchte Handtuch wurde kr�ftig ausgewrungen und sp�ter in der Sonne zum Trocknen �berall dort ausgebreitet, wo Platz war, w�hrend die Seide auf einem waagrechten Pfahl aufgeh�ngt wurde, den man im Schatten eines schlichten Segeltuchpavillons am Rand des Platzes errichtet hatte, und man sie mit der Hand gl�ttete, um Falten herauszureiben. Mit etwas Gl�ck w�rde man nichts b�geln m�ssen. Sie beide wu�ten, wie man Seide pflegen musste, aber f�r das B�geln brauchte man �bung, die sie beide nicht hatten. Die hatte keine von Sevannas <emphasis>Gai'schain,</emphasis> nicht einmal Maighdin, obwohl sie doch Zofe einer Lady gewesen war, bevor sie in Failes Dienste getreten war, aber Sevanna akzeptierte keine Entschuldigungen. Jedes Mal, wenn Falle oder Alliandre gingen, um ein weiteres St�ck W�sche aufzuh�ngen, �berpr�ften sie die bereits h�ngenden und gl�tteten alles, bei dem es allem Anschein nach n�tig war.</p><p>Faile goss gerade frisches hei�es Wasser in den Waschzuber, als Alliandre verbittert sagte: �Da kommt die Aes Sedai.�</p><p>Galina war Aes Sedai, komplett mit alterslosem Gesicht und goldenem Schlangenring am Finger, aber auch sie trug das wei�e Gewand der <emphasis>Gai'schain �</emphasis> selbstverst�ndlich war es aus Seide, die so dick wie bei den anderen die Wolle war � mitsamt einem breiten, aufw�ndigen G�rtel aus Gold und Feuertropfen, der ihre Taille eng einschn�rte, und einem passenden Kragen um den Hals, Schmuck, der einer K�nigin zur Ehre gereicht h�tte. Sie war Aes Sedai und ritt manchmal allein aus dem Lager, aber sie kehrte immer zur�ck, und sie sprang, wenn eine Weise Frau auch nur den Finger krumm machte. Mit Therava teilte sie oft das Zelt.</p><p>In gewisser Weise war Letzteres das Seltsamste von allem. Galina wusste, wer Faile war und mit wem sie verheiratet war und kannte Perrins Verbindung zu Rand al'Thor, und sie drohte, es Sevanna zu verraten, falls Faile und ihre Freundinnen nicht etwas ausgerechnet aus dem Zelt stahlen, in dem sie schlief. Das war die dritte Falle, die auf sie lauerte. Sevanna war besessen von Rand al'Thor; sie war verr�ckterweise davon �berzeugt, ihn irgendwie heiraten zu k�nnen, und sollte sie von Perrin erfahren, w�rde Faile keinen Schritt mehr aus ihrer unmittelbaren Umgebung tun k�nnen, von einer Flucht ganz zu schweigen. Man w�rde sie wie eine Ziege anleinen, die als K�der f�r den L�wen dienen sollte.</p><p>Faile hatte gesehen, wie sich Galina kriecherisch duckte, aber jetzt rauschte sie majest�tisch �ber den Platz, jeder Zoll eine Aes Sedai. Hier waren keine Weisen Frauen anwesend, bei denen sie sich einschmeicheln konnte. Galina war h�bsch, aber alles andere als eine Sch�nheit, und Faile konnte nicht verstehen, was Therava in ihr sah; vielleicht war es ja nur das Vergn�gen, eine Aes Sedai dominieren zu k�nnen. Aber das lie� noch immer die Frage offen, warum die Frau blieb, da Therava doch jede Gelegenheit zu ergreifen schien, um sie zu dem�tigen.</p><p>Galina blieb einen Schritt von dem Tisch entfernt stehen und musterte sie mit einem schmalen L�cheln, das man als bedauernd h�tte bezeichnen k�nnen. �Ihr seid ja noch nicht sehr weit mit eurer Arbeit gekommen�, sagte sie. Sie meinte nicht die W�sche.</p><p>Sie hatte Faile angesprochen, aber Alliandre ergriff das Wort, und zwar noch bitterer als zuvor. �Maighdin ist heute Morgen losgegangen, um Euren Elfenbeinstab zu holen, Galina. Wann werden wir etwas von der Hilfe zu sehen bekommen, die Ihr uns zugesagt habt?� Hilfe bei der Flucht war die Karotte, die Galina vor ihrer Nase baumeln lie�; der Stock war die Drohung, Faile zu verraten. Bis jetzt hatten sie allerdings nur den Stock zu sehen bekommen.</p><p>�Sie ist heute Morgen zu Theravas Zelt gegangen?�, fl�sterte Galina und wurde aschfahl.</p><p>Faile wurde pl�tzlich bewusst, dass die Sonne im Westen den halben Weg zum Horizont zur�ckgelegt hatte, und ihr Herz begann, schmerzhaft zu pochen. Maighdin h�tte schon l�ngst wieder dasein m�ssen.</p><p>Die Aes Sedai schien noch ersch�tterter als sie zu sein. �Heute Morgen?�, wiederholte sie und sah �ber die Schulter. Sie zuckte zusammen und gab einen leisen Aufschrei von sich, als Maighdin unvermittelt aus dem Strom der <emphasis>Gai'schain</emphasis> trat, die den Platz bev�lkerten.</p><p>Im Gegensatz <emphasis>zu</emphasis> Alliandre war die blonde Frau an jedem Tag ihrer Gefangenschaft h�rter geworden. Sie war nicht weniger verzweifelt, aber sie schien alles zu kanalisieren und in Entschlossenheit umzuwandeln.</p><p>Sie hatte immer schon �ber eine Ausstrahlung verf�gt, die mehr zu einer K�nigin geh�rte als zu einer Zofe obwohl die meisten Zofen dar�ber verf�gten �, aber jetzt stolperte sie mit stumpfem Blick an ihnen vorbei und stie� die H�nde in einen Wassereimer, f�hrte eine Hand voll an den Mund, um gierig zu trinken, und rieb sich dann mit dem Handr�cken �ber die Lippen.</p><p>�Ich will Therava t�ten, wenn wir gehen�, sagte sie heiser. �Ich w�rde sie gern auf der Stelle umbringen.�</p><p>Leben trat erneut in ihre blauen Augen, und ein hitziges Funkeln. �Ihr seid sicher, Galina. Sie hat geglaubt, ich wollte etwas stehlen. Ich hatte noch nicht einmal zu suchen angefangen. Etwas ... etwas ist geschehen, und sie ist gegangen. Nachdem sie mich gefesselt hatte. F�r sp�ter.� Das Funkeln verschwand aus ihrem Blick und wich Ratlosigkeit. �Was ist das, Galina? Selbst ich kann es f�hlen, und mein Talent ist so verschwindend klein, dass diese Aielfrauen mich als ungef�hrlich eingestuft haben.� Maighdin konnte die Macht lenken. Nicht verl�sslich und auch nicht sehr viel � soweit es Faile beurteilen konnte, h�tte die Wei�e Burg sie nach wenigen Wochen fortgeschickt, und sie behauptete, niemals dort gewesen zu sein �, darum w�rde ihnen das auch nicht bei der Flucht helfen k�nnen. Faile h�tte sie gern gefragt, wovon sie sprach, aber sie erhielt keine Gelegenheit.</p><p>Galina war noch immer sehr blass, aber davon abgesehen schien ihre Gelassenheit unersch�tterlich. Nur dass sie nach Maighdins Kapuze mitsamt dem darunterliegenden Haar griff und ihren Kopf nach hinten riss. �Das geht Euch nichts an�, sagte sie k�hl. �Das hat nichts mit Euch zu tun. Ihr sollt Euch nur darum k�mmern, mir das zu beschaffen, was ich haben will. Und das sollte Eure einzige Sorge sein.�</p><p>Bevor Faile Maighdin zur Hilfe eilen konnte, war eine andere Frau mit dem goldenen G�rtel �ber ihrem wei�en Gewand zur Stelle, zerrte Galina weg und stie� sie zu Boden. Mollig und unscheinbar hatte Aravine einen v�llig resignierten Eindruck gemacht, als Faile ihr das erste Mal begegnet war, an dem Tag, an dem ihr die Amadicianerin den goldenen G�rtel �berreicht und sie dar�ber belehrt hatte, dass sie jetzt in den Diensten von �Lady Sevanna� stand. Doch die seitdem vergangene Zeit hatte Aravine noch h�rter gemacht als Maighdin.</p><p>�Seid Ihr verr�ckt, Hand an eine Aes Sedai zu legen?�, fauchte Galina und k�mpfte sich auf die F��e.</p><p>Sie klopfte sich den Schmutz von ihrem Seidengewand und richtete ihre volle Wut auf die mollige Frau. �Ich werde Euch ...�</p><p>�Soll ich Therava sagen, dass Ihr eine von Sevannas <emphasis>Gai'schain</emphasis> misshandelt habt?�, schnitt ihr Aravine eiskalt das Wort ab. Ihr Akzent klang gebildet. M�glicherweise war sie eine bedeutende Kauffrau gewesen, vielleicht sogar eine Adlige, aber sie sprach nie davon, was sie gewesen war, bevor sie das Wei� hatte anziehen m�ssen. �Als Therava das letzte Mal der Ansicht war, Ihr w�rdet Eure Nase dorthin stecken, wo sie nicht hingeh�rt, konnte jeder im Umkreis von hundert Schritten Euch kreischen und betteln h�ren.�</p><p>Galina zitterte f�rmlich vor Wut; es war das erste Mal, dass Faile eine Aes Sedai so au�er sich sah. Es kostete sie eine sichtbare Anstrengung, die Beherrschung zur�ckzuerlangen. Und es gelang ihr nur so gerade eben. Ihre Stimme troff vor Gift. �Aes Sedai haben ihre eigenen Gr�nde f�r das, was sie tun, Aravine, Gr�nde, die Ihr nie verstehen w�rdet. Ihr werdet es bereuen, diese Schulden gemacht zu haben, wenn ich sie eintreiben komme. Ihr werdet es schrecklich bereuen.� Sie strich ein letztes Mal �ber ihr Gewand und stolzierte davon, nicht l�nger eine K�nigin, die den P�bel verabscheute, sondern eine Leopardin, die die Schafe herausforderte, ihr den Weg zu versperren.</p><p>Aravine sah ihr hinterher und schien nicht besonders beeindruckt zu sein, und sie schien auch nicht zu einer Unterhaltung geneigt zu sein. �Sevanna will dich sehen, Falle�, war alles, was sie zu sagen hatte.</p><p>Faile machte sich nicht die M�he, nach dem Grund zu fragen. Sie trocknete sich die H�nde ab, rollte die �rmel herunter und folgte der Amadicianerin, nachdem sie Alliandre und Maighdin versprochen hatte, so bald wie m�glich zur�ckzukehren. Sevanna war von ihnen dreien fasziniert. Maighdin, die einzige echte Zofe unter ihren <emphasis>Gai'schain,</emphasis> schien sie genauso zu interessieren wie K�nigin Alliandre, ganz zu schweigen von Faile, eine Frau, die m�chtig genug war, um eine K�nigin zur Lehnsfrau zu haben. Manchmal schickte sie namentlich nach einer von ihnen, um ihr beim Umziehen zu helfen oder beim Bad in der gro�en Kupferbadewanne, die sie �fter als das Schwei�zelt benutzte, oder auch nur um ihr Wein einzuschenken. Die restliche Zeit bekamen sie die gleichen Arbeiten zugeteilt wie ihre anderen Diener, aber Sevanna fragte nie danach, ob man ihnen bereits eine Aufgabe zugeteilt hatte, genauso wenig, wie sie sie in diesem Fall in Ruhe lie�. Was auch immer sie wollte, Faile war sich v�llig dar�ber im Klaren, dass sie zusammen mit den anderen beiden auch weiterhin f�r die W�sche zust�ndig war. Sevanna wollte, wa s sie wollte, wenn sie es wollte, und sie akzeptierte keine Entschuldigungen.</p><p>Faile brauchte keinen, der ihr den Weg zu Sevannas Zelt zeigen musste, aber Aravine f�hrte sie an den Wassertr�gern vorbei, bis sie die ersten niedrigen Aielzelte erreichten, und dann wies sie in die entgegengesetzte Richtung von Sevannas Zelt und sagte: �Zuerst dort hin.�</p><p>Faile blieb stehen. �Warum?�, fragte sie misstrauisch. Unter Sevannas Dienerin gab es tats�chlich M�nner und Frauen, die eifers�chtig auf die Aufmerksamkeit waren, die sie Faile, Alliandre und Maighdin schenkte, und obwohl Faile das bislang noch nicht bei Aravine bemerkt hatte, war es durchaus nicht undenkbar, dass ein paar der anderen sie in Schwierigkeiten bringen wollten, indem sie falsche Befehle weitergaben.</p><p>�Du wirst das sehen wollen, bevor du zu Sevanna gehst. Glaub es mir.�</p><p>Faile �ffnete den Mund, um eine Erkl�rung zu verlangen, aber Aravine drehte sich einfach um und ging. Faile hob den Rocksaum an und folgte ihr.</p><p>Zwischen den Zelten standen alle m�glichen Wagen und Karren, deren R�der durch Schlittenkufen ersetzt worden waren. In den meisten stapelten sich B�ndel und Holzkisten und F�sser, und die R�der hatte man oben auf die Ladung gebunden, aber sie musste Aravine nicht weit folgen, bevor sie den Wagen sah, den man entladen hatte. Aber die Ladefl�che war nicht leer. Auf den groben Holzplanken lagen zwei nackte Frauen, denen man Arme und Beine wie bei Schweinen brutal zusammengefesselt hatte. Sie zitterten in der K�lte und keuchten dennoch, als w�rden sie rennen. Beide Frauen lie�en den Kopf h�ngen, aber dann sahen sie auf, als w��ten sie, dass Faile da war. Arrela, eine dunkelhaarige Tairenerin, die fast so gro� wie die meisten Aielfrauen war, wandte verlegen den Blick ab. Lacile, schlank, hellh�utig und Cairhienerin, wurde knallrot.</p><p>�Man hat sie heute Morgen zur�ckgebracht�, sagte Aravine und beobachtete Falles Gesicht. �Man wird sie vor Einbruch der Dunkelheit losbinden, da es ihr erster Fluchtversuch war, allerdings bezweifle ich, dass sie vor morgen wieder laufen k�nnen.�</p><p>�Warum zeigst du mir das?�, sagte Faile. Sie hatten sich solche M�he gegeben, ihre Verbindung geheimzuhalten.</p><p>�Du vergisst, dass ich dabei war, als man euch alle in Wei� gesteckt hat.� Aravine musterte sie einen Augenblick lang, dann ergriff sie pl�tzlich Falles H�nde und drehte sie so, dass die ihren genau dazwischen lagen. Sie beugte die Knie, ohne direkt niederzuknien, und sagte schnell: �Ich, Aravine Carnel, schw�re unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Wiedergeburt der Lady Faile t'Aybara Gehorsam in allem und die Lehnstreue.�</p><p>Nur Lacile schien es zu bemerken; der Shaido, der an ihnen vorbeiging, beachtete die beiden <emphasis>Gai'schain</emphasis> nicht weiter. Faile riss die H�nde frei. �Woher kennst du diesen Namen?� Sie hatte nat�rlich mehr als ihren Vornahmen preisgeben m�ssen, aber sie hatte Faile Bashere gew�hlt, sobald ihr klargeworden war, dass kein Shaido die geringste Ahnung hatte, wer Davram Bashere war. Abgesehen von Alliandre und den anderen kannte nur Galina die Wahrheit. Zumindest hatte sie das gedacht. �Und wer hat es dir gesagt?�</p><p>�Ich h�re zu, meine Lady. Ich habe einmal eines Eurer Gespr�che mit Galina belauscht.� Sorge trat in Aravines Stimme. �Und ich habe es niemandem verraten.� Es schien sie nicht zu �berraschen, dass Faile ihren Namen geheim halten wollte, obwohl ihr t'Aybara offenbar nichts sagte. Vielleicht war Aravine Carnel ja auch nicht ihr wahrer Name, oder nur ein Teil davon.</p><p>�An diesem Ort muss man Geheimnisse h�ten wie in Amador. Ich wusste, dass diese Frauen zu Euch geh�ren, aber ich habe es niemandem gesagt. Ich wei�, dass Ihr fliehen wollt. Das wei� ich seit dem zweiten oder dritten Tag mit Sicherheit, und nichts von dem, was ich seither gesehen habe, hat mich vom Gegenteil �berzeugt. Akzeptiert meinen Eid und nehmt mich mit. Ich kann helfen, und was noch viel wichtiger ist, Ihr k�nnt mir vertrauen. Ich habe es bewiesen, indem ich Euer Geheimnis bewahrt habe. Bitte.� Das letzte Wort klang gequ�lt, als w�rde es jemand sagen, der es nicht gew�hnt war. Also eine Adlige und doch keine Kauffrau.</p><p>Sie hatte nichts bewiesen au�er der Tatsache, dass sie Geheimnisse herausbekommen konnte, aber das allein war schon eine n�tzliche F�higkeit. Andererseits wusste Faile von mindestens zwei <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die fl�chten wollten und von anderen verraten worden waren.</p><p>Manche Leute versuchten unter welchen Umst�nden auch immer das eigene Nest zu federn. Aber Aravine wusste bereits genug, um alles zu ruinieren. Faile dachte wieder an ihr verstecktes Messer. Eine Tote konnte nichts verraten. Aber das Messer war eine halbe Meile weit entfernt, ihr fiel nichts ein, wie sie die Leiche verstecken sollte, und au�erdem h�tte die Frau Sevanna nur zu sagen brauchen, sie sei der Meinung, Faile wollte fliehen, um sich ein paar Vorteile zu verschaffen.</p><p>Sie nahm Aravines H�nde in die ihren und sprach so schnell, wie es die andere Frau zuvor getan hatte.</p><p>�Unter dem Licht akzeptiere ich Euren Eid und werde Euch und die Euren im Verderben der Schlacht und der K�lte des Winters und allem anderen, das die Zeit bringen mag, verteidigen und besch�tzen. Gut. Kennt Ihr noch jemanden, der vertrauensw�rdig ist? Keine Leute, von denen Ihr glaubt, ihnen trauen zu k�nnen, sondern Leute, von denen Ihr das wisst.�</p><p>�Nicht, was das angeht, meine Lady�, sagte Aravine grimmig. Aber auf ihrem Gesicht lag Erleichterung. Sie war sich nicht sicher gewesen, dass Faile sie akzeptieren w�rde. Dass es Erleichterung und nichts anderes war, lie� Faile dazu neigen, ihr zu glauben. Sie neigte dazu, aber das hie� nicht, dass sie es auch vollst�ndig tat. �Die H�lfte w�rde die eigene Mutter verraten in der Hoffnung, sich die Freiheit erkaufen zu k�nnen, und die andere H�lfte hat zu viel Angst, es zu versuchen oder ist zu bet�ubt, als dass man sich darauf verlassen k�nnte, dass sie nicht in Panik geraten. Es muss ein paar geben, und ich habe mein Auge auf einen oder zwei geworfen, aber ich muss sehr vorsichtig sein. Ein Fehler ist mehr, als ich mir erlauben kann.�</p><p>�Sehr vorsichtig�, stimmte Faile ihr zu. �Hat Sevanna wirklich nach mir geschickt? Oder ...�</p><p>Aber anscheinend hatte sie es getan, und Faile beeilte sich, zu ihrem Zelt zu kommen � schneller, als ihr lieb war; es war �rgerlich, sofort zu springen, nur um Sevannas Missfallen zu entgehen �, aber niemand schenkte ihr auch nur die geringste Beachtung, als sie eintrat und neben dem Eingang stehenblieb.</p><p>Sevannas Zelt war keine der niedrigen Aielbehausungen, sondern ein Wohnzelt aus roter Plane, das gro� genug war, um zwei Zeltstangen zu ben�tigen, und es wurde von fast einem Dutzend Spiegelstehlampen erhellt. Zwei vergoldete Kohlebecken sorgten f�r etwas W�rme und gaben d�nne Rauchschwaden von sich, die durch die Rauchl�cher im Dach abzogen, aber drinnen war es kaum w�rmer als drau�en. Kostbare Teppiche bildeten einen Boden aus Rot, Gr�n und Blau, die Motive waren tairenische Labyrinthe und Blumen und Tiere � der Schnee war sorgf�ltig abgetragen worden, bevor man sie ausgelegt hatte. �berall auf den Teppichen lagen quastenverzierte Seidenkissen verstreut, und in einer Ecke stand ein Stuhl mit aufw�ndigen Schnitzereien und massiv vergoldet. Faile hatte noch nie jemanden dort sitzen gesehen, aber sie wusste, dass der Stuhl die Gegenwart des Clanh�uptlings heraufbeschw�ren sollte. Sie war zufrieden damit, mit gesenktem Blick dort zu stehen. An der einen Zeltwand standen drei weitere <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit goldenen G�rteln und Kragen, einer davon war ein b�rtiger Mann. Sie waren da f�r den Fall, dass jemand bedient werden musste. Sevanna war da, Therava auch.</p><p>Sevanna war eine hochgewachsene Frau, etwas gr��er als Faile, mit hellgr�nen Augen und Haar wie gesponnenem Gold. Man h�tte sie als sch�n bezeichnen k�nnen, w�re da nicht dieser Zug von Habsucht um ihre wulstigen Lippen gewesen. Abgesehen von ihren Augen und dem Haar und dem von der Sonne verbrannten Gesicht schien nur wenig an ihr zu einer Aiel zu passen. Ihre Bluse war aus wei�er Seide, ihr Rock war ein Reitrock und ebenfalls aus Seide, wenn auch dunkelgrau, und das in Schl�fenh�he gebundene Tuch leuchtete blutrot und golden. Es war ebenfalls aus Seide. Rote Stiefel lugten unter den Rocks�umen hervor, wenn sie sich bewegte. An jedem Finger steckte ein juwelengeschm�ckter Ring, und ihre Halsketten und Armb�nder aus dicken Perlen und Diamanten und taubeneigro�en Rubinen und Saphiren und Smaragden und Feuertropfen lie�en alles, was Someryn trug, l�cherlich erscheinen. Nicht ein St�ck war von Aiel gefertigt. Therava hingegen war die personifizierte Aiel, dunkle Wolle und wei�e <emphasis>Aglode,</emphasis> die H�nde ohne Schmuck und alle Halsketten und Armreifen aus Gold und Elfenbein. Sie war gr��er als die meisten M�nner, und ihr dunkelrotes Haar war mit wei�en Str�hnen durchsetzt; sie war ein blau�ugiger Adler, der Sevanna eigentlich wie ein verkr�ppeltes Lamm h�tte verschlingen m�ssen. Faile w�rde eher Sevanna zehn Mal ver�rgern als Therava auch nur einmal, aber die beiden Frauen standen sich an einem mit Elfenbein- und T�rkisintarsien verzierten Tisch gegen�ber, und Sevanna erwiderte jeden von Theravas w�tenden Blicken mit der gleichen Intensit�t.</p><p>�Was heute geschieht, bedeutet Gefahr�, sagte Therava mit der Miene von jemandem, der es leid war, sich st�ndig zu wiederholen. Und vielleicht bereit war, das Messer aus dem G�rtel zu ziehen. Sie strich �ber den Griff, w�hrend sie sprach, und Faile glaubte nicht, dass das in Gedanken geschah. �Wir m�ssen soviel Abstand wie nur m�glich zwischen uns und dem bringen, was auch immer es ist, und zwar so schnell wir k�nnen. Im Osten gibt es Berge. Sobald wir sie erreicht haben, sind wir in Sicherheit, bis wir alle Septimen wieder vereint haben. Septimen, die nie getrennt worden w�ren, w�rt Ihr nicht so �berzeugt von Euch gewesen, Sevanna.�</p><p>�Ihr sprecht von Sicherheit?� Sevanna lachte. �Seid Ihr so alt und zahnlos geworden, dass Ihr mit Brot und Milch gef�ttert werden m�sst? Denkt doch mal nach. Eure Berge sind wie weit entfernt? Wie viele Tage oder Wochen, die wir durch diesen verfluchten Schnee stapfen m�ssen?� Sie zeigte auf den Tisch zwischen ihnen, auf dem eine Karte ausgebreitet lag, die man mit zwei schweren Goldschalen und einem schweren dreigeteilten goldenen Kerzenst�nder beschwert hatte. Die meisten Aiel hatten f�r Karten nichts �brig, aber Sevanna hatte sie zusammen mit anderen Feuchtl�ndersitten sch�tzen gelernt. �Was auch immer geschehen ist, es ist weit weg von uns, Therava. Das habt Ihr gesagt, so wie jede Weise Frau. Die Stadt ist voller Vorr�te, sie kann uns wochenlang ern�hren, wenn wir hier bleiben. Wer soll uns hier herausfordern, sollten wir bleiben? Und wenn wir es tun ... Ihr kennt die Ger�chte, die Botschaften. In zwei oder drei Wochen, h�chstens vier, werden sich mir zehn weitere Septimen angeschlossen haben. Vielleicht auch mehr! Wenn man den Feuchtl�ndern aus der Stadt Glauben schenken kann, wird der Schnee bis dahin geschmolzen sein. Dann werden wir schnell reisen k�nnen, statt alles auf Schlitten ziehen zu m�ssen.� Falle fragte sich, ob die St�dter den Schlamm erw�hnt hatten.</p><p>�Zehn weitere Septimen werden sich Euch anschlie�en�, sagte Therava. Ihre Hand schloss sich um den Messergriff. �Ihr sprecht f�r den Clanh�uptling, Sevanna, und darum hat man mich erw�hlt, Euch wie ein Clanh�uptling zu beraten, der zum Wohle des Clans auf den Rat h�ren muss. Ich rate Euch, nach Osten zu ziehen. Die anderen Septimen k�nnen sich uns genauso gut in den Bergen anschlie�en, und wenn wir unterwegs ein bisschen hungern m�ssen, wem unter uns sind ein paar Entbehrungen fremd?�</p><p>Sevanna spielte an einer Kette herum, ein gro�er Smaragd in ihrer Hand funkelte im Licht der Stehlampen wie ein gr�nes Feuer. Ihr Mund wurde schmal, was sie noch hungriger aussehen lie�. Sie kannte Entbehrungen, aber trotz der mangelnden W�rme im Zelt hatte sie sich entschieden, in Zukunft darauf zu verzichten. �Ich spreche f�r den H�uptling, und ich sage, wir bleiben hier.� In ihrer Stimme lag mehr als nur ein Hauch von Herausforderung, aber sie gab Therava keine Gelegenheit, ihr zu widersprechen. �Ah, wie ich sehe, ist Faile da. Meine gute, gehorsame <emphasis>Gai'schain.�</emphasis></p><p>Sie nahm einen in ein St�ck Tuch geh�llten Gegenstand vom Tisch und wickelte ihn aus. �Erkennst du das, Faile Bashere?�</p><p>Was Sevanna da hielt, war ein Messer mit einer einseitig geschliffenen, anderthalb Handspanne langen Klinge, ein simples Werkzeug von der Art, wie es Tausende von Bauern mit sich trugen. Aber Faile erkannte das Muster am Holzgriff und die Ecke in der Schneide.</p><p>Es war das Messer, das sie gestohlen und mit solcher Sorgfalt verborgen hatte. Sie sagte nichts. Es gab nichts zu sagen. <emphasis>Gai'schain</emphasis> war der Besitz von Waffen verboten, sie durften nicht einmal ein Messer haben, es sei denn, sie mussten f�rs Kochen Fleisch oder Gem�se schneiden. Aber als Sevanna fortfuhr, konnte sie ein Zusammenzucken nicht unterdr�cken.</p><p>�Wie gut, dass Galina mir das gebracht hat, bevor du es benutzen konntest. F�r welchen Zweck auch immer. H�ttest du jemanden verletzt, m�sste ich sehr b�se mit dir sein.�</p><p>Galina? Nat�rlich. Die Aes Sedai w�rde ihnen die Flucht nicht erlauben, bevor sie das getan hatten, was sie wollte.</p><p>�Sie ist schockiert, Therava.� Sevannas Gel�chter klang am�siert. �Galina wei�, was von <emphasis>Gai'schain</emphasis> erwartet wird, Faile Bashere. Was soll ich mit ihr machen, Therava? Was ratet Ihr mir? Mehrere Feuchtl�nder sind get�tet worden, weil sie Waffen versteckt hatten, aber ich w�rde sie nur ungern verlieren.�</p><p>Therava legte einen Finger unter Falles Kinn, dr�ckte ihr den Kopf nach oben und starrte ihr in die Augen. Faile erwiderte den Blick, ohne zu blinzeln, aber sie f�hlte, wie ihre Knie zitterten. Sie versuchte sich nicht einzureden, dass daran nur die K�lte schuld war. Faile war nicht feige, aber als Therava sie ansah, kam sie sich wie ein Hase in den Krallen dieses Adlers vor, der darauf wartete, dass der scharfe Schnabel nach unten zuckte. Therava war die Erste gewesen, die ihr befohlen hatte, Sevanna auszuspionieren. So vorsichtig die anderen Weisen Frauen auch mit ihren Andeutungen gewesen waren, Faile hatte nicht den geringsten Zweifel, dass Therava ihr ohne zu z�gern die Kehle durchschneiden w�rde, wenn sie versagte. Es war sinnlos, so zu tun, als w�rde ihr die Frau keine Angst einjagen.</p><p>Sie m�sste diese Angst nur kontrollieren. Wenn sie das schaffte.</p><p>�Ich glaube, sie wollte fliehen, Sevanna. Aber ich glaube auch, dass sie lernen kann, das zu tun, was sie tun soll.�</p><p>Der grob gezimmerte Holztisch war hundert Schritte von Sevannas Zelt an der n�chsten freien Stelle zwischen den anderen Zelten aufgestellt worden. Zuerst hatte Falle geglaubt, das Schlimmste w�re die Scham, nackt zu sein, das und die eisige K�lte. Die Sonne stand niedrig am Himmel, die Luft war k�lter geworden, und vor dem n�chsten Morgen w�rde es noch viel k�lter werden. Sie w�rde bis zum Morgen dort liegen m�ssen. Die Shaido lernten schnell, wie man Feuchtl�nder dem�tigen konnte, und sie benutzten Scham als Bestrafung. Faile glaube jedes Mal vor Err�ten zu sterben, wenn jemand sie ansah, aber die vorbeigehenden Shaido blieben nicht einmal stehen. Nacktheit war bei den Aiel kein Grund, sich zu sch�men. Aravine trat vor sie, blieb aber nur lange genug stehen und fl�sterte: �Verliert nicht den Mut.� Dann war sie verschwunden. Faile hatte daf�r Verst�ndnis. Ob die Frau nun loyal war oder nicht, sie wagte es nicht, ihr zu helfen.</p><p>Nach kurzer Zeit dachte Faile nicht mehr an Scham. Man hatte ihr die Handgelenke auf den R�cken gefesselt, dann waren ihre Fu�kn�chel nach hinten gebogen und an den Ellbogen festgeschn�rt worden. Sie verstand jetzt, warum Lacile und Arrela gekeucht hatten. In dieser Position fiel das Atmen schwer. Die K�lte drang immer tiefer, bis sie heftig zitterte, aber selbst das erschien nebens�chlich. Beine, Schultern und die Seiten wurden von Kr�mpfen heimgesucht, verkrampfte Muskeln, die in Flammen zu stehen schienen, und das Feuer wurde immer hei�er. Sie konzentrierte sich darauf, nicht zu schreien. Das wurde zum Kern ihrer Existenz. Sie ... w�rde ... nicht ... schreien. Aber beim Licht, es tat so weh!</p><p>�Sevanna hat befohlen, dass du bis zum Morgengrauen hier liegen sollst, Faile Bashere, aber sie hat nichts davon gesagt, dass du keine Gesellschaft haben darfst.�</p><p>Sie musste mehrmals blinzeln, bevor sie klar sehen konnte. Schwei� brannte in ihren Augen. Wie konnte sie schwitzen, da sie doch bis ins Mark fror? Rolan stand vor ihr, und seltsamerweise trug er zwei niedrige Bronzepfannen voller gl�hender Kohlen. Er hatte um die Griffe Stoff gewickelt, um seine H�nde vor der Hitze zu sch�tzen. Als er sah, dass sie die Kohlenpfannen anstarrte, zuckte er mit den Schultern. �Einst h�tte mir eine Nacht in der K�lte nichts ausgemacht, aber ich bin verweichlicht, seit ich den Drachenwall �berquert habe.�</p><p>Beinahe h�tte sie aufgest�hnt, als er die Kohlenpfannen unter dem Tisch abstellte. W�rme flutete durch die Spalten zwischen den Holzbohlen. Ihre Muskeln kreischten noch immer vor Kr�mpfen, aber ach, diese gesegnete W�rme ... Dann st�hnte sie doch auf, als der Mann einen Arm um ihre Brust und den anderen unter ihre gebeugten Knie legte. Pl�tzlich wurde ihr bewusst, dass der Druck von den Ellbogen genommen worden war. Er hatte sie ... zusammengedr�ckt. Eine seiner H�nde fing an, ihren Oberschenkel zu bearbeiten, und sie schrie beinahe auf, als sich seine Finger in verknotete Muskeln gruben, aber dann sp�rte sie, wie sich die Knoten zu l�sen begannen. Sie schmerzten noch immer, seine Massage schmerzte, aber der Schmerz in diesem Oberschenkelmuskel ver�nderte sich. Er nahm zwar nicht gerade ab, aber ihr war klar, dass das passieren w�rde, wenn er weitermachte.</p><p>�Du hast doch nichts dagegen, wenn ich mich besch�ftige, w�hrend ich dar�ber nachdenke, wie ich dich zum Lachen bringen kann, oder?�</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewusst, dass sie lachte, und zwar nicht hysterisch. Nun ja, nicht wirklich. Sie war verschn�rt wie eine Gans, die in den Ofen sollte, und wurde das zweite Mal von einem Mann vor der K�lte gerettet, den sie vielleicht doch nicht erstechen w�rde. Sevanna w�rde sie von jetzt an wie ein Falke im Auge behalten, und Therava w�rde sie vielleicht t�ten, um ein Exempel zu statuieren. Aber sie wusste, dass sie entkommen w�rde. Eine T�r schloss sich nie/ ohne dass sich eine andere �ffnete. Sie w�rde fliehen. Sie lachte, bis sie weinte.</p></section><section><title><p>10</p><p>Ein flammendes Fanal</p></title><p>Die Dienerin mit den weit aufgerissenen Augen war eher darin ge�bt, Brotteig zu kneten statt Reihen winziger Kn�pfe zu schlie�en, aber irgendwann hatte sie Elaynes dunkelgr�nes Reitkleid zugekn�pft, machte einen Knicks und trat schwer atmend zur�ck, aber es war nur schwer zu sagen, ob das von der ben�tigten Konzentration kam oder von der Ehre, sich in Gegenwart der Tochter-Erbin zu befinden. Der Gro�e Schlangenring an Elaynes linker Hand mochte ebenfalls etwas damit zu tun haben. Nur zwanzig Meilen in gerader Linie w�rden einen vom Herrenhaus des Hauses Matherin zum Erinin mit seinem Flusshandel bringen, aber tats�chlich war die Entfernung viel gr��er, da man die Chishen-Berge �berqueren musste, und die Menschen hier waren eher an die Besuche von Viehdieben aus Murandy gew�hnt, welche die nahe Grenze �berquerten, als an andere Besucher, insbesondere wenn die Besucherin Tochter �Erbin und Aes Sedai in einer Person war. Diese Ehre schien mehr zu sein, als die Dienerschaft ertragen konnte. Elsie hatte das blaue Seidennachthemd, das Elayne in der Nacht getragen hatte, mit �bertriebener Gewissenhaftigkeit zusammengefaltet und in eine gro�e Reisetruhe aus Leder gepackt. Davon standen zwei im Ankleidezimmer des Gemachs. Sie hatte es so gewissenhaft gemacht, dass Elayne es ihr beinahe aus den H�nden genommen h�tte, um es selbst zu tun. Sie hatte zuerst schlecht geschlafen und war immer wieder aufgewacht, dann hatte sie verschlafen, und sie war au�er sich, dass sie sich noch nicht auf dem R�ckweg nach Caemlyn befand.</p><p>Dies war die f�nfte Nacht, die sie seit der Nachricht von den anr�ckenden Heeren au�erhalb von Caemlyn verbracht hatte, und bei jeder Reise hatte sie jeweils einen Tag darauf verwandt, drei oder vier Herrenh�user zu besuchen � einmal sogar f�nf �, die alle M�nner und Frauen geh�rten, die durch Blut oder Eide mit dem Haus Trakand verbunden waren, und jeder Besuch kostete Zeit. Gerade der Zeitdruck lastete schwer auf ihr, aber es war unumg�nglich, das richtige Bild zu pr�sentieren. Wenn sie nicht wie eine Fl�chtige aussehen wollte, brauchte sie Reitkleidung, um von einem Herrenhaus zum n�chsten zu reisen, aber sie musste sich vor den Empf�ngen umziehen, ob sie nun dort �bernachtete oder nur wenige Stunden blieb. Zwar wurde die H�lfte dieser Stunden davon in Beschlag genommen, die Reitkleidung gegen ein Gewand einzutauschen, aber Reitkleidung k�ndete von Hast und Bed�rftigkeit, vielleicht sogar von Verzweiflung, w�hrend die Adelskrone der Tochter �Erbin und ein mit viel Spitze ges�umtes und mit aufw�ndigen Stickereien verziertes Gewand, das man aus einer Reisekiste holte und anlegte, nachdem man sich gewaschen hatte, der Welt Zuversicht und St�rke zum Ausdruck brachte. Sie h�tte gern ihre Zofe mitgenommen, um den Eindruck noch zu verst�rken, aber f�r Essande war die winterliche Reise zu anstrengend; au�erdem h�tte die Bed�chtigkeit der wei�haarigen Frau sie vor Ungeduld vermutlich in die eigene Zunge bei�en lassen. Andererseits h�tte Essande niemals so langsam sein k�nnen wie die zaghafte und verschreckte junge Elsie.</p><p>Endlich reichte ihr Elsie den pelzgef�tterten roten Umhang mit einem Knicks, und Elayne schwang ihn sich hastig �ber die Schultern. Im Kamin prasselte ein Feuer, aber der Raum war alles andere als warm, und in letzter Zeit schien sie einfach nicht dazu f�hig zu sein, die K�lte verl�sslich zu ignorieren. Das M�dchen senkte den Kopf, w�hrend sie fragte, ob es ihrer Majest�t recht sei, wenn sie nach den M�nnern schickte, die die Kisten runtertrugen. Beim ersten Mal hatte Elayne ihr in aller Ruhe erkl�rt, dass sie noch nicht die K�nigin war, aber Elsie schien die Vorstellung, sie einfach nur als Lady oder auch nur als Prinzessin anzusprechen � obwohl das Letztere in Wahrheit als �beraus altmodisch galt �, schlichtweg zu entsetzen. Ob es sich nun geh�rte oder nicht, f�r gew�hnlich freute es Elayne, wenn jemand ihr Recht auf den Thron anerkannte, aber an diesem Morgen war sie zu m�de, als etwas anderes als Ungeduld zu empfinden. Sie unterdr�ckte ein G�hnen und befahl Elsie kurz angebunden, die M�nner zu holen und sich dabei zu beeilen, dann wandte sie sich der holzget�felten T�r zu. Das M�dchen eilte los, um sie zu �ffnen, was mehr Zeit in Anspruch nahm, als h�tte sie es selbst getan, und sie machte einen Hofknicks, bevor sie sie �ffnete und auch danach. Elaynes seidener Reitrock knisterte laut, als die Beine bei jedem ihrer energischen Schritte aneinander scheuerten, w�hrend sie die roten Reithandschuhe ungeduldig zurechtzupfte. H�tte Elsie sie noch eine Sekunde l�nger aufgehalten, h�tte sie vermutlich laut geschrien.</p><p>Aber es war das M�dchen, das aufschrie, bevor Elayne drei Schritte weit gekommen war, ein furchterf�lltes Heulen, das sich ihrer Kehle entrang. Der Umhang bauschte sich auf, als Elayne herumfuhr, w�hrend sie die Wahre Quelle umarmte und f�hlte, wie das �berw�ltigende <emphasis>Saidar</emphasis> durch sie hindurchflutete. Elsie stand auf dem Teppich, der die hellbraunen Bodenfliesen bedeckte, und starrte mit vor den Mund gepressten H�nden in den Gang auf der gegen�berliegenden Seite. Dort �ffneten sich die Durchg�nge von zwei sich kreuzenden Korridoren, aber es war niemand zu sehen.</p><p>�Was ist denn, Elsie?�, wollte Elayne wissen. Mehrere verschiedene Gewebe waren fast vollendet, von einem einfachen Netz aus Luft bis zu einem Feuerball, der die vor ihr befindlichen W�nde pulverisiert h�tte, und in ihrer derzeitigen Stimmung wollte sie eine n von ihnen benutzen, wollte mit der Macht zuschlagen. In letzter Zeit waren ihre Stimmungen etwas unberechenbar, um es h�flich auszudr�cken.</p><p>Das M�dchen schaute zitternd �ber die Schulter, und wenn ihre Augen zuvor weit aufgerissen gewesen waren, quollen sie jetzt f�rmlich hervor. Ihre H�nde krallten sich noch immer vor ihren Mund, als wollte sie einen weiteren Schrei verhindern. Sie hatte schwarze Augen und schwarze Haare, war hoch gewachsen mit einem �ppigen Busen und trug die graublaue Livree des Hauses Matherin; eigentlich war sie gar kein M�dchen mehr � Elsie mochte vier oder f�nf Jahre �lter als Elayne sein �, aber so, wie sie sich benahm, fiel es schwer, sie f�r etwas anderes zu halten.</p><p>�Was ist denn, Elsie? Und erz�hl mir nicht, dass es nichts war. Du siehst aus, als h�ttest du einen Geist gesehen.�</p><p>Das M�dchen zuckte zusammen. �Das habe ich auch�, sagte sie unsicher. Dass sie Elaynes Titel unter schlug, zeigte, wie durcheinander sie war. �Lady Nelein, Lord Aedmuns Gro�mutter. Sie starb, als ich noch klein war, aber ich kann mich noch daran erinnern, dass sich selbst Lord Aedmun wegen ihres Temperaments in ihrer Umgebung auf Zehenspitzen bewegte, und die Dienerschaft sprang, wenn sie sie nur anschaute, und die zu Besuch kommenden Ladys auch, genau wie die Lords. <emphasis>Jeder</emphasis> hatte Angst vor ihr. Sie stand direkt vor mir, und sie hat so w�tend dreingeschaut ...� Sie verstummte und wurde dunkelrot, als Elayne lachte.</p><p>Es war mehr ein Lachen der Erleichterung als alles andere. Die Schwarze Ajah war ihr nicht bis in Lord Aedmuns Herrenhaus gefolgt. Es warteten keine Attent�ter mit blankgezogenen Messern, keine Elaida treu ergebene Schwestern, die sie nach Tar Valon zur�ckschleppen wollten. Manchmal tr�umte sie davon, und zwar von allem im selben Traum. Sie lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los, so widerstrebend wie immer, voller Bedauern, dass die F�lle des Lebens und der Freude aus ihr herausstr�mte. Matherin unterst�tzte sie, aber Aedmun h�tte es vermutlich missverstanden, wenn sie sein Haus zerst�rt h�tte.</p><p>�Die Toten k�nnen den Lebenden nicht schaden, Elsie�, sagte sie besonders sanft, weil sie gelacht hatte, ganz zu schweigen davon, dass sie die alberne Gans am liebsten geohrfeigt h�tte. �Sie sind nicht l�nger von dieser Welt, und sie k�nnen nichts darin ber�hren, uns eingeschlossen.� Das M�dchen nickte und machte noch einen Hofknicks, aber der Gr��e ihrer Augen und dem Zittern ihrer Lippen nach zu urteilen, war sie nicht davon �berzeugt. Aber Elayne hatte keine Zeit, sie an der Hand zu nehmen. �Hol die M�nner f�r mein Gep�ck, Elsie�, sagte sie energisch, �und sorge dich nicht wegen der Geister.� Das M�dchen flitzte nach einem weiteren Hofknicks davon und lie� nerv�s den Kopf hin und her schwingen f�r den Fall, dass Lady Nelein aus den get�felten W�nden sprang. Geister! Das M�dchen <emphasis>war</emphasis> eine alberne Gans!</p><p>Matherin war ein altes Haus, wenn auch nicht gro� oder besonders stark befestigt, und die Haupttreppe, die zur Eingangshalle hinunterf�hrte, war breit und mit einem Marmorgel�nder ausgestattet. Die Halle mit ihren grauen und blauen Bodenfliesen und den mit Spiegeln versehenen �llampen, die an Ketten von der zwanzig Fu� hohen Decke herabhingen, bot gro�z�gig Platz. Hier war nichts vergoldet, und es gab auch kaum Einlegearbeiten, aber entlang der W�nde standen mit Schnitzereien versehene Truhen und Schr�nke, und an der einen Wand hingen zwei Wandteppiche. Der eine stellte Reiter dar, die Leoparden jagten, ein bestenfalls unsicheres Gesch�ft, und der andere zeigte, wie die Frauen von Haus Matherin der ersten K�nigin von Andor ein Schwert �bergaben, ein Ereignis, das die Matherin in Ehren hielten und von dem keiner sagen konnte, ob es tats�chlich passiert war.</p><p>Aviendha ging bereits ungeduldig in der Halle auf und ab, und Elayne seufzte, als sie es sah. Eigentlich h�tten sie sich das Zimmer geteilt, w�re da nicht die Andeutung Matherins gewesen, zwei wichtige Besucherinnen nicht angemessen unterbringen zu k�nnen. Je kleiner das Haus, desto gr��er der Stolz. Die kleineren H�user besa�en oft nicht mehr. Aviendha h�tte Stolz eigentlich verstehen m�ssen, da sie f�rmlich vor wildem Stolz und St�rke leuchtete. Ein St�ck gr��er als Elayne und mit dem dicken, dunklen Schultertuch �ber der hellen Bluse und dem zusammengefalteten grauen Kopftuch, das ihr langes r�tliches Haar zur�ckhielt, sah sie aus wie die sprichw�rtlicher Weise Frau, dabei war sie nur ein Jahr �lter. Weise Frauen, die die Macht lenken konnten, erschienen oftmals j�nger, als sie tats�chlich waren, und Aviendha verf�gte �ber die notwendige Erhabenheit. Zumindest in diesem Augenblick, obwohl sie oft genug zusammen gekichert hatten. Ihr einziger Schmuck bestand aus einer langen kandorischen Silberkette, einer Bernsteinbrosche in Form einer Schildkr�te und einem breiten Armreif aus Elfenbein; f�r gew�hnlich waren Weise Frauen regelrecht mit Ketten und Armreifen beh�ngt, aber Aviendha war noch keine Weise Frau, sondern blo� Lehrling. F�r Elayne spielte das keine Rolle, aber manchmal ergaben sich daraus Probleme. Manchmal glaubte sie, dass die Weisen Frauen sie ebenfalls als eine Art Lehrling betrachteten, oder zumindest als Studentin. Ein sicherlich alberner Gedanke, aber manchmal ...</p><p>Als Elayne den Fu� der Treppe erreichte, richtete Aviendha ihr Schultertuch und fragte: �Hast du gut geschlafen?� Ihr Tonfall war unbefangen, aber in ihrem Blick lag Sorge. �Du hast dir keinen Wein bringen lassen, um besser einschlafen zu k�nnen, oder? Ich habe daf�r gesorgt, dass dein Wein beim Essen mit Wasser verd�nnt war, aber ich habe genau gesehen, wie du den Weinkrug angestarrt hast.�</p><p>�Ja, Mutter�, sagte Elayne honigs��. �Nein, Mutter.</p><p>Ich hatte mich gefragt, wo Aedmun einen so gu ten Jahrgang herbekommen hat, Mutter. Es war eine Schande, ihn zu verw�ssern. Und ich habe vor dem Schlafengehen die Ziegenmilch getrunken.� Wenn ihr etwas die Schwangerschaftskrankheit brachte, dann die Ziegenmilch! Wenn sie nur daran dachte, dass sie Ziegenmilch einmal gern getrunken hatte.</p><p>Aviendha stemmte die H�nde in die H�ften und stellte eine derartige Entr�stung zur Schau, dass Elayne lachen musste. Es gab Unbequemlichkeiten, wenn man ein Kind erwartete, von abrupten Stimmungsschwankungen angefangen �ber extreme Sensibilit�t in den Br�sten bis hin zu st�ndiger M�digkeit, aber in gewisser Weise war das ewige Verh�tscheltwerden am schlimmsten. Im K�niglichen Palast wusste jeder, dass sie schwanger war � viele hatten es vor ihr gewusst, was Mins Vorahnungen und ihrem viel zu losen Mundwerk zu verdanken war �, und sie glaubte nicht, als S�ugling derart bemuttert worden zu sein. Aber sie erduldete alles mit so viel Anstand, wie sie aufbringen konnte. Jedenfalls meistens. Sie versuchten alle nur zu helfen. Sie w�nschte blo�, dass nicht jede Frau, die sie kannte, der �berzeugung sein w�rde, dass die Schwangerschaft ihr den Verstand genommen hatte. Fast jede Frau, die sie kannte, jene, die selbst noch keine Kinder hatten, waren die schlimmsten.</p><p>Der Gedanke an ihr Baby � manchmal w�nschte sie, Min h�tte verraten, ob es ein Junge oder ein M�dchen war, oder dass Aviendha oder Birgitte sich an Mins genaue Worte erinnern k�nnten; Min irrte sich niemals, aber die drei hatten in jener Nacht einige Becher Wein getrunken, und Min hatte den Palast verlassen, bevor sie sie hatte fragen k�nnen � lie� sie unwillk�rlich auch an Rand denken, so wie der Gedanke an ihn sie an ihr Baby denken lie�. Das eine folgte dem anderen so unweigerlich, wie in einer Milchkanne Schaum nach oben stieg. Sie vermisste Rand schrecklich, dabei konnte sie ihn gar nicht vermissen. Ein Teil von ihm, seine <emphasis>Essenz,</emphasis> war st�ndig in ihrem Hinterkopf pr�sent, solange sie den Bund nicht verschleierte, direkt neben der Essenz von Birgitte, ihrer anderen Beh�terin. Aber der Bund hatte seine Grenzen. Rand hielt sich irgendwo im Westen auf, so weit entfernt, dass sie kaum mehr wusste, als dass er am Leben war. Nicht mehr, obwohl sie fest davon �berzeugt war, dass sie es wissen w�rde, wenn er schwer verletzt w�re. Sie war sich nicht sicher, ob sie genau wissen wollte, was er vorhatte. Nachdem er sie verlassen hatte, war er eine lange Zeit im S�den gewesen, und gerade an diesem Morgen war er mit Hilfe des Schnellen Reisens in den Westen gegangen. Es verwirrte sie, ihn im einen Augenblick in einer bestimmten Richtung zu sp�ren und dann im n�chsten in einer ganz anderen und noch weiter weg. Er konnte Feinde verfolgen oder vor Feinden fliehen, es waren auch tausend andere Dinge vorstellbar. Sie hoffte von ganzem Herzen, dass der Grund f�r seinen Ortswechsel harmlos war. Er w�rde allzu bald sterben � M�nner, die die Macht lenken konnten, starben immer daran �, aber sie wollte ihn so lange wie m�glich am Leben erhalten.</p><p>�Es geht ihm gut�, sagte Aviendha, als h�tte sie ihre Gedanken lesen k�nnen. Seitdem sie sich einander gegenseitig als Erstschwestern adoptiert hatten, teilten sie ein eigenes Gesp�r f�r die andere, aber das ging nicht so tief wie der Beh�terbund, den sie und Min mit Rand teilten. �Wenn er sich umbringen l�sst, schneide ich ihm die Ohren ab.�</p><p>Elayne blinzelte, dann lachte sie wieder, und nach einem �berraschten Blick stimmte Aviendha in das Lachen ein. So toll war der Witz nicht gewesen, h�chstens f�r einen Aiel � Aviendha hatte einen sehr merkw�rdigen Sinn f�r Humor �, aber Elayne konnte nicht aufh�ren zu lachen, und Aviendha ging es ebenso. Sie umarmten einander lachend und hielten sich fest. Das Leben war schon seltsam. H�tte ihr jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass sie sich einen Mann mit einer anderen Frau teilen w�rde � mit zwei anderen Frauen! �, h�tte sie ihn f�r verr�ckt erkl�rt. Allein die Vorstellung w�re unanst�ndig gewesen. Aber sie liebte Aviendha genauso sehr wie Rand, nur auf eine andere Weise, und die Aiel liebte ihn genauso sehr, wie sie ihn liebte. Das zu verneinen h�tte bedeutet, Aviendha zu verneinen, und da h�tte sie genauso gut aus ihrer Haut schl�pfen k�nnen. Aielfrauen � egal ob Schwestern oder enge Freundinnen � heirateten oft denselben Mann und lie�en ihm in dieser Sache nur selten eine Wahl. Sie w�rde Rand heiraten, und Aviendha auch, und Min ebenfalls. Was auch immer jemand davon halten mochte, es war eben so. Wenn sie lange genug lebten.</p><p>Pl�tzlich versp�rte sie die Furcht, dass aus ihrem Lachen ein Weinen werden w�rde. Sie flehte das Licht an, dass sie nicht zu den Frauen geh�rte, die bei einer Schwangerschaft weinerlich wurden. Es war schlimm genug, nicht zu wissen, ob sie in der n�chsten Minute tr�bsinnig oder w�tend sein w�rde. Manchmal vergingen Stunden, in denen sie sich v�llig ausgeglichen f�hlte, aber dann gab es wiederum Stunden, in denen sie sich wie ein Spielzeugball vorkam, der eine endlose Treppe hinunterh�pfte. An diesem Morgen schien sie oben an dieser Treppe zu stehen.</p><p>�Ihm geht es gut, und ihm wird es auch weiterhin gut gehen�, fl�sterte Aviendha wild, als wollte sie sein �berleben dadurch gew�hrleisten, dass sie alles t�tete, was ihn bedrohte.</p><p>Elayne wischte mit einer Fingerspitze eine Tr�ne von der Wange ihrer Schwester. �Ihm geht es gut, und ihm wird es auch weiterhin gut gehen�, stimmte sie ihr leise zu. Aber sie konnten <emphasis>Saidin</emphasis> nicht t�ten, und der Makel der m�nnlichen H�lfte der Macht w�rde ihn umbringen.</p><p>Die Deckenlampen flackerten, als sich einer der hohen T�rfl�gel �ffnete und einen Windsto� hereinlie�, der noch k�lter als die Luft in der Halle war, und sie r�ckten schnell voneinander fort und hielten sich nur noch an den H�nden. Elayne gl�ttete ihre Z�ge zu einer Miene der Gelassenheit/ die einer Aes Sedai wert gewesen w�re. Sie konnte es sich nicht erlauben, dabei ertappt zu werden, wie sie offensichtlich Trost in einer Umarmung suchte. Einer Herrscherin oder jemand, der herrschen wollte, war nicht die kleinste Andeutung von Schw�che erlaubt, jedenfalls nicht in der �ffentlichkeit. Es gab bereits genug Ger�chte �ber sie, gute wie schlechte. Sie war g�tig oder grausam, gerecht oder willk�rlich, gro�z�gig oder geizig, je nachdem, welcher Geschichte man Glauben schenken wollte. Immerhin hielten sich diese Geschichten im Gleichgewicht, aber alle, die sagen konnten, dass sie mit eigenen Augen gesehen hatten, wie sich die TochterErbin trostsuchend an ihre Gef�hrtin klammerte, f�gten eine Geschichte �ber Angst hinzu, und wenn ihre Feinde zu der �berzeugung gelangten, dass sie Angst hatte, w�rden sie nur noch mutiger werden. Und st�rker. Feigheit geh�rte zu der Art von Ger�cht, die wie Schlamm an einem kleben blieben; man wurde sie nie wieder richtig los. Die Geschichte erz�hlte von Frauen, die ihren Anspruch auf den L�wenthron aus unerfindlichen Gr�nden verloren hatten. F�r einen erfolgreichen Herrscher war Bef�higung eine Grundvoraussetzung, und auf Weisheit konnte man nur hoffen; zwar hatten Frauen den Thron errungen, denen es an beidem mangelte und die sich irgendwie durchgemogelt hatten, aber kaum einer w�rde einen Feigling unterst�tzen, davon abgesehen w�rde sie niemanden, der es tat, auf ihrer Seite haben wollen.</p><p>Der Mann, der eintrat und die schwere T�r hinter sich schloss, hatte nur ein Bein und st�tzte sich auf eine Kr�cke. Selbst mit der Schafsfellpolsterung war der �rmel seines schweren Wollmantels davon durchgescheuert. Fridwyn Ros war ein Veteran mit breiten Schultern, der mit Hilfe eines fetten Schreibers Lord Aedmuns Besitz verwaltete; der Schreiber hatte die Tochter-Erbin unbehaglich angesehen, ihren Gro�en Schlangenring beinahe ehrfurchtsvoll angestarrt und war erleichtert zu seinen Kontob�chern zur�ckgeeilt, nachdem ihm klar geworden war, dass sie von ihm nichts wollte. M�glicherweise hatte er eine neue Abgabe bef�rchtet. Meister Ros hatte den Ring ebenfalls erstaunt angestarrt, aber er hatte die Tochter �Erbin erfreut angel�chelt und die Tatsache, dass er nicht l�nger f�r sie reiten konnte, mit solcher Aufrichtigkeit bedauert, dass er, w�re er ein L�gner gewesen, Aedmun und den Schreiber schon l�ngst um ihren gesamten Besitz gebracht h�tte. Elayne hatte keine Angst, dass er falsche Geschichten in Umlauf brachte.</p><p>Seine Kr�cke erzeugte unterwegs ein rhythmisches Stampfen, und er brachte ihr zum Trotz eine vern�nftige Verbeugung zustande, wobei er Aviendha in die erwiesene H�flichkeit mit einschloss. Zuerst hatte sie ihn aus dem Gleichgewicht gebracht, aber er hatte ihre Freundschaft �berraschend schnell akzeptiert, selbst wenn er einer Aiel nicht vollst�ndig vertrauen sollte. Man konnte nicht alles haben.</p><p>�Die M�nner beladen die Lasttiere mit Euren Sachen, meine K�nigin, und Eure Eskorte steht bereit.� Er geh�rte zu denjenigen, die sich weigerten, sie anders als �meine K�nigin� oder �Majest�t� anzusprechen, aber als er ihre Eskorte erw�hnte, schlich sich ein Hauch von Zweifel in seinen Tonfall. Er �berspielte ihn hastig mit einem Husten und sprach rasch weiter. �Die M�nner, die wir mit Euch schicken, sind die besten, die ich aufbieten konnte. In der Hauptsache sind es junge M�nner, ein paar erfahrenere sind auch dabei, aber sie alle wissen, an welchem Ende einer Hellebarde die Spitze sitzt. Ich w�nschte, ich k�nnte Euch mehr geben, aber wie ich bereits erkl�rte, hat Lord Aedmun, als er h�rte, dass man Euch Euer Recht streitig macht, nicht bis zum Fr�hling warten wollen, sondern seine Waffenm�nner versammelt und ist nach Caemlyn aufgebrochen. Seitdem hatten wir ein paar schlimme Schneest�rme, aber mit etwas Gl�ck bei den P�ssen k�nnte er den halben Weg zur�ckgelegt haben.� Sein Blick verriet Zuversicht, aber er wusste besser als sie, dass Aedmun und seine M�nner mit etwas Pech in diesen P�ssen den Tod gefunden haben konnten.</p><p>�Matherin hat immer an Trakand geglaubt�, sagte Elayne, �und ich vertraue darauf, dass das auch so bleibt. Ich sch�tze Lord Aedmuns Loyalit�t, Meister Ros, so wie ich die Eure sch�tze.�</p><p>Sie beleidigte Matherin und ihn nicht, indem sie ihm versicherte, sich an ihn zu erinnern, oder Belohnungen versprach, aber Meister Ros' breites L�cheln verriet ihr, dass sie ihm bereits die Belohnung gegeben hatte, die er sich w�nschte. Matherin w�rde belohnt werden, falls es sich das verdient hatte, aber man konnte das nicht so anbieten, als w�rde es sich um einen Pferdekauf handeln.</p><p>Meister Ros geleitete sie auf seiner Kr�cke bis zur T�r und weiter bis zur breiten Granittreppe, an der Diener in schweren M�nteln in der bitteren K�lte mit hei�em gew�rztem Wein warteten, den sie mit einem Murmeln ablehnte. Sie wollte den Umhang mit beiden H�nden geschlossen halten, bis sie Gelegenheit hatte, sich an die Luft zu gew�hnen. Davon abgesehen, h�tte Aviendha sowieso einen Vorwand gefunden, sie davon abzuhalten. <emphasis>Sie</emphasis> nahm nat�rlich einen Becher, nachdem sie sich das Tuch um Kopf und Schultern gewickelt hatte, das einzige Zugest�ndnis, das sie an den eiskalten Morgen machte. <emphasis>Sie</emphasis> ignorierte die K�lte nat�rlich.</p><p>Elayne war diejenige gewesen, die ihr das beigebracht hatte. Sie versuchte erneut, die K�lte wegzudr�cken, und zu ihrer �berraschung wich sie zur�ck. Nicht ganz � ihr war noch immer etwas kalt �, aber es war besser, als frieren zu m�ssen.</p><p>Der Himmel war klar, die Sonne schwebte hell �ber den Bergen, aber jeden Augenblick konnten sich brodelnde Sturmwolken um die Gipfel bilden. Es w�rde besser sein, ihr erstes Ziel an diesem Tag so schnell wie m�glich zu erreichen. Ungl�cklicherweise machte Feuerherz, ihr gro�er schwarzer Wallach, seinem Namen alle Ehre; er b�umte sich auf und schnaubte dampfenden Atem, als h�tte er noch nie Zaumzeug getragen, und Aviendhas langbeinige Graue hatte es sich in den Kopf gesetzt, ihm alles nachzumachen; sie t�nzelte im knietiefen Schnee und versuchte �berallhin zu gehen, nur nicht dahin, wo die Stallm�gde sie haben wollten. Sie war ein temperamentvolleres Tier, als Elayne f�r ihre Schwester ausgew�hlt h�tte, aber Aviendha hatte auf ihr bestanden, nachdem sie den Namen der Stute erfahren hatte. Siswai bedeutete Speer in der Alten Sprache. Die Stallm�gde schienen f�hige Frauen zu sein, aber sie schienen zu glauben, die Tiere beruhigen zu m�ssen, bevor sie sie �bergaben. Elayne musste sich zusammenrei�en, um sie nicht anzufauchen und ihnen zu sagen, dass sie Feuerherz schon beherrscht hatte, bevor sie ihn je zu Gesicht bekommen hatten.</p><p>Ihre Eskorte war bereits aufgesessen, um nicht im Schnee stehen zu m�ssen, zwanzig Reiterinnen in den roten M�nteln und gl�nzenden Harnischen und Helmen der K�niglichen Garde. Dass die M�ntel der Reiterinnen genauso aus Seide waren wie ihre roten Hosen mit dem wei�en Streifen an der Seite und die helle Spitze am Kragen und �rmeln, war vielleicht die Erkl�rung f�r Meister Ros' Zweifel. Sie erwecken sicherlich eher einen zeremoniellen als einen wehrhaften Eindruck. Vielleicht lag es auch daran, dass es alles Frauen waren. Frauen waren ungew�hnlich in T�tigkeiten, die den Einsatz von Waffen erforderten, es gab die eine oder andere Kaufmannsw�chterin oder auch mal eine Frau, die in Kriegszeiten in einem Heer auftauchte, aber Elayne hatte noch nie zuvor von einer Formation Soldaten geh�rt, die nur aus Frauen bestand, bevor sie sie erschaffen hatte. Ausgenommen nat�rlich die T�chter, aber das waren Aiel und damit etwas v�llig anderes. Sie hoffte, dass die Leute sie f�r eine Marotte von ihr hielten, dass sie mit all der Spitze und Seide in erster Linie dekorativ aussahen. M�nner neigten dazu, eine Frau mit Waffen zu untersch�tzen, bis sie ihr gegen�berstanden, und selbst die meisten anderen Frauen hielten sie meistens f�r hirnlose N�rrinnen. F�r gew�hnlich versuchten Leibw�chter einen so wilden Eindruck zu erwecken, dass niemand auch nur den Versuch wagen w�rde, an ihnen vorbeizukommen, aber Elaynes Feinde w�rden einfach nur einen neuen Weg finden, um sie anzugreifen, wenn sie sich mit der gesamten K�niglichen Garde umgab. Ihr Ziel war es, eine Leibwache zu haben, die ihre Feinde nicht ernst nehmen w�rden, bis es zu sp�t war. Sie wollte die Uniformen noch aufw�ndiger machen, einerseits, um diese Fehleinsch�tzungen weiter zu unterst�tzen, andererseits, um die Frauen darin zu best�rken, sich von den anderen Soldaten zu unterscheiden, aber sie selbst hegte nicht den geringsten Zweifel. Jede von ihnen, von den Kaufmannswachen bis zu den J�gerinnen des Horns, war sorgf�ltig wegen ihrer F�higkeiten, ihrer Erfahrung und ihrem Mut ausgesucht worden. Elayne war bereit, ihnen ihr Leben anzuvertrauen. Und sie hatte es bereits getan.</p><p>Eine schlanke Frau mit den zwei goldenen Knoten eines Leutnants auf der Schulter ihres roten Umhangs salutierte vor Elayne, indem sie den Arm quer �ber die Brust f�hrte, und ihr gescheckter Wallach warf den Kopf hoch und lie� die Silbergl�ckchen in seiner M�hne leise klirren, so als w�rde er auch salutieren.</p><p>�Wir sind bereit, meine Lady, und die Gegend ist frei.� Caseille Raskovni war eine der ehemaligen Kaufmannswachen, und ihr arafellinischer Akzent war nicht der einer gebildeten Frau, aber ihre Stimme klang forsch und gesch�ftsm��ig. Sie benutzte die richtige Anrede und w�rde es auch weiterhin tun, bis Elayne gekr�nt worden war, aber sie war bereit, diese Krone f�r Elayne zu erk�mpfen. In diesen Tagen unterzeichneten nur wenige die Regimentsrolle der K�niglichen Garde, wenn sie dazu nicht bereit waren. �Die M�nner, die uns Meister Ros �bergeben hat, sind ebenfalls so weit. So weit, wie sie je sein werden.� Ros r�usperte sich, fummelte an seiner Kr�cke herum und betrachtete den Schnee.</p><p>Elayne verstand, was Caseille meinte. Meister Ros hatte elf M�nner vom Gut zusammengekratzt und sie mit Hellebarden, Kurzschwertern und s�mtlichen R�stungen versehen, die er hatte finden k�nnen, neun antike Helme ohne Visier und sieben Harnische mit Dellen, die sie verwundbar machten. Ihre Pferde waren nicht �bel, wenn auch mit ihrem Winterfell ziemlich haarig, aber so sehr sich ihre Reiter auch in ihre Umh�nge einh�llten, blieb Elayne nicht verborgen, dass acht von ihnen sich kaum �fters als einmal in der Woche rasieren mussten, wenn �berhaupt. Die M�nner, die Meister Ros als erfahren bezeichnet hatte, hatten faltige Gesichter, knochige H�nde und konnten alle zusammengenommen vermutlich nicht mal ein vollst�ndiges Gebiss aufweisen. Er hatte nicht gelogen oder gar etwas besch�nigt, Aedmun hatte alle f�higen M�nner der Gegend genommen und sie mit dem Besten ausger�stet, was er hatte. Es war �berall die gleiche Geschichte gewesen. In ganz Andor bem�hte sich eine gro�e Anzahl kr�ftiger M�nner, in Caemlyn zu ihr zu sto�en. Und vermutlich w�rde keiner von ihnen in der Stadt eintreffen, bevor alles bereits entschieden war. Sie konnte jeden Tag suchen, ohne auch nur eine Gruppe zu finden. Immerhin hielt diese kleine Abteilung ihre Hellebarden, als w�sste sie, wie man damit umgehen musste. Andererseits war das auch nicht allzu schwer, solange man ruhig im Sattel sa� und den Hellebardenknauf im Steigb�gel stecken hatte. Das h�tte sie auch geschafft.</p><p>�Wir haben neunzehn Herrenh�user besucht, Schwester�, sagte Aviendha leise und r�ckte n�her heran, bis sich ihre Schultern ber�hrten. �Diese hier mitgez�hlt, haben wir jetzt zweihundertf�nfzig Burschen, die zu jung sind, um Blut zu vergie�en, und alte M�nner, die den Speer schon vor langer Zeit h�tten niederlegen sollen. Ich habe dich das noch nie zuvor gefragt. Du kennst dein Volk und seine Sitten. Ist das die Zeit wert, die du dem opferst?�</p><p>�O ja, Schwester.� Elayne hielt ihre Stimme genauso leise, damit der einbeinige Veteran und die Diener sie nicht h�ren konnten. Die besten Leute konnten starrk�pfig werden, wenn ihnen klar wurde, dass die Hilfe, die sie unter gro�en M�hen beschafft hatten und die man angenommen hatte, gar nicht das war, worauf es einem eigentlich ankam. �Mittlerweile wei� jeder im Dorf unten am Fluss, dass ich hier bin, und das gilt auch f�r die H�lfte aller Bauernh�fe im Umkreis von Meilen. Am Mittag wird es auch die andere H�lfte wissen, und morgen das n�chste Dorf und noch mehr H�fe. Im Winter verbreiten sich Neuigkeiten nur langsam, vor allem in diesem Landstrich. Sie <emphasis>wissen,</emphasis> dass ich meinen Anspruch auf den Thron verk�ndet habe, doch sollte ich den Thron morgen gewinnen oder morgen sterben, erfahren sie es vermutlich nicht vor der Mitte des Fr�hlings, vielleicht auch erst im Sommer. Aber heute wissen sie, dass Elayne Trakand am Leben ist, dass sie das Herrenhaus in Seide und juwelengeschm�ckt besucht und M�nner unter ihrem Banner versammelt hat. Zwanzig Meilen von hier entfernt werden Leute behaupten, dass sie mich gesehen und meine Hand ber�hrt haben. Nur wenige Leute k�nnen sich damit br�sten, ohne sich vorteilhaft �ber denjenigen auszulassen, den sie zu sehen behauptet haben, und wenn man vorteilhaft �ber jemanden spricht, dann �berzeugt man sich selbst davon, dass man gut �ber ihn denkt. An neunzehn Orten Andors reden M�nner und Frauen dar�ber, wie sie vergangene Woche die Tochter-Erbin gesehen haben, und jeden Tag breiten sich diese Gespr�che aus wie ein Tintenfleck.</p><p>H�tte ich Zeit, w�rde ich jedes Dorf in Andor besuchen. Es w�rde nicht die geringsten Auswirkungen auf die Ereignisse in Caemlyn haben, aber es k�nnte einen riesigen Unterschied machen, wenn ich gewonnen habe.� Sie w�rde keine andere M�glichkeit als den Sieg in Betracht ziehen. Vor allem nicht, da klar war, wer den Thron besteigen w�rde, sollte sie scheitern.</p><p>�Die meisten K�niginnen in unserer Geschichte haben die ersten Jahre ihrer Herrschaft damit verbracht, das Volk hinter sich zu bringen, und einigen ist das nie gelungen, aber auf uns kommen h�rtere Zeiten zu. M�glicherweise bleibt mir nicht einmal ein Jahr, bevor ich jeden Andoraner hinter mir haben muss. Ich kann nicht warten, bis ich auf dem Thron sitze. H�rtere Zeiten kommen auf uns zu, und ich muss bereit sein. Andor muss bereit sein, und daf�r muss ich sorgen.�</p><p>Aviendha ber�hrte mit einem L�cheln Elaynes Wange.</p><p>�Ich glaube, ich werde von dir viel dar�ber lernen, wie man eine Weise Frau wird.�</p><p>Zu ihrem Entsetzen wurde Elayne vor Verlegenheit knallrot. Ihre Wangen f�hlten sich an, als w�rden sie in Flammen stehen! Vielleicht waren die Gef�hlsschwankungen doch schlimmer als das Bemuttertwerden.</p><p>Beim Licht, sie konnte sich noch auf <emphasis>Monate</emphasis> freuen, in denen es ihr so ging. Nicht zum ersten Mal versp�rte sie einen Funken Unmut gegen�ber Rand. Er hatte ihr das angetan � gut, sie hatte ihm dabei geholfen, hatte es sogar in die Wege geleitet, aber darum ging es nicht �, er hatte das getan und war mit einem selbstzufriedenen Grinsen auf dem Gesicht wieder gegangen. Sie bezweifelte, dass sein Grinsen wirklich selbstzufrieden gewesen war, aber es fiel ihr so leicht, sich das auf diese Weise vorzustellen. Sollte <emphasis>er</emphasis> doch in der einen Stunde fr�hlich und in der n�chsten weinerlich sein, mal sehen, wie ihm das gefiel! <emphasis>Ich kann nicht geradlinig denken,</emphasis> dachte sie gereizt. Und das war auch seine Schuld.</p><p>Die Stallm�gde sch�tzten Feuerherz und Siswai schlie�lich als ruhig genug ein, um von Damen geritten zu werden, und Aviendha stieg viel anmutiger von dem steinernen Sattelstein in den Sattel, als sie es einst gekonnt hatte, und sie richtete ihre weiten R�cke, um so viel von ihren mit dunklen Str�mpfen bekleideten Beinen zu verh�llen, wie es m�glich war. Sie war noch immer der Meinung, dass ihre Beine einem jeden Pferd �berlegen waren, aber sie war eine ganz passable Reiterin geworden. Obwohl sie dazu neigte, �berrascht auszusehen, wenn das Pferd sich ihrem Willen f�gte. Feuerherz wollte t�nzeln, sobald Elayne aufgesessen war, aber sie z�gelte ihn schnell und etwas fester, als sie es sonst getan h�tte. Ihre Stimmungsschwankungen hatten pl�tzlich daf�r gesorgt, dass sie schreckliche Angst um Rand hatte, und wenn sie schon nicht f�r seine Sicherheit sorgen konnte, war hier doch wenigstens ein m�nnliches Wesen, das genau das tat, was es tun sollte.</p><p>Sechs Gardistinnen ritten voraus, die �brigen folgten ihr und Aviendha in ordentlichen Reihen; die letzte Reiterin f�hrte die Lasttiere. Die M�nner kamen in einem unordentlichen Haufen hinter ihnen her, sie hatten ihr eigenes Lasttier, eine zottelige Kreatur, an der man Kocht�pfe und B�ndel und sogar ein halbes Dutzend lebendiger H�hner festgebunden hatte. Ein paar Jubelrufe begr��ten sie, als sie durch das Dorf mit den Strohd�chern kamen und die Steinbr�cke �berquerten, die �ber einen zugefrorenen Fluss f�hrte, laute Rufe wie �Elayne von den Lilien!� und �Trakand! Trakand� und �Matherin h�lt Euch die Treue!�. Aber Elayne sah eine Frau, die an der Brust ihres Mannes weinte, und auch auf seinem Gesicht waren Tr�nen zu sehen, und eine andere Frau wandte den Reitern den R�cken zu und weigerte sich auch nur hinzuschauen. Sie hoffte, dass sie ihnen ihre S�hne wieder unversehrt nach Hause schicken konnte. Solange sie keine schweren Fehler beging, sollte es vor Caemlyn nicht zu gro�en K�mpfen kommen, aber es w�rden welche stattfinden, und sobald sie die Rosenkrone errungen hatte, lagen weitere Schlachten vor ihnen. Im S�den marschierten die Seanchaner, und im Norden warteten Myrddraal und Trollocs auf Tarmon Gai'don. Andor w�rde in der kommenden Zeit S�hne verlieren. Verflucht, sie w�rde <emphasis>nicht</emphasis> weinen!</p><p>Jenseits der Br�cke f�hrte die Stra�e wieder in die H�he, eine steile Steigung vorbei an Kiefern und Fichten und Zwerglorbeer, aber bis zu der von ihnen gesuchten Bergwiese war es nicht weiter als eine Meile. Der im Licht der Vormittagssonne funkelnde Schnee zeigte noch immer die Hufabdr�cke, die von der tiefen Furche ausgingen, die das Wegetor in der Schneedecke hinterlassen hatte. Es h�tte n�her am Herrenhaus errichtet werden k�nnen, aber es bestand immer die Gefahr, dass jemand an der Stelle stand, an der sich das Wegetor �ffnete.</p><p>Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> umgab Aviendha, als sie auf die Wiese ritten. Sie hatte an ihrem letzten Halt am gestrigen Nachmittag, einem hundert Meilen n�rdlich gelegenen Gut, das Wegetor erschaffen, also w�rde sie auch das Tor nach Caemlyn weben, aber der Anblick der mit der Macht leuchtenden Aviendha stimmte Elayne m�rrisch. Wer auch immer das Wegetor erschuf, mit dem sie Caemlyn verlie�en, erschuf bis zu ihrer R�ckkehr auch alle anderen, da er den Boden eines jeden Orts kennen lernte, an dem sich das Tor bildete. Aber bei jeder ihrer f�nf Reisen hatte Aviendha gebeten, das erste Wegetor machen zu d�rfen. M�glicherweise wollte sie sich nur darin �ben, wie sie behauptet hatte, aber Elayne hatte kaum mehr �bung darin als sie. Und dann war ihr eine andere M�glichkeit in den Sinn gekommen. Vielleicht wollte Aviendha sie davon abhalten, die Macht zu lenken, zumindest wenn es sich um eine betr�chtliche Menge handelte.</p><p>Weil sie schwanger war. Das Gewebe, das sie zu Schwestern gemacht hatte, w�re nicht m�glich gewesen, wenn eine von ihnen ein Kind erwartet h�tte, da das Ungeborene an dem Bund beteiligt worden w�re � was es nicht �berlebt h�tte, da ihm dazu die n�tige Kraft gefehlt h�tte �, aber bestimmt h�tte eine der Aes Sedai im Palast etwas gesagt, wenn man in der Schwangerschaft nicht die Macht benutzen sollte. Andererseits bekamen nur sehr wenige Aes Sedai jemals Kinder. M�glicherweise wussten sie nicht dar�ber Bescheid. Elayne war sich dar�ber im Klaren, dass es viele Dinge gab, von denen die Aes Sedai nichts wussten, so sehr sie dem Rest der Welt auch das Gegenteil vorspielten � sie hatte dies selbst schon ausgenutzt �, aber der Gedanke erschien seltsam, dass sie �ber etwas nicht Bescheid wissen sollten, das f�r die meisten Frauen von solcher Bedeutung war. Aber die Weisen Frauen brachten Kinder zur Welt, und sie hatten nichts dergleichen gesagt ...</p><p>Pl�tzlich wurden die Sorgen um ihr Kind und die Benutzung der Macht und was Aes Sedai m�glicherweise wussten oder auch nicht aus ihrem Bewusstsein verdr�ngt. Sie konnte f�hlen, dass jemand <emphasis>Saidar</emphasis> lenkte. Nicht Aviendha, und auch keiner in den Bergen ringsum, niemand, der in der N�he war. Das hier geschah in der Ferne, es war wie ein Leuchtfeuer, das in der Nacht auf einem weit entfernten Berg loderte.</p><p>Einem sehr weit entfernten Berg. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie viel von der Einen Macht ben�tigt wurde, damit sie es auf diese Entfernung mitbekam.</p><p>Jede Frau auf der Welt, die die Macht lenken konnte, musste das hier f�hlen k�nnen. Darauf zeigen k�nnen.</p><p>Und das Leuchtfeuer lag im Westen. An dem Bund mit Rand hatte sich nichts ver�ndert, sie h�tte nicht genau sagen k�nnen, wo er sich in einem Radius von hundert Meilen aufhielt, aber sie wusste es.</p><p>�Er ist in Gefahr�, sagte sie. �Wir m�ssen zu ihm, Aviendha.�</p><p>Aviendha sch�ttelte sich und h�rte auf, nach Westen zu starren. Das Gl�hen um sie herum blieb bestehen, und Elayne konnte f�hlen, dass sie so tief aus der Quelle gesch�pft hatte, wie es ihr m�glich war. Aber in dem Moment, in dem sich Aviendha ihr zuwandte, f�hlte sie, wie das <emphasis>Saidar</emphasis> schwand, das ihre Schwester hielt. �Das m�ssen wir nicht, Elayne.�</p><p>Ungl�ubig drehte sich Elayne im Sattel um und starrte sie an. �Du willst ihn im Stich lassen? <emphasis>Dabei?�</emphasis> Niemand konnte so viel <emphasis>Saidar</emphasis> beherrschen, nicht der st�rkste Zirkel, nicht ohne zus�tzliche Hilfe. Angeblich gab es ein <emphasis>Sa angreal,</emphasis> das gr��er als alle anderen und in der Lage war, mit einer solchen Machtf�lle zurechtzukommen � falls es stimmte, was sie geh�rt hatte. Vielleicht. Aber so weit sie wusste, konnte keine Frau es benutzen und �berleben, nicht ohne f�r diesen Zweck hergestellte <emphasis>Ter''angreal,</emphasis> und die hatte ihres Wissens nach nie jemand zu Gesicht bekommen. Bestimmt w�rde keine Schwester den Versuch wagen, selbst wenn sie eines davon gefunden h�tte. Diese Anh�ufung der Einen Macht konnte mit einem Schlag ganze Bergketten einebnen! Keine Schwester w�rde es versuchen, die Schwarzen Ajah vielleicht einmal ausgenommen. Oder noch schlimmer, einer der Verlorenen. Vielleicht auch mehr als nur einer. Aber was <emphasis>sonst</emphasis> konnte es sein? Und Aviendha wollte es einfach <emphasis>ignorieren,</emphasis> obwohl sie <emphasis>wissen</emphasis> musste, dass Rand dort war?</p><p>Die Gardistinnen, die nichts davon mitbekommen hatten, warteten noch immer geduldig auf ihren Pferden und beobachteten die Baumgrenze, obwohl sie sich nach dem Empfang im Herrenhaus keine gro�en Sorgen machten; allerdings betrachtete Caseille Elayne und Aviendha, und hinter dem Helmvisier war ein leichtes Stirnrunzeln erkennbar. Sie wusste, dass sie noch nie gez�gert hatten, ein Wegetor zu �ffnen. Die M�nner versammelten sich um ihr Lasttier, kramten in den B�ndeln herum und stritten sich anscheinend dar�ber, ob etwas vergessen worden war oder nicht. Aviendha lenkte ihre graue Stute n�her an Elaynes Schwarzen heran und sprach in einem Tonfall, der nicht weit trug.</p><p>�Elayne, wir wissen nichts. Vielleicht tanzt er mit den Speeren, vielleicht handelt es sich um etwas ganz anderes. Wenn er den Tanz der Speere tanzt und wir platzen da rein � wird er uns angreifen, bevor er uns erkennt? Werden wir ihn ablenken, weil er uns nicht erwartet, und seinen Feinden dadurch den Sieg bringen? Sollte er sterben, werden wir diejenigen finden, die ihn get�tet haben, und sie werden auch sterben, aber wenn wir jetzt zu ihm gehen, dann st�rzen wir uns blindlings in etwas hinein, und m�glicherweise l�sen wir eine Katastrophe aus.�</p><p>�Wir k�nnten vorsichtig sein�, sagte Elayne bockig. Es erz�rnte sie, dass sie sich bockig f�hlte und es auch zeigte, aber sie konnte ihre Stimmungen blo� erdulden und versuchen, sie nicht v�llig die Oberhand gewinnen zu lassen. �Wir m�ssen ja nicht genau zu der Stelle Reisen.� Sie tastete nach ihrer G�rteltasche und f�hlte die kleine Elfenbeinschnitzerei der sitzenden Frau, die darin steckte, dann sah sie auf die Bernsteinbrosche ihrer Schwester. �Beim Licht, Aviendha, wir haben <emphasis>Angreale,</emphasis> und keine von uns ist hilflos.� Beim Licht, jetzt klang sie verdrossen. Sie wusste nur zu gut, dass sie, wenn sie gegen das antraten, was sie da f�hlten, selbst mit den Angrealen wie Fliegen sein w�rden, die gegen eine Flamme ank�mpften, dennoch konnte ein M�ckenstich im richtigen Augenblick einen Unterschied machen. �Und komm mir jetzt nicht damit, dass ich mein Baby gef�hrde. Min hat behauptet, dass es stark und gesund zur Welt kommen wird. Das hast du selbst gesagt. Das bedeutet, dass ich lange genug lebe, um meine Tochter zur Welt zu bringen.� Sie hoffte, dass es eine Tochter wurde.</p><p>Feuerherz w�hlte diesen Augenblick, um nach der Grauen zu schnappen, und Siswai biss zur�ck, und f�r eine Weile war Elayne damit besch�ftigt, ihren Wallach unter Kontrolle zu bekommen und zu verhindern, dass Aviendha abgeworfen wurde, au�erdem musste sie Caseille sagen, dass sie keine Hilfe brauchten, und als das alles getan war, f�hlte sie sich nicht l�nger verdrossen. Am liebsten h�tte sie Feuerherz eins zwischen die Ohren gegeben.</p><p>Aviendha z�gelte ihr Pferd und tat so, als w�re nichts geschehen. Ihr von der dunklen Wolle des Schultertuchs eingerahmtes Gesicht zeigte eine Spur von Unsicherheit, aber diese Unsicherheit hatte nichts mit dem Pferd zu tun.</p><p>�Ich habe dir von den Ringen in Rhuidean erz�hlt�, sagte sie langsam, und Elayne nickte ungeduldig. Jede Frau, die zur Weisen Frau werden wollte, wurde vor ihrer Ausbildung durch ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> geschickt. Es �hnelte dem <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> mit dem man in der Wei�en Burg die Novizinnen auf die Probe stellte, bevor man sie in den Rang der Aufgenommenen erhob, nur mit dem Unterschied, dass in Rhuidean eine Frau ihr ganzes Leben vor sich sah. Alle ihre m�glichen Leben, jede Entscheidung, die einen Unterschied machte, ein unendlicher F�cher von Leben, die auf unterschiedlichen Entscheidungen beruhten. �Niemand kann sich an alles erinnern, Elayne, nur an Bruchst�cke. Ich wusste, dass ich Rand al'Thor lieben werde ...� � manchmal bereitete es ihr noch immer Unbehagen, vor anderen seinen Vornamen zu benutzen � �... und dass ich Schwesterfrauen finden werde. Gr��tenteils beh�lt man aber nur vage Eindr�cke. Manchmal eine leise Warnung. Ich glaube, wenn wir jetzt zu ihm gehen, wird etwas sehr Schlimmes geschehen. Vielleicht wird eine von uns sterben, vielleicht auch wir beide, ganz egal, was Min gesagt hat.� Dass sie Mins Namen aussprach, ohne zu stocken, war ein Zeichen ihrer Besorgnis. Sie kannte Min nicht besonders gut, und f�r gew�hnlich bezeichnete sie sie f�rmlich als Min Farshaw.</p><p>�Vielleicht wird er sterben. Vielleicht geschieht auch etwas anderes. Ich wei� es nicht mit Sicherheit. Vielleicht �berleben wir auch alle und setzen uns an ein Feuer und r�sten <emphasis>Pecara,</emphasis> wenn wir zu ihm gesto�en sind. Aber in meinem Kopf funkelt eine Warnung.�</p><p>Elayne �ffnete w�tend den Mund. Dann schloss sie ihn wieder, und ihre Wut str�mte aus ihr heraus wie Wasser durch einen Abfluss, und ihre Schultern sackten nach unten. Vielleicht verk�ndete Aviendhas Funkeln die Wahrheit und vielleicht auch nicht, aber die Tatsache blieb bestehen, dass ihre Argumente von Anfang an stichhaltig gewesen waren. Ein Wagnis, in das sie sich blindlings hineinst�rzten, und wenn sie es eingingen, konnte daraus eine Katastrophe entstehen. Das Leuchtfeuer war noch heller geworden. Und er war genau da, wo dieses Fanal brannte. Der Bund verriet ihr das nicht, nicht auf diese Entfernung, aber sie wusste es. Und sie wusste, dass sie es ihm �berlassen musste, sich um sich selbst zu k�mmern, w�hrend sie sich um Andor k�mmerte.</p><p>�Ich muss dir nicht mehr beibringen, eine Weise Frau zu sein, Aviendha�, sagte sie leise. �Du bist bereits viel weiser als ich. Ganz zu schweigen davon, dass du tapferer bist und einen viel k�hleren Kopf beh�ltst. Wir kehren nach Caemlyn zur�ck.�</p><p>Das Lob lie� Aviendha leicht err�ten � sie konnte manchmal sehr feinf�hlig sein �, aber sie verschwendete keine Zeit und �ffnete das Wegetor, ein rotierendes Abbild eines Stallhofs im K�niglichen Palast, das sich zu einem Loch in der Luft verbreiterte und Schnee von der Wiese auf das frisch gefegte Pflaster fallen lie�, da fast dreihundert Meilen Entfernung keinen Unterschied machten. Schlagartig erwachte Birgittes Pr�senz irgendwo im Palast in Elaynes Kopf zu neuem Leben. Birgitte hatte Kopfschmerzen und Magendr�cken, in letzter Zeit keine ungew�hnlichen Vorkommnisse, aber sie passten hervorragend zu Elaynes Stimmung.</p><p><emphasis>Ich muss es ihm �berlassen, sich um sich selbst zu k�mmern,</emphasis> dachte sie, als sie durch das Tor ritt. Beim Licht, wie oft dachte sie das? Es spielt keine Rolle. Rand war die Liebe ihres Lebens und die Freude ihres Herzens, aber Andor war ihre Pflicht.</p></section><section><title><p>11</p><p>Gespr�che �ber Schulden</p></title><p>Das Wegetor war so ausgerichtet, dass Elayne aus einem Loch in der Wand auf einen gepflasterten Platz zu reiten schien, der aus Sicherheitsgr�nden von sandgef�llten Weinf�ssern markiert wurde. Seltsamerweise konnte sie im Palast nicht eine Frau f�hlen, die gerade die Macht lenkte, obwohl er mehr als hundertf�nfzig Frauen mit dieser F�higkeit beherbergte. Ein paar von ihnen w�rden nat�rlich auf der �u�eren Stadtmauer stationiert sein, zu weit weg, um alles au�er einem verbundenen Zirkel wahrzunehmen, aber im Palast benutzte eigentlich immer gerade jemand <emphasis>Saidar,</emphasis> sei es, um eine der gefangenen <emphasis>Sul'dam</emphasis> dazu zu zwingen zuzugeben, dass sie die Gewebe der Einen Macht wirklich sehen konnten, oder um die Falten aus einem Schultertuch zu bekommen, ohne ein B�geleisen erw�rmen zu m�ssen. Doch nicht an diesem Morgen. Die Arroganz der Windsucherinnen reichte oft an das schlimmste Verhalten einer jeden Aes Sedai heran, aber selbst das musste von dem unterdr�ckt worden sein, was sie alle wahrnahmen. Elayne war der festen �berzeugung, dass sie, w�re sie in die oberste Etage gestiegen, die Wellen dieses gewaltigen Fanals h�tte sehen k�nnen, auch wenn sie Hunderte von Meilen entfernt waren. Sie kam sich wie eine Ameise vor, die sich zum ersten Mal der Berge bewusst geworden war, eine Ameise, die das R�ckgrat der Welt mit dem H�gel verglich, der ihr immer Ehrfurcht eingefl��t hatte. Ja, angesichts dessen mussten selbst die Windsucherinnen die K�pfe einziehen.</p><p>Der Stallhof der K�nigin, der sich am Ostfl�gel des Palasts befand und im Norden und S�den von jeweils einem zweist�ckigen Stall aus wei�em Stein abgegrenzt wurde, war traditionellerweise den Pferden und Kutschen der K�nigin vorbehalten, und sie hatte gez�gert, ihn zu benutzen, bevor man ihr den L�wenthron zugesprochen hatte. Die Schritte, die zum Thron f�hrten, waren so kompliziert wie bei einem Hoftanz, und auch wenn dieser Tanz manchmal �hnlichkeit mit einer Tavernenschl�gerei hatte, musste man dennoch seine Schritte mit Pr�zision und Anmut ausf�hren, wollte man sein Ziel erreichen. Die Beanspruchung von Sonderrechten vor der Amtseinf�hrung hatte einige Anw�rterinnen die Herrschaft gekostet. Am Ende hatte sie entschieden, dass das keine �berschreitung war, die sie �berm��ig stolz erscheinen lassen w�rde. Au�erdem war der Stallhof der K�nigin eher klein und wurde f�r nichts anderes benutzt. Hier musste man weniger Leute als anderswo fern halten, wenn man ein Wegetor �ffnen wollte. Tats�chlich war der gepflasterte Hof abgesehen von einem mit einem roten Mantel bekleideten Stallburschen menschenleer, als sie ihn betrat; er stand vor einer der bogenf�rmigen Stalltore und drehte sich um, um hineinzurufen, und ein Dutzend weiterer Stallburschen str�mte heraus, w�hrend sie Feuerherz von dem abgesperrten Rechteck ritt.</p><p>Schlie�lich w�re es durchaus m�glich gewesen, dass sie in Begleitung m�chtiger Lords und Ladys zur�ckkam; vielleicht hofften sie es auch nur.</p><p>Caseille brachte die Gardistinnen durch das Tor und befahl den meisten abzusteigen und sich um ihre Tiere zu k�mmern. Sie selbst und ein halbes Dutzend Frauen blieben im Sattel sitzen und hielten �ber den K�pfen der zu Fu� gehenden Menschen Wache. Nicht einmal hier lie�en sie Elayne unbewacht. Vor allem hier, wo mehr Gefahren auf sie lauerten als in jedem der von ihr besuchten Herrenh�user. Die M�nner von Matherin gingen hierhin und dorthin und standen Stallburschen und Gardistinnen im Weg, w�hrend sie die wei�en Steinbalkone und S�uleng�nge anstarrten, die auf den Hof hinausschauten, und die dahinter befindlichen T�rme und goldenen Kuppeln. Die K�lte schien hier weniger ausgepr�gt zu sein als in den Bergen � die Weigerung, sich von ihr ber�hren zu lassen, jedenfalls so weit sie das im Augenblick konnte, bedeutete nicht gleichzeitig, dass sie sie nicht l�nger wahrnehmen konnte �, aber M�nner, Frauen und Pferde stie�en noch immer Atemw�lkchen hervor. Nach der klaren Bergluft erschien der Gestank von Pferdemist ebenfalls �berm��ig stark. Ein hei�es Bad vor einem lodernden Kaminfeuer w�re ihr jetzt sehr willkommen gewesen. Danach w�rde sie sich wieder der Aufgabe zuwenden, sich den Thron zu sichern, aber im Augenblick w�re ein langes Eintauchen in hei�es Wasser genau das Richtige.</p><p>Zwei Stallburschen kamen angerannt. Einer nahm nach einer fl�chtigen Verbeugung Feuerherz' Zaumzeug � er war mehr darauf bedacht, dass der gro�e Wallach keinen �rger machte, w�hrend Elayne abstieg �, w�hrend der andere nach seiner tiefen Verbeugung geb�ckt stehen blieb und mit den H�nden f�r Elayne einen Steigb�gel bildete. Sie hatten f�r den Anblick der schneebedeckten Bergwiese, die sich dort erstreckte, wo sonst eine Mauer zu sehen war, kaum mehr als einen fl�chtigen Blick �brig. Mittlerweile hatte sich das Stallpersonal an die Wegetore gew�hnt. Elayne war zu Ohren gekommen, dass sie sich in den Tavernen freihalten lie�en, indem sie damit prahlten, wie oft sie den Gebrauch der Macht erlebten und von welchen angeblichen Taten sie Zeugen geworden waren. Elayne konnte sich lebhaft vorstellen, wie diese Geschichten klingen w�rden, wenn sie bis zu Arymilla gedrungen waren. Ihr gefiel die Vorstellung, dass Arymilla an den N�geln kaute.</p><p>Sie hatte den Fu� noch nicht auf das Steinpflaster gesetzt, als eine Horde Gardistinnen sie auch schon umringte; sie trugen blutrote H�te mit wei�en Federn, die flach auf den breiten Hutkrempen lagen, und blutrote, mit Spitze abgesetzte Sch�rpen mit einem aufgestickten Wei�en L�wen, die sich quer �ber funkelnde Harnische zogen. Erst jetzt f�hrte Caseille den Rest von Elaynes Eskorte in den Stall. Ihre Abl�sung war genauso misstrauisch, Blicke gingen in alle Richtungen, H�nde schwebten �ber den Schwertgriffen; die einzige Ausnahme war Deni, eine breite Frau mit gleichm�tiger Miene, die eine lange, messingbeschlagene Keule hielt. Es waren nur neun Frauen � <emphasis>blo� neun,</emphasis> dachte Elayne bitter, <emphasis>ich brauche im K�niglichen Palast nur neun Leibw�chterinnen �,</emphasis> aber jede von ihnen, die ein Schwert trug, war eine Meisterin ihres Faches. Frauen, die das �Handwerk des Schwertes� aus�bten, wie Caseille es nannte, mussten gut sein, denn sonst wurden sie fr�her oder sp�ter von irgendeinem Kerl niedergemacht, dessen einziger Vorteil darin bestand, �ber genug Kraft zu verf�gen, um sie niederzupr�geln. Deni konnte �berhaupt nicht mit dem Schwert umgehen, aber die wenigen M�nner, die sich mit ihrer Keule anlegten, hatten es bitter bereut. Trotz ihrer Beleibtheit war Deni ausgesprochen flink, und die Idee eines fairen Kampfes war ihr v�llig fremd, genau wie die eines �bungskampfes, was das anging.</p><p>Rasoria, eine untersetzte Frau im Rang eines Unter leutnants, die das Kommando hatte, schien erleichtert zu sein, als die Stallburschen Feuerherz fortf�hrten.</p><p>W�re es nach Elaynes Leibwache gegangen, h�tte au�er ihnen niemand auf Arml�nge an sie herankommen d�rfen. Nun ja, das mochte etwas �bertrieben sein, so schlimm waren sie nun auch wieder nicht, aber abgesehen von Aviendha und Birgitte betrachteten sie jeden mit Misstrauen. Rasoria geh�rte in dieser Hinsicht zu den Schlimmsten von ihnen, die Tairenerin mit den untypischen blauen Augen und dem blonden, kurz geschorenen Haar bestand sogar darauf, die K�che bei der Zubereitung von Elaynes Mahlzeiten zu �berwachen, au�erdem lie� sie alles vorkosten, bevor man es brachte. Elayne hatte nicht protestiert, egal wie �bertrieben das auch sein mochte. Eine Erfahrung mit vergiftetem Wein reichte, auch wenn sie wusste, dass sie zumindest lange genug leben w�rde, um ihr Kind zur Welt zu bringen. Aber es war weder das Misstrauen der Gardistinnen noch deren Notwendigkeit, die sie den Mund verziehen lie�. Es war Birgitte, die sich einen Weg �ber den bev�lkerten Hof suchte, aber nicht auf sie zuging.</p><p>Aviendha kam nat�rlich als Letzte durch das Wegetor, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass jeder durchgekommen war, und bevor sie es verschwinden lie�, hatte sich Elayne in ihre Richtung in Bewegung gesetzt, und zwar so schnell, dass ihre Eskorte f�rmlich springen musste, um den Ring um sie aufrechtzuerhalten. Doch so schnell sie auch ging, Birgitte mit ihrem langen goldenen Zopf, der ihr bis zur Taille reichte, war vor ihr da, half Aviendha beim Absteigen und �bergab die graue Stute an einen Stallburschen mit einem langen Gesicht, der beinahe genauso lange Beine wie Siswai zu haben schien. Aviendha hatte stets mehr Schwierigkeiten beim Absteigen als beim Aufsitzen, aber Birgitte wollte mehr als blo� behilflich sein.</p><p>Elayne und ihre Eskorte trafen gerade noch rechtzeitig ein, um zu h�ren, wie sie Aviendha hastig fragte: �Hat sie ihre Ziegenmilch getrunken? Hat sie genug geschlafen? Sie f�hlt ...� Sie verstummte und holte tief Luft, bevor sie sich Elayne scheinbar unbewegt zuwandte; es schien sie nicht zu �berraschen, dass sie da war. Der Bund funktionierte in beide Richtungen.</p><p>Birgitte war keine gro�e Frau, auch wenn sie in ihren Stiefeln Elayne �berragte, aber sie verf�gte f�r gew�hnlich �ber eine beeindruckende Ausstrahlung, die noch von der Uniform des Generalhauptmanns der K�niglichen Garde verst�rkt wurde, ein kurzer roter Mantel mit wei�em Stehkragen �ber weiten blauen Hosen, die in auf Hochglanz polierten schwarzen Stiefeln steckten; auf der linken Schulter prangten vier goldene Knoten, auf jedem der wei�en �rmelaufschl�ge vier goldene Ringe. Schlie�lich war sie Birgitte Silberbogen, die Heldin aus der Legende. Sie scheute sich davor, der Legende entsprechen zu wollen; sie behauptete, dass die Geschichten auf groteske Weise �bertrieben seien, wenn es sich nicht direkt um Erfindungen handelte. Aber sie war dieselbe Frau, die jede einzelne der Taten vollbracht hatte, die den Kern dieser Legenden bildeten. Trotz ihrer augenscheinlichen Ruhe war ihre Sorge um Elayne mit Unbehagen vermischt, und beides str�mte zusammen mit ihren Kopfschmerzen und dem sauren Magen durch den Beh�terbund. Sie wusste ganz genau, dass Elayne es hasste, wenn die beiden hinter ihrem R�cken �ber sie sprachen. Das war nicht der ganze Grund f�r Elaynes Gereiztheit, aber der Bund lie� Birgitte wissen, wie aufgebracht sie war.</p><p>Aviendha wickelte seelenruhig das Tuch von ihrem Kopf, legte es sich auf die Schultern und bem�hte sich um den Blick einer Frau, die nichts Falsches getan und ohne jeden Zweifel auch mit niemandem zu tun hatte, der in derartige Aktivit�ten verstrickt war. Es w�re ihr auch gelungen, h�tte sie die Augen nicht f�r eine zus�tzliche Spur Unschuld geweitet. In mancherlei Hinsicht �bte Birgitte einen schlechten Einfluss auf sie aus.</p><p>�Ich habe die Ziegenmilch getrunken�, sagte Elayne gefasst, da sie sich der Gardistinnen, die sie umringten, nur allzu bewusst war. Sie wandten ihnen den R�cken zu und �berpr�ften st�ndig den Hof, die Balkone und die D�cher, aber mit Sicherheit h�rte jede von ihnen zu. �Ich habe genug Schlaf bekommen. Gibt es sonst noch etwas, das du mich fragen willst?� Aviendhas Wangen r�teten sich.</p><p>�Ich glaube, im Augenblick habe ich alle Antworten, die ich brauche�, erwiderte Birgitte ohne auch nur den Hauch eines Err�tens, auf das Elayne gehofft hatte. Die Frau <emphasis>wusste,</emphasis> dass sie m�de war, <emphasis>wusste,</emphasis> dass sie, was den Schlaf betraf, gelogen hatte.</p><p>Manchmal war der Bund entschieden l�stig. <emphasis>Sie</emphasis> hatte am vergangenen Abend nicht mehr als einen halben Pokal ausgesprochen verw�sserten Wein getrunken, aber nun fing <emphasis>sie</emphasis> an, Birgittes Kopfschmerzen und ihren aufgew�hlten Magen zu haben. Keine der anderen Aes Sedai, mit denen sie �ber den Bund gesprochen hatte, hatte von �hnlichen Erfahrungen berichtet, aber sie und Birgitte spiegelten einander allzu oft physisch und emotional wider. Letzteres stellte manchmal ein echtes Problem dar, wenn ihre Nerven blank lagen. Manchmal konnte sie es einfach absch�tteln oder sich auch dagegen wehren, aber heute wusste sie, dass sie es w�rde ertragen m�ssen, bis Birgitte Geheilt war. Sie glaubte, dass es zu der Spiegelung kam, weil sie beide Frauen waren. Soweit bekannt war, waren noch nie zuvor zwei Frauen den Beh�terbund eingegangen. Tats�chlich hatte sich das auch nicht besonders weit herumgesprochen, und viele schienen es nicht glauben zu k�nnen. Ein Beh�ter war m�nnlich, so wie ein Stier m�nnlich war. Jeder wusste das, und nur wenige vertraten die Ansicht, dass das, was �jeder� wusste, einer n�heren Untersuchung w�rdig war.</p><p>Bei einer L�ge ertappt zu werden, wo sie doch versuchte, Egwenes Gebot zu befolgen und so zu leben, als h�tte sie bereits die Drei Eide abgelegt, verunsicherte Elayne, und das machte sie kurz angebunden.</p><p>�Ist Dyelin zur�ck?�</p><p>�Nein�, sagte Birgitte genauso kurz angebunden, und Elayne seufzte. Dyelin hatte die Stadt zusammen mit Reanne Corly, die f�r sie Wegetore weben und ihre Reise beschleunigen sollte, Tage vor Arymillas Aufmarsch verlassen, und von ihrer R�ckkehr hing vieles ab. Von den Nachrichten, die sie mitbringen w�rde. Ob sie auch noch etwas anderes als Nachrichten mitbringen w�rde.</p><p>Wenn man es auf die grunds�tzlichen Dinge reduzierte, war die Wahl der K�nigin von Andor eine relativ simple Sache. Es gab �ber vierhundert H�user im Reich, aber nur neunzehn waren m�chtig genug, dass die anderen ihnen folgen w�rden. F�r gew�hnlich standen alle neunzehn oder zumindest die meisten hinter der Tochter �Erbin, solange sie nicht v�llig unf�hig war. Haus Mantear hatte nach Mordrellens Tod den Thron nur deshalb an Trakand verloren, weil Tigraine, die Tochter-Erbin, verschwunden war und bei Mantear immer mehr Knaben geboren worden waren. Und weil Morgase Trakand dreizehn H�user hinter sich hatte versammeln k�nnen. Gesetz und Brauch zufolge reichten zehn der neunzehn aus, um den Thron zu besteigen. F�r gew�hnlich schl�ssen sich Anspruchsteller, die immer noch der Ansicht waren, dass der Thron eigentlich ihnen zustand, dem Rest an oder verstummten und gaben ihre Anstrengungen auf, wenn eine Anw�rterin zehn H�user hinter sich brachte.</p><p>Es war schlimm genug gewesen, als Elayne drei erkl�rte Rivalen gehabt hatte, aber da nun Naean und Elenia ausgerechnet geschlossen hinter Arymilla Marne standen, hatten die drei mit den eigentlich geringsten Aussichten den Erfolg davongetragen, und das bedeutete, sie verf�gte �ber zwei H�user � beide waren gro� genug, um zu z�hlen; Matherin und die achtzehn anderen, die sie besucht hatte, waren zu klein �, denen sechs andere gegen�berstanden. Ihr eigenes Haus Trakand und Dyelins Taravin. Oh, Dyelin beharrte darauf, dass Carand, Coelan und Renshar sich Elayne anschlie�en w�rden, ganz zu schweigen von Norwelyn, Pendar und Traemane, aber die ersten drei wollten Dyelin auf dem Thron sehen, und die letzten drei schienen im Winterschlaf versunken zu sein. Aber Dyelins Loyalit�t zu Elayne war ungebrochen, und sie unterst�tzte sie unerm�dlich. Sie bestand auf ihrer �berzeugung, dass einige der H�user, die sich abwartend verhielten, �berzeugt werden konnten, sich auf Elaynes Seite zu schlagen. Nat�rlich konnte Elayne nicht selbst auf sie zugehen, aber Dyelin konnte es. Und jetzt grenzte die Situation an Verzweiflung. Sechs H�user unterst�tzten Arymilla, und nur ein Narr w�rde glauben, dass sie keine F�hler nach den anderen ausgestreckt hatte. Oder dass keiner zuh�ren w�rde, nur weil sie bereits sechs hatte.</p><p>Obwohl Caseille und ihre W�chterinnen den Platz ger�umt hatten, mussten sich Elayne und die anderen einen Weg durch eine Menschenmenge bahnen. Die M�nner von Matherin waren endlich von ihren Pferden gestiegen, standen aber noch immer im Weg; sie lie�en ihre Hellebarden fallen und hoben sie wieder auf, nur um sie abermals fallen zu lassen, und versuchten, ihr Packpferd auf dem Stallhof abzuladen. Einer der Jungen verfolgte ein Huhn, das irgendwie freigekommen war, und duckte sich unter den Pferden hindurch, w�hrend einer der alten M�nner Anfeuerungsrufe schrie; dabei blieb unklar, ob er den Jungen oder das Huhn meinte. Ein ledergesichtiger Bannertr�ger in einem verblichenen roten Mantel, der sich �ber seinem Bauch spannte, versuchte mit Hilfe eines nur unwesentlich j�ngeren Gardesoldaten f�r Ordnung zu sorgen � vermutlich waren beide aus dem Ruhestand zur�ckgekehrt, wie so viele andere auch �, aber ein anderer Junge schien sein zotteliges Pferd in den Palast f�hren zu wollen, und Birgitte musste ihm befehlen, aus dem Weg zu gehen, bevor Elayne eintreten konnte. Der Junge, der nicht �lter als vierzehn sein konnte, starrte Birgitte so unverhohlen an wie zuvor den Palast. In ihrer Uniform war sie sicherlich weitaus malerischer als die Tochter-Erbin im Reitkleid, davon abgesehen hatte er die Tochter-Erbin bereits gesehen. Rasoria stie� ihn in Richtung des alten Bannertr�gers zur�ck und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich wei� verflucht noch mal nicht, was ich mit ihnen anfangen soll�, knurrte Birgitte in der kleinen Vorhalle, als eine Dienerin in roter und wei�er Livree Elayne Umhang und Handschuhe abnahm. Klein im Sinne des K�niglichen Palasts. Zwar war die Decke nicht ganz so hoch wie Matherins Eingangshalle, aber der Raum war mindestens halb so gro�, und zwischen schmalen, kannelierten wei�en S�ulen flackerten vergoldete Kandelaber. Eine andere Dienerin mit dem Wei�en L�wen auf der linken Brustseite ihres Mantels, die kaum �lter als der Junge sein konnte, der sein Pferd ins Haus hatte f�hren wollen, bot auf einem mit Flechtwerk verzierten Silbertablett hohe Pokale mit gew�rztem Wein an, bevor finstere Blicke von Aviendha und Birgitte sie zur�ckweichen lie�en. �Auf der Wache schlafen die verfluchten Jungen ein�, fuhr Birgitte fort und sah die sich zur�ckziehende Dienerin weiterhin finster an. �Die alten M�nner bleiben wach, aber die H�lfte wei� nicht mehr, was zu tun ist, wenn sie jemanden die verdammte Mauer hochsteigen sehen, und die andere H�lfte k�nnte nicht sechs Schafhirten mit einem Hund zur�ckschlagen.� Aviendha sah Elayne mit hochgezogener Braue an und nickte.</p><p>�Sie sind nicht hier, um zu k�mpfen�, erinnerte Elayne sie, als sie einen mit blauen Fliesen ausgelegten Korridor betraten, der von mit Kandelabern und intarsienverzierten Truhen ges�umt wurde. Birgitte und Aviendha hatten sie in die Mitte genommen, w�hrend die Gardistinnen ein paar Schritte vor und hinter ihr ausgeschw�rmt waren. <emphasis>Beim Licht,</emphasis> dachte sie, <emphasis>ich h�tte den Wein doch gar nicht genommen!</emphasis> Ihr und Birgittes Kopf pochten im gleichen Rhythmus, und sie ber�hrte ihre Schl�fe und fragte sich, ob sie ihrer Beh�terin sofort befehlen sollte, eine Heilerin aufzusuchen.</p><p>Birgitte hatte aber andere Vorstellungen. Sie musterte Rasoria und die anderen, die vorausgingen, dann warf sie einen Blick �ber die Schulter und bedeutete den Gardistinnen hinter ihnen, ein St�ck zur�ckzufallen. Das war seltsam. Sie hatte jede Frau in der Garde pers�nlich ausgesucht, und sie vertraute ihnen. Trotzdem neigte sie Elayne den Kopf zu und fl�sterte beinahe. �Kurz vor deiner R�ckkehr ist etwas passiert. Ich habe Sumeko gebeten, mich zu Heilen, bevor du wieder eintriffst, und pl�tzlich wurde sie ohnm�chtig. Sie verdrehte die Augen und kippte um. Und sie ist nicht die Einzige. Keiner will etwas zugeben, jedenfalls mir gegen�ber nicht, aber die anderen Kusinen sind fast aus ihrer verdammten Haut gefahren, und die Windsucherinnen auch. Keine von ihnen h�tte spucken k�nnen, wenn sie es gemusst h�tte. Du warst wieder da, bevor ich eine Schwester finden konnte, aber vermutlich h�tten die mich auch nur dumm angeschaut. Dir werden sie es aber sagen.�</p><p>Der Palast ben�tigte die Einwohnerschaft eines Dorfs, um zu funktionieren, und Diener tauchten auf, M�nner und Frauen in Livreen, die die Korridore entlangeilten und sich an die W�nde dr�ckten oder in abzweigende G�nge auswichen, um Platz f�r Elaynes Eskorte zu machen, also erkl�rte sie so leise und mit so wenigen Worten wie m�glich das Wenige, das sie wusste. Bei einigen Ger�chten war es ihr egal, wenn sie ihren Weg auf die Stra�e und dann unweiger � lich zu Amyrilla fanden, aber Geschichten �ber Rand konnten genauso schlimm wie Geschichten �ber die Verlorenen sein, sobald sie durch h�ufiges Weitererz�hlen verdreht worden waren. In gewisser Weise sogar schlimmer. Niemand w�rde glauben, dass die Verlorenen sie als Marionette auf den Thron setzen wollten. �Auf jeden Fall hat das nichts mit uns zu tun�, sagte sie abschlie�end.</p><p>Sie fand, dass sie sich �berzeugend anh�rte, k�hl und beherrscht, aber Aviendha griff nach ihrer Hand und dr�ckte sie, f�r eine Aiel so tr�stend wie eine Umarmung, wenn man bedachte, wie viele Leute sie sahen, und durch den Bund str�mte Birgittes Mitgef�hl. Es war mehr als Mitleid; es war das Mitgef�hl einer Frau, die den Verlust, den sie am meisten f�rchtete, bereits erlitten hatte. Gaidal Cain war f�r Birgitte so sicher verloren, als w�re er tot, und dar�ber hinaus verblassten ihre Erinnerungen an die Vergangenheit allm�hlich. Sie konnte sich nicht mehr klar an Dinge vor der Gr�ndung der Wei�en Burg erinnern, und nicht einmal mehr an alles danach. In manchen N�chten raubte ihr die Furcht den Schlaf, dass auch Gaidal aus ihrer Erinnerung schwinden w�rde, dass sie vollst�ndig vergessen w�rde, ihn je gekannt und geliebt zu haben � dann trank sie so viel Branntwein, wie sie vertrug. Das war eine schlechte L�sung, und Elayne w�nschte sich, sie h�tte eine bessere parat, aber sie wusste, dass ihre Erinnerungen an Rand erst mit ihrem Tod sterben w�rden, und sie konnte sich nicht vorstellen, wie schrecklich das Wissen sein musste, diese Erinnerungen m�glicherweise zu verlieren. Dennoch hoffte sie, dass jemand Birgittes schweren Kopf bald Heilte, bevor ihrer wie eine �berreife Melone zerplatzte. Ihre Fertigkeiten im Heilen reichten daf�r nicht und Aviendhas ebenso wenig.</p><p>Trotz der Gef�hle, die sie in Birgitte wahrnehmen konnte, war die Miene der Beh�terin glatt und unbesorgt. �Die Verlorenen�, murmelte sie trocken. Und leise. Das war kein Name, mit dem man leichtfertig umging. �Nun, solange es nichts mit uns zu tun hat, geht es uns verdammt noch mal gut.� Ein Grunzen, das ein Lachen h�tte sein k�nnen, strafte sie L�gen. Aber obwohl Birgitte immer behauptet hatte, nie zuvor Soldatin gewesen zu sein, hatte sie die Sichtweise eines Soldaten. Mit anderen Worten: F�r gew�hnlich standen die Chancen immer schlecht, aber die Aufgabe musste erledigt werden. �Ich frage mich, was sie davon halten�, f�gte sie hinzu und deutete mit dem Kopf auf die vier Aes Sedai, die gerade aus einem angrenzenden Korridor traten.</p><p>Vandene, Merilille, Sareitha und Careane steckten beim Gehen die K�pfe zusammen, oder vielmehr dr�ngten sich die letzteren drei um Vandene und redeten mit dr�ngenden Gesten auf sie ein, die die Fransen ihrer Stolen baumeln lie�. Vandene rauschte langsam daher, als w�re sie allein, und schenkte ihnen keine Beachtung. Sie war schon immer schlank gewesen, aber das dunkelgr�ne Gewand mit den Blumenmustern auf �rmeln und Schultern hing ihr am Leib, als w�re es f�r eine st�mmigere Frau geschneidert worden, und das im Nacken zusammengefasste wei�e Haar schien dringend frisiert werden zu m�ssen. Ihre Miene war d�ster, aber das musste nichts mit dem zu tun haben, was die anderen Schwestern sagten. Seit der Ermordung ihrer Schwester war sie freudlos. Elayne h�tte gewettet, dass das Gewand einst Adeleas geh�rt hatte. Seit dem Mord trug Vandene �fter die Kleider ihrer Schwester als die eigenen. Allerdings war das nicht der Grund, warum es so schlecht sa�. Die beiden Frauen hatten dieselbe Gr��e gehabt, aber Vandenes Appetit war zusammen mit ihrer Schwester gestorben. So wie ihr Interesse f�r die meisten Dinge.</p><p>Sareitha, eine Braune, deren dunkles breites Gesicht noch nicht von der Alterslosigkeit ber�hrt worden war, entdeckte in diesem Augenblick Elayne und legte eine Hand auf Vandenes Arm, als wollte sie sie in den Korridor hineinf�hren. Vandene stie� die Hand der Tairenerin fort und ging ohne einen Blick an Elayne zu verschwenden weiter geradeaus und betrat die Fortf�hrung des Ganges, aus dem sie gekommen waren. Zwei Frauen im Wei� der Novizinnen, die den anderen in respektvollem Abstand gefolgt waren, machten vor den anderen Schwestern einen schnellen Knicks und eilten Vandene hinterher. Merilille sah ihnen nach, als wollte sie ihnen folgen; die kleine Frau trug Dunkelgrau, was ihre cairhienische Bl�sse wie Elfenbein aussehen lie�. Careane richtete die Stola mit den gr�nen Fransen auf Schultern, die breiter als die vieler M�nner waren, und wechselte ein paar leise Worte mit Sareitha. Die beiden drehten sich um, um Elayne zu begr��en, und machten fast so tiefe Hofknickse wie zuvor die Novizinnen. Merilille bemerkte die Gardistinnen und blinzelte, dann sah sie Elayne und zuckte zusammen. <emphasis>Ihr</emphasis> Hofknicks entsprach dem der Novizinnen.</p><p>Merilille trug die Stola seit �ber hundert Jahren, Careane mehr als f�nfzig, und selbst Sareitha hatte sie l�nger als Elayne Trakand getragen, aber bei den Aes Sedai ergab sich der Rang aus der St�rke in der Einen Macht, und keine der drei verf�gte �ber mehr als Mittelma�. In den Augen von Aes Sedai verlieh einem gr��ere St�rke zwar nicht unbedingt gr��ere Weisheit, aber doch mehr Gewicht, was die Ansichten anging. War der Abstand ausreichend gro�, wurden diese Ansichten zu Befehlen. Manchmal war Elayne der Meinung, dass die Gebr�uche der Kusinen vern�nftiger waren.</p><p>�Ich wei� nicht, was es ist�, sagte sie, bevor eine der anderen Aes Sedai das Wort ergr eifen konnte, �aber es gibt nichts, was wir dagegen tun k�nnten, also k�nnen wir genauso gut aufh�ren, uns Sorgen zu machen. Wir haben genug Probleme vor uns, dass wir uns auch noch wegen Dingen verr�ckt machen m�ssen, auf die wir keinen Einfluss haben.�</p><p>Rasoria drehte stirnrunzelnd den Kopf und fragte sich offensichtlich, was sie nicht mitbekommen hatte, aber die Worte vertrieben die Sorge aus Sareithas dunklen Augen. Vielleicht nicht vollst�ndig, denn ihre H�nde schienen unabl�ssig ihre braunen R�cke gl�tten zu wollen, aber sie war bereit, dem Beispiel einer Schwester zu folgen, die einen so hohen Rang wie Elayne einnahm. Manchmal hatte es seine Vorteile, hoch genug zu stehen, dass man Einw�nde mit einem Satz ersticken konnte. Careane hatte ihre Gelassenheit bereits wiedergefunden, falls sie sie je verloren hatte. Sie passte zu ihr, obwohl sie trotz der Seide und dem glatten, alterslosen kupferfarbenen Gesicht eher wie eine Kutscherin aussah. Aber f�r gew�hnlich waren die Gr�nen aus h�rterem Holz geschnitzt als die Braunen. Mer�ille sah nicht einmal ann�hernd gelassen aus. Weit aufgerissene Augen und leicht ge�ffnete Lippen verliehen ihr ein �berraschtes Aussehen. Allerdings war das f�r sie nicht ungew�hnlich.</p><p>Elayne ging weiter und hoffte, dass sie sich um ihre Angelegenheiten k�mmern w�rden, aber Merilille h�ngte sich an Birgittes Fersen. Die Graue h�tte unter den dreien die F�hrung beanspruchen m�ssen, aber sie hatte die Neigung entwickelt, darauf zu warten, dass ihr jemand sagte, was sie tun sollte, und sie trat wortlos auf die andere Seite, als Sareitha Birgitte h�flich bat, ihr Platz zu machen. Die Schwestern begegneten Elaynes Beh�terin mit tadelloser H�flichkeit, wenn sie als Generalhauptmann auftrat. Es war Birgitte die Beh�terin, die sie zu ignorieren versuchten. Aviendha wurde von Careane nicht so h�flich behandelt; sie dr�ngte sich einfach zwischen sie und Elayne. Jede nicht in der Wei�en Burg ausgebildete Frau war per se eine Wilde, und Careane verabscheute Wilde. Aviendha sch�rzte die Lippen, obwohl sie weder ihr G�rtelmesser z�ckte noch Anstalten in diese Richtung machte, wof�r Elayne dankbar war. Ihre Erstschwester konnte manchmal ... �berst�rzt handeln. Bei n�herer Betrachtung h�tte sie Aviendha allerdings in diesem Augenblick eine kleine hastige Tat verziehen. Die Br�uche verboten Unh�flichkeiten gegen�ber einer anderen Aes Sedai unter allen Umst�nden, aber Aviendha h�tte so lange Drohungen aussto�en und mit dem Messer herumfuchteln k�nnen, wie sie Lust hatte. M�glicherweise h�tte das gereicht, um die drei zum Gehen zu veranlassen. Careane schien den k�hlen gr�nen Blick nicht zu bemerken, der sie festnagelte.</p><p>�Ich habe Merilille und Sareitha gesagt, dass wir nichts tun k�nnen�, sagte sie beherrscht. �Aber sollten wir nicht Vorbereitungen f�r eine Flucht treffen, wenn es n�her kommt? Es ist keine Schande, vor so etwas zu fliehen. Selbst in einem Zirkel w�ren wir Motten, die einen Waldbrand bek�mpfen. Vandene hat nicht einmal zugeh�rt.�</p><p>�Wir sollten wirklich ein paar Vorbereitungen treffen, Elayne�, murmelte Sareitha abwesend, als w�rde sie in Gedanken schon Listen erstellen. �Wenn man keine Pl�ne gemacht hat, dann w�nscht man sich, man h�tte es doch getan. In der Bibliothek gibt es ein paar B�nde, die man nicht zur�cklassen darf. Ich glaube, einige davon gibt es in der Burgbibliothek nicht.�</p><p>�Ja.� Merililles Stimme war atemlos und genauso besorgt wie der Blick ihrer gro�en dunklen Augen. �Ja, wir sollten wirklich zum Aufbruch bereit sein. Vielleicht ... Vielleicht sollten wir nicht warten. Es ist doch sicher kein Versto� gegen das Abkommen, wenn ein Notfall eintritt. Ganz bestimmt nicht.� Allein Birgitte warf ihr einen finsteren Blick zu, aber sie zuckte zusammen.</p><p>�Sollten wir gehen�, sagte Careane, als h�tte Merilille kein Wort gesagt, �m�ssen wir s�mtliche Kusinen mitnehmen. Erlaubt man ihnen, sich in alle Winde zu zerstreuen, wei� das Licht allein, was sie tun werden oder wann wir sie jemals wieder einfangen, vor allem jetzt, da einige die Kunst des Schnellen Reisens erler nt haben.� In ihrer Stimme lag keine Bitterkeit, obwohl von den Schwestern im Palast allein Elayne das Schnelle Reisen beherrschte. F�r Careane schien es einen Unterschied zu machen, dass die Kusinen in der Wei�en Burg begonnen hatten, selbst wenn die meisten fortgeschickt worden und einige auch weggelaufen waren. Sie selbst hatte nicht weniger als vier von ihnen identifiziert, einschlie�lich einer Ausrei�erin. Immerhin waren sie keine Wilden.</p><p>Aber Sareitha verzog den Mund. Ihr machte es zu schaffen, dass mehrere Kusinen Wegetore weben konnten, und sie hatte andere Vorstellungen, was diese Frauen betraf. Normalerweise beschr�nkte sie ihre Einw�nde auf ein gelegentliches Stirnrunzeln oder eine geringsch�tzige Grimasse, seit Elayne ihren Standpunkt klargemacht hatte, aber die Belastungen des Morgens schienen ihre Zunge gel�st zu haben. �Wir m�ssen sie mitnehmen�, sagte sie scharf, �sonst behaupten sie alle, Aes Sedai zu sein, sobald wir au�er Sichtweite sind. Eine Frau, die behauptet, vor �ber dreihundert Jahren von der Burg fortgeschickt worden zu sein, wird alles behaupten! Wenn ihr mich fragt, muss man sie unter strenger Aufsicht halten, statt sie gew�hren zu lassen, und vor allem jene, die das Schnelle Reisen beherrschen. Bis jetzt m�gen sie ja dorthin gegangen sein, wohin Ihr sie befohlen habt, Elayne, und auch wieder zur�ckgekehrt sein, aber wie lange wird es noch dauern, bis eine von ihnen nicht zur�ckkehrt? Denkt an meine Worte, sobald eine von ihnen entkommt, werden ihr andere folgen, und wir werden ein Chaos haben, das wir niemals bew�ltigen k�nnen.�</p><p>�Es gibt f�r uns keinen Grund, irgendwohin zu gehen�, sagte Elayne entschieden, sowohl an die Schwestern gerichtet wie auch an die Gardistinnen. Das ferne Fanal befand sich noch immer an derselben Stelle, an der sie es zuerst gesp�rt hatte, und sollte es sich bewegen, erschien es unwahrscheinlich, dass es sich in Richtung Caemlyn bewegte oder sogar herkam, aber das Ger�cht, dass die Aes Sedai eine Flucht planten, mochte gen�gen, um eine Massenhysterie auszul�sen, ein wilder Mob, der die Tore st�rmte, um vor dem zu fliehen, was Aes Sedai Angst einjagte. Ein Heer, das die Stadt st�rmte, w�rde nicht so viele t�ten. Und diese drei schnatterten so unbek�mmert, als k�nnten nur die Wandbeh�nge sie h�ren! Merilille konnte man vielleicht noch entschuldigen, aber nicht die anderen.</p><p>�Wir werden hier bleiben, wie es der Amyrlin-Sitz befohlen hat, bis die Amyrlin einen anderen Befehl gibt.</p><p>Die Kusinen werden weiterhin mit jeder H�flichkeit behandelt, bis man sie wieder in der Burg willkommen hei�en kann, wie Ihr ganz genau wisst. Und Ihr werdet die Windsucherinnen weiterhin unterrichten und Euer Leben so f�hren, wie es sich f�r Aes Sedai geh�rt. Von uns wird erwartet, mit den �ngsten der Menschen umzugehen und sie zu lindern, und nicht sinnlose Furcht zu verbreiten und Ger�chte in die Welt zu setzen.�</p><p>Nun, vielleicht war das etwas zu energisch gewesen. Sareitha schaute wie eine zurechtgewiesene Novizin zu Boden. Merilille zuckte bei der Erw�hnung der Windsucherinnen zusammen, aber das war zu erwarten gewesen. Die anderen gaben Unterricht, aber das Meervolk hielt Merilille so fest an der Leine wie einen ihrer Lehrlinge. Sie schlief in ihren Quartieren, und normalerweise sah man sie nie ohne zwei oder drei von ihnen, und sie ging dem�tig hinter ihnen her. Etwas anderes als v�llige Demut kam f�r sie nicht in Frage.</p><p>�Nat�rlich, Elayne�, sagte Careane hastig. �Nat�rlich. Keine von uns w�rde vorschlagen, der Amyrlin nicht zu gehorchen.� Z�gernd richtete sie ihre mit gr�nen Fransen versehene Stola auf ihren Armen und schien sich ganz darauf zu konzentrieren. Allerdings hatte sie einen mitleidigen Blick f�r Merilille �brig.</p><p>�Da wir gerade vom Meervolk sprechen, k�nntet Ihr Vandene sagen, sie soll ihren Teil des Unterrichts �bernehmen?� Als Elayne schwieg, trat ein Ton in ihre Stimme, den man bei jedem anderen als einer Aes Sedai als verdrossen bezeichnet h�tte. �Sie sagt, sie hat zu viel mit diesen beiden Ausrei�erinnen zu tun, aber sie hat genug Zeit, um sich an manchen Abenden so lange mit mir zu unterhalten, bis ich fast einschlafe.</p><p>Die beiden sind schon so eingesch�chtert, die w�rden nicht mal einen Mucks machen, wenn ihre Kleider in Flammen stehen. Sie brauchen ihre Aufmerksamkeit nicht. Sie k�nnte ihren Anteil am Unterricht f�r diese verfluchten Wilden �bernehmen. Auch Vandene sollte anfangen, sich wie eine Aes Sedai zu benehmen!�</p><p>Sie verga� Rang und Zurechtweisung, warf Elayne einen unheilvollen Blick zu und brauchte einen Moment, bis sie ihn unterdr�cken konnte. Elayne war diejenige gewesen, die das Abkommen getroffen hatte, dem zufolge die Aes Sedai die Windsucherinnen unterrichten mussten, aber bis jetzt hatte sie kaum mehr als ein paar Stunden gegeben und andere, dringendere Pflichten vorgesch�tzt. Davon abgesehen betrachtete das Meervolk Lehrer der K�stenbewohner wie Tagel�hner � das traf selbst auf Aes Sedai zu �, und zwar Tagel�hner, die noch unterhalb einer K�chenmagd anzusiedeln waren. Eine K�chenmagd, die sich m�glicherweise bem�hte, sich vor ihren Pflichten zu dr�cken. Elayne war noch immer fest davon �berzeugt, dass Nynaeve nur gegangen war, um sich vor diesem Unterricht zu dr�cken. Sicher erwartete niemand, so wie Merilille zu enden, aber selbst ein paar Stunden waren schon schlimm genug.</p><p>�O nein, Careane�, mischte sich Sareitha ein und mied noch immer Elaynes Blick. Und Merililles. Sie vertrat die Meinung, dass sich die Graue selbst in diese Zwangslage gebracht hatte und darum verdiente, was daraus entstanden war, aber sie bem�hte sich, kein Salz in diese Wunden zu streuen. �Vandene ist wegen ihrer Schwester verzweifelt, und Kirstian und Zarya helfen ihr, auf andere Gedanken zu kommen.� Was auch immer sie von den anderen Kusinen hielt, sie akzeptierte, dass Zarya eine Ausrei�erin war, was offensichtlich war, da Zarya zu denen geh�rte, die Careane erkannt hatte, und wenn Kirstian eine L�gnerin war, w�rde sie f�r ihre L�ge den vollen Preis entrichten m�ssen. Ausrei�erinnen wurden nicht sanft behandelt.</p><p>�Ich habe auch Stunden mit ihr verbracht, und sie spricht von fast nichts anderem als Adeleas. Es ist, als wollte sie meine Erinnerungen zu ihren hinzuf�gen.</p><p>Ich glaube, man muss ihr so viel Zeit lassen, wie sie braucht, und diese beiden verhindern, dass sie zu oft allein ist.� Sie warf Elayne einen Seitenblick zu und holte tief Luft. �Dennoch, der Unterricht ist mit Sicherheit ... eine Herausforderung. Vielleicht w�rde eine Stunde dann und wann helfen, sie aus ihrer Verzweiflung herauszuholen, und sei es nur dadurch, dass sie in Wut ger�t. Findet Ihr nicht, Elayne? Nur dann und wann eine Stunde.�</p><p>�Vandene wird so viel Zeit bekommen, wie sie braucht, um ihre Schwester <emphasis>zu</emphasis> betrauern�, sagte Elayne schlicht. �Und damit ist diese Diskussion beendet.�</p><p>Careane seufzte abgrundtief und richtete ihre Stola erneut. Sareitha seufzte leise und fing an, an dem Gro�en Schlangenring am Zeigefinger ihrer linken Hand herumzuspielen. Vielleicht hatte sie ihre Stimmung gesp�rt, vielleicht lag es auch nur daran, dass sich keine von ihnen auf eine weitere Sitzung mit den Windsucherinnen freute. Merililles Ausdruck �nderte sich nicht, sie sah noch immer �berrascht aus, aber ihre Sitzungen mit dem Meervolk dauerten auch den ganzen Tag und die Nacht dazu, wenn Elayne sie dort nicht wegholen konnte, und die Windsucherinnen waren immer weniger dazu bereit, sie gehen zu lassen, wie sehr Elayne auch darauf beharrte.</p><p>Immerhin schaffte sie es, die drei nicht unfreundlich zu behandeln. Was M�he kostete, vor allem in Aviendhas Anwesenheit. Elayne wusste nicht, was sie tun w�rde, sollte sie jemals ihre Schwester verlieren. Vandene trauerte nicht nur um eine leibliche Schwester, sie suchte nach Adeleas M�rdern, und es gab nicht den geringsten Zweifel, dass sie unter Mer�ille Ceandaevin, Careane Fransi oder Sareitha Tomares zu suchen waren. Eine von ihnen, oder, noch schlimmer, mehrere.</p><p>Bei Mer�ille in ihrem derzeitigen Zustand war diese Anschuldigung nur schwer zu glauben, aber das galt eigentlich f�r jede Schwester. Wie Birgitte einmal gesagt hatte, der schlimmste Schattenfreund, der ihr je in den Trolloc-Kriegen begegnet war, war ein milchb�rtiger Junge gewesen, der bei lauten Ger�uschen zusammenzuckte. Und der die Zisterne einer ganzen Stadt vergiftet hatte. Aviendha hatte vorgeschlagen, alle drei einer Befragung zu unterziehen, was Birgitte entsetzt hatte, aber die Aiel brachte den Aes Sedai mittlerweile bedeutend weniger Ehrfurcht als zuvor entgegen. Die angebrachten H�flichkeiten mussten beibehalten wer � den, bis es Beweise f�r eine Verurteilung gab. Dann w�rde es allerdings �berhaupt keine H�flichkeiten mehr geben.</p><p>�Oh�, sagte Sareitha und strahlte pl�tzlich. �Da ist Hauptmann Mellar. Er ist w�hrend Eurer Abwesenheit schon wieder zum Helden geworden.�</p><p>Aviendha umklammerte den Griff ihres G�rtelmessers, und Birgitte versteifte sich. Careanes Gesicht nahm einen ausgesprochen frostigen Ausdruck an, und selbst Merilille brachte eine missbilligende Miene zustande. Keine der Schwestern machte einen Hehl aus ihrer Abneigung gegen Doilan Mellar.</p><p>Mit seinem schma len Gesicht war er nicht h�bsch, nicht einmal ansehnlich, aber er bewegte sich mit der geschmeidigen Anmut eines Schwertk�mpfers, die von k�rperlicher Kraft k�ndete. Als Hauptmann von Elaynes Leibwache hatte er drei goldene Rangknoten vorzuweisen, und er trug sie auf jeder Schulter seines auf Hochglanz polierten Brustpanzers. Ein unwissender Beobachter h�tte gedacht, dass er Birgitte im Rang �bertraf. Die schneewei�e Spitze an seinem Hals und den �rmeln war doppelt so dick und lang wie bei jeder Gardistin, aber er hatte auf die Sch�rpe verzichtet, m�glicherweise weil sie auf einer Seite die goldenen Knoten verdeckt h�tte. Er behauptete, nicht mehr im Leben zu wollen als ihre Leibwache zu befehligen, aber er sprach oft von Schlachten, an denen er als S�ldner teilgenommen hatte. Anscheinend hatte er nie auf der Verliererseite gek�mpft, und seine unbesungenen Bem�hungen auf dem Feld hatten oft den entscheidenden Ausschlag f�r den Sieg gegeben. Er riss sich den Hut mit den wei�en Federn vom Kopf und machte eine tiefe, schwungvolle Verbeugung, wobei er mit einer Hand geschickt sein Schwert festhielt, dann entrichtete er Birgitte einen etwas n�chterner ausfallenden Gru�, indem er den Arm quer �ber die Brust f�hrte.</p><p>Elayne zwang sich zu einem L�cheln. �Sareitha sagte, Ihr seid wieder ein Held gewesen, Hauptmann Mellar? Wie das?�</p><p>�Das war nicht mehr als meine Pflicht der K�nigin gegen�ber.� Obwohl er sich mit seinem Tonfall offensichtlich selbst herabw�rdigte, war sein L�cheln w�rmer, als es h�tte sein sollen. Der halbe Palast hielt ihn f�r den Vater von Elaynes Kind. Dass sie das Ger�cht nicht zum Verstummen gebracht hatte, schien in ihm den Glauben geweckt zu haben, dass er Chancen hatte. Das L�cheln erreichte allerdings nie seine dunklen Augen. Sie blieben so kalt wie der Tod. �Meine Pflicht Euch gegen�ber ist meine Freude, meine K�nigin.�</p><p>�Hauptmann Mellar hat gestern ohne Befehl einen weiteren Ausfall angef�hrt�, sagte Birgitte mit sorgf�ltig beherrschter Stimme. �Diesmal h�tte der Kampf beinahe auf das Far Madding-Tor �bergegriffen, das auf seinen Befehl hin f�r seinen R�ckzug offen gelassen wurde.� Elayne f�hlte, wie sich ihre Z�ge verh�rteten.</p><p>�Aber nein�, protestierte Sareitha. �So ist das gar nicht gewesen. In der Nacht haben hundert von Lor d Luans Waffenm�nnern versucht, die Stadt zu erreichen, aber sie sind zu sp�t aufgebrochen und wurden vom Sonnenaufgang �berrascht. Da hat sie die dreifache Zahl von Lord Nasins M�nnern angegriffen. H�tte Hauptmann Mellar nicht die Tore ge�ffnet und einen Entlastungsangriff angef�hrt, h�tte man sie vor den Mauern in St�cke gehauen. So konnte er achtzig Mann f�r Eure Sache retten.� L�chelnd sonnte sich Mellar im Lob der Aes Sedai, als h�tte er Birgittes Kritik nicht wahrgenommen. Nat�rlich schien er sich genauso wenig Careanes und Merililles missbilligenden Blicken bewusst zu sein. Missbilligung ignorierte er immer.</p><p>�Woher habt Ihr gewusst, dass es sich um Lord Luans M�nner handelte, Hauptmann?�, fragte Elayne leise. Auf Birgittes Gesicht erschien ein schmales L�cheln, das Mellar eine Warnung h�tte sein m�ssen. Aber er geh�rte zu denjenigen, die anscheinend nicht glauben konnten, dass sie eine Beh�terin war. Und selbst wenn er es geglaubt h�tte, au�er Beh�tern und Aes Sedai wussten nur wenige, was der Bund tat. Meilars Miene wurde noch selbstzufriedener.</p><p>�Ich habe mich nicht nach den Bannern gerichtet, meine K�nigin. Jeder kann ein Banner tragen. Ich habe Jurad Accan durch mein Fernglas erkannt. Accan ist durch und durch Luans Mann. Als ich das wusste ...�</p><p>Spitze raschelte, als er eine wegwerfende Geste machte. �Der Rest war nicht mehr als eine kleine �bung.�</p><p>�Und hat dieser Jurad Accan eine Botschaft von Lord Luan gebracht? Etwas Unterschriebenes und Ver siegeltes, das die Unterst�tzung von Haus Norwelyn f�r Trakand best�tigt?�</p><p>�Nichts Schriftliches, meine K�nigin, aber wie ich bereits sagte ...�</p><p>�Lord Luan hat sich nicht f�r mich erkl�rt, Hauptmann.�</p><p>Meilars L�cheln verblasste etwas. Er war es nicht gew�hnt, unterbrochen zu werden. �Aber meine K�nigin, Lady Dyelin hat gesagt, dass Luan so gut wie in Eurem Lager steht. Dass Accan hier auftaucht, ist Beweis genug ...�</p><p>�Das beweist gar nichts, Hauptmann�, sagte Elayne kalt. �Vielleicht wird Lord Luan irgendwann in meinem Lager sein, Hauptmann, aber bis er es �ffentlich verk�ndet, habt Ihr mir achtzig M�nner verschafft, die beobachtet werden m�ssen.� Achtzig von hundert. Und wie viele ihrer Leute hatte er dabei verloren? Und daf�r hatte er Caemlyn riskiert? Sollte er zu Asche ver � brennen! �Da Ihr w�hrend Eurer Pflichten in der Garde die Zeit findet, Ausf�lle anzuf�hren, werdet Ihr auch die Zeit finden, ihre Bewachung zu veranlassen. Lasst Meister Accan und seine Burschen die M�nner drillen, die ich von den Herrenh�usern mitgebracht habe. Das wird sie den gr��ten Teil des Tages besch�ftigen und aus allen Schwierigkeiten heraushalten, aber ich �ber � lasse es Euch, wie Ihr sie den Rest von den Mauern fern haltet. Und ich erwarte, dass man sie von den Mauern fern h�lt und sie keinen �rger machen, Hauptmann. Ihr d�rft gehen und Euch darum k�mmern.�</p><p>Mellar starrte sie verbl�fft an. Noch nie zuvor hatte sie ihn zur Rede gestellt, und es gefiel ihm nicht, vor allem nicht vor so vielen Zeugen. Jetzt gab es kein strahlendes L�cheln mehr. Seine Lippen zuckten, ein verdrossenes Feuer trat in seine Augen. Aber er konnte nichts anderes tun, als sich erneut zu verneigen, heiser ein �wie meine K�nigin befiehlt� zu murmeln und mit so viel Anstand zu gehen, wie er aufbringen konnte. Er war keine drei Schritte weit gegangen, als er auch schon den Korridor entlangst�rmte, als wollte er jeden niedertrampeln, der sich ihm in den Weg stellte. Elayne nahm sich vor, Rasoria zu warnen. Vielleicht w�rde er versuchen, seine Wut an denen auszulassen, die Zeuge des Vorfalls geworden waren. Merilille und Careane nickten beinahe gleichzeitig; sie h�tten Mellar schon vor langer Zeit zur Rede gestellt und danach am liebsten aus dem Palast verwiesen.</p><p>�Selbst wenn er etwas falsch gemacht hat�, sagte Sareitha vorsichtig, �und ich bin nicht davon �ber zeugt, dass es sich so verh�lt, hat Hauptmann Mellar sein Leben riskiert, um Euch und Lady Dyelin vor dem Tod zu bewahren. War es wirklich n�tig, ihn vor uns allen zu dem�tigen?�</p><p>�Glaubt nie, dass ich meine Schulden nicht bezahle, Sareitha.� Elayne f�hlte, wie Aviendha ihre eine Hand und Birgitte die andere ergriff. Sie dr�ckte beide leicht. Wenn man von Feinden umzingelt war, dann war es gut, eine Schwester und eine Freundin in der N�he zu haben. �Ich werde jetzt ein hei�es Bad nehmen, und falls keine von Euch mir den R�cken schrubben will ...�</p><p>Sie erkannten eine Verabschiedung, wenn es n�tig war, und sie gingen mit mehr Anstand als Hauptmann Mellar. Careane und Sareitha diskutierten bereits dar�ber, ob die Windsucherinnen heute �berhaupt Unterricht haben wollten oder nicht, Merilille versuchte in alle Richtungen gleichzeitig zu schauen in der Hoffnung, jeder Windsucherin aus dem Weg zu gehen. Aber wor�ber w�rden sie sp�ter sprechen? Ob Elayne Streit mit dem Vater ihres Kindes hatte? Ob sie ihre Schuld an der Ermordung Adeleas erfolgreich verbor � gen hatten?</p><p><emphasis>Ich zahle immer meine Schulden,</emphasis> dachte Elayne und sah ihnen hinterher. <emphasis>Und ich helfe meinen Freunden, die ihren zu begleichen.</emphasis></p></section><section><title><p>12</p><p>Ein Handel</p></title><p>Ein Bad war nicht schwer aufzutreiben, obwohl Elayne im Korridor stehen bleiben und im Licht der flackernden Kandelaber die mit geschnitzten L�wen versehenen T�ren ihrer Gem�cher stirnrunzelnd anstarrten musste, w�hrend Rasoria und zwei Gardistinnen eintraten, um alles zu durchsuchen. Sobald sie sich vergewissert hatten, dass dort keine Attent�ter lauerten und im Korridor und dem �u�eren Raum Wachen aufgestellt waren, trat Elayne ein und fand im Schlafgemach die wei�haarige Essande vor; sie wurde von Naris und Sephanie begleitet, zwei jungen Kammerzofen, die sie ausbildete. Essande war gertenschlank, auf ihrer linken Brust war Elaynes Goldene Lilie aufgestickt. Sie war die W�rde in Person, was von der anmutigen Art ihrer Bewegungen noch unterstrichen wurde, allerdings trug auch ihr Alter und der Schmerz in ihren Gelenken dazu bei, den sie beharrlich ignorierte. Naris und Sephanie waren Schwestern, derb, mit rosigen Gesichtern und scheuen Blicken, sie trugen ihre Livree mit Stolz und waren gl�cklich, f�r diese Arbeit auserw�hlt worden zu sein, statt Korridore putzen zu m�ssen, aber sie hatten fast genauso viel Ehrfurcht vor Essande wie vor Elayne. Es gab erfahrenere Kammerzofen, Frauen, die seit Jahren im Palast arbeiteten, aber leider waren M�dchen, die irgendeine Arbeit gesucht hatten, viel sicherer. Man hatte einen der Teppiche zusammengerollt und ihn auf den rosafarbenen Fliesen mit einer dicken Schicht Handt�cher ersetzt, auf denen zwei Kupferwannen standen, der Beweis daf�r, dass die Nachricht von Elaynes Ankunft ihr vorausgeeilt war. Diener hatten ein Talent, Dinge zu erfahren, um das sie die Augen-und-Ohren der Wei�en Burg beneidet h�tten. Ein ordentliches Feuer im Kamin und die dichten Fensterfl�gel lie�en den Raum nach den Korridoren warm erscheinen, und Essande wartete nur, bis sie Elayne eintreten sah, bevor sie Sephanie im Laufschritt losschickte, die M�nner mit dem hei�en Wasser zu holen. Das w�rde man in K�beln bringen, die aus zwei Schichten Holz gefertigt und mit Deckeln versehen waren, damit ihr Inhalt auf dem Weg aus der K�che nicht abk�hlte; allerdings w�rde sich ihr Eintreffen m�glicherweise etwas verschieben, weil die Gardistinnen sie nach im Wasser verborgenen Messern durchsuchen w�rden.</p><p>Aviendha betrachtete die zweite Badewanne fast so misstrauisch, wie Essande Birgitte ansah; die eine f�hlte sich noch immer unbehaglich dabei, sich in Wasser zu setzen, und die andere konnte noch immer nicht akzeptieren, dass w�hrend eines Bads mehr Personen als unbedingt n�tig anwesend waren, aber die wei�haarige Frau verlor keine Zeit und dr�ngte Elayne und Aviendha stumm in das Ankleidezimmer, in dem ein weiteres Feuer in einem gro�en Marmorkamin die Luft ihrer K�lte beraubt hatte. Es war f�r Elayne eine gro�e Erleichterung, dass Essande ihr aus dem Reitgewand half, denn sie wusste, dass mehr auf sie wartete als ein hastiges Bad und gespielte Gelassenheit, w�hrend sie sich dar�ber sorgen musste, wie schnell sie ihr n�chstes Ziel erreichen konnte. Weitere T�uschungen warteten und � beim Licht! � andere Sorgen, aber sie war zu Hause, und das z�hlte viel. Beinahe konnte sie das im Westen leuchtende Fanal vergessen. Beinahe. Gut, nicht mal ann�hernd, aber sie konnte aufh�ren, sich deswegen verr�ckt zu machen, solange sie nicht dar�ber nachdachte.</p><p>Als sie ausgezogen waren � Aviendha schlug Naris' H�nde weg, nahm ihren Schmuck selbst ab und gab sich alle M�he, so zu tun, als w�re die Kammerzofe gar nicht da und ihre Kleidung w�rde sich irgendwie von selbst ablegen �, als man sie in bestickte Seidenroben geh�llt und ihre Haare mit wei�en Handt�chern zu Turbanen hochgewickelt hatte � Aviendha unternahm drei Versuche, und erst als die Konstruktion das dritte Mal zusammenbrach, erlaubte sie Naris, es zu tun, wobei sie etwas davon murmelte, so verweichlicht zu werden, dass sie bald jemanden brauchen w�rde, der ihr die Stiefel zuschn�rte, bis Elayne anfing zu lachen und sie mit einfiel, wobei sie den Kopf zur�ckwarf und Naris wieder von vorn anfangen musste �, als das alles erledigt war und sie in das Schlafgemach zur�ckkehrten, waren die Badewannen gef�llt, und der Duft von Rosen�l, das man dem Wasser hinzugef�gt hatte, schw�ngerte die Luft. Die M�nner, die das Wasser gebracht hatten, waren nat�rlich weg, und Sephanie wartete mit hochgeschobenen �rmeln f�r den Fall, dass jemand den R�cken gewaschen haben wollte. Birgitte sa� auf der Truhe mit den Intarsien aus T�rkis am Fu� des Bettes, die Ellbogen auf die Knie gest�tzt.</p><p>Elayne erlaubte Essande, ihr aus der hellgr�nen Robe zu helfen, und tauchte sofort bis zum Hals in das Wasser ein, das fast zu hei� war, aber eben nur fast.</p><p>Zwar lie� das ihre Knie herausragen, aber es h�llte den gr��ten Teil von ihr in die W�rme ein, und sie seufzte, als sie f�hlte, wie die M�digkeit aus ihr heraus und Ermattung in sie hinein kroch. Hei�es Wasser musste das gr��te Geschenk der Zivilisation sein.</p><p>Aviendha starrte die andere Wanne an und zuckte zusammen, als Naris ihre lavendelfarbene und mit aufgestickten Blumen auf den �rmeln verzierte Robe ausziehen wollte. Mit einer Grimasse erlaubte sie es schlie�lich und trat behutsam in das Wasser, aber sie riss Sephanie die runde Seife aus der Hand und fing an, sich energisch einzuseifen. Energisch, aber achtsam, um nicht auch nur einen Tropfen Wasser �ber den Wannenrand zu spritzen. Die Aiel benutzten Wasser zum Waschen, so wie sie es auch in den Schwei�zelten taten, vor allem, um das Haarwaschmittel auszusp�len, das sie aus einem in der W�ste wachsenden Gew�chs herstellten, aber das Schmutzwasser wurde verwahrt, um das Getreide zu w�ssern. Elayne hatte ihr zwei der gro�en Zisternen unterhalb von Caemlyn gezeigt, die von unterirdischen Fl�ssen gespeist wurden und gro� genug waren, dass das andere Ufer inmitten eines Waldes aus dicken S�ulen und Schatten verschwand, aber die trockene W�ste lag Aviendha im Blut.</p><p>Birgitte ignorierte Essandes viel sagende Blicke � sie sagte selten zwei Worte mehr als n�tig und hielt B�der f�r eine Zeit des Schweigens � und redete, w�hrend sie badeten, obwohl sie darauf achtete, was sie vor Naris und Sephanie sagte. Es war unwahrscheinlich, dass sie im Sold eines anderen Hauses standen, aber Zofen klatschten fast so ungeniert wie M�nner � das schien fast schon eine Tradition zu sein. Trotzdem waren es einige Ger�chte wert, sie zu n�hren. Birgitte erz�hlte haupts�chlich von zwei gro�en Handelsz�gen, die am Vortag aus Tear eingetroffen waren und deren Wagen schwer mit Korn und gep�keltem Rindfleisch beladen waren, und einem weiteren mit �l und Salz und R�ucherfisch aus Illian. Es war immer n�tzlich, die Leute daran zu erinnern, dass auch weiterhin Nahrung in die Stadt str�mte. Im Winter wagten sich nur wenige Kaufleute auf die Stra�en von Andor, aber die Wegetore bedeuteten, dass Arymilla so viele Kaufleute wie sie wollte abfangen konnte und ihre Streitkr�fte dennoch lange verhungert sein w�rden, bevor Caemlyn den ersten Hunger versp�rte. Die Windsucherinnen, die die Wegetore erschufen, hatten berichtet, dass Hochlord Darlin � der in Tear ausgerechnet den Titel Verwalter f�r den Wiedergeborenen Drachen beanspruchte! � im Stein von Tear von Adligen belagert wurde, die den Wiedergeborenen Drachen ganz aus Tear heraushaben wollten, aber es war unwahrscheinlich, dass sie versuchen w�rden, einen lohnenden Getreidehandel zu unterbinden, vor allem, weil sie die Kusinen im Gefolge der Windsucherinnen f�r Aes Sedai hielten. Nicht, dass jemand hier eine absichtliche T�uschung in die Wege geleitet h�tte, aber die Kusinen, die die Pr�fung f�r die Aufgenommenen bestanden hatten, bevor man sie aus der Burg wies, hatten ihre Gro�en Schlangenringe erhalten, und auch wenn jemand die falschen Schl�sse zog, hatte ihn doch niemand angelogen.</p><p>Elayne kam zu dem Schluss, dass das Wasser seine W�rme verlieren w�rde, wenn sie zu lange wartete, also nahm sie von Sephanie die nach Rosen duftende Seife entgegen und gestattete Naris, ihr mit einer langstieligen B�rste den R�cken zu schrubben. Falls es Neuigkeiten von Gawyn oder Galad gegeben h�tte, dann h�tte das Birgitte am Anfang erw�hnt. Sie wartete darauf genauso begierig wie Elayne, und sie h�tte es nicht f�r sich behalten k�nnen. Gawyns R�ckkehr war ein Ger�cht, von dem sie sich verzweifelt w�nschten, es unter die Leute bringen zu k�nnen. Birgitte erf�llte ihre Pflichten als Generalhauptmann hervorragend, und Elayne wollte sie auch in dieser Position behalten, falls sie sich �berzeugen lie�, aber Gawyns Anwesenheit h�tte beiden Frauen erlaubt, sich etwas zu entspannen. Bei den meisten Soldaten in der Stadt handelte es sich um S�ldner, und sie reichten gerade aus, um die Tore in voller St�rke zu besetzen und entlang der meilenlangen Stadtmauern um die Neustadt Pr�senz zu zeigen, aber es waren dennoch mehr als drei�ig Kompanien, und jede davon verf�gte �ber ihren eigenen Hauptmann, der unweigerlich davon besessen war, vor anderen den Vorzug zu erhalten, und bereit war, wegen eingebildeten Kr�nkungen mit anderen Offizieren sofort Streit anzufangen. Gawyn hatte sein ganzes Leben damit verbracht, zu lernen, wie man Heere f�hrte. Er konnte sich mit den Streith�hnen auseinander setzen, was ihr die Freiheit gab, sich um die Sicherung des Throns zu k�mmern.</p><p>Davon abgesehen wollte sie einfach, dass er von der Wei�en Burg wegkam. Sie betete, dass einer ihrer Boten durchgekommen und er mittlerweile ein ordentliches St�ck flussabw�rts war. Egwene belagerte seit mehr als einer Woche Tar Valon mit ihrem Heer, und es w�rde eine grausame F�gung des Schicksals sein, wenn Gawyn zwischen seinem Eid, die Burg zu besch�tzen, und seiner Liebe zu Egwene gefangen gewesen w�re. Schlimmer noch, er hatte diesen Eid bereits einmal gebrochen oder ihn zumindest gedehnt, aus Liebe zu seiner Schwester und vielleicht auch aus Liebe zu Egwene. Sollte Elaida jemals Verdacht sch�pfen, dass Gawyn bei Siuans Flucht geholfen hatte, w�rden s�mtliche Verdienste, die er errungen hatte, indem er ihr half, Siuan als Amyrlin zu ersetzen, dahinschwinden wie ein Tautropfen in der Morgensonne. Und sollte er noch in Elaidas Reichweite sein, wenn sie davon erfuhr, w�rde er sich in einer Zelle wieder finden und Gl�ck haben, wenn er der Axt des Scharfrichters entging. Elayne nahm ihm seine Entscheidung, Elaida zu helfen, keineswegs �bel; damals konnte er nicht �ber gen�gend Informationen verf�gt haben, um sich anders zu entscheiden. Selbst viele Schwestern waren von den Geschehnissen verwirrt gewesen. Viele schienen es noch immer zu sein. Wie konnte sie da von Gawyn verlangen, das zu erkennen, was die Aes Sedai selbst nicht erkannten?</p><p>Was Galad betraf ... Ihre ganze Kindheit �ber hatte sie den Mann nicht ausstehen k�nnen, sicherlich verabscheute er sie und vor allem Gawyn. Bis zu Gawyns Geburt hatte Galad damit rechnen d�rfen, eines Tages der Erste Prinz des Schwertes zu werden. Ihre fr�hesten Erinnerungen an ihn waren die an einen Jungen, der sich bereits mehr wie ein Vater oder Onkel benahm als wie ein Bruder und der Gawyn den ersten Fechtunterricht erteilte. Sie erinnerte sich, dass sie Angst gehabt hatte, er w�rde Gawyn mit dem �bungsschwert den Kopf einschlagen. Aber er hatte nie mehr als die �blichen blauen Flecke ausgeteilt, mit denen jeder Junge rechnen musste, der den Schwertkampf erlernte. Galad wusste, was richtig war, und er war auch dazu bereit, das Richtige zu tun, was es auch kostete, und er nahm sich selbst davon nicht aus. Beim Licht, er hatte einen Krieg angefangen, um ihr und Nynaeve bei der Flucht aus Samara zu helfen, und vermutlich war er sich von Anfang an �ber die Gefahr im Klaren gewesen! Galad hatte sich in Nynaeve verliebt oder war es zumindest eine Zeit lang gewesen � es war schwer vorstellbar, dass er noch immer so empfand; da er ein Wei�mantel war, wusste allein das Licht, wo er war und was er tat �, aber es war die Wahrheit, er hatte einen Krieg angezettelt, um seine Schwester zu retten. Sie konnte ihn nicht verurteilen, weil er zu den Kindern des Lichts geh�rte, sie konnte ihn nicht m�gen, und doch hoffte sie, dass er in Sicherheit war und es ihm gut ging. Und sie hoffte, dass auch er den Weg nach Hause fand. Neuigkeiten �ber ihn w�ren beinahe so willkommen gewesen wie Neuigkeiten �ber Gawyn. Das �berraschte sie, aber es stimmte.</p><p>�W�hrend deiner Abwesenheit sind zwei weitere Schwestern eingetroffen. Sie wohnen im <emphasis>Silbernen Schwan.�</emphasis> Birgitte lie� es klingen, als w�rden sie lediglich im Gasthaus wohnen, weil im Palast jedes Bett belegt war. �Eine Gr�ne mit zwei Beh�tern und eine Graue mit einem. Sie kamen getrennt voneinander. Am gleichen Tag sind eine Gelbe und eine Braune aufgebrochen, also sind es noch immer zehn. Die Gelbe ist nach S�den gereist, in Richtung Far Madding. Die Braune ging nach Osten.�</p><p>Sephanie, die geduldig neben Aviendhas Wanne stand und nichts zu tun hatte, wechselte �ber Elaynes Kopf hinweg einen Blick mit ihrer Schwester und grinste. Wie so viele in der Stadt wusste sie, dass die Anwesenheit von Aes Sedai im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> die Unterst�tzung der Wei�en Burg f�r Elayne und das Haus Trakand bedeutete. Essande, die die beiden M�dchen wie ein Raubvogel beobachtete, nickte ebenfalls; auch sie wusste das. Jeder Stra�enfeger und M�llsammler wusste, dass die Burg gespalten war, aber der Name hatte noch immer Gewicht und vermittelte das Bild einer St�rke, die nie versagte. Jeder wusste, dass die Wei�e Burg jede rechtm��ige K�nigin von Andor unterst�tzt hatte. Tats�chlich warteten die meisten Schwestern auf eine Monarchin, die gleichzeitig eine Aes Sedai war; es w�re die erste seit tausend Jahren und die erste seit der Zerst�rung der Welt gewesen, von der �ffentlich bekannt war, dass sie eine Aes Sedai war, aber es h�tte Elayne nicht �berrascht, wenn es in Arymillas Lager eine Schwester gegeben h�tte, die sich diskret zur�ckhielt. Die Wei�e Burg setzte niemals alle M�nzen auf ein Pferd, es sei denn, der Ausgang des Rennens stand bereits fest.</p><p>�Das gen�gt�, sagte sie und wich gereizt den Borsten aus. Das gut ausgebildete M�dchen legte die B�rste auf einen Stuhl und reichte ihr einen gro�en illianischen Schwamm, mit dem sie sich die Seife absp�lte.</p><p>Sie w�nschte, sie <emphasis>h�tte</emphasis> gewusst, was die Schwestern hier wollten. Sie waren wie ein Sandkorn in ihrem Pantoffel, ein so winziges Ding, dass man sich schwer vorstellen konnte, dass es einen st�rte, aber je l�nger es da war, desto gr��er erschien es. Die Schwestern im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> wurden allein dadurch zu einem Stein von betr�chtlicher Gr��e, weil sie da waren.</p><p>Schon vor ihrem Eintreffen in Caemlyn hatte sich die Anzahl im Gasthof h�ufig ge�ndert, jede Woche reisten ein paar Schwestern ab, w�hrend andere eintrafen, um sie zu ersetzen. Die Belagerung hatte nichts daran ge�ndert; die Soldaten um Caemlyn w�rden genauso wenig versuchen, eine Aes Sedai aufzuhalten, wie die aufr�hrerischen Adligen in Tear. Eine Zeit lang hatte es in der Stadt auch Rote gegeben, die sich nach M�nnern auf dem Weg zur Schwarzen Burg erkundigten, aber je mehr sie erfuhren, desto offener hatten sie Ver�rgerung gezeigt, und das letzte Paar war einen Tag nach Arymillas Aufmarsch vor den Mauern aus der Stadt geritten. Jede Aes Sedai, die die Stadt betrat, wurde sorgf�ltig �berwacht, und keine der Roten war auch nur in die N�he des <emphasis>Silbernen Schwans</emphasis> gekommen, darum erschien es unwahrscheinlich, dass Elaida die Schwestern geschickt hatte, um sie zu entf�hren. Aus irgendeinem Grund stellte sie sich kleine Gruppen von Aes Sedai vor, die von der F�ule bis zum Meer der St�rme verstreut waren und zwischen denen sich ein best�ndiger Strom von Schwestern bewegte, die Informationen sammelten und teilten. Ein seltsamer Gedanke. Schwestern benutzten Augen-und-Ohren, um die Welt zu beobachten, und teilten nur selten, was sie erfahren hatten, es sei denn, es handelte sich um eine Bedrohung f�r die Burg. Vermutlich geh�rten die Frauen im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> zu den Schwestern, die angesichts der Spaltung der Burg abwarteten, ob am Ende Egwene oder Elaida auf dem Amyrlin-Sitz sa�, bevor sie Partei ergriffen. Das war falsch � eine Aes Sedai sollte f�r das eintreten, was sie f�r richtig hielt, ohne sich dar�ber Sorgen machen zu m�ssen, ob sie die Gewinnerseite unterst�tzte! �, aber diese Schwestern bereiteten ihr noch aus einem anderen Grund Unbehagen.</p><p>K�rzlich hatte einer ihrer Beobachter im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> einen beunruhigenden Namen aufgeschnappt, der gemurmelt worden war, und man hatte die Sprecherin schnell zum Schweigen gebracht, so als bef�rchte man Lauscher. Cadsuane. Kein gew�hnlicher Name. Und Cadsuane Melaidhrin hatte Rand in Cairhien eng umgarnt. Vandene hielt nicht viel von der Frau, sie hatte sie als engstirnig bezeichnet, aber Careane war bei der Erw�hnung des Namens beinahe vor Ehrfurcht in Ohnmacht gefallen. Anscheinend waren die Geschichten, die Cadsuane umgaben, fast schon so etwas wie Legenden. Den Wiedergeborenen Drachen ganz allein zu bezwingen schien genau die Art von Unternehmen sein, die Cadsuane Melaidhrin in Angriff nehmen w�rde. Nicht, dass sich Elayne Sorgen wegen Rand und einer Aes Sedai machte, er w�rde sie h�chstens so in Rage bringen, dass sie die Kontrolle verlor � manchmal war der Mann sogar zu stur, um zu erkennen, wo seine Vorteile lagen! �, aber warum sollte eine Schwester in Caemlyn ihren Namen erw�hnen?</p><p>Und warum hatte eine andere sie zum Schweigen gebracht?</p><p>Trotz des hei�en Badewassers fr�stelte sie und dachte an all die Netze, die die Wei�e Burg im Laufe der Jahrhunderte gesponnen hatte und die so fein waren, dass sie keiner wahrnehmen konnte � abgesehen von den Schwestern, die sie gesponnen hatten �, und die so kompliziert waren, dass auch nur diese Schwestern sie wieder aufl�sen konnten. Die Burg webte ihre Netze, die Ajahs webten ihre Netze, sogar einzelne Schwestern webten Netze. Manchmal verschmolzen diese Gewebe miteinander, als w�ren sie von einer einzigen Hand gef�hrt worden. Manchmal hatten sie einander auch zerrissen. Auf diese Weise war die Welt dreitausend Jahre lang geformt worden. Jetzt hatte sich die Burg sauber in Drittel von ann�hernd gleicher Gr��e gespalten, ein Drittel f�r Egwene, eines f�r Elaida und eines, das auf der Seitenlinie stand. Wenn das letzte miteinander in Verbindung stand, Informationen austauschte � Pl�ne schmiedete? �, waren die Implika � tionen ...</p><p>Ein pl�tzlicher Tumult von Stimmen, ged�mpft von der geschlossenen T�r, lie� sie sich gerade aufsetzen. Naris und Sephanie kreischten auf und sprangen aufeinander zu, um sich aneinander festzuklammern und mit weit aufgerissenen Augen auf die T�r zu starren.</p><p>�Was zur verdammten ...?� Birgitte schoss knurrend von der Truhe hoch und aus dem Zimmer heraus und knallte die T�r hinter sich zu. Die Stimmen wurden noch lauter.</p><p>Es h�rte sich nicht so an, als w�rden die Gardistinnen k�mpfen, sondern nur mit voller Lautst�rke debattieren, und der Bund �bermittelte zusammen mit den <emphasis>verdammten</emphasis> Kopfschmerzen haupts�chlich Zorn und Emp�rung, aber Elayne stieg aus der Wanne und streckte die Arme aus, damit Essande ihr die Robe �berstreifen konnte. Die Ruhe der wei�haarigen Frau und vielleicht auch Elaynes beruhigte die beiden Zofen so weit, dass sie err�teten, als Essande sie ansah, aber Aviendha sprang aus der Wanne, verspritzte �berall Wasser und st�rmte tropfend in das Ankleidezimmer. Elayne rechnete damit, dass sie mit ihrem G�rtelmesser zur�ckkam. Aber stattdessen umgab sie das Gl�hen <emphasis>Saidars,</emphasis> w�hrend sie die Bernsteinschildkr�te in der Hand hielt. Mit der anderen gab sie Elayne das <emphasis>Angreal,</emphasis> das in ihrer G�rteltasche gewesen war, die alte Elfenbeinschnitzerei einer Frau, die nur mit ihrem Haar bekleidet war. Abgesehen von dem Handtuch auf ihrem Kopf trug Aviendha nur einen feuchten Schimmer am Leib, und sie winkte Sephanie �rgerlich fort, als sie versuchte, ihr die Robe anzulegen. Messer oder nicht, Aviendha neigte noch immer <emphasis>dazu,</emphasis> so zu denken, als w�rde sie mit der Klinge k�mpfen und sich pl�tzlich bewegen m�ssen.</p><p>�Bringt das in den Ankleideraum zur�ck�, sagte Elayne und gab Essande das Elfenbein-Angreal.</p><p>�Aviendha, ich glaube wirklich nicht, dass wir ...�</p><p>Die T�r �ffnete sich einen Spalt, und Birgitte steckte stirnrunzelnd den Kopf herein. Naris und Sephanie zuckten zusammen, offenbar waren sie doch nicht so beruhigt, wie es den Anschein gehabt hatte.</p><p>�Zaida will dich sehen�, knurrte Birgitte Elayne an.</p><p>�Ich habe ihr gesagt, sie soll warten, aber ...� Mit einem pl�tzlichen Aufschrei stolperte sie ins Zimmer hinein, gewann nach zwei Schritten das Gleichgewicht wieder und wirbelte herum, um sich der Frau zu stellen, die sie gesto�en hatte.</p><p>Die Herrin der Wogen vom Clan Catelar sah allerdings keineswegs so aus, als h�tte sie jemanden gesto�en. Die Enden ihrer auf komplizierte Weise verknoteten roten Sch�rpe baumelten in Knieh�he, als sie gem�chlich das Zimmer betrat. Ihr folgten zwei Windsucherinnen, von denen eine der w�tenden Rasoria die T�r vor der Nase zuschlug. Alle drei schwankten beim Gehen fast so sehr wie Birgitte in ihren hochhackigen Stiefeln. <emphasis>Zaida</emphasis> war klein, ihr dichtes lockiges Haar wies graue Str�hnen auf, aber ihr dunkles Gesicht geh�rte zu der Sorte, die mit den Jahren an Sch�nheit gewann, und ihre Sch�nheit schien von der goldenen, mit kleinen Medaillons �bers�ten Kette, die einen ihrer dicken goldenen Ohrringe mit dem Nasenring verband, nur noch unterstrichen zu werden. Aber weitaus wichtiger war ihr befehlsgewohntes Auftreten. Ihm lag keine Arroganz zugrunde, sondern das Wissen, dass man ihr gehorchte. Die Windsucherinnen musterten Aviendha, die noch immer vom Schein der Macht umgeben wurde, und Chanelles ebenm��iges Gesicht spannte sich an, aber abgesehen von Shielyns Murmeln, dass �das Aielm�dchen� zum Weben bereit war, verhielten sie sich stumm und abwartend. Die acht Ohrringe zeichneten Shielyn als Windsucherin einer Herrin der Wogen aus, und Chanelles Ehrenkette trug fast so viele Medaillons wie Zaidas. Beide waren Frauen mit Autorit�t, was durch die Art und Weise ihrer Haltung deutlich gemacht wurde, aber man musste nichts �ber die Atha'an Miere wissen, damit einem klar wurde, dass hier Zaida din Parede das Sagen hatte.</p><p>�Ihr m�sst �ber Eure Stiefel gestolpert sein, Generalhauptmann�, murmelte sie mit einem schmalen L�cheln, w�hrend eine ihrer dunklen, t�towierten H�nde mit dem goldenen Duftk�stchen spielte, das auf ihrer Brust hing. �Beengende, alberne Dinger, diese Stiefel.� Sie und die beiden Windsucherinnen waren wie immer barfu�. Fu�sohlen der Atha'an Miere waren so hart wie Schuhsohlen und st�rten sich genauso wenig an rauen Decks wie an kalten Bodenfliesen. Zus�tzlich zu ihren Blusen und Hosen aus hellem, farbigem Seidenbrokat trug jede der Frauen seltsamerweise eine breite wei�e Stola, die �ber die Taille reichte und die vielen Ketten fast verbarg.</p><p>�Ich habe gerade ein Bad genommen�, sagte Elayne mit angespannter Stimme. Als k�nnten sie das nicht sehen, wo ihr Haar vom Handtuch verh�llt wurde und die Robe ihr feucht am Leib klebte. Essande <emphasis>zitterte</emphasis> fast vor Emp�rung, was bedeuten musste, dass sie au�er sich vor Wut war. So wie Elayne beinahe auch. �Und ich werde wieder ein Bad nehmen, sobald Ihr gegangen seid. Ich spreche mit Euch, wenn ich mit dem Bad fertig bin. Wenn es dem Licht gef�llt.� So! Wenn sie sich schon in ihr Zimmer dr�ngten, dann mussten sie auf das �bliche Zeremoniell eben verzichten!</p><p>�M�ge auch Euch das Licht strahlen, Elayne Sedai�, erwiderte Zaida glatt. Sie hob eine Braue und sah Aviendha an, aber sie konnte damit nicht den flackernden Schein <emphasis>Saidars</emphasis> meinen, da sie nicht die Macht lenken konnte, und auch nicht ihre Nacktheit, da das Meervolk damit ausgesprochen l�ssig umging, zumindest au�erhalb der Sicht von K�stenbewohnern. �Mich habt Ihr nie zu einem gemeinsamen Bad eingeladen, obwohl das h�flich gewesen w�re, aber dar�ber wollen wir nicht reden. Ich habe erfahren, dass Nesta din Reas Zwei Monde tot ist, ermordet von den Seanchanern. Wir betrauern ihren Verlust.� Die drei Frauen ber�hrten die wei�en Stolen und f�hrten die Fingerspitzen an die Lippen, aber Zaida schien mit dem Zeremoniell genauso ungeduldig zu sein wie Elayne. Sie machte einfach weiter, ohne die Stimme zu heben oder schneller zu sprechen, was f�r eine vom Meervolk beinahe schockierend abrupt war.</p><p>�Die Ersten Zw�lf der Atha'an Miere m�ssen zusammenkommen, um eine neue Herrin der Schiffe zu erw�hlen. Die Geschehnisse im Westen machen deutlich, dass es keine Verz�gerung geben darf.� Shielyn verzog die Lippen zu einem schmalen Strich, und Chanelle hob das Duftk�stchen an die Nase, als wollte sie einen bestimmten Geruch vertreiben. Das w�rzige Parf�m war scharf genug, um den Duft des Rosen�ls zu �berlagern. Obwohl sie Zaida �ber ihre Wahrnehmungen unterrichtet hatten, zeigte diese weder Unbehagen noch etwas anderes als Selbstsicherheit. Sie hielt den Blick fest auf Elaynes Gesicht gerichtet. �Wir m�ssen f�r alles bereit sein, und darum brauchen wir eine Herrin der Schiffe. Ihr habt mir im Namen der Wei�en Burg zwanzig Lehrerinnen versprochen. Ich kann weder Vandene in ihrer Trauer oder Euch nehmen, aber ich werde die anderen drei mitnehmen. Den Rest schuldet mir die Wei�e Burg, und ich erwarte, dass diese Schuld bezahlt wird. Ich habe nach den Schwestern im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> schicken lassen, um mich zu erkundigen, ob sie die Schuld der Burg erf�llen wollen. Aber ich kann nicht auf ihre Antwort warten. Wenn es dem Licht gef�llt, werde ich heute Abend zusammen mit den anderen Herrinnen der Wogen im Hafen von Illian baden.�</p><p>Elayne musste hart darum ringen, ihr Gesicht reglos zu halten. Die Frau hatte gerade <emphasis>verk�ndet,</emphasis> dass sie jede ungebundene Aes Sedai in Caemlyn einsammeln und mitnehmen wollte. Und es klang auch nicht so, als wollte sie auch nur eine Windsucherin zur�cklassen. Das lie� Elaynes Mut sinken. Bis zu Reannes R�ckkehr gab es sieben Kusinen, die stark genug waren, ein Wegetor zu weben, aber zwei von ihnen schafften keines, das gro� genug war, einen Pferdekarren hindurchzulassen. Ohne Windsucherinnen wurden die Pl�ne, Caemlyn von Tear und Illian aus zu versorgen, bestenfalls zweifelhaft. Der <emphasis>Silberne Schwan*.</emphasis> Beim Licht, wen auch immer Zaida losgeschickt hatte, w�rde den von ihr abgeschlossenen Handel in jeder Einzelheit verraten! Egwene w�rde nicht dankbar sein, diesen Schlamassel an die �ffentlichkeit gebracht zu haben. Elayne konnte sich nicht erinnern, jemals mit einer kurzen Erkl�rung so viele Probleme in den Scho� geworfen bekommen zu haben.</p><p>�Ich bedauere Euren Verlust, wie auch den Verlust der Atha'an Miere�, sagte sie und dachte rasend schnell nach. �Nesta din Reas war eine gro�e Frau.� Auf jeden Fall war sie eine m�chtige Frau gewesen, mit einer starken Pers�nlichkeit. Elayne hatte sich gl�cklich gesch�tzt, nach ihrer einzigen Begegnung mit noch mehr am Leib als ihrem Unterhemd gehen zu k�nnen.</p><p>Und nebenbei bemerkt, Unterhemd, sie konnte sich keine Zeit zum Ankleiden erlauben. Zaida w�rde vielleicht nicht warten. Sie band die Robe fester zu. �Wir m�ssen uns unterhalten. Essande, lasst f�r unsere G�ste Wein bringen und Tee f�r mich. Schwachen Tee�, seufzte sie, als ein Sturm der Vorsicht durch Birgittes Bund drang. �Im kleinen Wohnzimmer. Werdet Ihr Euch zu mir gesellen, Herrin der Wogen?�</p><p>Zu ihrer �berraschung nickte Zaida blo�, so als h�tte sie das erwartet. Das brachte Elayne darauf, �ber Zaidas Teil des Vertrages nachzudenken. Die Vereinbarungen; eigentlich waren es ja zwei, und das konnte der Schl�ssel zu allem sein.</p><p>Niemand hatte damit gerechnet, dass das kleine Wohnzimmer in n�chster Zeit benutzt werden w�rde, darum war die Luft auch noch frostig, nachdem Sephanie mit einem Funkenrad herbeigeeilt war, um die Sp�ne unter der Eiche in dem breiten wei�en Kamin zu entz�nden und danach sofort aus dem Raum zu eilen.</p><p>Flammen t�nzelten in die H�he und griffen auf das Holzst�ck auf dem Feuereisen �ber, w�hrend die Frauen vor den mit schlichten Schnitzereien verzierten St�hlen mit den niedrigen Lehnen Aufstellung nahmen, die im Halbkreis vor dem Kamin aufgestellt waren. Nun ja, Elayne und die Meervolk-Frauen nahmen Aufstellung. Elayne drapierte die Robe sorgf�ltig �ber den Knien und w�nschte sich, <emphasis>Zaida</emphasis> h�tte ihr eine Stunde Zeit gelassen, um sich vern�nftig anzuziehen. Die Windsucherinnen warteten unbewegt darauf, dass die Herrin der Wogen Platz nahm, dann setzten sie sich neben sie. Birgitte stand mit finsterer Miene und in die H�ften gestemmten F�usten vor dem Schreibtisch. Der Bund �bermittelte das deutliche Verlangen, einer Atha'an Miere den Hals umzudrehen.</p><p>Aviendha lehnte l�ssig an einer Kommode, und selbst als Essande ihr die Robe brachte und sie ihr eindringlieh entgegenhielt, streifte sie sie einfach nur �ber und nahm mit unter den Br�sten verschr�nkten Armen die gleiche Pose ein. Sie hatte <emphasis>Saidar</emphasis> losgelassen, hielt aber noch immer die Schildkr�te, und Elayne vermutete, dass sie bereit war, die Macht unverz�glich zu umarmen. Jedoch konnten weder Aviendhas stechender Blick noch Birgittes finstere Miene die Meervolk-Frauen auch nur im Geringsten beeindrucken. Sie waren, wer sie waren, und sie wussten, wer sie waren.</p><p>�Den <emphasis>Atha'an Miere</emphasis> wurden zwanzig Lehrerinnen versprochen�, sagte Elayne mit leichter Betonung. Zaida hatte gesagt, dass man sie <emphasis>ihr</emphasis> versprochen hatte, dass <emphasis>sie</emphasis> die Bezahlung entgegennehmen w�rde, aber der Handel war mit Nesta din Raes abgeschlossen worden. Nat�rlich war Zaida �berzeugt, die n�chste Herrin der Schiffe zu werden. �Vern�nftige Lehrerinnen, ausgesucht vom Amyrlin-Sitz. Ich wei�, dass die Atha'an Miere stolz darauf sind, ihre Abmachungen bis in die letzte Einzelheit einzuhalten, und die Burg wird ihre Seite erf�llen. Als sich die Schwestern bereit erkl�rten, den Unterricht aufzunehmen, war Euch klar, dass das nur eine vor�bergehende Ma�nahme ist. Und eine Vereinbarung, die eigentlich nichts mit dem Handel zu tun hatte, der mit der Herrin der Schiffe abgeschlossen wurde. Das habt Ihr so gut wie zugegeben, als Ihr Euch bereit erkl�rt habt, Eure Windsucherinnen Wegetore weben zu lassen, um von Illian und Tear Lebensmittel nach Caemlyn zu schaffen. Sicherlich h�ttet Ihr Euch nicht in die Angelegenheiten der K�stenbewohner verwickeln lassen, wenn Ihr es nicht als Euren Teil dieser Vereinbarung betrachtet h�ttet. Aber wenn Ihr geht, ist Eure Hilfe beendet, und damit auch unsere Verpflichtung zum Unterricht. Und ich f�rchte, Ihr werdet auch im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> keine Lehrerinnen finden. Die Atha'an Miere werden warten m�ssen, bis die Amyrlin Lehrer schickt, wie es die Abmachung vorsieht, die mit der Herrin der Schiffe getroffen wurde.� Schade, dass sie von ihnen nicht verlangen konnte, sich vom Gasthof fern zu halten, aber daf�r war es m�glicherweise schon zu sp�t, und sie konnte diese Bitte sowieso nicht vern�nftig begr�nden. Ein Argument, das mangels Masse nicht standhielt, w�rde Zaida nur ermutigen. Die Atha'an Miere konnten gna � denlos feilschen. Sie waren gewissenhaft, aber gnadenlos. Sie w�rde sehr langsam und sehr vorsichtig vorgehen m�ssen.</p><p>�Meine Schwester hat Euch am Ohr gepackt, Zaida din Parede�, kicherte Aviendha und schlug sich auf den Oberschenkel. �Sie hat Euch an den F��en aufgeh�ngt!� Das war eine Bestrafung des Meervolks, die sie aus irgendeinem Grund unglaublich am�sant fand.</p><p>Elayne unterdr�ckte einen gereizten Ausbruch. Aviendha genoss es, dem Meervolk in die Nase zu kneifen � sie hatte w�hrend ihrer Flucht aus Ebou Dar damit angefangen und nie mehr aufgeh�rt �, aber jetzt war nicht der Augenblick daf�r.</p><p>Chanelle versteifte sich, ihr ausdrucksloses Gesicht verzog sich zu einer finsteren Miene. Die schlanke Frau war mehr als einmal die Zielscheibe f�r Aviendhas Nasenkneifer gewesen, einschlie�lich einer bedauernswerten Episode mit <emphasis>Oosquai,</emphasis> dem sehr starken Aielgetr�nk. Das Leuchten <emphasis>Saidars</emphasis> h�llte sie ein! Zaida konnte das nicht sehen, aber sie wusste von dem <emphasis>Oosquai</emphasis> und dass man Chanelle ins Bett hatte tragen m�ssen, wobei sie sich die ganze Zeit �ber erbrochen hatte, und sie hob vorausschauend die Hand. Das Leuchten verblasste, und Chanelles Gesicht wurde dunkel. Es h�tte ein Err�ten oder auch Wut sein k�nnen.</p><p>�Es mag alles sein, wie Ihr behauptet�, sagte Zaida, was nicht weit von einer Beleidigung entfernt war, vor allem einer Aes Sedai gegen�ber. �Auf jeden Fall geh�rt Merilille nicht dazu. Sie hat eingewilligt, als Lehrerin zu arbeiten, lange bevor sie nach Caemlyn gekommen ist, und sie wird mich begleiten, um mit ihrem Unterricht fortzufahren.�</p><p>Elayne holte tief Luft. Sie brauchte nicht einmal versuchen, Zaida das auszureden. Der Einfluss der Wei�en Burg beruhte gr��tenteils auf der Tatsache, dass sie ihr Wort genauso unverbr�chlich hielt wie das Meervolk. Dass allgemein <emphasis>bekannt</emphasis> war, dass sie ihr Wort hielt. Oh, die Leute behaupteten, man m�sse ganz genau zuh�ren, um sicher zu sein, dass eine Aes Sedai auch das versprochen hatte, was man annahm, und das stimmte auch oft, aber sobald das Versprechen eindeutig war, war es so bindend wie ein unter dem Licht abgelegter Schwur. Die Windsucherinnen w�rden Merilille niemals gehen lassen. Sie lie�en sie ja kaum aus den Augen. �Vielleicht m�sst Ihr sie mir zur�ckgeben, falls ich sie brauche.� Falls Vandene und ihre beiden Helferinnen Beweise fanden, dass sie eine Schwarze Ajah war. �Sollte das passieren, sorge ich f�r einen Ersatz.� Und sie hatte nicht die geringste Vorstellung, wer das wohl sein sollte.</p><p>�Sie muss den Rest ihres Jahres abdienen. Der Vereinbarung zufolge mindestens ein Jahr.� Zaida gestikulierte, als w�rde sie ein Zugest�ndnis machen. �Ihr Ersatz muss vor ihrer Abreise da sein. Ich werde sie nicht gehen lassen, ohne dass zuvor jemand ihren Platz eingenommen hat.�</p><p>�So soll es geschehen�, erwiderte Elayne ruhig. Das w�rde es verflucht noch mal auch m�ssen, da sie keine andere Wahl hatte!</p><p>Zaida l�chelte fl�chtig und schwieg. Chanelle scharrte mit den F��en, aber mehr aus Ungeduld als um aufzustehen, und die Herrin der Wogen r�hrte sich nicht.</p><p>Vermutlich hatte sie noch einen anderen Handel im Sinn, und offensichtlich wollte sie, dass Elayne den Anfang machte. Elayne beschloss, ihr Gegen�ber warten zu lassen. Das Feuer loderte mittlerweile, es schickte Funken den Kamin hinauf und strahlte eine behagliche W�rme in das Zimmer, aber Elaynes feuchte Robe schluckte die in der Luft liegende K�hle und �bertrug sie auf ihre Haut. Es war sch�n und gut, die K�lte zu ignorieren, aber wie sollte man ignorieren, kalt <emphasis>und</emphasis> nass zu sein? Sie erwiderte Zaidas Blick unger�hrt und zeigte das gleiche fl�chtige L�cheln. Essande trat ein, gefolgt von Naris und Sephanie, die Tabletts trugen. Auf dem einen standen eine silberne Teekanne in der Form eines L�wen und d�nne gr�ne Tassen aus Meervolk-Porzellan, auf dem anderen geh�mmerte Silberpokale und ein hoher Weinkrug, aus dem der Duft von Gew�rzen str�mte. Jeder nahm Wein, mit Ausnahme von Elayne, die ihn nicht einmal angeboten bekam. Sie schaute in ihren Tee und seufzte. Sie konnte den Tassengrund deutlich sehen. H�tten sie ihn noch schw�cher aufgegossen, h�tten sie ihr genauso gut Wasser geben k�nnen!</p><p>Einen Moment sp�ter durchquerte Aviendha das Zimmer, um ihren Weinpokal auf dem Tablett abzustellen, das seinen Platz auf einer Kommode gefunden hatte, und schenkte sich eine Tasse Tee ein. Sie widmete Elayne ein Nicken und ein L�cheln, eine Kombination aus Mitgef�hl und der Andeutung, dass sie allen Ernstes w�ssrigen Tee Wein vorzog. Unwillk�rlich l�chelte Elayne zur�ck. Erstschwestern teilten sowohl das Gute wie das Schlechte. Birgitte grinste �ber den Rand ihres Pokals und leerte ihn mit einem Schluck bis zur H�lfte. Der Bund vermittelte ihre Heiterkeit �ber den Missmut, der von Elayne ausging. Und er vermittelte noch immer ihre Kopfschmerzen, die nicht nachgelassen hatten. Elayne rieb sich die Schl�fe. Sie h�tte darauf bestehen sollen, dass Merilille die Frau Heilte, und zwar in dem Moment, in dem sie ihr �ber den Weg lief. Einige Kusinen �bertrafen Merilille in der Kunst des Heilens, aber sie war im Palast die einzige Schwester, die halbwegs gut darin war.</p><p>�Ihr ben�tigt Frauen, die Wegetore erschaffen�, sagte Zaida unvermittelt. Ihre vollen Lippen l�chelten nicht mehr. Es gefiel ihr nicht, als Erste das Wort ergreifen zu m�ssen.</p><p>Elayne schl�rfte ihren schaurigen Tee und schwieg.</p><p>�Es k�nnte dem Licht gefallen, wenn ich eine oder zwei Windsucherinnen hier zur�cklasse�, fuhr Zaida fort. �F�r einen festgesetzten Zeitraum.�</p><p>Elayne legte die Stirn in Falten, als m�sste sie da � r�ber nachdenken. Sie <emphasis>brauchte</emphasis> diese verdammten Frauen, und zwar mehr als eine oder zwei. �Was w�rdet Ihr als Gegenleistung erwarten?�, fragte sie schlie�lich.</p><p>�Eine Quadratmeile Land am Fluss Erinin. Gutes Land. Keinesfalls feucht oder sumpfig. Es muss den Atha'an Miere f�r unbegrenzte Dauer geh�ren. Und es muss unter unseren Gesetzen stehen, nicht unter denen von Andor�, f�gte sie dann hinzu, als w�re das ein kaum erw�hnenswerter nachtr�glicher Einfall.</p><p>Elayne verschluckte sich an ihrem Tee. Die Atha'an Miere hassten es, das Meer verlassen zu m�ssen, sie , hassten es, au�er Sichtweise von ihm zu sein. Und Zaida bat um Land, das tausend Meilen vom n�chsten Meer entfernt war? Und bat auch noch darum, dass man es in jeder Hinsicht an sie abtrat? Cairhiener und Murandianer und sogar Altaraner hatten den Versuch, sich Teile von Andor einzuverleiben, mit Blut bezahlt, und Andoraner hatten geblutet, um sie rauszuhalten. Andererseits war eine Quadratmeile nicht viel, und obendrein ein kleiner Preis, um Caemlyn weiterhin zu versorgen. Nicht dass sie Zaida das wissen lassen w�rde. Und wenn das Meervolk direkte Handelsbeziehungen zu Andor aufnahm, dann w�rden andoranische Waren �berall dorthin gelangen, wohin das Meervolk segelte, und da s war die ganze bekannte Welt. Das war Zaida mit Sicherheit klar, aber es brachte nichts, sie wissen zu lassen, dass Elayne daran gedacht hatte. Der Beh�terbund riet zur Vorsicht, aber es gab Augenblicke, in denen Wagnisse gefragt waren, wie Birgitte besser als sonst jemand h�tte wissen sollen.</p><p>�Manchmal bekommt man Tee in den falschen Hals.� Das war keine L�ge, lediglich eine Ausflucht.</p><p>�F�r eine Quadratmeile von Andor verdiene ich mehr als zwei Windsucherinnen. F�r die Benutzung der Schale der Winde haben die Atha'an Miere zwanzig Lehrerinnen und noch andere Hilfe erhalten, und wenn sie gehen, werdet ihr zwanzig bekommen, die sie ersetzen. In Eurem Gefolge sind einundzwanzig Windsucherinnen. F�r eine Meile von Andor sollte ich alle einundzwanzig bekommen, und solange Aes Sedai das Meervolk unterrichten, einundzwanzig weitere als Ersatz, wenn sie gehen.� Es war besser, die Frau nicht glauben zu lassen, dass sie das Angebot auf diese Weise ohne nachzudenken ablehnte. �Nat�rlich w�rden s�mtliche Waren, die von diesem Land nach Andor transportiert werden, den �blichen Z�llen unterliegen.�</p><p>Zaida hob den Silberpokal an die Lippen, und als sie ihn senkte, zeigte sie ein winziges L�cheln. Aber Elayne hielt es eher f�r ein L�cheln der Erleichterung statt des Triumphs. �Waren, die nach Andor transpor tiert werden, aber nicht die Waren, die �ber den Fluss in unser Land kommen. Und ich k�nnte drei Windsucherinnen zur�cklassen. Sagen wir, f�r ein halbes Jahr. Und sie d�rfen nicht bei K�mpfen eingesetzt werden. Ich werde nicht zulassen, dass meine Leute f�r Euch sterben, und ich werde nicht zulassen, dass andere Andoraner auf uns w�tend sind, weil das Meervolk welche von ihnen get�tet hat.�</p><p>�aber sie m�ssen es dort tun, wo immer ich es von ihnen verlange.� Beim Licht! Als h�tte sie vor, die Eine Macht als Waffe zu benutzen! Das Meervolk tat das, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, aber sie gab sich alle M�he, sich so zu benehmen, wie Egwene es verlangte, so als h�tte sie die Drei Eide bereits abgelegt. Davon abgesehen, w�rde sich ihr nicht ein Haus von Andor anschlie�en, sollte sie die Heerlager au�erhalb der Mauern mit <emphasis>Saidar</emphasis> angreifen oder zulassen, dass es ein anderer tat. �Sie m�ssen bleiben, bis meine Krone sicher ist, ob das nun ein halbes Jahr dauert oder auch l�nger.� Die Krone m�sste ihr in viel weniger Zeit geh�ren, aber wie ihre alte Amme Lini immer zu sagen pflegte, man z�hlte seine Pflaumen im Korb und nicht am Baum. Aber sobald die Krone ihr geh�rte, w�rde sie die Windsucherinnen nicht mehr brauchen, um die Stadt zu versorgen, und wenn sie ehrlich war, w�rde sie froh sein, sie gehen zu sehen. �Aber drei sind nicht einmal ann�hernd genug. Ihr werdet Shielyn behalten wollen, da sie Eure Windsucherin ist. Ich behalte den Rest.�</p><p>Die Medaillons an Zaidas Ehrenkette baumelten leise, als sie den Kopf sch�ttelte. �Talaan und Metarra sind noch immer Lehrlinge. Sie m�ssen ihre Ausbildung fortsetzen. Auch die anderen haben Pflichten. Man k�nnte vier von ihnen entbehren, bis Euch Eure Krone sicher ist.�</p><p>Von dem Punkt an war es nur noch eine Sache des Verhandeins. Elayne hatte nie damit gerechnet, die Lehrlinge behalten zu k�nnen, und die Windsucherinnen der Herrin der Wogen des Clans waren ebenfalls unabk�mmlich, was sie erwartet hatte. Den meisten Herrinnen der Wogen dienten ihre Windsucherinnen und Schwertmeister als enge Berater, und man w�rde sich genauso leicht von ihnen trennen wie sie sich von Birgitte. Zaida versuchte auch andere auszuschlie�en, beispielsweise Windsucherinnen, die auf gro�en Schiffen wie Gleitern und Klippern fuhren, aber damit w�re die gr��te Anzahl sofort ausgenommen gewesen, und Elayne weigerte sich, und sie weigerte sich auch, ihre Forderungen herunterzuschrauben, bis Zaida ihr entgegenkam. Was sie nur langsam tat, und jedes Zugest�ndnis wurde m�rrisch gemacht. Aber es geschah nicht so langsam, wie Elayne erwartet h�tte. Offensichtlich brauchte die Herrin der Wogen diese Abmachung so n�tig, wie sie Frauen brauchte, die Wegetore erschaffen konnten.</p><p>�Unter dem Licht, einverstanden�, konnte sie schlie�lich sagen, die Fingerspitzen der rechten Hand k�ssen und sich nach vorn beugen, um sie Zaida auf die Lippen zu dr�cken. Aviendha grinste, offensichtlich beeindruckt. Birgitte verzog keine Miene, aber der Bund verriet, dass sie es kaum glaubte, dass Elayne so gut dabei weggekommen war.</p><p>�Unter dem Licht, einverstanden�, murmelte Zaida. Ihre Finger auf Elaynes Lippen waren hart und schwielig, obwohl sie seit vielen Jahren kein Tau mehr in den H�nden gehabt haben konnte. F�r eine Frau, die neun von vierzehn Windsucherinnen abgegeben hatte, sah sie recht zufrieden aus. Elayne fragte sich, bei wie vielen dieser neun es sich um Frauen handelte, deren Schiffe in Ebou Dar von den Seanchanern zerst�rt worden waren. Unter den Atha'an Miere war der Verlust eines Schiffes eine ernste Sache, aus welchem Grund auch immer, und vielleicht Anlass genug, eine Weile l�nger von zu Hause fortzubleiben. Aber das spielte jetzt keine Rolle.</p><p>Chanelle sah missmutig aus, ihre t�towierten H�nde umfassten die Knie ihrer roten Hose, aber sie sah bei weitem nicht so missmutig aus, wie man von einer Meervolkfrau h�tte erwarten sollen, die noch eine Zeit benden Windsucherinnen zugeteilt worden, und es gefiel ihr nicht, dass Zaida eingewilligt hatte, dass sie unter Elaynes und Birgittes Kommando stand. Es w�rde keine Atha'an Miere mehr geben, die durch den Palast schritten, als w�rde er ihnen geh�ren, und eine Forderung nach der anderen stellten. Aber Elayne hatte den Verdacht, dass Zaida vor diesem Treffen gewusst hatte, dass sie einige Angeh�rige ihrer Gruppe w�rde zur�cklassen m�ssen, und Chanelle hatte gewusst, dass sie ihre Anf�hrerin sein w�rde. Aber auch das spielte weiter keine Rolle, so wie es auch keine Rolle spielte, welche Vorteile Zaida sich zu verschaffen glaubte, um zur Herrin der Schiffe aufzusteigen. Dass sie welche sah, war so klar wie Glas. Wichtig war allein, dass Caemlyn nicht hungern w�rde. Das und das verdammte ... Fanal, das noch immer im Westen loderte. Nein, sie w�rde K�nigin sein, und sie konnte kein verliebtes M�dchen sein. Caemlyn und Andor, das war <emphasis>alles,</emphasis> was z�hlte.</p></section><section><title><p>13</p><p>Hohe Herrinnen und Herren</p></title><p>Zaida und die beiden Windsucherinnen verlie�en Elaynes Gem�cher anmutig und �u�erlich ohne jede Eile, aber fast so zwanglos, wie sie eingetreten waren. Sie hatten sich lediglich ein �das Licht m�ge Elayne erleuchten und besch�tzen� abgerungen. F�r Atha'an Miere war das fast so, als w�rden sie wortlos davonrauschen. Elayne kam zu dem Schluss, dass <emphasis>Zaida</emphasis> wirklich die n�chste Herrin der Schiffe werden wollte und sie eine Rivalin hatte, der sie den Vorsprung stehlen wollte. M�glicherweise war es gut f�r Andor, wenn <emphasis>Zaida</emphasis> den Thron der Atha'an Miere bestieg oder wie auch immer das Meervolk dies nannte; ob Handel oder nicht, sie w�rde nie vergessen, dass Andor ihr geholfen hatte, und das musste etwas z�hlen. Sollte sie allerdings scheitern, w�rde auch ihre Rivalin wissen, wem Anders Gunst geh�rt hatte. Aber das alles war Zukunftsmusik. Das Hier und Jetzt war da eine ganz andere Sache.</p><p>�Ich erwarte nicht, dass jemand einen Botschafter zusammenschl�gt�, sagte sie leise, nachdem sich die T�ren hinter ihnen geschlossen hatten, �aber f�r die Zukunft erwarte ich, dass die Privatsph�re meiner Gem�cher gesch�tzt wird. Nicht einmal Botschafter d�rfen einfach hereinspazieren. Ist das klar?�</p><p>Rasoria nickte mit h�lzernem Gesicht, aber der Farbe ihrer Wangen nach zu urteilen, empfand sie es genau wie Birgitte als schlimme Dem�tigung, dass die Meervolkfrauen an ihr vorbeigekommen waren, und der Bund ... <emphasis>wand sich f�rmlich ...,</emphasis> bis Elayne f�hlte, wie ihre Wangen vor Verlegenheit brannten. �Ihr habt nichts falsch gemacht, aber es soll nicht noch einmal geschehen.� Beim Licht, sie klang wie eine N�rrin!</p><p>�Wir werden nicht mehr dar�ber reden�, sagte sie steif. Oh, sollte Birgitte und ihr Bund doch zu Asche ver � brennen! Sie <emphasis>h�tten</emphasis> mit Zaida einen Ringkampf austragen m�ssen, um sie aufzuhalten, aber zu den Kopfschmerzen auch noch eine tiefe Dem�tigung hinzuzuf�gen, das war zu viel! Und Aviendha hatte kein Recht, auf diese ... diese <emphasis>widerw�rtige</emphasis> Weise zu grinsen. Elayne wusste nicht, wann oder wie ihre Schwester er � fahren hatte, dass sie und Birgitte einander manchmal widerspiegelten, aber Aviendha fand das alles furchtbar komisch. Ihr Sinn f�r Humor konnte manchmal sehr derb sein.</p><p>�Eines Tages werdet ihr beiden die andere noch zum Schmelzen bringen�, sagte Aviendha lachend. �Aber den Scherz hast du ja bereits gemacht, Birgitte Trahelion.� Birgitte schaute sie finster an, die Verlegenheit in dem Bund wurde von pl�tzlichem Aufruhr zermalmt, und sie erwiderte den Blick mit einer solchen Unschuld, dass Elayne bef�rchtete, ihr w�rden gleich die Augen aus dem Kopf fallen.</p><p>Es war besser, jetzt keine Fragen zu stellen. Wenn du Fragen stellst, pflegte Lini zu sagen, dann musst du dir auch die Antworten anh�ren, ob sie dir gefallen oder nicht. Sie wollte es nicht h�ren, nicht, wenn Rasoria die Fliesen zu ihren Stiefelspitzen betrachtete und die restlichen Gardistinnen im Zimmer niemandem weismachen konnten, dass sie nicht zuh�rten. Elayne hatte sich nie klargemacht, wie kostbar Privatsph�re doch war, bis sie sie v�llig verloren hatte. Jedenfalls so gut wie, was das anging. �Ich werde jetzt mein Bad beenden�, sagte sie ruhig. Blut und Asche, was f�r einen Streich hatte Birgitte ihr gespielt? Etwas, das sie ... schmelzen lie�? Es konnte nicht sehr wirkungsvoll gewesen sein, wenn sie noch immer nicht wusste, worum es dabei gegangen war.</p><p>Ungl�cklicherweise war das Badewasser kalt gewor � den. Zumindest lauwarm. Nicht gerade etwas, in das sie sich hineinsetzen wollte. Sich noch eine Zeit lang im Wasser r�keln zu k�nnen w�re wunderbar gewesen, aber nicht, wenn sie daf�r h�tte warten m�ssen, dass die Wannen Eimer f�r Eimer geleert wurden und man neues Wasser brachte. Mittlerweile musste der ganze Palast von ihrer R�ckkehr wissen, und die Haushofmeisterin und der Erste Schreiber w�rden ungeduldig mit ihren t�glichen Berichten warten. T�glich, wenn sie in der Stadt war, und doppelt ungeduldig, weil sie einen Tag lang weggewesen war. Wenn man ein Land regieren wollte, dann kam die Pflicht vor dem Vergn�gen. Und das galt doppelt, wenn man versuchte, den Thron zu erringen.</p><p>Aviendha zog das Handtuch vom Kopf und sch�ttelte ihr Haar aus, offensichtlich erleichtert, dass sie nicht wieder ins Wasser steigen musste. Sie ging auf das Ankleidezimmer zu, streifte unterwegs die Robe ab und war fast schon vollst�ndig bekleidet, als Elayne und die Zofen eintraten. Sie lie� Naris ohne allzu gro�en gemurmelten Protest den Rest erledigen, obwohl kaum etwas �brig blieb au�er in den schweren Wollrock zu steigen. Aber sie schlug die H�nde der Zofe weg und verschn�rte die weichen, kniehohen Stiefel selbst.</p><p>F�r Elayne war das nicht so einfach. Solange kein Notfall drohte, f�hlte sich Essande zur�ckgesetzt, wenn sie nicht vorher ihre Garderobe besprachen. Mit eng vertrauten Dienern galt es immer, ein zerbrechliches Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Ausnahmslos jede Leibdienerin kannte mehr Geheimnisse von einem, als man glaubte, und sie erlebte einen in den schlimmsten Augenblicken, wenn man schlechter Laune oder m�de war, wenn man in sein Kissen weinte, bei Wutausbr�chen und wenn man schmollte. Es musste ein beidseitiger Respekt vorhanden sein, oder die Situation wurde unm�glich. Also sa� Aviendha auf einer Polsterbank und lie� zu, dass Naris ihr das Haar ausk�mmte, bevor Elayne sich f�r ein schlichtes graues Gewand aus feiner Wolle entschied, dessen hoher Kragen und �rmel mit gr�nen Stickereien verziert und dessen S�ume mit schwarzem Fuchspelz abgesetzt waren. Es lag nicht so sehr daran, dass sie sich nicht entscheiden konnte, sondern dass Essande mit Perlen oder Saphiren oder Feuertropfen bestickte Seidengew�nder vorlegte, von denen jedes noch aufw�ndiger verziert war als das vorherige. Obwohl ihr der Thron noch nicht geh�rte, wollte Essande sie jeden Tag wie eine K�nigin kleiden, die Audienz hielt.</p><p>Das hatte in gewisser Weise Sinn gemacht, als jeden Tag Kaufmannsdelegationen gekommen waren, um Petitionen einzureichen oder ihr ihren Respekt zu erweisen, vor allem Ausl�nder, die hofften, dass die Auseinandersetzungen in Andor nicht ihre Gesch�fte behindern w�rden. Das alte Sprichwort, dass derjenige, der Caemlyn beherrschte, auch Andor beherrschte, entsprach nicht unbedingt der Wahrheit, und in den Augen der Kaufleute waren ihre Chancen, den Thron tats�chlich zu besteigen, nach Arym�las Aufmarsch vor den Toren deutlich gesunken. Sie konnten die auf jeder Seite versammelten H�user so genau z�hlen wie ihr Geld. Selbst andoranische Kaufleute mieden mittler weile den Palast und betraten die Innenstadt so wenig wie m�glich, nur damit niemand auf die Idee kam, sie h�tten den Palast besucht, und die Bankiers kamen vermummt in anonymen Kutschen. Niemand w�nschte ihr etwas B�ses, das war ihr klar, und mit Sicherheit wollte sie auch niemand ver�rgern, aber sie wollten auch Arymilla nicht ver�rgern, vor allem jetzt nicht. Immerhin kamen die Bankiers noch, und bislang hatte sie noch nicht geh�rt, dass Kaufleute sich mit ihren Petitionen an Arymilla gewandt hatten. Das w�rde das erste Zeichen sein, dass ihre Sache verloren war.</p><p>Das Gewand anzuziehen dauerte doppelt so lange, wie es h�tte dauern d�rfen, da Essande Sephanie erlaubte, Elayne dabei zu helfen. Die ganze Zeit �ber atmete das M�dchen schwer, sie hatte sich noch nicht daran gew�hnt, eine andere Person anzukleiden und hatte Angst, unter Essandes strengen Blicken Fehler zu machen. Vermutlich sogar mehr, als sie vor ihrer Her � rin zu machen, dachte Elayne. Nervosit�t machte die mollige junge Frau ungeschickt, die Ungeschicklichkeit f�hrte dazu, dass sie sich noch gr��ere M�he gab, was wiederum dazu f�hrte, dass sie noch mehr bef�rchtete, Fehler zu machen. Als Resultat bewegte sie sich noch langsamer, als es die alte und hinf�llige Frau je getan hatte. Aber endlich sa� Elayne Aviendha gegen�ber und lie� Essande ihre Locken mit einem Elfenbeinkamm bearbeiten. Einem der M�dchen zu erlauben, Elayne ein Unterhemd �ber den Kopf zu ziehen oder einen Knopf zuzukn�pfen, war Essandes Ansicht zufolge eine Sache, aber das Risiko einzugehen, dass sie ihre Frisur durcheinander brachten, eine ganz andere.</p><p>Aber der Kamm hatte noch keine zwei Dutzend Striche gemacht, als Birgitte in der T�r erschien. Essande schniefte, und Elayne konnte f�rmlich vor ihrem geistigen Auge sehen, wie die Frau hinter ihr das Gesicht verzog. Essande hatte es � wenn auch nur widerstrebend � aufgegeben, sich dar�ber zu �rgern, dass Birgitte beim Baden anwesend war, aber das Ankleidezimmer war heilig.</p><p>�berraschenderweise ignorierte Birgitte das Missfallen der Leibdienerin und zeigte sogar einen beschwichtigenden Blick. F�r gew�hnlich verzichtete sie blo� darauf, Essande eine Handspanne weiter in die Ecke zu treiben, als Elayne verlangte. �Dyelin ist zur�ckgekehrt, Elayne. Sie hat jemanden mitgebracht. Die Hohen Herrinnen und Herren von Mantear, Haevin, Gilyard und Northan.� Aus irgendeinem Grund vermittelte der Bund T�ne von Verbl�ffung und Ver�rgerung.</p><p>Ob nun geteilter Kopfschmerz oder nicht, Elayne h�tte einen Freudensprung machen k�nnen. Und h�tte Essande den Kamm nicht tief in ihren Locken vergraben gehabt, h�tte sie es vielleicht sogar getan. Sie hatte darauf gehofft, hatte daf�r gebetet, aber sie hatte es nicht erwartet, mit Sicherheit nicht in einer kurzen Woche. Ehrlich gesagt war sie sich sicher gewesen, dass Dyelin mit leeren H�nden zur�ckkehren w�rde.</p><p>Vier H�user verschafften ihr den Gleichstand mit Arymilla. Der Gedanke, mit dieser n�rrischen Frau auf gleicher H�he zu sein, war abscheulich, aber die Wahrheit musste die Wahrheit bleiben. Mantear, Haevin, Gilyard und Northan. Warum nicht Candraed? Das war das f�nfte Haus, das Dyelin hatte ansprechen wollen. Nein. Sie hatte vier weitere H�user, und sie w�rde nicht dar�ber schmollen, dass eins fehlte.</p><p>�Bewirte sie im G�stewohnzimmer, bis ich kommen kann, Birgitte.� Das kleine Wohnzimmer hatte f�r Zaida ausgereicht � sie hoffte, dass die Herrin der Wogen die Beleidigung nicht bemerkt hatte �, aber vier Hohe Herrinnen und Herren erforderten etwas mehr.</p><p>�Und bitte die Haushofmeisterin, Unterk�nfte vorzubereiten.� Unterk�nfte. Beim Licht! Man w�rde die Atha'an Miere aus den ihren dr�ngen m�ssen, um Platz zu schaffen. Bis zu ihrer Abreise schliefen in den meisten Betten, die nicht von zwei Personen benutzt wurden, drei Personen. �Essande, ich glaube, das gr�ne Seidene mit den Saphiren. Und auch Saphire f�r mein Haar. Die gro�en Saphire.�</p><p>Birgitte ging, und sie war noch immer verwirrt und aufgebracht. Warum? Sie konnte doch nicht allen Ernstes glauben, sie h�tte <emphasis>Dyelin</emphasis> wegen Zaida warten lassen m�ssen? O Licht, jetzt war sie verwirrt, weil Birgitte verwirrt war; wenn sie dem freie Hand lie�, w�rde ihnen beiden noch schwindelig! Als sich die T�r schloss, trat Essande mit einem triumphierenden L�cheln zum n�chsten Kleiderschrank.</p><p>Elayne betrachtete Aviendha, die Naris weggeschickt hatte und ihr Haar mit einem dunkelgrauen Tuch zur�ckband, und musste l�cheln. Sie brauchte etwas, das sie aus dieser wirbelnden Schleife riss. �Vielleicht solltest du dieses eine Mal Seide und Juwelen tragen, Aviendha�, zog sie ihre Schwester auf. �Dyelin w�re das nat�rlich egal, aber die anderen sind nicht an Aiel gew�hnt. Sie k�nnten auf die Idee kommen, ich w�rde ein Stallm�dchen beherbergen.�</p><p>Sie hatte es als Scherz gemeint � sie zogen einander st�ndig wegen ihre Kleidung auf, und Dyelin sah Aviendha immer entsetzt an, egal, was sie trug �, aber ihre Schwester musterte die Kleiderschr�nke an den W�nden, nickte dann und legte das Tuch neben sich auf den Sitz. �Nur, damit diese Hohen Herrinnen auch ordentlich beeindruckt sind. Glaube blo� nicht, ich w�rde das jetzt immer tun. Ich tue dir einen Gefallen.� F�r jemanden, der einem anderen einen Gefallen tat, br�tete sie mit gro�en Interesse �ber den Gew�ndern, die Essande hervorholte, bevor sie sich f�r ein dunkelblaues Samtgewand mit gr�nen Schlitzen und ein Silbernetz f�r ihr Haar entschied. Es waren ihre Sachen, sie waren f�r sie angefertigt worden, aber sie hatte sie seit ihrer Ankunft auf Caemlyn gemieden, als w�ren sie voller Totenkopfspinnen. Sie strich �ber die �rmel und z�gerte, so als h�tte sie es sich doch anders �berlegt, aber schlie�lich lie� sie Naris die winzigen Perlenkn�pfe schlie�en. Sie verzichtete auf die Smaragde, die ihr Elayne anbot und die gro�artig zu dem Gewand gepasst h�tten, und behielt die silberne Schneeflockenkette und den schweren Elfenbeinarmreif, aber in letzter Minute steckte sie die Bernsteinschildkr�te an ihre Schulter.</p><p>�Man kann nie wissen, wann man sie braucht�, sagte sie.</p><p>�Vorsicht ist besser als Nachsicht�, stimmte Elayne ihr zu. �Du siehst wundersch�n in diesem Kleid aus.� Das war die Wahrheit, aber Aviendha err�tete. Machte man ihr Komplimente, wie gut sie mit dem Bogen schoss oder wie schnell sie lief, nahm sie sie unbefangen entgegen, da sie sie verdiente, aber es fiel ihr schwer, die Tatsache zu akzeptieren, dass sie bildh�bsch war. Diesen Teil von ihr hatte sie bis vor kurzem erfolgreich ignorieren k�nnen.</p><p>Essande sch�ttelte missbilligend den Kopf, da sie sich nicht dar�ber im Klaren war, dass es sich bei der Brosche um ein <emphasis>Angreal</emphasis> handelte. Bernstein passte nicht zu blauem Samt. Vielleicht war es auch Aviendhas Messer mit dem Horngriff, das sie hinter den gr�nen Samtg�rtel steckte. Die wei�haarige Frau achtete darauf, dass Elayne einen kleinen Dolch mit Saphiren auf der Scheide und am Knauf trug, der an einem G�rtel aus Webgold hing. Alles musste so sein, wie es sein sollte, um Essandes Zustimmung zu finden.</p><p>Rasoria sah zweimal hin, als Aviendha das Vorzimmer in Samt betrat. Die Gardistinnen hatten sie noch nie zuvor in etwas anderem als der Aieltracht gesehen.</p><p>Aviendha runzelte die Stirn, als h�tten sie gelacht, und umklammerte den G�rteldolch fest, aber gl�cklicherweise wurde ihre Aufmerksamkeit von einem mit einem Tuch abgedeckten Tablett abgelenkt, das auf einem langen Seitentisch an der Wand stand. W�hrend sie sich angezogen hatten, hatte man Elaynes Mittagessen gebracht. Aviendha riss das blau gestreifte Tuch zur Seite und versuchte Elayne f�r das Essen zu interessieren, sie l�chelte und wies darauf hin, wie s�� das Kompott aus getrockneten Pflaumen doch sein w�rde, und war entz�ckt �ber das Schweinefleisch in Brei. Rasoria r�usperte sich und erw�hnte, dass in dem gr��eren Wohnzimmer der Gem�cher ein ordentliches Feuer loderte. Sie w�re mehr als gl�cklich, f�r Lady Elayne das Tablett hin�bertragen zu d�rfen. Jeder versuchte, Elayne dazu zu bringen, doch vern�nftig zu essen, was sie als �vern�nftig� betrachteten, aber das hier war l�cherlich. Das Tablett hatte bereits einige Zeit dort gestanden. Der Brei war eine erstarrte Masse, der in der Sch�ssel kleben geblieben w�re, h�tte sie sie umgekippt!</p><p>Die vier Hohen Herrinnen und Hohen Herren von vier H�usern warteten auf sie, und sie hatten lange genug gewartet. Sie machte darauf aufmerksam, bot den beiden jedoch an, etwas zu essen, falls sie hungrig waren. Tats�chlich deutete sie an, sogar darauf zu bestehen, dass sie etwas a�en. Das reichte, um Aviendha mit einem Schauder das Tuch �ber das Tablett decken zu lassen, und auch Rasoria verschwendete keine Zeit mehr.</p><p>Es war nur ein kurzer Weg durch den eisigen Korridor zum G�stewohnzimmer, und das Einzige, was sich au�er ihnen bewegte, waren die hellen Winterwandbeh�nge, die in der Zugluft wehten, aber die Gardistinnen bildeten einen Ring um Elayne und Aviendha und hielten Ausschau, als w�rden sie Trollocs erwarten. Es kostete M�he, Rasoria davon zu �berzeugen, dass es unn�tig war, vor ihrem Eintreffen das Wohnzimmer zu durchsuchen. Die Gardistinnen dienten Elayne und gehorchten ihr, aber sie hatten auch geschworen, ihr Leben zu besch�tzen, und sie konnten bei dieser letzten Pflicht so stur sein wie Birgitte, wenn sie sich entscheiden musste, ob sie in diesem Augenblick Beh�terin, Generalhauptmann oder �ltere Schwester war. Beim Licht, nach dem Zwischenfall mit Zaida w�rde Rasoria vermutlich wollen, dass die wartenden Adligen ihre Waffen ablegten! Die Drohung mit dem Brei mochte auch eine Rolle spielen. Aber nach einer kurzen Debatte rauschten Elayne und Aviendha Seite an Seite durch die breite T�r, und zwar allein. Elaynes Gef�hl der Zufriedenheit hielt jedoch nicht lange an.</p><p>Das Wohnzimmer war ger�umig und f�r den bequemen Aufenthalt von einem Dutzend Menschen gedacht, ein mit dunklem Holz get�felter Raum mit Schichten aus Teppichen auf den Fliesen und hochlehnigen St�hlen, die man in Hufeisenform vor dem riesigen Kamin aus wei�em, rotge�dertem Marmor aufgestellt hatte. Hier konnte man wichtige W�rdentr�ger mit gr��eren Ehren als bei einer Audienz im Thronsaal empfangen, weil es intimer war. Das lodernde Feuer im Kamin hatte kaum genug Zeit gehabt, um die schneidende K�lte zu erw�rmen, aber das war nicht der einzige Grund, warum sich Elayne f�hlte, als h�tte ihr jemand einen Schlag in den Magen versetzt. Jetzt verstand sie Birgittes Verbl�ffung.</p><p>Bei ihrem Eintreten wandte sich Dyelin vom Kamin ab, wo sie ihre H�nde gew�rmt hatte. Sie war eine Frau mit markanten Z�gen und feinen F�ltchen in den Augenwinkeln und Spuren von Grau im blonden Haar, und sie hatte sich bei ihrer Ankunft im Palast nicht mit Umziehen aufgehalten, sondern trug noch immer ein dunkelgraues Reitgewand, dessen Saum Schmutzflecken aufwies. Ihr Hofknicks bestand aus einem leichten Neigen des Kopfes und einem angedeuteten Beugen der Knie, aber sie wollte damit keineswegs respektlos sein. Dyelin wusste genau wie Zaida, wer sie war � ihr einziger Schmuck bestand aus einer kleinen goldenen Anstecknadel in der Form von Taravins Eule und Eiche auf der Schulter, eine offensichtliche Bekund�ng, dass die Hohe Herrin von Taravin nicht mehr brauchte �, und doch war sie fast gestorben, um ihre Loyalit�t zu beweisen. �Meine Lady Elayne�, sagte sie f�rmlich, �ich habe die Ehre, Euch Lord Perival vorzustellen, der Hohe Herr von Haus Mantear.�</p><p>Ein h�bscher, blonder Junge in einem einfachen blauen Mantel riss sich von dem vierrohrigen Kaleidoskop auf dem vergoldeten Gestell los, das gr��er als er war. Er hielt einen Silberpokal in der Hand, und Elayne hoffte von ganzem Herzen, dass er keinen Wein enthielt oder zumindest ordentlich mit Wasser verd�nnt war. Auf einem Seitentisch standen mehrere mit Kr�gen und Pokalen beladene Tabletts. Und eine verzierte Teekanne, von der sie wusste, dass sie genauso gut mit Wasser h�tte gef�llt sein k�nnen. �Die Ehre liegt bei mir, Lady Elayne�, piepste er, err�tete und brachte eine ordentliche Verbeugung zustande, obwohl ihn das Schwert an der Taille etwas behinderte. Die Waffe sah viel zu gro� f�r ihn aus. �Haus Mantear steht an der Seite von Haus Trakand.� Sie erwiderte seine H�flichkeit wie bet�ubt und raffte mechanisch die R�cke.</p><p>�Lady Catalyn, Hohe Herrin von Haus Haevin�, fuhr Dyelin fort.</p><p>�Elayne�, murmelte eine junge Frau mit dunklen Augen an ihrer Seite, ber�hrte den gr�nen Reitrock und machte einen kaum merklichen Knicks, der m�glicherweise ein Hofknicks sein sollte, obwohl sie es vielleicht auch nur Dyelin hatte nachmachen wollen. Vielleicht hatte sie auch nur vermeiden wollen, mit dem Kinn gegen die gro�e Emaillebrosche auf dem hohen Kragen zu sto�en, dem blauen B�r von Haevin. Ihr Haar steckte in einem Silbernetz, das ebenfalls den Blauen B�ren aufwies, und sie trug auch noch einen gro�en Ring mit dem Siegel. M�glicherweise einen Funken zu viel Stolz auf das eigene Haus. Trotz ihrer k�hlen �berheblichkeit konnte man sie nur mit viel Wohlwollen als Frau bezeichnen, ihre Wangen wiesen noch immer kindlichen Speck auf. �Haevin steht an der Seite von Trakand, offensichtlich, sonst w�re ich nicht hier.�</p><p>Dyelin presste die Lippen aufeinander, und sie bedachte das M�dchen mit einem strengen Blick, den Catalyn nicht zu bemerken schien. �Lord Branlet, Hoher Herr von Haus Gilyard.�</p><p>Ein weiterer Junge; dieser hier hatte widerspenstige schwarze Locken und trug Gr�n mit goldenen Stickereien auf den �rmeln. Er stellte hastig den Weinpokal auf einem Seitentisch ab, als w�re es ihm peinlich, damit gesehen zu werden. Seine blauen Augen waren zu gro� f�r sein Gesicht, und bei seiner Verbeugung stolperte er beinahe �ber sein Schwert. �Es ist mir eine Freude zu sagen, dass Haus Gilyard f�r Trakand steht, Lady Elayne.� Aber mittendrin brach seine Stimme, und er err�tete noch heftiger als Perival.</p><p>�Und Lord Conail, Hoher Herr von Haus Northan.� Conail Northan grinste �ber den Rand seines Silber pokals hinweg. Hoch gewachsen und schlank trug er einen grauen Mantel, dessen �rmel eine Spur zu kurz waren, um seine knochigen Handgelenke zu bedecken. Er hatte ein ansteckendes L�cheln, fr�hliche braune Augen und eine Hakennase. �Wir haben Strohhalme gezogen wegen der Reihenfolge der Vorstellung, und ich habe verloren. Northan steht an der Seite von Trakand. Man kann doch keine dumme Kuh wie Arymilla auf den Thron lassen.� Er kam m�helos mit seinem Schwert zurecht, und zumindest er war vollj�hrig, aber wenn er viele Monate �ber sechzehn war, h�tte Elayne seine Stiefel <emphasis>und</emphasis> seine silbernen Sporen aufgegessen.</p><p>Nat�rlich war ihre Jugend keine �berraschung, aber sie h�tte erwartet, dass man Conail einen ergrauenden Kopf an die Seite gestellt h�tte, um ihn zu beraten, und dass den anderen ihr Vormund �ber die Schulter blickte. Abgesehen von Birgitte war sonst niemand mehr im Raum, sie stand mit unter der Brust verschr�nkten Armen vor den hohen Bogenfenstern. Helles mitt�gliches Sonnenlicht flutete durch das klare Glas in den Raum und machte sie zu einer Silhouette des Missfallens.</p><p>�Trakand hei�t euch alle willkommen, und ich hei�e euch alle willkommen�, sagte Elayne und unterdr�ckte ihre Verzweiflung. �Ich werde eure Unterst�tzung nicht vergessen, und Trakand wird sie nicht verges � sen.� Aber etwas von ihrer Best�rzung musste durchgeklungen sein, denn Catalyn presste die Lippen zusammen, und ihre Augen funkelten.</p><p>�Ich bin �ber das Vormundalter hinaus, wie Ihr wissen m�sst, Elayne�, sagte sie steif. �Mein Onkel, Lord Arendor, hat am Lichterfest gesagt, dass ich so bereit bin, wie ich je sein werde, und genauso gut jetzt schon auf eigene Verantwortung handeln kann als erst in einem Jahr. Allerdings glaube ich, dass er in Wahrheit mehr Zeit f�r die Jagd haben wollte, solange er noch kann. Er hat die Jagd immer geliebt, und er ist ziemlich alt.� Wieder �bersah sie Dyelins Stirnrunzeln. Arendor, Haevin und Dyelin waren ungef�hr im gleichen Alter.</p><p>�Ich habe auch keinen Vormund�, sagte Branlet, und seine Stimme war fast so schrill wie Catalyns.</p><p>Dyelin schenkte ihm ein mitf�hlendes L�cheln und strich ihm das Haar aus der Stirn. Es fiel sofort wieder nach vorn. �Mayv ritt allein, wie sie es gern tat, und ihr Pferd trat in ein Maulwurfsloch�, erkl�rte sie ruhig.</p><p>�Als man sie fand, war es zu sp�t. Es hat ein paar ... Diskussionen ... gegeben, wer ihren Platz einnehmen soll.�</p><p>�Sie haben drei Monate lang gestritten�, murmelte Branlet. Einen Augenblick lang sah er j�nger als Perival aus, ein Junge, der versuchte, seinen Weg zu finden, ohne dass ihm jemand den Weg zeigen konnte.</p><p>�Ich soll das keinem sagen, aber ich sage es Euch trotzdem. Ihr werdet die K�nigin werden.�</p><p>Dyelin legte Perival eine Hand auf die Schulter, und er stand aufrechter da, obwohl er noch immer kleiner als sie war. �Lord Willin sollte Lord Perival begleiten, aber die Jahre haben ihn bettl�gerig gemacht. Irgendwann �berkommt das Alter uns alle.� Sie warf Catalyn einen weiteren Blick zu, aber das M�dchen konzentrierte ihre Aufmerksamkeit jetzt mit gesch�rzten Lippen auf Birgitte. �Willin hat mich gebeten, Euch zu sagen, dass er Euch seine guten W�nsche schickt und jemanden, den er als Sohn betrachtet.�</p><p>�Onkel Willin hat mir befohlen, die Ehre von Mantear und Andor zu wahren�, sagte Perival mit einem Ernst, zu dem nur ein Kind f�hig war. �Ich werde es versuchen, Elayne. Ich werde es mit aller Kraft versuchen.�</p><p>�Ich bin davon �berzeugt, dass Ihr es schaffen werdet�, sagte Elayne zu ihm und brachte es fertig, wenigstens etwas W�rme in ihre Stimme zu legen. Sie wollte sie alle rausscheuchen und Dyelin ein paar sehr ernste Fragen stellen, aber das war unm�glich, zumindest in diesem Augenblick. Egal, wie alt sie waren, sie waren auch die Herrscher von m�chtigen H�usern, und sie musste zumindest Erfrischungen und ein klein wenig Konversation anbieten, bevor sie sich nach der Reise umziehen gingen.</p><p>�Ist sie wirklich Generalhauptmann der K�niglichen Garde?�, fragte Catalyn, w�hrend Birgitte Elayne eine d�nne blaue Porzellantasse mit hei�em, leicht dunkel gef�rbtem Wasser reichte. Das M�dchen sprach, als w�re Birgitte nicht anwesend. Birgitte hob eine Braue, bevor sie sich zur�ckzog, aber Catalyn schien darin ge�bt zu sein, das nicht zu sehen, was sie nicht sehen wollte. Der Weinpokal in ihrer plumpen Hand ver str�mte das s��e Aroma von Gew�rzen. In Elaynes miserabler Entschuldigung f�r eine Tasse Tee war nicht mal ein Tropfen Honig.</p><p>�Ja, und auch meine Beh�terin�, sagte sie. So bereit, wie sie je sein w�rde. Vermutlich hielt sie das auch noch f�r ein Kompliment. Allein schon ihr unh�fliches Benehmen verdiente eine ordentliche Tracht Pr�gel, aber eine Hohe Herrin konnte man nicht pr�geln. Nicht, wenn man ihre Unterst�tzung brauchte.</p><p>Catalyns Blick fiel auf Elaynes Hand, aber der Gro�e Schlangenring ver�nderte ihren k�hlen Ausdruck nicht im mindesten. �Den haben sie Euch gegeben? Ich habe nicht geh�rt, dass man Euch zur Aes Sedai erhoben hat. Ich dachte, die Wei�e Burg h�tte Euch nach Hause geschickt, als Eure Mutter starb. Oder wegen der Schwierigkeiten in der Burg, von denen man h�rt. Das muss man sich einmal vorstellen, Aes Sedai, die sich streiten wie Bauernweiber auf dem Markt. Doch wie kann sie ohne ein Schwert General <emphasis>oder</emphasis> Beh�terin sein? Aber wie dem auch sei, meine Tante Evelle sagt, eine Frau sollte das Schwert den M�nnern �berlassen. Man beschl�gt ja auch nicht das eigene Pferd, wenn man einen Hufschmied hat, oder mahlt das eigene Korn, wenn man einen M�ller hat.� Zweifellos ein Zitat von Lady Evelle.</p><p>Elayne hielt ihr Gesicht unbewegt und ignorierte die kaum verhohlenen Beleidigungen. �Das Schwert eines Generals ist sein Heer, Catalyn. Gareth Bryne sagt, ein General, der eine andere Klinge benutzt, macht seine Arbeit falsch.� Aber dieser Name schien auch keinen Eindruck auf sie zu machen. Die Kinder von Minenarbeitern in den <emphasis>Verschleierten Bergen</emphasis> kannten Gareth Brynes Namen!</p><p>Aviendha trat an Elaynes Seite und l�chelte, als w�re sie begeistert von der Gelegenheit, sich mit dem M�dchen unterhalten zu k�nnen. �Schwerter sind v�llig nutzlos�, sagte sie honigs��. Honigs��! Aviendha! Elayne hatte gar nicht gewusst, dass sich ihre Schwester so geschickt verstellen konnte. Auch sie hielt einen Weinpokal. Es w�re auch zu viel gewesen, von ihr zu erwarten, aus schwesterlicher Zuneigung weiterhin bitteren Tee zu trinken. �Ihr solltet den Umgang mit dem Speer erlernen. Und mit dem Messer und dem Bogen. Birgitte Trahelion k�nnte Euch mit ihrem Bogen auf zweihundert Schritte die Augen ausschie�en. Vielleicht auch auf dreihundert.�</p><p>�Der Speer?�, wiederholte Catalyn leise. Und dann, in ungl�ubigem Tonfall: �Meine <emphasis>Augen?�</emphasis></p><p>�Ihr habt meine Schwester noch nicht kennen gelernt�, sagte Elayne. �Aviendha, Lady Catalyn Haevin.</p><p>Catalyn, Aviendha von den Neun T�ler Taardad.� Vielleicht h�tte sie es anders herum machen sollen, aber Aviendha war ihre Schwester, und selbst eine Hohe Herrin musste sich damit abfinden, der Schwester der Tochter-Erbin vorgestellt zu werden und nicht anders herum. �Aviendha ist eine Aiel. Sie lernt, eine Weise Frau zu werden.�</p><p>Anfangs blieb dem dummen M�dchen der Mund offen stehen, und ihr Kinn klappte mit jeder weiteren Erkl�rung weiter herunter, bis sie am Ende wie ein Fisch aussah. �u�erst zufrieden stellend. Aviendha schenkte Elayne ein kleines L�cheln, ihre gr�nen Augen �ber dem Pokal funkelten zustimmend. Elayne hielt ihr Gesicht ausdruckslos, aber sie wollte zur�ckgrinsen.</p><p>Die anderen waren viel leichter zu handhaben und brachten einen nicht so in Rage. Perival und Branlet waren bei ihrem ersten Aufenthalt in Caemlyn � vom K�niglichen Palast ganz zu schweigen � zur�ckhaltend, sie sagten kaum zwei Worte, solange sie nicht jemand ansprach. Conail hielt die Behauptung, dass Aviendha eine Aiel war, f�r einen Witz, und lachte so laut, dass er sich beinahe ihr G�rtelmesser in der Brust eingefangen h�tte, aber gl�cklicherweise hielt er auch das f�r einen Witz. Aviendha setzte eine eisige Miene auf, die sie in ihrer gew�hnlichen Kleidung wie eine Weise Frau h�tte erscheinen lassen; in Samt bot sie nur noch mehr das Bild einer Hofdame, und dabei spielte es keine Rolle, dass sie st�ndig nach ihrem Messer tastete. Und Branlet warf Birgitte ununterbrochen Seitenblicke zu. Elayne brauchte eine Zeit lang, bis ihr klar wurde, dass er sie beim Gehen mit ihren hochhackigen Stiefeln betrachtete � die weiten Hosen sa�en an den H�ften tats�chlich ziemlich eng �, aber sie seufzte blo�. Gl�cklicherweise bemerkte es Birgitte nicht, und der Bund h�tte es Elayne wissen lassen, selbst wenn sie versucht h�tte, es zu verbergen. Birgitte gefielen die Blicke von M�nnern. Erwachsenen M�nnern. Es w�re nicht besonders f�rderlich f�r Elaynes Sache gewesen, h�tte ihre Beh�terin Branlet den Hintern versohlt.</p><p>In der Hauptsache wollten sie wissen, ob Reanne Corly eine Aes Sedai war. Keiner der vier hatte je zuvor eine Schwester gesehen, aber sie hielten sie daf�r, da sie die Macht lenken und sie und ihre Waffenm�nner mit einem Schritt �ber eine Distanz von Hunderten von Meilen transportieren konnte. Es war eine gute Gelegenheit, ausweichende Antworten zu �ben, ohne direkt zu l�gen, und der Gro�e Schlangenring an ihrem Finger half ihr dabei. Eine L�ge w�rde ihr Verh�ltnis zu den vieren von Anfang an vergiften, aber wie sollte man hoffen, dass Ger�chte �ber die Unterst�tzung von Aes Sedai zu Arymilla drangen, w�hrend man gleichzeitig die Wahrheit verbreitete? Nat�rlich waren alle vier begierig, sie wissen zu lassen, wie viele Waffenm�nner sie mitgebracht hatten, insgesamt �ber dreitausend Mann, die H�lfte davon Armbrustsch�tzen oder Hellebardiere, die sehr n�tzlich auf den Mauern sein w�rden. F�r vier H�user war das eine betr�chtliche Streitmacht, die sie Dyelin einfach so mitgeben konnten, nur weil sie darum bat, aber in diesen Zeiten w�rde kein Haus seine Anf�hrer unbewacht lassen wollen. Entf�hrungen waren nichts Neues, wenn die Thronfolge ungekl�rt war. Tats�chlich machte Conail mit einem Lachen eine Bemerkung in dieser Richtung; ihm schien alles ein Lachen wert zu sein. Branlet nickte und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. Elayne fragte sich, wie viele seiner zahlreichen Tanten, Onkel und Cousins wussten, dass er fort war, und was sie unternehmen w�rden, wenn sie es erfuhren.</p><p>�W�re Dyelin bereit gewesen, noch ein paar Tage zu warten�, sagte Catalyn, �h�tte ich mehr als zw�lfhundert Mann mitbringen k�nnen.� Das war das dritte Mal in genauso vielen S�tzen, dass es ihr gelang, darauf hinzuweisen, dass sie das bei weitem gr��te Kontingent mitgebracht hatte. �Ich habe allen H�usern Botschaften geschickt, die mit Haevin verbunden sind.�</p><p>�Und ich jedem Haus, das mit Northan verbunden ist�, f�gte Conail hinzu. Nat�rlich mit einem Grinsen.</p><p>�Northan mag vielleicht nicht so viele Schwerter wie Haevin oder Trakand sammeln � oder Mantear�, f�gte er mit einer Verbeugung in Perivals Richtung hinzu, �aber wer auch immer reitet, wenn der Adler ruft, wird f�r Caemlyn reiten.�</p><p>�Im Winter werden sie nicht sehr schnell reiten�, sagte Perival leise. Und erstaunlicherweise, da niemand ihn angesprochen hatte. �Ich glaube, was auch immer wir tun wollen, wir m�ssen es jetzt tun mit dem, was wir haben.�</p><p>Conail lachte und hieb dem Jungen auf die Schulter und riet ihm, mehr Mut zu zeigen, da jeder Mann mit einem Herzen auf dem Weg nach Caemlyn war, um Lady Elayne zu unterst�tzen, aber Elayne musterte Perival genauer. Er erwiderte ihren Blick einen Moment lang ohne zu blinzeln, bevor er ihn sch�chtern senkte.</p><p>Er war ein Junge, aber er wusste, worauf er sich da eingelassen hatte, und zwar besser als Conail oder Catalyn, die allen erneut erz�hlte, wie viele Waffenm�nner sie mitgebracht hatte <emphasis>und</emphasis> wie viele Haevin zusammenziehen konnte, so als wusste keiner der Anwesenden nicht ganz <emphasis>genau,</emphasis> wie viele auf den Ruf eines Hauses kamen, ob es nun ausgebildete Soldaten und Bauern waren, die in irgendeinem Krieg eine Pike getragen hatten, oder D�rfler, die man n�tigenfalls einziehen konnte. Jedenfalls fast genau. Lord Willin hatte bei dem jungen Perival gute Arbeit geleistet. Nun musste Elayne daf�r sorgen, dass sie nicht verschwendet gewesen war.</p><p>Schlie�lich kam die Zeit, um K�sse auszutauschen, und Branlet err�tete bis zu den Haarspitzen, und Perival blinzelte versch�mt, als sich Elayne zu ihm herunterbeugte, und Conail schwor, sich niemals mehr die Wange zu waschen. Catalyn revanchierte sich mit einem erstaunlich z�gernden K�sschen auf Elaynes Wange, so als w�re ihr gerade eben erst eingefallen, dass sie sich bereit erkl�rt hatte, den Rang der Tochter-Erbin anzuerkennen, aber schon im n�chsten Moment nickte sie versonnen, und der k�hle Stolz senkte sich wieder auf sie wie ein Mantel. Sobald die vier den Bediensteten �bergeben worden waren, die sie zu den Gem�chern bringen w�rden, von denen Elayne hoffte, dass die Haushofmeisterin sie in der Zwischenzeit vorbereitet hatte, schenkte sich Dyelin Wein nach und setzte sich mit einem m�den Seufzen auf einen der hochlehnigen St�hle.</p><p>�Die beste Arbeit, die ich je in einer Woche zustande gebracht habe, wenn ich das selbst sagen darf. Ich habe Candraed sofort aus dem Weg geschafft. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass sich Danine entscheiden kann, und es hat blo� eine Stunde gedauert, bis sich das best�tigt hat, obwohl ich dann drei Stunden bleiben musste, um sie nicht zu beleidigen. Die Frau kann nie im Leben vor Mittag aus dem Bett kommen, weil sie sich nicht entscheiden kann, auf welcher Seite der Matratze sie aufstehen soll! Der Rest brauchte nur wenig �berzeugungsarbeit, um zur Vernunft zu kommen. Niemand mit einem Funken Verstand will riskieren, dass Arymilla auf den Thron kommt.�</p><p>Sie blickte stirnrunzelnd in ihren Wein, dann fixierte sie Elayne. Sie z�gerte nie, ihre Meinung zu sagen, ob sie nun glaubte, dass Elayne ihr zustimmte oder nicht, und offensichtlich beabsichtigte sie das auch jetzt wieder. �Vielleicht war es ein Fehler, diese Kusinen als Aes Sedai auszugeben, so ausweichend wir da auch gewesen sind. Die Belastung mag zu gro� f�r sie sein, und das bringt uns alle in Gefahr. Heute Morgen starrte Frau Corly aus einem f�r mich unerfindlichen Grund wie ein dummes M�dchen, das zum ersten Mal in die Stadt kommt, in die Gegend. Ich glaube, sie h�tte beinahe das Wegetor nicht zustande gebracht. Das w�re gro�artig gewesen, jeder hat Aufstellung genommen, um durch ein wunderbares Loch in der Luft zu reiten, das nicht erscheint. Das Licht allein wei�, wie lange ich in Catalyns Gesellschaft festgesessen h�tte. Ein widerw�rtiges Balg! Da w�rde ein guter Verstand drinstecken, wenn sie jemand ein paar Jahre an der Hand nimmt, aber sie hat zu viel Haevin-Gift abbekommen.�</p><p>Elayne biss die Z�hne zusammen. Sie wusste, wie verletzend die Haevins sein konnten. Die ganze Sippe war auch noch stolz darauf! Catalyn offensichtlich auch. Und sie war es leid, an diesem Tag jedem zu erkl�ren, was einer Frau, die die Macht lenken konnte, Angst machen konnte. Sie war es leid, an das erinnert zu werden, was sie nicht ignorieren konnte. Dieses <emphasis>verfluchte</emphasis> Fanal loderte noch immer im Westen, was bei seiner Gr��e und der Dauer v�llig unm�glich war. Das Ding hatte sich seit Stunden nicht ver�ndert! <emphasis>Jeder,</emphasis> der so lange ohne Pause die Macht lenkte, <emphasis>musste</emphasis> mittlerweile ersch�pft umgekippt sein. Und der verdammte Rand al'Thor war genau in seiner Mitte. Davon war sie �berzeugt! Er lebte, aber das entfachte in ihr blo� den Wunsch, ihm ins Gesicht zu schlagen, weil er sie das durchmachen lie�. Nun, sein <emphasis>Gesicht</emphasis> war nicht hier, aber ...</p><p>Birgitte knallte ihren Pokal so hart auf einen Seitentisch, dass der Wein in alle Richtungen spritzte. Irgendeine Waschfrau w�rde ganz sch�n ins Schwitzen geraten, um diese Flecken aus ihrem �rmel zu bekommen. Eine Dienerin w�rde <emphasis>Stunden</emphasis> daf�r brauchen, den Glanz des Tischs wieder hinzubekommen. �Kinder!�, br�llte sie. �Ihre Entscheidungen werden zum Tod von Menschen f�hren, und sie sind verdammte Kinder, und Conail ist der Schlimmste von ihnen! Ihr habt ihn geh�rt, Dyelin. Er will wie Artur Falkenfl�gel Arymillas Favoriten herausfordern! Falkenfl�gel hat nie gegen irgendeinen verdammten Favoriten gek�mpft, und als er noch j�nger als <emphasis>Lord</emphasis> Northan war, wusste er bereits, dass es idiotisch ist, so viel auf ein verdammtes Duell zu setzen, aber Conail glaubt, er k�nnte Elayne mit seinem verfluchten Schwert den verfluchten Thron erringen!�</p><p>�Birgitte Trahelion hat Recht�, sagte Aviendha wild.</p><p>Ihre H�nde hatten sich in ihre R�cke gekrallt. �Conail Northan ist ein Narr! Aber wieso sollte jemand diesen Kindern in den Tanz der Speere folgen? Wie sollte sie jemand darum bitten k�nnen, sie anzuf�hren?�</p><p>Dyelin sah beide an und entschied sich, Aviendha zuerst zu antworten. Sie war sichtlich verwirrt von Aviendhas Aufmachung. Andererseits verstand sie auch nicht, dass sich Elayne und Aviendha gegenseitig als Schwestern adoptiert hatten, oder dass Elayne �berhaupt eine Aiel zur Freundin hatte. Dass Elayne diese Freundin mit in die Beratungen einschloss, war wiederum etwas, das sie tolerieren konnte. Allerdings nicht, ohne alle st�ndig an ihre Nachsichtigkeit zu erinnern. �Ich bin mit f�nfzehn zur Hohen Herrin geworden, als mein Vater bei einem Scharm�tzel auf den Altaranischen M�rschen get�tet wurde. Meine beiden j�ngeren Br�der fielen im selben Jahr im Kampf gegen Viehdiebe aus Murandy. Ich habe mir das angeh�rt, was mir meine Berater gesagt haben, aber ich habe den Reitern von Taravin befohlen, wo sie zuschlagen sollen, und wir haben die Altaraner und Murandianer gelehrt, anderswo zu rauben. Die Zeit trifft die Entscheidung, wann Kinder erwachsen werden m�ssen, Aviendha, nicht wir, und in diesen Zeiten kann eine Hohe Herrin, die noch ein Kind ist, nicht l�nger ein Kind bleiben. Was Euch angeht, Lady Birgitte�, fuhr sie in einem trockeneren Tonfall fort. �Eure Ausdrucks � weise ist wie immer ... farbig.� Sie fragte nicht, woher Birgitte so viel �ber Artur Falkenfl�gel wusste, und zwar Dinge, die keinem Historiker bekannt waren, aber sie musterte sie absch�tzend. �Branlet und Perival werden meinem Vorbild folgen, und Catalyn vermutlich auch, so sehr ich auch die Zeit bedaure, die ich mit diesem M�dchen verbringen muss. Was Conail angeht, er ist kaum der erste junge Mann, der sich f�r unver � wundbar h�lt. Wenn Ihr ihn nicht als Generalhauptmann unter Kontrolle halten k�nnt, schlage ich vor, dass Ihr vor ihm hergeht. So wie er Eure Hosen betrachtet hat, wird er Euch �berall hin folgen.�</p><p>Elayne ignorierte die reine, unverf�lschte Wut, die in ihr aufstieg. Es war nicht ihre Wut, genauso wenig wie sie es gewesen war, die auf Dyelin w�tend gewesen war oder dass Birgitte den Wein vergossen hatte. Es war Birgitte. <emphasis>Sie</emphasis> wollte Rand nicht ins Gesicht schlagen. Nun ja, eigentlich wollte sie das schon, aber darum ging es hier nicht. Beim Licht, auch Conail hatte Birgitte angestarrt? �Sie sind die Anf�hrer ihrer H�user, Aviendha. Niemand aus ihren H�usern w�rde es mir danken, wenn ich sie nicht mit dem geb�hrenden Respekt behandeln w�rde, ganz im Gegenteil. Die M�nner, die f�r sie reiten, werden darum k�mpfen, sie am Leben zu erhalten, aber sie reiten f�r Perival und Branlet, Conail und Catalyn, und nicht f�r mich. Denn sie sind die Hohen Herrschaften.� Aviendha runzelte die Stirn, aber sie nickte. Abrupt und z�gernd � bei den Aiel stieg niemand ohne jahrelange Erfahrung und Zustimmung der Weisen Frauen in eine so hohe Stellung auf �, aber sie nickte.</p><p>�Birgitte, du wirst dich mit ihnen auseinander setzen m�ssen, vom Generalhauptmann zu den Hohen Herren und Herrinnen. Wei�es Haar w�rde sie nicht unbedingt weise machen, und es w�rde auch definitiv nicht den Umgang mit ihnen einfacher machen. Sie w�rden trotzdem ihre eigenen Meinungen haben, und Jahre der Erfahrung w�rde ihnen Gewicht verleihen, vermutlich w�ren sie sich zehnmal sicherer als du, was getan werden muss. Oder als ich.� Sie gab sich gro�e M�he, jede Sch�rfe aus ihrem Ton herauszuhalten, und zweifellos sp�rte Birgitte die Anstrengung. Zumindest nahm die Wut ab, die durch den Bund str�mte. Sie war nur gemildert, nicht verschwunden � Birgitte genoss es, von M�nnern angesehen zu werden, zumindest wenn ihr danach war, aber es gefiel ihr nicht im mindesten, wenn jemand behauptete, sie w�rde versuchen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen �, aber sie kannte die Gefahr, wenn sie beide ihren Gef�hlen freien Lauf lie�en.</p><p>Dyelin nippte an ihrem Wein, und dabei musterte sie Birgitte immer noch. Nur eine ausgesuchte Hand voll kannte die Wahrheit, die Birgitte verzweifelt zu verbergen versuchte, und Dyelin geh�rte nicht dazu, aber die Beh�terin war ziemlich sorglos gewesen und hatte hier und da eine Bemerkung fallen gelassen, sodass die �ltere Frau davon �berzeugt war, dass sich hinter diesen blauen Augen ein Geheimnis verbarg. Allein das Licht wusste, was sie denken w�rde, sollte sie je dieses R�tsel l�sen. Im Moment waren die beiden wie �l und Wasser. Sie konnten sich dar�ber streiten, wo genau oben war, und �ber alles andere erst recht. Diesmal war Dyelin offensichtlich der Ansicht, dass sie gewonnen hatte.</p><p>�Das mag ja alles so sein, Dyelin�, fuhr Elayne fort, �aber ich h�tte es besser gefunden, wenn Ihr ihre Berater mitgebracht h�ttet. Was geschehen ist, ist geschehen, aber vor allem Branlet macht mir Sorgen. Wenn das Haus Gilyard mich beschuldigt, ihn entf�hrt zu haben, werden die Dinge noch schlimmer, als sie es ohnehin schon sind.�</p><p>Dyelin winkte ab. �Ihr kennt die Gilyards nicht sehr gut, oder? So, wie sie sich untereinander befehden, k�nnte es Sommer sein, bevor ihnen auff�llt, das der Junge fort ist, und keiner von ihnen wird zugeben, dass sie so damit besch�ftigt waren, sich dar�ber zu streiten, wer sein Vormund sein soll, dass sie verga�en, ihn im Auge zu behalten. Und zweitens wird keiner von ihnen zugeben wollen, dass man sie vorher nicht gefragt hat.�</p><p>�Ich hoffe, Ihr habt Recht, Dyelin, denn ich beauftrage Euch damit, Euch um die w�tenden Gilyards zu k�mmern, falls welche auftauchen sollten. Und w�hrend ihr die anderen drei beratet, k�nnt Ihr den Daumen auf Conail halten, damit er nichts Hirnverbranntes anstellt.�</p><p>Trotz ihrer �berzeugten Worte lie� die erste Bemer � kung Dyelin leicht zusammenzucken. Und die zweite lie� sie seufzen.</p><p>Birgitte musste daraufhin laut lachen. �Falls Ihr Probleme haben solltet, leihe ich Euch eine Hose und Stiefel, dann k�nnt Ihr vor ihm hergehen.�</p><p>�Manche Frauen�, murmelte Dyelin in ihren Wein, �k�nnen einen Fisch anbei�en lassen, indem sie den Finger kr�mmen, Lady Birgitte. Andere Frauen m�ssen alle ihre K�der in den Teich werfen.� Das lie� nun Aviendha lachen, aber Birgittes Wut stieg erneut in dem Bund in die H�he.</p><p>Ein kalter Luftschwall drang in den Raum, als die T�r aufging und Rasoria eintrat, die sofort Haltung annahm. �Die Haushofmeisterin und der Erste Schreiber sind eingetroffen, Lady Elayne�, verk�ndete sie. Ihre Stimme versagte, als sie die Stimmung im Raum bemerkte.</p><p>Eine blinde Ziege h�tte sie bemerkt; Dyelin, die so selbstzufrieden wie eine Katze im Milchladen aussah, Birgitte, die sie und Aviendha finster anstarrte, und Aviendha, der ausgerechnet in diesem Augenblick wieder einfiel, dass Birgitte schlie�lich Birgitte Silberbogen war, was dazu f�hrte, dass sie zu Boden starrte, und zwar so peinlich ber�hrt, als h�tte sie eine Weise Frau ausgelacht. Manchmal w�nschte Elayne, all ihre Freunde k�nnten so gut miteinander auskommen wie sie und Aviendha, aber irgendwie schafften sie es, sich in die Haare zu geraten, und vermutlich konnte man von richtigen Menschen nichts anderes erwarten. Perfektion gab es nur in B�chern und den Geschichten der Gaukler.</p><p>�Schickt sie rein�, sagte sie Rasoria. �Und st�rt uns nicht, es sei denn, die Stadt w�rde angegriffen. Es sei denn, es ist wichtig�, lenkte sie ein. In den Geschichten forderten Frauen, die solche Befehle gaben, immer Katastrophen heraus. Manchmal lag in diesen Geschichten auch eine Lektion, wenn man danach Ausschau hielt.</p></section><section><title><p>14</p><p>Was Weise Frauen wissen</p></title><p>Balwin Norry, der Erste Schreiber, und Reene Harfor, die Haushofmeisterin, traten gemeinsam ein; er machte eine ruckartige, ungelenke Verbeugung und sie einen anmutigen Hofknicks, der weder zu niedrig noch zu oberfl�chlich war. Sie h�tten nicht unterschiedlicher sein k�nnen. Frau Harfor hatte ein rundliches Gesicht und wirkte majest�tisch, ihr Haar war oben auf dem Kopf zu einem makellosen Knoten zusammengefasst. Meister Norry war hoch gewachsen und so schlank wie ein Stelzvogel, und das wenige Haar, das ihm noch geblieben war, stand hinter seinen Ohren wie ein B�schel wei�er Federn ab. Jeder von ihnen trug eine reich verzierte, mit Papieren voll gestopfte Ledermappe, aber sie hielt sie an der Seite, so als wollte sie ihren scharlachroten Wappenrock nicht verknittern, der nie die geringste Falte aufwies, welche Stunde auch geschlagen hatte oder wie lange sie auf den Beinen gewesen war, w�hrend er die Mappe an die Brust klammerte, als wollte er alte Tintenflecken verbergen, von denen einige seinen Wappenrock sprenkelten, der gro�e Fleck eingeschlossen, der die Schwanzspitze des Wei�en L�wen in einem schwarzen Sch�pf enden lie�. Nachdem sie die H�flichkeiten hinter sich gebracht hatten, nahmen sie sofort etwas Distanz zueinander ein, und jeder hielt den anderen verstohlen im Auge, Sobald sich die T�r hinter Rasoria geschlossen hatte, flammte um Aviendha der Schein <emphasis>Saidars</emphasis> auf, und sie webte ein Schutzgewebe gegen m�gliche Lauscher, die an den W�nden klebten. Was nun zwischen ihnen gesagt werden w�rde, war so sicher, wie es m�glich war, und Aviendha w�rde wissen, wenn jemand versuchte, mittels der Macht zu lauschen. Sie war sehr gut in dieser Art von Gewebe.</p><p>�Frau Harfor�, sagte Elayne, �Ihr fangt an.� Nat�rlich bot sie weder Wein noch einen Stuhl an. Meister Norry w�re �ber eine derartige Entgleisung bei der Etikette bis zu den Zehenn�geln entsetzt und Frau Harfor vermutlich beleidigt gewesen. Tats�chlich zuckte Norry leicht zusammen und warf Reene einen Seitenblick zu, und ihr Mund wurde zu einem schmalen Strich. Selbst nach einer Woche gemeinsamer Berichterstattung war ihr Widerwillen, dass der andere Zeuge ihrer Vortr�ge wurde, deutlich zu sp�ren. Sie h�teten ihre Lehen eifers�chtig, und das umso mehr, seit die Haushofmeisterin auf ein Gebiet vorgedrungen war, das man einst als zu Meister Norrys Verantwortung geh�rend h�tte betrachten k�nnen. Nat�rlich war die Leitung des K�niglichen Palasts immer die Aufgabe der Haushofmeisterin gewesen, und man h�tte sagen k�nnen, dass ihre neuen Pflichten lediglich eine Erweiterung dessen darstellten. Nat�rlich h�tte Halwin Norry das keineswegs so ausgedr�ckt. Die brennenden Scheite im Kamin setzten sich mit einem lauten Krachen, was eine Funkenflut den Schornstein hochschickte.</p><p>�Ich bin davon �berzeugt, dass der zweite Bibliothekar ein ... Spion ist, meine Lady�, sagte Frau Harfor schlie�lich und ignorierte Norry, so als wollte sie ihn verschwinden lassen. Sie hatte sich dagegen gestr�ubt, auch nur eine Person wissen zu lassen, dass sie auf der Jagd nach Spionen im Palast war, aber dass es der Erste Schreiber wusste, schien ihr am meisten zu schaffen zu machen. Die einzige Autorit�t, die er, wenn �berhaupt, �ber sie hatte, bestand darin, die Zahlungen f�r den Palast auszuf�hren, und er stellte niemals eine Ausgabe in Frage, aber selbst schon diese Kleinigkeit war mehr, als sie w�nschte. �Alle drei oder vier Tage besucht Meister Harnder eine Schenke namens <emphasis>Ring und Pfeil,</emphasis> angeblich wegen des Ales, das die Wirtin, eine gewisse Mulis Fendry, macht, aber Frau Fendry h�lt auch Tauben, und bei jedem von Meister Harnders Besuchen schickt sie eine Taube nach Norden. Gestern statteten drei der Aes Sedai aus dem <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> dem <emphasis>Ring und Pfeil</emphasis> einen Besuch ab, obwohl es sich hier um ein wesentlich niedrigeres Publikum als im <emphasis>Schwan</emphasis> handelt. Sie kamen und gingen mit hochgeschlagenen Kapuzen und setzten sich �ber eine Stunde mit Frau Fendry unter vier Augen zusammen. Alle drei geh�ren zur Braunen Ajah. Ich f�rchte, das ist ein Hinweis auf Meister Harnders Auftraggeber.�</p><p>�Fris�re, K�che, Diener, der Meisterkunsttischler, nicht weniger als f�nf von Meister Norrys Schreibern, und jetzt einer der Bibliothekare.� Dyelin lehnte sich in ihrem Stuhl zur�ck, schlug die Beine �bereinander und schaute d�ster drein. �Gibt es irgendjemanden, der <emphasis>kein</emphasis> Spion ist, Frau Harfor?� Norry streckte unbehaglich den Hals; er empfand die Missetaten seiner Schreiber als pers�nliche Beleidigung.</p><p>�Ich habe die Hoffnung, dass ich mich dem Grund dieses Fasses n�here, meine Lady�, sagte Frau Harfor selbstzufrieden. Sie konnten weder Spione noch die Hohen Herrinnen m�chtiger H�user aus der Ruhe bringen. Spione waren Ungeziefer, von dem sie den Palast so sicher befreien wollte, wie sie ihn von Fl�hen und Ratten frei hielt � obwohl sie bei den Ratten in letzter Zeit Hilfe der Aes Sedai annehmen musste �, w�hrend m�chtige Adlige wie Regen oder Schnee waren, ein Faktum der Natur, das man ertragen musste, bis es weg war, aber nichts, weswegen man sich aufregen musste. �Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Leuten, die man kaufen kann, und nur eine bestimmte Anzahl kann es sich �berhaupt leisten, sie zu kaufen oder es zumindest zu versuchen.�</p><p>Elayne bem�hte sich, Meister Harnder ins Ged�chtnis zur�ckzurufen, aber da kam nur das unbestimmte Bild eines dicklichen Manns mit beginnender Glatze, der dauernd blinz elte. Er hatte ihrer Mutter gedient und davor schon K�nigin Mordrellen, wenn sie sich richtig erinnerte. Niemand schien die Tatsache f�r bemerkenswert zu halten, dass er anscheinend auch der Braunen Ajah diente. Jeder Herrscherpalast zwischen dem R�ckgrat der Welt und dem Aryth-Meer hatte ein paar Augen-und-Ohren der Wei�en Burg. Jeder Herrscher mit einem Funken Verstand ging davon aus. Zweifellos w�rden sogar bald die Seanchaner unter dem Blick der Burg leben, wenn sie es nicht schon bereits taten. Reene hatte mehrere Spione der Roten Ajah entdeckt, sicherlich �berbleibsel von Elaidas Zeit in Caemlyn, aber dieser Bibliothekar war der Erste, der einer anderen Ajah diente. Elaida h�tte es w�hrend ihrer Zeit als Beraterin der K�nigin nicht gefallen, dass andere Ajahs �ber die Geschehnisse im Palast informiert gewesen w�ren.</p><p>�Eine Schande, dass wir keine falschen Geschichten f�r die Braune Ajah haben�, sagte Elayne leichthin. Es war wirklich bedauerlich, dass sie und die Roten �ber die Kusinen Bescheid wussten. Sie wussten zumindest, dass sich im Palast eine gro�e Zahl von Frauen aufhielt, die die Macht lenken konnten, und sie w�rden nicht lange brauchen, um herauszufinden, um wen es sich dabei handelte. Das w�rde noch einigen Kummer verursachen, aber der lag in der Zukunft. Plane immer voraus, pflegte Lini zu sagen, aber mach dir wegen dem n�chsten Jahr zu viele Sorgen, und du kannst morgen stolpern. �Behaltet Meister Harnder im Auge und versucht herauszufinden, wer seine Freunde sind.</p><p>Das muss im Augenblick reichen.� Manche Spione verlie�en sich auf ihre Ohren, entweder um den Klatsch aufzuschnappen oder an T�ren zu lauschen, andere schmierten Zungen mit ein paar Pokalen Wein. Der erste Schritt, gegen einen Spion vorzugehen, bestand darin herauszufinden, wie er das erfuhr, was er ver � kaufte.</p><p>Aviendha schnaubte laut, raffte die R�cke und wollte sich auf den Teppich setzen, bevor ihr wieder einfiel, was sie da trug. Mit einem warnenden Blick in Dyelins Richtung hockte sie sich steif auf eine Stuhlkante und bot das Bild einer Hofdame mit blitzenden Augen, wenn man davon absah, dass eine Hofdame nicht die Schneide ihres G�rtelmessers mit dem Daumen gepr�ft h�tte. H�tte Aviendha bestimmen k�nnen, h�tte sie jedem Spion in dem Augenblick die Kehle durchgeschnitten, in dem man sie f�r das Messer straffen konnte. Ihrer Ansicht nach war Spionage ein widerw�rtiges Gesch�ft, ganz egal, wie oft Elayne erkl�rte, dass jeder entlarvte Spion ein Werkzeug war, das man dazu benutzen konnte, ihre Feinde das glauben zu lassen, was sie wollte.</p><p>Nicht, dass jeder Spion notwendigerweise f�r einen Feind arbeitete. Die meisten, die die Haushofmeisterin entlarvt hatte, bekamen aus mehr als nur einer Quelle Geld, und unter denen, die sie identifiziert hatte, befanden sich auch K�nig Roedran von Murandy, diverse tairenische Hochlords und Ladys, eine Hand voll cairhienischer Adlige und eine erkleckliche Zahl von Kaufleuten. Viele Leute waren daran interessiert, was in Caemlyn passierte, ob nun wegen der Auswirkungen auf den Handel oder aus anderen Gr�nden. Manchmal hatte es den Anschein, als w�rde jeder jeden ausspionieren.</p><p>�Frau Harfor�, sagte sie, �Ihr habt noch keine Augen-und-Ohren der Schwarzen Burg entdeckt.�</p><p>Dyelin fr�stelte, wie die meisten Leute, vor denen man die Schwarze Burg erw�hnte, und nahm einen tiefen Schluck, aber Reene verzog nur leicht das Gesicht. Sie hatte sich entschieden, die Tatsache zu ignorieren, dass es sich hier um M�nner handelte, die die Macht lenken konnten; sie konnte ja doch nichts daran �ndern. F�r sie war die Schwarze Burg ein ... �rgernis.</p><p>�Sie hatten nicht genug Zeit, meine Lady. Gebt ihnen ein Jahr, und Ihr werdet Diener und Bibliothekare finden, die auch ihre M�nzen annehmen.�</p><p>�Vermutlich.� Ein scheu�licher Gedanke. �Was habt Ihr sonst noch?�</p><p>�Ich habe mit Jon Skellit gesprochen, meine Lady. Ein Mann, der seine Loyalit�t einmal wendet, ist oft daf�r zug�nglich, sie erneut zu wenden, und auf Skellit trifft das zu.� Skellit, ein Barbier, stand im Sold des Hauses Arawn, was ihn im Augenblick zu Arymillas Mann machte.</p><p>Birgitte stie� einen Fluch aus, den sie nicht zu Ende brachte � aus irgendeinem Grund versuchte sie in Anwesenheit von Reene Harfor ihre Ausdrucksweise zu z�geln �, und sagte dann gequ�lt: �Ihr habt mit ihm <emphasis>gesprochen!</emphasis> Ohne vorher jemanden zu fragen?�</p><p>Dyelin hatte keine Vorbehalte, was die Haushofmeisterin betraf, und sie murmelte: �Muttermilch in einem Becher!� Elayne hatte sie noch nie zuvor eine Obsz�nit�t benutzen h�ren. Meister Norry blinzelte, lie� beinahe seine Mappe fallen und bem�hte sich angestrengt, nicht in Dyelins Richtung zu sehen. Die Haushofmeisterin schwieg lediglich, bis sie sicher war, dass alle zuh�rten, dann fuhr sie ruhig fort.</p><p>�Die Zeit erschien reif, und Skellit auch. Einer der M�nner, denen er Bericht erstattet, hat die Stadt verlassen und ist noch nicht zur�ckgekehrt, w�hrend sich der andere anscheinend das Bein gebrochen hat. Die Stra�en sind immer spiegelglatt, wo ein Feuer gel�scht wurde.� Sie sagte das so sanft, dass es mehr als wahr � scheinlich erschien, dass sie beim Sturz des Mannes irgendwie nachgeholfen hatte. Harte Zeiten brachten in vielen Leuten, bei denen man nun wirklich nicht damit gerechnet h�tte, harte Talente zum Vorschein. �Skellit ist durchaus einverstanden, seine n�chste Botschaft selbst ins Lager zu bringen. Er hat gesehen, wie ein Wegetor entstand, und er muss nicht so tun, als h�tte er Angst.� Man h�tte glauben k�nnen, sie h�tte schon ihr ganzes Leben lang Kaufmannswagen aus L�chern in der Luft rattern sehen.</p><p>�Was soll diesen Barbier daran hindern weiterzulaufen, sobald er die Stadt verlassen hat?�, wollte Birgitte gereizt wissen und fing an, mit auf dem R�cken verschr�nkten H�nden vor dem Kamin auf und ab zu gehen. Ihr schwerer goldener Zopf h�tte sich eigentlich str�uben m�ssen. �Wenn er verschwindet, wird Arawn jemand anderen anheuern, und wir m�ssen mit der Suche von vorn anfangen. Beim Licht, Arymilla muss kurz nach ihrer Ankunft von den Wegetoren erfahren haben, und Skellit muss das wissen.� Es war nicht der Gedanke, dass Skellit entkommen konnte, der sie �rgerte. Oder nicht nur das. Die S�ldner waren der Meinung, angeheuert worden zu sein, um Soldaten aufzuhalten, aber f�r ein paar Silberst�cke w�rden sie einem oder zwei erlauben, in der Nacht durchs Tor zu schl�pfen, und zwar in beiden Richtungen. Ihrer Ansicht nach konnten einer oder zwei keinen Schaden anrichten. Birgitte gefiel es nicht, daran erinnert zu werden.</p><p>�Die Habgier wird ihn hindern, meine Lady�, erwiderte Frau Harfor ruhig. �Der Gedanke, sowohl von Lady Elayne wie auch von Lady Naean Gold zu erhalten, reicht aus, um diesen Mann schwer atmen zu lassen. Es ist richtig, Lady Arymilla muss bereits von den Wegetoren erfahren haben, aber das ist nur ein weiterer Grund f�r Skellit, pers�nlich zu ihr zu gehen.�</p><p>�Und wenn seine Habgier gro� genug ist, um den Versuch zu unternehmen, mit einem dritten Verrat noch mehr Gold zu verdienen?�, sagte Dyelin. �Er k�nnte viel ... Unruhe stiften, Frau Harfor.�</p><p>Reenes Tonfall wurde etwas sch�rfer. Sie w�rde niemals ihre Grenzen �berschreiten, aber es missfiel ihr, dass <emphasis>jemand</emphasis> glaubte, sie sei unvorsichtig. �Lady Naean w�rde ihn unter der n�chsten Schneewehe begraben lassen, meine Lady, wie ich ihm �beraus deutlich gemacht habe. Sie hatte noch nie Geduld, wie Ihr sicherlich wisst. Auf jeden Fall erhalten wir kaum Informa tionen aus dem Lager, um es vorsichtig auszudr�cken, und er k�nnte ein paar Dinge sehen, die wir gern w�ssten.�</p><p>�Wenn Skellit uns sagen kann, in welchem Lager sich Arymilla, Elenia und Naea n aufhalten und zu welchem Zeitpunkt, gebe ich ihm pers�nlich das Gold�, sagte Elayne wohl�berlegt. Elenia und Naean blieben in Arymillas N�he, oder sie hielt sie in ihrer, und Arymilla war noch ungeduldiger als Naean und noch weniger zu der Annahme bereit, dass etwas ohne ihre Anwesenheit funktionierte. Sie verbrachte den halben Tag damit, von Lager zu Lager zu reiten, und soweit in Erfahrung zu bringen war, schlief sie keine zwei N�chte an einem Ort. �Das ist das Einzige, was ich von ihm wissen will.�</p><p>Reene neigte den Kopf. �Wie Ihr w�nscht, meine Lady. Ich werde daf�r sorgen.� Sie versuchte zu oft, vor Norry die Dinge nicht auszusprechen, aber sie lie� sich nicht anmerken, dass sie etwas als Tadel aufgefasst hatte. Nat�rlich war sich Elayne nicht sicher, ob sie diese Frau �ffentlich tadeln w�rde. Frau Harfor w�rde ihre Pflichten auch weiterhin tadellos erf�llen, und sie w�rde sicherlich mit ungebrochenem Eifer Spione jagen, und sei es auch nur aus dem Grund, dass ihre Anwesenheit im Palast sie �rgerte, aber Elayne w�rde vermutlich jeden Tag ein Dutzend Unbequemlichkeiten vorfinden, ein Dutzend kleine �rgernisse, die sich zu echtem Elend aufh�ufen w�rden, und nicht eine davon w�rde sie der Haushofmeisterin ankreiden k�nnen. <emphasis>Wir m�ssen den Tanzschri tten genauso folgen wie unsere Diener auch,</emphasis> hatte ihr ihre Mutter einmal gesagt. <emphasis>Du kannst st�ndig neue Diener einstellen und deine ganze Zeit damit verbringen, sie auszubilden, und sie ertragen, bis sie es gelernt haben, nur um dich dann am Ausgangspunkt wiederzufinden, oder du kannst genau wie sie die Regeln ak � zeptieren und bequem leben, w�hrend du deine Zeit zum Herrschen nutzt.</emphasis></p><p>�Danke, Frau Harfor�, sagte sie, wof�r sie einen weiteren pr�zisen Hofknicks erhielt. Reene Harfor war eine weitere Person, die ihren Wert kannte. �Meister Norry?�</p><p>Der reiher�hnliche Mann zuckte zusammen und h�rte auf, Reene stirnrunzelnd anzusehen. In gewisser Weise betrachtete er die Wegetore als die seinen, und da durfte ihm keiner in die Quere kommen. �Ja, meine Lady. Nat�rlich.� Seine Stimme war trocken und monoton. �Ich gehe davon aus, dass Lady Birgitte Euch bereits �ber die Kaufmannsz�ge aus Illian und Tear unterrichtet hat. Ich glaube, das ist ihre ... Angewohnheit, wenn Ihr in die Stadt zur�ckkehrt.� Einen Augenblick lang ruhte sein Blick vorwurfsvoll auf Birgitte.</p><p>Ihm w�rde nicht im Traum einfallen, Elayne auch nur den geringsten Grund zur Klage zu geben, selbst wenn sie ihn angeschrien h�tte, aber er lebte nach seinen eigenen Regeln, und auf eine m��ige Art und Weise nahm er es Birgitte �bel, dass sie ihm die Gelegenheit stahl, die eingetroffenen Wagen und Kisten und F�sser zu z�hlen. Er liebte seine Zahlen. Elayne glaubte zumindest, dass es eine m��ige Art und Weise war. In Meister Norry schien es keine gro�en Leidenschaften zu geben.</p><p>�Das hat sie�, sagte sie in einem leicht entschuldigenden Tonfall, nicht genug, um ihn in Verlegenheit zu bringen. �Ich f�rchte, einige Meervolkfrauen werden uns verlassen. Nach dem heutigen Tag werden wir nur noch die H�lfte an Leuten haben, die uns Wegetore erschaffen k�nnen.�</p><p>Seine Finger tasteten spinnenhaft �ber die Ledermappe an seiner Brust, als wollte er die darin befindlichen Papiere bef�hlen. Sie hatte noch nie gesehen, dass er jemals darin etwas nachgelesen h�tte. �Ah. Wir werden ... damit zurecht kommen, meine Lady.� Halwin Norry kam immer zurecht. �Um fortzufahren, es gab gestern und letzte Nacht neun Brandstiftungen, etwas mehr als gew�hnlich. Es wurden drei Versuche unternommen, Lagerh�user mit Lebensmitteln anzuz�nden.</p><p>Keiner davon war erfolgreich, wie ich betonen m�chte.� Er wollte es betonen, aber er tat es in dem gleichen leiernden Tonfall. �Wenn ich so sagen darf, die in den Stra�en patrouillierenden Wachen zeigen Wirkung die Zahl der �berf�lle und Diebst�hle ist auf einen Stand zur�ckgegangen, der nur wenig �ber dem f�r diese Jahreszeit �blichen liegt �, aber es scheint offensichtlich, dass diese Brandstiftungen gesteuert werden.</p><p>Siebzehn Geb�ude wurden zerst�rt, bis auf eines waren sie alle verlassen.� Er verzog missbilligend den Mund; es w�rde mehr als eine Belagerung brauchen, um ihn aus Caemlyn zu vertreiben. �Meiner Meinung nach wurden alle Br�nde so gelegt, dass die L�schwagen so weit wie m�glich von den Lagerh�usern entfernt waren. Ich bin jetzt der festen �berzeugung, dass dieses Muster f�r jeden Brand gilt, den wir in den vergangenen Wochen erlebt haben.�</p><p>�Birgitte?�, sagte Elayne.</p><p>�Ich kann die Lagerh�user auf einer Karte eintragen�, erwiderte Birgitte zweifelnd, �und auf den am weitesten entfernten Stra�en zus�tzliche Wachen aufstellen, aber das �berl�sst noch immer ver... viel dem Zufall.� Sie schaute nicht in Frau Harfors Richtung, aber Elayne versp�rte einen Hauch von Verlegenheit von ihr ausgehen. �Jeder kann Feuerstein und Stahl in der G�rteltasche haben und mit etwas trockenem Stroh im Handumdrehen ein Feuer machen.�</p><p>�Tu, was du kannst�, sagte Elayne. Es <emphasis>w�rde</emphasis> reines Gl�ck sein, wenn sie einen Brandstifter auf frischer Tat ertappten, und mehr als Gl�ck, wenn er mehr aussagen konnte, als dass ihm eine vermummte Gestalt ein paar M�nzen in die Hand gedr�ckt hatte. Dieses Gold zu Arymilla oder Elenia oder Naean zur�ckverfolgen zu k�nnen w�rde Mat Cauthons Gl�ck erfordern.</p><p>�Sonst noch etwas, Meister Norry?�</p><p>Er fuhr sich mit dem Kn�chel �ber die lange Nase und mied ihren Blick. �Mir ist ... �h ... zu Ohren gekommen�, sagte er z�gernd, �dass Marne, Arawn und Sarand k�rzlich gro�e Darlehen aufgenommen und die Eink�nfte ihrer G�ter als Sicherheit verpf�ndet haben.� Frau Harfor runzelte die Stirn, gl�ttete sie jedoch sofort wieder.</p><p>Ein Blick in ihre Teetasse verriet Elayne, dass sie sie tats�chlich geleert hatte. Bankiers verrieten einem nie, wie viel sie wem geliehen hatten oder was als Sicherheit gedient hatte, aber sie fragte ihn nicht, woher er es wusste. Es w�rde ... peinlich sein. F�r sie beide. Sie l�chelte, als ihre Schwester ihr die Tasse abnahm, und verzog dann das Gesicht, als Aviendha sie aufgef�llt zur�ckbrachte. Aviendha schien zu glauben, sie k�nnte verw�sserten Tee trinken, bis ihre Augen schwammen!</p><p>Ziegenmilch war besser, aber Sp�lwasser als Tee war in Ordnung. Nun, sie w�rde die <emphasis>verdammte</emphasis> Tasse halten, aber sie w�rde <emphasis>nichts</emphasis> davon trinken.</p><p>�Die S�ldner�, knurrte Dyelin, und die Hitze in ihren Augen h�tte gereicht, um einen B�ren zur�ckweichen zu lassen. �Ich habe es zuvor gesagt, und ich werde es wieder sagen; das Problem mit den Mietschwertern ist, dass sie nicht immer gemietet bleiben.� Sie war von Anfang an dagegen gewesen, zur Verteidigung der Stadt zus�tzlich S�ldner anzuheuern, obwohl es eine Tatsache war, dass Arymilla ohne diese M�nner sich ein Tor h�tte aussuchen k�nnen, durch das sie ihr Heer hineingef�hrt h�tte. Es waren einfach nicht genug Soldaten da gewesen, um jedes Tor ordentlich zu besch�tzen, von den Mauern ganz zu schweigen.</p><p>Birgitte war ebenfalls gegen S�ldner gewesen, aber sie hatte Elaynes Einw�nde wenn auch z�gernd akzeptiert. Sie misstraute ihnen immer noch, aber jetzt sch�ttelte sie den Kopf. Sie sa� in der N�he des Feuers auf einer Stuhllehne und hatte die gespornten Stiefel auf den Sitz gelegt. �S�ldner sorgen sich um ihren Ruf, wenn nicht sogar um ihre Ehre. Die Seiten zu wechseln ist eine Sache, ein Tor zu verraten eine andere. Eine Kompanie, die das tun w�rde, w�rde nie wieder Ar � beit rinden, nirgendwo. Arymilla m�sst dem Hauptmann so viel Gold anbieten, dass er den Rest seines Lebens wie ein Lord leben k�nnte, und auch seine M�nner davon �berzeugen, dass sie das auch k�nnten.�</p><p>Norry r�usperte sich. Selbst das klang irgendwie trocken. �Es hat den Anschein, als h�tten sie dieselben Sicherheiten zwei- oder sogar dreimal verpf�ndet, um Geld zu leihen. Nat�rlich sind sich die Bankiers dessen nicht ... bewusst, noch nicht.�</p><p>Birgitte fing an zu fluchen und unterbrach sich dann.</p><p>Dyelin starrte finster genug in ihren Wein, damit er sauer wurde. Aviendha dr�ckte kurz Elaynes Hand.</p><p>Funken stoben aus dem Kamin, ein paar h�tten beinahe den Teppich erreicht.</p><p>�Man wird die S�ldnerkompanien im Auge behalten m�ssen.� Elayne hob eine Hand, um Birgitte zuvorzukommen. Sie hatte den Mund noch nicht ge�ffnet, aber der Bund sprach B�nde. �Du wirst eben irgendwo die M�nner daf�r finden m�ssen.� Beim Licht! Sie schienen sich <emphasis>in</emphasis> der Stadt gegen genauso viele Leute sch�tzen zu m�ssen wie au�erhalb! �Daf�r sollte man nicht allzu viele brauchen, Birgitte, aber wir m�ssen wissen, ob sie anfangen, sich seltsam oder verstohlen zu benehmen. M�glicherweise ist das unsere einzige Warnung.�</p><p>�Ich habe gerade daran gedacht, was zu tun ist, sollte uns eine der Kompanien verraten�, sagte Birgitte trocken. �Bescheid zu wissen reicht nicht aus, solange ich keine M�nner habe, die zu jedem Tor eilen k�nnen, das wom�glich verraten wird. Und die H�lfte der Soldaten in der Stadt sind S�ldner. Der Rest sind zur H�lfte alte M�nner, die vor ein paar Monaten von ihren Pensionen gelebt haben. Ich werde die Posten der S�ldner in unregelm��igen Abst�nden ver�ndern.</p><p>Wenn sie nicht wissen, wo sie am n�chsten Tag sind, wird das jeden Verrat erschweren, aber das macht ihn nicht unm�glich.� Sie konnte noch so oft protestieren, dass sie kein General war, aber sie hatte mehr Schlachten und Belagerungen erlebt als zehn Gener�le, und sie wusste sehr gut, wie sich solche Dinge abspielten.</p><p>Elayne w�nschte sich beinahe, in ihrer Tasse w�re Wein. Aber nur beinahe. �Besteht irgendeine Chance, dass die Bankiers das erfahren, was Ihr wisst, Meister Norry? Bevor die Darlehen f�llig werden?� Falls das geschah, w�rden einige vielleicht zu dem Schluss kommen, dass sie lieber Arymilla auf dem Thron sehen w�rden. In diesem Fall w�rde sie n�mlich die Staatskasse pl�ndern k�nnen, um das Geld zur�ckzuzahlen.</p><p>Vermutlich w�rde sie es sogar tun. Kaufleute lie�en sich von den politischen Winden treiben, ganz egal, in welche Richtung sie wehten. Bankiers waren daf�r bekannt, dass sie durchaus versuchten, die Ereignisse zu beeinflussen.</p><p>�Meiner Meinung nach ist das unwahrscheinlich, meine Lady. Sie m�ssten ... den richtigen Leuten die richtigen Fragen stellen, aber f�r gew�hnlich sind Bankiers bei ihresgleichen sehr ... verschlossen. Ja, ich halte das f�r unwahrscheinlich. Jedenfalls im Augenblick.�</p><p>Man konnte sowieso nichts tun. Au�er Birgitte zu sagen, dass m�glicherweise neue Auftr�ge f�r Attent�ter und Entf�hrer im Umlauf waren. Aber ihrer harten Miene und der grimmigen Entschlossenheit im Bund nach zu urteilen, war ihr das bereits klar. Jetzt w�rde es so gut wie unm�glich sein, die Leibwache auf weniger als hundert Frauen zu begrenzen. Falls es je m�glich gewesen war.</p><p>�Vielen Dank, Meister Norry�, sagte Elayne. �Ihr habt gute Arbeit geleistet, wie immer. Lasst mich sofort wissen, falls es Anhaltspunkte gibt, dass die Bankiers diese Fragen gestellt haben.�</p><p>�Nat�rlich, meine Lady�, murmelte er und stie� den Kopf nach unten wie ein Reiher, der nach einem Fisch schnappte. �Meine Lady ist sehr freundlich.�</p><p>Als Reene und Norry den Raum verlassen hatten � er hielt f�r sie die T�r auf und machte eine Verbeugung, die eine Spur anmutiger war als gew�hnlich, und sie widmete ihm ein leichtes Nicken, als sie an ihm vorbei auf den Korridor rauschte �, l�ste Aviendha das Gewebe, das sie hielt, nicht auf. Sobald die T�r ins Schloss fiel und der satte Laut von dem Gewebe verschluckt wurde, sagte sie: �Jemand hat zu lauschen versucht.�</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf. Man konnte unm�glich feststellen, wer der Lauscher war � eine Schwarze Schwester oder eine neugierige Kusine? �, aber wenigstens hatte er versagt. Nicht, dass gro�e Aussicht bestand, an Aviendhas Geweben vorbeizukommen, m�glicherweise w�rden das nicht einmal die Verlorenen schaffen, aber sie h�tte es sofort gesagt, wenn es jemandem gelungen w�re.</p><p>Dyelin nahm Aviendhas Mitteilung weniger selbstsicher auf und murmelte etwas vom Meervolk. Sie hatte keine Miene verzogen, als sie geh�rt hatte, dass die H�lfte der Windsucherinnen abreiste, nicht vor Reene und Norry, aber jetzt wollte sie die ganze Geschichte wissen. �Ich habe Zaida nie vertraut�, knurrte sie, als Elayne zum Ende kam. �Der Handel d�rfte von dieser Vereinbarung vermutlich profitieren, aber es w�rde mich nicht �berraschen, wenn sie eine ihrer Windsucherinnen damit beauftragt hat, uns zu belauschen. Ich halte sie f�r eine Frau, die alles wissen will, nur f�r den Fall, dass es ihr eines Tages von Nutzen sein k�nnte.� Dyelin war noch nie z�gerlich gewesen, aber jetzt hielt sie inne und rollte den Pokal zwischen den H�nden. �Seid Ihr sicher, dass uns dieses ... Fanal ... nicht schaden kann, Elayne?�</p><p>�So sicher, wie ich sein kann. Falls es die Welt spalten sollte, w�rde das wohl mittlerweile geschehen sein.� Aviendha lachte, aber Dyelin wurde aschfahl. Also wirklich! Manchmal musste man lachen, wenn man nicht weinen wollte.</p><p>�Wenn wir noch l�nger herumtr�deln, jetzt, da Norry und Frau Harfor gegangen sind�, sagte Birgitte, �k�nnte sich jemand nach dem Grund daf�r fragen.� Sie deutete auf die Wand und meinte das Gewebe, das sie nicht wahrnehmen konnte. Aber sie wusste, dass es noch bestand. Die t�glichen Besprechungen mit der Haushofmeisterin und dem Ersten Schreiber verbargen immer etwas mehr.</p><p>Alle versammelten sich um sie, als sie auf einem Seitentisch zwei Porzellansch�sseln des Meervolks aus dem Weg r�umte und eine vielfach gefaltete Karte aus dem kurzen Mantel zog. Sie steckte immer dort, au�er wenn Birgitte schlief, dann lag sie unter ihrem Kopfkissen. Ausgebreitet und an den Ecken mit leeren Pokalen beschwert, zeigte die Karte Andor vom Erinin bis zur Grenze zwischen Altara und Murandy. Im Grunde zeigte sie eigentlich ganz Andor, denn alles, was weiter westlich lag, hatte sich schon seit Generationen dem Einfluss von Caemlyn entzogen. Die Karte stellte kein Meisterwerk der Kartografie dar, und Falten machten viele Einzelheiten unkenntlich, aber sie zeigte Fl�sse und Gebirge, und jede Stadt und jedes Dorf waren genauso eingezeichnet wie jede Stra�e und Br�cke und Furt. Elayne stellte die Tasse eine Arml�nge entfernt ab, um keinen Tee darauf zu versch�tten und noch mehr Flecken zu machen. Und um sich von dieser l�cherlichen Entschuldigung f�r einen Tee zu befreien.</p><p>�Die Grenzl�nder sind auf dem Marsch�, sagte Birgitte und zeigte auf die W�lder n�rdlich von Caemlyn, und zwar auf eine Stelle oberhalb von Andors n�rdlichster Grenze. �Aber sie sind noch nicht weit gekommen. Bei diesem Tempo wird es noch �ber einen Monat dauern, bis sie Caemlyn erreichen.�</p><p>Dyelin spielte mit ihrem Silberpokal, blickte in den dunklen Wein und schaute dann pl�tzlich auf. �Ich dachte, Ihr Nordleute w�rt an Schnee gew�hnt, Lady Birgitte.� Selbst jetzt musste sie nachhaken, und keine Antwort w�rde sie nur noch mehr davon �berzeugen, dass Birgitte Geheimnisse hatte, und ihre Entschlossenheit st�rken, sie zu enth�llen.</p><p>Aviendha sah die �ltere Frau stirnrunzelnd an � sie konnte sehr besch�tzend werden, was Birgittes Geheimnisse anging �, aber Birgitte erwiderte Dyelins Blick ganz ruhig und ohne jede Aufregung, wie der Bund verriet. Sie konnte mittlerweile gut mit der L�ge �ber ihre Herkunft leben. �Ich bin schon lange nicht mehr in Kandor gewesen.� Das war die schlichte Wahrheit, auch wenn es l�nger her war, als sich Dyelin h�tte vorstellen k�nnen. Damals hatte man das Land nicht einmal mit dem Namen Kandor bezeichnet. �Es braucht seine Zeit, im Winter zweihunderttausend Soldaten zu bewegen, ganz zu schweigen von dem Tross, von dem nur allein das Licht wei�, wie gro� er ist. Und schlimmer noch, ich habe Frau Ocalin und Frau Fote einige der D�rfer s�dlich der Grenze besuchen lassen.� Sabeine Ocalin und Julanya Fote waren Kusinen, die das Schnelle Reisen beherrschten. �Den Bauern zufolge haben die Grenzl�nder ein Winterlager aufgeschlagen.�</p><p>Elayne schnalzte mit der Zunge, als sie mit dem Finger Entfernungen berechnete. Sie verlie� sich auf Neuigkeiten �ber die Grenzl�nder, wenn nicht sogar auf die Grenzl�nder selbst. Die Nachricht, dass ein Heer dieser Gr��e in Andor eindrang, w�rde sich wie ein Buschfeuer in einer Steppe verbreiten. Nur ein Narr w�rde glauben, dass sie diese Hunderte von Meilen marschiert waren, um Andor zu erobern, aber jeder, der davon h�rte, w�rde �ber ihre Absichten spekulieren und was man da gegen tun konnte, und jeder w�rde eine andere Meinung haben. Sobald sich die Nachricht verbreitete. Wenn es so weit war, hatte sie allen anderen gegen�ber einen Vorteil. Sie hatte da � f�r gesorgt, dass die Grenzl�nder den Boden von Andor betraten, und ebenso, dass sie auch wieder ver schwanden.</p><p>Die Entscheidung war nicht schwer gefallen. Sie aufzuhalten w�re eine blutige Angelegenheit geworden, falls es �berhaupt m�glich gewesen w�re, und sie verlangten nicht mehr als eine Stra�enbreite, um weiter nach Murandy zu marschieren, wo sie den Wieder geborenen Drachen zu finden glaubten. Auch das war Elaynes Werk. Sie hatten den Grund f�r ihre Suche nach Rand f�r sich behalten, und sie hatte ihnen keinen verl�sslichen Ort nennen wollen, an dem er sich m�glicherweise aufhielt, nicht, wenn sie mindestens ein Dutzend Aes Sedai dabei hatten und auch diese Tatsache verbargen. Aber sobald die Hohen Herrinnen und Herren davon erfuhren ...</p><p>�Es sollte funktionieren�, sagte sie leise. �N�tigenfalls k�nnen wir die Ger�chte �ber die Grenzl�nder selbst ausstreuen.�</p><p>�Es sollte funktionieren�, stimmte Dyelin ihr zu, um dann finster hinzuzuf�gen: �So lange Bashere und Bael ihre M�nner im Zaum halten. Es wird eine explosive Mischung werden, Grenzl�nder, Aiel und die Legion des Drachen alle nur wenige Meilen voneinander entfernt. Und ich wei� nicht, ob wir uns darauf verlassen sollen, dass die Asha'man nichts Verr�cktes tun.� Sie endete mit einem Schniefen. Ihrer Meinung nach musste ein Mann schon verr�ckt sein, um �berhaupt auf die Idee zu kommen, ein Asha'man zu werden. Aviendha nickte. Sie war fast so oft anderer Meinung als Dyelin wie Birgitte, aber was die Asha'man anging, stimmten sie gr��tenteils �berein.</p><p>�Ich werde daf�r sorgen, dass sich die Grenzl�nder von der Schwa rzen Burg fern halten�, versicherte Elayne ihnen, obwohl sie das nicht zum ersten Mal tat. Selbst Dyelin wusste, dass Bael und Bashere ihre Streitkr�fte unter Kontrolle hatten � keiner der M�nner wollte eine Schlacht, die er nicht brauchen konnte, und Da vram Bashere w�rde bestimmt nicht gegen seine Landsleute k�mpfen �, aber jeder hatte das Recht, misstrauisch zu sein, was die Asha'man und ihre Unberechenbarkeit betraf. Sie schob den Finger von dem sechszackigen Stern, der Caemlyn symbolisierte, ein paar Meilen weiter bis zu der Stelle, die die Asha'man f�r sich in Anspruch genommen hatten. Die Schwarze Burg war nicht eingezeichnet, aber sie wusste nur zu gut, wo sie sich befand. Wenigstens war das ein ordentliches St�ck von der Lugard-Stra�e entfernt. Es w�rde nicht schwierig sein, die Grenzl�nder auf den Weg ins s�dlich befindliehe Murandy zu schicken, ohne die Asha'man aufzuschrecken.</p><p>Der Gedanke, die Asha'man nicht aufschrecken zu d�rfen, lie� sie die Lippen zusammenpressen, aber es gab nichts, was sie daran in absehbarer Zeit �ndern konnte, also schob sie die schwarz gekleideten M�nner im Geiste zur Seite. Um was man sich jetzt nicht k�mmern konnte, musste man sich eben sp�ter k�mmern.</p><p>�Und die anderen?� Sie musste nicht mehr sagen. Sechs gro�e H�user hatten sich noch nicht erkl�rt � jedenfalls weder ihr noch Arymilla gegen�ber. Dyelin behauptete, am Ende w�rden sie sich alle Elayne anschlie�en, aber bis jetzt lie�en sie nichts dergleichen erkennen. Auch Sabeine und Julanya hatten nach der Entscheidung dieser sechs H�user Erkundigungen eingezogen. Die beiden Frauen hatten die letzten zwanzig Jahre als Hausierer verbracht, sie waren an die harte Art des Reisens gew�hnt, hatten in St�llen oder unter B�umen geschlafen und weniger auf das geh�rt, was die Leute erz�hlten, als vielmehr auf das, was sie nicht sagten. Sie waren die perfekten Kundschafterinnen. Es w�rde ein gro�er Verlust sein, wenn man sie daf�r einteilen musste, bei der Versorgung der Stadt zu helfen.</p><p>�Den Ger�chten zufolge hat man Lord Luan an einem Dutzend Orte gesichtet, im Osten und Westen.�</p><p>Birgitte musterte die faltige Karte finster, so als musste Luans Aufenthalt eingezeichnet sein, und murmelte einen Fluch, der wesentlich obsz�ner als angebracht war, jetzt, da Reene Harfor nicht mehr anwesend war.</p><p>�Immer im n�chsten Dorf, oder im �bern�chsten. Lady Ellorien und Lord Abelle scheinen spurlos verschwunden zu sein, so schwer das f�r die Herrscher von H�usern auch sein muss. Zumindest haben Frau Ocalin und Frau Porte nicht ein Ger�cht �ber sie aufschnappen k�nnen, genauso wenig wie �ber die Waffenm�nner von Haus Traemane oder Haus Pendar. Weder �ber Mann noch Pferd.� <emphasis>Das war</emphasis> sehr ungew�hnlich. Hier gab sich jemand au�erordentlich gro�e M�he.</p><p>�Abelle konnte immer schon ein Geist sein, wenn er wollte�, murmelte Dyelin, �der schaffte es immer, einen auf dem falschen Fu� zu erwischen. Ellorien ...� Sie strich sich mit den Fingern �ber die Lippen und seufzte. �Die Frau ist zu schrill, um verschwinden zu k�nnen. Es sei denn, sie ist bei Abelle oder Luan. Oder bei beiden.� Ganz egal, was sie sonst sagte, diese Vorstellung schien ihr nicht zu behagen.</p><p>�Und was unsere anderen �Freunde� angeht�, sagte Birgitte, �Lady Arathelle hat vor f�nf Tagen die Grenze von Murandy �berschritten.� Sie tippte etwa zweihundert Meilen s�dlich von Caemlyn entfernt auf die Karte. �Vor vier Tagen hat Lord Pelivar die Grenze f�nf oder sechs Meilen weiter westlich �berschritten, und Lady Aemlyn hier, wieder etwa sechs Meilen weiter.�</p><p>�Nicht zusammen�, sagte Dyelin und nickte. �Haben sie Murandianer mitgebracht? Nicht? Gut. Sie k�nnten zu ihren G�tern wollen, Elayne. Wenn sie sich noch weiter voneinander entfernen, dann wissen wir es genau.� Diese drei H�user hatten ihr von allen das gr��te Unbehagen bereitet.</p><p>�Sie k�nnten auf dem Heimweg sein�, stimmte Birgitte z�gerlich hinzu, so wie immer, wenn sie mit Dyelin einer Meinung war. Sie zog ihren aufw�ndig geflochtenen Zopf �ber die Schulter und umklammerte ihn beinahe auf die gleiche Weise mit der Faust wie sonst Nynaeve. �Die M�nner und Pferde m�ssen ersch�pft sein, nachdem sie im Winter in Murandy einmarschiert sind. Aber mit Sicherheit wissen wir nur, dass sie auf dem Marsch sind.�</p><p>Aviendha schnaubte. Zog man ihr elegantes Samtgewand in Betracht, �berraschte einen dieser Laut. �Gehe immer davon aus, dass dein Feind das tut, was du nicht willst. Entscheide, was f�r dich das Schlimmste w�re, und plane dementsprechend.�</p><p>�Aemlyn, Arathelle und Pelivar sind keine Feinde�, protestierte Dyelin schwach. Ob sie nun glaubte, dass sie ihren Treueid noch rechtzeitig leisten w�rden oder nicht, diese drei hatten Dyelins Thronanspruch unterst�tzt.</p><p>Elayne hatte nie davon gelesen, dass man eine K�nigin auf den Thron <emphasis>gezwungen</emphasis> hatte � vermutlich h�tte das sowieso keinen Einzug in die Chroniken gefunden �, aber Aemlyn, Arathelle und Pelivar schienen bereit zu sein, es zu versuchen, und nicht, weil sie Macht f�r sich selbst erhofften. Dyelin wollte den Thron nicht, aber sie w�rde kaum eine unt�tige Herrscherin sein. Es war schlichtweg so, dass es im letzten Jahr von Morgase Trakands Herrschaft eine Katastrophe nach der anderen gegeben hatte, und nur wenige wussten oder glaubten, dass sie w�hrend dieser Zeit die Gefangene eines der Verlorenen gewesen war. Einige H�user wollten jeden anderen anstelle einer weiteren Trakand auf dem Thron sehen. Oder glaubten zumindest, dass sie es wollten.</p><p>�Was ist das Schlimmste, das sie tun k�nnten?�, fragte Elayne. �Wenn sie sich auf ihre G�ter zur�ckziehen, dann sind sie bis zum Fr�hling aus dem Spiel, und dann wird alles entschieden sein.� Wenn es das Licht wollte. �Aber wenn sie nach Caemlyn kommen?�</p><p>�Ohne die Murandianer haben sie nicht genug Waffenm�nner, um Arymilla herauszufordern.� Birgitte studierte die Karte und rieb sich das Kinn. �Wenn sie bis jetzt noch nicht wissen, dass sich die Aiel und die Legion des Drachen heraushalten, dann werden sie es bald erfahren m�ssen, aber sie werden Vorsicht walten lassen. Keiner von ihnen scheint dumm genug zu sein, um einen Kampf zu provozieren, den sie nicht gewinnen k�nnen; nicht, wenn sie es nicht m�ssen. Ich w�rde sagen, sie schlagen irgendwo im Osten oder S�dosten ein Lager auf, wo sie die Ereignisse verfolgen und vielleicht auch beeinflussen k�nnen.�</p><p>Dyelin trank den Rest des Weins, der mittlerweile kalt sein musste, atmete tief aus und ging, um den Pokal erneut zu f�llen. �Wenn sie nach Caemlyn kommen�, sagte sie in bleiernem Tonfall, �dann hofft jeder von ihnen, dass sich ihm Luan oder Abelle oder Ellorien anschlie�t. Oder alle drei.�</p><p>�Dann m�ssen wir herausfinden, wie wir sie davon abhalten k�nnen, Caemlyn zu erreichen, bevor unsere Pl�ne sich erf�llen, und zwar ohne sie f�r immer zu unseren Feinden zu machen.� Elayne bem�hte sich, ihre Stimme so energisch klingen zu lassen, wie Dyelins leblos war. �Und wir m�ssen einen Plan schmieden, was wir tun wollen, wenn sie zu fr�h eintreffen. Dyelin, wenn das geschieht, dann m�sst Ihr sie da � von �berzeugen, dass sie zwischen mir und Arymilla w�hlen m�ssen. Sonst sind wir in einem Durcheinander gefangen, das wir m�glicherweise niemals wieder entwirren k�nnen, und Andor mit uns.�</p><p>Dyelin grunzte, als h�tte man sie geschlagen. Es war fast f�nfhundert Jahre her, dass die gro�en H�user drei unterschiedliche Anw�rter auf den L�wenthron unterst�tzt hatten, und der nachfolgende Krieg hatte sieben Jahre gedauert, bevor eine K�nigin gekr�nt worden war. Zu diesem Zeitpunkt waren alle urspr�nglichen Thronanw�rter schon lange tot gewesen.</p><p>Ohne nachzudenken, griff Elayne nach ihrer Tasse und trank einen Schluck. Der Tee war kalt geworden, aber der Geschmack nach Honig explodierte f�rmlich auf ihrer Zunge. Honig! Sie sah Aviendha erstaunt an, und die Lippen ihrer Schwester verzogen sich zu einem schmalen L�cheln. Einem verschw�rerischen L�cheln, als ob Birgitte nicht genau gewusst h�tte, was passiert war. Zwar versetzte nicht einmal ihr auf seltsame Weise �berh�hter Bund sie in die Lage, das zu schmecken, was Elayne schmeckte, aber sie hatte mit Sicherheit ihre �berraschung und das Vergn�gen wahrgenommen, das sie beim Trinken des Tees emp � funden hatte. Sie st�tzte die F�uste in die H�ften und setzte eine strenge Miene auf. Das hei�t, sie versuchte es; trotz ihrer Bem�hungen konnte auch sie sich eines L�chelns nicht erwehren. Pl�tzlich wurde sich Elayne bewusst, dass Birgittes Kopfschmerzen verflogen wa � ren. Sie vermochte nicht zu sagen, wann das passiert war, aber sie waren nicht mehr da.</p><p>�Hoffe f�r das Beste und plane f�r das Schlimmste�, sagte sie. �Manchmal passiert sogar das Beste.�</p><p>Dyelin wusste nicht �ber den Honig Bescheid, sie sah nur, dass sie alle drei grinsten, und r�usperte sich lautstark. �Und manchmal auch nicht. Wenn Euer kluger Plan in <emphasis>allen</emphasis> Einzelheiten funktioniert, Elayne, dann brauchen wir weder Aemlyn oder Ellorien oder die anderen, aber es ist ein schrecklich riskantes Spiel. Es muss nur etwas schief gehen und ...�</p><p>Der linke T�rfl�gel �ffnete sich und lie� einen Schwall kalter Luft und eine rotwangige Frau mit eiskaltem Blick und dem goldenen Knoten eines Unterleutnants auf der Schulter herein. Sie h�tte auch anklopfen k�nnen, aber selbst wenn sie es getan hatte, hatte das Gewebe den Laut verschluckt. Genau wie Rasoria war Tzigan Sokorin eine J�gerin des Horns gewesen, bevor sie sich Elaynes Leibwache angeschlossen hatte. Anscheinend war die Wachabl�sung vollzogen worden. �Die Weise Frau Monaelle w�nscht Lady Elayne zu sprechen�, verk�ndete Tzigan. �Sie wird von Frau Karistovan begleitet.�</p><p>Sumeko konnte man abwimmeln, aber nicht Monaelle. Arymillas Leute w�rden sich genauso wenig mit den Aiel wie mit den Aes Sedai anlegen, aber nur eine Sache von �u�erster Wichtigkeit w�rde eine Weise Frau in die Stadt gef�hrt haben. Das wusste auch Birgitte; sie faltete die Karte zusammen. Aviendha l�ste ihr Gewebe sich auf und lie� die Quelle los.</p><p>�Bittet sie einzutreten�, sagte Elayne.</p><p>Monaelle wartete nicht auf Tzigan, sondern rauschte in dem Augenblick herein, in dem das Gewebe verschwand; ihre vielen goldenen und elfenbeinernen Armreifen klirrten, als sie in der vergleichsweise warmen Luft das Schultertuch in die Ellbeugen rutschen lie�. Elayne wusste nicht, wie alt Monaelle war � Weise Frauen waren nicht so z�gerlich wie Aes Sedai, wenn es um ihr Alter ging, aber sie waren verschwiegen �, doch sie schien die mittleren Jahre noch nicht weit hinter sich gelassen zu haben. In ihrem taillenlangen blonden Haar waren ein paar rote Str�hnen, aber nicht eine graue. F�r eine Aiel war sie klein, kleiner sogar als Elayne, und sie hatte ein g�tiges, m�tterliches Gesicht.</p><p>Sie war kaum stark genug in der Macht, dass man sie in der Wei�en Burg aufgenommen h�tte, aber unter Weisen Frauen z�hlte die St�rke nicht, und sie nahm bei ihnen einen sehr hohen Rang ein. Was aber f�r Elayne und Aviendha noch viel wichtiger war, sie hatte bei ihrer Wiedergeburt als Erstschwestern als Hebamme fungiert. Elayne machte einen tiefen Knicks vor ihr und ignorierte Dyelins abf�lliges Schnauben, und Aviendha machte mit gefalteten H�nden eine tiefe Verbeugung. Abgesehen von den Pflichten, die sie nach den Aiel-Br�uchen ihrer Hebamme gegen�ber hatte, nahm sie unter den Weisen Frauen immer noch den Rang eines Lehrlings ein.</p><p>�Ich gehe davon aus, dass dein Bed�rfnis nach Abgeschiedenheit gestillt ist�, sagte Monaelle, �und es ist Zeit, dass ich deinen Zustand �berpr�fe, Elayne Trakand.</p><p>Das sollte bis zum Ende der Schwangerschaft zweimal monatlich geschehen.� Warum sah sie Aviendha stirnrunzelnd an? Oh, beim Licht, das Samtgewand!</p><p>�Und ich bin mitgekommen, um ihr dabei zuzusehen�, f�gte Sumeko hinzu und folgte der Weisen Frau ins Zimmer. Sumeko war eine beeindruckende Person, eine st�mmige Frau mit selbstsicherem Blick; sie trug ein hervorragend geschnittenes gelbes Wollgewand mit einem roten G�rtel, in ihrem glatten schwarzen Haar steckten Silberk�mme und an dem hohen roten Kragen ein kreisf�rmiger Anstecker aus Silber. Sie h�tte eine Adlige oder eine wohlhabende Kauffrau sein k�nnen. Fr�her hatte sie eine gewisse Sch�chternheit gezeigt, zumindest in Anwesenheit von Aes Sedai, aber das war vorbei. Nicht bei Aes Sedai oder Soldaten der K�niglichen Garde. �Ihr d�rft gehen�, sagte sie zu Tzigan. �Das geht Euch nichts an.� Oder bei Adligen, was das anging. �Ihr d�rft auch gehen, Lady Dyelin, und Ihr auch, Lady Birgitte.� Sie musterte Aviendha, als z�ge sie in Betracht, sie auch auf die Liste zu setzen.</p><p>�Aviendha darf bleiben�, sagte Monaelle. �Sie vers�umt viel Unterricht, und sie muss das hier fr�her oder sp�ter lernen.� Sumeko nickte zustimmend, aber sie richtete weiterhin einen k�hlen, ungeduldigen Blick auf Dyelin und Birgitte.</p><p>�Lady Dyelin und ich haben einiges zu besprechen�, sagte Birgitte, schob sich die zusammengefaltete Karte unter den roten Mantel und setzte sich in Richtung T�r in Bewegung. �Ich erz�hle dir heute Abend, was wir uns haben einfallen lassen, Elayne.�</p><p>Dyelin warf ihr einen Blick zu, der fast so scharf wie der war, den sie Sumeko gewidmet hatte, aber sie stellte ihren Pokal auf einem Tablett ab und entbot Elayne ihren Hofknicks, um dann mit sichtlicher Ungeduld zu warten, w�hrend Birgitte Monaelle in aller Ruhe etwas ins Ohr fl�sterte und die Weise Frau genauso leise etwas erwiderte. Wor�ber fl�sterten sie? Vermutlich ging es um Ziegenmilch.</p><p>Sobald sich die T�r hinter Tzigan und den beiden Frauen geschlossen hatte, bot Elayne an, nach frischem Wein zu schicken, da der Wein in den Kannen kalt war, aber Sumeko lehnte kurz angebunden ab und Monaelle gedankenverloren. Die Weise Frau musterte Aviendha mit solcher Intensit�t, dass die junge Aiel err�tete und zur Seite schaute.</p><p>�Ihr d�rft Aviendha nicht wegen ihrer Kleidung schelten, Monaelle�, sagte Elayne. �Ich habe sie gebeten, das zu tragen, und sie hat es mir zuliebe getan.�</p><p>Monaelle sch�rzte die Lippen, bevor sie antwortete.</p><p>�Erstschwestern sollten einander Gefallen tun�, sagte sie schlie�lich. �Du kennst deine Pflicht deinem Volk gegen�ber, Aviendha. Bis jetzt hast du eine schwierige Aufgabe gut gemeistert. Du musst lernen, in zwei Welten zu leben, also ist es gut, dass du dich an solche Kleidung gew�hnst.� Aviendha fing an, sich zu entspannen. Bis Monaelle fortfuhr. �Aber nicht zu sehr. Von jetzt an wirst du jeden dritten Tag und die Nacht in den Zelten verbringen. Du kannst morgen mit mir zur�ckkehren. Du musst noch viel lernen, bevor du zur Weisen Frau werden kannst, und das ist genauso sehr deine Pflicht, wie eine Bindeschnur zu sein.�</p><p>Elayne ergriff die Hand ihre Schwester, und als Aviendha versuchte, nach einem kurzen Druck loszulassen, hielt sie sie weiter fest. Nach kurzem Z�gern erwiderte Aviendha den Druck. Auf eine seltsame Weise tr�stete sie Elayne �ber die Abwesenheit Rands hinweg; sie war nicht nur eine Schwester, sondern eine Schwester, die ihn ebenfalls liebte. Sie konnten sich ihre Kr�fte teilen und einander zum Lachen bringen, wenn sie weinen wollten, und sie konnten gemeinsam weinen, wenn sie das brauchten. Eine Nacht von dreien, das bedeutete vermutlich, eine Nacht von dreien allein weinen zu m�ssen. Beim Licht, was tat Rand da blo�? Das f�rchterliche Fanal im Westen leuchtete noch immer so stark wie zuvor, und sie war davon �berzeugt, dass er sich genau in seinem Herzen befand. Nicht ein Partikel hatte sich an ihrem Bund ge�ndert, aber sie war davon �berzeugt.</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewusst, dass sie Aviendhas Hand fast zerquetschte, und ihre Schwester hielt sie genauso fest. Sie lockerten ihre Griffe gleichzeitig. Aber keine von ihnen lie� los.</p><p>�M�nner machen selbst dann noch �rger, wenn sie nicht da sind�, meinte Aviendha leise.</p><p>�Das ist wahr�, stimmte Elayne ihr zu.</p><p>Monaelle l�chelte, als sie das vernahm. Sie geh�rte zu den wenigen Personen, die �ber den Bund mit Rand Bescheid wussten, und wer der Vater ihres Kindes war. Aber von den Kusinen wusste es niemand.</p><p>�Ich glaube, Ihr habt Euch von einem Mann genug �rger eingebrockt, Elayne�, sagte Sumeko steif. Die Kusinen folgten den Regeln f�r Novizinnen und Aufgenommenen, die nicht nur Kinder verboten, sondern auch alles, was zu ihnen f�hren konnte, und sie hielten sich strikt daran. Fr�her h�tte eine Kusine eher ihre Zunge verschluckt, bevor sie vorgeschlagen h�tte, dass eine Aes Sedai die Regeln verletzt. Aber seitdem hatte sich vieles ver�ndert. �Ich soll heute noch nach Tear Reisen, damit ich morgen eine Ladung �l und Getreide mitbringen kann, und es wird sp�t. Wenn Ihr also mit Eurem Gerede �ber M�nner fertig seid, schlage ich vor, dass Ihr Monaelle das tun lasst, weswegen sie gekommen ist.�</p><p>Monaelle stellte Elayne vor den Kamin, nahe genug an den fast verbrannten Scheiten, dass es fast schon unbehaglich war � es war gut, wenn die Mutter sehr warm war, erkl�rte sie �, dann umgab sie der Schimmer <emphasis>Saidars,</emphasis> und sie fing an, Str�nge aus Geist und Erde und Feuer zu weben. Aviendha sah fast genauso aufmerksam zu wie Sumeko.</p><p>�Was ist das?�, fragte Elayne, als das Gewebe sie einh�llte und dann in ihr versank. �Ist das so etwas wie die Tiefenschau?� Jede Aes Sedai im Palast hatte sie der Tiefenschau unterzogen, obwohl nur Merilille ausreichende F�higkeiten im Heilen hatte, um etwas damit anfangen zu k�nnen, aber weder sie noch Sumeko hatten ihr mehr verraten k�nnen, als dass sie schwanger war. Sie versp�rte ein sanftes Kribbeln, eine Art Summen tief in ihrem Leib.</p><p>�Seid nicht albern, M�dchen�, sagte Sumeko geistesabwesend. Elayne hob eine Braue und dachte sogar daran, Sumeko ihren Gro�en Schlangenring unter die Nase zu halten, aber sie schien es nicht zu bemerken. Vermutlich h�tte sie auch den Ring nicht bemerkt. Sie beugte sich vor und schaute, als k�nnte sie das Gewebe in Elaynes Leib sehen. �Die Weisen Frauen haben von mir das Heilen gelernt. Und von Nynaeve, sch�tze ich�, gestand sie einen Augenblick sp�ter ein. Oh, h�tte Nynaeve das geh�rt, w�re sie wie ein Feuerwerk in die Luft gegangen. Aber Sumeko hatte Nynaeve schon lange weit hinter sich gelassen. �Und die einfache Form haben sie von den Aes Sedai gelernt.� Ein Schnauben, das wie zerrei�endes Segeltuch klang, verriet, was Sumeko von der einfachen Form hielt, die einzige Art des Heilens, die Aes Sedai seit Tausenden von Jahren praktizierten. �Das hier ist etwas, das die Weisen Frauen selbst konnten.�</p><p>�Man nennt es �das Kind Liebkosen��, sagte Monaelle abwesend. Der gr��te Teil ihrer Aufmerksamkeit war auf das Gewebe gerichtet. Eine einfache Tiefenschau, um festzustellen, was jemandem fehlte � es <emphasis>war</emphasis> einfach, wenn man dar�ber nachdachte �, w�re mittlerweile l�ngst beendet, aber sie ver�nderte die Str�me, und das Summen in Elaynes Innerem ver�nderte sich und drang tiefer. �M�glicherweise ist es ein Teil des Heilens, aber uns war das schon vor der Zeit bekannt, als man uns ins Dreifache Land schickte. Ein paar der benutzten Str�me �hneln dem, was Sumeko Karistovan und Nynaeve al'Meara uns gezeigt haben. Beim Liebkosen des Kindes erf�hrt man etwas �ber die Gesundheit von Mutter und Kind, und indem man die Gewebe ver�ndert, kann man auch so manches Problem beseitigen, das sich bei beiden einstellen k�nnte, aber es funktioniert nicht bei einer Frau, die nicht schwanger ist. Nat�rlich auch bei keinem Mann.� Das Summen wurde lauter, bis es den Anschein hatte, als m�sste es jeder h�ren k�nnen. Elayne hatte das Gef�hl, als w�rden ihre Z�hne vibrieren.</p><p>Ein fr�herer Gedanke kehrte zur�ck, und sie sagte: �Kann das Lenken der Macht meinem Kind schaden?</p><p>Ich meine, wenn ich sie ergreife?�</p><p>�Nicht mehr als das Atmen�, sagte Monaelle und lie� das Gewebe mit ei nem Grinsen verschwinden.</p><p>�Du hast zwei. Es ist zu fr�h, um sagen zu k�nnen, ob es M�dchen oder Jungen sind, aber sie sind gesund, und du bist es auch.�</p><p>Zwei! Elayne teilte ein breites L�cheln mit Aviendha.</p><p>Sie konnte die Freude ihrer Schwester f�rmlich f�hlen.</p><p>Sie w�rde Zwillinge bekommen. Rands Babys. Hoffentlich ein Junge und ein M�dchen, oder zwei Jungen.</p><p>Zwillingsm�dchen w�rden die Thronnachfolge erheblich erschweren. Niemand errang die Rosenkrone und hatte alle H�user geschlossen hinter sich versammelt.</p><p>Sumeko gab einen dr�ngenden Laut von sich und zeigte auf Elayne, und Monaelle nickte. �Macht es genauso wie ich, und Ihr werdet es sehen.� Sie sah zu, wie Sumeko die Quelle umarmte und das Gewebe erschuf, und sie nickte erneut, und die pummelige Kusine lie� es in Elayne hineinsinken. Sie stie� ein Keuchen aus, als w�rde sie das Summen selbst sp�ren.</p><p>�Du wirst dir wegen der Morgenkrankheit keine Sorgen machen m�ssen�, fuhr Monaelle fort, �aber das Lenken der Macht wird dir manchmal Schwierigkeiten bereiten. Die Str�nge k�nnen dir entgleiten, als w�ren sie eingefettet oder wie Nebel, und du wirst auch die einfachsten Gewebe immer wieder von vorn beginnen m�ssen. Das kann mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft schlimmer werden, und w�hrend der Wehen und der Geburt selbst wirst du die Macht �berhaupt nicht lenken k�nnen, aber das gibt sich sofort wieder, nachdem die Kinder da sind. Du wirst auch bald launisch werden, falls das nicht schon angefangen hat, im einen Augenblick weinerlich, im n�chsten gereizt. Der Vater deines Kindes wird klug beraten sein, dir so gut wie m�glich aus dem Weg zu gehen.�</p><p>�Wie ich geh�rt habe, hat sie ihm heute Morgen schon den Kopf abgerissen�, murmelte Sumeko. Sie lie� das Gewebe los, richtete sich auf und r�ckte den roten G�rtel zurecht. �Das ist erstaunlich, Monaelle. Ich w�re nie darauf gekommen, dass es ein Gewebe gibt, das nur bei schwangeren Frauen angewandt werden kann.�</p><p>Elaynes Mund verzog sich, aber dann sagte sie nur: �Das alles k�nnt Ihr mit diesem Gewebe sagen, Monaelle?� Es war besser, wenn die Leute Doilan Mellar f�r den Vater ihrer Kinder hielten. Die Kinder Rand al'Thors w�rden Ziele darstellen, denen man aus Hass oder Furcht oder um des Vorteils willen nachstellte, aber niemand w�rde einen Gedanken an sie verschwenden, wenn sie von Mellar stammten, vermutlich nicht einmal Mellar selbst. Es war besser so, und damit war das Thema erledigt.</p><p>Monaelle warf den Kopf in den Nacken und lachte so heftig, dass sie sich mit der Spitze des Schultertuchs die Augen trocknen musste. �Ich wei� das, weil ich sieben Kinder zur Welt gebracht und drei Ehem�nner hatte, Elayne Trakand. Das Lenken der Macht besch�tzt dich vor der Morgenkrankheit, aber daf�r ist dann ein anderer Preis zu entrichten. Komm, Aviendha, du musst es auch versuchen. Vorsichtig, jetzt. Genau, wie ich es gemacht habe.�</p><p>Eifrig umarmte Aviendha die Quelle, aber bevor sie einen Strang weben konnte, lie� sie <emphasis>Saidar</emphasis> los und wandte den Kopf, um auf die holzget�felte Wand zu starren. In Richtung Westen. Elayne, Monaelle und Sumeko schl�ssen sich ihr an. Das Fanal, das so lange gebrannt hatte, war verschwunden. In dem einen Augenblick war es noch da gewesen, wild loderndes <emphasis>Saidar,</emphasis> dann war es verschwunden, als h�tte es nie existiert.</p><p>Sumekos massiger Busen hob sich, als sie tief Luft holte. �Ich glaube, heute ist entweder etwas sehr Wunderbares oder sehr Schreckliches geschehen�, sagte sie leise. �Und ich glaube, ich habe Angst zu erfahren, was es ist.�</p><p>�Etwas Wunderbares�, sagte Elayne. Es war vollendet, was auch immer es war, und Rand lebte. Das allein war schon wunderbar genug. Monaelle sah sie fragend an. Da sie �ber den Bund Bescheid wusste, konnte sie den Rest erraten, aber sie spielte gedankenverloren an einer ihrer Ketten herum. Sie w�rde es sowieso aus Aviendha herausholen.</p><p>Ein Klopfen an der T�r lie� alle zusammenzucken.</p><p>Jedenfalls alle bis auf Monaelle. Sie tat so, als w�rde sie nicht sehen, wie die anderen zusammenzuckten, konzentrierte sich aber zu �bertrieben darauf, ihr Schultertuch zu richten, was den Kontrast nur noch gr��er machte. Sumeko hustete, um ihre Verlegenheit zu �berspielen.</p><p>�Herein�, sagte Elayne laut. Selbst ohne Schutzgewebe musste man fast schreien, um durch die T�r geh�rt zu werden.</p><p>Caseille schob den Kopf durch die T�r, den Hut mit der Feder in der Hand, dann folgte der Rest von ihr, und sie schloss die T�r sorgf�ltig hinter sich. Der Spitzenbesatz am Hals und an den Handgelenken war bl�tenwei�, die Spitze und die L�wen auf ihrer Sch�rpe gl�nzten, und ihr Harnisch funkelte wie frisch poliert, aber offensichtlich hatte sie ihren Dienst sofort wieder aufgenommen, nachdem sie sich nach ihrem Ausflug frisch gemacht hatte. �Verzeiht die St�rung, meine Lady, aber ich fand, Ihr solltet es sofort erfahren. Das Meervolk ist in Aufruhr, jedenfalls die, die noch da sind. Anscheinend wird ein Lehrling vermisst.�</p><p>�Und was noch?�, fragte Elayne. Ein vermisster Lehrling war schon schlimm genug, aber etwas an Caseilles Gesicht verriet ihr, dass da noch mehr war.</p><p>�Gardistin Azeri hat mir erz�hlt, dass sie gesehen hat, wie Merilille Sedai vor drei Stunden den Palast verlie߫, sagte Caseille z�gernd. �Merilille und eine Frau in Umhang und hochgeschlagener Kapuze. Sie haben Pferde genommen und ein beladenes Maultier. Yurith sagte, die H�nde der anderen Frau seien t�towiert gewesen. Meine Lady, niemand hatte einen Grund ...�</p><p>Elayne winkte ab. �Caseille, keiner hat etwas falsch gemacht. Niemand wird zur Verantwortung gezogen werden.� Jedenfalls keine der Gardistinnen. Das war ja ein sch�ner Schlamassel. Talaan und Metarra, die beiden Lehrlinge der Windsucherinnen, waren stark in der Macht. Wenn Merilille eine von ihnen dazu hatte �berreden k�nnen, eine Aes Sedai zu werden, dann hatte sie sich m�glicherweise auch selbst davon �berzeugen k�nnen, dass sie, wenn sie das M�dchen dorthin brachte, wo man sie in das Novizinnenbuch eintragen konnte, einen ausreichenden Grund hatte, um ihr Versprechen zu brechen, die Windsucherinnen zu unterrichten. Und die w�rden mehr als aufgebracht sein, Merilille zu verlieren, und au�er sich vor Zorn �ber den Verlust ihres Lehrlings. Sie w�rden <emphasis>jedem</emphasis> die Schuld geben, und vor allem Elayne.</p><p>�Ist Merililles Abreise schon allgemein bekannt?�, fragte sie.</p><p>�Noch nicht, meine Lady, aber wer auch immer die Pferde gesattelt und das Maultier beladen hat, wird nicht den Mund halten. Stallburschen haben nicht viel, wor�ber sie klatschen k�nnen.� Also mehr ein Buschfeuer als ein Schlamassel, und es bestand kaum eine Chance, es zu l�schen, bevor es die Scheune erreichte.</p><p>�Ich hoffe, Ihr esst nachher mit mir, Monaelle�, sagte Elayne, �aber jetzt m�sst Ihr mich entschuldigen.� Ob sie ihrer Hebamme nun gegen�ber verpflichtet war oder nicht, sie wartete nicht die Zustimmung der anderen Frau ab. Der Versuch, das Feuer zu l�schen, w�rde vielleicht verhindern, dass die Flammen auf die Scheune �bersprangen. Vielleicht. �Caseille, informiert Birgitte und sagt ihr, sie soll den W�chtern am Tor sofort den Befehl �bermitteln, nach Merilille Ausschau zu halten. Ich wei�, ich wei�, vermutlich hat sie die Stadt schon l�ngst verlassen, und die Torw�chter w�rden sowieso keine Aes Sedai aufhalten, aber vielleicht k�nnen sie ihre Abreise verz�gern oder ihrer Begleiterin so viel Angst einjagen, dass sie zur�ck in die Stadt eilt und sich da versteckt. Sumeko, w�rdet Ihr Reanne bitten, jede Kusine, die nicht Reisen kann, in die Stadt zu schicken und die Stra�en zu durchk�mmen? Es ist kaum der Hoffnung wert, aber vielleicht war Merilille der Meinung, dass es zu sp�t war, um heute noch aufzubrechen. �berpr�ft jedes Gasthaus, den <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> eingeschlossen ...�</p><p>Sie hoffte, dass Rand heute etwas Wunderbares getan hatte, aber im Moment konnte sie keine Zeit darauf verschwenden, auch nur dar�ber nachzudenken. Sie musste einen Thron erobern und sich mit w�tenden Atha'an Miere auseinander setzen, und zwar hoffentlich, bevor sie ihren �rger an ihr auslie�en. Kurz gesagt, es war ein Tag wie jeder andere seit ihrer R�ckkehr nach Caemlyn, und das bedeutete, sie hatte alle H�nde voll zu tun.</p></section><section><title><p>15</p><p>Heraufziehende Dunkelheit</p></title><p>Die Abendsonne hing wie eine blutrote Kugel �ber den Baumwipfeln und warf ihr fahles Licht auf das Lager, die weit verstreute Masse aus Pferdehalteseilen, Planwagen und hochr�drigen Karren und Zelten jeder Art und Gr��e. Der Schnee am Boden war zu Matsch zertrampelt. Weder die Tageszeit noch der Ort, an dem Elenia Sarand auf einem Pferder�cken sein wollte. Der Geruch von siedendem Rindfleisch, der aus den schwarzen Kesseln emporwallte, reichte aus, um ihr den Magen umzudrehen. Die kalte Luft verwandelte ihren Atem in Nebel und versprach eine bittere Nacht, und der Wind schnitt durch ihren besten roten Umhang, ohne sich an der dicken Schicht aus wei�em Pelz zu st�ren. Angeblich sollte Schneefuchs w�rmer als andere Pelze sein, aber das hatte sie noch nie feststellen k�nnen.</p><p>Sie hielt den Umhang mit einer behandschuhten Hand geschlossen, ritt langsam und gab sich � wenn auch nicht besonders erfolgreich � alle M�he, nicht zu zittern. In Anbetracht der Stunde schien es mehr als nur wahrscheinlich, dass sie die Nacht hier verbringen w�rde, aber bis jetzt hatte sie noch keine Ahnung, wo sie schlafen sollte. Zweifellos im Zelt irgendeines niedrigen Adligen, den man irgendwo anders hin verfrachtet hatte und der sich alle M�he gab, gute Miene zum b�sen Spiel zu machen, aber Arymilla lie� sie gern bis zum letzten Augenblick zappeln � was ihr Nachtlager und auch alles andere anging. Eine Unsicherheit wurde erst dann ausger�umt, sobald eine andere sie ersetzen konnte. Offensichtlich war die Frau der Meinung, dass st�ndige Unsicherheit sie gef�gig machen w�rde, sie vielleicht sogar zu Beflissenheit antrieb. Das war bei weitem nicht Arymillas einzige Fehleinsch�tzung, das fing schon mit dem Glauben an, dass man Elenia Sarand die Krallen gestutzt hatte.</p><p>Sie hatte nur vier M�nner mit den beiden Goldenen Ebern auf den Umh�ngen als Eskorte � und ihre Zofe Janny nat�rlich, die sich so in ihrem Umhang zusammenkauerte, dass sie auf dem Sattel wie ein gr�nes Wollb�ndel erschien �, und sie hatte in dem Lager nicht einen einzigen Burschen gesehen, von dem sie sicher sein konnte, dass er auch nur einen Funken Loyalit�t f�r Haus Sarand in sich hatte. Hier und da trugen die M�nner, die sich mit ihren W�scherinnen und N�herinnen um die Feuer dr�ngten, den Roten Fuchs von Haus Anshar, und ihr war eine Zweierreihe Reiter mit Baryns Gefl�geltem Hammer im Schritttempo entgegengekommen, harte M�nner mit harten Gesichtern hinter den Visierstangen. Aber im Grunde z�hlten sie nicht viel. Karind und Lir hatten sich b�se verbrannt, weil sie bei Morgases Griff nach dem Thron zu langsam gewesen waren. Diesmal w�rden sie Haus Anshar und Haus Baryn in dem Moment, in dem sie deutlich sehen konnten, wo der Vorteil lag, auf die betreffende Seite bringen und Arymilla mit dem gleichen Eifer im Stich lassen, mit dem sie sich auf ihre Seite geschlagen hatten. Wenn die Zeit gekommen war.</p><p>Die meisten der M�nner, die durch den schlammigen Matsch wateten oder hoffnungsfroh in die widerw�rtigen Kessel sp�hten, waren Bauern und St�dter, die man dienstverpflichtet hatte, als ihr Herr oder ihre Herrin in den Krieg gezogen waren, und nur wenige trugen das Abzeichen ihres Hauses auf den sch�bigen M�nteln und geflickten Umh�ngen. Es war sogar so gut wie unm�glich, vermeintliche Soldaten von Hufschmieden und Pfeilmachern und dergleichen zu unterscheiden, da fast alle irgendein Schwert oder eine Axt trugen. Beim Licht, eine gro�e Anzahl der <emphasis>Frauen</emphasis> trugen Messer, die gro� genug waren, um als Kurzschwert durchzugehen, aber es war unm�glich, eine eingezogene Bauersfrau von einem Kutscher zu unterscheiden. Sie trugen alle das gleiche dicke Tuch und hatten die gleichen rauen H�nde und m�den Gesichter. Aber eigentlich spielte das auch keine Rolle. Diese Winterbelagerung war ein furchtbarer Fehler � die Waffenm�nner w�rden lange vor den Eingeschlossenen hungern �, aber sie verschaffte Elenia eine Chance, und wenn sich einem eine Gelegenheit bot, dann schlug man zu. Sie hatte die Kapuze so weit nach hinten geschoben, dass man ihre Z�ge trotz des schneidenden Windes erkennen konnte, und nickte jedem ungewaschenen Kerl, der auch nur in ihre Richtung glotzte, erhaben zu und ignorierte die Verbl�ffung, die einige �ber ihre Leutseligkeit zeigten.</p><p>Die meisten w�rden sich an ihre Freundlichkeit erinnern und an die Goldenen Eber, die ihre Eskorte trugen, und sie w�rden wissen, dass Elenia Sarand sie bemerkt hatte. Auf einem solchen Fundament baute man Macht auf. Eine Hohe Herrin stand genau wie eine K�nigin auf einem aus Menschen errichteten Turm. Keine Frage, die ganz unten waren Ziegel aus dem einfachsten Lehm, aber wenn diese schlichten Ziegel zerbr�ckelten und ihre Unterst�tzung fehlte, st�rzte der Turm um. Das hatte Arymilla anscheinend vergessen, wenn es ihr jemals bewusst gewesen war.</p><p>Elenia bezweifelte, dass Arymilla �berhaupt mit jemandem sprach, der im Rang unter einem Leibdiener stand. W�re es... angebracht... gewesen, h�tte sie selbst an jedem Lagerfeuer ein paar Worte gewechselt, vielleicht gelegentlich eine schmierige Hand ergriffen und sich an Leute erinnert, die ihr schon einmal begegnet waren, oder wenigstens so getan, als w�rde sie es tun. Arymilla fehlte einfach der Verstand, um K�nigin zu sein.</p><p>Das Lager nahm mehr Raum ein als die meisten St�dte, es �hnelte mehr hundert Lagern verschiedener Gr��e als einem, darum konnte Elenia umherschweifen, ohne sich allzu viel Sorgen darum machen zu m�ssen, an die Grenzen der anderen zu sto�en, aber sie gab trotzdem Obacht. Die diensthabenden Wachen w�rden h�flich sein, sofern sie nicht v�llig verbl�det waren, aber ohne jeden Zweifel hatten sie ihre Befehle. Im Prinzip hie� sie es gut, wenn Leute das taten, was man ihnen befahl, aber es w�rde besser sein, peinliche Zwischenf�lle zu vermeiden. Vor allem in Anbetracht der wahrscheinlichen Konsequenzen, falls Arymilla auf die Idee kam, dass sie tats�chlich hatte gehen wollen. Eine kalte Nacht im schmutzigen Zelt eines Soldaten hatte sie bereits gezwungenerma�en hinter sich, ein Unterschlupf, der kaum seinem Namen gerecht wurde, einschlie�lich Ungeziefer und schlecht geflickten L�chern, ganz zu schweigen von der fehlenden Janny, die ihr weder beim Ausziehen helfen noch f�r etwas zus�tzliche W�rme unter der zerschlissenen Decke sorgen konnte, und das alles blo� wegen einer angeblichen Beleidigung. Nun ja, es <emphasis>war</emphasis> eine Beleidigung gewesen, aber sie hatte Arymilla nicht f�r klug genug gehalten, sie zu verstehen. Beim Licht, allein schon der Gedanke, dass sie in Gegenwart dieser... N�rrin mit einem Erbsenhirn auf jedes Wort aufpassen musste! Sie zog den Umhang enger und versuchte so zu tun, als w�re das Schaudern nur eine Reaktion auf den Wind. Es gab Wichtigeres, wor�ber es sich nachzudenken lohnte. Wichtigere Dinge. Sie nickte einem jungen Mann mit weit aufgerissenen Augen und einem dunklen, um den Kopf gewickelten Schal zu, und er zuckte zur�ck, als h�tte sie ihn finster angestarrt. D�mlicher Bauer!</p><p>Der Gedanke, dass dieses junge Ding Elayne nur wenige Meilen entfernt gem�tlich und warm im Komfort des K�niglichen Palasts sa� und von Dutzenden gut ausgebildeten Dienern versorgt wurde und vermutlich �ber nichts Schwerwiegenderes nachgr�belte, als was sie abends beim Bankett tragen sollte, setzte ihr schwer zu. Ger�chten zufolge war das M�dchen schwanger, vermutlich von irgendeinem Gardisten. Das konnte schon sein. Elayne verf�gte �ber genauso wenig Anstand wie ihre Mutter. Dyelin war der Verstand, der dahintersteckte, ein scharfer und gef�hrlicher Verstand, auch wenn man ihren erb�rmlichen Mangel an Ambition in Betracht zog; vielleicht sogar von einer Aes Sedai beraten. Es musste mindestens eine richtige Aes Sedai hinter all diesen absurden Ger�chten stecken.</p><p>Es drangen so viele L�gengeschichten aus der Stadt, dass es schwer wurde, die Realit�t vom Unsinn zu trennen � Leute vom Meervolk, die L�cher in der <emphasis>Luft</emphasis> erschufen? V�lliger Bl�dsinn! �, dennoch hatte die Wei�e Burg offensichtlich ein Interesse daran, eine der ihren auf den Thron zu setzen. Und wieso auch nicht? Aber Tar Valon schien pragmatisch zu sein, wenn es um solche Dinge ging. Die Geschichte zeigte eindeutig, dass diejenige, die den L�wenthron gewann, bald herausfand, dass sie zugleich auch diejenige war, welche die Burg die ganze Zeit favorisiert hatte. Die Aes Sedai w�rden ihre Verbindung zu Andor nicht durch Unt�tigkeit verlieren, vor allem nicht, wenn die Burg selbst gespalten war. Das wusste Elenia so sicher wie ihren Namen. Wenn auch nur die H�lfte von dem, was man �ber die Zust�nde in der Burg h�rte, der Wahrheit entsprach, w�rde sich die n�chste K�nigin von Andor m�glicherweise in einer Position wieder finden, in der sie alles verlangen konnte, nur damit diese Verbindung aufrechterhalten wurde. Auf jeden Fall w�rde niemand vor dem Sommer mit der Rosenkrone gekr�nt werden, und bis dahin konnte sich noch vieles �ndern. Sehr vieles.</p><p>Sie machte ihre zweite Runde durch das Lager, als der Anblick einer weiteren kleinen berittenen Gruppe voraus, die sich im letzten Tageslicht langsam einen Weg vorbei an den Lagerfeuern suchte, sie die Stirn runzeln und ihr Pferd scharf z�geln lie�. Die Frauen trugen Umh�nge und tiefe Kapuzen, die eine trug dicke blaue Seide, die mit schwarzem Pelz verbr�mt war, die andere einfaches graues Tuch, aber der silberne dreib�rtige Schl�ssel auf den Umh�ngen der vier Waffenm�nner verk�ndete ihre Namen deutlich. Sie konnte m�helos eine Menge Leute benennen, denen sie lieber begegnet w�re als Naean Arawn. Zwar hatte Arymilla ihnen nicht ausdr�cklich verboten, sich ohne sie zu treffen � Elenia sp�rte nicht nur, wie ihre Z�hne knirschten, sie konnte es sogar h�ren, und sie zwang ihre Z�ge zu einer ausdruckslosen Miene �, aber im Augenblick erschien es kl�ger, die Dinge nicht zu forcieren. Vor allem, wenn ein solches Treffen keinerlei Vorteile bringen w�rde.</p><p>Zu ihrem Leidwesen sah Naean sie, bevor sie sich abwenden konnte. Die Frau sprach hastig mit ihrer Eskorte, und noch w�hrend sich die Waffenm�nner und die Dienerin in ihren S�tteln verbeugten, trieb sie ihr Pferd auf Elenia zu, und zwar in einem Tempo, dass die Hufe ihres schwarzen Wallachs Schneeklumpen in die H�he schleuderten. Das Licht sollte diese N�rrin verbrennen! Andererseits, was auch immer Naean zu einer solchen Unbesonnenheit veranlasste, war m�glicherweise interessant und zu wissen wert, ob es nun gef�hrlich war oder nicht. M�glicherweise, aber es herauszufinden barg seine eigenen Gefahren.</p><p>�Bleibt hier und vergesst nicht, dass ihr nichts seht�, fauchte Elenia ihr Gefolge an und stie� Morgenwind die Abs�tze in die Flanken, ohne auf eine Erwiderung zu warten. Sie brauchte nicht bei jeder Gelegenheit Verbeugungen und Hofknickse, jedenfalls nicht �ber das �bliche Ma� des Anstands hinaus, und ihre Leute wussten es besser, etwas anderes als befohlen zu tun. Um alle anderen musste sie sich Sorgen machen, sollten sie doch alle zu Asche verbrennen! Als die langbeinige Stute einen Satz nach vorn machte, entglitt ihr der Saum ihres Umhangs, und er flatterte hinter ihr her wie das blutrote Banner von Sarand. Sie verzichtete darauf, den Umhang wieder unter Kontrolle zu bringen, sich vor Bauern und das Licht allein wusste wem noch zu verrenken, also schnitt der Wind durch ihr Reitgewand, ein weiterer Grund f�r schlechte Laune.</p><p>Naean hatte wenigstens den Verstand, das Tempo zu drosseln und sie auf halbem Weg zu treffen, neben zwei schwer beladenen Karren, deren abgeschirrte Deichseln im Dreck lagen. Das n�chste Feuer war mindestens zwanzig Schritte entfernt, die n�chsten Zelte noch weiter, und ihre Eing�nge waren fest gegen die K�lte verschn�rt. Die M�nner am Feuer richteten ihre Aufmerksamkeit auf den gro�en Eisenkessel, der �ber dem Feuer dampfte, und der entstr�mende Gestank reichte aus, dass sich Elenia am liebsten �bergeben h�tte, aber wenigstens w�rde der Wind, der den Geruch heranwehte, keine Wortfetzen bis zu ihnen tragen. Aber es sollten besser wichtige Worte sein.</p><p>Man h�tte Naean als Sch�nheit bezeichnen k�nnen. Der schwarze Pelz rahmte ein Gesicht so hell wie Elfenbein ein, und es st�rte nicht einmal der strenge Zug um ihren Mund oder die Augen, die so kalt wie blaues Eis erschienen. Hoch aufgerichtet und nach au�en hin ganz ruhig, wirkte sie von allem unber�hrt. Ihr Atem, der sich in wei�en Nebel verwandelte, kam gleichm��ig und beherrscht.</p><p>�Wisst Ihr schon, wo Ihr diese Nacht schlafen werdet, Elenia?�, fragte sie.</p><p>Elenia gab sich nicht die geringste M�he, ihren w�tenden Blick zu verbergen. �Das wollt Ihr wissen?� Arymillas Zorn f�r eine hirnlose Frage zu riskieren! Der Gedanke daran, Arymillas Zorn heraufzubeschw�ren, allein die Vorstellung, dass Arymillas Zorn etwas war, dem sie aus dem Weg gehen musste, lie� sie fauchen. �Da wisst Ihr so viel wie ich, Naean.� Sie zog an den Z�geln und wollte gerade ihr Pferd herumrei�en, als Naean erneut das Wort ergriff, diesmal mit einer Spur Leidenschaft.</p><p>�Spielt mir nicht die Dumme vor, Elenia. Und erz�hlt mir nicht, dass Ihr nicht genauso wie ich bereit seid, Euch den eigenen Fu� abzubei�en, um aus dieser Falle herauszukommen. K�nnen wir jetzt wenigstens so tun, als w�ren wir h�flich zueinander?�</p><p>Elenia hielt Morgenwind halb von der anderen Frau abgewandt und sah sie von der Seite an, vorbei an dem pelzverbr�mten Saum ihrer Kapuze. So konnte sie auch die M�nner im Auge behalten, die sich ums Feuer dr�ngten. Hier waren keine Haus-Abzeichen zu sehen. Sie konnten zu jedem geh�ren. Gelegentlich warf einer der Burschen, die ihre H�nde unter die Achseln geschoben hatten, den beiden Ladys im Sattel einen Blick zu, aber ihr wahres Interesse galt dem Feuer und wie lange es dauern w�rde, bis das Rindfleisch zu so etwas wie Brei zerkochte. Solche M�nner schienen alles essen zu k�nnen.</p><p>�Glaubt Ihr, Ihr <emphasis>k�nnt</emphasis> entkommen?�, fragte sie leise.</p><p>H�flichkeit war sch�n und gut, aber nicht, wenn es bedeutete, sich hier l�nger als n�tig allen Blicken preiszugeben. Aber wenn Naean einen Ausweg sah... �Wie? Das Treuegel�bnis, das Ihr unterzeichnet habt, um Marne zu unterst�tzen, ist mittlerweile in halb Andor verteilt worden. Davon abgesehen glaubt Ihr ja wohl kaum, dass Arymilla Euch so ohne weiteres abreisen lassen wird.� Naean zuckte zusammen, und Elenia konnte ein schmales L�cheln nicht unterdr�cken. Die Frau war nicht so unbeteiligt, wie sie zu sein vorgab. Aber sie schaffte es immerhin, ihre Stimme ganz ruhig klingen zu lassen.</p><p>�Ich habe gestern Jarid gesehen, Elenia, und selbst aus einiger Entfernung sah er aus wie eine Gewitterwolke � er galoppierte daher, als wollte er dem Pferd und sich selbst den Hals brechen. Wie ich Euren Mann kenne, plant er bereits etwas, um Euch aus dieser Sache herauszuholen. F�r Euch w�rde er dem Dunklen K�nig ins Auge spucken.� Das stimmte; das w�rde er. �Ich bin sicher, Euch ist klar, dass es viel besser w�re, wenn ich Teil dieser Pl�ne w�re.�</p><p>�Mein Mann hat dasselbe Gel�bnis unterzeichnet wie Ihr, Naean, und er ist ein ehrenhafter Mann.� Tats�chlich war er ehrenhafter, als gut f�r ihn war, aber Elenias W�nsche waren schon vor ihrem Austausch des Ehegel�bdes sein Antrieb gewesen. Jarid hatte das Dokument unterschrieben, weil sie es ihm gesagt hatte � nicht dass sie unter diesen Umst�nden eine andere Wahl gehabt h�tte, und sollte sie verr�ckt genug sein, ihn darum zu bitten, w�rde er sich wieder davon distanzieren, wenn auch z�gernd. Nat�rlich bestand im Augenblick die Schwierigkeit darin, ihm ihre W�nsche mitzuteilen. Arymilla sorgte daf�r, dass sie nicht einmal auf eine Meile in seine N�he kam. Sie hatte alles in der Hand � soweit das unter diesen Umst�nden m�glich war �, aber sie musste Jarid Bescheid geben, und wenn auch nur, um ihn davon abzuhalten, ihr �einen Weg freizuk�mpfen�. Dem Dunklen K�nig ins Auge spukken? Er konnte sie beide ins Verderben f�hren in dem Glauben, ihr zu helfen, und m�glicherweise tat er es sogar in dem Wissen, dass es ihren Untergang bedeutete.</p><p>Es erforderte eine betr�chtliche Anstrengung, sich die ganze Frustration und Wut, die pl�tzlich in ihr aufwallte, nicht anmerken zu lassen, aber sie �berspielte die M�he mit einem L�cheln. Sie war sehr stolz darauf, das f�r jede Situation passende L�cheln aufsetzen zu k�nnen. Das hier zeigte eine Spur von �berraschung. Und einen Hauch Geringsch�tzung. �Ich plane gar nichts, Naean, und Jarid auch nicht, da bin ich mir sicher. Aber selbst wenn ich es t�te, warum sollte ich Euch mit einschlie�en?�</p><p>�Wenn ich nicht an diesen Pl�nen beteiligt werde, k�nnte Arymilla davon erfahren�, sagte Naean ganz direkt.</p><p>�Sie mag ja eine blinde N�rrin sein, aber sie sieht, sobald man ihr gesagt hat, wo sie hinsehen muss. Und Ihr k�nntet Euch jeden Abend im Zelt Eures �Verlobten� wieder finden, ganz zu schweigen davon, von seinen Waffenm�nnern <emphasis>besch�tzt</emphasis> zu werden.�</p><p>Elenias L�cheln schmolz dahin, ihre Stimme verwandelte sich in Eis, das zu der K�lte passte, die pl�tzlich ihren Leib f�llte. �Ihr solltet vorsichtig sein mit dem, was Ihr sagt, andernfalls k�nnte Arymilla ihren Taraboner bitten, noch einmal mit Euch Katzenkrippe zu spielen. Das garantiere ich Euch.�</p><p>Es erschien unm�glich, dass Naeans Gesicht noch blasser wurde, aber das tat es. Sie schwankte tats�chlich im Sattel und griff nach Elenias Arm, als wollte sie einen Sturz vermeiden. Ein Windsto� bl�hte ihren Umhang auf, und sie lie� ihn los. Die eben noch kalten Augen waren jetzt weit aufgerissen. Die Frau unternahm keine Anstrengung, ihre Furcht zu verbergen. Vielleicht war sie bereits zu weit getrieben worden, um sie noch verbergen zu k�nnen. Ihre Stimme klang panisch. �Ich wei�, dass Jarid und Ihr etwas geplant habt, Elenia. Ich wei� es! Nehmt mich mit, und... und Arawn wird Euch sofort die Treue schw�ren, sobald ich von Arymilla frei bin.� Oh, sie musste ersch�ttert sein, um so ein Angebot zu machen.</p><p>�Wollt Ihr noch mehr Aufmerksamkeit erregen, als Ihr es ohnehin schon getan habt?�, fauchte Elenia und riss sich aus dem Griff der anderen Frau los. Morgenwind und der schwarze Wallach t�nzelten nerv�s, weil jeder die Stimmung seiner Reiterin sp�rte, und Elenia z�gelte ihr Pferd hart, um es zur Ruhe zu bringen. Die M�nner am Feuer senkten eilig die K�pfe. Sie glaubten, zwei in der Abendd�mmerung streitende Adlige zu sehen, und hatten kein Interesse, einen Teil des Zorns auf sich heraufzubeschw�ren. Ja, mehr steckte bestimmt nicht dahinter. Sie w�rden vielleicht Geschichten verbreiten, aber sie wussten es besser, als sich in eine Auseinandersetzung H�hergestellter einzumischen.</p><p>�Ich habe keine... Fluchtpl�ne, nicht im Mindesten�, sagte Elenia mit ruhigerer Stimme. Sie zog den Umhang enger um den K�rper und drehte gelassen den Kopf, um die Karren und Zelte zu inspizieren. Wenn Naean ver�ngstigt genug war... Wenn sich ein Ausweg auftat... Niemand war nahe genug, um sie zu belauschen, aber sie senkte ihre Stimme trotzdem. �Nat�rlich k�nnen sich Dinge �ndern. Wer wei� das schon? Falls sie es tun, gebe ich Euch das folgende Versprechen: Unter dem Licht und bei meiner Hoffnung auf Wiedergeburt werde ich nicht ohne Euch gehen.� �berraschte Hoffnung zeichnete sich auf Naeans Gesicht ab. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, den Haken einzuschlagen. �Falls ich einen Brief von Euch in der Hand halte, von Euch pers�nlich geschrieben, unterschrieben und versiegelt, in dem Ihr Euren Beistand f�r Marne ausdr�cklich zur�cknehmt, aus freiem Willen, und mir die Unterst�tzung von Haus Arawn schw�rt, f�r meine Thronbesteigung. Unter dem Licht und bei Eurer Hoffnung auf Wiedergeburt. Weniger kommt nicht in Frage.�</p><p>Naean riss den Kopf zur�ck, sie fuhr mit der Zungenspitze �ber die Lippen. Ihre Augen huschten umher, als w�rde sie einen Ausweg suchen... oder Hilfe. Der schwarze Wallach t�nzelte und schnaubte weiter, aber sie z�gelte ihn kaum fest genug, um ihn zu b�ndigen, und selbst das tat sie unbewusst. Ja, sie hatte Angst. Aber sie war nicht zu ver�ngstigt, um zu wissen, was Elenia da verlangte. In der Geschichte von Andor gab es zu viele Beispiele, um es nicht zu wissen. Solange es nichts Schriftliches gab, blieben tausend M�glichkeiten bestehen, aber die blo�e Existenz eines solchen Briefes w�rde Naean den Mund stopfen und Elenia freie Hand geben. Eine Ver�ffentlichung bedeutete Naeans Vernichtung, es sei denn, Elenia w�re so t�richt und w�rde zugeben, sie dazu gezwungen zu haben. Naean konnte nach dieser Enth�llung weiterhin versuchen, die Macht in den H�nden zu halten, doch selbst ein Haus mit weniger Streit zwischen seinen Angeh�rigen als Arawn, mit bedeutend weniger Cousins und Tanten und Onkeln, die alle bereit waren, einander auf der Stelle zu hintergehen, w�rde daran zerbrechen. Die bedeutungsloseren H�user, die seit Generationen an Arawn gebunden waren, w�rden anderswo Schutz suchen. In nur wenigen Jahren w�rde Naean die Hohe Herrin eines unbedeutenden und in Misskredit gebrachten Hauses sein. O ja, es war schon zuvor passiert.</p><p>�Wir waren lange genug zusammen.� Elenia nahm die Z�gel. �Ich will keinen Klatsch ausl�sen. Vielleicht bietet sich uns ja noch eine andere Gelegenheit f�r ein Gespr�ch unter vier Augen, bevor Arymilla den Thron besteigt.� Welch widerw�rtiger Gedanke! �Vielleicht.�</p><p>Die andere Frau atmete aus, als w�rde s�mtliche Luft aus ihr herausstr�men, aber Elenia lenkte ihr Pferd weiter herum, nicht zu langsam und auch nicht zu schnell, und h�rte nicht auf, bis Naean dr�ngend sagte: �Wartet!�</p><p>Sie sah �ber die Schulter und wartete, ohne ein Wort zu verlieren. Was gesagt werden musste, war gesagt worden. Jetzt blieb nur noch abzuwarten, ob die Frau verzweifelt genug war, sich in Elenias H�nde zu begeben. Eigentlich musste sie es sein. <emphasis>Sie</emphasis> hatte keinen Jarid, der f�r sie arbeitete. Tats�chlich w�rde jeder in Arawn, der die Meinung vertrat, Naean m�sste gerettet werden, sich im Kerker wieder finden, weil er gegen ihren ausdr�cklichen Willen handelte. Ohne Elenia w�rde sie in der Gefangenschaft alt und grau werden. Aber mit dem Brief w�rde es eine andere Art von Gefangenschaft sein. Mit dem Brief w�rde Elenia in der Lage sein, sie wie eine v�llig unabh�ngige Frau erscheinen zu lassen. Offenbar war sie schlau genug, um das zu begreifen. Oder vielleicht hatte sie auch einfach nur genug Angst vor dem Taraboner.</p><p>�Ich lasse ihn Euch zukommen, so schnell es geht�, sagte sie schlie�lich resigniert.</p><p>�Das ist gut�, murmelte Elenia und gab sich keine gro�e M�he, ihre Zufriedenheit zu verbergen. <emphasis>Aber wartet nicht zu lange</emphasis>, f�gte sie beinahe hinzu und konnte sich gerade noch rechtzeitig im Zaum halten. Naean mochte geschlagen sein, aber auch ein geschlagener Gegner konnte einem ein Messer in den R�cken jagen, wenn man ihn zu sehr verh�hnte. Davon abgesehen f�rchtete sie Naeans Drohung so sehr, wie Naean die ihre f�rchtete. Vielleicht noch mehr. Aber so lange Naean das nicht wusste, fehlte ihrem Dolch die Spitze.</p><p>Als Elenia zu ihren Waffenm�nnern zur�ckritt, war sie fr�hlicherer Stimmung als seit... Mit Sicherheit bevor sich ihre �Retter� als Arymillas M�nner entpuppt hatten. Vielleicht sogar bevor Dyelin sie in Aringill eingesperrt hatte, obwohl sie dort nie die Hoffnung verloren hatte. Ihr Gef�ngnis war das Haus des Statthalters gewesen, recht bequem, selbst wenn sie sich ihr Gemach mit Naean hatte teilen m�ssen. Mit Jarid in Verbindung zu treten war nicht schwer gewesen, und sie war der festen �berzeugung, ein paar Kontakte zu den K�niglichen Gardisten in Aringill gekn�pft zu haben. So viele von ihnen waren eben erst aus Cairhien gekommen, dass sie... unsicher... waren, wem sie die Treue halten sollten.</p><p>Diese wunderbar zuf�llige Begegnung mit Naean verbesserte ihre Laune so sehr, dass sie Janny anl�chelte und ihr einen Schrank voller neuer Kleider versprach, sobald sie in Caemlyn waren. Was der Frau mit den pummeligen Wangen ein dankbares L�cheln entlockte. Elenia kaufte f�r ihre Zofe immer neue Kleider, wenn sie sich besonders gut f�hlte, und ein jedes davon war kostbar genug, um von einer wohlhabenden Kauffrau getragen zu werden. Es war eine Methode, sich Loyalit�t und Diskretion zu versichern, und Janny hatte zwanzig Jahre mit beidem gedient.</p><p>Die Sonne war jetzt nur noch ein roter Bogen �ber den B�umen, und es war Zeit, Arymilla zu finden, damit sie erfuhr, wo sie in dieser Nacht zu schlafen hatte. Sollte das Licht gew�hren, dass es ein anst�ndiges Bett war, in einem warmen Zelt, das nicht zu verr�uchert war, und vorher eine ordentliche Mahlzeit. Im Moment konnte sie nicht mehr verlangen. Aber nicht einmal das konnte ihr die Laune verderben. Sie nickte den M�nnern und Frauen, an denen sie vorbeiritt, nicht nur zu, sie l�chelte sie sogar an. Beinahe h�tte sie ihnen zugewunken. Die Dinge entwickelten sich besser als seit langem. Naean war nicht nur als Rivalin f�r den Thron ausgeschaltet, sie war angeleint und musste wie eine H�ndin kuschen � jedenfalls so gut wie �, und das w�rde vermutlich � nein, bestimmt! � ausreichen, um Karind und Lir auf ihre Seite zu bringen. Und dann waren da jene, die jeden auf dem Thron akzeptieren w�rden, solange es keine Trakand war. Ellorien geh�rte dazu. Morgase hatte sie <emphasis>auspeitschen</emphasis> lassen! Ellorien w�rde niemals eine Trakand akzeptieren. Aemlyn, Arathelle und Abelle waren ebenfalls m�gliche Kandidaten, mit eigenen Schw�chen, die man ausnutzen konnte. Vielleicht auch Pelivar oder Luan. Sie hatte ihre F�hler ausgestreckt. Und sie w�rde den Vorteil, der Caemlyn bot, nicht so verschwenden, wie es dieser Trampel Elayne tat. Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass die Kontrolle �ber Caemlyn ausreichte, um mindestens die Unterst�tzung von vier, wenn nicht sogar f�nf H�usern zu erringen.</p><p>Es kam darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen! Das auf jeden Fall, oder Arymilla w�rde den Vorteil ausn�tzen, aber Elenia konnte sich bereits auf dem L�wenthron sehen, w�hrend die Hohen Herrinnen und Herren das Knie beugten, um ihr die Treue zu schw�ren. Sie hatte bereits eine Liste gemacht, wer davon ausgetauscht werden musste. Niemand, der gegen sie gek�mpft hatte, w�rde Gelegenheit erhalten, ihr sp�ter �rger zu machen. Daf�r w�rde eine Reihe tragischer Unf�lle sorgen. Zu bedauerlich, dass sie die Nachfolger nicht bestimmen konnte, aber Unf�lle konnten mit unglaublicher H�ufigkeit passieren.</p><p>Elenias Heiterkeit verfl�chtigte sich, als sich ein hagerer Mann auf einem st�mmigen grauen Pferd an ihre Seite setzte, dessen Augen im schwindenden Licht einen fiebrigen Glanz hatten. Aus irgendeinem Grund hatte Nasin gr�ne Tannenzweige in seinem d�nnen wei�en Haar stecken. Es lie� ihn aussehen, als w�re er einen Baum hinaufgeklettert, und sein roter Seidenmantel und der rote Umhang waren derart mit hellen Bl�ten bestickt, dass man sie f�r Teppiche aus Illian h�tte halten k�nnen. Er war l�cherlich. Aber er war auch der Hohe Herr des m�chtigsten Hauses von Andor. Und er war wahnsinnig. �Elenia, mein lieber Schatz�, r�hrte er und spuckte dabei. �Welch s��er Anblick f�r meine Augen. Ihr lasst Honig bitter und Rosen farblos erscheinen.�</p><p>Mechanisch z�gelte sie Morgenwind und sorgte daf�r, dass sich Jannys braune Stute zwischen sie schob. �Ich bin <emphasis>nicht</emphasis> Eure Verlobte, Nasin�, fauchte sie und kochte innerlich vor Wut, es laut genug sagen zu m�ssen, sodass es jeder h�ren konnte. �Ich bin verheiratet, Ihr alter Narr! Wartet!�, f�gte sie hinzu und riss die Hand hoch.</p><p>Der Befehl und die Geste galten den Waffenm�nnern, die nach den Schwertern griffen und Nasin finster anstarrten. Etwa drei�ig oder vierzig M�nner mit Schwert und Stern von Haus Caeren folgten dem Mann, und sie w�rden nicht z�gern, jeden niederzumachen, den sie f�r eine Bedrohung ihres Hohen Herrn hielten. Einige hatten bereits die Schwerter zur H�lfte gezogen. Ihr w�rden sie nat�rlich nichts tun. Nasin h�tte sie alle h�ngen lassen, wenn sie auch nur einen blauen Fleck aufweisen w�rde. Beim Licht, sie wusste nicht, ob sie dar�ber lachen oder weinen sollte.</p><p>�F�rchtet Ihr Euch noch immer vor diesem jungen Narren Jarid?�, wollte Nasin wissen und z�gelte sein Pferd, um ihr zu folgen. �Er hat kein Recht, Euch l�nger zu bel�stigen. Der bessere Mann hat gewonnen, und er sollte es akzeptieren. Ich werde ihn herausfordern!� Mit einer Hand, die unter dem eng anliegenden roten Handschuh wohl ebenfalls knochig war, fummelte er an einem Schwert herum, das er vermutlich seit zwanzig Jahren nicht mehr gezogen hatte. �Ich werde ihn wie einen Hund abstrecken, weil er Euch Angst gemacht hat!�</p><p>Elenia trieb Morgenwind energisch an, sodass sie einen Kreis um Janny ritten, die zu Nasin Entschuldigungen murmelte und vorgab, ihr Pferd aus dem Weg zu schaffen, w�hrend sie es tats�chlich immer zwischen ihnen hielt. Im Geiste f�gte Elenia ein paar Stickereien f�r die Kleider hinzu, die sie kaufen w�rde. So hohlk�pfig Nasin auch war, er konnte in dem einen Augenblick s��e Worte h�fischer Liebe von sich geben und sie im n�chsten angrabschen, als w�re sie ein billiges Tavernenflittchen. Das w�rde sie nicht ertragen, nicht noch einmal, und mit Sicherheit nicht in der �ffentlichkeit. Weiter kreisend zwang sie ein besorgtes L�cheln auf ihr Gesicht, obwohl das L�cheln ehrlich gesagt mehr M�he kostete als die Sorge. Wenn dieser alte Narr Jarid zwang, ihn zu t�ten, w�rde das alles ruinieren! �Ihr wisst, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn M�nner um mich k�mpfen, Nasin.� Ihre Stimme war atemlos und besorgt, aber sie versuchte nicht, gelassener zu klingen. Atemlos und besorgt passten. �Wie k�nnte ich einen Mann mit Blut an den H�nden lieben?�</p><p>Nasin sah sie so lange mit starrem Blick an, dass sie sich fragte, ob sie zu weit gegangen war. Er war so verr�ckt wie ein M�rzhase, aber nicht in jeder Hinsicht. Nicht immer.</p><p>�Mir war nicht klar, dass Ihr so... feinf�hlig seid�, sagte er schlie�lich, ohne in seinen Bem�hungen innezuhalten, um Janny herumzureiten. Sein verh�rmtes Gesicht hellte sich auf. �Aber ich h�tte es wissen sollen. Von jetzt an werde ich daran denken. Jarid darf leben. Solange er Euch nicht behelligt.� Pl�tzlich schien er Janny das erste Mal richtig wahrzunehmen, und mit einer gereizten Grimasse hob er die Hand und ballte sie zur Faust. Die pummelige Frau st�hlte sich sichtlich f�r den Schlag, ohne zur Seite zu weichen, und Elenia biss die Z�hne zusammen. Seidenstickereien. Definitiv unpassend f�r eine Zofe, aber Janny hatte es sich verdient.</p><p>�Lord Nasin, ich habe Euch schon <emphasis>�berall</emphasis> gesucht�, rief da eine affektierte Frauenstimme, und das Kreisen h�rte auf.</p><p>Elenia atmete erleichtert auf, als Arymilla mit ihrem Gefolge herangeritten kam, und musste erneut ihre Wut dar�ber unterdr�cken, dass sie Erleichterung versp�rte. Arymilla war eine pummelige Frau, fast schon korpulent, sie war in viel zu aufw�ndig verzierte gr�ne Seide gekleidet, mit Spitzenbesatz unter dem Kinn und an den �rmeln; sie hatte ein ausdrucksloses L�cheln und braune Augen, die stets weit aufgerissen Interesse vort�uschten, wenn es gar nichts Bemerkenswertes gab. Ihr fehlte der Verstand, um den Unterschied zu erkennen, sie war gerade schlau genug, um zu wissen, dass es Dinge gab, die sie interessieren sollten, und sie wollte nicht, dass jemand auf die Idee kam, sie w�ren ihr entgangen. Ihre einzige echte Sorge galt der eigenen Bequemlichkeit und dem dazu n�tigen Einkommen, und sie wollte den Thron nur aus dem Grund, weil die K�nigliche Schatzkammer f�r mehr Luxus sorgen konnte als die Eink�nfte einer Hohen Herrin. Ihr Gefolge war gr��er als Nasins, aber nur die H�lfte bestand aus Waffenm�nnern, die die Vier Monde ihres Hauses trugen. Der Rest bestand gr��tenteils aus Speichelleckern, unwichtigen Lords und Ladys bedeutungsloser H�user und anderen, die bereit waren, Arymilla f�r eine Stellung bei Hofe das Handgelenk zu lecken. Sie liebte es, wenn die Leute um sie herumscharwenzelten. Naean war auch da, am Rand der Gruppe mit ihren Waffenm�nnern und der Dienerin, allem Anschein nach hatte sie sich wieder v�llig unter Kontrolle. Aber sie hielt Abstand zu Jaq Lounalt, einem schlanken Mann mit einem albernen tarabonischen Schleier, der seinen gewaltigen Schnurrbart bedeckte, und einer konisch geformten Kappe, die seine Kapuze zu l�cherlichen H�hen ausbeulte. Auch dieser Bursche l�chelte zu viel. Er sah kaum wie ein Mann aus, der einen nur mit ein paar Strikken zum Betteln und Flehen bringen konnte.</p><p>�Arymilla�, sagte Nasin verwirrt, dann starrte er seine Faust an, als w�rde es ihn �berraschen, sie erhoben vorzufinden. Er senkte die Hand zum Sattelknauf und strahlte die alberne Frau an. �Arymilla, meine Liebe�, sagte er warmherzig. Nicht mit der Art von W�rme, die Elenia vorbehalten war. Es hatte den Anschein, als h�tte er sich irgendwie zur H�lfte davon �berzeugt, dass Arymilla seine Tochter war, und zwar seine Lieblingstochter, was das anging. Elenia war einmal Zeugin gewesen, wie er mit ihr lang und breit in Erinnerungen an ihre �Mutter� geschwelgt hatte, seine letzte Frau, die mittlerweile �ber drei�ig Jahre tot war. Arymilla war es gelungen, ihren Teil dieser Unterhaltung zu bestreiten, obwohl sie Miedelle Caeren nie begegnet war, soweit Elenia wusste.</p><p>Trotz seiner v�terlichen Miene f�r Arymilla musterte er die Horde hinter ihr, und sein Ausdruck entspannte sich, als er Sylvase entdeckte, seine Enkelin und Erbin, eine kr�ftige, gelassene junge Frau, die seinen Blick ohne zu l�cheln erwiderte und dann ihre pelzverbr�mte Kapuze nach vorn zog. Elenia hatte sie noch nie l�cheln oder die Stirn runzeln oder sonst eine Gef�hlsregung bei ihr gesehen, sie behielt immer den gleichen kuh�hnlichen Ausdruck bei. Offensichtlich hatte sie auch den Verstand einer Kuh. Arymilla hielt Sylvase n�her bei sich als Elenia oder Naean, und so lange sie das tat, gab es nicht die geringste Chance, dass man Nasin zum R�cktritt zwingen konnte. Er war verr�ckt, keine Frage, aber durchtrieben. �Ich hoffe, Ihr gebt gut auf meine kleine Sylvase Acht, Arymilla�, murmelte er.</p><p>��berall sind Gl�cksj�ger, und ich will, dass mein kleiner Schatz sicher ist.�</p><p>�Aber nat�rlich�, erwiderte Arymilla und lenkte ihre �berf�tterte Stute an Elenia vorbei, ohne sie eines Blickes zu w�rdigen. Ihr Tonfall war honigs�� und widerw�rtig kindisch. �Ihr wisst, dass ich auf sie aufpasse wie auf mich selbst.� Hohlk�pfig l�chelnd fing sie an, Nasins Umhang auf seinen Schultern zu richten und gl�ttete ihn mit dem Benehmen von jemandem, der einem geliebten Invaliden einen Schal umband. �Es ist viel zu kalt f�r Euch. Ich wei�, was Ihr braucht. Ein warmes Zelt und hei�en gew�rzten Wein. Ich lasse ihn f�r Euch von meiner Zofe zubereiten, keine Widerrede. Arlene, begleite Lord Nasin zu seinem Zelt und mache ihm einen sch�nen gew�rzten Wein.�</p><p>Eine schlanke Frau aus ihrem Gefolge zuckte erschrokken zusammen und ritt dann z�gernd vor, schob die Kapuze ihres Umhangs zur�ck und enth�llte ein h�bsches Gesicht und ein zittriges L�cheln. Pl�tzlich waren alle Speichellecker und Kr�tenfresser damit besch�ftigt, ihre Umh�nge zu richten oder die Handschuhe fester zu ziehen; sie sahen �berall hin, nur nicht zu Arymillas Zofe. Vor allem die Frauen nicht. Jede von ihnen h�tte auserw�hlt werden k�nnen, und das wussten sie. Seltsamerweise schaute Sylvase nicht weg. Es war unm�glich, ihr Gesicht im Schatten der Kapuze zu erkennen, aber die �ffnung bewegte sich und folgte der schlanken Frau.</p><p>Nasins Grinsen entbl��te seine Z�hne, was ihn noch mehr als gew�hnlich wie einen Ziegenbock aussehen lie�.</p><p>�Ja. Ja, gew�rzter Wein w�re gut. Arlene, richtig? Kommt, Arlene, seid ein braves M�dchen. Euch ist doch nicht kalt, oder?� Das M�dchen stie� einen spitzen Schrei aus, als er ihr seinen Umhang �ber die Schultern schwang und sie so eng an sich zog, dass sie sich auf ihrem Sattel vorbeugen musste. �In meinem Zelt wird Euch warm sein, das verspreche ich.� Ohne auch nur einen Blick zur�ckzuwerfen, ritt er im Schritttempo los, kicherte vor sich hin und fl�sterte der jungen Frau im Arm etwas zu. Seine Waffenm�nner folgten ihm mit quietschendem Leder und dem langsamen, feuchten Schlag von Hufen im Schlamm. Einer von ihnen lachte, als h�tte ein anderer einen Witz gemacht.</p><p>Elenia sch�ttelte angewidert den Kopf. Eine h�bsche Frau in Nasins Richtung zu sto�en, um ihn abzulenken, war eine Sache � sie musste nicht mal besonders h�bsch sein; jede Frau, die der alte Narr in eine Ecke treiben konnte, war in Gefahr �, aber die eigene Zofe zu nehmen war widerw�rtig. Wenn auch nicht so widerw�rtig wie Nasin selbst. �Ihr habt versprochen, ihn mir vom Hals zu halten, Arymilla�, sagte sie mit leiser, angespannter Stimme. Der geile alte Verr�ckte mochte sie ja f�r den Augenblick vergessen haben, aber er w�rde sich sofort an sie erinnern, wenn er sie das n�chste Mal sah. �Ihr habt es mir versprochen.�</p><p>Arymillas Miene nahm einen m�rrischen Zug an, und sie zupfte verdrossen an ihren Reithandschuhen herum. Sie hatte nicht das bekommen, was sie gewollt hatte. F�r sie war das eine gro�e S�nde. �Wenn Ihr vor Verehrern sicher sein wollt, solltet Ihr in meiner N�he bleiben, statt herumzuwandern. Ist es meine Schuld, wenn Ihr die M�nner anzieht? Und ich habe Euch gerettet. Daf�r habe ich keinen Dank geh�rt.�</p><p>Elenia biss die Z�hne so fest zusammen, dass ihr Kiefer schmerzte. So tun zu m�ssen, als w�rde sie diese Frau aus eigenem Willen unterst�tzen, entfachte in ihr den Wunsch, etwas zu bei�en. Man hatte ihr ihre M�glichkeiten �beraus deutlich erkl�rt. Entweder einen Brief an Jarid oder eine l�ngere Hochzeitsreise zusammen mit ihrem �Verlobten�.</p><p>Beim Licht, sie h�tte es darauf ankommen lassen, w�re nicht klar gewesen, dass Nasin sie in irgendeinem abgelegenen Herrenhaus einsperren und � nachdem sie seine Fummeleien �ber sich hatte ergehen lassen m�ssen � schlie�lich vergessen w�rde. Aber Arymilla bestand auf dieser Scharade. Sie bestand auf vielen Dingen, und einige davon waren v�llig unertr�glich. Und doch musste man sie ertragen. F�r den Augenblick. Vielleicht konnte ja Meister Lounalt ein paar Tage lang seine Kunst Arymilla widmen, sobald die Dinge geregelt waren.</p><p>Irgendwoher nahm sie ein entschuldigendes L�cheln und �berwand sich, den Kopf zu senken wie einer der stiefelleckenden Blutsauger, die sie neugierig beobachteten. Denn wenn sie vor Arymilla kroch, dann bewies das nur, dass sie auch das Richtige taten. Das Gef�hl ihrer Blicke auf dem K�rper lie� sie sich nach einem Bad sehnen. Dies vor Naean tun zu m�ssen wollte sie schreien lassen. �Ich biete Euch alle Dankbarkeit, die in mir ist, Arymilla.� Nun, das war keine L�ge. Alle Dankbarkeit in ihr zusammengenommen entsprach dem Wunsch, die Frau zu erw�rgen. Ganz langsam. Aber sie musste tief Luft holen, bevor sie die n�chsten Worte herausbekam. �Ihr m�sst mir verzeihen, dass ich so langsam bin, bitte.� Ein <emphasis>sehr</emphasis> bitteres Wort.</p><p>�Nasin hat mich durcheinander gebracht. Ihr wisst, wie Jarid reagieren w�rde, wenn er von Nasins Benehmen erf�hrt.� Bei den letzten Worten nahm ihr Tonfall an Sch�rfe zu, aber die n�rrische Frau kicherte. Sie kicherte!</p><p>�Aber nat�rlich verzeihe ich Euch, Elenia�, lachte sie, und ihre Miene hellte sich auf. �Ihr braucht doch blo� zu fragen. Jarid ist ein Hitzkopf, nicht wahr? Ihr m�sst ihm schreiben und ihm berichten, wie zufrieden Ihr seid. Ihr seid doch zufrieden, oder? Ihr k�nnt meinem Sekret�r diktieren. Ich hasse es, mir die Finger mit Tinte schmutzig zu machen, Ihr nicht auch?�</p><p>�Aber sicher bin ich zufrieden, Arymilla. Wie k�nnte ich es nicht sein?� Diesmal erforderte das L�cheln keine M�he. Die Frau glaubte doch allen Ernstes, sie sei clever. Wenn Arymillas Sekret�r den Brief schrieb, bestand keine M�glichkeit, Geheimtinte zu nehmen, aber sie konnte Jarid ganz offen befehlen, absolut nichts ohne ihren vorherigen Rat zu unternehmen, und die hirnlose dumme Kuh w�rde glauben, dass sie brav gehorchte.</p><p>Arymilla nickte selbstzufrieden und nahm die Z�gel, und ihr Gefolge tat es ihr gleich. H�tte sie sich einen Topf auf den Kopf gesetzt und ihn Hut genannt, h�tten auch sie alle T�pfe getragen. �Es wird sp�t�, sagte sie, �und ich will morgen fr�h raus. Aedelle Baryns Koch hat ein ausgezeichnetes Mahl f�r uns vorbereitet. Ihr und Naean m�sst mit mir reiten, Elenia.� Sie lie� es klingen, als w�rde sie ihnen damit eine Ehre erweisen, und sie hatten keine andere Wahl, als sich so zu verhalten, als w�re das der Fall. Sie ritten neben sie. �Und Sylvase nat�rlich. Sylvase, kommt mit.�</p><p>Nasins Enkelin brachte ihre Stute n�her heran, jedoch nicht an Arymillas Seite. Sie blieb ein St�ck zur�ck, w�hrend Arymillas Speichellecker sich an ihre Fersen hefteten, da sie nicht eingeladen worden waren, mit ihrer Herrin zu reiten. Trotz des b�igen, eiskalten Windes, der an ihren Umh�ngen zerrte, bem�hten sich mehrere der Frauen und zwei oder drei der M�nner vergeblich, das M�dchen in eine Unterhaltung zu verwickeln. Sie sprach kaum zwei zusammenh�ngende Worte. Aber da keine Hohe Herrin in der N�he war, die man mit Schmeicheleien beeindrucken konnte, w�rde es die Erbin eines Hohen Herren auch tun, und vielleicht hoffte ja einer der Burschen, eine gute Partie zu machen. Vermutlich waren ein paar von ihnen Leibw�chter oder zumindest Spione, die daf�r sorgten, dass sie nicht mit einem Mitglied ihres Hauses in Verbindung trat. Dieser Haufen w�rde das aufregend finden, ein Kontakt mit den Ausl�ufern der Macht. Elenia hatte ihre eigenen Pl�ne f�r Sylvase.</p><p>Arymilla geh�rte ebenfalls zu den Leuten, denen es nicht schwer fiel, ohne Unterbrechung zu plappern, wo sich jeder mit einem Funken Verstand die Kapuze ins Gesicht zog, und w�hrend sie durch das sterbende Licht ritten, erstreckte sich ihre Unterhaltung von der Frage, was Lir wohl zum Abendessen servierte, bis hin zu den Pl�nen f�r ihre Kr�nung. Elenia h�rte blo� aufmerksam genug zu, um an den scheinbar angebrachten Stellen etwas zu murmeln. Wenn die N�rrin allen, die sich gegen sie gestellt hatten, eine Amnestie gew�hren wollte, w�rde Elenia Sarand ihr bestimmt nicht sagen, dass sie dumm war. Es war qualvoll genug, dieser Frau mit... Freundlichkeit begegnen zu m�ssen, da musste man nicht auch noch zuh�ren. Dann traf sie einer von Arymillas S�tzen wie der Stich einer Nadel.</p><p>�Es wird Euch und Naean doch nicht st�ren, Euch ein Bett zu teilen, oder? Es hat den Anschein, als h�tten wir nicht gen�gend anst�ndige Zelte.�</p><p>Sie plapperte weiter, aber einen Augenblick lang konnte Elenia kein Wort verstehen. Sie f�hlte sich, als h�tte man ihr Schnee unter die Haut geschoben. Kaum merklich drehte sie den Kopf und begegnete Naeans schockiertem Blick. Es war unm�glich, dass Arymilla von ihrem zuf�lligen Treffen erfahren haben konnte, nicht so schnell, und selbst wenn doch, warum sollte sie ihnen die Gelegenheit geben, einen Plan zu schmieden? Eine Falle? Spione, die jedes Wort belauschten? Naeans Dienerin, oder... Oder Janny? Die Welt schien sich zu drehen. Vor Elenias Augen tanzten schwarze und silbrige Funken. Sie glaubte in Ohnmacht fallen zu m�ssen.</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewusst, dass Arymilla sie direkt angesprochen hatte und mit einem zusehends ungeduldiger werdenden Stirnrunzeln auf eine Antwort wartete. Ihre Gedanken rasten. Ja, das war es gewesen. �Eine vergoldete Kutsche, Arymilla?� Welch l�cherliche Idee. Da konnte man genauso gut im Wagen eines Kesselflickers fahren!</p><p>�Oh, wunderbar! Ihr habt so gro�artige Einf�lle!�</p><p>Arymillas erfreutes L�cheln lie� Elenia etwas ruhiger atmen. Die Frau <emphasis>war</emphasis> eine hirnlose N�rrin. Vielleicht gab es ja zu wenig Zelte. Aber wahrscheinlicher war, dass sie sie f�r gez�hmt hielt. Elenia machte aus ihren gebleckten Z�hnen ein L�cheln. Aber sie verwarf die Idee, den Taraboner die Frau �unterhalten� zu lassen, nicht mal eine Stunde lang. Mit Jarids Unterschrift auf dem Dokument gab es nur einen Weg, wie sie auf den Thron gelangen konnte. Alles stand bereit. Die einzige offene Frage bestand nur noch darin, ob Arymilla oder Naean zuerst sterben sollte.</p><p>Die Nacht legte sich bedr�ckend auf Caemlyn, eiskalt, von scharfen Winden getrieben. Hier und da k�ndete Lichtschein in Fenstern in oberen Stockwerken von noch wachen Menschen, aber die meisten Schlagl�den waren verschlossen, und die Mondsichel tief am Himmel schien die Dunkelheit noch zu betonen. Selbst der Schnee, der die D�cher bedeckte und den man dort, wo er den Aktivit�ten des Tages entkommen war, vor den Geb�uden aufgeh�uft hatte, erschien von schattenhaftem Grau. Der einsame Mann, der von einem dunklen Umhang verh�llt wurde und durch den gefrorenen Matsch auf dem Pflaster schritt, h�rte genauso auf Daved Hanlon wie auf Doilin Mellar; ein Name war nichts anderes als ein Mantel, und ein Mann wechselte den Mantel, wann immer es n�tig war. Im Verlauf der Jahre hatte er viele getragen. W�re es nach seinen W�nschen gegangen, h�tte er im K�niglichen Palast die F��e vor einem prasselnden Kaminfeuer hochgelegt, einen Krug in der Hand, ein Glas Branntwein neben ihm und ein williges M�dchen auf den Knien, aber er musste die W�nsche anderer erf�llen. Wenigstens waren hier in der Neustadt die Stra�en sicherer. Nicht ungef�hrlich, mit diesem gefrorenen Matsch unter den Sohlen, der ein Ausrutschen in einen Sturz verwandeln konnte, aber hier war es zumindest unwahrscheinlicher als in der Innenstadt, dass einem die Stiefel unter dem K�rper fortgerissen wurden. Au�erdem passte die n�chtliche Dunkelheit zu seiner Stimmung.</p><p>Es waren nur wenige Leute in den Stra�en unterwegs gewesen, als er aufgebrochen war, und die Zahl hatte sich verringert, als die Dunkelheit immer tiefer geworden war.</p><p>Kluge Leute blieben nach Einbruch der Nacht im Haus. Gelegentlich bewegten sich undeutliche Umrisse in den tieferen Schatten, aber nach einem kurzen Blick auf Hanlon schossen sie vor ihm um die n�chste Ecke, zogen sich in Gassen zur�ck und versuchten ihre Fl�che zu d�mpfen, w�hrend sie in Schnee traten, der aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von der Sonne ber�hrt worden war. Er war nicht massig und nur wenig gr��er als die meisten M�nner, Schwert und Brustpanzer wurden vom Umhang verborgen, aber Stra�enr�uber hielten nach Schw�chen und Z�gern Ausschau, und er bewegte sich mit Entschlossenheit und deutlicher Furchtlosigkeit. Ein Verhalten, das noch von dem langen Dolch verst�rkt wurde, den er verborgen in der von einem Panzerhandschuh verh�llten rechten Hand hielt.</p><p>Er hielt unterwegs Ausschau nach Patrouillen der Garde, aber er rechnete nicht damit, welchen zu begegnen. Die Stra�enr�uber und Beutelschneider h�tten sich andere Jagdgr�nde gesucht, w�ren Gardisten in der N�he gewesen. Nat�rlich konnte er neugierige Gardisten mit einem Wort fortschicken, aber er wollte weder Beobachter noch Fragen, was er so weit vom Palast entfernt tat. Sein Schritt geriet ins Stocken, als auf einer vorausliegenden Kreuzung zwei in dicke Umh�nge geh�llte Frauen erschienen, aber sie gingen weiter, ohne auch nur einen Blick in seine Richtung zu werfen, und er atmete erleichtert auf. Zu dieser Nachtzeit wagten sich nur sehr wenige Frauen ohne einen Mann mit einem Schwert oder einer Keule auf die Stra�e, und selbst ohne ihre Gesichter gesehen zu haben, h�tte er eine Hand voll Gold gegen einen Pferdeapfel gewettet, dass es sich bei den beiden um Aes Sedai handelte. Oder um andere der seltsamen Frauen, die die meisten Betten im Palast in Beschlag nahmen.</p><p>Der Gedanke an den Haufen lie� ihn die Stirn runzeln und ein Jucken zwischen seinen Schulterbl�ttern entstehen, das wie ein Nesselbusch war. Was auch immer da im Palast vor sich ging, es verursachte ihm Magendr�cken. Die Frauen vom Meervolk waren schon schlimm genug, und nicht nur, weil sie auf diese verf�hrerische Weise durch die G�nge wiegten und dann einen Mann mit dem Messer bedrohten. Er hatte nicht einmal daran gedacht, einer einen Klaps auf den Hintern zu geben, nachdem ihm klar geworden war, dass sie und die Aes Sedai sich anstarrten wie zwei Katzen, die man in einen Kasten gesetzt hatte. Und offensichtlich � so unm�glich das auch erschien � waren die Frauen vom Meervolk die gr��eren Katzen. Aber auf gewisse Weise waren die anderen schlimmer. Ganz egal, was man sich auch erz�hlte, er wusste, wie Aes Sedai aussahen, und sie hatten keine Falten. Trotzdem konnten ein paar von ihnen die Macht lenken, und er hatte den beunruhigenden Eindruck, dass sie es alle konnten. Was aber keinen Sinn ergab. Vielleicht hatte das Meervolk eine besondere Gabe, aber was die Kusinen anging, wie Falion sie nannte, wusste er eines mit Sicherheit: Sollten sich drei Frauen, die die Macht lenken konnten und keine Aes Sedai waren, an denselben Tisch setzen, w�rden Aes Sedai auftauchen, bevor sie ein Glas Wein trinken konnten, und ihnen den Befehl geben, sofort weiterzuziehen und nie wieder miteinander zu sprechen. Und sie w�rden daf�r sorgen, dass es auch so geschah. Das war eine Tatsache. Aber hier hockten diese Frauen im Palast, �ber hundert von ihnen, hielten ihre privaten Zusammenk�nfte ab und gingen an Aes Sedai vorbei, ohne dass auch nur jemand eine Miene verzog. Zumindest war es bis zum heutigen Tag so gewesen, und was es auch immer gewesen war, was sie wie ver�ngstigte Glucken zusammengetrieben hatte, die Aes Sedai waren genauso besorgt gewesen. Das waren zu viele Merkw�rdigkeiten, um ihm zu schmecken. Wenn sich Aes Sedai ungew�hnlich verhielten, dann war f�r einen Mann die Zeit gekommen, sich um seine eigene Haut zu k�mmern.</p><p>Mit einem Fluch riss er sich aus seinen Gedanken. In der Nacht musste jeder Mann auf seine Haut aufpassen, und seine Gedanken schweifen zu lassen war nicht die richtige Methode. Wenigstens war er nicht stehen geblieben oder langsamer geworden. Nach ein paar weiteren Schritten l�chelte er schmal und fuhr mit dem Daumen �ber die Dolchklinge. Der Wind fl�sterte die Stra�e entlang und verstummte, er pfiff �ber die D�cher und verstummte, und in den kurzen stillen Pausen dazwischen konnte er das leise Knirschen von Stiefeln h�ren, die ihm schon seit kurz nach dem Aufbruch vom Palast folgten.</p><p>Bei der n�chsten Stra�enkreuzung wandte er sich mit dem gleichen gem�chlichen Schritt nach rechts und dr�ckte sich dann pl�tzlich mit dem R�cken gegen die Vorderseite eines Stalls, der direkt an der Ecke stand. Die breiten Stalltore waren geschlossen und vermutlich von innen verriegelt, aber der Geruch von Pferden und Pferdedung hing in der eiskalten Luft. Das Gasthaus auf der gegen�berliegenden Stra�e war ebenfalls verriegelt und verrammelt, die Fenster mit den Schlagl�den verschlossen und dunkel, der einzige Laut au�er dem Wind war das Quietschen seines Schildes, das Hanlon in der Nacht nicht entziffern konnte. Niemand war da, um zu sehen, was ihn nichts anging.</p><p>Er h�rte das Ger�usch von Stiefeln, die in dem Bem�hen, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, schneller ausschritten, und dann schob sich vorsichtig ein von einer Kapuze verh�llter Kopf um die Ecke. Nat�rlich nicht vorsichtig genug. Hanlons linke Hand zuckte in die Kapuze, um eine Kehle zu umschlie�en, w�hrend zur gleichen Zeit seine rechte einen ge�bten Sto� mit dem Dolch ausf�hrte. Im Grunde rechnete er mit einem Brustpanzer oder einem Kettenhemd unter dem Mantel des Mannes, aber ein paar Fingerbreit Stahl drangen m�helos unter dem Brustbein des Mannes ein. Er wusste nicht, warum das die Lungen eines Mannes zu l�hmen schien, sodass er nicht aufschreien konnte, bis er an seinem eigenen Blut erstickt war, aber er wusste, dass es so war. Doch heute Nacht hatte er keine Zeit. Zwar waren keine Gardisten in Sichtweite, aber das bedeutete nicht, dass es auch so blieb. Mit einem schnellen Ruck schlug er den Kopf des Mannes hart genug gegen die Steinmauer des Stalls, um ihm den Sch�del zu spalten, dann trieb er den Dolch bis zum Heft in den K�rper und f�hlte, wie die Klinge knirschte, als sie die Wirbels�ule des Burschen durchtrennte.</p><p>Seine Atmung blieb gleichm��ig � T�ten war blo� etwas, das gelegentlich erforderlich war, nichts, weswegen man sich aufregen musste �, aber er setzte die Leiche schnell im Schnee an der Wand ab, ging daneben in die Hocke und wischte die Klinge an dem dunklen Mantel des Mannes ab, w�hrend er sich seine andere Hand unter die Achselh�hle klemmte, um den Panzerhandschuh auszuziehen. Er schaute sich schnell nach beiden Seiten um, w�hrend er in der Dunkelheit das Gesicht des Mannes abtastete. Bartstoppeln verrieten ihm, dass es ein Mann war, aber mehr auch nicht. Mann, Frau oder Kind, das machte f�r ihn keinen Unterschied � nur Narren taten so, als h�tten Kinder keine Augen im Kopf oder Zungen, die erz�hlen konnten, was sie gesehen hatten �, aber er w�nschte sich, es h�tte einen Schnurrbart oder eine dicke Nase gegeben, irgendetwas, um eine Erinnerung in ihm aufblitzen zu lassen und ihm zu verraten, wer der Bursche war. Seine Hand glitt �ber den �rmel des Toten und fand dicke Wolle, weder besonders fein noch besonders grob, und einen sehnigen Arm, der einem Schreiber oder Kutscher oder Fu�soldaten geh�ren mochte. Mit anderen Worten, also jedem Mann, genau wie der Mantel. Hanlon durchw�hlte die Taschen des Toten, er fand einen Holzkamm und ein Fadenkn�uel, das er zur Seite warf. Am G�rtel des Mannes verharrte er. Dort hing eine leere Lederscheide. Kein Mann auf der Welt h�tte mit Hanlons Stahl in der Lunge noch seinen Dolch ziehen k�nnen. Nat�rlich gab es gute Gr�nde, das Messer gezogen zu tragen, wenn man nachts unterwegs war, aber der Grund, der ihm sofort einfiel, bestand darin, jemanden in den R�cken zu stechen oder eine Kehle durchzuschneiden.</p><p>Aber das lie� ihn nur kurz verharren. Er verschwendete keine weitere Zeit mit Spekulationen, sondern schlitzte den Geldbeutel des Burschen auf. Das Gewicht der M�nzen, die ihm in die Hand fielen und die er hastig in den eigenen Beutel stopfte, verriet ihm, dass es kein Gold war, vermutlich war nicht mal ein Silberst�ck dabei. Aber ein aufgeschlitzter Beutel und fehlendes Geld w�rden denjenigen, der die Leiche fand, auf einen Raubmord schlie�en lassen. Er erhob sich, zog den Panzerhandschuh an und schritt nur Augenblicke, nachdem er zugestochen hatte, wieder �ber den mit Schneematsch bedeckten B�rgersteig, den Dolch unter dem Umhang eng an die Seite gehalten und mit misstrauischem Blick. Er entspannte sich erst, als er eine Stra�e von dem Toten entfernt war, und selbst dann entspannte er sich nicht sehr.</p><p>Die meisten Leute, die von dem Verbrechen h�rten, w�rden die Geschichte mit dem Raubmord, die er pr�sentiert hatte, glauben, aber nicht derjenige, der den Kerl geschickt hatte. Da er ihm vom Palast aus gefolgt war, bedeutete das, dass ihn jemand geschickt hatte, aber wer? Wenn eine vom Meervolk ihm ein Messer in den Leib sto�en wollte, h�tte sie es selbst getan. So sehr Hanlon die Kusinen allein schon durch ihre Existenz beunruhigten, schienen sie sich still und unauff�llig zu verhalten. Gewiss, Leute, die bewusst keine Aufmerksamkeit erregten, kamen am ehesten daf�r in Frage, einen Meuchelm�rder in der Nacht zu dingen, aber er hatte mit keiner von ihnen je mehr als drei Worte gewechselt, und mit Sicherheit hatte er nie versucht, eine von ihnen zu betatschen. Die Aes Sedai kamen daf�r noch eher in Frage, aber er war ziemlich sicher, nichts getan zu haben, was ihren Argwohn geweckt h�tte. Andererseits konnte jede von ihnen ihre eigenen Gr�nde haben, ihn tot sehen zu wollen. Bei Aes Sedai konnte man nie wissen. Birgitte Trahelion war eine dumme Kuh, die sich allen Ernstes f�r eine Gestalt aus einer Geschichte zu halten schien, vielleicht war sie sogar die echte Birgitte, falls es je eine Birgitte gegeben hatte, aber es war durchaus m�glich, dass sie ihn als Bedrohung f�r ihre Position betrachtete. Sie mochte ja ein Flittchen sein, so wie sie in ihren Hosen durch die Korridore t�nzelte, aber sie hatte einen kalten Blick. Sie h�tte ohne zu blinzeln den Befehl geben k�nnen, jemandem die Kehle durchzuschneiden. Aber die letzte M�glichkeit war jene, die ihn am meisten besorgte. Seine eigenen Herren geh�rten nicht zu den vertrauensseligsten aller Menschen und waren auch nicht besonders vertrauensw�rdig. Und Lady Shiaine Avarhin, die ihm im Augenblick die Befehle gab, war diejenige gewesen, die ihn in dieser Nacht zu sich gerufen hatte. Wo zuf�llig ein Kerl mit einem Messer in der Hand auf ihn wartete. Er glaubte nicht an Zuf�lle, ganz egal, was die Leute �ber diesen al'Thor sagten.</p><p>Der Gedanke, zum Palast zur�ckzukehren, kam und verging wieder blitzartig. Er hatte Gold versteckt; er konnte einen Weg durch das Tor genauso leicht bezahlen wie jeder andere auch, oder einfach den Befehl geben, eines lange genug zu �ffnen, damit er hinausreiten konnte. Aber das w�rde bedeuten, den Rest seines Lebens �ber die Schulter blicken zu m�ssen, und jeder, der auf Arml�nge an ihn herankam, konnte derjenige sein, der ausgesandt worden war, ihn zu t�ten. Kein gro�er Unterschied zu seiner jetzigen Lebensweise. Abgesehen von der Sicherheit, dass ihm jemand fr�her oder sp�ter Gift in die Suppe streuen oder ein Messer zwischen die Rippen jagen w�rde. Aber die Hexe Birgitte war die Hauptverd�chtige. Oder eine Aes Sedai. Oder vielleicht hatte er diese Kusinen ja doch irgendwie beleidigt. Es zahlte sich immer aus, auf der Hut zu sein. Seine Finger spannten sich um den Dolchgriff. Im Augenblick war das Leben gut, mit ordentlichen Annehmlichkeiten und vielen Frauen, die von einem Hauptmann der Garde beeindruckt waren oder sich von ihm einsch�chtern lie�en, andererseits war ein Leben auf der Flucht dem Tod an Ort und Stelle deutlich vorzuziehen.</p><p>Es war nicht einfach, die richtige Stra�e und erst recht das richtige Haus zu finden � in der Dunkelheit sah eine Seitengasse so aus wie die andere �, aber er gab sich M�he und pochte schlie�lich an die T�r eines hohen, im Schatten liegenden Geb�udes, das einem wohlhabenden, aber diskreten Kaufmann h�tte geh�ren k�nnen. Er wusste jedoch, dass dem nicht so war. Avarhin war ein kleines Adelshaus, einige hielten es sogar f�r ausgestorben, aber es gab noch eine Tochter, und Shiaine hatte Geld.</p><p>Einer der T�rfl�gel schwang auf, und er riss die Hand hoch, um sich vor dem pl�tzlichen Lichtglanz zu sch�tzen.</p><p>Die linke Hand; den Dolch in der rechten hielt er verborgen und bereit. Er blinzelte durch die gespreizten Finger und erkannte die Frau in der einfachen dunklen Dienerinnentracht an der T�r. Nicht, dass ihn das auch nur eine Spur beruhigte.</p><p>�Gebt mir einen Kuss, Falion�, sagte er, als er eintrat.</p><p>Mit einem anz�glichen Grinsen griff er nach ihr. Nat�rlich mit der Linken.</p><p>Die Frau mit dem schmalen Gesicht stie� seine Hand zur Seite und schloss die T�r fest hinter ihm. �Shiaine ist mit einem Gast oben im Wohnzimmer�, sagte sie ruhig, �und die K�chin ist in ihrer Kammer. Sonst ist niemand im Haus. H�ngt Euren Umhang an die Garderobe. Ich lasse sie wissen, dass Ihr da seid, aber vielleicht m�sst Ihr warten.�</p><p>Hanlon lie� das Grinsen verschwinden und die Hand sinken. Trotz ihres alterslosen Gesichts konnte man Falion bestenfalls als ansehnlich beschreiben, und selbst das strapazierte die Wahrheit, wenn man ihren eisigen Blick und die kalte Art in Betracht zog. Sie war kaum die Art von Frau, an der er mit Begeisterung herumgefummelt h�tte, aber anscheinend wurde sie von einem der Auserw�hlten bestraft, und er war ein Teil der Strafe, was die Sachlage ver�nderte. Bis zu einem gewissen Grade. Mit einer Frau ins Bett zu gehen, die keine andere Wahl hatte, hatte ihn nie gest�rt, und Falion hatte nun wirklich keine. Ihre Dienerinnentracht entsprach der Wahrheit; sie tat die Arbeit von f�nf Frauen, als Leibdienerin, K�chenmagd und M�dchen f�r die Nachtt�pfe, sie schlief, wenn sie die Zeit daf�r fand, und zuckte zusammen, wenn Shiaine auch nur die Stirn runzelte. Ihre H�nde waren rau und rot vom W�schewaschen und B�denschrubben. Aber sie w�rde ihre Bestrafung vermutlich �berleben, und das Letzte, was er wollte, war eine Aes Sedai mit einem pers�nlichen Groll auf Daved Hanlon. Nicht, wenn sich die Umst�nde �ndern konnten, bevor er Gelegenheit hatte, ihr ein Messer ins Herz zu sto�en. Mit ihr eine �bereinkunft zu treffen war aber einfach gewesen. Sie schien alles praktisch zu sehen. Wenn die anderen dabei waren, tatschte er jedes Mal, wenn sie in Reichweite kam, an ihr herum, und wenn genug Zeit war, schleppte er sie in die winzige Dienstbotenkammer oben unter dem Dach. Dort zerw�hlten sie dann die Laken, setzten sich in der K�lte auf das schmale Bett und tauschten Informationen aus. Obwohl er ihr auf ihr Dr�ngen hin ein paar blaue Flecke verpasste, nur f�r den Fall, dass Shiaine nachsah. Er hoffte, dass sie sich daran erinnern w�rde, dass sie ihn dazu gedr�ngt hatte.</p><p>�Wo sind die anderen?�, sagte er, nahm schwungvoll den Umhang ab und h�ngte ihn auf die mit Leopardenschnitzereien verzierte Garderobe. Das Hallen seiner Stiefel auf den Bodenfliesen wurde von der hohen Decke der Eingangshalle zur�ckgeworfen. Es war eine h�bsche Halle, mit bemalten Stucksimsen und mehreren aufw�ndig gestalteten Wandteppichen, die auf mit Schnitzwerk versehenen Wandpaneelen hingen. Das Holz war auf Hochglanz poliert und wurde von Spiegelkandelabern beleuchtet, die ausreichend vergoldet waren, um in den K�niglichen Palast zu passen. Aber er sollte zu Asche verbrennen, wenn es hier drinnen viel w�rmer als drau�en war. Falion betrachtete den Dolch in seiner Hand mit hochgezogener Braue, und er schob ihn mit einem schmalen L�cheln in die Scheide. Er konnte ihn wieder schneller in der Hand halten, als es jemand f�r m�glich gehalten h�tte, und sein Schwert fast genauso schnell. �In der Nacht sind die Stra�en voller Diebe.� Trotz der frostigen Luft zog er die Panzerhandschuhe aus und steckte sie hinter den Schwertg�rtel. Alles andere h�tte m�glicherweise den Anschein erweckt, dass er sich in Gefahr glaubte. Und falls es zum Schlimmsten kam, sollte der Brustharnisch eigentlich reichen.</p><p>�Ich wei� nicht, wo Marillin ist�, sagte sie �ber die Schulter, da sie sich bereits abgewandt und die R�cke f�r die Treppe gesch�rzt hatte. �Sie ist vor Einbruch der Nacht gegangen. Murellin ist mit seiner Pfeife im Stall. Wir k�nnen reden, nachdem ich Shiaine von Eurer Ankunft unterrichtet habe.�</p><p>Er sah ihr hinterher und grunzte. Murellin, ein h�nenhafter Bursche, den Hanlon nicht im R�cken haben wollte, war in den Stall hinter dem Haus verbannt worden, wenn er seine Pfeife rauchen wollte, weil Shiaine den Geruch seines groben Tabaks nicht ausstehen konnte, und da er f�r gew�hnlich einen Krug Ale mitnahm oder auch gleich eine ganze Kanne, sollte er nicht so schnell wieder da sein. Marillin machte Hanlon mehr Sorgen. Auch sie war eine Aes Sedai und stand anscheinend genauso unter Shiaines Befehl wie Falion oder er selbst, aber mit ihr hatte er keine Abmachung. Auch keinen Streit, aber er misstraute Aes Sedai aus Prinzip, ob sie nun Schwarze Ajah waren oder nicht. Wo war sie hingegangen? Um was zu tun? Was ein Mann nicht wusste, konnte ihn umbringen, und Marillin Gemalphin verbrachte viel zu viel Zeit damit, Dinge zu tun, �ber die er nicht Bescheid wusste. Er kam zu dem Schluss, dass es in Caemlyn �berhaupt zu viele Dinge gab, �ber die er nicht Bescheid wusste. H�chste Zeit, dass er sie in Erfahrung brachte, wenn er �berleben wollte.</p><p>Da Falion gegangen war, begab er sich von der eisigen Vorhalle direkt in die K�che im r�ckw�rtigen Teil des Hauses. Der Raum mit den Ziegelw�nden war nat�rlich leer � die K�chin wusste Besseres, als ihre Nase aus ihrem Zimmer im Keller zu stecken, sobald man sie f�r die Nacht entlassen hatte �, und der schwarze Eisenofen und die Herde waren kalt, aber ein kleines Feuer in dem langen Steinkamin machte die K�che zu einem der wenigen R�ume, die in diesem Haus warm sein w�rden. Jedenfalls verglichen mit dem Rest. Shiaine war eine geizige Frau, solange es nicht um ihre eigene Bequemlichkeit ging. Das Feuer brannte hier blo� f�r den Fall, dass sie mitten in der Nacht hei�en Wein haben wollte oder hei� gemachte Eiermilch.</p><p>Seit seinem Eintreffen in Caemlyn war er etwa ein halbes Dutzend Mal in diesem Haus gewesen und wusste, in welchen Schr�nken die Gew�rze aufbewahrt wurden und in welchem Nebenraum der K�che immer ein Fass Wein stand. Und immer guter Wein. Hier sparte Shiaine nicht. Jedenfalls nicht bei dem, was sie selbst trinken wollte. Als Falion zur�ckkehrte, hatte er den Honigtopf und eine Schale mit Ingwer und Gew�rznelken neben eine Kanne mit Wein auf den gro�en K�chentisch gestellt und einen Sch�rhaken ins Feuer geschoben. Shiaine konnte �Kommt jetzt� sagen und auch �jetzt� meinen, aber wenn sie einen warten lassen wollte, konnte es fast schon wieder Tag sein, bevor sie einen empfing. Diese Besuche kosteten ihn immer Schlaf, sollte die Frau doch zu Asche verbrennen!</p><p>�Wer ist der Besucher?�, fragte er.</p><p>�Er hat sich mir nicht mit Namen vorgestellt�, erwiderte Falion und hielt die T�r zum Korridor mit einem Stuhl ge�ffnet. Das lie� etwas von der kargen W�rme hinaus, aber sie w�rde h�ren, falls Shiaine sie rief. Vielleicht wollte sie auch nur sichergehen, dass die andere Frau sie nicht belauschen konnte. �Ein schlanker Mann, gro� und hart, sieht wie ein Soldat aus. Seinem Benehmen nach zu urteilen ein Offizier, vielleicht ein Adliger, der Akzent ist andoranisch. Er scheint intelligent und vorsichtig zu sein. Seine Kleidung ist unauff�llig, wenn auch teuer, und er tr�gt keine Ringe oder Nadeln.� Sie musterte den Tisch mit einem Stirnrunzeln, ging zu einem der Schr�nke neben der T�r zum Korridor und stellte einen zweiten Zinnpokal neben den, den er sich geholt hatte. Es war ihm nie in den Sinn gekommen, zwei Pokale dort hinzustellen. Schlimm genug, dass er sich den Wein selbst machen musste. Aes Sedai oder nicht, sie war hier die Dienerin. Aber sie nahm einen Stuhl am Tisch und schob die Schale mit den Gew�rzen von sich, als w�rde sie erwarten, dass er sie bediente.</p><p>�Shiaine hatte gestern zwei Besucher, die allerdings weniger vorsichtig waren als dieser Bursche�, fuhr sie fort.</p><p>�Der Besucher am Morgen hatte die Goldenen Eber von Sarand auf den Stulpen seiner Handschuhe. Vermutlich hat er gedacht, niemand w�rde diese kleinen Stickereien bemerken, wenn er �berhaupt nachgedacht hat. Ein dicker, blonder Mann in den mittleren Jahren, der auf alles herabsah; er hat ein Kompliment �ber den Wein gemacht, als w�re er �berrascht, in diesem Haus einen vern�nftigen Jahrgang vorzufinden, und er wollte, dass Shiaine mich pr�gelt, weil ich es am n�tigen Respekt mangeln lie�.� Selbst das sagte sie mit kalter, beherrschter Stimme. Nur wenn Shiaine sie mit dem Riemen schlug, lie� sie eine Gef�hlsregung erkennen. Er hatte sie br�llen geh�rt. �Ein Mann vom Land, der nur selten in Caemlyn war, aber glaubt, dass er wei�, wie sich die H�hergestellten benehmen, w�rde ich sagen. Ihr k�nnt ihn an einer Warze an seinem Kinn und einer kleinen halbmondf�rmigen Narbe neben dem linken Auge erkennen. Der Bursche am Nachmittag war klein und dunkel, mit einer spitzen Nase und misstrauischen Blicken, keine Narben oder Male, soweit ich sehen konnte, obwohl er einen Ring mit einem rechteckigen Granaten an der linken Hand trug. Er war sparsam mit seinen Worten und sehr darauf bedacht, nichts preiszugeben bei dem Wenigen, was ich mith�ren konnte, aber er trug einen Dolch, auf dessen Knauf die Vier Monde von Haus Marne waren.�</p><p>Hanlon verschr�nkte die Arme, lehnte sich an den Kamin und hielt das Gesicht reglos, obwohl er die Stirn runzeln wollte. Er war davon �berzeugt gewesen, dass der Plan vorsah, Elayne auf den Thron zu helfen, auch wenn das, was danach kam, ein R�tsel geblieben war. Sie war ihm als K�nigin versprochen worden. Ob sie nun eine Krone trug oder nicht, wenn er sie nahm, war es ihm v�llig egal, auch wenn es eine gewisse W�rze in die Sache gebracht h�tte � dieses langbeinige Mistst�ck sattelgerecht zuzureiten w�rde das reine Vergn�gen sein, selbst wenn sie eine Bauerstochter gewesen w�re, vor allem, nachdem diese Schlampe ihn heute vor all den anderen Frauen heruntergemacht hatte! �, aber Besprechungen mit Sarand und Marne hatten vielleicht zu bedeuten, dass Elayne doch ungekr�nt sterben sollte. Vielleicht war er trotz all der Versprechungen, es mit einer K�nigin treiben zu k�nnen, nur auf seinen Posten gelangt, um sie in einem bestimmten Augenblick zu t�ten, wenn ihr Tod ein bestimmtes Ergebnis zur Folge hatte, auf das Shiaine aus war. Beziehungsweise der Auserw�hlte, der ihr ihre Befehle gegeben hatte. Moridin hie� der Kerl, ein Name, den Hanlon nie zuvor geh�rt hatte. Das st�rte ihn nicht. Wenn ein Mann den Mut hatte, sich als Auserw�hlter zu bezeichnen, war Hanlon nicht so dumm, ihn in Frage zu stellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er bei diesem ganzen Unternehmen nicht mehr als ein Dolch war, gab ihm zu denken. Solange der Dolch seine Arbeit machte, welche Rolle spielte es dann, wenn er dabei zerbrach? Es war viel besser, die Faust am Griff zu sein als die Klinge.</p><p>�Habt Ihr gesehen, ob Gold den Besitzer gewechselt hat?�, fragte er. �Habt Ihr etwas geh�rt?�</p><p>�Das h�tte ich gesagt�, erwiderte sie schmallippig. �Und unserer �bereinkunft zufolge bin ich jetzt mit einer Frage dran.�</p><p>Es gelang ihm, seine Gereiztheit hinter einer erwartungsvollen Miene zu verbergen. Die dumme Gans erkundigte sich immer nach den Aes Sedai im Palast oder nach jenen, die sie Kusinen nannte, oder nach den Meervolk-Frauen. Alberne Fragen. Wer mit wem freundschaftlich umging und wer nicht. Wer sich zu privaten Gespr�chen traf und wer sich aus dem Weg ging. Was er aufgeschnappt hatte. Als h�tte er nichts anderes zu tun, als in den Korridoren herumzulungern und ihnen nachzuspionieren. Er log sie nie an � das Risiko, dass sie die Wahrheit erfuhr, war zu gro�; selbst wenn sie in diesem Haus als Dienerin arbeiten musste, war sie schlie�lich eine Aes Sedai! �, aber es fiel immer schwerer, Dinge zu finden, die er ihr noch nicht erz�hlt hatte, und sie bestand darauf, dass er ihr Informationen gab, wenn er welche zu bekommen gedachte. Aber heute hatte er nur ein paar unbedeutende Sachen anzubieten: Vom Meervolk reisten ein paar Frauen ab, und sie alle waren den ganzen Tag herumgelaufen, als h�tte ihnen jemand Eiszapfen in die Kragen gesteckt. Damit w�rde sie sich zufrieden geben m�ssen. Was er wissen musste, war wichtig, das war kein verdammter Klatsch.</p><p>Aber bevor sie ihre Frage stellen konnte, wurde die Hoft�r ge�ffnet. Murellin war gro� genug, um fast den T�rrahmen zu f�llen, aber eisige K�lte schoss herein, ein Windsto�, der das kleine Feuer tanzen lie� und Funken den Schornstein hinaufschickte, bis der gro�e Mann die T�r zustie�. Er schien die K�lte nicht zu bemerken, andererseits sah sein brauner Mantel so dick wie zwei Umh�nge aus. Dar�ber hinaus hatte der Mann nicht nur die Gr��e eines Ochsen, sondern auch dessen Verstand. Er knallte einen gro�en Holzbecher auf den Tisch, schob beide Daumen hinter den breiten G�rtel und musterte Hanlon aufgebracht.</p><p>�Ihr macht mit meiner Frau rum?�, knurrte er.</p><p>Hanlon zuckte zusammen. Nicht, weil er vor Murellin Angst hatte, nicht, wenn der Dummkopf auf der anderen Seite des Tisches stand. Was ihn �berraschte, war die Aes Sedai, die vom Stuhl aufsprang und die Weinkanne vom Tisch riss. Sie warf Gew�rznelken und Ingwer hinein, f�gte einen L�ffel Honig hinzu und lie� die Kanne umherwirbeln, so als w�rde das alles vermischen, dann holte sie mit einem Zipfel ihres Rocks den Sch�rhaken aus dem Feuer und hielt ihn in die Kanne, ohne sich vorher zu vergewissern, ob er �berhaupt schon hei� genug war. Dabei sah sie nicht einmal in Murellins Richtung.</p><p>�Eure Frau?�, sagte Hanlon vorsichtig. Das entlockte seinem Gegen�ber ein h�misches Grinsen.</p><p>�So gut wie. Die Lady meint, ich k�nnte genauso gut das benutzen, was Ihr nicht wollt. Fally und ich halten einander nachts warm.� Murellin ging noch immer grinsend um den Tisch herum, aber jetzt in Richtung der Frau. Ein Ruf hallte durch den Korridor, und er blieb seufzend stehen. Das Grinsen verschwand.</p><p>�Falion!�, erklang Shiaines Stimme aus der Ferne.</p><p>�Bring Hanlon rauf, und zwar schnell!� Falion stellte die Kanne hart genug auf dem Tisch ab, dass der Wein �ber den Rand schwappte, und eilte schon zur T�r, bevor Shiaines Ruf verhallt war. Wenn die andere Frau die Stimme erhob, dann sprang Falion.</p><p>Auch Hanlon sprang, allerdings aus anderen Gr�nden. Er holte sie ein und packte ihren Arm, als sie die erste Stufe erreichte. Ein schneller Blick zur�ck verriet ihm, dass sich die K�chent�r schloss. Vielleicht sp�rte Murellin die K�lte ja doch. Trotzdem hielt er seine Stimme leise. �Was hat das zu bedeuten?�</p><p>�Das geht Euch nichts an�, sagte sie kurz angebunden.</p><p>�K�nnt Ihr mir etwas besorgen, das ihn schlafen l�sst? Etwas, das ich ihm ins Ale oder in den Wein tun kann? Er trinkt alles, egal, wie es schmeckt.�</p><p>�Wenn Shiaine der Meinung ist, dass ich Befehlen nicht gehorche, dann geht mich das sehr wohl etwas an, und Ihr solltet das auch so sehen, wenn Ihr einen Funken Verstand habt.�</p><p>Sie legte den Kopf schr�g und starrte ihn die lange Nase entlang an, so kalt wie ein Fisch. �Das hat nichts mit Euch zu tun. Soweit es Shiaine betrifft, <emphasis>geh�re</emphasis> ich noch immer Euch, wenn Ihr hier seid. Ihr m�sst wissen, dass sich gewisse Dinge ge�ndert haben.� Pl�tzlich schnappte etwas Unsichtbares sein Handgelenk und zog seine Hand von ihrem �rmel. Etwas anderes umklammerte seine Kehle und dr�ckte zu, bis er keine Luft mehr bekam. Vergeblich tastete er mit der linken Hand nach dem Dolch. Ihr Tonfall blieb k�hl. �Ich war der Meinung, dass sich gewisse andere Dinge auch dementsprechend �ndern sollten, aber Shiaine sieht die Dinge nicht logisch. Sie sagt, wenn der Gro�e Meister Moridin will, dass meine Strafe erleichtert wird, dann wird er das sagen. Moridin hat mich ihr �bergeben. Murellin ist ihre Weise, daf�r zu sorgen, dass ich das begriffen habe. Ihre Weise, daf�r zu sorgen, dass ich genau wei�, dass ich ihre <emphasis>H�ndin</emphasis> bin, bis sie es anders befiehlt.� Sie holte tief Luft, und der Druck von seinem Handgelenk und seiner Kehle verschwand. Noch nie zuvor hatte ein Atemzug so s�� geschmeckt. �K�nnt Ihr besorgen, worum ich gebeten habe?�, fragte sie so ruhig, als sei sie nicht gerade versucht gewesen, ihn mit der verdammten Macht zu t�ten. Allein der Gedanke, dass er damit ber�hrt worden war, lie� seine Haut jucken.</p><p>�Ich kann...�, begann er heiser und verstummte, um zu schlucken und sich den Hals zu reiben. Es f�hlte sich an, als h�tte er in einer Henkerschlinge gesteckt. �Ich kann Euch etwas besorgen, das ihn in einen Schlaf versetzt, aus dem er nie wieder aufwachen wird.� Sobald es sicher war, w�rde er sie abstechen wie eine Gans.</p><p>Sie schnaubte ver�chtlich. �Ich w�re die Erste, die Shiaine verd�chtigt, und ich k�nnte mir gleich die Handgelenke selbst aufschlitzen, wenn ich gegen eine ihrer Entscheidungen Einw�nde erhebe. Es wird reichen, wenn er die N�chte durchschl�ft. �berlasst das Denken mir, das ist f�r uns beide besser.� Sie legte eine Hand auf das geschnitzte Gel�nder und schaute die Treppe hoch. �Kommt. Wenn sie jetzt sagt, dann meint sie auch jetzt.� Bedauerlich, dass er sie nicht wie eine Gans aufh�ngen konnte, damit sie so auf das Messer warten konnte.</p><p>Er folgte ihr, und die schweren Schritte seiner Stiefel hallten durch die Vorhalle, und ihm wurde bewusst, dass er nicht geh�rt hatte, wie der Besucher gegangen war. Falls das Haus keinen geheimen Zugang hatte, von dem er nichts wusste, gab es nur die Haust�r, die T�r in der K�che und noch eine zweite T�r hinten heraus, die aber nur durch die K�che zu erreichen war. Also sollte er wohl diesen Soldaten kennen lernen. Vielleicht sollte es eine �berraschung sein. Verstohlen lockerte er den Dolch in seiner Scheide.</p><p>Wie erwartet brannte in dem breiten Kamin aus blau ge�dertem Marmor im vorderen Wohnzimmer ein pr�chtiges Feuer. Es war ein Raum, der es wert gewesen w�re, gepl�ndert zu werden � auf vergoldeten Tischchen standen Porzellanvasen vom Meervolk, und die Wandbeh�nge und Teppiche h�tten einen ordentlichen Preis erzielt. Allerdings war einer der Teppiche jetzt vermutlich wertlos. In der Mitte des Zimmers lag ein mit einer Decke verh�llter niedriger H�gel, und wenn der Bursche, der ihn bildete, den Teppich nicht mit seinem Blut beschmutzt hatte, w�rde Hanlon die Stiefel essen, die darunter herausschauten.</p><p>Shiaine sa� auf einem Lehnstuhl, eine h�bsche Frau in goldbestickter blauer Seide mit einem kunstvollen G�rtel aus geflochtenem Golddraht und einer schweren Goldkette um den schlanken Hals. Das gl�nzende braune Haar, das ihr bis �ber die Schultern fiel, wurde von einem Netz aus hauchd�nner Spitze gehalten. Auf den ersten Blick wirkte sie zerbrechlich, aber ihr Gesicht hatte etwas Fuchsartiges, und ihr L�cheln reichte nie bis zu den gro�en braunen Augen. Sie s�uberte einen kleinen Dolch mit einem Feuertropfen im Knauf mit einem spitzenbesetzten Taschentuch.</p><p>�Sag Murellin, dass ich ein... B�ndel... habe, das er sp�ter wegbringen soll, Falion�, erkl�rte sie ruhig.</p><p>Falions Gesicht blieb so reglos wie polierter Marmor, aber sie machte einen Knicks, der viel �hnlichkeit mit einem Zur�ckzucken hatte, bevor sie aus dem Zimmer lief.</p><p>Hanlon behielt die Frau und den Dolch im Augenwinkel, w�hrend er zu dem verh�llten H�gel ging und sich b�ckte, um eine Ecke der Decke zu l�ften. Blicklose blaue Augen starrten aus einem Gesicht, das lebendig vielleicht hart gewesen w�re. Die Toten sahen immer weicher aus. Anscheinend war er weder so vorsichtig noch so intelligent gewesen, wie Falion ihn eingesch�tzt hatte. Hanlon lie� die Decke fallen und richtete sich auf. �Hat er etwas gesagt, das Euch nicht behagte, meine Lady?�, fragte er sanft.</p><p>�Wer war er?�</p><p>�Er hat mehrere Dinge gesagt, gegen die ich Einw�nde hatte.� Sie hielt den Dolch in die H�he, musterte die kleine Klinge, um sich zu vergewissern, dass sie auch sauber war, und schob sie in die mit Gold verzierte Scheide an ihrer Taille. �Sagt, ist Elaynes Kind von Euch?�</p><p>�Ich wei� nicht, wer die Welpe gezeugt hat�, entgegnete er s�uerlich. �Warum, meine Lady? Glaubt Ihr, ich w�re weich geworden? Die letzte Schlampe, die behauptet hat, ein Kind von mir zu erwarten, habe ich in einen Brunnen gesteckt, damit sie wieder einen klaren Kopf bekam, und ich habe daf�r gesorgt, dass sie da bleibt.� Auf einem Tablett auf einem der Seitentische standen ein silberner Weinkrug und zwei Silberpokale. �Sind die in Ordnung?�, fragte er. Beide Pokale enthielten noch etwas Wein, aber eine kleine Beimischung h�tte den Toten zu einem leichten Opfer gemacht.</p><p>�Catrelle Mosenain, die Tochter eines Schmieds aus Maerone�, sagte die Frau so glatt, als w�re das allgemein bekannt, und er w�re beinahe �berrascht zusammengezuckt. �Ihr habt ihr den Sch�del mit einem Stein eingeschlagen, bevor Ihr sie hineingeworfen habt, zweifellos, um ihr das Ertrinken zu ersparen.� Woher wusste sie den Namen des M�dchens, ganz zu schweigen von dem Stein? Er hatte den Namen nicht mal mehr selbst gewusst. �Nein, ich glaube nicht, dass Ihr weich geworden seid, aber es w�rde mir gar nicht gefallen, wenn ich zu dem Schluss kommen m�sste, dass Ihr Lady Elayne k�sst, ohne es mich vorher wissen zu lassen. Das w�rde ich sogar hassen.�</p><p>Pl�tzlich bedachte sie das blutige Taschentuch in ihrer Hand mit einem Stirnrunzeln und erhob sich anmutig, um zum Kamin zu rauschen und es in die Flammen zu werfen. Sie blieb dort stehen, um sich zu w�rmen, und w�rdigte ihn keines Blickes. �K�nnt Ihr daf�r sorgen, dass ein paar der seanchanischen Frauen entkommen? Es w�re am besten, wenn es sowohl die w�ren, die man <emphasis>Sul'dam</emphasis> nennt, wie auch jene, die man <emphasis>Damane</emphasis> nennt.� Die unvertrauten Worte lie�en sie jeweils kurz z�gern. �Aber wenn das nicht geht, ein paar der <emphasis>Sul'dam</emphasis> w�rden reichen. Sie werden ein paar der anderen befreien.�</p><p>�Vielleicht.� Blut und verdammte Asche, sie wirbelte von einem Thema zum n�chsten, noch schlimmer als Falion es getan hatte. �Es wird nicht einfach sein, meine Lady. Sie werden streng bewacht.�</p><p>�Ich habe nicht gefragt, ob es einfach ist�, sagte sie und starrte in die Flammen. �K�nnt Ihr die Wachen von den Getreidespeichern abziehen? Es w�rde mich erfreuen, wenn ein paar davon tats�chlich brennen w�rden. Ich bin die gescheiterten Versuche leid.�</p><p>�Das kann ich nicht machen�, murmelte er. �Es sei denn, Ihr wollt, dass ich danach untertauche. Sie f�hren Unterlagen �ber die Befehle, dass es einem Cairhiener zu viel w�rde. Und das w�rde sowieso nichts nutzen, denn durch diese verdammten Tore treffen jeden verdammten Tag neue Wagen ein.� In Wahrheit bedauerte er das nicht. Die Methode bereitete ihm Unbehagen, ja, aber es tat ihm nicht Leid. Der Palast w�rde sowieso der letzte Ort in Caemlyn sein, der Hunger litt, aber er hatte auf beiden Seiten der Linien Belagerungen miterlebt, und er hatte nicht vor, noch einmal aus seinen Stiefeln eine Suppe kochen zu m�ssen. Aber Shiaine wollte Br�nde.</p><p>�Noch eine Antwort, die ich nicht verlangt habe.� Sie sch�ttelte den Kopf und starrte unverwandt in die Flammen. �Aber vielleicht kann etwas dort getan werden. Wie nahe seid Ihr denn daran, Elaynes... Zuneigung zu genie�en?�, schloss sie pr�de.</p><p>�N�her als an dem Tag, an dem ich im Palast eintraf�, knurrte er und starrte ihren R�cken finster an. Er bem�hte sich, diejenigen, die die Auserw�hlten �ber ihn gestellt hatten, niemals zu beleidigen, aber diese Schlampe stellte seine Geduld auf eine harte Probe. Er h�tte diesen zarten Hals wie einen Zweig zerbrechen k�nnen! Um die H�nde nicht um ihre Kehle zu legen, f�llte er einen Pokal und hielt ihn in der Hand, ohne die Absicht zu haben, daraus zu trinken. Nat�rlich in der linken Hand. Nur weil bereits ein Toter im Zimmer lag, musste das noch lange nicht bedeuten, dass sie nicht plante, noch einen Mord zu begehen.</p><p>�Aber ich muss es langsam angehen lassen. Es ist ja nicht so, als k�nnte ich sie in eine Ecke dr�ngen und sie aus ihrem Unterhemd kitzeln.�</p><p>�Ich sch�tze nicht�, sagte Shiaine ged�mpft. �Sie ist kaum die Art von Frau, an die Ihr gew�hnt seid.� <emphasis>Lachte</emphasis> sie etwa? <emphasis>Am�sierte</emphasis> sie sich �ber ihn? Es kostete ihn seine ganze Selbstbeherrschung, den Weinpokal nicht zu Boden zu schleudern und das fuchsgesichtige Mistst�ck zu erdrosseln.</p><p>Pl�tzlich drehte sie sich um, und er blinzelte, als sie den Dolch gleichg�ltig in die Scheide steckte. Er hatte �berhaupt nicht bemerkt, dass sie das verdammte Ding gezogen hatte! Er nahm einen Schluck Wein, ohne nachzudenken, und verschluckte sich beinahe, als ihm klar wurde, was er da tat.</p><p>�Wie w�rde es Euch gefallen, Caemlyn gepl�ndert zu sehen?�, fragte sie.</p><p>�Gut, wenn ich eine Kompanie und einen freien Pfad zu den Toren habe.� Der Wein musste in Ordnung sein. Der zweite Pokal bedeutete, dass auch sie getrunken hatte, und wenn er den Pokal des Toten genommen hatte, konnte nicht mehr genug Gift darin sein, um eine Maus zu vergiften. �Wollt Ihr das? Ich befolge Befehle genauso gut wie jeder andere.� Wenn er davon ausgehen konnte, sie zu �berleben, oder wenn sie von den Auserw�hlten kamen. Man konnte genauso gut als Narr sterben, als den Auserw�hlten nicht zu gehorchen. �Aber manchmal ist es hilfreich, mehr zu wissen als �geht dorthin und tut dies�. Wenn Ihr mir verratet, was Ihr eigentlich in Caemlyn vorhabt, k�nnte ich Euch helfen, es schneller zu erreichen.�</p><p>�Nat�rlich.� Sie l�chelte breit, w�hrend ihre Augen so reglos wie braune Steine blieben. �Aber zuerst verratet mir, warum an Eurem Handschuh frisches Blut klebt.�</p><p>Er l�chelte zur�ck. �Ein Stra�enr�uber, der Pech hatte, meine Lady.� Vielleicht hatte sie den Mann geschickt, vielleicht auch nicht, aber er f�gte ihren Hals zu der Liste derjenigen hinzu, die er durchschneiden wollte. Und er konnte Marillin Gemalphin gleich hinzuf�gen. Schlie�lich war eine einsame �berlebende die Einzige, die erz�hlen konnte, was geschehen war.</p></section><section><title><p>16</p><p>Das Thema von Verhandlungen</p></title><p>Die Morgensonne am Horizont lie� die eine Seite von Tar Valon noch immer von Schatten verh�llt, aber der Schnee, der alles bedeckte, funkelte grell. Die Stadt selbst schien hinter ihren langen wei�en Mauern zu leuchten, ihre T�rme waren alle tapfer beflaggt, aber f�r Egwene, die am Flussufer oberhalb der Stadt auf ihrem braunen Wallach sa�, schien sie noch weiter weg zu sein, als sie es in Wirklichkeit war. Der Erinin nahm hier eine Breite von fast zwei Meilen an, und der Alindrelle Erinin und der Osendrelle Erinin, die um die Insel flossen, waren jeweils fast halb so breit, sodass sich Tar Valon in der Mitte eines gro�en Sees zu erheben schien, unerreichbar trotz der massiven Br�kken, die hoch �ber dem Wasser aufragten, damit die Schiffe m�helos unter ihnen hindurchsegeln konnten. Die Wei�e Burg mit ihrem knochenwei�en Hauptturm, der aus dem Herzen der Stadt zu einer H�he von f�nfhundert Fu� emporwuchs, erf�llte Egwene mit einer Sehnsucht nach der Heimat. Nicht nach den Zwei Fl�ssen, sondern nach der Burg. Das war jetzt ihre Heimat. Rauch erregte ihre Aufmerksamkeit, ein dunstiger schwarzer Strich, der vom anderen Ufer jenseits der Stadt emporstieg, und sie verzog das Gesicht. Daishar stampfte im Schnee mit den Hufen, aber ein Klaps auf den Hals reichte aus, den Braunen zu beruhigen. Um seine Reiterin zu beruhigen, w�rde es mehr brauchen. Heimweh war das kleinste aller Probleme. Winzig, verglichen mit dem Rest.</p><p>Mit einem Seufzen legte sie die Z�gel auf dem hohen Knauf ihres Sattels ab und hob das lange Messingfernrohr. Ihr Umhang fiel zur�ck und rutschte von einer Schulter, aber sie ignorierte die K�lte, die ihren Atem in Nebel verwandelte, und beschattete die Linse mit einer behandschuhten Hand vor dem grellen Sonnenlicht. Die Stadtmauern sprangen f�rmlich in ihrem Sichtfeld heran. Sie konzentrierte sich auf die hohen, ringf�rmigen Mauern des Nordhafens, der flussaufw�rts in die Str�mungen hineinragte. Auf den Wehrg�ngen, die den Hafen umrundeten, bewegten sich Menschen zielstrebig, aber aus dieser Entfernung konnte sie kaum die M�nner von den Frauen unterscheiden. Trotzdem war sie froh, dass sie nicht ihre Stola, mit den sieben Farbstreifen trug und dass ihr Gesicht tief im Schatten der Kapuze lag, nur f�r den Fall, dass dort unten jemand ein besseres Fernrohr als sie hatte. Die breite �ffnung des von Menschenhand errichteten Hafens wurde von einer massiven Eisenkette blockiert, die mehrere Fu� �ber dem Wasser gespannt war. Winzige Punkte auf dem Wasser, V�gel, die vor dem Hafen nach Beutefischen tauchten, verliehen der Kette einen Ma�stab. Ein schrittlanges Glied h�tte zwei M�nner ben�tigt, um hochgehoben werden zu k�nnen. Ein Ruderboot h�tte vielleicht unter der Barriere hindurchschl�pfen k�nnen, aber kein Schiff von welcher Gr��e auch immer w�rde dort einlaufen, es sei denn, die Wei�e Burg erlaubte es. Nat�rlich war die Kette nur dazu gedacht, die Feinde fern zu halten.</p><p>�Da sind sie, Mutter�, murmelte Lord Gareth, und sie senkte das Fernrohr. Ihr General war ein st�mmiger Mann mit einem einfachen Brustharnisch �ber einem schmucklosen braunen Mantel; es gab weder eine Spur von Gold noch irgendwelche Verzierungen. Das Gesicht hinter den Stangen des Helmvisiers war offen und von den Elementen gezeichnet, und die Jahre hatten ihm eine seltsame Art von vertraueneinfl��ender Ruhe verliehen. Sollte sich die Grube des Verderbens vor ihm auftun, w�rde er seine Angst verdr�ngen und alles N�tige tun. Und andere M�nner w�rden ihm folgen. Er hatte auf einem Schlachtfeld nach dem anderen bewiesen, dass sein Weg der Weg zum Sieg war. Ein guter Mann, der ihr da folgte. Ihr Blick folgte der Hand mit dem Panzerhandschuh, die flussaufw�rts zeigte.</p><p>Gerade bogen f�nf, sechs � nein, sieben � Flussschiffe um eine Landspitze und schnitten Bahnen in den Erinin. Sie waren gro�, was die Schiffe anging, die diesen Fluss befuhren; Dreimaster, deren Dreieckssegel sich w�lbten, und ihre langen Ruder schnitten hart in das blaugr�ne Wasser, um noch f�r etwas zus�tzliche Fahrt zu sorgen. Alles an diesem Dreimaster k�ndete von dem Verlangen nach Schnelligkeit, dem Verlangen, Tar Valon <emphasis>jetzt</emphasis> zu erreichen! Der Fluss war hier tief genug, dass die Schiffe an einigen Stellen auf Rufweite an den Ufern vorbeifahren konnten, aber diese hier segelten fast in einer Reihe in der Mitte des Erinin, so gut das den Steuerm�nnern gelang. Matrosen, die sich oben an den Masten festklammerten, beobachteten die Ufer, und sie hielten nicht nach Untiefen Ausschau.</p><p>Tats�chlich hatten sie nichts zu bef�rchten, solange sie au�er Bogenschussweite blieben. Gewiss, von ihrem Standpunkt h�tte Egwene jedes Einzelne dieser Schiffe in Brand stecken oder einfach L�cher in ihre R�mpfe schneiden und sie versenken k�nnen. Eine Arbeit von wenigen Augenblicken. Aber das w�rde unweigerlich bedeuten, dass alle an Bord ertrinken w�rden. Die Str�mungen waren stark, das Wasser eiskalt, und die Strecke zum Ufer lang � jedenfalls f�r jene, die schwimmen konnten. Selbst nur ein Tod w�rde die Macht f�r sie zu einer Waffe werden lassen. Sie versuchte so zu leben, als w�re sie bereits durch die Drei Eide gebunden, und die Eide besch�tzten jene auf den Schiffen vor ihr und anderen Schwestern. Eine Schwester, die auf den Eidstab geschworen hatte, w�rde nicht dazu <emphasis>imstande</emphasis> sein, diese Gewebe zu benutzen, sie m�glicherweise nicht einmal erschaffen k�nnen. Falls sie sich nicht selbst davon �berzeugen konnte, dass diese Schiffe eine unmittelbare Gefahr f�r sie darstellten. Aber offensichtlich glaubten weder die Kapit�ne noch die Mannschaften daran.</p><p>Als die Flussschiffe n�her kamen, hallten aus der Ferne d�nne Rufe �ber das Wasser. Die Ausgucke auf den Masten zeigten auf sie und Gareth, und es wurde schnell ersichtlich, dass man sie f�r eine Aes Sedai mit ihrem Beh�ter hielt. Oder die Kapit�ne waren zumindest nicht bereit, das Risiko einzugehen, dass sie etwas anderes war. Einen Augenblick sp�ter vergr��erte sich die Zahl der Ruderschl�ge. Nur um einen Bruchteil, aber die Ruderer strengten sich an, diesen Bruchteil zu erreichen. Eine Frau auf dem Quarterdeck des F�hrungsschiffs � vermutlich der Kapit�n � winkte mit den Armen, als w�rde sie eine noch gr��ere Anstrengung erwarten, und mehrere M�nner liefen an Deck auf und ab, zogen hier ein Tau fester oder l�sten es, um den Winkel der Segel zu ver�ndern. Allerdings konnte Egwene nicht erkennen, ob sie damit �berhaupt etwas erreichten. An Deck waren noch andere M�nner als die Matrosen, und die meisten von ihnen dr�ngten sich an der Reling. Einige hatten ein Fernrohr und schienen die Distanz zu sch�tzen, die sie noch �berbr�cken mussten, bevor sie den sicheren Hafen erreicht hatten.</p><p>Egwene dachte dar�ber nach, eine Stichflamme zu weben, eine Lichtexplosion, vielleicht etwas mit einem lauten Knall, direkt �ber den Schiffen. Das w�rde jeden mit wenigstens einem Funken Verstand im Kopf erkennen lassen, dass ihnen hier weder Distanz noch Schnelligkeit Sicherheit brachte, sondern nur aus den Drei Eiden heraus entstandene Nachsicht. Sie <emphasis>sollten</emphasis> wissen, dass sie sicher waren, <emphasis>weil</emphasis> es eine Aes Sedai so wollte. Sie atmete schwer aus, sch�ttelte den Kopf und schalt sich in Gedanken. Dieses einfache Gewebe w�rde auch in der Stadt Aufmerksamkeit erregen, und mit Sicherheit mehr als das Auftauchen einer einzelnen Schwester. Schwestern kamen oft zum Flussufer, um Tar Valon und die Burg zu betrachten. Selbst wenn die einzige Reaktion auf ihr Feuerwerk eine Gegendemonstration sein sollte, sobald diese Art von Wettbewerb einmal angefangen hatte, konnte er unter Umst�nden nur sehr schwer wieder zu beenden sein. Einmal angefangen konnten die Dinge au�er Kontrolle geraten. Und daf�r gab es mehr als genug Gelegenheiten, vor allem in diesen letzten f�nf Tagen.</p><p>�Der Hafenmeister hat seit unserer Ankunft nicht mehr als acht oder neun Schiffe auf einmal eingelassen�, sagte Gareth, als das erste Schiff die F�hrung �bernahm, �aber die Kapit�ne scheinen einen Zeitplan ausgearbeitet zu haben. Bald werden die n�chsten Schiffe kommen und die Stadt zu genau dem Zeitpunkt erreichen, ab dem die Burgw�chter sich sicher sind, dass die Kerle auch gekommen sind, um in das Heer einzutreten. Jimar Chubain wei� genug, um zu verhindern, dass ich M�nner auf die Schiffe schmuggle. Er hat mehr W�chter im Hafen postiert als an jedem anderen Ort, mit Ausnahme der Br�ckent�rme, und soweit ich es in Erfahrung bringen kann, gibt es anderswo nicht viele. Aber das wird sich �ndern. Der Strom an Schiffen beginnt im ersten Licht und h�rt erst bei Anbruch der Nacht wieder auf, hier und auch im S�dhafen. Die Schiffe da unten scheinen nicht so viele Soldaten zu transportieren wie die meisten. Jeder Plan ist brillant, bis der Tag gekommen ist, Mutter, aber dann muss man sich den Umst�nden anpassen, oder man wird niedergeritten.�</p><p>Egwene gab einen verdrossenen Laut von sich. Auf diesen sieben Schiffen mussten zweihundert oder mehr Passagiere sein. Ein paar mochten Kaufleute oder andere unschuldige Reisende sein, aber die niedrig stehende Sonne funkelte auf Helmen und Harnischen und auf Lederw�msern aufgen�hten Stahlscheiben. Wie viele Schiffe trafen jeden Tag ein? Wie auch immer die genaue Zahl war, ein regelm��iger Strom kam in die Stadt, um sich unter dem Hochkapit�n Chubain zu verdingen. �Warum haben es M�nner immer so eilig, zu t�ten oder get�tet zu werden?�, murmelte sie gereizt.</p><p>Lord Gareth sah sie ruhig an. Er sa� wie eine Statue auf seinem Pferd, einem gro�en Hengst mit einem wei�en Streifen auf der Nase. Manchmal glaubte sie einen kleinen Teil dessen erahnen zu k�nnen, was Siuan f�r diesen Mann empfand. Manchmal glaubte sie, jede M�he w�re gerechtfertigt gewesen, die es kosten w�rde, ihn aus der Ruhe zu bringen, nur um zu sehen, wie er seine Beherrschung verlor.</p><p>Ungl�cklicherweise kannte sie die Antwort auf ihre Frage genauso gut wie er. Sie traf zumindest auf M�nner zu, die zu Soldaten wurden. O ja, es gab M�nner, die loseilten, um eine Sache zu unterst�tzen oder das zu verteidigen, was ihnen am Herzen lag, und manche suchten Abenteuer, was auch immer sie daf�r hielten, aber es war schlichtweg eine Tatsache, dass ein Mann f�r das Tragen eines Speers am Tag das Doppelte von dem verdiente, was er hinter dem Pflug eines anderen Mannes bekam, und er bekam noch einmal die H�lfte mehr, wenn er gut genug reiten konnte, um sich der Kavallerie anzuschlie�en. Ein Mann, der f�r einen anderen arbeitete, konnte davon tr�umen, eines Tages seinen eigenen Hof oder Laden zu besitzen, oder einen Anfang zu haben, auf dem seine S�hne aufbauen konnten, aber er hatte auch sicherlich die Tausende von Geschichten geh�rt, in denen M�nner, die sich f�nf oder zehn Jahre als Soldaten verdungen hatten, mit gen�gend Gold nach Hause kamen, um ein bequemes Leben zu f�hren, Geschichten von ganz gew�hnlichen M�nnern, die zu Gener�len oder Lords aufstiegen. F�r einen armen Mann, hatte Gareth schlicht gesagt, der eine Pike entlangstarrte, konnte es eine bessere Aussicht sein als das Hinterteil des Zugpferds, das einem anderen Mann geh�rte. Selbst wenn es wahrscheinlicher war, dass er durch eine Pike starb, statt Ruhm und Reichtum zu ernten. Eine bittere Betrachtungsweise, aber sie vermutete, dass die meisten der M�nner auf den Schiffen es genauso sahen. Und genauso hatte sie ihr Heer zusammenbekommen. F�r jeden Mann, der die Usurpatorin vom Amyrlin-Sitz gezerrt sehen wollte, f�r jeden Mann, der �berhaupt wusste, wer Elaida war, hatten zehn wenn nicht sogar hundert des Soldes wegen angeheuert. Einige der M�nner auf dem Schiff hoben die H�nde, um den W�chtern auf den Hafenw�llen zu zeigen, dass sie keine Waffen hielten.</p><p>�Nein�, sagte sie, und Lord Gareth seufzte. Seine Stimme blieb ruhig, aber seine Worte waren kaum tr�stlich, als er sprach.</p><p>�Mutter, so lange die H�fen offen bleiben, wird Tar Valon besser versorgt sein, als wir es sind, und statt vom Hunger geschw�cht zu werden, wird die Burgwache gr��er und st�rker. Ich bezweifle sehr, dass Elaida Chubain einen Ausfall auf unsere Truppen erlauben wird, so sehr ich mir das auch w�nschen w�rde. Jeder Tag, den Ihr abwartet, wird die Schlachterrechnung, die fr�her oder sp�ter bezahlt werden muss, nur noch erh�hen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass es am Ende zu einem Sturmangriff kommen wird, und das hat sich auch nicht ge�ndert, aber alles andere schon. Lasst die Schwestern mich und meine M�nner im Inneren der Stadtmauern absetzen, und ich kann Tar Valon erobern. Es wird nicht sauber sein. Das ist es nie. Aber ich kann die Stadt f�r Euch nehmen. Und es werden weniger sterben, als wenn Ihr es hinausz�gert.�</p><p>Ihr Magen zog sich so fest zusammen, dass sie kaum Luft bekam. Schritt f�r Schritt f�hrte sie die Novizinnen�bungen durch, um den Knoten zu l�sen. Das Ufer h�lt den Fluss, f�hrt ihn, ohne ihn zu kontrollieren. In ihr breitete sich Ruhe aus.</p><p>Zu viele Leute waren Zeuge von der Benutzung von Wegetoren geworden, und in gewisser Weise repr�sentierte Gareth die schlimmsten von ihnen. Sein Gesch�ft war der Krieg, und darin war er sehr gut. Sobald ihm klar geworden war, dass mehr als nur eine kleine Gruppe ein Wegetor passieren konnte, hatte er die Konsequenzen erkannt. Selbst die gro�en Mauern von Tar Valon, die jenseits der Reichweite eines jeden Belagerungskatapults lagen, das nicht auf einer Barke schwamm, und die mit der Macht verst�rkt werden konnten, bis nicht einmal das gr��te Katapult ihnen etwas anhaben konnte, h�tten genauso gut aus Papier bestehen k�nnen, wenn sie gegen ein Heer antraten, das das Schnelle Reisen beherrschte. Aber ob nun Gareth Bryne es begriffen hatte oder nicht, andere M�nner w�rden die Idee aufgreifen. Die Asha'man hatten es anscheinend bereits getan. Der Krieg war schon immer h�sslich gewesen, jetzt w�rde er noch h�sslicher werden.</p><p>�Nein�, beharrte sie. �Ich wei�, dass Menschen sterben werden, bevor das hier vorbei ist.� Das Licht sollte ihr beistehen, sie brauchte nur die Augen zu schlie�en, um sie sterben zu sehen. Aber noch mehr Menschen w�rden sterben, wenn sie die falschen Entscheidungen traf, und nicht nur hier an diesem Ort. �Aber ich muss die Burg am Leben erhalten � f�r Tarmon Gai'don, um zwischen der Welt und den Asha'man zu stehen, und die Burg wird sterben, wenn es so weit kommt, dass sich Schwestern in den Stra�en von Tar Valon gegenseitig umbringen.� Das war schon einmal geschehen. Es durfte kein zweites Mal passieren. �Wenn die Wei�e Burg stirbt, stirbt die Hoffnung. Ich sollte Euch das nicht noch einmal erkl�ren m�ssen.�</p><p>Daishar warf schnaubend den Kopf hoch und machte einen Satz, als h�tte er ihre Gereiztheit gesp�rt, aber sie z�gelte ihn energisch und schob das Fernrohr in das Lederfutteral, das am Sattel hing. Die V�gel flogen davon, als die dicke Kette, die den Nordhafen blockierte, sich senkte. Sie w�rde weiter unter der Oberfl�che versunken sein, bevor das erste Schiff die Hafenm�ndung erreichte. Wie lange war es her, dass sie Tar Valon auf der gleichen Route erreicht hatte? Es schien jenseits ihres Erinnerungsverm�gens zu liegen. In einem anderen, l�ngst vergangenen Zeitalter. Es war eine andere Frau gewesen, die an Land gegangen und von der Oberin der Novizinnen empfangen worden war.</p><p>Gareth sch�ttelte missbilligend den Kopf. Aber er gab niemals auf, oder? �Ihr m�sst die Wei�e Burg am Leben erhalten, Mutter, aber es ist meine Aufgabe, sie Euch zu �bergeben. Falls sich die Dinge nicht ge�ndert haben und ich nicht dar�ber informiert sein sollte. Ich sehe doch, wie die Schwestern fl�stern und �ber die Schulter blicken, selbst wenn ich daf�r den Grund nicht kenne. Wenn Ihr die Burg haben wollt, wird es zu einem Sturmangriff kommen, und zwar besser fr�her als sp�ter.�</p><p>Pl�tzlich erschien der Morgen dunkler, als w�ren Wolken vor die Sonne gezogen. Wie auch immer sie sich entschied, Tote w�rden sich wie Brennholz aufschichten, aber sie musste die Wei�e Burg am Leben erhalten. Sie musste es. Wenn es keine guten M�glichkeiten gab, musste man die w�hlen, die am wenigsten falsch erschienen.</p><p>�Ich habe hier genug gesehen�, sagte sie leise. Mit einem letzten Blick auf den schmalen Rauchstreifen jenseits der Stadt lenkte sie Daishar in Richtung der B�ume, die hundert Schritte vom Ufer entfernt standen; dort wartete ihre Eskorte unter den winterkahlen Buchen und Birken und dem immergr�nen Farnen.</p><p>Zweihundert Mann leichte Kavallerie in Brustpanzern aus Leder oder mit Eisenscheiben bestickten M�nteln h�tten am Ufer mit Sicherheit Aufmerksamkeit erregt, aber Gareth hatte sie von der Notwendigkeit dieser M�nner mit ihren schlanken Lanzen und kurzen Reiterbogen �berzeugt.</p><p>Zweifellos stieg der Rauch am anderen Ufer von brennenden Proviantwagen auf. Nadelstiche, aber diese Nadelstiche kamen jede Nacht, manchmal nur einmal, manchmal auch zwei-� oder dreimal, und mittlerweile hielt jeder nach dem Aufstehen sofort nach aufsteigendem Rauch Ausschau. Bislang hatte es sich als unm�glich erwiesen, die Angreifer zu stellen. Pl�tzliche Schneest�rme prasselten auf die Verfolger nieder, oder unvermittelt auftretende Eiswinde verwischten die Spuren, und der Schnee jenseits der letzten Hufabdr�cke war so unber�hrt wie frisch gefallen. Die R�ckst�nde von Geweben machten deutlich, dass sie Hilfe von Aes Sedai hatten, und es w�re dumm gewesen, das Risiko einzugehen, dass Elaida M�nner und vielleicht auch Schwestern auf dieser Seite des Flusses hatte. Nur wenige Dinge h�tten Elaida mehr Freude gemacht, als Egwene al'Vere in die H�nde zu kriegen.</p><p>Nat�rlich war das nicht ihre ganze Eskorte. Au�er Sheriam, ihrer Beh�terin der Chroniken, hatten sie an diesem Morgen sechs Aes Sedai begleitet, die ihre Beh�ter mitgenommen hatten. Hinter den Schwestern warteten acht M�nner in farbver�ndernden Umh�ngen, die auf �belkeit erregende Weise wogten, wenn der Wind sie erfasste, und ansonsten Teile der Reiter und Pferde scheinbar mit den Baumst�mmen verschmelzen lie�en. Sich der Gefahren bewusst � zumindest von den Sto�trupps � und sich dar�ber im Klaren, dass ihre Aes Sedai bis zum Zerbersten angespannt waren, beobachteten sie das sie umgebende W�ldchen, als w�ren die Kavalleristen nicht da. Ihre Hauptsorge galt der Sicherheit ihrer Aes Sedai, und die vertrauten sie niemand anderem an. Sarin, ein kleiner Mann mit schwarzem Bart, der weniger klein als vielmehr sehr breit war, hielt sich so nahe an Nisao, dass er die winzige Gelbe zu �berragen schien, und Jori schaffte es, Morvrin zu �berragen, obwohl er kleiner als sie war. Er war so breit wie Sarin, f�r einen Cairhiener aber sehr klein. Myrelles drei Beh�ter � die drei, zu denen sie sich �ffentlich zu bekennen wagte � dr�ngten sich um sie, sodass sie ihr Pferd nicht h�tte in Bewegung setzen k�nnen, ohne vorher eines der ihren aus dem Weg zu dr�ngen. Setagana, der Beh�ter von Anaiya, schlank, dunkel und so attraktiv, wie sie unscheinbar war, schaffte es beinahe, sie allein zu umgeben, und Tervail mit seiner eindrucksvollen Nase und dem vernarbten Gesicht tat das Gleiche mit Beonin. Carlinya hatte keinen Beh�ter, f�r eine Wei�e nicht ungew�hnlich, aber sie musterte die M�nner aus den Tiefen ihrer pelzverbr�mten Kapuze, als w�rde sie dar�ber nachdenken, sich einen zuzulegen.</p><p>Vor gar nicht so langer Zeit h�tte Egwene gez�gert, mit diesen sechs Frauen gesehen zu werden. Genau wie Sheriam hatten sie ihr die Treue geschworen, aus unterschiedlichen Gr�nden, und weder sie noch Egwene wollten, dass dies bekannt wurde oder man es �berhaupt vermutete. Sie waren ihre M�glichkeit gewesen, die Ereignisse zu beeinflussen, so weit ihr das m�glich war, als alle sie f�r nicht mehr als ein Aush�ngeschild betrachtet hatten, ein M�dchen als Amyrlin, das der Saal der Burg nach Lust und Laune benutzen konnte und auf das niemand h�rte. Diese Illusion hatte der Saal verloren, als Egwene die Sitzenden dazu gebracht hatte, Elaida den Krieg zu erkl�ren, als sie endlich zugegeben hatten, was seit dem Tag ihrer Flucht aus der Burg ihr eigentliches Ziel gewesen war. Aber seitdem sorgten sich der Saal und die Ajahs, was Egwene als N�chstes tun w�rde, und sannen auf Mittel und Wege, ihre Zustimmung zu erlangen. Die Sitzenden waren sehr �berrascht gewesen, als sie ihren Vorschlag eines Rates akzeptiert hatte, eine Schwester jeder Ajah, um sie mit ihrer Weisheit und Erfahrung zu beraten. Vielleicht glaubten sie ja, dass ihr der Erfolg mit der Kriegserkl�rung zu Kopf gestiegen war. Nat�rlich hatte sie Morvrin und Anaiya und den anderen gesagt, dass sie daf�r sorgen sollten, zu den auserw�hlten Schwestern zu geh�ren, und sie hatten �ber gen�gend Ansehen in ihren Ajahs verf�gt, um das zu bewerkstelligen, aber es war haarscharf gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie sich ihre Ratschl�ge wochenlang angeh�rt, auch wenn sie sie nicht immer befolgt hatte, aber jetzt bestand keine Notwendigkeit mehr, verstohlene Treffen zu arrangieren und Geheimbotschaften zu versenden.</p><p>Es hatte den Anschein, als w�re in der Zeit, in der Egwene die Burg betrachtet hatte, jemand zu der Gruppe gesto�en.</p><p>Sheriam trug die schmale blaue Stola ihres Amtes �ber dem Umhang; sie brachte im Sattel eine ausgesprochen formelle Verbeugung zustande. Die Frau mit den flammenroten Haaren konnte manchmal unglaublich formell sein.</p><p>�Mutter, die Sitzende Delana w�nscht Euch zu sprechen�, sagte sie, als k�nnte Egwene die pummelige Graue Schwester nicht sehen, die auf einer Stute sa�, die fast so dunkel wie Sheriams schwarzf��iges Pferd war. �In einer wichtigen Angelegenheit, wie sie sagt.� Und der leichte Anflug von Schroffheit bedeutete, dass Delana ihr nicht gesagt hatte, worum es ging. Das hatte Sheriam gewiss nicht gefallen. Sie konnte sehr eifers�chtig auf ihre Position sein.</p><p>�Unter vier Augen, wenn das m�glich ist, Mutter�, sagte Delana, schob die dunkle Kapuze zur�ck und enth�llte Haar, das beinahe die Farbe von Silber hatte. Ihre Stimme war tief f�r eine Frau, aber sie wies kaum den dr�ngenden Tonfall von jemandem auf, der etwas Wichtiges zu sagen hatte.</p><p>Ihre Anwesenheit war eine kleine �berraschung. Delana unterst�tzte Egwene oft im Saal der Burg, wenn sich die Sitzenden dar�ber stritten, ob eine bestimmte Entscheidung tats�chlich etwas mit dem Krieg gegen Elaida zu tun hatte. Das bedeutete, dass der Saal Egwenes Befehle mit gr��erer Entschlossenheit unterst�tzen musste, als es tats�chlich der Fall war. Und selbst den Sitzenden, die f�r den Krieg gewesen waren, gefiel dies nicht im Mindesten, was f�r endlose Diskussionen sorgte. Sie wollten Elaida st�rzen, aber sich selbst �berlassen h�tte der Saal nur geredet.</p><p>Um die Wahrheit zu sagen, war Delanas Unterst�tzung nicht immer willkommen. Am einen Tag konnte sie das Musterbild einer Verhandlungsf�hrerin der Grauen sein, die eine Einigung erzielen wollte, und am n�chsten war sie so unnachgiebig, dass jede Sitzende in H�rweite sich str�ubte. Von ihr war bekannt, dass sie auch bei anderen Gelegenheiten die Katze in den Taubenschlag gelassen hatte. Mittlerweile hatte sie nicht weniger als dreimal verlangt, der Saal solle offiziell verk�nden, dass Elaida eine Schwarze Ajah war, was unweigerlich zu peinlichem Schweigen f�hrte, bis jemand dazu aufrief, die Sitzung zu vertagen. Nur wenige waren bereit, �ffentlich �ber die Schwarzen Ajah zu sprechen. Delana w�rde �ber alles diskutieren, von dem Problem, wie sie f�r neunhundertundsiebenundachtzig Novizinnen die angemessene Kleidung finden sollten, bis zu der Frage, ob Elaida unter den Schwestern insgeheim Anh�nger hatte, noch ein Thema, das bei den meisten Schluckbeschwerden ausl�ste. Was alles zu der Frage f�hrte, warum sie so fr�h angeritten kam, und dann noch allein. Sie war noch nie zuvor ohne mindestens die Begleitung einer Sitzenden vor Egwene getreten. Delanas blassblaue Augen verrieten genauso wenig wie ihr glattes Aes Sedai-Gesicht.</p><p>�W�hrend wir reiten�, sagte Egwene. �Wir wollen unter uns bleiben�, f�gte sie hinzu, als Sheriam den Mund aufmachte. �Bleibt bitte mit den anderen zur�ck.� Die Beh�terin der Chroniken kniff die Augen mit einem beinahe w�tenden Ausdruck zusammen. Sie war eine eifrige und effiziente Beh�terin der Chroniken, die ihre ganze Hoffnung auf Egwene gesetzt hatte und kaum einen Hehl daraus machte, dass es ihr nicht gefiel, von einer Besprechung ausgeschlossen zu werden, egal, worum es dabei ging. Ob nun aufgebracht oder nicht, nach einem kaum merklichen Z�gern nickte sie zustimmend. Sheriam hatte nicht immer gewusst, wer von ihnen beiden hier die Befehle gab, aber das hatte sich ge�ndert.</p><p>Das Land stieg vom Fluss Erinin an, aber nicht in Form von H�geln, sondern in einer kontinuierlichen Steigung zu dem monstr�sen Gipfel hin, der sich im Westen auft�rmte und so gewaltig war, dass er die Bezeichnung Berg zu verspotten schien. Der Drachenberg h�tte selbst am R�ckgrat der Welt alles �berragt; in dem eher flachen Gel�nde in der Umgebung von Tar Valon schien sein wei�gekr�nter Gipfel in den Himmel zu reichen, vor allem, wenn so wie jetzt eine d�nne Rauchs�ule aus seiner zerkl�fteten Spitze str�mte. Eine d�nne Rauchs�ule, die aus der N�he auch etwas ganz anderes h�tte sein k�nnen. Auf halbem Weg den Drachenberg hinauf gab es keine B�ume mehr, und es war noch niemandem gelungen, den Gipfel zu erreichen oder ihm auch nur nahe zu kommen, obwohl man sich erz�hlte, dass seine Abh�nge von den Knochen derjenigen �bers�t waren, die es versucht hatten. Warum �berhaupt jemand es versuchen sollte, daf�r gab es keine einleuchtende Erkl�rung. Manchmal erstreckte sich der lange Abendschatten des Berges den ganzen Weg bis zur Stadt. Die Menschen der Gegend waren daran gew�hnt, dass der Drachenberg den Himmel beherrschte, so wie sie daran gew�hnt waren, dass der Turm der Wei�en Burg die Stadtmauern �berragte und auf Meilen hin sichtbar war. Beides waren unver�nderliche Fixpunkte, die immer da gewesen waren und es auch immer sein w�rden, aber das Leben der Menschen drehte sich um die Felder und das Handwerk, nicht die Berge oder die Aes Sedai.</p><p>In winzigen Weilern aus zehn oder einem Dutzend H�usern mit Stroh-� oder Schieferd�chern und dem gelegentlichen Dorf aus hundert Geh�ften blieben die Kinder, die im Schnee spielten oder Wasser aus den Brunnen holten, stehen und starrten den Soldaten nach, die �ber die unbefestigten Pfade ritten, die als Stra�en dienten, wenn sie nicht vom Schnee bedeckt waren. Sie trugen keine Banner, aber ein paar der Soldaten hatten die Flamme von Tar Valon auf dem Umhang oder den Mantel�rmeln, und die seltsamen Umh�nge der Beh�ter kennzeichneten zumindest einige der Frauen als Aes Sedai. Selbst in dieser N�he zur Stadt waren Schwestern bis vor kurzem ein seltener Anblick gewesen, und sie stellten noch immer etwas dar, was Kinderaugen gl�nzen lie�. Aber auch die Soldaten selbst schafften es vermutlich auf die Liste der Wunder. Die Bauernh�fe, die Tar Valon ern�hrten, nahmen den gr��ten Teil des Landes in Beschlag, mit Steinmauern abgegrenzte Felder, die H�user und hohe Scheunen aus Stein oder Ziegel umgaben, dazwischen W�lder unterschiedlichster Gr��e, und oft liefen Gruppen von Bauernkindern ein St�ck mit den Reitern und sprangen wie Hasen durch den Schnee. Winterarbeiten hielten die meisten �lteren Leute im Inneren der H�user, aber jene, die schwer vermummt wegen der K�lte nach drau�en gingen, hatten kaum Zeit f�r einen Blick auf Soldaten, Beh�ter oder Aes Sedai. Bald kamen der Fr�hling und das Pfl�gen und Auss�en, und was die Aes Sedai taten, hatte darauf keine Auswirkungen. Falls das Licht es erlaubte, w�rde es das nicht tun.</p><p>Es war sinnlos, W�chter zu postieren, es sei denn, sie w�ren geritten, als w�rden sie einen Angriff erwarten, und Lord Gareth hatte f�r eine starke Vorhut und Reihen von flankierenden Soldaten gesorgt, w�hrend eine Nachhut den Abschluss bildete. Er f�hrte die Masse der Soldaten direkt hinter den Beh�tern, die sich dicht an Sheriam und den �Rat� hielten. Sie alle bildeten einen gro�en, unsymmetrischen Kreis um Egwene, und solange sie sich nicht zu genau umsah, konnte sie sich fast vorstellen, mit Delana allein durch die Gegend zu reiten. Statt die Sitzende der Grauen zu dr�ngen � es war ein langer Ritt zum Lager, und es war niemandem erlaubt, ein Wegetor zu weben, wenn man dabei beobachtet werden konnte; es war also genug Zeit, um sich anzuh�ren, was Delana zu sagen hatte �, verglich Egwene die vorbeiziehenden H�fe mit denen an den Zwei Fl�ssen.</p><p>Vielleicht war es die Erkenntnis, dass die Zwei Fl�sse nicht l�nger ihr Zuhause waren, die sie die H�fe betrachten lie�. Sich die Wahrheit einzugestehen konnte niemals ein Verrat sein, aber sie musste sich an die Zwei Fl�sse erinnern. Wenn man verga�, wo man herkam, konnte man auch vergessen, wer man war, und manchmal erschien ihr die Wirtstochter aus Emondsfelde wie eine Fremde. In der N�he von Emondsfelde h�tte jeder dieser H�fe seltsam gewirkt, auch wenn sie den Grund nicht benennen konnte. Eine andere Form der H�user, ein anderer Winkel der D�cher. Und viel �fter waren die D�cher mit Schiefer gedeckt statt mit Stroh, sofern man es unter dem Schnee, der sie bedeckte, ausmachen konnte. Nat�rlich gab es auch bei den Zwei Fl�ssen weniger Stroh und mehr Stein und Ziegelwerk als fr�her. Das hatte sie gesehen, in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis>. Ver�nderungen geschahen entweder so langsam, dass man nie wahrnahm, wie sie sich an einen anschlichen, oder �berfielen einen so schnell, dass es Unbehagen bereitete, aber sie kamen. Nichts blieb so, wie es war, selbst wenn man das glaubte. Oder es hoffte.</p><p>�Einige glauben, Ihr wollt ihn als Beh�ter an Euch binden�, sagte Delana unvermittelt. Sie h�tte genauso gut an einer nichts sagenden Unterhaltung teilnehmen k�nnen. Ihre ganze Aufmerksamkeit schien darauf gerichtet zu sein, mit den gr�n behandschuhten H�nden die Kapuze ihres Umhangs zu richten. Sie ritt gut und verschmolz so m�helos mit den Bewegungen ihres Pferdes, dass sie das Tier �berhaupt nicht zu bemerken schien. �Einige glauben, dass Ihr das vielleicht bereits getan habt. Ich habe schon einige Zeit keinen mehr gehabt, aber allein das Wissen, dass Euer Beh�ter da ist, kann schon ein Trost sein. Wenn man den richtigen ausw�hlt.�</p><p>Egwene hob eine Braue � sie war stolz, dass sie die Frau nicht anstarrte; das war so ungef�hr das <emphasis>letzte</emphasis> Thema, mit dem sie gerechnet h�tte �, und Delana f�gte hinzu: �Lord Gareth verbringt viel Zeit mit Euch. Er ist �lter als �blich, aber Gr�ne w�hlen oft einen erfahreneren Mann als ihren Ersten aus. Ich wei�, dass Ihr nie einer Ajah angeh�rt habt, aber ich halte Euch oft f�r eine Gr�ne. Wird Siuan erleichtert sein, wenn Ihr mit ihm einen Bund eingeht, oder aufgebracht? Manchmal glaube ich das eine, manchmal das andere. Ihre Beziehung, wenn man sie so nennen will, ist sehr seltsam, aber es scheint ihr nicht im Mindesten peinlich zu sein.�</p><p>�Da m�sst Ihr Siuan schon selbst fragen.� Egwenes L�cheln hatte Biss. So wie ihr Tonfall, was das anging. Sie verstand selbst nicht genau, warum Gareth Bryne ihr seine Loyalit�t angeboten hatte, aber der Saal der Burg hatte Besseres mit seiner Zeit anzufangen, als wie Dorfweiber zu klatschen. �Ihr k�nnt wem auch immer Ihr wollt sagen, dass ich mit keinem den Bund eingegangen bin, Delana. Lord Gareth verbringt Zeit mit mir, wie Ihr es ausgedr�ckt habt, weil ich die Amyrlin bin und er mein General ist. Daran k�nnt Ihr �brigens alle erinnern.� Also betrachtete Delana sie als Gr�ne. Das war die Ajah, die sie gew�hlt h�tte, obwohl sie sich in Wahrheit nur einen Beh�ter w�nschte. Aber Gawyn war entweder in Tar Valon oder auf dem Weg nach Caemlyn, und was auch zutreffen mochte, sie w�rde ihn in absehbarer Zeit nicht zu sehen bekommen. Sie t�tschelte Daishars Hals unn�tigerweise und bem�hte sich, dass ihr L�cheln nicht zu einer finsteren Grimasse wurde. Es war angenehm gewesen, eine Zeit lang nicht an den Saal und an anderes denken zu m�ssen. Der Saal lie� sie verstehen, warum Siuan oft wie eine B�rin mit Zahnschmerzen ausgesehen hatte, als sie noch die Amyrlin gewesen war.</p><p>�Ich w�rde nicht sagen, dass es zu einem allgemeinen Thema geworden ist�, murmelte Delana. �Bis jetzt. Aber es besteht ein gewisses Interesse daran, ob Ihr mit einem Beh�ter einen Bund eingeht oder nicht, und wer es sein wird. Ich bezweifle, dass man Gareth Bryne f�r eine kluge Wahl halten w�rde.� Sie drehte sich im Sattel um und schaute �ber die Schulter. Vermutlich in Richtung von Lord Gareth, aber als sich die Sitzende wieder nach vorn wandte, sagte sie sehr leise: �Sheriam war nat�rlich nie Eure Wahl als Beh�terin der Chroniken, aber Ihr m�sst wissen, dass die Ajahs den Rest von dem Haufen dazu veranlasst haben, Euch ebenfalls im Auge zu behalten.� Ihre graue Stute war kleiner als Daishar, daher musste sie zu Egwene aufsehen, was sie versuchte, nicht so aussehen zu lassen. Die blassen blauen Augen blickten pl�tzlich sehr scharf. �Manche glaubten, Siuan w�rde Euch... zu gut beraten, so wie Ihr die Kriegserkl�rung gegen Elaida zustande gebracht habt. Aber sie ist noch immer ver�rgert wegen ihrer ver�nderten Lebensumst�nde, nicht wahr? Jetzt betrachtet man Sheriam als die Schuldige. Wie dem auch sei, die Ajahs wollen eine kleine Warnung, bevor Ihr mit der n�chsten �berraschung kommt.�</p><p>�Ich danke Euch f�r den Hinweis�, sagte Egwene h�flich. Schuldige? Sie hatte dem Saal bewiesen, dass sie nicht seine Marionette sein w�rde, und doch beharrten die meisten weiterhin darauf, dass sie die eines anderen sein musste. Wenigstens ahnte niemand die Wahrheit �ber ihren Rat. Jedenfalls konnte man das nur hoffen.</p><p>�Es gibt einen weiteren Grund, warum Ihr misstrauisch sein solltet�, fuhr Delana fort, und die Intensit�t in ihrem Blick strafte die Teilnahmslosigkeit in ihrer Stimme L�gen. Das hier war ihr wichtiger, als sie Egwene wissen lassen wollte. �Ihr seid Euch vielleicht sicher, dass jeder Rat, den eine von ihnen gibt, direkt von der F�hrung ihrer Ajah kommt, und wie Ihr wisst, sind die F�hrung einer Ajah und ihre Sitzenden nicht immer einer Meinung. Zu sehr darauf zu h�ren k�nnte Euch Probleme mit dem Saal bescheren. Nicht jede Entscheidung betrifft den Krieg, das d�rft Ihr nicht vergessen, aber Ihr wollt doch sicherlich, dass einige davon Eurem Willen entsprechen.�</p><p>�Eine Amyrlin sollte jede Seite anh�ren, bevor sie eine Entscheidung trifft�, erwiderte Egwene, �aber ich werde an Eure Warnung denken, wenn sie mich beraten, Tochter.� Hielt Delana sie f�r eine N�rrin? Vielleicht versuchte die Frau auch nur, sie w�tend zu machen. Wut f�hrte zu hastigen Entscheidungen und groben Worten, die man manchmal nur schwer wieder zur�cknehmen konnte. Sie hatte keine Ahnung, worauf Delana eigentlich hinauswollte, aber wenn die Sitzenden sie nicht auf eine Weise gef�gig machen konnten, versuchten sie es auf eine andere. Seit man sie zur Amyrlin erhoben hatte, hatte sie viel �bung darin, solchen Bestrebungen aus dem Weg zu gehen. Sie nahm tiefe, regelm��ige Atemz�ge und fand das Gleichgewicht der Ruhe. Auch darin hatte sie in letzter Zeit zu viel �bung.</p><p>Die Graue schaute sie am Rand ihrer Kapuze vorbei an; ihr Gesicht war v�llig ausdruckslos. Aber ihre blauen Augen blickten jetzt bohrend scharf. �Ihr k�nntet sie fragen, was sie davon halten, mit Elaida Verhandlungen aufzunehmen, Mutter.�</p><p>Beinahe h�tte Egwene gel�chelt. Die Pause war sehr k�nstlich gewesen. Anscheinend missfiel es Delana, von einer Frau Tochter genannt zu werden, die j�nger als die meisten Novizinnen war. J�nger als die meisten, die aus der Burg stammten. Andererseits war Delana selbst zu jung, um eine Sitzende zu sein. Und sie konnte ihr Temperament nicht so gut z�geln wie eine Wirtstochter. �Und warum sollte ich sie das fragen?�</p><p>�Weil das Thema in den letzten Tagen im Saal aufgekommen ist. Nicht als Vorschlag, aber es ist erw�hnt worden, sehr verstohlen, und zwar von Varilin und Takima, und auch von Magla. Und Faiselle und Saroiya schienen daran interessiert zu sein, was sie zu sagen hatten.�</p><p>Ruhe oder nicht, pl�tzlich wand sich Zorn wie ein Wurm in Egwenes Innerem, und es war keine leichte Aufgabe, ihn zu zerquetschen. Diese f�nf waren vor der Spaltung der Burg Sitzende gewesen, aber was noch wichtiger war, sie geh�rten den beiden Hauptfraktionen an, die um die Vorherrschaft des Saals k�mpften. Tats�chlich teilten sie sich zwischen Romanda und Lelaine auf, aber die beiden w�rden einander auch dann noch bek�mpfen, wenn es bedeutete, dass sie beide ertranken. Und sie hatten ihre Anh�ngerinnen eisern im Griff.</p><p>Egwene h�tte sich vielleicht vorstellen k�nnen, dass die anderen von den Ereignissen in Panik versetzt worden waren, aber nicht Romanda oder Lelaine. Seit mehreren Tagen waren die Debatten �ber Elaida oder die Zur�ckeroberung der Burg beinahe vollst�ndig von besorgten Unterhaltungen �ber diese unglaublich m�chtige, unm�glich lange Eruption der Einen Macht �berschattet worden. Fast jeder wollte wissen, was sie verursacht hatte, und fast jeder hatte Angst vor der Antwort. Erst gestern hatte Egwene den Saal davon �berzeugen k�nnen, dass es f�r eine kleine Gruppe m�glich sein musste, gefahrlos an den Ort zu Reisen, an dem diese Eruption stattgefunden hatte � sogar die Erinnerung war f�r jeden stark genug, um die Stelle genau zu lokalisieren �, und die meisten Schwestern schienen kollektiv den Atem anzuhalten, bis Akarrin und die anderen zur�ckkehrten. Jede Ajah hatte eine Repr�sentantin dabei haben wollen, aber Akarrin war die einzige Aes Sedai gewesen, die den Vorsto� wagte.</p><p>Doch weder Lelaine noch Romanda wirkten besorgt. So gewaltt�tig und lange anhaltend das Schauspiel auch gewesen war, es hatte sich auch in weiter Ferne abgespielt, und soweit sie sehen konnten, war kein Schaden entstanden; wenn es das Werk der Verlorenen war, was als sehr wahrscheinlich erschien, dann war die Chance, etwas zu erfahren, verschwindend gering, und die M�glichkeit, etwas dagegen auszurichten, sogar noch kleiner. Zeit und M�he f�r Unm�glichkeiten zu verschwenden war sinnlos, wenn eine wichtige Aufgabe direkt vor ihnen lag. Das sagten sie und knirschten mit den Z�hnen, weil sie derselben Ansicht waren. Aber sie stimmten auch darin �berein, dass man Elaida Stola und Stab abnehmen musste, Romanda mit fast der gleichen Leidenschaft wie Lelaine, und wenn es Lelaines Zorn erregt hatte, dass Elaida eine ehemalige Blaue vom Posten der Amyrlin gest�rzt hatte, dann hatte Elaidas Edikt, mit dem sie die Blaue Ajah aufl�ste, sie beinahe tollw�tig gemacht. Wenn sie Gespr�che �ber Verhandlungen zulie�en... Es ergab keinen Sinn.</p><p>Das Letzte, was Egwene wollte, war, dass Delana oder andere auf die Idee kamen, Sheriam und die anderen w�ren mehr als ein paar Wachhunde, die auf sie aufpassen sollten, aber sie rief sie mit einem scharfen Ruf herbei. Sie waren verschlagen genug, die Geheimnisse zu bewahren, die bewahrt werden mussten, denn ihre eigenen Ajahs w�rden ihnen die Haut abziehen, wenn auch nur die H�lfte herauskam, und sie w�rden sich Zeit dabei lassen. Sie ritten heran und dr�ngten sich in einer engen Gruppe um sie, ihre Gesichter waren Masken der Gelassenheit und Geduld. Dann bat Egwene Delana, das zu wiederholen, was sie ihr gesagt hatte. Trotz ihrer urspr�nglichen Bitte um ein Gespr�ch unter vier Augen z�gerte die Graue nicht lange, bevor sie dies tat. Und das war dann das Ende der Ruhe und Gelassenheit.</p><p>�Das ist Wahnsinn�, verk�ndete Sheriam, bevor eine andere den Mund aufmachen konnte. Sie klang �rgerlich und vielleicht auch etwas �ngstlich. Was verst�ndlich war. Ihr Name stand auf einer Liste von Frauen, die ged�mpft werden sollten. �Keine von ihnen kann ernsthaft annehmen, dass Verhandlungen m�glich sind.�</p><p>�Das glaube ich auch nicht�, bemerkte Anaiya trocken. Ihr Gesicht h�tte eher zu einer B�uerin als zu einer Blauen Schwester gepasst, und zumindest in der �ffentlichkeit kleidete sie sich sehr einfach in gutes Tuch, aber sie f�hrte ihren braunen Wallach genauso m�helos wie Delana ihre Stute. Anaiya konnte nur wenig aus der Ruhe bringen. Nat�rlich hatte sich unter den Schwestern, die von Verhandlungen gesprochen hatten, keine Blaue befunden. Anaiya sah nicht k�mpferisch aus, aber f�r die Blauen war es ein Krieg bis aufs Messer, ohne Gnade. �Elaida hat die Situation eindeutig dargestellt.�</p><p>�Elaida ist unberechenbar�, sagte Carlinya und warf den Kopf in den Nacken, was ihre Kapuze zur�ckfallen lie� und ihre kurzen dunklen Locken enth�llte. Gereizt zog sie die Kapuze wieder zur�ck. Carlinya zeigte nur selten Gef�hle, aber ihre blassen Wangen waren fast so ger�tet wie Sheriams, und ihre Stimme klang entschieden. �Sie kann unm�glich glauben, dass wir jetzt alle zu ihr zur�ckkriechen. Wie kann Saroiya auf die Idee kommen, dass sie sich mit weniger zufrieden geben w�rde?�</p><p>�Kriechen, genau das hat Elaida verlangt�, murmelte Morvrin giftig. Ihr f�r gew�hnlich gelassenes rundes Gesicht trug ebenfalls einen s�uerlichen Ausdruck, ihre pummeligen H�nde verkrampften sich um die Z�gel. Sie starrte einen Schwarm Elstern, die durch die vorbeireitenden Pferde von ein paar Birken aufgescheucht wurden, so finster an, dass sie eigentlich tot vom Himmel h�tten fallen m�ssen. �Takima h�rt sich manchmal gern reden. Sie muss es gesagt haben, um sich selbst reden zu h�ren.�</p><p>�Und Faiselle auch�, f�gte Myrelle d�ster hinzu und starrte Delana an, als w�re sie die Schuldige. Die Frau mit der dunklen Haut war f�r ihr Temperament bekannt, sogar unter den Gr�nen. �Ich h�tte nie erwartet, so etwas aus ihrem Mund zu h�ren. Sie ist noch nie eine N�rrin gewesen.�</p><p>�Ich kann nicht glauben, dass Magla das ernst meint�, beharrte Nisao und sah die anderen der Reihe nach an.</p><p>�Das ist unm�glich. So ungern ich das auch sage, Romanda hat Magla so sehr unter dem Daumen, dass sie jedes Mal quiekt, wenn Romanda niest. Und f�r Romanda stellt sich nur die Frage, ob man Elaida auspeitschen soll, bevor man sie ins Exil schickt.�</p><p>Delana verzog keine Miene; sie musste einfach ein selbstgef�lliges L�cheln unterdr�cken. Das war offensichtlich genau die Reaktion, die sie sich erhofft hatte. �Romanda hat Saroiya und Varilin genauso fest im Griff, und Takima und Faiselle setzen kaum einen Fu� vor den anderen, ohne vorher Lelaines Erlaubnis eingeholt zu haben, aber sie haben es nun einmal gesagt. Doch ich glaube, Eure Beraterinnen denken eher so wie die meisten Schwestern, Mutter.� Sie gl�ttete ihre Handschuhe und warf Egwene einen Seitenblick zu. �Wenn Ihr energisch handelt, k�nnt Ihr das im Keim ersticken. Anscheinend werdet Ihr die n�tige Unterst�tzung der Ajahs haben. Und meine nat�rlich im Saal. Meine und gen�gend andere, um dem ein sofortiges Ende zu bereiten.� Als w�rde Egwene Unterst�tzung brauchen, um das zu erreichen. Vielleicht versuchte sie ja, sich bei ihr einzuschmeicheln. Oder den Anschein zu erwecken, dass ihre einzige Sorge in der Unterst�tzung von Egwene bestand.</p><p>Beonin war schweigend geritten. Sie hielt den Umhang fest und starrte auf eine Stelle zwischen den Ohren ihrer braunen Stute, aber pl�tzlich sch�ttelte sie den Kopf. F�r gew�hnlich lie�en ihre gro�en blaugrauen Augen sie aussehen, als sei sie von etwas �berrascht, aber als sie jetzt aus dem Schatten ihrer Kapuze eine ihrer Gef�hrtinnen nach der anderen ansah, Egwene eingeschlossen, funkelte in ihnen blanker Zorn. �Warum sollten Verhandlungen nicht in Frage kommen?� Sheriam sah sie �berrascht an, und Morvrin �ffnete stirnrunzelnd den Mund, aber Beonin fuhr fort und richtete ihre Wut direkt auf Delana, wobei ihr tarabonischer Akzent st�rker als gew�hnlich durchkam. �Ihr und ich, wir sind Graue. Wir verhandeln, wir vermitteln. Elaida hat unm�gliche Bedingungen genannt, aber das ist bei Verhandlungsbeginn oft der Fall. Wir k�nnen die Wei�e Burg wiedervereinen und jedermann Sicherheit garantieren, wenn wir nur miteinander reden.�</p><p>�Wir richten aber auch�, fauchte Delana, �und �ber Elaida ist gerichtet worden.� Genau genommen stimmte das so nicht, aber sie schien von Beonins Ausbruch �berraschter als alle anderen zu sein. Ihr Tonfall troff f�rmlich vor Gift. �Vielleicht seid Ihr ja dazu bereit, so lange zu verhandeln, bis man Euch am Ende die Pr�gelstrafe verabreicht. Ich bin es nicht, und ich glaube nicht, dass Ihr viele finden werdet, die es sind.�</p><p>�Die Situation hat sich ver�ndert�, beharrte Beonin auf ihrem Standpunkt. Fast flehentlich streckte sie eine Hand nach Egwene aus. �Elaida h�tte die Proklamation �ber den Wiedergeborenen Drachen nicht verk�ndet, h�tte sie ihn auf irgendeine Weise in der Hand. Dieser Ausbruch von <emphasis>Saidar</emphasis> war eine Warnung. Die Verlorenen m�ssen aktiv geworden sein, und die Wei�e Burg muss...�</p><p>�Genug�, unterbrach Egwene sie. �Seid Ihr bereit, Verhandlungen mit Elaida aufzunehmen? Mit den Sitzenden, die noch in der Burg sind?�, erg�nzte sie. Elaida w�rde niemals reden wollen.</p><p>�Ja�, sagte Beonin inbr�nstig. �Die Dinge k�nnen zu jedermanns Zufriedenheit geregelt werden. Ich wei�, dass dies m�glich ist.�</p><p>�Dann habt Ihr meine Erlaubnis.�</p><p>Sofort begannen alle hektisch auf Beonin einzureden, versuchten, sie davon abzubringen, sagten ihr, dies sei Wahnsinn. Anaiya schrie so laut wie Sheriam und gestikulierte wild, und Delana schienen vor Entsetzen beinahe die Augen hervorzuquellen. Einige der Reiter fingen an, die Schwestern fast genauso interessiert zu betrachten wie die Bauernh�fe, an denen sie vorbeikamen, und unter den Beh�tern, die in diesem Augenblick den Bund nicht brauchten, um zu wissen, dass ihre Aes Sedai aufgebracht waren, zeigte sich Unruhe, aber sie hielten sich zur�ck. Kluge M�nner mischten sich nicht ein, wenn Aes Sedai die Stimmen erhoben.</p><p>Egwene ignorierte das Geschrei. Sie hatte �ber jede M�glichkeit nachgedacht, die ihr eingefallen war, um diesen Kampf so zu beenden, dass die Wei�e Burg am Ende unbeschadet und vereint daraus hervorging. Sie hatte stundenlang mit Siuan gesprochen, die mehr Grund als alle anderen hatte, Elaida abgesetzt zu sehen. Wenn es die Burg gerettet h�tte, h�tte sie sich Elaida ergeben, ob die Frau nun auf rechtm��ige Weise auf den Amyrlin-Sitz gekommen war oder nicht. Siuan hatte bei diesem Vorschlag beinahe der Schlag getroffen, aber sie hatte widerstrebend zugestimmt, dass die Erhaltung der Burg alles andere unwichtig machte. Beonin zeigte ein so sch�nes L�cheln, dass es wie ein Verbrechen erschien, es zu zerst�ren.</p><p>Egwene hob die Stimme gerade genug, um geh�rt zu werden. �Ihr werdet Euch an Varilin und die anderen wenden, die Delana genannt hat, und arrangieren, in die Wei�e Burg gelassen zu werden. Das sind die Bedingungen, die ich akzeptieren werde: Elaida muss abdanken und ins Exil gehen.� Denn Elaida w�rde niemals die Schwestern wieder aufnehmen, die gegen sie rebelliert hatten. Eine Amyrlin konnte nicht bestimmen, wie sich eine Ajah selbst verwaltete, aber Elaida hatte verk�ndet, dass Schwestern, die aus der Burg flohen, nicht l�nger einer Ajah angeh�rten. Demzufolge mussten sie eine Wiederaufnahme in ihre Ajah erbitten, nachdem sie ihre Strafe abgeleistet hatten. Elaida w�rde die Burg nicht wieder einen, sondern sie noch schlimmer zerschlagen, als es ohnehin schon geschehen war. �Das sind die einzigen Bedingungen, die ich akzeptieren werde, Beonin. Die <emphasis>Einzigen</emphasis>. Habt Ihr mich verstanden?�</p><p>Beonin verdrehte die Augen, und sie w�re vom Pferd gefallen, h�tte Morvrin sie nicht gest�tzt. Sie murmelte etwas Unh�rbares, w�hrend die Graue sie aufrecht hielt und ihr auf die Wangen schlug, und zwar nicht gerade sanft. Alle anderen starrten Egwene an, als h�tten sie sie noch nie zuvor gesehen. Das tat selbst Delana, die vom ersten ihrer Worte an geplant haben musste, dass etwas �hnliches geschah. Beonins Ohnmachtsanfall hatte sie anhalten lassen, und der Kreis aus Soldaten zog sich nach einem gebr�llten Befehl von Lord Gareth um sie zusammen. Einige starrten die Aes Sedai an, und obwohl ihre Gesichter hinter den Visieren verborgen lagen, war ihre Besorgnis unverkennbar.</p><p>�Es ist Zeit, ins Lager zur�ckzukehren�, sagte Egwene mit ruhiger Stimme. Was getan werden musste, musste getan werden. Vielleicht h�tte eine Kapitulation die Burg wieder geeint, aber sie konnte das nicht glauben. Und jetzt kam es vielleicht dazu, dass auf den Stra�en von Tar Valon Aes Sedai gegeneinander antraten � falls ihr Plan fehlschlug. �Wir haben zu tun�, sagte sie und nahm die Z�gel.</p><p>�Und wir haben nicht mehr viel Zeit.� Sie betete, dass sie noch reichte.</p></section><section><title><p>17</p><p>Geheimnisse</p></title><p>Sobald Delana zu der �berzeugung gelangte, dass ihre giftige Saat aufgegangen war, murmelte sie etwas davon, dass es besser war, wenn man sie nicht zusammen im Lager ankommen sah, und setzte sich ab; sie trieb ihre Stute zu einem schnellen Trab durch den Schnee an und lie� den Rest von ihnen in unbehaglichem Schweigen zur�ck, das nur von den Hufen ihrer Pferde durchbrochen wurde. Die Beh�ter behielten ihren Abstand bei, und die eskortierenden Soldaten musterten wieder die Bauernh�fe und das Unterholz, ohne den Aes Sedai auch nur noch einen Blick zu widmen; jedenfalls soweit Egwene sehen konnte. Aber M�nner wussten nie, wann sie den Mund halten mussten. Wenn man einem Mann befahl, kein Wort zu sagen, lie� ihn das nur noch mehr klatschen, nat�rlich nur mit engen Freunden, denen er vertrauen konnte, als w�rden die es nicht wiederum jedem weitererz�hlen, der zuh�ren mochte. Bei den Beh�tern war das vermutlich anders � die Aes Sedai, die Beh�ter hatten, beharrten stets darauf, dass es so war �, aber zweifellos w�rden die Soldaten von den sich streitenden Schwestern erz�hlen, und genauso zweifellos w�rden sie behaupten, dass Delana mit einem Floh im Ohr fortgeschickt worden war. Die Frau hatte das alles sorgf�ltig geplant. Wenn man dieser Saat erlaubte zu wachsen, w�rde sie schlimmer als Feuerkraut oder W�rgepflanzen wuchern, aber die Sitzende der Grauen hatte sich sehr geschickt von jeder Schuld distanziert. Am Ende kam fast immer die Wahrheit ans Licht, aber am Ende war die Wahrheit oft so von Ger�chten und Spekulationen und glatten L�gen umgeben, dass die meisten Leute sie nicht l�nger glaubten.</p><p>�Ich muss wohl nicht fragen, ob eine von euch schon zuvor davon geh�rt hatte�, sagte Egwene beil�ufig und schien dabei die Landschaft zu studieren, aber sie war erfreut, als jede dies sofort mit betr�chtlicher Emp�rung zur�ckwies, Beonin eingeschlossen, die ihren Kiefer bewegte und Morvrin b�se anschaute. Egwene vertraute ihnen, soweit sie es wagen konnte � sie h�tten ihr nicht die Treue schw�ren k�nnen ohne den festen Willen, sich buchst�blich daran zu halten; es sei denn, sie w�ren Schwarze Ajah gewesen, eine unwahrscheinliche M�glichkeit, die aber den gr��ten Teil ihrer Vorsicht begr�ndete �, doch selbst Treueide lie�en den ergebensten Menschen gen�gend Spielraum, die schlimmsten Dinge zu tun, und zwar im festen Glauben, nur im besten Interesse zu handeln. Und Leute, die man gegen ihren Willen zu ihren Eiden gebracht hatte, konnten gro�es Geschick darin entwickeln, L�cken und Auswege zu entdecken.</p><p>�Die eigentliche Frage ist, worauf ist Delana aus?�, fuhr sie fort. Sie musste das nicht erkl�ren, nicht diesen Frauen, von denen jede im Spiel der H�user erfahren war. Wenn Delana nur jegliche Verhandlungen mit Elaida hatte unterbinden und gleichzeitig ihren Namen heraushalten wollte, h�tte sie zu jeder Zeit allein mit Egwene dar�ber sprechen k�nnen. Sitzende brauchten keinen Vorwand, um das Studierzimmer der Amyrlin zu betreten. Oder sie h�tte Halima benutzen k�nnen, die in den meisten N�chten in Egwenes Zelt auf einem Feldbett schlief, obwohl sie Delanas Sekret�rin war. Egwene wurde von Kopfschmerzen heimgesucht, und in manchen N�chten konnten nur Halimas Massagen sie lindern, damit sie einschlafen konnte. Und im Grunde h�tte eine anonyme Nachricht ausgereicht, damit sie dem Saal ein Edikt verk�ndete, das Verhandlungen strikt verbot. Die gr��ten N�rglerinnen h�tten zugeben m�ssen, dass Verhandlungen, um den Krieg zu beenden, mit Sicherheit Auswirkungen auf den Krieg selbst haben w�rden. Aber offensichtlich hatte Delana gewollt, dass auch Sheriam und die anderen Bescheid wussten. Ihre Enth�llung war ein Pfeil, der auf ein anderes Ziel gerichtet war.</p><p>�Streit zwischen den Anf�hrerinnen der Ajahs und den Sitzenden�, sagte Carlinya so k�hl wie Schnee. �Vielleicht Streit zwischen den Ajahs.� Sie richtete l�ssig ihren Umhang, der mit aufw�ndigen wei�en Stickereien auf wei�em Stoff versehen, aber mit dichtem schwarzem Pelz gef�ttert war, und h�tte genauso gut �ber den Preis einer Rolle Garn sprechen k�nnen. �Ich wei� nicht, warum sie dies wollen k�nnte, aber das wird das Ergebnis sein, falls wir nicht sehr vorsichtig sind, und sie konnte nicht wissen, ob wir vorsichtig sind oder Gr�nde daf�r haben, also muss logischerweise eines oder beides ihr Ziel sein.�</p><p>�Die erste Antwort, die einem einf�llt, ist nicht immer die richtige, Carlinya�, sagte Morvrin. �Es ist nicht gesagt, dass Delana ihre Handlungen so sorgf�ltig abw�gt wie Ihr oder dass sie in die gleiche Richtung gedacht hat.� Die st�mmige Braune glaubte mehr an gesunden Menschenverstand als an Logik oder behauptete das zumindest, aber in Wahrheit schien sie beides zu vermischen, eine Kombination, die sie sehr stur allen schnellen oder einfachen Antworten gegen�ber machte. Was nicht unbedingt das Schlechteste war. �Delana versucht vielleicht, einige Sitzende bei einem Thema, das ihr am Herzen liegt, auf ihre Seite zu bringen. Vielleicht hofft sie, dass man Elaida doch noch zur Schwarzen Ajah erkl�rt. Wie dem auch sei, vielleicht beabsichtigt sie etwas, woran wir nicht einmal denken. Sitzende k�nnen genauso kleinlich wie alle anderen auch sein. M�glicherweise hegt sie einen Groll gegen eine der von ihr Genannten aus ihrer Novizinnenzeit, als sie von ihnen unterrichtet wurde. Bis wir mehr wissen, ist es besser, sich �ber die Konsequenzen Gedanken zu machen, statt sich �ber ihre Beweggr�nde zu sorgen.� Ihr Tonfall war so ruhig wie ihr breites Gesicht, aber Carlinyas k�hle Miene geriet einen Augenblick lang in Bewegung und zeigte k�hle Verachtung. Ihre Rationalit�t lie� nur wenig Raum f�r menschliche Schw�chen. Oder f�r Leute, die ihr nicht zustimmten.</p><p>Anaiya lachte, ein Laut beinahe m�tterlicher Heiterkeit, der ihren Braunen ein paar Schritte t�nzeln lie�, bevor sie ihn wieder in den Schritt zwang. Eine m�tterliche B�uerin, die sich �ber die Possen der Dorfnachbarn am�sierte. Selbst andere Schwestern waren dumm genug, sie von vornherein nicht ernst zu nehmen. �H�rt auf zu schmollen, Carlinya. Ihr habt vermutlich Recht. Nein, Morvrin, das hat sie. Aber was auch dahinterstecken mag, wir k�nnten ihre Hoffnungen auf Streit im Keim ersticken.� Das klang �berhaupt nicht am�siert. Keine Blaue fand etwas erheiternd, das m�glicherweise Elaidas Sturz behinderte.</p><p>Myrelle nickte heftig und blinzelte �berrascht, als Nisao sagte: �K�nnt Ihr Euch dem entgegenstellen, Mutter?� Die kleine Gelbe meldete sich nicht oft zu Wort. �Ich meine nicht das, was auch immer Delana vorhat. Wenn wir uns einigen k�nnen, was es ist�, f�gte sie schnell hinzu und machte eine Geste in Morvrins Richtung, die schon wieder den Mund aufmachte. Neben den anderen Frauen wirkte Nisao wie ein Kind, aber es war eine entschiedene Geste. Schlie�lich war sie eine Gelbe mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein und unter den meisten Umst�nden nicht bereit, auch nur f�r irgendjemanden einen Schritt zur�ckzuweichen. �Ich spreche von dem Gerede, mit den Sitzenden in der Burg einen Dialog zu beginnen.�</p><p>Einen Augenblick lang starrten alle sie an, selbst Beonin.</p><p>�Und warum sollten wir das erlauben?�, fragte Anaiya schlie�lich in gef�hrlichem Tonfall. �Wir haben nicht diesen weiten Weg hinter uns gebracht, um mit Elaida zu <emphasis>reden</emphasis>.� Sie war jetzt eine B�uerin, die ein Schlachterbeil hinter dem R�cken verborgen hielt und es auch benutzen wollte.</p><p>Nisao schaute zu ihr hoch und schnaubte. �Ich habe nicht gesagt, dass wir das wollen. Ich habe gefragt, ob wir wagen k�nnen, es aufzuhalten.�</p><p>�Ich sehe da keinen Unterschied.� Sheriams Stimme war eiskalt, ihr Gesicht blass. Vor Wut, wie Egwene fand, aber es h�tte auch Furcht sein k�nnen.</p><p>�Dann denkt eine Weile dar�ber nach, vielleicht seht Ihr es dann�, sagte Nisao trocken und so schneidend wie eine Messerklinge. �Im Augenblick ist das Gerede �ber Verhandlungen auf f�nf Sitzende beschr�nkt, und es ist verhalten. Aber wird das so bleiben? Sobald sich herumspricht, dass Verhandlungen vorgeschlagen und abgelehnt wurden, wie lange wird es dauern, bevor Verzweiflung Einzug h�lt? Nein, lasst mich ausreden! Wir alle sind mit rechtschaffener Wut und dem Verlangen nach Gerechtigkeit aufgebrochen. Aber nun sind wir hier und starren die Mauern von Tar Valon an, w�hrend Elaida in der Burg sitzt. Wir sind fast zwei Wochen hier, und so weit ersichtlich ist, k�nnen wir zwei Jahre hier bleiben, oder auch zwanzig. Je l�nger wir hier sitzen und nichts passiert, desto mehr Schwester werden Entschuldigungen f�r Elaidas Verbrechen finden. Und noch mehr, wenn sie auf die Idee kommen, dass wir die Burg wieder vereinigen m�ssen, was es auch kosten mag. Wollt ihr warten, bis eine Schwester nach der anderen auf Elaidas Seite �berwechselt? Ich stelle es mir nicht erstrebenswert vor, nur mit Euch und der Blauen Ajah am Ufer zu stehen und der Frau entgegenzutreten. Verhandlungen werden zumindest jedermann zeigen, dass <emphasis>etwas</emphasis> geschieht.�</p><p>�Niemand wird zu Elaida zur�ckkehren�, protestierte Anaiya und richtete sich im Sattel auf, aber sie zeigte ein besorgtes Stirnrunzeln, und sie klang, als k�nnte sie sich sehr wohl vorstellen, dass genau das geschah. Die Burg lockte jede Aes Sedai. Sehr wahrscheinlich sehnten sich sogar die Schwarzen Schwestern danach, dass die Burg wieder geeint war. Und dort stand sie, nur wenige Meilen entfernt, und doch anscheinend au�er Reichweite.</p><p>�Gespr�che k�nnten Zeit erkaufen, Mutter�, sagte Morvrin z�gernd, und niemand konnte ein so gro�es Z�gern in seine Stimme legen wie sie. Ihre Miene war nachdenklich und nicht im Mindesten erfreut. �Noch ein paar Wochen, und Lord Gareth k�nnte die Schiffe auftreiben, die er braucht, um die H�fen zu blockieren. Das wird alles zu unseren Gunsten �ndern. Ohne die M�glichkeit, Lebensmittel in die Stadt oder die Hungernden hinaus zu schaffen, wird die Entbehrung sie innerhalb eines Monats besiegen.�</p><p>Egwene behielt m�hsam eine unbewegte Miene bei. Es bestand keine echte Hoffnung, Schiffe f�r eine Hafenblokkade aufzutreiben, doch das wusste keine von ihnen. Aber Gareth hatte ihr das begreiflich gemacht, lange bevor sie Murandy verlassen hatten. Urspr�nglich hatte er gehofft, auf dem Marsch nach Norden entlang des Erinin Schiffe kaufen zu k�nnen, sie f�r den Nachschub zu verwenden, bis sie Tar Valon erreicht hatten, und dann in den Hafeneinfahrten zu versenken. Die Benutzung von Wegetoren hatte das in mehrerer Hinsicht vereitelt. Die Nachricht von der Belagerung hatte die Stadt mit den ersten Schiffen verlassen, die nach der Ankunft des Heeres aufgebrochen waren, und jetzt erledigten Schiffskapit�ne ihre Gesch�fte, indem sie Ruderboote ans Ufer schickten, von Ankerpl�tzen aus, die vom Flussufer entfernt waren. Kein Kapit�n war bereit, das Risiko einzugehen, dass man sein Schiff beschlagnahmte. Gareth hatte allein sie davon unterrichtet, und seine Offiziere nur ihn, aber jede Schwester h�tte das wissen k�nnen, dazu h�tte sie blo� mit ein paar Soldaten sprechen m�ssen.</p><p>Gl�cklicherweise sprachen nicht einmal Schwestern, die nach Beh�tern suchten, oft mit Soldaten. Man betrachtete sie als einen diebischen, ungebildeten Haufen, der nur aus Zufall badete, wenn er mal durch einen Fluss waten musste. Nicht die Art von Mann, mit der eine Schwester Zeit verbrachte, wenn es nicht sein musste. Das machte es einfacher, Geheimnisse zu bewahren, und manche Geheimnisse waren von grundlegender Bedeutung. Und manchmal auch Geheimnisse, die man vor denen hatte, die anscheinend auf derselben Seite waren. Egwene konnte sich an eine Zeit erinnern, wo sie nicht so gedacht hatte, aber das war ein Teil der Vergangenheit, die sie hatte zur�cklassen m�ssen. Das hier war eine andere Welt, mit ganz anderen Regeln als in Emondsfelde. Dort bedeutete ein Fehltritt, sich vor dem Frauenkreis rechtfertigen zu m�ssen. Hier bedeutete ein Fehltritt den Tod oder Schlimmeres, und nicht nur f�r sie allein.</p><p>�Die Sitzenden im Turm sollten zu Gespr�chen bereit sein�, meinte Carlinya seufzend. �Ihnen muss klar sein, dass bei anhaltender Belagerung Lord Gareths Chancen steigen, seine Schiffe zu finden. Aber ich wei� nicht, wie lange sie gespr�chsbereit sein werden, wenn ihnen klar wird, dass wir uns nicht ergeben werden.�</p><p>�Darauf wird Elaida bestehen�, murmelte Myrelle, aber sie meinte es nicht als Widerspruch, sondern sagte es zu sich selbst, und Sheriam erschauderte und zog den Umhang enger, als h�tte sie zugelassen, dass die K�lte sie ber�hrt.</p><p>Nur Beonin sah gl�cklich aus, sie sa� eifrig und aufrecht in ihrem Sattel, und das honigblonde Haar umrahmte ein breit l�chelndes Gesicht in der Kapuze. Aber sie zwang niemandem ihre Meinung auf. Sie war gut bei Verhandlungen, das sagte jeder, und sie wusste, wann sie warten musste.</p><p>�Ich habe doch gesagt, dass Ihr anfangen k�nnt�, sagte Egwene. Nicht, dass sie es anders denn als Zurechtweisung gemeint hatte, aber wenn man nach den Drei Eiden leben wollte, dann musste man zu dem stehen, was man sagte. Sie konnte es nicht erwarten, den Eidstab zu ber�hren. Danach w�re alles viel einfacher. �Achtet nur darauf, dass Ihr jedes Wort sorgf�ltig �berlegt. Wenn sie nicht alle glauben, dass wir uns Fl�gel haben wachsen lassen, um herzufliegen, dann m�ssen sie Verdacht sch�pfen, dass wir das Schnelle Reisen wieder entdeckt haben, aber sie k�nnen nicht sicher sein, bevor es jemand best�tigt. Es ist besser f�r uns, wenn sie keine Gewissheit haben. Das muss ein Geheimnis sein, das Ihr so sicher bewahrt wie das Geheimnis unserer Spione in der Burg.�</p><p>Das lie� Myrelle und Anaiya zusammenzucken, und Carlinya sah sich furchtsam um, obwohl weder ein Beh�ter noch ein Soldat nahe genug war, um sie zu verstehen, solange sie nicht schrien. Morvrin blickte nur noch m�rrischer drein. Sogar Nisao sah fast so aus, als h�tte sie nichts mit der Entscheidung zu tun, heimlich Schwestern in die Burg zur�ckzuschicken, die angeblich Elaidas R�ckrufbefehl folgten. Der Saal h�tte vielleicht mit Freude erfahren, dass es in der Burg zehn Schwestern gab, die Elaidas Autorit�t nach Kr�ften untergruben, selbst wenn diese Bem�hungen bis jetzt kein Ergebnis erbracht hatten, aber die Sitzenden w�rden definitiv nicht erfreut sein, wenn ihnen klar wurde, dass man es geheim gehalten hatte, weil diese Frauen f�rchteten, einige der Sitzenden k�nnten tats�chlich Schwarze Ajah sein. Da h�tten Sheriam und die anderen genauso gut ihre Treueide f�r Egwene enth�llen k�nnen. Das Ergebnis w�re vermutlich nicht anders ausgefallen. Bis jetzt hatte der Saal noch nicht befohlen, dass jemand eine Pr�gelstrafe mit Ruten erhielt, aber so wie sich die meisten Sitzenden dar�ber �rgerten, dass Egwene den Verlauf des Krieges ma�geblich bestimmte, w�re es keine gro�e �berraschung gewesen, wenn sie sich auf die Gelegenheit gest�rzt h�tten, allen zu zeigen, dass sie noch immer �ber Autorit�t verf�gten, w�hrend sie ihrem Missfallen gleichzeitig gewaltsam Ausdruck verliehen.</p><p>Beonin war anscheinend als Einzige gegen diese Entscheidung gewesen � zumindest bis offensichtlich wurde, dass die anderen es trotzdem machen w�rden �, aber auch sie holte tief Luft. In ihrem Fall mochte die pl�tzliche Reaktion eine Rolle spielen, dass ihr gerade aufgegangen war, worauf sie sich da eigentlich einlie�. �berhaupt jemanden in der Burg zu finden, der zu einem Gespr�ch bereit war, das war m�glicherweise schon eine entmutigende Aufgabe. Augen-und-Ohren in Tar Valon konnten nur Ger�chte �ber die Ereignisse in der Burg liefern; Neuigkeiten aus der Burg selbst kamen nur tr�pfchenweise von Schwestern, die sich ins <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> begaben, um fl�chtige Spiegelungen der wachen Welt zu finden, aber jeder dieser Eindr�cke best�tigte, dass Elaida mit Erlassen und Launen regierte, und nicht einmal der Saal wagte, sich gegen sie zu stellen. Beonins Gesicht nahm einen grauen Schimmer an, bis sie noch kr�nklicher als Nisao aussah. Anaiya und die anderen sahen so freudlos wie der Tod aus.</p><p>In Egwene stieg eine Welle der D�sternis auf. Das hier waren die St�rksten, die gegen Elaida angetreten waren, selbst die z�gerliche Beonin, die immer lieber reden statt handeln wollte. Nun, die Grauen waren f�r ihre �berzeugung bekannt, dass man mit Reden alles l�sen konnte. Das h�tten sie lieber bei einem Trolloc ausprobieren sollen oder einem Stra�enr�uber, nur um zu sehen, wie weit sie das brachte! Ohne Sheriam und den Rest w�re der Widerstand gegen Elaida zu Ende gewesen, bevor er �berhaupt die Chance gehabt h�tte, sich zu formieren. Das war sowieso beinahe geschehen. Aber Elaidas Stellung in der Burg war immer noch so unangefochten wie je zuvor, und nach allem, was sie durchgemacht hatten, nach allem, was sie getan hatten, hatte es nun den Anschein, als w�rde selbst Anaiya alles in einer Katastrophe enden sehen.</p><p>Nein! Egwene holte tief Luft, straffte die Schultern und setzte sich aufrecht hin. <emphasis>Sie</emphasis> war die rechtm��ige Amyrlin, ganz egal, was der Saal gedacht hatte, als man sie erhoben hatte, und wenn es �berhaupt noch eine Hoffnung geben sollte, die Burg wieder zu vereinen, dann musste sie die Rebellion gegen Elaida aufrechterhalten. Wenn das vorget�uschte Verhandlungen bedeutete, es w�rde nicht das erste Mal sein, dass Aes Sedai vorgaben, auf ein Ziel hinzuarbeiten, w�hrend sie ein anderes im Sinn hatten. Was auch immer erforderlich sein w�rde, um die Rebellion durchzuf�hren und Elaida zu st�rzen, sie w�rde es tun. Was auch immer dazu n�tig war.</p><p>�Zieht die Gespr�che so lange hin, wie Ihr es verm�gt�, sagte sie zu Beonin. �Ihr k�nnt �ber alles sprechen, solange Ihr die Geheimnisse bewahrt, die bewahrt werden m�ssen, aber willigt in nichts ein und lasst sie reden.� Die Graue schwankte im Sattel und sah eindeutig kr�nker als Anaiya aus. Sie schien kurz davor, sich zu �bergeben.</p><p>Als das Lager in Sicht kam, hatte die Sonne den halben Weg zum Zenit zur�ckgelegt; die Eskorte aus leichter Kavallerie schwenkte zur�ck in Richtung Fluss und lie� Egwene und die Schwestern die letzte Meile nur von den Beh�tern begleitet durch den Schnee reiten. Lord Gareth verharrte, als wollte er noch einmal mit ihr sprechen, aber dann drehte er seinen Braunen nach Osten der Kavallerie zu und holte sie ein, als sie jenseits einer lang gezogenen Baumgruppe verschwanden. Er w�rde ihre Diskussionen und unterschiedlichen Ansichten nicht vor anderen zur Sprache bringen, und er war der Meinung, dass Beonin und die Schwestern genau das waren, wof�r alle sie hielten, die Wachhunde der Ajahs. Egwene versp�rte eine gewisse Traurigkeit, dass sie vor ihm Dinge zur�ckhalten musste, aber je weniger das Geheimnis kannten, desto eher w�rde es auch geheim bleiben.</p><p>Das Lager war eine weitl�ufige Ansammlung aus Zelten in jeder Form, Gr��e, Farbe und Zustand, die auf dem halben Weg zwischen dem Drachenberg und Tar Valon eine breite, von B�umen umringte Weide einnahm. Es wurde umgeben von einem Kreis aus Pferdeleinen und Reihen aus unterschiedlichsten Wagen und Karren. An mehreren Stellen jenseits der Baumreihe stieg Rauch aus Schornsteinen empor, ein paar Meilen entfernt, aber die ans�ssigen Bauern hielten sich fern, es sei denn, sie wollten Eier, Milch und Butter verkaufen oder brauchten jemanden zum Heilen, falls es einen Unfall gegeben hatte. Von dem Heer, das Egwene mitgebracht hatte, war bis jetzt noch keine Spur zu entdecken. Gareth hatte seine Streitkr�fte am Fluss konzentriert, ein Teil besetzte an beiden Ufern die Br�ckend�rfer, und der Rest lagerte in Reservelagern, wie er es nannte, aus denen M�nner schnell herbeigef�hrt werden konnten, um dabei zu helfen, m�gliche Ausf�lle aus der Stadt abzuwehren � nur f�r den Fall, dass er Hochkapit�n Chubain doch falsch eingesch�tzt haben sollte. Immer die M�glichkeit mit einschlie�en, dass deine Annahmen falsch sind, hatte er einmal zu Egwene gesagt. Nat�rlich stellte niemand seine Aufstellung in Frage, jedenfalls nicht grunds�tzlich. Es gab immer Schwestern, die bereit waren, �ber die Einzelheiten zu klagen, aber schlie�lich war die Besetzung der Br�ckend�rfer die einzige M�glichkeit, Tar Valon zu belagern. Jedenfalls, was die Landseite anging. Und viele der Aes Sedai waren froh, die Soldaten wenigstens nicht sehen zu m�ssen, wenn sie sie schon nicht aus den Gedanken verbannen konnten.</p><p>Drei Beh�ter in farbver�ndernden Umh�ngen kamen aus dem Lager geritten, als sich Egwene und die anderen n�herten; einer von ihnen war sehr gro� und einer recht kurz geraten, sodass sie wie Treppenstufen aussahen. Sie verbeugten sich vor Egwene und den Schwestern und nickten den Beh�tern hinter ihnen zu; sie hatten alle das gef�hrliche Aussehen von M�nnern, die so selbstbewusst waren, dass sie es nicht n�tig hatten, andere von ihrer Gef�hrlichkeit �berzeugen zu m�ssen. Ein Beh�ter, der entspannt ist, und ein L�we, der auf einem H�gel ruht, lautete ein altes Sprichwort unter den Aes Sedai. Der Rest war in der Vergangenheit verloren gegangen, aber es war auch nicht n�tig, mehr zu sagen. Die Schwestern waren unter diesen Umst�nden mit der Sicherheit eines ganzen Lagers voller Aes Sedai nicht ganz zufrieden. Beh�ter patrouillierten meilenweit in allen Richtungen, L�wen auf dem Streifzug.</p><p>Anaiya und die anderen � mit Ausnahme von Sheriam � verteilten sich, sobald sie die ersten Zeltreihen jenseits der Wagen erreicht hatten. Jede w�rde die Anf�hrerin ihrer Ajah aufsuchen, um �ber Egwenes Ritt mit Lord Gareth zum Fluss Bericht zu erstatten, und, was wichtiger war, um daf�r zu sorgen, dass die Anf�hrerinnen der Ajahs erfuhren, dass einige der Sitzenden von Verhandlungen mit Elaida sprachen, und dass Egwene unnachgiebig blieb. Es w�re einfacher gewesen, h�tte sie gewusst, wer diese Frauen waren, aber nicht einmal Treueide reichten aus, um das zu enth�llen. Myrelle hatte fast ihre Zunge verschluckt, als Egwene es vorgeschlagen hatte. Unvorbereitet vor die Aufgabe gestellt zu werden, stellte kaum die beste Methode dar, sie zu lernen, und Egwene wusste, dass sie noch ganze Ozeane von Wissen aufzunehmen hatte, was die T�tigkeit einer Amyrlin anging. Ozeane von Wissen, und gleichzeitig eine Aufgabe zu erledigen.</p><p>�Verzeiht mir, Mutter�, sagte Sheriam, als Beonin als Letzte in Begleitung ihres narbengesichtigen Beh�ters zwischen den Zelten verschwand, �aber auf mich wartet ein Schreibtisch mit Stapeln von Papieren.� Der Mangel an Enthusiasmus in ihrer Stimme war verst�ndlich. Die Stola der Beh�terin brachte unabl�ssig wachsende Stapel von Berichten, die sortiert, und Dokumenten, die gepr�ft werden mussten, mit sich. Trotz ihres Eifers f�r den Rest ihrer Aufgaben � was in diesem Fall bedeutete, das Lager zu organisieren � hatte man Sheriam bei der Konfrontation mit noch einem Aktenstapel den innigen Wunsch murmeln h�ren, noch immer Oberin der Novizinnen zu sein.</p><p>Sobald Egwene ihre Erlaubnis gab, trieb sie ihren schwarzf��igen Schecken an und lie� eine Gruppe Arbeiter in groben M�nteln und um den Kopf gewickelten Schals auseinander spritzen, die auf den R�cken gro�e K�rbe trugen. Einer fiel auf dem halb gefrorenen Matsch mitten aufs Gesicht. Sheriams Arinvar, ein schlanker Cairhiener mit ergrauenden Schl�fen, verharrte lange genug, um sich zu vergewissern, dass der Bursche wieder auf die F��e kam, dann galoppierte er auf seinem dunklen Hengst hinter ihr her und �berlie� den Arbeiter seinen Fl�chen, von denen die meisten dem Gel�chter seiner Gef�hrten zu gelten schienen. Wenn eine Aes Sedai irgendwohin wollte, ging man besser aus dem Weg.</p><p>Egwenes Blick fiel auf das, was aus dem Korb des Burschen auf die Stra�e gefallen war, und sie erschauderte; ein gro�er Haufen grobes Maismehl, in dem so viele Kornk�fer krabbelten, dass es den Anschein hatte, dort w�rde es genauso viele schwarze Punkte geben wie Mehl. Die M�nner mussten verdorbenes Mehl zu den M�llgruben bringen. Es w�re eine vergebliche M�he, alles von Ungeziefer befallene Mehl durchzusieben � nur Verhungernde w�rden so etwas essen �, aber jeden Tag mussten zu viele K�rbe mit Maismehl und Getreide weggeworfen werden. Was das anging, stanken die H�lfte der zum Gebrauch ge�ffneten F�sser mit gesalzenem Schweinefleisch und Rindfleisch so schrecklich, dass man sie nur begraben konnte. F�r die Diener und Arbeiter � zumindest jene, die Erfahrungen im Lagerleben hatten � war das nichts Neues. Vielleicht ein bisschen schlimmer als gew�hnlich, aber nicht neu. Kornk�fer konnten zu jeder Zeit auftauchen, und Kaufleute, die ihre Profite erh�hen wollten, verkauften immer etwas fauliges Fleisch zusammen mit dem einwandfreien. Aber f�r die Aes Sedai war das ein Grund zu ernster Sorge. Jedes Fass Fleisch und jeder Sack Getreide war sofort nach dem Kauf mit einem Haltbarkeitsgewebe versehen worden, und was mit einem Haltbarkeitsgewebe versehen war, konnte sich nicht ver�ndern, bis dieses wieder entfernt wurde. Und trotzdem verfaulte das Fleisch und vermehrten sich die Sch�dlinge. Es war, als w�rde <emphasis>Saidar</emphasis> selbst versagen. Eher konnte man eine Schwester dazu verleiten, Witze �ber die Schwarze Ajah zu rei�en, als sie dazu zu bringen, �ber dieses Problem zu sprechen.</p><p>Einer der lachenden M�nner bemerkte, dass Egwene sie ansah, und er stie� den schlammverschmierten Burschen an, der seine Sprache etwas m��igte, aber nicht viel. Er schaute sie sogar finster an, als w�rde er sie f�r seinen Sturz verantwortlich machen. Da ihr Gesicht zur H�lfte von der Kapuze verborgen wurde und die Amyrlin-Stola zusammengefaltet in ihrer G�rteltasche steckte, schienen sie sie f�r eine Aufgenommene zu halten, von denen nicht alle die richtige Kleidung hatten, oder vielleicht f�r eine Besucherin. Frauen schl�pften oft ins Lager und hielten die Gesichter verborgen, ob sie nun feine Seide oder zerschlissene Wolle trugen, und eine Fremde oder eine Aufgenommene m�rrisch anzusehen, war auf jeden Fall ungef�hrlicher, als einer Aes Sedai einen b�sen Blick zuzuwerfen. Es kam ihr seltsam vor, dass nicht jeder in Sichtweite sich verbeugte.</p><p>Sie war schon vor dem ersten Tageslicht im Sattel gewesen, und wenn ein Bad nicht in Frage kam � man musste das Wasser aus den Brunnen herbeitragen, die man eine halbe Meile westlich vom Lager gegraben hatte, was alle bis auf die �u�erst verw�hnten oder weltfremden Schwestern sich einschr�nken lie� �, wenn also ein langes, hei�es Bad nicht m�glich war, h�tte sie wenigstens gern die F��e auf den Boden gestellt. Oder � noch besser � sie hochgelegt. Dar�ber hinaus war es nicht dasselbe, die K�lte nicht an sich heranzulassen, als die H�nde �ber einem Kohlenbecken zu w�rmen. Auch auf ihrem Schreibtisch w�rden sich die Papiere stapeln. Am vergangenen Abend hatte sie Sheriam gebeten, ihr die Berichte �ber den Zustand der Wagen und das Futter f�r die Pferde zu geben. Sie w�rden trocken und langweilig sein, aber sie �berpr�fte jeden Tag andere Bereiche, und so konnte sie zumindest sagen, ob das, was die Leute ihr berichteten, auf Fakten oder W�nschen beruhte. Und da waren immer die Berichte der Augen-und-Ohren. Verglichen mit dem, was Siuan und Leane ihr von ihren Agenten zukommen lie�en, war das, was die Ajahs an den Amyrlin-Sitz weiterleiteten, faszinierender Lesestoff. Man konnte nicht unbedingt behaupten, dass sie sich widersprachen, aber was die Ajahs f�r sich behalten wollten, gab manchmal interessante Bilder ab. Bequemlichkeit und Pflicht zogen sie zu ihrem Studierzimmer � nat�rlich war auch das nur ein Zelt, obwohl es jeder das Studierzimmer der Amyrlin nannte �, aber hier bot sich die Gelegenheit, sich einmal umzusehen, ohne dass alle vor ihrer Ankunft die Dinge hastig besch�nigten. Sie zog die Kapuze ein St�ck weiter nach vorn, um ihr Gesicht besser zu verbergen, und stie� Daishar die Abs�tze leicht in die Flanken.</p><p>Es waren nur wenige Leute mit dem Pferd unterwegs, haupts�chlich Beh�ter, auch wenn gelegentlich Pferdeknechte zu dem Verkehr beitrugen, die die Tiere an den Leinen so schnell durch den kn�cheltiefen Matsch f�hrten, wie das m�glich war. Niemand schien sie zu erkennen. Im Gegensatz zu den fast leeren Stra�en bogen sich die h�lzernen Gehsteige, die kaum mehr als grobe, auf zurechtgelegten Scheiten abgelegte Planken waren, unter dem Gewicht der Leute durch. Die Hand voll M�nner, die aus dem Strom der Frauen wie die Rosinen auf einem billigen Kuchen herausragten, gingen doppelt so rasch wie alle anderen. Mit Ausnahme der Beh�ter brachten M�nner ihre Gesch�fte unter Aes Sedai so schnell wie m�glich hinter sich. Fast alle Frauen trugen die Gesichter verh�llt, ihr Atem verwandelte sich in den Kapuzen�ffnungen zu Nebel, doch es fiel leicht, die Aes Sedai von den Besuchern zu unterscheiden, ganz egal, ob ihre Umh�nge schlicht oder verziert und mit Pelz gef�ttert waren. Die Menge teilte sich vor einer Schwester. Alle anderen mussten sich ihren Weg hindurchbahnen. Nicht, dass an diesem kalten Vormittag viele Schwestern unterwegs gewesen w�ren. Die meisten w�rden gem�tlich in ihren Zelten sitzen. Allein oder zu zweit und dritt w�rden sie lesen, Briefe schreiben oder ihre Besucherinnen nach Neuigkeiten ausfragen. Die dann mit dem Rest der Ajah der Schwester geteilt wurden oder auch nicht, und mit sonst niemandem.</p><p>Die Welt betrachtete die Aes Sedai als Monolithen, der sich massiv emport�rmte � oder hatte es zumindest, bevor die Spaltung der Burg allgemein bekannt geworden war �, aber es war eine Tatsache, dass sie in allen Dingen unterschiedliche Positionen vertraten und der Saal der einzige wahre Treffpunkt darstellte, und die Schwestern selbst waren kaum mehr als eine Versammlung von Einsiedlern, die �ber das absolut erforderliche Minimum hinaus nicht mehr als drei Worte sagten � und das auch nur zu ihren Freundinnen. Oder zu einer anderen Schwester, die sich ihnen aus irgendeinem Grund angeschlossen hatte. Was auch immer sich an der Burg ver�nderte, Egwene war fest davon �berzeugt, dass dies niemals anders werden w�rde. Es war sinnlos, so zu tun, als w�ren Aes Sedai jemals etwas anderes als Aes Sedai gewesen oder w�rden es jemals sein, ein breiter Fluss, der vorw�rts str�mte und dessen m�chtige Str�mungen in der Tiefe verborgen lagen, der seine Bahn mit unmerklicher Langsamkeit ver�nderte. Sie hatte an diesem Fluss ein paar D�mme gebaut, f�r ihre eigenen Zwekke hier und dort einen Strom abgezweigt, aber sie wusste, dass es nur zeitweilige Strukturen waren. Fr�her oder sp�ter w�rden diese tiefen Str�mungen ihre D�mme untersp�len. Sie konnte nur beten, dass sie lange genug hielten. Beten und sie so gut abst�tzen, wie sie nur konnte.</p><p>Gelegentlich tauchte eine Aufgenommene mit den sieben Farbstreifen auf der Kapuze ihres Umhangs in der Menge auf, aber bei den meisten Frauen handelte es sich um Novizinnen in schmuckloser wei�er Wolle. Nur eine Hand voll der einundzwanzig Aufgenommenen im Lager besa�en gestreifte Umh�nge, und sie bewahrten ihre wenigen mit Streifen versehenen Kleider f�r den Unterricht oder den Rapport bei Schwestern auf, aber man hatte gro�e Anstrengungen unternommen, damit jede Novizin zu dieser Zeit in Wei� gekleidet war, und selbst wenn sie nur ein Kleid zum Wechseln hatte. Die Aufgenommenen versuchten sich unweigerlich mit dem schwanengleichen Dahingleiten der Aes Sedai zu bewegen, und einer oder zweien gelang das trotz der sich durchbiegenden Planken unter ihren F��en auch, aber die Novizinnen schossen beinahe genauso schnell daher wie die M�nner, erledigten Boteng�nge oder eilten in kleinen Gruppen zum Unterricht.</p><p>Die Aes Sedai hatten schon seit langer Zeit nicht mehr so viele Novizinnen zu unterrichten gehabt, nicht seit den Trolloc-Kriegen, als es auch noch viel mehr Aes Sedai gegeben hatte, und pl�tzlich mit fast tausend Sch�lerinnen konfrontiert zu werden, hatte f�r ein heilloses Durcheinander gesorgt, bis man sie in �Familien� organisiert hatte. Diese Bezeichnung war noch nicht offiziell, aber er wurde selbst von den Schwestern benutzt, denen es noch immer nicht gefiel, jede Frau aufzunehmen, die darum bat. Jetzt wusste jede Novizin, wo sie wann zu sein hatte, und jede Schwester konnte es zumindest herausfinden. Ganz zu schweigen davon, dass die Zahl der Ausrei�erinnen drastisch zur�ckgegangen war. Das war immer ein Problem gewesen, und vermutlich w�rden mehrere Hundert dieser Frauen sogar die Stola erringen. Keine Schwester wollte eine dieser Frauen verlieren, und von den anderen auch nicht, zumindest nicht, bevor die Entscheidung getroffen worden war, eine Frau fortzuschicken. Gelegentlich verdr�ckten sich noch immer Frauen, denen klar wurde, dass die Ausbildung h�rter als erwartet und der Weg zur Stola der Aes Sedai l�nger als gedacht war, aber die Familiengruppen erleichterten nicht nur die �bersicht; eine Frau, die sich auf f�nf oder sechs Nichten, wie man sie nannte, st�tzen konnte, war weniger dazu geneigt, einfach zu verschwinden.</p><p>Ein gutes St�ck vor dem gro�en, rechteckigen Pavillon, der als Saal der Burg diente, lenkte sie Daishar in eine Seitenstra�e. Der Gehweg vor dem hellbraunen Segeltuchpavillon war leer � niemand n�herte sich dem Saal, der dort nichts zu suchen hatte �, aber die oft geflickte Eingangsplane war heruntergelassen, also konnte man unm�glich wissen, wer pl�tzlich herauskommen konnte. Jede Sitzende w�rde Daishar sofort erkennen, und einigen von ihnen wollte Egwene noch mehr aus dem Weg gehen als anderen. Lelaine und Romanda zum Beispiel, die sich ihrer Autorit�t so instinktiv widersetzten, wie sie gegeneinander k�mpften. Oder jedem, der angefangen hatte, von Verhandlungen zu reden. Es fiel schwer zu glauben, dass sie damit die Moral hatten st�rken wollen, denn in diesem Fall h�tten sie sich nicht auf Gefl�ster beschr�nkt. Aber der Anschein der H�flichkeit musste gewahrt werden, ganz egal, wie oft sie sich schon gew�nscht hatte, jemandem eine Ohrfeige zu verpassen; wenn Egwene niemanden sah, konnte sich diejenige auch nicht zur�ckgesetzt f�hlen.</p><p>Hinter einer hohen Segeltuchwand, die eine der beiden Reisestellen des Lagers umgab, blitzte ein schwaches silbriges Licht auf, und einen Augenblick sp�ter schoben zwei Schwestern die Eingangsplane zur Seite. Weder Phaedrine noch Shemari waren stark genug, allein ein Wegetor zu weben, aber gemeinsam schafften sie es gerade eben, eines zustande zu bringen, das gro� genug war, um hindurchgehen zu k�nnen. Die K�pfe zusammengesteckt und in eine Unterhaltung vertieft, legten sie sich seltsamerweise gerade die Umh�nge um. Egwene hielt das Gesicht abgewandt, als sie vorbeiritt. Die beiden Braunen hatten ihr als Novizin Unterricht gegeben, und Phaedrine schien noch immer �berrascht zu sein, dass Egwene die Amyrlin war. Schlank wie ein Reiher war sie durchaus imstande, durch den Schneematsch auf sie zuzustapfen und zu fragen, ob sie Hilfe brauchte. Shemari, eine tatkr�ftige Frau mit kantigem Gesicht, die eher wie eine Gr�ne als wie eine Bibliothekarin aussah, war in ihrem Benehmen stets korrekt. Eigentlich schon �berkorrekt. Ihren tiefen Knicksen, die zu einer Novizin gepasst h�tten, haftete immer der Hauch von Spott an, wie reglos ihre Miene auch sein mochte, nicht zuletzt deshalb, weil sie auch schon einen Knicks gemacht hatte, wenn sie Egwene aus einer Entfernung von hundert Schritten kommen sah.</p><p>Sie fragte sich, wo die beiden gewesen waren. Vermutlich irgendwo in einem Geb�ude, oder zumindest an einem Ort, an dem es w�rmer als im Lager gewesen war. Nat�rlich f�hrte niemand Buch �ber das Kommen und Gehen der Schwestern, nicht einmal die Ajahs. Die Verhaltensregeln waren tief verwurzelt, und sie hielten jeden eindringlich davon ab, direkte Fragen dar�ber zu stellen, was eine Schwester tat oder wo sie hinging. Vermutlich hatten sich Phaedrine und Shemari mit einigen ihrer Augen-und-Ohren getroffen. Oder sich in irgendeiner Bibliothek ein Buch angesehen. Sie <emphasis>waren</emphasis> Braune. Aber Egwene konnte Nisaos Bemerkung nicht vergessen, dass sich Schwestern zu Elaida verdr�ckten. Es war durchaus m�glich, sich von einem F�hrmann zur Stadt �bersetzen zu lassen, wo Dutzende winziger Wassertore jedem, der es wollte, Zugang gew�hrten, aber mit einem Wegetor riskierte man kein Aufsehen, indem man zum Fluss ritt und nach Booten fragte. Nur <emphasis>eine</emphasis> Schwester, die mit dem Wissen �ber dieses Gewebe in die Burg zur�ckkehrte, w�rde ihren gr��ten Vorteil zunichte machen. Und man konnte das nicht verhindern. Man konnte nur die Opposition zu Elaida mit Leidenschaft erf�llen. Man konnte nur die Schwestern glauben lassen, dass ein schnelles Ende m�glich war. Doch h�tte es nur einen Weg zu einem schnellen Ende gegeben.</p><p>Nicht weit von der Reisestelle entfernt z�gelte Egwene ihr Pferd und blickte stirnrunzelnd auf eine lange Zeltwand, die noch h�ufiger geflickt war als der Saal. Eine Aes Sedai rauschte den Gehsteig entlang � sie trug einen schlichten blauen Umhang und hatte ihr Gesicht unter der Kapuze verborgen, aber Novizinnen und andere eilten ihr aus dem Weg, wie sie es f�r eine Kauffrau niemals getan h�tten �, blieb kurz vor dem Eingang stehen und betrachtete ihn einen langen Augenblick, bevor sie die Plane zur Seite schob. Ihr Widerwille war so offensichtlich, als h�tte sie ihn hinausgeschrien. Egwene war noch nie in dem Zelt gewesen. Sie konnte f�hlen, wie dort drinnen <emphasis>Saidar</emphasis> gelenkt wurde, wenn auch nur schwach. Die n�tige Menge war �berraschend klein. Ein kurzer Besuch von der Amyrlin w�rde nicht allzu viel Aufmerksamkeit erregen. Sie wollte gern sehen, was sie in Bewegung gesetzt hatte.</p><p>Als sie vom Pferd stieg, wurde ihr eine �rgerliche Schwierigkeit bewusst. Es gab nichts, wo sie Daishar h�tte festbinden k�nnen. Die Amyrlin hatte immer jemanden, der angest�rzt kam, um ihr den Steigb�gel zu halten und das Pferd wegzuf�hren, aber hier stand sie nun mit den Z�geln des Wallachs in der Hand, und eine Gruppe Novizinnen eilte mit nicht mehr als einem fl�chtigen Blick vorbei und hielt sie f�r eine Besucherin. Mittlerweile erkannte jede Novizin eine Aufgenommene sofort, aber nur wenige hatten die Amyrlin je zu Gesicht bekommen. Sie hatte nicht einmal das alterslose Gesicht, das ihnen verraten h�tte, dass sie Aes Sedai war. Mit einem traurigen Lachen schob sie eine behandschuhte Hand in die G�rteltasche. Die Stola w�rde ihnen sagen, wer sie war, und dann konnte sie einer von ihnen befehlen, f�r eine Weile ihr Pferd zu halten. Es sei denn, sie h�tten es f�r einen geschmacklosen Witz gehalten. Ein paar Novizinnen aus Emondsfelde hatten einmal versucht, ihr die Stola vom Hals zu ziehen, damit sie keine Schwierigkeiten bekam. Nein, das war Vergangenheit und erledigt.</p><p>Unversehens wurde die Eingangsplane zur Seite geschoben, und Leane trat hervor; sie schloss ihren dunkelgr�nen Umhang mit einer silbernen Spange in Form eines Fisches. Der Umhang war aus Seide und reich mit Silber und Gold verziert, genau wie das Oberteil ihres Reitkleids. Auch ihre roten Handschuhe wiesen auf den Handr�cken Stickereien auf. Seit Leane der Gr�nen Ajah beigetreten war, achtete sie peinlich genau auf ihre Kleidung. Beim Anblick Egwenes weiteten sich ihre Augen, aber ihr Gesicht gl�ttete sich sofort. Mit einem Blick erfasste sie die Situation und hielt eine Novizin an, die allein unterwegs zu sein schien. Novizinnen gingen im Familienverbund zum Unterricht. �Wie hei�t du, Kind?� Vieles an Leane hatte sich ver�ndert, ihr scharfer Tonfall geh�rte nicht dazu. Es sei denn, sie wollte es anders. Die meisten M�nner verwandelten sich zu Wachs in ihren H�nden, wenn ihre Stimme schmachtend wurde, aber diese Gabe verschwendete sie nie an Frauen.</p><p>�Erledigst du etwas f�r eine Schwester?�</p><p>Die Novizin, eine Frau, die sich den mittleren Jahren n�herte und eine reine Haut hatte, die nie einen Tag Feldarbeit gesehen hatte, starrte sie offen an, bevor sie sich genug zusammenriss, um einen Knicks zu machen, ein ge�btes L�pfen der wei�en R�cke mit den in F�ustlingen steckenden H�nden. Leane war so hoch gewachsen wie die meisten M�nner, dabei aber schlank und anmutig und wundersch�n; auch ihr fehlte das alterslose Aussehen, aber ihr Gesicht geh�rte zu den beiden bekanntesten im ganzen Lager. Novizinnen zeigten ehrfurchtsvoll auf sie � eine Schwester, die einst Beh�terin der Chroniken gewesen war, die man ged�mpft hatte und die Geheilt worden war, sodass sie erneut die Macht lenken konnte, wenn auch nicht so stark wie zuvor. Und dann hatte sie die Ajah gewechselt! Eine Frau hatte das Wei� noch nicht richtig angezogen, da wusste sie schon, dass so etwas niemals passierte. Ungl�cklicherweise wurde Leane zu so etwas wie einem Mythos. Es fiel schwerer, einer Novizin Zur�ckhaltung aufzuerlegen, wenn man sie nicht darauf hinweisen konnte, dass sie riskierte, die Stola nie zu erringen, wenn sie sich ausbrannte und die Eine Macht f�r immer verlor.</p><p>�Letice Murow, Aes Sedai�, antwortete die Frau respektvoll mit einem tr�llernden murandianischen Akzent. Es hatte den Anschein, als wollte sie noch mehr sagen, vielleicht einen Titel nennen, aber eine der ersten Lektionen beim Eintritt in die Burg bestand darin, dass man alles zur�cklie�, was man gewesen war. F�r einige war das eine harte Lektion, vor allem f�r jene, die Titel gehabt hatten.</p><p>�Ich will meine Schwester besuchen. Ich habe sie seit unserem Aufbruch aus Murandy nicht l�nger als eine Minute gesehen.� Verwandte wurden immer auf verschiedene Novizinnenfamilien aufgeteilt, genau wie Frauen, die einander gekannt hatten, bevor sie ins Novizinnenbuch aufgenommen worden waren. Es ermunterte sie, neue Freundschaften zu schlie�en und verminderte die unweigerlichen Spannungen, wenn eine schneller lernte als die andere oder �ber ein h�heres Potenzial verf�gte. �Sie hat auch unterrichtsfrei, bis heute Nachmittag, und...�</p><p>�Deine Schwester wird noch etwas warten m�ssen, Kind�, unterbrach Leane sie. �Halte das Pferd der Amyrlin.�</p><p>Letice zuckte zusammen und starrte Egwene an, die endlich ihre Stola aus der Tasche gefummelt hatte. Sie reichte der Frau Daishars Z�gel, schlug die Kapuze zur�ck und legte sich den schmalen Stoffstreifen auf die Schultern. Leicht wie eine Feder in der G�rteltasche, lag die Stola schwer um ihren Hals. Siuan behauptete, dass man manchmal jede Frau, die je die Stola getragen hatte, an ihren Enden h�ngen f�hlen konnte, eine st�ndige Ermahnung an Verantwortung und Pflicht, und Egwene glaubte jedes Wort davon. Die Murandianerin starrte sie noch mehr an als Leane und brauchte l�nger, bis ihr einfiel, den Knicks zu machen. Zweifellos hatte sie geh�rt, dass die Amyrlin jung war, aber vermutlich hatte sie nie dar�ber nachgedacht, wie jung.</p><p>�Danke, Kind�, sagte Egwene glatt. Es hatte eine Zeit gegeben, in der es ihr unpassend vorgekommen war, eine zehn Jahre �ltere Frau Kind zu nennen. Im Laufe der Zeit ver�nderte sich alles. �Es wird nicht lange dauern. Leane, w�rdet Ihr jemanden bitten, einen Pferdeknecht f�r Daishar zu schicken? Jetzt, da ich aus dem Sattel bin, m�chte ich nicht wieder aufsitzen, und Letice sollte ihre Schwester besuchen d�rfen.�</p><p>�Ich werde mich selbst darum k�mmern, Mutter.�</p><p>Leane machte einen anmutigen Knicks und ging, ohne sich auch nur im Mindesten anmerken zu lassen, dass es mehr zwischen ihnen gab als diese zuf�llige Begegnung. Egwene vertraute ihr weit mehr als Anaiya oder sogar Sheriam. Vor Leane hatte sie keine Geheimnisse, genauso wenig wie vor Siuan. Aber ihre Freundschaft war ein weiteres Geheimnis, das geh�tet werden musste. Zum einen hatte Leane Augen-und-Ohren in Tar Valon, wenn nicht sogar in der Burg selbst, und ihre Berichte waren allein f�r Egwene bestimmt. Andererseits wurde Leane ziemlich verh�tschelt, weil sie sich so gut an ihren geringeren Status gew�hnt hatte, und jede Schwester hie� sie willkommen, und wenn auch nur aus dem Grund, dass sie den lebendigen Beweis darstellte, dass das D�mpfen, die tiefe Furcht jeder Aes Sedai, r�ckg�ngig gemacht werden konnte. Sie hie�en sie mit offenen Armen willkommen, und weil sie jetzt <emphasis>weniger</emphasis> als zuvor war, weil sie unter der H�lfte der Schwestern im Lager stand, sprachen sie in ihrer Anwesenheit oft �ber Dinge, von denen sie niemals gewollt h�tten, dass die Amyrlin sie erfuhr. Egwene warf ihr keinen Blick nach, als sie ging. Stattdessen schenkte sie Letice ein L�cheln � die Frau err�tete und machte noch einen Knicks �, dann betrat sie das Zelt, zog die Handschuhe aus und steckte sie hinter den G�rtel.</p><p>An den W�nden standen acht Spiegelkandelaber zwischen niedrigen Holztruhen. Bei einer bl�tterte die Vergoldung ab, die anderen waren aus bemaltem Eisen; keine zwei Kandelaber hatten die gleiche Anzahl von Armen, aber sie sorgten f�r eine gute Beleuchtung, auch wenn es nicht so hell wie drau�en war. Mehrere Tische, die aus sieben verschiedenen Bauernk�chen zu stammen schienen, bildeten in der Mitte des mit Segeltuch ausgelegten Bodens eine Reihe; auf den am weitesten entfernten B�nken sa�en ein halbes Dutzend Novizinnen, deren Umh�nge zusammengefaltet neben ihnen lagen. Jede der Frauen war vom Gl�hen der Macht umgeben. Tiana, die Oberin der Novizinnen, musterte sie besorgt und ging zwischen den Tischen auf und ab, genau wie �berraschenderweise Sharina Melloy, eine der Novizinnen aus Murandy.</p><p>Nun ja, vielleicht h�tte es keine �berraschung sein sollen, Sharina hier zu finden. Sie war eine ehrw�rdige, grauhaarige Gro�mutter mit einem straffen Haarknoten im Nacken, die mit strenger Hand eine sehr gro�e Familie gelenkt hatte, und sie schien s�mtliche Novizinnen als Enkel oder Gro�nichten adoptiert zu haben. Sie war diejenige gewesen, die sie in diese winzigen Familien eingeteilt hatte, allein auf sich gestellt und anscheinend aus Emp�rung, mit ansehen zu m�ssen, wie jedermann kopflos umherschwirrte. Die meisten Aes Sedai kniffen die Lippen mehr als nur etwas zusammen, wenn sie daran erinnert wurden, obwohl sie diese Idee schnell genug akzeptiert hatten, sobald ihnen klar geworden war, wie sehr es die Organisation der Klassen vereinfachte und es ihnen erleichterte, die Frauen im Auge zu behalten. Tiana kontrollierte die Arbeit der Novizinnen so aufmerksam, dass es offensichtlich war, dass sie Sharinas Anwesenheit zu ignorieren versuchte. Klein und schlank, mit gro�en braunen Augen und einem Gr�bchen am Kinn sah Tiana trotz ihres alterslosen Gesichts irgendwie jung aus, vor allem im Vergleich mit den breiten H�ften und faltigen Wangen der gr��eren Novizin.</p><p>Die beiden Aes Sedai, die an dem Tisch direkt am Eingang die Macht lenkten, Kairen und Ashmanaille, hatten ebenfalls Zuschauer. Janya Frende, eine Sitzende der Braunen, und Salita Toranes, eine Sitzende der Gelben. Aes Sedai und Novizinnen gingen alle derselben Aufgabe nach. Vor jeder Frau umgab ein enges, aus Erde, Feuer und Luft gewobenes Netz einen kleinen Gebrauchsgegenstand, der von den Lagerschmieden hergestellt worden war. Es hatte sie sehr verbl�fft, dass die Schwestern solche Gegenst�nde aus Eisen haben wollten, ganz zu schweigen davon, dass sie so fein gearbeitet sein sollten wie aus Silber. Ein zweites, aus Erde und Feuer gestaltetes Gewebe durchdrang jedes Netz, um den Gegenstand zu ber�hren, der langsam eine wei�e F�rbung annahm. Und zwar ganz langsam.</p><p>Das Geschick mit den Geweben verbesserte sich durch �bung, aber von den F�nf M�chten war Erde der Schl�ssel, und au�er Egwene beherrschten nur neun Schwestern im Lager � sowie zwei Aufgenommene und beinahe zwei Dutzend Novizinnen � dies ausreichend, um funktionsf�hige Gewebe zu erschaffen. Allerdings gab es unter den Schwestern auch nur wenige, die sich �berhaupt daf�r interessierten. Ashmanaille, die schlank genug war, um gr��er zu erschienen, als sie in Wirklichkeit war, und die zu beiden Seiten der einfachen Eisensch�ssel mit den Fingern auf die Tischplatte trommelte, verfolgte ungeduldig, wie der wei�e Rand bis zur Mitte in die H�he kroch. Kairens blaue Augen schauten kalt genug, dass allein ihr Blick h�tte ausreichen m�ssen, um den hohen Becher, an dem sie arbeitete, zerspringen zu lassen. Er wies nur einen kleinen wei�en Rand am unteren Ende auf. Es musste Kairen gewesen sein, die Egwene hatte eintreten sehen.</p><p>Aber nicht jede war lustlos. Janya, d�nn und in hellbronzene Seide gekleidet, die Stola mit den braunen Fransen in beiden Ellenbeugen, studierte das, was Kairen und Ashmanaille dort taten, mit dem Eifer von jemandem, der sich sehnlichst w�nschte, das auch tun zu k�nnen. Janya wollte alles wissen, sie wollte wissen, wie alles funktionierte und warum es das tat. Sie war sehr entt�uscht gewesen, als es ihr verwehrt geblieben war, zu lernen, wie man ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> herstellte � au�er Elayne war das bislang nur drei Schwestern gelungen, und das auch nur mit sehr unterschiedlichem Erfolg �, und sie hatte gro�e Anstrengungen unternommen, diese Fertigkeit zu erlernen, selbst nachdem der Test gezeigt hatte, dass ihr die n�tige St�rke in der Erde fehlte.</p><p>Salita war die Erste, die Egwene bemerkte. Sie hatte ein rundes Gesicht, und ihre Haut war fast so schwarz wie Holzkohle, und die gelben Fransen ihrer Stola schwankten leicht, als sie einen pr�zisen, haargenau abgemessenen Knicks machte und Egwene dabei ruhig ansah. Aufgewachsen in Salidar, geh�rte Salita einer beunruhigenden Entwicklung an: zu viele Sitzende waren zu jung f�r diese Position. Salita war erst seit f�nfunddrei�ig Jahren Aes Sedai, und normalerweise h�tte eine Frau die Stola mindestens hundert Jahre l�nger tragen m�ssen, bevor sie einen Stuhl zugewiesen bekam. Siuan sah ein Muster darin und fand es beunruhigend, obwohl sie nicht sagen konnte, warum das so war. Muster, die sie nicht verstand, beunruhigten Siuan immer. Wenigstens stand Salita f�r den Krieg gegen Elaida ein und unterst�tzte Egwene oft im Saal. Aber nicht immer, und hierbei ganz bestimmt nicht. �Mutter�, sagte sie k�hl.</p><p>Janya riss den Kopf hoch und fing an zu strahlen. Sie war immer f�r den Krieg gewesen, die einzige Frau au�er Lelaine und Lyrelle, die vor der Spaltung der Burg eine Sitzende gewesen war, und auch wenn ihre Unterst�tzung f�r Egwene nicht immer bedingungslos war: was das hier anging, galt sie uneingeschr�nkt. Wie gew�hnlich sprudelten die Worte f�rmlich aus ihr heraus. �Dar�ber komme ich einfach nicht hinweg, Mutter. Es ist wirklich erstaunlich. Ich wei�, wir sollten nicht l�nger �berrascht sein, wenn Euch etwas einf�llt, das niemand anderem eingefallen ist � manchmal glaube ich, wir sind in unseren Wegen zu eingefahren, zu sicher, was m�glich ist und was nicht �, aber zu entr�tseln, wie man <emphasis>Cuendillar</emphasis> macht...� Sie musste Luft holen, und Salita nutzte elegant die Gelegenheit. Und k�hl.</p><p>�Ich behaupte noch immer, dass es falsch ist�, sagte sie fest. �Ich gebe zu, die Entdeckung war eine brillante Tat Eurerseits, Mutter, aber Aes Sedai sollten nichts herstellen, um es dann zu... verkaufen.� Salita legte in das Wort alle Verachtung, zu der eine Frau f�hig war, die von den Ertr�gen ihrer G�ter in Tear gelebt hatte, ohne jemals dar�ber nachzudenken, wie sie zustande kamen. Diese Einstellung war nicht selten, auch wenn die meisten Schwestern von der gro�z�gigen j�hrlichen Verg�tung der Burg lebten. Oder es bis zu der Spaltung getan hatten. �Dar�ber hinaus sind fast die H�lfte der Schwestern, die dazu gezwungen werden, Gelbe�, fuhr sie fort. �Ich bekomme jeden Tag Beschwerden. Zumindest wir haben Wichtigeres mit unserer Zeit zu tun als... Spielereien herzustellen.� Das brachte ihr einen harten Blick von Ashmanaille ein, einer Grauen, und ein kaltes Funkeln von Kairen, die eine Blaue war, aber Salita ignorierte sie. Sie geh�rte zu den Gelben, die der Ansicht waren, dass die anderen Ajahs blo� ein Anh�ngsel der ihren waren, die von allen nat�rlich als Einzige wirklich von Nutzen war.</p><p>�Und Novizinnen sollten �berhaupt keine so komplizierten Gewebe machen�, f�gte Tiana hinzu und gesellte sich zu ihnen. Die Oberin der Novizinnen war nie zur�ckhaltend, wenn es darum ging, den Sitzenden oder der Amyrlin die Meinung zu sagen, und sie trug einen ver�rgerten Gesichtsausdruck. Sie schien nicht zu bemerken, dass das ihr Gr�bchen betonte und sie aussehen lie�, als w�rde sie schmollen. �Es <emphasis>ist</emphasis> eine erstaunliche Entdeckung, und ich f�r meinen Teil habe keine Einw�nde gegen Gesch�fte, aber einige dieser M�dchen k�nnen kaum einem Feuerball eine andere Farbe geben. Wenn wir sie solche Gewebe bewerkstelligen lassen, wird es nur noch schwieriger, sie davon abzuhalten, sich an Dingen zu versuchen, mit denen sie nicht umgehen k�nnen, und das Licht wei�, dass das schon schwer genug ist. Sie k�nnten sich sogar etwas antun.�</p><p>�Unsinn, Unsinn�, rief Janya aus und schlenkerte die Hand, als wollte sie die Vorstellung wegwischen. �Jedes aufgenommene M�dchen kann bereits drei Feuerb�lle auf einmal machen, und das hier erfordert kaum mehr an Macht. Das ist v�llig ungef�hrlich, solange sie von einer Schwester �berwacht werden, und das werden sie immer. Ich habe den Dienstplan gesehen. Davon abgesehen wird das, was wir an einem Tag herstellen, genug einbringen, um das Heer eine Woche lang zu bezahlen, aber allein k�nnen die Schwestern nicht mal ann�hernd genug produzieren.� Sie kniff leicht die Augen zusammen und schien pl�tzlich durch Tiana hindurchzusehen. Der Wortschwall h�rte nicht auf, allerdings schien sie dabei zumindest zur H�lfte mit sich selbst zu sprechen. �Wir m�ssen bei dem Verkauf sehr vorsichtig sein. Das Meervolk hat einen gewaltigen Appetit auf <emphasis>Cuendillar</emphasis>, und allen Berichten zufolge sind noch viele ihre Schiffe vor Illian und Tear � auch die dortigen Adligen sind ganz versessen darauf, aber selbst ihr Verlangen hat seine Grenzen. Ich kann mich noch immer nicht dazu durchringen, dort mit s�mtlichen Waren zu erscheinen. Fr�her oder sp�ter wird selbst der Preis f�r <emphasis>Cuendillar</emphasis> fallen.� Sie blinzelte und sah zuerst Tiana und dann Salita mit schief gelegtem Kopf an. �Ihr versteht meinen Standpunkt, oder?�</p><p>Salita starrte sie finster an und zog die Stola nach oben. Tiana warf entnervt die H�nde in die Luft. Egwene schwieg. Dieses eine Mal war es ihr nicht peinlich, f�r eine ihrer angeblichen Entdeckungen gelobt zu werden. Im Gegensatz zu fast allem anderen mit Ausnahme des Schnellen Reisens war das ihre Sache, auch wenn Moghedien sie vor ihrer Flucht in die richtige Richtung gelenkt hatte. Die Frau hatte keine Ahnung, wie man etwas tats�chlich erschaffen konnte � zumindest hatte sie kein derartiges Wissen enth�llt, ganz egal, wie sehr Egwene sie auch unter Druck gesetzt hatte, und sie hatte sie sehr unter Druck gesetzt. Aber Moghedien verf�gte �ber eine ordentliche Portion Habgier, und selbst im Zeitalter der Legenden war <emphasis>Cuendillar</emphasis> ein begehrtes Luxusgut gewesen. Sie hatte genug �ber die Herstellung gewusst, dass Egwene den Rest entr�tseln konnte. Aber davon abgesehen, der Bedarf an Geld gew�hrleistete, dass die Produktion von <emphasis>Cuendillar</emphasis> weitergehen w�rde. Und soweit es sie betraf, je l�nger es dauerte, bevor etwas verkauft wurde, desto besser.</p><p>Sharinas lautes H�ndeklatschen in den Tiefen des Zeltes lie� alle die K�pfe herumrei�en. Auch Kairen und Ashmanaille drehten sich um, die Blaue lie� sogar ihr Gewebe los, sodass ihr Becher klirrend auf die Tischplatte fiel. Das war ein Zeichen von Langeweile. Der Prozess konnte erneut begonnen werden, aber es war schwierig, den pr�zisen Punkt wieder zu finden, und manche Schwestern nutzten jede sich bietende Gelegenheit, um in der Stunde, die sie jeden Tag im Zelt zu verbringen hatten, etwas anderes zu tun. Eine Stunde oder bis sie einen Gegenstand vollendet hatten, was immer zuerst eintraf. Das sollte sie antreiben, die Vervollkommnung ihrer Fertigkeiten intensiver zu betreiben, aber nur wenige machten gro�e Fortschritte.</p><p>�Bodewhin, Nicola, ihr m�sst zum Unterricht�, verk�ndete Sharina. Sie sprach nicht laut, aber ihre Stimme verf�gte �ber eine Kraft, die jedes Stimmengewirr durchschnitten h�tte, ganz zu schweigen von der Stille des Zeltes. �Ihr habt noch Zeit, euch die H�nde und die Gesichter zu waschen. Schnell, beeilt euch. Ihr wollt doch keine schlechten Eintr�ge bekommen.�</p><p>Bode � Bodewhin � bewegte sich effizient und eifrig, sie lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los und legte ihren zur H�lfte fertig gestellten <emphasis>Cuendillar</emphasis>-Armreifen in eine der Truhen an den W�nden, damit jemand anders ihn vollenden konnte, dann holte sie ihren Umhang. H�bsch und rotwangig trug sie ihr Haar in einem langen Zopf, obwohl Egwene nicht davon �berzeugt war, dass sie dazu die Erlaubnis vom Frauenkreis hatte. Aber diese Welt lag hinter ihr. Sie zog die F�ustlinge �ber, als sie aus dem Zelt eilte, und hielt den Blick gesenkt und schaute nicht einmal in Egwenes Richtung. Sie verstand offensichtlich noch immer nicht, warum eine Novizin nicht auf einen Plausch beim Amyrlin-Sitz vorbeikommen konnte, wenn ihr der Sinn danach stand, und das, obwohl sie doch zusammen aufgewachsen waren.</p><p>Egwene h�tte sich gern mit Bode und einigen der anderen unterhalten, aber auch eine Amyrlin musste ein paar Lektionen lernen. Eine Amyrlin hatte viele Pflichten, wenig Freunde und keine Favoriten. Davon abgesehen h�tte bereits der Anschein von Bevorzugung die M�dchen von den Zwei Fl�ssen hervorgehoben und ihr Leben mit den anderen Novizinnen zur H�lle gemacht. <emphasis>Und im Saal w�rde das auch nicht gut aufgenommen werden</emphasis>, dachte sie trocken. Sie w�nschte sich blo�, die M�dchen von den Zwei Fl�ssen h�tten das verstanden.</p><p>Die andere Novizin, die Sharina aufgerufen hatte, blieb sitzen und h�rte auch nicht auf, die Macht zu lenken. Nicolas schwarze Augen funkelten Sharina w�tend an. �Ich k�nnte die Beste sein, wenn man mir einmal erlauben w�rde, in Ruhe zu �ben�, murmelte sie m�rrisch. �Ich werde besser, ich wei� es. Ich kann Vorhersehen, wie du wei�t.� Als h�tte das eine etwas mit dem anderen zu tun. �Tiana Sedai, sagt ihr, dass ich l�nger bleiben darf. Ich kann diese Sch�ssel vor meiner n�chsten Unterrichtsstunde vollenden, und ich bin sicher, Adine Sedai h�tte nichts dagegen, wenn ich mich etwas versp�te.� Wenn ihr Unterricht bald anfing, w�rde sie sich mehr als nur etwas versp�ten, falls sie die Sch�ssel zu Ende bearbeitete; ihre einst�ndigen Bem�hungen hatten sie nur zur H�lfte verwandelt.</p><p>Tiana �ffnete den Mund, aber bevor sie ein Wort sagen konnte, hob Sharina einen Finger und einen Moment sp�ter einen zweiten. Damit musste es eine besondere Bewandtnis auf sich haben, denn Nicola erblasste und lie� ihr Gewebe augenblicklich los, dann sprang sie so schnell auf, dass sie die Bank anstie�, was ihr b�se Blicke von den anderen beiden Novizinnen einbrachte, die sie mit ihr teilten. Aber sie beugten sich wieder schnell �ber ihre Arbeit, und Nicola rannte fast, um die halb fertige Sch�ssel in eine Truhe zu legen, bevor sie ihren Umhang an sich riss. Zu Egwenes �berraschung sprang eine Frau in einem kurzen braunen Mantel und weiten Hosen, die ihr zuvor nicht aufgefallen war, von dem Platz im hinteren Teil des Zeltes auf, wo sie auf dem Boden gesessen hatte. Areina starrte alle Anwesenden finster an und rannte hinter Nicola aus dem Zelt, und beide Frauen waren wie ein Spiegelbild aus Unmut und Unzufriedenheit. Die beiden zusammen zu sehen bereitete Egwene Unbehagen.</p><p>�Ich wusste nicht, dass es Freunden erlaubt ist, hier zuzusehen�, sagte sie. �Macht Nicola noch immer Schwierigkeiten?� Nicola und Areina hatten versucht, sie und Myrelle und Nisao zu erpressen, aber das meinte sie nicht. Das war noch immer ein weiteres Geheimnis.</p><p>�Besser, das M�dchen ist mit Areina befreundet, als dass sie zu einem der Pferdeknechte freundlich ist�, sagte Tiana schnaubend. �Ihr m�sst wissen, zwei bekommen ein Kind, und bei zehn weiteren ist das noch nicht abzusehen. Aber das M�dchen braucht mehr Freunde. Freunde werden ihr gut tun.�</p><p>Sie verstummte, als zwei weitere in Wei� gekleidete Novizinnen ins Zelt st�rzten und quiekend und rutschend zum Stehen kamen, als sie sich Aes Sedai gegen�berfanden. Sie machten hastig ihre Knickse und eilten nach einem Wink von Tiana ins Zeltinnere und legten ihre Umh�nge gefaltet auf eine Bank, bevor sie sich aus einer der Truhen einen teilweise wei�en Pokal und eine fast vollst�ndig wei�e Schale holten.</p><p>Sharina wartete, bis sie an der Arbeit sa�en, dann holte sie ihren Umhang und legte ihn sich �ber die Schultern, bevor sie zum Ausgang kam. �Wenn Ihr mich entschuldigen wollt, Tiana Sedai�, sagte sie und machte einen Knicks, der nur um Haaresbreite einer Verabschiedung von Gleichgestellten nahe kam, �man hat mir aufgetragen, heute beim Mittagessen zu helfen, und ich m�chte die K�che nicht ver�rgern.� Ihre dunklen Augen richteten sich kurz auf Egwene, und sie nickte an sich selbst gerichtet.</p><p>�Dann geh�, erwiderte Tiana scharf. �Ich w�rde nur ungern h�ren, dass man dich f�rs Zusp�tkommen geschlagen hat.�</p><p>Sharina knickste unger�hrt ein weiteres Mal vor Tiana, weder zu schnell noch zu lange, dann vor den Sitzenden und Egwene � mit einem Blick, der zwar durchbohrend, aber zu kurz war, um als Beleidigung aufgefasst werden zu k�nnen �, und als die Zeltplane hinter ihr zur�ckfiel, stie� Tiana verzweifelt die Luft aus.</p><p>�Nicola macht weniger �rger als andere�, sagte sie finster, und Janya sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Sharina macht keine Probleme, Tiana.� Sie sprach so schnell wie immer, aber leise, damit ihre Stimme nicht bis ins Zelt hineintrug. Meinungsverschiedenheiten zwischen Schwestern wurden niemals vor Novizinnen ausgetragen. Vor allem dann nicht, wenn es dabei um eine Novizin ging.</p><p>�Sie kennt die Regeln bereits besser als jede Aufgenommene, und schiebt niemals auch nur einen Zeh �ber die Grenze. Sie dr�ckt sich nicht vor den schmutzigsten Arbeiten, und sie ist die Erste, die einer anderen Novizin hilft, wenn es n�tig ist. Sharina ist einfach so, wie sie ist. Beim Licht, Ihr k�nnt doch keiner <emphasis>Novizin</emphasis> erlauben, Euch einzusch�chtern.�</p><p>Tiana versteifte sich und wollte widersprechen, aber sobald Janya sich einmal an einem Thema festgebissen hatte, war es nicht einfach, einen Einwand anzubringen. �Nicola hingegen macht alle m�glichen Probleme, Mutter�, fuhr die Braune hastig fort. �Seit wir herausgefunden haben, dass sie Vorhersehen kann, macht sie es zweibis dreimal t�glich, wie sie erz�hlt. Oder vielmehr wie Areina erz�hlt. Nicola ist schlau genug zu wissen, dass sie sich nicht an das erinnern kann, was sie sagt, wenn sie Vorhersieht, aber Areina scheint immer da zu sein und sich an alles zu erinnern, und sie hilft ihr bei der Interpretation. Manches geh�rt zu den Dingen, die sich jeder im Lager mit einem Funken Verstand und einer leichtgl�ubigen Natur einfallen lassen k�nnte � Schlachten mit den Seanchanern oder den Asha'man, eine gefangene Amyrlin, der Wiedergeborene Drache, der neun unm�gliche Taten vollbringt, Visionen, die Tarmon Gai'don oder ein verdorbener Magen sein k�nnten �, und der Rest ist zuf�lligerweise stets ein Hinweis darauf, dass man Nicola schneller lernen lassen sollte. Sie �bertreibt es immer mit ihrer Gier. Ich glaube, die meisten anderen Novizinnen haben aufgeh�rt, ihr zu glauben.�</p><p>�Sie steckt auch �berall ihre Nase hinein�, sagte Salita, als Janya Luft holen musste. �Sie und die Pferdefrau.� Ihr Gesicht blieb k�hl und unbewegt, und sie zupfte die Stola zurecht, als w�re sie vollauf damit besch�ftigt, aber sie sprach etwas zu hastig, vielleicht aus Furcht, die Braune w�rde das Gespr�ch wieder an sich rei�en. �Sie haben beide eine Pr�gelstrafe bekommen, weil sie Schwestern belauscht haben, und ich selbst habe Nicola dabei erwischt, wie sie einen Blick in eine der Reisestellen werfen wollte. Sie behauptete, nur sehen zu wollen, wie sich ein Wegetor �ffnete, aber ich glaube, sie wollte das Gewebe lernen. Ungeduld kann ich verstehen, aber T�uschungen k�nnen nicht geduldet werden. Ich glaube nicht l�nger, dass sich Nicola die Stola verdienen wird, und ehrlich gesagt frage ich mich mittlerweile, ob man sie nicht besser fr�her als sp�ter fortschicken sollte. Das Novizinnenbuch mag jedermann offen stehen�, kam sie mit einem ausdruckslosen Blick auf Egwene zum Ende, �aber wir m�ssen unsere Anspr�che nicht v�llig herabsetzen.�</p><p>Tiana sch�rzte stirnrunzelnd die Lippen, was das Gr�bchen wieder hervorhob. Man h�tte fast vergessen k�nnen, dass sie seit �ber drei�ig Jahren die Stola trug, und sie f�r eine Novizin halten k�nnen. �Solange ich die Oberin der Novizinnen bin, habe ich die Entscheidung zu treffen, ob ein M�dchen weggeschickt wird�, sagte sie hitzig, �und ich habe nicht vor, ein M�dchen mit Nicolas Potenzial zu verlieren.� Eines Tages w�rde Nicola in der Einen Macht sehr stark sein. �Oder Sharinas�, f�gte sie mit einer Grimasse hinzu und gl�ttete gereizt die R�cke. Sharinas Potenzial war wirklich erstaunlich, es ging weit �ber jeden in der Erinnerung hinaus, ausgenommen vielleicht Nynaeve, und �bertraf selbst Egwenes. Einige glaubten, sie k�nnte so stark werden, wie es nur m�glich war, allerdings waren das nur Spekulationen. �Wenn Nicola Euch gest�rt hat, Mutter, werde ich mich darum k�mmern.�</p><p>�Ich war nur neugierig�, sagte Egwene bed�chtig und schluckte die Bemerkung herunter, dass man die junge Frau und ihre Freundin streng beobachten sollte. Sie wollte nicht �ber Nicola sprechen. Es konnte zu schnell passieren, dass sie vor die Wahl gestellt wurde, entweder l�gen oder Dinge enth�llen zu m�ssen, die sie nicht zu enth�llen wagte. Zu dumm, dass sie Siuan nicht erlaubt hatte, f�r zwei unauff�llige Todesf�lle zu sorgen.</p><p>Der Gedanke lie� sie entsetzt den Kopf hochrei�en.</p><p>Hatte sie sich so weit von Emondsfelde entfernt? Ihr war klar, dass sie fr�her oder sp�ter M�nnern befehlen musste, in die Schlacht zu ziehen und zu sterben, und sie glaubte auch, dazu f�hig zu sein, in gro�er Not einen Tod anzuordnen. Wenn ein Tod den Tod von Tausenden oder sogar Hunderttausenden verhindern konnte, war es dann nicht richtig, ihn zu befehlen? Aber die von Nicola und Areina ausgehende Gefahr bestand lediglich darin, dass sie Geheimnisse ausplaudern konnten, die Egwene al'Vere Unannehmlichkeiten bereitet h�tten. Oh, Myrelle und die anderen h�tten Gl�ck gehabt, mit der Pr�gelstrafe davonzukommen, und sie w�rden das mit Sicherheit f�r mehr als nur unangenehm halten, aber Schmerzen, gleichg�ltig, wie heftig sie auch sein w�rden, boten keinen ausreichenden Grund, um deswegen zu t�ten.</p><p>Unvermittelt wurde Egwene sich bewusst, dass sie die Stirn runzelte und Tiana und die beiden Sitzenden sie beobachteten. Janya machte sich nicht einmal die M�he, ihre Neugier hinter einer Maske aus Gelassenheit zu verbergen. Um ihre Verlegenheit zu �berspielen, richtete Egwene ihr Stirnrunzeln auf den Tisch, an dem Kairen und Ashmanaille wieder an der Arbeit sa�en. Das Wei� an Ashmanailles Becher war ein St�ck emporgeklettert, aber in dieser kurzen Zeit hatte Kairen aufgeholt. Sogar mehr als aufgeholt, da ihr Pokal mehr als doppelt so gro� wie der Becher war.</p><p>�Eure Fertigkeiten werden besser, Kairen�, sagte Egwene anerkennend.</p><p>Die Blaue schaute zu ihr hoch und holte tief Luft. Ihr ovales Gesicht wurde zu einem Abbild k�hler Gelassenheit, in dessen Mitte diese so kalt blickenden blauen Augen sa�en. �Daf�r braucht man keine gro�e Fertigkeiten, Mutter. Man muss nur das Gewebe weben und warten.� Das letzte Wort wies einen Unterton von Sch�rfe auf, und was das anging, hatte es vor dem �Mutter� ein leichtes Z�gern gegeben. Kairen war in Salidar auf eine sehr wichtige Mission geschickt worden, nur um miterleben zu m�ssen, wie alles auseinander brach � auch wenn das nicht ihre Schuld war �, und als sie in Murandy wieder zu ihnen gesto�en war, war alles, was sie zur�ckgelassen hatte, auf den Kopf gestellt gewesen und ein M�dchen, an das sie sich als Novizin erinnern konnte, trug die Stola der Amyrlin. In der letzten Zeit hatte Kairen viel Zeit mit Lelaine verbracht.</p><p>�Sie wird besser � in einigen Dingen�, sagte Janya mit einem bezeichnenden Blick f�r die Blaue Schwester. Janya war vermutlich genau wie die anderen Sitzenden davon �berzeugt gewesen, dass der Saal eine Marionette erhielt, wenn er Egwene zur Amyrlin erhob, aber sie schien akzeptiert zu haben, dass sie nun die Stola trug und von jedem den n�tigen Respekt verdiente. �Nat�rlich bezweifle ich, dass sie Leane einholt, falls sie sich nicht gro�e M�he gibt, und Euch sicher auch nicht, Mutter. Tats�chlich k�nnte die junge Bodewhin sie einholen. Ich selbst m�chte mich nicht von einer Novizin �berfl�geln lassen, aber vermutlich denkt da jeder anders.� Rote Flecken kamen auf Kairens Wangen zum Vorschein, ihr Blick fiel auf den Pokal.</p><p>Tiana schnaubte. �Bodewhin ist ein braves M�dchen, aber sie albert st�ndig mit den anderen Novizinnen herum, wenn Shar...� Sie holte tief Luft. �Wenn man sie nicht im Auge beh�lt. Gestern haben sie und Altyhn Conly versucht, zwei Gegenst�nde gleichzeitig zu bearbeiten, nur um zu sehen, was passiert, und die Dinge verschmolzen zu einem soliden Klumpen. Nat�rlich v�llig unverk�uflich, es sei denn, man f�nde jemanden, der zwei zur H�lfte aus Eisen und <emphasis>Cuendillar</emphasis> bestehende Becher, die aneinander kleben, haben will. Und das Licht wei�, was den M�dchen h�tte zusto�en k�nnen. Anscheinend ist es noch einmal gut gegangen, aber wer wei�, was beim n�chsten Mal geschieht?�</p><p>�Sorgt daf�r, dass es kein n�chstes Mal gibt�, sagte Egwene gedankenverloren, die Aufmerksamkeit auf Kairens Pokal gerichtet. Der wei�e Rand kroch gleichm��ig in die H�he. Wenn Leane dieses Gewebe ausf�hrte, verwandelte sich das schwarze Eisen in wei�es <emphasis>Cuendillar</emphasis>, als w�rde das Eisen schnell in Milch versinken. Bei Egwene selbst geschah die Verwandlung schneller als ein Augenblinzeln, blitzartig wurde aus Schwarz Wei�. Es w�rden Kairen oder Leane sein m�ssen, aber selbst Leane war kaum schnell genug. Kairen brauchte Zeit, um besser zu werden. Tage? Wochen? Was auch immer n�tig war, denn alles andere h�tte eine Katastrophe bedeutet � f�r die Frauen, die daran beteiligt waren, und die M�nner, die bei den K�mpfen in den Stra�en von Tar Valon sterben w�rden, und vielleicht f�r die Burg selbst. Pl�tzlich war Egwene froh, dass sie Beonins Vorschlag akzeptiert hatte. Kairen zu verraten, warum sie sich mehr anstrengen musste, h�tte vielleicht das Gegenteil bewirkt, aber das war ein weiteres Geheimnis, das geh�tet werden musste, bis die Zeit gekommen war, es der Welt zu enth�llen.</p></section><section><title><p>18</p><p>Eine Unterhaltung mit Siuan</p></title><p>Als Egwene das Zelt verlie�, war Daishar schon lange weggebracht worden, aber die Stola mit den sieben Streifen, die aus ihrer Kapuze hing, erf�llten ihren Zweck besser als das Gesicht einer Aes Sedai, um ihr einen Weg durch die Menge zu bahnen. Sie ging durch ein Meer aus Knicksen, zu denen gelegentlich die Verbeugung eines Beh�ters oder eines Handwerkers kam, der bei den Zelten der Schwestern eine Arbeit zu erledigen hatte. Einige Novizinnen erschraken, wenn sie die Amyrlin-Stola erblickten, und manche Familien traten hastig vom Gehweg herunter und machten ihre tiefen Knickse im Schlamm der Stra�e. Seit Egwene gezwungen gewesen war, f�r einige der Frauen von den Zwei Fl�ssen Bestrafungen anzuordnen, hatte sich unter den Novizinnen verbreitet, die Amyrlin sei so hart wie Sereille Bagand, und es sei besser, ihren Zorn nicht zu erregen, der wie ein Steppenbrand sein konnte. Nicht, dass auch nur die wenigsten von ihnen sich gut genug in der Geschichte der Burg auskannten, um eine halbwegs vern�nftige Vorstellung davon zu haben, wer Sereille wirklich gewesen war, aber seit �ber hundert Jahren war ihr Name gleichbedeutend mit eisenharter Strenge, und die Aufgenommenen sorgten daf�r, dass Novizinnen so etwas verinnerlichten. Es war gut, dass die Kapuze Egwenes Gesicht verbarg. Als die zehnte Novizinnen-Familie wie ein verschrecktes Hasenrudel aus dem Weg sprang, biss sie die Z�hne so fest zusammen, dass ihr Gesicht ihren Ruf, Eisen zu kauen und N�gel zu spucken, endg�ltig zementiert h�tte. Sie hatte die schreckliche Ahnung, dass Aufgenommene in ein paar hundert Jahren ihren Namen dazu benutzen w�rden, den Novizinnen Angst einzujagen, so wie sie es jetzt mit Sereille machten. Nat�rlich gab es da vorher noch die geringf�gige Aufgabe, die Wei�e Burg wieder zu vereinen. Kleine �rgernisse mussten da warten. Vermutlich h�tte sie auch ohne Eisen N�gel spucken k�nnen.</p><p>In der N�he des Amyrlin-Studierzimmers, das trotz des Namens nichts weiter als ein Spitzzelt mit geflickten braunen W�nden war, verschwanden die Menschenmengen. Wie der Saal war das ein Ort, den man mied, solange man dort nichts zu erledigen hatte oder einbestellt wurde. Niemand wurde einfach in den Saal der Burg oder ins Studierzimmer der Amyrlin gebeten. Die harmloseste Einladung <emphasis>war</emphasis> ein Befehl, eine Tatsache, die dieses einfache Zelt in einen Zufluchtsort verwandelte. Egwene eilte durch den Eingang und nahm mit einem Gef�hl der Erleichterung den Umhang ab. Zwei Kohlenpfannen erf�llten das Zelt mit einer k�stlichen W�rme, und sie gaben nur wenig Rauch ab. Von den getrockneten Kr�utern, die man auf die gl�henden Kohlen gestreut hatte, entstr�mte ein s��er Duft.</p><p>�So wie sich diese dummen M�dchen benehmen, sollte man glauben, dass ich...�, knurrte sie und verstummte dann abrupt.</p><p>Sie war nicht �berrascht, Siuan in schlichter blauer, wenn auch hervorragend geschneiderter Wolle neben dem Schreibtisch vorzufinden, eine breite Ledermappe vor die Brust haltend. Die meisten Schwestern � so wie Delana � schienen zu glauben, dass sie noch immer nicht mehr tat, als Egwene im Protokoll zu unterweisen und Boteng�nge zu erledigen, und zwar beides widerstrebend, aber sie war immer fr�h am Morgen da, was bis jetzt niemandem so richtig aufgefallen zu sein schien. Siuan war eine Amyrlin gewesen, die Eisen gekaut hatte, obwohl das keiner glauben w�rde, der es nicht besser wusste. Novizinnen sprachen genauso oft von ihr wie von Leane, aber voller Zweifel, ob sie wirklich das war, was die Schwestern von ihr behaupteten. Siuan war h�bsch, aber nicht wirklich sch�n, hatte einen zierlichen Mund und dunkles, schimmerndes Haar, das ihr bis zu den Schultern reichte; sie sah noch j�nger als Leane aus und nur wenige Jahre �lter als Egwene. Ohne die mit blauen Fransen versehene Stola �ber den Armen h�tte man sie f�r eine Aufgenommene halten k�nnen. Darum trug sie auch stets die Stola, um peinliche Missverst�ndnisse zu vermeiden. Ihre Augen hatten sich genauso wenig ver�ndert wie ihr Temperament, und sie blickten wie eisblaue Nadeln auf die Frau, deren Anwesenheit eine �berraschung war.</p><p>Halima war sicherlich willkommen, aber Egwene hatte nicht damit gerechnet, sie auf den hellen bunten Kissen ausgestreckt vorzufinden, die an der einen Zeltseite aufgeschichtet lagen, den Kopf auf eine Hand gest�tzt. Gewiss, Siuan war h�bsch, wie jene jungen Frauen, denen jeder zul�chelte, aber Halima war atemberaubend, mit gro�en gr�nen Augen in einem perfekten Gesicht und einem vollen, festen Busen von der Sorte, die M�nner schlucken und andere Frauen die Stirn runzeln lie�. Nicht, dass Egwene die Stirn gerunzelt oder die Geschichten geglaubt h�tte, die von Frauen verbreitet wurden, die eifers�chtig auf die Art und Weise waren, wie Halima M�nner anzog, nur weil sie einfach da war. Aber selbst wenn ihre Position als Delanas Sekret�rin offensichtlich ein Almosen der Grauen Schwester war � Halima war eine Frau vom Land mit unzureichender Schulbildung, die ihre Buchstaben mit der Unbeholfenheit eines Kindes malte �, hielt Delana sie doch den ganzen Tag irgendwie besch�ftigt. Sie kam nur selten vor der Schlafenszeit, und dann auch meistens nur, weil sie geh�rt hatte, dass Egwene wieder ihre Kopfschmerzen hatte. Nisao konnte nichts dagegen ausrichten, nicht einmal mit dem neuen Heilen, aber Halimas Massagen wirkten Wunder, selbst wenn die Schmerzen Egwene wimmern lie�en.</p><p>�Ich habe ihr gesagt, dass Ihr heute Morgen keine Zeit haben werdet, Mutter�, sagte Siuan scharf und schaute die Frau auf den Kissen noch immer b�se an, als sie Egwenes Umhang mit der freien Hand entgegennahm, �aber ich h�tte genauso gut mit mir selbst sprechen k�nnen.� Sie h�ngte den Umhang auf einen rustikalen Kleiderst�nder und schnaubte ver�chtlich. �Vielleicht h�tte sie zugeh�rt, w�rde ich Hosen tragen und einen Schnurrbart haben.� Siuan schien jedes der Ger�chte �ber Halimas angebliche Raubz�ge unter den ansehnlicheren Handwerkern und Soldaten zu glauben.</p><p>Seltsamerweise schien sich Halima �ber ihren Ruf zu am�sieren. M�glicherweise genoss sie ihn sogar. Sie lachte leise und kehlig und streckte sich auf den Kissen wie eine Katze. Sie hatte eine ungl�ckliche Vorliebe f�r tief ausgeschnittene Oberteile, was bei diesem Wetter unm�glich war, und platzte beinahe aus der blaugeschlitzten gr�nen Seide heraus. Seide war kaum die angemessene Bekleidung f�r eine Sekret�rin, aber Delanas Mildt�tigkeit kannte keine Grenzen � oder die Schuld, in der sie Halima gegen�ber stand.</p><p>�Ihr scheint heute Morgen bek�mmert zu sein, Mutter�, murmelte die Frau mit den gr�nen Augen, �und Ihr seid so fr�h zu Eurem Ausritt herausgeschl�pft und habt versucht, mich nicht zu wecken. Ich dachte, Ihr w�rdet vielleicht gern reden. Ihr w�rdet nicht so oft Kopfschmerzen bekommen, wenn Ihr mehr �ber Eure Sorgen sprechen w�rdet. Ihr wisst ja, dass Ihr mit mir sprechen k�nnt.� Halima betrachtete Siuan, die den Blick ver�chtlich erwiderte, dann lachte sie erneut kehlig. �Und Ihr wisst, dass ich keine Hintergedanken habe, im Gegensatz zu anderen.� Siuan schnaubte erneut und besch�ftigte sich damit, die Mappe auf den Schreibtisch zu legen, genau zwischen dem steinernen Tintenf�sschen und dem Sandstreuer. Sie fummelte sogar an dem Federhalter herum.</p><p>Es kostete Egwene M�he, nicht zu seufzen. Gro�e M�he. Halima bat um nichts als einen Schlafplatz in Egwenes Zelt, sodass sie da sein konnte, wenn Egwene Kopfschmerzen bekam, doch ihre Anwesenheit musste mit ihren Pflichten f�r Delana kollidieren. Davon abgesehen mochte Egwene ihre offene Art. Es fiel leicht, sich mit Halima zu unterhalten und eine Weile zu vergessen, dass sie der Amyrlin-Sitz war, eine Entspannung, die ihr nicht einmal Siuan bieten konnte. Sie hatte zu hart daf�r gek�mpft, um als Aes Sedai und Amyrlin anerkannt zu werden, doch ihre Position war bestenfalls unsicher. Jeder Fehler, die Amyrlin zu <emphasis>sein</emphasis>, w�rde den n�chsten und den �bern�chsten Fehler einfacher machen, bis man sie wieder als ein Kind ansehen w�rde, das ein Spiel spielte. Das machte Halima zu einem Luxus, den man sch�tzen musste, ganz davon abgesehen, was ihre Finger bei Egwenes Kopfschmerzen auszurichten vermochten. Zu ihrem Unmut schien aber jede andere Frau im Lager Siuans Ansicht zu teilen, ausgenommen vielleicht Delana. Die Graue war zu pr�de, um ein leichtes M�dchen zu besch�ftigen, ganz egal, zu welchen Almosen sie sich auch immer verpflichtet glaubte. Aber ob die Frau nun Jagd auf M�nner machte oder sie blo� straucheln lie�, stand jetzt nicht zur Debatte.</p><p>�Ich f�rchte, ich muss arbeiten, Halima�, sagte sie und zog die Handschuhe aus. An den meisten Tagen war es ein Berg von Arbeit. Von Sheriams Berichten war nat�rlich noch keine Spur zu sehen, aber sie w�rde sie bald schicken, zusammen mit ein paar Petitionen, von denen sie glaubte, dass sie Egwenes Aufmerksamkeit wert waren. Nur ein paar, zehn oder zw�lf Appelle f�r die erneute �berpr�fung von Beschwerden, und es wurde von Egwene erwartet, �ber jede als Amyrlin zu urteilen. Das konnte man nicht ohne genaues Studium der Fakten tun, nicht, wenn man eine gerechte Entscheidung treffen wollte. �Vielleicht k�nnt Ihr ja mit mir essen.� Falls sie rechtzeitig fertig war, um nicht hier an ihrem Schreibtisch im Studierzimmer essen zu m�ssen. Es ging bereits auf den Mittag zu. �Dann k�nnen wir uns unterhalten.�</p><p>Halima setzte sich abrupt auf, mit blitzenden Augen und zusammengepressten Lippen, doch ihre finstere Miene verschwand so schnell, wie sie gekommen war. Aber in ihrem Blick verblieb ein Lodern. W�re sie eine Katze gewesen, h�tte sie den R�cken gekr�mmt und den Schwanz wie eine Flaschenb�rste gestr�ubt. Sie erhob sich anmutig und gl�ttete das Kleid �ber den H�ften. �Nun gut. Wenn Ihr sicher seid, dass ich nicht bleiben soll.�</p><p>Erstaunlicherweise setzte in diesem Moment hinter Egwenes Augen ein dumpfes Pochen ein, der viel zu vertraute Vorbote schrecklicher Kopfschmerzen, aber sie sch�ttelte trotzdem den Kopf und wiederholte, dass sie zu arbeiten hatte. Halima z�gerte noch einen Augenblick, ihre vollen Lippen verzogen sich erneut zu einem schmalen Strich, ihre H�nde verkrallten sich in ihre R�cke, dann riss sie ihren pelzgef�tterten Seidenumhang vom Kleiderst�nder und stolzierte aus dem Zelt, ohne ihn sich �ber die Schultern zu legen. Sie h�tte krank werden k�nnen, wenn sie so in die K�lte hinausging.</p><p>�Fr�her oder sp�ter wird sie dieses Fischweib-Temperament in die Bredouille bringen�, murmelte Siuan, bevor die Eingangsplanen aufh�rten, hin und her zu schwingen. Sie sah Halima finster hinterher und r�ckte die Stola auf ihren Schultern zurecht. �In Eurer Anwesenheit h�lt sich die Frau zur�ck, aber mir gegen�ber nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Und das gilt auch f�r andere. Man munkelt, dass sie Delana angeschrien hat. Wer h�tte je von einer Sekret�rin geh�rt, die ihre Arbeitgeberin anbr�llt, und dann auch noch eine Schwester? Eine Sitzende! Ich verstehe nicht, warum sich Delana mit ihr abgibt.�</p><p>�Das ist Delanas Sache.� Die Handlungen einer anderen Schwester in Frage zu stellen war genauso verboten, wie sich darin einzumischen. Zwar nur vom Brauchtum her und nicht durch das Gesetz, aber manche Verhaltensregeln waren so stark wie das Gesetz. Sicherlich musste sie <emphasis>Siuan</emphasis> daran nicht erinnern.</p><p>Egwene rieb sich die Schl�fen und setzte sich vorsichtig auf den Stuhl hinter dem Schreibtisch, aber der Stuhl wakkelte trotzdem. Daf�r gemacht, zusammengeklappt auf einem Wagen transportiert werden zu k�nnen, hatten die Beine die Neigung, immer dann zusammenzuklappen, wenn sie es nicht sollten, und keinem der Handwerker war es trotz mehrmaliger Bem�hungen gelungen, sie zu reparieren. Der Tisch lie� sich auch zusammenklappen, war aber stabiler. Sie w�nschte sich, sie h�tte in Murandy die Gelegenheit genutzt, einen neuen Stuhl zu besorgen, aber es hatten so viele Dinge gekauft werden m�ssen, und das Geld war so knapp gewesen, und schlie�lich hatte sie ja einen Stuhl. Immerhin hatte sie zwei Stehlampen und eine Tischlampe bekommen, alle drei aus einfachem rotlackiertem Eisen, aber mit guten Spiegeln, die frei von Blasen waren. Gutes Licht schien ihren Kopfschmerzen nicht zu helfen, aber es war besser, als bei ein paar Talgkerzen und einer Laterne lesen zu m�ssen.</p><p>Falls Siuan die Zurechtweisung geh�rt hatte, ging sie dar�ber hinweg. �Es ist mehr als nur ihr Temperament. Ich glaube, ein-� oder zweimal stand sie kurz davor, mich zu schlagen. Vermutlich hat sie genug Verstand, um sich zu m��igen, aber nicht jeder ist Aes Sedai. Ich glaube, sie hat einem Wagner den Arm gebrochen. Er hat gesagt, er sei gest�rzt, aber meines Erachtens war das eine L�ge, so wie er meinem Blick auswich. Aber er w�rde auch nicht zugeben wollen, dass eine Frau ihm den Ellbogen nach hinten biegen kann, oder?�</p><p>�Lasst es gut sein, Siuan�, sagte Egwene m�de. �Der Mann hat vermutlich versucht, sich ein paar Freiheiten herauszunehmen.� Das musste es gewesen sein. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie Halima einem Mann den Arm brechen sollte. Wie auch immer man die Frau beschrieb, das Wort muskul�s spielte dabei keine Rolle.</p><p>Statt die Ledermappe zu �ffnen, die Siuan auf den Tisch gelegt hatte, presste sie die H�nde zu beiden Seiten auf die Tischplatte. Sie hielt sie von ihren Schl�fen fern. Vielleicht w�rden die Schmerzen dieses Mal verschwinden, wenn sie sie ignorierte. Au�erdem hatte ausnahmsweise einmal sie Informationen, die sie mit Siuan teilen konnte. �Es hat den Anschein, als w�rden es ein paar Sitzende guthei�en, mit Elaida Verhandlungen aufzunehmen�, begann sie.</p><p>Siuan setzte sich ausdruckslos auf einen der dreibeinigen Hocker vor dem Tisch und h�rte aufmerksam zu, bis Egwene geendet hatte; allein ihre Finger bewegten sich und strichen leicht �ber ihre R�cke. Dann ballte sie sie zu F�usten und stie� eine Reihe von Fl�chen aus, die selbst f�r sie erstaunlich waren, sie fing mit dem Wunsch an, dass der ganze Haufen an wochenalten Fischgr�ten erstickte, und dann wurde sie ordin�r. Dies aus dem Munde dieser jungen h�bschen Frau zu h�ren machte es nur noch schlimmer.</p><p>�Ich sch�tze, es war richtig von Euch, der Sache ihren Lauf zu lassen�, murmelte sie, nachdem ihr Ausbruch sein Ende gefunden hatte. �Es wird sich herumsprechen, da es einmal angefangen hat, und so habt Ihr einen Vorsprung. Vermutlich sollte mich die Sache mit Beonin nicht �berraschen. Beonin ist ehrgeizig, aber ich war immer der Ansicht, dass sie zu Elaida zur�ckgewinselt w�re, h�tten Sheriam und die anderen ihr nicht den R�cken gest�rkt.� Siuan richtete den Blick auf Egwene, als sie schneller sprach, so als wollte sie ihnen mehr Gewicht verleihen. �Ich w�nschte, Varilin und dieser Haufen w�rden mich �berraschen, Mutter. Die Blauen nicht mitgez�hlt, sind nach Elaidas Staatsstreich...� � ihr Mund verzog sich leicht bei dem letzten Wort � �... sechs Sitzende aus f�nf Ajahs aus der Burg geflogen, und hier haben wir eine aus jeder der f�nf.</p><p>Ich war vergangene Nacht im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis>, in der Burg...�</p><p>�Ich hoffe, Ihr wart vorsichtig�, sagte Egwene scharf. Manchmal schien Siuan die Bedeutung des Wortes Vorsicht nicht zu kennen. F�r die wenigen Traum-<emphasis>Ter'angreale</emphasis> in ihrem Besitz standen die Schwestern Schlange, um sie benutzen zu d�rfen, haupts�chlich, um die Burg zu besuchen, und auch wenn man Siuan die Benutzung nicht ausdr�cklich untersagt hatte, viel hatte nicht daran gefehlt. Davon abgesehen, dass einige Schwestern Siuan f�r die Spaltung der Burg verantwortlich machten � sie war deshalb nicht wieder so herzlich aufgenommen worden wie Leane und wurde von niemandem verh�tschelt �, erinnerten sich zu viele an ihren strengen Unterricht, als sie eine der wenigen gewesen war, die sich in der Benutzung der Traum-<emphasis>Ter'angreale</emphasis> ausgekannt hatten. Siuan hatte keine Geduld f�r Leute, die sich dumm anstellten, und bei den ersten Besuchen im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> stellte sich jeder dumm an, darum musste sie, wenn sie die Welt der Tr�ume besuchen wollte, Leane um ihre Zeit bitten, und falls eine andere Schwester sie dort sehen sollte, w�rde man ein Verbot aussprechen. Oder schlimmer noch, eine Suche nach derjenigen starten, die ihr ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> geliehen hatte, die dann damit endete, dass man Leane ertappte.</p><p>�Im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> bin ich an jeder Weggabelung eine andere Frau in einem anderen Kleid�, sagte Siuan und winkte ab. Das war gut zu h�ren, allerdings erschien es wahrscheinlich, dass das genauso viel mit mangelnder Kontrolle zu tun hatte wie mit Absicht. Siuans Glaube an ihre F�higkeiten war manchmal gr��er als gerechtfertigt.</p><p>�Entscheidend war, dass ich eine Liste von Sitzenden gesehen habe und das meiste lesen konnte, bevor sie sich in eine Weinranke verwandelte.� Das war im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> ein ganz normaler Vorfall, wo nichts so blieb, wie es war, falls es nicht die Widerspiegelung eines festen Bestandteils der wachen Welt war. �Andaya Forae wurde f�r die Grauen erhoben, Rina Hafden f�r die Gr�nen und Juilaine Madome f�r die Braunen. Keine von ihnen tr�gt die Stola l�nger als h�chstens siebzig Jahre. Elaida hat das gleiche Problem wie wir, Mutter.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Egwene langsam. Sie ertappte sich dabei, dass sie sich die Schl�fe massierte. Hinter ihren Augen pochte es weiter. Es w�rde schlimmer werden. Das wurde es immer. Gegen Abend w�rde sie es bereuen, Halima weggeschickt zu haben. Sie nahm entschlossen die Hand herunter, schob die Ledermappe vor ihr ein wenig nach links und dann wieder zur�ck. �Was ist mit dem Rest? Sie mussten sechs Sitzende ersetzen.�</p><p>�Ferane Neheran wurde f�r die Wei�en erhoben�, gab Siuan zu, �und Susana Dragand f�r die Gelben. Beide waren bereits Mitglieder des Saals. Es war eine unvollst�ndige Liste, und ich konnte nicht alles lesen.� Sie reckte stur das Kinn vor. �Eine oder zwei, die vor ihrer Zeit erhoben werden, das w�re schon ungew�hnlich genug � so etwas kommt vor, wenn auch nicht oft �, aber hier sind es elf, vielleicht sogar zw�lf, aber elf auf jeden Fall, wenn man uns und die Burg mitrechnet. An so gro�e Zuf�lle glaube ich nicht. Wenn die Fischh�ndler alle zum selben Preis verkaufen, dann kann man darauf wetten, dass sie alle am Vorabend in derselben Kneipe getrunken haben.�</p><p>�Ihr m�sst mich nicht davon �berzeugen, Siuan.� Egwene lehnte sich seufzend zur�ck und griff mechanisch nach dem Stuhlbein, das immer zusammenklappen wollte, wenn sie das tat. Offensichtlich geschahen hier seltsame Dinge, aber was hatte das zu bedeuten? Und wer konnte die Wahl der Sitzenden in <emphasis>jeder</emphasis> Ajah beeinflussen? Jeder Ajah au�er der Blauen; sie hatten eine neue Sitzende erw�hlt, aber Moria war schon �ber hundert Jahre Aes Sedai. Und vielleicht waren die Roten auch nicht davon betroffen; niemand wusste, welche Ver�nderungen es bei der Roten Ajah gegeben hatte, wenn �berhaupt. M�glicherweise steckten die Schwarzen dahinter, aber was konnten sie gewinnen, falls diese jungen Sitzenden nicht <emphasis>alle</emphasis> Schwarze waren? Das erschien unm�glich: h�tten die Schwarzen Ajah �ber so viel Einfluss verf�gt, w�re der Saal schon vor langer Zeit nur mit Schattenfreunden besetzt gewesen. Aber wenn es da ein Muster gab und es kein Zufall war, dann musste jemand dahinterstecken. Allein der Gedanke an die M�glichkeiten und die Unm�glichkeiten lie� den dumpfen Schmerz hinter ihren Augen stechender werden.</p><p>�Falls sich das doch als Zufall herausstellt, Siuan, dann werdet Ihr es bedauern, jemals geglaubt zu haben, hier ein R�tsel zu haben.� Sie zwang sich bei den Worten zu einem L�cheln, um ihnen die Spitze zu nehmen. Eine Amyrlin musste ihre Worte vorsichtig w�hlen. �Jetzt, da Ihr mich �berzeugt habt, dass da ein R�tsel ist, will ich, dass Ihr es l�st. Wer ist verantwortlich, und was wollen sie? Bis wir das nicht wissen, wissen wir gar nichts.�</p><p>�Mehr wollt Ihr nicht?�, fragte Siuan trocken. �Vor dem Mittagessen, oder reicht es auch danach?�</p><p>�Danach wird wohl reichen�, fauchte Egwene und holte tief Luft, als sie den verlegenen Gesichtsausdruck der anderen Frau sah. Es war sinnlos, ihre Kopfschmerzen an Siuan auszulassen. Die Worte einer Amyrlin hatten Macht und manchmal auch Konsequenzen; das durfte sie nicht vergessen. �Es w�re sch�n, wenn Ihr Euch so bald wie m�glich darum k�mmern k�nntet�, sagte sie in sanfterem Tonfall.</p><p>�Ich wei�, dass Ihr so schnell machen werdet, wie Ihr k�nnt.�</p><p>Zerknirscht oder nicht, Siuan schien zu verstehen, dass an Egwenes Ausbruch nicht nur ihr Sarkasmus schuld war. Trotz ihres jugendlichen Erscheinungsbildes hatte sie jahrelange �bung darin, in Gesichtern zu lesen. �Soll ich Halima holen?�, fragte sie und machte Anstalten aufzustehen. Die fehlende Sch�rfe in Verbindung mit dem Namen der Frau war ein Zeichen ihrer Sorge. �Es w�rde keine Minute dauern.�</p><p>�Wenn ich jedem Schmerz nachgebe, komme ich nie voran�, sagte Egwene und �ffnete die Mappe. �Nun, was habt Ihr heute f�r mich?� Sie lie� die H�nde aber auf den Papieren liegen, um sich nicht die Stirn zu reiben.</p><p>Eine von Siuans morgendlichen Aufgaben bestand darin, das zu sammeln, was die Ajahs von ihren Netzwerken aus Augen-und-Ohren zu teilen bereit waren, zusammen mit dem, was einzelne Schwestern ihrer Ajah mitgeteilt hatten und was die Ajahs an Egwene weitergaben. Es war ein seltsamer Aussiebprozess, aber wenn man Siuans Informationen noch dazu nahm, ergab es ein recht stimmiges Bild der Welt. Es war ihr gelungen, die Agenten zu behalten, die sie als Amyrlin gehabt hatte, indem sie sich trotz s�mtlicher Bem�hungen des Saals einfach geweigert hatte, ihre Namen preiszugeben, und letztlich konnte keiner bestreiten, dass diese Augen-und-Ohren der Amyrlin geh�rten und sie von Rechts wegen Egwene Bericht erstatten mussten. Oh, das Murren hatte kein Ende gefunden, bis heute nicht, aber keiner konnte die Fakten bestreiten.</p><p>Wie gew�hnlich kam der erste Bericht weder von den Ajahs oder Siuan, sondern von Leane, in schwungvoller, eleganter Handschrift auf d�nne Bl�tter Papier geschrieben. Egwene vermochte den Grund daf�r nicht zu benennen, aber keiner konnte bezweifeln, dass das, was Leane schrieb, von jemand anderem als einer Frau geschrieben worden war. Die gelesenen Seiten hielt Egwene sofort an die Flamme der Schreibtischlampe und lie� das Papier bis fast zu ihren Fingern brennen, dann zerrieb sie die Asche. Es w�re sinnlos gewesen, in der �ffentlichkeit so zu tun, als w�ren Leane und sie fast Fremde, und dann einen ihrer Berichte in die falschen H�nde geraten zu lassen.</p><p>Nur wenige Schwestern wussten, dass Leane in Tar Valon eigene Augen-und-Ohren hatte. M�glicherweise war sie die einzige Aes Sedai, die dort Spione hatte. Es war ein menschlicher Fehler, die Geschehnisse am Ende der Stra�e aufmerksam zu beobachten und gleichzeitig das zu ignorieren, was vor den eigenen F��en passierte, und das Licht wusste, dass Aes Sedai genauso viele Fehler hatten wie jeder andere Mensch auch. Ungl�cklicherweise hatte Leane wenig Neues zu berichten.</p><p>Ihre Leute in der Stadt beschwerten sich �ber schmutzige Stra�en, die nach Einbruch der Dunkelheit immer gef�hrlicher wurden und tags�ber auch nicht viel sicherer waren. Einst hatte man in Tar Valon keine Verbrechen gekannt, aber jetzt k�mmerten sich die Burgw�chter nicht l�nger um die Stra�en und patrouillierten am Hafen und an den Br�ckent�rmen. Abgesehen vom Eintreiben der Z�lle und dem Kauf von Vorr�ten schien sich die Wei�e Burg v�llig von der Stadt abgeschottet zu haben. Die gro�en Burgtore blieben verriegelt, und seit Beginn der Belagerung war keine Schwester mehr au�erhalb der Burg gesehen worden, wenn nicht sogar schon fr�her. Alles Best�tigungen von Leanes fr�heren Berichten. Allerdings lie� die letzte Seite Egwene dann doch die Brauen heben. Ger�chte auf der Stra�e besagten, dass Gareth Bryne einen geheimen Weg in die Stadt hinein gefunden hatte und jeden Tag mit seinem ganzen Heer innerhalb der Mauern erscheinen w�rde.</p><p>�Leane h�tte gesagt, wenn jemand auch nur ein Wort gefl�stert h�tte, das so �hnlich wie Wegetor klingt�, sagte Siuan schnell, als sie Egwenes Ausdruck sah. Sie hatte die Berichte nat�rlich gelesen und wusste anhand der Seite, die Egwene hielt, worum es gerade ging. Siuan rutschte auf dem wackeligen Hocker herum und w�re beinahe auf den Teppich gefallen, so wenig achtete sie auf ihre Umgebung. Aber das bremste sie nicht. �Und Ihr k�nnt sicher sein, dass Gareth keine Andeutung gemacht hat�, fuhr sie fort, w�hrend sie sich wieder aufsetzte. �Nicht, dass seine Soldaten zu diesem Zeitpunkt so dumm w�ren, in die Stadt �berzulaufen, aber er wei�, wann er den Mund halten muss. Er hat nun einmal den Ruf, dann anzugreifen, wenn das eigentlich unm�glich ist. Er hat das Unm�gliche oft genug vollbracht, dass es die Leute von ihm erwarten. Das ist alles.�</p><p>Egwene verbarg ein L�cheln, hielt das Papier, auf dem Lord Gareth erw�hnt wurde, an die Flamme und sah zu, wie es sich zusammenrollte und schwarz wurde. Noch vor wenigen Monaten h�tte Siuan eine giftige Bemerkung f�r den Mann �brig gehabt statt ein Lob. Er w�re der �verfluchte Gareth Bryne� gewesen, nicht Gareth. Sie konnte es unm�glich vermissen, seine W�sche zu richten und ihm die Stiefel zu polieren, aber bei den seltenen Gelegenheiten, an denen er ins Lager kam, hatte Egwene gesehen, wie sie ihn anschaute. Ihn anstarrte und dann weglief, wenn er auch nur in ihre Richtung sah. Siuan! Die weglief! Siuan war mehr als zwanzig Jahre lang Aes Sedai gewesen und Amyrlin f�r zehn, aber sie konnte genauso wenig mit dem Gef�hl des Verliebtseins umgehen, wie eine Ente ein Schaf scheren konnte.</p><p>Egwene zerrieb die Asche und staubte sich die H�nde ab, dabei verblasste ihr L�cheln. Sie hatte kein Recht, �ber Siuan zu urteilen. Auch sie war verliebt, aber sie wusste weder, wo Gawyn war, noch was sie h�tte tun sollen, falls sie es erfuhr. Er hatte seine Pflichten Andor gegen�ber, und sie der Burg. Und der einzige Weg, diesen Abgrund zu �berbr�cken, sich mit ihm zu verbinden, konnte zu seinem Tod f�hren. Besser, ihn gehen zu lassen, ihn g�nzlich zu vergessen. Das war so leicht, wie ihren Namen zu vergessen. Und sie w�rde mit ihm den Beh�terbund eingehen. Das wusste sie. Nat�rlich konnte sie sich nicht mit dem Mann verbinden, ohne zu wissen, wo er war, ohne ihn in den H�nden zu halten, also schloss sich der Kreis. M�nner waren... eine <emphasis>Plage!</emphasis></p><p>Sie hielt inne, um die Finger gegen die Schl�fen zu dr�cken � das minderte den Schmerz nicht einmal ann�hernd �, und verbannte Gawyn aus ihren Gedanken. Soweit das m�glich war. Vielleicht war das ein Vorgeschmack darauf, wie es sein w�rde, einen Beh�ter zu haben; es war immer etwas von Gawyn in ihrem Hinterkopf. Und es dr�ngte sich immer zu den unpassendsten Zeiten in ihr Bewusstsein. Sie konzentrierte sich auf ihre Arbeit und nahm das n�chste Blatt.</p><p>Soweit es Augen-und-Ohren anging, war ein gro�er Teil der Welt verschwunden. Aus den von den Seanchanern besetzten L�ndern kamen wenig Neuigkeiten, und die bestanden entweder aus blumigen Beschreibungen der seanchanischen Tiere, die als Beweise dienen sollten, dass sie sich Schattengez�cht hielten oder aus furchtbaren Geschichten von Frauen, die getestet wurden, ob sie als <emphasis>Damane</emphasis> an die Leine gelegt werden sollten, und deprimierenden Geschichten �ber... Akzeptanz. Wie es den Anschein hatte, waren die Seanchaner keine schlimmeren Herrscher als andere und besser als manche � solange man keine Frau war, die die Macht lenken konnte �, und zu viele Menschen schienen jeden Gedanken an Widerstand aufgegeben zu haben, sobald sich herausgestellt hatte, dass die Seanchaner sie ihr gewohntes Leben f�hren lassen w�rden. Arad Doman war fast genauso schlimm und produzierte nichts als Ger�chte, was die Schwestern, die die Berichte verfassten, auch zugaben, aber sie schickten sie trotzdem, um zu zeigen, in welchem Zustand sich das Land befand. K�nig Alsalam war tot. Nein, er hatte angefangen, die Macht zu lenken und war wahnsinnig geworden. Rodel Ituralde, der Gro�e Hauptmann, war auch tot, oder er hatte den Thron usurpiert oder f�hrte ein Invasionsheer nach Saldaea. S�mtliche Mitglieder des Rats der Kaufleute waren ebenfalls tot oder aus dem Land geflohen oder hatten einen B�rgerkrieg um den Thronfolger angefangen. Davon konnte alles stimmen. Oder auch nichts. Die Ajahs waren daran gew�hnt, alles zu sehen, aber jetzt war ein Drittel der Welt in dichten Nebel geh�llt, in dem sich nur winzige L�cken zeigten. Und falls es klarere Einblicke gab, hatte sich keine Ajah dazu herabgelassen, diese Informationen weiterzugeben.</p><p>Ein weiteres Problem bestand darin, dass jede Ajah andere Dinge f�r wichtig hielt und so gut wie alles andere ignorierte. Beispielsweise waren die Gr�nen besonders �ber die Geschichten von Heeren der Grenzl�nder in der N�he von Neu-Braem besorgt, Hunderte von Meilen von der Gro�en F�ulnis entfernt, die sie eigentlich bewachen sollten. Ihr Bericht drehte sich nur um die Grenzl�nder, so als m�sste man etwas unternehmen und zwar sofort. Nicht, dass sie Vorschl�ge unterbreitet oder auch nur angedeutet h�tten, aber die hastige, enge Schrift, die sich spinnenhaft und dr�ngend �ber die Seiten zog, verriet Ungeduld.</p><p>Egwene kannte die Wahrheit �ber Elaynes Situation, aber seit Siuan enth�llt hatte, warum sie nicht loseilten, um die Dinge zu regeln, war sie damit zufrieden, die Gr�nen im Moment ohnm�chtig mit den Z�hnen knirschen zu lassen. Laut ihrem Agenten in Neu-Braem wurden die Grenzl�nder von f�nfzig oder hundert Schwestern begleitet, vielleicht waren es sogar zweihundert. Die Zahl der Aes Sedai mochte unsicher sein, und nat�rlich war sie weit �bertrieben, aber ihre Anwesenheit war eine Tatsache, die den Gr�nen bekannt sein musste, auch wenn sie sie in den Berichten an Egwene nie erw�hnten. Keine Ajah hatte diese Schwestern in ihren Berichten erw�hnt. Am Ende machte es aber kaum einen Unterschied, ob es zweihundert Schwestern oder zwei waren. Niemand konnte mit Gewissheit sagen, um wen es sich bei diesen Schwestern handelte oder warum sie dort waren, aber jedes Nachhaken w�re mit Sicherheit als Einmischung aufgefasst worden. Es erschien merkw�rdig, dass sie m�glicherweise einen Krieg zwischen den Aes Sedai ausfechten w�rden und trotzdem von den Verhaltensregeln abgehalten wurden, sich in die Angelegenheiten anderer Schwestern einzumischen, aber gl�cklicherweise war es so.</p><p>�Immerhin schlagen sie nicht vor, jemanden nach Caemlyn zu schicken.� Egwene blinzelte; die winzige Schrift hatte die Schmerzen hinter ihren Augen stechender gemacht.</p><p>Siuan schnaubte ver�chtlich. �Warum sollten sie auch? Soweit sie wissen, l�sst sich Elayne von Merilille und Vandene f�hren, also sind sie davon �berzeugt, ihre Aes Sedai-K�nigin zu bekommen, und au�erdem noch eine Gr�ne. Und solange sich die Asha'man aus Caemlyn heraushalten, will niemand das Risiko eingehen, sie aufzuscheuchen. So wie die Dinge stehen, k�nnten wir genauso gut versuchen, Wespenquallen mit blo�en H�nden aus dem Wasser zu ziehen, und das wissen sogar die Gr�nen. Aber das wird manche Schwestern, egal von welcher Ajah, nicht davon abhalten, nach Caemlyn zu reisen. Nur ein verstohlener Besuch, um nach den eigenen Augen-und-Ohren zu sehen. Oder um sich ein Kleid schneidern zu lassen oder einen Sattel zu kaufen oder was auch immer.�</p><p>�<emphasis>Sogar</emphasis> die Gr�nen?�, fragte Egwene scharf. Jedermann war der Meinung, dass die Braunen so waren und auch die Wei�en, selbst wenn das sichtlich falsch war, aber manchmal regte es sie auf, wenn sie h�rte, wie die Gr�nen alle in einen Topf geworfen wurden, als w�rde es sich um ein und dieselbe Frau handeln. Vielleicht sah sie sich als Gr�ne oder zumindest als ehemalige, was albern war. Die Amyrlin entstammte allen Ajahs und keiner � sie richtete die Stola auf ihren Schultern und rief sich diese Tatsache ins Bewusstsein, die die sieben Streifen symbolisierten �, und sie hatte nie einer Ajah angeh�rt. Aber sie f�hlte eine gewisse... nicht Sympathie, das war ein zu starkes Wort, eine Art von <emphasis>�bereinstimmung</emphasis> zwischen ihr und den Gr�nen Schwestern. �Von wie vielen Schwestern kennen wir den Aufenthaltsort nicht, Siuan? Als Zirkel verbunden, k�nnen selbst die Schw�chsten an jeden Ort Reisen, an den sie wollen, und ich w�nschte, ich w�sste, wo sie sind.�</p><p>Einen Augenblick lang dachte Siuan angestrengt nach.</p><p>�Ich glaube, es m�ssten etwa zwanzig sein�, sagte sie schlie�lich. �Vielleicht ein paar weniger. Die Zahl ver�ndert sich von Tag zu Tag. Eigentlich f�hrt niemand Buch.</p><p>Das w�rde sich keine Schwester gefallen lassen.� Sie beugte sich vor und achtete diesmal auf ihr Gleichgewicht, als der Hocker schwankte. �Bis jetzt habt Ihr die Dinge wunderbar jongliert, Mutter, aber das kann nicht immer so weitergehen. Irgendwann wird der Saal alles herausfinden, was in Caemlyn vor sich geht. Sie k�nnten vielleicht akzeptieren, dass man die seanchanischen Gefangenen geheim h�lt � das wird man als Vandenes oder Merililles Angelegenheit betrachten �, aber sie wissen bereits, dass das Meervolk in Caemlyn ist, und fr�her oder sp�ter werden sie von dem Handel mit ihm erfahren. Und von den Kusinen, wenn nicht sogar von Euren Pl�nen f�r sie.� Siuan schnaubte wieder, diesmal aber leiser. Sie hatte sich noch nicht entschieden, was sie von der Idee halten sollte, dass sich Aes Sedai bei den Kusinen zur Ruhe setzten, ganz zu schweigen davon, wie die anderen Schwestern den Vorschlag aufnehmen w�rden. �Meine Augen-und-Ohren haben noch nichts davon geh�rt, aber jemand wird es, das ist ganz sicher. Ihr k�nnt nicht mehr lange warten, andernfalls waten wir in einer Schule von Silberhechten.�</p><p>�Eines Tages muss ich mir diese Silberhechte mal ansehen, von denen Ihr immer sprecht�, murmelte Egwene. Sie hielt eine Hand hoch, als Siuan den Mund �ffnete. �Eines Tages. Der Vertrag mit dem Meervolk wird f�r Streitigkeiten sorgen�, gab sie zu, �aber wenn die Ajahs Hinweise zu h�ren bekommen, werden sie nicht sofort verstehen, worum es da eigentlich geht. Schwestern, die Meervolk-Frauen in Caemlyn unterrichten? Das hat es noch nie gegeben, aber wer wird Fragen stellen oder etwas dagegen tun, gegen alle Regeln? Ich bin �berzeugt, es wird Gemurre geben, vielleicht ein paar Fragen im Saal, aber bevor herauskommt, dass es ein Handel ist, werde ich meinen Plan f�r die Kusinen vorgestellt haben.�</p><p>�Und Ihr glaubt, dass sie das nicht die Messer wetzen l�sst?� Siuan r�ckte die Stola zurecht und gab sich keine besondere M�he, ihren Unglauben zu verbergen. Tats�chlich verzog sie das Gesicht.</p><p>�Es wird Debatten geben�, gestand Egwene ihr wohl �berlegt zu. Eine betr�chtliche Untertreibung. Es w�rde einen Aufschrei ausl�sen, sobald alles bekannt wurde. Auch wenn es noch nie einen Aufruhr unter den Aes Sedai gegeben hatte, das hier w�rde ihm sehr nahe kommen. Aber die Burg verlor jetzt seit �ber tausend Jahren an Macht, wenn nicht sogar schon l�nger, und Egwene wollte dem ein Ende setzen. �Aber ich werde es langsam angehen lassen. Aes Sedai m�gen ungern �ber das Alter sprechen, Siuan, aber sie werden bald herausfinden, dass der Schwur mit dem Eidstab unser Leben um mindestens die H�lfte verk�rzt. Niemand will vor seiner Zeit sterben.�</p><p>�Falls sie sich �berzeugen lassen, dass es wirklich eine Kusine gibt, die sechshundert Jahre alt ist�, sagte Siuan widerwillig, und Egwene seufzte verdrossen. Das war noch etwas, woran die andere nicht so richtig glaubte, die angebliche Langlebigkeit der Kusinen. Sie sch�tzte Siuans Rat und dass sie nicht nur das sagte, was Egwene h�ren wollte, aber manchmal schien sie ihre Abs�tze genauso st�rrisch in den Boden zu stemmen wie Romanda oder Lelaine.</p><p>�Wenn es sein muss, Siuan�, sagte sie gereizt, �lasse ich die Schwestern mit ein paar Frauen sprechen, die hundert oder mehr Jahre �lter als sie sind. M�glicherweise werden sie sie als Wilde oder L�gnerinnen abtun wollen, aber Reanne Corly kann beweisen, dass sie in der Burg war und wann. Und andere k�nnen das auch. Mit etwas Gl�ck kann ich die Schwestern davon �berzeugen, sich von den Drei Eiden befreien zu lassen, sodass sie bei den Kusinen in den Ruhestand gehen, und zwar, bevor sie erfahren, dass es eine Abmachung mit den Atha'an Miere gibt. Und sobald sie akzeptieren, dass man �berhaupt eine Schwester von den Eiden befreit, wird es auch nicht mehr so schwer sein, sie davon zu �berzeugen, die Schwestern vom Meervolk gehen zu lassen. Daneben ist der Rest des Vertrags l�cherlich. Wie Ihr immer sagt, um etwas im Saal erreichen zu wollen, sind Geschick und eine flinke Hand n�tig, aber Gl�ck ist eine Grundvoraussetzung. Nun, ich werde so geschickt und flink sein, wie ich kann, und was das Gl�ck angeht, scheint der Vorteil diesmal auf meiner Seite zu liegen.�</p><p>Siuan verzog das Gesicht, aber am Ende musste sie zustimmen. Sie r�umte sogar ein, dass Egwene es schaffen konnte, mit Gl�ck und zur richtigen Zeit. Nicht, dass sie von den Kusinen oder dem Handel mit den Atha'an Miere �berzeugt gewesen w�re, aber was Egwene da vorschlug, war noch nie da gewesen, und es hatte den Anschein, als w�rde der gr��te Teil den Saal passieren k�nnen, bevor sie �berhaupt begriffen, was da auf sie zukam. Egwene war bereit, sich damit zufrieden zu geben. Was auch immer dem Saal vorgetragen wurde, so gut wie immer waren genug Sitzende dagegen, um einen Konsens zu einem St�ck harter Arbeit zu machen, und im Saal geschah nichts ohne den kleinsten gemeinsamen Konsens und f�r gew�hnlich auch mit dem gro�en. Manchmal kam es ihr so vor, als w�rden ihre meisten Auseinandersetzungen mit dem Saal darin bestehen, sie zu �berzeugen, das zu tun, was sie nicht tun wollten. Es gab keinen Grund, warum das hier anders sein sollte.</p><p>Wo sich die Gr�nen auf die Grenzl�nder konzentrierten, nahmen die Grauen den S�den ins Visier. Jede Ajah war von den Berichten aus Illian und Tear �ber die gro�e Anzahl von Wilden unter dem Meervolk fasziniert, wenn es denn stimmte, auch wenn starke Zweifel zu bestehen schienen, dass es wahr sein konnte, denn schlie�lich h�tten die Schwestern schon zuvor dar�ber Bescheid wissen m�ssen. Wie wollte man so etwas schlie�lich verbergen? Niemand wies darauf hin, dass sie einfach das akzeptiert hatten, was sie an der Oberfl�che gesehen hatten, ohne jemals tiefer zu schauen. Aber die Grauen waren von der Bedrohung Illians durch die Seanchaner fasziniert sowie von der k�rzlich begonnenen Belagerung des Steins von Tear. Kriege und Kriegsdrohungen schlugen Graue immer in ihren Bann, da sie ihr Leben der Beendigung von Auseinandersetzungen widmeten. Und nat�rlich der Ausweitung ihres Einflusses; jedes Mal, wenn die Grauen einen Krieg durch einen Vertrag beendeten, erh�hten sie den Einfluss aller Aes Sedai, aber haupts�chlich den der Grauen. Doch die Seanchaner schienen sich jeder Art von Verhandlung zu entziehen, jedenfalls durch Aes Sedai, und die Emp�rung der Grauen, dass man ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, schlug sich in den knappen Worten �ber seanchanische Vorst��e �ber die Grenze und die st�ndig wachsende Zahl der Streitkr�fte nieder, die von Lord Gregorin versammelt wurden, dem Verwalter des Wiedergeborenen Drachen in Illian, ein Titel, der selbst Gr�nde zur Sorge bot. Tear hatte seinen eigenen Verwalter f�r den Wiedergeborenen Drachen, den Hochlord Darlin Sisnera, und er wurde im Stein von Adligen belagert, die sich weigerten, Rand anzuerkennen. Es war eine sehr seltsame Belagerung. Der Stein hatte seine eigenen Docks, und Darlins Feinde konnten den Nachschub selbst dann nicht abschneiden, wenn sie den Rest der Stadt hielten, was sie auch taten, und sie schienen sich damit zufrieden zu geben, dort sitzen zu bleiben und abzuwarten. Vielleicht wussten sie auch einfach nur nicht, was sie als N�chstes tun sollten. Allein die Aiel hatten den Stein im Sturm erobern k�nnen, und noch nie hatte ihn jemand ausgehungert. Die Grauen hatten Grund zur Hoffnung in Tear.</p><p>Egwene hob den Kopf, als sie den unteren Rand der Seite las, und sie legte sie eilig beiseite und nahm die n�chste. Die Grauen hatten Grund zur Hoffnung gehabt. Anscheinend war eine Graue Schwester erkannt worden, als sie aus dem Stein gekommen war, und man war ihr zu einem Treffen mit Hochlord Tedosian und der Hochlady Estanda gefolgt, zwei der prominentesten Mitglieder der Belagerer. �Merana�, hauchte sie. �Sie sagen, es war Merana Ambrey, Siuan.� Unbewusst massierte sie sich die Schl�fe. Die Schmerzen hinter den Augen waren st�rker geworden.</p><p>�Sie k�nnte Gutes bewirken.� Siuan stand auf und ging �ber die Teppiche zu einem kleinen Tisch an der Zeltwand, auf dem mehrere nicht zueinander passende Pokale und zwei Kannen auf einem Tablett standen. Die Silberkanne enthielt gew�rzten Wein, die blaue Tonkanne Tee; beide waren beim ersten Tageslicht f�r die Ankunft der Amyrlin dort hingestellt worden und schon lange kalt. Niemand hatte damit gerechnet, dass Egwene zum Fluss ritt. �Solange Tedosian und die anderen nicht mitbekommen, f�r wen sie wirklich arbeitet.� Siuans Stola rutschte von einer Schulter, als sie die Kanne betastete, und kurz flammte das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> um sie herum auf, als sie Feuer lenkte und den Inhalt erw�rmte. �Sie werden ihr nicht glauben, dass sie in gutem Glauben verhandelt, wenn sie herausfinden, dass sie die Kreatur des Wiedergeborenen Drachen ist.� Sie f�llte einen polierten Zinnbecher mit Tee, tat gro�z�gig Honig hinein, r�hrte um und brachte Egwene den Becher.</p><p>�Das k�nnte Euch helfen. Es ist ein Kr�utertrank, den Chesa gefunden hat, aber der Honig verbessert den Geschmack.�</p><p>Egwene probierte vorsichtig und stellte den Becher mit einem Schaudern wieder ab. Wenn es mit Honig so scharf schmeckte, wollte sie sich nicht vorstellen, wie es wohl unges��t war. Da waren ja vielleicht sogar die Kopfschmerzen besser. �Wie k�nnt Ihr das so ruhig aufnehmen, Siuan? Dass Merana in Tear auftaucht, ist der erste echte Beweis, den wir haben. Da glaube ich ja noch eher, dass Eure Sitzenden zuf�llig zusammengekommen sind.�</p><p>Am Anfang war es nicht mehr als ein Raunen hinter vorgehaltener Hand gewesen, von den Ajahs oder von Siuans Augen-und-Ohren. In Cairhien gab es Aes Sedai, und sie schienen sich frei im Sonnenpalast bewegen zu k�nnen, w�hrend sich der Wiedergeborene Drache dort aufhielt. Dann wurde das Raunen heiser und unbehaglich, z�gerlich. Die Augen-und-Ohren in Cairhien wollten es nicht sagen. Niemand wollte wiederholen, was die Agenten berichtet hatten. Da waren Aes Sedai in Cairhien, und sie schienen die Befehle des Wiedergeborenen Drachen zu befolgen. Noch schlimmer waren die Namen, die durchsickerten. Ein paar der Frauen waren in Salidar dabei gewesen, sie hatten zu den Ersten geh�rt, die sich Elaida widersetzt hatten, w�hrend andere von ihnen Frauen waren, von denen man wusste, dass sie loyal zu Elaida standen. Soweit Egwene wusste, hatte niemand das Wort Zwang laut ausgesprochen, aber alle hatten daran gedacht.</p><p>�Es ist sinnlos, sich das Haar zu raufen, wenn der Wind nicht in die gew�nschte Richtung bl�st�, erwiderte Siuan und setzte sich wieder auf den Hocker. Sie wollte die Beine �bereinander schlagen, stellte aber hastig beide F��e auf den Teppich zur�ck, als der Hocker kippte. Sie murmelte etwas Unh�rbares und richtete die Stola mit einem Schulterzucken. Und war gezwungen, den n�chsten Ruck auszubalancieren. �Man muss die Segel so ausrichten, dass man aus der Richtung einen Vorteil zieht, aus der der Wind kommt. Denkt man k�hl, dann wird man es zur�ck ans Ufer schaffen. Ist man halsstarrig, wird man ertrinken.� Manchmal klang Siuan so, als w�rde sie noch immer auf einem Fischerboot arbeiten. �Ich glaube, Ihr ben�tigt mehr als einen Schluck, wenn es helfen soll, Mutter.�</p><p>Mit einer Grimasse schob Egwene den Becher noch ein St�ck weiter weg. Der Geschmack auf ihrer Zunge war fast genauso schlimm wie die Kopfschmerzen. �Siuan, wenn Ihr eine M�glichkeit seht, wie wir einen Nutzen daraus ziehen k�nnen, dann w�nschte ich, Ihr w�rdet es mir sagen. Ich will nicht einmal dar�ber nachdenken, dass Rand Schwestern mit einem Zwang belegt haben k�nnte.� Weder �ber die M�glichkeit, dass er ein so absto�endes Gewebe kannte, noch dar�ber, dass er jeden damit belegen konnte. Sie kannte es � ein weiteres kleines Geschenk von Moghedien �, und sie w�nschte, sie k�nnte vergessen, wie man es herstellte.</p><p>�In diesem Fall geht es weniger darum, es zu benutzen, als vielmehr die Konsequenzen zu bedenken. Irgendwann wird man sich um ihn k�mmern m�ssen, ihm vielleicht eine Lektion erteilen m�ssen, aber Ihr k�nnt nicht wollen, dass sich die Schwestern jetzt auf ihn st�rzen, und diese Geschichten aus Cairhien machen alle vorsichtig.� Siuans Stimme war ganz ruhig, aber sie rutschte auf dem Hocker umher, was deutlich ihre innere Anspannung verriet. Das war kein Thema, �ber das eine Aes Sedai zu ruhig sprechen konnte. �Andererseits, sobald das alle zu Ende gedacht haben, werden sie erkennen, dass es die Geschichten, er wolle sich Elaida unterwerfen, zu barem Unsinn macht. Durchaus m�glich, dass sie Schwestern ausgeschickt hat, um ihn zu �berwachen, aber die w�rden keine Rebellen akzeptieren, die Elaida st�rzen wollen. Diese Erkenntnis wird jenen, die mittlerweile der Ansicht sind, Elaida k�nnte ihn an der Leine haben, etwas mehr Mut machen. Es ist ein Grund weniger, warum jemand dar�ber nachdenken sollte, sich ihr zu ergeben.�</p><p>�Was ist mit Cadsuane?�, fragte Egwene. Von all den Namen, die aus Cairhien kamen, hatte dieser den Schwestern den gr��ten Schrecken versetzt. Cadsuane Melaidhrin war eine Legende, und es gab genauso viele ablehnende Versionen dieser Legende wie zustimmende. Einige Schwestern waren davon �berzeugt, dass es sich um einen Irrtum handeln musste; Cadsuane musste schon lange tot sein. Andere schienen sich blo� zu w�nschen, dass sie tot w�re. �Seid Ihr sicher, dass sie nach Rands Verschwinden in Cairhien geblieben ist?�</p><p>�Nachdem ihr Name gefallen war, habe ich daf�r gesorgt, dass meine Leute nach ihr Ausschau halten�, erwiderte Siuan und klang jetzt alles andere als ruhig. �Ich wei� nicht, ob sie eine Schattenfreundin ist, ich habe nur den Verdacht, aber ich versichere Euch, dass sie eine Woche nach seinem Verschwinden im Sonnenpalast war.�</p><p>Egwene kniff die Augen zu und dr�ckte die Handkanten gegen die Lider. Das schien keinerlei Wirkung auf die pulsierende Nadel in ihrem Kopf zu haben. Vielleicht war Rand in Begleitung einer Schwarzen Schwester oder war es zumindest gewesen. Vielleicht hatte er Aes Sedai mit dem Zwang belegt. Schlimm genug bei gew�hnlichen Menschen, aber bei Aes Sedai war es irgendwie schlimmer, bedeutungsvoller. Was man gegen eine Aes Sedai einzusetzen wagte, w�rde man erst recht zehnfach oder hundertfach gegen jene einsetzen, die sich nicht wehren konnten. Irgendwie w�rden sie sich zu gegebener Zeit um ihn k�mmern m�ssen. Sie war mit Rand aufgewachsen, aber sie konnte nicht zulassen, dass sie das beeinflusste. Er war jetzt der Wiedergeborene Drache, die Hoffnung der Welt und zugleich vielleicht die gr��te einzelne Bedrohung, die ihr gegen�berstand. Vielleicht? Die Seanchaner konnten nicht so viel Schaden anrichten wie der Wiedergeborene Drache. Und sie <emphasis>w�rde</emphasis> sich den Umstand zunutze machen, dass er m�glicherweise Schwestern mit einem Zwang belegt hatte. Die Amyrlin war eine andere Frau als die Wirtstochter.</p><p>Sie schaute den Becher mit dem angeblichen Tee b�se an, dann ergriff sie ihn und zwang sich, das ekelhafte Zeug zu trinken, dabei w�rgte sie die ganze Zeit. Vielleicht w�rde sie wenigstens der Geschmack von den Kopfschmerzen ablenken.</p><p>Als sie den Becher mit dem scharfen Hallen von Metall auf Holz absetzte, betrat Anaiya mit finsterer Miene das Zelt.</p><p>�Akarrin und die anderen sind zur�ck, Mutter�, sagte sie. �Moria hat mich gebeten, Euch dar�ber in Kenntnis zu setzen, dass sie den Saal zusammengerufen hat, um ihren Bericht zu h�ren.�</p><p>�Escaralde und Malind auch�, verk�ndete Morvrin, die in Begleitung von Myrelle hinter Anaiya eintrat. Die Gr�ne schien die Verk�rperung ungetr�bten Zorns zu sein, falls es so etwas gab, ihr dunkles Gesicht war reglos und ihre Augen wie erloschene Kohlen, aber Morvrin zog eine Miene, die Anaiya erfreut aussehen lie�. �Sie schicken Novizinnen und Aufgenommene los, um alle Sitzenden aufzusp�ren�, sagte die Braune. �Wir haben nicht einmal den Hauch einer Andeutung erfahren, was Akarrin herausgefunden hat, aber ich glaube, Escaralde und die anderen wollen es benutzen, um den Saal in eine bestimmte Richtung zu dr�ngen.�</p><p>Egwene schaute auf den dunklen Bodensatz in den letzten Tropfen auf dem Bechergrund und seufzte. Sie w�rde auch dabei sein m�ssen, und jetzt w�rde sie den Sitzenden mit Kopfschmerzen <emphasis>und</emphasis> diesem schrecklichen Geschmack im Mund gegen�bertreten m�ssen. Vielleicht sollte sie es als Bu�e daf�r betrachten, was sie dem Saal antun w�rde.</p></section><section><title><p>19</p><p>�berraschungen</p></title><p>Nach altem Brauch wurde die Amyrlin von einer Sitzung des Saals informiert, aber nichts besagte, dass man auf sie warten musste, bevor man anfing, was bedeutete, dass m�glicherweise nur wenig Zeit blieb. Egwene wollte auf die F��e springen und geradewegs zu dem gro�en Pavillon marschieren, bevor Moria und die anderen beiden die �berraschungen pr�sentieren konnten, die sie auch immer hatten. �berraschungen im Saal waren selten gut. �berraschungen, von denen man zu sp�t erfuhr, waren noch schlimmer. Aber bevor die Amyrlin den Saal betreten konnte, mussten Gesetze eingehalten werden, keine Verhaltensregeln, also blieb sie, wo sie war, und schickte Siuan los, um Sheriam zu holen, damit die Beh�terin der Chroniken sie so ank�ndigen konnte, wie es vorgeschrieben war. Siuan hatte ihr erz�hlt, dass es eigentlich nur darum ging, die Sitzenden vor ihrer Ankunft zu warnen � es gab immer Angelegenheiten, die sie diskutieren wollten, ohne dass die Amyrlin davon erfuhr �, und sie hatte sich dabei nicht unbedingt angeh�rt, als w�rde sie es als Scherz meinen.</p><p>Aber wie es sich damit auch in Wirklichkeit verhielt, es war sinnlos, zum Saal zu gehen, wenn sie nicht eintreten konnte. Sie bez�hmte ihre Ungeduld, st�tzte den Kopf auf die H�nde und massierte die Schl�fen, w�hrend sie versuchte, noch einige Berichte der Ajah zu lesen. Trotz des ekelhaften Tees oder vielleicht sogar deswegen lie�en ihre Kopfschmerzen die Worte auf der Seite jedes Mal verschwimmen, wenn sie blinzelte, und Anaiya und die beiden anderen waren nicht hilfreich.</p><p>Siuan war gerade gegangen, als Anaiya den Umhang zur�ckschlug und sich auf den gleichen Hocker setzte � unter ihr schien er nicht zu wackeln, ob seine Beine nun unterschiedlich lang waren oder nicht �, und fing an, dar�ber zu spekulieren, was Moria und die anderen im Schilde f�hrten. Sie war keine phantasievolle Frau, also fielen ihre Spekulationen unter diesen Umst�nden ziemlich zur�ckhaltend aus. Zur�ckhaltend, aber keineswegs weniger beunruhigend.</p><p>�Leute mit Angst tun t�richte Dinge, Mutter, selbst Aes Sedai�, murmelte sie und legte die H�nde auf die Knie, �aber wenigstens k�nnt Ihr sicher sein, dass Moria bei Elaida fest bleibt, zumindest auf lange Sicht gesehen. Sie macht Elaida f�r jede Schwester verantwortlich, die gestorben ist, nachdem Siuan gest�rzt wurde. Moria will, dass Elaida f�r jede Tote die Pr�gelstrafe erh�lt, bevor man sie dem Henker �bergibt. Eine harte Frau, in gewisser Hinsicht h�rter als Lelaine. Sie schreckt nicht vor Dingen zur�ck, bei denen Lelaine sich vielleicht weigern w�rde. Ich bef�rchte, sie wird darauf dr�ngen, dass die Stadt angegriffen wird, und zwar so bald wie m�glich. Wenn die Verlorenen so offen handeln, in so gro�em Ma�stab, dann besser eine angeschlagene Burg als eine gespaltene Burg. Zumindest f�rchte ich, dass Moria die Dinge so sieht. So sehr wir auch vermeiden wollen, dass Schwestern einander t�ten, w�re es nicht das erste Mal. Die Burg hat eine lange Zeit �berdauert und ist von vielen Verletzungen genesen. Sie wird auch diesmal genesen.�</p><p>Anaiyas Stimme passte zu ihrem Gesicht, es war warm und geduldig und beruhigend, aber diese Bemerkung war wie Fingern�gel, die �ber eine Schiefertafel kratzten. Beim Licht, bei all dem, was Anaiya da von Moria bef�rchtete, schien sie doch bei vielem derselben Meinung zu sein. Sie war bed�chtig und ging nie sorglos mit Worten um. Wenn sie einen Sturmangriff bef�rwortete, wie viele von den anderen taten es dann auch?</p><p>Myrelle war wie gew�hnlich alles andere als beherrscht. Temperamentvoll und wild, das beschrieb sie am besten.</p><p>Sie wusste nicht, was Geduld war, und wenn sie davon in die Nase gebissen worden w�re. Sie ging auf und ab, soweit das in dem Zelt m�glich war, und trat ihre dunkelgr�nen R�cke und manchmal eines der hellen Kissen, die an der Wand aufgestapelt waren, bevor sie umdrehte, um die n�chste Runde in Angriff zu nehmen. �Wenn Moria solche Angst hat, dass sie auf einen Sturmangriff dr�ngt, dann hat sie vor Angst den Verstand verloren. Eine Burg, die zu gesch�digt ist, um allein zu stehen, wird weder den Verlorenen noch allen anderen standhalten k�nnen. Malind ist diejenige, die Euch Sorgen machen sollte. Sie weist st�ndig darauf hin, dass Tarmon Gai'don jeden Tag eintreten k�nnte. Ich habe sie sagen h�ren, dass das, was wir gef�hlt haben, die ersten Schl�ge der Letzten Schlacht sein k�nnten. Und dass es als N�chstes hier geschehen k�nnte. Welch besseres Ziel gibt es denn f�r den Schatten als Tar Valon? Malind hat sich noch nie davor gef�rchtet, schwere Entscheidungen zu treffen oder den R�ckzug anzutreten, falls sie es f�r n�tig hielt. Sie w�rde Tar Valon und die Burg auf der Stelle im Stich lassen, wenn sie der �berzeugung w�re, dass dadurch wenigstens einige von uns f�r Tarmon Gai'don �berleben. Sie wird vorschlagen, die Belagerung abzubrechen und irgendwohin zu fliehen, wo uns die Verlorenen nicht finden werden, bis wir zum Gegenschlag bereit sind. Wenn sie den Saal auf die richtige Weise damit konfrontiert, erh�lt sie m�glicherweise sogar allgemeine Unterst�tzung.� Allein der Gedanke verschlug Egwene den Atem.</p><p>Morvrin, deren rundes Gesicht unbeugsam war, stemmte die F�uste in die ausladenden H�ften und begegnete jeder Meinung mit einer knappen Antwort. �Wir wissen noch nicht genug, um sicher zu sein, dass es die Verlorenen waren� und �Das k�nnt Ihr nicht wissen, bevor sie es gesagt hat� und �Vielleicht war es das, vielleicht auch nicht� und �Vermutungen sind keine Beweise�. Es hie�, sie w�rde nicht glauben, dass es Morgen war, bevor sie die Sonne selbst gesehen hatte. Ihre energische Stimme lie� keinen Unsinn zu, vor allem keine voreiligen Schl�sse. Und sie war auch nichts f�r einen schmerzenden Kopf. Dabei widersprach sie den Meinungen nicht, sondern blieb offen f�r alles. Ein Verstand, der f�r alles offen blieb, konnte sich in jede Richtung bewegen, wenn es zur Entscheidung kam.</p><p>Egwene schlug die Ledermappe mit den Berichten mit einem lauten Knall zu. Mit dem widerlichen Geschmack auf ihrer Zunge und dem stechenden Pochen in ihrem Kopf � ganz zu schweigen von den unaufh�rlich plappernden Stimmen! � konnte sie sich sowieso nicht mehr auf die Worte konzentrieren. Die drei Schwestern sahen sie �berrascht an. Sie hatte allen vor langer Zeit deutlich gemacht, dass sie hier das Sagen hatte, aber sie versuchte nie, Temperament zu zeigen. Treueide oder nicht, eine junge Frau, die ihr Temperament zeigte, konnte zu schnell als launisch abgetan werden. Was sie noch w�tender machte, was wiederum ihren Kopf noch mehr schmerzen lie�, was...</p><p>�Ich habe lange genug gewartet�, sagte sie und gab sich M�he, ausgeglichen zu klingen. Ihr schmerzender Kopf verlieh ihrer Stimme ohnehin eine leichte Sch�rfe. Vielleicht glaubte Sheriam, dass sie sie am Saal treffen sollte.</p><p>Sie nahm ihren Umhang und ging hinaus in die K�lte, noch w�hrend sie ihn sich �ber die Schultern schwang, und Morvrin und die anderen beiden z�gerten nur einen Augenblick, bevor sie ihr folgten. Wenn sie sie zum Saal begleiteten, mochte der Eindruck entstehen, sie seien ihr Gefolge, aber sie sollten sie ja im Auge behalten, und Egwene vermutete, dass selbst Morvrin begierig darauf war, Akarrins Bericht zu h�ren und was Moria und der Rest daraus machen wollte.</p><p>Egwene hoffte, dass es nicht zu schwierig sein w�rde, damit umzugehen, dass es nichts von dem war, was Anaiya und Myrelle glaubten. Gegebenenfalls konnte sie versuchen, das Kriegsrecht anzuwenden, aber selbst wenn das funktionierte, hatte es doch seine Nachteile, nur mit Verordnungen zu herrschen. Wenn Leute einem in einer Sache gehorchen mussten, fanden sie immer M�glichkeiten, sich aus anderen herauszuwinden, und je st�rker sie zum Gehorsam gezwungen waren, desto mehr M�glichkeiten fanden sie, um sich herauszuwinden. Es war ein nat�rliches Gleichgewicht, dem man nicht entkommen konnte. Und schlimmer noch, sie hatte gelernt, wie sehr man sich daran gew�hnte, wenn die Leute auf ein Wort hin sprangen. Irgendwann hielt man es f�r die nat�rliche Ordnung der Dinge, und wenn sie dann nicht sprangen, erwischten sie einen auf dem falschen Fu�. Davon abgesehen war sie mit ihren pochenden Kopfschmerzen � jetzt war es ein Pochen! � ohnehin bereit, jeden anzufauchen, der sie auch nur schief ansah, und selbst wenn Leute etwas schlucken mussten, was sie nicht wollten, war so etwas doch niemals gut.</p><p>Die Sonne stand genau �ber ihnen am Himmel, eine goldene Kugel an einem blauen Himmel mit vereinzelten wei�en Wolken, aber sie verbreitete keine W�rme, sondern blo� fahle Schatten, und lie� den Schnee glitzern, der nicht zertrampelt war. Die Luft f�hlte sich genauso kalt an wie am Fluss. Egwene ignorierte die K�lte, weigerte sich, sich von ihr ber�hren zu lassen, aber nur die Toten h�tten sie nicht bemerken k�nnen, wo doch vor jedermanns Gesicht der Atem zu wei�em Nebel wurde. Es war Zeit zum Mittagessen, aber es war unm�glich, so viele Novizinnen gleichzeitig essen zu lassen, darum gingen Egwene und ihre Begleiterinnen durch einen Strom wei� gekleideter Frauen, die ihnen aus dem Weg sprangen und auf der Stra�e ihre Knickse machten. Sie schlug ein derartiges Tempo an, dass sie gew�hnlich l�ngst weiter waren, bevor die Gruppen von Novizinnen mehr tun konnten, als die R�cke anzuheben.</p><p>Es war kein langer Weg, es gab nur vier Stellen, an denen sie schlammige Stra�en �berqueren mussten. Es war davon die Rede gewesen, Holzbr�cken zu errichten, die hoch genug waren, um darunter hindurchreiten zu k�nnen, aber Br�cken h�tten dem Lager eine Dauerhaftigkeit verliehen, die niemand wollte. Selbst die Schwestern, die davon gesprochen hatten, dr�ngten nie darauf, sie errichten zu lassen. Also musste man langsam durch den Schlamm waten und darauf achten, R�cke und Umhang hoch genug zu halten, wenn man nicht bis zu den Knien verdreckt eintreffen wollte. Wenigstens verschwanden die Menschenmengen, als sie sich dem Saal n�herten. Er stand immer allein da � oder zumindest so gut wie allein.</p><p>Nisao und Carlinya warteten bereits vor dem gro�en Segeltuchpavillon mit seinen geflickten W�nden, die winzige Gelbe nagte auf ihrer Unterlippe herum und betrachtete Egwene nerv�s. Carlinya war die personifizierte Ruhe, mit in H�fth�he gefalteten H�nden. Aber sie hatte ihren Umhang vergessen, der bestickte Saum ihres hellen Rocks war schlammverschmiert, und ihre dunklen Locken brauchten dringend eine B�rste. Sie machten ihre Ehrenbezeugungen und gesellten sich ein St�ck hinter Egwene zu Anaiya und den anderen beiden. Sie unterhielten sich leise, und die Bruchst�cke, die Egwene aufschnappte, klangen harmlos, es ging um das Wetter oder wie lange sie wohl warten mussten. Hier war nicht der richtige Ort, an dem sie in zu gro�er Vertrautheit mit ihr gesehen werden wollten.</p><p>Beonin kam den Gehweg entlanggelaufen, ihr keuchender Atem produzierte wei�e Wolken; sie kam rutschend zum Halt und starrte Egwene an, bevor sie sich zu den anderen gesellte. Die Anspannung um ihre blaugrauen Augen war noch deutlicher zu sehen als zuvor. Vielleicht bef�rchtete sie, dies w�rde einen Einfluss auf ihre Verhandlungen haben. Aber sie wusste doch, dass die Gespr�che nur eine T�uschung sein w�rden, nur ein Vorwand, um Zeit zu gewinnen. Egwene kontrollierte ihren Atem und machte Novizinnen�bungen. Aber nichts davon vertrieb ihre Kopfschmerzen. Das tat es nie.</p><p>Sheriam war nirgendwo zwischen den Zelten zu entdekken, aber Egwene befand sich gerade allein auf dem Gehweg vor dem Pavillon. An der einen Seite des Eingangs warteten Akarrin und die f�nf Schwestern, die sie begleitet hatten � eine aus jeder Ajah � in einer dicht zusammenstehenden Gruppe. Die meisten begr��ten Egwene mit einem Knicks, hielten aber Distanz. Vielleicht hatte man sie gewarnt, zu niemandem ein Wort zu sagen, bevor sie vor dem Saal sprachen. Nat�rlich h�tte Egwene verlangen k�nnen, dass sie auf der Stelle Bericht erstatteten. Sie h�tten es auch getan; sie war die Amyrlin. Vermutlich h�tten sie es getan. Andererseits war die Beziehung der Amyrlin zu den Ajahs immer heikel, oftmals schloss das auch die Ajah ein, aus der sie erhoben worden war. Fast so heikel wie die Beziehungen zum Saal. Egwene zwang sich zu einem L�cheln und neigte anmutig den Kopf. Wenn sie hinter diesem L�cheln mit den Z�hnen knirschte, nun, das half dabei, den Mund geschlossen zu halten.</p><p>Nicht alle Schwestern schienen sich ihrer Anwesenheit bewusst zu sein. Akarrin, eine schlanke Frau in einfacher brauner Wolle und einem Umhang mit �berraschend aufw�ndigen gr�nen Stickereien, starrte ins Leere und nickte gelegentlich in Gedanken. Anscheinend �bte sie, was sie drinnen sagen w�rde. Akarrin war nicht stark in der Macht, kaum besser als Siuan, wenn �berhaupt, aber nur eine andere der Sechs, Therva, eine d�nne Frau in einem mit gelben Schlitzen versehenen Reitgewand und einem mit Gelb abgesetzten Umhang, konnte mit einem vergleichbaren Rang aufwarten. Das war ein beunruhigendes Anzeichen, wie sehr dieses seltsame Fanal aus <emphasis>Saidar</emphasis> die Schwestern in Angst und Schrecken versetzt hatte. Die st�rkste unter ihnen h�tte vortreten und die Aufgabe erledigen sollen, die man diesen Frauen �bertragen hatte, aber mit Ausnahme von Akarrin hatte es deutlich an Eifer gefehlt. Ihre Gef�hrtinnen erschienen noch immer nicht besonders enthusiastisch. Shana bewahrte trotz Augen, die sie st�ndig �berrascht aussehen lie�en, immer eine ausgepr�gte Zur�ckhaltung, aber jetzt schien sie vor Sorge nicht zu wissen, was sie machen sollte. Sie betrachtete den Eingang zum Saal, der von schweren Planen verschlossen wurde, und ihre H�nde fummelten unabl�ssig an ihrem Umhang herum, als k�nnte sie sie nicht stillhalten. Reiko, eine st�mmige Blaue aus Arafel, hielt den Blick gesenkt, aber die silbernen Gl�ckchen in ihrem langen schwarzen Haar klirrten leise, als w�rde sie unter der Kapuze den Kopf sch�tteln. Allein Thervas Gesicht mit der langen Nase trug einen Ausdruck absoluter Erhabenheit, unersch�tterlich und v�llig gelassen, aber auch das war f�r sich genommen ein schlechtes Zeichen. Die Gelbe Schwester war von Natur aus schnell erregbar. Was hatten sie gesehen? Was hatten Moria und die beiden anderen Sitzenden vor?</p><p>Egwene z�gelte ihre Ungeduld; offensichtlich war der Saal noch nicht zur Sitzung zusammengetreten. Mehrere Sitzende gingen an ihr vorbei und betraten den Pavillon, und keine hatte es eilig. Salita z�gerte, als wollte sie etwas sagen, aber dann machte sie nur einen Knicks und rauschte hinein. Kwamesa sah Egwene hochn�sig an, w�hrend sie ihren Knicks machte, und musterte kurz Anaiya und die anderen von oben herab, aber die schlanke Graue schaute jeden von oben herab an. Sie war nicht gro�, versuchte aber den Anschein zu erwecken. Berana, deren Gesicht eine Maske der Hochmut und deren gro�e braune Augen so kalt wie der Schnee waren, blieb stehen, um Egwene eine k�hle Ehrenbezeugung zu entrichten und Akarrin stirnrunzelnd anzusehen. Nach einem langen Augenblick, in dem sie vielleicht erkannte, dass Akarrin sie nicht einmal wahrnahm, gl�ttete sie die mit silbernen Stickereien versehenen wei�en R�cke, was v�llig unn�tig war, richtete die Stola auf ihren Armen, sodass die wei�en Fransen richtig hingen, und glitt durch die Eingangsplane, als w�re sie niemals stehen geblieben. Alle drei geh�rten zu den Sitzenden, die Siuan als zu jung bezeichnet hatte. So wie Malind und Escaralde auch. Aber Moria war seit hundertdrei�ig Jahren Aes Sedai. Beim Licht, Siuan lie� sie schon hinter allem eine Verschw�rung wittern!</p><p>Gerade als Egwene glaubte, ihr Kopf w�rde gleich vor Frustration oder aufgrund ihrer Kopfschmerzen platzen, erschien pl�tzlich Sheriam; sie rannte beinahe mit gerafften R�cken und Umhang durch den Stra�enmatsch. �Es tut mir schrecklich Leid, Mutter�, sagte sie atemlos und griff hastig nach der Macht, um die Schlammspritzer zu beseitigen, die sie sich eingefangen hatte. �Ich... ich habe geh�rt, dass der Saal eine Sitzung hat, und ich wusste, dass Ihr nach mir suchen lassen werdet, also kam ich so schnell, wie ich konnte. Es tut mir sehr Leid.� Also suchte Siuan noch immer nach ihr.</p><p>�Jetzt seid Ihr ja hier�, sagte Egwene fest. Die Frau musste wirklich aufgeregt sein, um sich vor den anderen zu entschuldigen, was mehr f�r Akarrin und ihre Gef�hrtinnen galt als f�r Anaiya und den Rest. Selbst wenn es die Leute besser wussten, neigten sie dazu, einen so zu nehmen, wie man zu sein schien, und man sollte die Beh�terin nicht sehen, wie sie sich entschuldigte und die H�nde rang. Sicherlich wusste sie das. �Geht und k�ndigt mich an.�</p><p>Sheriam holte tief Luft, schlug die Kapuze zur�ck, richtete die schmale blaue Stola und trat durch die Eingangsplanen. Ihre Stimme erscholl laut und deutlich, als sie die rituellen Worte sprach. �Sie kommt, sie kommt...�</p><p>Egwene wartete kaum ab, dass sie mit �... die Flamme von Tar Valon, der Amyrlin-Sitz� endete, bevor sie durch den Kreis aus Kohlenpfannen und Kandelabern schritt, der die Pavillonw�nde umgab. Die Kandelaber verbreiteten helles Licht, und die Kohlenpfannen, die Lavendelgeruch verbreiteten, w�rmten den ganzen Raum. Niemand wollte die K�lte ignorieren m�ssen, wenn man richtige W�rme f�hlen konnte.</p><p>Die Einrichtung des Pavillons folgte uralten Regeln, die nur leicht modifiziert waren, um der Tatsache zu gen�gen, dass sie nicht in der Wei�en Burg zusammentrafen, in dem gro�en runden Gemach, das der Saal der Burg genannt wurde. Am anderen Ende stand eine einfache, wenn auch auf Hochglanz polierte Bank auf einer kasten�hnlichen, mit einem in den sieben Farben der Ajahs gestreiften Tuch bedeckten Plattform. Zusammen mit der Stola um Egwenes Hals waren das sicherlich die einzigen Stellen im Lager, wo die Rote Ajah repr�sentiert war. Einige Blaue hatten verlangt, die Farbe zu entfernen, da Elaida anscheinend den Thron, den man den Amyrlin-Sitz nannte, hatte neu lackieren und eine Stola ohne das Blau weben lassen, aber Egwene hatte sich dagegen verwahrt. Wenn sie alle Ajahs repr�sentierte und keine, dann w�rde sie auch von <emphasis>allen</emphasis> Ajahs sein. Auf den hellen Teppichen am Boden f�hrten zwei Reihen von B�nken in Gruppen von jeweils drei schr�g vom Eingang fort; sie standen auf K�sten, die mit T�chern in den Farben der Ajahs verh�llt waren. Nun ja, von sechs Ajahs. Der Tradition nach konnten die beiden �ltesten Sitzenden f�r ihre Ajahs die Pl�tze beanspruchen, die dem Amyrlin-Sitz am n�chsten waren, also nahmen hier Gelb und Blau diese Pl�tze ein. Danach kam es nur darauf an, wer zuerst kam und wo sitzen wollte, die Ersten w�hlten immer die Pl�tze ihrer Ajahs aus.</p><p>Es waren nur neun Sitzende anwesend, zu wenig, damit der Saal sich zusammensetzen konnte, zumindest formell gesehen, aber Egwene fiel sofort eine Merkw�rdigkeit an der Sitzordnung auf. Romanda war bereits da, was nicht �berraschte, zwischen ihr und Salita waren noch Pl�tze frei, und Lelaine und Moria besetzten die �u�ersten Pl�tze auf der Bank der Blauen. Romanda trug ihr Haar in einem festen grauen Knoten im Nacken; sie war die �lteste Sitzende und fast immer die Erste, die Platz nahm, wenn sich der Saal zusammensetzte. Lelaine, die trotz ihres gl�nzenden schwarzen Haars fast genauso alt war, schien unf�hig zu sein, der anderen Frau selbst in einer so nebens�chlichen Sache einen Vorsprung zu lassen. Die M�nner, die die K�sten aufgebaut hatten � sie standen an den W�nden, bis der Saal zur Sitzung gerufen wurde � mussten gerade hinausgegangen sein, denn Kwamesa sa� bereits; sie war die einzige Graue Sitzende, und Berana, die soeben zu ihrer Bank hochstieg, die einzige Wei�e. Doch Malind, eine Kandori mit Adleraugen und einem runden Gesicht und die einzige Gr�ne, war offensichtlich vor ihnen eingetreten, aber seltsamerweise hatte sie sich entschieden, die Gr�nen neben den Eingang des Pavillons zu setzen. Eigentlich lautete das Motto, je n�her am Amyrlin-Sitz, umso besser. Und ihr direkt gegen�ber stand Escaralde vor den mit Braun verkleideten K�sten und debattierte leise mit Takima. Diese war fast genauso klein wie Nisao, eine stille Frau, die an einen Vogel erinnerte, aber sie konnte energisch sein, wenn sie es wollte, und mit den in die H�ften gestemmten F�usten sah sie wie ein w�tender Spatz aus, dessen gestr�ubte Federn sie gr��er erscheinen lie�en. Der Art und Weise nach zu urteilen, wie sie Berana immer wieder scharfe Blicke zuwarf, regte sie sich �ber die Sitzordnung auf. Nat�rlich war es zu sp�t, etwas daran zu �ndern, aber Escaralde �berragte Takima, als erwartete sie, f�r ihre Wahl k�mpfen zu m�ssen. Es erstaunte Egwene, dass Escaralde das tun konnte. Sie zu �berragen. Sie war sogar noch kleiner als Nisao. Es musste reine Willenskraft sein. Escaralde gab niemals nach, wenn sie glaubte, im Recht zu sein. Und sie glaubte immer, im Recht zu sein. Wenn Moria wirklich den sofortigen Angriff auf Tar Valon und Malind den R�ckzug wollte, was wollte dann Escaralde?</p><p>Trotz Siuans Gerede, dass die Sitzenden vorgewarnt werden wollten, machte Egwenes Eintritt keinen gro�en Eindruck. Aus welchen Gr�nden Malind und die anderen auch immer den Saal zusammengerufen hatten, um Akarrins Bericht zu h�ren, sie hielten die Angelegenheit keineswegs f�r so brisant, dass sie allein f�r die Ohren der Sitzenden bestimmt sein sollte; hinter den B�nken der Sitzenden ihrer Ajah standen kleine Gruppen von Aes Sedai, und sie machten ihre Knickse, als Egwene �ber die Teppiche auf ihren Sitz zuging. Die Sitzenden selbst sahen sie blo� an oder neigten kurz den Kopf. Lelaine schaute sie k�hl an und richtete die Aufmerksamkeit dann stirnrunzelnd auf Moria, eine ziemlich gew�hnlich aussehende Frau in einem blauen Wollgewand. Sie sah sogar so gew�hnlich aus, dass man die Alterslosigkeit ihres Gesichts auf den ersten Blick fast �bersehen konnte. Sie starrte geradeaus, in die eigenen Gedanken versunken. Romanda geh�rte zu denjenigen, die den Kopf ein wenig neigten. Im Saal war der Amyrlin-Sitz noch immer der Amyrlin-Sitz, aber etwas weniger als au�erhalb. Nun, vielleicht etwas mehr als das, aber nicht viel. Siuan hatte gesagt, dass genauso viele Amyrlin gescheitert waren, die glaubten, die Sitzenden w�ren ihnen gleichgestellt, wie jene, die den Unterschied f�r gr��er hielten, als er tats�chlich war. Es war, als w�rde man auf einer schmalen Mauer laufen, w�hrend zu beiden Seiten wilde Hunde lauerten. Man behielt vorsichtig sein Gleichgewicht bei und versuchte, den Blick mehr auf die F��e als auf die Hunde gerichtet zu halten. Aber man war sich der Hunde immer bewusst.</p><p>Egwene nahm den Umhang ab, als sie auf den gestreiften Kasten stieg, faltete ihn zusammen und legte ihn auf den Sitz, bevor sie Platz nahm. Die B�nke waren hart, und einige Sitzende brachten Kissen mit, wenn sie eine lange Sitzung erwarteten. Egwene zog es vor, das nicht zu tun. Die eingeschr�nkte Sprechzeit hielt mindestens ein oder zwei Frauen nie davon ab, ihre Kommentare in die L�nge zu ziehen, und ein harter Sitz konnte helfen, dass man w�hrend des Schlimmsten wach blieb. Sheriam nahm die Position der Beh�terin zu Egwenes Linken ein, und nun konnten sie nichts anderes tun als zu warten. Vielleicht <emphasis>h�tte</emphasis> sie doch ein Kissen mitbringen sollen.</p><p>Die anderen B�nke f�llten sich, aber sie taten es langsam. Aledrin und Saroiya hatten sich zu Berana gesellt; Aledrin war dick genug, um die anderen beiden schlank erscheinen zu lassen. Nat�rlich hatten die lotrechten Streifen aus wei�en Schn�rkeln auf Saroiyas R�cken ohnehin diese Wirkung, w�hrend Aledrins weite wei�e �rmel und der schneewei�e Streifen auf der Vorderseite ihres Kleids genau den gegenteiligen Effekt hatten. Der Art und Weise nach zu urteilen, wie sie die K�pfe einander zuwandten und den Blauen, Braunen und Gr�nen Blicke zuwarfen, versuchte jede von ihnen offensichtlich herauszufinden, ob die andere wusste, worum es hier ging. Varilin, eine rothaarige Frau, die wie ein Storchenweibchen aussah und gr��er als die meisten M�nner war, hatte sich neben Kwamesa gesetzt. Sie richtete unabl�ssig ihre Stola und lie� die Blicke von Moria zu Escaralde zu Malind und wieder zur�ck huschen. Magla, die ihre mit gelben Fransen versehene Stola fest um die breiten Schultern gewickelt hatte, und Faiselle, eine Domani mit kantigem Gesicht, die mit gr�ner Stickerei �bers�te Seide trug, betraten gerade den Pavillon und ignorierten einander selbst dann, wenn sich ihre R�cke ber�hrten. Magla stand fest in Romandas Lager und Faiselle in Lelaines, und die beiden Gruppen redeten nicht miteinander. Andere Schwestern kamen nacheinander oder gr�ppchenweise herein, Nisao und Myrelle geh�rten zu dem halben Dutzend, die hinter Magla und Faiselle hereinschl�pften. Morvrin war bereits unter den Braunen hinter Takima und Escaralde, und Beonin stand am Rand der Grauen hinter Varilin und Kwamesa. Wenn es so weiterging, w�rde sich bald die H�lfte der im Lager befindlichen Aes Sedai in dem Pavillon dr�ngen.</p><p>W�hrend Magla noch zu den Sitzen der Gelben ging, erhob sich Romanda. �Wir sind jetzt mehr als elf, also k�nnen wir anfangen.� Ihre Stimme war �berraschend hoch. Man h�tte sich vorstellen k�nnen, dass sie eine wundersch�ne Singstimme hatte, wenn man sich Romanda singend h�tte vorstellen k�nnen. Ihr Gesicht schien jederzeit zu einem finsteren Ausdruck bereit, zumindest war es immer leicht missbilligend. �Ich glaube nicht, dass dies eine formelle Sitzung werden muss�, f�gte sie hinzu, als Kwamesa aufstand. �Ich wei� eigentlich nicht, warum das �berhaupt eine Sitzung sein muss, aber wenn es denn so sein soll, lasst es uns hinter uns bringen. Einige von uns haben wichtigere Dinge zu erledigen. So wie Ihr sicher auch, Mutter.�</p><p>Letzteres sagte sie mit einem tiefen Neigen des Kopfes, mit einem Tonfall, der vielleicht eine Spur zu respektvoll war. Nat�rlich nicht zu weit �ber der Grenze, um sarkastisch zu klingen. Sie war zu klug, um sich in Schwierigkeiten zu bringen; dumme Leute erlangten nur selten den Stuhl einer Sitzenden oder behielten ihn lange, und Romanda hatte fast achtzig Jahre lang einen Sitz im Saal innegehabt. Das war ihre zweite Amtszeit als Sitzende. Egwene neigte den Kopf leicht und blickte k�hl. Eine Best�tigung, dass sie angesprochen worden war und den Tonfall bemerkt hatte. Ein sehr sorgf�ltiges Gleichgewicht.</p><p>Kwamesa stand da und sah sich mit offenem Mund um, unsicher, ob sie die zeremoniellen Formeln sagen sollte, die immer von der j�ngsten anwesenden Sitzenden aufgesagt wurden und eine formelle Sitzung des Saals er�ffneten. Romandas Stellung verschaffte ihr geh�rigen Einfluss und eine gewisse Autorit�t, aber andere konnten sie darin �berstimmen. Eine gewisse Anzahl von Sitzenden runzelten die Stirn oder rutschten auf ihren B�nken herum, aber keine sprach.</p><p>Lyrelle glitt in den Pavillon und auf die B�nke der Blauen zu. Gro� f�r eine Cairhienerin, was sie fast an allen anderen Orten zu einer Frau von durchschnittlicher Gr��e machte, bot sie in ihrer blaugeschlitzten Seide und dem mit roten und goldenen Stickereien verzierten Oberteil einen eleganten Anblick; ihre Bewegungen waren anmutig. Manche behaupteten, sie sei T�nzerin gewesen, bevor sie als Novizin in der Burg aufgenommen worden war. Im Vergleich zu ihr schien Samalin, die fuchsgesichtige Gr�ne, die ihr auf den Fersen folgte, wie ein Mann auszuschreiten, dabei war an der Murandianerin nichts Unbeholfenes. Beide schienen sie �berrascht zu sein, Kwamesa stehend vorzufinden, und eilten zu ihren B�nken. Varilin fing an, an Kwamesas �rmel zu zupfen, bis die Frau aus Arafel sich schlie�lich wieder setzte. Kwamesas Gesicht war eine Maske k�hler Ruhe, aber sie schaffte es, Missfallen auszustrahlen. Sie legte gro�en Wert aufs Zeremoniell.</p><p>�Vielleicht gibt es ja doch einen Grund f�r eine formelle Sitzung.� Nach Romanda erschien Lelaines Stimme leise. Sie richtete ihre Stola, als h�tte sie alle Zeit der Welt, erhob sich anmutig und sah absichtlich nicht in Egwenes Richtung. Lelaine war als wundersch�ne Frau die personifizierte Erhabenheit. �Angeblich sind Gespr�che mit Elaida genehmigt worden�, sagte sie k�hl. �Mir ist klar, dass wir unter dem Kriegsrecht nicht konsultiert werden m�ssen, aber ich finde auch, dass wir es in der Sitzung besprechen sollten, vor allem, da viele von uns der M�glichkeit entgegensehen, ged�mpft zu werden, wenn Elaida an der Macht bleibt.�</p><p>Das Wort �D�mpfung� verbreitete nicht l�nger Furcht, wie es �blich gewesen war, bevor Siuan und Leane davon Geheilt worden waren, aber ein Murmeln ging durch die Aes Sedai, die sich hinter die B�nke dr�ngten. Anscheinend hatte sich die Nachricht von den Verhandlungen doch nicht so schnell verbreitet, wie Egwene erwartet hatte. Sie vermochte nicht zu sagen, ob die Schwestern aufgeregt oder entsetzt waren, aber offensichtlich waren sie �berrascht. Und das galt auch f�r einige der Sitzenden. Janya, die eingetreten war, w�hrend Lelaine sprach, blieb wie angewurzelt stehen, sodass eine Gruppe Schwestern, die den Saal betraten, beinahe in sie hineingelaufen w�ren. Sie starrte die Blaue an, dann Egwene, und zwar l�nger und intensiver. Nach der Art und Weise zu urteilen, wie Romanda die Lippen zusammenpresste, war sie ebenfalls �berrascht, und die Mienen der zu jungen Sitzenden reichten von eiskalter Ruhe bei Berana �ber Erstaunen bei Samalin und offenem Entsetzen bei Salita. Was das anging, schwankte Sheriam kurz. Egwene hoffte, dass sich die Frau nicht vor dem ganzen Saal �bergeben w�rde.</p><p>Aber viel bemerkenswerter waren die Reaktionen derjenigen, die Delanas Bericht zufolge von Verhandlungen gesprochen hatten. Varilin sa� ganz still da und schien ein L�cheln zu unterdr�cken, w�hrend sie ihre R�cke musterte, aber Magla befeuchtete sich z�gernd die Lippen und warf Romanda verstohlene Seitenblicke zu. Saroiya hatte die Augen geschlossen, und ihre Lippen bewegten sich, als w�rde sie ein Gebet sprechen. Faiselle und Takima blickten Egwene mit einem kaum merklichen Stirnrunzeln an. Als sie sich dessen bewusst wurden, zuckten sie zusammen und setzten schnell eine so majest�tische Gelassenheit auf, dass sie einander zu verspotten schienen. Es war alles sehr seltsam. Bestimmt hatte Beonin sie mittlerweile alle dar�ber informiert, was Egwene gesagt hatte, aber mit Ausnahme von Varilin schienen sie aus der Fassung gebracht zu sein. Sie konnten unm�glich geglaubt haben, dass die Verhandlungen zur Kapitulation f�hren sollten. Jede Frau, die in diesem Saal sa�, riskierte allein schon durch ihre Anwesenheit D�mpfung und Hinrichtung. Falls es jemals au�er Elaidas Sturz einen Weg zur�ck gegeben h�tte, hatte sich der schon vor Monaten erledigt, als dieser Saal erw�hlt wurde. Davon gab es keinen Weg zur�ck.</p><p>Lelaine schien mit der Wirkung ihrer Worte zufrieden � sie war sogar so selbstzufrieden wie eine Katze in der Milchkammer �, aber bevor sie wieder Platz genommen hatte, sprang Moria auf die F��e. Das zog jeden Blick auf sich und rief weiteres Gemurmel hervor. Niemand h�tte Moria als besonders anmutig bezeichnet, aber die Illianerin war keine Frau, die aufsprang. �Das muss besprochen werden�, sagte sie, �aber erst sp�ter. Dieser Saal ist von drei Sitzenden zusammengerufen worden, die dieselbe Frage gestellt haben. Diese Frage muss vor allem anderen angesprochen werden. Was haben Akarrin und ihre Gruppe herausgefunden? Ich verlange, dass man sie holt, damit sie vor dem Saal Bericht erstatten k�nnen.�</p><p>Lelaine sah ihre Mit-Blaue b�se an, und das konnte sie gro�artig, ihre Blicke waren so scharf wie Ahlen, aber zumindest in dieser Hinsicht war das Burggesetz eindeutig und allen bekannt. Oft genug war es das nicht. Sheriam bat mit unsicherer Stimme Aledrin, nach Kwamesa die J�ngste, Akarrin und die anderen in den Saal zu bringen. Egwene entschied, sofort nach der Sitzung mit der rothaarigen Frau zu sprechen. Wenn Sheriam sich nicht �nderte, w�rde sie als Beh�terin bald nutzlos sein.</p><p>Delana schoss umgeben von anderen Schwestern in den Pavillon, die letzte Sitzende, und sa� auf ihrer Bank und richtete die Stola, als die pummelige Wei�e Sitzende mit den sechs Schwestern zur�ckkehrte und sie vor Egwene f�hrte. Sie mussten ihre Umh�nge drau�en auf dem Gehweg gelassen haben, denn keine trug jetzt einen. Delana betrachtete sie, ein Stirnrunzeln zog ihre Brauen in die Tiefe. Sie schien au�er Atem zu sein, als w�re sie zum Pavillon gerannt.</p><p>Anscheinend war Aledrin der Ansicht, dass es keine Rolle spielte, ob die Sitzung nun formell war oder nicht, und sie mit dem Zeremoniell weitermachen sollte. �Ihr seid vor den Saal der Burg gerufen worden, um zu berichten, was ihr gesehen habt�, sagte sie mit starkem tarabonischem Akzent. Die Kombination aus dunkelblondem Haar und braunen Augen war in Tarabon nicht ungew�hnlich, allerdings trug sie das schulterlange Haar nicht als perlengeschm�ckte Z�pfe, sondern in einem wei�en Spitzennetz.</p><p>�Ich befehle euch, von diesen Dingen Zeugnis abzulegen, ohne etwas zur�ckzuhalten, und alle Fragen vollst�ndig zu beantworten und nichts zur�ckzuhalten. Verk�ndet nun, dass ihr das tun werdet, unter dem Licht und bei eurer Hoffnung auf Wiedergeburt und Errettung, oder erleidet die Konsequenzen.� Die Schwestern in der Vergangenheit, die diesen Teil des Saal-Zeremoniells erschaffen hatten, hatten genau gewusst, wie viel Raum einem die Drei Eide gaben. Eine kleine Auslassung hier, dort ein Hauch von Unbestimmtheit, und die ganze Bedeutung dessen, was man sagte, konnte auf den Kopf gestellt werden, dabei sagte man die ganze Zeit die Wahrheit.</p><p>Akarrin sagte ihren Spruch laut und etwas ungeduldig auf, die anderen f�nf mit unterschiedlichen Graden an Feierlichkeit. Viele Schwestern waren in ihrem ganzen Leben kein einziges Mal dazu aufgerufen worden, vor dem Saal Zeugnis abzulegen. Aledrin wartete, bis die Letzte jedes Wort wiederholt hatte, bevor sie zu ihrer Bank zur�ckmarschierte.</p><p>�Sagt uns, was Ihr gesehen habt, Akarrin�, forderte Moria sie auf, sobald sich die Wei�e Sitzende abgewandt hatte. Aledrin versteifte sich sichtlich, und als sie ihren Platz einnahm, war ihr Gesicht v�llig ausdruckslos, aber auf ihren Wangen brannten helle Flecken. Moria h�tte warten m�ssen. Sie musste sehr ungeduldig sein.</p><p>Nach der Tradition � es gab viel mehr Traditionen und Verhaltensregeln als Gesetze, und das Licht wusste, dass es mehr Gesetze gab, als jeder tats�chlich kannte, oftmals auch widerspr�chliche Gesetze, die im Laufe der Jahrhunderte erlassen worden waren, aber Traditionen und Regeln bestimmten das Leben der Aes Sedai genauso sehr, wie es die Gesetze der Burg je getan hatten, vielleicht sogar noch mehr � nach der Tradition richtete Akarrin ihre Ansprache an den Amyrlin-Sitz.</p><p>�Was wir gesehen haben, Mutter, war ein ungef�hr rundes Loch im Boden�, sagte sie und nickte bei fast jedem Wort, um es zu unterstreichen. Sie schien die Worte sorgf�ltig auszuw�hlen, als wollte sie sichergehen, dass sie auch jeder verstehen konnte. �M�glicherweise war es urspr�nglich ein genauer Kreis, wie die H�lften einer Kugel geformt, aber an einigen Stellen sind die Seiten eingebrochen. Das Loch hat etwa einen Durchmesser von drei Meilen und ist vermutlich anderthalb Meilen tief.� Jemand keuchte laut auf, und Akarrin runzelte die Stirn, als h�tte derjenige absichtlich versucht, sie zu unterbrechen. Sie machte jedoch ohne Pause weiter. �Wir konnten die Tiefe nicht genau bestimmen. Der Grund ist voller Wasser und Eis. Wir sind der Meinung, dass daraus ein See entstehen wird. Wie dem auch sei, wir konnten unsere Position ohne allzu gro�e Schwierigkeiten bestimmen, und dieses Loch befindet sich an der Stelle, an der sich einst die Stadt Shadar Logoth erhob.� Sie verstummte, und einen langen Augenblick war nur das Rascheln von R�cken zu h�ren, als Aes Sedai unbehaglich auf ihren Pl�tzen hin und her rutschten.</p><p>Auch Egwene hielt es kaum auf ihrem Sitz. Beim Licht, ein Loch von dieser Gr��e w�rde die H�lfte von Tar Valon einnehmen! �Habt Ihr irgendeine... Idee, wie dieses... Loch erschaffen wurde, Akarrin?�, fragte sie schlie�lich. Sie war ziemlich stolz darauf, wie beherrscht ihre Stimme klang. Sheriam zitterte doch tats�chlich am ganzen Leib! Egwene hoffte, dass es sonst niemand bemerkte. Das Verhalten der Beh�terin fiel immer auf die Amyrlin zur�ck. Wenn die Beh�terin Angst zeigte, w�rden viele Schwestern glauben, dass Egwene Angst hatte, und diesen Eindruck wollte sie unter allen Umst�nden vermeiden.</p><p>�Jede von uns wurde ausgew�hlt, weil wir die F�higkeiten haben, R�ckst�nde lesen zu k�nnen, Mutter. Und zwar besser als die meisten.� Also waren sie nicht <emphasis>nur</emphasis> ausgew�hlt worden, weil keine, die in der Macht st�rker waren, interessiert waren. Darin lag eine Lektion. Was Aes Sedai taten, war selten so einfach, wie es auf den ersten Blick erschien. Egwene w�nschte, sie m�sste nicht immer wieder Lektionen neu erlernen, die sie bereits gemeistert geglaubt hatte. �Nisain ist von uns darin am besten�, fuhr Akarrin fort. �Mit Eurer Erlaubnis �berlasse ich die Antwort ihr, Mutter.�</p><p>Nisain gl�ttete nerv�s den dunklen Wollrock und r�usperte sich. Die schm�chtige Graue mit dem kantigen Kinn und den �berraschend blauen Augen hatte einen gewissen Ruf, was Gesetzesfragen und Vertr�ge anging, aber es bereitete ihr offensichtlich Unbehagen, vor dem Saal zu sprechen. Sie blickte geradeaus auf Egwene, als wollte sie die versammelten Sitzenden nicht sehen. �Nach der Menge an <emphasis>Saidar</emphasis> zu urteilen, das dort benutzt wurde, Mutter, war es keine �berraschung, dass die R�ckst�nde beinahe so dicht wie der Schnee waren.� Da war mehr als nur ein Hauch von Murandy in ihrer Stimme. �Selbst nach so langer Zeit h�tte ich f�hig sein m�ssen, mir eine Vorstellung davon zu machen, was dort gewebt wurde, wenn es auch nur ann�hernd �hnlichkeit mit etwas hatte, das mir bekannt ist, aber das konnte ich nicht. Ich konnte das Gewebe nachempfinden, Mutter, und es ergab nicht den geringsten Sinn. �berhaupt keinen. Tats�chlich erschien es so fremd, dass es m�glicherweise gar nicht von...� Sie r�usperte sich erneut und schluckte. Ihr Gesicht verlor jegliche Farbe. �Es ist m�glicherweise nicht von einer Frau gewebt worden. Nat�rlich sind wir davon ausgegangen, dass es die Verlorenen waren, also habe ich es auf ihre Resonanz hin �berpr�ft. Wir alle haben das.� Sie drehte sich ansatzweise zu ihren Gef�hrtinnen um, um sich dann wieder eilig nach vorn zu wenden. Sie zog es eindeutig vor, Egwene anzusehen statt die Sitzenden, die sich alle begierig vorbeugten. �Ich kann nicht sagen, was man dort getan hat, abgesehen von den drei Meilen Erde, die aus dem Boden geholt wurden, oder wie es getan wurde, aber <emphasis>Saidin</emphasis> war definitiv auch im Spiel. Die Resonanz war so stark, dass wir es h�tten riechen m�ssen. Dort wurde mehr <emphasis>Saidin</emphasis> als <emphasis>Saidar</emphasis> benutzt, viel mehr, der Drachenberg im Vergleich zu einem H�gel.</p><p>Und das ist alles, was ich sagen kann, Mutter.� Ein Laut wehte durch den Pavillon, der von Schwestern angehaltene Atem, der ausgesto�en wurde. Sheriam war dabei am lautesten, aber vielleicht erschien das auch nur so, weil sie am n�chsten stand.</p><p>Egwene lie� ihre Miene zu Reglosigkeit erstarren. Die Verlorenen und ein Gewebe, das halb Tar Valon vernichten konnte. Wenn Malind die Flucht vorschlug, konnte sie dann die Schwestern dazu bringen, zu bleiben und sich dem entgegenzustellen? Konnte sie Tar Valon und die Burg und das Licht allein wusste wie viele Zehntausende von Leben im Stich lassen? �Hat jemand eine Frage?�, sagte sie schlie�lich.</p><p>�Ich habe eine�, sagte Romanda trocken. <emphasis>Ihre</emphasis> Ruhe hatte nicht einmal einen haarfeinen Riss bekommen. �Aber nicht an diese Schwestern. Wenn keiner mehr Fragen an sie hat, dann bin ich mir sicher, dass es ihnen angenehmer w�re, wenn der Saal sie nicht l�nger anstarrt.�</p><p>Einerseits stand ihr dieser Vorschlag nicht zu, andererseits konnte man dagegen auch nichts einwenden, also �bersah Egwene es. Wie sich herausstellte, hatte keiner mehr Fragen an Akarrin oder ihre Gef�hrtinnen, und Romanda bedankte sich bei ihnen �berraschend herzlich f�r ihre Bem�hungen. Was pr�zise genommen wiederum nicht ihre Sache war.</p><p>�An wen richtet sich Eure Frage?�, erkundigte sich Egwene, als sich Akarrin und die anderen f�nf zu der wachsenden Zahl an Schwestern gesellten, die sich zwischen die Kandelaber und Kohlenpfannen dr�ngten. Wie Romanda gesagt hatte, hatten sie es eilig, den Blicken des Saals zu entkommen, aber sie wollten wissen, was aus ihrer Arbeit wurde. Es fiel Egwene schwer, Sch�rfe aus ihrer Stimme herauszuhalten. Romanda tat so, als w�rde sie es nicht bemerken. Vielleicht tat sie es auch wirklich nicht.</p><p>�An Moria. Wir hatten die Verlorenen von Anfang an im Verdacht. Wir wussten, dass das, was auch immer dort geschah, sehr m�chtig war, und dass es in gro�er Entfernung geschah. Aber eigentlich haben wir nur erfahren, dass Shadar Logoth nicht mehr existiert, und dazu kann ich nur sagen, dass die Welt ohne dieses Pestloch des Schattens besser dran ist.� Sie bedachte die Blaue Schwester mit einem Blick, der viele Aes Sedai sich wie eine Novizin hatte kr�mmen lassen. �Meine Frage lautet wie folgt: Ist das f�r uns irgendwie von Bedeutung?�</p><p>�Das sollte es�, antwortete Moria und erwiderte den Blick der anderen Frau unerschrocken. Sie mochte nicht so lange Mitglied des Saals sein wie Romanda, aber Sitzende hatten zumindest theoretisch die gleiche Stellung. �Wir haben lange Zeit Vorbereitungen f�r den Fall getroffen, dass die Verlorenen gegen uns vorgehen. Jede Schwester wei�, wie sie einen Zirkel bilden muss oder sich ihm anschlie�t, wenn sie dazust��t, bis jeder Zirkel aus dreizehn Mitgliedern besteht. Jede muss aufgenommen werden, selbst die Novizinnen, sogar die neuesten.� Lelaine sah scharf zu ihr auf, aber so sehr sie Moria auch schelten wollte, geh�rten sie doch zur selben Ajah. Sie mussten zumindest den �u�eren Anschein einer gemeinsamen Front bieten. Aber die Anstrengung, den Mund zu halten, lie� Lelaines Lippen schmal werden.</p><p>Romanda kannte keine derartigen Beschr�nkungen.</p><p>�M�sst Ihr erkl�ren, was jede der hier Anwesenden bereits wei�? Wir sind diejenigen, die diese Vorbereitungen getroffen haben. Habt Ihr das vielleicht vergessen?� Diesmal war ihre Stimme schneidend. Offene Zurschaustellung von Wut war im Saal verboten, Sticheleien nicht.</p><p>Aber falls Moria sich angesprochen f�hlte, lie� sie es sich nicht anmerken, wenn man davon absah, dass sie die Stola zurechtr�ckte. �Ich muss es von Anfang an erkl�ren, weil wir nicht weit genug gedacht haben. Malind, k�nnen sich unsere Zirkel gegen das wehren, was Akarrin und Nisain beschrieben haben?�</p><p>Trotz ihres finsteren Blickes schien Malinds voller Mund stets zu einem Lachen bereit, aber sie war sehr ernst, als sie aufstand, und sie starrte jede Sitzende nacheinander an, als wollte sie ihnen ihre Worte einh�mmern. �Das k�nnen sie nicht. Selbst wenn wir die Dinge neu organisieren, sodass die st�rksten Schwestern immer im gleichen Zirkel sind � was bedeutet, dass sie zusammen leben, essen und schlafen m�ssten, wenn sie sofort einen Zirkel bilden sollen �, selbst dann w�ren wir M�use, die einer Katze gegen�berstehen. Genug M�use k�nnen selbst eine gro�e hungrige Katze �berwinden, aber nicht, bevor viele M�use tot sind. Doch wenn genug von diesen M�usen sterben, stirbt die Wei�e Burg.� Wieder wehte ein fl�sterndes Seufzen einer unsteten Brise gleich durch den Pavillon.</p><p>Es gelang Egwene, das Gesicht ausdruckslos zu halten, aber sie musste ihre F�uste zwingen, den Griff um ihre R�cke zu lockern. Was w�rden sie vorschlagen, Angriff oder Flucht? Beim Licht, wie sollte sie sich ihnen entgegenstellen?</p><p>Ob nun dieselbe Ajah oder nicht, Lelaine konnte sich nicht l�nger beherrschen. �Was schlagt Ihr vor, Moria?�, fauchte sie. �Selbst wenn wir die Burg heute noch wieder vereinigen, w�rde das nichts an den Tatsachen �ndern.� Moria l�chelte schmal, als h�tte die andere Blaue genau das gesagt, von dem sie gehofft hatte, dass es jemand zur Sprache bringen w�rde. �Wir m�ssen die Tatsachen ver�ndern. Im Augenblick ist es eine Tatsache, dass unsere st�rksten Zirkel zu schwach sind. Wir haben keine <emphasis>Angreal</emphasis>, noch weniger <emphasis>Sa'angreal</emphasis>, also k�nnen wir sie genauso gut ignorieren. Aber ich bin nicht einmal davon �berzeugt, dass es in der Burg etwas gibt, das �berhaupt einen Unterschied bewirken w�rde. Wie sollen wir nun unsere Zirkel st�rker machen? Stark genug, um eine Hoffnung zu haben, dass wir uns dem entgegenstellen k�nnen, was in Shadar Logoth geschehen ist, und es aufzuhalten. Escaralde, was habt Ihr dazu zu sagen?�</p><p>Egwene beugte sich �berrascht vor. Sie arbeiteten <emphasis>zusammen</emphasis>. Aber wozu?</p><p>Sie war nicht die Einzige, die erkannte, dass die drei Sitzenden, die den Saal zusammengerufen hatten, alle standen. Indem sie stehen geblieben waren, hatten Moria und Malind eine klare Absichtserkl�rung abgegeben. Escaralde stand wie eine K�nigin da, aber die kleine Braune schien sich der Blicke, die zwischen ihr und Malind und Moria hin und her huschten, nur allzu bewusst zu sein, den in nachdenkliche Falten gelegten Stirnen und reglosen Gesichtern. Sie zupfte zweimal an ihrer Stola herum, bevor sie sprach. Dabei klang sie, als w�rde sie vor einer Klasse dozieren, ihre Stimme war d�nn und zugleich energisch.</p><p>�Die alte Literatur ist darin ziemlich eindeutig, auch wenn sie, wie ich f�rchte, kaum gelesen wird. Sie zieht eher Staub als Leser an. Schriften, die in den fr�hesten Jahren der Burg gesammelt wurden, legen eindeutig dar, dass Zirkel im Zeitalter der Legenden nicht auf dreizehn beschr�nkt waren. Der pr�zise Mechanismus oder vielmehr das pr�zise Gleichgewicht ist unbekannt, aber es sollte keine unl�sbare Aufgabe sein, das herauszufinden. F�r diejenigen von Euch, die nicht die Zeit in der Burgbibliothek verbracht haben, die sie dort h�tten verbringen sollen, die Methode, einen Zirkel zu vergr��ern, beinhaltet...� � sie stockte zum ersten Mal und zwang sich sichtlich zum Weitersprechen � �... beinhaltet die Einbeziehung von M�nnern, die die Macht lenken k�nnen.�</p><p>Faiselle sprang auf die F��e. �Was schlagt Ihr da vor?�, rief sie aufgebracht und setzte sich sofort wieder, damit keiner auf den Gedanken kam, sie w�rde zur Unterst�tzung dastehen.</p><p>�Ich verlange, dass der Saal ger�umt wird!�, sagte Magla und stand auf. Sie kam wie Moria aus Illian, und Erregung verst�rkte ihren Akzent. �Dies ist eine Sache, die allein in einer geschlossenen Sitzung des Saals diskutiert werden sollte.� Auch sie setzte sich sofort wieder hin, als sie geendet hatte, und sa� mit finsterer Miene da, kr�mmte die breiten Schultern und �ffnete und schloss die F�uste auf den R�cken.</p><p>�Ich f�rchte, dazu ist es zu sp�t�, sagte Moria laut. Sie musste laut sprechen, um das Gemurmel der Schwestern, die aufgeregt hinter den B�nken sprachen, zu �bert�nen; es war ein Summen wie in einem Bienenkorb. �Was gesagt wurde, wurde gesagt, und es haben zu viele Schwestern geh�rt, als dass jetzt jemand versuchen k�nnte, dies ungeschehen zu machen.� Ihr Busen hob sich, als sie tief Luft holte, und sie sprach noch lauter weiter. �Ich stelle vor dem Saal den Antrag, dass wir eine �bereinkunft mit der Schwarzen Burg treffen, dass wir falls n�tig M�nner in unsere Zirkel einbringen k�nnen.� Wenn sie am Ende etwas erstickt klang, so war das kein Wunder. Nur wenige Aes Sedai konnten diesen Namen ohne Ekel oder puren Hass sagen. Die Worte trafen auf das Stimmengewirr � und sorgten f�r den Zeitraum von drei Herzschl�gen f�r absolute Stille.</p><p>�Das ist Wahnsinn!� Sheriams schriller Ruf lie� die Stille in mehrerer Hinsicht zerbrechen. Die Beh�terin der Chroniken mischte sich nicht in Diskussionen des Saals ein. Sie konnte ohne die Amyrlin den Saal nicht einmal betreten. Sheriams Wangen f�rbten sich knallrot, sie dr�ckte den R�cken durch, vielleicht um sich der unweigerlich folgenden Zurechtweisung zu stellen, vielleicht auch, um sich zu verteidigen. Aber der Saal hatte andere Dinge im Sinn, als sie zu tadeln.</p><p>Sitzende sprangen von ihren B�nken auf, gerade lange genug, um zu sprechen, zu schreien, manchmal sogar einander zu �bert�nen.</p><p>�Wahnsinn beschreibt das nicht einmal ann�hernd!�, schrie Faiselle zur selben Zeit, in der Varilin rief: �Wie k�nnen wir uns mit M�nnern <emphasis>verb�nden</emphasis>, die die Macht lenken k�nnen?�</p><p>�Diese so genannten Asha'man sind mit dem Makel behaftet!�, rief Saroiya und lie� jedes Anzeichen der ber�hmten Zur�ckhaltung der Wei�en Ajah vermissen. Sie hatte die Stola fest umkrallt und zitterte so sehr, dass die langen wei�en Fransen bebten. �Mit dem Makel des Dunklen K�nigs!�</p><p>�Allein dieser Vorschlag stellt alles in Frage, wof�r die Wei�e Burg steht�, sagte Takima grob. �Wir w�rden von jeder Frau verachtet, die sich Aes Sedai nennt, von Aes Sedai, die schon lange in ihren Gr�bern liegen!�</p><p>Magla ging so weit, unverhohlen mit der Faust zu drohen. �So etwas kann nur eine Schattenfreundin vorschlagen! Nur eine Schattenfreundin!� Die Anschuldigung lie� Moria erblassen, dann wurde sie von Zorn ergriffen selbst knallrot im Gesicht.</p><p>Egwene wusste nicht, wie sie dazu stehen sollte. Die Schwarze Burg war Rands Sch�pfung, vielleicht war sie sogar n�tig, falls �berhaupt Hoffnung bestehen sollte, die Letzte Schlacht zu gewinnen, aber die Asha'man <emphasis>waren</emphasis> M�nner, die die Macht lenken konnten, eine Sache, vor der man sich dreitausend Jahre lang gef�rchtet hatte, und sie lenkten vom Schatten beschmutztes <emphasis>Saidin</emphasis>. Rand selbst war ein Mann, der die Macht lenken konnte, doch ohne ihn w�rde der Schatten bei Tarmon Gai'don siegen. Das Licht mochte ihr beistehen, dass sie es so k�hl sah, aber es war eine bittere Wahrheit. Wie auch immer ihre Meinung war, in diesem Augenblick gerieten die Dinge au�er Kontrolle. Escaralde und Faiselle tauschten so laut sie konnten Beleidigungen aus. Offene Beleidigungen! Im Saal! Saroiya hatte die letzten Fetzen ihrer Zur�ckhaltung abgestreift und schrie Malind an, die zur�ckschrie. Es w�re ein Wunder gewesen, h�tten sie verstehen k�nnen, was die andere von sich gab, und vielleicht war es ein Segen, dass sie es nicht konnten. �berraschenderweise hatten weder Romanda noch Lelaine den Mund aufgemacht. Sie sa�en nur da und starrten einander an, ohne zu blinzeln. Vermutlich versuchte jede von ihnen den Standpunkt der anderen zu erahnen, damit sie die gegenteilige Position einnehmen konnte. Magla stieg von ihrer Bank und schritt auf Moria zu, in ihrem Blick lag ein Funkeln, als sei sie auf eine Schl�gerei aus. Kein Wortgefecht, eine Schl�gerei. Magla hatte die F�uste an den Seiten geballt. Ihre Stola rutschte unbemerkt zu Boden.</p><p>Egwene stand auf und umarmte die Quelle. Mit Ausnahme bestimmter festgelegter Funktionen war im Saal das Machtlenken verboten � ein weiterer Brauch, der auf die dunklen Tage in der Geschichte des Saals verwies �, aber sie machte ein einfaches Gewebe aus Luft und Feuer.</p><p>�Dem Saal wurde ein Antrag vorgelegt�, sagte sie und lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los. Das fiel nicht mehr so schwer wie fr�her. Es war nicht leicht, nicht einmal ann�hernd, aber es fiel nicht mehr so schwer. Eine Erinnerung an die S��e der Macht blieb, genug, um sie es bis zum n�chsten Mal aushalten zu lassen.</p><p>Von dem Gewebe verst�rkt, hallten ihre Worte wie Donnerhall durch den Pavillon. Aes Sedai zuckten zur�ck und hielten sich die Ohren zu. Die einsetzende Stille erschien unglaublich laut. Magla starrte sie erstaunt an, dann wurde ihr bewusst, dass sie auf dem halben Weg zu den B�nken der Blauen stand. Hastig eilte sie zur�ck zu ihrem Platz und hielt nur kurz inne, um die Stola vom Boden aufzuheben. Sheriam stand da und weinte offen. So laut war es doch nun sicherlich auch nicht gewesen.</p><p>�Dem Saal wurde ein Antrag vorgelegt�, wiederholte Egwene in die Stille hinein. Nach dem von der Macht verst�rkten Ruf hallte ihr die eigene Stimme in den Ohren wider. Vielleicht war es doch lauter gewesen, als sie beabsichtigt hatte. Dieses Gewebe war nie f�r den Gebrauch in geschlossenen R�umen vorgesehen gewesen, selbst wenn es sich bei den W�nden um geflicktes Segeltuch handelte.</p><p>�Was sagt Ihr zu einer Allianz mit der Schwarzen Burg, Moria?� Sie setzte sich wieder, sobald sie zu Ende gesprochen hatte. Was dachte sie dar�ber? Welche Schwierigkeiten w�rden sich f�r sie ergeben? Wie konnte sie das zu ihrem Vorteil nutzen? Mochte das Licht ihr helfen, in der Tat. Das waren die ersten Dinge, die ihr einfielen. Sie w�nschte, Sheriam w�rde die Augen trocknen und ihr R�ckgrat wieder entdecken. Sie war der Amyrlin-Sitz, und sie brauchte eine Beh�terin, keinen Waschlappen.</p><p>Es dauerte ein paar Minuten, ehe wieder Ordnung einkehrte, die Sitzenden unn�tigerweise die R�cke gl�tteten, die Blicke der anderen mieden und vor allem nicht zu den Schwestern sahen, die sich hinter den B�nken dr�ngten.</p><p>Manche Gesichter wurden von einem Rot gezeichnet, das nichts mit Zorn zu tun hatte. Sitzende schrien einander nicht an wie B�uerinnen bei der Schafschur. Und vor allem erst recht nicht vor anderen Schwestern.</p><p>�Wir haben es mit zwei scheinbar un�berwindlichen Schwierigkeiten zu tun�, sagte Moria schlie�lich. Ihre Stimme war wieder beherrscht und k�hl, aber ihre Wangen waren noch immer leicht ger�tet. �Die Verlorenen haben eine Waffe entdeckt � oder ausgegraben; h�tten sie sie schon vorher besessen, h�tten sie sie mit Sicherheit benutzt �, eine Waffe, der wir nichts entgegenzusetzen haben. Eine Waffe, bei der wir nicht mithalten k�nnen, auch wenn das Licht wei�, warum wir das �berhaupt sollten, aber was noch wichtiger ist, eine Waffe, die wir weder �berleben noch aufhalten k�nnen. Zur gleichen Zeit haben sich die... Asha'man... vermehrt wie Unkraut. Verl�ssliche Berichte besagen, dass ihre Zahl der Anzahl fast aller lebenden Aes Sedai entspricht. Selbst wenn diese Zahl �bertrieben ist, k�nnen wir uns die Annahme nicht leisten, dass sie weit �bertrieben ist. Und jeden Tag kommen mehr M�nner dazu. Die Augen-und-Ohren stimmen darin zu sehr �berein, als dass wir etwas anderes glauben k�nnen. Wir sollten diese M�nner nat�rlich aufsp�ren und d�mpfen, aber wir haben sie wegen des Wiedergeborenen Drachen ignoriert. Wir haben sie zur Seite geschoben, wollten uns sp�ter darum k�mmern. Die bittere Wahrheit ist, dass es daf�r zu sp�t sein k�nnte. Es sind zu viele. Vielleicht war es schon zu sp�t, als wir das erste Mal erfuhren, was sie taten. Wenn wir diese M�nner nicht d�mpfen k�nnen, dann m�ssen wir sie irgendwie kontrollieren. Wir m�ssen eine Vereinbarung mit der Schwarzen Burg � Allianz ist ein zu starkes Wort � in Erw�gung ziehen. Mit einer sorgf�ltig formulierten Vereinbarung k�nnen wir die ersten Schritte in die Richtung machen, die Welt vor ihnen zu besch�tzen. Wir k�nnen sie auch in unsere Zirkel bringen.�</p><p>Moria hob einen warnenden Finger und lie� den Blick �ber die B�nke schweifen, aber ihre Stimme blieb k�hl und beherrscht. Und unnachgiebig. �Wir m�ssen klarstellen, dass nur eine Schwester die Str�me vereinigt � ich schlage nicht vor, einen Mann einen Zirkel kontrollieren zu lassen!</p><p>-, aber mit M�nnern in den Zirkeln k�nnen wir sie vergr��ern. Mit dem Segen des Lichts k�nnen wir die Zirkel vielleicht genug vergr��ern, um dieser Waffe der Verlorenen entgegenzutreten. Wir t�ten zwei Hasen mit einem Stein. Aber diese Hasen sind L�wen, und wenn wir diesen Stein nicht werfen, wird einer von ihnen uns sicherlich t�ten. So einfach ist das.�</p><p>Stille kehrte ein. Ausgenommen bei Sheriam. Sie stand noch immer mit zuckenden Schultern ein paar Schritte von Egwene entfernt und schluchzte hemmungslos.</p><p>Dann seufzte Romanda tief. �Vielleicht k�nnen wir die Zirkel genug vergr��ern, um uns gegen die Verlorenen zu wehren�, sagte sie leise. In gewisser Hinsicht verlieh das ihren Worten mehr Gewicht, als wenn sie geschrien h�tte.</p><p>�Vielleicht k�nnen wir die Asha'man kontrollieren. M�glicherweise ein schwaches Wort, in jeder Beziehung.�</p><p>�Wenn man ertrinkt�, erwiderte Moria genauso leise, �dann greift man nach jedem vorbeitreibenden Ast, selbst wenn man sich nicht sicher ist, ob er einen st�tzt, bis man Halt findet. Das Wasser ist noch nicht �ber unseren K�pfen zusammengeschlagen, Romanda, aber wir ertrinken.�</p><p>Wieder trat bis auf Sheriams Geschniefe Stille ein. Hatte sie denn s�mtliche Selbstbeherrschung verloren? Andererseits zeigte keine Sitzende ein fr�hliches Gesicht, nicht einmal Moria oder Malind oder Escaralde. Es war keine angenehme Vorstellung, die sich ihnen da bot. Delanas Gesicht hatte eindeutig einen gr�nlichen Farbton angenommen. Sie sah aus, als w�rde sie sich gleich �bergeben.</p><p>Egwene erhob sich lange genug, um die erforderliche Frage zu stellen. Selbst wenn das Undenkbare vorgeschlagen wurde, musste man die Rituale befolgen. Vielleicht sogar noch mehr als sonst. �Wer spricht gegen diesen Vorschlag?�</p><p>Da gab es keinen Mangel an Sprecherinnen, allerdings hatte sich jede ausreichend beruhigt, um sich ans Protokoll zu halten. Mehrere Sitzende bewegten sich gleichzeitig, aber Magla stand als Erste auf den F��en, und die anderen setzten sich wieder ohne jede Spur von Ungeduld. Faiselle folgte Magla, und Varilin folgte Faiselle. Dann kam Saroiya und schlie�lich Takima. Jede sprach lange, Varilin und Saroiya standen kurz davor, eine der verbotenen Ansprachen zu halten, und jede sprach mit der gr��ten Eloquenz, zu der sie f�hig war. Niemand errang den Sitz einer Sitzenden, ohne nicht n�tigenfalls eloquent zu sein. Trotzdem wurde bald ersichtlich, dass sie sich wiederholten, wenn auch nur mit anderen Worten.</p><p>Die Verlorenen und ihre Waffe wurden nie erw�hnt. Die Schwarze Burg war das Thema der Sitzenden, die Schwarze Burg und die Asha'man. Die Schwarze Burg war eine faulige Stelle auf dem Antlitz der Erde, eine Bedrohung f�r die Welt, so gro� wie die Letzte Schlacht selbst. Allein schon der Name deutete eine Verbindung zum Schatten an, ganz zu schweigen davon, dass es eine eindeutige Ohrfeige f�r die Wei�e Burg war. Die so genannten Asha'man � niemand benutzte die Bezeichnung, ohne �so genannt� hinzuzuf�gen oder es mit einem h�hnischen Verziehen des Mundes zu sagen; in der Alten Sprache bedeutete das �W�chter�, und sie waren alles, nur keine W�chter �, die so genannten Asha'man waren M�nner, die die Macht lenken konnten! M�nner, die verdammt waren, vom Wahnsinn verschlungen zu werden, falls die m�nnliche H�lfte der Macht sie nicht vorher t�tete! Wahnsinnige, die die Eine Macht lenkten. Von Magla bis Takima stattete jede von ihnen sie mit jeder erdenklichen Schreckensgeschichte aus. Dreitausend Jahre Schrecken der Welt, und die Zerst�rung der Welt davor. <emphasis>Solche</emphasis> M�nner hatten die Welt zerst�rt, hatten das Zeitalter der Legenden zerst�rt und das Antlitz der Welt in eine W�ste verwandelt. Das waren die Leute, mit denen sie sich <emphasis>verb�nden</emphasis> sollten. Wenn sie das taten, w�rde man sie in jeder Nation verfluchen, und das zu Recht. Jede Aes Sedai w�rde sie verabscheuen, und das zu Recht. Das konnten sie nicht tun. Sie <emphasis>konnten</emphasis> es nicht.</p><p>Als Takima schlie�lich Platz nahm und die Stola sorgf�ltig auf den Armen drapierte, zeigte sie ein kleines, aber ziemlich zufriedenes L�cheln. Gemeinsam war es ihnen gelungen, die Asha'man noch furchterregender, noch gef�hrlicher erscheinen zu lassen als die Verlorenen und die Letzte Schlacht zusammen. Vielleicht sogar als der Dunkle K�nig selbst.</p><p>Da Egwene die rituellen Fragen begonnen hatte, musste sie sie auch beenden, und sie stand lange genug auf, um zu sagen: �Wer tritt f�r eine Vereinbarung mit der Schwarzen Burg ein?� Sie hatte nur geglaubt, dass Stille im Pavillon geherrscht hatte. Sheriam hatte sich endlich beruhigt, auch wenn auf ihren Wangen noch immer Tr�nen funkelten, aber in der Stille, die dieser Frage folgte, klang ihr Schlukken wie ein Schrei.</p><p>Takimas L�cheln gefror, als Janya aufstand, sobald Egwene die Frage beendet hatte. �Selbst ein schmaler Ast ist besser als gar kein Ast, wenn man ertrinkt�, sagte Janya.</p><p>�Ich w�rde es eher versuchen, als mich allein auf die Hoffnung zu verlassen, bevor ich untergehe.� Sie hatte die Angewohnheit zu sprechen, wenn sie es nicht sollte.</p><p>Samalin erhob sich, um neben Malind zu stehen, und pl�tzlich kam es zu einem Ansturm, Salita und Berana und Aledrin zusammen, Kwamesa tat es ihnen nur einen Augenblick sp�ter gleich. Neun Sitzende auf den F��en, und so blieb es, w�hrend sich die Momente ausdehnten. Egwene wurde sich bewusst, dass sie sich auf die Lippe biss, und h�rte schnell damit auf, in der Hoffnung, dass es niemand bemerkt hatte. Sie hoffte, dass sie sie nicht blutig gebissen hatte. Nicht, dass jemand sie ansah. Jeder schien den Atem anzuhalten.</p><p>Romanda schaute stirnrunzelnd zu Salita hoch, die mit grauem Gesicht und bebenden Lippen starr geradeaus starrte. Die Schwester aus Tear mochte nicht in der Lage sein, ihre Furcht zu verbergen, aber sie w�rde den eingeschlagenen Weg weitergehen. Romanda nickte langsam und stand schockierenderweise auf. Auch sie entschied sich, die Regeln zu verletzen. �Manchmal�, sagte sie und schaute Lelaine direkt an, �m�ssen wir Dinge tun, die wir lieber nicht tun w�rden.�</p><p>Lelaine erwiderte den Blick der grauhaarigen Gelben, ohne zu blinzeln. Ihr Gesicht h�tte aus Porzellan sein k�nnen. Ihr Kinn hob sich kaum merklich. Und pl�tzlich stand sie auf und sah Lyrelle ungeduldig an, die sie kurz anstarrte, bevor auch sie sich erhob.</p><p>Alle starrten sie an. Niemand machte einen Laut. Es war geschehen.</p><p>Jedenfalls fast. Egwene r�usperte sich und versuchte Sheriams Aufmerksamkeit zu erregen. Der n�chste Teil war Aufgabe der Beh�terin, aber Sheriam stand da, rieb sich mit den Fingern Tr�nen von den Wangen und lie� den Blick �ber die B�nke schweifen, als w�rde sie z�hlen, wie viele Sitzende standen, und hoffen, dass sie sich verz�hlt hatte. Egwene r�usperte sich lauter, und die Frau zuckte zusammen und starrte sie an. Und selbst dann schien es eine Ewigkeit zu dauern, bevor sie sich wieder auf ihre Pflicht besann.</p><p>�Da die einfache Mehrheit steht�, verk�ndete sie mit unsicherer Stimme, �wird der Versuch in die Wege geleitet, zu einer Vereinbarung mit der... Schwarzen Burg zu kommen.� Sie holte tief Luft, richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf, und ihre Stimme gewann an Kraft. Sie war wieder auf vertrautem Boden. �Im Interesse der Einheit bitte ich darum, dass die gro�e Mehrheit aufsteht.�</p><p>Das war ein m�chtiger Aufruf. Selbst bei Angelegenheiten, die von der einfachen Mehrheit entschieden werden konnten, wurde Einigkeit immer bevorzugt, und man arbeitete darauf hin. Es konnten stundenlange Diskussionen, sogar tagelange erforderlich sein, um das zu erreichen, aber die Bem�hungen w�rden nicht aufh�ren, bis jede Sitzende zustimmte oder es so klar wie Quellwasser war, dass es zu keiner Einigung kommen konnte. Ein m�chtiger Aufruf, einer, der jede Schwester ansprach. Delana erhob sich wie eine Marionette, die man gegen ihren Willen in die H�he zog, und sah sich fragend um.</p><p>�Ich kann daf�r nicht eintreten�, sagte Takima gegen jede Ordnung. �Ganz egal, was jemand sagt, ganz egal, wie lange wir sitzen, ich kann es nicht tun, und ich werde es auch nicht tun! Ich � werde � es � nicht � tun!�</p><p>Auch sonst stand niemand auf. O ja, Faiselle rutschte auf ihrer Bank herum, machte Anstalten aufzustehen, r�ckte ihre Stola zurecht, zuckte erneut, als wollte sie aufstehen. Das war so nahe dran, wie jede herankam. Saroiya biss sich mit entsetztem Gesichtsausdruck in den Handr�cken, und Varilin sah aus wie eine Frau, der man einen Hammer zwischen die Augen geschlagen hatte. Magla ergriff die Enden ihrer Bank, hielt sich fest und starrte tr�bsinnig auf den Teppich vor ihr. Offensichtlich war sie sich des finsteren Blicks bewusst, den Romanda auf ihren Nacken richtete, aber ihre einzige Erwiderung bestand darin, die Schultern zu kr�mmen.</p><p>Takima h�tte die Letzte sein sollen. Es war sinnlos, die gro�e Mehrheit zu suchen, wenn jemand deutlich gemacht hatte, dass er daf�r nie eintreten w�rde. Aber Egwene entschied sich zu ihrem eigenen Bruch mit der Ordnung und den Regeln. �Gibt es eine, die der Meinung ist, wegen dieser Sache ihren Sitz verlassen zu m�ssen?�, fragte sie mit lauter und klarer Stimme.</p><p>Vielfaches Keuchen erf�llte den Pavillon, aber sie hielt den Atem an. Das konnte sie vernichten, aber es war besser, es jetzt in aller �ffentlichkeit auszutragen, wenn es das sein sollte, was daraus entstand. Saroiya starrte sie wild an, aber niemand regte sich.</p><p>�Dann werden wir es tun�, verk�ndete sie. �Vorsichtig. Es wird Zeit brauchen, um festzulegen, welche Schwestern zur Schwarzen Burg gehen sollen und was sie sagen sollen.� Zeit, in der sie ein paar Sicherungen einbauen konnte. Hoffentlich. Beim Licht, sie w�rde sich zerrei�en m�ssen, um das zu bew�ltigen. �Als Erstes, gibt es Vorschl�ge f�r unsere... Gesandtschaft?�</p></section><section><title><p>20</p><p>In der Nacht</p></title><p>Lange vor dem Ende der Sitzung war Egwenes Hintern trotz des unter ihr zusammengefalteten Umhangs von dem harten Sitz ganz taub. Nachdem sie der endlosen Debatte zugeh�rt hatte, w�nschte sie sich, f�r ihre Ohren w�rde das Gleiche gelten. Sheriam, die gezwungen war, zu stehen, hatte angefangen mit den F��en zu scharren, als w�rde sie sich ebenfalls einen Stuhl w�nschen. Oder sich auf den Teppich setzen zu k�nnen. Egwene h�tte gehen und sich und Sheriam aus dieser misslichen Lage befreien k�nnen. Die Amyrlin musste nicht bleiben, bestenfalls h�rte man ihren Ansichten h�flich zu. Danach galoppierte der Saal in seine eigene Richtung. Das hatte nichts mit dem Krieg zu tun, und da sie die Trense zwischen den Z�hnen hatte, w�rde der Saal nicht zulassen, dass sie die Z�gel in die Hand bekam. Sie h�tte jederzeit gehen k�nnen � mit einer kurzen Unterbrechung in den Diskussionen f�r das erforderliche Zeremoniell � aber wenn sie das tat, bef�rchtete sie, dass man ihr am n�chsten Morgen einen voll ausgereiften Plan �bergab, einen, den die Sitzenden bereits ausf�hrten, und sie w�rde nicht die geringste Ahnung von dem haben, was da auf sie zukam, bis sie es las. Zumindest war das anfangs ihre Bef�rchtung.</p><p>Es war keine �berraschung, wer am l�ngsten sprach, das konnte man wirklich nicht behaupten. Magla und Saroiya, Takima und Faiselle und Varilin, jede von ihnen �rgerte sich sichtlich, wenn eine andere Sitzende das Wort hatte. Oh, sie akzeptierten die Entscheidung des Saals, zumindest gaben sie sich den Anschein. Ihnen blieb nichts anderes �brig, es sei denn, sie w�ren von ihren Sitzen zur�ckgetreten; aber so sehr der Saal auch willens war, n�tigenfalls um den Konsens zu streiten, sobald man sich f�r eine Vorgehensweise entschieden hatte, egal, mit welcher Mehrheit, dann wurde von jeder erwartet, sich daran zu halten oder sie zumindest nicht zu behindern. Das war der Schwachpunkt. Was genau stellte eine Behinderung dar? Nat�rlich stellte sich keine der f�nf gegen eine Sitzende der eigenen Ajah, aber die anderen vier sprangen auf, wenn eine Sitzende wieder ihren Platz einnahm, und alle f�nf, wenn die Sitzende zu den Blauen geh�rte. Und wer auch immer das Wort hatte, erkl�rte mit gro�er �berredungskunst, warum die Vorschl�ge der Vorg�ngerin v�llig falsch waren und in die Katastrophe f�hrten. Nicht dass es irgendwelche Anzeichen f�r heimliche Absprachen gab, soweit es Egwene beurteilen konnte. Sie betrachteten einander genauso misstrauisch wie alle anderen auch, wenn nicht sogar noch misstrauischer; offensichtlich hatten sie nicht das geringste Vertrauen, dass eine der anderen ihre Argumente ordentlich vorbrachte.</p><p>Nur wenig von dem, was vorgeschlagen wurde, kam auch nur in die N�he allgemeiner Zustimmung. Die Sitzenden konnten sich nicht einigen, wie viele Schwestern man zur Schwarzen Burg schicken sollte und wie viele von jeder Ajah, wann man diese Schwestern schicken sollte, wobei sie verlangen sollten, was sie zustimmen durften und was sie strikt ablehnen mussten. In einer so heiklen Angelegenheit konnte jeder Fehler in einer Katastrophe m�nden.</p><p>Dar�ber hinaus betrachtete sich mit Ausnahme der Gelben jede Ajah als geradezu einzigartig dazu qualifiziert, die F�hrung der Mission zu �bernehmen, von Kwamesas beharrlicher Meinung, dass das Ziel darin bestand, eine Art Vertrag auszuhandeln, bis zu Escaraldes Behauptung, dass historisches Wissen eine unerl�ssliche Voraussetzung f�r ein so unerh�rtes, noch nie zuvor da gewesenes Unterfangen war. Berana wies sogar darauf hin, dass eine Vereinbarung dieser Natur nur auf rationale Weise zustande kommen durfte; der Umgang mit den Asha'man musste Leidenschaften entflammen, und alles au�er kalter Logik w�rde auf der Stelle zu einer Katastrophe f�hren. Tats�chlich wurde sie sehr emotional, was das anging. Romanda wollte, dass die Gruppe von einer Gelben angef�hrt wurde, aber da es kaum den Anschein hatte, dass eine gro�e Notwendigkeit f�r irgendwelches Heilen bestehen w�rde, konnte sie schlie�lich nur noch stur darauf beharren, dass jedermann vom speziellen Interesse seiner Ajah beeinflusst werden und dar�ber vergessen konnte, was er tat.</p><p>Sitzende derselben Ajah unterst�tzten einander nur so weit, dass sie einander nicht offen widersprachen, und keine zwei Ajahs waren �ber den Punkt hinaus, dass sie zugestimmt hatten, eine Gesandtschaft zur Schwarzen Burg zu schicken und bereit waren, miteinander zusammenzuarbeiten. Ob man es Gesandtschaft nennen sollte, blieb ungekl�rt, selbst bei jenen, die am Anfang daf�r gewesen waren. Moria selbst schien von der Vorstellung entsetzt zu sein.</p><p>Egwene war nicht die Einzige, die das st�ndige Hin und Her erm�dend fand, dass alles so kleingehackt wurde, bis nichts mehr �brig blieb und alles von vorn begonnen werden musste. Hinter den B�nken gingen die ersten Schwestern. Andere ersetzten sie und verschwanden dann wieder, um ein paar Stunden sp�ter zur�ckzukehren. Als Sheriam das rituelle �Geht nun ins Licht� aufsagte, war die Nacht hereingebrochen und au�er Egwene und den Sitzenden � von denen einige so zusammengesunken waren, als h�tte man sie wie feuchte Laken durch die Mangel gedreht � nur noch ein paar Dutzend Schwestern anwesend. Und es war nichts entschieden worden, au�er dass weitere Beratungen n�tig waren, bevor etwas entschieden werden konnte.</p><p>Drau�en hing ein blasser Halbmond am samtschwarzen, sternengesprenkelten Firmament, und es war bitterkalt. Egwenes Atem verwandelte sich in der Dunkelheit in wei�en Nebel, als sie l�chelnd den Saal verlie� und h�rte, wie hinter ihr die Sitzenden auseinander gingen und einige noch immer diskutierten. Romanda und Lelaine gingen zusammen, aber die klare hohe Stimme der Gelben n�herte sich gef�hrlich dem Schreien, und die Blaue war auch nicht weit davon entfernt. Sie stritten f�r gew�hnlich, wenn sie gezwungen waren, sich in der Gesellschaft der anderen aufzuhalten, aber es war das erste Mal, dass Egwene erlebt hatte, dass sie sich dazu entschieden, obwohl sie es nicht mussten. Sheriam bot halbherzig an, die Berichte �ber die Wagenreparaturen und das Futter zu holen, um die sie am Morgen gebeten hatte, aber die Frau machte sich nicht die M�he, ihre Erleichterung zu verbergen, als Egwene sie ins Bett schickte. Mit einem hastigen Knicks zog sie den Umhang enger und eilte in die Nacht. Die meisten Zelte waren dunkel, Schatten im Mondlicht. Nur wenige Schwestern blieben nach Einbruch der Dunkelheit noch auf. Es gab nie genug Lampen�l und Kerzen.</p><p>F�r den Augenblick kam Egwene die Verz�gerung sehr gelegen, aber das war nicht der einzige Grund f�r ihr L�cheln. Irgendwann in dem ganzen Streit waren ihre Kopfschmerzen verschwunden. Sie w�rde nicht die geringsten Schwierigkeiten haben, diese Nacht einzuschlafen. Halima sorgte stets f�r Linderung, aber nach ihren Massagen waren Egwenes Tr�ume immer beunruhigend. Nun ja, wenige ihrer Tr�ume waren unbeschwert, aber diese waren finsterer als andere, und seltsamerweise konnte sie sich nie an mehr erinnern, als dass sie finster und beunruhigend waren. Zweifellos kam beides von den verbliebenen Schmerzen, die Halimas Finger nicht erreichen konnten, aber das Letztere war f�r sich genommen sehr beunruhigend. Sie hatte gelernt, sich an jeden Traum zu erinnern. Sie musste sich an jeden Traum erinnern. Doch ohne Kopfschmerzen w�rde sie heute Nacht keine Probleme haben, und Tr�umen war das Letzte, was sie zu tun hatte.</p><p>Wie der Saal und ihr Studierzimmer stand auch ihr Zelt auf einer kleinen Lichtung und verf�gte �ber sein eigenes St�ck h�lzernen Gehweg; die n�chsten Zelte standen ein Dutzend Spannen weit entfernt, um der Amyrlin etwas Abgeschiedenheit zu gew�hren. Zumindest war das die Erkl�rung f�r den Abstand. M�glicherweise war das mittlerweile sogar die Wahrheit. Egwene al'Vere war mit Sicherheit nicht l�nger zu vernachl�ssigen. Das Zelt war nicht gro�, nicht ganz vier Schritte die Seite, und es war ziemlich voll gestellt; an der einen Wand standen vier mit Messingreifen versehene Truhen voller Kleidung, dann gab es zwei Pritschen und einen winzigen runden Tisch, ein bronzenes Kohlebecken, ein Waschstand, einen Standspiegel und einen der wenigen richtigen St�hle, die es im Lager gab. Als einfaches M�belst�ck mit ein paar einfachen Schnitzereien nahm es viel zu viel Platz ein, aber er war bequem und ein gro�er Luxus, wenn sie die F��e unterschlagen und lesen wollte. Wenn sie die Zeit hatte, etwas zum Vergn�gen zu lesen. Die zweite Pritsche geh�rte Halima, und sie war �berrascht, dass die Frau nicht bereits auf sie wartete. Aber das Zelt war nicht leer.</p><p>�Ihr habt nur etwas Brot zum Fr�hst�ck gegessen, Mutter�, sagte Chesa in leicht vorwurfsvollem Tonfall, als sich Egwene durch die Eingangsplane duckte. Egwenes Leibdienerin, die in ihrem einfachen grauen Kleid fast schon dick wirkte, sa� auf dem Hocker des Zelts und stopfte beim Licht einer �llampe Str�mpfe. Sie war eine h�bsche Frau, mit einer Spur Grau im Haar, und manchmal hatte es den Anschein, als w�re Chesa schon immer in ihrem Gefolge gewesen statt erst seit Salidar. Auf jeden Fall nahm sie sich alle Freiheiten einer alten Dienerin heraus, einschlie�lich dem Recht, sie zu schelten. �Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, habt Ihr heute Mittag nichts gegessen�, fuhr sie fort und hielt einen schneewei�en Seidenstrumpf hoch, um den Flicken zu �berpr�fen, den sie an der Ferse machte, �und Euer Abendessen ist vor mindestens einer Stunde auf dem Tisch kalt geworden. Mich hat ja niemand gefragt, aber wenn es jemand t�te, w�rde ich sagen, dass Eure Kopfschmerzen davon kommen, dass Ihr nichts esst. Ihr seid viel zu d�rr.�</p><p>Und damit legte sie den Strumpf in ihr N�hk�rbchen und stand auf, um Egwenes Umhang zu nehmen. Und auszurufen, dass Egwene so kalt wie Eis war. Ihrer Meinung nach ein weiterer Grund f�r die Kopfschmerzen. Aes Sedai ignorierten eisige K�lte oder dampfende Hitze, aber der K�rper sp�rte sie dennoch. Folglich war es am besten, sich warm anzuziehen. Und rote Unterhemden zu tragen. Jeder wusste, dass Rot am w�rmsten war. Essen half auch. Ein leerer Magen f�hrte immer dazu, dass man fror. Man hatte noch nie beobachten k�nnen, dass sie fror. Oder?</p><p>�Danke, Mutter�, sagte Egwene leichthin, was ein leises, geschnaubtes Lachen ausl�ste. Und einen schockierten Blick. Trotz aller Freiheiten, die sich Chesa herausnahm, war sie eine Pedantin, die Aledrin locker erscheinen lie�. Jedenfalls im Geiste, und oft auch in der Tat. �Dank Eurem Tee habe ich heute keine Kopfschmerzen.� Vielleicht war es der Tee gewesen. So widerw�rtig er auch schmeckte, war er auch nicht schlimmer, als eine Sitzung des Saals zu ertragen, die l�nger als einen halben Tag dauerte. �Und ich bin wirklich nicht besonders hungrig.�</p><p>Nat�rlich ging das nicht so einfach. Die Beziehung zwischen Herrin und Dienerin war niemals einfach. Man lebte im �rmel des anderen, und sie erlebte einen in den schlimmsten Augenblicken, kannte alle Fehler und Schw�chen. So etwas wie Ungest�rtheit vor seiner Leibdienerin gab es nicht. Chesa murrte die ganze Zeit kaum h�rbar vor sich hin, w�hrend sie Egwene beim Ausziehen half. Als Egwene dann am Ende in einen Morgenmantel geh�llt war � nat�rlich aus roter Seide, die an den R�ndern mit murandianischer Spitze abgesetzt und mit Sommerblumen bestickt war; ein Geschenk von Anaiya �, lie� sie zu, dass die Dienerin das Leinentuch wegzog, das das Tablett auf dem kleinen runden Tisch bedeckte.</p><p>Der Linseneintopf in der Schale war eine erstarrte Masse, aber etwas Machtlenken �nderte das, und mit dem ersten L�ffel entdeckte Egwene, dass sie doch Appetit hatte.</p><p>Sie a� alles auf, auch das St�ck blauge�derten K�se, die etwas verschrumpelten Oliven und die beiden knusprigen braunen Br�tchen, obwohl sie aus beiden Kornk�fer pulen musste. Da sie nicht sofort einschlafen wollte, trank sie nur einen Becher von dem gew�rzten Wein, der ebenfalls aufgew�rmt werden musste und darum etwas bitter war, aber Chesa strahlte zustimmend, als h�tte sie das Tablett geleert. Ein Blick auf das Geschirr, das bis auf die Olivenkerne und ein paar Kr�mel geleert war, machte ihr bewusst, dass sie es tats�chlich getan hatte.</p><p>Sobald sie auf ihrer schmalen Pritsche lag, zwei weiche Wolldecken und ein Federbett bis ans Kinn gezogen, nahm Chesa das Tablett, blieb aber am Zelteingang stehen. �Soll ich zur�ckkommen, Mutter? Falls Ihr wieder Kopfschmerzen bekommt... Nun, diese Frau hat Gesellschaft gefunden, sonst w�re sie l�ngst hier.� In den Worten �diese Frau� lag offene Verachtung. �Ich k�nnte Euch noch eine Kanne Tee kochen. Ich habe ihn von einem Marketender, der behauptete, er w�re bei Kopfschmerzen unschlagbar. Und auch bei Magenschmerzen und Gelenkschmerzen.�</p><p>�Haltet Ihr sie wirklich f�r ein leichtes M�dchen, Chesa?�, murmelte Egwene. Unter den Decken war es schon warm, und sie f�hlte sich schl�frig. Aber sie wollte noch nicht schlafen. Kopf und Glieder und Magen? Nynaeve h�tte sich krankgelacht, h�tte sie das geh�rt. Vielleicht waren es doch all diese unaufh�rlich redenden Schwestern gewesen, die ihre Kopfschmerzen vertrieben hatten. �Halima flirtet, aber ich glaube nicht, dass sie jemals weitergegangen ist.�</p><p>Einen Augenblick lang schwieg Chesa und sch�rzte die Lippen. Schlie�lich sagte sie: �Sie fl��t mir... Unbehagen ein, Mutter. Da ist etwas an Halima, das nicht stimmt. Ich f�hle es jedes Mal in ihrer Gegenwart. Es ist so, als w�rde sich jemand hinter mir anschleichen, oder ich w�rde bemerken, dass mir ein Mann beim Baden zusieht, oder...� Sie lachte, aber es war ein unbehaglicher Laut. �Ich wei� nicht, wie ich es beschreiben soll. Es stimmt eben etwas nicht.�</p><p>Egwene seufzte und schmiegte sich tiefer unter die Dekken. �Gute Nacht, Chesa.� Sie griff kurz nach der Macht und l�schte die Lampe. �Ihr schlaft heute in Eurem eigenen Zelt.� Halima w�rde sich vielleicht aufregen, wenn sie kam und jemand anderen auf ihrer Pritsche vorfinden w�rde. Hatte die Frau <emphasis>wirklich</emphasis> einem Mann den Arm gebrochen? Der Mann <emphasis>musste</emphasis> sie irgendwie provoziert haben.</p><p>Sie wollte Tr�ume in dieser Nacht, unbeschwerte Tr�ume � zumindest Tr�ume, an die sie sich erinnern konnte; nur wenige ihrer Tr�ume h�tte man als unbeschwert bezeichnen k�nnen �, aber zuerst musste sie eine andere Art von Traum betreten, und was das anging, war es einige Zeit her, dass sie daf�r hatte schlafen m�ssen. Sie brauchte auch keines der <emphasis>Ter'angreale</emphasis>, die der Saal so besch�tzte. In eine leichte Trance hin�berzugleiten fiel nicht schwerer, als sich dazu zu entscheiden, vor allem so m�de, wie sie war, und...</p><p>... k�rperlos schwebte sie in endloser Finsternis, die von einem endlosen Lichtermeer umgeben war, einem gewaltigen Strudel winziger Lichtpunkte, die heller strahlten als die Sterne in der klarsten Nacht und die zahlreicher als alle Sterne waren. Das waren die Tr�ume aller Menschen auf der Welt, der Menschen aller Welten, die es gab oder geben konnte, Welten, die so seltsam waren, dass sie sie nicht einmal ann�hernd verstehen konnte, und sie alle waren hier in der winzigen L�cke zwischen dem <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> und der wachen Welt zu sehen, dem unendlichen Raum zwischen der Wirklichkeit und den Tr�umen. Einige dieser Tr�ume erkannte sie auf den ersten Blick. Sie sahen alle gleich aus, dennoch kannte sie sie so genau wie die Gesichter ihrer Schwestern. Manche mied sie. Rands Tr�ume waren immer abgeschirmt, und sie bef�rchtete, er w�rde es wissen, wenn sie einen Blick darauf zu werfen versuchte. Der Schild w�rde sowieso verhindern, dass sie etwas sah. Schade, dass sie anhand der Tr�ume nicht feststellen konnte, wo sich die Person gerade befand hier konnten zwei Lichtpunkte direkt nebeneinander liegen, dabei waren die Tr�umer tausend Meilen voneinander entfernt. Gawyns Tr�ume zogen an ihr, und sie floh. Seine Tr�ume bargen eigene Gefahren, nicht zuletzt deshalb, weil ein Teil von ihr darin versinken wollte. Nynaeves Tr�ume lie�en sie innehalten und weckten in ihr den Wunsch, dieser n�rrischen Frau die Furcht vor dem Licht einzubl�uen, aber bis jetzt war es Nynaeve gelungen, sie zu ignorieren, und Egwene w�rde nicht so weit sinken, sie gegen ihren Willen im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hinzuziehen. So etwas taten nur die Verlorenen. Aber es war eine Versuchung.</p><p>Sie bewegte sich, ohne sich zu bewegen, und suchte nach bestimmten Tr�umern. Zumindest einen von zweien; beide w�rden es tun. Die Lichter schienen um sie herumzuwirbeln, sie rasten so schnell an ihr vorbei, dass sie zu Streifen verschwammen, w�hrend sie reglos im Sternenmeer schwebte. Sie hoffte, dass zumindest einer von denen, die sie suchte, bereits schlief. Das Licht wusste, dass es f�r jeden sp�t genug war. Sich vage ihres eigenen K�rpers in der wachen Welt bewusst f�hlte sie, wie sie g�hnte und unter den Decken die Beine anzog.</p><p>Dann entdeckte sie den Lichtpunkt, den sie suchte, und er wuchs in ihrer Sicht, als er auf sie zuraste, von einem Stern am Himmel zum Vollmond zu einer schimmernden Mauer, die ihr Blickfeld ausf�llte und wie ein lebendes Etwas pulsierte. Nat�rlich ber�hrte sie sie nicht; das konnte bei diesem Tr�umer zu allen m�glichen Komplikationen f�hren. Au�erdem w�re es peinlich gewesen, zuf�llig in den Traum einer anderen Person zu geraten. Sie griff mit ihrem Willen �ber den haarfeinen Raum, der zwischen ihr und dem Traum bestehen blieb, und sprach vorsichtig, damit man es nicht als Schrei h�ren w�rde. Sie hatte keinen K�rper, keinen Mund, und doch sprach sie.</p><p>ELAYNE, HIER SPRICHT EGWENE. TRIFF MICH AM �BLICHEN ORT. Sie glaubte nicht, dass jemand sie belauschen konnte, nicht, ohne dass sie es erfuhr, aber es war unn�tig, sinnlose Risiken einzugehen.</p><p>Das stecknadelkopfgro�e Licht erlosch. Elayne war erwacht. Aber sie w�rde sich erinnern und wissen, dass die Stimme nicht nur ein Teil ihres Traums gewesen war.</p><p>Egwene bewegte sich... seitlich. Oder vielleicht war es auch eher wie ein Schritt, den sie angefangen und nicht zu Ende gef�hrt hatte. Es f�hlte sich wie beides an. Sie bewegte sich und...</p><p>... stand in einem kleinen Raum, der bis auf einen zerschrammten Holztisch und drei St�hle mit hohen Lehnen leer war. Die beiden Fenster zeigten drau�en tiefe Nacht, dennoch war da ein seltsames Licht, das sich vom Mondschein oder Lampenlicht oder Sonnenlicht unterschied. Es schien von nirgendwoher zu kommen; es war einfach da. Es reichte mehr als nur aus, um den sch�bigen kleinen Raum deutlich zu sehen. Die staubige Wandt�felung war von K�fern durchl�chert, zerbrochene Scheiben in den Fenstern hatten dem Schnee erlaubt, sich auf Zweige und abgestorbene Bl�tter zu legen. Jedenfalls lag manchmal Schnee auf dem Boden, und manchmal Zweige und Bl�tter. Tisch und St�hle blieben, wo sie waren, aber wenn Egwene wegsah, konnte der Schnee verschwunden sein, wenn sie wieder hinblickte, und Zweige und Bl�tter lagen an anderen Orten, als h�tte sie der Wind verstreut. Sie ver�nderten sich sogar, w�hrend sie hinsah, waren einfach hier und dann da. Das schien ihr genauso wenig seltsam vorzukommen wie das Gef�hl der unsichtbaren beobachtenden Augen. Nichts davon war tats�chlich real, so waren die Dinge im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> eben. Eine Widerspiegelung der Realit�t und ein Traum, alles durcheinander geworfen.</p><p>Alles in der Welt der Tr�ume f�hlte sich leer an, aber dieser Raum hatte die nagende Leere, die nur von einem Ort kommen konnte, der in der wachen Welt verlassen war. Vor nicht einmal so vielen Monaten war dieser kleine Raum das Studierzimmer der Amyrlin gewesen, das Gasthaus, in dem es sich befand, hatte man die �Kleine Burg� genannt, und das Dorf namens Salidar, das man dem wuchernden Wald wieder entrissen hatte, war das Herz des Widerstands gegen Elaida gewesen. W�re sie jetzt nach drau�en gegangen, h�tte sie Sch�sslinge gesehen, die sich mitten auf der Stra�e durch den Schnee schoben, Stra�en, die man auf so m�hsame Weise instand gesetzt hatte. Noch immer Reisten Schwestern nach Salidar, um die Taubenh�hlen zu besuchen, von der Furcht getrieben, dass eine von ihren Augen-und-Ohren geschickte Brieftaube in die falschen H�nde geraten konnte, aber das galt nur f�r die wache Welt. Hier zu den Taubenh�hlen zu gehen w�rde so sinnlos sein wie der Wunsch, dass einen die Tauben wunderbarerweise fanden. Zahme Tiere schienen in der Welt der Tr�ume keine Widerspiegelungen zu haben, und nichts, was hier geschah, konnte die wache Welt ber�hren. Schwestern, die Zugang zu den Traum-<emphasis>Ter'angrealen</emphasis> hatten, besuchten andere Orte als ein verlassenes Dorf in Altara, und mit Sicherheit hatte keine einen Grund, um in diesen Traum zu kommen. Das war einer der Orte in der Welt, an dem Egwene sicher sein konnte, von niemandem �berrascht zu werden. Bei zu vielen anderen stellte sich heraus, dass es Lauscher gab. Oder sie fl��ten einem tiefe Traurigkeit ein. Sie hasste es, sich ansehen zu m�ssen, was aus den Zwei Fl�ssen geworden war, seit sie sie verlassen hatte.</p><p>W�hrend sie auf Elayne wartete, versuchte sie, ihre Ungeduld zu z�geln. Elayne war keine Traumg�ngerin; sie musste ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> benutzen. Und sie w�rde zweifellos Aviendha Bescheid sagen wollen, wo sie hinging. Doch als sich die Minuten in die L�nge zogen, schritt Egwene gereizt auf den groben Bodendielen auf und ab. Hier verging die Zeit anders. Eine Stunde im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> konnte Minuten in der wachen Welt sein, aber auch genau umgekehrt. Elayne konnte sich wie der Wind bewegen. Egwene �berpr�fte ihre Kleidung, ein graues Reitgewand mit aufw�ndiger gr�ner Stickerei auf dem Oberteil und breiten Streifen auf den abgen�hten R�cken � hatte sie an die Gr�ne Ajah gedacht? �, ein einfaches Silbernetz f�r die Haare. Die lange, schmale Stola der Amyrlin hing um ihren Hals. Sie lie� sie verschwinden, dann lie� sie sie einen Moment sp�ter wieder erscheinen. Sie musste sie nur zur�ckkommen lassen, nicht bewusst an sie denken. Die Stola war jetzt ein Teil dessen, wie sie sich selbst sah und sie musste als Amyrlin mit Elayne sprechen.</p><p>Die Frau, die schlie�lich in der Kammer erschien, war aber nicht Elayne, sondern Aviendha, die �berraschenderweise mit Silber bestickte blaue Seide mit wei�er Spitze am Kragen und an den �rmeln trug. Der schwere Armreif aus geschnitztem Elfenbein an ihrem Handgelenk schien genauso wenig zu diesem Kleid zu passen wie das <emphasis>Traum</emphasis>-<emphasis>Ter'angreal</emphasis>, das von einer Lederschnur um ihren Hals baumelte, ein seltsamer, in sich verdrehter Steinring mit farbigen Flecken.</p><p>�Wo ist Elayne?�, fragte Egwene besorgt. �Geht es ihr gut?�</p><p>Die Aiel schaute �berrascht an sich herunter, dann trug sie pl�tzlich einen dunklen, schweren Rock und eine wei�e Bluse, ein dunkles Schultertuch lag um ihre Arme, und ein dunkles, zusammengefaltetes Tuch war um ihre Schl�fen gebunden und hielt das r�tliche Haar, das ihr nun bis zur Taille reichte, l�nger als im echten Leben, wie Egwene vermutete. In der Welt der Tr�ume war alles ver�nderbar. Eine silberne Kette erschien um ihren Hals, komplizierte Str�nge aus kunstvoll bearbeiteten Scheibchen, die die Kandori Schneeflocken nannten, ein Geschenk von Egwene, das, wie es ihr vorkam, vor langer Zeit �berreicht worden war. �Sie konnte das hier nicht zum Funktionieren bringen�, sagte Aviendha, und der Armreif rutschte auf ihrem Handgelenk, als sie den verdrehten Ring ber�hrte, der noch immer an seinem Lederband hing, jetzt nur �ber der Kette. �Die Str�me entgleiten ihr. Es sind die Babys.� Pl�tzlich grinste sie. Ihre smaragdgr�nen Augen leuchteten fast. �Manchmal hat sie ein gro�artiges Temperament. Sie hat den Ring zu Boden geworfen und ist darauf herumgesprungen.�</p><p>Egwene schnaubte. Babys? Also w�rde es mehr als nur eines geben. Seltsamerweise schien es Aviendha nicht zu st�ren, dass Elayne schwanger war, obwohl Egwene davon �berzeugt war, dass die Frau ebenfalls in Rand verliebt war. Die Sitten der Aiel waren seltsam, um es h�flich auszudr�cken. Aber von Elayne h�tte Egwene das nicht gedacht! Und Rand! Niemand hatte gesagt, dass er der Vater war, und sie konnte kaum eine solche Frage stellen, aber sie konnte z�hlen, und sie bezweifelte doch <emphasis>sehr</emphasis>, dass Elayne das Bett mit einem anderen Mann geteilt h�tte. Sie wurde sich bewusst, dass sie dunkle, schwere Wolle trug und ein Schultertuch, das viel dicker als Aviendhas war. Tracht von den Zwei Fl�ssen. Die Art Kleidung, die eine Frau tragen w�rde, wenn sie im Frauenkreis sitzen w�rde. Zum Beispiel, wenn sich irgendein dummes M�dchen hatte schw�ngern lassen und keine Anstalten zur Heirat machte. Ein tiefer, entspannender Atemzug, und sie trug wieder ihr gr�n besticktes Reitgewand. Der Rest der Welt war nicht wie die Zwei Fl�sse. Beim Licht, sie war weit genug herumgekommen, um das zu wissen. Es musste ihr nicht gefallen, aber sie w�rde damit leben m�ssen.</p><p>�Solange es ihr und den... Babys gut geht.� Beim Licht, wie viele denn? Mehr als eines konnte Probleme verursachen. Nein, sie w�rde nicht fragen. Elayne hatte sicher die beste Hebamme von ganz Caemlyn. Es war besser, schnell das Thema zu wechseln. �Habt ihr von Rand geh�rt? Oder Nynaeve? Ich habe mit ihr zu reden. Wie kann sie einfach so mit ihm verschwinden?�</p><p>�Wir haben von keinem von ihnen etwas geh�rt�, erwiderte Aviendha und richtete ihr Schultertuch so sorgf�ltig wie jede Aes Sedai, die dem Blick ihrer Amyrlin auswich. Klang nicht auch ihr Ton vorsichtig?</p><p>Egwene schnalzte mit der Zunge, ver�rgert �ber sich selbst. Sie fing wirklich an, �berall Verschw�rungen zu sehen und jeden zu verd�chtigen. Rand war untergetaucht, das war alles. Nynaeve war Aes Sedai, sie konnte tun, was sie wollte. Selbst wenn die Amyrlin einen Befehl aussprach, fanden Aes Sedai oft eine M�glichkeit, dennoch genau das zu tun, was sie tun wollten. Aber die Amyrlin w�rde Nynaeve al'Meara trotzdem auf ihren Platz verweisen, sobald sie sie in die Finger bekam, und zwar heftig. Was Rand anging... �Ich f�rchte, ihr bekommt �rger�, sagte sie.</p><p>Eine feine silberne Teekanne erschien auf dem Tisch, auf einem Tablett aus getriebenem Silber, zusammen mit zwei zerbrechlichen gr�nen Porzellantassen. Aus der T�lle stieg Dampf empor. Sie h�tte den Tee auch bereits in den Tassen erscheinen lassen k�nnen, aber das Einschenken schien einfach dazuzugeh�ren, wenn man jemandem Tee anbot, selbst Tee, der nur so real wie ein Traum war. Man konnte verdursten, wenn man versuchte, das zu trinken, was man im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> fand, ganz zu schweigen von dem, was man erschuf, aber dieser Tee schmeckte, als k�men die Bl�tter aus einem neuen Fass und sie h�tte genau die richtige Menge Honig hineingetan. Sie setzte sich auf einen der St�hle, trank aus ihrer Tasse und erkl�rte, was heute im Saal geschehen war.</p><p>Nach den ersten Worten hielt Aviendha ihre Tasse mit den Fingerspitzen fest und betrachtete Egwene, ohne zu blinzeln. Ihre dunklen R�cke und die helle Bluse verwandelten sich in einen <emphasis>Cadin'sor</emphasis>, Mantel und Hosen in Grau und Braun, die mit den Schatten verschmelzen w�rden. Ihr langes Haar war pl�tzlich kurz und von einer <emphasis>Shoufa</emphasis> verborgen, der schwarze Schleier hing ihr auf der Brust. Unpassenderweise hing der Elfenbeinreif noch immer an ihrem Gelenk, dabei trugen die T�chter des Speers keinen Schmuck.</p><p>�Das alles wegen des Fanals, das wir gef�hlt haben�, murmelte sie halb zu sich selbst, als Egwene geendet hatte.</p><p>�Weil sie glauben, die Schattenbeseelten h�tten eine Waffe.� Eine seltsame Weise, es auszudr�cken.</p><p>�Was sollte es sonst sein?�, fragte Egwene neugierig.</p><p>�Hat eine der Weisen Frauen etwas gesagt?� Es war lange her, dass sie geglaubt hatte, die Aes Sedai w�rden alles wissen, und manchmal enth�llten die Weisen Frauen Wissen, das selbst die gleichg�ltigste Schwester ersch�ttern konnte.</p><p>Aviendha runzelte die Stirn, ihre Kleidung verwandelte sich wieder in Rock und Bluse und Schultertuch, einen Augenblick sp�ter in die blaue Seide mit der Spitze, diesmal mit der Kandori-Kette und dem Elfenbeinreif. Der Traumring blieb nat�rlich an seinem Band. Auf ihren Schultern erschien ein Tuch. Der Raum war so kalt, wie es im Winter �blich war, aber es war kaum denkbar, dass der luftige Stoff aus hellblauer Seide f�r irgendwelche W�rme sorgen konnte. �Die Weisen Frauen sind so unsicher wie deine Aes Sedai. Obwohl ich glaube, dass sie nicht so viel Angst haben. Das Leben ist ein Traum, irgendwann wacht jeder auf. Wir tanzen die Speere mit Blattverderber...� � dieser Name f�r den Dunklen K�nig war Egwene immer seltsam vorgekommen, da er doch aus einer baumlosen W�ste kam � �... aber niemand nimmt mit der Gewissheit an dem Tanz teil, dass er �berleben oder siegen wird. Ich glaube nicht, dass die Weisen Frauen eine Allianz mit den Asha'man in Betracht ziehen w�rden. Ist das klug?�, f�gte sie vorsichtig hinzu. �Aus dem, was du gesagt hast, konnte ich nicht erkennen, ob du das w�nschst.�</p><p>�Ich sehe keinen anderen Ausweg�, sagte Egwene z�gernd. �Das Loch ist drei <emphasis>Meilen</emphasis> breit. Soweit ich sehe, ist das die einzige Hoffnung, die wir haben.�</p><p>Aviendha stierte in ihren Tee. �Und wenn die Schattenbeseelten gar keine Waffe haben?�</p><p>Pl�tzlich wurde Egwene klar, was die andere Frau da tat. Aviendha wurde zur Weisen Frau ausgebildet, und welche Kleidung sie nun auch trug, sie war eine Weise Frau. Vermutlich war das der Grund f�r das Schultertuch. Ein Teil von Egwene wollte l�cheln. Ihre Freundin ver�nderte sich, aus der oft hei�bl�tigen Tochter des Speers, als die sie Aviendha kennen gelernt hatte wurde eine andere Frau. Aber ein anderer Teil von ihr erinnerte sie daran, dass die Weisen Frauen nicht immer die gleichen Ziele wie Aes Sedai verfolgten. Was die Schwestern �ber alle Ma�e sch�tzten, bedeutete Weisen Frauen manchmal gar nichts. Es machte sie traurig, dass sie Aviendha als Weise Frau sehen musste statt nur als Freundin. Eine Weise Frau, die sehen w�rde, was gut f�r die Aiel war, statt dem, was gut f�r die Wei�e Burg war. Dennoch war die Frage gut.</p><p>�Fr�her oder sp�ter m�ssen wir uns mit der Schwarzen Burg auseinander setzen, Aviendha, und Moria hatte Recht; es gibt bereits zu viele Asha'man, als dass man dar�ber nachdenken k�nnte, sie alle zu d�mpfen. Und das auch nur, wenn wir vor der Letzten Schlacht �berhaupt wagen k�nnten, dar�ber nachzudenken. Vielleicht wird mir ein Traum eine andere M�glichkeit aufzeigen, aber bis jetzt ist das nicht geschehen.� Bis jetzt hatte keiner ihrer Tr�ume ihr auch nur <emphasis>irgendetwas</emphasis> N�tzliches gezeigt. Nun, jedenfalls nicht viel. �Das verschafft uns wenigstens einen Einstieg, wie wir mit ihnen umgehen k�nnen. Es wird passieren. Falls sich die Sitzenden auf etwas einigen k�nnen au�er der Tatsache, dass man versuchen muss, eine Vereinbarung zu erzielen. Also m�ssen wir damit leben. Auf lange Sicht gesehen ist es vielleicht sogar besser so.�</p><p>Aviendha l�chelte in ihre Teetasse. Es war kein am�siertes L�cheln; aus irgendeinem Grund erschien sie erleichtert. Aber ihre Stimme klang ernst. �Ihr Aes Sedai haltet M�nner immer f�r Narren. Sie sind es oft aber nicht. Sogar �fters, als ihr glaubt. Sei bei diesen Asha'man auf der Hut. Mazrim Taim ist alles andere als ein Dummkopf, ich halte ihn f�r einen sehr gef�hrlichen Mann.�</p><p>�Dessen ist sich der Saal bewusst�, sagte Egwene trokken. Dass er gef�hrlich war, mit Sicherheit. Das andere war es wert, einmal darauf hinzuweisen. �Ich wei� gar nicht, warum wir dar�ber diskutieren. Die Sache liegt nicht in meiner Hand. Wichtig ist hier nur, dass die Schwestern irgendwann die Entscheidung treffen werden, dass die Schwarze Burg kein Grund mehr ist, sich von Caemlyn fern zu halten, wenn wir sowieso Verhandlungen aufnehmen werden. N�chste Woche oder morgen werden Schwestern bei euch auftauchen, blo� um Elayne zu besuchen und zu sehen, was die Belagerung macht. Wir m�ssen entscheiden, wie wir das, was wir geheim halten wollten, weiterhin geheim halten. Ich habe da ein paar Vorschl�ge, und ich hoffe, du hast noch weitere.�</p><p>Die Vorstellung, dass fremde Aes Sedai im K�niglichen Palast erscheinen konnten, regte Aviendha so sehr auf, dass sie w�hrend ihres Gespr�chs von der blauen Seide zum <emphasis>Cadin'sor</emphasis> zum Wollrock und <emphasis>Algode</emphasis>-Bluse und wieder zur�ck wechselte, ohne dass es ihr auffiel. Ihr Gesicht blieb so reglos wie bei einer Schwester. Sie hatte sicherlich nichts zu bef�rchten, falls die zu Besuch kommenden Aes Sedai die Kusinen entdeckten oder die gefangenen <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis>, oder den Vertrag mit dem Meervolk, aber vermutlich sorgte sie sich, welche Auswirkungen das f�r Elayne haben mochte.</p><p>Das Meervolk lie� nicht nur den <emphasis>Cadin'sor</emphasis> erscheinen, sondern auch einen runden Schild aus Leder, der zusammen mit drei kurzen Aiel-Speeren neben dem Stuhl auftauchte. Egwene erwog kurz, sie zu fragen, ob es Probleme mit den Windsucherinnen gab � das hei�t, Probleme, die �ber das �bliche Ma� hinausgingen �, aber sie tat es nicht. Wenn Aviendha es nicht erw�hnte, dann war das eine Angelegenheit, die sie und Elayne selbst regeln wollten. Sicherlich h�tte sie etwas gesagt, wenn es etwas gewesen w�re, das Egwene h�tte wissen sollen. Oder?</p><p>Seufzend stellte Egwene die Tasse auf dem Tisch ab, wo sie sofort verschwand, und rieb sich mit den Fingern die Augen. Misstrauen war ein Teil von ihr geworden, das war nicht zu bestreiten. Und ohne dieses Misstrauen w�rde sie wohl kaum lange �berleben. Aber sie wollte nicht immer so handeln, wie es das Misstrauen ihr befahl, nicht bei einer Freundin.</p><p>�Du bist m�de�, sagte Aviendha, wieder in der wei�en Bluse und dunklem Rock und Schultertuch, eine besorgte Weise Frau mit scharfen gr�nen Augen. �Hast du nicht gut geschlafen?�</p><p>�Ich schlafe gut�, log Egwene und brachte ein L�cheln zustande. Aviendha und Elayne hatten ihre eigenen Sorgen, sie mussten nicht auch noch �ber ihre Kopfschmerzen Bescheid wissen. �Mir f�llt nichts mehr ein�, sagte sie und erhob sich. �Dir etwa? Dann sind wir fertig�, fuhr sie fort, als die andere Frau den Kopf sch�ttelte. �Richte Elayne aus, sie soll auf sich aufpassen. Du passt auf sie auf. Und auf ihre Babys.�</p><p>�Das werde ich�, erwiderte Aviendha, jetzt in blauer Seide. �Aber du musst auch auf dich Acht geben. Ich glaube, du g�nnst dir zu wenig Ruhe. Schlafe gut und wache auf�, sagte sie sanft, ein Gutenachtwunsch der Aiel, dann war sie verschwunden.</p><p>Egwene sah die Stelle, an der ihre Freundin verschwunden war, stirnrunzelnd an. Sie g�nnte sich nicht zu wenig Ruhe. Sie arbeitet nur so hart, wie es n�tig war. Sie schl�pfte zur�ck in ihren K�rper und entdeckte, dass er fest am Schlafen war.</p><p>Das bedeutete nicht, dass sie schlief, jedenfalls nicht genau. Ihr K�rper schlief, atmete langsam und tief, aber sie lie� sich nur tief genug hineinsinken, damit die Tr�ume kommen konnten. Sie h�tte auch bis zum Aufwachen warten und sich die Tr�ume dann in Erinnerung rufen k�nnen, um sie in das kleine, mit Leder eingebundene Buch zu schreiben, das sie auf dem Grund einer ihrer Kleidertruhen aufbewahrte, unter den d�nnen Leinenunterhemden, die man vor der Mitte des Fr�hlings nicht herausholen w�rde. Aber die Tr�ume zu beobachten, wie sie kamen, sparte Zeit. Sie glaubte, dass ihr das bei ihrem Entr�tseln helfen w�rde. Jedenfalls bei jenen Tr�umen, die mehr als die gew�hnlichen n�chtlichen Phantasien waren.</p><p>Davon gab es eine Menge, oft stellten sie Gawyn in den Vordergrund, einen gro�en, attraktiven Mann, der sie in die Arme nahm und mit ihr tanzte und sie liebte. Einst war sie vor dem Gedanken zur�ckgeschreckt, mit ihm zu schlafen, selbst in ihren Tr�umen. Wenn sie nach dem Aufwachen dar�ber nachgedacht hatte, war sie immer knallrot geworden. Aber das erschien jetzt so albern, so kindisch. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> eines Tages den Beh�terbund mit ihm eingehen, irgendwie, und sie w�rde ihn heiraten und lieben, bis er um Gnade bettelte. Selbst im Schlaf lie� sie das kichern. Andere Tr�ume waren nicht so angenehm. Durch h�fthohen Schnee zu waten, umgeben von st�mmigen B�umen, von dem Wissen erf�llt, dass sie den Waldrand erreichen musste. Aber wenn sie das Ende der B�ume sah, gen�gte ein Blinzeln, und es verschwand in der Ferne und lie� sie weiterlaufen. Oder sie rollte einen gro�en M�hlstein einen steilen H�gel hinauf, aber jedes Mal, wenn sie die H�gelkuppe fast erreicht hatte, stolperte sie und fiel und musste zusehen, wie der gro�e Stein bis zum Fu� des H�gels zur�ckrollte, also musste sie wieder heruntergehen und von vorn anfangen, aber jedes Mal war der H�gel h�her als zuvor. Sie wusste genug �ber Tr�ume, um zu wissen, wo diese Tr�ume herkamen und dass sie keine spezielle Bedeutung hatten. Abgesehen von der Tatsache, dass sie m�de war und eine scheinbar endlose Aufgabe vor ihr lag. Aber daran war nichts zu �ndern. Sie f�hlte, wie ihr K�rper bei den m�hsamen Tr�umen zuckte, und versuchte, ihre Muskeln zu entspannen. Diese Art Halbschlaf war kaum besser als gar keiner, und v�llig sinnlos, wenn sie sich die ganze Nacht auf ihrer Pritsche herumw�lzte. Ihre Bem�hungen waren erfolgreich, jedenfalls teilweise. Wenigstens zuckte sie nur selten w�hrend eines Traums, in dem sie gezwungen wurde, einen Karren voller Aes Sedai eine schlammige Stra�e entlangzuziehen.</p><p>Andere Tr�ume kamen.</p><p>Mat stand auf einer Dorfwiese und spielte Kegeln. Die mit Stroh gedeckten H�user blieben vage, wie es in Tr�umen �blich war � manchmal waren die D�cher aus Schiefer; manchmal schienen die H�user aus Stein erbaut zu sein, dann wiederum aus Holz �, aber er war scharf und klar, mit einem pr�chtigen gr�nen Mantel bekleidet und diesem schwarzen Hut mit der breiten Krempe, genau wie an dem Tag, an dem er nach Salidar geritten kam. Es war kein anderes menschliches Wesen in Sicht. Er rieb die Kugel zwischen den H�nden, nahm kurz Anlauf und rollte sie l�ssig �ber das niedrige Gras. Alle neun Kegel fielen, stoben auseinander, als h�tte man ihnen einen Tritt verpasst. Mat drehte sich um und ergriff die n�chste Kugel, und die Kegel standen wieder aufrecht. Nein, es war ein neuer Satz Kegel. Die alten lagen immer noch da, wie sie umgest�rzt waren. Er warf die Kugel erneut, ein gem�chlicher Unterhandwurf. Und Egwene wollte schreien. Die Kegel bestanden nicht aus Holz. Sie waren M�nner, die dort standen und die Kugel auf sich zukommen sahen. Keiner bewegte sich, bis die Kugel sie in alle Richtungen schleuderte. Mat drehte sich um, um noch eine Kugel zu nehmen, und da waren mehr Kegel, neue M�nner, die in ordentlicher Formation zwischen den M�nnern standen, die wie tot am Boden lagen. Nein, sie waren tot. Unger�hrt kegelte Mat weiter.</p><p>Es war ein Wahrtraum; Egwene wusste das, lange bevor er verblich. Der kurze Blick in eine Zukunft, die m�glicherweise eintraf, eine Warnung, worauf man aufpassen sollte. Wahrtr�ume waren immer M�glichkeiten, keine Gewissheiten � das musste sie sich oft ins Ged�chtnis zur�ckrufen; Tr�umen war nicht das Gleiche wie Vorhersehen �, aber das hier war eine schreckliche M�glichkeit. Jeder der menschlichen Kegel hatte f�r Tausende von M�nnern gestanden. Das wusste sie mit Sicherheit. Und ein Feuerwerker war ein Teil davon. Mat war einmal einem Feuerwerker begegnet, aber das war vor langer Zeit gewesen. Das hier hatte mit etwas zu tun, das k�rzlich geschehen war. Die Feuerwerker waren in alle Winde verstreut, ihre Gildenh�user gab es nicht mehr. Einige von ihnen �bten ihr Handwerk bei einem Wanderzirkus aus, wie jenem, mit dem Elayne und Nynaeve einige Zeit lang gereist waren. Mat konnte �berall einem Feuerwerker begegnen. Aber es war nur eine m�gliche Zukunft. D�ster und blutig, aber nur eine M�glichkeit von vielen. Doch sie hatte mindestens zweimal davon getr�umt. Nicht genau denselben Traum, aber er hatte immer die gleiche Bedeutung gehabt. Machte es das wahrscheinlicher, dass es Realit�t wurde? Sie w�rde eine Weise Frau fragen m�ssen, um das herauszufinden, und sie war zunehmend zur�ckhaltender, was das anging. Jede Frage, die sie stellte, enth�llte ihnen etwas, und ihre Ziele waren nicht die Egwenes. Um von den Aiel zu retten, was sie konnten, w�rden sie die Wei�e Burg zu Staub zermalmen lassen. Egwene musste an mehr als an eine Person, eine Nation denken.</p><p>Mehr Tr�ume.</p><p>Sie k�mpfte sich einen schmalen, steinigen Pfad an einer Klippe hinauf. Sie war von Wolken umgeben, die den Boden unten und den Kamm in der H�he verbargen, aber Egwene wusste, dass beide sehr weit weg waren. Sie musste ihre Schritte sorgf�ltig setzen. Der Pfad war ein br�ckeliger Sims, kaum breit genug, damit sie dort mit einer an die Klippe gepressten Schulter stehen konnte, ein Sims, der mit faustgro�em Ger�ll �bers�t war, das sich unter einem falschen Schritt drehen und sie �ber den Rand schicken konnte. Es hatte fast den Anschein, als w�re das wie die Tr�ume, einen M�hlstein zu schieben und Karren zu ziehen, aber sie wusste, dass es sich um einen Wahrtraum handelte.</p><p>Pl�tzlich gab der Sims mit dem Knirschen berstenden Steins unter ihr nach, und sie griff wild nach der Klippe, ihre Finger suchten hektisch einen Halt. Ihre Fingerspitzen glitten in einen winzigen Spalt, und ihr Sturz endete mit einem Ruck, der ihr beinahe die Arme ausriss. Ihre F��e baumelten in den Wolken, und sie h�rte, wie die fallenden Steine gegen die Klippe krachten, bis das Ger�usch verblich, ohne dass die Brocken den Boden erreichten. Undeutlich konnte sie zu ihrer Linken die Bruchkante des Pfads sehen. Zehn Fu� entfernt h�tte der Pfad genauso gut eine Meile weit weg sein k�nnen, so gro� war ihre Chance, ihn zu erreichen. In der anderen Richtung verbarg der Nebel, was von dem Pfad �brig geblieben war, aber sie glaubte, dass er noch weiter entfernt sein musste. In ihren Armen war keine Kraft. Sie konnte sich nicht hochziehen, sich nur mit den Fingerspitzen festkrallen, bis sie st�rzte. Der Rand der Spalte schien messerscharf zu sein.</p><p>Pl�tzlich tauchte eine Frau auf, kletterte aus den Wolken heraus die Klippe hinab und suchte sich ihren Weg so zielsicher, als w�rde sie Stufen hinunterschreiten. Ein Schwert war auf ihren R�cken geschnallt. Ihr Gesicht flimmerte, es war nie deutlich zu sehen, aber das Schwert erschien so fest wie der Felsen. Die Frau erreichte Egwenes H�he und streckte eine Hand aus. �Zusammen k�nnen wir den Rand der Klippe erreichen�, sagte sie in einem vertrauten, lang gezogenen Akzent.</p><p>Egwene stie� den Traum von sich, wie sie eine Viper von sich gesto�en h�tte. Sie f�hlte, wie sich ihr K�rper wand, h�rte sich selbst im Schlaf st�hnen, aber einen Moment lang konnte sie nichts tun. Sie hatte schon zuvor von der Seanchanerin getr�umt, von einer seanchanischen Frau, die irgendwie mit ihr verbunden war, aber das hier war eine Seanchanerin, die sie <emphasis>retten</emphasis> w�rde! Nein! Sie hatten sie an die Leine gelegt, sie zur <emphasis>Damane</emphasis> gemacht. Sie w�rde eher sterben, als von einer Seanchanerin gerettet zu werden! Eine lange Zeit verging, bevor sie sich darum k�mmern konnte, ihren schlafenden K�rper zu beruhigen. Vielleicht kam es ihr auch nur lange vor. Keine Seanchanerin; niemals!</p><p>Langsam kehrten die Tr�ume zur�ck.</p><p>Sie kletterte einen anderen Pfad an einer in wolkenverhangenen Klippe hinauf, aber das war ein breiter Sims, der mit Stein gepflastert war, und da war kein Ger�ll unter ihren F��en. Die Klippe selbst war kalkwei� und so glatt wie poliert. Trotz der Wolken funkelte der helle Stein fast. Sie kam schnell nach oben und erkannte bald, dass der Sims in einer Spirale nach oben f�hrte. Die Klippe war in Wahrheit ein Turm. Sie hatte diesen Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da stand sie auch schon oben auf einer flachen, polierten Scheibe, die von Nebel eingeh�llt wurde. Aber sie war nicht ganz flach. In der Mitte des Kreises stand ein kleiner wei�er Sockel mit einer �llampe aus klarem Glas. Die Flamme auf dieser Lampe brannte hell und gleichm��ig, ohne zu flackern. Sie war ebenfalls wei�.</p><p>Pl�tzlich schossen zwei V�gel aus dem Nebel, zwei Raben so schwarz wie die Nacht. Sie rasten �ber die Turmspitze, trafen die Lampe und flogen weiter, ohne innezuhalten. Die Lampe wurde herumgerissen und tanzte auf dem Sockel umher, wobei sie �ltropfen verspritzte. Einige der Tropfen fingen mitten in der Luft Feuer und verschwanden. Andere landeten um die kleine S�ule herum, und jeder n�hrte eine winzige, flackernde wei�e Flamme. Und die Lampe kreiselte weiter, immer kurz vor dem Umkippen.</p><p>Egwene erwachte und fuhr in v�lliger Dunkelheit hoch.</p><p>Sie wusste Bescheid. Zum ersten Mal wusste sie genau, was ein Traum bedeutete. Aber warum sollte sie davon tr�umen, dass eine Seanchanerin sie rettete, und dann von Seanchanern, die die Wei�e Burg angriffen? Ein Angriff, der die Aes Sedai bis ins Mark ersch�ttern und die Burg selbst bedrohen w�rde. Nat�rlich war es nur eine M�glichkeit. Aber Ereignisse in Wahrtr�umen waren wahrscheinlicher als andere M�glichkeiten.</p><p>Sie dachte, sie w�rde ruhig nachdenken, aber dann schabte die Eingangsplane, und sie h�tte beinahe die Wahre Quelle umarmt. Hastig ging sie die Novizinnen�bungen durch, um sich zu beruhigen, Wasser floss �ber glatten Stein, Wind fuhr durch hohes Gras. Beim Licht, sie hatte Angst gehabt. Sie brauchte zwei davon, um einigerma�en Ruhe zu finden. Sie �ffnete den Mund, um zu fragen, wer da war.</p><p>�Schlaft Ihr?�, murmelte Halima leise. Sie klang angespannt, beinahe aufgeregt. �Nun, ich h�tte selbst nichts gegen eine ordentliche Nachtruhe einzuwenden.�</p><p>Egwene h�rte zu, wie sich die Frau in der Dunkelheit auszog. Und lag reglos da. Wenn sie sie wissen lie�, dass sie wach war, h�tte sie mit ihr reden m�ssen, und im Moment w�re das peinlich gewesen. Sie war sich ziemlich sicher, dass Halima Gesellschaft gefunden hatte, wenn auch nicht f�r die ganze Nacht. Halima konnte nat�rlich tun und lassen, was sie wollte, aber Egwene war trotzdem entt�uscht. Sie w�nschte sich, sie w�re nicht erwacht, versank wieder im Schlaf und versuchte diesmal nicht, auf halbem Weg stehen zu bleiben. Sie w�rde sich an jeden Traum erinnern, der kam, und sie brauchte Schlaf.</p><p>Chesa kam in aller Fr�he, um ihr auf einem Tablett das Fr�hst�ck zu bringen und ihr beim Ankleiden behilflich zu sein. Es war noch sehr fr�h. Da war nur ein Versprechen von Sonnenlicht, und Lampenlicht war n�tig, um etwas zu sehen. Die Holzkohlen in der Pfanne waren w�hrend der Nacht erloschen, und die K�lte, die in der Luft hing, f�hlte sich grau an. M�glicherweise w�rde es heute schneien. Halima wand sich in ein seidenes Unterhemd und dann in das Kleid, scherzte lachend dar�ber, wie gern sie eine Zofe h�tte, w�hrend Chesa die Kn�pfe auf Egwenes R�cken schloss. Die pummelige Frau machte ein ausdrucksloses Gesicht und ignorierte Halima. Egwene sagte nichts. Sie schwieg eisern. Halima war nicht ihre Dienerin. Sie hatte kein Recht, dieser Frau ihr Benehmen vorzuschreiben.</p><p>Chesa war gerade mit den letzten winzigen Kn�pfen fertig und t�tschelte Egwenes Arm, als Nisao die Zeltplane zur Seite schob und einen frischen kalten Luftschwall einlie�. Der kurze Blick in der Zeit, bevor die Plane hinter ihr zufiel, verriet, dass drau�en noch alles grau war. Es bestand durchaus die M�glichkeit, dass es schneien w�rde.</p><p>�Ich muss allein mit der Mutter sprechen�, sagte sie und hielt den Umhang um den K�rper gezogen, als w�rde sie bereits den Schnee f�hlen. Ein so energischer Ton war ungew�hnlich von der kleinen Frau.</p><p>Egwene nickte Chesa zu, die einen Knicks machte, ihr aber auf dem Weg nach drau�en einsch�rfte, das Fr�hst�ck nicht kalt werden zu lassen.</p><p>Halima verharrte und betrachtete sowohl Egwene wie auch Nisao, bevor sie ihren Umhang von der Stelle aufhob, wo er in einem unordentlichen Haufen am Fu� ihrer Pritsche lag. �Vermutlich hat Delana Arbeit f�r mich�, sagte sie und klang gereizt.</p><p>Nisao sah der Frau stirnrunzelnd nach, dann umarmte sie wortlos <emphasis>Saidar</emphasis> und webte einen Schild um sich und Egwene, der Lauscher abwehrte, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. �Anaiya und ihr Beh�ter sind tot�, sagte sie. �Ein paar Arbeiter, die in der Nacht Kohlens�cke lieferten, h�rten ein Ger�usch, als w�rde jemand um sich schlagen, und wie durch ein Wunder liefen sie alle hin, um nachzusehen. Sie fanden Anaiya und Setagana im Schnee liegen. Tot.�</p><p>Egwene setzte sich langsam auf ihren Stuhl, der sich im Moment alles andere als bequem anf�hlte. Anaiya, tot. Sie war keine Sch�nheit gewesen, aber wenn sie l�chelte, w�rmte das alles um sie herum. Eine durchschnittlich aussehende Frau, die Spitze auf ihren Gew�ndern geliebt hatte. Egwene wusste, dass sie auch f�r Setagana Trauer h�tte versp�ren sollen, aber er war Beh�ter gewesen. Wenn er Anaiya �berlebt h�tte, w�re es unwahrscheinlich gewesen, dass er noch lange gelebt h�tte. �Wie?�, sagte sie. Nisao w�rde keinen Schild gewebt haben, nur um ihr zu sagen, dass Anaiya tot war.</p><p>Nisaos Miene verh�rtete sich, und trotz des Schildes blickte sie �ber die Schulter, als bef�rchtete sie, jemand k�nnte am Eingang lauschen. �Die Arbeiter nehmen an, sie h�tten verdorbene Pilze gegessen. Manche Bauern sind sorglos in dem, was sie verkaufen, und die falsche Sorte kann die Lungen l�hmen oder den Hals anschwellen lassen, sodass man keine Luft mehr bekommt und stirbt.� Egwene nickte ungeduldig. Schlie�lich war sie in einem Dorf aufgewachsen. �Jeder schien bereit zu sein, das zu akzeptieren�, fuhr Nisao fort, aber sie beeilte sich nicht. Ihre H�nde zupften am Saum ihres Umhangs herum; nur z�gernd unterbreitete sie ihre Schlussfolgerungen. �Es gab keine Wunden, keine Verletzungen. Kein Anlass zu der Annahme, es k�nnte etwas anderes als ein gieriger Bauer gewesen ein, der verdorbene Pilze verkaufte. Aber...� Sie seufzte, blickte erneut �ber die Schulter und senkte die Stimme.</p><p>�Ich vermute, es war das ganze Gerede �ber die Schwarze Burg im Saal. Ich habe nach R�ckst�nden geforscht. Sie wurden mit <emphasis>Saidin</emphasis> get�tet.� Sie verzog angeekelt das Gesicht. �Ich glaube, jemand hat feste Str�nge aus Luft um ihre K�pfe gewebt und sie ersticken lassen.� Schaudernd zog sie den Umhang fester um den K�rper.</p><p>Auch Egwene wollte erschaudern. Sie war �berrascht, dass sie es nicht tat. Anaiya, tot. Erstickt. Eine �u�erst grausame Methode, jemanden zu t�ten, von jemandem benutzt, der gehofft hatte, keine Spuren zu hinterlassen.</p><p>�Habt Ihr es schon jemandem gesagt?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte Nisao indigniert. �Ich bin geradewegs zu Euch gekommen. Das hei�t, sobald ich wusste, dass Ihr aufgestanden seid.�</p><p>�Schade. Ihr werdet erkl�ren m�ssen, warum Ihr gewartet habt. Wir k�nnen das nicht geheim halten.� Nun, Amyrlin hatten schon die finstersten Geheimnisse geh�tet, zum Nutzen der Burg, wie sie ihn sahen. �Wenn unter uns ein Mann ist, der die Macht lenken kann, dann m�ssen die Schwestern auf der Hut sein.� Es erschien unwahrscheinlich, dass sich ein Mann, der die Macht lenken konnte, unter den Arbeitern oder Soldaten verbarg, aber noch unwahrscheinlicher war, dass einer eigens kam, um eine bestimmte Schwester und ihren Beh�ter zu t�ten. Was eine weitere Frage aufwarf. �Warum Anaiya? War sie nur zur falschen Zeit am falschen Ort, Nisao? Wo sind sie gestorben?�</p><p>�In der N�he der Wagen auf der s�dlichen Lagerseite. Ich wei� nicht, warum sie zu dieser Nachtzeit dort waren. Es sei denn, Anaiya wollte zu den Abtritten, und Setagana fand, sie m�sste selbst dort besch�tzt werden.�</p><p>�Dann werdet Ihr das f�r mich herausfinden, Nisao. Was haben Anaiya und Setagana dort drau�en gemacht, als alle anderen schliefen? Warum wurden sie get�tet? Und das werdet Ihr geheim halten. Bis Ihr mir die Gr�nde nennen k�nnt, werden nur wir beide wissen, dass Ihr nach welchen Ausschau haltet.�</p><p>Nisao �ffnete und schloss den Mund wieder. �Wenn ich es muss, dann muss ich es�, murmelte sie kaum h�rbar. Sie war nicht dazu gemacht, echte Geheimnisse zu bewahren, und das wusste sie. Das Letzte, das sie zu bewahren versucht hatte, hatte sie direkt dazu gebracht, Egwene die Treue zu schw�ren. �Wird das die Diskussion um eine Vereinbarung mit der Schwarzen Burg beenden?�</p><p>�Ich bezweifle es�, sagte Egwene m�de. Beim Licht, wie konnte sie jetzt schon so m�de sein? Die Sonne war nicht einmal aufgegangen. �Wie dem auch sei, ich glaube, das wird wieder ein sehr langer Tag.� Und das Beste, auf das sie hoffen konnte, war, dass sie ihn ohne Kopfschmerzen bis zum Abend �berstand.</p></section><section><title><p>21</p><p>Gezeichnet</p></title><p>Alviarin trat durch das Wegetor, lie� es hinter ihr mit einem verblassenden Strich aus grellem Blauwei� vergehen und nieste augenblicklich, weil ihre Schuhe den Staub aufwirbelten.</p><p>Sofort ersch�tterte sie ein weiteres Niesen, dann noch eins, das ihre Augen tr�nen lie�en. Nur von der leuchtenden Kugel erhellt, die vor ihr schwebte, war der aus dem Felsen gehauene Lagerraum drei Etagen unter der Burgbibliothek leer � abgesehen von dem Staub, der sich in Jahrhunderten hier abgelagert hatte. Sie w�re viel lieber direkt in ihre Gem�cher im Turm zur�ckgekehrt, aber es bestand immer die M�glichkeit, auf einen Diener zu sto�en, der gerade sauber machte, und dann w�rde sie die Leiche wegschaffen m�ssen und hoffen, dass sich keiner daran erinnerte, den Diener zuletzt auf dem Weg in ihre Gem�cher gesehen zu haben. Haltet Euch verborgen und erregt nicht einmal den geringsten Verdacht, hatte Mesaana befohlen. Das erschien �bertrieben, wo sich die Schwarze Ajah seit der Gr�ndung der Burg ungestraft dort frei bewegt hatte, aber wenn einer der Auserw�hlten einen Befehl erteilte, dann gehorchte nur ein Narr nicht. Jedenfalls, wenn die M�glichkeit bestand, erwischt zu werden.</p><p>Gereizt bem�hte Alviarin die Macht, um die Luft vom Staub zu s�ubern, und schlug ihn so hart nach unten, dass der Steinboden eigentlich h�tte erbeben m�ssen. Sie h�tte das nicht jedes Mal durchmachen m�ssen, wenn sie den Staub einmal in eine Ecke gewischt h�tte, statt ihn ausgebreitet liegen zu lassen. Seit Jahren war niemand mehr so tief in die Kellergew�lbe der Bibliothek gestiegen; niemand w�rde bemerken, wenn der Raum sauber war. Aber es gab immer einen, der das tat, was sonst niemand tat. Sie tat es oft selbst, und sie hatte nicht vor, durch einen dummen Fehler aufzufliegen. Trotzdem murmelte sie vor sich hin, als sie mit Hilfe der Macht den roten Schlamm von Schuhen, Rocksaum und Umhang beseitigte. Es war unwahrscheinlich, dass ihn jemand mit Tremalking in Zusammenhang brachte, der gr��ten Insel des Meervolks, aber es k�nnte sich jemand fragen, wo sie mit so viel Schlamm in Ber�hrung gekommen war. Das Burggel�nde w�rde au�er an den Stellen, die man freigeschaufelt hatte, unter Schnee begraben liegen, und auf den freien Wegen w�rde der Boden hart gefroren sein. Noch immer vor sich hinmurmelnd, griff sie erneut nach der Macht, um das Kreischen der verrosteten T�rangeln zu d�mpfen, als sie die einfache Holzt�r aufstie�. Es gab eine Methode, ein Gewebe zu machen und es zu verbergen, sodass sie das Quietschen nicht jedes Mal h�tte d�mpfen m�ssen � sie war davon �berzeugt, dass es sie gab �, aber Mesaana weigerte sich, es ihr beizubringen.</p><p>Mesaana war die eigentliche Ursache ihres �rgers. Die Auserw�hlte lehrte, was sie wollte, und kein bisschen mehr, machte Andeutungen �ber Wunder und behielt sie dann f�r sich. Au�erdem benutzte Mesaana sie wie eine Botin. Sie sa� an der Spitze des Obersten Rates und kannte die Namen einer jeden Schwarzen Schwester jedes einzelnen Herzens, was Mesaana nicht tat. Die Frau zeigte nur geringes Interesse daran, wer ihre Befehle ausf�hrte, solange sie ausgef�hrt wurden, und zwar buchstabengetreu. Viel zu oft wollte sie sie von Alviarin ausgef�hrt sehen und zwang sie dazu, sich mit Frauen und M�nnern abgeben zu m�ssen, die sich f�r Gleichgestellte hielten, blo� weil sie ebenfalls dem Gro�en Herrn dienten. Zu viele der Freunde betrachteten sich als den Aes Sedai gleichgestellt oder sogar �berlegen. Widerw�rtige kleine Nagetiere, von denen keiner die Macht lenken konnte, und Alviarin musste h�flich zu ihnen sein, nur weil einige von ihnen m�glicherweise einem anderen der Auserw�hlten dienten! Es war offensichtlich, dass Mesaana es nicht genau wusste. Sie war eine Auserw�hlte, und wegen ihrer eigenen Unsicherheit lie� sie Alviarin den Stra�endreck anl�cheln.</p><p>Die Kugel aus ged�mpftem Licht schwebte ihr voraus und sorgte f�r Helligkeit. Alviarin rauschte durch den primitiven Steinkorridor und wirbelte den Staub hinter ihr mit federhaften Strichen aus Luft auf, damit er unber�hrt erschien, dabei ging sie im Geiste mehrere ausgesuchte Dinge durch, die sie Mesaana gern gesagt h�tte. Nat�rlich w�rde sie das nicht tun, was ihre Gereiztheit nur noch verst�rkte. Einen Auserw�hlten auch nur auf die sanfteste Weise zu kritisieren war ein kurzer Weg in den Schmerz, vielleicht sogar in den Tod. Vermutlich sogar beides. Bei den Auserw�hlten gab es nur einen Weg, um zu �berleben, man musste kriechen und gehorchen, und das Erstere war so wichtig wie das Letztere. Der Preis der Unsterblichkeit war ein bisschen kriechen wert. Damit konnte sie alle Macht erreichen, die sie wollte, viel mehr, als je eine Amyrlin gehabt hatte. Doch zuerst musste sie �berleben.</p><p>Als sie den oberen Teil der ersten Rampe erreichte, machte sie sich nicht l�nger die M�he, ihre Spuren zu verbergen. Hier gab es bei weitem nicht mehr so viel Staub, und er war von den R�dern der Handkarren und mit Schuhabdr�cken gezeichnet; eine weitere Reihe kaum sichtbarer Spuren w�rde nicht auffallen. Aber sie ging schnell. F�r gew�hnlich heiterte der Gedanke, ewig zu leben, sie auf, genau wie der Gedanke, schlie�lich durch Mesaana Macht auszu�ben, wie sie es jetzt durch Elaida tat. Nun gut, es war nur fast das Gleiche; die Vorstellung, Mesaana in das gleiche Stadium der Willf�hrigkeit zu bringen wie Elaida, war zu ehrgeizig, aber sie w�rde die Frau mit Strippen ausstatten k�nnen, die ihren eigenen Aufstieg garantierten. Heute musste sie sich darauf konzentrieren, dass sie die Burg fast einen Monat lang verlassen hatte. Mesaana hatte sich bestimmt nicht die M�he gemacht, Elaida w�hrend ihrer Abwesenheit unter Kontrolle zu halten, obwohl die Auserw�hlte sicherlich Alviarin die Schuld geben w�rde, wenn etwas schief gelaufen war. Nat�rlich war Elaida nach dem letzten Mal ordentlich eingesch�chtert. Die Frau hatte f�rmlich darum <emphasis>gebettelt</emphasis>, von den privaten Bu�sitzungen bei der Oberin der Novizinnen entbunden zu werden. Nat�rlich war sie zu eingesch�chtert, um aus der Reihe zu tanzen. Alviarin schob Elaida energisch in den Hintergrund ihrer Gedanken, aber sie verlangsamte ihre Schritte nicht.</p><p>Eine zweite Rampe brachte sie in das oberste Kellergew�lbe, wo sie die gl�hende Kugel verl�schen lie� und <emphasis>Saidar</emphasis> loslie�. Hier wurden die Schatten von Lichtkreisen erhellt, die fast ineinander �bergingen, von Lampen in Eisenst�ndern an den Steinw�nden erzeugt, die auf dieser Ebene ordentlich verkleidet waren. Hier bewegte sich nichts au�er einer Ratte, die mit kaum h�rbarem Trippeln �ber die Bodenfliesen davonhuschte. Das lie� Alviarin beinahe l�cheln. Beinahe. Die Augen des Gro�en Herrn durchl�cherten jetzt die Burg, obwohl niemand bemerkt zu haben schien, dass die Schutzgewebe versagt hatten. Sie glaubte nicht, dass Mesaana daf�r verantwortlich war; die Gewebe funktionierten einfach nicht mehr so, wie sie sollten. Es gab... L�cken. Ihr war es v�llig egal, ob das Tier sie sah oder berichtete, was es gesehen hatte, dennoch duckte sie sich schnell in den Zugang zu einer schmalen Wendeltreppe hinein. Es war m�glich, dass sich auf dieser Ebene Menschen aufhielten, und Menschen konnte man nicht so vertrauen wie den Ratten.</p><p>Vielleicht w�rde sie Mesaana �ber dieses unglaubliche Fanal in der Macht ausfragen k�nnen, solange sie... behutsam vorging. Wenn sie es nie erw�hnte, w�rde die Auserw�hlte glauben, dass sie etwas verbarg. Jede Frau auf der ganzen Welt, die die Macht lenken konnte, musste sich fragen, was geschehen war. Sie w�rde nur sorgsam darauf achten m�ssen, nichts zu erw�hnen, das zu der Vermutung Anlass gab, dass sie dem Ort einen Besuch abgestattet hatte. Nat�rlich lange nachdem das Fanal erloschen war � sie war nicht so dumm, sich darin hineinzubegeben! �, aber Mesaana schien der Ansicht zu sein, dass Alviarin <emphasis>ihre</emphasis> Auftr�ge zu erledigen hatte, ohne auch nur einen Moment f�r sich abzuzweigen. Konnte die Frau ernsthaft glauben, dass sie keine eigenen Angelegenheiten zu erledigen hatte? Es war besser, sich so zu benehmen, als w�re dies tats�chlich so. Jedenfalls f�r den Augenblick.</p><p>In den Schatten am oberen Treppenabsatz blieb sie vor der kleinen, schmucklosen T�r stehen, um sich zu sammeln, w�hrend sie den Umhang �ber ihren Arm faltete. Mesaana war eine der Auserw�hlten, aber sie war immer noch ein Mensch. Mesaana machte Fehler. Und sie w�rde Alviarin auf der Stelle t�ten, sollte sie einen begehen. Krieche, gehorche und �berlebe. Und sei immer auf der Hut. Das hatte sie schon lange gewusst, bevor sie einem der Auserw�hlten begegnet war. Sie holte die wei�e Stola der Beh�terin der Chroniken aus der G�rteltasche, legte sie sich um den Hals und �ffnete die T�r vorsichtig einen Spalt breit, um zu lauschen. Stille, wie erwartet. Sie betrat das Neunte Depositorium und schloss die T�r hinter sich. Auf der Innenseite war die T�r genauso schmucklos, aber man hatte sie so lange poliert, bis sie hell gl�nzte.</p><p>Die Burgbibliothek war in zw�lf Depositorien aufgeteilt, jedenfalls soweit der Welt bekannt war, und das Neunte war das kleinste und beherbergte Texte �ber verschiedene Formen der Rechenkunst. Dennoch bestand es aus einem gro�en ovalen Raum mit einer abgeflachten Kuppel als Decke, der mit Reihen hoher Holzregale gef�llt war, umgeben von schmalen G�ngen, die sich vier Schritte �ber den siebenfarbigen Bodenfliesen befanden. Neben den Regalen standen hohe Leitern auf R�dern, sodass man sie leicht bewegen konnte, und zwar auf dem Boden und den G�ngen; au�erdem waren dort Spiegelkandelaber aus Messing, deren Sockel so schwer waren, dass man vier oder f�nf M�nner brauchte, um sie bewegen zu k�nnen. Feuer war eine st�ndige Sorge in der Bibliothek. Alle Kandelaber brannten hell, dazu bereit, jeder Schwester, die ein Buch oder ein in einem Kasten verstautes Manuskript finden wollte, den Weg zu leuchten, aber ein Handkarren mit drei gro�en, in Leder eingebundenen B�nden, die wieder einsortiert werden mussten, stand noch immer genau da in der Mitte eines Seitengangs, wie es Alviarin vom letzten Mal in Erinnerung hatte, als sie hier durchgegangen war. Sie verstand nicht, wozu man so viele Formen der Rechenkunst brauchte oder warum so viele B�cher dar�ber geschrieben worden waren, und auch wenn die Wei�e Burg stolz darauf war, die gr��te B�chersammlung der Welt zu besitzen, die jedes vorstellbare Wissensgebiet behandelte, hatte es den Anschein, als w�rden die meisten Aes Sedai mit ihr �bereinstimmen. Sie hatte noch nie eine andere Schwester im Neunten Depositorium gesehen, was der Grund daf�r war, dass sie es als Eingang benutzte. Bei den gro�en, einladend offen stehenden T�rfl�geln blieb sie erneut stehen, um zu lauschen, bis sie sicher sein konnte, dass der dahinter liegende Korridor leer war, dann ging sie weiter. Jeder h�tte es seltsam gefunden, dass sie ein Interesse f�r die hier befindlichen B�cher entwickelt hatte.</p><p>Als sie durch die Hauptkorridore eilte, in denen die Bodenfliesen in sich wiederholenden Reihen aus den Ajah-Farben gestaltet waren, fiel ihr auf, dass die Bibliothek stiller als gew�hnlich war, selbst wenn man in Betracht zog, wie wenig Aes Sedai sich derzeit in der Burg aufhielten. Ein oder zwei Schwestern waren immer zu sehen, und wenn es nur die Bibliothekare waren � ein paar Braune unterhielten in den oberen Ebenen sogar Gem�cher zus�tzlich zu ihren R�umen im Turm �, doch die gewaltigen, in die Korridorw�nde geschnitzten Figuren, zehn Fu� und gr��er, phantasievoll gekleidete Menschen und seltsame Tiere, h�tten die einzigen Benutzer der Bibliothek sein k�nnen. Zugluft lie� die aufw�ndig geschnitzten Radleuchter, die zehn Schritte �ber ihrem Kopf hingen, leise an ihren Ketten klirren. Ihre Schritte schienen unnat�rlich laut, verursachten leise Echos, die von der Kuppeldecke zur�ckgeworfen wurden.</p><p>�Kann ich Euch helfen?�, sagte eine Frauenstimme leise hinter ihr.</p><p>�berrascht wirbelte Alviarin herum und h�tte beinahe ihren Umhang fallen gelassen, bevor sie sich zusammenrei�en konnte. �Ich wollte nur einen Spaziergang durch die Bibliothek machen, Zemaille�, sagte sie und versp�rte augenblicklich einen Anflug von Gereiztheit. Wenn sie nerv�s genug war, um sich einer Bibliothekarin zu erkl�ren, dann musste sie sich wirklich unter Kontrolle bekommen, bevor sie Mesaana Bericht erstattete. Am liebsten h�tte sie Zemaille erz�hlt, was auf Tremalking geschah, nur um zu sehen, ob die Frau zusammenzucken w�rde.</p><p>Der nichts sagende Ausdruck auf dem Gesicht der Braunen Schwester ver�nderte sich nicht, aber ein unbestimmbarer Unterton ver�nderte ihre Stimmlage. Hoch gewachsen und sehr schlank behielt Zemaille immer diese �u�ere Maske aus Reserviertheit und Abstand aufrecht, aber Alviarin vermutete, dass sie weniger sch�chtern war, als sie vorgab, und auch weniger angenehm. �Das ist verst�ndlich. Die Bibliothek ist ein friedlicher Ort, und es ist eine traurige Zeit f�r uns alle. Und f�r Euch nat�rlich noch viel trauriger.�</p><p>�Nat�rlich�, wiederholte Alviarin mechanisch. Eine traurige Zeit? Ganz besonders f�r sie? Sie dachte kurz dar�ber nach, die Frau in eine abgeschiedene Ecke zu zerren, wo man sie befragen und sich ihrer dann entledigen konnte, aber dann bemerkte sie eine weitere Braune, eine dicke Frau, die noch dunkler als Zemaille war und die sie von ihrem Standort ein St�ck weit den Korridor hinauf beobachtete. Aiden und Zemaille waren schwach in der Einen Macht, aber beide gleichzeitig zu �berw�ltigen w�rde schwierig wenn nicht sogar unm�glich sein. Warum waren die beiden hier im Erdgeschoss? Sie waren hier nur selten zu sehen, bewegten sich sonst nur zwischen den R�umen auf den oberen Ebenen, die sie sich mit Nyein teilten, der dritten Schwester vom Meervolk, und dem so genannten Dreizehnten Depositorium, wo die geheimen Aufzeichnungen aufbewahrt wurden. Alle drei arbeiteten da, freiwillig bis zu den H�lsen in ihre Aufgaben vertieft. Alviarin ging weiter und versuchte sich einzureden, dass sie grundlos nerv�s war, aber das half nicht, das Kribbeln zwischen ihren Schulterbl�ttern zu lindern.</p><p>Die fehlenden Bibliothekarinnen, die den Vordereingang bewachten, verst�rkten das Kribbeln nur. Es standen immer Bibliothekarinnen an <emphasis>jedem</emphasis> Eingang, um daf�r zu sorgen, dass nicht ein Fitzelchen Papier die Bibliothek ohne ihr Wissen verlie�. Alviarin griff nach der Macht, um einen der hohen, mit Schnitzereien verzierten T�rfl�gel aufzusto�en, bevor sie ihn erreichte, und lie� ihn an seinen Bronzeangeln offen stehen, als sie die breite Marmortreppe hinuntereilte. Der breite, von Eichen ges�umte Steinpfad, der zu dem riesigen wei�en Turm f�hrte, war freigeschaufelt worden, aber w�re das nicht der Fall gewesen, h�tte sie die Macht benutzt, um den Schnee vor ihr zu schmelzen, und sollte jeder denken, was er wollte. Mesaana hatte es kristallklar gemacht, welchen Preis man f�r das Risiko zahlte, dass jemand das Gewebe f�r das Schnelle Reisen lernte oder auch nur erfuhr, dass sie es kannte, sonst w�re Alviarin von dieser Stelle aus Gereist. Mit dem Turm in Sicht, der �ber den B�umen aufragte und im blassen Morgenlicht funkelte, h�tte sie mit einem Schritt da sein k�nnen. Stattdessen k�mpfte sie gegen das Bed�rfnis an zu rennen.</p><p>Es war keine �berraschung, die breiten, hohen Korridore des Turms verlassen vorzufinden. Ein paar Diener mit der wei�en Flamme von Tar Valon auf der Brust machten ihre Knickse und Verbeugungen, als sie vorbeiging, aber sie waren so unwichtig wie die Zugluft, die die vergoldeten Kandelaber flackern lie� und die hellen Wandteppiche an den schneewei�en W�nden bewegte. In diesen Tagen blieben die Schwestern soweit m�glich in den Quartieren ihrer eigenen Ajah, und es h�tte ihr auch nichts genutzt, einer Aes Sedai zu begegnen, von der sie wusste, dass sie eine Schwarze Ajah war � es h�tte schon ein Mitglied ihres eigenen Herzens sein m�ssen. Alviarin kannte sie alle, aber die anderen kannten sie nicht. Au�erdem w�rde sie sich keinem offenbaren, wenn sie es nicht musste. Vielleicht w�rden einige dieser wunderbaren Instrumente aus dem Zeitalter der Legenden, von denen Mesaana immer sprach, ihr eines Tages erlauben, jede Schwester auf der Stelle zu befragen � falls die Frau sie jemals besorgte �, aber jetzt musste man noch immer verschl�sselte Befehle auf Kopfkissen oder an geheimen Stellen hinterlassen. Was ihr einst wie augenblickliche Erwiderungen vorgekommen war, kam ihr jetzt unendlich langsam vor. Ein st�mmiger, kahlk�pfiger Diener, der sich verbeugte, schluckte deutlich h�rbar, und sie gl�ttete ihre Z�ge. Sie war stolz auf ihre eiskalte Gleichg�ltigkeit und zeigte immer eine k�hle, glatte Oberfl�che. Sich mit finsterer Miene ihren Weg durch den Turm zu bahnen w�rde ihr nicht das Geringste bringen.</p><p>Es gab jemanden im Turm, von dem sie genau zu wissen glaubte, wo sie ihn finden w�rde, jemand, von dem sie Antworten verlangen konnte, ohne sich dar�ber Sorgen machen zu m�ssen, was die Frau wohl dachte. Nat�rlich war auch hier eine gewisse Vorsicht angebracht � sorglose Fragen enth�llten mehr, als die meisten Antworten wert waren �, aber Elaida w�rde ihr alles sagen. Mit einem Seufzen erklomm Alviarin die erste Stufe.</p><p>Mesaana hatte ihr von einem anderen Wunder aus dem Zeitalter der Legenden erz�hlt, das sie sehr gern sehen w�rde, ein Ding namens �Aufzug�. Die fliegenden Maschinen klangen nat�rlich viel gro�artiger, aber es war viel einfacher, sich einen mechanischen Apparat vorzustellen, der einen von einer Etage zur n�chsten brachte. Sie wusste nicht, ob sie wirklich glauben sollte, dass es Geb�ude gegeben hatte, die die mehrfache H�he des Turms der Wei�en Burg aufwiesen � auf der ganzen Welt kam nicht einmal der Stein von Tear an die H�he des Turms heran �, aber allein das Wissen um diese �Aufz�ge� lie� das Erklimmen der spiralf�rmigen G�nge und breiten Treppen m�hsam erscheinen.</p><p>In der dritten Etage blieb sie vor dem Studierzimmer der Amyrlin stehen, aber wie erwartet waren beide R�ume leer, die freiger�umten Schreibtische auf Hochglanz poliert. Die R�ume selbst erschienen karg ohne Wandbeh�nge oder Verzierungen, hier gab es nur Tische und St�hle und Stehlampen. Elaida kam nur noch selten aus ihren Gem�chern in der N�he der Turmspitze nach unten. Das war fr�her durchaus akzeptabel erschienen, da es die Frau noch mehr vom Rest der Burg isolierte. Nur wenige Schwestern stiegen freiwillig so hoch. Doch als Alviarin heute etwa achtzig Spannen erklommen war, dachte sie ernsthaft dar�ber nach, Elaida wieder dazu zu bewegen, nach unten zu ziehen.</p><p>Elaidas Vorzimmer war nat�rlich leer, auch wenn eine Mappe mit Papieren auf dem Schreibtisch bedeutete, dass jemand da gewesen war. Doch es konnte warten, ihren Inhalt zu sichten und zu entscheiden, ob Elaida f�r ihren Besitz bestraft werden musste. Alviarin warf ihren Umhang auf den Schreibtisch und stie� die neue T�r auf, die mit einer geschnitzten Flamme von Tar Valon versehen war und darauf wartete, vergoldet zu werden, und die tiefer in die Gem�cher hineinf�hrte.</p><p>Die Erleichterung, die sie versp�rte, als sie Elaida hinter dem mit Schnitzwerk �bers�ten und vergoldeten Schreibtisch sitzen sah, die siebenfach gestreifte Stola um den Hals � nein, es waren nur noch sechs Streifen � und die Flamme von Tar Valon in Mondsteinen in die Goldarbeiten der hohen Stuhllehne eingelegt, �berraschte sie. Da war die nagende Sorge gewesen, die sie bislang verdr�ngt hatte, dass die Frau durch einen dummen Unfall zu Tode gekommen war. Das h�tte Zemailles Bemerkung erkl�rt. Eine neue Amyrlin zu w�hlen h�tte Monate gekostet, selbst mit den Rebellen und allem anderen, mit dem sie sich auseinander setzen mussten, aber ihre Tage als Beh�terin w�ren gez�hlt gewesen. Was sie jedoch mehr als ihre Erleichterung �berraschte, war die Anwesenheit der H�lfte der Sitzenden des Saals, die mit ihren fransenbesetzten Stolen vor dem Schreibtisch standen. Elaida wusste es besser, als diese Art Delegation ohne ihre Anwesenheit zuzulassen. Die riesige vergoldete Standuhr an der Wand, auf vulg�re Weise �bertrieben verziert, schlug zweimal zum Hoch � kleine glasierte Aes Sedai-Figuren sprangen aus den winzigen T�ren an der Vorderseite �, gerade als Alviarin den Mund �ffnete, um den Sitzenden zu sagen, dass sie mit der Amyrlin unter vier Augen sprechen musste. Die w�rden ohne allzu gro�en Protest gehen. Eine Beh�terin hatte nicht die Autorit�t, sie hinauszuwerfen, aber sie wussten, dass ihre Autorit�t �ber ihre Stola hinausging, selbst wenn keine von ihnen auch nur ann�hernd vermutete, wie das m�glich war.</p><p>�Alviarin�, sagte Elaida und klang �berrascht, bevor sie ein Wort herausbekommen konnte. Elaidas hartes Gesicht entspannte sich zu etwas, das man fast als Vergn�gen h�tte bezeichnen k�nnen. Ihr Mund zuckte und kam einem L�cheln sehr nahe. Elaida hatte schon seit einiger Zeit keinen Grund mehr zum L�cheln. �Stellt Euch da hinten hin und seid still, bis ich Zeit habe, mich um Euch zu k�mmern�, sagte sie und deutete majest�tisch auf eine Ecke des Raums. Die Sitzenden scharrten mit den F��en und richteten die Stolen. Suana, eine pummelige Frau, warf Alviarin einen verkniffenen Blick zu, und Shevan, hoch gewachsen wie ein Mann und genauso kantig, starrte sie ausdruckslos an, aber die anderen mieden ihren Blick.</p><p>Ungl�ubig blieb sie auf dem mit hellen Mustern versehenen Seidenteppich stehen. Elaida konnte unm�glich aufbegehren � die Frau w�re wahnsinnig gewesen! �, aber was im Namen des Gro�en Herrn war blo� geschehen, um ihr diese Frechheit zu verleihen? Was?</p><p>Elaidas Hand knallte laut auf den Tisch, ein Schlag, der die lackierten K�stchen h�pfen lie�. �Wenn ich Euch sage, Euch in eine Ecke zu stellen, Tochter�, sagte sie mit gef�hrlich leiser Stimme, �dann erwarte ich, dass Ihr gehorcht.� Ihre Augen funkelten. �Oder soll ich die Oberin der Novizinnen holen lassen, damit diese Schwestern Eure �private� Bu�e miterleben k�nnen?�</p><p>Alviarins Wangen brannten, teils aus Dem�tigung, teils aus Wut. Dass jemand <emphasis>h�rte</emphasis>, wie so etwas gesagt wurde, und ihr dann auch noch ins Gesicht! Aber in ihr rumorte auch die Furcht, lie� ihre Magens�ure steigen. Nur ein paar Worte von ihr, und man w�rde Elaida anklagen, Schwestern ins Verderben und in die Gefangenschaft geschickt zu haben, und das nicht nur einmal, sondern zweimal. �ber die Ereignisse in Cairhien kursierten bereits die ersten Ger�chte; unbestimmte Ger�chte zwar, aber sie wurden jeden Tag konkreter. Und sobald noch herauskam, dass Elaida f�nfzig Schwestern losgeschickt hatte, um zu versuchen, Hunderte von M�nnern zu besiegen, die die Macht lenken konnten, w�rde nicht einmal die Existenz der Rebellen-Schwestern, die mit ihrem Heer in Murandy �berwinterten, die Stola auf ihrem Hals halten � oder ihren Kopf. Sie konnte es nicht wagen, das hier zu tun. Es sei denn...</p><p>Es sei denn, sie konnte Alviarin als Schwarze Ajah in Misskredit bringen. Das w�rde ihr vielleicht etwas Zeit verschaffen. Sicherlich nur wenig, sobald die Fakten �ber die Quellen von Dumai und die Schwarze Burg allgemein bekannt wurden, aber m�glicherweise war Elaida bereit, nach Strohhalmen zu greifen. Nein, das war nicht m�glich, das <emphasis>konnte</emphasis> nicht m�glich sein. Flucht war mit Sicherheit unm�glich. Zum einen h�tte eine Flucht, falls Elaida zu einer Anklage bereit gewesen w�re, sie nur best�tigt. Dar�ber hinaus w�rde Mesaana sie finden und t�ten, falls sie floh. Das alles ging ihr blitzschnell durch den Kopf, als sie sich mit bleiernen F��en wie eine schuldbewusste Novizin in die Ecke begab. Was auch geschehen sein mochte, es musste eine M�glichkeit geben, es wieder gutzumachen. Es gab immer eine M�glichkeit, etwas wieder gutzumachen. M�glicherweise fand sie sie, wenn sie zuh�rte. Sie h�tte gebetet, h�tte der Dunkle K�nig Gebete erh�rt.</p><p>Elaida musterte sie einen Augenblick lang, dann nickte sie zufrieden. Doch die Augen der Frau funkelten noch immer angriffslustig. Sie hob den Deckel eines der drei lackierten K�stchen, holte eine kleine, vom Alter dunkel verf�rbte Schildkr�tenschnitzerei hervor und strich mit den Fingern dar�ber. Die Schnitzereien aus dem K�stchen zu streicheln war eine Angewohnheit, die sie hatte, wenn sie ihre Nerven beruhigen wollte. �Also�, sagte sie. �Ihr wolltet mir erkl�ren, warum ich mich auf Verhandlungen einlassen sollte.�</p><p>�Wir haben nicht um Erlaubnis gebeten, Mutter�, entgegnete Suana scharf und schob das Kinn vor. Sie hatte ein viel zu gro�es Kinn, ein richtiges Rechteck, und die dazu n�tige Arroganz, es jedem entgegenzustrecken. �Eine derartige Entscheidung ist Sache des Saals. Bei der Gelben Ajah gibt es die starke Tendenz, daf�r zu sein.� Was bedeutete, <emphasis>sie</emphasis> versp�rte eine starke Tendenz. Sie war die Anf�hrerin der Gelben Ajah, die Erste Weberin, etwas, das Alviarin bekannt war, weil die Schwarze Ajah s�mtliche Geheimnisse der anderen Ajahs kannte, oder zumindest fast alle, und nach Suanas Daf�rhalten waren ihre Ansichten die Ansichten ihrer Ajah.</p><p>Doesine, die andere anwesende Gelbe, warf Suana einen Seitenblick zu, sagte aber nichts. Blass und jungenhaft schlank sah Doesine aus, als wollte sie gar nicht hier sein, ein h�bscher, schmollender Junge, den man an seinem Ohr hergezerrt hatte. Sitzende sperrten sich oft, wenn die Anf�hrerinnen ihrer Ajah ihnen den Arm verdrehten, aber es war durchaus m�glich, dass Suana eine M�glichkeit gefunden hatte.</p><p>�Auch viele Wei�e bef�rworten Gespr�che�, sagte Ferane und betrachtete stirnrunzelnd einen Tintenfleck auf einem dicken Finger. �Unter den gegebenen Umst�nden ist es ein logischer Schritt.� Sie war die Erste Denkerin, die Anf�hrerin der Wei�en Ajah, aber im Gegensatz zu Suana war sie bereit, ihre Ansichten nicht �ber die ihrer Ajah zu stellen. Jedenfalls meistens. Ferane erschien oft so unbestimmbar wie die schlimmste Braune � das lange schwarze Haar, das ihr rundes Gesicht einrahmte, h�tte einen Kamm ben�tigt, ein paar der Fransen ihrer Stola waren anscheinend sorglos in ihren Fr�hst�ckstee getaucht worden �, aber sie konnte die geringste L�cke in der Logik einer Beweisf�hrung erkennen. Sie h�tte genauso gut allein dort stehen k�nnen, da sie einfach nicht glaubte, irgendwelche Unterst�tzung von den anderen Sitzenden der Wei�en zu ben�tigen.</p><p>Elaida lehnte sich auf ihren hohen Stuhl zur�ck und schaute finster drein, ihre Finger strichen schneller �ber die Schildkr�te, und Andaya meldete sich schnell zu Wort und schaute nur ungef�hr in Elaidas Richtung, w�hrend sie vorgab, den Sitz ihrer mit grauen Fransen versehenen Stola auf ihren Armen zu richten.</p><p>�Worauf es ankommt, Mutter, ist Folgendes: Wir m�ssen einen Weg finden, diesen Konflikt friedlich zu beenden�, sagte sie, und ihr tarabonischer Akzent schlug stark in ihren Worten durch, so wie immer, wenn sie sich unbehaglich f�hlte. Oftmals sch�chtern in Elaidas N�he, schaute sie Yukiri an, als hoffte sie auf Unterst�tzung, aber die schlanke kleine Frau wandte den Kopf leicht ab. F�r eine so winzige Frau war Yukiri erstaunlich stur; im Gegensatz zu Doesine h�tte sie sich zu nichts zwingen lassen. Warum also war sie hier, wenn sie es nicht sein wollte? Andaya erkannte, dass sie auf sich gestellt war, und sprach hastig weiter. �Es darf nicht zugelassen werden, dass es in den Stra�en von Tar Valon oder in der Burg zu K�mpfen kommt, vor allem nicht hier; nicht noch einmal. Bis jetzt scheinen sich die Rebellen damit zufrieden zu geben, dort zu sitzen und die Stadt zu beobachten, aber das wird nicht ewig so bleiben. Sie haben das Schnelle Reisen wieder entdeckt, Mutter, und haben es benutzt, um ein Heer �ber Hunderte von Meilen zu transportieren. Wir m�ssen mit Gespr�chen beginnen, bevor sie sich dazu entscheiden, dieses Heer mit einem Wegetor nach Tar Valon zu bringen, oder alles ist verloren, selbst wenn wir gewinnen.�</p><p>Alviarin krallte die F�uste in die R�cke und schluckte.</p><p>Sie hatte das Gef�hl, ihr w�rden gleich die Augen aus dem Kopf fallen. Die Rebellen kannten das Schnelle Reisen? Sie standen bereits vor Tar Valon? Und diese N�rrinnen wollten <emphasis>reden?</emphasis> Sie konnte sorgf�ltig in die Wege geleitete Pl�ne sich wie Nebel im Sommer aufl�sen sehen. Vielleicht w�rde der Dunkle K�nig ja doch zuh�ren, wenn sie besonders innig betete.</p><p>Elaidas finstere Miene hellte sich nicht auf, aber sie stellte die Elfenbeinschildkr�te sehr sorgf�ltig ab, und ihre Stimme klang fast normal. So normal wie fr�her, bevor Alviarin sie an die Kandare genommen hatte, mit Stahl unter den sanften Worten. �Sind die Braunen und Gr�nen auch f�r Gespr�che?�</p><p>�Die Braunen�, begann Shevan, sch�rzte dann nachdenklich die Lippen und �nderte offensichtlich das, was sie hatte sagen wollen. Nach au�en hin schien sie v�llig gelassen zu sein, aber sie rieb unbewusst mit den langen Daumen �ber die knochigen Zeigefinger. �Die Haltung der Braunen ist ziemlich sicher, was die historischen Pr�zedenzf�lle angeht. Ihr habt alle die geheimen Chroniken gelesen oder h�ttet es tun sollen. Wann auch immer die Burg in sich gespalten war, hat die Welt eine Katastrophe erlebt. Da die Letzte Schlacht droht, und �berdies in einer Welt, in der es die Schwarze Burg gibt, k�nnen wir es uns nicht l�nger leisten, auch nur einen Tag l�nger als n�tig gespalten zu sein.�</p><p>Es erschien kaum m�glich, dass Elaidas Gesicht noch dunkler wurde, aber die Erw�hnung der Schwarzen Burg brachte es zustande. �Und die Gr�nen?� Ihre Stimme war noch immer beherrscht.</p><p>Alle drei Sitzenden der Gr�nen waren da, was auf eine starke Unterst�tzung ihrer Ajah hinwies, oder auf starken Druck von der Anf�hrerin der Gr�nen. Als �lteste h�tte Talene Elaida antworten m�ssen � Gr�ne hielten sich in allem an ihre Hierarchie �, aber aus irgendeinem Grund sah die hoch gewachsene, blonde Frau Yukiri an und dann Doesine, was genauso seltsam war; sie schaute zu Boden und zupfte an ihrem gr�nen Seidenrock herum. Rina legte leicht die Stirn in Falten und r�mpfte verwirrt die Nase, aber sie trug die Stola nicht mal f�nfzig Jahre, also blieb nur Rubinde �brig, um auf die Frage zu antworten. Rubinde machte neben Talene einen kleinen und st�mmigen Eindruck, und sie erschien trotz ihrer Augen in der Farbe von Saphiren eher unscheinbar.</p><p>�Ich bin angewiesen worden, dieselben Punkte wie Shevan anzusprechen�, sagte sie und ignorierte Rinas �berraschten Blick. Offensichtlich hatte es Druck von Adelorna gegeben, dem �Generalhauptmann� der Gr�nen, und genauso offensichtlich war Rubinde anderer Meinung, wenn sie bereit war, es �ffentlich zu machen. �Tarmon Gai'don kommt, die Schwarze Burg ist eine fast genauso gro�e Gefahr, und der Wiedergeborene Drache ist verschwunden, wenn er nicht sogar tot ist. Wir k�nnen es uns nicht l�nger leisten, uneins zu sein. Wenn Andaya die Rebellen dazu �berreden kann, in die Burg zur�ckzukehren, dann m�ssen wir es auf den Versuch ankommen lassen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Elaida ausdruckslos. Aber seltsamerweise gewann sie an Farbe, und ein L�cheln schien �ber ihre Lippen zu huschen. �Dann holt sie mit Reden zur�ck, wenn Ihr es schafft, auf jeden Fall. Aber meine Erlasse bleiben bestehen. Die Blaue Ajah existiert nicht l�nger, und jede Schwester, die dem Kind Egwene al'Vere folgt, muss unter meiner Anleitung Bu�e ableisten, bevor sie <emphasis>irgendeiner</emphasis> Ajah beitreten kann. Ich habe vor, die Wei�e Burg zu einer Waffe zu schmieden, die bei Tarmon Gai'don eingesetzt wird.�</p><p>Ferane und Suana wollten protestieren, wie ihren Mienen deutlich abzulesen war, aber Elaida brachte sie mit einer erhobenen Hand zum Schweigen. �Ich habe gesprochen, T�chter. Geht jetzt. Und k�mmert euch um eure... Gespr�che.�</p><p>Es gab nichts, das die Sitzenden h�tten tun k�nnen, von offener Auflehnung abgesehen. Sie hatten die Rechte des Saals auf ihrer Seite, aber der Saal wagte nur selten, in die Autorit�t des Amyrlin-Sitzes einzugreifen. Nicht, wenn der Saal uneins gegen die Amyrlin stand, und dieser Saal war sich alles andere als einig, gleichg�ltig, um welches Thema es ging. Alviarin selbst hatte dabei geholfen, dass es so weit kam. Sie gingen, Ferane und Suana steif und mit schmalen Lippen, Andaya huschte beinahe hinaus. Keine von ihnen warf auch nur einen Blick in Alviarins Richtung.</p><p>Sie wartete kaum, bis sich die T�r hinter der Letzten geschlossen hatte. �Das ver�ndert eigentlich nichts, Elaida, das werdet Ihr doch sicherlich einsehen. Ihr m�sst klar denken und nicht �ber einen Irrweg stolpern.� Sie wusste, dass sie plapperte, aber sie schien nicht aufh�ren zu k�nnen. �Das Desaster bei den Quellen von Dumai, das ziemlich sichere Desaster bei der Schwarzen Burg, das kann Euch noch immer die Stellung kosten. Ihr braucht mich, um Stab und Stola halten zu k�nnen. Ihr braucht mich, Elaida. Ihr...� Sie biss die Z�hne zusammen, bevor sie alles ausplauderte. Es musste noch immer eine M�glichkeit geben.</p><p>�Ich bin �berrascht, dass Ihr zur�ckgekehrt seid�, sagte Elaida, stand auf und gl�ttete ihre rot geschlitzten R�cke. Seltsamerweise l�chelte sie, als sie um den Tisch herumkam. Kein angedeutetes L�cheln, sondern ein breites, erfreutes Verziehen der Lippen. �Habt Ihr Euch seit der Ankunft der Rebellen in der Stadt versteckt? Ich dachte, Ihr h�ttet Euch eine Schiffspassage besorgt, als Ihr von ihrem Eintreffen h�rtet. Wer h�tte je gedacht, dass sie das Schnelle Reisen wieder entdecken w�rden? Stellt Euch nur vor, was wir erreichen k�nnen, sobald auch wir �ber dieses Wissen verf�gen.� L�chelnd glitt sie �ber den Teppich.</p><p>�Lasst mich nachdenken. Was habe ich von Euch zu bef�rchten? Die Geschichten aus Cairhien sind in der Burg das Tagesgespr�ch, aber selbst wenn Schwestern tats�chlich dem jungen al'Thor gehorchen sollten, was ich nun wirklich nicht glauben kann, so gibt jeder Coiren die Schuld. Es lag in ihrer Verantwortung, ihn herzubringen, und nach Ansicht ihrer Schwestern ist sie so gut wie vor Gericht gestellt und verurteilt.� Elaida blieb vor Alviarin stehen und sperrte sie in der Ecke ein. Das L�cheln erreichte nie ihre Augen. Sie l�chelte, und ihre Augen funkelten. �Und in der vergangenen Woche haben wir viele gute Dinge �ber die Schwarze Burg geh�rt.� Bei der Erw�hnung verzog Elaida angewidert den Mund. �Wie es aussieht, gibt es dort noch mehr M�nner, als Ihr gedacht habt. Aber jeder glaubt, dass Toveine den Verstand gehabt haben muss, das vor ihrem Angriff in Erfahrung zu bringen. Dar�ber ist viel diskutiert worden. Falls sie besiegt zur�ckgeschleppt wird, wird sie die Schuld ernten. Also sind Eure Drohungen...�</p><p>Alviarin taumelte gegen die Wand und blinzelte Flecken weg, bevor ihr �berhaupt bewusst wurde, dass die andere Frau sie geschlagen hatte. Ihre Wange f�hlte sich bereits angeschwollen an. Das Gl�hen <emphasis>Saidars</emphasis> hatte Elaida umgeben, und der Schild senkte sich auf Alviarin, bevor sie auch nur zucken konnte, und schnitt sie von der Macht ab. Aber Elaida hatte nicht vor, die Macht zu benutzen. Sie holte mit der Faust aus. Noch immer l�chelnd.</p><p>Sie holte langsam Luft und senkte die Hand wieder.</p><p>Aber sie hob den Schild nicht auf. �W�rdet Ihr das wirklich benutzen?�, fragte sie in fast mildem Tonfall.</p><p>Alviarins Hand zuckte vom Griff ihres G�rtelmessers zur�ck. Danach zu greifen war ein Reflex gewesen, aber selbst wenn Elaida nicht die Macht gehalten h�tte, sie zu t�ten, wo so viele Sitzende wussten, dass sie hier zusammen waren, w�re es so gut wie Selbstmord gewesen. Doch ihr Gesicht brannte, als Elaida ver�chtlich schnaubte.</p><p>�Ich freue mich darauf, Euren Hals wegen Verrats auf dem Scharfrichterblock liegen zu sehen, Alviarin. Aber bis ich die n�tigen Beweise habe, gibt es ein paar Dinge, die ich tun kann. Erinnert Ihr Euch, wie oft Ihr Silviana habt kommen lassen, um mir eine private Bu�e aufzuerlegen? Ich hoffe es, denn Ihr werdet f�r jeden Tag, den ich gelitten habe, zehn auf Euch nehmen. Und... o ja.� Grob riss sie Alviarin die Beh�terinnen-Stola vom Hals. �Da Euch keiner finden konnte, als die Rebellen eintrafen, habe ich den Saal gebeten, Euch als Beh�terin abzuberufen. Nat�rlich gab es keine gro�e Mehrheit. Vielleicht habt Ihr dort noch immer ein bisschen Einfluss. Aber es war �berraschend einfach, von denen, die an jenem Tag dort sa�en, eine Mehrheit zu bekommen. Eine Beh�terin sollte bei ihrer Amyrlin sein, nicht in der Gegend herumstreunen. Wenn ich so dar�ber nachdenke, habt Ihr vielleicht doch keinen Einfluss mehr, da sich herausstellt, dass Ihr Euch die ganze Zeit in der Stadt versteckt habt. Oder seid Ihr zur�ckgesegelt und habt die Katastrophe vorgefunden, und seid der Meinung gewesen, Ihr k�nntet etwas aus den Ruinen retten? Wie dem auch sei. Vielleicht w�re es besser f�r Euch gewesen, Ihr w�rt auf das erste Schiff gesprungen, das Tar Valon verl�sst. Aber ich muss zugeben, die Vorstellung, wie Ihr von Dorf zu Dorf fl�chtet und Euch sch�mt, Euch anderen Schwestern zu zeigen, verblasst neben dem Vergn�gen, das ich haben werde, wenn ich Euch leiden sehe. Und jetzt geht mir aus den Augen, bevor ich entscheide, dass es statt Silvianas Riemen doch die Rute sein soll.� Sie warf die wei�e Stola auf den Boden, drehte ihr den R�cken zu, lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los und rauschte zu ihrem Stuhl, als h�tte Alviarin aufgeh�rt zu existieren.</p><p>Alviarin ging nicht, sie floh, sie rannte und hatte dabei das Gef�hl, den Atem der Schattenhunde im Nacken zu sp�ren. Sie hatte kaum einen klaren Gedanken fassen k�nnen, seit das Wort <emphasis>Verrat</emphasis> gefallen war. Dieses Wort, das in ihrem Kopf widerhallte, wollte sie aufheulen lassen. Verrat konnte nur eines bedeuten. Elaida wusste Bescheid, und sie suchte nach Beweisen. Sollte der Dunkle K�nig sich ihrer erbarmen. Aber das tat er nie. Gnade war nur etwas f�r jene, die Angst hatten, sich zu irren. Sie hatte keine Angst. Sie war ein B�ndel Haut, das bis zum Platzen mit schierem Entsetzen gef�llt war.</p><p>Sie floh den Turm hinab, und falls ihr in den Korridoren Diener begegneten, nahm sie sie nicht wahr. Entsetzen machte sie blind f�r alles, das sich nicht unmittelbar in ihrem Weg befand. Sie rannte den ganzen Weg bis zur sechsten Etage, zu ihrem eigenen Gemach. Zumindest ging sie davon aus, dass es noch ihres war. Die R�ume mit dem Balkon, der auf den gro�en Platz vor dem Turm hinaussah, geh�rten zum Amt der Beh�terin der Chronik. Im Augenblick gen�gte es ihr, dass sie noch R�ume hatte. Und eine Chance, um zu �berleben.</p><p>Die M�bel waren noch immer die Domani-St�cke ihrer Vorg�ngerin, helles Holz mit Intarsien aus Muscheln und Bernstein. Im Schlafzimmer riss sie einen der Kleiderschr�nke auf, fiel auf die Knie und schob Kleider beiseite, um hinten nach einem K�stchen zu suchen, das keine zwei H�nde breit war und ihr schon viele Jahre geh�rte. Die Schnitzarbeiten auf dem K�stchen waren aufw�ndig, aber unbeholfen, Reihen unterschiedlicher Knoten, von einem Schnitzer angefertigt, der �ber mehr Ehrgeiz als Geschick verf�gt hatte. Alviarins H�nde zitterten, als sie es zum Tisch trug, und sie setzte es ab, um sich die schwei�feuchten H�nde an den R�cken abzuwischen. Der Trick, um das K�stchen zu �ffnen, bestand darin, die Finger so weit zu spreizen, wie es ging, und vier Knoten gleichzeitig zu dr�cken. Der Deckel hob sich einen Spalt, und sie warf ihn zur�ck, enth�llte ihren kostbarsten Besitz, der in ein braunes Tuch eingewickelt war, damit er nicht klapperte, falls eine Dienerin das K�stchen sch�ttelte. Die meisten Burgdiener w�rden es nicht wagen, einen Diebstahl zu begehen, aber die meisten bedeutete nicht alle.</p><p>Einen Augenblick lang starrte Alviarin das B�ndel nur an. Darin war ihr kostbarster Besitz, ein Gegenstand aus dem Zeitalter der Legenden, aber sie hatte noch nie zuvor gewagt, ihn zu benutzen. Nur im schlimmsten Notfall, hatte Mesaana gesagt, in der verzweifeltsten Not, aber was konnte schlimmer als das hier sein? Mesaana hatte behauptet, der Gegenstand k�nnte Hammerschl�ge aushalten, ohne zu zerbrechen, aber sie schlug das Tuch mit der gleichen Sorgfalt zur Seite, die sie bei feinem braunem Glas angewandt h�tte, und enth�llte ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis>, einen leuchtend roten Stab, nicht l�nger als ihr Zeigefinger, der bis auf ein paar feine, in einem verschlungenen Muster miteinander verbundenen Linien vollkommen glatt war. Sie umarmte die Quelle und ber�hrte dieses Muster an zwei der Verbindungsstellen mit haarfeinen Str�ngen aus Feuer und Erde. Im Zeitalter der Legenden w�re das nicht n�tig gewesen, aber etwas, das man �stehende Str�me� nannte, existierte nicht mehr. Eine Welt, in der fast jedes <emphasis>Ter'angreal</emphasis> von Menschen benutzt werden konnte, die nicht die Macht lenken konnten, erschien jenseits jeder Vorstellungskraft. Warum hatte man das erlaubt?</p><p>Sie dr�ckte mit dem Daumen gegen das eine Ende des Stabes � die Eine Macht allein reichte nicht �, lie� sich schwer auf den Stuhl fallen, lehnte sich gegen die niedrige Lehne und starrte den Gegenstand in ihrer Hand an. Es war vollbracht. Jetzt f�hlte sie sich leer, ein gro�er leerer Raum, in dem �ngste durch die Finsternis flatterten wie gewaltige Flederm�use.</p><p>Statt das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> wieder einzuwickeln, schob sie es in die G�rteltasche und stand auf, um das K�stchen wieder in den Schrank zu stellen. Sie hatte nicht vor, den Stab aus ihrer Reichweite zu lassen, bevor sie wusste, dass sie in Sicherheit war. Aber jetzt konnte sie nur dasitzen und warten, mit zwischen den Knien geklemmten H�nden hin und her schaukeln. Sie konnte genauso wenig mit dem Schaukeln aufh�ren, wie sie das leise St�hnen unterdr�cken konnte, das aus ihrem Mund drang. Seit der Gr�ndung der Burg war keine Schwester jemals angeklagt worden, eine Schwarze Ajah zu sein. Oh, einzelne Schwestern hatten einen Verdacht gehabt, und von Zeit zu Zeit waren Aes Sedai gestorben, sodass diese Verd�chtigungen nie weitergingen, aber es war nie zu einer offiziellen Anklage gekommen. Wenn Elaida bereit war, offen vom Scharfrichterblock zu sprechen, dann musste sie kurz davor stehen, Anklage zu erheben. Ganz kurz davor. Man hatte auch Schwarze Schwestern verschwinden lassen, wenn der Verdacht zu gro� wurde. Die Schwarze Ajah blieb verborgen, ganz egal, was es kostete. Sie w�nschte, sie h�tte zu st�hnen aufh�ren k�nnen.</p><p>Pl�tzlich verblasste das Licht in dem Raum und tauchte alles in wirbelnde Schatten. Das Sonnenlicht schien unf�hig zu sein, die Glasscheiben des Fensters zu durchdringen. Alviarin fiel sofort auf die Knie und schlug die Augen nieder. Das Verlangen, ihre Bef�rchtungen hervorzusprudeln, lie� sie zittern, aber bei den Auserw�hlten musste man die Form einhalten. �Ich lebe, um zu dienen, Gro�e Herrin�, sagte sie, und nicht mehr. Sie konnte keinen Augenblick verschwenden, vor Schmerzen zu schreien, geschweige denn eine Stunde. Sie krallte die H�nde zusammen, um sie am Zittern zu hindern.</p><p>�Worum handelt es sich bei deinem ernsten Notfall, Kind?� Es war eine Frauenstimme, aber eine Stimme wie ein Glockenspiel aus Kristall. Ein ver�rgertes Glockenspiel. Nur ver�rgert. Ein w�tendes Glockenspiel h�tte den sofortigen Tod bedeutet. �Wenn du glaubst, ich w�rde auch nur einen Finger kr�mmen, um dir deine Beh�terinnenstola wiederzubeschaffen, dann unterliegst du einem traurigen Irrtum. Du kannst noch immer tun, was ich erledigt haben will, es kostet dich nur etwas mehr M�he. Und du darfst deine Bu�sitzungen bei der Oberin der Novizinnen als kleine Strafe von mir betrachten. Ich habe dich davor gewarnt, Elaida zu sehr zu bedr�ngen.�</p><p>Alviarin schluckte ihren Protest herunter. Elaida war keine Frau, die man ohne Druck beugen konnte. Mesaana musste das wissen. Aber bei den Auserw�hlten konnten Proteste gef�hrlich sein. Bei den Auserw�hlten waren viele Dinge gef�hrlich. Auf jeden Fall war Silvianas Riemen harmlos im Vergleich zur Axt des Scharfrichters.</p><p>�Elaida wei� Bescheid, Herrin�, hauchte sie und hob den Blick. Vor ihr stand eine Frau aus Licht und Schatten, die in Licht und Schatten gekleidet war, nur finsteres Schwarz und silbriges Wei�, das ununterbrochen von einem Zustand in den anderen wechselte. Silberne Augen blickten ungehalten aus einem Gesicht aus Rauch, silberne Lippen waren zu einem schmalen Strich verzogen. Es war nur eine Illusion, und auch nicht viel besser gemacht, als Alviarin es h�tte bewerkstelligen k�nnen. Kurz blitzte ein gr�ner, mit aufw�ndigen bronzenen Streifen verzierter Seidenrock auf, als Mesaana �ber den Domani-Teppich glitt. Aber Alviarin konnte genauso wenig die Gewebe erkennen, welche die Illusion erschufen, wie sie jene wahrgenommen hatte, die die Frau benutzte, um herzukommen oder den Raum in Schatten zu h�llen. Soweit sie es feststellen konnte, war Mesaana gar nicht dazu in der Lage, die Macht zu lenken! F�r gew�hnlich empfand sie angesichts dieser beiden Geheimnisse eine freudige Erregung, aber heute fiel es ihr kaum auf. �Sie wei�, dass ich eine Schwarze Ajah bin, Gro�e Herrin. Wenn sie mich entlarvt hat, dann hat sie tief gegraben. Dutzende von uns k�nnten bedroht sein, vielleicht sogar alle.� Am besten malte man eine Bedrohung in den finstersten Farben aus, wenn man sichergehen wollte, dass etwas passierte. M�glicherweise war es sogar die Wahrheit.</p><p>Aber Mesaana winkte nur absch�tzig mit einer jetzt silbernen Hand. Ihr Gesicht gl�hte wie ein Mond um Augen, die schw�rzer als Kohle war. �Das ist l�cherlich. Elaida kann sich nicht von einem auf den anderen Tag entscheiden, doch an die Existenz der Schwarzen Ajah zu glauben. Du willst dir nur Schmerzen ersparen, Kind. Vielleicht werden ein paar dir deine Fehleinsch�tzungen bewusst machen.� Alviarin fing an zu betteln, als Mesaana die Hand h�her hob und sich ein Gewebe in der Luft formte, das sie nur zu gut kannte. Sie musste es der Frau begreiflich machen!</p><p>Pl�tzlich ging ein Ruck durch die Schatten im Raum. Alles schien zur Seite gedr�ngt zu werden, als sich die Dunkelheit zu mitternachtsschwarzen Klumpen verfestigte.</p><p>Und dann war die Dunkelheit verschwunden. �berrascht fand sich Alviarin mit flehentlich ausgestreckten H�nden einer Frau aus Fleisch und Blut mit blauen Augen gegen�ber, die in bronzeverziertes Gr�n gekleidet war. Eine qu�lend vertraut erscheinende Frau, die kaum �ber ihre mittleren Jahre hinaus zu sein schien. Sie hatte gewusst, dass sich Mesaana als Schwester maskiert in der Burg aufhielt, obwohl keiner der Auserw�hlten, denen sie begegnet war, irgendein Anzeichen von Alterslosigkeit gezeigt hatte, aber sie konnte das Gesicht keinem Namen zuordnen. Und sie erkannte noch etwas. Diese Frau hatte Angst. Sie verbarg es zwar, aber sie hatte Angst.</p><p>�Sie ist sehr n�tzlich gewesen�, sagte Mesaana und klang alles anderes als �ngstlich, mit einer Stimme, die sich Alviarins Erinnerung immer um ein Haar entzog, �und jetzt werde ich sie t�ten m�ssen.�</p><p>�Du warst immer... �bertrieben verschwenderisch�, erwiderte eine knirschende Stimme; sie war wie ein verfaulter Knochen, der unter einem Absatz zerbr�ckelte.</p><p>Beim Anblick des gro�en Mannes in schwarzer R�stung � sie bestand nur aus sich �berlappenden Platten, wie die Schuppen einer Schlange �, der vor einem der Fenster stand, kippte Alviarin entsetzt um. Denn es war kein Mann. Das blutleere Gesicht hatte keine Augen; dort, wo sie h�tten sein m�ssen, war nur glatte, tote wei�e Haut. Sie war im Dienst des Dunklen K�nigs schon zuvor Myrddraal begegnet, und hatte es sogar geschafft, ihren augenlosen Blick zu erwidern, ohne sich von dem Entsetzen �berw�ltigen zu lassen, das dieses Starren ausl�ste, aber dieser hier lie� sie auf dem Boden zur�ckkriechen, bis ihr R�cken gegen ein Tischbein stie�. Schleicher �hnelten einander wie zwei Regentropfen, sie waren hoch gewachsen und schlank und identisch, aber dieser war einen ganzen Kopf gr��er, und er schien Furcht auszustrahlen, die in ihre Knochen sickerte. Ohne nachzudenken griff sie nach der Quelle. Und h�tte beinahe aufgeschrien. Die Quelle war weg! Sie war nicht abgeschirmt; es war einfach nichts da, wonach sie greifen konnte! Der Myrddraal sah sie an und l�chelte. Schleicher l�chelten niemals. Nie. Ihr Atem kam in keuchenden St��en.</p><p>�Sie kann n�tzlich sein�, knirschte der Myrddraal. �Ich m�chte nicht, dass die Schwarze Ajah vernichtet wird.�</p><p>�Wer bist du, dass du es wagst, einen der Auserw�hlten herauszufordern?�, verlangte Mesaana ver�chtlich zu wissen, machte die Wirkung dann aber zunichte, indem sie sich die Lippen befeuchtete.</p><p>�Glaubst du, Hand des Schattens ist blo� ein Name?� Die Stimme des Myrddraal war nicht l�nger knirschend.</p><p>Hohl schien sie aus unvorstellbarer Ferne aus H�hlen zu schallen. Die Kreatur wuchs, als sie sprach, bis ihr Kopf die Decke ber�hrte, zwei Spannen hoch. �Man hat dich gerufen, und du bist nicht gekommen. Meine Hand reicht weit, Mesaana.�</p><p>Sichtlich am ganzen K�rper zitternd, �ffnete die Auserw�hlte den Mund, vielleicht um zu bitten, und sie schrie auf, als ihre Kleidung zu Staub zerfiel. Ringe aus schwarzen Flammen banden ihr die Arme an die Seiten, wickelten sich eng um ihre Beine, und eine brodelnde Kugel aus reiner Schw�rze erschien in ihrem Mund und zwang ihren Kiefer weit auf. Sie wand sich, stand nackt und hilflos da, und der Ausdruck in ihren verdrehten Augen verursachte in Alviarin das Bed�rfnis, sich selbst zu beschmutzen.</p><p>�Willst du wissen, warum eine der Auserw�hlten bestraft werden muss?� Die Stimme war wieder das knochenzerreibende Knirschen, der Myrddraal scheinbar nur ein zu gro�er Schleicher, aber Alviarin lie� sich nicht t�uschen. �Willst du zusehen?�, fragte er.</p><p>Sie h�tte sich mit dem Gesicht zu Boden werfen sollen, um ihr Leben betteln, aber sie konnte sich nicht bewegen.</p><p>�Nein, Gro�er Herr�, schaffte sie es hervorzusto�en, obwohl ihr Mund so trocken wie Staub war. Sie wusste es. Es konnte nicht sein, aber sie wusste es. Ihr wurde bewusst, dass ihr Tr�nen die Wangen hinunterstr�mten.</p><p>Der Myrddraal l�chelte wieder. �Viele sind aus gro�er H�he gest�rzt, weil sie zu viel wissen wollten.�</p><p>Die Kreatur schwebte auf sie zu, nein, keine Kreatur, der Gro�e Herr, gekleidet in die Haut eines Myrddraal, schwebte auf sie zu. Er ging auf Beinen, und doch konnte man seine Bewegungen nicht anders beschreiben. Die bleiche, in Schwarz gekleidete Gestalt beugte sich zu ihr herab, und sie h�tte aus vollem Hals gekreischt, als er mit einem Finger ihre Stirn ber�hrte. Sie h�tte gekreischt, h�tte sie einen Ton zustande gebracht. Ihre Lungen waren luftlose S�cke. Die Ber�hrung brannte wie ein rot gl�hendes Eisen. Vage fragte sie sich, warum sie nicht ihr eigenes, brennendes Fleisch roch. Der Gro�e Herr richtete sich auf, und der bohrende Schmerz nahm ab und verschwand. Ihr Entsetzen minderte sich jedoch nicht im Geringsten.</p><p>�Du tr�gst jetzt mein Zeichen, dass du mir geh�rst�, knirschte der Gro�e Herr. �Mesaana wird dir jetzt nichts mehr tun. Bis ich ihr die Erlaubnis gebe. Du wirst herausfinden, wer hier meine Kreaturen bedroht und sie mir �bergeben.� Er wandte sich von ihr ab, und die schwarze R�stung fiel von seinem K�rper. Alviarin zuckte zusammen, als sie mit einem st�hlernen Scheppern auf dem Teppich landete, statt sich einfach aufzul�sen. Er war in Schwarz gekleidet, und sie h�tte nicht sagen k�nnen, ob es Seide oder Leder oder etwas anderes war. Seine Dunkelheit schien das Licht aus dem Raum zu saugen. Mesaana k�mpfte gegen ihre Fesseln an und wimmerte schrill wegen des Knebels in ihrem Mund. �Geh jetzt�, sagte er, �wenn du deine n�chste Stunde noch erleben willst.� Der Laut, den Mesaana ausstie�, steigerte sich zu einem verzweifelten Schrei.</p><p>Alviarin vermochte nicht zu sagen, wie sie aus ihren Gem�chern herauskam � sie konnte nicht begreifen, wie sie aufrecht gehen konnte, wenn sich ihre Beine doch wie Wasser anf�hlten �, aber sie wurde sich bewusst, dass sie durch die Korridore lief, die R�cke bis zu den Knien gerafft und so schnell rennend, wie sie konnte. Pl�tzlich klaffte der obere Absatz einer breiten Treppe vor ihr auf, und sie konnte gerade noch verhindern, direkt ins Leere zu st�rmen. Zitternd sackte sie gegen die Wand und starrte die gewundene Flucht aus wei�en Marmorstufen hinunter. In ihrer Vorstellung sah sie sich selbst, wie sie sich jeden Knochen brach, als sie die Treppe hinunterst�rzte.</p><p>Sie atmete keuchend, in heiseren, kehligen Atemz�gen, und griff sich mit zitternder Hand an die Stirn. Ihre Gedanken �berschlugen sich, so wie sie auf der Treppe in die Tiefe gest�rzt w�re. Der Gro�e Herr hatte sie als die Seine gezeichnet. Ihre Finger glitten �ber glatte, unverletzte Haut. Sie hatte Wissen immer zu sch�tzen gewusst � Macht erwuchs aus Wissen �, aber sie wollte nicht wissen, was jetzt in den Gem�chern geschah, die sie verlassen hatte. Sie w�nschte sich, sie w�rde nicht wissen, dass dort �berhaupt etwas geschah. Aber sie tat es; Mesaana w�rde eine M�glichkeit finden, sie zu t�ten, obwohl der Gro�e Herr sie gezeichnet hatte. Der Gro�e Herr hatte sie gezeichnet und ihr einen Befehl gegeben. Sie durfte weiterleben, wenn sie herausfand, wer die Schwarze Ajah jagte. M�hsam richtete sie sich auf und wischte sich mit den Handkanten die Tr�nen von ihren Wangen. Sie konnte den Blick nicht von den Stufen vor ihr wenden, die in die Tiefe f�hrten. Elaida verd�chtigte sie mit Sicherheit, aber wenn sie sie nicht mehr in der Hand hatte, konnte Alviarin noch immer eine Hetzjagd in Gang setzen. Sie musste Elaida nur zu einer Bedrohung machen, die es auszuschalten galt, und sie in die Jagd auf jene mit einschlie�en, die dem Gro�en Herrn �bergeben werden mussten. Ihr Finger tasteten erneut zittrig nach der Stirn. Die Schwarze Ajah stand unter ihrem Befehl. Glatte, makellose Haut. Talene war da gewesen, in Elaidas R�umen. Warum hatte sie Yukiri und Doesine auf diese Weise angesehen? Talene war eine Schwarze, auch wenn sie nat�rlich nicht wusste, dass Alviarin ebenfalls eine war. Ob man das Zeichen im Spiegel sehen konnte? War es etwas, das andere sehen konnten? Wenn sie f�r Elaidas angebliche J�ger einen Plan schmieden musste, w�rde Talene jemand sein, mit dem man anfangen konnte. Sie versuchte die Route nachzuvollziehen, die eine Botschaft von Herzen zu Herzen genommen haben w�rde, bevor sie Talene erreichte, aber sie konnte nicht aufh�ren, die Treppe hinunterzustarren und im Geist ihren K�rper zu sehen, wie er immer wieder aufprallte und auf dem Weg nach unten zerbrach. Der Gro�e Herr hatte sie gezeichnet.</p></section><section><title><p>22</p><p>Eine Antwort</p></title><p>Pevara wartete leicht ungeduldig, w�hrend die schlanke Aufgenommene das Tablett auf einem Seitentisch abstellte und den Kuchen abdeckte. Pedra, eine kleine Frau mit ernstem Gesicht, war nicht langsam oder gereizt, den ganzen Morgen mit Besorgungen f�r eine Sitzende verbringen zu m�ssen, sondern nur pr�zise und sorgf�ltig. Das waren n�tzliche Eigenschaften, die sch�tzenswert waren. Doch als die Aufgenommene fragte, ob sie den Wein einschenken sollte, sagte Pevara kurz angebunden: �Das machen wir selbst, Kind. Ihr d�rft im Vorzimmer warten.� Beinahe h�tte sie der jungen Frau befohlen, sich wieder an ihre Studien zu begeben.</p><p>Pedra breitete die wei�en R�cke mit den Streifen in einem anmutigen Knicks aus, ohne Zeichen jener Hektik zu zeigen, die Aufgenommene oftmals verrieten, wenn eine Sitzende barsch war. Allzu oft nahmen Aufgenommene Sch�rfe im Tonfall einer Sitzenden als Kommentar zu ihrer Bef�higung f�r die Stola auf; als h�tten Sitzende keine anderen Sorgen.</p><p>Pevara wartete, bis sich die T�r hinter Pedra geschlossen hatte und der Riegel ins Schloss gefallen war, bevor sie anerkennend nickte. �Sie wird bald zur Aes Sedai erhoben werden�, sagte sie. Es war zufrieden stellend, wenn eine Frau die Stola erlangte, aber ganz besonders, wenn die Frau am Anfang wenig viel versprechend gewesen war. Heutzutage schienen kleine Freuden die Einzigen zu sein, die es gab.</p><p>�Aber wohl keine von uns, glaube ich�, lautete die Erwiderung von ihrem �berraschungsgast, der sich von der Reihe gemalter Miniaturen von Pevaras verstorbener Familie abwandte, die auf der gewellten Marmorverkleidung des Kamins standen. �Sie ist unsicher, was M�nner angeht. Ich glaube, sie machen sie nerv�s.�</p><p>Tarna war mit Sicherheit niemals wegen M�nnern oder auch irgendetwas anderem nerv�s gewesen, zumindest nicht, seit sie vor zwanzig Jahren die Stola errungen hatte. Pevara konnte sich an eine sehr nerv�se Novizin erinnern, aber die blauen Augen der Frau mit dem hellen Haar waren nun hart. Und so warm wie ein Stein im Winter. Trotzdem hatte dieses k�hle, stolze Gesicht etwas an sich, das es an diesem Morgen unbehaglich erscheinen lie�. Pevara konnte sich kaum vorstellen, was Tarna Feir nerv�s machen konnte.</p><p>Aber die eigentliche Frage bestand darin, warum die Frau gekommen war, um sie zu sehen. F�r sie grenzte es schon an eine Ungeh�rigkeit, einer Sitzenden einen Privatbesuch abzustatten, insbesondere einer Roten. Tarna hatte noch immer ihre R�ume im Quartier der Roten, aber so lange sie ihre neue Position innehielt, geh�rte sie trotz der blutroten Stickerei auf ihrem dunkelgrauen Kleid nicht l�nger zur Roten Ajah. Die Verz�gerung des Umzugs in ihre neuen R�ume h�tte von Leuten, die sie nicht kannten, als Zeichen des Takts aufgefasst werden k�nnen.</p><p>Seit Seaine sie in ihre Jagd nach der Schwarzen Ajah verstrickt hatte, machte alles Ungew�hnliche Pevara misstrauisch. Und Elaida vertraute Tarna, so wie sie Galina vertraut hatte; es war klug, bei <emphasis>jedem</emphasis>, dem Elaida vertraute, gro�e Vorsicht walten zu lassen. Allein der Gedanke an Galina � das Licht sollte diese Frau f�r alle Ewigkeit brennen lassen! � versetzte Pevara noch immer in Wut, aber da gab es noch eine zweite Verbindung. Auch Galina hatte sich sehr f�r Tarna interessiert. Gewiss, Galina hatte sich f�r jede Novizin oder Aufgenommene interessiert, die sich ihrer Ansicht nach vielleicht den Roten anschlie�en w�rde, aber es war ein weiterer Grund zur Vorsicht.</p><p>Nicht, dass sich Pevara davon etwas h�tte anmerken lassen. Daf�r war sie schon zu lange Aes Sedai. L�chelnd griff sie nach der Silberkanne, die auf dem Tablett stand und den s��en Geruch von Gew�rzen verstr�mte. �Trinkt Ihr Wein, Tarna, als Gratulation zur Erhebung?�</p><p>Mit den Silberpokalen in den H�nden setzten sie sich in die Spiralen-Lehnst�hle, ein Stil, der vor fast hundert Jahren in Kandor aus der Mode gekommen war, der Pevara aber gefiel. Sie sah keinen Grund, ihre M�bel oder etwas anderes nur wegen den Launen des Augenblicks zu �ndern. Die St�hle hatten ihr seit ihrer Anfertigung gedient, und mit ein paar zus�tzlichen Kissen waren sie bequem. Tarna sa� jedoch steif auf der Stuhlkante. Niemand hatte sie je als schwach bezeichnet, aber ihr war offensichtlich unbehaglich zumute.</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, ob Gratulationen angebracht sind�, sagte sie und ber�hrte die schmale rote Stola um ihren Hals. Der genaue Farbton war nicht vorgeschrieben, aber jeder, der ihn sah, h�tte ihn als Rot beschrieben, und sie hatte ein helles Scharlachrot gew�hlt, das beinahe leuchtete. �Elaida hat darauf bestanden, und ich konnte nicht ablehnen. Es hat sich viel ver�ndert, seit ich die Burg verlie�, sowohl in ihr als auch au�erhalb. Alviarin hat jedermann dazu gebracht, die Beh�terin... mit Vorsicht zu betrachten. Ich vermute, einige werden wollen, dass sie die Pr�gelstrafe erh�lt, wenn sie endlich zur�ckkehrt. Und Elaida...� Sie hielt inne, um einen Schluck Wein zu trinken, aber als sie den Pokal senkte, wechselte sie das Thema. �Ich habe oft geh�rt, dass man Euch als unkonventionell bezeichnet. Ich habe sogar geh�rt, dass Ihr einmal gesagt habt, ihr h�ttet gern einen Beh�ter.�</p><p>�Man hat mich schon Schlimmeres als unkonventionell bezeichnet�, sagte Pevara trocken. Was hatte die Frau �ber Elaida sagen wollen? Sie hatte sich angeh�rt, als h�tte sie die Stola der Beh�terin der Chroniken abgelehnt, wenn es nach ihren W�nschen gegangen w�re. Seltsam. Tarna war alles andere als sch�chtern und zaghaft. Hier schien Schweigen angebracht. Vor allem �ber Beh�ter. Sie hatte zu viel geredet, wenn <emphasis>das</emphasis> ein allgemeines Gespr�chsthema war. Au�erdem, man musste nur lange genug schweigen, und die andere Frau sprach immer, und wenn auch nur aus dem Grund, um die Pausen zu f�llen. Man konnte mit Schweigen viel erfahren. Pevara nippte an ihrem Wein. F�r ihren Geschmack war zu viel Honig darin und nicht genug Ingwer.</p><p>Steif stand Tarna auf und ging zum Kamin, wo sie die Miniaturen auf ihren wei� lackierten St�ndern betrachtete. Sie hob eine Hand, um eines der Elfenbeinportr�ts zu ber�hren, und Pevara sp�rte, wie sich ihre Schultern ungewollt versteiften. Georg, ihr j�ngster Bruder, war erst zw�lf gewesen, als er gestorben war, bei einem Aufstand von Schattenfreunden. Sie waren keine Familie gewesen, die sich Elfenbeinminiaturen leisten konnte, aber sobald sie das n�tige Geld gehabt hatte, hatte sie einen Maler gefunden, der ihre Erinnerungen einfangen konnte. Georg war ein h�bscher Junge gewesen, gro� f�r sein Alter und v�llig furchtlos. Viel sp�ter hatte sie erfahren, wie ihr kleiner Bruder gestorben war. Mit einem Messer in der Hand, �ber der Leiche ihres Vaters stehend, hatte er versucht, den Mob von ihrer Mutter fern zu halten. Das war nun so viele Jahre her. Sie w�ren sowieso schon alle lange tot, aber mancher Hass erlosch niemals.</p><p>�Wie ich geh�rt habe, ist der Wiedergeborene Drache <emphasis>Ta'veren</emphasis>�, sagte Tarna schlie�lich, sie starrte noch immer Georgs Bild an. �Glaubt Ihr, er ver�ndert �berall den Lauf der Dinge? Oder ver�ndern wir die Zukunft selbst, ein Schritt folgt dem n�chsten, bis wir uns an einem Ort wieder finden, den wir nie erwartet h�tten?�</p><p>�Was meint Ihr?�, fragte Pevara etwas sch�rfer als beabsichtigt. Es gefiel ihr nicht, dass die andere Frau das Bildnis ihres Bruders so intensiv betrachtete, w�hrend sie von einem Mann sprach, der die Macht lenken konnte, selbst wenn er der Wiedergeborene Drache war. Sie biss sich auf die Lippe, um Tarna nicht zu bitten, sich umzudrehen und sie anzusehen. Einem R�cken konnte man nichts ablesen.</p><p>�Ich habe in Salidar mit keinen gro�en Schwierigkeiten gerechnet. Auch nicht mit einem gro�en Erfolg, aber was ich fand...� War das ein Kopfsch�tteln, oder hatte sie blo� den Winkel ver�ndert, mit dem sie die Miniatur ansah? Sie sprach langsam, aber mit einem Unterton, der etwas an Dringlichkeit erinnerte. �Ich lie� eine Brieftaubenbetreuerin einen Tag vom Dorf entfernt zur�ck, aber ich brauchte weniger als einen halben Tag, um zu ihr zur�ckzukehren, und nachdem ich die V�gel mit Abschriften meines Berichts losgeschickt hatte, habe ich ein solches Tempo vorgelegt, dass ich die Frau ausbezahlen musste, weil sie nicht mehr mithalten konnte. Ich wei� nicht einmal genau, wie viele Pferde ich verbraucht habe. Manchmal waren die Tiere so ersch�pft, dass ich meinen Ring vorzeigen musste, damit die Stallburschen sie �berhaupt tauschten, selbst mit Silber. Und weil ich so ein schnelles Tempo vorlegte, kam ich zuf�llig in Murandy in ein Dorf, w�hrend ein... Rekrutierungszug... da war. H�tte mir das, was ich in Salidar gesehen habe, nicht eine solche Angst um die Burg eingejagt, w�re ich nach Ebou Dar geritten und h�tte ein Schiff nach Illian und dann weiter flussaufw�rts genommen, aber der Gedanke, nach S�den statt nach Norden zu gehen, der Gedanke, auf ein Schiff warten zu m�ssen, hat mich wie ein Pfeil nach Tar Valon geschickt. Also war ich in diesem Dorf und habe sie gesehen.�</p><p>�Wen, Tarna?�</p><p>�Asha'man.� Sie drehte sich endlich um. Ihre Augen waren noch immer wie blaues Eis, aber angespannt. Sie hielt den Pokal mit beiden H�nden fest, als wollte sie die W�rme aufsaugen. �Nat�rlich wusste ich noch nicht, wer sie waren, aber sie rekrutierten offen M�nner f�r den Wiedergeborenen Drachen, und es erschien kl�ger, erst zuzuh�ren, bevor ich etwas sagte. Gut f�r mich, dass ich so gehandelt habe. Es waren sechs von ihnen, Pevara, sechs M�nner in schwarzen M�nteln. Zwei mit silbernen Schwertern an ihren Kragen horchten M�nner aus, ob sie gern lernen w�rden, die Macht zu lenken. Oh, sie sagten das nicht offen heraus. Sie nannten es den Blitz schleudern. Schleudere den Blitz und reite den Donner. Aber mir war es klar, wenn auch nicht den Narren, mit denen sie sprachen.�</p><p>�Ja, es war gut f�r Euch, dass Ihr geschwiegen habt�, sagte Pevara leise. �Sechs M�nner, die die Macht lenken k�nnen, w�ren f�r eine einzelne Schwester mehr als gef�hrlich. Unsere Augen-und-Ohren berichten alle �ber diese Rekrutierungstrupps � sie erscheinen �berall, von Saldaea bis Tear �, aber niemand scheint eine Idee zu haben, wie man sie aufhalten k�nnte. Falls es dazu nicht schon zu sp�t ist.� Beinahe h�tte sie sich wieder auf die Lippe gebissen. Das war das Problem, wenn man redete. Manchmal sagte man mehr, als man wollte.</p><p>Seltsamerweise lie� die Bemerkung Tarna etwas weniger steif erscheinen. Sie setzte sich wieder und lehnte sich zur�ck, auch wenn ihrer Haltung noch immer eine Spur von Misstrauen anhaftete. Sie w�hlte ihre Worte vorsichtig, hielt inne, um den Pokal an die Lippen zu f�hren, aber Pevara entging nicht, dass sie keineswegs trank. �Ich hatte auf dem Flussschiff nach Norden viel Zeit zum Nachdenken. Sogar noch mehr, nachdem uns der Idiot von Kapit�n so hart ans Ufer setzte, dass er einen Mast zerbrach und ein Leck in den Rumpf schlug. Tage, die wir mit dem Versuch verbracht haben, ein anderes Schiff herbeizurufen, nachdem wir an Land gegangen sind, und Tage, um ein Pferd zu finden. Sechs dieser M�nner, die in ein Dorf geschickt wurden, haben mich schlie�lich �berzeugt. Oh, die Umgebung auch, aber sie war nicht besonders bev�lkert. Ich... ich glaube, es ist zu sp�t.�</p><p>�Elaida ist der Ansicht, man k�nnte sie alle d�mpfen�, sagte Pevara unverbindlich. Sie hatte sich bereits zu weit hervorgewagt.</p><p>�Wenn sie sechs von ihnen in ein kleines Dorf schicken k�nnen und das Schnelle Reisen beherrschen? Meiner Meinung nach gibt es nur eine Antwort. Wir...� Tarna holte tief Luft und ber�hrte die hellrote Stola erneut, aber jetzt schien es mehr aus Bedauern zu geschehen, als um Zeit zu gewinnen. �Rote Schwestern m�ssen sie als Beh�ter aufnehmen, Pevara.�</p><p>Das war eine solche �berraschung, dass Pevara blinzelte. Einen Bruchteil weniger Selbstkontrolle, und sie h�tte sie angestarrt. �Ist das Euer Ernst?�</p><p>Die eiskalten blauen Augen erwiderten ihren Blick ruhig. Das Schlimmste war vorbei � das Undenkbare laut ausgesprochen �, und Tarna war wieder eine Frau aus Stein. �Das ist kaum ein Thema, um Scherze zu machen. Die einzige andere M�glichkeit besteht darin, sie unbehelligt zu lassen. Wer sonst kann es tun? Rote Schwestern haben Erfahrung damit, sich solchen M�nnern zu stellen, und sind bereit, die n�tigen Risiken auf sich zu nehmen. Jede andere wird davor zur�ckschrecken. Jede Schwester wird mehr als einen nehmen m�ssen, aber die Gr�nen kommen damit auch gut zurecht. Obwohl ich glaube, dass die Gr�nen in Ohnmacht fallen w�rden, wenn man ihnen das vorschl�gt. Wir... die Roten Schwestern... m�ssen tun, was getan werden muss.�</p><p>�Habt Ihr das schon Elaida vorgeschlagen?�, fragte Pevara, und Tarna sch�ttelte ungeduldig den Kopf.</p><p>�Wie Ihr schon sagtet, Elaida glaubt...� Die blonde Frau schaute stirnrunzelnd in ihren Wein, bevor sie fortfuhr.</p><p>�Elaida glaubt oft das, was sie glauben will, und sieht, was sie sehen will. Ich habe versucht, am ersten Tag nach meiner R�ckkehr die Asha'man anzusprechen. Nicht der Vorschlag mit dem Beh�terbund. Ich bin keine N�rrin. Sie hat mir verboten, sie zu erw�hnen. Aber Ihr seid... unkonventionell.�</p><p>�Und glaubt Ihr, dass sie ged�mpft werden k�nnen, <emphasis>nachdem</emphasis> sie den Bund eingegangen sind? Ich habe keine Ahnung, welche Folgen das f�r die Schwester h�tte, die den Bund h�lt, und in Wahrheit will ich es auch nicht wissen.� Pevara erkannte, dass sie hier diejenige war, die Zeit herausschinden wollte. Zu Beginn dieses Gespr�chs hatte sie nicht die geringste Ahnung gehabt, wo es hinf�hren sollte, aber sie h�tte ihren ganzen Besitz dagegengesetzt, dass es in diese Richtung f�hrte.</p><p>�Das k�nnte das Ende sein, und es k�nnte sich auch als unm�glich erweisen�, erwiderte Tarna k�hl. Die Frau <emphasis>war</emphasis> aus Stein. �Aber ich sehe keine Alternative, mit diesen Asha'man umzugehen. Rote Schwestern m�ssen mit ihnen den Beh�terbund schlie�en. Falls es dazu eine M�glichkeit gibt, werde ich unter den Ersten sein, aber es <emphasis>muss</emphasis> getan werden.�</p><p>Sie sa� da, trank langsam ihren Wein, und f�r lange Zeit konnte Pevara sie nur verbl�fft anstarren. Nichts von dem, was Tarna gesagt hatte, war ein Beweis, dass sie keine Schwarze Ajah war, aber sie konnte nicht jeder Schwester misstrauen, die nicht in der Lage war, den gegenteiligen Beweis zu erbringen. Nun, sie konnte es und tat es auch, wenn es um die Angelegenheiten der Schwarzen ging, aber es gab noch andere Dinge, um die sie sich k�mmern musste. Sie war eine Sitzende und kein Jagdhund. Sie musste an die Wei�e Burg denken, und an Aes Sedai, die weit von der Burg entfernt waren. Und an die Zukunft.</p><p>Sie schob die Finger in ihre bestickte G�rteltasche und zog ein kleines St�ck Papier heraus, das zu einer d�nnen R�hre gerollt war. Eigentlich h�tte es mit feurigen Buchstaben leuchten m�ssen. Bis jetzt war sie eine von zwei Frauen in der Burg, die wussten, was dort geschrieben stand. Selbst als sie es hervorgeholt hatte, z�gerte sie, bevor sie es Tarna reichte. �Das kam von einem unserer Spione in Cairhien, aber es wurde von Toveine Gazal geschickt.�</p><p>Tarna riss bei der Erw�hnung von Toveines Namen die Augen auf, dann senkte sie den Blick wieder, als sie las. Ihr steinernes Gesicht ver�nderte sich nicht, nachdem sie fertig war und das Papier sich wieder aufrollte. �Das ver�ndert nichts�, sagte sie kalt. �Es macht meinen Vorschlag nur noch dringlicher.�</p><p>�Ganz im Gegenteil�, seufzte Pevara. �Es ver�ndert alles. Es ver�ndert die ganze Welt.�</p></section><section><title><p>23</p><p>Schmuckst�cke</p></title><p>Die Luft in dem Zimmer war gerade ausreichend w�rmer als drau�en, um die Scheiben in den roten Fensterrahmen beschlagen zu lassen, und das Glas enthielt Blasen, aber Cadsuane schaute hinaus, als k�nnte sie die triste Landschaft deutlich sehen. Sie konnte sie sogar mehr als nur deutlich sehen. Ein paar unselige Leute, dick vermummt � nur die formlosen R�cke und Hosen unterschieden die M�nner von den Frauen �, stampften �ber die schlammigen Felder, die das Herrenhaus umgaben, manchmal blieben sie auch stehen, um die Erde abzutasten. Nicht mehr lange, und sie konnten mit Pfl�gen und der Aussaat beginnen, aber allein ihre Inspektion war ein Zeichen, dass bald der Fr�hling kommen w�rde. Der Wald jenseits der Felder bestand nur aus dunklen, kahlen �sten, die sich vor dem dunkelgrau verwaschenen Morgenhimmel abzeichneten. Eine Schneedecke hatte den Ausblick weniger trostlos erscheinen lassen, aber hier schneite es selten und dann nur leicht, und die Spuren von einem Schneefall �berdauerten nur selten bis zum n�chsten. Aber ihr fielen nur wenige Orte ein, die besser f�r ihre Zwecke geeignet gewesen w�ren, hier, kaum einen harten Tagesritt �stlich vom R�ckgrat der Welt entfernt. Wer w�rde schon darauf kommen, innerhalb der Grenzen von Tear zu suchen? Aber war es leicht gewesen, den Jungen davon zu �berzeugen, hier zu bleiben? Mit einem Seufzer wandte sie sich vom Fenster ab und f�hlte, wie der Goldschmuck in ihrem Haar schaukelte, die kleinen Monde und Sterne, V�gel und Fische. In letzter Zeit war sie sich ihnen sehr bewusst. Bewusst? Hah! In letzter Zeit hatte sie daran gedacht, mit ihnen schlafen zu gehen.</p><p>Das Wohnzimmer war gro�, aber nicht �berladen, genau wie das Herrenhaus selbst, es gab Simse aus geschnitztem Holz, das rot bemalt war. Die M�bel wiesen helle Farben auf, aber es gab nicht die geringste Vergoldung; die beiden gro�en Kamine bestanden aus einfachem Stein, waren allerdings ordentlich gemauert, die Kaminb�cke aus massivem Eisen waren auf lange Lebensdauer ausgerichtet statt auf Sch�nheit. Die Feuer in den Kaminen waren klein, weil sie darauf bestanden hatte, die Flammen leckten �ber halb verbrannte Scheite, aber es gen�gte, damit sie sich die H�nde w�rmen konnte, und mehr wollte sie nicht. Sich selbst �berlassen h�tte Algarin sie mit br�llender Hitze umgeben und mit Dienstboten erstickt, so wenig er auch noch besch�ftigte. Als unbedeutender Landedelmann war er alles andere als wohlhabend, aber er zahlte seine Schulden auf Heller und Pfennig, wo die meisten anderen M�nner die andere Seite einer Schuld gesehen h�tten.</p><p>Die schmucklose T�r zum Korridor �ffnete sich quietschend � die meisten von Algarins Dienern waren fast genauso alt wie er, und auch wenn sie alles staubfrei und ordentlich und die Lampen mit �l gef�llt und die Dochte gestutzt hielten, schienen die T�rangeln des Hauses regelm��igem Nach�len zu entgehen �, die T�r �ffnete sich quietschend und lie� Verin herein, die noch immer mit einem einfachen braunen Reitgewand und einem Umhang �ber dem Arm reisefertig gekleidet war und ihr von Grau durchzogenes Haar richtete. Das kantige Gesicht der st�mmigen kleinen Schwester zeigte einen bek�mmerten Ausdruck, und sie sch�ttelte den Kopf. �Nun, die Leute vom Meervolk sind in Tear abgeliefert worden, Cadsuane. Ich war nicht in der N�he des Steins, aber ich habe geh�rt, dass Hochlord Astoril aufgeh�rt hat, sich �ber seine schmerzenden Gelenke zu beklagen und sich mit Darlin zusammengesetzt hat. Wer h�tte gedacht, dass sich Astoril aufrafft, und dann auch noch auf Darlins Seite? Die Stra�en sind voller Waffenm�nner, die meisten betrinken sich und raufen miteinander, wenn sie nicht gegen die Atha'an Miere k�mpfen. In der Stadt sind so viele Meervolkleute wie an allen anderen Orten zusammen. Harine war entsetzt. Sie eilte zu den Schiffen, sobald sie ein Boot mieten konnte; sie erwartete, zur Herrin der Schiffe ernannt zu werden und alles zu regeln. Es scheint kein Zweifel mehr zu bestehen, dass Nesta din Reas tot ist.�</p><p>Cadsuane lie� die kleine, pummelige Frau weiterplaudern. Verin war nicht halbwegs so geistesabwesend, wie sie vorgab. Einige Braune konnten wirklich �ber die eigenen F��e stolpern, weil sie sie verga�en, aber Verin geh�rte zu jenen, die sich in einen vorget�uschten Mantel aus Weltfremdheit h�llten. Sie schien zu glauben, dass Cadsuane diesen Mantel f�r die Realit�t hielt, aber wenn eine Position bezogen werden musste, dann w�rde sie es machen. Und was sie auslie�, w�rde auch aufschlussreich sein. Cadsuane war sich der anderen Schwester weniger sicher, als ihr lieb war. Unsicherheit war ein Teil des Lebens, aber sie war sich zu vieler Dinge unsicher, als dass es ihr gefallen h�tte.</p><p>Ungl�cklicherweise musste Min an der T�r gelauscht haben, und diese junge Frau hatte wenig Geduld. �Ich habe Harine gesagt, dass es so sein w�rde�, protestierte sie und platzte ins Zimmer. �Ich habe ihr gesagt, dass man sie f�r ihren Handel mit Rand bestrafen w�rde. Nur danach wird sie Herrin der Schiffe, und ich vermag nicht zu sagen, ob das in zehn Tagen geschieht oder in zehn Jahren.� Schlank und h�bsch in ihren Stiefeln mit den roten Abs�tzen und den dunklen Locken, die bis zu den Schultern reichten, hatte Min eine tiefe, m�dchenhafte Stimme, aber sie trug einen roten Jungenmantel und blaue Hosen. Der Mantel war auf den Aufschl�gen und den �rmeln mit bunten Blumen bestickt, und die Hosen wiesen an der Au�enseite Streifen auf, aber es waren trotzdem Mantel und Hosen.</p><p>�Ihr d�rft hereinkommen, Min�, sagte Cadsuane leise. F�r gew�hnlich lie� dieser Tonfall die Leute die Ohren spitzen. Zumindest jene, die sie kannten. Auf Mins Wangen erschienen rote Flecken. �Ich f�rchte, die Herrin der Wogen hat bereits alles erfahren, was aus Eurer Sicht zu erfahren war. Aber Eurer Eile nach zu urteilen, habt Ihr vielleicht die Aura von jemand anderem gelesen und wollt mir erz�hlen, was Ihr gesehen habt?� Die seltsame F�higkeit des M�dchens hatte sich in der Vergangenheit als n�tzlich erwiesen und w�rde es zweifellos auch wieder sein. M�glicherweise. Soweit Cadsuane es sagen konnte, log sie nicht, wenn sie beschrieb, was sie in den Bildern und Auren las, die sie um Menschen herumschweben sah, aber sie erz�hlte es auch nicht immer frei heraus. Vor allem nicht, wenn es um die eine Person ging, �ber die Cadsuane gern vor allen anderen Bescheid gewusst h�tte.</p><p>Ob nun rote Wangen oder nicht, Min hob stur das Kinn. Sie hatte sich seit Shadar Logoth ver�ndert, vielleicht hatte es auch schon fr�her angefangen, aber wie dem auch sein mochte, es war keine Ver�nderung zum Besseren. �Rand will Euch sehen. Er hat gesagt, ich soll Euch bitten, aber Ihr m�sst deswegen nicht schnippisch werden.�</p><p>Cadsuane sah sie blo� an und lie� die Stille sich ausdehnen. Schnippisch? Eindeutig nicht zum Besseren. �Sagt ihm, ich komme, wenn ich kann�, entgegnete sie schlie�lich. �Schlie�t die T�r hinter Euch fest ins Schloss, Min.� Die junge Frau �ffnete den Mund, als wollte sie noch mehr sagen, aber wenigstens bewies sie genug Verstand, es ungesagt zu lassen. Sie brachte sogar trotz ihrer albernen Stiefel einen passablen Knicks zustande und schloss die T�r fest hinter sich. Tats�chlich fehlte nicht viel, um es als Zuknallen zu bezeichnen.</p><p>Verin sch�ttelte wieder den Kopf und gab ein Lachen von sich, das nicht besonders am�siert klang. �Sie liebt den jungen Mann, Cadsuane, und sie hat ihr Herz in seine Tasche gesteckt. Was auch immer Ihr sagt oder tut, sie w�rde eher ihm folgen als ihrem Verstand. Ich glaube, sie hat Angst, dass er beinahe unter ihren H�nden gestorben w�re, und Ihr wisst, wie das bei einer Frau dazu f�hren kann, dass sie sich entschlossen an ihm festklammert.�</p><p>Cadsuane presste die Lippen zusammen. Verin wusste mehr �ber diese Art Beziehung zu M�nnern als sie � sie hatte nie etwas davon gehalten, sich mit ihren Beh�tern einzulassen, so wie es manche Gr�ne taten, und andere M�nner waren nie in Frage gekommen �, aber die Braune war ohne es zu wissen einer Wahrheit sehr nahe gekommen. Zumindest glaubte Cadsuane nicht, dass die andere Schwester wusste, dass Min mit dem jungen al'Thor verbunden war. Sie selbst wusste es auch nur, weil das M�dchen in einem unbedachten Augenblick zu viel gesagt hatte. Selbst die verschlossenste Muschel musste schlie�lich ihr Fleisch preisgeben, sobald man die erste kleine �ffnung in die Schale gemacht hatte. Manchmal gab sie auch eine unerwartete Perle preis. Ja, Min w�rde den Jungen am Leben erhalten wollen, ob sie ihn nun liebte oder nicht, aber nicht mehr, als Cadsuane es wollte.</p><p>Verin legte den Umhang �ber eine hohe Stuhllehne, ging zum n�chsten Kamin und streckte die H�nde aus, um sie vor den niedrigen Flammen zu w�rmen. Man konnte nicht behaupten, dass Verin daherglitt, aber sie war anmutiger, als ihre massige Gestalt vermuten lie�. Wie viel von ihr war tats�chlich eine T�uschung? Jede Aes Sedai verbarg sich im Laufe der Zeit hinter verschiedenen Masken. Nach einer Weile wurde es zur Gewohnheit. �Ich glaube, dass die Situation in Tear doch noch friedlich geregelt werden kann�, sagte sie und schaute ins Feuer. Sie h�tte genauso gut mit sich selbst sprechen k�nnen. Oder es Cadsuane glauben lassen wollen. �Hearne und Simaan verzweifeln beinahe, sie f�rchten, dass die anderen Hochlords aus Illian zur�ckkehren und sie in der Stadt gefangen setzen. M�glicherweise sind sie bereit, Darlin zu akzeptieren, zieht man ihre anderen M�glichkeiten in Betracht. Estanda ist da aus h�rterem Holz geschnitzt, aber wenn man sie davon �berzeugen kann, dass es f�r sie von Vorteil ist...�</p><p>�Ich habe Euch gesagt, Ihr sollt nicht in ihre N�he gehen�, unterbrach Cadsuane sie streng.</p><p>Die pummelige Frau blinzelte �berrascht. �Das bin ich auch nicht. Die Stra�en sind immer voller Ger�chte, und ich wei�, wie man Ger�chte durchsieben muss, um etwas Wahrheit herauszubekommen. Ich habe Alanna und Rafela gesehen, aber bevor sie mich sehen konnten, habe ich mich hinter einen Burschen geduckt, der von einem Karren Fleischpasteten verkaufte. Ich bin sicher, dass sie mich nicht gesehen haben.� Sie hielt inne und wartete offensichtlich darauf, dass Cadsuane erkl�rte, warum man ihr befohlen hatte, auch die anderen Schwestern zu meiden.</p><p>�Ich muss jetzt zu dem Jungen, Verin�, sagte Cadsuane stattdessen. Das war das Problem, wenn man einwilligte, jemanden zu beraten. Selbst wenn man s�mtliche Bedingungen stellte, die man wollte � jedenfalls die meisten �, musste man dennoch fr�her oder sp�ter zu ihnen, wenn sie nach einem verlangten. Irgendwann. Aber es gab ihr einen Grund, Verins Neugier zu entgehen. Die Antwort war simpel. Wenn man versuchte, jedes Problem selbst zu l�sen, l�ste man am Ende gar keine. Und bei einigen Problemen spielte es auf lange Sicht gesehen wirklich keine Rolle, wie man sie l�ste. Aber wenn sie Verin die Antwort schuldig blieb, hatte sie etwas, wor�ber sie nachdenken konnte. Wenn sich Cadsuane bei jemandem nicht sicher war, dann wollte sie, dass sie sich auch bei ihr unsicher waren.</p><p>Verin nahm ihren Umhang und verlie� gemeinsam mit ihr den Raum. Wollte die andere Frau sie etwa begleiten? Aber im Korridor begegneten sie Nesune, die eilig ausschritt. Sie blieb abrupt stehen. Nicht mehr als eine Hand voll Leute hatten es je geschafft, Cadsuane zu ignorieren, aber Nesune bot eine �berzeugende Vorstellung; ihre fast schwarzen Augen richteten sich auf Verin.</p><p>�Dann seid Ihr also zur�ck?� Die besten Braunen hatten so eine Art, das Offensichtliche festzustellen. �Wenn ich mich recht entsinne, habt Ihr eine Abhandlung �ber die Tiere des Versunkenen Landes geschrieben.� Was bedeutete, dass Verin es getan hatte; Nesune erinnerte sich an alles, was sie je gesehen hatte � eine n�tzliche F�higkeit, w�re Cadsuane sich ihrer nur sicher genug gewesen, um sie zu benutzen. �Lord Algarin hat mir die Haut einer gro�en Schlange gezeigt, die, wie er behauptet, aus dem Versunkenen Land stammt, aber ich glaube, es handelt sich um die gleiche, die ich gesehen habe, als ich in...� Verin warf Cadsuane einen hilflosen Blick �ber die Schulter zu, als die gr��ere Frau sie am �rmel mit sich zerrte, aber sie hatten noch keine drei Schritte zur�ckgelegt, als sie auch schon in eine heftige Diskussion �ber die verdammte Schlange vertieft war.</p><p>Es war ein bemerkenswerter Anblick, und in gewisser Weise Besorgnis erregend. Nesune stand loyal zu Elaida oder hatte es zumindest getan, w�hrend Verin zu denen geh�rte, die Elaida st�rzen wollten. Oder zumindest dazu geh�rt hatte. Jetzt unterhielten sie sich angeregt �ber Schlangen. Dass beide dem Jungen die Treue geschworen hatten, daf�r konnte man seinen Einfluss als <emphasis>Ta'veren</emphasis> verantwortlich machen und dass er unbewusst das Muster um sich herum beeinflusste, aber reichte der Eid aus, dass sie ihre gegenteilige Meinung dar�ber, wer auf dem Amyrlin-Sitz sitzen sollte, v�llig ignorierten? Oder wurden sie davon beeinflusst, einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> in unmittelbarer N�he zu haben? Das h�tte Cadsuane sehr gern gewusst. Keines ihrer Schmuckst�cke besch�tzte sie vor einem <emphasis>Ta'veren</emphasis>. Zwar hatte sie keine Ahnung, was zwei der Fische und einer der Monde bewirkte, aber es erschien unwahrscheinlich, dass sie dies taten. Es h�tte auch einfach an der Tatsache liegen k�nnen, dass sowohl Verin wie auch Nesune Braune waren. Braune konnten alles um sich herum vergessen, wenn sie etwas studierten. Schlangen! Hah! Die kleinen Schmuckst�cke baumelten, als sie den Kopf sch�ttelte, bevor sie sich abwandte und die beiden Braunen hinter sich lie�. Was konnte der Junge wollen? Die Rolle einer Beraterin hatte ihr nie gefallen, ob sie nun n�tig war oder nicht.</p><p>Zugluft in den Korridoren bewegte die wenigen Wandbeh�nge, sie alle waren altmodisch und zeigten die Abnutzung, viele Male abgenommen und wieder aufgeh�ngt worden zu sein. Das Herrenhaus war wie ein weitr�umiges Bauernhaus gewachsen, man hatte R�ume hinzugef�gt, wenn es das Verm�gen und die Anzahl der Familienmitglieder erlaubten. Haus Pendaloan war nie reich gewesen, aber es hatte Zeiten gegeben, zu denen es viele K�pfe gez�hlt hatte. Die Resultate zeigten sich in mehr als in abgenutzten, altmodischen Wandbeh�ngen. Die Simse waren hell gestrichen, rot, gelb oder blau, aber die Korridore variierten in Breite und H�he, und die Verbindungen waren manchmal etwas schief. Fenster, die einst auf die Felder hinausgeblickt hatten, blickten jetzt auf H�fe, die f�r gew�hnlich nur ein paar B�nke aufwiesen. Wenn man von einem Ort zum anderen wollte, gab es manchmal keine andere M�glichkeit, als �berdachte Kolonnaden zu benutzen, die auf die H�fe hinausschauten. Die S�ulen waren meistens nur aus Holz, aber selbst wenn es keine Schnitzarbeiten gab, hatte man sie immerhin mutig bemalt.</p><p>Auf einem dieser G�nge mit dicken gr�nen S�ulen standen zwei Schwestern zusammen und beobachteten die Aktivit�ten im Hof unter ihnen. Zumindest standen sie zusammen, als Cadsuane die T�r zur Kolonnade �ffnete. Beldeine sah sie nach drau�en treten, erstarrte und fummelte an der Stola mit den gr�nen Fransen herum, die sie noch keine f�nf Jahre trug. Mit ihren hohen Wangenknochen und den leicht schr�g stehenden braunen Augen war sie h�bsch, aber sie hatte die Alterslosigkeit noch nicht erreicht und sah j�nger als Min aus, vor allem, als sie Cadsuane einen frostigen Blick zuwarf und in die andere Richtung eilte.</p><p>Merise, ihre Gef�hrtin, l�chelte am�siert hinter ihr her und richtete ihre eigene gr�n befranste Stola. Merise war hoch gewachsen und trug das Haar streng zur�ckgek�mmt; sie war f�r gew�hnlich sehr ernst und l�chelte nur selten.</p><p>�Beldeine, sie macht sich langsam Sorgen, dass sie noch keinen Beh�ter hat�, sagte sie mit ihrem tarabonischen Akzent, als Cadsuane neben ihr stehen blieb, obwohl sich ihre blauen Augen wieder auf den Hof richteten. �Sie scheint einen Asha'man in Betracht zu ziehen, wenn sie einen findet. Ich habe ihr gesagt, sie soll mit Daigian sprechen. Wenn ihr das nicht hilft, wird es Daigian helfen.�</p><p>S�mtliche Beh�ter hatten sich auf dem gepflasterten Hof versammelt, trotz der K�lte waren sie in Hemds�rmeln. Die meisten von ihnen sa�en auf den gestrichenen Holzb�nken und sahen zu, wie zwei von ihnen mit h�lzernen �bungsschwertern trainierten. Jahar, einer von Merises drei Beh�tern, war ein ansehnlicher, von der Sonne gebr�unter junger Mann. Die Silbergl�ckchen an den Enden seiner beiden langen Z�pfe bimmelten durch die Wut seines Angriffs. Er bewegte sich wie eine zubei�ende Schwarzlanze. Kein Windhauch wehte, aber der achtzackige Stern schien sich wie eine Kompassrose gegen Cadsuanes Haar zu drehen. H�tte sie ihn in der Hand gehalten, h�tte sie f�hlen k�nnen, wie er vibrierte. Aber ihr war ja bereits bekannt, dass Jahar ein Asha'man war, und der Stern h�tte ihn nicht gekennzeichnet, sondern lediglich mitgeteilt, dass ein Mann in der N�he war, der die Macht lenken konnte. Sie hatte gelernt, dass der Stern umso h�rter vibrierte, je mehr Machtlenker da waren. Jahars Gegner, ein sehr gro�er, breitschultriger Bursche mit steinernem Gesicht und einem geflochtenen Lederband um die ergrauenden Schl�fen, das schulterlanges Haar zur�ckhielt, war da unten nicht der zweite Asha'man, aber er war auf seine Weise t�dlich. Lan schien sich wirklich nicht so schnell zu bewegen, aber er... floss. Seine Klinge aus zusammengebundenen Leisten war immer zur Stelle, um Jahars abzuwehren, brachte den jungen Mann immer eine Spur weiter aus seiner Linie.</p><p>Pl�tzlich traf Lans Holzklinge mit einem lauten Knall Jahars Seite, mit Stahl ein t�dlicher Schlag. W�hrend sich der j�ngere Mann noch immer von der Wucht des Treffers kr�mmte, ging Lan zur�ck in die Ausgangsstellung, die lange Klinge nach oben gerichtet. Nethan, ein weiterer von Nerises Beh�tern, stand auf, ein schmaler Bursche mit wei�em Haar an den Schl�fen, der trotz seiner Gr��e noch immer eine Handspanne kleiner als Lan war. Jahar winkte ihn fort, hob die �bungsklinge erneut und verlangte laut nach einem weiteren Durchgang.</p><p>�H�lt sich Daigian noch immer aufrecht?�, fragte Cadsuane.</p><p>�Besser, als ich erwartet h�tte�, gab Merise zu. �Sie verbringt zu viel Zeit in ihrem Zimmer, aber sie h�lt ihre Tr�nen verborgen.� Ihr Blick wich von den M�nnern, die die Klingen tanzen lie�en, zu einer gr�n gestrichenen Bank, auf der Verins untersetzter, grauhaariger Tomas neben einem Burschen sa�, der nur noch �ber einen wei�en Haarkranz verf�gte. �Damer, er wollte sein Heilen bei ihr versuchen, aber Daigian hat abgelehnt. Sie hat zwar vermutlich nie zuvor einen Beh�ter gehabt, aber sie wei�, dass die Trauer �ber einen toten Beh�ter ein Teil der Erinnerung an ihn ist. Ich bin �berrascht, dass Corele �berhaupt in Betracht zog, es zu erlauben.�</p><p>Mit einem Kopfsch�tteln richtete die Schwester aus Tarabon ihre Aufmerksamkeit wieder auf Jahar. Die Beh�ter anderer Schwestern interessierten sie nicht, jedenfalls nicht auf die Weise, wie es ihre eigenen taten. �Asha'man trauern wie Beh�ter. Ich dachte, Jahar und Damer w�ren nur dem Beispiel der anderen gefolgt, aber er sagt, es w�re auch ihre Sitte. Nat�rlich habe ich sie nicht gest�rt, aber ich habe gesehen, wie sie in Erinnerung an Daigians jungen Eben das Glas erhoben haben. Sie erw�hnten nie seinen Namen, aber sie stellten einen vollen Becher f�r ihn hin. Bassane und Nethan wissen, dass sie jeden Tag sterben k�nnen, und sie akzeptieren es. Jahar <emphasis>erwartet</emphasis> den Tod; er erwartet ihn jeden Tag. F�r ihn ist jede Stunde mit Sicherheit seine letzte.�</p><p>Cadsuane konnte sich kaum davon zur�ckhalten, die andere Frau offen anzusehen. Es geschah nicht oft, dass Merise so lange sprach. Ihre Miene war reglos, aber etwas hatte sie aufgebracht. �Ich wei�, dass Ihr es �bt, Euch mit ihm zu verkn�pfen�, sagte Cadsuane taktvoll und schaute in den Hof hinunter. Mit einer anderen Schwester �ber ihren Beh�ter zu sprechen erforderte Takt. Das war mit ein Grund, warum sie stirnrunzelnd in den Hof sah. �Habt Ihr schon herausfinden k�nnen, ob der junge al'Thor bei Shadar Logoth Erfolg gehabt hat? Ist es ihm wirklich gelungen, die m�nnliche H�lfte der Quelle zu s�ubern?�</p><p>Corele �bte sich ebenfalls darin, sich mit Damer zu verkn�pfen, aber die Gelbe war so auf ihre erfolglosen Bem�hungen konzentriert, herauszufinden, wie sie mit <emphasis>Saidar</emphasis> das schaffen konnte, was er mit <emphasis>Saidin</emphasis> machte, dass sie nicht bemerkt h�tte, wenn der Schmutz des Dunklen K�nigs ihr den Hals hinuntergelaufen w�re. Cadsuane fand es bedauerlich, dass sie die Stola nicht f�nfzig Jahre sp�ter errungen hatte, denn dann w�re sie selbst mit einem der M�nner den Beh�terbund eingegangen und h�tte nicht fragen m�ssen. Aber f�nfzig Jahre h�tten bedeutet, dass Norla in ihrem kleinen Haus in den Schwarzen Bergen gestorben w�re, bevor Cadsuane Melaidhrin das erste Mal einen Fu� in die Wei�e Burg gesetzt hatte. Das h�tte einen gro�en Teil der Geschichte ver�ndert. Unter anderem w�re es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass sie auch nur in der N�he ihrer derzeitigen Situation gewesen w�re. Also fragte sie taktvoll und wartete.</p><p>Merise blieb einen langen Moment still, dann seufzte sie.</p><p>�Ich wei� es nicht, Cadsuane. <emphasis>Saidar</emphasis> ist ein ruhiger Ozean, der einen dahin bringt, wohin man will, solange man die Str�mungen kennt und sich von ihnen tragen l�sst. <emphasis>Saidin</emphasis>...</p><p>ist eine Lawine aus brennendem Gestein. Zusammenbrechende Eisberge. Es f�hlt sich sauberer an als bei meiner ersten Verkn�pfung mit Jahar, aber in diesem Chaos k�nnte sich alles verbergen. Alles.�</p><p>Cadsuane nickte. Sie vermochte nicht zu sagen, ob sie eine andere Antwort erwartet hatte. Warum sollte sie auch Gewissheit �ber eine der beiden wichtigsten Fragen der Welt erhalten, wenn sie sie schon bei simpleren Dingen nicht bekam? Auf dem Hof landete Lans Klinge diesmal nicht mit einem lauten Knall, sondern kurz vor Jahars Kehle, und der gr��ere Mann glitt zur�ck in die Ausgangsstellung. Nethan stand erneut auf, und wieder winkte Jahar ihn zur�ck, hob w�tend das Schwert und nahm die Ausgangsstellung ein. Bassane, Merises dritter Beh�ter, ein kleiner breiter Bursche, der fast so dunkel wie Jahar war, obwohl er aus Cairhien kam, lachte und machte eine abf�llige Bemerkung �ber zu ehrgeizige M�nner, die �ber die eigenen Klingen stolperten. Tomas und Damer wechselten einen Blick und sch�ttelten den Kopf; M�nner in diesem Alter hatten f�r gew�hnlich schon lange aufgeh�rt zu spotten. Das harte Knallen von Holz auf Holz begann erneut.</p><p>Die anderen vier Beh�ter waren nicht das einzige Publikum, das Lan und Jahar auf dem Hof zusah. Das schlanke M�dchen, das ihr Haar zu einem langen Zopf geflochten trug und besorgt von der roten Bank aus zusah, war der Grund f�r Cadsuanes Stirnrunzeln. Das Kind w�rde anderen Leuten seinen Gro�en Schlangenring unter die Nase halten m�ssen, um f�r eine Aes Sedai gehalten zu werden, was sie immerhin war, wenn auch nur formal gesehen. Es lag nicht daran, dass Nynaeve ein M�dchengesicht hatte; Beldeine sah auch noch so jung aus. Nynaeve rutschte auf der Bank herum, immer kurz davor aufzuspringen. Gelegentlich bewegten sich ihre Lippen, als w�rde sie lautlos Anfeuerungsrufe schreien, und manchmal verdrehten sich ihre H�nde, als wollte sie demonstrieren, wie Lan sein Schwert h�tte f�hren m�ssen. Ein leichtfertiges M�dchen, voller Leidenschaften, das nur selten zeigte, dass es �ber einen funktionierenden Verstand verf�gte. Min war nicht die Einzige, die wegen eines Mannes Herz und Kopf in den Brunnen geworfen hatte. Nach den Sitten der toten Malkier verk�ndete der rote Punkt, der auf Nynaeves Stirn gemalt war, ihre Ehe mit Lan, auch wenn Gelbe nur selten ihre Beh�ter heirateten. Was das anging, taten das nur sehr wenige Schwestern. Und nat�rlich war Lan nicht Nynaeves Beh�ter, auch wenn er und das M�dchen sich so auff�hrten. Zu wem er geh�rte, war ein Thema, dem sie sich entzogen wie Diebe in der Nacht.</p><p>Viel interessanter � und Besorgnis erregender � war Nynaeves Schmuck, eine lange Goldkette, ein schmaler Goldg�rtel und dazu passende Armreife und Ringe, deren geschmacklose rote, gr�ne und blaue Edelsteine sich mit ihrem gelb geschlitzten Kleid bissen. Und sie trug auch dieses seltsame Schmuckst�ck an der linken Hand, goldene Ringe, die mit flachen Ketten mit einem goldenen Armreif verbunden waren. Das war ein <emphasis>Angreal</emphasis>, das viel st�rker als Cadsuanes Haarschmuck war. Die anderen �hnelten auch ihren St�cken, <emphasis>Ter'angreale</emphasis>, die offensichtlich zur gleichen Zeit entstanden waren, w�hrend der Zerst�rung der Welt, als eine Aes Sedai vielen Feinden gegen�berstand, vor allem M�nnern, die Machtlenker waren. Es war eine seltsame Vorstellung, dass auch sie Aes Sedai genannt worden waren. Das war, als w�rde man einen Mann namens Cadsuane begegnen.</p><p>Die Frage war nur � der Morgen schien voller Fragen zu sein, und die Sonne hatte nicht einmal den halben Weg zum Zenit zur�ckgelegt �, die Frage war nur, trug das M�dchen den Schmuck wegen des Jungen oder den Asha'man? Oder wegen Cadsuane Melaidhrin? Nynaeve hatte ihre Loyalit�t zu dem jungen Mann aus ihrem Dorf gezeigt, aber sie hatte auch ihr Misstrauen ihm gegen�ber verraten. Sie verf�gte �ber einen Verstand, wenn sie sich entschied, ihn zu benutzen. Aber bis diese Frage beantwortet war, war es viel zu gef�hrlich, dem M�dchen zu vertrauen. Leider gab es heutzutage kaum etwas, das nicht gef�hrlich erschien.</p><p>�Jahar wird st�rker�, sagte Merise unvermittelt.</p><p>Einen Augenblick lang sah Cadsuane die andere Gr�ne stirnrunzelnd an. St�rker? Das Hemd des jungen Mannes klebte feucht an seinem R�cken, w�hrend Lan nicht einmal in Schwei� ausgebrochen zu sein schien. Dann begriff sie. Merise sprach von der Macht. Aber Cadsuane hob nur fragend eine Braue. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie sich das letzte Mal eine �berraschung hatte sichtlich anmerken lassen. Vermutlich vor diesen vielen Jahren, in den Schwarzen Bergen, als sie anfing, sich den Schmuck zu verdienen, den sie heute trug.</p><p>�Zuerst glaubte ich, dass die Art, wie diese Asha'man ausgebildet werden, ihn bereits zu seiner vollen Kraft getrieben h�tte�, sagte Merise und schaute auf die beiden M�nner hinunter, die mit ihren �bungsschwertern k�mpften. Nein; sie blickte nur auf Jahar. Es war nur ein leichtes Zusammenkneifen der Augen, aber sie reservierte ihr Stirnrunzeln f�r jene, die es sehen und ihr Missfallen erkennen konnten. �In Shadar Logoth dachte ich, ich w�rde es mir einbilden. Vor drei oder vier Tagen war ich halb davon �berzeugt, dass ich mich geirrt hatte. Jetzt bin ich sicher, dass es so ist. Wenn M�nner in Sch�ben an St�rke gewinnen, kann keiner sagen, wie stark er werden wird.�</p><p>Nat�rlich sprach sie ihre offensichtliche Sorge nicht aus: dass er st�rker als sie werden w�rde. So etwas zu sagen w�re auf vielerlei Weise undenkbar gewesen, und auch wenn sie sich irgendwie daran gew�hnt hatte, das Undenkbare zu tun � die meisten Schwestern w�ren bei der Vorstellung, mit einem Mann, der die Macht lenken konnte, den Bund einzugehen, in Ohnmacht gefallen �, bereitete es ihr stets Unbehagen, es auszusprechen. Cadsuane hatte damit kein Problem, aber sie hielt ihre Stimme ausdruckslos. Beim Licht, sie hasste es, taktvoll sein zu m�ssen. Das hei�t, sie hasste zumindest die Notwendigkeit.</p><p>�Merise, er scheint zufrieden zu sein.� Merises Beh�ter schienen immer zufrieden zu sein; sie hatte sie gut im Griff.</p><p>�Er ist voller Zorn...� Sie ber�hrte die Schl�fe, als wollte sie das B�ndel an Emotionen betasten, das sie durch den Bund f�hlte. Sie war <emphasis>wirklich</emphasis> aufgebracht! �Keine Wut. Frustration.� Sie griff in ihre gr�ne G�rteltasche aus Leder und holte eine kleine, emaillierte Anstecknadel hervor, eine gewundene Gestalt in Rot und Schwarz, die wie eine Schlange mit Beinen und einer L�wenm�hne aussah. �Ich wei� nicht, wo der junge al'Thor das herhat, aber er hat es Jahar gegeben. F�r einen Asha'man ist das wohl das Gleiche, als w�rde er die Stola erringen. Nat�rlich musste ich es ihm abnehmen; Jahar ist noch immer in dem Stadium, wo er lernen muss, dass er nur das annehmen kann, was ich ihm erlaube. Aber er ist wegen dieses Dings so aufgebracht... Sollte ich es ihm zur�ckgeben? In gewisser Weise w�rde es dann von meiner Hand kommen.�</p><p>Cadsuanes Brauen schoben sich nach oben, bevor sie es verhindern konnte. Merise fragte sie wegen eines ihrer <emphasis>Beh�ter</emphasis> nach Rat? Nat�rlich war sie es gewesen, die �berhaupt erst den Vorschlag gemacht hatte, dem Mann auf den Zahn zu f�hlen, aber dieser Grad von Intimit�t war... Undenkbar? Hah! �Ich bin sicher, was auch immer Ihr entscheidet, wird gut sein.�</p><p>Mit einem letzten Blick auf Nynaeve lie� sie die Frau zur�ck, wie sie mit dem Daumen �ber die Anstecknadel strich und finster in den Hof sah. Lan hatte Jahar erneut besiegt, aber der junge Mann nahm wieder Aufstellung und verlangte einen weiteren Kampf. Wie auch immer Merise sich entschied, sie hatte bereits eine Sache gelernt, die ihr nicht gefiel. Die Grenzen zwischen Aes Sedai und Beh�ter waren immer so klar wie die Verbindungen gewesen; Aes Sedai befahlen, und Beh�ter gehorchten. Aber wenn sich von allen Leuten ausgerechnet Merise wegen einer Anstecknadel aufregte � Merise, die ihre Beh�ter mit strenger Hand gef�hrt hatte �, dann w�rde man neue Grenzen abstecken m�ssen, zumindest mit Beh�tern, die die Macht lenken konnten. Es erschien unwahrscheinlich, dass die Verbindung mit ihnen jetzt aufh�ren w�rde; daf�r war Beldeine der Beweis. Die Menschen ver�nderten sich eigentlich nie, aber die Welt tat es, und zwar mit beunruhigender Regelm��igkeit. Damit musste man einfach leben � oder es zumindest aussitzen. Dann und wann konnte man mit Gl�ck die Richtung dieser Ver�nderungen beeinflussen, aber selbst wenn man eine Ver�nderung aufhielt, setzte man nur eine andere in Gang.</p><p>Wie erwartet fand sie die T�r zu den Gem�chern des Jungen nicht unbewacht vor. Nat�rlich war Alivia da; sie sa� auf einer Bank neben der T�r, die H�nde geduldig im Scho� gefaltet. Die hellblonde Seanchanerin hatte sich selbst zu einer Art Besch�tzerin des Jungen ernannt. Alivia hatte es ihm zu verdanken, dass man sie vom Kragen einer <emphasis>Damane</emphasis> befreit hatte, aber es steckte noch mehr dahinter. Min konnte sie beispielsweise nicht ausstehen, und es handelte sich nicht um die �bliche Art der Eifersucht. Alivia schien kaum zu wissen, was M�nner und Frauen zusammen taten. Aber da war eine Verbindung zwischen ihr und dem Jungen, eine Verbindung, die sich in Blicken zeigte, die auf ihrer Seite Entschlossenheit und auf seiner Hoffnung verriet, so schwer das auch zu glauben war. Bis Cadsuane genau wusste, worum es da ging, wollte sie nichts unternehmen, um sie zu trennen. Alivias scharfe blaue Augen musterten Cadsuane mit respektvollem Misstrauen, aber sie sah keine Feindin. Alivia hielt sich nicht lange mit jenen auf, die sie f�r al'Thors Feinde hielt.</p><p>Die andere Frau �hnelte Alivia von der Gr��e her, aber die beiden h�tten nicht unterschiedlicher sein k�nnen, und das nicht nur, weil Elzas Augen braun waren und sie das glatte, alterslose Aussehen einer Aes Sedai hatte, wo Alivia feine F�ltchen um die Augen und wei�e Str�hnen im Haar hatte, die geschickt verborgen waren. Elza sprang auf die F��e, sobald sie Cadsuane sah, stellte sich vor die T�r und wickelte sich fest in ihre Stola ein. �Er ist nicht allein�, sagte sie in eisigem Tonfall.</p><p>�Wollt Ihr mir den Weg versperren?�, fragte Cadsuane genauso kalt. Die andoranische Gr�ne h�tte beiseite treten m�ssen. Elza stand in der Macht weit genug unter ihr, dass sie nicht einmal auf einen Befehl h�tte warten d�rfen, aber die Frau r�hrte sich nicht, und ihr Blick wurde tats�chlich hitzig.</p><p>Es war eine verzwickte Lage. F�nf weitere Schwestern, die ebenfalls im Herrenhaus wohnten, hatten dem Jungen die Treue geschworen, und diejenigen unter ihnen, die unverbr�chlich zu Elaida gestanden hatten, starrten Cadsuane an, als w�rden sie ihren Absichten den Jungen betreffend misstrauen. Was nat�rlich die Frage aufwarf, warum Verin das nicht tat. Aber nur Elza versuchte, sie von ihm fern zu halten. Das Benehmen der Frau stank f�rmlich nach Eifersucht, was keinen Sinn ergab. Sie konnte kaum glauben, dass sie besser geeignet war, ihn zu beraten, und h�tte es auch nur ein Anzeichen gegeben, dass Elza den Jungen als Mann oder auch Beh�ter begehrte, h�tte Min die Z�hne gezeigt. Was das anging, verf�gte das M�dchen �ber fein geschliffene Instinkte. Cadsuane h�tte mit den Z�hnen geknirscht, w�re sie die Art von Frau gewesen, die mit den Z�hnen knirschte.</p><p>Als sie den Punkt erreicht hatte, an dem sie glaubte, Elza befehlen zu m�ssen, zur Seite zu treten, beugte sich Alivia vor. �Er hat nach ihr geschickt, Elza�, sagte sie mit ihrem gedehnten Akzent. �Er wird aufgebracht sein, wenn wir sie nicht einlassen. Aufgebracht wegen uns, nicht wegen ihr. Lasst sie eintreten.�</p><p>Elza warf der Seanchanerin einen Seitenblick zu, ihre Lippen verzogen sich ver�chtlich. In der Macht stand Alivia weit �ber ihr � was das anging, stand sie sogar weit �ber Cadsuane �, aber in Elzas Augen war sie eine Wilde und eine L�gnerin. Die dunkelhaarige Frau schien kaum zu akzeptieren, dass Alivia eine <emphasis>Damane</emphasis> gewesen war, ganz zu schweigen vom Rest ihrer Geschichte. Aber sie warf Cadsuane einen schnellen Blick zu, dann der T�r hinter ihr, und zog an der Stola. Offensichtlich wollte sie nicht, dass der Junge w�tend war. Jedenfalls nicht auf sie.</p><p>�Ich sehe nach, ob er bereit ist, Euch zu empfangen�, sagte sie beinahe schon m�rrisch. �Lasst sie nicht gehen�, f�gte sie in sch�rferem Tonfall an Alivia gem�nzt hinzu, bevor sie sich umdrehte und vorsichtig an der T�r klopfte. Drinnen erscholl eine M�nnerstimme, und sie �ffnete die T�r gerade weit genug, um hineinzuschl�pfen und sie hinter sich ins Schloss zu ziehen.</p><p>�Ihr m�sst ihr verzeihen�, sagte Alivia in diesem irritierend lang gezogenen, weichen seanchanischen Akzent.</p><p>�Ich glaube, es liegt nur daran, dass sie ihren Eid sehr ernst nimmt. Sie ist es nicht gew�hnt, jemandem zu dienen.�</p><p>�Aes Sedai halten ihr Wort�, erwiderte Cadsuane trokken. Die Frau entfachte in ihr das Gef�hl, als w�re ihre eigene Sprechweise so schnell und abgehackt wie die einer Cairhienerin! �Wir haben keine andere Wahl.�</p><p>�Das glaube ich Euch. Aber nur damit Ihr es wisst, auch ich halte mein Wort. Ich schulde ihm alles, was er von mir will.�</p><p>Eine faszinierende Bemerkung und eine �ffnung, aber bevor Cadsuane davon Gebrauch machen konnte, kam Elza heraus. Hinter ihr kam Algarin, der den wei�en Bart sauber gestutzt trug. Er verneigte sich mit einem L�cheln vor Cadsuane, das die Falten in seinem Gesicht tiefer erscheinen lie�. Sein einfacher Mantel aus dunkler Wolle, der in seinen j�ngeren Tagen angefertigt worden war, hing jetzt lose an seinem K�rper, und das Haar auf seinem Kopf war d�nn. Es gab keine M�glichkeit herauszufinden, warum er den Jungen besucht hatte.</p><p>�Er wird Euch jetzt empfangen�, sagte Elza scharf. Beinahe h�tte Cadsuane mit den Z�hnen geknirscht. Alivia w�rde warten m�ssen. Algarin auch.</p><p>Der Junge war auf den Beinen, als Cadsuane eintrat; er war fast so gro� und breitschultrig wie Lan. Er trug einen schwarzen Mantel mit Gold an den �rmeln und an dem hohen Kragen. Er �hnelte zu sehr dem Mantel eines Asha'man, den man lediglich mit Stickerei verziert hatte, um ihr zu gefallen, aber sie sagte nichts. Er verbeugte sich h�flich, geleitete sie zu einem Stuhl mit quastenverzierten Kissen vor dem Kamin und fragte, ob sie Wein wollte. Der Wein in der Kanne auf dem Seitentisch mit den beiden Pokalen war kalt, aber er k�nnte nach frischem schicken. Sie hatte hart genug daran gearbeitet, ihn zu h�flichem Benehmen zu zwingen; er konnte jeden Mantel tragen, den er wollte. Es gab wichtigere Dinge, in denen er geleitet werden musste. Oder gesto�en oder n�tigenfalls auch gezogen. Sie w�rde weder Zeit noch Kraft auf seine Kleidung verschwenden.</p><p>Sie sch�ttelte h�flich den Kopf und lehnte den Wein ab.</p><p>Ein Pokal bot viele M�glichkeiten � man konnte einen Schluck trinken, wenn man einen Augenblick zum Nachdenken brauchte; man konnte hineinblicken, wenn man seine Augen verbergen wollte �, aber diesen jungen Mann musste man jeden Augenblick im Auge behalten. Sein Gesicht verriet fast genauso wenig wie das einer Schwester. Mit dem dunkeln, r�tlichen Haar und den blaugrauen Augen h�tte er f�r einen Aiel durchgehen k�nnen, aber nur wenige Aiel hatten so kalt blickende Augen. Sie lie�en den Morgenhimmel, in den sie zuvor gestarrt hatte, warm erscheinen. K�lter, als sie vor Shadar Logoth gewesen waren. Ungl�cklicherweise auch h�rter. Und sie sahen auch... m�de aus.</p><p>�Algarin hatte einen Bruder, der die Macht lenken konnte�, sagte er und drehte sich zu einem ihr gegen�ber befindlichen Stuhl um. In der halben Drehung taumelte er. Er hielt sich mit einem hervorgesto�enen Lachen an der Stuhllehne fest und tat so, als w�re er �ber die eigenen Stiefel gestolpert, aber das war er nicht. Und er hatte nicht nach <emphasis>Saidin</emphasis> gegriffen � sie hatte ihn taumeln sehen, wenn er das tat �, oder ihr Schmuck h�tte sie gewarnt. Corele meinte, er w�rde nur etwas mehr Schlaf brauchen, um sich von Shadar Logoth zu erholen. Beim Licht, sie musste den Jungen am Leben erhalten, oder alles w�re vergebens gewesen!</p><p>�Ich wei߫, sagte sie. Und da es den Anschein hatte, dass Algarin ihm alles erz�hlt hatte, f�gte sie hinzu: �Ich war diejenige, die Emarin gefangen genommen und nach Tar Valon gebracht hat.� In mancherlei Augen war das eine seltsame Sache, f�r die Algarin ihr da dankbar war, aber sein j�ngerer Bruder hatte die D�mpfung mehr als zehn Jahre lang �berlebt, nachdem sie ihm geholfen hatte, damit fertig zu werden. Die Br�der hatten sich nahe gestanden.</p><p>Die Brauen des Jungen zuckten, als er sich setzte. Er hatte es nicht gewusst. �Algarin will getestet werden.�</p><p>Sie erwiderte seinen Blick ruhig und hielt den Mund. Algarins �berlebende Kinder waren verheiratet. Vielleicht war er bereit, sein St�ck Land an seine Nachkommen abzugeben. Und ein Mann mehr oder weniger, der die Macht lenken konnte, machte zu diesem Zeitpunkt kaum einen Unterschied. Abgesehen von dem Jungen, der sie anstarrte.</p><p>Nach einem Moment bewegte sich ihr Kinn, die Andeutung eines Nickens. Hatte er sie auf die Probe stellen wollen? �Ihr braucht nicht zu bef�rchten, dass ich Euch nicht sage, wenn Ihr Euch wie ein Narr benehmt, Junge.� Die meisten Leute erinnerten sich nach einer Begegnung mit ihr, dass sie eine scharfe Zunge hatte. Dieser junge Mann musste gelegentlich daran erinnert werden. Er grunzte. Es h�tte ein Lachen sein k�nnen. Es h�tte bedauernd sein k�nnen. Sie rief sich ins Ged�chtnis zur�ck, dass er gewollt hatte, dass sie ihm etwas beibrachte, auch wenn er nicht zu wissen schien, was es war. Egal. Sie hatte eine Liste, von der sie ausw�hlen konnte, und sie war noch ganz oben.</p><p>Sein Gesicht h�tte aus Stein gemei�elt sein k�nnen, so viel Gef�hlsregungen zeigte er, aber er sprang auf die F��e und begann, zwischen Kamin und T�r auf und ab zu gehen, die F�uste hinter dem R�cken verschr�nkt. �Ich habe mich mit Alivia unterhalten, �ber die Seanchaner�, fuhr er fort.</p><p>�Sie nennen ihre Armee aus gutem Grund die Immer Siegreiche Armee. Sie hat noch nie einen Krieg verloren. Schlachten ja, aber nie einen Krieg. Wenn sie eine Schlacht verlieren, setzen sie sich hin und finden heraus, welche Fehler sie begangen haben oder was der Feind richtig gemacht hat. Dann �ndern sie das, was ge�ndert werden muss, damit sie gewinnen.�</p><p>�Eine vern�nftige Methode�, sagte sie, als der Wortstrom versiegte. Offenbar erwartete er einen Kommentar.</p><p>�Ich kenne M�nner, die das Gleiche tun. Zum Beispiel Davram Bashere. Gareth Bryne. Rodel Ituralde. Agelmar Jagad. Selbst Pedron Niall hat es getan, als er noch am Leben war. Sie alle werden als gro�e Hauptm�nner angesehen.�</p><p>�Ja�, sagte er und ging noch immer auf und ab. Er sah sie nicht an, vielleicht sah er sie auch gar nicht, aber er lauschte ihren Worten. Man konnte nur hoffen, dass er auch zuh�rte. �F�nf M�nner, alles gro�e Hauptm�nner. Aber die Seanchaner tun es <emphasis>alle</emphasis>. Und zwar seit eintausend Jahren. Sie �ndern, was sie �ndern m�ssen, aber sie geben nicht auf.�</p><p>�Zieht Ihr etwa die M�glichkeit in Betracht, dass sie nicht besiegt werden <emphasis>k�nnen?</emphasis>�, fragte sie ruhig. Ruhe war immer gut, bis man die Fakten kannte, und f�r gew�hnlich auch danach.</p><p>Der Junge wandte sich ihr abrupt zu; sein ganzer K�rper war angespannt, und seine Augen waren wie Eis. �Ich kann sie am Ende besiegen�, sagte er und k�mpfte darum, h�flich zu bleiben. Das war gut so. Je weniger sie beweisen musste, dass sie Verst��e gegen ihre Regeln bestrafen konnte und w�rde, desto besser. �Aber...� Mit einem Knurren hielt er inne, als lauter Streit auf dem Korridor durch die T�r drang.</p><p>Einen Augenblick sp�ter schwang die T�r auf, und Elza kam r�ckw�rts hinein, w�hrend sie noch immer mit lauter Stimme protestierte und mit ausgestreckten Armen versuchte, zwei andere Schwestern zur�ckzuhalten. Erian, deren blasses Gesicht ger�tet war, stie� die andere Gr�ne vor sich her. Sarene, eine Frau, die so sch�n war, dass sie Erian fast unscheinbar aussehen lie�, trug eine k�hlere Miene zur Schau, wie man es von einer Wei�en auch erwarten konnte, aber sie sch�ttelte den Kopf aufgebracht und heftig genug, um die bunten Perlen in ihren Z�pfen aneinander schlagen zu lassen. Sarene hatte Temperament, auch wenn sie es f�r gew�hnlich fest unter Kontrolle hielt.</p><p>�Bartol und Rashan kommen�, verk�ndete Erian laut, und die Anspannung verst�rkte ihren illianischen Akzent. Das waren ihre beiden Beh�ter, die sie in Cairhien zur�ckgelassen hatte. �Ich habe nicht nach ihnen geschickt, aber jemand ist mit ihnen Gereist. Vor einer Stunde sp�rte ich sie pl�tzlich n�her kommen, und eben schon wieder. Sie kommen auf uns zu.�</p><p>�Mein Vitalien kommt ebenfalls n�her�, sagte Sarene.</p><p>�Ich vermute, er wird in ein paar Stunden hier sein.�</p><p>Elza lie� die Arme sinken, auch wenn sie der Steifheit ihres Nackens nach zu urteilen die beiden Schwestern noch immer b�se anstarrte. �Mein Fearil wird auch bald hier sein�, murmelte sie. Er war ihr einziger Beh�ter; es wurde behauptet, dass sie verheiratet waren, und Gr�ne, die heirateten, nahmen nur selten zur gleichen Zeit einen zweiten Beh�ter. Cadsuane fragte sich, ob sie es ihnen mitgeteilt h�tte, wenn die anderen nicht davon angefangen h�tten.</p><p>�Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so bald sein w�rde�, sagte der Junge leise, aber mit Stahl in der Stimme. �Ich h�tte jedoch nicht damit rechnen d�rfen, dass die Ereignisse auf mich warten, nicht wahr, Cadsuane?�</p><p>�Ereignisse warten nie auf einen�, erwiderte sie und stand auf. Erian zuckte zusammen, als h�tte sie sie erst jetzt entdeckt, obwohl Cadsuane davon �berzeugt war, dass ihre Z�ge so unbewegt wie die des Jungen waren. Vielleicht sogar genauso steinern. Was auch immer diese Beh�ter aus Cairhien hergebracht hatte und wer mit ihnen Gereist war, w�rde genug Probleme bringen, aber sie glaubte, dem Jungen eine weitere Antwort entlockt zu haben, und sie w�rde sehr gr�ndlich dar�ber nachdenken m�ssen, was sie ihm raten sollte. Manchmal waren die Antworten dorniger als die Fragen.</p></section><section><title><p>24</p><p>Ein Sturm wird st�rker</p></title><p>Nachmitt�gliches Sonnenlicht h�tte durch die Fenster von Rands Schlafzimmer fallen sollen, aber drau�en goss es in Str�men, und alle Lampen waren entz�ndet, um das Zwielicht zu vertreiben. Stetiger Donner lie� die kleinen Scheiben in den Fenstern erbeben. Es war ein wilder Sturm, der schneller als ein galoppierendes Pferd aus der Drachenmauer in die Tiefe gerollt war und eine schneidende K�lte mitgebracht hatte, die fast f�r Schnee ausreichte. Die Regentropfen, die gegen das Haus prasselten, waren zur H�lfte gefrorener Schneeregen, und trotz der hell lodernden Scheite im Kamin war es k�hl im Raum.</p><p>Rand lag auf dem Bett, einen Stiefel auf den anderen gelegt, starrte den Betthimmel an und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Den Sturm, der drau�en w�tete, konnte er vergessen, aber Min, die sich in seinen Arm schmiegte, war eine andere Sache. Sie wollte ihn nicht ablenken; sie tat es einfach so. Was sollte er mit ihr machen? Mit Elayne, mit Aviendha? Bei dieser Entfernung von Caemlyn waren diese beiden nur vage Eindr�cke in seinem Bewusstsein. Er nahm jedenfalls an, dass sie sich noch immer in Caemlyn aufhielten. Wenn es um die beiden ging, waren Annahmen gef�hrlich. Im Augenblick sp�rte er von ihnen nur eine allgemeine Richtung und das Wissen, dass sie am Leben waren. Aber Mins K�rper schmiegte sich eng an ihn, und der Bund machte sie in seinem Bewusstsein so lebendig, wie es ihr Fleisch war. War es zu sp�t, f�r Mins Sicherheit zu sorgen und auch f�r Elaynes und Aviendhas Sicherheit?</p><p><emphasis>Wie kommst du darauf, du k�nntest f�r irgendjemandes Sicherheit sorgen?</emphasis> fl�sterte Lews Therin in seinem Kopf. Der tote Wahnsinnige war jetzt ein alter Freund. <emphasis>Wir werden alle sterben. Du kannst nur hoffen, dass nicht du es bist, der sie ermordet.</emphasis> Kein willkommener Freund, blo� einer, den er nicht mehr loswurde. Er hatte jetzt keine Angst mehr, Min oder Elayne oder Aviendha zu t�ten, genauso wenig wie er sich nicht mehr davor f�rchtete, den Verstand zu verlieren. Oder zumindest noch verr�ckter zu werden, als er schon war, mit einem Toten im Kopf und manchmal einem verschwommenen Gesicht, das er beinahe erkannte. Konnte er es wagen, Cadsuane nach ihnen zu fragen?</p><p><emphasis>Vertraue niemandem</emphasis>, murmelte Lews Therin und lachte dann trocken. <emphasis>Einschlie�lich mir.</emphasis></p><p>Ohne jede Vorwarnung stie� ihn Min hart genug in die Rippen, um ihn grunzen zu lassen. �Du wirst tr�bsinnig, Schafhirte�, knurrte sie. �Wenn du dir wieder Sorgen um mich machst, dann schw�re ich dir, dass ich...� Sie konnte auf so viele unterschiedliche Arten knurren, und jede passte zu den unterschiedlichsten Empfindungen, die durch den Bund �bertragen wurden. Jetzt war da eine leichte Gereiztheit, der diesmal ein Hauch Sorge anhaftete, und manchmal war da auch ein scharfer Unterton, als m�sste sie sich davon abhalten, ihm den Kopf abzurei�en. Es gab ein Knurren, das ihn durch die Heiterkeit in seinem Kopf beinahe lachen lie� oder ihn zumindest in die N�he eines Lachens brachte; es schien lange her zu sein, dass er das letzte Mal gelacht hatte. Und ein kehliges Knurren, das sein Blut auch ohne den Bund in Wallung gebracht h�tte.</p><p>�Das kommt jetzt nicht in Frage�, warnte sie, bevor er die Hand bewegen konnte, die auf ihrem R�cken ruhte, rollte sich vom Bett und zog ihren Mantel mit einem vorwurfsvollen Blick zurecht. Seit sie mit ihm den Bund eingegangen war, war sie noch besser darin, seine Gedanken zu lesen, und sie war schon davor sehr gut darin gewesen.</p><p>�Was willst du wegen ihnen unternehmen, Rand? Was wird Cadsuane tun?� Blitze zuckten vor dem Fenster, beinahe hell genug, um die Lampen zu �berstrahlen, Donner hallte gegen die Scheiben.</p><p>�Bis jetzt habe ich nie vorhersagen k�nnen, was sie tun wird, Min. Warum sollte es heute anders sein?�</p><p>Die dicke Federmatratze sackte unter ihm durch, als er die Beine �ber die Seite schwang und sich ihr gegen�ber aufsetzte. Beinahe h�tte er eine Hand gegen die alten Wunden an seiner Seite gedr�ckt, aber er bemerkte es rechtzeitig und ver�nderte die Bewegung, indem er den Mantel zukn�pfte. Zur H�lfte verheilt und doch niemals heilend schmerzten die beiden sich �berschneidenden Wunden seit Shadar Logoth. Vielleicht war er sich auch nur st�rker bewusst, wie sie pochten, wie ihre Hitze wie ein Schmiedeofen aus Fieber war, in einer Fl�che gefangen kleiner als sein Handteller. Eine von ihnen w�rde jetzt, wo es Shadar Logoth nicht mehr gab, anfangen zu heilen � das hoffte er zumindest. Vielleicht war einfach noch nicht genug Zeit vergangen, um einen Unterschied zu f�hlen. Es war nicht die Seite, gegen die ihn Min geboxt hatte � mit ihr ging sie immer sehr sanft um, wenn auch nicht immer mit dem Rest von ihm �, aber er glaubte, den Schmerz vor ihr verborgen zu haben. Es war sinnlos, ihr noch mehr zu geben, wor�ber sie sich sorgen konnte. Die Sorge in ihren Augen und ihrem Inneren musste von Cadsuane herr�hren. Oder den anderen.</p><p>Das Herrenhaus und die Wirtschaftsgeb�ude waren jetzt bis unters Dach bev�lkert. Es war unausweichlich erschienen, dass fr�her oder sp�ter jemand versuchen w�rde, sich die in Cairhien zur�ckgelassenen Beh�ter zunutze zu machen; ihre Aes Sedai hatten nicht lautstark verk�ndet, dass sie den Wiedergeborenen Drachen suchen wollten, aber sie waren nicht besonders verstohlen vorgegangen. Trotzdem h�tte er nie mit denen gerechnet, die sie begleiteten. Davram Bashere mit hundert Mann seiner leichten saldaeanischen Infanterie, die im b�igen, str�menden Regen abstiegen und sich �ber ruinierte S�ttel beklagten. �ber ein halbes Dutzend Asha'man in schwarzen M�nteln, die sich aus irgendeinem Grund nicht vor dem Wolkenbruch abgeschirmt hatten. Sie ritten mit Bashere, aber es war, als w�ren zwei Gruppen eingetroffen, die immer etwas Abstand voneinander hielten; das roch stark nach vorsichtigem Misstrauen. Und einer der Asha'man war Logain Ablar. Logain! Als Asha'man, der Schwert und Drachen am Kragen trug! Bashere und Logain wollten beide mit ihm sprechen, aber nicht vor anderen, und vor allem nicht in Gesellschaft des anderen. Unerwartet oder nicht, sie waren kaum die �berraschendsten Besucher. Er hatte die acht Aes Sedai f�r weitere Freundinnen Cadsuanes gehalten, aber er h�tte geschworen, dass sie genauso verbl�fft waren wie er, sie zu sehen. Und was noch seltsamer war, bis auf eine schienen sie zu den Asha'man zu geh�ren! Keine Gefangenen, und sicherlich auch keine W�chterinnen, aber Logain hatte gez�gert, es in Basheres Anwesenheit zu erkl�ren, und Bashere hatte gez�gert, Logain die erste Gelegenheit zu �berlassen, allein mit Rand zu sprechen. Jetzt trockneten sie alle ihre Kleider und bezogen ihre Quartiere, sodass er seine Gedanken ordnen konnte. Soweit das m�glich war, mit Min in der N�he. Was w�rde Cadsuane tun? Nun, er hatte versucht, sie um Rat zu fragen. Aber die Ereignisse hatten sie beide �berholt. Die Entscheidung war gefallen, ganz egal, was Cadsuane dachte. Wieder flackerten Blitze �ber die Scheiben. Blitze schienen zu Cadsuane zu passen. Man konnte nie sicher sein, wo sie einschlugen.</p><p><emphasis>Alivia w�rde sie erledigen,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Sie wird uns beim Sterben helfen; sie w�rde Cadsuane f�r uns erledigen, wenn du es ihr befiehlst.</emphasis></p><p><emphasis>Ich will sie nicht t�ten</emphasis>, dachte Rand an den Toten gerichtet. <emphasis>Ich kann es mir nicht leisten, dass sie stirbt.</emphasis> Lews Therin wusste das genauso gut wie er, aber er murmelte weiter vor sich hin. Seit Shadar Logoth schien er manchmal eine Spur weniger verr�ckt zu sein. Vielleicht war auch Rand nur eine Spur verr�ckter. Schlie�lich sprach er t�glich mit einem Toten, der sich in seinem Kopf eingenistet hatte, und das war wohl kaum normal.</p><p>�Du musst etwas tun�, murmelte Min und verschr�nkte die Arme unter der Brust. �Logains Aura k�ndet noch immer von Ruhm, st�rker als je zuvor. Vielleicht h�lt er sich noch immer f�r den Wiedergeborenen Drachen. Und in den Bildern, die ich um Lord Davram sah, ist etwas... Dunkles. Wenn er sich gegen dich stellt oder stirbt... Ich habe einen der Soldaten sagen h�ren, dass Lord Dobraine wom�glich sterben k�nnte. Selbst nur einen von ihnen zu verlieren w�rde ein harter Schlag sein. Verliere alle drei, und du k�nntest ein Jahr brauchen, um dich davon wieder zu erholen.�</p><p>�Wenn du es gesehen hast, dann wird es passieren. Ich muss tun, was ich kann, Min, und mich nicht wegen dem sorgen, was ich nicht kann.� Sie warf ihm einen jener Blikke zu, von denen Frauen so viele auf Lager hatten, so als h�tte er versucht, einen Streit anzufangen.</p><p>Ein Kratzen an der T�r lie� ihn den Kopf drehen und Min den Stand verlagern. Er vermutete, dass sie ein Wurfmesser aus dem �rmel geholt hatte und es hinter dem Handgelenk verbarg. Die Frau trug mehr versteckte Messer als Thom Merrilin. Oder Mat. Farben wirbelten durch sein Bewusstsein, verschmolzen beinahe zu... was? Ein Mann auf einem Kutschbock? Es war aber nicht das Gesicht, das manchmal in seinen Gedanken erschien, und die Szene war sofort wieder verschwunden, aber ohne die Benommenheit, die stets das Gesicht begleitete.</p><p>�Herein�, rief er.</p><p>Elza hob die R�cke f�r einen anmutigen Knicks, als sie eintrat; ihr leuchtender Blick heftete sich auf sein Gesicht.</p><p>Sie war eine Frau mit angenehmen Manieren und der k�hlen Zufriedenheit einer Katze, und sie schien Min kaum wahrzunehmen. Von all den Schwestern, die ihm die Treue geschworen hatten, war Elza die eifrigste. Eigentlich sogar die Einzige, die eifrig war. Die anderen hatten ihre Gr�nde f�r den Treueid, ihre Erkl�rungen, und nat�rlich hatten Verin und die Schwestern, die ihn bei den Quellen von Dumai gefunden hatten, keine richtige Entscheidungsfreiheit mehr gehabt, da sie einem <emphasis>Ta'veren</emphasis> gegen�berstanden, aber trotz aller �u�erlicher K�hle schien in Elzas Innerem das leidenschaftliche Verlangen zu brennen, daf�r zu sorgen, dass er bis Tarmon Gai'don �berlebte. �Ihr habt mir aufgetragen, Euch wissen lassen, wenn der Ogier kommt�, sagte sie und nahm nie den Blick von seinem Gesicht.</p><p>�Loial!�, rief Min begeistert und schob das Messer zur�ck in den �rmel, als sie an Elza vorbeieilte, die bei dem Anblick der Klinge blinzelte. �Ich h�tte Rand umbringen k�nnen, dass er dich auf dein Zimmer gehen lie�, bevor ich dich gesehen habe!� Der Bund verriet, dass sie es nicht so meinte. Jedenfalls nicht genauso.</p><p>�Danke�, sagte Rand zu Elza und lauschte den fr�hlichen Lauten, die aus dem Wohnzimmer kamen, Mins helles Lachen und Loials grollendes Ogierlachen, so als w�rde die Erde selbst lachen. Donner grollte �ber den Himmel.</p><p>Vielleicht erstreckte sich die Leidenschaft der Aes Sedai darauf, wissen zu wollen, was er mit Loial besprach, denn ihre Lippen wurden schmal, und sie z�gerte, bevor sie noch einen Knicks machte und aus dem Schlafgemach rauschte. Eine kurze Pause in den fr�hlichen Lauten k�ndete von ihrer Passage durch das Wohnzimmer, und die Fortsetzung vom Verlassen des Zimmers. Erst dann griff er nach der Macht. Er versuchte, nie jemanden sehen zu lassen, wie er das tat.</p><p>Feuer hei�er als die Sonne flutete in ihn hinein, K�lte, die den schlimmsten Wintersturm wie Fr�hling erscheinen lie�, drohte ihn hinwegzurei�en, wenn er auch nur einen Augenblick lang nicht Acht gab. <emphasis>Saidin</emphasis> zu ergreifen war ein Krieg ums �berleben. Aber das Gr�n der Deckenverzierungen war pl�tzlich gr�ner, das Schwarz seines Mantels schw�rzer, das Gold der Stickereien goldener. Er konnte die Maserung der wie Schlingpflanzen gestalteten Bettpfosten sehen, die feinen Unebenheiten, die das Schmirgeln des Handwerkers vor all den Jahren hinterlassen hatte. <emphasis>Saidin</emphasis> lie� ihn sich f�hlen, als w�re er ohne es halb blind und halb taub. Das war ein Teil dessen, was er f�hlte.</p><p><emphasis>Sauber,</emphasis> fl�sterte Lews Therin. <emphasis>Wieder sauber und rein.</emphasis></p><p>Das stimmte. Die F�ulnis, die die m�nnliche H�lfte der Macht seit der Zerst�rung der Welt gezeichnet hatte, war verschwunden. Aber das verhinderte nicht, dass in Rand �belkeit aufstieg, der unbez�hmbare Drang, sich zu kr�mmen und seinen Mageninhalt auf den Boden zu spucken. Einen Augenblick lang schien sich der Raum um ihn zu drehen, und er musste nach dem Bettpfosten greifen, um sich zu st�tzen. Er wusste nicht, warum ihn noch immer diese �belkeit �berfiel, gab es die F�ulnis doch nicht mehr. Lews Therin wusste es auch nicht oder wollte es nicht verraten. Aber die �belkeit war der Grund, warum er niemanden Zeuge werden lassen konnte, wie er <emphasis>Saidin</emphasis> ergriff, wenn es sich vermeiden lie�. Elza mochte darauf brennen, ihn bis zur Letzten Schlacht durchhalten zu sehen, aber es gab zu viele andere, die ihn st�rzen sehen wollten, und es waren nicht nur Schattenfreunde.</p><p>In diesem Augenblick der Schw�che griff der Tote nach <emphasis>Saidin</emphasis>. Rand konnte f�hlen, wie er gierig danach krallte. War es schwerer als fr�her, ihn zur�ckzusto�en? In mancherlei Hinsicht schien Lews Therin seit Shadar Logoth ein soliderer Teil von ihm zu sein. Es spielte keine Rolle. Er hatte nur noch ein kleines St�ck zu gehen, bevor er sterben konnte. Er musste es nur bis dahin schaffen. Tief Luft holend ignorierte er die lauernden Spuren der �belkeit in seinem Magen und marschierte ins Wohnzimmer, angek�ndigt von einem Donnerschlag.</p><p>Min stand in der Zimmermitte, hielt mit beiden H�nden eine von Loials Pranken und strahlte ihn an. Sie brauchte beide, um eine von seinen riesigen H�nden umfassen zu k�nnen, und sie schafften es nicht einmal ann�hernd. Sein Scheitel verfehlte die Stuckdecke um kaum mehr als einen Fu�. Er hatte einen sauberen Mantel aus dunkelblauer Wolle angezogen, der untere Teil bauschte sich �ber die volumin�sen Hosen bis zu den Sch�ften seiner kniehohen Stiefel, aber ausnahmsweise beulten sich seine Taschen nicht mit den rechteckigen Umrissen von B�chern aus. Augen in der Gr��e von Teetassen leuchteten beim Anblick Rands auf, und das Grinsen seines breiten Mundes spaltete sein Gesicht buchst�blich in zwei H�lften. Die Pinselohren, die sich durch sein zotteliges Haar schoben, zitterten vor Freude.</p><p>�Lord Algarin hat Ogier-G�stezimmer, Rand�, verk�ndete er mit einer Stimme, die wie eine tiefe Trommel klang. �Kannst du dir das vorstellen? Sechs St�ck! Nat�rlich sind sie schon seit einiger Zeit nicht mehr benutzt worden, aber sie werden jede Woche gel�ftet, also gibt es da keine abgestandene Luft, und die Bettlaken sind aus feinstem Leinen. Ich dachte schon, ich m�sste mich wieder in einem menschengro�en Bett zusammenkr�mmen. Ah, wir werden nicht lange hier bleiben, oder?� Seine langen Ohren sackten ein St�ck nach unten und begannen unbehaglich zu zucken. �Ich glaube nicht, dass wir es tun sollten. Ich meine, ich k�nnte mich an ein richtiges Bett gew�hnen, und das w�re nicht gut, wenn ich bei dir bleibe. Ich meine... Nun, du wei�t, was ich meine.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Rand leise. Er h�tte �ber die Verwirrung lachen k�nnen. Er h�tte lachen sollen. In letzter Zeit schien es ihm unm�glich zu sein, zu lachen. Er spannte ein Netz gegen Lauscher um den Raum und verknotete es, sodass er <emphasis>Saidin</emphasis> loslassen konnte. Die letzten Reste der �belkeit verschwanden sofort. F�r gew�hnlich konnte er sie mit einer Anstrengung kontrollieren, aber warum sollte er es tun, wenn es nicht notwendig war? �Sind deine B�cher nass geworden?� Loials Hauptsorge bei seiner Ankunft war es gewesen, seine B�cher zu �berpr�fen.</p><p>Pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass er das, was er eben getan hatte, in seinen Gedanken als das Spinnen eines Netzes betrachtet hatte. So w�rde Lews Therin es nennen. So etwas geschah viel zu oft, die Redewendungen des anderen Mannes schlichen sich in seinen Kopf, die Erinnerungen des anderen vermengten sich mit den seinen. Er war Rand al'Thor, nicht Lews Therin Telamon. Er hatte einen Schutzschild gewebt und das Gewebe abgebunden und kein Netz gesponnen und es verknotet. Aber das eine fiel ihm so unbewusst ein wie das andere.</p><p>�Meine <emphasis>Essays von Willim von Maneches</emphasis> sind feucht geworden�, sagte Loial angewidert und rieb sich mit einem Finger von der Gr��e einer Wurst �ber die Oberlippe. Hatte er sich nachl�ssig rasiert, oder war das da unter der gro�en Nase der Anfang eines Schnurrbarts? �Die Seiten k�nnten fleckig werden. Ich h�tte nicht so nachl�ssig sein d�rfen, nicht mit einem Buch. Und mein Notizbuch hat auch Feuchtigkeit abbekommen. Aber die Tinte ist nicht verlaufen. Alles ist noch lesbar, aber ich muss mir wirklich einen Kasten machen, um sie zu sch�tzen...� Langsam stahl sich ein besorgter Ausdruck auf sein Gesicht, was die langen Enden seiner Augenbrauen auf seine Wangen baumeln lie�. �Du siehst m�de aus, Rand. Er sieht m�de aus, Min.�</p><p>�Er hat zu viel gearbeitet, aber jetzt ruht er sich aus�, sagte Min entschuldigend, und Rand musste l�cheln. Ein wenig. Min w�rde ihn immer verteidigen, selbst seinen Freunden gegen�ber. �Du <emphasis>ruhst</emphasis> dich aus, Schafhirte�, f�gte sie hinzu, lie� Loials riesige Hand los und stemmte die F�uste in die H�ften. �Setz dich und ruh dich aus. Ach, Loial, setz dich doch bitte auch. Wenn ich weiter zu dir hochstarren muss, kriege ich noch einen Krampf im Nakken.�</p><p>Loial kicherte, das Br�llen eines Bullen, das ged�mpft in seinem Hals aufstieg, als er einen der hochlehnigen St�hle misstrauisch untersuchte. Verglichen mit ihm schien der Stuhl f�r ein Kind gemacht zu sein. �Schafhirte. Du wei�t gar nicht, wie sch�n es klingt, wenn du ihn einen Schafhirten nennst, Min.� Er setzte sich vorsichtig. Der mit Schnitzwerk verzierte Stuhl �chzte unter seinem Gewicht, seine Knie ragten vor ihm in die H�he. �Es tut mir Leid, Rand, aber es ist witzig, und ich hatte in den letzten Monaten nicht viel zu lachen.� Der Stuhl hielt. Mit einem schnellen Blick zur Korridort�r f�gte er etwas zu laut hinzu: �Karldin hat nicht viel Sinn f�r Humor.�</p><p>�Du kannst frei sprechen�, sagte Rand. �Wir sind sicher hinter einem... Schutzgewebe.� Um ein Haar h�tte er Schild gesagt, was nicht dasselbe war. Blo� dass er wusste, dass es das doch war.</p><p>Er war zu m�de, um sich zu setzen, so wie er in den meisten N�chten zu m�de war, um leicht Schlaf zu finden � seine Knochen schmerzten vor M�digkeit �, also blieb er vor dem Kamin stehen. Winde heulten �ber den Schornstein, lie�en die Flammen auf den Scheiten tanzen und sandten manchmal kleine Rauchwolken in den Raum, und er konnte den Regen gegen die Scheiben prasseln h�ren, aber Blitz und Donner schienen weitergezogen zu sein. Vielleicht h�rte der Sturm auf. Er verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken und wandte sich vom Feuer ab. �Was haben die �lteren gesagt, Loial?�</p><p>Anstelle einer direkten Antwort sah Loial Min an, als suchte er nach Unterst�tzung. Sie hockte mit untergeschlagenen Beinen auf der Kante eines blauen Lehnstuhls, l�chelte den Ogier an und nickte. Er seufzte tief, ein Windsto�, der durch tiefe H�hlen fuhr.</p><p>�Karldin und ich haben jedes <emphasis>Stedding</emphasis> besucht, Rand. Das hei�t, alle bis auf das <emphasis>Stedding</emphasis> Shangtai nat�rlich. Dort konnte ich nicht hingehen, aber ich habe �berall eine Nachricht hinterlassen, und Daiting ist nicht weit von Shangtai entfernt. Jemand wird sie �berbringen. Der Gro�e Stumpf trifft sich in Shangtai, und das wird die Massen anziehen. Das ist seit tausend Jahren das erste Mal, dass ein Gro�er Stumpf einberufen wurde, es ist nicht mehr vorgekommen, seit ihr Menschen den Hundertj�hrigen Krieg gef�hrt habt, und Shangtai war an der Reihe. Sie m�ssen etwas f�r sehr wichtig halten, aber niemand wollte mir verraten, warum man ihn einberufen hat. Sie erz�hlen einem nichts �ber einen Stumpf, bevor man einen Bart hat�, murmelte er und fingerte an den paar Stoppeln an seinem breiten Kinn herum. Offensichtlich hatte er vor, diesen Mangel zu beheben, aber Rand bezweifelte, dass er es schaffen w�rde. Loial war jetzt �ber neunzig Jahre alt, aber f�r einen Ogier war er noch immer ein Junge.</p><p>�Die �lteren?�, fragte Rand geduldig. Mit Loial musste man geduldig sein, so wie mit jedem Ogier. Sie nahmen Zeit nicht auf die gleiche Weise wie Menschen wahr � welcher Mensch w�rde schon daran denken, dass nach tausend Jahren ein anderer an der Reihe war? �, und Loial neigte dazu, langatmig zu sein, wenn man ihn lie�.</p><p>Loials Ohren zuckten, er warf Min noch einen Blick zu und erhielt im Gegenzug ein weiteres aufmunterndes L�cheln. �Nun, wie ich bereits sagte, ich habe au�er Shangtai alle <emphasis>Stedding</emphasis> besucht. Karldin wollte sie nicht betreten. Er schlief lieber jede Nacht unter einem Busch, als auch nur eine Minute von der Quelle abgeschnitten zu sein.� Rand sagte kein Wort, aber Loial hob die H�nde von den Knien und streckte die Handfl�chen aus. �Ich komme zu dir, Rand, ich bin an deiner Seite. Ich habe getan, was ich konnte, aber ich wei� nicht, ob es ausgereicht hat. Das <emphasis>Stedding</emphasis> in den Grenzl�ndern hat mir befohlen, nach Hause zu gehen und die Sache �lteren und kl�geren K�pfen zu �berlassen. Das haben auch Shadoon und Mardoon in den Bergen an der Schattenk�ste. Die anderen <emphasis>Stedding</emphasis> haben eingewilligt, die Wegetore zu bewachen. Ich glaube nicht, dass sie wirklich davon �berzeugt sind, dass eine Gefahr droht, aber sie haben zugestimmt, also werden sie sie genau im Auge behalten. Und ich bin davon �berzeugt, dass jemand Shangtai informieren wird. Den �lteren in Shangtai hat es nie gefallen, ein Wegetor direkt au�erhalb ihres <emphasis>Stedding</emphasis> zu haben. Ich muss den �lteren Haman mindestens hundertmal sagen geh�rt haben, dass es gef�hrlich ist. Ich wei�, dass sie einwilligen werden, es zu bewachen.�</p><p>Rand nickte bed�chtig. Ogier logen nie, und die wenigen, die den Versuch unternahmen, waren darin so schlecht, dass sie es nur selten ein zweites Mal versuchten. Das Wort eines Ogiers wurde so ernst genommen wie der Eidschwur eines jeden anderen. Die Wegetore w�rden schwer bewacht werden. Bis auf die in den Grenzl�ndern und in den Bergen s�dlich von Amadicia und Tarabon. Mit den Toren konnte man vom R�ckgrat der Welt zum Aryth-Meer reisen, und von den Grenzl�ndern zum Meer der St�rme, und das alles in einer seltsamen Welt au�erhalb der Gesetze der Zeit, vielleicht auch nebenher. Zwei Tage auf den Kurzen Wegen konnten einen hundert Meilen weit bringen oder auch f�nfhundert, es kam auf die Pfade an, die man w�hlte. Und solange man bereit war, die Gefahren nicht zu scheuen. Auf den Kurzen Wegen konnte man sehr schnell sterben oder Schlimmeres. Die Wege waren schon vor langer Zeit entartet. Aber Trollocs war das egal, jedenfalls solange sie von Myrddraal angetrieben wurden. Und neun Wegetore w�rden unbewacht bleiben, was die Gefahr barg, dass sich jedes von ihnen �ffnen und Zehntausende Trollocs ausspeien konnte. Ohne die Zusammenarbeit mit einem <emphasis>Stedding</emphasis> w�rde es vermutlich unm�glich sein, auch nur irgendeine Art von Wachtposten zu schaffen. Viele Menschen glaubten nicht an die Existenz der Ogier, und von denen, die es taten, wollten sich nur wenige einmischen. Wom�glich die Asha'man, wenn Rand genug gehabt h�tte, denen er vertrauen konnte.</p><p>Pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass er hier nicht als Einziger m�de war. Loial sah ersch�pft und blass aus. Sein Mantel war zerknittert und hing an seinem K�rper. F�r einen Ogier war es gef�hrlich, zu lange von einem <emphasis>Stedding</emphasis> fernzubleiben, und Loial hatte sein Zuhause vor fast f�nf Jahren verlassen. Vielleicht hatten die kurzen Besuche im Laufe der vergangenen Monate nicht ausgereicht. �Vielleicht solltest du jetzt nach Hause gehen, Loial. <emphasis>Stedding</emphasis> Shangtai ist nur wenige Tage von hier entfernt.�</p><p>Loials Stuhl knirschte alarmierend, als er sich kerzengerade aufsetzte. Auch seine Ohren schossen alarmiert in die H�he. �Rand, dort ist meine Mutter. Sie ist eine ber�hmte Sprecherin. Sie w�rde niemals einen Gro�en Stumpf vers�umen.�</p><p>�Sie kann unm�glich schon den ganzen Weg von den Zwei Fl�ssen gekommen sein�, sagte Rand. Angeblich war Loials Mutter auch eine ber�hmte Wanderin, aber selbst f�r Ogier gab es Grenzen.</p><p>�Du kennst meine Mutter nicht�, murmelte Loial, eine Trommel, die d�ster dr�hnte. �Und sie wird noch immer Erith im Schlepptau haben. Bestimmt sogar.�</p><p>Min beugte sich dem Ogier zu, ein gef�hrliches Funkeln in den Augen. �So wie du �ber Erith sprichst, wei� ich, dass du sie heiraten willst, warum also l�ufst du weiter vor ihr weg?�</p><p>Rand musterte sie vom Kamin aus. Heirat. Aviendha nahm an, dass er sie heiraten w�rde, und nach Aiel-Sitte Elayne und Min auch. Elayne schien das ebenfalls zu glauben, so seltsam das auch erschien. Er war jedenfalls dieser Ansicht. Was dachte Min? Sie hatte es nie ausgesprochen. Er h�tte niemals zulassen d�rfen, dass sie mit ihm den Bund einging. Der Bund w�rde sie alle in Trauer ersticken lassen, wenn er starb.</p><p>Loials Ohren zitterten jetzt vor Vorsicht. Diese Ohren waren einer der Gr�nde, warum Ogier so schlechte L�gner abgaben. Er machte beschwichtigende Gesten, als w�re Min die gr��ere von ihnen. �Nun, ich m�chte es ja, Min. Nat�rlich m�chte ich. Erith ist sehr sch�n und scharfsinnig. Habe ich dir je erz�hlt, wie aufmerksam sie mir zugeh�rt hat, als ich ihr erkl�rt habe, wie...? Nat�rlich habe ich das. Ich erz�hle das jedem. Ich will sie heiraten. Aber noch nicht. Das ist nicht so wie bei euch Menschen, Min. Du tust alles, was Rand sagt. Erith wird von mir erwarten, dass ich mich niederlasse und zu Hause bleibe. Ehefrauen lassen ihre M�nner niemals irgendwo hingehen, wenn es bedeutet, dass sie das <emphasis>Stedding</emphasis> f�r l�nger als ein paar Tage verlassen m�ssen. Ich muss mein Buch beenden, und wie kann ich das, wenn ich nicht alles miterlebe, was Rand tut? Ich bin sicher, er hat alle m�glichen Dinge getan, seit ich Cairhien verlassen habe, und ich wei�, dass ich niemals alles richtig niederschreiben werde. Erith w�rde das nicht verstehen. Min? Min, bist du b�se auf mich?�</p><p>�Wie kommst du auf die Idee, ich k�nnte dir b�se sein?�, fragte sie k�hl.</p><p>Loial seufzte schwer und offensichtlich so erleichtert, dass Rand ihn beinahe angestarrt h�tte. Beim Licht, der Ogier glaubte tats�chlich, sie sei nicht w�tend! Rand wusste, dass er sich im Dunkeln seinen Weg ertastete, wenn es um Frauen ging, selbst um Min � vielleicht vor allem, wenn es um Min ging �, aber Loial sollte besser noch viel lernen, bevor er seine Erith heiratete. Sonst w�rde sie ihm wie einer kranken Ziege die Haut vom Leib ziehen. Besser, ihn aus dem Zimmer zu schaffen, bevor Min Eriths Arbeit tat. Rand r�usperte sich.</p><p>�Schlaf eine Nacht dr�ber, Loial�, sagte er. �Vielleicht denkst du morgen fr�h anders dar�ber.� Insgeheim hoffte er, dass Loial es tat. Der Ogier war zu lange von zu Hause weg gewesen. Aber ein anderer Teil von ihm... Er konnte Loial gebrauchen, wenn das, was Alivia ihm �ber die Seanchaner erz�hlt hatte, die Wahrheit war. Manchmal ekelte er sich vor sich selbst. �Aber ich muss jetzt mit Bashere sprechen. Und Logain.� Sein Mund spannte sich, als er den Namen aussprach. Wieso trug Logain das Schwarz der Asha'man?</p><p>Loial stand nicht auf. Stattdessen wurde seine Miene noch sorgenvoller. �Rand, da gibt es etwas, das ich dir sagen muss � �ber die Aes Sedai, die uns begleitet haben.� Drau�en zuckten neue Blitze, als er fortfuhr, und der Donner krachte lauter als je zuvor. Bei einigen St�rmen bedeutete eine Atempause nur, dass das Schlimmste noch kam.</p><p><emphasis>Ich habe dir gesagt, du sollst sie alle umbringen, als du noch die Chance dazu hattest,</emphasis> lachte Lews Therin. <emphasis>Ich habe es dir gesagt.</emphasis></p><p>�Seid Ihr sicher, dass man ihnen den Bund aufgezwungen hat, Samitsu?�, fragte Cadsuane streng. Und laut genug, um trotz des Donners geh�rt zu werden, der sich �ber dem Dach des Herrenhauses entlud. Donner und Blitz passten zu ihrer Stimmung. Sie h�tte gern geknurrt. Es kostete sie einiges ihrer Ausbildung und Erfahrung, ganz ruhig dazusitzen und an dem hei�en Ingwertee zu nippen. Sie hatte schon seit langer Zeit nicht mehr zugelassen, dass ihre Gef�hle die Oberhand gewannen, aber sie wollte etwas bei�en. Oder jemanden.</p><p>Auch Samitsu hielt eine Porzellantasse, aber sie hatte noch keinen Tropfen getrunken und auch den angebotenen Stuhl ignoriert. Die schlanke Schwester wandte sich von dem linken Kamin ab, in dessen Flammen sie geschaut hatte, und die Gl�ckchen in ihrem Haar bimmelten, als sie den Kopf sch�ttelte. Sie hatte sich nicht die M�he gemacht, ihr Haar richtig zu trocknen, und es hing ihr feucht und schwer auf den R�cken hinunter. Ihre haselnussbraunen Augen blicken unbehaglich. �Das ist kaum eine Frage, die ich einer Schwester stellen konnte, oder, Cadsuane? Und sie haben es mir bestimmt nicht erz�hlt. Wer w�rde das auch tun? Zuerst nahm ich an, sie h�tten es wie Merise und Corele gemacht. Und die arme Daigian.� Ein kurzer Ausdruck von Mitleid flackerte �ber ihr Gesicht. Sie kannte den Schmerz genau, den Daigian wegen ihres Verlusts durchlitt. Den kannte jede Schwester, die �ber ihren ersten Beh�ter hinaus war, nur allzu gut. �Aber es ist offensichtlich, dass Toveine und Gabrelle beide zu Logain geh�ren. Ich glaube, Gabrelle geht mit ihm ins Bett. Wenn ein Bund geschlossen wurde, dann waren es die M�nner, die ihn gemacht haben.�</p><p>�Dann haben sie den Spie� umgedreht�, murmelte Cadsuane in ihren Tee. Manche waren der Ansicht, dass so etwas nur fair war, aber sie hatte nie viel davon gehalten, fair zu k�mpfen. Entweder man k�mpfte oder man es lie� es sein, und es war nie ein Spiel. Fairness war etwas f�r Leute, die an der sicheren Seite standen und redeten, w�hrend die anderen bluteten. Ungl�cklicherweise konnte sie nur wenig tun, au�er zu versuchen, eine M�glichkeit zu finden, die Ereignisse auszugleichen. Ausgleich war nicht das Gleiche wie Fairness. �Ich bin froh, dass Ihr mich wenigstens gewarnt habt, bevor ich Toveine und die anderen sehe, aber ich will, dass Ihr morgen nach Cairhien zur�ckkehrt.�</p><p>�Ich konnte nichts tun, Cadsuane�, sagte Samitsu verbittert. �Die H�lfte der Leute, denen ich einen Befehl gab, hat angefangen, ihn sich bei Sashalle best�tigen zu lassen, um zu sehen, ob er auch richtig war, und die andere H�lfte hat mir ins Gesicht gesagt, dass sie bereits etwas anderes befohlen hat. Lord Bashere hat sie �berredet, die Beh�ter abreisen zu lassen � ich habe nicht die geringste Ahnung, wie er �berhaupt von ihnen erfahren hat �, und sie hat Sorilea dazu �berredet, und ich konnte nichts dagegen tun. Sorilea hat sich benommen, als w�re ich gerade von meinem Posten zur�ckgetreten! Sie begreift es nicht, und sie hat deutlich gemacht, dass sie mich f�r eine N�rrin h�lt. Es ist v�llig sinnlos, wenn ich zur�ckgehe, es sei denn, Ihr erwartet von mir, dass ich Sashalle die Handschuhe trage.�</p><p>�Samitsu, ich erwarte, dass Ihr sie im Auge behaltet, nichts weiter. Ich will wissen, was die Drachenverschworenen Schwestern tun, wenn weder ich noch die Weisen Frauen ihnen �ber die Schultern sehen und eine Rute halten. Ihr wart immer sehr aufmerksam.� Geduld war nicht immer ihre st�rkste Seite, aber bei Samitsu brauchte man sie manchmal. Die Gelbe war aufmerksam und intelligent und meistens auch von einem starken Willen gepr�gt, ganz zu schweigen davon, dass sie am lebendigsten war, wenn es ums Heilen ging � zumindest bis Damer Flinn auf der Bildfl�che erschienen war �, aber ihr Selbstvertrauen konnte auf erstaunliche Weise zusammenbrechen. Der Stock funktionierte bei Samitsu nie, aber ein Schulterklopfen schon, und es war albern, das, was funktionierte, nicht zu benutzen. Als Cadsuane sie daran erinnerte, wie klug sie war und wie geschickt im Heilen � das war bei Samitsu immer n�tig; sie h�tte in tiefe Depressionen verfallen k�nnen, weil es ihr nicht gelungen war, einen Toten zu heilen �, lebte die Schwester aus Arafel auf und gewann an Selbstbewusstsein.</p><p>�Ihr k�nnt sicher sein, dass Sashalle nicht ihre Str�mpfe wechselt, ohne dass ich es wei߫, sagte sie energisch. In Wahrheit erwartete Cadsuane auch nicht weniger. �Aber wenn Ihr nichts gegen die Frage habt...� � mit neu erwachtem Selbstbewusstsein lie� Samitsu das gerade noch eben h�flich klingen; sie war nicht sch�chtern, es sei denn, ihr Selbstbewusstsein hatte einen Schlag erlitten � �... warum seid Ihr hier, im tiefsten Tear? Was hat der junge al'Thor vor? Oder sollte ich lieber sagen, was wollt Ihr, dass er tun soll?�</p><p>�Er hat etwas sehr Gef�hrliches vor�, erwiderte Cadsuane. Drau�en vor den Fenstern zuckten Blitze auf, scharf umrissene silberne Zacken an einem Himmel, der fast so finster wie die Nacht war. Sie wusste genau, was er vorhatte. Sie wusste nur nicht, ob sie es verhindern sollte.</p><p>�Das muss aufh�ren!�, donnerte Rand, was vom Krachen am Himmel untermalt wurde. Er hatte vor dem Gespr�ch den Mantel ausgezogen und die �rmel aufgerollt, um die Drachen zu entbl��en, die sich scharlachrot und golden um seine Unterarme schl�ngelten und deren goldm�hnige K�pfe auf seinen Handr�cken ruhten. Er wollte den Mann vor ihm mit jedem Blick daran erinnern, dass er dem Wiedergeborenen Drachen gegen�berstand. Aber seine H�nde waren zu F�usten geballt, um ihn davon abzuhalten, Lews Therins Dr�ngen nachzugeben und den verfluchten Logain Ablar zu erw�rgen. �Ich brauche keinen Krieg mit der verfluchten Wei�en Burg, und ihr verfluchten Asha'man werdet mir auf keinen Fall einen Krieg mit der Wei�en Burg einbrocken! Habe ich mich verst�ndlich ausgedr�ckt?�</p><p>Logain, dessen H�nde locker auf dem langen Griff seines Schwerts ruhten, zuckte nicht zusammen. Er war ein gro�er Mann, wenn auch kleiner als Rand, mit einem ruhigen Blick, der nicht verriet, dass er zurechtgestutzt oder zur Rechenschaft gezogen worden war. Das silberne Schwert und der rotgoldene Drachen am hohen Kragen seines schwarzen Mantels glitzerte hell im Lampenlicht, und der Mantel selbst sah frisch aufgeb�gelt aus. �Befehlt Ihr, dass wir sie freigeben?�, fragte er ruhig. �Werden die Aes Sedai die unsrigen freigeben, die sie sich genommen haben?�</p><p>�Nein!�, sagte Rand kurz angebunden. Und m�rrisch.</p><p>�Was getan wurde, kann nicht ungeschehen gemacht werden.� Merise war so schockiert gewesen, als er vorgeschlagen hatte, Narishma freizulassen, dass man h�tte denken k�nnen, er h�tte sie gebeten, einen jungen Welpen am Stra�enrand auszusetzen. Und er vermutete, dass sich Flinn genauso verbissen dagegen wehren w�rde, von Corele getrennt zu werden, wie sie auch; er war sich ziemlich sicher, dass zwischen ihnen mehr als nur der Bund war. Nun, wenn es einer Aes Sedai m�glich war, sich mit einem Mann zu verbinden, der die Macht lenken konnte, wieso sollte sich eine h�bsche Frau da nicht mit einem alten Mann abgeben? �Ihr begreift nicht, welchen Schlamassel ihr da angerichtet habt, oder? Im Augenblick will Elaida nur einen Mann am Leben sehen, der die Macht lenken kann, und das bin ich, und das auch nur, bis die Letzte Schlacht vorbei ist. Sobald sie davon erf�hrt, wird sie noch begieriger darauf sein, euch alle tot zu sehen, auf welche Weise auch immer sie es schafft. Ich wei� nicht, wie der Rest des Haufens reagieren wird, aber Egwene ist stets eine harte Verhandlungspartnerin gewesen. M�glicherweise muss ich Asha'man f�r Aes Sedai abgeben, mit denen sie sich verbinden k�nnen, bis sie so viele von euch haben wie ihr von ihnen. Und das auch nur, solange sie nicht einfach die Entscheidung treffen, euch alle zu t�ten, sobald sie das arrangieren k�nnen. Was geschehen ist, ist geschehen, aber damit kann es nicht weitergehen!�</p><p>Logain versteifte sich bei jedem Wort etwas mehr, aber sein Blick lie� Rand nicht los. Es war offensichtlich, dass er alle anderen im Zimmer ignorierte. Min hatte mit diesem Treffen nichts zu tun haben wollen und sich zum Lesen zur�ckgezogen; Rand fand Herid Fels B�cher unverst�ndlich, aber sie fand sie faszinierend. Aber er hatte darauf bestanden, dass Loial blieb, und der Ogier gab vor, die Flammen im Kamin zu studieren. Wenn er nicht mit zuckenden Ohren zu Boden blickte, so als w�rde er sich fragen, ob er im Schutz des Sturms unbemerkt verschwinden konnte. Davram Bashere erschien neben dem Ogier kleiner, als er wirklich war, ein Mann mit ergrauenden Haaren, dunklen Augen, einer Hakennase und einem dicken Schnurrbart, der seinen Mund umrahmte. Auch er trug sein Schwert, dessen Klinge k�rzer als Logains war. Bashere verbrachte mehr Zeit damit, in seinen Wein zu schauen als sonst wohin, aber jedes Mal, wenn sein Blick auf Logain fiel, fuhr er unbewusst mit dem Daumen �ber den Schwertgriff. Rand hielt es zumindest f�r unbewusst.</p><p>�Taim gab den Befehl�, sagte Logain, dem es nicht behagte, sich vor Publikum rechtfertigen zu m�ssen. Ein pl�tzlicher Blitz in der N�he des Hauses tauchte sein Gesicht einen Augenblick lang in einen bleichen Schatten, eine d�stere Maske der Dunkelheit. �Ich nahm an, er k�me von Euch.� Sein Blick glitt ein St�ck in Basheres Richtung, sein Mund spannte sich. �Taim tut viele Dinge, von denen die Leute glauben, dass es auf Eure Anweisung hin geschieht�, fuhr er z�gerlich fort, �aber er hat seine eigenen Pl�ne. Flinn, Narishma und Manfor stehen auf der Deserteursliste, so wie jeder Asha'man, den Ihr bei Euch behalten habt. Und er hat eine Gruppe aus zwanzig oder drei�ig Mann, die er in seiner N�he h�lt und unter der Hand ausbildet. Jeder Mann, der den Drachen tr�gt, geh�rt dazu, au�er mir, und er h�tte mir den Drachen vorenthalten, wenn er es gewagt h�tte. Ganz egal, was Ihr gemacht habt, es ist Zeit, Euren Blick auf die Schwarze Burg zu richten, bevor Taim sie schlimmer spaltet, als es die Wei�e Burg ist. Wenn er das tut, werdet Ihr merken, dass der gr��te Teil loyal zu ihm steht, nicht zu Euch. Ihn kennen sie. Euch haben die meisten nie gesehen.�</p><p>Gereizt zog Rand die �rmel nach unten und lie� sich auf einen Stuhl fallen. Was er getan hatte, spielte f�r Logain keine Rolle. Der Mann wusste, dass <emphasis>Saidin</emphasis> sauber war, aber er konnte nicht glauben, dass Rand oder ein anderer diese S�uberung tats�chlich zustande gebracht hatte. Glaubte er ernsthaft, dass der Sch�pfer nach dreitausend Jahren des Leids sich dazu entschieden hatte, eine gn�dige Hand auszustrecken? Der Sch�pfer hatte die Welt erschaffen und es dann der Menschheit �berlassen, damit zu machen, was sie wollte, einen Himmel oder die Grube des Verderbens. Der Sch�pfer hatte viele Welten erschaffen und zugesehen, wie sie erbl�hten oder vergingen, und damit weitergemacht, eine endlose Zahl von Welten zu erschaffen. Ein G�rtner weinte nicht um jede Bl�te, die zu Boden fiel.</p><p>Einen Augenblick lang glaubte er, dass das Lews Therins Gedanken gewesen waren. Er hatte auf diese Weise nie �ber den Sch�pfer oder alles andere nachgedacht; nicht soweit er sich erinnern konnte. Aber er f�hlte, wie Lews Therin anerkennend <emphasis>nickte</emphasis>, ein Mann, der einem anderen zuh�rte. Dennoch, es war nicht die Art Sache, �ber die er vor Lews Therin nachgedacht h�tte. Wie viel Abstand blieb zwischen ihnen?</p><p>�Taim wird warten m�ssen�, sagte er m�de. Wie lange konnte Taim warten? Es �berraschte ihn, Lews Therin nicht w�ten zu h�ren, er solle den Mann t�ten. Er w�nschte sich, das h�tte ihn erleichtert. �Seid Ihr nur gekommen, um daf�r zu sorgen, dass Logain mich sicher erreicht, Bashere, oder um mir zu erz�hlen, dass jemand Dobraine niedergestochen hat? Oder habt Ihr auch eine dringende Aufgabe f�r mich?�</p><p>Rands Tonfall lie� Bashere eine Braue heben, und ein Blick auf Logain lie� seinen Kiefer sich anspannen, aber nach einem Moment schnaubte er so laut, dass sein dicker Schnurrbart eigentlich h�tte wackeln m�ssen. �Zwei M�nner haben mein Zelt durchw�hlt�, sagte er und stellte seinen Pokal auf einem blauen Tisch an der Wand ab. �Einer legte ein Schreiben vor, von dem ich geschworen h�tte, es selbst geschrieben zu haben, wenn ich es nicht besser w�sste. Den Befehl, �gewisse Gegenst�nde� wegzuschaffen. Loial hat mir erz�hlt, dass der Bursche, der Dobraine niederstach, das gleiche Schreiben hatte, anscheinend in Dobraines Handschrift. Mit ein bisschen Nachdenken h�tte ein Blinder sehen k�nnen, worauf sie aus waren. Dobraine und ich sind die offensichtlichsten Kandidaten, um f�r Euch die Siegel zu h�ten. Ihr habt drei, und Ihr sagt, dass drei gebrochen sind. Vielleicht wei� der Schatten, wo das letzte ist.�</p><p>Loial hatte sich vom Kamin abgewandt, als der Saldaeaner sprach, und jetzt brach es aus ihm heraus: �Das ist ernst, Rand. Wenn jemand alle Siegel am Gef�ngnis des Dunklen K�nigs bricht oder vielleicht auch nur eins oder zwei mehr, k�nnte sich der Dunkle K�nig m�glicherweise befreien. Nicht einmal du kannst dem Dunklen K�nig gegen�bertreten. Ich meine, ich wei�, dass du es laut den Prophezeiungen tun wirst, aber das kann nur symbolisch gemeint sein.� Sogar Logain sah besorgt aus; er musterte Rand, als w�rde er ihn gegen den Dunklen K�nig aufrechnen.</p><p>Rand lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck und achtete sorgf�ltig darauf, seine M�digkeit nicht zu zeigen. Auf der einen Hand die Siegel auf dem Gef�ngnis des Dunklen K�nigs, auf der anderen Taim, der die Asha'man spaltete. War das siebte Siegel bereits gebrochen? Machte der Schatten die Er�ffnungsz�ge der Letzten Schlacht? �Ihr habt mir mal eines gesagt, Bashere. Bietet dir dein Feind zwei Ziele an...�</p><p>�Schlage bei einem dritten zu�, beendete Bashere den Satz prompt, und Rand nickte. Er hatte sich sowieso l�ngst entschieden. Donner lie� die Fenster erzittern, bis die Scheiben klirrten. Der Sturm nahm an St�rke zu.</p><p>�Ich kann nicht gleichzeitig gegen den Schatten und die Seanchaner k�mpfen. Ich schicke euch drei los, einen Waffenstillstand mit den Seanchanern zu schlie�en.�</p><p>Bashere und Logain schien es die Sprache verschlagen zu haben. Bis sie anfingen zu protestieren, einer lauter als der andere. Loial hingegen sah aus, als w�re er einer Ohnmacht nahe.</p><p>Elza zappelte unruhig hin und her und h�rte sich Fearils Bericht �ber die Ereignisse an, die sich zugetragen hatten, seit sie Cairhien verlassen hatte. Es war nicht die raue Stimme des Mannes, die sie nerv�s machte. Sie hasste Blitze und w�nschte sich, sie k�nnte das grelle Licht, das in ihrem Fenster flackerte, genauso mit einem Gewebe fern halten, wie sie ihr Zimmer vor Lauschern gesichert hatte. Niemand w�rde ihren Wunsch nach Privatsph�re seltsam finden, da sie zwanzig Jahre damit verbracht hatte, die Welt davon zu �berzeugen, dass sie mit dem blonden Mann verheiratet war. Trotz seiner Stimme sah Fearil wie die Sorte Mann aus, die eine Frau heiraten w�rde, gro� und schlank und recht ansehnlich. Der harte Schwung seines Mundes war vorteilhaft f�r sein Gesicht. Nat�rlich konnten � wenn man einmal dar�ber nachdachte � es einige f�r merkw�rdig halten, dass sie nie mehr als einen Beh�ter hatte. Es war schwer, einen Mann mit der n�tigen Bef�higung zu finden, aber vielleicht sollte sie anfangen, danach Ausschau zu halten. Wieder tauchte ein Blitz das Fenster in sein Licht.</p><p>�Ja, ja, es reicht�, unterbrach sie ihn schlie�lich. �Du hast das Richtige getan, Fearil. Es h�tte merkw�rdig ausgesehen, h�ttest du dich als Einziger geweigert, deine Aes Sedai zu finden.� Erleichterung str�mte durch den Bund. Sie war streng, was ihre Befehle anging, und obwohl er wusste, dass sie ihn nicht t�ten konnte � oder es zumindest nicht tun w�rde �, erforderte eine Bestrafung nur, dass sie den Bund maskierte, um nicht an seinen Schmerzen teilzuhaben. Das und ein Gewebe, um seine Schreie zu ersticken. Sie konnte Schreie fast genauso wenig ausstehen wie Blitze.</p><p>�Es ist schon gut, dass du jetzt bei mir bist�, fuhr sie fort. Schade, dass die Aiel-Wilden Fera noch immer festhielten, allerdings w�rde sie die Wei�e fragen m�ssen, warum sie den Eid abgelegt hatte, bevor sie ihr vertrauen konnte. Bis zu der Reise nach Cairhien hatte sie nicht gewusst, dass sie etwas mit Fera teilte. Es war sehr bedauerlich, dass kein Mitglied ihres Herzens bei ihr war, aber nur sie war nach Cairhien geschickt worden, und sie stellte ihre Befehle genauso wenig in Frage wie Fearil die seinen. �Ich glaube, bald m�ssen ein paar Leute sterben.� Sobald sie entschieden hatte, welche es sein sollten. Fearil neigte den Kopf, eine Welle der Begeisterung schoss durch den Bund. Er t�tete gern. �In der Zwischenzeit wirst du jeden t�ten, der den Wiedergeborenen Drachen bedroht.� Schlie�lich war ihr das in der Gefangenschaft der Wilden v�llig klar geworden. Der Wiedergeborene Drache musste Tarmon Gai'don erreichen, denn wie sollte der Gro�e Herr ihn sonst dort besiegen k�nnen?</p></section><section><title><p>25</p><p>Wann man Juwelen tragen muss</p></title><p>Perrin schritt ungeduldig auf den mit Blumenornamenten verzierten Teppichen auf und ab, die auf dem Boden des Zeltes lagen, und wand sich unbehaglich in dem dunkelgr�nen Seidenmantel, den er nur selten getragen hatte, seit Faile ihn hatte anfertigen lassen. Sie behauptete, die aufw�ndigen Silberstickereien w�rden seine Schultern zur Geltung bringen, aber der breite Lederg�rtel und die Axt daran � eines so schlicht wie das andere � zeigten nur, dass er ein Narr war, der vorgab, mehr zu sein, als er in Wirklichkeit war. Manchmal zog er seine Panzerhandschuhe enger oder starrte finster auf seinen mit Pelz gef�tterten Umhang, der �ber einer Stuhllehne hing und darauf wartete, von ihm umgelegt zu werden. Zweimal zog er ein St�ck Papier aus dem �rmel und entfaltete es, um im Gehen die Karte von Malden zu studieren. Das war die Stadt, in der Faile gefangen gehalten wurde.</p><p>Jondyn und Get und Hu hatten die fliehenden Einwohner von Malden eingeholt, aber das einzig n�tzliche, was sie erhalten hatten, war diese Karte, und es war ein hartes St�ck Arbeit gewesen, die Fl�chtlinge zum Anhalten zu bewegen, um sie zu bekommen. Jene, die stark genug gewesen waren, um zu k�mpfen, waren tot oder trugen das Wei� der <emphasis>Gai'schain</emphasis> f�r die Shaido; geflohen waren nur die Alten und die ganz Jungen, die Kranken und Gebrechlichen. Jondyn zufolge hatte der Gedanke, jemand k�nnte sie zur R�ckkehr und zum Kampf gegen die Shaido zwingen, ihre Schritte nach Norden in Richtung Andor und der dort erhofften Sicherheit gelenkt. Die Karte war ein R�tsel mit ihrem Stra�enlabyrinth und der Festung der Hohen Herrin und der gro�en Zisterne in der nord�stlichen Ecke. Sie qu�lte ihn mit ihren M�glichkeiten. Aber diese M�glichkeiten w�rden sich nur ergeben, wenn er die L�sung f�r ein gr��eres R�tsel fand, das nicht auf der Karte verzeichnet war, die gewaltige Masse an Shaido, die die befestigte Stadt umgab, ganz zu schweigen von den vierhundert oder f�nfhundert Weisen Frauen, die die Macht lenken konnten. Also wurde die Karte zur�ck in den �rmel geschoben und die Wanderung wieder aufgenommen.</p><p>Das rot gestreifte Zelt �rgerte ihn genauso sehr wie die Karte, und das galt auch f�r die M�bel, die vergoldeten St�hle, die man zum Transport zusammenklappen konnte, und der Tisch mit dem Mosaik, bei dem das nicht m�glich war, der Standspiegel und der mit einem Spiegel versehene Waschstand und selbst die Truhen, die aufgereiht an einer Zeltwand standen. Es war drau�en noch nicht richtig hell, und alle zw�lf Lampen brannten, und ihre Spiegel funkelten. Die Kohlenbecken, welche die eisige K�lte der Nacht zur�ckgehalten hatten, enthielten noch etwas Glut. Er hatte sogar Failes beide Seidenwandbilder herausholen und an den Dachpf�hlen aufh�ngen lassen. Er hatte Lamgwin seinen Bart stutzen und Wangen und Hals sauber rasieren lassen; er hatte sich gewaschen und frische Sachen angezogen. Er hatte das Zelt aufbauen lassen, als w�rde Faile jeden Augenblick vom Ausritt zur�ckkehren. Alles, nur damit jeder, der ihn sah, einen verdammten Lord sehen und sich zuversichtlich f�hlen konnte. Und jedes Detail erinnerte ihn daran, dass Faile nicht ausgeritten war. Er zog einen Handschuh aus und tastete in seiner Jackentasche �ber die dort verstaute Lederschnur. Jetzt waren es zweiunddrei�ig Knoten. Er musste nicht daran erinnert werden, aber manchmal lag er die ganze Nacht wach in dem Bett, in dem Faile fehlte, und z�hlte Knoten. Irgendwie waren sie eine Verbindung zu ihr geworden. Und wach zu sein war besser, als Albtr�ume zu haben.</p><p>�Wenn Ihr Euch nicht setzt, werdet Ihr selbst mit Nealds Hilfe zu m�de f�r den Ritt nach So Habor sein�, sagte Berelain in leicht am�siertem Tonfall. �Allein Euch zuzusehen macht mich m�de.�</p><p>Es gelang ihm, sie nicht b�se anzustarren. Die Erste von Mayene sa� auf ihrem zusammengelegten, scharlachroten Umhang auf einem der Klappst�hle, die H�nde auf dem Scho� um die roten Reithandschuhe gefaltet; sie trug ein dunkelblaues Reitgewand, eine breite, mit Feuertropfen besetzte Goldkette und die schmale Krone von Mayene, auf der ein goldener Falke �ber ihren Brauen flog. Sie sah so beherrscht wie eine Aes Sedai aus, und sie roch... geduldig. Er verstand nicht, warum sie aufgeh�rt hatte, so zu riechen, als w�re er ein fettes Lamm, das sich im Dickicht verfangen hatte und ihr als Mahlzeit dienen sollte, aber er war ihr daf�r fast schon dankbar. Es war gut, jemanden zu haben, mit dem er sich �ber die verschwundene Faile unterhalten konnte. Sie h�rte zu und roch nach Mitgef�hl.</p><p>�Ich will hier sein, falls... wenn Gaul und die T�chter Gefangene bringen.� Der Versprecher lie� ihn das Gesicht verziehen, genau wie die Verz�gerung. Es war, als w�rde er an ihnen zweifeln. Fr�her oder sp�ter w�rde man einige Shaido gefangen nehmen, aber offensichtlich war das keine einfache Sache. Gefangene zu machen war sinnlos, solange man sie nicht fortschaffen konnte, und die Shaido waren nur im Vergleich mit anderen Aiel sorglos. Aber es fiel ihm immer schwerer, geduldig zu sein. �Wo bleibt Arganda?�, knurrte er.</p><p>Als h�tte die Nennung seines Namens den Ghealdaner endlich herbeibefohlen, schob sich Arganda durch den Zelteingang; sein Gesicht war versteinert, und die Augen lagen tief in ihren H�hlen. Er sah aus, als w�rde er genauso wenig schlafen wie Perrin. Der kleine Mann trug seinen silbernen Brustpanzer, aber keinen Helm. Er hatte sich an diesem Morgen nicht rasiert, sein Kinn war mit grauen Stoppeln �bers�t. Von einer behandschuhten Hand klirrte ein fetter Geldbeutel, den er neben zwei anderen auf dem Tisch ablegte. �Aus der Schatulle der K�nigin�, sagte er verdrossen. Er hatte in den vergangenen zehn Tagen nur wenig gesagt, was nicht verdrossen geklungen hatte. �Es reicht, um unseren Anteil abzudecken und mehr. Ich musste das Schloss aufbrechen und drei Mann zur Bewachung abstellen. Es ist eine Versuchung, selbst f�r die besten von ihnen, jetzt, da das Schloss kaputt ist.�</p><p>�Gut, gut�, sagte Perrin und versuchte, nicht zu ungeduldig zu klingen. Ihm war es gleichg�ltig, ob Arganda hundert M�nner zur Bewachung der Geldtruhe seiner K�nigin abstellen musste. Sein Beutel war der kleinste der drei, und er hatte jede Gold-� und Silberm�nze zusammengekratzt, die er hatte finden k�nnen. Er warf sich den Umhang �ber die Schultern, nahm die Geldbeutel und eilte an dem Mann vorbei in den grauen Morgen hinaus.</p><p>Zu seinem �rger hatte das Lager ein dauerhafteres Gepr�ge angenommen, obwohl es bestimmt nicht so geplant war, und es gab nichts, was er dagegen tun konnte. Viele der M�nner von den Zwei Fl�ssen schliefen jetzt in Zelten, sie bestanden aus hellbraunem, geflicktem Segeltuch statt aus rot gestreiftem wie seinem, aber sie waren gro� genug f�r acht oder zehn M�nner, wobei ihre zusammengew�rfelten Blankwaffen davor aufgeschichtet waren, und die anderen hatten ihre provisorischen Unterk�nfte in stabile kleine H�tten aus geflochtenen Immergr�nzweigen verwandelt. Die Zelte und H�tten boten bestenfalls schiefe Reihen, sie hatten nicht viel �hnlichkeit mit den geraden Reihen, wie man sie bei den Ghealdanern und Mayenern sehen konnte, trotzdem hatte es eine gewisse �hnlichkeit mit einem Dorf, mit Pfaden und Stra�en, in denen der Schnee bis zur nackten, gefrorenen Erde niedergetrampelt war. Jedes Herdfeuer wurde von einem ordentlichen Steinkreis umgeben, und hier hatten sich kleine Gruppen von M�nnern versammelt, die gegen die K�lte vermummt auf ihr Fr�hst�ck warteten.</p><p>Es war der Inhalt der schwarzen Eisenkocht�pfe, der Perrin an diesem Morgen zum Handeln trieb. Da so viele M�nner jagten, wurde das Wild knapp, und alles andere ging aus. Sie mussten nach den von Eichh�rnchen angelegten Eichelvorr�ten suchen, die sie mahlen konnten, um das Hafermehl zu strecken, und was sie so sp�t im Winter fanden, war alt und bestenfalls vertrocknet. Die Mixtur f�llte zwar irgendwie den Magen, aber man musste wirklich hungrig sein, um sie herunterzukriegen. Die meisten Gesichter, die Perrin erkennen konnte, beobachteten die Kocht�pfe begierig. Die letzten Karren ratterten durch eine L�cke, die man in dem Kreis aus angespitzten Pf�hlen um das Lager herum gemacht hatte; die cairhienischen Kutscher waren bis zu den Ohren vermummt und hockten wie dunkle Wolls�cke auf ihren Sitzen. Die urspr�ngliche Ladung war in der Lagermitte aufgebaut worden. Jetzt polterten sie durch die Furchen, die die vorausfahrenden Karren hinterlassen hatten, eine einzelne Reihe, die im Wald verschwand.</p><p>Perrins Auftritt mit Berelain und Arganda verursachte Aufsehen, wenn auch nicht unter den hungrigen M�nnern von den Zwei Fl�ssen. Oh, ein paar von ihnen nickten vorsichtig in seine Richtung � ein oder zwei Narren machten sogar ungelenke Verbeugungen! �, aber die meisten versuchten noch immer, ihn nicht anzusehen, wenn Berelain in der N�he war. Idioten. Dumme, hirnrissige Idioten! Es gab jedoch gen�gend andere Leute in der N�he des rot gestreiften Zelts, die sich in den Wegen zwischen den anderen Zelten dr�ngten. Ein mayenischer Soldat ohne R�stung in einem grauen Mantel kam mit Berelains wei�er Stute angelaufen, verbeugte sich und hielt den Steigb�gel. Annoura sa� bereits auf einer schlanken Stute, die fast so dunkel war wie Berelains Pferd hell. Aus der Kapuze ihres Umhangs hingen d�nne, mit eingeflochtenen Perlen versehen Z�pfe; die Aes Sedai schien die Frau, die sie eigentlich beraten sollte, kaum zu bemerken. Steif im Sattel sitzend, starrte sie zu den niedrigen Zelten der Aiel, bei denen sich au�er den schmalen Rauchfahnen aus den Abzugsl�chern nichts regte. Aber der ein�ugige Gallenne mit seinem roten Helm und Brustpanzer und der Augenklappe machte die mangelnde Aufmerksamkeit der tarabonischen Schwester mehr als wieder wett. Sobald Berelain erschien, bellte er einen Befehl, der f�nfzig der Gefl�gelten Wachen in Statuen verwandelte, die langen, mit roten Wimpeln geschm�ckten und mit st�hlernen Spitzen versehenen Lanzen aufrecht an ihren Seiten, und als sie aufsa�, br�llte er einen weiteren Befehl, der die M�nner so anmutig auf ihre Pferde steigen lie�, dass sie sich wie ein Mann zu bewegen schienen.</p><p>Arganda sah stirnrunzelnd zu den Aiel-Zelten hin�ber und bedachte die Mayener ebenfalls mit einem Stirnrunzeln, dann ging er zu der Stelle, an der viele ghealdanische Lanzenreiter in funkelnden R�stungen und den konisch geformten gr�nen Helmen warteten, und sprach leise mit dem Burschen, der sie befehlen w�rde, einem schlanken Mann namens Kireyin, der dem hochm�tigen Blick nach zu urteilen, der hinter dem Stangenvisier seines versilberten Helmes funkelte, bestimmt von adliger Geburt war. Arganda war klein genug, dass sich Kireyin zu ihm herunterbeugen musste, um zu verstehen, was er zu sagen hatte, und diese Notwendigkeit lie� das Gesicht des gr��eren Mannes noch k�hler erscheinen. Einer der M�nner hinter Kireyin trug statt einer gr�nen Lanze einen Stab mit einem roten Banner, auf dem die drei sechszackigen Silbernen Sterne von Ghealdan zu sehen waren, und einer der Gefl�gelten Wachen trug Mayenes Goldenen Falken auf blauem Feld.</p><p>Aram war auch da, aber an der Seite und nicht zum Aufbruch bereit. In seinen giftgr�nen Umhang geh�llt teilte er seine eifers�chtigen Blicke zwischen Mayenern und Ghealdanern auf. Als er Perrin erblickte, wurde sein Ausdruck m�rrisch, und er eilte los und bahnte sich seinen Weg durch die M�nner von den Zwei Fl�ssen, die auf ihr Fr�hst�ck warteten. Er blieb nicht stehen, um sich zu entschuldigen, wenn er jemand anrempelte. Im Verlauf der Tage, an denen sie dagesessen und gewartet hatten, war Aram zunehmend gereizter geworden und hatte jeden bis auf Perrin angefaucht. Gestern h�tte er sich beinahe mit zwei Ghealdanern gepr�gelt, und zwar wegen etwas, an das sich keiner der beiden mehr genau erinnern konnte, nachdem man sie voneinander getrennt hatte � wenn man davon absah, dass Aram gesagt hatte, die Ghealdaner h�tten keinen Respekt, und sie erwidert hatten, er h�tte eine gro�e Klappe. Darum blieb der ehemalige Kesselflicker an diesem Morgen auch zur�ck. In So Habor w�rden die Dinge auch so schon heikel genug sein, ohne dass Aram Streit anfing, wenn Perrin gerade nicht hinsah.</p><p>�Behaltet Aram im Auge�, sagte er leise, als Dannil sein Pferd brachte. �Und erst recht Arganda�, f�gte er hinzu, stopfte die Beutel in seine Satteltaschen und schnallte die Klappen sorgf�ltig zu. Das Gewicht von Berelains Beitrag entsprach etwa dem, was er und Arganda zusammengebracht hatten. Nun, sie hatte einen Grund, gro�z�gig zu sein. Ihre M�nner waren genauso hungrig wie alle anderen auch. �Arganda sieht meiner Meinung nach wie ein Mann aus, der im Begriff steht, etwas Dummes zu tun.� Steher warf den Kopf nach hinten, als Perrin die Z�gel �bernahm, aber der Hengst beruhigte sich schnell unter seiner festen, ruhigen Hand.</p><p>Dannil rieb mit von der K�lte ger�teten Kn�cheln �ber seinen sto�zahn�hnlichen Schnurrbart und warf Arganda einen Seitenblick zu, dann atmete er schwer aus. �Ich werde ihn beobachten, Lord Perrin�, murmelte er und zog an seinem Umhang, �aber was Ihr mir auch befohlen habt, sobald Ihr au�er Sicht seid, wird er nicht mehr auf mich h�ren.�</p><p>Leider entsprach das der Wahrheit. Perrin h�tte lieber Arganda mitgenommen und Gallenne zur�ckgelassen, aber keiner von ihnen war bereit gewesen, das zu akzeptieren. Der Ghealdaner stimmte zu, dass M�nner und Pferde bald anfangen w�rden zu hungern, wenn man nicht irgendwie Lebensmittel und Futter fand, aber er konnte sich nicht dazu �berwinden, sich auch nur einen Schritt weiter von seiner K�nigin zu entfernen. In mancherlei Hinsicht schien er noch verzweifelter zu sein als Perrin oder vielleicht eher bereit, sich dem Gef�hl zu ergeben. Sich selbst �berlassen w�re Arganda jeden Tag ein St�ck n�her an die Shaido heranger�ckt, bis er sich direkt vor ihrer Nase befunden h�tte. Perrin war bereit zu sterben, um Faile zu befreien. Arganda schien einfach nur bereit zu sein zu sterben.</p><p>�Tut, was Ihr k�nnt, um zu verhindern, dass er eine Dummheit begeht, Dannil.� Nach einem Moment f�gte er hinzu: �Solange es nicht zu einem Kampf kommt.� Er konnte von Dannil nur bis zu einem gewissen Punkt erwarten, den Burschen zur�ckzuhalten. Auf jeden Mann von den Zwei Fl�ssen kamen drei Ghealdaner, und Faile w�rde nie befreit werden, wenn sie anfingen, sich gegenseitig umzubringen. Beinahe h�tte Perrin den Kopf an Stehers Flanke angelehnt. Beim Licht, er war m�de, und er konnte nirgendwo irgendwelche Fortschritte sehen.</p><p>Langsames Hufgestampfe verk�ndete die Ankunft von Masuri und Seonid; ihre drei Beh�ter ritten dicht hinter ihnen in Umh�nge geh�llt, die jeden der M�nner und die Flanken ihrer Pferde beinahe verschwinden lie�en. Die Aes Sedai trugen schimmernde Seide, und unter dem Rand von Masuris dunklem Umhang blitzte eine schwere Goldkette hervor. Auf Seonids Stirn baumelte ein kleiner wei�er Juwel von einem schmalen Goldkettchen, das in ihrem Haar befestigt war. Annoura entspannte sich und sa� etwas lokkerer in ihrem Sattel. Zwischen den Aiel-Zelten standen die Weisen Frauen in einer Reihe und sahen zu, sechs gro�e Frauen, deren K�pfe von schwarzen Schultert�chern verh�llt wurden. Die B�rger von So Habor w�rden Aiel m�glicherweise genauso willkommen hei�en wie die Leute aus Malden, aber Perrin war sich nicht sicher gewesen, ob die Weisen Frauen auch nur eine der Schwestern gehen lassen w�rden. Sie waren der letzte Grund zum Warten gewesen. Die Sonne war ein rotgoldener Rand �ber den Baumwipfeln.</p><p>�Je fr�her wir da sind, desto fr�her sind wir zur�ck�, sagte Perrin und stieg in den Sattel des Braunen. Als er durch die L�cke ritt, die man f�r die zweir�derigen Karren gemacht hatte, fingen die M�nner von den Zwei Fl�ssen bereits an, die fehlenden Pf�hle wieder an Ort und Stelle zu platzieren. Mit Masemas Leuten in der N�he vernachl�ssigte keiner seine Wachsamkeit.</p><p>Es waren hundert Schritte bis zur Baumgrenze, aber Perrin sah eine Bewegung, jemand auf einem Pferd, der sich in die tieferen Schatten unter den hoch aufragen den B�umen zur�ckzog. Zweifellos einer von Masemas Beobachtern, der zur�ckpreschte, um dem Propheten mitzuteilen, dass Perrin und Berelain das Lager verlassen hatten. Aber wie schnell er auch ritt, er w�rde nicht rechtzeitig eintreffen. Wenn Masema Berelain oder Perrin tot sehen wollte, was wahrscheinlich erschien, w�rde er auf eine andere Gelegenheit warten m�ssen.</p><p>Gallenne war hingegen nicht bereit, auch nur das kleinste Risiko einzugehen. Seit dem Tag, an dem Santes und Gendar, Berelains Diebef�nger, nicht mehr aus Masemas Lager zur�ckgekehrt waren, hatte niemand auch nur eine Nasenspitze von ihnen gesehen, und f�r Gallenne war das eine so sichere Botschaft, als h�tte man ihre K�pfe in einem Sack zur�ckgeschickt. Er hatte seine Lanzenreiter in einem Kreis um Berelain ausschw�rmen lassen, noch bevor sie die B�ume erreicht hatten. Und um Perrin auch, aber das war nur ein Zufall. W�re man Gallennes W�nschen gefolgt, h�tte er alle neunhundert seiner Gefl�gelten Wachen mitgenommen, oder, was seiner Ansicht nach noch besser gewesen w�re, es Berelain ausgeredet, sie zu begleiten. Perrin hatte das auch versucht, mit genauso wenig Erfolg. Die Frau hatte so eine Art, sich alles anzuh�ren und dann genau das zu tun, was sie tun wollte. Faile war genauso. Manchmal musste ein Mann eben damit leben. Eigentlich sogar meistens, da man nichts dagegen tun konnte.</p><p>Die m�chtigen B�ume und Felsvorspr�nge, die aus dem Schnee ragten, brachen die Formation nat�rlich auf, aber selbst im D�mmerlicht des Waldes boten sie einen farbigen Anblick, die roten Wimpel, die in den schr�g einfallenden Sonnenstrahlen flatterten, die rotgepanzerten Reiter, die f�r Augenblicke hinter massiven Eichen und Farnen verschwanden. Die drei Aes Sedai ritten hinter Perrin und Berelain, gefolgt von ihren Beh�tern, die den Wald um sie herum beobachteten, dann kam der Mann mit Berelains Banner. Kireyin und das Banner von Ghealdan kamen ein St�ck dahinter; seine M�nner ritten in ordentlichen, schimmernden Reihen, oder zumindest so gut, wie sie konnten. Die Offenheit des Waldes war eine T�uschung und schlecht f�r geordnete Reihen und helle Banner geeignet, aber wenn man die bestickte Seide und die Edelsteine und eine Krone und die Beh�ter in den farbver�ndernden Umh�ngen hinzurechnete, war es schon ein �u�erst beeindruckender Anblick. Perrin h�tte lachen k�nnen, wenn auch ohne gro�e Heiterkeit.</p><p>Berelain schien seine Gedanken zu sp�ren. �Wenn man einen Sack Mehl kauft�, sagte sie, �soll man einfache Wolle tragen, damit der Verk�ufer glaubt, dass man sich nicht leisten kann, mehr zu zahlen als unbedingt n�tig. Wenn man auf Wagenladungen Mehl aus ist, muss man Juwelen tragen, damit er glaubt, dass man sich leisten kann, f�r alles zur�ckzukommen, was er irgendwie herbeischaffen kann.�</p><p>Trotz allem musste Perrin lachen. Es klang wie etwas, das Meister Luhan ihm einst gesagt hatte, mit einem Rippensto�, um zu verdeutlichen, dass es ein Scherz war, und einem Funkeln im Blick, das besagte, dass etwas mehr dahintersteckte. Kleide dich �rmlich, wenn du einen kleinen Gefallen willst, und aufw�ndig, wenn es ein gro�er sein soll. Er war sehr froh, dass Berelain nicht l�nger wie eine jagende W�lfin roch. Wenigstens eine Sorge weniger.</p><p>Sie holten bald den letzten der Karren ein, eine Reihe, die sich nicht l�nger bewegte, als sie die Reisestelle erreichten. �xte und Schwei� hatten die von den Wegetoren abgeschnittenen B�ume entfernt und eine kleine Lichtung geschaffen, aber sie war schon dicht bev�lkert, noch bevor Gallenne seinen Kreis aus Lanzenreitern um sie herum gruppierte, und zwar nach au�en gerichtet. Fager Neald war bereits da, ein geckenhafter Murandianer mit einem zu Spitzen gewachsten Schnurrbart, der auf einem gescheckten Wallach ritt. Sein Mantel h�tte jedem, der noch nie zuvor einen Asha'man gesehen hatte, seinen Status gezeigt; allerdings war sein einziger Ersatzmantel ebenfalls schwarz, und immerhin hatte er keine Anstecknadeln am Kragen, die ihn aus der Menge hervorhoben. Der Schnee war nicht tief, aber die zwanzig M�nner von den Zwei Fl�ssen, die von Will al'Seen angef�hrt wurden, sa�en ebenfalls auf ihren Pferden, statt darauf zu warten, dass ihre F��e in ihren Stiefeln froren. Sie sahen wie ein h�rterer Haufen aus als jener, der zusammen mit ihm die Zwei Fl�sse verlassen hatte, mit auf den R�cken geschlungenen Langbogen und vollen K�chern und allen m�glichen Schwertern an den G�rteln. Perrin hoffte, dass er sie bald nach Hause schicken konnte, oder noch besser, sie nach Hause mitnehmen konnte.</p><p>Die meisten balancierten Stangenwaffen �ber den S�tteln, aber Tod al'Caar und Flann Barstere trugen Banner, Perrins Roten Wolfskopf und den Roten Adler von Manetheren. Tods massiger Kiefer war stur nach vorn geschoben, und Flann, ein hoch gewachsener, d�rrer Bursche oben aus Wachh�gel, sah m�rrisch aus. Vermutlich hatte er die Aufgabe nicht �bernehmen wollen. Und Tod m�glicherweise auch nicht. Will schenkte Perrin einen jener offenen, unschuldigen Blicke, die so viele M�dchen in der Heimat get�uscht hatten � Will mochte �bertriebene Stikkereien auf seinem Mantel an Feiertagen, und er liebte es, vor diesen Bannern zu reiten, vermutlich in der Hoffnung, dass irgendwelche Frauen glaubten, es seien seine �, aber Perrin lie� es ihm durchgehen. Die anderen drei Leute auf der Lichtung hatte er jedoch genauso wenig erwartet wie die Banner.</p><p>Balwer hielt seinen Umhang fest um den Leib geschlungen, als w�re die sanfte Brise ein Sturmwind, und trieb seinen Rotschimmel ungeschickt an, um zu Perrin zu gelangen. Zwei von Failes Anh�ngern folgten ihm mit trotziger Miene. Medores blaue Augen wirkten seltsam in dem dunklen tairenischen Gesicht, andererseits sah ihr Mantel mit seinen aufgeplusterten gr�n gestreiften �rmeln ebenfalls merkw�rdig an ihrer vollbusigen Gestalt aus. Als Tochter eines Hochlords war sie jeden Zoll eine Adlige, und M�nnerkleidung stand ihr nicht. Latian, Cairhiener und blass in einem Mantel, der fast so dunkel wie Nealds war, wenn auch mit vier Schlitzen aus Rot und Blau quer �ber der Brust, war nicht viel gr��er als sie, und die Art und Weise, wie er erk�ltet schniefte und sich die spitze Nase rieb, lie� ihn noch weniger kompetent erscheinen. Sie trugen keine Schwerter, eine weitere �berraschung.</p><p>�Mein Lord, meine Lady die Erste�, sagte Balwer mit seiner trockenen Stimme und machte im Sattel eine Verbeugung, ein Spatz, der auf seinem Ast h�pfte. Sein Blick huschte zu den Aes Sedai hinter Perrin, aber das war das einzige Zeichen, dass er sich der Anwesenheit der Schwestern bewusst war. �Mein Lord, mir ist eingefallen, dass ich in So Habor einen Bekannten habe. Ein Klingenschmied, der mit seinen Waren reist, aber vielleicht ist er zu Hause, und ich habe ihn schon mehrere Jahre nicht mehr gesehen.� Das war das erste Mal, dass er je einen Freund erw�hnte, und eine Stadt im Norden von Altara erschien ein seltsamer Ort daf�r, aber Perrin nickte. Er vermutete, dass mehr hinter diesem Freund steckte, als Balwer verriet. In ihm wuchs der Verdacht, dass mehr an Balwer war, als der Mann offenbarte.</p><p>�Und Eure Begleiter, Meister Balwer?� Berelains Gesicht in der pelzverbr�mten Kapuze regte sich nicht, aber sie roch am�siert. Sie wusste nur zu gut, dass Faile ihre jungen Anh�nger als Spione benutzte, und war davon �berzeugt, dass Perrin es ebenfalls tat.</p><p>�Sie wollen einen Ausflug unternehmen, meine Lady die Erste�, erwiderte der knochige kleine Mann ausdruckslos.</p><p>�Ich b�rge f�r sie, mein Lord. Sie haben versprochen, keinen �rger zu machen, und vielleicht lernen sie was.� Auch er roch am�siert � da der Geruch von ihm kam, war er nat�rlich trocken �, wenn auch mit einem Anflug von Gereiztheit. Balwer wusste, dass sie Bescheid wusste, was ihn nicht erfreute, aber sie erw�hnte es nie offen, was er wiederum tat. Es steckte definitiv mehr hinter Balwer, als er offenbarte.</p><p>Der Mann musste seine Gr�nde gehabt haben, sie mitzunehmen. Er hatte es geschafft, auf die eine oder andere Weise an alle von Failes jungen Anh�ngern heranzukommen und hatte sie unter den Ghealdanern und den Mayenern und sogar den Aiel Informationen sammeln lassen. Ihm zufolge konnte es genauso interessant sein, was Freunde sagten und taten, wie das, was Feinde planten, und das selbst, wenn man sicher war, dass es Freunde waren. Nat�rlich wusste Berelain, dass man ihre Leute �berwachte. Und Balwer wusste, dass sie es wusste. Und sie wusste, dass er... Das war alles zu abgehoben f�r einen Schmied vom Lande.</p><p>�Wir verschwenden Zeit�, sagte Perrin. �Neald, �ffnet das Wegetor.�</p><p>Der Asha'man grinste ihn an und strich sich �ber den gewachsten Schnurrbart � Neald grinste zu viel, seit die Shaidos gefunden worden waren; vielleicht war er zu begierig, mit ihnen abzurechnen �, er grinste und machte eine ausladende Geste mit der Hand. �Wie Ihr befehlt�, sagte er fr�hlich, und der vertraute silbrige Lichtbalken erschien und verbreiterte sich zu einer �ffnung in der Luft.</p><p>Ohne auf jemanden anderen zu warten, ritt Perrin hindurch auf ein schneebedecktes Feld, das von einer niedrigen Steinmauer umgeben wurde; es war ein h�geliges Land, das verglichen mit dem Wald, den er gerade verlassen hatte, nahezu baumlos erschien, nur wenige Meilen von So Habor entfernt, falls Neald keinen gravierenden Fehler gemacht hatte. Falls doch, w�rde Perrin ihm den albernen Schnurrbart aus dem Gesicht rei�en. Wie konnte der Kerl nur <emphasis>fr�hlich</emphasis> sein?</p><p>Doch bald ritt er unter einem grauen, bew�lkten Himmel auf einer verschneiten Stra�e nach Westen, die hochr�drigen Karren rollten in einer Reihe hinter ihm her, und die fr�hmorgendlichen Schatten erstreckten sich voraus. Steher riss an den Z�geln, da er laufen wollte, aber Perrin lie� ihn gehen, und zwar nicht schneller als die Zugtiere. Gallennes Mayener mussten �ber die Felder am Stra�enrand reiten, um den Ring um Berelain und ihn aufrechterhalten zu k�nnen, und das bedeutete, sie mussten an den niedrigen Steinmauern vorbei, die die Felder voneinander abtrennten. Manche hatten Tore, die von dem Besitz eines Bauern zum n�chsten f�hrten, vermutlich damit man sich Pfluggespanne teilen konnte, und �ber andere sprangen sie mit flatternden Wimpeln an ihren Lanzen hin�ber und riskierten die Beine ihrer Tiere und die eigenen H�lse. Ehrlich gesagt sorgte sich Perrin weniger wegen ihren H�lsen.</p><p>Will und die beiden Narren, die den Wolfskopf und den Roten Adler trugen, gesellten sich zu dem Bannermann der Mayener hinter den Aes Sedai und den Beh�tern, aber die anderen M�nner von den Zwei Fl�ssen verteilten sich, um die Wagenreihe zu flankieren. Es waren viel zu viele Karren, um sie von zwanzig Mann sch�tzen zu lassen, aber die Kutscher w�rden sich sicherer f�hlen, wenn sie sie sahen. Nicht, dass jemand mit Stra�enr�ubern rechnete oder Shaido, was das anging, aber niemand f�hlte sich au�erhalb des Lagers wohl. Auf jeden Fall w�rden sie hier jede Bedrohung sehen k�nnen, bevor sie sie erreichte.</p><p>Das Land mit den sanften H�geln gestattete eigentlich keine weite Sicht, aber es war Bauernland, mit soliden, strohgedeckten Steinh�usern und auf den Feldern verstreuten Scheunen, und nirgendwo gab es so etwas wie Wildnis. Selbst die kleinsten Dickichte, die sich an die H�nge schmiegten, wurden zur Gewinnung von Brennholz genutzt. Aber pl�tzlich fiel Perrin auf, dass der Schnee auf der Stra�e vor ihm nicht frisch war, doch die einzigen Spuren von Gallennes Vorhut stammten. In den dunklen H�usern und Scheunen regte sich nichts, aus den dicken Schornsteinen stieg kein Rauch auf. Das Land schien vollkommen still und absolut verlassen zu sein. Seine Nackenhaare wollten sich aufstellen.</p><p>Ein Ausruf von einer der Aes Sedai lie� ihn �ber die Schulter sehen, und er folgte Masuris zeigendem Finger nach Norden zu einem Umriss, der durch die Luft flog. Auf den ersten Blick h�tte man es f�r eine gro�e Fledermaus halten k�nnen, die auf langen, gerippten Schwingen in �stliche Richtung flog, eine seltsame Fledermaus mit langem Hals und einem langen, d�nnen Schwanz. Gallenne bellte eine Verw�nschung und dr�ckte sein Fernrohr ans Auge. Perrin konnte auch ohne Hilfsmittel gut genug sehen und sogar die Gestalt eines menschlichen Wesens ausmachen, die sich auf dem R�cken der Kreatur festklammerte und auf ihr ritt wie auf einem Pferd.</p><p>�Seanchaner�, hauchte Berelain, und sowohl ihre Stimme wie auch ihr Geruch waren besorgt.</p><p>Perrin drehte sich im Sattel um, um den Flug des Unget�ms zu verfolgen, bis das grelle Licht der aufgehenden Sonne ihn dazu zwang, sich abzuwenden. �Das hat nichts mit uns zu tun�, sagte er. Wenn Neald einen Fehler gemacht hatte, w�rde er ihn erdrosseln.</p></section><section><title><p>26</p><p>In So Habor</p></title><p>Wie sich herausstellte, hatte Neald, der zur�ckbleiben musste, um das Wegetor offen zu halten, bis Kireyin und die Ghealdaner hindurch waren, das Wegetor in unmittelbarer N�he seines Ziels ge�ffnet. Er und Kireyin holten die Gruppe im Galopp ein, als Perrin gerade einen H�gel hinaufritt und sein Pferd z�gelte, da sich So Habor vor ihm erhob; die Stadt befand sich auf der anderen Seite eines kleinen Flusses, der von zwei bogenf�rmigen Holzbr�cken �berspannt wurde. Perrin war kein Soldat, aber er erkannte auf den ersten Blick, warum Masema den Ort in Ruhe gelassen hatte. In unmittelbarer N�he des Flusses verf�gte die Stadt �ber zwei massive, mit T�rmen versehene Steinmauern, und die innere war h�her als die �u�ere. An einem langen Kai, der sich von einer Br�cke zur n�chsten entlang der Flussmauer erstreckte, waren zwei Barken vert�ut, doch die breiten Stadttore, die mit Eisen beschlagen und fest verschlossen waren, schienen die einzigen �ffnungen in der langen Mauer aus grobem, grauem Stein zu sein, die die ganze L�nge von Wehrg�ngen gekr�nt wurde. Gebaut, um gierige adlige Nachbarn abzuwehren, h�tte So Habor sich kaum vor der Horde des Propheten gef�rchtet, selbst wenn sie zu Tausenden gekommen w�ren. Wer in diese Stadt hineinwollte, w�rde Belagerungsger�t und Geduld brauchen, und Masema terrorisierte lieber D�rfer und St�dte ohne Mauern oder Verteidigungsanlagen.</p><p>�Nun, es ist sch�n, dass ich da Leute auf den Mauern sehen kann�, sagte Neald. �Ich dachte schon, in diesem Land w�re jeder tot und begraben.� Er klang, als w�rde er das nur halb im Scherz meinen, und sein Grinsen sah gezwungen aus.</p><p>�Solange sie lebendig genug sind, uns Korn zu verkaufen�, murmelte Kireyin in seiner nasalen, gelangweilten Stimme. Er schnallte seinen silbrigen, mit wei�en Federn versehenen Helm ab und st�lpte ihn �ber den hohen Sattelknauf. Sein Blick glitt an Perrin vorbei und verharrte kurz auf Berelain, bevor er sich umdrehte, um die Aes Sedai in dem gleichen gelangweilten Tonfall anzusprechen. �Bleiben wir hier stehen, oder reiten wir herunter?� Berelain sah ihn mit hochgezogener Braue an, ein gef�hrlicher Blick, wie jeder Mann mit einem Funken Verstand erkannt h�tte. Kireyin bemerkte ihn nicht.</p><p>Perrins Nackenhaare wollten sich noch immer str�uben, noch viel dr�ngender, seit er die Stadt gesehen hatte. Vielleicht war es nur der Teil von ihm, der ein Wolf war und Mauern verabscheute. Aber das glaubte er nicht. Die Leute auf den Mauern zeigten in ihre Richtung, und einige hielten Fernrohre. Zumindest diese w�rden die Banner deutlich erkennen k�nnen. Jeder w�rde die Soldaten sehen k�nnen, deren Lanzenwimpel in der Morgenbrise flatterten. Und die ersten Karren der Reihe, die sich au�erhalb ihrer Sicht die Stra�e entlang erstreckten. M�glicherweise dr�ngten sich s�mtliche Bauern der H�fe in der Stadt. �Wir sind nicht hergekommen, um hier herumzusitzen�, sagte er.</p><p>Berelain und Annoura hatten einen Plan gemacht, wie man sich So Habor n�hern sollte. Der �rtliche Lord oder die Lady hatten sicherlich von den Verw�stungen der Shaido geh�rt, die sich gar nicht so viele Meilen n�rdlich von ihnen zugetragen hatten, und m�glicherweise hatten sie auch von der Anwesenheit des Propheten in Altara geh�rt. Allein eines davon reichte aus, um jemanden vorsichtig zu machen; zusammen genommen w�rde es vielleicht ausreichen, dass Leute zuerst mit Pfeilen schossen und dann fragten, auf wen sie da eigentlich geschossen hatten. Auf jeden Fall war es h�chst unwahrscheinlich, dass sie im Augenblick fremde Soldaten durch ihre Tore lassen w�rden. Die Lanzenreiter blieben in einer Reihe auf dem H�gel stehen, ein Zeichen, dass diese Besucher �ber Streitkr�fte verf�gten, auch wenn sie sie nicht einsetzten. Nicht, dass sich So Habor sonderlich von hundert M�nnern beeindrucken lassen w�rde, aber die polierten R�stungen der Ghealdaner und die roten Harnische der Gefl�gelten Wachen verk�ndeten, dass die Besucher keine marodierenden Wegelagerer waren. Die M�nner von den Zwei Fl�ssen w�rden niemanden beeindrucken, bis sie ihre B�gen benutzt hatten, also blieben sie bei den Karren zur�ck, um die Kutscher bei Laune zu halten. Es war alles ein ziemlich aufw�ndiger Unsinn, aber Perrin war ein Landschmied, ob man ihn nun Lord nannte oder nicht. Die Erste von Mayene und eine Aes Sedai sollten wissen, was in so einem Fall zu tun war.</p><p>Gallenne f�hrte den Weg hinunter zum Fluss in langsamem Trab an, den hellroten Helm auf dem Sattel liegend. Perrin und Berelain ritten ein kleines St�ck hinter ihm, Seonid in der Mitte und Masuri und Annoura an ihren Seiten; die Aes Sedai hatten die Kapuzen zur�ckgeworfen, sodass jeder auf diesen Mauern, der das Gesicht einer Aes Sedai erkennen w�rde, die Gelegenheit bekam, gleich drei von ihnen zu sehen. Aes Sedai waren an den meisten Orten willkommen, selbst dort, wo die meisten Leute lieber nichts mit ihnen zu tun hatten. Dahinter kamen die vier Bannerm�nner, die Beh�ter in ihren sinnverwirrenden Umh�ngen zwischen ihnen. Und Kireyin, der seinen funkelnden Helm auf dem Oberschenkel balancierte und missmutig die Lippen sch�rzte, weil er dazu verbannt worden war, mit den Beh�tern zu reiten. Gelegentlich warf er Balwer einen kalten Blick zu, der mit seinen beiden Begleitern den Abschluss bildete. Niemand hatte Balwer gesagt, dass er mitkommen konnte, aber es hatte ihm auch niemand verboten. Er neigte den Kopf, wenn der Adlige ihn ansah, dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Stadtmauern vor ihm.</p><p>Perrin konnte sein Unbehagen nicht absch�tteln, als sie sich der Stadt n�herten. Die Hufe der Pferde klapperten laut auf der s�dlichen Br�cke, einer breiten Konstruktion, die sich hoch genug �ber den schnell str�menden Fluss erhob, um eine Barke wie jene, die am Kai vert�ut lag, m�helos hindurchlassen zu k�nnen. Keines der breiten Fahrzeuge hatte Vorrichtungen, um einen Mast aufstellen zu k�nnen. Eine der Barken lag tief im Wasser und stemmte sich gegen straff gespannte Anlegetaue, und die andere sah auch irgendwie aufgegeben aus. Ein saurer Geruch in der Luft lie� sich Perrin die Nase reiben. Au�er ihm schien ihn keiner zu bemerken.</p><p>Kurz nach dem Br�ckenende z�gelte Gallenne sein Pferd. Die verschlossenen Tore, die mit fu�breiten schwarzen Eisenb�ndern beschlagen waren, h�tten sowieso einen Halt erzwungen. �Wir haben von den Schwierigkeiten geh�rt, die dieses Land plagen�, br�llte er den M�nnern auf den Mauern zu und schaffte es trotz seiner Lautst�rke, f�rmlich zu klingen, �aber wir sind nur auf der Durchreise, und wir kommen, um zu handeln, und nicht um �rger zu machen, um Korn und andere n�tzliche Dinge zu kaufen, nicht um zu k�mpfen. Ich habe die Ehre zu verk�nden, dass Berelain sur Paendrag Paeron, Erste von Mayene, Gesegnete des Lichts, Verteidigerin der Wellen, Hohe Herrin von Haus Paeron, gekommen ist, um mit dem Lord oder der Lady dieses Landes zu sprechen. Ich habe die Ehre zu verk�nden, dass Perrin t'Bashere Aybara...� Er f�gte f�r Perrin noch den Lord von den Zwei Fl�ssen und mehrere andere Titel dazu, die ihm nicht zustanden und die er noch nie geh�rt hatte, dann widmete er sich den Aes Sedai, gestand jeder den vollen Ehrentitel zu und nannte auch ihre Ajah. Es war eine beeindruckende Aufz�hlung. Als er fertig war, herrschte... Schweigen.</p><p>Oben auf den Zinnen wechselten M�nner mit schmutzigen Gesichtern freudlose Blicke und fl�sterten hektisch miteinander, fuchtelten nerv�s mit Armbr�sten und Stangenwaffen herum. Nur wenige trugen Helme oder gar eine R�stung. Die meisten hatten billige M�ntel, aber an einem Mann glaubte Perrin Seide unter einer Schmutzschicht zu erkennen. Bei so viel getrocknetem Dreck war das schwer zu sagen. Nicht einmal sein Geh�r konnte ausmachen, was sie da sagten.</p><p>�Woher sollen wir wissen, dass ihr am Leben seid?�, rief eine heisere Stimme schlie�lich.</p><p>Berelain blinzelte �berrascht, aber keiner lachte. Es war das Gerede von Narren, aber Perrin glaubte, dass sich das Haar in seinem Nacken nun wirklich str�ubte. Hier war definitiv etwas faul. Die Aes Sedai schienen es nicht zu sp�ren. Andererseits konnten Aes Sedai hinter diesen glatten Masken k�hler Gelassenheit alles verbergen. Die Perlen in Annouras d�nnen Z�pfen klirrten leise, als sie den Kopf sch�ttelte. Masuri musterte die M�nner auf der Mauer mit eiskaltem Blick.</p><p>�Wenn ich beweisen muss, dass ich am Leben bin, werdet ihr es bereuen�, verk�ndete Seonid lautstark in ihrem scharfen, cairhienischen Akzent etwas hei�bl�tiger, als ihr Gesicht erahnen lie�. �Und wenn ihr weiterhin diese Armbr�ste auf mich richtet, werdet ihr das noch mehr bereuen.� Mehrere M�nner hoben hastig ihre Armbr�ste und richteten sie gen Himmel. Aber nicht alle.</p><p>Erneut wurde oben auf der Mauer gefl�stert, aber jemand musste die Aes Sedai erkannt haben. Schlie�lich schwangen die Tore auf den massiven, rostigen Angeln auf. Ein w�rgender Gestank wallte aus der Stadt, der Gestank, den Perrin gerochen hatte, nur noch viel st�rker jetzt. Alter Unrat und alter Schwei�, verfaulender M�ll und Nachtt�pfe, die zu lange nicht geleert worden waren. Perrins Ohren wollten sich an seinen Kopf anlegen. Gallenne hob den roten Helm ein St�ck, als wollte er ihn wieder aufsetzen, bevor er seinen Braunen durch das Tor trieb. Perrin stie� Steher die Stiefel in die Flanken, um ihm zu folgen, und lockerte die Axt in ihrer G�rtelschleife.</p><p>Im Torbogen stie� ein verdreckter Mann in einem zerrissenen Mantel einen Finger gegen Perrins Bein und schoss zur�ck, als Steher nach ihm schnappte. Der Bursche war mal fett gewesen, aber der Mantel hing lose an seiner Gestalt. �Wollte nur sichergehen�, murmelte er und kratzte sich abwesend die Seite. �Mein Lord�, f�gte er etwas zu sp�t hinzu. Sein Blick schien sich zum ersten Mal auf Perrins Gesicht zu konzentrieren, und seine kratzenden Finger erstarrten. Goldgelbe Augen waren schlie�lich kein gew�hnlicher Anblick.</p><p>�Seht Ihr viele Tote, die reiten?�, fragte Perrin trocken und versuchte es als Witz erscheinen zu lassen, w�hrend er den Hals des Braunen t�tschelte. Ein ausgebildetes Streitross wollte belohnt werden, wenn es seinen Reiter besch�tzte.</p><p>Der Bursche zuckte zusammen, als h�tte das Pferd schon wieder die Z�hne gebleckt; sein Mund verzerrte sich zu einem starren Grinsen, und er wich seitlich fort. Bis er gegen Berelains Stute stie�. Gallenne war direkt hinter ihr, erwog noch immer, den Helm aufzusetzen, und versuchte mit seinem einen Auge in sechs Richtungen gleichzeitig zu sehen.</p><p>�Wo kann ich Euren Lord oder Eure Lady finden?�, verlangte Berelain ungeduldig zu wissen. Mayene war eine kleine Nation, aber sie war nicht daran gew�hnt, ignoriert zu werden. �Sonst scheint hier jeder stumm geworden zu sein, aber Euch habe ich sprechen geh�rt. Also, Mann? Redet schon.�</p><p>Der Bursche starrte zu ihr hoch und leckte sich �ber die Lippen. �Lord Cowlin... Lord Cowlin ist... er ist nicht da, meine Lady.� Sein Blick huschte zu Perrin her�ber, dann senkte er ihn wieder. �Die Kornh�ndler... Mit denen m�sst Ihr sprechen. Sie sind immer in der <emphasis>Goldenen Barke</emphasis> zu finden. Hier entlang.� Er zeigte vage in Richtung Stadtmitte, dann lief er pl�tzlich los und schaute dabei �ber die Schulter, als bef�rchtete er, verfolgt zu werden.</p><p>�Ich glaube, wir sollten uns einen anderen Ort suchen�, sagte Perrin. Dieser Kerl hatte vor mehr als gelben Augen Angst gehabt. Dieser Ort f�hlte sich... aus dem Gleichgewicht gebracht an.</p><p>�Jetzt sind wir hier, und es gibt keine andere Stadt�, erwiderte Berelain in einem ausgesprochen n�chternen Tonfall. Bei dem vorherrschenden Gestank konnte er ihren Geruch nicht wahrnehmen; er w�rde sich nach dem richten m�ssen, was er sah und h�rte, und ihr Gesicht war reglos genug f�r eine Aes Sedai. �Ich bin schon in St�dten gewesen, die schlimmer rochen, Perrin. Davon bin ich �berzeugt. Und wenn dieser Lord Cowlin fort ist, wird es nicht das erste Mal sein, dass ich es mit Kaufleuten zu tun habe. Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass sie wandelnde Tote sehen, oder?� Was sollte ein Mann dazu schon sagen, ohne wie ein v�lliger Wollkopf zu klingen?</p><p>Die anderen dr�ngten sich bereits durch das Tor, wenn auch nicht l�nger in geordneterer Formation. Wynter und Alharra rahmten Seonid wie nicht zueinander passende Wachhunde ein, der eine hell, der andere dunkel, und beide bereit, aufgrund eines Blinzelns Kehlen auszurei�en. Sie sp�rten jedenfalls genau, was mit So Habor war. Kirklin, der neben Masuri ritt, schien nicht bereit zu sein, das Blinzeln abzuwarten; seine Hand ruhte auf dem Schwertgriff. Kireyin hielt sich die Nase, und ein Funkeln in seinen Augen sagte, dass jemand daf�r bezahlen w�rde, dass er das riechen musste. Auch Medore und Latian sahen aus, als sei ihnen �bel, aber Balwer sah sich lediglich um und zog die beiden dann in eine schmale Gasse hinein, die nach Norden f�hrte. Wie Berelain gesagt hatte, nun waren sie schon hier.</p><p>Die farbenpr�chtigen Banner sahen entschieden fehl am Platz aus, als Perrin durch die engen, gewundenen Stra�en der Stadt ritt. Tats�chlich waren einige Stra�en sogar recht breit f�r die Gr��e von So Habor, aber sie machten einen engen Eindruck, so als w�rden die steinernen Geb�ude zu beiden Seiten irgendwie h�her aufragen als ihre zwei oder drei Stockwerke und gleich �ber ihm zusammenbrechen. Die Vorstellungskraft lie� die Stra�en auch d�ster erscheinen. Der Himmel war nicht so grau. Die schmutzigen Stra�en waren voller Menschen, aber es waren nicht genug, wenn man bedachte, dass alle H�fe der Umgebung verlassen dalagen, und jeder eilte mit gesenktem Kopf daher. Sie eilten nicht mit einem Ziel im Sinn daher; sie eilten nur fort. Niemand sah den anderen an. Obwohl der Fluss vor ihrer Schwelle lag, hatten auch sie vergessen, wie man sich wusch. Perrin konnte nicht ein Gesicht entdecken, das keine dicke Dreckschicht bedeckte, oder ein Kleidungsst�ck, das nicht so aussah, als w�re es nicht schon seit Wochen getragen. Je tiefer sie in die Stadt vorstie�en, desto schlimmer wurde der Gestank. Vermutlich konnte man sich mit der Zeit wirklich an alles gew�hnen. Aber das Schlimmste war die Stille. D�rfer waren manchmal still, wenn auch nicht so still wie W�lder, aber in einer Stadt gab es immer irgendwelchen L�rm, die Laute von feilschenden Gesch�ftsleuten und Menschen, die ihr Leben lebten. So Habor fl�sterte nicht einmal. Es schien kaum zu atmen.</p><p>Bessere Wegbeschreibungen zu bekommen erwies sich als schwierig, da die meisten Leute wegliefen, wenn man sie ansprach, aber schlie�lich stiegen sie vor einem gesch�ftig aussehenden Gasthaus aus den S�tteln, drei Stockwerke aus grauem Stein mit einem Schieferdach, dessen Schild eine Goldene Barke zeigte. Die Schrift auf dem Schild war sogar vergoldet, und der Kornberg auf der Barke war unbedeckt, so als w�re er nicht zum Verkauf bestimmt. Auf dem Stallhof neben dem Gasthaus lie�en sich keine Stallknechte blicken, also mussten die Bannerm�nner als Z�gelhalter dienen, eine Aufgabe, die sie nicht gl�cklich machte. Tod wandte dem vorbeieilenden Strom verdreckter Gestalten so viel Aufmerksamkeit zu und t�tschelte dabei den Griff seines Kurzschwerts, dass Steher beinahe ein paar seiner Finger erwischte, als er die Z�gel des Hengstes nahm. Der Mayener und der Ghealdaner schienen sich zu w�nschen, Lanzen statt der Banner zu haben. Flann sah einfach nur aufgeregt aus. Trotz der Morgensonne schien das Licht... voller Schatten zu sein. Das Betreten des Hauses machte die Dinge nicht besser.</p><p>Auf den ersten Blick bezeugte der Gemeinschaftsraum die Gesch�ftigkeit des Gasthauses; unter einer hohen, mit soliden Balken versehenen Decke standen polierte runde Tische und vern�nftige St�hle statt B�nke. Die W�nde waren mit Feldern voller Gerste, Hirse und Hafer bemalt, die unter einer strahlenden Sonne reiften, und auf dem mit Schnitzereien verzierten Sims eines gro�en Kamins aus wei�em Stein stand eine bunt lackierte Uhr. Aber der Kamin war kalt, die Luft war fast so eisig wie drau�en. Die Uhr stand. �berall lag eine Staubschicht. Die einzigen Leute im Raum waren sechs M�nner und f�nf Frauen, die sich an einem ovalen Tisch, der in der Mitte des Raums stand, �ber ihre Getr�nke beugten.</p><p>Als Perrin und die anderen eintraten, sprang einer der M�nner mit einem Fluch auf; das Gesicht unter dem Schmutz erbleichte. Eine dicke Frau mit langen fettigen Haaren hob ihren Zinnbecher an den Mund und versuchte so schnell zu schlucken, dass Wein �ber ihr Kinn floss. Vielleicht waren es seine Augen. Vielleicht.</p><p>�Was geschieht in dieser Stadt?�, wollte Annoura mit fester Stimme wissen und warf den Umhang zur�ck, als w�rde im Kamin ein Feuer lodern. Der ruhige Blick, mit dem sie die Leute am Tisch musterte, lie� jeden von ihnen erstarren. Pl�tzlich wurde sich Perrin bewusst, dass weder Masuri noch Seonid ihm hinein gefolgt waren. Er bezweifelte, dass sie auf der Stra�e bei den Pferden warteten. Was sie und ihre Beh�ter taten, das konnte man nur erahnen.</p><p>Der Mann, der aufgesprungen war, zerrte mit einem Finger an seinem Mantelkragen. Der Mantel war aus feinstem blauem Tuch, mit einer Reihe vergoldeter Kn�pfe bis zum Kragen, aber sein Tr�ger schien ihn schon seit einiger Zeit mit Essen zu bekleckern. Vielleicht sogar mehr, als er in den Mund bekommen hatte. Auch er sah abgemagert aus.</p><p>�Was hier geschieht, Aes Sedai?�, stammelte er.</p><p>�Seid still, Mycal!�, zischte eine hagere Frau. Ihr dunkles Kleid wies auf dem hohen Kragen und an den �rmeln Stickereien auf, aber der Schmutz lie� die Farben nur schwer erkennen. Ihre Augen lagen tief in ihren H�hlen.</p><p>�Warum glaubt Ihr, dass hier etwas geschehen ist, Aes Sedai?�</p><p>Annoura wollte fortfahren, aber Berelain machte einen Schritt nach vorn, als die Aes Sedai erneut den Mund �ffnete. �Wir suchen nach den Getreideh�ndlern.� Annouras Miene ver�nderte sich nicht, aber ihr Mund schloss sich mit einem deutlich h�rbaren Schnappen.</p><p>Die Leute am Tisch warfen sich lange Blicke zu. Die hagere Frau musterte Annoura unverhohlen, richtete ihre Aufmerksamkeit dann auf Berelain und wurde sich dann offensichtlich der Seide und der Feuertropfen bewusst. Und des Diadems. Sie hob die R�cke zu einem Knicks an. �Wir sind die Kaufmannsgilde von So Habor, meine Lady. Was davon �brig geblieben...� Sie unterbrach sich und holte tief und schaudernd Luft. �Ich bin Rahema Arnon, meine Lady. Wie k�nnen wir Euch dienen?�</p><p>Die Stimmung der Kaufleute schien sich etwas aufzuhellen, als sie erfuhren, dass ihre Besucher Korn und andere Dinge, die sie anbieten konnten, erwerben wollten, �l f�r Lampen und zum Kochen, Bohnen und Nadeln und Hufeisenn�gel, Tuch und Kerzen und ein Dutzend weiterer Dinge, die das Lager brauchte. Endlich lie� ihre Angst etwas nach. Jeder normale Kaufmann, der Berelains Liste geh�rt h�tte, h�tte nur m�hsam ein gieriges Grinsen unterdr�cken k�nnen, aber dieser Haufen hier...</p><p>Frau Arnon br�llte der Wirtin zu, Wein zu bringen � �den besten Wein, schnell, schnell� �, aber als eine Frau mit langer Nase z�gernd den Kopf in den Gastraum steckte, musste sie zu ihr eilen und sich ihren verdreckten �rmel schnappen, um zu verhindern, dass sie wieder verschwand. Der Bursche in dem Mantel mit den Essensresten rief nach jemandem namens Speral, der Probekr�ge bringen sollte, aber nachdem er ihn dreimal vergebens gerufen hatte, lachte er nerv�s und eilte in ein Hinterzimmer, um einen Augenblick sp�ter zur�ckzukommen, im Arm drei gro�e, zylindrische Holzbeh�lter, die er noch immer nerv�s lachend auf dem Tisch absetzte. Die anderen zeigten ein unsicheres L�cheln, als sie sich verbeugten und Knickse machten und Berelain dabei an den Kopf des ovalen Tisches baten; dabei kratzten sich die heruntergekommenen M�nner und Frauen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Perrin steckte die Panzerhandschuhe hinter den G�rtel, lehnte sich an eine der bemalten W�nde und sah zu.</p><p>Sie waren �bereingekommen, Berelain die Verhandlungen zu �berlassen. Sie hatte z�gernd eingestanden, dass er zwar mehr �ber Pferde wusste als sie, daf�r hatte sie aber Verhandlungen �ber den Verkauf von Jahresertr�gen von �lfisch geleitet. Annoura hatte bei der Vorstellung, ein Empork�mmling vom Land k�nnte dabei behilflich sein, nur schmal gel�chelt. Zwar nannte sie ihn nicht so � sie konnte �mein Lord� so glatt �ber die Lippen bringen wie Masuri oder Leonid �, aber es war offensichtlich, dass sie mancherlei Dinge f�r weit �ber seinem Horizont hielt. Jetzt l�chelte sie nicht, als sie hinter Berelain trat und die Kaufleute musterte, als wollte sie sich ihre Gesichter fest einpr�gen.</p><p>Die Wirtin brachte Wein in Zinnbechern, die einen Lappen das letzte Mal vor Wochen wenn nicht vor Monaten gesehen hatten, aber Perrin schaute in seinen nur hinein und lie� ihn dann in seinem Becher kreisen. Frau Vadere, die Wirtin, hatte Dreck unter den Fingern�geln und so tief in ihren Kn�cheln eingegraben, dass es den Anschein hatte, als w�re er mit ihrer Haut verschmolzen. Er bemerkte, dass Gallenne, der mit dem R�cken an der gegen�berliegenden Wand lehnte und eine Hand auf den Schwertgriff gelegt hatte, seinen Becher auch nur hielt, und Berelain r�hrte den ihren nicht einmal an. Kireyin schnupperte an seinem Becher, nahm einen tiefen Schluck und befahl Frau Vadere, ihm eine Kanne zu bringen.</p><p>�D�nnes Zeug, wenn das Euer Bester sein soll�, sagte er von oben herab zu der Frau, �aber vielleicht sp�lt er den Gestank weg.� Sie starrte ihn ausdruckslos an, dann brachte sie ihm wortlos eine gro�e Zinnkanne. Anscheinend hielt Kireyin ihr Schweigen f�r Respekt.</p><p>Meister Crossin, der Bursche in dem Mantel mit den Essensflecken, schraubte die Holzbeh�lter auf und sch�ttete ungesch�lte Proben des von ihnen angebotenen Getreides in H�ufchen auf den Tisch, gelbe Hirse und brauner Hafer, und die Gerste war nur unwesentlich brauner. Vor der Ernte hatte es wohl nicht geregnet. �Die beste Qualit�t, wie Ihr sehen k�nnt�, sagte er.</p><p>�Ja, die beste.� Das L�cheln verschwand von Frau Arnons Gesicht, und sie lie� es ruckartig wieder aufflackern.</p><p>�Wir verkaufen nur beste Ware.�</p><p>F�r Leute, die ihre Waren als die besten anpriesen, schienen sie nicht besonders hart zu verhandeln. Perrin hatte in der Heimat M�nner und Frauen dabei beobachtet, wie sie den Kaufleuten aus Baerlon Wolle und Tabak verkauften, und sie hatten die Angebote der K�ufer immer ver�chtlich behandelt, hatten sich sogar beschwert, die Kaufleute wollten sie zu Bettlern machen, wenn der Preis das doppelte von dem des Vorjahres war, oder hatten sogar vorgeschlagen, mit dem Verkauf gar bis zum n�chsten Jahr zu warten. Es war ein Tanz, der mindestens so kompliziert war wie alle anderen an Festtagen.</p><p>�Ich sch�tze, f�r eine so gro�e Menge k�nnten wir den Preis noch etwas senken�, sagte ein allm�hlich kahl werdender Mann zu Berelain und kratzte sich an seinem mit grauen Str�hnen durchzogenen Bart. Er war gestutzt und fettig genug, um an seinem Kinn zu kleben. Perrin versp�rte das Bed�rfnis, sich an seinem eigenen Bart zu kratzen, wenn er den Kerl nur ansah.</p><p>�Es ist ein harter Winter gewesen�, murmelte eine Frau mit rundem Gesicht. Nur zwei der anderen Kaufleute machten sich die M�he, ihr finstere Blicke zuzuwerfen.</p><p>Perrin stellte seinen Weinbecher auf einem Tisch in der N�he ab und ging zu der Versammlung in der Mitte des Raums. Annoura warf ihm einen scharfen, warnenden Blick zu, aber einige der Kaufleute sahen ihn neugierig an. Und vorsichtig. Gallenne hatte die Gruppe erneut vorgestellt, aber diese Leute hatten nur eine ungef�hre Ahnung davon, wo Mayene lag oder wie m�chtig es war, und die Zwei Fl�sse bedeutete f�r sie blo� guter Tabak. Tabak von den Zwei Fl�ssen war �berall bekannt. W�re keine Aes Sedai anwesend gewesen, h�tten seine Augen sie vermutlich zur Flucht getrieben. Alle verstummten, als Perrin eine Hand voll Hirse nahm, die kleinen K�rner lagen glatt und hellgelb auf seiner Handfl�che. Dieses Getreide war die erste saubere Sache, die er in dieser Stadt gesehen hatte. Er lie� die Hirse zur�ck auf den Tisch rieseln und nahm den Deckel eines der Beh�lter. Die in das Holz geschnittenen Rillen waren scharf und unbenutzt. Der Deckel w�rde fest abschlie�en. Frau Arnon wich seinem Blick aus, und sie befeuchtete sich die Lippen.</p><p>�Ich will das Getreide in den Lagerh�usern sehen�, sagte er. Die H�lfte der Leute am Tisch zuckte zusammen.</p><p>Frau Arnon richtete sich emp�rt zu ihrer vollen Gr��e auf. �Wir verkaufen nichts, was wir nicht haben. Ihr k�nnt ja unseren Arbeitern dabei zusehen, wie sie jeden Sack auf Eure Karren laden, wenn Ihr Stunden in der K�lte verbringen wollt.�</p><p>�Ich wollte gerade einen Besuch der Lagerh�user vorschlagen�, warf Berelain ein. Sie stand auf, zog die roten Handschuhe hinter dem G�rtel hervor und fing an, sie anzuziehen. �Ich w�rde niemals Getreide kaufen, ohne mir das Lagerhaus anzusehen.�</p><p>Frau Arnon sackte zusammen. Der Kahlk�pfige lie� den Kopf auf den Tisch sinken. Aber keiner sagte ein Wort.</p><p>Die niedergeschlagenen Kaufleute machten sich nicht die M�he, ihre Umh�nge zu holen, bevor sie ihre Besucher auf die Stra�e f�hrten. Die Brise war zu einem Wind aufgefrischt, der so kalt war, wie nur ein sp�ter Winterwind sein konnte, wenn alle bereits an den Fr�hling dachten, aber sie schienen ihn nicht wahrzunehmen. Ihre zusammengekr�mmten Schultern hatten nichts mit der K�lte zu tun.</p><p>�K�nnen wir jetzt gehen, Lord Perrin?�, fragte Flann begierig, als Perrin und die anderen auftauchten. �Dieser Ort erzeugt in mir das Bed�rfnis zu baden.� Annoura warf ihm im Vorbeigehen einen Blick zu, der ihn wie die Kaufleute zusammenzucken lie�. Flann versuchte, ihr ein beschwichtigendes L�cheln zu schenken, aber es war eine schwache Leistung und kam ohnehin zu sp�t, da sie ihm nur noch den R�cken zuwandte.</p><p>�Sobald ich es einrichten kann�, sagte Perrin. Die Kaufleute hasteten bereits mit gesenkten K�pfen die Stra�e entlang, ohne jemanden anzusehen. Berelain und Annoura schafften es, ihnen zu folgen, ohne es eilig aussehen zu lassen; sie rauschten daher, die eine so beherrscht wie die andere, zwei bedeutsame Ladys, die einen Spaziergang machten, und weder der Unrat auf dem Boden noch der Gestank in der Luft spielten eine Rolle, genauso wenig wie die verdreckten Leute, die bei ihrem Anblick zusammenzuckten und manchmal so schnell davonliefen, wie sie nur konnten. Gallenne hatte endlich seinen Helm aufgesetzt und hielt den Schwertgriff mit beiden H�nden umklammert. Kireyin trug seinen Helm in die H�fte gestemmt, in der anderen Hand hielt er den Weinbecher. Er musterte die vorbeieilenden B�rger ver�chtlich und schnupperte an dem Wein, als w�re es ein Parf�mfl�schchen, das dazu diente, den Gestank der Stadt abzuwehren.</p><p>Die Lagerh�user befanden sich zwischen den beiden Stadtmauern an einer gepflasterten Stra�e, die kaum Wagenbreite hatte. So nahe am Fluss war die Luft besser, aber die von Windb�en heimgesuchte Stra�e war bis auf Perrin und die anderen leer. Es war nicht einmal ein herumstreunender Hund zu sehen. Hunde verschwanden, wenn in einer Stadt der Hunger um sich griff, aber warum sollte eine Stadt, die genug Getreide hatte, um es verkaufen zu k�nnen, Hunger leiden? Perrin zeigte auf ein zweist�ckiges Lagerhaus, das er zuf�llig ausw�hlte und das sich nicht von den anderen unterschied, ein fensterloses Steingeb�ude mit einem breiten, zweifl�geligen Holztor, das von einem Balken verschlossen war, der in der <emphasis>Goldenen Barke</emphasis> auch als Deckenbalken h�tte dienen k�nnen.</p><p>Den Kaufleuten fiel urpl�tzlich ein, dass sie vergessen hatten, M�nner mitzubringen, um den Balken zu heben. Sie boten an, zur�ckzugehen und sie zu holen. Die Lady Berelain und Annoura Sedai konnten sich vor dem Kamin in der <emphasis>Goldenen Barke</emphasis> ausruhen, w�hrend man Arbeiter herbeiholte. Sie waren davon �berzeugt, dass Frau Vadere ein Feuer entz�nden w�rde. Sie waren noch immer am Plappern, als Perrin die H�nde unter den dicken Balken legte und ihn aus den Holzriegeln schob. Der Balken war schwer, aber er ging damit weit genug r�ckw�rts, um sich drehen und ihn auf die Stra�e werfen zu k�nnen, wo er mit einem lauten Krachen landete. Die Kaufleute starrten ihn an. M�glicherweise war es das erste Mal gewesen, dass sie einen Mann in einem Seidenmantel etwas hatten tun sehen, das man als Arbeit bezeichnen konnte. Kireyin verdrehte die Augen und roch wieder an dem Wein.</p><p>�Laternen�, sagte Frau Arnon schwach. �Wir brauchen Laternen oder Fackeln. Wenn...�</p><p>Eine Lichtkugel flammte �ber Annouras Hand auf und verbreitete an dem grauen Morgen genug Licht, um jedermann helle Schatten auf die Stra�e und Steinw�nde werfen zu lassen. Ein paar der Kaufleute hoben die H�nde, um ihre Augen zu beschatten. Nach einem weiteren Augenblick zog Meister Crossin einen T�rfl�gel an einem Eisenring auf.</p><p>Der Geruch war der vertraute Duft von Gerste, der fast stark genug war, um den Gestank der Stadt zu �berwinden. Kleine, undeutliche Umrisse wichen vor Annouras Licht in die Schatten zur�ck. Perrin h�tte ohne dieses Licht besser sehen k�nnen, oder zumindest tiefer in die Dunkelheit hinein. Die gl�hende Kugel warf einen gro�en Lichtkreis und machte alles dar�ber hinaus unkenntlich. Er roch Katzen, die verwildert waren. Und Ratten. Ein pl�tzliches Quieken in den dunklen Tiefen des Lagerhauses, das wie abgeschnitten abbrach, k�ndete von einer Katze, die auf eine Ratte traf. In Getreidescheunen gab es immer Ratten, so wie auch Katzen, die Jagd auf sie machten. Das war beruhigend und durchaus �blich. Es reichte beinahe aus, um sein Unbehagen zu bes�nftigen. Beinahe. Er roch noch etwas anderes, einen Geruch, den er h�tte kennen sollen. Ein wildes Fauchen verwandelte sich in immer lauter werdende Schmerzenslaute, die abrupt erstarben. Anscheinend wehrten sich die Ratten von So Habor manchmal. Perrins Nakkenhaare stellten sich wieder auf, aber hier gab es bestimmt nichts Interessantes f�r den Dunklen K�nig. Die meisten Ratten waren blo� Ratten.</p><p>Es war nicht n�tig, weit hineinzugehen. Grobe S�cke f�llten die Dunkelheit, sie lagen in schr�gen Stapeln auf niedrigen Holzplattformen, damit sie nicht auf dem Steinboden lagerten. Eine Reihe nach der anderen stapelte sich beinahe bis zur Decke, und vermutlich galt f�r die dar�ber befindliche Etage das Gleiche. Und selbst wenn nicht, dieses Geb�ude enthielt trotzdem genug Getreide, um seine Leute wochenlang zu ern�hren. Er ging zum n�chsten Stapel, trieb sein G�rtelmesser in einen Sack und durchschnitt die robusten Jutefasern. Eine Flut Gerstenkorn str�mte heraus. Und � wie deutlich im Schein von Annouras hellem Licht zu sehen war � sich windende schwarze Flecken. Kornk�fer, und zwar fast so viele, wie es Gerstenk�rner gab. Perrin w�nschte sich, sein Nackenhaar w�rde aufh�ren, sich str�uben zu wollen. Die K�lte h�tte mehr als ausreichen m�ssen, die Kornk�fer zu t�ten.</p><p>Dieser eine Sack war ein Beweis, und seine Nase kannte jetzt den Geruch der Kornk�fer, aber er ging zu einem anderen Stapel, und dann noch einem und noch einem, und jedes Mal schlitzte er einen Sack auf. Jeder entlie� einen Strom aus hellbraunem Gerstenkorn und schwarzen Kornk�fern.</p><p>Die Kaufleute standen dicht zusammengedr�ngt im Eingang, das Tageslicht im R�cken, aber Annouras Licht beleuchtete ihre Gesichter. Besorgte Gesichter. Verzweifelte Gesichter.</p><p>�Wir w�rden gern jeden Sack durchsieben, den wir verkaufen�, stammelte Frau Arnon. �F�r einen Aufpreis...�</p><p>�F�r die H�lfte des letzten Preises, den ich anbot�, unterbrach Berelain sie scharf. Sie r�mpfte angewidert die Nase und hob die R�cke, um den Kornk�fern aus dem Weg zu gehen, die auf dem Boden herumkrabbelten. �Ihr werdet nie alle erwischen.�</p><p>�Und keine Hirse�, sagte Perrin grimmig. Seine M�nner brauchten Essen, und die Soldaten auch, aber die Hirsek�rner waren kaum gr��er als die Kornk�fer. Egal, wie lange sie auch sieben w�rden, er w�rde trotzdem zu gleichen Teilen Kornk�fer und Hirse mitbringen. �Wir nehmen stattdessen mehr Bohnen. Aber die werden auch gesiebt.�</p><p>Pl�tzlich kreischte auf der Stra�e jemand auf. Keine Katze und auch keine Ratte, sondern ein Mann voller Entsetzen. Perrin war sich nicht einmal bewusst, die Axt gezogen zu haben, bis er den Stiel in seiner Hand sp�rte, als er sich an den Kaufleuten im Eingang vorbeidr�ngte. Sie standen dicht beisammen, befeuchteten sich die Lippen und wollten nicht einmal nachsehen, wer da geschrien hatte.</p><p>Kireyin stand an der Wand eines gegen�berliegenden Lagerhauses, der funkelnde Helm mit den wei�en Federn lag neben seinem Weinbecher auf dem Stra�enpflaster. Der Mann hatte das Schwert zur H�lfte aus der Scheide gezogen, aber er schien wie gel�hmt und starrte mit hervorquellenden Augen auf die Mauer des Geb�udes, aus dem Perrin gerade herausgekommen war. Perrin ber�hrte ihn am Arm, und er zuckte zusammen.</p><p>�Da war ein Mann�, sagte der Ghealdaner stockend. �Er war einfach da. Er hat mich angesehen und...� Kireyin rieb sich mit der Hand �ber das Gesicht. Trotz der K�lte glitzerte Schwei� auf seiner Stirn. �Er ging durch diese Mauer. Das hat er getan. Ihr m�sst mir glauben.� Jemand st�hnte; vermutlich einer der Kaufleute.</p><p>�Ich habe den Mann auch gesehen�, sagte Seonid hinter Perrin, und jetzt war er an der Reihe zusammenzuzucken.</p><p>An diesem Ort war seine Nase sinnlos!</p><p>Die Aes Sedai warf der Mauer, auf die Kireyin gezeigt hatte, einen letzten Blick zu und trat dann mit deutlich sp�rbarem Widerwillen von ihr weg. Ihre Beh�ter waren gro�e M�nner und �berragten sie, aber sie blieben nur weit genug von ihr weg, um gen�gend Platz zum Ziehen der Schwerter zu haben. Obwohl sich Perrin nicht vorstellen konnte, was die grimmig dreinblickenden Beh�ter eigentlich bek�mpfen wollten, falls es Seonid ernst war.</p><p>�L�gen f�llt mir sehr schwer�, sagte Seonid trocken, als er seinen Zweifel zum Ausdruck brachte, aber ihr Ton wurde schnell so ernst wie ihre Miene, und ihre Augen blickten so intensiv, dass sie allein Perrin nerv�s machten.</p><p>�In So Habor gehen die Toten um. Lord Cowlin floh aus Furcht vor dem Geist seiner Frau aus der Stadt. Anscheinend gab es Zweifel �ber die Art, wie sie gestorben ist. Kaum ein Mann oder eine Frau in dieser Stadt hat keinen Toten gesehen, und viele haben mehr als einen gesehen. Manche behaupten, Menschen seien durch die Ber�hrung eines Toten gestorben. Ich kann das nicht best�tigen, aber Leute sind aus Angst gestorben. Niemand geht in So Habor nachts auf die Stra�e oder betritt unangek�ndigt ein Zimmer. Leute schlagen mit allem, was gerade zur Hand ist, auf Schatten ein, und manchmal haben sie einen Ehemann, eine Ehefrau oder Nachbarn tot zu ihren F��en gefunden. Das ist keine Hysterie oder eine Geschichte, um Kinder zu erschrecken, Lord Perrin. Ich habe noch nie etwas dergleichen geh�rt, aber es ist real. Ihr m�sst eine von uns hier lassen, damit wir tun k�nnen, was in unserer Macht steht.�</p><p>Perrin sch�ttelte langsam den Kopf. Er konnte es sich nicht leisten, auch nur auf eine Aes Sedai zu verzichten, wenn er Faile befreien wollte. Frau Arnon fing an zu schluchzen, noch bevor er sagte: �So Habor wird seinen Toten allein gegen�bertreten m�ssen.�</p><p>Aber die Furcht vor den Toten erkl�rte nicht alles. Vielleicht hatten Leute ja zu viel Angst, um daran zu denken, sich zu waschen, aber es erschien unwahrscheinlich, dass jeder auf die gleiche Weise davon betroffen war. Es schien ihnen einfach alles gleichg�ltig geworden zu sein. Und Kornk�fer im Winter, bei klirrender K�lte? In So Habor ging etwas Schlimmeres vor als umhergehende Geister, und jeder Instinkt befahl ihm, sofort von hier zu verschwinden, ohne sich umzublicken. Er w�nschte, er h�tte es tun k�nnen.</p></section><section><title><p>27</p><p>Dinge, die getan werden m�ssen</p></title><p>Das Aussieben fand am verschneiten �stlichen Flussufer statt, wo nichts den schneidenden Nordwind abhalten konnte. M�nner und Frauen aus der Stadt brachten die S�kke �ber die Br�cken, mit Vierergespannen, von Pferden gezogenen Karren und sogar mit Schubkarren. Normalerweise brachten K�ufer ihre eigenen Wagen zu den Lagerh�usern, schlimmstenfalls mussten das Getreide und die getrockneten Bohnen nur bis zum Kai geschleppt werden, aber Perrin hatte nicht vor, seine Kutscher nach So Habor hineinzuschicken. Oder jemand anderen, was das anging. Was auch immer in dieser Stadt nicht stimmte, konnte ansteckend sein. Die Kutscher waren auch so schon unruhig genug, sie sahen die zerlumpten St�dter misstrauisch an, Leute, die kein Wort sagten, aber nerv�s lachten, wenn sie zuf�llig jemandes Blick erwiderten. Die Kaufleute mit den schmutzigen Gesichtern, die alles �berwachten, waren kein Deut besser. In Cairhien, der Heimat der Kutscher, waren Kaufleute saubere, respektable Leute, jedenfalls zumindest nach au�en hin, die nur selten zusammenzuckten, weil sich jemand am Rand ihres Blickfelds bewegte. Zwischen Kaufleuten mit der Neigung, jeden misstrauisch anzustarren, den sie nicht kannten, und St�dtern, die langsam �ber die Br�cken schlichen und offensichtlich z�gerten, wieder hinter ihre eigenen Mauern zu gehen, war den Kutschern ziemlich unbehaglich zumute. Sie versammelten sich in kleinen Gruppen, blasse, dunkel gekleidete M�nner und Frauen, die die Griffe ihrer G�rtelmesser gepackt hielten und die h�her gewachsenen Menschen aus der Stadt wie m�rderische Wahnsinnige betrachteten.</p><p>Perrin ritt langsam zwischen ihnen her, beobachtete das Sieben und kontrollierte die Reihe der Karren, die sich �ber den H�gel hinweg erstreckten und auf das Beladen warteten, oder die Wagen und Karren und Schubkarren aus der Stadt, die �ber die Br�cken rollten. Er sorgte daf�r, dass er zu sehen war. Er war sich nicht sicher, warum sein Anblick andere beruhigen sollte, aber es schien zu funktionieren. Jedenfalls genug, dass keiner die Flucht ergriff, obwohl sie die B�rger So Habors auch weiterhin schief ansahen. Und sie hielten sich von ihnen fern, was auch gut so war. Sollte sich in den K�pfen der Cairhiener die Idee festsetzen, dass einige dieser Leute m�glicherweise gar nicht lebten, w�rde die H�lfte von ihnen ihren Karrenpferden die Peitsche geben und auf der Stelle die Flucht ergreifen. Und der Rest w�rde nicht lange bis nach Einbruch der Dunkelheit warten. Solche Geschichten konnten jeden verr�ckt machen, wenn die Nacht hereingebrochen war. Die blasse Sonne, die fast v�llig von grauen Wolken verhangen war, hatte kaum den halben Weg zu ihrem h�chsten Stand zur�ckgelegt, aber es wurde immer deutlicher, dass sie die Nacht �ber hier sein w�rden. Vielleicht sogar mehr als eine. Seine Kiefermuskeln verspannten sich von der Anstrengung, nicht mit den Z�hnen zu knirschen, und selbst Neald fing an, seinen finsteren Blicken aus dem Weg zu gehen. Er fauchte niemanden an. Er wollte es nur.</p><p>Das Sieben war eine m�hselige Arbeit. Jeder Sack musste ge�ffnet und in gro�e, flache Weidenk�rbe gesch�ttet werden, mit denen dann zwei Leute das Getreide oder die Bohnen in die H�he schleuderten. Der kalte Wind trug Kornk�fer in Wolken aus schwarzen Flecken fort, und M�nner und Frauen mit geflochtenen F�chern, die man mit beiden H�nden halten musste, verst�rkten den Wind noch. Eine schnelle Str�mung trug alles mit sich, das in den Fluss geweht wurde, aber bald war der Schnee am Ufer zertrampelt und der graue Matsch mit toten oder an der K�lte sterbenden Insekten bedeckt. Eine ordentliche Schicht aus Hirse und Gerste war mit roten Bohnen gespickt. Es gab immer eine neue Schicht, um das zu ersetzen, was F��e in den Schnee getreten hatten. Was danach in den K�rben lag, erschien sauberer, wenn es auch nicht v�llig sauber war, sobald man es in die Jutes�cke zur�cksch�ttete, die umgest�lpt worden waren und auf die Kinder wild mit St�cken eingedroschen hatten, um das Ungeziefer herauszubekommen. Die wieder gef�llten S�cke kamen auf die Karren der Cairhiener, sobald sie verschn�rt waren, aber die Stapel an leeren S�cken wuchsen erstaunlich schnell.</p><p>Perrin st�tzte sich auf den Sattelknauf und versuchte auszurechnen, ob man zwei ganze Wagenladungen aus den Lagerh�usern ben�tigte, um einen seiner Karren mit Getreide zu f�llen, als Berelain ihre Stute neben ihm anhielt; sie hielt mit einer rotbehandschuhten Hand den scharlachroten Umhang fest. Annoura z�gelte ihr Pferd ein paar Schritte weit entfernt, das alterslose Gesicht glatt und unleserlich. Die Aes Sedai schien ihnen ihre Privatsph�re zu lassen, aber sie war nahe genug, um auch ohne Tricks mit der Macht alles h�ren zu k�nnen, was �ber ein Fl�stern hinausging. Glattes Gesicht oder nicht, heute lie� ihre Hakennase sie wie einen Raubvogel aussehen.</p><p>�Ihr k�nnt nicht jeden retten�, sagte Berelain ruhig. Vom Gestank der Stadt entfernt war ihr Geruch dr�ngend und rasiermesserscharf vor Wut. �Manchmal m�sst Ihr eine Entscheidung treffen. So Habor ist Lord Cowlins Pflicht. Er hatte kein Recht, seine Leute im Stich zu lassen.� Also war sie nicht auf ihn w�tend.</p><p>Perrin runzelte die Stirn. Glaubte sie, er w�rde sich schuldig f�hlen? Aufgewogen gegen Failes Leben, konnten die N�te von So Habor die Waagschalen um kein Haar verschieben. Aber er drehte seinen Braunen, sodass er die grauen Stadtmauern auf der anderen Seite des Flusses sehen konnte und nicht die hohl�ugigen Kinder, die leere S�cke aufschichteten. Ein Mann tat, was er konnte. Was er tun musste. �Hat Annoura eine Meinung �ber das, was hier geschieht?�, knurrte er leise, aber irgendwie hatte er keinen Zweifel, dass die Aes Sedai es mitbekommen hatte.</p><p>�Ich wei� nicht, was Annoura denkt�, erwiderte Berelain und machte sich keine M�he, die Stimme zu senken. Ihr war es nicht nur egal, wer zuh�ren konnte, sie wollte geh�rt werden. �Sie ist nicht mehr so zuvorkommend wie fr�her. Es ist ihre Sache, das zu flicken, was sie zerrissen hat.� Ohne die Aes Sedai anzusehen, wandte sie sich ab und ritt fort.</p><p>Annoura blieb dort, den Blick auf Perrins Gesicht gerichtet. �Ihr seid <emphasis>Ta'veren</emphasis>, ja, aber Ihr seid trotzdem blo� ein Faden im Muster, so wie ich auch. Am Ende ist selbst der Wiedergeborene Drache nur ein Faden, der ins Muster gewebt werden muss. Nicht mal ein <emphasis>Ta'veren</emphasis>-Faden bestimmt, wie er verwebt wird.�</p><p>�Diese F�den sind Menschen�, sagte Perrin m�de.</p><p>�Manchmal vielleicht Menschen, die nicht ohne ihre Zustimmung ins Muster gewebt werden wollen.�</p><p>�Und Ihr glaubt, das macht einen Unterschied?� Ohne auf eine Antwort zu warten, hob sie die Z�gel, stie� ihrer braunen Stute mit den schlanken Fesseln die Stiefel in die Flanken und ritt in einem Galopp hinter Berelain her, der ihren Umhang hinter ihr herflattern lie�.</p><p>Sie war nicht die einzige Aes Sedai, die mit Perrin sprechen wollte.</p><p>�Nein�, sagte er fest zu Seonid, nachdem er ihr zugeh�rt hatte, und t�tschelte Stehers Hals. Dabei war es der Reiter, der beruhigt werden wollte. Er wollte von So Habor weg.</p><p>�Ich habe Nein gesagt, und ich meine es auch so.�</p><p>Sie sa� steif in ihrem Sattel, eine blasse kleine Frau, die kalt wie Eis wirkte. Nur dass ihre Augen wie brennende Kohlen waren, und sie stank nach beleidigter Wut, die kaum unter Kontrolle zu halten war. Bei den Weisen Frauen war Seonid so harmlos wie Milchwasser, aber er war keine Weise Frau. Hinter ihr war Alharras dunkles Gesicht wie aus Stein gemei�elt, sein lockiges graues Haar wurde von Grau durchzogen. Wynters Gesicht �ber dem gebogenen Schnurrbart war rot. Was zwischen ihren Aes Sedai und den Weisen Frauen geschah, hatten sie zu akzeptieren, aber Perrin war keine... Der Wind hob ihre Beh�ter-Umh�nge und lie� ihre H�nde frei f�r die Schwerter, falls sie sie ben�tigten. Im Wind flatternd ver�nderten die Umh�nge ihre Farbe, wurden grau und braun, blau und wei�. Das bereitete einem im Magen weniger �belkeit, als sehen zu m�ssen, wie sie Teile eines Mannes verschwinden lie�en. Jedenfalls etwas weniger.</p><p>�Wenn Ihr mich dazu zwingt, werde ich Eldarra schikken, um Euch zur�ckzuholen�, warnte er sie.</p><p>Ihr Gesicht blieb kalt, ihre Augen hei�, und doch durchfuhr sie ein Schauder, der den kleinen wei�en Edelstein auf ihrer Stirn baumeln lie�. Nicht aus Angst, was die Weisen Frauen mit ihr machen w�rden, wenn man sie zur�ckholen musste, sondern wegen der gleichen Beleidigung, die ihren Geruch bereits zu einem mit Widerhaken versehenen Dorn gemacht hatte. Perrin gew�hnte sich daran, Aes Sedai zu beleidigen. Keine Angewohnheit, die sich ein kluger Mann leisten sollte, aber es lie� sich nicht vermeiden.</p><p>�Was ist mit Euch?�, fragte er Masuri. �Wollt Ihr auch in So Habor bleiben?�</p><p>Die schlanke Frau war daf�r bekannt, keine Umschweife zu machen, daf�r, dass sie eine Braune war, kam sie so direkt zur Sache wie eine Gr�ne. Aber sie sagte nur ruhig: �W�rdet Ihr mir nicht auch Edarra hinterherhetzen? Es gibt viele M�glichkeiten, um zu dienen, und wir k�nnen sie uns nicht immer aussuchen.� Was, wenn man dar�ber nachdachte, auf gewisse Weise eine direkte Antwort war. Er hatte noch immer nicht die geringste Idee, warum sie Masema heimlich besuchte. Hatte sie einen Verdacht, dass er es wusste? Masuris Gesicht war eine ausdruckslose Maske. Kirklin sah gelangweilt aus, jetzt, da sie So Habor verlassen hatten. Er schien in sich zusammengesunken zu sein, obwohl er aufrecht im Sattel sa�, ohne eine Sorge in der Welt oder einen Gedanken im Kopf. Ein Mann, der Kirklin das abnahm, w�rde am n�chsten Tag zur�ckkommen, um auch noch die zweite Krone von Artur Falkenfl�gel zu kaufen.</p><p>Die St�dter arbeiteten mechanisch, w�hrend die Sonne h�her stieg, wie Menschen, die sich in ihrer Arbeit verlieren wollten und die R�ckkehr der Erinnerungen f�rchteten, sobald sie aufh�rten. Perrin kam zu dem Schluss, dass So Habor ihn zu nachdenklich machte. Trotzdem glaubte er, Recht zu haben. Die Luft hinter den Mauern sah noch immer zu dunkel aus, als w�rde eine Wolke �ber der Stadt h�ngen.</p><p>Mittags schaufelten die Kutscher auf der Anh�he einige Stellen vom Schnee frei, um kleine Feuer zu machen und schwachen Tee zu aufzubr�hen, wobei die Bl�tter mittlerweile den dritten oder vierten Aufguss darstellten. In der Stadt hatte es keinen Tee gegeben. Einige Kutscher betrachteten die Br�cken, als w�rden sie dar�ber nachdenken, So Habor zu betreten, um zu sehen, ob sie etwas zu Essen finden konnten. Ein Blick auf die schmutzstarrenden Leute, die an Sieben arbeiteten, reichte aus, damit sie ihren kleinen Beutel mit Hafermehl und gemahlenen Eicheln herausholten. Zumindest wussten sie, dass die Mischung sauber war. Ein paar betrachteten auch die bereits verladenen S�kke, aber die Bohnen mussten eingeweicht werden und das Getreide mit gro�en Handm�hlen gemahlen werden, die sie im Lager zur�ckgelassen hatten, und das, nachdem die K�che so viele Kornk�fer herausgepickt hatten, wie sie glaubten, dass die M�nner sie nicht ertragen konnten.</p><p>Perrin hatte keinen Appetit, nicht einmal auf das sauberste Brot, aber er trank das, was als Tee dienen sollte, aus einem zerbeulten Zinnbecher, als Latian ihn fand. Der Cairhiener trat nicht direkt auf ihn zu. Stattdessen ritt der kleine Mann in dem gestreiften dunklen Mantel langsam an dem Feuer vorbei, an dem Perrin stand, und z�gelte dann ein St�ck hangaufw�rts mit einem Stirnrunzeln sein Pferd. Latian stieg ab, hob den Vorderhuf seines Wallachs und musterte ihn. Nat�rlich schaute er dabei zweimal auf, um zu sehen, ob Perrin auch n�her kam.</p><p>Seufzend gab Perrin der st�mmigen, kleinen Frau den Becher zur�ck, von der er ihn geliehen hatte, einer ergrauenden Kutscherin, die ihre dunklen R�cke zu einem Knicks l�pfte. Und grinste und Latian mit einem Kopfsch�tteln bedachte. Mit Sicherheit konnte sie sich zehnmal so gut anschleichen wie er. Neald, der vor dem Feuer hockte und in beiden H�nden einen Zinnbecher hielt, musste so sehr lachen, dass ihm Tr�nen �ber die Wangen liefen. Vielleicht verlor er ja langsam den Verstand. Beim Licht, dieser Ort brachte einen wirklich auf fr�hliche Gedanken.</p><p>Latian richtete sich lange genug auf, um f�r Perrin den Kopf zu neigen und �Mein Lord� zu sagen, bevor er den Vorderhuf erneut wie ein Narr anhob. So hielt man kein Pferdebein, es sei denn, man wollte getreten werden. Andererseits rechnete Perrin auch nicht mit etwas anderem als Unfug. Zuerst spielte Latian einen Aiel, mit seinem schulterlangen Haar, das in seinem Nacken in einer schwachen Nachahmung eines Aiel-Haarschnitts zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden war, und jetzt spielte der Mann Spion. Perrin legte dem Wallach die Hand auf den Hals, um das Tier nach all dem Herumgefummel an seinem Bein zu beruhigen, und setzte dann eine interessierte Miene auf, w�hrend er einen Huf betrachtete, mit dem alles in Ordnung war. Abgesehen von der Delle, wo das Hufeisen in ein paar Tagen brechen konnte, wenn es nicht ersetzt wurde. Seine H�nde sehnten sich nach Schmiedewerkzeug. Es kam ihm vor, als w�re es Jahre her, dass er ein Hufeisen ersetzt oder am Schmiedeofen gestanden hatte.</p><p>�Meister Balwer �bersendet eine Botschaft, mein Lord�, sagte Latian leise mit gesenktem Kopf. �Sein Freund ist unterwegs, um seine Waren zu verkaufen, aber er wird morgen oder �bermorgen zur�ckerwartet. Er hat gesagt, ich soll fragen, ob es in Ordnung ist, wenn wir Euch dann einholen.� Er sah unter dem Pferdebauch zu den Getreidesiebern am Fluss hin�ber und f�gte hinzu: �Obwohl es kaum so aussieht, als k�nntet Ihr fr�her hier wegkommen.�</p><p>Perrin widmete den Leuten mit den Sieben einen finsteren Blick, dann der Reihe der Karren, die darauf warteten, beladen zu werden; bei einem halben Dutzend waren die Planen bereits fest geschn�rt worden. Auf einem von ihnen war das Leder verstaut, mit dem Stiefel geflickt werden sollten, sowie Kerzen und dergleichen. Aber kein �l. Das Lampen�l von So Habor roch so ranzig wie das Speise�l. Was, wenn Gaul und die T�chter Informationen �ber Faile gebracht hatten? Sie vielleicht sogar entdeckt hatten? Er w�rde alles daf�r geben, mit jemandem sprechen zu k�nnen, der sie gesehen hatte, der ihm versichern konnte, dass sie unbeschadet war. Was, wenn die Shaido pl�tzlich weiterzogen? �Sagt Balwer, er soll nicht zu lange warten�, knurrte er. �Was mich angeht, ich bin in einer Stunde hier weg.�</p><p>Er stand zu seinem Wort. Die meisten der Karren mit ihren Kutschern mussten zur�ckgelassen werden, um die eint�gige R�ckfahrt zum Lager allein zu machen, und Kireyin und seine Soldaten w�rden sie bewachen; sie hatten den Befehl, niemand �ber die Br�cke zu lassen. Der Ghealdaner schien sich v�llig von seinem Zusammenbruch erholt zu haben und versicherte ihm mit kaltem Blick, dass er ausgeruht und bereit war. Vermutlich w�rde er trotz des Befehls So Habor erneut betreten, nur um sich selbst davon zu �berzeugen, dass er keine Angst hatte. Perrin verschwendete keine Zeit mit dem Versuch, ihm das auszureden. Zum einen musste er Seonid finden. Sie versteckte sich zwar nicht, aber sie hatte von seiner Abreise erfahren; sie lie� ihr Pferd von ihren Beh�tern halten und ging zu Fu� zwischen den Karren her, in dem Versuch, sie zwischen sich und ihn zu halten. Aber die blasse Aes Sedai konnte nicht ihren Geruch verbergen, oder falls sie das doch konnte, wusste sie nicht, dass es n�tig war. Sie war �berrascht, als er sie sehr schnell fand, und verstimmt, als er sie vor Steher zu ihrem Pferd marschieren lie�. Dennoch war keine ganze Stunde vergangen, bevor er von So Habor fortritt, die Gefl�gelten Wachen bildeten ihren Ring aus roten R�stungen um Berelain, die M�nner von den Zwei Fl�ssen umgaben die acht beladenen Karren, die hinter den drei Bannern herrumpelten, und Neald grinste, so breit er nur konnte. Ganz zu schweigen davon, dass er versuchte, mit den Aes Sedai zu flirten. Perrin wusste nicht, was er machen sollte, falls der Kerl den Verstand verlor. Sobald der H�gel So Habor hinter ihnen verbarg, f�hlte er, wie sich zwischen seinen Schulterbl�ttern ein Knoten l�ste, von dem er gar nicht gewusst hatte, dass er da gewesen war. Danach blieben nur zehn weitere �brig, und der Knoten aus Ungeduld in seiner Magengrube. Berelains offensichtliches Mitgef�hl konnte sie nicht lockern.</p><p>Nealds Wegetor brachte sie von dem schneebedeckten Feld zu der kleinen Lichtung des Reiseplatzes unter den hoch aufragenden B�umen, sechzehn Meilen in einem Schritt, aber Perrin wartete nicht auf die Hand voll Karren. Er glaubte zu h�ren, wie Berelain einen ver�rgerten Laut von sich gab, als er Steher zu einem schnellen Trab antrieb. Vielleicht war es auch eine der Aes Sedai. Das war wahrscheinlicher.</p><p>Als er zwischen den Zelten und H�tten der M�nner von den Zwei Fl�ssen vorbeiritt, empfing ihn eine gewisse Stille. Die Sonne hatte ihren Zenit am grauen Himmel noch nicht weit hinter sich gelassen, aber es hingen keine Kessel �ber den Feuern, und nur wenige M�nner hatten sich darum versammelt, hielten ihre Umh�nge um sich gezogen und starrten in die Flammen. Eine Hand voll sa� auf den einfachen Hockern, die Ban Crawe herzustellen wusste; der Rest stand oder hockte auf den Fersen. Keiner sah auch nur auf. Und es kam auch keiner angelaufen, um sein Pferd zu nehmen. Da erkannte er, dass es gar keine Stille war. Es war Anspannung. Der Geruch erinnerte ihn irgendwie an einen Bogen, der bis zum Zerbersten gespannt war. Er vermochte f�rmlich das �chzen des Holzes zu h�ren.</p><p>Als er vor dem rot gestreiften Zelt abstieg, kam Dannil mit schnellen Schritten aus der Richtung der niedrigen Aiel-Zelte. Sulin und Edarra, eine der Weisen Frauen, folgten ihm, und sie hielten m�helos Schritt, ohne dabei eilig zu erscheinen. Sulins Gesicht war eine von der Sonne verbrannte Ledermaske. Edarras Gesicht, sofern es nicht von dem Tuch verh�llt wurde, das sie sich um den Kopf gewickelt hatte, war ein Bild der Ruhe. Trotz ihrer weiten R�cke machte sie genauso wenig L�rm wie die wei�haarige Tochter, es gab nicht einmal ein leises Klirren von ihren goldenen und elfenbeinernen Armreifen und Halsketten. Dannil kaute auf dem Ende einer dicken Schnurrbarth�lfte herum, zog gedankenverloren das Schwert eine Handbreit aus seiner einfachen Lederscheide und schob es wieder hart zur�ck. Er holte tief Luft, bevor er das Wort ergriff.</p><p>�Lord Perrin, die T�chter haben f�nf Shaido gebracht.</p><p>Arganda hat sie zu den Zelten der Ghealdaner gebracht, um sie der Befragung zu unterziehen. Masema ist bei ihnen.�</p><p>Perrin ging �ber Masemas Anwesenheit im Lager hinweg. �Warum habt ihr sie Arganda �berlassen?�, fragte er Edarra. Dannil h�tte das nicht verhindern k�nnen, aber die Weisen Frauen hatten eine andere Position.</p><p>Edarra war nicht viel �lter als Perrin, dennoch schienen ihre k�hlen blauen Augen weit mehr gesehen zu haben, als er je sehen w�rde. Sie verschr�nkte mit klappernden Armreifen die Arme unter der Brust. Und mit einer Spur Ungeduld. �Selbst Shaido wissen, wie man den Schmerz zu umarmen hat, Perrin Aybara. Es wird Tage brauchen, sie zum Reden zu bringen, und es schien keinen Grund zu geben, um damit zu warten.�</p><p>War Edarras Blick kalt, erschienen Sulins Augen wie blaues Eis. �Meine Speerschwestern und ich h�tten es etwas schneller schaffen k�nnen, aber Dannil Lewin sagte, Ihr wolltet keinen Kampf. Gerard Arganda ist ein ungeduldiger Mann, und er misstraut uns.� Sie klang, als h�tte sie am liebsten ausgespuckt, w�re sie keine Aiel gewesen.</p><p>�Vermutlich werdet Ihr sowieso nicht viel erfahren. Es sind Steinhunde. Sie werden nur langsam nachgeben und so wenig wie m�glich preisgeben. Da ist es immer n�tig, ein wenig von dem einen mit ein wenig von dem n�chsten zusammenzusetzen, um ein Bild zu erhalten.�</p><p>Den Schmerz umarmen. Wenn man einen Mann der Befragung unterzog, musste es Schmerzen geben. Daran hatte er zuvor noch gar nicht gedacht. Aber um Faile zur�ckzubekommen...</p><p>�Lasst Steher von jemandem abreiben�, sagte er grob und warf Dannil die Z�gel zu.</p><p>Der ghealdanische Teil des Lagers h�tte sich kaum mehr von den primitiven Unterst�nden und den wahllos aufgestellten Zelten der M�nner von den Zwei Fl�ssen unterscheiden k�nnen. Hier standen die spitzen Segeltuchzelte in pr�zisen Reihen, bei den meisten ragten neben den Eingangsplanen die mit Stahlspitzen versehenen Lanzen in die H�he, und daneben waren gesattelte Pferde angebunden, bereit zum Aufsitzen. Die zuckenden Pferdschw�nze und die von der kalten Brise emporgehobenen langen Wimpel der Lanzen waren die einzigen unordentlichen Dinge in Sicht. Die Pfade zwischen den Zelten hatten alle die gleiche Breite, und man h�tte eine gerade Linie durch die Reihe der Herdfeuer ziehen k�nnen. Sogar die Falten im Segeltuch, die vor dem ersten Schnee durch die Verladung auf Karren entstanden waren, bildeten gerade Linien. Alles h�bsch ordentlich.</p><p>In der Luft hing der Geruch von Haferschleim und gekochten Eicheln, und ein paar M�nner in gr�nen M�nteln kratzten den Rest ihres Mittagsmahls mit den Fingern von ihren Zinntellern. Andere waren bereits dabei, die Kocht�pfe zu s�ubern. Keiner zeigte irgendwelche Anzeichen von Anspannung. Sie a�en blo� und gingen ihrer Arbeit nach, beides mit dem gleichen Vergn�gen. Es war etwas, das eben getan werden musste.</p><p>In der N�he der angespitzten Pf�hle, die die �u�ere Grenze des Lagers markierten, stand eine gro�e Gruppe von M�nnern beisammen. Nicht mehr als die H�lfte trug die gr�nen M�ntel und polierten Harnische der ghealdanischen Lanzenreiter. Einige der anderen hielten Lanzen oder hatten Schwerter �ber die zerknitterten M�ntel geschnallt, bei denen alle m�glichen Qualit�tsstufen vertreten waren, von feiner Seide und guter Wolle bis hin zu besseren Fetzen; man h�tte keinen der M�nner als sauber bezeichnen k�nnen, h�chstens im Vergleich zu So Habor. Man konnte Masemas M�nner immer erkennen, selbst von hinten.</p><p>Ein anderer Geruch drang an Perrin heran, als er sich dem Kreis n�herte. Der Geruch von brutzelndem Fleisch.</p><p>Und es gab erstickte Laute, die er nicht h�ren wollte. Als er anfing, sich einen Weg nach vorn zu bahnen, drehten sich die Soldaten zu ihm um und machten ihm widerstrebend den Weg frei. Masemas M�nner wichen zur�ck und murmelten etwas �ber gelbe Augen und Schattengez�cht. Auf jeden Fall kam er durch.</p><p>Vier gro�e M�nner, rothaarig oder blond, in grauen und braunen <emphasis>Cadin'sor</emphasis>, lagen mit an den Fu�gelenken gefesselten Handgelenken auf dem R�cken; zus�tzlich hatte man hinter ihren Knien und Ellbogen stabile �ste gebunden. Ihre Gesichter waren verf�rbt und geschwollen, man hatte ihnen Lumpen zwischen die Z�hne gestopft und mit einem Stoffstreifen festgebunden. Der f�nfte Mann war nackt und lag zwischen vier stabilen, in den Boden getriebenen Pfl�cken, die so weit voneinander entfernt waren, dass seine angespannten Sehnen hervortraten. Aber er wand sich, so weit seine Fesselung es erlaubte, und schrie in die Lumpen, die seinen Mund f�llten; ein ged�mpfter Schmerzensschrei. Gl�hende Kohlen lagen in einem kleinen Haufen auf seinem Bauch, d�nne Rauchf�den stiegen in die Luft. Das war der Geruch von blasenschlagender Haut, den Perrins Nase wahrgenommen hatte. Die Kohlen hafteten auf der Haut des ausgestreckten Mannes, und jedes Mal, wenn er es schaffte, eine von ihnen abzuwerfen, legte ein grinsender Bursche in einem schmierigen gr�nen Seidenmantel, der neben ihm hockte, eine neue auf. Er holte sie mit einer Zange aus einem Kessel, der in einer Grube im Boden stand. Perrin kannte ihn. Sein Name war Hari, und er sammelte gern Ohren an einer Lederschnur. M�nnerohren, Frauenohren, Kinderohren; Hari war da nicht w�hlerisch.</p><p>Ohne nachzudenken marschierte Perrin los und trat den kleinen Kohlenstapel von dem Gefesselten. Einige davon trafen Hari, der mit einem �berraschten Quieken zur�cksprang, das zu einem Kreischen wurde, als seine Hand in dem Topf landete. Er �berschlug sich, hielt sich die verbrannte Hand und starrte Perrin an, ein Wiesel in menschlicher Gestalt.</p><p>�Der Wilde spielt uns was vor, Aybara�, sagte Masema. Perrin hatte ihn gar nicht wahrgenommen; das Gesicht unter dem rasierten Sch�del war wie ein finster dreinblickender Stein. In seinen dunklen, fiebrigen Augen lag ein gewisses Ma� an Verachtung. Der Geruch des Wahnsinns wand sich durch den Gestank von verbranntem Fleisch.</p><p>�Ich kenne sie. Sie geben vor, Schmerz zu f�hlen, aber sie tun es nicht; nicht so wie andere M�nner. Man muss bereit und f�hig sein, einen Stein zu verletzen, um sie zum Sprechen zu bringen.�</p><p>Arganda, der stocksteif neben Masema stand, umklammerte den Schwertgriff so fest, dass seine Hand zitterte.</p><p>�Vielleicht seid Ihr bereit, Eure Frau zu verlieren�, knirschte er, �aber ich werde meine K�nigin nicht verlieren!�</p><p>�Es muss getan werden�, sagte Aram fast schon flehentlich. Er stand auf Masemas anderer Seite und hatte die Finger in den Saum seines gr�nen Umhangs gekrallt, als wollte er die H�nde von dem Schwert auf seinem R�cken fern halten. Sein Blick war fast so hitzig wie der Masemas.</p><p>�Ihr habt mir beigebracht, dass ein Mann das tut, was er tun muss.�</p><p>Perrin zwang sich, die F�uste zu entspannen. Was getan werden musste. F�r Faile.</p><p>Berelain und die Aes Sedai bahnten sich einen Weg durch die Menge, und Berelain r�mpfte beim Anblick des ausgestreckt zwischen den Pfl�cken liegenden Mannes leicht die Nase. Die drei Aes Sedai h�tten genauso gut ein St�ck Holz ansehen k�nnen, wenn man nach dem Ausdruck auf ihren Gesichtern urteilen wollte. Edarra und Sulin waren bei ihnen, und auch sie zeigten keine Regung. Einige der ghealdanischen Soldaten sahen die beiden Aielfrauen finster an und murmelten etwas Unh�rbares. Masemas verdreckte M�nner starrten Aiel und Aes Sedai an, aber die meisten wichen vor den drei Beh�tern zur�ck, und jene, die es nicht taten, wurden von ihren Gef�hrten zur�ckgezogen. Einige Narren kannten die Grenzen der Dummheit. Masema starrte Berelain mit brennenden Augen an, bevor er sich entschied, so zu tun, als w�rde sie nicht existieren. Manche Narren kannten keine Grenzen.</p><p>Perrin b�ckte sich, band das Tuch um den Mund des gefesselten Mannes los und zog den Lumpen zwischen seinen Z�hnen hervor. Es gelang ihm gerade noch, die Hand vor einem Biss zur�ckzurei�en, der genauso hinterh�ltig war wie einer, den Steher h�tte austeilen k�nnen.</p><p>Sofort warf der Aielmann den Kopf zur�ck und fing an, mit tiefer, klarer Stimme zu singen: �Wascht die Speere; w�hrend die Sonne steigt. Wascht die Speere; w�hrend die Sonne sinkt.</p><p>Wascht die Speere; wer hat Angst zu sterben? Wascht die Speere; ich kenne keinen!�</p><p>Mitten im Lied fing Masema an zu lachen. Perrins Nakkenhaare str�ubten sich. Er hatte Masema noch nie zuvor lachen geh�rt. Es war kein angenehmer Laut.</p><p>Er wollte keinen Finger verlieren, also zog er die Axt aus ihrer G�rtelschlaufe und dr�ckte die Axtspitze vorsichtig gegen das Kinn des Mannes, um seinen Mund zuzudr�cken. Augen in der Farbe des Himmels blickten ihm furchtlos aus einem von der Sonne verbrannten Gesicht entgegen. Der Mann l�chelte.</p><p>�Ich verlange von Euch nicht, Euer Volk zu verraten�, sagte Perrin. Seine Kehle schmerzte von der Anstrengung, die Stimme ruhig zu halten. �Ihr Shaido habt ein paar Frauen geraubt. Alles, was ich wissen will, ist, wie wir sie zur�ckbekommen. Eine hei�t Faile. Sie ist so gro� wie Eure Frauen, mit dunklen, schr�g stehenden Augen, einer starken Nase und einem k�hnen Mund. Eine wundersch�ne Frau. Ihr w�rdet Euch an sie erinnern, wenn Ihr sie gesehen habt. Habt Ihr?� Er nahm die Axt zur�ck und richtete sich auf.</p><p>Der Shaido starrte ihn einen Moment lang an, dann hob er den Kopf und fing wieder an zu singen, ohne den Blick von Perrin zu wenden. Es war ein fr�hliches Lied, mit der mitrei�enden Melodie eines Tanzes: �Ich traf mal einen Mann, der war weit weg von zu Hause.</p><p>Seine Augen waren gelb und sein Verstand aus Stein. Er bat mich, Rauch mit der Hand festzuhalten, und versprach mir, ein Land voll Wasser zu zeigen.</p><p>Er steckte seinen Kopf in den Boden und seine F��e in die Luft, und sagte, er k�nne tanzen wie eine Frau.</p><p>Er sagte, er w�rde stillstehen, bis er sich zu Stein verwandelte.</p><p>Als ich blinzelte, war er verschwunden.�</p><p>Der Shaido lie� den Kopf zur�ckfallen und kicherte. Er h�tte genauso gut auf einem Federbett liegen k�nnen.</p><p>�Wenn... wenn Ihr das nicht tun k�nnt�, sagte Aram verzweifelt, �dann tretet beiseite. Ich mache es.�</p><p>Was getan werden musste. Perrin betrachtete die Gesichter um sich herum. Arganda mit seiner hasserf�llten Miene, die ihm jetzt genauso galt wie den Shaido. Masema, der nach Wahnsinn stank und mit ver�chtlichem Hass erf�llt war. Man muss bereit und f�hig sein, einen Stein zu verletzen. Edarra, deren Gesicht so unleserlich wie das einer Aes Sedai war und die die Arme seelenruhig unter der Brust verschr�nkt hatte. Selbst Shaido wissen, wie man den Schmerz zu umarmen hat. Es wird Tage brauchen. Sulin, deren Narbe auf der Wange sich noch immer blass von ihrer ledergegerbten Haut abzeichnete; ihr Blick war ruhig und ihr Duft unvers�hnlich. Sie werden nur langsam nachgeben und so wenig wie m�glich preisgeben. Berelain, die wie eine Herrscherin roch, die M�nner zum Tode verurteilt und deswegen keine Nacht Schlaf verloren hatte. Was getan werden musste. Bereit und f�hig sein, einen Stein zu verletzen. Den Schmerz zu umarmen. Oh, beim Licht, Faile.</p><p>Die Axt war so leicht wie eine Feder, als sie sich in seiner Hand hob, und sie sauste nach unten wie ein Hammer auf einen Amboss, und die schwere Klinge durchschnitt das linke Handgelenk des Shaido.</p><p>Der Mann keuchte vor Schmerz, dann b�umte er sich mit einem Knurren auf und spritzte das Blut, das aus dem Stumpf schoss, mit voller Absicht in Perrins Gesicht.</p><p>�Heilt ihn�, sagte Perrin zu den Aes Sedai und trat zur�ck. Er versuchte nicht, sich das Gesicht abzuwischen. Das Blut rann in seinen Bart. Er f�hlte sich leer. Er h�tte die Axt nicht noch einmal heben k�nnen, und wenn es um sein Leben gegangen w�re.</p><p>�Seid Ihr von Sinnen?�, wollte Masuri w�tend wissen.</p><p>�Wir k�nnen dem Mann nicht seine Hand zur�ckgeben!�</p><p>�Ich sagte, heilt ihn!�, knurrte er.</p><p>Seonid hob ihre R�cke, um �ber den Boden zu gleiten und neben dem Kopf des Mannes niederzuknien. Er biss auf das Handgelenk und bem�hte sich vergeblich, durch den Druck seiner Z�hne den Blutfluss aufzuhalten. Aber in seinen Augen lag keine Furcht. Oder in seinem Geruch.</p><p>Nicht die geringste.</p><p>Seonid ergriff den Kopf des Shaido, und pl�tzlich verkrampfte er sich und schlug wild mit dem Arm um sich. Der hervorschie�ende Blutstrom nahm ab und versiegte, bevor er sich mit grauem Gesicht auf dem Boden ausstreckte. Mit unsicheren Bewegungen hob er den linken Armstumpf und betrachtete die glatte Haut, die jetzt das Ende bedeckte. Falls da eine Narbe war, konnte Perrin sie nicht sehen. Der Mann fletschte die Z�hne in seine Richtung. Auch Seonid sackte zusammen, als h�tte sie sich v�llig verausgabt. Alharra und Wynter traten einen Schritt vor, und sie winkte sie zur�ck und m�hte sich mit einem tiefen Seufzer auf die Beine.</p><p>�Man hat mir gesagt, dass Ihr tagelang durchhalten k�nnt und so gut wie nichts preisgeben werdet�, sagte Perrin. Seine Stimme klang zu laut in seinen Ohren. �Ich habe nicht die Zeit, dass Ihr mir zeigt, wie hart Ihr seid, oder wie mutig. Ich wei�, dass Ihr hart und mutig seid. Aber meine Frau ist zu lange eine Gefangene. Man wird Euch trennen und nach einigen Frauen befragen. Ob Ihr sie gesehen habt und wo. Das ist alles, was ich wissen will. Es wird keine gl�henden Kohlen und auch sonst nichts geben; nur Fragen. Aber wenn sich jemand weigert, sie zu beantworten, oder Eure Antworten sich zu sehr voneinander unterscheiden, dann verliert jeder etwas.� Es �berraschte ihn, dass er die Axt doch heben konnte. Die Klinge war blutverschmiert.</p><p>�Zwei H�nde und zwei F��e�, sagte er kalt. Beim Licht, er klang wie Eis. Er hatte das Gef�hl, seine Knochen best�nden aus Eis. �Das bedeutet, Ihr habt vier Gelegenheiten, die gleiche Antwort zu geben. Und wenn Ihr alle durchhaltet, werde ich Euch trotzdem nicht t�ten. Ich werde ein Dorf finden, in dem man Euch zur�cklassen kann, irgendeinen Ort, an dem man Euch betteln l�sst, wo die Kinder dem wilden Aielmann ohne H�nde und F��e eine M�nze zuwerfen werden. Denkt dar�ber nach und entscheidet, ob es das wert ist, mir meine Frau vorzuenthalten.�</p><p>Selbst Masema starrte ihn an, als h�tte er den Mann mit der Axt, der dort stand, noch nie zuvor gesehen. Als er sich zum Gehen wandte, machten ihm Masemas M�nner und die Ghealdaner eine breite Gasse frei, als wollten sie eine Horde Trollocs durchlassen.</p><p>Vor ihm tauchten die angespitzten Pf�hle auf, etwa hundert Schritte dahinter war der Wald, aber er �nderte seine Richtung nicht. Mit der Axt in der Hand ging er weiter, bis die riesigen B�ume ihn umgaben und der Geruch des Lagers hinter ihm zur�ckblieb. Den Geruch von Blut trug er mit sich, er war scharf und metallisch. Davor konnte er nicht fortlaufen.</p><p>Er h�tte nicht zu sagen vermocht, wie lange er durch den Schnee ging. Er nahm kaum die immer schr�ger einfallenden Lichtbahnen wahr, die die Schatten unter dem Bl�tterdach durchstie�en. Das Blut auf seinem Gesicht und in seinem Bart war dick und begann zu trocknen. Wie oft hatte er gesagt, dass er alles tun w�rde, um Faile zur�ckzubekommen? Ein Mann tat, was er tun musste. F�r Faile, alles.</p><p>Abrupt hob er die Axt mit beiden H�nden hinter den Kopf und schleuderte sie so hart, wie er nur konnte. Sie flog wirbelnd durch die Luft und grub sich mit einem dumpfen Aufprall in den dicken Stamm einer Eiche.</p><p>Er stie� die Luft aus, die in seinen Lungen eingesperrt gewesen zu sein schien, sank auf einen Felsbrocken, der so hoch und breit wie eine Bank aus dem Boden ragte, und st�tzte die Ellbogen auf die Knie. �Du kannst dich jetzt zeigen, Elyas�, sagte er ersch�pft. �Ich kann dich riechen.�</p><p>Der alte Mann trat leichtf��ig aus den Schatten, seine gelben Augen gl�hten leicht unter der breiten Krempe seines Hutes. Verglichen mit ihm waren die Aiel laut. Er schob sein langes Messer zurecht und nahm neben Perrin auf dem Felsen Platz, k�mmte sich dann aber einige Zeit lang mit den Fingern den grau gesprenkelten Kamm, der seine Brust bedeckte. Er wies mit dem Kopf auf die Axt, die in der Eiche steckte. �Ich habe dir einmal gesagt, du sollst sie behalten, bis es dir zu sehr gef�llt, sie zu benutzen. Gef�llt es dir, sie zu benutzen? Hat es dir da hinten gefallen?�</p><p>Perrin sch�ttelte energisch den Kopf. �Nein! Das nicht! Aber...�</p><p>�Aber was, Junge? Ich glaube, du hast sogar Masema Angst eingejagt. Aber auch du hast �ngstlich gerochen.�</p><p>�Wird auch Zeit, dass er sich vor etwas f�rchtet�, murmelte Perrin und zuckte unbehaglich mit den Schultern. Manche Dinge waren schwer in Worte zu fassen. Aber vielleicht war der Augenblick gekommen. �Die Axt... Ich habe es gar nicht bemerkt, jedenfalls zuerst nicht, nur im R�ckblick. Da war die Nacht, in der ich Gaul kennen lernte und die Wei�m�ntel uns t�ten wollten. Sp�ter, beim Kampf gegen die Trollocs bei den Zwei Fl�ssen, war ich mir nicht sicher. Aber dann, bei den Quellen von Dumai, da war ich es dann. Ich habe Angst in einem Kampf, Elyas, ich habe Angst und bin traurig, denn vielleicht werde ich Faile nie wiedersehen.� Sein Herz verkrampfte sich, bis seine Brust schmerzte. Faile. �Nur... Ich habe Grady und Neald �ber die Eine Macht sprechen h�ren. Sie sagen, sie f�hlen sich lebendiger, wenn sie sie halten. Ich habe in einem Kampf zu viel Angst, um spucken zu k�nnen, aber ich f�hle mich lebendiger als irgendwann sonst, ausgenommen, wenn ich Faile halte. Ich glaube nicht, dass ich es ertragen k�nnte, wenn ich bei so etwas, wie ich es gerade getan habe, dieses Gef�hl h�tte. Ich glaube nicht, dass Faile mich zur�ckhaben wollte, wenn ich so werde.�</p><p>Elyas schnaubte. �Du hast das bestimmt nicht in dir, Junge. H�r zu, Gefahr beeinflusst verschiedene M�nner auf verschiedene Weise. Manche sind so kalt wie ein Uhrwerk, aber du bist mir nie wie einer von der kalten Sorte vorgekommen. Wenn dein Herz schl�gt, erw�rmt es dein Blut. Es ist doch nur logisch, dass es auch deine Sinne sch�rft, dir alles bewusst macht. Vielleicht stirbst du in ein paar Minuten, vielleicht beim n�chsten Herzschlag, aber du bist nicht tot, und das wei�t du genau, von deinen Z�hnen bis zu deinen Zehenn�geln. So sind die Dinge nun mal. Das bedeutet nicht, dass es dir gef�llt.�</p><p>�Das w�rde ich gern glauben�, sagte Perrin schlicht.</p><p>�Werde so alt wie ich�, erwiderte Elyas trocken, �und du wirst es glauben. Bis dahin gib dich einfach damit zufrieden, dass ich �lter als du bin, und ich bin schon vor dir an diesem Punkt gewesen.�</p><p>Die beiden sa�en da und betrachteten die Axt. Perrin wollte es glauben. Das Blut auf der Axt sah jetzt schwarz aus. Blut hatte noch nie zuvor so schwarz ausgesehen. Wie lange war es her? Nach dem Winkel des einfallenden Lichts zu urteilen, ging die Sonne unter.</p><p>Perrins Ohren nahmen das Knirschen von Hufen im Schnee wahr, die langsam n�her kamen. Minuten sp�ter erschienen Neald und Aram. Der ehemalige Kesselflicker zeigte auf die Spuren im Schnee, und der Asha'man sch�ttelte ungeduldig den Kopf. Es war eine deutliche F�hrte, aber Perrin h�tte nicht darauf gewettet, dass Neald f�hig gewesen w�re, ihr zu folgen. Er war ein Stadtmensch.</p><p>�Arganda fand, wir sollten warten, bis sich Euer Blut wieder abgek�hlt hat�, sagte Neald, st�tzte sich auf seinen Sattel und musterte Perrin. �Ich glaube kaum, dass es noch k�hler werden kann.� Er nickte, einen Hauch von Zufriedenheit um den Mund. Er war es gew�hnt, dass die Leute Angst vor ihm hatten, wegen seines schwarzen Mantels und dem, was er repr�sentierte.</p><p>�Sie haben geredet�, sagte Aram, �und sie haben alle die gleichen Antworten gegeben.� Seine d�stere Miene verriet, dass ihm die Antworten nicht gefielen. �Ich glaube, die Drohung, sie als Bettler zur�ckzulassen, hat ihnen noch mehr Angst eingejagt als Eure Axt. Aber sie behaupten, die Lady Faile noch nie gesehen zu haben. Oder eine der anderen Frauen. Wir k�nnten es noch einmal mit den Kohlen versuchen. Vielleicht f�llt es ihnen ja dann wieder ein.� Lag da Eifer in seiner Stimme? Um Faile zu finden oder die Kohlen zu benutzen?</p><p>Elyas verzog das Gesicht. �Sie w�rden dir jetzt nur die Antworten zur�ckgeben, die ihr ihnen mittlerweile bereits erz�hlt habt. Sie w�rden euch sagen, was ihr h�ren wollt. Es bestand sowieso nur eine geringe Chance. Da sind Tausende Shaido und Tausende Gefangene. Ein Mann k�nnte sein ganzes Leben unter so vielen Leuten verbringen und w�rde doch nie mehr als ein paar hundert kennen lernen.�</p><p>�Dann m�ssen wir sie t�ten�, sagte Aram grimmig.</p><p>�Sulin hat gesagt, die T�chter h�tten darauf geachtet, sie gefangen zu nehmen, als sie unbewaffnet waren, damit sie befragt werden konnten. Sie werden sich nicht als <emphasis>Gai'schain</emphasis> f�gen. Wenn auch nur einer entkommt, kann er die Shaido wissen lassen, dass wir hier sind. Dann werden sie uns angreifen.�</p><p>Perrins Gelenke f�hlten sich eingerostet an, sie schmerzten, als er aufstand. Er konnte die Shaido nicht einfach gehen lassen. �Man kann sie bewachen, Aram.� Ungeduld und Hast hatten dazu gef�hrt, dass er Faile beinahe verloren h�tte, und er war wieder zu ungeduldig gewesen.</p><p>Ungeduld. Solch ein harmloses Wort daf�r, einem Mann die Hand abzuschlagen. Und v�llig sinnlos. Er hatte sich immer bem�ht, sorgf�ltig nachzudenken und mit Bedacht zu handeln. Er musste jetzt nachdenken, aber jeder Gedanke schmerzte. Faile war in einem Meer aus wei� gekleideten Gefangenen versunken. �Vielleicht wissen andere <emphasis>Gai'schain</emphasis>, wo sie ist�, murmelte er und setzte sich in Richtung Lager in Bewegung. Aber wie sollte er zu einem <emphasis>Gai'schain</emphasis> der Shaido kommen? Sie durften das Lager nicht verlassen, es sei denn, unter Bewachung.</p><p>�Was ist damit, Junge?�, fragte Elyas.</p><p>Perrin wusste, was er meinte, ohne hinsehen zu m�ssen. Die Axt. �Lass sie da; wer sie findet, soll sie behalten.�</p><p>Sein Tonfall wurde grob. �Vielleicht wird ja irgendein idiotischer M�rchenerz�hler daraus eine Geschichte machen.� Er ging zum Lager, ohne einen Blick zur�ckzuwerfen. Mit der leeren Schlaufe war der G�rtel um seine Taille zu leicht. Alles war sinnlos.</p><p>Drei Tage sp�ter kehrten die Karren schwer beladen aus So Habor zur�ck, und Balwer betrat Perrins Zelt mit einem hoch gewachsenen, unrasierten Mann, der einen schmutzigen Wollmantel und ein Schwert trug, das gepflegter aussah. Zuerst erkannte Perrin ihn nicht wegen des Barts, der einen Monat ungehindert gewuchert war. Dann nahm er den Geruch des Mannes wahr.</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, Euch je wiederzusehen�, sagte er. Balwer blinzelte, was bei jedem anderen ein �berraschtes Keuchen gewesen w�re. Zweifellos hatte der vogel�hnliche kleine Mann sich darauf gefreut, mit einer �berraschung aufzuwarten.</p><p>�Ich habe nach... Maighdin gesucht�, sagte Tallanvor rau, �aber die Shaido waren schneller als ich. Meister Balwer hat gesagt, Ihr w�sstet, wo sie ist.�</p><p>Balwer warf dem j�ngeren Mann einen scharfen Blick zu, aber seine Stimme blieb so trocken und emotionslos wie sein Geruch. �Meister Tallanvor erreichte So Habor in dem Moment, als ich es verlassen wollte, mein Lord. Es war reiner Zufall, dass ich ihm begegnet bin. Vielleicht ein gl�cklicher Zufall. Unter Umst�nden hat er ein paar Verb�ndete f�r Euch. Ich werde es ihn erz�hlen lassen.�</p><p>Tallanvor schaute stirnrunzelnd auf seine Stiefel und sagte nichts.</p><p>�Verb�ndete?�, hakte Perrin nach. �Nur ein Heer w�re von Nutzen, aber ich nehme jede Hilfe, die Ihr bringen k�nnt.�</p><p>Tallanvor sah Balwer an, der mit einer halben Verbeugung und einem unverbindlichen, aufmunternden L�cheln reagierte. Der unrasierte Mann holte tief Luft. �F�nfzehntausend Seanchaner. Die meisten sind eigentlich Taraboner, aber sie reiten unter dem Banner der Seanchaner. Und... sie haben mindestens ein Dutzend <emphasis>Damane</emphasis> dabei.�</p><p>Er sprach schneller, dr�ngender, er musste zum Ende kommen, bevor Perrin ihm das Wort abschnitt. �Ich wei�, es w�re, als w�rde man Hilfe vom Dunklen K�nig selbst annehmen, aber auch sie jagen die Shaido, und ich w�rde die Hilfe des Dunklen K�nigs annehmen, um Maighdin zu befreien.�</p><p>Perrin starrte die beiden M�nner einen Augenblick lang an. Tallanvor fummelte nerv�s an seinem Schwertgriff herum, Balwer war wie ein Spatz, der darauf wartete, in welche Richtung ein Grash�pfer springen w�rde. Seanchaner. Und <emphasis>Damane</emphasis>. Ja, das <emphasis>w�rde</emphasis> so sein, als n�hme man die Hilfe des dunklen K�nigs in Anspruch. �Setzt Euch und erz�hlt mir alles �ber diese Seanchaner�, sagte er.</p></section><section><title><p>28</p><p>Ein Strau� Rosen</p></title><p>Von dem Tag ihrer Abreise aus Ebou Dar war die Fahrt mit Valan Lucas Gro�em Wanderzirkus und Pr�chtiger Zurschaustellung von Mysterien und Wundern genauso furchtbar, wie es sich Mat in seinen schlimmsten Albtr�umen vorgestellt hatte. Zum einen regnete es fast jeden Tag ein paar Stunden und einmal sogar drei Tage lang ununterbrochen, in denen ein eiskalter, fast schon aus Schnee bestehender Nieselregen niederging, der langsam jeden Mantel durchn�sste und einen frieren lie�, bevor es einem bewusst war. Wasser lief von der festgetretenen Stra�e, als w�re sie mit Steinen gepflastert, was schlimmstenfalls eine d�nne Schlammschicht verursachte, aber der lange Zug aus Wagen und Pferden und Menschen legte auch im Sonnenschein keine gro�en Strecken zur�ck. Am Anfang hatten es die Artisten kaum erwarten k�nnen, die Stadt zu verlassen, in der Blitze in der Nacht Schiffe versenkten und seltsame Morde jedermann �ber die Schulter blicken lie�, um von einem eifers�chtigen seanchanischen Adligen fortzukommen, der seine Frau wutentbrannt verfolgen w�rde und seinen Zorn m�glicherweise an jedem auslie�, der daran beteiligt war, sie aus seinen Klauen zu befreien. In den ersten Stunden reisten sie, so schnell die Pferde die Wagen ziehen konnten und trieben die Tiere hart an f�r eine weitere Meile. Aber jede zur�ckgelegte Meile schien in ihnen das Gef�hl entstehen zu lassen, dass sie sich weiter von der Gefahr entfernt hatten, dass sie viel sicherer waren, und am ersten Nachmittag...</p><p>�Man muss auf die Pferde R�cksicht nehmen�, erkl�rte Luca und sah zu, wie das Gespann von seinem l�cherlich bemalten Wagen abgeschirrt wurde und durch den Nieselregen zu den Halteseilen gebracht wurde. Die Sonne musste noch mehr als den halben Weg zum Horizont zur�cklegen, aber es stiegen bereits graue Rauchschwaden aus den Abzugsl�chern von Zelten und den eisernen Schornsteinen der kasten�hnlichen Wohnwagen. �Niemand verfolgt uns, und bis nach Lugard ist es ein langer Weg. Man kommt nur schwer an gute Pferde, und sie sind teuer.� Luca runzelte m�rrisch die Stirn und sch�ttelte den Kopf. Die Erw�hnung von Ausgaben lie� ihn immer m�rrisch werden. Er war geizig, au�er wenn es um seine Frau ging.</p><p>�Zwischen hier und dort gibt es nur wenige Orte, an denen es sich lohnt, l�nger als einen Tag zu verweilen. Die meisten D�rfer werden nicht f�r ein volles Haus sorgen, selbst wenn die ganze Einwohnerschaft kommt, und man kann nie wissen, wie es in einer Stadt sein wird, bevor man aufgebaut hat. Aber Ihr bezahlt mir nicht genug, um auf diese Eink�nfte verzichten zu k�nnen.� Er zog seinen verzierten Umhang enger, um besser vor der Feuchtigkeit gesch�tzt zu sein, und sah �ber die Schulter zu seinem Wagen. Der Geruch von etwas Bitterem drang durch den leichten Regen heran. Mat war nicht davon �berzeugt, jemals etwas essen zu wollen, was Lucas Frau kochte. �Ihr seid sicher, dass uns keiner verfolgt, Cauthon, richtig?�</p><p>Mat zog gereizt seine Wollm�tze tiefer, begab sich in das Gewirr aus grellbunten Zelten und Wagen und knirschte mit den Z�hnen. Er zahlte nicht genug? F�r das, was er Luca angeboten hatte, h�tte der Zirkusdirektor bereit sein m�ssen, seine Tiere den ganzen Weg bis nach Lugard <emphasis>galoppieren</emphasis> zu lassen. Nun, vielleicht nicht gerade galoppieren � schlie�lich wollte er die Pferde nicht umbringen �, aber dieser aufgeblasene Buntspecht h�tte bereit sein sollen, sie wenigstens anzutreiben.</p><p>Nicht weit von Lucas Wagen entfernt sa� Chel Vanin auf einem dreibeinigen Hocker, �ber den seine Massen hinausragten, und r�hrte �ber dem Feuer in einem kleinen Topf in irgendeinem dunklen Eintopf herum. Von seiner weit ausladenden Hutkrempe tropfte Wasser hinein, aber der fette Mann schien es entweder nicht zu bemerken oder es war ihm egal. Gorderan und Fergin, zwei der Rotwaffen, murmelten Fl�che, als sie Pfl�cke f�r die Haltesseile des schmutzigbraunen Segeltuchzelts in den matschigen Boden einschlugen, das sie sich mit Harnan und Metwyn teilten. Und mit Vanin, aber dieser verf�gte �ber Fertigkeiten, die ihn seiner Meinung nach davon freistellten, beim Zeltaufbau zu helfen, und die Rotwaffen waren damit nach nur kurzem Z�gern einverstanden gewesen. Vanin war ein erfahrener Hufschmied, aber was noch wichtiger war, er war der beste F�hrtenleser und Pferdedieb des ganzen Landes, so unwahrscheinlich einem das auch vorkam, wenn man ihn das erste Mal sah.</p><p>Fergin erblickte Mat und verbiss sich einen Fluch, als sein Hammer den Pflock verfehlte und stattdessen seinen Daumen traf. Er lie� den Hammer fallen, schob sich den Daumen in den Mund, hockte sich auf die Fersen und beklagte sich schrill. �Wir m�ssen die ganze Nacht diese Frauen bewachen, bei diesem Wetter, mein Lord. K�nnt Ihr nicht ein paar der Pferdeknechte dazu anheuern, damit wir wenigstens trocken bleiben k�nnen, bis wir wieder nass werden m�ssen?�</p><p>Gorderan stie� Fergin mit einem dicken Finger gegen die Schulter. Er war so breit, wie Fergin d�rr war, und trotz seiner grauen Augen ein Tairener. �Pferdeknechte stehlen alles, was nicht niet-� und nagelfest ist, Fergin.� Ein weiterer Fingersto�. �Willst du, dass einer dieser Flinkfinger mit meiner Armbrust davonl�uft, oder meinem Sattel? Das ist ein guter Sattel.� Ein dritter Sto� lie� Fergin beinahe umkippen. �Wenn wir dieses Zelt nicht aufgestellt kriegen, l�sst uns Harnan die ganze Nacht Wache schieben.�</p><p>Fergin schaute finster drein und maulte leise, aber er ergriff den Hammer und wischte sich den Schlamm vom Mantel. Er war ein brauchbarer Soldat, aber nicht besonders klug.</p><p>Vanin spuckte durch seine Zahnl�cke und verfehlte den Topf gerade eben. Sein Inhalt roch wunderbar, vor allem nach dem, was Latelle kochte, aber Mat entschied sich, auch hier nicht zu essen. Der Fette klopfte seinen Holzl�ffel gegen den Topfrand, um ihn zu s�ubern, und schaute mit seinen mit dicken Lidern versehenen Augen zu Mat hoch. Sein rundes Gesicht wirkte oft so, als w�re er fast am Schlafen, aber nur ein Narr h�tte das auch geglaubt. �Bei diesem Tempo kommen wir gegen Ende des Sommers in Lugard an. Wenn wir �berhaupt dort ankommen.�</p><p>�Das werden wir, Vanin�, sagte Mat mit mehr Zuversicht, als er im Augenblick versp�rte. Der raue Wollmantel, den er vor ein paar Stunden trocken angezogen hatte, wies den Regen nur an einigen Stellen ab, und Wasser tropfte ihm den R�cken hinunter. Es fiel schwer, zuversichtlich zu sein, wenn einem eiskalter Regen das R�ckgrat hinunterlief. �Der Winter ist fast vorbei. Wir werden schneller vorankommen, sobald es Fr�hling ist. Du wirst es erleben. Zur Fr�hlingsmitte sind wir in Lugard.�</p><p>Er war ebenfalls nicht so recht davon �berzeugt. Am ersten Tag hatten sie nicht mehr als acht Meilen zur�ckgelegt, und danach bedeuteten zehn einen guten Tag. Nur wenige Ortschaften entlang der Gro�en Nordstra�e � ein Name, der sich sehr schnell zu ver�ndern begann, als der Zirkus nach Norden kroch � verdienten den Namen Stadt. Die Menschen nannten sie die �Ebou Dar-Stra�e� oder �die F�hrstra�e�, manchmal auch einfach nur �die Stra�e�, so als w�rde es nur die eine geben. Aber Luca hielt bei jeder Stadt an, ob es nun eine richtige war oder auch nicht, ob sie von einer Mauer umgeben wurde oder nicht. Und auch bei jedem Dorf mit sechs Stra�en und einem Dorfplatz, ganz egal, wie erb�rmlich er auch war. Es brauchte fast einen halben Tag, um den Zirkus und die ihn umgebende Segeltuchwand mit dem gewaltigen blauen Spruchband und den roten Buchstaben, das �ber dem Einging hing, aufzubauen. Valan Lucas Gro�er Wanderzirkus. Es war Luca einfach unm�glich, sich die Gelegenheit entgehen zu lassen, eine Besuchermenge anzuziehen. Oder die M�nzen in ihren Geldbeuteln. Oder die Gelegenheit, einen seiner hellroten Umh�nge anzulegen und sich in ihrer Bewunderung zu sonnen. Luca gefiel das fast so sehr wie die M�nzen. Fast.</p><p>Die Exotik der Darsteller und der in K�figen gehaltenen Tiere aus weit entfernten L�ndern reichte aus, um Leute anzuziehen. Was das anging, reichten sogar schon Tiere, die nicht so selten waren; nur wenige Menschen waren so weit gereist, um einen leibhaftigen B�ren oder gar einen L�wen gesehen zu haben. Allein schwere Regenschauer hielten die Menge ab, und wenn der Regen zu schlimm wurde, weigerten sich die Jongleure und Akrobaten sowieso, ohne eine �berdachung aufzutreten. Was Luca m�rrisch herumlaufen und aufgeregt davon plappern lie�, genug Segeltuch finden zu m�ssen, um jeden Akt zu �berdachen, oder ein Zelt machen zu lassen, das gro� genug war, den ganzen Zirkus aufzunehmen. Ein Zelt! Der Mann war in seinen Ambitionen nicht zu �berbieten. Warum nicht gleich auch noch einen Palast auf R�dern, wenn er schon mal dabei war?</p><p>W�ren Luca und das langsame Fortkommen des Zirkus das Einzige gewesen, worum sich Mat h�tte sorgen m�ssen, w�re er ein gl�cklicher Mann gewesen. Manchmal wurden sie von zwei oder drei langsam fahrenden, fr�h aufgebrochenen Wagenz�gen aus seanchanischen Siedlern mit ihren seltsam geformten, spitz zulaufenden Wagen und dem merkw�rdigen Vieh �berholt, bevor sich der erste Zirkuswagen in Bewegung setzte. Manchmal wurden sie von Reihen seanchanischer Soldaten �berholt, die in langsamem Tempo marschierten, Reihen aus M�nnern mit Helmen, die an Insektenk�pfe erinnerten und die schneidig ausschritten, und Reihen von Reitern, deren R�stungen aus sich �berlappenden Platten mit Streifen bemalt waren. Einmal sa�en die Reiter auf <emphasis>Torms</emphasis>, Kreaturen mit bronzenen Schuppen, die an Katzen in der Gr��e von Pferden erinnerten. Solange man davon absah, dass sie drei Augen hatten. Zwanzig oder mehr schl�ngelten sich in einem geschmeidigen Kriechgang vorw�rts, und zwar schneller, als ein Pferd traben konnte. Weder Reiter noch ihre Tiere widmeten dem Wanderzirkus einen zweiten Blick, aber die Pferde drehten durch, als die <emphasis>Torms</emphasis> vorbeizogen, sie wieherten schrill und b�umten sich in ihren Geschirren auf. Die L�wen und Leoparden und B�ren br�llten in ihren K�figen, und das Rotwild warf sich blindlings gegen die Gitterst�be. Es dauerte Stunden, um alle Tiere wieder so weit zu beruhigen, dass die Wagen weiterziehen konnten, und Luca bestand darauf, sich zuerst um die Absch�rfungen der K�figtiere zu k�mmern. Seine Tiere waren eine gro�e Investition. Zweimal entschieden sich Offiziere mit Helmen mit d�nnen Helmb�schen, die Erlaubnisurkunde f�r Lucas Pferde zu kontrollieren, und Mat schwitzte kalte Schwei�tropfen von Traubengr��e, bis sie zufrieden weiterzogen. Als der Wanderzirkus nach Norden kroch, nahm die Zahl der Seanchaner auf der Stra�e ab, aber er schwitzte jedes Mal erneut, wenn er die n�chste Gruppe sah, ob es nun Soldaten oder Siedler waren. Vielleicht hielt Suroth das Verschwinden Tuons wirklich geheim, aber die Seanchaner w�rden nach ihr suchen. Es brauchte nur einen �bereifrigen Offizier, der die Zahl auf der Urkunde tats�chlich mit den vorhandenen Pferden verglich. Danach w�rde er die Wagen mit Sicherheit durchsuchen. Nur eine �bertrieben diensteifrige <emphasis>Sul'dam</emphasis> gen�gte, die der Meinung war, unter den Jongleuren und Verrenkungsk�nstlern k�nnte eine Frau sein, die die Macht lenken konnte. Er schwitze Pflaumen! Ungl�cklicherweise war nicht jeder ausreichend um die eigene Haut besorgt.</p><p>Au�erhalb eines Dorfes namens Weesin, das kaum gr��er als Fliegendreck war, einer kleinen Ansammlung von strohbedeckten H�usern, bei denen nicht einmal Luca glaubte, dass dort mehr als zwei Kupferst�cke zu holen waren, stand Mat in einen schweren Wollumhang geh�llt im str�menden Regen und beobachtete, wie sich die drei Aes Sedai bei Sonnenuntergang zur�ck in den Wanderzirkus schlichen. In der Ferne donnerte es. Sie waren in dunkle Umh�nge geh�llt und hatten die Kapuzen �ber den Kopf gezogen, aber er hatte nicht den geringsten Zweifel an ihrer Identit�t. Sie gingen im niederprasselnden Regen keine zehn Schritte an ihm vorbei, ohne ihn zu sehen, aber das silberne Medaillon auf Mats Brust legte sich kalt auf seine Haut. Mindestens eine von ihnen lenkte gerade die Macht oder hielt sie zumindest umklammert. Sollte er doch zu Asche verbrennen, sie waren alle drei verr�ckt wie die M�rzhasen.</p><p>Die Aes Sedai waren gerade zwischen den Wagen und Zelten verschwunden, als drei weitere in Umh�nge geh�llte Gestalten auftauchten und ihnen nacheilten. Eine dieser Frauen hatte einen sch�rferen Blick und hob eine Hand, um in seine Richtung zu zeigen, aber die anderen hielten nur kurz inne, dann eilten sie den Aes Sedai hinterher. Er wollte fluchen, lie� es dann aber sein. Dar�ber war er hinaus. Wenn er die Leute auf eine Liste gesetzt h�tte, die er umherwandern sehen wollte, wo sie einer seanchanischen Patrouille begegnen konnten, w�ren die Aes Sedai und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> etwa mit Tuon und Selucia gleichgezogen.</p><p>�Ich frage mich, was sie vorhaben�, sagte Noal hinter ihm, und Mat schreckte so zusammen, dass eine Regenb�e ihren Weg in seine Kapuze fand und ihm den Nacken hinunterlief. Er w�nschte sich, der knorrige alte Mann w�rde aufh�ren, sich an ihn anzuschleichen.</p><p>�Das werde ich herausfinden�, murrte er und riss den Umhang zurecht. Eigentlich wusste er �berhaupt nicht, warum er sich die M�he machte. Sein Mantel war nur etwas feucht, aber sein Leinenhemd war bereits mit Wasser voll gesogen.</p><p>Seltsamerweise war Noal nicht l�nger an seiner Seite, als er den Wagen mit dem verblassenden wei�en Anstrich erreichte, in dem die Aes Sedai und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> schliefen. Der Mann steckte seine Nase gern in alles hinein. Vielleicht war er ja zu dem Schluss gekommen, dass er nass genug war. Blaeric und Fen lagen bereits in ihre Decken geh�llt unter dem Wagen und schienen sich weder am Schlamm noch am Regen zu st�ren, aber er h�tte nicht darauf gewettet, dass sie wirklich schliefen. Und tats�chlich setzte sich einer auf, als er zu dem Wagen emporklomm. Wer es auch war, er sagte kein Wort, aber Mat konnte seine Blicke sp�ren. Doch er z�gerte nicht und hielt sich auch nicht mit Anklopfen auf.</p><p>Im Inneren war es eng, da alle sechs Frauen auf den Beinen waren, die tropfenden Umh�nge noch in den H�nden. Zwei an den W�nden angebrachte Lampen spendeten reichlich Licht, in gewisser Weise war es besser, als f�r ihn gut war. Sechs Gesichter wandten sich ihm zu, und zwar mit jenen starren Blicken, wie sie Frauen immer einem Mann widmeten, wenn er einen Fu� dahin setzte, wo es ihnen nicht passte. Die Luft im Wagen roch nach nasser Wolle und wirkte, als w�re gerade der Blitz eingeschlagen oder w�rde es jeden Augenblick tun. Regen trommelte aufs Dach, aber das Fuchskopf-Medaillon f�hlte sich nicht k�hler an als jedes andere St�ck Silber. Vielleicht hatten Blaeric und Fen ihn in dem Glauben eintreten lassen, dass man ihm ohnehin den Kopf abrei�en w�rde. Vielleicht wollten sie sich auch nur aus der Sache heraushalten. Andererseits war ein Beh�ter zu sterben bereit, wenn seine Aes Sedai es f�r notwendig hielt. Aber nicht Mat Cauthon. Er versetzte der T�r einen Sto� mit der H�fte. Sie schmerzte kaum noch. Oder zumindest nur selten.</p><p>Als er die Frauen darauf ansprach, antwortete Edesina ihm mit wildem Tonfall und sch�ttelte das schwarze Haar aus, das ihr auf den R�cken fiel. �Meister Cauthon, ich bin Euch dankbar, dass Ihr mich vor den Seanchanern gerettet habt, und ich werde Euch meine Dankbarkeit auch zeigen, aber es gibt Grenzen. Ich bin nicht Eure Dienerin, die Ihr herumschubsen k�nnt. Im Dorf waren keine Seanchaner, und wir haben unsere Gesichter verh�llt. Es war nicht notwendig, uns Eure... Wachhunde... hinterherzuschicken.� Der Blick, den sie den drei Seanchanerinnen zuwarf, h�tte Eier braten k�nnen. Edesina war dar�ber hinaus, bei jedem mit einem seanchanischen Akzent nerv�s zu reagieren. Sie wollte wieder so wie fr�her sein, und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> waren bei der Hand. Mat verlie� sich darauf, dass die ber�hmte Aes Sedai-Gelassenheit die Dinge nicht bis zur Gewalt eskalieren lie�. Er hoffte, dass sie nicht bereits zu angespannt waren. In seinen alten Erinnerungen kamen Aes Sedai vor, die wie die Feuerwerksk�rper der Illuminatoren in die Luft gingen.</p><p>Bethamins dunkles Gesicht zeigte kein Zeichen von Besorgnis. Sie hatte ihren Umhang ausgesch�ttelt und h�ngte ihn auf einen Haken, w�hrend Edesina sprach, dann gl�ttete sie das Kleid �ber den H�ften. Heute Abend trug sie verblichene gr�ne Unterr�cke. Sie beklagte sich dar�ber, dass die Tracht aus Ebou Dar nicht schicklich war, und Mat vermutete, dass er jetzt, da sie von der K�ste weg waren, etwas anderes f�r sie finden musste, aber sie f�llte den tiefen Ausschnitt sehr h�bsch aus. Doch sie klang f�r seinen Geschmack zu m�tterlich. �Sie hielten ihre Gesichter verborgen, mein Lord�, sagte sie mit ihrem langsamen, ausgepr�gten Akzent, �und sie sind zusammengeblieben. Keine hat versucht, sich fortzuschleichen. Alles in allem haben sie sich gut benommen.� Eine Mutter, die ihre Kinder lobte. Oder vielleicht ein Hundez�chter, der seine Tiere lobte. Die blonde Seta nickte anerkennend. Nein, definitiv ein Hundez�chter.</p><p>�Wenn mein Lord w�nscht, dass sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschr�nkt sind�, sagte Renna schnippisch, �k�nnen wir immer noch das <emphasis>A'dam</emphasis> nehmen. Man sollte sie wirklich nicht so frei herumlaufen lassen.� Sie widmete ihm sogar eine Verbeugung, auf die seanchanische Weise, indem sie in der H�fte umknickte und sich scharf nach vorn beugte. Ihre gro�en braunen Augen blickten hoffnungsvoll. Teslyn keuchte auf und krallte den nassen Umhang an die Brust. Sie hatte ihre Furcht vor den <emphasis>Sul'dam</emphasis> noch immer nicht �berwunden, auch wenn sie aussah, als k�nnte sie N�gel verspeisen. Jolene, so hochm�tig wie immer, richtete sich mit blitzenden Augen zu ihrer vollen Gr��e auf. Ob man die Gelassenheit der Aes Sedai nun in Betracht zog oder nicht, wenn Jolenes Augen zu blitzen anfingen, dann konnte gleich der Blitz einschlagen. Das war bei h�bschen Frauen oft so.</p><p>�Nein�, sagte Mat hastig, �das wird nicht n�tig sein. Ihr gebt mir diese Dinger, und ich werde sie los.� Beim Licht, warum hatte er sich jemals diese Frauen aufgehalst? Was im Moment die beste Idee sein konnte, erschien hinterher oft wie pure Idiotie. �Ihr alle m�sst aufpassen. Wir sind noch keine drei�ig Meilen von Ebou Dar entfernt. Auf den Stra�en wimmelt es von verdammten Seanchanern.� Er warf den seanchanischen Frauen einen entschuldigenden Blick zu. Schlie�lich waren sie auf seiner Seite. In gewisser Weise. Sie konnten nirgendwo hin, wenn man von Egeanin absah, und sie hatten erkannt, wer hier das Geld hatte. Bethamin riss �berrascht die Brauen nach oben. Seanchanische Adlige entschuldigten sich nicht, nicht mal mit einem Blick.</p><p>�Gestern sind seanchanische Soldaten durchs Dorf gezogen�, sagte Teslyn, und ihr illianischer Akzent kam besonders stark durch. Jolines blitzende Augen wandten sich nun ihr zu, aber sie beachtete es nicht und drehte sich um, um ihren Umhang aufzuh�ngen. �Sie haben sich nach Fremden auf der Stra�e erkundigt. Und einige haben sich dar�ber beklagt, dass man sie nach Norden schickt.� Teslyn warf den <emphasis>Sul'dam</emphasis> einen Blick �ber die Schulter zu, dann riss sie sich von ihnen los und holte tief Luft. �Es hat den Anschein, als w�rde die Wiederkehr jetzt nach Osten zielen. Die Soldaten glauben, die Immer Siegreiche Armee wird Illian ihrer Kaiserin noch vor dem Ende des Fr�hlings zum Geschenk machen � die Stadt selbst und alles andere auch.� Angeblich lie�en Aes Sedai ihre Geburtsl�nder hinter sich, wenn sie in der Wei�en Burg aufgenommen wurden, aber f�r jeden Illianer war die Stadt Illian �die Stadt�, und man konnte das deutlich heraush�ren.</p><p>�Das ist gut�, sagte Mat halb zu sich selbst und dachte nach. Soldaten redeten immer, auch wenn sie es nicht sollten; das war einer der Gr�nde, warum man den M�nnern seine Pl�ne erst in allerletzter Sekunde erl�uterte. Teslyns d�nne Brauen hoben sich, und er f�gte hinzu: �Es bedeutet, dass die Stra�e nach Lugard den gr��ten Teil des Weges frei sein wird.� Teslyns Nicken war knapp und nicht sehr erfreut. Was Aes Sedai tun sollten und dann taten, unterschied sich oft sehr voneinander.</p><p>�Wir haben mit niemandem gesprochen, mein Lord, sondern nur die M�dchen beobachtet�, sagte Bethamin noch langsamer als sonst, und Seanchaner sprachen f�r gew�hnlich wie Honig, den man w�hrend eines Schneesturms einschenkte. Sie war offensichtlich die Anf�hrerin der <emphasis>Sul'dam</emphasis>, aber sie sah die beiden anderen an, bevor sie fortfuhr. �In Ebou Dar drehten sich die Gespr�che in den <emphasis>Sul'dam</emphasis>-Quartieren nur um Illian. Ein fettes Land und eine fette Stadt, wo sich viele einen neuen Namen verdienen werden. Und Reichtum erlangen.� Sie warf das ein, als w�rde Reichtum neben einem neuen Namen nicht weiter z�hlen. �Wir h�tten erkennen m�ssen, dass Ihr �ber solche Dinge Bescheid wissen wollt.� Ein weiterer tiefer Atemzug lie� sie fast aus dem Kleid herausplatzen. �Wenn Ihr irgendwelche Fragen habt, mein Lord, wir werden Euch sagen, was wir wissen.�</p><p>Renna machte eine weitere Verbeugung, und Seta sagte: �Wir k�nnten in den D�rfern und St�dten, in denen wir anhalten, die Ohren aufsperren, mein Lord. Die M�dchen k�nnen verschlagen sein, aber uns k�nnt Ihr vertrauen.�</p><p>Wenn eine Frau einem Hilfe anbot, warum fing sie stets damit an, einem das Gesicht in einen Topf mit hei�em Wasser zu dr�cken und dann das Feuer anzuheizen? Jolines Gesicht verwandelte sich in eine ver�chtliche Maske aus Eis. Die Seanchanerinnen waren ihrer Beachtung nicht wert; das machte sie mit einem Blick klar. Es war der verfluchte Mat Cauthon, f�r den ihre eisige Miene bestimmt war. Edesinas Lippen wurden schmal, und sie versuchte, in ihn und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> L�cher hineinzustarren. Sogar Teslyn brachte Indigniertheit zustande. Auch sie war dankbar f�r ihre Rettung, aber sie war Aes Sedai. Und sie richtete ihr Stirnrunzeln auf ihn. Vermutlich, dachte Mat, w�rde sie wie ein erschreckter Frosch zur Seite springen, wenn eine der <emphasis>Sul'dam</emphasis> in die H�nde geklatscht h�tte.</p><p>�Was ich m�chte�, erkl�rte er geduldig, �ist Folgendes: Ihr sollt alle bei den Wagen bleiben.� Mit Frauen musste man geduldig sein, und das schloss Aes Sedai mit ein. Das lernte er verdammt noch mal gerade. �Ein gefl�stertes Wort, dass es in diesem Wanderzirkus eine Aes Sedai gibt, und wir werden uns der Seanchaner nicht erwehren k�nnen, die sie jagen. Ger�chte �ber Seanchaner, die mit dem Zirkus reisen, sind auch nicht hilfreicher. In beiden F�llen wird es fr�her oder sp�ter jemanden geben, der die Wahrheit herausfinden will, und dann stecken wir alle in der Patsche. Zeigt euch nicht. Ihr m�sst im Verborgenen bleiben, bis wir n�her bei Lugard sind. Das ist doch nicht zu viel verlangt, oder?� Blitze tauchten die Wagenfenster in blaues, glei�endes Licht, Donner krachte �ber ihren K�pfen, und zwar in solcher N�he, dass der Wagen schwankte.</p><p>Offensichtlich war es zu viel verlangt, wie sich im Verlauf der kommenden Tage zeigte. Oh, die Aes Sedai hielten die Kapuzen hochgeschlagen, wenn sie hinausgingen � der Regen bot daf�r einen guten Vorwand; der Regen und die K�lte �, aber meistens sa� eine von ihnen vorn auf dem Kutschbock, und sie machten keine ernsthaften Anstrengungen, sich in Gegenwart der Zirkusleute wie Dienstpersonal zu benehmen. Nat�rlich verk�ndeten sie nicht, wer sie tats�chlich waren oder kommandierten jemanden herum oder sprachen viel mit anderen, aber welche Dienerin erwartete denn allen Ernstes, dass ihr die Leute den Weg frei machten? Sie besuchten die D�rfer und manchmal auch die St�dte, wenn sie sich sicher waren, dass keine Seanchaner in der N�he waren. Wenn eine Aes Sedai von etwas �berzeugt war, dann musste es auch so sein. Zweimal kamen sie zur�ckgeeilt, als sie eine Stadt zur H�lfte voller Siedler auf dem Weg nach Norden fanden. Sie berichteten ihm, was sie bei ihren Besuchen erfuhren. Er glaubte es zumindest. Teslyn schien ihm dankbar zu sein, auf Aes Sedai-Weise. Edesina auch. Irgendwie zumindest.</p><p>Trotz ihrer Unterschiede blieben Joline, Teslyn und Edesina zusammen wie eine geh�tete Schar G�nse. Sah man eine, sah man sie alle. Vermutlich lag das daran, dass sie beim Spaziergang ordentlich die Kapuzen hochschlugen und vermummt waren und eine Minute sp�ter Bethamin und Renna und Seta ihnen hinterher schlichen. So richtig unauff�llig, aber die �M�dchen� nie auch nur eine Sekunde aus den Augen lassend. Die G�nseherde. Ein Blinder h�tte gesehen, dass es zwischen den beiden Gruppen Spannungen gab. Ein Blinder h�tte gesehen, dass sie alle keine Dienerinnen waren. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> hatten respektierte Positionen eingenommen, Positionen mit Autorit�t, und sie bewegten sich fast so arrogant wie die Aes Sedai. Aber Mat konnte die Geschichte nun einmal nicht mehr �ndern.</p><p>Bethamin und die beiden anderen hielten fast so argw�hnisch nach anderen Seanchanern Ausschau wie die Aes Sedai, aber sie folgten den Frauen, wenn sie in ein Dorf oder eine Stadt gingen, und Bethamin berichtete stets, was sie dabei durch Lauschen aufgeschnappt hatten; Renna zeigte ein gewinnendes L�cheln, und Seta warf ein, dass die �M�dchen� dieses oder jenes �berh�rt hatten oder behaupteten, nicht geh�rt zu haben; da konnte man sich nie sicher sein bei jemandem, der die Frechheit hatte, sich als Aes Sedai zu bezeichnen. Vielleicht sollte er noch einmal dar�ber nachdenken, sie an die Leine zu legen, nur so lange, bis alle in Sicherheit waren.</p><p>Im Gro�en und Ganzen unterschieden sich ihre Geschichten nicht so sehr von denen der Schwestern. St�dter sprachen dar�ber, was sie von durchreisenden Seanchanern geh�rt hatten. Viele Siedler waren nerv�s, ihre K�pfe waren voller Geschichten �ber wilde Aiel, die Altara verw�steten, auch wenn die St�dter behaupteten, dass das irgendwo hoch im Norden war. Aber anscheinend hatte jemand an h�herer Stelle das Gleiche gedacht, denn viele Siedler waren nach Osten umgeleitet worden, nach Illian. Man hatte mit einem m�chtigen Herrscher eine Allianz geschmiedet, von der man erwartete, dass sie der Hochlady Suroth Zugang zu einer gro�en Menge Land verschaffte. Die Frauen weigerten sich, sich davon �berzeugen zu lassen, nichts auf Ger�chte zu geben. Irgendwie kamen sie auch nie dazu, die <emphasis>A'dam</emphasis> zu �bergeben. Tats�chlich waren diese silbrigen Leinen und die drei <emphasis>Sul'dam</emphasis> der einzige richtige Hebel, den Mat bei den Aes Sedai ansetzen konnte. Dankbarkeit. Von einer Aes Sedai! Ha! Nicht, dass er ernsthaft dar�ber nachdachte, den Schwestern wieder die Kragen anlegen zu lassen. Jedenfalls nicht oft. Er sa� fest. Und zwar richtig.</p><p>Er brauchte das, was die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und die Aes Sedai erfuhren, wirklich nicht. Er hatte bessere Quellen, Leute, denen er vertraute. Nun, er vertraute Thom, wenn man den wei�haarigen Gaukler davon losrei�en konnte, mit Olver Schlangen und F�chse zu spielen oder �ber einem oft gelesenen Brief zu tr�umen, den er in der Manteltasche trug.</p><p>Thom konnte eine Gaststube betreten, eine Geschichte erz�hlen, vielleicht etwas jonglieren, und ihn dann wieder verlassen, und er wusste genau, was jeden Mann dort besch�ftigte. Mat vertraute auch Juilin � er war darin fast so gut wie Thom, auch ohne zu jonglieren oder Geschichten zu erz�hlen �, aber Juilin bestand immer darauf, Thera mitzunehmen, die sich geziert an seinem Arm festklammerte, wenn sie eine Stadt betraten. Damit sie sich wieder an ihre Freiheit gew�hnte, sagte er. Sie l�chelte zu Juilin hinauf, ihre gro�en Augen leuchteten dunkel, und der volle kleine Mund bettelte darum, gek�sst zu werden. Vielleicht war sie die Panarchin von Tarabon gewesen, so wie Juilin und Thom behaupteten, aber Mat fing an, daran zu zweifeln. Er hatte ein paar der Verrenkungsk�nstler dar�ber Witze rei�en h�ren, wie die tarabonische Dienerin den tairenischen Diebef�nger auslaugte, bis er kaum noch gehen konnte. Ob Thera aber nun Panarchin oder Dienerin war, sie fing noch immer an, sofort auf die Knie zu gehen, sobald sie einen lang gezogenen Akzent h�rte. Mat ging davon aus, dass jeder Seanchaner, der ihr eine Frage stellte, ihr ganzes Wissen mitgeteilt bekommen w�rde, angefangen mit Juilin Sandar bis zu dem Wagen, in dem die Aes Sedai wohnten, und sie w�rde alle Antworten auf den Knien heraussprudeln. Seiner Meinung nach war Thera eine gr��ere Gefahr als die Aes Sedai und <emphasis>Sul'dam</emphasis> zusammen. Aber Juilin str�ubte sich bei der kleinsten Andeutung, seine Frau k�nnte unzuverl�ssig sein, und lie� den Bambusstab herumwirbeln, als wollte er Mat damit den Sch�del einschlagen. Es gab keine L�sung, aber Mat fand einen Notbehelf, eine Methode, eine kleine Vorwarnung zu bekommen, falls das Schlimmste geschah.</p><p>�Nat�rlich kann ich ihnen folgen�, sagte Noal mit einem zahnl�ckigen Grinsen, das besagte, dass er es f�r ein Kinderspiel hielt. Er legte einen knotigen Finger an die schiefe Nase und schob die andere knubbelige Hand unter den Mantel, wo er seine Messer aufbewahrte. �Seid Ihr sicher, dass es nicht besser w�re, einfach daf�r zu sorgen, dass sie mit keinem reden kann? Nur ein Vorschlag, mein Junge. Wenn Ihr Nein sagt, dann nicht.� Mat sagte ganz entschieden Nein. Er hatte in seinem Leben eine Frau get�tet und eine andere zur�ckgelassen, damit man sie abschlachten konnte. Er w�rde keinen dritten Mord auf sein Gewissen laden.</p><p>�Es hat den Anschein, als h�tte Suroth eine Allianz mit irgendeinem K�nig geschlossen�, berichtete Juilin mit einem L�cheln bei einem Becher Wein. Immerhin schien Thera ihn �fter l�cheln zu lassen. Sie hockte in dem engen Zelt neben Juilins Hocker, den Kopf auf seinen Scho� gelegt, und er streichelte ihr mit der freien Hand sanft �ber den Kopf. �Zumindest wird viel �ber einen m�chtigen neuen Verb�ndeten gesprochen. Und diese Siedler haben alle schreckliche Angst vor den Aiel.�</p><p>�Die meisten Siedler scheinen nach Osten geschickt worden zu sein�, sagte Thom und schaute traurig in seinen Becher. Wo Juilin jeden Tag einen gl�cklicheren Eindruck machte, schien er trauriger zu werden. Noal war unterwegs und beschattete Juilin und Thera, und Lopin und Nerim sa�en mit untergeschlagenen Beinen im hinteren Teil des Zeltes, aber die beiden Cairhiener hatten ihre N�hk�rbe geholt und sahen Mats gute M�ntel aus Ebou Dar nach m�glicherweise n�tigen Ausbesserungen durch, sodass das kleine Zelt wieder �berf�llt wirkte. �Und auch viele Soldaten�, fuhr Thom fort. �Alle sagen, sie werden wie ein Hammer auf Illian niedersausen.�</p><p>Nun, wenigstens wusste Mat, dass er die ungesch�nte Wahrheit h�rte, wenn sie von den beiden kam. Keine Aes Sedai, die die Worte auf den Kopf stellten, oder <emphasis>Sul'dam</emphasis>, die versuchten, sich bei ihm einzuschmeicheln. Bethamin und Seta hatten sogar gelernt, wie man einen Knicks machte. Irgendwie f�hlte er sich wohler, wenn Renna sich bei ihrer Verbeugung fast doppelt schlug. Es erschien ehrlich. Seltsam, aber ehrlich.</p><p>Er selbst sah sich in den D�rfern und St�dten nur rasch um, mit hochgeschlagenem Kragen und in die Stirn gezogener M�tze, bevor er zur�ck zum Zirkus eilte. Er trug nur selten einen Umhang. Ein Umhang konnte ihn daran hindern, die Messer einzusetzen, die er am Leib trug. Nicht, dass er erwartete, sie benutzen zu m�ssen. Es war nur eine angebrachte Vorsichtsma�nahme. Es wurde weder getrunken noch getanzt und auch nicht gespielt. Vor allem nicht gespielt. Der Klang rollender W�rfel auf einem Tisch im Gemeinschaftsraum eines Dorfgasthofs zog ihn an, aber seine Art von Gl�ck bei den W�rfeln w�rde unweigerlich Aufmerksamkeit auf sich ziehen, selbst wenn es nicht dazu f�hrte, dass jemand ein Messer zog, und in diesem Teil von Altara trugen sowohl M�nner wie auch Frauen Messer im G�rtel und waren bereit, sie auch zu benutzen. Er wollte unbemerkt bleiben, also ging er an den W�rfelspielen vorbei, nickte den Schankm�dchen, die ihn anl�chelten, k�hl zu und trank nie mehr als einen Becher Wein und f�r gew�hnlich nicht einmal den. Schlie�lich wartete beim Zirkus Arbeit auf ihn. Jedenfalls eine gewisse Art von Arbeit. Er hatte am ersten Abend nach dem Aufbruch von Ebou Dar damit begonnen, und es war eine harte Arbeit.</p><p>�Ihr m�sst mich begleiten, ich brauche Euch�, hatte er gesagt und den Schrank ge�ffnet, der unter seinem Bett in die Wagenseite eingearbeitet war. Dort bewahrte er die Truhe mit seinem Gold auf, das er auf ehrliche Weise beim Gl�cksspiel verdient hatte. Jedenfalls so ehrlich, wie es m�glich gewesen war. Der gr��te Teil stammte aus einem Pferderennen, und sein Gl�ck war nicht besser als das eines jeden Mannes, wenn es um Pferde ging. Was den Rest betraf... Wenn ein Mann die W�rfel werfen oder Karten spielen oder M�nzen schnippen wollte, dann musste er bereit sein zu verlieren. Domon, der auf dem gegen�berliegenden Bett sa� und sich mit der Hand �ber die Haarstoppeln auf seinem rasierten Sch�del rieb, hatte diese Lektion gelernt. Der Bursche h�tte bereit sein m�ssen, wie ein guter <emphasis>So'jhin</emphasis> auf dem Boden zu schlafen, aber am Anfang hatte er darauf bestanden, jeden Abend um das zweite Bett eine M�nze zu werfen. Egeanin bekam nat�rlich das erste. M�nzen zu werfen war genauso einfach wie zu w�rfeln. Solange die M�nze nicht auf der Kante landete, was ihm gelegentlich passierte. Aber Domon hatte den Vorschlag gemacht, nicht er. Bis Mat viermal hintereinander gewonnen hatte, und am f�nften Abend landete die M�nze auf der Kante, dreimal hintereinander. Mittlerweile wechselten sie sich ab. Aber in dieser Nacht war Domon mit dem Boden dran.</p><p>Mat fand den kleinen Beutel aus Waschleder, stopfte ihn sich in die Manteltasche, stand auf und dr�ckte den Schrank mit dem Fu� zu. �Irgendwann m�sst Ihr Tuon gegen�bertreten�, sagte er. �Und ich brauche Euch, um die Dinge zu gl�tten.� Er brauchte jemanden, der Tuons Zorn auf sich lenken konnte, jemanden, der ihn vergleichsweise akzeptabel aussehen lie�, aber das konnte er wohl kaum sagen, oder? �Ihr seid eine seanchanische Adlige, und Ihr k�nnt mich daran hindern, dummes Zeug zu reden.�</p><p>�Warum m�sst Ihr die Dinge gl�tten?� Egeanins Akzent war so hart wie eine S�ge. Sie stand mit in die H�ften gestemmten F�usten in der Wagent�r, die blauen Augen unter der langen schwarzen Per�cke funkelten wild. �Warum m�sst <emphasis>Ihr</emphasis> sie sehen? Habt Ihr nicht schon genug angerichtet?�</p><p>�Sagt mir nicht, Ihr habt Angst vor ihr�, spottete Mat und wich der Frage aus. Welche Antwort sollte er auch geben, die nicht v�llig verr�ckt klang? �Ihr k�nntet sie Euch genauso leicht unter den Arm klemmen wie ich. Aber ich verspreche, ich werde nicht zulassen, dass sie Euch den Kopf abschlagen oder Euch pr�geln l�sst.�</p><p>�Egeanin keine Angst haben vor gar nichts�, knurrte Domon besch�tzend. �Wenn sie nicht gehen will, dann zieht Ihr allein los, um das M�dchen zu umwerben. Bleibt �ber Nacht, wenn Ihr wollt.�</p><p>Egeanin starrte Mat weiter an. Oder vielmehr durch ihn hindurch. Dann schaute sie Domon an, ihre Schultern sackten ein St�ck nach unten, und sie riss den Umhang von seinem Haken an der Wand. �Bewegt Euch, Cauthon�, knurrte sie. �Wenn es getan werden muss, dann bringen wir es besser hinter uns.� Sie hatte den Wagen blitzartig verlassen, und Mat musste sich beeilen, um sie einzuholen. Man h�tte beinahe denken k�nnen, sie wollte nicht mit Domon allein sein, so wenig Sinn das auch ergab.</p><p>Vor dem fensterlosen purpurnen Wagen, der in der Nacht schwarz war, wich ein Schatten in tiefere Schatten zur�ck. Die Mondsichel glitt lange genug hinter den Wolken hervor, dass Mat Harnans quadratischen Kiefer erkennen konnte.</p><p>�Alles ruhig, mein Lord�, sagte Harnan.</p><p>Mat nickte und holte tief Luft, dann tastete er nach dem Beutel in seiner Tasche. Die Luft war sauber und vom Regen gewaschen, und der Wagen stand ein St�ck weit weg von den Pferdeseilen. Tuon musste erleichtert sein, von dem Gestank des Pferdemists und dem scharfen Geruch der Tierk�fige weg zu sein. Die Artistenwagen zu seiner Linken waren so dunkel wie die mit Segeltuchplanen bedeckten Frachtwagen zu seiner Rechten. Sinnlos, noch l�nger zu warten. Er stie� Egeanin die Wagenstufen vor sich hoch.</p><p>Drinnen waren mehr Leute, als er erwartet hatte. Setalle sa� auf einem der Betten und arbeitete wieder an ihrem Stickrahmen, und Selucia stand am anderen Ende und runzelte unter dem Kopftuch die Stirn, aber Noal sa� auf dem anderen Bett, scheinbar gedankenversunken, und Tuon sa� mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden und spielte mit Olver Schlangen und F�chse.</p><p>Als Mat eintrat, drehte sich der Junge mit einem breiten Grinsen um, das beinahe sein Gesicht zu spalten drohte.</p><p>�Noal hat uns von Co'dansin erz�hlt, Mat�, rief er aus.</p><p>�Das ist ein anderer Name f�r Shara. Wusstest du, dass sich die Ayyad das Gesicht t�towieren? So nennen sie in Shara Frauen, die die Macht lenken k�nnen.�</p><p>�Nein, das wusste ich nicht�, sagte Mat und schaute Noal grimmig an. Es war schlimm genug, dass Vanin und die Rotwaffen dem Jungen schlechte Angewohnheiten beibrachten, ganz zu schweigen von dem, was er von Juilin und Thom aufschnappte, da musste Noal ihm nicht auch noch den Kopf mit irgendwelchem Unsinn f�llen.</p><p>Pl�tzlich schlug sich Noal auf die Schenkel und setzte sich kerzengerade auf. �Es ist mir wieder eingefallen�, sagte er, und dann fing der Narr an zu rezitieren.</p><p>�Das Gl�ck reitet wie die Sonne ganz oben mit dem Fuchs, der den Raben fliegen l�sst. Gl�ck ist seine Seele, der Blitz sein Auge, Er rei�t die Monde vom Himmel herunter.�</p><p>Der alte Mann mit der gebrochenen Nase schaute sich um, als w�re ihm gerade erst eingefallen, dass noch mehr Leute anwesend waren. �Ich habe lange versucht, mich wieder daran zu erinnern. Es stammt aus den Prophezeiungen des Drachen.�</p><p>�Sehr interessant, Noal�, murmelte Mat. Die Farben wirbelten wieder durch seinen Kopf wie an dem Morgen, als die Aes Sedai in Panik geraten waren. Diesmal blitzten sie vor�ber, ohne sich zu einem Bild zusammenzusetzen, aber er f�hlte sich kalt, als h�tte er nackt unter einem Busch geschlafen. Das Letzte, was er gebrauchen konnte, war, dass ihn jemand mit den Prophezeiungen in Verbindung brachte. �Vielleicht k�nnt Ihr uns einmal die ganze Geschichte vortragen. Aber nicht heute Nacht, ja?�</p><p>Tuon schaute durch die Wimpern zu ihm hoch, eine schwarze Porzellanpuppe in einem Kleid, das ihr zu gro� war. Beim Licht, hatte sie lange Wimpern. Sie ignorierte Egeanin, als w�rde die andere Frau nicht existieren, und tats�chlich bem�hte sich Egeanin nach besten Kr�ften, zu einem Teil der in der Wand eingebauten Kommode zu werden. So viel zu der Hoffnung mit dem Ablenkungsman�ver.</p><p>�Das Spielzeug will nicht unh�flich sein�, murmelte Tuon mit ihrem langsamen, honigs��en Akzent. �Man hat ihm nur nie Manieren beigebracht. Aber es ist sp�t, Meister Charin; Zeit, dass Olver ins Bett kommt. Bringt Ihr ihn zu seinem Zelt? Wir spielen ein anderes Mal weiter, Olver. W�rde es dir gefallen, wenn ich dir beibringe, wie man Steine spielt?�</p><p>Und ob das Olver gefiel. Er h�pfte beinahe im Sitzen auf und ab, als er das sagte. Dem Jungen gefiel alles, das ihm Gelegenheit bot, eine Frau anzul�cheln, ganz zu schweigen davon, Dinge zu sagen, die ihm eigentlich so viele Ohrfeigen h�tten einbringen sollen, dass seine Ohren zur doppelten Gr��e anschwollen. Falls Mat je herausfand, welcher seiner �Onkel� ihm das beibrachte... Aber der Junge sammelte die Spielsteine ein und rollte das mit Linien bemalte Tuch zusammen, ohne ein zweites Mal darum gebeten zu werden. Er machte sogar eine artige Verbeugung und bedankte sich bei der Hochlady, bevor er sich von Noal aus dem Wagen f�hren lie�. Mat nickte anerkennend. Er hatte dem Jungen beigebracht, wie man eine Verbeugung machte, aber f�r gew�hnlich f�gte der Junge bei einer h�bschen Frau noch ein anz�gliches Grinsen hinzu. Falls er je herausfand, wer...</p><p>�Gibt es einen Grund, warum Ihr mich st�rt, Spielzeug?�, fragte Tuon k�hl. �Es ist sp�t, und ich wollte mich eigentlich schlafen legen.�</p><p>Er machte eine Verbeugung und schenkte ihr sein gewinnendstes L�cheln. Er konnte h�flich sein, auch wenn sie es nicht war. �Ich wollte mich nur vergewissern, dass es Euch gut geht. Diese Wagen sind unbequem, und ich wei�, dass Ihr nicht gl�cklich �ber die Kleider seid, die ich Euch besorgen konnte. Ich dachte, dass Ihr Euch hiermit vielleicht besser f�hlt.� Er fischte den Lederbeutel aus der Tasche und pr�sentierte ihn schwungvoll. F�r gew�hnlich gefiel Frauen das Schwungvolle.</p><p>Selucia spannte den ganzen K�rper an, sie kniff die blauen Augen zusammen, aber Tuon wackelte mit den schlanken Fingern, und die vollbusige Zofe beruhigte sich wieder. Jedenfalls etwas. Im Gro�en und Ganzen mochte Mat lebhafte Frauen, aber wenn sie das hier ruinierte, w�rde er ihr den Hintern versohlen. Er hielt m�hsam das L�cheln aufrecht und schaffte es sogar, es noch st�rker strahlen zu lassen.</p><p>Tuon drehte den Beutel mehrere Male in ihren H�nden, bevor sie die Schnur l�ste und den Inhalt in ihren Scho� sch�ttete, eine schwere Kette aus Gold und geschnitztem Bernstein. Ein teures St�ck, und dann auch noch eine seanchanische Handarbeit. Er war stolz, diese Kette gefunden zu haben. Sie hatte einer der Akrobatinnen geh�rt, die sie von einem seanchanischen Offizier bekommen hatte, aber da ihr Verehrer nun zur�ckgeblieben war, war sie bereit gewesen, sie zu verkaufen. Sie passte nicht zu ihrer Haut, was auch immer das zu bedeuten hatte. Er l�chelte und wartete. Schmuck erweichte immer das Herz von Frauen.</p><p>Aber keine zeigte die erwartete Reaktion. Tuon hob die Kette mit beiden H�nden hoch und studierte sie, als h�tte sie so etwas noch nie zuvor gesehen. Selucias Lippen verzogen sich zu einem h�hnischen Grinsen. Setalle lie� ihre Stickarbeit auf die Knie sinken und sah ihn an; die gro�en goldenen Ohrringe schaukelten, als sie den Kopf sch�ttelte.</p><p>Pl�tzlich hielt Tuon die Kette �ber die Schulter Selucia entgegen. �Sie passt nicht zu mir�, sagte sie. �W�rde sie dir gefallen, Selucia?� Mats L�cheln verrutschte etwas.</p><p>Die Frau mit der hellen Haut nahm die Kette zwischen Daumen und Zeigefinger, so als w�rde sie eine tote Ratte am Schwanz halten. �Ein Schmuckst�ck f�r eine Shea-T�nzerin, das sie zu ihrem Schleier tragen k�nnte�, meinte sie trocken. Sie lie� das Handgelenk vorschnellen und warf die Kette Egeanin zu. �Legt sie an�, fauchte sie. Egeanin fing das Schmuckst�ck gerade noch rechtzeitig auf, bevor es sie mitten ins Gesicht traf. Mats L�cheln verblasste endg�ltig.</p><p>Er rechnete mit dem Schlimmsten, aber Egeanin fummelte sofort den Verschluss auf und schob die schwere schwarze Per�cke zur�ck, um sie im Nacken zu verschlie�en. Ihr Gesicht h�tte genauso gut aus Schnee modelliert sein k�nnen, so ausdruckslos war es.</p><p>�Dreht Euch�, befahl Selucia, und es war ein Befehl, ohne jeden Zweifel. �Lasst mich sehen.�</p><p>Egeanin drehte sich. So steif wie ein Zaunpfosten, aber sie drehte sich.</p><p>Setalle sah sie intensiv und mit einem verbl�fften Kopfsch�tteln an, dann bedachte sie Mat mit einem anderen Kopfsch�tteln, bevor sie sich wieder ihrer Stickarbeit widmete. Frauen konnten den Kopf auf so viele Arten sch�tteln, wie sie Mienen parat hatten. Die hier besagte, dass er ein Narr war, und wenn er die feineren Nuancen nicht mitbekam, war das gut so. Er glaubte kaum, dass sie ihm gefallen h�tten. Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, da kaufte er Tuon eine Kette, die sie vor seinen Augen Selucia gab, und jetzt geh�rte sie <emphasis>Egeanin?</emphasis></p><p>�Sie kam f�r einen neuen Namen�, sagte Tuon nachdenklich. �Wie nennt sie sich?�</p><p>�Leilwin�, erwiderte Selucia. �Ein passender Name f�r eine Shea-T�nzerin. Wie w�re es mit Leilwin Schiffslos?�</p><p>Tuon nickte. �Leilwin Schiffslos.�</p><p>Egeanin zuckte zusammen, als w�re jedes Wort ein Schlag. �Darf ich mich zur�ckziehen?�, fragte sie steif und brachte eine knappe Verbeugung zustande.</p><p>�Wenn Ihr gehen wollt, dann geht�, knurrte Mat. Sie �berhaupt erst mitzunehmen war nicht die beste Idee gewesen, die er je gehabt hatte, aber vielleicht konnte er ja ohne sie wieder etwas an Boden wettmachen.</p><p>Den Blick auf die F��e gerichtet, sank Egeanin auf die Knie. �Bitte, darf ich mich zur�ckziehen?�</p><p>Tuon sa� gerade aufgerichtet auf dem Boden und starrte durch die gr��ere Frau hindurch; offensichtlich nahm sie sie gar nicht wahr. Selucia musterte Egeanin von oben bis unten und sch�rzte dann die Lippen. Setalle stie� ihre Nadel durch das St�ck Stoff in den Stickrahmen. Niemand warf auch nur einen Blick in Mats Richtung.</p><p>Egeanin lie� sich aufs Gesicht fallen, und Mat verkniff sich einen verbl�fften Fluch, als sie die Holzplanken k�sste. �Bitte�, sagte sie heiser, �ich bitte darum, mich zur�ckziehen zu d�rfen.�</p><p>�Ihr werdet gehen, Leilwin�, sagte Selucia so kalt wie eine K�nigin zu einem H�hnerdieb, �und Ihr werdet mir Euer Gesicht nicht mehr zeigen, bis es vom Schleier einer Shea-T�nzerin verh�llt ist.�</p><p>Egeanin kroch r�cklings auf H�nden und Knien zur T�r und stolperte so schnell aus dem Wagen, dass Mat ihr nur verbl�fft hinterherstarren konnte.</p><p>M�hsam setzte er sein L�cheln wieder auf. Es schien wenig Sinn zu haben, noch l�nger hier zu bleiben, aber ein Mann konnte sich immerhin einen guten Abgang verschaffen. �Nun, ich sch�tze...�</p><p>Tuon wackelte wieder mit dem Finger, sah ihn dabei aber immer noch nicht an, und Selucia schnitt ihm das Wort ab. �Die Hochlady ist m�de, Spielzeug. Ihr habt ihre Erlaubnis zu gehen.�</p><p>�Seht, mein Name ist Mat�, sagte er. �Ein einfacher Name. Ein leichter Name. Mat.� Tuon h�tte auch in Wirklichkeit eine Porzellanpuppe sein k�nnen, wenn man sah, wie wenig sie reagierte.</p><p>Aber Setalle setzte ihre Stickerei ab und stand auf, die eine Hand leicht auf dem Griff des Krummdolchs ruhend, der in ihrem G�rtel steckte. �Junger Mann, wenn Ihr glaubt, hier herumlungern zu k�nnen, um uns dabei zuzusehen, wie wir uns zum Schlafengehen bereitmachen, dann irrt Ihr Euch aber gewaltig.� Sie l�chelte, aber sie hatte die Hand am Dolch, und sie hatte genug von einer Ebou Dari, um aus einer Laune heraus zuzustechen. Tuon blieb wie eine reglose Puppe sitzen, eine K�nigin auf ihrem Thron, die aus Versehen ein schlecht sitzendes Kleid angezogen hatte. Mat ging.</p><p>Egeanin st�tzte sich mit einer Hand an der Wand des Wagens ab und lie� den Kopf h�ngen. Mit der anderen Hand hielt sie die Kette an ihrem Hals umklammert. Ein kleines St�ck in der Dunkelheit entfernt bewegte sich Harnan, nur um zu zeigen, dass er noch da war. Er war ein kluger Mann, da er sich im Augenblick von Egeanin fern hielt. Mat war zu ver�rgert, um klug zu sein.</p><p>�Was hatte das denn zu bedeuten?�, wollte er wissen.</p><p>�Ihr m�sst nicht mehr vor Tuon auf die Knie gehen. Und Selucia? Sie ist eine verdammte Zofe! Ich kenne keinen, der vor seiner K�nigin so gesprungen w�re wie Ihr vor ihr.�</p><p>Egeanins hartes Gesicht lag im Schatten, aber ihre Stimme war verst�rt. �Die Hochlady ist... wer sie ist. Selucia ist ihre <emphasis>So'jhin</emphasis>. Keiner vom niederen Blut w�rde es wagen, den Blick ihrer <emphasis>So'jhin</emphasis> zu erwidern, und vielleicht auch keiner vom hohen Blut.� Der Verschluss zerbrach mit einem metallischen Knirschen, als sie die Kette losriss.</p><p>�Aber ich geh�re jetzt nicht mehr dem Blut an.� Sie holte aus und schleuderte die Kette so weit in die Nacht hinein, wie sie nur konnte.</p><p>Mat �ffnete den Mund. F�r das, was er f�r das Ding bezahlt hatte, h�tte er ein Dutzend erstklassige Pferde kaufen k�nnen und noch Wechselgeld �brig behalten. Er schloss ihn wieder, ohne ein Wort gesagt zu haben. Er mochte nicht immer klug sein, aber er war schlau genug, um zu wissen, wann eine Frau wirklich versuchen w�rde, ihm ein Messer in den Leib zu jagen. Und er wusste auch etwas anderes. Wenn sich Egeanin derart in Tuons und Selucias N�he auff�hrte, dann sorgte er besser daf�r, dass die <emphasis>Sul'dam</emphasis> sich ihnen fern hielten. Das Licht allein wusste, was sie tun w�rden, wenn Tuon anfing, mit den Fingern zu wackeln.</p><p>Da kam reichlich Arbeit auf ihn zu. Nun, er hasste Arbeit, aber diese alten Erinnerungen hatten seinen Kopf mit Schlachten voll gestopft. Er hasste auch Schlachten � dabei konnte man leicht den Tod finden! �, aber sie waren besser als Arbeit. Strategie und Taktik. Lerne den Boden kennen, lerne deinen Feind kennen, und wenn du nicht auf die eine Weise gewinnen kannst, dann findest du eben eine andere.</p><p>Am n�chsten Abend kehrte er zu dem purpurnen Wagen zur�ck, diesmal allein, und sobald Olver seine Lektion in Steine von Tuon erhalten hatte, dr�ngte sich Mat in ein Spiel hinein. Als er das erste Mal der schwarzen kleinen Frau vor dem Spielfeld auf dem Boden gegen�bersa�, war er sich nicht sicher, ob er gewinnen oder verlieren sollte. Manche Frauen gewannen gern jedes Mal, aber der Mann durfte es ihr nicht zu leicht machen. Manche lie�en den Mann gern gewinnen, oder zumindest �fters, als er verlor. F�r ihn machte nichts davon Sinn � er gewann gern, und je leichter, desto besser �, aber so war es nun einmal. W�hrend er zauderte, nahm Tuon die Sache selbst in die H�nde. In der Mitte des Spiels erkannte er, dass sie ihn in eine Falle gelockt hatte, aus der er nicht herauskommen konnte. Ihre wei�en Steine schnitten seinen schwarzen �berall den Weg ab. Es war ein sauberer und nachhaltiger Sieg f�r sie.</p><p>�Ihr spielt nicht sehr gut, Spielzeug�, sagte sie sp�ttisch.</p><p>Trotz des Tonfalls betrachteten ihre gro�en, feuchten Augen ihn k�hl, wogen ab und nahmen Ma�. In solchen Augen konnte ein Mann ertrinken.</p><p>Er l�chelte und verabschiedete sich, bevor der Gedanke aufkam, ihn hinauszuschmei�en. Strategie. An die Zukunft denken. Am n�chsten Abend brachte er eine kleine rote Papierblume mit, die eine der Zirkusn�herinnen gemacht hatte. Und pr�sentierte sie einer �berraschten Selucia. Setalle hob die Brauen, und sogar Tuon schien verbl�fft. Taktik. Bring deinen Gegner aus dem Gleichgewicht. Wenn man so dar�ber nachdachte, bestand zwischen Frauen und Schlachten kein gro�er Unterschied. Beide vernebelten einem Mann die Sicht und konnten ihn umbringen, ohne sich gro� anstrengen zu m�ssen. Wenn er unvorsichtig war.</p><p>Er besuchte den Wagen jeden Abend unter Setalles und Selucias wachsamen Blicken f�r eine Partie Stein, und er konzentrierte sich auf das mit kreuzenden Linien durchzogene Spielfeld. Tuon war sehr gut, und es geschah viel zu oft, dass er ihr zusah, wie sie ihre Steine setzte und dabei ihre Finger auf seltsam anmutige Weise nach hinten bog.</p><p>Sie war daran gew�hnt, au�erordentlich lange N�gel zu haben und darauf zu achten, sie nicht zu zerbrechen. Ihre Augen waren auch eine Gefahr. Bei einer Partie Steine brauchte man genau wie in der Schlacht einen klaren Kopf, und ihr Blick schien tief in seinen Verstand einzudringen. Aber er richtete seine Aufmerksamkeit auf das Spiel und schaffte es, von den n�chsten sieben vier zu gewinnen. Tuon war zufrieden, wenn sie gewann, und entschlossen, wenn sie verlor, aber es gab keinen der Wutanf�lle, die er bef�rchtet hatte, und auch keine bissigen Bemerkungen, wenn man davon absah, dass sie auch weiterhin darauf bestand, ihn Spielzeug zu nennen. Es gab auch nicht viel von dieser eiskalten, majest�tischen Hochmut, jedenfalls nicht, solange sie spielten. Sie genoss einfach das Spiel, lachte triumphierend, wenn sie ihn in eine Falle gelockt hatte, und lachte entz�ckt, wenn er mit einem klugen Zug entkam. Sie schien eine ganz andere Frau zu sein, sobald sie sich im Spiel verlor.</p><p>Der Papierbl�te folgte eine aus blauen Leinen gen�hte Blume, und zwei Tage sp�ter eine rosafarbene Seidenblume von der Gr��e einer Frauenhand. Beide wurden Selucia �bergeben. Ihre blauen Augen verengten sich einen Augenblick lang misstrauisch, als sie auf ihm ruhten, aber Tuon meinte nur, sie k�nnte die Blumen behalten, und sie verstaute sie sorgf�ltig, eingeschlagen in ein Leinentuch. Er lie� drei Tage vergehen, ohne ein Geschenk mitzubringen, dann brachte er einen kleinen Strau� roter Rosen aus Seide, komplett mit kurzen St�ngeln und gl�nzenden Bl�ttern, die so real wie die Natur selbst aussahen, nur eben noch perfekter. An dem Tag, an dem er die erste Papierblume gekauft hatte, hatte er die N�herin gebeten, sie anzufertigen.</p><p>Selucia machte einen Schritt auf ihn zu und streckte die H�nde aus, um die Rosen mit sp�ttisch verzogener Unterlippe entgegenzunehmen, aber er setzte sich und legte die Blumen neben das Spielbrett, in Tuons N�he. Er sagte nichts, lie� sie einfach dort liegen. Sie schenkte ihnen nicht mal einen Blick. Er griff in die kleinen Lederbeutel, in denen die Steine aufbewahrt wurden, nahm je einen heraus und mischte sie in den H�nden, bis selbst er nicht mehr genau wusste, welche sich wo befanden, dann streckte er ihr die geschlossenen F�uste entgegen. Tuon z�gerte kurz, studierte ausdruckslos sein Gesicht, dann tippte sie auf seine linke Hand. Er �ffnete sie und enth�llte den funkelnden wei�en Stein.</p><p>�Ich habe meine Meinung ge�ndert, Spielzeug�, murmelte sie und platzierte den Stein sorgf�ltig auf den Schnittpunkt zweier Linien in der N�he des Zentrums des Spielbretts. �Ihr spielt sehr gut.�</p><p>Mat blinzelte. Konnte sie wissen, was er plante? Selucia stand hinter Tuon, scheinbar v�llig in den Anblick des fast leeren Bretts versunken. Setalle bl�tterte eine Seite in ihrem Buch um und rutschte etwas herum, um besseres Licht zu bekommen. Nat�rlich nicht. Sie sprach von den Partien Steinen. H�tte sie einen Verdacht gehabt, was sein wahres Spiel war, h�tte sie ihn rausgeschmissen. Das h�tte jede Frau. Es mussten die Steine sein.</p><p>Das war der Abend, an dem sie bis zum Unentschieden spielten und ein jeder von ihnen die H�lfte des Bretts mit unregelm��igen Feldern kontrollierte. In Wahrheit hatte sie einen Sieg errungen.</p><p>�Ich habe mein Wort gehalten, Spielzeug�, sagte sie, als er die Steine zur�ck in den Beutel packte. �Keine Fluchtversuche, keinen Verrat. Das ist bedr�ckend.� Sie deutete auf das Wageninnere. �Ich m�chte Spazierg�nge machen. Nach Einbruch der Dunkelheit reicht aus. Ihr d�rft mich begleiten.� Ihr Blick fiel auf die Rosen, dann schaute sie ihm ins Gesicht. �Damit Ihr daf�r sorgen k�nnt, dass ich nicht weglaufe.�</p><p>Setalle markierte die Stelle, an der sie war, mit einem Finger und sah ihn an. Selucia stand hinter Tuon und sah ihn an. Die Frau <emphasis>hatte</emphasis> ihr Wort gehalten, so verr�ckt das auch erschien. Spazierg�nge nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die meisten Zirkusleute bereits in den Betten lagen, w�rden keinen Schaden anrichten, nicht, wenn er dabei war. Warum hatte er dann das Gef�hl, die Kontrolle �ber die Situation zu verlieren?</p><p>Tuon willigte ein, einen Umhang mit hochgeschlagener Kapuze zu tragen, was eine gewisse Erleichterung darstellte. Das schwarze Haar wuchs wieder auf ihrem rasierten Kopf, aber bis jetzt war es kaum mehr als ein dichter Flaum, und im Gegensatz zu Selucia, die vermutlich mit ihrem Kopftuch schlief, hatte Tuon keine Anstalten gemacht, ihr Haupt zu bedecken. Eine kindgro�e Frau, die ihr Haar k�rzer als jeder Mann trug, der nicht gerade eine Glatze bekam, w�re selbst in der Nacht aufgefallen. Setalle und Selucia folgten immer ein kleines St�ck hinter ihnen in der Dunkelheit, die Zofe der Lady, um ihre Herrin besch�tzend im Auge zu halten, und Setalle, um die Zofe im Auge zu behalten. Zumindest glaubte Mat, dass es sich so verhielt. F�r W�chterin und Gefangene waren die beiden schrecklich freundlich zueinander. Er hatte geh�rt, wie Setalle Selucia davor gewarnt hatte, er sei bei Frauen ein richtiger Schurke, was aus ihrem Mund unerh�rt war! Und Selucia hatte seelenruhig erwidert, dass ihre Lady ihm beide Arme brechen w�rde, wenn er auch nur die geringste Respektlosigkeit zeigte, so als w�ren sie gar keine Gefangenen.</p><p>Er glaubte, diese Spazierg�nge dazu nutzen zu k�nnen, etwas mehr �ber Tuon zu erfahren � sie sprach nicht viel, wenn sie �ber das Steine-Spielbrett gebeugt sa� �, aber sie hatte so ihre Art, seine Fragen zu ignorieren oder das Thema zu �ndern, f�r gew�hnlich kam sie auf ihn.</p><p>�Das Gebiet der Zwei Fl�sse besteht haupts�chlich aus W�ldern und Bauernh�fen�, sagte er, als sie die Hauptstra�e des Wanderzirkus entlangschlenderten. Wolken verbargen den Mond, die bunten Wagen stellten dunkle Umrisse dar, die man nicht voneinander unterscheiden konnte, und die Plattformen der Artisten, die die Stra�e s�umten, waren blo�e Schatten. �Jeder baut Tabak an und z�chtet Schafe. Mein Vater z�chtet auch Rinder und handelt mit Pferden, aber haupts�chlich sind es Tabak und Schafe, von einem Ende zum anderen.�</p><p>�Euer Vater ist Pferdeh�ndler�, murmelte Tuon. �Und was tut Ihr, Spielzeug?�</p><p>Er warf einen Blick �ber die Schulter zu den beiden Frauen, die zehn Schritte hinter ihnen wie Geister daherglitten. Setalle war vermutlich nicht nahe genug, um etwas zu verstehen, wenn er seine Stimme gesenkt hielt, aber er entschied sich, ehrlich zu sein. Davon abgesehen war der Zirkus in der Dunkelheit totenstill. Sie h�rte es vielleicht doch, und sie wusste, was er in Ebou Dar gemacht hatte.</p><p>�Ich bin ein Spieler�, sagte er.</p><p>�Mein Vater bezeichnete sich selbst als einen Spieler�, sagte Tuon leise. �Er starb wegen einer schlechten Wette.�</p><p>Und wie sollte man bitte sch�n herausfinden, was das wieder zu bedeuten hatte?</p><p>In einer anderen Nacht, in der sie an einer Reihe von Tierk�figen vorbeigingen, sagte er: �Was macht Ihr, um Euch zu vergn�gen, Tuon? Einfach nur, weil Ihr Spa� daran habt. Mal abgesehen von einer Partie Steine.� Er konnte f�rmlich f�hlen, wie sich Selucia drei�ig Schritte entfernt aufregte, weil er sie beim Namen nannte, aber Tuon schien es nicht zu st�ren. Das glaubte er zumindest.</p><p>�Ich richte Pferde und <emphasis>Damane</emphasis> ab�, sagte sie und schaute in einen K�fig, in dem ein schlafender L�we lag.</p><p>Das Tier war nur ein gro�er Schatten, der hinter dicken Gitterst�ben im Stroh lag. �Hat er wirklich eine schwarze M�hne? In Seanchan gibt es keine L�wen mit schwarzen M�hnen.�</p><p>Sie richtete <emphasis>Damane</emphasis> ab? Zum Vergn�gen? Beim Licht!</p><p>�Pferde? Was f�r Pferde?� Vermutlich waren es Streitr�sser, wenn sie verfluchte <emphasis>Damane</emphasis> abrichtete. Zum Vergn�gen.</p><p>�Frau Anan sagte mir, Ihr seid ein Schurke, Spielzeug.� Ihr Tonfall war k�hl, nicht kalt. Beherrscht. Sie wandte sich ihm zu, das Gesicht in den Schatten ihrer Kapuze verborgen. �Wie viele Frauen habt Ihr gek�sst?� Der L�we erwachte und r�chelte, ein tiefer Laut, bei dem sich garantiert bei jedermann die Haare str�ubten. Tuon zuckte nicht einmal zusammen.</p><p>�Sieht aus, als w�rde es bald wieder regnen�, erwiderte er schwach. �Selucia wird mir die Haut abziehen, wenn ich Euch durchn�sst zur�ckbringe.� Er h�rte, wie sie leise lachte. Was hatte er denn blo� so Komisches gesagt?</p><p>Nat�rlich musste ein Preis entrichtet werden. Vielleicht liefen die Dinge ja so, wie er wollte, vielleicht auch nicht, aber wenn man glaubte, dass sie es taten, war da immer ein Preisschild dran.</p><p>�Ein Haufen schnatternder Elstern�, beschwerte er sich bei Egeanin. Die nachmitt�gliche Sonne stand am Horizont, eine rotgoldene, halb von den Wolken verborgene Scheibe, die den Wanderzirkus in lange Schatten tauchte. Ausnahmsweise regnete es einmal nicht, und trotz der K�lte sa�en sie zusammengekauert unter dem gr�nen Wagen, den sie sich teilten, und spielten eine Partie Steine, und jeder, der vorbeiging, konnte sie sehen. Und das taten viele, M�nner, die noch eine Arbeit in letzter Minute zu erledigen hatten, Kinder, die vor Einbruch der Dunkelheit die letzte Gelegenheit ergriffen, Reifen durch die matschigen Pf�tzen zu rollen und B�lle zu werden. Frauen, die ihre R�cke sch�rzten, warfen dem Wagen im Vorbeigehen einen Blick zu, und selbst wenn sie die Kapuzen hochgeschlagen hatten, wusste Mat ganz genau, was ihre Mienen ausdr�ckten. Kaum eine Frau des Zirkus w�rde mit Mat Cauthon sprechen. Gereizt lie� er die schwarzen Steine scheppern, die er in der linken Hand hielt. �Sie bekommen ihr Gold, wenn wir Lugard erreichen. Das ist alles, was sie zu interessieren hat. Sie sollten ihre Nase nicht in meine Angelegenheiten stecken.�</p><p>�Das k�nnt Ihr ihnen kaum ver�beln�, meinte Egeanin und betrachtete das Spielbrett. �Wir beide sind angeblich ein Liebespaar auf der Flucht, aber Ihr verbringt mehr Zeit mit... ihr... als mit mir.� Es fiel ihr immer noch schwer, Tuon nicht als Hochlady zu bezeichnen. �Ihr benehmt Euch wie ein Mann, der einer Frau den Hof macht.� Sie wollte ihren Stein platzieren, dann hielt sie mitten �ber dem Brett inne. �Ihr k�nnt doch nicht glauben, dass sie die Zeremonie vollenden wird, oder? Ihr k�nnt unm�glich ein so gro�er Narr sein.�</p><p>�Welche Zeremonie? Wovon sprecht Ihr da?�</p><p>�Ihr habt sie in dieser Nacht in Ebou Dar dreimal als Eure Ehefrau bezeichnet�, sagte sie bed�chtig. �Wisst Ihr das wirklich nicht? Eine Frau verk�ndet dreimal, dass ein Mann ihr Gemahl ist, und er verk�ndet dreimal, dass sie seine Gemahlin ist, und sie sind verheiratet. F�r gew�hnlich gibt es da noch einen Segen, aber es ist die Verk�ndung vor Zeugen, die es zu einer Hochzeit macht. Ihr wisst das <emphasis>wirklich</emphasis> nicht?�</p><p>Mat lachte und zuckte mit den Schultern, sp�rte das Messer, das hinter seinem Hals hing. Ein gutes Messer gab einem ein beruhigendes Gef�hl. Aber sein Lachen war heiser. �Aber sie hat nichts gesagt.� Er war in diesem Moment damit besch�ftigt gewesen, ihr einen verdammten Knebel in den Mund zu stopfen! �Was ich also auch immer gesagt habe, es bedeutet gar nichts.� Aber er wusste, was Egeanin sagen w�rde. Er wusste es, so sicher Wasser nass war. Man hatte ihm gesagt, wen er heiraten w�rde.</p><p>�Beim Blut ist das etwas anders. Manchmal heiratet ein Adliger vom einen Ende des Reiches eine Adlige am anderen. Eine arrangierte Hochzeit. Die Kaiserfamilie hat nie etwas anderes gekannt. Manchmal wollen sie nicht warten, bis sie zusammen sein k�nnen, also bezeugt jemand die Ehe an dem Ort, wo er sich aufh�lt, und ein anderer an dem Ort, an dem sie ist. Solange es beide vor Zeugen verk�nden, innerhalb eines Jahres und eines Tages, ist die Ehe geschlossen. Ihr habt das <emphasis>wirklich</emphasis> nicht gewusst?�</p><p>Die Steine regneten aus seiner Hand auf das Brett und sprangen �berall hin. Das verfluchte <emphasis>M�dchen</emphasis> wusste Bescheid. Vielleicht hielt sie das alles f�r ein Abenteuer oder ein Spiel. Vielleicht fand sie eine Entf�hrung genauso unterhaltsam wie das Abrichten von Pferden oder verdammten <emphasis>Damane!</emphasis> Aber er wusste, dass er ein Karpfen war, der darauf wartete, dass sie mit dem Angelhaken kam.</p><p>Er hielt sich zwei Tage von dem purpurfarbenen Wagen fern. Flucht war sinnlos � er hatte den verdammten Haken bereits im Mund h�ngen, und er hatte ihn selbst dort befestigt � aber er musste das verfluchte Ding nicht auch noch hinunterschlucken. Dabei wusste er, dass es nur noch darum ging, wann sie sich entschied, die Schnur einzuholen.</p><p>So langsam der Wanderzirkus auch reiste, kamen sie doch irgendwann zu der F�hre �ber den Eldar, die von Alkindar am Westufer nach Coramen am Ostufer verkehrte, ordentliche kleine, von Mauern umgebene St�dte aus Steinh�usern mit Schieferd�chern, die beide �ber ein halbes Dutzend steinerner Docks verf�gten. Die Sonne stieg in die H�he, kaum eine Wolke zog �ber den Himmel, und die, die zu sehen waren, waren so wei� wie frisch gewaschene Wolle. Vielleicht w�rde es an diesem Tag nicht regnen. Es war ein wichtiger �bergang, an einigen der Docks lagen Handelsschiffe von flussaufw�rts vert�ut sowie gro�e, barken�hnliche F�hren, die mit langen Rudern von einer Stadt zur n�chsten krochen. Die Seanchaner waren anscheinend ebenfalls dieser Meinung. Sie hatten Milit�rlager au�erhalb beider St�dte, und den Mauern, die um beide St�tzpunkte in die H�he wuchsen, und den entstehenden Geb�uden nach zu urteilen, hatten sie nicht vor, bald wieder abzuziehen.</p><p>Mat fuhr mit den ersten Wagen auf die andere Seite; er ritt Pips. Der braune Wallach sah f�r das unge�bte Auge v�llig gew�hnlich aus; es w�rde normal erscheinen, dass er von einem Burschen in einem groben Wollmantel geritten wurde, der sich wegen der K�lte eine Wollm�tze �ber die Ohren gezogen hatte. Mat zog es nicht in Betracht, im vollen Galopp in das bewaldete H�gelland jenseits von Coramen zu fliehen. Er dachte daran, aber er zog es nicht wirklich in Betracht. Sie w�rde am Haken ziehen, ob er nun davonlief oder nicht. Also lenkte er Pips ans Ende einer der steinernen Anlegestellen und sah zu, wie der Zirkus �bersetzte und langsam durch die Stadt rollte. An den Anlegestellen waren Seanchaner, eine Abteilung st�mmiger M�nner in Segmentr�stungen, die blau und mattgolden bemalt waren, angef�hrt von einem schlanken jungen Offizier mit einer d�nnen blauen Feder auf seinem seltsam aussehenden Helm. Sie schienen blo� da zu sein, um die Ordnung aufrechtzuerhalten, aber der Offizier �berpr�fte Lucas Pferdeurkunde, und Luca erkundigte sich, ob dem edlen Lord wohl ein vern�nftiger Platz au�erhalb der Stadt bekannt war, auf dem sein Zirkus eine Vorstellung geben konnte. Mat h�tte heulen k�nnen. Er konnte Soldaten in gestreiften R�stungen in der Stra�e hinter ihm sehen, die L�den und Wirtsh�user aufsuchten. Aus dem Himmel schoss ein Raken auf langen Schwingen und landete im Lager auf der anderen Flussseite. Drei oder vier der Kreaturen mit dem Schlangenhals waren bereits auf dem Boden. In den Lagern mussten Hunderte von Soldaten sein. Vielleicht waren es sogar tausend. Und Luca w�rde eine Vorstellung geben.</p><p>Dann stie� eine der F�hren gegen die mit Tauwerk abgepolsterte Kaimauer, und die Rampe senkte sich, um den fensterlosen purpurfarbenen Wagen auf die Anlegestelle rollen zu lassen. Setalle fuhr. Selucia sa� neben ihr und schaute aus der Kapuze eines verblichenen roten Umhangs. Auf der anderen Seite sa� Tuon, die in einen schwarzen Umhang geh�llt war, der sie v�llig unkenntlich machte.</p><p>Mat glaubte, ihm w�rden die Augen aus dem Kopf fallen. Falls ihm sein Herz nicht vorher aus der Brust sprang. In seinem Kopf erklangen wieder die W�rfel; die klappernden Laute von W�rfeln, die �ber einen Tisch rollten. Diesmal w�rden sie die Augenzahl des Dunklen K�nigs ergeben; er wusste es einfach.</p><p>Aber er konnte nichts anderes tun, als neben dem purpurfarbenen Wagen entlangzureiten, so zu reiten, als w�re das Leben einfach wunderbar, einfach die breite Hauptstra�e entlangzureiten, vorbei an den Ausrufern der L�den und den Stra�enh�ndlern, die auf Tabletts ihre Waren verkauften. Und vorbei an den seanchanischen Soldaten. Sie marschierten jetzt nicht in Formation, und sie betrachteten die hell bemalten Wagen aufmerksam. Einfach nebenher zu reiten und darauf zu warten, dass Tuon losbr�llte. Sie hatte ihr Wort gegeben, aber ein Gefangener w�rde alles sagen, damit man seine Fesseln lockerte. Sie brauchte blo� die Stimme zu heben, und tausend seanchanische Soldaten w�rden zu ihrer Rettung herbeieilen. Die W�rfel rollten durch Mats Kopf. Nebenher zu reiten und auf die Augenzahl des Dunklen K�nigs zu warten.</p><p>Tuon sagte kein Wort. Sie schielte neugierig am Saum ihrer tiefen Kapuze vorbei, neugierig und vorsichtig, aber sie hielt ihr Gesicht und auch die H�nde unter dem schwarzen Umhang verborgen, schmiegte sich sogar wie ein Kind, das in einer ungewohnten Umgebung den Schutz seiner Mutter suchte, an Setalle. Kein Wort, bis sie die Tore von Coramen passiert hatten und auf den Fu� des H�gels zurollten, der sich hinter der Stadt erhob und wo Luca bereits die Wagen des Wanderzirkus versammelte. Das war der Augenblick, in dem Mat wusste, dass es f�r ihn wirklich kein Entkommen gab. Sie w�rde an dem Haken ziehen. Sie wartete blo� den Zeitpunkt ab, der ihr gefiel.</p><p>Er sorgte daf�r, dass an diesem Abend alle Seanchaner in ihren Wagen blieben, und die Aes Sedai auch. Soweit Mat wusste, hatte niemand <emphasis>Sul'dam</emphasis> oder <emphasis>Damane</emphasis> gesehen, aber dieses eine Mal debattierten die Aes Sedai nicht. Tuon auch nicht. Sie stellte eine Forderung, die Setalles Brauen fast bis zum Haaransatz emporschnellen lie�en. In gewisser Weise war es als Bitte formuliert, die Erinnerung an ein Versprechen, das er gegeben hatte, aber er erkannte eine Forderung, wenn eine Frau sie aussprach. Nun, ein Mann musste der Frau vertrauen, die er heiraten w�rde. Er sagte ihr, er w�rde dar�ber nachdenken, nur damit sie nicht auf die Idee kam, sie k�nnte alles von ihm bekommen, was ihr in den Sinn kam. Er dachte den ganzen Tag dar�ber nach, w�hrend Luca seine Vorstellung gab, dachte dar�ber nach und schwitzte, w�hrend einige Seanchaner kamen, um die Artisten anzustarren. Er dachte dar�ber nach, w�hrend die Wagen in �stlicher Richtung durch die H�gel rollten und langsamer fuhren als je zuvor, aber er wusste, welche Antwort er ihr geben musste.</p><p>Am dritten Tag nach der �berfahrt erreichten sie die Salzstadt Jurador, und er sagte Tuon, dass er es tun w�rde. Sie l�chelte ihn an, und die W�rfel in seinem Kopf verstummten wie abgeschnitten. Das w�rde er nie mehr vergessen. Sie l�chelte, und <emphasis>dann</emphasis> verstummten die W�rfel. Das reichte aus, um einen Mann in Tr�nen ausbrechen zu lassen!</p></section><section><title><p>29</p><p>Etwas flackert auf</p></title><p>�Das sein Wahnsinn�, knurrte Domon von seinem Platz aus, wo er mit verschr�nkten Armen stand, als wollte er den Weg aus dem Wagen blockieren. Vielleicht tat er es ja tats�chlich. Sein Kinn war stur nach vorn geschoben und pr�sentierte einen Bart, der zwar gestutzt, aber noch immer l�nger als das Haar auf seinem Kopf war, und seine H�nde waren in st�ndiger Bewegung wie bei einem Mann, der daran dachte, sie zu F�usten zu ballen oder mit etwas zu ringen. Domon war ein breiter Mann und gar nicht so fett, wie es auf den ersten Blick aussah. Mat wollte Faustschl�ge oder einen Ringkampf vermeiden, wenn es ging.</p><p>Er band das schwarze Seidentuch um seinen Hals zu Ende, verbarg die Narbe und schob die langen Enden unter seinen Mantel. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Jurador jemanden gab, der �ber einen Mann aus Ebou Dar mit einem schwarzen Tuch Bescheid wusste... Nun, die Chancen schienen gut zu stehen, selbst wenn man sein Gl�ck abzog. Nat�rlich musste man immer in Betracht ziehen, dass er <emphasis>ta'veren</emphasis> war, aber wenn er Suroth oder einer Gruppe von Dienern aus dem Tarasin-Palast begegnen w�rde, h�tte er auch mit einem um den Kopf gewickelten Handtuch im Bett liegen bleiben k�nnen, und es w�rde trotzdem geschehen. Manchmal musste man einfach auf sein Gl�ck vertrauen. Das Problem war nur, dass an diesem Morgen beim Aufwachen wieder die W�rfel in seinem Kopf rollten. Sie prallten noch immer gegen die Innenseiten seines Sch�dels.</p><p>�Ich habe es versprochen�, sagte er. Es war gut, wieder vern�nftige Kleidung zu tragen. Der Mantel bestand aus feinem gr�nem Tuch, wies einen erstklassigen Schnitt auf und hing bis fast zu seinen Knien und den umgeschlagenen Stiefelstulpen. Es gab keine Stickereien � vielleicht h�tten ein paar nicht geschadet �, aber an den �rmeln war ein Hauch von Spitze. Und er trug ein gutes Seidenhemd. Er w�nschte sich, er h�tte einen Spiegel gehabt. An einem solchen Tag musste sich ein Mann von seiner besten Seite pr�sentieren. Er hob den Umhang vom Bett auf und schwang ihn sich �ber die Schultern. Nicht so ein grelles Ding, wie Luca sie immer trug. Dunkelgrau, fast so dunkel wie die Nacht. Nur das Futter war rot. Die Umhangnadel bestand aus einfachen Silberknoten, die nicht gr��er als seine Daumen waren.</p><p>�Sie hat ihr <emphasis>Wort</emphasis> gegeben, Bayle�, sagte Egeanin. �Ihr Wort. Das wird sie nicht brechen, niemals.� Egeanin klang v�llig �berzeugt. Jedenfalls �berzeugter, als Mat es war. Aber manchmal musste ein Mann ein Risiko eingehen. Selbst wenn es sein Hals war, den er riskierte. Er <emphasis>hatte</emphasis> es versprochen. Und er hatte sein Gl�ck.</p><p>�Es sein trotzdem Wahnsinn�, murrte Domon. Aber er trat m�rrisch von der T�r weg, als Mat seinen breitkrempigen schwarzen Hut aufsetzte. Nun ja, jedenfalls, als Egeanin ihn mit einem schnellen Ruck ihres Kopfes dazu aufforderte. Seinen finsteren Blick behielt er aber bei.</p><p>Sie folgte Mat aus dem Wagen, schaute finster drein und fummelte an der langen schwarzen Per�cke herum. Vielleicht f�hlte sie sich damit noch immer unbehaglich, vielleicht sa� sie jetzt auch anders, nachdem Egeanins Haar seit einem Monat darunter gewachsen war. Aber noch nicht genug, um ohne Per�cke gehen zu k�nnen. Nicht, bevor mindestens weitere hundert Meilen zwischen ihnen und Ebou Dar lagen. Vielleicht w�rde es nicht sicher sein, bevor sie die Damonaberge nach Murandy hinein �berquert hatten.</p><p>Der Himmel war wolkenlos, die Sonne erklomm gerade den Horizont und stand noch hinter der Segeltuchmauer des Wanderzirkus, und der Morgen war nur warm im Vergleich mit einem Schneesturm. Es war nicht die K�hle eines Sp�twintermorgens bei den Zwei Fl�ssen, sondern eine K�lte, die tief in einen hinkroch und den Atem in kaum sichtbare W�lkchen verwandelte. Die Zirkusleute eilten umher wie Ameisen in einem Ameisenhaufen, dem man einen Tritt versetzt hatte, und erf�llten die Luft mit lautstarken Rufen, wer die Jonglierreifen wegger�umt oder sich ein Paar rot gestreifter Hosen geliehen oder die Auftrittplattform verr�ckt hatte. Es sah aus und klang wie der Anfang eines Aufruhrs, aber in keiner der Stimmen lag echte Wut. Sie br�llten st�ndig herum und fuchtelten mit den Armen, aber vor einer Vorstellung kam es nie zu Handgreiflichkeiten, und irgendwie w�rde jeder Artist an seinem Platz sein, bevor man die ersten Zuschauer einlie�. Sie waren ja vielleicht langsam wie die Schnecken, wenn es darum ging, sich reisefertig zu machen, aber eine Vorstellung bedeutete Geld, und daf�r konnten sie sich flink bewegen.</p><p>�Ihr glaubt ernsthaft, Ihr k�nntet sie heiraten�, murmelte Egeanin, die an seiner Seite ging und dabei gegen ihre abgetragenen braunen Wollr�cke trat. An Egeanin war nichts Zierliches. Sie hatte einen gro�en Schritt, und sie hielt m�helos mit. Ob Kleid oder nicht, sie schien ein Schwert an der H�fte zu brauchen. �Es gibt keine andere Erkl�rung. Bayle hat Recht. Ihr seid wahnsinnig!�</p><p>Mat grinste. �Die Frage ist doch, will sie mich heiraten? Manchmal heiraten die seltsamsten Leute.� Wenn man wusste, dass man h�ngen w�rde, konnte man nur noch eines machen: die Henkersschlinge angrinsen. Also grinste er und lie� sie mit einem Stirnrunzeln auf dem harten Gesicht dort stehen. Er glaubte sie leise fluchen zu h�ren, auch wenn er es nicht verstand. Sie war schlie�lich nicht diejenige, die die letzte Person auf der Welt heiraten musste, die sie wollte. Eine Adlige, die nur aus k�hler Reserviertheit bestand und die Nase hoch in der Luft trug, wo er Tavernenm�dchen mit schmachtendem L�cheln und willigen Blicken mochte. Eine Thronerbin, aber nicht irgendein Thron, vielmehr der Kristallthron, der Kaiserliche Thron von Seanchan. Eine Frau, die seinen Kopf wie ein Rad kreiseln und ihn sich fragen lie�, ob er sie gefangen hielt oder sie ihn. Wenn einen das Schicksal an der Kehle packte, blieb einem nichts anderes �brig, als zu grinsen.</p><p>Er schritt fr�hlich aus, bis er in Sichtweite des fensterlosen purpurnen Wagens war, und dann blieb er abrupt stehen. Eine Gruppe Akrobaten, vier schlanke M�nner, die sich die Chavana-Br�der nannten, obwohl es offensichtlich war, dass sie nicht nur vier verschiedene M�tter hatten, sondern aus verschiedenen L�ndern stammten, kamen aus einem gr�nen Wagen geschossen, br�llten einander an und gestikulierten wild. Sie warfen dem purpurnen Wagen und Mat einen Blick zu, aber f�r mehr waren sie zu sehr in ihren Streit vertieft und hatten es zu eilig. Gorderan lehnte an einem der purpurnen R�der, kratzte sich am Kopf und betrachtete stirnrunzelnd die beiden Frauen, die am Fu� der h�lzernen Treppe des Wagens standen. Zwei Frauen, beide in dunkle Umh�nge gekleidet, mit verh�llten Gesichtern, und doch war das gebl�mte Kopftuch, das aus der Kapuze der gr��eren Frau hervorlugte, unverkennbar. Nun ja. Er h�tte wissen m�ssen, dass Tuon ihre Zofe dabei haben wollte. Adlige machten keinen Schritt ohne ihre Zofen. Ob der Einsatz nun einen Pfennig oder eine Krone war, am Ende kam es nur darauf an, wie die W�rfel fielen. Sie hatten ihre Chance gehabt, ihn zu verraten. Trotzdem setzte er jetzt das zweite Mal auf eine Frau. Auf zwei Frauen. Welcher Narr w�rde das tun, zweimal auf dieselbe Marke? Aber er musste die W�rfel werfen. Eigentlich rollten sie schon.</p><p>Er begegnete Selucias kaltem Blick mit einem L�cheln und riss den Hut herunter, um vor Tuon einen eleganten Kratzfu� zu machen. Nichts �bertriebenes, nur mit einem kleinen Herumwirbeln des Umhangs. �Seid Ihr zum Einkaufen bereit?� Beinahe h�tte er sie meine Lady genannt, aber solange sie nicht bereit war, seinen Namen...</p><p>�Ich bin schon seit einer Stunde bereit, Spielzeug�, erwiderte Tuon k�hl. Sie ergriff seinen Umhang an einer Ekke, hob sie hoch und betrachtete das rote Futter und seinen Mantel, bevor sie den Umhang wieder loslie�. �Spitze steht Euch. Vielleicht lasse ich Eure Gew�nder mit Spitze schm�cken, wenn ich Euch zu einem Pokaltr�ger mache.�</p><p>Einen Augenblick lang lie� ihn sein L�cheln im Stich. Konnte sie ihn auch dann noch zu einem <emphasis>Da'covale</emphasis> machen, wenn sie ihn heiratete? Er w�rde Egeanin danach fragen m�ssen. Beim Licht, warum konnten es Frauen einem niemals leicht machen?</p><p>�Soll ich Euch begleiten, mein Lord?�, fragte Gorderan langsam, der sich jetzt bem�hte, die Frauen nicht direkt anzuschauen. Er schob die Daumen hinter den G�rtel und bem�hte sich, auch Mat nicht direkt anzusehen. �Zum Tragen vielleicht?�</p><p>Tuon sagte kein Wort. Sie stand einfach da und schaute zu Mat hoch, abwartend, mit ihren gro�en Augen, deren Blick mit jeder Sekunde k�hler wurde. Die W�rfel rollten und klapperten in seinem Kopf. Nun, er z�gerte nur einen Herzschlag lang, bevor er die Rotwaffe mit einer Kopfbewegung fortschickte. Vielleicht waren es auch zwei Herzschl�ge. Er musste seinem Gl�ck vertrauen. Ihrem Wort vertrauen. <emphasis>Vertrauen ist das Ger�usch des Todes.</emphasis> Er trat hart auf diesen Gedanken. Das hier war kein Lied, und keine alte Erinnerung konnte ihn f�hren. Die W�rfel in seinem Kopf rollten weiter.</p><p>Mit einer leichten Verbeugung bot er ihr den Arm, den Tuon betrachtete, als h�tte sie noch nie zuvor einen Arm gesehen; sie sch�rzte die vollen Lippen. Dann ergriff sie ihren Umhang und ging mit Selucia im Schlepptau los, sodass er hinter ihr hereilen musste. Nein, Frauen machten es einem nie leicht.</p><p>Trotz der fr�hen Stunde bewachten bereits zwei st�mmige Burschen mit Keulen den Eingang, ein dritter hielt einen Glaskrug f�r die M�nzen, die dann durch den Schlitz der mit Eisen beschlagenen Truhe am Boden geworfen wurden. Sie sahen alle zu ungeschickt aus, um ein Kupferst�ck zu stehlen, ohne dabei aufs Gesicht zu fallen, aber Luca ging kein Risiko ein. Es warteten bereits zwanzig oder drei�ig Leute innerhalb der schweren Taue, die zum Eingang f�hrten, und ungl�cklicherweise war auch Latelle da; ihr Kleid war mit blutrotem Flitter verziert, ihr Umhang mit blauem. Lucas Frau dressierte B�ren. Mat glaubte, dass die B�ren ihre Kunstst�cke vorf�hrten, weil sie Angst hatten, von ihr gebissen zu werden.</p><p>�Ich habe alles im Griff�, sagte er zu ihr. �Glaubt mir, es gibt keinen Grund zur Sorge.� Er h�tte sich seinen Atem genauso gut sparen k�nnen.</p><p>Latelle ignorierte ihn und warf Tuon und Selucia besorgte Blicke zu. Sie und ihr Mann waren die Einzigen vom Wanderzirkus, die wussten, wer sie wirklich waren. Es hatte keinen Grund gegeben, sie von dem morgendlichen Ausflug in Kenntnis zu setzen. Luca w�re ausgerastet. Der Blick, den Latelle f�r Mat �brig hatte, war nicht besorgt, sondern nur so hart wie ein Stein. �Vergesst nicht�, sagte sie leise, �wenn Ihr uns zum Galgen schickt, dann geht Ihr mit.� Dann schnaubte sie und musterte wieder die Leute, die auf den Einlass warteten. Latelle war sogar noch besser als Luca darin, das Gewicht eines Geldbeutels zu sch�tzen, bevor die Schn�re ge�ffnet wurden. Au�erdem war sie zehnmal so hart wie ihr Mann. Die W�rfel rollten weiter. Was auch immer sie in Bewegung gesetzt hatte, Mat hatte noch nicht den schicksalhaften Augenblick erreicht. Den entscheidenden Augenblick.</p><p>�Sie ist eine gute Frau f�r Meister Luca�, murmelte Tuon, als sie sich ein St�ck weit entfernt hatten.</p><p>Mat sah sie von der Seite an und r�ckte den Hut auf seinem Kopf zurecht. In ihrem Tonfall hatte kein Spott gelegen. Hasste sie Luca denn <emphasis>so</emphasis> sehr? Oder verk�ndete sie, welche Art von Ehefrau sie sein w�rde? Oder... Sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, wenn er versuchte, diese Frau zu entr�tseln, w�rde er noch genauso verr�ckt werden, wie Domon ihn schon hielt. Sie musste der Grund f�r die W�rfel in seinem Kopf sein. Was w�rde sie tun?</p><p>Es war ein kurzer Weg im Licht der aufgehenden Sonne bis zur Stadt, auf einer ungepflasterten Stra�e, die �ber baumlose H�gel f�hrte, aber auf ihr wimmelte es von Leuten, so wie es auf den H�geln von Windm�hlen und Salzteichen wimmelte. Sie starrten stur geradeaus und bewegten sich so zielgerichtet, dass sie niemanden vor sich wahrzunehmen schienen. Mat ging um einen Mann mit einem Mondgesicht herum, der beinahe in ihn hineingelaufen w�re, was wiederum dazu f�hrte, dass er einem wei�haarigen alten Burschen aus dem Weg springen musste, der auf d�rren Beinen ein beachtliches Tempo vorlegte. Das brachte ihn direkt vor ein fettes M�dchen, das mit ihm zusammengesto�en w�re, w�re er nicht erneut zur Seite gesprungen.</p><p>��bt Ihr einen Tanz, Spielzeug?�, sagte Tuon und schaute �ber eine schlanke Schulter zu ihm hoch. Ihr Atem gefror vor der Kapuze zu einem unscheinbaren wei�en W�lkchen. �Er ist nicht sehr anmutig.�</p><p>Er �ffnete den Mund, um sie darauf hinzuweisen, wie belebt die Stra�e war, und pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass da nur noch sie und Selucia waren. Die Leute, die gerade noch dort gegangen waren, waren verschwunden, die vor ihnen liegende Stra�e lag bis zur n�chsten Biegung verlassen da. Langsam drehte er den Kopf. Zwischen ihm und dem Wanderzirkus war auch keiner, nur die Leute, die in der Schlange warteten, und die sah auch nicht l�nger als zuvor aus. Jenseits des Zirkus schl�ngelte sich die Stra�e in die H�gel und f�hrte in Richtung eines in der Ferne liegenden Waldes, und sie war leer. Es war nicht eine Menschenseele in Sicht. Er dr�ckte die Finger gegen die Brust und tastete durch den Mantel nach dem Fuchskopf-Medaillon. Blo� ein St�ck Silber an einer Lederschnur. Er w�nschte sich, es w�re so kalt wie Eis gewesen. Tuon hob eine Braue. Selucias starrer Blick schalt ihn als einen Narren.</p><p>�Wenn wir hier herumstehen, kann ich Euch kein Kleid kaufen�, sagte er. Das war der Sinn dieser Expedition, sein Versprechen, f�r Tuon etwas Besseres zu finden als Kleider, die unf�rmig an ihr herunterhingen und sie wie ein Kind in einem Erwachsenenkleid aussehen lie�en. Jedenfalls war er sich ziemlich sicher, dass er etwas dergleichen versprochen hatte, und sie war fest davon �berzeugt. Die Nadelkunst der Zirkusn�herin fand Tuons Zustimmung, aber nicht der zur Verf�gung stehende Stoff. Artistenkost�me glitzerten mit Flitter und Perlen und hellen Farben, aber der Stoff war f�r gew�hnlich der billigste, den sie finden konnten. Die Leute, die Besseren hatten, verwahrten ihn und benutzten ihn, bis er verschlissen war. Jurador machte sein Geld mit Salz, und mit Salz lie� sich viel Geld verdienen. Die Gesch�fte der Stadt sollten jeden Stoff f�hren, den sich eine Frau nur w�nschen konnte.</p><p>Diesmal gab es kein Fingergewackel. Tuon wechselte einen Blick mit Selucia. Die gr��ere Frau sch�ttelte den Kopf und verzog kurz und bedauernd den Mund. Tuon sch�ttelte ihren Kopf. Und sie hoben die Umh�nge ein St�ck an und gingen auf die eisenbeschlagenen Stadttore zu. Frauen! Er beeilte sich, zu ihnen aufzuschlie�en. Immerhin waren sie seine Gefangenen. Das waren sie, jawohl. Sie warfen lange Schatten voraus. Hatten diese anderen Leute Schatten geworfen, bevor sie verschwunden waren? Mat konnte sich auch nicht daran erinnern, dass einer von ihnen Nebelw�lkchen ausgesto�en hatte. Es schien keine Rolle zu spielen. Sie waren verschwunden, und er w�rde nicht dar�ber nachdenken, wo sie hergekommen oder wohin sie verschwunden waren. Vermutlich hatte es damit zu tun, dass er ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> war. Er w�rde einfach nicht mehr daran denken. Genau, das w�rde er tun. Die polternden W�rfel lie�en wenig Platz f�r anderes.</p><p>Die Torw�chter schienen sich f�r Fremde nicht sonderlich zu interessieren, oder zumindest nicht f�r einen Mann und zwei Frauen, die zu Fu� gingen. Es waren hartgesichtige Burschen mit wei�lackierten Brustpanzern und konischen Helmen, die Rosshaare als Busch hatten; sie betrachteten die vermummten Frauen unbeteiligt, aber aus irgendeinem Grund hefteten sich ihre Blicke einen Augenblick lang misstrauisch auf Mat, bevor sie sich wieder auf ihre Hellebarden st�tzten und gelangweilt auf die Stra�e starrten. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um Einheimische, auf jeden Fall waren es keine Seanchaner. Die Salzh�ndler und die �rtliche Lady, Aethelaine, die anscheinend das sagte, was die Salzh�ndler ihr befahlen, hatten ohne zu z�gern den Schwur der Wiederkehr geleistet und angeboten, eine Salzsteuer zu entrichten, noch bevor man sie �berhaupt danach fragte. Zweifellos w�rden die Seanchaner hier irgendwann einen Repr�sentanten einsetzen, nur um alles im Auge zu behalten, aber im Moment hatten sie Wichtigeres f�r ihre Soldaten zu tun. Bevor sich Mat mit diesem Ausflug einverstanden erkl�rt hatte, hatte er Thom und Juilin vorausgeschickt, um absolut sicherzugehen, dass sich in Jurador keine Seanchaner aufhielten. Ein Dummkopf konnte �ber sein eigenes Gl�ck stolpern, wenn er nicht aufpasste.</p><p>Jurador war eine gesch�ftige Stadt mit gepflasterten Stra�en, von denen die meisten breit waren und von mit roten Schindeln gedeckten Steinh�usern ges�umt wurden. H�user und Gasth�fe standen Schulter an Schulter mit St�llen und Tavernen, hier l�rmte der Hammer eines Schmieds auf seinem Amboss, und dort ratterte der Webstuhl eines Teppichwebers, und �berall � so hatte es zumindest den Anschein � h�mmerten K�fer Eisenringe auf F�sser, die f�r den Salztransport bestimmt waren. Stra�enh�ndler priesen lautstark Nadeln und Schleifen an. Auf jeder Stra�e bewachten M�nner und Frauen die auf schmalen Tischen vor ihren L�den ausgestellten Waren und br�llten Listen der Dinge heraus, die drinnen angeboten wurden.</p><p>Die H�user der Salzh�ndler waren leicht zu erkennen, sie wiesen drei Stockwerke statt nur zwei auf, belegten achtmal so viel Platz wie alle anderen, und jedes von ihnen hatte zur Stra�e hin einen S�ulengang und wurde von wei�en Gusseisengittern zwischen den S�ulen abgeschirmt. An den meisten H�usern wiesen auch die unteren Fenster solche Gitter auf, auch wenn sie nicht immer lackiert waren. Das erinnerte an Ebou Dar, aber abgesehen von der olivfarbenen Haut der Menschen war das auch schon so gut wie alles. Hier gab es keine tiefen Ausschnitte und auch keine hochgen�hten R�cke, die farbige Unterr�cke enth�llten. Die Frauen trugen bestickte Kleider mit hohen Kragen bis fast unters Kinn; f�r die normalen Leute gab es schlichtere Stickereien, f�r die reicheren wesentlich aufw�ndigere; deren Umh�nge waren von oben bis unten bestickt, und ihre Gesichter wurden von durchsichtigen Schleiern verh�llt, die an goldenen oder aus Elfenbein geschnitzten K�mmen hingen, die in dunklen, aufgerollten Z�pfen steckten. Die kurzen M�ntel der M�nner waren fast genauso reich verziert, die Farben waren fast ebenso hell, und ob arm oder reich, die meisten M�nner trugen lange G�rtelmesser, deren Klingen nur unwesentlich weniger gekr�mmt waren als jene in Ebou Dar. Ob reich oder arm, die Burschen hatten die Angewohnheit, ihre Messergriffe zu t�tscheln, als w�rden sie st�ndig mit einem Angriff rechnen, also war es vielleicht doch das Gleiche wie in Ebou Dar.</p><p>Der Palast der Lady Aethelaine schien sich von au�en nicht von den stattlichen H�usern der Salzh�ndler zu unterscheiden, aber er befand sich am Hauptplatz der Stadt, einer gro�en Fl�che aus polierten Steinfliesen, auf der ein breiter runder Marmorspringbrunnen Wasser in die Luft spritzte. Allerdings f�llten Leute an den Ecken des Platzes Eimer aus Steintr�gen. Der Springbrunnen verbreitete einen Geruch von Salzlauge. Sie war ein Symbol von Juradors Reichtum, und sie wurde aus derselben Quelle wie die Salzteiche in den umgebenden H�geln abgepumpt. Mat bekam eine Menge von der Stadt zu sehen, bevor die Sonne den halben Weg zum Zenit erklommen hatte.</p><p>Jedes Mal, wenn Tuon und Selucia einen Laden ersp�hten, der Seide ausstellte, blieben sie an dem langen schmalen Tisch stehen, um Tuchrollen zu betasten und mit zusammengesteckten K�pfen zu fl�stern, wobei sie die Bem�hungen der aufmerksamen Verk�ufer abwehrten. Die waren sehr aufmerksam, bis sie bemerkten, dass Mat zu den beiden Frauen geh�rte. Mit ihrer schlecht sitzenden, abgetragenen Wollkleidung sahen sie nicht wie Kunden aus, die sich Seide leisten konnten. Mat aber schon, der eine Seite seines Umhangs zur�ckgeschlagen hatte, um das Futter sehen zu lassen. Aber wann auch immer er Interesse zu zeigen versuchte � Frauen behaupteten stets, sie wollten, dass man Interesse zeigte! �, wann auch immer er nahe genug herankam, um zu h�ren, was sie sagten, verstummten die Frauen und blickten ihn aus den Tiefen ihrer Kapuzen mit k�hlen schwarzen und k�hlen blauen Augen an, bis er ein paar Schritte zur�ckwich. Dann beugte Selucia wieder den Kopf zu Tuon herunter, und sie fingen erneut an zu murmeln und die Seide zu betasten, rote Seide, blaue Seide, gr�ne Seide, glatt schimmernde Seide und verzierte Seide. Jurador war eine sehr reiche Stadt. Gl�cklicherweise hatte Mat einen fetten Geldbeutel voller Gold eingesteckt. Aber nichts schien passend zu sein. Tuon sch�ttelte unweigerlich den Kopf, und die beiden rauschten wieder in die Menge hinein, w�hrend Mat sich beeilte, mit ihnen bis zum n�chsten Seidengesch�ft mitzuhalten. Die W�rfel prallten von der Innenseite seines Kopfes ab.</p><p>Sie waren nicht die Einzigen vom Zirkus, die in die Stadt gekommen waren. Er entdeckte Aludra, deren Gesicht von ihren perlengeschm�ckten Z�pfen umrahmt wurde und die an der Seite eines grauhaarigen Mannes durch die Menge ging, der dem Ausma� der hellen Stickereien auf dem Seidenmantel nach zu urteilen ein Salzh�ndler sein musste. Was konnte eine Illuminatorin von einem Salzh�ndler wollen? Was auch immer sie zu ihm sagte, sein erfreutes L�cheln f�gte seinem Gesicht noch ein paar zus�tzliche Falten hinzu, und er nickte.</p><p>Tuon sch�ttelte den Kopf, und die beiden Frauen gingen zum n�chsten Laden und ignorierten die tiefen Verbeugungen des H�ndlers. Nun ja, die meisten waren f�r Mat gedacht. Vielleicht glaubte der d�rre Narr ja, er wollte die Seide f�r sich kaufen. Nicht, dass er einen oder auch mehrere Seidenm�ntel ausgeschlagen h�tte, aber wer konnte schon �ber M�ntel nachdenken, wenn er darauf wartete, dass diese verfluchten W�rfel verstummten? Nur ein paar dezente Stickereien, auf den �rmeln und an den Schultern.</p><p>Thom ging an ihm vorbei, den bronzefarbenen Umhang fest um den K�rper geschlungen; er g�hnte, als h�tte er die Nacht nicht geschlafen. Vielleicht hatte er es auch nicht. Der Gaukler hatte nicht wieder angefangen zu trinken, aber Lopin und Nerim beschwerten sich dar�ber, dass er bis in die fr�hen Morgenstunden wach blieb und eine Lampe brennen lie�, damit er immer wieder seinen kostbaren Brief lesen konnte. Was konnte an einem Brief von einer toten Frau so faszinierend sein? Eine Tote. Beim Licht, vielleicht waren all die Leute auf der Stra�e...! Nein, er w�rde einfach nicht dar�ber nachdenken.</p><p>Tuon zog eine Bahn Seide in die H�he und lie� sie wieder fallen, dann drehte sie sich um, ohne sich eine andere anzusehen. Selucia warf der Verk�uferin einen solch hochn�sigen Blick zu, dass die Frau ihn ver�rgert erwiderte.</p><p>Mat schenkte ihr ein L�cheln. Ver�rgerte Ladenbesitzer konnten dazu f�hren, dass Stadtw�chter anfingen Fragen zu stellen, und wer vermochte schon zu sagen, wo das schlie�lich enden mochte? Er wusste, dass sein L�cheln die meisten Frauen beruhigen konnte. Die rundgesichtige Frau schnaubte und beugte sich vor, um die Seide so z�rtlich zu gl�tten, als w�rde sie ein Kind zu Bett bringen. Die meisten Frauen, dachte er s�uerlich.</p><p>Ein St�ck weit die Stra�e hinunter lie� eine Frau mit einem schlichten Umhang die Kapuze zur�ckfallen, und Mat stockte der Atem. Edesina setzte die Kapuze wieder auf, aber sie beeilte sich nicht, und der Schaden war ohnehin schon angerichtet, das zur Schau gestellte alterslose Gesicht einer Aes Sedai, das jeder erkennen w�rde, der wusste, worauf er zu achten hatte. Niemand auf der Stra�e lie� erkennen, dass er etwas bemerkt hatte, aber Mat konnte nicht jedes Gesicht sehen. Dachte gerade jemand an eine Belohnung? Im Augenblick hielt sich zwar kein Seanchaner in Jurador auf, aber sie kamen st�ndig vorbei.</p><p>Edesina rauschte um eine Ecke, und zwei Gestalten mit dunklen Umh�ngen folgten ihr. Hatten die <emphasis>Sul'dam</emphasis> nur eine von ihnen im Lager zur�ckgelassen, um die beiden Aes Sedai im Auge zu behalten? Aber vielleicht waren Joline und Teslyn ja ganz in der N�he, und er hatte sie nur �bersehen. Er verdrehte den Hals und suchte in der Menschenmenge nach einem weiteren schmucklosen Umhang, aber jeder, den er sah, wies zumindest kleine Stickereien auf.</p><p>Da traf es ihn wie ein Stein zwischen den Augen. Jeder Umhang, den er sehen konnte, wies zumindest kleine Stikkereien auf. Wo steckte die verdammte Tuon und die verdammte Selucia? Rollten die W�rfel nicht schneller?</p><p>Schwer atmend stellte er sich auf die Zehenspitzen, aber die Stra�e war ein Meer aus verzierten Umh�ngen, verzierten M�nteln und Kleidern. Das musste nicht bedeuten, dass sie zu fliehen versuchten. Tuon <emphasis>hatte</emphasis> ihr Wort gegeben; sie hatte eine perfekte Gelegenheit zum Verrat ungenutzt verstreichen lassen. Aber beide Frauen mussten blo� drei Worte sagen, und jeder, der sie h�rte, w�rde vermutlich den seanchanischen Akzent erkennen. Das w�rde m�glicherweise ausreichen, um die Jagdhunde auf seine Spur zu setzen. Voraus befanden sich zwei Gesch�fte, die offenbar Stoffe anboten, jeweils auf einer Stra�enseite. Und vor keinem Gesch�ft standen zwei Frauen mit schwarzen Umh�ngen. Sie h�tten m�helos um eine Ecke gehen k�nnen, aber er musste seinem Gl�ck vertrauen. Sein Gl�ck war vor allem dann verl�sslich, wenn es um reine Gl�cksspiele ging. Die verfluchten Frauen hielten es vermutlich f�r ein verfluchtes Spiel. Sollte man ihn zu Asche verbrennen, er vertraute auf sein Gl�ck.</p><p>Er schloss die Augen, drehte sich mitten auf der Stra�e im Kreis und machte dann einen Schritt vorw�rts. V�llig willk�rlich. Er prallte gegen jemanden, hart genug, dass sie beide aufst�hnten. Ein st�mmiger Bursche mit einem kleinen Mund und grobem Stickwerk auf den Schultern seines einfachen Mantels starrte ihn finster an, als er die Augen wieder �ffnete, und strich �ber den Griff seines Krummdolchs. Mat war das egal. Er schaute direkt auf einen der beiden L�den. Er setzte den Hut fester auf und rannte los. Die W�rfel <emphasis>rollten</emphasis> schneller.</p><p>Mit Tuchballen voll gestopfte Regale s�umten die W�nde des Ladens vom Boden bis zur Decke; noch mehr Ware stapelte sich auf langen Tischen. Die Ladenbesitzerin war eine d�rre Frau mit einer gro�en Warze auf dem Kinn, ihre Helferin war schlank und h�bsch und schaute w�tend drein. Mat kam gerade rechtzeitig in den Verkaufsraum geschossen, um zu h�ren, wie die Besitzerin sagte: �Zum letzten Mal, wenn ihr mir nicht sagt, was ihr hier wollt, lasse ich Nelsa die Stadtw�chter holen.� Tuon und Selucia gingen mit noch immer hochgeschlagenen Kapuzen langsam eine Wand voller Stoffballen ab und blieben stehen, um ein Gewebe anzufassen, aber keine von ihnen schenkte der Besitzerin irgendwelche Beachtung.</p><p>�Sie geh�ren zu mir�, stie� Mat atemlos hervor. Er zupfte den Geldbeutel aus der Tasche und warf ihn auf den n�chsten freien Tisch. Das Klirren, das er bei seiner Landung machte, zauberte ein breites L�cheln auf das schmale Gesicht der Besitzerin. �Gebt ihnen, was immer sie wollen�, sagte er. Dann wandte er sich Tuon zu und f�gte fest hinzu: �Wenn Ihr etwas kaufen wollt, dann hier. Ich hatte heute Morgen mehr Bewegung, als ich wollte.�</p><p>Falls m�glich, h�tte er die Worte in dem Moment, in dem sie seinen Mund verlie�en, wieder zur�ckgenommen. Sprach man so zu einer Frau, dann sprang sie einem ins Gesicht wie die Flamme von einem von Aludras Feuerst�cken, jedes Mal. Aber Tuons gro�e Augen schauten aus dem Schutz der Kapuze zu ihm hoch. Und ihre vollen Lippen w�lbten sich zu einem leichten L�cheln. Es war ein pers�nliches L�cheln, allein f�r sie selbst bestimmt, nicht f�r ihn. Das Licht allein wusste, was es bedeuten sollte. Er hasste es, wenn Frauen das taten. Wenigstens hatten die W�rfel nicht angehalten. Das musste doch ein gutes Zeichen sein, oder?</p><p>Tuon brauchte keine Worte, um ihre Auswahl zu treffen, stumm deutete sie auf einen Ballen nach dem anderen und zeigte mit ihren kleinen dunklen H�nden, wie viel die Besitzerin mit ihrer Schere abschneiden sollte. Die Frau machte die Arbeit selbst, statt sie an ihre Helferin zu delegieren, und unter diesen Umst�nden war das auch sicher angebracht. Rote Seide in vielen verschiedenen Farbt�nen wurde von der langen, scharfen Schere abgeschnitten, und gr�ne Seide in ein paar Schattierungen und mehr Arten blauer Seide, als Mat sie f�r m�glich gehalten h�tte. Tuon w�hlte feines Leinen in verschiedenen St�rken und Bahnen heller Wolle � dar�ber besprach sie sich mit Selucia in ged�mpftem Fl�sterton �, aber in der Hauptsache nahm sie Seide. Mat bekam wesentlich weniger von seinem Geldbeutel zur�ck als erwartet.</p><p>Nachdem der ganze Stoff zusammengefaltet und ordentlich verschn�rt war, um dann in eine gro�e Bahn aus grobem Leinen gepackt zu werden � die kostete nichts, vielen herzlichen Dank �, war er ein B�ndel so dick wie das Gep�ck eines Hausierers. Es �berraschte Mat nicht im Mindesten, dass man von ihm erwartete, das B�ndel auf den Schultern zu tragen, w�hrend er in der einen Hand noch seinen Hut halten musste. Da zog man seine besten Sachen an, kaufte einer Frau Seide, und sie fand trotzdem eine M�glichkeit, einen schuften zu lassen! Vielleicht lie� sie ihn auf diese Weise f�r seine harschen Worte bezahlen.</p><p>Er zog viele Blicke starrender Narren auf sich, als er die Stadt im Schlepptau der beiden Frauen verlie�. Sie rauschten so zufrieden daher wie Katzen, die an der Sahne genascht hatten. Selbst in ihre Umh�nge geh�llt, sagte ihre Haltung alles. Die Sonne stand immer noch nicht im Zenit, aber die Schlange der Leute, die in die Vorstellung wollten, reichte bis fast zur Stadt. Die meisten zeigten auf ihn, als w�re er ein geschminkter Spa�macher. Einer der gro�en Pferdeknechte, die die M�nzenkiste bewachten, zeigte ein zahnl�ckiges Grinsen und �ffnete den Mund, aber Mat warf ihm einen strengen Blick zu, und der Bursche entschied sich, seine Aufmerksamkeit wieder auf die M�nzen zu richten, die von den St�dtern in den Glaskrug wanderten. Mat glaubte, noch nie so erleichtert gewesen zu sein, wieder in Lucas Zirkus zu sein.</p><p>Mat und die beiden Frauen standen noch keine drei Schritte im Eingang, als Juilin angelaufen kam, wunderbarerweise einmal ohne Thera oder seine rote M�tze. Das Gesicht des Diebef�ngers h�tte aus uralter Eiche geschnitzt sein k�nnen. Er musterte die Leute, die an ihnen vorbei zu den Vorstellungen str�mten, und hielt die Stimme leise. Leise und dr�ngend. �Ich wollte dich suchen kommen. Es ist Egeanin. Sie wurde... verletzt. Kommt schnell.�</p><p>Der Tonfall des Mannes verriet genug, aber was noch schlimmer war, die W�rfel in Mats Kopf h�mmerten jetzt wie auf einer Trommel. Er warf den Pferdeknechten den Stoff zu mit dem Befehl, ihn genauso scharf zu bewachen wie die M�nzenkiste, oder er w�rde die Frauen auf ihn hetzen, aber er wartete nicht ab, um zu sehen, ob sie ihn ernst nahmen. Juilin bew�ltigte den R�ckweg im Laufschritt, und Mat rannte auf der breiten Hauptstra�e des Zirkusgel�ndes hinter ihm her, wo die l�rmende Menge den vier mit nackter Brust auftretenden Chavana-Br�dern dabei zusah, wie sie auf den Schultern des jeweils anderen standen. Verrenkungsk�nstler in hauchd�nnen Hosen und glitzernden Westen sa�en auf den K�pfen, und eine Seilt�nzerin in mit Sternen verzierten blauen Hosen erklomm eine lange Holzleiter, um mit ihrer Darstellung zu beginnen. Kurz vor der Seilt�nzerin duckte sich Juilin in eine der schmalen Gassen, in denen W�sche auf Leinen zwischen den Zelten und Wagen hing, Artisten auf Hockern und Wagentreppen sa�en und darauf warteten, mit ihren Darstellungen weiterzumachen, und die Zirkuskinder herumliefen und mit B�llen und Reifen spielten. Mat wusste mittlerweile, was ihr Ziel war, aber der Diebef�nger lief zu schnell, um �berholt zu werden.</p><p>Voraus sah er den gr�nen Wagen: Latelle schaute darunter, und Luca in einem seiner hellroten Umh�nge bedeutete zwei Jongleuren, einfach weiterzugehen. Die beiden Frauen, die bauschige Hosen trugen und die Gesichter wei� wie die Hofnarren von Adligen geschminkt hatten, warfen einen ausgiebigen Blick unter den Wagen, bevor sie weitergingen. Als Mat n�her kam, konnte er sehen, was sie angestarrt hatten. Domon sa� ohne Mantel unter dem Rand des Wagens auf dem Boden und wiegte eine reglose Egeanin in den Armen. Ihre Augen waren geschlossen, aus einem Mundwinkel rann Blut. Ihre Per�cke hing schief. Aus irgendeinem Grund stach dieses Detail hervor. Sie gab sich immer so viel M�he, diese Per�cke vern�nftig aufzusetzen. Die W�rfel dr�hnten wie Donnerhall.</p><p>�Das k�nnte eine Katastrophe sein�, knurrte Luca und teilte seinen finsteren Blick zwischen Juilin und Mat auf. Aber es war ein w�tender Blick, kein �ngstlicher. �Vielleicht habt Ihr mich in den Ruin getrieben!� Er verscheuchte ein paar Kinder mit weit aufgerissenen Augen und fauchte eine dicke Frau an, deren R�cke mit silbernen Flittern funkelten. Miyora lie� Leoparden Kunstst�cke vorf�hren, die sich Latelle nicht getraut h�tte, aber sie warf lediglich den Kopf zur�ck, bevor sie weiterrauschte. Niemand nahm Luca so ernst wie er sich selbst.</p><p>Er schrak zusammen, als Tuon und Selucia herbeieilten, und schien kurz davor zu stehen, auch ihnen den Befehl zum Weitergehen zu geben, bevor er sich besann. Tats�chlich fing er an, nachdenklich die Stirn zu runzeln. Und besorgt. Anscheinend hatte ihm seine Frau nicht erz�hlt, dass Mat und die Frauen das Zirkusgel�nde verlie�en, und es war offensichtlich, dass sie in der Stadt gewesen waren. Die blau�ugige Frau trug ein gewaltiges Stoffb�ndel auf dem R�cken, aber sie stand gerade aufgerichtet. Man h�tte denken sollen, dass die Zofe einer Lady daran gew�hnt war, Dinge zu tragen, aber ihr Gesicht bot ein Bild emp�rter Gereiztheit. Latelle musterte sie von oben bis unten, dann schaute sie Mat h�hnisch an, als w�re er der Grund, dass die Frau ihren bemerkenswerten Busen rausstreckte. Lucas Frau war sehr gut mit h�hnischen Blicken, aber Tuons strenge Miene lie� Latelle beinahe g�tig erscheinen. Hier schaute ein Richter aus der Kapuze, ein Richter, der bereit war, das Urteil zu sprechen.</p><p>Im Augenblick war es Mat egal, was die Frauen dachten. Diese <emphasis>verdammten</emphasis> W�rfel. Er warf den Umhang zur�ck, lie� sich auf ein Knie hinab und f�hrte die Finger an Egeanins Hals. Ihr Puls schlug schwach, d�nn und flatternd.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte er. �Habt ihr nach einer der Schwestern geschickt?� Egeanin zu bewegen w�rde sie vielleicht umbringen, aber vielleicht war noch genug Zeit zum Heilen da, falls sich die Aes Sedai beeilten. Aber er w�rde die Namen nicht laut aussprechen, nicht, wo so viele Leute hier vorbeigingen und neugierig stehen blieben, bis Luca oder Latelle sie fortschickten. Bei ihr bewegte sich jeder viel schneller als bei ihm. Latelle war eigentlich die Einzige, die wirklich f�r Luca sprang.</p><p>�Renna!� Domon spuckte den Namen aus. Trotz des kurzen Haarschopfs und dem Illianerbart, der seine Oberlippe frei lie�, sah er jetzt nicht im Mindesten l�cherlich aus. Er sah �ngstlich und m�rderisch aus, eine gef�hrliche Kombination. �Ich gesehen haben, wie sie Egeanin in den R�cken stach und floh. H�tte ich sie erreichen k�nnen, h�tte ich ihr das Genick gebrochen, aber meine Hand sein alles, das Egeanins Blut festh�lt. Wo bleiben die verfluchten Aes Sedai?� So viel zu Mats Bem�hungen um eine vorsichtige Ausdrucksweise.</p><p>�Ich bin genau hier, Bayle Domon�, verk�ndete Teslyn kalt und kam mit Thera herbeigeeilt, die einen entsetzten Blick auf Tuon und Selucia warf und sich mit einem spitzen Schrei an Juilins Arm klammerte, die Augen zu Boden geschlagen. So wie sie anfing zu zittern, w�rde sie in einer Minute vermutlich selbst dort liegen.</p><p>Als die Aes Sedai sah, was dort vor ihr lag oder vielleicht auch wo es lag, machte sie ein Gesicht, als h�tte sie eine Hand voll Dornen im Mund. Aber sie kroch schnell unter den Wagen an Domons Seite und umklammerte Egeanins Kopf mit knochigen H�nden. �Joline ist darin besser als ich�, murmelte sie, �aber vielleicht schaffe ich...�</p><p>Der silberne Fuchskopf auf Mats Brust wurde kalt, und Egeanin b�umte sich so wild auf, dass ihr die Per�cke vom Kopf fiel und sie sich fast aus Domons Griff befreite, w�hrend sie die Augen weit aufriss. Der Krampf dauerte nur lange genug, dass sie sich mit einem erstickten Keuchen zur H�lfte aufsetzte, dann sackte sie wieder gegen Domons Brust, und das Medaillon wurde erneut zu einem St�ck bearbeiteten Silber. Daran war Mat fast schon gew�hnt. Er hasste es, dass er daran gew�hnt war.</p><p>Auch Teslyn sackte zusammen; beinahe w�re sie umgekippt, h�tte Domon nicht den Griff gewechselt und die Aes Sedai mit einer Hand gest�tzt. �Danke�, sagte Teslyn nach einem Moment, das Wort klang, als h�tte man es ihr abgerungen. �Aber ich brauche keine Hilfe.� Doch sie st�tzte sich am Wagen ab, um sich aufzurichten, und ihr kalter Aes Sedai-Blick forderte jeden heraus, eine entsprechende Bemerkung zu machen. �Die Klinge ist von einer Rippe abgeglitten und hat darum ihr Herz verfehlt. Sie braucht jetzt nur noch Ruhe und Nahrung.�</p><p>Mat wurde klar, dass sie keine Zeit verschwendet hatte, sich einen Umhang zu schnappen. Auf der einen Seite der Gasse stand eine Gruppe Frauen in glitzernden Umh�ngen vor einem gr�nen Zelt und schaute ihnen neugierig zu. Auf der anderen Seite warfen ein halbes Dutzend M�nner und Frauen in wei� gestreiften M�nteln und engen Hosen, allesamt Pferdeartisten, Teslyn schnelle Blicke zu und steckten fl�sternd die K�pfe zusammen. Zu sp�t, um sich darum zu sorgen, dass jemand das Gesicht einer Aes Sedai erkennen w�rde. Zu sp�t, um sich darum zu sorgen, dass einer von ihnen eine Heilung erkannte, wenn er sie sah. Die W�rfel prallten gegen die Innenseiten von Mats Kopf. Sie waren nicht verstummt; das Spiel war noch nicht gelaufen.</p><p>�Wer sucht nach ihr, Juilin?�, fragte er. �Juilin?�</p><p>Der Diebef�nger h�rte auf, Tuon und Selucia anzustarren und Thera etwas zuzumurmeln, allerdings streichelte er die zitternde Frau auch weiterhin. �Vanin und die Rotwaffen, Lopin und Nerim. Olver auch. Er war weg, bevor ich ihn aufhalten konnte. Aber bei dem hier...� Er h�rte lange genug auf, Thera zu beruhigen, um auf die Hauptstra�e zu zeigen. Selbst auf diese Entfernung war das Stimmengewirr deutlich h�rbar. �Sie braucht sich nur einen dieser verzierten Umh�nge zu besorgen, und sie kann mit den ersten Besuchern, welche die Vorf�hrung verlassen, herausschl�pfen. Wenn wir versuchen, jede Frau mit hochgeschlagener Kapuze aufzuhalten, selbst wenn wir nur versuchen sollten, in sie hineinzuschauen, dann bekommen wir es mit einem Aufruhr zu tun. Diese Leute sind empfindlich.�</p><p>�Eine Katastrophe�, st�hnte Luca und zog den Umhang eng um seine Gestalt. Latelle legte einen Arm um ihn. Das musste so sein, als w�rde man von einer Leopardin getr�stet; auf jeden Fall sah Luca nicht besonders getr�stet aus.</p><p>�Soll man mich doch zu Asche verbrennen, warum?�, knurrte Mat. �Renna war immer bereit, mir das verdammte Handgelenk zu lecken! Ich dachte immer, wenn eine die Nerven verliert...!� Er sah nicht einmal in Theras Richtung, aber Juilin warf ihm trotzdem einen b�sen Blick zu.</p><p>Domon war mit Egeanin in den Armen aufgestanden.</p><p>Zuerst k�mpfte sie schwach dagegen an � Egeanin war nicht die Frau, die sich wie eine Puppe herumtragen lie� �, aber schlie�lich schien sie zu begreifen, dass sie, wenn sie sich auf die F��e stellte, umkippen w�rde. Sie lie� sich mit einem emp�rten Blick gegen die Brust des Illianers sacken. Domon w�rde es noch lernen; selbst wenn eine Frau Hilfe brauchte, wenn sie sie nicht wollte, w�rde sie einen sp�ter daf�r bezahlen lassen, dass man sie ihr gew�hrt hatte. �Ich bin die Einzige, die ihr Geheimnis kennt�, sagte sie mit schwacher Stimme. �Jedenfalls die Einzige, die es h�tte weitererz�hlen k�nnen. Vielleicht hat sie geglaubt, sie k�nnte unbeschadet nach Hause gehen, wenn ich tot bin.�</p><p>�Was f�r ein Geheimnis?�, fragte Mat.</p><p>Die Frau z�gerte aus irgendeinem Grund und starrte auf Domons Brust. Schlie�lich seufzte sie. �Renna ist einmal an die Leine gelegt worden. Bethamin und Seta auch. Sie k�nnen die Macht lenken. Oder es vielleicht lernen, ich wei� es nicht. Aber bei diesen dreien hat das <emphasis>A'dam</emphasis> funktioniert. Vielleicht funktioniert es bei jeder <emphasis>Sul'dam</emphasis>.� Mat pfiff durch die Z�hne. Nun, das w�re f�r jeden Seanchaner ein Schlag gegen den Kopf.</p><p>Luca und seine Frau sahen sich verwirrt an und verstanden offensichtlich kein Wort. Teslyn stand der Mund offen, die sprichw�rtliche Aes Sedai-Gelassenheit vom Schock fortgesp�lt. Aber Selucia gab einen erbosten Laut von sich, ihre blauen Augen blitzten, und sie lie� den Stoff vom R�cken fallen und machte einen Schritt auf Domon zu. Ein schnelles Aufblitzen von Tuons Fingern lie� sie ruckartig anhalten, aber es war dennoch z�gernd. Tuons Gesicht war eine dunkle, unleserliche Maske. Aber es gefiel ihr nicht, was sie da geh�rt hatte. Richtig, sie hatte gesagt, sie w�rde <emphasis>Damane</emphasis> abrichten. Oh, sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, w�rde er etwa zu allem �berfluss auch noch eine Frau heiraten, die die Macht lenken konnte?</p><p>Das Ger�usch von Hufen verk�ndete die Ankunft von Harnan und den anderen drei Rotwaffen, die im schnellen Trab die Gasse zwischen den Zelten und Wagen herangeritten kamen. Unter den Umh�ngen hatten sie die Schwerter umgeschnallt; Metwyn trug zus�tzlich noch einen Dolch, der fast so lang wie sein Kurzschwert war, und Gorderan hatte seine schwere Armbrust gespannt am Sattel h�ngen. Der Spanner an seinem G�rtel w�rde eine volle Minute brauchen, um die dicke Sehne zur�ckzuziehen, aber auf diese Weise brauchte er nur noch einen Bolzen einlegen. Harnan trug einen Reiterbogen und einen vollen K�cher an der H�fte. Fergin f�hrte Pips mit sich.</p><p>Harnan machte sich nicht die M�he abzusteigen. Er musterte Tuon und Selucia misstrauisch und Luca und Latelle mit fast genauso gro�en Zweifeln, dann beugte er sich im Sattel vor. �Renna hat ein Pferd gestohlen, mein Lord�, sagte er leise. �Sie hat einen der Pferdeknechte am Eingang niedergeritten. Vanin folgt ihr. Er sagte, sie k�nnte es bis zum Abend nach Coramen schaffen. Das ist die Richtung, die sie eingeschlagen hat. Sie ist viel schneller als die Wagen. Aber sie reitet ohne Sattel; mit etwas Gl�ck k�nnen wir sie einholen.� Er klang fast so, als w�re dieses Gl�ck eine feststehende Tatsache. Die M�nner der Bande vertrauten mehr auf Mat Cauthons Gl�ck als er selbst.</p><p>Aber es schien keine andere Wahl zu geben. Die W�rfel donnerten noch immer durch seinen Kopf. Noch bestand die Chance, dass sie zu seinen Gunsten fielen. Eine kleine Chance. Mat Cauthons Gl�ck. �Schafft Eure Leute so schnell auf die Stra�e, wie sie zusammenpacken k�nnen, Luca�, sagte er und schwang sich in Pips Sattel. �Lasst die Segeltuchwand und alles andere, das ihr nicht schnell auf die Wagen laden k�nnt, einfach zur�ck. Reist einfach nur ab.�</p><p>�Seid Ihr verr�ckt?�, kr�chzte Luca. �Wenn ich versuche, die Besucher zu verjagen, dann wird es einen Aufstand geben! Und sie werden ihr Geld zur�ckhaben wollen!� Beim Licht, der Mann w�rde noch an sein Geld denken, wenn sein Hals schon l�ngst auf dem Richtblock lag.</p><p>�Denkt an das, was Euch passieren wird, wenn Euch morgen hier tausend Seanchaner finden.� Mats Stimme war so kalt, wie er sie hinbekam. Wenn er versagte, w�rden die Seanchaner Lucas Wanderzirkus in k�rzester Zeit gestellt haben, ganz egal, wie sehr er seine Pferde antrieb. Nach dem Verziehen seines Mundes zu urteilen, als h�tte er in eine saure Pflaume gebissen, wusste Luca das auch. Mat zwang sich, den Mann zu ignorieren. Die W�rfel rollten hart, aber sie blieben noch nicht stehen. �Juilin, gib Luca das ganze Gold, bis auf einen dicken Beutel.� Vielleicht konnte sich der Mann seinen Weg freikaufen, sobald die Seanchaner sahen, dass er ihre Tochter der verdammten Neun Monde nicht bei sich hatte. �Hol alle zusammen und reitet los, so schnell ihr k�nnt. Sobald du au�er Sichtweite der Stadt bist, geh in die W�lder. Ich finde euch.�</p><p>�Alle?� Juilin schirmte Thera mit seinem K�rper ab und wies mit dem Kopf auf Tuon und Selucia. �Lass die beiden in Jurador zur�ck, vielleicht h�ren die Seanchaner dann auf, wenn sie sie zur�ckbekommen. Zumindest k�nnte es sie aufhalten. Du sagst doch dauernd, dass du sie fr�her oder sp�ter freilassen willst.�</p><p>Mat erwiderte Tuons Blick. Gro�e dunkle feuchte Augen in einem glatten, ausdruckslosen Gesicht. Sie hatte die Kapuze ein St�ck zur�ckgeschoben, sodass er ihr Gesicht deutlich erkennen konnte. Wenn er sie zur�cklie�, konnte sie die Worte nicht sagen, oder falls sie es doch tat, w�rde er zu weit weg sein, als dass sie eine Rolle gespielt h�tten. Wenn er sie zur�cklie�, w�rde er nie erfahren, warum sie immer so geheimnisvoll l�chelte oder was hinter dem Geheimnis steckte. Beim Licht, er <emphasis>war</emphasis> ein Narr! Pips machte ein paar ungeduldige Schritte.</p><p>�Alle�, sagte er. Nickte Tuon kaum merklich, wie f�r sich selbst bestimmt? Warum sollte sie nicken? �Lass uns reiten�, sagte er zu Harnan.</p><p>Sie mussten ihre Pferde im Schritttempo durch die Menschenmenge lenken, um aus dem Zirkus herauszukommen, aber sobald sie die Stra�e erreichten, lie� Mat Pips losgaloppieren, und sein Umhang flatterte hinter ihm her, und er hielt den Kopf unten, damit ihm der Hut nicht heruntergerissen wurde. Es war kein Tempo, das man einem Pferd lange Zeit zumuten konnte. Die Stra�e wand sich um H�gel und �berquerte Anh�hen, gelegentlich f�hrte sie auch �ber die H�gel, wenn die Steigung nicht zu gro� war. Sie spritzten durch kn�cheltiefe B�che und donnerten �ber niedrige Holzbr�cken, die tiefere Gew�sser �berspannten. Auf den H�geln erschienen wieder B�ume, Kiefern und Zwerglorbeer zeigten unter den winterkahlen �sten das einzige Gr�n. An einige H�gel schmiegten sich Bauernh�fe, niedrige Steinh�user mit Schindeld�chern und h�here Scheunen, und gelegentlich eine Ansiedlung aus acht oder zehn H�usern.</p><p>Ein paar Meilen von dem Zirkus entfernt entdeckte Mat einen breiten Mann, der wie ein Sack Hafer im Sattel hockte. Das Pferd war ein langbeiniger Brauner, der sich in einem gleichm��igen Trab vorw�rts bewegte. Es war nur nat�rlich, dass ein Pferdedieb ein Auge f�r ein gutes Tier hatte. Vanin h�rte ihren Hufschlag und drehte sich um, lie� sein Pferd aber nur im Schritttempo weitergehen. Das war ein schlechtes Zeichen.</p><p>Als Mat Pips neben dem Braunen z�gelte, spuckte Vanin aus. �Die beste Chance haben wir, wenn wir ihr Pferd zu Tode geritten finden, sodass ich ihre Fu�spuren weiterverfolge�, murmelte er. �Sie treibt es schneller an, als ich gedacht h�tte, selbst ohne Sattel. Wenn wir ein schnelles Tempo vorlegen, k�nnen wir sie vielleicht gegen Sonnenuntergang erwischen. Falls ihr Pferd nicht zusammenbricht oder stirbt, ist das in etwa der Zeitpunkt, zu dem sie Coramen erreicht.�</p><p>Mat schob den Hut zur�ck, um die Sonne zu betrachten, die fast genau �ber ihnen stand. Es war ein langer Weg, um ihn in weniger als einem halben Tag zur�ckzulegen. Wenn er kehrtmachte, konnte er bei Sonnenuntergang ein gutes St�ck von Jurador weg sein, zusammen mit Thom, Juilin und den anderen. Zusammen mit Tuon. Die Seanchaner wussten dann, dass sie Mat Cauthon jagen mussten. Der Mann, der die Tochter der Neun Monde entf�hrt hatte, w�rde nicht genug Gl�ck haben, um blo� zum <emphasis>Da'covale</emphasis> gemacht zu werden. Und irgendwann am morgigen oder �bern�chsten Tag w�rden sie Luca pf�hlen. Luca und Latelle, Petra und Clarine und den ganzen Rest. Ein Dickicht aus Pf�hlen. Die W�rfel rollten und polterten in seinem Kopf.</p><p>�Wir k�nnen es schaffen�, sagte er. Sie hatten keine andere Wahl.</p><p>Vanin spuckte aus.</p><p>Es gab nur eine M�glichkeit, auf einem Pferd eine gro�e Distanz schnell zur�ckzulegen, wenn man am Ende noch auf einem lebenden Pferd sitzen wollte. Sie lie�en die Tiere eine halbe Meile gehen, dann eine halbe Meile traben. Ein leichter Galopp, dann ein Sprint, danach ging es wieder im Schritt weiter. Die Sonne senkte sich, und die W�rfel rollten. Sie ritten um sp�rlich bewaldete H�gel herum und �ber von B�umen bewachsene K�mmen hinweg. Fl�sse, die mit drei Schritten �berquert werden konnten, lie�en die Hufe der Pferde kaum feucht werden, und drei�ig Schritte breite Str�me hatten flache Br�cken aus Holz oder auch aus Stein. Die Sonne sank immer tiefer, und die W�rfel rollten schneller. Sie hatten fast den Elbar erreicht, und kein Zeichen von Renna au�er Kratzern im harten Staub der Stra�e, auf die Vanin zeigte, als w�ren es aufgemalte Hinweisschilder.</p><p>�Wir kommen n�her�, murmelte der fette Mann. Aber er klang nicht gl�cklich.</p><p>Dann umrundeten sie einen H�gel, und vor ihnen lag eine weitere niedrige Br�cke. Jenseits davon bog die Stra�e nach Norden ab, um den n�chsten H�gelkamm durch einen Sattel hindurch zu �berqueren. Die Sonne, die genau oben auf dem Kamm sa�, blendete sie. Coramen lag auf der anderen Seite des Kamms. Mat zog den Hut tiefer, um die Augen zu beschatten, und hielt auf der Stra�e nach der Frau Ausschau, nach irgendjemandem, ob zu Fu� oder beritten, und sein Mut sank.</p><p>Vanin fluchte und streckte den Arm aus.</p><p>Ein schwei�bedeckter Brauner k�mpfte sich auf der anderen Flussseite die Steigung hinauf, eine Frau trat ihm hektisch in die Flanken, trieb ihn an, die H�he zu �berwinden. Renna war zu verzweifelt gewesen, die Seanchaner zu erreichen, um auf der Stra�e zu bleiben. Sie war vielleicht zweihundert Schritte von ihnen entfernt, und es h�tten genauso gut Meilen sein k�nnen. Ihr Tier stand kurz vor dem Zusammenbruch, aber bevor sie sie erreicht hatten, konnte sie abspringen und in Sichtweite der Garnison laufen. Dazu musste sie nur die H�gelkuppe erreichen, weitere f�nfzig Schritte.</p><p>�Mein Lord?�, sagte Harnan. Er hatte einen Pfeil eingespannt und den Bogen halb erhoben. Gorderan hielt die schwere Armbrust an die Schulter, ein dicker, spitzer Bolzen war eingelegt.</p><p>In seinem Inneren f�hlte Mat, wie etwas aufflackerte und dann starb. Er wusste nicht, was es war. Irgendetwas. Die W�rfel hallten so laut wie Donnerhall. �Schie�t�, sagte er.</p><p>Er wollte die Augen schlie�en. Die Armbrust schnappte; der Bolzen sauste als schwarzer Schemen durch die Luft. Renna taumelte nach vorn, als er sie in den R�cken traf. Sie hatte es fast geschafft, sich vom Hals des Braunen hochzustemmen, als Harnans Pfeil sie erwischte.</p><p>Langsam sackte sie vom Pferd, rutschte den Abhang hinunter, kam ins Rollen, prallte von Sch�sslingen ab, rollte immer schneller und schneller, bis sie mit einem Klatschen im Fluss landete. Einen Augenblick lang trieb sie mit dem Gesicht nach unten gegen das Ufer, dann erfasste sie die Str�mung und zog sie mit sich, im Wasser bauschten sich ihre R�cke auf. Langsam trieb sie der M�ndung entgegen. Vielleicht w�rde sie irgendwann das Meer erreichen. Und damit waren es drei. <emphasis>Nie wieder</emphasis>, dachte Mat, als Renna hinter eine Biegung trieb und aus der Sicht verschwand. <emphasis>Und wenn ich deswegen sterben muss, nie wieder.</emphasis></p><p>Auf dem Ritt zur�ck nach Osten trieben sie die Pferde nicht an. Daf�r gab es keinen Grund, und Mat f�hlte sich zu Tode ersch�pft. Aber sie legten auch keine Pausen ein, es sei denn, um die Pferde zu tr�nken und sie verschnaufen zu lassen. Niemand wollte reden.</p><p>Nach Mitternacht erreichten sie Jurador, die Stadt war eine dunkle Masse mit fest verschlossenen Toren. Wolken verh�llten den Mond. �berraschenderweise war die Segeltuchwand um Lucas Wanderzirkus direkt hinter der Stadt noch immer da. Zwei in Decken geh�llte, st�mmige M�nner schnarchten unter dem gro�en Spruchband, w�hrend sie den Eingang bewachten. Selbst von der Stra�e aus und in der Dunkelheit war es eindeutig, dass die Fl�che hinter der Wand von Wagen und Zelten gef�llt wurde.</p><p>�Wenigstens kann ich Luca sagen, dass er doch nicht fliehen muss�, meinte Mat m�de und lenkte Pips auf das Spruchband zu. �Vielleicht gibt er uns ja einen Platz, an dem wir ein paar Stunden schlafen k�nnen.� Bei dem ganzen Gold, das er zur�ckgelassen hatte, h�tte Luca ihnen seinen eigenen Wagen geben m�ssen, aber da Mat den Mann kannte, hoffte er, irgendwo wenigstens sauberes Stroh zu bekommen. Morgen w�rde er aufbrechen, um Thom und die anderen zu finden. Und Tuon. Morgen, wenn er ausgeruht war.</p><p>In Lucas gro�em Wagen erwartete ihn eine �berraschung. Er war wirklich ger�umig, jedenfalls f�r einen Wagen, mit einem schmalen Tisch in der Mitte und genug Platz, dass man um ihn herumgehen konnte. Tisch, Schr�nke und Regalbretter waren alle poliert, bis sie gl�nzten. Tuon sa� auf einem vergoldeten Stuhl � Luca musste nat�rlich einen Stuhl haben und selbstverst�ndlich einen vergoldeten, wo jeder andere mit einem Hocker auskommen musste! �, und Selucia stand hinter ihr. Ein strahlender Luca sah zu, wie Latelle Tuon einen Teller voll dampfender kleiner Kuchen anbot, die die schwarze kleine Frau studierte, als w�rde sie tats�chlich etwas essen wollen, das Lucas Frau gebacken hatte.</p><p>Tuon zeigte nicht die geringste Verbl�ffung, als Mat den Wagen betrat. �Ist sie gefangen oder tot?�, sagte sie und nahm einen Kuchen, wobei sie die Finger auf diese seltsam anmutige Weise gebogen hielt.</p><p>�Tot�, erwiderte er tonlos. �Luca, was beim Licht...?�</p><p>�Ich verbiete es, Spielzeug!�, fauchte Tuon und stach mit dem Finger nach ihm. �Ich verbiete Euch, um eine Verr�terin zu trauern!� Ihre Stimme wurde etwas weicher, blieb aber energisch. �Sie hat den Tod verdient, weil sie das Reich verraten hat, und sie h�tte Euch genauso verraten. Sie wollte Euch verraten. Was Ihr getan habt, war Gerechtigkeit; ich verk�nde, dass es das ist.� Ihr Ton verriet, dass, wenn sie etwas verk�ndete, es dann auch so war.</p><p>Mat kniff einen Moment lang die Augen zusammen.</p><p>�Sind alle anderen auch noch hier?�, wollte er wissen.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Luca, der noch immer wie ein Dorftrottel l�chelte. �Die Lady... die Hochlady; verzeiht mir, Hochlady.� Er machte eine tiefe Verbeugung. �Sie hat mit Merrilin und Sandar gesprochen, und... Nun, Ihr seht es ja. Eine sehr �berzeugende Frau, die Lady. Die Hochlady. Cauthon, was mein Gold angeht... Ihr habt gesagt, sie sollten es mir geben, aber Merrilin sagte, er w�rde mir eher die Kehle durchschneiden, und Sandar hat gedroht, mir den Sch�del einzuschlagen, und...� Mats Blick lie� ihn verstummen, dann strahlte er pl�tzlich wieder. �Seht, was die Lady mir gegeben hat!� Er riss einen der Schr�nke auf und holte ein gefaltetes St�ck Papier hervor, das er and�chtig in beiden H�nden hielt. Es war dickes Papier, so wei� wie Schnee; teuer. �Eine Vollmacht. Nat�rlich nicht versiegelt, aber unterzeichnet. Valan Lucas Gro�er Wanderzirkus und Pr�chtige Zurschaustellung von Mysterien und Wundern steht jetzt unter dem pers�nlichen Schutz der Hochlady Tuon Athaem Kore Paendrag. Nat�rlich wird jeder wissen, wer das ist. Ich k�nnte nach Seanchan reisen. Ich k�nnte vor der Kaiserin auftreten! M�ge sie ewig leben�, f�gte er hastig hinzu und verbeugte sich ein weiteres Mal vor Tuon.</p><p><emphasis>F�r nichts</emphasis>, dachte Mat d�ster. Er sank auf eines der Betten und st�tzte die Ellbogen auf die Knie, was ihm einen scharfen Blick von Latelle einbrachte. Vermutlich hielt allein Tuons Anwesenheit sie davon ab, ihm eine Kopfnuss zu verpassen!</p><p>Tuon hob entschieden die Hand, eine schwarze Porzellanpuppe, aber trotz des sch�bigen und zu gro� geratenen Kleids jeden Fingerbreit eine K�nigin. �Ihr werdet das nicht benutzen, au�er in gro�er Not, Meister Luca. <emphasis>Gro�er</emphasis> Not!�</p><p>�Nat�rlich, Hochlady; nat�rlich.� Luca verbeugte sich so oft, dass es den Anschein hatte, als w�rde er gleich den Boden k�ssen.</p><p>Alles verdammt noch mal f�r nichts!</p><p>�Ich habe genau aufgef�hrt, wer nicht unter meinem Schutz steht, Spielzeug.� Tuon biss in einen Kuchen und strich sich mit einem Finger ganz langsam einen Kr�mel von der Lippe. �K�nnt Ihr erraten, wessen Name die Liste anf�hrt?� Sie l�chelte. Es war kein b�sartiges L�cheln. Sondern wieder eines jener L�cheln, die f�r sie selbst bestimmt waren, Am�sement oder Entz�cken wegen etwas, das er nicht erkennen konnte. Pl�tzlich bemerkte er etwas. Der kleine Strau� Seidenrosen, den er ihr gegeben hatte, war an ihrer Schulter festgesteckt.</p><p>Mat fing an zu lachen; er konnte einfach nicht anders. Er warf den Hut auf den Boden und lachte. Trotz allem, trotz all seiner Bem�hungen, kannte er diese Frau nicht im Mindesten! Nicht einmal ann�hernd! Er lachte, bis ihm die Rippen wehtaten.</p></section><section><title><p>30</p><p>Was der Eidstab leisten kann</p></title><p>Die Sonne stand am Horizont und machte den Turm der Wei�en Burg in der Ferne zu einer perfekten Silhouette, aber die K�lte der vergangenen Nacht schien st�rker zu werden, und die dunkelgrauen Wolken am Himmel k�ndeten von Neuschnee. Der Winter zog sich zur�ck, aber er klammerte sich noch zu einer Zeit fest, in der der Fr�hling l�ngst h�tte Einzug halten m�ssen, und er l�ste seinen Griff launenhaft. Der morgendliche L�rm drang in Egwenes Zelt, so isoliert von allem es auch stand. Das Lager schien zu vibrieren. Arbeiter w�rden Wasser von den Quellen bringen, dazu auf Karren Feuerholz und Holzkohle. Dienerinnen w�rden das Fr�hst�ck der Schwestern holen, und Novizinnen des zweiten Ranges zu dem ihren eilen, die des ersten und dritten aber zum Unterricht. Es war ein Tag von entscheidender Bedeutung, auch wenn das keiner von ihnen wusste. Vermutlich w�rde der heutige Tag das Ende der vorget�uschten Verhandlungen bringen, die in Darein stattfanden, an einem Tisch unter einem Pavillon am Fu� der Br�cke nach Tar Valon. Vorget�uscht von beiden Seiten. Elaidas Kommandotrupps schlugen weiterhin frech auf beiden Seiten des Flusses zu. Auf jeden Fall w�rde das heutige Treffen das letzte f�r absehbare Zeit sein.</p><p>Egwene schaute auf ihr Fr�hst�ck nieder, seufzte und fischte einen kleinen schwarzen Flecken aus dem dampfenden Haferbrei, den sie ohne genau hinzusehen, ob es nun ein Kornk�fer war, an einer Leinenserviette abwischte. Wenn man nicht sicher sein konnte, dann machte man sich weniger Sorgen dar�ber, was noch in der Sch�ssel war. Sie schob einen L�ffel voll in den Mund und versuchte sich auf die s��en Aprikosenst�cke zu konzentrieren, die Chesa hineingetan hatte. Zersprang da etwas unter ihren Z�hnen?</p><p>�Alles f�ttert den Magen, pflegte meine Mutter zu sagen, also achtet nicht darauf�, murmelte Chesa, als w�rde sie mit sich selbst sprechen. Auf diese Weise gab sie Egwene Ratschl�ge, ohne die Grenze zwischen Herrin und Dienerin zu �berschreiten. Jedenfalls gab sie Ratschl�ge, wenn Halima nicht da war, und die andere Frau war an diesem Morgen in aller Fr�he gegangen. Chesa sa� auf einer Kleiderkiste, nur f�r den Fall, dass Egwene etwas haben wollte oder ein Botengang erledigt werden musste, aber gelegentlich wanderte ihr Blick zu dem Kleiderstapel, der heute zu den Waschfrauen gebracht werden sollte. Sie hatte keine Probleme damit, vor Egwenes Augen zu stopfen und zu flicken, aber nach ihren Regeln h�tte das Sortieren der W�sche die Grenze �berschritten.</p><p>Egwene zwang die Grimasse von ihrem Gesicht und wollte der Frau sagen, sie solle fr�hst�cken gehen � Chesa betrachtete es ebenfalls als Grenz�berschreitung, zu essen, bevor Egwene fertig war �, aber bevor sie den Mund �ffnen konnte, dr�ngte sich Nisao ins Zelt, vom Schein <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben. Als die Eingangsplane zur�ckfiel, erhaschte Egwene einen Blick auf Sarin, Nisaos kahlen, schwarzb�rtigen Klotz von Beh�ter, der drau�en wartete. Die Kapuze der Schwester lag zur�ckgeschlagen auf ihren Schultern, sorgf�ltig so arrangiert, dass das gelbe Samtfutter zu sehen war, aber sie hielt den Umhang umklammert, als w�rde sie schwer unter der K�lte leiden. Sie sagte kein Wort, sondern warf Chesa nur einen scharfen Blick zu. Chesa wartete Egwenes Nicken ab, dann nahm sie ihren Umhang und eilte hinaus. Sie konnte das Licht der Macht zwar nicht wahrnehmen, aber sie wusste, wann Egwene allein sein wollte.</p><p>�Kairen Stang ist tot�, sagte Nisao ohne Vorwarnung. Ihr Antlitz war glatt, ihre Stimme beherrscht und k�hl. Klein genug, dass sich Egwene gro� vorkam, schien sie dazustehen, als wollte sie einen zus�tzlichen Fingerbreit dazugewinnen. F�r gew�hnlich tat Nisao das nicht. �Sieben Schwestern hatten sie bereits auf den R�ckstand untersucht, bevor ich da war. Es besteht kein Zweifel, dass sie mit <emphasis>Saidin</emphasis> get�tet wurde. Ihr Genick ist gebrochen. Zerschmettert. Als h�tte man ihren Kopf einmal ganz herumgedreht. Wenigstens ist es schnell gegangen.� Nisao holte tief und unsicher Luft, dann erkannte sie, was sie da getan hatte, und stellte sich noch aufrechter hin. �Ihr Beh�ter ist zu einem Mord bereit. Jemand hat ihm einen Kr�utertrank gegeben, um ihn in Schlaf zu versetzen, aber sobald er aufwacht, wird man ihn nur m�hsam kontrollieren k�nnen.� Sie verzichtete auf die �bliche absch�tzige Art, die Gelbe so an sich hatten, wenn Kr�uter erw�hnt wurden, ein Zeichen daf�r, wie aufgebracht sie war, wie reglos ihr Gesicht auch aussehen mochte.</p><p>Egwene legte den L�ffel auf den kleinen Tisch und lehnte sich zur�ck. Pl�tzlich war ihr Stuhl nicht l�nger bequem. Die N�chstbeste nach Leane war jetzt Bode Cauthon. Eine Novizin. Sie versuchte nicht daran zu denken, was Bode sonst noch war. Nach den zus�tzlichen �bungsstunden konnte Bode die Arbeit fast so gut wie Kairen erledigen. Fast. Aber das erw�hnte sie nicht. Nisao kannte einige der Geheimnisse, aber nicht alle. �Anaiya, jetzt Kairen. Beide Blaue Ajah. Kennt Ihr eine weitere Verbindung zwischen ihnen?�</p><p>Nisao sch�ttelte den Kopf. �Anaiya war f�nfzig oder sechzig Jahre lang Aes Sedai, als Kairen in die Burg kam, wenn ich mich recht entsinne. Vielleicht hatten sie gemeinsame Bekannte. Ich wei� es einfach nicht, Mutter.� Jetzt klang sie m�de, ihre Schultern sackten leicht nach vorn. Ihre verstohlene Untersuchung von Anaiyas Tod hatte nirgendwo hingef�hrt, und sie musste wissen, dass Egwene Kairen mit auf die Liste setzen w�rde.</p><p>�Findet es heraus�, befahl Egwene. �Diskret.� Dieser zweite Mord w�rde f�r genug Unruhe sorgen, da musste sie sie nicht noch zus�tzlich sch�ren. Einen Augenblick lang studierte sie die Schwester. Nisao mochte hinterher Entschuldigungen vorbringen, wenn etwas zur Tatsache geworden war, oder behaupten, dass sie ja von Anfang an gegen etwas gewesen war, aber bis dahin war sie immer das perfekte Vorbild f�r das Selbstbewusstsein und die absolute Sicherheit einer Gelben Ajah. Doch im Moment war das anders. �Gehen viele Schwestern umher und halten <emphasis>Saidar</emphasis> umarmt?�</p><p>�Ich habe einige bemerkt, Mutter�, sagte Nisao steif. Ihr Kinn hob sich mit einem Bruchteil Trotz. Aber einen Augenblick sp�ter erlosch der Glanz um sie. Sie zog den Umhang enger, als w�re ihr auf einmal kalt. �Ich bezweifle, dass es Kairen etwas genutzt h�tte. Ihr Tod kam zu pl�tzlich. Aber es l�sst einen sich... sicherer f�hlen.�</p><p>Nachdem die kleine Frau gegangen war, sa� Egwene da und r�hrte ihren Haferbrei mit dem L�ffel um. Sie entdeckte keine weiteren schwarzen Flecken mehr, aber der Appetit war ihr vergangen. Schlie�lich stand sie auf, legte die siebenfarbige Stola um den Hals und warf sich den Umhang um. Heute w�rde sie nicht in Verzweiflung hier sitzen. Gerade am heutigen Tag musste sie ihrer Routine ganz genau folgen.</p><p>Drau�en rollten Karren mit hohen R�dern durch die gefrorenen Rillen der Lagerstra�en, beladen mit gro�en Wasserf�ssern oder B�ndeln aus Feuerholz und S�cken voller Holzkohle, und die Kutscher und Reiter, die hinterher ritten, h�llten sich wegen der K�lte in ihre Umh�nge. Wie gew�hnlich eilten Novizinnenfamilien die h�lzernen Gehsteige entlang und schafften es meistens, den vorbeigehenden Aes Sedai den n�tigen Respekt zu erweisen, ohne langsamer zu werden. Einer Schwester nicht den n�tigen Respekt zu erweisen konnte einem Pr�gel einbringen, aber das konnte Unp�nktlichkeit auch, und die Lehrerinnen waren f�r gew�hnlich weniger nachsichtig als vorbeigehende Aes Sedai, die immerhin in Betracht ziehen konnten, warum eine Novizin an ihnen vorbeieilte.</p><p>Die wei� gekleideten Frauen sprangen beim Anblick der gestreiften Stola, die aus Egwenes Kapuze hing, nat�rlich noch immer aus dem Weg, aber sie weigerte sich, sich von auf der Stra�e knicksenden Novizinnen, die auf dem vereisten Boden herumrutschten und manchmal beinahe sogar aufs Gesicht fielen, bevor ihre Nichten sie packen konnten, die Laune verderben zu lassen, jedenfalls mehr, als das ohnehin schon geschehen war. �Nichten�, so nannten die Mitglieder derselben Familie einander, und irgendwie schien sie das enger zusammenzuschwei�en, als w�ren sie wirklich miteinander verwandt. Was Egwenes Laune allerdings tr�bte waren die paar Aes Sedai, die sie sah und die durch ein wogendes Meer aus Knicksen die Gehsteige entlangrauschten. Es waren kaum mehr als ein Dutzend zwischen ihrem Zelt und dem Studierzimmer der Amyrlin, aber drei von vieren waren nicht nur in ihre Umh�nge geh�llt, sondern auch in das Licht der Macht. Sie gingen �fters zu zweit als allein, gefolgt von allen Beh�tern, die sie hatten. Sie erschienen auch wachsam, ob sie nun von <emphasis>Saidar</emphasis> eingeh�llt wurden oder nicht, und die Kapuzen waren in st�ndiger Bewegung, als sie jeden in Sichtweite musterten.</p><p>Es erinnerte Egwene an die Zeit, als Emondsfelde vom Fleckfieber heimgesucht worden war und jeder mit in Branntwein getauchten, vor die Nase gedr�ckten T�chern herumlief � Doral Barran, die damalige Seherin, hatte behauptet, das w�rde sch�tzen �, mit umklammerten T�chern und misstrauischen Blicken, um zu sehen, wer als n�chstens Flecken bekam und umkippte. Elf Menschen starben, ehe das Fieber verschwand, aber es dauerte noch einen weiteren Monat, bevor alle bereit waren, diese T�cher wegzustecken. Noch lange Zeit danach hatte sie beim Geruch von Branntwein Furcht versp�rt. Zwei Schwestern waren in ihrer Mitte ermordet worden, von einem Mann, der die Macht lenken konnte und der anscheinend dazu f�hig war, nach Belieben ungesehen zu kommen und wieder zu verschwinden. Furcht erfasste die Aes Sedai schneller, als es das Fleckfieber jemals geschafft h�tte.</p><p>Das Zelt, das ihr als Studierzimmer diente, war bei ihrem Eintreffen bereits warm, die Kohlenpfanne verbreitete den Duft von Rosen. Alle Lampen waren entz�ndet. Ihr Tagesablauf war allgemein bekannt. Sie h�ngte den Umhang auf den St�nder in der Ecke, nahm ihren Platz hinter dem Schreibtisch ein und packte mechanisch das wackelige Stuhlbein, das stets zusammenklappen wollte. Alles, was sie tun musste, war, sich an ihre Routine zu halten. Morgen konnte sie dann verk�nden, was getan worden war.</p><p>Ihre erste Besucherin war eine echte �berraschung, vermutlich die letzte Frau, von der sie erwartet hatte, dass sie ihr Zelt betrat. Theodrin war eine schlanke Braune mit apfelroten Wangen, eine kupferfarbene Domani mit einem st�rrischen Zug um den Mund. Einst hatte sie immer zum L�cheln bereit ausgesehen. Sie rauschte �ber die abgetretenen Teppiche und kam nahe genug, dass die Fransen ihrer Stola den Schreibtisch ber�hrten. Nachdem sie einen sehr formellen Knicks gemacht hatte, streckte Egwene die linke Hand aus, damit die Frau den Gro�en Schlangenring k�ssen konnte. F�rmlichkeit musste mit F�rmlichkeit begegnet werden.</p><p>�Romanda m�chte wissen, ob sie Euch heute sprechen kann, Mutter�, sagte die schlanke Braune. Mit leiser Stimme, aber in ihrem Tonfall lag Sturheit verborgen.</p><p>�Wann immer sie m�chte, Tochter�, erwiderte Egwene vorsichtig. Theodrin machte wieder einen Knicks, ohne eine Miene zu verziehen.</p><p>Die Braune war im Begriff zu gehen, als eine der Aufgenommenen ins Zelt hereinplatzte und die mit einem Streifen versehene Kapuze zur�ckschlug. Emara war eine d�nne Frau und genauso klein wie Nisao. Sie sah aus, als k�nnte ein starker Windsto� sie wegblasen, aber sie hatte die ihr unterstellten Novizinnen fest im Griff, fester als so manche andere Schwester. Aber sie war auch hart zu sich selbst, und das Leben einer Novizin sollte hart sein. Emaras Blick huschte zu den Fransen an Theodrins Stola, und ihr Mund verzog sich zu einem ver�chtlichen Grinsen, bevor sie ihre Z�ge straffte und ihre schneewei�en, mit einem Streifen versehenen R�cke zu einem Knicks ausbreitete. Auf Theodrins Wangen kamen blutrote Flecken zum Vorschein.</p><p>Egwene schlug hart genug mit der flachen Hand auf den Tisch, dass das Tintenf�sschen und die Streub�chse in die H�he sprangen. �Habt Ihr vergessen, wie man einer Aes Sedai h�flich gegen�bertritt, Kind?�, fragte sie scharf.</p><p>Emara wurde totenblass � schlie�lich hatte die Amyrlin einen gewissen Ruf �, und machte hastig einen noch tieferen Knicks f�r Theodrin, die ihn mit einem h�lzernen Nikken zur Kenntnis nahm, bevor sie wesentlich schneller aus dem Zelt rauschte, als sie es betreten hatte.</p><p>Was Emara dann mit breitem illianischem Akzent, der durch ihre Nervosit�t noch verst�rkt wurde, hervorstammelte, war eine Bitte Lelaines, sich mit der Amyrlin treffen zu k�nnen. Romanda und Lelaine waren fr�her wesentlich weniger f�rmlich gewesen, sie waren unangek�ndigt gekommen, wann immer sie wollten, aber die Kriegserkl�rung an Elaida hatte vieles ver�ndert. Nicht alles, aber genug. Egwene gab Lelaine die gleiche Antwort wie zuvor Romanda, wenn auch in deutlich k�hlerem Ton, und Emara fiel beinahe �ber die eigenen F��e, als sie ihren Knicks machte und dann regelrecht aus dem Zelt hinausst�rmte. Noch ein Nagel, der die Legende von Egwene al'Vere festschlug, die Amyrlin, die Sereille Bagand wie ein Federkissen aussehen lie�.</p><p>Sobald die Aufgenommene verschwunden war, hob Egwene die Hand und sah das, was sie verdeckt hatte, stirnrunzelnd an. Das zusammengefaltete St�ck Papier, das Theodrin auf dem Tisch platziert hatte, w�hrend sie ihren Ring gek�sst hatte. Ihr Stirnrunzeln vertiefte sich, als sie es auseinander faltete. Die Schrift, die das kleine Blatt bedeckte, war fl�ssig und pr�zise, doch an einer Ecke war ein Tintenfleck. Theodrin war sehr ordentlich. Vielleicht wollte sie die allgemeine Ansicht �ber die Braunen best�tigen.</p><p><emphasis>Romanda hat zwei Schwestern nach Cairhien Reisen lassen, um eine Geschichte zu untersuchen, die die Sitzenden der Gelben in Aufregung versetzt hat. Ich kenne das Ger�cht nicht, Mutter, aber ich werde es herausfinden. Ich habe geh�rt, dass eine von ihnen Nynaeve erw�hnt hat, aber nicht so, als w�re sie in Cairhien, sondern dass das Ger�cht mit ihr zu tun hat.</emphasis></p><p>Die d�mliche Frau hatte sogar mit ihrem Namen unterschrieben!</p><p>�Was ist das, Mutter?�</p><p>Egwene zuckte �berrascht zusammen und erwischte gerade noch das Stuhlbein, bevor sie auf dem Boden landete. Sie richtete ihre finstere Miene auf Siuan, die mit ihrer blaugefransten Stola im Zelteingang stand und ihre Ledermappe an die Brust gedr�ckt hielt. Egwenes �berraschung lie� sie leicht die Brauen heben.</p><p>�Hier�, sagte Egwene gereizt und hielt ihr das Blatt hin. Das war nicht der Augenblick, um in irgendeiner Weise nerv�s zu reagieren! �Ihr habt von Kairen geh�rt?� Nat�rlich musste sie das, aber Egwene sagte trotzdem: �Habt Ihr die n�tigen Ver�nderungen getroffen?� N�tige Ver�nderungen. Beim Licht, sie klang so aufgeblasen wie Romanda. Sie <emphasis>war</emphasis> nerv�s. Erst im letzten Augenblick dachte sie daran, <emphasis>Saidar</emphasis> zu umarmen und einen Abwehrschild gegen Lauscher zu weben; erst nachdem der Schild an Ort und Stelle war, fiel ihr ein, dass der heutige Tag nicht unbedingt den besten Zeitpunkt darstellte, jemanden auf die Idee kommen zu lassen, dass sie mit Siuan private Dinge zu besprechen hatte.</p><p>Siuan war nicht nerv�s. Sie hatte St�rme �berstanden. Und sich vom Ertrinken erholt, w�rde so mancher sagen. F�r sie war es heute nur ein bisschen windig. �Je weniger Zeit Bode hat, dar�ber nachzudenken, desto geringer die M�glichkeit, dass sie in Panik ger�t.� So ruhig wie ein Teich. Nicht einmal zwei ermordete Schwestern konnten Siuan aus dem Gleichgewicht bringen. Oder eine von ihnen durch eine Frau zu ersetzen, die erst wenige Monate Novizin war.</p><p>Aber ihre Stirn legte sich in Falten, als sie die Mitteilung las. �Zuerst taucht Faolain unter�, knurrte sie das Blatt an, �und jetzt bringt Theodrin das Euch statt mir. Das dumme M�dchen hat weniger Verstand als ein Fischervogel! Man k�nnte meinen, sie will, dass jemand herausfindet, dass sie Romanda f�r Euch im Auge beh�lt.� Im Auge behalten. Eine h�fliche Umschreibung f�r Spionin. Sie beide waren in Euphemismen ge�bt. F�r eine Aes Sedai war das selbstverst�ndlich. Heute fand Egwene Euphemismen unertr�glich.</p><p>�Vielleicht will sie ja entdeckt werden. Vielleicht hat sie es satt, dass Romanda ihr vorschreibt, was sie tun soll, was sie sagen soll, was sie denken soll. Ich hatte eine Aufgenommene hier, die Theodrins Stola sp�ttisch angesehen hat, Siuan.�</p><p>Siuan winkte ab. �Romanda versucht jedem vorzuschreiben, was er tun soll. Und denken soll. Was den Rest angeht, die Dinge werden sich �ndern, sobald Theodrin und Faolain auf den Eidstab schw�ren k�nnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Augenblick jemand ernsthaft darauf bestehen wird, dass sie f�r die Stola getestet werden. Bis dahin m�ssen sie eben ertragen, was auf sie zukommt.�</p><p>�Das ist nicht gut genug, Siuan.� Egwene schaffte es, ihren Ton neutral zu halten, aber es kostete sie eine gro�e Anstrengung. Sie hatte zumindest geahnt, was sie den beiden zumutete, als sie ihnen befahl, Romanda und Lelaine auszuspionieren. Sie hatte wissen m�ssen, was die Sitzenden planten, und sie musste es noch immer wissen, aber sie hatte ihnen gegen�ber auch eine Pflicht zu erf�llen. Sie waren die Ersten gewesen, die ihr die Treue geschworen hatten, und das aus freiem Willen. Au�erdem... �Vieles, was man �ber Theodrin und Faolain sagt, kann man auch �ber mich sagen. Wenn <emphasis>Aufgenommene</emphasis> sie respektlos behandeln k�nnen...� Nun, davor hatte sie keine Angst. Die Schwestern waren eine andere Sache. Vor allem die Sitzenden.</p><p>�Siuan, es wird mir niemals gelingen, die Burg wieder zu vereinen, wenn die Aes Sedai an mir zweifeln.�</p><p>Siuan schnaubte laut. �Mutter, mittlerweile wissen selbst Lelaine und Romanda, dass Ihr und Ihr allein der Amyrlin-Sitz seid, ob sie es nun zugeben wollen oder nicht. Mit Deane Aryman w�ren sie nicht auf die gleiche Linie eingeschwenkt. Ich glaube, sie fangen an, Euch als zweite Edarna Noregovna zu sehen.�</p><p>�Das mag ja alles sein�, sagte Egwene sachlich. Deane wurde nach Bonwhins Desaster mit Artur Falkenfl�gel als Retterin der Burg betrachtet. Edarna hielt man f�r die beste Regentin, die je Stab und Stola gehalten hatte. Beide waren sehr starke Amyrlin gewesen. �Aber wie Ihr mich erinnert habt, muss ich aufpassen, dass ich nicht wie Shein Chunla ende.� Shein hatte als starke Amyrlin angefangen und die Burg und den Saal fest im Griff gehabt, und sie hatte als Marionette geendet, die das tat, was man ihr sagte.</p><p>Siuan nickte zustimmend. Sie brachte Egwene die Geschichte der Burg bei, und sie erw�hnte oft Amyrlin, die auf fatale Weise einen Fehltritt gemacht hatten. Sie selbst eingeschlossen. �Aber das hier ist eine andere Sache�, murmelte sie und tippte auf das Papier. �Wenn ich Theodrin in die Finger bekomme, wird sie sich w�nschen, eine Novizin zu sein. Und Faolain! Wenn sie glauben, sie k�nnten sich jetzt aus dem Staub machen, dann schw�re ich, dass ich die beiden aufschlitze wie Schweine auf dem Dock!�</p><p>�Wen wollt Ihr aufschlitzen?�, fragte Sheriam, als sie in einem kalten Luftschwall durch das Gewebe trat.</p><p>Egwenes Stuhl w�re beinahe zusammengebrochen. Sie musste sich einen Stuhl besorgen, der nicht bei jeder Bewegung zusammenklappen wollte. Sie w�re jede Wette eingegangen, dass Edarra niemals zusammengezuckt war, als h�tte ihr jemand Juckpulver ins Kleid getan.</p><p>�Niemanden, der Euch betrifft�, sagte Siuan ruhig und hielt das Papier an eine Flamme der Tischlampe. Es verbrannte schnell, bis zu ihren Fingerspitzen, dann zerrieb sie es zwischen den H�nden und klopfte die Asche ab. Nur Egwene, Siuan und Leane kannten die Wahrheit �ber Theodrin und Faolain. Und die beiden Schwestern nat�rlich. Obwohl es eine ganze Menge gab, das keine von ihnen wusste.</p><p>Sheriam akzeptierte die Zur�ckweisung mit Gleichmut. Die Frau mit den feuerroten Haaren schien sich von ihrem Zusammenbruch im Saal v�llig erholt zu haben. Zumindest hatte sie ihre �u�ere W�rde zur�ckerlangt, jedenfalls gr��tenteils. Als sie zusah, wie Siuan das Blatt verbrannte, hatten sich ihre schr�g stehenden gr�nen Augen vielleicht etwas zusammengezogen, und sie ber�hrte die schmale blaue Stola, die von ihren Schultern herabhing, wie um sich zu versichern, dass sie da war. Sie musste Siuans Befehle nicht hinnehmen � am Ende war es Egwene unangemessen erschienen, ihre Beh�terin in diese Position zu bringen �, aber Sheriam wusste nur zu gut, dass auch Siuan ihre Anweisungen nicht befolgen musste, was sie gewiss �rgerte, jetzt, da Siuan in der Macht so weit unter ihr stand. Das Wissen, dass es Geheimnisse gab, zu denen sie keinen Zugang hatte, musste sie ebenfalls �rgern. Aber sie w�rde damit leben m�ssen.</p><p>Auch sie brachte ein Papier, das sie vor Egwene auf den Tisch legte. �Ich bin unterwegs Tiana begegnet, Mutter, und habe ihr gesagt, dass ich Euch das geben werde.�</p><p>�Das� war der Tagesbericht �ber die Ausrei�er, obwohl der nicht mehr t�glich eingereicht wurde, nicht mal mehr w�chentlich, seit man die Novizinnen zu Familien zusammengefasst hatte. Die Nichten st�tzten einander durch Entt�uschungen und Tr�nen, und schafften es, einander die schlimmsten Fehler auszureden, so wie fortzulaufen. Auf der Seite stand nur ein Name. Nicola Treehill.</p><p>Egwene seufzte und legte das Blatt ab. Sie h�tte gedacht, dass Nicolas Gier nach Wissen ihre F��e stillgehalten h�tte, ganz egal, wie sehr ihre Unzufriedenheit auch wuchs.</p><p>Trotzdem konnte sie nicht behaupten, dass es ihr Leid tat, ihr Ende zu sehen. Nicola war verschlagen und skrupellos, dazu bereit, es mit Erpressung oder womit auch immer zu versuchen, wenn sie glaubte, dass es sie weiterbringen w�rde. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte sie Hilfe gehabt. Areina h�tte sich nicht gestr�ubt, Pferde f�r eine Flucht zu stehlen.</p><p>Pl�tzlich fiel ihr das Datum neben dem Namen auf. Eigentlich waren es zwei Daten, die als Fragezeichen markiert waren. Monate wurden selten benannt, Tage wurden noch weniger gez�hlt, au�er in offiziellen Dokumenten und Vertr�gen. Unterzeichnet, besiegelt und bezeugt in der Stadt Illian am zw�lften Tag des Saven, in diesem Jahr... Und f�r Berichte dieser Natur, und wenn man den Namen einer Frau in das Novizinnenbuch aufnahm. F�r den allgemeinen Gebrauch reichte es, wenn man schrieb, soundso viele Tage vor diesem Festtag oder jenem. Ausgeschrieben sah ein Datum f�r sie immer etwas seltsam aus. Sie musste es an den Fingern abz�hlen, um sich sicher zu sein, was sie da las.</p><p>�Nicola ist vor drei oder vier Tagen weggelaufen, Sheriam, und Tiana meldet es erst jetzt? Sie ist sich nicht einmal sicher, ob es vor drei oder vier Tagen war?�</p><p>�Nicolas Nichten haben sie gedeckt, Mutter.� Sheriam sch�ttelte kleinlaut den Kopf. Seltsamerweise erschien ihr kleines L�cheln aber am�siert. Oder sogar bewundernd.</p><p>�Nicht aus Zuneigung; anscheinend waren sie froh, das Kind gehen zu sehen und hatten Angst, dass man sie zur�ckbringt. Sie war ziemlich unertr�glich, was ihr Talent im Vorhersehen anging. Tiana ist sehr erbost �ber sie. Ich f�rchte, heute wird keine von ihnen sorglos in ihrer Klasse sitzen k�nnen, oder in den kommenden Tagen. Tiana sagt, sie will ihnen jeden Tag den Riemen statt Fr�hst�ck geben, bis Nicola aufgegriffen wurde. Obwohl ich glaube, dass sie schlie�lich einlenken wird. Da Nicola einen so gro�en Vorsprung hat, kann es einige Zeit dauern, bis man sie einholt.�</p><p>Egwene zuckte innerlich zusammen. Sie konnte sich an ihre eigenen Besuche im Studierzimmer der Oberin der Novizinnen erinnern, in dem sie damals jene Frau erwartete, die da vor ihr stand. Sheriam hatte einen starken Arm. Eine t�gliche Dosis davon w�rde hart sein. Aber eine Ausrei�erin zu sch�tzen war ernster, als sich nach Einbruch der Nacht hinauszuschleichen oder einen Streich zu spielen. Sie schob den Bericht zur Seite.</p><p>�Tiana wird das machen, wie sie es f�r richtig h�lt�, sagte sie. �Sheriam, hat sich etwas wegen meines Traums ergeben? Was sagen die Schwestern?� Sie hatte den Traum �ber einen Angriff der Seanchaner am Morgen danach enth�llt, und die Frauen, denen sie davon berichtete, hatten sie apathisch angestarrt, vermutlich weil Anaiyas kurz zuvor ermordet worden war. Das hatte jedermann durcheinander gebracht.</p><p>Statt zu antworten, r�usperte sich Sheriam und gl�ttete ihre blaugeschlitzten R�cke. �Euch ist das vielleicht nicht bekannt, Mutter, aber eine von Nicolas Nichten ist Larine Ayellin. Aus Emondsfelde�, f�gte sie hinzu, als w�sste Egwene das nicht. �Keiner w�rde denken, dass Ihr sie bevorzugt, wenn Ihr ihrer ganzen Familie vergebt. Ob Tiana nun nachgibt oder nicht, in der Zwischenzeit will sie mit ihnen sehr streng umgehen. Sie werden leiden.�</p><p>Egwene lehnte sich auf dem Stuhl zur�ck, vorsichtig wegen des wackligen Beins, und schaute die andere Frau stirnrunzelnd an. Larine war fast im gleichen Alter wie sie, und sie waren in ihrer Kindheit enge Freundinnen gewesen. Sie hatten Stunden miteinander verbracht, hatten sich unterhalten und ge�bt, ihr Haar zu Z�pfen zu flechten f�r den Tag, an dem der Frauenkreis bestimmte, dass sie daf�r alt genug waren. Trotzdem war Larine eine der wenigen Frauen aus Emondsfelde gewesen, die anscheinend akzeptiert hatten, dass Egwene wirklich der Amyrlin-Sitz war, obwohl sie es haupts�chlich dadurch zeigte, dass sie Abstand hielt. Aber glaubte Sheriam, sie w�rde jemanden <emphasis>bevorzugen?</emphasis> Sogar Siuan sah entsetzt aus. �Sheriam, Ihr solltet besser als jede andere wissen, dass die Disziplin der Novizinnen das Reich der Oberin ist. Es sei denn, ein M�dchen w�rde misshandelt, und davon habt Ihr nichts angedeutet. Davon abgesehen, wenn Larine glaubt, sie k�nnte damit durchkommen, heute einer Ausrei�erin zu helfen � einer Ausrei�erin zu helfen, Sheriam! �, was wird sie sich morgen herausnehmen? Sie kann die Stola erringen, wenn sie den Mumm hat, daf�r zu k�mpfen. Ich werde sie nicht auf einen Pfad f�hren, an dessen Ende man sie wegen Verfehlungen fortschickt. Nun gut. Was sagen sie �ber meinen Traum?�</p><p>Sheriam blinzelte, sie sah Siuan an. Beim Licht, glaubte die Frau denn allen Ernstes, sie w�rde unnachgiebig sein, weil Siuan anwesend war? Weil Siuan etwas herumerz�hlen w�rde? Sie h�tte es besser wissen sollen; sie <emphasis>war</emphasis> die Oberin der Novizinnen gewesen. �Die Meinung der Schwestern, Mutter�, sagte Sheriam schlie�lich, �besteht darin, dass die Seanchaner noch immer tausend Meilen weit weg sind, sie kennen das Schnelle Reisen nicht, und wenn sie auf Tar Valon marschieren, dann werden wir es erfahren, bevor sie zweihundert Meilen heran sind.�</p><p>Siuan murmelte etwas, das unfl�tig klang, aber nicht �berrascht. Egwene wollte auch fluchen. Sorgen wegen Anaiyas Ermordung hatten nichts mit der Apathie der Schwestern zu tun gehabt. Sie glaubten einfach nicht, dass Egwene eine Tr�umerin war. Anaiya hatte das getan, aber sie war tot. Siuan und Leane glaubten es, aber keine von ihnen hatte einen ausreichend hohen Rang, als dass man ihnen mit mehr als ungeduldiger H�flichkeit zugeh�rt h�tte, wenn �berhaupt. Und es war ziemlich offensichtlich, dass Sheriam es nicht glaubte. Sie gehorchte ihrem Treueid so pedantisch, wie es sich Egwene nur h�tte w�nschen k�nnen, aber man konnte niemandem befehlen, etwas zu glauben. Sie plapperten nur nach, was man ihnen sagte, und nichts �nderte sich.</p><p>Als Sheriam gegangen war, fragte sich Egwene, was die Frau eigentlich zu ihr gef�hrt hatte. Konnte es sich nur darum gehandelt haben, ihr zu sagen, dass man Larine bestrafen w�rde? Sicherlich nicht. Aber sie hatte nichts anderes gesagt, wenn man davon absah, dass sie Egwenes Fragen beantwortet hatte.</p><p>Wenig sp�ter traf Myrelle ein, kurz danach Morvrin. Egwene konnte f�hlen, wie beide die Quelle loslie�en, bevor sie das Zelt betraten, und sie lie�en ihre Beh�ter drau�en warten. Selbst in den kurzen Augenblicken, in denen sich die Eingangsplanen bewegten, konnte man sehen, dass die M�nner misstrauisch aussahen, selbst f�r Beh�ter.</p><p>Myrelles gro�e dunkle Augen blitzten beim Anblick Siuans auf, ihre Nasenfl�gel bebten. Morvrins rundes Gesicht blieb so reglos wie ein polierter Stein, aber sie fuhr mit beiden H�nden �ber ihre dunkelbraunen R�cke, als wollte sie etwas abwischen. Vielleicht geschah das unbewusst. Im Gegensatz zu Sheriam mussten sie Siuans Befehle befolgen, und das gefiel keiner von ihnen. Es war nicht so, dass Egwene es ihnen unter die Nase reiben wollte, aber sie vertraute Siuan, und den beiden vertraute sie weit weniger, ob sie nun einen Eid geschworen hatten oder nicht. Davon abgesehen gab es Momente, in denen es f�r sie schwierig wenn nicht unm�glich war, den ihr eidverpflichteten Schwestern mitzuteilen, was sie erledigt haben wollte. Siuan konnte Auftr�ge �bermitteln, und auf diese Weise konnte Egwene davon ausgehen, dass sie auch erledigt wurden.</p><p>Sie fragte sofort nach den Meinungen �ber ihre Tr�ume, aber es �berraschte sie nicht, dass die beiden das Gleiche wie Sheriam erz�hlten. Die Seanchaner waren weit weg. Es w�rde eine lange Vorwarnzeit geben. Seit anderthalb Wochen hatte sich die Geschichte nicht ver�ndert. Und was noch schlimmer war...</p><p>�Vielleicht w�re es anders, wenn Anaiya noch leben w�rde�, sagte Morvrin und balancierte auf einem der wackligen Hocker, die vor dem Schreibtisch standen. Trotz ihrer Massen machte sie das m�helos und anmutig.</p><p>�Anaiya stand im Ruf, �ber arkanes Wissen zu verf�gen. Ich pers�nlich war immer der Ansicht, sie h�tte Braun w�hlen sollen. H�tte sie gesagt, dass Ihr eine Tr�umerin seid...� Ein scharfer Blick von Egwene lie� sie verstummen. Myrelle fand es pl�tzlich viel interessanter, sich die H�nde �ber einer Kohlenpfanne zu w�rmen.</p><p>Sie glaubten auch nicht daran. Au�er Siuan und Leane glaubte keiner im Lager, dass Egwene einen echten Traum erlebt hatte. Varilin hatte die Verhandlungen in Darein �bernommen und dr�ngte Beonin in eine unbedeutendere Position hinein, und sie kam st�ndig mit neuen Entschuldigungen an, warum sie gerade in diesem Augenblick keine Warnung weitergeben konnte. Vielleicht in ein paar Tagen, wenn die Gespr�che besser liefen. Als w�rden sie jemals etwas anderes darstellen als Schwestern, die sich im Kreis bewegten, ohne auch nur ein Wort zu sagen, das die andere Seite beleidigt davonziehen lassen w�rde. Niemand au�er Siuan und Leane. Egwene war der Ansicht, dass sie ihr glaubten.</p><p>Myrelle wandte sich von der Kohlenpfanne ab, als w�rde sie sich geistig darauf vorbereiten, eine Hand in die Glut zu legen. �Mutter, ich habe �ber den Tag nachgedacht, an dem Shadar Logoth zerst�rt wurde...� Sie brach ab und wandte sich wieder der Kohlenpfanne zu, als eine Frau mit langem Gesicht das Zelt betrat; sie trug einen dreibeinigen, mit hellen Spiralen bemalten Hocker.</p><p>Maigan war eine Sch�nheit mit gro�en Augen und vollen Lippen, aber irgendwie erschien sie in die L�nge gezogen. Dabei war sie nicht besonders gro�, aber selbst ihre H�nde erschienen lang. Sie widmete Morvrin ein k�hles Nicken und ignorierte Myrelle. �Ich habe heute meinen Hocker mitgebracht, Mutter�, sagte sie und machte einen Knicks, so gut das mit dem Hocker in der Hand ging. �Eure sind ziemlich unsicher, wenn ich das sagen darf.�</p><p>Es war keine �berraschung gewesen, dass die Blaue Ajah nach Anaiyas Tod jemand anderen f�r Egwenes �Rat� bestimmen w�rde, aber sie hatte auf das Beste gehofft, als sie erfahren hatte, wer es sein w�rde. Maigan war eine von Siuans Verb�ndeten gewesen, als Siuan die Amyrlin war.</p><p>�Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich Siuan nach Tee schicke, Mutter?�, fragte Maigan, als sie sich auf ihren Hocker setzte. �Ihr solltet wirklich eine Novizin oder eine Aufgenommene haben, die Euch zur Hand gehen kann, aber Siuan reicht auch.�</p><p>�Die Novizinnen haben Unterricht, Tochter�, erwiderte Egwene, �und selbst mit der Einteilung in Familien haben die Aufgenommenen kaum gen�gend Zeit, sich um ihre eigenen Studien zu k�mmern.� Davon abgesehen m�sste sie jedes Mal, wenn sie mit jemandem unter vier Augen sprechen wollte, eine Novizin oder Aufgenommene hinaus in die K�lte schicken. Das war hart f�r jemanden, der noch nicht gelernt hatte, wie man Hitze oder K�lte ignorierte, au�erdem w�re es wie eine auf dem Zelt gehisste Flagge gewesen, die allen verk�ndete, dass es m�glicherweise etwas Interessantes zu belauschen gab. �Siuan, w�rdet Ihr uns bitte Tee bringen? Ich bin sicher, wir k�nnten alle eine hei�e Tasse vertragen.�</p><p>Maigan hob eine langfingrige Hand, als Siuan zum Eingang ging. �Ich habe in meinem Zelt einen Krug geminzten Honig�, sagte sie in majest�tischem Tonfall. �Holt ihn. Und bedient Euch nicht selbst. Ich wei� noch, wie gern Ihr genascht habt. Beeilt Euch jetzt.� Maigan war eine Verb�ndete gewesen. Jetzt war sie eine der vielen Schwestern, die Siuan f�r die Spaltung der Wei�en Burg verantwortlich machten.</p><p>�Wie Ihr befehlt, Maigan�, erwiderte Siuan in dem�tigem Tonfall und beugte sogar leicht die Knie, bevor sie hinauseilte. Und sie beeilte sich tats�chlich. Maigan hatte den gleichen hohen Rang wie Myrelle oder Morvrin, und es gab keine Befehle oder Treueide, um sie hier zu besch�tzen. Die Frau mit dem langen Gesicht nickte knapp und zufrieden. Siuan hatte betteln m�ssen, um wieder in die Blaue Ajah aufgenommen zu werden, und Ger�chten zufolge hatte Maigan am hartn�ckigsten auf dem Betteln bestanden.</p><p>Morvrin entschuldigte sich und ging, vielleicht wollte sie Siuan aus irgendeinem Grund einholen, aber Myrelle nahm sich einen Hocker und fing mit Maigan einen Wettstreit an: Wer konnte die andere �berzeugender ignorieren? Egwene konnte ihre gegenseitige Abneigung nicht begreifen. Manchmal konnten Menschen einander eben nicht ausstehen. Auf jeden Fall kam hier keine Unterhaltung zustande. Egwene nutzte die Gelegenheit, um die Berichte in Siuans Mappe durchzubl�ttern, aber sie konnte sich nicht auf die Ger�chte aus Illian und die Andeutungen aus Cairhien konzentrieren. Es schien nichts auf die Geschichte hinzudeuten, die laut Theodrin die Gelben Sitzenden in helle Aufregung versetzt hatte. H�tte Siuan etwas gewusst, h�tte sie es gesagt.</p><p>Maigan und Myrelle starrten sie an, als g�be es auf der Welt nichts Interessanteres, als dabei zuzusehen, wie sie die Seiten umbl�tterte. Sie h�tte beide fortgeschickt, aber sie wollte wissen, was Myrelle �ber den Tag gedacht hatte, an dem Shadar Logoth vom Erdboden verschwunden war. Und sie konnte nicht eine wegschicken und die andere dabehalten. Sie sollten beide verflucht sein!</p><p>Als Siuan mit einem Holztablett zur�ckkehrte, auf dem eine silberne Teekanne und Porzellantassen standen � und Maigans wei�er Honigtopf �, folgte ihr ein Soldat in R�stung ins Zeltinnere, ein junger Schienarer, der sein Haar bis auf einen Schopf abrasiert hatte. Jung und doch nicht jung. Ragans dunkle Wange wies eine wulstige wei�e Narbe von einem Pfeilschuss auf, und sein Gesicht war auf die Weise hart, wie es nur das Gesicht eines Mannes sein konnte, der jede Stunde mit dem Tod lebte. W�hrend Siuan die Teetassen verteilte, verbeugte er sich; mit der einen Hand hielt er einen mit einem Mondemblem versehenen Helm gegen die H�fte gestemmt, die andere lag auf dem Schwertgriff.</p><p>�Es ist meine Ehre zu dienen, Mutter�, sagte er f�rmlich.</p><p>�Lord Bryne schickt mich. Er l�sst Euch ausrichten, dass es den Anschein hat, dass die Sto�trupps in der Nacht auf diese Flussseite �bergesetzt haben. Mit Aes Sedai. Lord Bryne verdoppelt die Patrouillen. Er r�t, dass die Schwestern in der N�he des Lagers bleiben. Um Zwischenf�lle zu vermeiden.�</p><p>�Darf ich mich entschuldigen, Mutter?�, fragte Siuan mit dem leicht verlegenen Tonfall einer Frau, die pl�tzlich das dringende Bed�rfnis versp�rte, sich auf den Abort zu begeben.</p><p>�Ja, ja�, sagte Egwene so ungeduldig, wie sie es zustande brachte, und wartete kaum, bis Siuan aus dem Zelt gest�rmt war, bevor sie weitersprach. �Sagt Lord Bryne, dass Aes Sedai gehen, wohin sie wollen und wann sie wollen.� Sie lie� den Mund zuschnappen, bevor sie �Ragan� sagen konnte, aber das lie� sie nur ernster aussehen. Zumindest hoffte sie das.</p><p>�Ich werde es ihm ausrichten, Mutter�, erwiderte er und machte erneut eine Verbeugung. �Herz und Seele dienen Euch.�</p><p>Maigan l�chelte schmal, als er ging. Sie verabscheute Soldaten � ihrer Ansicht nach waren Beh�ter gut und notwendig, Soldaten machten aber aus allem einen Schlamassel, den andere wieder in Ordnung bringen mussten �, und sie unterst�tzte alles, das auf Meinungsverschiedenheiten zwischen Egwene und Gareth Bryne hindeutete. Aber vielleicht war es besser, wenn man sagte, was Lelaine unterst�tzte. In dieser Hinsicht war Myrelle von Kopf bis Fu� Lelaines Frau. Myrelle sah lediglich verbl�fft aus. Sie wusste, dass Egwene gut mit Lord Gareth zurechtkam.</p><p>Egwene stand auf und goss sich eine Tasse Tee ein. Und nahm eine Kleinigkeit von Maigans Honig. Ihre H�nde waren ziemlich ruhig. Die Boote standen bereit. In wenigen Stunden w�rde Leane Bode holen und mit ihr das Lager verlassen, bevor sie erkl�rte, was sie tun mussten. Larine musste die Bestrafung erdulden, die sie sich verdient hatte, und Bode musste tun, was getan werden musste. Egwene war j�nger als Bode gewesen, als man sie auf die Jagd nach den Schwarzen Ajah geschickt hatte. Schienarer dienten mit Herz und Seele ihrem Krieg gegen den Schatten in der F�ulnis. Aes Sedai und jene, die Aes Sedai wurden, dienten der Burg. Eine st�rkere Waffe gegen den Schatten als jedes Schwert, und genauso scharf.</p><p>Als Romanda eintraf � zusammen mit Theodrin, die ihr die Eingangsplane aufhielt �, machte die grauhaarige Gelbe einen akkuraten Knicks, keinen Funken zu tief oder zu flach, als es der Anstand von einer Sitzenden der Amyrlin gegen�ber verlangte. Sie befanden sich jetzt nicht im Saal. Mochte die Amyrlin dort nur die Erste unter Gleichen sein, war sie in ihrem Studierzimmer etwas mehr, selbst f�r jemanden wie Romanda. Allerdings machte sie keine Anstalten, Egwenes Ring zu k�ssen. Es gab Grenzen. Sie musterte Myrelle und Maigan, als w�rde sie dar�ber nachdenken, beide zu bitten, das Zelt zu verlassen. Oder es ihnen zu befehlen. Es war eine heikle Sache. Sitzende erwarteten Gehorsam, aber keine von ihnen geh�rte ihrer Ajah an. Und das hier war das Studierzimmer der Amyrlin.</p><p>Am Ende tat sie keines von beidem, sondern erlaubte Theodrin lediglich, ihr den Umhang abzunehmen, der mit gelben Blumen bestickt war, und eine Tasse Tee einzuschenken. Theodrin musste nicht darum gebeten werden, und sie zog sich mit m�rrischem Gesichtsausdruck und st�ndigem Herumgefummel an ihrer Stola in eine Ecke zur�ck, w�hrend Romanda den freien Hocker nahm. Trotz der unregelm��igen Beine des Hockers schaffte es Romanda, ihn wie einen Sitz im Saal der Burg erscheinen zu lassen oder vielleicht einen Thron, w�hrend sie die mit gelben Fransen versehene Stola richtete, die sie unter dem Umhang getragen hatte.</p><p>�Die Verhandlungen verlaufen schlecht�, sagte sie mit ihrer hohen, melodischen Stimme. Trotzdem lie� sie es wie eine Proklamation klingen. �Varilin kaut missmutig auf ihrer Lippe herum. Auch Magla ist frustriert, was das angeht, sogar Saroiya ist es. Wenn Saroiya anf�ngt, mit den Z�hnen zu knirschen, w�ren die meisten Schwestern bereits am Schreien.� Mit Ausnahme von Janya hatte sich jede Sitzende, die vor der Spaltung der Burg einen Sitz innegehabt hatte, in die Verhandlungen hineingemogelt. Schlie�lich sprachen sie mit Frauen, denen sie seinerzeit im Saal gegen�bergesessen hatten. Beonin war fast zu einem Laufburschen degradiert worden.</p><p>Romanda f�hrte den Tee an die Lippen, dann hielt sie die Tasse wortlos auf der Untertasse zur Seite. Theodrin schoss aus der Ecke herbei, um die Tasse zum Tablett zu tragen und Honig hinzuzuf�gen, bevor sie sie wieder der Sitzenden brachte und sich in ihre Ecke zur�ckzog. Romanda probierte den Tee erneut und nickte zustimmend. Theodrins Gesicht r�tete sich.</p><p>�Die Gespr�che werden verlaufen, wie sie verlaufen werden�, sagte Egwene unbestimmt. Romanda hatte sich gegen jede Art von Verhandlungen ausgesprochen, ob sie nun vorget�uscht waren oder nicht. Und sie wusste, was in der Nacht geschehen w�rde. Den Saal dar�ber im Unklaren zu lassen war als unn�tiger Schlag ins Gesicht erschienen.</p><p>Der straffe Haarknoten in Romandas Nacken wippte, als sie nickte. �Eines haben sie uns bereits deutlich gezeigt. Elaida wird den Sitzenden, die in ihrem Namen sprechen, nicht erlauben, auch nur einen Fingerbreit nachzugeben. Sie hat sich in die Burg gekrallt wie eine Ratte in eine Wand. Die einzige M�glichkeit, sie da herauszubekommen, besteht darin, ihr Frettchen hinterherzuschicken.� Myrelle gab einen Laut von sich, was ihr einen �berraschten Blick von Maigan einbrachte. Romandas Augen blieben unbewegt auf Egwene gerichtet.</p><p>�Elaida wird auf die eine oder andere Weise entfernt�, sagte Egwene beherrscht und stellte die Teetasse auf der Untertasse ab. Ihre Hand zitterte nicht. Was hatte die Frau erfahren? Und wie?</p><p>Romanda verzog das Gesicht, als sie trank, als w�rde dem Tee doch Honig fehlen. Vielleicht auch aus Entt�uschung, weil Egwene nicht mehr gesagt hatte. Die Frau setzte sich auf ihrem Hocker zurecht wie eine Schwertk�mpferin, die sich auf ihren n�chsten Angriff vorbereitete und die Klinge hob. �Ihr habt Dinge �ber die Kusinen gesagt, Mutter. Dass es nicht nur ein paar Dutzend, sondern �ber tausend sind. Dass einige von ihnen f�nfhundert oder sechshundert Jahre alt sind.� Diese Unm�glichkeit lie� sie den Kopf sch�tteln. �Wie k�nnten so viele der Burg entkommen sein?� Das war keine Frage, sondern eine Herausforderung.</p><p>�Wir haben erst k�rzlich in Erfahrung gebracht, wie viele Wilde es beim Meervolk gibt�, erwiderte Egwene ruhig. �Und wir sind uns noch immer nicht sicher, wie viele es genau sind.� Romanda verzog jetzt angewidert das Gesicht. Es waren Gelbe gewesen, die best�tigt hatten, dass es allein in Illian Hunderte von Wilden aus dem Meervolk gab. Der erste Treffer ging an Egwene.</p><p>Aber ein Treffer reichte nicht, um Romanda zu erledigen. Oder sie auch nur schwer zu verletzen. �Wir werden sie jagen und gefangen nehmen m�ssen, sobald unsere Arbeit hier getan ist�, sagte sie grimmig. �Ein paar Dutzend in Ebou Dar und Tar Valon unbehelligt zu lassen, damit wir Ausrei�erinnen besser aufsp�ren k�nnen, war eine Sache, aber wir k�nnen unm�glich tausend Wilden erlauben, sich zu... organisieren.� In das letzte Wort, die Vorstellung, dass sich Wilde organisierten, legte sie weit mehr Verachtung als in den Rest. Myrelle und Maigan beobachteten alles genau und spitzten die Ohren. Maigan beugte sich sogar gespannt vorw�rts. Keine wusste mehr als die Geschichten, die Egwene verbreitet hatte und von denen jedermann annahm, dass sie von Siuans Augen-und-Ohren stammten.</p><p>�Nun, es sind weit mehr als tausend�, korrigierte Egwene sie, �und nicht eine davon ist eine Wilde. Sie alle sind Frauen, die von der Burg fortgeschickt wurden, abgesehen von ein paar hundert Ausrei�erinnen, die der Gefangenschaft entgangen sind.� Sie hob ihre Stimme nicht, aber sie brachte jedes Argument energisch vor und erwiderte Romandas Blick. �Wie dem auch sei, wie wollen wir sie Eurer Ansicht nach aufsp�ren? Es gibt sie in jedem Land, sie �ben alle m�glichen Berufe aus. Ebou Dar war der einzige Ort, in dem sie je bewusst zusammengekommen sind, und sie sind alle geflohen, als die Seanchaner einfielen. Seit den Trolloc-Kriegen haben die Kusinen die Burg nur das wissen lassen, was sie sie wissen lassen wollten. Zweitausend Jahre, die sie sich unter der Nase der Burg verborgen haben. Ihre Zahl ist angewachsen, w�hrend die der Burg abgenommen hat. Was schlagt Ihr vor, wie sollen wir sie jetzt finden unter all den Wilden da drau�en, die die Burg immer ignoriert hat, weil sie �zu alt� waren, um Novizinnen zu werden? Die Kusinen ragen in keiner Weise aus der Masse heraus, Romanda. Sie benutzen die Macht fast so oft wie die Aes Sedai, aber ihnen ist ihr Alter wie jedem anderen auch anzusehen, wenn auch nur langsamer. Wenn sie sich versteckt halten wollen, dann werden wir sie niemals finden.� Und das waren mehrere Treffer f�r Egwene, und sie hatte keinen einstecken m�ssen. Romandas Stirn gl�nzte vor Schwei�, bei einer Aes Sedai ein sicheres Anzeichen f�r Verzweiflung. Myrelle sa� ganz still da, aber Maigan schien kurz davor zu stehen, von ihrem Hocker zu fallen, ganz egal, wie standfest er auch war.</p><p>Romanda befeuchtete sich die Lippen. �Wenn sie die Macht lenken, dann m�ssten sie auch das dazugeh�rige Aussehen haben. Wenn sie altern, k�nnen sie die Macht nicht sehr oft ergreifen. Und auf keinen Fall k�nnen sie f�nfhundert oder gar sechshundert Jahre alt werden!� Anscheinend gab es keinen Raum mehr f�r Heimlichkeiten.</p><p>�Es gibt nur einen gravierenden Unterschied zwischen Aes Sedai und Kusinen�, sagte Egwene leise. Die Worte erschienen dennoch laut. Sogar Romanda schien die Luft anzuhalten. �Sie haben die Wei�e Burg verlassen, bevor sie auf den Eidstab schw�ren konnten.� Da! Endlich war es ausgesprochen!</p><p>Romanda zuckte zusammen, als h�tte sie einen t�dlichen Schlag erhalten. �Ihr habt die Eide noch nicht abgelegt�, sagte sie heiser. �Wollt Ihr darauf verzichten? Wollt Ihr die Schwestern bitten, darauf zu verzichten?� Myrelle oder Maigan keuchte auf. Vielleicht auch alle beide.</p><p>�Nein!�, erwiderte Egwene scharf. �Die Drei Eide machen uns erst zu Aes Sedai, und ich werde auf den Eidstab schw�ren, sobald er uns geh�rt!� Sie holte tief Luft und milderte ihren Tonfall. Aber sie beugte sich der anderen Frau entgegen und versuchte sie mit einzuschlie�en. Sie zu �berzeugen. Beinahe h�tte sie die Hand ausgestreckt. �Im Moment ziehen sich Schwestern zur�ck, um ihre letzten Jahre in Frieden zu verbringen, Romanda. W�re es nicht besser, wenn es nicht ihre letzten Jahre w�ren? Wenn die Schwestern sich bei den Kusinen zur Ruhe setzen w�rden, dann k�nnten sie die Kusinen an die Burg binden. Dann w�re auch eine sinnlose Jagd nicht n�tig.� Sie war schon so weit gegangen, dann konnte sie auch genauso gut den letzten Schritt machen. �Der Eidstab kann binden, aber auch entbinden.�</p><p>Maigan landete mit einem dumpfen Knall auf den Knien und k�mpfte sich vom Teppich hoch, dabei strich sie indigniert �ber die R�cke, als h�tte man sie gesto�en. Myrelles dunkles Gesicht sah etwas blass aus.</p><p>Mit langsamen Bewegungen stellte Romanda ihre Tasse auf dem Rand des Schreibtischs ab, sie stand auf und richtete die Stola. Ausdruckslos schaute sie auf Egwene herunter, w�hrend Theodrin den gelbverzierten Umhang auf ihre Schultern legte, die goldene Spange schloss und die Falten so sorgf�ltig drapierte, wie es jede Zofe getan h�tte. Erst dann ergriff Romanda wieder das Wort, und ihre Stimme klang wie Stein. �Als ich ein kleines M�dchen war, habe ich davon getr�umt, Aes Sedai zu werden. Von dem Tag an, an dem ich die Wei�e Burg betrat, habe ich versucht, wie eine Aes Sedai zu leben. Ich habe als Aes Sedai gelebt, und ich werde als Aes Sedai sterben. Das darf man nicht zulassen!�</p><p>Sie drehte sich anmutig um, stie� aber den Hocker um, auf dem sie gesessen hatte, anscheinend ohne es zu bemerken. Theodrin eilte ihr hinterher. Seltsamerweise mit besorgter Miene.</p><p>�Mutter?� Myrelle holte tief Luft, w�hrend sie an den gr�nen R�cken zupfte. �Mutter, schlagt Ihr allen Ernstes vor...� Sie verstummte, anscheinend unf�hig, es auszusprechen. Maigan sa� auf ihrem Hocker, als w�rde sie sich zwingen, sich nicht nach vorn zu beugen.</p><p>�Ich habe die Fakten genannt�, sagte Egwene ruhig.</p><p>�Eine Entscheidung muss der Saal treffen. Sagt mir, Tochter: W�rdet Ihr den Tod w�hlen, wenn Ihr leben und weiterhin der Burg dienen k�nntet?�</p><p>Die Gr�ne Schwester und die Blaue tauschten Blicke aus, dann wurde ihnen bewusst, was sie getan hatten, und ignorierten einander ruckartig. Keine von ihnen antwortete, aber Egwene vermochte f�rmlich die Gedanken zu lesen, die sich hinter ihrer Stirn jagten. Nach ein paar Augenblikken stand sie auf und stellte den Hocker wieder richtig hin.</p><p>Selbst das entlockte ihnen kaum mehr als gemurmelte Entschuldigungen, dass Egwene gezwungen gewesen war, es selbst zu tun. Dann versanken sie in stumme Nachdenklichkeit.</p><p>Egwene versuchte sich wieder auf die Berichte in Siuans Mappe zu konzentrieren � das Patt im Stein von Tear zog sich hin, und keiner hatte auch nur die leiseste Ahnung, wie es weitergehen sollte �, aber nicht lange nach Romandas Abgang traf Lelaine ein.</p><p>Im Gegensatz zu Romanda kam die schlanke Blaue Sitzende allein, und sie schenkte sich auch selbst Tee ein. Sie nahm auf dem freien Hocker Platz und warf sich den pelzgef�tterten Umhang, der von einer silbernen Umhangspange mit gro�en Saphiren zusammengehalten wurde, zur�ck �ber die Schultern. Auch sie trug ihre Stola; das taten Sitzende f�r gew�hnlich. Lelaine war direkter als Romanda.</p><p>Zumindest hatte es den Anschein. In ihren Augen lag ein scharfes Funkeln.</p><p>�Kairens Tod hat die Aussicht, mit der Schwarzen Burg zu irgendeiner Art von Einigung zu kommen, weiter zur�ckgeworfen�, murmelte sie �ber ihrer Teetasse und inhalierte den Dampf. �Und da ist der arme Llyw, um den man sich k�mmern muss. Vielleicht wird Myrelle ihn ja nehmen. Zwei ihrer drei Beh�ter geh�rten erst anderen Schwestern. Sonst hat noch nie jemand zwei Beh�ter gerettet, deren Aes Sedai gestorben sind.�</p><p>Egwene war nicht die Einzige, die einen feinen Unterton heraush�rte. Myrelles Gesicht war definitiv blass geworden. Sie hatte zwei Geheimnisse, die sie verbergen musste, und eines davon war, dass sie vier Beh�ter hatte. Die Weitergabe von Lan Mandragorans Bund von Moiraine an sie war etwas gewesen, das seit hundert Jahren nicht mehr geschehen war. Heutzutage betrachtete man so etwas, als h�tte man einem Mann den Bund gegen seinen Willen aufgezwungen. Etwas, das seit Hunderten von Jahren nicht mehr vorgekommen war. �Drei reichen mir, Mutter�, sagte sie atemlos. �Mutter, wenn Ihr mich entschuldigt?�</p><p>Maigan lachte leise, als Myrelle mit schnellen Schritten das Zelt verlie�. Nicht schnell genug, dass sie <emphasis>Saidar</emphasis> nicht umarmte, bevor die Eingangsplane hinter ihr zufiel.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Lelaine und wechselte einen am�sierten Blick mit der anderen Blauen, �es hei�t, sie w�rde ihre Beh�ter heiraten. Sie alle. Vielleicht eignet sich der arme Llyw nicht als Ehemann.�</p><p>�Er ist so breit wie ein Pferd�, meinte Maigan. Trotz ihrer Heiterkeit wegen Myrelles Flucht lag keine Bosheit in ihrer Stimme. Sie stellte lediglich eine Tatsache fest. Llyw war ein ausgesprochen gro�er Mann. �Ich glaube, ich kenne eine junge Blaue, die ihn nehmen k�nnte. Sie ist nicht auf diese Art an M�nnern interessiert.�</p><p>Lelaine nickte auf eine Weise, die besagte, dass die junge Blaue ihren Beh�ter gefunden hatte. �Gr�ne k�nnen sehr merkw�rdig sein. Nehmt zum Beispiel Elayne Trakand. Ich h�tte nie damit gerechnet, dass Elayne Gr�n w�hlen w�rde. Ich hatte sie als Blaue eingesch�tzt. Das M�dchen hat ein gutes Gesp�r f�r politische Str�mungen. Auch wenn sie ebenfalls die Neigung hat, in tieferen Gew�ssern zu wandern, als gut f�r sie ist. W�rdet Ihr das nicht auch sagen, Mutter?� L�chelnd trank sie ihren Tee.</p><p>Das war ganz und gar nicht wie Romandas behutsames Vortasten. Hier folgte ein Schlag auf den n�chsten, und die Klinge kam aus dem Nichts. Wusste Lelaine �ber Myrelle und Lan Bescheid? Hatte sie jemanden nach Caemlyn geschickt, und wenn ja, was hatte sie erfahren? Egwene fragte sich, ob sich Romanda auch so schwindlig gef�hlt hatte.</p><p>�Glaubt Ihr, der Mord an Kairen reicht aus, um eine Vereinbarung zu verhindern?�, fragte sie. �Schlie�lich k�nnte es Logain gewesen sein, der f�r irgendeine verr�ckte Rache zur�ckgekehrt ist.� Warum beim Licht hatte sie das gesagt? Sie musste ihre Zunge z�geln und ihren Verstand benutzen. �Oder, was eher wahrscheinlich ist, irgendein armer Narr von einem der umliegenden Bauernh�fe oder aus einer der Br�ckenst�dte.� Lelaines L�cheln wurde breiter, und es war sp�ttisch, nicht am�siert. Beim Licht, die Frau hatte schon seit Monaten nicht mehr so viel Respektlosigkeit gezeigt.</p><p>�Wenn Logain sich r�chen wollte, Mutter, dann w�re er wohl in der Wei�en Burg und w�rde versuchen, Rote umzubringen.� Trotz des L�chelns war ihre Stimme glatt und unbeteiligt. Ein beunruhigender Kontrast. Wom�glich war das ihre Absicht. �Vielleicht ist es schade, dass er das nicht tut. Er k�nnte Elaida beseitigen. Aber das w�re einfacher, als sie es verdient hat. Nein, Kairens Tod wird eine Vereinbarung genauso wenig aufhalten wie der von Anaiya, aber die Schwestern werden sich noch mehr Sorgen um Sicherheiten und scharfe Kritik machen. Wir m�gen diese M�nner brauchen, aber wir <emphasis>m�ssen</emphasis> sicher sein, dass <emphasis>wir</emphasis> die Kontrolle haben. Die absolute Kontrolle.�</p><p>Egwene nickte. Ein kleines Nicken. Sie stimmte zu, aber... �Es k�nnte schwierig sein, sie dazu zu bringen, das zu akzeptieren�, sagte sie. Schwierig sein? Heute zeigte sie definitiv ein Talent f�r Untertreibung.</p><p>�Der Beh�terbund k�nnte leicht ver�ndert werden�, sagte Maigan. �Man kann jetzt schon einen Mann dazu bringen, das zu tun, was man will, wenn man ihn etwas zwickt. Aber die Notwendigkeit zum Zwicken k�nnte man durchaus entfernen.�</p><p>�Das klingt zu sehr nach Zwang�, sagte Egwene energisch. Sie hatte dieses Gewebe von Moghedien gelernt, aber nur, damit sie sich dessen erwehren konnte. Das Gewebe war �bler Dreck, der Diebstahl freien Willens, des ganzen Ichs. Jemand, dem der Zwang auferlegt worden war, tat alles, was man ihm befahl. Alles. Und glaubte, es sei seine eigene Idee gewesen. Allein schon der Gedanke daran lie� sie sich schmutzig f�hlen.</p><p>Aber Maigan erwiderte ihren Blick fast so offen wie Lelaine, und ihre Stimme war so glatt wie ihr Gesicht. Sie fand es nicht schmutzig. �In Cairhien wurde Schwestern der Zwang auferlegt. Das scheint mittlerweile festzustehen.</p><p>Aber ich sprach vom Beh�terbund, einer ganz anderen Sache.�</p><p>�Ihr glaubt, man k�nnte die Asha'man dazu �berreden, den Bund einzugehen?� Egwene konnte ihre Ungl�ubigkeit nicht verbergen. �Davon abgesehen, wer sollte diesen Bund eingehen? Selbst wenn jede Schwester, die beh�terlos ist, einen Asha'man �bernimmt und jede Gr�ne zwei oder drei nehmen sollte, gibt es dazu nicht genug Schwestern. Immer unter der Voraussetzung, dass man jemanden findet, dem es gleichg�ltig ist, mit einem Mann verbunden zu sein, der den Verstand verlieren wird.�</p><p>Maigan nickte bei jedem Punkt, als w�rde sie ihn akzeptieren, und richtete ihre R�cke dabei, als w�rde sie nicht richtig zuh�ren. �Wenn der Bund in einer bestimmten Weise ver�ndert werden kann�, sagte sie, sobald Egwene geendet hatte, �dann sollte es m�glich sein, ihn auch anderweitig zu �ndern. M�glicherweise kann man daf�r sorgen, dass man die Gef�hle des anderen nicht l�nger wahrnimmt, dass sich beide einander nicht mehr bewusst sind. Dann w�rde der Wahnsinn vielleicht kein Problem mehr darstellen. Es w�re eine andere Art von Bund, nicht so wie der Beh�terbund. Ich bin sicher, jedermann w�rde zustimmen, dass es gar nicht so w�re, als h�tte man einen Beh�ter. Jede Schwester k�nnte mit so vielen Asha'man wie n�tig den Bund eingehen.�</p><p>Pl�tzlich wurde sich Egwene bewusst, was hier gerade geschah. Lelaine sa� scheinbar unbeteiligt da und schaute in ihre Teetasse, aber sie studierte Egwene durch die Wimpern. Und benutzte Maigan als K�der. Egwene unterdr�ckte ihren Zorn und musste ihre Stimme nicht kalt klingen lassen. Sie war zu Eis erstarrt.</p><p>�Das klingt <emphasis>exakt</emphasis> wie der Zwang, Lelaine. Es ist Zwang, und keine Wortklauberei wird es zu etwas anderem machen. Das werde ich <emphasis>jedem</emphasis> klarmachen, der das vorschl�gt. Und ich werde f�r jeden, der mehr tut, als es nur vorzuschlagen, die Pr�gelstrafe anordnen. Der Zwang ist verboten, und er wird auch verboten bleiben.�</p><p>�Wie Ihr befiehlt�, erwiderte Lelaine, was alles bedeuten konnte. Was nun folgte, war da schon genauer. �Gelegentlich macht die Wei�e Burg Fehler. Man kann nicht leben, ohne Fehler zu machen. Aber wir leben, und wir machen weiter. Und wenn wir unsere Fehler auch manchmal verbergen m�ssen, wenn m�glich korrigieren wir sie. Selbst wenn es schmerzhaft ist.� Sie stellte ihre Tasse zur�ck aufs Tablett und ging zusammen mit Maigan. Maigan umarmte die Quelle, bevor sie das Zelt verlie�. Lelaine tat es nicht.</p><p>Eine Zeit lang konzentrierte sich Egwene darauf, ihre Atmung ruhig zu halten. Sie f�hrte den von den Ufern gehaltenen Fluss durch. Lelaine hatte nicht direkt gesagt, dass Egwene al'Vere als Amyrlin ein Fehler war, der korrigiert werden musste, aber sie war nahe dran gewesen.</p><p>Mittags brachte Chesa Egwenes Essen auf einem weiteren Tablett, warmes knuspriges Brot mit nur einem oder zwei verd�chtigen dunklen Flecken und Eintopf aus z�hen Streckr�ben und h�lzernen M�hren mit St�cken von etwas, das m�glicherweise Ziege war. Egwene bekam nur einen L�ffel davon herunter. Es lag nicht daran, dass Lelaine ihr Sorgen machte. Lelaine hatte sie schon zuvor bedroht, wenn auch nicht mehr, seit sie klargemacht hatte, dass sie die Amyrlin war und keine Marionette. Statt zu essen, starrte sie Tianas Bericht an, der auf dem Tisch lag. M�glicherweise h�tte Nicola die Stola trotz ihres Potenzials nicht errungen, aber die Burg hatte eine lange Erfahrung darin, sture, fehlerbehaftete Frauen in selbstbewusste Aes Sedai zu verwandeln. Larine hatte eine gl�nzende Zukunft vor sich, aber sie musste lernen, die Regeln zu befolgen, bevor sie dann lernen konnte, welche davon gebrochen werden konnten und unter welchen Umst�nden. Die Wei�e Burg war gut darin, beides zu lehren, aber zuerst kam immer der Gehorsam. Bodes Zukunft war viel versprechend. Ihr Potenzial reichte beinahe an das von Egwene heran. Aber ob Aes Sedai, Aufgenommene oder Novizin, die Burg verlangte von einem, das zu tun, was f�r die Burg wichtig war. Aes Sedai, Aufgenommene, Novizin oder Amyrlin.</p><p>Chesa zeigte sich sichtlich entt�uscht, als sie zur�ckkehrte und den Eintopf so gut wie unber�hrt vorfand, vor allem, da sie ein fast unber�hrtes Fr�hst�ck vorgefunden hatte. Egwene zog in Betracht, Magenschmerzen vorzugeben, verwarf es dann aber. Nachdem Chesas Tee ihr bei den Kopfschmerzen geholfen hatte � zumindest ein paar Tage lang, bis sie schlimmer als je zuvor zur�ckgekehrt waren und das jede Nacht �, hatte sich herausgestellt, dass die pummelige Frau eine Sammlung von Heilkr�utern f�r jegliche Beschwerden hatte, die sie jedem Marketender mit geschicktem Mundwerk abkaufte und von denen jede widerlicher schmeckte als die vorherige. Sie hatte so eine Art, so betr�bt auszusehen, wenn man die furchtbaren Mixturen nicht trank, dass man sie doch tats�chlich schluckte, nur damit sie sich keine Sorgen machte. Manchmal halfen sie sogar �berraschenderweise, aber sie waren niemals etwas, das Egwene herunterschlucken wollte. Sie schickte Chesa mit dem Tablett fort und versprach, sp�ter etwas zu essen. Zweifellos w�rde Chesa ein Abendessen auftischen, das gro� genug war, um damit eine Gans zu m�sten.</p><p>Der Gedanke wollte sie eigentlich l�cheln lassen � Chesa w�rde hinter ihr stehen und die H�nde ringen, bis sie jeden Bissen aufa� �, aber ihr Blick fiel wieder auf Tianas Bericht. Nicola, Larine und Bode. Die Wei�e Burg war eine strenge Lehrmeisterin. Solange sich die Wei�e Burg nicht durch die Mehrheitsentscheidung des Saals im Krieg befand, sollte die Amyrlin nicht... Aber die Burg befand sich im Krieg.</p><p>Sie vermochte nicht zu sagen, wie lange sie da sa� und das Papier mit dem einen Namen anstarrte, aber als Siuan zur�ckkehrte, hatte sie eine Entscheidung getroffen. Eine strenge Lehrmeisterin, die niemals jemanden bevorzugte.</p><p>�Sind Leane und Bode aufgebrochen?�, fragte sie.</p><p>�Vor mindestens zwei Stunden, Mutter. Leane muss Bode abliefern und dann flussabw�rts reiten.�</p><p>Egwene nickte. �Bitte lasst Daishar satteln...� Nein. Mittlerweile erkannten einige Leute das Pferd der Amyrlin.</p><p>Zu viele. Es war keine Zeit daf�r da, Argumente auszutauschen und Erkl�rungen abzugeben. Keine Zeit, ihre Autorit�t zu beweisen. �Sattelt Bela und wartet an der Ecke zwei Stra�en weiter n�rdlich auf mich.� Auch Bela kannte fast jeder. Siuans Pferd kannte jeder.</p><p>�Was wollt Ihr tun, Mutter?�, fragte Siuan besorgt.</p><p>�Ich will ausreiten. Und Siuan, sagt es keinem.� Sie begegnete dem Blick der anderen Frau und hielt ihn fest. Siuan war Amyrlin gewesen und hatte einen Stein niederstarren k�nnen. Jetzt war Egwene die Amyrlin. �Niemandem, Siuan. Und jetzt geht. Geht. Und beeilt Euch.� Siuan hastete mit noch immer gerunzelter Stirn hinaus.</p><p>Sobald Egwene allein war, nahm sie die Stola vom Hals, faltete sie sorgf�ltig zusammen und verstaute sie in ihrer G�rteltasche. Ihr Umhang war aus guter Wolle, aber unauff�llig. Ohne die aus der Kapuze baumelnde Stola h�tte sie irgendeine Schwester sein k�nnen.</p><p>Der Gehsteig vor ihrem Zelt war nat�rlich leer, aber sobald sie die vereiste Stra�e �berquerte, bahnte sie sich einen Weg durch den �blichen wei�en Fluss von Novizinnen, der mit Aufgenommenen und gelegentlich einer Aes Sedai gesprenkelt war. Die Novizinnen beugten vor ihr die Knie, ohne langsamer zu werden, die Aufgenommenen machten Knickse, sobald sie sahen, dass die R�cke unter ihrem Umhang keinen wei�en Streifen aufwiesen, und die Aes Sedai rauschten mit von Kapuzen verh�llten Gesichtern vorbei. Falls jemandem auffiel, dass ihr kein Beh�ter folgte, nun, einige Schwestern hatten keinen Beh�ter. Und nicht jede wurde vom gl�henden Schein <emphasis>Saidars</emphasis> eingeh�llt. Nur die meisten.</p><p>Zwei Stra�en von ihrem Zelt entfernt blieb sie am Rand des Gehsteigs stehen und wandte sich vom Strom der vorbeieilenden Frauen ab. Sie versuchte sich keine Sorgen zu machen. Die Sonne stand auf dem halben Weg zum Horizont im Westen, eine goldene Scheibe, die vom zerkl�fteten Gipfel des Drachenbergs aufgespie�t wurde. Der Schatten des Berges fiel bereits �ber das Lager und h�llte die Zelte in abendliches D�mmerlicht.</p><p>Endlich kam Siuan auf Bela angeritten. Die zottelige kleine Stute ging sicher auf der glatten Stra�e, aber Siuan klammerte sich an Z�geln und Sattel fest, als h�tte sie Angst herunterzufallen. Vielleicht war es ja tats�chlich so. Siuan war eine der schlechtesten Reiterinnen, die Egwene jemals gesehen hatte. Als sie mit wehenden R�cken und gemurmelten Fl�chen aus dem Sattel rutschte, erschien sie so erleichtert, als w�re sie gerade mit dem Leben davongekommen. Bela wieherte, als sie Egwene erkannte. Siuan richtete ihre verrutschte Kapuze und �ffnete den Mund, aber Egwene hielt eine warnende Hand hoch, bevor sie sprechen konnte. Sie konnte sehen, wie Siuans Lippen das Wort �Mutter� formten. Und vermutlich w�re es laut genug gewesen, um auch noch in f�nfzig Schritten Entfernung geh�rt zu werden.</p><p>�Sagt keinem etwas�, fl�sterte Egwene. �Und auch keine Notizen oder Andeutungen.� Das sollte alles abdecken.</p><p>�Leistet Chesa Gesellschaft, bis ich zur�ckkehre. Ich will nicht, dass sie sich Sorgen macht.�</p><p>Siuan nicke z�gernd. Ihre Miene erschien beinahe m�rrisch. Egwene vermutete, dass es klug gewesen war, �Notizen� und �Andeutungen� hinzuzuf�gen. Sie lie� die ehemalige Amyrlin wie ein m�rrisches M�dchen dreinschauen und schwang sich anmutig in Belas Sattel.</p><p>Aufgrund der gefrorenen Rillen in den Lagerstra�en musste sie die Stute erst im Schritt gehen lassen. Und weil sich jeder wundern w�rde, wenn er Siuan schneller als im Schritttempo auf Bela reiten sah. Sie versuchte wie Siuan zu reiten, schwankte unsicher hin und her, klammerte sich mit einer Hand am hohen Sattelknauf fest und manchmal auch mit beiden. Es gab ihr das Gef�hl, als w�rde auch sie gleich herunterfallen. Bela verdrehte den Kopf, um sie anzusehen. Sie wusste, wer auf ihrem R�cken sa�, und sie wusste, dass Egwene besser reiten konnte. Egwene ahmte weiterhin Siuan nach und versuchte nicht an den Sonnenstand zu denken. Den ganzen Weg aus dem Lager hinaus, an den Wagen vorbei, bis die ersten B�ume sie vor den Zelten und Wagen verbargen.</p><p>Dann beugte sie sich �ber den Sattelknauf, um ihr Gesicht in Belas M�hne zu dr�cken. �Du hast mich von den Zwei Fl�ssen fortgetragen�, fl�sterte sie. �Kannst du jetzt genauso schnell laufen?� Sie richtete sich wieder auf und stie� die Fersen in Belas Flanken.</p><p>Bela konnte nicht so galoppieren wie Daishar, aber ihre kr�ftigen Beine stapften durch den Schnee. Sie war einst ein Zugpferd gewesen, kein Rennpferd oder Streitross, aber sie gab alles, was sie hatte, und streckte den Hals genauso mutig wie Daishar nach vorn. Bela rannte, und die Sonne glitt am Himmel in die Tiefe, als w�re sie pl�tzlich eingeschmiert worden. Egwene duckte sich tief in den Sattel und feuerte das Pferd an. Ein Rennen mit der Sonne, von dem Egwene wusste, dass sie es nicht gewinnen konnte. Aber selbst wenn sie die Sonne nicht schlagen konnte, war trotzdem noch genug Zeit. Sie stie� im Rhythmus mit Belas Hufen mit den Fersen, und Bela lief.</p><p>Bevor Egwene das Wasser des Erinin funkeln sah, rollte das Zwielicht �ber sie hinweg, gefolgt von der Dunkelheit und dem aufgehenden Mond. Noch war Zeit. Es handelte sich ann�hernd um die Stelle, an der sie auf Daishar neben Gareth gestanden und zugesehen hatte, wie die Flussschiffe sich auf Tar Valon zubewegten. Sie z�gelte Bela und lauschte.</p><p>Stille. Und dann ein unterdr�ckter Fluch. Das leise Grunzen von M�nnern, die eine schwere Last �ber den Schnee zerrten und dabei leise zu sein versuchten. Sie lenkte Bela an den B�umen vorbei auf die Laute zu. Schatten bewegten sich, und sie h�rte das leise Fl�stern von Stahl, der aus Scheiden glitt.</p><p>Dann murmelte ein Mann nicht leise genug: �Ich kenne das Pony. Es ist eine der Schwestern. Die, die angeblich mal Amyrlin gewesen sein soll. Ich finde, sie sieht nicht so aus. Ist nicht �lter als die andere, die jetzt die Amyrlin sein soll.�</p><p>�Bela ist kein Pony�, sagte Egwene kurz angebunden.</p><p>�Bringt mich zu Bode Cauthon.�</p><p>Ein Dutzend M�nner glitten aus den n�chtlichen Schatten zwischen den B�umen und umstellten sie und Bela. Sie alle schienen sie f�r Siuan zu halten, aber das war Egwene durchaus recht. F�r diese M�nner war eine Aes Sedai wie die andere, und sie f�hrten sie zu der Stelle, an der Bode auf einem Pferd sa�, das kaum gr��er als Bela war, und einen dunklen Umhang festhielt. Auch ihr Kleid war dunkel.</p><p>In der Nacht w�re Wei� aufgefallen.</p><p>Auch Bode erkannte Bela und streckte die Hand aus, um das Ohr der Stute zu streicheln, als Egwene an ihre Seite geritten kam.</p><p>�Ihr bleibt an Land�, sagte Egwene leise. �Ihr k�nnt mit mir zur�ckreiten, wenn alles erledigt ist.�</p><p>Beim Klang von Egwenes Stimme riss Bode die Hand zur�ck, als h�tte sie sich verbrannt. �Warum?�, fragte sie, und es klang nicht ganz wie eine Forderung. Zumindest das hatte sie gelernt. �Ich schaffe das. Leane Sedai hat es mir erkl�rt, und ich kann das schaffen.�</p><p>�Das wei� ich. Aber nicht so gut, wie ich es kann. Noch nicht.� Das erschien zu sehr als Tadel, den die andere Frau nicht verdient hatte. �Bode, ich bin der Amyrlin-Sitz. Es gibt Entscheidungen, die nur ich treffen kann. Und einige Dinge sollte ich nicht von einer Novizin verlangen, wenn ich sie besser erledigen kann.� Vielleicht war das nicht viel freundlicher, aber sie konnte das mit Larine und Nicola nicht erkl�ren, oder den Preis, den die Wei�e Burg allen ihren T�chtern abverlangte. Das eine konnte die Amyrlin einer Novizin nicht erkl�ren, und eine Novizin war noch nicht reif, von dem anderen zu erfahren.</p><p>Selbst in der Nacht verriet die Haltung von Bodes Schultern, dass sie nicht verstand, aber sie hatte auch gelernt, nicht mit Aes Sedai zu diskutieren. So wie sie gelernt hatte, dass Egwene Aes Sedai war. Den Rest w�rde sie auch noch lernen. Die Burg konnte sich die Zeit nehmen, die sie brauchte, um ihr alles beizubringen.</p><p>Egwene stieg aus dem Sattel, �bergab einem der Soldaten Belas Z�gel und hob die R�cke, um durch den Schnee auf die angestrengten, schleifenden Laute zuzugehen. Es handelte sich um ein gro�es Ruderboot, das wie ein Schlitten durch den Schnee geschoben wurde. Ein sperriger Schlitten, der zwischen den B�umen hindurchman�vriert werden musste, wenn auch mit weniger Fl�chen, nachdem den M�nnern, die ihn zogen und schoben, klar geworden war, dass sie ihnen dichtauf folgte. Die meisten M�nner hielten in Anwesenheit von Aes Sedai ihre Zunge im Zaum, und obwohl sie wegen der Dunkelheit und der Kapuze ihr Gesicht nicht erkennen konnten, wer sonst sollte runter zum Fluss gekommen sein? Und falls sie wussten, dass es nicht dieselbe Frau war, die sie eigentlich h�tte begleiten sollen, wer stellte schon die Handlungen einer Aes Sedai in Frage?</p><p>Sie schoben das Boot vorsichtig in den Fluss und achteten darauf, es nicht laut spritzen zu lassen, dann kletterten sechs Mann an Bord und legten Ruder in die mit Lumpen gepolsterten Ruderdollen. Die M�nner waren barfu�, um den L�rm zu vermeiden, den auf den Rumpfplanken entlangschabende Stiefel verursachten. Auf dem Erinin fuhren auch kleinere Boote, aber heute Nacht mussten sie die Str�mungen meistern. Einer der M�nner am Ufer reichte ihr die Hand, damit sie beim Einsteigen nicht das Gleichgewicht verlor, und sie setzte sich auf eine Ruderbank im Bug und hielt den Umhang fest um den K�rper. Das Boot glitt vom Ufer weg, abgesehen vom kaum h�rbaren Schlag der Ruder im Wasser v�llig lautlos.</p><p>Egwene schaute voraus, nach S�den in Richtung Tar Valon. Die wei�en Mauern gl�nzten im Licht eines fetten, abnehmenden Mondes, und die von Lampen erhellten Fenster verliehen der Stadt ein ged�mpftes Gl�hen; es war fast so, als w�rde die Insel <emphasis>Saidar</emphasis> umarmen. Selbst in der Dunkelheit ragte die Wei�e Burg hervor, die Fenster des Turms leuchteten hell, und seine gewaltige Masse funkelte im Mondlicht. Etwas huschte �ber den Mond, und Egwene stockte der Atem. Einen Augenblick lang hielt sie es f�r einen Draghkar, ein b�ser Anblick gerade in dieser Nacht. Aber dann kam sie zu dem Schluss, dass es doch nur eine Fledermaus gewesen war. Der Fr�hling war nahe genug, dass sich die Flederm�use nach drau�en wagten. Sie zog den Umhang enger und schaute der n�her kommenden Stadt entgegen.</p><p>Als die gewaltige Mauer des Nordhafens vor dem Boot in die H�he ragte, bremsten die Ruderer, sodass der Bug gerade eben an der Mauer neben der Hafeneinfahrt vorbeiglitt. Egwene h�tte beinahe eine Hand ausgestreckt, um sich gegen den hellen Stein zu stemmen, bevor das Boot gegen die Mauer prallen konnte. Der dumpfe Aufprall w�re mit Sicherheit von den wachhabenden Soldaten geh�rt worden. Aber die Ruder machten nur leise gurgelnde Ger�usche, als sie r�ckw�rts durchgezogen wurden, das Boot hielt an einer Stelle an, wo sie die massive Eisenkette h�tte ber�hren k�nnen, die den Hafen versperrte und deren riesige Glieder durch die dicke Schicht an Schmiere gl�nzten.</p><p>Aber es war nicht n�tig, sie anzufassen. Genauso wenig wie es n�tig war, zu warten. Sie umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und war sich kaum des rei�enden Stroms des Lebens bewusst, der sie erf�llte, bevor sie die Gewebe fertig gestellt hatte. Erde, Feuer und Luft umgaben die Kette; Erde und Feuer ber�hrten sie. Das schwarze Eisen blitzte entlang der ganzen Hafeneinfahrt wei� auf.</p><p>Egwene blieb gerade noch genug Zeit, um zu bemerken, dass nicht weit von ihr jemand die Quelle umarmt hatte, �ber ihr auf der Mauer, dann traf auch schon etwas das Boot, traf sie, und sie sp�rte nur noch, wie das kalte Wasser sie umfasste und ihre Nase und ihren Mund f�llte. Dunkelheit.</p><p>Egwene f�hlte etwas Hartes unter ihrem K�rper. Sie h�rte Frauenstimmen. Aufgeregte Stimmen.</p><p>�Wisst ihr, wer das ist?�</p><p>�Schau an, schau an. Da haben wir heute Nacht aber etwas Besseres bekommen, als wir ausgehandelt hatten.� Etwas wurde ihr gegen den Mund gepresst, W�rme tr�pfelte hinein, die leicht nach Minze schmeckte. Sie schluckte krampfhaft, sich pl�tzlich bewusst, wie kalt ihr war und dass sie am ganzen Leib zitterte. Ihre Augen �ffneten sich blinzelnd. Und richteten sich auf das Gesicht der Frau, die ihren Kopf und den Becher hielt. Von Soldaten erhobene Laternen sorgten f�r genug Licht, dass sie das Gesicht deutlich sehen konnte. Ein altersloses Gesicht. Sie war im Nordhafen.</p><p>�So ist es recht, M�dchen�, sagte die Aes Sedai aufmunternd. �Trink alles. Es ist eine starke Dosis.�</p><p>Egwene wollte den Becher fortsto�en, wollte <emphasis>Saidar</emphasis> umarmen, aber sie f�hlte nur, wie sie tiefer in der Dunkelheit versank. Sie hatten auf sie gewartet. Sie war verraten worden. Aber von wem?</p></section><section><title><p>EPILOG</p><p>Eine Antwort</p></title><p>Rand starrte aus dem Fenster auf den Regen, der stetig aus dem grauen Himmel fiel. Ein weiterer Sturm, der vom R�ckgrat der Welt kam. Der Drachenmauer. Der Fr�hling musste bald kommen. Irgendwann kam der Fr�hling immer. Hier in Tear fr�her als zu Hause, jedenfalls normalerweise, obwohl davon wenig zu bemerken war. Blitze gabelten sich silberblau am Himmel, und lange Augenblicke vergingen, bevor der Donner kam. Blitze in der Ferne. Die Wunden in seiner Seite schmerzten. Beim Licht, die Reiher, die in seine Handfl�chen eingebrannt waren, schmerzten, und das nach dieser langen Zeit.</p><p><emphasis>Manchmal ist Schmerz das Einzige, das einen wissen l�sst, dass man noch lebt</emphasis>, fl�sterte Lews Therin, aber Rand ignorierte die Stimme in seinem Kopf.</p><p>Hinter ihm �ffnete sich quietschend die T�r, und er sah �ber die Schulter zu dem Mann, der das Wohnzimmer betrat. Bashere trug einen kurzen, grauen Seidenmantel, einen pr�chtig gl�nzenden Mantel, und er trug den Stab des Generalmarschalls von Saldaea, ein Stab aus Elfenbein mit einem goldenen Wolfssch�del, der neben seinem in einer Scheide steckenden Schwert aus dem G�rtel ragte. Die Stiefel mit den heruntergeschlagenen Sch�ften waren geputzt worden, bis sie gl�nzten. Rand bem�hte sich, seine Erleichterung nicht zu zeigen. Sie waren lange genug weg gewesen.</p><p>�Und?�, sagte er.</p><p>�Die Seanchaner sind nicht abgeneigt�, erwiderte Bashere. �Verr�ckt wie die M�rzhasen, aber nicht abgeneigt. Aber sie verlangen ein Treffen mit Euch pers�nlich. Der Generalmarschall von Saldaea ist nicht der Wiedergeborene Drache.�</p><p>�Mit dieser Lady Suroth?�</p><p>Bashere sch�ttelte den Kopf. �Anscheinend ist ein Mitglied der Kaiserlichen Familie eingetroffen. Suroth will, dass Ihr jemanden mit dem Titel Tochter der Neun Monde trefft.�</p><empty-line/><cite><p>Und wieder rollte der Donner ferner Blitze �ber das Land.</p><p>Wir ritten auf den Winden des tobenden Sturms, Wir liefen im Hall des Donners.</p><p>Wir tanzten im Blitzschlag, und rissen die Welt entzwei.</p><text-author>Anonymes Gedichtfragment, das angeblich gegen Ende des vorangegangenen Zeitalters geschrieben wurde, das von manchen als das Dritte Zeitalter bezeichnet wird. Gelegentlich wird es dem Wiedergeborenen Drachen zugeschrieben.</text-author></cite></section><section><title><p>Glossar</p></title><subtitle>Vorbemerkungen zur Datierung</subtitle><p>Der Tomanische Kalender (von Toma dur Ahmid entworfen) wurde ungef�hr zwei Jahrhunderte nach dem Tod des letzten m�nnlichen Aes Sedai eingef�hrt. Er z�hlte die Jahre nach der Zerst�rung der Welt (NZ). Da aber in den Jahren der Zerst�rung und in den darauf folgenden Jahren fast totales Chaos herrschte und dieser Kalender erst gut hundert Jahre nach dem Ende der Zerst�rung eingef�hrt wurde, hat man seinen Beginn v�llig willk�rlich gew�hlt. Am Ende der Trolloc-Kriege waren so viele Aufzeichnungen vernichtet worden, dass man sich stritt, in welchem Jahr der alten Zeitrechnung man sich �berhaupt befand. Tiam von Gazar schlug die Einf�hrung eines neuen Kalenders vor, der am Ende dieser Kriege einsetzte und die (scheinbare) Erl�sung der Welt von der Bedrohung durch Trollocs feierte. In diesem zweiten Kalender erschien jedes Jahr als so genanntes Freies Jahr (FJ). Innerhalb der zwanzig auf das Kriegsende folgenden Jahre fand der Gazareische Kalender weitgehend Anerkennung. Artur Falkenfl�gel bem�hte sich, einen neuen Kalender durchzusetzen, der auf seiner Reichsgr�ndung basierte (VG = Von der Gr�ndung an), aber dieser Versuch ist heute nur noch den Historikern bekannt. Nach weitreichender Zerst�rung, Tod und Aufruhr w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges entstand ein vierter Kalender durch Uren din Jubai Fliegende M�we, einem Gelehrten der Meerleute, und wurde von dem Panarchen Farede von Tarabon weiterverbreitet. Dieser Farede-Kalender z�hlt die Jahre der Neuen �ra (N�) von dem willk�rlich angenommenen Ende des Hundertj�hrigen Krieges an und ist w�hrend der geschilderten Ereignisse in Gebrauch.</p><p><strong>A'dam:</strong> Ein Ger�t, mit dessen Hilfe man Frauen kontrollieren kann, die die Macht lenken, und das nur von Frauen ben�tzt werden kann, die entweder selbst die F�higkeit besitzen, mit der Macht umzugehen, oder die das zumindest erlernen k�nnen. Er verkn�pft die beiden Frauen. Der von den Seanchanern verwendete Typus besteht aus einem Halsband und einem Armreif, die durch eine Leine miteinander verbunden sind; s�mtliche Teile sind aus einem silbrigen Metall gefertigt. Falls ein Mann, der die Macht lenken kann, mit Hilfe eines <emphasis>A'dam</emphasis> mit einer Frau verkn�pft wird, f�hrt das wahrscheinlich zu beider Tod. Selbst die blo�e Ber�hrung eines <emphasis>A'dam</emphasis> durch einen Mann mit dieser F�higkeit verursacht ihm gro�e Schmerzen, falls dieser <emphasis>A'dam</emphasis> von einer Frau mit Zugang zur Wahren Quelle getragen wird (<emphasis>siehe auch: Damane, Sul'dam</emphasis>).</p><p><strong>Aes Sedai:</strong> Tr�ger der Einen Macht. Seit der Zeit des Wahnsinns sind alle �berlebenden Aes Sedai Frauen. Von vielen respektiert und verehrt, misstraut man ihnen und f�rchtet, ja, hasst sie weitgehend. Viele geben ihnen die Schuld an der Zerst�rung der Welt, und allgemein glaubt man, sie w�rden sich in die Angelegenheiten ganzer Staaten einmischen. Gleichzeitig aber findet man nur wenige Herrscher ohne Aes Sedai-Berater, selbst in L�ndern, wo schon die Existenz einer solchen Verbindung geheim gehalten werden muss. Nach einigen Jahren, in denen sie die Macht gebrauchen, beginnen die Aes Sedai alterslos zu wirken, sodass auch eine Aes Sedai, die bereits Gro�mutter sein k�nnte, keine Alterserscheinungen zeigt, au�er vielleicht ein paar grauen Haaren.</p><p><strong>Arad Doman:</strong> Eine Nation am Aryth-Meer, die zurzeit vom B�rgerkrieg und den K�mpfen gegen die Anh�nger des Wiedergeborenen Drachen zerrissen wird. Die Hauptstadt ist Bandar Eban. In Arad Doman wird der Herrscher (ein K�nig oder eine K�nigin) von einem Rat der Kaufleute erw�hlt, der sich aus den Vorsitzenden der Kaufmannsgilden � in der Hauptsache nur Frauen � zusammensetzt. Der Herrscher muss von adligem Blut und darf kein Kaufmann sein, er wird auf Lebenszeit gew�hlt. Der K�nig oder die K�nigin verf�gt �ber die absolute Autorit�t, kann aber durch eine Abstimmung des Rates abgesetzt werden; dazu ist eine Dreiviertel-Mehrheit erforderlich. Der derzeitige Herrscher ist K�nig Alsalam Saeed Almadar, Lord von Almadar, der Hohe Herrscher von Haus Almadar. Sein derzeitiger Aufenthaltsort ist unbekannt und geheimnisumwittert.</p><p><strong>Asha'man:</strong> (1) In der Alten Sprache �W�chter�, immer ein W�chter von Gerechtigkeit und Wahrheit. (2) Die Bezeichnung der M�nner � sowohl allgemein als auch im Sinne eines Ranges �, die zur Schwarzen Burg in der N�he von Caemlyn in Andor gezogen sind, um dort den Gebrauch der Einen Macht zu erlernen. Ihre Ausbildung konzentriert sich auf die M�glichkeiten, die Eine Macht als Waffe zu benutzen. Sobald sie gelernt haben, <emphasis>Saidin</emphasis>, die m�nnliche H�lfte der Macht, zu ergreifen, wird von ihnen verlangt � eine weitere Abweichung von den Gepflogenheiten der Wei�en Burg �, alle m�hevollen Arbeiten mit Hilfe der Macht zu erledigen. Ein neu aufgenommener Rekrut wird Soldat genannt; er tr�gt einen schlichten schwarzen Mantel mit einem hohen Kragen nach der andoranischen Mode. Mit der Bef�rderung zum Geweihten erh�lt er das Recht, eine als Schwert bezeichnete silberne Anstecknadel am Mantelkragen zu tragen. Die Bef�rderung zum Asha'man beinhaltet das Recht, auf der dem Schwert gegen�berliegenden Kragenseite die aus Gold und rotem Emaille bestehende Anstecknadel in Form eines Drachen zu tragen. Obwohl viele Frauen � einschlie�lich der Ehefrauen � die Flucht ergreifen, wenn sie erfahren, dass ihr Mann die Macht lenken kann, sind eine stattliche Anzahl der M�nner aus der Schwarzen Burg verheiratet, und sie benutzen eine Abart des Beh�terbundes, um eine Verbindung zu ihren Frauen herzustellen. Dieser Bund wurde k�rzlich so modifiziert, dass er Gehorsam erzwingt, und dazu benutzt, gefangene Aes Sedai gef�gig zu machen.</p><p><strong>Balwer, Sebban:</strong> Ehemals Pedron Nialls (der Kommandierende Lordhauptmann der Kinder des Lichts) offizieller Sekret�r und insgeheim sein Meister der Spione. Nach Nialls Tod half er aus ureigenen Beweggr�nden in Amador Morgase (die ehemalige K�nigin von Andor) bei ihrer Flucht vor den Seanchanern und ist jetzt der Sekret�r von Perrin t'Bashere Aybara und Faile ni Bashere t'Aybara. Perrin beschleicht langsam der Verdacht, dass mehr hinter Balwer steckt, als es den Anschein hat.</p><p><strong>Bande der Roten Hand:</strong><emphasis>siehe: Shen an Calhar.</emphasis></p><p><strong>Blut, das:</strong> Bezeichnung der Seanchaner f�r ihren Adel. Es gibt verschiedene Adelsr�nge. Das Hohe Blut rasiert sich die Seiten des Sch�dels und bemalt mehrere Fingern�gel � je h�her der Rang, desto mehr N�gel sind bemalt �, aber die Angeh�rigen des Niederen Bluts bemalen gr��tenteils nur die N�gel der kleinen Finger. Man wird ins Blut hineingeboren, kann aber auch zu diesem Rang erhoben werden. Das ist eine h�ufige Belohnung f�r au�ergew�hnliche Leistungen oder Verdienste f�r das Kaiserreich.</p><p><strong>Cha Faile:</strong> (1) In der Alten Sprache die �Krallen des Falken�. (2) Von jungen Cairhienern und Tairenern angenommener Name, die versuchen, dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zu folgen. Sie haben Faile ni Bashere t'Aybara den Treueid geschworen und handeln im Geheimen als ihre pers�nlichen Sp�her und Spione.</p><p><strong>Corenne:</strong> In der Alten Sprache �Die Wiederkehr�. Die Seanchaner bezeichnen damit sowohl die Flotte aus Tausenden von Schiffen wie auch die Hunderttausende von Soldaten, Handwerkern und anderen Menschen, die Schiffe transportieren und den Vorl�ufern folgen, um das Land zu beanspruchen, das Artur Falkenfl�gels Nachfahren gestohlen wurde (<emphasis>siehe auch: Hailene</emphasis>).</p><p><strong>Cuendillar:</strong> Eine unzerst�rbare Substanz, die w�hrend des Zeitalters der Legenden erschaffen wurde. Jede bekannte Kraft, die dazu benutzt wird, <emphasis>Cuendillar</emphasis> zu zerst�ren, wird davon absorbiert und macht sie st�rker. Die Kunst der Herstellung galt als verloren, aber Ger�chten zufolge wurden wieder neue Gegenst�nde daraus hergestellt. Auch als Herzstein bekannt.</p><p><strong>Da'covale:</strong> (1) In der Alten Sprache bezeichnet man damit eine Person, die einer anderen geh�rt oder ihr �Besitz� ist. (2) Bei den Seanchanern wird dieser Begriff h�ufig f�r Besitzt�mer und Sklaven verwendet. In Seanchan hat die Sklaverei eine lange und ungew�hnliche Geschichte, da Sklaven die M�glichkeit haben, zu Positionen mit gro�er Macht und �ffentlicher Autorit�t aufzusteigen, darunter auch solche, in denen sie �ber freie B�rger bestimmen (<emphasis>siehe auch: So'jhin</emphasis>).</p><p><strong>Damane:</strong> In der alten Sprache: �die Gefesselten�. Frauen, die die eine Macht lenken k�nnen, werden mit Hilfe eines <emphasis>A'dam</emphasis> unter Kontrolle gehalten und dienen den Seanchanern zu verschiedenen Zwecken, vor allem als Wunderwaffen im Krieg. Im ganzen Reich von Seanchan werden jedes Jahr junge Frauen gepr�ft, bis hin zu dem Alter, in dem sich die Gabe, die Macht gebrauchen zu k�nnen, in jedem Fall bereits gezeigt h�tte. Genauso wie die jungen M�nner mit diesem Talent (die hingerichtet werden), werden die <emphasis>Damane</emphasis> aus den Familienb�chern und allen B�rgerlisten des Reichs gestrichen. Sie h�ren auf, als eigenst�ndige Menschen zu existieren. Frauen, die dieses Talent besitzen, aber noch nicht zu <emphasis>Damane</emphasis> gemacht wurden, nennt man <emphasis>Marath'damane</emphasis>, �die gefesselt werden m�ssen� (<emphasis>siehe auch: Sul'dam</emphasis>).</p><p><strong>Depositorium:</strong> Eine Abteilung der Burgbibliothek. Es gibt zw�lf allgemein bekannte Depositorien, in denen B�cher und Aufzeichnungen �ber bestimmte Sachgebiete und artverwandte Themen aufbewahrt werden. Ein dreizehntes Depositorium, das allein f�r Aes Sedai zug�nglich ist, enth�lt geheime Dokumente, Aufzeichnungen und historische Unterlagen, die nur vom Amyrlin-Sitz, der Beh�terin der Chroniken und den Sitzenden vom Saal der Burg eingesehen werden d�rfen. Und nat�rlich von der Hand voll Bibliothekare, die das Depositorium leiten.</p><p><strong>Der'morat:</strong> (1) In der Alten Sprache �Meisterbezwinger�. (2) Bezeichnung der Seanchaner f�r einen Tierb�ndiger und Ausbilder von Exoten beziehungsweise f�r jeden Ausbilder, wobei das Suffix einen langj�hrigen und f�higen Meister bezeichnet, so wie beispielsweise in <emphasis>Der'morat'raken</emphasis>. <emphasis>Der'morat</emphasis> k�nnen eine ziemlich hohe soziale Stellung erreichen; der h�chste ist der <emphasis>Der'sul'dam</emphasis>, die Ausbilder der <emphasis>Sul'dam</emphasis>, die mit hohen Armeeoffizieren gleichzusetzen sind (<emphasis>siehe auch: Morat</emphasis>).</p><p><strong>Erith:</strong> Tochter von Iva Tochter von Alar. Eine attraktive junge Ogierfrau, die Loial heiraten will, auch wenn er im Augenblick vor ihr auf der Flucht ist.</p><p><strong>Erste Denkerin:</strong> Titel der Anf�hrerin der Wei�en Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Ferane Neheran bekleidet. Ferane Sedai ist eine von derzeit nur zwei Ajah-Anf�hrerinnen, die gleichzeitig im Saal der Burg das Amt einer Sitzenden innehalten.</p><p><strong>Erste Schreiberin:</strong> Titel der Anf�hrerin der Grauen Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Serancha Colvine bekleidet, einer Frau von tadellosem Ruf.</p><p><strong>Erste Weberin:</strong> Titel der Anf�hrerin der Gelben Ajah. Diese Position wird in der Wei�en Burg zurzeit von Suana Dragand bekleidet. Suana Sedai ist eine von derzeit nur zwei Ajah-Anf�hrerinnen, die gleichzeitig im Saal der Burg das Amt einer Sitzenden innehalten.</p><p><strong>Fain, Padan:</strong> Ehemaliger Schattenfreund, der mittlerweile etwas viel Schlimmeres als ein Schattenfreund ist. Er ist genauso sehr ein Feind der Verlorenen wie Rand al'Thors, den er leidenschaftlich hasst. Zuletzt wurde er zusammen mit Toram Riatin in Far Madding gesehen.</p><p><strong>F�uste des Himmels:</strong> Leicht bewaffnete und gepanzerte seanchanische Infanterie, die auf den R�cken der gefl�gelten Kreaturen namens <emphasis>To'raken</emphasis> in die Schlacht ziehen. Es handelt sich ausschlie�lich um kleinw�chsige M�nner und Frauen, was gr��tenteils an dem geringen Gewicht liegt, das ein <emphasis>To'raken</emphasis> tragen kann. Sie gelten allgemein als die z�hesten verf�gbaren Soldaten und werden haupts�chlich f�r Sturmangriffe eingesetzt, zum Beispiel auf die Nachhut des Feindes, sowie in solchen F�llen, in denen es darauf ankommt, Soldaten in k�rzester Zeit an ihre Positionen zu bringen.</p><p><strong>Feuerwerker, Gilde der:</strong> Eine Gemeinschaft, die das Geheimnis zur Herstellung von Feuerwerk bewahrt. Sie h�tet dieses Geheimnis sehr gewissenhaft, bis hin zum Mord. Die Gilde leitet ihren Namen von ihren gro�artigen Feuerwerken ab, die man auch als Illuminationen bezeichnet � man nennt sie auch die Gilde der Illuminatoren �, und die sie f�r Herrscher und gelegentlich einflussreiche Lords veranstaltet. Einfaches Feuerwerk wurde auch im freien Handel verkauft, aber stets mit strengen Warnungen vor den schlimmen Folgen, die aus dem Versuch resultieren k�nnten, etwas �ber das Innere der Feuerwerksk�rper in Erfahrung zu bringen. Einst hatte die Gilde in Cairhien und Tanchico Stiftungsh�user, aber sie sind nun zerst�rt. Die Gildenangeh�rigen in Tanchico haben sich gegen die Invasion der Seanchaner zur Wehr gesetzt; die �berlebenden wurden zu <emphasis>Da'covale</emphasis> gemacht, die Gilde als solche existiert nicht l�nger. Allerdings konnten einzelne Illuminatoren den Seanchanern entkommen, und vielleicht wird man in nicht allzu ferner Zukunft wieder gro�artige Feuerwerke sehen.</p><p><strong>Gef�hrten:</strong> Die Milit�relite von Illian, die derzeit von dem Ersten Hauptmann Demetre Marcolin befehligt wird. Die Gef�hrten stellen die Leibwache f�r den K�nig von Illian und bewachen Schl�sselstellungen des Landes. Dar�ber hinaus hat man die Gef�hrten in der Schlacht traditionellerweise dazu eingesetzt, die st�rkste Position des Feindes anzugreifen, seine Schw�che auszunutzen und, falls n�tig, den R�ckzug des K�nigs zu decken. Im Gegensatz zu den meisten vergleichbaren Eliteeinheiten sind Ausl�nder nicht nur willkommen (mit Ausnahme von Tairenern, Altaranern und Murandianern), sie k�nnen sogar � genau wie normale Untertanen � in die h�chsten Positionen aufsteigen, was ebenfalls sehr ungew�hnlich ist. Die Uniform der Gef�hrten besteht aus einem gr�nen Mantel, einem Brustharnisch, auf dem die Neun Bienen von Illian eingraviert sind, sowie einem konischen Helm mit einem Stangenvisier. Der Erste Hauptmann tr�gt an den Manschetten vier aufgestickte goldene Ringe und drei schmale goldene Federn auf dem Helm. Der Zweite Hauptmann tr�gt an den Manschetten drei aufgestickte goldene Ringe und am Helm drei goldene Federn mit gr�nen Spitzen. Leutnants tragen an den Manschetten zwei gelbe Ringe und zwei gr�ne Federn auf dem Helm, Unterleutnants einen gelben Ring und eine gr�ne Feder. Bannertr�ger tragen zwei unterbrochene gelbe Ringe an der Manschette und eine gelbe Feder, Fu�soldaten einen einzigen unterbrochenen gelben Ring.</p><p><strong>Generalhauptmann:</strong> (1) Der milit�rische Rang des Befehlshabers der K�niglichen Garde von Andor. Diese Position wird zurzeit von Lady Birgitte Trahelion eingenommen. (2) Der Titel der Anf�hrerin der Gr�nen Ajah, die allerdings allein den Mitgliedern der Gr�nen namentlich bekannt ist. In der Wei�en Burg wird diese Position zurzeit von Adelorna Bastine ausgef�llt, bei den von Egwene al'Vere angef�hrten Aes Sedai-Rebellen h�lt sie Myrelle Berengari inne.</p><p><strong>Gefl�gelten Wachen, die:</strong> Die Leibwache der Ersten von Mayene und gleichzeitig die Eliteeinheit des Mayenischen Milit�rs. Soldaten der Gefl�gelten Wache tragen rotlackierte Brustharnische und rote Topfhelme mit Nackenschutz, ihre Bewaffnung besteht aus mit Wimpeln versehenen Lanzen. An den Helmen der Offiziere sind an den Seiten Fl�gel aus dem Eisen geh�mmert, der Rang wird durch d�nne Federn angezeigt.</p><p><strong>Gewichtseinheiten:</strong> 10 Unzen = 1 Pfund, 10 Pfund = 1 Stein, 10 Steine = 1 Zentner, 10 Zentner = 1 Tonne.</p><p><strong>Gregorin:</strong> Gregorin Panar de Lushenos. Mitglied vom Konzil der Neun in Illian, der zurzeit dem Wiedergeborenen Drachen als Verwalter von Illian dient.</p><p><strong>Hailene:</strong> In der Alten Sprache �Vorl�ufer� oder �Jene, die vorher kommen�. Bezeichnung der Seanchaner f�r die gewaltige Expeditionsstreitmacht, die �ber das Aryth-Meer geschickt wurde, um die L�nder auszuspionieren, die einst von Artur Falkenfl�gel beherrscht wurden. Seitdem sie unter dem Befehl der Hochlady Suroth steht und ihre Gr��e durch in den eroberten L�ndern eingezogene Rekruten stark angeschwollen ist, hat die Hailene ihre urspr�nglichen Ziele weit hinter sich gelassen und ist von der Wiederkehr �bertrumpft worden.</p><p><strong>Hanlon, David:</strong> Schattenfreund und ehemaliger Befehlshaber der Wei�en L�wen, der in den Diensten des Verlorenen Rahvin stand, w�hrend dieser als Lord Gaebril Caemlyn beherrschte. Sp�ter f�hrte Hanlon befehlsgem�� die Wei�en L�wen nach Cairhien, um dort die Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen voranzutreiben. Die Wei�en L�wen wurden von einer �Blase des B�sen� vernichtet und Hanlon nach Caemlyn zur�ckbeordert, wo er sich unter dem Namen Doilin Mellar bei der Tochter-Erbin Elayne eingeschmeichelt hat. Ger�chten zufolge hat er betr�chtlich mehr, als sich nur eingeschmeichelt.</p><p><strong>Herz:</strong> Basiseinheit in der Organisation der Schwarzen Ajah. Im Grunde genommen eine Zelle. Ein Herz besteht aus drei Schwestern, die einander kennen; jede Angeh�rige eines Herzens kennt wiederum eine weitere Schwarze Schwester.</p><p><strong>Hierarchie des Meervolks:</strong> Die Atha'an Miere, das Meervolk, werden von der Herrin der Schiffe der Atha'an Miere beherrscht. Ihr zur Seite steht die Windsucherin der Herrin der Schiffe sowie der Meister der Klingen. Den n�chsten untergeordneten Rang bekleiden die Herrinnen der Wogen der einzelnen Clans, von denen jede ebenfalls �ber eine Windsucherin und einen Schwertmeister verf�gen. Die Herrin der Wogen eines Clans herrscht �ber die Herrinnen der Segel (die Schiffskapit�ne), die den Befehl �ber die Schiffe haben und von ihren eigenen Windsucherinnen und Zahlmeistern unterst�tzt werden. Die Windsucherin der Herrin der Schiffe hat die Autorit�t �ber alle Windsucherinnen des Meervolks, aber nat�rlich hat die jeweilige Herrin der Wogen zugleich die Autorit�t �ber alle Windsucherinnen ihres Clans. Das Gleiche gilt f�r den Meister der Klingen, der die Autorit�t �ber alle Schwertmeister hat, denen wiederum die Zahlmeister ihres Clans unterstehen. Beim Meervolk ist Rang nicht erblich. Die Herrin der Schiffe wird auf Lebenszeit von den Ersten Zw�lf der Atha'an Miere gew�hlt, den zw�lf �ltesten Herrinnen der Wogen. Die Herrin der Wogen eines Clans wird wiederum von den zw�lf �ltesten Herrinnen der Segel ihres Clans gew�hlt, die man schlicht die Ersten Zw�lf nennt � ein Begriff, der ebenfalls dazu benutzt wird, um die �lteste Herrin der Segel vor Ort zu benennen. Sie kann von denselben Ersten Zw�lf durch eine Abstimmung wieder abgesetzt werden. In der Tat kann bis auf die Herrin der Schiffe jeder wegen Gesetzes�bertretungen, Feigheit oder anderen Verbrechen bis hinunter zum einfachen Deckmatrosen degradiert werden. Beim Tod einer Herrin der Wogen oder der Herrin der Schiffe muss ihre Windsucherin notwendigerweise einer Frau mit niederem Rang dienen, und ihr eigener Rang verringert sich deswegen ebenfalls.</p><p><strong>Ishara:</strong> Die erste K�nigin von Andor (zirka 994-1020 FJ). Nach dem Tod Artur Falkenfl�gels �berzeugte Ishara ihren Gemahl, einen von Falkenfl�gels wichtigsten Gener�len, die Belagerung von Tar Valon abzubrechen und sie mit so vielen Soldaten, wie er von dem Heer auf seine Seite ziehen konnte, nach Caemlyn zu begleiten. Wo viele andere versuchten, Falkenfl�gels ganzes Reich f�r sich zu erobern und scheiterten, nahm Ishara erfolgreich von einem kleinen Teil Besitz. Heutzutage weist fast jedes Adelshaus Anders etwas von Isharas Blut auf und der rechtm��ige Anspruch auf den L�wenthron h�ngt sowohl von der direkten Abstammung von ihr als auch von der nachgewiesenen Anzahl an Verbindungen zu ihr ab.</p><p><strong>J�nglinge, die:</strong> Die ersten J�nglinge waren junge M�nner, die in der Wei�en Burg von Beh�tern ausgebildet wurden. Sie stellten sich gegen ihre Lehrer, die Siuan Sanche befreien wollten, nachdem man sie mit Gewalt vom Amyrlin-Sitz entfernt hatte. Angef�hrt von Gawyn Trakand blieben die J�nglinge der Wei�en Burg gegen�ber loyal und k�mpften in Scharm�tzeln gegen die Wei�m�ntel unter Eamon Valda. Sie stellten den Begleitschutz f�r Elaidas Botschafter bei ihrem Besuch beim Wiedergeborenen Drachen in Cairhien und k�mpften bei den Quellen von Dumai gegen Aiel und Asha'man. Bei der R�ckkehr nach Tar Valon erfuhren sie, dass man sie aus der Stadt ausgesperrt hatte. Die J�nglinge tragen gr�ne Umh�nge mit Gawyns Wei�em Eber; diejenigen von ihnen, die in Tar Valon gegen ihre Lehrmeister gek�mpft haben, tragen einen kleinen silbernen Turm am Kragen. Sie nehmen �berall Rekruten auf, aber keine Veteranen oder alte M�nner. Eine der Grundvoraussetzungen besteht darin, dass der Rekrut zugunsten der J�nglinge s�mtlichen fr�heren Bindungen entsagen muss. Die �lteren Mitglieder lehren die Rekruten Beh�tertechniken und geben ihr Wissen auf diese Weise weiter; mehrere haben das Angebot von Aes Sedai abgelehnt, einen Bund einzugehen. Die J�nglinge scheinen in vielerlei Hinsicht nur noch wenig mit der Wei�en Burg oder den Aes Sedai zu tun zu haben. Das liegt zum Teil in ihrem Verdacht begr�ndet, dass sie die Expedition nach Cairhien nicht �berleben sollten.</p><p><strong>Kaensada:</strong> Ein Gebiet in Seanchan, das von unzivilisierten Bergst�mmen bev�lkert wird. Diese St�mme k�mpfen oft untereinander, das Gleiche gilt f�r einzelne Familien innerhalb der St�mme. Jeder Stamm hat seine eigenen Br�uche und Vorschriften, die f�r Au�enstehende oft wenig Sinn machen. Die meisten Stammesleute meiden die zivilisierten Bewohner Seanchans.</p><p><strong>Kalender:</strong> Die Woche hat zehn Tage, der Monat 28, und es gibt 13 Monate im Jahr. Mehrere Festtage geh�ren keinem bestimmten Monat an: der Sonntag oder Sonnentag (der l�ngste Tag des Jahres), das Erntedankfest (einmal alle vier Jahre zur Fr�hlingssonnenwende) und das Fest der Rettung aller Seelen, auch Allerseelen genannt (einmal alle zehn Jahre zur Herbstsonnenwende). Obwohl die Monate Namen haben � Taisham, Jumara, Saban, Aine, Adar, Saven, Amadaine, Tammaz, Maigdhal, Choren, Shaldine, Nesan und Danu � benutzt man sie nur selten und dann auch nur in offiziellen Dokumenten. Den einfachen Leuten reicht die Jahreszeit.</p><p><strong>Katar:</strong> Eine Stadt in Arad Doman, die f�r ihre Minen und Schmieden bekannt ist. Katar ist so wohlhabend, dass seine Lords gelegentlich daran erinnert werden m�ssen, dass sie ein Teil von Arad Doman sind.</p><p><strong>Kinder des Lichts:</strong> Eine Gemeinschaft von Asketen, die sich den Sieg �ber den dunklen K�nig und die Vernichtung aller Schattenfreunde zum Ziel gesetzt hat. Die Gemeinschaft wurde w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges von Lothair Mantelar gegr�ndet, um als Prediger gegen die ansteigende Zahl der Schattenfreunde anzugehen. W�hrend des Krieges entwickelte sich daraus eine milit�rische Organisation, streng ideologisch ausgerichtet und fest im Glauben, allein sie w�rden der absoluten Wahrheit und dem Recht dienen. Sie hassen die Aes Sedai und halten sie sowie alle, die sie unterst�tzen oder sich mit ihnen befreunden, f�r Schattenfreunde. Sie werden geringsch�tzig Wei�m�ntel genannt. Ihr Hauptquartier befand sich in Amador in Amadicia, aber sie wurden vertrieben, als die Seanchaner die Stadt eroberten. Im Wappen f�hren sie eine goldene Sonne mit Strahlen auf wei�em Feld (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Zweifler).</p><p><strong>K�nigliche Garde:</strong> Eliteeinheit des Milit�rs von Andor. In Friedenszeiten vollstreckt die Garde die Gesetze der K�nigin und h�lt den Frieden aufrecht. Die Uniform der K�niglichen Garde setzt sich aus rotem Mantel, funkelndem Harnisch, einem roten Umhang und einem konischen Helm mit Gittervisier zusammen. Hochrangige Offiziere tragen auf den Schultern Knoten als Rangabzeichen, sie d�rfen auch Sporen mit goldenen L�wenk�pfen benutzen. K�rzlich ist die K�nigliche Garde um die pers�nliche Leibwache der Tochter-Erbin erweitert worden, die abgesehen von ihrem Hauptmann Doilin Mellar nur aus Frauen besteht.</p><p><strong>Kusinen:</strong> Selbst w�hrend der Trolloc-Kriege vor mehr als zweitausend Jahren (zirka 1000-1350 NZ) hielt die Wei�e Burg ihren Standard aufrecht und schickte Frauen fort, die nicht die n�tigen Vorraussetzungen erf�llten. Eine Gruppe solcher Frauen, die sich davor f�rchteten, w�hrend der Kriege nach Hause zur�ckzukehren, floh nach Barashta (in der N�he des heutigen Ebou Dar), so weit von den K�mpfen entfernt, wie es nur m�glich war. Sie bezeichneten sich als Kusinen, blieben im Untergrund und boten einen sicheren Hafen f�r all jene, die aus der Burg fortgeschickt wurden. Im Laufe der Zeit f�hrte die Verbindung mit Frauen, denen man befohlen hatte, die Burg zu verlassen, zu Kontakten mit Ausrei�erinnen, und obwohl man die wahren Gr�nde vermutlich nie erfahren wird, fingen die Kusinen an, auch Ausrei�erinnen bei sich aufzunehmen. Sie unternahmen gro�e Anstrengungen, dass diese M�dchen nichts �ber die Kusinen erfuhren, bis sie sicher sein konnten, dass die Aes Sedai sich nicht auf sie st�rzen und sie zur�ckholen w�rden. Schlie�lich war allgemein bekannt, dass Ausrei�erinnen fr�her oder sp�ter immer eingefangen wurden, und die Kusinen wussten ganz genau, dass man auch sie streng bestrafen w�rde, falls sie ihre Existenz nicht geheim hielten. Allerdings wussten die Aes Sedai der Wei�en Burg fast von Anfang an �ber sie Bescheid, doch die Kriege lie�en keine Zeit �brig, sich um sie zu k�mmern. Nach Beendigung der Kriege kam die Burg zu der Einsicht, dass es m�glicherweise nicht in ihrem besten Interesse lag, die Kusinen zu vernichten. Im Gegensatz zu den Verlautbarungen der Burg war vielen Ausrei�erinnen die Flucht gelungen, aber sobald die Kusinen ihnen halfen, wusste die Burg genau, in welche Richtung sie flohen, und nun holte sie neun von zehn zur�ck. Da die Kusinen in dem Bem�hen, ihre Existenz und ihre Anzahl zu verbergen, Barashta (und sp�ter Ebou Dar) immer wieder verlie�en, um sp�ter wieder dorthin zur�ckzukehren, und nie l�nger als zehn Jahre an einem Ort blieben, damit niemand bemerkte, dass sie nicht wie andere Menschen alterten, kam die Burg zu dem Glauben, dass es nur wenige von ihnen gab, die niemals gro�es Aufsehen erregten. Um die Kusinen als Falle f�r Ausrei�erinnen zu benutzen, entschied sich die Burg, sie im Gegensatz zu jeder �hnlichen Verbindung im Verlauf der Geschichte in Ruhe zu lassen. Tats�chlich ist sogar die Existenz der Kusinen ein Geheimnis, das allein den anerkannten Aes Sedai bekannt ist. Die Kusinen haben keine Gesetze, sondern nur Regeln, die teilweise auf dem Regelwerk der Wei�en Burg f�r Novizinnen und Aufgenommene basieren und teilweise auf der Notwendigkeit zur Geheimhaltung. Wie bei der Entstehungsgeschichte der Kusinen vielleicht zu erwarten ist, werden die Regeln bei allen Mitgliedern sehr streng eingehalten. K�rzlich erfolgte offene Kontakte zwischen Aes Sedai und Kusinen sind zwar nur einer Hand voll Schwestern bekannt, haben jedoch zu schockierenden Erkenntnissen gef�hrt, einschlie�lich der Tatsache, dass es doppelt so viele Kusinen wie Aes Sedai gibt. Dar�ber hinaus sind einige von ihnen mehr als hundert Jahre �lter, als jede Aes Sedai seit Beginn der Trolloc-Kriege und auch schon zuvor geworden ist. Die Auswirkungen dieser Enth�llungen sowohl auf die Kusinen wie auf die Aes Sedai sind jedoch noch eine Sache der Spekulation (<emphasis>siehe auch:</emphasis> T�chter des Schweigens; N�hkr�nzchen).</p><p><strong>Lady der Schatten:</strong> Ein seanchanischer Begriff f�r den Tod.</p><p><strong>L�ngenma�e:</strong> 10 Finger = 1 Fu�, 3 Fu� = 1 Schritt, 2 Schritte = 1 Spanne, 1000 Spannen = 1 Meile.</p><p><strong>Lanzenhauptmann:</strong> In den meisten L�ndern f�hren Adelsfrauen ihre Waffenm�nner nicht pers�nlich in den Kampf. Stattdessen nehmen sie professionelle Soldaten in Dienst, meistens einen Mann von niederer Geburt, der f�r die Ausbildung und das Kommando �ber die Waffenm�nner verantwortlich ist. Je nach Land nennt man diesen Mann Lanzenhauptmann, Schwerthauptmann, Meister der Pferde oder Meister der Lanzen. Unweigerlich entstehen oft Ger�chte �ber eine engere Beziehung als zwischen Lady und Diener. Manchmal entsprechen sie sogar der Wahrheit.</p><p><strong>Legion des Drachen:</strong> Eine gro�e Milit�rformation, die nur aus Infanterie besteht und dem Wiedergeborenen Drachen die Treue geschworen hat. Ihre Ausbildung liegt in den H�nden von Davram Bashere, und zwar nach Vorschriften, die er selbst zusammen mit Mat Cauthon erarbeitet hat und die sich rigoros vom �blichen Einsatz der Fu�soldaten unterscheiden. Viele M�nner melden sich als Freiwillige, aber ein gro�er Teil der Legion wird von Rekrutierungskommandos der Schwarzen Burg herangeschafft, die zuerst alle M�nner, die bereit sind, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen, an einer Sammelstelle zusammenholen, und auch das erst, nachdem sie sie durch Wegetore in die N�he von Caemlyn schaffen, um diejenigen herauszusieben, die man im Gebrauch der Einen Macht unterweisen kann. Der Rest � bei weitem der gr��ere Teil � wird in Basheres Ausbildungslager geschickt.</p><p><strong>Marath'damane:</strong> In der Alten Sprache �jene, die an die Leine gelegt werden m�ssen� und �eine, die man anleinen muss�. So bezeichnen die Seanchaner jede Frau, die die Macht lenken kann und nicht den Kragen einer <emphasis>Damane</emphasis> tr�gt.</p><p><strong>Meister der Lanzen:</strong><emphasis>siehe auch:</emphasis> Lanzenhauptmann.</p><p><strong>Meister der Pferde:</strong><emphasis>siehe auch:</emphasis> Lanzenhauptmann.</p><p><strong>Mera'din:</strong> In der Alten Sprache �die Bruderlosen�. Der Name wurde von jenen Aiel angenommen, die Clan und Septime verlie�en und sich den Shaido anschl�ssen, weil sie Rand al'Thor, einen Feuchtl�nder, nicht als den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> akzeptieren konnten oder sich weigerten, seine Enth�llungen �ber die Geschichte der Aiel zu glauben. Clan und Septime zu verlassen � aus welchem Grund auch immer � ist unter den Aiel eine unvorstellbare Tat, weswegen die Kriegergemeinschaften der Shaido sie nicht aufnehmen wollten. Darum gr�ndeten sie ihre eigene Gemeinschaft, die Bruderlosen.</p><p><strong>Morat-:</strong> In der Alten Sprache �Tierb�ndiger�. Die Seanchaner bezeichnen damit die M�nner und Frauen, die die Exoten abrichten; es gibt <emphasis>Morat'raken</emphasis>, <emphasis>Raken</emphasis>b�ndiger oder Reiter, die zwanglos auch Flieger genannt werden (<emphasis>siehe auch: Der'morat</emphasis>).</p><p><strong>N�hkr�nzchen:</strong> Die Anf�hrerinnen der Kusinen. Da keine Angeh�rige der Kusinen jemals erfahren hat, wie die Hierarchie der Aes Sedai funktioniert � das Wissen dar�ber wird erst dann weitergegeben, wenn eine Aufgenommene die Pr�fung f�r die Stola bestanden hat �, legten sie keinen Wert auf die St�rke in der Macht, sondern ma�en dem Alter ein gr��eres Gewicht zu; so nimmt die �ltere Frau immer einen h�heren Rang als die j�ngere ein. Das N�hkr�nzchen (die Bezeichnung wurde gew�hlt, weil sie � wie der Begriff Kusine � unverf�nglich ist) setzt sich daher aus den dreizehn �ltesten in Ebou Dar wohnenden Kusinen zusammen und die Frau mit dem h�chsten Alter und damit die Vorsitzende tr�gt den Titel �lteste. Nach den Regeln m�ssen alle zur�cktreten, wenn die Zeit zum Weiterziehen gekommen ist, aber so lange sie in Ebou Dar beheimatet sind, haben sie die absolute Autorit�t �ber die Kusinen, und zwar in einem Ma�, um das sie jeder Amyrlin-Sitz beneiden w�rde (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Kusinen).</p><p><strong>Prophet:</strong> Die formelle Bezeichnung lautet Prophet des Lord Drachen. Einst war Masema Dagar ein schienarischer Soldat, der eine Offenbarung erlebte und entschied, dass er dazu auserw�hlt wurde, die Worte des Wiedergeborenen Drachen auf der Welt zu verbreiten. Er glaubt, dass es nichts Wichtigeres gibt, als die Tatsache anzuerkennen, dass der Wiedergeborene Drache das Gestalt gewordene Licht ist und man Willens ist, seinem irgendwann erschallenden Ruf zu folgen. Er und seine Anh�nger sind zu jeder Gewalttat bereit, um andere zu zwingen, die glorreichen Taten des Wiedergeborenen Drachen zu preisen. Er hat seinem Namen entsagt, l�sst sich nur noch als �der Prophet� ansprechen und hat gro�e Teile von Ghealdan und Amadicia, die nun unter seiner Herrschaft stehen, ins Chaos gest�rzt. Er hat sich Perrin Aybara angeschlossen, der ausgesandt wurde, ihn zu Rand zu bringen; aus unbekannten Gr�nden ist er bei ihm geblieben, obwohl das sein Zusammentreffen mit dem Wiedergeborenen Drachen verz�gert.</p><p><strong>Rotwaffen:</strong> Soldaten der Bande der Roten Hand, die zum zeitweiligen Polizeidienst ausgesucht wurden und daf�r sorgen, dass die anderen Mitglieder der Bande in St�dten oder D�rfern keinen �rger machen oder Schaden anrichten. Der Name geht auf die breiten roten Armb�nder zur�ck, die sie im Dienst tragen und die fast den ganzen �rmel bedecken. F�r gew�hnlich werden sie aus den erfahrensten und verl�sslichsten M�nnern ausgew�hlt. Da m�gliche Sch�den von den M�nnern bezahlt werden m�ssen, die als Rotwaffen dienen, arbeiten sie mit dem vollen Einsatz ihrer Kr�fte, um daf�r zu sorgen, dass alles ruhig und friedlich bleibt. Eine Hand voll ehemaliger Rotwaffen wurden auserw�hlt, um Mat Cauthon nach Ebou Dar zu begleiten (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Shen an Calhar).</p><p><strong>Schattenhunde:</strong> Aus vom Dunklen K�nig verdorbenen Hunden erschaffenes Schattengez�cht. Sie �hneln grunds�tzlich W�lfen, sind aber schw�rzer als die Nacht, haben die Gr��e von Ponys und wiegen mehrere hundert Pfund. F�r gew�hnlich bilden sie Rudel von zehn oder zw�lf Tieren, allerdings hat man schon die Spuren von gr��eren Rudeln gesichtet. Auf weichem Boden hinterlassen sie keine Spuren, doch finden sich ihre Abdr�cke auf Stein, die h�ufig von dem Geruch nach verbranntem Schwefel begleitet werden. Sie gehen nur ungern im Regen hinaus, aber sobald sie einmal unterwegs sind, kann auch der Regen sie nicht aufhalten. Sobald sie die Witterung aufgenommen haben, muss man sich ihnen stellen und sie besiegen, oder der Tod des Opfers ist nicht zu verhindern. Es sei denn, es gelingt ihm, das andere Ufer eines Flusses zu erreichen, da Schattenhunde kein flie�endes Wasser �berqueren k�nnen. Jedenfalls wird das behauptet. Ihr Blut und ihr Geifer sind giftig; kommt die Haut des Opfers damit in Ber�hrung, wird es langsam und qualvoll sterben (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Die Wilde Jagd).</p><p><strong>Seandar:</strong> Die Kaiserliche Hauptstadt von Seanchan, die sich im Nordosten des seanchanischen Kontinents befindet. Seandar ist gleichzeitig die gr��te Stadt im Kaiserreich.</p><p><strong>sei'mosiev:</strong> In der Alten Sprache �gesenkter Blick�. Ist bei den Seanchanern die Rede davon, dass jemand <emphasis>sei'mosiev</emphasis> wurde, bedeutet das, dass er das �Gesicht verloren� hat (<emphasis>siehe auch: sei'taer</emphasis>).</p><p><strong>sei'taer:</strong> In der Alten Sprache �offener Blick�. Die Seanchaner bezeichnen damit Ehre oder �Gesicht�, die F�higkeit, jemandem ohne Scham in die Augen sehen zu k�nnen. Es ist m�glich, <emphasis>sei'taer</emphasis> �zu haben�, was so viel bedeutet, dass man eine ehrenhafte Person ist, die einem anderen offen ins Gesicht sehen kann, so wie es m�glich ist, <emphasis>sei'taer</emphasis> zu �gewinnen� oder zu �verlieren� (<emphasis>siehe auch: sei'mosiev</emphasis>).</p><p><strong>Shara:</strong> Ein geheimnisvolles Land �stlich der Aiel-W�ste. Das Land wird von nat�rlichen Barrieren und von Menschen erbauten Mauern besch�tzt. �ber Shara ist nur wenig bekannt, da die Bewohner ihre Kultur anscheinend geheim halten wollen. Die Sharaner bestreiten, von den Trolloc-Kriegen in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, obwohl die Aiel das Gegenteil behaupten. Sie stellen auch Artur Falkenfl�gels Invasionsversuche in Abrede, obwohl es dar�ber Augenzeugenberichte vom Meervolk gibt. Den wenigen Informationen nach zu urteilen, die durchgesickert sind, werden die Sharaner von unumschr�nkten Monarchen beherrscht: der Sh'boan, wenn es eine Frau ist, und dem Sh'botay, wenn es ein Mann ist. Dieser Monarch herrscht genau sieben Jahre lang und stirbt dann. Die Herrschaft geht auf den jeweiligen Gemahl �ber, der sieben Jahre lang herrscht und stirbt. Dieses Muster wiederholt sich seit der Zerst�rung der Welt. Die Sharaner glauben, diese Todesf�lle seien der �Wille des Musters�. Es gibt in Shara Machtlenker, die dort als Ayyad bekannt sind; sie erhalten bei ihrer Geburt Gesichtst�towierungen. Die Frauen unter den Ayyad vollstrecken strikt die Gesetze, die sie betreffen. Auf eine sexuelle Beziehung zwischen einem Ayyad und einem Nicht-Ayyad steht die Todesstrafe f�r den Nicht-Ayyad, der Ayyad wird ebenfalls hingerichtet, wenn ihm nachgewiesen werden kann, dass er dabei die Macht benutzt hat. Ein Kind aus solch einer Verbindung wird ausgesetzt und stirbt. M�nnliche Ayyad werden wie Zuchtvieh benutzt. Erreichen sie ihr einundzwanzigstes Lebensjahr oder fangen an, die Macht zu lenken � was auch immer zuerst eintrifft �, werden sie von den Ayyad-Frauen hingerichtet, und die Leiche wird einge�schert. Angeblich lenken die Ayyad die Macht nur auf direkten Befehl der Sh'boan oder des Sh'botay, die st�ndig von Ayyad-Frauen umgeben sind. Selbst der Name des Landes ist umstritten. Von den Bewohnern ist bekannt, dass sie viele verschiedene Namen verwenden, einschlie�lich Shamara, Co'dansin, Tomaka, Kigali und Shibouya.</p><p><strong>Shen an Calhar:</strong> In der Alten Sprache �die Bande der Roten Hand�. (1) Eine legend�re Gruppe von Helden, die viele Abenteuer bestand und schlie�lich bei der Verteidigung von Manetheren starb, als das Land w�hrend der Trolloc-Kriege vernichtet wurde. (2) Eine Truppenformation, die eher zuf�llig von Mat Cauthon begr�ndet wurde; sie ist �hnlich den Streitkr�ften organisiert, die es auf dem H�hepunkt der milit�rischen Kunst gab, den Tagen von Artur Falkenfl�gel und den unmittelbar darauf folgenden Jahrhunderten.</p><p><strong>Sisnera, Darlin:</strong> Ein Hochlord in Tear, der eine Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen anf�hrte, nun aber in seinem Namen das Amt des Verwalters von Tear aus�bt.</p><p><strong>So'jhin:</strong> Die treffendste �bersetzung aus der Alten Sprache d�rfte die Umschreibung �Erhabenheit unter Niederen� sein, obwohl es einige auch als �sowohl Himmel wie auch Tal� �bersetzen. Mit <emphasis>So'jhin</emphasis> bezeichnen Seanchaner die H�heren Diener, deren Rang erblich ist. Sie sind <emphasis>Da'covale</emphasis>, Besitz, bekleiden jedoch Positionen von betr�chtlicher Autorit�t und Macht. Selbst Angeh�rige des Blutes behandeln die <emphasis>So'jhin</emphasis> der Kaiserfamilie mit Vorsicht und sprechen die pers�nlichen <emphasis>So'jhin</emphasis> der Kaiserin als Gleichgestellte an (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Blut, <emphasis>Da'covale</emphasis>).</p><p><strong>Sul'dam:</strong> w�rtlich: �Tr�gerin der Leine�. Bezeichnung der Seanchaner f�r eine Frau mit der F�higkeit, <emphasis>Damane</emphasis> � Frauen, die die Eine Macht lenken k�nnen � zu beherrschen und mit Hilfe eines <emphasis>A'dam</emphasis> unter Kontrolle zu halten. Junge Frauen werden von den Seanchanern im gleichen Alter und zur gleichen Zeit auf diese F�higkeit hin �berpr�ft wie die <emphasis>Damane</emphasis> selbst. Eine relativ ehrenvolle Position in der seanchanischen Gesellschaft. Nur wenigen ist die Tatsache bekannt, dass <emphasis>Sul'dam</emphasis> Frauen sind, die den Gebrauch der Macht selbst erlernen k�nnen (<emphasis>siehe auch: A'dam, Damane</emphasis>).</p><p><strong>Stumpf:</strong> Ein �ffentlicher Versammlungsort der Ogier. Die Versammlung kann in oder auch unter den <emphasis>Stedding</emphasis> abgehalten werden. Sie wird vom Rat der �lteren eines <emphasis>Stedding</emphasis> geleitet, aber jeder erwachsene Ogier hat das Recht zu sprechen oder darf einen F�rsprecher erw�hlen, der f�r ihn spricht. Ein Stumpf wird oft beim gr��ten Baumstumpf eines <emphasis>Stedding</emphasis> abgehalten und kann mehrere Jahre dauern. Bedarf eine Angelegenheit der Kl�rung, die alle Ogier betrifft, wird ein Gro�er Stumpf abgehalten, und Ogier aller <emphasis>Stedding</emphasis> versammeln sich, um die Frage zu besprechen. Die verschiedenen <emphasis>Stedding</emphasis> wechseln sich darin ab, einen Gro�en Stumpf auszurichten.</p><p><strong>Sucher, die:</strong> Auch als die Sucher der Wahrheit bekannt. Hierbei handelt es sich um eine Polizei-� und Spitzelorganisation des Kaiserlichen Throns von Seanchan. Obwohl es sich bei den meisten Suchern um <emphasis>Da'covale</emphasis> und somit Besitz der Kaiserfamilie handelt, verf�gen sie �ber weitreichende Befugnisse. Jedes Mitglied des Blutes kann verhaftet werden, wenn es die Frage eines Suchers nicht beantwortet oder die vollst�ndige Kooperation verweigert, wobei Letzteres allein von der Definition des Suchers abh�ngt; nur die Kaiserin kann entscheiden, ob der Sucher richtig gehandelt hat. Die Sucher, die <emphasis>Da'covale</emphasis> sind, tragen auf einer Schulter eine T�towierung mit Rabe und Turm. Im Gegensatz zu den Totenw�chtern sind Sucher nur selten bereit, ihre Raben zu zeigen, weil sie dadurch ihre Identit�t enth�llen w�rden.</p><p><strong>Taborwin, Breane:</strong> Eine gelangweilte Adlige in Cairhien, die Reichtum und Status verlor und jetzt nur noch Dienerin ist, aber eine romantische Beziehung mit einem Mann eingegangen ist, den sie einst verachtet h�tte.</p><p><strong>Taborwin, Dobraine:</strong> Ein Lord in Cairhien. Zurzeit dient er als Verwalter des Wiedergeborenen Drachen in Cairhien.</p><p><strong>Tarabon:</strong> Eine Nation am Aryth-Meer. Einst eine gro�e Handelsnation, die f�r ihre Teppiche, Farben und die Gilde der Feuerwerker ber�hmt war. Nun sind in Tarabon schwere Zeiten angebrochen. Von Anarchie und B�rgerkrieg geplagt, die zus�tzlich von Kriegen gegen Arad Doman und die Drachenverschworenen erschwert wurden, war das Land der Invasion der Seanchaner hilflos ausgesetzt. Es steht nun unter der Kontrolle der Seanchaner; das Stiftungshaus der Gilde der Feuerwerker wurde zerst�rt und die meisten Feuerwerker zu <emphasis>Da'covale</emphasis> gemacht. Die meisten Taraboner scheinen dankbar zu sein, dass die Seanchaner die Ordnung wiederhergestellt haben, und da ihnen die Besatzer erlauben, ihr Leben wie gewohnt fortzuf�hren, versp�ren sie nicht den geringsten Wunsch, weiteren Krieg ins Land zu holen, um die Seanchaner wieder zu vertreiben. Allerdings gibt es einige Lords und Soldaten, die sich au�erhalb der seanchanischen Einflusssph�re befinden und hoffen, ihr Land zur�ckerobern zu k�nnen.</p><p><strong>Tiefenschau:</strong> (1) Die F�higkeit, mit Hilfe der Einen Macht Krankheiten zu diagnostizieren. (2) Die F�higkeit, mit Hilfe der Einen Macht Erzvorkommen aufzusp�ren. Dies ist eine seit langem in Vergessenheit geratene F�higkeit der Aes Sedai, was wom�glich auch der Grund daf�r ist, dass der Name heute eine andere F�higkeit bezeichnet.</p><p><strong>T�chter des Schweigens:</strong> W�hrend der dreitausend Jahre umfassenden Geschichte der Wei�en Burg wurden immer wieder Frauen fortgeschickt, die sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden wollten und den Versuch unternahmen, sich zu einer Gruppe zusammenzuschlie�en. Solche Gruppen wurden stets von der Wei�en Burg aufgel�st, sobald sie bekannt wurden, und ihre Mitglieder in aller �ffentlichkeit streng bestraft, um sicherzugehen, dass auch jeder die Botschaft verstand. Die letzte aufgel�ste Gruppe nannte sich selbst T�chter des Schweigens (794-798 N�). Die T�chter bestanden aus zwei Aufgenommenen, die man aus der Burg fortgeschickt hatte, und dreiundzwanzig Frauen, die sie aufgesp�rt und ausgebildet hatten. Sie wurden nach Tar Valon geschafft und bestraft, die dreiundzwanzig wurden in das Novizinnenbuch aufgenommen. Nur eine davon errang die Stola (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Kusinen).</p><p><strong>Totenwache:</strong> Eliteeinheit des seanchanischen Kaiserreichs, in der sowohl Menschen wie auch Ogier dienen. Die menschlichen Mitglieder der Totenwache sind alle <emphasis>Da'covale</emphasis>, die als Sklaven geboren und in fr�hester Jugend ausgew�hlt wurden, um der Kaiserin, zu deren Besitz sie z�hlen, zu dienen. Bis zum Fanatismus loyal und von wildem Stolz erf�llt, haben sie oftmals Raben auf die Schultern t�towiert, das Zeichen eines <emphasis>Da'covale</emphasis> der Kaiserin. Die Ogier in der Wache sind auch als die G�rtner bekannt, und sie sind keine <emphasis>Da'covale</emphasis>. Die G�rtner sind genauso fanatisch ergeben wie die menschlichen Totenw�chter und werden noch mehr gef�rchtet. Ob Mensch oder Ogier, die Totenw�chter sind nicht nur bereit, f�r die Kaiserin und das Kaiserhaus zu sterben, sondern vertreten die �berzeugung, dass ihr Leben der Kaiserin geh�rt und sie damit nach Belieben verfahren kann. Helme und R�stung sind dunkelgr�n und blutrot lackiert, die Schilde sind schwarz lackiert, und Speere und Schwerter haben schwarze Quasten (<emphasis>siehe auch: Da'covale</emphasis>).</p><p><strong>Vereinigung:</strong> Als die von Artur Falkenfl�gel ausgesandten Heere unter dem Kommando seines Sohnes Luthair in Seanchan landeten, entdeckten sie einen sich in st�ndiger Ver�nderung befindlichen Flickenteppich aus Nationen, die permanent miteinander Krieg f�hrten und die h�ufig von Aes Sedai beherrscht wurden. Ohne ein Gegenst�ck zur Wei�en Burg k�mpften die Aes Sedai mit Hilfe der Einen Macht um die Vergr��erung ihrer pers�nlichen Reiche. Sie bildeten kleine Gruppen und intrigierten st�ndig gegeneinander. Diese Intrigen drehten sich gr��tenteils um den Gewinn pers�nlicher Vorteile. Die daraus entstandenen Kriege unter den zahllosen Nationen erm�glichten den aus dem Osten �ber das Aryth-Meer eingedrungenen Heeren �berhaupt erst, mit der Eroberung eines ganzen Kontinents zu beginnen, die sp�ter von ihren Nachkommen vollendet wurde. Diese Eroberung, in deren Verlauf die Nachkommen der urspr�nglichen Soldaten nicht nur ihre Herrschaft auf ganz Seanchan ausdehnten, sondern zu Seanchanern wurden, dauerte l�nger als neunhundert Jahre und wird als die Vereinigung bezeichnet.</p><p><strong>Verlorene:</strong> Name von dreizehn m�chtigen Aes Sedai, sowohl M�nner als auch Frauen, die w�hrend des Zeitalters der Legenden zum Schatten �berliefen und in der Versiegelung des Stollens zum Gef�ngnis des Dunklen K�nigs gefangen wurden. Obwohl lange Zeit angenommen wurde, dass w�hrend des Schattenkrieges allein sie das Licht aufgaben, gab es in Wahrheit noch andere; diese dreizehn nahmen lediglich die h�chsten R�nge ein. Die Verlorenen (die sich selbst die Auserw�hlten nennen) sind seit ihrem Erwachen in der neuen Zeit dezimiert worden. Die bekannten �berlebenden sind Demandred, Semirhage, Graendal, Mesaana, Moghedien sowie zwei andere, die in neuen K�rpern wiedergeboren wurden und die neuen Namen Osan'gar und Aran'gar erhielten. K�rzlich erschien ein Mann, der sich Moridin nennt und bei dem es sich m�glicherweise um einen weiteren toten Verlorenen handelt, der vom Dunklen K�nig von jenseits des Grabes zur�ckgeholt wurde. Das Gleiche trifft vielleicht auf die Frau namens Cyndane zu, aber da Aran'gar ein Mann war, der als Frau zur�ckgebracht wurde, k�nnten sich die Spekulationen �ber Moridin und Cyndane als sinnlos erweisen, bevor man mehr erfahren hat.</p><p><strong>Verteidiger des Steins:</strong> Milit�rische Eliteeinheit von Tear. Der derzeitige Hauptmann des Steins (und Befehlshaber der Verteidiger) ist Rodrivar Tihera. Nur Tairener werden als Verteidiger akzeptiert und die Offiziere sind f�r gew�hnlich von adliger Geburt, obwohl sie oftmals unbedeutenden H�usern oder niederen Seitenzweigen m�chtiger H�user entstammen. Die Aufgabe der Verteidiger besteht darin, die gewaltige Festung namens Stein von Tear in der Stadt Tear zu besch�tzen und die Stadt zu verteidigen. Au�erdem �bernehmen sie die Aufgaben einer Stadtwache. Au�er in Kriegszeiten f�hren sie ihre Pflichten nur selten weit von der Stadt fort. Dann bilden sie allerdings genau wie vergleichbare Eliteeinheiten den Kern der aufzustellenden Armee. Die Uniform der Verteidiger besteht aus einem schwarzen Mantel mit wattierten �rmeln, die mit schwarzen und goldenen Streifen versehen sind, sowie einem polierten Brustharnisch und einem Helm mit Stahlkrempe und Stangenvisier. Der Hauptmann der Verteidiger tr�gt drei kurze wei�e Federn auf dem Helm und auf den Manschetten seines Mantels drei ineinander verschlungene goldene Tressen auf einem wei�en Band. Die anderen Hauptm�nner tragen zwei wei�e Federn und eine goldene Tresse auf den wei�en Manschetten, Leutnants eine wei�e Feder und eine schwarze Tresse auf der wei�en Manschette und Unterleutnants eine kurze schwarze Feder und eine unbestickte Manschette. Bannertr�ger tragen goldfarbene Manschetten an ihren M�nteln und einfache Soldaten haben schwarz-� und goldgestreifte Manschetten.</p><p><strong>Vorl�ufer:</strong><emphasis>siehe auch: Hailene.</emphasis></p><p><strong>W�hrung:</strong> Nach vielen Jahrhunderten des Handels gelten in jedem Land die gleichen Standards f�r M�nzen: Kronen (die gr��te M�nze), Mark und Pfennige. Krone und Mark k�nnen aus Gold oder Silber gepr�gt sein, w�hrend Pfennige aus Silber oder Kupfer sind. Letztere werden auch als Kupferst�cke bezeichnet. In verschiedenen L�ndern k�nnen diese M�nzen jedoch von verschiedener Gr��e und Gewicht sein. Selbst in einer Nation haben verschiedene Herrscher M�nzen von verschiedener Gr��e und Gewicht pr�gen lassen. Darum benutzen Bankiers, Geldverleiher und Kaufleute grunds�tzlich Waagen, um den Metallwert zu bestimmen. Aus diesem Grund werden selbst gro�e Summen gewogen. Papiergeld existiert lediglich in der Form von Kreditbriefen, die von Bankiers ausgestellt werden. F�r sie bekommt man eine bestimmte Menge Gold oder Silber ausgezahlt. Aufgrund der gro�en Entfernungen zwischen den St�dten, der ben�tigten Reisezeit und der Schwierigkeiten, die derartige Transaktionen mit sich bringen, kann es vorkommen, dass man f�r Kreditbriefe in St�dten, die sich in der N�he der Bank befinden, den vollen Wert erh�lt, w�hrend man sich in weiter entfernten St�dten mit einem geringeren Wert zufrieden geben muss. Im Allgemeinen wird sich eine bedeutende Pers�nlichkeit, die sich auf eine lange Reise begibt, mit einem oder mehreren Kreditbriefen ausr�sten, um zu Bargeld zu kommen. F�r gew�hnlich werden Kreditbriefe nur von Bankiers oder Kaufleuten akzeptiert.</p><p><strong>Waffenm�nner:</strong> Soldaten, die einem bestimmten Lord oder einer Lady die Lehnstreue schulden.</p><p><strong>Weise Frau:</strong> Bei den Aiel w�hlen die Weisen Frauen unter allen Frauen diejenigen aus, die zu dieser T�tigkeit berufen sind. Sie erlernen die Heilkunst, Kr�uterkunde und anderes, �hnlich wie die Seherinnen. Sie besitzen gro�e Autorit�t und Verantwortung sowie gro�en Einfluss auf die Septimen und die Clanh�uptlinge, obwohl diese M�nner sie oft beschuldigen, dass sie sich st�ndig einmischen. Eine betr�chtliche Anzahl von Weisen Frauen k�nnen � in unterschiedlicher St�rke � die Eine Macht lenken; sie sp�ren jede Aielfrau auf, die mit dem Funken geboren wurde oder lernen kann, die Macht zu benutzen. Allerdings herrscht unter den Aiel der Brauch, nicht �ber dieses Thema zu sprechen. So wie es ebenfalls Brauch ist, dass Weise Frauen jeden Kontakt mit Aes Sedai meiden, und zwar wesentlich konsequenter als die anderen Aiel. Weise Frauen stehen �ber allen Fehden und kriegerischen Auseinandersetzungen und d�rfen dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zufolge weder verletzt noch auf sonstige Weise behindert werden. W�rde eine Weise Frau an einem Kampf teilnehmen, w�re das ein grober Versto� gegen jegliche Sitten und Traditionen. Drei zurzeit lebende Weise Frauen sind Traumg�ngerinnen und verf�gen �ber die F�higkeit, <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu betreten und mit anderen Menschen in ihren Tr�umen zu reden.</p><p><strong>Wilde Jagd, die:</strong> Viele Menschen glauben, dass der Dunkle K�nig (oft auch der alte Grimme genannt, wie in Tear, Illian, Murandy, Altara und Ghealdan) in der Nacht mit seinen Schattenhunden ausreitet, um Jagd auf Seelen zu machen. Das ist die Wilde Jagd. Viele glauben, dass allein schon der Anblick der vorbeihetzenden Jagd den sofortigen Tod bringt, entweder f�r den Betrachter oder f�r jemandem, der ihm nahe steht. Besonders gef�hrlich ist es, wenn einem die Wilde Jagd an einem Kreuzweg begegnet, kurz vor Sonnenaufgang oder unmittelbar nach Sonnenuntergang (<emphasis>siehe auch:</emphasis> Schattenhunde).</p><p><strong>Zweifler, die:</strong> ein Orden innerhalb der Gemeinschaft der Kinder des Lichts. Sie bezeichnen sich als die Hand des Lichts und sehen ihre Aufgabe darin, die Wahrheit im Wortstreit zu erkennen und Schattenfreunde zu entlarven. Ihre Suche nach der Wahrheit und dem Licht erfolgt in der Regel durch Folter; sie sind der Auffassung, dass sie die Wahrheit bereits kennen und ihre Opfer nur dazu bringen m�ssen, sie zu gestehen. Gelegentlich verhalten sie sich, als w�rden sie v�llig unabh�ngig von den Kindern und dem Rat der Gesalbten agieren, der die Kinder befehligt. Das Oberhaupt der Zweifler ist der Hochinquisitor, zurzeit Rhadam Asunawa, der dem Rat der Gesalbten angeh�rt. Ihr Wappen ist ein blutroter Hirtenstab.</p></section></body><binary id="cover" 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