<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>In den Klauen des Winters</book-title><date>2001</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Andreas</first-name><last-name>Decker</last-name></translator><sequence name="Das Rad der Zeit" number="9"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Robert</first-name><last-name>Jordan</last-name></author><book-title>Winter's Heart</book-title><date>2000</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><program-used>None, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2012-07-02">2012</date><src-ocr>Tscharlie</src-ocr><id>A055C5D7-834F-4FA5-A8E4-3812C92C8201</id><version>1.0</version></document-info></description><body><title><p>In den Klauen des Winters</p></title><epigraph><p>Wie immer f�r Harriet</p><p>F�r alle Ewigkeit</p></epigraph><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><title><p>Und das Rad dreht sich</p><p>Ein Vorwort von Andreas Decker</p></title><p><emphasis>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und vergehen und lassen Erinnerungen zur�ck, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter ihres Ursprungs wiederkehrt.</emphasis></p><p>Mit diesen Worten beginnt jede Chronik aus der Welt des Rades, eines Universums, in dem das Rad der Zeit und das Gro�e Muster, das es webt, das oberste Prinzip sind.</p><p>Am Anfang steht eine Prophezeiung, die Prophezeiung des Drachen. Sie verk�ndet die Befreiung des Dunklen K�nigs, des B�sen schlechthin, und die Wiedergeburt Lews Therin Telamons, des Drachen, der einst vor Jahrtausenden sein Gef�ngnis versiegelte und daf�r den h�chsten Preis bezahlen musste. Sie berichtet von einem Mann, der sowohl der Vernichter als auch der Erl�ser der Welt sein soll. Er kann die <emphasis>Eine Macht</emphasis> lenken und er ist der Wiedergeborene Drache, der <emphasis>Tarmon Gai'don</emphasis> schlagen soll, die Letzte Schlacht gegen den Dunklen K�nig.</p><p>Rand al'Thor ist der Wiedergeborene Drache.</p><p>Man schreibt das Dritte Zeitalter seit der Zerst�rung der Welt. Wieder strecken der Dunkle K�nig und seine Vertrauten, die Verlorenen, die ihm schon in tiefer Vergangenheit zur Seite standen, die Hand nach der Welt aus. Horden nichtmenschlicher Trollocs und Myrddraals �berziehen das Land mit Verw�stung, gelenkt von den Verlorenen, die nahezu unerkannt unter den Menschen wandeln, wo sie Unruhe sch�ren und Kriege ausl�sen.</p><p>Allein Rand al'Thor ist laut den Prophezeiungen dazu bestimmt, die Letzte Schlacht zu schlagen. Er beherrscht die <emphasis>Eine Macht,</emphasis> kann die Welt nach seinen W�nschen formen, und die Welt f�rchtet ihn. Er hat treue Freunde um sich geschart, Nationen besiegt und Throne gest�rzt. Er hat m�chtige Feinde und zweifelhafte Verb�ndete, aber die gr��te Bedrohung ist die <emphasis>Eine Macht.</emphasis> Denn wie alle M�nner, die sich der Macht bedienen, k�mpft er gegen den Makel des Wahnsinns an, der die mystische Energie beschmutzt.</p><p>Wie die Eingeweihten wissen, besteht sowohl die <emphasis>Eine Macht</emphasis> als auch die Wahre Quelle, der sie entspringt, aus zwei widerstreitenden und sich dennoch erg�nzenden Teilen: <emphasis>Saidin,</emphasis> der m�nnlichen H�lfte, und <emphasis>Saidar,</emphasis> der weiblichen H�lfte. Die Energie versetzt einige wenige Menschen in die Lage, die Elemente Erde, Wind, Feuer, Wasser und Geist nach ihrem Willen zu beeinflussen und Heldentaten zu vollbringen. Im untergegangenen Zeitalter der Legenden nannte man diese M�nner und Frauen Aes Sedai, was in der Alten Sprache �Diener aller� bedeutet.</p><p>Als der Dunkle K�nig, der im Augenblick der Sch�pfung von dem Sch�pfer des Universums au�erhalb von Zeit und Sch�pfung gefangen gesetzt wurde, aus seinem Gef�ngnis auszubrechen drohte und von Lews Therin Telamon, dem st�rksten Aes Sedai seiner Zeit, besiegt wurde, geriet der triumphale Sieg zugleich zur verheerenden Niederlage. Im Augenblick der Versiegelung kam es zu einer Reaktion, die <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche Quelle der <emphasis>Einen Macht,</emphasis> mit einem Makel versah. Jeder Mann, der nach der Macht griff � was f�r ihn so nat�rlich war wie das Atemholen �, wurde wahnsinnig. Das hat sich bis auf den heutigen Tag nicht ge�ndert.</p><p>Bei den meisten vollzieht sich das als schleichender Prozess. Bei Lews Therin Telamon, dem Drachen, war dies anders. Blindw�tig in seinem Wahn, wandten er und seine Helfer sich mit der Macht gegen alle und jeden und schlie�lich gegen die Welt selbst. Erdbeben ersch�tterten das Land, St�rme fegten dar�ber hinweg, Vulkane brachen aus, der Ozean �berschwemmte das Land. Reiche gingen unter und ganze V�lker starben.</p><p>Nach dem Neubeginn hat sich das Antlitz der Welt ver�ndert. Nun benutzen nur noch die weiblichen Aes Sedai die <emphasis>Eine Macht.</emphasis> Sie haben die Wei�e Burg gegr�ndet und seit jenen dunklen Tagen wachen sie unerbittlich dar�ber, dass sich kein Mann der <emphasis>Einen Macht</emphasis> bedient. Sie sp�ren sie auf und �d�mpfen� sie, schneiden sie vom Zugang zur Wahren Quelle ab, um Unheil zu verhindern.</p><p>Rand al'Thor hatte schon immer ein zwiesp�ltiges Verh�ltnis zu den Aes Sedai, die von vielen als die wahren Herrscher der Welt gef�rchtet und gehasst werden. Aber er ist der Wiedergeborene Drache, der wie kein Zweiter �ber die <emphasis>Eine Macht</emphasis> gebietet; er ist der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> der Aiel, der W�stennomaden, deren Clans ihm fast alle bis in den Tod ergeben sind; er ist der Begr�nder der Schwarzen Burg und der <emphasis>Asha'man,</emphasis> der M�nner, die ungeachtet aller gegenteiligen Bem�hungen gelernt haben, mit der <emphasis>Einen Macht</emphasis> umzugehen. Und er hat treue Verb�ndete, die in seinem Namen handeln.</p><p>Zerm�rbend bleibt der Kampf dennoch. So m�sste er seine ganzen Kr�fte darauf konzentrieren, sich auf <emphasis>Tarmon Gai'don</emphasis> vorzubereiten � die Letzte Schlacht. Doch f�r jeden Schritt, den er vorankommt, wird er zwei zur�ckgeworfen. Und manchmal geschehen Dinge, die v�llig unerwartet kommen.</p><p>So wie in der gro�en Nation von Andor.</p><p>K�nigin Morgase aus dem Haus Trakand gilt als verschollen und tot. Andor ist ein Land in der Krise, seitdem der Verlorene Rahvin in der Maske von Lord Gaebril dort f�r Chaos gesorgt hat. Zwar konnte Rand den Verlorenen t�ten, aber das entstehende Machtvakuum vermochte er nicht zu f�llen. Darum hat Elayne Trakand, Aes Sedai und Morgases Tochter-Erbin, ihren Anspruch auf den L�wenthron angemeldet und das Banner des Wiedergeborenen Drachen eingeholt. Sie will den Thron, so wie es ihr verbrieftes Recht ist. Aber man muss das Recht auch durchsetzen k�nnen. Caemlyn, die Hauptstadt von Andor, ist ein gef�hrliches Pflaster. Die anderen gro�en und m�chtigen Adelsh�user des Landes intrigieren gegen Elayne. Die Aes Sedai Elaida, die durch einen Umsturz an die Macht gekommene Amyrlin-Sitz und damit derzeitige Beherrscherin der Wei�en Burg, will sie unbedingt in ihre Gewalt bekommen.</p><p>Aber Elayne steht nicht allein da. Da sind ihre Beh�terin Birgitte und ihre Freundin Aviendha, eine junge Frau aus dem Volk der wilden Aiel, die beide f�r sie ihr Leben geben w�rden. Und dann sind da noch jene Frauen aus Ebou Dar, die die <emphasis>Eine Macht</emphasis> lenken k�nnen und die vor der Invasion der Seanchaner geflohen sind. Einst auch unter der Bezeichnung Schwesternschaft bekannt, nennen sie sich die Kusinen, da sie nie die M�glichkeit hatten, in der Wei�en Burg zur Schwester einer der Ajahs der Aes Sedai ausgebildet zu werden. Generationenlang boten die Kusinen ein Sammelbecken und Hilfestellung f�r Frauen, die den Anforderungen der Wei�en Burg nicht gerecht und fortgeschickt wurden, so wie sie auch Ausrei�erinnen aufnahmen, die die harte Ausbildung der Novizinnen nicht l�nger durchhielten. Die Wei�e Burg vernichtete jede �hnliche Gemeinschaft von Frauen, aber die Kusinen lie� sie gew�hren, denn so konnte sie sich die Jagd auf die Ausrei�erinnen sparen und direkt in der N�he von Ebou Dar suchen, wo sie dann auch oft genug f�ndig wurde.</p><p>Aber die Zeiten haben sich ge�ndert. Die Kusinen vertrauen auf das Versprechen Elaynes, dass sie von der Wei�en Burg nicht mehr als abtr�nnige Wilde angesehen werden, die verbotenerweise und ohne richtige Ausbildung die <emphasis>Eine Macht</emphasis> aus�ben, sondern als gleichberechtigte Frauen. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zuerst muss Elayne den Thron f�r sich sichern �eine gewaltige Aufgabe. Aber sie hat ein Vorbild: ihre verstorbene Mutter, K�nigin Morgase.</p><p>Nur dass Morgase in Wahrheit noch unter den Lebenden ist. Nach langen, gef�hrlichen Irrfahrten stie� sie auf das kleine Expeditionsheer von Perrin Aybara, der im Auftrag des Wiedergeborenen Drachen in Amadicia unterwegs ist. Unter dem Namen Maighdin lie� sie sich als Dienerin von Perrins Frau Faile aufnehmen und h�tete auch weiterhin ihr Geheimnis.</p><p>Perrin steht mittlerweile vor einer fast unl�sbaren Aufgabe. Er soll den Propheten zu Rand bringen. Einst . war Masema Dagar ein einfacher schienarischer Soldat, heute nennt er sich der Prophet und verk�ndet die Botschaft, dass der Wiedergeborene Drache das gestaltgewordene Licht ist, dem sich jedermann zu beugen hat. Und er verk�ndet seine Botschaft mit Feuer und Schwert. Als Anf�hrer eines Heeres z�gelloser Fanatiker ist er durch Ghealdan und Amadicia gezogen und hat eine Spur der Verw�stung zur�ckgelassen. Perrin ist nicht gl�cklich �ber seinen Auftrag. Er wei� genau, dass Masema wahnsinnig und unberechenbar ist. Au�erdem kann er sich nicht auf seine Verb�ndeten verlassen. Die Weisen Frauen der Aiel wollen den Propheten t�ten, aber Masemas Mob ist in der �berzahl. Perrin hofft, dass er eine friedliche L�sung findet. Zu diesem Zweck trifft er sich mit Masema in der von ihm eroberten Stadt Abila, ohne zu wissen, dass seine Frau Faile zur gleichen Zeit von abtr�nnigen Aiel �berfallen wird.</p><p>Rand al'Thor, der Wiedergeborene Drache, hat in der Zwischenzeit ganz andere Sorgen. Abtr�nnige Asha'-man haben sich gegen ihn gewandt. Unter dem Kommando von Corlan Dashiva haben sie ihn hinterr�cks im Palast von Cairhien angegriffen. Nur mit Gl�ck konnte Rand der Attacke entgehen. Dieser Verrat ist besonders schmerzlich. Die Asha'man der Schwarzen Burg waren seine Sch�pfung. M�nner, die die <emphasis>Eine Macht</emphasis> lenken k�nnen, die in der Lage sind, gewaltige Zerst�rungen anzurichten, die mittels des Schnellen Reisens Wegetore erschaffen und so mit einem Schritt von einem Teil der Welt in einen anderen reisen k�nnen. In seinem Namen gef�hrt von Mazrim Taim, dem ehemaligen falschen Drachen, der in der N�he von Caemlyn nun die Schwarze Burg errichtet, stellen sie eine unschlagbare Waffe dar, die die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Eine Waffe, die allein ihm gehorchte. Bis jetzt. Zwar ist die Verr�tergruppe allem Anschein nach nicht besonders gro�, aber trotz aller dr�ngenden Fragen kann es sich Rand nicht leisten, sie unbehelligt ziehen zu lassen.</p><p>Dabei t�rmen sich vor dem Wiedergeborenen Drachen die Schwierigkeiten. Es f�llt ihm zusehends schwerer, <emphasis>Saidin</emphasis> zu umarmen, die mit dem Makel behaftete, m�nnliche H�lfte der Wahren Quelle; jede Benutzung der Macht bereitet ihm �belkeit. Jeder Tag scheint ihn dem Wahnsinn n�her zu bringen, die Stimme des seit Jahrtausenden toten Lews Therin l�sst sich nicht mehr aus seinem Kopf vertreiben. Aber Rand gibt nicht auf. Denn es gibt f�r ihn keine Alternative, als den Kampf fortzuf�hren.</p><p>Das Rad dreht sich und die Letzte Schlacht r�ckt immer n�her. Die Heere sammeln sich und der Wiedergeborene Drache muss k�mpfen, wenn die Welt kein zweites Mal untergehen soll.</p></section><section><cite><p>Die Siegel, die sich der Nacht entgegenstemmen, erm�den, und geboren wird im Herzen des Winters das Herz des Winters, begleitet von Wehklagen und Z�hneknirschen, denn das Herz des Winters wird auf einem schwarzen Pferd reiten, und sein Name ist Tod.</p><text-author>- aus dem <emphasis>Karaethon-Zyklus:</emphasis></text-author><text-author>Die Prophezeiungen des Drachen</text-author></cite></section><section><title><p>PROLOG</p><p>Schnee</p></title><p>Drei Laternen verbreiteten flackerndes Licht, mehr als genug, um den kleinen Raum mit seinen hellwei�en W�nden zu erhellen. Seaine hielt den Blick auf die massive Holzt�r gerichtet. Sie wusste genau, dass es unlogisch, dass es f�r eine Sitzende der Wei�en Ajah sogar albern war. Das Gewebe aus <emphasis>Saidar,</emphasis> das sie um den T�rknauf gelegt hatte, lie� sie die gelegentlichen Schritte h�ren, die in dem auf der anderen Seite befindlichen Labyrinth aus G�ngen erklangen, genau wie die gefl�sterten Worte, die beinahe so schnell wieder verstummten, wie sie ert�nt waren. Es war eine einfache Fertigkeit, die ihr eine Freundin in ihrer lange zur�ckliegenden Novizinnenzeit beigebracht hatte, aber sie w�rde gewarnt sein, lange bevor sich jemand n�herte. Es kamen sowieso nur sehr wenige Leute bis in das zweite Kellergeschoss hinunter.</p><p>Ihr aus der Einen Macht bestehendes Gewebe nahm das in der Ferne ert�nende Fiepen von Ratten wahr. Beim Licht! Wie lange war es her, dass es Ratten in Tar Valon gegeben hatte? In der Wei�en Burg? Ob einige von ihnen wohl Spione des Dunklen K�nigs waren? Unbehaglich befeuchtete sie sich die Lippen. Logik z�hlte hier gar nichts. Richtig. Auch wenn es unlogisch war. Am liebsten h�tte sie gelacht. Sie stand am Rande der Hysterie und es kostete sie eine bewusste Anstrengung, davor zur�ckzuweichen. Denk an etwas anderes als an Ratten. An etwas anderes als an ... Hinter ihr ert�nte ein ged�mpfter Aufschrei, der in ein unterdr�cktes Wimmern �berging. Sie versuchte, nicht hinzuh�ren. Konzentriere dich!</p><p>In gewisser Weise hatte man sie und ihre Gef�hrtinnen in diesen Raum getrieben, weil es den Anschein gehabt hatte, dass sich die Anf�hrerinnen der Ajah im Geheimen trafen. Sie selbst hatte gesehen, wie Ferane Neheran in einer abgeschiedenen Nische der Bibliothek mit Jesse Bilal tuschelte, die bei den Braunen einen hohen Rang bekleidete, wenn nicht sogar oben an der Spitze stand. Sie war der Meinung gewesen, sich bei Susana Dragand von den Gelben auf sicherem Terrain zu befinden. Das hatte sie zumindest geglaubt. Aber warum war Ferane dann in einem abgelegenen Teil des Burggel�ndes mit Susana spazieren gegangen und warum hatten beide verh�llende Umh�nge getragen? Noch sprachen die Sitzenden der verschiedenen Ajahs offen, wenn auch k�hl miteinander.</p><p>Die anderen hatten �hnliche Dinge beobachtet; nat�rlich verrieten sie keine Namen ihrer eigenen Ajahs, aber zwei von ihnen hatten Ferane erw�hnt. Ein beunruhigendes R�tsel. Die Burg war zu einem schw�renden Sumpf geworden, jede Ajah ging auf die anderen Ajahs los, und doch trafen sich die Anf�hrerinnen in irgendwelchen Ecken. Keine Au�enstehende vermochte mit Sicherheit zu sagen, wer nun das Oberhaupt einer Ajah war, aber anscheinend kannten sie einander. Was f�hrten sie nur im Schilde? Bedauerlicherweise konnte sie Ferane nicht einfach fragen. Aber selbst wenn sie Fragen gegen�ber aufgeschlossen gewesen w�re, h�tte Seaine es nicht gewagt. Nicht zu diesem Zeitpunkt.</p><p>So stark sie sich auch konzentrierte, es gelang ihr nicht, �ber die Frage nachzudenken. Ihr war bewusst, dass sie auf die T�r starrte und �ber R�tsel nachsann, die sie nicht l�sen konnte, nur weil sie nicht �ber die Schulter blicken wollte. Zu der Quelle jenes unterdr�ckten Wimmerns und des keuchenden St�hnens.</p><p>Und als w�re der Gedanke an die Ger�usche ein Zwang, wandte sie sich langsam um zu ihren Gef�hrtinnen, und bei jedem Zentimeter, den sich ihr Kopf drehte, geriet ihr Atem mehr ins Stocken. Au�erhalb von Tar Valon, hoch �ber ihnen, fiel in dichten Flocken der Schnee, aber der Raum erschien unertr�glich hei�. Sie zwang sich dazu <emphasis>hinzusehen!</emphasis></p><p>Saerin stand mit leicht gespreizten Beinen da, die mit den braunen Fransen versehene Stola �ber die Armbeugen geschlungen, die Hand auf dem Griff des altaranischen Krummdolches, der in ihrem G�rtel steckte. Eiskalter Zorn lie� ihre olivfarbene Haut so dunkel anlaufen, dass die Narbe an ihrem Kinn in einem d�nnen wei�en Strich hervortrat. Pevara schien beherrschter zu sein, zumindest auf den ersten Blick, doch ihre eine Hand hatte sich fest in dem mit roten Stickereien verzierten Rock verkrallt, w�hrend sie in der anderen den glatten, wei�en Zylinder des Eidstabes wie eine Keule hielt, mit der sie am liebsten zugeschlagen h�tte. M�glicherweise war sie tats�chlich dazu bereit; Pevara war viel h�rter, als ihr molliges Erscheinungsbild glauben lie�, und sie verf�gte �ber genug Entschlossenheit, um Saerin wie eine Zauderin aussehen zu lassen.</p><p>Die kleine Yukiri, die auf der anderen Seite des Throns der Reue stand, hatte die Arme fest verschr�nkt; ihr Zittern lie� die langen silbergrauen Fransen ihrer Stola erbeben. Sie befeuchtete sich die Lippen und warf der Frau neben ihr einen besorgten Blick zu. Doesine, die mehr wie ein h�bscher Knabe aussah als wie eine Schwester der Gelben mit einem ausgezeichneten Ruf, zeigte keinerlei Regung. Sie lenkte die Str�nge der Macht, die im Thron der Reue verschwanden, und sie starrte auf den <emphasis>Ter'angreal</emphasis> und konzentrierte sich so sehr auf ihre Arbeit, dass auf ihrer bleichen Stirn Schwei�tropfen perlten. Sie alle geh�rten den Sitzenden an, einschlie�lich der hoch gewachsenen Frau, die sich auf dem Thron wand.</p><p>Talene war in Schwei� gebadet; er verklebte ihr blondes Haar und durchtr�nkte ihr Leinenunterhemd, sodass es an ihrer Haut haftete. Der Rest ihrer Kleidung lag als unordentlicher Haufen in einer Ecke. Ihre geschlossenen Lider flatterten und sie st�hnte unabl�ssig und bettelte mit halb ausgesprochenen, winselnden Worten. Seaine versp�rte �belkeit, aber sie konnte ihren Blick nicht abwenden. Talene war eine Freundin. Das hei�t, sie war eine Freundin gewesen.</p><p>Trotz seines Namens sah der <emphasis>Ter'angreal</emphasis> nicht wie ein Thron aus; es handelte sich um einen gro�en, rechteckigen Block aus einem marmorierten grauen Material. Niemand wusste, worum es sich dabei handelte, aber bis auf die abgeschr�gte Oberseite war es so hart wie Stahl. Die st�mmige Graue war ein St�ck darin eingesunken, und gleichg�ltig wie sie sich auch verrenkte, das Material passte sich ihrer Gestalt an. Doesines Geflecht aus Macht floss in die einzige �ffnung des Throns, ein handtellergro�es, rechteckiges Loch auf der einen Seite, um das in unregelm��igen Abst�nden winzige Kerben angeordnet waren. In Tar Valon brachte man gefangene Verbrecher in diesen Kellerraum, damit sie den Thron der Reue kennen lernten und sie sorgf�ltig ausgew�hlte Konsequenzen ihrer Verbrechen am eigenen Leib erlebten. Nach der Entlassung flohen sie unweigerlich von der Insel. In Tar Valon gab es nur wenige Verbrechen. Seaine fragte sich unbehaglich, ob man den Thron im Zeitalter der Legenden wohl zu �hnlichen Zwecken benutzt hatte.</p><p>�Was... sieht sie?� Obwohl sie es nicht wollte, ert�nte ihre Frage als ein Fl�stern. Talene w�rde mehr als nur sehen; ihr w�rde alles real erscheinen. Man konnte nur dem Licht danken, dass sie keinen Beh�ter hatte, was f�r eine Gr�ne mehr als ungew�hnlich war. Sie hatte behauptet, eine Sitzende w�rde keinen brauchen. Jetzt dr�ngten sich andere Vermutungen auf.</p><p>�Sie ist blutverschmiert, weil sie von den verdammten Trollocs ausgepeitscht wird�, sagte Doesine heiser. Untert�ne ihres heimatlichen cairhienischen Akzents hatten sich in ihre Stimme eingeschlichen, etwas, das nur geschah, wenn sie unter gro�er Belastung stand. �Sobald sie fertig sind, kann sie den Kessel der Trollocs �ber einem Feuer kochen sehen, und einen Myrddraal, der sie beobachtet. Sie wird wissen, dass eines von beiden f�r sie als N�chstes kommt. Verdammt, wenn sie diesmal nicht zusammenbricht...� Gereizt wischte sich Doesine Schwei� von der Stirn und holte keuchend Luft. �H�rt auf, mich zu dr�ngen. Es ist lange her, dass ich das hier getan habe.�</p><p>�Das ist schon das dritte Mal�, murmelte Yukiri. �Der hartgesottenste Verbrecher wird nach dem zweiten Mal von seiner eigenen Schuld gebrochen, falls es �berhaupt so lange dauert! Was ist, wenn sie unschuldig ist? Licht, das ist, als w�rde man Schafe stehlen, wenn der Sch�fer zusieht!� Selbst am ganzen Leib zitternd schaffte sie es, hoheitsvoll auszusehen, aber sie klang immer wie das, was sie einst gewesen war, eine Frau aus dem Dorf. Sie schaute die anderen verzagt an. �Das Gesetz verbietet es, den Thron bei Schwestern anzuwenden. Man wird uns alle als Sitzende versto�en! Und da es noch nicht reicht, aus dem Saal verbannt zu werden, wird man uns vermutlich ins Exil schicken. Und vorher mit Ruten peitschen, nur um uns den Tee zu versalzen! Soll man mich doch zu Asche verbrennen, wenn wir uns irren, k�nnten wir alle ged�mpft werden!�</p><p>Seaine erschauderte. Letzterem w�rden sie entgehen, falls sich ihr Verdacht bewahrheitete. Nein, es war kein Verdacht, es war eine Gewissheit. Es musste so sein! Aber selbst wenn sie Recht behielten, es stimmte, was Yukiri gesagt hatte. Die Gesetze der Burg lie�en nur selten Notwendigkeiten oder ein imagin�res h�heres Gut gelten. Aber wenn sie Recht hatten, dann war es den Preis wert, den sie zahlten. Bitte, mochte das Licht daf�r sorgen, dass sie Recht hatten!</p><p>�Seid ihr blind und taub?�, fauchte Pevara und drohte Yukiri mit dem Eidstab. �Sie hat sich geweigert, den Eid, niemals ein unwahres Wort zu sprechen, erneut zu schw�ren, und nach allem, was wir bereits gemacht haben, muss mehr dahinterstecken als nur der dumme Stolz einer Gr�nen Ajah. Als ich sie abgeschirmt habe, wollte sie mich <emphasis>erstechen!</emphasis> H�rt sich <emphasis>das</emphasis> nach Unschuld an? Tut es das? Vielleicht wollten wir ja nur mit ihr sprechen, bis unsere Zungen vertrocknen, warum h�tte sie etwas anderes annehmen sollen! Welchen Grund h�tte sie, etwas anderes zu erwarten?�</p><p>�Ich danke euch beiden, dass ihr das Offensichtliche zur Sprache bringt�, sagte Saerin trocken. �Yukiri, wir k�nnen jetzt nicht mehr zur�ck, dazu ist es zu sp�t, also k�nnen wir genauso gut weiter nach vorn gehen. Und Pevara, ich an Eurer Stelle w�rde nicht eine der vier Frauen der ganzen Burg anschreien, von der ich wei�, dass ich ihr vertrauen kann.�</p><p>Yukiri err�tete und richtete ihre Stola, w�hrend Pevara einen Hauch besch�mt aussah. Einen Hauch, aber auch nicht mehr. Sie alle geh�rten zu den Sitzenden, aber Saerin hatte zweifellos die F�hrung �bernommen. Seaine war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte. Noch vor wenigen Stunden waren Pevara und sie zwei alte Freundinnen auf einer gef�hrlichen Suche gewesen, Frauen von gleichem Rang, die gemeinsam Entscheidungen trafen; jetzt hatten sie Verb�ndete. Eigentlich h�tte sie f�r die zus�tzlichen Gef�hrtinnen dankbar sein sollen. Aber sie befanden sich nicht im Saal und sie konnten bei dieser Angelegenheit nicht auf die Rechte der Sitzenden pochen. Die Hierarchien der Burg waren in den Vordergrund getreten, all die feinen und weniger feinen Unterscheidungen, wer im Gegensatz zu wem welchen Platz einnahm. Tats�chlich war Saerin beinahe doppelt so lang Novizin und Aufgenommene als die meisten anderen gewesen, und vierzig Jahre im Rang einer Sitzenden � l�nger als alle anderen Mitglieder des Saals � z�hlte eine ganze Menge. Seaine konnte sich gl�cklich sch�tzen, falls Saerin sie nach ihrer Meinung, geschweige denn nach ihrem Rat fragte, bevor sie eine Entscheidung traf. Es war albern, aber dieses Wissen stach wie ein eingetretener Dorn.</p><p>�Die Trollocs zerren sie zum Kessel�, sagte Doesine pl�tzlich mit kr�chzender Stimme. Ein schrilles Wimmern entschl�pfte Talenes zusammengebissenen Z�hnen; sie zitterte so schlimm, als habe sie Sch�ttelfrost. �Ich ... ich wei� nicht, ob ich es schaffe ... ob ich mich �berwinden kann, sie ...�</p><p>�Weckt sie auf�, befahl Saerin, ohne die anderen auch nur zu beachten. �H�rt auf zu schmollen, Yukiri, und macht Euch bereit.�</p><p>Die Graue schenkte ihr einen w�tenden Blick, aber als Doesine ihr Netz aus Macht aufl�ste und sich Talenes blaue Augen flatternd �ffneten, wurde Yukiri vom gl�nzenden Schein <emphasis>Saidars</emphasis> umh�llt, und sie schirmte die auf dem Thron liegende Frau wortlos ab. Saerin gab hier die Befehle, und jeder wusste das, und damit war die Angelegenheit erledigt. Ein wirklich spitzer Dorn.</p><p>Eine Abschirmung schien kaum n�tig zu sein. Talenes Gesicht war eine vor Entsetzen verzerrte Fratze; sie keuchte und zitterte, als w�re sie zehn Meilen so schnell gelaufen, wie sie nur konnte. Sie sank noch immer in die weiche Oberfl�che ein, aber ohne Doesines Wirken der Einen Macht passte sie sich ihr nicht mehr an. Talene starrte mit hervorquellenden Augen zur Decke, dann kniff sie sie zu. Und riss sie sofort wieder auf. Egal, welche Erinnerungen hinter ihren Lidern lagen, sie wollte sich ihnen auf keinen Fall stellen.</p><p>Pevara rauschte mit zwei Schritten zum Thron und stie� der aufgew�hlten Frau den Eidstab entgegen. �Talene, entsagt allen Eiden, die Euch binden, und legt die Drei Eide erneut ab�, sagte sie grob. Talene wich vor dem Eidstab zur�ck wie vor einer giftigen Schlange, dann zuckte sie in die andere Richtung, als sich Saerin �ber sie beugte.</p><p>�Das n�chste Mal ist es der Kessel. Oder die sanften Liebkosungen des Myrddraals.� Saerins Miene war unerbittlich, aber ihr Tonfall lie� sie vergleichsweise mitf�hlend erscheinen. �Vorher werdet Ihr nicht erwachen. Und wenn das nicht reicht, wird es wieder geschehen, und dann noch einmal, so oft es n�tig ist, und wenn wir bis zum Sommer hier unten bleiben m�ssen.� Doesine �ffnete den Mund, um zu protestieren, bevor sie sich auf eine Grimasse beschr�nkte. Sie allein war imstande, den Thron zu bedienen, aber in dieser Gruppe nahm sie den gleichen niedrigen Rang wie Seaine ein.</p><p>Talene starrte noch immer zu Saerin hoch. Ihre gro�en Augen f�llten sich mit Tr�nen und sie fing an, in tiefen, hoffnungslosen Schluchzern zu weinen. Blindlings streckte sie die Hand aus und tastete umher, bis ihr Pevara den Eidstab entgegenhielt. Pevara umarmte die Quelle und lenkte einen Strang Geist in den Stab. Talene umfasste den Zylinder, der die Dicke eines Handgelenks aufwies, so fest, dass ihre Kn�chel wei� hervortraten, blieb aber schluchzend liegen.</p><p>Saerin richtete sich auf. �Doesine, ich f�rchte, es ist Zeit, sie wieder schlafen zu legen.�</p><p>Talenes Tr�nen fl�ssen noch schneller, aber sie fing an zu murmeln. �Ich ... entsage allen Eiden ... die mich binden.� Mit dem letzten Wort fing sie an zu schreien.</p><p>Seaine zuckte zusammen, dann schluckte sie schwer. Sie hatte den Schmerz, nur einem einzigen Eid zu entsagen, pers�nlich erlebt und sich gefragt, wie es wohl sein musste, auf einmal mehr als nur einem zu entsagen, aber jetzt konnte sie es mit eigenen Augen sehen. Talene schrie, bis sie keine Luft mehr hatte, dann holte sie tief Atem, um erneut zu schreien, bis Seaine damit rechnete, dass Leute aus der Burg nach unten gest�rzt kamen. Die hoch gewachsene Gr�ne wurde von Kr�mpfen gesch�ttelt, ihre Arme und Beine zuckten, dann bog sich pl�tzlich ihr ganzer K�rper durch, bis nur noch Kopf und Fersen die graue Oberfl�che ber�hrten. Jeder Muskel war angespannt, ihr ganzer Leib eine einzige Verkrampfung.</p><p>So unvermittelt Talene von dem Krampf �berfallen worden war, so abrupt sackte sie in sich zusammen, als h�tte sie keine Knochen mehr, und blieb weinend wie ein kleines Kind liegen. Der Eidstab rollte aus ihrer schlaffen Hand auf die schr�ge graue Oberfl�che des Throns. Yukiri murmelte etwas, das nach einem and�chtigen Gebet klang. Doesine fl�sterte mit zitternder Stimme ununterbrochen �Licht! Licht! Licht!�</p><p>Pevara hob den Stab auf und schloss Talenes Finger erneut darum. Seaines Freundin kannte keine Gnade, nicht bei einer solchen Angelegenheit. �Jetzt schw�rt die Drei Eide!�, forderte sie unnachgiebig.</p><p>Einen Augenblick lang hatte es den Anschein, als w�rde sich Talene weigern, dann wiederholte sie langsam die Eide, die sie alle zu Aes Sedai machten und zusammenhielten. Niemals ein Wort zu sprechen, das nicht wahr ist. Niemals eine Waffe herzustellen, mit der ein Mensch seinen n�chsten t�ten kann. Niemals die Eine Macht als Waffe zu benutzen, es sei denn zur Selbstverteidigung oder um das Leben ihres Beh�ters oder einer anderen Schwester zu sch�tzen. Am Ende schluchzte sie lautlos und bebte am ganzen K�rper. Vielleicht waren das die Eide, die sie banden. Sie bereiteten Unbehagen, wenn sie gerade geleistet worden waren. Vielleicht.</p><p>Dann teilte ihr Pevara den anderen Eid mit, den sie von ihr verlangten. Talene zuckte zusammen, murmelte die Worte aber mit hoffnungsloser Stimme. �Ich schw�re, Euch allen f�nf bedingungslos zu gehorchen.� Sie starrte wie bet�ubt stur geradaus, Tr�nen rannen ihr �ber die Wangen.</p><p>�Antwortet mir wahrheitsgem�߫, forderte Saerin. �Geh�rt Ihr der Schwarzen Ajah an?�</p><p>�Das tue ich.� Es kam knirschend heraus, so als w�re Talenes Kehle eingerostet.</p><p>Die einfachen Worte lie�en Seaine auf eine Weise erstarren, die sie nie f�r m�glich gehalten h�tte. Schlie�lich hatte sie sich aufgemacht, die Schwarzen Ajah zu jagen, und wie nur wenige ihrer Schwestern an ihr Ziel geglaubt. Sie hatte an eine andere Schwester Hand angelegt, an eine Sitzende, hatte geholfen, Talene in ein Gewebe aus Luft geh�llt durch verwaiste Kellerkorridore zu bef�rdern, hatte ein Dutzend Burggesetze gebrochen, ernste Verbrechen begangen � und das alles nur, um eine Antwort zu h�ren, von der sie �berzeugt gewesen war, sie bereits zu kennen, noch bevor man die Frage gestellt hatte. Jetzt hatte sie sie geh�rt. Die Schwarze Ajah existierte tats�chlich. Sie starrte eine Schwarze Schwester an, eine Schattenfreundin, welche die Stola trug. Und wie sich jetzt herausstellte, war der Glaube daran nur ein schwacher Abglanz der tats�chlichen Konfrontation. Sie konnte ein Z�hneklappern nur deshalb verhindern, weil sie die Z�hne krampfhaft zusammenbiss. Sie k�mpfte um ihre Beherrschung, darum, n�chtern zu denken. Aber Albtr�ume waren erwacht und wandelten in der Burg umher.</p><p>Jemand atmete schwer aus, und Seaine begriff, dass sie nicht die Einzige war, deren Welt auf den Kopf gestellt worden war. Yukiri sch�ttelte sich und richtete dann den Blick auf Talene, als w�re sie entschlossen, die Abschirmung falls n�tig auch allein durch reine Willenskraft aufrechtzuerhalten. Doesine fuhr mit der Zunge �ber die trockenen Lippen und gl�ttete unsicher ihre dunkelgoldenen R�cke. Allein Saerin und Pevara schienen ganz ruhig zu sein.</p><p>�So, so�, sagte Saerin leise. Aber vielleicht war �kaum h�rbar� eine bessere Beschreibung. �So, so. Eine Schwarze Ajah.� Sie holte zischend Luft und ihr Tonfall wurde lebhaft. �Yukiri, das ist nicht mehr n�tig. Talene, Ihr werdet keinen Fluchtversuch unternehmen oder anderweitig versuchen, Widerstand zu leisten. Ihr werdet die Quelle nicht mal anr�hren, ohne dass Ihr von einer von uns die Erlaubnis dazu bekommen habt. Obwohl ich annehme, dass sich jemand anders dieser Angegenheit annimmt, sobald wir Euch �bergeben haben. Yukiri?� Die Abschirmung l�ste sich auf, aber der Schein <emphasis>Saidars</emphasis> um Yukiri blieb; es war, als w�rde sie der Wirkung des Eidstabes auf eine Schwarze Schwester nicht trauen.</p><p>Pevara runzelte die Stirn. �Bevor wir sie Elaida �bergeben, Saerin, will ich so viel wie m�glich aus ihr herausholen. Namen, Orte, alles, was sie wei�.� Pevaras ganze Familie war von Schattenfreunden get�tet worden, und Seaine war fest davon �berzeugt, dass sie mit Freude ins Exil gehen w�rde, nur um jede Schwarze Schwester pers�nlich jagen zu k�nnen.</p><p>Talene gab auf dem Thron einen Laut von sich, der sich aus einem bitteren Lachen und Schluchzen zusammensetzte. �Wenn Ihr das tut, sind wir alle tot. Tot! Elaida geh�rt zu den Schwarzen Ajah!�</p><p>�Das ist unm�glich!�, brach es aus Seaine heraus. �Elaida hat mir pers�nlich den Befehl gegeben.�</p><p>�Sie muss dazugeh�ren�, sagte Doesine halb fl�sternd. �Talene hat die Eide erneut geleistet; sie hat sie gerade genannt!� Yukiri nickte nachdr�cklich.</p><p>�Benutzt Euren Verstand�, kurrte Pevara und sch�ttelte angewidert den Kopf. �Ihr wisst so gut wie ich, dass Ihr eine L�ge, an die Ihr fest glaubt, als Wahrheit verk�nden k�nnt.�</p><p>�Und das <emphasis>ist</emphasis> die Wahrheit�, beharrte Saerin. �Talene, welche Beweise habt Ihr? Habt Ihr Elaida bei Euren ...</p><p>Treffen gesehen?� Sie ergriff den Dolch so fest, dass ihre Kn�chel wei� hervortraten. Sie hatte f�r die Stola h�rter als die meisten anderen k�mpfen m�ssen; sie hatte sogar f�r das Recht k�mpfen m�ssen, �berhaupt in der Burg bleiben zu d�rfen. F�r sie war die Burg mehr als nur ihr Zuhause, sie war wichtiger als ihr Leben. Falls Talene die falsche Antwort gab, w�rde Elaida ihr Tribunal nicht mehr erleben.</p><p>�Sie halten keine Treffen ab�, murmelte Talene m�rrisch. �Von ihrem Hohen Rat einmal abgesehen, vermute ich. Aber sie muss zu ihnen geh�ren. Sie kennen jeden Bericht, den Elaida empf�ngt, sogar die geheimen, jedes Wort, das man ihr sagt. Sie kennen jede ihrer Entscheidungen, bevor sie verk�ndet werden. Tage fr�her, manchmal sogar Wochen. Wie soll das m�glich sein, es sei denn, sie teilt sie ihnen mit?� Sie richtete sich m�hsam auf und versuchte, jeder der Sitzenden in die Augen zu sehen. Aber es erweckte nur den Anschein, als w�rden ihre Blicke nerv�s umherhuschen. �Wir m�ssen fliehen und ein Versteck finden. Ich werde Euch helfen � Euch alles sagen, was ich wei�! �aber wenn wir nicht fliehen, werden sie uns t�ten.�</p><p>Seltsam, dachte Seaine, wie schnell Talene ihre ehemaligen Mitverschw�rer zu �sie� gemacht hat und versucht, sich mit uns zu identifizieren. Nein. Seaine rief sich zur Ordnung. Sie wich dem eigentlichen Problem aus und das war t�richt. Hatte Elaida sie <emphasis>tats�chlich</emphasis> auf die Schwarze Ajah angesetzt, ihr den Befehl gegeben, sie aufzusp�ren? Sie hatte dabei nicht einmal den Namen genannt. Konnte sie etwas anderes gemeint haben? Elaida war stets �ber jeden hergefallen, der die Schwarzen auch nur erw�hnte. Beinahe jede andere Schwester w�rde sich genauso verhalten, und dennoch...</p><p>�Elaida hat sich als N�rrin erwiesen�, sagte Saerin, �und ich habe es mehr als einmal bereut, f�r sie gestimmt zu haben, aber ich glaube nicht, dass sie eine Schwarze ist, nicht, ohne mehr Beweise zu haben als die hier.� Pevara nickte ruckartig und mit fest aufeinander gepressten Lippen. Als Rote w�rde sie viel mehr als das brauchen.</p><p>�Das mag ja alles sein, Saerin�, sagte Yukiri, �aber wir k�nnen Talene nicht mehr lange festhalten, bevor die Gr�nen anfangen zu fragen wo sie ist. Ganz zu schweigen von den... Schwarzen. Wir sollten lieber schnell entscheiden, was zu tun ist, oder wir werden noch immer an diesem Brunnen graben, wenn der Regen kommt.� Talene schenkte Saerin ein zaghaftes L�cheln, das vermutlich einschmeichelnd sein sollte. Das Stirnrunzeln der Sitzenden der Braunen lie� es schnell verblassen.</p><p>�Wir k�nnen es nicht wagen, Elaida irgendetwas zu sagen, bis wir die Schwarzen mit einem Schlag vernichten k�nnen�, sagte Saerin schlie�lich. �Diskutiert nicht mit mir, Pevara, das sagt einem der gesunde Menschenverstand.� Pevara warf die H�nde in die H�he und machte ein stures Gesicht, aber sie sagte nichts. �Wenn Talene Recht hat�, fuhr Saerin fort, �wissen die Schwarzen �ber Seaine Bescheid oder werden es bald wissen, also m�ssen wir ihre Sicherheit gew�hrleisten, so weit uns das m�glich ist. Das wird nicht einfach sein, sind wir doch nur zu f�nft. Wir k�nnen <emphasis>keinem</emphasis> trauen, bis wir uns seiner sicher sind! Zumindest haben wir Talene und wer wei�, was wir alles erfahren, bis wir sie ausgequetscht haben.� Talene versuchte auszusehen, als wollte sie sich bereitwillig ausquetschen zu lassen, aber keiner achtete auf sie. Seaines Hals war pl�tzlich ganz trocken.</p><p>�M�glicherweise sind wir nicht ganz allein�, sagte Pevara z�gernd. �Seaine, berichtet den anderen von Eurem kleinen Plan mit Zerah und ihren Freundinnen.�</p><p>�Plan?�, wiederholte Saerin. �Wer ist Zerah? Seaine? Seaine!�</p><p>Seaine zuckte zusammen. �Was? Oh. Pevara und ich haben in der Burg ein kleines Rebellennest entdeckt�, fing sie hastig an. �Zehn Schwestern, die man geschickt hat, um Unfrieden zu stiften.� Saerin w�rde also f�r ihre Sicherheit sorgen, oder? Ungefragt. Sie geh�rte selbst den Sitzenden an; sie war seit beinahe einhundertf�nfzig Jahren eine Aes Sedai. Welches Recht hatte Saerin oder sonst jemand ...? �Pevara und ich haben begonnen, dem ein Ende zu setzen. Wir haben bereits eine von ihnen, Zerah Dacan, denselben Schwur wie Talene leisten lassen, und ihr befohlen, heute Nachmittag Bernaile Gelbarn in meine Gem�cher zu bringen, ohne dass sie Verdacht sch�pft.� Beim Licht, jede Schwester au�erhalb dieser vier W�nde k�nnte eine Schwarze sein. Jede Schwester.</p><p>�Dann benutzen wir die beiden, um die N�chste anzulocken, bis sie alle dazu gezwungen wurden, uns Gehorsam zu schw�ren. Nat�rlich werden wir ihnen dieselbe Frage stellen, die wir Zerah und Talene gestellt haben.� Wom�glich kannte die Schwarze Ajah bereits ihren Namen und wusste, dass sie den Auftrag erhalten hatte, sie zu jagen. Wie sollte Saerin sie besch�tzen? �Diejenigen von ihnen, die eine falsche Antwort geben, k�nnen befragt werden, und die, die richtig antworten, k�nnen wieder etwas von ihrem Verrat gutmachen, indem sie unter unserer F�hrung die Schwarzen jagen.� Licht, wie denn?</p><p>Als sie geendet hatte, er�rterten die anderen die Angelegenheit ausf�hrlich, was nur bedeuten konnte, dass Saerin in ihrer Entscheidung unsicher war. Yukiri bestand darauf, Zerah und ihre Verb�ndeten auf der Stelle dem Gesetz zu �bergeben � falls das m�glich war, ohne gleichzeitig ihre eigene Verwicklung mit Talene zu enth�llen. Pevara sprach sich � wenn auch nur halbherzig �daf�r aus, auf die Rebellen zur�ckzugreifen; sie hatten mit abscheulichen Geschichten �ber die Rote Ajah und falsche Drachen Unfrieden stiften wollen. Doesine schien sich daf�r auszusprechen, jede Schwester der Burg zu entf�hren und zu zwingen, den zus�tzlichen Eid zu leisten, aber die anderen drei ignorierten sie.</p><p>Seaine nahm an der Debatte nicht teil. Ihre Reaktion auf die gef�hrliche Lage, in der sie steckten, war ihrer Meinung nach die einzig richtige. Sie stolperte in die n�chste Ecke und �bergab sich lautstark.</p><p>Elayne versuchte, nicht mit den Z�hnen zu knirschen. Drau�en ging ein weiterer Schneesturm �ber Caemlyn nieder, der den mitt�glichen Himmel so sehr verdunkelte, dass alle an den holzvert�felten W�nden angebrachten Lampen entz�ndet worden waren. Wilde B�en r�ttelten an den hohen Bogenfenstern. Blitze erhellten die tr�ben Scheiben, �ber ihnen grollte dumpf der Donner. Ein Schneegewitter, von allen Winterst�rmen die schlimmste, die zerst�rerischste Art. In dem Raum war es nicht unbedingt kalt, aber ... Obwohl sie die Finger vor den Holzscheiten spreizte, die in dem breiten Marmorkamin brannten, konnte sie die K�lte sp�ren, die nicht nur durch die auf den Bodenfliesen liegenden Teppiche sickerte, sondern auch durch die Sohlen ihrer dicksten Samtschuhe. Der breite schwarze Kragen und die �rmelaufschl�ge aus Fuchs, die ihr in Rot und Wei� gehaltenes Gewand schm�ckten, waren h�bsch, aber sie hatte den Eindruck, als w�rden sie genauso wenig f�r zus�tzliche W�rme sorgen wie die Perlen auf den �rmeln. Die Weigerung, sich von der K�lte ber�hren zu lassen, bedeutete nicht, dass sie sie nicht wahrnahm.</p><p>Wo <emphasis>steckte</emphasis> Nynaeve? Und Vandene? In ihrem Inneren brodelte es. <emphasis>Sie sollten schon l�ngst hier se in! Licht! Ich w�nsche mir, ich k�nnte lernen, ohne Schlaf auszukommen, und sie lassen sich ganz gem�tlich Zeit!</emphasis> Aber nein, das war ungerecht. Ihr formeller Anspruch auf den L�wenthron war erst ein paar Tage alt und nun kam f�r sie alles andere erst an zweiter Stelle. Nynaeve und Vandene hatten andere Priorit�ten; ihrer Ansicht nach trugen sie f�r andere Dinge die Verantwortung. Nynaeve war v�llig damit besch�ftigt, zusammen mit Reanne und dem Rest des N�hkr�nzchens zu planen, wie man die Kusinen �wie sich die Angeh�rigen dieser Schwesternschaft auch aus Tarnungsgr�nden nannten � aus den von den Seanchanern beherrschten Gebieten schmuggeln konnte, bevor sie entdeckt und an den Kragen gelegt wurden. Die Kusinen waren gut darin, keinerlei Aufsehen zu erregen, aber die Seanchaner w�rden sie nicht einfach als Wilde betrachten und ignorieren, so wie es die Aes Sedai stets getan hatten. Angeblich war Vandene noch immer von der Ermordung ihrer Schwester ersch�ttert, nahm so gut wie nichts mehr zu sich und war kaum in der Lage, irgendeinen Rat zu geben. Das mit dem Essen stimmte; die Suche nach dem M�rder fra� sie innerlich auf. Es hie�, sie w�rde von Trauer gesch�ttelt zu unm�glichen Zeiten durch die S�le streifen und insgeheim den Schattenfreunden nachstellen, die sich in ihrer Mitte versteckten. Noch vor drei Tagen hatte allein dieser Gedanke Elayne einen Schauder �ber den R�cken gejagt; jetzt war es nur noch eine Gefahr von vielen. Zwar eine, die einem n�her ging, das stimmte, aber das war es auch schon.</p><p>Sie erf�llten wichtige Aufgaben, zu denen Egwene ihre Zustimmung gegeben hatte, aber Elayne w�nschte sich trotzdem, sie w�rden sich beeilen, so selbsts�chtig das auch sein mochte. Vandene hatte viele gute Ideen, ein Vorteil langer Erfahrung und Studien, und Nynaeves Jahre mit dem Dorfrat und dem Frauenzirkel von Emondsfelde hatte ihren Blick f�r praktische L�sungen gesch�rft, so sehr sie das auch immer verneinen mochte. <emphasis>Soll man mich doch zu Asche verbrennen, ich habe hundert Probleme, ein paar davon sogar hier im Palast, und ich</emphasis> brauche <emphasis>sie!</emphasis> Ginge es nach ihrem Willen, w�rde Nynaeve al'Meara die Aes Sedai-Beraterin der n�chsten K�nigin von Andor sein. Sie brauchte jede Hilfe, die sie bekommen, Hilfe, der sie vertrauen konnte.</p><p>Sie rieb sich das Gesicht und wandte sich von dem prasselnden Feuer ab. Vor dem Kamin standen dreizehn hochlehnige St�hle in der Form eines Hufeisens aufgestellt; sie waren schlicht, aber von kunstfertiger Hand hergestellt worden. Paradoxerweise befand sich der Ehrenplatz, auf dem die K�nigin w�hrend einer Audienz sitzen sollte, am weitesten von der W�rme des Feuers entfernt. Insofern man �berhaupt von W�rme sprechen konnte. Ihr R�cken erw�rmte sich sofort und ihre Vorderseite k�hlte ab. Drau�en fiel der Schnee, Donner krachte und Blitze schlugen vom Himmel. In ihrem Kopf spielte sich �hnliches ab. Ganz ruhig. Eine Herrscherin musste genauso ruhig und beherrscht wie eine Aes Sedai sein.</p><p>�Es m�ssen die S�ldner sein�, sagte sie, ohne das Bedauern ganz aus ihrer Stimme heraushalten zu k�nnen. Bewaffnete von ihren G�tern w�rden sicherlich innerhalb eines Monats eintreffen � sobald sie erfuhren, dass sie am Leben war �, aber bis eine bedeutsame Zahl zusammengekommen war, konnte es Fr�hling sein, und die M�nner, die Birgitte rekrutierte, w�rden ein halbes Jahr oder mehr ben�tigen, bevor sie gleichzeitig reiten und ein Schwert schwingen konnten. �Und die J�ger des Horns, falls sich welche einschreiben und den Eid leisten.� Das Wetter hatte viele aus beiden Gruppen in Caemlyn festgehalten. Zu viele, wie die meisten Leute sagten, da sie tranken, rauften und Frauen bel�stigten, die nichts von ihnen wissen wollten. Zumindest w�rde sie die M�nner f�r etwas N�tzliches gebrauchen, dann konnten sie Schwierigkeiten beenden, statt sie zu beginnen. W�re da blo� nicht der qu�lende Gedanke gewesen, dass sie noch immer versuchte, sich das nur einzureden. �Es ist teuer, aber daf�r ist genug Geld in der Schatzkammer.� Zumindest f�r eine Weile. Besser, es kam bald von ihren L�ndereien Geld herein.</p><p>Die beiden Frauen, die vor ihr standen, reagierten beinahe auf die gleiche Weise; welch ein Wunder.</p><p>Dyelin knurrte gereizt. An dem hohen Kragen ihres dunkelgr�nen Gewands war eine gro�e silberne Anstecknadel mit Taravins Eule und Eiche befestigt, ihr einziger Schmuck. Eine Zurschaustellung des Stolzes, den sie f�r ihr Haus hegte, vielleicht sogar �bertriebener Stolz; die derzeitige Hohe Herrin des Hauses Taravin war �berhaupt eine stolze Frau. Graue Str�hnen durchzogen ihr goldenes Haar, an den Augenwinkeln machten sich feine Netze aus F�ltchen bemerkbar, doch ihr Gesicht dr�ckte St�rke aus, und ihr Blick war ruhig und wachsam. Ihr Verstand war so scharf wie eine Rasierklinge. Oder vielleicht ein Schwert. Eine Frau, die sagte, was sie dachte, die nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg hielt.</p><p>�S�ldner verstehen sich auf ihr Handwerk, Elayne�, sagte sie absch�tzig. �Aber wo man die Ber�hrung einer Feder braucht, muss man damit rechnen, dass sie wie ein Hammer sind, und wenn man einen Hammer braucht, sind sie aller Wahrscheinlichkeit nach an einem anderen Ort � wo sie gerade stehlen. Ihre Loyalit�t geh�rt dem Gold, und das auch nur so lange, wie das Gold reicht. Wenn sie einen nicht vorher f�r mehr Gold verraten. Ich bin davon �berzeugt, dass Lady Birgitte dieses eine Mal mit mir einer Meinung ist.�</p><p>Birgitte hatte die Arme fest unter den Br�sten verschr�nkt und sich breitbeinig aufgebaut; sie verzog das Gesicht, so wie immer, wenn jemand ihren neuen Titel benutzte. Elayne hatte ihr ein Gut versprochen, sobald sie Caemlyn erreichten, wo man die Formalit�ten erledigen konnte. Im privaten Kreis grollte Birgitte st�ndig �ber diese <emphasis>und</emphasis> die andere Ver�nderung in ihrem Leben.</p><p>Ihre himmelblauen Hosen wiesen den gleichen Schnitt auf wie jene Pluderhosen, die sie sonst trug, aber ihr kurzer roter Mantel hatte einen hohen wei�en Kragen und breite, mit Goldf�den bestickte �rmelaufschl�ge.</p><p>Sie war die Lady Birgitte Trahelion <emphasis>und</emphasis> der Generalhauptmann der K�niglichen Garde und sie konnte so lange dar�ber jammern und murren, wie sie wollte, so lange sie es f�r sich tat.</p><p>�Das tue ich�, knurrte sie unwillig und schenkte Dyelin einen nicht gerade freundlichen Blick. Der Beh�terbund teilte Elayne mit, was sie schon den ganzen Morgen gesp�rt hatte. Ungeduld, Gereiztheit, Entschlossenheit. Allerdings konnte das m�glicherweise auch nur das Spiegelbild ihrer eigenen Empfindungen sein. Seitdem sie den Bund eingegangen waren, spiegelten sie einander auf �berraschende Weise wider, sowohl was ihre Gef�hle betraf wie auch in anderen Dingen. Selbst Elaynes Regel hatte sich mehr als eine Woche verschoben, nur um mit der der anderen Frau �bereinzustimmen!</p><p>Birgittes Z�gern, das zweitbeste Argument zu vertreten, war offensichtlich genauso gro� wie ihr Z�gern, �berhaupt zuzustimmen. �Die J�ger sind nicht viel besser, Elayne�, murmelte sie. �Sie legen den J�gereid ab, um Abenteuer zu finden, und wenn m�glich einen Platz in der Geschichte. Nicht, um sich niederzulassen und das Gesetz zu h�ten. Die H�lfte von ihnen sind anma�ende Schweine, die auf jeden anderen herabsehen, der Rest geht keine unn�tigen Risiken ein, sondern wartet auf sich bietende Chancen. Und nur ein gefl�stertes Ger�cht �ber das H�rn von Valere, und du kannst dich gl�cklich sch�tzen, wenn nur zwei von dreien �ber Nacht verschwunden sind.�</p><p>Dyelin l�chelte schmal, als h�tte sie einen kleinen Sieg errungen. Verglichen mit den beiden passten �l und Wasser gro�artig zusammen; beide kamen mit fast jedem anderen gut aus, aber aus irgendeinem Grund konnten sie sich �ber die Farbe von Kohle streiten. Und taten es auch.</p><p>�Au�erdem sind sich J�ger und S�ldner �hnlich, es sind fast alles Ausl�nder. Das wird weder die Hochwohlgeborenen noch das Volk erfreuen. Nicht im mindesten. Das Letzte, was du willst, ist eine Rebellion zu entfachen.� Blitze zuckten vom Himmel, tauchten die Fensterfl�gel kurz in ihr Licht, und ein besonders lauter Donnerschlag unterstrich ihre Worte. In tausend Jahren waren sieben K�niginnen Anders durch offene Rebellion gest�rzt worden, und die beiden, die das �berlebt hatten, hatten sich vermutlich gew�nscht, es nicht zu tun.</p><p>Elayne unterdr�ckte ein Seufzen. Auf einem der kleinen, mit Einlegearbeiten verzierten Tische an den W�nden stand ein schweres Tablett aus Silber, auf dem sich Becher und eine hohe Kanne mit hei�em, gew�rztem Wein befanden. Mittlerweile war es lauwarmer gew�rzter Wein. Sie griff kurz nach der Macht des Feuers und eine schmale Dampffahne stieg aus der Kanne empor. Das Aufw�rmen verlieh den Gew�rzen eine gewisse Bitterkeit, aber das war die W�rme der ziselierten Silberbecher in ihren H�nden wert. Mit einiger M�he widerstand sie dem Wunsch, die Luft in dem Raum mit der Macht zu erhitzen, und lie� die Quelle los; die W�rme w�re sowieso nicht von Dauer gewesen, es sei denn, sie h�tte das gewebte Netz aus Macht aufrechterhalten. Sie hatte ihre Abneigung besiegt, <emphasis>Saidar</emphasis> nach Gebrauch auch wieder loszulassen � nun, zumindest bis zu einem gewissen Grade. Aber in letzter Zeit wuchs das Verlangen, mehr von der Macht in sich aufzunehmen, von Mal zu Mal. Jede Schwester musste sich diesem gef�hrlichen Verlangen stellen. Mit einer Geste forderte sie die anderen beiden auf, sich mit Wein zu bedienen.</p><p>�Ihr kennt die Lage�, sagte Elayne. �Nur eine N�rrin k�nnte sie anders als Unheil verk�ndend nennen und keine von euch ist eine N�rrin.� Die Garde war ihren Namen nicht wert, eine Hand voll akzeptabler M�nner und zwei H�nde voll Rabauken, die eigentlich nur dazu geeignet waren, Betrunkene aus den Tavernen zu werfen oder selbst herausgeworfen zu werden. Und da die Saldaeaner fort waren und die Aiel aufbrachen, bl�hte das Verbrechen wie Unkraut im Fr�hling. Eigentlich hatte sie erwartet, dass der Schnee alles beruhigen w�rde, aber jeder neue Tag brachte Raub�berf�lle, Brandstiftung und Schlimmeres. Jeden Tag wurde die Situation noch schlimmer. �Wenn das in diesem Tempo weitergeht, haben wir in ein paar Wochen Aufst�nde. Vielleicht sogar fr�her. Wenn ich nicht mal in Caemlyn f�r Ordnung sorgen kann, <emphasis>wird</emphasis> sich das Volk gegen mich wenden.� Wenn sie in der Hauptstadt nicht f�r Ordnung sorgen konnte, konnte sie genauso gut der Welt verk�nden, dass sie f�r das Amt der Herrscherin nicht geeignet war. �Es gef�llt mir nicht, aber es muss geschehen, und das wird es auch.� Die beiden Frauen wollten wiedersprechen, aber sie lie� ihnen keine Gelegenheit. Sie legte H�rte in ihre Stimme. �Es wird geschehen.�</p><p>Birgittes taillenlanger goldener Zopf schwang hin und her, als sie den Kopf sch�ttelte, aber durch den Bund str�mte widerwilliges Einverst�ndnis. Sie betrachtete ihre Beziehung als Aes Sedai und Beh�terin auf entschieden eigenwillige Weise, aber sie hatte zu erkennen gelernt, wann sich Elayne nicht mehr bedr�ngen lie�. Zumindest mehr oder weniger. Da waren das Gut und der Titel. Und der Befehl �ber die Garde. Und ein paar andere kleine Dinge.</p><p>Dyelin senkte den Kopf den Bruchteil eines Zentimeters und deutete vielleicht auch einen Knicks an; vielleicht war es nur eine H�flichkeit, denn ihr Gesicht war so unbeweglich wie Stein. Man durfte nicht vergessen, dass viele von denen, die Elayne Trakand nicht auf dem L�wenthron sehen wollten, stattdessen Dyelin Taravin unterst�tzt hatten. Die Frau war in jeder Weise hilfsbereit gewesen, aber <emphasis>es</emphasis> war noch nicht viel Zeit vergangen, und manchmal fl�sterte in Elaynes Hinterkopf beharrlich eine leise Stimme. Wartete Dyelin nur darauf, dass sie einen b�sen Fehler beging, bevor sie einschritt, um Andor zu �retten�? Jemand mit der n�tigen Klugheit und Verschlagenheit k�nnte es auf diese Weise versuchen und m�glicherweise sogar Erfolg haben.</p><p>Elayne hob die Hand, um sich die Schl�fe zu massieren, richtete stattdessen aber nur ihr Haar. So viel Misstrauen, so wenig Vertrauen. Das Spiel der H�user hatte nach ihrem Aufbruch nach Tar Valon auch Andor erfasst. Sie war dankbar, dass sie in ihren Monaten bei den Aes Sedai mehr gelernt hatte, als nur die Eine Macht zu beherrschen. F�r die meisten Schwestern war <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> Atem und Brot. Sie war auch dankbar f�r Thoms Unterricht. Ohne beides h�tte sie ihre R�ckkehr wom�glich nicht so lange �berleben k�nnen, wie sie es bis jetzt getan hatte. Das Licht mochte daf�r sorgen, dass Thom in Sicherheit war, dass er und Mat und die anderen vor den Seanchanern entkommen und auf dem Weg nach Caemlyn waren. Jeden Tag seit ihrem Aufbruch aus Ebou Dar hatte sie f�r ihre Sicherheit gebetet, aber f�r mehr als nur ein kurzes Gebet hatte sie jetzt keine Zeit.</p><p>Sie nahm den Stuhl in der Mitte des Hufeisens und versuchte wie eine K�nigin auszusehen, den R�cken gerade durchgedr�ckt, die freie Hand locker auf der geschnitzten Lehne. <emphasis>Es reicht nicht, wie eine K�nigin auszusehen,</emphasis> hatte ihre Mutter oft gesagt, <emphasis>und ein scharfer Verstand, die geschickte Handhabung der Staatsangelegenheiten und ein tapferes Herz werden dir nichts n�tzen, wenn die Leute dich nicht als K�nigin betrachten.</emphasis> Birgitte beobachtete sie, beinahe schon misstrauisch. Manchmal war der Bund entschieden l�stig! Dyelin hob den Weinbecher an die Lippen.</p><p>Elayne holte tief Luft. Sie war diese Frage aus jeder Richtung angegangen, die ihr eingefallen war, und sie sah keinen anderen Ausweg. �Birgitte, ich will, dass die Garde im Fr�hling eine Armee darstellt, die allem gleichkommt, was <emphasis>zehn</emphasis> H�user zusammen ins Feld f�hren k�nnen.� Vermutlich unm�glich zu schaffen, allein der Versuch bedeutete, die S�ldner, die sich jetzt eingeschrieben hatten, auch zu halten und noch mehr zu finden, jeden Mann aufzunehmen, der die geringste Neigung dazu zeigte. Licht, was f�r ein �bler Schlamassel!</p><p>Dyelin verschluckte sich, ihre Augen traten hervor, dunkler Wein schoss aus ihrem Mund. Noch immer spuckend zog sie ein spitzenbesetztes Taschentuch aus dem �rmel und tupfte sich das Kinn ab.</p><p>�ber den Bund mit Birgitte schoss eine Woge der Panik zu ihr her�ber. �Verdammt, Elayne, das kann nicht dein Ernst sein...! Ich bin eine Bogensch�tzin, kein General! Das ist alles, was ich jemals war, hast du das noch immer nicht begriffen? Ich habe einfach nur das getan, zu dem mich die Umst�nde gezwungen haben! Aber wie dem auch sei, ich bin nicht <emphasis>sie,</emphasis> jedenfalls nicht mehr; ich bin nur noch ich und ...!� Sie brach ab, als ihr klar wurde, dass sie wom�glich zu viel gesagt hatte. Nicht zum ersten Mal. Ihr Gesicht lief rot an, als Dyelin sie neugierig betrachtete.</p><p>Sie hatten �ber Birgitte verbreitet, dass sie aus Kandor kam, wo die Landfrauen �hnliche Bekleidung wie sie trugen, aber Dyelin roch offensichtlich die L�ge. Und mit jedem Mal, das sich Birgitte versprach, kam sie n�her daran, ihr Geheimnis zu offenbaren. Elayne warf ihr einen Blick zu, der ihr versprach, dass sie sp�ter noch reden w�rden.</p><p>Sie h�tte nicht gedacht, dass Birgittes Wangen noch heftiger gl�hen konnten. Dem�tigung �berlagerte alles andere in dem Bund, bis Elayne sp�rte, dass ihr das Blut selbst in die Wangen schoss. Schnell nahm sie einen strengen Ausdruck an und hoffte, dass ihre roten Wangen etwas anderes vermuten lie�en als das tiefe Verlangen, sich wegen <emphasis>Birgittes</emphasis> Dem�tigung auf ihrem Stuhl zu winden. Der Spiegeleffekt konnte <emphasis>mehr</emphasis> als nur l�stig sein!</p><p>Dyelin verschwendete nur einen Augenblick an Birgitte. Sie stopfte das Taschentuch zur�ck an seinen Platz, stellte sorgf�ltig den Becher zur�ck aufs Tablett und stemmte dann die H�nde in die H�ften. Auch ihre Miene war jetzt finster. �Die Garde war immer das <emphasis>Herz</emphasis> von Anders Armee, Elayne, aber das hier ... Das Licht erbarme sich unser, das ist Wahnsinn! Ihr k�nntet jeden vom Fluss Erinin bis zu den Verschleierten Bergen gegen Euch aufbringen!�</p><p>Elayne konzentrierte sich auf ihre innere Ruhe. Falls sie sich irrte, w�rde Andor zu einem weiteren Cairhien werden, ein weiteres blutgetr�nktes Land, in dem das Chaos regierte. Und sie w�rde nat�rlich sterben, ein Preis, der nicht zu hoch war. Es war undenkbar, den Versuch nicht zu wagen, davon abgesehen w�rde ein Fehlschlag f�r Andor das Gleiche bedeuten, als wenn sie nichts tat. K�hl, beherrscht, von st�hlerner Ruhe erf�llt. Eine K�nigin durfte sich nicht �ngstlich zeigen, selbst wenn sie es war. Vor allem nicht, wenn sie es war. Ihre Mutter hatte stets gesagt, man sollte Entscheidungen so selten wie m�glich erkl�ren; je �fter man etwas erkl�rte, umso mehr zus�tzliche Erkl�rungen wurden n�tig, bis man schlie�lich zu nichts anderem mehr Zeit hatte. Gareth Bryne hingegen vertrat die Meinung, man sollte die Dinge erkl�ren, wenn es m�glich war; die Leute arbeiteten besser, wenn sie auch den Grund kannten. Heute w�rde sie Gareth Bryne folgen. Viele Siege waren errungen worden, weil man ihm gefolgt war.</p><p>�Ich habe drei offizielle Herausforderinnen.� Und vielleicht eine, die es nicht �ffentlich verk�ndet hatte. Sie zwang sich dazu, Dyelins Blick zu erwidern. Nicht w�tend; es war einfach nur ein offener Blick. Aber vielleicht hielt es Dyelin f�r Wut, hatte sie doch die Z�hne zusammengebissen, und ihre Wangen waren ger�tet. Nun, wenn es so war, konnte sie es auch nicht �ndern. �Arymilla kann man vernachl�ssigen, solange sie auf sich allein gestellt ist, aber Nasin hat das Haus Caeren auf ihre Seite gezogen, und egal, ob er nun wahnsinnig ist oder nicht, seine Unterst�tzung bedeutet, dass mit ihr zu rechnen ist. Naean und Elenia sitzen im Kerker; ihre Soldaten nicht. Naeans Leute k�nnen sich streiten, bis sie einen Anf�hrer finden, aber Jarid ist der Hohe Herr von Sarand, und er wird Risiken eingehen, um den Ehrgeiz seiner Frau zu stillen. Haus Baryn und Haus Anshar lieb�ugeln mit beiden; ich kann nur <emphasis>hoffen,</emphasis> dass sich eines von ihnen mit Sarand und das andere mit Arawn verb�ndet. Neunzehn H�user von Andor sind stark genug, dass die kleineren H�user ihnen folgen werden. Sechs davon haben sich gegen mich verb�ndet und ich habe zwei auf meiner Seite.� Bis jetzt waren es sechs, und das Licht mochte gew�hren, dass sie zwei hatte! Sie w�rde nicht erw�hnen, dass sich drei der gro�en H�user so gut wie f�r Dyelin ausgesprochen hatten; wenigstens hielt Egwene sie im Augenblick in Murandy besch�ftigt.</p><p>Elayne wies auf den Stuhl neben ihr und Dyelin setzte sich und richtete sorgf�ltig ihre R�cke. Die Sturmwolken waren vom Gesicht der �lteren Frau verschwunden. Sie musterte Elayne und verriet mit keiner Miene ihre Gedanken oder Schl�sse. �Ich wei� das alles genauso gut wie Ihr, Elayne, aber Luan und Ellorien werden Euch mit ihren H�usern unterst�tzen, und Abelle auch, davon bin ich �berzeugt.� Ihre Stimme war ruhig und bedacht, aber sie gewann an Leidenschaft, als sie fortfuhr. �Dann werden auch andere H�user Vernunft annehmen. So lange <emphasis>Ihr</emphasis> ihnen keine Angst einjagt, die ihnen die Vernunft nimmt. Beim Licht, Elayne, hier geht es doch nicht um die Thronfolge. Trakand erbt Trakand und kein anderes Haus. Und selbst bei einer Thronfolge ist es nur selten zum offenen Kampf gekommen! Aber verwandelt die K�nigliche Garde in eine Armee und Ihr werdet alles aufs Spiel setzen.�</p><p>Elayne warf den Kopf zur�ck, aber ihr Lachen verriet keinerlei Belustigung. Es passte zu dem krachenden Donner drau�en. �Ich habe alles an dem Tag riskiert, an dem ich heimgekehrt bin, Dyelin. Ihr sagt, Norwelyn und Traemane werden zu mir kommen und Pendar? Na sch�n, dann sind es eben f�nf, die sechs gegen�berstehen. Ich glaube nicht, dass die anderen H�user Vernunft annehmen�, wie Ihr es ausgedr�ckt habt. Falls eines von ihnen einen Zug macht, bevor offensichtlich ist, dass die Rosenkrone mir geh�rt, dann wird es gegen mich sein, nicht f�r mich.� Mit Gl�ck w�rden jene Lords und Ladys davor zur�ckschrecken, sich mit Gaebrils Kumpanen abzugeben, aber sie verlie� sich nicht gern auf das Gl�ck. Sie war nicht Mat Cauthon. Licht, die meisten Leute waren davon �berzeugt, dass Rand ihre Mutter get�tet hatte, und nur wenige glaubten, dass �Lord Gaebril� einer der Verlorenen gewesen war. Den Schaden zu richten, den Rahvin in Andor hinterlassen hatte, w�rde vermutlich ihr ganzes Leben in Anspruch nehmen, selbst wenn sie es schaffte, so lange zu leben wie die Kusinen! Einige der H�user w�rden sie nicht unterst�tzen wegen der entsetzlichen Dinge, die Gaebril in Morgases Namen getan hatte, andere wiederum nicht, weil Rand gesagt hatte, er wollte ihr den �Thron� geben. Sie liebte den Mann von ganzem Herzen, aber f�r diese Worte sollte er zu Asche verbrennen. Selbst wenn sie Dyelin in Schach hielten. Der geringste Kleinp�chter Andors w�rde seine Sense ergreifen, um eine Marionette vom L�wenthron zu vertreiben!</p><p>�Dyelin, wenn es mir m�glich ist, will ich verhindern, dass sich Andoraner t�ten, aber ob es hier um die Thronfolge geht oder nicht, Jarid ist zum Kampf bereit, obwohl Elenia eingesperrt ist. Naean ist zum Kampf bereit.� Am besten brachte man beide Frauen so schnell wie m�glich nach Caemlyn; es war durchaus m�glich, dass sie Nachrichten und Befehle aus Aringill herausschmuggelten. <emphasis>�Arymilla</emphasis> ist bereit, da sie Nasins M�nner hinter sich hat. F�r sie alle <emphasis>geht</emphasis> es hier um die Thronfolge, und man wird sie nur auf eine einzige Weise vom Kampf <emphasis>abhalten</emphasis> k�nnen � man muss so stark sein, dass sie es nicht wagen. Wenn Birgitte die Garde bis zum Fr�hling in ein Heer verwandeln kann, ist das gut, denn wenn ich bis dahin kein Heer habe, <emphasis>werde</emphasis> ich eines brauchen. Und wenn das noch nicht reicht, denkt an die Seanchaner. Sie werden sich nicht mit Tanchico und Ebou Dar zufrieden geben; sie wollen alles. Ich werde ihnen Andor nicht �berlassen, Dyelin, und Arymilla ebenfalls nicht.� �ber ihren K�pfen krachte der Donner.</p><p>Dyelin warf einen Blick auf Birgitte und befeuchtete sich die Lippen. Unbewusst zupfte sie an ihren R�cken herum. Es gab nur wenig, das ihr Angst einjagte, aber die Geschichten �ber die Seanchaner hatten es geschafft. Doch dann murmelte sie, als w�rde sie mit sich selbst sprechen: �Ich hatte gehofft, einen B�rgerkrieg verhindern zu k�nnen.� Und das bedeutete m�glicherweise <emphasis>gar</emphasis> nichts, oder aber alles! Vielleicht w�rde etwas Nachhaken zutage bringen, was davon stimmte.</p><p>�Gawyn�, sagte Birgitte pl�tzlich. Ihre Miene hatte sich aufgehellt, das Gleiche galt f�r die Gef�hle, die durch den Bund str�mten. Erleichterung trat eindeutig hervor. �Wenn er kommt, wird er den Befehl �bernehmen. Er wird dein Erster Prinz des Schwertes.�</p><p>�Mutters Milch in einer Tasse!�, fauchte Elayne, und in den Fenstern flackerte das Licht eines Blitzschlags, als wollte er die Worte unterstreichen. Warum musste die Frau ausgerechnet <emphasis>jetzt</emphasis> das Thema wechseln? Dyelin zuckte zusammen und Hitze schoss in Elaynes Gesicht. Der weit offen stehende Mund der �lteren Frau verriet, wie derb der Fluch gewesen war. Irgendwie war das auf seltsame Weise peinlich; dass Dyelin eine Freundin ihrer Mutter gewesen war, h�tte eigentlich nichts ausmachen d�rfen. Ohne nachzudenken nahm Elayne einen gro�en Schluck Wein � und der bittere Geschmack lie� sie fast w�rgen. Schnell unterdr�ckte sie das aufsteigende Bild Linis, die ihr drohte, den Mund mit Seife auszuwaschen, und rief sich ins Ged�chtnis zur�ck, dass sie eine erwachsene Frau war, die einen Thron f�r sich gewinnen wollte. Sie bezweifelte, dass ihre Mutter sich je so oft so albern vorgekommen war.</p><p>�Ja, das wird er, Birgitte�, f�hr sie etwas ruhiger fort. �Wenn er kommt.� Drei Kuriere waren auf dem Weg nach Tar Valon. Selbst wenn keiner von ihnen es schaffte, an Elaida vorbeizukommen, w�rde Gawyn schlie�lich erfahren, dass sie ihren Thronanspruch geltend gemacht hatte, und er w�rde kommen. Sie brauchte ihn um jeden Preis. Sie hegte keinerlei Illusionen, wie sie als Befehlshaberin sein w�rde, und Birgitte hatte so viel Angst, den Legenden �ber sie nicht gerecht zu werden, dass sie manchmal davor zur�ckschreckte, es �berhaupt zu versuchen. Sich einer Armee entgegenzustellen, das ja, aber eine Armee anzuf�hren, niemals!</p><p>Birgitte war sich der Verwirrung in ihrem Inneren durchaus bewusst. In genau diesem Augenblick war ihr Gesicht erstarrt, aber ihre Gef�hle waren voller Verlegenheit und Selbsthass, und das Letzte wurde zusehends st�rker. Elayne versp�rte einen Anflug von Gereiztheit, aber dann �ffnete sie den Mund, um Dyelins Bemerkung �ber einen B�rgerkrieg wieder aufzugreifen, bevor sie anfing, �ber Birgittes Wut nachzusinnen.</p><p>Doch bevor sie ein Wort �u�ern konnte, �ffneten sich die hohen roten Fl�gelt�ren. Ihre Hoffnung, dass es sich um Nynaeve und Vandene handelte, wurde beim Anblick zweier Meervolkfrauen zerschlagen, die trotz des Wetters barfu� gingen.</p><p>Eine nach Moschus duftende Parf�mwolke schwebte ihnen voraus; sie selbst boten eine Prozession aus Seidenhosen mit hellen Brokatmustern und Blusen, juwelenbesetzten Dolchen und Ketten aus Gold und Elfenbein. Und noch mehr Schmuck. Das glatte schwarze Haar, das sich an Renaile din Calons Schl�fen wei� f�rbte, verbarg die zehn kleinen, massiven Goldohrringe, aber die Arroganz, die in ihren schwarzen Augen lag, war so deutlich zu sehen wie die mit Medaillons beh�ngte Goldkette, die sich von einem Ohrring zu ihrem Nasenring spannte. Ihr Gesicht zeigte Entschlossenheit, und obwohl ihr Gang anmutig war, schien sie bereit zu sein, geradewegs durch eine Wand hindurchzugehen.</p><p>Zaida din Parede war fast eine Handbreit kleiner als ihre Begleiterin und hatte auf der linken Wange fast doppelt so viele goldene Medaillons h�ngen; sie strahlte eher Autorit�t denn Arroganz aus, die Gewissheit, dass man ihr gehorchte. Ihre dichten schwarzen Locken waren grau gesprenkelt, dennoch war sie atemberaubend, eine jener Frauen, die mit zunehmendem Alter immer sch�ner wurden.</p><p>Dyelin zuckte bei ihrem Anblick zusammen und hatte die Hand fast schon bis zur Nase erhoben, bevor sie sich bremsen konnte. Eine durchaus �bliche Reaktion bei Leuten, die nicht an das Atha'an Miere gew�hnt waren. Elayne verzog das Gesicht, jedoch nicht wegen ihrer Nasenringe. Sie suchte nach einem anderen Fluch, der noch ... kraftvoller war. Von den Verlorenen einmal abgesehen, h�tte sie keine zwei Menschen benennen k�nnen, die in diesem Augenblick ungelegener kamen. Reene sollte eigentlich daf�r sorgen, dass so etwas nicht geschah!</p><p>�Verzeiht�, sagte sie und erhob sich anmutig, �aber ich bin im Augenblick sehr besch�ftigt. Staatsangelegenheiten, wisst Ihr, sonst w�rde ich Euch willkommen hei�en, wie es Eurer Stellung entspricht.� Das Meervolk legte pedantisch auf Dinge wie Zeremoniell und Konventionen wert, zumindest, soweit es sie betraf. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren sie an der Ersten Hofdame vorbeigekommen, indem sie ihr einfach verschwiegen hatten, dass sie zu Elayne wollten, aber bevor die Krone ihr geh�rte, w�rden sie daran Ansto� nehmen, im Sitzen begr��t zu werden. Und sie konnte es sich nicht leisten, sie zu beleidigen. Birgitte erschien an ihrer Seite und verbeugte sich formell, um ihr den Becher abzunehmen; der Beh�terbund vermittelte Vorsicht. In Anwesenheit des Meervolkes benahm sie sich immer sehr lebhaft; sie hatte sich auch in seiner Gegenwart versprochen. �Ich spreche sp�ter mit Euch�, sagte Elayne abschlie�end. Dann f�gte sie noch hinzu: �Sofern es das Licht erlaubt.� Sie legten auch gro�en Wert auf zeremonielle Redewendungen und diese zeigte H�flichkeit <emphasis>und</emphasis> bot einen Ausweg.</p><p>Renaile ging einfach weiter, bis sie genau vor Elayne stand, und zwar viel zu nahe. Mit einer knappen Bewegung ihrer t�towierten Hand gab sie Elayne die Erlaubnis, sich zu setzen. Die Erlaubnis! �Ihr seid mir aus dem Weg gegangen.� Ihre Stimme war tief f�r eine Frau und dabei so kalt wie der Schnee, der aufs Dach fiel. �Vergesst nicht, ich bin die Windsucherin von Nesta din Raes Zwei Monde, der Herrin der Schiffe des Atha'an Miere. Ihr m�sst den Rest des Vertrages erf�llen, den Ihr im Namen Eurer Wei�en Burg getroffen habt.� Das Meervolk wusste von der Spaltung der Burg � mittlerweile wussten es alle �, aber Elayne hatte es f�r falsch gehalten, noch mehr Unruhe zu stiften, indem sie �ffentlich bekannt gab, auf welcher Seite sie stand. Noch nicht. �Ihr <emphasis>werdet</emphasis> Euch mit mir befassen, und zwar auf der <emphasis>Stelle!�,</emphasis> verlangte Renaile im Befehlston. So viel zum Zeremoniell und den Konventionen.</p><p>�Ich glaube, sie wollte mir aus dem Weg gehen, nicht Euch, Windsucherin.� Verglichen mit Renaile klang Zaida, als w�rde sie lediglich Konversation betreiben. Statt �ber die Teppiche zu eilen, bewegte sie sich ganz gem�tlich durch den Raum, blieb stehen, um eine hohe Vase aus d�nnem gr�nem Porzellan zu ber�hren, und stellte sich auf die Zehen, um durch ein Kaleidoskop mit vier Zylindern auf einem hohen St�nder zu blicken. Als sie zu Elayne und Renaile hin�berschaute, lag ein am�siertes Funkeln in ihren schwarzen Augen. �Schlie�lich ist der Vertrag mit Nesta din Reas geschlossen worden, die f�r die Schiffe spricht.� Zaida war nicht nur die Herrin der Wogen des Clans Catelar, sondern f�ngierte f�r die Herrin der Schiffe auch als Botschafterin. F�r Rand, nicht f�r Andor, aber ihre Vollmacht verlieh ihr die Autorit�t, im Namen von Nesta zu sprechen und Vertr�ge abzuschlie�en. Sie wechselte den vergoldeten Zylinder gegen einen anderen aus und stellte sich erneut auf die Zehenspitzen, um wieder durch das Okular zu blicken. �Elayne, Ihr habt dem Atha'an Miere zwanzig Lehrerinnen versprochen. Bis jetzt habt Ihr f�r eine gesorgt.�</p><p>Ihr Auftritt war so unvermutet, so dramatisch gewesen, dass Elayne erst jetzt �berrascht auffiel, dass Merilille hinter sich die T�r schloss. Die Graue, die noch kleiner als Zaida war, trug ein elegantes dunkelblaues Wollgewand, dessen S�ume mit silbernem Fell abgesetzt und auf dessen Oberteil kleine Mondsteine aufgestickt waren. Sie unterrichtete die Windsucherinnen nicht mal zwei Wochen, aber die Zeit hatte ihre Spuren hinterlassen. Bei den meisten handelte es sich um m�chtige Frauen mit gro�em Wissensdurst, die mehr als nur bereit waren, Merilille wie eine Weintraube in der Weinpresse auszuquetschen, um auch den letzten Tropfen Fl�ssigkeit zu bekommen. Elayne war immer der Meinung gewesen, dass ihre Selbstbeherrschung so ausgepr�gt war, dass sie nichts �berraschen konnte, aber jetzt lief Merilille st�ndig mit weit aufgerissenen Augen und leicht ge�ffneten Lippen umher, als w�re sie gerade so �berrascht worden, dass ihr Verstand nicht mehr mitkam und sie damit rechnete, jeden Augenblick erneut �berrascht zu werden. Sie faltete die H�nde in H�he der Taille und blieb neben der T�r stehen, anscheinend erleichtert, nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.</p><p>Dyelin r�usperte sich lautstark, stand auf und schaute sowohl Zaida wie auch Renaile stirnrunzelnd an. �Achtet auf Euren Ton�, knurrte sie. �Ihr seid jetzt in Andor, nicht an Bord eines Eurer Schiffe, und Elayne Trakand wird die K�nigin von Andor sein! Wenn die Zeit gekommen ist, wird der <emphasis>Vertrag</emphasis> schon erf�llt werden! Im Augenblick m�ssen wir uns um wichtigere Dinge k�mmern.�</p><p>�Im Schein des Lichts gibt es nichts Wichtigeres�, erwiderte Renaile im gleichen Tonfall und wandte sich ihr zu. �Ihr behauptet, der Vertrag wird eingehalten? Dann garantiert Ihr auch daf�r! Ihr sollt wissen, dass in den Rahen genug Platz sein wird, um Euch dort an den F��en aufzuh�ngen, wenn ...�</p><p>Zaida schnippte mit den Fingern. Das war alles, aber ein Zittern ging durch Renailes K�rper. Sie schnappte sich das goldene Duftk�stchen, das von einer ihrer Halsketten herunterbaumelte, dr�ckte es an die Nase und atmete tief ein. Sie mochte die Windsucherin der Herrin der Schiffe sein, eine Frau, die unter den Atha'an Miere gro�e Autorit�t und Macht besa�, aber f�r Zaida war sie blo� eine ... Windsucherin. Was m�chtig ihren Stolz verletzte. Elayne war �berzeugt, dass es eine M�glichkeit geben musste, das auszunutzen, um sie sich vom Leib zu halten, aber bis jetzt hatte sie sie noch nicht gefunden. O ja, ob es ihr gefiel oder nicht, <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> steckte nun auch ihr in den Knochen.</p><p>Sie ging um die stumm ihre Wut bew�ltigende Renaile herum, als w�re sie eine S�ule, ein Teil des Raums, trat aber nicht in Zaidas Richtung. Wenn einer der Anwesenden das Recht hatte, sich ungezwungen zu benehmen, dann sie. Sie durfte Zaida nicht den Hauch eines Vorteils gew�hren, oder die Herrin der Wogen w�rde ihr den Kopf f�r die Per�ckenmacher kahl scheren. Sie blieb vor dem Kamin stehen und hielt die H�nde den Flammen entgegen.</p><p>�Nesta din Raes hat darauf vertraut, dass wir unseren Teil des Vertrags erf�llen, sonst h�tte sie nie darin eingewilligt�, sagte sie ruhig. �Ihr habt die Schale der Winde zur�ckerhalten, aber neunzehn weitere Schwestern zusammenzubekommen, die sich Euch anschlie�en, erfordert Zeit. Ich wei�, dass Ihr Euch Sorgen um die Schiffe macht, die beim Eintreffen der Seanchaner in Ebou Dar waren. Lasst Renaile ein Wegetor nach Tear �ffnen. Dort befinden sich Hunderte Schiffe des Atha'an Miere.� Das besagte jeder Bericht. �Ihr k�nnt Euch bei ihnen informieren und zu Eurem Volk zur�ckkehren. Sie werden Euch gegen die Seanchaner brauchen.� Und sie w�re sie los. �Man wird Euch die anderen Schwestern schicken, sobald man es arrangieren kann.� Merilille r�hrte sich nicht von der T�r fort, aber bei der Vorstellung, die einzige Schwester beim Meervolk zu sein, nahm ihr Gesicht einen gr�nen Schimmer an.</p><p>Zaida gab es auf, durch das Kaleidoskop zu schauen, und sah Elayne von der Seite an. Ein L�cheln lie� ihre �beraus vollen Lippen zucken. �Ich muss hierbleiben, zumindest bis ich mit Rand al'Thor gesprochen habe. Falls er jemals kommen sollte.� Das L�cheln wurde einen Augenblick lang schmaler, bevor es wieder erbl�hte; Rand w�rde es schwer mit ihr haben. �Und ich werde Renaile und ihre Gef�hrtinnen f�r den Moment hier behalten. Eine Hand voll Windsucherinnen mehr oder weniger werden gegen diese Seanchaner keinen gro�en Unterschied machen, und hier lernen sie vielleicht, sofern es das Licht will, etwas N�tzliches.� Renaile schnaubte, gerade laut genug, um geh�rt zu werden. Zaida runzelte die Stirn und begann, an dem Okular herumzuspielen, das sich auf ihrer Kopfh�he befand. �In Eurem Palast befinden sich f�nf Aes Sedai, Euch mit eingeschlossen�, murmelte sie nachdenklich. �Vielleicht k�nnten ein paar von Euch unterrichten.� So als w�re ihr diese Idee gerade gekommen. Und wenn dem so war, konnte Elayne beide Meervolk-Frauen mit einer Hand in die H�he stemmen.</p><p>�O ja, das w�re wunderbar�, platzte Merilille heraus und trat einen Schritt vor. Dann warf sie einen Blick auf Renaile und sank in sich zusammen; ihre cairhienische Bl�sse wurde von einer aufsteigenden R�te verdr�ngt. Sie faltete erneut die H�nde und umgab sich mit Demut wie mit einer zweiten Haut. Birgitte sch�ttelte erstaunt den Kopf. Dyelin starrte sie an, als h�tte sie die Aes Sedai nie zuvor gesehen.</p><p>�Das lie�e sich vielleicht machen, wenn es dem Licht gef�llt�, sagte Elayne vorsichtig. Sich nicht die Schl�fen zu massieren kostete Kraft. Sie w�nschte sich, die Kopfschmerzen dem unabl�ssigen Gewitterdonner zuschreiben zu k�nnen. Nynaeve w�rde bei dem Vorschlag an die Decke gehen, und Vandene w�rde einen solchen Befehl vermutlich einfach ignorieren, aber Careane und Sareitha w�rden es vielleicht machen. �Nat�rlich nicht mehr als ein paar Stunden am Tag. Wenn sie Zeit haben.� Sie vermied es, Merilille anzublicken.</p><p>Selbst Careane und Sareitha w�rden unter Umst�nden dagegen aufbegehren, in diese Weinpresse geworfen zu werden.</p><p>Zaida legte die Finger der rechten Hand an die Lippen. �Damit erkl�re ich mich einverstanden, beim Schein des Lichts.�</p><p>Elayne blinzelte. Das war verd�chtig; anscheinend hatten sie in den Augen der Herrin der Wogen gerade einen weiteren Vertrag abgeschlossen. Wegen ihrer begrenzten Erfahrung im Umgang mit den Atha'an Miere konnte sie sich gl�cklich sch�tzen, wenn sie am Ende ihr Unterhemd behielt. Nun, diesmal w�rden die Dinge anders laufen. Was hatten eigentlich die Schwestern davon? Ein Handel musste f�r beide Seiten gewinnbringend sein. Zaida l�chelte, als w�sste sie, was Elayne dachte, und f�nde es am�sant. Als sich eine der Fl�gelt�ren �ffnete, war das beinahe eine Erleichterung, denn es gab ihr eine Entschuldigung, sich von der MeervolkFrau abzuwenden.</p><p>Reene Harfor schl�pfte mit Ehrerbietung aber ohne jede Unterw�rfigkeit in den Raum, und sie knickste so zur�ckhaltend wie eine Hohe Herrin eines m�chtigen Hauses vor ihrer K�nigin. Ihr grau werdendes Haar war zu einem Knoten gebunden, der wie eine Krone auf ihrem Kopf sa�, und sie trug einen scharlachroten Wappenrock �ber ihrem roten und wei�en Gewand; der Kopf des Wei�en L�wen von Andor ruhte auf ihrem m�chtigen Busen. Die Haushofmeisterin hatte kein Mitspracherecht, wer den Thron besteigen w�rde, aber sie hatte am Tag von Elaynes Ankunft das formelle Gewand angelegt, so als w�re die K�nigin bereits inthronisiert worden. Beim Anblick der Atha'an Miere, die sich an ihr vorbeigestohlen hatten, verh�rtete sich ihr Gesicht einen Augenblick lang, aber das war auch der einzige Hinweis, dass sie sie beachtete. F�r den Moment. Sie w�rden noch zu ihrem Bedauern erfahren, was es bedeutete, sich die Feindschaft der Haushofmeisterin zuzuziehen.</p><p>�Mazrim Taim ist endlich eingetroffen, meine Lady.� Reene schaffte es, dass es wie �meine K�nigin� klang. �Soll ich ihm sagen, dass er warten soll?�</p><p><emphasis>Das hat ja lange genug gedauert,</emphasis> dachte Elayne gereizt. Sie hatte den Mann vor zwei Tagen zu sich bestellt! �Ja, Frau Harfor. Gebt ihm Wein. Den drittbesten. Teilt ihm mit, dass ich mich so bald wie m�glich um ihn ...�</p><p>Taim eilte in den Raum, als geh�re ihm der ganze Palast. Es war nicht n�tig, dass er vorgestellt wurde. Blaue und goldene Drachen wanden sich von den Ellbogen bis zu den Manschetten um die �rmel seines schwarzen Mantels, eine Imitation der Drachen auf Rands Armen. Obwohl Elayne die Vermutung hatte, dass ihm diese Bemerkung nicht gefallen w�rde. Er war gro�, fast so gro� wie Rand, hatte eine Hakennase und die dunklen Augen eines Propheten; ein k�rperlich starker Mann, der sich in gewisser Hinsicht mit der t�dlichen Anmut eines Beh�ters bewegte. Aber er erweckte den Anschein, als verfolgten ihn Schatten, als w�ren bei seinem Auftritt die H�lfte der Lampen im Raum erloschen; es handelte sich nicht um echte Schatten, er vermittelte vielmehr den Eindruck, als st�nde er unmittelbar vor einem gewaltt�tigen Ausbruch � und dieser Eindruck war so deutlich fassbar, dass er das Licht aufzusaugen schien.</p><p>Ihm auf dem Fu�e folgten zwei M�nner in Schwarz, ein kahlk�pfiger Bursche mit langem Bart und l�stern blickenden blauen Augen und ein j�ngerer Mann mit dunklem Haar, so schlank wie eine Schlange, mit jener ver�chtlichen Arroganz, wie sie junge M�nner oft zeigen, bevor sie es besser lernen. Beide trugen das silberne Schwert und den roten Drachen an den hohen Kragen. Keiner der drei hatte ein Schwert; sie brauchten keine Schwerter. Pl�tzlich f�hlte sich der Raum kleiner und beengt an.</p><p>Instinktiv umarmte Elayne <emphasis>Saidar</emphasis> und streckte die geistigen F�hler aus, um eine Verkn�pfung herbeizuf�hren. Merilille f�gte sich m�helos in den Zirkel ein; Renaile erstaunlicherweise auch. Ein schneller Seitenblick zu der Windsucherin minderte Elaynes �berraschung. Renaile umklammerte mit grauem Gesicht den hinter ihrer Sch�rpe steckenden Dolch so fest, dass Elayne durch die Verkn�pfung den Schmerz in ihren Kn�cheln sp�ren konnte. Die Windsucherin hielt sich lange genug in Caemlyn auf, um zu wissen, was ein Asha'man war.</p><p>Die M�nner wussten nat�rlich, dass jemand <emphasis>Saidar</emphasis> umarmt hatte, selbst wenn ihnen der Schimmer verborgen blieb, der die drei Frauen umgab. Der Kahlk�pfige erstarrte, der schlanke junge Mann ballte die F�uste. Sie starrten die Frauen w�tend an. Sicherlich hatten sie <emphasis>Saidin</emphasis> ergriffen. Elayne bedauerte bereits, dem Impuls nachgegeben zu haben, aber sie w�rde die Quelle nicht loslassen, nicht jetzt. Taim str�mte Gefahr aus wie ein Feuer W�rme. Sie sch�pfte tief durch die Verkn�pfung, bis zu dem Punkt, an dem das �berw�ltigende Gef�hl von Leben zu einem scharfen, warnenden Kribbeln wurde. Und selbst das f�hlte sich ... wohltuend an. Mit so viel Macht in ihr konnte sie den Palast zerst�ren, aber sie fragte sich, ob es wohl ausreichen w�rde, um Taim und den anderen beiden entgegenzutreten. Sie w�nschte sich sehnlich, sie h�tte einen der drei <emphasis>Angreale,</emphasis> die sie in Ebou Dar gefunden hatten und die jetzt zusammen mit dem Rest aus der Truhe sicher unter Verschluss waren, bis sie Zeit hatte, sie weiter zu erforschen.</p><p>Taim sch�ttelte ver�chtlich den Kopf, die Andeutung eines L�chelns huschte �ber seine Lippen. �Benutzt eure Augen.� Seine Stimme war leise, aber hart und kr�nkend. �Hier sind zwei Aes Sedai. F�rchtet ihr euch vor zwei Aes Sedai? Au�erdem wollt ihr doch nicht die zuk�nftige K�nigin von Andor erschrecken.� Seine Begleiter entspannten sich sichtlich, dann versuchten sie, die unbewusste Dominanz seiner Haltung nachzuahmen.</p><p>Reene wusste nichts von <emphasis>Saidar</emphasis> oder <emphasis>Saidin;</emphasis> sie hatte sich den M�nnern bei ihrem Eintreten mit gerunzelter Stirn in den Weg gestellt. Asha'man oder nicht, sie erwartete von den Leuten, dass sie sich so benahmen, wie sie sollten. Sie murmelte etwas Unh�rbares. Aber es war nicht unh�rbar genug. Die Worte �hinterh�ltige Ratten� waren gerade eben zu verstehen.</p><p>Die Haushofmeisterin err�tete, als ihr bewusst wurde, dass sie jeder in dem Raum verstanden hatte, und Elayne hatte Gelegenheit, Reene Harfor aufgeregt zu sehen. Was allerdings nur bedeutete, dass sich die Frau aufrichtete und mit einer Anmut und Erhabenheit, um die sie jeder Herrscher beneidet h�tte, sagte: �Verzeiht mir, Lady Elayne, aber man hat mir mitgeteilt, dass sich in den Lagerr�umen Ratten breit machen. Sehr ungew�hnlich zu dieser Jahreszeit, und dann noch so viele. Wenn Ihr mich jetzt entschuldigen w�rdet, ich muss mich vergewissern, dass meine Befehle f�r die Rattenf�nger richtig ausgef�hrt werden.�</p><p>�Bleibt�, sagte Elayne k�hl. Beherrscht. �Mit Ungeziefer kann man immer noch aufr�umen.� Zwei Aes Sedai. Ihm war nicht klar, dass Renaile die Macht lenken konnte, und er hatte <emphasis>zwei</emphasis> betont. W�rden drei Frauen ihm gegen�ber einen Vorteil haben? Oder brauchte man noch mehr dazu? Offensichtlich kannten die Asha'man <emphasis>irgendeine</emphasis> M�glichkeit, um Frauen gegen�ber, die von ihrer Zahl her nicht den Zirkel der Dreizehn bilden konnten, im Vorteil zu sein. Einfach so zu ihr hereingest�rmt zu kommen, was? �Ihr k�nnt die Herren hinausbringen, wen ich mit ihnen fertig bin.� Taims Begleiter kommentierten die Bezeichnung �Herren� mit Stirnrunzeln, aber ihr Anf�hrer lie� lediglich ein weiteres Beinahe-L�cheln aufblitzen. Er war klug genug, um zu wissen, dass sie an ihn gedacht hatte, als sie von Ungeziefer sprach. Licht! Vielleicht hatte Rand diesen Mann ja einst gebraucht, aber warum behielt er ihn weiterhin und dann auch noch in einer so hohen Machtposition? Nun, hier z�hlte seine Autorit�t nichts.</p><p>In aller Ruhe nahm sie wieder Platz auf ihrem Stuhl und nahm sich einen Augenblick Zeit, ihre R�cke zu richten. Die M�nner w�rden wie Bittsteller vor sie hintreten m�ssen oder nur die Seite ihres Kopfes ansprechen k�nnen, w�hrend sie sich weigerte, sie anzusehen. Einen kurzen Augenblick lang dachte sie dar�ber nach, die Kontrolle des kleinen Zirkels aufzugeben. Die Asha'man w�rden ihre Aufmerksamkeit sicherlich auf sie konzentrieren. Doch Renaile sah noch immer ganz grau im Gesicht aus, in ihrem Inneren �berschlugen sich Angst und Wut; m�glicherweise w�rde sie sofort zuschlagen, sobald sie �ber die Verkn�pfung gebot. Merilille hatte Angst, die sie so gerade eben unter Kontrolle hatte und die sich mit einer betr�chtlichen ... Nervosit�t vermengte, die zu ihren weit aufgerissenen Augen und den leicht ge�ffneten Lippen passte; allein das Licht wusste, was <emphasis>sie</emphasis> mit der Verkn�pfung anstellen w�rde.</p><p>Dyelin stellte sich an die Seite von Elaynes Stuhl, so als wollte sie sie von den Asha'man abschirmen. Was auch immer sich im Inneren der Hohen Herrin von Taravin abspielen mochte, ihr Gesicht war ernst, furchtlos. Die restlichen Frauen hatten keine Zeit verschwendet, sich so gut vorzubereiten, wie es m�glich war. Zaida stand nahezu reglos neben dem Kaleidoskop und tat ihr Bestes, klein und harmlos auszusehen, aber sie hielt die H�nde hinter dem R�cken, und der Dolch aus ihrer Sch�rpe war verschwunden. Birgitte stand neben dem Kamin, die linke Hand auf den Sims gelegt, scheinbar v�llig entspannt, aber die Scheide ihres G�rtelmessers war leer, und nach der Art zu schlie�en, wie ihre andere Hand an der Seite herabhing, war sie bereit zu einem Unterhandwurf. Der Bund �bermittelte ... Konzentration. Der Pfeil war eingespannt, die Bogensehne bis zur Wange gezogen, bereit zum Schie�en.</p><p>Elayne machte keinerlei Anstalten, die drei M�nner um Dyelin herum anzusehen. �Zuerst befolgt Ihr meinen Befehl, hierher zu kommen, zu langsam, Meister Taim, und dann seid Ihr zu schnell.� Licht, hielt er <emphasis>Saidiri!</emphasis> Es gab Methoden, einen Mann, der gerade die Macht lenkte, dabei zu st�ren, ohne ihn gleich von der Quelle abzuschirmen, aber es war schwierig und riskant, und sie kannte es eigentlich nur in der Theorie.</p><p>Er trat vor sie hin und blieb ein paar Schritte entfernt vor ihr stehen, aber er sah keineswegs wie ein Bittsteller aus. Mazrim Taim wusste, wer er war, genau wie er seinen Wert kannte, auch wenn er ihn offensichtlich h�her als den Himmel ansiedelte. Die Blitze, die durch die Scheiben hineinleuchteten, lie�en seltsame Lichter �ber sein Gesicht zucken. Viele w�rden sich von ihm einsch�chtern lassen, selbst ohne seinen imposanten Mantel oder seinen ber�chtigten Namen. Sie nicht. Sie w�rde das <emphasis>nicht</emphasis> zulassen!</p><p>Taim rieb sich nachdenklich das Kinn. �Ich habe geh�rt, Ihr habt in ganz Caemlyn die Drachenbanner herunternehmen lassen, Lady Elayne.� Da war <emphasis>Belustigung</emphasis> in seiner tiefen Stimme, wenn auch nicht in seinen Augen. Dyelin kommentierte die Geringsch�tzung Elaynes mit einem Zischen, aber er ignorierte sie. �Angeblich haben sich die Saldaeaner zum Lager der Legion des Drachen zur�ckgezogen, und bald werden auch die letzten Aiel in Lagern au�erhalb der Stadt sein. Was wird er wohl sagen, wenn er das erf�hrt?� Es gab nicht den geringsten Zweifel, wen er meinte. �Und das, nachdem er Euch ein Geschenk �bersandt hat. Aus dem S�den. Ich werde es sp�ter bringen lassen.�</p><p>�Ich werde daf�r sorgen, dass Andor zum rechten Zeitpunkt mit dem Wiedergeborenen Drachen ein B�ndnis schlie�t�, erwiderte sie kalt. �Aber Andor ist <emphasis>keine</emphasis> besiegte Provinz, nicht f�r <emphasis>ihn</emphasis> noch f�r sonst jemanden.� Sie sorgte daf�r, dass ihre H�nde ganz entspannt auf den Stuhllehnen lagen. Beim Licht, die Aiel und Saldaeaner zum Weggehen zu �berreden war bislang ihr gr��ter Erfolg, und es war n�tig gewesen, trotz des Aufflammens des Verbrechens! �Wie dem auch sei, Meister Taim, es steht Euch nicht zu, mich zur Rede zu stellen. Sollte Rand dagegen Einw�nde erheben, werde ich mich um <emphasis>ihn</emphasis> k�mmern!� Taim hob eine Braue und das seltsame L�cheln blieb.</p><p><emphasis>Soll man ihn doch zu Asche verbrennen,</emphasis> dachte sie aufgebracht, <emphasis>ich h�tte Rand nicht bei seinem Vornamen nennen sollen!</emphasis> Der Mann dachte offensichtlich, er w�sste <emphasis>genau,</emphasis> wie sie die Wut des verdammten Wiedergeborenen Drachen bes�nftigen w�rde! Und das schlimmste daran war, dass sie, wenn sich die Gelegenheit bot, Rand in ihr Bett locken w�rde. Nicht aus diesem Grund, nicht um sich um ihn zu <emphasis>k�mmern,</emphasis> sondern weil sie es wollte. Was f�r ein Geschenk hatte er ihr geschickt?</p><p>Wut st�hlte ihre Stimme. Wut �ber Taims Ton, Wut auf Rand, weil er so lange fortblieb. Wut auf sich selbst, weil sie err�tete und �ber Geschenke nachdachte. Geschenke! �Ihr habt vier Meilen von Andor <emphasis>abgesperrt.�</emphasis> Licht, das war eine Fl�che, die mehr als halb so gro� wie die Innenstadt von Caemlyn war! Wie viele von diesen Kerlen waren n�tig, um sie zu halten? Der Gedanke lie� sie fr�steln. �Mit wessen Erlaubnis, Meister Taim? Jetzt sagt nicht, mit der des Wiedergeborenen Drachen. Er hat in Andor kein Recht, <emphasis>irgendetwas</emphasis> zu erlauben.� Dyelin neben ihr verlagerte ihr Gewicht. Kein Recht, aber genug St�rke konnte Recht schaffen. Elayne hielt ihre Aufmerksamkeit auf Taim gerichtet.</p><p>�Ihr habt der K�niglichen Garde den Zugang zu Eurem ... <emphasis>Lager</emphasis> verweigert.� Nicht, dass sie es vor ihrer Heimkehr versucht h�tte. �Die Gesetze Anders gelten f�r <emphasis>ganz</emphasis> Andor, Meister Taim. Die Gerechtigkeit gilt gleicherma�en f�r Lord und Bauer � oder Asha'man. Ich will nicht behaupten, ich k�nnte mir den Weg hinein erzwingen.� Da war das L�cheln wieder � oder was daf�r herhalten sollte. �Ich w�rde mich nicht erniedrigen. Aber falls man der K�niglichen Garde den Zugang nicht gestatten sollte, verspreche ich Euch, dass nicht mal eine Kartoffel den Weg durch Eure Tore finden wird. Ich wei�, dass ihr das Schnelle Reisen beherrscht. Sollen Eure Asha'man ihre Zeit mit Schnellem Reisen verbringen, um Essen herbeizuschaffen.� Das BeinaheL�cheln wurde zu einer kaum merklichen Grimasse; er verlagerte leicht die Position.</p><p>Die Wut hielt jedoch nur einen Augenblick lang an. �Nahrungsmittel sind nur ein kleines Problem�, sagte er aalglatt und breitete die H�nde aus. �Wie Ihr bereits sagtet, meine M�nner beherrschen das Schnelle Reisen. Wohin ich auch befehle. Ich bezweifle, dass Ihr mich davon abhalten k�nntet, zu kaufen, was immer ich will, und sei es auch nur zehn Meilen von Caemlyn entfernt, aber es w�rde mich nicht st�ren, wenn Ihr es k�nntet. Dennoch bin ich dazu bereit, Besuche zu erlauben, wann immer Ihr darum bittet. Kontrollierte Besuche, mit Eskorte. Die Ausbildung in der Schwarzen Burg ist hart. Fast jeden Tag sterben M�nner. Ich m�chte nicht, dass es Unf�lle gibt.�</p><p>Er war unerfreulich genau in der Einsch�tzung, wie weit au�erhalb Caemlyns ihre Macht reichte. Aber das war nur ein geringes �rgernis. Sollten seine Bemerkungen �ber das Schnelle Reisen an jeden Ort, den er befahl, und �Unf�lle� verschleierte Drohungen sein? Sicherlich nicht. Wut durchfuhr sie wie eine hei�e Woge, als ihr klar wurde, dass er sie wegen Rand nicht bedrohen w�rde. Sie w�rde sich <emphasis>nicht</emphasis> hinter Rand al'Thor verstecken. <emphasis>Kontrollierte</emphasis> Besuche? Wenn sie darum <emphasis>bat?</emphasis> Sie sollte den Mann an Ort und Stelle zu Asche verbrennen!</p><p>Abrupt wurde sie sich der Gef�hle bewusst, die durch den Bund mit Birgitte kamen. Ihre widergespiegelte Wut vereinte sich mit der Birgittes, sprang von Birgitte zu ihr und wieder zur�ck, n�hrte sich und wuchs. Birgittes Messerhand zitterte vor Verlangen zu werfen. Und sie? Sie war voller Wut! Nur noch eine Spur mehr und sie w�rde <emphasis>Saidar</emphasis> entfesseln.</p><p>Sie rang den Zorn mit einer bewussten Anstrengung zu einer tr�gerischen Ruhe nieder. Einer brodelnden Ruhe. Sie schluckte und k�mpfte um einen gleichm�tigen Tonfall. �Die Garde wird jeden Tag zu einem Besuch vorbeikommen, Meister Taim.� Und sie hatte keine Ahnung, wie sie das bei diesem Wetter bewerkstelligen wollte. �Vielleicht komme ich auch selbst, zusammen mit ein paar Schwestern.� Falls Taim der Gedanke st�rte, Aes Sedai in seiner Schwarzen Burg zu haben, lie� er es sich nicht anmerken. <emphasis>Licht,</emphasis> sie versuchte hier, Anders Herrschaft zu etablieren, nicht den Mann aus der Reserve zu locken. Schnell f�hrte sie eine Novizinnen�bung durch � der durch das Ufer im Zaum gehaltene Fluss � und suchte nach innerer Ruhe. Es funktionierte, zumindest ansatzweise. Jetzt wollte sie ihm nur noch alle Weinbecher an den Kopf werfen. �Ich will Euch Eure Eskorte zugestehen, aber es wird nichts verborgen bleiben. Ich werde nicht zulassen, dass durch Eure Geheimnisse Verbrechen vertuscht werden. Haben wir uns verstanden?�</p><p>Taims Verbeugung war sp�ttisch � sp�ttisch! �, aber sein Tonfall war angespannt. �Ich habe Euch genau verstanden. Doch Ihr m�sst auch mich verstehen. Meine M�nner sind keine Bauern, die den Kopf senken, wenn Ihr vorbeischreitet. �bt zu viel Druck auf einen Asha'man aus, und unter Umst�nden erfahrt Ihr, wie m�chtig Euer Gesetz in Wirklichkeit ist.�</p><p>Elayne �ffnete den Mund, um ihm zu sagen, wie m�chtig das Gesetz in Andor tats�chlich war.</p><p>�Es ist Zeit, Elayne Trakand�, sagte eine Frauenstimme von der T�r aus.</p><p>�Blut und Asche!�, murmelte Dyelin. �Kommt denn die ganze Welt einfach so hier herein?�</p><p>Elayne erkannte die neue Stimme. Sie hatte diese Aufforderung erwartet, nur nicht gewusst, wann genau sie kommen w�rde. Aber sie wusste, dass sie ihr auf der Stelle folgen musste. Sie erhob sich und w�nschte sich, sie h�tte noch etwas mehr Zeit gehabt, Taim die Dinge klarer zu machen. Er bedachte sowohl die Frau, die gerade eingetreten war, wie auch Elayne mit einem Stirnrunzeln, offensichtlich unsicher, was hier vorging. Gut. Sollte er im eigenen Saft schmoren, bis sie die Zeit hatte, ihm in aller Ausf�hrlichkeit deutlich zu machen, welche Sonderrechte die Asha'man in Andor hatten.</p><p>Nadere war so gro� wie die beiden M�nner, die an der T�r standen, und beinahe so untersetzt wie die st�mmigste Aiel, die Elayne gesehen hatte. Ihre gr�nen Augen blickten das vor ihr stehende Paar einen Moment lang forschend an, bevor sie es als unwichtig einstufte. Asha'man konnten Weise Frauen nicht beeindrucken. Das konnte nur wenig. Sie richtete mit klirrenden Armreifen ihre schwarze, auf den Schultern liegende Stola, ging zu Elayne und drehte Taim den R�cken zu. Trotz der K�lte trug sie lediglich die Stola �ber der d�nnen wei�en Bluse, obwohl sie seltsamerweise einen schweren Wollumhang �ber den Arm gelegt hatte. �Ihr m�sst jetzt mitkommen�, sagte sie zu Elayne, �sofort.� Taims Stirn umw�lkte sich; zweifellos war er es nicht gewohnt, so gr�ndlich ignoriert zu werden.</p><p>�Licht des Himmels!�, seufzte Dyelin und massierte sich die Schl�fen. �Ich wei� nicht, was das soll, Nadere, aber es wird warten m�ssen ... �</p><p>Elayne legte ihr die Hand auf den Arm. �Ihr wisst es <emphasis>nicht,</emphasis> Dyelin, und es kann <emphasis>nicht</emphasis> warten. Nadere, ich werde jeden wegschicken und Euch begleiten.�</p><p>Die Weise Frau sch�ttelte missbilligend den Kopf. �Ein Kind kurz vor der Geburt kann sich nicht die Zeit nehmen, Leute wegzuschicken.� Sie entfaltete den dicken Umhang. �Ich habe den hier mitgebracht, um Eure Haut vor der K�lte zu sch�tzen. Vielleicht sollte ich ihn hier lassen und Aviendha sagen, dass Eure Sittsamkeit gr��er ist als Euer Verlangen nach einer Schwester.� Dyelin keuchte in pl�tzlichem Begreifen auf. Der Beh�terbund zitterte vor Birgittes Wut.</p><p>Ihr blieb nur eine M�glichkeit. Und selbst diese Wahl war eigentlich keine. Sie lie� die Verkn�pfung mit den beiden anderen Frauen und <emphasis>Saidar</emphasis> los. Der Schein um Renaile und Merilille blieb jedoch bestehen. �Seid Ihr so nett und helft mir mit den Kn�pfen, Dyelin?� Elayne war stolz, wie beherrscht ihre Stimme klang. Sie hatte das erwartet. <emphasis>Nur nicht mit so vielen Zeugen*.,</emphasis> dachte sie fl�chtig. Sie wandte Taim den R�cken zu � so w�rde sie wenigstens nicht zusehen m�ssen, wie er sie beobachtete! � und begann mit den winzigen �rmelkn�pfen. �Dyelin, w�rt Ihr so freundlich? Dyelin?�</p><p>Einen Augenblick sp�ter setzte sich Dyelin wie eine Schlafwandlerin in Bewegung und begann an den Kn�pfen auf Elaynes R�cken herumzufummeln, w�hrend sie kopfsch�ttelnd etwas vor sich hinmurmelte. Einer der Asha'man an der T�r kicherte.</p><p>�Umdrehen!�, fauchte Taim und an der T�r stampften Stiefel auf.</p><p>Elayne wusste nicht, ob er sich auch umgedreht hatte � sie war fest davon �berzeugt, seine Blicke auf ihrem K�rper zu sp�ren �, aber pl�tzlich war Birgitte da und Merilille und Reene und Zaida, und sogar Renaile, und sie standen Schulter an Schulter und bildeten stirnrunzelnd eine Mauer zwischen ihr und den M�nnern.</p><p>Keine sehr gute Mauer. Keine von ihnen hatte ihre Gr��e und Zaida und Merilille reichten ihr nicht mal bis zur Schulter.</p><p><emphasis>Konzentriere dich,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Ich bin ganz ruhig. Ich bin entspannt. Ich bin ... ich ziehe mich in einem Raum voller Leute splitternackt aus!</emphasis> Sie entkleidete sich so schnell, wie sie nur konnte, lie� Gewand und Unterkleid zu Boden fallen und warf Schuhe und Str�mpfe oben drauf. Die k�hle Luft verschaffte ihr eine G�nsehaut; wenn sie sie ignorierte, bedeutete das nur, dass sie nicht zitterte. Und der Gedanke, dass die Hitze in ihren Wangen damit zu tun hatte, war ihr angenehmer.</p><p>�Wahnsinn!�, murmelte Dyelin leise und griff sich die am Boden liegenden Kleider. �Absoluter Wahnsinn!�</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�, fl�sterte Birgitte. �Soll ich dich begleiten?�</p><p>�Ich muss allein gehen�, entgegnete Elayne ebenfalls fl�sternd. �Keine Widerrede!� Nicht dass Birgitte eine entsprechende Miene gemacht h�tte, aber der Bund sprach B�nde. Sie nahm die goldenen Ohrringe ab, gab sie Birgitte, z�gerte kurz und f�gte den Ring mit der Gro�en Schlange hinzu. Die Weisen Frauen hatten gesagt, sie m�sste wie ein Kind bei der Geburt sein. Sie hatten viele Anweisungen erteilt, und niemandem zu sagen, was geschehen w�rde, hatte an allererster Stelle gestanden. Was das anging, w�nschte sie sich, sie <emphasis>w�rde</emphasis> es wissen. Ein Kind wurde geboren, ohne zu wissen, was es erwartete. Birgittes Gemurmel h�rte sich langsam an wie Dyelins.</p><p>Nadere trat mit dem Umhang vor, hielt ihn aber nur einfach hin; Elayne m�sste ihn nehmen und sich schnell darin einwickeln. Sie glaubte noch immer, Taims Blicke zu sp�ren. Sie hielt das schwere Tuch fest umklammert, ihr Instinkt befahl ihr, aus dem Raum zu eilen, aber stattdessen richtete sie sich auf und drehte sich langsam um. Sie w�rde nicht von Schande erf�llt fl�chten.</p><p>Die M�nner, die mit Taim gekommen waren, standen steif da, die Gesichter zur T�r gewandt, w�hrend Taim selbst mit vor der Brust verschr�nkten Armen auf den Kamin starrte. Seine Blicke waren also nur Einbildung gewesen. Die anderen Frauen schauten sie mit Variationen von Neugier, Best�rzung und Entsetzen an. Nadere schien lediglich ungeduldig zu sein.</p><p>Elayne versuchte, in ihrem majest�tischsten Tonfall zu sprechen. �Frau Harfor, Ihr werdet Meister Taim und seinen M�nnern Wein anbieten, bevor sie gehen.� Nun ja, wenigstens zitterte sie nicht. �Dyelin, bitte unterhaltet doch die Herrin der Wogen und die Windsucherin, versucht doch, ihre Bef�rchtungen zu zerstreuen. Birgitte, ich erwarte, heute Abend deine Pl�ne f�r die Rekrutierung zu h�ren.� Die Frauen, die sie benannte, blinzelten �berrascht und nickten dann wortlos.</p><p>Dann verlie� sie gefolgt von Nadere den Raum und w�nschte sich, sie h�tte es besser hinbekommen. Das Letzte, was sie h�rte, bevor sich die Fl�gelt�ren hinter ihr schl�ssen, war Zaidas Stimme. �Ihr K�stenmenschen habt seltsame Br�uche.�</p><p>Im Korridor versuchte sie etwas schneller zu gehen, obwohl es nicht einfach war, gleichzeitig zu verhindern, dass der Umhang aufklaffte. Die roten und wei�en Bodenfliesen waren <emphasis>viel</emphasis> k�lter als die Teppiche in dem Raum. Ein paar Diener, die behaglich warme Livreen trugen, starrten sie an, als sie sie sahen, dann gingen sie wieder eilig ihren Pflichten nach. Die Flammen in den Kandelabern flackerten; in den Korridoren war es immer zugig. Gelegentlich war der Luftstrom so stark, dass ein Wandbehang tr�ge flatterte.</p><p>�Das war Absicht, nicht wahr?�, stellte sie fest. �Ihr wolltet auf jeden Fall sicherstellen, dass viele Leute zum Zusehen da waren. Um sicherzugehen, dass die Verbindung mit Aviendha auch wichtig f�r mich ist.� Man hatte ihnen gesagt, dass es wichtiger als <emphasis>alles andere</emphasis> sein musste. �Was musste <emphasis>sie</emphasis> tun?� Manchmal hatte es den Anschein, als w�rde Aviendha keinen besonderen Wert auf Sittsamkeit legen, in ihren Gem�chern ging sie oft v�llig unbek�mmert nackt umher und bemerkte es nicht einmal, wenn Diener eintraten. Sie dazu zu bringen, sich vor Leuten auszuziehen, h�tte nichts bewiesen.</p><p>�Das muss sie Euch sagen, falls sie es will�, sagte Nadere selbstgef�llig. �Ihr seid scharfsinnig genug, um dies zu erkennen; viele tun das nicht.� Ihr m�chtiger Busen hob sich, als sie einen Laut von sich gab, der m�glicherweise so etwas wie ein Lachen sein sollte. �Diese M�nner, die Euch den R�cken zudrehten, und diese Frauen, die Euch besch�tzen. Ich h�tte dem sofort ein Ende bereitet, h�tte der Mann in dem bestickten Mantel nicht �ber die Schulter gesehen, um Eure H�ften zu bewundern. Und h�tten Eure ger�teten Wangen nicht verraten, dass Ihr das wusstet.�</p><p>Elayne passte nicht auf und stolperte. Der Umhang �ffnete sich, und bevor sie ihn wieder zusammengerafft hatte, hatte er das bisschen an K�rperw�rme verloren, das er angesammelt hatte. �Dieser dreckige Schweinek�sser!�, knurrte sie. �Ich werde... Ich werde...!� Verdammt, was konnte sie <emphasis>tun?</emphasis> Es Rand sagen? Ihn sich um Taim k�mmern lassen? Nie im Leben!</p><p>Nadere musterte sie nachdenklich. �Die meisten M�nner werfen gern einen Blick auf das Hinterteil einer Frau. H�rt auf, �ber M�nner nachzudenken, und denkt endlich an die Frau, die Ihr als Schwester haben wollt.�</p><p>Elayne err�tete erneut und dachte an Aviendha. Es half nicht, ihre aufgew�hlten Nerven zu beruhigen. Man hatte ihr aufgetragen, vor der Zeremonie an ganz bestimmte Dinge zu denken, und einige davon bereiteten ihr Unbehagen.</p><p>Nadere passte sich Elaynes Tempo an, und Elayne achtete darauf, dass ihre Beine nicht unter dem Umhang hervorblitzten � �berall begegneten ihnen Diener �, darum dauerte es eine Weile, bis sie den Raum erreichten, in dem sich die Weisen Frauen versammelt hatten. Es waren mehr als ein Dutzend von ihnen in ihren bauschigen R�cken und wei�en Blusen und dunklen Stolen, sie waren mit Halsketten und Armringen aus Gold und Silber, Juwelen und Elfenbein beh�ngt, und ihre langen Haare waren mit zusammengefalteten T�chern zur�ckgebunden. S�mtliche M�bel und Teppiche waren weggebracht worden; es gab nur noch die nackten wei�en Bodenfliesen. Im Kamin brannte kein Feuer. Hier, tief im Inneren des Palastes, wo es keine Fenster gab, war das Krachen des Donners kaum zu h�ren.</p><p>Elayne hielt sofort Ausschau nach Aviendha, die auf der anderen Seite des Raums stand. Nackt. Sie l�chelte Elayne nerv�s zu. Nerv�s! Aviendha! Elayne warf schnell den Umhang ab und l�chelte zur�ck. Ebenfalls nerv�s, wie ihr bewusst wurde. Aviendha lachte leise und nach einem Moment stimmte Elayne darin ein. Beim Licht, war es hier drinnen <emphasis>kalt!</emphasis> Und der Boden war noch k�lter.</p><p>Die meisten der hier versammelten Weisen Frauen waren ihr unbekannt, aber ein Gesicht sprang ihr f�rmlich entgegen. Mit dem vorzeitig wei� gewordenen Haar und den Gesichtsz�gen, die nicht mal ihre mittleren Jahre erreicht zu haben schienen, hatte Amys etwas von dem Aussehen einer Aes Sedai. Sie musste mittels des Schnellen Reisens aus Cairhien gekommen sein. Egwene hatte die Traumg�nger darin unterrichtet, um sie f�r ihren Unterricht �ber das <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu entsch�digen. Und um eine Schuld einzul�sen, wie sie behauptet hatte, auch wenn sie nie gesagt hatte, worin diese eigentlich nun genau bestand.</p><p>�Ich hatte gehofft, Melaine w�re hier�, sagte Elayne.</p><p>Sie mochte Baels Gemahlin, eine warmherzige und gro�z�gige Frau. Ganz im Gegensatz zu zwei anderen, die sie erkannte, die knochige Tamela mit ihrem spitzen Gesicht und Viendre mit den blauen Adleraugen. Beide waren st�rker in der Macht als sie, mit Ausnahme von Nynaeve sogar st�rker als jede Schwester, die sie je kennen gelernt hatte. Eigentlich sollte das bei den Aiel keine Rolle spielen, aber sie wusste keinen anderen Grund, warum die beiden sie immer so von oben herab behandelten.</p><p>Elayne erwartete, dass Amys das Kommando �bernahm � das tat sie scheinbar immer �, aber eine kleine Frau namens Monaelle trat vor; ihr blondes Haar hatte einen roten Stich. Eigentlich war sie gar nicht klein, doch sie war die einzige Frau im Raum, die kleiner als Elayne war. Und die Schw�chste in der Macht, kaum stark genug, um in Tar Valon die Stola zu erringen, h�tte sie dort um Aufnahme gebeten. Vielleicht spielte das bei den Aiel ja tats�chlich keine Rolle.</p><p>�W�re Melaine hier�, sagte Monaelle kurz angebunden, ohne unfreundlich zu sein, �w�rden die Babys, die sie in sich tr�gt, zu einem Teil des Bundes zwischen Euch und Aviendha � falls das Gewebe der Macht sie ber�hrt. Aber nur, falls sie �berleben w�rden; die Ungeborenen sind nicht kr�ftig genug daf�r. Es stellt sich nur die Frage, seid ihr es?� Sie zeigte auf zwei Punkte auf dem Boden nicht weit von ihr. �Kommt her, ihr beide, in die Mitte des Gemachs.�</p><p>Zum ersten Mal wurde Elayne klar, dass <emphasis>Saidar</emphasis> ein Teil der Prozedur sein w�rde. Sie hatte angenommen, es w�rde sich blo� um eine Zeremonie handeln, um Versprechen, die ausgetauscht wurden, vielleicht auch abgelegte Eide. Was w�rde geschehen? Es spielte zwar keine Rolle, aber ... Ihre F��e schienen �ber den Boden zu schleifen, als sie auf Monaelle zuging. �Meine Beh�terin ... Unser Bund ... Wird sie hiervon ... betroffen sein?� Aviendha, die ihr entgegengegangen war, hatte die Stirn gerunzelt, als sie z�gerte, aber bei der Frage sah sie Monaelle verst�rt an. Offensichtlich war ihr das niemals in den Sinn gekommen.</p><p>Die Weise Frau sch�ttelte den Kopf. �Niemand au�erhalb dieses Gemachs kann von dem Gewebe ber�hrt werden. Vielleicht sp�rt sie wegen des Bundes mit Euch etwas von dem, was ihr miteinander teilt, aber es wird nicht viel sein.� Aviendha stie� einen Seufzer der Erleichterung aus, in den Elayne einfiel.</p><p>�Und nun�, fuhr Monaelle fort, �sind Riten zu befolgen. Kommt. Wir sind keine Clanf�hrer, die beim <emphasis>Oosquai</emphasis> Wassereide besprechen.� Die anderen Frauen lachten �ber den Scherz, bei dem es anscheinend um Clanf�hrer und den starken Aiel-Schnaps ging, und bildeten einen Kreis um Elayne und Aviendha. Monaelle lie� sich anmutig auf den Boden herunter und setzte sich zwei Schritte von den nackten Frauen entfernt mit untergeschlagenen Beinen hin. Das Lachen verstummte, als ihre Stimme f�rmlich wurde. �Wir sind hier versammelt, weil zwei Frauen Erstschwestern werden wollen. Wir werden sehen, ob sie stark genug dazu sind, und wenn ja, helfen wir ihnen. Sind ihre M�tter da?�</p><p>Elayne zuckte zusammen, aber im n�chsten Augenblick stand Viendre hinter ihr. �Ich stehe hier f�r Elayne Trakands Mutter, die nicht anwesend sein kann.� Viendre legte die H�nde auf Elaynes Schultern, schob sie nach vorn und dann nach unten, bis sie vor Aviendha auf den kalten Fliesen kniete, dann ging auch sie hinter ihr auf die Knie. �Ich biete ihr meine Tochter zur Pr�fung dar.�</p><p>Zu einem anderen Zeitpunkt h�tte Elayne vielleicht gekichert. Keine der Frauen sah auch nur mehr als ein halbes Dutzend Jahre �lter als sie und Elayne aus. Zu einem anderen Zeitpunkt. Aber nicht jetzt. Die stehenden Weisen Frauen machten ernste Gesichter. Sie musterten Aviendha und sie, als w�rden sie sie beurteilen und w�ren sich absolut nicht sicher, ob sie die Pr�fung bestehen w�rden.</p><p>�Wer wird f�r sie die Geburtswehen erdulden?�, fragte Monaelle und Amys trat vor.</p><p>Ihr schl�ssen sich zwei andere Frauen an, ein wilder Rotschopf namens Shyanda, die Elayne in Melaines Gesellschaft gesehen hatte, und eine ergrauende Frau, die sie nicht kannte. Sie halfen Amys, sich auszuziehen. Stolz in ihrer Nacktheit trat Amys Monaelle gegen�ber und klatschte sich auf den straffen Bauch. �Ich habe Kinder geboren. Ich habe sie gestillt�, sagte sie und wog Br�ste in den H�nden, die aussahen, als h�tten sie nichts dergleichen getan. �Ich biete mich an.�</p><p>Nach Monaelles w�rdevollem Nicken ging Amys zwei Schritte neben Elayne und Aviendha auf die Knie und hockte sich auf die Fersen. Shyanda und die ergrauende Weise Frau knieten ebenfalls nieder und flankierten sie, und pl�tzlich umgab jede Frau im Raum mit Ausnahme von Elayne, Aviendha und Amys der Schein der Macht.</p><p>. Elayne holte tief Luft und sah, dass Aviendha das Gleiche tat. Gelegentlich klirrten die Armreifen einer der Weisen Frauen, aber au�er den Atemz�gen und dem kaum <emphasis>zu</emphasis> h�renden Donner in der Ferne war das der einzige Laut im Raum. Es war beinahe ein Schock, als Monaelle sprach.</p><p>�Ihr werdet beide das tun, was man euch befiehlt. Schwankt ihr oder hinterfragt ihr den Befehl, ist eure Entschlossenheit nicht stark genug. Ich werde euch fortschicken, und das ist dann das Ende hiervon, f�r alle Zeiten. Ich werde euch Fragen stellen und ihr werdet ehrlich antworten. Weigert ihr euch zu antworten, wird man euch fortschicken. Falls jemand der Anwesenden den Eindruck hat, dass ihr l�gt, wird man euch fortschicken. Nat�rlich k�nnt ihr auch jederzeit aus eigenem Willen gehen. Dies ist ebenfalls das Ende f�r alle Zeiten. Hier gibt es kein zweites Mal. Also. Was ist das Beste, das ihr �ber die Frau sagen k�nnt, die ihr zur Erstschwester haben wollt?�</p><p>Elayne hatte die Frage halb erwartet. Das hatte zu den Dingen geh�rt, �ber die sie hatte nachdenken sollen. Eine Tugend unter vielen auszuw�hlen war nicht einfach gewesen, aber sie hatte eine Antwort parat. Sie setzte zum Sprechen an, aber pl�tzlich traten Str�nge aus <emphasis>Saidar</emphasis> in Erscheinung und verflochten sich zwischen ihr und Aviendha und kein Laut kam aus ihrem oder Aviendhas Mund. Mechanisch tastete sie die Str�nge ab; selbst in diesem Augenblick war der Versuch, etwas zu lernen, genauso sehr ein Teil von ihr wie ihre Augenfarbe. Die Str�nge verschwanden, als sie den Mund wieder schloss.</p><p>�Aviendha ist so selbstbewusst, so stolz. Ihr ist es egal, was andere denken, dass sie tun oder sein soll; sie ist die, die sie sein will�, h�rte Elayne sich sagen, w�hrend Aviendhas Worte pl�tzlich zur gleichen Zeit zu h�ren waren. �Selbst wenn Elayne solche Angst hat, dass ihr Mund austrocknet, wird sich ihr Geist nicht beugen. Sie ist mutiger als alle anderen Menschen, die ich kennen gelernt habe.�</p><p>Elayne starrte ihre Freundin an. Aviendha hielt sie f�r mutig? Beim Licht, sie war kein Feigling, aber mutig? Seltsamerweise starrte Aviendha <emphasis>sie</emphasis> ungl�ubig an.</p><p>�Mut ist eine Quelle�, sagte Viendre in Elaynes Ohr, �bei manchen ist sie tief, bei anderen nur flach. Tief oder flach, Quellen trocknen irgendwann aus, selbst wenn sie sich sp�ter wieder auff�llen. Du wirst dich dem stellen, dem du dich nicht stellen kannst. Dein R�ckgrat wird sich in Pudding verwandeln, und der Mut, dessen du ger�hmt wirst, wird dich weinend im Staub zur�cklassen. Der Tag wird kommen.� Sie klang, als wollte sie da sein, um dabei Zeugin zu werden. Elayne nickte knapp. Sie wusste, wie es war, wenn sich ihr R�ckgrat in Pudding verwandelte; es hatte den Anschein, als w�rde sie jeden Tag dagegen ank�mpfen.</p><p>Tamela sprach zu Aviendha, in einem Tonfall, der fast so zufrieden klang wie Viendres. <emphasis>�Ji'e'tho</emphasis> bindet dich wie Fesseln aus Stahl. F�r <emphasis>Ji</emphasis> wirst du genauso sein, wie man von dir erwartet, bis zur letzten Haarstr�hne. F�r <emphasis>Toh</emphasis> wirst du, falls n�tig, dich erniedrigen und auf dem Bauch kriechen. Weil dir bis in die letzte Faser deines Seins wichtig ist, was <emphasis>jeder</emphasis> von dir denkt.�</p><p>Beinahe h�tte Elayne gekeucht. Das war gemein und ungerecht. <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> war ihr bis zu einem gewissen Punkt vertraut, aber Aviendha war nicht so. Doch sie nickte, so wie auch sie genickt hatte. Die ungeduldige Akzeptanz dessen, was sie bereits wusste.</p><p>�Es ist leicht, gute Eigenschaften in einer Erstschwester zu lieben�, sagte Monaelle und schob sich die Stola hinunter in die Armbeugen, �aber was kannst du bei ihr am wenigsten leiden?�</p><p>Elayne rutschte auf den immer k�lter werdenden Knien umher und befeuchtete sich die Lippen, bevor sie sprach. Davor hatte sie sich gef�rchtet. Es war nicht allein Monaelles Warnung gewesen. Aviendha hatte gesagt, dass sie die Wahrheit sagen mussten. Sie <emphasis>mussten</emphasis> es tun, denn was war die Schwesternschaft sonst wert? Wieder hielten die Str�nge ihre Worte gefangen, bis beide fertig waren.</p><p>�Aviendha ...�, sagte Elayne mit stockender Stimme, �sie glaubt... Gewalt w�re immer die Antwort. Manchmal denkt sie nicht weiter als bis zu ihrem G�rtelmesser. Manchmal ist sie wie ein Junge, der nicht erwachsen werden will!�</p><p>�Elayne wei�, dass sie ...�, begann Aviendhas Stimme, dann holte sie tief Luft und sprudelte es f�rmlich heraus. �Sie wei�, dass sie wundersch�n ist, kennt die Macht, die ihr das �ber die M�nner verleiht. Manchmal entbl��t sie ihren halben Busen, ganz freiz�gig, und sie l�chelt, damit die M�nner das tun, was sie will.�</p><p>Elayne starrte sie an. <emphasis>Das</emphasis> dachte Aviendha �ber sie? Das lie� sie doch wie ein <emphasis>Flittchen</emphasis> erscheinen! Aviendha hingegen runzelte die Stirn und �ffnete den Mund, aber Tamela dr�ckte ihre Schultern herunter und ergriff das Wort.</p><p>�Glaubst du, M�nner starren dein Gesicht nicht an, um Zustimmung zu finden?� In der Stimme der Weisen Frau lag ein harter Ton. �Starren sie im Dampfbad nicht auf deine Br�ste? Bewundern deine H�ften? Du bist sch�n und das wei�t du auch. Verleugne das, und du verleugnest dich selbst! Du hast an M�nnerblicken Vergn�gen gehabt und sie angel�chelt. L�chelst du niemals einen Mann an, um deinen Argumenten mehr Gewicht zu verleihen, oder ber�hrst seinen Arm, um ihn von den Schw�chen deiner Argumente abzulenken? Du wirst es tun und du wirst deswegen nicht weniger wert sein.�</p><p>Aviendhas Wangen verf�rbten sich blutrot, aber Elayne musste Viendre zuh�ren. Und selbst gegen das Err�ten ank�mpfen. �In dir liegt Gewalt. Verleugne sie und du verleugnest dich selbst. Bist du noch nie in Wut geraten und hast zugeschlagen? Hast du noch nie jemanden bluten lassen? Hast du dir noch niemals gew�nscht, du w�rdest es tun? Ohne einen anderen Weg zu bedenken? Ohne �berhaupt nachzudenken? So lange du atmest, wird das ein Teil von dir sein.� Elayne dachte an Taim und andere Gelegenheiten und ihr Gesicht f�hlte sich wie ein Ofen an.</p><p>Diesmal gab es mehr als nur eine Antwort.</p><p>�Deine Arme werden ihre Kraft einb��en�, sagte Tamela zu Aviendha. �Deine Beine werden ihre Schnelligkeit verlieren. Ein Halbw�chsiger wird dir das Messer abnehmen k�nnen. Was wirst du dann noch von deinen Fertigkeiten oder deiner Wildheit haben? Das Herz und der Verstand sind die wahren Waffen. Aber hast du, als du eine Tochter des Speers warst, sie an einem Tag beherrschen gelernt? Wenn du Verstand und Herz nicht jetzt sch�rfst, wirst du alt werden, und Kinder werden dich besiegen. Clanf�hrer werden dich in einer Ecke Platz nehmen lassen, damit du dort das Fadenspiel spielst, und wenn du sprichst, werden alle nur den Wind h�ren. Nimm dich in Acht, so lange du noch kannst.�</p><p>�Sch�nheit ist verg�nglich�, sagte Viendre jetzt zu Elayne. �Die Jahre werden deine Br�ste h�ngen lassen, dein Fleisch wird schlaff, deine Haut zu Leder. M�nner, die bei deinem Anblick gel�chelt haben, werden mit dir wie zu einem anderen Mann sprechen. Vielleicht wird dich dein Ehemann immer so sehen wie das erste Mal, als sein Blick auf dich fiel, aber kein anderer Mann wird von dir tr�umen. Wirst du dann nicht l�nger du selbst sein? Dein K�rper ist nur ein Kleid. Dein Fleisch wird welken, aber du bist Herz und Verstand, und die ver�ndern sich nicht, au�er um noch st�rker zu werden.�</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf. Nicht um zu widersprechen, das nicht. Sie hatte nur nie �ber das �lterwerden nachgedacht. Vor allem nicht, seit sie zur Wei�en Burg gereist war. Selbst auf sehr alten Aes Sedai lasteten die Jahre nicht schwer. Aber was war, wenn sie so lange lebte wie die Kusinen? Das w�rde nat�rlich bedeuten, keine Aes Sedai mehr sein zu wollen, aber was war, wenn sie es tat? Bei den Kusinen verging eine lange Zeit, bis sich die ersten Falten zeigten, aber sie kamen. Was dachte Aviendha? Sie kniete dort und sah ... m�rrisch aus.</p><p>�Was ist die kindischste Tat, die du von der Frau wei�t, die deine Erstschwester werden soll?�, fragte Monaelle.</p><p>Das war leichter, nicht so mit Gefahren beladen.</p><p>Elayne l�chelte sogar, als sie sprach. Aviendha grinste zur�ck, das Schmollen war vergessen. Wieder nahmen die Str�nge ihre Worte auf und entlie�en sie zusammen und in den Stimmen lag Gel�chter.</p><p>�Aviendha will nicht, dass ich ihr das Schwimmen beibringe. Ich habe es versucht. Sie hat vor nichts Angst, au�er vor mehr Wasser, als in einen Badezuber passt.�</p><p>�Elayne stopft sich mit beiden H�nden S��igkeiten in den Mund, wie ein Kind, das der Aufsicht seiner Mutter entflohen ist. Wenn sie so weitermacht, wird sie so fett wie ein Schwein sein, bevor sie alt wird.�</p><p>Elayne zuckte zusammen. Sie <emphasis>stopfte</emphasis> sich mit S��em voll? Gelegentlich a� sie etwas S��es, das ja. Gelegentlich. <emphasis>Fett?</emphasis> Warum starrte Aviendha sie so b�se an? Es war kindisch, sich zu weigern, in Wasser zu treten, das mehr als knietief war.</p><p>Monaelle hielt die Hand vor den Mund, um ein leises Husten zu verbergen, aber Elayne glaubte, sie verberge ein L�cheln. Einige der stehenden Weisen Frauen lachten laut. �ber Aviendhas Albernheit? Oder ihre ... Naschhaftigkeit?</p><p>Monaelle nahm wieder ihre erhabene Stellung ein und strich die auf dem Boden ausgebreiteten R�cke glatt, aber in ihrer Stimme lag noch immer eine Spur von Belustigung. �Was neidest du der Frau, die deine Erstschwester werden soll, am meisten von allem?�</p><p>Vielleicht w�re Elayne trotz der geforderten Wahrheit ausgewichen. Die Wahrheit war ihr sofort in den Sinn gekommen, nachdem man sie aufgefordert hatte, dar�ber nachzudenken, aber sie hatte etwas Geringeres gefunden, das weniger peinlich f�r sie beide gewesen w�re und mit dem sie durchgekommen w�re. Aber da war die Bemerkung gewesen, dass sie M�nner anl�chelte und ihren Busen entbl��te. Vielleicht l�chelte sie ja tats�chlich, aber Aviendha stolzierte ohne einen <emphasis>Faden</emphasis> am Leib vor schamroten Dienern umher und schien sie nicht einmal wahrzunehmen! Und sie <emphasis>schlang</emphasis> S��igkeiten in sich hinein? Sie w�rde fett werden? Sie sprach die bittere Wahrheit aus, w�hrend die Str�nge der Einen Macht ihre Worte aufnahmen und sich Aviendhas Lippen in grimmiger Stille bewegten, bis schlie�lich das, was sie beide ausgesprochen hatten, allen verk�ndet wurde.</p><p>�Aviendha hat in den Armen des Mannes gelegen, den ich liebe. Ich habe das nie, wom�glich werde ich es auch nie, und ich k�nnte deswegen heulen!�</p><p>�Elayne besitzt die Liebe Rand al'Tho ... <emphasis>Rands</emphasis> Liebe. Mein Herz ist zu Staub zerfallen, weil es will, dass er mich liebt, aber ich wei� nicht, ob er das jemals tun wird.�</p><p>Elayne schaute in Aviendhas unleserliche Miene. Sie beneidete sie um <emphasis>Rand?</emphasis> Wo der Mann doch Elayne Trakand aus dem Weg ging, als h�tte sie die Kr�tze? F�r weitere Gedanken blieb keine Zeit.</p><p>�Schlage sie so fest du kannst mit der offenen Hand�, befahl Tamela Aviendha und lie� ihre Schultern los.</p><p>Viendre dr�ckte Elayne leicht. �Verteidige dich nicht!� Davon hatte man ihnen aber nichts gesagt! Aviendha w�rde auf keinen Fall...</p><p>Blinzelnd stemmte sich Elayne von den eiskalten Fliesen hoch. Sie tastete vorsichtig ihre Wange ab und zuckte zusammen. Sie w�rde den Handabdruck f�r den Rest des Tages herumtragen. Die Frau hatte doch nicht <emphasis>so fest</emphasis> zuschlagen m�ssen.</p><p>Alles wartete, bis sie wieder kniete, und dann lehnte sich Viendre n�her heran. �Schlage sie so fest du kannst mit der offenen Hand.�</p><p>Nun, sie w�rde Aviendha <emphasis>nicht</emphasis> umhauen. Sie w�rde sie nicht... Ihr weit ausgeholter Schlag schickte Aviendha zu Boden und lie� sie b�uchlings fast bis zu Monaelle rutschen. Elaynes Hand brannte fast so sehr wie ihre Wange.</p><p>Aviendha stemmte sich hoch, sch�ttelte den Kopf, dann kroch sie zur�ck auf ihren Platz. Und Tamela sagte: �Schlag sie mit der anderen Hand.�</p><p>Diesmal rutschte Elayne �ber die eiskalten Fliesen bis zu Amys Knien; ihr Kopf dr�hnte, und <emphasis>beide</emphasis> Wangen brannten. Und als sie wieder vor Aviendha kniete und Viendre ihr den Befehl zum Schlag gab, legte sie ihren ganzen K�rper hinein, sodass sie beinahe auf Aviendha drauf gefallen w�re, als diese umkippte.</p><p>�Ihr d�rft jetzt gehen�, sagte Monaelle.</p><p>Elayne riss den Kopf zu der Weisen Frau herum. Aviendha, die wieder halb auf den Knien war, erstarrte zu Stein.</p><p>�Falls ihr es w�nscht�, fuhr Monaelle fort. �Die M�nner tun es f�r gew�hnlich, an diesem Punkt oder auch schon fr�her. Viele Frauen tun es auch. Aber wenn ihr einander noch genug liebt, um weiterzumachen, dann umarmt euch.�</p><p>Elayne warf sich Aviendha entgegen und traf auf einen K�rper, der sie beinahe umwarf. Sie klammerten sich aneinander. Tr�nen rannen aus Elaynes Augen, und sie sah, dass Aviendha ebenfalls weinte. �Es tut mir Leid�, fl�sterte Elayne inbr�nstig. �Aviendha, es tut mir Leid.�</p><p>�Verzeih mir�, fl�sterte Aviendha zur�ck. �Verzeih mir.�</p><p>Monaelle stand �ber sie gebeugt. �Ihr werdet wieder Wut aufeinander versp�ren, ihr werdet b�se Worte sprechen, aber ihr werdet euch immer daran erinnern, dass ihr die andere bereits geschlagen habt. Und es daf�r keinen besseren Grund gab als den, dass man es euch befahl. Sollen mit diesen Schl�gen all jene erledigt sein, die ihr noch austeilen wollt. Ihr schuldet einander <emphasis>Toh,</emphasis> ein <emphasis>Toh,</emphasis> das ihr nicht bezahlen k�nnt, und ihr werdet es auch nicht versuchen, denn jede Frau steht immer in der Schuld ihrer Erstschwester. Ihr werdet erneut geboren werden.�</p><p>Das <emphasis>Saidar</emphasis> in dem Raum ver�nderte sich, aber Elayne blieb keine Gelegenheit, sich das n�her anzusehen. Das Licht verblasste, als w�rden die Lampen gel�scht. Der Druck von Aviendhas Umarmung schwand. Ger�usche verstummten. Das Letzte, was sie h�rte, war Monaelles Stimme. �Du wirst erneut geboren werden.� Alles verblasste. Sie verblasste. Sie h�rte auf zu existieren.</p><p>Eine Art von Bewusstsein. Sie empfand sich nicht als Ich, sie dachte �berhaupt nicht, aber sie nahm Dinge wahr. Ger�usche. Eine gluckernde Fl�ssigkeit, die sie umgab. Ged�mpftes Gurgeln. Und ein rhythmisches Dr�hnen. Das alles andere �bert�nte. <emphasis>Bumm-bumm. Bumm-bumm.</emphasis> Sie wusste nicht, was Zufriedenheit war, aber sie war zufrieden. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis></p><p>Zeit. Sie wusste nicht, was Zeit war, und doch vergingen Zeitalter. Da war ein Laut in ihr, ein Laut, der sie mit Leben erf�llte. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis> Der gleiche Laut, der gleiche Rhythmus wie der andere. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis> Der von einem anderen Ort kam. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis> Der gleiche Laut, der gleiche Schlag wie der ihre. Kein anderer. Sie waren gleich; sie waren eins. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis></p><p>Die Ewigkeit verging, von diesem Pulsschlag begleitet, alle Zeit, die es jemals gegeben hatte. Sie ber�hrte die andere, die sie selbst war. Sie konnte f�hlen. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis> Sie bewegten sich, sie und die andere, die sie selbst war, sie wanden sich, ihre Gliedma�en verhakten sich ineinander, sie rollten sich weg und kamen immer wieder zusammen. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis> Manchmal war da ein Licht in der Dunkelheit; kaum zu sehen, doch f�r einen, der nur die Dunkelheit kannte, war es hell. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis> Sie �ffnete die Augen, starrte in die Augen der anderen, die sie selbst war, und schloss sie zufrieden. <emphasis>Bumm-bumm.</emphasis></p><p>Eine pl�tzliche Ver�nderung, schockierend f�r jemanden, der nie eine Ver�nderung erlebt hatte. Druck. <emphasis>Bumm-bumm-bumm-bumm.</emphasis> Der beruhigende Schlag war schneller geworden. Ein krampfartiger Druck. Wieder. Und wieder. Und er wurde st�rker. <emphasis>Bumm-bumm-bumm-bumm! Bumm-bumm-bumm-bumm!</emphasis></p><p>Pl�tzlich war die andere, die sie selbst war, verschwunden. Sie war allein. Sie wusste nicht, was Furcht war, aber sie f�rchtete sich und war allein. <emphasis>Bumm-bumm-bumm-bumm!</emphasis> Druck! St�rker als alles andere zuvor! Er lastete auf ihr, zerquetschte sie. H�tte sie gewusst, wie man schrie, h�tte sie gewusst, was ein Schrei war, h�tte sie gebr�llt.</p><p>Und dann war da ein Licht, ein blendendes Licht, das voller wirbelnder Muster war. Sie hatte ein Gewicht; sie hatte noch nie zuvor Gewicht gesp�rt. Ein schneidender Schmerz in ihrer Mitte. Etwas kitzelte sie am Fu�. Etwas kitzelte sie am R�cken. Zuerst begriff sie nicht, dass das Wimmern von ihr kam. Sie trat kraftlos, fuchtelte mit Gliedma�en herum, die nicht wussten, wie sie sich bewegen sollten. Man hob sie hoch, legte sie auf etwas Weiches, das jedoch h�rter als alles war, das sie je zuvor gesp�rt hatte, mit Ausnahme der Erinnerungen an die andere, die sie selbst war, die andere, die nicht mehr da war. <emphasis>Bumm-bumm. Bumm-bumm.</emphasis> Der Laut. Der gleiche Laut, der gleiche Schlag. Es herrschte Einsamkeit, die unbenannt blieb, aber da war auch Zufriedenheit.</p><p>Langsam kehrte die Erinnerung zur�ck. Sie hob den Kopf von einer Brust und schaute hinauf in Amys' Gesicht. Ja, Amys. Schwei�feucht und mit m�den Augen, aber l�chelnd. Und sie war Elayne; ja, Elayne Trakand. Aber sie war jetzt noch mehr. Es war nicht wie der Beh�terbund, auch wenn es ihm �hnelte. Schw�cher, aber pr�chtiger. Langsam drehte sie den Kopf, der ihr nur m�hsam gehorchte, um die andere anzuschauen, die sie selbst war, die an Amys' anderer Brust lag. Um Aviendha anzuschauen, deren Haar verklebt, deren Gesicht und K�rper vor Schwei� gl�nzte. Die vor Freude l�chelte. Lachend und weinend umklammerten sie einander und hielten einander fest, als wollten sie sich niemals loslassen.</p><p>�Das ist meine Tochter Aviendha�, sagte Amys. �Und das ist meine Tochter Elayne, die am selben Tag, zur selben Stunde geboren wurde. M�gen sie einander immer besch�tzen, einander helfen, einander lieben.� Sie lachte leise, ersch�pft, zufrieden. �Kann uns jetzt jemand etwas zum Anziehen bringen, bevor meine neuen T�chter und ich erfrieren?�</p><p>Elayne w�re es im Augenblick v�llig gleichg�ltig gewesen, wenn sie erfroren w�re. Sie klammerte sich lachend und weinend an Aviendha. Sie hatte ihre Schwester gefunden. Licht, sie hatte ihre Schwester gefunden!</p><p>Die Ger�usche emsiger Gesch�ftigkeit und anderer Frauen, die ihrer Arbeit nachgingen und sich dabei leise unterhielten, weckten Toveine Gazal aus ihrem Schlaf. Sie blieb auf der harten, schmalen Pritsche liegen und seufzte voller Bedauern. Es war ein so sch�ner Traum gewesen � ihre H�nde um Elaidas Hals. Dieser winzige, von Segeltuchw�nden begrenzte Verschlag war die Realit�t. Sie hatte schlecht geschlafen und f�hlte sich wie bet�ubt. Au�erdem hatte sie verschlafen; es w�rde keine Zeit f�r ein Fr�hst�ck bleiben. Z�gernd schlug sie die Decken beiseite. Das Geb�ude war irgendein kleines Lagerhaus gewesen, mit dicken Mauern und schweren, niedrig h�ngenden Balken, aber es gab keine W�rme. Ihr Atem gefror zu einer Wolke, und die schneidende Morgenluft fand den Weg durch ihr Unterhemd, bevor noch ihre F��e die groben Holzbohlen des Fu�bodens ber�hrten. Selbst wenn sie in Erw�gung h�tte ziehen k�nnen, im Bett liegen zu bleiben, sie hatte ihre Befehle. Logains widerw�rtiger Bund machte jeden Ungehorsam unm�glich, ganz egal, wie sehr sie sich danach sehnte.</p><p>Sie versuchte immer, an ihn nur als Ablar zu denken, oder schlimmstenfalls Meister Ablar, aber es war jedes Mal Logain, der vor ihrem inneren Auge entstand. Der Name, den er ber�chtigt gemacht hatte. Logain, der falsche Drache, der die Heere seiner Heimat Ghealdan zerschmettert hatte. Logain, der sich seinen Weg durch die paar Altaraner und Murandianer gebahnt hatte, die den Mut gehabt hatten, ihn aufhalten zu wollen, bis er Lugard pers�nlich bedroht hatte. Logain, der ged�mpft worden war und aus irgendeinem unerfindlichen Grund wieder die Macht lenken konnte, der es gewagt hatte, Toveine Gazal mit seinem verfluchten <emphasis>Saidin-Ge</emphasis>webe zu versklaven. Schade, dass er ihr nicht befohlen hatte, nicht mehr zu denken! Sie konnte seine Aura tief in ihrem Inneren <emphasis>sp�ren.</emphasis> Er war immer da.</p><p>Einen Augenblick lang kniff sie die Augen fest zusammen. Licht! Der Bauernhof von Herrin Doweel war wie ein H�llenpfuhl erschienen, Bu�e und jahrelanges Exil, aus dem es keinen Ausweg gab, es sei denn, man zog das Undenkbare in Betracht und wurde eine gejagte Renegatin. Ihre Gefangenschaft dauerte kaum l�nger als eine halbe Woche und schon kannte sie die Wahrheit. Das hier war der richtige H�llenpfuhl. Und hier gab es keine Fluchtm�glichkeit. W�tend sch�ttelte sie den Kopf und wischte sich energisch schimmernde Feuchtigkeit von den Wangen. Nein! Sie w�rde fl�chten, irgendwie, selbst wenn es nur lange genug w�hrte, um ihre H�nde in der Realit�t um Elaidas Hals zu legen. Irgendwie.</p><p>Abgesehen von der Pritsche gab es nur drei weitere M�belst�cke, trotzdem hatte sie kaum genug Platz, um sich zu bewegen. Sie zerstie� mit dem G�rtelmesser das Eis auf der Oberfl�che des Wassers in der gelb gestreiften Kanne auf dem Waschtisch, f�llte die angeschlagene wei�e Sch�ssel und griff nach der Macht, um das Wasser zu erhitzen, bis Dampfwolken in die H�he stiegen. Dazu war es <emphasis>erlaubt,</emphasis> die Macht zu benutzen. Aber auch nur dazu. Mechanisch wusch sie sich, putzte sich mit Salz und Soda die Z�hne, dann holte sie aus der kleinen Holztruhe am Fu�ende der Pritsche ein frisches Unterhemd und Str�mpfe. Ihren Ring lie� sie in der Truhe zur�ck; er befand sich ganz unten in einem kleinen Samtbeutel. Ein weiterer Befehl. Hier war ihr ganzer verbliebener Besitz verstaut, mit Ausnahme ihres Schreibkastens. Gl�cklicherweise war er bei ihrer Gefangennahme verloren gegangen. Ihre Kleider hingen an einem Umhangst�nder, das letzte M�belst�ck des Verschlags. Sie w�hlte eines aus, ohne richtig hinzusehen, zog es an und k�mmte sich das Haar.</p><p>Als sie sich in dem billigen Spiegel auf dem Waschtisch sah, geriet die B�rste mit dem Elfenbeinr�cken ins Stocken. Mit abgehackten Atemz�gen legte sie die B�rste neben den dazugeh�rigen Kamm. Das ausgew�hlte Kleid war dick, es bestand aus fein gewebter Wolle von einem Rot, das so dunkel war, dass es beinahe Schwarz erschien. So schwarz wie der Mantel eines Asha'man. Ihr verschwommenes Bild starrte mit verzerrten Lippen zur�ck. Sich umzuziehen w�re eine Art von Niederlage. Entschlossen riss sie ihren mit Marderfell besetzten grauen Umhang vom St�nder.</p><p>Als sie das Segeltuch zur Seite schlug, befanden sich bereits etwa zwanzig Schwestern in dem langen, von Segeltuchverschl�gen ges�umten Mittelgang. Hier und da unterhielten sich welche mit gesenkten Stimmen, aber der Rest blickte einander nicht an, selbst wenn sie derselben Ajah angeh�rten. Da war Angst zu sehen, aber es war Scham, die viele Gesichter hatte erstarren lassen. Akoure, eine st�mmige Graue, starrte die Hand an, wo sie gew�hnlich den Ring trug. Desandre, eine schmale Gelbe, verbarg die rechte Hand unter der Achsel.</p><p>Die leisen Unterhaltungen verstummten, als Toveine hervortrat. Einige der Frauen starrten sie mit offener Feindseligkeit an. Darunter auch Jenare und Lemai, die ihrer eigenen Ajah angeh�rten! Desandre drehte sich br�sk um und wandte ihr den R�cken zu. Im Zeitraum von zwei Tagen waren einundf�nfzig Aes Sedai den schwarz gekleideten Ungeheuern in die H�nde gefallen, und f�nfzig davon gaben Toveine Gazal daf�r die Schuld, so als w�re Elaida a'Roihan nicht an der Katastrophe beteiligt gewesen. W�re Logain nicht eingeschritten, h�tten sie bereits in der ersten Nacht ihre Rache vollzogen. Sie versp�rte keine Dankbarkeit daf�r, dass er dem ein Ende bereitet und Carniele dazu gebracht hatte, die von G�rteln verursachten Striemen und von F�usten und F��en hervorgerufenen Bluterg�sse zu Heilen. Sie w�re lieber von ihnen zu Tode gepr�gelt worden, als in seiner Schuld zu stehen.</p><p>Sie r�ckte den Umhang auf ihren Schultern zurecht und schritt erhobenen Hauptes den Gang entlang, hinaus in die blasse Morgensonne, die zu ihrer d�steren Stimmung passte. Hinter ihr rief jemand giftige Worte, bevor die zufallende T�r sie abschnitt. Ihre H�nde zitterten, als sie die Kapuze hochschlug und sich den dunklen Pelz ins Gesicht zog. Niemand stie� Toveine Gazal ungestraft herum. Das hatte auch Herrin Doweel, die sie im Laufe der Jahre zu scheinbarer Unterw�rfigkeit gebrochen hatte, erfahren m�ssen, als ihr Exil endete. Sie w�rde es ihnen zeigen. Sie w�rde es ihnen allen zeigen!</p><p>Das Schlafhaus, das sie sich mit den anderen teilte, lag am �u�eren Rande eines gro�en, wenn auch sehr seltsamen Dorfes. Ein Dorf aus Asha'man. An anderer Stelle hatte man � so war ihr zugetragen worden �Gel�nde abgesteckt f�r Geb�ude, die angeblich die Wei�e Burg hoch �berragen sollten, aber zurzeit lebten die meisten von ihnen hier an diesem Ort. Die f�nf gro�en, wuchtigen Unterk�nfte aus Stein, die sich an Stra�en entlangzogen, die so breit wie die pr�chtigsten Stra�en in Tar Valon waren, konnten jeweils einhundert Asha'man-Soldaten aufnehmen. Sie waren noch nicht g�nzlich belegt, dem Licht sei dank, aber die dicken Mauern zweier weiterer Geb�ude, die schon so weit fertig gestellt waren, dass man sie mit einem Strohdach versehen konnte, warteten mit ihren zugeschneiten Ger�sten auf die Ankunft von Arbeitern. Etwa ein Dutzend kleinerer Steingeb�ude diente als Unterkunft f�r jeweils zehn Geweihte; ein weiteres war bereits im Bau. Ringsum standen fast zweihundert H�user, wie man sie in jedem Dorf finden konnte; hier wohnten die Verheirateten und die Familien der anderen, die noch nicht weit genug ausgebildet waren.</p><p>M�nner, die die Eine Macht lenken konnten, jagten Toveine keine Furcht ein. Einst hatte sie einen Augenblick lang ihrer Panik nachgegeben, das stimmte, aber darum ging es jetzt nicht. Jedoch f�nfhundert M�nner mit dieser F�higkeit waren wie ein St�ck Knochen, das zwischen zweien ihrer Z�hne festklemmte, und zwar an einer Stelle, an die sie nicht herankam. <emphasis>F�nfhundert!</emphasis> Und einige davon besa�en die F�higkeit des Schnellen Reisens. Ein scharfes Knochenst�ck. Was das bedeutete, <emphasis>das</emphasis> jagte ihr Angst ein.</p><p>Die Mauer, nirgendwo h�her als dreieinhalb oder viereinhalb Schritte, war an keiner Stelle fertig gestellt, keiner der T�rme oder der Bastionen war �ber das Anfangsstadium hinausgekommen. Hier und da h�tte sie �ber die Haufen aus schwarzem Stein hin�berklettern k�nnen, w�re da nicht der Befehl gewesen, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Das Bollwerk war allerdings acht Meilen lang, und sie glaubte Logain, dass vor weniger als drei Monaten damit begonnen worden war. Der Mann hatte sie zu fest in seiner Gewalt, um l�gen zu m�ssen. Er bezeichnete die Mauer als Verschwendung von Zeit und M�he, und vielleicht war sie das auch, aber sie jagte ihr einen Schauder �ber den R�cken. Nur drei Monate. Mit der Macht erbaut. Der m�nnlichen H�lfte der Macht. Wenn sie an diese schwarze Mauer dachte, sah sie eine unerbittliche Gewalt, die man nicht aufhalten konnte, eine schwarze Steinlawine, die in die Tiefe raste, um die Wei�e Burg unter sich zu begraben. Nat�rlich war das unm�glich. Einfach unm�glich, aber wenn sie nicht davon tr�umte, Elaida zu erw�rgen, tr�umte sie davon.</p><p>In der Nacht hatte es geschneit, und jedes Dach war mit einer dicken wei�en Schicht bedeckt, aber sie musste sich auf den breiten Stra�en keinen Weg bahnen. Der harte Boden war ges�ubert worden, eine unangenehme Arbeit f�r die Rekruten, die sie vor Sonnenaufgang zu erledigen hatten. Sie benutzten die Macht f�r alles, angefangen vom Auff�llen der Brennholzk�sten bis zur Reinigung ihrer Kleidung! Hier und da eilten schwarz gekleidete M�nner die Stra�en entlang, aber die meisten von ihnen versammelten sich in Reih und Glied vor ihren Unterk�nften, w�hrend andere mit lauter Stimme ihre Namen aufriefen. Gegen die K�lte vermummte Frauen gingen seelenruhig an ihnen vorbei und trugen K�rbe zum Lagerhaus des Quartiermeisters oder Wassereimer zum n�chsten Brunnen, aber es blieb Toveine v�llig unverst�ndlich, wie eine Frau in dem Wissen, was ihr Mann war, �berhaupt hier bleiben konnte. Noch viel bizarrer waren die Kinder, die um die Abteilungen aus M�nnern, die die Macht lenken konnten, schreiend und lachend herumliefen, Reifen rollten, sich bunte B�lle zuwarfen oder mit Hunden und Puppen spielten. Ein Hauch von Normalit�t, der den Gestank des B�sen, den der Rest verbreitete, nur noch erh�hte.</p><p>Voraus kam eine Abteilung Reiter im Schritttempo die Stra�e entlanggeritten. In der kurzen Zeit, die sie hier war � dieser endlosen Zeit � hatte sie au�er Arbeitern auf Wagen oder Karren niemanden zu Pferde gesehen. F�nf M�nner in Schwarz eskortierten ein Dutzend Angeh�rige der K�niglichen Garde in ihren roten M�nteln und Umh�ngen, denen zwei blonde Frauen vorausritten. Die eine trug einen Umhang in Rot und Wei�, dessen Saum mit schwarzem Pelz abgesetzt war, und die andere ... Toveine hob die Brauen. Die andere trug gr�ne Kandorihosen und einen Mantel, der aussah, als geh�rte er dem Generalhauptmann der Garde. Ihr roter Umhang wies sogar die goldenen Schn�re an der Schulter auf, die Rangabzeichen! Vielleicht irrte sie sich ja bei den M�nnern. Die Frau w�rde sich wundern, wenn sie echten Gardisten begegnete. Auf jeden Fall war es seltsam fr�h f�r Besucher.</p><p>Jedes Mal, wenn die seltsame Gruppe eine der Formationen erreichte, rief der Mann, der vor ihnen stand �Asha'man, Augen geradeaus!�, und Stiefelabs�tze stampften auf den harten Boden, w�hrend die M�nner zu Steins�ulen erstarrten.</p><p>Toveine zog die Kapuze noch weiter nach vorn, um ihr Gesicht besser zu verbergen, und begab sich auf die andere Stra�enseite, ganz in die N�he der Ecke einer der kleineren Steinunterk�nfte. Ein alter Mann mit einem Gabelbart, an dessen hohem Kragen ein silbernes Schwertabzeichen funkelte, kam gerade aus der T�r und warf ihr einen neugierigen Blick zu, ohne das Tempo zu verlangsamen.</p><p>Die Erkenntnis, was sie gerade getan hatte, traf Toveine wie ein Eimer voll kaltem Wasser, und beinahe h�tte sie geweint. Keiner dieser Fremden w�rde jetzt das Gesicht einer Aes Sedai erkennen k�nnen, vorausgesetzt, sie waren dazu imstande. Falls eine dieser Frauen die Macht lenken konnte � so unwahrscheinlich das auch war �, w�rde sie nicht nahe genug vorbeikommen, um zu bemerken, dass Toveine diese F�higkeit ebenfalls besa�. Da zerbrach sie sich den Kopf dar�ber, wie sie Logains Befehle missachten konnte, und dabei tat sie ohne auch nur dar�ber nachzudenken alles Notwendige, um sie auszuf�hren!</p><p>Als Akt des Widerstands blieb sie an Ort und Stelle stehen und drehte sich um, um den Besuchern zuzusehen. Mechanisch �berpr�ften ihre H�nde die Kapuze, bevor sie sie herunterrei�en konnte. Es war erb�rmlich und l�cherlich. Sie kannte den Asha'man, der die Gruppe herumf�hrte, das hei�t, sie hatte ihn schon einmal gesehen; er war ein st�mmiger Mann in den mittleren Jahren mit �ligem schwarzem Haar, einem tr�gen L�cheln und den Augen eines Propheten. Die anderen waren ihr jedoch unbekannt. Was erhoffte sie sich hierdurch? Wie konnte sie einem der Besucher eine Botschaft anvertrauen? Selbst wenn die Eskorte verschwand, wie sollte sie nahe genug herankommen, um eine Botschaft weiterzugeben, wenn es ihr doch verboten war, einen Au�enseiter die Anwesenheit der Aes Sedai entdecken zu lassen?</p><p>Der Kerl mit den Prophetenaugen sah heute Morgen gelangweilt aus, er gab sich keine gro�e M�he, ein G�hnen hinter einer behandschuhten Hand zu verbergen. �... wann sind wir fertig?�, sagte er gerade, als er an Toveine vorbeiritt. �Ich zeige Euch das Handwerkerviertel. Ist ein ganzes St�ck gr��er als das hier. Wir haben hier Vertreter jedes Handwerks, von Steinmetzen und Zimmerleuten bis zu Stahlschmieden und Schneidern. Wir k�nnen alles herstellen, was wir brauchen, Lady Elayne.�</p><p>�Mit Ausnahme von Steckr�ben�, sagte eine der Frauen mit hoher Stimme und die anderen lachten.</p><p>Toveine riss den Kopf herum. Sie sah zu, wie die Reiter von gebr�llten Befehlen und aufstampfenden Stiefeln begleitet die Stra�e entlangritten. Lady Elayne? Elayne Trakand? Die J�ngere des P�rchens entsprach ungef�hr der Beschreibung, die man ihr gegeben hatte.</p><p>Elaida hatte nicht enth�llt, warum sie so verzweifelt eine entflohene Aufgenommene in ihre Gewalt bringen wollte, selbst wenn es sich m�glicherweise um eine zuk�nftige K�nigin handelte, aber sie lie� keine Schwester aus der Burg heraus ohne genaue Anweisungen, was sie zu tun hatte, falls sie dem M�dchen begegnen sollte. <emphasis>Sei ja vorsichtig, Elayne Trakand,</emphasis> dachte Toveine. <emphasis>Mir w�rde es gar nicht gefallen, wenn Elaida dich in ihre H�nde kriegt.</emphasis></p><p>Sie wollte dar�ber nachdenken, ob eine M�glichkeit bestand, die Anwesenheit des M�dchens irgendwie zu nutzen, aber pl�tzlich wurde sie sich ganz bestimmter Eindr�cke bewusst, die in ihrem Inneren aufstiegen. Milde Zufriedenheit und wachsende Entschlossenheit. Logain war mit dem Fr�hst�ck fertig. Er w�rde bald das Haus verlassen. Er hatte ihr befohlen, dort zu sein, wenn es so weit war.</p><p>Ihre F��e liefen, bevor sie sich dessen �berhaupt bewusst war. Mit dem Resultat, dass sie sich in ihren R�cken verhedderte, und sie st�rzte so hart zu Boden, dass es ihr den Atem raubte. Wut schoss in ihr hoch, nackter Zorn, aber sie rappelte sich auf, raffte ohne vorher den Staub abzuklopfen die R�cke bis �ber die Knie und rannte mit wehendem Umhang weiter. Anz�gliche Rufe folgten ihr die Stra�e entlang, lachende Kinder zeigten mit dem Finger auf sie.</p><p>Pl�tzlich war da ein Rudel Hunde um sie herum, die knurrend nach ihren Fersen schnappten. Sie sprang in die H�he und wirbelte herum und trat zu, aber die Tiere hetzten sie. Sie wollte vor Wut und Emp�rung schreien. Hunde waren immer eine Plage, und sie konnte mit der Macht nicht mal eine Feder bewegen, um sie zu verjagen. Ein grauer Hund schnappte ihren Rocksaum und zerrte sie zur Seite. Panik dr�ngte alles andere zur Seite. Wenn sie erneut st�rzte, w�rde sie in St�cke gerissen.</p><p>Eine br�llende Frau in braunem Tuch schlug mit ihrem schweren Korb nach dem Hund, der an Toveines Rock riss, und vertrieb ihn. Der Eimer einer rundlichen Frau traf einen scheckigen R�den in die Rippen und er lief winselnd davon. Toveine starrte ihre Helferinnen erstaunt an, und wegen ihrer Unachtsamkeit musste sie ihr linkes Bein vor einem anderen Hund in Sicherheit bringen, und zwar um den Preis von einem St�ck Strumpf mitsamt Haut. �berall um sie herum waren Frauen, die mit dem, was sie gerade zur Hand hatten, auf die Tiere einschlugen.</p><p>�Geht weiter, Aes Sedai�, sagte eine d�rre Frau mit grauen Haaren zu ihr, die mit einer Rute nach einem gescheckten Hund schlug. �Sie werden Euch nichts mehr tun. Ich w�rde gern eine h�bsche Katze haben, aber Katzen w�rden meinen Mann jetzt nicht mehr dulden. Geht weiter.�</p><p>Toveine wartete nicht ab, um ihren Retterinnen zu danken. Sie rannte weiter und dachte fieberhaft nach. Die Frauen wussten Bescheid. Wenn es eine wusste, dann wussten sie es auch alle. Aber sie w�rden keine Nachricht �bermitteln, keine Flucht unterst�tzen, wenn ihnen klar war, wobei sie halfen. So viel dazu.</p><p>Kurz vor Logains Haus � es war eines von mehreren am Ende einer schmalen Seitenstra�e � wurde sie langsamer und lie� hastig die R�cke fallen. Acht oder neun M�nner in schwarzen M�nteln warteten davor, junge Burschen und alte M�nner und alles, was es dazwischen gab, aber von Logain war nichts zu sehen. Sie konnte ihn noch immer f�hlen, er war entschlossen, konzentrierte sich aber. Vielleicht las er. Den Rest des Weges ging sie mit w�rdevollen Schritten. Gelassen und in jedem Zoll eine Aes Sedai, ganz egal, wie die Umst�nde waren. Es gelang ihr beinahe, ihre verzweifelte Flucht vor den Hunden zu vergessen.</p><p>Das Haus �berraschte sie jedes Mal, wenn sie es sah. Die anderen H�user in dieser Stra�e waren genauso gro�, bis auf zwei, die ein St�ck h�her waren. Ein ganz gew�hnliches Holzhaus mit zwei Stockwerken, obwohl die rote T�r, die Fensterl�den und die Fensterrahmen seltsam aussahen. Einfache Gardinen verbargen das Innere, aber das Fensterglas war so minderwertig, dass Toveine bezweifelte, dass sie auch bei zur�ckgezogenen Gardinen etwas vom Inneren h�tte erkennen k�nnen. Ein Haus, das zu einem m��ig erfolgreichen Kaufmann gepasst h�tte, kaum die Unterkunft eines der ber�chtigtsten M�nner, die es gab.</p><p>Einen kurzen Augenblick lang fragte sie sich, was Gabrelle wohl aufhielt. Die andere an Logain gebundene Schwester hatte dieselben Befehle wie sie und bis jetzt war sie immer als Erste hier gewesen. Gabrelle war eifrig, sie studierte den Asha'man, als wollte sie ein Buch �ber ihn schreiben. Vielleicht tat sie es ja; die Braunen w�rden �ber alles schreiben. Toveine verdr�ngte die andere Schwester aus ihren Gedanken. Obwohl... wenn Gabrelle zu sp�t kam, w�rde sie herausfinden m�ssen, wie der Frau das gelungen war. Aber jetzt hatte sie erst einmal selbst Dinge zu studieren.</p><p>Die vor der roten T�r wartenden M�nner betrachteten sie, sagten aber kein Wort, nicht mal untereinander. Und doch gab es hier keine Feindseligkeit. Sie warteten einfach. Keiner trug einen Umhang, obwohl ihr Atem vor ihren Gesichtern Muster in die Luft zeichnete. Sie alle geh�rten zu den Geweihten, jeder trug das angesteckte silberne Schwert am Kragen.</p><p>An jedem Morgen, an dem sie sich zur Stelle <emphasis>gemeldet</emphasis> hatte, war es das Gleiche gewesen, obwohl es nicht immer dieselben M�nner gewesen waren. Ein paar von ihnen kannte sie, zumindest dem Namen nach, und manchmal hatte sie etwas �ber sie aufgeschnappt. Evin Vinchova, der h�bsche Junge, der dabei gewesen war, als Logain sie gefangen genommen hatte, lehnte an der Hausecke und spielte mit einem St�ck Schnur. Donalo Sandomere � falls das sein richtiger Name war � mit seinem faltigen Bauerngesicht und dem sauber gestutzten �ligen Bart versuchte sich in der tr�gen Haltung eines Adligen � so wie er sie sich vorstellte. Der Taraboner Androl Genhald war ein st�mmiger Bursche, dessen buschige Augenbrauen nachdenklich zusammengezogen und dessen H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt waren; er trug einen goldenen Siegelring, aber in ihren Augen �hnelte er eher einem Novizen, der sich den Schnurrbart abrasiert und den Schleier abgelegt hatte. Mezar Kurin, ein Domani mit ergrauten Schl�fen, fummelte an dem Granatstein an seinem linken Ohrl�ppchen herum; es war durchaus m�glich, dass er ein Adliger von geringem Stand war. Toveine erstellte im Kopf eine h�bsche Sammlung von Namen und Gesichtern. Fr�her oder sp�ter w�rde man sie jagen, und jede noch so geringe Information, die bei ihrer Identifizierung half, w�rde von Nutzen sein.</p><p>Die rote T�r �ffnete sich, und die M�nner nahmen Haltung an, aber es war nicht Logain, der heraustrat.</p><p>Toveine blinzelte �berrascht, dann begegnete sie dem Blick aus Gabrelles rauchgr�nen Augen entschieden und machte keinerlei Anstalten, ihren Ekel zu verbergen. Der verfluchte Bund mit Logain hatte eindeutig vermittelt, was er in der vergangenen Nacht getan hatte � sie hatte schon bef�rchtet, er w�rde <emphasis>�berhaupt</emphasis> nicht mehr einschlafen! �, aber nicht einmal in ihrer finstersten Vorstellungskraft h�tte sie an Gabrelle gedacht! Einige der M�nner schienen genauso �berrascht wie sie zu sein. Ein paar bem�hten sich, ihr Grinsen zu verbergen. Kurin hingegen zeigte ein breites L�cheln und strich sich mit dem Daumen seinen d�nnen Schnurrbart.</p><p>Die dunkelh�utige Frau hatte nicht einmal den Anstand zu err�ten. Sie hob ihre Nase noch ein St�ck h�her, dann richtete sie schamlos ihr dunkelgr�nes Gewand �ber den H�ften, als wollte sie allen verk�nden, dass sie es gerade erst �bergestreift hatte. Sie warf sich den Umhang �ber die Schultern und band den Riemen zu, w�hrend sie so gelassen auf Toveine zurauschte, als bef�nde sie sich in der Burg.</p><p>Toveine packte die gr��ere Frau am Arm und zog sie ein St�ck von den M�nnern fort. �Wir m�gen Gefangene sein, Gabrelle�, fl�sterte sie mit scharfer Stimme, �aber das ist kein Grund zur Kapitulation. Vor allem nicht vor Abiars widerw�rtigen Gel�sten!� Gabrelle zeigte nicht einmal eine Spur von Verlegenheit! Ihr kam ein Gedanke. Nat�rlich. �Hat er ...? Hat er es Euch <emphasis>befohlen?�</emphasis></p><p>Gabrelle befreite sich mit einem h�hnischen Grinsen aus ihrem Griff. �Toveine, ich habe zwei Tage gebraucht, um mich zu entscheiden, ob ich mich seinen widerw�rtigen Gel�sten� ergebe, wie Ihr es ausgedr�ckt habt. Euch Roten ist das vielleicht unbekannt, aber M�nner erz�hlen und prahlen gern. Man muss nur zuh�ren oder zumindest so tun, und ein Mann wird einem seine ganze Lebensgeschichte erz�hlen.� Sie runzelte nachdenklich die Stirn und der h�hnische Ausdruck um ihre Lippen verschwand. �Ich frage mich, ob es f�r gew�hnliche Frauen auch so ist.�</p><p>�Ob es was f�r sie ist?�, wollte Toveine wissen. Gabrelle <emphasis>horchte</emphasis> ihn aus? Oder versuchte sie nur, mehr Material f�r ihr Buch zu bekommen? Aber <emphasis>das</emphasis> war unvorstellbar, selbst f�r eine Braune! �Wovon sprecht Ihr?�</p><p>Der nachdenkliche Gesichtsausdruck der anderen Frau blieb bestehen. �Ich f�hlte mich ... hilflos. Oh, er war sanft, aber ich hatte mir zuvor noch nie Gedanken dar�ber gemacht, wie stark die Arme eines Mannes sind, und ich konnte nicht mal einen Faden der Macht ber�hren. Er war... er hatte wohl die F�hrung �bernommen, obwohl das so nicht ganz richtig ist. Er war einfach ... st�rker, und ich wusste es. Es f�hlte sich auf seltsame Weise ... anregend an.�</p><p>Toveine erschauderte. Gabrelle musste den Verstand verloren haben! Sie wollte ihr das gerade ins Gesicht sagen, als Logain erschien und die T�r hinter sich schloss. Er war hoch gewachsen, viel gr��er als jeder der anwesenden M�nner, und sein dunkles Haar fiel auf die breiten Schultern und umrahmte sein arrogantes Gesicht. An seinem hohen Kragen steckte sowohl das Silberschwert als auch diese alberne Schlange mit Beinen. Er schenkte Gabrelle ein fl�chtiges L�cheln, w�hrend sich die anderen um ihn herum versammelten. Und das Flittchen l�chelte auch noch zur�ck. Toveine erschauderte erneut. Anregend. Die Frau <emphasis>war</emphasis> wahnsinnig!</p><p>Wie auch an den anderen Morgen erstatteten die M�nner Bericht. Meistens hatte Toveine davon nicht ein Wort verstanden, aber sie h�rte zu.</p><p>�Ich habe noch zwei gefunden, die an dieser neuen Art des Heilens interessiert sind, die diese Nynaeve an Euch vollzog, Logain�, sagte Genhald stirnrunzelnd, �aber der eine beherrscht kaum das uns bekannte Heilen, und der andere wollte mehr wissen, als ich ihm sagen konnte.�</p><p>�Ich wei� auch nicht mehr, als Ihr ihm sagen k�nnt�, erwiderte Logain. �Frau al'Meara hat mir nicht viel von dem erkl�rt, was sie da tat, und ich konnte den Gespr�chen der anderen Schwestern nur ein paar Bruchst�cke entnehmen. Pflanzt einfach nur den Samen weiter und hofft, dass daraus etwas erw�chst. Mehr k�nnt Ihr nicht tun.� Ein paar der M�nner nickten genau wie Genhald.</p><p>Toveine merkte sich das genau. Nynaeve al'Meara. Sie hatte den Namen nach der R�ckkehr in die Burg oft geh�rt. Noch eine entflohene Aufgenommene, die Elaida viel dr�ngender in Gewahrsam genommen sehen wollte, als es bei Ausrei�erinnen sonst �blich erschien. Die ebenfalls aus demselben Dorf wie al'Thor kam. Und in irgendeiner Verbindung mit Logain stand. Das w�rde irgendwann vielleicht zu etwas f�hren. Aber eine <emphasis>neue</emphasis> Art des Heilens? Praktiziert von einer <emphasis>Aufgenommenen?</emphasis> Das war nicht nur unwahrscheinlich, sondern grenzte schon ans Unm�gliche, aber sie hatte das Unm�gliche schon zuvor geschehen gesehen, also merkte sie es sich. Gabrelle lauschte ebenfalls aufmerksam, wie ihr nicht entging. Aber die andere Frau beobachtete sie ebenfalls aus den Augenwinkeln.</p><p>�Logain, bei einigen der M�nner von den Zwei Fl�ssen gibt es ein Problem�, berichtete Vinchova. Sein h�bsches Gesicht r�tete sich �rgerlich. �M�nner, sage ich, dabei handelt es sich um zwei Jungs, die bestenfalls vierzehn Jahre alt sind! Sie wollen es nicht sagen.� Mit seinen bartlosen Wangen war er doch h�chstens ein oder zwei Jahre �lter. �Sie herzubringen war ein Verbrechen.�</p><p>Logain sch�ttelte den Kopf, ob vor Wut oder Bedauern, war schwer zu sagen. �Ich habe geh�rt, dass die Wei�e Burg M�dchen aufnimmt, die nicht mal zw�lf sind. Passt auf die M�nner von den Zwei Fl�ssen auf, wenn Ihr k�nnt. Ihr sollt sie nicht verw�hnen, sonst werden sich die anderen gegen sie wenden, aber sorgt daf�r, dass sie keine Dummheiten anstellen. Dem Lord Drachen w�rde es nicht gefallen, wenn wir zu viele aus seiner Heimat t�ten.�</p><p>�Meiner Meinung nach scheint ihn das �berhaupt nicht zu interessieren�, murmelte ein schlanker Bursche. Seine Stimme klang sehr nach Murandy, obwohl sein wild gezwirbelter Schnurrbart seine Herkunft eindeutig verriet. Er lie� unabl�ssig eine Silberm�nze �ber die Oberseite seiner Finger rollen und schien seine Aufmerksamkeit genauso sehr darauf zu richten wie auf Logain. �Ich habe geh�rt, wie der Lord Drache selbst dem M'Hael sagte, jeden Mann von den Zwei Fl�ssen zu nehmen, der die Macht lenken kann, bis hin zu den jungen K�ken. Bei der Menge, die er mitgebracht hat, wundert es mich, dass er nicht auch noch die L�mmchen genommen hat.� Seine witzige Bemerkung rief Gel�chter hervor, aber Logains beherrschter Tonfall durchschnitt es wie eine Klinge.</p><p>�Was der Lord Drache auch immer befiehlt; ich sch�tze, ich habe mich klar ausgedr�ckt.� Diesmal nickte jeder, und einige der M�nner murmelten �Ja, Logain� und �Wie Ihr befehlt. Logain�.</p><p>Toveine lie� schnell das h�hnische Grinsen von ihren Lippen verschwinden. Ignorante T�lpel. Die Burg akzeptierte M�dchen unter f�nfzehn Jahren nur dann, wenn sie bereits begonnen hatten, die Macht zu lenken. Aber das andere war interessant. Wieder die Zwei Fl�sse. Alle hatten behauptet, al'Thor h�tte seiner Heimat den R�cken gekehrt, aber sie war sich da nicht so sicher. Warum beobachtete Gabrelle sie blo�?</p><p>�Ich habe vergangene Nacht erfahren, dass Mishraile vom M'Hael privaten Unterricht erh�lt�, sagte Sandomere einen Augenblick sp�ter. Er strich sich zufrieden den Spitzbart, so als h�tte er einen kostbaren Edelstein gefunden.</p><p>Vielleicht hatte er das auch, aber Toveine vermochte nicht zu sagen, von welcher Art er war. Logain nickte langsam. Die anderen tauschten stumme Blicke aus, und zwar mit starren Gesichtern. Sie beobachtete alles verbittert. Das kam viel zu oft vor, Angelegenheiten, die die M�nner nicht kommentierten, weil sie keinen Grund dazu sahen � oder sich davor f�rchteten �, und die sie nicht begriff. Sie hatte immer das Gef�hl, dass hier au�erhalb ihrer Reichweite Sch�tze verborgen lagen.</p><p>Ein kr�ftiger Cairhiener, der Logain kaum bis zur Brust reichte, �ffnete den Mund, aber sie sollte nie herausfinden, ob er etwas �ber Mishraile � wer auch immer das war � sagen wollte.</p><p>�Logain!� Welyn Kajima kam die Stra�e entlang gerannt, und die Gl�ckchen an den Enden seiner schwarzen Z�pfe bimmelten. Ein weiterer Geweihter, ein Mann in den mittleren Jahren, der zu viel l�chelte; auch er war dabei gewesen, als Logain sie gefangen nahm. Kajima hatte Jenare den Bund aufgezwungen. Als er sich an den M�nnern vorbeidr�ngte, war er fast au�er Atem, und jetzt l�chelte er nicht.</p><p>�Logain�, keuchte er, �der M'Hael ist aus Cairhien zur�ckgekehrt, und er hat neue Proskriptionen ans Brett vor dem Palast schlagen lassen. Ihr werdet nicht glauben, wer desertiert ist!� Er ratterte atemlos eine Liste herunter, w�hrend die anderen dazwischenriefen, sodass Toveine kaum mehr als Bruchst�cke mitbekam.</p><p>�Geweihte sind auch schon fr�her desertiert�, murmelte der Cairhiener, als Kajima fertig war, �aber noch <emphasis>nie</emphasis> ein vollwertiger Asha'man. Und jetzt gleich sieben auf einmal?�</p><p>�Wenn Ihr mir nicht glauben wollt�, setzte Kajima an und plusterte sich wichtigtuerisch auf; er war in Arafel Schreiber gewesen.</p><p>�Wir glauben Euch�, sagte Genhald beschwichtigend. �Aber Gedwyn und Torval sind M�nner des M'Hael. Rochaid und Kisman auch. Warum sollten sie desertieren? Er gab ihnen alles, was man sich w�nschen kann.�</p><p>Kajima. sch�ttelte gereizt den Kopf und lie� seine Gl�ckchen klingeln. �Ihr wisst, dass die Liste niemals Gr�nde aufzeichnet. Immer nur Namen.�</p><p>�Gut, dass wir sie los sind�, knurrte Kurin. �Das hei�t, das w�ren wir, wenn wir sie jetzt nicht aufsp�ren m�ssten.�</p><p>�Bei den anderen verstehe ich es nicht�, meldete sich Sandomere zu Wort. �Ich war bei den Quellen von Dumai dabei. Ich habe gesehen, wie der Lord Drache danach seine Auswahl traf. Dashiva trug wie immer den Kopf in den Wolken. Aber Flinn, Hopwil, Narishma? Es hat noch nie M�nner gegeben, die zufriedener aussahen. Sie waren wie L�mmer, die man in einen Kornspeicher l�sst.�</p><p>Ein kr�ftiger Mann mit grauen Str�hnen im Haar spuckte aus. �Nun, ich war bei den Quellen nicht dabei, aber ich bin im S�den gegen die Seanchaner gezogen.� Er hatte einen andoranischen Akzent. �Vielleicht gefiel den L�mmern der Metzgerhof nicht so sehr wie der Kornspeicher.�</p><p>Logain hatte mit vor der Brust verschr�nkten Armen zugeh�rt, ohne sich an der Diskussion zu beteiligen. Sein Gesicht war unleserlich, eine Maske. �Canler, sorgt Ihr Euch wegen des Metzgerhofes?�, sagte er jetzt.</p><p>Der Andoraner verzog das Gesicht, dann zuckte er mit den Schultern. �Ich sch�tze, fr�her oder sp�ter wird es uns alle dorthin verschlagen, Logain. Ich glaube nicht, dass wir da eine gro�e Wahl haben, aber ich muss es nicht mit einem L�cheln akzeptieren.�</p><p>�Solange Ihr an dem Tag nur da seid�, sagte Logain leise. Er hatte den Mann namens Canler angesprochen, aber einige der anderen nickten.</p><p>Logain sah an den M�nnern vorbei und betrachtete Toveine und Gabrelle. Toveine versuchte auszusehen, als h�tte sie nicht zugeh�rt und sich verbissen Namen gemerkt. �Geht rein, damit ihr aus der K�lte kommt�, befahl er ihnen. �W�rmt euch mit einem Schluck Tee auf. Ich komme zur�ck, sobald ich kann. Lasst meine Papiere in Ruhe.� Er gab den M�nnern ein Zeichen und f�hrte sie in die Richtung, aus der Kajima gekommen war.</p><p>Toveine knirschte grimmig mit den Z�hnen. Wenigstens musste sie ihm nicht zum Ausbildungsplatz folgen, vorbei an dem so genannten Verr�terbaum, von dessen nackten �sten K�pfe wie verfaulte Fr�chte hingen, um zuzusehen, wie M�nner lernten, mit der Macht zu zerst�ren. Aber sie hatte gehofft, einen weiteren Tag f�r sich allein zu haben, um umherzuwandern und zu sehen, was sie in Erfahrung bringen konnte. Sie hatte die M�nner �Taims Palast� erw�hnen h�ren, und heute hatte sie gehofft, ihn zu finden und vielleicht einen Blick auf den Mann werfen zu k�nnen, dessen Name so finster wie Logains war. Stattdessen folgte sie der anderen Frau gehorsam durch die rote T�r. Es war sinnlos, dagegen anzuk�mpfen.</p><p>Sie blickte sich in dem Vorraum um, w�hrend Gabrelle ihren Umhang an einen Haken hing. Trotz des �u�eren hatte sie etwas Pr�chtigeres erwartet. In einem Steinkamin brannte ein sp�rliches Feuer. Ein langer, schmaler Tisch und St�hle mit hohen R�ckenlehnen standen auf nackten Bodenbrettern. Ihr fiel ein Schreibtisch ins Auge, der nur unwesentlich kunstvoller gearbeitet war als die anderen M�bel und auf dem sich mit Deckeln verschlossene Briefk�sten und Lederordner voller langer Papierb�gen t�rmten. Es juckte ihr in den Fingern, aber selbst wenn sie sich an den Schreibtisch setzen w�rde, w�re sie nicht dazu in der Lage, auch nur etwas anderes als die Feder oder das gl�serne Tintenfass anzur�hren.</p><p>Seufzend folgte sie Gabrelle in die K�che, wo ein eiserner Ofen zu viel W�rme verbreitete und sich auf einer niedrigen Kommode unter einem Fenster schmutziges Fr�hst�cksgeschirr stapelte. Gabrelle f�llte einen Wasserkessel und stellte ihn auf den Ofen, dann holte sie aus einer anderen Kommode eine gr�nglasierte Teekanne und eine Holzb�chse. Toveine legte ihren Umhang �ber eine Stuhllehne und setzte sich an den rechteckigen Tisch. Sie wollte keinen Tee, es sei denn, er w�re mit dem Fr�hst�ck serviert worden, das sie verpasst hatte, aber sie wusste, sie w�rde ihn trinken.</p><p>Die n�rrische Braune plapperte vor sich hin, w�hrend sie ihrer h�uslichen T�tigkeit nachging wie eine zufriedene B�uerin. �Ich habe bereits viel in Erfahrung gebracht. Logain ist der einzige Asha'man, der hier im Dorf wohnt. Die anderen wohnen alle in Taims �Palast�. Sie haben Diener, aber Logain hat die Frau eines in der Ausbildung befindlichen Mannes angestellt, um f�r ihn zu kochen und sauber zu machen. Sie wird bald da sein, und sie glaubt, er hat die Sonne an den Himmel gebracht, also sollten wir bis dahin alle wichtigen Dinge besprochen haben. Er hat Euren Schreibkasten gefunden.�</p><p>Toveine hatte das Gef�hl, eine eiskalte Hand w�rde sich um ihren Hals legen. Sie versuchte es zu verbergen, aber Gabrelle sah sie direkt an.</p><p>�Er hat ihn verbrannt. Nachdem er den Inhalt gelesen hat. Er scheint der Meinung zu sein, er h�tte uns einen Gefallen getan.�</p><p>Die Hand wich, und Toveine bekam wieder Luft. �Elaidas Befehl befand sich unter meinen Papieren.� Sie r�usperte sich, um die Heiserkeit loszuwerden. Elaidas Befehl, jeden hier angetroffenen Mann zu d�mpfen und sie an Ort und Stelle aufzuh�ngen, und zwar ohne den Prozess in Tar Valon, den das Burggesetz vorschrieb. �Sie hat harte Bedingungen auferlegt, und wenn diese M�nner davon erfahren h�tten, dann h�tten sie genauso hart reagiert.� Trotz der von dem Ofen ausgehenden Hitze fr�stelte sie. Dieses eine Blatt Papier h�tte dazu f�hren k�nnen, dass man sie alle d�mpfte und h�ngte. �Warum sollte er uns einen Gefallen erweisen wollen?�</p><p>�Das wei� ich nicht, Toveine. Er ist kein Schurke, jedenfalls nicht mehr als die meisten M�nner. Es k�nnte so einfach sein.� Gabrelle stellte eine Platte mit Brotstangen und eine weitere mit wei�em K�se auf den Tisch. �Oder es k�nnte sein, dass dieser Bund einem Beh�terbund viel �hnlicher ist, als wir wissen. Vielleicht wollte er auch nur nicht miterleben, wie man uns hinrichtet.� Toveines Magen knurrte, aber sie nahm eine Stange, als wollte sie nur mal daran bei�en.</p><p>�Ich vermute, �hart� ist milde ausgedr�ckt�, fuhr Gabrelle fort und l�ffelte Tee in den Kessel. �Ich sah, wie Ihr zusammengezuckt seid. Nat�rlich haben sie sich viel M�he gemacht, uns herzubringen. Einundf�nfzig Schwestern in ihrer Mitte, und selbst mit dem Bund m�ssen sie f�rchten, dass wir eine M�glichkeit finden, ihre Befehle zu umgehen, irgendein Schlupfloch, das sie �bersehen haben. Die offensichtliche Antwort ist nat�rlich, dass die Burg rasend vor Zorn w�re, wenn man uns umbringen w�rde. Solange wir am Leben und Gefangene sind, wird selbst Elaida vorsichtig sein.� Sie lachte mit stiller Belustigung. �Euer Gesicht, Toveine. Glaubt Ihr, ich habe die ganze Zeit damit verbracht, dar�ber nachzudenken, meine Finger in Logains Haar zu vergraben?�</p><p>Toveine schloss den Mund und legte die unber�hrte Stange nieder. Sie war ohnehin kalt und f�hlte sich hart an. Es war immer ein Fehler anzunehmen, dass die Braunen weltfremd waren, so tief in ihre B�cher und Studien vergraben, dass sie sonst nichts mitbekamen. �Was habt Ihr noch herausbekommen?�</p><p>Gabrelle setzte sich ihr gegen�ber an den Tisch, den L�ffel in der Hand, und beugte sich vor. �Ihre Mauer mag stark sein, wenn sie einmal fertig ist, aber dieser Ort ist voller Risse. Da ist Mazrim Taims Fraktion, und Logains Fraktion, obwohl ich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, dass sie es so betrachten. Vielleicht noch andere Fraktionen, und mit Sicherheit M�nner, die nicht wissen, dass es Fraktionen gibt. Einundf�nfzig Schwestern sollten damit eigentlich etwas anfangen k�nnen, selbst mit dem Bund. Die zweite Frage, die sich stellt, lautet: was machen <emphasis>wir</emphasis> daraus?�</p><p>�Die zweite Frage?�, wollte Toveine wissen, aber die andere Frau schwieg. �Wenn es uns gelingt, diese Risse aufzubrechen�, sagte sie schlie�lich, �verteilen wir zwei oder f�nfzig oder hundert Banden �ber die ganze Welt, von denen jede gef�hrlicher als jede bekannte Armee ist. Sie einzufangen k�nnte ein ganzes Leben lang dauern und die Welt in St�cke rei�en wie eine erneute Zerst�rung, und das, w�hrend Tarmon Gai'don n�her r�ckt. Das hei�t, falls dieser al'Thor wirklich der Wiedergeborene Drache ist.� Gabrelle wollte etwas sagen, aber Toveine winkte ab. Es war ziemlich wahrscheinlich, dass er es war. Hier und jetzt spielte das kaum eine Rolle. �Aber wenn wir nichts tun ... Einmal angenommen, man w�rde die Rebellion vergessen und diese Schwestern wieder in der Burg aufnehmen und jede im Ruhestand lebende Schwester zur�ckrufen, selbst dann bin ich noch immer nicht davon �berzeugt, ob wir alle zusammen diesen Ort zerst�ren k�nnten. Ich nehme an, die H�lfte der Wei�en Burg w�rde bei dem Versuch sterben. Wie lautet die erste Frage?�</p><p>Gabrelle lehnte sich in dem Stuhl zur�ck; pl�tzlich sah sie sehr m�de aus. �Ja, es ist keine einfache Entscheidung. Und jeden Tag bringen sie mehr M�nner heran. Ich glaube, seit wir hier sind, waren es f�nfzehn oder zwanzig.�</p><p>�Ich lasse nicht zu, dass man mit mir spielt, Gabrelle! Wie lautet die erste Frage?� Der Blick der Braunen sch�rfte sich wieder, und sie sah Toveine einen langen Augenblick an.</p><p>�Bald wird sich die Aufregung gelegt haben�, sagte sie schlie�lich. �Was geschieht dann? Die Autorit�t, die Elaida Euch verliehen hat, ist dahin, die Expedition ist zu Ende. Die erste Frage lautet, stehen wir einundf�nfzig Schwestern geeint da, oder trennen wir uns wieder in Braune und Rote, Gelbe und Gr�ne und Graue? Und die arme Ayako ... sie muss es bedauern, dass die Wei�en darauf bestanden haben, dass eine ihrer Schwestern dabei ist. Lemai und Desandre haben von uns den h�chsten Rang.� Gabrelle schwenkte r�gend den L�ffel. �Wir haben nur eine Chance, alles zusammenzuhalten; Ihr und ich, wir m�ssen uns �ffentlich Desandres Autorit�t unterwerfen. Wir m�ssen das hin! Das wird auf jeden Fall den Anfang machen, das hoffe ich zumindest. Wenn es uns nur gelingt, ein paar der anderen zu �berzeugen, wird das ein Anfang sein.�</p><p>Toveine holte tief Luft und tat so, als w�rde sie in die Leere starren und nachdenken. Sich einer Schwester zu unterwerfen, die einen h�heren Rang als sie einnahm, war f�r sich genommen keine H�rte. Die Ajahs hatten immer ihre Geheimnisse gehabt und manchmal ein bisschen gegeneinander intrigiert, aber der nun ausgebrochene offene Zwist in der Burg erschreckte sie. Dar�ber hinaus hatte sie gelernt, wie sie sich vor Herrin Doweel dem�tig geben musste. Ob der Frau die Armut und die Arbeit auf einem Bauernhof f�r eine noch r�cksichtslosere Herrin, als sie es gewesen war, wohl gefiel?</p><p>�Ich kann mich dazu �berwinden�, sagte sie schlie�lich. �Wir sollten einen Plan haben, den wir Desandre und Lemai pr�sentieren k�nnen, wenn wir sie �berzeugen wollen.� Sie hatte bereits einen geschmiedet, zumindest einen Anfang, auch wenn er nicht f�r die Augen anderer bestimmt gewesen war. �Oh, Gabrelle, das Wasser kocht.�</p><p>Mit einem pl�tzlichen L�cheln stand die n�rrische Frau auf und eilte zum Herd. Wenn man so dar�ber nachdachte, waren die Braunen schon immer besser im Lesen von B�chern als von Menschen gewesen. Bevor sie Logain und Taim und den Rest von ihnen vernichteten, w�rden sie Toveine Gazal helfen, Elaida zu st�rzen.</p><p>Die gro�e Stadt Cairhien war eine riesige, sich auft�rmende Masse, die von gewaltigen Mauern umschlossen wurde, unmittelbar am Fluss Alguenya. Der Himmel war klar und wolkenlos, aber es wehte ein kalter Wind, und die Sonne fiel auf schneebedeckte D�cher und funkelte auf Eiszapfen, die keinerlei Anstalten machten zu schmelzen. Der Alguenya war nicht zugefroren, aber kleine, gezackte Eisschollen von weiter flussaufw�rts trieben in der Str�mung und prallten gegen die R�mpfe der Schiffe, die an den Docks auf das Entladen warteten. Winter, Krieg und der Wiedergeborene Drache sorgten daf�r, dass der Handel zur�ckging, aber er h�rte nie ganz auf, nicht bevor Nationen endg�ltig am Boden waren. Die Stra�en, welche die terassenf�rmigen H�gel der Stadt durchschnitten, waren trotz der K�lte voller Menschen, Wagen und Karren. �Die Stadt�, wie man sie hier nannte.</p><p>Eine gewaltige Menschenmenge dr�ngte sich vor dem Sonnenpalast mit seinen rechteckigen T�rmen um die lange Auffahrt, die am Tor endete, und starrte zu ihm hinauf. Kaufleute in ihren warmen Wollsachen und Adlige im Samt und Seide standen Schulter an Schulter mit Tagel�hnern mit schmutzigen Gesichtern und noch schmutzigeren Fl�chtlingen. Niemanden k�mmerte es, neben wem er stand, und selbst die Beutelschneider verga�en, ihrem Handwerk nachzukommen. M�nner und Frauen gingen fort, oftmals kopfsch�ttelnd, aber andere nahmen ihren Platz ein; gelegentlich wurde ein Kind in die H�he gehalten, damit es den zerst�rten Fl�gel des Palasts besser sehen konnte, an dem Arbeiter die Tr�mmer des dritten Stockwerks wegschafften. Ganz Cairhien war erf�llt von dem H�mmern der Handwerker und den quietschenden Achsen der Wagen, den Anpreisungen der Ladenbesitzer, den Beschwerden der Kunden und dem Murmeln der Kaufleute. Die Menge vor dem Palast aber war stumm.</p><p>Eine Meile vom Palast entfernt stand Rand am Fenster der Akademie von Cairhien, wie man sie gro�spurig benannt hatte, und schaute durch die beschlagenen Scheiben auf den gepflasterten Stallhof in der Tiefe. Zu Artur Falkenfl�gels Zeit und auch davor hatte es Akademien genannte Schulen gegeben, Zentren des Lernens, in denen es nur so vor Gelehrten aus allen Ecken der bekannten Welt wimmelte. Die Selbst�bersch�tzung machte keinen Unterschied; sie h�tten es seinetwegen auch Scheune nennen k�nnen, solange hier sein Wille erf�llt wurde. Dr�ngendere Sorgen f�llten seine Gedanken. War die fr�he R�ckkehr nach Cairhien ein Fehler gewesen? Aber alles war viel zu schnell gegangen, er hatte unvermutet fliehen m�ssen, also w�rde man in den Gem�chern, auf die es ankam, wissen, dass er tats�chlich geflohen war. Zu schnell, um f�r alles Vorbereitungen treffen zu k�nnen. Es gab Fragen, die er stellen musste, und Aufgaben, die nicht aufgeschoben werden konnten. Und Min wollte noch mehr von Meister Fels B�chern.</p><p>Sie murmelte leise vor sich hin, w�hrend sie die Regale durchst�berte, wo man sie nach Fels Tod aufbewahrt hatte. Dank des Kopfgeldes f�r B�cher und Manuskripte, die der Akademie noch fehlten, entwuchs die Bibliothek schnell den R�umen, die f�r sie in Lord Barthanes' ehemaligem Palast bereitgestellt worden waren. Alanna spukte in Rands Hinterkopf herum und schmollte anscheinend; sie w�rde wissen, dass er in der Stadt war. Bei einer solchen N�he w�rde sie einfach zu ihm kommen k�nnen, aber er w�rde es wissen, falls sie es versuchte. Gl�cklicherweise war Lews Therin im Augenblick still. In letzter Zeit erschien der Mann verr�ckter denn je zuvor.</p><p>Er rieb mit dem �rmel seines Mantels ein St�ck der Fensterscheibe frei. Dunkelgraue Wolle; sicher gut genug f�r einen Mann mit etwas Geld und edlem Gebaren, aber nicht die Art von Kleidung, die man bei dem Wiedergeborenen Drachen erwarten w�rde. Der Drachenkopf mit der goldenen M�hne auf seinem Handr�cken glitzerte metallisch; hier an diesem Ort stellte er keine Gefahr dar. Als er sich vorbeugte, um hinauszuschauen, ber�hrte sein Stiefel die Ledertasche, die unter dem Fenster stand.</p><p>Unten hatte man die Pflastersteine vom Schnee ges�ubert, dort stand ein gro�er Wagen, der von Eimern umgeben wurde � sie sahen aus wie Pilze auf einer Lichtung. Ein halbes Dutzend M�nner in dicken M�nteln und mit Schals und M�tzen schien an der seltsamen Fracht des Wagens zu arbeiten, mechanischen Ger�ten, die sich um den dicken Eisenzylinder dr�ngten, der mehr als die H�lfte der Ladefl�che einnahm. Noch seltsamer mutete an, dass die Wagendeichsel fehlte. Einer der M�nner lud Holzscheite von einer gro�en Schubkarre in eine Eisenkiste, die unter dem Zylinder befestigt war. Die offene Klappe der Kiste leuchtete durch das in ihrem Inneren prasselnde Feuer, und aus dem hohen, schmalen Schornstein quoll Rauch. Ein anderer Mann � er hatte einen Bart, einen kahlen Kopf und trug keine M�tze � tanzte um den Wagen herum, gestikulierte und br�llte Befehle, die die anderen sich anscheinend nicht schneller bewegen lie�en. Ihr Atem erschuf kleine, kaum zu sehende Dampfwolken. Drinnen war es beinahe warm; die Akademie hatte gro�e �fen in den Kellergew�lben und ein ausgedehntes Rohrsystem. Die zur H�lfte verheilte Wunde in seiner Seite, die niemals richtig heilen w�rde, f�hlte sich hei� an.</p><p>Er konnte Mins Fl�che nicht verstehen � er war davon �berzeugt, dass es Fl�che waren �, aber ihr Tonfall reichte aus, um ihm klarzumachen, dass sie nicht gehen w�rden, es sei denn, er schleppte sie mit Gewalt fort. Nun, es gab ein oder zwei Dinge, nach denen er sich in der Zwischenzeit erkundigen konnte. �Was sagen die Leute? �ber den Palast?�</p><p>�Was man erwarten konnte�, antwortete Lord Dobraine hinter ihm mit ruhiger Geduld, so wie er auch alle anderen Fragen beantwortet hatte. Selbst wenn er mangelndes Wissen zugeben musste, hatte sich sein Tonfall nicht ver�ndert. �Einige sagen, die Verlorenen h�tten Euch angegriffen, oder die Aes Sedai. Diejenigen, die der �berzeugung sind, Ihr h�ttet dem Amyrlin-Sitz die Treue geschworen, ziehen die Verlorenen vor. Wie dem auch sei, es wird heftig dar�ber diskutiert, ob Ihr tot, entf�hrt oder geflohen seid. Die meisten glauben, dass Ihr noch unter den Lebenden weilt, an welchem Ort auch immer, oder zumindest sagen sie das. Einige, wie ich f�rchte, eine ganze Menge, glauben ...� Er verstummte.</p><p>�Dass ich wahnsinnig geworden bin�, vollendete Rand f�r ihn den Satz in dem gleichen ruhigen Tonfall. Das war keine Sache, derentwegen man sich Sorgen machen musste. �Dass ich selbst einen Teil des Palasts zerst�rt habe?� Er w�rde die Toten nicht erw�hnen. Es waren weniger als bei anderen Gelegenheiten, an anderen Orten, aber es waren genug, und einige der Namen kamen ihm jedes Mal in den Sinn, wenn er die Augen schloss. Auf dem Hof kletterte einer der M�nner vom Wagen, aber der Kahlkopf packte ihn beim Arm und stie� ihn wieder hinauf, dann lie� er sich von ihm zeigen, was er gemacht hatte. Auf der anderen Seite sprang ein Mann unvorsichtig zu Boden und rutschte aus, und der Kahlkopf lie� den ersten los, um sogleich um den Wagen zu eilen und den Abgesprungenen dazu zu bringen, mit ihm zusammen wieder hinaufzuklettern. Was beim Licht taten sie da blo�? Rand warf einen Blick �ber die Schulter. �Sie liegen gar nicht mal weit daneben.�</p><p>Dobraine Taborwin, ein kleiner Mann, dessen Kopf an der Vorderseite glatt geschoren und auf formelle Weise gepudert war, w�hrend der Rest seines Haars beinahe vollst�ndig ergraut war, erwiderte den Blick mit dunklen, teilnahmslosen Augen. Er war kein ansehnlicher Mann. Blaue und wei�e Streifen zierten die Vorderseite seines dunklen Samtmantels vom Hals bis fast zu den Knien. Sein Siegelring war ein Rubin, am Kragen trug er noch einen, der nicht viel gr��er war; f�r einen Cairhiener war das beinahe schon extravagant. Er war der Hohe Herr seines Hauses und hatte mehr Schlachten erlebt als die meisten, und es gab nicht viel, das ihn �ngstigte. Das hatte er bei den Quellen von Dumai bewiesen.</p><p>Anderseits, die kr�ftig gebaute, langsam grau werdende Frau, die neben ihm geduldig darauf wartete, dass sie an die Reihe kam, schien genauso furchtlos zu sein. Idrien Tarsins Kleidung stand im scharfen Kontrast zu Dobraines adliger Eleganz, ihr schmuckloses braunes Wollgewand h�tte auch zu einer einfachen Ladenbesitzerin gepasst. Dennoch hatte sie ihren eigenen Quell der W�rde und Autorit�t. Idrien war die Vorsteherin der Akademie; diesen Titel hatte sie sich selbst verliehen, da die meisten der Gelehrten und Mechaniker sich Meister von diesem oder Herrin von jenem nannten. Sie f�hrte die Schule mit fester Hand und glaubte an praktische Dinge wie neue Methoden zur Stra�enpflasterung oder Kleidungsf�rbemittel, Verbesserungen in M�hlen und Gie�ereien. Au�erdem glaubte sie an den Wiedergeborenen Drachen. Ob das nun vern�nftig war oder nicht, auf jeden Fall war es pragmatisch, und damit w�rde er sich zufrieden geben.</p><p>Er wandte sich wieder dem Fenster zu und wischte das Glas an der gleichen Stelle frei. Vielleicht sollte mit der Konstruktion ja Wasser erhitzt werden � einige der Eimer schienen noch immer Wasser zu enthalten; in Schienar benutzte man gro�e Kessel, um Badewasser zu erhitzen �, aber warum auf einem Wagen? �Ist seit meinem Weggang jemand pl�tzlich verschwunden? Oder unerwartet eingetroffen?�</p><p>Er rechnete nicht damit, jedenfalls nicht mit jemandem, der irgendwie wichtig f�r ihn war. Bei all den Brieftauben der Kaufleute und den Augen-und-Ohren der Wei�en Burg und von Mazrim Taim � er durfte Taim nicht vergessen; der Name lie� Lews Therin wortlos knurren �, bei all den Brieftauben und Spionen und schnatternden M�ndern w�rde in ein paar Tagen die ganze Welt wissen, dass er aus Cairhien verschwunden war. Die ganze Welt, die im Augenblick von Bedeutung war. Cairhien war nicht l�nger der Ort, an dem die Schlacht stattfinden w�rde. Dobraines Antwort �berraschte ihn.</p><p>�Niemand, ausgenommen von ... Seit dem ... Angriff wird Ailil Riatin und eine hohe W�rdentr�gerin des Meervolks vermisst.� Ein winziges Stocken, aber immerhin ein Stocken. Vielleicht war auch er sich nicht sicher, was geschehen war. Und doch w�rde er Wort halten. Auch das hatte er an den Quellen von Dumai bewiesen. �Es sind keine Leichen gefunden worden, aber m�glicherweise sind sie get�tet worden. Allerdings weist die Herrin der Wogen diese M�glichkeit weit von sich. Sie macht viel Wind mit ihren Forderungen und besteht darauf, dass man ihr ihre Frau bringt. Es ist durchaus m�glich, dass Ailil aufs Land geflohen ist. Oder sich trotz ihres Eides, den sie Euch geschworen hat, ihrem Bruder angeschlossen hat. Eure drei Asha'man sind noch immer im Palast. Flinn, Narishma und Hopwil. Sie machen die Leute nerv�s. Jetzt noch mehr als je zuvor.� Die Vorsteherin r�usperte sich, ihre Schuhe glitten deutlich h�rbar �ber den Holzfu�boden. Sie machten sie auf jeden Fall nerv�s.</p><p>Rand verbannte die Asha'man aus seinen Gedanken. Keiner von ihnen war stark genug, um zu f�hlen, dass er ein Wegetor hierher ge�ffnet hatte, dazu h�tten sie schon n�her sein m�ssen als im Palast. Diese drei hatten an dem Angriff auf ihn nicht teilgenommen, aber ein kluger Planer h�tte die M�glichkeit eines Fehlschlags vielleicht in Betracht gezogen. H�tte daf�r gesorgt, dass im Fall seines �berlebens jemand in seiner N�he war. �Du wirst nicht �berleben�, wisperte Lews Therin. �Keiner von uns wird �berleben.�</p><p><emphasis>Schlaf weiter,</emphasis> dachte Rand gereizt. Er wusste, dass er nicht �berleben w�rde. Aber er wollte es. In seinem Kopf erscholl ein ver�chtliches Lachen als Antwort, aber der Laut wurde schw�cher und verschwand. Der Kahlkopf lie� die anderen jetzt vom Wagen steigen und rieb sich zufrieden die H�nde. Jetzt schien er auch noch eine Ansprache halten zu wollen!</p><p>�Ailil und Shalon sind am Leben, und sie sind nicht geflohen�, sagte Rand laut. Er hatte sie gefesselt und geknebelt unter einem Bett versteckt, wo sie die Diener ein paar Stunden sp�ter gefunden h�tten. Die Abschirmung, mit der er die Windsucherin des Meervolkes umgeben hatte, h�tte sich einige Zeit davor aufl�sen m�ssen. Dann h�tten die beiden Frauen in der Lage sein m�ssen, sich selbst zu befreien. �Fragt Cadsuane. Sie wird sie in Lady Arilyns Palast gebracht haben.�</p><p>�Cadsuane Sedai geht im Sonnenpalast ein und aus, als w�rde er ihr geh�ren�, sagte Dobraine mit wohl �berlegten Worten, �aber wie h�tte sie die Frauen ungesehen herausbringen sollen? Und warum? Ailil ist Torams Schwester, doch sein Anspruch auf den Sonnenthron ist nichts mehr wert, falls er �berhaupt jemals einen Wert hatte. Und eine hochrangige Atha'an Miere festzuhalten ... Zu welchem Zweck?�</p><p>Rand lie� seine Stimme unbeschwert klingen, als w�re es ihm egal. �Warum h�lt sie Lady Caraline und den Hochlord Darlin als ihre �G�ste� fest, Dobraine? Warum tun Aes Sedai �berhaupt etwas? Ihr werdet sie dort finden, wo ich sagte. Falls sie Euch den Zugang gew�hrt und nachsehen l�sst.� Dobraines Fragen waren nicht dumm gewesen. Er wusste darauf nur keine Antwort. Nat�rlich repr�sentierten Caraline Damodred und Ailil Riatin die letzten beiden H�user, die den Sonnenthron innegehabt hatten. Und Darlin Sisnera war der Anf�hrer der Adligen von Tear gewesen, die ihn aus ihrem kostbaren Stein hatten vertreiben wollen.</p><p>Rand runzelte die Stirn. Er war davon �berzeugt gewesen, dass sich Cadsuane auf seine Person konzentrierte, auch wenn sie nach au�en hin stets einen anderen Eindruck hinterlie�, aber was war, wenn dies gar kein T�uschungsman�ver war? Es w�re eine Erleichterung gewesen, wenn es sich so verhielt. Nat�rlich. Das Letzte, was er jetzt brauchen konnte, war eine Aes Sedai, die glaubte, sich in seine Angelegenheiten einmischen zu k�nnen. Das Allerletzte. Vielleicht richtete Cadsuane ihre ungefragte Einmischung in andere Richtungen. Min hatte gesehen, wie Sisnera eine seltsame Krone trug; �ber diese Vision hatte er viel nachgedacht. Im Gegensatz zu anderen Dingen, die sie gesehen hatte, in denen es um ihn und die Gr�ne Schwester gegangen war. War es m�glicherweise ganz einfach? Glaubte Cadsuane, sie k�nnte bestimmen, wer sowohl �ber Tear wie auch Cairhien herrschte?</p><p>Einfach? Beinahe h�tte er gelacht. Aber so verhielten sich Aes Sedai nun einmal. Und Shalon, die Windsucherin? Sie in ihrer Gewalt zu haben w�rde Cadsuane m�glicherweise ein Druckmittel gegen Harine, die Herrin der Wogen, in die Hand geben, aber er vermutete vielmehr, dass sie einfach zusammen mit Ailil aufgegriffen worden war und man zu verschleiern versuchte, wer die Adlige entf�hrt hatte. Man w�rde Cadsuane eines Besseren belehren. Es war bereits entschieden worden, wer �ber Tear und Cairhien herrschte. Das w�rde er ihr sagen m�ssen. Sp�ter. Das stand ganz weit unten auf der Liste seiner Priorit�ten.</p><p>�Dobraine, bevor ich gehe, muss ich Euch...� Die Worte erstarben auf seiner Zunge.</p><p>Auf dem Hof hatte der Kahlk�pfige auf dem Wagen einen Hebel bewegt, und pl�tzlich hob sich das Ende einer langen horizontalen Stange und senkte sich wieder, dabei trieb sie eine k�rzere Stange in ein in die Ladefl�che geschnittenes Loch. Und der ganze Wagen vibrierte, bis er scheinbar kurz vor dem Auseinanderfallen stand, und der Schornstein spuckte Rauch aus, und dann setzte sich das Gef�hrt ruckelnd in Bewegung; die Stangen hoben und senkten sich, zuerst langsam und dann immer schneller. Der Wagen fuhr, ohne Pferde!</p><p>Rand war sich nicht bewusst, dass er es laut ausgesprochen hatte, bis ihm die Vorsteherin antwortete.</p><p>�Ach, das! Das ist Mervin Poels Dampfwagen, wie er ihn nennt, mein Lord Drache.� Ihre hohe, �berraschend jugendliche Stimme troff vor Missbilligung. �Behauptet, er k�nnte mit diesem neumodischen Apparat hundert Wagen ziehen. Aber zuerst muss er mal daf�r sorgen, dass er weiter als f�nfzig Schritte f�hrt, ohne dass Teile brechen oder festklemmen. Meines Wissens nach ist ihm das erst einmal gelungen.�</p><p>Tats�chlich kam der � Dampfwagen? � keine zwanzig Schritte von seinem Ausgangsort entfernt ruckelnd zum Stehen. Ruckelnd war das richtige Wort; er schien sich bei jedem Herzschlag st�rker gesch�ttelt zu haben. Die meisten der M�nner st�rzten sich wieder auf ihn, einer von ihnen kurbelte mit einer tuchumwickelten Hand wie wild an etwas herum. Pl�tzlich schoss Dampf aus einem Rohr und das Sch�tteln nahm ab und h�rte schlie�lich ganz auf.</p><p>Rand sch�ttelte den Kopf. Ihm war wieder eingefallen, dass er diesen Mervin schon einmal gesehen hatte, und zwar mit einem Apparat, der auf einer Tischplatte vor sich hinruckelte, sonst aber nichts tat. Und dieses Wunder dort unten war daraus entstanden? Er hatte gedacht, der kleine Apparat sollte Musik machen. Der Mann, der herumsprang und den anderen mit den F�usten drohte, musste Mervin sein. Welche anderen seltsamen Dinge, welche Wunder waren von den Leuten hier in der Akademie wohl noch zu erwarten?</p><p>Als er danach fragte, wobei er noch immer die M�nner bei ihrer Arbeit an dem Wagen beobachtete, schniefte Idrien laut. Als sie sprach, war nur ein Hauch Respekt f�r den Wiedergeborenen Drachen aus ihrer Stimme herauszuh�ren, und selbst der wurde schnell von Unverst�ndnis ersetzt. �Schlimm genug, dass ich Philosophen und Historiker und Arithmetiker und dergleichen mehr Platz einr�umen muss, aber Euer Befehl lautete, jeden aufzunehmen und bleiben zu lassen, wenn er Fortschritte macht. Ich sch�tze, Ihr hattet auf Waffen gehofft, aber jetzt habe ich Dutzende von Tr�umern und Tunichtguten am Hals, von denen jeder alte B�cher oder Manuskripte hat, die <emphasis>alle</emphasis> zum Vertrag der Zehn Nationen zur�ckdatieren, wenn nicht gleich zum Zeitalter der Legenden � zumindest behaupten sie das �, und sie alle versuchen, Pl�ne und Zeichnungen und Beschreibungen von Dingen zu verstehen, die sie nie gesehen haben, die m�glicherweise nie jemand zu Gesicht bekommen hat. Ich habe alte Manuskripte gelesen, in denen von Menschen mit Augen im Bauch die Rede ist, und von zehn Fu� hohen Tieren mit Sto�z�hnen, die l�nger als jeder Mann sind, und St�dten, in denen ...�</p><p>�Aber was machen sie, Vorsteherin Tarsin?�, wollte Rand wissen. Die M�nner, die dort unten an dem Aufbau arbeiteten, bewegten sich zielgerichtet und nicht, als w�rden sie mit einem Fehlschlag rechnen. Und der Wagen hatte sich bewegt.</p><p>Diesmal schniefte sie lauter. �Nur Unsinn, mein Lord Drache, das machen sie. Kin Tovere hat sein gro�es Sehrohr konstruiert. Damit kann man den Mond so deutlich wie seine eigene Hand sehen, und andere Dinge, von denen er behauptet, es seien andere Welten, aber was soll man damit anfangen k�nnen? Und jetzt will er ein noch gr��eres bauen. Maryl Harke baut gewaltige Drachen, die sie Segelflieger nennt, und im kommenden Fr�hling wird sie sich wieder von H�geln st�rzen. L�sst einem das Herz stocken, wenn man zusieht, wie sie damit in die Tiefe segelt; ich bin fest davon �berzeugt, dass sie sich das n�chste Mal, wenn einer zusammenklappt, mehr als nur den Arm bricht. Jander Parentakis glaubt, er kann Flussboote mit den Wasserr�dern einer M�hle antreiben, aber als er genug M�nner in das Boot steckte, um die Kurbeln zu bedienen, blieb kein Platz mehr f�r die Ladung, und jeder Segler konnte es �berholen. Ryn Anhara f�ngt Blitze in gro�en Kr�gen ein � und ich bezweifle stark, dass nicht mal er wei�, warum er das tut � und Niko Tokama spielt blo� mit ihrem...�</p><p>Rand drehte sich so schnell um, dass sie einen Schritt zur�ckwich, und selbst Dobraine ver�nderte seine Stellung � die Bewegung eines Schwertk�mpfers. Nein, sie waren sich seiner nicht im mindesten sicher. �Er f�ngt den Blitz ein?�, fragte er mit sanfter Stimme.</p><p>Auf ihrem derben Gesicht zeichnete sich Begreifen ab und sie fuchtelte mit den H�nden herum. �Nein, nein! Nicht so ... nicht so!� Nicht so wie Ihr, h�tte sie beinahe gesagt. �Es hat mit Dr�hten und R�dern und gro�en Tonkr�gen und dem Licht wei� was zu tun. Er nennt es Blitzschl�ge, und ich habe mal gesehen, wie eine Ratte auf einen der Kr�ge sprang, auf die Eisenstangen, die oben herausragen. Es sah wirklich so aus, als wenn man vom Blitz getroffen wird.� Ein hoffnungsvoller Ton schlich sich in ihre Stimme ein. �Wenn Ihr w�nscht, kann ich es ihm verbieten.�</p><p>Er versuchte sich vorstellen, wie jemand mit einem Spielzeugdrachen flog, aber das Bild war l�cherlich. Blitze in Kr�gen einzufangen lag jenseits seiner Vorstellungskraft. Und dennoch... �Lasst sie damit weitermachen, Vorsteherin. Wer wei�? Vielleicht wird sich eine dieser Erfindungen noch als bedeutsam herausstellen. Wenn eine wie behauptet funktioniert, gebt Ihr dem Erfinder eine Belohnung.�</p><p>Dobraines von der Sonne verbranntes, lederh�utiges Gesicht sah zweifelnd aus, auch wenn es ihm beinahe gelungen w�re, dies zu verbergen. Idrien neigte den Kopf in m�rrischer Zustimmung und machte sogar einen Hofknicks, aber sie war offensichtlich der Meinung, dass er darum bat, Schweine fliegen zu lassen, falls sie es konnten.</p><p>Rand vermochte nicht zu sagen, ob er ihr da nicht sogar zustimmte. Aber vielleicht <emphasis>w�rden</emphasis> einem der Schweine ja Fl�gel wachsen. Der Wagen <emphasis>hatte</emphasis> sich bewegt. Er wollte unter allen Umst�nden etwas zur�cklassen, etwas, das der Welt half, die erneute Zerst�rung zu �berleben, die er laut den Prophezeiungen anrichten w�rde. Das Problem bestand darin, dass er nicht die geringste Vorstellung hatte, was es sein sollte, wenn man mal von den Schulen selbst absah. Wer konnte schon sagen, was ein Wunder alles bewirken konnte? Licht, er wollte <emphasis>irgendetwas</emphasis> aufbauen, das Bestand hatte.</p><p><emphasis>Ich habe geglaubt, ich k�nnte etwas aufbauen,</emphasis> murmelte Lews Therin in seinem Kopf. <emphasis>Ich habe mich geint. Wir sind keine Baumeister, du nicht, ich nicht und der andere auch nicht. Wir sind Zerst�rer. Zerst�rer.</emphasis></p><p>Rand fr�stelte und fuhr sich mit den H�nden durchs Haar. Der andere? Manchmal klang die Stimme am vern�nftigsten, wenn sie aus den Tiefen des Wahnsinns sprach. Die anderen beobachteten ihn, Dobraine gelang es fast, seine Unsicherheit zu verbergen, w�hrend Idrien erst gar keine Anstalten dazu machte. Rand straffte sich, als w�re alles in Ordnung, und zog zwei d�nne P�ckchen aus dem Mantel. Beide wiesen einen gro�en roten Wachsklumpen mit dem Siegel des Drachen auf. Die G�rtelschnalle, die er im Augenblick nicht trug, diente als eindrucksvoller Siegelring.</p><p>�Das obere Schreiben ernennt Euch zu meinem Verwalter in Cairhien�, sagte er und �berreichte es Dobraine. Ein Drittes ruhte noch an seiner Brust, das Gregorin den Lushenos zum Verwalter von Illian machte. �Also wird es keine Schwierigkeiten geben, dass jemand w�hrend meiner Abwesenheit Eure Autorit�t infrage stellt.� Dobraine konnte derartige Zwistigkeiten mit seinen Soldaten regeln, aber es war besser, daf�r zu sorgen, dass niemand Unwissenheit oder Zweifel vorsch�tzen konnte. Vielleicht w�rde es ja keinen �rger geben, wenn jeder glaubte, dass sich der Wiedergeborene Drache auf die Misset�ter st�rzte. �Dort stehen Befehle hinsichtlich jener Angelegenheiten, die ich erledigt haben will, aber davon abgesehen benutzt Euer eigenes Urteilsverm�gen. Wenn Lady Elayne den Sonnenthron beansprucht, unterst�tzt sie mit all Euren Kr�ften.� Elayne. Oh, beim Licht, Elayne und Aviendha. Wenigstens befanden sie sich in Sicherheit. Mins Stimme klang jetzt gl�cklicher; sie musste Meister Fels B�cher gefunden haben. Er w�rde zulassen, dass sie ihm in den Tod folgte, weil er nicht stark genug war, sie davon abzuhalten. <emphasis>Ilyena,</emphasis> st�hnte Lews Therin. <emphasis>Ilyena, verzeih mir!</emphasis> Rands Stimme war so kalt wie das Herz des Winters. �Ihr werdet wissen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, das andere P�ckchen zu �berreichen. Ob es �berreicht werden muss. Wenn es sein muss, holt ihn dort mit Gewalt raus, und begr�ndet die Entscheidung mit seinem Wortlaut. Falls Ihr Euch dagegen entscheidet oder er sich weigert, suche ich jemanden anderen aus. Nicht Euch.�</p><p>Vielleicht war das br�sk, aber Dobraines Miene ver�nderte sich kaum. Seine Brauen hoben sich etwas, als er den auf das zweite P�ckchen geschriebenen Namen las; das war alles. Er verbeugte sich aalglatt. Cairhiener waren immer aalglatt. �Es wird so geschehen, wie Ihr befehlt. Verzeiht mir, aber Ihr klingt, als w�rdet Ihr f�r lange Zeit fort sein.�</p><p>Rand zuckte mit den Schultern. Er vertraute dem Hochlord so weit, wie er jedem vertraute. Fast so weit. �Wer wei� das schon? Die Zeiten sind unsicher. Sorgt daf�r, dass Vorsteherin Tarsin das Geld bekommt, das sie braucht, genau wie die M�nner, welche die Schule in Caemlyn gr�nden. Das gilt auch f�r die Schule in Tear, bis sich dort die Dinge �ndern.�</p><p>�Wie Ihr befehlt�, wiederholte Dobraine und schob die P�ckchen in seinen Mantel. Sein Gesicht verriet jetzt keinerlei Gef�hlsregung. Dobraine war ein erfahrener Spieler im Spiel der H�user.</p><p>Die Vorsteherin schaffte es, zugleich zufrieden und verstimmt auszusehen, und sie konzentrierte sich darauf, unn�tigerweise ihr Kleid zu gl�tten, so wie es Frauen taten, wenn sie sich M�he gaben, nicht das auszusprechen, was ihnen auf der Zunge lag. Sie mochte sich noch so sehr �ber die Tr�umer und Philosophen beschweren, aber sie wachte eifers�chtig �ber das Wohlergehen der Akademie. Sie w�rde keine Tr�nen vergie�en, wenn die anderen Schulen, verschwanden und ihre Gelehrten gezwungen waren, an die Akademie zu kommen. Sogar die Philosophen. Was w�rde sie wohl von einem ganz bestimmten Befehl in Dobraines P�ckchen halten?</p><p>�Ich habe alles gefunden, was ich brauche�, sagte Min und trat leicht unter dem Gewicht dreier ausgebeulter Stofftaschen schwankend zwischen den Regalen hervor. Ihr einfacher brauner Mantel und die Hose sahen der Kleidung sehr �hnlich, die sie getragen hatte, als er sie vor so langer Zeit das erste Mal in Baerlon gesehen hatte. Aus irgendeinem Grund hatte sie sich so lange �ber sie beklagt, dass jeder, der sie kannte, geglaubt hatte, er h�tte sie gebeten, ein Kleid anzuziehen. Aber jetzt l�chelte sie erfreut und mit einer Spur Durchtriebenheit. �Ich hoffe, die Lastpferde sind noch da, wo wir sie zur�ckgelassen haben, oder wir werden meinem Lord Drachen einen Packsattel anpassen lassen m�ssen.�</p><p>Idrien keuchte voller Entsetzen, als sie h�rte, wie er so angesprochen wurde, aber Dobraine zeigte ein kleines L�cheln. Er hatte Min schon zuvor in Rands N�he erlebt.</p><p>Rand wurde sie so schnell los, wie er konnte � sie hatten so viel gesehen und geh�rt, wie er wollte � und gab ihnen zum Abschluss eines letztes Mal die Mahnung mit auf den Weg, dass er nie da gewesen war. Dobraine nickte, als h�tte er nichts anderes erwartet. Idrien sah nachdenklich aus, als sie ging. Falls sie eine Bemerkung fallen lie�, die ein Diener oder Gelehrter aufschnappte, w�rde in zwei Tagen die ganze Stadt Bescheid wissen. Ihm blieb auf keinen Fall viel Zeit. Vermutlich war niemand, der es wahrnehmen konnte, nahe genug gewesen, um zu sp�ren, wie er ein Wegetor �ffnete, aber jeder, der nach den richtigen Zeichen Ausschau hielt, w�rde mittlerweile wissen, dass ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> in der Stadt war. Aber er wollte noch nicht gefunden werden.</p><p>Als sich die T�r hinter ihnen schloss, musterte er Min einen Augenblick lang, dann nahm er eine der Taschen und schob sich den Trageriemen �ber die Schulter.</p><p>�Nur eine?� Min stellte die anderen auf dem Boden ab, stemmte die F�uste in die H�ften und runzelte die Stirn. �Manchmal bist du wirklich ein Schafhirte. Diese Taschen m�ssen jeweils einen Zentner wiegen.� Aber sie klang eher am�siert als ver�rgert.</p><p>�Du h�ttest dir eben kleinere B�cher aussuchen sollen�, sagte er und zog Reithandschuhe an, um die Drachen zu verbergen. �Oder leichtere.� Er wandte sich dem Fenster zu, um die Ledertasche zu holen, und der Schwindel traf ihn wie eine Welle. Die Knie wurden ihm weich und er taumelte. Vor seinem inneren Auge blitzte ein leuchtendes Gesicht auf, das er nicht erkennen konnte. Mit einer bewussten Anstrengung fing er sich wieder und zwang seine Beine, nicht unter ihm nachzugeben. Und das Gef�hl, umhergewirbelt zu werden, verschwand. Lews Therin keuchte heiser in den Schatten. Konnte es sein Gesicht gewesen sein?</p><p>�Wenn du glaubst, du k�nntest mich dazu bringen, sie den ganzen Weg zu tragen, bist du im Irrtum�, murmelte Min d�ster. �Ich habe schon Stallburschen gesehen, die besser geschauspielert haben. Du k�nntest wenigstens hinfallen.�</p><p>�Diesmal nicht.� Er wusste, was ihn erwartete, wenn er die Macht lenkte; das konnte er bis zu einem gewissen Grade kontrollieren. Normalerweise. Zumindest meistens. Diese Gleichgewichtsst�rungen ohne <emphasis>Saidin</emphasis> waren neu. Vielleicht hatte er sich zu schnell umgedreht. Und vielleicht konnten Schweine <emphasis>tats�chlich</emphasis> fliegen. Er schob sich die Riemen der Ledertasche �ber die freie Schulter. Die M�nner auf dem Hof waren noch immer flei�ig bei der Arbeit. Erschufen etwas. �Min ...�</p><p>Sie runzelte sofort die Stirn, verharrte einen Augenblick lang dabei, ihre roten Handschuhe �berzustreifen und tippte dann mit dem Fu� auf. Bei jeder Frau ein gef�hrliches Zeichen, insbesondere aber bei jenen, die mit einem Messer bewaffnet waren. �Das haben wir besprochen, Rand al'Thor, auch bekannt als der verfluchte Wiedergeborene Drache! Du wirst mich nicht zur�cklassen!�</p><p>�Der Gedanke ist mir nie gekommen�, log er. Er war zu schwach, er konnte sich nicht dazu �berwinden, die Worte auszusprechen, sie zum Bleiben zu �berreden.</p><p><emphasis>Zu schwach,</emphasis> dachte er verbittert, <emphasis>und das k�nnte ihren Tod bedeuten, ach, soll mich das Licht f�r alle Zeiten zu Asche verbrennen!</emphasis></p><p><emphasis>Das wird es auch!,</emphasis> versprach Lews Therin leise.</p><p>�Ich bin nur gerade zu dem Schluss gekommen, dass du wissen solltest, was das hier zu bedeuten hat und wie es weitergeht�, fuhr Rand fort. �Ich sch�tze, ich war nicht sehr mitteilsam.� Er sammelte seine Kr�fte und ergriff <emphasis>Saidin.</emphasis> Das Zimmer schien sich um ihn zu drehen; er ritt die Lawine aus Feuer und Eis und Unreinheit ab, w�hrend �belkeit in seinem Magen brodelte. Aber es gelang ihm, mit erhobenem Kopf zu stehen, ohne zu schwanken. So gerade eben. Wie er es auch nur so gerade eben schaffte, die Machtstr�nge des Wegetors miteinander zu verweben, das sich auf eine verschneite Lichtung �ffnete, auf der zwei gesattelte Pferde an einem niedrigen Ast einer Eiche festgezurrt waren.</p><p>Er sah erleichtert, dass die Pferde noch immer da waren. Die Lichtung war ein gutes St�ck von der n�chsten Stra�e entfernt, aber es gab immer Wanderer, die ihren Familien und H�fen oder ihrem Handwerk den R�cken zugewandt hatten, weil der Wiedergeborene Drache alle Bande zerst�rt hatte. Das sagten die Prophezeiungen. Andererseits waren viele dieser M�nner und Frauen, die jetzt mit wund gelaufenen F��en und halb erfroren umherirrten, die Suche leid, zumal sie nicht wussten, wonach sie eigentlich suchten. Selbst diese unscheinbaren Reittiere w�ren mit Sicherheit von dem ersten Mann mitgenommen worden, der sie allein dort gefunden h�tte. Rand hatte Gold genug, um andere zu kaufen, aber er glaubte nicht, dass Min der einst�ndige Fu�marsch zu dem Dorf, in dem sie die Lasttiere zur�ckgelassen hatten, gefallen w�rde.</p><p>Er eilte durch das Tor auf die Lichtung, gab vor, dass der Wechsel vom ebenen Boden in knietiefen Schnee an seinem Stolpern Schuld war, und wartete kaum ab, bis sie ihre B�chertaschen ergriffen und ihm m�hsam gefolgt war, bevor er die Macht loslie�. Sie waren f�nfhundert Meilen von Cairhien entfernt und n�her an Tar Valon als an jedem anderen halbwegs wichtigen Ort. Alanna war in seinen Gedanken verblasst, nachdem sich das Tor geschlossen hatte.</p><p>�Nicht sehr mitteilsam?�, sagte Min voller Misstrauen. Er hoffte, es galt seinen Motiven oder sonst etwas, nur nicht der Wahrheit. Das Schwindelgef�hl und die �belkeit schwanden langsam. �Rand, du warst so offen wie eine Miesmuschel, aber ich bin nicht blind. Zuerst sind wir nach Rhuidean gereist, wo du so viele Fragen �ber diesen Ort namens Shara gestellt hast, dass jeder zu dem Schluss kommen musste, du wolltest dorthin.� Mit einem leichten Stirnrunzeln sch�ttelte sie den Kopf, w�hrend sie eine ihrer Lasten an dem Sattel ihres braunen Pferdes befestigte. Die Anstrengung lie� sie �chzen, aber sie hatte nicht vor, die andere B�chertasche im Schnee abzusetzen. �Ich h�tte mir die Aiel-W�ste niemals so vorgestellt. Diese Stadt ist gr��er als Tar Valon, selbst wenn sie zur H�lfte zerst�rt ist. Und all diese Brunnen und der See... Ich konnte nicht mal bis zum anderen Ufer sehen. Ich dachte immer, in der W�ste g�be es kein Wasser. Und es war kalt da; ich dachte immer, in der W�ste w�re es hei�!�</p><p>�Im Sommer gl�hst du am Tag, aber in der Nacht frierst du.� Er f�hlte sich erholt genug, um seine eigenen Lasten am Sattel des Grauen zu befestigen. Fast erholt genug. Er tat es trotzdem. �Wenn du schon alles wei�t, was habe ich denn au�er Fragen zu stellen noch gemacht?�</p><p>�Das Gleiche wie in Tear letzte Nacht. Daf�r gesorgt, dass jede Katze und jede Amsel von deiner Anwesenheit erfuhr. In Tear hast du dich nach Chachin erkundigt. Es ist offensichtlich. Du willst jeden verwirren, der herauszufinden versucht, wo du als N�chstes hingehst und was du dort im Schilde f�hrst.� Die zweite B�chertasche st�tzte die erste hinter ihrem Sattel, und sie band die Z�gel los und stieg auf. �Also, bin ich blind?�</p><p>�Du hast die Augen eines Adlers.� Er hoffte, seine Verfolger sahen genauso klar. Oder derjenige, der ihnen Befehle gab. Es w�re schlecht gewesen, wenn sie sonst wo hingeeilt w�ren. �Ich glaube, ich muss noch ein paar falsche Spuren legen.�</p><p>�Warum sich die Zeit dazu nehmen? Ich wei�, dass du einen Plan hast, ich wei� auch, dass es mit etwas in dieser Ledertasche zu tun hat � ist es ein <emphasis>Sa'angreall �,</emphasis> und ich wei�, dass es wichtig ist. Sieh nicht so �berrascht aus. Du l�sst diese Tasche doch so gut wie keinen Augenblick aus den Augen. Warum f�hrst du also nicht deinen Plan aus und legst dann falsche Spuren? Und nat�rlich die Richtige. Du hast gesagt, du wirst dich um sie k�mmern, wenn sie es am wenigsten erwarten. Das kannst du kaum tun, wenn sie dir nicht dorthin folgen, wo du sie haben willst.�</p><p>�Ich w�nschte, du h�ttest niemals angefangen, Herid Fels B�cher zu lesen�, murrte er und zog sich auf den Sattel des Grauen. In seinem Kopf drehte sich alles nur leicht. �Du entr�tselst zu viel. Kann ich �berhaupt noch etwas vor dir geheim halten?�</p><p>�Das konntest du noch nie, Wollkopf�, sagte sie lachend. �Wie sieht dein Plan denn nun aus? Mal davon abgesehen, Dashiva und den Rest zu t�ten. Ich habe das Recht, es zu erfahren, wenn ich dich begleite.� Als h�tte sie nicht darauf bestanden, ihn zu begleiten.</p><p>�Ich werde die m�nnliche H�lfte der Quelle reinigen�, sagte er tonlos. Eine gewaltige Ank�ndigung. Ein gro�er Plan, sogar mehr als gro�. Hochtrabend, w�rden die meisten sagen. Nach Mins Reaktion zu urteilen, h�tte er genauso gut verk�nden k�nnen, dass er einen Nachmittagspaziergang machen wollte. Sie legte die zusammengefalteten H�nde auf den Sattelknauf und sah ihn einfach nur an, bis er fortfuhr.</p><p>�Ich wei� nicht, wie lange es dauern wird, und sobald ich damit angefangen habe, wird vermutlich jeder Machtlenker im Umkreis von tausend Meilen wissen, dass etwas geschieht. Ich bezweifle, dass ich einfach aufh�ren kann, sollten Dashiva und der Rest oder die Verlorenen pl�tzlich auftauchen, um sich die Sache anzusehen. Gegen die Verlorenen kann ich nichts tun, aber mit etwas Gl�ck kann ich die anderen erledigen.� Er war <emphasis>Ta'veren,</emphasis> vielleicht w�rde ihm das den Vorteil bescheren, den er so verzweifelt brauchte.</p><p>�Verlass dich auf das Gl�ck, und Corlan Dashiva oder die Verlorenen werden dich zum Fr�hst�ck verspeisen�, sagte sie und lenkte ihr Pferd von der Lichtung. �Vielleicht f�llt mir eine bessere Methode ein. Komm jetzt. In dieser Herberge wartet ein warmes Feuer. Ich hoffe, du wirst uns vor unserem Aufbruch eine warme Mahlzeit g�nnen.�</p><p>Rand starrte ungl�ubig hinter ihr her. Man h�tte denken k�nnen, dass f�nf abtr�nnige Asha'man weniger Anlass zur Sorge gaben als ein entz�ndeter Zahn � von den Verlorenen ganz zu schweigen. Er trieb den Grauen so heftig an, dass der Schnee spritzte, holte sie ein und ritt schweigend an ihre Seite. Es gab ein paar Dinge, die er noch vor ihr geheim halten konnte, zum Beispiel diese Krankheit, die ihm zusetzte, wenn er die Macht lenkte. Das war der wahre Grund, warum er sich zuerst um Dashiva und die anderen k�mmern musste. Es verschaffte ihm Zeit, die Krankheit zu �berwinden. Falls das m�glich war. Wenn nicht, war es fraglich, ob die beiden <emphasis>Ter'angreale,</emphasis> die er hinter dem Sattel transportierte, �berhaupt von irgendeinem Nutzen sein w�rden.</p></section><section><title><p>1</p><p>Abreise vom Propheten</p></title><p>Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und vergehen und lassen Erinnerungen zur�ck, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen und sogar der Mythos ist lange vergessen, wenn das Zeitalter wiederkehrt, aus dem er geboren wurde. In einem Zeitalter, das von einigen das Dritte Zeitalter genannt wurde, einem Zeitalter, das noch kommen sollte, einem lange vergangenen Zeitalter, erhob sich �ber dem Aryth-Meer ein Wind. Der Wind war nicht der Anfang. Es gibt bei der Drehung des Rades der Zeit keinen Anfang und kein Ende. Aber es war ein Anfang.</p><p>Der Wind �ber den kalten, graugr�nen Wellenbergen wehte nach Osten in Richtung Tarabon, wo die Schiffe bereits entladen wurden oder darauf warteten, in den Hafen von Tanchico einfahren zu d�rfen und darum meilenweit entlang der niedrigen K�stenlinie vor Anker gingen. Der gro�e Hafen wimmelte vor Schiffen, gro�en und kleinen, und Barken brachten Leute und Frachtgut an Land, denn an keinem der st�dtischen Docks gab es auch nur eine freie Anlegestelle. Die Bewohner von Tanchico waren voller Furcht gewesen, als die Stadt an ihre neuen Herren fiel mit ihren seltsamen Br�uchen und merkw�rdigen Kreaturen und den an einer Leine gef�hrten Frauen, die die Eine Macht lenken konnten, und die Furcht kehrte zur�ck, als diese Flotte, deren Gr��e jede Vorstellungskraft sprengte, erschien und nicht nur Soldaten entlud, sondern auch emsige Kaufleute und Handwerker mit ihrem Werkzeug und ganze Familien mit Wagen voller Bauernger�tschaften und unbekannten Pflanzen. Allerdings gab es einen neuen K�nig und einen neuen Panarchen, um Gesetze zu erlassen, doch auch wenn der K�nig und der Panarch einer in weiter Ferne lebenden Kaiserin den Gehorsam schuldeten und seanchanische Adlige viele der Pal�ste besetzten und tiefere Gehorsamsbezeugungen verlangten als jeder tarabonische Lord oder seine Lady, hatte sich das Leben der meisten Menschen kaum ver�ndert, und wenn, dann h�chstens zum Besseren. Der seanchanische Adel hatte nur wenig Kontakt mit dem gew�hnlichen Volk, und mit seltsamen Br�uchen konnte man leben.</p><p>Die Anarchie, die das Land gespalten hatte, war nur noch eine Erinnerung, und der Hunger mit ihr. Die Rebellen und Banditen und Drachenverschworenen, die das Land wie eine Plage heimgesucht hatten, waren tot oder gefangen, und diejenigen, die sich nicht ergeben hatten, waren nach Norden auf die Ebene von Almoth gedr�ngt worden, und der Handel war wieder in Schwung gekommen. Die Horden hungernder Fl�chtlinge, welche die Stra�en der Stadt verstopft hatten, waren wieder in ihren D�rfern und auf ihren Bauernh�fen. Und von den Neuank�mmlingen blieben nie mehr in Tanchico, als die Stadt m�helos ern�hren konnte. Trotz des Schnees schw�rmten Tausende und Zehntausende Soldaten, Kaufleute, Handwerker und Bauern ins Landesinnere und der eisige Wind peitschte ein Tanchico, in dem Frieden herrschte und das nach den schweren Heimsuchungen gr��tenteils mit seinem Los zufrieden war.</p><p>Der Wind wehte weiter nach Osten, viele Meilen weit, schoss als B�e hernieder und dann wieder als Lufthauch, teilte sich auf, ohne jemals zum Erliegen zu kommen, fuhr nach Osten und drehte nach S�den ab, flog �ber W�lder und Ebenen, die mit kahlen �sten und braunem Gras fest im Griff des Winters waren, und �berquerte schlie�lich die einstige Grenze zwischen Tarabon und Amadicia. Es war noch immer eine Grenze, wenn auch nur dem Namen nach, die Zollposten waren abgebaut und die Grenzw�chter abgezogen. Der Wind wehte nach Osten und S�den, ber�hrte die s�dlichen Ausl�ufer der Verschleierten Berge und wirbelte um das von hohen Mauern umgebene Amador. Das eroberte Amador. Das Banner oben auf der gewaltigen Festung des Lichts flatterte im Wind, und der goldene Falke, den es zeigte, schien sich mit Blitzen in den Krallen in die L�fte zu erheben.</p><p>Nur wenige Einheimische verlie�en ihre H�user, und dann auch nur, wenn es unvermeidlich war, und sie eilten die vereisten Stra�en in ihre Umh�nge geh�llt und mit gesenktem Blick entlang. Doch nicht nur, um die glatten Pflastersteine im Auge zu behalten und nicht auszurutschen, sondern weil sie die vereinzelten Seanchaner nicht ansehen wollten, die auf Bestien vorbeiritten, die bronzeschuppigen Katzen in der Gr��e von Pferden �hnelten, oder die mit Stahl verschleierten Taraboner, die Gruppen der ehemaligen Kinder des Lichts bewachten, die nun in Ketten gelegt wie Tiere arbeiteten, um Wagen mit M�ll aus der Stadt zu ziehen. Kaum anderthalb Monate unter der Herrschaft der Seanchaner, f�hlten die Menschen von Amadicias Hauptstadt den schneidenden Wind wie eine Gei�el, und diejenigen unter ihnen, die ihr Schicksal nicht verfluchten, gr�belten stattdessen dar�ber, welche S�nden ihnen das wohl eingebracht hatten.</p><p>Der Wind zog weiter nach Osten �ber ein verw�stetes Land, in dem es genauso viele verbrannte D�rfer und zerst�rte Bauernh�fe gab wie solche, in denen es noch Menschen gab. Der Schnee bedeckte gleicherma�en verkohlte Balken und verlassene Scheunen und machte den Anblick ertr�glicher, w�hrend er gleichzeitig daf�r sorgte, dass Erfrieren als zus�tzliche Todesart zum Verhungern hinzukam. Schwert und Axt und Speer hatten bereits ihren Besuch abgestattet und blieben, um erneut zu t�ten. Und weiter wehte der Wind nach Osten, wo er wie ein Totenlied �ber dem mauerlosen Abila heulte. Auf den Wacht�rmen der Stadt flatterten keine Banner, denn hier residierte der Prophet des Lord Drachen, und der Prophet brauchte au�er seinem Namen kein Banner. In Abila zitterten die Menschen mehr bei der Erw�hnung des Namens des Propheten, als es der Wind je vermocht h�tte. An anderen Orten brachte der Name ebenfalls Menschen zum Zittern.</p><p>Perrin verlie� das gro�e Kaufmannshaus, in dem Masema wohnte, und zog die Handschuhe an, w�hrend der Wind seinen pelzverbr�mten Umhang flattern lie�. Die mitt�gliche Sonne verbreitete keine W�rme und es war schneidend kalt. Er verzog keine Miene, aber er war zu w�tend, um die K�lte zu sp�ren. Nicht nach der Axt an seinem G�rtel zu greifen kostete Kraft. Masema � er w�rde diesen Mann nicht Prophet nennen, nicht in seinen Gedanken, niemals! � Masema war mit ziemlicher Sicherheit ein Narr, au�erdem bestimmt wahnsinnig. Ein m�chtiger Narr, m�chtiger als die meisten K�nige, und wahnsinnig obendrein.</p><p>Masemas Wachen f�llten die Stra�e von einer Seite zur anderen und waren auch noch an den Ecken der n�chsten Stra�en postiert, d�rre Burschen in gestohlenen Seidengew�ndern, bartlose Lehrlinge in zerrissenen M�nteln, einstmals dicke Kaufm�nner in den �berresten feiner Wollanz�ge. Ihr Atem war feiner Nebel, und einige von ihnen zitterten ohne Umhang, aber jeder Mann hielt einen Speer gepackt oder eine Armbrust mit aufgelegtem Pfeil. Doch keiner von ihnen machte nach au�en hin einen feindseligen Eindruck. Sie wussten, dass er sich auf die Bekanntschaft mit dem Propheten berief, und sie starrten ihn an, als erwarteten sie, dass er gleich in die Luft sprang und davonflog. Oder zumindest ein paar Saltos machte. Er sog die Luft ein und filterte den Holzrauch heraus, der aus den Kaminen der Stadt quoll. Sie alle stanken nach altem Schwei� und ungewaschenen K�rpern, nach Eifer und Furcht. Und nach einem seltsamen Fieber, das er zuvor nicht wahrgenommen hatte, einer Widerspiegelung von Masemas Wahnsinn. Ob feindselig oder nicht, ein Wort Masemas w�rde gen�gen, und sie w�rden ihn oder jeden anderen auf der Stelle t�ten. Auf Masemas Wort hin w�rden sie ganze Nationen abschlachten. Als er dieses Fieber roch, f�hlte er eine K�lte, die tiefer schnitt als der Winterwind. Er war erleichterter denn je, dass er sich geweigert hatte, Faile mitzunehmen.</p><p>Die M�nner, die er bei den Pferden gelassen hatte, vertrieben sich auf einem vom Schneematsch befreiten St�ck Stra�e beim W�rfelspiel die Zeit oder taten zumindest so. Er vertraute Masema nicht so weit, wie er seinen Braunen werfen konnte. Die M�nner konzentrierten sich mehr auf das Haus und die Wachen als auf ihr Spiel. Die drei Beh�ter sprangen sofort auf die F��e, als er erschien, und ihre Blicke richteten sich auf seine Begleiter, die hinter ihm hinaustraten. Ihre H�nde waren nicht weit von den Schwertgriffen entfernt. Sie wussten, was ihre Aes Sedai dort drinnen gef�hlt hatten. Neald war langsamer und hob erst die W�rfel und die M�nzen auf. Der Asha'man war ein eitler Geck, der sich st�ndig den gezwirbelten Schnurrbart strich und umherstolzierte und l�stern den Frauen nachsah, aber jetzt verlagerte er das Gewicht auf die Fu�ballen und war so aufmerksam wie eine Katze.</p><p>�Eine Zeit lang habe ich gedacht, wir m�ssten uns unseren Weg nach drau�en freik�mpfen�, murmelte Elyas hinter Perrins Schulter. Doch der Blick seiner goldenen Augen war gelassen. Er war ein schlaksiger alter Mann mit einem breitkrempigen Hut, dessen grau werdendes Haar auf seinem R�cken bis zur Taille reichte und dessen Bart seine Brust verdeckte. An seinem G�rtel steckte ein langes Messer, kein Schwert. Aber er war Beh�ter gewesen. In gewisser Weise war er es noch immer.</p><p>�Das ist auch das Einzige, was geklappt hat�, bemerkte Perrin und nahm Stehers Z�gel von Neald entgegen. Der Asha'man hob fragend die Brauen, aber Perrin sch�ttelte den Kopf, da ihn die Frage nicht interessierte. Neald gab Elyas die Z�gel seines mausgrauen Wallachs, bevor er den Mund verzog und auf seinen Schecken stieg.</p><p>Perrin hatte keine Zeit f�r die Launen des Murandianers. Rand hatte ihn losgeschickt, um Masema zur�ckzuholen, und Masema kam. Aber der verdammte Kerl hielt jeden, der au�er Rand die Eine Macht lenkte, f�r einen Gottesl�sterer. Denn Rand war eigentlich kein Sterblicher; er war das Fleisch gewordene Licht! Also w�rde es kein Schnelles Reisen geben, kein schneller Sprung nach Cairhien durch ein von einem der Asha'man erschaffenes Wegetor, ganz egal, wie eindringlich Perrin versucht hatte, Masema zu �berreden. Sie w�rden die ganzen vierhundert Meilen reiten m�ssen, und allein das Licht wusste, was ihnen unterwegs begegnen w�rde. Und sie w�rden ihre Identit�t geheim halten m�ssen und Masemas ebenfalls. So lauteten Rands Befehle.</p><p>�Ich sehe da nur eine M�glichkeit, wie wir das schaffen k�nnen, mein Junge�, sagte Elyas, als h�tte er gerade laut gesprochen. �Eine hauchd�nne Chance. Wir h�tten eine gr��ere Aussicht auf Erfolg, wenn wir den Kerl bewusstlos schlagen und uns den Weg freik�mpfen.�</p><p>�Ich wei߫, knurrte Perrin. Er hatte w�hrend der stundenlangen Streiterei mehr als nur einmal daran gedacht. Es w�re m�glich gewesen, h�tten die Asha'man und die Aes Sedai und die Weisen Frauen alle zusammen die Macht benutzt. Aber er hatte an einer Schlacht teilgenommen, die mit der Einen Macht ausgefochten worden war, er war Zeuge gewesen, wie M�nner w�hrend eines Augenblinzelns in blutige St�cke gerissen wurden und Flammen aus der Erde sch�ssen. Bevor sie fertig gewesen w�ren, h�tte sich Abila in ein Schlachthaus verwandelt. Wenn es nach ihm ging, w�rde er so etwas niemals wieder sehen m�ssen.</p><p>�Was glaubst du, was dieser Prophet davon halten wird?�, fragte Elyas.</p><p>Perrin musste erst die Gedanken an die Quellen von Dumai absch�tteln, bevor er dar�ber nachsinnen konnte, was Elyas gesagt hatte. Ach ja. Wie er das Unm�gliche zustande bringen w�rde. �Mir ist es gleichg�ltig, was er davon h�lt.� Mal davon abgesehen, dass der Mann �rger machen w�rde, denn so viel stand fest.</p><p>Gereizt rieb er sich den Bart. Er musste ihn stutzen. Das hie�, ihn stutzen lassen. Wenn er die Schere ergriff, w�rde Faile sie ihm abnehmen und sie Lamgwin geben. Es erschien noch immer unm�glich, dass dieser gewaltige Schulterklopfer mit seinem vernarbten Gesicht und den eingefallenen Kn�cheln �ber die Fertigkeiten eines Leibdieners verf�gte. Licht! Ein Leibdiener. Langsam kam er mit Faile und ihren seltsamen saldaeanischen Gebr�uchen zurecht, aber je besser er damit zurechtkam, desto mehr gelang es ihr, die Dinge so zu regeln, dass sie ihr gefielen. Frauen taten das nat�rlich sowieso, aber manchmal war er der Meinung, eine Art von Wirbelwind gegen den anderen eingetauscht zu haben. Vielleicht sollte er es noch mal mit diesem meisterhaften Herumgebr�lle versuchen, das ihr anscheinend so gut gefiel. Ein Mann sollte sich den Bart selbst stutzen k�nnen, wenn er wollte. Aber er bezweifelte, dass er das tun w�rde. Es war schon schwer genug zur�ckzubr�llen, wenn sie damit angefangen hatte. Au�erdem war es idiotisch, ausgerechnet in diesem Augenblick dar�ber nachzudenken.</p><p>Er musterte die anderen, die zu ihren Pferden gingen, als w�ren sie Werkzeuge, die er f�r eine harte Arbeit ausgew�hlt hatte. Er hegte die Bef�rchtung, dass Masema diese Reise so schlimm wie die �belste Arbeit machen w�rde, die er jemals erledigen musste, und seine Werkzeuge hatten alle einen Sprung.</p><p>Seonid und Masuri blieben an seiner Seite stehen; die Kapuzen ihrer Umh�nge waren so weit vorgezogen, dass ihre Gesichter im Schatten lagen. In den Geruch ihres Parf�ms mischte sich ein rasiermesserscharfes Zittern; kontrollierte Furcht. W�re es nach Masema gegangen, h�tte er sie auf der Stelle get�tet. Und die Wachen w�rden es noch immer tun, sollten sie das Gesicht einer Aes Sedai erkennen. Unter so vielen M�nnern w�rde es mit Sicherheit einen geben, der es auch schaffte. Masuri war um eine Handspanne die gr��ere der beiden, aber Perrin konnte auf ihre K�pfe herabsehen. Die Schwestern ignorierten Elyas und wechselten im Schatten ihrer Umh�nge einen Blick, dann ergriff Masuri leise das Wort.</p><p>�Versteht Ihr jetzt, warum er get�tet werden muss? Der Mann ist... wie ein tollw�tiges Tier.� Nun, die Braune nahm selten ein Blatt vor den Mund. Gl�cklicherweise stand keiner der W�chter nahe genug, um sie belauschen zu k�nnen.</p><p>�Ihr h�ttet einen besseren Ort w�hlen k�nnen, um das zu sagen�, erwiderte er trotzdem. Er wollte die Argumente nicht noch einmal h�ren, weder jetzt noch sp�ter, aber vor allem nicht jetzt. Und es hatte den Anschein, als musste er es auch nicht.</p><p>Edarra und Carelle erhoben sich hinter den Aes Sedai, die K�pfe bereits mit dunklen Schals umwickelt. Die Enden, die auf Brust und R�cken hingen, schienen kaum einen Schutz vor der K�lte zu bieten, aber der Schnee schien die Weisen Frauen mehr zu st�ren � ja, schon seine blo�e Existenz �rgerte sie. Ihre von der Sonne gebr�unten Gesichter h�tten, soweit sie zu sehen waren, aus Stein gemei�elt sein k�nnen, aber der von ihnen ausgehende Geruch erinnerte an einen Stahldorn. Der Ausdruck in Edarras blauen Augen, die f�r gew�hnlich so gelassen blickten, dass sie in einem seltsamen Gegensatz zu ihren jugendlichen Gesichtsz�gen zu stehen schienen, war so hart wie dieser Stahldorn. Nat�rlich verbarg sich unter ihrer Miene Stahl. Scharfer Stahl.</p><p>�Das hier ist kein Ort f�r Gespr�che�, sagte Carelle sanft zu der Aes Sedai und steckte eine Str�hne feuerroten Haars unter ihren Schal. Sie �berragte viele M�nner und gab sich immer sanft. F�r eine Weise Frau. Was lediglich bedeutete, dass sie einem nicht die Nase abbiss, ohne einen vorher zu warnen. �Steigt auf eure Pferde.�</p><p>Die kleineren Frauen machten hastig einen Knicks und eilten zu ihren S�tteln, als w�ren sie keine Aes Sedai. Was sie f�r die Weisen Frauen auch nicht waren. Perrin glaubte nicht, dass er sich jemals daran gew�hnen w�rde. Selbst wenn es Masuri und Seonid selbst getan hatten.</p><p>Mit einem Seufzen schwang er sich auf Steher, w�hrend die Weisen Frauen ihren Aes Sedai-Lehrlingen folgten. Der Hengst t�nzelte nach der Ruhepause, aber Perrin brachte ihn mit einem Kniedruck und ruhigen H�nden an den Z�geln unter Kontrolle. Die Aiel stiegen unbeholfen auf ihre Pferde, obwohl sie in den letzten Wochen doch so viel �bung darin bekommen hatten; ihre schweren R�cke rutschten in die H�he und enth�llten die mit Wollstr�mpfen bekleideten Beine bis weit �bers Knie. Sie teilten die Meinung der beiden Schwestern �ber Masema, genau wie die anderen Weisen Frauen in seinem Lager. Ein brodelnder Eintopf, den er zur�ck nach Cairhien tragen musste, ohne sich dabei zu verbrennen.</p><p>Grady und Aram sa�en bereits im Sattel und Perrin konnte ihre Ger�che nicht unter denen der anderen herausfiltern. Aber das war auch nicht n�tig. Er war immer schon der Meinung gewesen, dass Grady trotz seines schwarzen Mantels mit dem silbernen Schwert am Kragen wie ein typischer Bauer aussah, aber in diesem Augenblick war er ein anderer Mann. Der untersetzte Asha'man sa� reglos wie eine Statue in seinem Sattel und musterte die W�chter mit dem grimmigen Blick eines Mannes, der entschied, wo er den ersten Schnitt ansetzte. Und den zweiten und dritten und wie viele auch immer n�tig waren. Aram, dessen giftgr�ner Kesselflickerumhang im Wind flatterte, w�hrend er die Z�gel nahm, und dessen Schwertgriff �ber seine Schulter ragte � Arams Gesicht zeigte eine Aufregung, die Perrin das Herz schwer machte. Aram hatte in Masema einen Mann kennen gelernt, der sein Leben und sein Herz und seine Seele dem Wiedergeborenen Drachen verschrieben hatte. In Arams Denken kam der Wiedergeborene Drache kurz hinter Perrin und Faile.</p><p><emphasis>Du hast dem Jungen keinen Gefallen getan,</emphasis> hatte Elyas ihm gesagt. <emphasis>Du hast ihm dabei geholfen, dass er all das loslie�, woran er glaubte, und jetzt hat er nur noch dich und dieses Schwert, an das er glauben kann. Und das ist nicht genug, und zwar ^ f�r keinen Mann.</emphasis> Elyas hatte Aram gekannt, als dieser noch ein Kesselflicker war, bevor er zum Schwert gegriffen hatte.</p><p>Ein Eintopf, der f�r manche m�glicherweise vergiftet sein w�rde.</p><p>Es reichte nicht, dass sie aufgesessen waren. Die W�chter sahen Perrin vielleicht mit Erstaunen an, aber sie gaben den Weg erst frei, als sich jemand aus einem Fenster des Hauses beugte und ihnen etwas zurief. Dann r�ckten sie gerade nahe genug auseinander, dass die Reiter einzeln hintereinander losreiten konnten. Den Propheten ohne seine Erlaubnis zu erreichen war schwer. Ohne seine Erlaubnis zu gehen war unm�glich.</p><p>Sobald sie Masema und seine W�chter hinter sich gelassen hatten, ritt Perrin so schnell, wie es in den dicht bev�lkerten Stra�en m�glich war. Nicht, dass das besonders schnell war. Abila mit seinen gepflasterten Marktpl�tzen und bis zu vier Stockwerken hohen, schiefergedeckten H�usern war vor gar nicht allzu langer Zeit eine gro�e, bl�hende Stadt gewesen. Es war noch immer gro�, aber nun ragten Schuttberge in die H�he, wo H�user und Schenken abgerissen worden waren. In ganz Abila gab es keine einzige Schenke mehr oder gar ein Haus, wo jemand nicht schnell genug lauthals die Pracht des Wiedergeborenen Drachen gepriesen hatte. Masemas Missbilligung war niemals subtil.</p><p>In der Menge waren nur wenige zu sehen, die aussahen, als w�ren sie B�rger der Stadt gewesen; farblose Leute in zerlumpter Kleidung, die gr��tenteils furchterf�llt an den Stra�enr�ndern vorbeihuschten. Es gab auch keine Kinder. Auch keine Hunde; mittlerweile d�rfte Hunger an diesem Ort zu einem Problem geworden sein. �berall stapften Gruppen Bewaffneter durch den knietiefen Matsch, der vergangene Nacht noch Schnee gewesen war; hier waren es zwanzig Mann, dort f�nfzig, und sie stie�en die Leute, die ihnen nicht schnell genug aus dem Weg gingen, einfach zu Boden; sie brachten selbst Ochsengespanne dazu, um sie herumzufahren. St�ndig waren Hunderte von ihnen in Sichtweite. In der Stadt musste es Tausende von ihnen geben. Masemas Armee war ein Mob, aber ihre Gr��e machte bis jetzt andere M�ngel wieder wert. Man musste dem Licht danken, dass der Mann eingewilligt hatte, nur ein paar Hundert mitzunehmen. Es hatte zwar eine Stunde der Diskussion gebraucht, aber er hatte eingewilligt. Am Ende hatte Masemas Verlangen, trotz des Verzichts auf das Schnelle Reisen m�glichst rasch zu Rand zu sto�en, den Ausschlag gegeben. Nur wenige seiner Anh�nger hatten Pferde, und je mehr zu Fu� marschierten, desto langsamer w�rden sie vorankommen. Wenigstens w�rde er bei Einbruch der Dunkelheit in Perrins Lager eintreffen.</p><p>Perrin sah au�er seinen Leuten keine Reiter, und sie riefen bei den Bewaffneten finstere Blicke hervor, steinerne Blicke, fiebrige Blicke. Es kam oft vor, dass gut gekleidete Leute dem Propheten einen Besuch abstatteten, Adlige und Kaufleute, die von der Hoffnung geleitet wurden, dass sie durch die pers�nliche Unterwerfung gr��eren Segen und geringere Bestrafungen bekamen, aber f�r gew�hnlich gingen sie wieder zu Fu�. Jedoch stellte sich Perrines M�nnern niemand in den Weg, wenn man einmal davon absah, dass sie um Gruppen von Masemas Anh�ngern herumreiten mussten. Wenn sie zu Pferd abreisten, dann konnte das nur Masemas Wille sein. Trotzdem brauchte Perrin keinen zu ermahnen, in der N�he zu bleiben. In Abila herrschte eine Atmosph�re gespannter Erwartung, und niemand, der halbwegs bei Verstand war, w�rde in der N�he sein wollen, wenn das Warten zu Ende war.</p><p>Er versp�rte Erleichterung, als Balwer kurz hinter der niedrigen Holzbr�cke, die aus der Stadt herausf�hrte, seinen hammernasigen Wallach aus einer Seitenstra�e lenkte, fast eine genauso gro�e Erleichterung, wie er sie versp�rt hatte, als sie die Br�cke �berquert und die letzten W�chter passiert hatten. Der kleine Mann mit dem spitzen Gesicht und den eckigen Gliedern, dessen einfacher brauner Mantel mehr an seiner Gestalt herabhing, als dass er ihn trug, konnte des �u�eren Erscheinungsbildes zum Trotz sehr gut auf sich selbst aufpassen. Aber Falle baute einen richtigen Adelshaushalt auf, und es h�tte ihr mehr als nur missfallen, wenn ihr Sekret�r zu Schaden gekommen w�re.</p><p>Ihren und Perrins, was das anging. Perrin war sich nicht so richtig dar�ber im Klaren, was er davon halten sollte, einen Sekret�r zu haben, aber der Bursche hatte noch andere Fertigkeiten als eine sch�ne Handschrift. Wie er unter Beweis stellte, sobald sie die Stadt hinter sich gelassen hatten und von niedrigen, bewaldeten H�geln umgeben wurden. Die meisten �ste waren kahl, und diejenigen, die noch Bl�tter oder Nadeln aufwiesen, hoben sich mit einem kr�ftigen Gr�n von dem Wei� ab. Sie hatten die Stra�e f�r sich, aber der in den Bodenfurchen gefrorene Schnee sorgte daf�r, dass sie nur langsam vorankamen.</p><p>�Vergebt mir, mein Lord Perrin�, murmelte Balwer und beugte sich auf seinem Sattel vor, um an Elyas vorbeisehen zu k�nnen, �aber ich habe zuf�llig etwas belauscht, das f�r Euch m�glicherweise von Interesse sein k�nnte.� Er hustete diskret in seinen Handschuh, dann griff er eilig nach seinem Umhang und zog ihn eng um sich.</p><p>Eigentlich war Perrins Geste �berfl�ssig, mit der er Elyas, Aram und die anderen aufforderte, sich ein St�ck zur�ckzuziehen. Jeder war daran gew�hnt, dass der kleine pedantische Mann allein sein wollte, wenn er mit Perrin etwas zu besprechen hatte. Warum er den Anschein erwecken wollte, dass niemand wusste, dass er in jeder Stadt und in jedem Dorf, an dem sie vorbeikamen, Informationen beschaffte, konnte Perrin nicht mal erahnen. Ihm musste doch klar sein, dass Perrin seine Erkenntnisse mit Falle und Elyas besprach. Aber egal, er war sehr gut darin, jemandem Informationen zu entlocken.</p><p>Balwer legte den Kopf schief, um Perrin zu beobachten, w�hrend sie Seite an Seite ritten. �Ich habe zwei Neuigkeiten, Mein Lord, eine, die ich f�r wichtig halte, und eine dringende.� Dringend oder nicht, selbst seine Stimme klang pedantisch und trocken, wie abgefallene Bl�tter, die �ber den Boden rauschten.</p><p>�Wie dringend?� Perrin wettete mit sich selbst, wen die erste Neuigkeit betraf.</p><p>�Vielleicht sogar sehr, Mein Lord. K�nig Ailron hat sich ungef�hr einhundert Meilen westlich von hier nahe der Stadt Jeramel mit den Seanchanern eine Schlacht geliefert. Das war vor etwa zehn Tagen.� Balwer sch�rzte gereizt die Lippen. Er verabscheute Ungenauigkeit; es st�rte ihn, wenn er nicht genau Bescheid wusste. �Verl�ssliche Informationen sind knapp, aber zweifellos ist das amadicianische Heer erschlagen, gefangen genommen oder in alle Winde verstreut. Es sollte mich sehr �berraschen, wenn irgendwo noch mehr als hundert Mann zusammen sein sollten, und die werden bald das Handwerk der Stra�enr�uberei ergreifen. Ailron selbst wurde gefangen genommen, zusammen mit seinem ganzen Hof. Amadicia hat keinen Adel mehr; es hat gar nichts mehr.�</p><p>In Gedanken erkl�rte Perrin seine Wette f�r verloren. F�r gew�hnlich begann Balwer immer mit Neuigkeiten �ber die Wei�m�ntel. �Ich sch�tze, f�r Amadicia ist das eine Schande. Auf jeden Fall aber f�r die Gefangenen.� Balwer zufolge sprangen die Seanchaner auf eine ziemliche grobe Weise mit denen um, die sich ihnen mit Waffengewalt entgegenstellten. Also hatte Amadicia kein Heer mehr und auch keine Adligen, die ein neues ausheben oder befehligen konnten. Es gab nichts mehr, um die Seanchaner daran zu hindern, sich so schnell auszubreiten, wie sie wollten, obwohl sie sich auch dann schnell auszubreiten schienen, wenn es Gegenwehr gab. Am besten ritten sie nach Osten, sobald Masema im Lager eintraf, und zwar so schnell, wie es M�nner und Pferde schafften.</p><p>Er sagte es und Balwer nickte mit einem schmalen L�cheln. Der Mann sch�tzte es, wenn Perrin den Wert seiner Berichte erkannte.</p><p>�Die andere Sache, mein Lord�, fuhr er fort. �Die Wei�m�ntel haben an der Schlacht teilgenommen, aber anscheinend ist es Valda gelungen, die meisten von ihnen am Ende vom Schlachtfeld zu schaffen. Er hat das Gl�ck des Dunklen K�nigs. Keiner scheint zu wissen, wo sie abgeblieben sind. Das hei�t, jeder wei� eine andere Richtung zu berichten. Ich w�rde sagen, sie sind nach Osten abgezogen. Fort von den Seanchanern.� Und nat�rlich in Richtung Abila.</p><p>Also hatte er doch nicht so weit danebengetippt. Auch wenn der Mann nicht damit angefangen hatte. Na gut, dann eben ein Gleichstand. Weit �ber ihnen zog ein Falke am wolkenlosen Himmel vorbei und flog nach Norden. Er w�rde das Lager lange vor ihnen erreichen. Perrin konnte sich an eine Zeit erinnern, in der er genauso wenig Sorgen wie dieser Falke gehabt hatte. Zumindest verglichen mit dem heutigen Tag. Diese Zeit war lange her.</p><p>�Ich sch�tze, Balwer, die Wei�m�ntel sind mehr darauf bedacht, den Seanchanern aus dem Weg zu gehen, als uns in die Quere zu kommen. Aber es spielt sowieso keine Rolle, ich kann wegen ihnen genauso wenig schneller reisen als wegen der Seanchaner. War das die zweite Neuigkeit?�</p><p>�Nein, Mein Lord. Nur ein interessantes Detail.� Balwer schien die Kinder des Lichts zu hassen, vor allem Valda � Perrin vermutete, dass er irgendwann in der Vergangenheit grob von ihnen behandelt worden war �, aber wie alles bei diesem Mann war es ein trockener, kalter Hass. Leidenschaftslos. �Die zweite Neuigkeit ist, dass die Seanchaner noch eine andere Schlacht geschlagen haben, und zwar im s�dlichen Altara. M�glicherweise gegen Aes Sedai, obwohl einige auch M�nner erw�hnten, welche die Macht lenkten.� Balwer drehte sich ein St�ck auf seinem Sattel um und warf einen Blick zur�ck auf Grady und Neald in ihren schwarzen M�nteln. Grady unterhielt sich angeregt mit Elyas und Neald mit Aram, aber die beiden Asha'man schienen den Wald dabei genauso aufmerksam im Auge zu behalten wie die Beh�ter, die die Nachhut bildeten. Die Aes Sedai und die Weisen Frauen waren ebenfalls in leise Unterhaltungen vertieft. �Wer auch immer gegen sie gek�mpft hat, Mein Lord, es steht fest, dass die Seanchaner verloren und sich fluchtartig nach Ebou Dar zur�ckgezogen haben.�</p><p>�Gute Neuigkeiten�, sagte Perrin tonlos. Die Quellen von Dumai blitzten vor seinem inneren Auge auf, diesmal st�rker als zuvor. Einen Augenblick lang stand er wieder R�cken an R�cken mit Loial und k�mpfte verzweifelt in der festen �berzeugung, dass jeder Atemzug der letzte sein w�rde. Zum ersten Mal an diesem Tag zitterte er am ganzen Leib. Immerhin wusste Rand �ber die Seanchaner Bescheid. Wenigstens musste er sich dar�ber keine Sorgen machen.</p><p>Ihm wurde bewusst, dass Balwer ihn ansah. Ihn ins Auge fasste, so wie ein Vogel ein seltsames Insekt ins Auge fasste. Das Zittern war ihm nicht entgangen. Der kleine Mann wusste gern �ber alles Bescheid, aber es gab einige Geheimnisse, die niemals jemand erfahren w�rde.</p><p>Perrins Blick kehrte zu dem Falken zur�ck, der selbst f�r ihn kaum noch zu sehen war. Er erinnerte ihn an Faile, sein wildes Falkenweibchen von einer Frau. Sein wundersch�nes Falkenweibchen von einer Frau. Er verbannte Seanchaner und Wei�m�ntel und Schlachten und sogar Masema aus seinen Gedanken. Zumindest f�r den Augenblick.</p><p>�Reiten wir etwas schneller�, rief er den anderen zu. Der Falke w�rde Faile vielleicht vor ihm sehen, aber im Gegensatz zu dem Vogel w�rde er die Liebe seines Herzens sehen. Und heute w�rde er sie nicht anbr�llen, ganz egal, was sie getan hatte.</p></section><section><title><p>2</p><p>Verschleppt</p></title><p>Der Falke war bald au�er Sicht, und auf der Stra�e waren keine anderen Reisenden, aber wie sehr Perrin auch zur Eile mahnte, die gefrorenen Furchen, die nur darauf warteten, das Bein eines Pferdes und den Hals des Reiters zu brechen, lie�en keine gro�e Geschwindigkeit zu. Der Wind trug Eis und das Versprechen von Neuschnee am n�chsten Tag heran. Der Nachmittag war zur H�lfte vorbei, als Perrin abbog und zwischen den B�umen durch Schneewehen ritt, in die die Pferde gelegentlich bis zu den Knien versanken, und die letzte Meile zu dem Lager im Wald zur�cklegte, wo er die M�nner von den Zwei Fl�ssen und die Aiel, die Mayener und Ghealdaner zur�ckgelassen hatte. Und Faile. Aber nichts war so, wie er es erwartet hatte. Wie immer gab es eigentlich vier Lager, die zwischen den B�umen verstreut waren, aber die qualmenden Lagerfeuer der gefl�gelten Wachen um Berelains gestreiftes Zelt lagen verlassen zwischen umgeworfenen Kesseln und im Schnee liegen gelassener Ausr�stungsgegenst�nde da, und auf dem zertrampelten Boden, der Alliandres Soldaten bei seinem Aufbruch an diesem Morgen zugewiesen worden war, waren die gleichen Anzeichen eines hastigen Aufbruchs zu sehen. Die einzigen Lebenszeichen an beiden Orten waren die Pferdeknechte und Hufschmiede und Wagenfahrer, die sich dick vermummt um die Pferdeleinen und hochr�drigen Nachschubwagen dr�ngten. Sie alle starrten in die Richtung, die auch Perrins Aufmerksamkeit gefangen hatte.</p><p>F�nfhundert Schritte von dem steinigen, flachen H�gel mit den niedrigen Zelten der Weisen Frauen entfernt hatten sich die in Grau gekleideten Mayener aufgebaut, alle neunhundert von ihnen, die Pferde stampften ungeduldig mit den Hufen auf, und die roten Umh�nge und die langen roten Wimpel ihrer Lanzen flatterten im kalten Wind. Etwas n�her am H�gel und ein St�ck seitlich versetzt bildeten die Ghealdaner ein lanzenbewehrtes Rechteck von beinahe gleicher Gr��e, nur dass ihre Lanzen gr�ne Wimpel aufwiesen. Die gr�nen M�ntel und die R�stungen der berittenen Soldaten erschienen fade im Vergleich zu den roten Helmen und roten Brustpanzern der Mayener, aber ihre Offiziere funkelten in ihren silbernen R�stungen und scharlachroten M�nteln und Umh�ngen. Eine beeindruckende Zurschaustellung von M�nnern bei einer Parade, aber das hier war keine Parade. Die Befl�gelten Wachen standen den Ghealdanern gegen�ber, und die Ghealdaner wiederum dem H�gel. Und die H�gelkuppe wurde von den M�nnern von den Zwei Fl�ssen umringt, die ihre Langbogen in H�nden hielten. Noch hatte keiner von ihnen den Bogen gespannt, aber jeder Mann hatte einen Pfeil eingelegt und war bereit. Es war Wahnsinn.</p><p>Perrin trieb Steher so weit zum Galopp an, wie es dem Pferd m�glich war, und pfl�gte von den anderen gefolgt durch den Schnee, bis er die Spitze der ghealdanischen Formation erreicht hatte. Berelain war dort, in einem pelzbesetzten roten Umhang, und Gallenne, der ein�ugige Hauptmann der Befl�gelten Wachen; Annoura war an ihrer Seite, ihre Aes Sedai-Beraterin, und sie alle stritten anscheinend mit Alliandres Erstem Hauptmann, einem kleinen, hartgesottenen Burschen namens Gerard Arganda, der den Kopf so heftig sch�ttelte, dass die wei�en Federn auf seinem funkelnden Helm bebten. Die Erste von Mayene schien bereit, N�gel zu zerkauen, Annouras Aes Sedai-Gelassenheit lie� Sorge durchschimmern, und Gallenne betastete den mit einem roten Federbusch versehenen Helm, der an seinem Sattel hing, als wollte er ihn doch aufsetzen. Bei Perrins Anblick verstummten sie und drehten ihre Pferde ihm zu. Berelain sa� aufrecht im Sattel, aber ihr schwarzes Haar wehte im Wind. Ihre wei�e Stute mit den schlanken Fesseln zitterte; an ihren Flanken gefror der Schwei� eines schnellen Ritts.</p><p>Bevor Perrin sie fragen konnte, was beim Licht sie dort eigentlich zu tun glaubten, ergriff Berelain mit maskenhaftem Gesicht und einer starren F�rmlichkeit, die ihn verdutzt blinzeln lie�, das Wort.</p><p>�Lord Perrin, Eure Gemahlin und ich waren mit K�nigin Alliandre auf der Jagd, als wir von Aiel angegriffen wurden. Mir gelang die Flucht. Bis jetzt ist noch kein Mitglied der Gruppe zur�ckgekehrt, obwohl es m�glich ist, dass die Aiel Gefangene gemacht haben. Ich habe eine Abteilung Lanzenreiter losgeschickt, um die Lage zu erkunden. Wir waren etwa zehn Meilen s�d�stlich, also m�ssten sie bei Einbruch der Nacht hier wieder eintreffen.�</p><p>�Faile wurde gefangen genommen?�, sagte Perrin mit belegter Stimme. Schon bevor sie von Ghealdan nach Amadicia aufgebrochen waren, hatten sie von pl�ndernden, alles niederbrennenden Aiel geh�rt, aber es war immer woanders gewesen, im n�chsten Dorf oder �bern�chsten, wenn nicht sogar noch weiter entfernt. Nie nahe genug, um sich deswegen Sorgen zu machen. Nicht, wenn er Rand al'Thors verfluchte Befehle auszuf�hren hatte! Und nun konnte man sehen, welcher Preis daf�r zu zahlen war.</p><p>�Warum seid ihr alle noch hier?�, verlangte er lautstark zu wissen. �Warum sucht ihr nicht nach ihr?� Ihm wurde bewusst, dass er schrie. Er wollte heulen, sie in St�cke rei�en. �Zum Henker mit euch allen, worauf wartet ihr?� Berelains N�chternheit, so als w�rde sie berichten, wie viel Futter f�r die Pferde noch da war, trieb ihm die Zornesr�te ins Gesicht. Vor allem deshalb, weil sie Recht hatte.</p><p>�Wir wurden von zwei- oder dreihundert von ihnen �berfallen, Lord Perrin, aber Ihr wisst genauso gut wie ich, dass sich ein Dutzend oder mehr solcher Banden in der Gegend herumtreiben. Wenn wir sie mit einer Streitmacht verfolgen, k�nnten wir uns einer Schlacht mit Aiel gegen�bersehen, die uns schwere Verluste kostet, ohne �berhaupt zu wissen, ob es diejenigen sind, die Eure Gemahlin in ihrer Gewalt haben. Oder ob sie �berhaupt noch am Leben ist. Das m�ssen wir zuerst in Erfahrung bringen, Lord Perrin, oder alles andere ist schlimmer als nutzlos.�</p><p>Wenn sie noch am Leben war. Er zitterte; pl�tzlich sa� die K�lte tief in seinem Inneren. In seinen Knochen. Seinem Herzen. Sie musste noch am Leben sein. Sie musste es. Oh, Licht, er h�tte sie nach Abila mitkommen lassen sollen. Annouras Gesicht mit dem breiten Mund war eine Maske des Mitgef�hls, eingerahmt von d�nnen tarabonischen Z�pfen. Pl�tzlich wurde er sich des Schmerzes in seinen Fingern bewusst, die sich um die Z�gel verkrampften. Er zwang sich dazu, sie zu lockern, spreizte die Finger in seinen Handschuhen.</p><p>�Sie hat Recht�, sagte Elyas leise und lenkte seinen Wallach n�her heran. �Beherrsch dich. Mach bei den Aiel einen dummen Fehler und du forderst den Tod heraus. Rei�t m�glicherweise eine Menge M�nner mit dir ins Verderben. Sterben ist sinnlos, wenn deine Frau eine Gefangene bleibt.� Er versuchte, seinen Tonfall zuversichtlicher klingen zu lassen, aber Perrin konnte seine Anspannung riechen. �Aber egal, wir werden sie finden, Junge. Wom�glich ist sie ihnen ja entkommen, eine Frau wie sie. Versucht zu Fu� zur�ckzukommen. Das d�rfte dauern in einem Kleid. Die Kundschafter werden Spuren finden.� Elyas strich mit den Fingern durch seinen langen Bart und kicherte ver�chtlich, �Wenn ich nicht mehr als die Mayener finde, esse ich Baumrinde. Wir werden sie f�r dich zur�ckholen.�</p><p>Perrin lie� sich nicht t�uschen. �Ja�, sagte er rau. Niemand konnte den Aiel zu Fu� entkommen. �Geht jetzt. Beeilt Euch.� Nicht im mindesten. Der Mann rechnete damit, Failes Leiche zu finden. Sie musste noch am Leben sein und das bedeutete, sie war eine Gefangene, aber besser eine Gefangene als ...</p><p>Sie konnten nicht miteinander sprechen, wie sie es mit den W�lfen taten, aber Elyas z�gerte, als k�nnte er Perrins Gedanken lesen. Aber er versuchte nicht, ihnen zu widersprechen. Sein Wallach brach in einem schnellen Tempo in s�d�stlicher Richtung auf, so schnell, wie es der Schnee erlaubte, und nach einem raschen Blick auf Perrin schloss sich Aram ihm mit finsterer Miene an. Der ehemalige Kesselflicker mochte Elyas nicht, aber er betete Faile fast an, und sei es nur aus dem Grund, dass sie Perrins Gemahlin war.</p><p>Es w�rde nichts bringen, die Tiere lahm zu reiten, dachte Perrin und sah ihnen stirnrunzelnd nach. Er wollte, dass sie liefen. Er wollte mit ihnen laufen. In seinem Inneren schienen sich haard�nne Risse auszubreiten. Falls sie mit der falschen Nachricht zur�ckkehrten, w�rde er zerbrechen. Zu seiner �berraschung galoppierten die drei Beh�ter so schnell hinter Elyas und Aram her, dass der Schnee hoch aufspritzte und ihre einfachen Wollumh�nge im Wind flatterten; als sie die beiden eingeholt hatten, passten sie ihr Tempo an das ihre an.</p><p>Perrin schaffte es, Masuri und Seonid dankbar zuzunicken, und schloss Edarra und Carelle mit ein. Wer auch immer den Vorschlag gemacht hatte, es gab keinen Zweifel, wer die Erlaubnis erteilt hatte. Dass keine der Schwestern versuchte, das Kommando zu �bernehmen, zeigte deutlich, wie weit die Weisen Frauen die Kontrolle �bernommen hatten. Sie h�tten es bestimmt gern getan, aber ihre behandschuhten H�nde blieben gefaltet auf den Sattelkn�ufen liegen, und keine zeigte Ungeduld, und sei es durch ein Augenzwinkern.</p><p>Nicht jeder schaute den davonreitenden M�nnern nach. Annoura wechselte sich darin ab, ihn mitf�hlend anzusehen und die Weisen Frauen aus den Augenwinkeln zu betrachten. Im Gegensatz zu den beiden anderen Schwestern hatte sie keine Versprechen gemacht, aber sie behandelte die Aielfrauen beinahe genauso vorsichtig wie diese sie. Gallennes Blick war auf Berelain gerichtet, und er erwartete das Zeichen, das Schwert zu ziehen, das er fest umklammert hielt, w�hrend sie mit unleserlichem Gesicht Perrin beobachtete. Grady und Neald hatten die K�pfe zusammengesteckt und warfen grimmige Blicke in seine Richtung. Balwer sa� so ruhig wie ein Spatz im Sattel, versuchte unsichtbar zu sein und lauschte konzentriert.</p><p>Arganda zw�ngte seinen gro�en Rotschimmel an Gallennes schwarzem Hengst vorbei und ignorierte den zornigen Blick des ein�ugigen Mayeners. Die Lippen des Ersten Hauptmannes bewegten sich w�tend hinter dem funkelnden Visier seines Helms, aber Perrin h�rte nichts. Er dachte nur an Falle. Oh, Licht, Faile! Um seine Brust schienen sich Stahlb�nder zu legen. Er war der Panik nahe, hielt sich nur noch mit den Fingerspitzen am Abgrund fest.</p><p>Verzweifelt sandte er seine Gedanken aus und suchte nach W�lfen. Elyas w�rde das bereits versucht haben �Elyas w�re bei einer solchen Nachricht nicht in Panik verfallen �, aber er musste es selbst tun.</p><p>Und er fand sie auch, die Rudel von Dreizehe und Kaltes Wasser, Zwielicht und Springhorn und anderen.</p><p>Mit der Bitte um Hilfe floss auch der Schmerz aus ihm heraus, nur um wieder viel st�rker anzuwachsen. Sie hatten von Junger Bulle geh�rt, und sie versp�rten Mitleid wegen des Verlusts seines Weibchens, aber sie gingen den Zweibeinern aus dem Weg, die das ganze Wild verscheuchten und f�r jeden allein angetroffenen Wolf den Tod bedeuteten. Es waren so viele Rudel von Zweibeinern in der Gegend, zu Fu� und auf den Vierbeinern mit den harten F��en, dass sie nicht sagen konnten, ob die von ihm Gesuchten darunter waren. F�r sie waren Zweibeiner eben Zweibeiner, die mit Ausnahme derjenigen, welche die Macht lenken oder mit ihnen sprechen konnten, alle gleich waren. Trauere, sagten sie ihm, und lebe dein Leben weiter, und triff sie im Wolfstraum wieder.</p><p>Die Bilder, die sein Verstand in Worte umwandelte, verblichen eines nach dem anderen, bis nur noch eines da war. Trauere und triff sie im Wolfstraum wieder. Und dann war auch das weg.</p><p>�H�rt Ihr �berhaupt zu?�, fuhr Arganda ihn grob an. Er war kein Adliger mit angenehmem �u�eren und sah trotz seiner Seidengew�nder und den goldenen Verzierungen auf dem silbernen Brustpanzer genau wie das aus, was er auch war, ein ergrauender Soldat, der als Junge die Lanze ergriffen hatte und vermutlich zwei Dutzend Narben davongetragen hatte. Seine dunklen Augen wiesen beinahe den fiebrigen Blick von Masemas Leuten auf. Er roch nach Zorn und Angst. �Diese Wilden haben auch K�nigin Alliandre verschleppt!�</p><p>�Wir werden Eure K�nigin finden, wenn wir meine Frau finden�, sagte Perrin und seine Stimme war so kalt und hart wie die Schneide seiner Axt. Falle musste noch am Leben sein. �Vielleicht erkl�rt Ihr mir ja, was das hier alles zu bedeuten hat. Es sieht so aus, als w�rt Ihr zum Angriff bereit. Und zwar auf meine Leute.� Er trug auch f�r andere Dinge die Verantwortung. Das zuzuge ben war so bitter wie Galle. Au�er Faile war alles egal. Alles! Aber die M�nner von den Zwei Fl�ssen waren <emphasis>seine</emphasis> Leute.</p><p>Arganda lie� sein Pferd einen Satz machen und packte mit seiner behandschuhten Hand Perrins �rmel. �Ihr h�rt mir jetzt zu! Die Erste Lady Berelain berichtete, dass K�nigin Alliandre von Aiel entf�hrt wurde, und Aiel verkriechen sich hinter Euren Bogensch�tzen. Ich habe M�nner, die ihnen nur allzu gern ein paar Fragen stellen w�rden.� Sein erhitzter Blick glitt einen Augenblick lang zu Edarra und Carelle hin�ber. Vielleicht dachte er, dass dort Aiel waren, die nicht von Bogensch�tzen umgeben wurden.</p><p>�Der Erste Hauptmann ist... �berreizt�, murmelte Berelain und legte eine Hand auf Perrins anderen Arm. �Ich habe ihm erkl�rt, dass keiner der hier anwesenden Aiel etwas damit zu tun hat. Ich bin sicher, ich kann ihn davon �berzeugen ...�</p><p>Perrin sch�ttelte sie ab und riss seinen Arm von dem Ghealdaner los. �Arganda, Alliandre hat mir den Treueid geleistet. Ihr habt ihr den Treueid geleistet, was mich zu Eurem Herrscher macht. Ich sagte, ich werde Alliandre finden, wenn ich Faile finde.� Wie die Schneide einer Axt. Sie <emphasis>war</emphasis> am Leben. �Ihr <emphasis>befragt</emphasis> niemanden und <emphasis>fasst</emphasis> auch niemanden an, bis ich es Euch befehle. Ihr werdet jetzt Folgendes tun: Ihr f�hrt Eure M�nner zur�ck in Euer Lager, und zwar <emphasis>sofort,</emphasis> und seid zum Aufbruch bereit, wenn ich den Befehl gebe. Solltet Ihr dann nicht bereit sein, wird man Euch zur�cklassen.�</p><p>Arganda starrte ihn an, sein Atem ging schwer. Wieder schweifte sein Blick ab, diesmal zu Grady und Neald, dann richtete er ihn ruckartig auf Perrins Gesicht. �Wie Ihr befehlt, mein Lord�, sagte er steif. Er wendete sein Pferd, br�llte seinen Offizieren Befehle zu und war bereits davongaloppiert, noch bevor sie die ihren geben konnten. Die Ghealdaner l�sten sich eine Reihe nach der anderen aus dem Verband und folgten ihrem Ersten Hauptmann. In Richtung ihres Lagers, obwohl sich erst noch erweisen musste, ob Arganda dort bleiben w�rde. Und ob es nicht noch viel schlimmer sein w�rde, wenn er es tat.</p><p>�Ihr habt das sehr gut gemacht, Perrin�, sagte Berelain. �Eine schwierige Situation und eine qualvolle Zeit f�r Euch.� Jetzt war sie �berhaupt nicht mehr formell. Nur eine Frau voller Anteilnahme, mit einem mitf�hlenden L�cheln. Oh, Berelain hatte tausend Gesichter.</p><p>Sie streckte eine rot behandschuhte Hand nach ihm aus und er lie� Steher zur�ckweichen, bevor sie ihn ber�hren konnte. �Schluss damit, verdammt!�, knurrte er. �Meine Frau wurde entf�hrt! Ich habe keine Geduld f�r Eure kindischen Spielchen!�</p><p>Sie zuckte zusammen, als h�tte er sie geschlagen. Ihre Wangen r�teten sich, und sie ver�nderte sich erneut, wurde die Nachgiebigkeit in Person. �Nicht kindisch, Perrin�, murmelte sie mit am�sierter Stimme. �Zwei Frauen k�mpfen um Euch und Ihr seid der Preis? Man sollte glauben, Ihr w�rdet Euch geschmeichelt f�hlen. Kommt, Lordhauptmann Gallenne. Ich nehme an, wir sollten uns ebenfalls bereit halten, auf Befehl loszureiten.�</p><p>Der Ein�ugige galoppierte an ihrer Seite zur�ck zu den Befl�gelten Wachen, zumindest so weit der Schnee einen Galopp zulie�. Er beugte sich zu ihr her�ber, als w�rde er Befehle entgegennehmen. Annoura blieb stehen, wo sie war, und hielt die Z�gel ihre braunen Stute locker in der Hand.</p><p>Der Mund unter ihrer Hakennase war wie ein rasiermesserscharfer Strich. �Manchmal seid Ihr ein gro�er Narr, Perrin Aybara. Eigentlich sogar sehr oft.�</p><p>Er hatte keine Ahnung, was sie damit meinte, und es war ihm auch egal. Manchmal schien sie sich damit abgefunden zu haben, dass Berelain einem verheirateten Mann hinterherjagte, manchmal schien es sie sogar zu am�sieren, und sie half ihr dabei, ihn allein anzutreffen. In diesem Augenblick ekelten ihn die Erste und die Aes Sedai f�rmlich an. Er trat Steher in die Flanken und galoppierte wortlos von ihr fort.</p><p>Die M�nner auf dem H�gel machten ihm gerade genug Platz, damit er durchkam; sie murmelten untereinander und sahen zu, wie die tiefer gelegenen Lanzenreiter auf ihre Lager zuritten, dann gingen sie noch einmal auseinander, um die Weisen Frauen, die Aes Sedai und die Asha'man passieren zu lassen. Unerwarteterweise l�sten sie jedoch nicht die Formation auf, um ihn zu umringen, wof�r er dankbar war. Der ganze H�gel roch nach Vorsicht und Misstrauen. Oder zumindest der gr��te Teil davon.</p><p>Der Schnee war zertreten worden, bis einige Stellen von ein paar gefrorenen Klumpen abgesehen ganz frei und andere zu Glatteis geworden waren. Die vier Weisen Frauen, die bei seinem Aufbruch nach Abila zur�ckgeblieben waren, standen vor einem der niedrigen Aiel-Zelte; es waren hoch gewachsene, gelassene Frauen mit dunklen Wollschals um die Schultern, die zusahen, wie die beiden Schwestern gemeinsam mit Carelle und Edarra abstiegen und dem Geschehen um sie herum scheinbar keinerlei Beachtung schenkten. Die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die ihnen anstelle von Dienern aufwarteten, gingen leise und unterw�rfig ihrer gewohnten T�tigkeit nach und verbargen ihre Gesichter in den Kapuzen ihrer wei�en Kutten. Ein Bursche klopfte sogar einen Teppich aus, der an einer zwischen zwei B�umen gespannten Leine hing! Das einzige Zeichen, dass die Aiel kurz vor einem Kampf gestanden hatten, waren Gaul und die T�chter des Speeres. Sie hatten auf den Fersen gehockt und die Shoufa und die schwarzen Schleier verbargen Kopf und Gesicht bis auf ihre Augen. Als Perrin aus dem Sattel sprang, erhoben sie sich.</p><p>Dannil Lewin kam angelaufen; er kaute an den Enden des dicken Schnurrbarts herum, der seine Nase noch gr��er aussehen lie�, als sie ohnehin schon war. In der einen Hand hielt er den Bogen, mit der anderen steckte er einen Pfeil zur�ck in den K�cher an seinem G�rtel. �Ich wusste nicht, was ich sonst h�tte tun sollen, Perrin�, sagte er aufgeregt. Er war bei den Quellen von Dumai dabei gewesen und in der Heimat Trollocs gegen�bergetreten, aber das alles hier ging �ber seinen Horizont. �Als wir herausgefunden hatten, was geschehen war, waren diese Ghealdaner bereits auf dem Weg, also schickte ich Jondyn und ein paar der anderen los �Hu Marwin und Get Ayliah �, und befahl den Cairhienern und Euren Dienern, mit den Wagen einen Kreis zu bilden und in seinem Schutz zu bleiben. Ich h�tte die Leute, die Lady Faile sonst immer auf Schritt und Tritt folgen, beinahe fesseln m�ssen; sie wollten sofort hinter ihr her, obwohl keiner von ihnen einen Fu�abdruck von einer Eiche unterscheiden kann. Dann habe ich jeden hergebracht. Ich dachte, diese Ghealdaner w�rden uns angreifen, bis schlie�lich die Erste mit ihren M�nnern dazukam. Die m�ssen verr�ckt sein, wenn sie glauben, einer unserer Aiel w�rde Lady Faile etwas antun.� Selbst wenn sie ihn hochleben lie�en, erhielt Faile von den M�nnern von den Zwei Fl�ssen fast immer eine ehrende Erw�hnung.</p><p>�Das hast du gut gemacht, Dannil�, lobte ihn Perrin und warf ihm Stehers Z�gel zu. Hu und Get waren gute Waldl�ufer und Jondyn Barran konnte dem gestrigen Wind folgen. Gaul und die T�chter marschierten hintereinander in Einerreihe los. Sie waren noch immer verschleiert. �Befiehl jedem dritten Mann hier zu bleiben�, sagte Perrin hastig zu Dannil; nur weil er Arganda eben mit einem Blick in seine Schranken gewiesen hatte, bedeutete das noch lange nicht, dass der Mann seine Absichten ge�ndert hatte. �Und schick den Rest los, um das Lager abzubrechen. Ich will losreiten, sobald wir Nachricht erhalten.�</p><p>Ohne auf eine Antwort zu warten, eilte er los, um Gaul einzuholen. Er gebot dem gr��eren Mann mit ausgestreckter Hand Einhalt. Aus irgendeinem Grund kniff Gaul die gr�nen Augen �ber dem Schleier zusammen. Sulin und die restlichen T�chter, die sich hinter ihm befanden, stellten sich auf die Fu�ballen.</p><p>�Finde sie f�r mich, Gaul�, sagte Perrin. �Ihr alle, bitte findet heraus, wer sie entf�hrt hat. Wenn jemand Aiel verfolgen kann, dann ihr.�</p><p>Die Angespanntheit in Gauls Blick verschwand so pl�tzlich, wie sie gekommen war, und auch die T�chter entspannten sich wieder. Zumindest so sehr, wie sich ein Aiel entspannen konnte. Es war seltsam. Sie konnten doch wohl nicht glauben, dass er sie auf irgendeine Weise daf�r verantwortlich machte.</p><p>�Wir alle wachen eines Tages aus dem Traum auf�, sagte Gaul sanft, �aber wenn sie noch tr�umt, werden wir sie finden. Aber wenn Aiel sie raubten, m�ssen wir los. Sie werden sich beeilen. Selbst... in so was.� Er legte betr�chtlichen Abscheu in die letzten Worte und trat gegen einen Schneeklumpen.</p><p>Perrin nickte, trat rasch zur Seite und lie� die Aiel loslaufen. Er bezweifelte, dass sie dieses Tempo eine lange Zeit durchhalten konnten, aber er war davon �berzeugt, dass sie es l�nger als sonst jemand konnten. Als die T�chter des Speers ihn passierten, dr�ckte jede von ihnen hastig mehrere Finger in Lippenh�he gegen den Schleier und ber�hrte dann seine Schulter. Sulin, die direkt hinter Gaul kam, nickte ihm sogar zu, aber keine sagte auch nur ein Wort. Faile w�rde gewusst haben, was das mit dem K�ssen der Finger zu bedeuten hatte.</p><p>Aber an ihrem Aufbrach gab es noch etwas anderes, das seltsam war, wie ihm auffiel, als die letzte Tochter an ihm vorbei war. Sie lie�en sich von Gaul f�hren. Normalerweise h�tte jede von ihnen ihn mit dem Speer durchbohrt, bevor sie das zugelassen h�tte. Warum nur ...? Vermutlich hatten Chiad und Bain Faile begleitet. Bain war Gaul v�llig gleichg�ltig, aber mit Chiad war es schon eine andere Sache. Die T�chter hatten Gauls Hoffnung, dass Chiad den Speer zur Seite legen w�rde, um ihn zu heiraten, nicht im mindesten unterst�tzt � ganz im Gegenteil! �, aber vielleicht war das ja der Grund.</p><p>Perrin grunzte erbost �ber sich selbst. Chiad und Bain, und wer noch? Selbst blind vor Furcht wegen Faile h�tte er wenigstens danach fragen m�ssen. Wenn er sie zur�ckbekommen wollte, musste er die Angst besiegen und die Augen aufmachen. Aber es war, als wollte er einen Baum mit den H�nden erw�rgen.</p><p>Auf dem flachen H�gel wimmelte es nun vor Aktivit�t. Jemand hatte bereits Steher fortgef�hrt, und die M�nner von den Zwei Fl�ssen verlie�en den Ring um die H�gelkuppe, str�mten zu ihrem Lager und riefen einander zu, was sie im Fall des Angriffs der Lanzenreiter getan h�tten. Gelegentlich hob ein Mann die Stimme und fragte nach Faile, ob jemand wusste, ob die Lady in Sicherheit war, wo man nach ihr suchte, aber die anderen brachten ihn dann stets mit besorgten Blicken in Perrins Richtung zum Schweigen. Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> gingen inmitten der ganzen Hektik stoisch ihren Aufgaben nach. Ohne den n�tigen Befehl h�tten sie das auch getan, w�hrend um sie herum die Schlacht tobte, keiner h�tte die Hand gehoben, um zu helfen oder zu behindern. Die Weisen Frauen waren zusammen mit Seonid und Masuri in einem der Zelte verschwunden und die Eing�nge waren nicht nur heruntergezogen, sondern verschn�rt. Sie wollten nicht gest�rt werden. Zweifellos w�rden sie �ber Masema sprechen. Wom�glich schmiedeten sie Pl�ne, wie sie ihn t�ten konnten, ohne dass Rand oder er erfuhren, dass sie es gewesen waren.</p><p>Er hieb gereizt die Faust in die offene Handfl�che. Er hatte Masema doch tats�chlich vergessen. Der Mann sollte sich ihnen vor Einbruch der Dunkelheit anschlie�en, mit einer hundert Mann starken Ehrenwache. Mit etwas Gl�ck w�rden die Sp�her aus Mayene bis dahin zur�ck sein, Elyas und die anderen kurz darauf.</p><p>�Mein Lord Perrin?�, sagte Grady hinter ihm und er drehte sich um. Die beiden Asha'man standen vor ihren Pferden und spielten unschl�ssig mit den Z�geln. Grady holte tief Luft und sprach weiter, nachdem Neald zustimmend genickt hatte. �Wir beide k�nnten ein gro�es Gebiet absuchen, wenn wir Reisen. Und wenn wir die Entf�hrer finden, nun, ich bezweifle, dass selbst ein paar hundert Aiel zwei Asha'man daran hindern k�nnten, sie zur�ckzuholen.�</p><p>Perrin wollte ihnen befehlen, sofort anzufangen, aber dann �berlegte er es sich anders. Grady war ein Bauer gewesen, aber niemals ein J�ger oder Waldl�ufer. Neald hielt jeden Ort ohne eine Steinmauer darum f�r ein Dorf. Sie konnten einen Fu�abdruck von einer Eiche unterscheiden, aber selbst wenn sie Spuren fanden, w�rde vermutlich keiner von ihnen bestimmen k�nnen, in welche Richtung sie f�hrten. Nat�rlich konnte er sie begleiten. Er war nicht so gut wie Jondyn, aber... Er k�nnte gehen und sich Dannil mit Arganda auseinandersetzen lassen. Und mit Masema. Ganz zu schweigen von den Intrigen der Weisen Frauen.</p><p>�Geht packen�, sagte er leise. Wo war Balwer? Nirgendwo in Sicht. Es war kaum wahrscheinlich, dass <emphasis>er</emphasis> losgezogen war, um Faile zu suchen. �Vielleicht werdet ihr hier gebraucht.�</p><p>Grady blinzelte �berrascht und Nealds Mund blieb offen stehen.</p><p>Perrin gab ihnen keine Gelegenheit zur Widerrede. Er ging auf das niedrige Zelt mit dem zugebundenen Eingang zu, der von au�en nicht zu �ffnen war. Wenn die Weisen Frauen ungest�rt bleiben wollten, wollten sie ungest�rt bleiben, egal ob ein Clanh�uptling kam oder sonst jemand. Und das galt auch f�r einen Feuchtl�nder, der schwer an der Last des Lords von den Zwei Fl�ssen trug. Er z�ckte das G�rtelmesser und b�ckte sich, um die B�nder zu zerschneiden, aber bevor er die Klinge in den engen Spalt zwischen den beiden Zeltplanen schieben konnte, gerieten sie in Bewegung, als w�rde sie jemand von innen �ffnen. Er richtete sich auf und wartete.</p><p>Das Zelt �ffnete sich und Nevarin schl�pfte heraus. Ihr Schal war um ihre Taille geknotet, aber abgesehen von ihrem zu Nebel erstarrenden Atem gab sie keinerlei Anzeichen, dass sie die eiskalte Luft sp�rte. Sie sah das Messer in seiner Hand und stemmte mit klirrenden Armreifen die F�uste in die H�ften. Sie war beinahe knochend�rr, hatte langes, sandfarbenes Haar, das von einem dunklen, zusammengefalteten Tuch zur�ckgebunden wurde, und war fast eine Handspanne gr��er als Nynaeve � aber sie erinnerte ihn stets an sie. Sie versperrte den Eingang.</p><p>�Perrin Aybara, Ihr seid ungest�m.� Ihre helle Stimme war ausgeglichen, aber er hatte den Eindruck, dass sie ernsthaft dar�ber nachdachte, ihm eins hinter die Ohren zu geben. �Auch wenn das unter den Umst�nden verst�ndlich ist. Was wollt Ihr?�</p><p>�Wie...?� Er musste innehalten, um zu schlucken. �Wie wird man sie behandeln?�</p><p>�Das kann ich nicht sagen, Perrin Aybara.� Ihre Miene war ohne jedes Mitleid, ja sogar ausdruckslos. Darin h�tten Aiel den Aes Sedai noch Unterricht geben k�nnen. �Feuchtl�nder zu Gefangenen zu machen ist gegen die Tradition, die einzige Ausnahme bilden die Baumm�rder, obwohl sich auch das ge�ndert hat. Das Gleiche gilt f�r das wahllose T�ten. Aber viele haben sich geweigert, die vom <emphasis>Car'a'carn</emphasis> enth�llten Wahrheiten zu akzeptieren. Einige sind von der Trostlosigkeit erfasst worden und haben ihre Speere niedergeworfen, aber vielleicht nehmen sie sie wieder auf. Andere sind einfach gegangen, um so zu leben, wie sie glauben, dass wir leben sollten. Ich kann nicht sagen, welche Sitten von jenen, die Clan und Septime verlassen haben, eingehalten oder verworfen werden.� Nur am Ende zeigte sie so etwas wie eine Gef�hlsregung, als sie jene erw�hnte, die Clan und Septime verlie�en.</p><p>�Licht, Frau, Ihr m�sst doch eine Vorstellung haben! Sicherlich k�nnt Ihr eine Vermutung �u�ern ...�</p><p>�Verliert nicht den Kopf!�, unterbrach sie ihn mit scharfer Stimme. �So reagieren M�nner in solchen Situationen oft, aber wir brauchen Euch. Es wird Eurem Stand bei den Ghealdanern und Mayenern nicht guttun, wenn wir Euch fesseln m�ssen, bis Ihr Euch beruhigt habt. Geht in Euer Zelt. Wenn Ihr Eure Gedanken nicht kontrollieren k�nnt, dann trinkt, bis Ihr nicht mehr denken k�nnt. Und st�rt uns nicht beim Rat.� Sie duckte sich zur�ck in das Zelt, und die Eing�nge wurden ruckartig zusammengezogen und fingen an zu zucken, als sie wieder verschn�rt wurden.</p><p>Perrin betrachtete den Eingang nachdenklich, fuhr mit dem Daumen �ber die Messerklinge und rammte sie dann in die Scheide. Wenn er dort hereinplatzte, w�rden sie wom�glich genau das tun, was Nevarin ihm angedroht hatte. Und sie konnten ihm nicht sagen, was er wissen wollte. Er glaubte nicht, dass sie zu so einem Zeitpunkt vor ihm Geheimnisse haben w�rden. Schon gar nicht, wenn es um Faile ging.</p><p>Auf dem H�gel war es ruhiger geworden, jetzt, da die meisten der M�nner von den Zwei Fl�ssen gegangen waren. Der Rest von ihnen beobachtete noch immer wachsam das tiefer gelegene Lager der Ghealdaner; sie stampften gegen die K�lte mit den F��en auf, aber keiner sprach. Die umherhuschenden <emphasis>Gai'schain</emphasis> machten kaum Ger�usche. Sowohl das Lager der Ghealdaner wie auch das der Mayener wurde teilweise von B�umen verdeckt, aber Perrin konnte sehen, dass man Wagen belud. Er entschied, trotzdem weiterhin Wachen aufzustellen. M�glicherweise wollte Arganda nur sein Misstrauen beschwichtigen. Ein Mann, der so roch, konnte ... <emphasis>irrational</emphasis> handeln, beendete er den Gedanken trocken.</p><p>F�r ihn gab es auf dem H�gel nichts mehr zu tun, also machte er sich auf den Weg zu seinem eine halbe Meile entfernten Zelt. Das Zelt, das er mit Faile teilte. Er stolperte genauso oft, wie er normal ging, musste sich m�hsam weiterk�mpfen, wenn der Schnee bis zu seinen Beinen reichte. Er hielt den Umhang eng um sich gezogen, nicht nur, damit er nicht im Wind flatterte, sondern auch um mehr W�rme zu haben. Aber da war keine W�rme, Als er im Lager der Zwei Fl�sse eintraf, herrschte dort emsiges Treiben. Die Wagen bildeten noch immer einen gro�en Kreis, und M�nner und Frauen von Dobraines G�tern in Cairhien beluden sie, w�hrend andere die Pferde f�rs Satteln vorbereiteten. Die Cairhiener, die wegen der Witterung so sehr vermummt waren, dass sie doppelt so dick wie gew�hnlich erschienen, schenkten ihm kaum einen Blick, aber jeder Mann von den Zwei Fl�ssen, der ihn erblickte, hielt inne, um ihn offen anzustarren, bis jemand ihm einen Sto� gab, damit er sich wieder seiner T�tigkeit zuwandte. Perrin war froh, dass keiner das in diesen Blicken liegende Mitleid zus�tzlich mit Worten ausdr�ckte. H�tte es jemand getan, w�re er vermutlich zusammengebrochen und h�tte geweint. Zumindest glaubte er das.</p><p>Hier schien es auch nichts f�r ihn zu tun zu geben. Sein gro�es Zelt � seines und Failes � war bereits abgebaut und zusammen mit der Einrichtung auf einen Wagen verladen worden. Basel Gill schritt die Wagen mit einer langen Liste in den H�nden ab. Der untersetzte Mann hatte die Aufgabe des <emphasis>Shambayan</emphasis> �bernommen und f�hrte Failes � und Perrins � Haushalt wie ein Eichh�rnchen seinen Futtervorrat. Da er aber mehr an St�dte als ans Reisen gew�hnt war, litt er unter der K�lte und trug nicht nur einen Umhang, sondern zus�tzlich einen dicken Schal um den Hals, einen breitkrempigen Schlapphut und dicke Wollhandschuhe. Aus irgendeinem Grund zuckte Gill bei seinem Anblick zusammen und murmelte etwas davon, sich um die Wagen k�mmern zu m�ssen, bevor er so schnell davoneilte, wie er nur konnte. Seltsam.</p><p>Perrin fiel etwas ein, und er suchte Dannil und gab dann den Befehl, die M�nner auf dem H�gel jede Stunde abzul�sen und daf�r zu sorgen, dass jeder eine hei�e Mahlzeit bekam.</p><p>�K�mmert Euch zuerst um die M�nner und die Pferde�, sagte da eine d�nne, aber feste Stimme. �Aber danach m�sst Ihr Euch um Euch selbst k�mmern. Es ist hei�e Suppe im Kessel, dann ist da noch ein Laib Brot, und ich habe noch ein St�ck ger�ucherten Schinken beiseite gelegt. Ein voller Bauch wird Euch weniger wie ein umherstreifender M�rder aussehen lassen.�</p><p>�Danke, Lini�, sagte er. Ein umherstreifender M�rder? Licht, er f�hlte sich wie ein Toter, nicht wie ein M�rder. �Ich esse sp�ter.�</p><p>Failes Gesindevorsteherin war eine zerbrechlich wirkende Frau, deren Haut wie Pergament aussah und die das wei�e Haar in einem Knoten oben auf dem Kopf trug, aber sie hielt sich aufrecht, und ihre dunklen Augen blickten klar und scharf. Doch jetzt wurde ihre Stirn von Sorgenfalten durchfurcht und ihre H�nde verkrampften sich viel zu sehr in ihren Umhang. Sie w�rde sich um Faile Sorgen machen, das mit Sicherheit, aber ...</p><p>�Maighdin hat sie begleitet�, sagte er und ben�tigte nicht ihr Nicken zur Best�tigung. Es hatte den Anschein, als w�re Maighdin stets in Falles N�he zu finden. Faile hatte sie einst als einen Schatz bezeichnet. Und Lini schien die Frau als ihre Tochter zu betrachten, obwohl Maighdin dies manchmal nicht so sehr zu genie�en schien wie Lini. �Wir bekommen sie zur�ck�, versprach er. �Sie alle.� Diesmal brach seine Stimme beinahe. �K�mmert Euch wieder um Eure Arbeit�, fuhr er grob und eilig fort. �Ich werde gleich essen. Ich muss vorher ...� Er ging weiter, ohne den Satz zu beenden.</p><p>Es gab nichts, was er tun konnte. Nichts, woran er denken konnte. Mit Ausnahme von Faile. Ihm war kaum bewusst, in welche Richtung er ging, bis ihn seine Schritte aus der Wagenburg hinaustrugen.</p><p>Einhundert Schritte jenseits der Seile f�r die Pferde ragte ein niedriger, steiniger H�gel wie ein schwarzer Gipfel aus dem Schnee. Von dort oben w�rde er die Spuren sehen k�nnen, die Elyas und die anderen hinterlassen hatten. Von dort w�rde er sie zur�ckkehren sehen.</p><p>Er hatte die schmale H�gelkuppe noch nicht erreicht, als ihm seine Nase nicht nur verriet, dass er nicht allein war, sondern auch, wer dort oben stand. Der andere Mann hatte nicht auf seine Umgebung geachtet. Perrin war mit knirschenden Schritten fast schon oben, bevor er an der Stelle aufsprang, wo er auf den Fersen gekauert hatte. Tallanvors behandschuhte Hand knetete den langen Schwertgriff und er sah Perrin unsicher an. F�r gew�hnlich war der gro�e Mann, der in seinem Leben schon viele Nackenschl�ge hatte hinnehmen m�ssen, sehr selbstsicher. Vielleicht erwartete er eine Beschimpfung, weil er bei Failes Entf�hrung nicht an Ort und Stelle gewesen war, obwohl sie ihn als Leibw�chter abgelehnt hatte. Sie hatte au�er Bain und Chiad jede Leibwache abgelehnt und die beiden z�hlten anscheinend nicht. Vielleicht glaubte er auch nur, zur�ck zu den Wagen geschickt zu werden, damit Perrin allein sein konnte. Perrin bem�hte sich, weniger wie ein � wie hatte Lini es doch genannt? � umherstreifender M�rder auszusehen. Tallanvor war in Maighdin verliebt und h�tte sie bald geheiratet, falls Failes Vermutung richtig war. Der Mann hatte das Recht, hier Wache zu halten.</p><p>Sie standen auf dem H�gel, w�hrend sich die D�mmerung herabsenkte, und in dem verschneiten Wald, den sie beobachteten, r�hrte sich nichts. Die Dunkelheit brach herein, ohne dass sich etwas tat, vor allem aber traf Masemas nicht ein, doch Perrin dachte nicht einmal an den Propheten. Der zunehmende Mond beleuchtete den wei�en Schnee, verbreitete scheinbar genauso viel Licht wie der Vollmond. Bis tief treibende Wolkenfetzen ihn dann verbargen und stetig dichter werdende Mondschatten �ber den Schnee glitten. Es fing an zu schneien. Schnee, der alle Spuren begraben w�rde. Die beiden M�nner standen schweigend in der K�lte, sahen dem Schneefall zu und warteten und hofften.</p></section><section><title><p>3</p><p>Sitten und Gebr�uche</p></title><p>Von der ersten Stunde der Gefangenschaft an, in der sie sich durch die verschneiten W�lder k�mpften, hatte Faile Angst zu erfrieren. Wind kam auf und erstarb wieder. Nur wenige der verstreut stehenden B�ume trugen noch Bl�tter, von denen die meisten braun und verwelkt waren. Der Wind strich ungehindert durch den Wald, und so kurz die B�en auch andauerten, trugen sie dennoch Eisesk�lte mit sich. Sie dachte kaum an Perrin, einmal abgesehen von der Hoffnung, dass er irgendwie von Masemas geheimen Aktivit�ten erfuhr. Und nat�rlich von den Shaido. Selbst wenn diese Hure Berelain die Einzige war, die ihn jetzt dar�ber noch informieren konnte. Sie hoffte, dass Berelain dem Hinterhalt entgangen war und Perrin alles berichtet hatte. Und dann in ein Loch gefallen und sich den Hals gebrochen hatte. Aber sie hatte viel dringlichere Sorgen als ihren Ehemann.</p><p>Sie hatte dieses Wetter als herbstlich bezeichnet, aber im saldaeanischen Herbst kam es vor, dass Menschen erfroren; von ihrer Kleidung waren nur noch ihre dunklen Wollstr�mpfe �brig geblieben. Mit dem einen hatte man ihr die Ellbogen auf dem R�cken fest zusammengebunden, w�hrend der andere als Leine um ihren Hals lag. Mutige Worte boten eine d�rftige Bedeckung f�r nackte Haut. Ihr war zu kalt, um zu schwitzen, doch ihre Beine schmerzten schon bald durch die Anstrengung, mit ihren Enf�hrern Schritt zu halten. Die Shaido- Marschreihe, die aus verschleierten M�nnern und T�chtern des Speers bestand, wurde langsamer, sobald der Schnee bis zu ihren Knien reichte, nahm aber sofort ihren normalen Dauerlauf wieder auf, wenn er nur bis zu ihren Kn�cheln ragte, und sie schienen nicht zu erm�den. Pferde w�ren nicht schneller vorangekommen. Am ganzen Leib zitternd k�mpfte sich Falle am Ende ihrer Leine voran und m�hte sich, durch Z�hne, die sie zusammenbiss, um sie am Klappern zu hindern, ausreichend Atem zu sch�pfen.</p><p>Die Shaido waren weniger, als sie beim Angriff gedacht hatte, kaum mehr als hundertf�nfzig, und fast alle hielten Speere oder Bogen bereit. Kaum vorstellbar, dass sie jemand �berraschen konnte. Sie hielten das Land, das sie durchquerten, aufmerksam im Auge, und abgesehen von dem leisen Knirschen des Schnees unter ihren weichen, kniehohen Stiefeln huschten sie geistergleich lautlos daher. Allerdings hob sich das Gr�n und Grau und Braun ihrer Kleidung von der wei�en Landschaft ab. Seit der �berquerung der Drachenmauer hatte man dem <emphasis>Cadin 'sor</emphasis> Gr�n hinzugef�gt, um sich in einem gr�nen Land besser verbergen zu k�nnen. Das hatten ihr Bain und Chiad verraten. Warum hatten diese Leute kein Wei� f�r den Winter hinzugef�gt? Im Moment konnte man sie aus einiger Entfernung sehen.</p><p>Faile versuchte, sich alles zu merken, was sich sp�ter als n�tzlich erweisen k�nnte, wenn die Zeit zur Flucht gekommen war. Sie hoffte, dass es ihre Mitgefangenen auch taten. Perrin w�rde die Shaido mit Sicherheit jagen, aber der Gedanke an eine Rettung fand keinen Eingang in ihre Berechnungen. Warte auf die Rettung und wom�glich wartest du f�r alle Zeiten. Au�erdem mussten sie so schnell wie m�glich fliehen, bevor ihre Entf�hrer sich mit dem Rest der Shaido vereinigten. Noch sah sie keine M�glichkeit, aber es musste einen Weg geben. Zumindest hatten sie das Gl�ck, dass sich die Hauptgruppe der Shaido Tage von ihnen entfernt befinden musste. In diesem Teil von Amadicia herrschte das Chaos, aber sie h�tten davon geh�rt, wenn sich Tausende von Shaido in ihrer N�he befunden h�tten.</p><p>Ganz zu Anfang hatte sie einmal versucht, zu den Frauen zur�ckzublicken, die zusammen mit ihr gefangen worden waren, aber der Versuch hatte lediglich zu einem Sturz in eine Schneebank gef�hrt. Zur H�lfte unter wei�em Pulverschnee begraben, hatte die eisige Ber�hrung sie nach Luft schnappen lassen, und dann hatte sie erneut gekeucht, als der riesenhafte Shaido, der ihre Leine hielt, sie wieder auf die F��e setzte. Rolan, der so breit wie Perrin und mindestens einen ganzen Kopf gr��er war, hatte sie einfach an den Haaren in die H�he gezerrt und sie mit einem Schlag auf den nackten Hintern angetrieben, um dann wieder in jenen weit ausholenden Dauerlauf zu verfallen, der sie zur Schnelligkeit zwang. Der Schlag h�tte auch dazu dienen k�nnen, ein Pony anzutreiben. Trotz ihrer Nacktheit stand in Rolans blauen Augen nichts von einem Mann zu lesen, der eine Frau betrachtete. Ein Teil von ihr war daf�r sehr dankbar. Ein anderer Teil war auf eine vage Weise ... entsetzt. Sie wollte mit Sicherheit nicht, dass er sie mit Lust oder gar Begehren betrachtete, aber diese ausdruckslosen Blicke waren fast schon eine Beleidigung! Danach konzentrierte sie sich darauf, nicht erneut zu st�rzen, doch als die Stunden ohne die geringste Rast vergingen, wurde es bereits zu einer gewaltigen Anstrengung, sich nur auf den Beinen zu halten.</p><p>Anfangs hatte sie sich noch dar�ber gesorgt, welche ihrer K�rperteile wohl zuerst erfrieren w�rden, aber als der Morgen ohne Marschpause in den Nachmittag �bergegangen war, konzentrierte sie sich auf ihre F��e. Rolan und die vor ihm Gehenden hatten eine Art Pfad f�r sie getrampelt, aber es blieb genug eisiger Schnee mit scharfen Kanten �brig, und sie fing an, rote Flecken zu hinterlassen, die in ihren Fu�abdr�cken gefroren. Noch schlimmer war die K�lte. Falle hatte schon Erfrierungen gesehen. Wie lange w�rde es dauern, bis ihre Zehen schwarz wurden? Bei jedem stolpernden Schritt nach vorn dehnte sie den Fu� und bewegte st�ndig die H�nde. Finger und Zehen schwebten in der gr��ten Gefahr. Was das Gesicht und den Rest ihres K�rpers anging, konnte sie nur hoffen. Das Dehnen schmerzte, es lie� die Schnitte in ihren Fu�sohlen brennen, aber jede Empfindung war besser als keine. Wenn das Gef�hl verschwand, w�rde ihr nur noch wenig Zeit bleiben. Dehnen und gehen, dehnen und gehen. Das f�llte ihre Gedanken, sonst nichts. Sich mit zitternden Beinen weiter fortbewegen und H�nde und F��e vor dem Erfrieren zu bewahren. Sich weiter bewegen.</p><p>Pl�tzlich stolperte sie gegen Rolan und wurde keuchend von seiner breiten Brust zur�ckgeworfen. Zur H�lfte benommen � vielleicht sogar mehr als das � hatte sie nicht mitbekommen, dass er stehen geblieben war. Genau wie die anderen, die sich vor ihnen befanden; ein paar von ihnen blickten zur�ck, der Rest sicherte misstrauisch mit erhobenen Waffen die Seiten, so als w�rden sie einen Angriff erwarten. Das war alles, was sie sehen konnte, bevor Rolan wieder eine Hand voll ihres Haars packte und sich b�ckte, um einen ihrer F��e anzuheben. Licht, der Mann behandelte sie wirklich wie ein Pony!</p><p>Er lie� Haare und Fu� los, schob einen Arm um ihre Beine, und im n�chsten Augenblick wirbelte alles um sie herum, als er sie sich �ber die Schulter legte und ihr Kopf neben dem auf seinem R�cken h�ngenden Hornbogen zu ruhen kam. Emp�rung stieg in ihr auf, als er sie unger�hrt hin und her schob, bis er die beste Trageposition gefunden hatte, aber sie unterdr�ckte sie, so schnell sie gekommen war. Das war weder der richtige Ort noch die richtige Zeit. Ihre F��e waren aus dem Schnee, das war alles, was z�hlte. Und auf diese Weise konnte sie verschnaufen. Allerdings h�tte er sie vorher warnen k�nnen.</p><p>M�hsam verdrehte sie den Nacken, damit sie ihre Gef�hrtinnen sehen konnte, und versp�rte Erleichterung, dass sie alle noch dabei waren. Sicher, es waren nackte Gefangene, aber sie war davon �berzeugt, dass man nur die Leichen zur�ckgelassen h�tte. Au�er ihr trug keiner eine Leine, aber den meisten hatte man die Arme auf den R�cken gefesselt. Alliandre kr�mmte sich nicht l�nger zusammen in dem Versuch, ihren K�rper zu verbergen. F�r die K�nigin von Ghealdan gab es nun andere Sorgen als Sittsamkeit. Sie keuchte und zitterte am ganzen Leib, und sie w�re gest�rzt, h�tte der untersetzte Shaido, der ihre F��e untersuchte, sie nicht bei den zusammengebundenen Ellbogen gehalten. Untersetzt bedeutete bei einem Aiel, dass er an den meisten Orten nicht weiter aufgefallen w�re, w�ren da nicht Schultern gewesen, die fast so breit wie Rolans waren. Das dunkle Haar, das auf Alliandres R�cken fiel, war vom Wind zerzaust, ihr Gesicht wirkte abgezehrt. Maighdin hinter ihr schien sich in einem fast genauso schlechten Zustand zu befinden; sie rang keuchend nach Luft, das rotgoldene Haar war zerzaust und der Blick der blauen Augen war starr, aber sie schaffte es, aus eigener Kraft stehen zu bleiben, w�hrend eine knochend�rre Tochter ihren Fu� hob. Irgendwie sah Failes Dienerin mehr wie eine K�nigin aus, als dies Alliandre tat, wenn auch eine in Mitleidenschaft gezogene K�nigin.</p><p>Bain und Chiad schienen sich in keinem schlimmeren Zustand als die Shaido zu befinden, auch wenn Chiads Wange von dem Schlag, den sie bei ihrer Gefangennahme abbekommen hatte, angeschwollen war und sich gelb verf�rbte, und das schwarze Blut, das Bains feuerrotes kurzes Haar verklebte und ihr ins Gesicht gelaufen war, schien gefroren zu sein. Das war b�se; das konnte eine Narbe geben. Aber die beiden T�chter des Speers atmeten nicht schwer und hoben sogar selbst die F��e zur Untersuchung. Sie waren die einzigen Gefangenen, die nicht gefesselt waren. Wenn man einmal von Br�uchen absah, die st�rker als alle Ketten waren. Sie hatten ihr Schicksal ruhig akzeptiert, sie hatten eingewilligt, ein Jahr und einen Tag als <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu dienen. M�glicherweise w�rden sie bei einer Flucht helfen k�nnen � Faile vermochte nicht genau zu sagen, wie weit die Br�uche sie einschr�nkten �, aber sie selbst w�rden nicht zu fliehen versuchen.</p><p>Lacile und Arrela, die beiden letzten Gefangenen, versuchten alles den T�chtern nachzumachen, nat�rlich erfolglos. Ein hoch gewachsener Aiel hatte sich die kleine Lacile einfach unter den Arm geklemmt, um sich ihre F��e anzusehen, und ihre bleichen Wangen waren vor Entsetzen und Scham blutrot. Arrela war gro�, aber die beiden T�chter, die auf sie aufpassten, waren noch gr��er als Faile, und sie gingen mit der Frau aus Tairen mit unpers�nlicher M�helosigkeit um. Ihre Untersuchung rief bei ihr ein Stirnrunzeln hervor, m�glicherweise war es auch die flinke Fingersprache, mit der sie sich austauschten. Faile hoffte, dass sie keinen �rger machte, nicht jetzt. Jeder der <emphasis>Cha Faile</emphasis> versuchte wie ein Aiel zu sein und so zu leben, wie man glaubte, dass sie leben w�rden, aber Arrela <emphasis>wollte</emphasis> eine Tochter sein, und sie nahm es Sulin und den anderen �bel, dass sie ihr nicht die Fingersprache beibrachten. H�tte sie gewusst, dass Bain und Chiad Faile darin ein wenig unterrichtet hatten, w�re sie noch erz�rnter gewesen. Zwar reichte es nicht aus, um mehr als jedes zweite Wort zu verstehen, das die T�chter jetzt �bermittelten, aber es war besser als nichts. Und es war gut, dass Arrela nichts davon mitbekam. Sie waren der Ansicht, dass die Feuchtl�nderin weiche F��e hatte und dass sie �berhaupt viel zu verw�hnt und weich war, und das h�tte die Frau mit Sicherheit zu einem Wutausbruch provoziert.</p><p>Wie sich herausstellte, war Falles Sorge um Arrela unn�tig. Die Tairenerin versteifte sich, als eine der T�chter sie sich auf die Schulter lud � die Frau tat dabei so, als w�rde sie taumeln und benutzte die freie Hand, eine Nachricht zu signalisieren, die der anderen Tochter hinter ihrem Schleier ein bellendes Lachen entlockte �, aber nach einem Blick auf Bain und Chiad, die bereits gehorsam �ber den Schultern von Aielm�nnern lagen, machte sich Arrela m�rrisch ganz locker. Lacile kreischte auf, als der gro�e Mann, der sie hielt, sie pl�tzlich umdrehte und in die gleiche Position brachte, aber danach f�gte sie sich stumm ihrem Schicksal, obwohl ihr Gesicht noch immer feuerrot war. Es hatte durchaus seine Vorteile, dass sie den Aiel alles gleichtun wollten.</p><p>Alliandre und Maighdin jedoch, die letzten Frauen, von denen Faile angenommen h�tte, dass sie sich zieren w�rden, waren da ganz anders. Als sie begriffen, was mit ihnen geschah, setzten sie sich erbost zur Wehr. Es war kein gro�er Kampf, zwei nackte und ersch�pfte Frauen, denen man die Ellbogen eng aneinander gefesselt hatte, aber sie wanden sich und br�llten und traten nach jedem, der in ihre N�he kam, und Maighdin versenkte sogar ihre Z�hne in die Hand eines unachtsamen Aiels und verbiss sich wie ein Jagdhund in ihn.</p><p>�H�rt damit auf, ihr N�rrinnen!�, rief ihnen Faile zu. �Alliandre! Maighdin! Lasst sie euch tragen! Gehorcht mir!� Weder ihre Dienerin noch ihre Vasallin schenkten ihr auch nur die geringste Aufmerksamkeit. Maighdin knurrte wie eine L�win durch ihre festgebissenen Z�hne. Alliandre wurde niedergerungen, sie br�llte und trat noch immer um sich. Faile wollte es ihnen noch einmal befehlen.</p><p>�Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> wird stumm sein�, knurrte Rolan und versetzte ihr einen harten Schlag.</p><p>Faile biss die Z�hne zusammen und murmelte etwas Unverst�ndliches. Was ihr einen weiteren Schlag einbrachte! Der Mann hatte sich ihre Messer hinter den G�rtel gesteckt. H�tte sie doch nur eines in die Finger bekommen ...! Nein. Was man ertragen musste, konnte man auch ertragen. Sie wollte fliehen und keine nutzlosen Gesten machen.</p><p>Maighdins Kampf dauerte etwas l�nger als Alliandres, und zwar bis zwei starke M�nner ihren Kiefer �ffnen und von der Hand des Shaido befreien konnten. Sie brauchten dazu zwei Mann. Zu Falles �berraschung versetzte der Gebissene Maighdin keinen Schlag, sondern sch�ttelte sich das Blut von der Hand und lachte! Aber das rettete sie nicht. Im Handumdrehen lag Failes Dienerin neben der K�nigin mit dem Gesicht nach unten im Schnee. Ihnen blieben nur wenige Augenblicke, in denen sie sich in der nassen K�lte winden konnten. Zwei Shaido � eine davon eine Tochter � traten zwischen den B�umen hervor und schnitzten mit ihren schweren G�rtelmessern Ver�stelungen von langen Ruten. Dann wurde jeder Frau ein Fu� zwischen die Schulterbl�tter gesetzt, und eine Faust schob die um sich greifenden H�nde aus dem Weg, und dann erbl�hten rote Striemen auf wei�en H�ften.</p><p>Zuerst setzten sich beide Frauen weiter zur Wehr und wanden sich. Aber ihr Kampf war noch sinnloser als zuvor, als sie aufrecht gestanden hatten. Oberhalb ihrer Taille bewegte sich nichts au�er zur�ckgeworfenen K�pfen und wild um sich greifenden H�nden. Alliandre kreischte weiterhin, dass man das nicht mit ihr machen k�nnte, was f�r eine K�nigin verst�ndlich, unter diesen Umst�nden aber dumm war. Offensichtlich konnten sie es und sie taten es auch. �berraschenderweise hob Maighdin ihre Stimme zu der gleichen schrillen Ungl�ubigkeit. Jeder h�tte sie f�r eine Angeh�rige des Adels statt f�r eine Dienerin gehalten. Faile wusste genau, dass Lini Maighdin mit der Rute bestraft hatte, ohne dass es ein solches Theater gegeben hatte. Auf jeden Fall halfen die ungl�ubigen Proteste den Frauen nicht im mindesten. Die Pr�gel wurden fortgesetzt, bis sie beide wortlos jammerten und um sich traten, und dann noch etwas l�nger, damit die Botschaft auch ankam. Als sie schlie�lich wie alle Gefangenen �ber die Schulter gelegt wurden, hingen sie schluchzend da, und der Wille zum Widerstand war restlos verschwunden.</p><p>Faile versp�rte keinerlei Mitleid. Ihrer Ansicht nach hatten diese N�rrinnen jeden Schlag verdient. Von Erfrierungen und zerschnittenen F��en einmal abgesehen, je l�nger sie ohne Kleidung den Elementen ausgesetzt waren, desto eher stand an zu bef�rchten, dass es einige von ihnen nicht �berleben w�rden, um sp�ter zu entfliehen. Die Shaido w�rden sie zu einer Art Unterschlupf bringen und Alliandre und Maighdin hatten die Ankunft dort verz�gert. Vielleicht war es ja nicht mehr als eine Viertelstunde, aber Minuten konnten den Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten ausmachen. Au�erdem w�rden selbst Aiel zumindest etwas in ihrer Wachsamkeit nachlassen, sobald sie in einer Unterkunft waren und Feuer entz�ndet hatten. Und sie, die Gefangenen, konnten nun neue Kr�fte sch�pfen, da sie getragen wurden. Jetzt konnten sie auf ihre Chance warten und sie ergreifen, wenn sie kam.</p><p>Die Shaido verfielen wieder in ihren weitausholenden Schritt. Und tats�chlich hatte es den Anschein, dass sie sich jetzt, da sie ihre Gefangenen trugen, noch schneller als zuvor durch den Wald bewegten. Die harte Ledertasche des Bogens stie� in Failes Seite, w�hrend sie hin und her schwankte, und langsam wurde ihr schwindelig. Jeder der langen Schritte Rolans sandte eine harte Ersch�tterung durch ihren Leib. Verstohlen versuchte sie eine Position zu finden, in der sie nicht so energisch durchgesch�ttelt wurde.</p><p>�Beweg dich nicht, sonst wirst du runterfallen�, murmelte Rolan und t�tschelte ihre H�fte, so wie er ein Pferd get�tschelt h�tte, um es zu beruhigen.</p><p>Faile hob den Kopf und schaute mit gerunzelter Stirn zu Alliandre hin�ber. Von der K�nigin von Ghealdan war nicht viel zu sehen, und das, was zu sehen war, war von dicken roten Striemen gezeichnet. Wenn man mal so dar�ber nachdachte, w�ren eine kurze Verz�gerung und ein paar Striemen wom�glich ein geringer Preis daf�r gewesen, ein St�ck aus diesem Flegel herauszubei�en, der sie wie ein Sack Korn trug. Aber nicht aus seiner Hand. Seine Kehle w�re das bessere Ziel gewesen.</p><p>K�hne Gedanken, und mehr als nutzlos. N�rrisch. Obwohl sie getragen wurde, musste sie weiter gegen die K�lte ank�mpfen. Sie begriff, dass das Getragenwerden in gewisser Weise sogar schlechter war. Als sie gegangen war, hatte sie darum k�mpfen m�ssen, auf den F��en und damit wach zu bleiben. Als der Abend kam und die Dunkelheit hereinbrach, schien die wiegende Bewegung auf Rolans Schulter eine einschl�fernde Wirkung zu haben. Nein. Es war die K�lte, die ihren Verstand bet�ubte. Ihr Blut langsamer flie�en lie�. Sie musste dagegen ank�mpfen oder sie w�rde sterben.</p><p>Faile bewegte rhythmisch ihre H�nde und die gefesselten Arme, spannte die Beine an und entspannte sie wieder, zwang ihre Muskeln dazu, ihr Blut zirkulieren zu lassen. Sie dachte an Perrin, schmiedete Pl�ne, wie er mit Masern a verfahren sollte und wie sie ihn davon �berzeugen w�rde, wenn er sich str�ubte. Sie ging in Gedanken die Diskussion durch, die sie haben w�rden, wenn er erfuhr, dass sie <emphasis>Cha Faile</emphasis> als Spione benutzt hatte, plante, wie sie seinem Zorn begegnen und ihn abwenden w�rde. Die Wut eines Ehemanns in eine gew�nschte Richtung zu lenken war eine Kunst und sie hatte von einer Expertin gelernt, ihrer Mutter. Es w�rde ein gro�artiger Streit werden. Und eine gro�artige Vers�hnung � danach.</p><p>Der Gedanke an die Vers�hnung mit Perrin lie� sie vergessen, ihre Muskeln zu bewegen, also versuchte sie sich auf den Streit zu konzentrieren, auf das Pl�neschmieden. Aber die K�lte erschwerte jegliches Denken. Sie fing an, den Faden zu verlieren, musste den Kopf sch�tteln und von vorn anfangen. Rolans grobe Befehle halfen ebenfalls, es war eine Stimme, auf die sie sich konzentrieren konnte, die sie wach hielt. Sogar die begleitenden Schl�ge auf ihre Kehrseite halfen, so sehr sie es hasste, das zugeben zu m�ssen, denn jeder davon war eine Ersch�tterung, die sie aufweckte. Eine Zeit lang sp�ter fing sie an, �fters herumzurutschen, dann wehrte sie sich, bis sie beinahe herunterfiel, und provozierte die groben Klapse. Alles, nur um wach zu bleiben. Sie vermochte nicht zu sagen, wie viel Zeit verging, aber ihre Bewegungen wurden schw�cher, bis Rolan sie nicht l�nger anfuhr und sie auch nicht mehr schlug. Licht, sie wollte, dass der Mann auf ihr spielte wie auf einer Trommel!</p><p><emphasis>Warum, beim Licht, sollte ich so etwas tats�chlich wollen?</emphasis> dachte sie tr�ge, und in einer tr�ben Ecke ihres Be �wusstseins erkannte sie, dass die Schlacht verloren war. Sogar die Nacht erschien dunkler, als sie sein sollte. Sie konnte nicht einmal mehr den Schein des Mondlichts auf dem Schnee erkennen. Sie konnte sp�ren, wie sie allem entglitt, immer schneller einer noch tieferen Finsternis entgegenraste. Sie schluchzte stumm und versank in der Bet�ubung.</p><p>Tr�ume kamen. Sie sa� auf Perrins Scho�, und er umarmte sie so fest, dass sie sich kaum bewegen konnte, w�hrend in einem breiten Kamin ein Feuer loderte. Sein Bart kratzte auf ihren Wangen, w�hrend er beinahe schmerzhaft an ihrem Ohrl�ppchen knabberte. Pl�tzlich tobte ein gewaltiger Windsto� durch den Raum und l�schte das Feuer wie eine Kerze. Und Perrin verwandelte sich in Rauch, der in der nicht enden wollenden B�e verschwand. Allein in der bedr�ckenden Finsternis k�mpfte sie gegen den Wind, aber er wirbelte sie umher, bis ihr so schwindelig war, dass sie oben nicht mehr von unten unterscheiden konnte. Allein taumelte sie immer tiefer in die eisige Dunkelheit hinein, in dem Wissen, dass sie ihn niemals wiederfinden w�rde.</p><p>Sie lief durch ein erfrorenes Land, qu�lte sich von Schneewehe zu Schneewehe, st�rzte, k�mpfte sich wieder hoch, um voller Panik weiterzulaufen, atmete keuchend Luft ein, die so kalt war, dass sie ihre Kehle wie Glasscherben aufschlitzte. An den kahlen �sten um sie herum funkelten Eiszapfen, eisiger Wind heulte durch den blattlosen Wald. Perrin war sehr w�tend und sie musste fort. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund konnte sie sich nicht mehr an die Einzelheiten des Streits erinnern, nur dass sie ihren wundersch�nen Wolf irgendwie richtig w�tend gemacht hatte, bis Gegenst�nde geworfen wurden. Nur dass Perrin nie mit Gegenst�nden um sich warf. Er w�rde sie �bers Knie legen, so wie er es schon einmal vor langer Zeit getan hatte. Aber warum rannte sie davor fort? Da war doch noch immer die Vers�hnung. Und nat�rlich w�rde sie ihn f�r die Dem�tigung zahlen lassen. Gut, sie hatte ihn gelegentlich mit einer wohlgezielten Schale oder einem Krug ein bisschen bluten lassen, ohne das eigentlich zu wollen, aber sie wusste, dass er ihr niemals richtig wehtun w�rde. Doch sie wusste auch, dass sie rennen musste, immer weiter, oder sie w�rde sterben.</p><p><emphasis>Wenn er mich f�ngt,</emphasis> dachte sie trocken, <emphasis>wird zumindest ein Teil von mir warm sein.</emphasis> Der Gedanke lie� sie lachen, bis das tote wei�e Land um sie herumwirbelte, und sie wusste, dass auch sie bald tot sein w�rde.</p><p>Ein gewaltiges Feuer ragte vor ihr auf, ein Turm aus dicken Scheiten, aus dem prasselnde Flammen schlugen. Sie war nackt. Und ihr war kalt, so kalt. Ganz egal, wie nahe sie sich an das Feuer heranschob, ihre Knochen f�hlten sich wie gefroren an, ihr Fleisch schien bereit, beim geringsten Schlag zu zersplittern. Sie ging noch n�her heran. Die Hitze der lodernden Scheite wuchs, bis sie zusammenzuckte, aber die bittere K�lte blieb unter ihrer Haut gefangen. N�her heran. O Licht, es war hei�, zu hei�! Und in ihrem Inneren zu kalt. Noch n�her heran. Das Brennen, der verzehrende Schmerz lie� sie schreien, aber innen drin war sie noch immer Eis. Und noch n�her heran. N�her. Sie w�rde sterben. Sie kreischte, aber da war nur Stille und die K�lte.</p><p>Pl�tzlich war da Tageslicht, doch der Himmel war voller bleigrauer Wolken. Schnee fiel, federgleiche Schneeflocken wirbelten vom Wind getrieben an den B�umen vorbei. Es war kein scharfer Wind, aber er z�ngelte mit Eiszungen. Auf den �sten wuchsen wei�e Grate in die H�he, bis sie gro� genug waren, durch ihr eigenes Gewicht und den Wind zusammenzubrechen, was schwerere Schauer zu Boden schickte. Hunger nagte mit stumpfen Z�hnen in ihrem Bauch. Ein hoch gewachsener, knochiger Mann, dessen Gesicht von einer wei�en Wollkapuze verh�llt wurde, zwang ihr etwas in den Mund, den Rand einer gro�en Tontasse. Seine Augen waren von einem atemberaubenden Gr�n, das an Smaragde erinnerte, und sie wurden von faltigen Narben umgeben. Er kniete neben ihr auf einer braunen Wolldecke, und eine weitere, grau gestreifte Wolldecke bedeckte ihre Nacktheit. Der Geschmack von hei�em Tee mit Honig explodierte auf ihrer Zunge, und sie packte das sehnige Handgelenk des Mannes mit beiden H�nden, nur damit er nicht versuchen konnte, den Becher wegzunehmen. Ihre Z�hne schlugen gegen die Tasse, aber sie schluckte die dampfende, s�mige Fl�ssigkeit gierig.</p><p>�Nicht zu schnell, du darfst nichts versch�tten�, sagte der gr�n�ugige Mann sanft. Sanftheit passte eigentlich nicht zu diesem wilden Gesicht, und dann auch noch in einer solch rauen Stimme. �Sie haben deine Ehre beleidigt. Aber du bist eine Feuchtl�nderin, also z�hlt das bei dir vielleicht nicht.�</p><p>Langsam d�mmerte es ihr, dass das kein Traum war. Die Gedanken kamen in tr�pfelnden Schatten, die schmolzen, wenn sie zu energisch versuchte, sie festzuhalten. Der in Wei� gekleidete Kerl war ein <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Ihre Leine und die Fesseln waren verschwunden. Er l�ste sich aus ihrem schwachen Griff, aber nur, um aus dem von seiner Schulter h�ngenden Lederbeutel eine dunkle Fl�ssigkeit einzuschenken. Dampf wallte aus der Tasse hoch und der Duft von Tee.</p><p>Sie zitterte so sehr, dass sie beinahe vorn�berfiel, und sie zog die dicke Wolldecke enger um sich herum. In ihren F��en tobte ein w�tender Schmerz. Sie h�tte nicht stehen k�nnen, selbst wenn sie es gewollt h�tte. Nicht, dass sie es wollte. So lange sie sich zusammenkauerte, schien die Decke alles bis auf ihre F��e zu bedecken; Stehen h�tte ihre Beine und vielleicht noch mehr entbl��t. Aber sie dachte dabei an W�rme, nicht an Schicklichkeit, obwohl es von beidem nicht viel gab. Der Hunger nagte in ihr und sie konnte nicht aufh�ren zu zittern. Ihr Inneres war erfroren, der hei�e Tee bereits nur noch Erinnerung. Ihre Muskeln bestanden aus einer Woche altem, geronnenen Pudding. Sie wollte die sich f�llende Tasse anstarren, ihren Inhalt begehren, aber sie zwang sich dazu, nach ihren Gef�hrtinnen Ausschau zu halten.</p><p>Sie waren alle in einer Reihe mit ihr da, Maighdin und Alliandre und die anderen, hockten zusammengesunken auf Wolldecken, zitterten unter von Schnee gesprenkelten Decken. Vor jeder von ihnen kniete ein <emphasis>Gai'schain</emphasis> mit einem dicken Wasserbeutel und einem Becher, und selbst Bain und Chiad tranken wie Frauen, die halb verdurstet waren. Jemand hatte Bains Gesicht vom Blut ges�ubert, aber im Gegensatz zum letzten Mal, als Faile die beiden T�chter gesehen hatte, waren die beiden so abgezehrt und unsicher auf den Beinen wie alle anderen auch. Von Alliandre bis Lacile sahen ihre Gef�hrtinnen aus, als � wie pflegte Perrin doch immer zu sagen? � h�tte man sie r�cklings durch ein Astloch gezogen. Aber es waren noch alle am Leben; das war das wichtigste. Nur die Lebenden konnten entfliehen.</p><p>Rolan und die anderen <emphasis>Algai'd'siswai,</emphasis> in deren Gewalt sie waren, bildeten eine dicht zusammengedr�ngte Gruppe am Ende der knienden Reihe. F�nf M�nner und drei Frauen, und der Schnee reichte den T�chtern fast bis zu den Knien. Die schwarzen Schleier hingen ihnen auf der Brust und sie betrachteten ihre Gefangenen und die <emphasis>Gai'schain</emphasis> reglos. Einen Augenblick lang sah Faile sie stirnrunzelnd an, versuchte einen schl�pfrigen Gedanken festzuhalten. Ja, nat�rlich. Wo waren die anderen? Die Flucht w�rde leichter sein, wenn der Rest aus irgendeinem Grund verschwunden war. Aber da war noch eine andere, genauso nebelhafte Frage, die ihr jedoch immer wieder entglitt.</p><p>Pl�tzlich sprang das, was sich hinter den acht Aiel befand, f�rmlich in ihr Blickfeld, und die Frage und die Antwort kamen ihr gleichzeitig in den Sinn. Wo kamen die <emphasis>Gai'schain</emphasis> her? Etwa hundert Schritte entfernt floss ein stetiger, vom fallenden Schnee und ein paar vereinzelt stehenden B�umen leicht verdeckter Strom von Menschen, Lasttieren, Wagen und Karren vorbei. Nein, kein Strom. Eine Flut von Aiel auf der Reise. Statt mit hundertf�nfzig Shaido musste sie sich nun mit dem ganzen Clan auseinandersetzen. Es erschien ihr unm�glich, dass so viele Menschen nur einen oder mehrere Tagesm�rsche von Abila entfernt vorbeireisen konnten, ohne einen Alarm auszul�sen, selbst in einem Land, in dem Anarchie herrschte, aber der Beweis lag vor ihren Augen. In ihrem Inneren f�hlte sie sich wie bet�ubt. Vielleicht w�rde die Flucht ja dennoch nicht schwieriger durchzuf�hren sein, aber sie glaubte es nicht.</p><p>�Wieso haben sie mich beleidigt?�, fragte sie stockend und schloss dann den Mund, um ihre Z�hne am Klappern zu hindern. Und �ffnete ihn wieder, als ihr der <emphasis>Gai'schain</emphasis> den Becher reichte. Sie schluckte die kostbare W�rme, w�rgte, zwang sich zu langsameren Schlucken. Der Honig war so dick, dass er zu einem anderen Zeitpunkt ekelhaft geschmeckt h�tte, aber jetzt d�mpfte er ihren Hunger ein wenig.</p><p>�Ihr Feuchtl�nder wisst auch gar nichts�, sagte der Narbige absch�tzig. <emphasis>�Gai'schain</emphasis> erhalten keine Kleidung, bis man ihnen die richtigen Gew�nder geben kann. Aber sie f�rchteten, ihr w�rdet erfrieren, und sie hatten nur ihre M�ntel, um euch zu w�rmen. Man hat euch besch�mt, als schwach bezeichnet, falls man Feuchtl�nder besch�men kann. Rolan und viele der anderen sind <emphasis>Mem'din,</emphasis> aber Efalin und der Rest h�tte es besser wissen sollen. Efalin h�tte es nicht erlauben d�rfen.�</p><p>Besch�mt? In Wut versetzt traf wohl eher zu. Faile wollte den Kopf nicht von dem gesegneten Becher abwenden, also verdrehte sie die Augen, bis sie den Riesen sehen konnte, der sie wie einen Sack Korn getragen <emphasis>und</emphasis> sie gnadenlos geschlagen hatte. Sie glaubte sich vage zu erinnern, dass sie diese Schl�ge auf den Hintern willkommen gehei�en hatte, aber das war unm�glich. Nat�rlich war es unm�glich! Davon abgesehen, sah Rolan nicht wie ein Mann aus, der fast einen ganzen Tag und eine Nacht ohne Rast gelaufen war und dabei jemanden getragen hatte. Sein Atem, der in der Luft zu wei�em Dampf erstarrte, ging ganz ruhig. <emphasis>Mem'din?</emphasis> Hie� das nicht Bruderlos in der Alten Sprache? Das sagte ihr nichts, aber in der Stimme des <emphasis>Gai'schain</emphasis> hatte eine Spur von Verachtung gelegen. Sie w�rde Bain und Chiad fragen m�ssen und hoffen, dass das nicht zu jenen Dingen geh�rte, �ber die Aiel nicht mit Feuchtl�ndern sprechen konnten, nicht mal mit Feuchtl�ndern, die enge Freunde waren. Jede noch so geringe Information konnte bei der Flucht helfen.</p><p>Also hatten sie ihren Gefangenen wegen der K�lte etwas angezogen? Nun, w�ren Rolan und die anderen nicht gewesen, h�tte keiner in der Gefahr geschwebt zu erfrieren. Doch vielleicht schuldete sie ihm ja einen kleinen Gefallen. Einen sehr kleinen, alles in allem betrachtet. Vielleicht w�rde sie ihm nur die Ohren abschneiden. Falls sie jemals dazu die Gelegenheit erhielt, umgeben von Tausenden von Shaido. Tausende? Die Shaido z�hlten Hunderttausende und Zehntausende davon waren <emphasis>Algai'd'siswai.</emphasis> W�tend auf sich selbst k�mpfte sie gegen ihre Verzweiflung an. Sie w�rde fliehen; sie alle w�rden fliehen, und sie w�rde die Ohren dieses Mannes mitnehmen!</p><p>�Ich <emphasis>sorge</emphasis> daf�r, dass Rolan so daf�r entsch�digt wird, wie er es verdient�, murmelte sie, als der <emphasis>Gai'schain</emphasis> den Becher wegnahm, um nachzuf�llen. Er schenkte ihr einen misstrauischen Blick, und sie beeilte sich zu sagen: �Wie Ihr gesagt habt, ich bin eine Feuchtl�nderin. Das sind die meisten von uns. Wir folgen <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> nicht. Euren Br�uchen zufolge d�rfte man uns gar nicht zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> machen, ist das nicht so?� Der Narbige verzog keine Miene, er blinzelte nicht mal. Ein fl�chtiger Gedanke sagte ihr, dass es zu fr�h war, dass sie das Parkett noch nicht kannte, auf dem sie sich bewegte, aber ihre durch die K�lte tr�gen Gedanken konnten ihre Zunge nicht aufhalten. �Was ist, wenn die Shaido auch noch mit anderen Br�uchen brechen? Sie k�nnten sich entscheiden, Euch nicht gehen zu lassen, wenn die Zeit vorbei ist.�</p><p>�Die Shaido brechen mit vielen Br�uchen�, erwiderte er gelassen, �aber ich nicht. Ich muss das Wei� noch �ber ein halbes Jahr tragen. Bis dahin werde ich so dienen, wie es der Brauch verlangt. Wenn du so viel sprechen kannst, hast du vielleicht genug Tee getrunken?�</p><p>Faile riss ihm unbeholfen den Becher aus der Hand. Er hob die Brauen, und sie richtete die Decke so schnell sie konnte mit einer Hand, w�hrend sich ihre Wangen r�teten. <emphasis>Er</emphasis> wusste, dass er eine Frau ansah. Licht, sie stolperte umher wie ein Ochse! Sie musste nachdenken, sich konzentrieren. Ihr Verstand war die einzige Waffe, die sie hatte. Und im Augenblick h�tte ihr Gehirn genauso gut aus gefrorenem K�se bestehen k�nnen. Sie trank den hei�en, s��en Tee und gr�belte dar�ber nach, wie man aus der Tatsache, von Tausenden von Shaido umzingelt zu sein, einen Vorteil machen konnte. Aber ihr fiel nichts ein. Gar nichts.</p></section><section><title><p>4</p><p>Angebote</p></title><p>Was haben wir denn hier?�, sagte die harte Stimme einer Frau. Faile blickte auf und starrte sie an, den hei�en Tee f�r den Augenblick vergessend.</p><p>Zwei Aiel mit einer sehr viel kleineren <emphasis>Gai'schain</emphasis> in der Mitte traten aus dem Schneegest�ber hervor; sie sanken zwar bis zu den Waden in dem wei�en Teppich ein, der den Boden bedeckte, brachten aber trotzdem energische, weitausholende Schritte zustande. Das hei�t, zumindest die beiden gr��eren Frauen; die <emphasis>Gai'schain</emphasis> stolperte m�hsam voran in dem Bem�hen, mit ihnen Schritt zu halten, und eine ihrer gr��eren Begleiterinnen hatte eine Hand auf ihrer Schulter, um daf�r zu sorgen, dass sie es auch schaffte. Alle drei waren einen genaueren Blick wert. Die Frau in Wei� hielt den Kopf dem�tig so tief gesenkt, wie es m�glich war, und ihre H�nde steckten in den breiten �rmeln, wie es sich f�r eine <emphasis>Gai'schain</emphasis> geh�rte, aber ihr Gewand hatte den unerh�rten Schimmer von schwerer Seide. <emphasis>Gai'schain</emphasis> war jeder Schmuck verboten, doch um ihre Taille schmiegte sich ein breiter, aufwendig gearbeiteter G�rtel aus Gold und Feuertropfen, und die Falten der hochgeschlagenen Kapuze gaben einen kurzen Blick auf die dazu passende Kette frei, die fast ihren ganzen Hals bedeckte. Au�er K�nigen konnten sich nur wenige derartigen Schmuck leisten.</p><p>Aber so seltsam dieser Anblick auch war, Faile konzentrierte sich auf die beiden anderen. Etwas sagte ihr, dass es sich bei ihnen um Weise Frauen handelte. Sie strahlten zu viel Autorit�t aus, um etwas anderes zu sein; es waren Frauen, die gewohnt waren, Befehle zu erteilen, die unverz�glich befolgt wurden. Aber davon abgesehen erregte schon ihre blo�e Anwesenheit Aufmerksamkeit. Die Frau, die die <emphasis>Gai'schain</emphasis> vorw�rts stie� und einen dunkelgrauen Schal um den Kopf gewickelt hatte, war ein strenges, blau�ugiges Adlerweibchen; sie wies eine beeindruckende Gr��e auf, war fast so gro� wie die meisten Aielm�nner, doch ihre Begleiterin war mindestens eine halbe Handspanne gr��er als Perrin! Dabei konnte man sie aber nicht als massig bezeichnen � wenn man von einer Ausnahme absah. Das sandgelbe Haar, das von einem breiten dunklen Tuch zweckgebunden wurde, reichte ihr bis zur Taille, und ihr brauner Schal lag auf ihren Schultern und klaffte so weit auf, dass er die Ans�tze gewaltiger Br�ste zeigte, die aus dem Ausschnitt der hellen Bluse ragten. Wie schaffte sie es nur, dass sie sich keine Erfrierungen <emphasis>zuzog,</emphasis> da sie in diesem Wetter so viel Haut entbl��te? All die schweren Ketten aus Gold und Elfenbein mussten sich wie Eis anf�hlen!</p><p>Als sie vor den knieenden Gefangenen stehen blieben, bedachte die Frau mit dem scharf geschnittenen Adlergesicht die Shaido, die sie mitgebracht hatten, mit einem tadelnden Blick und machte mit der freien Hand eine knappe, entlassende Geste. Aus irgendeinem Grund hielt sie die <emphasis>Gai'schain</emphasis> weiterhin fest an der Schulter gepackt. Die drei T�chter des Speers wandten sich sofort ab und eilten auf den Tross der vorbeiziehenden Shaido zu. Einer der M�nner schloss sich ihnen an, aber Rolan und der Rest tauschten hoffnungslose Blicke aus, bevor sie ihrem Beispiel folgten. Vielleicht hatte das etwas zu bedeuten, vielleicht auch nicht. Falle wusste pl�tzlich, wie sich jemand f�hlte, der in einem Mahlstrom gefangen war und verzweifelt nach Strohhalmen griff.</p><p>�Noch mehr <emphasis>Gai'schain</emphasis> f�r Sevanna, das haben wir hier�, sagte die unglaublich gro�e Frau am�siert. Sie hatte ein markantes Gesicht, das einige vielleicht als h�bsch bezeichnet h�tten, aber verglichen mit der anderen Weisen Frau erschien sie weich und nachgiebig. �Sevanna wird nicht zufrieden sein, bis die ganze Welt <emphasis>Gai'schain</emphasis> ist, Therava. Nicht, dass ich etwas dagegen einzuwenden h�tte.� Sie lachte.</p><p>Die Weise Frau mit den Adleraugen lachte nicht. Ihr Gesicht war wie gemei�elt. Ihre Stimme war so hart wie Stein. �Sevanna hat bereits zu viele <emphasis>Gai'schain,</emphasis> Someryn. Wir haben zu viele <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Sie sorgen daf�r, dass wir uns kriechend fortbewegen, wo wir doch laufen sollten.� Ihr st�hlerner Blick glitt die Reihe der Knienden entlang.</p><p>Faile zuckte zusammen, als sie gemustert wurde; schnell senkte sie den Kopf und versteckte ihr Gesicht hinter dem Becher. Sie hatte Therava noch nie zuvor gesehen, aber dieser Blick hatte ihr verraten, mit wem sie es hier zu tun hatte. Diese Frau war begierig, jede Herausforderung ihrer Autorit�t auf der Stelle ein f�r allemal zu vernichten, und sie war dazu f�hig, aus einem ganz normalen Blick eine Herausforderung herauszulesen. Schlimm genug, wenn sich irgendein dummer Adliger bei Hof so verhielt oder jemand, der einem auf der Stra�e begegnete, aber wenn Therava ein pers�nliches Interesse an ihnen entwickelte, w�rde eine Flucht mehr als nur schwierig werden. Trotzdem beobachtete Faile die Frau aus den Augenwinkeln. Dabei kam es ihr so vor, als w�rde sie eine giftige Natter beobachten, deren Schuppen in der Sonne glitzerten und die sich keine drei�ig Zentimeter vor ihrem Gesicht zusammenrollte.</p><p><emphasis>Demut,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Ich knie hier dem�tig und denke nur daran, meinen Tee zu trinken. Du brauchst mich kein zweites mal zu mustern, du kalt�ugige Hexe.</emphasis> Sie hoffte, dass die anderen ebenfalls das sahen, was sie erkannt hatte.</p><p>Alliandre hatte es nicht. Sie versuchte schwankend, auf den geschwollenen F��en zu stehen, dann sank sie mit einem St�hnen zur�ck auf die Knie. Trotzdem kniete sie aufrecht im fallenden Schnee und hielt mit hoch erhobenem Kopf die dunkle Wolldecke so fest, als w�rde es sich um einen kostbaren Seidenschal handeln, der ein pr�chtiges Gewand verbarg. Die nackten Beine und das vom Wind zerzauste Haar machten den Eindruck zwar etwas zunichte, trotzdem war sie die personifizierte Arroganz auf einem Thronpodest.</p><p>�Ich bin Alliandre Maritha Kigarin, K�nigin von Ghealdan�, verk�ndete sie lauthals, jeder Zoll eine K�nigin, die vor einer Horde schurkischer Wegelagerer stand. �Ihr t�tet gut daran, mich und meine Gef�hrten gut zu behandeln und diejenigen zu bestrafen, die so grob mit uns umgesprungen sind. Ihr werdet ein gro�es L�segeld f�r uns erzielen, gr��er, als ihr es euch vorstellen k�nnt, und eine Amnestie f�r eure Verbrechen. Meine Lehnsherrin, ihre Dienerin und ich beanspruchen bis zum Abschluss der Verhandlungen eine angemessene Unterkunft. Die anderen k�nnen bescheidener untergebracht werden, solange sie unversehrt bleiben. Ich werde kein L�segeld bezahlen, wenn ihr die niedrigsten Diener meiner Lehnsherrin misshandelt.�</p><p>Faile h�tte am liebsten gest�hnt � hielt diese N�rrin diese Leute denn f�r einfache Stra�enr�uber? �, aber daf�r blieb ihr keine Zeit.</p><p>�Stimmt das, Galina? Ist sie eine K�nigin der Feuchtl�nder?� Eine weitere Frau ritt hinter den Gefangenen aus dem Wald, der Hufschlag ihres gro�en schwarzen Wallachs war im Schnee kaum zu h�ren. Faile hielt sie f�r eine Aiel, war sich aber nicht sicher. Es war schwer zu sagen, solange die Frau auf dem Pferd sa�, aber sie schien mindestens so gro� wie Faile zu sein, und das waren nur wenige Frauen der Aiel, vor allem nicht, wenn sie diese gr�nen Augen in einem von der Sonne verbrannten Gesicht aufwiesen. Aber dennoch ...</p><p>Auf den ersten Blick schien der dunkle Rock zu einer Aiel zu geh�ren, aber es handelte sich um einen Reitrock, der genau wie die cremefarbene Bluse aus Seide zu bestehen schien, und unter dem Saum ragten rote Stiefel hervor. Das breite, zusammengefaltete Tuch, das ihre langen blonden Haare zur�ckhielt, bestand aus rotem Brokat, und dar�ber schob sich ein daumenbreiter Reifen aus Gold und Feuertropfen. Im Gegensatz zu dem Goldgeschmeide und dem geschnitzten Elfenbein der Weisen Frauen bestanden ihre Ketten aus dicken Perlen und Smaragden, Saphiren und Rubinen, und sie ruhten auf beinahe genauso viel entbl��tem Busen wie bei Someryn. Die Armreifen, die fast bis zu ihren Ellbogen reichten, unterschieden sich auf die gleiche Weise von denen der Weisen Frauen; dar�ber hinaus trugen Aiel keine Ringe, aber an jedem ihrer Finger funkelten Edelsteine. Statt einem dunklen Schal flatterte ein heller, blutroter Umhang, der mit goldenen Stickereien verziert und mit wei�em Fell ges�umt war, im Wind. Allerdings sa� sie mit der f�r eine Aiel typischen Unbeholfenheit im Sattel. �Und die Lehnsherrin einer K�nigin? Bedeutet das, dass die K�nigin mit einem Eid an sie gebunden ist? Das muss dann aber eine wahrlich m�chtige Frau sein. Antworte mir, Galina.�</p><p>Die in Seide gekleidete <emphasis>Gai'schain</emphasis> kr�mmte die Schultern und bedachte die Frau auf dem Pferd mit einem unterw�rfigen L�cheln. �Eine wahrhaft m�chtige Frau, wenn eine K�nigin ihr Gehorsam schw�rt, Sevanna�, sagte sie eifrig. �So etwas habe ich noch nie geh�rt. Doch ich glaube, dass sie diejenige ist, die sie zu sein behauptet. Ich habe Alliandre vor Jahren einmal gesehen, und das M�dchen, an das ich mich erinnere, k�nnte durchaus zu dieser Frau herangewachsen sein. Und sie wurde zur K�nigin von Ghealdan gekr�nt. Ich wei� nicht, was sie in Amadicia macht. Sowohl die Wei�m�ntel wie auch Roedran w�rden sie augenblicklich gefangen nehmen, wenn sie ...�</p><p>�Lina, es reicht�, sagte Therava energisch. Die Hand auf Galinas Schulter spannte sich sichtlich an. �Du wei�t, wie ich es hasse, wenn du plapperst.�</p><p>Die <emphasis>Gai'schain</emphasis> zuckte zusammen, als w�re sie geschlagen worden, und sie schlo� den Mund. Als sie zu der viel gr��eren Frau heraufl�chelte, kroch sie noch erb�rmlicher in sich zusammen, als sie es bei Sevanna getan hatte. In ihren Augen blitzte auch Furcht auf. Dunkle Augen. Sie war auf keinen Fall eine Aiel. Therava schien die Unterw�rfigkeit der Frau nicht einmal zu bemerken; eine H�ndin war zurechtgewiesen worden und hatte gehorcht. Die Aufmerksamkeit der Weisen Frau galt allein Sevanna. Someryn widmete der <emphasis>Gai'schain</emphasis> einen Seitenblick, ihre Lippen verzogen sich ver�chtlich, dann richtete sie den Schal auf ihrer Brust und konzentrierte sich ebenfalls auf Sevanna. Aiel gaben nicht viel mit ihrem Mienenspiel preis, aber es war offensichtlich, dass sie Sevanna nicht mochte und ihr zugleich gro�es Misstrauen entgegenbrachte.</p><p>Falles Blicke folgten �ber dem Becherrand ebenfalls der Reiterin. In gewisser Weise war es so, als w�rde man Logain oder Mazrim Taim sehen. Auch Sevanna hatte ihren Namen mit Blut und Feuer an den Himmel geschrieben. Cairhien w�rde Jahre brauchen, um sich von dem zu erholen, was sie dort angerichtet hatte, und die Auswirkungen waren bis nach Andor und Tear und dar�ber hinaus sp�rbar. Perrin hatte einem Mann namens Couladin die Schuld daf�r gegeben, aber Faile hatte genug von dieser Frau geh�rt, um sich vorstellen zu k�nnen, wer dahintersteckte. Und niemand bestritt, dass Sevanna die Schuld f�r die vielen Toten bei den Quellen von Dumai trug. Perrin war dort beinahe gestorben. Daf�r hatte Faile noch eine pers�nliche Rechnung mit ihr offen. Vielleicht w�rde sie ja Rolan seine Ohren lassen, wenn sie daf�r diese Rechnung begleichen konnte.</p><p>Die auffallend gekleidete Frau ritt langsam die Reihe der knienden Gefangenen ab und ihre gr�nen Augen blickten beinahe genauso kalt wie die Theravas. Pl�tzlich erschienen die Ger�usche, welche die Hufe des schwarzen Pferdes im Schnee verursachten, auffallend laut. �Wer von euch ist die Dienerin?� Eine seltsame Frage. Maighdin z�gerte mit zusammengebissenen Z�hnen, bevor sie die Hand unter ihrer Decke hervorschob. Sevanna nickte nachdenklich. �Und die ... Lehnsherrin?�</p><p>Einen Augenblick lang dachte Faile daran, die Frage einfach zu ignorieren, aber Sevanna w�rde auf die eine oder andere Weise in Erfahrung bringen, was sie wissen wollte. Z�gernd hob sie die Hand. Und zitterte, aber diesmal nicht wegen der K�lte. Therava beobachtete alles mit ihrem b�sartigen Blick, passte genau auf. Was Sevanna tat, was diejenigen taten, die sie aufgerufen hatte.</p><p>Faile konnte nicht verstehen, wie sich jemand dieses sezierenden Blickes nicht bewusst sein konnte, doch Sevanna tat zumindest so, als w�rde sie nichts bemerken, als sie ihren Wallach hinter die Reihe lenkte. �Mit diesen F��en k�nnen sie nicht gehen�, sagte sie schlie�lich. �Ich sehe nicht ein, dass sie mit den Kindern reiten. Galina, Heile sie.�</p><p>Faile h�tte beinahe den Becher fallen gelassen. Sie stie� ihn dem <emphasis>Gai'schain</emphasis> entgegen und tat so, als h�tte sie das ohnehin vorgehabt. Er war sowieso leer. Der Narbige f�llte ihn gelassen aus seinem Lederbeutel voller Tee nach. Heilen? Sie meinte doch sicherlich nicht...</p><p>�Also gut�, sagte Therava und versetzte der <emphasis>Gai'schain</emphasis> einen Sto�, der sie nach vorn taumeln lie�. �Mach es schnell, kleine Lina. Ich wei�, dass du mich nicht entt�uschen willst.�</p><p>Galina konnte einen Sturz vermeiden, aber sie musste sich den Gefangenen entgegenk�mpfen. An einigen Stellen sank sie bis zu den Knien ein, ihr Gewand schleifte �ber den Schnee, aber sie war entschlossen, ihr Ziel zu erreichen. Auf ihrem runden Gesicht spiegelten sich Furcht und Abscheu und ... Eifer? Konnte das sein? Es war eine widerw�rtige Kombination.</p><p>Sevanna beendete ihre Umrandung und blieb dort stehen, wo Faile sie sehen konnte. Sie stand den Weisen Frauen genau gegen�ber. Der eisige Wind zupfte an ihrem Umhang, aber sie schien ihn genauso wenig zu bemerken wie den Schnee, der auf sie herab wehte. �Therava, ich habe gerade die Nachricht erhalten.� Ihre Stimme war ruhig, obwohl ihre Augen Blitze schleuderten. �Heute Abend lagern wir zusammen mit den Jonine.�</p><p>�Eine f�nfte Septime�, erwiderte Therava ausdruckslos. Auch bei ihr hatte es den Anschein, als w�rden Schnee und Wind nicht existieren. �F�nf, w�hrend achtundsiebzig in alle Winde verstreut bleiben. Ihr solltet Euren Schwur nicht vergessen, die Shaido wieder zu vereinigen, Sevanna. Wir werden nicht f�r alle Zeiten warten.�</p><p>Jetzt waren es keine Blitze mehr. Sevannas Augen waren wie gr�ne Vulkane, die Lava spuckten. �Ich tue immer, was ich sage, Therava. Das solltet Ihr nicht vergessen. Und denkt daran, dass ihr mich <emphasis>beratet. Ich</emphasis> spreche f�r den Clanh�uptling.�</p><p>Sie zerrte ihren Wallach herum, stie� dem Tier die Abs�tze in die Flanken und versuchte ihn dazu zu bewegen, zu dem Strom aus Menschen und Wagen zur�ckzugaloppieren, obwohl das kein Pferd bei diesem tiefen Schnee gekonnt h�tte. Das Tier schaffte es, sich etwas schneller als im Schritttempo zu bewegen, aber nicht sehr. Therava und Someryn sahen mit erstarrten Gesichtern zu, wie Pferd und Reiterin in dem fallenden wei�en Schleier verschwanden.</p><p>F�r Faile war das ein wichtiges Gespr�ch gewesen. Sie erkannte Spannungen und gegenseitigen Hass, wenn sie sie sah. Eine Schw�che, die man sich vielleicht zunutze machen konnte, falls sie herausbekam, wie sie das anstellen musste. Und es hatte den Anschein, als w�ren doch nicht alle Shaido hier. Obwohl... Wenn man nach der endlosen Reihe ging, die an ihnen vorbeizog, schienen es mehr als genug zu sein. Galina traf bei ihnen ein und alle �berlegungen traten in den Hintergrund.</p><p>Galina gl�ttete ihr Gesicht zu einem fahrigen Anschein von Gelassenheit und packte wortlos Failes Kopf mit beiden H�nden. Faile vermochte nicht zu sagen, ob sie aufst�hnte oder nicht. Die Welt schien an ihr vorbeizufliegen, als sie aus der Hocke hochkam. Stunden rasten vorbei, vielleicht krochen auch Herzschl�ge. Die in Wei� gekleidete Frau trat zur�ck, und Faile st�rzte kopf�ber auf die braune Decke und blieb keuchend auf der rauen Wolle liegen. Ihre F��e schmerzten nicht mehr, aber jede mithilfe der Macht erfolgte Heilung verursachte Hunger, und sie hatte seit dem gestrigen Fr�hst�ck nichts mehr zu sich genommen. Sie h�tte tellerweise Essen herunterschlingen k�nnen, ganz egal was. Sie war nicht l�nger m�de, aber ihre Muskeln hatten sich aus Pudding in Wasser verwandelt. Sie stie� sich mit Armen hoch, die unter ihrem Gewicht zusammenbrechen wollten, und zog sich mit unsicheren Bewegungen die grau gestreifte Decke um den Leib. Sie f�hlte sich durch das, was sie gesehen hatte, bevor Galina sie gepackt hatte, mindestens genauso benommen wie durch das Heilen selbst. Dankbar lie� sie zu, dass der Narbige ihr den dampfenden Becher an den Mund hielt. Sie war sich nicht sicher, ob ihre Finger ihn h�tten halten k�nnen.</p><p>Galina verschwendete keine Zeit. Eine benommene Alliandre versuchte gerade, von der Stelle aufzustehen, wo sie aufs Gesicht gefallen war; ihre rot gestreifte Decke war unbemerkt zu Boden gefallen. Ihre Striemen waren nat�rlich verschwunden. Maighdin lag noch immer zwischen ihren beiden Decken; ihre zuckenden Gliedma�en ragten in jeder Richtung heraus, w�hrend sie kraftlos versuchte, sich zu sammeln. Chiad, die Galinas H�nde auf dem Kopf hatte, sprang auf die F��e; sie fuchtelte mit den Armen herum und stie� keuchend den Atem aus. Die gelbe Schwellung in ihrem Gesicht verschwand, noch w�hrend Falle zusah. Als Galina sich zu Bain begab, brach die Tochter des Speers wie von einer Axt getroffen zusammen, obwohl sie sich bereits im n�chsten Augenblick wieder regte.</p><p>Faile konzentrierte sich auf den Tee und auf rasendes Nachdenken. Das Gold an Galinas Finger war ein Schlangenring. W�re das Heilen nicht gewesen, h�tte sie ihn blo� f�r ein seltsames Geschenk von demjenigen gehalten, der dieser Frau all den Schmuck gegeben hatte. Galina war eine Aes Sedai. Sie musste es sein. Aber was tat eine Aes Sedai hier und dann auch noch im Gewand einer <emphasis>Gai'schain?</emphasis> Ganz zu schweigen davon, dass sie anscheinend dazu bereit war, Sevanna das Handgelenk zu lecken und Therav� die F��e zu k�ssen! Eine Aes Sedai!</p><p>Galina stand nun �ber der schlaff daliegenden Arrela, der Letzten in der Reihe, keuchte etwas von der Anstrengung, so viele so schnell Geheilt zu haben, und sah zu Therav� her�ber, als w�rde sie sich ein Lob erhoffen. Ohne auch nur einen Blick an sie zu verschwenden, steckten die beiden Weisen Frauen die K�pfe zusammen und gingen plaudernd zu dem Tross der Shaido zur�ck. Die Aes Sedai wartete einen Augenblick lang, runzelte dann die Stirn und hob ihr Gewand, um so schnell sie nur konnte hinter ihnen herzueilen. Aber sie blickte mehr als nur einmal zur�ck. Faile hatte das Gef�hl, dass sie es auch noch dann tat, nachdem der fallende Schnee einen Vorhang zwischen ihnen gebildet hatte.</p><p>Weitere <emphasis>Gai 'schain</emphasis> kamen heran, ein Dutzend M�nner und Frauen, und nur einer war ein Aiel, ein d�rrer Rotschopf mit einer d�nnen wei�en Narbe, die sich von der Schl�fe bis zum Kiefer hinunterzog. Falle erkannte klein gewachsene, blasse Cairhiener und m�glicherweise Amadicianer oder Altaraner � sie waren gr��er und dunkelh�utiger � und sogar eine bronzeh�utige Domani. Die Domani und eine der anderen Frauen trugen breite G�rtel aus funkelndem goldenem Kettengeflecht um die Taille; am Hals hatten sie Kragen aus dem gleichen Material. Einer der M�nner ebenfalls! Aber egal, Schmuck an <emphasis>Gai'schain</emphasis> erschien im Augenblick nicht weiter von Bedeutung, in Anbetracht der Decken und Kleidung, die sie brachten, war es bestenfalls eine Merkw�rdigkeit, Einige der Neuank�mmlinge trugen K�rbe mit Brot und gelbem K�se und Trockenfleisch und die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die bereits mit ihren Lederbeuteln voller Tee vor Ort waren, sorgten f�r Getr�nke, mit denen man alles heruntersp�len konnte. Faile war nicht die Einzige, die sich mit ungeb�hrlicher Hast den Mund voll stopfte, w�hrend sie sich zugleich anzog, und zwar mit mehr Augenmerk auf Schnelligkeit als auf Schicklichkeit. Das wei�e Gewand mit der Kapuze und die beiden dicken Untergew�nder erschienen wunderbar warm, genau wie die dicken Wollstr�mpfe und weichen Aielstiefel, deren Verschn�rung bis zu ihren Knien reichte �sogar die Stiefel waren wei� gebleicht worden! �, aber das konnte nicht das Loch in ihrem Leib f�llen. Das Fleisch war so z�h wie Stiefelleder, der K�se beinahe steinhart und das Brot auch nicht viel weicher, und doch schmeckte es wie ein Festmahl! Ihr Mund sehnte sich nach jedem Bissen.</p><p>W�hrend sie einen Mund voll K�se kaute, verknotete sie den letzten Stiefelriemen, stand auf und gl�ttete das Gewand. Als sie nach mehr Brot griff, holte eine der Frauen, die Gold trugen � sie war pummelig, unscheinbar und hatte einen m�den Blick �, aus dem Sack �ber ihrer Schulter einen der G�rtel aus Goldgeflecht. Falle schluckte hastig und trat zur�ck. �Ich m�chte lieber keinen haben, vielen Dank.� Sie hatte das ungute Gef�hl, dass es ein Fehler gewesen war, diese Schmuckst�cke als unwichtig zu betrachten.</p><p>�Es spielt keine Rolle, was du willst�, erwiderte die Pummelige m�de. Ihr Akzent war amadicianisch und gebildet. �Du dienst jetzt der Lady Sevanna. Du wirst tragen, was man dir gibt, und tun, was man dir sagt, oder man wird dich bestrafen, bis du deinen Irrtum einsiehst.�</p><p>Ein paar Schritte entfernt wehrte Maighdin die Domani ab und weigerte sich, den Kragen anlegen zu lassen. Alliandre wich mit erhobenen H�nden und einem entsetzten Gesichtsausdruck vor dem Mann mit dem Goldgeflecht zur�ck. Er hielt ihr einen der G�rtel entgegengestreckt. Gl�cklicherweise sahen sie beide Falle an. Vielleicht hatten die Pr�gel im Wald doch etwas Gutes bewirkt.</p><p>Faile atmete m�hsam aus und nickte ihnen zu, dann erlaubte sie der pummeligen <emphasis>Gai'schain,</emphasis> ihr den breiten G�rtel anzulegen. Mit ihr als Vorbild lie�en die beiden anderen die Arme sinken. F�r Alliandre schien es ein Schlag zu viel zu sein; sie stand da und starrte ins Leere, w�hrend man ihr G�rtel und Kragen anlegte. Maighdin gab sich alle M�he, die schlanke Domani mit einem finsteren Blick zu durchbohren. Faile versuchte aufmunternd zu l�cheln, aber das L�cheln fiel ihr schwer. F�r sie klang das Zuschnappen des Kragenverschlusses wie die Verriegelung einer Kerkert�r. G�rtel und Kragen konnte man genauso leicht wieder ablegen, wie sie angelegt worden waren, aber <emphasis>Gai'schain,</emphasis> die der Lady Sevanna <emphasis>dienten,</emphasis> w�rden bestimmt genau beobachtet. Eine Katastrophe jagte die n�chste. Von diesem Augenblick an musste es besser werden. Es musste einfach.</p><p>Kurz darauf trampelte Falle zusammen mit einer stolpernden, wie bet�ubt dreinblickenden Alliandre und einer murrenden Maighdin auf unsicheren Beinen durch den Schnee. Sie waren von <emphasis>Gai'schain</emphasis> umgeben, die Lasttiere f�hrten, auf den R�cken gro�e, zugedeckte K�rbe transportierten und beladene Karren zogen, die man auf Holzschlitten geschnallt hatte. Die Wagen waren ebenfalls auf Schlitten oder Kufen gesetzt; die R�der hatte man oben auf der schneebedeckten Fracht befestigt. Die Shaido mochten keine Erfahrung mit Schnee haben, aber sie hatten gelernt, wie man darin reisen musste. Weder Falle noch die beiden anderen mussten etwas tragen, allerdings hatte die pummelige Amadicianerin ihnen klar gemacht, dass sich das vom n�chsten Tag an �ndern w�rde. Wie viele Shaido sich auch immer in der Marschreihe befinden mochten, es hatte den Anschein, als w�re eine gro�e Stadt unterwegs, wenn nicht sogar eine Nation. Kinder bis zum Alter von zw�lf oder dreizehn fuhren oben auf den Karren und Wagen, aber jeder andere ging zu Fu�. Alle M�nner trugen den <emphasis>Cadin'sor,</emphasis> aber die meisten Frauen trugen R�cke und Blusen und Schals wie die Weisen Frauen, und die meisten M�nner trugen nur einen einzigen Speer oder auch gar keine Waffen und sahen weicher als die anderen aus. Weich bedeutete, dass sie Steine darstellten, die weicher als Granit waren.</p><p>Nachdem die Amadicianerin gegangen war, ohne ihren Namen verraten oder wesentlich mehr gesagt zu haben als <emphasis>gehorcht oder werdet bestraft,</emphasis> wurde sich Falle bewusst, dass sie Bain und die anderen im Schneegest�ber aus den Augen verloren hatte. Niemand unternahm den Versuch, sie an einem bestimmten Ort festzuhalten, also marschierte sie von Alliandre und Maighdin begleitet m�de die Kolonne entlang. Die H�nde gefaltet in den �rmeln zu halten machte das Gehen sehr schwer, vor allem, wenn man sich durch tiefen Schnee bewegen musste, aber es hielt sie warm. Zumindest w�rmer als die Alternative. Der Wind sorgte daf�r, dass sie ihre Kapuzen hochgeschlagen behielten. Trotz der goldenen G�rtel schenkte kein <emphasis>Gai'schain</emphasis> und auch kein Shaido ihnen einen zweiten Blick. Obwohl sie die Marschreihe ein Dutzend Mal oder sogar noch �fters abschritten, blieb ihre Suche erfolglos. �berall gingen Leute in wei�en Gew�ndern, sogar mehr als ohne, und ihre Gef�hrtinnen h�tten unter jeder der tiefen Kapuzen stecken k�nnen.</p><p>�Wir werden sie heute Abend suchen m�ssen�, sagte Maighdin schlie�lich. Sie stapfte auf ziemlich linkische Weise durch den tiefen Schnee. Ihre blauen Augen leuchteten hell in den Tiefen der Kapuze und sie hielt die breite Goldkette um ihren Hals mit einer Hand fest, als wollte sie sie abrei�en. �Wo alle anderen einen Schritt gehen, machen wir zehn. Oder sogar zwanzig. Es wird uns nichts nutzen, wenn wir heute Abend im Lager so ersch�pft sind, dass wir uns nicht mehr bewegen k�nnen.�</p><p>Die Entschiedenheit in Maighdins Stimme riss sogar Alliandre so weit aus ihrer Benommenheit, dass sie eine Braue hob. Faile schaute ihre Dienerin lediglich an, aber das reichte bereits, um Maighdin err�ten und stottern zu lassen. Was war blo� in diese Frau gefahren? Nun gut, es war nicht das, was sie von einer Dienerin erwartete, aber wenn es darum ging, eine Gef�hrtin zu haben, die bei der Flucht half, war Maighdins Temperament nicht zu verachten. Wirklich schade, dass die Frau so wenig Macht lenken konnte. Einst hatte Faile gro�e Hoffnungen damit verbunden, bis sie erfahren hatte, dass Maighdins F�higkeit so geringf�gig war, dass sie nutzlos war.</p><p>�Heute Abend, Maighdin�, stimmte sie ihr zu. Oder wie viele Abende sie auch immer dazu ben�tigten. Das erw�hnte sie nicht. Eilig sah sie sich um, um sich zu vergewissern, dass die Leute in ihrer N�he nicht nahe genug waren, um sie zu belauschen. Die Shaido, ob nun mit <emphasis>Cadin 'sor</emphasis> oder ohne, bewegten sich entschlossen durch den fallenden Schnee und dr�ngten einem ungesehenen Ziel entgegen. Die <emphasis>Gai'schain �</emphasis> die anderen <emphasis>Gai'schain �</emphasis> marschierten mit einer anderen Absicht. Gehorcht oder werdet bestraft. �So, wie man uns ignoriert�, fuhr Faile fort, �m�sste es m�glich sein, sich am Wegrand abzusetzen; vorausgesetzt, man macht es nicht direkt unter den Augen der Shaido. Sollte eine von euch eine Gelegenheit sehen, ergreift sie. Die Gew�nder werden euch helfen, euch im Schnee zu verbergen, und sobald ihr ein Dorf gefunden habt, wird das Gold, das sie uns so gro�z�gig gegeben haben, daf�r sorgen, dass man euch zu meinem Mann zur�ckbringt. Er wird uns folgen.� Sie hoffte nur, dass er nicht zu schnell war. Oder ihnen zumindest nicht zu nahe kam. Die Shaido stellten ein Heer dar. Verglichen mit anderen sicherlich ein kleines Heer, aber es war gr��er als Perrins.</p><p>Alliandres Gesicht verh�rtete sich vor Entschlossenheit. �Ich werde nicht ohne Euch gehen�, sagte sie leise. Leise, aber bestimmt. �Ich nehme meinen Treueschwur nicht leicht, meine Lady. Ich werde mit Euch zusammen entkommen oder gar nicht!�</p><p>�Sie spricht f�r uns beide�, sagte Maighdin. �Ich mag nur eine einfache Dienerin sein� � sie rang sich das Wort mit Verachtung ab �, �aber ich werde niemanden in der Gewalt dieser... dieser Banditen zur�cklassen!� Ihr Tonfall war mehr als nur entschlossen, er duldete keine Widerrede. Wenn das hier �berstanden war, w�rde Lini mit ihr ein langes Gespr�ch f�hren m�ssen, bevor sie wieder den ihr zustehenden Platz einnehmen konnte!</p><p>Faile wollte etwas erwidern � nein, sie wollte einen Befehl geben; Alliandre war durch ihren Eid zum Gehorsam verpflichtet und Maighdin ihre Dienerin, ganz egal, wie verr�ckt die Gefangenschaft sie auch gemacht hatte! Sie w�rden ihre Befehle befolgen! Aber sie sprach die Worte nicht aus.</p><p>Dunkle Schatten schoben sich durch den Strom der Shaido, und der fallende Schnee setzte sich zu einer Gruppe von Aielfrauen zusammen, deren Gesichter von ihren Schals eingerahmt wurden. Therava f�hrte sie an. Ein gemurmeltes Wort von ihr, und die anderen verlangsamten ihre Schritte, um hinter ihr zu bleiben, w�hrend sie sich Falle und ihren Gef�hrtinnen anschloss. Theravas gl�hender Blick lie� sogar Maighdin verzagen; nicht, dass sie sie lange ansah. In ihren Augen waren sie es nicht wert, �berhaupt angesehen zu werden.</p><p>�Ihr denkt an Flucht�, sagte sie. Keine von ihnen machte Anstalten, darauf etwas zu erwidern. �Versucht nicht, es abzustreiten!�, f�gte die Weise Frau mit ver�chtlicher Stimme hinzu.</p><p>�Wir wollen versuchen, so zu dienen, wie man es von uns erwartet, Weise Frau�, sagte Faile vorsichtig. Sie hielt den Kopf unter ihrer Kapuze gesenkt und achtete darauf, den Blick der gr��eren Frau zu meiden.</p><p>�Du kennst dich etwas in unseren Gebr�uchen aus.� Therava klang �berrascht, aber das war schnell wieder vergessen. �Gut. Aber wenn du wirklich glaubst, ich w�rde dir abnehmen, dass du dem�tig dienst, dann h�ltst du mich f�r eine N�rrin. Ich kann erkennen, dass ihr f�r Feuchtl�nderinnen �ber reichlich Kampfgeist verf�gt. Einige unternehmen niemals einen Fluchtversuch, aber nur die Toten schaffen es. Die Lebenden werden immer zur�ckgebracht. Immer.�</p><p>�Ich werde Eure Worte beachten, Weise Frau�, sagte Faile unterw�rfig. Immer? Nun, irgendwann musste es ein erstes Mal geben. �Wir alle.�</p><p>�Oh, sehr gut�, murmelte Therava. �Jemanden, der so blind ist wie Sevanna, k�nntest du vielleicht �berzeugen. Aber wisse Folgendes, <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Feuchtl�nder sind nicht wie die anderen, die Wei� tragen. Statt nach einem Jahr und einem Tag Dienst entlassen zu werden, dient ihr, bis ihr zu alt und verbraucht seid, um arbeiten zu k�nnen. Ich bin eure einzige Hoffnung, diesem Schicksal zu entgehen.�</p><p>Faile stolperte im Schnee, und h�tten Alliandre und Maighdin nicht ihre wild rudernden Arme ergriffen, w�re sie gest�rzt. Therava befahl ihnen mit einer ungeduldigen Geste, nicht stehen zu bleiben. Faile versp�rte �belkeit. <emphasis>Therava</emphasis> w�rde ihnen zur Flucht verhelfen? Chiad und Bain hatten stets behauptet, dass die Aiel nichts vom Spiel der H�user w�ssten und die Feuchtl�nder verachteten, weil sie es spielten, aber Faile erkannte, auf welch unsicherem Terrain sie sich pl�tzlich bewegte. Ein Terrain, in dem sie versinken konnte, wenn sie einen falschen Schritt machte.</p><p>�Ich verstehe nicht, Weise Frau.� Sie w�nschte, ihre Stimme h�tte pl�tzlich nicht so heiser geklungen.</p><p>Aber vielleicht war es ja gerade diese Heiserkeit, die Therava �berzeugte. Leute wie sie glaubten immer zuerst an Furcht als Antrieb, bevor sie andere M�glichkeiten in Betracht zogen. Auf jeden Fall l�chelte sie. Es war kein herzliches L�cheln, nur das Verziehen schmaler Lippen, und das einzige Gef�hl, das es zum Ausdruck brachte, war Zufriedenheit. �Ihr drei werdet aufpassen und zuh�ren, so lange ihr Sevanna dient. Jeden Tag wird eine Weise Frau euch befragen, und ihr werdet jedes Wort wiederholen, das Sevanna zu wem auch immer gesagt hat. Wenn sie im Schlaf spricht, werdet ihr wiederholen, was sie gemurmelt hat. Stellt mich zufrieden und ich sorge daf�r, dass man euch zur�ckl�gst.�</p><p>Faile wollte nichts damit zu tun haben, aber eine Weigerung kam nicht infrage. Wenn sie sich weigerte, w�rde keine von ihnen die Nacht �berleben. Da war sie sich sicher. Therava w�rde kein Risiko eingehen. M�glicherweise w�rden sie nicht einmal bis zum Einbruch der Dunkelheit �berleben; der Schnee w�rde drei wei� gekleidete Leichen schnell verbergen, und sie bezweifelte stark, dass irgendjemand in Sichtweite auch nur protestieren w�rde, wenn sich Therava dazu entschied, an Ort und Stelle ein paar H�lse durchzuschneiden. Davon abgesehen konzentrierte sich sowieso jeder nur darauf, sich durch den Schnee nach vorn zu bewegen. M�glicherweise w�rde es nicht mal einer mitbekommen.</p><p>�Wenn sie davon erf�hrt...� Faile schluckte. Die Frau bat sie, einen tr�gerischen Klippenrand entlangzugehen. Nein, sie befahl es ihnen. T�teten Aiel Spione? Es war ihr niemals eingefallen, Chiad oder Bain danach zu fragen. �Werdet Ihr uns besch�tzen?�</p><p>Die Frau mit den harten Z�gen ergriff Falles Kinn mit st�hlernen Fingern und zog sie in die H�he, bis sie auf Zehenspitzen stand. Dann sah sie ihr in die Augen. Failes Mund wurde trocken. Dieser Blick verhie� Schmerzen. �Wenn sie davon erf�hrt, <emphasis>Gai'schain,</emphasis> werde ich euch pers�nlich kochen. Sorgt also daf�r, dass sie es nicht bemerkt. Heute Abend werdet ihr in ihrem Zelt bedienen. Ihr und hundert andere, also werdet ihr nicht viele Pflichten haben, die euch von den wichtigen Dingen ablenken.�</p><p>Therava musterte sie einen Augenblick lang sorgf�ltig, dann nickte sie zufrieden. Sie sah drei weiche Feuchtl�nder, die zu schwach waren, um etwas anderes zu tun als zu gehorchen. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, lie� sie Faile los und wandte sich ab, und Augenblicke sp�ter waren sie und die anderen Weisen Frauen vom Schnee verschluckt worden.</p><p>Eine Zeit lang k�mpften sich die drei Frauen schweigend voran. Faile sprach nicht mehr davon, dass eine von ihnen allein entkam, noch gab sie irgendwelche Befehle. Sie war davon �berzeugt, dass sich die anderen wieder dagegen str�uben w�rden. Davon abgesehen, wenn sie sich jetzt f�gten, w�rde es so aussehen, als h�tte Therava es geschafft, dass sie es sich aus Angst vor ihr anders �berlegt hatten. Faile kannte die anderen Frauen gut genug, um sicher zu sein, dass sie eher sterben w�rden als zuzugeben, dass die Frau ihnen Angst eingejagt hatte. Ihr machte Therava auf jeden Fall Angst. <emphasis>Und ich w�rde eher meine Zunge verschlucken, bevor ich es laut zugeben w�rde,</emphasis> dachte sie grimmig.</p><p>�Ich frage mich, was sie mit dem ... Kochen gemeint hat�, brach Alliandre schlie�lich das Schweigen. �Ich habe mal geh�rt, dass die Wei�m�ntel Gefangene am Spie� �ber einem Feuer r�sten.� Maighdin wiegte sich mit den Armen und erschauderte, und Alliandre l�ste eine Hand lange genug aus dem �rmel, um ihr auf die Schulter zu klopfen. �Macht Euch keine Sorgen. Wenn Sevanna hundert Diener hat, kommen wir vermutlich gar nicht in H�rweite heran. Und selbst wenn wir etwas aufschnappen, k�nnen wir uns immer noch �berlegen, was wir weitererz�hlen, damit es nicht zu uns zur�ckverfolgt werden kann.�</p><p>Maighdin lachte bitter unter ihrer wei�en Kapuze. �Ihr glaubt, wir h�tten wenigstens in kleinen Dingen Entscheidungsfreiheit. Das haben wir aber nicht. Ihr m�sst lernen, was es bedeutet, keine Wahl zu haben. Diese Frau hat uns nicht ausgesucht, weil wir <emphasis>Kampfesgeist</emphasis> haben.� Sie spuckte das Wort beinahe aus. �Ich wette, Therava hat jedem von Sevannas Dienern diesen Vortrag gehalten. Wenn wir ein Wort vergessen, das wir h�tten h�ren m�ssen, wird sie es erfahren, da k�nnt Ihr sicher sein.�</p><p>�Vielleicht habt Ihr Recht�, sagte Alliandre nach einem Augenblick des Nachdenkens. �Aber Ihr werdet nie wieder in diesem Tonfall mit mir sprechen, Maighdin. Unsere Umst�nde sind schwierig, um es h�flich auszudr�cken, aber Ihr werdet <emphasis>nicht</emphasis> vergessen, wer ich bin.�</p><p>�Bis wir entkommen, seid Ihr Sevannas Dienerin�, erwiderte Maighdin. �Wenn Ihr Euch nicht jede Minute als Dienerin betrachtet, k�nnt Ihr genauso gut sofort auf diesen Spie� klettern. Und lasst noch etwas Platz f�r Faile und mich, weil sie uns dann ebenfalls dorthin bef�rdern werden.�</p><p>Alliandres Kapuze verbarg ihr Gesicht, aber ihr R�cken versteifte sich mit jedem Wort mehr. Sie war intelligent und sie wusste, wie sie das, was sie zu tun hatte, erreichen konnte, aber sie hatte das Temperament einer K�nigin, wenn sie sich nicht zusammennahm.</p><p>Bevor sie explodieren konnte, ergriff Faile das Wort. �Bis es uns gelingt, hier wegzukommen, sind wir <emphasis>alle</emphasis> Dienerinnen�, sagte sie entschieden. Licht, das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war ein Streit unter den beiden. �Aber Maighdin, Ihr werdet Euch entschuldigen. Sofort!� Ihre Dienerin murmelte mit abgewandtem Kopf etwas, das man als Entschuldigung durchgehen lassen konnte. Sie akzeptierte es. �Und was Euch angeht, Alliandre, ich erwarte von Euch, dass Ihr eine <emphasis>gute</emphasis> Dienerin seid.� Alliandre gab einen Laut von sich, den man als halben Protest interpretieren konnte, aber Faile ignorierte ihn. �Wenn wir �berhaupt eine Gelegenheit zur Flucht erhalten wollen, m�ssen wir tun, was man uns sagt, hart arbeiten und so wenig Aufmerksamkeit wie nur m�glich auf uns ziehen.� Als h�tten sie nicht bereits alle Aufmerksamkeit der Welt erregt; zumindest hatte es den Anschein. �Und wir werden Therava �ber alles informieren, und sei es, wie oft Sevanna niest. Ich wei� nicht, was Sevanna tun wird, wenn sie es herausfindet, aber ich glaube, wir alle haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was Therava tun wird, wenn wir ihren Unmut erregen.�</p><p>Das reichte, damit alle wieder schwiegen. Sie hatten eine ziemlich genaue Vorstellung, wozu Therava f�hig war, und der Tod w�rde wom�glich nicht einmal das schlimmste sein.</p><p>Stunden sp�ter hatte sich der Schneefall bis auf ein paar verirrte Flocken fast vollst�ndig gelegt. Dunkle, wogende Wolken verbargen noch immer die Sonne, aber Faile entschied, dass es gegen Mittag war, weil man ihnen zu essen gab. Keiner blieb stehen, aber Hunderte von <emphasis>Gai'schain</emphasis> bahnten sich mit K�rben und Ranzen voller Brot und Trockenfleisch und Lederbeuteln �die diesmal Wasser statt Tee enthielten, das kalt genug war, um ihre Z�hne schmerzen zu lassen � Wege durch die Marschreihe. Seltsamerweise f�hlte sich Faile nicht so hungrig, wie sie nach dem stundenlangen Marsch durch den Schnee eigentlich h�tte sein m�ssen. Perrin war einmal Geheilt worden und ihn hatte danach zwei volle Tage der Hei�hunger geplagt. Vielleicht lag es ja daran, dass ihre Verletzungen so viel unbedeutender gewesen waren. Ihr fiel auf, dass Alliandre und Maighdin kaum mehr als sie a�en.</p><p>Die Heilung lie� sie an Galina denken; alle sich stellenden Fragen lie�en sich auf ein ungl�ubiges <emphasis>Warum</emphasis> zusammenstreichen. Warum sollte eine Aes Sedai � sie <emphasis>musste</emphasis> eine Aes Sedai sein � f�r Sevanna und Therava im Staub kriechen? Oder f�r sonst jemanden? Eine Aes Sedai w�rde ihnen bei der Flucht helfen k�nnen. Oder auch nicht. Sie k�nnte sie auch verraten, falls es ihren Zwecken diente. Aes Sedai taten, was sie f�r richtig hielten, und das musste man akzeptieren, es sei denn, man hie� Rand al'Thor. Aber er war <emphasis>Ta'veren</emphasis> und dar�ber hinaus der Wiedergeborene Drache; sie war eine Frau mit derzeit sehr beschr�nkten M�glichkeiten, der eine ziemlich ernste Gefahr im Nacken sa�. Ganz zu schweigen von den H�lsen derjenigen, f�r die sie verantwortlich war. Jede Hilfe w�rde willkommen sein, von jedem. Der kalte Wind glitt an ihr ab, w�hrend sie intensiv �ber Galina nachdachte, und der Schnee fing wieder an zu fallen, diesmal nur st�rker, bis sie keine zehn Schritte weit sehen konnte. Sie konnte sich nicht entscheiden, ob sie dieser Frau vertrauen konnte.</p><p>Pl�tzlich wurde sie sich bewusst, dass eine andere in Wei� gekleidete Frau, die fast vom Schneefall verborgen wurde, sie ansah. Allerdings reichte der Schnee nicht aus, um diesen breiten juwelengeschm�ckten G�rtel zu verdecken. Falle ber�hrte ihre Gef�hrtinnen und nickte in Galinas Richtung.</p><p>Als Galina bemerkte, dass man sie gesehen hatte, kam sie zu ihnen her�ber und stapfte zwischen Faile und Alliandre weiter. Sie lie� noch immer jede Anmut vermissen, aber sie schien mehr an den Marsch im Schnee gew�hnt zu sein als sie. Jetzt war ihr nichts mehr von der Katzbuckelei anzumerken. Die Z�ge ihres runden, im Schatten der Kapuze liegenden Gesichts waren hart, ihre Augen blickten scharf. St�ndig drehte sie den Kopf und sah misstrauisch in alle Richtungen, um zu sehen, wer sich in der N�he befand. Sie sah aus wie ein Hausk�tzchen, das vorgab, ein Leopard zu sein. �Ihr wisst, wer ich bin?�, verlangte sie zu wissen. Ihre Stimme war jedoch so leise, dass man sie in zehn Schritten Entfernung nicht mehr h�ren konnte. �Was ich bin?�</p><p>�Ihr scheint eine Aes Sedai zu sein�, sagte Faile vorsichtig. �Andererseits habt Ihr hier f�r eine Aes Sedai eine seltsame Stellung.� Weder Alliandre noch Maighdin schienen auch nur im mindesten �berrascht zu sein. Offensichtlich hatten sie den Gro�en Schlangenring gesehen, an dem Galina nerv�s mit dem Daumen herumspielte.</p><p>Die Wangen der Aes Sedai r�teten sich und sie versuchte, es wie Wut aussehen zu lassen. �Was ich hier tue, ist f�r die Burg von gr��ter Wichtigkeit, Kind�, sagte sie kalt. Ihr Gesichtsausdruck besagte, dass sie Gr�nde hatte, die andere nicht einmal im Ansatz begreifen konnten. Ihre Blicke huschten umher, versuchten das Schneetreiben zu durchdringen. �Ich darf nicht versagen. Das ist alles, was ihr zu wissen braucht.�</p><p>�Wir m�ssen wissen, ob wir Euch vertrauen k�nnen�, sagte Alliandre beherrscht. �Ihr m�sst in der Burg ausgebildet worden sein, sonst k�nnntet Ihr nicht Heilen, aber Frauen k�nnen sich den Ring verdienen, ohne die Stola zu erringen, und ich kann nicht glauben, dass Ihr eine Aes Sedai seid.� Anscheinend war Faile nicht die Einzige, welche die Frau vor R�tsel gestellt hatte.</p><p>Galinas volle Lippen verh�rteten sich, und sie hielt Alliandre die Faust vors Gesicht, um ihr zu drohen oder den Ring zu zeigen. Oder beides. �Glaubt Ihr, sie w�rden Euch anders behandeln, weil Ihr eine Krone tragt? Weil Ihr eine getragen habt?� Jetzt gab es keinen Zweifel mehr an ihrer Wut. Sie verga�, nach Lauschern Ausschau zu halten, und ihr Tonfall war �tzend. Speichel spr�hte, als sie sich in ihre Tirade hineinsteigerte. �Ihr werdet Sevanna Wein bringen und ihr den R�cken waschen wie alle anderen auch. Ihre Diener sind alles Adlige oder reiche Kaufleute oder M�nner und Frauen, die wissen, wie man Adlige bedient. Jeden Tag l�sst sie f�nf von ihnen auspeitschen, um den Rest zu motivieren, sodass sie ihr alle Informationen zutragen in der Hoffnung, ihre Gunst zu gewinnen. Beim ersten Fluchtversuch werden sie Eure Fu�sohlen so lange mit Ruten schlagen, bis Ihr nicht mehr gehen k�nnt, und Euch danach so verdreht wie eine Schmiedearbeit an einem Wagen aufh�ngen, bis es wieder geht. Das zweite Mal wird schlimmer sein, und das dritte dann noch schlimmer. Es gibt da einen Burschen, der geh�rte zu den Wei�m�nteln. Er hat neun Fluchtversuche unternommen. Ein harter Mann, aber als sie ihn das letzte Mal zur�ckholten, bettelte und schluchzte er, bevor sie �berhaupt anfingen, ihn f�r die Bestrafung auszuziehen.�</p><p>Alliandre nahm die Ansprache nicht gut auf. Sie blies sich auf und schaute indigniert und Maighdin knurrte: �Haben sie das mit Euch gemacht? Ob Ihr nun eine Aes Sedai oder eine Aufgenommene seid, Ihr seid ei ne Schande f�r die Burg!�</p><p>�Halt den Mund, wenn H�hergestellte reden!�, fauchte Galina.</p><p>Licht, wenn das so weiterging, w�rden sie sich gleich alle anbr�llen. �Wenn Dir uns bei der Flucht helfen wollt, dann sagt es�, wandte sich Faile an die in Seide gekleidete Aes Sedai. Sie bezweifelte nicht, dass die Frau eine war. Nur alles andere. �Wenn nicht, was wollt Ihr dann von uns?�</p><p>Vor ihnen tauchte ein Wagen aus dem Schnee auf, der dort, wo sich einer der Schlitten gel�st hatte, schr�g stand. Angeleitet von einem Shaido mit den Armen und Schultern eines Schmieds brachten die <emphasis>Gai'schain</emphasis> einen Hebel in Stellung, um den Wagen so weit anzuheben, dass man den Schlitten wieder an Ort und Stelle festzurren konnte. Faile und die anderen gingen schweigend weiter.</p><p>�Alliandre, ist das wirklich Eure Lehnsherrin?�, wollte Galina wissen, sobald sie au�er H�rweite der um den Wagen versammelten M�nner waren. Ihr Ge �sicht war noch immer vor Wut ger�tet, ihr Tonfall schneidend. �Wer ist sie, dass Ihr dieser Frau die Treue geschworen habt?�</p><p>�Ihr k�nnt mich fragen�, sagte Faile kalt. Man sollte die Aes Sedai mitsamt ihrer verfluchten Geheimniskr�merei zu Asche verbrennen! Manchmal glaubte sie, eine Aes Sedai w�rde einem nicht mal sagen, dass der Himmel blau war, solange sie keinen Vorteil darin sah. �Ich bin Lady Faile t'Aybara und <emphasis>mehr</emphasis> braucht Ihr nicht zu wissen. Wollt Ihr uns helfen?�</p><p>Galina stolperte, fiel auf ein Knie und sah so bohrend zu Faile auf, dass sie sich fragte, ob sie nicht einen Fehler gemacht hatte. Im n�chsten Augenblick wusste sie, dass es so war.</p><p>Die Aes Sedai kam mit einem h�sslichen L�cheln auf die F��e. Sie schien nicht l�nger w�tend zu sein. Tats�chlich sah sie so zufrieden aus wie Therava, und was noch viel schlimmer war, fast auf die gleiche Weise. �T'Aybara�, wiederholte sie nachdenklich. �Ihr seid Saldaeanerin. Es gibt da einen jungen Mann. Perrin Aybara. Euer Mann? Ja, ich sehe, dass ich ins Schwarze getroffen habe. Das w�rde allerdings Alliandres Eid erkl�ren. Sevanna hat gro�artige Pl�ne f�r einen Mann, der mit Eurem Mann in Verbindung steht. Rand al'Thor. Wenn sie wusste, dass sie Euch in ihrer Gewalt hat... Oh, keine Sorge, von mir wird sie es nicht erfahren.� Ihr Blick wurde h�rter, und pl�tzlich erschien sie tats�chlich wie eine Leopardin. Eine hungrige Leopardin. �Nicht, wenn Ihr alle das tut, was ich Euch befehle. Ich werde Euch sogar helfen, hier wegzukommen.�</p><p>�Was wollt Ihr von uns?�, fragte Faile eindringlicher, als ihr zumute war. Licht, da war sie w�tend auf Alliandre gewesen, weil sie durch die Nennung ihres Namens Aufmerksamkeit auf sie gezogen hatte, und jetzt hatte sie das Gleiche getan. Oder Schlimmeres. <emphasis>Und ich glaubte, ich w�rde mich verbergen, indem ich den Namen meines Vaters nicht benutzte,</emphasis> dachte sie erbost.</p><p>�Nichts zu Schwieriges�, erwiderte Galina. �Ihr habt Therava bemerkt? Nat�rlich habt ihr das. Jeder bemerkt Therava. Sie bewahrt etwas in ihrem Zelt auf, einen glatten wei�en Stab, der etwa eine Elle lang ist. Er befindet sich in einer roten Truhe mit Messingreifen, die nie verschlossen ist. Bringt ihn mir, und ich nehme euch alle mit, wenn ich gehe.�</p><p>�Das scheint keine gro�e Sache zu sein�, sagte Alliandre voller Zweifel. �Aber warum holt Ihr ihn dann nicht selbst?�</p><p>�Weil ich euch dazu habe!� Galina wurde sich bewusst, dass sie schrie, und sie zuckte zusammen; ihre Kapuze rutschte hin und her, als sie in der vom Schnee eingeh�llten Marschreihe nach Lauschern suchte. Keiner schien auch nur in ihre Richtung zu blicken, aber ihre Stimme senkte sich zu einem wilden Zischen. �Tut ihr es nicht, lasse ich euch hier, bis ihr grau und faltig seid. Und Sevanna wird von Perrin Aybara erfahren.�</p><p>�Das wird vielleicht dauern�, sagte Faile verzweifelt. �Wir werden uns nicht einfach in Theravas Zelt schleichen k�nnen, nur weil uns danach ist.� Licht, das Letzte, was sie auf der Welt wollte, war auch nur in die N�he von Theravas Zelt zu gehen. Aber Galina hatte gesagt, dass sie ihnen helfen w�rde. Sie mochte ja unausstehlich sein, aber Aes Sedai konnten nicht l�gen.</p><p>�Ihr habt alle Zeit, die ihr braucht�, erwiderte Galina. �Den Rest Eures Lebens, Lady Faile t'Aybara, wenn Ihr Euch nicht vorseht. Entt�uscht mich nicht.� Sie schenkte Faile einen letzten, bohrenden Blick und wandte sich ab, um sich in eine andere Richtung durch den Schnee zu k�mpfen. Dabei hielt sie die Arme so, als wollte sie ihren mit Schmuck verzierten G�rtel mit den breiten �rmeln verdecken.</p><p>Faile marschierte schweigend weiter. Auch ihre Gef�hrtinnen hatten nichts zu sagen. Es schien nichts zu geben, wor�ber man sprechen sollte. Gedankenverloren hielt Alliandre die H�nde in den �rmeln vergraben, w�hrend sie geradeaus starrte, als k�nnte sie etwas jenseits des Schneesturms sehen. Maighdin hielt wieder ihren goldenen Kragen fest umklammert. Sie waren in drei Fallen gefangen, nicht nur in einer, und jede davon konnte sie t�ten. Pl�tzlich erschien eine Rettung sehr verlockend. Doch irgendwie hatte Faile vor, einen Weg aus diesen Fallen zu finden. Sie nahm die Hand von ihrem Kragen, k�mpfte sich weiter durch den fallenden Schnee und schmiedete Pl�ne.</p></section><section><title><p>5</p><p>Banner</p></title><p><emphasis>Er jagte �ber die schneebedeckten Ebenen, die Nase im Wind, auf der Jagd nach einem Geruch, nach diesem ganz speziellen Geruch. Der fallende Schnee schmolz nicht l�nger auf seinem ausgek�hlten Fell, aber die K�lte konnte ihn nicht aufhalten. Die Ballen seiner Pfoten waren taub, doch seine brennenden Beine arbeiteten wie wild und trugen ihn immer schneller vorw�rts, bis das Land vor seinen Augen verschwamm. Er musste sie finden.</emphasis></p><p><emphasis>Pl�tzlich landete ein gro�er grauer Wolf mit zerfledderten Ohren und den in vielen K�mpfen davongetragenen Narben direkt aus dem Himmel neben ihm, um die Sonne zu jagen. Ein ebenfalls gro�er grauer Wolf, der allerdings nicht so gro� wie er war. Seine Z�hne w�rden die Kehlen derjenigen durchbei�en, die sie geraubt hatten. Seine Kiefer w�rden ihre Knochen zermalmen!</emphasis></p><p><emphasis>Dein</emphasis> Weibchen <emphasis>ist nicht hier, �bersandte ihm Springer, aber du bist viel zu intensiv hier, und du hast deinen K�rper schon viel zu lange verlassen. Du musst zur�ck, Junger Bulle, oder du wirst sterben.</emphasis></p><p><emphasis>Ich muss sie finden. Sogar seine Gedanken schienen zu keuchen. Wenn er an sich dachte, dann nicht als Perrin Aybara. Er war Junger Bulle. Einst hatte er hier den Falken gefunden und das konnte er wieder schaffen. Er musste sie finden. Neben diesem Verlangen war der Tod bedeutungslos.</emphasis></p><p><emphasis>Es blitzte Grau auf, als sich der andere Wolf gegen ihn warf, und obwohl Junger Bulle der gr��ere von ihnen war, war er auch m�de, und er st�rzte schwer. Er k�mpfte sich im�</emphasis><emphasis>Schnee auf die F��e, knurrte und warf sich auf Springers Kehle.</emphasis> Nichts <emphasis>war wichtig au�er dem Falken.</emphasis></p><p><emphasis>Der narbige Wolf flog wie ein Vogel in die Luft und Junger Bulle st�rzte erneut. Springer landete hinter ihm im Schnee.</emphasis></p><p><emphasis>H�r zu, Welpe! ermahnte ihn Springer energisch. Dein Verstand ist vor Furcht ganz verdreht! Sie ist nicht hier, und wenn du noch l�nger bleibst, wirst du sterben. Finde sie in der Welt der Wachenden. Du kannst sie nur dort finden. Geh zur�ck und finde sie!</emphasis></p><p>Perrin riss die Augen auf. Er war todm�de, und sein Leib f�hlte sich hohl an, aber verglichen mit der Leere in seiner Brust war der Hunger blo� ein Schatten. Er war ganz leer, f�hlte sich sogar sich selbst entfremdet, als w�re er eine andere Person, die zusah, wie Perrin Aybara litt. �ber ihm wogte ein mit blauen und goldenen Streifen verziertes Zeltdach im Wind. Das Zeltinnere war von Zwielicht erf�llt und voller Schatten, aber Sonnenlicht verlieh der hellen Plane einen goldenen Schimmer. Und der gestrige Tag war genauso wenig ein Albtraum gewesen wie Springer. Beim Licht, er hatte Springer t�ten wollen. Im Wolfstraum war der Tod ... endg�ltig. Die Luft war warm, aber er zitterte. Er lag auf einer weichen Matratze, in einem gro�en Bett mit wuchtigen Eckpfosten, die mit vergoldeten Schnitzereien �bers�t waren. Durch den Geruch der in den Kohlenpfannen brennenden Holzkohle hindurch konnte er ein moschusartiges Parf�m wahrnehmen. Und die Frau, die es benutzte. Sonst war niemand da.</p><p>Ohne den Kopf vom Kissen zu heben sagte er: �Haben sie sie gefunden, Berelain?� Sein Kopf f�hlte sich zu schwer an, um ihn zu heben.</p><p>Einer der .Faltst�hle quietschte leicht, als sie sich bewegte. Er war oft mit Faile hier gewesen, um Pl�ne zu besprechen. Das Zelt war gro� genug f�r eine Familie, und Berelains aufwendige M�blierung h�tte selbst in jeden Palast gepasst; alles war mit aufwendigem Schnitzwerk versehen und vergoldet. Allerdings wurden M�bel, Tische und St�hle und sogar das Bett von Holzpfl�cken zusammengehalten. Man konnte alles auseinander nehmen und auf einem Wagen verstauen, aber solche Pfl�cke sorgten nicht gerade f�r besondere Stabilit�t.</p><p>Unter dem Parf�m roch Berelain nach �berraschung, da er von ihrer Anwesenheit wusste, doch ihre Stimme klang beherrscht. �Nein. Eure Sp�her sind noch nicht zur�ckgekehrt, und meine ... Als sie bei Einbruch der Dunkelheit noch nicht zur�ck waren, habe ich eine volle Kompanie ausgeschickt. Sie fanden meine M�nner tot. Sie sind in einen Hinterhalt geraten, wurden get�tet, bevor sie mehr als f�nf oder sechs Meilen zur�cklegen konnten. Ich habe Lord Gallenne befohlen, die Wachen um das Lager zu verst�rken. Arganda hat ebenfalls eine starke berittene Wache aufgestellt, aber er hat auch Patrouillen ausgeschickt. Gegen meinen Rat. Der Mann ist ein Narr. Er glaubt, niemand au�er ihm kann Alliandre finden. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er �berhaupt glaubt, dass es die anderen tats�chlich versuchen. Vor allem nicht die Aiel.�</p><p>Perrin ergriff die weichen Wolldecken, die ihn zudeckten, und zerkn�llte sie in den F�usten. Gaul w�rde sich nicht �berraschen lassen, oder Jondyn, nicht mal von einem Aiel. Sie waren noch immer auf der Jagd. Das bedeutete, dass Faile am Leben war. H�tten sie ihre Leiche gefunden, w�ren sie schon l�ngst wieder zur�ck. Er musste das glauben. Er hob eine der blauen Decken an. Darunter war er nackt. �Gibt es hierf�r eine Erkl�rung?�</p><p>Ihre Stimme ver�nderte sich nicht, aber in ihrem Geruch kam Vorsicht zum Vorschein. �Ihr und Euer Soldat w�rt erfroren, h�tte ich Euch nicht gesucht, nachdem Nurelle mir die Nachricht �ber meine Sp�her brachte. Keiner hatte den Mut, Euch zu st�ren; anscheinend habt Ihr jeden, der es versuchte, wie einen Wolf angeknurrt. Als ich Euch fand, wart Ihr so durchgefroren, dass Ihr kein Wort mehr verstehen konntet, und der andere Mann stand kurz davor, auf das Gesicht zu fallen. Eure Dienerin Lini hat sich um ihn gek�mmert � er brauchte nur eine hei�e Suppe und Decken �, aber ich lie� Euch herbringen. Ohne Annoura h�ttet Ehr vermutlich mindestens ein paar Zehen verloren. Sie ... Selbst nachdem sie Euch Heilte, hatte sie Angst, Ihr k�nntet sterben. Ihr habt geschlafen wie ein Mann, der bereits tot ist. Sie sagte, Ihr w�rdet Euch anf�hlen wie jemand, der seine Seele verloren hat, ganz kalt, egal mit wie vielen Decken man Euch zudeckte. Ich habe es ebenfalls gesp�rt, als ich Euch ber�hrte.�</p><p>Eine zu ausf�hrliche Erkl�rung, und doch nicht ausreichend. Wut flammte auf, eine distanzierte Wut, aber er unterdr�ckte sie. Faile war immer eifers�chtig gewesen, wenn er gegen�ber Berelain die Stimme erhob. Die Frau w�rde es nicht schaffen, dass er sie anschrie. �Grady oder Neald h�tten tun k�nnen, was auch immer n�tig war�, sagte er tonlos. �Sogar Seonid und Masuri waren n�her.�</p><p>�Ich dachte zuerst an meine eigene Beraterin. Die anderen kamen mir erst in den Sinn, als ich beinahe hier war. Spielt es �berhaupt eine Rolle, wer das Heilen besorgt hat?�</p><p>So plausibel. Und wenn er die Frage stellen w�rde, warum die Erste von Mayene h�chstpers�nlich in einem halbdunklen Zelt �ber ihn wachte statt ihre Dienerin oder einer ihrer Soldaten oder seinetwegen auch Annoura, w�rde sie die n�chste plausible Antwort parat haben. Er wollte sie nicht h�ren.</p><p>�Wo ist meine Kleidung?�, fragte er und st�tzte sich auf die Ellbogen. Seine Stimme lie� noch immer jeden Ausdruck vermissen.</p><p>Eine Kerze auf einem kleinen Tisch neben Berelains Stuhl stellte die einzige Lichtquelle des Zeltes dar, aber obwohl sich seine Augen vor M�digkeit wie mit Sand gef�llt anf�hlten, reichte sie f�r ihn aus. Berelain war durchaus dezent gekleidet; das dunkelgr�ne Reitgewand wies einen hohen Kragen auf, der in einer dichten Spitzenkrause endete, die sich an ihr Kinn schmiegte. Wenn sich Berelain in Zur�ckhaltung �bte, war das so, als w�rde man einem Bergl�wen ein Schafsfell �berstreifen. Ihr Gesicht lag zur H�lfte im Schatten, war wundersch�n und nicht im mindesten vertrauensw�rdig. Sie w�rde sich an ihre Versprechen halten, aber wie eine Aes Sedai aus ihren eigenen Gr�nden, und die Dinge, f�r die sie keine Versprechen abgab, konnten der Dolchsto� sein, der einen in den R�cken traf.</p><p>�Auf der Truhe�, sagte sie und gestikulierte mit einer Hand, die fast v�llig von blasser Spitze verborgen wurde. �Ich habe sie von Rosene und Nana s�ubern lassen, aber Ihr habt Ruhe und Essen n�tiger gebraucht als Kleidung. Und bevor wir etwas essen und die Lage besprechen, will ich, dass Ihr eines wisst. Keiner w�nscht sich mehr als ich, dass Faile noch am Leben ist.� Ihr Ausdruck war so offen und ehrlich, dass er ihr h�tte glauben k�nnen, w�re sie eine andere gewesen. Sie roch sogar nach Ehrlichkeit!</p><p>�Ich brauche jetzt meine Sachen.� Er w�lzte sich herum, um sich auf der Bettkante mit um die Beine gewickelten Decken aufzusetzen. Die Kleider, die er getragen hatte, lagen fein s�uberlich zusammengefaltet auf einer von Eisenb�ndern zusammengehaltenen Reisetruhe, die fast bis zur Unkenntlichkeit mit Schnitzereien und vergoldeten Verzierungen versehen war. Sein pelzverbr�mter Umhang war �ber das eine Ende der Truhe drapiert, und seine Axt lehnte neben seinen Stiefeln auf den mit einem hellen Blumenmuster versehenen Teppichen, die den Fu�boden bedeckten. Licht, er war m�de. Er vermochte nicht zu sagen, wie lange er im Wolfstraum gewesen war, aber wach war wach, soweit es den K�rper betraf. Sein Magen knurrte laut. �Und was zu essen.�</p><p>Berelain gab einen erz�rnten Laut von sich, stand auf und gl�ttete die R�cke. Ihr hoch erhobenes Kinn dr�ckte ihr Missfallen aus. �Annoura wird nicht erfreut mit Euch sein, wenn sie von ihrer Besprechung mit den Weisen Frauen zur�ckkehrt�, sagte sie entschieden. �Ihr k�nnt die Aes Sedai nicht einfach ignorieren. Ihr seid nicht Rand al'Thor, was sie Euch auch fr�her oder sp�ter beweisen werden.�</p><p>Aber sie trat aus dem Zelt und lie� eine Woge kalte Luft herein. In ihrer Ver�rgerung machte sie sich nicht einmal die M�he, einen Umhang mitzunehmen. Als der Eingang kurz aufklaffte, sah er, dass es noch immer schneite. Nicht so heftig wie in der vergangenen Nacht, aber die wei�en Flocken schwebten gleichm��ig herab. Jetzt w�rde selbst Jondyn Schwierigkeiten haben, Spuren zu finden. Er versuchte, nicht dar�ber nachzudenken.</p><p>Vier Kohlenpfannen w�rmten die Luft im Zelt, aber sobald er die Teppiche ber�hrte, kroch die K�lte in seine F��e, und er eilte zu seinen Kleidungsst�cken. Eigentlich wankte er zu ihnen, auch wenn er keineswegs herumtr�delte. Er war so m�de, dass er sich auf den Teppich h�tte legen und weiterschlafen k�nnen. Dar�ber hinaus f�hlte er sich so schwach wie ein neugeborenes Lamm. Vielleicht hatte auch der Wolfstraum etwas damit zu tun � wo er doch seinen K�rper verlassen und sich so energisch darin hineinbegeben hatte �, aber vermutlich hatte das Heilen alles noch schlimmer gemacht. Da er seit dem gestrigen Fr�hst�ck nichts mehr gegessen und die Nacht stehend im Schnee verbracht hatte, hatte er keine Reserven mehr, auf die er zur�ckgreifen konnte. Und jetzt zitterten seine H�nde bei einer einfachen Aufgabe wie dem �berstreifen der Leibw�sche.</p><p>Jondyn w�rde sie finden. Oder Gaul. Und zwar lebend. Alles andere war egal. Er f�hlte sich wie bet�ubt.</p><p>Er hatte nicht damit gerechnet, dass Berelain noch einmal selbst zur�ckkehrte, aber ein kalter Luftschwall, der ihr Parf�m mit sich trug, drang ins Zeltinnere, noch w�hrend er damit besch�ftigt war, seine Hosen anzuziehen. Ihr Blick f�hlte sich auf seinem R�cken wie streichelnde Finger an, aber er zwang sich dazu weiterzumachen, als sei er allein. Er w�rde ihr nicht die Befriedigung geben, zusehen zu k�nnen, wie er sich beeilte, nur weil sie ihn beobachtete. Er w�rdigte sie keines Blickes.</p><p>�Rosene bringt warmes Essen�, sagte sie. �Ich f�rchte, wir haben nur Hammeleintopf, aber ich habe ihr gesagt, sie soll genug f�r drei M�nner auftischen.� Sie z�gerte und er h�rte, wie sich ihre Schuhe auf dem Teppich bewegten. Sie seufzte leise. �Perrin, ich wei�, dass Ihr leidet. Es gibt Dinge, die Ihr sagen m�chtet, die Ihr aber keinem anderen Mann sagen k�nnt. Ich habe nicht gesehen, dass Ihr Euch an Linis Schulter ausweint, also biete ich Euch meine an. Wir k�nnten einen Waffenstillstand schlie�en, bis Faile gefunden ist.�</p><p>�Einen Waffenstillstand?� Er beugte sich vorsichtig herab, um einen Stiefel anzuziehen. Vorsichtig, damit er nicht umkippte. Dicke Wollsocken und Ledersohlen w�rden seine F��e bald wieder erw�rmt haben. �Wozu brauchen wir einen Waffenstillstand?� Sie schwieg, w�hrend er den anderen Stiefel anzog und die Stulpen oberhalb der Knie umschlug, und ergriff erst wieder das Wort, als er die Schn�re seines Hemds zugezogen und es sich in den Hosenbund gestopft hatte.</p><p>�Also gut, Perrin. Wenn Ihr es so haben wollt.� Was auch immer das bedeuten sollte, sie klang sehr entschlossen. Pl�tzlich fragte er sich, ob ihn seine Nase im Stich gelassen hatte. Ihrem Geruch zufolge war sie beleidigt, war das zu glauben? Andererseits schimmerte in diesen gro�en Augen ein Funken Wut. �Seit kurz vor Tagesanbruch treffen die M�nner des Propheten ein�, sagte sie mit scharfer Stimme. �Soweit ich wei�, ist er selbst noch nicht hier. Bevor Ihr ihm das n�chste Mal gegen�bertretet ...�</p><p>�Sie treffen ein?�, unterbrach er sie. �Masema hat zugestimmt, nur eine Ehrenwache mitzubringen, einhundert Mann.�</p><p>�Wozu auch immer er sich bereit erkl�rt hat, als ich das letzte Mal nachgesehen habe, waren es drei- oder viertausend Mann � ein Heer von Raufbolden, anscheinend jeder Mann aus der n�heren und ferneren Umgebung, der einen Speer tragen kann �, und mehr str�men' aus jeder Richtung herbei.�</p><p>Eilig zog er den Mantel �ber, schnallte den G�rtel dar�ber zu und richtete das Gewicht seiner Axt an seiner H�fte. Es f�hlte sich immer schwerer an, als es sollte. �Das werden wir ja sehen! Ich werde sein m�rderisches Ungeziefer doch nicht als unn�tigen Ballast mitschleppen!�</p><p>�Verglichen mit dem Mann selbst ist sein <emphasis>Ungeziefer</emphasis> lediglich ein �rgernis. Die Gefahr liegt bei Masema.� Ihre Stimme war k�hl und beherrscht, aber in ihrem Geruch bebte energisch kontrollierte Furcht � wie immer, wenn sie von Masema sprach. �In diesem Punkt haben die Schwestern und die Weisen Frauen Recht. Braucht Ihr daf�r mehr Beweise als das, was Ihr mit eigenen Augen gesehen habt? Nun denn, er hat sich mit den Seanchanern getroffen.�</p><p>Diese Nachricht traf Perrin wie ein Hammer, vor allem nach Balwers Neuigkeiten �ber die K�mpfe in Altara. �Woher wisst Ihr das?�, fragte er barsch. �Von Euren Diebef�ngern?� Sie hatte da ein P�rchen, das sie aus Mayene hatte kommen lassen, und sie schickte sie in jedem Dorf und jeder Stadt los, um so viel in Erfahrung zu bringen, wie sie konnten. Beide entdeckten kaum die H�lfte von dem, was Balwer immer mitbrachte. Nicht, dass sie ihn �ber ihre Erkennmisse jemals unterrichtet h�tte.</p><p>Berelain sch�ttelte bedauernd den Kopf. �Falles... Gefolgsleute. Drei von ihnen stie�en kurz vor dem Angriff der Aiel zu uns. Sie hatten mit M�nnern gesprochen, die eine gewaltige Flugkreatur landen sahen.� Sie zitterte etwas zu offensichtlich, aber ihrem Geruch nach zu urteilen war es eine ehrliche Reaktion. Das war keine �berraschung; er hatte einst einige der Bestien mit eigenen Augen gesehen und ein Trolloc konnte nicht mehr wie ein Schattengez�cht aussehen. �Eine Kreatur, die einen Passagier trug. Sie verfolgten ihren Flug bis nach Abila, bis zu Masema. Ich glaube nicht, dass es das erste Treffen war. F�r mich klang es, als w�re das eine allt�gliche Sache.�</p><p>Pl�tzlich verzogen sich ihre Lippen zu einem leicht sp�ttischen, flirtenden L�cheln. Diesmal passte ihr Geruch zu ihrer Miene. �Es war nicht sehr nett von Euch, mich glauben zu machen, dass Euer kleiner vertrockneter Sekret�r mehr herausfindet als meine Diebef�nger, da doch zwei Dutzend Eurer Augen-und-Ohren sich als Falles Untertanen maskieren. Ich muss zugeben, Ihr habt mich reingelegt. Es gibt in Euch immer neue �berraschungen zu entdecken. Warum seht Ihr so verbl�fft aus? Habt Ihr nach all dem, was wir gesehen und geh�rt haben, allen Ernstes geglaubt, Ihr k�nntet Masema vertrauen?�</p><p>Perrins bohrender Blick hatte wenig mit Masema zu tun. Diese Neuigkeit konnte viel oder auch gar nichts bedeuten. Vielleicht glaubte der Mann ja, er k�nnte auch die Seanchaner zum Lord Drachen bringen. Verr�ckt genug dazu war er ja. Aber ... Faile hatte diese Narren <emphasis>spionieren</emphasis> lassen? Sie hatten sich in Abila eingeschlichen? Und das Licht allein wusste, wo sonst noch. Nat�rlich hatte sie immer behauptet, dass Spionieren die Arbeit der Ehefrau war, aber den Palastklatsch zu sammeln war eine Sache; das hier war etwas ganz anderes. Zumindest h�tte sie es ihm sagen k�nnen. Oder hatte sie Stillschweigen bewahrt, weil ihre Untertanen nicht die Einzigen waren, die an Orten herumschn�ffelten, wo sie nichts zu suchen hatten? Das s�he ihr �hnlich. Faile hatte wirklich das Temperament eines Falken. Vielleicht machte es ihr sogar Spa�, selbst zu spionieren. Nein, er w�rde nicht w�tend auf sie werden, bestimmt nicht zu diesem Zeitpunkt. Licht, sie <emphasis>w�rde</emphasis> es f�r einen Spa� halten.</p><p>�Ihr k�nnt diskret sein, das wei� ich zu sch�tzen�, murmelte Berelain. �Ich h�tte nicht f�r m�glich gehalten, dass es Teil Eurer Natur ist, aber Diskretion kann eine feine Sache sein. Vor allem jetzt. Meine M�nner wurden nicht von Aiel get�tet, es sei denn, Aiel w�rden neuerdings mit Armbr�sten und �xten k�mpfen.�</p><p>Sein Kopf ruckte hoch und er starrte sie trotz aller Vors�tze an. �Das erw�hnt Ihr so ganz nebenbei? Gibt es sonst noch etwas, das Ihr vergessen habt, mir zu sagen, irgendetwas, das Euch entfallen ist?�</p><p>�Wie k�nnt Ihr das fragen?� Beinahe h�tte sie gelacht. �Ich m�sste mich nackt ausziehen, um noch mehr zu enth�llen, als ich bereits getan habe.� Sie breitete die Arme weit aus und wand sich wie eine Schlange, als wollte sie es demonstrieren.</p><p>Perrin knurrte angewidert. Faile wurde vermisst, allein das Licht wusste, ob sie noch lebte � <emphasis>Licht, lass sie lebendig sein! �,</emphasis> und Berelain w�hlte <emphasis>diesen</emphasis> Augenblick, um sich schlimmer zur Schau zu stellen als je zuvor? Aber sie war nun einmal, wer sie war. Er sollte dankbar daf�r sein, dass sie sich sittsam benommen hatte, bis er fertig mit Anziehen war.</p><p>Sie betrachtete ihn nachdenklich und zeichnete mit der Fingerspitze ihre Unterlippe nach. �All dem zum Trotz, was Ihr vielleicht geh�rt habt, Ihr werdet erst der dritte Mann sein, der mein Bett teilt.� Ihr Blick war... verschleiert... und doch h�tte sie genauso gut sagen k�nnen, dass er der dritte Mann war, mit dem sie heute gesprochen hatte. Ihr Geruch.... Ihm fiel nur ein Vergleich ein: ein Wolf, der einen Hirsch betrachtete, der sich im Unterholz verfangen hatte. �Bei den anderen beiden ging es um Politik. Ihr werdet ein Vergn�gen sein. In mehrerlei Hinsicht als einer�, endete sie mit einem �berraschend scharfen Tonfall.</p><p>Genau in diesem Augenblick kam Rosene in eine Wolke aus eiskalter Luft geh�llt in das Zelt gestolpert. Sie hatte den blauen Umhang zur�ckgeworfen und trug ein ovales, mit einem wei�en Leinenruch bedecktes Silbertablett. Perrin schloss den Mund und betete darum, dass sie nichts von dem Gesagten mitbekommen hatte. Die l�chelnde Berelain schien das nicht zu k�mmern. Die st�mmige Dienerin stellte das Tablett auf dem gr��ten Tisch ab, l�pfte den mit blauen und goldenen Streifen versehenen Rock und machte einen tiefen Hofknicks vor Berelain und einen weniger tiefen vor ihm. Der Blick ihrer dunklen Augen verweilte einen Moment lang auf ihm, und sie l�chelte genauso zufrieden wie ihre Herrin, bevor sie den Umhang zusammenraffte und nach einer kurzen Geste Berelains wieder hinauseilte. Sie hatte also gelauscht. Von dem Tablett wehte der Duft von Hammeleintopf und Gew�rzwein. Perrins Magen knurrte erneut, aber er w�re nicht hier geblieben, um zu essen, selbst wenn er ein gebrochenes Bein gehabt h�tte.</p><p>Er warf sich den Umhang �ber die Schultern und stapfte hinaus in den leichten Schneefall, wobei er sich die schweren Handschuhe �berzog. Dichte Wolken verbargen die Sonne, aber dem Licht nach zu urteilen war der Tag schon mehrere Stunden alt. Man hatte Pfade in den Schnee gegraben, doch die wei�en Flocken, die vom Himmel fielen, sammelten sich auf den kahlen �sten und versahen das Gr�n mit neuen M�nteln. Dieser Sturm war noch lange nicht vorbei. Licht, wie konnte diese Frau nur so mit ihm sprechen? Warum sollte sie so sprechen, warum gerade jetzt?</p><p>�Vergesst nicht�, rief ihm Berelain hinterher und machte keinerlei Anstalten, ihre Stimme zu d�mpfen, �Diskretion.� Er zuckte leicht zusammen und beschleunigte seine Schritte.</p><p>Wenige Schritte von dem gro�en gestreiften Zelt entfernt wurde ihm bewusst, dass er vergessen hatte, nach dem Aufenthaltsort von Masemas M�nnern zu fragen. �berall um ihn herum w�rmten sich die Befl�gelten Wachen mit voller R�stung und Umh�ngen versehen an den Lagerfeuern auf, ganz in der N�he ihrer angeleinten, fertig gesattelten Pferde. Ihre Lanzen standen griffbereit zu mit st�hlernen Spitzen versehenen Kegeln aneinander gelehnt, an denen rote Wimpel im Wind flatterten. Trotz der B�ume h�tte man durch jede Reihe Lagerfeuer eine schnurgerade Linie ziehen k�nnen; sie hatten auch noch alle die gleiche Gr��e, soweit das menschenm�glich war. Die Ausr�stungswagen, die sie sich nach der Ankunft im S�den besorgt hatten, waren alle beladen, die Pferde angeschirrt, und sie standen ebenfalls in schnurgeraden Reihen.</p><p>Die B�ume verbargen den H�gelkamm nicht vollst�ndig. Dort oben standen noch immer M�nner von den Zwei Fl�ssen auf Wache, aber die Zelte waren abgebaut, und er konnte beladene Packpferde ausmachen. Er glaubte auch einen schwarzen Mantel zu sehen; einer der Asha'man, auch wenn er nicht erkennen konnte, welcher es war. Zwischen den Ghealdanern standen Gruppen von M�nnern, die zum H�gel hinaufstarrten, doch erschienen sie genauso bereit wie die Mayener. Die beiden Lager wiesen sogar den gleichen Grundriss auf. Aber nirgendwo gab es Anzeichen, dass sich Tausende von M�nnern versammelten, gab es einen breiten</p><p>Trampelpfad im Schnee, dem man folgen konnte. Was das anging, es gab �berhaupt keine Fu�spuren zwischen den drei Lagern. Wenn Annoura bei den Weisen Frauen war, dann hielt sie sich schon seit geraumer Zeit auf dem H�gel auf. Wor�ber unterhielten sie sich? Vielleicht wie sie Masema umbringen konnten, ohne dass er Wind davon bekam. Er schaute zur�ck zu Berelains Zelt, aber bei dem Gedanken, dorthin zur�ckzukehren, stellten sich seine Nackenhaare auf.</p><p>Nicht weit entfernt stand ein weiteres gestreiftes Zelt, das noch nicht abgebaut war; es geh�rte Berelains beiden Dienerinnen. Trotz des stetigen Schneefalls sa�en Rosene und Nana in ihren Umh�ngen und mit hochgeschlagenen Kapuzen auf Faltst�hlen davor und w�rmten ihre H�nde an einem kleinen Feuer. Sie �hnelten sich wie ein Ei dem anderen; keine von ihnen war h�bsch, aber sie hatten Gesellschaft, was vermutlich auch der Grund war, warum sie sich nicht drinnen um eine Kohlenpfanne dr�ngten. Zweifellos bestand Berelain bei ihren Dienerinnen auf mehr Sittsamkeit, als sie selbst zustande brachte. Normalerweise schienen Berelains Diebef�nger kaum mehr als drei zusammenh�ngende Worte zu sagen, zumindest soweit es Perrin betraf, aber sie waren recht munter und lachten zusammen mit Rosene und Nana. Das Paar war schlicht gekleidet und so unauff�llig, dass man ihnen selbst dann keinen zweiten Blick geschenkt h�tte, wenn man auf der Stra�e mit ihnen zusammengesto�en w�re. Perrin war sich noch immer nicht sicher, wer von den beiden Santes und wer Gendar war. Ein kleiner Topf an der einen Seite des Feuers roch nach Hammelfleisch; er versuchte ihn zu ignorieren, aber sein Magen knurrte trotzdem.</p><p>Das Gespr�ch verstummte, als er n�her kam, und bevor er das Feuer erreichte, schauten Santes und Gendar mit ausdruckslosem Gesicht von ihm hin�ber zu Berelains Zelt, dann zogen sie ihre Umh�nge zu und eilten fort, wobei sie seinen Blick mieden. Rosene und Nana sahen von Perrin zu dem Zelt und kicherten hinter vorgehaltenen H�nden. Perrin wusste nicht, ob er err�ten oder br�llen sollte.</p><p>�Wisst ihr zuf�llig, wo sich die M�nner des Propheten sammeln?�, fragte er. Bei ihren hochgezogenen Brauen und dem Grinsen fiel es ihm schwer, seine Stimme unbeteiligt zu halten. �Eure Herrin hat vergessen, es mir genau zu sagen.� Die beiden tauschten Blicke aus, bei denen die Kapuzen im Weg waren, und kicherten wieder hinter vorgehaltenen H�nden. Er fragte sich, ob sie zur�ckgeblieben waren, bezweifelte aber, dass Berelain solch alberne G�nse lange um sich herum dulden w�rde.</p><p>Nach weiterem ausgiebigem Gekichere, das von schnellen Blicken auf ihn, zueinander und zu Berelains Zelt hin�ber unterbrochen wurde, bequemte sich Nana zu der Auskunft, dass sie es zwar nicht genau wisse, sie vermutete aber, es bef�nde sich in dieser Richtung, wobei sie nach S�dwesten deutete. Rosene war fest davon �berzeugt, dass ihre Herrin gesagt hatte, es sei mehr als zwei Meilen entfernt. Oder vielleicht auch drei. Sie kicherten noch immer, als er ging. Vielleicht waren sie ja tats�chlich zur�ckgeblieben.</p><p>M�de stapfte er um den H�gel herum und dachte dar�ber nach, was er nun zu tun hatte. Der tiefe Schnee, durch den er nach Verlassen des Lagers der Mayener gehen musste, verbesserte seine schlechte Laune auch nicht gerade. Genauso wenig wie die Entscheidungen, zu denen er kam. Sie wurde erst besser, als er das Lager seiner Leute erreichte.</p><p>Alles war so, wie er es angeordnet hatte. In Umh�nge geh�llte Cairhiener sa�en auf beladenen Wagen mit den Z�geln um die Handgelenke gewickelt oder unter die Oberschenkel geklemmt, w�hrend andere kleine Gestalten die Reihen der Ersatzpferde abschritten und die Tiere beruhigten. Die M�nner von den Zwei Fl�ssen, die sich nicht oben auf dem H�gel befanden, kauerten an Dutzenden Lagerfeuern zwischen den B�umen; sie waren f�r den Ritt gekleidet und hielten die Z�gel ihrer Pferde. Im Gegensatz zu den Soldaten in den anderen Lagern lie�en sie jede Ordnung vermissen, aber sie hatten gegen Trollocs und Aiel gek�mpft. Jeder der M�nner hatte den Bogen auf den R�cken geschnallt und trug an der H�fte einen vollen K�cher, dessen Gewicht manchmal von einem Schwert oder einem Kurzschwert ausbalanciert wurde. �berraschenderweise sa� Grady an einem der Feuer. F�r gew�hnlich hielten sich die Asha'man von den anderen M�nnern fern, was umgekehrt genauso galt. Keiner sagte ein Wort, alle konzentrierten sich darauf, warm zu bleiben. Die m�rrischen Gesichter verrieten Perrin, dass weder Jondyn oder Gaul oder Elyas noch sonst jemand zur�ckgekehrt war. Noch bestand die Chance, dass man sie zur�ckbrachte. Oder zumindest den Ort fand, an dem sie gefangen gehalten wurden. Einen Augenblick lang schien es, als w�ren das die letzten erfreulichen Gedanken, die er an diesem Tag haben w�rde. Der Rote Adler von Manetheren und sein eigenes Wolfskopfbanner hingen im fallenden Schnee schlaff an zwei Standarten herunter, die an einem Wagen lehnten.</p><p>Er hatte diese Flaggen auf die gleiche Weise bei Masema benutzen wollen, wie er nach S�den gezogen war � er wollte sich in aller �ffentlichkeit verbergen. Wenn ein Mann verr�ckt genug war, um den Versuch zu unternehmen, Manetherens uralte Pracht wieder auferstehen zu lassen, lie�en es alle dabei bewenden und suchten nicht nach einem tieferliegenden Grund, warum er mit einem kleinen Heer durch das Land zog. Und so lange er nicht verweilte, waren sie viel zu froh dar�ber, den Verr�ckten Weiterreisen zu sehen, als dass sie den Versuch unternahmen, ihn aufzuhalten. Es gab bereits genug Probleme im Land, ohne sich noch mehr aufzuladen. Sollte jemand anders k�mpfen und bluten und M�nner verlieren, die man bei der kommenden Fr�hlingsaussaat brauchen w�rde. Manetherens Grenzen hatten fast bis zum heutigen Murandy gereicht, und mit etwas Gl�ck h�tte er in Andor sein k�nnen, wo Rand mit fester Hand seinen Einfluss aus�bte, bevor er die T�uschung aufgeben musste. Das hatte sich jetzt ge�ndert und er kannte den Preis f�r �nderungen. Es war ein sehr hoher Preis. Er war bereit, ihn zu zahlen, nur w�rde er es nicht sein, der ihn bezahlte. Aber er w�rde deswegen Albtr�ume haben.</p></section><section><title><p>6</p><p>Der Gestank des Wahnsinns</p></title><p>Perrin suchte im fallenden Schnee nach Dannil, entdeckte ihn an einem der Lagerfeuer und schob sich an den Pferden vorbei. Die anderen M�nner wichen weit genug zur�ck, um ihm Platz zu machen. Da sie nicht wussten, ob sie ihm ihr Mitgef�hl zum Ausdruck bringen sollten, schauten sie ihn kaum an und wandten ruckartig die Blicke ab, wenn sie es taten und verbargen die Gesichter in ihren Kapuzen. �Wei�t du, wo Masemas Leute sind?�, fragte er und musste dann ein G�hnen hinter der Faust verbergen. Sein K�rper verlangte nach Schlaf, aber daf�r war jetzt keine Zeit.</p><p>�Etwa drei Meilen nach S�den und Westen�, erwiderte Dannil in m�rrischem Tonfall und zupfte gereizt an seinem Schnurrbart. Also hatten die albernen G�nse doch Recht gehabt. �Eilen herbei wie im Herbst die Enten in den Wasserwald und der Haufen sieht aus, als w�rden sie ihren eigenen M�ttern die Haut abziehen.� Lern al'Dai mit dem Pferdegesicht spuckte angewidert durch die Zahnl�cke aus, die er vor langer Zeit bei der Pr�gelei mit dem Leibw�chter eines Wollh�ndlers davongetragen hatte. Lern k�mpfte gern mit den F�usten; er sah aus, als w�rde er gern mit einem von Masemas Anh�ngern Streit anfangen.</p><p>�Das w�rden sie auch, wenn Masema es ihnen befiehlt�, sagte Perrin leise. �Du solltest lieber daf�r sorgen, dass das keiner vergisst. Ihr alle habt geh�rt, wie Berelains M�nner gestorben sind?� Dannil nickte ruckartig, einige der anderen scharrten mit den Stiefeln und murmelten w�tend vor sich hin. �Nur damit ihr Bescheid wisst. Es gibt keinen Beweis. Noch nicht.� Lern schnaubte ver�chtlich und die �brigen sahen so freudlos wie Dannil aus. Sie hatten die Leichen gesehen, die Masemas Anh�nger zur�ckgelassen hatten.</p><p>Der Schnee fiel nun dichter; �ppige Flocken sprenkelten die Umh�nge der M�nner. In wenigen Stunden w�rde wieder ein heftiger Schneesturm toben, wenn nicht schon fr�her. Kein Wetter, um die W�rme des Feuers zu verlassen. Kein Wetter, um zu reisen.</p><p>�Holt alle vom H�gel runter und bewegt euch auf den Ort des Hinterhalts zu�, befahl er. Das war eine der Entscheidungen, die er auf dem R�ckweg getroffen hatte. Er hatte bereits zu lange gez�gert, ganz egal, was dort drau�en lauerte. Die abtr�nnigen Aiel hatten bereits einen viel zu gro�en Vorsprang, und w�ren sie in eine andere Richtung als nach S�den oder Osten gereist, h�tte ihm in der Zwischenzeit jemand dar�ber Bericht erstattet. Mittlerweile w�rden sie von ihm erwarten, dass er ihnen folgte. �Wir reiten, bis ich eine bessere Idee haben, wo es �berhaupt hingehen soll, dann werden uns Grady und Neald durch ein Wegetor dorthin bringen. Schickt M�nner zu Berelain und Arganda. Ich will, dass die Mayener und Ghealdaner ebenfalls aufbrechen. Man soll Sp�her aussenden und M�nner, die die Flanken begleiten, und sagt ihnen, sie sollen nicht so verbissen nach den Aiel Ausschau halten, dass sie vergessen, dass es auch noch andere gibt, die uns m�glicherweise umbringen wollen. Ich will in nichts hineinrennen, von dem ich vorher nichts gewusst habe. Und bittet die Weisen Frauen, in unserer N�he zu bleiben.� Er traute es Arganda durchaus zu, trotz seiner Befehle zu versuchen, sie unter der Folter zu befragen. Wenn die Weisen Frauen zur Selbstverteidigung einige Ghealdaner t�teten, w�rde der Kerl wom�glich trotz des Treueides die Gruppe verlassen und allein weiterreiten. Und Perrin hatte das Gef�hl, dass er jeden K�mpfer brauchen w�rde, den er bekommen konnte. �Sei so energisch, wie du es wagst.�</p><p>Dannil nahm die Befehlsflut unbewegt zur Kenntnis, aber bei der letzten Anweisung verzog sich sein Gesicht zu einer wenig erfreuten Grimasse. Er w�re eher dem Frauenzirkel in der Heimat energisch gegen�bergetreten. �Wie Ihr befehlt, Lord Perrin�, sagte er steif und f�hrte die Faust an die Stirn, bevor er sich in seinen Sattel schwang und anfing, lautstark Befehle zu geben.</p><p>Von M�nnern umgeben, die zu ihren Pferden eilten, schnappte sich Perrin Kenly Maerins �rmel, solange der junge Mann erst einen Fu� im Steigb�gel hatte, und bat ihn, Traber satteln und bringen zu lassen. Kenly legte mit einem breiten Grinsen die Faust an die Stirn. �Wie Ihr befehlt, Lord Perrin!�</p><p>Perrin knurrte innerlich, w�hrend Kenly seinen braunen Wallach in Richtung der angeseilten Pferde hinter sich herf�hrte. Der junge Welpe sollte sich keinen Bart wachsen lassen, wenn er sich dauernd dort kratzte. Davon abgesehen sah das Ding sowieso ziemlich k�mmerlich aus.</p><p>Er ging n�her an das lodernde Feuer heran. Faile hatte gesagt, er m�sste mit dem st�ndigen Lord Perrin hier und da und den Verbeugungen und Kratzf��en leben, und zumeist gelang es ihm auch, es zu ignorieren, aber heute war es nur ein weiterer Tropfen Galle. Er konnte die Kluft sp�ren, die sich zwischen ihm und den M�nnern aus der Heimat immer weiter auftat, und er schien der Einzige zu sein, der sie �berbr�cken wollte. Gill fand ihn, wie er vor sich hinmurmelte, w�hrend er die H�nde �ber die Flammen hielt.</p><p>�Vergebt mir die St�rung, mein Lord�, sagte Gill, verbeugte sich und riss sich f�r einen Augenblick den Schlapphut herunter, um den mit sp�rlichem Bewuchs versehenen Kopf zu entbl��en. Der Hut wurde sofort wieder auf den Kopf gest�lpt, um den Schnee abzuhalten. In der Stadt aufgewachsen litt Gill schlimm unter der K�lte. Der st�mmige Mann war keinesfalls unterw�rfig � das waren nur wenige Schankwirte aus Caemlyn �, aber er schien ein gewisses Ma� an F�rmlichkeit zu m�gen. Auf jeden Fall hatte er sich gut genug in seine neue Stellung eingearbeitet, um Falle zufrieden zu stellen. �Es ist der junge Tallanvor. Er hat beim ersten Tageslicht sein Pferd gesattelt und ist aufgebrochen. Er sagte, Ihr h�ttet ihm dazu die Erlaubnis gegeben, falls... falls bis dahin die ersten Suchmannschaften nicht zur�ck seien, aber ich habe mir meine Gedanken gemacht, weil Ihr sonst keinen gehen lassen wolltet.�</p><p>Dieser Narr. Obwohl Tallanvor nie besonders viel �ber seine Herkunft enth�llt hatte, zeichnete ihn alles als erfahrenen Soldaten aus, aber allein gegen die Aiel war er der Hase, der die Wiesel jagte. <emphasis>Licht, ich will mit ihm reiten! Ich h�tte nicht aufBerelain h�ren sollen mit ihren Hinterhalten!</emphasis> Aber es hatte einen weiteren Hinterhalt gegeben. Argandas Sp�her w�rden wom�glich auf die gleiche Weise enden. Aber er musste aufbrechen. Er musste es einfach.</p><p>�Ja�, sagte er laut. �Ich habe es ihm erlaubt.� Falls er etwas anderes sagte, musste er sp�ter wom�glich darauf zur�ckkommen. Lords mussten solche Dinge tun. Falls er den Mann jemals wieder lebendig sah. �Ihr klingt, als wolltet Ihr selbst auf die Jagd gehen.�</p><p>�Ich bin ... ich bin Maighdin sehr verbunden, mein Lord�, erwiderte Gill. Stille W�rde lag in seiner Stimme, aber auch eine gewisse Steifheit, so als h�tte Perrin behauptet, er sei zu alt und fett f�r eine solche Aufgabe. Auf jeden Fall roch er nach Besorgnis, dornig und schneidig, obwohl sein von der K�lte ger�tetes Gesicht unbewegt war. �Nicht wie Tallanvor, nat�rlich nicht, aber ich f�hle mich ihr trotzdem verbunden. Der Lady Faile nat�rlich auch�, f�gte er hastig hinzu. �Es kommt mir nur so vor, als w�rde ich Maighdin schon mein ganzes Leben lang kennen. Sie verdient etwas Besseres.�</p><p>Perrins Seufzer verwandelte sich vor seinem Mund in Nebel. �Ich verstehe, Meister Gill.� Das tat er wirklich. Er wollte selbst jeden retten, aber er wusste, dass er, falls er eine Wahl zu treffen hatte, Faile w�hlen w�rde und nicht die anderen. Allein ihre Rettung z�hlte. Der Geruch nach Pferden lag schwer in der Luft, aber Perrin roch noch jemanden, der gereizt war, und schaute �ber die Schulter.</p><p>Lini stand inmitten des Gew�hls und starrte ihn an; sie wich nur weit genug zur Seite, um nicht versehentlich von den M�nnern angerempelt zu werden, die sich beeilten, unregelm��ige Reihen zu bilden. Eine knochige Hand umklammerte den Saum ihres Umhangs, die andere hielt eine mit Messingn�geln beschlagene Keule, die beinahe so lang wie ihr Arm war. Es war ein Wunder, dass sie Tallanvor nicht begleitet hatte.</p><p>�Ihr erfahrt das Neueste, sobald ich es erfahren habe�, versprach er ihr. Ein Grollen in seinem Inneren erinnerte ihn eindringlich an den Eintopf, den er verschm�ht hatte. Er vermochte das Hammelfleisch und die Linsen f�rmlich auf der Zunge zu schmecken. Ein weiteres G�hnen lie� seine Kiefer krachen. �Entschuldigt, Lini�, sagte er, als er wieder sprechen konnte. �Ich habe vergangene Nacht nicht viel Schlaf bekommen. Oder einen Bissen zu essen. Ist irgendetwas da? Ein St�ck Brot oder was sonst greifbar ist?�</p><p>�Alle haben schon vor langer Zeit gegessen�, fauchte sie. �Die Reste sind weg, die T�pfe sauber gemacht und verpackt. Esst von zu vielen Tellern, und Ihr verdient die Bauchschmerzen, die Euch zerrei�en. Vor allem, wenn es nicht Eure Teller sind.� Sie fuhr mit einem unverst�ndlichen Murren fort und schenkte ihm noch ein d�steres Stirnrunzeln, bevor sie fortstapfte und der Welt b�se Blicke zuwarf.</p><p>�Zu viele Teller?�, murmelte Perrin. �Ich habe nicht mal von einem gegessen, das ist mein Problem und nicht Bauchschmerzen.� Lini bahnte sich an Wagen und Pferden vorbei einen Weg quer durch das Lager. Drei oder vier M�nner sprachen sie im Vorbeigehen an, und sie fauchte jeden an, drohte sogar mit der Keule, wenn sie den Wink nicht verstanden. Die Frau musste wegen Maighdin au�er sich vor Sorge sein. �Oder war das eines ihrer Sprichw�rter? Normalerweise ergeben die mehr Sinn.�</p><p>��h ... was das angeht, nun ...� Gill riss sich wieder den Hut herunter, schaute hinein und setzte ihn wieder auf. �Ich ... �h, ich muss mich um die Wagen k�mmern, mein Lord. Mich vergewissern, dass alles seine Ordnung hat.�</p><p>�Ein Blinder kann sehen, dass die Wagen fertig sind�, sagte Perrin. �Was ist los?�</p><p>Gill suchte verzweifelt nach einer anderen Ausrede. Als er keine fand, sank er f�rmlich in sich zusammen. �Ich... ich sch�tze, Ihr werdet es fr�her oder sp�ter ja doch h�ren�, murmelte er. �Wisst Ihr, mein Lord ... Lini...� Er holte tief Luft. �Sie ist heute Morgen zum Lager der Mayener gegangen, noch vor Sonnenaufgang, um zu sehen, wie es Euch geht, und ... �h... warum Ihr nicht zur�ckgekehrt seid. Das Zelt der Ersten war dunkel, aber eine der Dienerinnen war wach, und sie hat Lini gesagt... Sie hat angedeutet... Ich wollte sagen, sie hat... Seht mich nicht so an, mein Lord.�</p><p>Perrin verbannte das Knurren aus seinem Gesicht. Das hei�t, er versuchte es. In seiner Stimme blieb es. �Verdammt noch mal, Mann, ich habe in diesem Zelt <emphasis>geschlafen.</emphasis> Das ist alles, was ich dort getan habe! Sagt ihr das!�</p><p>Ein Hustenkrampf sch�ttelte den st�mmigen Mann.</p><p>�Ich?� Gill holte keuchend Luft, als er wieder dazu in der Lage war. �Ihr wollt, dass <emphasis>ich</emphasis> ihr das sage? Sie wird mir einen Scheitel ziehen, wenn ich so etwas auch nur erw�hne! Ich glaube, diese Frau wurde in Far Madding w�hrend eines Sturms geboren. Vermutlich hat sie dem Donner befohlen, leise zu sein. Und er hat sicher gehorcht.�</p><p>�Ihr seid der <emphasis>Shambayan�,</emphasis> beharrte Perrin. �Da geht es doch nicht blo� darum, Wagen im Schnee zu beladen.� Er wollte jemanden bei�en!</p><p>Gill schien das zu sp�ren. Er murmelte einen h�flichen Gru�, machte eine unbeholfene Verbeugung und eilte mit eng um sich geschlungenem Umhang fort. Und nicht, um Lini zu suchen, da war sich Perrin sicher. Gill befahl �ber den Haushalt, soweit man ihn so bezeichnen wollte, aber nicht ihr. Niemals. Niemand au�er Faile gab Lini Befehle.</p><p>M�rrisch sah er zu, wie die Sp�her durch das Schneegest�ber ritten; zehn Mann musterten bereits die B�ume, bevor sie au�er Sicht der Wagen waren. Licht, Frauen w�rden alles �ber einen Mann glauben, solange es nur etwas Schlechtes war. Und je schlimmer es war, umso mehr Gespr�chsstoff hatten sie. Er hatte geglaubt, sich nur um Rosene und Nana Sorgen machen zu m�ssen. Vermutlich hatte es Lini sofort nach ihrer R�ckkehr Breane erz�hlt, Failes anderer Dienerin, und mittlerweile d�rfte sie es allen Frauen im Lager weitererz�hlt haben. Bei den Pferdeknechten und Kutschern gab es eine ganze Menge davon, und da Cairhiener nun mal Cairhiener waren, hatten sie es vermutlich eilig gehabt, den M�nnern alles br�hwarm zu berichten.</p><p>In den Zwei Fl�ssen wurde ein solches Verhalten nicht mit Wohlwollen betrachtet. Hatte man sich erst einen derartigen Ruf erworben, war es nicht leicht, ihn wieder loszuwerden. Pl�tzlich erschien das Verhalten der M�nner, ihm Platz zu machen und das Unbehagen, mit dem sie ihn angesehen hatten, in einem ganz neuen Licht. Nicht zu vergessen Lems Ausspucken. In der Erinnerung wurde Kenlys L�cheln zu einem anz�glichen Grinsen. Das helle und strahlende Feuer, das Faile war, w�rde es nicht glauben. Nat�rlich w�rde sie das nicht. Bestimmt nicht.</p><p>Kenly kam durch den Schnee gestolpert und zog Traber und seinen schlanken Wallach hinter sich her. Beide Pferde litten unter der K�lte, sie hatten die Ohren angelegt und die Schw�nze eingezogen, und der mausgraue Hengst machte keinerlei Anstalten, Kenlys Tier zu bei�en, was er sonst getan h�tte.</p><p>�Lass gef�lligst das Grinsen�, fauchte Perrin und riss Trabers Z�gel an sich. Der Junge sah ihn fragend an, dann machte er sich davon, jedoch nicht ohne �ber die Schulter <emphasis>zu</emphasis> blicken.</p><p>Perrin fluchte leise und �berpr�fte das Zaumzeug des Hengstes. Es war Zeit, Masema zu finden, aber er sa� nicht auf. Er versuchte sich davon zu �berzeugen, dass es daran lag, dass er m�de und hungrig war, dass er sich blo� eine Weile ausruhen und etwas in den Magen bekommen wollte, falls er etwas finden konnte. Er sagte sich das, aber vor seinem inneren Auge sah er wieder verbrannte Bauernh�fe und Leichen, die an den B�umen am Stra�enrand hingen, M�nner, Frauen und sogar Kinder. Selbst wenn Rand noch immer in Altara sein sollte, war es ein langer Weg. Ein langer Weg, und er hatte keine andere Wahl. Keine, zu der <emphasis>er</emphasis> sich �berwinden konnte.</p><p>Er stand da mit der Stirn gegen Trabers Sattel gelehnt, als eine Abordnung der jungen Narren, die sich um Faile geschart hatten, zu ihm trat, fast ein ganzes Dutzend von ihnen. Er richtete sich m�de auf und w�nschte sich, der Schnee w�rde sie unter sich begraben.</p><p>Selande pflanzte sich neben Traber auf. Die kleine schlanke Frau stemmte die mit gr�nen Handschuhen bekleideten H�nde in die H�ften und legte die Stirn in w�tende Falten. Sie schaffte es, im Stehen den Eindruck zu erwecken, dass sie umherstolzierte. Trotz des fallenden Schnees war die eine Seite ihres Umhangs zur�ckgeworfen, um ihr freien Zugang zu ihrem Schwert zu gew�hren, und enth�llte sechs helle Schlitze auf ihrem dunkelblauen Mantel. Alle diese Frauen trugen M�nnerkleidung und Schwerter, und f�r gew�hnlich waren sie doppelt so schnell bereit wie die M�nner, sie zu benutzen, was eine Menge �ber sie aussagte. Sie alle �M�nner und Frauen � reagierten �u�erst empfindlich auf alle anderen und h�tten jeden Tag Duelle ausgefochten, h�tte Faile dem nicht ein Ende bereitet. Die M�nner und Frauen, die Selande begleiteten, rochen alle w�tend, m�rrisch, trotzig und verdrossen, alles durcheinander; ein Geruch, der unbehaglich in seiner Nase juckte.</p><p>�Lord Perrin�, sagte Selande f�rmlich mit dem entschieden cairhienischen Akzent. �Es werden Vorbereitungen zum Aufbruch getroffen, aber man verweigert uns unsere Pferde. Werdet Ihr Abhilfe schaffen?� Sie lie� es wie eine Forderung klingen.</p><p>Sie hatte ihn gesehen, oder? Er w�nschte sich, er w�rde sie nicht sehen. �Aiel gehen zu Fu߫, knurrte er und unterdr�ckte ein G�hnen; die w�tenden Blicke, die ihm das einbrachte, ignorierte er. Er versuchte, nicht l�nger an Schlaf zu denken. �Wenn ihr nicht gehen wollt, dann fahrt auf den Wagen mit.�</p><p>�Das k�nnt Ihr nicht tun!�, verk�ndete eine der Frauen aus Tairen hochm�tig, die eine Hand am Saum des Umhangs, die andere auf dem Schwertgriff. Medore war hoch gewachsen, mit hellblauen Augen in einem dunklen Gesicht, und auch wenn sie keine Sch�nheit war, fehlte doch nicht viel dazu. Bei ihrem vollen Busen sahen die dicken, mit roten Streifen versehenen �rmel ihres Mantels seltsam aus. �Rotschwinge ist mein Lieblingspferd! Man wird sie mir nicht vorenthalten!�</p><p>�Das dritte Mal�, sagte Selande geheimnisvoll. �Wenn wir heute Abend lagern, werden wir �ber Euer <emphasis>Toh</emphasis> sprechen, Medore Damara.�</p><p>Angeblich war Medores Vater ein alternder Mann, der sich schon vor Jahren auf seine Landg�ter zur�ckgezogen hatte, dennoch war Astoril noch immer der Hochlord. Zog man das in Betracht, stellte das seine Tochter weit �ber Selande, die in Cairhien nur eine niedere Adlige war. Doch Medore schluckte schwer, und ihre Augen weiteten sich, bis <emphasis>sie</emphasis> aussah, als w�rde sie damit rechnen, bei lebendigem Leib geh�utet zu werden.</p><p>Pl�tzlich konnte Perrin diese Narren und ihr Getue aus Aiel-Br�uchen und hochn�sigem adligem Gehabe nicht l�nger ertragen. �Wann habt ihr angefangen, f�r meine Frau zu spionieren?�, verlangte er zu wissen. Sie h�tten nicht st�rker erstarren k�nnen, w�ren ihre R�ckgrate eingefroren.</p><p>�Wir erledigen derartige kleine Auftr�ge, wenn Lady Falle sie gelegentlich von uns erbittet�, sagte Selande nach einem langen Augenblick mit wohl �berlegten Worten. Ihr Geruch verriet starke Vorsicht. Der ganze Haufen roch wie F�chse, die sich fragten, ob ein Maulwurf ihren Bau �bernommen hatte.</p><p>�Ist meine Frau wirklich auf die Jagd gegangen, Selande?�, fragte er hitzig. �Das w�re das erste Mal gewesen.� Zorn wallte in ihm auf, die Ereignisse des Tages fachten die Flammen noch zus�tzlich an. Er stie� Traber mit einer Hand zur�ck und trat einen Schritt n�her auf die Frau zu, bis er sie �berragte. Der Hengst warf den Kopf in die H�he; er sp�rte seine Stimmung. Perrin fasste die Z�gel so fest, dass die Faust in dem Kampfhandschuh schmerzte. �Oder ist sie ausgeritten, um einen von euch zu treffen, der gerade aus Abila kam? Ist sie wegen eurer verfluchten Herumschn�ffelei entf�hrt worden?�</p><p>Das ergab keinen Sinn, und das wusste er auch, sobald die Worte ausgesprochen waren. Falle h�tte sich �berall mit ihnen verabreden k�nnen. Und sie h�tte niemals ein Treffen mit ihren Augen-und-Ohren � Licht, ihren <emphasis>Spionen</emphasis> � arrangiert, wenn Berelain in der N�he war. Es war immer ein Fehler, zu reden, ohne vorher nachzudenken. Er hatte es ihrer Spionage zu verdanken, dass er �ber Masemas Verbindung mit den Seanchanern Bescheid wusste. Aber er wollte zuschlagen, er musste zuschlagen, und die M�nner, die er in Grund und Boden stampfen wollte, waren meilenweit entfernt. Zusammen mit Falle.</p><p>Selande wich vor seiner Wut nicht zur�ck. Ihre Finger �ffneten und schl�ssen sich um den Schwertgriff und da war sie nicht die Einzige. �Wir w�rden f�r Lady Faile sterben!�, br�llte sie. �Wir h�tten sie niemals in Gefahr gebracht! Wir haben einen Wassereid auf sie geschworen!� Auf Faile und nicht auf dich, f�gte ihr Tonfall hinzu.</p><p>Er h�tte sich entschuldigen sollen. Das war ihm klar. Stattdessen sagte er: �Ihr k�nnt eure Pferde haben, wenn ihr mir euer Wort gebt, meinen Befehlen zu gehorchen und nicht versucht, irgendetwas Un�berlegtes zu tun.� Das Wort �un�berlegt� war zu schwach f�r diesen Haufen. Sie waren dazu f�hig, allein loszust�rmen, sobald sie erfuhren, wo sich Faile befand. Sie brachten es fertig, dass man Faile t�tete. �Wenn wir sie finden, entscheide ich, wie sie gerettet wird. Wenn euer Wassereid etwas anderes sagt, macht einen Knoten hinein, sonst mache ich einen Knoten in euch.�</p><p>Ihr Stirnrunzeln wurde noch ausgepr�gter und ihre Kiefermuskeln traten hervor, aber schlie�lich sagte Selande: �Ich bin einverstanden!�, als w�rde man diese Worte aus ihr herausquetschen. Einer der Tairener, ein Bursche mit einer langen Nase namens Carlon, grunzte protestierend, aber Selande hob einen Finger, und er hielt den Mund. Bei seinem schmalen Kinn bedauerte er es vermutlich, sich den Bart abrasiert zu haben. Die kleine Frau hatte den Rest dieser Narren v�llig in der Hand, was sie selbst zu keiner geringeren N�rrin machte. Ein Wassereid, was kam wohl als N�chstes! Sie wandte den Blick nicht von Perrin. �Wir werden Euch gehorchen, bis Lady Faile zur�ck ist. Dann geh�ren wir aber wieder ihr. Und sie kann �ber unser <emphasis>Toh</emphasis> entscheiden.� Letzteres schien mehr f�r die anderen bestimmt zu sein als f�r ihn.</p><p>�Das reicht mir.� Perrin versuchte seinen Ton zu mildern, aber seine Stimme klang noch immer rau. �Ich wei�, dass ihr Faile die Treue haltet, ihr alle. Das respektiere ich.� Das war auch schon alles, was er an ihnen respektierte. Das war keine gro�artige Entschuldigung und genauso nahmen sie es auch auf. Selande grunzte, und das war die einzige Erwiderung, die er erhielt, das und die finsteren Blicke der anderen, als sie losstolzierten. Wenn es denn so sein sollte. Solange sie ihr Wort hielten. Von dem ganzen Haufen hatte noch keiner auch nur einen Tag mit ehrlicher Arbeit verbracht.</p><p>Das Lager leerte sich. Die Wagen hatten sich nach S�den in Bewegung gesetzt und rutschten auf ihren Schlitten hinter den Zugpferden her. Die Pferde hinterlie�en tiefe Spuren, aber die Schlitten machten nur oberfl�chliche Furchen, die der fallende Schnee sofort wieder aufzuf�llen begann. Die letzten der auf dem H�gel postierten M�nner stiegen in ihre S�ttel und gesellten sich zu den anderen, die bereits neben den Wagen ritten. Auf der einen Seite ritt die Gruppe der Weisen Frauen vorbei; sogar die <emphasis>Gai'schain,</emphasis> welche die Packpferde f�hrten, sa�en im Sattel. Wie energisch sich Dannil auch immer aufzutreten getraut hatte � oder auch nicht, was eher wahrscheinlich war �, anscheinend hatte es gereicht. Verglichen mit der Anmut Seonids und Masuris sahen die Weisen Frauen auf den Pferder�cken auffallend unbeholfen aus, wenn auch nicht ganz so schlimm wie die <emphasis>Gai'schain.</emphasis> Die wei� gekleideten M�nner und Frauen waren seit dem dritten Tag des Schneefalls geritten, doch sie beugten sich tief �ber die hohen Sattelkn�ufe und klammerten sich an Pferdeh�lsen und M�hnen so fest, als erwarteten sie, beim n�chsten Schritt herunterzufallen. Um sie �berhaupt auf die S�ttel zu bekommen, waren direkte Befehle der Weisen Frauen n�tig gewesen, und einige von ihnen rutschten immer noch herunter und gingen zu Fu�, wenn sie sich unbeobachtet f�hlten.</p><p>Perrin zog sich auf Traber. Er hatte so seine Zweifel, ob er nicht selbst ranterfiel. Aber es war Zeit, diesen Ritt zu unternehmen, den er nicht machen wollte. Er h�tte f�r ein St�ck Brot get�tet. Oder ein St�ck K�se. Oder einen h�bschen Hasenbraten.</p><p>�Aiel kommen!�, rief jemand von der Spitze der Marschkolonne und alles blieb stehen. Weitere Rufe ert�nten und gaben die Neuigkeit weiter, als h�tte sie noch nicht jeder bereits geh�rt, und M�nner nahmen ihre B�gen vom R�cken. Kutscher stiegen auf ihre Sitze und schauten voraus oder sprangen zu Boden, um neben ihren Wagen in Deckung zu gehen. Perrin fluchte lautlos und trat Traber in die Flanken.</p><p>Vorn an der Spitze sa�en Dannil und die beiden M�nner mit den verfluchten Flaggen noch immer im Sattel, aber etwa drei�ig Mann waren abgesessen, hatten die Schutzh�llen von den Bogen gezogen und Pfeile aufgelegt. Die M�nner, die f�r die Abgesessenen die Z�gel hielten, dr�ngten sich zusammen, zeigten in die Ferne und versuchten, einen klaren Blick zu erh�schen. Grady und Neald waren ebenfalls da und schauten angestrengt nach vorn, sa�en dabei aber ganz ruhig auf ihren Pferden. Alle anderen stanken nach Aufregung. Die Asha'man rochen blo� ... bereit.</p><p>Perrin konnte bereits besser erkennen, worauf die anderen zwischen den B�umen hindurch starrten. Zehn verschleierte Aiel liefen durch den fallenden Schnee auf sie zu, einer von ihnen f�hrte ein wei�es Pferd am Z�gel. Ein St�ck hinter ihnen ritten drei M�nner mit Umh�ngen und hochgeschlagenen Kapuzen. Etwas an der Art und Weise, wie sich die Aiel bewegten, schien merkw�rdig zu sein. Und auf dem Sattel des wei�en Pferdes war ein B�ndel festgeschnallt. Eine Faust ergriff Perrins Herz und dr�ckte zu, bis er erkannte, dass es nicht gro� genug war, um eine Leiche sein zu k�nnen.</p><p>�Nehmt die Bogen runter�, befahl er. �Das ist Alliandres Wallach. Es m�ssen unsere Leute sein. Seht ihr denn nicht, dass es sich bei den Aiel nur um T�chter handelt?� Nicht eine der Gestalten war gro� genug, um ein Aielmann zu sein.</p><p>�Ich kann kaum erkennen, dass es �berhaupt Aiel sind�, murmelte Dannil und warf ihm einen verstohlenen Blick zu. Sie alle nahmen es als gegeben hin, dass seine Augen gut waren, sie waren sogar stolz darauf �oder waren es zumindest fr�her gewesen �, aber er versuchte ihnen vorzuenthalten, wie gut sie tats�chlich waren. Aber in diesem Augenblick war ihm das egal.</p><p>�Es sind unsere�, sagte er zu Dannil. �Jeder bleibt an seinem Platz.�</p><p>Er ritt langsam los, den R�ckkehrern entgegen. Die T�chter nahmen die Schleier ab, als er sich ihnen n�herte. In einer der tiefen Kapuzen der Berittenen erkannte er F�ren Alharras schwarzes Gesicht. Also handelte es sich um die drei Beh�ter; es war offensichtlich, dass sie gemeinsam zur�ckkehrten. Ihre Pferde sahen so mitgenommen aus, wie er sich f�hlte, der Ersch�pfung nahe. Er wollte Traber zum Galopp zwingen, wollte ihren Bericht h�ren. Er f�rchtete ihn. Raben w�rden sich �ber die Toten hergemacht haben, und F�chse, und vielleicht Maulw�rfe, und wer vermochte beim Licht schon zu sagen, was noch alles. Vielleicht glaubten sie, ihm Leid zu ersparen, wenn sie ihren Fund nicht mitbrachten. Nein! Faile musste am Leben sein. Er versuchte, sich auf diesen Gedanken zu konzentrieren, aber es tat weh, als w�rde er mit der blo�en Hand eine scharfe Klinge umklammern.</p><p>Er stieg vor ihnen vom Pferd, stolperte und musste sich am Sattel festhalten, um nicht zu st�rzen. Rings um den Schmerz, den es ihn kostete, an diesem einen Gedanken festzuhalten, war alles wie bet�ubt. Sie musste am Leben sein! Aus irgendeinem Grund nahmen kleine Details gro�e Ausma�e an. Auf dem aufwendig gearbeiteten Sattel war nicht ein gro�es B�ndel festgeschnallt, sondern mehrere kleine, die wie zusammengesuchte Lumpen aussahen. Die T�chter trugen primitive Schneeschuhe, die sie aus Schlingpflanzen und biegsamen Kiefern�sten gemacht hatten, an denen noch die Nadeln hingen. Das musste der Grund daf�r sein, warum es so aussah, als w�rden sie sich merkw�rdig bewegen. Vermutlich hatte Jondyn ihnen gezeigt, wie man sie herstellte. Er versuchte sich zu konzentrieren. Sein Herz pochte so stark, als wollte es aus seinem Brustkorb springen.</p><p>Sulin nahm Speere und den Rundschild in eine Hand und nahm eines der kleinen Kleiderb�ndel vom Sattel, bevor sie vor ihn hintrat. Die rosafarbene Narbe auf ihrer lederh�utigen Wange verzog sich, als sie l�chelte. �Gute Neuigkeiten, Perrin Aybara�, sagte sie leise und reichte ihm den dunkelblauen Stoff. �Eure Frau lebt.� Alharra wechselte einen Blick mit Seonids anderem Beh�ter Teryl Wynter, der die Stirn runzelte. Rovair Kirklin, Masuris Mann, starrte mit steinerner Miene geradeaus. Es war so offensichtlich wie Wynters gekr�uselter Schnurrbart, dass sie keineswegs davon �berzeugt waren, dass es sich um gute Neuigkeiten handelte. �Die anderen sind weitergegangen, um zu sehen, was sie noch herausfinden k�nnen�, fuhr sie fort. �Obwohl wir bereits genug merkw�rdige Dinge entdeckt haben.�</p><p>Perrin faltete das B�ndel in seinen H�nden auseinander. Es handelte sich um Failes Gewand, das an der Vorderseite und entlang der �rmel aufgeschlitzt worden war. Er nahm einen tiefen Atemzug und sog Failes Duft in sich ein, den schwachen Hauch ihrer nach Blumen duftenden Seife, eine Spur ihres s��en Parf�ms, aber vor allem den Duft, der sie als Ganzes ausmachte. Und kein Anzeichen von Blut. Die restlichen T�chter versammelten sich um ihn, in der Hauptsache �ltere Frauen mit harten Gesichtern � wenn auch nicht so hart wie Sulins. Die Beh�ter stiegen ab; ihnen war nicht anzumerken, dass sie die ganze Nacht im Sattel gesessen hatten, aber sie blieben hinter den T�chtern stehen.</p><p>�Alle M�nner wurden get�tet�, sagte die drahtige Frau, �aber den gefundenen Kleidern nach zu urteilen hat man Alliandre Kigarin, Maighdin Dorlain, Lacile Aldorwin, Arrela Shiego und zwei andere zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht.� Die anderen beiden mussten Bain und Chiad sein; man h�tte sie besch�mt, wenn man in einem Atemzug ihre Namen genannt und erw�hnt h�tte, dass sie nun Gefangene waren. Er hatte etwas �ber die Aiel gelernt. �Das verst��t gegen die Sitten, aber es besch�tzt sie.� Wynter runzelte zweifelnd die Stirn, dann versuchte er es zu verbergen, indem er seine Kapuze zurechtzupfte.</p><p>Die sauberen Schnitte hatten �hnlichkeit mit denen, die man machte, wenn man ein Tier h�utete. Pl�tzlich traf Perrin die Erkenntnis wie ein Blitz. Jemand hatte Faile die Kleider vom Leib geschnitten! Seine Stimme zitterte. �Sie haben nur die Frauen mitgenommen?�</p><p>Eine pausb�ckige junge Tochter namens Briain sch�ttelte den Kopf. �Ich glaube, man wollte drei M�nner auch zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> machen, aber sie k�mpften zu erbittert und wurden mit Speeren oder Messern get�tet. Der Rest starb durch Pfeile.�</p><p>�Das ist so nicht richtig, Perrin Aybara�, beeilte sich Elienda zu sagen, sie klang schockiert. Sie war eine gro�e Frau mit breiten Schultern, die es schaffte, beinahe m�tterlich auszusehen, aber er hatte zugesehen, wie sie einen Mann mit der Faust niederschlug. �Einen <emphasis>Gai'schain</emphasis> zu verletzen ist so, als w�rde man ein Kind verletzen oder einen Schmied. Es war falsch, Feuchtl�nder gefangen zu nehmen, aber ich kann nicht glauben, dass sie die Traditionen so weit brechen werden. Ich bin sicher, man wird sie nicht einmal bestrafen, wenn sie unterw�rfig genug sind, bis man sie zur�ckholt. Es gibt andere, die ihnen zeigen werden, wie man das macht.� Andere; damit waren wieder Bain und Chiad gemeint.</p><p>�In welche Richtung sind sie gezogen?�, fragte Perrin. Konnte Faile unterw�rfig sein? Er konnte es sich nicht vorstellen. Aber sollte sie es ruhig versuchen, bis er sie gefunden hatte.</p><p>�Ziemlich genau nach S�den�, erwiderte Sulin. �Nachdem der Schnee ihre Spuren verbarg, entdeckte Jondyn Barran andere Spuren, denen die anderen folgen. Ich glaube ihm. Er sieht so viel wie Elyas Machera. Es gibt viel zu sehen.� Sie schob ihre Speere hinter den Bogenk�cher auf ihrem R�cken und h�ngte den Rundschild an den Griff ihres schweren G�rtelmessers. Ihre Finger blitzten in der Fingersprache auf und Elienda l�ste ein zweites, gr��eres B�ndel vom Sattel und gab es ihr. �Dort sind viele Menschen unterwegs, Perrin Aybara, und seltsame Dinge geschehen. Ich glaube, Ihr m�sst Euch das hier zuerst ansehen.� Sulin entfaltete ein weiteres Gewand, es war gr�n. Er glaubte, es an Alliandre gesehen zu haben. �Die haben wir an der Stelle gefunden, an der Eure Frau geraubt wurde.� In dem Stoff waren vierzig oder f�nfzig Aiel-Pfeile eingewickelt. Die Sch�fte wiesen dunkle Flecken auf und er roch getrocknetes Blut.</p><p>�Taardad�, sagte Sulin, w�hlte einen Pfeil und warf ihn sofort zu Boden. �Miagoma.� Sie warf zwei weitere zur Seite. �Goshien.� Bei der Erw�hnung des Namens zog sie eine Grimasse; sie war eine Goshien. Sie machte weiter und nannte einen Clan nach dem anderen, mit Ausnahme der Shaido, bis ein halbes Dutzend Pfeile um sie herum verstreut lagen. Sie hielt das zerschnittene Gewand mit den �brigen Pfeilen mit beiden H�nden hoch und warf es dann zu Boden. �Shaido�, sagte sie bedeutungsvoll.</p><p>Die ganze Zeit �ber hatte Perrin Failes Gewand an die Brust gedr�ckt gehalten � ihr Duft linderte den Schmerz in seinem Herzen und machte ihn zugleich schlimmer �, aber nun sah er die am Boden liegenden Pfeile stirnrunzelnd an. Einige waren bereits von frisch gefallenem Schnee bedeckt worden. �Zu viele Shaido�, sagte er schlie�lich. Sie h�tten alle f�nfhundert Meilen entfernt oben am Bruderm�rders Dolch eingeschlossen sein m�ssen. Aber wenn einige ihrer Weisen Frauen das Schnelle Reisen erlernt hatten... Vielleicht auch einer der Verlorenen ... Licht, seine Gedanken rannten in alle Richtungen, als w�re er ein Narr � was sollten die Verlorenen denn damit zu tun haben? �, wo er doch klar denken musste. Sein Verstand war genauso m�de wie sein K�rper. �Die anderen sind M�nner, die Rand nicht als den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> akzeptieren wollen.� Vor seinem inneren Auge blitzten diese verfluchten Farben auf. Ihn interessierte nur Falle. �Sie haben sich den Shaido angeschlossen.� Einige der T�chter wandten den Blick ab. Elienda starrte ihn an. Sie wussten, dass einige genau das getan hatten, aber es geh�rte zu den Dingen, die sie nicht gern laut ausgesprochen h�rten. �Wie viele sind es, was sch�tzt Ihr? Doch wohl nicht der ganze Clan?� Falls die Shaido in betr�chtlicher Zahl hier waren, h�tte es mehr als nur Ger�chte �ber gelegentliche �berf�lle gegeben. Trotz all seiner anderen Sorgen w�rde ganz Amadicia Bescheid wissen.</p><p>�Jedenfalls genug, um �rger zu machen�, murmelte Wynter leise. Perrin sollte es nicht h�ren.</p><p>Sulin griff zwischen die auf dem verzierten Sattel festgebundenen B�ndel und zog eine mit einem <emphasis>Cadin'sor</emphasis> bekleidete Stoffpuppe hervor. �Wir wollten gerade umkehren, etwa vierzig Meilen von hier entfernt, da hat Elyas Machera das hier gefunden.� Sie sch�ttelte den Kopf und einen Augenblick lang nahmen sowohl ihre Stimme wie auch ihr Geruch einen �berraschten Ausdruck an. �Er sagte, er h�tte sie unter dem Schnee gerochen. Er und Jondyn Barran fanden Schrammen an den B�umen, die ihrer Meinung nach von Lastkarren verursacht wurden. Sehr vielen Lastkarren. Wenn Kinder dabei sind... ich glaube, es k�nnte eine ganze Septime sein, Perrin Aybara. Vielleicht sogar mehr als nur eine. Selbst eine einzige Septime umfasst mindestens tausend Speere, wenn n�tig sogar noch mehr. Au�er dem Schmied wird jeder Mann zum Speer greifen. Sie sind im S�den, uns Tage voraus. Vielleicht sogar mehrere Tage, bei diesem Schnee ist das schwer zu sagen. Vermutlich werden die Entf�hrer Eurer Frau sich ihnen anschlie�en.�</p><p>�Dieser Schmied hier hat einen Speer ergriffen�, murmelte Perrin. Eintausend. Vielleicht mehr. Wenn man die Befl�gelten Wachen und Argandas M�nner hinzuz�hlte, verf�gte er �ber zweitausend. Da es um Aiel ging, waren bei diesem Kr�fteverh�ltnis die Shaido im Vorteil. Er strich mit dem Finger �ber die Puppe in Sulins sehniger Hand. Ob wohl ein Shaido-Kind wegen des Verlusts seiner Puppe weinte? �Wir gehen nach S�den.�</p><p>Er wandte sich ab und wollte auf Traber aufsitzen, als Sulin seinen Arm ber�hrte und ihn davon abhielt. �Ich sagte Euch, dass wir auch andere Dinge sahen. Zweimal fand Elyas Machera unter dem Schnee Pferdemist und Lagerfeuer. Viele Pferde und viele Feuer.�</p><p>�Tausende�, warf Alharra ein. Seine schwarzen Augen erwiderten Perrins Blick vollkommen ruhig und seine Stimme klang ganz sachlich. �F�nf, vielleicht auch zehn oder mehr, genau kann man das nicht sagen. Aber Soldatenlager. Meiner Meinung nach waren es an beiden Stellen dieselben Soldaten. Machera und Barran sind ebenfalls dieser Ansicht. Wer auch immer das ist, sie sind ebenfalls nach S�den unterwegs. Vielleicht haben sie nichts mit den Aiel zu tun, aber sie k�nnten ihnen folgen.�</p><p>Sulin bedachte den Beh�ter mit einem ungeduldigen Stirnrunzeln und fuhr sogleich fort, als h�tte sie seine Unterbrechung nicht zur Kenntnis genommen. �Dreimal sahen wir fliegende Kreaturen, wie sie Euren Worten zufolge die Seanchaner benutzen, gewaltige Wesen mit Fl�geln und Menschen, die auf ihren R�cken ritten. Und zweimal entdeckten wir Spuren wie diese hier.� Sie b�ckte sich, nahm einen der Pfeile und malte eine runde Form in den Schnee, der an eine gro�e B�rentatze erinnerte, jedoch sechs Zehen aufwies, die l�nger als die Finger eines Mannes waren. �Manchmal zeigte es Krallen�, sagte sie und zeichnete sie ein. Sie waren l�nger als selbst die eines gro�en B�ren in den Verschleierten Bergen. �Es hat einen langen Schritt. Ich glaube, es kann sehr schnell rennen. Wisst Ihr, was das ist?�</p><p>Das tat er nicht � abgesehen von den Raubkatzen bei den Zwei Fl�ssen hatte er noch nie von einer Kreatur mit sechs Zehen geh�rt; er war �berrascht gewesen, als er erfuhr, dass die Katzen anderenorts nur f�nf hatten �, aber er konnte es sich denken. �Ein anderes Tier aus Seanchan.� Also waren au�er den Shaido auch Seanchaner nach S�den unterwegs und offenbar Wei�m�ntel. Oder ein seanchanisches Heer. Es konnte niemand anders sein. Er vertraute Balwers Informationen. �Wir gehen trotzdem nach S�den.� Die T�chter starrten ihn an, als h�tte er verk�ndet, es w�rde schneien.</p><p>Er zog sich auf Trabers Sattel und ritt zum Tross zur�ck. Die Beh�ter gingen zu Fu� und f�hrten ihre ersch�pften Pferde. Die T�chter nahmen Alliandres Wallach mit, als sie im Dauerlauf zu der Stelle liefen, an der sich die Weisen Frauen versammelt hatten. Masuri und Seonid ritten herbei, um ihre Beh�ter zu empfangen. Er fragte sich, warum keine von ihnen gekommen war, um ihre Nase in die Sache zu stecken. Vielleicht war es ganz einfach und sie hatten ihn allein lassen wollen, falls sich die Neuigkeiten als schlecht erwiesen. Vielleicht. Er versuchte alles in seinem Verstand zusammenzusetzen. Die Shaido, wie viele es auch sein mochten. Die Seanchaner. Das berittene Heer, ob es nun Wei�m�ntel oder Seanchaner waren. Es war wie eines der Puzzlespiele, deren Herstellung Meister Luhan ihm beigebracht hatte, komplizierte Geflechte aus Metall, die man m�helos auseinander und wieder zusammenschieben konnte, wenn man nur wusste wie. Aber sein Kopf f�hlte sich wie benebelt an, er griff nach St�cken, die nirgendwo zusammenpassten.</p><p>Die M�nner von den Zwei Fl�ssen sa�en wieder in ihren S�tteln, als er eintraf. Diejenigen von ihnen, die abgestiegen und ihre B�gen schussbereit gemacht hatten, sahen etwas besch�mt aus. Sie alle betrachteten ihn unbehaglich und z�gerlich.</p><p>�Sie lebt�, sagte er, und es war, als w�rde jeder von ihnen wieder anfangen zu atmen. Sie nahmen die restlichen Neuigkeiten mit einer seltsamen Teilnahmslosigkeit auf, manche nickten sogar, als h�tten sie nichts anderes erwartet.</p><p>�W�re nicht das erste Mal, dass wir einer �bermacht gegen�bertreten�, bemerkte Dannil. �Was sollen wir tun, mein Lord?�</p><p>Perrin zog eine Grimasse. Der Mann war noch immer so steif wie eine Eiche. �F�r den Anfang reisen wir vierzig Meilen nach S�den. Danach werde ich weitersehen. Neald, Ihr geht voraus und findet Elyas und die anderen. Sagt ihnen, was ich vorhabe. Bis Ihr sie erreicht habt, werden sie ein ganzes St�ck weiter sein. Und passt auf Euch auf. Ihr k�nnt nicht gegen zehn oder ein Dutzend Weise Frauen k�mpfen.� Eine ganze Septime w�rde mindestens so viele Frauen haben, die die Macht lenken konnten. Und wenn es mehr als nur eine war? Diesen Sumpf w�rde er �berqueren, wenn er davor stand.</p><p>Neald nickte, bevor er seinen Wallach in Richtung Lager zur�cklenkte, dessen Gel�nde er bereits seiner Erinnerung anvertraut hatte. Nun mussten nur noch ein paar Befehle gegeben werden. Reiter mussten ausgeschickt werden, um die Mayener und Ghealdaner zu finden, die so reisten, wie sie lagerten � voneinander getrennt. Grady glaubte, sich das Gel�nde vor Ort einpr�gen zu k�nnen, also brauchten nicht alle wieder umkehren und Neald folgen. Und damit blieb nur noch eines zu erledigen.</p><p>�Dannil, ich muss Masema finden�, sagte Perrin. �Oder zumindest jemanden, der ihm eine Botschaft �berbringt. Ich werde nicht lange fort sein.�</p><p>�Wenn Ihr Euch allein unter diesen Abschaum begebt, mein Lord, werdet Ihr Gl�ck brauchen�, erwiderte Dannil. �Ich habe geh�rt, wie sich einige von ihnen �ber Euch unterhalten haben. Sie sagten, Ihr seid Schattengez�cht, wegen Eurer Augen.� Sein Blick begegnete dem aus Perrins goldenen Augen und schaute wieder weg. �Sie sagten, der Wiedergeborene Drache h�tte Euch gez�hmt, aber Ihr w�ret noch immer Schattengez�cht. Ihr solltet ein paar Dutzend M�nner mitnehmen, die Euch den R�cken freihalten.�</p><p>Perrin z�gerte, t�tschelte Trabers Hals. Ein paar Dutzend M�nner w�rden nicht ausreichen, falls Masemas Leute ihn tats�chlich f�r Schattengez�cht hielten und entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Alle M�nner von den Zwei Fl�ssen w�rden m�glicherweise nicht ausreichen. Vielleicht musste er Masema gar nicht Bescheid geben; sollte er es doch allein herausfinden.</p><p>Da ert�nte von den B�umen im Westen das Trillern einer Blaumeise, das nur er mit seinem scharfen Geh�r wahrnehmen konnte, dem im n�chsten Augenblick ein zweites folgte, das jeder h�ren konnte, und die Entscheidung war ihm abgenommen worden. Davon war er �berzeugt, und er fragte sich, ob das damit zu hin hatte, dass er <emphasis>Ta'veren</emphasis> war. Er lenkte Traber herum und wartete.</p><p>Die M�nner von den Zwei Fl�ssen, die diesen besonderen Vogelruf aus ihrer Heimat vernahmen, wussten, was das zu bedeuten hatte. M�nner kamen, mehr als eine Hand voll, und sie hegten nicht unbedingt friedliche Absichten. Bei Freunden h�tte ein Fink getrillert, und w�ren sie eindeutig feindlich gesinnt, w�re der Alarmruf des Spottvogels erklungen. Diesmal verhielten sie sich geschickter. Soweit es Perrin sehen konnte, stieg entlang der Westseite der Kolonne jeder zweite Mann ab und gab dem daneben befindlichen Reiter die Z�gel, bevor er den Bogen bereitmachte.</p><p>Die Fremden, die hinter den vereinzelt stehenden B�umen hervorkamen, formierten sich zu einer Reihe, um den Eindruck zu verst�rken, es w�rde sich bei ihnen um viele handeln. Es waren etwa zweihundert, und zwei M�nner ritten ihnen voraus, aber ihr langsamer Vorsto� erschien unheilvoll. Die H�lfte von ihnen hatte Lanzen; sie trugen sie zwar nicht gesenkt, aber doch so, als w�ren sie bereit, sie sofort unter den Arm zu klemmen. Sie kamen gem�chlich heran. Ein paar von ihnen trugen einen Brustpanzer oder einen Helm, selten beides. Doch sie waren besser bewaffnet als die Masse von Masemas Anh�ngern. Einer der M�nner, die vorausritten, war Masema pers�nlich, sein Fanatikergesicht starrte aus der Kapuze seines Umhangs wie ein tollw�tiger Bergl�we aus seiner H�hle. Wie viele dieser Lanzen hatten am gestrigen Morgen wohl noch rote Wimpel getragen?</p><p>Masema gebot seinen M�nnern mit erhobener Hand erst in dem Augenblick Einhalt, als er nur noch wenige Schritte von Perrin entfernt war. Er schob die Kapuze zur�ck und lie� den Blick �ber die abgesessenen M�nner mit ihren Bogen schweifen. Den Schnee, der auf seinem kahlen Sch�del landete, schien er nicht wahrzunehmen. Sein Begleiter, ein gr��erer Mann mit einem auf den R�cken geschnallten Schwert und einem zweiten, das am Sattelknauf hing, lie� die Kapuze oben, aber Perrin hatte den Eindruck, dass auch sein Kopf kahl geschoren war. Der Mann schaffte es, die Kolonne und Masema mit derselben Intensit�t zu betrachten. Seine dunklen Augen loderten beinahe so stark wie Masemas. Perrin spielte mit dem Gedanken, ihnen zu sagen, dass ein Langbogen von den Zwei Fl�ssen auf diese Entfernung einen Pfeil direkt durch einen Brustpanzer und aus dem R�cken des Tr�gers wieder hinaus schicken w�rde. Er dachte dar�ber nach, die Seanchaner zu erw�hnen. Diskretion, hatte Berelain ihm geraten. Vielleicht war das unter diesen Umst�nden sogar eine kluge Sache.</p><p>�Ihr wart auf dem Weg zu mir?�, sagte Masema abrupt. Sogar die Stimme des Mannes brodelte vor Intensit�t. Nichts aus seinem Mund war jemals bedeutungslos. Alles, was er zu sagen hatte, war wichtig. Die blasse dreieckige Narbe auf seiner Wange lie� sein pl�tzliches L�cheln verzerrt erscheinen. Aber darin hatte sowieso keine W�rme gelegen. �Egal. Ich bin jetzt hier. Wie Ihr mittlerweile zweifellos wisst, weigern sich jene, die dem Lord Drachen folgen � m�ge das Licht seinen Namen erleuchten! �, zur�ckgelassen zu werden. Ich kann es nicht von ihnen verlangen. Sie dienen ihm genauso, wie ich es tue.�</p><p>Perrin sah eine Feuersbrunst, die aus Amadicia nach Altara und vielleicht sogar noch weiter hin�bersprang und Tod und Verderben mit sich brachte. Er holte tief Luft und sog die K�lte in seine Lungen. Falle war wichtiger als alles andere. Alles! Wenn er daf�r zu Asche verbrennen sollte, dann sollte es eben so sein. �F�hrt Eure M�nner nach Osten.� Er war erstaunt, wie beherrscht seine Stimme klang. �Ich werde Euch einholen, sobald ich kann. Meine Frau wurde von Aiel entf�hrt, und ich reise nach S�den, um sie zur�ckzuholen.� Zum ersten Mal sah er einen �berraschten Masema.</p><p>�Aiel? Also ist das mehr als ein Ger�cht?� Er betrachtete die Weisen Frauen, die sich auf der anderen Seite der Kolonne befanden, mit einem Stirnrunzeln. �Nach S�den, sagt Ihr?� Er faltete die behandschuhten H�nde auf dem Sattelknauf und wandte seine ungeteilte Aufmerksamkeit Perrin zu. Der Mann stank nach Wahnsinn; Perrin konnte in seinem Geruch nichts anderes als Wahnsinn entdecken. �Ich werde Euch begleiten�, sagte Masema schlie�lich, als h�tte er eine Entscheidung getroffen. Seltsam, er hatte es so eilig gehabt, ohne Verz�gerung zu Rand zu sto�en; zumindest solange er nicht mit der Macht in Ber�hrung kommen musste, um dieses Ziel zu erreichen. �Alle, die dem Wiedergeborenen Drachen folgen � m�ge das Licht seinen Namen erleuchten! �, werden mitkommen. Die Aiel-Wilden zu t�ten ist das Werk des Lichts.� Sein flackernder Blick huschte wieder zu den Weisen Frauen her�ber und sein L�cheln war noch k�lter als zuvor.</p><p>�Ich wei� die Hilfe zu sch�tzen�, log Perrin. Dieser Abschaum w�rde nutzlos gegen Aiel sein. Aber sie z�hlten Tausende. Und sie hatten ganze Armeen aufgehalten, wenn auch keine Armeen der Aiel. Ein St�ck von dem Puzzlespiel in seinem Kopf f�gte sich an seine Stelle. Er war m�de genug, um auf der Stelle umzukippen, daher konnte er nicht genau sagen, wie er darauf kam, nur dass dieses Teil pl�tzlich passte. Und auf keinen Fall w�rde es sich so abspielen. �Sie haben einen gro�en Vorsprung. Ich werde ein Wegetor erschaffen, die Eine Macht benutzen, um sie einzuholen. Ich wei�, wie Ihr dar�ber denkt.�</p><p>Die M�nner hinter Masema fingen an, unbehaglich zu murmeln; sie betrachteten einander und fingerten an den Waffen herum. Perrin schnappte gemurmelte Verw�nschungen auf, Worte wie �Gelbauge� und �Schattengez�cht�. Der zweite kahl geschorene Mann starrte Perrin an, als h�tte er gerade eine blasphemische Bemerkung gemacht, und versuchte ihn mit Blicken zu durchdringen.</p><p>�Er w�rde trauern, wenn Eurer Frau ein Leid gesch�he�, sagte der Wahnsinnige schlie�lich. Die Betonung benannte Rand so klar, als w�re der Name selbst gefallen, da Masema nicht erlaubte, dass er ausgesprochen wurde. �Es wird eine Ausnahme erfolgen... in diesem ganz besonderen Fall. Nur damit Ihr Eure Frau findet, weil Ihr sein Freund seid. Nur darum.� Er sprach ganz ruhig � f�r seine Verh�ltnisse �, aber in seinen tiefliegenden Augen schienen dunkle Flammen zu lodern und sein Gesicht war vor unerkl�rlicher Wut verzerrt.</p><p>Perrin �ffnete den Mund und schloss ihn wieder. Nachdem Masema gesagt hatte, was er gerade gesagt hatte, w�rde die Sonne vermutlich im Westen aufgehen. Und pl�tzlich kam ihm der Gedanke, dass Faile bei den Shaido m�glicherweise sicherer war als er hier und jetzt.</p></section><section><title><p>7</p><p>In den Stra�en von Caemlyn</p></title><p>Elaynes Begleitung erregte viel Aufmerksamkeit, als sie durch die Stra�en von Caemlyn ritten, die den H�geln der Stadt folgten und hinauf- und hinabf�hrten. Die Goldene Lilie auf der Brust ihres pelzges�umten scharlachroten Umhangs reichte aus, damit die B�rger der Hauptstadt sie erkannten, aber sie lie� die Kapuze zur�ckgeschlagen, sodass die einzelne goldene Rose auf dem kleinen Diadem der Tochter-Erbin deutlich zu sehen war. Hier ritt nicht nur Elayne, die Hohe Herrin des Hauses Trakand, sondern Elayne, die Tochter-Erbin. Sollte es jedermann sehen und wissen.</p><p>Die Kuppeln der Neustadt schimmerten wei� und golden im blassen Morgenlicht, Eiszapfen funkelten an den nackten �sten der B�ume, die in der Mitte der breiten Hauptstra�en wuchsen. Obwohl sich die Sonne dem Zenit n�herte, spendete sie trotz des wolkenlosen Himmels keine W�rme. Gl�cklicherweise war es an diesem Tag windstill. Die Luft war kalt genug, um Elaynes Atem zu Nebel erstarren zu lassen, aber da selbst die Pflaster der schmaleren, gewundenen Gassen vom Schnee befreit worden waren, herrschte wieder Leben in der Stadt, waren die Stra�en voller gesch�ftig umhereilender Menschen. Fuhrm�nner und Kutscher zogen resigniert ihre Umh�nge enger um sich, w�hrend sie sich langsam ihren Weg durch das Gew�hl bahnten. Ein gewaltiger Wasserwagen, der nach den Ger�uschen zu urteilen leer war, rumpelte vorbei auf dem Weg zu den Reservoires, um wieder f�r den Kampf gegen die viel zu h�ufig stattfindenden Brandstiftungen einsatzbereit zu sein. Ein paar Stra�enh�ndler und Hausierer boten der K�lte die Stirn, um ihre Waren lautstark anzupreisen, aber die meisten Leute hatten es eilig, ihre Gesch�fte zu erledigen, da sie so schnell wie m�glich wieder in der W�rme ihrer H�user sein wollten. Doch wer sich beeilte, kam deswegen noch lange nicht schnell voran. Die Stadt platzte aus allen N�hten, ihre Bev�lkerung war so weit angestiegen, dass sie selbst Tar Valon �bertraf. In einem solchen Gewimmel kamen selbst Berittene kaum schneller voran als ein Mann, der zu Fu� ging. Den ganzen Morgen hatte Elayne nur zwei oder drei Kutschen gesehen, die sich um jeden Fingerbreit vorank�mpften. Wenn ihre Passagiere keine Invaliden waren oder noch Meilen vor sich hatten, waren sie Narren.</p><p>Jeder, der sie und ihre Gruppe sah, blieb zumindest einen Augenblick lang stehen; einige machten andere auf sie aufmerksam oder hoben Kinder hoch, damit diese dann eines Tages wiederum ihren Kinder erz�hlen konnten, dass sie sie gesehen hatten. Es war nur die Frage, ob sie sagen w�rden, sie h�tten die zuk�nftige K�nigin gesehen oder blo� eine Frau, die f�r eine gewisse Zeit die Stadt beherrschte. Die meisten Leute starrten sie nur an, aber gelegentlich erhoben sich ein paar Stimmen, die �Trakand! Trakand!� riefen oder sogar �Elayne und Andor!� Mehr Jubel w�re besser gewesen, aber Schweigen war h�mischem Gejohle vorzuziehen. Andoraner waren freim�tige Menschen, erst recht die Caemlyner. Rebellionen waren ausgebrochen, und K�niginnen hatten ihren Thron verloren, weil Caemlyner ihrem Unmut auf der Stra�e Luft machten.</p><p>Ein eisiger Gedanke lie� Elayne erzittern. Wer Caemlyn h�lt, h�lt Andor, besagte das alte Sprichwort; wie Rand bewiesen hatte, stimmte das nur bedingt, aber Caemlyn war Andors Herz. Sie hatte ihren Anspruch auf die Stadt geltend gemacht, auf den T�rmen der �u�eren Stadtmauer teilten sich das L�wenbanner und Trakands silberner Keilstein den stolzen Platz, aber noch hatte sie Caemlyns Herz nicht erobert, und das war viel wichtiger, als Stein und M�rtel zu besitzen.</p><p><emphasis>Eines Tages werden sie mir alle zujubeln,</emphasis> versprach sie sich. <emphasis>Ich werde mir ihren Beifall verdienen.</emphasis> Doch an diesem Tag f�hlten sich die dicht bev�lkerten Stra�en einsam an, da nur vereinzelte Rufe ert�nten. Sie w�nschte sich, Aviendha w�re bei ihr gewesen, nur um ihr Gesellschaft zu leisten, aber Aviendha sah keinen Sinn darin, auf ein Pferd zu steigen, blo� um durch die Stadt zu reiten. Davon abgesehen konnte Elayne sie sp�ren. Es f�hlte sich anders an als der Bund mit Birgitte, doch sie konnte die Anwesenheit ihrer Schwester in der Stadt sp�ren, so wie man eine ungesehene Person f�hlte, die sich im selben Raum aufhielt, und es war ein tr�stendes Gef�hl.</p><p>Ihre Begleitung rief ihren eigenen Teil an Aufmerksamkeit hervor. Nach vier Jahren als Aes Sedai hatte Sareithas dunkles, breites Gesicht noch nicht die Alterslosigkeit erreicht, und in ihrem kostbaren bronzefarbenen Wollgewand und mit der gro�en Brosche aus mit Saphiren besetztem Silber, die ihren Umhang zusammenhielt, sah sie aus wie eine erfolgreiche Kauffrau. Ihr Beh�ter Ned Yarman ritt direkt hinter ihr und er erregte auf jeden Fall Aufsehen. Er war ein hoch gewachsener, breitschultriger junger Mann mit hellblauen Augen und korngelbem Haar, das in Locken bis auf die Schultern fiel; der schimmernde Beh�terumhang, den er trug, lie� ihn wie ein k�rperloser Kopf aussehen, der �ber einem gro�en grauen Wallach schwebte. Teile des Pferdes waren dort, wo der Umhang �ber die Flanken fiel, ebenfalls nicht zu sehen. Es gab keinen Zweifel an seiner Identit�t oder dass seine Anwesenheit eine Aes Sedai ank�ndigte. Jedoch zogen die anderen, die um</p><p>Elayne einen Kreis aufrechterhielten, w�hrend sie sich einen Weg durch die Menge bahnte, ebenfalls viele Blicke auf sich. Acht Frauen in den roten Waffenr�cken und gl�nzenden Helmen und Harnischen der K�niglichen Garde waren nichts, was man jeden Tag zu sehen bekam. Oder fr�her, was das anging. Aus diesem Grund hatte Elayne sie pers�nlich aus den neuen Rekruten ausgew�hlt.</p><p>Caseille Raskovni, ihr Unterleutnant, so schlank und hart wie eine Aieltochter, war eine echte Rarit�t, die Leibw�chterin einer Kauffrau, die seit fast zwanzig Jahren in ihrem Handwerk arbeitete, wie sie es nannte. Die Silbergl�ckchen in der M�hne ihres st�mmigen gescheckten Wallachs wiesen sie als Arafelianerin aus, obwohl sie nur ausweichend von ihrer Vergangenheit sprach. Die einzige Andoranerin unter den acht war eine allm�hlich grau werdende Frau mit sanften Z�gen und breiten Schultern; Deni Colford hatte in einer Taverne f�r Wagenkutscher in Nieder-Caemyln au�erhalb der Stadtmauern f�r Ordnung gesorgt, ebenfalls eine raue und seltene Besch�ftigung f�r eine Frau. Deni konnte mit dem Schwert an ihrer H�fte noch nicht umgehen, aber Birgitte zufolge hatte sie sehr schnelle H�nde und einen noch schnelleren Blick, und sie konnte ziemlich gut mit der schrittlangen Keule umgehen, die gegen�ber dem Schwert hing. Die �brigen waren J�gerinnen des Horns, grundverschiedene Frauen, gro� und klein, schlank und breit, deren Herkunft genauso verschieden war, obwohl einige von ihnen so zur�ckhaltend wie Caseille waren, w�hrend andere ihre vorherige Stellung im Leben offensichtlich �bertrieben darstellten. Keines von beiden war unter J�gern ungew�hnlich. Allerdings hatten sie sich alle auf die Gelegenheit gest�rzt, in die K�nigliche Garde aufgenommen zu werden. Und, was noch wichtiger war, sie alle hatten Birgittes sorgf�ltige Inspektion bestanden.</p><p>�Die Stra�en sind nicht sicher f�r Euch�, sagte Sareitha pl�tzlich und lenkte ihren braunen Fuchs neben Elaynes schwarzen Wallach. Feuerherz gelang es beinahe, die schlanke Stute zu bei�en, bevor Elayne seinen Kopf mit dem Z�gel zur�ckriss. Die Stra�e war an dieser Stelle sehr schmal, wodurch die Menschenmenge dicht zusammengedr�ngt stand und die Gardistinnen n�her herankamen. Das Gesicht der Braunen war ein Abbild von Aes Sedai-Gelassenheit, aber offensichtliche Besorgnis verlieh ihrer Stimme einen scharfen Beiklang. �In einer solchen Enge k�nnte alles passieren. Denkt daran, wer keine zwei Meilen von hier entfernt im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> abgestiegen ist. Zehn Schwestern kommen in einem Gasthaus nicht einfach nur zusammen, weil sie die Gesellschaft von ihresgleichen suchen. Es k�nnte gut sein, dass Elaida sie geschickt hat.�</p><p>�Oder auch nicht�, erwiderte Elayne ruhig. Ruhiger, als sie sich f�hlte. Viele Schwestern schienen abzuwarten, bis der Kampf zwischen Elaida und Egwene entschieden war. Seit ihrer Ankunft in Caemlyn hatten zwei von ihnen den <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> wieder verlassen, und drei weitere waren eingetoffen. Das klang nicht nach einer Gruppe, die man auf eine Mission geschickt hatte. Und keine von ihnen geh�rte der Roten Ajah an; Elaida w�rde mit Sicherheit Rote mitschicken. Dennoch wurden sie so gut beobachtet, wie es Elayne hatte arrangieren k�nnen; allerdings hatte sie es Sareitha verschwiegen.</p><p>Elaida wollte sie unbedingt in ihre Gewalt bekommen; die Angelegenheit war ihr viel wichtiger, als w�re es nur um fortgelaufene Aufgenommene oder um jemanden gegangen, der in Verbindung mit Egwene und den angeblichen Rebellen stand. So richtig konnte Elayne das nicht nachvollziehen. Eine Aes Sedai, die K�nigin war, w�re f�r die Wei�e Burg sehr wertvoll gewesen, aber wenn man sie nach Tar Valon entf�hrte, w�rde sie keine K�nigin werden. Was das anging, so hatte Elaida den Befehl, sie um jeden Preis zur�ckzubringen, schon zu einem Zeitpunkt gegeben, als jede Aussicht auf den Thron noch in weiter Ferne gelegen hatte. Seitdem ihr Ronde Macura dieses widerw�rtige Gebr�u untergeschoben hatte, das die F�higkeit einer Frau beschnitt, die Macht zu lenken, hatte sie oft �ber dieses R�tsel nachgedacht. Es war ein �u�erst beunruhigendes R�tsel, vor allen Dingen jetzt, da sie der Welt ihren Aufenthaltsort verk�ndet hatte.</p><p>Ihr Blick verweilte kurz auf einer schwarzhaarigen Frau mit einem blauen Umhang und zur�ckgeschlagener Kapuze. Die Frau schaute nur fl�chtig in ihre Richtung, bevor sie den Laden eines Kerzenmachers betrat. Es war keine Aes Sedai, entschied Elayne. Blo� eine weitere Frau, die in Ehren alterte, so wie Zaida. �Wie dem auch sei�, fuhr sie energisch fort, �ich werde mich nicht durch die Angst vor Elaida beirren lassen.� <emphasis>Was</emphasis> konnten die Schwestern im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> blo� hier wollen?</p><p>Sareitha schnaubte, und zwar nicht gerade leise; sie schien die Augen verdrehen zu wollen, lie� es dann aber doch sein. Gelegentlich schnappte Elayne von den anderen Schwestern im Palast seltsame Blicke auf. Zweifellos dachten sie daran, wie sie aufgewachsen war, doch allem �u�eren Anschein nach akzeptierten sie sie als Aes Sedai und erkannten an, dass sie � abgesehen von Nynaeve � einen h�heren Rang als sie einnahm. Das hielt sie aber keineswegs davon ab, ihre Meinung deutlich zum Ausdruck zu bringen, und zwar oft viel nachdr�cklicher, als sie es bei einer Schwester getan h�tten, welche die Stola auf herk�mmliche Weise erhalten hatte. �Dann vergesst Elaida und erinnert Euch, wer Euch sonst noch gern in seiner Gewalt h�tte�, sagte Sareitha. �Ein wohlgezielter Steinwurf, und Ihr seid ein bewusstloses B�ndel, das man in der entstehenden Verwirrung leicht davontragen k�nnte.�</p><p>Musste Sareitha ihr sagen, dass Wasser nass war? Schlie�lich war es beinahe ein Brauchtum, andere Thronbewerber zu entf�hren. Jedes Haus, das gegen sie war, hatte in Caemlyn Anh�nger, die nur auf eine Gelegenheit warteten � oder sie h�tte ihre Schuhe zu Mittag gegessen. Nicht dass sie Erfolg haben w�rden, nicht solange sie die Macht lenken konnte, aber sie w�rden einen Versuch unternehmen, wenn sich die Gelegenheit bot. Sie war nie der Meinung gewesen, dass die Ankunft in Caemlyn mit Sicherheit gleichzusetzen war.</p><p>�Sareitha, wenn ich mich nicht aus dem Palast herauswage, werde ich das Volk niemals auf meine Seite ziehen�, sagte sie leise. �Man muss mich sehen, ich muss mich frei bewegen, ohne jede Angst.� Darum begleiteten sie auch nur acht Gardistinnen statt der f�nfzig, die Birgitte verlangt hatte. Die Frau weigerte sich, die Realit�ten des politischen Gesch�fts zu begreifen. �Au�erdem, da Ihr hier seid, brauchten sie zwei wohlgezielte Steine.�</p><p>Sareitha schnaubte blo� erneut, aber Elayne tat ihr Bestes, den Starrsinn der anderen Frau zu ignorieren. Sie w�nschte sich, sie k�nnte auch ihre Anwesenheit ignorieren, aber das war unm�glich. Es gab noch mehr Gr�nde f�r diesen Ausritt, als nur gesehen zu werden. Halwin Norry trug ihr mit monotoner Stimme, die sie beinahe einschlafen lie�, endlose Fakten und Zahlen vor, aber sie wollte sich alles mit eigenen Augen ansehen. Norry konnte die Schilderung eines Aufruhrs so leblos wie einen Bericht �ber den Zustand der st�dtischen Zisternen oder die Kosten f�r die Reinigung der Abwasserkan�le klingen lassen.</p><p>In der Menge wimmelte es von Ausl�ndern, Kandori mit Gabelb�rten und Illianer mit Barten, die ihre Oberlippen frei lie�en, und Arafeler mit Silbergl�ckchen in ihren Z�pfen; Domani mit kupferner und Altaraner mit olivfarbener Hautfarbe; Cairhiener, die durch ihre gedrungene Statur und die helle Haut hervorstachen. Einige waren Kaufleute, die vom pl�tzlichen Wintereinbruch �berrascht worden waren oder hofften, ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein, glattgesichtige, aufgeblasene Leute, die genau wussten, dass der Handel das Lebensblut der Nationen war, und von denen jeder behauptete, eine der wichtigsten Arterien zu sein, selbst wenn ein schlecht gef�rbter Mantel oder eine Brosche aus Messing und Glas sie verriet. Viele der Passanten trugen abgewetzte M�ntel, an den Knien ausgefranste Hosen, Gew�nder mit kaputten S�umen und fadenscheinige Umh�nge oder auch gar keine. Das waren Fl�chtlinge, die entweder vom Krieg aus ihren H�usern vertrieben worden waren oder von dem Glauben, dass der Wiedergeborene Drache s�mtliche ihrer traditionellen Bande zerrissen hatte, zur Wanderschaft getrieben worden waren. Sie kr�mmten sich vor K�lte, ihre Gesichter waren abgeh�rmt und besiegt, und sie lie�en sich von dem Strom der anderen um sie herum einfach mittreiben.</p><p>Eine Frau mit stumpfem Blick und einem kleinen Kind auf der Schulter, das sie fest gepackt hielt, stolperte durch die Menge. Elayne sah ihr zu, nestelte dann eine M�nze aus ihrem Geldbeutel und gab sie einer Gardistin, einer Frau mit rosigen Wangen und kaltem Blick. Tzigan behauptete, aus Ghealdan zu kommen und die Tochter eines unbedeutenden Adligen zu sein; nun, das mit Ghealdan stimmte vermutlich sogar. Als sie sich nach vorn beugte, um die M�nze weiterzugeben, stolperte die Frau mit ihrem Kind einfach weiter, ohne sie �berhaupt wahrzunehmen. Von dieser Sorte Leute gab es zu viele in der Stadt. Der Palast ern�hrte jeden Tag Tausende in K�chen, die man in der ganzen Stadt er�ffnet hatte, aber zu viele von ihnen brachten nicht einmal mehr die Kraft auf, sich ihre Suppe und ihr Brot zu holen. Elayne sprach in Gedanken ein kurzes</p><p>Gebet f�r Mutter und Kind, w�hrend sie die M�nze wieder in dem Geldbeutel verstaute.</p><p>�Ihr k�nnt nicht jeden durchf�ttern�, meinte Sareitha leise.</p><p>�In Andor d�rfen Kinder nicht verhungern�, sagte Elayne, als w�rde sie ein Dekret verk�nden. Aber sie wusste nicht, wie sie es verhindern sollte. Noch gab es genug Lebensmittel in der Stadt, aber kein Befehl konnte die Menschen zum Essen zwingen.</p><p>Einige der Fremden waren ebenfalls auf diese Weise nach Caemlyn gelangt, M�nner und Frauen, die keine Lumpen mehr trugen und auch keine heimgesuchten Gesichter mehr hatten. Was auch immer sie zur Flucht aus ihrer Heimat veranlasst hatte, sie waren zu dem Schluss gekommen, weit genug gereist zu sein, und hatten �ber ihre Erwerbsquelle nachgedacht, die sie oftmals zusammen mit ihren ganzen Besitzt�mern zur�ckgelassen hatten. In Caemlyn konnte jeder, der ein Handwerk beherrschte und �ber etwas Tatkraft verf�gte, einen Bankier mit bereitwilliger M�nze finden. Heutzutage ging man in der Stadt neuen Handwerkszweigen nach. Elayne hatte an diesem Morgen bereits drei Uhrmacherl�den entdeckt! In ihrer unmittelbaren Sicht befanden sich zwei Gesch�fte, die mundgeblasenes Glas verkauften; n�rdlich der Stadt hatte man fast drei�ig Manufakturen erbaut. Von jetzt an w�rde Caemlyn Glas nicht mehr importieren, sondern exportieren. Die Stadt verf�gte jetzt auch �ber Spitzenkl�ppler, produzierte Waren, die mindestens genauso gut wie die aus Lugard waren, und das war auch kein Wunder, da die meisten Hersteller von dort kamen.</p><p>Das hellte Elaynes Laune etwas auf � die Steuern, die diese neuen Handwerksbetriebe abf�hrten, w�rden helfen, auch wenn es einige Zeit dauern w�rde, bevor sie viel einbrachten �, doch es waren die anderen, die ihr in der Menge am deutlichsten auffielen. Ob Fremde oder Andoraner, die bewaffneten S�ldner waren am einfachsten auszumachen, M�nner mit harten Gesichtern und Schwertern, die selbst dann noch gro�spurig daherschritten, wenn die Masse ihr Tempo zu einem Kriechen verlangsamte. Die W�chter der Kaufleute waren ebenfalls bewaffnet, grobe Gesellen, die jene M�nner, die ihnen den Weg versperrten, einfach zur Seite stie�en, aber verglichen mit den Mietk�mpfern zur�ckhaltend und n�chtern erschienen. Und im Gro�en und Ganzen weniger Narben aufzuweisen hatten. S�ldner waren in der Menge verstreut wie Rosinen in einem Kuchen. Da sie auf eine so gro�e Ansammlung zur�ckgreifen konnte und da es im Winter immer wenig Bedarf f�r ihre Dienste gab, konnte sie sich nicht vorstellen, dass sie zu teuer f�r sie sein w�rden. Es sei denn, sie w�rden sie Andor kosten, wie Dyelin bef�rchtete. Irgendwie musste sie genug M�nner finden, sodass die Ausl�nder in der K�niglichen Garde nicht die �berzahl bildeten. Und genug Geld, um sie bezahlen zu k�nnen.</p><p>Abrupt wurde sie sich Birgitte bewusst. Sie war w�tend � das war sie in letzter Zeit �fters � und kam n�her. Sogar sehr w�tend, und sie n�herte sich rasch. Eine unheilvolle Kombination, die in Elaynes Kopf die Alarmglocken l�uten lie�en.</p><p>Sofort befahl sie die R�ckkehr zum Palast und zwar auf dem k�rzesten Weg � den w�rde auch Birgitte benutzen; der Bund zwischen ihnen w�rde sie geradewegs zu Elayne f�hren �, und sie nahmen die n�chste Abzweigung nach S�den und betraten die Nadelstra�e. Es handelte sich um eine ziemlich breite Stra�e, obwohl sie sich wie ein Fluss wand, den einen H�gel hinunter und den n�chsten hinauf, aber vor Generationen hatte es hier nichts als Nadelmacher gegeben. Jetzt dr�ngten sich ein paar kleine Schenken und Gasth�user zwischen Messerschmieden und Schneidern und allen Arten von L�den � nur keine Nadelmacher mehr.</p><p>Sie hatten die Innenstadt noch nicht ganz erreicht, als Birgitte in der Birnengasse zu ihnen stie�, in der ein paar Obsth�ndler noch immer an L�den festhielten, die seit den Tagen Isharas weitervererbt worden waren, auch wenn zu dieser Jahreszeit in ihren Auslagen nur wenig zu sehen war. Trotz der Menge galoppierte Birgitte mit wehendem rotem Umhang heran, dass Leute rechts und links zur Seite sprangen, und z�gelte ihre graue Stute erst, als sie Elayne entdeckte.</p><p>Als wollte sie sich f�r ihre Eile entschuldigen, nahm sie sich einen Augenblick Zeit, um die Gardistinnen zu mustern und Caseilles Gru� zu erwidern, bevor sie ihr Pferd an Elaynes Seite lenkte. Im Gegensatz zu den Frauen trug sie weder R�stung noch Schwert. Die Erinnerungen an ihre fr�heren Leben verblassten � sie meinte, sich so gut wie gar nicht mehr an die Zeit vor der Gr�ndung der Wei�en Burg zu erinnern, auch wenn gelegentlich noch Fragmente in ihr aufstiegen �, aber an eine Sache behauptete sie sich ganz deutlich erinnern zu k�nnen. Jedes Mal, wenn sie versucht hatte, ein Schwert zu benutzen, war sie beinahe gestorben, und ein paar Mal sogar tats�chlich. Ihr gespannter Bogen steckte in einem Sattelhalfter aus Leder, ein mit Pfeilen gef�llter K�cher hing an der anderen Seite. In ihr brodelte es vor Wut und die Falten auf ihrer Stirn vertieften sich noch, als sie sprach.</p><p>�Eine halb erfrorene Taube mit einer Nachricht von Aringill erreichte vor kurzer Zeit den Palast. Die M�nner, die Naean und Elenia begleiteten, wurden keine f�nf Meilen von der Stadt entfernt �berfallen und get�tet. Gl�cklicherweise fand eines ihrer Pferde mit einem blutigen Sattel den Weg zur�ck, sonst h�tten wir wochenlang nichts davon erfahren. Ich bezweilfe, dass wir so viel Gl�ck haben, dass die beiden von Stra�enr�ubern f�r L�segeld gefangen gehalten werden.�</p><p>Feuerherz t�nzelte ein paar Schritte und Elayne z�gelte ihn hart. Jemand aus der Menge rief etwas, das ein Hoch auf Trakand gewesen sein mochte. Oder auch nicht. Die Ladenbesitzer, die ihre Waren anpriesen, machten genug L�rm, um die Worte zu �bert�nen. �Also haben wir einen Spion im Palast�, sagte sie und presste die Lippen aufeinander; sie w�nschte sich, in Sareithas Anwesenheit den Mund gehalten zu haben.</p><p>Birgitte schien das egal zu sein. �Es sei denn, wir h�tten hier irgendwo einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> herumlaufen, von dem wir nichts wissen�, erwiderte sie trocken. �Vielleicht l�sst du mich dir jetzt eine Leibwache zuteilen. Nur ein paar der Gardistinnen, mit Sorgfalt ausgesucht und ...�</p><p>�Nein!� Der Palast war ihr Zuhause. Sie w�rde dort nicht bewacht werden. Sie warf der Braunen einen Blick zu und seufzte. Sareitha h�rte sehr genau zu. Es war sinnlos, jetzt noch den Versuch zu unternehmen, etwas verbergen zu wollen. Nicht das hier. �Hast du es der Haushofmeisterin gesagt?�</p><p>Der eher gem��igte Zornesausbruch, der sie durch ihren Bund erreichte, und Birgittes Blick beschieden ihr, sie solle gehen und ihrer Gro�mutter das Stricken beibringen. �Sie will jeden Diener befragen, der nicht mindestens seit f�nf Jahren im Dienst deiner Mutter steht. Ich wei� nicht, ob sie sie nicht sogar der Folter unterziehen will. Ihr Gesichtsausdruck, als ich es ihr sagte ... Ich war froh, dass ich mit heiler Haut aus ihrem Kontor rauskam. Ich selbst sehe mir die anderen an.� Sie meinte die Garde, wollte das aber in H�rweite von Caseille und den anderen nicht aussprechen. Elayne hielt das f�r unwahrscheinlich. Die ununterbrochene Rekrutierung gab jedermann die perfekte Gelegenheit, einen Spion einzuschleusen, auch wenn man keine Gewissheit haben konnte, dass dieser jemals einen Platz einnehmen w�rde, an dem er etwas Wissenswertes in Erfahrung bringen konnte.</p><p>�Falls im Palast Spione sind�, sagte Sareitha ruhig, �k�nnte es dort auch noch Schlimmeres geben. Vielleicht solltet Ihr Lady Birgittes Vorschlag annehmen. Es gibt da Pr�zedenzf�lle.� Birgitte zeigte der Braunen ihre Z�hne; als L�cheln war es ein v�lliger Fehlschlag. Obwohl sie es hasste, mit ihrem Titel angesprochen zu werden, sah sie Elayne hoffnungsvoll an.</p><p>�Ich habe nein gesagt und ich meine es auch so!�, fauchte Elayne. Ein Bettler, der sich mit einem breiten L�cheln, das seine Zahnl�cken offenbarte, und seiner M�tze in der Hand dem Kreis aus sich langsam bewegenden Reitern n�herte, zuckte zusammen und tauchte in der Menge unter, bevor sie �berhaupt daran denken konnte, nach ihrem Geldbeutel zu greifen. Sie vermochte nicht zu sagen, wie viel von der Wut ihre eigene oder Birgittes war, aber sie war angemessen.</p><p>�Ich h�tte sie selbst holen sollen�, knurrte sie verbittert. Stattdessen hatte sie f�r den Boten ein Wegetor gewoben und den Rest des Tages mit Besprechnungen mit Kaufleuten und Bankiers verbracht. �Zumindest h�tte ich aus der Garnison von Aringill genug M�nner f�r eine Eskorte abziehen sollen. Zehn M�nner sind tot, weil ich einen Fehler gemacht habe! Schlimmer noch �das Licht stehe mir bei, es ist schlimmer! �, ich habe deshalb Elenia und Naean verloren!�</p><p>Birgittes dichter goldfarbener Zopf, der �ber ihren Umhang hing, schwang hin und her, als sie energisch den Kopf sch�ttelte. �Erstens rennen K�niginnen nicht los, um alles selbst zu erledigen. Sie sind verdammt noch mal die K�nigin!� Ihr Zorn lie� etwas an Heftigkeit nach, aber an der Oberfl�che brodelte Gereiztheit, und ihr Ton enthielt beides. Sie wollte wirklich, dass Elayne eine Leibwache bekam, vermutlich sogar in ihrem Bad. �Die Tage deiner Abenteuer sind vorbei. Als N�chstes schleichst du dich noch in Verkleidung aus dem Palast, spazierst nachts herum, um dir von irgendeinem Halunken, den du nicht mal wahrgenommen hast, den Sch�del einschlagen zu lassen.�</p><p>Elayne richtete sich in ihrem Sattel auf. Birgitte wusste nat�rlich Bescheid � Elayne wusste nicht, wie sie den Bund umgehen konnte, obwohl sie davon �berzeugt war, dass es eine M�glichkeit gab �, aber die Frau hatte kein Recht, es hier zur Sprache zu bringen. Wenn Birgitte genug Andeutungen machte, w�rde sie die anderen Schwestern auf die Idee bringen, ihr mit ihren Beh�tern zu folgen und vermutlich ganzen Abteilungen der K�niglichen Garde noch dazu. Jeder hatte nichts anderes im Sinn als ihre Sicherheit. Man h�tte annehmen k�nnen, sie w�re nie in Ebou Dar gewesen, von Tanchico oder gar Falme ganz abgesehen. Au�erdem hatte sie es blo� einmal getan. Bis jetzt. Und Aviendha hatte sie begleitet.</p><p>�Kalte, dunkle Stra�en k�nnen mit einem warmen Feuer und einem guten Buch nicht mithalten�, meinte Sareitha beil�ufig, als w�rde sie mit sich selbst sprechen. Sie musterte die Gesch�fte, an denen sie vorbeikamen, und schien sich sehr f�r sie zu interessieren. �Ich selbst gehe ausgesprochen ungern �ber eine vereiste Stra�e, vor allem in der Dunkelheit, und dann noch ohne Kerze. Junge, h�bsche Frauen glauben oft, einfache Kleidung und ein schmutziges Gesicht w�rden sie unsichtbar machen.� Dieser Richtungswechsel kam so pl�tzlich, ohne die geringste Ver�nderung im Tonfall, dass Elayne zuerst �berhaupt nicht begriff, was sie da h�rte. �Niedergeschlagen und von betrunkenen Raufbolden in eine Gasse gezerrt zu werden, das ist eine harte Lektion, wenn man es auf diese Weise lernen muss. Wenn man nat�rlich das Gl�ck hat, eine Freundin dabeizuhaben, die ebenfalls die Macht lenken kann, wenn man das Gl�ck hat, dass der Schl�ger einen nicht so hart trifft, wie er sollte... Nun, man kann nicht immer Gl�ck haben. Stimmt Ihr mir da nicht zu, Lady Birgitte?�</p><p>Elayne schloss die Augen. Aviendha hatte behauptet, jemand w�rde ihnen folgen, aber sie war sich sicher gewesen, dass es sich nur um einen Stra�enr�uber gehandelt hatte. Dar�ber hinaus hatte es sich nicht so abgespielt. Jedenfalls nicht genau. Birgittes finsterer Blick versprach eine Unterhaltung � sp�ter. Sie <emphasis>wollte</emphasis> einfach nicht verstehen, dass eine Beh�terin ihre Aes Sedai <emphasis>nicht</emphasis> heruntermachte, niemals.</p><p>�Zweitens, ob nun zehn Mann oder fast dreihundert, es w�re das gleiche verdammte blutige Ende gewesen�, fuhr Birgitte grimmig fort. �Soll man mich doch zu Asche verbrennen, aber es war ein guter Plan. Ein paar M�nner h�tten Naean und Elenia unbemerkt nach Caemlyn schaffen k�nnen. Die Garnison zu leeren h�tte jeden Schurken aus dem Osten Andors angelockt und wer auch immer die beiden Frauen nun hat, h�tte genug Bewaffnete mitgebracht, um sein Ziel zu erreichen. Und vermutlich w�rden sie Aringill obendrein jetzt auch noch besetzt halten. So klein die Garnison auch ist, Aringill verunsichert jeden, der im Osten etwas gegen dich unternehmen will, und je mehr Gardisten aus Cairhien kommen, umso besser, da sie dir fast alle treu ergeben sind.� F�r jemanden, der vorgab, nur eine einfache Bogensch�tzin zu sein, verstand sie die Situation ganz gut. Sie hatte nur eines nicht erw�hnt und zwar den Verlust der Z�lle aus dem Flusshandel.</p><p>�Wer hat sie denn nun abgefangen, Lady Birgitte?�, fragte Sareitha und beugte sich vor, um an Elayne vorbeizusehen. �Das ist doch sicherlich eine sehr wichtige Frage.� Birgitte seufzte laut, es klang beinahe wie ein Wimmern.</p><p>�Ich f�rchte, das werden wir fr�h genug erfahren�, sagte Elayne. Die Braune schenkte ihr einen zweifelnden Blick, und sie versuchte, nicht mit den Z�hnen zu knirschen. Das schien sie seit ihrer Heimkehr sehr oft zu tun.</p><p>Eine Tarabonerin in einem gr�nen Seidenumhang ging den Pferden aus dem Weg und machte einen tiefen</p><p>Hofknicks; ihre d�nnen Z�pfe, in die Perlen geflochten waren, schwangen aus der Kapuze. Ihre Dienerin, eine kleine Frau, die die Arme voller kleiner P�ckchen hatte, ahmte ihre Herrin unbeholfen nach. Die beiden gro�en M�nner, die sich dicht hinter ihnen hielten, Leibw�chter mit eisenbeschlagenen St�ben, blieben aufrecht und aufmerksam. Ihre langen Lederm�ntel w�rden so gut wie jeden Messerstich abfangen.</p><p>Elayne neigte den Kopf, als sie vorbeiritten, um die H�flichkeit der Tarabonerin zu erwidern. Bis jetzt hatte sie von den Andoranern auf der Stra�e nichts dergleichen empfangen. Das h�bsche Gesicht hinter dem Schleier der Frau zeigte ein zu hohes Alter, als dass es sich um eine Aes Sedai h�tte handeln k�nnen. Licht, sie hatte genug um die Ohren, um sich jetzt auch noch Sorgen wegen Elaida zu machen!</p><p>�Es ist ganz einfach, Sareitha�, sagte sie mit sorgf�ltig kontrollierter Stimme. �Wenn sie bei Jarid Sarand sind, wird Elenia Naean vor eine Wahl stellen. Sie �berl�sst Elenia Arawn und bekommt daf�r ein paar G�ter, um den Handel zu vers��en, oder man wird ihr irgendwo in einer abgeschiedenen Zelle die Kehle durchschneiden und ihre Leiche hinter einer Scheune verscharren. Naean wird nicht so ohne weiteres nachgeben, aber ihr Haus streitet sich bis zu ihrer R�ckkehr, wer nun die F�hrung hat, also werden sie zittern. Elenia wird ihr Folter androhen und vielleicht auch anwenden und schlie�lich wird Arawn f�r Elenia hinter Sarand stehen. Und bald werden sich ihm Anshar und Baryn anschlie�en; sie werden dorthin gehen, wo sie St�rke sehen. Haben Naeans Leute sie, wird sie Elenia vor die gleiche Wahl stellen, aber Jarid wird �ber Arawn herfallen, es sei denn, Elenia h�lt ihn davon ab, und das wird sie nicht, wenn sie Grund zu der Annahme hat, dass er sie rettet. Also k�nnen wir nur hoffen, dass wir in den n�chsten Wochen die Nachricht erhalten, dass arawni-sehe G�ter niedergebrannt werden. <emphasis>Wenn nicht, muss ich mich verb�ndeten H�usern entgegenstellen,</emphasis> dachte sie, <emphasis>und ich</emphasis> wei� <emphasis>noch immer nicht, ob ich �berhaupt zwei hinter mir habe.</emphasis></p><p>�Das ist... sehr gr�ndlich �berlegt�, bemerkte Sareitha und klang etwas �berrascht.</p><p>�Ich bin sicher, Ihr w�rt auch darauf gekommen, wenn Ihr die n�tige Zeit gehabt h�ttet�, erwiderte Elayne honigs�� und versp�rte einen Hauch der Befriedigung, als die andere Schwester blinzelte. Licht, ihre Mutter h�tte so etwas von ihr erwartet, als sie zehn war!</p><p>Der Rest des Ritts zum Palast verlief schweigend und sie hatte kaum einen Blick f�r die hellen mosaikverzierten T�rme und gro�artigen Alleen der Innenstadt �brig. Stattdessen dachte sie �ber Aes Sedai in Caemlyn und Spione im K�niglichen Palast nach, wer Elenia und Naean befreit hatte und wie sehr Birgitte die Rekrutierung beschleunigen konnte, und ob wohl die Zeit gekommen war, das Tafelgeschirr des Palasts und den Rest ihrer Juwelen zu verkaufen. Es war eine d�stere Liste, die sie da in Gedanken durchging, aber sie hielt ihr Gesicht reglos und nahm den gelegentlichen Jubel, der sie begleitete, mit Erhabenheit zur Kenntnis. Eine K�nigin sollte sich nicht �ngstlich zeigen, vor allem, wenn sie es war.</p><p>Der K�nigliche Palast mit den schneewei�en Erkern, Baikonen und S�uleng�ngen erhob sich auf dem h�chsten H�gel der Innenstadt, dem h�chsten von ganz Caemlyn. Seine schlanken T�rme und goldenen Kuppeln erstreckten sich in den mitt�glichen Himmel; meilenweit sichtbar k�ndeten sie von Anders Macht. Gro�e Auftritte und Verabschiedungen fanden vorn auf dem K�niginnenplatz statt, wo sich in der Vergangenheit gro�e Menschenmengen versammelt hatten, um die Proklamation ihrer K�nigin zu h�ren und ihre Zustimmung f�r Andors Herrscherin lautstark zu verk�nden.</p><p>Elayne betrat den Palast durch die R�ckseite, Feuerherz' beschlagene Hufe klirrten auf dem Steinpflaster, als sie in den Stallhof trottete. Es war ein gro�er Hof, der an zwei Seiten von Reihen hoher bogenf�rmiger Stalltore flankiert wurde und auf den ein langer wei�er Steinbalkon hinaussah. Mehrere der in der H�he befindlichen S�uleng�nge boten einen Ausblick nach unten; allerdings war das hier ein Ort, an dem gearbeitet wurde.</p><p>Vor der einfachen Kolonnade, die den Zugang zum Palast gew�hrte, standen ein Dutzend Angeh�rige der K�niglichen Garde, die die Gardisten auf dem K�niginnenplatz abl�sen sollten, neben ihren Pferden und wurden von ihrem Unterleutnant inspiziert, einem ergrauten Burschen mit lahmem Bein, der unter Gareth Bryne Bannertr�ger gewesen war. Vor der Au�enmauer sa�en gerade drei�ig weitere M�nner auf, die in Zweiergruppen in der Innenstadt auf Patrouille gingen. In normalen Zeiten w�ren es Gardisten gewesen, deren Hauptpflicht darin bestanden h�tte, auf den Stra�en f�r Ordnung zu sorgen, aber da ihre Zahl so reduziert war, mussten diejenigen, die den Palast besch�tzten, diese Aufgabe mit �bernehmen. Careane Fransi war ebenfalls anwesend, eine st�mmige Frau in einem eleganten, gr�n gestreiften Reitgewand und blaugr�nem Umhang, die auf ihrem grauen Wallach sa�, w�hrend Venr Kosaan, einer ihrer Beh�ter, auf seinen Braunen stieg. Der spindeld�rre Mann, in dessen dicht gelocktem Haar und Bart graue Str�hnen zu sehen waren, trug einen schlichten braunen Umhang. Anscheinend wollten sie der Welt nicht verk�nden, wer sie waren.</p><p>Elaynes Ankunft rief auf dem Stallhof �berraschung hervor. Nat�rlich nicht bei Careane oder Kosaan. Die Gr�ne sah in der sch�tzenden Kapuze ihres Umhangs lediglich nachdenklich aus, und Kosaan nicht mal das. Er nickte Birgitte und Yarman lediglich knapp zu, Beh�ter zu Beh�ter. Ohne weiteren Blick ritten sie los, sobald die letzte Frau von Elaynes Eskorte das mit Eisen beschlagene Tor passiert hatte. Aber ein paar der Gardisten, die entlang der Mauer aufsa�en, verharrten mit einem Fu� im Steigb�gel und starrten sie an, bei den M�nnern, die zur Inspektion angetreten waren, fuhren K�pfe zu den Neuank�mmlingen her�ber. Elayne war nicht vor mindestens einer weiteren Stunde zur�ckerwartet worden, und von ein paar Leuten abgesehen, die nie �ber ihre derzeitige Besch�ftigung hinausdachten, wusste jeder im Palast, dass die Situation unbest�ndig war. Unter Soldaten verbreiteten sich Ger�chte noch schneller als unter Zivilisten, und das Licht wusste, dass die Art und Weise, wie sie untereinander Spekulationen austauschten, viel �ber sie aussagte. Sie mussten wissen, dass Birgitte in aller Eile aufgebrochen war, und jetzt kehrte sie vor der Zeit mit Elayne zur�ck. Marschierte eines der anderen H�user gegen Caemyln? Zum Angriff bereit? W�rde man sie auf die Mauern befehlen, die sie nicht ausreichend besetzen konnten, nicht mal mit den Leuten, die Dyelin in der Stadt zur Verf�gung standen? Augenblicke der �berraschung und der Sorge verstrichen, dann br�llte der Unterleutnant einen Befehl, und Augen sahen ruckartig geradeaus, und Arme schnappten salutierend quer �ber die Brust. Von dem ehemaligen Bannertr�ger abgesehen waren nur drei Mann schon l�nger als wenige Tage in den Musterrollen eingetragen, aber hier gab es keine gr�ne Rekruten.</p><p>Stallknechte in roten M�nteln, auf deren Schulter der Wei�e L�we aufgestickt war, eilten aus dem Stall, obwohl es eigentlich nicht viel f�r sie zu tun gab. Die Gardistinnen stiegen auf Birgittes Befehl hin leise ab und f�hrten ihre Pferde durch die hohen Tore. Sie selbst sprang aus dem Sattel und warf einem Stallknecht die Z�gel zu, und sie war nicht schneller als Yarman, der zu Sareithas Pferd eilte, um dessen Zaumzeug zu halten, w�hrend sie abstieg. Er geh�rte zu denen, die einige Schwestern als �frisch gefangen� bezeichneten � der Begriff stammte aus der Zeit, als Beh�ter nicht immer gefragt worden waren, ob sie den Bund eingehen wollten. Yarman war noch kein ganzes Jahr mit ihr verbunden und nahm seine Pflichten sehr ernst. Birgitte stand blo� stirnrunzelnd da, die F�uste in die H�ften gestemmt, und sah anscheinend zu, wie die M�nner, die f�r die n�chsten vier Stunden in der Innenstadt patrouillieren w�rden, in Zweierreihen losritten. Elayne w�re allerdings �berrascht gewesen, h�tte Birgitte an die M�nner mehr als nur einen fl�chtigen Gedanken verschwendet.</p><p>Sie hatte ihre eigenen Sorgen. W�hrend sie abstieg, musterte sie die drahtige Frau, die Feuerherz' Trense hielt, und den st�mmigen Burschen, der den lederbezogenen Aufsitzschemel hinstellte und ihren Steigb�gel hielt; sie versuchte, sich ihr Interesse nicht anmerken zu lassen. Er verzog stoisch keine Miene, w�hrend sie darin versunken war, die Nase des Wallachs zu streicheln und ihm zuzufl�stern. Keiner von ihnen schenkte Elayne nach einem respektvollen Zunicken weitere Aufmerksamkeit; H�flichkeiten waren weniger wichtig als daf�r zu sorgen, dass sie nicht von einem Pferd abgeworfen wurde, das vor sich verbeugenden Leuten scheute. Dabei spielte es keine Rolle, dass sie ihre Hilfe nicht brauchte. Sie war nicht mehr auf dem Land, es galt Umgangsformen zu beachten. Trotzdem bem�hte sie sich, ein Stirnrunzeln zu unterdr�cken. Sie lie� die Stallbediensteten Feuerherz fortf�hren und sah ihnen nicht nach. Aber sie h�tte es gern getan.</p><p>Die fensterlose Eingangshalle jenseits der Kolonnade erschien d�ster, obwohl ein paar der verspiegelten Kandelaber entz�ndet worden waren. Es handelte sich um einfache Lampen, deren Eisenteile zu simplen Spiralen geformt waren. Alles war schlicht, die verputzten Simse schmucklos, die wei�en Steinw�nde nackt und glatt. Ihre Ankunft hatte sich herumgesprochen, und sie waren noch nicht richtig eingetreten, als ein halbes Dutzend M�nner und Frauen unter st�ndigen Verbeugungen erschienen, um Umh�nge und Handschuhe entgegenzunehmen. Ihre Livreen unterschieden sich von dem Stallpersonal insofern, dass sie wei�e Kragen und �rmelaufschl�ge hatten und der L�we von Andor auf der linken Brust prangte statt auf der Schulter. Elayne erkannte keinen von ihnen. Die meisten Palastbediensteten waren neu, andere waren aus dem Ruhestand gekommen, um die Pl�tze derjenigen einzunehmen, die aus Angst geflohen waren, als Rand die Stadt erobert hatte. Ein kahlk�pfiger Bursche mit einem offenen Gesicht wich ihrem Blick aus, aber vielleicht f�rchtete er auch nur, zu dreist zu erscheinen. Eine schlanke junge Frau mit st�ndig zusammengekniffenen Augen legte etwas zu viel Enthusiasmus in ihren Hofknicks und ihr L�cheln, aber vielleicht wollte sie nur Pflichteifer zeigen. Elayne ging weiter, gefolgt von Birgitte, bevor sie anfing, sie anzustarren. Misstrauen hatte einen bitteren Geschmack.</p><p>Sareitha und ihr Beh�ter verlie�en sie nach ein paar Schritten, die Braune murmelte eine Entschuldigung; sie wollte in die Bibliothek, um dort ein paar B�cher einzusehen. Die Sammlung war nicht klein, auch wenn sie nicht mit den Gro�en Bibliotheken zu vergleichen war, und sie verbrachte dort jeden Tag einige Stunden und zog h�ufig vom Alter verblichene B�nde hervor, die ihr an anderen Orten unbekannt waren. Yarman folgte ihr wie ein Schatten, als sie in einen abzweigenden Korridor rauschte; ein dunkler, pummeliger Schwan, der einen seltsam anmutigen Storch hinter sich herzog. Er trug noch immer seinen sinnverwirrenden Umhang, diesmal ordentlich zusammengefaltet �ber dem Arm. Beh�ter gaben sie nur selten f�r l�nger aus der Hand. Kosaans Umhang befand sich vermutlich in seiner Satteltasche verstaut.</p><p>�M�chtest du einen Beh�terumhang haben, Birgitte?�, fragte Elayne im Gehen. Nicht zum ersten Mal beneidete sie Birgitte um ihre ausladenden Hosen. Selbst in den abgen�hten Reitr�cken konnte man sich nur mit M�he schneller als im Schritttempo bewegen. Wenigstens trug sie Reitstiefel anstelle von Samtschuhen. Die nackten rotwei�en Bodenfliesen w�ren in Samtschuhen eiskalt gewesen. Es gab nicht genug Teppiche, um sowohl die Gem�cher als auch die Korridore auszulegen; davon abgesehen w�ren sie von dem st�ndigen Strom der Diener, die den Palast instand hielten, in k�rzester Zeit abgelaufen gewesen. �Sobald Egwene die Wei�e Burg �bernommen hat, lasse ich dir einen machen. Du solltest einen haben.�</p><p>�Mich interessieren diese verdammten Umh�nge nicht�, erwiderte Birgitte grimmig. Eine Unheil verk�ndende Miene verwandelte ihren Mund in einen schmalen Strich. �Es war so schnell vorbei, dass ich glaubte, du w�rst verdammt noch mal gestolpert und h�ttest dir den verdammten Kopf angeschlagen. Blut und Asche! Von ein paar Stra�enschl�gern niedergeschlagen! Das Licht allein wei�, was h�tte passieren k�nnen!�</p><p>�Es ist keine Entschuldigung n�tig, Birgitte.� Wut und Emp�rung str�mten durch den Bund, aber sie wollte den Vorteil ergreifen. Birgittes Schelte war schon schlimm genug, wenn sie allein waren; sie w�rde es sich nicht in den G�ngen des Palasts bieten lassen, wo �berall Diener umhereilten, das Schnitzwerk auf den holzvert�felten W�nden polierten oder die in diesem Teil des Geb�udes vergoldeten Kandelaber warteten. Sie hielten kaum inne, um Birgitte und sie schweigend zu gr��en, aber zweifellos fragte sich jeder, warum der weibliche Generalhauptmann so finster aussah, und sie hatten die Ohren weit aufgesperrt, um so viel wie m�glich aufzuschnappen. �Du warst nicht da, weil ich es nicht wollte. Ich wette, dass Sareitha ihren Ned auch nicht dabei hatte.� Eigentlich war es unvorstellbar gewesen, dass sich Birgittes Gesicht noch mehr verd�sterte. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, Sareitha zu erw�hnen. Elayne wechselte das Thema. �Du musst wirklich etwas wegen deiner Ausdrucksweise tun. Allm�hlich klingst du wie der schlimmste Tagedieb.�</p><p>�Meine ... Ausdrucksweise?�, murmelte Birgitte auf gef�hrliche Weise. Selbst ihre Schritte hatten sich ver�ndert, jetzt �hnelten sie denen einer umherstreifenden Wildkatze. <emphasis>�Du</emphasis> beklagst dich �ber <emphasis>meine</emphasis> Ausdrucksweise? Ich wei� wenigstens, was die Worte, die ich benutze, bedeuten. Ich wei� wenigstens, was angebracht ist und was nicht.� Elaynes Wangen liefen rot an, ihr Nacken versteifte sich. Sie wusste das auch! Jedenfalls meistens. Oder zumindest oft genug. �Und was Yarman angeht�, fuhr Birgitte mit noch immer leiser und gef�hrlicher Stimme fort, �so ist er ein guter Mann, aber er schwebt auf rosaroten Wolken, weil er Beh�ter ist. Vermutlich springt er, wenn Sareitha mit den Fingern schnippt. Ich habe nie auf rosaroten Wolken geschwebt und ich springe nicht. Hast du mir <emphasis>deshalb</emphasis> einen Titel aufgeb�rdet? Hast du geglaubt, mich damit zu z�geln? W�re nicht der erste dumme Gedanke in deinem Kopf gewesen. F�r jemanden, der die meiste Zeit so klar denkt... Nun. Auf mich wartet ein Schreibtisch, der unter verfluchten Berichten begraben ist, durch die ich mich hindurchk�mpfen muss, wenn du auch nur die H�lfte der Gardisten bekommen sollst, die du haben willst. Aber heute Abend werden wir eine nette, lange Unterhaltung f�hren. Meine Lady�, f�gte sie entschieden hinzu. Viel zu entschieden. Ihre Verbeugung war fast schon auf sp�ttische Weise formell. Sie ging mit langen, raubtierhaften Schritten fort und ihr langer goldfarbener Zopf h�tte sich eigentlich str�uben m�ssen wie der Schwanz einer w�tenden Katze.</p><p>Elayne stampfte w�tend mit dem Fu� auf. Birgittes Titel war eine wohlverdiente Belohnung, allein seit dem Beginn ihres Bundes hatte sie sich ihn zehnmal verdient! Und zehntausend Mal davor. Nun, sie hatte an das <emphasis>gedacht,</emphasis> was Birgitte da angedeutet hatte, aber erst danach. Es hatte sowieso nicht viel genutzt. Ob die Befehle nun von ihrer Lehnsherrin oder der Aes Sedai kamen, Birgitte suchte sich die aus, denen sie gehorchte. Nicht, wenn es wichtig war � zumindest nicht, wenn sie es f�r wichtig erachtete �, aber bei allen anderen Dingen, vor allem denen, die sie unn�tige Risiken oder ungeh�riges Benehmen nannte. Als k�nnte Birgitte Silberbogen anderen etwas von unn�tigen Risiken erz�hlen. Und was das richtige Benehmen anging: Birgitte trieb sich in Tavernen herum! Sie trank und spielte, au�erdem machte sie h�bschen M�nnern sch�ne Augen! Sie betrachtete gern die Gutaussehenden, obwohl sie jene vorzog, die aussahen, als h�tten sie sich oft gepr�gelt. Elayne wollte sie nicht �ndern � sie bewunderte die Frau, mochte sie, betrachtete sie als Freundin �, aber sie w�nschte sich, ihre Beziehung w�re mehr wie die zwischen Beh�ter und Aes Sedai. Und viel weniger wie die einer �lteren Schwester zu ihrer unscheinbaren j�ngeren.</p><p>Abrupt wurde sie sich bewusst, dass sie dastand und finster ins Leere starrte. Diener gingen z�gernd an ihr vorbei und senkten die K�pfe, als f�rchteten sie, ihr Blick k�nnte auf sie fallen. Sie entspannte ihre Miene und gab einem hoch aufgeschossenen, pickelgesichtigen J�ngling, der ihr entgegenkam, ein Zeichen. Er verneigte sich so unbeholfen und tief, dass er stolperte und beinahe gest�rzt w�re.</p><p>�Finde Frau Harfor und bitte sie, sofort zu mir in meine Gem�cher zu kommen�, befahl sie ihm und f�gte dann mit nicht unfreundlicher Stimme hinzu, �und vergiss nicht, deine Vorgesetzten werden nicht erfreut sein, wenn sie dich beim Herumstreunen im Palast erwischen, da du doch bei der Arbeit sein solltest.� Ihm klappte das Kinn herunter, als h�tte sie seine Gedanken gelesen. Vielleicht dachte er tats�chlich, dass sie es getan hatte. Seine weit aufgerissenen Augen huschten zu ihrem Gro�en Schlangenring, und er quiekte auf und machte eine noch tiefere Verbeugung, bevor er davonst�rmte.</p><p>Wider Willen musste sie l�cheln. Es war nur eine wilde Vermutung gewesen, aber er war zu jung, um irgendjemandes Spion zu sein, und zu nerv�s, um nicht etwas vorzuhaben, das er nicht durfte. Andererseits ... Ihr L�cheln verblasste. Andererseits war er gar nicht so viel j�nger, als sie es war.</p></section><section><title><p>8</p><p>Das Meervolk und die Kusinen</p></title><p>Es �berraschte Elayne nicht, dass sie der Haushofmeisterin begegnete, bevor sie ihre Gem�cher erreichte. Schlie�lich wollten sie beide zum selben Ort. Frau Harfor machte ihren Hofknicks und ging dann neben ihr her; unter dem Arm trug sie eine reich verzierte Ledermappe. Sie war mit Sicherheit so fr�h aufgestanden wie Elayne, wenn nicht sogar noch fr�her, aber ihr scharlachroter Wappenrock erschien frisch geb�gelt, und der Wei�e L�we darauf war so sauber und hell wie frisch gefallener Schnee. Die Diener gingen schneller und putzten emsiger, wenn sie sie sahen. Reene Harfor war nicht grob, aber sie f�hrte den Palast mit der gleichen strengen Disziplin, mit der Gareth Bryne die Garde befehligt hatte.</p><p>�Ich f�rchte, ich habe noch keinen Spion fangen k�nnen, meine Lady�, raunte sie in Erwiderung auf Elaynes Frage, damit die Antwort auch nur ihre Ohren erreichte, �aber ich glaube, ich habe ein P�rchen entdeckt. Eine Frau und ein Mann, die beide w�hrend der letzten Monate in der Herrschaft Eurer Mutter, der verstorbenen K�nigin, in den Dienst aufgenommen wurden. Sie verlie�en den Palast sofort, als sich die Nachricht verbreitete, dass ich jeden befrage. Sie haben nicht einmal lange genug gewartet, um etwas von ihren Besitzt�mern mitzunehmen, nicht mal einen Umhang. Ich w�rde sagen, das ist so gut wie ein Gest�ndnis. Es sei denn, sie h�tten bef�rchtet, bei einer anderen Missetat erwischt zu werden.� Sie z�gerte. �Ich f�rchte, es hat Diebst�hle gegeben.�</p><p>Elayne nickte nachdenklich. W�hrend der letzten Monate der Herrschaft ihrer Mutter waren Naean und Elenia oft im Palast gewesen. Eine mehr als ausreichende Gelegenheit, Spione einzuschleusen. Die beiden waren im Palast gewesen, genau wie andere, die gegen Morgase Trakands Thronanspruch integriert, nach ihrer Inthronisierung ihre Amnestie akzeptiert und sie dann verraten hatten. Sie w�rde den Fehler ihrer Mutter nicht wiederholen. Oh, es musste eine Amnestie geben, wo auch immer das m�glich war � alles andere h�tte nur den Samen f�r einen B�rgerkrieg gepflanzt �, aber sie hatte sich vorgenommen, diejenigen, die ihre Vergebung akzeptierten, genau im Auge zu behalten. So wie eine Katze eine Ratte beobachtete, die behauptete, jedes Interesse am Kornspeicher aufgegeben zu haben. �Sie waren Spione�, sagte sie. �Und es gibt m�glicherweise noch andere. Nicht nur f�r die H�user. Auch die Schwestern im <emphasis>Silbernen Schwan</emphasis> haben m�glicherweise Augen-und-Ohren im Palast untergebracht.�</p><p>�Ich werde weiterhin nach ihnen Ausschau halten, meine Lady�, erwiderte Reene und neigte den Kopf ein wenig. Ihr Ton war auf perfekte Weise respektvoll; sie hob nicht einmal andeutungsweise eine Braue, aber Elayne fragte sich erneut, ob sie wohl ihrer Gro�mutter das Stricken beibringen wollte. Wenn doch Birgitte nur die Dinge so regeln k�nnte, wie es Frau Harfor tat.</p><p>�Es ist gut, dass Ihr fr�her zur�ckgekommen seid�, fuhr die pummelige Frau fort. �Ich f�rchte, Euch steht ein arbeitsreicher Nachmittag bevor. Als Erstes will Meister Norry mit Euch sprechen. In einer dringenden Angelegenheit, sagt er.� Ihre Lippen wurden einen Augenblick lang zu einem schmalen Strich. Sie wollte immer wissen, warum Leute zu Elayne vorgelassen werden wollten, damit sie die Spreu vom Weizen trennen konnte, statt ihre Herrin darunter zu begraben, aber der Erste Sekret�r hielt es nie f�r n�tig, ihr gegen�ber auch nur eine Andeutung �ber sein Anliegen zu machen. Genauso wenig wie sie ihn �ber die ihren informierte. Beide wachten eifers�chtig �ber ihre Lehen. Mit einem Kopfsch�tteln verbannte Elayne Halwin Norry aus ihren Gedanken.</p><p>�Danach ist eine Delegation von Tabakh�ndlern an der Reihe. Sie hat um eine Audienz ersucht, genau wie eine der Weber; beide bitten um einen Steuererlass, weil die Zeiten so schwer sind. Meine Lady braucht meinen Rat nicht, ihnen zu sagen, dass es f�r alle schwere Zeiten sind. Dann wartet da noch eine Gruppe ausl�ndischer Kaufleute, eine ziemlich gro�e Gruppe. Sie wollen Euch alles Gute w�nschen, nat�rlich auf eine Weise, die sie zu nichts verpflichtet; sie wollen sich bei Euch einschmeicheln, ohne sich jemand anderen zum Feind zu machen. Trotzdem schlage ich vor, dass Ihr sie kurz empfangt.� Frau Harfor legte dicke Finger auf die Mappe unter ihrem Arm. �Au�erdem ben�tigen die Haushaltsb�cher des Palasts Eure Unterschriften, bevor sie an Meister Norry weitergereicht werden k�nnen. Ich f�rchte, sie werden ihn seufzen lassen. Ich habe zwar im Winter nicht damit gerechnet, aber ein gro�er Teil der Kornvorr�te ist voller Getreidek�fer und Motten, und die H�lfte des ger�ucherten Schinkens ist schlecht geworden, genau wie ein Gro�teil des R�ucherfischs.� Ziemlich respektvoll. Und entschieden.</p><p><emphasis>Ich beherrsche Andor,</emphasis> hatte Elaynes Mutter ihr einmal unter vier Augen gesagt, <emphasis>aber manchmal glaube ich, dass Reene Harfor mich beherrscht.</emphasis> Ihre Mutter hatte dabei gelacht, aber sie hatte auch so geklungen, als w�re ihr das ernst gewesen. Wenn sie so dar�ber nachdachte, w�rde Frau Harfor als Beh�terin zehnmal schlimmer als Birgitte sein.</p><p>Elayne wollte weder mit Halwin Norry noch mit den Kaufleuten sprechen. Sie wollte sich ungest�rt hinsetzen und �ber Spione nachdenken und wer Naean und Elenia abgefangen hatte und was sie dagegen unternehmen konnte. Aber ... Meister Norry hatte Caemlyn seit dem Tod ihrer Mutter am Leben gehalten. Und den alten Haushaltsb�chern zufolge hatte er das fast von dem Tag an getan, an dem sie in Rahvins F�nge geraten war, obwohl Norry dar�ber keine genauen Angaben machte. Die Geschehnisse jener Tage schienen ihn auf eine ziemlich unklare Weise gekr�nkt zu haben. Elayne konnte ihn nicht einfach abwimmeln. Au�erdem war bei ihm noch nie etwas dringend gewesen. Und der gute Willen von Kaufleuten war auch nicht zu verachten, nicht einmal der von Ausl�ndern. Und die Haushaltsb�cher mussten abgezeichnet werden. Getreidek�fer und Motten? Und verdorbener Schinken? Im Winter? Das war allerdings sehr seltsam.</p><p>Sie hatten die mit geschnitzten L�wen versehenen Fl�gelt�ren ihrer Gem�cher erreicht. Kleinere L�wen als jene ihrer Mutter und kleinere Gem�cher, aber sie hatte nicht einen Augenblick lang daran gedacht, die Gem�cher der K�nigin zu beziehen. Das w�re genauso anma�end gewesen, als h�tte sie auf dem L�wenthron Platz genommen, bevor ihr Anspruch auf die Rosenkrone anerkannt worden war.</p><p>Seufzend griff sie nach der Mappe.</p><p>Am anderen Ende des Korridors erblickte sie Solain Morgeillin und Keraille Surtovni, die sich so schnell bewegten, wie sie konnten, ohne den Eindruck zu erwecken, sie w�rden rennen. Am Hals der m�rrischen Frau, die zwischen sie gequetscht war, blitzte es silbern auf, obwohl die Schwestern ihr ein langes gr�nes Tuch umgebunden hatten, um die Leine des <emphasis>Adam</emphasis> zu verbergen. Das <emphasis>w�rde</emphasis> Gerede geben und fr�her oder sp�ter w�rde es auffallen. Es war besser, wenn man sie und die anderen nicht umherf�hrte, aber es gab keine M�glichkeit, das zu vermeiden. Um die Kusinen und die Windsucherinnen des Meervolks aufnehmen zu k�nnen hatte man R�ume in den Dienerquartieren gebraucht, selbst wenn sich zwei oder drei nun ein Bett teilen mussten, und die Palastkeller waren Lagerr�ume, keine Verlie�e. Wie schaffte es Rand eigentlich <emphasis>immer,</emphasis> genau das Falsche zu tun? Ein Mann zu sein reichte nicht als Entschuldigung. Solain und Keraille verschwanden mit ihrer Gefangenen um die Ecke.</p><p>�Frau Corly hat heute Morgen darum gebeten, mit Euch sprechen zu d�rfen, meine Lady.� Reenes Stimme war mit Bedacht neutral gehalten. Sie hatte die Kusinen ebenfalls beobachtet und auf ihrem breiten Gesicht zeichnete sich noch immer die Spur eines Stirnrunzeins ab. Das Meervolk war seltsam, aber sie konnte die Herrin der Wogen eines Clans und ihr Gefolge in ihr Weltbild einbauen, selbst wenn sie nicht genau wusste, was eine Herrin der Wogen eigentlich war. Eine hochrangige Ausl�nderin war eine hochrangige Ausl�nderin, und von Ausl�ndern erwartete man, dass sie seltsam waren. Aber sie konnte nicht verstehen, warum Elayne fast einhundertf�nfzig Kauf- und Handwerksfrauen eine Unterkunft gegeben hatte. Auch Begriffe wie �Kusinen� oder �N�hkr�nzchen� h�tten ihr nichts gesagt, h�tte sie sie geh�rt, und sie verstand die seltsamen Spannungen zwischen jenen Frauen und den Aes Sedai nicht. Genauso wenig wie sie die Frauen verstand, die die Asha'man gebracht hatten; auch wenn sie nicht in Zellen eingesperrt waren, handelte es sich doch um Gefangene, die man in aller Abgeschiedenheit festhielt und die mit niemandem sprechen durften au�er mit den Frauen, die sie durch die Korridore eskortierten. Die Haushofmeisterin wusste, wann sie keine Fragen stellen durfte, aber es gefiel ihr nicht, wenn sie nicht verstand, was im Palast vor sich ging. Ihr Tonfall ver�nderte sich um keine Nuance. �Sie sagte, sie h�tte gute Neuigkeiten f�r Euch. Gewissermassen. Sie hat aber nicht um eine Audienz gebeten.�</p><p>Alle guten Neuigkeiten waren besser, als sich die Haushaltsb�cher ansehen zu m�ssen, und Elayne hatte eine gewisse Hoffnung, worum es sich bei dieser Neuigkeit handelte. Sie gab der Haushofmeisterin die Mappe zur�ck. �Bitte legt sie auf den Schreibtisch. Und richtet Meister Norry aus, dass ich ihn nachher empfange. Es wird nicht lange dauern.�</p><p>Sie ging in die Richtung, aus der die Kusinen mit ihrer Gefangenen gekommen waren, und sie bewegte sich trotz ihres Reitrocks schnell. Gute Neuigkeiten oder nicht, Norry und die Kaufleute mussten empfangen werden, ganz zu schweigen von den Haushaltsb�chern, die �berpr�ft und abgezeichnet werden wollten. Herrschen bedeutete endlose Wochen der Schinderei und seltene Stunden, in denen man das tat, was man wollte. Sehr seltene Stunden. Birgitte machte sich in ihrem Hinterkopf bemerkbar, ein Knoten aus purer Gereiztheit und Ungeduld. Zweifellos arbeitete sie sich durch den mit Papieren �bers�ten Aktenberg. Nun, ihre eigene Entspannung an diesem Tag w�rde in der Zeit bestehen, die es dauerte, das Reitgewand auszuziehen und eine hastige Mahlzeit zu sich zu nehmen. Also ging sie schnell, in Gedanken versunken und ohne eigentlich zu sehen, was sich vor ihr befand. Was hatte Norry so dringendes? Es ging mit Sicherheit nicht um Stra�enreparaturen. Wie viele Spione? Unwahrscheinlich, dass Frau Harfor sie alle entfernte.</p><p>Als sie um eine Ecke bog, verhinderte nur die F�higkeit, andere Frauen wahrzunehmen, die die Macht lenkten, dass sie direkt in Vandene hineinlief. �berrascht wichen sie voneinander zur�ck. Anscheinend war auch die Gr�ne tief in Gedanken versunken gewesen. Beim Anblick ihrer beiden Begleiterinnen runzelte Elayne die Stirn.</p><p>Kirstian und Zarya trugen schmucklose wei�e Gew�nder und hielten sich genau einen Schritt hinter Vandene, die H�nde dem�tig vor dem K�rper gefaltet. Ihr Haar waren lediglich nach hinten gebunden und sie trugen keinen Schmuck. Es wurde Novizinnen deutlich nahe gelegt, auf allen Schmuck zu verzichten. Sie hatten zu den Kusinen geh�rt � Kirstian war sogar Mitglied des N�hkr�nzchens gewesen �, aber sie waren aus der Wei�en Burg weggelaufen, und es gab in den Gesetzen der Burg festgelegte Verfahren, wie man solche Frauen behandeln musste, ganz egal, wie lange sie fort waren. Zur�ckgeholte Ausrei�erinnen mussten in all ihren T�tigkeiten absolut perfekt sein, vorbildlich in ihrem eifrigen Bestreben, die Stola zu erringen, und kleine Fehler, die man bei anderen �bersah, wurden schnell und streng bestraft. Au�erdem sahen sie zus�tzlich einer viel schlimmeren Strafe entgegen, wenn sie die Burg erreichten, einer �ffentlichen Auspeitschung mit Ruten, und selbst danach mussten sie mindestens ein ganzes Jahr auf ihrem vorgezeichneten und qualvollen Pfad wandeln. Einer zur�ckgekehrten Ausrei�erin wurde bis in die Tiefen ihres Inneren klargemacht, dass sie niemals wieder weglaufen wollte. Niemals! Nur zur H�lfte ausgebildete Frauen waren einfach zu gef�hrlich, als dass man sie h�tte allein herumlaufen lassen k�nnen.</p><p>Bei den seltenen Begegnungen mit den beiden Frauen hatte Elayne versucht, nachsichtig zu sein � man konnte nicht sagen, dass Kusinen nur die halbe Ausbildung genossen hatten; sie hatten genauso viel Erfahrung in der Einen Macht wie jede Aes Sedai. Sie hatte es versucht, nur um entdecken zu m�ssen, dass selbst die meisten der Kusinen sie missbilligten. Als man ihnen eine erneute Gelegenheit bot, Aes Sedai zu werden � zumindest jenen, bei denen das m�glich war �, nahmen sie die Gesetze und Br�uche der Burg mit schockierendem Eifer an. Darum war Elayne genauso wenig von dem unterdr�ckten Eifer in den Augen der beiden Frauen �berrascht wie �ber die Art und Weise, in der sie das Versprechen, in jeder Hinsicht folgsam zu sein, auszustrahlen schienen � sie wollten diese Chance genauso sehr wie all die anderen auch. Seltsam war nur, dass sie Vandene begleiteten. Bis jetzt hatte sie das Paar v�llig ignoriert.</p><p>�Ich habe Euch gesucht, Elayne�, sagte Vandene, ohne sich mit H�flichkeiten aufzuhalten. Ihr wei�es Haar, das mit einem dunkelgr�nen Band im Nacken zusammengebunden war, hatte ihr trotz ihrer glatten Wangen schon immer einen Anschein von Alter verliehen. Die Ermordung ihrer Schwester hatte eine tiefsitzende Unbarmherzigkeit hinzugef�gt, sodass sie wie eine unvers�hnliche Richterin erschien. Sie war schlank gewesen; jetzt war sie knochig und ihre Wangen hohl. �Diese Kinder ...� Sie unterbrach sich, eine kaum merkliche Grimasse lie� ihren Mund noch schmaler erscheinen, als er ohnehin schon war.</p><p>Es war die richtige Ansprache f�r Novizinnen � der schrecklichste Augenblick f�r eine Frau, die in die Burg kam, war nicht die Entdeckung, dass man sie nicht als vollwertige Erwachsene betrachten w�rde, bis sie sich die Stola verdient hatte, sondern dass sie, so lange sie das Wei� der Novizinnen trug, tats�chlich ein Kind war, das sich selbst oder andere durch Unwissenheit oder dumme Fehler verletzen konnte. Es war die richtige Anrede, doch selbst f�r Vandene musste dies hier eine seltsame Situation sein.</p><p>Die meisten Novizinnen kamen im Alter von f�nfzehn oder sechzehn Jahren in die Burg, bis vor kurzem hatte man keine �ber achtzehn aufgenommen � abgesehen von einer Hand voll, die es geschafft hatten, mit einer L�ge durchzukommen. Im Gegensatz zu den Aes Sedai baute die Hierarchie der Kusinen auf dem Alter auf, und Zarya � sie hatte sich Garenia Rosoinde genannt, aber Zarya Alkaese war der Name in den Novizinnenb�chern, und sie w�rde unter dem Namen Zarya Alkaese ihre Strafe empfangen � mit ihrer ausgepr�gten Nase und dem breiten Mund war �ber neunzig, auch wenn sie so aussah, als h�tte sie noch nicht einmal ihre mittleren Jahre erreicht. Obwohl die Frauen die Macht seit Jahren benutzten, fehlte ihnen die Alterslosigkeit der Aes Sedai, und die h�bsche Kirstian mit den schwarzen Augen sah etwas �lter aus, so um die drei�ig. Aber sie war �ber dreihundert Jahre alt; Elayne war fest davon �berzeugt, dass sie �lter als selbst Vandene war. Kirstian hatte die Burg schon vor so langer Zeit verlassen, dass sie sich sicher genug gef�hlt hatte, ihren richtigen Namen wieder anzunehmen, oder zumindest einen Teil davon. Die beiden waren nicht mal ann�hernd gew�hnliche Novizinnen.</p><p>�Diese <emphasis>Kinder�,</emphasis> fuhr Vandene etwas energischer fort, w�hrend sich eine steile Falte auf ihrer Stirn zeigte, �haben noch einmal �ber die Ereignisse in Harlon Br�cke nachgedacht.� Dort war ihre Schwester ermordet worden. Und Ispan Shefar, aber in Vandenes Augen z�hlte der Tod einer Schwarzen Schwester so viel wie der eines tollw�tigen Hundes. �Ungl�cklicherweise haben sie �ber ihre Schl�sse nicht Stillschweigen bewahrt, sondern sind zu mir gekommen. Wenigstens haben sie es nicht herumerz�hlt.�</p><p>Elayne runzelte leicht die Stirn. Mittlerweile wusste jeder im Palast �ber die Morde Bescheid. �Ich verstehe nicht�, sagte sie langsam. Und bed�chtig. Sie wollte den beiden keine Hinweise geben, falls sie nicht wirklich m�hsam verborgene Geheimnisse ausgegraben hatten. �Haben sie herausgefunden, dass es statt eines Raub�berfalls Schattenfreunde waren?� Das war die Geschichte, die sie in die Welt gesetzt hatten, zwei Frauen in einem abgelegenen Haus, die wegen ihres Schmucks get�tet worden waren. Nur sie, Vandene, Nynaeve und Lan kannten die Wahrheit. Oder zumindest einen Teil davon. Zumindest bis jetzt, wie es den Anschein hatte. Die Novizinnen mussten so weit gekommen sein, oder Vandene w�rde ihnen einen Floh ins Ohr gesetzt und sie weggeschickt haben.</p><p>�Schlimmer.� Vandene blickte sich um, dann machte sie ein paar Schritte in die Mitte der Korridorkreuzung und zwang Elayne, sich ihr anzuschlie�en. Von dieser Stelle aus konnten sie jeden sehen, der die Korridore entlangkam. Die Novizinnen behielten aufmerksam ihre Position nahe der Gr�nen bei. Wenn man ihren Eifer betrachtete, war es m�glich, dass man ihnen vielleicht schon den Floh ins Ohr gesetzt hatte. Es waren viele Diener in Sicht, aber keiner n�herte sich, keiner war nahe genug, um lauschen zu k�nnen. Vandene senkte trotzdem ihre Stimme. Die leisen T�ne konnten ihr Missfallen nicht verbergen. �Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass entweder Merilille, Sareitha oder Careane die M�rderin ist. Ich glaube, da haben sie wirklich hervorragende Arbeit geleistet, aber sie h�tten �berhaupt nicht dar�ber nachdenken sollen. Sie h�tten sich ihren Lektionen widmen sollen, und zwar so intensiv, dass sie keine Zeit gehabt h�tten, an etwas anderes zu denken.� Trotz des finsteren Blicks, den sie Kirstian und Zarya zuwarf, strahlten die beiden viel zu alten Novizinnen vor Freude. In dem b�sen Blick war ein Kompliment verborgen gewesen und Vandene war sparsam mit Komplimenten.</p><p>Elayne ersparte sich die Bemerkung, dass die beiden etwas besch�ftigter gewesen w�ren, h�tte Vandene sich bereit erkl�rt, sich an ihrem Unterricht zu beteiligen. Elayne und Nynaeve hatten viel zu viele andere Pflichten, und seit sie f�r die Windsucherinnen t�glichen Unterricht angesetzt hatten, hatte keiner mehr die Energie, den beiden Novizinnen viel Zeit zu widmen.</p><p>Die Atha'an Miere zu unterrichten war, als w�rde man durch die Mangel einer W�scherin gedreht! Sie hatten nur wenig Respekt vor den Aes Sedai. Und noch weniger f�r die R�nge der �K�stengefangenen�.</p><p>�Wenigstens haben sie mit niemand anderem dar�ber gesprochen�, murmelte sie. Ein Segen, wenn auch nur ein kleiner.</p><p>Als sie Adeleas und Ispan gefunden hatten, war es offensichtlich gewesen, dass es sich bei dem M�rder nur um eine Aes Sedai gehandelt haben konnte. Sie waren mit Rotdorn bet�ubt worden, bevor man sie get�tet hatte, und es war so gut wie unm�glich, dass die Windsucherinnen Krauter kannten, die nur weit vom Meer entfernt zu finden waren. Und selbst Vandene war davon �berzeugt, dass sich unter den Kusinen keine Schattenfreunde verbargen. Ispan war selbst als Novizin weggelaufen und sogar bis nach Ebou Dar gekommen, aber sie war wieder eingefangen worden, bevor die Kusinen ihr enth�llen konnten, dass sie mehr waren als ein paar aus der Burg verbannte Frauen, die sich aus einer Laune heraus entschieden hatten, ihr zu helfen. Sie hatte bei der Befragung durch Vandene und Adeleas vieles enth�llt. Zwar war es ihr irgendwie gelungen, dabei nichts �ber die Schwarze Ajah preiszugeben au�er alten, schon l�ngst durchgef�hrten Pl�nen, aber nachdem Vandene und ihre Schwester mit ihr fertig gewesen waren, hatte sie begierig alles andere ausgeplaudert. Sie waren nicht sanft gewesen und hatten ihre Tiefen ausgelotet, doch sie hatte nicht mehr �ber die Kusinen gewusst als alle anderen Aes Sedai. Falls es unter den Kusinen Schattenfreunde gegeben h�tte, dann h�tte die Schwarze Ajah alles gewusst. So sehr sie sich es auch anders w�nschten, die M�rderin war eine von drei Frauen, die sie alle lieb gewonnen hatten. Eine Schwarze Schwester in ihrer Mitte. Oder mehr als eine. Sie alle hatten sich verzweifelt bem�ht, dieses Wissen geheim zu halten, zumindest so lange, bis die M�rderin entlarvt wurde. Die Nachricht w�rde den ganzen Palast in Panik versetzen, m�glicherweise sogar die ganze Stadt. Licht, wer hatte sonst noch �ber die Geschehnisse in Harlon Br�cke nachgedacht? W�rden sie den Verstand haben, Stillschweigen zu bewahren?</p><p>�Jemand musste sie an der Hand nehmen�, sagte Vandene fest, �um sie von weiterem Unsinn abzuhalten. Sie brauchen regelm��igen Unterricht und harte Arbeit.� Die strahlenden Gesichter der beiden hatten eine Spur von Selbstgef�lligkeit angenommen, aber diese verblasste nun etwas. Sie hatten nur wenige Lektionen erhalten, aber die waren sehr hart und die Disziplin <emphasis>sehr</emphasis> streng gewesen. �Das hei�t, entweder Ihr oder Nynaeve.�</p><p>Elayne schnalzte �rgerlich mit der Zunge. �Ich habe kaum einen Augenblick Zeit f�r mich, um in Ruhe nachzudenken. Ich muss mich schon anstrengen, gelegentlich eine Stunde f�r sie zu er�brigen. Nynaeve muss es tun.�</p><p>�Was muss Nynaeve tun?�, wollte Nynaeve fr�hlich wissen, die sich zu ihnen gesellte. Irgendwo hatte sie sich eine lange Stola mit einem gelben Saum besorgt, die mit Bl�ttern und hellen Blumen bestickt war, die nun aber �ber ihre Armbeugen hing. Trotz der K�lte trug sie ein blaues Gewand mit einem f�r Andor ziemlich tiefen Ausschnitt, obwohl der dicke, dunkle Zopf, der vorn �ber ihrer Schulter hing und sich an den Busen schmiegte, die Entbl��ung in Grenzen hielt. Der kleine rote Punkt in der Mitte ihrer Stirn, der <emphasis>Ki'sain,</emphasis> sah ziemlich seltsam aus. In Einklang mit den Gebr�uchen der Malkieri bezeichnete ein roter <emphasis>Ki'sain</emphasis> eine verheiratete Frau, und sie hatte darauf bestanden, ihn zu tragen, sobald sie davon erfahren hatte. Sie spielte unbewusst mit dem Ende ihres Zopfes und sah... zufrieden aus, kein Gem�tszustand, der f�r gew�hnlich mit Nynaeve al'Meara in Zusammenhang gebracht wurde.</p><p>Elayne zuckte zusammen, als sie Lan bemerkte, der ein paar Schritte von ihnen entfernt im Kreis um sie herumging und so in beiden Korridoren Wache hielt. Der finster dreinblickende Mann in dem dunkelgr�nen Mantel, der so gro� wie ein Aiel war und die Schultern eines Schmiedes hatte, konnte sich noch immer wie ein Geist bewegen. Selbst hier im Palast trug er ein Schwert am G�rtel. Er lie� Elayne jedes Mal erschaudern. Aus seinen kalten blauen Augen schaute der Tod. Es sei denn, er schaute Nynaeve an.</p><p>Die Zufriedenheit verschwand schnell aus Nynaeves Gesicht, als sie erfuhr, welche Aufgabe sie �bernehmen sollte. Sie h�rte auf, an ihrem Zopf herumzuzupfen, und umschloss ihn mit der Faust. �Jetzt h�rt genau zu. Elayne mag ja im Palast herumspazieren und Staatsoberhaupt spielen, aber ich habe beide H�nde voll zu tun. Mehr als die H�lfte der Kusinen w�re mittlerweile verschwunden, w�rde Alise sie nicht am Nacken gepackt halten, und da sie nicht die geringste Aussicht hat, jemals die Stola zu erringen, kann ich nicht sagen, wie lange sie noch jemanden halten wird. Der Rest glaubt, er k�nnte mit mir diskutieren! Gestern hat mich Sumeko <emphasis>M�dchen</emphasis> genannt!�</p><p>Sie bleckte die Z�hne, aber letztlich war das ihr eigener Fehler. Schlie�lich war sie es gewesen, die den Kusinen eingeh�mmert hatte, den Aes Sedai gegen�ber etwas R�ckgrat zu zeigen, statt vor ihnen zu kriechen. Nun, jetzt hatten sie aufgeh�rt zu kriechen. Stattdessen neigten sie nun dazu, die Schwestern an ihren eigenen Regeln zu messen. Und die Schwestern schnitten dabei nicht gut ab! Es war zwar nicht Nynaeves Schuld, dass sie kaum �lter als zwanzig zu sein schien � sie hatte sehr fr�h aufgeh�rt zu altern �, aber f�r die Kusinen war das Alter sehr wichtig, und sie hatte sich dazu entschieden, den Gro�teil ihrer Zeit mit ihnen zu verbringen. Sie riss nicht an ihrem Zopf, sondern zog so fest daran, dass sie ihn bestimmt gleich ausriss.</p><p>�Und dieses verfluchte Meervolk! Diese erb�rmlichen Frauen! Erb�rmlich, erb�rmlich, erb�rmlich! G�be es diesen <emphasis>verdammten</emphasis> Vertrag nicht...! Das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann, sind zwei jammernde, bl�kende Novizinnen!� Kirstians Lippen pressten sich einen Augenblick lang zusammen, und in Zaryas dunklen Augen blitzte kurz Emp�rung auf, bevor es ihr wieder gelang, Demut auszustrahlen. Oder den Anschein davon. Sie hatten genug Verstand, um zu wissen, dass Novizinnen Aes Sedai nicht widersprachen.</p><p>Elayne bezwang das Verlangen, alle zu bes�nftigen. Am liebsten h�tte sie sowohl Kirstian wie auch Zarya geohrfeigt. Erst sie hatten alles komplizierter gemacht, weil sie den Mund nicht halten konnten. Sie wollte Nynaeve ohrfeigen. Also hatten die Windsucherinnen sie endlich in die Ecke getrieben, ja? Das verdiente kein Mitgef�hl. �Ich <emphasis>spiele</emphasis> �berhaupt nichts, Nynaeve, und das wei�t du ganz genau! Ich habe dich oft genug um Rat gefragt!� Sie holte tief Luft und versuchte sich zu beruhigen. Die Diener, die sie jenseits von Vandene und den beiden Novizinnen sehen konnte, hatten ihre Arbeit unterbrochen, um die Gruppe der Frauen anzustarren. Sie bezweifelte, dass sie Lan �berhaupt richtig wahrnahmen, so eindrucksvoll er auch sein mochte. Sich streitende Aes Sedai war ein Schauspiel, das sich zu beobachten lohnte, dem man sich aber besser nicht n�herte.</p><p>�Jemand muss sich um sie k�mmern�, sagte sie etwas leiser. �Oder glaubst du etwa, du k�nntest ihnen einfach befehlen, die Sache zu vergessen? Sieh sie dir doch an, Nynaeve. Wenn man sie sich selbst �berl�sst, werden sie im n�chsten Augenblick herauszufinden versuchen, wer es ist. Sie h�tten sich nicht Vandene anvertraut, wenn sie nicht geglaubt h�tten, dass sie ihre Hilfe annimmt.� Die beiden Frauen verwandelten sich in ein Abbild perfekter Novizinnenunschuld mit einer winzigen Spur Gekr�nktheit wegen der ungerechtfertigten Anschuldigung. Elayne glaubte es keinen Augenblick lang. Sie hatten ein ganzes Leben lang daran arbeiten k�nnen, sich zu verstellen.</p><p>�Und warum nicht?�, fragte Nynaeve nach einem Augenblick des Nachdenkens und richtete ihre Stola. �Beim Licht, Elayne, du darfst nicht vergessen, dass sie nicht das darstellen, was wir normalerweise von Novizinnen erwarten.� Elayne wollte protestieren. Was sie normalerweise erwarteten, von wegen! Nynaeve war nie Novizin gewesen, aber sie war vor gar nicht so langer Zeit eine Aufgenommene gewesen, und oft genug eine jammernde, bl�kende Aufgenommene! Sie �ffnete den Mund, aber Nynaeve lie� sie nicht zu Wort kommen. �Ich bin sicher, Vandene kann sie gut gebrauchen�, sagte sie. �Und wenn nicht, kann sie ihnen regelm��ig Unterricht geben. Jemand hat mir mal erz�hlt, dass Ihr schon fr�her Novizinnen unterrichtet habt, Vandene. Seht Ihr. Alles erledigt.�</p><p>Die beiden Novizinnen l�chelten breit, es war ein begieriges L�cheln voll freudiger Erwartung � es fehlte nur noch, dass sie sich zufrieden die H�nde rieben �, aber Vandene runzelte die Stirn. �Ich kann keine Novizinnen gebrauchen, die mir im Weg sind, w�hrend ich ...�</p><p>�Ihr seid genauso blind wie Elayne�, unterbrach Nynaeve sie. �Sie haben Erfahrung darin, Aes Sedai glauben zu lassen, dass sie etwas anderes darstellen, als sie in Wirklichkeit sind. Sie k�nnen unter Eurer Anleitung arbeiten, dadurch habt Ihr Zeit, um zu essen und zu schlafen. Ich glaube nicht, dass Ihr eines davon tut.� Sie dr�ckte die Brust raus und zog die Stola �ber Arme und Schultern. Es war eine bemerkenswerte Vorstellung. So klein sie auch war � sie war kaum gr��er als Zarya und entschieden kleiner als Vandene oder Kirstian �, schien sie die gr��te von ihnen allen zu sein. Es war eine F�higkeit, die Elayne nur zu gern beherrscht h�tte. Obwohl sie es niemals in einem so geschnittenen Gewand probieren w�rde. Nynaeve lief Gefahr, den Inhalt ihres Dekolletes herauszudr�cken. Aber das tat ihrem Auftritt keinen Abbruch. Sie war die personifizierte Befehlsgewalt. �Vandene, Ihr werdet es tun�, sagte sie entschieden.</p><p>Vandenes Stirnfalte verschwand langsam, aber sie verschwand. Nynaeve war ihr in der Beherrschung der Macht �berlegen und nahm einen dementsprechend h�heren Rang ein, und obwohl sie niemals bewusst dar�ber nachgedacht h�tte, sorgten die tief in ihr verwurzelten Konventionen daf�r, dass sie � wenn auch unwillig � nachgab. Als sie sich den beiden Frauen in Wei� zuwandte, war ihr Gesicht fast wieder so reglos, wie es seit Adeleas Ermordung war. Was nur bedeutete, dass die Richterin im Augenblick keine Hinrichtung anordnen w�rde. Vielleicht sp�ter. Ihr hageres Gesicht war ganz ruhig und sehr grimmig.</p><p>�Ich habe eine Zeit lang Novizinnen unterrichtet�, r�umte sie ein. �Eine kurze Zeit. Die Herrin der Novizinnen fand, ich w�rde meine Studentinnen zu streng behandeln.� Der Eifer der beiden Novizinnen k�hlte etwas ab. �Ihr Name war Sereille Bagand.� Zaryas Gesicht wurde so bleich wie Kirstians, und Kirstian schwankte, als w�re ihr pl�tzlich schwindelig. Sereille war zuerst Herrin der Novizinnen und sp�ter dann Amyrlin-Sitz gewesen und sie war eine Legende. Die Art von Legende, die einen in der Nacht schwei�gebadet aufwachen lie�. �Ich esse�, sagte Vandene zu Nynaeve gewandt. �Aber alles schmeckt wie Asche.� Sie gab den beiden Novizinnen mit einer knappen Geste zu verstehen, ihr zu folgen, und f�hrte sie an Lan vorbei. Die beiden schwankten leicht, als sie ihr folgten.</p><p>�Stures Weib�, murmelte Nynaeve und sah ihnen stirnrunzelnd nach, aber in ihrer Stimme lag mehr als nur eine Spur von Mitgef�hl. �Ich kenne ein Dutzend Krauter, die ihr helfen w�rden zu schlafen, aber sie r�hrt sie nicht an. Ich h�tte nicht �bel Lust, ihr etwas in den abendlichen Wein zu mischen.�</p><p><emphasis>Eine kluge Herrscherin wei�, wann sie sprechen muss und wann nicht,</emphasis> dachte Elayne. Nun, darin steckte ein K�rnchen Weisheit. Wenn Nynaeve jemanden als stur bezeichnete, war das in etwa so, als w�rde der Hahn den Fasan stolz nennen. Aber sie verkniff sich die Bemerkung. Stattdessen fragte sie: �Wei�t du, welche Neuigkeit Reanne hat? So wie ich es verstanden habe, soll es eine gute Neuigkeit sein.�</p><p>�Ich habe sie heute Morgen nicht gesehen�, murmelte Nynaeve, die noch immer Vandene nachblickte. �Ich habe meine Gem�cher nicht verlassen.� Sie riss sich abrupt aus ihren Gedanken und sah Elayne aus irgendeinem Grund misstrauisch an. Und dann ausgerechnet Lan. Er stand unger�hrt weiter Wache.</p><p>Nynaeve behauptete, ihre Ehe sei wunderbar � sie konnte <emphasis>schockierend</emphasis> freim�tig sein, wenn sie mit anderen Frauen dar�ber sprach �, aber Elayne glaubte, dass sie log, um ihre Entt�uschung zu verbergen. Es war ziemlich wahrscheinlich, dass Lan jederzeit f�r einen Angriff und zum Kampfbereit war, selbst wenn er schlief. Vermutlich war es so, als w�rde man neben einem hungrigen L�wen schlafen. Davon einmal abgesehen reichte das steinerne Gesicht schon aus, um jedes Ehebett zu einem kalten Ort zu machen. Gl�cklicherweise hatte Nynaeve keine Ahnung, was sie dachte. Die Frau l�chelte doch tats�chlich. Seltsamerweise ein am�siertes L�cheln. Am�siert und ... War es m�glich, dass es herablassend gemeint war? Nat�rlich nicht. Reine Einbildung.</p><p>�Ich wei�, wo Reanne steckt�, sagte Nynaeve und lie� die Stola zur�ck in die Armbeugen rutschen. �Komm mit. Ich bringe dich zu ihr.�</p><p>Elayne wusste genau, wo sich Reanne aufhalten w�rde, da sie nicht zusammen mit Nynaeve untergebracht war, aber sie hielt ihre Zunge im Zaum und lie� zu, dass Nynaeve sie f�hrte. Eine Art Bu�e f�r den Streit von eben, als sie h�tte versuchen sollen, Frieden zu stiften. Lan folgte ihnen und die kalten Augen musterten die Korridore. Die Diener, an denen sie vorbeikamen, zuckten zusammen, wenn Lans Blick auf sie fiel. Eine junge, hellhaarige Frau raffte sogar ihre R�cke und floh, sie stie� gegen einen Kandelaber und brachte ihn zum Wackeln.</p><p>Das erinnerte Elayne daran, Nynaeve von Elenia und Naean und den Spionen zu erz�hlen. Nynaeve nahm die Nachricht ziemlich gelassen auf. Sie stimmte Elayne zu, dass sie fr�h genug erfahren w�rden, wer die beiden Frauen abgefangen hatte, und kommentierte Sareithas Zweifel mit einem absch�tzigen Schnauben. Sie brachte sogar ihre �berraschung zum Ausdruck, dass man sie nicht schon vor langer Zeit aus Aringill herausgeholt hatte. �Ich konnte nicht glauben, dass sie bei unserer Ankunft in Caemlyn noch immer da waren. Jeder Narr h�tte erkannt, dass man sie fr�her oder sp�ter herbringen w�rde. Es ist viel einfacher, sie aus einer kleinen Stadt herauszuholen.� Eine kleine Stadt. Einst w�re ihr Aringill wie eine gro�e Stadt erschienen. �Was die Spione angeht...� Sie bedachte einen d�nnen, grauhaarigen Mann, der einen mit Gold verzierten Kandelaber mit �l auff�llte, mit einem Stirnrunzeln und sch�ttelte dann den Kopf. �Nat�rlich gibt es Spione. Ich wusste, dass welche da sein mussten, gleich von Anfang an. Du musst einfach aufpassen, was du sagst, Elayne. Sag nichts zu jemandem, den du nicht gut kennst, es sei denn, es st�rt dich nicht, dass es dann alle erfahren.�</p><p><emphasis>Wann sie sprechen muss und wann nicht,</emphasis> dachte Elayne wieder und sch�rzte die Lippen. Bei Nynaeve konnte das manchmal eine echte Strafe sein.</p><p>Nynaeve hatte ebenfalls Neuigkeiten zu berichten. Achtzehn der Kusinen, die von ihnen nach Caemlyn begleitet worden waren, hatten den Palast verlassen. Allerdings waren sie nicht weggelaufen. Da keine von ihnen stark genug war, um zum Schnellen Reisen f�hig zu sein, hatte Nynaeve ihnen die Wegetore gewoben und sie ins Hinterland von Altara, Amadicia und Tarabon geschickt, den von den Seanchanern besetzten L�ndern. Dort sollten sie versuchen, die Kusinen aufzusp�ren, die noch nicht geflohen waren, um sie nach Caemlyn zu bringen.</p><p>Es w�re nett gewesen, h�tte Nynaeve sie bei ihrem Aufbruch am Vortag dar�ber informiert; noch besser w�re es gewesen, sie h�tte es getan, nachdem Reanne und sie die Entscheidung getroffen hatten, die Frauen loszuschicken, aber Elayne erw�hnte es nicht. Stattdessen sagte sie: �Das ist sehr mutig von ihnen. Es wird nicht einfach sein, eine Gefangennahme zu vermeiden.�</p><p>�Mutig, ja�, sagte Nynaeve. Es klang gereizt. Ihre Hand griff wieder nach dem Zopf. �Aber das ist nicht der Grund, warum wir sie ausgew�hlt haben. Alise war der Meinung, dass sie als Erste davonlaufen w�rden, falls wir ihnen nichts zu tun geben.� Sie schaute �ber die Schulter und warf Lan einen Blick zu, dann nahm sie ruckartig die Hand runter. �Ich kann mir nicht vorstellen, wie Egwene es schaffen will�, sagte sie seufzend. �Sch�n und gut, dass sich jede Kusine irgendwie der Wei�en Burg �anschlie�en� soll, aber wie? Die meisten sind nicht stark genug, um die Stola zu erringen. Viele k�nnen nicht einmal den Status einer Aufgenommenen erreichen. Und sie werden mit Sicherheit nicht den Rest ihres Lebens Novizinnen oder Aufgenommene bleiben wollen.�</p><p>Diesmal entgegnete Elayne nichts, weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Das Versprechen w�rde eingel�st werden m�ssen; sie selbst hatte es gegeben. In Egwenes Namen, das war richtig, aber sie hatte die Worte ausgesprochen, und sie w�rde ihr Wort nicht brechen. Sie wusste nur nicht, wie sie es einhalten sollte, es sei denn, Egwene w�rde sich einen wahrhaftig wunderbaren Plan einfallen lassen.</p><p>Reanne Corly war genau da, wo Elayne sie vermutet hatte, in einem kleinen Raum mit zwei schmalen Fenstern, die auf einen kleinen Hof in den Tiefen des Palasts hinausblickten, in dem ein Springbrunnen stand. Allerdings gab es in dem Springbrunnen zu dieser Jahreszeit kein Wasser und die gl�sernen Fensterfl�gel lie�en den Raum etwas stickig erscheinen. Der Boden bestand aus einfachen schwarzen Fliesen ohne Teppich und als M�bel gab es nur einen schmalen Tisch und zwei St�hle. Als Elayne eintrat, waren zwei Leute bei Reanne. Alise Tenjile, die ein schlichtes, hochgeschlossenes graues Gewand trug, schaute am Ende des Tisches auf. Scheinbar in ihren mittleren Jahren, war sie eine Frau mit einem angenehmen, unauff�lligen Erscheinungsbild, die allerdings ziemlich bemerkenswert war, wenn man sie n�her kennen lernte, und die wenn n�tig sehr unangenehm werden konnte. Nach einem einzigen Blick richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf das, was sie auf dem Tisch studierte. Aes Sedai, Beh�ter und Tochter-Erbinnen konnten Alise nicht l�nger beeindrucken.</p><p>Reanne sa� an der einen Seite des Tischs; ihr Gesicht war faltig und ihr Haar deutlich von Grau durchsetzt. Sie trug ein gr�nes Gewand, das aufwendiger als Alises war. Da sie die Pr�fung zur Aufgenommenen nicht bestanden hatte, war sie aus der Wei�en Burg fortgeschickt worden; nachdem man ihr nun eine zweite Chance geboten hatte, hatte sie bereits die Farben ihrer bevorzugten Ajah angenommen. Ihr gegen�ber sa� eine dicke Frau in einfachem braunem Tuch, deren Miene sturen Trotz ausdr�ckte. Ihre dunklen Augen waren fest auf Reanne gerichtet und vermieden den Blick auf das silberne <emphasis>Adam,</emphasis> das wie eine Schlange zwischen ihnen auf dem Tisch lag. Ihre H�nde strichen jedoch unabl�ssig �ber den Tischrand, und Reanne zeigte ein zuversichtliches L�cheln, das die feinen F�ltchen um ihre Augen vertiefte.</p><p>�Sagt mir nicht, Ihr habt einer von ihnen Vernunft eingebl�ut�, sagte Nynaeve, noch bevor Lan hinter ihnen die T�r geschlossen hatte. Sie starrte die Frau in Braun finster an, als wollte sie ihr einen Hieb auf die Ohren versetzen oder Schlimmeres, dann sah sie Alise an. Elayne war der ehrlichen �berzeugung, dass Nynaeve einen gewissen Respekt vor Alise hatte. Die Frau war alles andere als stark im Gebrauch der Macht � sie w�rde die Stola niemals erringen! �, aber sie besa� die F�higkeit, das Kommando zu �bernehmen, wann immer sie wollte, und jeden in ihrer Umgebung dazu zu bringen, das zu akzeptieren. Aes Sedai eingeschlossen. Elayne glaubte, dass sogar sie selbst eine gewisse Ehrfurcht vor Alise hatte.</p><p>�Sie bestreiten noch immer, dass sie die Macht lenken k�nnen�, murmelte Alise, verschr�nkte die Arme unter den Br�sten und bedachte die Frau, die gegen�ber von Reanne sa�, mit einem finsteren Blick. �Ich sch�tze, sie k�nnen es wirklich nicht, aber ich f�hle ... etwas. Nicht unbedingt den Funken einer Frau, die dazu geboren ist, aber etwas ist da. Es ist, als st�nde sie kurz davor, die Macht ergreifen zu k�nnen, einen Fu� erhoben, um die Grenze zu �berschreiten. Ich habe noch nie zuvor etwas Vergleichbares gef�hlt. Nun. Zumindest versuchen sie nicht l�nger, uns mit den F�usten anzugreifen. Wenigstens das haben wir ihnen ausgetrieben!� Die Frau in Braun warf ihr einen w�tenden Blick zu, wich dann aber Alises unger�hrter Erwiderung aus, und ihr Mund verzog sich zu einer weinerlichen Grimasse. Wenn Alise jemandem etwas austrieb, dann gr�ndlich. Ihre H�nde strichen noch immer �ber die Tischkante; Elayne glaubte nicht, dass sie sich dessen bewusst war.</p><p>�Sie bestreiten auch weiterhin, den Fluss der Macht sehen zu k�nnen, aber sie versuchen, sich selbst davon zu �berzeugen�, sagte Reanne in ihrer hohen, melodischen Stimme. Sie erwiderte den trotzigen Blick der anderen mit einem L�cheln. Reanne besa� eine Ruhe und Ausstrahlung, um die sie jede Schwester h�tte beneiden k�nnen. Sie war die �lteste des N�hkr�nzchens gewesen, der h�chsten Autorit�t der Kusinen. Laut ihren Regeln gab es das N�hkr�nzchen nur in Ebou Dar, aber sie war von den nach Caemlyn gereisten noch immer die �lteste, etwa hundert Jahre �lter als jede Aes Sedai in der bekannten Geschichte, und sie war mit ihrer ruhigen Autorit�t jeder Schwester ebenb�rtig. �Sie behaupten, wir w�rden sie mit der Macht t�uschen, sie glauben machen, dass das <emphasis>A'dam</emphasis> sie halten kann. Fr�her oder sp�ter werden ihnen keine L�gen mehr einfallen.� Sie zog das <emphasis>A'dam</emphasis> zu sich heran und �ffnete mit einer energischen Bewegung den Verschluss des Halsbandes. �Wollen wir es erneut versuchen, Marli?� Die Frau in Braun � Marli � vermied es noch immer, das silbrige Metall in Reannes H�nden anzusehen, aber sie versteifte sich und ihre H�nde tanzten �ber die Tischkante.</p><p>Elayne seufzte. Was f�r ein Geschenk hatte ihr Rand da gemacht. Ein Geschenk! Neunundzwanzig seanchanische <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die h�bsch von <emphasis>Adams</emphasis> gefesselt wurden, und f�nf <emphasis>Damane ~</emphasis> sie hasste das Wort, es bedeutete <emphasis>die Gefesselten,</emphasis> auch wenn sie genau das waren. F�nf Damane, denen man ihre Kragen nicht abnehmen konnte, und zwar aus dem einfachen Grund, weil sie dann versuchen w�rden, die seanchanischen Frauen zu befreien, die sie als Sklavinnen gehalten hatten. Mit einem Bindfaden angebundene Leoparden w�ren ein besseres Geschenk gewesen. Wenigstens konnten Leoparden nicht die Macht lenken. Man hatte sie der Obhut der Kusinen �bergeben, weil kein anderer die Zeit daf�r hatte.</p><p>Doch Elayne hatte sofort gewusst, was man mit den <emphasis>Sul'dam</emphasis> machen musste. Man musste sie davon �berzeugen, dass sie die Macht lenken konnten und sie dann nach Seanchan zur�ckschicken. Au�er Nynaeve kannten nur Egwene, Aviendha und ein paar Kusinen den Plan. Nynaeve und Egwene hatten ihre Zweifel, aber welche Anstrengungen die <emphasis>Sul'dam</emphasis> nach ihrer R�ckkehr auch unternehmen w�rden, um zu verbergen, was sie waren, irgendwann w�rde sich eine verraten. Falls sie nach ihrer Ankunft nicht ohnehin sofort Bericht erstatteten. Seanchaner waren seltsam; selbst die Seanchanerinnen unter den <emphasis>Dom�ne,</emphasis> glaubten fest daran, dass jede Frau, die Zugriff auf die Eine Macht hatte, zur Sicherheit aller anderen an die Kette gelegt werden musste. Die Seanchaner brachten den <emphasis>Sul'dam</emphasis> einen hohen Respekt entgegen, da sie die F�higkeit besa�en, die mit einem <emphasis>Adam</emphasis> versehenen Frauen zu kontrollieren. Das Wissen, dass die <emphasis>Sul'dam</emphasis> selbst in der Lage waren, die Macht zu lenken, w�rde die Seanchaner bis ins Mark ersch�ttern, vielleicht sogar ihre Gesellschaft auseinander brechen lassen. Am Anfang hatte es so einfach ausgesehen.</p><p>�Reanne, ich habe geh�rt, dass Ihr gute Neuigkeiten habt�, sagte Elayne. �Wenn die <emphasis>Sul'dam</emphasis> noch immer nicht anfangen zusammenzubrechen, was ist es dann?� Alise bedachte Lan, der schweigend an der T�r Wache hielt, mit einem Stirnrunzeln. Sie missbilligte, dass er ihre Pl�ne erfuhr, sagte aber nichts.</p><p>�Einen Augenblick bitte�, murmelte Reanne. Eigentlich war es keine Bitte. Nynaeve hatte ihre Arbeit wirklich zu gut erledigt. �Sie muss das nicht mitbekommen.� Pl�tzlich h�llte sie das Schimmern <emphasis>Saidars</emphasis> ein. Sie bewegte die Finger, als sie die Macht lenkte, so als w�rde sie die Luftstr�me dirigieren, die Marli auf ihren Stuhl banden, dann schnitt sie sie ab und legte die H�nde schalenf�rmig aneinander, als w�rde sie die Barriere gegen s�mtliche Laute, die sie um die Frau herum webte, in die richtige Form bringen. Eigentlich ben�tigte man keine Gesten, um die Eine Macht zu benutzen, aber sie brauchte sie, weil sie auf diese Weise gelernt hatte, sie einzusetzen. Die Lippen der <emphasis>Sul'dam</emphasis> verzogen sich ver�chtlich. Die Eine Macht machte ihr keine Angst.</p><p>�Lasst Euch Zeit�, kommentierte Nynaeve giftig und stemmte die H�nde in die H�ften, �Wir haben es nicht eilig.� Im Gegensatz zu Alise sch�chterte Reanne sie nicht ein.</p><p>Andererseits konnte Nynaeve jedoch Reanne ebenfalls nicht mehr einsch�chtern. Reanne lie� sich Zeit und �berpr�fte ihre Arbeit, dann nickte sie zufrieden, bevor sie aufstand. Die Kusinen hatten immer so wenig wie n�tig von der Macht Gebrauch gemacht, und die Freiheit, <emphasis>Saidar</emphasis> so oft zu benutzen, wie sie wollte, bereitete ihr genauso viel Vergn�gen wie Stolz, sie gut zu weben.</p><p>�Die gute Neuigkeit ist�, begann sie und gl�ttete ihre R�cke, �dass drei <emphasis>Damane</emphasis> bereit zu sein scheinen, von ihren Kragen befreit zu werden. Vielleicht.�</p><p>Elayne hob die Brauen, sie wechselte einen �berraschten Blick mit Nynaeve. Von den f�nf <emphasis>Damane,</emphasis> die Taim ihnen �bergeben hatte, war eine auf der Halbinsel von Toman und eine weitere in Tanchico den Seanchanern in die H�nde gefallen. Die anderen kamen aus Seanchan.</p><p>�Zwei der Seanchanerinnen, Marille und Jillari, behaupten noch immer, dass sie es <emphasis>verdienen,</emphasis> an den Kragen gelegt zu werden, dass man sie an den Kragen legen <emphasis>muss.�</emphasis> Reanne vorzog vor Abscheu den Mund, aber sie hielt nur einen Moment inne. �Die Aussicht auf Freiheit schien sie wirklich zu entsetzen. Alivia hat damit aufgeh�rt. Jetzt behauptet sie, sie h�tte es nur gesagt, weil sie Angst hatte, wieder gefangen genommen zu werden. Sie sagt, sie hasst alle <emphasis>Sul'dam,</emphasis> und sie bietet ein gutes Schauspiel, knurrt sie an und verflucht sie, aber ...� Sie sch�ttelte zweifelnd den Kopf. �Elayne, sie erhielt den Kragen im Alter von dreizehn oder vierzehn, sie ist sich nicht sicher, und sie ist <emphasis>seit vierhundert Jahren eine Damane!</emphasis> Und davon abgesehen, ist sie... Alivia ist betr�chtlich st�rker als Nynaeve!�, sprudelte sie die letzten Worte hervor. Die Kusinen sprachen ganz offen �ber das Alter, aber sie teilten den Widerwillen der Aes Sedai, �ber die St�rke in der Macht zu sprechen. �K�nnen wir es wagen, sie freizulassen? Eine seanchanische Wilde, die den ganzen Palast zerst�ren k�nnte?� Die Kusinen teilten auch die Ansicht der Aes Sedai �ber die Wilden. Jedenfalls die meisten von ihnen.</p><p>Schwestern, die Nynaeve kannten, hatten gelernt, in ihrer Gegenwart vorsichtig mit diesem Wort zu sein. Sie konnte ziemlich schnippisch reagieren, wenn es in einem ver�chtlichen Tonfall benutzt wurde. Aber jetzt starrte sie Reanne lediglich an. Vielleicht versuchte sie, die Antwort zu finden. Elayne wusste, wie ihre Antwort lauten w�rde, aber das hatte nichts mit der Beanspruchung des Throns oder Andor zu tun. Es war eine Entscheidung, die Aes Sedai zu treffen hatten und die hier getroffen werden musste, und das bedeutete, dass es Nynaeves Sache war.</p><p>�Wenn ihr es nicht tut�, sagte Lan leise von der T�r her, �k�nnt ihr sie genauso gut den Seanchanern zur�ckgeben.� Die finsteren Blicke der vier Frauen, denen seine tiefe Stimme wie das Dr�hnen eines Beerdigungsgongs erschienen war, brachten ihn nicht im mindesten in Verlegenheit. �Ihr werdet sie im Auge behalten m�ssen, aber wenn ihr sie weiterhin den Kragen tragen lasst, obwohl sie frei sein will, dann seid ihr nicht besser als sie.�</p><p>�Das ist nicht Eure Entscheidung, Beh�ter�, sagte Alise entschieden. Er erwiderte ihren strengen Blick mit k�hlem Gleichmut und sie grunzte angeekelt und warf die H�nde in die Luft. �Ihr solltet mal ernsthaft mit ihm reden, wenn Ihr mit ihm allein seid, Nynaeve.�</p><p>Der Respekt, den Nynaeve vor dieser Frau empfand, musste in diesem Moment besonders ausgepr�gt sein, denn ihre Wangen r�teten sich. �Glaubt nicht, ich w�rde es nicht hin�, sagte sie leichthin. Sie w�rdigte Lan keines Blickes. Schlie�lich gestand sie sich die hier herrschende K�lte ein, zog die Stola �ber die Schultern und r�usperte sich. �Aber er hat Recht. Wenigstens m�ssen wir uns wegen der beiden anderen keine Sorgen machen. Ich bin nur �berrascht, dass es so lange gedauert hat, bis sie aufh�rten, die dummen Seanchanerinnen zu imitieren.�</p><p>�Da bin ich mir nicht so sicher�, seufzte Reanne. �Ihr m�sst wissen, dass Kara auf der Halbinsel von Tomar so etwas wie eine Weise Frau darstellte. Sie war in ihrem Dorf sehr einflussreich. Nat�rlich war sie eine Wilde. Man sollte eigentlich denken, dass sie die Seanchaner gehasst hat, aber das tut sie nicht, zumindest nicht alle. Sie ist der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die mit ihr zusammen gefangen genommen wurde, sehr zugetan, und es liegt ihr viel daran, dass wir <emphasis>keiner</emphasis> der <emphasis>Sul'dam</emphasis> etwas antun. Lemore ist erst neunzehn, eine verw�hnte Adlige, die das Pech hatte, dass sich der Funken an genau dem Tag in ihr manifestierte, als Tanchico fiel. Sie sagt, sie hasst die Seanchaner und will sie daf�r b��en lassen, was sie Tanchico angetan haben, aber sie h�rt genauso bereitwillig auf ihren Dom�ne-Namen Larie wie auf ihren richtigen Namen, und sie l�chelt die <emphasis>Sul'dam</emphasis> an und l�sst sich von ihnen liebkosen. Ich misstraue ihnen nicht, nicht so wie Alivia, aber ich habe meine Zweifel, ob sie sich gegen�ber einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> durchsetzen k�nnten. Ich glaube, wenn ihnen eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> befiehlt, ihr zur Flucht zu verhelfen, dann werden sie es auch tun, und ich f�rchte, sie w�rden keine gro�e Gegenwehr leisten, wenn die <emphasis>Sul'dam</emphasis> erneut versucht, ihnen den Kragen anzulegen.�</p><p>Nachdem sie geendet hatte, legte sich Schweigen �ber den Raum.</p><p>Nynaeve schien in sich hineinzublicken, mit sich selbst zu ringen. Sie umklammerte ihren Zopf, dann lie� sie ihn los und verschr�nkte die Arme unter ihrer Brust, und die Fransen der Stola schaukelten hin und her. Sie schaute jeden an, mit Ausnahme von Lan. Ihm schenkte sie keinen Blick.</p><p>Schlie�lich holte sie tief Luft und wappnete sich, um sich Reanne und Alise zu stellen. �Wir m�ssen das <emphasis>Adam</emphasis> entfernen. Wir behalten die Frauen, bis wir uns ihrer sicher sein k�nnen � und Lemore bleibt danach weiter bei uns; sie muss das Wei� tragen! Wir werden daf�r sorgen, dass sie nie allein sind, vor allem nicht in Gegenwart der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> aber das <emphasis>A'dam</emphasis> kommt runter!� Sie sprach voller Leidenschaft, als w�rde sie mit Widerstand rechnen, aber auf Elaynes Gesicht zeigte sich ein breites L�cheln der Zustimmung. Die Verst�rkung durch drei Frauen, denen sie nicht richtig vertrauen konnten, z�hlte kaum als gute Neuigkeit, aber es hatte keinen anderen Ausweg gegeben.</p><p>Reanne nickte blo� zustimmend � nach einem Augenblick des Z�gerns �, aber eine l�chelnde Alise kam um den Tisch herum, um Nynaeve auf die Schulter zu klopfen. Und Nynaeve err�tete tats�chlich. Sie versuchte es mit einem R�uspern zu �berspielen und blickte die Seanchanerin in ihrem K�fig aus <emphasis>Saidar</emphasis> mit einer Grimasse an, aber ihre Bem�hungen waren nicht sehr effektiv, und Lan verdarb sie sowieso.</p><p><emphasis>�Tai'sharManetheren�,</emphasis> sagte er leise.</p><p>Nynaeve klappte der Unterkiefer herunter, dann verzogen sich ihre Lippen zu einem breiten L�cheln. In ihren Augen funkelten pl�tzlich Tr�nen, als sie mit freudigem Gesicht zu ihm herumwirbelte. Er erwiderte das L�cheln und in seinen Augen war keine K�lte zu sehen.</p><p>Elayne musste sich beherrschen, ihn nicht anzustarren. Beim Licht! Vielleicht machte er aus dem Ehebett ja doch keinen kalten Ort. Der Gedanke trieb Hitze in ihre Wangen. Sie versuchte, die beiden nicht anzusehen, und ihr Blick fiel auf Marli, die noch immer an ihren Stuhl gefesselt war. Die Seanchanerin starrte stur geradeaus, w�hrend ihr Tr�nen die feisten Wangen herabliefen. Stur geradeaus. Auf die miteinander verwobenen Str�nge aus Macht, die alle Laute von ihr fern hielten. Es war unm�glich, dass sie noch immer abstritt, sie sehen zu k�nnen. Aber als Elayne das sagte, sch�ttelte Reanne den Kopf.</p><p>�Sie weinen alle, wenn man sie dazu zwingt, ein Geflecht der Macht lange Zeit anzusehen, Elayne�, sagte sie m�de. Und mit einem Hauch von Traurigkeit. �Aber sobald die Str�nge wieder fort sind, �berzeugen sie sich selbst davon, dass wir sie get�uscht haben. Versteht Ihr, sie k�nnen nicht anders. Sonst w�ren sie <emphasis>Damane</emphasis> und keine <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Nein, es wird einige Zeit dauern, die Herrin der Hunde davon zu �berzeugen, dass sie selbst eine H�ndin ist. Ich f�rchte, ich konnte Euch doch keine guten Neuigkeiten mitteilen, oder?�</p><p>�Nicht unbedingt�, sagte Elayne. Eigentlich sogar gar keine. Nur ein weiteres Problem, das sich zu den anderen gesellte. Wie viele schlechte Neuigkeiten konnte man aufeinander stapeln, bevor einen der Stapel unter sich begrub? Sie brauchte ein paar gute Neuigkeiten, und zwar bald.</p></section><section><title><p>9</p><p>Eine Tasse Tee</p></title><p>Als Elayne endlich in ihrem Ankleidezimmer war, zog sie mithilfe von Essande, der wei�haarigen Ruhest�ndlerin, die sie sich als Zofe ausgesucht hatte, schnell ihr Reitgewand aus. Die schlanke, w�rdevolle Frau bewegte sich etwas langsam, aber sie kannte ihre Arbeit und verschwendete keine Zeit mit unn�tzem Geplauder. Tats�chlich sagte sie nur selten etwas, das �ber einen Bekleidungsvorschlag hinausging, sowie die t�glich erfolgende Bemerkung, dass Elayne wie ihre Mutter aussah. In dem breiten Marmorkamin am anderen Ende des Raums tanzten Flammen auf den dicken Holzscheiten, aber das Feuer konnte der Luft kaum etwas von ihrer bei�enden K�lte nehmen. Rasch zog sie ein sch�nes Gewand aus blauem Tuch mit an dem hohen Kragen und den �rmeln aufgestickten Zuchtperlen �ber, dazu kamen der mit Silber durchwirkte G�rtel mit einem kleinen Dolch in einer Silberscheide und mit silbernem Muster verzierte blaue Samtschuhe. Vermutlich w�rde keine Zeit mehr bleiben, sich vor der Audienz mit den Kaufleuten erneut umzuziehen, und sie mussten von ihrem Anblick beeindruckt sein. Au�erdem w�rde sie daf�r sorgen m�ssen, dass Birgitte dabei war. Birgitte sah in Uniform �u�erst beeindruckend aus. Und Birgitte w�rde eine Unterredung mit Kaufleuten als Pause betrachten. Der feurigen Gereiztheit nach zu urteilen, die sich in Elaynes Hinterkopf bemerkbar machte, fand der Generalhauptmann der K�niglichen Garde diese Berichte keine leichte Lekt�re.</p><p>Sie legte Perlenohrringe an und entlie� Essande dann zu ihrer eigenen Feuerstelle in den Quartieren der Pension�re. Die Frau hatte es abgelehnt, einer Heilung unterzogen zu werden, aber Elayne hatte den Verdacht, dass ihre Gelenke schmerzten. Wie dem auch war, sie selbst war fertig. Allerdings w�rde sie nicht das Diadem der Tochter-Erbin tragen; es konnte oben auf dem kleinen Schmuckk�stchen aus Elfenbein auf ihrem Ankleidetisch liegen bleiben. Sie besass nicht viel Schmuck; die meisten Juwelen waren versetzt worden und der Rest w�rde das Hofgeschirr begleiten, wenn es so weit war. Sinnlos, sich jetzt dar�ber zu sorgen. Sie hatte nur wenige Augenblicke f�r sich selbst, dann musste sie sich wieder auf ihre Pflichten st�rzen.</p><p>Ihr Wohnzimmer mit der dunklen Holzvert�felung und den breiten Vogelfriesen enthielt zwei gro�e Kamine mit aufwendig gestalteten Einfassungen, einen an jedem Ende, die ihrer Aufgabe des W�rmens besser nachkamen als der im Ankleidezimmer. Allerdings waren auch hier die Teppiche auf dem wei�en Fliesenboden unumg�nglich. Zu ihrer �berraschung befand sich auch Halwin Norry in dem Raum. Es sah so aus, als h�tte sich die Pflicht auf sie gest�rzt.</p><p>Der Erste Sekret�r erhob sich bei ihrem Eintreten von einem Stuhl mit niedriger Lehne, dr�ckte eine Ledermappe an die schmale Brust und wankte um den am Rand mit Schn�rkelornamenten verzierten Tisch in der Mitte des Raums, um einen unbeholfenen Kratzfu� zu machen. Norry war gro� und schlank, hatte eine lange Nase, und der sp�rliche Haarwuchs hinter seinen Ohren sprang hervor wie wei�e Federb�schel. Er erinnerte Elayne oft an einen Reiher. Eigentlich hantierte eine Vielzahl von Schreibern unter seiner F�hrung mit den Federn, dennoch wurde der Saum seines scharlachroten Wappenrocks von einem kleinen Tintenfleck verunstaltet. Der Fleck sah ziemlich alt aus, und sie fragte sich, ob die Mappe weitere verbarg. Er hatte die Gewohntheit, sie vor seine Brust zu halten, erst angenommen, als er die formelle Uniform angelegt hatte; zwei Tage nach Frau Harfor. Ob er es als Ausdruck der Loyalit�t getan hatte oder blo�, um es der Haushofmeisterin nachzutun, war noch immer ein Gegenstand der Diskussion.</p><p>�Verzeiht mir meinen �berfall, meine Lady�, sagte er, �aber ich glaube, meine Angelegenheiten sind von einiger Wichtigkeit, wenn nicht sogar von Eile.� Wichtig oder nicht, sein Tonfall war noch immer monoton.</p><p>�Nat�rlich, Meister Norry. Ich w�rde Euch nicht zur Eile treiben wollen.� Er sah sie blinzelnd an, und sie versuchte, ein Seufzen zu unterdr�cken. Nach der Art und Weise zu urteilen, wie er den Kopf leicht schiefhielt, um einen Ton besser aufschnappen zu k�nnen, war er mehr als nur etwas schwerh�rig. Vielleicht war das der Grund, warum seine Stimme niemals ihre Tonlage ver�nderte. Sie sprach etwas lauter. Aber vielleicht war er auch einfach nur ein Langweiler. �Setzt Euch und berichtet mir von diesen wichtigen Angelegenheiten.�</p><p>Sie nahm sich einen der mit Schnitzereien versehenen St�hle vom Tisch und bedeutete ihm, sich ebenfalls einen zu nehmen, aber er blieb stehen. Das tat er immer. Sie lehnte sich zur�ck, um ihm zuzuh�ren, schlug die Beine �bereinander und richtete ihre R�cke.</p><p>Er schaute nicht in seine Mappe. Alles, was dort auf dem Papier stand, befand sich auch in seinem Kopf; die Papiere waren nur f�r den Fall da, dass sie sie mit eigenen Augen sehen wollte. �Die dringlichste und vielleicht auch wichtigste Neuigkeit besteht darin, meine Lady, dass man auf Euren G�tern in Danabar gro�e Vorkommen Alaun entdeckt hat. Alaun von erstklassiger Qualit�t. Ich glaube, dass die Bankiers meine Erkundigungen in Eurem Namen weniger ... z�gerlich behandeln werden, sobald sie davon erfahren.� Er l�chelte kurz, ein schnelles Verziehen d�nner Lippen. F�r ihn war das fast so viel wie ein Freudensprung.</p><p>Elayne setzte sich sofort aufrecht hin, als er Alaun erw�hnte, und ihr L�cheln war sehr viel breiter. Sie versp�rte selbst Lust auf einen Freudensprung. H�tte ihr jemand anderes als Norry gegen�bergestanden, h�tte sie es vielleicht sogar getan. Ihre Freude war so gro�, dass Birgittes Gereiztheit einen Augenblick lang in den Hintergrund verdr�ngt wurde. F�rber und Weber verschlangen Alaun f�rmlich, genau wie auch die Glasbl�ser und Papiermacher. Die einzige Quelle f�r erstklassiges Alaun war Ghealdan � oder war es zumindest bis jetzt gewesen �, und allein die Steuern f�r den Handel hatten ausgereicht, um den Thron von Ghealdan f�r Generationen zu st�tzen. Was aus Tear und Arafel kam, war nicht ganz so rein, aber es brachte den Schatztruhen dieser L�nder fast genauso viele M�nzen ein wie Oliven�l oder Edelsteine.</p><p>�Das <emphasis>ist</emphasis> eine wichtige Neuigkeit, Meister Norry. Die beste, die ich heute geh�rt habe.� Vermutlich die beste seit ihrer Ankunft in Caemlyn, aber mit Sicherheit die beste am heutigen Tag. �Wie schnell k�nnt Ihr das �Z�-gern� der Bankiers �berwinden?� Es war eher so gewesen, als h�tte man ihr die T�r vor der Nase zugeschlagen, nur etwas h�flicher. Die Bankiers wussten bis auf den letzten Mann genau, wie viele Bewaffnete im Moment hinter ihr standen und wie viele hinter ihren Gegnern. Trotzdem hatte sie keinen Zweifel, dass der mit Alaun verbundene Reichtum ihre Einstellung �ndern w�rde. Genauso wenig wie Norry.</p><p>�Ziemlich schnell, meine Lady, und ich glaube, zu guten Bedingungen. Sollten ihre besten Angebote nicht ausreichend sein, werde ich ihnen sagen, dass ich mich an Tear oder Cairhien wende. Sie werden das Risiko nicht eingehen wollen, den Handel zu verlieren, meine Lady.�</p><p>Und das alles mit dieser trockenen, ausdruckslosen Stimme, in der nicht einmal ein Hauch von Zufriedenheit zu h�ren war, die jeder andere Mann versp�rt h�tte. �Es wird sich nat�rlich um Darlehen aufgrund zuk�nftiger Eink�nfte handeln und es werden Kosten entstehen. Der Abbau in den Minen. Transport. Danabar ist bergiges Gel�nde und ein gutes St�ck von der Lugardstra�e entfernt. Aber es d�rfte ausreichen, damit Ihr Eure Ambitionen f�r die Garde erf�llen k�nnt, meine Lady. Und f�r Eure Akademie.�</p><p>�Ausreichend ist kaum das richtige Wort, falls Ihr versuchen wollt, mir meine Pl�ne f�r die Akademie auszureden, Meister Norry�, sagte sie und h�tte beinahe gelacht. Er h�tete Anders Staatsschatz so eifers�chtig wie eine Mutterhenne ihr einziges K�ken, und er war strikt dagegen gewesen, dass sie die Schule �bernommen hatte, die auf Rands Befehl hin in Caemlyn gegr�ndet worden war, und er hatte seine Argumente so lange wiederholt, bis sich seine Stimme in einen Bohrer verwandelt zu haben schien, der sich in ihren Sch�del fr�ste. Bis jetzt bestand die Schule aus ein paar Dutzend Gelehrten mit ihren Sch�lern, die in der Neustadt auf ein paar Gasth�user verteilt waren, aber selbst im Winter kamen jeden Tag ein paar hinzu, und sie hatten angefangen, lautstark nach R�umen zu verlangen. Sie hatte nicht vorgeschlagen, ihnen einen Palast zu �berlassen, das mit Sicherheit nicht, aber sie brauchten eine Unterkunft. Norry versuchte Andors Gold sparsam zu verwalten, aber sie sah in Andors Zukunft. <emphasis>Tarmon Gai'don</emphasis> n�herte sich, aber sie musste fest daran glauben, dass es danach noch eine Zukunft gab, ob nun Rand die Welt zerst�rte oder nicht. Ansonsten war es sinnlos, mit allem weiterzumachen, und sie konnte sich nicht einfach hinsetzen und abwarten.</p><p>Selbst wenn sie genau gewusst h�tte, dass die Letzte Schlacht allem ein Ende bereiten w�rde, w�re sie keinesfalls tatenlos geblieben. Rand hatte die Schulen f�r den Fall gegr�ndet, dass er am Ende die Welt zerst�rte, in der Hoffnung, etwas zu retten, aber diese Schule w�rde Andor geh�ren und nicht Rand al'Thor. Die Akademie der Rose, der Erinnerung an Morgase Trakand gewidmet. Es <emphasis>w�rde</emphasis> eine Zukunft geben und diese Zukunft w�rde sich an ihre Mutter erinnern. �Oder seid Ihr zu dem Schluss gekommen, dass man das Gold aus Cairhien doch zum Wiedergeborenen Drachen zur�ckverfolgen kann?�</p><p>�Ich halte das Risiko noch immer f�r sehr gering, meine Lady, aber nach allem, was ich aus Tar Valon erfahren habe, lohnt es sich nicht l�nger, es einzugehen.� Sein Tonfall ver�nderte sich nicht, aber offensichtlich war er aufgeregt. Er trommelte mit den Fingern gegen die Ledermappe vor seiner Brust, sie waren wie tanzende Spinnen, die dann wieder erstarrten. �Die ... �h ... Wei�e Burg hat eine Proklamation ver�ffentlicht, in der sie ... �h ... Lord Rand als den Wiedergeborenen Drachen anerkennt und ihm ... �h ... Schutz und Anleitung anbietet. Des weiteren wird jeder, der sich ihm au�er der Burg n�hert, mit einem Bannfluch belegt. Es ist klug, sich vor Tar Valons Zorn zu h�ten, meine Lady, aber das wisst Ihr ja selbst.� Er sah bedeutungsvoll auf den Gro�en Schlangenring an ihrer Hand, die auf der Stuhllehne lag. Nat�rlich wusste er von der Spaltung der Burg � vielleicht hatte es sich nicht bis zu jedem Kleinp�chter in Seleisin herumgesprochen, aber alle anderen konnten es mittlerweile unm�glich ignorieren �, aber er war zu diskret gewesen, um sie zu fragen, auf welcher Seite sie stand. Obwohl er offensichtlich �der Amyrlin-Sitz� hatte sagen wollen statt �die Wei�e Burg�. Und das Licht allein wusste, was er statt �Lord Rand� hatte sagen wollen. Sie nahm ihm das nicht �bel.</p><p>Er war ein vorsichtiger Mann, eine Eigenschaft, die er auf seinem Posten brauchte.</p><p>Doch Elaidas Proklamation verbl�ffte sie. Mit gerunzelter Stirn fuhr sie mit dem Daumen �ber den Schlangenring. Elaida hatte diesen Ring l�nger getragen, als sie �berhaupt lebte. Die Frau war arrogant, verbohrt und blind gegen�ber jedem anderen Standpunkt, aber sie war nicht dumm. Im Gegenteil. �Glaubt sie allen Ernstes, er wird ein solches Angebot <emphasis>akzeptieren?�,</emphasis> sagte sie nachdenklich. �Schutz und <emphasis>F�hrung?</emphasis> Ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen, um ihn abspenstig zu machen!� F�hrung? Rand konnte man nicht einmal mit einer Bootsstange <emphasis>f�hren!</emphasis></p><p>�M�glicherweise hat er sich bereits einverstanden erkl�rt, meine Lady, zumindest laut meiner Brieffreundin aus Cairhien.� Norry h�tte sich gesch�ttelt, h�tte man ihn als Anf�hrer eines Netzes von Spionen bezeichnet. Nun, zumindest h�tte er angewidert den Mund verzogen. Der Erste Sekret�r verwaltete den Staatsschatz, �berwachte die Sekret�re, die die Hauptstadt verwalteten, und beriet den Thron in Staatsangelegenheiten. Er verf�gte mit Sicherheit �ber kein Netzwerk aus Augen-und-Ohren so wie die Ajah und sogar ein paar der Schwestern. Aber er f�hrte einen regen Briefwechsel mit gut informierten und einflussreichen Leuten aus anderen Hauptst�dten, damit sein Rat auch dem Stand der Dinge entsprach. �Sie schickt einmal die Woche eine Brieftaube und es hat den Anschein, als h�tte kurz vor Abfassung ihrer letzten Nachricht jemand den Sonnenpalast mit der Einen Macht angegriffen.�</p><p>�Mit der Macht?�, rief sie aus und beugte sich ruckartig vor.</p><p>Norry nickte einmal. Er h�tte genauso gut �ber den gegenw�rtigen Zustand der Stra�enreparaturen berichten k�nnen. �Das hat meine Brieffreundin berichtet, meine Lady. Vielleicht Aes Sedai oder Asha'man oder sogar die Verlorenen. Ich f�rchte, hier hat sie Ger�chte weiterverbreitet. Der Fl�gel, in denen sich die Gem�cher des Wiedergeborenen Drachen befinden, wurde gr��tenteils zerst�rt, und er selbst ist verschwunden. Es wird weithin angenommen, dass er sich nach Tar Valon begeben hat, um vor dem Amyrlin-Sitz niederzuknien. Einige glauben zwar, dass er bei dem Angriff get�tet wurde, aber das sind nicht viele. Ich rate Euch, gar nichts zu tun, bis Ihr ein klareres Bild habt.� Er hielt inne, legte nachdenklich den Kopf schief. �Meine Lady, nach dem zu urteilen, was ich von ihm gesehen habe�, sagte er langsam, �w�rde ich nicht glauben, dass er tot ist, bevor ich drei Tage neben seinem Leichnam gesessen habe.�</p><p>Um ein Haar h�tte sie ihn ungl�ubig angestarrt. Das war ja beinahe eine witzige Bemerkung gewesen. Oder zumindest ein grober Scherz. Von Halwin Norry! Sie glaubte auch nicht an Rands Tod. Und was den Kniefall vor Elaida betraf, dieser Mann war zu stur, um sich irgendjemandem zu unterwerfen. Viele Schwierigkeiten h�tten ausger�umt werden k�nnen, h�tte Rand sich nur �berwinden k�nnen, vor Egwene zu knien, aber er wollte es nicht tun, und sie war seine Kindheitsfreundin. Elaida hatte ungef�hr so viel Chancen wie eine Ziege auf einem Hofball, erst recht, nachdem er von ihrer Proklamation erfuhr. Aber wer hatte ihn angegriffen? Die Macht der Seanchaner konnte doch nicht bis nach Cairhien reichen. Falls sich die Verlorenen zu einem offenen Angriff entschieden hatten, w�rde das noch gr��eres Chaos und Zerst�rungen bedeuten, als sich die Welt bereits gegen�bersah, aber am schlimmsten w�rden die Asha'man sein. Falls sich seine eigene Sch�pfung gegen ihn gewandt hatte ... nein! Sie konnte ihn nicht besch�tzen, so sehr er es auch gebraucht h�tte. Er w�rde sich eben um sich selbst k�mmern m�ssen.</p><p><emphasis>Dieser Narr!</emphasis> dachte sie. <emphasis>Vermutlich marschiert er mit der Fahne voraus voran, als w�rde ihm keiner nach dem Leben trachten! Du solltest lieber auf dich aufpassen, Rand al'Thor, oder ich pr�gle dich windelweich, wenn du mir in die H�nde f�llst!</emphasis></p><p>�Was haben Eure Brieffreunde sonst noch zu berichten, Meister Norry?�, fragte sie laut und schob den Gedanken an Rand beiseite. Noch stand er nicht vor ihr, und sie musste sich darauf konzentrieren, Andor zu halten.</p><p>Seine Brieffreunde hatten eine Menge zu sagen, aber einiges war schon lange bekannt. Nicht alle Schreiber benutzten Brieftauben, und Briefe, die man nur den vertrauensw�rdigsten H�ndlern mitgab, konnten manchmal Monate lang unterwegs sein � wenn man Gl�ck hatte. Unzuverl�ssige Kaufleute strichen das Postgeld ein und machten sich nicht die M�he, den Brief zu bef�rdern. Nur wenige Leute konnten sich Kuriere leisten. Elayne spielte mit dem Gedanken, eine K�nigliche Post zu gr�nden, falls es die Situation jemals zulie�. Norry beklagte die Tatsache, dass seine letzten Neuigkeiten aus Ebou Dar und Amador bereits von Geschehnissen �berholt worden waren, �ber die man seit Wochen auf der Stra�e sprach.</p><p>Es waren auch nicht alle Neuigkeiten wichtig. Seine Brieffreunde waren keine richtigen Augen-und-Ohren; sie schrieben lediglich, was in ihrer Stadt passiert war und was am Hof geredet wurde. In Tear sprach man von der st�ndig zunehmenden Zahl von MeervolkSchiffen, die sich ohne Navigatoren einen Weg durch die Drachenfinger gebahnt hatten und nun vor der Stadt den Fluss verstopften; von Ger�chten, denen zufolge die Schiffe auf See gegen die Seanchaner gek�mpft hatten, aber das waren wirklich nur Ger�chte. Illian war friedlich und voll von Rands Soldaten, die sich von einer Schlacht gegen die Seanchaner erholten; es war fraglich, ob Rand �berhaupt in der Stadt gewesen war. Die K�nigin von Saldaea befand sich noch immer in ihrem freiwilligen Exil auf dem Land, was Elayne bekannt war, aber es hatte den Anschein, als h�tte man auch die K�nigin von Kandor schon seit Monaten nicht mehr in Chachin gesehen, und der K�nig von Schienar befand sich angeblich noch immer auf einer ausgedehnten Inspektionsreise entlang der Grenze zur Gro�en F�ule, obwohl es in der F�ule ruhiger als seit Menschengedenken zuging. In Lugard versammelte K�nig Roedran jeden Adligen um sich, der Soldaten mitbringen konnte, und eine Stadt, die sich bereits wegen zweier gro�er Heere sorgte � von denen das eine voller Aes Sedai und das andere voller Andoraner war �, die in der N�he der Grenze zu Andor kampierten, hatte nun noch die neue Sorge, was ein liederlicher Tunichtgut wie Roedran im Sinn hatte.</p><p>�Und was ratet Ihr mir dazu?�, fragte sie, als er geendet hatte, obwohl sie seinen Rat nicht brauchte. In Wahrheit hatte sie ihn bei den anderen Dingen auch nicht gebraucht. Die Geschehnisse waren zu weit weg, um Andor zu betreffen, oder unwichtig, lediglich ein �berblick, was in anderen L�ndern passierte. Aber es wurde von ihr erwartet, dass sie fragte, selbst wenn beide wussten, dass sie die Antwort bereits kannte � �Tut nichts� �, und er hatte prompt geantwortet. Murandy war jedoch weder weit weg noch unwichtig, aber diesmal z�gerte er und sch�rzte die Lippen. Norry war langsam und methodisch, aber selten z�gerlich.</p><p>�Was das angeht, nichts, meine Lady�, sagte er schlie�lich. �Normalerweise w�rde ich vorschlagen, Roedran einen Botschafter zu schicken, der seine Ziele und Beweggr�nde ergr�nden soll. Er mag die Geschehnisse im Norden f�rchten oder die �berfalle der Aiel, von denen wir so viel h�ren. Andererseits, auch wenn er nie irgendwelche Ambitionen gezeigt hat, k�nnte er ein Unternehmen im n�rdlichen Altara planen. Oder unter diesen Umst�nde auch in Andor. Ungl�cklicherweise ...�Er dr�ckte die Ledermappe weiterhin an die Brust, spreizte leicht die H�nde und seufzte, vielleicht als Entschuldigung, vielleicht auch aus Besorgnis.</p><p>Leider war sie noch keine K�nigin und kein von ihr geschickter Botschafter w�rde auch nur in Roedrans N�he gelangen. Falls sie mit ihrem Thronanspruch scheitern sollte und er ihren Botschafter empfangen hatte, k�nnte der erfolgreiche Thronfolger ein St�ck aus Murandy herausschneiden, um ihm eine Lektion zu erteilen, und Lord Luan und die anderen hatten sich bereits Territorien genommen. Allerdings verf�gte sie �ber bessere Informationen als der Erste Sekret�r, und zwar von Egwene. Sie hatte nicht vor, ihre Quelle zu verraten, entschied sich aber, seine Sorgen zu beschwichtigen. Das musste der Grund gewesen sein, warum er den Mund so verzogen hatte: er wusste, was getan werden musste, sah aber keine M�glichkeit, es zu tun.</p><p>�Ich kenne Roedrans Ziele, Meister Norry, und er zielt auf Murandy selbst. Die Andoraner in Murandy haben Treueide von murandianischen Adligen im Norden entgegengenommen, und das macht den Rest nerv�s. Und da ist eine gro�e S�ldnerbande � in Wahrheit sind es Drachenverschworene, aber Roedran h�lt sie f�r S�ldner �, die er im Geheimen angeheuert hat und die eine Bedrohung darstellen sollen, nachdem die anderen Heere abgezogen sind. Er will diese Bedrohungen dazu benutzen, die Adligen eng an sich zu binden, dass jeder von ihnen Angst bekommt, sich nach dem Ende aller Bedrohungen als Erster von ihm abzuwenden. Falls sein Plan Erfolg hat, k�nnte er in der Zukunft ein Problem darstellen, schlie�lich will er die n�rdlichen L�ndereien zur�ckhaben, aber im Moment ist er f�r Andor keine unmittelbare Bedrohung.�</p><p>Norrys Augen weiteten sich und er legte den Kopf erst auf die eine und dann auf die andere Seite und musterte sie. Er befeuchtete sich die Lippen, bevor er sprach. �Das w�rde viel erkl�ren, meine Lady. Ja, das w�rde es.� Seine Zunge fuhr erneut �ber die Lippen. �Mein Brieffreund in Cairhien hat noch einen anderen Punkt erw�hnt, den ich ... �h, zu erw�hnen verga�. Wie Ihr vielleicht wisst, ist Eure Absicht, den Sonnenthron zu beanspruchen, dort wohlbekannt und findet auch breite Unterst�tzung. Anscheinend sprechen viele Cairhiener offen davon, nach Andor zu kommen und Euch bei der Erringung des L�wenthrons zu helfen, damit Ihr den Sonnenthron fr�her bekommt. Ich glaube nicht, dass Ihr meinen Rat braucht, was solche Angebote betrifft?�</p><p>Sie nickte und zwar unter diesen Umst�nden ziemlich gn�dig, wie sie fand. Hilfe von Cairhien w�re schlimmer als die S�ldner, denn es hatte zu viele Kriege zwischen Andor und Cairhien gegeben. Er hatte das nicht vergessen. Halwin Norry verga� nie etwas. Warum hatte er sich dazu entschieden, es ihr zu sagen, statt sie eine �berraschung erleben zu lassen, vielleicht durch die Ankunft ihrer cairhienischen Anh�nger? Hatte ihr Wissen ihn beeindruckt? Oder hatte es in ihm die Furcht gesch�rt, sie k�nnte erfahren, dass er es f�r sich behielt? Er wartete geduldig, ein vertrockneter Reiher, der auf einen ... Fisch von ihr wartete?</p><p>�Lasst ein Schreiben f�r meine Unterschrift und mein Siegel vorbereiten, Meister Norry, das jedem wichtigen Haus in Cairhien zugestellt werden soll. Stellt zu Beginn mein Recht als Tochter von Taringail Damodred auf den Sonnenthron dar, und f�hrt aus, dass ich meinen Anspruch anmelden werde, sobald in Andor wieder etwas Ruhe eingekehrt ist. Schreibt, dass ich keine Soldaten mitbringen werde, da ich wei�, dass andoranische Soldaten auf cairhienischem Boden ganz Cairhien gegen mich aufbringen w�rde und das mit Recht. Endet damit, dass ich die mir von vielen Cairhienern angebotene Unterst�tzung zu sch�tzen wei� und dass ich hoffe, dass jegliche Zerw�rfnisse innerhalb Cairhiens auf friedliche Weise beigelegt werden k�nnen.� Die Intelligenten w�rden die Botschaft zwischen den Zeilen erkennen und mit etwas Gl�ck denjenigen erkl�ren, die nicht klug genug waren.</p><p>�Eine geschickte Erwiderung, meine Lady�, sagte Norry und kr�mmte die Schultern zu etwas, das so �hnlich wie eine Verbeugung aussah. �Ich werde es wie gew�nscht in die Wege leiten. Darf ich meine Lady fragen, ob Ihr Zeit hattet, die Haushaltsb�cher abzuzeichnen? Ah. Das macht nichts. Ich werde sp�ter jemanden schicken.� Er verbeugte sich richtig, wenn auch kaum weniger unbeholfen als zuvor, schickte sich an zu gehen, verharrte dann aber. �Verzeiht mir meine Offenheit, meine Lady, aber Ihr erinnert mich sehr an Eure Mutter, die verstorbene K�nigin.�</p><p>Elayne sah zu, wie sich hinter ihm die T�r schloss, und sie fragte sich, ob sie ihn zu ihrem Lager z�hlen konnte. Caemlyn oder gar Andor ohne Sekret�re zu verwalten war unm�glich, und der Erste Sekret�r hatte die Macht, die K�nigin auf die Knie zu zwingen, wenn man nicht auf der Hut war. Ein Kompliment war nicht das Gleiche wie ein Treueschwur.</p><p>Sie konnte nicht lange �ber diese Fragen nachsinnen, denn nur Augenblicke nachdem er gegangen war, traten drei livrierte Dienerinnen ein, die mit Silbersch�sseln best�ckte Tabletts trugen, die sie in einer Reihe auf die lange Anrichte an der Wand abstellten.</p><p>�Die Haushofmeisterin sagte, die Lady h�tte vergessen, nach ihrem Mittagessen zu schicken�, erkl�rte eine rundliche, grauhaarige Frau und machte einen Hofknicks, w�hrend sie ihren j�ngeren Begleiterinnen das Zeichen gab, die Sch�sseln abzudecken. �Also hat sie der Lady eine Auswahl bringen lassen.�</p><p>Eine Auswahl. Elayne sch�ttelte den Kopf, als sie die Tafel betrachtete und ihr einfiel, dass sie seit dem Fr�hst�ck nichts mehr gegessen hatte, und das war bei Sonnenaufgang gewesen. Da waren ein Hammelr�cken in Senfsauce und gebratener Kapaun mit getrockneten Feigen, Kalbsbries mit Pinienn�ssen und eine cremige Kartoffelsuppe, Kohlrouladen mit Rosinen und Pfeffer und ein K�rbiskuchen, ganz zu schweigen von einer kleinen Platte Apfelt�rtchen und einer weiteren mit Mandelk�chlein mit Sahneh�ubchen. Aus zwei silbernen Weinkr�gen stieg Dampf auf, nur f�r den Fall, dass sie eine W�rzung der anderen vorzog. Ein dritter Krug enthielt hei�en Tee. Und ver�chtlich in die Ecke eines Tabletts geschoben stand die Mahlzeit, die sie sonst immer Mittags bestellte, klare Br�he und Brot. Reene Harfor missbilligte das; sie behauptete, Elayne sei �so d�nn wie eine Gel�nderstrebe�.</p><p>Die Haushofmeisterin hatte ihre Meinung weiterverbreitet. Die grauhaarige Frau setzte eine tadelnde Miene auf, als sie Br�he, Brot und Tee zusammen mit einer wei�en Leinenserviette auf einen Tisch in der Mitte des Raums aufdeckte, dazu kamen noch eine Tasse aus d�nnem blauen Porzellan mit der dazugeh�rigen Untertasse und ein Silbertopf mit Honig. Und ein paar Feigen auf einem kleinen Teller. Ein voller Magen zur Mittagszeit sorgte f�r einen tr�gen Kopf am Nachmittag, wie Lini immer zu sagen pflegte. Allerdings wurden Elaynes Ansichten nicht geteilt. Die Dienerinnen waren s�mtlich gut gepolsterte Frauen, und selbst die j�ngeren von ihnen sahen entt�uscht aus, als sie mit den restlichen Gerichten wieder gingen.</p><p>Es war eine ausgezeichnete Br�he, hei� und leicht gew�rzt, und der Tee schmeckte angenehm minzig, aber sie fragte sich, ob sie nicht vielleicht doch ein <emphasis>kleines</emphasis> Mandelk�chlein h�tte nehmen sollen. Aber sie konnte ihre Mahlzeit nicht lange ungest�rt einnehmen. Sie hatte noch keine zwei L�ffel heruntergeschluckt, als Dyelin wie ein Wirbelwind in einem gr�nen Reitgewand hereinst�rmte und nach Atem rang. Elayne legte den L�ffel beiseite und bot ihr Tee an, bevor ihr bewusst wurde, dass es nur die eine Tasse gab, die sie bereits benutzte, aber Dyelin winkte sowieso ab; auf ihrem Gesicht zeichnete sich ein Unheil verk�ndendes Stirnrunzeln ab.</p><p>�Im Braem-Wald steht ein Heer�, verk�ndete sie, �wie man es seit dem Aielkrieg nicht mehr gesehen hat. Ein H�ndler aus Neu-Braem brachte heute Morgen die Nachricht mit. Dieser Tormon, ein Illianer, ist ein verl�sslicher Mann; er phantasiert nicht herum und hat auch keine Angst vor Schatten. Er sagte, er h�tte an verschiedenen Orten Arafelianer, Kandori und Schienarer gesehen. Zusammen waren es Tausende. Zehntausende.� Sie lie� sich auf einen Stuhl fallen und f�chelte sich mit einer Hand Luft zu. Ihr Gesicht war ger�tet, als w�re sie gelaufen. �Was beim Licht tun Grenzl�nder nahe der Grenze zu Andor?�</p><p>�Ich wette, es ist Rand�, sagte Elayne. Sie unterdr�ckte ein G�hnen, trank ihren Tee aus und schenkte sich nach. Der Morgen war erm�dend gewesen, aber genug Tee w�rde sie wieder munter machen.</p><p>Dyelin h�rte auf zu f�chern und setzte sich aufrecht hin. �Ihr glaubt doch nicht, dass er sie Euch geschickt hat, oder? Um Euch ... zu helfen?�</p><p>Diese M�glichkeit war Elayne gar nicht in den Sinn gekommen. Manchmal bereute sie, dass sie der �lteren Frau ihre Gef�hle f�r Rand anvertraut hatte. �Ich kann nicht glauben, dass er so ... dumm war ... ich meine, er w�rde doch nicht...�</p><p>Licht, war sie <emphasis>m�de!</emphasis> Manchmal benahm sich Rand, als w�re er der K�nig der Welt, aber bestimmt w�rde er nicht... ihr schien zu entgleiten, was er nicht tun w�rde.</p><p>Sie verbarg ein weiteres G�hnen, und pl�tzlich weiteten sich ihre Augen �ber der Hand, und sie starrte die Teetasse an. Ein k�hler, minziger Geschmack. Sorgf�ltig stellte sie die Tasse ab, das hei�t, sie versuchte es. Beinahe h�tte sie die Untertasse ganz verfehlt und die Tasse kippte und versch�ttete Tee auf die Tischplatte. Mit Spaltwurzel versetzter Tee. Sie griff nach der Quelle, obwohl sie wusste, dass es sinnlos war, wollte sich mit dem freudigen Leben von <emphasis>Saidar</emphasis> f�llen, aber sie h�tte genauso gut versuchen k�nnen, den Wind mit einem Netz zu fangen. Birgittes Gereiztheit, nun weniger hei� als zuvor, lauerte noch immer in einer Ecke ihres Bewusstseins. V�llig au�er sich versuchte sie Furcht oder Panik zu empfinden. Ihr Kopf schien mit Wolle voll gestopft zu sein, alles erschien ihr wie durch einen Schleier. <emphasis>Hilf mir, Birgitts!</emphasis> dachte sie. <emphasis>Hilf mir!</emphasis></p><p>�Was ist los?�, wollte Dyelin wissen und beugte sich abrupt nach vorn. �Euch ist etwas eingefallen und Eurem Gesichtsausdruck nach zu urteilen ist es furchtbar.�</p><p>Elayne schaute sie verst�ndnislos an. Sie hatte vergessen, dass die andere Frau da war. �Geht!�, sagte sie undeutlich und schluckte m�hsam, um den Hals freizubekommen. Ihre Zunge f�hlte sich doppelt so dick wie sonst an. �Holt Hilfe! Ich... bin vergiftet worden!� Erkl�rungen w�rden zu viel Zeit in Anspruch nehmen. �Geht!�</p><p>Dyelin starrte sie an, dann sprang sie auf die F��e und griff nach dem G�rteldolch.</p><p>Die T�r �ffnete sich, ein Diener steckte z�gernd den Kopf hinein. Elayne versp�rte eine Flut der Erleichterung. Dyelin w�rde sie nicht vor einem Zeugen erstechen. Der Mann befeuchtete sich die Lippen, seine Blicke huschten zwischen den beiden Frauen hin und her. Dann trat er ein. Zog ein Messer mit langer Klinge aus dem G�rtel. Zwei weitere M�nner in rotwei�en Livreen folgten ihm; jeder von ihnen zog ein langes Messer.</p><p><emphasis>Ich werde nicht wie ein K�tzchen in einem Sack sterben,</emphasis> dachte Elayne grimmig. M�hsam stemmte sie sich hoch. Ihre Knie zitterten, und sie musste sich mit einer Hand auf dem Tisch abstemmen, aber mit der anderen zog sie den Dolch. Die mit einge�tzten Mustern versehene Klinge war kaum so lang wie ihre Hand, aber sie w�rde ausreichen. Oder h�tte es zumindest, wenn sich ihre Finger, die den Griff hielten, nicht taub angef�hlt h�tten. Ein Kind konnte ihr die Waffe abnehmen. <emphasis>Nicht ohne Gegenwehr,</emphasis> dachte sie. Es war, als w�rden ihre Bewegungen von einer �ligen Fl�ssigkeit gehemmt, aber sie war trotzdem voller Entschlossenheit. <emphasis>Nicht ohne Gegenwehr!</emphasis></p><p>Seltsam wenig Zeit schien vergangen zu sein. Dyelin wandte sich gerade ihren Komplizen zu, als der Letzte hinter sich die T�r schloss.</p><p>�M�rder!�, kreischte Dyelin. Sie stemmte ihren Stuhl hoch und warf ihn den M�nnern entgegen. �Wachen! M�rder! Wachen!�</p><p>Die drei M�nner versuchten, dem Stuhl auszuweichen, aber einer war zu langsam und wurde an den Beinen getroffen. Mit einem Aufschrei st�rzte er gegen den Mann neben ihm und beide gingen zu Boden. Der dritte, ein schlanker, strohblonder junger Mann mit hellblauen Augen, wich ihnen aus und n�herte sich mit gez�cktem Messer.</p><p>Dyelin stellte sich ihm mit ihrer Klinge entgegen, hieb und stach zu, aber er bewegte sich so flink wie ein Frettchen und wich ihrem Angriff m�helos aus. Seine lange Klinge sauste durch die Luft, Dyelin stolperte mit einem Aufschrei zur�ck und presste eine Hand auf den Leib. Er t�nzelte beh�nde heran, stach zu, und sie schrie auf und fiel wie eine Stoffpuppe zu Boden. Er trat �ber sie hinweg und kam auf Elayne zu.</p><p>F�r sie existierte nur noch der Mann und das Messer in seiner Hand. Er st�rzte sich nicht auf sie. Die gro�en blauen Augen studierten sie sorgf�ltig, w�hrend er langsam n�her kam. Nat�rlich. Er wusste, dass sie eine Aes Sedai war. Er musste sich fragen, ob der Trank seine Wirkung getan hatte. Sie versuchte gerade zu stehen, ihn finster anzustarren, ein paar Augenblicke mit einem Bluff zu gewinnen, aber er nickte nur und wog das Messer in der Hand. H�tte sie irgenderwas tun k�nnen, w�re es mittlerweile geschehen. Auf seinem Gesicht stand keine Freude zu lesen. Er war blo� ein Mann, der einen Auftrag zu erledigen hatte.</p><p>Pl�tzlich blieb er stehen, starrte erstaunt an sich herunter. Elayne starrte ebenfalls. Auf die drei�ig Zentimeter Stahl, die aus seiner Brust herausragten. Blut sprudelte aus seinem Mund, als er gegen den Tisch krachte und ihn zur Seite schob.</p><p>Elayne fiel auf die Knie, erwischte gerade noch rechtzeitig die Tischkante, um zu verhindern, dass sie weiter fiel. Erstaunt starrte sie den Mann an, der auf den Teppichen verblutete. Ein Schwertgriff ragte aus seinem R�cken. Ihre bleiernen Gedanken schweiften ab. Bei all dem Blut w�rde man die Teppiche wohl nie wieder richtig sauber kriegen. Langsam hob sie den Blick, sah an Dyelins regloser Gestalt vorbei. Sie schien nicht zu atmen. Schaute weiter in Richtung T�r. Der offen stehenden T�r. Einer der beiden anderen Attent�ter lag davor; sein nur noch zur H�lfte mit dem K�rper verbundener Kopf war in einem seltsamen Winkel verdreht. Der andere k�mpfte mit einem Mann, der einen roten Mantel trug; die beiden grunzten und w�lzten sich am Boden, versuchten, denselben Dolch zu erreichen. Der M�chtegern-M�rder bem�hte sich, mit der freien Hand die Faust des Gegners zu l�sen, die sich um seinen Hals gekrallt hatte. Sein Gegner. Ein Mann mit einem Gesicht wie eine Axt. Der den mit einem wei�en Kragen versehenen Mantel eines Gardisten trug.</p><p><emphasis>Beeil dich, Birgitte,</emphasis> dachte sie benommen. <emphasis>Bitte beeil dich.</emphasis></p><p>Dann h�llte Dunkelheit sie ein.</p></section><section><title><p>10</p><p>Ein Plan hat Erfolg</p></title><p>Elayne schlug die Augen auf. Es war dunkel. Sie starrte auf verschwommene Schatten, die vor einer nebelhaften, bleichen Helligkeit tanzten. Ihr Gesicht war kalt, ihr K�rper hei� und verschwitzt; etwas hielt ihre Arme und Beine fest. Einen Augenblick lang stieg Panik in ihr auf. Dann sp�rte sie Aviendhas Anwesenheit in dem Raum, eine einfache, tr�stende Anwesenheit, und Birgitte, die wie eine Faust aus ruhigem, kontrolliertem Zorn war. Sie beruhigten sie, einfach, indem sie da waren. Sie befand sich in ihrem eigenen Schlafzimmer, lag unter den Decken in ihrem Bett und starrte auf den dicht gespannten Leinenbaldachin; neben ihr lagen Flaschen mit hei�em Wasser. Die schweren Winterbettvorh�nge waren an den gedrechselten Pfosten festgebunden, und das einzige Licht im Raum kam von den winzigen, flackernden Flammen im Kamin; es reichte gerade aus, um die Schatten mit Leben zu erf�llen und sie nicht zu verscheuchen.</p><p>Automatisch griff sie nach der Quelle und fand sie. Ber�hrte erstaunt <emphasis>Saidar,</emphasis> ohne davon zu nehmen. Das starke Verlangen, tief davon zu sch�pfen, stieg in ihr auf, aber sie zog sich z�gernd zur�ck. Oh, sogar schrecklich z�gernd, und nicht nur, weil das Verlangen, von dem wogenden Leben <emphasis>Saidars</emphasis> erf�llt zu sein, oft eine bodenlose Begierde war, die kontrolliert werden musste. W�hrend dieser endlosen Minuten des Schreckens hatte ihre gr��te Furcht nicht dem Tod geg�lten, sondern der Vorstellung, nie wieder die Quelle ber�hren zu k�nnen. Einst h�tte sie das f�r seltsam gehalten.</p><p>Abrupt kehrte die Erinnerung zur�ck und sie setzte sich m�hsam auf. Die Decken rutschten ihr bis zur Taille herunter. Sofort riss sie sie wieder hoch. Die Luft f�hlte sich <emphasis>eiskalt</emphasis> auf ihrer nackten, verschwitzten Haut an. Sie hatten ihr nicht einmal ein Unterhemd gelassen, und so gern sie auch Aviendha und ihre Unbek�mmertheit, sich vor anderen unbekleidet zu pr�sentieren, nachgeahmt h�tte, konnte sie sich nicht dazu �berwinden. �Dyelin�, sagte sie besorgt und verrenkte sich, um die Decken besser um den K�rper drapieren zu k�nnen. Es war ein unbeholfenes Bem�hen; sie f�hlte sich ausgelaugt und mehr als nur etwas wackelig. �Und der Gardist. Sind sie...?�</p><p>�Der Mann hat keinen Kratzer abbekommen�, sagte Nynaeve und trat wie ein Schemen aus den tanzenden Schatten heraus. Sie legte eine Hand auf Elaynes Stirn und grunzte zufrieden, als sie sie k�hl vorfand. �Ich habe bei Dyelin eine Heilung vollzogen, aber sie wird Zeit brauchen, bis sie wieder bei Kr�ften ist. Sie hat viel Blut verloren. Dir geht es �brigens auch gut. Eine Zeit lang dachte ich, du w�rdest Fieber bekommen. Das kann schnell geschehen, wenn man geschw�cht ist.�</p><p>�Sie hat dir Krauter verabreicht, statt dich zu Heilen�, sagte Birgitte ungehalten von einem Stuhl am Fu�ende des Bettes. In der fast v�lligen Dunkelheit war sie nur ein kauernder, unheilvoller Umriss.</p><p>�Nynaeve al'Meara ist klug genug, um zu wissen, was sie nicht tun darf�, sagte Aviendha in einem ruhigen Tonfall. Eigentlich war von ihr nur ihre wei�e Bluse und ein silbernes Aufblitzen zu sehen, und zwar ganz unten an der Wand. Wie gew�hnlich zog sie den Boden einem Stuhl vor. �Sie erkannte den Geschmack von Spaltwurzel im Tee, wusste jedoch nicht, welches Gewebe aus Macht sie dagegen weben sollte, also ging sie keine unbedachten Risiken ein.�</p><p>Nynaeve gab ein deutlich h�rbares Schnauben von sich. Zweifellos genauso wegen Aviendhas Verteidigung wie Birgittes Sch�rfe. Wegen Letzterem vielleicht sogar noch mehr. Nynaeve w�re es lieber gewesen, man h�tte nicht erw�hnt, wo ihr Wissen L�cken aufwies und was sie nicht tun konnte. Und in letzter Zeit war sie empfindlicher als gew�hnlich, was das Heilen anging. Vor allem seit offensichtlich wurde, dass mehrere der Kusinen ihre F�higkeiten bereits �bertrafen. �Du h�ttest es selbst erkennen m�ssen, Elayne�, sagte sie br�sk. �Auf jeden Fall h�tten dich Gr�nkraut und Ziegenzunge schlafen lassen, aber sie sind besser bei Magenkr�mpfen. Ich dachte, du w�rdest den Schlaf vorziehen.�</p><p>Unwillk�rlich erschauderte Elayne, w�hrend sie die Lederflaschen mit dem siedend hei�en Wasser unter den Decken hervorzog, um nicht weiter gegart zu werden. Die Tage, nachdem Ronde Macura Nynaeve und sie unter Spaltwurzel gesetzt hatte, waren eine Qual gewesen, die sie zu verdr�ngen versucht hatte. Welche Krauter ihr Nynaeve auch immer verabreicht hatte, sie f�hlte sich nicht schw�cher, als es bei der Spaltwurzel der Fall gewesen w�re. Sie glaubte laufen zu k�nnen, so lange es keine gro�e Strecke war oder sie lange stehen musste. Und sie konnte klar denken. Die Fensterl�den lie�en nur bleiches Mondlicht durch. Wie sp�t in der Nacht war es �berhaupt?</p><p>Sie griff erneut nach der Quelle und lenkte vier Str�nge aus Feuer, um zuerst eine Stehlampe und dann die zweite zu entz�nden. Die kleinen, von Spiegeln verst�rkten Flammen rissen den Raum aus der Dunkelheit und Birgitte hielt sich eine Hand vor die Augen. Der Mantel des Generalhauptmanns stand ihr gro�artig; sie h�tte die Kaufleute nachhaltig beeindruckt.</p><p>�Du solltest noch nicht die Macht lenken�, schalt Nynaeve und blinzelte wegen der pl�tzlichen Helligkeit. Sie trug noch immer das blaue Gewand mit dem tiefen Ausschnitt, in dem Elayne sie fr�her am Tag gesehen hatte, das mit gelben Fransen versehene Schultertuch lag in ihren Ellenbeugen. �Am besten w�ren ein paar Tage Ruhe, um wieder zu Kr�ften zu kommen.� Sie bedachte die Lederflaschen auf dem Boden mit einem Stirnrunzeln. �Und du musst dich warm halten. Es ist besser, ein Fieber zu vermeiden, als es Heilen zu m�ssen.�</p><p>�Ich glaube, Dyelin hat heute ihre Loyalit�t bewiesen�, sagte Elayne und zog die Kopfkissen zurecht, damit sie sich gegen das Kopfteil lehnen konnte. Nynaeve warf angewidert die H�nde hoch. Auf einem der Nachttische stand ein kleines Silbertablett mit einem silbernen Becher, der dunklen Wein enthielt. Elayne warf ihm einen misstrauischen Blick zu. �Auf eine harte Art und Weise. Aviendha, ich glaube, ich schulde ihr <emphasis>Toh.�</emphasis></p><p>Aviendha zuckte mit den Schultern. Nach ihrer Ankunft in Caemlyn hatte sie sich mit beinahe l�cherlicher Hast auf Aiel-Kleider gest�rzt und Seide gegen <emphasis>Algode-�lusen</emphasis> und dicke Wollr�cke getauscht, so als w�rde Feuchtl�nder-Luxus sie �ngstigen. Mit dem dunklen Schultertuch, das sie zusammengefaltet um die Taille geknotet hatte, und dem dunklen Tuch, mit dem ihr Haar zusammengebunden war, bot sie das perfekte Bild der Sch�lerin einer Weisen Frau, auch wenn ihr einziger Schmuck aus einer Halskette bestand, einer komplizierten Silberschmiedearbeit aus miteinander verbundenen Scheiben; es war ein Geschenk von Egwene. Elayne konnte ihre Eile noch immer nicht verstehen. Solange sie die Kleidung der Feuchtl�nder trug, hatten Melaine und die anderen scheinbar nichts dagegen einzuwenden gehabt, dass sie ihren eigenen Weg ging, aber jetzt hatten sie Aviendha wieder so fest im Griff wie die Aes Sedai ihre Novizinnen. Es gab nur einen Grund, warum sie ihr �berhaupt erlaubten, im Palast � oder in der Stadt, was das anging � zu bleiben: Elayne und sie waren Erstschwestern.</p><p>�Wenn du das glaubst, dann tust du es auch.� Ihr Tonfall, mit dem sie das Offensichtliche erkl�rte, verwandelte sich zu liebevoller Schelte. �Aber nur ein kleines <emphasis>Toh,</emphasis> Elayne. Du hattest Gr�nde f�r deinen Zweifel. Du kannst dich nicht f�r jeden Gedanken verpflichtet f�hlen, Schwester.� Sie lachte, als w�re ihr pl�tzlich ein wunderbarer Witz klar geworden. �Auf diesem Weg liegt zu viel Stolz, und ich muss dann wegen allem, was du tust, �berm��igen Stolz zeigen, aber die Weisen Frauen werden dich daf�r nicht zur Rechenschaft ziehen k�nnen.�</p><p>Nynaeve rollte demonstrativ mit den Augen, aber Aviendha sch�ttelte blo� den Kopf und nahm die Unwissenheit der anderen Frau mit resignierter Geduld auf. Sie hatte bei den Weisen Frauen mehr als nur den Umgang mit der Macht studiert.</p><p>�Nun, das k�nnen wir wirklich nicht zulassen, dass ihr beiden zu stolz seid�, sagte Birgitte mit einem Unterton, der verd�chtig nach unterdr�ckter Heiterkeit klang. Ihr Gesicht war viel zu reglos, beinahe erstarrt vor M�he, sich ein Lachen zu verkneifen.</p><p>Aviendha betrachtete Birgitte ausdruckslos und voller Vorsicht. Seit Elayne und sie einander adoptiert hatten, hatte auch Birgitte sie in gewisser Weise adoptiert. Nicht als Beh�terin, das nicht, aber sie behandelte sie manchmal, als w�re sie ihre �ltere Schwester, wie sie es oft bei Elayne tat. Aviendha wusste nicht genau, was sie davon halten sollte. Die Aufnahme in den kleinen Kreis, der wusste, wer Birgitte in Wirklichkeit war, hatte mit Sicherheit nicht geholfen. Sie schwankte zwischen wilder Entschlossenheit, allen zu zeigen, dass Birgitte Silberbogen sie nicht einsch�chterte, und allen m�glichen seltsamen Reaktionen bis hin zu �berraschender Nachgiebigkeit.</p><p>Birgitte l�chelte sie an, es war ein am�siertes L�cheln, aber es verblasste, als sie ein kleines B�ndel vom Scho� hochhob und es mit gro�er Vorsicht zu �ffnen begann. Als sie schlie�lich einen Dolch mit einem lederumwickelten Griff und einer langen Klinge enth�llte, war ihre Miene ernst, und kontrollierter Zorn floss durch den Bund. Elayne erkannte das Messer auf der Stelle; zuletzt hatte sie seinen Zwilling in der Hand eines strohblonden Attent�ters gesehen.</p><p>�Sie wollten dich nicht entf�hren, Schwester�, sagte Aviendha leise.</p><p>Birgittes Tonfall war grimmig. �Nachdem Mellar die Ersten beiden get�tet hat � den Zweiten spie�te er mit seinem Schwert auf, das er quer durch den Raum warf, wie in der Geschichte eines verdammten Spielmanns� � sie hielt den Dolch am Griff in die H�he ��hat er den hier dem letzten Burschen abgenommen und ihn damit get�tet. Sie hatten vier fast identische Dolche. Der hier ist vergiftet.�</p><p>�Diese braunen Flecken auf der Klinge sind grauer Fenchel, der mit gemahlenen Pfirsichkernen vermischt wurde�, sagte Nynaeve. Sie setzte sich auf die Bettkante und verzog angewidert das Gesicht. �Einen Blick in seine Augen und auf die Zunge und ich wusste, dass das den Kerl umgebracht hat und nicht das Messer.�</p><p>�Ein komplizierter Plan�, sagte Elayne einen Augenblick sp�ter leise. Diese Worte trafen es in der Tat. �Spaltwurzel, damit ich nicht nach der Macht greifen oder stehen konnte, und zwei Mann, die mich auf den Beinen halten, w�hrend der dritte mir einen vergifteten Dolch in den Leib st��t.�</p><p>�Feuchtl�nder lieben komplizierte Pl�ne�, sagte Aviendha. Sie bedachte Birgitte mit einem unbehaglichen Blick und f�gte hinzu: �Zumindest einige von ihnen.�</p><p>�Auf seine Weise war er einfach�, sagte Birgitte und wickelte den Dolch wieder mit der gleichen Sorgfalt ein, die sie beim Auspacken gezeigt hatte. �Man konnte leicht an dich herankommen. Jeder wei�, dass du allein zu Mittag isst.� Ihr langer Zopf schaukelte, als sie den Kopf sch�ttelte. �Ein gl�cklicher Umstand, dass der Mann, der dich als Erster erreichte, keinen hiervon hatte; ein Schnitt, und du w�rst tot gewesen. Ein gl�cklicher Umstand, dass Mellar zuf�llig vorbeiging und in deinen Gem�chern einen Mann fluchen h�rte. Genug Gl�ck, um ein <emphasis>Ta'veren</emphasis> zu sein.�</p><p>Nynaeve schnaubte. �Ein Schnitt an deinem <emphasis>Arm,</emphasis> der tief genug gewesen w�re, und du w�rst tot. Der Kern ist der giftigste Teil eines Pfirsichs. Dyelin h�tte keine Chance gehabt, w�ren die anderen Dolche ebenfalls vergiftet gewesen.�</p><p>Elayne sah nacheinander in die ausdruckslosen Gesichter ihrer Freundinnen und seufzte. Ein <emphasis>sehr</emphasis> komplizierter Plan. Als w�ren Spione im Palast nicht schon schlimm genug. �Birgitte, eine kleine Leibwache�, sagte sie schlie�lich. �Etwas... Diskretes.� Sie h�tte wissen sollen, dass die Frau vorbereitet sein w�rde. Birgittes Miene ver�nderte sich nicht im Mindesten, aber durch ihren Bund schoss ein winziges Aufflackern von Zufriedenheit.</p><p>�F�r den Anfang die Frauen, die dich heute bewacht haben�, sagte sie, ohne auch nur so zu <emphasis>tun,</emphasis> als m�sste sie erst nachdenken, �und noch ein paar, die ich aussuche. Zu wenige k�nnen dich nicht Tag und Nacht bewachen, und verdammt noch mal, es muss sein.� Das h�rte sich energisch an, obwohl Elayne nicht protestiert hatte. �Frauen k�nnen dich bewachen, wo M�nnern der Zugang verwehrt ist, und weil sie sind, was sie sind, werden sie auch diskret sein. Die meisten Leute werden sie f�r eine zeremonielle Wache halten �deine eigenen T�chter des Speers �, und wir werden ihnen etwas geben, eine Sch�rpe vielleicht, damit sie auch danach aussehen.�</p><p>Das brachte ihr einen scharfen Blick von Aviendha ein, doch sie gab vor, ihn nicht zu bemerken. �Das Problem besteht darin, wer das Kommando f�hren soll�, sagte sie und runzelte nachdenklich die Stirn. �Zwei oder drei Adlige, J�gerinnen, streiten sich bereits um R�nge, die �ihrem Stand angemessen� sind. Die verdammten Frauen wissen Befehle zu geben, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie auch verdammt noch mal die richtigen Befehle geben k�nnen. Ich k�nnte Caseille zum Leutnant bef�rdern, aber im Herzen ist sie eher ein Bannertr�ger.� Birgitte zuckte mit den Schultern. �Vielleicht wird sich eine der anderen noch als vielversprechend erweisen, aber ich glaube, sie alle sind bessere Befehlsempf�nger und keine Anf�hrer.�</p><p>O ja, alles genau durchdacht. Etwa zwanzig? Sie w�rde Birgitte genau im Auge behalten m�ssen, um sichergehen zu k�nnen, dass die Zahl nicht auf f�nfzig stieg. Oder noch mehr. Die sie bewachen konnten, wo M�nnern der Zugang verwehrt war. Elayne zuckte innerlich zusammen. Das bedeutete auch Leibw�chterinnen, die ihr beim Baden zusahen. �Caseille wird es bestimmt schaffen. Eine Bannertr�gerin kann zwanzig Leute b�ndigen.� Sie war �berzeugt, Caseille dazu �berreden zu k�nnen, alles so unauff�llig wie m�glich zu halten. Und die Leibw�chterinnen vor der T�r zu postieren, wenn sie ein Bad nahm. �Der Mann, der im allerletzten Augenblick dazukam. Mellar? Was wei�t du von ihm, Birgitte?�</p><p>�Doilin Mellar�, sagte Birgitte langsam und mit nachdenklich gerunzelter Stirn. �Ein kaltherziger Bursche, obwohl er viel l�chelt. Haupts�chlich zu Frauen. Er zwickt Dienstm�gde, und ich wei� von dreien, die er in vier Tagen rumgekriegt hat � er redet gern �ber seine �Eroberungen� �, aber er ist bei keiner zudringlich geworden, die abgelehnt hat. Er behauptet, in der Kaufmannswache und danach S�ldner gewesen zu sein, und jetzt ist er ein J�ger des Horns. Zweifelsohne hat er die dazu n�tigen F�higkeiten. Sie reichen auf jeden Fall dazu aus, dass ich ihn zum Leutnant gemacht habe. Er ist Andoraner, kommt aus dem Westen, irgendwo aus der N�he von Baerlon, und er behauptet, w�hrend der Thronfolge f�r deine Mutter gek�mpft zu haben, obwohl er damals kaum �lter als ein Junge gewesen sein kann. Zumindest kennt er die richtigen Antworten, ich habe das �berpr�ft, also war er vielleicht wirklich dabei. S�ldner l�gen �ber ihre Vergangenheit, ohne dar�ber nachzudenken.�</p><p>Elayne faltete die H�nde und dachte �ber Doilin Mellar nach. Sie erinnerte sich nur an das Bild eines drahtigen Mannes mit scharf geschnittenem Gesicht, der einen ihrer Angreifer w�rgte, w�hrend sie um den vergifteten Dolch k�mpften. Ein Mann, der �ber gen�gend soldatische F�higkeiten verf�gte, dass Birgitte ihn zum Offizier ernannt hatte. Sie bem�hte sich, dass zumindest so viele Offiziere wie m�glich Andoraner waren. Eine Rettung in letzter Sekunde, ein Mann gegen drei, und ein wie einen Speer quer durch den Raum geschleudertes Schwert; es klang wirklich wie die Geschichte eines Spielmannes. �Er verdient eine angemessene Belohnung. Eine Bef�rderung zum Hauptmann und das Kommando �ber meine Leibwache, Birgitte. Caseille kann seine Stellvertreterin sein.�</p><p>�Bist du verr�ckt geworden?�, rief Nynaeve aus, aber Elayne brachte sie mit einer Geste zum Schweigen.</p><p>�Ich werde mich viel sicherer f�hlen, wenn ich wei�, dass er da ist, Nynaeve. <emphasis>Mich</emphasis> wird er nicht versuchen zu zwicken, nicht, wenn Caseille und zwanzig von ihrer Sorte um ihn herum sind. Mit seinem Ruf werden sie ihn wie Falken beobachten. Du sagtest doch zwanzig, Birgitte? Ich werde dich beim Wort nehmen.�</p><p>�Zwanzig�, sagte Birgitte abwesend. �In etwa.� Aber an dem Blick, den sie auf Elayne richtete, war nichts Abwesendes. Sie beugte sich konzentriert vor, die H�nde auf die Knie gelegt. �Ich sch�tze, du wei�t, was du da tust.� Gut, wenigstens dieses eine Mal w�rde sie sich wie eine Beh�terin benehmen, statt zu streiten. �Der Gardeleutnant Mellar wird Gardehauptmann Mellar, weil er das Leben der Tochter-Erbin gerettet hat. Das wird ihn noch gro�spuriger dahergehen lassen. Es sei denn, du h�ltst es f�r besser, die ganze Sache geheim zu halten.�</p><p>Elayne sch�ttelte den Kopf. �O nein, keineswegs. Soll es die ganze Stadt wissen. Jemand hat versucht, mich zu ermorden, und Leutnant � Hauptmann � Mellar hat mir das Leben gerettet. Aber das mit dem Gift behalten wir f�r uns. Nur f�r den Fall, dass sich jemand verspricht.�</p><p>Nynaeve r�usperte sich und sah sie von der Seite an. �Eines Tages wirst du zu clever sein, Elayne. So clever, dass du selbst dar�ber stolperst.�</p><p>�Sie ist clever, Nynaeve al'Meara.� Aviendha erhob sich anmutig auf die F��e, richtete die schweren R�cke und t�tschelte dann das G�rtelmesser mit dem Horngriff. Es war nicht so gro� wie die Klinge, die sie als Tochter des Speers getragen hatte, aber immer noch eine hervorragende Waffe. �Und sie hat mich, um ihr den R�cken zu decken. Ich habe jetzt die Erlaubnis, bei ihr zu bleiben.�</p><p>Nynaeve �ffnete w�tend den Mund. Und, welch ein Wunder, sie schloss ihn wieder, riss sich deutlich sichtbar zusammen und gl�ttete die R�cke und ihre Z�ge.</p><p>�Was starrt ihr mich alle so an?�, murmelte sie. �Wenn Elayne diesen Kerl so nahe bei sich haben will, dass er sie zwicken kann, wenn ihm danach ist, was geht es mich an?� Birgitte blieb der Mund offen stehen, und Elayne fragte sich, ob Aviendha ersticken w�rde. Auf jeden Fall quollen ihre Augen hervor.</p><p>Der leise Klang des Gongs oben im h�chsten Turm des Palasts schlug die Stunde und lie� sie zusammenzucken. Es war sp�ter, als sie gedacht hatte. �Nynaeve, vermutlich wartet Egwene bereits auf uns.� Ihre Kleider waren nicht in Sicht. �Wo ist meine Tasche? Da ist mein Ring drin.� Ihr Gro�er Schlangenring sa� auf ihrem Finger, aber den meinte sie nicht.</p><p>�Ich werde mich allein mit Egwene treffen�, sagte Nynaeve entschieden. �Du bist nicht in der richtigen Verfassung, um <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu betreten. Davon abgesehen hast du den ganzen Nachmittag verschlafen. Jede Wette, dass du in n�chster Zeit nicht wieder einschlafen kannst. Und ich wei�, dass du kein Gl�ck darin hattest, dich in eine Wachtrance zu versetzen, also ist die Angelegenheit damit erledigt.� Sie l�chelte selbstzufrieden und siegessicher. Der Versuch, sich in jene Wachtrance zu versetzen, die Egwene ihnen beizubringen versucht hatte, hatte <emphasis>sie</emphasis> nur schwindelig und benommen gemacht.</p><p>�Da gehst du jede Wette ein, ja?�, murmelte Elayne. �Was willst du wetten? Weil ich entschlossen bin, das da zu trinken� � sie warf dem Silberbecher auf dem Nachttisch einen Blick zu � �und <emphasis>ich</emphasis> wette, dass ich sofort einschlafe. Wenn du nat�rlich <emphasis>nichts</emphasis> hineingetan hast, wenn du nicht versuchst, mich mit einem Trick dazu zu bringen, es zu trinken... Nun, aber nat�rlich w�rdest du das nicht tun. Also, worum wollen wir wetten?�</p><p>Das unertr�gliche L�cheln verschwand schlagartig von Nynaeves Gesicht und wurde von hellroten Punkten auf den Wangen ersetzt.</p><p>�Eine sch�ne Idee�, sagte Birgitte und stand auf. Mit in die H�ften gestemmten H�nden baute sie sich am Bettende auf und ihr Gesicht und Tonfall verrieten gleicherma�en Missbilligung. �Die Frau hat dich vor einem verdorbenen Magen bewahrt und du benimmst dich wie eine verzogene kleine Lady. Wenn du diesen Becher austrinkst und einschl�fst und heute Nacht darauf verzichtest, in der Welt der Tr�ume herumzustreifen, erkl�re ich dich f�r erwachsen genug, dass ich weniger als hundert Gardistinnen f�r n�tig erachte, um dich am Leben zu halten. Oder muss ich dir die Nase zuhalten, damit du trinkst?� Nun, Elayne hatte auch nicht damit gerechnet, dass sich Birgitte lange zur�ckhalten w�rde. Weniger als einhundert?</p><p>Aviendha wirbelte zu Birgitte herum, bevor sie geendet hatte, und wartete kaum ab, bis sie das letzte Wort gesagt hatte. �Birgitte Trahelion, du solltest nicht so zu ihr sprechen�, sagte sie und richtete sich auf, um den Vorteil ihrer �berragenden Gr��e voll ausnutzen zu k�nnen. Zog man die hohen Abs�tze von Birgittes Stiefeln in Betracht, machte es keinen gro�en Unterschied, aber mit dem eng �ber den Br�sten zusammengezogenen Schultertuch sah sie eher wie eine Weise Frau als wie eine Sch�lerin aus. Einige von ihnen hatten ein Gesicht, das nicht viel �lter als das ihre aussah. �Du bist ihre Beh�terin. Frage Aan'allein, wie man sich zu benehmen hat. Er ist ein gro�er Mann, doch er gehorcht Nynaeves Befehlen.� Aan'allein war Lan. Der Mann, der allein seinen Weg ging. Seine Geschichte war unter den Aiel wohlbekannt und bewundert.</p><p>Birgitte musterte sie von oben bis unten, als w�rde sie Ma� nehmen, und nahm eine entspannte Pose ein, die die zus�tzlichen Zentimeter ihrer Stiefelabs�tze fast wieder zunichte machte. Sie �ffnete mit einem sp�ttischen Grinsen den Mund, offensichtlich bereit, Aviendha zum Platzen zu bringen, wenn es ihr gelang.</p><p>Normalerweise gelang es ihr. Bevor sie ein Wort sagen konnte, ergriff Nynaeve leise, doch ziemlich entschieden das Wort.</p><p>�Oh, bei aller Liebe des Lichts, h�r auf, Birgitte. Wenn Elayne sagt, sie geht, dann geht sie. Und jetzt will ich kein Wort mehr h�ren.� Sie stie� mit dem Finger in Richtung der anderen Frau. �Oder wir beide werden uns sp�ter unter vier Augen unterhalten.�</p><p>Birgitte starre Nynaeve an, ihre Lippen bewegten sich stumm, der Beh�terbund �bermittelte eine intensive Mischung aus Gereiztheit und Frustration. Schlie�lich lie� sie sich wieder in ihren Stuhl fallen, spreizte die Beine, balancierte die Stiefel auf den l�wenk�pfigen Sporen und murmelte m�rrisch vor sich hin. H�tte Elayne sie nicht besser gekannt, h�tte sie angenommen, sie w�rde schmollen. Sie w�nschte, sie h�tte gewusst, wie Nynaeve das machte. Einst hatte Nynaeve genauso viel Ehrfurcht vor Birgitte gehabt, als Aviendha jemals haben w�rde, aber das hatte sich ge�ndert. V�llig. Jetzt schubste sie Birgitte genauso herum wie die anderen. Und erfolgreicher als so mancher. <emphasis>Sie ist eine ganz normale Frau,</emphasis> hatte Nynaeve gesagt. <emphasis>Das hat sie mir selbst gesagt, und ich habe erkannt, dass sie Recht hatte.</emphasis> Als w�rde <emphasis>das</emphasis> etwas erkl�ren. Birgitte war immer noch Birgitte.</p><p>�Meine Tasche?�, fragte Elayne, und ausgerechnet Birgitte war es, die aufstand, um die goldbestickte rote G�rteltasche aus dem Ankleideraum zu holen. Nun, Beh�terinnen taten solche Dinge, doch f�r gew�hnlich machte Birgitte eine Bemerkung, wenn sie es tat. Aber vielleicht sollte ihre R�ckkehr dazu dienen. Sie �berreichte Elayne die Tasche mit einer anmutigen Verbeugung und schenkte Nynaeve und Aviendha ein sp�ttisches Verziehen der Lippen. Elayne seufzte. Man konnte nicht sagen, dass die Frauen einander nicht mochten; sie kamen gro�artig miteinander aus, wenn man ihre kleinen Schw�chen ignorierte. Manchmal rieben sie sich eben aneinander.</p><p>Der seltsam verdrehte Steinring, der an einem einfachen Lederband befestigt war, lag ganz unten in der Tasche unter einer Anzahl verschiedener M�nzen, direkt neben dem sorgf�ltig zusammengefalteten Seidentaschentuch, in dem die Federn verstaut waren, die sie f�r ihren gr��ten Schatz hielt. Das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> schien aus Stein zu bestehen; es war mit blauen, roten und braunen Flecken �bers�t, f�hlte sich aber so hart und glatt wie Stahl an und war selbst daf�r zu schwer. Elayne legte sich das Lederband um den Hals und den Ring zwischen ihre Br�ste, dann zog sie die Schn�re fest zusammen und legte die G�rteltasche auf den Nachttisch, um dann den Silberbecher zu nehmen. Er roch nur nach gutem Wein, aber sie hob trotzdem eine Braue und l�chelte Nynaeve an.</p><p>�Ich gehe in mein Zimmer�, sagte Nynaeve steif. Sie schenkte sowohl Birgitte wie auch Aviendha einen strengen Blick. Irgendwie lie� der <emphasis>Ki'sain</emphasis> auf ihrer Stirn sie noch unnachgiebiger erscheinen. �Ihr beiden bleibt wach und haltet die Augen offen! Bis ihr sie mit diesen Frauen umgeben habt, schwebt sie noch immer in Gefahr. Wie auch danach, woran ich euch wohl nicht zu erinnern brauche.�</p><p>�Glaubst du, das w�sste ich nicht?�, protestierte Aviendha, w�hrend Birgitte gleichzeitig knurrte: �Nynaeve, ich bin keine N�rrin!�</p><p>�Das sagst du�, entgegnete Nynaeve gleichzeitig an beide gem�nzt. �Das hoffe ich, um Elaynes willen. Und um euretwillen.� Sie raffte ihr Schultertuch zusammen und rauschte so majest�tisch aus dem Raum, wie es sich eine Aes Sedai nur w�nschen konnte. In letzter Zeit wurde sie sehr gut darin.</p><p>�Man k�nnte glauben, sie w�re hier die verdammte K�nigin�, murmelte Birgitte.</p><p>�Sie ist hier diejenige, die zu stolz ist, Birgitte Trahelion�, knurrte Aviendha. �So stolz wie eine Shaido mit einer Ziege.� Sie nickten einander in perfekter �bereinstimmung zu.</p><p>Aber Elayne entging nicht, dass sie gewartet hatten, bis sich hinter Nynaeve die T�r geschlossen hatte. Die Frau, die immer so heftig bestritten hatte, eine Aes Sedai werden zu wollen, verwandelte sich sehr wohl in eine. Vielleicht hatte Lan etwas damit zu tun, der sie mit seiner Erfahrung lehrte. Manchmal musste sie sich noch immer bem�hen, die Beherrschung nicht zu verlieren, aber seit ihrer seltsamen Hochzeit schien es ihr zusehends leichter zu fallen.</p><p>Der erste Schluck Wein schmeckte so, wie er sollte, es war ein sehr guter Wein, aber Elayne bedachte den Becher mit einem Stirnrunzeln und z�gerte. Bis sie erkannte, was sie da tat und warum. Die Erinnerung an die in ihren Tee gemischte Spaltwurzel war noch immer stark. Was hatte Nynaeve hier reingetan? Nat�rlich keine Spaltwurzel, aber was dann? Den Becher zu heben, um einen gro�en Schluck zu nehmen, erschien sehr m�hsam. Trotzig trank sie den Wein aus. <emphasis>Ich war durstig, das war alles,</emphasis> dachte sie und stellte den Becher wieder auf dem Silbertablett ab. <emphasis>Ich Iwbe bestimmt nicht versucht, etwas zu beweisen.</emphasis></p><p>Die anderen beiden Frauen hatten sie beobachtet, aber als sie eine bequemere Position einnahm, um zu schlafen, sahen sie sich an.</p><p>�Ich halte im Wohnzimmer Wache�, erkl�rte Birgitte. �Dort stehen mein Bogen und mein K�cher. Du bleibst hier f�r den Fall, dass sie dich braucht.�</p><p>Statt zu streiten, zog Aviendha ihr G�rtelmesser und kniete an der Seite nieder, wo sie jeden, der durch die T�r kam, sehen w�rde, bevor derjenige sie sah. �Klopf zweimal, dann einmal und sag deinen Namen, bevor du eintrittst�, sagte sie. �Sonst gehe ich davon aus, dass <emphasis>es</emphasis> ein Feind ist.� Und Birgitte nickte, als w�re es das Vern�nftigste auf der Welt.</p><p>�Das ist doch...� Elayne verbarg ein G�hnen hinter der Hand. �Albern�, setzte sie hinzu, als sie wieder sprechen konnte. �Niemand wird einen Versuch unternehmen...� Das n�chste G�hnen, und diesmal h�tte sie sich die Faust in den Mund stopfen k�nnen! Licht, <emphasis>was</emphasis> hatte Nynaeve in den Wein getan? �...mich heute Nacht zu t�ten�, sagte sie schl�frig, �und das wisst ihr beide...�-Ihre Lider waren wie Blei und senkten sich trotz aller Bem�hungen, sie aufzuhalten. Unbewusst schmiegte sie das Gesicht ins Kissen und versuchte, den Satz zu beenden, aber...</p><p>Sie befand sich im Gro�en Saal, dem Thronsaal des Palastes. In der Widerspiegelung des Gro�en Saals im <emphasis>Tel'amn'rhiod.</emphasis> Hier schien der verdrehte Steinring, der in der Welt der Wachenden viel zu schwer f�r seine Gr��e zu sein schien, leicht genug zu sein, um zwischen ihren Br�sten hervorzuschweben. Nat�rlich gab es Licht, das von �berall zugleich und von nirgendwo herzukommen schien. Es glich keinem Sonnenlicht, auch keinem Lampenlicht, aber selbst wenn es hier Nacht war, gab es immer noch genug von diesem seltsamen Licht, um etwas erkennen zu k�nnen. Wie in einem Traum. Das st�ndig gegenw�rtige Gef�hl, von unsichtbaren Augen beobachtet zu werden, war nicht wie im Traum � eher wie in einem Albtraum, aber daran hatte sie sich gew�hnt.</p><p>Im Gro�en Saal wurden pr�chtige Audienzen abgehalten, ausl�ndische Botschafter empfangen und den versammelten W�rdentr�gern wichtige Vertr�ge und Kriegserkl�rungen verk�ndet; das lang gezogene Gemach passte <emphasis>zu</emphasis> seinem Namen und seiner Funktion. Jetzt, da es menschenleer war, erschien es wie eine H�hle. Zwei Reihen leuchtender wei�er S�ulen, die zehn Spannen hoch waren, s�umten den Raum, und an einem Ende stand der L�wenthron auf einem Marmorpodest, dessen wei�e Stufen, die von dem mit roten und wei�en Fliesen ausgelegten Boden hinauff�hrten, mit rotem Teppich belegt waren. Der Thron hatte die richtige Gr��e f�r eine Frau, war aber mit den Beinen, die in st�mmigen geschnitzten und vergoldeten L�wenpranken endeten, durchaus massiv; oben auf der hohen Lehne stach der aus Mondsteinen gefertigte Wei�e L�we aus einem Feld aus Rubinen hervor und verk�ndete allen, dass derjenige, der hier sa�, eine m�chtige Nation beherrschte. Aus hoch oben in der Kuppeldecke eingesetzten bunten Fenstern blickten die K�niginnen, die Andor gegr�ndet hatten, in die Tiefe; ihre Bilder wechselten sich mit dem Wei�en L�wen und Szenen aus den Schlachten ab, die sie ausgefochten hatten, um Andor aus einer unbedeutenden Stadt in Artur Falkenfl�gels zerbrechendem Reich zu dieser Nation zu machen. Viele L�nder, die aus dem Hundertj�hrigen Krieg hervorgegangen waren, gab es nicht mehr, aber Andor hatte die seitdem vergangenen tausend Jahre �berstanden und war aufgebl�ht. Manchmal hatte Elayne das Gef�hl, dass diese Portraits sie einsch�tzten und f�r wert befanden, in ihre Fu�stapfen zu treten.</p><p>Sie hatte sich kaum im Gro�en Saal eingefunden, als eine andere Frau auf dem L�wenthron erschien, eine dunkelhaarige junge Frau in flie�ender roter Seide, deren �rmel und S�ume mit silbernen L�wen bestickt waren, die eine Kette aus Feuertropfen so gro� wie Taubeneier um den Hals trug und auf deren Kopf die Rosenkrone sa�. Eine Hand leicht auf dem L�wenkopf am Ende der Thronlehne ruhend, lie� sie majest�tisch den Blick durch den Saal schweifen. Dann entdeckte sie Elayne und zusammen mit Verwirrung kam die Erinnerung. Krone, Feuertropfen und Seide verschwanden, um von einfacher Wolle und einer langen Sch�rze ersetzt zu werden. Einen Augenblick sp�ter verschwand auch die junge Frau.</p><p>Elayne l�chelte am�siert. Selbst Tellerw�scherinnen tr�umten davon, auf dem L�wenthron zu sitzen. Hoffentlich war das M�dchen wegen der erlebten �berraschung nicht voller Furcht aufgewacht oder zumindest in einen anderen sch�nen Traum �bergewechselt. Einen sichereren Traum als im <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis></p><p>Im Thronsaal ver�nderten sich andere Dinge. Die kunstvollen Kandelaber, die in Reihen das Gemach s�umten, schienen zu vibrieren. Die gro�en Fl�gelt�ren standen in dem einen Augenblick offen, im n�chsten waren sie wieder geschlossen. Nur Dinge, die f�r lange Zeit an ein und demselben Ort gestanden hatten, hatten in der Welt der Tr�ume eine permanente Spiegelung.</p><p>Elayne stellte sich einen Spiegel vor und schon stand er vor ihr und zeigte ihr Abbild in einem hochgeschlossenen gr�nen Seidengewand, dessen Oberteil mit silbernen Mustern geschm�ckt war, mit Smaragdohrringen und kleineren Smaragden, die in ihre rotblonden Locken geflochten waren. Sie lie� die Smaragde aus ihrem Haar verschwinden und nickte. So passte es zu einer Tochter-Erbin und war nicht zu auff�llig. Hier musste man vorsichtig sein, wie man sich selbst vorstellte, sonst... Ihr bescheidenes gr�nes Seidengewand wurde zu den eng anliegenden Falten einer tarabonischen Tracht, blitzte auf und wich dunklen, weit geschnittenen Meervolk-Hosen und nackten F��en, komplett mit goldenen Ohrringen und Nasenring und einer Kette voller Medaillons und sogar dunklen T�towierungen auf den H�nden. Aber ohne Bluse, so wie das Atha'an Miere zur See fuhr. Mit ger�teten Wangen machte sie hastig alles wieder ungeschehen und kehrte zur urspr�nglichen Kleidung zur�ck, wechselte jedoch die Smaragdohrringe gegen schlichte Silberreifen aus. Je einfacher man sich seine Kleidung vorstellte, desto leichter war es, sie aufrechtzuerhalten.</p><p>Sie lie� den Spiegel verschwinden � sie musste nur aufh�ren, an ihn zu denken �, und schaute zu den strengen Gesichtern �ber ihr auf. �Frauen haben den Thron bestiegen, die genauso jung waren wie ich�, sagte sie zu ihnen. Aber nicht sehr viele; nur sieben, die es geschafft hatten, die Rosenkrone f�r l�ngere Zeit zu behalten. �Frauen, die noch j�nger als ich waren.� Drei. Und eine von ihnen hatte kaum ein Jahr durchgehalten. �Ich will nicht behaupten, dass ich so gro�artig wie ihr sein werde, aber ich werde euch auch keine Schande bereiten. Ich <emphasis>werde</emphasis> eine gute K�nigin sein.�</p><p>�Unterh�ltst du dich mit <emphasis>Fenstern?�,</emphasis> sagte Nynaeve und lie� Elayne �berrascht zusammenzucken. Sie benutzte eine Kopie des Rings, den Elayne auf der Haut trug, und sie schien aus Nebel zu bestehen, war nahezu durchsichtig. Mit gerunzelter Stirn versuchte sie auf Elayne zuzugehen und stolperte beinahe wegen des hinderlichen Rocks eines dunkelblauen tarabonischen Gewandes, das viel enger war als jenes, das sich Elayne vorgestellt hatte. Nynaeve starrte es an, und unversehens wurde es zu einem andoranischen Gewand aus Seide von der gleichen Farbe, dessen �rmel und Oberteil mit goldenen Stickereien verziert waren. Sie behauptete noch immer, dass die �gute, ausdauernde Wolle von den Zwei Fl�ssen� gut genug f�r sie war, aber selbst hier, wo sie das einfache Tuch h�tte tragen k�nnen, wenn sie nur gewollt h�tte, trug sie es so gut wie hie.</p><p>�Was hast du in den Wein getan, Nynaeve?�, fragte Elayne. �Ich war weg wie eine Kerze, die man ausl�scht.�</p><p>�Versuche nicht, das Thema zu wechseln. Wenn du mit Fenstern redest, solltest du <emphasis>wirklich</emphasis> besser schlafen, statt hier zu sein. Ich h�tte nicht �bel Lust, dir zu befehlen...�</p><p>�Bitte nicht. Ich bin nicht Vandene, Nynaeve. Licht, ich kenne nicht mal die H�lfte der Br�uche, die f�r Vandene und die anderen allt�glich sind. Aber ich m�chte vermeiden, dir nicht gehorchen zu m�ssen, also lass es bitte.�</p><p>Nynaeve schaute sie finster an und zog einmal fest an ihrem Zopf. Einzelheiten ihres Gewandes ver�nderten sich, die R�cke wurden etwas volumin�ser, die Stickereien nahmen neue Formen an, der hohe Kragen senkte und hob sich, Spitze quoll aus ihm hervor. Sie war nicht sehr gut darin, die n�tige Konzentration beizubehalten. Allerdings blieb der rote Punkt auf ihrer Stirn unver�ndert.</p><p>�Also gut�, sagte sie ruhig und die Falten auf ihrer Stirn verschwanden. Ihr mit gelben Fransen versehenes Schultertuch erschien auf ihren Schultern und ihr Gesicht nahm etwas von der Aes Sedai-Alterslosigkeit an. An ihren Schl�fen zeigten sich ein paar wei�e Str�hnen. Allerdings standen ihre Worte in scharfem Gegensatz zu ihrem Erscheinungsbild und dem gelassenen Tonfall. �Lass mich reden, wenn Egwene kommt. Ich meine, �ber das, was heute passiert ist. Am Ende plaudert ihr wieder, als w�rdet ihr euch vor dem Zubettgehen das Haar k�mmen. Licht! Ich will nicht mit ihr zur Amyrlin gehen, und du wei�t, dass sie uns keine Ruhe lassen wird, wenn sie es herausfindet.�</p><p>�Wenn ich was herausfinde?�, fragte Egwene. Nynaeves Kopf fuhr mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen herum und einen Augenblick lang wurden das fransenbesetzte Schultertuch und das Seidengewand vom Wei� einer Aufgenommenen ersetzt. Selbst der <emphasis>Ki'sain</emphasis> verschwand. Aber das dauerte nur einen Moment, dann war wieder alles so, wie es gewesen war, abgesehen von dem Wei� in ihrem Haar, aber er reichte aus, um einen traurigen Ausdruck auf Egwenes Gesicht zu zaubern. Sie kannte Nynaeve sehr gut. �Wenn ich was herausfinde, Nynaeve?�</p><p>Elayne holte tief Luft. Eigentlich hatte sie nicht beabsichtigt, etwas zur�ckzuhalten. Jedenfalls nichts, das f�r Egwene wichtig gewesen w�re. Aber in ihrer derzeitigen Stimmung w�rde Nynaeve vermutlich entweder alles ausplaudern oder stur darauf beharren, dass es nichts herauszufinden gab. Was Egwene nur noch hartn�ckiger graben lassen w�rde.</p><p>�Jemand hat Spaltwurzel in meinen Mittagstee getan�, sagte sie und gab einen knappen Bericht �ber die M�nner mit den Dolchen und Doilin Mellars gl�ckliches Erscheinen und wie sich Dyelin bew�hrt hatte. Au�erdem erz�hlte sie noch von Elenia und Naean und der Jagd der Haushofmeisterin auf die Spione im Palast, und sogar dass Zarya und Kirstian Vandene zugeteilt worden waren und dass man Rand angegriffen hatte und er verschwunden war. Egwene schien alles unber�hrt aufzunehmen � sie unterbrach Elayne sogar, als sie auf Rand zu sprechen kam, und sagte, sie wisse bereits Bescheid �, aber als sie h�rte, dass Vandene keine Fortschritte darin gemacht hatte, die Identit�t der Schwarzen Schwester aufzudecken, sch�ttelte sie kurz den Kopf; das war ihre gr��te Sorge. �Oh, und ich bekomme eine Leibwache�, kam Elayne zum Ende. �Zwanzig Frauen, die von Hauptmann Mellar kommandiert werden. Ich glaube nicht, dass Birgitte T�chter des Speers f�r mich finden wird, aber sie wird dem sehr nahe kommen.�</p><p>Hinter Egwene erschien ein schwarzer, lehnenloser Stuhl und sie setzte sich, ohne hinzusehen. Sie war hier viel versierter als Elayne oder Nynaeve. Sie trug ein sch�n geschnittenes, dunkelgr�nes Reitgewand aus Wolle, das keine Verzierungen aufwies; vermutlich war es dasselbe, das sie an diesem Tag getragen hatte. Und es blieb ein gr�nes Reitgewand aus Wolle. �Ich w�rde euch ja bitten, morgen... also heute Abend in Murandy zu mir zu sto�en�, sagte sie, �wenn die Ankunft der Kusinen unter den Sitzenden keinen Fl�chenbrand ausl�sen w�rde.�</p><p>Nynaeve hatte sich wieder gefasst, obwohl sie unn�tigerweise ihre R�cke richtete. Die Stickereien auf ihrem Gewand waren jetzt silbern. �Ich dachte, du h�ttest den Saal der Burg mittlerweile unter Kontrolle.�</p><p>�Das ist ungef�hr so, als h�tte man ein Frettchen unter Kontrolle�, erwiderte Egwene trocken. �Es streckt und windet sich, um einen ins Handgelenk zu bei�en. Oh, wenn es um den Krieg gegen Elaida geht, tun sie, was ich sage � da kommen sie nicht herum, auch wenn sie �ber die Kosten f�r weitere Soldaten murren! Aber die Abmachung mit den Kusinen hat nichts mit dem Krieg zu tun oder dass man sie dar�ber informiert hat, dass die Wei�e Burg die ganze Zeit von ihnen gewusst hat. Oder es zumindest gedacht hat. Der ganze Saal bek�me einen Schlaganfall, wenn sie herausf�nden, wie viel sie eigentlich nicht wissen. Sie geben sich ziemliche M�he, einen Weg zu finden, die Aufnahme neuer Novizinnen zu verhindern.�</p><p>�Das k�nnen sie doch nicht tun, oder?�, wollte Nynaeve wissen. Sie machte einen Stuhl f�r sich, aber als sie nachsah, um sich zu vergewissern, dass er auch dort stand, war es eine Kopie von Egwenes Stuhl; als sie sich setzte, war es ein dreibeiniger Stuhl, und als sie sa�, hatte er sich in einen Bauernhofstuhl mit Sprossenlehne verwandelt. Ihr Gewand wies nun einen Reitrock auf. �Du hast eine Proklamation herausgegeben. Jede Frau jeden Alters, falls sie den Test besteht. Du musst nur eine weitere verfassen, diesmal �ber die Kusinen.� Elayne machte ihren Stuhl zu einer Kopie der St�hle aus ihrem Wohnzimmer. So war es viel einfacher, ihn aufrechtzuerhalten.</p><p>�Oh, eine Proklamation der Amyrlin ist so gut wie ein Gesetz�, sagte Egwene. �Bis der Saal eine M�glichkeit findet, sie zu umgehen. Bei der neuesten Beschwerde geht es darum, dass wir nur sechzehn Aufgenommene haben. Allerdings behandeln die meisten Schwestern Faolain und Theodrin, als w�ren sie noch immer Aufgenommene. Aber selbst achtzehn reichen nicht mal ann�hernd aus, um den Novizinnen den Unterricht zu erteilen, den Aufgenommene zu leisten imstande sein m�ssten. Also m�ssen ihn die Schwestern mit �bernehmen. Ich glaube, einige von ihnen hatten die Hoffnung, das Wetter w�rde ihre Zahl klein halten, aber das hat es nicht.� Pl�tzlich musste sie l�cheln und in ihren dunklen Augen funkelte Schadenfreude. �Es gibt da eine Novizin, die ich dir gern vorstellen w�rde, Nynaeve. Sharina Melloy. Eine Gro�mutter. Ich glaube, du w�rdest mir zustimmen, dass sie eine erstaunliche Frau ist.�</p><p>Nynaeves Stuhl l�ste sich in Luft auf und sie landete mit einem deutlich h�rbaren Aufprall auf dem Boden. Sie schien es kaum zu bemerken, denn sie blieb dort sitzen und starrte Egwene erstaunt an. �Sharina Melloy?�, sagte sie mit zitternder Stimme. �Sie ist Novizin?� Pl�tzlich trug sie ein Gewand, wie es Elayne noch nie zuvor gesehen hatte, mit flie�enden �rmeln und einem tiefen Ausschnitt, bestickt mit Blumenmustern und Zuchtperlen. Ihr Haar floss bis zur Taille, gehalten von einem Netz aus feinem, mit Smaragden und Mondsteinen besetztem Golddraht, der nicht dicker als ein Wollfaden war. Und an ihrem linken Zeigefinger steckte ein einfacher Goldring. Nur der <emphasis>Ki'sain</emphasis> und der Gro�e Schlangenring hatten sich nicht ver�ndert.</p><p>Egwene blinzelte. �Du kennst diesen Namen?�</p><p>Nynaeve erhob sich wieder auf die F��e und starrte ihre Kleidung an. Sie hielt die linke Hand hoch und ber�hrte den schlichten Goldring beinahe z�gernd.</p><p>Seltsamerweise lie� sie alles so, wie es war. �M�glicherweise handelt es sich um eine andere Frau�, murmelte sie. �Es kann nicht sein!� Sie erschuf einen Stuhl wie Egwenes und sah ihn stirnrunzelnd an, als w�rde sie ihm befehlen, sich keinesfalls von der Stelle zu r�hren, aber als sie Platz nahm, wies er eine hohe Lehne auf. �Da gab es eine Sharina Melloy... Es war w�hrend meiner Pr�fung zur Aufgenommenen�, stie� sie atemlos hervor. �Ich muss dar�ber nicht sprechen, so lautet die Regel!�</p><p>�Nat�rlich musst du das nicht�, erwiderte Egwene, obwohl der Blick, den sie Nynaeve zuwarf, mit Sicherheit genauso seltsam war wie der, mit dem Elayne sie ansah. Dennoch konnte man nicht mehr tun; wenn Nynaeve stur sein wollte, konnte sie Maultiere darin unterrichten.</p><p>�Da du die Kusinen angesprochen hast, Egwene�, sagte Elayne, �hast du dir weitere Gedanken �ber den Eidstab gemacht?�</p><p>Egwene hob eine Hand, als wollte sie sie aufhalten, aber ihre Erwiderung war ruhig und besonnen. �Dar�ber muss man nicht weiter nachdenken. Die Drei Eide, die auf den Eidstab abgelegt werden, machen uns zu Aes Sedai. Ich habe das zuerst nicht eingesehen, aber jetzt tue ich es. Am ersten Tag, an dem wir in der Burg herrschen, werde ich die Drei Eide auf den Eidstab schw�ren.�</p><p>�Das ist Wahnsinn!�, rief Nynaeve und beugte sich auf ihrem Stuhl vor. �berraschenderweise war es noch immer derselbe Stuhl. Und noch immer dasselbe Gewand. Sehr �berraschend. Ihre H�nde waren zu F�usten geballt, die auf ihrem Schoss ruhten. �Du wei�t, was das zur Folge hat, die Kusinen sind der Beweis daf�r! Wie viele Aes Sedai werden �lter als dreihundert Jahre? Oder erreichen �berhaupt dieses Alter? Und sag mir nicht, ich soll nicht �ber das Alter sprechen. Das ist ein l�cherlicher Brauch und das wei�t du. Egwene, sie haben Reanne zur �ltesten gemacht, weil sie die �lteste Frau der Kusinen in Ebou Dar war. Die �lteste �berhaupt ist eine Frau namens Aloisia Nemosni, eine �lh�ndlerin in Tear. Egwene, sie ist fast <emphasis>sechshundert</emphasis> Jahre alt! Wenn der Saal das h�rt, dann wette ich, dass die Schwestern bereit sind, den Eidstab auf ein Regal zu verbannen.�</p><p>�Dreihundert Jahre sind eine lange Zeit�, warf Elayne ein, �aber ich kann nicht behaupten, dass mich die Aussicht gl�cklich macht, m�glicherweise meine Lebensspanne zu halbieren, Egwene. Und was ist mit dem Eidstab und deinem Versprechen gegen�ber den Kusinen? Reanne m�chte eine Aes Sedai sein, aber was geschieht, wenn sie die Eide schw�rt? Und Aloisia? Werden sie tot umfallen? Du kannst sie nicht um den Schwur bitten, wenn du es nicht wei�t.�</p><p>�Ich <emphasis>bitte</emphasis> um nichts.� Egwenes Gesicht war noch immer unbewegt, aber sie sa� aufrechter da und ihre Stimme war k�hler. Und h�rter. Ihr Blick war bohrend. �Jede Frau, die Schwester werden will, <emphasis>wird</emphasis> die Eide schw�ren. Und jede, die sich weigert und sich trotzdem Aes Sedai nennt, <emphasis>wird</emphasis> die volle Macht der Burgjustiz zu sp�ren bekommen.�</p><p>Der kompromisslose Blick lie� Elayne schlucken. Nynaeve wurde blass. Egwenes Worte waren unmissverst�ndlich. Jetzt h�rten sie nicht ihre Freundin, sondern den Amyrlin-Sitz, und der Amyrlin-Sitz hatte keine Freunde, wenn die Zeit gekommen war, Recht zu sprechen.</p><p>Anscheinend zufrieden mit dem, was sie sah, entspannte sich Egwene. �Ich kenne das Problem�, sagte sie in einem gelasseneren Tonfall. Gelassener, das schon, aber er lud nicht zur Diskussion ein. �Ich erwarte von jeder Frau, die im Novizinnenbuch steht, dass sie so weit geht, wie sie kann, dass sie sich die Stola verdient, wenn sie kann, und als Aes Sedai dient, aber ich will nicht, dass einer daf�r stirbt, wenn er sonst leben k�nnte. Sobald der Saal von den Kusinen erf�hrt und sobald sie sich wieder beruhigt haben, werde ich ihnen wohl die Zustimmung abringen k�nnen, dass eine Schwester, die sich zur Ruhe setzen will, das auch tun kann. Von den Eiden entbunden.� Sie waren vor langer Zeit zu dem Schluss gekommen, dass der Stab auch dazu benutzt werden konnte, jemanden von seinen Eiden zu entbinden; wieso h�tten die Schwarzen Schwestern sonst l�gen k�nnen?</p><p>�Ich sch�tze, das w�re in Ordnung�, gestand ihr Nynaeve verst�ndnisvoll zu. Elayne nickte blo�; sie war sich sicher, dass da noch mehr kam.</p><p>�Sich bei den Kusinen zur Ruhe setzt, Nynaeve�, erg�nzte Egwene sanft. �Auf diese Weise sind die Kusinen ebenfalls an die Burg gebunden. Nat�rlich werden sie weiterhin ihren Regeln folgen, aber sie werden sich einverstanden erkl�ren m�ssen, dass ihr N�hkr�nzchen unter der Amyrlin anzusiedeln ist, wenn nicht sogar unter dem Saal, und dass Kusinen unter den Schwestern stehen. Ich will, dass sie ein Teil der Burg werden und nicht ihre eigenen Wege gehen. Aber ich glaube, dass sie darin einwilligen.�</p><p>Nynaeve nickte erneut, diesmal gl�cklich, aber ihr L�cheln verschwand, als ihr die volle Tragweite bewusst wurde. Sie stotterte indigniert. �Aber...! Bei den Kusinen bestimmt das Alter die Stellung! Du wirst dann Schwestern haben, die Befehle von Frauen annehmen m�ssen, die es nicht einmal bis zur Aufgenommenen geschafft haben!�</p><p>�Ehemalige Schwestern, Nynaeve.� Egwene spielte an dem Gro�en Schlangenring an ihrer rechten Hand herum und seufzte leise. �Selbst Kusinen, die sich den Ring verdient haben, tragen ihn nicht. Also werden wir auch das aufgeben m�ssen. Wir werden dann Kusinen sein, Nynaeve, keine Aes Sedai mehr.�</p><p>Sie h�rte sich an, als k�nnte sie diesen fernen Tag und den Verlust, den er bringen w�rde, bereits sp�ren, aber sie lie� den Ring los und holte tief Luft. �Nun, gibt es sonst noch etwas? Ich habe noch eine lange Nacht vor mir, und ich w�rde gern etwas echten Schlaf mitbekommen, bevor ich mich wieder den Sitzenden stellen muss.�</p><p>Nynaeve hatte stirnrunzelnd die Faust geballt und die andere Hand dar�bergelegt, um die Ringe zu verbergen, aber sie schien bereit zu sein, nicht weiter wegen den Kusinen zu diskutieren. Zumindest f�r den Augenblick. �Machen dir deine Kopfschmerzen noch immer zu schaffen? Ich finde, wenn die Massagen dieser Frau etwas helfen w�rden, h�ttest du sie nicht mehr.�</p><p>�Halimas Massagen wirken Wunder. Ohne sie k�nnte ich �berhaupt nicht schlafen. Nun, gibt es noch...� Sie verstummte und starrte auf den Eingang zum Thronraum und Elayne drehte sich um und folgte ihrem Blick.</p><p>Ein Mann stand dort und beobachtete sie, ein Mann, der beinahe so gro� wie ein Aiel war. Er hatte dunkelrotes Haar, in dem sich ein paar wei�e Str�hnen abzeichneten, aber kein Aiel h�tte je diesen blauen Mantel mit hohem Kragen getragen. Er wirkte muskul�s und sein hartes Gesicht kam ihnen irgendwie bekannt vor. Als er bemerkte, dass sie ihn gesehen hatten, drehte er sich um und rannte in den Korridor hinein, bis er aus ihrer Sicht verschwunden war.</p><p>Unwillk�rlich keuchte Elayne auf. Er hatte sich nicht zuf�llig ins <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> hineingetr�umt, sonst w�re er l�ngst verschwunden gewesen, aber sie konnte die Laute seiner Stiefel h�ren, die von den Bodenfliesen widerhallten. Entweder war er ein Traumg�nger � die es den Weisen Frauen zufolge nur selten gab �, oder er besa� ein eigenes <emphasis>Ter'angreal.</emphasis></p><p>Sie sprang auf und rannte ihm hinterher, aber so schnell sie auch war, Egwene war schneller. In dem einen Augenblick befand sie sich hinter ihnen, im n�chsten stand sie an der T�r und sah in die Richtung, in der der Mann verschwunden war. Elayne versuchte, sich neben Egwene hinzudenken, und schon stand sie da. Im Korridor herrschte nun Stille, er war bis auf die flackernden Kandelaber und Truhen und Wandbeh�nge leer.</p><p>�Wie habt ihr das gemacht?�, wollte Nynaeve wissen, die mit gesch�rzten R�cken angelaufen kam. Sie trug rote Str�mpfe, aus Seide! Als sie bemerkte, dass Elayne ihre Str�mpfe bemerkt hatte, lie� sie die R�cke hastig fallen und sp�hte in den Korridor. �Wo ist er hin? Er k�nnte alles geh�rt haben! Habt ihr ihn erkannt? Er hat mich an jemanden erinnert, ich wei� nur nicht, an wen.�</p><p>�An Rand�, sagte Egwene. �Er h�tte Rands Onkel sein k�nnen.�</p><p><emphasis>Aber nat�rlich,</emphasis> dachte Elayne. <emphasis>Falls Rand einen b�sartigen Onkel gehabt h�tte.</emphasis></p><p>Am anderen Ende des Thronsaals ert�nte ein metallisches Ger�usch. Die hinter dem Podest befindliche T�r zu den Ankleidezimmern schloss sich. Im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> standen T�ren entweder offen oder geschlossen, manchmal waren sie auch angelehnt; aber sie schwangen niemals zu.</p><p>�Beim Licht!�, murmelte Nynaeve. �Wie viele Leute haben uns denn belauscht? Ganz zu schweigen, wer und warum?�</p><p>�Wer auch immer sie sind�, erwiderte Egwene beherrscht, �anscheinend kennen sie das <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nicht so gut wie wir. Und man kann mit Sicherheit sagen, dass es keine Freunde waren, andernfalls h�tten sie nicht gelauscht. Und ich glaube auch nicht, dass sie Freunde waren, warum h�tten sie sonst von entgegengesetzten Enden des Raums lauschen sollen? Der Mann trug einen schienarischen Mantel. In meinem Heer sind Schienarer, aber die kennt ihr ja alle. Keiner von ihnen �hnelt Rand.�</p><p>Nynaeve schnaubte. �Nun, wer auch immer es ist, mir lauschen zu viele Leute hinter Ecken. Das ist jedenfalls meine Meinung. Ich will in meinen K�rper zur�ck, wo ich mir blo� wegen Spionen und vergifteten Dolchen Sorgen machen muss.�</p><p><emphasis>Schienarer,</emphasis> dachte Elayne. Grenzl�nder. Wie hatte ihr das nur entfallen k�nnen? Nun, da war diese kleine Angelegenheit mit der Spaltwurzel gewesen. �Da ist noch etwas�, sagte sie mit lauter, aber beherrschter Stimme, von der sie hoffte, dass sie nicht weit tragen w�rde, und berichtete von Dyelins Nachricht �ber die Grenzl�nder im Braem-Wald. Sie f�gte auch Meister Norrys Brieffreunde hinzu, w�hrend sie die ganze Zeit sowohl den Korridor als auch den Thronsaal im Auge zu behalten versuchte. Sie wollte nicht noch von einem anderen Spion �berrascht werden. �Ich glaube, diese Herrscher sind im Braem-Wald�, endete sie. �Alle vier.�</p><p>�Rand�, hauchte Egwene; es klang gereizt. �Selbst wenn er unauffindbar ist, macht er die Dinge komplizierter. Was meinst du, sind sie gekommen, um ihm ein B�ndnis anzubieten, oder wollen sie ihn Elaida �bergeben? Sonst w�sste ich keinen Grund, warum sie tausend Meilen reisen sollten. Mittlerweile m�ssen sie doch ihre Schuhe essen! Hast du auch nur eine Vorstellung davon, wie schwer es ist, ein Heer auf dem Marsch zu versorgen?�</p><p>�Ich glaube, das kann ich herausfinden�, sagte Elayne. �Ich meine, den Grund ihres Kommens. Und gleichzeitig... Egwene, du hast mich auf eine Idee gebracht.� Unwillk�rlich musste sie l�cheln. Der heutige Tag hatte <emphasis>doch</emphasis> etwas Gutes gebracht. �Ich glaube, ich k�nnte sie dazu benutzen, den L�wenthron zu sichern.�</p><p>Asne musterte den vor ihr stehenden gro�en Stickrahmen und stie� ein Seufzen aus, das zu einem G�hnen wurde. Die flackernden Lampen verbreiteten f�r diese Arbeit zu wenig Licht, aber das war nicht der Grund, warum ihre V�gel alle Schlagseite zu haben schienen. Sie w�nschte sich, in ihrem Bett zu liegen, und sie verabscheute Stickereien. Aber sie musste wach bleiben und das war die einzige M�glichkeit, einer Unterhaltung mit Chesmal zu entgehen. Was Chesmal Unterhaltung nannte. Die arrogante Gelbe sa� auf der anderen Seite des Raums konzentriert �ber ihre eigene Stickerei gebeugt, und sie glaubte, dass jeder, der eine Nadel ergriff, auch ein tiefes Interesse an dieser Handarbeit hatte. Andererseits wusste Asne genau, dass wenn sie nun von ihrem Stuhl aufstehen w�rde, Chesmal sie in k�rzester Zeit mit Geschichten �ber ihre eigene Wichtigkeit erfreuen w�rde. In den Monaten seit Moghediens Verschwinden hatte Asne die Geschichte, wie Chesmal dabei geholfen hatte, Tamra Ospenya der Befragung zu unterziehen, mindestens zwanzigmal geh�rt, und wie sie die Roten veranlasst hatte, Sierin Vayu zu ermorden, bevor sie ihre Verhaftung befehlen konnte, mindestens f�nfzigmal! Wenn man Chesmal so zuh�rte, hatte sie die Schwarze Ajah im Alleingang gerettet, und sie w�rde es erz�hlen, wenn sie die Gelegenheit erhielt. Diese Art von Gespr�chen waren nicht nur langweilig, sie waren auch gef�hrlich! Sogar t�dlich, wenn der Hohe Rat davon erfuhr. Also unterdr�ckte Asne ein neuerliches G�hnen, betrachtete die Arbeit mit zusammengekniffenen Augen und stie� die Nadel durch das fest aufgespannte Leinentuch. Vielleicht w�rde sie, wenn sie das Rotkehlchen gr��er machte, auch die Schwingen gr��er machen k�nnen.</p><p>Das Klicken des T�rriegels lie� beide Frauen aufsehen. Die beiden Diener wussten, dass man sie nicht st�ren durfte, au�erdem waren die Frau und ihr Mann schon l�ngst am Schlafen. Asne umarmte <emphasis>Saidar</emphasis> und kn�pfte ein Gewebe, das einen Eindringling bis auf die Knochen verbrennen w�rde, und auch Chesmal wurde von dem Gl�hen umgeben. Falls die falsche Person durch diese T�r schritt, w�rde sie es bereuen, bis sie starb.</p><p>Es war Eldrith; in der Hand hielt sie ihre Handschuhe, und ihr dunkler Umhang lag noch immer �ber ihren Schultern. Auch das Gewand der untersetzten Braunen war dunkel und schmucklos. Asne hasste es, einfache Wollkleider zu tragen, aber sie durften kein Aufsehen erregen. Die schmucklose Kleidung passte zu Eldrith.</p><p>Sie blieb bei ihrem Anblick stehen und blinzelte, auf ihrem runden Gesicht spiegelte sich momentane Verwirrung. �Du meine G�te�, sagte sie. �Was habt ihr geglaubt, wer ich bin?� Sie warf die Handschuhe auf den kleinen Tisch neben der T�r, dann wurde sie sich pl�tzlich ihres Umhangs bewusst und runzelte die Stirn, als w�re ihr erst jetzt klar geworden, dass sie ihn oben getragen hatte. Sie �ffnete sorgf�ltig die Silberbrosche an ihrem Hals und warf den Umhang auf einen Stuhl, wo er in einem unordentlichen Haufen liegen blieb.</p><p>Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> um Chesmal verlosch, als sie den Stickereirahmen zur Seite schob, damit sie aufstehen konnte. Ihr strenges Gesicht lie� sie gr��er erscheinen, als sie war, und sie war eine gro�e Frau. Die hellbunten Blumen, die sie gestickt hatte, h�tten in einem Garten stehen k�nnen. �Wo seid Ihr gewesen?�, verlangte sie zu wissen. Eldrith nahm unter ihnen den h�chsten Rang ein, au�erdem hatte Moghedien ihr das Kommando �bergeben, aber Chesmal nahm das, wenn �berhaupt, nur fl�chtig zur Kenntnis. �Ihr solltet heute Nachmittag zur�ck sein und jetzt ist die halbe Nacht vorbei!�</p><p>�Ich habe die Zeit vergessen�, erwiderte Eldrith scheinbar in Gedanken verloren. �Es ist lange her, seit ich das letzte Mal in Caemlyn war. Die Innenstadt ist faszinierend, und ich habe gro�artig in einem Gasthaus gegessen, an das ich mich erinnerte. Obwohl ich sagen muss, dass es fr�her dort weniger Schwestern gab. Jedoch hat mich niemand erkannt.� Sie schaute die Brosche an, als w�rde sie sich fragen, wo sie herkam, dann steckte sie sie in ihre G�rteltasche.</p><p>�Ihr habt die Zeit vergessen�, sagte Chesmal tonlos und verflocht die Finger auf Taillenh�he. Vielleicht um zu verhindern, dass sie sie um Eldriths Kehle legte. In ihren Augen funkelte Wut. �Ihr habt die Zeit vergessen.�</p><p>Eldrith blinzelte wieder, als w�re sie �berrascht, angesprochen zu werden. �Oh. Habt Ihr gef�rchtet, Kennit h�tte mich wiedergefunden? Ich versichere Euch, seit Samara habe ich gro�e Sorgfalt walten lassen, dass der Bund verh�llt ist.�</p><p>Manchmal fragte sich Asne, wie viel von Eldriths scheinbarer Zerstreutheit echt war. Niemand, der so wenig von der ihn umgebenden Welt mitbekam, h�tte so lange �berleben k�nnen. Andererseits war sie unaufmerksam genug gewesen, um die Verh�llung vor dem Eintreffen in Samara mehr als einmal verrutschen zu lassen; es hatte gereicht, damit ihr Beh�ter ihre Spur aufnehmen konnte. Sie hatten Moghediens Befehl befolgt, ihre R�ckkehr abzuwarten, und sich w�hrend des Aufruhrs nach ihrem Verschwinden verborgen gehalten; sie hatten abgewartet, w�hrend der Mob des so genannten Propheten s�dw�rts nach Amadicia str�mte und waren selbst dann in dieser erb�rmlichen zerst�rten Stadt geblieben, nachdem Asne zu der �berzeugung gelangt war, dass Moghedien sie aufgegeben hatte. Bei der Erinnerung daran verzogen sich ihre Lippen ver�chtlich. Die Ankunft von Eldriths Beh�ter Kennit in der Stadt hatte den Ausschlag f�r ihren Aufbruch gegeben; er war sich sicher, dass sie eine M�rderin war, war zur H�lfte �berzeugt, dass sie der Schwarzen Ajah angeh�rte, und fest entschlossen, sie zu t�ten, ganz egal, welche Konsequenzen das f�r ihn haben mochte. Sie selbst war ebenfalls nicht willens gewesen, sich diesen Konsequenzen zu stellen, was keine gro�e �berraschung gewesen war, und hatte sich geweigert, den Mann t�ten zu lassen. Die einzige Alternative hatte in der Flucht bestanden. Allerdings war Eldrith diejenige gewesen, die sie darauf aufmerksam gemacht hatte, dass ihre einzige Hoffnung in Caemlyn lag.</p><p>�Habt Ihr irgendetwas erfahren, Eldrith?�, fragte Asne h�flich. Chesmal war eine N�rrin. Wie zerr�ttet die Welt im Augenblick auch erschien, alles w�rde sich wieder einrenken. Auf die eine oder andere Weise.</p><p>�Was? Oh. Diese Pfefferso�e war nicht so gut, wie ich sie in Erinnerung hatte. Nat�rlich ist das f�nfzig Jahre her.�</p><p>Asne unterdr�ckte ein Seufzen. Vielleicht war doch die Zeit gekommen, dass Eldrith einen Unfall erlitt.</p><p>Die T�r �ffnete sich, und Temaile schl�pfte so leise ins Zimmer, dass sie alle �berrascht wurden. Die kleine Graue mit dem Fuchsgesicht hatte einen mit L�wen bestickten Morgenmantel �bergeworfen, aber er klaffte auf und entbl��te ein cremefarbenes Seidennachthemd, das auf unanst�ndige Art und Weise an ihrem K�rper klebte. In der einen Hand hielt sie einen Armreif aus in sich verdrehten Glasringen. Es sah wie Glas aus und f�hlte sich auch so an, aber kein Hammer h�tte auch nur einen Splitter herausl�sen k�nnen.</p><p>�Ihr wart im <emphasis>Td'amn'rhiod�,</emphasis> sagte Eldrith und bedachte das <emphasis>Ter'angreal</emphasis> mit einem Stirnrunzeln. Allerdings hielt sie ihren Tonfall gem��igt. Seit Moghedien sie gezwungen hatte, mit anzusehen, wie Liandrin endg�ltig gebrochen wurde, f�rchteten sie sich alle ein wenig vor Temaile. Asne vermochte nicht mehr zu sagen, wie oft sie in den hundertdrei�ig Jahren seit Erringung der Stola get�tet oder gefoltert hatte, aber ihr war nur selten jemand begegnet, der so... <emphasis>enthusiastisch</emphasis> wie Temaile ans Werk gegangen war. Chesmal beobachtete sie und versuchte gleichzeitig so zu tun, als t�te sie es nicht, und sie schien sich nicht bewusst zu sein, dass sie sich nerv�s die Lippen befeuchtete. Asne zog hastig ihre eigene Zunge hinter die Z�hne und hoffte, dass es keiner bemerkt hatte. Wegen Eldrith brauchte sie sich da keine Sorgen zu machen. �Wir waren �bereingekommen, es nicht zu benutzen�, fuhr Eldrith fort, und es fehlte nicht viel, und es h�tte sich flehentlich angeh�rt. �Ich bin �berzeugt, es war Nynaeve, die Moghedien verwundet hat, und wenn sie im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> eine der Auserw�hlten besiegen kann, welche Chance haben dann wir?� Sie wandte sich den anderen zu und bem�hte sich um einen r�genden Tonfall. �Habt ihr davon gewusst?� Es gelang ihr tats�chlich, z�nkisch zu klingen.</p><p>Chesmal erwiderte Eldriths Blick emp�rt, w�hrend Asne �berraschte Unschuld zur Schau stellte. Sie hatten Bescheid gewusst, aber wer w�rde sich Temaile in den Weg stellen? Und Asne bezweifelte doch sehr, dass Eldrith, w�re sie hier gewesen, mehr getan h�tte als nur der Form halber zu protestieren.</p><p>Temaile wusste genau, welche Wirkung sie auf die anderen aus�bte. Eigentlich h�tte sie nach Eldriths Strafpredigt � so halbherzig sie auch gewesen war �den Kopf h�ngen lassen und sich daf�r entschuldigen m�ssen, gegen ihre Anweisungen gehandelt zu haben. Stattdessen l�chelte sie. Allerdings erreichte das L�cheln nie ihre Augen, die gro� und dunkel waren und viel zu sehr strahlten. �Ihr hattet Recht, Eldrith, dass Elayne herkommen und Nynaeve sie begleiten w�rde. Sie waren zusammen, und es ist eindeutig, dass sich beide im Palast aufhalten.�</p><p>�Ja�, sagte Eldrith und wand sich unter Temailes Blick. �Gut.� Und sie befeuchte <emphasis>ihre</emphasis> Lippen und scharrte sogar mit den F��en. �Trotzdem, bis wir eine M�glichkeit gefunden haben, an allen diesen Wilden vorbeizukommen ...�</p><p>�Es sind <emphasis>Wilde,</emphasis> Eldrith.� Temaile warf sich auf einen Stuhl, streckte alle viere von sich, und ihr Tonfall wurde h�rter. Nicht genug, um befehlend zu erscheinen, aber zweifellos mehr als nur entschieden. �Es gibt nur drei Schwestern, die uns Schwierigkeiten bereiten k�nnten, und deren k�nnen wir uns entledigen. Wir k�nnen Nynaeve gefangen nehmen und Elayne vielleicht gleich mit.� Abrupt beugte sie sich vor und legte die H�nde auf die Stuhllehnen. In Unordnung gebrachte Kleidung oder nicht, in diesem Augenblick ging von ihr nicht mal ein Hauch von L�ssigkeit aus. Eldrith trat zur�ck, als h�tte Temailes Blick sie zur�ckgesto�en. �Warum sind wir sonst hier, Eldrith? Deswegen sind wir gekommen.�</p><p>Darauf wusste niemand etwas zu erwidern. Hinter ihnen lag eine Reihe von Fehlschl�gen � in Tear, in Tanchico �, die ihnen m�glicherweise das Leben kosten w�rden, wenn der Hohe Rat sie in seine H�nde bekam. Aber das w�rde nicht geschehen, wenn sie einen der Auserw�hlten zum Patron hatten, und da Moghedien so verzweifelt auf Nynaeve Jagd gemacht hatte, w�rde sie m�glicherweise auch f�r einen der anderen von ihnen interessant sein. Die eigentliche Schwierigkeit w�rde darin liegen, einen der Auserw�hlten zu finden, um ihr Geschenk zu �bergeben. Daran schien bis auf Asne noch keiner gedacht zu haben.</p><p>�Da waren noch andere�, fuhr Temaile fort und lehnte sich wieder zur�ck. Sie klang fast gelangweilt. �Die unsere beiden Aufgenommenen belauscht haben. Ein Mann, der zulie�, dass sie ihn sahen, und jemand anders, den ich nicht sehen konnte.� Sie schmollte ver�rgert. Das hei�t, es w�re ein Schmollen gewesen, h�tte in ihren Augen nicht dieser Ausdruck gelegen. �Ich musste mich hinter einer S�ule verbergen, damit mich die M�dchen nicht entdecken konnten. Es d�rfte Euch erfreuen, Eldrith, dass sie mich nicht wahrgenommen haben. Seid Ihr zufrieden?�</p><p>Eldrith stammelte beinahe, als sie herausplatzte, wie zufrieden sie war.</p><p>Asne tastete nach ihren vier Beh�tern, die immer n�her kamen. Nach der Abreise aus Samara hatte sie aufgeh�rt, ihren Bund zu verh�llen. Nur Powl war ein Schattenfreund, doch die anderen w�rden tun, was auch immer sie befahl, glauben, was auch immer sie ihnen sagte. Man w�rde sie unbedingt vor den anderen Schwestern verbergen m�ssen, es sei denn, ihre Hilfe w�re von entscheidender Bedeutung, aber sie wollte bewaffnete M�nner in der N�he haben. Muskeln und Stahl waren sehr n�tzlich. Und falls es zum Schlimmsten kam, konnte sie immer noch den langen, fl�tenartigen Stab enth�llen, den Moghedien doch nicht so gut verborgen hatte, wie sie geglaubt hatte.</p><p>Das Licht des anbrechenden Tages, das durch die Fenster des Wohnzimmers schien, war grau; es war eine fr�here Stunde, als Lady Shiaine f�r gew�hnlich aufstand, aber an diesem Morgen hatte sie sich ankleidet, als drau�en noch v�llige Finsternis herrschte. Lady Shiaine, so sah sie sich heutzutage. Mili Skane, des Sattelmachers Tochter, war fast v�llig vergessen. Sie war die Lady Shiaine Avarhin, und zwar auf jede Weise, die z�hlte, und das seit Jahren. Lord Willim Avarhin war verarmt gewesen, hatte in einem heruntergekommenen Bauernhaus leben m�ssen und nicht einmal mehr das ordentlich instandhalten k�nnen. Er und seine einzige Tochter, die Letzte eines dahinschwindenden Adelsgeschlechts, hatten auf dem Land gelebt, weit von allem entfernt, was ihre Armut h�tte enth�llen k�nnen, und jetzt waren sie nur noch im Wald neben diesem Bauernhaus begrabene Knochen, und <emphasis>sie</emphasis> war die Lady Shiaine. Und wenn dieses gro�e, stattliche Steinhaus auch kein herrschaftliches Anwesen darstellte, war es doch immerhin der Besitz einer wohlhabenden H�ndlerin gewesen. Auch sie war schon lange tot � nachdem sie ihrer �Erbin� ihr ganzes Gold vermacht hatte. Die M�bel verrieten solides Handwerk, die Teppiche waren teuer, die Wandbeh�nge und sogar die Kissen mit Goldf�den bestickt, und in dem gro�en Kamin aus blau ge�dertem Marmor knisterte ein Feuer. Sie hatte in den einst schmucklosen T�rbalken Avarhins Herz und Hand einschnitzen lassen, in mehreren Reihen.</p><p>�Mehr Wein, M�dchen�, sagte sie knapp und Falion eilte mit dem Silberkrug mit dem hohen Hals herbei, um ihren Pokal mit dampfendem, gew�rztem Wein aufzuf�llen. Die Livree einer Magd mit dem Roten Herzen und der Goldenen Hand auf der Brust stand Falion gut. Ihr langes Gesicht war eine erstarrte Maske, als sie davoneilte, um den Krug auf der Kommode abzustellen und wieder ihren Platz neben der T�r einzunehmen.</p><p>�Ihr spielt ein gef�hrliches Spiel�, sagte Marillin Gemalphin und rollte ihren Pokal zwischen den H�nden. Die Schwester der Braunen war eine d�rre Frau mit leblosem braunem Haar und sah nicht wie eine Aes Sedai aus. Ihr schmales Gesicht und die breite Nase h�tte besser zu Falions Livree gepasst als zu dem teuren blauen Tuch ihres Gewandes, und das passte ohnehin nur zu einer m��ig erfolgreichen H�ndlerin. �Sie ist irgendwie abgeschirmt, ich wei�, aber wenn sie wieder die Macht lenken kann, wird sie Euch f�r das hier schreien lassen.� Ihre schmalen Lippen verzogen sich zu einem humorlosen L�cheln. �Vielleicht werdet Ihr Euch dann sogar w�nschen, Ihr k�nntet noch schreien.�</p><p>�Das war Moridins Entscheidung�, erwiderte Shiaine. �Sie hat in Ebou Dar versagt und er befahl ihre Bestrafung. Ich kenne die Einzelheiten nicht und ich will sie auch gar nicht kennen, aber wenn Moridin ihre Nase im Dreck sehen will, sto�e ich sie so tief hinein, dass sie ein Jahr lang nur Schlamm atmet. Oder schlagt Ihr mir etwa vor, ich soll einem der Auserw�hlten nicht gehorchen?� Bei dem Gedanken konnte sie nur m�hsam ein Schaudern unterdr�cken. Marillin versuchte ihren Gesichtsausdruck zu verbergen, indem sie einen Schluck trank, aber ihre Augen wurden schmaler. �Was ist mit dir, Falion?�, fragte Shiaine. �M�chtest du, dass ich Moridin bitte, dich fortzuholen? Er k�nnte f�r dich etwas weniger Beschwerliches finden.� Und vielleicht w�rden Maultiere wie Nachtigallen singen.</p><p>Falion z�gerte nicht einmal. Sie machte den tiefen Knicks einer Dienstmagd, w�hrend ihr Gesicht noch bleicher wurde als zuvor. �Nein, Herrin�, sagte sie hastig. �Ich bin mit meiner Stellung zufrieden, Herrin.�</p><p>�Seht Ihr?�, sagte Shiaine zu der anderen Aes Sedai. Sie bezweifelte sehr, dass Falion auch nur im Mindesten zufrieden war, aber die Frau w�rde alles tun, was man ihr sagte, um sich nicht Moridins Unzufriedenheit auszusetzen. Aus dem gleichen Grund w�rde Shiaine sie mit ausgesprochen harter Hand behandeln. Man konnte nie wissen, was einer der Auserw�hlten erfuhr und m�glicherweise missverstand. Sie selbst war zwar der Meinung, ihr eigenes Versagen tief genug begraben zu haben, aber sie w�rde kein Risiko eingehen. �Wenn sie wieder die Macht lenken kann, wird sie nicht die ganze Zeit als Dienstmagd arbeiten m�ssen, Marillin.� Au�erdem hatte Moridin ihr gesagt, dass sie sie t�ten konnte, wenn sie es wollte. Aber das konnte man immer noch tun, wenn sie zu l�stig wurde. Er hatte gesagt, sie k�nnte beide Schwestern t�ten, wenn sie wollte.</p><p>�Das mag schon sein�, bemerkte Marillin finster. Sie warf Falion einen Seitenblick zu und verzog das Gesicht. �Nun, Moghedien hat mir befohlen, Euch jede Hilfe anzubieten, zu der ich imstande bin, aber ich sage Euch gleich, dass ich den K�niglichen Palast nicht betreten werde. F�r meinen Geschmack halten sich in der Stadt viel zu viele Schwestern auf, aber der Palast ist obendrein auch noch mit Wilden voll gestopft. Ich w�rde keine zehn Schritte weit kommen, ohne dass jemand meine Anwesenheit bemerkt.�</p><p>Seufzend lehnte sich Shiaine zur�ck, schlug die Beine �bereinander und wippte mit dem Fu�. Warum glaubten die Leute eigentlich immer, man w�sste nicht genauso viel wie sie? Die Welt war voller Narren! �Moghedien hat Euch befohlen, mir zu gehorchen, Marillin. Ich wei� das, weil Moridin es mir gesagt hat. Er hat es zwar nicht direkt so ausgedr�ckt, aber ich glaube, dass Moghedien springt, wenn er mit dem Finger schnippt.� Auf diese Weise �ber die Auserw�hlten zu sprechen war gef�hrlich, aber sie musste f�r klare Verh�ltnisse sorgen. �Wollt Ihr mir noch einmal sagen, was Ihr alles nicht tun werdet?�</p><p>Die schmalgesichtige Aes Sedai befeuchtete sich die Lippen und warf Falion noch rasch einen Blick zu. F�rchtete die Frau, sie w�rde so enden? In Wahrheit h�tte Shiaine Falion auf der Stelle gegen eine richtige Dienstmagd eingetauscht. Nun, so lange sie ihre anderen Dienste beibehielt. Vermutlich w�rden sie beide sterben m�ssen, wenn das hier vorbei war. Shiaine mochte keine losen Enden.</p><p>�Das war keine L�ge�, sagte Marillin gedehnt. �Ich w�rde keine zehn Schritte weit kommen. Aber es befindet sich bereits eine Frau im Palast. Sie kann tun, was Ihr wollt. Allerdings k�nnte es etwas dauern, mit ihr in Verbindung zu treten.�</p><p>�Seht nur zu, dass es nicht zu lange dauert, Marillin.� So. Also geh�rte eine der Schwestern im Palast zur Schwarzen Ajah? Um das zu tun, was Shiaine brauchte, w�rde es eine Aes Sedai sein m�ssen, nicht blo� eine Schattenfreundin.</p><p>Die T�r �ffnete sich, und Murellin schaute fragend hinein; seine muskul�se Gestalt f�llte die T�r fast aus. Hinter ihm konnte sie einen weiteren Mann ausmachen. Nach ihrem Nicken trat Murellin zur Seite, bedeutete Daved Hanion einzutreten und schloss die T�r hinter ihm. Hanion war in einen dunklen Umhang geh�llt, aber er lie� eine Hand zwischen den Falten hervorschie�en, um Falions Hinterteil durch ihr Kleid hindurch zu t�tscheln. Sie starrte ihn verbittert an, entzog sich ihm aber nicht. Hanion war Teil ihrer Bestrafung. Allerdings versp�rte Shiaine keine Lust, ihm dabei zuzusehen, wie er die Frau betatschte.</p><p>�Macht das sp�ter�, befahl sie. �Hat es geklappt?�</p><p>Sein axtgleiches Gesicht verzog sich zu einem breiten Grinsen. �Es hat sich nat�rlich genau so abgespielt, wie ich es geplant habe.� Er warf die eine Seite seines dunklen Umhangs �ber die Schulter und enth�llte die goldenen Abzeichen seines Ranges auf seinem roten Mantel. �Ihr sprecht mit dem Hauptmann der K�niglichen Leibwache.�</p></section><section><title><p>11</p><p>Bedeutsame Ideen</p></title><p>Ohne einen Blick zu verschwenden, trat Rand durch das Wegetor in einen gro�en, dunklen Raum. Die Anstrengung, <emphasis>Saidin</emphasis> zu bezwingen und das Gewebe zusammenzuhalten, lie� ihn schwanken; er versp�rte einen Brechreiz, den Drang, sich zusammenzukr�mmen und seinen ganzen Mageninhalt auszuspeien. Allein sich aufrecht zu halten war eine gro�e Anstrengung. Durch die Spalten in den L�den der kleinen Fenster hoch oben an der einen Wand drang etwas Licht hindurch; solange er die Eine Macht hielt, reichte es gerade aus, um etwas sehen zu k�nnen. Der Raum war voller M�bel und mit gro�en T�chern abgedeckter Gegenst�nde, dazwischen standen gro�e F�sser von der Art, in denen man Geschirr verstaute, sowie Truhen in allen Gr��en und Formen, Kisten und K�sten und allerlei Krimskrams. Lediglich ein schmaler Durchgang stand frei, der kaum breiter als ein oder zwei Schritte war.</p><p>Rand war der festen �berzeugung gewesen, hier auf keine Diener zu sto�en, die etwas suchten oder sauber machten. Im obersten Stockwerk des K�niglichen Palasts gab es mehrere solcher Abstellr�ume, in denen es wie auf den Dachkammern gro�er Bauernh�fe aussah und die genauso in Vergessenheit geraten waren. Davon abgesehen war er schlie�lich <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Gut, dass niemand hier gewesen war, als sich das Wegetor ge�ffnet hatte. Die eine Seite hatte die Ecke einer leeren, mit br�chigem, verrottendem Leder verst�rkten Kiste abgeschnitten, die andere hatte ein St�ck von der L�ngsseite eines mit Intarsien versehenen Tisches abrasiert, auf dem sich Vasen und Holzkisten stapelten. Vielleicht hatte vor ein oder zwei Jahrhunderten eine K�nigin von Andor an diesem Tisch gespeist.</p><p><emphasis>Vor ein oder zwei Jahrhunderten.</emphasis> Lews Therin lachte kehlig in seinem Kopf. <emphasis>Eine sehr lange Zeit. Um der Liebe zum Licht willen, lass los! Das hier ist der Pfuhl des Ver �derbens!</emphasis> Die Stimme verklang, als sich der Mann in die Abgr�nde von Rands Bewusstsein fl�chtete.</p><p>Ausnahmsweise hatte er seine eigenen Gr�nde, auf Lews Therins Klagen zu h�ren. Er bedeutete Min, die auf der anderen Torseite auf der Waldlichtung stand, mit einem hastigen Wink, ihm zu folgen, und sobald sie hindurchgetreten war, gab er <emphasis>Saidin</emphasis> frei und lie� zu, dass sich das Tor zu einem vertikalen Lichtstreifen zusammenzog und vergl�hte. Gl�cklicherweise verschwand die �belkeit mit ihm. In seinem Kopf drehte sich noch immer alles, aber er hatte nicht mehr das Gef�hl, sich gleich �bergeben zu m�ssen oder umzukippen oder beides. Das Gef�hl, von Schmutz durchdrungen zu werden, blieb jedoch bestehen; der Makel des Dunklen K�nigs tropfte aus den Str�ngen der Macht, die er um sich herum geschlungen und verknotet hatte, in ihn hinein. Er wechselte den Riemen seiner Ledertasche von der einen Schulter zur anderen und versuchte durch die Bewegung zu verbergen, dass er sich mit dem �rmel den Schwei� vom Gesicht wischte. Die Sorge, dass Min es schlie�lich doch bemerkte, war jedoch unn�tig.</p><p>Ihre blauen Stiefel brachten mit dem ersten Schritt den Staub auf dem Boden in Bewegung und lie�en ihn mit dem zweiten in die H�he wallen. Sie konnte gerade noch rechtzeitig ein spitzenbesetztes Taschentuch aus dem Mantel�rmel ziehen, um ein heftiges Niesen aufzufangen, dem ein zweites und drittes folgte, ein jedes noch heftiger als das vorherige. Rand w�nschte sich, sie w�re bereit gewesen, das Kleid anzubehalten. Aufgestickte wei�e Blumen zogen sich �ber die �rmel und Aufschl�ge des blauen Mantels und die Hosen in einem helleren Blau lagen eng an und zeichneten die Konturen ihrer Beine nach. Mit den hellblauen, mit gelben Stickereien verzierten Reithandschuhen, die in ihrem G�rtel steckten, und dem mit gelben Verzierungen ges�umten und von einer goldenen Spange in Form einer Rose gehaltenen Umhang erweckte sie durchaus den Eindruck, dass sie auf konventionellere Weise eingetroffen war. Trotzdem w�rde sie jedermanns Blicke auf sich ziehen. Er trug braune Kleidung aus grobem Tuch wie sie jeder Tagel�hner h�tte tragen k�nnen. An den meisten Orten, die sie im Verlauf der letzten Tage besucht hatten, hatte er alle Welt von seiner Anwesenheit Zeuge werden lassen, diesmal wollte er nicht nur wieder fort sein, bevor sich die Nachricht von seiner Anwesenheit verbreitete, es sollten �berhaupt nur einige wenige Leute erfahren, dass er da gewesen war.</p><p>�Warum grinst du mich so an und ziehst wie ein einf�ltiger Dummkopf an deinem Ohr?�, wollte Min wissen und schob das Taschentuch zur�ck in den �rmel. Ihre gro�en dunklen Augen waren voller Misstrauen.</p><p>�Ich dachte gerade dar�ber nach, wie sch�n du bist�, sagte er leise. Das war sie tats�chlich. Er konnte sie nicht ansehen, ohne dies zu denken. Oder ohne zu bedauern, dass er zu schwach war, sie fortzuschicken, damit sie in Sicherheit war.</p><p>Sie holte tief Luft und nieste, bevor sie die Hand vor den Mund halten konnte, dann starrte sie ihn an, als w�re dies irgendwie seine Schuld. �Rand al'Thor, deinetwegen habe ich mein Pferd zur�ckgelassen. Deinetwegen habe ich mir Locken gemacht. Ich habe f�r dich mein <emphasis>Leben</emphasis> aufgegeben! Aber ich werde nicht meinen Mantel und meine Hosen aufgeben! Davon abgesehen hat mich hier keiner jemals l�nger in einem Kleid gesehen, als es gedauert hat, mich umzuziehen. Du wei�t genau, dass unser Plan misslingt, wenn man mich nicht erkennt. Mit diesem Gesicht kannst du niemanden davon �berzeugen, dass du einfach von der Stra�e reingekommen bist.�</p><p>Unwillk�rlich strich er mit der Hand �ber seinen Unterkiefer und ber�hrte sein Gesicht, aber das war nicht das Gesicht, das Min sah. Jeder, der ihn ansah, w�rde einen Mann sehen, der Spannen k�rzer und Jahre �lter als Rand al'Thor war, der glattes schwarzes Haar, matte braune Augen und eine Warze auf der Knollennase hatte. Nur jemand, der ihn ber�hrte, konnte die Maske der Spiegel durchdringen. Nicht mal ein Asha'man w�rde es bemerken, da das Geflecht aus Macht umgest�lpt war. Allerdings h�tte die Anwesenheit eines Asha'mans im Palast bedeutet, dass seine Pl�ne noch bedeutend umfassender gescheitert waren als vermutet. Dieser Besuch durfte nicht dazu f�hren, dass jemand get�tet wurde. Aber davon abgesehen: sie hatte Recht. Es handelte sich nicht um ein Gesicht, dem man erlaubt h�tte, den Palast von Andor ohne Eskorte zu betreten.</p><p>�Solange wir das schnell erledigen und wieder verschwinden k�nnen�, sagte er. �Bevor jemand genug Zeit hat, um auf den Gedanken zu kommen, dass wenn du hier bist, ich es vielleicht auch bin.�</p><p>�Rand�, sagte sie leise und er schaute sie misstrauisch an. Sie legte eine Hand auf seine Brust und blickte mit ernstem Gesichtsausdruck zu ihm hoch. �Rand, du musst mit Elayne sprechen. Und ich sch�tze, mit Aviendha auch; du wei�t, dass sie vermutlich ebenfalls hier sein wird. Wenn du...�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und w�nschte sich, er h�tte es sein gelassen. Das Schwindelgef�hl war noch immer nicht v�llig verschwunden. �Nein!�, sagte er kurz angebunden. Beim Licht! Ganz egal, was Min auch sagte, er konnte einfach nicht glauben, dass sowohl Elayne als auch Aviendha ihn liebten. Oder dass die Tatsache, dass sie <emphasis>so</emphasis> empfanden � falls es wirklich eine Tatsache war �, Min nicht aufbrachte. So <emphasis>seltsam</emphasis> konnten Frauen nun auch wieder nicht sein! Elayne und Aviendha hatten genug Gr�nde, ihn zu hassen und nicht zu lieben, und zumindest Elayne hatte ihre Meinung deutlich zum Ausdruck gebracht. Was noch viel schlimmer war, er liebte sie beide, so wie er Min liebte! Er musste so hart wie Stahl sein, aber er w�rde bestimmt in tausend St�cke zerspringen, wenn er allen dreien gleichzeitig gegen�bertreten musste. �Wir finden Nynaeve und Mat und verschwinden dann, so schnell wir k�nnen.� Sie wollte etwas erwidern, aber er gab ihr keine Gelegenheit dazu. �Streite nicht mit mir, Min. Daf�r haben wir keine Zeit!�</p><p>Min legte den Kopf schief und setzte ein kleines, am�siertes L�cheln auf. �Als ob ich jemals mit dir streiten w�rde! Tue ich nicht immer genau das, was du von mir verlangst?� Und als w�re diese L�ge nicht bereits schlimm genug, f�gte sie hinzu: �Ich wollte sagen, wenn du es so eilig hast, warum stehen wir dann den ganzen Tag lang in dieser staubigen Abstellkammer herum?� Und um ihr Argument zu unterstreichen, nieste sie erneut.</p><p>Selbst mit ihrer Kleidung war es unwahrscheinlich, dass sie irgendwelches Aufsehen erregen w�rde, also steckte sie als Erste den Kopf durch die T�r. Anscheinend war der Abstellraum doch nicht v�llig in Vergessenheit geraten; die schweren T�rangeln gaben kaum ein Ger�usch von sich. Ein schneller Blick nach beiden Seiten und sie eilte nach drau�en und gab ihm das Zeichen, ihr zu folgen. <emphasis>Ta'veren</emphasis> oder nicht, er versp�rte Erleichterung, dass der lange Korridor leer war. Selbst der einf�ltigste Diener h�tte sich gewundert, sie aus einem Abstellraum im oberen Stockwerk des Palastes kommen zu sehen. Trotzdem w�rden sie bald Menschen begegnen. Der K�nigliche Palast besch�ftigte nicht so viele Diener wie der Sonnenpalast oder der Stein von Tear, aber in einem Palast dieser Gr��e gab es stets mehrere Hundert von ihnen. Rand eilte an Mins Seite und bem�hte sich um einen dahintrottenden Gang; er starrte die hellen Wandteppiche und mit Schnitzereien verzierten Wandt�felungen und die auf Hochglanz polierten Kommoden staunend an. Zwar wies hier oben nichts davon die Qualit�t auf, die man in den unteren Stockwerken vorfinden w�rde, aber ein einfacher Tagel�hner w�rde alles anstarren.</p><p>�Wir m�ssen so schnell wie m�glich nach unten�, murmelte er. Ihnen begegnete noch immer kein Mensch, aber bereits hinter der n�chsten Ecke konnten ihnen zehn Leute entgegenkommen. �Denk daran, frag den ersten Diener, den wir sehen, wo Nynaeve und Mat zu finden sind. Gib keine komplizierten Erkl�rungen ab, es sei denn, du bist dazu gezwungen.�</p><p>�Danke, nett, dass du mich daran erinnerst, Rand. Ich wusste doch, dass ich etwas vergessen habe, aber es wollte mir einfach nicht mehr einfallen.� Ihr rasches L�cheln war etwas zu angespannt und sie murmelte etwas, das er nicht verstand.</p><p>Rand seufzte. Das hier war zu wichtig, als dass sie h�tte Spielchen spielen k�nnen, aber wenn er nicht Acht gab, w�rde sie genau das tun. Nicht, dass sie es so gesehen h�tte. Doch manchmal unterschied sich ihre Vorstellung von dem, was wichtig war, von der seinen. Sogar sehr. Er durfte sie nicht aus den Augen lassen.</p><p>�Was denn, Frau Farshaw�, sagte da eine Frauenstimme hinter ihnen. �Ihr seid es doch, Frau Farshaw, oder?�</p><p>Die Ledertasche schwang herum und stie� hart gegen Rands R�cken, als er sich auf dem Absatz umdrehte. Die pummelige Frau mit dem grauen Haar, die Min erstaunt anstarrte, war neben Elayne und Aviendha <emphasis>so</emphasis> ziemlich die letzte Person, der er hatte begegnen wollen. Er nahm eine gekr�mmte Haltung an und vermied es, sie direkt anzusehen; er war nur ein Tagel�hner, der seinen Pflichten nachging, kein Grund, ihm einen zweiten Blick zu widmen. Dabei fragte er sich, warum sie wohl einen roten Wappenrock mit einem wei�en L�wen auf der Brust trug.</p><p>�Frau Harfor?�, rief Min aus und strahlte erfreut �bers ganze Gesicht. �Ja, ich bin es. Und Ihr seid genau die Frau, die ich gesucht habe. Ich f�rchte, ich habe mich verlaufen. K�nnt Ihr mir sagen, wo ich Nynaeve al'Meara finde? Und Mat Cauthon? Dieser Bursche hier bringt etwas, worum Nynaeve gebeten hat.�</p><p>Die Haushofmeisterin betrachtete Rand mit einem kaum merklichen Stirnrunzeln, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Min richtete. Sie bedachte ihre Aufmachung mit einem missbilligenden Blick � vielleicht galt er auch dem Staub, der �berall an der Kleidung haftete �, enthielt sich aber jeder Bemerkung. �Mat Cauthon? Ich glaube nicht, dass ich ihn kenne. Ist das einer der neuen Diener oder ein Gardesoldat?�, fragte sie zweifelnd. �Nynaeve Sedai ist sehr besch�ftigt. Sie wird sicher nichts dagegen haben, wenn ich die Lieferung entgegennehme und in ihr Zimmer stelle.�</p><p>Unwillk�rlich richtete sich Rand zu seiner vollen Gr��e auf. Nynaeve <emphasis>Sedai?</emphasis> Warum sollten die anderen, die echten Aes Sedai, diese T�uschung noch immer zulassen? Und Mat war nicht hier? Anscheinend war er �berhaupt nicht hier gewesen! Farben wirbelten durch seinen Geist und verschmolzen beinahe zu einem greifbaren Bild. Es verschwand beim n�chsten Herzschlag, aber er taumelte kurz. Frau Harfor bedachte ihn erneut mit einem Stirnrunzeln und schnupperte. Vermutlich hielt sie ihn f�r betrunken.</p><p>Auch Min hatte die Stirn in Falten gelegt, aber sie dachte nach und klopfte mit dem Finger gegen das Kinn. Es dauerte nicht lange. �Ich glaube, Nynaeve... <emphasis>Sedai</emphasis> wird ihn sehen wollen.� Das Z�gern war kaum zu bemerken gewesen. �K�nntet Ihr ihn zu ihren Gem�chern f�hren lassen, Frau Harfor? Ich habe noch eine Besorgung zu erledigen, bevor ich gehe. Nuli, du benimmst dich jetzt und tust, was man dir sagt. Sei ein braver Junge.�</p><p>Rand �ffnete den Mund; bevor er ein Wort hervorbringen konnte, eilte sie schon den Korridor entlang. Sie rannte beinahe. Sie bewegte sich so schnell, dass ihr Umhang hinter ihr herwehte. Verdammt, sie w�rde versuchen, Elayne zu finden! Sie konnte alles ruinieren!</p><p><emphasis>Deine Pl�ne scheitern, weil du leben willst, du Verr�ckter.</emphasis> Lews Therins Stimme war ein raues, verschwitztes Fl�stern. <emphasis>Akzeptiere, dass du tot bist. Akzeptiere es und h�r endlich auf, mich zu foltern, du Narr!</emphasis> Rand unterdr�ckte die Stimme, bis sie nur noch ein ged�mpftes Summen war, ein Summen in der Dunkelheit der Tiefe seines Bewusstseins. Nuli? Was f�r ein Name sollte das denn sein?</p><p>Frau Harfor starrte Min hinterher, bis sie um die Ecke bog, dann zupfte sie an ihrem Wappenrock herum, um ihn zu richten, dabei hatte er es gar nicht n�tig. Selbst mit der Maske der Spiegel sah sie einen Mann vor sich, der sie hoch �berragte, aber Ren ee Harfor war keine Frau, die sich auch nur einen winzigen Augenblick lang von einer so unwichtigen Sache aus dem Konzept bringen lie�. �Du siehst nicht vertrauensw�rdig aus, Nuli�, sagte sie und kniff die Augen finster zusammen, �also �berleg dir gut, was du tust. Und wenn du auch nur einen Funken Verstand hast, �berlegst du es dir sogar sehr gut.�</p><p>Er hielt den Schulterriemen mit der einen Hand fest und strich sich mit der anderen eine Haarlocke aus der Stirn. �Ja, Herrin�, murmelte er m�rrisch und mit verstellter Stimme. Die Haushofmeisterin kannte seine wahre Stimme und w�rde sie wom�glich erkennen. Min hatte das Reden �bernehmen sollen, bis sie Nynaeve und Mat fanden. Was beim Licht sollte er nur tun, wenn sie Elayne anschleppte? Und vielleicht auch Aviendha. Sie war m�glicherweise auch hier. Licht! �Entschuldigt bitte, Herrin, aber wir sollten uns beeilen. Es ist wichtig, dass ich Nynaeve so schnell wie m�glich sehe.� Er hob die Ledertasche ein St�ck an. �Sie wollte das hier wirklich ganz dringend haben.� Wenn er bei Mins R�ckkehr alles erledigt hatte, w�rden sie vielleicht von hier verschwinden k�nnen, bevor er sich den beiden anderen stellen musste.</p><p>�Falls Nynaeve <emphasis>Sedai</emphasis> dies wirklich so dringend haben musste�, sagte die pummelige Frau spitz und betonte den Ehrentitel, den er unterschlagen hatte, �h�tte sie dein Kommen angek�ndigt. Und jetzt folge mir und behalte deine Ansichten bitte f�r dich.�</p><p>Ohne auf eine Erwiderung zu warten, setzte sie sich in Bewegung und rauschte mit w�rdevoller Anmut durch die Korridore. Was blieb ihm auch anderes �brig, als genau das zu tun, was sie ihm befohlen hatte? Soweit er sich erinnerte, war die Haushofmeisterin daran gew�hnt, dass jeder das tat, was man ihm befahl. Er bem�hte sich, sie einzuholen, und verweilte nur einen Schritt lang an ihrer Seite, bis ihr �berraschter Blick ihn zur�ckfallen, sich verlegen an der Haarlocke zupfen und eine Entschuldigung murmeln lie�. Er war es nicht gew�hnt, hinter jemandem hergehen zu m�ssen. Das war seiner Stimmung nicht gerade f�rderlich. Wie gew�hnlich war ihm noch immer etwas schwindelig und der Schmutz des Makels war auch noch zu sp�ren. In letzter Zeit schien er �fters schlecht als gut gelaunt zu sein, es sei denn, Min war an seiner Seite.</p><p>Sie hatten noch keine gro�e Strecke zur�ckgelegt, als die Korridore auch schon von Scharen von Dienern bev�lkert wurden, die das Mobiliar auf Hochglanz polierten und Staub wischten und umhereilten. Offensichtlich kam es nur selten vor, dass niemand in der N�he war, so wie eben, als Min und er die Abstellkammer verlassen hatten. Wieder einmal der Einfluss des <emphasis>Ta'veren.</emphasis> Es ging eine schmale, in die Mauern eingebaute Dienstbotentreppe hinunter, und nun begegneten sie noch mehr Dienern. Und noch etwas war interessant, es gab viele Frauen, die keine Livree trugen. Kupferh�utige Domani, kleinw�chsige hellh�utige Cairhienerinnen, Frauen mit olivfarbener Haut und dunklen Augen, bei denen es sich eindeutig nicht um Andoranerinnen handelte. Sie lie�en Rand l�cheln; es war ein schmales, zufriedenes L�cheln. Keine von ihnen hatte ein Gesicht, das die Bezeichnung alterslos verdient h�tte, und viele hatten Falten und Runzeln, die man niemals bei einer Aes Sedai gesehen h�tte, aber bei einigen von ihnen bekam er im Vorbeigehen manchmal eine G�nsehaut. Sie konnten die Macht lenken oder zumindest <emphasis>Saidar</emphasis> ergreifen. Frau Harfor f�hrte ihn an verschlossenen T�ren vorbei, wo sich dieses Kribbeln ebenfalls bemerkbar machte. Hinter diesen T�ren gab es andere Frauen, welche die Macht lenkten.</p><p>�Entschuldigt, Herrin�, sagte er in der heiseren Stimme, die er f�r Nuli bem�hte, �wie viele Aes Sedai halten sich im Palast auf?�</p><p>�Das geht dich nichts an�, fauchte sie. Dann warf sie jedoch einen Blick �ber die Schulter, seufzte und lenkte ein. �Ich nehme an, es kann kernen Schaden anrichten, wenn du es wei�t. Es sind f�nf, Lady Elayne und Nynaeve Sedai mitgez�hlt.� Eine Spur Stolz schlich sich in ihre Stimme ein. �Es ist lange her, dass so viele Aes Sedai gleichzeitig das Gastrecht erbaten.�</p><p>Rand h�tte am liebsten gelacht, aber nicht, weil er es lustig fand. F�nf? Nein, das schloss ja Nynaeve und Elayne mit ein. Drei echte Aes Sedai. Drei! Und es spielte keine Rolle, wer die restlichen waren. Die Ger�chte, denen zufolge Hunderte Aes Sedai mit einem Heer auf Caemlyn zumarschierten, hatten in ihm langsam den Glauben reifen lassen, dass so viele von ihnen bereit waren, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen. Stattdessen war sogar seine Hoffnung, dass es wenigstens zwei Hand voll waren, �bertrieben optimistisch gewesen. Die Ger�chte waren blo� Ger�chte gewesen. Oder einer von Elaidas sorgf�ltig ausgeheckten Pl�nen. Licht, wo steckte blo� Mat? Vor seinem inneren Auge blitzte es farbig auf � einen Augenblick lang glaubte er, es w�re Mats Gesicht gewesen �, und er stolperte.</p><p>�Wenn du betrunken gekommen bist, Nuli�, sagte Frau Harfor entschieden, �wirst du es auf dem Nachhauseweg bitter bereuen. Daf�r werde ich h�chstpers�nlich sorgen!�</p><p>�Ja, Herrin�, murmelte Rand und riss an der Locke. In seinem Kopf brach Lews Therin in ein gackerndes, verr�cktes, schluchzendes Gel�chter aus. Er hatte diesem Ort einen Besuch abstatten m�ssen � das war unumg�nglich �, aber er bedauerte es schon jetzt.</p><p>Vom Licht <emphasis>Saidars</emphasis> umgeben standen sich Nynaeve und Talaan vier Schritte voneinander entfernt vor dem Kamin gegen�ber, in dem ein munteres Feuer prasselte, das die K�lte aus der Luft vertrieben hatte. Vielleicht war es aber auch nur die Anstrengung, die sie erw�rmt hatte, dachte Nynaeve m�rrisch. Diese Unterrichtsstunde dauerte laut der verzierten Uhr auf dem Kaminsims nun schon �ber eine Stunde. Eine Stunde ununterbrochener Arbeit mit der Macht w�rde jeden zum Schwitzen bringen. Eigentlich h�tte Sareitha hier sein sollen und nicht sie, aber die Braune war nicht im Palast. Sie hatte einen Zettel hinterlassen, dem zufolge sie eine dringende Besorgung in der Stadt zu erledigen hatte. Careane hatte sich nun schon den zweiten Tag hintereinander geweigert und Vandene weigerte sich noch immer grunds�tzlich, und zwar mit der l�cherlichen Begr�ndung, dass Kirstians und Zaryas Unterricht ihr dazu keine Zeit mehr lie�.</p><p>�So geht das�, erkl�rte Nynaeve und band mit ihrem Strom aus Geist den Abwehrversuch der jungen Frau vom Meervolk mit der knabenhaften Figur. Sie verst�rkte die Kraft ihres Stroms, stie� den des M�dchens noch weiter zur Seite und flocht gleichzeitig drei verschiedene Gewebe aus Luft. Eines davon kitzelte Talaans Rippen durch ihre blaue Leinenbluse hindurch. Ein simples Ablenkungsman�ver, aber das M�dchen keuchte �berrascht auf, und einen Augenblick lang lie� ihr Zugriff auf die Quelle um eine winzige Kleinigkeit nach, flackerte die Macht, die sie erf�llte. Diesen Moment nutzte Nynaeve dazu, den Sto�, mit dem sie gerade den Strom der anderen Frau zur Seite schob, umzulenken und erneut auf ihr urspr�ngliches Ziel zuschnellen zu lassen. Talaan die Abschirmung aufzuzwingen f�hlte sich noch immer an, als w�rde man gegen eine Wand schlagen � nur dass ihre ganze Haut brannte statt nur ihre Handfl�che, was man aber kaum als Fortschritt bezeichnen konnte �, aber der Schein von <emphasis>Saidar</emphasis> verschwand in genau dem Augenblick, in dem die beiden anderen Str�me aus Luft ihr die Arme an die Seiten fesselten und die Knie in den weiten, dunklen Hosen zusammenschn�rten.</p><p>Das hatte sie sauber hinbekommen. Das M�dchen war sehr flink, sehr geschickt mit ihren Geweben. Davon abgesehen war der Versuch, jemanden abzuschirmen, der gerade die Macht lenkte, bestenfalls riskant und schlimmstenfalls nutzlos, es sei denn, man war <emphasis>bedeutend</emphasis> st�rker als die betreffende Person, und Talaan kam ihr darin so nahe, dass es eigentlich keinen Unterschied machte. Das half, kein zufriedenes L�cheln auf ihrem Gesicht erscheinen zu lassen. Es schien noch gar nicht so lange her zu sein, dass Schwestern ihre Kraft mit Staunen betrachtet und geglaubt hatten, nur einige der Verlorenen w�rden �ber eine noch gr��ere St�rke verf�gen. Talaan war in ihrer Entwicklung noch nicht zum Stillstand gekommen, dabei war sie kaum mehr als ein Kind. Wie alt war sie? F�nfzehn? Vielleicht sogar noch j�nger. Das Licht allein kannte ihr Potenzial. Keine der Windsucherinnen hatte ein Wort dar�ber verloren, und Nynaeve hatte nicht vor, danach zu fragen. Sie wollte gar nicht wissen, wie viel st�rker das Meervolkm�dchen noch werden w�rde. Nicht im mindesten.</p><p>Talaans nackte Fu�sohlen schabten �ber den gemusterten gr�nen Teppich, als sie den vergeblichen Versuch unternahm, die von Nynaeve m�helos gehaltene Abschirmung zu durchbrechen, dann seufzte sie ergeben und senkte den Blick. Obwohl es ihr gelungen war, Nynaeves Anweisungen zu befolgen, benahm sie sich, als h�tte sie versagt, und nun sackte sie so niedergeschlagen in sich zusammen, dass der Eindruck entstand, sie w�rde nur noch von den Geweben aus Luft auf den Beinen gehalten.</p><p>Nynaeve lie� die Str�me sich aufl�sen, r�ckte das Schultertuch zurecht und �ffnete den Mund, um Talaan zu sagen, was sie falsch gemacht hatte. Und um �wieder einmal � zu betonen, dass der Versuch, sich losrei�en zu wollen, keine Aussicht auf Erfolg hatte, falls man nicht bedeutend st�rker als derjenige war, der einen abschirmte. Die Meervolkfrauen schienen nichts von dem, was sie ihnen erkl�rte, zu glauben, bis sie es ihnen zehnmal gesagt und zwanzigmal gezeigt hatte.</p><p>�Sie hat deine eigene Kraft gegen dich benutzt�, sagte Senine din Ryal barsch, bevor Nynaeve auch nur ein Wort hervorbringen konnte. �Und du hast dich wieder ablenken lassen. Es ist wie bei einem Ringkampf, M�dchen. Du kannst doch ringen.�</p><p>�Versuch es noch einmal�, befahl Zaida mit einer energischen Geste ihrer dunklen, t�towierten Hand.</p><p>Alle St�hle im Raum waren an eine Wand gestellt worden, obwohl es eigentlich unn�tig gewesen war, Platz zu schaffen. <emphasis>Zaida</emphasis> sa� da und verfolgte den Unterricht, flankiert von sechs Windsucherinnen, die ein buntes Durcheinander aus roter, gelber und blauer Seide und hell gef�rbtem Leinen boten, eine Unbehagen erregende Zurschaustellung von Ohrringen und Nasenringen und medaillonbeladenen Ketten. So lief es immer ab; eine der beiden Sch�lerinnen wurde f�r den eigentlichen Unterricht benutzt � oder sie zwangen Merilille, wenn sie nicht den Unterricht leitete, die Rolle einer Sch�lerin zu �bernehmen; zumindest hatte Nynaeve das geh�rt �, w�hrend Zaida und irgendeine Gruppe von Windsucherinnen zusah. Die Herrin der Wogen selbst konnte nat�rlich nicht die Macht lenken, obwohl sie immer dabei war, und nat�rlich lie� sich keine der Windsucherinnen dazu herab, selbst am Unterricht teilzunehmen. Daran war nicht einmal zu denken.</p><p>Angesichts der Besessenheit des Meervolks in Fragen der Rangordnung war die Zusammensetzung der heutigen Gruppe schon recht merkw�rdig. Shielyn, Zaidas Windsucherin, sa� zu ihrer Rechten; die schlanke, sehr reservierte Frau war fast so gro� wie Aviendha und �berragte Zaida um L�ngen. Soweit Nynaeve sich darin auskannte, hatte das seine Richtigkeit, aber zu Zaidas Linken sa� Senine, die auf einem Schweber diente, einem der kleinen Schiffe des Meervolks, und ihrer geh�rte wiederum zu den kleinsten von ihnen. Nat�rlich hatte die von den Elementen gezeichnete Frau mit ihrem faltigen Gesicht und dem mit Grau durchzogenen Haar in der Vergangenheit mehr als ihre jetzigen sechs Ohrringe getragen; das galt auch f�r die Medaillons an der Kette, die sich �ber ihre dunkle linke Wange spannte. Sie war die Windsucherin der Herrin der Schiffe gewesen, bevor Nesta din Reas auf diesen Posten gew�hlt wurde. Ihren Gesetzen zufolge musste die Windsucherin der Herrin der Schiffe oder einer jeweiligen Herrin der Wogen nach deren Tod jedoch wieder ganz unten anfangen. Aber Nynaeve war davon �berzeugt, dass hier mehr als nur der Respekt f�r Senines fr�here Stellung dahintersteckte.</p><p>Neben Senine sa� Rainyn, eine junge Frau mit apfelroten Wangen, die ebenfalls auf einem Schweber fuhr. Und neben Shielyn sa� die steingesichtige Kurin wie eine schwarze Statue. Das verwies Caire und Tebreille auf die St�hle ganz au�en. Die beiden waren ebenfalls Windsucherinnen von Herrinnen der Wogen, mit vier dicken Ohrringen in jedem Ohr und fast so vielen Medaillons wie Zaida sie hatte. Aber vielleicht wollte man die beiden Schwestern mit den hochm�tigen Blicken auch nur voneinander fern halten. Sie hassten einander mit einer Leidenschaft, wie sie nur Blutsverwandte zustande brachten. Vielleicht war es das. Der Versuch, das Atha'an Miere verstehen zu wollen, war schlimmer als der Versuch, M�nner verstehen zu wollen. Eine Frau konnte dar�ber den Verstand verlieren.</p><p>Nynaeve murmelte etwas Unh�rbares, riss an ihrem Schultertuch und bereitete sich innerlich vor, hielt die Str�me aus Macht fest. Die �berw�ltigende Freude, <emphasis>Saidar</emphasis> zu halten, konnte kaum mit ihrem �rger konkurrieren. Noch einmal, Nynaeve. Wenigstens war Renaile nicht hier. Oft wollten sie, dass Nynaeve ihnen Dinge beibrachte, bei denen sie sich nicht so gut auskannte wie bei anderen � viel zu oft waren es Dinge, mit denen sie sich kaum auskannte, wie sie z�gerlich zugeben musste; ehrlich gesagt hatte sie in der Burg keine besonders ausf�hrliche Ausbildung erhalten �und bei der kleinsten Ungeschicklichkeit brachte Renaile sie mit offensichtlicher Begeisterung zum Schwitzen. Die anderen brachten sie auch zum Schwitzen, doch sie schienen wenigstens nicht so viel Freude daran zu empfinden. Aber egal, nach einer Stunde harter Arbeit war sie m�de. Sareitha und ihre Bitte sollten verdammt sein!</p><p>Sie schlug wieder zu, aber diesmal begegnete ihr Talaans Strom aus Geist wesentlich nachgiebiger als erwartet, und sie stie� ihn viel weiter zur Seite als geplant. Pl�tzlich sch�ssen sechs gegnerische Str�me aus Luft auf Nynaeve zu und sie zerschnitt sie mit Feuer. Die zerteilten Str�me peitschten in Talaan zur�ck und sch�ttelten sie sichtlich durch, aber bevor sie ganz verschwunden waren, erschienen schneller als zuvor sechs weitere. Nynaeve hieb zu. Und starrte Talaan ungl�ubig an, als das gegnerische Gewebe aus Geist das ihre umging, sie einh�llte und von <emphasis>Saidar</emphasis> abschnitt. Sie war abgeschirmt! Talaan hatte sie abgeschirmt! Um die Dem�tigung komplett zu machen, fesselten Str�me aus Luft ihre Arme und Beine eng aneinander und zerdr�ckten ihre R�cke. Das w�re nie passiert, w�re sie nicht so w�tend auf Sareitha gewesen.</p><p>�Das M�dchen hat sie erwischt�, sagte Caire. Sie klang �berrascht. Dem kalten Blick nach zu urteilen, den sie Talaan zuwarf, w�re niemand auf die Idee gekommen, dass sie ihre Mutter war. Tats�chlich schien Talaan ihr Erfolg peinlich zu sein, sie lie� die Str�me sofort los und senkte den Blick.</p><p>�Sehr gut, Talaan�, sagte Nynaeve, da sonst keiner ein Wort des Lobes oder der Ermunterung von sich gab. Gereizt schob sie das Schultertuch zur�ck und lie� es in die Armbeugen rutschen. Man musste dem M�dchen nicht sagen, dass es Gl�ck gehabt hatte. Talaan war schnell, das auf jeden Fall, aber Nynaeve war sich nicht dar�ber im Klaren, ob sie selbst noch lange die Macht lenken konnte. Im Augenblick befand sie sich nicht auf dem H�hepunkt ihrer Kr�fte. �Ich f�rchte, ich habe heute keine Zeit mehr, also...�</p><p>�Versucht es noch einmal�, befahl Zaida und beugte sich gespannt vor. �Ich will mir etwas ansehen.� Das war keine Erkl�rung oder so etwas �hnliches wie eine Entschuldigung, sondern lediglich eine Darstellung der Fakten. Zaida erkl�rte nie etwas, genauso wenig wie sie sich entschuldigte. Sie erwartete blo� Gehorsam.</p><p>Nynaeve dachte daran, der Frau zu sagen, dass sie von dem, was sie da taten, sowieso nichts sehen konnte, aber sie verwarf den Gedanken sofort wieder. Nicht mit sechs Windsucherinnen im Raum. Zwei Tage zuvor hatte sie ihre Meinung deutlich zum Ausdruck gebracht, und sie wollte auf keinen Fall eine Wiederholung dessen erleben, was dann geschehen war. Sie hatte versucht, es als Strafe daf�r zu betrachten, ohne nachzudenken zu reden, aber das hatte auch nicht viel geholfen. Sie w�nschte sich, sie h�tte ihnen niemals beigebracht, wie man eine Verkn�pfung zustande brachte.</p><p>�Noch einmal�, sagte sie angespannt und wandte sich wieder Talaan zu, �aber dann muss ich gehen.�</p><p>Diesmal war sie auf den Trick des M�dchens vorbereitet. Sie lenkte die Macht und begegnete Talaans Gewebe geschickter und weniger energisch. Das M�dchen l�chelte sie unsicher an. Sie glaubte wohl, Nynaeve w�rde sich diesmal nicht von nebens�chlichen Str�men aus Luft ablenken lassen, oder? Talaans Gewebe fing an, ihr eigenes zu umgehen, und sie drehte es flink, um es abzufangen. Diesmal w�rde sie bereit sein, wenn die Frau mit ihren Str�men aus Luft ankam. Obwohl � vielleicht w�rde es diesmal keine Luft sein.</p><p>Aber mit Sicherheit nichts Gef�hrliches. Das hier war eine �bungsstunde. Aber Talaans Strom aus Geist vollendete den Kreis nicht, und es war Nynaeves Gewebe, das nun einen weiten Bogen beschrieb, w�hrend das M�dchen pl�tzlich auf geradem Weg zuschlug und traf. Wieder erstarb <emphasis>Saidar</emphasis> und Fesseln aus Luft rissen ihre Arme an den K�rper und die Knie zusammen.</p><p>Nynaeve holte tief Luft. Sie w�rde der jungen Frau gratulieren m�ssen. Daran f�hrte kein Weg vorbei. H�tte sie eine Hand frei gehabt, h�tte sie sich ihren Zopf ausgerissen.</p><p>�Halt!�, befahl Zaida, erhob sich und rauschte anmutig auf Nynaeve zu; die roten Seidenhosen �ber den nackten F��en raschelten leise, die mit einem komplizierten Knoten versehene rote Sch�rpe rieb sich an ihrer H�fte. Die Windsucherinnen standen ebenfalls auf und folgten ihr, wobei sie ihre R�nge einhielten. Caire und Tebreille ignorierten einander eisig, w�hrend sie sich beeilten, ihre Pl�tze in unmittelbarer N�he der Herrin der Wogen einzunehmen, wohingegen Senine und Rainyn einen Schritt zur�ckblieben.</p><p>Gehorsam hielt Talaan den Schild um Nynaeve mitsamt den Fesseln aufrecht, sodass sie gezwungenerma�en wie eine Statue dastand. Und wie ein Kessel brodelte, der zu lange auf dem Feuer stand. Sie weigerte sich entschieden, sich wie eine kaputte Puppe zu winden, aber das war auch schon alles, was sie au�er reglos dazustehen tun konnte. Caire und Tebreille musterten sie mit eiskalter Geringsch�tzung, Kurin mit tiefer Verachtung, die sie f�r alle Landbewohner empfand. Die Frau mit dem harten Blick zeigte kein sp�ttisches Grinsen, eigentlich war ihr Gesicht sogar ausdruckslos, aber man musste nicht lange mit ihr zusammen sein, um ihre Ansichten zu sp�ren. Allein Rainyn zeigte eine winzige Spur Mitgef�hl, ein kleines, trauriges L�cheln.</p><p>Zaida begegnete Nynaeves Blick gleichm�tig. Sie hatten etwa dieselbe Gr��e. �Du h�ltst sie so fest du kannst, Sch�lerin?�</p><p>Talaan verbeugte sich tief und ber�hrte Stirn, Lippen und Herz. �Wie Ihr befohlen habt, Herrin der Wogen.� Es war fast schon ein Fl�stern.</p><p>�Was hat das zu bedeuten?�, verlangte Nynaeve zu wissen. �Lasst mich los! Vielleicht k�nnt ihr Merilille auf diese Weise ungestraft behandeln, aber wenn ihr auch nur einen Augenblick lang glaubt...!�</p><p>�Ihr behauptet, diese Abschirmung sei unm�glich zu durchbrechen, es sei denn, man ist viel st�rker�, unterbrach <emphasis>Zaida</emphasis> sie. Ihr Tonfall war nicht grob, aber sie wollte geh�rt werden und nicht zuh�ren. �Wenn es das Licht will, werden wir erfahren, ob Ihr uns die Wahrheit gesagt habt. Es ist allseits bekannt, dass die Aes Sedai die Wahrheit wie einen Strudel kreiseln lassen. Windsucherinnen, ihr bildet einen Zirkel. Kurin, Ihr werdet sie anf�hren. Sollte es ihr gelingen, sich zu befreien, sorgt daf�r, dass sie keinen Schaden anrichtet. Als Ansporn... Sch�lerin, mach dich bereit, sie auf den Kopf zu stellen, wenn ich bis f�nf gez�hlt habe. Eins.�</p><p>Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> h�llte die Windsucherinnen ein, als sie ihre Kr�fte miteinander verkn�pften. Kurin stand mit gespreizten Beinen und in die H�ften gestemmten H�nden da, als w�rde sie auf einem Deck das Gleichgewicht halten. Ihre Ausdruckslosigkeit schien zu vermitteln, dass sie bereits fest davon �berzeugt war, Ausfl�chte, wenn nicht sogar eine glatte L�ge aufzudecken. Talaan holte tief Luft und stand wenigstens dieses eine Mal hoch aufgerichtet da. Sie blinzelte nicht einmal, w�hrend sie den Blick aufmerksam auf Zaida gerichtet hielt.</p><p>Nynaeve blinzelte. Nein! Das konnten sie ihr doch nicht antun! Nicht schon wieder! �Ich sage euch�, sagte sie viel ruhiger, als sie sich f�hlte, �dass ich die Abschirmung unm�glich durchbrechen kann. Talaan ist zu stark.�</p><p>�Zwei�, sagte Zaida, verschr�nkte die Arme unter den Br�sten und starrte Nynaeve an, als k�nnte sie die Gewebe tats�chlich sehen.</p><p>Nynaeve dr�ckte z�gernd gegen die Abschirmung. Sie h�tte gleicherma�en gegen eine Mauer dr�cken k�nnen, die h�tte genauso wenig nachgegeben. �H�rt mir zu, Zai... �h... Herrin der Wogen.� Es war sicher nicht klug, sich die Frau noch mehr zur Feindin zu machen. Sie nahmen es mit der richtigen Anrede pedantisch genau. Sie nahmen viel zu viele Dinge pedantisch genau. �Ich bin sicher, Merilille hat Euch das mit der Abschirmung erkl�rt. Sie hat die Drei Eide geschworen. Sie <emphasis>kann</emphasis> nicht l�gen.� Vielleicht hatte Egwene doch Recht mit dem Eidstab.</p><p>Zaidas Blick blieb hart, sie verzog keine Miene. �Drei.�</p><p>�H�rt mir zu�, sagte Nynaeve, und es war ihr egal, wenn sie leicht verzweifelt klang. Vielleicht sogar mehr als nur leicht. Sie stemmte sich st�rker gegen die Abschirmung, dann stie� sie so hart dagegen, wie sie konnte. Sie h�tte genauso gut mit dem Kopf gegen einen Felsen anrennen k�nnen. Instinktiv, wenn auch vergeblich k�mpfte sie gegen die Fesseln aus Luft an, die sie hielten, die Fransen des Schultertuchs tanzten auf und ab. Die Chancen, aus den Fesseln auszubrechen, waren genauso gro�, wie die Abschirmung durchbrechen zu k�nnen, aber sie kam nicht dagegen an. Nicht noch einmal! Das konnte sie nicht ertragen! �Ihr m�sst mir zuh�ren!�</p><p>�Vier.�</p><p>Nein! Nein! Nicht noch einmal! Verzweifelt kratzte sie an der Abschirmung. Sie mochte so hart wie Stein sein, aber sie f�hlte sich mehr wie Glas an, war glatt und schl�pfrig. Nynaeve konnte dahinter die Quelle sp�ren, sie beinahe sehen, so wie man aus den Augenwinkeln Licht und W�rme sehen konnte. Voller Verzweiflung tastete sie keuchend die glatte Fl�che ab. Sie wies einen Rand auf, so wie ihn ein Kreis hatte, der gleichzeitig klein genug war, um in den H�nden gehalten zu werden, und gro� genug, um die Welt zu bedecken. Aber als sie versuchte, an diesem Rand vorbeizuschl�pfen, fand sie sich sofort in der Mitte des glatten, harten Kreises wieder. Das war sinnlos. Das alles hatte sie schon vor langer Zeit gelernt, hatte es ausprobiert. Ihr Herz pochte heftig genug, um aus der Brust hervorzubrechen. Sie k�mpfte vergeblich um Ruhe und ertastete sich einen anderen Weg zum Rand, strich dar�ber, ohne zu versuchen, daran vorbeizugehen. An einer Stelle f�hlte er sich... weicher an. Das war ihr zuvor noch nie aufgefallen. Die weiche Stelle � eine kleine Erhebung? �schien sich auf keine Weise vom Rest zu unterscheiden und sie war auch nicht viel weicher, trotzdem warf sie sich dagegen. Und fand sich in der Mitte wieder. Wie eine Verr�ckte warf sie sich mit ihrer ganzen Kraft gegen die weiche Stelle, immer wieder, und wurde jedes Mal zur�ck zur Mitte geschleudert � aber ohne zu z�gern warf sie sich erneut dagegen. Und wieder. Oh, Licht! Bitte! Sie musste es schaffen, bevor...</p><p>Pl�tzlich wurde ihr bewusst, dass Zaida noch nicht f�nf gesagt hatte. Sie starrte sie an, schnappte dabei nach Luft, als w�re sie zehn Meilen gerannt. Schwei� str�mte �ber ihr Gesicht, ihren R�cken hinunter. Er rann zwischen ihren Br�sten herab �ber ihren Leib. Ihre Knie zitterten. Die Herrin der Wogen blickte ihr direkt in die Augen, klopfte gedankenverloren mit einem schlanken Finger gegen die vollen Lippen. Der Zirkel aus sechs wurde noch immer von dem Schimmer eingeh�llt, Kurin h�tte noch immer eine ver�chtliche Statue sein k�nnen, aber Zaida hatte noch nicht f�nf gesagt.</p><p>�Hat sie sich wirklich so hart angestrengt, wie es den Anschein hatte, Kurin?�, fragte die Herrin der Wogen schlie�lich, �oder war das Aufb�umen und Wimmern nur ein Schauspiel?� Nynaeve versuchte einen entr�steten Blick zustande zu bringen. Sie hatte <emphasis>nicht</emphasis> gewimmert! Oder etwa doch? Ihr Stirnrunzeln, so weit man es als solches bezeichnen konnte, machte auf Zaida nicht mehr Eindruck als Regen auf einen Felsblock.</p><p>�Mit dieser Anstrengung�, sagte Kurin z�gernd, �h�tte sie ein Ruderboot auf dem R�cken tragen k�nnen.� Aber die schwarzen Kiesel, die ihre Augen darstellten, zeigten noch immer Verachtung. Respekt kannte sie nur f�r diejenigen, die auf dem Meer lebten.</p><p>�Lass sie los, Talaan�, befahl Zaida. Die Abschirmung und die Fesseln l�sten sich auf, w�hrend die Frauen zu den St�hlen zur�ckgingen, ohne einen weiteren Blick f�r Nynaeve zu er�brigen. �Windsucherinnen, ich werde noch mit euch sprechen, nachdem sie gegangen ist. Nynaeve Sedai, Euch sehe ich morgen zur selben Stunde.�</p><p>Nynaeve strich ihre zerknitterten R�cke glatt und sch�ttelte gereizt das Schultertuch aus, w�hrend sie versuchte, etwas W�rde zur�ckzugewinnen. Schwei�gebadet und mit zitternden Gliedern war das nicht einfach. Auf keinen Fall hatte sie <emphasis>gewimmertl</emphasis> Sie bem�hte sich, die Frau, die sie abgeschirmt hatte � und das zwei Mal! � nicht anzusehen. Talaan stand da, als k�nnte sie kein W�sserchen tr�ben, den Blick fest auf den Teppich gerichtet. Ha! Nynaeve legte sich energisch das Tuch �ber die Schultern. �Morgen ist Sareitha Sedai an der Reihe, Herrin der Wogen.� Zumindest ihre Stimme klang fest. �Ich werde besch�ftigt sein...�</p><p>�Euer Unterricht ist befriedigender als die Lektionen der anderen�, sagte Zaida, die sich noch immer nicht die M�he machte, sie anzusehen. �Zur selben Stunde, oder ich schicke Eure Sch�lerinnen, um Euch zu holen. Ihr d�rft gehen.� Und das klang wie ein Befehl.</p><p>M�hsam schluckte Nynaeve ihre Einw�nde runter. Sie hinterlie�en einen bitteren Nachgeschmack. Befriedigender? Was sollte das denn bedeuten? Sie glaubte nicht, dass sie es tats�chlich wissen wollte.</p><p>Bis sie den Raum verlassen hatte, war sie ihre Lehrerin, das Meervolk hielt sich streng an seine Regeln; vermutlich konnte lockere Disziplin an Bord von Schiffen Schwierigkeiten heraufbeschw�ren, aber sie w�nschte sich, sie w�rden begreifen, dass sie sich nicht auf ihren Schiffen befanden. Noch war sie also die Lehrerin, und das bedeutete, dass sie nicht einfach beleidigt hinausstolzieren konnte, so sehr sie sich das auch w�nschte. Schlimmer, ihre Regeln waren ziemlich eindeutig, was Lehrer der K�stenbewohner betraf. Vermutlich h�tte sie einfach ihre Mitarbeit verweigern k�nnen, aber wenn sie ihren Vertrag auch nur um eine Winzigkeit verletzte, w�rden es diese Frauen von Tear bis das Licht wusste wohin verbreiten! Die ganze Welt w�rde wissen, dass Aes Sedai ihr Wort gebrochen hatten. Man durfte gar nicht dar�ber nachdenken, was dies f�r die Stellung der Aes Sedai bedeuten w�rde. Blut und Asche! Egwene <emphasis>hatte</emphasis> Recht und sie sollte verdammt sein!</p><p>�Danke, Herrin der Wogen, dass Ihr mir erlaubt habt, Euch zu unterrichten�, sagte sie, verneigte sich kurz und ber�hrte mit den Fingern nacheinander Stirn, Lippen und Brust. Keine tiefe Verbeugung, heute w�rden sie nur die Andeutung einer Verbeugung bekommen. Nun ja, zwei Andeutungen. Die Windsucherinnen w�rden ebenfalls eine bekommen m�ssen. �Ich danke Euch, Windsucherinnen, dass Ihr mir erlaubt habt, Euch zu unterrichten.� Die Schwestern, die irgendwann zum Atha'an Miere reisten, w�rden vor Wut platzen, wenn sie begriffen, dass ihre Sch�lerinnen ihnen sagen konnten, was sie ihnen beibringen sollten und wann, und ihnen sogar befehlen w�rden, was sie zu tun hatten, wenn sie <emphasis>nicht</emphasis> unterrichteten. Auf einem Schiff des Meervolks nahm eine Lehrerin einen h�heren Rang als das gew�hnliche Deckvolk ein, aber auch das nur so gerade eben. Und die Schwestern w�rden nicht einmal die fetten B�rsen voller Gold bekommen, mit denen man die anderen Lehrer an Bord lockte.</p><p>Zaida und die Windsucherinnen reagierten ungef�hr so, als h�tte die Niederste aller Matrosinnen ihr Gehen verk�ndet. Sie standen blo� in einer stummen Gruppe zusammen und warteten darauf, dass sie endlich verschwand. Allein Rainyn schenkte ihr einen Blick. Einen ungeduldigen Blick. Sie war eine Windsucherin, und das war alles, was z�hlte. Talaan stand noch immer an derselben Stelle, eine dem�tige Gestalt, die auf den Teppich vor ihren nackten F��en starrte.</p><p>Mit hoch erhobenem Kopf und durchgedr�cktem R�ckgrat verlie� Nynaeve den Raum mit jedem Funken W�rde, den sie zum Ausdruck bringen konnte. Verschwitzte, maltr�tierte Funken. Drau�en im Korridor packte sie die T�r mit beiden H�nden und warf sie so fest ins Schloss, wie sie nur konnte. Das laut hallende Krachen war sehr befriedigend. Falls sich jemand beschwerte, konnte sie noch immer sagen, dass sie ihr aus der Hand geglitten sei. Das war sie tats�chlich, nachdem sie ordentlich Schwung geholt hatte.</p><p>Sie wandte sich von der T�r ab und klopfte sich zufrieden die H�nde ab. Und zuckte zusammen, als sie sah, wer da im Korridor auf sie wartete.</p><p>In dem einfachen dunkelblauen Gewand, das eine Leihgabe einer der Kusinen war, sah Alivia auf den ersten Blick nicht im mindesten ungew�hnlich aus; sie war etwas gr��er als Nynaeve, hatte feine F�ltchen um die blauen Augen und wei�e Str�hnen in dem goldgelben Haar. Die blauen Augen funkelten jedoch vor Intensit�t, wie die Augen eines Falken, die auf seine Beute gerichtet waren.</p><p>�Frau Corly hat mich geschickt, ich soll Euch sagen, dass sie gern mit Euch zu Abend essen m�chte�, sagte das blau�ugige Falkenweibchen mit einem langsamen, seanchanischen Akzent. �Es werden Frau Karistovan, Frau Arman und Frau Juarde da sein.�</p><p>�Was tut Ihr allein hier?�, wollte Nynaeve wissen. Sie w�nschte sich, sie k�nnte wie die meisten anderen Schwestern sein, sich der St�rke, die eine andere Frau in der Macht hatte, bewusst sein, ohne �berhaupt dar�ber nachdenken zu m�ssen, aber auch das war etwas, das sie zu lernen vers�umt hatten. Vielleicht konnte einer der Verlorenen Alivia �bertreffen, aber sonst mit Sicherheit niemand. Und sie war Seanchanerin. Eine vom Kragen befreite <emphasis>Damane.</emphasis> Die eigentlich keinen Schritt ohne Bewachung tun sollte. Nynaeve w�nschte sich, es w�re au�er ihnen beiden noch jemand da. Selbst Lan, und dabei hatte sie ihm befohlen, bei ihrem Unterricht beim Meervolk fortzubleiben. Sie war nicht davon �berzeugt, dass er ihr die Geschichte mit dem Sturz auf der Treppe letztens geglaubt hatte. �Ihr sollt doch nicht ohne Eskorte irgendwohin gehen!�</p><p>Alivia zuckte mit den Schultern, eine kaum merkliche Bewegung. Noch vor wenigen Tagen war sie ein Nervenb�ndel gewesen, das Talaan wie eine mutige Draufg�ngerin h�tte aussehen lassen. Jetzt beugte sie sich vor niemandem mehr. �Es hatte niemand Zeit, also habe ich mich selbst herausgelassen. Davon abgesehen, wenn Ihr mich immer bewachen lasst, werdet Ihr mir niemals vertrauen, und ich werde niemals <emphasis>Sul'dam</emphasis> t�ten k�nnen.� In diesem beil�ufigen Tonfall klang das irgendwie noch unheimlicher. �Ihr solltet von mir lernen. Diese Asha'man behaupten, sie seien Waffen, und sie sind nicht mal schlecht, das wei� ich genau, aber ich bin besser.�</p><p>�Das mag ja sein�, erwiderte Nynaeve scharf und r�ckte ihr Schultertuch zurecht. �Und vielleicht wissen wir mehr, als Ihr glaubt.� Sie h�tte nichts dagegen gehabt, dieser Frau ein paar der Gewebe vorzuf�hren, die sie von Moghedien gelernt hatte. Diejenigen eingeschlossen, �ber die sie alle �bereingekommen waren, dass sie zu grausam waren, um sie jemandem anzutun. Es sei denn... Sie war sich ziemlich sicher, dass die andere Frau sie ohne gro�e M�he �berw�ltigen konnte, egal, was sie auch tat. �Bis � falls! � wir uns anders entscheiden, werdet Ihr mir niemals wieder ohne zwei oder drei Kusinen gegen�bertreten, wenn Ihr wisst, was gut f�r Euch ist.�</p><p>�Wenn Ihr das sagt.� Alivia lie� keine Spur von Demut erkennen. �Was soll ich Frau Corly ausrichten?�</p><p>�Bestellt Frau Corly, dass ich Ihre freundliche Einladung leider ablehnen muss. Und denkt an das, was ich Euch gesagt habe!�</p><p>�Ich sage es ihr�, nuschelte die Seanchanerin mit ihrem starken Akzent und ignorierte die Ermahnung einfach. �Aber ich glaube nicht, dass es sich um eine <emphasis>Einladung</emphasis> handelt. Eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit, hat sie gesagt. Vielleicht solltet Ihr es Euch merken.� Mit einem schmalen, wissenden L�cheln wandte sie sich ab, ohne sich auch nur im Mindesten zu beeilen, um dorthin zur�ckzukehren, wo sie hingeh�rte.</p><p>Nynaeve starrte der Frau nach, und bestimmt nicht, weil sie auf den Hofknicks verzichtet hatte. Nun, nicht nur deshalb. Eine Schande, dass sie nicht etwas von ihrem dem�tigen Benehmen behalten hatte, zumindest was die Schwestern betraf. Nynaeve warf der T�r, hinter der sich die Atha'an Miere verbargen, einen Blick zu und dachte dar�ber nach, Alivia zu folgen, um sicherzugehen, dass sie auch tat, was ihr befohlen worden war. Stattdessen ging sie in die andere Richtung. Aber dabei beeilte sie sich nicht. Es w�re sehr unangenehm gewesen, wenn die Meervolkfrauen nun den Raum verlassen h�tten und zu dem Schluss gekommen w�ren, dass sie sie belauscht h�tte, aber sie beeilte sich nicht. Sie wollte nur z�gig gehen. Das war alles.</p><p>Die Atha'an Miere waren kaum die Einzigen im Palast, denen sie nicht begegnen wollte. <emphasis>Ich glaube nicht, dass es sich um eine</emphasis> Einladung <emphasis>handelt.</emphasis> Ach ja? Sumeko Karistovan, Chilares Arman und Famelle Juarde waren zusammen mit Reanne Corly Angeh�rige des N�hkr�nzchens gewesen. Das Abendessen war nur ein Vorwand. Sie w�rden mit ihr �ber die Windsucherinnen reden wollen. Und zwar �ber die Beziehung der im Palast befindlichen Aes Sedai und den �Wilden� des Meervolks. Sie w�rden sie nicht unbedingt tadeln, dass es ihr nicht gelungen war, die W�rde der Wei�en Burg aufrechtzuerhalten. So weit war es dann doch noch nicht; noch nicht, wohlgemerkt, denn sie schienen sich dieser Position zu n�hern. Aber w�hrend des ganzen Essens w�rde es bohrende Fragen und scharfe Bemerkungen geben. Und sie konnte sie nicht einfach bitten, damit aufzuh�ren. Es war zweifelhaft, dass sie es unterlassen w�rden, es sei denn, es w�re ein direkter Befehl gewesen. Und sie waren durchaus dazu f�hig, zu ihr zu kommen, falls sie nicht zu ihnen kam. Der Versuch, ihnen beizubringen, doch etwas R�ckgrat zu zeigen, war ein schrecklicher Fehler gewesen. Wenigstens war sie nicht die Einzige, die sich damit herumschlagen musste, obwohl sie fest davon �berzeugt war, dass Elayne es geschafft hatte, dem Schlimmsten zu entgehen. Oh, wie sehr sie sich darauf freute, sie alle wieder im Wei� der Novizinnen oder dem Gewand einer Aufgenommenen zu sehen. Wie sie sich darauf freute, den Atha'an Miere beim Abschied zuzuwinken!</p><p>�Nynaeve!�, ert�nte hinter ihr ein seltsam ged�mpfter Ruf. Im Akzent des Meervolks. �Nynaeve!�</p><p>Sie zwang sich dazu, den Zopf loszulassen, und fuhr auf dem Absatz herum, bereit, auf der Stelle loszuschimpfen. Jetzt war der Unterricht zu Ende, sie waren nicht auf einem Schiff, und sie sollten sie verdammt noch mal in Ruhe lassen!</p><p>Talaan kam rutschend vor ihr zum Stehen; ihre nackten F��e glitten �ber die dunkelroten Bodenfliesen. Keuchend sah die junge Frau �ber die Schulter, als h�tte sie Angst, jemand w�rde sich ihr n�hern. Sie zuckte jedes Mal zusammen, wenn sich ein Diener am Rand ihres Sichtfeldes bewegte, und wagte erst wieder zu atmen, wenn sie sicher war, dass es sich tats�chlich um einen Diener handelte. �Kann ich die Wei�e Burg besuchen?�, fragte sie atemlos, rang die H�nde und sprang von einem Fu� auf den anderen. �Ich werde niemals dazu auserw�hlt werden. Sie nennen es ein Opfer, das Meer f�r immer verlassen zu m�ssen, aber ich tr�ume davon, Novizin zu werden. Ich werde meine Mutter schrecklich vermissen, aber... Bitte. Ihr m�sst mich in die Wei�e Burg mitnehmen. Ihr m�sst!�</p><p>Der Ausbruch lie� Nynaeve blinzeln. Viele Frauen tr�umten davon, Aes Sedai zu werden, aber sie hatte noch nie eine sagen geh�rt, sie w�rde davon tr�umen, Novizin zu werden. Au�erdem... Das Atha'an Miere verweigerte den Aes Sedai die Passage auf jedem Schiff, dessen Windsucherin die Macht lenken konnte, aber um die Schwestern an genaueren Nachforschungen zu hindern, wurde gelegentlich eine Sch�lerin ausgew�hlt und zur Wei�en Burg geschickt. Egwene zufolge gab es derzeit nur drei Schwestern aus dem Meervolk und die waren alle schwach in der Macht. Dreitausend Jahre lang hatte das ausgereicht, um die Burg davon zu �berzeugen, dass die F�higkeit bei den Frauen des Atha'an Miere nur schwach und selten ausgepr�gt war und keine n�here Untersuchung lohnte. Talaan hatte Recht, man w�rde niemandem von ihrer St�rke jemals erlauben, die Burg zu besuchen, selbst jetzt nicht, da sich ihre T�uschung dem Ende n�herte. Tats�chlich war es ein Bestandteil des Vertrags mit ihnen, dass man aus dem Meervolk hervorgegangenen Schwestern erlaubte, die Aes Sedai zu verlassen und zu den Schiffen zur�ckzukehren. Der Saal der Burg w�rde mehr als nur <emphasis>aufschreien,</emphasis> wenn er davon erfuhr!</p><p>�Nun, die Ausbildung ist sehr schwer, Talaan�, sagte sie sanft, �und du musst mindestens f�nfzehn Jahre alt sein. Au�erdem...� Pl�tzlich wurde ihr noch etwas anderes bewusst, das die junge Frau gesagt hatte. �Du wirst deine Mutter vermissen?�, wiederholte sie ungl�ubig, und es war ihr egal, wie das klang.</p><p>�Ich bin neunzehn�, erwiderte Talaan beleidigt. Nynaeve betrachtete das jungenhafte Gesicht und den genauso jungenhaften K�rper und war sich nicht sicher, ob sie das glauben sollte. �Und nat�rlich werde ich meine Mutter vermissen. Sehe ich unnat�rlich aus? Oh, ich verstehe. Ihr begreift es nicht. Unter uns gehen wir sehr liebevoll miteinander um, aber in der �ffentlichkeit muss sie jeden Anschein von Bevorzugung vermeiden. Das ist bei uns ein ernstes Vergehen. Man k�nnte meine Mutter daf�r ihres Ranges entheben und uns <emphasis>beide</emphasis> an den F��en in den Rahen aufh�ngen und auspeitschen.�</p><p>Die Erw�hnung, kopf�ber in der Luft zu h�ngen, lie� Nynaeve das Gesicht verziehen. �Ich kann durchaus verstehen, warum du das vermeiden m�chtest�, sagte sie. �Trotzdem...�</p><p>�Jeder bem�ht sich, auch nur den Hauch einer Bevorzugung zu vermeiden, aber bei mir ist das noch schlimmer, Nynaeve!� Das M�dchen � nun gut, die junge Frau � w�rde noch lernen m�ssen, eine Schwester nicht zu unterbrechen, wenn sie erst einmal Novizin war. Nicht, dass das passieren w�rde. Nynaeve versuchte wieder das Wort zu ergreifen, aber Talaans Wortschwall lie� sich nicht bremsen. �Meine Gro�mutter ist die Windsucherin der Herrin der Wogen des Clan Rosshaine, meine Urgro�mutter ist die Windsucherin der Herrin der Wogen des Clan Daran, und ihre Schwester des Clan Takana. Meine Familie ist geehrt, dass f�nf von uns in so hohe Positionen aufgestiegen sind. Und jeder wartet nur darauf, dass Gelyn seinen Einfluss missbraucht. Ich wei�, dass das so richtig ist, man darf keine Bevorzugung dulden, aber meine Schwester war f�nf Jahre l�nger Sch�lerin als �blich, und meine Kusine sogar sechs! Nur damit keiner behaupten kann, sie w�ren bevorzugt worden. Wenn ich die Sterne berechne und unsere Position richtig wiedergebe, bestraft man mich, weil ich zu langsam bin, selbst wenn ich die Antwort genauso schnell wei� wie Windsucherin Ehvon! Wenn ich das Meer schmecke und die K�ste benenne, der wir uns n�hern, bestraft man mich, weil der Geschmack, den ich benenne, nicht haargenau derselbe ist, den Windsucherin Ehvon schmeckt! Ich habe Euch zweimal abgeschirmt, aber heute Abend wird man mich an den F��en aufh�ngen, weil ich es nicht schneller geschafft habe! Ich werde f�r Fehler bestraft, die man bei anderen �bersieht, ich werde f�r Fehler bestraft, die ich niemals mache, weil ich sie machen k�nnte! War Eure Novizinnenzeit viel h�rter als das, Nynaeve?�</p><p>�Meine Novizinnenzeit�, sagte Nynaeve leise. Sie w�nschte sich, die Frau w�rde nicht st�ndig davon reden, an den F��en aufgeh�ngt zu werden. �Ja. Nun. Ach, das willst du gar nicht h�ren.� <emphasis>Vier</emphasis> Generationen von Frauen mit der F�higkeit? Beim Licht! Es kam schon selten genug vor, dass die Tochter der Mutter folgte. Die Burg w�rde alles daf�r geben, Talaan zu bekommen. Aber das w�rde nicht geschehen. �Ich nehme an, auch Caire und Tebreille lieben in Wirklichkeit einander?�, sagte sie, nur um das Thema zu wechseln.</p><p>Talaan grinste h�hnisch. �Meine Tante ist verschlagen und hinterlistig. Sie ersinnt jede nur m�gliche Dem�tigung, die sie meiner Mutter zuf�gen kann. Aber meine Mutter wird sie erniedrigen, so wie sie es verdient hat. Eines Tages wird Tebreille sich auf einem Schweber wiederfinden, und zwar unter einer Segelherrin mit einer eisernen Hand und Zahnschmerzen!� Die Vorstellung lie� sie zufrieden und grimmig nicken. Um dann zusammenzuzucken, als ein Diener hinter ihr vorbeieilte. Das erinnerte sie an ihr Vorhaben. Sie sah sich in jede Richtung um, w�hrend sie hastig weitersprach. �Ihr k�nnt w�hrend des Unterrichts nat�rlich nichts sagen, aber jeder andere Zeitpunkt ist in Ordnung. Verk�ndet, dass ich die Burg besuche, und sie werden es Euch nicht abschlagen k�nnen. Ihr seid Aes Sedai!�</p><p>Nynaeve starrte das M�dchen ungl�ubig an. Und sp�testens bei der n�chsten Unterrichtsstunde w�rden sie das vergessen haben? Die kleine N�rrin hatte doch <emphasis>gesehen,</emphasis> was sie mit ihr machten! �Ich sehe, wie gern du gehen m�chtest, Talaan�, sagte sie, �aber...�</p><p>�Danke�, unterbrach Talaan sie und machte eine schnelle Verbeugung. �Danke!� Und sie rannte den Weg zur�ck, den sie gekommen war.</p><p>�Warte!�, rief Nynaeve und lief ein paar Schritte hinter ihr her. �Komm zur�ck! Ich habe gar nichts versprochen!�</p><p>Diener starrten sie an und warfen ihr auch dann verwunderte Blicke zu, als sie sich schon l�ngst wieder um ihre Pflichten k�mmerten. Sie w�re ja hinter der N�rrin hergelaufen, aber sie hatte Angst, dass sie sie direkt zu Zaida und den anderen f�hrte. Und die N�rrin w�rde vermutlich heraussprudeln, dass sie zur Burg gehen w�rde, dass Nynaeve es versprochen hatte. Licht, vermutlich w�rde sie es ihnen ohnehin sagen!</p><p>�Du siehst aus, als h�ttest du gerade eine verdorbene Pflaume verschluckt�, sagte Lan und trat an ihre Seite; sein gr�ner Mantel sa� wie angegossen und lie� ihn gro� und sehr attraktiv aussehen. Sie fragte sich, wie lange er wohl schon dort gestanden hatte. Es erschien unm�glich, dass ein so gro�er Mann, dessen Gegenwart �beraus dominierend war, selbst ohne einen Beh�terumhang so reglos dastehen konnte, dass man ihn nicht wahrnahm.</p><p>�Einen ganzen Korb�, murmelte sie und barg das Gesicht an der breiten Brust ihres Ehemannes. Es f�hlte sich gut an, sich an ihn und die von ihm verk�rperte Kraft anlehnen zu k�nnen, nur einen Augenblick lang, w�hrend er sanft �ber ihr Haar strich. Selbst wenn sie seinen Schwertgriff zur Seite r�cken musste, damit er sich nicht in ihre Rippen bohrte. Und jeder, der �ber diese �ffentliche Zurschaustellung von Zuneigung die Stirn runzelte, konnte gehen und sich aufh�ngen. Sie konnte sehen, wie eine Katastrophe der n�chsten folgte. Selbst wenn sie Zaida und den anderen versicherte, dass sie keinesfalls die Absicht hatte, Talaan irgendwohin zu bringen, w�rden sie ihr bei lebendigem Leib die Haut abziehen. Diesmal w�rde sie es nicht vor Lan verbergen k�nnen. Falls ihr das �berhaupt gelungen war, was das anging. Reanne und die anderen w�rden es erfahren. Und Alise auch! Sie w�rden anfangen, sie genau wie Merilille zu behandeln, ihre Befehle ignorieren und ihr genauso viel Respekt erweisen wie die Windsucherinnen Talaan. Irgendwie w�rde man ihr die Aufgabe aufb�rden, Alivia zu bewachen, und das w�rde in einer Katastrophe m�nden, in irgendeiner ungeheuren Dem�tigung. In letzter Zeit schien das alles zu sein, zu dem sie f�hig war; eine weitere M�glichkeit zu finden, sich dem�tigen zu lassen. Und jeden vierten Tag w�rde sie trotzdem Zaida und den Windsucherinnen gegen�bertreten m�ssen.</p><p>�Wei�t du noch, wie du mich gestern Morgen in unseren Gem�chern aufgehalten hast?�, murmelte sie und sah rechtzeitig auf, um zu sehen, wie die Besorgnis auf seinem Gesicht durch ein Grinsen ersetzt wurde. Nat�rlich erinnerte er sich. Ihre Wangen r�teten sich. Gespr�che mit Freundinnen waren eine Sache, aber es schien ihr noch immer schwer zu fallen, mit dem eigenen Mann offen zu sprechen. �Nun, ich m�chte, dass du mich auf der Stelle dorthin bringst und ein Jahr lang davon abh�ltst, etwas anzuziehen!� Zuerst hatte sie das ziemlich w�tend gemacht. Aber er wusste, wie er sie die Wut vergessen machen konnte.</p><p>Er warf den Kopf zur�ck und lachte, es war ein tiefer, hallender Laut, und im n�chsten Augenblick stimmte sie darin ein. Dabei wollte sie eigentlich weinen. Sie hatte es nicht unbedingt als Scherz gemeint.</p><p>Als verheiratete Frau musste sie sich das Bett nicht mit einer oder zwei Frauen teilen, au�erdem hatte es ihr ein Wohnzimmer eingebracht. Es war nicht gro�, aber es war ihr immer gem�tlich erschienen, mit einem sch�nen Kamin und einem kleinen Tisch mit vier St�hlen. Genau das, was sie und Lan gebraucht hatten. Ehre Hoffnungen auf ungest�rte Zweisamkeit erhielten jedoch im Moment ihres Eintretens einen D�mpfer. Die Haushofmeisterin erwartete sie bereits; sie stand genau in der Mitte des gebl�mten Teppichs, so imposant wie eine K�nigin, so makellos in ihrem Erscheinungsbild, als h�tte sie sich gerade eben erst angekleidet, und nicht im mindesten erfreut. Und in der Zimmerecke stand ein schlecht gekleideter, massiger Bursche mit einer schrecklichen Warze auf der Nase und einer Ledertasche, die schwer von seiner Schulter hing.</p><p>�Dieser Mann behauptet, er h�tte etwas, das Ihr dringend erwartet�, sagte Frau Harfor nach den �blichen Floskeln. Sie erf�llten alle n�tigen Gebote der H�flichkeit, waren aber sehr knapp; mit Ausnahme von Elayne verschwendete sie sie an niemanden. Sie klang, als w�rde sie von Nynaeve genauso wenig halten wie von dem Kerl mit der Warze. �Ich will Euch nicht verhehlen, dass mir sein Aussehen nicht gef�llt.�</p><p>Nynaeve war so m�de, dass es ihr beinahe unm�glich war, die Quelle zu umarmen, aber angetrieben von Gedanken an Attent�ter und das Licht, schaffte sie es im Handumdrehen. Lan musste eine Ver�nderung in ihrer Miene bemerkt haben, denn er machte einen Schritt auf den Burschen mit der Warze zu; er griff nicht nach seinem Schwert, aber pl�tzlich schien seine ganze Haltung zu verk�nden, dass die Klinge bereits gezogen war. Nynaeve vermochte nicht zu sagen, wie es ihm manchmal gelang, ihre Gedanken zu lesen, da der Beh�terbund ihn doch mit einer anderen verband, aber es freute sie. Es war ihr gelungen, Talaan als Ebenb�rtige gegen�berzutreten � zumindest, was die St�rke betraf! �, aber sie war nicht davon �berzeugt, im Augenblick genug von der Macht lenken zu k�nnen, um einen Stuhl umzuwerfen. �Ich erwarte gar...�, setzte sie an.</p><p>�Entschuldigt, Herrin�, murmelte der massige Bursche hastig und zerrte an seiner Haarlocke. �Frau Tahne sagte, Ihr wolltet mich auf der Stelle sehen. Frauenzirkelangelegenheiten, sagte sie. Etwas wegen Cenn Buie.�</p><p>Nynaeve riss sich zusammen, und einen Augenblick sp�ter fiel ihr ein, den Mund wieder zuzumachen. �Ja�, sagte sie langsam und starrte den Fremden an. Es fiel schwer, au�er der scheu�lichen Warze etwas von ihm zu sehen, aber sie war fest davon �berzeugt, ihm nie zuvor im Leben begegnet zu sein. Angelegenheiten des Frauenzirkels. Man w�rde keinem Mann erlauben, davon auch nur einen Hauch mitzubekommen. Das war geheim. Sie hielt trotzdem an <emphasis>Saidar</emphasis> fest. �Ich... erinnere mich. Danke, Frau Harfor. Ich bin sicher, Ihr habt viel zu erledigen.�</p><p>Die Haushofmeisterin schien den Wink nicht verstehen zu wollen, z�gernd starrte sie Nynaeve misstrauisch an. Das Stirnrunzeln nahm den massigen Fremden zum Ziel, richtete sich dann auf Lan und verschwand. Sie nickte gedankenverloren, als w�rde seine Anwesenheit den entscheidenden Unterschied bedeuten! �Dann lasse ich Euch jetzt allein. Ich bin sicher, Lord Lan kommt mit diesem Burschen zurecht.�</p><p>Nynaeve unterdr�ckte ihre Emp�rung, wartete aber kaum ab, dass sich die T�r geschlossen hatte, bevor sie zu dem Fremden mit der Warze herumfuhr. �Wer seid Ihr?�, wollte sie wissen. �Woher kennt Ihr diese Namen? Ihr kommt nicht von den Zwei...�</p><p>Der Mann... flackerte. Es gab keine andere Bezeichnung daf�r. Er flackerte und wuchs in die H�he, und pl�tzlich war er Rand, der das Gesicht verzog und m�hsam schluckte, der diese einfache Wollkleidung trug und auf dessen Handr�cken diese schrecklichen K�pfe in Rot und Gold funkelten und der eine Ledertasche an der Schulter trug. Wo hatte er das gelernt? Wer hatte es ihm beigebracht? Nynaeve widerstand der Versuchung, sich nur einen kurzen Augenblick lang zu tarnen, nur um ihm zu zeigen, dass auch sie diese Kunst beherrschte.</p><p>�Ich sehe, du hast deinen eigenen Rat nicht befolgt�, sagte Rand zu Lan, als w�re sie nicht da. �Aber warum duldest du es, dass sie sich als Aes Sedai ausgibt? Selbst wenn es die echten Aes Sedai zulassen, k�nnte sie sich damit schaden.�</p><p>�Weil sie eine Aes Sedai ist, Schafhirte�, erwiderte Lan ruhig. Er sah sie auch nicht an! Und schien noch immer bereit zu sein, blitzschnell sein Schwert zu ziehen. �Was das andere angeht... manchmal ist sie st�rker als du. Hast du es getan?�</p><p>Jetzt richtete Rand den Blick auf sie und runzelte ungl�ubig die Stirn. Selbst noch, als sie ihr Schultertuch richtete, sodass die gelben Fransen schaukelten. Aber er sch�ttelte langsam den Kopf und sagte: �Nein. Du hast Recht. Manchmal ist man zu schwach, das zu tun, was man tun sollte.�</p><p>�Was plappert ihr da?�, sagte sie in scharfem Tonfall.</p><p>�Nur Dinge, �ber die sich M�nner so unterhalten�, erwiderte Lan.</p><p>�Du w�rdest es nicht verstehen�, sagte Rand.</p><p>Diese Bemerkung lie� sie ver�chtlich schnauben. Klatsch und leeres Gerede, das war es, worum sich Unterhaltungen von M�nnern in neun von zehn F�llen drehten. Bestenfalls. M�de lie� sie <emphasis>Saidar</emphasis> los. Z�gernd. Sicherlich musste sie sich nicht vor Rand sch�tzen, aber sie h�tte es gern noch gehalten, nur um es zu ber�hren, ob sie nun m�de war oder nicht.</p><p>�Wir wissen �ber Cairhien Bescheid, Rand�, sagte sie und lie� sich dankbar auf einen Stuhl sinken. Diese verdammten Meervolkfrauen hatten sie ausgelaugt! �Bist du deswegen so gekleidet gekommen? Wenn du dich vor denjenigen verstecken willst, wer auch immer das war...� Er sah m�de aus. H�rter, als sie ihn in Erinnerung hatte, aber sehr m�de. Doch er blieb stehen. Seltsamerweise schien er Lan sehr zu �hneln, st�ndig bereit, das Schwert zu ziehen, das er gar nicht trug. Vielleicht w�rde der Attentatsversuch ja reichen, damit er Vernunft annahm. �Rand, Egwene kann dir helfen.�</p><p>�Eigentlich verberge ich mich gar nicht�, sagte er. �Das hei�t, nur bis ich ein paar M�nner t�ten kann, die get�tet werden m�ssen.� Licht, er sprach das genauso n�chtern aus wie Ali via! Warum behielten er und Lan einander im Auge und gaben dabei vor, es nicht zu tun? �Davon abgesehen, wie sollte Egwene helfen k�nnen?�, fuhr er fort und stellte die Tasche auf dem Tisch ab. Sie gab einen leisen, aber eindeutigen Laut von sich, der auf etwas Schweres in ihrem Inneren hindeutete. �Ich nehme an, sie ist auch eine Aes Sedai?� Er klang <emphasis>am�siertt</emphasis> �Ist sie auch hier? Ihr drei und zwei echte Aes Sedai. Nur zwei! Nein, ich habe keine Zeit daf�r. Du musst etwas f�r mich aufbewahren, bis ich...�</p><p>�Egwene ist der Amyrlin-Sitz, du Narr�, knurrte sie. Es war sch�n, zur Abwechslung mal jemanden anderen unterbrechen zu k�nnen. �Elaida ist die Usurpatorin. Ich hoffe, du warst wenigstens so gescheit, dich nicht in ihre N�he zu wagen! Du w�rdest nicht auf deinen eigenen zwei Beinen wieder gehen, das kann ich dir sagen! Hier sind f�nf echte Aes Sedai, mich <emphasis>eingeschlossen,</emphasis> dreihundert weitere sind bei Egwene und einem Heer, dazu bereit, Elaida zu st�rzen. Sieh dich doch einmal selbst an! Welche mutigen Parolen du auch immer von dir gibst, beinahe w�re es jemandem gelungen, dich zu t�ten, und du schleichst hier wie ein Stallbursche gekleidet herum! Welchen sichereren Ort sollte es f�r dich geben als bei Egwene? Selbst deine Asha'man w�rden es nicht wagen, gegen dreihundert Schwestern anzutreten!� O ja, und wie sch�n das war. Er versuchte seine �berraschung zu verbergen, aber er leistete keine gute Arbeit, so wie er sie anstarrte.</p><p>�Du w�rst �berrascht, was meine Asha'man wagen�, sagte er dann trocken. �Ich nehme an, Mat ist bei Egwenes Heer?� Er f�hrte eine Hand zum Kopf und taumelte.</p><p>Es war nur ein halber Schritt, aber sie war von ihrem Stuhl hochgeschossen, bevor er sich wieder aufrichten konnte. M�hsam umarmte sie <emphasis>Saidar,</emphasis> umfasste seinen Kopf mit beiden H�nden und wob schleppend eine Tiefenschau um ihn herum. Sie hatte versucht, eine bessere Methode zu finden, um zu ergr�nden, was jemandem fehlte, bis jetzt aber erfolglos. Dennoch reichte es. Sie hatte ihn noch nicht richtig mit dem Gewebe eingeh�llt, als ihr auch schon der Atem stockte. Sie wusste �ber die Wunde in seiner Seite Bescheid, die er in Falme davongetragen hatte und die niemals richtig geheilt war, die sich s�mtlichen Heilungen, die sie kannte, widersetzt hatte und wie eine Pustel des B�sen in seinem Fleisch wucherte. Jetzt gab es eine weitere zur H�lfte verheilte Wunde �ber der alten und auch in ihr pulsierte das B�se. Es handelte sich jedoch um eine andere Art des B�sen, das wie ein Spiegelbild des bereits vorhandenen wirkte, aber genauso verheerend war. Und sie konnte beide nicht mit der Macht ber�hren. Ehrlich gesagt wollte sie es auch nicht � allein der Gedanke daran verursachte ihr eine G�nsehaut! �, aber sie versuchte es. Und etwas Unsichtbares hielt sie fern. Etwas wie ein Abwehrmechanismus. Ein Abwehrmechanismus, den sie nicht bestimmen konnte. Ein Abwehrmechanismus aus <emphasis>Saidin!</emphasis></p><p>Das lie� sie aufh�ren, die Macht zu lenken, und sie trat zur�ck. Aber die Quelle hielt sie weiterhin umklammert; ganz egal, wie m�de sie auch sein mochte, sie w�rde sich zum Loslassen zwingen m�ssen. Keine Schwester konnte an die m�nnliche H�lfte der Macht auch nur denken, ohne einen Schauder der Furcht zu versp�ren. Er sah ganz ruhig auf sie herab und das lie� sie fr�steln. Er schien ein ganz anderer Mann als jener Rand al'Thor zu sein, den sie hatte aufwachsen sehen. Sie war sehr froh, dass Lan hier war, so schwer das auch zuzugeben war. Pl�tzlich wurde ihr bewusst, dass er sich nicht entspannt hatte. Er mochte mit Rand plaudern, wie es zwei M�nner �ber Pfeifen und Ale taten, aber er hielt ihn auch f�r gef�hrlich. Und Rand sah Lan an, als wusste er dies und w�rde es auch akzeptieren.</p><p>�Das ist jetzt nicht wichtig�, sagte Rand und wandte sich der Tasche auf dem Tisch zu. Nynaeve wusste nicht, ob er seine Wunden oder Mats Aufenthaltsort meinte. Er holte zwei jeweils einen Fu� hohe Statuetten aus der Tasche, einen weise aussehenden, b�rtigen Mann und eine gleichfalls weise aussehende, heitere Frau. Beide waren mit einem flie�enden Gewand bekleidet und hielten eine durchsichtige Kristallkugel hoch. Nach der Art und Weise zu schlie�en, wie Rand mit ihnen umging, waren sie schwerer, als sie aussahen. �Nynaeve, ich m�chte, dass du die f�r mich versteckst, bis ich nach ihnen schicke.� Er z�gerte, eine Hand auf die Frauenfigur gelegt. �Und nach dir. Ich brauche dich, wenn ich sie benutze. Wenn <emphasis>wir</emphasis> sie benutzen. Nachdem ich mich um diese M�nner gek�mmert habe. Das muss zuerst erledigt werden.�</p><p>�Sie benutzen?�, fragte sie misstrauisch. Warum musste der gewaltsame Tod anderer an erster Stelle stehen? Aber das war im Augenblick kaum die Frage, auf die es ankam. �Wozu? Sind es <emphasis>Ter'angreale?�</emphasis></p><p>Er nickte. �Hiermit kannst du das gr��te <emphasis>Sa'angreal</emphasis> ber�hren, der jemals f�r eine Frau erschaffen wurde. Soweit ich wei�, ist es in Tremalking vergraben, aber das ist jetzt nicht von Belang.� Seine Hand legte sich auf die M�nnerfigur. �Mit dem hier kann ich ihren m�nnlichen Zwilling ber�hren. Einst wurde mir von... jemandem berichtet, dass ein Mann und eine Frau, die diese <emphasis>Sa'angreale</emphasis> benutzen, den Dunklen K�nig selbst herausfordern k�nnten. M�glicherweise wird man sie auch eines Tages genau f�r diesen Zweck einsetzen, aber in der Zwischenzeit hoffe ich, dass sie ausreichen, um die m�nnliche H�lfte der Quelle zu reinigen.�</p><p>�Wenn man das tun k�nnte, h�tten sie es dann nicht im Zeitalter der Legenden getan?�, sagte Lan leise. Leise, so wie Stahl, der aus der Scheide glitt, leise war. �Du sagtest einmal, ich k�nnte daran schuld sein, dass sie verletzt wird.� Es erschien unm�glich, dass seine Stimme noch h�rter wurde, aber das tat sie. �Du k�nntest sie t�ten, Schafhirte.� Und sein Ton machte klar, dass er das nicht zulassen w�rde.</p><p>Rand begegnete Lans kaltem Blick mit der gleichen K�lte. �Ich wei� nicht, warum sie es nicht getan haben. Es ist mir auch egal. Der Versuch muss unternommen werden.�</p><p>Nynaeve biss sich auf die Unterlippe. Sie vermutete, dass Rand das hier zu einem �ffentlichen Auftritt machte � manchmal machte sie dieser Wechsel vom �ffentlichen zum Privaten und die Entscheidung treffen zu m�ssen, was nun was war, schwindelig �, aber es st�rte sie nicht, dass Lan sich ungefragt zu Wort gemeldet hatte. Was das betraf, war er wirklich schlimm, aber ihr gefiel ein Mann, der sagte, was er dachte. Sie musste nachdenken. Nicht �ber ihre Entscheidung, die sie bereits getroffen hatte, sondern wie sie sie durchf�hren sollte. Rand w�rde es m�glicherweise nicht gefallen. Lan w�rde es gewiss nicht gefallen. Nun, M�nner wollten immer ihren Willen durchsetzen. Manchmal musste man sie eben lehren, dass das nicht immer ging.</p><p>�Ich halte das f�r eine gro�artige Idee�, sagte sie. Das war nicht einmal gelogen. Es war gro�artig, verglichen mit den Alternativen. �Aber ich sehe nicht ein, warum ich hier herumsitzen und wie eine Dienstmagd auf deine Botschaft warten sollte. Ich werde es tun, aber wir gehen alle zusammen.�</p><p>Sie hatte Recht gehabt. Es gefiel ihnen nicht im mindesten.</p></section><section><title><p>12</p><p>Eine Lilie im Winter</p></title><p>Ein weiterer Diener fiel beinahe auf die Nase, weil er sich so tief verbeugte, und Elayne seufzte, als sie durch die Palastkorridore rauschte. Das hie�, sie versuchte zu rauschen. Die Tochter-Erbin von Andor, imposant und erhaben. Sie wollte rennen, obwohl ihre dunkelblauen R�cke sie vermutlich bei dem Versuch h�tten stolpern lassen. Sie konnte f�rmlich sp�ren, wie die staunenden Blicke des st�mmigen Mannes ihr und ihren Begleiterinnen folgten. Ein geringf�giges �rgernis, und eines, das vergehen w�rde, ein Sandkorn in ihrem Halbschuh. <emphasis>Der verdammte Rand al'Thor, der verflucht noch mal zu wissen glaubt, was f�r alle am besten w�re, ist wie ein juckender Ausschlag auf meinem R�cken!</emphasis> dachte sie. Wenn es ihm diesmal gelang, ihr aus dem Weg zu gehen, dann...!</p><p>�Denkt daran�, sagte sie entschieden. �Er erf�hrt nichts �ber Spione oder Spaltwurzel oder sonst etwas davon!� Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte, war seine Entscheidung, sie zu �retten�. M�nner kamen auf solchen Unsinn; Nynaeve nannte es �mit den Haaren auf der Brust denken�. Licht, er w�rde vermutlich versuchen, die Aiel und Saldaeaner zur�ck in die Stadt zu holen! In den Palast! So bitter es auch war, dies zugeben zu m�ssen, sie konnte ihn nicht aufhalten, wenn er es versuchte, jedenfalls nicht ohne einen Krieg anzufangen, und m�glicherweise nicht mal dann.</p><p>�Ich sage ihm nie Dinge, die er nicht zu wissen braucht�, bemerkte Min und betrachtete stirnrunzelnd eine schm�chtige Dienerin mit weit aufgerissenen Augen, deren Hofknicks dazu f�hrte, dass sie beinahe auf den rotbraunen Fliesenboden fiel. Elayne warf Min einen Blick zu und erinnerte sich an die Zeit, in der sie selbst Kniebundhosen getragen hatte, und sie fragte sich, ob sie es nicht noch einmal versuchen konnte. Sie boten mit Sicherheit gr��ere Bewegungsfreiheit als R�cke. Allerdings nicht die hochhackigen Stiefel, entschied sie wohl�berlegt. Sie machten Min beinahe so gro� wie Aviendha, aber selbst Birgitte schwankte in ihnen, und mit den eng anliegenden Hosen und einem Mantel, der kaum ihre H�ften bedeckte, bot Min definitiv einen skandal�sen Anblick.</p><p>�Du l�gst ihn an?� Aviendhas Tonfall war voller Misstrauen. Sogar die Art und Weise, wie sie ihr dunkles Schultertuch zurechtr�ckte, k�ndete von Missbilligung, und sie starrte Min an Elayne vorbei an.</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte Min scharf und starrte zur�ck. �Nur wenn es unbedingt n�tig ist.� Aviendha kicherte, dann sah sie �berrascht aus, dass sie es getan hatte, und setzte eine steinerne Miene auf.</p><p>Was sollte sie mit ihnen machen? Sie mussten einander m�gen. Sie mussten es einfach. Aber die beiden Frauen hatten sich seit ihrem Zusammentreffen wie fremde Katzen in einem kleinen Zimmer angestarrt. Oh, sie hatten allem zugestimmt � sie hatten keine andere Wahl gehabt, da keine von ihnen auch nur erahnen konnte, wann ihnen der Mann das n�chste Mal zur Verf�gung stand �, aber sie hoffte, dass sie einander nicht wieder zeigten, wie geschickt sie mit ihren Messern umgehen konnten. Ganz beil�ufig, ohne jede angedeutete Drohung, aber auch ganz offen. Andererseits hatte Aviendha die Zahl der Messer, die Min am Leib trug, durchaus beeindruckt.</p><p>Ein junger Diener, der ein Tablett mit hohen Zylindem f�r die Kandelaber trug, verbeugte sich, als sie vorbeirauschte. Ungl�cklicherweise starrte er sie so gebannt an, dass er verga�, auf seine Last zu achten. Das Ger�usch auf den Bodenfliesen zersplitternden Glases hallte durch den Korridor.</p><p>Elayne seufzte erneut. Sie hoffte, dass sich jeder bald an die neue Ordnung der Dinge gew�hnt hatte. Nat�rlich war nicht sie allein das Objekt der Aufmerksamkeit, oder Aviendha oder selbst Min, obwohl sie sicher einen Teil davon auf sich zog. Nein, es waren Caseille und Deni, die ihnen dichtauf folgten, die Diener stolpern und die Augen aufrei�en lie�en. Sie hatte jetzt acht Leibw�chterinnen und diese beiden hatten vor ihrer T�r Wache gestanden, als sie aufgewacht war.</p><p>Einige der ungl�ubigen Blicke r�hrten vermutlich daher, dass Elayne �berhaupt von einer Leibwache begleitet wurde, aber mit Sicherheit lag es daran, dass es Frauen waren. Daran hatte sich noch keiner gew�hnt. Aber Birgitte hatte gesagt, sie w�rde daf�r sorgen, dass sie wie eine Zeremonienwache aussahen, und das hatte sie auch getan. Nachdem sie Elaynes Gem�cher in der vergangenen Nacht verlassen hatte, musste sie jede N�herin und Hutmacherin des Palasts an die Arbeit gesetzt haben. Jede der Frauen trug einen hellroten Hut mit einer langen wei�en Feder, die sich flach an die breite Krempe schmiegte, sowie eine breite, mit Spitze abgesetzte rote Sch�rpe quer �ber der Brust, auf der drohend aufgerichtete Wei�e L�wen marschierten. Die mit wei�en Kragen versehenen scharlachroten M�ntel waren aus Seide und der Schnitt war etwas ver�ndert worden, sodass sie besser sa�en und kurz �ber den Knien der scharlachroten Kniebundhosen endeten, deren Au�enseiten von einem wei�en Streifen geschm�ckt wurden. Aus �rmeln und Kragen quoll wei�e Spitze, und ihre schwarzen Stiefel waren gewachst worden, bis sie gl�nzten. Sie sahen ziemlich schneidig aus und selbst die immer so gelassene Deni stolzierte ein wenig. Elayne vermutete, dass sie noch stolzer sein w�rden, sobald die Schwertg�rtel und Scheiden mit dem Golddraht und die lackierten Helme und Brustpanzer fertig waren. Birgitte lie� die Brustpanzer f�r die Frauen passend machen, und Elayne war fest davon �berzeugt, dass das den Waffenschmieden des Palasts mit <emphasis>Sicherheit</emphasis> fast die Augen aus dem Kopf getrieben hatte!</p><p>Im Augenblick war Birgitte flei�ig damit besch�ftigt, Frauen zu befragen, um die zwanzig f�r die Leibwache ben�tigten zusammenzubekommen. Elayne konnte f�hlen, wie sie sich konzentrierte; da es keinerlei Anzeichen k�rperlicher Aktivit�ten gab, musste es das sein, es sei denn, sie w�rde lesen oder Steine spielen, und sie g�nnte sich nur selten einen Augenblick f�r sich selbst. Elayne hoffte, sie w�rde es auch bei den zwanzig belassen. Und sie hoffte, dass Birgitte besch�ftigt genug war, dass sie nichts bemerkte, bis es dann zu sp�t war, wenn sie den Bund verh�llte. Wenn sie nur daran dachte, was f�r Sorgen sie sich gemacht hatte, Birgitte k�nnte sp�ren, wenn sie etwas tat, mit dem sie nicht einverstanden war. Und dabei hatte die L�sung in einer einfachen Frage an Vandene gelegen. Die Antwort war eine traurige Erinnerung daran gewesen, wie wenig sie doch eigentlich dar�ber wusste, eine Aes Sedai zu sein, vor allem �ber solche Dinge, die f�r die anderen Schwestern eine Selbstverst�ndlichkeit waren. Anscheinend wusste jede Schwester, die einen Beh�ter hatte, wie das zu bewerkstelligen war, selbst jene, die z�libat�r lebten.</p><p>Es war schon seltsam, wie sich manche Dinge regelten. W�ren da nicht die Leibw�chterinnen und die Frage gewesen, wie es zu schaffen war, sowohl ihnen als auch Birgitte aus dem Weg zu gehen, w�re sie nie auf die Idee gekommen, danach zu fragen, h�tte sie nie gelernt, wie man den Bund f�r solche Gelegenheiten verh�llen konnte. Nicht, dass sie in absehbarer Zeit geplant h�tte, ihren Leibw�chterinnen zu entkommen, aber es war besser, rechtzeitig vorbereitet zu sein. Birgitte w�rde ihr und Aviendha mit Sicherheit nicht erlauben, allein in die Stadt zu gehen, ob nun am Tag <emphasis>oder</emphasis> in der Nacht. Das war vorbei.</p><p>Ihre Ankunft vor Nynaeves T�r verdr�ngte jeden Gedanken an Birgitte. Mal davon abgesehen, dass sie den Bund erst im letzten Augenblick verh�llen durfte. Rand war auf der anderen Seite der T�r. Rand, der manchmal ihren Verstand so durcheinander brachte, dass sie sich fragte, ob sie wie eine dieser dummen Puten aus einem Roman war, die wegen eines Mannes die Beherrschung verloren. Sie war immer der Ansicht gewesen, dass diese Geschichten nur von M�nnern geschrieben sein konnten. Aber manchmal machte Rand sie sprachlos. Wenigstens bekam er das nicht mit, wof�r sie dem Licht dankte.</p><p>�Wartet hier drau�en und lasst niemanden hinein�, befahl sie den Gardistinnen. Sie konnte jetzt keine Unterbrechungen gebrauchen. Mit etwas Gl�ck waren ihre Leibw�chter neu genug, dass keinem auffiel, was ihre sch�nen Uniformen zu bedeuten hatten. �Es wird nur ein paar Minuten dauern.�</p><p>Sie salutierten schneidig, f�hrten den Arm quer �ber die Brust und stellten sich beiderseits der T�r auf; Caseille mit steinernem Gesicht und der Hand auf dem Schwertgriff, Deni mit schmalem L�cheln und der langen Keule in beiden H�nden. Elayne war fest davon �berzeugt, dass die st�mmige Frau glaubte, Min h�tte sie hergebracht, damit sie ihren heimlichen Geliebten treffen konnte. Vermutlich war auch Caseille dieser Ansicht. Sie waren nicht mal ann�hernd so diskret vor den beiden Frauen gewesen, wie sie es h�tten sein sollen; keiner hatte seinen Namen erw�hnt, aber es hatte genug von �er hat dies getan� und �er hat das getan� gegeben. Wenigstens hatte keine von ihnen versucht, sich zu entschuldigen, um Birgitte Meldung zu machen. Wenn sie ihre Leibw�chterinnen waren, dann waren sie <emphasis>ihre</emphasis> Leibw�chterinnen und nicht Birgittes. Nur dass sie Birgitte nicht raushalten w�rden, wenn sie den Bund zu fr�h verh�llte.</p><p>Elayne begriff, dass sie z�gerte. Der Mann, von dem sie jede Nacht tr�umte, war auf der anderen Seite der T�r, und sie stand hier wie ein Schulm�dchen. Sie hatte so lange gewartet und so viel gewollt und jetzt hatte sie beinahe Angst. Sie w�rde hier nicht scheitern. Mit einer bewussten Anstrengung riss sie sich zusammen.</p><p>�Seid ihr bereit?� Ihre Stimme war nicht so fest, wie sie es sich gew�nscht h�tte, aber wenigstens zitterte sie nicht. In ihrem Bauch tanzten Schmetterlinge von der Gr��e von F�chsen. Das war schon lange nicht mehr geschehen.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Aviendha, aber sie musste vorher schlucken.</p><p>�Ich bin soweit�, sagte Min leise.</p><p>Sie traten ohne anzuklopfen ein und schl�ssen die T�r schnell hinter sich.</p><p>Nynaeve sprang mit weit aufgerissenen Augen auf, bevor sie das Wohnzimmer richtig betreten hatten, aber Elayne bemerkte weder sie noch Lan richtig, obwohl der s��e Duft der Pfeife des Beh�ters den Raum f�llte. Rand war leibhaftig da; irgendwie war es ihr schwer gefallen, es tats�chlich glauben zu k�nnen. Die schreckliche Verkleidung, die Min beschrieben hatte, war abgesehen von der sch�bigen Kleidung und den primitiven Handschuhen verschwunden und er war... wundersch�n.</p><p>Auch er sprang bei ihrem Anblick vom Stuhl hoch, aber bevor er richtig stand, taumelte er, griff mit beiden H�nden nach dem Tisch und w�rgte mehrmals.</p><p>Elayne umarmte die Quelle und trat einen Schritt auf ihn zu, dann blieb sie stehen und �berwand sich, die Macht wieder loszulassen. Ihre F�higkeiten auf dem Gebiet des Heilens waren minimal, au�erdem hatte Nynaeve genauso schnell reagiert wie sie. Pl�tzlich umgab sie der Schein <emphasis>Saidars</emphasis> und sie streckte beide H�nde nach Rand aus.</p><p>Er wich vor ihr zur�ck und winkte ab. �Das ist nichts, was du Heilen k�nntest, Nynaeve�, sagte er grob. �Aber wie dem auch sei, es sieht so aus, als w�rdest du deinen Willen bekommen.� Sein Gesicht war eine starre Maske, die jegliche Gef�hle verbarg, aber Elayne hatte den Eindruck, dass seine Augen sie f�rmlich auffra�en. Und Aviendha auch. Sie war �berrascht, als sie feststellte, dass es sie froh stimmte. Sie hatte gehofft, dass es so sein w�rde, hatte gehofft, es w�rde ihr um ihrer Schwester willen gelingen, und jetzt erwies sich jede Bem�hung als unn�tig. Es kostete ihn eine sichtliche Anstrengung, sich aufrecht hinzustellen, ebenso wie den Blick von ihr und Aviendha zu l�sen, allerdings versuchte er, beides zu verbergen. �Min, wir m�ssten schon l�ngst wieder weg sein�, sagte er.</p><p>Elayne blieb der Mund offen stehen. �Hast du geglaubt, du k�nntest einfach wieder gehen, <emphasis>ohne</emphasis> mit mir, mit <emphasis>uns</emphasis> zu sprechen?�, stie� sie m�hsam hervor.</p><p>�M�nner!�, sagten Min und Aviendha beinahe zugleich und warfen einander �berraschte Blicke zu. Hastig nahmen sie die verschr�nkten Arme runter. Obwohl sie sich in fast jeder Hinsicht voneinander unterschieden, waren sie einen Augenblick lang beinahe Spiegelbilder weiblicher Verachtung gewesen.</p><p>�Die M�nner, die mich in Cairhien t�ten wollten, w�rden diesen Palast in einen Schlackehaufen verwandeln, wenn sie w�ssten, dass ich hier bin�, sagte Rand ruhig. �Vielleicht auch schon, wenn sie nur den Verdacht h�tten. Ich nehme an, Min hat euch gesagt, dass es Asha'man waren. Vertraut keinem von ihnen. Dreien vielleicht ausgenommen. Damer Flinn, Jahar Narishma und Eben Hopwil. Ihnen k�nnt ihr m�glicherweise vertrauen. Was den Rest angeht...� Er ballte die behandschuhten F�uste, scheinbar ohne dass es ihm bewusst war. �Manchmal wendet sich das Schwert in der Hand gegen einen selbst, aber ich brauche dieses Schwert. Haltet euch von jedem Mann in einem schwarzen Mantel fern. H�rt zu, jetzt ist nicht die Zeit f�r eine Unterhaltung. Es ist besser, wenn ich jetzt gehe.� Sie hatte sich geirrt. Er war nicht genau so, wie sie von ihm getr�umt hatte. Manchmal war in ihm eine gewisse Jungenhaftigkeit gewesen, aber die war verschwunden, als h�tte man sie ausgebrannt. Sie trauerte seinetwegen darum, denn sie glaubte nicht, dass er es tat � oder dazu imstande war.</p><p>�In einer Sache hat er Recht�, sagte Lan um seinen Pfeifenstiel herum im gleichen ruhigen Tonfall. Noch ein Mann, der nie ein Junge gewesen zu sein schien. Die Augen unter dem geflochtenen Lederband, das seine Brauen umgab, waren wie blaues Eis. �Jeder in seiner N�he ist in gro�er Gefahr. Jeder.� Aus irgendeinem Grund schnaubte Nynaeve. Dann legte sie die Hand auf eine Ledertasche auf dem Tisch, deren Inhalt sie ausbeulte, und verzog die Lippen zu einem L�cheln. Obwohl das L�cheln einen Augenblick sp�ter wieder in sich zusammenfiel.</p><p>�F�rchten meine Erstschwester und ich die Gefahr?�, wollte Aviendha wissen und stemmte die F�uste in die H�ften, Ihr Schulterruch rutschte herunter und fiel zu Boden, aber sie war so konzentriert, dass sie es nicht zu bemerken schien. �Dieser Mann schuldet uns <emphasis>Toh,</emphasis> Aan'allein, so wie wir es ihm schulden. Das muss gekl�rt werden.�</p><p>Min breitete die H�nde aus. �Ich wei� nicht, was jetzt <emphasis>Toh</emphasis> mit der Sache zu tun haben soll, aber ich gehe nirgendwohin, bevor du mit ihnen gesprochen hast, Rand!� Sie gab vor, Aviendhas w�tenden Blick nicht zu bemerken.</p><p>Seufzend lehnte sich Rand gegen die Tischkante und fuhr sich mit den behandschuhten Fingern durch die dunklen, roten Locken, die bis zum Nacken reichten. Er schien lautlos mit sich zu diskutieren.</p><p>�Es hat mir Leid, dass du die <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> am Ende aufgezwungen bekommen hast�, sagte er schlie�lich. Es h�rte sich an, als w�rde es ihm tats�chlich Leid tun, gewisserma�en; er h�tte genauso gut die K�lte bedauern k�nnen. �Taim sollte sie den Schwestern �bergeben, von denen ich annahm, dass sie bei dir sind. Aber ich sch�tze, jeder kann einen solchen Fehler machen. Vielleicht glaubte er ja, dass all diese Seherinnen und Weisen Frauen, die Nynaeve zusammengesucht hat, Aes Sedai sind.� Sein L�cheln war d�nn. Es reichte nicht bis zu seinen Augen.</p><p>�Rand�, sagte Min in einem leisen, warnenden Tonfall.</p><p>Er hatte die Unversch�mtheit, sie fragend anzusehen, als w�rde er sie nicht verstehen. Und er fuhr unger�hrt fort. �Aber egal, ihr scheint genug von ihnen zu haben, um eine Hand voll Frauen in Gewahrsam zu halten, bis ihr sie den... anderen Schwestern �bergeben k�nnt, denen bei Egwene. Die Dinge laufen nie genau so ab, wie man es erwartet, nicht wahr? H�tte je einer gedacht, dass aus ein paar Schwestern, die Elaida fortlaufen, eine Rebellion gegen die Wei�e Burg entstehen w�rde? Mit Egwene als Amyrlin! Und der Bande der Roten Hand als ihr Heer. Ich sch�tze, Mat kann eine Weile bei ihnen bleiben.� Aus irgendeinem Grund blinzelte er und ber�hrte die Stirn, dann machte er in diesem aufreizend beil�ufigen Tonfall weiter. �Nun, �berall nehmen die Dinge seltsame Wendungen. Bei diesem Tempo w�rde es mich nicht �berraschen, wenn meine Freunde in der Burg genug Mut aufbringen, in die �ffentlichkeit zu treten.�</p><p>Elayne sah Nynaeve mit einer hochgezogenen Braue an. Seherinnen und Weise Frauen? Die Bande war Egwenes Heer und Mat war bei ihr? Nynaeves Versuch, naive Unschuld zu zeigen, lie� sie wie die personifizierte Schuld aussehen. Elayne vermutete, dass es keine Rolle spielte. Er w�rde die Wahrheit fr�h genug erfahren, falls man ihn �berreden konnte, sich zu Egwene zu begeben. Davon abgesehen hatte sie Wichtigeres mit ihm zu regeln. Egal, wie beil�ufig sich dieser Mann auch gab, er plapperte einfach drauflos, warf ihnen alle m�glichen Brocken hin in der Hoffnung, sie abzulenken.</p><p>�So leicht kommst du uns nicht davon, Rand.� Elayne fasste ihre R�cke fester, um zu verhindern, dass sie ihm mit dem Finger drohte. Oder mit der Faust; sie war sich nicht sicher, welches von beiden es sein w�rde. Die <emphasis>anderen</emphasis> Schwestern? Die <emphasis>echten</emphasis> Aes Sedai, hatte er sagen wollen. Wie konnte er es wagen? Und seine <emphasis>Freunde</emphasis> in der Burg! War es denn m�glich, dass er noch immer Alviarins seltsamem Brief Glauben schenkte? Ihre Stimme war k�hl und beherrscht, sie duldete keinen Unsinn. �Nichts davon spielt im Augenblick eine Rolle, gar nichts. Du und Aviendha und Min und ich, das ist es, wor�ber wir reden m�ssen. Und das werden wir auch. Und zwar wir <emphasis>alle,</emphasis> Rand al'Thor, und du wirst den Palast <emphasis>nicht</emphasis> verlassen, bis das geschehen ist!�</p><p>Einen langen Augenblick sah er sie blo� an, ohne dass sich seine Miene ver�nderte. Dann holte er h�rbar Luft und sein Gesicht wurde zu Stein. �Elayne, ich liebe dich.� Ohne Pause fuhr er dann fort und die Worte str�mten aus ihm hervor wie Wasser aus einem geborstenen Damm. Und sein Gesicht blieb versteinert.</p><p>�Aviendha, ich liebe dich. Min, ich liebe dich. Und nicht eine Spur mehr oder weniger als die anderen beiden. Ich will nicht eine von euch haben, ich will alle drei. So, jetzt wisst ihr es. Ich bin ein W�stling. Jetzt k�nnt ihr alle gehen und nicht zur�cksehen. Es ist sowieso Wahnsinn. Ich kann es mir nicht leisten, irgendjemanden zu lieben!�</p><p>�Rand al'Thor�, kreischte Nynaeve, �das ist das Ungeheuerlichste, was ich jemals aus deinem Mund geh�rt habe! Allein schon die Vorstellung, <emphasis>drei</emphasis> Frauen zu sagen, dass du sie liebst! Du bist <emphasis>schlimmer</emphasis> als ein W�stling! Du wirst dich auf der Stelle entschuldigen!� Lan hatte sich die Pfeife aus dem Mund gerissen und starrte Rand an.</p><p>�Ich liebe dich, Rand�, sagte Elayne einfach, �und auch wenn du mich nicht gefragt hast, will ich dich heiraten.� Sie err�tete leicht, aber sie hatte ohnehin vor, in K�rze noch viel forscher zu sein, also ging sie davon aus, dass das jetzt kaum z�hlte. Nynaeves Lippen bewegten sich, aber sie brachte keinen Ton hervor.</p><p>�Mein Herz liegt in deinen H�nden, Rand�, sagte Aviendha und sprach seinen Namen wie eine seltene Kostbarkeit aus. �Solltest du einen Brautschleier f�r meine Erstschwester und mich machen, werde ich ihn aufheben.� Und auch sie err�tete und versuchte es zu verbergen, indem sie sich b�ckte und ihr Schultertuch vom Boden aufhob und es �ber ihre Arme drapierte. Nach den Aielbr�uchen h�tte sie nicht ein Wort davon sagen d�rfen. Endlich brachte Nynaeve einen Laut hervor. Ein Quieken.</p><p>�Wenn du immer noch nicht begriffen hast, dass ich dich liebe�, sagte Min, �dann bist du blind, taub und tot!� Sie err�tete nicht; in ihren Augen blitzte es durchtrieben auf und sie schien gleich lachen zu m�ssen. �Und was diese Heirat angeht, nun, das machen wir drei unter uns aus, also ist das kein Problem!� Nynaeve umklammerte ihren Zopf mit beiden H�nden und zog fest daran, w�hrend sie durch die Nase schnaufte. Lan hatte mit dem intensiven Studium des Inhalts seines Pfeifenkopfes begonnen.</p><p>Rand betrachtete die drei, als h�tte er noch nie zuvor eine Frau gesehen und w�rde sich fragen, was sie wohl darstellten. �Ihr seid alle verr�ckt�, sagte er schlie�lich. �Ich w�rde jede von euch heiraten � euch alle, und das Licht stehe mir bei! �, aber das ist unm�glich und das wisst ihr auch.� Nynaeve sackte auf den Stuhl und sch�ttelte den Kopf. Sie murmelte etwas vor sich hin, aber alles, was Elayne verstehen konnte, waren ein paar Worte �ber den Frauenzirkel, dessen Mitglieder ihre Zungen verschluckten.</p><p>�Wir m�ssen noch etwas anderes besprechen�, sagte sie. Licht, Min und Aviendha sahen aus, als w�rden sie ein St�ck Kuchen anstarren! Es kostete sie M�he, ihr L�cheln etwas weniger... begierig aussehen zu lassen. �In meinen Gem�chern, w�rde ich sagen. Wir m�ssen Nynaeve und Lan nicht l�nger bel�stigen.� Denn sie hatte Angst, dass Nynaeve versuchen w�rde, sie aufzuhalten, wenn sie davon erfuhr. Die Frau war schnell darin, ihre Autorit�t ins Spiel zu bringen, wenn es um Angelegenheiten der Aes Sedai ging.</p><p>�Ja�, sagte Rand langsam. Und f�gte dann seltsamerweise hinzu: �Ich habe gesagt, du hast gewonnen, Nynaeve. Ich werde nicht gehen, ohne vorher noch einmal mit dir gesprochen zu haben.�</p><p>�Oh!� Nynaeve schaute auf, als w�rde sie aus einem Traum erwachen. �Ja, nat�rlich nicht. Ich habe ihn aufwachsen gesehen�, plapperte sie und schenkte Elayne ein verungl�cktes L�cheln. �Fast von Anfang an. Ich habe seine ersten Schritte verfolgt. Er kann nicht gehen, ohne vorher mit mir ein nettes, langes Gespr�ch zu f�hren.�</p><p>Elayne musterte sie misstrauisch. Beim Licht, sie h�rte sich an wie eine in die Jahre gekommene Amme. Obwohl Lini niemals dummes Zeug gebrabbelt hatte. Elayne hoffte, dass Lini am Leben war und es ihr gut ging. Aber sie f�rchtete, dass keines von beidem zutraf. Warum benahm sich Nynaeve nur so? Die Frau f�hrte etwas im Schilde, und wenn sie ihre Stellung nicht dazu ausnutzte, es zu tun, musste es sich um etwas handeln, von dem selbst sie wusste, dass es falsch war.</p><p>Pl�tzlich schien Rand zu flackern, so als w�rde die um ihn herum befindliche Luft vor Hitze schimmern, und Elayne verga� alles. Im n�chsten Augenblick war er... jemand anderer, kleiner, st�mmiger, derb und unzivilisiert. Und so abscheulich anzusehen, dass sie nicht einmal dar�ber nachdachte, dass er die m�nnliche H�lfte der Macht benutzt hatte. Fettiges schwarzes Haar fiel in ein ungesund bleiches Gesicht, das von Warzen �bers�t war, einschlie�lich der auf der Knollennase �ber den wulstigen, schlaffen Lippen, die scheinbar jeden Augenblick lossabbern wollten. Er kniff die Augen zu und schluckte, dann griff er nach den Armlehnen des Stuhls, als k�nnte er es nicht ertragen, so von ihnen angestarrt zu werden.</p><p>�Du siehst immer noch gut aus, Rand�, sagte sie sanft.</p><p>�Ha!�, machte Min. �Dieses Gesicht w�rde eine Ziege in Ohnmacht fallen lassen!� Nun, das w�rde es tats�chlich, aber sie h�tte es nicht zu sagen brauchen.</p><p>Aviendha lachte. �Min Farshaw, du hast Sinn f�r Humor. Dieses Gesicht w�rde eine ganze Ziegenherde in Ohnmacht fallen lassen.� Oh, beim Licht, das w�rde es <emphasis>tats�chlich*.</emphasis> Elayne konnte gerade noch rechtzeitig ein Kichern unterdr�cken.</p><p>�Ich bin, wer ich bin�, sagte Rand und stemmte sich aus dem Stuhl hoch. �Ihr k�nnt es blo� nicht sehen.�</p><p>Als die st�mmige Deni Rand das erste Mal in seiner Verkleidung erblickte, erstarrte das L�cheln auf ihrem Gesicht. Caseille blieb der Mund offen stehen. So <emphasis>viel zu dem geheimen Stelldichein mit einem Liebhaber,</emphasis> dachte Elayne und kicherte in Gedanken. Sie war fest davon �berzeugt, dass er genauso viele Blicke wie die Gardistinnen auf sich zog, w�hrend er mit m�rrischer Miene zwischen ihnen herschlurfte. Auf jeden Fall w�rde niemand einen Verdacht hegen, wer er wirklich war. Die Dienerschaft in den Korridoren w�rde vermutlich glauben, dass man ihn wegen irgendeines Verbrechens festgenommen hatte. Auf jeden Fall sah er aus wie ein Verbrecher. Caseille und Deni behielten ihn so scharf im Auge, als w�rden sie diese Meinung teilen.</p><p>Als den Gardistinnen klar wurde, dass sie vor Elaynes Gem�chern warten sollten, w�hrend er die drei Frauen hinein begleitete, h�tten sie beinahe den Befehl verweigert. Pl�tzlich erschien Rands Verkleidung nicht l�nger lustig. Caseilles Lippen zogen sich zu einem d�nnen Strich zusammen und Denis breites Gesicht erstarrte zu sturem Unbehagen. Um ein Haar h�tte Elayne ihnen den Gro�en Schlangenring unter die Nasen halten m�ssen, bevor sie stirnrunzelnd neben der T�r ihre Position einnahmen. Sie dr�ckte die T�r leise ins Schloss und versperrte den Blick auf ihre m�rrischen Mienen, dabei h�tte sie sie am liebsten zugeknallt. Licht, der Mann h�tte auch eine etwas weniger anst��ige Gestalt als Tarnung ausw�hlen k�nnen.</p><p>Und was <emphasis>ihn</emphasis> anging, er begab sich schnurstracks zu dem Tisch mit den Intarsien und lehnte sich dagegen, w�hrend die Luft um ihn herum schimmerte und er wieder er selbst wurde. Die Drachensch�del auf seinen Handr�cken schimmerten scharlachrot und golden metallisch. �Ich brauche etwas zu trinken�, murmelte er mit belegter Stimme und ersp�hte einen hochhalsigen Silberkrug auf dem langen Beistelltisch an der Wand.</p><p>Er ging auf unsicheren Beinen darauf zu � wobei er noch immer jeden Blick auf Elayne, Min oder Aviendha vermied �, und goss einen Silberbecher voll, den er mit einem gro�en Schluck bis zur H�lfte leerte. Der gew�rzte Wein war dort stehen geblieben, als man das Fr�hst�ck abger�umt hatte. Mittlerweile musste er eiskalt sein. Elayne hatte nicht erwartet, so bald in ihre Gem�cher zur�ckzukehren, und das Feuer im Kamin glomm nur noch unter der Asche. Aber so weit sie sehen konnte, machte er keinerlei Anstalten, den Wein mit Hilfe der Macht zu erw�rmen. Sie h�tte zumindest den aufsteigenden Dampf gesehen. Und warum war er zu dem Wein gegangen, statt ihn mit der Macht zu holen? Sonst hatte er doch immer Weinbecher und Lampen durch die Luft schweben lassen.</p><p>�Geht es dir gut, Rand?�, fragte sie. �Ich meine, bist du krank?� Bei dem Gedanken daran, welche Krankheit ihm m�glicherweise zusetzte, verkrampfte sich ihr Magen. �Nynaeve kann...�</p><p>�Mir geht es so gut, wie es geht�, erwiderte er tonlos. <emphasis>Noch immer</emphasis> mit dem R�cken zu ihnen. Er leerte den Becher und f�llte ihn nach. �Also, was wollt ihr mir sagen, das Nynaeve nicht mitbekommen soll?�</p><p>Elayne wechselte einen �berraschten Blick mit Min und Aviendha. Wenn <emphasis>er</emphasis> ihre Ausrede durchschaut hatte, dann hatte es Nynaeve erst recht. Warum hatte sie sie gehen lassen? Aviendha sch�ttelte �berrascht den Kopf. Min sch�ttelte ihn ebenfalls, aber mit einem Grinsen, das besagte, dass man gelegentlich mit so etwas rechnen musste. Elayne versp�rte einen kleinen Stich der... nein, es war keine Eifersucht, f�r sie drei kam Eifersucht nicht in Frage. Es war vielmehr Wut dar�ber, dass Min so viel Zeit mit ihm verbracht hatte und sie nicht. Nun, wenn er �berraschungen haben wollte...</p><p>�Wir wollen den Beh�terbund mit dir eingehen�, erkl�rte sie und strich die R�cke glatt, w�hrend sie Platz nahm. Min setzte sich auf die Tischkante und lie� die Beine baumeln, und Aviendha setzte sich mit �berkreuzten Beinen auf den Teppich, wobei sie vorher sorgf�ltig ihre schweren wollenen R�cke ausbreitete. �Wir drei. Nat�rlich fragen wir dich vorher, so wie es sich geh�rt.�</p><p>Er fuhr herum. Wein spritzte aus dem Becher und noch mehr aus dem Krug, bevor er ihn wieder in die aufrechte Stellung brachte. Mit einem gemurmelten Fluch trat er hastig aus dem sich auf dem Teppich ausbreitenden feuchten Fleck und stellte den Krug zur�ck auf das Tablett. Die Vorderseite seines groben Mantels wurde ebenfalls von einem gro�en feuchten Fleck und Tropfen dunklen Weins geschm�ckt, die er mit der freien Hand wegzuwischen versuchte. Sehr gut!</p><p>�Du bist wirklich nicht bei Verstand�, knurrte er. �Du wei�t genau, was mir bevorsteht. Du wei�t, was das f�r jeden bedeutet, mit dem ich durch den Bund verkn�pft w�re. Selbst wenn ich nicht wahnsinnig werden sollte, wird sie meinen Tod miterleben m�ssen! Und was soll das hei�en, ihr drei? Min kann die Macht nicht lenken. Und davon abgesehen ist euch Alanna Mosvani zuvorgekommen und sie hat sich nicht die M�he gemacht und vorher gefragt. Sie und Verin haben ein paar M�dchen von den Zwei Fl�ssen in die Wei�e Burg geholt. Ich bin schon seit Monaten mit ihr verbunden.�</p><p>�Und das hast du mir vorenthalten, du wollk�pfiger Schafhirte?�, rief Min. �H�tte ich das gewusst...!� Sie zog ein schlankes Messer aus dem �rmel, starrte es w�tend an und steckte es m�rrisch zur�ck. Diese Heilmethode w�re genauso verheerend f�r Rand wie f�r Alanna gewesen.</p><p>�Das war ein Versto� gegen die Sitten�, sagte Aviendha nachdenklich. Sie ver�nderte die Stellung auf dem Teppich und fummelte an ihrem G�rtelmesser herum.</p><p>�Und ob�, erwiderte Elayne grimmig. Dass eine Schwester �berhaupt so etwas einem Mann antun konnte, war widerw�rtig. Dass Alanna es Rand angetan hatte...! Sie erinnerte sich an die dunkle, wilde Gr�ne mit dem unberechenbaren Humor und dem gleicherma�en unberechenbaren Temperament. �Alanna schuldet ihm mehr <emphasis>Toh,</emphasis> als sie in ihrem ganzen <emphasis>Leben</emphasis> zur�ckzahlen k�nnte! Und uns ebenfalls. Und selbst wenn ich sie in die Finger bekomme, wird sie sich w�nschen, ich h�tte sie auf der Stelle umgebracht!�</p><p>�Nachdem <emphasis>wir</emphasis> sie in die Finger bekommen haben�, sagte Aviendha und nickte, um es zu unterstreichen.</p><p>�Also.� Rand blickte in seinen Wein. �Du siehst, dass es sinnlos ist. Ich... ich finde, ich sollte jetzt lieber zu Nynaeve zur�ckgehen. Kommst du, Min?� All dem zum Trotz, was sie ihm gesagt hatten, klang er, als w�rde er es nicht so richtig glauben, als k�nnte Min ihn jetzt verlassen. Es h�rte sich nicht so an, als h�tte er Angst davor; es klang einfach nur resigniert.</p><p>�Es ist nicht sinnlos�, sagte Elayne beschw�rend. Sie beugte sich vor und versuchte ihn mit der Kraft ihrer Pers�nlichkeit dazu zu bringen, dass er ihre Worte akzeptierte. �Ein Bund schlie�t einen anderen nicht aus. Schwestern verbinden sich nicht mit demselben Mann, weil es so Brauch ist, Rand, weil sie ihn nicht <emphasis>teilen</emphasis> wollen, und nicht, weil das nicht m�glich w�re. Es verst��t nicht einmal gegen das Burggesetz.� Nat�rlich waren manche Br�uche so m�chtig wie ein Gesetz, zumindest in den Augen der Schwestern. Nynaeve schien jeden neuen Tag mehr daran interessiert zu sein, die Br�uche und Erhabenheit der Aes Sedai aufrechtzuerhalten. Wenn sie hiervon erfuhr, w�rde sie vermutlich an die Decke gehen. �Nun, wir <emphasis>wollen</emphasis> dich teilen! Wir <emphasis>werden</emphasis> dich teilen, wenn du einverstanden bist.�</p><p>Wie leicht es ihr doch fiel, das zu sagen! Einst war sie der festen �berzeugung gewesen, so etwas unm�glich �ber die Lippen bringen zu k�nnen. Bis sie begriffen hatte, dass sie Aviendha genauso sehr liebte wie ihn, nur eben auf eine andere Weise. Das Gleiche galt f�r Min; eine weitere Schwester, selbst wenn sie einander nicht adoptiert hatten. Sollte sich ihr die Gelegenheit bieten, w�rde sie Alanna daf�r auspeitschen, dass sie ihn ber�hrt hatte, aber bei Aviendha und Min war das etwas anderes. Sie waren ein Teil von ihr. In gewisser Weise waren die anderen Frauen <emphasis>sie</emphasis> und umgekehrt.</p><p>Sie senkte die Stimme. �Ich bitte dich, Rand. Wir bitten dich. Bitte lass uns den Bund eingehen.�</p><p>�Min�, murmelte er beinahe anklagend. Sein auf Mins Gesicht gerichteter Blick war voller Verzweiflung. �Du hast das gewusst, nicht wahr? Du wusstest, wenn ich sie sehen sollte...� Er sch�ttelte den Kopf, unf�hig oder unwillig weiterzusprechen.</p><p>�Von dem Bund wusste ich nichts, bis sie es mir vor einer Stunde sagten�, erkl�rte sie und erwiderte seinen Blick mit dem z�rtlichsten Ausdruck in den Augen, den Elayne je gesehen hatte. �Aber ich wusste, ich hoffte, was passieren w�rde, solltest du sie wiedersehen. Manche Dinge m�ssen einfach sein, Rand. Sie m�ssen es einfach.�</p><p>Rand starrte in den Weinbecher. Momente schienen sich zu Stunden auszudehnen. Schlie�lich stellte er den Becher zur�ck. �Also gut�, sagte er leise. �Ich kann nicht sagen, dass ich das nicht will, weil ich es tue. Soll das Licht mich daf�r zu Asche verbrennen! Aber denkt an den Preis. Denkt an den Preis, den ihr zahlen m�sst.�</p><p>Elayne musste nicht �ber den Preis nachdenken. Der war ihr von Anfang an klar gewesen, sie hatte ihn mit Aviendha besprochen, um sicherzugehen, dass auch sie ihn verstand. Sie hatte ihn Min erkl�rt. Nimm dir, was du willst, und bezahle daf�r, lautete ein altes Sprichwort. Keine von ihnen musste �ber den Preis nachdenken; sie kannten ihn und waren bereit, ihn zu zahlen. Aber es galt keine Zeit zu verschwenden. Selbst jetzt hielt sie ihn durchaus dazu f�hig, dass ihm der Preis pl�tzlich zu hoch war und er sich dagegen entschied. Als w�re das seine Entscheidung!</p><p>Sie �ffnete sich <emphasis>Saidar,</emphasis> ging mit Aviendha eine Verkn�pfung ein und teilte mit ihr ein L�cheln. Wie immer war es eine Freude, mit ihrer Schwester Gef�hle und physische Wahrnehmungen zu teilen; das war nun wesentlich intimer geworden, so wie die F�higkeit, einander bewusst zu sein, viel st�rker geworden war. Es �hnelte dem, was sie bald mit Rand teilen w�rden. Elayne hatte das sehr sorgf�ltig geplant, es aus jeder Richtung genau studiert. Dabei war ihr das, was sie von den Adoptions-Geweben der Aiel gelernt hatte, von gro�em Nutzen gewesen. Diese Zeremonie hatte sie �berhaupt erst auf die Idee gebracht.</p><p>Sie wob sorgf�ltig Geist, ein Strom aus �ber hundert Str�ngen, von denen jeder genau den ihm zustehenden Platz erhielt, und h�llte die auf dem Boden sitzende Aviendha mit dem fertigen Gewebe ein, dann wiederholte sie es bei der auf der Tischkante sitzenden Min. In gewisser Weise handelte es sich gar nicht um zwei verschiedene Gewebe. Sie leuchteten mit einer pr�zisen Gleichf�rmigkeit, und wenn sie das eine betrachtete, kam es ihr so vor, als w�rde sie gleichzeitig das andere sehen. Es handelte sich nicht um die Gewebe der Adoptionszeremonie, aber sie unterlagen denselben Prinzipien. Sie <emphasis>verbanden</emphasis> miteinander; was <emphasis>eine</emphasis> mit diesem Gewebe verwobene Person erlebte, erlebten <emphasis>alle</emphasis> damit verwobenen. Sobald die Gewebe an Ort und Stelle waren, �bergab sie die F�hrung des aus zwei Frauen bestehenden Zirkels an Aviendha. Die bereits erschaffenen Gewebe blieben bestehen und Aviendha wob sofort identische Gewebe um Elayne und auch um Min. Das zweite vermengte sie mit dem ersten, bis es von Elaynes nicht mehr zu unterscheiden war, dann reichte sie die Kontrolle zur�ck. Nach viel �bung gelang ihnen dies nun beinahe m�helos. Vier Gewebe, das hei�t, nun waren es drei, aber sie schienen alle dieselben zu sein.</p><p>Alles war bereit. Aviendha war wie ein Fels in der Brandung, das personifizierte Selbstbewusstsein, so stark wie alles, was Elayne je von Birgitte wahrgenommen hatte. Min hielt die Kn�chel �bereinander geschlagen und den Tischrand umklammert; sie konnte die Str�me nicht wahrnehmen, zeigte aber ein selbstsicheres L�cheln, das lediglich etwas dadurch verdorben wurde, dass sie sich mit der Zunge �ber die Lippen fuhr. Elayne holte tief Luft. Ihren Augen bot sich das Bild eines Netzes aus Geist, das die feinste Spitzenstickerei grob erscheinen lie�. Wenn es jetzt nur so funktionierte, wie sie angenommen hatte.</p><p>Sie griff gleichzeitig nach allen Geweben und zog sie in schmalen Bahnen bis zu Rand, wobei sie die drei Str�nge zu einem verwob und daraus den Beh�terbund erschuf. Sie h�llte Rand so sanft damit ein, als w�rde sie ein Baby mit seiner Decke zudecken. Der an den Faden eines Spinnennetzes erinnernde Strang aus Geist umh�llte Rand, drang in ihn ein. Er blinzelte nicht einmal, aber es war vollbracht. Sie lie� <emphasis>Saidar</emphasis> los. Das war es.</p><p>Er starrte sie ausdruckslos an und f�hrte langsam die Finger an die Schl�fen.</p><p>�Oh, Licht, Rand, die Schmerzen�, murmelte Min mit gequ�lter Stimme. �Ich habe es nicht gewusst, ich hatte ja keine Ahnung. Wie kannst du das ertragen? Da sind Schmerzen, von denen du nicht einmal zu wissen scheinst, als h�ttest du so lange mit ihnen gelebt, dass sie ein Teil von dir geworden sind. Diese Reiher auf deinen H�nden; du sp�rst noch immer, wie sie sich dir eingebrannt haben. Diese Dinger auf deinen Armen schmerzen! Und deine Seite! Warum weinst du nicht, Rand? Warum weinst du nicht?�</p><p>�Er ist der <emphasis>Car'a'carn�,</emphasis> sagte Aviendha lachend. �So stark wie das Dreifache Land!� Der Stolz stand ihr ins Gesicht geschrieben � oh, sie war so stolz �, aber noch w�hrend sie lachte, rannen ihr Tr�nen �ber die von der Sonne verbrannten Wangen. �Die Adern aus Gold. Oh, die Adern aus Gold. Du liebst mich, Rand.�</p><p>Elayne starrte ihn einfach nur an, f�hlte ihn in ihrem Kopf. Die Schmerzen der Wunden und Verletzungen, die er tats�chlich vergessen hatte. Die Anspannung und der Unglaube; das Staunen. Aber seine Gef�hle waren zu unnachgiebig, wie ein erstarrender Bernsteintropfen, fast schon wie ein Stein. Doch sie wurden von goldenen Adern durchzogen, die pulsierten und aufgl�hten, wenn er Min ansah. Oder Aviendha. Oder sie. Er <emphasis>liebte</emphasis> sie tats�chlich. Er liebte sie alle drei. Und dar�ber h�tte Elayne am liebsten vor Freude gelacht. Andere Frauen w�rden ihre Zweifel haben, aber sie w�rde immer wissen, dass seine Liebe wahrhaftig war.</p><p>�M�ge das Licht geben, dass ihr wisst, was ihr getan habt�, sagte er leise. �M�ge das Licht geben, dass ihr nicht...� Der Bernstein wurde noch etwas h�rter. Er war davon �berzeugt, dass sie verletzt werden w�rden, und er st�hlte sich bereits dagegen. �Ich... ich muss jetzt gehen. Wenigstens wei� ich nun, dass es euch allen gut geht; ich muss mir wegen euch keine Sorgen machen.� Pl�tzlich grinste er; beinahe h�tte er jungenhaft ausgesehen, wenn das Grinsen seine Augen erreicht h�tte. �Nynaeve wird schon glauben, ich h�tte mich verdr�ckt, ohne noch einmal bei ihr vorbeizuschauen. Nicht, dass sie ein bisschen Aufregung nicht verdient h�tte.�</p><p>�Rand, da ist noch etwas�, sagte Elayne und hielt inne, um zu schlucken. Licht, und sie hatte gedacht, dass das der leichte Teil werden w�rde.</p><p>�Ich sch�tze, Aviendha und ich sollten uns miteinander unterhalten, solange wir Gelegenheit haben�, sagte Min hastig und sprang vom Tisch. �An irgendeinem Ort, wo wir ungest�rt sind. Wenn ihr uns entschuldigt?�</p><p>Aviendha erhob sich anmutig vom Teppich und gl�ttete die R�cke. �Ja. Min Farshaw und ich m�ssen mehr �ber einander erfahren.� Sie warf Min einen zweifelnden Blick zu und richtete das Schultertuch, aber sie gingen mit untergehakten Armen.</p><p>Rand sah ihnen misstrauisch nach, als w�sste er, dass ihr Gehen Teil eines Plans war. Ein in die Ecke getriebener Wolf. Aber diese goldenen Adern leuchteten in ihrem Verstand.</p><p>�Da gibt es etwas, das sie von dir bekommen haben und ich noch nicht�, begann Elayne und verschluckte sich, w�hrend das aufsteigende Blut ihre Wangen beinahe verbrannte. Blut und Asche! <emphasis>Wie</emphasis> machten andere Frauen das blo�? Sorgf�ltig musterte sie das B�ndel aus Gef�hlen in ihrem Inneren, das ihn darstellte, und das B�ndel, das Birgitte war. Noch immer keine Ver�nderung bei dem zweiten. Sie stellte sich vor, es in ein Taschentuch einzuwickeln, welches sie fest zusammenknotete, und Birgitte war verschwunden. Nur noch Rand war da. Und die leuchtenden goldenen Adern. In ihrem Bauch schlugen Schmetterlinge mit der Gr��e von <emphasis>Wolfshunden</emphasis> heftig mit den Fl�geln. Sie schluckte schwer und holte tief Luft. �Du wirst mir bei den Kn�pfen helfen m�ssen�, sagte sie unsicher. �Ich kann dieses Gewand nicht allein ausziehen.�</p><p>Als Min mit der Aielfrau in den Korridor hinaustrat, nahmen die beiden Gardistinnen Haltung an, aber nachdem Min die T�r wieder geschlossen hatte und ihnen klar wurde, dass sonst niemand mehr den Raum verlie�, kam Bewegung in sie.</p><p>�Sie kann doch unm�glich so einen schlechten Geschmack haben�, murmelte die St�mmige mit dem m�den Blick kaum verst�ndlich; ihre F�uste schl�ssen sich fester um die lange Keule. Min glaubte nicht, dass das jemand hatte h�ren sollen.</p><p>�Zu viel Mut und viel zu viel Naivit�t�, knurrte die Schlanke, die etwas von einem Mann an sich hatte. �Davor hat uns der Generalhauptmann gewarnt.� Sie legte die Hand in dem schweren Panzerhandschuh auf den L�wenkopfknauf.</p><p>�Wenn Ihr jetzt da hinein geht, wird sie Euch vermutlich die Haut abziehen�, sagte Min vergn�gt. �Habt Ihr sie je w�tend erlebt? Sie k�nnte einen B�ren zum Weinen bringen!�</p><p>Aviendha l�ste sich von Min und trat einen Schritt zur Seite. Allerdings war ihr finsterer Blick auf die Gardistin gerichtet. �Bezweifelt ihr, dass meine Schwester mit einem einzigen Mann fertig werden kann? Sie ist Aes Sedai und hat das Herz einer L�win. Und ihr habt einen Eid geschworen, ihr zu folgen! Dir folgt ihr, wohin sie euch f�hrt, und steckt nicht eure Nasen in ihren �rmel.�</p><p>Die Gardistinnen tauschten einen langen Blick aus. Die massigere Frau zuckte mit den Schultern. Die Drahtige schnitt eine Grimasse, aber sie nahm die Hand von dem T�rknauf. �Ich habe den Eid geschworen, dieses M�dchen zu besch�tzen�, sagte sie mit harter Stimme, �und das werde ich auch tun. Und jetzt geht ihr M�dchen mit euren Puppen spielen und lasst mich meine Arbeit hin.�</p><p>Min �berlegte, ein Messer zu ziehen und es auf diese angeberische Art �ber die Finger rollen zu lassen, die ihr Thom Merrilin beigebracht hatte. Nur um ihr zu zeigen, wer hier das Kind war. Die schlanke Frau war nicht jung, aber in ihrem Haar war keine graue Str�hne zu entdecken, und sie sah ziemlich kr�ftig aus. Und schnell. Min h�tte gern geglaubt, dass einiges von der Masse der anderen Frau Fett war, aber sie wusste es besser. Sie konnte bei keiner von ihnen Bilder oder Auren sehen, aber die beiden sahen nicht im Mindesten so aus, als f�rchteten sie sich davor, das zu tun, was sie f�r n�tig hielten. Nun, wenigstens lie�en sie Elayne und Rand allein. Vielleicht war das Messer doch unn�tig.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah sie, dass die Aiel z�gernd die Hand vom G�rtelmesser nahm. Wenn die Frau nicht bald aufh�rte, ihr alles wie ein Spiegelbild nachzumachen, w�rde sie doch noch glauben, dass mehr an diesem Hokuspokus mit der Macht war, als man ihr gesagt hatte. Andererseits hatte es schon vor dem Hokuspokus angefangen. Vielleicht dachten sie ja alle gleich? Eine schreckliche Vorstellung. Licht, dieses ganze Gerede, dass er sie alle drei heiratete, war ja sch�n und gut, solange es Gerede war, aber wen w�rde er nun <emphasis>tats�chlich</emphasis> heiraten?</p><p>�Elayne <emphasis>ist</emphasis> mutig�, sagte sie zu der Leibwache. �So mutig wie alle anderen, die ich kennen gelernt habe. Und sie ist nicht dumm. Wenn ihr das glaubt, werdet ihr bald �rger mit ihr haben.� Sie starrten aus der vorteilhaften Position der f�nfzehn oder zwanzig Jahre Altersunterschied zwischen ihnen auf sie herunter, unger�hrt und entschlossen. Gleich w�rden sie ihr erneut befehlen, sich endlich aus dem Staub zu machen. �Nun, wir k�nnen hier nicht rumstehen, wenn wir uns unterhalten wollen, nicht wahr, Aviendha?�</p><p>�Nein�, sagte die Aiel angespannt und starrte die Gardistinnen finster an. �Wir k�nnen hier nicht rumstehen.�</p><p>Die Leibw�chterinnen nahmen keine Notiz von ihnen, als sie gingen. Sie hatten einen Auftrag zu erledigen, und es ging nicht darum, Elaynes Freundinnen nachzusehen. Min hoffte, dass sie ihre Arbeit gut erledigten. <emphasis>Sie ist �berhaupt nicht dumm,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Sie l�sst nur manchmal zu, dass ihr Mut den Weg vorgibt.</emphasis> Hoffentlich w�rden sie Elayne nicht in ein Dornengestr�pp gehen lassen, aus dem sie nicht wieder herausgelangte.</p><p>Auf dem Weg durch den Korridor musterte sie die Aielfrau verstohlen. Aviendha ging so weit von ihr entfernt, wie das im selben Gang m�glich war. Sie sah nicht einmal in Mins Richtung, sondern zog ein reich verziertes Elfenbeinarmband aus der G�rteltasche und schob es mit einem selbstzufriedenen L�cheln �ber die linke Hand. Sie hatte von Anfang an die Nase ger�mpft. Min verstand es einfach nicht. Angeblich waren es die Aiel gewohnt, sich einen Mann zu teilen. Jedenfalls eher, als sie es war. Sie liebte ihn so sehr, dass sie bereit war, ihn zu teilen, und wenn sie es schon musste, gab es auf der ganzen Welt keine Person, mit der sie ihn lieber geteilt h�tte als mit Elayne. Bei ihr war es fast so, als w�rden sie ihn �berhaupt nicht teilen. Aber diese Aielfrau war eine Fremde. Elayne hatte gesagt, es sei wichtig, dass sie einander kennen lernten, aber wie sollte das gehen, wenn die Frau nicht mit ihr reden wollte?</p><p>Allerdings verschwendete sie nicht viel Zeit damit, sich Sorgen um Elayne oder Aviendha zu machen. Daf�r war das, was sich in ihrem Kopf abspielte, viel zu wunderbar. Rand. Eine kleine Kugel, die ihr alles �ber ihn verriet. Sie war davon �berzeugt gewesen, dass die Sache nicht klappen w�rde, zumindest nicht bei ihr. Wie w�rde es wohl sein, wenn sie sich das n�chste Mal liebten, wenn sie <emphasis>alles</emphasis> erfuhr! Licht! Nat�rlich w�rde er auch alles �ber sie wissen. Sie konnte nicht sagen, was sie davon halten sollte!</p><p>Pl�tzlich wurde sie sich bewusst, dass das B�ndel aus Gef�hlen und Sinnesempfindungen nicht l�nger so war wie zuvor. Nun hatte es etwas... Animalisches an sich... so wie ein Buschfeuer, das durch einen zundertrockenen Wald tobte. Was konnte...? Licht! Sie taumelte und konnte gerade noch verhindern, dass sie stolperte. H�tte sie gewusst, dass er diese Feuersbrunst, diesen rasenden Hunger in sich trug, h�tte sie Angst gehabt, von ihm ber�hrt zu werden! Andererseits ... Das Wissen, der ausl�sende Funke f�r ein solches Inferno zu sein, w�re nett gewesen. Sie konnte kaum erwarten auszuprobieren, ob sie das gleiche Ergebnis verursachen konnte wie... Sie stolperte wieder und diesmal musste sie sich auf eine verzierte Holztruhe aufst�tzen. Oh, Licht! Elayne! Ihr <emphasis>Gesicht</emphasis> f�hlte sich wie ein Ofen an. Das war ja so, als w�rde man heimlich durch die Bettvorh�nge sp�hen!</p><p>Schnell versuchte sie, den Trick durchzuf�hren, von dem Elayne ihr erz�hlt hatte, und stellte sich vor, diese Kugel aus Gef�hlen in einem Taschentuch zu verknoten. Nichts geschah. V�llig au�er sich unternahm sie den n�chsten Versuch, aber das tobende Feuer war noch immer da! Sie musste aufh�ren, es sich anzusehen, aufh�ren, es zu f�hlen. Egal, worauf sie sich konzentrierte, solange sie nur die Aufmerksamkeit auf etwas anderes richtete! Egal was! Vielleicht, wenn sie redete.</p><p>�Sie h�tte diesen Herzblatt-Tee trinken sollen�, plapperte sie drauflos. Sie verriet das, was sie sah, immer nur jenen, die darin verwickelt waren, und dann auch nur, wenn sie es h�ren wollten, aber sie musste etwas sagen. �Sie wird davon schwanger werden. Zwei Kinder, ein Junge und ein M�dchen, beide stark und gesund.�</p><p>�Sie will seine Babys�, murmelte die Aielfrau. Ihre gr�nen Augen starrten stur geradeaus; sie biss die Z�hne zusammen, ihre Stirn war schwei�bedeckt. �Ich werde diesen Tee nicht trinken, falls ich...� Sie sch�ttelte sich und warf Min �ber die Breite des Korridors einen finsteren Blick zu. �Meine Schwester und die Weisen Frauen haben mir von dir berichtet. Siehst du bei Menschen wirklich Dinge, die dann wahr werden?�</p><p>�Manchmal sehe ich Dinge, und wenn ich verstehe, was sie bedeuten, dann geschehen sie auch�, sagte Min. Ihre Stimmen hallten durch den Korridor, weil sie laut sprachen, damit die andere sie auch h�ren konnte. In Rot und Wei� gekleidete Diener drehten sich um und starrten sie an. Min ging zur�ck in die Mitte des Korridors. Sie w�rde der Frau auf halbem Weg entgegenkommen, aber auf keinen Fall mehr. Einen Augenblick sp�ter gesellte sich Aviendha zu ihr.</p><p>Min dachte dar�ber nach, ob sie ihr verraten sollte, was sie gesehen hatte, als sie alle zusammen gewesen waren. Auch Aviendha w�rde von Rand Kinder bekommen. Vier auf einmal! Allerdings war etwas seltsam daran. Die Babys w�rden gesund sein, trotzdem w�rde etwas an ihnen merkw�rdig sein. Oftmals wollten die Leute nichts von ihrer Zukunft wissen, selbst wenn sie sagten, dass sie es wollten. Sie w�nschte, jemand k�nnte ihr sagen, ob sie auch...</p><p>Aviendha ging schweigend neben ihr her, wischte sich mit den Fingern Schwei� von ihrem Gesicht und schluckte schwer. Min musste ebenfalls schlucken. Alles, was Rand f�hlte, befand sich in dieser Kugel. Alles!</p><p>�Bei dir hat der Trick mit dem Taschentuch also auch nicht funktioniert?�, sagte sie heiser.</p><p>Aviendha blinzelte, ihr Gesicht nahm eine scharlachrote F�rbung an. Einen Augenblick sp�ter sagte sie: �So ist es besser. Danke. Ich... Mit ihm in meinem Kopf habe ich es vergessen.� Sie runzelte die Stirn. �Bei dir hat es nicht funktioniert?�</p><p>Min sch�ttelte elend den Kopf. Das war schamlos! �Aber es hilft, wenn ich rede.� Wenn diese seltsame Sache auch nur die leiseste Chance auf einen Erfolg haben sollte, dann musste sie irgendwie mit dieser Frau Freundschaft schlie�en. �Was ich gesagt habe, tut mir Leid. Ich meine das mit dem <emphasis>Toh.</emphasis> Ich wei� ein wenig �ber eure Br�uche Bescheid. Dieser Mann hat etwas an sich, das mich einfach vorlaut macht. Ich kann meine Zunge nicht im Zaum halten. Aber glaube ja nicht, ich w�rde zulassen, dass du mich schl�gst oder an mir herumschnitzt. Vielleicht habe ich <emphasis>Toh,</emphasis> aber wir werden einen anderen Weg finden m�ssen. Ich k�nnte ja dein Pferd striegeln, wenn wir Zeit haben.�</p><p>�Du bist so stolz wie meine Schwester�, murmelte Aviendha stirnrunzelnd. Was wollte sie denn damit sagen? �Au�erdem hast du Sinn f�r Humor.� Sie schien mit sich selbst zu sprechen. �Du hast dich wegen Rand und Elayne nicht zur N�rrin gemacht, so wie es die meisten Feuchtl�nderinnen getan h�tten. Und du hast mich auf einen Gedanken gebracht...� Mit einem Seufzer hob sie das Tuch auf die Schultern. �Ich wei�, wo wir <emphasis>Oosquai</emphasis> finden. Wenn du zu betrunken zum Denken bist, dann...� Sie starrte geradeaus und blieb wie angewurzelt stehen. �Nein!�, knurrte sie. �Noch nicht!�</p><p>Eine Gestalt kam auf sie zu, die Mins Mund offen stehen lie�. Best�rzung schob Rand jenseits der bewussten Wahrnehmung. Sie hatte mitbekommen, dass es sich bei dem Generalhauptmann von Elaynes Garde um eine Frau handelte, die gleichzeitig ihre Beh�terin war, aber das war es auch schon gewesen. Diese Frau hatte einen dicken, kompliziert geflochtenen goldenen Zopf �ber der einen Schulter des kurzen roten Mantels mit dem wei�en Kragen h�ngen, und ihre volumin�se blaue Hose steckte in Stiefeln mit Abs�tzen, die mindestens so hoch wie Mins waren. Auren f�hrten einen wilden Tanz um sie herum, Bilder flackerten, viel mehr, als Min jemals bei einer Person gesehen hatte, es mussten Tausende sein, die sich wie eine Sturzflut �bereinander ergossen. Elaynes Beh�terin und der Generalhauptmann der K�niglichen Garde... flackerte irgendwie, so als h�tte Min bereits den <emphasis>Oosquai</emphasis> getrunken. Diener, die sie erblickten, entschieden, dass auf sie Arbeit in anderen Teilen des Palasts wartete, und pl�tzlich standen die drei dort in dem Korridor ganz allein da. Die Frau schien Min und Aviendha erst wahrzunehmen, als sie kurz vor ihnen stand.</p><p>�Verdammt, du hast ihr dabei geholfen, nicht wahr?�, fauchte sie und richtete den glasigen Blick aus den blauen Augen m�hsam auf Aviendha. �Zuerst verschwindet sie einfach aus meinem Kopf und dann...!� Sie bebte am ganzen Leib, und es kostete sie sichtlich M�he, sich zu beherrschen, aber selbst das lie� sie schwer atmen. Ihre Knie schienen nachgeben zu wollen. Sie fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen, schluckte und fuhr w�tend fort. �Soll man sie doch zu Asche verbrennen, ich kann mich nicht genug konzentrieren, um es abzusch�tteln! Eines sage ich dir, wenn sie das tut, was ich vermute, dann treibe ich sie quer durch den ganzen verdammten Palast, und danach werde ich sie � und dich gleich mit! � so lange mit dem G�rtel bearbeiten, dass sie einen <emphasis>Monat</emphasis> nicht sitzen kann, und wenn ich ihr vorher Spaltwurzel eintrichtern muss!�</p><p>�Meine Erstschwester ist eine erwachsene Frau, Birgitte Trahelion�, sagte Aviendha widerborstig. Ihrem Tonfall zum Trotz waren ihre Schultern nach vorn gebeugt und sie konnte den stechenden Blick der anderen Frau nicht erwidern. �Du musst aufh�ren, uns wie Kinder zu behandeln!�</p><p>�Wenn sie sich verdammt noch mal wie eine Erwachsene auff�hrt, dann werde ich sie verdammt noch mal auch so behandeln, aber sie hat kein Recht, <emphasis>das</emphasis> zu tun, nicht in meinem verflixten Kopf, nein! Nicht in meinem...!� Pl�tzlich quollen Birgittes blaue Augen hervor. Ihr Mund klappte auf, und sie w�re gefallen, h�tten Aviendha und Min ihr nicht unter die Arme gegriffen.</p><p>Sie kniff die Augen zusammen, schluchzte einmal auf und wimmerte: <emphasis>�Zwei</emphasis> Monate!� Sie sch�ttelte die beiden ab, richtete sich auf und fixierte Aviendha mit einem Blick so klar wie Wasser und so hart wie Eis. �Schirme sie f�r mich ab und ich erlasse dir deinen Teil.� Aviendhas m�rrischer, emp�rter Blick glitt einfach von ihr ab.</p><p>�Ihr seid Birgitte Silberbogen!�, hauchte Min. Schon bevor Aviendha den Namen gesagt hatte, war sie sich dessen sicher gewesen. Kein Wunder, dass sich die Aielfrau benahm, als bef�rchte sie, dass die Drohungen auf der Stelle ausgef�hrt w�rden. Birgitte Silberbogen! �Ich sah Euch in Falme!�</p><p>Birgitte zuckte zusammen, als h�tte sie ein kalter Wasserguss getroffen, dann schaute sie sich eilig um. Als ihr bewusst wurde, dass sie allein waren, entspannte sie sich. Zumindest ein bisschen. Sie musterte Min von Kopf bis Fu�. �Was auch immer Ihr gesehen habt, Silberbogen ist tot�, sagte sie grob. �Ich bin jetzt Birgitte Trahelion und das ist alles.� Einen Augenblick lang verzog sie die Lippen. �Verdammt noch mal, sogar <emphasis>Lady</emphasis> Birgitte Trahelion, wenn es Euch beliebt. Wenn ich daran etwas �ndern k�nnte, w�rde ich am Muttertag ein verfluchtes Schaf k�ssen. Und wer seid bittesch�n Ihr? Stellt Ihr immer Eure Beine zur Schau wie eine verdammte Federt�nzerin?�</p><p>�Ich bin Min Farshaw�, erwiderte sie kurz angebunden. Das war Birgitte Silberbogen, die Heldin Hunderter Legenden? Die Frau war vielleicht ordin�r! Und was hatte das zu bedeuten, dass Silberbogen tot war? Die Frau stand doch direkt vor ihr! Zwar blitzten die Bilder und Auren viel zu schnell vorbei, als dass sie etwas Klares h�tte erkennen k�nnen, aber sie war davon �berzeugt, dass sie auf mehr Abenteuer hindeuteten, als eine Frau in einem Leben bestehen konnte. Seltsamerweise hatten einige davon mit einem h�sslichen Mann zu tun, der �lter als sie war, w�hrend andere mit einem h�sslichen Mann in Verbindung standen, der wesentlich j�nger war, aber aus einem unerfindlichen Grund war Min klar, dass es sich immer um denselben Mann handelte. Legende oder nicht, diese �berlegene Art und Weise brachte sie in Wut. �Elayne, Aviendha und ich sind gerade den Bund mit einem Beh�ter eingegangen�, sagte sie ohne nachzudenken. �Und wenn Elayne etwas feiert, nun, Ihr solltet Euch besser zweimal �berlegen, bevor Ihr da reinst�rmt, oder <emphasis>Ihr</emphasis> werdet diejenige sein, die Probleme beim Sitzen hat.�</p><p>Das reichte, um sich wieder Rand bewusst zu werden. Der lodernde Ofen brannte noch immer, fast genauso stark wie zuvor, aber gl�cklicherweise war er nicht l�nger damit besch�ftigt... Ihre Wangen f�rbten sich blutrot. Er hatte oft genug in ihren Armen gelegen und war in dem Gewirr ihres Bettzeugs zu Atem gekommen, aber das hier war wirklich so, als w�rde man heimlich zusehen!</p><p>�Er?�, sagte Birgitte leise. �Mutters Milch in einer Tasse! Sie h�tte sich in einen Beutelschneider oder einen Pferdedieb verlieben k�nnen, aber sie musste sich ihn aussuchen. Welch eine N�rrin! Nach dem zu urteilen, was ich von ihm an jenem Ort gesehen habe, den Ihr erw�hntet, ist der Mann viel zu h�bsch, um f�r eine Frau zu taugen. Wie dem auch sei, sie muss sofort damit aufh�ren.�</p><p>�Dazu hast du kein Recht!�, beharrte Aviendha m�rrisch und Birgitte setzte eine geduldige Miene auf. Es war eine angespannte Geduld, aber immerhin.</p><p>�Sie k�nnte glatt als Talmourim�dchen durchgehen, solange sie nicht den Kopf auf den Richtblock legen muss, aber ich f�rchte, sie wird den Mut aufbringen, ihn von vorn anfangen zu lassen, und selbst wenn sie tut, was auch immer sie da getan hat, wird sie dann nicht mehr daran denken und wieder in meinem Kopf sein. Und das werde ich verflucht noch mal nicht noch einmal mitmachen!� Sie nahm die Schultern zur�ck, offensichtlich dazu bereit, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.</p><p>�Betrachte es doch als guten Witz�, sagte Aviendha bettelnd. Bettelnd! �Sie hat dir einen guten Streich gespielt, das ist alles.� Birgitte verzog die Lippen, und das sagte bereits alles, was sie von dieser Idee hielt.</p><p>�Da gibt es einen Trick, den Elayne mir verraten hat�, sagte Min hastig und ergriff Birgittes �rmel. �Bei mir hat er nicht funktioniert, aber vielleicht...� Doch sobald sie ihn erkl�rt hatte...</p><p>�Sie ist immer noch da�, sagte Birgitte einen Augenblick sp�ter grimmig. �Geht mir aus dem Weg, Min Farshaw�, befahl sie grimmig, �oder...�</p><p>�Oosquay!� Aviendha hob verzweifelt ihre Stimme und sie rang doch tats�chlich die H�nde. �Ich wei�, wo es <emphasis>Oosquai</emphasis> gibt! Wenn du betrunken bist...! Bitte, Birgitte! Ich... Ich verspreche dir zu gehorchen, wie eine Sch�lerin ihrer Herrin, aber bitte st�r sie nicht! Besch�me sie nicht auf diese Weise!�</p><p><emphasis>�Oosquai?�,</emphasis> sagte Birgitte nachdenklich und rieb sich das Kinn. �Ist das so was wie Branntwein? Hm... Ich glaube tats�chlich, das M�dchen wird knallrot! Wisst Ihr, meistens ist sie ja furchtbar steif. Ein Scherz, hast du gesagt?� Pl�tzlich grinste sie und breitete die Arme weit aus. �Bring mich zu diesem <emphasis>Oosquai,</emphasis> Aviendha. Ich kann nicht f�r euch beide sprechen, aber ich will mich so betrinken, dass ich... nun ja, dass ich mich nackt ausziehe und auf dem Tisch tanze. Und nicht ein Haar betrunkener.�</p><p>Das verstand Min genauso wenig wie den Grund, warum Aviendha Birgitte anstarrte und pl�tzlich zu lachen anfing und etwas von �einem wunderbaren Scherz� sagte, aber sie war fest davon �berzeugt, genau zu wissen, warum Elayne err�tete, falls sie es tats�chlich tat. Die harte Kugel aus Gef�hlen in ihrem Kopf hatte sich wieder in ein tobendes Buschfeuer verwandelt.</p><p>�K�nnten wir jetzt zu diesem <emphasis>Oosquai</emphasis> gehen, bitte?�, sagte sie. �Ich will so betrunken wie eine ersoffene Maus werden, und zwar schnell!�</p><p>Als Elayne am n�chsten Morgen erwachte, war das Schlafgemach eiskalt, Schnee rieselte sanft auf Caemlyn herab und Rand war weg. Aber in ihrem Kopf war er noch immer gegenw�rtig. Das w�rde reichen. Sie l�chelte; es war ein tr�ges L�cheln. F�r den Moment w�rde es reichen. Sie streckte sich wohlig unter den Decken, erinnerte sich an ihre Hemmungslosigkeit in der vergangenen Nacht � und den gr��ten Teil des Tages! Sie konnte kaum glauben, dass sie das gewesen war! � und fand, dass sie eigentlich so rot wie die <emphasis>Sonne</emphasis> h�tte werden m�ssen! Aber sie hatte hemmungslos mit Rand umgehen wollen, und sie glaubte nicht, je wieder zu err�ten, jedenfalls nicht bei irgendwas, was mit ihm zu tun hatte.</p><p>Aber das Beste war, er hatte ihr ein Geschenk dagelassen. Neben ihr auf dem Kissen lag eine goldene Lilie in voller Bl�te, die noch vom Tau benetzt war. Sie konnte sich nicht einmal vorstellen, wo er sie mitten im Winter herbekommen hatte. Aber sie h�llte sie in ein Erhaltungsgewebe und stellte sie auf einen Seitentisch, wo sie sie jeden Morgen beim Aufwachen sehen w�rde. Das Gewebe hatte ihr Moghedien beigebracht, iber es w�rde die Bl�te f�r alle Zeiten erhalten und die Tautropfen w�rden niemals verdunsten, eine immerw�hrende Erinnerung an den Mann, der ihr sein Herz geschenkt hatte.</p><p>Ihr Vormittag wurde von der Nachricht in Beschlag genommen, dass Alivia w�hrend der Nacht verschwunden war, eine ernste Angelegenheit, die die Kusinen in helle Aufregung versetzte. Erst als Zaida kam und sich dar�ber beschwerte, dass Nynaeve nicht zu ihrem Unterricht bei den Heervolkfrauen gekommen war, erfuhr Elayne, dass sowohl sie als auch Lan den Palast verlassen hatten, ohne dass jemand erfahren hatte, wie und wann. Kurz darauf wurde ihr berichtet, dass neben anderen Gegenst�nden das m�chtigste der drei <emphasis>Angreale</emphasis> aus der Sammlung der Artefakte, die sie aus Ebou Dar gerettet hatten, verschwunden war. Einige davon waren ihrer Meinung nach f�r eine Frau vorgesehen, die jeden Augenblick damit rechnete, mit der Einen Macht angegriffen zu werden. Was die hastig hingekritzelte Nachricht, die Nynaeve verborgen zwischen den anderen Artefakten zur�ckgelassen hatte, noch beunruhigender machte.</p></section><section><title><p>13</p><p>Wundervolle Neuigkeiten</p></title><p>In den Kaminen an beiden Enden des Sonnengemachs im Sonnenpalast prasselten Feuer; auf dem Boden lagen dicke Teppiche. Das schr�ge Glasdach lie� das helle Morgenlicht hereinstr�men, aber nur dort, wo der Schnee nicht an den schmalen Fensterrahmen h�ngen geblieben war und die Scheiben verdeckte. Trotzdem war es in dem Raum kalt, was aber kein Hinderungsgrund war, dort Audienzen abzuhalten. Cadsuane hatte es f�r vern�nftiger gehalten, nicht den Thronsaal zu benutzen. Bislang hatte sich Lord Dobraine nicht dazu ge�u�ert, dass sie Caraline Damodred und Darlin Sisnera festhielt � sie hatte keine bessere Methode gefunden, um sie davon abzuhalten, weiterhin Unruhe zu stiften, als sie unter strenge Aufsicht zu stellen �, aber wenn sie �ber das hinausging, was er f�r verh�ltnism��ig erachtete, w�rde er m�glicherweise �rger machen. Er stand dem Jungen zu nahe, als dass sie versucht h�tte, ihn zu zwingen, und er stand zu seinen Eiden. Sie konnte auf ihr Leben zur�cksehen und sich an Fehlschl�ge erinnern, von denen sie einige bitterlich bereut hatte, auch an Fehler, die Leben gekostet hatten, aber hier konnte sie sich weder Fehler noch Fehlschl�ge leisten. Vor allem keinen Fehlschlag. Licht, am liebsten h�tte sie jemanden <emphasis>gebissenl �Ich verlange die Freilassung meiner Windsucherin, Aes Sedai!� Harine din Togara, in gr�ne, brokatverzierte Seide gekleidet, sa� steif vor Cadsuane, die vollen Lippen angespannt. Ihr Gesicht war faltenfrei, aber ihr glattes schwarzes Haar wies wei�e Str�hnen auf. Seit zehn Jahren war sie Herrin der Wogen ihres Clans und lange davor hatte sie ein gro�es Schiff kommandiert. Ihre Segelherrin Derah din Selaan, eine j�ngere, ganz in Blau gekleidete Frau, sa� auf einem Stuhl, der genau einen Fu� hinter dem ihren stand, um ihr Gef�hl f�r den n�tigen Anstand zu befriedigen. Die beiden h�tten dunkle Statuen der Emp�rung sein k�nnen und ihr exotischer Schmuck verst�rkte diesen Eindruck noch. Keine von ihnen w�rdigte Eben auch nur eines Blickes, als er sich verbeugte und Silberpokale mit hei�em gew�rztem Wein auf einem Tablett anbot.</emphasis></p><p>Der Junge schien nicht zu wissen, wie er sich verhalten sollte, als sie nichts nahmen. Er runzelte unsicher die Stirn und verharrte in der Verbeugung, bis Daigian an seinem roten Mantel zupfte und ihn l�chelnd fortf�hrte, ein am�sierter Kropft�uberich in Dunkelblau mit wei�en Schlitzen. Ein schlanker Bursche mit einer gro�en Nase und gro�en Ohren, den man weder ansehnlich und erst recht nicht h�bsch nennen konnte, aber Cadsuane war besitzergreifend, was ihn anging. Die beiden setzten sich vor einem der Kamine eng nebeneinander auf eine gepolsterte Bank und begannen sich in ein Fadenspiel zu vertiefen.</p><p>�Eure Schwester ist uns dabei behilflich, die n�heren Umst�nde zu ergr�nden, was an jenem ungl�ckseligen Tag geschah�, sagte Cadsuane aalglatt und etwas nachdenklich. Sie trank einen Schluck von ihrem gew�rzten Wein und wartete ab; es war ihr gleichg�ltig, ob sie ihre Ungeduld bemerkten oder nicht. Ganz egal, wie sehr Dobraine auch dar�ber murrte, wie unm�glich es doch war, die Bedingungen jenes unglaublichen Handels einzuhalten, den Rafela und Merana zugunsten des al'Thor-Jungen gemacht hatten, h�tte er sich dennoch pers�nlich um das Meervolk k�mmern k�nnen.</p><p>Sie durfte ihnen nicht ihre volle Aufmerksamkeit schenken. Und vermutlich war das auch besser so. Falls sie sich auf die Atha'an Miere konzentrierte, w�rde es sie einige Anstrengung kosten, sie nicht wie Fliegen zu zerquetschen, dabei waren sie nicht einmal der eigentliche Anlass ihrer Verbitterung.</p><p>Um den Kamin am anderen Ende des Sonnengemachs sa�en f�nf Schwestern. Nesune hatte ein gro�es Buch mit einem Holzeinband aus der Palastbibliothek aufgeschlagen auf ein Lesepodest gestellt, das vor ihrem Stuhl stand. Wie auch die anderen trug sie ein einfaches Wollgewand, das eher zu einer H�ndlerin als zu einer Aes Sedai gepasst h�tte. Falls eine von ihnen bedauerte, dass sie keine Seide oder das n�tige Geld daf�r besa�, zeigte sie es nicht. Sarene mit ihren d�nnen, mit Perlen geschm�ckten Z�pfen stand vor einem gro�en Stickrahmen und war damit besch�ftigt, die winzigen, f�r eine weitere Blume in einem Bl�tenfeld n�tigen Stiche zu machen. Erian und Beldeine spielten Steine; Elza schaute ihnen dabei zu und wartete darauf, gegen die Gewinnerin anzutreten. Allem �u�eren Anschein nach genossen sie einen ruhigen Morgen und schienen keine Sorgen auf der Welt zu haben. Vielleicht wussten sie, dass sie hier waren, weil Cadsuane sie sich ansehen wollte.</p><p>Warum hatten sie dem jungen al'Thor Gehorsam geschworen? Kiruna und die anderen hatten sich wenigstens in seiner Gegenwart aufgehalten, als sie sich zu dem Eid entschieden hatten. Cadsuane wollte ihnen gern zugestehen, dass sich niemand dem Einfluss eines <emphasis>Ta'veren</emphasis> entziehen konnte, wenn man davon erwischt wurde. Aber diese f�nf waren f�r seine Entf�hrung hart bestraft worden und hatten sich daf�r entschieden, ihm den Eid anzubieten, bevor man sie zu ihm brachte. Anfangs war sie geneigt gewesen, ihre verschiedenen Erkl�rungen zu akzeptieren, aber w�hrend der letzten paar Tage hatte diese Bereitschaft ein paar schwere Schl�ge hinnehmen m�ssen. Unerfreulich harte Schl�ge.</p><p>�Meine <emphasis>Windsucherin</emphasis> untersteht nicht Eurer Autorit�t, Aes Sedai�, sagte Harine scharf, als w�rde sie ihre Blutsbande bestreiten. �Shalon muss mir sofort �bergeben werden.� Derah nickte kurz zustimmend. Cadsuane war der festen �berzeugung, dass die Segelherrin genau das Gleiche tun w�rde, wenn Harine ihr befahl, von einer Klippe zu springen. In der Hierarchie des Atha'an Miere stand Derah tief unter Harine. Und das machte auch schon den Gro�teil dessen aus, was Cadsuane �ber sie wusste. Das Meervolk konnte sich als n�tzlich erweisen oder auch nicht, aber was davon nun zutraf, sie w�rde auf jeden Fall einen Weg finden, es in den Griff zu bekommen.</p><p>�Das ist eine Untersuchung der Aes Sedai�, erwiderte sie h�flich. �Wir m�ssen uns an das Burggesetz halten.� Eine gewagte Interpretation, zugegeben. Sie hatte schon immer die Meinung vertreten, dass der Geist des Gesetzes wichtiger als sein Buchstabe war.</p><p>Harine plusterte sich auf wie eine Natter und setzte zu der n�chsten Tirade an, in der sie ihre Rechte und Forderungen auflistete, aber Cadsuane h�rte nur mit halbem Ohr zu.</p><p>Erian konnte sie sogar beinahe verstehen; die blasse, schwarzhaarige Illianerin beharrte leidenschaftlich darauf, an der Seite des Jungen stehen zu m�ssen, wenn er die Letzte Schlacht schlug. Genau wie Beldeine, die die Stola erst so kurze Zeit trug, dass sie die Alterslosigkeit noch nicht erreicht hatte und die so entschlossen war, alles das zu sein, was eine Gr�ne sein sollte. Und Elza, eine Andoranerin mit ansehnlichen Z�gen, deren Augen beinahe zu leuchten anfingen, wenn sie davon sprach, daf�r zu sorgen, dass er am Leben blieb, um dem Dunklen K�nig gegen�berzutreten. Ebenfalls eine Gr�ne, und noch viel leidenschaftlicher als die meisten anderen. Nesune, die vorn�bergebeugt dasa�, um in ihr Buch zu schauen, sah aus wie ein schwarz�ugiger Vogel, der einen Wurm musterte. Als Braune w�rde sie in einen Kasten mit einem Skorpion klettern, wenn sie ihn studieren wollte. Sarene war vielleicht dumm genug, um �berrascht zu sein, wenn jemand sie f�r h�bsch oder sogar atemberaubend hielt, aber als Wei�e beharrte sie auf der Pr�zision ihrer Logik; al'Thor war der Wiedergeborene Drache, also musste sie ihm logischerweise folgen. Ungest�me Gr�nde, idiotische Gr�nde, aber Cadsuane h�tte sie akzeptieren k�nnen, w�ren da nicht die anderen gewesen.</p><p>Die T�ren des Gemachs wurden ge�ffnet und Verin und Sorilea traten ein. Die wei�haarige Aiel mit der lederartigen Haut gab Verin etwas Kleines, das die Braune in ihre G�rteltasche stopfte. Verin trug eine Spange in Form einer Bl�te an ihrem einfachen, bronzefarbenen Gewand, der erste Schmuck, den Cadsuane au�er ihrem Gro�en Schlangenring je an ihr entdeckt hatte.</p><p>�Das wird Euch helfen zu schlafen�, sagte Sorilea, �aber vergesst nicht, nur drei Tropfen in Wasser oder einen in Wein. Etwas mehr, und Ihr schlaft einen ganzen Tag oder noch l�nger. Viel mehr, und Ihr erwacht nie wieder. Es hat keinen Geschmack, der Euch warnen k�nnte, also m�sst Ihr vorsichtig sein.�</p><p>Also hatte auch Verin unter Schlaflosigkeit zu leiden. Seit der Junge aus dem Sonnenpalast geflohen war, hatte Cadsuane nicht eine Nacht durchschlafen k�nnen. Wenn ihr das nicht bald gelang, w�rde sie vermutlich tats�chlich jemanden bei�en. Nesune und die anderen betrachteten Sorilea unbehaglich. Der Junge hatte sie dazu gebracht, dass sie sich freiwillig zu <emphasis>Sch�lerinnen</emphasis> der Weisen Frauen machten, und sie hatten erfahren m�ssen, dass die Aielfrauen dies ausgesprochen ernst nahmen. Ein Schnippen von Sorileas knochigen Fingern konnte ihren m��igen Morgen beenden.</p><p>Harine beugte sich auf ihrem Stuhl vor und tippte mit dem Finger kurz und kr�ftig gegen Cadsuanes Wange! �Ihr h�rt mir nicht zu!�, sagte sie scharf. Ihre Miene war finster und die ihrer Segelherrin kaum weniger st�rmisch. �Ihr <emphasis>werdet</emphasis> zuh�ren!�</p><p>Cadsuane legte die H�nde zusammen und betrachtete die Frau �ber die Fingerspitzen hinweg. Nein. Sie w�rde die Herrin der Wogen nicht hier und jetzt auf den Kopf stellen. Sie w�rde die Frau nicht weinend in ihre Gem�cher zur�ckschicken. Sie w�rde so diplomatisch sein, wie sich Coiren nur w�nschen konnte. Schnell ging sie das Geh�rte durch. �Ihr sprecht im Namen der Herrin der Schiffe des Atha'an Miere und folglich mit ihrer ganzen Autorit�t, die gr��er ist, als ich es mir vorstellen kann�, sagte sie h�flich. �Falls Euch Eure Windsucherin nicht innerhalb der n�chsten Stunde zur�ckgegeben wird, werdet Ihr daf�r sorgen, dass der Coramoor mich streng bestraft. Ihr wollt eine Entschuldigung f�r die Gefangenschaft Eurer Windsucherin. Und Ihr verlangt, dass ich Lord Dobraine dazu bringe, auf der Stelle das Land bereitzustellen, das der Coramoor versprochen hat. Ich glaube, das waren alle wichtigen Punkte.� Mal davon abgesehen, dass man sie auspeitschen sollte!</p><p>�Gut.� Harine lehnte sich bequem zur�ck, da sie jetzt die Oberhand hatte. Ihr L�cheln war Ekel erregend selbstzufrieden. �Ihr werdet lernen, dass...�</p><p>�Euer Coramoor ist mir v�llig egal�, fuhr Cadsuane in noch immer h�flichem Tonfall fort. Alles auf der Welt f�r den Wiedergeborenen Drachen, aber nichts f�r den Coramoor. Sie ver�nderte ihren Ton nicht um ein Haar. �Solltet Ihr mich jemals wieder ohne Erlaubnis ber�hren, werde ich Euch nackt ausziehen, pr�geln, fesseln und in einem Sack zur�ck in Eure Gem�cher schaffen lassen.� Nun, Diplomatie war noch nie ihre St�rken gewesen. �Wenn Ihr nicht aufh�rt, mir wegen Eurer Schwester zuzusetzen... Nun, es k�nnte passieren, dass ich tats�chlich w�tend werde.� Sie erhob sich und ignorierte das emp�rte Schnaufen der Meervolkfrau, die sie ungl�ubig anstarrte, und hob ihre Stimme, damit man sie auch am anderen Ende des Raumes noch h�ren konnte. �Sarene!�</p><p>Die schlanke Tarabonerin wandte sich so schnell von ihrer Stickarbeit ab, dass ihre perlengeschm�ckten Z�pfe klirrten; sie eilte an Cadsuanes Seite und hob fast ohne zu z�gern die dunkelgrauen R�cke f�r einen Hofknicks. Die Weisen Frauen hatten ihnen beibringen m�ssen, dass sie zu springen hatten, wenn sie ihre Stimme erhoben, aber es war mehr als Gewohnheit, dass sie auch f�r <emphasis>sie</emphasis> sprangen. Eine Legende zu sein brachte wahrlich seine Vorteile mit sich, vor allem, wenn man eine unberechenbare Legende war.</p><p>�Begleitet die beiden zu Ihren R�umen�, befahl Cadsuane. �Sie m�chten fasten und �ber H�flichkeit nachdenken. Sorgt daf�r, dass sie es auch tun. Und sollten sie auch nur ein unfreundliches Wort von sich geben, lasst beiden ein paar Hiebe verpassen. Aber macht es auf diplomatische Weise.�</p><p>Sarene setzte zu einer Erwiderung an. Sie �ffnete den Mund, als wollte sie wegen der Unlogik des Letzteren protestieren, aber ein Blick in Cadsuanes Gesicht reichte aus, um sich den Frauen des Atha'an Miere zuzuwenden und ihnen mit einer Geste verstehen zu geben, dass sie aufstehen sollten.</p><p>Harine sprang auf die F��e, ihr dunkles Gesicht war wie erstarrt. Bevor sie jedoch ein Wort ihrer zweifellos w�tenden Tirade loswerden konnte, ber�hrte Derah sie am Arm und beugte sich vor, um ihr hinter einer vorgelegten, mit dunklen T�towierungen bedeckten Hand etwas in das mit Ringen �bers�te Ohr zu fl�stern. Was auch immer die Segelherrin zu sagen hatte, jedenfalls schloss Harine den Mund. Ihr Gesichtsausdruck hellte sich nicht auf, aber sie warf den Schwestern am anderen Ende des Raumes einen Blick zu und bedeutete Sarene nach einem kurzen Moment mit einer knappen Geste vorauszugehen. Harine konnte so tun, als w�re es ihre Entscheidung, jetzt zu gehen, aber Derah folgte ihr so dichtauf, dass es den Anschein hatte, sie w�rde sie vor sich hertreiben. Sie warf einen unbehaglichen Blick �ber die Schulter, bevor sich die T�r hinter ihr schloss.</p><p>Beinahe bedauerte Cadsuane, diesen leichtfertigen Befehl gegeben zu haben. Sarene w�rde ihn buchstabengetreu erf�llen. Die Frauen des Meervolks waren ein �rgernis, davon abgesehen waren sie bisher obendrein nutzlos gewesen. Das �rgernis musste beseitigt werden, damit sie sich auf das Wesentliche konzentrieren konnte, und falls sie doch einen Nutzen f�r sie finden w�rde... Werkzeuge mussten geformt werden, egal auf welche Weise. Sie war viel zu w�tend auf sie, um sich Sorgen zu machen, wie dies geschah, und sie konnte genauso gut auch jetzt damit anfangen. Nein, sie war auf den Jungen w�tend, aber an ihn kam sie noch nicht heran.</p><p>Mit einem lauten R�uspern h�rte Sorilea auf, Sarene und den Atha'an Miere nachzusehen, und richtete ihre finstere Miene auf die Schwestern, die am Ende des Raums standen. Armreifen klirrten an ihren Handgelenken, als sie das Schultertuch richtete. Noch eine Frau, die nicht in der besten Stimmung war. Die Frauen des Meervolks hatten seltsame Vorstellungen von den �Aielwilden� � obwohl sie eigentlich nicht viel seltsamer waren als jene, die Cadsuane selbst gehabt hatte, bevor sie Sorilea kennen gelernt hatte �, und die Weise Frau konnte sie nicht im Mindesten ausstehen.</p><p>Cadsuane ging ihr mit einem L�cheln entgegen, um sie zu begr��en. Sorilea war keine Frau, die man dazu bringen konnte, zu einem zu kommen. Alle glaubten, sie w�rden sich anfreunden � was tats�chlich m�glich war, wie sie �berrascht feststellte �, aber niemand wusste von ihrem B�ndnis. Eben kam mit seinem Tablett an und schien erleichtert zu sein, als sie ihren zur H�lfte geleerten Pokal darauf abstellte.</p><p>�Gestern am sp�ten Abend hat Chisaine Nurbaya darum gebeten, dem <emphasis>Car'a'carn</emphasis> dienen zu d�rfen�, sagte Sorilea, als der rot gekleidete Junge zu Daigian zur�ckeilte. Ihre Stimme war voller Missbilligung. �Vor dem ersten Tageslicht fragte Janine Pavlara, dann Innina Darenhold, dann Vayelle Kamsa. Ihnen war jeder Kontakt untereinander verboten. Sie konnten sich nicht absprechen. Ich habe ihre Bitten akzeptiert.�</p><p>Cadsuane gab einen verdrie�lichen Laut von sich. �Ich nehme an, Ihr lasst sie bereits daf�r b��en�, murmelte sie und dachte angestrengt nach. Neunzehn Schwestern waren Gefangene im Lager der Aiel gewesen. Diese N�rrin Elaida hatte neunzehn Schwestern ausgesandt, um den Jungen zu fangen, und jetzt hatten sie <emphasis>alle</emphasis> den Eid geschworen, ihm zu folgen! Diese letzten waren die Schlimmsten. �Was k�nnte Schwestern der Roten dazu bringen, einem Mann Gehorsam zu schw�ren, der die Macht lenken kann?�</p><p>Verin setzte zu einer Bemerkung an, verstummte dann aber, um der Aiel nicht zuvorzukommen. Seltsamerweise hatte sich Verin auf ihre erzwungene Sch�lerinnenzeit gest�rzt wie ein Reiher auf den Sumpf. Sie verbrachte mehr Zeit im Aiel-Lager als au�erhalb.</p><p>�Keine Strafe, Cadsuane Melaidhrin.� Sorilea machte eine abwehrende Geste, die die Armreifen aus Gold und Elfenbein wieder klirren lie�. �Sie versuchen ein</p><p><emphasis>Toh</emphasis> zu erf�llen, das nicht erf�llt werden kann. Auf seine Weise ist das so albern wie unser Bem�hen, sie als <emphasis>Da'tsang</emphasis> zu bezeichnen, aber wenn sie es versuchen wollen, besteht vielleicht noch die M�glichkeit, dass sie sich wieder bew�hren�, gestand sie widerstrebend ein. Sorilea konnte die neunzehn Schwestern nicht ausstehen. Sie l�chelte schmal. �Wir werden ihnen auf jeden Fall vieles beibringen, was sie noch lernen m�ssen.� Die Frau schien der �berzeugung zu sein, dass alle Aes Sedai davon profitieren k�nnten, bei den Weisen Frauen in die Lehre zu gehen.</p><p>�Ich hoffe, Ihr werdet sie auch weiterhin im Auge behalten�, sagte Cadsuane. �Vor allem diese letzten vier.� Sie glaubte schon, dass sie sich an diesen l�cherlichen Eid halten w�rden, wenn auch nicht immer auf eine Art und Weise, die dem Jungen gefallen w�rde, aber es bestand immer die M�glichkeit, dass eine oder zwei von ihnen zur Schwarzen Ajah geh�rten. Sie hatte einmal geglaubt, kurz davor zu stehen, die Schwarzen auszurotten, nur um zusehen zu m�ssen, wie ihre Beute ihr wie Rauch durch die Finger schl�pfte; es war ihre bitterste Niederlage, wenn sie einmal davon absah, Jahre zu sp�t in Erfahrung gebracht zu haben, was Caraline Damodreds Cousine in den Grenzl�ndern getan hatte, sodass ihr dieses Wissen dann nichts mehr nutzen konnte. Jetzt erschien selbst die Schwarze Ajah nur eine Ablenkung von den wirklich wichtigen Dingen.</p><p>�Sch�lerinnen beh�lt man immer genau im Auge�, erwiderte die von den Elementen gezeichnete Frau. �Ich glaube, ich muss die anderen daran erinnern, dankbar daf�r zu sein, dass man ihnen erlaubt, wie Clanh�uptlinge herumzulungern.�</p><p>Die restlichen vier Schwestern vor dem Kamin erhoben sich bei ihrem N�herkommen eilfertig, machten tiefe Knickse und h�rten sorgf�ltig auf das, was sie ihnen mit leiser Stimme und ohne viel Fingerwedeln sagte. Sorilea mochte glauben, ihnen viel beibringen zu m�ssen, aber sie hatten bereits begriffen, dass die Stola der Aes Sedai f�r die Sch�lerin einer Weisen Frau nicht den geringsten Schutz bot. Cadsuane hatte den Eindruck, dass <emphasis>Toh</emphasis> eine gro�e �hnlichkeit mit einer Strafe hatte.</p><p>�Sie ist... beachtlich�, murmelte Verin. �Ich bin sehr froh, dass sie auf unserer Seite steht. Wenn dem tats�chlich so ist.�</p><p>Cadsuane warf ihr einen scharfen Blick zu. �Ihr erweckt den Anschein einer Frau, die etwas zu sagen hat, was sie nicht sagen will. �ber Sorilea?� Diese Allianz war sehr vage definiert. Freundschaft oder nicht, es war noch immer m�glich, dass sie und die Weise Frau verschiedene Ziele verfolgten.</p><p>�Das ist es nicht�, sagte die st�mmige kleine Frau. Sie legte den Kopf auf die Seite, was sie trotz ihres kantigen Gesichts wie einen dicken Spatz aussehen lie�. �Ich wei�, dass es mich nichts anging, Cadsuane, aber Bera und Kiruna machten mit unseren G�sten keinerlei Fortschritte, also habe ich unter vier Augen mit Shalon gesprochen. Nach ein paar <emphasis>sanften</emphasis> Fragen ist sie mit der ganzen Geschichte herausger�ckt, und Ailil hat alles best�tigt, nachdem ihr klar wurde, dass ich bereits alles wusste. Kurz nach der Ankunft des Meervolks ist Ailil in der Hoffnung zu Shalon gegangen, herausfinden zu k�nnen, was sie mit dem jungen al'Thor vorhatten. Shalon wiederum wollte alles �ber ihn und die hiesigen Verh�ltnisse erfahren, was sie nur konnte. Das f�hrte zu weiteren Treffen, die f�hrten zu Freundschaft, und die f�hrten wiederum zu einer Kopfkissenfreundschaft. Ich vermute, genauso sehr aus Einsamkeit wie wegen allem anderen. Auf jeden Fall war es das, was sie viel hartn�ckiger als ihr gemeinsames Herumschn�ffeln verbargen.�</p><p>�Sie haben Tage unter der Befragung erduldet, um <emphasis>das</emphasis> zu verbergen?�, sagte Cadsuane ungl�ubig. Bera und Kiruna hatten die beiden kreischen lassen!</p><p>In Verins Augen funkelte unterdr�ckte Heiterkeit. �Cairhiener sind steif und pr�de, Cadsuane, zumindest in der �ffentlichkeit. Wenn die Vorh�nge zugezogen sind, treiben sie es wie die Kaninchen, aber vor Zeugen w�rden sie nicht mal zugeben, den eigenen Ehemann angefasst zu haben! Und das Meervolk ist fast genauso zugekn�pft. Immerhin ist Shalon mit einem Mann verheiratet, der anderswo seinen Pflichten nachgeht, und der Bruch des Ehegel�bdes ist ein sehr ernstes Vergehen. Anscheinend eine Verletzung der ordnungsgem��en Disziplin. Sollten ihre Schwestern es herausfinden, w�re Shalon �eine Windsucherin in einem RuderbooK Ich glaube, das waren ihre exakten Worte.�</p><p>Cadsuane war sich bewusst, dass ihr Haarschmuck schaukelte, als sie den Kopf sch�ttelte. Als man die beiden Frauen unmittelbar nach dem Angriff auf den Palast gefesselt und geknebelt unter Ailils Bett entdeckte, hatte sie angenommen, sie w�ssten mehr �ber den Angriff, als sie zugaben. Als sie sich dann geweigert hatten, den Grund ihrer heimlichen Treffen zu offenbaren, war sie davon �berzeugt gewesen. Vielleicht waren sie sogar irgendwie darin verwickelt, obwohl der Angriff offensichtlich das Werk abtr�nniger Asha'man war. Angeblich abtr�nniger Asha'man. Die ganze Zeit und M�he f�r nichts und wieder nichts verschwendet. Oder vielleicht doch nicht ganz, wenn sie so verzweifelt etwas zu verheimlichen versuchten.</p><p>�Bringt die Lady Ailil in ihre Gem�cher zur�ck und entschuldigt Euch f�r ihre Behandlung, Verin. Versichert ihr, dass ihre vertraulichen Aussagen ein Geheimnis bleiben. Aber gebt ihr zu verstehen, dass diese Verschwiegenheit an einem seidenen Faden h�ngt.</p><p>Und sorgt daf�r, dass sie begreift, wie hauchzart dieser Faden ist. Und gebt ihr zu verstehen, dass es in ihrem Interesse liegen sollte, mich �ber alles auf dem Laufenden zu halten, das sie �ber die Aktivit�ten ihres Bruders h�rt.� Erpressung geh�rte ebenfalls zu den Werkzeugen, die sie nur ungern einsetzte, aber sie hatte es bereits bei den drei Asha'man getan, und Toram Riatin konnte m�glicherweise noch immer �rger machen, obwohl sich seine Rebellion in Luft aufgel�st zu haben schien. In Wahrheit war es ihr ziemlich gleichg�ltig, wer auf dem Sonnenthron sa�, aber die Intrigen und Pl�ne derjenigen, die Throne f�r wichtig hielten, �bten oftmals einen st�renden Einfluss auf die wirklich wichtigen Dinge aus.</p><p>Verin l�chelte; ihr Haarknoten h�pfte auf und ab, als sie nickte. �O ja, ich glaube, das ist ein ausgezeichneter Plan. Vor allem, weil sie ihren Bruder verabscheut. Bei Shalon die gleiche Vorgehensweise, nehme ich an? Nur dass Ihr �ber die Ereignisse bei den Atha'an Miere unterrichtet werden wollt? Ich bin mir nicht sicher, wie weit sie Harine hintergehen wird, egal, welche Konsequenzen es f�r sie haben w�rde.�</p><p>�Sie wird verraten, was ich ihr befehle�, sagte Cadsuane grimmig. �Haltet sie noch bis morgen fest, bis zum sp�ten Nachmittag.� Harine durfte keinen Augenblick lang auf die Idee kommen, dass man ihre Forderungen erf�llte. Das Meervolk war nur ein weiteres Werkzeug, das man bei dem Jungen benutzen musste, nichts weiter. Alles und jeder musste von diesem Standpunkt aus betrachtet werden.</p><p>Abseits von Verin schl�pfte Corele in das Sonnengemach und schloss die T�r leise hinter sich, als hoffte sie, niemanden zu st�ren. Das war nicht ihre Art. Jungenhaft schlank und mit buschigen schwarzen Augenbrauen und einem Sch�pf gl�nzenden schwarzen Haars versehen, das ihr den R�cken hinunterflutete und ihr ein wildes Aussehen verlieh, unabh�ngig davon, wie ordentlich ihre Kleidung auch war, h�tte es eigentlich dem Naturell der Gelben entsprochen, lachend in einen Raum hineinzust�rmen. Sie rieb sich die Nasenspitze und sah Cadsuane z�gernd an und ihre blauen Augen lie�en das gew�hnliche Funkeln vermissen.</p><p>Cadsuane winkte sie entschieden heran, und Corele holte tief Luft und rauschte �ber die Teppiche, wobei sie ihre blauen, gelb gestreiften R�cke mit beiden H�nden anhob. Sie warf den Schwestern, die sich am anderen Ende des Raums um Sorilea scharten, und Daigian und Eben, die am entgegengesetzten Ende das Fadenspiel spielten, einen schnellen Blick zu und sprach dann mit leiser Stimme, aus der der tr�llernde Akzent Murandys zum Vorschein trat.</p><p>�Ich habe wunderbare Neuigkeiten, Cadsuane.� Sie klang, als w�re sie sich nicht sicher, wie wunderbar sie tats�chlich waren. �Ich wei�, Ihr habt mir befohlen, Damer hier im Palast besch�ftigt zu halten, aber er bestand darauf, sich die Schwestern anzusehen, die sich noch immer im Aiel-Lager aufhalten. So freundlich er auch ist, kann er doch sehr beharrlich sein, wenn er es darauf anlegt, und so sicher, wie die Sonne aufgeht, gibt es nichts, das nicht geheilt werden kann. Und, nun ja, wie dem auch sei, er ist gegangen und hat Irgain geheilt. Cadsuane, es ist, als w�re sie niemals...� Sie verstummte, unf�hig, das Wort auszusprechen. Trotzdem stand es im Raum. Ged�mpft.</p><p>�Wunderbare Neuigkeiten�, sagte Cadsuane tonlos. Das waren sie auch. Tief in ihrem Inneren trug jede Schwester die Furcht mit sich herum, man k�nnte sie von der Macht abschneiden. Und jetzt war eine M�glichkeit gefunden worden, das zu heilen, was man nicht heilen konnte. Von einem Mann. Bevor <emphasis>dies</emphasis> seinen Abschluss gefunden hatte, w�rde es Tr�nen und Beschuldigungen geben. Aber davon einmal abgesehen w�rde jede Schwester, die davon h�rte, es als eine weltbewegende Entdeckung betrachten � in mehr als nur einer Weise: ein Mann! �, aber verglichen mit Rand al'Thor war es nur ein Sturm in einer Teetasse. �Ich nehme an, sie bietet an, sich wie die anderen auch auspeitschen zu lassen?�</p><p>�Das braucht sie nicht�, sagte Verin gedankenverloren. Sie betrachtete stirnrunzelnd einen Tintenfleck auf ihrem Finger, schien aber etwas zu untersuchen, das sich jenseits davon befand. �Die Weisen Frauen haben offensichtlich entschieden, dass Rand Irgain und die anderen beiden ausreichend bestraft hat, als er... tat, was er tat. W�hrend sie die anderen wie wertlose Tiere behandelten, haben sie darum gek�mpft, diese drei am Leben zu erhalten. Wie ich h�rte, wurde davon gesprochen, f�r Ronaille einen Ehemann zu finden.�</p><p>�Irgain wei� �ber die Eide Bescheid, die die anderen geschworen haben.� Corele klang erstaunt. �Als Damer mit ihr fertig war, fing sie schluchzend an, den Verlust ihrer Beh�ter zu beklagen, doch auch sie ist zu dem Eid bereit. Aber die Sache ist die: Damer will es auch bei Sashalle und Ronaille versuchen.� �berraschenderweise nahm sie fast trotzig die Schultern zur�ck. Sie war immer so arrogant wie die meisten Gelben gewesen, aber sie hatte stets genau gewusst, welche Stellung sie bei Cadsuane einnahm. �Cadsuane, ich kann nicht zusehen, wie eine Schwester in diesem Zustand verbleibt, wenn es einen Ausweg gibt. Ich m�chte es Damer versuchen lassen.�</p><p>�Nat�rlich, Corele.� Anscheinend war etwas von Damers Beharrlichkeit auf sie abgef�rbt. Cadsuane war bereit, es durchgehen zu lassen, solange es nicht zu weit ging. An dem Tag, an dem sie von den seltsamen Vorg�ngen in Schienar erfuhr, hatte sie damit angefangen, Schwestern um sich zu scharen, denen sie vertraute, jene, die sie begleiteten und andere � ihre Augen-und-Ohren, die jahrelang Siuan Sanche und Moiraine Damodred beobachtet hatten, ohne je etwas N�tzliches erfahren zu haben �, aber nur, weil sie ihnen vertraute, bedeutete das nicht, dass sie sie ihre eigenen Wege gehen lie�. Daf�r stand zu viel auf dem Spiel. Aber davon abgesehen, konnte auch sie keine Schwester in diesem Zustand lassen.</p><p>Die T�r flog auf und Jahar kam mit klirrenden Silbergl�ckchen an den Enden seiner Z�pfe hereingest�rzt. K�pfe drehten sich, um den Jungen in dem gut sitzenden blauen Mantel, den Merise f�r ihn ausgew�hlt hatte, anzusehen � sogar Sorilea und Sarene starrten ihn an �, aber die Worte, die aus seinem Mund sprudelten, verscheuchten jeden Gedanken daran, wie h�bsch sein sonnengebr�untes Gesicht doch war.</p><p>�Cadsuane, Alanna ist bewusstlos. Sie ist gerade im Korridor zusammengebrochen. Merise hat sie in ein Schlafgemach bringen lassen und mich zu Euch geschickt.�</p><p>Cadsuane verbannte jede entsetzte Gef�hlsregung aus ihrer Miene, gab Corele und Sorilea � die man hierbei nicht ausschlie�en konnte �ein Zeichen und befahl Jahar vorauszugehen. Verin schloss sich ihnen ebenfalls an und Cadsuane hielt sie nicht davon ab. Verin hatte die Gabe, Dinge zu bemerken, die anderen entging.</p><p>Die schwarz livrierten Diener hatten keine Ahnung, wer oder was Jahar war, aber sie beeilten sich, Cadsuane aus dem Weg zu gehen, als sie mit raschen Schritten hinter ihm herging. Sie h�tte ihm gern befohlen, schneller zu gehen, aber dann h�tte sie laufen m�ssen. Sie waren noch nicht sehr weit gekommen, als ein kleinw�chsiger Mann, dessen Kopf an der Vorderseite kahl geschoren war und der einen dunklen Mantel mit waagrechten bunten Streifen auf der Vorderseite trug, ihnen den Weg vertrat und sich tief verbeugte. Sie musste stehen bleiben.</p><p>�Die Gnade sei mit Euch, Cadsuane Sedai�, sagte er glatt. �Vergebt mir, dass ich Euch bel�stige, da Ihr doch in solcher Eile seid, aber ich fand, ich sollte Euch mitteilen, dass sich Lady Caraline und der Hochlord Darlin nicht l�nger in Lady Arilyns Palast befinden. Sie sind auf einem Flussschiff auf dem Weg nach Tear. Ich f�rchte, mittlerweile sind sie au�erhalb Eurer Reichweite.�</p><p>�Ihr w�rt �berrascht, wie weit meine Macht reicht, Lord Dobraine�, sagte sie kalt. Sie h�tte wenigstens eine Schwester in Arilyns Palast abkommandieren sollen, aber sie war davon �berzeugt gewesen, die beiden in sicherem Gewahrsam zu wissen. �War das klug?� Sie hatte nicht den geringsten Zweifel, dass es sein Werk war, obwohl sie sich nicht vorstellen konnte, dass er den Mut hatte, es zuzugeben. Kein Wunder, dass er sie ihretwegen nicht bedr�ngt hatte.</p><p>Ihr Ton konnte den Mann nicht beeindrucken. Und er �berraschte sie. �Der Hochlord Darlin wird f�r den Lord Drachen der Gro�hofmeister von Tear, und es erschien klug, die Lady Caraline aus dem Land zu schaffen. Sie hat ihrer Rebellion und ihrem Anspruch auf den Sonnenthron abgeschworen, aber andere k�nnten noch immer versuchen, sie zu benutzen. Vielleicht war es unklug, sie der Aufsicht von Dienern zu �berlassen, Cadsuane Sedai. Ihr d�rft es ihnen aber nicht zum Vorwurf machen. Sie konnten zwei... G�ste festhalten, aber sich nicht gegen meine Waffenm�nner durchsetzen.�</p><p>Jahar h�pfte vor Ungeduld beinahe von einem Fu� auf den anderen. Merise f�hrte ein strenges Regiment. Cadsuane hatte es ebenfalls eilig, zu Alanna zu kommen.</p><p>�Ich hoffe, Ihr seid in einem Jahr noch derselben Meinung�, sagte sie. Dobraine verbeugte sich lediglich.</p><p>Das Schlafgemach, in das man Alanna gebracht hatte, war das n�chstgelegene gewesen, und es war nicht gro� und wirkte dank der dunklen Holzvert�felung, die Cairhiener so sehr liebten, noch viel kleiner. Sobald alle eingetreten waren, erschien es ziemlich eng. Merise schnippte mit den Fingern und zeigte auf Jahar, der sich in eine Ecke zur�ckzog, aber das half nur wenig.</p><p>Alanna lag mit geschlossenen Augen auf dem Bett, ihr Beh�ter Ihvon kniete an ihrer Seite und rieb ihr Handgelenk. �Sie scheint sich vor dem Aufwachen zu f�rchten�, sagte der gro�e, schlanke Mann. �Soweit ich sagen kann, fehlt ihr nichts, aber sie scheint sich zu f�rchten.�</p><p>Corele schob ihn zur Seite, damit sie Alannas Gesicht mit beiden H�nden umfassen konnte. Der Schein <emphasis>Saidars</emphasis> umgab die Gelbe, und das Gewebe des Heilens senkte sich auf Alanna, aber die schlanke Gr�ne zuckte nicht einmal. Corele zog sich zur�ck und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Meine Fertigkeiten im Heilen kommen Euren nicht nahe, Corele�, sagte Merise trocken, �aber ich habe es versucht.� Nach all diesen Jahren war der tarabonische Akzent noch immer sehr stark, aber sie trug ihr dunkles Haar streng aus ihrem Gesicht zur�ckgek�mmt. Cadsuane vertraute ihr wom�glich mehr als all den anderen. �Was machen wir jetzt, Cadsuane?�</p><p>Sorilea starrte die auf dem Bett ausgestreckt liegende Frau ausdruckslos an, sie presste lediglich die Lippen aufeinander. Cadsuane fragte sich, ob sie ihre Allianz noch einmal �berdachte. Auch Verin starrte Alanna an und sie sah v�llig entsetzt aus. Cadsuane h�tte niemals geglaubt, dass etwas Verin so sehr �ngstigen k�nnte. Aber sie versp�rte selbst einen Hauch des Entsetzens. Wenn sie jetzt die Verbindung zu dem Jungen verlor...</p><p>�Wir setzen uns und warten, dass sie aufwacht�, erkl�rte sie mit ruhiger Stimme. Es gab nichts, was sie sonst h�tten tun k�nnen. Gar nichts.</p><p>�Wo ist er?�, knurrte Demandred und ballte hinter seinem R�cken die F�uste. Er stand mit gespreizten Beinen da und war sich bewusst, dass er den Raum dominierte. Das tat er immer. Trotzdem w�nschte er sich, Semirhage oder Mesaana waren hier. Ihr B�ndnis war zerbrechlich � die simple �bereinkunft, dass sie sich nicht gegeneinander wandten, bis die anderen ausgeschaltet waren �, aber es hatte die ganze Zeit gehalten. Zusammen hatten sie einen Gegner nach dem anderen aus dem Gleichgewicht gebracht und manche in den Tod oder Schlimmeres geschickt. Aber f�r Semirhage war es sehr schwierig, zu diesen Treffen zu kommen, und Mesaana war in der letzten Zeit sehr zur�ckhaltend gewesen. Falls sie daran dachte, dieses B�ndnis zu beenden... �Seit diese blinden Narren � diese Idioten! � in Cairhien versagt haben, wurde al'Thor in f�nf St�dten gesehen, einschlie�lich diesem verfluchten Ort in der W�ste, sowie in einem Dutzend D�rfer. Und das besagen nur die Berichte, die uns zur Verf�gung stehen! Der Gro�e Herr allein wei�, was sonst noch auf einem Pferd, einem Schaf oder was diese Wilden sonst zur Bef�rderung einer Botschaft finden, angekrochen kommt.�</p><p>Graendal hatte die Umgebung ausgesucht, da sie als Erste eingetroffen war, und sie irritierte ihn. Bildw�nde verliehen dem Holzboden den Anschein, von einem Wald voller mit leuchtenden Bl�ten bewachsener Kletterpflanzen und farbenpr�chtiger V�gel umgeben zu sein. Die Luft war voll s��em Duft und lieblichem Vogelgezwitscher. Allein der Torbogen verdarb die Illusion. Warum diese Erinnerung an etwas, das verloren war? Au�erhalb dieses Ortes in der N�he von Shayol Ghul konnten sie genauso wenig Schocklanzen oder Shofl�gel herstellen, wie sie Bildw�nde errichten konnten. Und soweit er sich erinnerte, hatte sie alles verabscheut, was mit der Natur zu tun hatte.</p><p>Osan'gar runzelte �ber die �Idioten� und �blinden Narren� die Stirn, was nun wirklich sein Problem war, gl�ttete das unscheinbare, faltige Gesicht, das so wenig �hnlichkeit mit dem hatte, mit dem er geboren worden war, aber schnell wieder. Egal mit welchem Namen man ihn rief, er hatte immer gewusst, wen er herausfordern konnte und wen nicht. �Eine Sache des Zufalls�, sagte er ruhig, obwohl er anfing, seine H�nde zu ringen. Eine alte Gewohnheit. Gekleidet wie ein Herrscher dieses Zeitalters trug er einen Mantel, der so mit goldenen Stickereien �bers�t war, dass der rote Stoff darunter fast v�llig verborgen wurde, und die Stiefel waren mit goldenen Troddeln besetzt. An Hals und Handgelenken bauschte sich genug Spitze, um ein Kind einzukleiden. Der Mann hatte nie begriffen, was man unter Exzess verstand. W�ren seine besonderen F�higkeiten nicht gewesen, w�re er niemals zu einem der Auserw�hlten geworden. Er bemerkte, was seine H�nde taten, riss das hohe <emphasis>CuendiUar-Weinglas</emphasis> von dem runden Tisch neben seinem Stuhl und atmete das Aroma des dunklen Weins tief ein. �Einfache Wahrscheinlichkeitsrechnung�, murmelte er und versuchte beil�ufig zu klingen. �Das n�chste Mal wird er get�tet oder gefangen genommen. Der Zufall kann ihn nicht immer besch�tzen.�</p><p>�Ihr wollt Euch auf den Zufall verlassen?� Aran'gar lag auf einem langen Stuhl, der an ein Sofa erinnerte. Sie schenkte Osan'gar ein rauchiges L�cheln und zog das Bein mit dem nackten Fu� langsam an, bis der Schlitz in ihrem hellroten Rock es bis zur H�fte entbl��te. Jeder Atemzug drohte sie von dem roten Satin zu befreien, der ihre vollen Br�ste nur m�hsam b�ndigte. Seit ihrer Verwandlung in eine Frau hatte sich ihr ganzes Gehabe ver�ndert, aber das erstreckte sich nicht auf den Kern dessen, was in einen weiblichen K�rper gepflanzt worden war. Demandred verachtete keineswegs fleischliche Gen�sse, aber eines Tages w�rden ihre Begierden ihr noch den Tod bringen. Wie es bereits schon einmal geschehen war. Nicht, dass er sie betrauern w�rde, wenn es das n�chste Mal endg�ltig war. �Ihr wart daf�r verantwortlich, ihn im Auge zu behalten, Osan'gar�, fuhr sie fort und ihre Stimme liebkoste jede Silbe. �Ihr und Demandred.� Osan'gar zuckte zusammen und fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen. Aran'gar lachte kehlig. �Mein Sch�tzling ist...� Sie dr�ckte den Daumen auf den Stuhlrand, als w�rde sie etwas festhalten, und lachte erneut.</p><p>�Ich glaube, Ihr solltet etwas besorgter sein, Aran'gar�, murmelte Graendal in ihren Wein. Sie verbarg ihre Verachtung genauso �berzeugend wie der beinahe durchsichtige silbrige Nebel ihres Gewandes aus <emphasis>Streith</emphasis> ihre �ppigen Kurven. �Ihr und Osan'gar und Demandred. Und Moridin, wer auch immer er ist. Vielleicht solltet ihr al"Thors Erfolg genauso sehr f�rchten wie sein Scheitern.�</p><p>Lachend griff Aran'gar nach der Hand der stehenden Frau. Ihre gr�nen Augen funkelten. �Und vielleicht k�nntet Ihr mir ausf�hrlicher erkl�ren, was Ihr damit meint, wenn wir unter uns sind?�</p><p>Graendals Gewand verwandelte sich in schwarzen, verbergenden Rauch. Sie riss sich mit einem heiseren Fluch los und trat von dem Stuhl zur�ck. Aran'gar... kicherte.</p><p>�Was wollt Ihr damit sagen?�, rief Osan'gar schneidend aus und sprang von seinem Stuhl hoch. Sobald er stand, nahm er die Pose eines Schulmeisters ein und packte seine Revers, w�hrend sein Tonfall pedantisch wurde. �Meine liebe Graendal, erstens bezweifle ich, dass selbst ich eine Methode entwickeln k�nnte, <emphasis>Saidin</emphasis> vom Schatten des Gro�en Herrn zu befreien. Al'Thor ist ein Primitiver. Was er auch versucht, es wird sich letztlich als unzul�nglich erweisen, und ich f�r meinen Teil kann nicht glauben, dass er eine Vorstellung hat, wie er �berhaupt damit anfangen soll. Auf jeden Fall werden wir ihn schon bei dem Versuch aufhalten, weil es der Gro�e Herr so will. Ich kann verstehen, dass man sich vor dem Missfallen des Gro�en Herrn f�rchtet, falls wir irgendwie versagen, so unwahrscheinlich das auch sein mag, aber warum sollten die, die Ihr genannt habt, sich besonders f�rchten?�</p><p>�So blind und trocken wie immer�, murmelte Graendal. Mit der R�ckkehr ihrer Fassung bestand das Gewand wieder aus klarem Nebel, der allerdings von Rot durchzogen wurde. Vielleicht war sie doch nicht so ruhig, wie sie vorgab. Vielleicht wollte sie auch nur die anderen glauben machen, dass sie irgendeine innere Unruhe unterdr�ckte. Abgesehen von dem Streith kam ihr gesamter Schmuck aus diesem Zeitalter, in ihrem goldenen Haar funkelten Feuertropfen, zwischen ihren Br�sten baumelte ein gro�er Rubin, an beiden Handgelenken klirrten verzierte goldene Armreifen. Und da war noch etwas Seltsames � Demandred fragte sich, ob es wohl auch einem der anderen aufgefallen war. An dem kleinen Finger ihrer linken Hand steckte ein einfacher Goldring. Einfach war ein Begriff, der niemals in einem Atemzug mit Graendal fiel. �Wenn der junge Mann irgendwie den Schatten entfernt, nun... Ihr, die ihr <emphasis>Saidin</emphasis> lenkt, werdet dann nicht l�nger den besonderen Schutz des Gro�en Herrn ben�tigen. Ob er dann wohl noch eurer... Loyalit�t... vertraut?� L�chelnd trank sie einen Schluck Wein.</p><p>Osan'gar l�chelte nicht. Sein Gesicht verlor jegliche Farbe und er rieb sich mit der Hand �ber den Mund. Aran'gar setzte sich auf den Stuhlrand; sie versuchte nicht l�nger sinnlich zu erscheinen. Die in ihrem Scho� liegenden H�nde bildeten Krallen, und sie starrte Graendal an, als wollte sie ihr an die Kehle springen.</p><p>Demandred entspannte die F�uste. Endlich war es heraus. Er hatte gehofft, al'Thor tot � oder falls das scheiterte � als Gefangenen zu sehen, bevor dieser Verdacht sein h�ssliches Haupt erhob. W�hrend des Krieges um die Macht waren mehr als ein dutzend Auserw�hlte dem Misstrauen des Gro�en Herrn zum Opfer gefallen.</p><p>�Der Gro�e Herr ist von euer aller Treue �berzeugt�, verk�ndete Moridin und trat ein, als w�re er der Gro�e Herr der Dunkelheit h�chstpers�nlich. Er hatte oft den Anschein erweckt, dies tats�chlich zu glauben, und der jungenhafte Gesichtsausdruck, den er in diesem Augenblick aufsetzte, �nderte daran nichts. Trotz seiner Worte war dieses Gesicht ernst und das schmucklose Schwarz seiner Kleidung lie� seinen Namen � Tod �passend erscheinen. �Ihr m�sst euch erst dann Sorgen machen, wenn er aufh�rt, daran zu glauben.� Das M�dchen Cyndane klebte an seinen Fersen wie ein vollbusiges kleines, silberhaariges Scho�tier, das in Rot und Schwarz gekleidet war. Aus irgendeinem Grund hatte Moridin eine Ratte auf der Schulter sitzen, deren helle Nase aufgeregt schnupperte, w�hrend ihre schwarzen Augen den Raum misstrauisch musterten. Aber vielleicht sa� sie auch grundlos da. Das jugendliche Gesicht hatte ihn ja auch nicht weniger verr�ckt gemacht.</p><p>�Warum habt Ihr uns herbestellt?�, verlangte Demandred zu wissen. �Ich habe viel zu tun und keine Zeit f�r irgendwelche Plaudereien.� Unbewusst versuchte er, gr��er zu erscheinen, um gegen�ber dem anderen Mann zu bestehen.</p><p>�Mesaana ist wieder nicht gekommen?�, sagte Moridin anstelle einer Antwort. �Schade. Sie sollte sich anh�ren, was ich zu sagen habe.� Er pfl�ckte die Ratte am Schwanz von seiner Schulter und sah zu, wie das Tier vergeblich mit den Beinen strampelte. Au�er der Ratte schien nichts f�r ihn zu existieren. �Kleine, scheinbar unwichtige Dinge k�nnen gro�e Bedeutung erlangen�, murmelte er. �Diese Ratte... Ob es Isam gelingt, dieses andere Ungeziefer namens Fain zu finden und zu t�ten? Ein Wort in das falsche Ohr gefl�stert oder nicht in das richtige gesagt. Ein Schmetterling schl�gt auf einem Ast mit seinen Fl�geln und auf der anderen Seite der Welt st�rzt ein Berg in sich zusammen.� Pl�tzlich kr�mmte sich die Ratte zusammen und versuchte, ihre Z�hne in sein Handgelenk zu schlagen. Mit einer fast beil�ufigen Bewegung warf er die Kreatur fort. Mitten in der Luft flammte ein Feuerball auf, etwas, das hei�er als jede Flamme war, und die Ratte war verschwunden. Moridin l�chelte.</p><p>Demandred zuckte ungewollt zusammen. Das war die Wahre Macht gewesen; er hatte nichts gesp�rt. Ein schwarzes K�rnchen trieb quer durch Moridins Augen, gefolgt von dem n�chsten, ein gleichm��iger Strom. Der Mann musste ausschlie�lich die Wahre Macht benutzt haben, seit Demandred beim letzten Mal Zeuge geworden war, wie er so viele <emphasis>Saa</emphasis> so schnell gesammelt hatte. Er selbst hatte die Wahre Quelle nie angefasst, es sei denn in gr��ter Bedr�ngnis. Nat�rlich hatte jetzt allein Moridin dieses Privileg, seit seiner... Salbung. Der Mann musste wirklich wahnsinnig sein, um sie unbedacht zu verwenden. Sie war eine Droge, noch Sucht erzeugender als <emphasis>Saidin,</emphasis> t�dlicher als jedes Gift.</p><p>Moridin trat auf Osan'gar zu und legte ihm die Hand auf die Schulter. Das <emphasis>Saa</emphasis> lie� sein L�cheln noch Unheil verk�ndender erscheinen. Der kleinere Mann schluckte und erwiderte das L�cheln unsicher. �Es ist gut, dass Ihr nie in Erw�gung gezogen habt, den Schatten des Gro�en Herrn zu entfernen�, sagte Moridin leise. Wie lange hatte er drau�en gestanden? Osan'gars L�cheln wurde noch eine Spur kr�nklicher. �Al'Thor ist nicht so klug wie Ihr. Erz�hl es ihnen, Cyndane.�</p><p>Die kleine Frau richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf. Vom Gesicht und ihrer Figur her war sie eine s��e Pflaume, die nur darauf wartete, gepfl�ckt zu werden, aber ihre gro�en blauen Augen waren wie ein Gletscher. Vielleicht ein Pfirsich. In diesem Zeitalter waren Pfirsiche giftig. �Ich sch�tze, ihr erinnert euch an die Choedan Kai.� Keine noch so gro�e Anstrengung h�tte diese tiefe, atemlose Stimme irgendwie anders als erotisch klingen lassen, aber ihr gelang es, sie mit einem sarkastischen Tonfall zu unterlegen. �Lews Therin hat zwei der Zugangsschl�ssel, einen f�r jeden. Und er kennt eine Frau, die stark genug ist, den weiblichen der beiden zu benutzen. Er plant, die Choedan Kai f�r seine Tat zu verwenden.�</p><p>Auf der Stelle redeten alle durcheinander.</p><p>�Ich dachte, s�mtliche Schl�ssel w�ren zerst�rt!�, rief Aran'gar und sprang auf die F��e. Ihre Augen waren vor Furcht weit aufgerissen. �Er k�nnte die Welt zerst�ren, wenn er auch nur <emphasis>versucht,</emphasis> die Choedan Kai zu benutzen!�</p><p>�H�ttest du jemals etwas anderes als historische Abhandlungen gelesen, dann w�sstest du, dass es so gut wie unm�glich ist, sie zu zerst�ren!�, fauchte Osan'gar sie an. Aber er riss an seinem Kragen, als w�re er zu eng, und seine Augen schienen bereit, ihm gleich aus dem Kopf zu fallen. �Woher will dieses M�dchen wissen, dass er sie hat? Woher?�</p><p>Cyndane hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als Graendal auch schon ihr Weinglas hatte fallen lassen und es �ber den Boden gerollt war. Ihr Gewand wurde so scharlachrot wie frisch vergossenes Blut, und ihr Mund verzerrte sich, als m�sste sie sich �bergeben.</p><p>�Und Ihr habt gehofft, ihm zuf�llig �ber den Weg zu laufen!�, schrie sie Demandred an. �Hofftet, jemand w�rde ihn f�r Euch finden! Narr! Narr!�</p><p>Demandred fand, dass Graendal selbst f�r ihre Verh�ltnisse etwas �bertrieb. Er w�re jede Wette eingegangen, dass die Nachricht keine �berraschung f�r sie war. Anscheinend konnte es nicht schaden, sie im Auge zu behalten. Er enthielt sich jeden Kommentars.</p><p>Wie ein Liebender legte Moridin die Hand aufs Herz und dr�ckte Cyndanes Kinn mit den Fingerspitzen nach oben. In ihren Augen brannte Hass, aber ihr Antlitz h�tte das leblose Gesicht einer Puppe sein k�nnen. Sie ertrug seine Aufmerksamkeiten in der Tat wie eine f�gsame Puppe. �Cyndane wei� viele Dinge�, sagte Moridin leise, �und sie erz�hlt mir alles, was sie wei�. Alles.� Die kleine Frau verzog keine Miene, aber sie erzitterte deutlich sichtbar.</p><p>F�r Demandred war sie ein R�tsel. Zuerst hatte er geglaubt, sie w�re die reinkarnierte Lanfear. Anscheinend wurden K�rper f�r Seelenwanderungen nach dem ausgew�hlt, was gerade vorhanden war, aber Osan'gar und Aran'gar waren ein Beweis f�r den grausamen Humor des Gro�en Herrn. Er war sich dessen sicher gewesen, bis ihm Mesaana verraten hatte, dass das M�dchen schw�cher als Lanfear war. Mesaana und die anderen glaubten, sie w�rde aus diesem Zeitalter stammen. Dennoch nannte sie al'Thor immer Lews Therin, genau wie Lanfear es getan hatte, und sie sprach von den Choedan Kai wie jemand, der mit dem Schrecken vertraut war, den sie w�hrend des Krieges der Macht verbreitet hatten. Allein Baalsfeuer war noch gef�rchteter gewesen, und das auch nicht sehr. Oder hatte Moridin ihr das f�r seine eigenen Zwecke beigebracht? Vorausgesetzt, er verfolgte �berhaupt eigene Pl�ne. Es hatte immer Phasen gegeben, in denen die Handlungen dieses Mannes vom Wahnsinn diktiert worden waren.</p><p>�Dann sieht es wohl so aus, als m�sste er doch get�tet werden�, sagte Demandred. Es fiel ihm nicht leicht, seine Befriedigung /u verbergen. Rand al'Thor oder Lews Therin Telamon, er w�rde ruhiger schlafen, wenn der Kerl tot war. �Bevor er die Welt und uns zerst�ren kann. Dies macht es noch wichtiger, ihn zu finden.�</p><p>�Ihn t�ten?� Moridin bewegte die H�nde, als w�rde er etwas abw�gen. �Falls es n�tig werden wird, ja�, sagte er schlie�lich. �Aber ihn zu finden ist kein Problem. Wenn er den Choedan Kai ber�hrt, werdet ihr wissen, wo er ist. Und ihr werdet euch dorthin begeben und ihn holen. Oder ihn t�ten, falls es nicht anders geht. Der Nae'blis hat gesprochen.�</p><p>�Wie der Nae'blis befiehlt�, sagte Cyndane eifrig und senkte den Kopf. Das Echo dieser Worte hallte durch den Raum, auch wenn Aran'gar m�rrisch, Osan'gar verzweifelt und Graendal seltsam nachdenklich klang.</p><p>Den Kopf zu senken schmerzte Demandred genauso sehr, wie diese Worte auszusprechen. Also w�rden sie sich al'Thor holen � w�hrend er versuchte, die Choedan Kai zu benutzen, das m�sste man sich einmal vorstellen, w�hrend er und irgendeine Frau genug von der Einen Macht tranken, um ganze Kontinente zu zerschmelzen! �, aber es hatte keinen Hinweis gegeben, dass Moridin ihnen zur Seite stehen w�rde. Oder seine Scho�tiere Moghedien und Cyndane. Im Augenblick war der Mann Nae'blis, aber vielleicht konnte man die Dinge so arrangieren, dass f�r ihn bei seinem n�chsten Tod kein neuer K�rper zur Verf�gung stand. Und vielleicht konnte man es sogar bald arrangieren.</p></section><section><title><p>14</p><p>Was ein Schleier verbirgt</p></title><p>Die <emphasis>Sieg von Kidron</emphasis> rollte in ein tiefes Wellental und lie� die vergoldeten Lampen der Heckkabine an ihren Aufh�ngungen schwingen, aber Tuon sa� ganz ruhig da, w�hrend das Rasiermesser in Selucias sicherer Hand �ber ihre Kopfhaut glitt. Die hohen Heckfenster gaben den Blick auf die anderen Gro�schiffe frei, welche die graugr�ne D�nung in wei� aufstiebenden Gischtwolken durchbrachen, Hunderte von ihnen, die sich Bug an Bug bis zum Horizont erstreckten. Viermal so viel waren in Tanchico zur�ckgelassen worden. Die <emphasis>Rhyagelle,</emphasis> die, die in die Heimat zur�ckgekehrt waren. Die <emphasis>Corenne,</emphasis> die Wiederkehr, hatte begonnen.</p><p>Ein dahingleitender Albatros schien der <emphasis>Kidron zu</emphasis> folgen, in der Tat ein Omen des Sieges, auch wenn die langen Fl�gel des Tieres schwarz statt wei� waren. Es musste trotzdem das Gleiche bedeuten. Omen ver�nderten sich nicht, nur weil sich die Gegend �nderte. Ein Eulenruf zur Morgend�mmerung verk�ndete den Tod und Regen ohne Wolken einen unerwarteten Besucher, egal, ob man in Imfaral oder Noren M'Shar war.</p><p>Das morgendliche Ritual mit dem Rasiermesser ihrer Ankleidedame war beruhigend und genau das, was sie heute brauchte. Am vergangenen Abend hatte sie von Wut erf�llt einen Befehl gegeben. Kein Befehl sollte von Wut erf�llt gegeben werden. Sie f�hlte sich beinahe <emphasis>sei'mosiev,</emphasis> als h�tte sie ihre Ehre verloren. Ihr Gleichgewicht war gest�rt, und das war ein genauso schlechtes Vorzeichen f�r die R�ckkehr wie der Verlust von <emphasis>Sei'taer,</emphasis> Albatros oder kein Albatros.</p><p>Selucia wischte mit einem feuchten Tuch den letzten Rest Rasierseife ab, benutzte dann ein trockenes Tuch und puderte schlie�lich Tuons glatte Kopfhaut mit einem Pinsel ein. Als ihre Ankleidedame schlie�lich zur�cktrat, erhob sich Tuon und lie� ihren aufwendig bestickten blauen Seidenmorgenmantel auf den mit golden und blauen Mustern verzierten Teppich fallen. Sofort rief die kalte Luft eine G�nsehaut auf ihrer dunklen nackten Haut hervor. Vier ihrer zehn Zofen erhoben sich anmutig von der Stelle, wo sie an der Wand gekniet hatten; ihre hauchzarten wei�en Gew�nder betonten ihre schlanken, anmutigen Glieder. Sie alle waren sowohl ihres Erscheinungsbildes als auch ihrer Fertigkeiten wegen gekauft worden und sie waren sehr geschickt. W�hrend der langen Reise von Seanchan hatten sie sich an die Bewegungen des Schiffs gew�hnt, und sie eilten los, um die auf den Truhen bereitgelegten Kleidungsst�cke zu holen und sie Selucia zu bringen. Selucia erlaubte den <emphasis>Da'covale</emphasis> niemals, ihr tats�chlich etwas anzuziehen, nicht mal die Str�mpfe oder die Schuhe.</p><p>Als sie ein mit Falten versehenes Gewand von der Farbe gealterten Elfenbeins �ber Tuons Kopf schob, konnte die junge Frau nicht widerstehen, sie in dem hohen Spiegel, der an der Innenwand befestigt war, verstohlen zu mustern. Die blonde Selucia war eine vornehme, hellh�utige Sch�nheit mit k�hlen blauen Augen. W�re ihre linke Kopfseite nicht glatt rasiert gewesen, h�tte sie jeder f�r eine hochrangige Angeh�rige des Blutes halten k�nnen und nicht f�r eine <emphasis>So'jhin.</emphasis> Ein Gedanke, der die Frau bis ins Mark ersch�ttert h�tte. Allein die Vorstellung, �ber die ihr zugeteilte Stellung hinauszutreten, h�tte ausgereicht, Selucia zu erschrecken. Tuon wusste, dass sie selbst niemals eine so dominierende Ausstrahlung haben w�rde. Ihre Augen waren zu gro� und von einem feuchten Braun. Wenn sie verga�, eine strenge Miene zu machen, war ihr herzf�rmiges Gesicht das eines schelmischen Kindes. Ihr Scheitel reichte kaum bis an Selucias Augen, obwohl ihre Ankleidedame keine gro�e Frau war. Tuon konnte im Sattel mit den besten mithalten, sie war eine hervorragende Ringerin und verstand mit den zu ihr passenden Waffen umzugehen, aber ihren Verstand hatte sie st�ndig trainieren m�ssen, wenn sie jemanden beeindrucken wollte. Sie hatte dieses Werkzeug einer so harten Ausbildung unterzogen wie alle anderen Fertigkeiten zusammen. Wenigstens betonte der breite, aus Goldf�den geflochtene G�rtel ihre Taille genug, damit sie nicht f�r einen Jungen in Frauenkleidung gehalten wurde. M�nner sahen auf, wenn Selucia vorbeiging, und Tuon hatte geh�rt, wie man leise Bemerkungen �ber ihre vollen Br�ste machte. Vielleicht hatte das ja nichts mit einer dominierenden Ausstrahlung zu tun, aber es w�re sch�n gewesen, etwas mehr Busen zu haben.</p><p>�Das Licht erleuchte mich�, murmelte Selucia und klang am�siert, als die <emphasis>Da'covale</emphasis> zur�ckeilten, um sich wieder vor der Wand hinzuknien. �Seit dem Tag, an dem Euer Kopf das erste Mal rasiert wurde, habt Ihr das jeden Morgen getan. Glaubt Ihr nach drei Jahren immer noch, dass ich ein paar Stoppeln �brig lasse?�</p><p>Tuon wurde sich bewusst, dass sie �ber ihren kahlen Kopf gestrichen hatte. Auf der Suche nach Stoppeln, wie sie sich reum�tig eingestand. �Wenn du das getan h�ttest�, erwiderte sie mit vorget�uschtem Ernst, �h�tte ich dich pr�geln lassen. Die Vergeltung f�r all die Male, die du mich mit der Rute geschlagen hast.�</p><p>Selucia legte eine Kette aus Rubinen um Tuons Hals und lachte. �Wenn Ihr mir das heimzahlt, werde ich niemals wieder sitzen k�nnen.�</p><p>Tuon l�chelte. Selucias Mutter hatte sie Tuon als Wiegengeschenk gegeben, um ihre Amme und, viel wichtiger, ihr Schatten zu sein, eine Leibw�chterin, von der niemand wusste. Die ersten f�nfundzwanzig Jahre von Selucias Leben waren der Ausbildung f�r diese Aufgaben gewidmet gewesen; f�r die zweite war sie im Geheimen trainiert worden. An Tuons sechzehntem Namensgebungstag hatte sie Selucia die traditionellen Geschenke ihres Hauses �berreicht, ein kleines Anwesen f�r die F�rsorglichkeit, die sie bewiesen hatte, ein Pardon f�r die Z�chtigungen, die sie ausgeteilt hatte, und einen Beutel mit hundert Goldthrone f�r jedes Mal, das sie ihren Sch�tzling hatte bestrafen m�ssen. Die Angeh�rigen des Blutes, die sich versammelt hatten, um Zeuge ihres ersten Auftritts als Erwachsene zu werden, waren von den vielen Beuteln voller M�nzen beeindruckt gewesen; sie �berstiegen bei weitem die Zahl, die die meisten Hand an ihresgleichen h�tten legen k�nnen. Sie war ein... aufs�ssiges Kind gewesen, ganz zu schweigen von ihrer Sturheit. Und das letzte traditionelle Geschenk: das Angebot f�r Selucia, sich auszusuchen, wo sie als N�chstes dienen wollte. Tuon vermochte nicht zu sagen, wer erstaunter gewesen war, sie oder die versammelte Menge, als die w�rdevolle Frau Macht und Autorit�t den R�cken zuwandte und stattdessen darum bat, Tuons Ankleidedame zu werden, ihre Erste Zofe. Und nat�rlich weiterhin ihr Schatten, obwohl das der �ffentlichkeit verborgen blieb. Tuon war begeistert gewesen.</p><p>�Vielleicht in kleinen Dosen, verteilt �ber die n�chsten sechzehn Jahre�, sagte sie. Sie sah sich im Spiegel an und hielt ihr L�cheln lange genug bei, um sicherzugehen, dass ihre Worte nicht verletzten, dann ersetzte sie es durch Strenge. Sie f�hlte f�r die Frau, die sie aufgezogen hatte, mit Sicherheit mehr Zuneigung als f�r ihre leibliche Mutter, die sie vor dem Eintritt in ihr Erwachsenendasein nur zweimal im Jahr gesehen hatte, oder f�r ihre Br�der und Schwestern. Von ihren ersten Schritten an war sie gelehrt worden, um die Gunst der Mutter zu k�mpfen. Bis jetzt waren zwei von ihnen in diesem Kampf gestorben und drei hatten versucht, sie zu t�ten. Eine Schwester und ein Bruder waren zu <emphasis>Da'covale</emphasis> gemacht worden, und man hatte ihre Namen so entschieden aus den Chroniken gestrichen, als h�tte man entdeckt, dass sie die Macht lenken konnten. Selbst jetzt war ihre Stellung noch alles andere als sicher. Ein einziger Fehltritt konnte ihren Tod bedeuten oder, noch schlimmer, dass man sie nackt auszog und auf dem �ffentlichen Sklavenmarkt verkaufte. Das Licht sei gesegnet � wenn sie l�chelte, sah sie noch immer wie sechzehn aus! H�chstens!</p><p>Kichernd wandte sich Selucia ab, um die eng sitzende Haube aus goldener Spitze von ihrem rot lackierten St�nder auf dem Ankleidetisch zu holen. Die sparsam verarbeitete Spitze w�rde den gr��ten Teil ihres kahl geschorenen Kopfes entbl��en und sie mit den Raben-und-Rosen kennzeichnen. Vielleicht war sie ja gar nicht <emphasis>sei'mosiev,</emphasis> aber um der <emphasis>Corenne</emphasis> willen musste sie ihr Gleichgewicht wiederfinden. Sie konnte Anath, ihre <emphasis>Soe'feia,</emphasis> darum bitten, ihr eine Strafe aufzuerlegen, aber seit Neferis unerwartetem Tod waren keine zwei Jahre vergangen, und sie f�hlte sich bei ihrem Ersatz noch immer nicht ganz wohl. Etwas sagte ihr, dass sie das allein tun musste. Vielleicht hatte sie ein Omen gesehen, das sie nicht beachtet hatte. Vermutlich gab es keine Ameisen auf dem Schiff, aber doch bestimmt irgendwelche K�fer.</p><p>�Nein, Selucia�, sagte sie leise. �Einen Schleier.�</p><p>Selucias Lippen verzogen sich missbilligend, aber sie st�lpte die Haube wortlos auf ihren St�nder. Unter vier Augen, so wie jetzt, hatte sie die Erlaubnis, frei zu sprechen, aber sie wusste, was man aussprechen durfte und was nicht. Tuon hatte sie nur zweimal bestrafen m�ssen, und das Licht war ihr Zeuge, sie hatte es genauso sehr bedauert wie Selucia. Wortlos holte ihre Ankleidedame einen langen, durchsichtigen Schleier, wand ihn um Tuons Kopf und befestigte ihn mit einem schmalen Band aus rubinenbesetztem Goldgeflecht. Der Schleier war noch durchsichtiger als die Gew�nder der <emphasis>Da'covale</emphasis> und verbarg ihr Gesicht nicht im mindesten. Aber er verbarg das, was am wichtigsten war.</p><p>Nun legte Selucia einen langen, goldbestickten blauen Umhang auf Tuons Schultern, trat zur�ck und machte eine so tiefe Verbeugung, dass das Ende ihres goldblonden Zopfes den Teppich ber�hrte. Die knienden <emphasis>Da'covale</emphasis> neigten die Gesichter bis auf den Boden. Die Zeit f�r Privatangelegenheiten war vorbei. Tuon verlie� die Kabine allein.</p><p>In der zweiten Kabine standen sechs <emphasis>Sul'dam,</emphasis> drei auf jeder Seite, deren Schutzbefohlene vor ihnen auf den breiten, polierten Planken knieten. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> nahmen bei ihrem Anblick Haltung an, so stolz wie die silbernen Blitze auf den roten Stoffrechtecken auf ihren R�cken. Die in Grau gekleideten <emphasis>Damane</emphasis> knieten aufrecht, von ihrem eigenen Stolz erf�llt. Bis auf die arme Lidya, die zusammengesunken auf den Knien hockte und versuchte, das tr�nennasse Gesicht auf das Deck zu pressen. lanelle, die die Leine der rothaarigen <emphasis>Damane</emphasis> hielt, starrte stirnrunzelnd auf sie herab.</p><p>Tuon seufzte. Lidya war f�r ihre Wut am gestrigen Abend verantwortlich gewesen. Nein, sie hatte sie ausgel�st, aber Tuon war f�r ihre eigenen Gef�hle verantwortlich. Sie hatte der <emphasis>Damane</emphasis> befohlen, ihr die Zukunft vorherzusagen, und h�tte nicht anordnen sollen, ihr mit der Rute eine Tracht Pr�gel zu verpassen, weil ihr nicht gefiel, was sie zu h�ren bekam.</p><p>Sie beugte sich vor, nahm Lidyas Kinn in die Hand, legte die langen, rot lackierten Fingern�gel auf die sommersprossige Wange der <emphasis>Damane</emphasis> und zog sie hoch, bis sie auf den Fersen sa�. Was ein Zusammenzucken und frische Tr�nen hervorrief, die Tuon abwischte, w�hrend sie die <emphasis>Damane</emphasis> hochzog, bis sie kniete. �Lidya ist eine gute <emphasis>Damane,</emphasis> lanelle�, sagte sie. �Bestreicht ihre Striemen mit Sorfatinktur und gebt ihr L�wenherz gegen die Schmerzen, bis sie verschwunden sind. Und <emphasis>bis</emphasis> sie verschwunden sind, soll sie zu jeder Mahlzeit einen s��en Vanillekuchen bekommen.�</p><p>�Wie die Hochlady befiehlt�, erwiderte lanelle f�rmlich, aber sie l�chelte schmal. Alle <emphasis>Sul'dam</emphasis> mochten Lidya, und es hatte ihr nicht gefallen, die <emphasis>Damane</emphasis> zu bestrafen. �Sollte sie fett werden, werde ich sie rennen lassen, Hochlady.�</p><p>Lidya drehte den Kopf, um Tuons Handfl�che zu k�ssen, und murmelte: �Lidyas Herrin ist freundlich. Lidya wird nicht fett.�</p><p>Tuon schritt die beiden Reihen ab, sprach ein paar Worte zu jeder <emphasis>Sul'dam</emphasis> und t�tschelte jede <emphasis>Damane.</emphasis> Die sechs, die sie mitgebracht hatte, waren ihre besten, und sie strahlten sie mit einer Zuneigung an, die jener gleichkam, die sie f�r sie empfand. Sie hatten eifrig darum gek�mpft, erw�hlt zu werden. Dali und Dani, beide pummelig und blond, zwei Schwestern, die kaum die Anleitung einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> brauchten. Charral, deren Haare so grau wie ihre Augen waren, die aber noch immer die geschickteste im Wirken eines Gewebes war. Sera, die rote Schleifen in ihren dichten schwarzen Locken trug, die st�rkste von ihnen und so stolz wie eine <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Tiny Mylen, die noch kleiner als selbst Tuon war. Mylen war Tuons ganz besonderer Stolz.</p><p>Viele hatten es seltsam gefunden, als Tuon sich bei Erreichen des Erwachsenenalters als <emphasis>Sul'dam</emphasis> hatte testen lassen, obwohl ihr damals niemand widersprechen konnte. Mit Ausnahme ihrer Mutter, die es erlaubte, indem sie geschwiegen hatte. Nat�rlich war es undenkbar f�r sie, <emphasis>Sul'dam</emphasis> zu werden, aber sie fand in der Ablichtung von <emphasis>Damane</emphasis> genauso viel Freude wie in der von Pferden, und sie war in einem so gut wie im anderen. Mylen war der Beweis daf�r. Als Tuon sie auf den Docks von Shon Kifar gekauft hatte, war die blasse kleine <emphasis>Damane</emphasis> vor Furcht und Verzweiflung halb tot gewesen und hatte jegliche Nahrung und Fl�ssigkeit verweigert. Alle <emphasis>Der'sul'dam</emphasis> hatten aufgegeben und ihr vorhergesagt, dass sie nicht mehr lange leben w�rde, aber jetzt l�chelte Mylen zu Tuon hoch und beugte sich vor, um ihr die Hand zu k�ssen, bevor sie die Hand ausstreckte, um der <emphasis>Damane</emphasis> �ber das dunkle Haar zu streichen. Einst nur noch Haut und Knochen, setzte sie Gewicht an. Statt sie zurechtzuweisen, verzog Catrona, die ihre Leine hielt, ihr f�r gew�hnlich strenges schwarzes Gesicht zu einem L�cheln und murmelte, Mylen sei die perfekte <emphasis>Damane.</emphasis> Es stimmte, niemand w�rde mehr glauben, dass sie sich einst Aes Sedai genannt hatte.</p><p>Bevor Tuon ging, gab sie noch ein paar Befehle, die die Ern�hrung und die �bungen der <emphasis>Damane</emphasis> betrafen. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> wussten, was sie zu tun hatten, genau wie die zw�lf anderen in Tuons Gefolge, andernfalls w�ren sie nicht in ihren Diensten gewesen, aber sie vertrat die Meinung, dass man keinem erlauben sollte, <emphasis>Damane</emphasis> zu besitzen, wenn derjenige kein ausgepr�gtes Interesse f�r sie aufbrachte. Sie kannte die Eigenarten einer jeden von ihnen so gut wie ihr eigenes Gesicht.</p><p>In der �u�eren Kabine nahm die Totenwache in ihren in Blutrot und fast schwarzem Gr�n lackierten R�stungen bei ihrem Eintritt Haltung an. Das hei�t, sie nahmen Haltung an, wenn Statuen Haltung annehmen konnten. Diese hartgesichtigen M�nner und f�nfhundert andere ihres Schlages waren pers�nlich f�r Tuons Sicherheit verantwortlich. Sie alle w�rden sterben, um sie zu besch�tzen. Sie w�rden sterben, wenn sie starb. Jeder Mann hatte sich freiwillig gemeldet, hatte darum gebeten, ihrer Leibwache beitreten zu d�rfen. Als der grauhaarige Hauptmann Musenge den Schleier erblickte, kommandierte er nur zwei seiner M�nner dazu ab, sie an Deck zu begleiten, wo zwei Dutzend Ogier-G�rtner in Rot und Gr�n sich zu beiden Seiten des Niedergangs mit erhobenen, quastengeschm�ckten �xten aufbauten und mit grimmig blickenden Augen selbst hier nach Gefahren Ausschau hielten. Sie w�rden nicht sterben, wenn sie starb, aber sie hatten ebenfalls darum gebeten, in ihre Leibwache aufgenommen zu werden, und sie w�rde ihr Leben ohne nachzudenken jeder dieser gro�en H�nde anvertrauen.</p><p>Die gerippten Segel an den drei hohen Masten der <emphasis>Kidron</emphasis> wurden von dem kalten Wind aufgebauscht, der das Schiff dem voraus liegenden Land entgegentrieb, eine dunkle K�ste, die nahe genug war, dass sie Berge und Landzungen erkennen konnte. Das Deck war voller M�nner und Frauen. Die Angeh�rigen des Blutes trugen ihre besten Seidengew�nder und ignorierten den Wind, der ihre Umh�nge flattern lie�, genauso wie die barf��igen M�nner und Frauen der Besatzung, die zwischen ihnen umherhuschten. Einige der Adligen ignorierten die Besatzung etwas zu auff�llig, als k�nnten sie das Schiff auf den Knien oder unter st�ndigen Verbeugungen f�hren. Als das Blut Tuons Schleier bemerkte, f�hrten sie statt der Niederwerfung lediglich angedeutete Verbeugungen durch. Yuril, der Mann mit der scharf geschnittenen Nase, den alle f�r ihren Sekret�r hielten, lie� sich auf ein Knie nieder. Nat�rlich war er tats�chlich ihr Sekret�r, aber auch ihre Hand, die ihre Sucher kommandierte. Die Macura warf sich zu Boden und k�sste die Decksplanken, bevor ein paar Worte Yurils sie wieder err�tend aufstehen und ihre R�cke gl�tten lie�. Tuon hatte ihre Zweifel gehabt, sie in Tanchico in ihre Dienste aufzunehmen, aber die Frau hatte gebettelt wie eine <emphasis>Da'covale.</emphasis> Aus irgendeinem Grund hasste sie Aes Sedai bis aufs Blut, und trotz der Belohnungen, die sie f�r ihre au�erordentlich wertvollen Informationen erhalten hatte, hoffte sie, ihnen noch mehr Schaden zuzuf�gen.</p><p>Tuon neigte vor dem Blut den Kopf und stieg von den beiden M�nnern der Totenwache begleitet zum Achterdeck hoch. Der Wind machte es ihr schwer, den Umhang zu halten, und dr�ckte ihr in dem einen Augenblick den Schleier gegen das Gesicht, um ihn im n�chsten �ber ihren Kopf zu wirbeln. Es spielte keine Rolle; es reichte, dass sie ihn trug. Ihr pers�nliches Banner � zwei goldene, vor einen uralten Streitwagen angeschirrte L�wen � flatterte am Heck �ber den sechs Steuerm�nnern, die mit dem langen Ruder k�mpften. Man w�rde die Raben-und-Rosen in dem Augenblick entfernt haben, in dem der erste Matrose, der ihren Schleier entdeckt hatte, die Meldung weitergegeben hatte. Der Kapit�n der <emphasis>Kidron,</emphasis> eine breite, wettergegerbte Frau mit wei�em Haar und den unglaublichsten gr�nen Augen, verbeugte sich, als Tuon das Achterdeck betrat, und wandte ihre Aufmerksamkeit sofort wieder ihrem Schiff zu.</p><p>Anath stand von Kopf bis Fu� in schwarze Seide gekleidet an der Reling, trotz des fehlenden Umhangs schien sie der kalte Wind nicht zu st�ren. Sie war eine schlanke Frau, die selbst f�r einen Mann gro� gewesen w�re. Ihr holzkohleschwarzes Gesicht war wundersch�n, aber ihre gro�en dunklen Augen erschienen so durchbohrend wie Ahlen. Tuons <emphasis>Soe'feia,</emphasis> ihre Wahrheitssprecherin, nach Neferis Tod von der Kaiserin ernannt, mochte sie ewig leben. Das war eine �berraschung gewesen, war doch Neferis Linke Hand ausgebildet und bereit, an ihre Stelle zu treten, aber wenn die Kaiserin vom Kristallthron sprach, war ihr Wort Gesetz. Man sollte sich nicht vor seiner <emphasis>Soe'feia</emphasis> f�rchten, aber das tat Tuon, zumindest ein bisschen. Sie gesellte sich zu der Frau, ergriff die Reling und musste die H�nde wieder l�sen, bevor sie einen lackierten Nagel brach. Das h�tte b�ses Ungl�ck bedeutet.</p><p>�So�, sagte Anath und das Wort bohrte sich wie ein Nagel in Tuons Sch�del. Die gro�e Frau sah stirnrunzelnd auf sie herab und in ihrer Stimme lag Verachtung. �Ihr verbergt � in gewisser Weise � Euer Gesicht und jetzt seid Ihr nur die Hochlady Tuon. Nur dass trotzdem jeder wei�, wer Ihr wirklich seid, selbst wenn sie es nicht erw�hnen. Wie lange wollt Ihr diese Farce durchhalten?� Anaths volle Lippen verzogen sich h�hnisch und sie machte mit einer schlanken Hand eine knappe, herablassende Geste. �Ich vermute, dieser Irrsinn kommt daher, weil Ihr die <emphasis>Damane</emphasis> mit dem Stock habt pr�geln lassen. Ihr seid eine N�rrin, wenn Ihr glaubt, wegen einer solchen Kleinigkeit betr�bt sein zu m�ssen. Was hat sie gesagt, was Euch so w�tend machte? Keiner scheint das zu wissen, nur dass Ihr einen Wutanfall bekommen habt, den ich leider verpasst habe.�</p><p>Tuon zwang ihre H�nde, ruhig auf der Reling zu liegen. Sie wollten zittern. M�hsam kontrollierte sie ihre Z�ge, um weiterhin streng zu erscheinen. �Ich werde den Schleier tragen, bis ein Omen mir sagt, dass die Zeit gekommen ist, ihn wieder abzunehmen�, sagte sie und zwang ihre Stimme zur Ruhe. Es war reines Gl�ck gewesen, dass niemand Lidyas r�tselhafte Worte geh�rt hatte. Jeder wusste, dass <emphasis>Damane</emphasis> die Zukunft vorhersagen konnten, und h�tte jemand vom Blut es geh�rt, h�tten sie alle hinter vorgehaltener Hand �ber ihr Schicksal geklatscht.</p><p>Anath lachte grob und fing erneut an, ihr zu sagen, was f�r eine N�rrin sie doch war, diesmal nur ausf�hrlicher. Viel ausf�hrlicher. Sie gab sich keine M�he, ihre Stimme zu senken. Kapit�n Tehan starrte stur geradeaus, aber ihre Augen drohten ihr aus dem runzligen Gesicht zu fallen. Tuon h�rte aufmerksam zu, obwohl ihre Wangen immer hei�er wurden, bis sie f�rchtete, der Schleier w�rde gleich in Flammen aufgehen.</p><p>Viele Angeh�rige des Blutes nannten ihre Stimmen <emphasis>Soe'feia,</emphasis> aber Stimmen des Blutes waren im legalen Sinn <emphasis>So'jhin</emphasis> und wussten, dass sie bestraft werden konnten, falls ihren Besitzern missfiel, was sie sagten, selbst wenn sie <emphasis>Soe'feia</emphasis> genannt wurden. Von einem Verk�ndet der Wahrheit wurde <emphasis>verlangt,</emphasis> die nackte Wahrheit zu sagen � ob man sie nun h�ren wollte oder nicht �, und er hatte auch daf�r zu sorgen, dass man sie sich anh�rte. Diejenigen des Blutes, die ihre Stimmen <emphasis>Soe'feia</emphasis> nannten, vertraten die Meinung, dass Algwyn, der letzte Mann, der auf dem Kristallthron gesessen hatte, verr�ckt gewesen war, weil er seine <emphasis>Soe'feia</emphasis> leben und ihr Amt weiterhin bekleiden lie�, nachdem sie ihm vor dem versammelten Hof eine Ohrfeige gegeben hatte. Sie verstanden die Traditionen ihrer Familie genauso wenig wie der ungl�ubige Kapit�n. Die Mienen der M�nner der Totenwache hinter dem verbergenden Wangenschutz blieben reglos. Sie verstanden es.</p><p>�Danke, aber ich brauche keine Bu�e�, sagte sie h�flich, als Anath schlie�lich ihre Tirade beendete.</p><p>Nachdem sie Neferi damals daf�r verflucht hatte, dass sie bei so etwas Albernem wie einem Treppensturz gestorben war, hatte sie ihre neue <emphasis>Soe'feia</emphasis> gebeten, diesen Dienst f�r sie zu �bernehmen. Die Toten zu verfluchen reichte aus, um einen monatelang <emphasis>sei'mosiev</emphasis> zu machen. Die Frau war dabei auf eine seltsame Weise beinahe sanft umgegangen, obwohl sie sie dazu gebracht hatte, tagelang zu weinen. Aber das war nicht der Grund daf�r, warum sie das Angebot ablehnte; eine Bu�e musste streng sein oder sie nutzte nichts, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Nein, sie w�rde nicht den einfacheren Weg w�hlen, weil sie ihre Entscheidung getroffen hatte. Und, wie sie zugeben musste, weil sie beabsichtigte, sich dem Rat ihrer <emphasis>Soe'feia</emphasis> zu widersetzen. Ihr nicht einmal zuh�ren wollte. Selucia hatte Recht, sie war schon immer dickk�pfig gewesen. Sich zu weigern, seiner eigenen Wahrheitssprecherin zuzuh�ren, war abscheulich. Vielleicht h�tte sie es doch akzeptieren sollen, um dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. Neben dem Schiff tauchten drei lange graue T�mmler auf und stie�en Laute aus. Drei, und sie kamen nicht wieder an die Oberfl�che. Halte den von dir gew�hlten Kurs bei.</p><p>�Wenn wir an Land sind�, sagte sie, �muss die Hochlady Suroth eine Belobigung erhalten.� Halte den von dir gew�hlten Kurs bei. �Und man muss ihre Ambitionen erforschen. Sie hat mehr mit den Vorl�ufern erreicht, als sich die Kaiserin, m�ge sie ewig leben, h�tte tr�umen lassen, aber ein so gro�er Erfolg erzeugt auch oft entsprechende Ambitionen.�</p><p>�ber den Themenwechsel beleidigt, presste Anath die Lippen zusammen. Ihre Augen funkelten. �Ich bin davon �berzeugt, dass Suroth nur eine Ambition hat, n�mlich die besten Interessen des Reiches zu verfolgen�, sagte sie kurz angebunden.</p><p>Tuon nickte. Sie war sich da nicht so sicher. Diese Art von �berzeugung konnte selbst sie in den Turm der Raben bringen. Vor allem sie. �Ich muss einen Weg finden, so schnell wie m�glich einen Kontakt zum Wiedergeborenen Drachen herzustellen. Er muss vor Tarmon Gai'don vor dem Kristallthron knien oder alles ist verloren.� Das besagten die Prophezeiungen des Drachen eindeutig.</p><p>Anaths Stimmung schlug sofort um. L�chelnd legte sie beinahe besitzergreifend eine Hand auf Tuons Schulter. Das ging zu weit, aber sie war <emphasis>Soe'feia,</emphasis> und das Gef�hl, dass es besitzergreifend war, bestand m�glicherweise nur in Tuons Einbildung. �Ihr m�sst vorsichtig sein�, schnurrte Anath. �Ihr d�rft ihn nicht wissen lassen, wie gef�hrlich Ihr f�r ihn seid, bis es zu sp�t f�r ihn ist und er nicht mehr entkommen kann.�</p><p>Sie hatte noch weitere Ratschl�ge, aber Tuon lie� sie �ber sich ergehen. Sie h�rte nur mit einem Ohr zu, aber es war nichts dabei, das sie nicht schon Hunderte Male zuvor geh�rt hatte. Voraus konnte sie die Bucht eines gro�en Hafens erkennen. Ebou Dar, von wo aus sich die <emphasis>Corenne</emphasis> ausbreiten w�rde, so wie sie sich von Tanchico ausbreitete. Der Gedanke erzeugte bei ihr einen Schauder des Vergn�gens, der Erf�llung. Hinter ihrem Schleier war sie blo� die Hochlady Tuon, die keinen h�heren Rang als so viele andere Angeh�rige des Blutes einnahm, aber in ihrem Herzen war sie stets Tuon Athaem K�re Paendrag, die Tochter der Neun Monde, und sie war gekommen, um das zur�ckzufordern, was ihren Vorfahren gestohlen worden war.</p></section><section><title><p>15</p><p>Die Suche nach einem Glockengie�er</p></title><p>Der kasten�hnliche Wagen erinnerte Mat an die Wagen der Kesselflicker, kleine H�user auf R�dern, obwohl dieser mit seinen in die W�nde eingearbeiteten Werkb�nken und Vitrinen nicht zum Wohnen gedacht war. Der seltsam scharfe Geruch in seinem Inneren lie� ihn die Nase r�mpfen, er rutschte unbehaglich auf dem dreibeinigen Hocker herum, der den einzigen Sitzplatz darstellte. Sein gebrochenes Bein und die gebrochenen Rippen waren beinahe verheilt, genau wie die Schnittwunden, die er erlitten hatte, als ihm das verdammte Haus auf den Kopf gefallen war, aber gelegentlich schmerzten die Verletzungen noch immer. Au�erdem hoffte er auf Mitgef�hl. Wenn man es richtig anstellte, liebten es die Frauen, Mitgef�hl zu zeigen. Er zwang sich, nicht l�nger an dem gro�en Siegelring an seinem Finger herumzuspielen. Lass eine Frau wissen, dass du nerv�s bist, und sie bringt ihre eigene Deutung ins Spiel, und mit dem Mitgef�hl ist Schluss.</p><p>�H�rt doch, Aludra�, sagte er und zeigte sein gewinnendstes L�cheln, �mittlerweile m�sstet Ihr doch wissen, dass die Seanchaner dem Feuerwerk keinen zweiten Blick schenken. Wie ich geh�rt habe, vollbringen diese <emphasis>Damane</emphasis> etwas namens Himmelslichter, das Euer bestes Feuerwerk wie ein paar Funken aussehen l�sst. Das soll keine Beleidigung sein.�</p><p>�Ich habe dieses so genannte Himmelslicht noch nicht gesehen�, erwiderte sie absch�tzig mit ihrem starken tarabonischen Akzent. Ihr Kopf war �ber einen h�lzernen M�rser von der Gr��e eines kleinen F�sschens gebeugt, der auf einer der Werkb�nke stand. Obwohl ein breites, blaues Tuch ihr taillenlanges schwarzes Haar im Nacken zusammenhielt, fiel es nach vorn und verh�llte ihr Gesicht. Die lange wei�e Sch�rze mit den dunklen Flecken konnte nicht verbergen, wie eng sich ihr dunkelgr�nes Kleid an ihre H�ften schmiegte, aber Mat war mehr an ihrem Tun interessiert. Nun ja, es interessierte ihn genauso sehr. Sie mahlte mit einem fast armlangen h�lzernen St��el ein grobes schwarzes Pulver. Das Pulver hatte eine gewisse �hnlichkeit mit dem, das er in aufgeschnittenen Feuerwerksk�rpern gesehen hatte, aber er kannte noch immer nicht seine Zusammensetzung. �Wie dem auch sei�, fuhr sie fort, ohne sich seines forschenden Blickes bewusst zu sein, �ich werde Euch keine Gildegeheimnisse verraten. Das m�sst Ihr doch verstehen, oder?�</p><p>Mat zuckte innerlich zusammen. Seit ein zuf�lliger Besuch bei Valan Lucas Wanderzirkus enth�llt hatte, dass sie hier in Ebou Dar war, hatte er sie tagelang bearbeitet, um sie an diesen Punkt zu bringen, und die ganze Zeit hatte er bef�rchtet, dass sie die Gilde der Feuerwerker ins Spiel bringen w�rde. �Aber Ihr seid doch gar keine Illuminatorin mehr, schon vergessen? Sie haben Euch rausgeworfen... �h... Ihr habt gesagt, Ihr h�ttet die Gilde verlassen.� Nicht zum ersten Mal zog er in Erw�gung, sie ganz beil�ufig daran zu erinnern, dass er sie mal vor vier Gildenmitgliedern gerettet hatte, die ihr die Kehle hatten durchschneiden wollen. So etwas reichte f�r gew�hnlich aus, dass die meisten Frauen einem um den Hals fielen, einen mit K�ssen bedeckten und anboten, was auch immer man haben wollte. Aber nach ihrer Rettung hatte es keine K�sse gegeben, also war es unwahrscheinlich, dass sie jetzt damit anfangen w�rde. �Wie dem auch sei�, fuhr er leichthin fort, �Ihr m�sst Euch keine Sorgen wegen der Gilde machen. Wie lange stellt Ihr jetzt Nachtblumen her? Und keiner ist gekommen und hat versucht, Euch davon abzuhalten. Ich gehe sogar jede Wette ein, dass Ihr nie wieder einen anderen Feuerwerker seht.�</p><p>�Was habt Ihr geh�rt?�, fragte sie ruhig, den Kopf noch immer gesenkt. Die Rotation des St��els kam beinahe zum Stillstand. �Sagt es mir.�</p><p>Ihm str�ubten sich beinahe die Haare. Warum taten Frauen so etwas? Da lie� man sich nichts anmerken, und sie st�rzten sich trotzdem auf genau das, was man verbergen wollte. �Was meint Ihr? Vermutlich h�re ich dieselben Klatschgeschichten wie Ihr. Haupts�chlich Dinge �ber die Seanchaner.�</p><p>Sie fuhr so schnell herum, dass ihr Haar wehte, riss den schweren St��el mit beiden H�nden hoch und hielt ihn �ber den Kopf. Sie war vermutlich etwa zehn Jahre �lter als er und hatte gro�e dunkle Augen und einen kleinen Mund mit vollen Lippen, die f�r ge �w�hnlich st�ndig zum K�ssen bereit waren. Er hatte ein paar Mal in Erw�gung gezogen, sie zu k�ssen. Die meisten Frauen waren nach ein paar K�ssen zug�nglicher. Aber jetzt hatte sie die Z�hne gefletscht und sah aus, als w�re sie bereit, ihm die Nase abzubei�en. �Sagt es mir!�, befahl sie.</p><p>�Ich habe unten in der N�he der Docks mit ein paar Seanchanern W�rfel gespielt�, begann er z�gernd und hielt den erhobenen St��el im Auge. Ein Mann plusterte sich auf und ging, wenn die Sache nicht ernst war, aber eine Frau konnte einem aus einer Laune heraus den Sch�del einschlagen. Davon abgesehen schmerzte seine H�fte vom langen Sitzen und war ganz steif. Er war sich nicht sicher, wie schnell er von dem Stuhl wegkommen konnte. �Ich wollte nicht derjenige sein, der es Euch sagt, aber... Die Gilde existiert nicht mehr, Aludra. Das Gildehaus in Tanchico existiert nicht mehr.� Das war das einzige richtige Haus der Gilde gewesen. Das in Cairhien war schon vor langer Zeit aufgegeben worden, und was die restlichen Feuerwerker anging, so reisten sie umher, um f�r Herrscher und Adlige Schauspiele zu veranstalten. �Sie weigerten sich, die seanchanischen Soldaten in die Anlage zu lassen, und k�mpften, als sie trotzdem eindrangen. Das hei�t, sie versuchten es. Ich wei� nicht, was genau passiert ist � vielleicht hat ein Soldat eine Laterne dorthin mitgenommen, wo er es lieber h�tte bleiben lassen sollen �, aber so weit ich es verstanden habe, ist die halbe Anlage explodiert. Das ist vielleicht �bertrieben. Aber die Seanchaner glaubten, einer der Feuerwerker h�tte die Eine Macht benutzt, und sie...� Er seufzte und versuchte mitleidsvoll zu klingen. Blut und Asche, er wollte ihr das nicht sagen! Aber sie starrte ihn finster an, die verdammte Keule erhoben, um ihm den Sch�del einzuschlagen. �Aludra, die Seanchaner haben jeden �berlebenden aus dem Gildehaus zusammengetrieben und dazu ein paar Illuminatoren, die nach Amador gekommen waren, und dazu jeden, der auch nur wie ein Feuerwerker aussah, und sie haben sie alle zu <emphasis>Da'covale</emphasis> gemacht. Das bedeutet...�</p><p>�Ich wei�, was das bedeutet!�, sagte sie heftig. Sie wandte sich wieder dem gro�en M�rser zu und schlug so hart mit dem St��el darauf ein, dass er f�rchtete, das Ding k�nnte � falls es sich tats�chlich um das Zeug handelte, das man in die Feuerwerksk�rper f�llte � explodieren. �Narren!�, murmelte sie w�tend und stie� den St��el hart nach unten. �Blinde Narren! Bei den M�chtigen muss man den Kopf ein St�ck senken und weitergehen, aber sie wollten das nicht einsehen!� Sie schniefte und fuhr sich mit dem Handr�cken �ber die Wangen. �Ihr irrt Euch, mein junger Freund. So lange noch ein Illuminator lebt, lebt auch die Gilde, und ich, ich lebe noch!� Sie sah ihn noch immer nicht an und fuhr sich erneut mit der Hand �ber die Wangen. �Und was w�rdet Ihr tun, wenn ich Euch das Feuerwerk �berlasse? Es mit einem Katapult gegen die Seanchaner schleudern?� Ihr Schnauben verriet, was sie davon hielt.</p><p>�Und was w�re, an dieser Idee so falsch?�, fragte er vorsichtig. Ein gutes Feldkatapult, ein Skorpion, konnte einen zehn Pfund schweren Stein f�nfhundert Schritte weit schleudern, und zehn Pfund Feuerwerk w�rden mehr Schaden anrichten als ein Stein. �Aber ich habe sowieso eine bessere Idee. Ich habe diese R�hren gesehen, mit denen Ihr Nachtblumen an den Himmel werft. Dreihundert Schritte oder mehr, habt Ihr gesagt. Ich wette, wenn man eine davon verst�rkt, k�nnte sie eine Nachtblume <emphasis>tausend</emphasis> Schritte weit bef�rdern.�</p><p>�Ich rede zu viel�, murmelte sie kaum h�rbar und starrte konzentriert in den M�rser. Zumindest glaubte er das verstanden zu haben, dazu kam noch irgendetwas �ber sch�ne Augen, das keinen Sinn ergab. Er beeilte sich, damit sie nicht wieder von den Gildegeheimnissen anfing. �Diese R�hren sind wesentlich kleiner als ein Katapult, Aludra. Falls man sie gut versteckt, w�rden die Seanchaner nie erfahren, wo sie abgefeuert wurden. Betrachtet es doch einfach als Rache f�r das Gildehaus.�</p><p>Sie drehte den Kopf und warf ihm einen respektvollen Blick zu. In den sich auch �berraschung mischte, aber es gelang ihm, das zu ignorieren. Ihre Augen waren rot ger�ndert, ihre Wangen wiesen Spuren von Tr�nen auf. Wenn er vielleicht den Arm um sie legte... F�r gew�hnlich wussten Frauen etwas Trost zu sch�tzen, wenn sie geweint hatten.</p><p>Er hatte noch nicht einmal den Ansatz einer Bewegung gemacht, als sie den St��el herumschwang und ihn mit einer Hand wie ein Schwert auf ihn richtete. Diese schlanken Arme mussten st�rker sein, als sie aussahen; der Holzst��el zitterte nicht einmal. <emphasis>Licht,</emphasis> dachte er, <emphasis>sie konnte doch gar nicht wissen, was ich tun wollte!</emphasis></p><p>�F�r einen, der die Abschussr�hren vor ein paar Tagen zum ersten Mal gesehen hat, ist das nicht schlecht�, sagte sie, �aber ich habe schon lange vor Euch daran gedacht. Ich hatte meine Gr�nde.� Einen Augenblick lang war ihre Stimme voller Bitterkeit, aber sie wurde wieder unbeschwerter und schlie�lich sogar am�siert. �Ich werde Euch das R�tsel stellen, da Ihr doch so schlau seid, oder etwa nicht?�, f�gte sie hinzu und hob eine Braue. Oh, da gab es auf jeden Fall etwas, das sie am�sierte! �Ihr verratet mir, wozu ich einen Glockengie�er brauchen k�nnte, und daf�r verrate ich Euch alle meine Geheimnisse. Sogar die, die Euch err�ten lassen, einverstanden?�</p><p>Das h�rte sich interessant an. Aber das Feuerwerk war wichtiger, als eine Stunde mit ihr herumzuschmusen. Welche Geheimnisse konnte sie haben, die ihn err�ten lie�en? Was das anging, w�rde er sie vermutlich �berraschen k�nnen. Nicht all die Erinnerungen der anderen M�nner, die man in seinen Kopf gezw�ngt hatte, drehten sich um Schlachten. �Ein Glockengie�er�, sagte er nachdenklich, ohne die geringste Ahnung, in welche Richtung ihn das f�hren sollte. Nicht eine jener alten Erinnerungen regte sich. �Nun, ich vermute ... ein Glockengie�er k�nnte... vielleicht...�</p><p>�Nein�, sagte sie abrupt. �Ihr werdet jetzt gehen und in zwei oder drei Tagen wiederkommen. Ich habe zu arbeiten und Ihr mit Euren Fragen und Schmeicheleien seid eine zu gro�e Ablenkung. Nein, ich will nichts h�ren! Ihr werdet jetzt gehen.�</p><p>Er erhob sich mit finsterer Miene und st�lpte sich den breitkrempigen Hut auf den Kopf. Schmeicheleien? Schmeicheleien! Blut und verdammte Asche! Beim Reinkommen hatte er seinen Umhang neben der T�r zu Boden fallen lassen, und er st�hnte leise, als er sich b�ckte, um ihn aufzuheben. Er hatte fast den ganzen Tag auf dem Stuhl gesessen. Aber vielleicht hatte er bei ihr einen kleinen Fortschritt gemacht. Und wenn er das R�tsel l�sen konnte, dann sowieso. Alarmglocken. Gongs, die die Stunde schlugen. Es ergab keinen Sinn.</p><p>�Ich k�nnte mir vorstellen, einen so schlauen jungen Mann wie Euch zu k�ssen, w�rdet Ihr nicht einer anderen geh�ren�, murmelte sie in entschieden warmem Tonfall. �Ihr habt ein so knackiges Hinterteil.�</p><p>Er schoss hoch, hielt ihr aber weiterhin den R�cken zugewandt. Die Hitze in seinem Gesicht war pure Emp�rung, aber er war davon �berzeugt, dass sie es als Err�ten auslegen w�rde. Normalerweise konnte er seine Kleidung vergessen, solange es niemand ansprach. In den Schenken hatte es da den einen oder anderen Zwischenfall gegeben. Als er mit dem geschienten Bein und verbundenen Rippen und von Kopf bis Fu� mit Verb�nden versehen flach auf dem R�cken lag, hatte Tylin seine Kleidung versteckt. Er hatte noch immer nicht herausgefunden, wo sie war, aber mit Sicherheit war sie versteckt und nicht verbrannt. Schlie�lich w�rde sie ihn ja wohl nicht f�r alle Zeiten festhalten wollen. Von seinen Sachen waren nur noch der Hut und das schwarze Seidentuch, das er um den Hals trug, �brig geblieben. Und das Medaillon aus Silber, das einen Fuchskopf darstellte, das unter seinem Hemd an einem Lederband hing. Und seine Messer; ohne die h�tte er sich wirklich verloren gef�hlt.</p><p>Als er es endlich geschafft hatte, aus dem verdammten Bett zu kriechen, hatte das verfluchte Weibsst�ck f�r ihn neue Kleider anfertigen lassen, und sie hatte dabei zugesehen, wie die verfluchte Schneiderin seine Ma�e nahm! Die schneewei�en Spitzenr�schen an seinen �rmeln verbargen verdammt noch mal beinahe seine H�nde, wenn er nicht Acht gab, und noch mehr von dem Zeug quoll verflucht noch mal aus seinem Halsausschnitt und reichte fast bis zur Taille. Tylin mochte Spitze an einem Mann. Sein Umhang war von flammendem Scharlachrot � so rot wie die zu engen Hosen �, und mit goldenen Schn�rkeln und � ausgerechnet! � wei�en Rosen abgesetzt. Ganz zu schweigen von dem wei�en Oval auf seiner linken Schulter mit dem gr�nen Schwert und dem Anker von Haus Mitsobar. Sein Mantel war blau genug, um einem Kesselflicker zu geh�ren, und zu allem �berfluss zogen sich goldene und rote tairenische Labyrinthe quer �ber die Brust und die �rmel entlang. Mat erinnerte sich ungern daran, was er hatte durchmachen m�ssen, nur um Tylin davon zu �berzeugen, auf die Perlen und Saphire und das Licht allein wusste was noch zu verzichten. Und er war kurz. Unanst�ndig kurz! Auch Tylin liebte sein verdammtes Hinterteil, und es schien ihr egal zu sein, wer es noch sah!</p><p>Er r�ckte den Umhang auf den Schultern zurecht �wenigstens er verh�llte etwas � und nahm den schulterhohen Wanderstab, der neben der T�r lehnte. Seine H�fte und sein Bein w�rden wehtun, bis er den Schmerz durch Laufen verdr�ngte. �Dann bis in zwei oder drei Tagen�, sagte er mit so viel W�rde, wie er aufbringen konnte.</p><p>Aludra lachte leise. Aber nicht leise genug, dass er es nicht mitbekam. Licht, eine Frau konnte mehr mit einem Lachen anstellen als ein Schl�ger von den Docks mit einer Tirade voller Fl�che! Mit der gleichen Absicht.</p><p>Sobald er einige der an dem Wagen befestigten Stufen hinkend hinuntergestiegen war, schlug er die T�r zu. Der nachmitt�gliche Himmel sah genauso aus wie am Morgen, grau und st�rmisch und voll m�rrischer Wolken. Ein scharfer Wind wehte launenhaft. Altara kannte keinen echten Winter, aber das, was es hatte, reichte auch so aus. Statt Schnee gab es Eisregen und St�rme, die vom Meer heranbrausten, und zwischenzeitlich war es feucht genug, um die K�lte noch schlimmer erscheinen zu lassen. Der Boden unter den Stiefeln f�hlte sich selbst dann matschig an, wenn er trocken war. Mit gerunzelter Stirn humpelte Mat von dem Wagen fort.</p><p>Frauen! Aber Aludra war h�bsch. Und sie wusste, wie man Feuerwerk herstellte. Ein Glockengie�er? Vielleicht konnte er ja zwei kurze Tage daraus machen. Solange Aludra nicht anfing, <emphasis>ihn</emphasis> zu jagen. In letzter Zeit schienen das eine Menge Frauen zu tun. Hatte Tylin ihn irgendwie ver�ndert, sodass Frauen ihn auf dieselbe Weise wie sie verfolgten? Nein. Das war l�cherlich. Der Wind packte seinen Umhang und lie� ihn hinter sich herflattern, aber er war zu sehr in Gedanken versunken, um ihn wieder zu b�ndigen. Zwei schlanke Frauen � vermutlich Akrobatinnen � l�chelten ihn im Vorbeigehen verstohlen an und er l�chelte zur�ck und machte seinen besten Kratzfu�. Tylin hatte ihn nicht ver�ndert. Er war noch immer derselbe Mann, der er immer gewesen war.</p><p>Lucas Schauspieltruppe war f�nfzigmal gr��er, als Thom behauptet hatte, vielleicht sogar noch gr��er, ein sich ausbreitendes Durcheinander aus Zelten und Wagen mit der Fl�che eines Dorfes. Trotz des Wetters �bten eine Reihe von Darstellern im Freien. Eine Frau in einer locker fallenden wei�en Bluse und Hosen, die mindestens so eng wie die seinen waren, schwang an einem durchh�ngenden, zwischen zwei hohen Pfosten befestigten Seil auf und ab, dann warf sie sich nach vorn und schaffte es irgendwie, das Seil mit den F��en zu umklammern, bevor sie zu Boden st�rzte. Sie kr�mmte sich zusammen, um das Seil mit den H�nden zu ergreifen, zog sich zur�ck auf ihren Sitz und fing von vorn an. Nicht weit von ihr stand ein Mann mit entbl��ter Brust, der drei funkelnde B�lle �ber Arme und Schultern rollen lie�, ohne sie mit den H�nden zu ber�hren. Das war interessant. Das h�tte Mat vielleicht auch noch geschafft. Wenigstens w�rden diese B�lle einem keine Glieder brechen und bluten lassen. Davon hatte er sein Leben lang genug.</p><p>Was ihm jedoch vor allem ins Auge stach, waren die Pferdeseile. Lange Pferdeseile, hinter denen zwei Dutzend gegen die K�lte dick vermummte M�nner Dung auf Schubladen schaufelten. Hunderte von Pferden. Angeblich hatte Luca ein paar seanchanischen Tierb�ndigern Unterschlupf gew�hrt, und seine Belohnung war eine von der Hochlady Suroth pers�nlich unterzeichnete Vollmacht, die ihm erlaubte, seine Pferde zu behalten. Mats Pip war in Sicherheit, vor der von Suroth angeordneten Lotterie gerettet, weil er in den St�llen des Tarasin-Palasts stand, aber es war ihm unm�glich, den Wallach dort herauszuholen. Tylin hatte ihn so gut wie angeleint, und sie hatte nicht vor, ihn in absehbarer Zukunft wieder gehen zu lassen.</p><p>Er wandte sich ab und dachte dar�ber nach, Vanin ein paar der Zirkuspferde stehlen zu lassen, falls die Gespr�che mit Luca scheitern sollten. Nach dem zu urteilen, was Mat �ber Vanin in Erfahrung gebracht hatte, musste das f�r den seltsamen Mann so etwas wie ein Abendspaziergang sein. So fett Vanin auch war, konnte er jedes Pferd stehlen und reiten. Ungl�cklicherweise glaubte Mat nicht, l�nger als eine Meile im Sattel sitzen zu k�nnen. Trotzdem, das war etwas, wor�ber sich nachzudenken lohnte. Langsam wurde er verzweifelt.</p><p>Er hinkte weiter, betrachtete Sprungartisten und Jongleure und Akrobaten beim Training und fragte sich, wie es �berhaupt so weit hatte kommen k�nnen. Blut und Asche! Er war ein <emphasis>Ta'verenl</emphasis> Er sollte die um sich herum befindliche Welt formen! Aber stattdessen sa� er in Ebou Dar fest, war Tylins Scho�tier und Spielzeug � die Frau hatte ihn nicht einmal richtig genesen lassen, bevor sie auf ihn gesprungen war wie eine Ente auf einen K�fer! �, w�hrend es sich alle anderen gut gehen lie�en. Vermutlich herrschte Nynaeve �ber jeden in Sichtweite, w�hrend diese Kusinen ihr voller Ehrfurcht folgten. Sobald Egwene erkannt hatte, dass diese v�llig verr�ckten Aes Sedai, die sie zur Amyrlin ernannt hatten, es in Wahrheit gar nicht so meinten, standen Talmanes und die Bande der Roten Hand bereit, sie wegzuschaffen. Licht, so wie er Elayne kannte, trug sie mittlerweile die Rosenkrone! Rand und Perrin lungerten vermutlich in irgendeinem Palast vor einem Kaminfeuer herum, g�ssen Wein in sich rein und erz�hlten sich Witze.</p><p>Er verzog das Gesicht und rieb sich die Stirn, als in seinem Kopf ein Kaleidoskop aus Farben umherzuwirbeln schien. Das geschah in letzter Zeit, wenn er an einen der beiden M�nner dachte. Den Grund daf�r kannte er nicht und er wollte ihn auch gar nicht wissen. Er wollte einfach nur, dass es aufh�rte. Wenn er doch nur aus Ebou Dar herausgekommen w�re. Nat�rlich mit dem Geheimnis des Feuerwerks, aber er h�tte die Flucht dem Geheimnis jeden Tag vorgezogen.</p><p>Thom und Beslan waren noch genau da, wo er sie zur�ckgelassen hatte; sie tranken mit Luca vor dessen aufwendig verziertem Wagen, aber er gesellte sich nicht sofort zu ihnen. Aus irgendeinem Grund hatte Luca auf den ersten Blick eine heftige Abneigung gegen Mat Cauthon gefasst. Mat erwiderte seine Gef�hle, aber er hatte daf�r seine Gr�nde. Luca hatte ein selbstzufriedenes Gesicht und er l�chelte jede vorbeikommende Frau auf eine zweideutige Art und Weise an. Und er schien zu glauben, dass sein Anblick jede Frau auf der Welt begeisterte. Licht, der Mann war verheiratet!</p><p>Luca rekelte sich in einem vergoldeten Stuhl, den er aus einem Palast gestohlen haben musste, grinste und machte gro�spurige Gesten, die f�r Thom und Beslan bestimmt waren; die beiden sa�en zu beiden Seiten von ihm auf B�nken. Lucas hellroter Mantel und sein Umhang waren mit Sternen und Kometen bedeckt. Ein <emphasis>Kesselflicker</emphasis> w�re vor Scham err�tet! Sein Wagen h�tte einen Kesselflicker zum Weinen gebracht! Das Ding war nicht nur viel gr��er als Aludras Werkstattwagen, es schien zu allem �berfluss auch noch <emphasis>lackiert</emphasis> zu sein! Die Mondphasen zogen sich in unabl�ssiger Folge in Silber um seine Seiten und der Rest der rot und blau gestrichenen Oberfl�che war voller goldener Sterne und Kometen. Unter diesen Umst�nden sah Beslan in seinem mit herabsausenden V�geln bestickten Mantel und dem dazu passenden Umhang beinahe gew�hnlich aus. Thom, der gerade mit dem Handr�cken Wein aus dem Schnurrbart strich, erschien in seinem einfachen bronzefarbenen Tuch und dem dunklen Umhang richtiggehend schlicht.</p><p>Eine Person, die h�tte da sein m�ssen, war es nicht, aber mit einem schnellen Blick in die Runde entdeckte er eine Gruppe von Frauen, die in der N�he vor anderen Wagen stand. Jedes Alter war vertreten, von seinem bis zu ergrauten Haaren, aber sie alle kicherten �ber das, worum sie sich versammelt hatten. Mit einem Seufzen begab sich Mat zu ihnen.</p><p>�Oh, ich kann mich einfach nicht entscheiden�, ert�nte die piepsende Stimme eines Jungen, der in der Mitte der Frauen stand. �Wenn ich Euch ansehe, Merici, habt Ihr die sch�nsten Augen, die ich je gesehen habe. Aber wenn ich Euch ansehe, Neilyn, dann sind es Eure. Gillin, Eure Lippen sind reife Kirschen, und Adria, die Euren erwecken in mir den Wunsch, sie zu k�ssen. Und Jameine, Euer Hals ist so anmutig wie der eines Schwans...�</p><p>Mat schluckte einen Fluch herunter, beschleunigte seine Schritte, so gut es ging, und zw�ngte sich Entschuldigungen murmelnd an den Frauen vorbei. Olver stand genau in ihrer Mitte, ein kleiner blasser Junge, der posierte und eine Frau nach der anderen angrinste. Allein schon deshalb konnte sich jeden Moment eine von ihnen entscheiden, ihm so lange eins auf die Ohren zu geben, bis sie abfielen.</p><p>�Bitte verzeiht ihm�, murmelte Mat und nahm den Jungen bei der Hand. �Komm schon, Olver, wir m�ssen in die Stadt zur�ck. H�r auf, mit deinem Umhang rumzuwedeln. Er wei� eigentlich gar nicht, was er da sagt. Und ich wei� nicht, wo er solche Dinge �berhaupt aufschnappt.�</p><p>Gl�cklicherweise lachten die Frauen und strichen Olver �ber das Haar, als Mat ihn fortf�hrte. Eine murmelte doch tats�chlich, er sei ein s��er Junge! Eine andere griff mit der Hand unter Mats Umhang und kniff ihn in den Hintern. Frauen!</p><p>Sobald sie unter sich waren, warf er dem Jungen, der fr�hlich an seiner Seite ging, einen finsteren Blick zu. Olver war gewachsen, seit Mat ihn kennen gelernt hatte, aber er war noch immer klein f�r sein Alter. Und mit diesem breiten Mund und den dazu passenden Ohren w�rde er nie ein h�bscher Bursche. �Du bringst dich in echte Schwierigkeiten, wenn du so mit Frauen sprichst�, sagte Mat. �Frauen m�gen es, wenn ein Mann zur�ckhaltend ist und gute Manieren hat. Und reserviert. Reserviert und vielleicht ein bisschen sch�chtern. Kultiviere diese Qualit�ten und du wirst es richtig machen.�</p><p>Olver starrte ihn ungl�ubig an und Mat seufzte. Der Junge hatte einen Haufen Onkel, die sich um ihn k�mmerten, und abgesehen von Mat �bte jeder einen schlechten Einfluss auf ihn aus.</p><p>Thom und Beslan reichten aus, um Olvers Grinsen wiederherzustellen. Thom brachte ihm bei, wie man jonglierte und Harfe und Fl�te spielte, und Beslan unterrichtete ihn im Gebrauch des Schwerts. Seine anderen �Onkel� unterrichteten ihn in anderen Dingen, in erstaunlich unterschiedlichen Fertigkeiten. Sobald Mat seine alten Kr�fte zur�ckgewonnen hatte, wollte er ihm den Gebrauch des Kampfstabes und des Bogens von den Zwei Fl�ssen zeigen. Er wollte gar nicht wissen, was der Junge von Chel Vanin oder den Rotwaffen lernte.</p><p>Luca erhob sich bei Mats N�herkommen von seinem protzigen Stuhl und sein albernes L�cheln verblasste zu einer s�uerlichen Grimasse. Er musterte Mat von Kopf bis Fu�, warf sich den l�cherlichen Umhang mit Schwung �ber die Schulter und verk�ndete mit donnernder Stimme: �Ich bin ein viel besch�ftigter Mann. Ich habe viel zu tun. Es k�nnte sein, dass ich bald die Ehre habe, der Hochlady Suroth eine Privatvorstellung geben zu d�rfen.� Ohne ein weiteres Wort zu verlieren stolzierte er fort; er hielt den verzierten Umhang mit einer Hand fest, und die Windb�en lie�en ihn wie ein Banner flattern.</p><p>Mat packte seinen Umhang mit beiden H�nden. Ein Umhang diente zum W�rmen. Er hatte Suroth im Palast gesehen. Zwar nicht aus n�chster N�he, aber er war nahe genug dran gewesen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie auch nur einen Gedanken an <emphasis>Valan Lucas Gro�en Wanderzirkus und Pr�chtige Zurschaustellung von Mysterien und Wundern,</emphasis> wie das zwischen zwei hohen Pfosten aufgespannte Spruchband am Eingang in ellenhohen roten Buchstaben verk�ndete, verschwendete. Und falls doch, w�rde sie die L�wen fressen. Oder sie zu Tode erschrecken.</p><p>�Thom, hat er schon zugestimmt?�, fragte er leise und sah Luca stirnrunzelnd nach.</p><p>�Wir k�nnen uns ihm anschlie�en, wenn er Ebou Dar verl�sst�, sagte der Mann mit dem von Wind und Wetter gezeichneten Antlitz. �F�r einen Preis.� Er schnaubte, pustete in seinen Schnurrbart und fuhr sich gereizt mit den Fingern durch sein wei�es Haar. �F�r das, was er verlangt hat, sollten wir wie K�nige essen und schlafen, aber da ich ihn kenne, bezweifle ich das. Er h�lt uns nicht f�r Verbrecher, da wir uns noch immer frei bewegen k�nnen, aber er wei�, dass wir vor etwas auf der Flucht sind, da wir sonst auf andere Weise reisen w�rden. Ungl�cklicherweise will er fr�hestens im Fr�hling aufbrechen.�</p><p>Mat lagen mehrere ausgesuchte Fl�che auf der Zunge. Nicht vor dem Fr�hling. Das Licht allein wusste, was Tylin ihm bis zum Fr�hling angetan, wozu sie ihn gebracht haben w�rde. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee, Vanin Pferde stehlen zu lassen. �L�sst mir mehr Zeit zum W�rfeln�, sagte er, als w�rde es keine Rolle spielen. �Wenn er so viel haben will, wie du sagst, muss ich meinen Geldbeutel m�sten. Eines muss man den Seanchanern lassen, es scheint ihnen nichts auszumachen, wenn sie verlieren.� Er versuchte sein Gl�ck nicht �berzustrapazieren, und man hatte ihm nicht angedroht, ihm wegen Falschspiels die Kehle durchzuschneiden. Zumindest nicht, seit er den Palast wieder aufrecht auf zwei F��en hatte verlassen k�nnen. Zuerst hatte er geglaubt, sein Gl�ck h�tte sich verbessert, aber vielleicht war sein Dasein als <emphasis>Ta'veren</emphasis> endlich zu etwas n�tze.</p><p>Beslan sah ihn ernst an. Er war ein dunkler, schlanker Mann, etwas j�nger als Mat, und als sie sich kennen gelernt hatten, war er ein w�ster Draufg�nger gewesen, stets zu einem Zug durch die Schenken bereit, vor allem wenn er mit Frauen oder einer Rauferei endete. Doch seit der Ankunft der Seanchaner war er ernsthafter geworden. F�r ihn stellten sie eine sehr ernste Sache dar. �Meine Mutter wird nicht erfreut sein, wenn sie erf�hrt, dass ich ihrem Schatz dabei helfe, Ebou Dar zu verlassen, Mat. Sie wird mich mit einem Weibsbild verheiraten, das ein Matschauge und einen Schnurrbart wie ein tarabonischer Fu�soldat hat.�</p><p>Nach dieser ganzen Zeit zuckte Mat noch immer zusammen. Er w�rde sich nie daran gew�hnen, dass Tylins Sohn der Meinung war, dass das, was seine Mutter mit ihm machte, in Ordnung war. Nun, Beslan glaubte immerhin, dass sie etwas zu besitzergreifend war �nur etwas, wohlgemerkt! �, aber das war der einzige Grund, warum er helfen wollte. Beslan behauptete, Mat sei genau das, was seine Mutter brauchte, um sich von den �bereink�nften abzulenken, die ihr von den Seanchanern aufgezwungen worden waren! Manchmal w�nschte sich Mat, wieder in den Zwei Fl�ssen zu sein, wo er wenigstens wusste, was die anderen dachten. Manchmal tat er das tats�chlich.</p><p>�K�nnen wir jetzt in den Palast zur�ckkehren?�, fragte Olver; es war mehr eine Forderung als eine Frage. �Ich habe Leseunterricht bei Lady Riselle. Sie l�sst mich den Kopf auf ihren Busen legen, wenn sie mir vorliest.�</p><p>�Eine bemerkenswerte Leistung, Olver�, sagte Thom und strich sich den Schnurrbart, um ein L�cheln zu verbergen. Er beugte sich n�her an die beiden anderen M�nner heran und senkte die Stimme, damit der Junge seine Worte nicht mitbekam. �Mich l�sst die Frau immer Harfe spielen, bevor <emphasis>ich</emphasis> meinen Kopf auf dieses pr�chtige Kissen betten darf.�</p><p>�Riselle l�sst sich vorher von jedem unterhalten.� Beslan kicherte wissend und Thom starrte ihn erstaunt an.</p><p>Mat st�hnte. Diesmal war es weder sein Bein noch die Tatsache, dass sich in Ebou Dar anscheinend jeder Mann aussuchen konnte, an welchen Busen er sein Haupt betten wollte, mit Ausnahme von Mat Cauthon. Gerade hatten die verdammten W�rfel wieder angefangen, in seinem Kopf umherzurollen. Etwas B�ses kam auf ihn zu. Etwas sehr B�ses.</p></section><section><title><p>16</p><p>Eine unerwartete Begegnung</p></title><p>Der R�ckweg zur Stadt war l�nger als zwei Meilen und f�hrte �ber niedrige H�gel, die die Schmerzen aus Mats Bein fortmassierten und neue verursachten, bevor die M�nner eine Anh�he erklommen und Ebou Dar hinter seinen �bertrieben dicken, wei� get�nchten Mauern voraus sahen, die kein Belagerungskatapult jemals hatte bezwingen k�nnen. Die dahinterliegende Stadt war ebenfalls wei�, auch wenn es gelegentlich mit d�nnen Farbstreifen versehene Spitzkuppeln gab. Die wei� verputzten Geb�ude, die wei�en T�rme und Kuppeln und die marmornen Pal�ste schimmerten selbst an einem grauen Wintertag. Hier und da endete ein Turm in einer zerborstenen Spitze oder es war eine L�cke zu sehen, wo ein Haus zerst�rt worden war, aber in Wahrheit hatte die seanchanische Eroberung nur wenig Schaden angerichtet. Sie waren zu schnell und zu stark gewesen und hatten die Kontrolle �ber die Stadt errungen, noch bevor sich mehr als vereinzelter Widerstand formieren konnte.</p><p>�berraschenderweise war der Handel, den es zu dieser Jahreszeit gab, trotz der Eroberung der Stadt kaum eingebrochen. Die Seanchaner unterst�tzten ihn, allerdings mussten die Kaufleute und Kapit�ne und ihre Mannschaften einen Eid ablegen, demzufolge sie den Anordnungen der Vorl�ufer gehorchten, die R�ckkehr erwarteten und <emphasis>Denen, die Heimkehrten</emphasis> dienen w�rden. In der Praxis bedeutete das, dass man sein Leben gr��tenteils wie gewohnt fortf�hren konnte, also beklagten sich nur wenige. Der gro�e Hafen war jedes Mal, wenn Mat ihn sich ansah, mit mehr Schiffen gef�llt. An diesem Nachmittag hatte es den Anschein, als k�nnte er von Ebou Dar direkt hin�ber zum Rahad gehen, einem ungem�tlichen Viertel, in das er nie mehr einen Fu� setzen w�rde, wenn es sich vermeiden lie�. Als er wieder gehen konnte, war er oft hinunter zu den Docks spaziert, um sich dort umzusehen. Nicht nach den Schiffen mit den gerippten Segeln oder den Schiffen des Meervolks, die die Seanchaner neu aufriggten und mit ihren Mannschaften besetzten, sondern nach Schiffen, an deren Masten die Goldenen Bienen von Illian oder Schwert und Hand von Arad Doman oder die Halbmonde von Tear flatterten. Er tat es nicht l�nger. Heute schenkte er dem Hafen kaum einen Blick. Die in seinem Kopf umherklappernden W�rfel schienen wie Donner zu grollen. Was auch immer geschehen w�rde, er bezweifelte sehr, dass es ihm gefallen w�rde. Das tat es nur selten, wenn die W�rfel ihn warnten.</p><p>Obwohl ein stetiger Verkehrsstrom aus dem gro�en Torbogen dr�ngte und Fu�g�nger sich allem Anschein nach durch ihn hindurchschl�ngeln mussten, um hineinzugelangen, erstreckte sich eine breite Reihe aus Wagen und Ochsenkarren bis zur Anh�he, die alle in die Stadt hineinwollten und sich kaum bewegten. Jeder, der auf einem Pferd hinausritt, war ein Seanchaner, ob seine Haut nun so dunkel wie die eines der Angeh�rigen des Meervolks war oder so blass wie die eines Cairhieners, und sie ragten durch mehr aus der Menge heraus als nur durch die Tatsache, dass sie im Sattel sa�en. Einige der M�nner trugen volumin�se Hosen und seltsame, eng sitzende M�ntel mit hohen Kragen, die sich an den Hals schmiegten und bis zum Kinn reichten und an deren Vorderseite Reihen gl�nzender Metallkn�pfe funkelten, oder sie trugen aufwendig bestickte M�ntel, die fast die L�nge von Frauenkleidern hatten. Sie geh�rten dem Blut an, genau wie die Frauen in den seltsam geschnittenen Reitgew�ndern, die sich scheinbar nur aus schmalen Falten zusammenzusetzen schienen, deren abgen�hte R�cke so geschneidert waren, dass sie die farbigen Stiefel entbl��ten, und deren ausladende �rmel bis zu den F��en in den Steigb�geln reichten. Ein paar trugen Spitzenschleier, die alles bis auf ihre Augen verbargen, so dass ihre Gesichter nicht den Angeh�rigen der niederen St�nde preisgegeben wurden. Aber die meisten der Reiter trugen hell bemalte Plattenr�stungen. Einige der Soldaten waren Frauen, aber die bemalten Helme, die wie die K�pfe monstr�ser Insekten aussahen, machten sie v�llig unkenntlich. Zumindest trug keiner das Schwarz und Rot der Totenwache. Ihre Anwesenheit schien selbst bei den anderen Seanchanern Unruhe hervorzurufen, und das reichte Mat als Warnung, einen weiten Bogen um sie zu machen.</p><p>Auf jeden Fall hatte keiner der Seanchaner auch nur einen Blick f�r die drei M�nner und den Jungen �brig, die die Reihe aus wartenden Wagen und Karren entlanggingen. Nun, die M�nner gingen langsam. Olver h�pfte. Mats Bein gab ihr Tempo vor, aber er bem�hte sich, die anderen nicht sehen zu lassen, wie sehr er sich auf den Wanderstab st�tzte. F�r gew�hnlich k�ndeten die W�rfel Geschehnisse an, die er nur haarscharf �berlebte, Schlachten, ein Haus, das ihm auf den Kopf fiel. Tylin. Er f�rchtete sich vor dem, was geschehen w�rde, wenn sie diesmal fielen.</p><p>Fast alle Wagen und Karren, welche die Stadt verlie�en, wurden von Seanchanern gelenkt oder zu Fu� begleitet, die einfacher gekleidet waren als die Reiter und kaum seltsam anzuschauen waren, aber die Menschen in der Warteschlange geh�rten eher nach EbouDar oder waren Leute aus der n�heren Umgebung; es waren M�nner in langen Westen und Frauen, deren R�cke an einer Seite hochgen�ht waren, um ein bestrumpftes Bein oder farbige Unterr�cke zu enth�llen. Ihre Wagen und Karren wurden von Ochsen gezogen. In der Reihe waren vereinzelt auch Ausl�nder zu sehen, Kaufm�nner mit kleinen Reihen von Pferdefuhrwerken. Hier im S�den gab es mehr Handelsverkehr als weiter oben im Norden, wo sich die H�ndler mit verschneiten Stra�en auseinandersetzen mussten, und einige von ihnen kamen von weither.</p><p>Eine st�mmige Domani mit einem dunklen Sch�nheitsfleck auf der kupferfarbenen Wange, die einen Zug von vier Wagen anf�hrte, zog ihren gebl�mten Umhang enger um sich und starrte einen Mann finster an, der f�nf Wagen voraus neben dem Kutscher sa�, einen schmierig aussehenden Burschen, der hinter einem tarabonischen Schleier einen langen, dicken Schnurrbart verbarg. Zweifellos ein Konkurrent. Eine schlanke Kandori mit einer gro�en Perle in ihrem linken Ohr und Silberketten �ber der Brust sa� ruhig in ihrem Sattel, die behandschuhten H�nde auf dem Sattelknopf gefaltet; vermutlich wusste sie noch nicht, dass ihr grauer Wallach und ihre Zugtiere nach ihrem Eintreffen in der Stadt der Lotterie zugeteilt werden w�rden. Den Einheimischen hatte man jedes f�nfte Pferd abgenommen und um den Handel nicht zu st�ren, nahmen sie bei den Ausl�ndern jedes zehnte Pferd. Man hatte daf�r bezahlt, das schon, und zu anderen Zeiten w�re es ein gerechter Preis gewesen, aber es war nicht ann�hernd das, was der Markt bei dieser Nachfrage erzielen w�rde. Mat bemerkte Pferde immer, selbst wenn er mit den Gedanken woanders war. Ein fetter Cairhiener, dessen Mantel die gleiche graubraune Farbe wie die seiner Fahrer aufwies, br�llte w�tend wegen der Verz�gerung herum und lie� seine kastanienbraune Stute nerv�s umhert�nzeln. Die Stute hatte einen guten K�rperbau. Sie w�rde wahrscheinlich an einen Offizier gehen. Was w�rde geschehen, wenn die W�rfel zu rollen aufh�rten?</p><p>Die gro�en Stadttore hatten ihre W�chter, obwohl vermutlich nur die Seanchaner sie als solche erkannten. <emphasis>Sul'dam</emphasis> in ihren blauen Gew�ndern schl�ngelten sich mit grau gekleideten <emphasis>Damane</emphasis> an den silbrigen <emphasis>A'dam</emphasis> durch den Verkehrsstrom. Nur ein Paar h�tte ausgereicht, um jeden Tumult bis hin zu einem Frontalangriff zu unterdr�cken � und vielleicht sogar den �, aber das war nicht der wahre Grund f�r ihre Anwesenheit. In den ersten Tagen nach dem Fall von Ebou Dar � w�hrend Mat noch bettl�gerig gewesen war �hatten sie die Stadt auf der Suche nach Frauen durchk�mmt, die sie <emphasis>Mamth'damane</emphasis> nannten, und jetzt sorgten sie daf�r, dass keine hereinkam. Jede <emphasis>Sul'dam</emphasis> trug f�r alle F�lle eine zus�tzliche Leine �ber der Schulter. Weitere Paare patrouillierten auf den Docks und k�mmerten sich um jedes eintreffende Schiff und Boot.</p><p>Neben dem breiten Stadttor stellten zwanzig Fu� hohe Spie�e auf einer langen Plattform die geteerten, aber noch immer erkennbaren K�pfe von �ber einem Dutzend M�nner und zweier Frauen zur Schau, die der seanchanischen Justiz zum Opfer gefallen waren. �ber ihnen hing das Symbol f�r diese Justiz, eine Scharfrichteraxt mit schr�ger Klinge, deren Schaft in eine kompliziert geknotete Schnur geh�llt war. Ein Schild unter jedem Kopf verk�ndete das Verbrechen, dessen der Delinquent �berf�hrt worden war, Mord oder Vergewaltigung, gewaltt�tiger Raub, Angriff auf einen Angeh�rigen des Blutes. Geringere Vergehen wurden mit Geldstrafen oder Auspeitschen bestraft oder man wurde zu <emphasis>Da'covale</emphasis> gemacht. Da entschieden die Seanchaner von Fall zu Fall. Vom Blut war keiner zu sehen � diejenigen von ihnen, die die Hinrichtung verdienten, w�rde man nach Seanchan zur�ckschicken oder mit der wei�en Schnur erdrosseln �, aber drei der Verurteilten waren Seanchaner, und die Wucht ihrer Justiz fiel auf die oberen wie auch auf die unteren Schichten. Zwei Schilder mit der Aufschrift REBELLION hingen unter den K�pfen der Frauen, die die Herrin der Schiffe des Atha'an Miere und ihre Herrin der Klingen gewesen waren.</p><p>Mat war oft genug durch das Tor gegangen, um das Schauspiel kaum noch wahrzunehmen. Olver h�pfte an ihrer Seite und sang ein Kinderlied. Beslan und Thom hatten die K�pfe zusammengesteckt, und einmal schnappte Mat die Worte �riskante Sache� von Thom auf, aber ihm war egal, wor�ber sie sprachen. Dann waren sie in dem langen, d�steren Tunnel, in dem die Stra�e durch die Mauer f�hrte, und der L�rm der passierenden Wagen h�tte jedes Zuh�ren auch dann unm�glich gemacht, wenn er es gewollt h�tte. Sie hielten sich dicht an der Wand, so weit wie m�glich von den Wagenr�dern entfernt; Thom und Beslan gingen voraus und unterhielten sich leise, und Olver lief hinter ihnen her, aber als Mat wieder ins Tageslicht trat, rannte er in Thom hinein, bevor er bemerkte, dass sie alle direkt neben der Tunnelm�ndung stehen geblieben waren. Er wollte schon eine scharfe Bemerkung machen, aber dann sah er, was sie alle anstarrten. Die hinter ihnen aus dem Tunnel kommenden Fu�g�nger stie�en sie zur Seite, aber auch er konnte nur hinstarren.</p><p>Die Stra�en von Ebou Dar waren immer voller Leute, aber niemals so; es war, als w�re ein verfluchter Damm gebrochen und h�tte eine Menschenflut in die Stadt gesp�lt. Die Masse f�llte die vor ihnen liegende Stra�e von der einen bis zur anderen Seite aus und schloss kleine Herden mit ein, Vieh, wie Mat es noch nie zuvor gesehen hatte, gepunktete wei�e Rinder mit langen, nach oben gebogenen H�rnern, hellbraune Ziegen mit feinem Fell, das bis zu den Pflastersteinen reichte, Schafe mit vier H�rnern. Jede Stra�e in Sichtweite schien gleicherma�en verstopft zu sein. Wagen und Karren schoben sich qu�lend langsam durch die Menge, sofern sie sich �berhaupt bewegten, und die Fl�che und Rufe der Kutscher und Fuhrm�nner wurden beinahe von dem Stimmengewirr und dem L�rm der Tiere �bert�nt. Mat konnte keine einzelnen W�rter verstehen, aber er konnte Akzente unterscheiden. Langsame, gedehnte seanchanische Akzente. Ein paar der Neuank�mmlinge stie�en ihre Nachbarn an und zeigten auf ihn in seiner grellbunten Kleidung. Sie starrten und zeigten auf alles, so als h�tten sie noch nie zuvor eine Schenke oder einen Scherenschleiferladen gesehen, aber er fluchte trotzdem lautlos vor sich hin und zog die Hutkrempe tiefer ins Gesicht.</p><p>�Die Wiederkehr�, murmelte Thom und h�tte Mat nicht direkt neben seiner Schulter gestanden, h�tte er ihn nicht geh�rt. �W�hrend wir gem�tlich mit Luca geplaudert haben, ist die <emphasis>Corenne</emphasis> eingetroffen.�</p><p>Mat hatte diese R�ckkehr immer so verstanden, dass die Seanchaner ihre Invasion fortf�hrten, eben mit einer Armee. Eine der Kutscherinnen br�llte herum und zeigte mit ihrer langstieligen Peitsche auf ein paar Jungen, die an der Wagenseite hochgeklettert waren und an etwas herumstocherten, das wie Weinst�cke in Holzf�ssern voller Erde aussah. Ein anderer Wagen transportierte eine Druckerpresse, und ein weiterer, der es nur m�hsam schaffte, in den Tunnel einzubiegen, Ger�tschaften, die wie Brauereibottiche aussahen; au�erdem ging ein leichter Geruch nach Hopfen von ihm aus. Einige der Wagen wurden von Kisten seltsam gef�rbter H�hner und Enten und G�nse dekoriert, aber das waren keine zum Verkauf bestimmten V�gel, sondern der Viehbestand eines Bauern. Es war eine Armee, da gab es keinen Zweifel, aber nicht in der Form, wie Mat es sich vorgestellt hatte. Diese Art von Armee w�rde man schwerer bek�mpfen k�nnen als Soldaten.</p><p>�Stecht mir die Augen aus, wir m�ssen da durch!�, murmelte Beslan angewidert und stellte sich auf die Zehen, um die Menge �berblicken zu k�nnen. �Wie weit, bis wir eine freie Stra�e finden?�</p><p>Mat dachte daran, dass er es nicht erkannt hatte, als es vor seinen Augen geschehen war, der Hafen voller Schiffe. <emphasis>Voller</emphasis> Schiffe. Vielleicht zwei- oder dreimal so viele Schiffe, wie dort geankert hatten, als sie beim ersten Tageslicht zu Lucas Lager aufgebrochen waren, und einige von ihnen hatten noch unter Segeln man�vriert. Was bedeutete, dass vermutlich noch mehr darauf warteten, in den Hafen einlaufen zu k�nnen. Beim Licht! Wie viele konnten seit Tagesanbruch ihre Ladung gel�scht haben? Wie viele mussten noch entladen werden? Und beim Licht, wie viele Menschen konnten auf so vielen Schiffen transportiert werden? Und warum waren sie alle hierher gekommen statt nach Tanchico? Eine G�nsehaut lief ihm den R�cken hinunter. Vielleicht waren das noch lange nicht alle.</p><p>�Am besten versucht ihr es durch die Seitenstra�en und Gassen�, sagte er und hob die Stimme, damit sie ihn �ber den L�rm verstehen konnten. �Sonst werdet ihr den Palast nicht vor dem Abend erreichen.�</p><p>Beslan betrachtete ihn stirnrunzelnd. �Kommst du nicht mit uns? Mat, wenn du noch einmal versuchst, dir eine Schiffspassage zu erkaufen... Du wei�t, dass sie es dir diesmal nicht so ohne weiteres durchgehen lassen wird.�</p><p>Mat erwiderte das Stirnrunzeln des K�nigssohns Falte f�r Falte. �Ich will mich nur etwas umsehen�, log er. Sobald er den Palast betrat, w�rde Tylin anfangen, ihn zu herzen und zu k�ssen. Das w�re eigentlich nicht so schlimm gewesen � wenn er ehrlich war! �, aber es war ihr egal, wer Zeuge wurde, wie sie seine Wangen z�rtlich streichelte und Koseworte in sein Ohr fl�sterte, selbst wenn es sich dabei um ihren Sohn handelte. Davon abgesehen, was war, wenn die W�rfel in seinem Kopf umherzurollen aufh�rten, wenn er vor ihr stand? In letzter Zeit traf es das Wort �besitzergreifend� nicht mal mehr ann�hernd, soweit es Tylin betraf. Blut und Asche, als h�tte sich die Frau entschieden, ihn zu heiraten! Er wollte nicht heiraten, jedenfalls noch nicht, aber er wusste auch, wen er heiraten w�rde, und es handelte sich nicht um Tylin Quintara Mitsobar. Aber was konnte er tun, wenn sie sich tats�chlich dazu entschied?</p><p>Pl�tzlich fiel ihm wieder Thoms gemurmelte Bemerkung �ber die �riskante Sache� ein. Er kannte Thom und er kannte Beslan. Olver starrte die Seanchaner so staunend an, wie sie alles in ihrer Umgebung betrachteten. Er wollte n�her an sie heran, doch Mat erwischte ihn noch gerade rechtzeitig an der Schulter und stie� ihn protestierend in Thoms H�nde. �Bringt den Jungen in den Palast zur�ck und gebt ihm seinen Unterricht, wenn Riselle mit ihm fertig ist. Und vergesst, welche verr�ckte Sache euch auch immer vorschwebt. Ihr k�nntet daf�r sorgen, dass man eure K�pfe drau�en vor dem Tor zur Schau stellt, und Tylins auch.� Und den seinen. Das durfte man dabei nie vergessen!</p><p>Die beiden M�nner starrten ihn ausdruckslos an, was seinen Verdacht best�tigte.</p><p>�Vielleicht sollte ich dich begleiten�, sagte Thom schlie�lich. �Wir k�nnten reden. Du hast erstaunlich viel Gl�ck, Mat, und du hast ein gewisses Flair f�r, sagen wir, das Abenteuerliche?� Beslan nickte. Olver wand sich in Thoms Griff und versuchte all die seltsamen Leute auf der Stra�e gleichzeitig anzustarren; es k�mmerte ihn nicht, wor�ber sich die Erwachsenen unterhielten.</p><p>Mat grunzte m�rrisch. Warum wollten alle immer, dass er den Helden spielte? Fr�her oder sp�ter w�rde ihn so etwas umbringen. �Ich muss �ber nichts reden. Sie sind hier, Beslan. Wenn du ihr Kommen nicht verhindern konntest, wird es dir auch nicht gelingen, sie wieder zu vertreiben. Falls die Ger�chte stimmen, wird sich Rand um sie k�mmern.� Wieder rasten die wirbelnden Farben durch seinen Verstand und unterdr�ckten dabei einen Augenblick lang beinahe den L�rm der W�rfel. �Du hast diesen verdammten Eid geschworen, auf die Wiederkehr zu warten; wir alle haben das.� Eine Weigerung h�tte bedeutet, in Ketten gelegt zu werden und auf den Docks arbeiten oder die Abwasserkan�le des Rahads s�ubern zu m�ssen. Was es seiner Meinung nach zu keinem richtigen Eid machte. �Warte auf Rand.� Die Farben bl�hten wieder auf und verschwanden. Blut und Asche! Er musste einfach aufh�ren, an... an bestimmte Leute zu denken. Erneut wirbelten sie durcheinander. �Mit etwas Geduld k�nnte sich noch alles zum Guten wenden.�</p><p>�Mat, du verstehst nicht�, sagte Beslan wild. �Mutter sitzt noch immer auf dem Thron und Suroth behauptet, sie w�rde ganz Altara beherrschen, nicht nur das Gebiet, das wir um Ebou Dar herum halten, und vielleicht sogar noch mehr, aber Mutter musste das <emphasis>Gesicht</emphasis> in den Staub legen und einer Frau auf der anderen Seite des Aryth-Meeres die <emphasis>Lehnstreue</emphasis> schw�ren. Suroth sagt, ich sollte eine Angeh�rige ihres Blutes heiraten und die Seiten meines Kopfes rasieren und Mutter h�rt ihr zu. Suroth mag ja so tun, als w�ren sie Gleichgestellte, aber sie muss <emphasis>zuh�ren,</emphasis> wenn die Hochlady spricht. Ganz egal, was Suroth sagt, Ebou Dar geh�rt uns nicht mehr, und der Rest auch nicht. Vielleicht ist es aussichtslos, sie mit Waffengewalt zu vertreiben, aber wir k�nnen daf�r sorgen, dass das Land ihnen solche Probleme bereitet, dass sie es nicht l�nger halten k�nnen. Die Wei�m�ntel mussten das herausfinden. Frag sie doch, was �Altaranischer Mittag� f�r sie bedeutet.�</p><p>Das konnte sich Mat denken, ohne jemanden fragen zu m�ssen. Er biss sich auf die Zunge, um ihn nicht darauf hinzuweisen, dass sich mehr seanchanische Soldaten in Ebou Dar aufhielten als w�hrend des Wei�mantel-Krieges Wei�m�ntel in ganz Altara. Eine Stra�e voller Seanchaner war nicht der richtige Ort f�r eine lose Zunge, selbst wenn die meisten Bauern und Handwerker zu sein schienen. �Ich verstehe, dass du deinen Kopf auf einem Spie� enden sehen willst�, sagte er leise. So leise wie er konnte, um in diesem Get�se aus Stimmen und Viehgebl�ke und G�nsegeschnatter noch verstanden zu werden. �Du wei�t �ber ihre Lauscher Bescheid. Der Bursche da dr�ben, der wie ein Stallknecht aussieht, k�nnte einer sein, oder diese d�rre Frau da mit dem B�ndel auf dem R�cken.�</p><p>Beslan starrte die beiden, auf die Mat ihn hingewiesen hatte, so finster an, dass sie, falls sie Lauscher waren, ihn vermutlich allein schon deswegen melden w�rden. �Vielleicht wirst du es anders sehen, wenn sie Andor erreichen�, knurrte er, dr�ngte sich in die Menge und stie� jeden zur Seite, der sich ihm in den Weg stellte. Es h�tte Mat nicht �berrascht, wenn es zu einer Pr�gelei gekommen w�re. Vermutlich war der Mann sogar darauf aus.</p><p>Thom wollte sich ihm mit Olver anschlie�en, aber Mat packte ihn am �rmel. �Beruhige ihn, wenn du kannst, Thom. Und beruhige dich selbst, wenn du schon mal dabei bist. Eigentlich sollte man glauben, dass du mittlerweile genug davon hast, dich blind zu rasieren.�</p><p>�Ich habe einen k�hlen Kopf und versuche, auch diese Sache abzuk�hlen�, sagte Thom trocken. �Aber er kann nicht einfach still dasitzen; es ist seine Heimat.� Ein leises Schmunzeln erhellte kurz sein faltiges Gesicht. �Du sagst, du wirst keine Risiken eingehen, aber du wirst es doch tun. Und wenn du es tust, wirst du alles, was Beslan und ich unternehmen k�nnten, dagegen wie einen Abendspaziergang im Garten aussehen lassen. Mit dir in der N�he ist sogar der Barbier blind. Komm, Junge�, sagte er und setzte sich Olver auf die Schultern. �Riselle l�sst dich vielleicht nicht deinen Kopf an ihren Busen betten, wenn du zu sp�t zu deinem Unterricht kommst.�</p><p>Mat sah ihm stirnrunzelnd nach, als er sich entfernte und mit Olver auf den Schultern besser vorankam als Beslan. Was hatte Thom damit gemeint? Er ging nie ein Risiko ein, es sei denn, es wurde ihm aufgezwungen. Niemals. Er warf der d�rren Frau und dem Burschen mit dem Dung an den Stiefeln einen unauff�lligen Blick zu. Licht, sie konnten Lauscher sein. Jeder von ihnen. Es reichte, um bei ihm ein Jucken zwischen den Schulterbl�ttern hervorzurufen, so als w�rde man ihn beobachten.</p><p>Je n�her er zu den Docks kam, desto dichtgedr�ngter mit Menschen, Tieren und Wagen schienen die Stra�en zu sein, aber er kam dennoch ein ordentliches St�ck voran. Die Buden auf den Kanalbr�cken hatten ihre L�den geschlossen, die Stra�enh�ndler hatten ihre Decken vom Boden aufgehoben und die Jongleure und Akrobaten, die f�r gew�hnlich an jeder Stra�enkreuzung ihr Handwerk aus�bten, h�tten keinen Platz f�r ihre Kunst gehabt, wenn auch sie nicht gegangen w�ren. Es waren zu viele Seanchaner da, einfach zu viele, und vermutlich war einer von f�nfen ein Soldat, wie man eindeutig an dem harten Blick ihrer Augen und ihrer K�rperhaltung erkennen konnte, die sich so sehr von jener der Bauern und Handwerker unterschied, selbst wenn sie keine R�stung trugen. Gelegentlich kam eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit ihrer <emphasis>Damane</emphasis> die Stra�e entlang und man lie� ihnen einen geh�rigen Freiraum, der selbst noch gr��er war als der f�r die Soldaten. Das geschah nicht aus Furcht, zumindest nicht bei den Seanchanern. Man verneigte sich respektvoll vor den Frauen, deren blaue Gew�nder rote Rechtecke mit Blitzsymbolen aufwiesen, und l�chelte voller Anerkennung, wenn die Paare vorbeigingen. Beslan hatte den Verstand verloren. Keiner w�rde die Seanchaner jemals wieder vertreiben, abgesehen vielleicht von einem Heer aus Asha'man, so wie jenes, das Ger�chten zufolge vor einer Woche im Osten gegen sie angetreten war. Oder jemand, der mit den Geheimnissen der Illuminatoren bewaffnet war. Was beim Licht konnte Aludra mit einem Glockengie�er wollen?</p><p>Er gab sich M�he, nicht in Sichtweite der Docks zu gelangen. Diese Lektion hatte er gelernt. Eigentlich suchte er ein W�rfelspiel, und zwar eines, das bis sp�t in die Nacht andauern w�rde. Vorzugsweise so sp�t, dass Tylin bereits schlief, wenn er in den Palast zur�ckkehrte. Sie hatte ihm die W�rfel weggenommen und behauptet, es w�rde ihr nicht gefallen, wenn er spielte, allerdings hatte sie es getan, nachdem er sie, als er noch ans Lager gefesselt gewesen war, zu einem Liebespfand als Einsatz �berredet hatte. W�rfel lie�en sich �berall finden, und bei seinem Gl�ck war es sowieso immer besser, die W�rfel der anderen M�nner zu benutzen. Ungl�cklicherweise hatte er nach der Entdeckung, dass sie nicht im Traum daran dachte, das Liebespfand, ihn gehen zu lassen, auch einzul�sen � die Frau hatte tats�chlich so getan, als w�sste sie �berhaupt nicht, wovon er da sprach! Folglich hatte er ihr etwas von ihrer eigenen Medizin zu kosten geben. Ein schwerer Fehler, so viel Spa� es seinerzeit auch gemacht hatte. Nachdem die Liebespf�nder alle eingel�st worden waren, war sie doppelt so schlimm wie vorher.</p><p>Die Schenken und Schankr�ume der Gasth�user, die er betrat, waren allerdings genauso voll wie die Stra�en; der Platz reichte kaum aus, einen Becher zu heben, geschweige denn zum W�rfeln. Sie waren voller lachender und singender Seanchaner und finster dreinblickender Ebou Dari, welche die Seanchaner mit m�rrischem Schweigen betrachteten. Er befragte die Wirte und Schankm�gde trotzdem, ob einer einen freien Verschlag hatte, den er vermieten w�rde, aber sie alle sch�ttelten blo� den Kopf. Eigentlich hatte er auch nichts anderes erwartet. Schon vor den Neuank�mmlingen war nichts frei gewesen. Er fing an, in die gleiche d�stere Stimmung wie die ausl�ndischen Kaufleute zu verfallen, die in ihren Wein starrten und sich fragten, wie sie ohne Pferde wohl ihre Waren aus der Stadt herausbekommen sollten.</p><p>Er hatte Gold, um Luca jeden gew�nschten Preis zu bezahlen und noch mehr, aber es befand sich alles in einer Truhe im Tarasin-Palast, und er w�rde nicht den Versuch wagen, genug auf einmal mitzunehmen, nicht nachdem ihn die Palastdiener wie einen auf der Jagd erbeuteten Hirsch von den Docks <emphasis>zur�ckgetragen</emphasis> hatten. Damals hatte er blo� mit Schiffskapit�nen gesprochen; falls Tylin erfuhr � und sie w�rde es erfahren �, dass er versuchte, den Palast mit mehr Gold zu verlassen, als er f�r einen W�rfelabend brauchte... O nein! Er musste ein Zimmer haben, eine Kammer von der Gr��e eines Schrankes auf dem Dachboden irgendeines Gasthauses, egal was, wo er im Laufe der Zeit immer wieder ein paar M�nzen verstecken konnte, oder er musste Gl�ck im Spiel haben, eines von beiden. Aber ob Gl�ck oder nicht, er kam schlie�lich zu dem Schluss, dass er an diesem Tag keines von beiden finden w�rde. Und diese verdammten W�rfel rasselten noch immer in seinem Kopf herum.</p><p>Er blieb nie lange an einem Ort und das nicht nur, weil weder ein Spiel noch ein Raum zu finden waren. Seine grellbunten Kleider, die einen Kesselflicker noch besch�men w�rden, zogen Blicke auf sich. Einige Seanchaner glaubten, er sei zur Unterhaltung da, und versuchten ihn f�r eine Darbietung zu bezahlen! Beinahe h�tte er ein- oder zweimal eingewilligt, aber sie h�tten nach seinen Sangesk�nsten ihr Geld zur�ckverlangt. Einige der Ebou Dari, die lange, gekr�mmte Messer hinten im G�rtel stecken und Wut im Bauch hatten, die sie nicht an den Seanchanern auslassen konnten, dachten daran, sie an dem Hanswurst abzureagieren, dem nur noch das geschminkte Gesicht fehlte, um wie der Hofnarr eines Adligen auszusehen. Wann immer Mat sah, dass ihn solche Kerle musterten, wich er sofort auf die belebte Stra�e zur�ck. Er hatte auf die harte Weise lernen m�ssen, dass er noch nicht in der Verfassung zum K�mpfen war, und es w�rde ihm gar nichts n�tzen, wenn der Kopf seines M�rders vor dem Stadttor zur Schau gestellt wurde.</p><p>Er ruhte sich aus, wo immer er konnte, auf einem leeren Fass, das an einer Gassenm�ndung stand, auf den raren B�nken vor einer Schenke, wo noch Platz f�r eine Person war, oder auf den Steinstufen eines Geb�udes, bis die Besitzerin herauskam und ihm mit einer schwungvollen Bewegung ihres Besens den Hut vom Kopf fegte. Sein Magen hing ihm schon bis zu den Knien, und er wurde das Gef�hl nicht los, dass ihn jeder wegen seiner bunten Kleidung anstarrte. Die feuchte K�lte sickerte in seine Knochen, und die einzigen W�rfel, die es zu finden gab, donnerten wie die Hufe eines galoppierenden Pferdes in seinem Kopf herum. Er glaubte nicht, dass sie jemals so laut gewesen waren.</p><p>�Da bleibt mir wohl nichts anderes �brig, als zur�ck in den Palast zu gehen und das verdammte Scho�tier der K�nigin zu sein!�, knurrte er und benutzte den Stab, um sich von einer zerbrochenen Holzkiste, die an der Stra�enseite lag, in die H�he zu stemmen. Einige Passanten sahen ihn bereits an, als w�re sein Gesicht bemalt. Er ignorierte sie. Sie waren seine Aufmerksamkeit nicht wert. Er versetzte ihnen keinen Hieb mit dem Stab auf den Kopf, obwohl sie es verdient hatten, starrten sie einen Mann doch auf diese Weise an.</p><p>Ihm wurde bewusst, dass die Stra�en genauso �berf�llt waren wie zuvor; falls er versuchte, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, w�rde er den Palast erst weit nach Einbruch der Dunkelheit erreichen. Nat�rlich w�rde Tylin bis dahin vermutlich schon schlafen. Vielleicht. Sein Magen knurrte beinahe laut genug, um die W�rfel zu �bert�nen. Falls er zu sp�t kam, mochte sie dem K�chenpersonal befehlen, ihm nichts zu essen zu geben.</p><p>Zehn hart erk�mpfte Schritte durch die Menschenmenge und er kam zu einer schmalen und dunklen Gasse. Sie war nicht gepflastert. Der wei�e Verputz auf den fensterlosen W�nden war gesprungen und an einigen Stellen abgefallen, um die darunter liegenden Ziegel zu enth�llen. Die Luft stank nach Verfall, und auch wenn das, was unter seinen Stiefeln schmatzte, einen widerw�rtigen Geruch absonderte, hoffte er dennoch, dass es sich um Schlamm handelte. Es war niemand in Sicht. Er konnte schnell ausschreiten. Zumindest so schnell, wie er dazu f�hig war. Er konnte kaum den Tag abwarten, an dem er wieder ein paar Meilen gehen konnte, ohne keuchen zu m�ssen. Schmerzen zu haben oder sich auf einen Stock st�tzen zu m�ssen. Verwinkelte Gassen durchzogen die Stadt in einem Labyrinth, in dem man sich leicht verirren konnte, wenn man den Weg nicht kannte; die meisten von ihnen waren so schmal, dass seine Schultern beide H�userw�nde ber�hrten. Er nahm niemals eine falsche Abzweigung, selbst wenn sich eine enge, gebogene Passage pl�tzlich in drei oder sogar vier neue gabelte, die sich alle scheinbar in ungef�hr die gleiche Richtung schl�ngelten. Es hatte einige Gelegenheiten in Ebou Dar gegeben, bei denen er neugierige Blicke meiden musste, und er kannte diese Gassei} wie seine Hand. Obwohl er seltsamerweise noch immer das Gef�hl hatte, beobachtet zu werden. Aber das w�rde sich wohl kaum �ndern, solange er diese verfluchten Sachen tragen musste.</p><p>Um von einer Gasse zur anderen zu gelangen, musste er sich durch die Massen aus Menschen und Vieh k�mpfen und gelegentlich auch den Weg �ber eine Br�cke erzwingen, die wie eine solide Menschenmauer erschien, trotzdem w�rde er es noch immer in der Zeit zum Palast schaffen, die er sonst allein f�r drei Stra�en gebraucht h�tte. Als er in die dunkle Passage zwischen einer hell erleuchteten Schenke und einem geschlossenen Lackwarenladen eilte, fragte er sich, was die Palastk�che wohl vorbereitet haben w�rden. Diese Gasse war ger�umiger als die meisten, breit genug f�r drei, wenn sie freundlich gesinnt waren, und f�hrte auf den Mol Hara-Platz, der sich fast genau vor dem TarasinPalast befand. Suroth lebte dort, und seit sie die K�che nach ihrer ersten Mahlzeit hatte auspeitschen lassen, �bertrafen sie sich beinahe in ihrer Fertigkeit. M�glicherweise gab es Austern mit Sahne und vielleicht Bratfisch und Tintenfisch mit Pfeffer. Nach zehn Schritten in den Schatten trat er gegen etwas, das nicht nachgab, und er fiel mit einem Grunzen in den kalten Schlamm. Im letzten Augenblick konnte er sich noch so drehen, dass er nicht auf seinem schlimmen Bein landete. Eiskalte Fl�ssigkeit drang durch den Mantelstoff. Er hoffte, dass es Wasser war.</p><p>Da krachten von oben Stiefel auf seine Schultern und er grunzte erneut. Der Springer stolperte fluchend von ihm herunter, taumelte durch den Schlamm tiefer in die Gasse hinein, fiel auf ein Knie und schaffte es gerade noch, sich an der Schenkenwand abzust�tzen, bevor er selbst der L�nge nach hinschlug. Mats Augen waren an das D�mmerlicht gew�hnt, es reichte, um einen schlanken, unauff�lligen Mann auszumachen. Ein Mann, der scheinbar eine gro�e Narbe auf der Wange hatte. Nur dass es sich um keinen Menschen handelte. Mat hatte gesehen, wie die Kreatur seinem Freund mit der nackten Hand die Kehle herausgerissen und sich ein Messer aus der Brust gezogen und zur�ck in seine Richtung geschleudert hatte. Und w�re er gerade eben nicht gestolpert, w�re das Ding genau vor ihm gelandet, in bequemer Reichweite. Vielleicht hatte ja eine kleine ta'uerett-Beeinflussung zu seinen Gunsten gewirkt, dem Licht sei Dank! Das alles raste ihm in dem Augenblick durch den Kopf, den es dauerte, zu sehen, wie der <emphasis>Gholam</emphasis> sich an der Wand abfing und den Kopf drehte, um ihn b�se anzustarren.</p><p>Mit einem Fluch schnappte sich Mat seinen zu Boden gefallenen Wanderstab und schleuderte ihn wie einen Speer unbeholfen auf das Ungeheuer. Auf seine Beine, in der Hoffnung, es zum Stolpern zu bringen, einen Augenblick zu gewinnen. Das Ding floss zur Seite wie Wasser und entging dem Stab, dann warf es sich Mat entgegen. Aber der Aufschub hatte gereicht. Der Stab hatte noch nicht Mats Hand verlassen, als er auch schon unter dem Hemd nach dem Fuchskopf-Medaillon tastete. Er riss es heraus, und dabei ging das Lederband entzwei, an dem es hing. Der <emphasis>Gholam</emphasis> warf sich auf ihn und er schwang verzweifelt das Medaillon. Silber, das k�hl auf seiner Haut gelegen hatte, fuhr mit einem Zischen wie bratender Speck und dem Gestank nach verbranntem Fleisch �ber eine ausgestreckte Hand. Das Ding fauchte, bewegte sich so fl�ssig wie Quecksilber, versuchte dem Medaillon auszuweichen und nach Mat zu greifen. Sobald es auch nur eine Hand an ihn legte, war er so gut wie tot. Diesmal w�rde es nicht versuchen, mit ihm zu spielen, wie es das im Rahad getan hatte. In st�ndiger Bewegung traf er es mit dem Fuchskopf an der anderen Hand, dann im Gesicht, und beide Male zischte es und stank, als h�tte er es mit einem gl�henden Eisen getroffen. Der <emphasis>Gholam</emphasis> wich mit gebleckten Z�hnen zur�ck, blieb aber leicht geduckt, die H�nde zu Krallen geformt, dazu bereit, beim kleinsten Anzeichen von Schw�che zu springen.</p><p>Mat wirbelte das Medaillon unabl�ssig umher, stie� sich unsicher auf die Beine und betrachtete das Ding, das wie ein Mann aussah. <emphasis>Er will dich genauso sehr tot sehen, wie er sie will,</emphasis> hatte es ihm im Rahad mit einem L�cheln gesagt. Jetzt sprach oder l�chelte es nicht. Mat wusste nicht, wer �er� oder �sie� waren, aber alles andere war glasklar. Hier war er nun, kaum dazu in der Lage, auf eigenen Beinen zu stehen. Sein Bein und seine H�fte brannten wie Feuer, genau wie seine Rippen. Ganz zu schweigen von den Schultern, auf denen der <emphasis>Gholam</emphasis> gelandet war. Er musste zur�ck auf die Stra�e, unter Menschen. Vielleicht w�rden gen�gend Leute das Ding ablenken. Eine kleine Hoffnung, aber die einzige Hoffnung, die er sah. Er konnte das Stimmengewirr h�ren, das die Entfernung kaum d�mpfte.</p><p>Er machte einen vorsichtigen Schritt zur�ck. Sein Stiefel rutschte in etwas aus, das scheu�lich stank. Mat prallte gegen die Schenkenwand. Nur wildes Herumgefuchtel mit dem silbernen Fuchskopf hielt den <emphasis>Gholam</emphasis> zur�ck. Die Stimmen auf der Stra�e waren verf�hrerisch nah. Sie h�tten genauso gut in Barsine sein k�nnen. Barsine war seit langem tot und er w�rde es bald auch sein.</p><p>�Er ist in der Gasse!�, rief ein Mann. �Folgt mir! Beeilt Euch! Er kommt davon!�</p><p>Mat hielt seine Augen auf den <emphasis>Gholam</emphasis> gerichtet. Dessen Blick flackerte an ihm vorbei, zur Stra�e, und er z�gerte. �Ich habe den Befehl, mich keinem erkennen zu geben, nur denen, die ich ernte�, fauchte er Mat entgegen, �also wirst du noch eine Weile leben. Eine kleine Weile.�</p><p>Er fuhr herum und rannte in die Gasse, rutschte leicht in dem Schlamm aus und schien trotzdem immer noch zu flie�en, als er hinter die Schenke sprang.</p><p>Mat rannte ihm hinterher. Er h�tte daf�r keinen Grund nennen k�nnen, au�er dass das Ungeheuer versucht hatte, ihn zu t�ten und es wieder versuchen w�rde. Seine Nackenhaare str�ubten sich. Also w�rde es ihn t�ten, wenn es ihm passte? Wenn das Medaillon das Ding verletzen konnte, vielleicht konnte er es dann damit auch t�teten.</p><p>Er erreichte die Ecke der Schenke und sah den <emphasis>Gholam</emphasis> in demselben Augenblick, in dem dieser zur�ckblickte und ihn ansah. Wieder z�gerte das Ding einen Augenblick lang. Die Hintert�r der Schenke stand offen und lie� den L�rm von Zecherei h�ren. In der R�ckwand des gegen�berliegenden Geb�udes fehlte ein Stein. Die Kreatur stie� ihre H�nde in das Loch. Mat erstarrte. Sie schien kaum Waffen zu brauchen, aber wenn sie dort eine versteckt hatte... Wenn das Ding ihm mit einer Waffe entgegentrat, w�rde er es bestimmt nicht �berleben. Arme folgten H�nden, dann verschwand der Kopf des <emphasis>Gholams</emphasis> in dem Loch. Mat klappte der Mund auf. Die Brust des Ungeheuers schl�ngelte sich hindurch, dann die Beine, und schon war es verschwunden. Durch eine �ffnung, die vielleicht so gro� wie Mats beide H�nde war.</p><p>�Ich glaube nicht, dass ich jemals etwas �hnliches gesehen habe�, sagte jemand leise neben ihm, und er zuckte zusammen, als er begriff, dass er nicht l�nger allein dort stand. Der Sprecher war ein wei�haariger alter Mann mit gebeugten Schultern und einer gro�en Hakennase im traurigen Gesicht, der ein B�ndel auf dem R�cken trug. Er schob einen sehr langen Dolch in eine Scheide unter seinem Mantel.</p><p>�Ich schon�, sagte Mat in hohlem Tonfall. �In Shadar Logoth.� Manchmal trieben verloren geglaubte Teile seiner eigenen Erinnerung aus dem Nichts an die Oberfl�che; diese war gerade aufgetaucht, als er den <emphasis>Gholam</emphasis> betrachtet hatte. Es war eine Erinnerung, die besser verschollen geblieben w�re.</p><p>�Nur wenige �berleben einen Besuch dort�, sagte der alte Mann und schaute ihn an. Irgendwie kam Mat sein faltiges Gesicht bekannt vor, aber er konnte es nicht unterbringen. �Was hat Euch nach Shadar Logoth gef�hrt?�</p><p>�Wo sind Eure Freunde?�, fragte Mat. �Die Leute, denen Ihr zugerufen habt?� Sie standen allein in der Gasse. Die Ger�usche von der Stra�e drangen ungebrochen zu ihnen her�ber, doch es ert�nten keine Rufe, dass jemand davonkommen w�rde, wenn sie sich nicht beeilten.</p><p>Der Alte zuckte mit den Schultern. �Ich wei� nicht, ob jemand da drau�en geh�rt hat, was ich gerufen habe. Es ist schon schwer genug, etwas zu verstehen. Aber ich dachte, dass es den Burschen vielleicht vertreibt. Nachdem ich jedoch das hier gesehen habe...� Er zeigte auf das Loch in der Wand und lachte humorlos, was seine Zahnl�cken enth�llte. �Vielleicht habt Ihr das Gl�ck des Dunklen K�nigs auf Eurer Seite.�</p><p>Mat schnitt eine Grimasse. Er hatte das zu oft �ber sich geh�rt und es gefiel ihm nicht. Vor allem, weil er nicht wusste, ob es wom�glich stimmte. �Vielleicht�, murmelte er. �Verzeiht mir, ich sollte mich dem Mann vorstellen, der meinen Hals gerettet hat. Ich bin Mat Cauthon. Seid Ehr neu in Ebou Dar?� Das auf den R�cken geschnallte B�ndel verlieh ihm das Aussehen eines Mannes auf der Reise. �Ihr werdet es schwer haben, einen Platz zum Schlafen zu finden.� Er nahm die knorrige Hand, die der andere ihm reichte, mit Vorsicht. Sie bestand nur aus H�ckern, als w�re jeder Knochen zur gleichen Zeit gebrochen worden und schlecht geheilt. Aber sein Griff war kr�ftig.</p><p>�Ich bin Noal Charin, Mat Cauthon. Nein, ich bin schon seit einiger Zeit hier. Aber meine Schlafstelle auf dem Dachboden der <emphasis>Goldenen Ente</emphasis> wird jetzt von einem fetten illianischen �lh�ndler besetzt, der heute Morgen wegen einem seanchanischen Offizier aus seinem Zimmer geworfen wurde. Ich dachte, ich w�rde in der Gasse einen Platz zum Schlafen finden.� Er rieb sich mit einem verkr�mmten Finger die gro�e Nase und kicherte, als h�tte es keine Bedeutung, in einer Gasse schlafen zu m�ssen. �Es w�re nicht das erste Mal, dass ich unbequem schlafen muss, selbst in einer Stadt.�</p><p>�Ich glaube, da wei� ich etwas Besseres�, sagte Mat, aber der Rest von dem, was er hatte sagen wollen, erstarb auf seiner Zunge. Die W�rfel wirbelten noch immer in seinem Kopf umher. Er hatte es geschafft, sie zu vergessen, w�hrend der <emphasis>Gholam</emphasis> ihn zu t�ten versuchte, aber sie waren noch immer in Bewegung, warteten noch immer darauf zu fallen. Wenn sie ihn vor etwas Schlimmerem als dem <emphasis>Gholam</emphasis> warnen wollten, dann wollte er es nicht erfahren. Aber das w�rde er. Da bestand nicht der geringste Zweifel. Er w�rde es erfahren, wenn es zu sp�t war.</p></section><section><title><p>17</p><p>Rosafarbene Schleifen</p></title><p>Kalte Windb�en wehten �ber den Mol Hara, hoben Mats Umhang und drohten den an seiner Kleidung klebenden Schlamm zu gefrieren, als Noal und er aus der Gasse eilten. Die Sonne hing zur H�lfte verborgen hinter den Dachr�ndern und die Schatten wurden zusehends l�nger. Mat musste den Umhang gew�hren lassen, denn mit der einen Hand hielt er den Stab und mit der anderen in der Manteltasche die zerrissene Schnur des Fuchskopfes, dazu bereit, sie herauszurei�en, falls es erforderlich war. Sein K�rper schmerzte von Kopf bis Fu�, die klappernden W�rfel in seinem Kopf verk�ndeten ihre Warnung, doch er nahm beides kaum wahr. Er war viel zu sehr damit besch�ftigt, alle Richtungen auf einmal im Auge zu behalten und sich dabei zu fragen, durch ein wie kleines Loch sich das Ding wohl zw�ngen konnte. Er ertappte sich dabei, wie er die Spalten zwischen den Pflastersteinen des Platzes voller Unbehagen betrachtete. Allerdings erschien es doch eher unwahrscheinlich, dass ihn das Ungeheuer in aller �ffentlichkeit angriff.</p><p>Von den umgebenden Stra�en drang ein best�ndiger L�rm heran, aber hier rannte blo� ein Hund mit hervortretenden Rippen an dem Brunnen mit der Statue der vor langer Zeit verstorbenen K�nigin Nariene vorbei. Manche behaupteten, ihre ausgestreckte Hand zeige auf die Beute des Ozeans, die Ebou Dar reich gemacht hatte, w�hrend andere es als Warnung vor kommenden Gefahren interpretierten. Es gab auch Leute, die behaupteten, ihre Nachfolgerin h�tte die Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken wollen, dass lediglich eine Brust der Statue unbedeckt war und damit �ffentlich verk�ndet wurde, dass Nariene nur leidlich ehrlich gewesen war.</p><p>Zu einer anderen Zeit w�re der Mol Hara im Winter selbst zu dieser Stunde voller spazierender Liebesp�rchen und Stra�enh�ndler und von Hoffnung erf�llter Bettler gewesen, aber die Bettler hatten seit der Ankunft der Seanchaner erleben m�ssen, dass man sie auf den Stra�en einsammelte und ihnen eine Arbeit zuteilte, und der Rest blieb selbst im Tageslicht fort. Der Grund daf�r war der Tarasin-Palast, jener gro�e Berg aus wei�en Kuppeln und Marmorturmspitzen und schmiedeeisernen Baikonen, die Residenz von Tylin Quintara Mitsobar, Dank der Gnade des Lichts K�nigin von Altara � oder zumindest so viel von Altara, wie in ein paar Tagesritten im Umkreis von Ebou Dar zu erreichen war �, die Herrin der Vier Winde und W�chterin der See der St�rme. Und, was vielleicht noch wichtiger war, die Residenz der Hochlady Suroth Sabelle Meldarath, Befehlshaberin der Vorl�ufer der Kaiserin von Seanchan, mochte sie ewig leben. Im Augenblick war das eine viel wichtigere Position. An jedem Eingang standen Tylins Wachen mit ihren bauschigen wei�en Hosen, gr�nen Stiefeln und vergoldeten Brustpanzern �ber den gr�nen M�nteln, aber da waren auch M�nner und Frauen mit jenen insektenhaften Helmen und blaugelben oder gr�nwei�en oder in allen m�glichen anderen vorstellbaren Kombinationen gestreiften R�stungen. Die K�nigin von Altara brauchte Sicherheit und Stille f�r ihre Erholung. Zumindest behauptete das Suroth. Und wenn Suroth sagte, dass Tylin es so wollte, dann wollte Tylin es nach kurzer Zeit auch tats�chlich.</p><p>Nach kurzem �berlegen ging Mat mit Noal zu einem der Tore, die zu den Stallungen f�hrten. Dort bestand eine gr��ere Chance, einen Fremden hereinzubringen, als wenn er die gro�e Marmortreppe benutzte, die auf den Platz hinunter f�hrte. Ganz zu schweigen von einer Gelegenheit, den Schlamm loszuwerden, bevor er Tylin gegen�bertreten musste. Als er das letzte Mal nach einer Wirtshausschl�gerei zerzaust zur�ckgekommen war, hatte sie ihr Missfallen deutlich zum Ausdruck gebracht.</p><p>Eine Hand voll Ebou Dari-Wachen standen mit Hellebarden auf der einen Seite des offenen Tores und auf der anderen befand sich die gleiche Anzahl Seanchaner mit quastengeschm�ckten Speeren; sie alle standen so steif wie Narienes Statue.</p><p>�Des Lichts Segen f�r alle�, murmelte Mat h�flich an die Ebou Dari gewandt. Es war immer besser, Ebou Dari mit H�flichkeit gegen�berzutreten, solange man sie nicht gut kannte. Und danach ebenfalls, was das anging. Trotzdem waren sie viel... flexibler als die Seanchaner.</p><p>�Und f�r Euch, mein Lord�, erwiderte ihr st�mmiger Offizier und trat vor. Mat erkannte ihn. Surlivan Sarat, ein anst�ndiger Bursche, immer zu einer schlagfertigen Bemerkung bereit und mit einem guten Auge f�r Pferde. Surlivan sch�ttelte den Kopf und klopfte mit dem d�nnen, vergoldeten Stab, dem Zeichen seines Amtes, gegen die Seite seines spitzen Helms. �Wart Ihr schon wieder in einen Kampf verwickelt, mein Lord? Sie wird wie eine Wasserfont�ne in die Luft gehen, wenn sie Euch sieht.�</p><p>Mat nahm aufgebracht die Schultern zur�ck und versuchte, sich nicht zu offensichtlich auf seinen Stab zu st�tzen. Immer zu einer schlagfertigen Bemerkung bereit? Wenn man so dar�ber nachdachte, hatte der von der Sonne dunkel gebr�unte Mann eine Zunge wie eine Raspel. Und so gut war sein Auge f�r Pferde nun auch wieder nicht. �Wird es Fragen geben, wenn mein Freund hier bei meinen M�nnern schl�ft?�, fragte er kurz angebunden. �Das sollte es nicht. Bei meinen M�nnern ist Platz genug.� Platz f�r mehr als nur einen, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Bis jetzt waren acht M�nner gestorben, weil sie ihm nach Ebou Dar gefolgt waren.</p><p>�Nicht von mir, mein Lord�, sagte Surlivan, obwohl er den d�rren Mann an Mats Seite musterte und verst�ndnisvoll die Lippen sch�rzte. Noals Mantel erschien von guter Qualit�t, zumindest unter diesen Lichtverh�ltnissen, und die Spitze, die er trug, war in einem besseren Zustand als Mats. Vielleicht gab das den Ausschlag. �Und sie braucht nicht alles zu wissen, also auch nicht von ihrer Seite.�</p><p>Mat runzelte die Stirn, aber bevor unbeherrschte Worte ihn und Noal in den Suppenkessel bef�rdern konnten, kamen drei gepanzerte Seanchaner ans Tor galoppiert und Surlivan wandte sich ihnen zu.</p><p>�Ihr und Eure Ehefrau wohnt im k�niglichen Palast?�, erkundigte sich Noal und wollte sich Richtung Tor in Bewegung setzen.</p><p>Mat zog ihn zur�ck. �Wartet auf sie�, sagte er und deutete auf die Seanchaner. Seine Ehefrau? Verdammte Frauen! Verdammte W�rfel in seinem verdammten Kopf!</p><p>�Ich habe Depeschen f�r die Hochlady Suroth�, verk�ndete eine der Seanchanerinnen und hieb auf eine Ledertasche, die von einer gepanzerten Schulter hing. Ihr Helm wies eine einzige Feder auf, was sie als untergeordneten Offizier kennzeichnete, aber ihr Pferd war ein gro�er Wallach, der ziemlich schnell aussah. Die anderen beiden Tiere machten einen durchaus st�mmigen Eindruck, aber das war auch alles, was man zu ihren Gunsten sagen konnte.</p><p>�Tretet mit dem Segen des Lichts ein�, sagte Surlivan und verbeugte sich andeutungsweise.</p><p>Die Verbeugung der Seanchanerin in ihrem Sattel war das genaue Spiegelbild seiner Bem�hung. �Der Segen des Lichts auch f�r Euch�, nuschelte sie und die drei ritten auf den Stallhof.</p><p>�Das ist schon seltsam�, meinte Surlivan und sah ihnen nach. �Sie fragen immer uns um Erlaubnis, nie sie.� Er wies mit dem Stab auf die seanchanischen Wachen auf der anderen Seite des Tors. Sie hatten ihre starre Haltung beibehalten, sie hatten, soweit es Mat betraf, die Neuank�mmlinge nicht mal angesehen.</p><p>�Und was w�rden sie tun, wenn Ihr ihnen sagt, sie k�nnten nicht eintreten?�, fragte Noal leise und r�ckte das B�ndel auf seinem R�cken zurecht.</p><p>Surlivan fuhr auf dem Absatz herum. �Es reicht, dass ich meiner K�nigin einen Eid geschworen habe�, sagte er mit ausdrucksloser Stimme, �und sie hat ihren ... wem auch immer sie ihn geleistet hat. Gebt Eurem Freund ein Bett, mein Lord. Und warnt ihn, dass es Dinge gibt, die in Ebou Dar besser ungesagt bleiben, wie auch Fragen, die man besser nicht stellt.�</p><p>Noal sah verbl�fft aus und fing an zu protestieren, dass er nur neugierig sei, aber Mat tauschte mit dem altaranischen Offizier weitere H�flichkeiten aus � so schnell er konnte � und dr�ngte seinen neuen Bekannten durch das Tor, wobei er ihn mit gesenkter Stimme �ber die Lauscher aufkl�rte. Der Mann mochte ihm ja das Leben vor dem <emphasis>Gholam</emphasis> gerettet haben, aber das bedeutete nicht, dass er zulassen w�rde, wie er es den Seanchanern in die H�nde spielte. Auch sie verf�gten �ber Leute, die man Sucher der Wahrheit nannte, und dem Wenigen zufolge, was er geh�rt hatte � selbst Leute, die unbefangen �ber die Totenwache sprachen, machten den Mund zu, wenn es um die Sucher ging �, lie�en die Sucher die Zweifler der Wei�m�ntel wie kleine Jungen aussehen, die Fliegen die Fl�gel ausrissen; sicherlich ekelhaft, aber nichts, wor�ber sich ein Mann Sorgen machen musste.</p><p>�Ich verstehe�, sagte der Alte langsam. �Das habe ich nicht gewusst.� Er klang, als w�rde er sich �ber sich selbst �rgern. �Ihr m�sst viel Zeit mit den Seanchanern verbringen. Kennt Ihr auch die Hochlady Suroth? Ich muss schon sagen, ich hatte keine Ahnung, dass Ihr solch weit reichende Verbindungen habt.�</p><p>�Wenn ich kann, verbringe ich Zeit mit den Soldaten in Schenken�, erwiderte Mat m�rrisch. Wenn Tylin ihn lie�. Licht, er h�tte genauso gut verheiratet sein k�nnen! �Suroth wei� nicht, dass es mich gibt.� Und er hoffte inst�ndig, dass das auch so blieb.</p><p>Die drei Seanchaner waren bereits au�er Sicht, ihre Pferde hatte man in die St�lle gef�hrt, aber mehrere Dutzend <emphasis>Sul'dam</emphasis> verschafften ihren <emphasis>Dom�ne</emphasis> den abendlichen Auslauf und f�hrten sie in einem gro�en Kreis �ber den gepflasterten Hof. Fast die H�lfte der grau gekleideten <emphasis>Dom�ne</emphasis> waren dunkelh�utige Frauen, die nun auf den Schmuck verzichten mussten, den sie als Windsucherinnen getragen hatten. Im Palast und auch �berall sonst gab es noch mehr von ihnen; die Seanchaner hatten auf den Schiffen des Meervolks, die ihnen nicht entkommen waren, eine reiche Ernte eingefahren. Die meisten Gesichter zeigten m�rrische Resignation oder steinerne Mienen, aber sieben oder acht von ihnen starrten verloren und verwirrt ins Leere, da sie es noch immer nicht glauben konnten. Jede dieser Frauen wurde von einer in Seanchan geborenen <emphasis>Damane</emphasis> begleitet, die ihr die Hand hielt oder einen Arm um sie gelegt hatte und ihr unter den anerkennenden Blicken der Frauen, die zu ihren silbernen Kragen geh�rende Armb�nder trugen, l�chernd zufl�sterte. Ein paar der benommenen Frauen klammerten sich so verzweifelt an die sie begleitende <emphasis>Dom�ne,</emphasis> als hielten sie Rettungsringe. Es h�tte ausgereicht, um Mat fr�steln zu lassen, h�tten daf�r nicht schon seine feuchten Kleider gesorgt.</p><p>Er versuchte, Noal schnell �ber den Hof zu f�hren, aber der Kreis brachte eine <emphasis>Damane</emphasis> in seine N�he, die weder Seanchanerin noch eine Atha'an Miere war. Sie war mit einer f�lligen <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit grauen Haaren verbunden, die olivfarbene Haut hatte und als Altaranerin und Mutter durchgegangen w�re. Der Art und Weise nach zu urteilen, wie sie ihren Sch�tzling ansah, war sie eine strenge Mutter mit einem m�glicherweise widerspenstigen Kind. Teslyn Baradon war nach anderthalb Monaten seanchanischer Gefangenschaft dicker geworden, doch ihr altersloses Gesicht sah noch immer so aus, als w�rden ihre drei Mahlzeiten des Tages nur aus Brombeeren bestehen. Andererseits ging sie friedlich an ihrer Leine, gehorchte den gemurmelten Anweisungen der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> ohne zu z�gern, und blieb nur stehen, um sich tief vor ihm und Noal zu verbeugen. Aber einen Augenblick lang blitzte in ihren dunkeln Augen tiefer, auf ihn gem�nzter Hass auf, bevor sie und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihre Runde auf dem Stallhof fortf�hrten. Friedlich, gehorsam. Er hatte auf genau diesem Stallhof miterlebt, wie man <emphasis>Damane</emphasis> wegen irgendwelchen Kleinigkeiten so lange mit Ruten geschlagen hatte, bis sie schrien. Teslyn war unter ihnen gewesen. Sie hatte ihm nie etwas Gutes getan, manchmal vielleicht sogar etwas Schlechtes, aber er h�tte ihr niemals ein solches Schicksal gew�nscht.</p><p>�Besser als tot zu sein, sch�tze ich�, murmelte er und ging weiter. Teslyn war eine harte Frau, die vermutlich jeden Augenblick mit Fluchtpl�nen besch�ftigt war, aber H�rte brachte einen auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Herrin der Schiffe und ihre Meisterin der Klingen waren ohne einen Schrei von sich zu geben am Pfahl gestorben, aber es hatte sie nicht gerettet.</p><p>�Glaubt Ihr das wirklich?�, fragte Noal gedankenverloren und fummelte wieder an seinem B�ndel herum. Seine verkr�ppelten H�nde waren mit dem Messer recht geschickt umgegangen, aber bei allem anderen schienen sie unbeholfen zu sein.</p><p>Mat sah ihn stirnrunzelnd an. Nein, er war sich nicht sicher, ob er es glaubte. Die silbernen <emphasis>A'dam</emphasis> schienen zu sehr dem unsichtbaren Kragen zu �hneln, den Tylin ihm angelegt hatte. Andererseits konnte Tylin ihn den Rest seines Lebens unter dem Kinn kitzeln, wenn ihn das vom Pfahl fern hielt. Licht, er w�nschte sich, die verdammten W�rfel in seinem Kopf w�rden endlich aufh�ren zu rollen und die Sache zu Ende bringen! Nein, das war eine L�ge. Seit er endlich begriffen hatte, was die W�rfel bedeuteten, hatte er sich gew�nscht, sie w�rden nie mehr aufh�ren zu rollen.</p><p>Der Raum, den sich Chel Vanin und die Rotwaffen teilten, lag nicht weit von den St�llen entfernt, ein langes, wei� verputztes Gemach mit niedriger Decke und zu vielen Betten f�r jene, die �berlebt hatten. Vanin, ein kahl werdender Fleischberg, lag hemds�rmlig auf einem von ihnen, ein aufgeschlagenes Buch auf der Brust. Mat war �berrascht, dass der Mann lesen konnte. Vanin spuckte durch eine Zahnl�cke und musterte Mats schlamm verschmierte Kleidung. �Habt Ihr Euch wieder gepr�gelt?�, fragte er. �Ich sch�tze, ihr wird das nicht gefallen.� Er stand nicht auf. Von ein paar �berraschenden Ausnahmen abgesehen betrachtete sich Vanin jedem Lord und jeder Lady ebenb�rtig.</p><p>��rger, Lord Mat?�, knurrte Harnan und sprang auf. Er war ein robuster Mann, physisch gesehen und vom Temperament her, aber er biss die Z�hne zusammen, was den unbeholfen auf seine Wange t�towierten Falken sich verziehen lie�. �Entschuldigt, aber Ihr seid nicht in der Verfassung daf�r. Sagt uns, wie er aussieht, und wir k�mmern uns um ihn.�</p><p>Drei weitere M�nner versammelten sich mit eifrigen Mienen hinter ihm, zwei von ihnen griffen nach ihren M�nteln, w�hrend sie noch damit besch�ftigt waren, sich das Hemd in die Hose zu stecken. Metwyn, ein jungenhaft aussehender Cairhiener, der zehn Jahre �lter als Mat war, griff stattdessen nach dem Schwert, das am Fu�ende seines Bettes stand, und zog die Klinge ein St�ck aus der Scheide, um ihre Schneide zu �berpr�fen. Von ihnen allen konnte er am besten mit dem Schwert umgehen, sogar sehr gut, obwohl Gorderan ihm darin sehr nahe kam � auch wenn er wie ein Schmied aussah. Gorderan war nicht einmal ann�hernd so langsam, wie ihn seine breiten Schultern wirken lie�en. Ein Dutzend Rotwaffen waren Mat nach Ebou Dar gefolgt, davon waren acht gestorben. Der Rest sa� hier im Palast fest, wo sie weder Schankm�dchen in den Hintern kneifen noch in K�mpfe wegen W�rfelspielen geraten und bis zum Umfallen trinken konnten, wie sie es getan h�tten, wenn sie in einem Gasthaus gewohnt und gewusst h�tten, dass der Wirt im letzteren Fall daf�r sorgen w�rde, dass man sie nach oben in ihre Betten trug, wenn auch vermutlich mit erleichtertem Geldbeutel.</p><p>�Noal kann euch besser als ich erz�hlen, was passiert ist�, erwiderte Mat und schob sich den Hut in den Nacken. �Er wird bei euch schlafen. Er hat mir heute Abend das Leben gerettet.�</p><p>Das rief entsetzte Ausrufe und lautstarken Beifall f�r Noal hervor, ganz zu schweigen von �berschw�nglichen Hieben auf den R�cken, die den alten Burschen beinahe von den F��en holten. Vanin ging sogar so weit, die Stelle, an der er gerade las, mit einem fetten Finger zu markieren und sich auf den Rand seiner d�nnen Matratze zu setzen.</p><p>Nachdem Noal sein B�ndel auf ein freies Bett geworfen hatte, erz�hlte er die Geschichte mit ausgiebigen Gesten, spielte seine Rolle herab und machte sich sogar zu so etwas wie einem T�lpel, der im Schlamm ausrutschte und den <emphasis>Gholam</emphasis> anstarrte, w�hrend Mat wie ein Held k�mpfte. Harnan und die Rotwaffen lachten herzlich, da sie wussten, was er damit bezweckte, und es guthie�en, dass er ihren Hauptmann nicht schlecht aussehen lassen wollte, aber ihr Gel�chter erstarb, als er dazu kam, wie Mats Angreifer in einem winzigen Loch in der Wand verschwand. Er schilderte auch das sehr anschaulich. Vanin legte sein Buch weg und spuckte erneut durch die Z�hne aus. Der <emphasis>Gholam</emphasis> hatte ihn und Harnan im Rahad halb tot zur�ckgelassen. Halb tot, weil er hinter einem anderen her gewesen war.</p><p>�Anscheinend ist das Ding aus irgendeinem Grund hinter mir her�, sagte Mat leichthin, als der Alte geendet hatte und sich scheinbar ersch�pft auf sein Bett sinken lie�. �Vermutlich hat es irgendwann einmal mit mir W�rfel gespielt, auch wenn ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Solange ihr ihm und mir nicht in die Quere kommt, hat keiner von euch etwas zu bef�rchten.� Er grinste und versuchte, einen Witz daraus zu machen, aber keiner von ihnen l�chelte auch nur. �Wie dem auch sei, ich werde euch morgen fr�h Gold geben. Ihr werdet auf dem ersten Schiff nach Illian eine Passage buchen und Olver mitnehmen. Thom und Juilin auch, falls sie mitgehen wollen.� Er vermutete, dass der Diebef�nger auf jeden Fall wollte. �Und nat�rlich Nerim und Lopin.� Er hatte sich daran gew�hnt, dass die beiden Diener sich um ihn k�mmerten, aber eigentlich brauchte er sie hier nicht. �Talmanes muss mittlerweile in der N�he von Caemlyn sein. Ihr d�rftet keine gro�en Schwierigkeiten haben, ihn zu finden.� Wenn sie weg waren, w�rde er mit Tylin allein sein. Licht, lieber w�rde er sich wieder dem <emphasis>Gholam</emphasis> stellen!</p><p>Harnan und die anderen drei Rotwaffen tauschten Blicke aus, Fergin kratzte sich am Kopf, als w�rde er nicht genau verstehen. Vielleicht tat er es tats�chlich nicht. Der knochige Mann war ein guter Soldat � nicht der beste, das nicht, aber gut genug �, aber er war nicht der hellste, wenn es um andere Dinge ging.</p><p>�Das w�re nicht richtig�, sagte Harnan schlie�lich. �Lord Talmanes w�rde uns das Fell gerben, wenn wir ohne Euch zur�ckkommen.� Die anderen drei nickten. Das konnte Fergin verstehen.</p><p>�Und Ihr, Vanin?�, fragte Mat.</p><p>Der fette Mann zuckte mit den Schultern. �Wenn ich diesen Jungen von Riselle fortbringe, wird er mich im Schlaf wie eine Forelle ausweiden. An seiner Stelle w�rde ich das Gleiche tun. Wie dem auch sei, ich habe hier Zeit zum Lesen. Dazu habe ich als Hufschmied nicht oft Gelegenheit.� Das war eines der Handwerke, die er augenblicklich aus�bte. Das andere war Stallknecht. In Wahrheit war er Pferdedieb und Wilderer, und zwar der beste in zwei L�ndern und vermutlich noch viel mehr.</p><p>�Ihr seid alle verr�ckt�, sagte Mat stirnrunzelnd. �Nur weil er mich will, hei�t das nicht, dass er euch nicht t�tet, wenn ihr ihm in die Quere kommt. Das Angebot bleibt bestehen. Jedermann, der zur Besinnung kommt, kann gehen.�</p><p>�Ich habe schon M�nner wie Euch gesehen�, sagte Noal pl�tzlich. Der nach vorn gebeugte Mann war das gestaltgewordene Bild von Alter und Ersch�pfung, aber seine funkelnden Augen musterten Mat eindringlich. �Einige M�nner haben eine Ausstrahlung, die andere M�nner dazu bringt, ihnen �berallhin zu folgen. Einige f�hren in die Vernichtung, andere zum Ruhm. Ich k�nnte mir vorstellen, dass Euer Name in die Geschichtsb�cher Einzug halten wird.�</p><p>Harnan sah so verwirrt wie Fergin aus. Vanin spuckte aus, legte sich wieder hin und �ffnete das Buch.</p><p>�Wenn mich mein Gl�ck verl�sst, dann vielleicht�, murmelte Mat. Er wusste, was dazu n�tig war, um in die Geschichtsb�cher aufgenommen zu werden. Dabei konnte ein Mann leicht sein Leben verlieren.</p><p>�Ihr solltet besser ein Bad nehmen, bevor sie Euch sieht�, sagte Fergin pl�tzlich. �Der ganze Dreck wird ihr eine Klette unter den Sattel schieben.�</p><p>W�tend riss sich Mat den Hut vom Kopf und stolzierte wortlos weg. Das hei�t, er stolzierte, so gut es ging, wenn man an einem Stab hinken musste. Bevor sich hinter ihm die T�r schloss, h�rte er, wie Noal anfing, die Geschichte zu erz�hlen, wie er einmal auf einem Schiff des Meervolks gesegelt war und gelernt hatte, in Salzwasser zu baden. Zumindest fing sie so an.</p><p>Er wollte sich sauber machen, bevor Tylin ihn zu Gesicht bekam � das wollte er wirklich �, aber als er durch die Korridore hinkte, in denen die gebl�mten Wandteppiche hingen, die Ebou Dari wegen der Jahreszeit, an die sie erinnerten, Sommerteppiche nannten, schlugen ihm vier der in die gr�nen und wei�en Livreen des Palasts gekleideten Diener und nicht weniger als sieben Dienerinnen vor, doch besser ein Bad zu nehmen und die Kleider zu wechseln, bevor die K�nigin ihn so sah; sie boten ihm sogar an, ein Bad einzulassen und frische Sachen zu holen, ohne dass sie davon erfuhr. Sie wussten nicht alles �ber Tylin und ihn, wof�r er dem Licht dankte � allein Tylin und er kannten die schlimmsten Einzelheiten �, aber sie wussten verdammt noch mal zu viel. Schlimmer noch, jeder verfluchte Diener des verfluchten Tarasin-Palasts hie� es gut. Zum einen war Tylin die K�nigin und konnte, soweit es sie betraf, tun, wozu sie Lust hatte. Davon abgesehen waren ihre Nerven zum Zerrei�en gespannt, seit die Seanchaner die Stadt erobert hatten, und wenn ein geschrubbter und in h�bsche, saubere Spitzenr�schen gekleideter Mat Cauthon sie davon abhielt, ihnen wegen Nichtigkeiten die Nasen abzurei�en, dann w�rden sie ihn auch hinter den Ohren waschen und wie ein Geschenk in Spitze einwickeln!</p><p>�Schlamm?�, sagte er zu einer h�bschen, l�chelnden Dienerin, die ihre R�cke zum Hofknicks raffte. Ein Funkeln lag in ihren dunklen Augen, und der tiefe Ausschnitt ihres Oberteils stellte eine ordentliche Portion eines Busens zur Schau, der selbst Riselles h�tte Konkurrenz machen k�nnen. An einem anderen Tag h�tte er sich etwas Zeit genommen, um sich an dem Anblick zu erfreuen. �Schlamm? Was f�r Schlamm!� Ihr Mund klappte auf, sie verga�, sich wieder aufzurichten, und starrte ihm mit gebeugten Knien nach, wie er davonhinkte.</p><p>Juilin Sandar kam schnell um eine Ecke gebogen und w�re beinahe mit ihm zusammengesto�en. Der Diebef�nger aus Tairen sprang mit einem unterdr�ckten Fluch zur�ck, sein dunkelh�utiges Gesicht verf�rbte sich grau, bis er erkannte, wer ihn da fast umgerannt h�tte. Dann murmelte er eine Entschuldigung und setzte sich wieder eilig in Bewegung.</p><p>�Hat Thom dich mit in sein Irrsinnsunternehmen reingezogen, Juilin?�, fragte Mat. Juilin und Thom teilten sich irgendwo bei den Dienstbotenquartieren einen Raum, und er hatte keinen Grund, sich hier aufzuhalten. Mit dem dunklen tairenischen Mantel, der �ber die Stiefel ging, fiel Juilin unter dem Personal auf wie eine Ente in einem H�hnerstall. Suroth war sehr streng in solchen Dingen, strenger als Tylin. Mat fiel nur ein Grund ein, die Angelegenheit, in die Thom und Beslan verwickelt waren. �Nein, sag es mir nicht. Ich habe Harnan und den anderen ein Angebot gemacht und es gilt auch f�r dich. Wenn du gehen willst, gebe ich dir das n�tige Geld.�</p><p>Tats�chlich machte Juilin nicht im Mindesten den Eindruck, als wollte er ihm etwas sagen. Der Diebef�nger steckte die Daumen in den G�rtel und erwiderte Mats Blick unger�hrt. �Was haben Harnan und die anderen gesagt? Und was hat es mit Thoms Unternehmung auf sich, die du f�r irrsinnig h�ltst? Das sind ein paar D�cher, auf denen er sich doch wohl besser auskennt als du und ich.�</p><p>�Der <emphasis>Gholam</emphasis> ist noch immer in Ebou Dar, Juilin.� Thom wusste, dass er das Spiel der H�user beherrschte, und er liebte es, seine Nase in die Politik zu stecken. �Das Ding hat vor wenigen Stunden versucht, mich umzubringen.�</p><p>Juilin grunzte, als h�tte er einen Schlag in die Magengrube bekommen, und er fuhr sich mit der Hand durch das kurz geschnittene schwarze Haar. �Ich habe trotzdem einen Grund, noch etwas l�nger zu bleiben�, sagte er. Sein Auftreten ver�nderte sich, nun dr�ckte es etwas Stures und Abwehrendes und irgendwie Schuldiges aus. Mat hatte noch nie gesehen, dass er den Frauen nachstieg, aber wenn ein Mann so aussah, konnte das nur eines bedeuten.</p><p>�Nimm sie mit�, sagte er. �Und wenn sie nicht will, nun, du wirst noch keine Stunde in Tear sein, dann hast du schon auf jedem Knie eine Neue sitzen. So ist das mit den Frauen, Juilin. Wenn die eine nein sagt, gibt es immer eine andere, die ja sagen wird.�</p><p>Ein Diener mit dem Arm voller Leinenhandt�cher eilte vorbei und starrte Mats schlammverkrustetes Erscheinungsbild erstaunt an, aber Juilin bezog das auf sich, riss die Daumen aus dem G�rtel und versuchte, eine etwas dem�tigere Haltung anzunehmen. Ohne gro�en Erfolg. Zwar schlief Thom bei der Dienerschaft, aber er hatte es von Anfang an geschafft, es so aussehen zu lassen, als w�re das seine Entscheidung gewesen, eine Exzentrizit�t, daher fand es niemand seltsam, ihn hier oben in diesem Stockwerk zu sehen, wie er vielleicht in Riselles Gem�cher schl�pfte, in denen einst Mat gewohnt hatte. Juilin hatte viel M�he darauf verwendet, deutlich zu machen, dass er ein Diebef�nger war; er hatte so vielen mit Vorsicht zu genie�enden kleinen Adligen und selbstzufriedenen Kaufleuten in die Augen geschaut, um klarzustellen, dass er genauso gut war wie sie, dass jeder im Palast wusste, wer und was er war. Und wo er sich aufzuhalten hatte, und zwar im Erdgeschoss.</p><p>�Mein Lord ist klug�, sagte er viel zu laut und machte eine steife, ruckartige Verbeugung. �Mein Lord wei� alles �ber Frauen. Wenn mein Lord nun einem einfachen Mann verzeihen m�ge, ich muss dorthin zur�ck, wo ich hingeh�re.� Er wandte sich zum Gehen, drehte sich aber noch einmal um und sagte mit weithin verst�ndlicher Stimme: �Ich habe heute geh�rt, gesetzt den Fall, mein Lord sollte noch einmal so zur�ckkommen und aussehen, als h�tte man ihn die Stra�e entlang geschleift, wird die K�nigin meinen Lord mit einer Rute bestrafen.�</p><p>Und das war der Stein, der den Wagen entzwei brach.</p><p>Mat riss die T�ren zu Tylins Gem�cher auf, st�rmte herein, warf den Hut quer durch den Raum... und erstarrte. Alles, was er hatte sagen wollen, erstarb auf seiner Zunge. Sein Hut landete auf dem Teppich und rollte weiter, aber er sah nicht, wohin. Eine Windb�e r�ttelte an den hohen, dreib�gigen Verandat�ren, die auf den langen Balkon hinausf�hrten, von dem aus man auf den Mol Hara herabblicken konnte.</p><p>Tylin drehte sich auf einem Stuhl um, dessen Schnitzwerk ihn wie vergoldetes Bambus aussehen lie�, und starrte ihn �ber den Rand ihres goldenen Weinpokals an. Wellen gl�nzenden schwarzen Haars, das an den Schl�fen eine leichte Graut�nung aufwies, umrahmten ein wundersch�nes Gesicht mit den Augen eines Raubvogels, das im Augenblick nicht besonders zufrieden aussah. Sie wippte etwas mit dem �bereinander geschlagenen Bein, was die gr�nen und wei�en Stoffschichten der Unterr�cke rascheln lie�. Die ovale �ffnung ihres Gewandes, die ihre vollen Br�ste zur H�lfte enth�llte, wurde von hellgr�ner Spitze ges�umt; zwischen ihnen baumelte der juwelenbesetzte Griff ihres Hochzeitsdolchs. Sie war nicht allein.</p><p>Suroth sa� ihr gegen�ber, sah stirnrunzelnd in ihren Weinpokal und trommelte mit den langen Fingern�geln auf der Stuhllehne; obwohl ihr Haar bis auf einen langen Sch�pf abrasiert war, stellte sie eine durchaus h�bsche Frau dar, wenn man einmal davon absah, dass sie Tylin wie einen verschreckten Hasen aussehen lie�. Zwei Fingern�gel jeder Hand waren blau lackiert. An ihrer Seite sa� ausgerechnet ein kleinw�chsiges M�dchen, das ebenfalls ein mit aufwendigen Blumenmustern besticktes Oberteil mit wei�en Faltenr�cken trug, dessen Kopf � der anscheinend v�llig kahl geschoren war! � mit einem durchsichtigen Schleier bedeckt und mit einem Verm�gen an Rubinen beh�ngt war. Selbst in seinem Entsetzen fielen Mat die Rubine und das Gold auf. Hinter dem Stuhl des M�dchens stand eine schlanke Frau mit verschr�nkten Armen und schlecht verhohlener Ungeduld, deren Hautfarbe fast <emphasis>so</emphasis> dunkel wie ihr beinahe schwarzes Gewand war und die, selbst wenn sie eine Aiel gewesen w�re, �ber eine erstaunliche K�rpergr��e verf�gte. Ihr lockiges schwarzes Haar war kurz geschnitten, aber nicht abrasiert, also war sie weder Blut noch <emphasis>So'jhin.</emphasis> Mit ihrer majest�tischen Sch�nheit stellte sie sowohl Tylin wie auch Suroth in den Schatten. Ihm entging die Sch�nheit von Frauen nicht, selbst wenn er das Gef�hl hatte, gerade einen Schlag mit einem Hammer auf den Kopf erhalten zu haben.</p><p>Es war nicht Suroths Anwesenheit oder die der Fremden, die ihn hatte erstarren lassen. Die W�rfel hatten innegehalten und waren mit einem Donnern gefallen, das seinen Sch�del erbeben lie�. Das war noch nie zuvor geschehen. Er stand da und wartete darauf, dass einer der Verlorenen aus den Flammen des Marmorkamins sprang oder die Erde aufklaffte, um den Palast unter seinen F��en zu verschlingen.</p><p>�Du h�rst mir nicht zu, mein T�ubchen�, gurrte Tylin in einem gef�hrlichen Tonfall. �Ich sagte, geh in die K�che und iss eine Pastete, bis ich Zeit f�r dich habe. Und wenn du schon mal dabei bist, nimm gleich ein Bad.� Ihre dunklen Augen funkelten. �Wir sprechen sp�ter �ber den Schlamm.�</p><p>Benommen ging er noch einmal alles in Gedanken durch. Er hatte den Raum betreten, die W�rfel waren verstummt und... Nichts war geschehen. Nichts!</p><p>�Der Mann wurde �berfallen�, sagte die zierliche, verschleierte Gestalt und erhob sich. Ihre Stimme wurde so schneidend wie der drau�en heulende Wind. �Ihr habt mir versichert, dass die Stra�en sicher sind, Suroth! Ich bin ungehalten!�</p><p>Es <emphasis>musste</emphasis> etwas geschehen! Es h�tte schon l�ngst geschehen sollen! Es geschah immer etwas, wenn die W�rfel verstummten.</p><p>�Ich versichere Euch, Tuon, die Stra�en von Ebou Dar sind so sicher wie die Stra�en von Seandar�, erwiderte Suroth und das riss Mat aus seiner Benommenheit. Sie klang... nerv�s. Aber Suroth war diejenige, die andere Menschen nerv�s machte.</p><p>Ein schlanker, anmutiger junger Mann in dem fast durchscheinenden Gewand eines <emphasis>Da'covale</emphasis> trat mit einem gro�en, blauen Porzellankrug an ihre Seite, neigte den Kopf und bot stumm an, ihr Wein nachzuschenken. Und lie� Mat erneut zusammenzucken. Er hatte nicht bemerkt, dass noch andere anwesend waren. Da war nicht nur der blonde Mann in seiner unanst�ndigen Kleidung. Eine schlanke, aber mit h�bschen Kurven ausgestattete rothaarige Frau in einem ebenfalls durchsichtigen Gewand kniete neben einem Tisch, auf dem Fl�schchen mit Gew�rzen, Weinkr�ge aus feinem Meervolkporzellan und ein kleiner vergoldeter Bronzeofen mit den zum Erw�rmen des Weines n�tigen Feuerhaken aufgebaut waren, w�hrend am anderen Ende eine Dienerin in der gr�nen und wei�en Livree von Haus Mitsobar stand. Und in einer Ecke stand noch eine Seanchanerin so reglos, dass er sie beinahe �bersehen h�tte, eine kleine Frau, deren Kopf zur H�lfte rasiert war und deren Br�ste selbst Riselles in den Schatten gestellt h�tten, wenn ihr Gewand aus roten und gelben Rechtecken nicht eng am Hals angelegen und sie verh�llt h�tte. Nicht, dass er das Verlangen versp�rt h�tte, sie sich n�her anzusehen. Seanchaner waren so empfindlich, wenn es um ihre <emphasis>So'jhin</emphasis> ging. Tylin reagierte empfindlich auf andere Frauen. Seit er das Bett wieder verlassen konnte, hatte keine Dienerin seine Gem�cher betreten, die j�nger als seine Gro�mutter war.</p><p>Suroth betrachtete den anmutigen Mann, als w�rde sie sich fragen, wer er war, dann sch�ttelte sie wortlos den Kopf und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Kind mit dem Namen Tuon zu, das den Burschen fortwinkte. Die livrierte Dienerin eilte los, um ihm den Krug abzunehmen und Tylins Pokal aufzuf�llen, aber die K�nigin machte eine kleine Geste, die sie zur�ck zur Wand schickte. Tylin sa� so gut wie reglos da. Kein Wunder, dass sie keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte, wenn diese Tuon Suroth Angst einjagte, was offensichtlich der Fall war.</p><p>�Ich bin unzufrieden, Suroth�, sagte das M�dchen erneut und blickte streng auf die andere Frau herab. Selbst im Stehen hatte sie es nicht weit, um auf die sitzende Hochlady heruntersehen zu k�nnen. Mat vermutete, dass auch sie eine Hochlady war, nur von h�herer Stellung als Suroth. �Ihr habt viel zur�ckgeholt und das wird die Kaiserin freuen, m�ge sie ewig leben, aber Euer schlecht geplanter Angriff im Osten war ein Desaster, das sich nicht wiederholen darf. Und wenn die Stra�en der Stadt sicher sind, wieso wurde er dann angegriffen?�</p><p>Suroths Kn�chel verf�rbten sich wei�, weil sie die Stuhllehne und den Pokal so fest umklammerte. Sie starrte Tylin an, als w�re alles ihre Schuld, und die K�nigin l�chelte entschuldigend und senkte den Kopf. Oh, Blut und Asche, daf�r w�rde er bezahlen!</p><p>�Ich bin gefallen, das ist alles.� Der Art und Weise nach zu urteilen, wie die K�pfe zu ihm herumfuhren, h�tte seine Stimme genauso gut ein Feuerwerk sein k�nnen. Suroth und Tuon waren offensichtlich schockiert, dass er zu sprechen gewagt hatte. Tylin sah aus wie ein Adlerweibchen, das seinen Hasen gebraten verspeisen wollte. �Ladys�, f�gte er hinzu, aber das schien die Situation auch nicht zu verbessern.</p><p>Pl�tzlich beugte sich die gro�e Frau vor, riss Tuon den Pokal aus der Hand und warf ihn in den Kamin. Funken stoben zum Schornstein hoch. Die Dienerin regte sich, als wollte sie den Becher zur�ckholen, bevor er noch mehr besch�digt wurde, lie� es aber sein, als die <emphasis>So'jhin</emphasis> sie ber�hrte.</p><p>�Ihr seid dumm, Tuon�, sagte die gro�e Frau und ihre Stimme lie� den strengen Tonfall des M�dchens wie Gel�chter erscheinen. Der bekannte seanchanische Akzent schien fast v�llig zu fehlen. �Suroth hat die Situation hier gut im Griff. Was im Osten geschehen ist, kann in jeder Schlacht passieren. Ihr m�sst aufh�ren, Eure Zeit mit l�cherlichen Nichtigkeiten zu verschwenden.�</p><p>Suroth starrte sie einen Augenblick lang erstaunt an, bevor sie ihre Miene in eine ausdruckslose Maske verwandelte. Mat starrte ebenfalls. Sprach man einen vom Blut in diesem Ton an, hatte man Gl�ck, wenn man mit einem Ausflug zum Peitschenpfahl davonkam!</p><p>�berraschenderweise neigte Tuon den Kopf ein St�ck. �Ihr k�nntet Recht haben, Anath�, sagte sie ruhig und sogar mit einer Spur Ehrerbietung. �Die Zeit und Omen werden es erweisen. Aber der junge Mann l�gt offensichtlich. Vielleicht f�rchtet er Tylins Zorn. Seine Verletzungen sind jedoch schwerwiegender, als sie von einem Sturz sein k�nnten, es sei denn, es gibt Klippen in der Stadt, die ich nicht gesehen habe.�</p><p>Er f�rchtete also Tylins Zorn? Nun, was das anging, so tat er das tats�chlich, zumindest ein bisschen. Aber nur ein kleines bisschen. Doch es gefiel ihm nicht, daran erinnert zu werden. Er st�tzte sich auf seinen schulterhohen Stab und versuchte, eine bequeme Stellung zu finden. Sie h�tten ihm auch einen Sitzplatz anbieten k�nnen. �Ich wurde an dem Tag verletzt, als eure Jungs die Stadt eroberten�, sagte er mit seinem dreistesten Grinsen. �Euer Haufen hat Blitze geschleudert und Feuerb�lle aus irgendeinem verheerenden Zeug. Ich bin aber fast schon wieder gesund, danke der Nachfrage.� Tylin verbarg ihr Gesicht im Weinpokal, schaffte es aber trotzdem, ihm �ber den Rand einen Blick zuzuwerfen, der sp�tere Vergeltung versprach.</p><p>Tuons R�cke raschelten, als sie �ber den Teppich auf ihn zukam. Das dunkle Gesicht unter dem Schleier h�tte h�bsch sein k�nnen, h�tte es nicht den Ausdruck eines Richters gehabt, der ein Todesurteil verk�ndete. Und mit vern�nftigem Haar statt einem Kahlkopf. Ihre Augen waren gro� und feucht, aber v�llig ausdruckslos. Alle ihre Fingern�gel waren lackiert. In einem hellen Rot. Mat fragte sich, ob das etwas zu bedeuten hatte. Licht, allein f�r das Geld, das die Rubine kosteten, h�tte ein Mann jahrelang im Luxus leben k�nnen.</p><p>Sie hob die Hand, legte die Fingerspitzen unter sein Kinn, und er fing an zur�ckzuzucken. Bis Tylin ihm �ber Tuons Kopf einen scharfen Blick zuwarf und auf der Stelle Vergeltung versprach, falls er etwas dergleichen tat. M�rrisch lie� er das M�dchen seinen Kopf herumdrehen, damit sie ihn studieren konnte.</p><p>�Ihr habt gegen uns gek�mpft?�, verlangte sie zu wissen. �Ihr habt die Eide geschworen?�</p><p>�Ich habe geschworen�, murmelte er. �Was das andere angeht, hatte ich dazu keine Gelegenheit.�</p><p>�Also h�ttet Ihr es getan.� Sie umkreiste ihn langsam und f�hrte ihr Studium fort, ber�hrte die Spitze an seinem Handgelenk, hob den Saum seines Umhangs an, um die Stickereien zu mustern. Er erduldete es, weigerte sich jedoch, seine Position zu ver�ndern. Sein finsterer Blick konnte sich mit dem Tylins messen. Licht, er hatte schon Pferde gekauft, ohne sie einer so gr�ndlichen Untersuchung zu unterziehen! Als N�chstes w�rde sie sich seine Z�hne ansehen wollen!</p><p>�Der Junge hat Euch gesagt, dass er verletzt wurde�, sagte Anath frostig. �Wenn Ihr ihn haben wollt, dann kauft ihn und fertig. Es war ein langer Tag und Ihr solltet l�ngst im Bett sein.�</p><p>Tuon verharrte und untersuchte den langen Siegelring an seinem Finger. Er war ein Probest�ck, das die Kunstfertigkeit des Handwerkers zeigen sollte, ein laufender Fuchs und zwei fliegende Raben; die Tiere wurden von den Sichelmonden umgeben. Er hatte ihn zuf�llig gekauft, obwohl er ihm mittlerweile ans Herz gewachsen war. Er fragte sich, ob sie ihn haben wollte. Sie richtete sich wieder auf und starrte in sein Gesicht. �Ein guter Rat, Anath�, sagte sie. �Wie viel kostet er, Tylin? Wenn er ein Liebling ist, nennt Euren Preis, und ich werde ihn verdoppeln.�</p><p>Tylin verschluckte sich an ihrem Wein und hustete. Mat h�tte beinahe den Stab fallen lassen. Das M�dchen wollte ihn <emphasis>kaufen?</emphasis> Nun, ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, h�tte sie sich genauso gut ein Pferd ansehen k�nnen.</p><p>�Er ist ein freier Mann, Hochlady�, sagte Tylin unsicher, als sie wieder sprechen konnte. �Ich... ich kann ihn nicht verkaufen.� Am liebsten h�tte Mat gelacht, h�tte sich Tylin nicht angeh�rt, als wollte sie verhindern, dass ihre Z�hne klapperten, und h�tte sich diese verfluchte Tuon nicht gerade nach seinem Preis erkundigt. Ein freier Mann! Ha!</p><p>Das M�dchen wandte sich von ihm ab, als h�tte sie ihn aus seinen Gedanken gestrichen. �Ihr habt Angst, Tylin, aber das sollte nicht so sein.� Sie ging zu Tylins Stuhl, hob mit beiden H�nden den Schleier, entbl��te die untere Gesichtsh�lfte und beugte sich vor, um Tylin sanft zu k�ssen, einmal auf jedes Augenlid und einmal auf die Lippen. Tylin sah erstaunt aus. �Ihr seid mir eine Schwester, und Suroth auch�, sagte Tuon mit �berraschend sanfter Stimme. �Ich selbst werde Euren Namen als einen des Blutes eintragen. Ihr werdet die Hochlady Tylin und die K�nigin von Altara und noch mehr sein, wie es Euch versprochen wurde.�</p><p>Anath schnaubte laut.</p><p>�Ja, Anath, ich wei߫, sagte das M�dchen seufzend, erhob sich und lie� den Schleier wieder herunter. �Der Tag war lang und anstrengend und ich bin m�de. Aber ich werde Tylin zeigen, welche L�nder f�r sie bestimmt sind, sodass sie sich keine Sorgen zu machen braucht. In meinen Gem�chern sind Karten, Tylin. Wollt Ihr mir die Ehre erweisen und mich dorthin begleiten? Ich habe ausgezeichnete Masseusen.�</p><p>�Ich bin diejenige, die geehrt ist�, sagte Tylin, ohne allerdings beruhigter als zuvor zu klingen.</p><p>Auf eine Geste der <emphasis>So'jhin</emphasis> hin lief der blonde Mann zur T�r, um sie zu �ffnen. Auf den Knien hielt er sie offen, aber vorher erfolgte das �bliche Glattstreichen und Richten der Gew�nder, das Frauen zu tun hatten, bevor sie irgendwohin gehen konnten, ob sie nun aus Seanchan oder Altara oder sonst woher kamen. Allerdings nahm die rothaarige <emphasis>Da'covale</emphasis> Tuon und Suroth diese Arbeit ab. Mat nutzte die Gelegenheit, um Tylin ein St�ck zur Seite zu nehmen, weit genug, um nicht belauscht zu werden. Die <emphasis>So'jhin</emphasis> verfolgte ihn mit ihren Blicken, was ihm nicht entging, aber wenigstens schien Tuon, die die Bem�hungen der schlanken <emphasis>Da'covale</emphasis> �ber sich ergehen lie�, seine Existenz vergessen zu haben.</p><p>�Ich bin nicht einfach nur gefallen�, sagte er leise zu Tylin. �Der <emphasis>Gholam</emphasis> hat vor wenigen Stunden versucht, mich zu t�ten. Es w�re vielleicht besser, wenn ich gehe. Das Ding ist hinter mir her und wird nicht davor zur�ckschrecken, jeden in meiner N�he t�ten.� Dieser Plan war ihm gerade erst eingefallen, aber er fand, dass er gute Erfolgsaussichten hatte.</p><p>Tylin schniefte. �Er... es... kann dich nicht bekommen, Schweinchen.� Sie warf Tuon einen Blick zu, der die Hochlady ihren Plan mit der Schwesternschaft h�tte vergessen lassen, wenn sie ihn gesehen h�tte. �Und sie auch nicht.� Wenigstens war sie schlau genug, um zu fl�stern.</p><p>�Wer ist sie?�, fragte er. Nun, einen Versuch war es wert gewesen.</p><p>�Die Hochlady Tuon und du wei�t so viel wie ich�, erwiderte Tylin genauso leise. �Suroth springt, wenn sie die Stimme erhebt, und sie springt, wenn Anath spricht, obwohl ich fast schw�ren k�nnte, dass diese Anath eine Dienerin ist.� Pl�tzlich kratzte sie mit dem Finger einen Schlammfleck von seiner Wange. Er hatte gar nicht gewusst, dass er auch Dreck im Gesicht hatte. Auf einmal trat das Adlerweibchen wieder deutlich in ihre Augen. �Erinnerst du dich an die rosafarbenen Schleifen, S��er? Wenn ich zur�ckkomme, werden wir ausprobieren, wie du in Rosa aussiehst.�</p><p>Sie rauschte mit Tuon und Suroth aus dem Raum, gefolgt von Anath und der <emphasis>So'jhin</emphasis> und den <emphasis>Da'covale,</emphasis> und lie� Mat mit der gro�m�tterlichen Dienerin zur�ck, die anfing, den Weintisch aufzur�umen. Er lie� sich auf einen der Bambusst�hle sinken und verbarg den Kopf in den H�nden.</p><p>Zu jeder anderen Zeit h�tten ihn die rosafarbenen Schleifen erschaudern lassen. Er h�tte niemals versuchen sollen, ihr die Meinung zu sagen. Selbst der <emphasis>Gholam</emphasis> nahm nur einen kleinen Teil seiner Gedanken ein. Die W�rfel waren verstummt und... Was? Er war drei Leuten von Angesicht zu Angesicht � oder zumindest so gut wie � begegnet, die er nie zuvor getroffen hatte, aber das konnte es nicht sein. Vielleicht hatte es etwas damit zu tun, dass Tylin zu einer Angeh�rigen des Blutes gemacht werden sollte. Aber wenn die W�rfel zuvor innegehalten hatten, war immer ihm pers�nlich etwas zugesto�en.</p><p>Er sa� da und machte sich deswegen Sorgen, w�hrend die Dienerin anderes Personal hereinrief, um alles wegzubringen. Mat sa� da, bis Tylin zur�ckkehrte. Sie hatte das mit den rosafarbenen Schleifen nicht vergessen und das lie� wiederum ihn alles andere f�r eine ziemlich lange Zeit vergessen.</p></section><section><title><p>18</p><p>Ein Angebot</p></title><p>Die Tage, nachdem der <emphasis>Gholam</emphasis> versucht hatte, ihn zu t�ten, nahmen einen Rhythmus an, der Mat fast in den Wahnsinn trieb.</p><p>In den Stra�en sprach man von einem Mann, der nicht weit au�erhalb der Stadt von einem Wolf get�tet worden war, man hatte ihm die Kehle herausgerissen. Niemand war deswegen besorgt, sondern lediglich neugierig, man hatte schon jahrelang keine W�lfe mehr in der N�he von Ebou Dar gesehen. Mat machte sich Sorgen. Die Stadtleute mochten ja glauben, dass sich ein Wolf so nahe an die Stadtmauern heranwagen w�rde, aber er wusste es besser. Der <emphasis>Gholam</emphasis> war nicht verschwunden. Harnan und die anderen Rotwaffen weigerten sich stur abzureisen; sie behaupteten, ihm den R�cken decken zu k�nnen, und Vanin weigerte sich, ohne �berhaupt einen Grund anzugeben, es sei denn, man w�rde die gemurmelte Bemerkung, dass Mat ein gutes Auge f�r schnelle Pferde habe, als solchen verstehen. Allerdings hatte er ausgespuckt, nachdem er es gesagt hatte.</p><p>Riselle, deren olivfarbenes Gesicht h�bsch genug war, um einen Mann schlucken zu lassen, und deren gro�e feuchte Augen wissend genug waren, um seinen Mund auszutrocknen, erkundigte sich nach Olvers Alter. Als Mat ihr daraufhin antwortete, er sei fast zehn, wirkte sie �berrascht und klopfte sich nachdenklich gegen die vollen Lippen, aber falls sie etwas an dem Unterricht des Jungen �nderte, so kam er trotzdem jedes Mal zur�ck und lie� sich gleicherma�en aufgeregt �ber ihren Busen und die B�cher aus, die sie ihm vorlas. Mat war der festen �berzeugung, dass Olver sogar seine abendliche Partie <emphasis>Schlangen und F�chse</emphasis> f�r Riselle und die B�cher aufgegeben h�tte. Und wenn der Junge aus den Gem�chern st�rmte, die einst Mat geh�rt hatten, schl�pfte oft Thom mit der Harfe unter dem Arm hinein. Das allein reichte schon aus, um Mat mit den Z�hnen knirschen zu lassen, aber das war nicht einmal die H�lfte davon.</p><p>Thom und Beslan gingen h�ufig zusammen aus, ohne ihn zum Mitkommen einzuladen, und waren dann den halben Tag oder die halbe Nacht weg. Keiner von ihnen verlor noch ein weiteres Wort �ber ihre Pl�ne, obwohl Thom immerhin den Anstand hatte, verlegen auszusehen. Mat hoffte, dass sie keine Leute f�r nichts und wieder nichts in den Tod schickten, aber sie zeigten nur wenig Interesse an seiner Meinung. Beslan starrte ihn nur finster an, wenn er ihn sah. Juilin schlich sich weiterhin in die oberen Etagen und wurde von Suroth erwischt, was ihm eine Pr�gelstrafe einbrachte; sie banden ihn im Stall mit den Handgelenken an einen Querpfosten und z�chtigten ihn mit Riemen. Mat sorgte daf�r, dass Vanin seine Striemen behandelte � der Mann behauptete, die Behandlung von Menschen sei dieselbe wie bei Pferden �, und warnte ihn, dass es das n�chste Mal schlimmer ausgehen konnte, aber der Narr trieb sich noch am selben Abend wieder in den oberen Stockwerken herum, obwohl ihn das Gewicht seines Hemdes auf dem R�cken schmerzvoll zusammenzucken lie�. Es konnte sich nur um eine Frau handeln, obgleich sich der Diebef�nger beharrlich weigerte, etwas zu sagen. Mat vermutete, dass es sich um eine der seanchanischen Adligen handelte. Eine der Palastdienerinnen h�tte ihn in seinem Gemach besuchen k�nnen, da Thom so oft weg war.</p><p>Nat�rlich nicht Suroth oder Tuon, aber sie waren nicht die einzigen Seanchaner im Palast, die dem hochrangigen Blut angeh�rten. Die meisten Adligen hatten in der Stadt Zimmer oder <emphasis>ganze</emphasis> H�user gemietet, aber einige hatten Suroth als Gefolge begleitet, und das M�dchen hatte ebenfalls eine Hand voll mitgebracht. Trotz ihrer Frisuren und der Art und Weise, wie sie auf alle herabsahen, die keine rasierten Schl�fen hatten, sah mehr als nur eine der Frauen nach einem netten Arm voll aus. Immer vorausgesetzt, dass sie den M�nnern mehr Beachtung schenkten als den M�beln. Auch wenn es unwahrscheinlich erschien, dass eine jener hochm�tigen Frauen einen Mann, der im Dienstbotenquartier schlief, auch nur eines zweiten Blickes w�rdigen w�rde, nun, das Licht wusste, dass Frauen einen seltsamen Geschmack hatten, was M�nner anging. Ihm blieb keine Wahl, als Juilin in Ruhe zu lassen. Wer auch immer die Frau war, sie w�rde m�glicherweise daf�r sorgen, dass er doch noch den Kopf verlor, aber diese Art Fieber musste sich erst ausbrennen, bevor ein Mann wieder vern�nftig denken konnte. Frauen taten dem Verstand eines Mannes seltsame Dinge an.</p><p>Die neu eintreffenden Schiffe spien tagelang einen schier endlosen Strom aus Menschen, Tieren und Fracht aus; w�ren sie alle geblieben, h�tte er ausgereicht, um die m�chtigen Stadtmauern von innen heraus zu sprengen, aber sie fl�ssen mit ihren Familien und ihrem Handwerkszeug und Viehbestand durch die Stadt hinaus ins Landesinnere, dazu bereit, Wurzeln zu schlagen. Soldaten wurden ebenfalls durchgeschleust, Tausende von ihnen, wohlgeordnete Reihen aus Infanterie und Kavallerie mit dem Benehmen von Veteranen, die in mit hellen Farben lackierten R�stungen nach Norden und nach Osten �ber den Fluss weitermarschierten. Mat gab es auf, sie zu z�hlen. Manchmal sah er auch seltsame Kreaturen, allerdings wurden die meisten von ihnen oberhalb der Stadt ausgeladen, um die Stra�en zu meiden. <emphasis>Torrn,</emphasis> drei�ugige, bronzegeschuppte Katzen in der Gr��e von Pferden, die richtige Pferde allein schon durch ihre Anwesenheit durchgehen lie�en, und <emphasis>Corlm,</emphasis> die wie haarige, fl�gellose V�gel von Mannsgr��e aussahen, deren lange Ohren st�ndig zuckten und deren gebogene Schn�bel sich nach frisch gerissenem Menschenfleisch zu verzehren schienen, und gewaltige <emphasis>S'redit</emphasis> mit ihren langen Nasen und noch l�ngeren Sto�z�hnen.</p><p><emphasis>Raken</emphasis> und die gr��eren <emphasis>To'raken</emphasis> starteten von ihren Landepl�tzen unterhalb des Rahad, gewaltige Echsen, die fledermaus�hnliche Fl�gel spreizten und M�nner auf den R�cken transportierten. Die Namen waren m�helos aufzuschnappen; jeder seanchanische Soldat diskutierte begeistert �ber die Notwendigkeit, Sp�her auf <emphasis>Raken</emphasis> auszusenden oder �ber die F�higkeiten der <emphasis>Corlm</emphasis> bei der Spurensuche, ob <emphasis>S'redit</emphasis> f�r mehr als den Transport schwerer Lasten zu gebrauchen und <emphasis>Torrn</emphasis> zu intelligent waren, um vertrauensw�rdig zu sein. Er erfuhr viele interessante Dinge von M�nnern, die das wollten, was alle Soldaten wollen, einen Schluck zu trinken und eine Frau und ein Spiel, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Diese Soldaten waren tats�chlich Veteranen. Seanchan war ein Imperium, das gr��er als alle Nationen zwischen dem Aryth-Meer und dem R�ckgrat der Welt zusammen war, und das alles unter einer Kaiserin vereint, aber mit einer Geschichte beinahe st�ndiger Revolten und Rebellionen, die die Soldaten in �bung hielten. Die Bauern w�rde man schwerer loswerden.</p><p>Nat�rlich r�ckten nicht alle Soldaten wieder ab. Eine starke Garnison blieb, nicht nur Seanchaner, sondern auch stahlverschleierte tarabonische Lanzenreiter und amadicianische Pikentr�ger, die ihre Brustpanzer bemalt hatten, damit sie seanchanischen R�stungen �hnelten. Und neben Waffenm�nnern aus Tylins Haus auch Altaraner. Gem�� den Verlautbarungen der Seanchaner war Tylin genauso die Herrscherin �ber die Altaraner aus dem Landesinneren mit den roten Strichen kreuz und quer �ber den Brustpanzern wie �ber die M�nner, die den Tarasin-Palast bewachten, was die K�nigin aber seltsamerweise nicht zu erfreuen schien. Die Leute aus dem Landesinneren waren dar�ber auch nicht besonders begeistert. Sie und die M�nner in Mitsobars Gr�n und Wei� belauerten sich wie fremde Kater in einem kleinen Zimmer. Man tauschte �berhaupt viele finstere Blicke aus, Taraboner und Amadicianer, Amadicianer und Altaraner und umgekehrt; seit langer Zeit gereifte, langj�hrige Animosit�ten brodelten an die Oberfl�che, aber es ging nie weiter als drohend geschwungene F�uste und ein paar Fl�che.</p><p>F�nfhundert Mann der Totenwache waren von den Schiffen gekommen und aus einem bestimmten Grund in Ebou Dar geblieben. Die �blichen Verbrechen, mit denen man in jeder gro�en Stadt rechnen musste, hatten unter den Seanchanern einen dramatischen R�ckgang erlebt, aber die Totenw�chter patrouillierten die Stra�en, als erwarteten sie, dass Beutelschneider, Schl�ger und vielleicht schwer bewaffnete Banden von Briganten aus den B�rgersteigen in die H�he schnellten. Die Altaraner und Amadicianer und Taraboner hielten ihr Temperament unter Kontrolle. Nur ein Narr diskutierte mit der Totenwache, und das auch nur einmal. Und ein weiteres Kontingent der Wache hatte in der Stadt Quartier bezogen, ausgerechnet einhundert Ogier in Rot und Schwarz. Manchmal patrouillierten sie zusammen mit den anderen und manchmal wanderten sie mit den langsch�ftigen �xten auf den Schultern einfach nur umher. Sie waren nicht wie Mats Freund Loial. Oh, sie hatten die gleichen breiten Nasen und die mit Haarb�scheln bewachsenen Ohren und langen Brauen, die neben Augen von der Gr��e von Teetassen herabhingen, aber die G�rtner sahen einen Mann an, als w�rden sie dar�ber nachdenken, ob er nicht an ein paar Gliedma�en beschnitten werden musste. Keiner war so n�rrisch, auch nur einmal den Versuch zu unternehmen, mit den G�rtnern ins Gespr�ch zu kommen. Seanchaner str�mten aus Ebou Dar hinaus und Nachrichten hinein. Selbst wenn sie auf dem Dachboden schlafen mussten, produzierten sich die Kaufleute in den Schankr�umen der Gasth�user, rauchten ihre Pfeifen und erz�hlten die Dinge, die nur sie wussten. Solange es nicht ihre Profite beeintr�chtigte. Die Leibw�chter der Kaufleute interessierten sich nur wenig f�r Profite, von denen sie nichts abbekamen, und erz�hlten alles, und einiges davon entsprach sogar der Wahrheit. Matrosen erz�hlten ihre Geschichten allen, die ihnen einen Krug Ale bezahlten oder, noch besser, hei�en gew�rzten Wein, und wenn sie genug getrunken hatten, erz�hlten sie noch mehr, �ber H�fen, in denen sie angelegt hatten, und Geschehnisse, von denen sie Zeugen geworden waren, und sp�ter dann von den Tr�umen, die sie das letzte Mal gehabt hatten, nachdem sie ihren benebelten Kopf ausgel�ftet hatten. Doch es war unverkennbar, dass es in der Welt au�erhalb von Ebou Dar brodelte wie auf dem Meer der St�rme. Von �berall kamen Geschichten �ber sengende und pl�ndernde Aiel und marschierende Heere in Tear und Murandy, in Arad Doman und Andor, und in Amadicia, das noch immer nicht v�llig unter seanchanischer Kontrolle stand, w�hrend es im Herzen von Altara Dutzende bewaffneter Gruppen gab, die zu klein waren, um als Heer bezeichnet zu werden. Keiner schien sich sicher zu sein, wer gegen wen k�mpfen wollte � mal abgesehen von den M�nnern in Altara und Amadicia. Und es gab einigen Zweifel, was Altara betraf. Altaraner hatten die Gabe, sich Schwierigkeiten zunutze zu machen, um Stetigkeiten mit Nachbarn zu regeln.</p><p>Die Nachrichten, die die Stadt am meisten ersch�tterten, waren jene �ber Rand. Mat versuchte sein Bestes, nicht an ihn oder Perrin zu denken, aber es fiel schwer, diese seltsamen Farbwirbel in seinem Kopf zu vermeiden, wenn der Wiedergeborene Drache in aller Munde war. Der Wiedergeborene Drache war tot, behaupteten einige, ermordet von Aes Sedai, von der ganzen Wei�en Burg, die sich in Cairhien auf ihn gest�rzt hatte, oder war es in Illian geschehen oder in Tear? Nein, sie hatten ihn entf�hrt und er wurde in der Wei�en Burg gefangen gehalten. Nein, er war aus freiem Willen zur Wei�en Burg gegangen und hatte dem Amyrlin-Sitz die Treue geschworen. Dem Letzteren wurde oft Glauben geschenkt, weil eine gro�e Zahl von M�nnern behauptete, eine von Elaida h�chstpers�nlich unterzeichnete Proklamation gesehen zu haben, die genau das verk�ndete. Mat hatte da seine Zweifel, dass Rand tot sein oder zumindest die Lehnstreue geschworen haben sollte. Aus irgendeinem nicht n�her zu bestimmenden Grund war er davon �berzeugt, zu wissen, falls Rand den Tod fand, und was das andere anging, so konnte er sich nicht vorstellen, dass sich der Mann der Wei�en Burg auch nur freiwillig auf hundert Meilen n�herte. Wiedergeborener Drache oder nicht, er hatte mehr Verstand.</p><p>Diese Nachrichten � und zwar sie alle � brachten Unruhe unter die Seanchaner wie ein in einen Ameisenhaufen gesto�ener Stock. Hochrangige Offiziere eilten zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Korridore des Tarasin-Palasts; sie hatten die seltsamen Helme unter die Arme geklemmt, ihre Stiefel knallten laut auf die Bodenfliesen, und ihre Gesichter waren ernst. Kuriere rasten aus Ebou Dar, auf Pferden und <emphasis>To'mken. Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> fingen an, in den Stra�en zu patrouillieren, statt nur an den Toren Wache zu stehen, und nahmen die Jagd auf Frauen, welche die Macht lenken konnten, wieder auf. Mat ging den Offizieren aus dem Weg und nickte den <emphasis>Sul'dam</emphasis> h�flich zu, wenn er ihnen auf den Stra�en begegnete. Wie auch immer Rands Situation aussah, in Ebou Dar konnte er nichts daran �ndern. Zuerst musste er aus der Stadt hinaus.</p><p>Am Morgen nach dem Tag, an dem der <emphasis>Gholam</emphasis> ihn hatte t�ten wollen, verbrannte Mat jede einzelne der langen rosafarbenen Schleifen im Kamin, sobald Tylin ihre Gem�cher verlassen hatte. Er verbrannte auch einen pinkfarbenen Mantel, den sie f�r ihn hatte anfertigen lassen, sowie zwei Paar rosafarbene Hosen und einen Umhang in derselben Farbe. Der Gestank brennender Wolle und Seide erf�llte die R�ume, und er �ffnete ein paar Fenster, um ihn hinauszulassen, aber eigentlich war es ihm egal. Er versp�rte gro�e Erleichterung, hellblaue Kniebundhosen und einen bestickten gr�nen Mantel und einen blauen Umhang mit wahrhaft �berladener Verzierung zu tragen. Nicht einmal die ganze Spitze st�rte ihn. Wenigstens war sie nicht rosa. Er wollte nie wieder etwas mit dieser Farbe auch nur<emphasis>sehen.</emphasis></p><p>Er st�lpte sich den Hut auf den Kopf und hinkte aus dem Tarasin-Palast, fest entschlossen, das Loch zu finden, in dem er all das verstecken konnte, was er f�r eine Flucht ben�tigte, und wenn er jede Schenke, Seemannskneipe und jedes Gasthaus der Stadt zehnmal besuchen musste. Selbst im Rahad. Hundert Mal! Graue M�wen und schwarzfl�gelige Scherenschn�bel wirbelten durch einen bleiernen Himmel, der mehr Regen versprach; ein eiskalter Wind, der den Geruch von Salzwasser mit sich trug, peitschte �ber den Mol Hara und wirbelte Umh�nge nach oben. Er stapfte auf die Pflastersteine, als wollte er jeden einzelnen spalten. Licht, wenn es sein musste, w�rde er Luca in dem begleiten, was er am Leib trug. Vielleicht w�rde Luca ihn seine Passage als Possenrei�er abarbeiten lassen! Vermutlich w�rde der Mann sogar darauf bestehen. Aber wenigstens w�rde er so in der N�he von Aludra und ihren Geheimnissen bleiben k�nnen.</p><p>Er ging den ganzen Platz entlang, bevor ihm bewusst wurde, dass ihn seine Schritte zu einem gro�en wei�en Geb�ude gef�hrt hatten, das er gut kannte. Das Schild �ber der bogenf�rmigen T�r verk�ndete den Namen <emphasis>Die Wanderin.</emphasis> Ein gro�er Bursche in einer rotschwarzen R�stung trat heraus, einen Helm unter dem Arm mit drei schmalen schwarzen Federn, und wartete darauf, dass man ihm sein Pferd brachte. Seine Schl�fen waren grau und sein Gesicht gutm�tig, aber er sah Mat nicht an, und Mat vermied es, in seine Richtung zu schauen. Ganz egal, wie angenehm der Mann oberfl�chlich auch erscheinen mochte, geh�rte er dennoch zur Totenwache; dar�ber hinaus handelte es sich um einen Bannergeneral. Wegen der N�he zum Palast war jedes Zimmer der <emphasis>Wanderin</emphasis> von hohen seanchanischen Offizieren belegt und aus diesem Grund war er seit seiner Genesung nicht mehr hier gewesen. Normale seanchanische Soldaten waren keine �blen Burschen, stets dazu bereit, die halbe Nacht bei einem Gl�cksspiel zu verbringen und eine Runde zu bezahlen, wenn sie an der Reihe waren, aber die hochrangigen Offiziere h�tten genauso gut Adlige sein k�nnen. Andererseits, irgendwo musste er anfangen.</p><p>Der Schankraum war beinahe genau so, wie er ihn in Erinnerung hatte, mit einer hohen Decke und trotz der fr�hen Stunde von den Lampen an den W�nden hell erleuchtet. Die hohen Bogenfenster waren mit schweren L�den verschlossen, um die W�rme drinnen zu behalten, und in beiden gro�en Kaminen prasselten Feuer. Ein feiner Nebel aus Pfeifenrauch erf�llte die Luft und aus der K�che kam der Duft k�stlicher Gerichte. Zwei Frauen mit Fl�ten und ein Bursche mit einer Trommel zwischen den Knien spielten eine schnelle, schrille Ebou Dari-Weise. Gar kein so gro�er Unterschied zu der Zeit, als er hier gewohnt hatte, was das anging. Aber alle St�hle waren nun mit Seanchanern besetzt; einige trugen R�stungen und andere lange, bestickte M�ntel. Sie tranken, unterhielten sich und studierten auf Tischen ausgebreitete Karten. An einem Tisch schien eine Frau mit grauem Haar und der, Flamme einer <emphasis>Der'sul'dam</emphasis> auf der Schulter Rapport zu erstatten und an einem anderen nahm eine d�rre <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit einer rundgesichtigen <emphasis>Damane</emphasis> zu ihren F��en Befehle entgegen. Eine Anzahl Seanchaner hatten die Seiten des Sch�dels und den Hinterkopf so rasiert, dass es den Anschein hatte, als h�tten sie eine Sch�ssel aufgesetzt, und das hinten �brig gebliebene Haar fiel in einem breiten Schweif nach unten, der bei den M�nnern bis zur Schulter und bei den Frauen oft bis zur Taille reichte. Das waren einfache Lords und Ladys, keine Hoch- irgendwas, aber das spielte letztlich keine Rolle. Ein Lord war ein Lord, und davon abgesehen hatten sogar die M�nner und Frauen, die aufstanden, um bei den Schankm�dchen Nachschub an Getr�nken zu bestellen, den glatt rasierten, geringsch�tzigen Gesichtsausdruck von Offizieren, was wiederum bedeutete, dass die Leute, f�r die sie Getr�nke bestellten, R�nge bekleideten, die hoch genug waren, um einem Mann �rger zu bereiten. Einige von ihnen bemerkten ihn und runzelten die Stirn und er w�re beinahe wieder gegangen.</p><p>Dann sah er die Wirtin die gel�nderlose Treppe im r�ckw�rtigen Teil des Raumes herunterkommen, eine imposante Frau mit haselnussbraunen Augen und gro�en goldenen Ohrringen, deren Haar mit grauen Str�hnen durchsetzt war. Setalle Anan war keine Ebou Dari, vermutlich nicht mal Altaranerin, aber sie trug den Hochzeitsdolch, der mit dem Griff nach unten von einer silbernen Halskette in den tiefen, schmalen Ausschnitt ragte, und an ihrer Taille hing eine lange, gebogene Klinge. Sie wusste, dass er angeblich ein Lord war, aber Mat war sich nicht sicher, ob sie es noch immer glaubte oder ob es etwas n�tzen w�rde, wenn sie den ganzen Unsinn auch weiterhin schluckte. Auf jeden Fall erblickte sie ihn im gleichen Augenblick und l�chelte, es war ein freundliches, einladendes L�cheln, das ihr Gesicht noch h�bscher machte. Da blieb nichts anderes mehr zu hin, als zu ihr her�berzugehen, sie zu begr��en und sich nach ihrer Gesundheit zu erkundigen, das Ganze aber nicht zu auff�llig zu machen. Ihr muskul�ser Mann war Kapit�n eines Fischerboots mit mehr Duell-Narben, als Mat dar�ber nachdenken wollte. Sie erkundigte sich sofort nach Nynaeve und Elayne und wollte dann zu seiner �berraschung wissen, ob er etwas �ber die Kusinen geh�rt habe. Er hatte keine Ahnung gehabt, dass sie �berhaupt von ihnen wusste.</p><p>�Sie haben Nynaeve und Elayne begleitet�, fl�sterte er und hielt vorsichtig Ausschau um sicherzugehen, dass die Seanchaner ihnen keine Aufmerksamkeit schenkten. Er wollte nicht zu viel sagen, aber an einem Ort �ber die Kusinen zu sprechen, an dem Seanchaner zuh�ren konnten, verursachte ihm eine G�nsehaut. �Soweit ich wei�, sind sie alle in Sicherheit.�</p><p>�Gut. Es w�rde mir Leid tun, w�re auch nur eine von ihnen an den Kragen gelegt worden.� Das dumme Weib senkte nicht einmal die Stimme!</p><p>�Ja, das ist gut�, murmelte er und erkl�rte eilig seine W�nsche, bevor sie noch lauthals verk�nden konnte, wie sehr sie sich dar�ber freute, dass Frauen, die die Macht lenken konnten, den Seanchanern entkommen waren. Er freute sich ebenfalls dar�ber, aber er freute sich nicht so sehr, dass er sich freiwillig in Ketten legen lie�.</p><p>Kopfsch�ttelnd setzte sie sich auf die Stufen und legte die H�nde auf die Knie. Ihre dunkelgr�nen R�cke, die auf der linken Seite nach oben gen�ht waren, entbl��ten rote Unterr�cke. Wenn es darum ging, Farben zu w�hlen, schienen die Ebou Dari selbst Kesselflicker zu �bertreffen. Das Gewirr seanchanischer Stimmen k�mpfte gegen die schrille Musik an und sie sa� da und sah ihn streng an. �Ihr kennt unsere Br�uche nicht, das ist das Problem�, sagte sie. �Liebchen sind in Altara eine alte und ehrw�rdige Tradition�, erkl�rte sie. �Viele junge M�nner oder Frauen haben einen letzten Flirt als Liebchen, werden verw�hnt und lassen sich mit Geschenken �berh�ufen, bevor sie sesshaft werden. Aber Ihr m�sst wissen, dass ein Liebchen entscheidet, wann es geht. Tylin sollte Euch nicht so behandeln, wie sich die Leute erz�hlen. Aber ich muss sagen, sie kleidet Euch gut�, f�gte sie nachdenklich hinzu. Sie machte eine kreisende Bewegung mit der Hand. �Hebt Euren Umhang an und dreht Euch um, damit ich Euch ansehen kann.�</p><p>Mat nahm einen tiefen, beruhigenden Atemzug. Und dann noch drei. Das Blut, das in sein Gesicht schoss, war die reine Wut. Kein Err�ten. Mit Sicherheit nicht! Licht, wusste denn die ganze Stadt Bescheid? �Habt Ihr einen Raum f�r mich oder nicht?�, verlangte er mit erstickter Stimme zu wissen.</p><p>Wie sich herausstellte, hatte sie einen. Er konnte ein Regalbrett in ihrem Keller benutzen, der ihr zufolge das ganze Jahr �ber trocken blieb, und da war der kleine Hohlraum unter dem steinernen K�chenboden, wo er fr�her seine Truhe mit dem Gold verwahrt hatte.</p><p>Der Mietpreis bestand darin, seinen Umhang hochzuhalten und sich umzudrehen, damit sie besser sehen konnte. Sie grinste wie eine Katze! Einer der seanchanischen Frauen, einer Frau in roter und blauer R�stung mit einem Gesicht wie ein Bussard, gefiel das Schauspiel so sehr, dass sie ihm eine fette Silberm�nze mit einer seltsamen Pr�gung zuwarf. Einem abweisenden Frauengesicht auf der einen und einer Art schwerem Stuhl auf der anderen Seite.</p><p>Aber egal, er hatte seinen Ort, um Kleidung und Geld aufzubewahren, und als er wieder im Palast in Tylins Gem�chern war, fand er heraus, dass er auch Kleidung hatte, die er dort unterbringen konnte.</p><p>�Ich f�rchte, die Gew�nder meines Lords sind in einem schrecklichen Zustand�, sagte Nerim bek�mmert. Der d�nne Cairhiener h�tte ein Geschenk von Feuertropfen mit der gleichen Begeisterung angek�ndigt. Sein langes Gesicht war in ewiger Trauer. Allerdings behielt er die T�r im Auge f�r den Fall, dass Tylin zur�ckkehrte. �Alles ist ziemlich schmutzig und ich f�rchte, der Schimmel hat einige der besten M�ntel meines Lords verdorben.�</p><p>�Sie waren alle in einem Wandschrank, zusammen mit Prinz Beslans Kinderspielzeug, mein Lord�, warf Lopin lachend ein und zupfte an den Aufschl�gen eines dunklen Mantels von der Art, wie Juilin sie trug. Der langsam kahl werdende Mann war das genaue Gegenteil von Nerim, st�mmig statt knochig, dunkel statt blass, und sein Kugelbauch h�pfte st�ndig vor Lachen. Nach Naleseans Tod hatte es so ausgesehen, als wollte er mit Nerim im Seufzen wetteifern, so wie sie um alles wetteiferten, aber die vergangenen Wochen hatten ihn wieder zu seinem alten Selbst gemacht. Zumindest so lange keiner seinen ehemaligen Herrn erw�hnte. �Sie sind aber verstaubt, mein Lord. Ich bezweifle, dass jemand an dem Wandschrank war, seit der Prinz seine Spielzeugsoldaten wegger�umt hat.�</p><p>Mit dem Gef�hl, dass er endlich eine Gl�cksstr�hne hatte, befahl Mat ihnen, seine Kleidung r�ber in die <emphasis>Wanderin</emphasis> zu schaffen, immer nur ein paar St�cke auf einmal, und bei jedem Transport einen Beutel Gold mitzunehmen. Sein Speer mit dem schwarzen Schaft, der zusammen mit dem entspannten Bogen von den Zwei Fl�ssen in einer Ecke von Tylins Schlafgemach stand, w�rde bis zuletzt warten m�ssen. Die Waffen herauszubekommen w�rde vielleicht genauso schwierig werden wie selbst herauszuschaffen. Einen Bogen konnte er immer wieder neu herstellen, aber er w�rde auf keinen Fall den <emphasis>Ashandarei</emphasis> zur�cklassen.</p><p><emphasis>Ich habe f�r das verdammte Ding einen zu hohen Preis bezahlt, um ihn hierzulassen,</emphasis> dachte er und fuhr �ber die Narbe, die das Tuch um seinen Hals verbarg. Eine der ersten von viel zu vielen. Beim Licht, es w�re nett gewesen, sich vorstellen zu k�nnen, dass ihn mehr erwartete als weitere Narben und Schlachten. Und eine Frau, die er nicht wollte oder gar kannte. Da musste es doch mehr als das geben. Aber zuerst ging es darum, mit heiler Haut aus Ebou Dar herauszukommen. Das stand an oberster Stelle.</p><p>Lopin und Nerim verlie�en ihn unter st�ndigen Verbeugungen und mit dem Gegenwert zweier fetter Geldbeutel in der Kleidung verborgen, um keine verr�terischen Ausbuchtungen hervorzurufen, aber sie waren kaum weg, als Tylin erschien und wissen wollte, warum seine Leibdiener durch die Korridore st�rmten, als wollten sie ein Wettrennen veranstalten. W�re er lebensm�de gewesen, h�tte er ihr sagen k�nnen, dass das Wettrennen entscheiden sollte, wer das Gasthaus als Erster mit seinem Gold erreichen w�rde, oder vielleicht auch nur, wer als Erster anfangen w�rde, seine Kleidung zu reinigen. Stattdessen besch�ftigte er sich damit, sie abzulenken, und bald verjagte das auch alle anderen Gedanken aus seinem Kopf, mal abgesehen von dem Eindruck, dass sein Gl�ck endlich auch f�r etwas anderes als Gl�cksspiele gut war. Um das Ma� voll zu machen, h�tte Aludra ihm vor seinem Aufbruch nur noch das geben m�ssen, was er wollte. Tylin steigerte sich regelrecht in das hinein, was sie gerade tat, und eine Zeit lang verga� er Feuerwerk und Aludra und die Flucht. Eine Zeit lang.</p><p>Nach einigem Suchen fand er in der Stadt schlie�lich einen Glockengie�er. In Ebou Dar gab es einige Gongmacher, aber nur einen Glockengie�er, der eine Gie�erei au�erhalb der Westmauer hatte. Der Glockenmacher, ein kadaverhafter, ungeduldiger Kerl, schwitzte in der Hitze seines gewaltigen Schmelzofens. Der lange Raum, aus dem die Gie�erei bestand, h�tte durchaus eine Folterkammer sein k�nnen. Ketten baumelten von den Dachbalken, aus dem Schmelzofen sch�ssen unvermutet Flammen hervor, die flackernde Schatten an die W�nde warfen und Mat halb blind machten. Und sobald er das Bild des lodernden Feuers fortblinzelte, lie� ihn die n�chste Eruption die Augen zusammenkneifen. Schwei�gebadete Arbeiter g�ssen fl�ssige Bronze aus dem Kessel des Schmelzofens in eine rechteckige Form von der halben Gr��e eines Mannes, die auf R�dern in Position gebracht wurde. �berall standen andere gro�e Gussformen zwischen einer Vielzahl kleinerer Gussformen herum.</p><p>�Mein Lord belieben zu scherzen.� Meister Sutoma rang sich ein Kichern ab, aber er sah nicht am�siert aus mit seinem feuchten schwarzen Haar, das in seinem Gesicht klebte. Sein Kichern klang so hohl, wie seine Wangen aussahen, und er bedachte seine Arbeiter mit misstrauischen Blicken, als bef�rchtete er, sie w�rden sich hinlegen und schlafen, wenn er sie nicht streng im Auge behielt. In dieser Hitze h�tte nicht einmal ein Toter schlafen k�nnen. Mats Hemd klebte feucht auf seiner Haut und er fing an, seinen Mantel an einigen Stellen durchzuschwitzen. �Ich wei� nichts �ber Illuminatoren, mein Lord, und ich will auch nichts davon wissen. Feuerwerk, �berfl�ssiger Unsinn. Nicht wie Glocken. Wenn mich mein Lord jetzt entschuldigen w�rde? Ich bin sehr besch�ftigt. Die Hochlady Suroth hat dreizehn Glocken f�r einen Siegessatz bestellt, die gr��ten Glocken, die je gegossen wurden. Und Calwyn Sutoma wird sie gie�en!� Dass es sich um den Sieg �ber seine Heimatstadt handelte, schien Sutoma dabei nicht im Mindesten zu st�ren. Seine letzten Worte lie�en ihn grinsen und die H�nde reiben.</p><p>Mat versuchte, Aludra umzustimmen, aber die Frau h�tte genauso gut ebenfalls aus Bronze gegossen sein k�nnen. Nun ja, sie f�hlte sich betr�chtlich weicher als Bronze an, als sie ihm endlich erlaubte, einen Arm um sie zu legen, aber die K�sse, die sie erbeben lie�en, brachten ihre Entschlossenheit nicht ins Wanken.</p><p>�Also, soweit es mich angeht, ich halte nichts davon, einem Mann mehr zu sagen, als er wissen muss�, sagte sie atemlos neben ihm auf der gepolsterten Bank in ihrem Wagen. Mehr als K�sse lie� sie nicht zu, aber darin war sie dann doch sehr enthusiastisch. Die d�nnen, mit Perlen versehenen Z�pfe, die sie wieder trug, waren alle durcheinander. �M�nner klatschen, nicht wahr? Bla, bla, bla, und du wei�t auch nicht, was du als N�chstes sagst. Und vielleicht habe ich dir ja dieses R�tsel nur gestellt, damit du zur�ckkommst, hm?� Und sie machte sich daran, ihr Haar noch weiter in Unordnung zu bringen, und seines gleich mit.</p><p>Nachdem er ihr vom Schicksal des Gildehauses in Tanchico erz�hlt hatte, stellte sie keine Nachtblumen mehr her. Er stattete Meister Sutoma noch zwei Besuche ab, aber beim zweiten lie� der Glockengie�er vor ihm die T�r verrammeln. Er goss die gr��ten Glocken, die er je hergestellt hatte, und er w�rde nicht zulassen, dass ein d�mlicher Ausl�nder mit d�mlichen Fragen ihm dabei in die Quere kam.</p><p>Tylin fing an, die ersten beiden Fingern�gel einer jeden Hand Gr�n zu lackieren, allerdings verzichtete sie darauf, sich die Seiten des Kopfes zu rasieren. Irgendwann w�rde sie auch das tun, vertraute sie ihm an und strich ihr wogendes Haar mit beiden H�nden zur�ck, um sich im Spiegel an der Wand ihres Schlafgemachs zu betrachten. Aber zuerst wollte sie sich mit der Vorstellung anfreunden. Sie passte sich an die Seanchaner an und er konnte ihr das nicht zum Vorwurf machen, ganz egal, wie viele finstere Blicke Beslan seiner Mutter zuwarf.</p><p>Es war unm�glich, dass sie wegen Aludra einen Verdacht haben konnte, aber am Tag nachdem er die Illuminatorin gek�sst hatte, verschwanden die gro�m�tterlichen Dienerinnen aus ihren Gem�chern und wurden durch wei�haarige, dem Greisenalter nahe Frauen ersetzt. Tylin rammte nachts ihren G�rteldolch mit der gebogenen Klinge in einen ihrer Bettpfosten, wo sie ihn griffbereit hatte, und dachte in seiner H�rweite laut dar�ber nach, wie er wohl in dem durchsichtigen Gewand eines <emphasis>Da'covale</emphasis> aussehen w�rde. Grinsende Dienerinnen sagten ihm lediglich, Tylin h�tte den Dolch in den Bettpfosten gerammt, wenn sie ihm mitteilen sollten, dass die K�nigin seine Anwesenheit in ihren Gem�chern w�nschte, und bald ging er jeder Frau in einer Livree, die ihm mit einem L�cheln auf dem Gesicht entgegenkam, aus dem Weg. Es konnte keine Rede davon sein, dass er es verabscheute, von Tylin ins Bett gezogen zu werden; einmal davon abgesehen, dass sie eine K�nigin und damit genauso arrogant wie jede andere Adlige war. Und der Tatsache, dass sie ihn sich wie eine Maus f�hlen lie�, die von einer Katze zum Scho�tier auserkoren worden war. Aber es gab nur eine gewisse Anzahl von Stunden mit Tageslicht, allerdings mehr, als er es im Winter von zu Hause gew�hnt war, und eine Zeit lang musste er sich fragen, ob sie alle davon ausnutzen wollte.</p><p>Gl�cklicherweise fing Tylin an, immer mehr Zeit mit Suroth und Tuon zu verbringen. Ihre Ann�herung schien in Freundschaft geendet zu haben, zumindest, soweit es Tuon betraf. Niemand konnte mit Suroth befreundet sein. Tylin schien das M�dchen adoptiert zu haben oder das M�dchen hatte sie adoptiert. Tylin erz�hlte ihm nur wenig �ber das, wor�ber sie sich unterhielten, blieb stets nur ganz allgemein und manchmal nicht mal das, aber sie zogen sich stundenlang ganz allein zur�ck und spazierten in leise Unterhaltungen vertieft oder manchmal sogar lachend durch die Palastkorridore. Oft gingen Anath oder Selucia, Tuons blonde <emphasis>So'jhin,</emphasis> hinter ihnen her, und gelegentlich auch zwei finster dreinblickende M�nner der Totenwache.</p><p>Er konnte sich die Beziehung zwischen Suroth, Tuon und Anath noch immer nicht erkl�ren. In der �ffentlichkeit benahmen sich Suroth und Tuon wie Gleichgestellte, sprachen sich gegenseitig mit Namen an und lachten �ber die Spa�e der anderen. Tuon gab Suroth niemals einen Befehl, zumindest nicht in seiner Gegenwart, aber Suroth schien Tuons Vorschl�ge als Befehle aufzufassen. Anath hingegen setzte Tuon gnadenlos mit scharfer Kritik zu und nannte sie eine N�rrin oder schlimmeres.</p><p>�Das ist die schlimmste Art der Dummheit, M�dchen�, h�rte er sie eines Mittags in einem der Korridore sagen. Tylin hatte auf ihr plumpes Herbeizitieren verzichtet � bis jetzt � und er versuchte, sich aus dem Palast zu schleichen, bevor sie sich dazu entschied. Vorsichtig schob er sich an den W�nden entlang und sp�hte um jede Ecke. Er hatte geplant, Sutoma und danach Aludra einen Besuch abzustatten. Die drei Seanchanerinnen � vier, wenn man Selucia mitz�hlte, aber er glaubte nicht, dass sie es auf diese Weise gesehen h�tten � standen direkt hinter der n�chsten Abzweigung in einer Gruppe zusammen. W�hrend er nach Dienerinnen mit einem breiten L�cheln im Gesicht Ausschau hielt, wartete er ungeduldig darauf, dass sie endlich weitergingen. Wor�ber sie sich auch immer unterhielten, sie w�rden es nicht zu sch�tzen wissen, wenn er dabei in sie hineinplatzte. �Die n�here Bekanntschaft mit dem Riemen wird Euch auf den richtigen Weg zur�ckbringen und Euren Kopf von diesem Unsinn befreien�, fuhr die hoch gewachsene Frau mit eiskalter Stimme fort. �Bittet darum und h�rt auf damit.�</p><p>Mat steckte sich den Finger ins Ohr und sch�ttelte den Kopf. Er musste sich verh�rt haben. Selucia, die ruhig und mit vor der Taille gefalteten H�nden dastand, verzog jedenfalls keine Miene.</p><p>Suroth stie� jedoch ein Keuchen aus. �Daf�r werdet Ihr sie bestrafen!�, verlangte sie w�tend und starrte f�rmlich L�cher in Anath hinein. Oder versuchte es zumindest. Nach der Beachtung zu urteilen, die die gro�e Frau ihr schenkte, h�tte sie genauso gut ein M�belst�ck sein k�nnen.</p><p>�Ihr versteht nicht, Suroth.� Tuons Seufzer versetzte den Schleier, der ihr Gesicht bedeckte, in Bewegung. Bedeckte, aber nicht verbarg. Sie sah... resigniert aus. Es hatte Mat zutiefst verbl�fft, als er erfahren hatte, dass sie nur wenige Jahre j�nger als er war. Er h�tte mehr als zehn gesch�tzt. Nun, auf jeden Fall sechs oder sieben. �Die Omen sagen etwas anderes, Anath�, fuhr das M�dchen ruhig und nicht im Mindesten w�tend fort. Sie gab lediglich eine Tatsache wieder. �Seid versichert, ich werde es Euch wissen lassen, wenn sie sich ver�ndern.�</p><p>Jemand tippte ihm auf die Schulter; er wandte den Kopf und blickte in das Gesicht einer Dienerin, die ihn breit angrinste. Nun, eigentlich war er gar nicht so versessen auf seinen Ausflug gewesen.</p><p>Tuon bereitete ihm Kopfzerbrechen. Oh, wenn sie einander in den Korridoren begegneten, machte er stets seinen besten Kratzfu� und sie ignorierte ihn daf�r so ausf�hrlich, wie Suroth oder Anath es taten, aber er hatte den Eindruck gewonnen, als w�rden sie sich etwas zu oft in den Korridoren �ber den Weg laufen.</p><p>Eines Nachmittags betrat er Tylins Gem�cher, nachdem er herausgefunden hatte, dass die K�nigin mit Suroth in irgendeiner Besprechung war, und im Schlafgemach �berraschte er Tuon dabei, wie sie seinen <emphasis>Ashandarei</emphasis> untersuchte. Der Anblick, wie sie die in den schwarzen Schaft eingravierten Worte der Alten Sprache befingerte, lie� ihn erstarren. An jedem Ende der Worte war ein aus einem dunkleren Metall gefertigter Rabe eingelassen, zwei weitere waren auf der leicht gekr�mmten Klinge eingraviert. F�r die Seanchaner waren Raben ein kaiserliches Siegel. Mit angehaltenem Atem versuchte er sich r�ckw�rts zu bewegen, ohne einen Laut zu verursachen.</p><p>Das verschleierte Gesicht fuhr zu ihm herum. Eigentlich war es ein h�bsches Gesicht, es h�tte sogar wundersch�n sein k�nnen, wenn sie je aufgeh�rt h�tte auszusehen, als w�rde sie gleich ein St�ck Holz abbei�en. Er fand nicht l�nger, dass sie wie ein Junge aussah �diese engen breiten G�rtel, die sie stets trug, sorgten daf�r, dass man sah, welche Kurven es hier gab �, aber sie h�tte genauso gut einer sein k�nnen. Es kam nur selten vor, dass er einer erwachsenen Frau begegnete, die j�nger als seine Gro�mutter war, und sich nicht zumindest beil�ufig fragte, wie es wohl w�re, mit ihr zu tanzen, sie vielleicht sogar zu k�ssen. Das passierte ihm sogar bei diesen hochn�sigen Vertreterinnen des seanchanischen Blutes, aber bei Tuon hatte er noch nicht einmal ann�hernd an so etwas gedacht. Eine Frau musste etwas haben, um das man seinen Arm legen konnte, warum sich sonst �berhaupt die M�he machen?</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, dass Tylin so etwas besitzt�, sagte sie k�hl und stellte den Speer mit der langen Klinge wieder neben seinen Bogen. �Also muss er Euch geh�ren. Was ist das? Wie kommt Ihr in seinen Besitz?� Dieses kalte Fordern von Informationen lie� ihn die Z�hne zusammenbei�en. Das verdammte Weib h�tte genauso gut einem Diener Befehle erteilen k�nnen. Licht, soweit er wusste, kannte sie nicht einmal seinen Namen! Tylin hatte erz�hlt, dass sie ihn seit ihrem Kaufangebot nie wieder erw�hnt hatte.</p><p>�Man nennt es einen Speer, meine Lady�, sagte er und widerstand dem Drang, sich gegen den T�rrahmen zu lehnen und die Daumen in den G�rtel zu stecken. Schlie�lich geh�rte sie dem seanchanischen Blut an. �Ich habe ihn gekauft.�</p><p>�Ich werde Euch das Zehnfache des Preises geben, den Ihr bezahlt habt�, sagte sie. �Nennt ihn.�</p><p>Beinahe h�tte er gelacht. Er wollte es, und bestimmt nicht vor Vergn�gen, so viel stand fest. Kein <emphasis>W�rdet Ihr ihn vielleicht verkaufen,</emphasis> blo� ein <emphasis>Ich will ihn kaufen und das werde ich daf�r bezahlen.</emphasis> �Der Preis bestand nicht aus Gold, meine Lady.� Unwillk�rlich griff er nach dem schwarzen Halstuch, um sich zu vergewissern, dass es die gezackte Narbe an seinem Hals verbarg. �Nur ein Narr w�rde ihn einmal bezahlen, geschweige denn zehnmal.�</p><p>Sie musterte ihn einen Augenblick lang, und ihr Gesichtsausdruck blieb unleserlich, egal wie durchsichtig der Schleier auch war. Und dann h�tte er sich genauso gut auch in Luft aufgel�st haben k�nnen. Sie schoss an ihm vorbei, als w�re er nicht l�nger da, und rauschte aus den Gem�chern.</p><p>Das war nicht das einzige Mal, dass er sie allein antraf. Nat�rlich folgten ihr nicht bei jeder Gelegenheit Anath oder Selucia oder W�chter, aber er hatte den Eindruck, dass es ihm viel zu oft passierte, dass er sich entschied, wegen irgendetwas umzukehren und ihr pl�tzlich allein begegnete und sie ertappte, wie sie ihn musterte, oder er verlie� unvermutet einen Raum und stie� vor der T�r auf sie. Mehr als nur einmal schaute er beim Verlassen des Palasts �ber die Schulter und sah ihr verschleiertes Gesicht aus einem Fenster blicken. Gut, es hatte nichts von einem Starren an sich. Sie sah ihn an und rauschte davon, als h�tte er zu existieren aufgeh�rt, sp�hte aus einem Fenster und wandte sich sofort ab, sobald er sie bemerkte. Er war wie ein Kandelaber in einem Korridor, ein Pflasterstein im Mol Hara. Aber es fing an, ihn nerv�s zu machen. Schlie�lich hatte die Frau angeboten, ihn zu <emphasis>kaufen.</emphasis> So etwas konnte einen Mann schon nerv�s machen.</p><p>Doch selbst Tuon konnte das immer st�rker werdende Gef�hl nicht verhindern, dass die Dinge endlich in die richtigen Bahnen gelenkt wurden. Der <emphasis>Gholam</emphasis> kehrte nicht zur�ck, und Mat kam zu dem Schluss, dass er sich vielleicht einer leichteren �Ernte� zugewandt hatte. Auf jeden Fall mied er dunkle und einsame Orte, wo das Ungeheuer eine Chance hatte, ihn zu erwischen. Sein Medaillon war eine sch�ne Sache, aber eine ordentliche Menschenmenge war besser. Bei seinem letzten Besuch bei Aludra hatte sie beinahe etwas verraten � davon war er �berzeugt �, bevor sie die Beherrschung wiederfand und ihn hastig hinauswarf. Es gab nichts, das einem eine Frau nicht sagen w�rde, wenn man sie lange genug k�sste. Er hielt sich von der <emphasis>Wanderin</emphasis> fern, um Tylins Verdacht nicht zu erregen, aber Nerim und Lopin brachten heimlich seine eigenen Kleidungsst�cke in den Keller des Gasthauses. St�ck f�r St�ck wanderte der Inhalt der mit Eisenb�n-dem beschlagenen Kiste unter Tylins Bett �ber den Mol Hara in den verborgenen Hohlraum unter der Gasthausk�che.</p><p>Jedoch fing der Hohlraum unter dem K�chenboden an, ihm Sorgen zu machen. Er war gut genug gewesen, um die Truhe zu verbergen. Ein Mann konnte sein Stemmeisen zerbrechen bei dem Versuch, dort hineinzugelangen. Aber er hatte in dem Gasthaus gewohnt. Jetzt w�rde man das Gold einfach in das Loch kippen, nachdem Setalle die K�che ger�umt hatte. Was war, wenn jemand anfing Fragen zu stellen, warum sie alle hinausjagte, wenn Lopin und Nerim kamen? Jeder konnte die Bodenfliese hochheben, wenn man wusste, wo man suchen musste. Es dr�ngte ihn, sich zu vergewissern. Sp�ter, viel sp�ter, sollte er sich fragen, warum ihn die verdammten W�rfel nicht gewarnt hatten.</p></section><section><title><p>19</p><p>Drei Frauen</p></title><p>Der Wind kam aus dem Norden und die Sonne stand noch nicht ganz �ber dem Horizont, was den Einheimischen zufolge immer Regen bedeutete. Der wolkenverhangene Himmel sah in der Tat bedrohlich aus, als Mat �ber den Mol Hara ging. Die G�ste im Schankraum der <emphasis>Wanderin</emphasis> hatten gewechselt, diesmal waren keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> oder <emphasis>Damane</emphasis> anwesend, aber das Haus war trotzdem voller Seanchaner und Pfeifenrauch, obwohl die Musiker noch nicht aufgetaucht waren. Die meisten der Anwesenden fr�hst�ckten, manche betrachteten die Sch�sseln argw�hnisch, als w�ren sie sich nicht sicher, was sie da eigentlich essen sollten � er hatte sich selbst so gef�hlt, als man ihm den seltsamen wei�en Haferbrei vorgesetzt hatte, den die Ebou Dari gern zum Fr�hst�ck a�en �, aber nicht jeder konzentrierte sich auf sein Essen. Drei M�nner und eine Frau in jenen langen bestickten Gew�ndern, deren K�pfe alle in der Mode des niederen Adels rasiert waren, sa�en an einem Tisch und spielten Karten und rauchten ihre Pfeife. Die Goldm�nzen auf dem Tisch erregten einen Augenblick lang Mats Aufmerksamkeit; sie spielten um hohe Eins�tze. Der gr��te M�nzenstapel befand sich vor einem zierlichen dunkelhaarigen Mann, dessen Hautfarbe so dunkel wie Anaths war und der seine Gegner um den sehr langen Stiel einer silberbeschlagenen Pfeife herum w�lfisch angrinste. Mat hatte aber sein eigenes Gold und sein Gl�ck beim Kartenspiel war nie so gut gewesen wie beim W�rfeln.</p><p>Frau Anan war wegen einer Besorgung schon vor Tagesanbruch ausgegangen, wie ihm ihre Tochter Marah erz�hlte, der sie die Leitung �berlassen hatte. Sie war eine auf h�bsche Weise mollige Frau mit sch�nen gro�en Augen, die die gleiche haselnussbraune F�rbung aufwiesen wie die ihrer Mutter, und sie trug ihre R�cke auf der linken Seite bis zur Mitte des Oberschenkels hochgen�ht, was Frau Anan w�hrend seines Aufenthalts in dem Gasthaus jedenfalls nicht erlaubt h�tte. Marah war nicht besonders erfreut, als sie ihn zu sehen bekam; sie legte die Stirn in Falten, sobald sie ihn n�her kommen sah. Als er hier gewohnt hatte, waren zwei M�nner von seiner Hand gestorben; Diebe, die versucht hatten, ihm den Sch�del einzuschlagen. Dar�ber hatte es nicht den geringsten Zweifel gegeben, aber solche Dinge passierten in der <emphasis>Wanderin</emphasis> einfach nicht. Sie hatte ihm bei seinem Auszug deutlich zu verstehen gegeben, dass sie froh war, ihn gehen zu sehen.</p><p>Und Marah interessierte sich nicht besonders daf�r, was er jetzt hier wollte, und er konnte es auch nicht richtig erkl�ren. Allein Frau Anan wusste, was in der K�che verborgen war � das hoffte er zumindest inbr�nstig �, und er w�rde dies bestimmt nicht im Schankraum herausposaunen. Also erfand er die Geschichte, dass er die gute K�che vermisse, au�erdem betrachtete er den eindeutig zurechtgen�hten Rock und deutete an, dass er es noch mehr vermisst habe, sie sehen zu k�nnen. Er konnte nicht begreifen, warum die Entbl��ung eines St�cks Unterrocks in Ebou Dar als skandal�s galt, wo doch jede Frau ihren halben Busen allen Blicken preisgab, aber falls sich Marah abenteuerlustig f�hlte, konnten ein paar Schmeicheleien ihm vielleicht den Weg ebnen. Er schenkte ihr sein sch�nstes L�cheln.</p><p>Marah h�rte ihm nur mit geringer Aufmerksamkeit zu und hielt eine vorbeigehende Dienstmagd fest, eine wahre Katze von einer Frau mit rauchigen Augen, die er gut kannte. �Lufthauptmann Yulans Becher ist fast leer, Caira�, sagte Marah �rgerlich. �Du solltest doch daf�r sorgen, dass er voll bleibt! Wenn du deine Arbeit nicht tun kannst, M�dchen, es gibt in Ebou Dar genug, die das schaffen!� Caira, die ein paar Jahre �lter als Marah war, machte einen sp�ttischen Hofknicks. Und warf Mat einen finsteren Blick zu. Bevor Caira sich wieder erheben konnte, schnappte sich Marah einen Jungen, der gerade mit einem m�hsam balancierten Tablett voller schmutzigem Geschirr vorbeieilte. �H�r auf herumzutr�deln, <emphasis>ROSS!�,</emphasis> fauchte sie. �Es wartet genug Arbeit! Erledige sie, oder ich schicke dich in die St�lle, und da wird es dir nicht gefallen, das kann ich dir sagen!�</p><p>Marahs j�ngster Bruder sah sie b�se an. �Ich kann den Fr�hling kaum erwarten, wenn ich wieder auf den Booten arbeiten kann�, murmelte er m�rrisch. �Du bist unausstehlich, seit Frielle geheiratet hat, nur weil sie j�nger als du ist und dich noch keiner gefragt hat.�</p><p>Sie schlug nach seinem Kopf, aber er wich ihr m�helos aus, obwohl die aufeinander gestapelten Becher und Teller klirrten und beinahe umgefallen w�ren. �Warum steckst du deine Unterr�cke nicht an den Fischerdocks hoch?�, rief er und schoss davon, bevor sie noch einmal nach ihm schlagen konnte.</p><p>Mat seufzte, als sie ihm endlich ihre volle Aufmerksamkeit widmete. Unterr�cke hochzustecken war ihm neu, aber Marahs Gesichtsausdruck verriet ihm genug. Eigentlich h�tte kochend hei�er Dampf aus ihren Ohren schie�en m�ssen. �Wenn Ihr essen wollt, m�sst Ihr sp�ter noch mal wiederkommen. Wenn Ihr wollt, k�nnt Ihr auch warten. Ich wei� nicht, wie lange es dauern wird, bis man Euch bedienen kann.�</p><p>Ihr L�cheln war h�misch. Niemand w�rde freiwillig in diesem Schankraum warten. Jeder Sitz war von einem Seanchaner belegt, noch mehr standen herum, genug, dass die M�gde gezwungen waren, sich vorsichtig einen Weg zu bahnen und die Tabletts mit dem Essen und Getr�nken dabei hochzuhalten. Caira f�llte den Becher des kleinen dunklen Mannes nach und schenkte ihm eines jener hei�en L�cheln, die sie fr�her f�r Mat reserviert hatte. Er wusste nicht, warum sie w�tend auf ihn war, aber er hatte im Augenblick genug Frauen in seinem Leben, um die er sich k�mmern musste. Was war �berhaupt ein Lufthauptmann? Er w�rde es herausfinden m�ssen. Sp�ter.</p><p>�Ich warte in der K�che�, sagte er Marah. �Ich will Enid sagen, wie sehr mir ihr Essen geschmeckt hat.�</p><p>Sie fing an zu protestieren, aber eine Seanchanerin hob ihre Stimme und verlangte Wein. Mit einer blauen und gr�nen R�stung bekleidet und einem grimmigen Blick und einem Helm mit zwei Federn versehen, wollte sie ihren Becher sofort. Alle M�gde schienen besch�ftigt zu sein, also warf Marah ihm einen letzten b�sen Blick zu und eilte los, wobei sie versuchte, ein freundliches L�cheln aufzusetzen. Was ihr nicht besonders gut gelang. Mat pflanzte seinen Stab auf den Boden und verbeugte sich hinter ihrem R�cken.</p><p>Die guten D�fte, die sich in dem Schankraum mit s��em Pfeifenrauch vermengten, durchdrangen die K�che � bratender Fisch, hackendes Brot, brutzelndes Fleisch auf den Spie�en. Die Eisenherde und Back�fen und das Feuer in dem langen Ziegelkamin hatten den Raum erhitzt und die sechs schwitzenden Frauen und drei Kesseljungen flitzten unter der Aufsicht der K�chin umher. Enid trug die schneewei�e Sch�rze, als w�re sie der Wappenrock ihres Amtes, und sie beherrschte ihr K�nigreich mit dem langstieligen L�ffel, den sie schwang; sie war die dickste Frau, die Mat je gesehen hatte. Er glaubte nicht, dass er es geschafft h�tte, sie mit beiden Armen zu umfassen, wenn er gewollt h�tte. Sie erkannte ihn sofort und ein durchtriebenes Grinsen teilte ihr breites, olivfarbenes Gesicht.</p><p>�Also habt Ihr herausgefunden, dass ich Recht hatte�, sagte sie und zeigte mit dem L�ffel auf ihn. �Ihr habt die falsche Melone gedr�ckt, und es stellte sich heraus, dass die Melone ein getarnter Drachenfisch und Ihr blo� ein dickes Schwein wart.� Sie warf den Kopf in den Nacken und quietschte, vor Lachen.</p><p>Mat zwang sich ein Grinsen ab. Blut und verfluchte Asche noch mal! Es wusste tats�chlich jeder! <emphasis>Ich muss aus dieser verdammten Stadt raus,</emphasis> dachte er grimmig, <emphasis>oder ich muss mir f�r den Rest meines Lebens anh�ren, wie sie �ber mich lachen!</emphasis></p><p>Pl�tzlich erschienen seine Sorgen wegen des Goldes l�cherlich. Die grauen Bodenfliesen vor den Herden erschienen v�llig in Ordnung und unterschieden sich durch nichts von den anderen in der K�che. Man musste den richtigen Trick kennen, um sie anzuheben. Lopin und Nerim h�tten ihm gesagt, wenn auch nur eine M�nze zwischen ihren Besuchen verschwunden w�re. Falls jemand in ihrem Gasthaus zu stehlen versucht h�tte, h�tte Frau Anan den Schuldigen gejagt und ihm die Haut abgezogen. Er konnte sich genauso gut auf den Weg machen. Vielleicht w�rde Aludras Willenskraft zu dieser Stunde weniger standhaft sein. Vielleicht w�rde sie ihm ein Fr�hst�ck zubereiten. Er hatte sich aus dem Palast gestohlen, ohne vorher zu fr�hst�cken.</p><p>Um keine Neugier wegen seines Besuchs zu erwecken, erz�hlte er Enid, wie sehr er ihren Bratfisch genossen hatte, um wie vieles er doch besser war als der, den man im Tarasin-Palast servierte, und dabei musste er nicht einmal �bertreiben. Enid war ein wahres Wunder. Die Frau strahlte f�rmlich und zu seiner �berraschung holte sie einen Fisch aus einem Ofen und reichte ihm diesen auf einem Teller. Jemand im Schankraum w�rde warten k�nnen, sagte sie und stellte den Teller ans Ende des langen Arbeitstisches der K�che. Eine Bewegung ihres L�ffels veranlasste einen Kesseljungen, einen Hocker zu bringen.</p><p>Als Mat den mit goldener Kruste versehenen Plattfisch ansah, lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Aludra w�rde vermutlich jetzt genauso wenig schwach sein wie zu jeder anderen Zeit. Und wenn sie sich �ber die fr�he St�rung �rgerte, w�rde sie ihm vielleicht kein Fr�hst�ck machen. Sein Magen knurrte laut. Er h�ngte den Umhang auf einen Haken neben der T�r zum Stall, stellte seinen Wanderstab darunter, verstaute den Hut unter dem Hocker und strich die Spitze zur�ck, um sie vom Teller fern zu halten.</p><p>Als Frau Anan durch die T�r zum Stall kam, den Umhang abnahm und Regentropfen auf den Boden sch�ttelte, war nichts mehr �brig au�er einem scharfen Geschmack auf seiner Zunge und wei�en Gr�ten auf dem Teller. Seit er nach Ebou Dar gekommen war, hatte er gelernt, eine Reihe seltsamer Dinge zu genie�en, aber die Augen lie� er liegen. Sie befanden sich beide auf derselben Seite des Fischkopfs!</p><p>Noch w�hrend er sich den Mund mit der Leinenserviette abtupfte, schl�pfte hinter Frau Anan eine weitere Frau in den Raum. Sie schloss schnell die T�r hinter sich und lie� den feuchten Umhang an und die Kapuze hochgeschlagen. Im Aufstehen konnte er einen Blick auf das von der Kapuze verborgene Gesicht erh�schen und stie� beinahe den Hocker um. Allerdings �berspielte er das ganz gut, wie er fand, da er vor den Frauen einen Kratzfu� machte, aber in seinem Kopf drehte sich alles.</p><p>�Es ist sch�n, dass Ihr da seid�, sagte Frau Anan energisch und gab ihren Umhang einem Kesseljungen.</p><p>�Sonst h�tte ich nach Euch geschickt. Enid, bitte r�um die K�che und pass an der T�r auf. Ich muss mit dem jungen Lord allein sprechen.�</p><p>Die K�chenchefin scheuchte die K�che und Kesseljungen raus auf den Stallhof, und trotz der gemurmelten Proteste wegen des Regens und des St�hnens �ber das anbrennende Essen war es augenscheinlich, dass sie genauso daran gew�hnt waren wie Enid. Sie warf Frau Anan und ihrer Begleiterin nicht mal einen Blick zu, bevor sie durch die T�r in den Schankraum eilte und dabei den langen L�ffel wie ein Schwert hielt.</p><p>�Welch eine �berraschung�, sagte Joline Maza und schlug die Kapuze zur�ck. Ihr dunkles Wollgewand mit dem tiefen Ausschnitt nach der �rtlichen Mode sa� schlecht und sah abgetragen und mitgenommen aus. Aber ihr selbst war davon nichts anzumerken; sie wirkte, als h�tte sie nicht eine Sorge auf der ganzen Welt. �Als Frau Anan mir erz�hlte, sie w�rde einen Mann kennen, der mich m�glicherweise mitnimmt, wenn er Ebou Dar verl�sst, h�tte ich nie gedacht, dass sie Euch damit meint.� H�bsch und mit braunen Augen versehen war ihr L�cheln fast so warm wie das von Caira. Und ihr altersloses Gesicht schrie f�rmlich Aes Sedai. W�hrend auf der anderen Seite einer T�r, die von einer K�chin mit ihrem L�ffel verteidigt wurde, Dutzende Seanchaner lauerten.</p><p>Joline zog den Umhang aus und h�ngte ihn an einen der Haken und Frau Anan gab einen gereizten Laut von sich. �Hier ist es noch nicht sicher, Joline�, sagte sie und h�rte sich an, als w�rde sie eher mit einer ihrer T�chter reden als mit einer Aes Sedai. �Bis ich Euch...�</p><p>Pl�tzlich ert�nte L�rm vor der T�r zum Schankraum. Enid protestierte lauthals, niemand d�rfe eintreten, und eine beinahe genauso laute Stimme mit seanchanischem Akzent verlangte, sie solle den Weg frei machen.</p><p>Mat ignorierte den Protest seines Beins, bewegte sich schneller, als er jemals sich im Leben bewegt zu haben glaubte, packte Joline an der Taille, lie� sich auf die Bank neben der T�r zum Stallhof fallen und zerrte die Aes Sedai auf seinen Schoss. Er zog sie dicht an sich und tat so, als w�rde er sie k�ssen. Es war eine idiotische Weise, um ihr Gesicht verbergen zu wollen, aber ihm fiel nichts Besseres ein, wenn er ihr keinen Umhang �ber den Kopf werfen wollte. Sie keuchte indigniert auf, aber als sie endlich die seanchanische Stimme bemerkte, weiteten sich ihre Augen vor Furcht, und sie schlang die Arme um ihn. Mat betete, dass sein Gl�ck anhielt, und sah zu, wie sich die T�r �ffnete.</p><p>Mit lauten Protesten und wildem Herumgefuchtel ihres L�ffels wich Enid r�cklings vor einem <emphasis>So'jhin</emphasis> mit nassem Umhang zur�ck. Der schwergewichtige Mann, dessen kurzer Haarschopf nicht einmal ann�hernd bis zu seinen Schultern reichte, wehrte die meisten Schl�ge stirnrunzelnd mit einer Hand ab und ignorierte die wenigen, bei denen ihm das nicht gelang. Er war der erste <emphasis>So'jhin,</emphasis> den Mat je mit Bart gesehen hatte; er verlieh ihm ein schiefes Aussehen, da er von der rechten Kinnseite die linke hinaufwucherte, bevor am Ohr die rasierte Haut begann. Eine hoch gewachsene Frau mit durchdringenden blauen Augen in einem blassen Gesicht folgte ihm. Sie warf einen aufwendig bestickten blauen Umhang zur�ck, der an ihrer Kehle von einer gro�en, wie ein Silberschwert geformten Nadel gehalten wurde, und enth�llte ein Faltengewand aus einem helleren Blau. Ihr kurzes dunkles Haar bestand nur aus einem kreisrunden Sch�pf, der Rest um ihre Ohren war rasiert. Immerhin war sie besser als eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit einer <emphasis>Damane.</emphasis> Eine winzige Kleinigkeit zumindest. Enid begriff, dass die Schlacht verloren war, und wich vor dem Mann zur�ck, aber nach der Art und Weise zu urteilen, wie sie ihren L�ffel gepackt hielt, war klar, dass sie bereit war, ihn sofort anzuspringen, sollte Frau Anan den Befehl dazu geben.</p><p>�Vorn ein Bursche haben gesagt, er haben die Gastwirtin hinten eintreten sehen�, verk�ndete der <emphasis>So'jhin.</emphasis> Seine Aufmerksamkeit war auf Setalle gerichtet, aber er behielt Enid misstrauisch im Auge. �Falls Ihr sein Setalle Anan, dann wisst, dass das hier sein der Kapit�n der Gr�nen Lady Egeanin Tamarath, und sie haben einen von der Hochlady Suroth Sabelle Meldarath pers�nlich unterzeichneten Befehl, der ihr Gem�cher zuweisen.� Sein Tonfall �nderte sich und wurde weniger zu einem Befehl als vielmehr zur Stimme eines Mannes, der eine Unterkunft suchte. �Nat�rlich Eure besten R�ume, mit einem guten Bett, einem Blick auf den Platz da drau�en und Kamin, der nicht qualmen.�</p><p>Mat zuckte zusammen, als der Mann sprach, und Joline, die deshalb vielleicht zu dem Schluss gekommen war, dass jemand auf sie zukam, dr�ckte ihre Lippen auf seinen Mund und st�hnte vor Furcht. In ihren Augen funkelten unvergessene Tr�nen und sie zitterte in seinen Armen. Die Lady Egeanin Tamarath schaute zur Bank, auf der Joline st�nnte, verzog angewidert das Gesicht und stellte sich so hin, dass sie das Paar nicht ansehen musste. Es war jedoch der Mann, der Mat interessierte. Wie beim Licht konnte ein Illianer zu einem <emphasis>So'jhin</emphasis> werden? Und der Bursche kam ihm auch noch irgendwie bekannt vor. Vermutlich ein weiteres jener Tausende von seit langer Zeit toten Gesichtern, an die er sich widerwillig erinnerte.</p><p>�Ich bin Setalle Anan und meine besten R�ume sind von Himmelslord Abaldar Yulan belegt�, erkl�rte Frau Anan ruhig, weder vom <emphasis>So'jhin</emphasis> noch von der Angeh�rigen des Blutes eingesch�chtert. Sie verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Meine zweitbesten R�ume werden von Bannergeneral Furyk Karede bewohnt.</p><p>Von der Totenwache. Ich wei� nicht, ob ein Kapit�n der Gr�nen im Rang h�her steht, aber das ist auch egal, denn Ihr werdet untereinander ausmachen m�ssen, wer bleibt und wer gehen muss. Ich halte mich an die feste Regel, keine seanchanischen G�ste vor die T�r zu setzen. So lange sie ihre Miete zahlen.�</p><p>Mat erstarrte und wartete auf den Zornausbruch �Suroth h�tte sie f�r weniger auspeitschen lassen! �, aber Egeanin l�chelte. �Es ist ein Vergn�gen, mit jemandem zu tun zu haben, der ein bisschen Mut hat�, sagte sie mit einem breiten Akzent. �Ich glaube, Frau Anan, wir werden pr�chtig miteinander auskommen. Solange Ihr es mit dem Mut nicht �bertreibt. Der Kapit�n gibt die Befehle, die Mannschaft gehorcht, aber ich habe niemals einen �ber mein Deck kriechen lassen.� Mat runzelte die Stirn. Ein Schiffsdeck. Warum lie� ihn das nachdenklich werden? Manchmal waren diese alten Erinnerungen ein �rgernis.</p><p>Frau Anan nickte, ohne den Blick zu senken. �Ganz wie Ihr meint, meine Lady. Aber ich hoffe, Ihr vergesst nicht, dass die <emphasis>Wanderin</emphasis> mein Schiff ist.� Gl�cklicherweise hatte die Seanchanerin Humor. Sie lachte.</p><p>�Dann seid der Kapit�n Eures Schiffes�, sagte sie mit einem Kichern, �und ich bin der Kapit�n der Goldenen.� Seufzend sch�ttelte sie den Kopf. �Das Licht sei mein Zeuge, ich nehme an, dass ich hier nur wenige im Rang �bertreffe, aber Suroth wird mich in der N�he haben wollen, also wird jemand ausziehen m�ssen, falls er nicht teilen will.� Pl�tzlich legte sie die Stirn in Falten, warf Mat und Joline einen fl�chtigen Seitenblick zu und sch�rzte angewidert die Lippen. �Ich hoffe, Ihr lasst das nicht �berall durchgehen, Frau Anan?�</p><p>�Ich versichere Euch, dass Dir so etwas nie wieder unter meinem Dach zu sehen bekommen werdet�, entgegnete die Wirtin unger�hrt.</p><p>Der <emphasis>So'jhin</emphasis> starrte Mat und die Frau auf seinem Schoss stirnrunzelnd an; Egeanin musste an seinem �rmel zupfen, bevor er zusammenzuckte und ihr in den Schankraum folgte. Mat grunzte ver�chtlich. Der Bursche konnte so lange vorgeben, genauso emp�rt zu sein wie seine Herrin, wie er wollte; Mat hatte von den Festen in Illian geh�rt, und sie waren fast so schlimm wie jene in Ebou Dar, wenn es darum ging, dass Leute nur halb oder noch weniger bekleidet herumliefen. Von <emphasis>Da'covale</emphasis> oder jenen Shea-T�nzerinnen, von denen die Soldaten immer erz�hlten, ganz zu schweigen.</p><p>Als sich die T�r hinter dem Paar schloss, versuchte er Joline sanft von seinem Schoss zu dr�ngen, aber sie klammerte sich an ihm fest, vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter und schluchzte leise. Enid stie� einen tiefen Seufzer aus und sackte gegen den Arbeitstisch, als h�tten sich ihre Knochen in Pudding verwandelt. Selbst Frau Anan schien ersch�ttert zu sein. Sie lie� sich auf den Hocker fallen, den Mat zuvor benutzt hatte, und verbarg das Gesicht in den H�nden. Aber das dauerte nur einen Augenblick lang, dann stand sie wieder auf den F��en.</p><p>�Enid�, sagte sie energisch, �z�hl bis f�nfzig und hol alle aus dem Regen raus.� Niemand h�tte geahnt, dass sie eben noch am ganzen Leib gezittert hatte. Sie nahm Jolines Umhang vom Haken, nahm aus einem K�stchen auf dem Kaminsims einen langen Holzspan und b�ckte sich, um ihn am Feuer unter den Spie�en zu entz�nden. �Wenn du mich brauchst, ich bin im Keller, aber sollte jemand nach mir fragen, dann hast du keine Ahnung, wo ich bin. Bis ich etwas anderes sage, geht au�er dir und mir keiner mehr da runter.�</p><p>Enid nickte, als w�re das v�llig normal. �Bringt sie�, sagte die Wirtin zu Mat, �und tr�delt nicht herum. Tragt sie, wenn es sein muss.�</p><p>Er musste sie tragen. Noch immer beinahe lautlos weinend, lie� Joline weder seinen Hals los noch nahm sie den Kopf von seiner Schulter. Gl�cklicherweise war sie nicht schwer, trotzdem breitete sich ein dumpfer Schmerz in seinem Bein aus, als er Frau Anan mit seiner Last zur Kellert�r folgte. Vielleicht h�tte er es sogar genossen, h�tte sich Frau Anan nicht bei allem so viel Zeit gelassen.</p><p>Als g�be es im Umkreis von hundert Meilen nicht einen Seanchaner, entz�ndete sie eine Lampe, die auf einem Bord neben der massiven T�r stand, und blies sorgf�ltig den Span aus, bevor sie den langen Glaszylinder wieder aufsetzte und dann den qualmenden Span auf einem kleinen Blechtablett ablegte. Ohne jede Eile zog sie einen langen Schl�ssel aus der G�rteltasche, �ffnete das Eisenschloss und bedeutete ihm endlich, durch die T�r zu gehen. Die dahinterliegenden Stufen waren breit genug, um ein Fass hinunterrollen zu k�nnen, aber sie waren auch tief und verschwanden in der Dunkelheit. Er gehorchte, wartete aber auf der zweiten Stufe, w�hrend sie die T�r hinter sich zuzog und abschloss, um dann mit hoch erhobener Lampe voraus zu gehen. Das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, war ein Sturz.</p><p>�Tut Ihr das oft?�, fragte er und r�ckte Joline zurecht. Sie hatte aufgeh�rt zu weinen, klammerte sich aber noch immer zitternd an ihm fest. �Ich meine, Aes Sedai zu verstecken?�</p><p>�Ich hatte Ger�chte geh�rt, dass noch immer eine Schwester in der Stadt sein soll�, erwiderte Frau Anan, �und ich konnte sie vor den Seanchanern finden. Ich durfte ihnen keine Schwester �berlassen.� Sie warf ihm �ber die Schulter einen grimmigen Blick zu, als wollte sie ihn herausfordern, ihr zu widersprechen. Er wollte es, aber er konnte sich nicht dazu �berwinden, die Worte auszusprechen. Vermutlich h�tte auch er jedem geholfen, vor den Seanchanern zu entkommen, wenn er dazu in der Lage gewesen w�re, und er schuldete Joline Maza etwas.</p><p>Die <emphasis>Wanderin</emphasis> war ein gut ausgestattetes Gasthaus und der dunkle Keller war riesig. Auf der Seite liegende, sich hoch auft�rmende F�sser mit Wein und Ale bildeten lange G�nge, auf dem Steinboden stapelten sich Lattenkisten mit Kartoffeln und Steckr�ben, Reihen hoher Regale enthielten S�cke mit getrockneten Bohnen und Erbsen und Pfefferschoten, und das Licht allein wusste, was in den Bergen aus geschlossenen Kisten war. Es schien nur wenig Staub zu geben, aber die Luft hatte den trockenen Geruch, wie man ihn in abgeschlossenen Lagerr�umen findet.</p><p>Auf einem frei ger�umten Regalbrett entdeckte Mat seine sauber zusammengefaltete Kleidung � falls nicht noch eine andere Person hier ihre Sachen aufbewahrte �, aber ihm blieb keine Gelegenheit, sie sich anzusehen. Frau Anan f�hrte sie zum anderen Kellerende, wo er Joline auf ein aufrecht stehendes Fass setzte. Er musste sich mit sanfter Gewalt von ihren Armen befreien und sie hockte zusammengesunken da. Schniefend zog sie ein Taschentuch aus dem �rmel und tupfte sich die rot ger�nderten Augen ab. Mit ihrem verschmierten Gesicht erf�llte sie kaum das Bild einer Aes Sedai, wie man sie sich vorstellte, von dem abgetragenen Gewand ganz zu schweigen.</p><p>�Ihr Mut ist gebrochen�, sagte Frau Anan und stellte die Lampe auf einem anderen Fass ab. In der N�he standen andere leere F�sser, die auf ihre R�ckkehr zur Brauerei warteten. Die Stelle kam dem am n�chsten, was Mat in diesem Keller an freiem Platz entdeckt hatte. �Sie hat sich seit der Ankunft der Seanchaner versteckt. Als sie sich in den letzten Tagen entschieden, die Suche von den Stra�en auf die H�user auszuweiten, mussten ihre Beh�ter sie mehrmals an andere Orte bringen. Ich sch�tze, das d�rfte reichen, um jedermanns Mut zu brechen. Aber ich bezweifle, dass sie hier suchen werden.�</p><p>Wenn man an all die Offiziere oben dachte, hatte sie vermutlich sogar Recht. Trotzdem war Mat froh, dass nicht er dieses Risiko eingehen musste. Er ging vor Joline in die Hocke; ein stechender Schmerz durchzuckte sein Bein und er grunzte. �Ich werde Euch helfen, wenn ich kann�, sagte er. Zwar wusste er nicht, wie er das anstellen sollte, aber da war diese Schuld. �Seid froh, dass ihr so viel Gl�ck hattet, ihnen die ganze Zeit entgehen zu k�nnen. Teslyn hatte da weniger Gl�ck.�</p><p>Joline riss das Taschentuch von den Augen und starrte ihn b�se an. �Gl�ck?�, stie� sie w�tend hervor. W�re sie keine Aes Sedai gewesen, h�tte er gesagt, sie w�rde schmollen, so wie sie die Unterlippe vorschob. �Ich h�tte entkommen k�nnen! Soweit ich wei�, herrschte am ersten Tag heillose Verwirrung. Aber ich war bewusstlos. Fen und Blaeric haben es gerade noch geschafft, mich aus dem Palast zu tragen, bevor es dort vor Seanchanern wimmelte, doch zwei M�nner mit einer reglosen Frau in der Mitte zogen zu viel Aufmerksamkeit auf sich, als dass sie es bis zu den Stadttoren h�tten schaffen k�nnen, bevor diese gesichert wurden. Ich bin froh, dass Teslyn erwischt wurde! Froh! Sie hat mir etwas verabreicht; da bin ich mir sicher! Darum konnten Fen und Blaeric mich nicht wecken, darum musste ich in St�llen schlafen und mich in Gassen verbergen, immer in der Angst, dass mich diese Ungeheuer finden. Es geschieht ihr recht!�</p><p>Die Tirade lie� Mat blinzeln. Er glaubte nicht, jemals zuvor so viel Gift in einer Stimme geh�rt zu haben, nicht einmal in den alten Erinnerungen. Frau Anan sah Joline missbilligend an und ihre Hand zuckte.</p><p>�Egal, ich werde Euch so gut helfen, wie ich kann�, sagte er eilig und richtete sich auf, um sich zwischen die beiden Frauen zu stellen. Er h�tte es Frau Anan durchaus zugetraut, Joline zu schlagen, ob sie nun eine Aes Sedai war oder nicht. Und Joline schien nicht in der Stimmung zu sein, an die M�glichkeit zu denken, dass oben <emphasis>Damane</emphasis> sein konnten, die sp�rten, was auch immer sie zur Vergeltung tat. Es war eine Binsenwahrheit: der Sch�pfer erschuf die Frauen, damit das Leben der M�nner nicht zu einfach war. Wie beim Licht sollte er nur eine Aes Sedai aus Ebou Dar schaffen? �Ich stehe in Eurer Schuld.�</p><p>Ein paar winzige Falten entstanden auf Jolines Stirn. �In meiner Schuld?�</p><p>�Die Nachricht mit der Bitte, Nynaeve und Elayne zu warnen�, sagte er langsam. Er befeuchtete die Lippen und f�gte hinzu: �Die Ihr auf meinem Kissen hinterlegt habt.�</p><p>Sie winkte ab, aber ihre auf sein Gesicht gerichteten Augen blinzelten nicht einmal. �Alle Schulden sind an dem Tag beglichen, an dem Ihr mir helft, aus den Stadtmauern herauszukommen, Meister Cauthon�, sagte sie in einem Tonfall, der so hoheitsvoll wie der einer K�nigin war.</p><p>Mat schluckte. Den Zettel mit der Botschaft hatte man in seine Manteltasche gesteckt und nicht auf seinem Kissen zur�ckgelassen. Und das bedeutete, er hatte sich in der Person geirrt, der er daf�r etwas schuldete.</p><p>Er ging, ohne Joline der L�ge zu bezichtigen � es w�re selbst dann eine L�ge gewesen, wenn sie nur seinen Fehler nicht korrigiert h�tte �, und er sagte es auch Frau Anan nicht. Das war sein Problem. Es bereitete ihm �belkeit. Er w�nschte sich, er h�tte es nie herausgefunden.</p><p>Wieder zur�ck im Tarasin-Palast begab er sich auf direktem Weg in Tylins Gem�cher und breitete seinen Umhang �ber einen Stuhl, um ihn zu trocknen. Regen prasselte gegen die Scheiben. Er legte seinen Hut auf eine der mit Schnitzereien versehenen, vergoldeten Kommoden, rieb sich mit einem Handtuch Gesicht und H�nde trocken und �berlegte, den Mantel zu wechseln. An ein paar Stellen war der Regen durch den Umhang gedrungen. Hier und da war sein Mantel feucht. Feucht. Beim Licht!</p><p>Er st�hnte angewidert, ballte das gestreifte Handtuch zusammen und schleuderte es aufs Bett. Er schindete Zeit, hoffte sogar, dass Tylin unerwartet hereinkam und dem Bettpfosten einen Stich versetzte, nur damit er das aufschieben konnte, was er nun zu tun hatte. Was er tun musste. Joline hatte ihm keine andere Wahl gelassen.</p><p>Der Grundriss des Palasts war einfach, wenn man es so sehen wollte. Diener lebten in der untersten Etage, wo sich die K�chen befanden, und unten in den Kellergew�lben. Die n�chste Etage enthielt die �ffentlichen Repr�sentationsr�ume und die engen B�rosruben der Schreiber, und die dritte Unterk�nfte f�r die weniger angesehenen G�ste; diese Etage wurde zurzeit haupts�chlich vom seanchanischen Blut bev�lkert. In der obersten Etage befanden sich Tylins Gem�cher sowie die f�r Ehreng�ste wie Suroth und Tuon und ein paar andere. Aber selbst Pal�ste hatten Dachb�den.</p><p>Mat blieb vor einer Treppe stehen, die hinter einer unscheinbaren Ecke verborgen war, und holte tief Luft, bevor er langsam nach oben stieg. Der gro�e fensterlose Raum am oberen Treppenabsatz, dessen Decke niedrig war und dessen Boden aus grob bearbeiteten Brettern bestand, war leer ger�umt worden. Den frei gewordenen Platz hatte man mit winzigen h�lzernen Verschlagen gef�llt, von denen jeder �ber eine eigene T�r verf�gte. Einfache Stehlampen aus Eisen erhellten die Korridore dazwischen. Der Regen, der auf die Dachziegel prasselte, war hier, direkt �ber seinem Kopf, sehr laut. Auf der obersten Stufe verharrte er erneut und atmete erst weiter, als er begriff, dass er keine Schritte h�ren konnte. In einem der kleinen R�ume weinte eine Frau, aber keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> erschien und wollte wissen, was er hier zu suchen hatte. Vermutlich w�rden sie von seinem Besuch erfahren, aber nicht, bevor er herausgefunden hatte, was er wissen musste, wenn er sich beeilte.</p><p>Das Problem war nur, dass er nicht wusste, welches ihr Zimmer war. Er ging zum ersten und �ffnete die T�r lange genug, um einen Blick hineinzuwerfen. Eine Atha'an Miere in einem grauen Kleid sa� auf einem schmalen Bett, die H�nde im Scho� gefaltet. Das Bett und ein Waschst�nder mit einer Sch�ssel und einem kleinen Spiegel nahmen den gr��ten Teil des Platzes ein. An Holzpfl�cken an den W�nden hingen mehrere graue Gew�nder. Die aus Segmenten bestehende silberne Leine eines <emphasis>Adam</emphasis> f�hrte von dem Silberkragen um ihren Hals zu einem silbernen Armreifen, der an einem Haken hing. Sie konnte jede Ecke des Raums erreichen. Die kleinen L�cher, die von ihren Ohrringen und dem Nasenring stammten, hatten noch keine Zeit zum Heilen gehabt. Sie sahen aus wie Wunden. Als sich die T�r �ffnete, schreckte sie mit Furcht erf�lltem Gesichtsausdruck hoch, der sich in Nachdenklichkeit verwandelte. Und vielleicht Hoffnung.</p><p>Er schloss die T�r, ohne ein Wort zu verlieren. <emphasis>Ich kann nicht alle retten,</emphasis> dachte er beklommen. <emphasis>Ich kann es nicht!</emphasis> Licht, wie er das hasste. Die n�chsten T�ren enth�llten identische R�ume und drei weitere Frauen aus dem Meervolk, von denen eine laut schluchzend auf dem Bett lag, dann kam eine schlafende blonde Frau, und bei allen hing ihr <emphasis>A'dam</emphasis> lose an einem Haken. Er dr�ckte die letzte T�r so leise zu, als wollte er Frau al'Vere einen Kuchen direkt unter ihrer Nase stehlen. Vielleicht handelte es sich bei der blonden Frau ja um keine Seanchanerin, aber dieses Risiko wollte er nicht eingehen. Ein Dutzend T�ren sp�ter atmete er erleichtert auf, schl�pfte hinein und zog hinter sich die T�r zu.</p><p>Teslyn Baradon lag auf dem Bett, das Gesicht auf ihre H�nde gest�tzt. Nur ihre dunklen Augen bewegten sich. Sie sagte kein Wort, starrte ihn nur an, als wollte sie L�cher in seinen Sch�del bohren.</p><p>�Ihr habt eine Nachricht in meine Manteltasche gesteckt�, sagte er leise. Die W�nde waren d�nn; er konnte das Schluchzen der Frau noch immer h�ren. �Warum?�</p><p>�Elaida will diese M�dchen so sehr haben, wie sie Zepter und Stola haben wollte�, sagte Teslyn geradeheraus, ohne sich zu bewegen. Ihrer Stimme haftete noch immer etwas von ihrer Grobheit an, aber weniger, als er in Erinnerung hatte. �Vor allem Elayne. Ich wollte Elaida... Unannehmlichkeiten bereiten, falls das m�glich war. Es ihr wirklich schwer machen.� Sie stie� ein leises, mit Bitterkeit gef�rbtes Lachen aus. �Ich habe sogar Joline mit Spaltwurzel bet�ubt, damit sie den M�dchen nicht in die Quere kam. Und seht, was es mir eingebracht hat. Joline konnte entkommen und ich...� Ihre Augen bewegten sich wieder, ihr Blick glitt zu dem silbernen Armreifen auf dem Haken.</p><p>Seufzend lehnte sich Mat neben den Kleidern gegen die Wand. Sie wusste, was auf dem Zettel gestanden hatte, eine Warnung f�r Nynaeve und Elayne. Licht, wie er gehofft hatte, dass sie es nicht wusste, dass ihm jemand anderes den verdammten Zettel in die Tasche gesteckt hatte. Es h�tte sowieso nichts bewirkt. Beide wussten, dass Elaida hinter ihnen her war. Die Nachricht hatte nichts ge�ndert! Die Frau hatte ihnen eigentlich gar nicht helfen wollen, sie wollte Elaida blo� <emphasis>Unannehmlichkeiten</emphasis> bereiten. Er konnte mit reinem Gewissen gehen. Blut und Asche! Er h�tte niemals mit ihr sprechen sollen. Jetzt, da er es getan hatte...</p><p>�Ich werde Euch bei der Flucht helfen, wenn ich kann�, sagte er z�gernd.</p><p>Sie blieb reglos auf dem Bett liegen. Weder ihre Miene noch ihre Stimme ver�nderten sich. Sie h�tte genauso gut etwas Einfaches und Unwichtiges erkl�ren k�nnen. �Selbst wenn Ihr den Kragen entfernen k�nnt, werde ich nicht weit kommen, vielleicht nicht mal aus dem Palast. Und selbst wenn, kommt keine Frau, die die Macht lenkt, ohne ein <emphasis>Adam</emphasis> durch die Stadttore. Ich habe dort selbst Wache gestanden und ich wei� es.�</p><p>�Ich lasse mir etwas einfallen�, murmelte er und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Sich etwas einfallen lassen? Was denn? �Licht, Ihr h�rt Euch an, als wolltet Ihr nicht fliehen.�</p><p>�Ihr meint es tats�chlich ernst�, fl�sterte sie so leise, dass er sie beinahe nicht verstanden h�tte. �Ich dachte, Ihr w�rt nur gekommen, um mich zu verspotten.� Sie setzte sich langsam auf und schwang die F��e auf den Boden. Ihr Blick fixierte ihn und ihre Stimme nahm einen dr�ngenden Tonfall an. �Wz7/ ich entkommen? Tue ich etwas, das ihnen gef�llt, gibt mir die <emphasis>Sul'dam</emphasis> eine S��igkeit. Ich ertappe mich dabei, dass ich mich auf diese Belohnungen <emphasis>freue.�</emphasis> Atemloses Entsetzen schlich sich in ihre Stimme. �Nicht, weil ich S��igkeiten mag, sondern weil ich die <emphasis>Sul'dam</emphasis> erfreut habe.� Eine einzelne Tr�ne rann aus ihrem Auge. Sie atmete tief ein. �Wenn Ihr mir zur Flucht verhelft, tue ich alles, worum Ihr mich bittet, solange es keinen Verrat an der Wei�en...� Sie biss die Z�hne zusammen, setzte sich ganz gerade hin und starrte durch ihn hindurch. Sie nickte abrupt, wie zur Selbstbest�tigung. �Helft mir zu fliehen und ich werde <emphasis>alles</emphasis> tun, worum Ihr mich bittet.�</p><p>�Ich werde tun, was ich kann�, sagte er zu ihr. �Ich muss mir eine M�glichkeit einfallen lassen.�</p><p>Sie nickte, als h�tte er das Versprechen abgegeben, um Mitternacht zu fliehen. �Hier im Palast wird noch eine Schwester gefangen gehalten. Edesina Azzedin. Sie muss mit uns kommen.�</p><p>�Noch eine?�, fragte Mat. �Ich dachte, ich h�tte drei oder vier gesehen, Euch eingeschlossen. Aber egal, ich wei� nicht einmal, ob ich Euch rausschaffen kann, geschweige denn...�</p><p>�Die anderen werden... ver�ndert.� Teslyn kniff den Mund zusammen. �Guisin und Mylen � ich kannte sie als Sheraine Caminelle, aber sie h�rt jetzt nur noch auf Mylen �, diese beiden w�rden uns verraten. Edesina ist noch immer sie selbst. Ich werde sie nicht zur�cklassen, selbst wenn sie eine Rebellin ist.�</p><p>�H�rt zu�, sagte Mat mit einem beschwichtigenden L�cheln, �ich habe gesagt, dass ich versuchen werde, Euch herauszubekommen, aber ich sehe nicht die geringste M�glichkeit, wie ich <emphasis>zwei</emphasis> von Eurer Sorte...�</p><p>�Es w�re besser, wenn Ihr jetzt geht�, unterbrach sie ihn erneut. �M�nner sind hier oben nicht erlaubt, davon abgesehen werdet Ihr Verdacht erregen, sollte man Euch hier finden.� Sie sah ihn an und schnaubte. �Es w�re hilfreich, wenn Ihr Euch nicht so farbenpr�chtig kleiden w�rdet. Zehn betrunkene Kesselflicker k�nnten nicht so viel Aufmerksamkeit erregen, wie Ihr es tut. Geht jetzt. Schnell. Geht!�</p><p>Er ging und murmelte dabei leise vor sich hin. Ganz wie eine Aes Sedai. Man bot ihr Hilfe an, und ehe man sich's versah, lie� sie einen mitten in der Nacht eine Felswand erklimmen, um ganz allein f�nfzig Leute aus einem Kerker zu befreien. Das war ein anderer Mann gewesen, der schon lange tot war, aber er erinnerte sich daran, und es passte. Blut und verdammte Asche! Er wusste nicht, wie er eine Aes Sedai retten sollte, und sie wollte ihn gleich zwei retten lassen!</p><p>Er umrundete die unauff�llige Ecke am Fu� der Treppe und w�re beinahe in Tuon hineingelaufen.</p><p><emphasis>�Damanezwinger</emphasis> sind f�r M�nner verboten�, sagte sie und schaute kalt durch den Schleier zu ihm hoch. �Man k�nnte Euch schon daf�r bestrafen, dass Ihr sie betreten habt.�</p><p>�Ich suchte nach einer Windsucherin, Hochlady�, sagte er hastig, machte einen Kratzfuss und dachte schneller als je zuvor in seinem Leben nach. �Sie hat mir einst einen Gefallen erwiesen, und ich dachte mir, sie w�rde vielleicht gern etwas aus der K�che haben wollen. Ein paar Pasteten oder dergleichen. Ich habe sie aber nicht zu Gesicht bekommen. Ich vermute, sie wurde nicht gefangen, als...� Er verstummte und starrte sie an. Die strenge Maske, zu der das Gesicht des M�dchens immer erstarrt war, zerschmolz zu einem L�cheln. Sie war wirklich wundersch�n.</p><p>�Das ist sehr freundlich von Euch�, sagte sie. �Es ist gut zu wissen, dass Dir freundlich zu <emphasis>Damane</emphasis> seid. Aber Ihr m�sst aufpassen. Es gibt M�nner, die sich <emphasis>Damane</emphasis> tats�chlich ins Bett holen.� Ihr voller Mund verzog sich angewidert. �Ihr k�nnt nicht wollen, dass man Euch f�r abartig h�lt.� Der strenge Ausdruck legte sich wieder auf ihr Gesicht. Alle Gefangenen w�rden auf der Stelle exekutiert.</p><p>�Danke f�r Eure Warnung, Hochlady�, sagte er etwas unsicher. Was f�r eine Art Mann w�rde es mit einer Frau an einer Leine machen wollen?</p><p>Soweit es sie betraf, war er schlichtweg verschwunden. Sie rauschte einfach den Korridor entlang, als w�rde sie niemanden wahrnehmen. Doch dieses eine Mal verschwendete er keinen Gedanken an die Hochlady Tuon. Da war eine Aes Sedai, die sich im Keller der <emphasis>Wanderin</emphasis> verbarg, und zwei, die Dom�ne-Leinen trugen, und sie alle erwarteten von Mat Cauthon, dass er ihnen den Hals rettete. Er war fest davon �berzeugt, dass Teslyn dieser Edesina alles berichtete, sobald sie konnte. Drei Frauen, die m�glicherweise ungeduldig werden w�rden, wenn er sie nicht bald in Sicherheit brachte. Frauen redeten gern, und wenn sie lange genug redeten, lie�en sie Dinge herausschl�pfen, die besser ungesagt blieben. Ungeduldige Frauen redeten sogar noch mehr als der Rest. Die W�rfel rollten nicht in seinem Kopf umher, aber er konnte beinahe eine Uhr ticken h�ren. Und die Scharfrichteraxt w�rde die Stunde schlagen. Schlachten konnte er im Schlaf planen, aber hierbei schienen die alten Erinnerungen nicht viel zu helfen. Er brauchte einen Planer, jemand, der darin Erfahrung hatte und auf Umwegen nachdenken konnte. Es war Zeit, sich mit Thom an einen Tisch zu setzen und mit ihm zu sprechen. Und mit Juilin.</p><p>Er machte sich auf die Suche nach ihnen und begann unbewusst �Ich bin ganz unten am Grund des Brunnens� zu summen. Nun, genau da war er auch, und die Nacht brach herein und der Regen prasselte vom Himmel. Wie so oft stieg aus jenen alten Erinnerungen ein anderer Liedtitel empor. Ein Lied vom Hof von Takedo in Farashelle, vor mehr als tausend Jahren von Artur Falkenfl�gel zerschmettert. Die vergangene Zeit hatte die Melodie erstaunlich wenig ver�ndert. Damals hatte es �Der letzte Kampf bei Mandenhar� gehei�en. Aber es passte auf beide Arten verdammt gut.</p></section><section><title><p>20</p><p>Eine Frage des Verrats</p></title><p>Auf dem Weg zu den engen Zwingern ganz oben im Tarasin-Palast hielt Bethamin ihr Schreibbrett sorgf�ltig fest. Manchmal l�ste sich der Korken des Tintenfasschens und Tintenflecken waren so schwierig aus der Kleidung zu entfernen. Sie gab sich gro�e M�he, st�ndig so vorzeigbar zu sein, als m�sste sie vor einer Angeh�rigen des Hohen Blutes erscheinen. Sie sagte kein Wort zu Renna, mit der sie sich heute den Inspektionsdienst teilte. Sie sollten ihre Pflicht erf�llen, nicht miteinander plaudern. Das war ein Grund. W�hrend andere alles daransetzten, eine perfekte Verbindung mit ihrer Lieblings-Damane einzugehen, die seltsamen Sehensw�rdigkeiten dieses Landes mit gro�en Augen anstarrten und �ber die hier zu erringenden Belohnungen spekulierten, konzentrierte sie sich auf ihre Pflichten, bat um die schwierigsten <emphasis>Marath'damane,</emphasis> die man f�r den <emphasis>A'dam</emphasis> z�hmen m�sste, und arbeitete doppelt so hart und lang wie alle anderen.</p><p>Der Regen hatte endlich aufgeh�rt und die Zwinger in Stille zur�ckgelassen. Endlich w�rden die <emphasis>Damane</emphasis> ihren Auslauf bekommen � die meisten wurden m�rrisch, wenn sie zu lange eingesperrt waren, und die provisorischen Zwinger engten zu sehr ein �, aber leider war sie heute nicht zum Rundgang eingeteilt worden. Renna wurde das nie, obwohl sie einst Suroths beste Ausbilderin gewesen und respektiert worden war. Manchmal vielleicht ein wenig grob, aber ausgesprachen f�hig. Fr�her waren alle der Meinung gewesen, dass man sie trotz ihrer Jugend bald zur <emphasis>Der'sul'dam</emphasis> machen w�rde. Die Dinge hatten sich ge�ndert. Es gab immer mehr <emphasis>Sul'dam</emphasis> als <emphasis>Damane,</emphasis> doch keiner konnte sich daran erinnern, dass Renna seit Falme sie selbst gewesen war, sie oder Seta, die Suroth damals in ihre pers�nlichen Dienste genommen hatte. Wie jedermann klatschte auch Bethamin bei einem Becher Wein gern �ber das Blut, aber wenn sich das Gespr�ch Renna oder Seta zuwandte, enthielt sie sich jeden Kommentars. Doch sie dachte oft an sie.</p><p>�Ihr fangt auf der anderen Seite an, Renna�, befahl sie. �Und? Wollt Ihr wieder wegen Faulheit Essonde gemeldet werden?�</p><p>Vor Falme hatte die Frau eine beinahe �berw�ltigende Selbstsicherheit an den Tag gelegt, aber jetzt zuckte ein Muskel in ihrer blassen Wange, und sie warf Bethamin ein kr�nkliches, unterw�rfiges L�cheln zu, bevor sie in das Labyrinth der schmalen Zwingerg�nge tauchte und dabei ihr langes Haar ber�hrte, als h�tte sie Angst, es k�nnte in Unordnung sein. Bis auf ihre engsten Freunde schubste sie jeder zumindest ein wenig herum und zahlte ihr den hochm�tigen Stolz zur�ck. Tat man es nicht, fiel man auf, etwas, das Bethamin au�er bei sorgf�ltig geplanten Gelegenheiten vermied. Ihre eigenen Geheimnisse waren so tief vergraben, wie es ihr nur m�glich gewesen war, und sie hielt den Mund �ber die Geheimnisse, die ihres Wissens nach niemandem bekannt waren, aber sie wollte in jedermann den Eindruck verankern, dass Bethamin Zeami dem Bild einer perfekten <emphasis>Sul'dam</emphasis> entsprach. Sie strebte nach absoluter Perfektion, f�r sich selbst und bei den <emphasis>Damane,</emphasis> die sie abrichtete.</p><p>Sie machte sich tatkr�ftig und effizient an ihre Inspektion, vergewisserte sich, dass die <emphasis>Damane</emphasis> sich und ihre Zwinger sauber gehalten hatten, machte auf dem obersten der auf dem Schreibbrett befestigten Bl�tter einen Eintrag in ihrer sauberen Handschrift, wenn eine darin versagt hatte, und tr�delte nicht herum, es sei denn, sie belohnte diejenigen, die sich in ihrer Abrichtung besonders hervortaten, mit harten Bonbons. Die meisten von jenen, mit denen sie eine Verbindung eingegangen war, begr��ten ihr Eintreten mit einem L�cheln, selbst wenn sie niederknieten. Ob sie aus dem Kaiserreich kamen oder von dieser Seite des Ozeans, sie wussten, dass sie streng aber gerecht war. Andere l�chelten nicht. Vor allem die <emphasis>Damane</emphasis> der Atha'an Miere sahen ihr mit steinernen Gesichtern entgegen, die genauso dunkel wie ihr eigenes waren oder von m�rrischer Wut erf�llt wurden, die sie zu verbergen glaubten.</p><p>Sie notierte sie wegen ihrer Wut nicht zur Bestrafung, wie es einige andere getan h�tten. Sie glaubten noch immer, sie w�rden Widerstand leisten, aber unziemliche Forderungen nach der R�ckgabe ihres scheu�lichen Schmucks waren bereits eine Sache der Vergangenheit, und sie knieten nieder und sprachen so, wie es sich geh�rte. Bei den schwierigsten F�llen war ein neuer Name ein n�tzliches Werkzeug, es schuf einen Bruch zu dem, was gewesen war, und sie reagierten darauf, wenn auch z�gernd. Das Z�gern w�rde sich geben, zusammen mit den m�rrischen Blicken, und schlie�lich w�rden sie sich kaum noch daran erinnern, jemals einen anderen Namen gehabt zu haben. Es war ein bekanntes Muster und wiederholte sich so sicher wie der Sonnenaufgang. Einige akzeptierten sofort, einige versanken in einen Schockzustand, wenn sie erfuhren, was sie waren. Es gab immer eine Hand voll, die im Verlauf von Monaten widerwillig an Boden nachgaben, w�hrend andere am einen Tag kreischend protestierten, es sei ein schrecklicher Fehler begangen worden, sie k�nnten unm�glich den Test nicht bestanden haben, und am n�chsten Tag kam Ergebenheit und Ruhe. Auf dieser Seite des Ozeans unterschied es sich in Einzelheiten, aber ob hier oder im Reich, das Endresultat war das gleiche.</p><p>Bei zweien der <emphasis>Damane</emphasis> machte sie Notizen, bei denen es nicht um Ordentlichkeit ging. Zushi, eine Atha'an Miere, die gr��er als sie selbst war, wurde definitiv zur Pr�gelstrafe aufgeschrieben. Ihre Kleidung war zerknittert, ihr Haar ungek�mmt, das Bett ungemacht. Aber ihr Gesicht war vom Weinen verquollen, und sie hatte sich noch nicht richtig hingekniet als sie von erneutem Schluchzen gesch�ttelt wurde und Tr�nen ihr die Wangen hinunterliefen. Das graue Kleid, das man ihr so sorgf�ltig angepasst hatte, hing nun lose, und sie war von Anfang an alles andere als dick gewesen. Bethamin hatte Zushi selbst ihren Namen verliehen und sie versp�rte eine besondere Besorgnis. Sie l�ste den Stift mit der Stahlspitze, tauchte ihn ein und notierte den Vorschlag, Zushi aus dem Palast an einen anderen Ort zu bringen, wo man sie mit einer <emphasis>Damane</emphasis> aus dem Reich in einem Doppelzwinger halten konnte, vorzugsweise mit einer, die Erfahrung darin hatte, zur Herz-Freundin einer frisch angeleinten <emphasis>Damane</emphasis> zu werden. Fr�her oder sp�ter lie� das die Tr�nen immer versiegen.</p><p>Allerdings war sie sich nicht sicher, ob Suroth es erlauben w�rde. Nat�rlich hatte Suroth diese <emphasis>Damane</emphasis> f�r die Kaiserin beansprucht � jeder, der auch nur ein Zehntel dieser Menge in seinem pers�nlichen Besitz h�tte, w�rde sich dem Verdacht aussetzen, eine Rebellion zu planen oder sogar geradeheraus dessen beschuldigt werden �, aber sie benahm sich, als geh�rten sie ihr. Falls Suroth Einspruch erhob, w�rde man einen anderen Weg finden m�ssen. Bethamin weigerte sich, eine <emphasis>Damane</emphasis> an die Verzweiflung zu verlieren. Sie weigerte sich, eine <emphasis>Damane</emphasis> aus irgendeinem Grund zu verlieren.</p><p>Meine Herren! Die Zweite, die einen besonderen Kommentar erhielt, war Tessi, und hier erwartete sie keine Einw�nde.</p><p>Die Illianerin kniete anmutig und mit in Taillenh�he gefalteten H�nden nieder, sobald Bethamin die T�r �ffnete. Das Bett war gemacht, die grauen Kleider hingen sauber und ordentlich an ihren Haken, B�rste und Kamm lagen ordentlich auf dem Waschstand und der Boden war gefegt. Bethamin hatte auch nicht weniger erwartet. Tessi war von Anfang an ordentlich gewesen. Sie nahm auch h�bsch zu, nachdem sie gelernt hatte, ihren Teller zu leeren. Von den S��igkeiten abgesehen wurde die Ern�herung der <emphasis>Damane</emphasis> streng reguliert; eine kranke <emphasis>Damane</emphasis> war eine Verschwendung. Allerdings w�rde man Tessi niemals mit Schleifen schm�cken und an einem Wettbewerb f�r die h�bscheste <emphasis>Damane</emphasis> teilnehmen lassen. Selbst entspannt schien ihr Gesicht mit einem permanentem Stirnrunzeln versehen zu sein. Aber heute zeigte sie ein kaum wahrnehmbares L�cheln, von dem Bethamin �berzeugt war, dass es auch schon vor ihrem Eintreten da gewesen war. Tessi geh�rte nicht zu denen, von denen sie ein L�cheln erwartete, noch nicht.</p><p>�Wie geht es meiner kleinen Tessi heute?�, fragte sie.</p><p>�Tessi geht es sehr gut�, erwiderte die <emphasis>Damane</emphasis> ohne zu z�gern. Zuvor hatte sie stets um die richtigen Worte k�mpfen m�ssen und erst gestern die letzte Pr�gelstrafe bekommen, weil sie die sofortige Antwort verweigert hatte.</p><p>Bethamin legte nachdenklich den Finger ans Kinn und betrachtete die kniende <emphasis>Damane.</emphasis> Sie misstraute jeder <emphasis>Damane,</emphasis> die sich einst Aes Sedai genannt hatte. Geschichte faszinierte sie und sie hatte sogar �bersetzungen aus den zahllosen Sprachen vor dem Beginn der Vereinigung gelesen. Jene uralten Herrscher erg�tzten sich an ihrer m�rderischen Tyrannei und schrieben voller Begeisterung auf, wie sie an die Macht kamen und Nachbarstaaten zerst�rten und andere Herrscher unterjochten. Die meisten waren durch Attentate gestorben, oft durch die Hand ihrer eigenen Nachkommen oder Anh�nger. Sie wusste ganz genau, wie Aes Sedai waren.</p><p>�Tessi ist eine gute <emphasis>Damane�,</emphasis> murmelte sie freundlich und nahm ein Bonbon aus der T�te in ihrer G�rteltasche. Tessi beugte sich vor, um es entgegenzunehmen und dankbar ihre Hand zu k�ssen, aber das L�cheln flackerte etwas, obwohl es, als sie sich das rote Bonbon in den Mund stopfte, wieder da war. So. Darum also ging es, nicht wahr? Es war nichts Neues, dass man etwas vort�uschte, um das Misstrauen der <emphasis>Sul'dam</emphasis> einzuschl�fern, zog man jedoch in Betracht, was Tessi gewesen war, dann war es doch sehr wahrscheinlich, dass sie eine Flucht plante.</p><p>Drau�en im Korridor notierte Bethamin den dringenden Vorschlag, Tessis Ausbildung zusammen mit ihren Bestrafungen zu verdoppeln und sie nur sporadisch zu belohnen, sodass sie sich niemals sicher sein konnte, dass selbst Perfektion niemals mehr als ein Kopft�tscheln ergab. Es war eine raue Methode, die sie normalerweise vermied, aber aus irgendeinem Grund verwandelte sie die st�rrischste <emphasis>Marath'damane</emphasis> in bemerkenswert kurzer Zeit in eine f�gsame <emphasis>Damane.</emphasis> Und eine lammfromme <emphasis>Damane.</emphasis> Sie brach die Pers�nlichkeit einer <emphasis>Damane</emphasis> nur ungern, aber Tessi musste f�r das <emphasis>A'dam</emphasis> gebrochen werden, damit sie die Vergangenheit vergessen konnte. Am Ende w�rde sie viel gl�cklicher sein.</p><p>Bethamin war fr�her fertig als Renna und wartete am Fu� der Treppe, bis die andere <emphasis>Sul'dam</emphasis> herunterkam. �Bringt dies zu Essonde, wenn Ihr mit Eurem Bericht fertig seid�, sagte sie und hielt Renna ihr Schreibbrett entgegen, bevor sie die letzte Stufe hinuntergestiegen war. Wie nicht anders zu erwarten gewesen war, akzeptierte Renna die neue Aufgabe so dem�tig wie zuvor die anderen Befehle und eilte los; sie betrachtete das zweite Schreibbrett, als w�rde sie sich fragen, ob dort auch ein Bericht �ber sie geschrieben stand. Nach Falrne war sie eine andere Frau geworden.</p><p>Nachdem sich Bethamin ihren Umhang geholt und den Palast verlassen hatte, wollte sie zu dem Gasthaus, in dem sie sich mit zwei anderen <emphasis>Sul'dam</emphasis> gezwungenerma�en ein Bett teilen musste, aber nur lange genug, um ein paar M�nzen aus ihrer abschlie�baren Truhe zu holen. Die Inspektion war heute ihre einzige Pflicht gewesen und der Rest des Tages geh�rte ihr. Statt sich zus�tzliche Aufgaben aufzub�rden, w�rde sie ihn ausnahmsweise dazu nutzen, Andenken zu kaufen. Vielleicht einen dieser Dolche, den die Einheimischen am Hals trugen, vorausgesetzt, sie konnte einen ohne Juwelen finden, die hier am Griff so beliebt waren. Und nat�rlich Lackarbeiten; die waren hier so gut wie im Kaiserreich und die Muster waren so... fremdartig. Einkaufen w�rde beruhigend sein. Sie brauchte das.</p><p>Die Pflastersteine des Mol Hara gl�nzten noch immer feucht vom Morgenregen und die Luft war von einem angenehmen Salzgeruch erf�llt, der sie an ihr Heimatdorf am See von L'Heye erinnerte, wo sie zur Welt gekommen war, auch wenn die schneidende K�lte sie den Umhang enger um ihren K�rper ziehen lie�. In Abunai war es niemals so kalt gewesen, und sie hatte sich nie daran gew�hnen k�nnen, ganz egal, wie weit gereist sie war. Aber die Erinnerungen an Zuhause boten keinen Trost. W�hrend sie sich ihren Weg durch die �berf�llten Stra�en bahnte, dr�ngten sich die Gedanken an Renna und Seta so sehr in den Vordergrund, dass sie andere Leute anrempelte und beinahe vor den Wagenzug eines H�ndlers gelaufen w�re, der die Stadt verlie�. Ein Ruf der Kutscherin drang zu ihr durch und sie sprang gerade rioch rechtzeitig zur�ck. Der Wagen polterte genau dort, wo sie eben gestanden hatte, �ber das Stra�enpflaster, und die Frau auf dem Kutschbock, die die Peitsche schwang, hatte keinen Blick f�r sie �brig. Diese Fremden hatten keine Vorstellung davon, welcher Respekt einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> zustand.</p><p>Renna und Seta. Jeder, der in Falme dabei gewesen war, trug Erinnerungen in sich, die er vergessen wollte, Erinnerungen, �ber die sie nicht sprachen, es sei denn, sie hatten zu viel getrunken. Sie hatte auch welche, aber bei ihr ging es nicht um das Grauen, gegen vage bekannte Geister aus den Legenden zu k�mpfen oder die Best�rzung der Niederlage oder Visionen des Wahnsinns am Himmel. Wie oft hatte sie sich gew�nscht, an diesem Tag nicht nach oben gegangen zu sein? Wenn sie sich doch nur nicht gefragt h�tte, wie es Tuli ging, der <emphasis>Dom�ne</emphasis> mit den wunderbaren Fertigkeiten in der Metallverarbeitung. Aber sie hatte in Tulis Zwinger hineingeschaut. Und gesehen, wie Renna und Seta verzweifelt versucht hatten, die <emphasis>A'dam</emphasis> von ihren H�lsen zu entfernen; sie hatten auf den Knien vor Schmerzen geschrien, und die �belkeit hatte sie schwanken lassen, w�hrend sie an den Kragen herumrissen. Erbrochenes beschmutzte die Vorderseiten ihrer Gew�nder. In ihrer wilden Panik hatten sie nicht gesehen, wie sie entsetzt zur�ckwich.</p><p>Nicht wegen des schrecklichen Anblicks, zwei <emphasis>Sul'dam</emphasis> als <emphasis>Marath'damane</emphasis> entlarvt zu sehen, sondern wegen des pl�tzlichen Grauens, das in ihr emporstieg. Sie glaubte oft, die Gewebe der <emphasis>Damane</emphasis> beinahe sehen zu k�nnen, und sie sp�rte immer die Anwesenheit einer <emphasis>Damane</emphasis> und erkannte, wie stark sie war. Das konnten viele der <emphasis>Sul'dam;</emphasis> jeder wusste, dass das von der langen Erfahrung im Umgang mit den <emphasis>Damane</emphasis> kam. Aber der Anblick dieses verzweifelten Paars weckte unwillkommene Gedanken, verlieh dem, was sie immer akzeptiert hatte, ein neues und Furcht erregendes Aussehen. Sah sie die Gewebe nur <emphasis>beinahe</emphasis> oder tats�chlich? Manchmal glaubte sie sogar, das Lenken der Macht zu <emphasis>f�hlen.</emphasis> Selbst <emphasis>Sul'dam</emphasis> mussten sich bis zum f�nfundzwanzigsten Namensgebungstag dem j�hrlichen Test unterziehen, und sie hatte bestanden, indem sie jedes Mal versagt hatte. Nur... Sobald man Renna und Seta entdeckte, w�rde es einen neuen Test geben, um die <emphasis>Marath'damane</emphasis> aufzusp�ren, die dem ersten entgangen waren. Ein solcher Schlag w�rde m�glicherweise das Reich selbst ersch�ttern. Und noch w�hrend sich das Bild von Renna und Seta in ihr Ged�chtnis brannte, hatte sie mit unumst��licher Sicherheit gewusst, dass Bethamin Zeami nach diesem neuen Test keine respektierte B�rgerin mehr sein w�rde. Stattdessen w�rde eine <emphasis>Damane</emphasis> namens Bethamin dem Reich dienen.</p><p>Die Scham lie� sie noch immer erstarren. Sie hatte ihre eigenen �ngste vor die Bed�rfnisse des Reiches gestellt, vor alles, von dem sie wusste, dass es richtig und gut war. Der Krieg kam nach Falme und mit ihm die Albtr�ume, aber sie hatte sich nicht unverz�glich mit einer <emphasis>Damane</emphasis> verbunden und sich in die Schlachtformation eingereiht. Stattdessen hatte sie die Verwirrung ausgenutzt, um sich ein Pferd zu besorgen und zu fliehen, und zwar so schnell und so weit sie nur konnte.</p><p>Ihr wurde bewusst, dass sie stehen geblieben war und in das Schaufenster einer Schneiderin starrte, ohne �berhaupt wahrzunehmen, was dort ausgestellt war. Nicht, dass sie es sehen wollte. Das blaue Gewand mit den Silberblitzen auf den roten Rechtecken war das einzige, das sie seit Jahren tragen wollte. Und sie w�rde mit Sicherheit nichts anziehen, das sie auf so unanst�ndige Weise entbl��te. Mit rauschenden R�cken ging sie weiter, aber sie konnte Renna und Seta nicht aus ihren Gedanken verbannen. Oder Suroth.</p><p>Offensichtlich hatte Alwhin die mit Kragen versehenen <emphasis>Sul'dam</emphasis> gefunden und sie Suroth gemeldet. Und Suroth hatte das Reich besch�tzt, indem sie Renna und Seta besch�tzte, so gef�hrlich das auch war. Was war, wenn sie pl�tzlich anfingen, die Macht zu lenken? Vielleicht w�re es f�r das Reich besser gewesen, wenn sie ihren Tod arrangiert h�tte, obwohl es selbst f�r einen Angeh�rigen des Hohen Blutes Mord war, eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> zu t�ten. Zwei verd�chtige Todesf�lle unter den <emphasis>Sul'dam</emphasis> h�tte mit Sicherheit die Sucher der Wahrheit auf den Plan gerufen. Also blieben Renna und Seta frei, falls man es als Freiheit bezeichnen konnte, wenn ihnen nie wieder erlaubt wurde, sich zu verbinden. Alwhin hatte ihre Pflicht getan und war geehrt worden, indem sie zu Suroths Stimme wurde. Suroth hatte ebenfalls ihre Pflicht getan, egal, auf welch widerw�rtige Weise auch immer. Es gab keine neue Pr�fung. Ihre Flucht war v�llig umsonst gewesen. Und w�re es geblieben, w�re sie nicht in Tanchico gelandet � ein Albtraum, den sie noch verzweifelter vergessen wollte als Falme.</p><p>Eine Abteilung der Totenwache marschierte vorbei, pr�chtig anzuschauen in ihrer R�stung, und Bethamin blieb stehen, um ihnen zuzusehen. Sie hinterlie�en in der Menge eine Spur wie ein Schiff unter vollen Segeln sein Kielwasser. In Stadt und Land w�rde Begeisterung herrschen, wenn sich Tuon endlich enth�llte, und es w�rde Feste geben, als w�re sie gerade erst eingetroffen. Auf diese Weise an die Tochter der Neun Monde zu denken verursachte bei ihr einen leisen Schauder, so wie in ihrer Kindheit, wenn sie etwas Verbotenes getan hatte. Nat�rlich war Tuon, solange sie den Schleier trug, nur die Hochlady Tuon, die den gleichen Rang wie Suroth bekleidete. Die M�nner der Totenwache trampelten vorbei, Herz und Seele Kaiserin und Reich gewidmet, und Bethamin ging in die entgegengesetzte Richtung. Was nur passend war, da sie Herz und Seele der Erhaltung ihrer pers�nlichen Freiheit gewidmet hatte.</p><p><emphasis>Die Goldenen Schw�ne des Himmels</emphasis> war ein pomp�ser Name f�r ein winziges Gasthaus, das man zwischen einen Mietstall und einem Lackarbeitenladen gequetscht hatte. Der Lackarbeitenladen war voller Offiziere, die ihn leer kauften, der Stall war voller Pferde, die durch die Lotterie gekauft und noch nicht zugeteilt worden waren und <emphasis>Die Goldenen Schw�ne</emphasis> war voller <emphasis>Sul'dam.</emphasis> Tats�chlich war es bis unters Dach mit ihnen gef�llt, zumindest nach Anbrach der Nacht. Bethamin hatte Gl�ck, nur zwei Bettgef�hrtinnen zu haben. Die Wirtin hatte den Befehl erhalten, so viele aufzunehmen, wie sie nur konnte, und packte vier oder f�nf in ein Bett, wenn sie glaubte, sie w�rden hineinpassen. Doch das Bettzeug war sauber und das Essen gut, wenn auch seltsam. Und da die Alternative h�chstwahrscheinlich aus einer Scheune bestanden h�tte, teilte sie gern.</p><p>Zu dieser Stunde waren die runden Tische im Schankraum leer. Einige der hier wohnenden <emphasis>Sul'dam</emphasis> gingen ihren Pflichten nach und der Rest wollte einfach der Wirtin aus dem Weg gehen. Mit verschr�nkten Armen und finsterer Miene sah Darnella Shoran mehreren Schankm�gden dabei zu, wie sie emsig den Boden wischten. Sie war eine d�rre Frau mit grauem, im Nacken zu einem Knoten gebundenem Haar und einem langen Kinn, das ihr einen kriegerischen Ausdruck verlieh; trotz des l�cherlichen Dolches, den sie trug und dessen Griff mit billigen roten und wei�en Edelsteinen �bers�t war, h�tte sie eine <emphasis>Der'sul'dam</emphasis> sein k�nnen. Angeblich waren die Schankm�gde freie B�rgerinnen, aber wenn die Wirtin sprach, sprangen sie wie Sklavinnen.</p><p>Bethamin zuckte leicht zusammen, als die Frau zu ihr herumfuhr. �Ihr kennt meine Regeln, was M�nner angeht, Frau Zeami?�, verlangte sie zu wissen. Selbst nach all dieser Zeit erschien die langsame Weise, wie diese Leute redeten, seltsam. �Ich habe von Euren fremdl�ndischen Sitten geh�rt, und wenn Ihr so seid, ist das Eure Sache, aber nicht unter meinem Dach. Wenn Ihr Euch mit M�nnern treffen wollt, dann tut das an einem anderen Ort.�</p><p>�Ich versichere Euch, Frau Shoran, ich habe mich weder hier noch woanders mit M�nnern getroffen.�</p><p>Die Wirtin musterte sie misstrauisch. �Nun, einer kam und hat namentlich nach Euch verlangt. Ein h�bscher blonder Mann. Kein Junge mehr, aber auch nicht besonders alt. Einer von Eurem Haufen, der seine Worte so dehnt, dass man ihn kaum verstehen kann.�</p><p>Bethamin bem�hte sich um einen beschwichtigenden Tonfall und tat ihr Bestes, die Frau davon zu �berzeugen, dass sie niemanden kannte, auf den diese Beschreibung zutraf und dass sie bei ihren Pflichten f�r M�nner keine Zeit hatte. Beides entsprach der Wahrheit, obwohl sie falls n�tig gelogen h�tte. Das Gasthaus war nicht requiriert worden und drei in einem Bett war einer Scheune <emphasis>bei weitem</emphasis> vorzuziehen. Sie versuchte herauszufinden, ob die Frau m�glicherweise einem kleinen Geschenk nicht abgeneigt war, wenn sie einkaufen ging, aber die Wirtin schien richtig gehend beleidigt zu sein, als sie andeutete, einen Dolch mit bunteren Edelsteinen besorgen zu wollen. Sie hatte an nichts Teures gedacht, keine Bestechung � jedenfalls keine richtige �, aber Frau Shoran schien es so aufzufassen, plusterte sich auf und runzelte indigniert die Stirn. Auf jeden Fall hatte sie nicht den Eindruck, die Meinung der Frau auch nur um ein Haar ge�ndert zu haben. Aus irgendeinem Grund schien die Wirtin zu glauben, dass sie ihre ganze Freizeit mit Ausschweifungen verbrachte. Sie hatte die Stirn noch immer gerunzelt, als Bethamin die gel�nderlose Treppe an der Seite des Schankraums emporstieg und dabei so tat, als w�rde sie an nichts anderes als ans Einkaufen denken.</p><p>Doch die Identit�t des Mannes bereitete ihr Sorgen. Die Beschreibung sagte ihr tats�chlich nichts. Aller Wahrscheinlichkeit nach war er auf ihre Nachforschungen gesto�en, aber wenn das der Fall war, wenn er es geschafft hatte, sie bis hierin zu verfolgen, dann war sie nicht diskret genug gewesen. Vielleicht sogar auf gef�hrliche Weise. Trotzdem hoffte sie, dass er zur�ckkam. Sie musste es wissen. Sie musste es!</p><p>Sie �ffnete die T�r zu ihrem Zimmer und erstarrte. Ihre Eisentruhe stand ge�ffnet auf ihrem Bett, was unm�glich war. Sie hatte ein gutes Schloss und der einzige Schl�ssel befand sich in ihrer G�rteltasche. Der Dieb war noch immer da und seltsamerweise bl�tterte er in ihrem Tagebuch herum! Wie beim Licht war der Mann an Frau Shorans Wachsamkeit vorbeigekommen?</p><p>Die L�hmung dauerte nur einen Augenblick lang. Sie riss den G�rteldolch aus der Scheide und �ffnete den Mund, um nach Hilfe zu rufen.</p><p>Des Gesichtsausdruck des Kerls ver�nderte sich nicht, er versuchte weder sie anzugreifen noch zu fliehen. Er holte blo� einen kleinen Gegenstand aus seiner G�rteltasche und hielt ihn hoch, dass sie ihn sehen konnte, und der Atem in ihrer Kehle verwandelte sich zu Blei. Wie bet�ubt fummelte sie den Dolch zur�ck in seine Scheide und streckte die H�nde aus, um ihm zu zeigen, dass sie keine Waffe hielt und auch nicht versuchte, nach einer zu greifen. Zwischen seinen Fingern ragte eine in Gold gefasste Marke aus Elfenbein hervor, in die ein Rabe und ein Turm eingraviert waren. Pl�tzlich sah sie den Mann zum ersten Mal richtig, er war blond und in seinen mittleren Jahren. Vielleicht war er ja tats�chlich h�bsch, so wie Frau Shoran gesagt hatte, aber nur eine Verr�ckte w�rde einen Sucher der Wahrheit auf diese Weise betrachten. Dem Licht sei Dank, dass sie nichts Gef�hrliches in ihrem Tagebuch festgehalten hatte. Aber er musste Bescheid wissen. Er hatte ihren Namen gekannt. Oh, beim Licht, er musste es wissen!</p><p>�Schlie�t die T�r�, sagte er leise und steckte die Marke zur�ck in die Tasche. Sie gehorchte. Sie wollte fliehen. Sie wollte um Gnade bitten. Aber er war ein Sucher, also blieb sie dort stehen und zitterte. Zu ihrer �berraschung lie� er ihr Tagebuch zur�ck in die Truhe fallen und deutete auf den einzigen Stuhl im Zimmer. �Setzt Euch. Es gibt keinen Grund, dass Ihr es unbequem habt.�</p><p>Langsam h�ngte sie ihren Umhang an den Haken und lie� sich auf den Stuhl nieder, und dieses eine Mal war ihr egal, wie unbequem die seltsame, schlangen�hnliche Lehne war. Sie versuchte erst gar nicht, ihr Zittern zu verheimlichen. Selbst eine Angeh�rige des Blutes, sogar eine des Hohen Blutes, w�rde bei einem Verh�r durch einen Sucher zittern. Sie hatte eine kleine Hoffnung. Er hatte ihr nicht befohlen, ihn einfach zu begleiten. Vielleicht kannte er sie ja doch nicht.</p><p>�Ihr habt Euch nach einem Schiffskapit�n namens Egeanin Sarna erkundigt�, sagte er. �Warum?�</p><p>Die Hoffnung brach mit einem Ruck zusammen. �Ich habe nach einer alten Freundin gesucht�, stie� sie mit zitternder Stimme hervor. Die besten L�gen enthielten immer so viel Wahrheit wie m�glich. �Wir waren zusammen in Falme. Ich wei� nicht, ob sie �berlebt hat.� Einen Sucher anzul�gen war Verrat, aber sie hatte ihren ersten Verrat bereits bei der Schlacht von Falme begangen, als sie desertiert war.</p><p>�Sie lebt�, sagte er kurz angebunden. Ohne den Blick von ihr zu wenden, setzte er sich auf das Bettende. Seine Augen waren blau und sie lie�en in ihr den Wunsch entstehen, den Umhang nicht ausgezogen zu haben. �Sie ist eine Heldin, ein Hauptmann der Gr�nen, und jetzt die Lady Egeanin Tamarath. Hochlady Suroths Belohnung. Sie h�lt sich ebenfalls in Ebou Dar auf. Ihr werdet Eure Freundschaft mit ihr auffrischen. Und mir berichten, mit wem sie sich trifft, wohin sie geht, was sie sagt. Alles.�</p><p>Bethamin biss die Z�hne zusammen, um zu verhindern, hysterisch zu lachen. Dem Licht sei Dank! Dem Licht in seiner unendlichen Gnade sei Dank! Sie hatte blo� wissen wollen, ob die Frau noch lebte, ob sie Vorsichtsma�nahmen ergreifen musste. Egeanin hatte sie seinerzeit befreit, doch in den zehn Jahren, die Bethamin sie zuvor gekannt hatte, war sie ein Musterbild an Pflichterf�llung gewesen. Es hatte immer die M�glichkeit bestanden, dass sie diesen einen Fehltritt bereute, ganz egal, was es sie kosten w�rde, aber wie ein Wunder hatte sie das nicht. Und der Sucher war hinter ihr her und nicht...! M�glichkeiten breiteten sich vor ihr aus, Sicherheiten, und sie wollte nicht l�nger lachen. Stattdessen fuhr sie sich mit der Zunge �ber die Lippen.</p><p>�Wie...? Wie kann ich unsere Freundschaft erneuern?� Es war sowieso nie Freundschaft gewesen, blo� eine Bekanntschaft, aber nun war es zu sp�t, das zu sagen. �Ihr habt mir gesagt, dass man sie zum Blut erhoben hat. Jede Ann�herung muss von ihr kommen.� Furcht machte sie mutig. Und lie� Panik in ihr aufsteigen, genau wie in Falme. �Warum braucht Ihr mich als Lauscher? Ihr k�nnt sie wann immer Ihr wollt zur Befragung abholen.� Sie biss sich auf die Lippen, um ihre Zunge zum Schweigen zu bringen. Licht, es gab nichts, das sie weniger wollte. Sucher waren die geheime Hand der Kaiserin, mochte sie ewig leben; im Namen der Kaiserin konnte er selbst Suroth der Befragung unterziehen, sogar Tuon. Sicher, er w�rde auf schreckliche Weise sterben, wenn sich herausstellte, dass er sich geirrt hatte, aber bei Egeanin war das Risiko nicht gro�. Sie geh�rte blo� dem niederen Blut an. Wenn er sie der Befragung unterzog...</p><p>Sie war schockiert, als er ihr nicht einfach zu gehorchen befahl, sondern sitzen blieb und sie musterte. �Ich werde gewisse Dinge erkl�ren�, sagte er und das war ein noch gr��erer Schock. Sucher erkl�rten niemals etwas, das hatte sie geh�rt. �Ihr werdet mir oder dem Reich nichts n�tzen, wenn Ihr nicht �berlebt, und Ihr werdet nicht �berleben, wenn Ihr nicht begreift, wem Ihr da gegen�bertretet. Solltet Ihr auch nur ein Wort von dem, was ich Euch enth�lle, irgendjemandem sagen, werdet Ihr davon tr�umen, im Turm des Raben zu sitzen, wenn Ihr das erduldet, wo Ihr dann sein werdet. H�rt zu und lernt. Egeanin wurde nach Tanchico entsandt, bevor die Stadt an uns fiel, unter anderem als Teil der Bem�hungen, <emphasis>Sul'dam</emphasis> zu finden, die in Falme zur�ckgelassen worden waren. Seltsamerweise konnte sie niemanden finden, ganz im Gegensatz zu anderen wie jenen, die Euch bei der R�ckkehr halfen. Stattdessen hat Egeanin die <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die sie aufsp�rte, ermordet. Ich selbst habe sie mit dieser Anschuldigung konfrontiert, und sie hat sich nicht einmal die M�he gemacht, es abzustreiten. Sie hat nicht einmal Wut oder gar Emp�rung gezeigt. Und was genauso schlimm ist, sie hat im Geheimen mit Aes Sedai verkehrt.� Er sprach den Namen n�chtern aus, nicht mit der �blichen Abscheu, sondern eher wie eine Anschuldigung. �Als sie Tanchico verlie�, reiste sie auf einem Schiff, das von einem Mann namens Bayle Domon kommandiert wurde. Er hatte �rger gemacht, weil sein Schiff geentert und enteignet worden war. Sie kaufte ihn und machte ihn auf der Stelle zum <emphasis>So'jhin,</emphasis> also ist er offensichtlich f�r sie von Bedeutung.</p><p>Interessanterweise brachte sie diesen Mann in Falme zu Hochlord Turak. Domon errang die Aufmerksamkeit des Hochlords in einem solchen Ausma�, dass er oft eingeladen wurde, um sich mit ihm zu unterhalten.� Er schnitt eine Grimasse. �Habt Ihr Wein? Oder Branntwein?�</p><p>Bethamin zuckte zusammen. �Ich glaube, lona hat eine Flasche einheimischen Schnaps. Es ist ein hartes Getr�nk...�</p><p>Er befahl ihr, ihm trotzdem einen Becher einzuschenken, und sie gehorchte eilig. Sie wollte ihn am Reden halten, alles, nur um das Unvermeidliche hinauszuz�gern. Sie wusste genau, dass Egeanin keine <emphasis>Sul'dam</emphasis> get�tet hatte, doch der Beweis w�rde sie zu dem gleichen traurigen Schicksal verurteilen, das Renna und Seta erdulden mussten. Wenn sie Gl�ck hatte. Wenn dieser Sucher seine Pflicht dem Reich gegen�ber von demselben Standpunkt aus sah wie Suroth. Er schaute in den Zinnbecher und lie� den dunklen Apfelschnaps kreisen, w�hrend sie sich wieder setzte.</p><p>�Hochlord Turak war ein gro�er Mann�, murmelte er. �Vielleicht einer der gr��ten, die das Reich je gesehen hat. Eine Schande, dass seine <emphasis>So'jhin</emphasis> sich entschieden, ihm in den Tod zu folgen. Ehrenhaft von ihnen, aber das macht den Beweis unm�glich, dass Domon der Bande angeh�rte, die den Hochlord ermordete.� Bethamin zuckte zusammen. Nat�rlich t�teten die vom Blut manchmal einander, aber dabei fiel nie das Wort Mord. Der Sucher fuhr fort; er starrte dabei weiter in den Becher, ohne zu trinken. �Der Hochlord hatte mir befohlen, Suroth im Auge zu behalten. Er hegte den Verdacht, dass sie eine Gefahr f�r das Reich ist. Seine eigenen Worte. Und durch seinen Tod gelang es ihr, den Befehl �ber die Vorl�ufer zu �bernehmen. Ich habe keinerlei Beweise, dass sie seinen Tod angeordnet hat, aber es gibt vieles, das darauf hinweist. Suroth hat eine <emphasis>Damane</emphasis> nach Fahne gebracht, eine junge Frau, die eine Aes Sedai war� � wieder wurde der Name tonlos und hart ausgesprochen � �und der es irgendwie gelang, an dem Tag zu fliehen, an dem Turak starb. Suroth hat in ihrem Gefolge eine <emphasis>Damane,</emphasis> die einst eine Aes Sedai war. Man hat sie nie ohne Kragen gesehen, aber...� Er zuckte mit den Schultern, als w�re das ohne jede Bedeutung. Bethamin riss die Augen weit auf. Wer w�rde einer <emphasis>Damane</emphasis> den Kragen abnehmen? Eine gut ausgebildete <emphasis>Damane</emphasis> war eine wahre Freude, aber da konnte man genauso gut einen betrunkenen <emphasis>Grolm</emphasis> freilassen! �Es scheint auch sicher zu sein, dass sie eine <emphasis>Marath'damane</emphasis> verborgen h�lt�, fuhr er fort, als w�rde er keine Verbrechen aufz�hlen, die nur unwesentlich geringer als Verrat waren. �Ich glaube, Suroth hat den Befehl gegeben, <emphasis>Sul'dam,</emphasis> denen es gelang, Tanchico zu erreichen, zu t�ten, vielleicht um Egeanins Treffen mit den Aes Sedai zu verbergen. Ihr <emphasis>Sul'dam</emphasis> behauptet doch immer, eine <emphasis>Marath'damane</emphasis> auf den ersten Blick erkennen zu k�nnen, richtig?�</p><p>Er schaute pl�tzlich auf, und irgendwie gelang es ihr, diesem erstarrten Blick mit einem L�cheln zu begegnen. Sein Gesicht h�tte jedem Mann geh�ren k�nnen, aber diese Augen... sie war froh, dass sie sa�. Ihre Knie zitterten so sehr, dass es sie �berraschte, dass man es trotz ihrer R�cke nicht sehen konnte. �Ich f�rchte, so einfach ist das nicht.� Es gelang ihr fast, ihre Stimme ganz normal klingen zu lassen. �Ihr... Ihr wisst doch sicherlich genug, um Suroth des Mordes an Hochlord Turak anzuklagen?� Wenn er sich Suroth holte, w�rde er weder sie noch Egeanin darin verwickeln m�ssen.</p><p>�Turak war ein gro�er Mann, aber meine Pflicht geh�rt der Kaiserin, m�ge sie ewig leben, und durch sie dem Reich.� Er trank den Schnaps in einem Zug aus und sein Gesicht wurde so hart wie seine Stimme.</p><p>�Verglichen mit der Gefahr, die dem Reich droht, ist Turaks Tod wie Staub. Die Aes Sedai dieser L�nder wollen im Reich die Macht erringen, zu den Tagen des Chaos und des Mordens zur�ckkehren, in denen kein Mann abends die Augen in dem Bewusstsein schlie�en konnte, sie am Morgen wieder �ffnen zu k�nnen, und der giftige Wurm des Verrats, der sich insgeheim seinen Weg frisst, hilft ihnen dabei. M�glicherweise ist Suroth nicht einmal der Kopf des Wurms. Um des Reiches willen kann ich es nicht wagen, sie zu ergreifen, bis ich den ganzen Wurm t�ten kann. Egeanin ist ein Faden, dem ich zum Wurm folgen kann, und Ihr seid der Faden zu Egeanin. Also werdet Ihr Eure Freundschaft mit ihr erneuern, koste es, was es wolle. Habt Ihr mich verstanden?�</p><p>�Ich verstehe und ich werde gehorchen.� Ihre Stimme zitterte, aber was h�tte sie sonst sagen sollen? Mochte das Licht ihr beistehen, was h�tte sie sonst sagen sollen?</p></section><section><title><p>21</p><p>Eine Frage des Eigentums</p></title><p>Egeanin lag auf dem R�cken auf dem Bett und hielt die H�nde in die H�he, die Handfl�chen der Decke zugewandt, die Finger gespreizt. Ihre hellblauen R�cke lagen wie ein F�cher �ber ihren Beinen und sie versuchte, ganz ruhig dazuliegen, um die schmalen Falten nicht zu sehr zu zerknittern. So wie Kleidung die Bewegung einschr�nkte, musste sie eine Erfindung des Dunklen K�nigs sein. Als sie dort lag, studierte sie ihre Fingern�gel, die viel zu lang waren, um ein Tau zu ergreifen, ohne nicht mindestens zur H�lfte abzubrechen. Nicht, dass sie pers�nlich in den letzten Jahren ein Tau in die Hand genommen h�tte, aber sie war stets dazu bereit und vor allem f�hig gewesen, falls es die Umst�nde erfordert h�tten.</p><p>�...grobe Dummheit!�, knurrte Bayle und stocherte in den flammenden Scheiten im Ziegelkamin herum. �Gl�ck stich mich, die <emphasis>Seefalke</emphasis> konnte schneller und dichter am Wind segeln als jedes seanchanische Schiff. Voraus es gaben Sturmb�en und...� Sie h�rte nur so weit zu, um zu wissen, dass er aufgeh�rt hatte, wegen der Unterkunft zu meckern und sich wieder dem uralten Streit zugewandt hatte. Das mit dunklem Holz get�felte Gemach war nicht das beste, das die <emphasis>Wanderin</emphasis> zu bieten hatte, nicht einmal ann�hernd, doch bis auf den Ausblick entsprach es seinen Forderungen. Die beiden Fenster schauten auf den Stallhof hinaus. Ein Hauptmann der Gr�nen entsprach im Rang einem Bannergeneral, aber an diesem Ort waren die meisten, die sie rangm��ig �bertraf, Gehilfen oder Sekret�re der Offiziersveteranen des Immer Siegreichen Heeres. Und genau wie auf See half es auch beim Heer nur wenig, wenn man dem Blut angeh�rte, es sei denn, es handelte sich um das Hohe Blut.</p><p>Der meergr�ne Lack auf den N�geln ihrer kleinen Finger funkelte. Sie hatte immer gehofft aufzusteigen, vielleicht bis zum Hauptmann der Goldenen und wie ihre Mutter Flotten zu befehlen. Als M�dchen hatte sie sogar davon getr�umt, genau wie ihre Mutter zur Hand der Kaiserin auf See ernannt zu werden, zur linken Hand des Kristallthrons zu stehen, als <emphasis>So'jhin</emphasis> der Kaiserin, mochte sie ewig leben, mit der Erlaubnis, direkt zu ihr sprechen zu d�rfen. Junge Frauen hatten alberne Tr�ume. Und sie musste zugeben, dass sie, nachdem sie f�r die Vorl�ufer auserw�hlt worden war, �ber die M�glichkeit spekuliert hatte, einen neuen Namen zu erringen. Sie hatte nicht darauf gehofft, bestimmt nicht � das w�re vermessen gewesen �, aber jedem war klar gewesen, dass die Zur�ckeroberung der geraubten L�nder neue Zug�nge f�r das Blut bedeutete. Jetzt war sie Hauptmann der Gr�nen, zehn Jahre bevor sie sich �berhaupt Hoffnungen darauf h�tte machen d�rfen, und stand an den Ausl�ufern jenes steilen Berges, der durch die Wolken zum Gipfel der Kaiserin f�hrte, mochte sie ewig leben.</p><p>Sie bezweifelte jedoch, dass man ihr das Kommando �ber ein Gro�schiff gab, oder gar eine Schwadron. Suroth behauptete, ihre Geschichte zu glauben, aber warum hatte man sie dann in Cantorin zur�ckgelassen? Und als dann die Befehle endlich eintrafen, warum mussten sie sich hier melden und nicht auf einem Schiff? Nat�rlich gab es nur eine begrenzte Zahl von Kommandoposten, selbst f�r einen Hauptmann der Gr�nen. M�glicherweise war ja das der Grund. Vielleicht hatte man sie auch f�r eine Position in Suroths Gefolge ausgesucht, obwohl ihre Befehle lediglich besagten, mit der n�chsten verf�gbaren Gelegenheit nach Ebou Dar zu reisen und auf weitere Befehle zu warten. Vielleicht. Das Hohe Blut mochte ohne die Vermittlung einer Stimme zum Niederen sprechen, aber sie hatte den Eindruck, dass Suroth sie bereits in dem Augenblick vergessen hatte, in dem man sie nach dem Empfang ihrer Ehrung entlassen hatte. Was ebenfalls bedeuten konnte, dass Suroth misstrauisch war.</p><p>Argumente, die im Kreis liefen. H�tte dieser Sucher seinem Verdacht nachgegeben, k�nnte sie jetzt von Meerwasser leben. Er hatte nicht mehr in der Hand oder sie s��e bereits in einem Verlies und w�rde sich die Lungen aus dem Leib br�llen, aber wenn er sich ebenfalls in der Stadt aufhielt, dann w�rde er sie beobachten und auf den ersten Fehler warten, den sie machte. Er konnte im Augenblick nicht mal einen Tropfen ihres Blutes vergie�en, aber die Sucher hatten Erfahrung darin, dieses kleine Problem zu �berwinden. So lange er sich damit begn�gte, sie zu beobachten, konnte er sie anstarren, bis seine Augen vertrockneten. Sie hatte jetzt ein sicheres Deck unter den F��en und von hier aus w�rde sie den n�chsten Schritt mit gro�er Bedachtsamkeit machen. Hauptmann der Goldenen war vermutlich nicht l�nger zu erreichen, aber sich als Hauptmann der Gr�nen zur Ruhe zu setzen war ehrenhaft.</p><p>�Und?�, wollte Bayle wissen. �Was meinen du?� Breit, muskul�s und kr�ftig stand er in Hemds�rmeln neben dem Bett, die Stirn gerunzelt und die F�uste in die H�ften gestemmt, genau die Art von Mann, die sie immer bevorzugt hatte. Es war nicht die Pose, die ein <emphasis>So'jhin</emphasis> vor seiner Herrin einnehmen sollte. Seufzend lie� sie die H�nde auf den Bauch fallen. Bayle wollte einfach nicht lernen, wie sich ein <emphasis>So'jhin</emphasis> zu benehmen hatte. Er betrachtete alles als Witz, als w�re nichts davon ernst gemeint. Manchmal sagte er sogar, er wollte als ihre Stimme fungieren, ganz egal wie oft sie ihm erkl�rte, dass sie keine Angeh�rige des Hohen Blutes war. Einmal hatte sie ihm eine Pr�gelstrafe verpasst, und danach hatte er sich geweigert, mit ihr in einem Bett zu schlafen, bis sie sich entschuldigte. Eine Entschuldigung!</p><p>Rasch ging sie in Gedanken durch, was sie mit halbem Ohr von seinem Geknurre mitbekommen hatte. Ja, nach all dieser Zeit noch immer dieselben Argumente. Nichts Neues. Sie schwang die Beine �ber die Bettkante, setzte sich auf und z�hlte an den Fingern ab. Sie hatte es so oft getan, dass sie es mittlerweile auswendig konnte. �H�ttest du versucht zu fliehen, h�tte die <emphasis>Damane</emphasis> auf dem anderen Schiff deine Masten wie �ste geknickt. Es war kein zuf�lliger Befehl zum Anhalten, Bayle, und das wei�t du; sie wollten beim ersten Ruf wissen, ob das Schiff die <emphasis>Seefalke</emphasis> war. In dem ich dich in den Wind brachte und verk�ndete, dass wir uns mit einem Geschenk f�r die Kaiserin, m�ge sie ewig leben, auf dem Weg nach Cantorin befanden, habe ich ihr Misstrauen beschwichtigt. Alles andere h�tte dazu gef�hrt, dass man uns im Frachtraum in Ketten gelegt und bei der Ankunft in Cantorin verkauft h�tte. Ich bezweifle, dass wir das Gl�ck gehabt h�tten, stattdessen dem Scharfrichter vorgef�hrt zu werden.� Sie hielt den Daumen hoch. �Und zu guter Letzt, h�ttest du die Ruhe bewahrt, wie ich es dir gesagt hatte, w�rst du auch nicht auf dem Block gelandet. Du hast mich viel gekostet!� Anscheinend hatten mehrere Frauen aus Cantorin den gleichen Geschmack gehabt, was M�nner betraf. Sie hatten den Preis in extravagante H�hen getrieben.</p><p>Stur, wie er war, machte er ein finsteres Gesicht und rieb sich gereizt den kurzen Bart. �Und ich sagen noch immer, wir h�tten sollen alles �ber Bord werfen�, murmelte er. �Dieser Sucher haben nicht den geringsten Beweis, dass ich es an Bord haben.�</p><p>�Sucher brauchen keine Beweise�, sagte sie und ahmte sp�ttisch seinen Akzent nach. �Sucher finden Beweise und dieses Finden ist schmerzhaft.� Wenn er nur noch das zur Sprache brachte, was er selbst vor langer Zeit zugegeben hatte, n�herte sie sich vielleicht endlich dem Ende der ganzen Diskussion. �Auf jeden Fall hast du bereits zugegeben, dass kein Schaden dadurch entstanden ist, dass Suroth den Kragen und die Armb�nder hat. Sie k�nnen ihm nicht angelegt werden, es sei denn, jemand kommt nahe genug an ihn heran, und ich habe nichts davon geh�rt, dass das jemandem gelungen ist oder gelingen wird.� Sie sparte sich die Bemerkung, dass es keine Rolle spielen w�rde, falls jemand Erfolg damit hatte. Bayle kannte sich nicht einmal in den Versionen der Prophezeiungen aus, die sie auf dieser Seite des Weltmeeres hatten, aber er beharrte darauf, niemand h�tte die Notwendigkeit erw�hnt, dass der Wiedergeborene Drache vor dem Kristallthron knien musste. M�glicherweise w�rde es sich als notwendig erweisen, dass man ihm dieses m�nnliche <emphasis>Adam</emphasis> umlegte, aber Bayle w�rde das niemals einsehen. �Was geschehen ist, ist geschehen, Bayle. Wenn das Licht uns erleuchtet, werden wir lange im Dienst f�r das Reich leben. Nun, du hast behauptet, du kennst diese Stadt. Was gibt es hier Interessantes zu sehen oder zu tun?�</p><p>�Hier immer sein irgendwelche Feste�, sagte er langsam, fast widerwillig. Er konnte es nicht ausstehen, seine Argumente aufzugeben, ganz egal, wie sinnlos sie auch waren. �Ein paar sein vielleicht nach deinem Geschmack. Einige nicht, ich sch�tzen. Du so... w�hlerisch sein.� Was meinte er denn damit? Pl�tzlich grinste er. �Wir k�nnten eine Weise Frau suchen. Sie nehmen hier die Eheschw�re ab.� Er strich mit den Fingern �ber die rasierte Seite seines Sch�dels und verdrehte die Augen, als wollte er es sich ansehen. �Obwohl, wenn ich mich an den Vortrag erinnern, den du mir �ber die �Rechte und Privilegien meiner Position gehalten haben, k�nnen <emphasis>So'jhin</emphasis> lediglich andere <emphasis>So'jhin</emphasis> heiraten, also m�ssen du mich zuerst freigeben. Gl�ck stich mich, du haben noch nicht einen Fu�breit Boden von den versprochenen Landg�tern bekommen. Ich k�nnen mein altes Handwerk wieder aufnehmen und dir in kurzer Zeit ein Landgut verschaffen.�</p><p>Ihr blieb der Mund offen stehen. Das war nichts Altes. Das war neu, sehr neu. Sie war immer sehr stolz auf ihr n�chternes Denkverm�gen gewesen. Durch K�nnen und Mut war sie zur Befehlshaberin aufgestiegen, war Veteranin von Seeschlachten und St�rmen und Schiffbruch. Und in diesem Augenblick f�hlte sie sich wie eine Deckmatrosin, die auf ihrer ersten Fahrt voller Panik und schwindelig vom Kr�hennest herunterschaute, w�hrend sich die ganze Welt um sie herum drehte und ein Sturz in das Meer, das ihr Blickfeld ausf�llte, scheinbar unausweichlich schien.</p><p>�So einfach ist das nicht�, sagte sie und sprang auf die F��e, sodass er gezwungen war, einen Schritt zur�ckzutreten. Beim Licht, sie hasste es, atemlos zu klingen! �Die Freilassung verlangt von mir, f�r deinen Lebensunterhalt als freier B�rger aufzukommen, um zu sehen, ob du dich selbst ern�hren kannst.� Licht! Worte, die einem aus dem Mund sprudelten, waren genauso schlimm wie Atemlosigkeit. Sie stellte sich auf einem Deck vor. Es half etwas. �In deinem Fall w�rde das vermutlich bedeuten, dass ich ein Schiff kaufe�, fuhr sie fort und klang zumindest unger�hrt. �Und wie du mich erinnert hast, habe ich noch keine Landg�ter erhalten. Davon abgesehen k�nnte ich nicht zulassen, dass du wieder mit dem Schmuggel anf�ngst, und das wei�t du genau.� Das war die Wahrheit und der Rest war eigentlich auch keine L�ge. Ihre Jahre auf See waren profitabel gewesen, und auch wenn das Gold, das ihr geh�rte, f�r eine Angeh�rige des Blutes nur Taschengeld war, so war sie dennoch imstande, ein Schiff zu kaufen � solange er kein Gro�schiff haben wollte �, aber sie hatte nicht geradeheraus bestritten, sich keines leisten zu k�nnen.</p><p>Er breitete die Arme aus, noch etwas, das er nicht tun sollte, und nach kurzem Z�gern legte sie die Wange an seine breite Schulter und lie� zu, dass er sie umarmte. �Alles werden gut, M�dchen�, murmelte er sanft. �Irgendwie alles werden gut.�</p><p>�Du sollst mich nicht �M�dchen� nennen, Bayle�, schalt sie ihn und starrte an seiner Schulter vorbei in den Kamin. Er schien vor ihren Augen zu verschwimmen. Vor dem Aufbruch aus Tanchico hatte sie beschlossen, ihn zu heiraten, eine jener blitzschnellen Entscheidungen, die ihren Ruf begr�ndet hatten. Er war vielleicht ein Schmuggler, aber dem h�tte sie ein Ende bereiten k�nnen, und er war treu, stark und intelligent, ein echter Seefahrer. Das Letztere war f�r sie immer eine Notwendigkeit gewesen. Aber sie kannte seine Sitten nicht. In einigen Teilen des Reiches waren es die M�nner, die fragten, und sie waren beleidigt, wenn eine Frau auch nur eine Andeutung in die Richtung machten. Sie hatte auch keine Ahnung, wie man einen Mann einfing. Ihre wenigen Liebhaber waren alles M�nner von gleichem Rang gewesen, M�nner, denen sie offen gegen�bertreten und wieder Lebewohl sagen konnte, wenn der eine oder andere auf ein anderes Schiff versetzt oder bef�rdert wurde. Und jetzt war er <emphasis>So'jhin.</emphasis> Es war nichts dabei, mit seinem <emphasis>So'jhin</emphasis> ins Bett zu gehen, solange man es nicht in aller �ffentlichkeit tat. Er w�rde wie gew�hnlich sein Lager am Fu� des Bettes aufschlagen, selbst wenn er nie darauf schlief. Aber einen <emphasis>So'jhin</emphasis> zu befreien, ihn von den Rechten und Privilegien fern zu halten, f�r die Bayle nur Hohn und Spott �brig hatte, war der Gipfel der Grausamkeit. Nein, sie log, weil sie Dingen wieder aus dem Weg ging, und, was viel schlimmer war, sie belog sich selbst. Sie wollte Bayle Domon aus ganzem Herzen heiraten. Sie hegte aber auf bittere Weise Zweifel, ob sie sich �berwinden konnte, freigelassenen Besitz zu heiraten.</p><p>�Wie meine Lady befehlen, es soll geschehen�, sagte er in fr�hlicher Verspottung der steifen F�rmlichkeit.</p><p>Sie boxte ihn unter die Rippen. Nicht hart. Gerade hart genug, um ihn grunzen zu lassen. Er musste es lernen! Sie hatte keine Lust mehr, sich Ebou Dars Sehensw�rdigkeiten anzusehen. Sie wollte dort bleiben, wo sie war, in Bayles Armen, sie wollte keine Entscheidungen mehr treffen m�ssen, sondern hier f�r alle Ewigkeit stehen blieben.</p><p>Ein scharfes Klopfen ert�nte an der T�r und sie stie� ihn weg. Wenigstens wusste er genug, um nicht dagegen zu protestieren. W�hrend er den Mantel �berzog, sch�ttelte sie ihr Gewand aus und versuchte, die Falten zu gl�tten, die das Liegen auf dem Bett hervorgerufen hatte. Obwohl sie sich kaum bewegt hatte, schienen es eine ganz sch�ne Menge zu sein. Das Klopfen konnte Suroths Marschbefehl sein oder eine Magd, die sehen wollte, ob sie etwas brauchten, aber wer auch immer es war, sie w�rde nicht zulassen, dass er sie in einem Zustand sah, als h�tte sie sich auf Deck herumgew�lzt.</p><p>Sie gab die sinnlosen Versuche auf, wartete, bis Bayle alle Kn�pfe geschlossen und eine Pose angenommen hatte, die er f�r einen <emphasis>So'jhin</emphasis> angebracht hielt � <emphasis>Wie ein Kapit�n auf dem Achterdeck, der gleich Befehle br�llt,</emphasis> dachte sie und seufzte �, dann br�llte er: �Herein!� Die Frau, die die T�r �ffnete, war die Letzte, mit der sie gerechnet h�tte.</p><p>Bethamin warf ihr einen z�gernden Blick zu, bevor sie hereinschl�pfte und die T�r leise hinter sich schloss. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> holte tief Luft, dann kniete sie nieder und hielt sich steif aufrecht. Ihr dunkelblaues Gewand mit den roten Rechtecken und den Silberblitzen sah frisch gereinigt und geb�gelt aus. Der scharfe Kontrast zu ihrem eigenen schlampigen Erscheinungsbild �rgerte Egeanin. �Meine Lady�, begann Bethamin z�gernd und schluckte dann. �Meine Lady, ich bitte Euch, mit Euch sprechen zu d�rfen.� Sie warf Bayle einen Blick zu und befeuchtete sich die Lippen. �Unter vier Augen, wenn es meiner Lady beliebt.�</p><p>Das letzte Mal hatte Egeanin diese Frau in einem Keller in Tanchico gesehen; sie hatte sie von einem <emphasis>A'dam</emphasis> befreit und ihr befohlen zu verschwinden. W�re sie eine Angeh�rige des Hohen Blutes gewesen, h�tte das ausreichend Grund f�r eine Erpressung geboten! Zweifellos w�re die Anklage dieselbe gewesen wie bei der Befreiung einer <emphasis>Dom�ne.</emphasis> Verrat. Nur dass Bethamin es nicht enth�llen konnte, ohne sich dabei selbst ans Messer zu liefern.</p><p>�Er kann alles h�ren, was Ihr zu sagen habt, Bethamin�, sagte sie ruhig. Sie befand sich in einer Untiefe und da war kein Platz f�r etwas anderes als Ruhe. �Was wollt Ihr?�</p><p>Bethamin rutschte auf den Knien herum und verschwendete noch mehr Zeit mit Lippenlecken. Dann str�mte pl�tzlich ein ganzer Wortschwall aus ihr hervor. �Ein Sucher hat mich besucht und mir befohlen, unsere... Freundschaft wieder aufzufrischen und ihm �ber Euch Bericht zu erstatten.� Sie biss sich auf die Unterlippe, als wollte sie sich auf diese Weise selbst am Plappern hindern, und starrte Egeanin an. Ihre dunklen Augen waren voller Verzweiflung und flehentlichem Betteln, genau wie damals in dem Keller in Tanchico.</p><p>Egeanin erwiderte den Blick k�hl. Eine Untiefe und eine unerwartete steife Brise. Der seltsame Befehl, nach Ebou Dar zu kommen, hatte pl�tzlich seine Erkl�rung gefunden. Sie brauchte keine Beschreibung, um zu wissen, dass es derselbe Mann war. Genauso wenig wie sie fragen musste, warum Bethamin Verrat �bte, indem sie einen Sucher hinterging. Wenn er zu dem Schluss kam, dass sein Verdacht ausreichte, um sie zur Befragung abzuholen, w�rde sie ihm schlie�lich alles sagen, was sie wusste, und dann w�rde auch ein gewisser Keller zur Sprache kommen, und Bethamin w�rde bald wieder ein <emphasis>A'dam</emphasis> tragen. Die einzige Hoffnung dieser Frau bestand darin, ihr zu helfen, dem Sucher aus dem Weg zu gehen.</p><p>�Steht auf�, sagte sie. �Setzt Euch.� Gl�cklicherweise gab es zwei St�hle, auch wenn keiner besonders bequem aussah. �Bayle, ich glaube, in dieser Flasche auf der Kommode ist Schnaps.�</p><p>Bethamin war so zittrig, dass Egeanin ihr aufhelfen und sie zum Stuhl f�hren musste. Bayle brachte Silberbecher mit einem Schluck Schnaps und erinnerte sich rechtzeitig daran, sich zu verbeugen und Egeanin zuerst etwas anzubieten, aber als er zu der Kommode zur�ckgekehrt war, sah sie, dass er sich ebenfalls etwas eingeschenkt hatte. Er stand da, den Becher in der Hand, und betrachtete sie, als sei es das Nat�rlichste auf der Welt. Bethamin starrte ihn ungl�ubig an.</p><p>�Ihr glaubt, Ihr schwebt schon �ber dem Pfahl�, sagte Egeanin und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> zuckte zusammen und starrte sie Furcht erf�llt an. �Ihr irrt Euch, Bethamin. Das einzige Verbrechen, das ich begangen habe, war Euch zu befreien.� Das stimmte zwar nicht genau, aber am Ende war sie es gewesen, die Suroth das m�nnliche <emphasis>A'dam</emphasis> �bergeben hatte. Und mit einer Aes Sedai zu sprechen war kein Verbrechen. Der Sucher hatte m�glicherweise einen Verdacht � er hatte in Tanchico versucht, an der T�r zu lauschen �, aber sie war keine <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die den Auftrag hatte, <emphasis>Marath'damane</emphasis> einzufangen. Schlimmstenfalls bedeutete das einen Verweis. �Solange er nichts dar�ber erf�hrt, hat er keinen Grund, mich zu verhaften. Wenn er wissen will, was ich sage, dann sagt es ihm. Denkt nur immer daran: Sollte er sich entscheiden, mich zu verhaften, werde ich ihm Euren Namen nennen.� Eine Erinnerung daran konnte Bethamin davor warnen, pl�tzlich dem Glauben zu verfallen, dass sich ihr ein Ausweg bot, bei dem sie sie zur�cklassen konnte. �Er wird mich nicht einmal zum Schreien bringen m�ssen.�</p><p>Zu ihrer �berraschung fing die <emphasis>Sul'dam</emphasis> hysterisch an zu lachen. Zumindest bis sich Egeanin vorbeugte und ihr eine Ohrfeige gab.</p><p>Bethamin rieb sich m�rrisch die Wange und sagte: �Bis auf den Keller wei� er �ber fast alles Bescheid, meine Lady.� Und sie fing an, das phantastische Netz des Verrats zu beschreiben, das Egeanin, Bayle und Suroth und vielleicht sogar selbst Tuon mit Aes Sedai und <emphasis>Marath'damane</emphasis> und <emphasis>Dom�ne,</emphasis> die Aes Sedai gewesen waren, miteinander verband.</p><p>Bethamins Stimme wurde zunehmend schriller, als sie von einer unglaublichen Anschuldigung zur n�chsten sprang, und es dauerte nicht lange und Egeanin fing an, den Schnaps zu trinken. In kleinen Schlucken. Sie war ganz ruhig. Sie hatte sich im Griff. Sie war... Das ging weit �ber jede Untiefe hinaus. Sie fuhr ganz nah an einer Leek�ste vorbei und der Seelenblender selbst ritt auf dieser Sturmb�e herbei, um ihr die Augen zu rauben. Nachdem Bayle eine Zeit lang mit immer gr��er werdenden Augen zugeh�rt hatte, st�rzte er einen bis zum Rand mit dem dunklen, scharfen Schnaps gef�llten Becher auf einen Zug herunter. Es erleichterte sie, seine Ungl�ubigkeit zu sehen, und diese Erleichterung rief Schuldgef�hle hervor. Sie w�rde ihn nicht f�r einen M�rder halten. Davon abgesehen konnte er zwar ausgezeichnet mit seinen H�nden umgehen, war aber nur ein mittelm��iger Schwertk�mpfer; ob mit Waffen oder blo�en H�nden, Hochlord Turak h�tte Bayle wie einen Karpfen aufgeschlitzt. Ihre einzige Entschuldigung, es �berhaupt in Betracht zu ziehen, lag darin, dass er in Tanchico mit zwei Aes Sedai zusammen gewesen war. Das Ganze war Unsinn. Es konnte nicht anders sein! Diese beiden Aes Sedai waren kein Teil einer Verschw�rung gewesen, es hatte sich um eine zuf�llige Begegnung gehandelt. Beim Licht, sie waren kaum �lter als M�dchen gewesen, fast noch unschuldig, viel zu weichherzig, um ihren Vorschlag zu akzeptieren, dem Sucher die Kehle durchzuschneiden, als sie dazu Gelegenheit hatten. Wirklich schade. Sie hatten ihr das m�nnliche <emphasis>A'dam</emphasis> �berreicht. Eiswasser schien ihr den R�cken hinunterzulaufen. Sollte der Sucher erfahren haben, dass sie vorgehabt hatte, sich des <emphasis>A'dam</emphasis> auf die Weise zu entledigen, die jene Aes Sedai vorgeschlagen hatten, sollte irgendjemand dies erfahren, w�rde man sie genauso des Verrats f�r schuldig erkl�ren, als h�tte sie es in den Tiefen des Ozeans versenkt. <emphasis>Bist du es denn nicht?</emphasis> fragte sie sich. Der Dunkle K�nig war gekommen, um ihre Augen zu stehlen.</p><p>Bethamin dr�ckte mit tr�nen�berstr�mtem Gesicht den Becher an die Br�ste, so als wollte sie sich selbst festhalten. Falls sie versuchte, nicht zu zittern, scheiterte sie kl�glich. Sie starrte Egeanin an oder vielleicht auch auf etwas, das jenseits von ihr lag. Etwas Furchteinfl��endes. Das Feuer hatte den Raum nur m��ig erw�rmt, aber Bethamins Gesicht war schwei��berstr�mt.</p><p>�... und wenn er von Renna und Seta erf�hrt, wird er es mit Sicherheit wissen!�, plapperte sie. �Er wird mich holen und die anderen <emphasis>Sul'dam</emphasis> auch! Ihr m�sst ihn aufhalten! Wenn er mich holt, werde ich ihm Euren Namen geben! Das werde ich!� Abrupft f�hrte sie den Becher an den Mund und st�rzte den Inhalt hinunter, verschluckte sich und hustete, dann hielt sie ihn Bayle zum Nachf�llen hin. Er r�hrte sich nicht. Er sah aus, als h�tte ihn eine Axt gestreift.</p><p>�Wer sind Renna und Seta?�, fragte Egeanin. Sie war genauso ver�ngstigt wie die <emphasis>Sul'dam,</emphasis> aber wie immer behielt sie ihre Furcht auf geradem Kiel. �Was kann der Sucher �ber sie erfahren?� Bethamins Blick glitt zu Boden, sie konnte ihr nicht in die Augen sehen, und pl�tzlich wusste sie es. �Es sind <emphasis>Sul'dam,</emphasis> nicht wahr, Bethamin? Und man hat ihnen den Kragen angelegt, genau wie Euch.�</p><p>�Sie stehen in Suroths Diensten�, wimmerte die Frau. �Aber man erlaubt ihnen nicht, die Verbindung einzugehen. Suroth kennt die Wahrheit.�</p><p>Egeanin rieb sich m�de die Augen. Vielleicht gab es ja tats�chlich eine Verschw�rung. Oder Suroth verbarg, was die beiden waren, um das Reich zu sch�tzen. Das Reich hing von den <emphasis>Sul'dam</emphasis> ab; seine St�rke gr�ndete sich auf sie. Die Neuigkeit, dass <emphasis>Sul'dam</emphasis> Frauen waren, die f�hig waren, das Lenken der Macht zu erlernen, konnte das Reich wom�glich bis ins Mark ersch�ttern. <emphasis>Sie</emphasis> hatte es auf jeden Fall ersch�ttert. Sie vielleicht sogar zerst�rt. Sie hatte Bethamin nicht aus Pflichtbewusstsein befreit. In Tanchico hatten sich so viele Dinge ver�ndert. Sie hing nicht l�nger dem Glauben an, dass jede Frau, die die Macht lenken konnte, es automatisch verdiente, an den Kragen gelegt zu werden. Verbrecher mit Sicherheit, vielleicht auch jene, die sich weigerten, dem Kristallthron den Treueid zu schw�ren, und... Sie wusste es nicht. Einst hatte sich ihr Leben aus felsgleichen �berzeugungen zusammengesetzt, die wie Leitsterne gewesen waren, die niemals verloschen. Sie wollte ihr altes Leben zur�ck. Sie wollte ein paar Sicherheiten.</p><p>�Ich dachte...�, setzte Bethamin an. Wenn sie nicht aufh�rte, sich die Lippen zu lecken, w�rde sie bald keine mehr haben. �Meine Lady, wenn der Sucher einen... Unfall erleidet, verschwindet die Gefahr vielleicht mit ihm.� Licht, diese Frau <emphasis>glaubte</emphasis> an diese Intrige gegen den Kristallthron, und sie war bereit, sie geschehen zu lassen, um ihre eigene Haut zu retten!</p><p>Egeanin stand auf, und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> hatte keine andere Wahl, als ihrem Beispiel zu folgen. �Ich werde dar�ber nachdenken, Bethamin. Ihr werdet mich jeden Tag besuchen, an dem Ihr frei habt. Der Sucher wird das erwarten. Ihr werdet nichts tun, bis ich eine Entscheidung getroffen habe. Habt Ihr verstanden? Nichts, au�er Euren Pflichten nachzukommen und das zu tun, was ich Euch sage.� Bethamin verstand. Sie war so erleichtert, dass sich jemand um die Gefahr k�mmerte, dass sie erneut niederkniete und Egeanins Hand k�sste.</p><p>Egeanin dr�ngte die Frau beinahe aus dem Raum, schloss hinter ihr die T�r und schleuderte den Becher in den Kamin. Er traf die <emphasis>Ziegel,</emphasis> prallte ab und rollte �ber den kleinen Teppich auf dem Boden. Er war verbeult. Ihr Vater hatte ihr den Satz geschenkt, als sie ihr erstes Kommando erhalten hatte. S�mtliche Kraft schien aus ihr herausgestr�mt zu sein. Der Sucher hatte Mondlicht und Zuf�lle zu einem Strick gekn�pft, der ihr nun die Luft abschn�rte. Falls man sie nicht zu Besitz machte. Diese M�glichkeit lie� sie erschaudern. Was auch immer sie tat, der Sucher hatte sie in der Falle.</p><p>�Ich kann ihn t�ten.� Bayle ballte die F�uste; sie waren so breit wie der Rest von ihm. �Wenn ich mich recht erinnere, sein er ein d�nner Kerl. Daran gew�hnt, dass ihm jeder gehorchen. Er werden nicht damit rechnen, dass ihm jemand den Hals bricht.�</p><p>�Du wirst ihn niemals finden, um ihn t�ten zu k�nnen, Bayle. Er wird sie niemals zweimal am selben Ort treffen, und selbst wenn du ihr Tag und Nacht folgst, k�nnte er eine Verkleidung tragen. Du kannst nicht jeden Mann t�ten, mit dem sie spricht.�</p><p>Sie nahm die Schultern zur�ck und ging zum Tisch, auf dem ihr Schreibpult stand und klappte es auf. Das mit geschnitzten Wellen verzierte Schreibpult mit seinem in einem Silberhalter steckenden Glastintenf�sschen und dem silbernen Sandstreuer war das Geschenk ihrer Mutter zu jenem ersten Kommando gewesen. Die sauber gestapelten Bl�tter trugen das ihr k�rzlich zugestandene Siegel, ein Schwert und einen bewachsenen Anker. �Ich werde deine Freilassung verf�gen�, sagte sie und tauchte die silberne Schreibfeder ein, �Und dir genug Geld f�r eine Schiffspassage geben.� Die Feder glitt �ber die Seite. Sie hatte immer eine gute Handschrift gehabt. Logbucheintr�ge mussten leserlich sein. �Nicht genug, um ein Schiff kaufen zu k�nnen, wie ich f�rchte, aber es muss reichen. Du wirst mit dem ersten verf�gbaren Schiff segeln. Rasier dir den Rest deines Kopfes, dann solltest du keine Schwierigkeiten bekommen. Es ist immer noch schockierend, kahlk�pfige M�nner ohne Per�cken zu sehen, aber niemand scheint sich daran...� Sie keuchte auf, als Bayle das Blatt direkt unter ihrer Feder wegriss.</p><p>�Wenn du mich frei lassen, du k�nnen mir keine Befehle geben�, sagte er. �Au�erdem du m�ssen daf�r sorgen, dass ich meinen Lebensunterhalt verdienen kann, wenn du mich frei geben.� Er hielt das Blatt ins Feuer und sah zu, wie es sich schwarz verf�rbte und zusammenrollte. �Ein Schiff, haben du gesagt, und ich werden dich beim Wort nehmen.�</p><p>�H�r mir gut zu�, sagte sie in ihrer besten Achterdeckstimme, aber das machte keinen Eindruck auf ihn. Es musste das verflixte Gewand sein.</p><p>�Du brauchen eine Mannschaft�, �bert�nte er sie. �Und ich k�nnen eine f�r dich finden, sogar hier.�</p><p>�Was soll ich denn mit einer Mannschaft? Ich habe kein Schiff. Und selbst wenn, wo sollte ich hinsegeln, dass mich der Sucher nicht findet?�</p><p>Bayle zuckte mit den Schultern, als w�re das nebens�chlich. �Zuerst eine Mannschaft. Ich haben den jungen Burschen in der K�che erkannt, den mit dem M�dchen auf den Knien. Spar dir deine Grimassen. An ein paar K�ssen ist nichts Schlechtes.�</p><p>Sie stand auf, bereit, ihn ordentlich zurechtzuweisen. Sie runzelte die Stirn und zog keine Grimasse, das P�rchen hatte in aller �ffentlichkeit aneinander rumgefummelt wie die Tiere, und er war ihr Besitz! So konnte er nicht mit ihr sprechen!</p><p>�Er hei�en Mat Cauthon�, fuhr Bayle fort, noch w�hrend sie den Mund �ffnete. �Seine Kleidung zeigen, er haben es weit in der Welt gebracht. Als ich ihn sehen das erste Mal, er tragen einen Bauernmantel und fl�chten vor Trollocs und zwar an einem Ort, den selbst Trollocs f�rchten. Beim letzten Mal brannte fast halb Wei�br�cke und ein Myrddraal versuchen, ihn und seine Freunde zu t�ten. Ich haben es nicht mit eigenen Augen gesehen, aber noch mehr k�nnte ich sowieso nicht glauben. Jeder Mann, der Trollocs und Myrddraal �berleben, sollte n�tzlich sein, finde ich. Vor allen Dingen jetzt.�</p><p>�Eines Tages werde ich mir mal einen dieser Trollocs und Myrddraal ansehen m�ssen, von denen du immer erz�hlst�, knurrte sie. Die Dinger konnten nicht halb so Furcht einfl��end sein, wie er sie immer beschrieb.</p><p>Er grinste und sch�ttelte den Kopf. Er wusste, was sie von diesem Schattengez�cht hielt. �Was noch besser sein, der junge Meister Cauthon hatte Gef�hrten auf meinem Schiff. Ebenfalls gute M�nner f�r die Art von Unternehmung. Einen davon kennen du. Thom Merrilin.�</p><p>Egeanin stockte der Atem. Merrilin war ein schlauer alter Mann. Ein gef�hrlicher alter Mann. Und er war mit diesen beiden Aes Sedai zusammen gewesen, als sie Bayle kennen gelernt hatte. �Bayle, gibt es eine Verschw�rung? Sag es mir. Bitte.� Niemand sagte bitte zu einem St�ck Besitz, nicht mal zu einem <emphasis>So'jhin.</emphasis> Zumindest nicht, solange man nicht etwas um jeden Preis wollte.</p><p>Er sch�ttelte erneut den Kopf, stemmte sich mit einer Hand am Kaminsims ab und blickte stirnrunzelnd in die Flammen. �Aes Sedai schmieden Intrigen wie Fische schwimmen. Sie k�nnen sich mit Suroth zusammengetan haben, aber die Frage sein, kann sie mit ihnen etwas geplant haben? Ich haben gesehen, wie sie <emphasis>Damane</emphasis> anschaut, als w�ren sie r�udige Hunde mit Fl�hen und ansteckenden Krankheiten. K�nnte sie �berhaupt mit einer Aes Sedai sprechen?� Er sah auf und sein Blick war offen und klar und verbarg nichts. �Ich sagen die Wahrheit. Beim Grab meiner Gro�mutter, ich nichts wissen von einem Komplott. Doch selbst wenn ich von zehn w�sste, werde ich trotzdem nicht zulassen, dass dieser Sucher dir oder sonst jemandem ein Leid zuf�gen, egal, was dazu erforderlich sein.� Das h�tte auch jeder loyale <emphasis>So'jhin</emphasis> sagen k�nnen. Nun ja, kein ihr bekannter <emphasis>So'jhin</emphasis> h�tte es so direkt gesagt, aber die Gesinnung war die gleiche. Leider w�sste sie, dass er es nicht so meinte, es nicht so meinen konnte.</p><p>�Danke, Bayle.� Eine beherrschte Stimme war eine Notwendigkeit f�r ein Kommando, und sie war stolz darauf, dass sie in diesem Augenblick beherrscht klang. �Finde diesen Meister Cauthon und Thom Merrilin, wenn du es vermagst. Vielleicht kann man ja etwas arrangieren.�</p><p>Er vers�umte es, sich zu verbeugen, bevor er ging, aber sie erwog nicht einmal, ihn daf�r zu tadeln. Sie hatte auch nicht vor, sich von dem Sucher gefangen nehmen zu lassen. Was auch immer dazu n�tig war, ihn aufzuhalten. Das war eine Entscheidung, die sie getroffen hatte, bevor sie Bethamin befreite. Sie f�llte den verbeulten Becher bis zum Rand mit Schnaps, weil sie sich betrinken wollte, bis sie zu keinem klaren Gedanken mehr f�hig war, aber stattdessen sa� sie da und starrte in die dunkle Fl�ssigkeit, ohne auch nur einen Tropfen zu nippen. Was auch immer dazu n�tig war. Licht, sie war kein St�ck besser als Bethamin! Aber diese Selbsterkenntnis ver�nderte nichts. Was auch immer dazu n�tig war.</p></section><section><title><p>22</p><p>Aus heiterem Himmel</p></title><p>Der Amhara-Markt war einer von drei Pl�tzen in Far Madding, auf dem Ausl�nder Handel treiben durften, aber trotz des Namens sah der riesige Platz nicht im mindesten wie ein Marktplatz aus, da es weder Marktst�nde noch ausgestellte Waren gab. Ein paar Reiter und eine Hand voll geschlossener S�nften, die von bunt livrierten Tr�gern bef�rdert wurden, bahnten sich ihren Weg durch eine kleine, aber gesch�ftige Menge, wie man sie in jeder gr��eren Stadt vorgefunden h�tte. Hin und wieder sah man auch eine Kutsche mit zugezogenen Vorh�ngen. Die meisten Leute h�llten sich in ihre Umh�nge, um sich vor dem morgendlichen Wind zu sch�tzen, der von dem See kam, der die Stadt umgab, und es war eher die K�lte und weniger dringende Gesch�fte, die sie zur Eile anhielt. Genau wie auf den anderen beiden Fremdenm�rkten standen auch hier die hohen Steinh�user der Bankiers, die den Platz s�umten, Schulter an Schulter mit schiefergedeckten steinernen Gasth�usern, in denen die ausl�ndischen Kaufleute logierten, gedrungenen, fensterlosen Lagerh�usern, in denen sich ihre Waren stapelten, und steinernen St�llen und von Mauern umgebenen Wagenh�fen. Far Madding war eine Stadt der Steinmauern und Schieferd�cher. Zu dieser Jahreszeit waren die Gasth�user bestenfalls zu einem Viertel gef�llt und die Magazine und Wagenh�fe nicht einmal das. Wenn der Fr�hling kam und mit ihm der Handel seine Wiedergeburt erlebte, w�rden die Kaufleute das Dreifache f�r jeden Raum zahlen, der noch zu finden war.</p><p>Auf dem runden Podest in der Mitte des Platzes stand die marmorne Statue von Savion Amhara; sie war zwei Spannen hoch und trug stolz ihre pelzges�umten Gew�nder und die komplizierte Amtskette um den Hals. Ihr Marmorgesicht blickte ernst unter dem Diadem der Ersten Ratsherrin, und ihre rechte Hand umklammerte fest den Griff eines Schwertes, dessen Spitze zwischen in Halbschuhen steckenden F��en ruhte, w�hrend ihre erhobene linke Hand einen warnenden Finger in Richtung Tear-Tor streckte, das eine knappe Meile entfernt lag. Far Madding war von den Kaufleuten aus Tear und Illian und Caemlyn abh�ngig, aber der Hohe Rat misstraute allen Fremden und ihren korrumpierenden Sitten und Gebr�uchen. Unter der Statue stand ein Stra�enh�ter in seinem Ledermantel, auf den rechteckige Metallpl�ttchen aufgen�ht waren und auf dessen linker Schulter eine Goldene Hand aufgen�ht war. Er verscheuchte mit einer langen Holzstange graue Tauben mit schwarzen Fl�geln. Savion Amhara war eine der drei am meisten verehrten Frauen in der Geschichte von Far Madding, allerdings war keine von ihnen weit �ber die Ufer des Sees hinaus bekannt. Zwei M�nner aus der Stadt wurden in jedem bekannten Geschichtsbuch der Welt erw�hnt, obwohl sie bei der Geburt des einen Aren Mador und bei der des anderen Fei Moreina gehei�en hatte, aber Far Madding tat sein Bestes, Raolin Dunkelbann und Yurian Steinbogen zu vergessen. Auf eine sehr reale Weise waren diese beiden M�nner der Grund, warum Rand al'Thor in Far Madding war.</p><p>Ein paar Leute auf dem Amhara-Markt sahen ihn an, als er an ihnen vorbeiging, aber niemand schenkte ihm einen zweiten Blick. Bei seinen blauen Augen und den bis zu den Schultern reichenden Haaren war es offensichtlich, dass er kein Einheimischer war. Hier trugen die M�nner das Haar bis hinunter zur Taille, im Nacken entweder zusammengebunden oder von einer Klammer gehalten. Seine einfache braune Wollkleidung war jedoch unauff�llig, kaum besser als die eines m��ig erfolgreichen Kaufmanns, und er war nicht der Einzige, der trotz des Seewindes ohne Umhang ging. Die meisten anderen waren gabelb�rtige Kandori oder Arafelianer mit glockenverzierten Z�pfen oder Saldaeaner mit Habichtsnasen, M�nner und Frauen, die das Wetter verglichen mit den Grenzlandwintern als mild empfanden, aber nichts an ihm deutete auf einen Grenzl�nder hin. Er weigerte sich einfach, sich von der K�lte ber�hren zu lassen, ignorierte sie, wie er eine Fliege ignoriert h�tte. Ein Umhang w�re ihm m�glicherweise in die Quere gekommen, falls sich eine Gelegenheit zum Handeln ergab.</p><p>Dieses eine Mal zog nicht einmal seine Gr��e Aufmerksamkeit auf sich. In Far Madding gab es viele gro�e M�nner, ein paar davon sogar Einheimische. Manel Rochaid war nur eine Handbreit kleiner als Rand, wenn �berhaupt. Rand blieb ein gutes St�ck hinter dem Mann, lie� Passanten und S�nften zwischen sie kommen und ihn manchmal sogar von ihnen verbergen. Er hatte sein Haar mit von Nynaeve besorgten Krautern schwarz gef�rbt, und er bezweifelte, dass der abtr�nnige Asha'man ihn selbst dann erkennen w�rde, sollte er sich umdrehen. Genauso wenig wie er bef�rchtete, Rochaid aus den Augen zu verlieren. Die meisten Einheimischen trugen stumpfe Farben mit helleren Stickereien auf Schultern und Brust und die erfolgreicheren hatten vielleicht noch juwelenbesetzte Haarspangen, w�hrend die ausl�ndischen Kaufleute einfache, schmucklose Kleidung bevorzugten, um nicht als �berm��ig reich zu erscheinen, und ihre Leibw�chter und Kutscher h�llten sich in grobes Tuch. Rochaids hellroter Seidenumhang stach ins Auge. Er stolzierte wie ein K�nig �ber den Platz, die eine Hand locker auf den Schwertgriff gelegt, und der pelzverbr�mte Umhang flatterte hinter ihm im Wind. Er war ein Narr. Der Umhang wie auch das Schwert zogen Blicke auf sich.</p><p>Sein gewachster und gezwirbelter Schnurrbart kennzeichnete ihn als Murandianer, der wie jedes normale menschliche Wesen h�tte zittern m�ssen, und das Schwert... Ein Narr in jeder Hinsicht.</p><p><emphasis>Der Narr bist du, diesen Ort zu betreten,</emphasis> hechelte Lews Therm wild in seinem Kopf. <emphasis>Wahnsinn! Wahnsinn! Wir m�ssen hier weg! Wir m�ssen es!</emphasis></p><p>Rand ignorierte die Stimme, zog die eng anliegenden Handschuhe zurecht und verfolgte Rochaid in einem gleichm��igen Tempo. Einige der auf dem Markt stationierten Stra�enh�ter beobachteten den Mann. Ausl�nder betrachtete man hier als Hitzk�pfe und Unruhestifter und Murandianer hatten einen zweifelhaften Ruf. Ein Ausl�nder, der eine Waffe trug, erregte immer die Aufmerksamkeit der H�ter. Rand war froh, dass er sich entschieden hatte, sein Schwert bei Min im Gasthaus zu lassen. Sie schmiegte sich st�rker in sein Bewusstsein als Elayne, Aviendha oder Alanna. Der anderen war er sich immer nur vage bewusst. Min schien in seinem Inneren zu leben.</p><p>Als Rochaid den Amhara-Markt verlie� und tiefer in die Stadt hineinging, stoben Taubenschw�rme von den D�chern auf, aber statt den unfehlbaren Sprung zu machen, der sie gew�hnlich in den Himmel getragen h�tte, stie�en die V�gel zusammen, und einige flatterten runter auf den Boden. Leute starrten, die H�ter eingeschlossen, die eben noch Rochaid so argw�hnisch betrachtet hatten. Der Mann warf keinen Blick zur�ck, aber es h�tte keinen Unterschied gemacht, h�tte er es gesehen. Er wusste auch so, dass Rand in der Stadt war, ohne den Einfluss eines <emphasis>Ta'veren</emphasis> sehen zu m�ssen, denn sonst w�re er nicht hier gewesen.</p><p>Rand folgte Rochaid auf die Stra�e der Freude, die eigentlich aus zwei breiten geraden Stra�en bestand, die von einer genau abgemessenen Reihe blattloser B�ume mit grauer Rinde getrennt wurden, und l�chelte. Rochaid und seine Freunde hielten sich vermutlich f�r besonders schlau. Vielleicht hatten sie die Karte der n�rdlichen Ebenen von Maredo gefunden, die verkehrt herum in den Regalen des Steins von Tear gestanden hatte, oder das Buch �ber die St�dte des S�dens, das in der Bibliothek des Aesdaishar-Palasts in Chachin falsch einsortiert war oder einen der anderen Hinweise, die er zur�ckgelassen hatte. Kleine Fehler, die ein Mann in Eile m�glicherweise machte, aber zusammengenommen malten zwei oder drei einen Pfeil, der auf Far Madding zeigte. Rochaid und die anderen hatten ihn schnell erkannt, schneller als erwartet, oder sie hatten Hilfe dabei gehabt. Letztlich spielte es keine Rolle.</p><p>Er war sich nicht sicher, warum der Murandianer vor den anderen eingetroffen war, aber er wusste, dass sie alle, Torval und Dashiva, Gedwyn und Kisman, kommen und versuchen w�rden, das zu vollenden, was sie in Cairhien in den Sand gesetzt hatten. Schade, dass keiner der Verlorenen so dumm sein w�rde, hier auf ihn Jagd zu machen. Sie w�rden nur die anderen schicken. Er wollte Rochaid nach M�glichkeit t�ten, bevor der Rest eintraf. Selbst hier, wo sie alle die gleiche Ausgangsstellung hatten, w�rde es kl�ger sein, sich einen Vorteil zu verschaffen. Rochaid war seit zwei Tagen in Far Madding, fragte offen nach einem rothaarigen Mann und stolzierte umher, als h�tte er keine Sorge auf der ganzen Welt. Der Mann hatte eine Menge Leute gefunden, die mehr oder weniger seiner Beschreibung entsprachen, aber er hielt sich noch immer f�r den J�ger und nicht den Gejagten.</p><p><emphasis>Du hast uns hergebracht, damit wir hier sterben!</emphasis><emphasis>st�hnte Lews Thenn. Es</emphasis><emphasis>ist fast so schlimm wie der Tod,</emphasis><emphasis>hier</emphasis><emphasis>sein zu m�ssen!</emphasis></p><p>Rand zuckte unbehaglich mit den Schultern. Was Letzteres anging, stimmte er der Stimme sogar zu. Er w�rde genauso froh sein wie Lews Therin, wenn er diesen Ort wieder verlassen konnte. Aber manchmal blieb einem nur die Entscheidung zwischen schlecht und noch schlechter �brig. Rochaid war ein St�ck vor ihm, beinahe in Reichweite. Allein das war jetzt von Bedeutung.</p><p>Die grauen, aus Steinen errichteten L�den und Gasth�user, welche die Stra�e der Freude s�umten, ver�nderten sich, je weiter sich Rand vom Amhara-Markt entfernte. Silberschmiede folgten auf Messerschmiede, die wiederum von Goldschmieden ersetzt wurden. N�herinnen und Schneider stellten Wolle statt bestickte Seidenstoffe und Brokat aus. Die Kutschen, die �ber die Pflastersteine ratterten, hatten jetzt Siegel auf die T�ren gemalt und Gespanne aus vier oder sechs Pferden, die in Gr��e und Farben zusammenpassten, und viele Reiter sa�en auf erstklassigen tairenischen Vollbl�tern oder �hnlich guten Tieren. Von Tr�gern transportierte S�nften wurden beinahe genauso zahlreich wie Fu�g�nger, und Leute in Livreen, die so hell waren wie jene der Tr�ger, �bertrafen die Zahl der Ladenbesitzer, die an Brust oder Schultern mit aufwendigen Stickereien versehene M�ntel trugen. Die Haarklammern der M�nner waren nun mit Buntglas geschm�ckt oder gelegentlich mit Perlen oder kostbareren Edelsteinen, obwohl nur wenige M�nner unterwegs waren, deren Frauen sich Juwelen leisten konnten. Allein der kalte Wind war derselbe und die Stra�enh�ter, die zu Dritt patrouillierten und aufmerksam nach �rger Ausschau hielten. Es waren nicht so viele wie auf den Fremdenm�rkten, aber sobald eine Patrouille aus der Sicht verschwand, tauchte eine andere auf, und dort, wo eine Stra�e, die gr��er als eine Gasse war, in die Stra�e der Freude m�ndete, gab es Wacht�rme aus Stein, vor denen zwei Stra�enh�ter in Bereitschaft standen, falls der oben postierte Mann einen Unruhestifter ersp�hte. In Far Madding hielt man die Ordnung rigoros aufrecht.</p><p>Rand runzelte die Stirn, als Rochaid weiter die Stra�e entlangging. Konnte sein Ziel der Ratsherrinnenplatz sein, der sich in der Mitte der Insel befand? Es gab dort nichts bis auf die Ratsherrinnenhalle � ein Monument aus der Zeit vor f�nfhundert Jahren, als Far Madding die Hauptstadt von Maredo gewesen war � und die Kontore der reichsten Frauen der Stadt. In Far Madding war ein reicher Mann jemand, dessen Frau ihm ein gro�z�giges Taschengeld zugestanden hatte oder ein Witwer, f�r den gesorgt worden war. Vielleicht traf sich Rochaid mit Schattenfreunden. Aber wenn dem so war, warum hatte der Mann gewartet?</p><p>Pl�tzlich �berfiel ihn ein Schwindelgef�hl und schlug wie eine Welle �ber ihm zusammen. Einen Augenblick lang stand ein undeutliches Gesicht vor seinem geistigen Auge, sodass er gegen einen Passanten taumelte. Der blonde Mann, der mit einer hellgr�nen Livree bekleidet und gr��er als Rand war, r�ckte den gro�en Korb zurecht, den er trug, und wehrte Rand sanft ab. Sein sonnengebr�untes Gesicht wies auf der einen Seite eine lange, breite Narbe auf. Er senkte den Kopf, murmelte eine Entschuldigung und eilte weiter.</p><p>Rand richtete sich wieder auf und stie� einen lautlosen Fluch aus.</p><p><emphasis>Du hast sie bereits vernichtet,</emphasis><emphasis>fl�sterte Lews Therin in seinem Kopf.</emphasis><emphasis>Jetzt hast du einen anderen, den du vernichten kannst, und das vor der Zeit. Ich frage mich, wie viele wir drei vor dem Ende t�ten werden.</emphasis></p><p><emphasis>Halt den Mund!,</emphasis> dachte Rand wild, aber er erhielt nur gackerndes Gel�chter zur Antwort. Es war nicht die Begegnung mit einem Aielmann, die ihn aufbrachte. Seit der Ankunft in Far Madding hatte er viele von ihnen ge �sehen. Aus irgendeinem Grund waren Hunderte von Aiel, nachdem sie die Wahrheit �ber ihre Geschichte erfahren hatten, hier gelandet und versuchten, dem Weg des Blattes zu folgen, obwohl sie nicht mehr dar�ber wussten, als dass sie lebenslang als <emphasis>Gai'schain</emphasis> dienen sollten. Er war nicht einmal wegen der Gleichgewichtsst�rung besorgt oder wegen des unbekannten Gesichts, das er jedes Mal zur H�lfte erblickte, wenn sie ihn �bermannte. Voraus ratterte eine von sechs Grauschimmeln gezogene Kutsche durch den Strom aus S�nften und dahineilenden Livrierten, und M�nner und Frauen eilten in die Gesch�fte und wieder hinaus, aber nirgendwo war ein roter Mantel in Sicht. Gereizt schlug er sich mit der behandschuhten Faust in die Handfl�che.</p><p>Blindlings weiterzugehen w�re idiotisch. Hinterher lief er noch direkt in den Mann hinein oder wurde von ihm gesehen. Bis jetzt glaubte Rochaid, dass Rand keine Ahnung hatte, dass er in der Stadt war, ein Vorteil, der zu wichtig war, um ihn zu verschwenden. Er wusste, wo Rochaid seine Unterkunft hatte, eines jener Gasth�user, die eigens f�r Ausl�nder reserviert waren. Er konnte morgen davor herumlungern und auf die n�chste Gelegenheit warten. Vielleicht trafen die anderen ja w�hrend der Nacht ein. Er glaubte, es mindestens mit zweien von ihnen gleichzeitig aufnehmen zu k�nnen, m�glicherweise sogar mit allen f�nfen, aber das w�rde nicht ohne Aufsehen abgehen. Beim Kampf gegen alle f�nf w�rde er Verletzungen davontragen, und bestenfalls w�rde er sein Schwert zur�cklassen m�ssen, und das wollte er nur ungern. Es war ein Geschenk von Aviendha. Und schlimmstenfalls ...</p><p>Ein pelzbesetzter Umhang, der im Wind flatterte, als er voraus um eine Ecke verschwand, blitzte auf, und er rannte darauf zu. Die H�ter vor dem dortigen Turm straffen die Schultern, der oben postierte Mann nahm seine Rassel vom G�rtel. Einer der M�nner auf der Stra�e hob seine lange Keule, w�hrend sein Gef�hrte einen Fangstab von der Stelle nahm, wo er an den Stufen des Wachtums gelehnt hatte. Das gegabelte Ende war so geformt, ein Arm oder ein Bein oder einen Hals zu erwischen und festzuhalten, und der Stab selbst war mit Eisen beschlagen, um gegen jedes Schwert und jede Axt bestehen zu k�nnen. Sie verfolgten mit harten Augen jede seiner Bewegungen.</p><p>Er nickte ihnen zu und l�chelte, dann blickte er ostentativ in die Seitengasse und betrachtete die dortige Menge. Kein fl�chtender Dieb, nur ein Mann, der jemanden einzuholen versuchte. Die Keule wurde zur�ck an ihren G�rtelhaken gesteckt, der Fangstab wurde wieder an die Stufen gelehnt. Rand sah die H�ter nicht noch einmal an. Voraus erhaschte er einen erneuten Blick auf den Umhang und m�glicherweise einen roten Mantel, als der Tr�ger in die n�chste Stra�e einbog.</p><p>Rand hob die Hand, als winke er jemandem zu, und eilte hinter dem Mann her, wich Leuten und den Karren der Stra�enh�ndler aus. Hausierer mit Bauchl�den voller Nadeln oder B�rsten versuchten mit ihren Rufen die Aufmerksamkeit der Passanten zu erregen. Hier trugen nur wenige Leute Schmuck und die Haare der M�nner waren viel h�ufiger mit einer Schnur zusammengebunden als mit einer schlichten Spange. Diese Stra�en waren bestenfalls eng und gewunden, ein wahlloses Labyrinth, in dem sich billige Gasth�user und drei- oder vierst�ckige Wohnh�user �ber den Gesch�ften der Metzger, Kerzenmacher, Barbiere, Blechschmieden, T�pfern und K�fern auft�rmten. Kutschen h�tten nicht in diese engen Stra�en gepasst und es gab auch keine S�nften oder Reiter und nur eine Hand voll livrierter Diener, die K�rbe auslieferten, aber abgesehen von den Stra�enh�tern auf jeden herabsahen, dem sie begegneten. Selbst hier gab es die Patrouillen und Wacht�rme.</p><p>Schlie�lich kam er nahe genug heran, um einen eingehenderen Blick auf den Mann werfen zu k�nnen, dem er folgte. Rochaid hatte endlich genug Verstand bewiesen, seinen Umhang zu schlie�en, um den roten Mantel und das nutzlose Schwert zu verbergen, aber es gab keinen Zweifel an seiner Identit�t. Tats�chlich schien er jetzt jedes Aufsehen vermeiden zu wollen, denn er schlich dicht an den L�den vorbei. Pl�tzlich sah er sich verstohlen um, dann schl�pfte er zwischen einem winzigen Korbmachergesch�ft und einem Gasthaus, dessen Schild so dreckig war, dass der Name v�llig verschmiert war, in eine Gasse. Rand h�tte beinahe gegrinst und verschwendete keine Zeit, hinter ihm herzueilen. In Far Maddings Gassen gab es weder Stra�enh�ter noch Wacht�rme.</p><p>Diese Gassen waren noch verwinkelter als die Stra�en, die Rand gerade verlassen hatte, und bildeten ihre eigenen Labyrinthe, die sich durch jeden H�userblock der Stadt schl�ngelten. Rochaid war bereits au�er Sicht, aber Rand konnte das dumpfe Trampeln seiner Stiefel auf dem feuchten, steinigen Boden h�ren. Die Laute hallten zwischen den fensterlosen Steinw�nden hin und her und vervielf�ltigten sich, bis er kaum noch sagen konnte, wo sie ihren Ursprung nahmen, aber er folgte ihnen und rannte Gassen entlang, die kaum breit genug f�r zwei M�nner waren, die nebeneinander gingen. Wenn sie sich freundlich gesinnt waren. Warum war Rochaid in dieses Labyrinth gegangen? Was auch immer sein Ziel war, er wollte dort m�glichst bald eintreffen. Aber er konnte nicht wissen, welche Gassen er nehmen musste, um von einem Ort zum anderen zu gelangen.</p><p>Pl�tzlich wurde sich Rand bewusst, dass die einzigen Stiefel, die er h�rte, seine eigenen waren, und er blieb wie angewurzelt stehen. Stille. Von seinem Standort konnte er drei weitere schmale Gassen sehen, die vor ihm abzweigten. Kaum atmend strengte er die Ohren an. Und dann h�rte er aus der n�chsten Gassenm�ndung ein leises Scheppern, als h�tte jemand im Vorbeigehen einen Stein gegen eine Mauer getreten. Am besten, er brachte es hinter sich und t�tete den Mann.</p><p>Rand bog um die Ecke in die Gasse. Rochaid wartete bereits auf ihn.</p><p>Der Murandianer hatte den Umhang zur�ckgeschlagen und beide H�nde auf dem Schwertgriff. Der Friedensbund von Far Madding webte Griff und Scheide mit einem feinen Drahtnetz zusammen. Ein schmales, wissendes L�cheln lag auf seinen Lippen. �Ihr wart so leicht anzulocken wie eine Taube�, sagte er und fing an, das Schwert zu ziehen. Der Draht war durchtrennt und dann so hingebogen worden, dass er bei einem fl�chtigen Blick unversehrt erschien. �Lauft, wenn Ihr wollt.�</p><p>Rand lief nicht. Stattdessen machte er einen Schritt nach vorn, schlug mit der linken Hand auf Rochaids Schwertgriff und klemmte die Klinge ein, noch w�hrend sie zur H�lfte in ihrer Scheide steckte. Der Mann riss �berrascht die Augen auf, aber er hatte noch immer nicht begriffen, dass die Zeit, die er mit seiner h�mischen Bemerkung verschwendet hatte, ihn das Leben kosten sollte. Er wich zur�ck, versuchte freien Raum zu gewinnen, um die Waffe ziehen zu k�nnen, aber Rand folgte jeder seiner Bewegungen geschmeidig, hielt das Schwert fest, drehte sich aus der H�fte heraus und trieb die gekr�mmten Fingerkn�chel hart in Rochaids Kehle. Knorpel knirschte laut und der Renegat dachte nicht l�nger daran, irgendjemanden t�ten zu wollen. Er stolperte mit weit aufgerissenen Augen zur�ck, riss beide H�nde an den Hals und unternahm verzweifelte Bem�hungen, Luft durch die zerschmetterte Luftr�hre einzusaugen.</p><p>Rand setzte zum t�dlichen Schlag an, direkt unterhalb des Brustbeins, da ert�nte hinter ihm ein leises Ger�usch, und pl�tzlich nahm Rochaids sp�ttische Bemerkung eine ganz neue Bedeutung an. Rand stie� den Mann mit der Handkante zu Boden und lie� sich aus diesem Schlag heraus auf ihn fallen. Kraftvoll geschwungener Stahl prallte klirrend gegen eine Steinmauer, ein Mann fluchte. Rand verwandelte den Sturz in eine Rolle vorw�rts und riss Rochaids Schwert aus der Scheide, w�hrend er sich �ber die Schulter abrollte. Rochaid stie� einen schrillen, gurgelnden Schrei aus, w�hrend Rand wieder hochkam und in geduckter Stellung herumwirbelte.</p><p>Raefar Kisman stand da und starrte ungl�ubig auf Rochaid; die Klinge, mit der er Rand hatte aufspie�en wollen, steckte nun in der Brust des Murandianers. Blut sprudelte aus Rochaids Mund, er grub die Abs�tze in den Boden und beschmutzte seine H�nde mit Blut, da er den scharfen Stahl umklammerte, als k�nnte er ihn aus seinem Leib ziehen. Kisman war von durchschnittlicher Gr��e und blass f�r einen Tairener; abgesehen von dem Schwertg�rtel war seine Kleidung so unauff�llig wie Rands. Solange er diesen unter dem Umhang versteckte, h�tte er in Far Madding �berall hingehen k�nnen, ohne aufzufallen.</p><p>Seine Verzweiflung w�hrte nur einen Augenblick. Im gleichen Moment, als Rand mit dem Schwert in beiden H�nden auf die Beine kam, riss Kisman die Klinge aus dem Leib und hatte f�r seinen sich windenden Komplizen keinen Blick mehr �brig. Er beobachtete Rand und seine H�nde an dem langen Schwertgriff verlagerten nerv�s ihre Position. Zweifellos geh�rte er zu jenen, die so stolz darauf waren, die Macht als Waffe benutzen zu k�nnen, dass er die Ausbildung mit dem Schwert str�flich vernachl�ssigt hatte. Rand hatte sie nicht gering gesch�tzt. Rochaid zuckte ein letztes Mal, lag dann still da und starrte mit weit aufgerissenen Augen in den Himmel.</p><p>�Zeit zu sterben�, sagte Rand leise, aber als er sich vorw�rts bewegte, ert�nte hinter dem Tairener ein nicht enden wollendes Rasseln, dem noch weitere folgten. Die Stra�enh�ter.</p><p>�Sie verhaften uns beide�, fl�sterte Kisman. Es klang verzweifelt. �Wenn sie uns neben einer Leiche finden, h�ngen sie uns <emphasis>beide</emphasis> auf! Das wisst Ihr!�</p><p>Er hatte Recht, zumindest in gewisser Weise. Wenn die W�chter sie hier fanden, w�rden sie beide in den Verlie�en unterhalb der Ratsherrinnenhalle landen. Noch mehr Rasseln ert�nten. Die H�ter mussten bemerkt haben, dass drei M�nner nacheinander in die Gasse geschl�pft waren. Vielleicht hatten sie sogar Kismans Schwert gesehen. Rand nickte z�gernd.</p><p>Der Tairener wich vorsichtig zur�ck, und als er sah, dass Rand keinerlei Anstalten machte, ihm zu folgen, stie� er das Schwert in die Scheide und rannte mit wehendem Umhang los.</p><p>Rand warf das geborgte Schwert auf Rochaids Leiche und rannte in die andere Richtung. Aus dieser Richtung ert�nten noch keine Rasseln. Mit etwas Gl�ck w�rde er wieder auf der Stra�e sein und in der Menge untertauchen k�nnen, bevor er entdeckt wurde. Er hatte andere Dinge als die Schlinge zu f�rchten. Um dem Henker zu entgehen, musste er blo� die Handschuhe ausziehen und die Drachen auf den Armen zeigen, davon war er �berzeugt. Aber der Rat hatte verk�ndet, dass er Elaidas seltsame Proklamation anerkannte. Sobald er in einer Zelle steckte, w�rde er dort auch bleiben, bis ihn die Wei�e Burg abholen lie�. Also rannte er so schnell, wie er nur konnte.</p><p>Kisman tauchte in der Menge unter und stie� einen Seufzer der Erleichterung aus, als drei Stra�enh�ter in die Gasse liefen, aus der er gerade gekommen war. Er hielt den Umhang fest, um das Schwert zu verbergen, und passte sich an den Verkehrsstrom an. Nur nicht die Aufmerksamkeit eines H�ters erregen. Zwei von ihnen passierten ihn; sie hatten einen Gefangenen gefesselt und in einen gro�en Sack gesteckt, den sie an einem quer �ber die Schultern gelegten Stab trugen. Nur der Kopf des Mannes ragte heraus; sein Blick war wild und irrte umher. Kisman erschauderte. Sollten seine Augen zu Asche verbrennen, das h�tte er sein k�nnen! Er!</p><p>Er war ein Narr gewesen, sich �berhaupt von Rochaid dazu �berreden zu lassen. Eigentlich hatten sie warten sollen, bis alle eingetroffen waren; sie waren einer nach dem anderen in die Stadt gekommen, um jede Aufmerksamkeit zu vermeiden. Rochaid hatte den Ruhm begehrt, derjenige zu sein, der al'Thor t�tete. Der Murandianer war von dem Verlangen verzehrt worden, sich als besserer Mann als al'Thor zu beweisen. Jetzt war er tot, und um ein Haar w�re Raefar Kisman mit ihm gestorben, und das machte ihn sehr w�tend. Er wollte eher Macht als Ruhm, vielleicht Tear vom Stein aus regieren. Vielleicht auch mehr. Er wollte unsterblich werden. Dies hatte man ihnen versprochen, das stand ihm zu. Ein Teil seiner Wut r�hrte daher, dass er sich nicht einmal sicher war, ob sie al'Thor tats�chlich t�ten sollten. Der Gro�e Herr wusste, dass <emphasis>er</emphasis> es wollte � er w�rde erst wieder ruhig schlafen, wenn der Mann tot und begraben war! � trotzdem...</p><p>�T�tet ihn�, hatte der M'Hael befohlen, als er sie nach Cairhien schickte, aber die Tatsache, dass sie aufgeflogen waren, hatte ihn mindestens genauso verstimmt wie ihr Versagen. Far Madding sollte ihre letzte Chance sein; das hatte er deutlich zum Ausdruck gebracht. Dashiva war einfach verschwunden. Kisman wusste nicht, ob er geflohen war oder ob der M'Hael ihn get�tet hatte, und es war ihm auch egal.</p><p>�T�tet ihn�, hatte Demandred sp�ter befohlen, aber er hatte hinzugef�gt, dass es besser w�re, wenn sie starben, statt sich erneut dabei erwischen zu lassen. Egal von wem, selbst vom M'Hael, als w�re ihm Taims Befehl unbekannt.</p><p>Und noch geraume Zeit sp�ter hatte Moridin gesagt: �T�tet ihn, wenn es sein muss, aber bringt vor allem seine s�mtlichen Besitzt�mer. Damit werdet ihr eure fr�heren Fehler wieder gut machen.� Der Mann behauptete, einer der Auserw�hlten zu sein, und niemand war so verr�ckt, so eine Behauptung in die Welt zu setzen, wenn es nicht stimmte, doch ihm schienen al'Thors Besitzt�mer wichtiger zu sein als sein Tod, der Mord an ihm eine zuf�llige Beigabe und eigentlich unn�tig.</p><p>Kisman hatte nur diese beiden Auserw�hlten kennen gelernt, aber sie hatten ihm Kopfschmerzen bereitet. Sie waren schlimmer als Cairhiener. Vermutlich konnte das, was sie nicht sagten, einen Mann schneller t�ten als ein von einem Hochlord unterzeichneter Befehl. Nun, sobald Torval und Gedwyn eintrafen, konnten sie einen Plan schmieden...</p><p>Pl�tzlich versp�rte er einen Stich im rechten Arm, und er starrte verbl�fft auf das Blut, das sich auf seinem Umhang ausbreitete. Es f�hlte sich nicht wie ein tiefer Schnitt an und kein Beutelschneider w�rde seinen Unterarm aufgeschlitzt haben.</p><p>�Er geh�rt mir�, fl�sterte hinter ihm ein Mann, aber als er sich umdrehte, waren da nur die Passanten zu sehen, die die Stra�e bev�lkerten und ihren Gesch�ften nachgingen. Die wenigen, die den dunklen Fleck auf seinem Urnhang bemerkten, schauten rasch zur Seite. An diesem Ort wollte niemand auch nur mit der geringsten Gewaltt�tigkeit in Verbindung gebracht werden. Sie waren richtig gut darin, das zu ignorieren, was sie nicht sehen wollten.</p><p>Die Wunde pochte, brannte viel st�rker als im ersten Augenblick. Kisman �berlie� den Umhang dem Wind und dr�ckte die linke Hand auf den blutigen Schnitt in seinem �rmel. Der Arm f�hlte sich geschwollen und hei� an. Entsetzt starrte er seine rechte Hand an, die sich schwarz verf�rbte und aufquoll wie eine Leiche, die eine Woche alt war.</p><p>Er rannte blindlings los, stie� Leute zur Seite, warf sie zu Boden. Er wusste nicht, was mit ihm geschah, wie es geschehen war, aber er war sich sicher, wie es enden w�rde. Es sei denn, er schaffte es aus der Stadt heraus, jenseits des Sees, oben in die Berge. Dann hatte er eine Chance. Ein Pferd. Er brauchte ein Pferd! Er musste es versuchen. Man hatte ihm versprochen, er w�rde ewig leben! �berall waren nur Leute, die zu Fu� gingen, und sie machten ihm Platz. Er h�rte das Rasseln der Stra�enh�ter, aber das konnte genauso gut sein Blut sein, das in seinen Ohren pochte. Alles wurde dunkel. Sein Gesicht traf auf etwas Hartes und er wusste, dass er gefallen war. Sein letzter Gedanke war, dass die Auserw�hlten entschieden hatten, ihn zu bestrafen, aber er h�tte nicht sagen k�nnen, aus welchem Grund.</p><p>Als Rand den Schankraum der <emphasis>Krone von Maredo</emphasis> betrat, sa�en nur wenige M�nner an den runden Tischen. Trotz des vielversprechenden Namens war es nur ein bescheidenes Gasthaus mit zwei Dutzend Kammern in den beiden dar�berliegenden Etagen. Die verputzten W�nde des Schankraums waren gelb gestrichen, und die M�nner, die an den Tischen bedienten, trugen gelbe Sch�rzen. Wenn man von drau�en hereinkam, verliehen die beiden Kamine an beiden Enden des Raums ihm eine gewisse W�rme. Die Schlagl�den waren verriegelt, aber die Lampen an den W�nden erhellten das Zwielicht. Die Ger�che aus der K�che versprachen ein schmackhaftes Mittagessen mit Fisch aus dem See. Rand h�tte es ungern vers�umt. Die K�che in der <emphasis>Krone von Maredo</emphasis> waren sehr gut.</p><p>Er entdeckte Lan allein an einem Tisch, mit dem R�cken zur Wand. Die geflochtene Lederschnur, die Lans Haar zur�ckhielt, rief bei einigen der M�nner schr�ge Blicke hervor, aber er weigerte sich, das <emphasis>Hadori</emphasis> auch nur f�r kurze Zeit abzunehmen. Er erwiderte Rands Blick. Als Rand mit dem Kopf auf die Treppe im r�ckw�rtigen Teil des Raums wies, verschwendete er keine Zeit mit fragenden Blicken; er stellte seinen Weinbecher ab, stand auf und ging zur Treppe. Sogar nur mit dem kleinen Messer am G�rtel sah er gef�hrlich aus, aber daran konnte man nichts �ndern. Mehrere M�nner sahen in Rands Richtung, aber aus irgendeinem Grund schauten sie schnell zur Seite, wenn er ihre Blicke erwiderte.</p><p>In der N�he der K�che blieb Rand an der T�r zu dem Frauenraum stehen. M�nnern war hier der Zutritt nicht gestattet. Abgesehen von den paar Blumen, die man auf die gelben W�nde gemalt hatte, war der Frauenraum auch nicht viel aufwendiger als der Schankraum, allerdings waren die Lampenst�nder und die Kamingitter ebenfalls gelb bemalt. Die gelben Sch�rzen der weiblichen Bedienungen unterschieden sich in nichts von denen der M�nner im Schankraum. Frau Nalhera, die schlanke, grauhaarige Wirtin, sa� an demselben Tisch wie Min, Nynaeve und Alivia, und sie alle unterhielten sich bei einer Tasse Tee und lachten viel.</p><p>Der Anblick der ehemaligen <emphasis>Damane</emphasis> lie� Rand die Z�hne zusammenbei�en. Nynaeve behauptete, die Frau h�tte darauf bestanden, sie zu begleiten, aber er konnte sich nicht vorstellen, dass es �berhaupt jemanden gab, der erfolgreich bei ihr auf etwas bestehen konnte. Sie wollte Alivia aus irgendeinem geheimen Grund dabei haben. Seit er Elayne verlassen und sie abgeholt hatte, benahm sie sich sehr geheimnisvoll, so als w�rde sie mit aller M�he daran arbeiten, eine Aes Sedai zu sein. Die drei Frauen hatten sich hochgeschlossene Gew�nder in der Mode von Far Madding besorgt, deren Oberteile und Schultern mit gestickten Blumen und V�geln �bers�t waren und bis ans Kinn reichten, obwohl Nynaeve manchmal �ber sie meckerte. Zweifellos h�tte sie das derbe Tuch von den Zwei Fl�ssen dem feineren hiesigen Stoff vorgezogen. Der rote Punkt des Ki'sain auf ihrer Stirn zog alle Blicke auf sich, doch als h�tte das nicht ausgereicht, hatte sie sich mit genug Schmuck beh�ngt, um zu einer Audienz der K�nigin zu gehen. Da waren ein schmaler goldener G�rtel und eine lange Halskette und jede Menge Armreifen, die mit hellblauen Saphiren und ihm unbekannten polierten gr�nen Steinen besetzt waren, und an jedem Finger ihrer rechten Hand steckte ein passender Ring. Ihr Gro�er Schlangenring war irgendwo verborgen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, aber der Rest sorgte f�r zehnmal so viel. Die meisten Leute h�tten den Ring einer Aes Sedai nicht erkannt, wenn sie ihn gesehen h�rten, aber jeder konnte sehen, dass in diesen Edelsteinen eine Menge Geld steckte.</p><p>Rand r�usperte sich und senkte den Kopf. �Frau, ich muss oben mit dir sprechen�, sagte er. Und f�gte gerade noch rechtzeitig hinzu: �Wenn es dir gef�llt.� Er konnte es nicht dringenderer machen, nicht, wenn er den Anstandsformen gen�gen wollte, aber er hoffte, dass sie nicht l�nger blieben. Vielleicht taten sie es ja doch, und wenn auch nur, um der Wirtin zu demonstrieren, dass sie nicht unter seiner Fuchtel standen. Aus irgendeinem Grund schienen die Menschen in Far Madding tats�chlich dem Glauben anzuh�ngen, dass ausw�rtige Frauen sprangen, wenn es ihre M�nner ihnen befahlen!</p><p>Min drehte sich auf ihrem Stuhl herum und grinste ihn an, wie sie es jedes Mal tat, wenn er sie seine Frau nannte. Sie war in seinem Kopf gegenw�rtig und das Gef�hl k�ndete von W�rme und Freude, und pl�tzlich spr�hte es vor Belustigung. Sie fand ihre Situation in Far Madding sehr am�sant. Ohne den Blick von ihm zu wenden, beugte sie sich zu Frau Nalhera her�ber und sagte etwas mit leiser Stimme, das die �ltere Frau vor Lachen gackern und Nynaeve gequ�lt das Gesicht verziehen lie�.</p><p>Alivia stand auf und sah nicht einmal ann�hernd wie die unterjochte Frau aus, die er Taim �bergeben hatte. All diese gefangen genommenen <emphasis>Damane</emphasis> und <emphasis>Sul'dam</emphasis> waren eine B�rde gewesen, und er hatte aufgeatmet, als er sie endlich losgeworden war. Ihr blondes Haar wies wei�e Str�hnen auf und in ihren Augenwinkeln gab es feine F�ltchen, aber in diesen Augen loderte jetzt ein wildes Feuer. �Nun?�, sagte sie gedehnt und starrte auf Nynaeve herunter, aber irgendwie lie� sie das Wort zugleich wie eine Kritik und einen Befehl klingen.</p><p>Nynaeve schenkte der Frau einen finsteren Blick und nahm sich reichlich Zeit, um aufzustehen und die R�cke zu gl�tten, aber immerhin stand sie auf.</p><p>Rand wartete nicht l�nger, sondern eilte nach oben. Lan stand oben an der Treppe, gerade au�erhalb der Sicht des Schankraums. Rand erstattete leise einen knappen Bericht �ber das, was geschehen war. Lans steinernes Gesicht regte sich nicht.</p><p>�Wenigstens einer von ihnen ist erledigt�, sagte er und wandte sich dem Zimmer zu, das er sich mit Nynaeve teilte. �Ich packe unsere Sachen.�</p><p>Als Min endlich das Zimmer betrat, das Rand mit ihr bewohnte, war er damit besch�ftigt, ihre Kleider aus dem hohen Schrank zu holen und in den Reisekorb zu stopfen. Nynaeve und Alivia folgten ihr.</p><p>�Beim Licht, so ruinierst du blo� unsere Sachen�, rief Min aus und dr�ngte ihn mit der Schulter von dem Korb fort. Sie packte Kleidungsst�cke wieder aus, faltete sie sauber zusammen und legte sie neben seinem friedensgebundenen Schwert aufs Bett. �Warum packen wir?�, fragte sie, lie� ihm aber keine Zeit f�r eine Antwort. �Frau Nalhera meinte, du w�rdest nicht so m�rrisch sein, wenn ich dir jeden Morgen ein paar Schl�ge mit der Rute verpasse.� Sie lachte und sch�ttelte einen der M�ntel aus, die sie hier nicht trug. Er hatte ihr versprochen, ihr neue zu kaufen, aber sie weigerte sich, die bestickten M�ntel und Kniebundhosen zur�ckzulassen. �Ich habe ihr gesagt, ich w�rde es mir �berlegen. Lan gef�llt ihr sehr.� Pl�tzlich sprach sie mit verstellter schriller Stimme weiter und �ffte die Wirtin nach. �Ich sage es ja immer, ein ordentlicher, ruhiger Mann ist auf jeden Fall einem h�bschen Gesicht vorzuziehen.�</p><p>Nynaeve schnaubte ver�chtlich. �Wer will schon einen Mann, der durch Reifen springt, wann immer man will?� Rand starrte sie an, Min blieb der Mund offen stehen. Das war doch genau das, was Nynaeve mit Lan veranstaltete, und Rand konnte einfach nicht begreifen, wieso der Mann das �berhaupt mitmachte.</p><p>�Ihr denkt zu viel �ber M�nner nach, Nynaeve�, sagte Alivia. Nynaeve runzelte die Stirn, aber statt etwas zu erwidern, stand sie einfach da und spielte an einem ihrer Armreifen herum, einem seltsamen Schmuckst�ck, von dem sich flache Goldketten �ber ihren linken Handr�cken bis zu Ringen an allen vier Fingern spannten. Die �ltere Frau sch�ttelte den Kopf, als w�re sie entt�uscht, keine st�rkere Reaktion hervorgerufen zu haben.</p><p>�Ich packe, weil wir abreisen m�ssen, und zwar schnell�, sagte Rand hastig. Nynaeve war im Augenblick still, so seltsam das auch war, aber wenn ihr Gesicht noch eine Spur dunkler wurde, w�rde sie an ihrem Zopf zerren und so lange herumbr�llen, dass stundenlang keiner auch nur ein Wort dazwischenschieben konnte.</p><p>Bevor er mit dem Bericht zu Ende war, den er bereits Lan gegeben hatte, h�rte Min auf, Sachen zu falten und fing an, ihre B�cher in den zweiten Reisekorb zu verstauen, und zwar so hastig, dass sie darauf verzichtete, sie wie gew�hnlich mit Umh�ngen zu polstern. Die beiden anderen Frauen starrten ihn an, als h�tten sie ihn noch nie zuvor gesehen. F�r den Fall, dass sie nicht so rasch begriffen wie Min, f�gte er ungeduldig hinzu: �Rochaid und Kisman haben mich in einen Hinterhalt gelockt. Sie wussten, dass ich ihnen folge. Kisman ist entkommen. Wenn er dieses Gasthaus kennt, k�nnten er und Dashiva und Gedwyn und Torval hier auftauchen, vielleicht in zwei oder drei Tagen, vielleicht auch in einer Stunde.�</p><p>�Ich bin nicht blind�, sagte Nynaeve, die ihn noch immer anstarrte. Ihre Stimme war leidenschaftslos; protestierte sie nur der Form halber? �Wenn du willst, dass es schnell geht, solltest du Min helfen, statt wie ein Wollkopf herumzustehen.� Sie starrte ihn noch einen Augenblick l�nger an, dann sch�ttelte sie den Kopf, bevor sie das Zimmer verlie�.</p><p>Alivia schloss sich ihr an, verharrte jedoch und starrte Rand finster an. Nein, sie hatte wirklich nichts Dem�tiges mehr an sich. �Auf diese Weise k�nntet Ihr den Tod finden�, sagte sie missbilligend. �Ihr habt noch zu viel zu tun, um jetzt schon zu sterben. Ihr m�sst uns helfen lassen.�</p><p>Er sah ihr stirnrunzelnd nach, wie sie die T�r hinter sich schloss. �Hast du bei ihr irgendwelche Bilder gesehen, Min?�</p><p>�Ich sehe sie st�ndig, aber nicht von der Art, die du meinst; es ist nichts, was man verstehen kann.� Eines der B�cher lie� sie die Nase r�mpfen und sie legte es zur Seite. Es war ziemlich unwahrscheinlich, dass sie auch nur einen Band ihrer nicht gerade kleinen Bibliothek zur�cklie�. Zweifellos beabsichtigte sie, dieses bei der ersten Gelegenheit zu lesen. Sie steckte ihre Nase stundenlang in diese B�cher. �Rand�, sagte sie langsam, �du hast all das getan, einen Mann get�tet und dich einem anderen entgegengestellt, und ich... Rand, ich habe <emphasis>nichts</emphasis> gef�hlt. Durch den Bund, meine ich. Keine Furcht, kein Zorn. Nicht einmal <emphasis>Besorgnis!</emphasis> Nichts.�</p><p>�Ich war nicht w�tend auf ihn.� Kopfsch�ttelnd packte er wieder Kleider in den Reisekorb. �Er musste get�tet werden, das war alles. Und warum sollte ich Angst haben?�</p><p>�Oh�, sagte sie leise. �Ich verstehe.� Sie beugte sich wieder �ber die B�cher. In dem Bund war es ganz still geworden, als w�re sie tief in Gedanken versunken, aber dann k�mpfte sich ein winziger Faden der Sorge durch die Stille.</p><p>�Min, ich verspreche, ich werde nicht zulassen, dass dir etwas geschieht.� Er wusste nicht, ob er dieses Versprechen einhalten konnte, aber er w�rde es versuchen.</p><p>Sie l�chelte ihn an, es war beinahe schon ein Lachen. Licht, sie war wundersch�n. �Das wei� ich, Rand. Und ich werde nicht zulassen, dass dir etwas geschieht.� Liebe flutete durch den Bund wie die Glut der Mittagssonne. �Aber Alivia hat Recht. Du musst uns irgendwie helfen lassen. Wenn du uns diese Burschen beschreibst, k�nnen wir vielleicht Erkundigungen einziehen. Du kannst jedenfalls nicht die ganze Stadt allein durchsuchen.�</p><p><emphasis>Wir sind tot,</emphasis> murmelte Lews Thenn. <emphasis>Tote sollten in Ruhe in ihren Gr�bern ruhen, aber das tun sie nie.</emphasis></p><p>Rand nahm die Stimme in seinem Kopf kaum wahr. Pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass er Kisman und die anderen gar nicht beschreiben musste. Er konnte sie so gut zeichnen, dass jeder die Gesichter erkennen w�rde. Dabei hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht gezeichnet. Aber Lews Therin konnte es. Das h�tte ihm Angst einjagen m�ssen. Das h�tte es wirklich.</p><p>Isam schritt den Raum ab und musterte das allgegenw�rtige Licht des <emphasis>Tel'aran'rhiod.</emphasis> Das Bett war zwischen zwei Blicken zerw�hlt und ordentlich gemacht. Die Bettdecke verwandelte sich von gebl�mt zu dunkelrot und wurde dann zu einer Steppdecke. Das Verg�ngliche verwandelte sich hier immer und er nahm es kaum noch bewusst wahr. Er konnte das <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> nicht so benutzen wie die Auserw�hlten, aber das war der Ort, an dem er sich am freiesten f�hlte. Hier konnte er sein, wer auch immer er sein wollte. Der Gedanke lie� ihn kichern.</p><p>Er blieb neben dem Bett stehen, zog vorsichtig die beiden vergifteten Dolche und trat aus der unsichtbaren in die wache Welt. Dabei wurde er zu Luc. Es erschien passend.</p><p>In der wachen Welt war das Zimmer dunkel, aber das einzige Fenster lie� genug Mondlicht herein, dass Luc die Umrisse der beiden Menschen sehen konnte, die unter ihren Decken schliefen. Ohne zu z�gern rammte er in jeden einen Dolch. Sie erwachten mit einem leisen Aufschrei, aber er riss die Klingen heraus und stach immer wieder zu. Das Gift machte es unwahrscheinlich, dass einer von ihnen genug Kraft gehabt h�tte, um so laut zu schreien, dass man sie au�erhalb des Zimmers geh�rt h�tte, aber er wollte diesen Mord auf eine Weise zu seinem Werk machen, wie es das Gift allein niemals bewirkt h�tte. Nachdem er jeweils eine Klinge zwischen Rippen gerammt hatte, h�rten sie bald auf zu zucken.</p><p>Er wischte die Dolche an der Bettdecke sauber und schob sie mit der gleichen Sorgfalt, mit der er sie gezogen hatte, in die Scheiden zur�ck. Man hatte ihm viele F�higkeiten verliehen, aber Immunit�t gegen Gift oder andere Waffen waren nicht darunter. Dann zog er einen Kerzenstummel aus der Tasche und blies gerade genug Asche von den Holzscheiten im Kamin, dass er den Docht entz�nden konnte. Er sah sich immer gern die Leute an, die er t�tete, und wenn es nicht bei der Tat ging, dann eben hinterher. Er hatte es vor allem bei den beiden Aes Sedai im Stein von Tear genossen. Der Unglaube auf ihren Gesichtern, als er wie aus dem Nichts vor ihnen auftauchte, das Entsetzen, als sie erkannten, dass er nicht gekommen war, um sie retten � Erinnerungen, die er in Ehren hielt. Das war Isam gewesen, nicht er, aber die Erinnerungen waren deshalb nicht weniger kostbar. Keiner von ihnen bekam oft die Gelegenheit, eine Aes Sedai zu t�ten.</p><p>Er pr�gte sich die Gesichter des Mannes und der Frau auf dem Bett einen Augenblick lang ein, dann dr�ckte er die Kerzenflamme aus und steckte die Kerze zur�ck in die Tasche, bevor er wieder ins <emphasis>Tel'amn'rhiod</emphasis> trat.</p><p>Sein gegenw�rtiger Patron wartete schon auf ihn. Es war ein Mann, dessen war er sich sicher, aber Luc konnte ihn nicht ansehen. Es war nicht so wie bei den schleimigen Grauen M�nnern, die man einfach nicht wahrnahm. Er hatte mal einen von ihnen get�tet, in der Wei�en Burg. Sie hatten sich kalt und leer angef�hlt. Es war, als h�tte man eine Leiche get�tet. Nein, dieser Mann hatte etwas mit der Macht getan, so dass Lucs Blick von ihm abglitt wie Wasser von Glas. Selbst aus den Augenwinkeln betrachtet, war er nur ein Schemen.</p><p>�Das Paar in diesem Zimmer wird f�r alle Zeiten schlafen�, sagte Luc, �aber der Mann war kahlk�pfig und die Frau grauhaarig.�</p><p>�Schade�, sagte der Mann, und die Stimme schien in Lucs Ohren zu schmelzen. Er w�rde sie nicht erkennen, wenn er sie ohne die Tarnung h�rte. Der Mann musste einer der Auserw�hlten sein. Von den Auserw�hlten abgesehen wussten nur wenige, wie er zu erreichen war, und keiner der M�nner konnte die Macht lenken oder h�tte es gewagt, ihm Befehle zu erteilen. Man bat um seine Dienste. Nur der Gro�e Herr nicht und in letzter Zeit auch die Auserw�hlten. Aber keiner der Auserw�hlten, die Luc kannten, hatte jemals solche Vorsichtsma�nahmen getroffen.</p><p>�Soll ich es erneut versuchen?�, fragte Luc.</p><p>�Vielleicht. Wenn ich es Euch sage. Vorher nicht. Vergesst nicht, zu keinem ein Wort dar�ber.�</p><p>�Wie Ihr befehlt.� Luc verbeugte sich, aber der Mann schuf bereits ein Wegetor, ein Loch, das sich auf eine verschneite Waldlichtung �ffnete. Er war verschwunden, bevor sich Luc wieder aufgerichtet hatte.</p><p>Es war wirklich eine Schande. Er hatte sich so darauf gefreut, seinen Neffen und die Schlampe zu t�ten. Aber wenn er freie Zeit hatte, machte es immer Spa�, auf die Jagd zu gehen. Er wurde zu Isam. Isam t�tete W�lfe noch lieber als Luc.</p></section><section><title><p>23</p><p>Wo die Sonne verschwand</p></title><p>Mit der einen Hand versuchte Shalon, den ungewohnten Umhang festzuhalten, w�hrend sie sich gleichzeitig bem�hte, nicht von dem ungewohnten Sattel zu fallen; sie stie� ihrem Pferd unbeholfen die Fersen in die Flanken und folgte Harine und ihrem Schwertmeister Moad durch die �ffnung in der Luft, die von dem Stallhof des Sonnenpalastes... Sie wusste nicht genau, wohin sie f�hrte, auf jeden Fall war es ein langer freier Platz �nannte man so etwas nicht eine Lichtung? Sie glaubte schon �, eine Lichtung, die gr��er als das Deck eines Springers war und die zwischen H�geln voller verk�mmerter B�ume lag. Sie erkannte nur die Kiefern, die zu klein und verkr�ppelt waren, als dass man sie zu etwas anderem als Teer und Terpentin h�tte verarbeiten k�nnen. Von den anderen B�umen wiesen die meisten kahle graue �ste auf, die Shalon an Knochen denken lie�en. Die Morgensonne schwebte direkt �ber den Baumwipfeln, und die K�lte schien hier noch durchdringender zu sein als in der Stadt, die sie gerade hinter sich gelassen hatte.</p><p>Shalon hoffte, dass das Pferd keinen Fehltritt machte und sie auf die Felsen schleuderte, die sich dort erhoben, wo der Schnee nicht das am Boden verfaulende Laub bedeckte. Sie traute Pferden nicht. Im Gegensatz zu Schiffen hatten Pferde einen eigenen Willen. Sie waren hinterh�ltige Biester, auf die man draufklettern musste. Und Pferde hatten Z�hne. Wann auch immer ihr Reittier durch die N�stern schnaubte, zuckte sie zusammen und t�tschelte seinen Hals und gab beruhigende Laute von sich. Zumindest hoffte sie, dass die Bestie sie beruhigend fand.</p><p>Cadsuane hingegen sa� ohne sichtbare Anstrengung auf einem gro�en Pferd mit schwarzer M�hne und Schweif und hielt das Gewebe des Wegetors aufrecht. Sie hatte keine Probleme mit Pferden. Sie kannte keine Probleme. Ein pl�tzlicher Windsto� hob den dunkelgrauen Umhang an, der das Hinterteil ihres Reittieres bedeckte, aber es gab keinerlei Anzeichen, dass sie die K�lte �berhaupt wahrnahm. Der goldene Haarschmuck um ihren dunkelgrauen Haarknoten geriet in Bewegung, als sie den Kopf drehte, um Shalon und ihre Begleitung zu beobachten. Sie war eine ansehnliche Frau, die aber in der Menge nicht weiter aufgefallen w�re, wenn man einmal davon absah, das ihr glattes Gesicht nicht zu den Haaren passte. Doch wenn man sie erst n�her kennen lernte, war es schon zu sp�t.</p><p>Shalon h�tte viel daf�r gegeben, sehen zu k�nnen, wie man dieses Gewebe erschuf, selbst wenn das bedeutet h�tte, sich in Cadsuanes N�he begeben zu m�ssen, aber man hatte ihr erst nach Vollendung des Wegetors erlaubt, den Stallhof zu betreten, und ein an die Rahnock angeschlagenes Segel lehrte einen weder, wie man ein Segel setzen musste, noch wie man es herstellte. Sie kannte nur den Namen. Als sie an der Aes Sedai vorbeiritt, mied sie den Blick, aber sie sp�rte ihn. Der Blick dieser Frau lie� ihre Zehenn�gel sich kr�mmen und nach einem Halt suchen, den die Steigb�gel nicht boten. Sie sah keinen Fluchtweg und doch hoffte sie durch das Studium der Aes Sedai einen zu finden. Sie wusste nur wenig �ber die Schwestern; sie war die Erste, die dies zugegeben h�tte. Vor ihrer Reise nach Cairhien war sie einer Einzigen begegnet, und wenn sie an sie gedacht hatte, dann nur, um dem Licht daf�r zu danken, nicht auserw�hlt worden zu sein, eine von ihnen zu werden. Aber bei Cadsuanes Gef�hrtinnen gab es Str�mungen tief unter der Oberfl�che.</p><p>Tiefe, starke Str�mungen konnten alles ver�ndern, was an der Oberfl�che offensichtlich erschien.</p><p>Die vier Aes Sedai, die unmittelbar nach Cadsuane hindurchgeritten waren, warteten zusammen mit drei Beh�tern auf ihren Pferden auf der einen Seite der Lichtung. Zumindest war Shalon davon �berzeugt, dass Ihvon der Beh�ter der wilden Alanna war, und Tomas geh�rte zu der pummeligen kleinen Verin, aber sie glaubte, den auffallend jungen Mann, der sich dicht an die dicke Daigian hielt, im schwarzen Mantel eines Asha'man gesehen zu haben. Aber dann konnte er wohl kaum ein Beh�ter sein, oder? Eben war nur ein Junge. Doch wenn die Frau ihn ansah, schien ihr ohnehin �bertriebener Stolz noch weiter anzuschwellen. Kumira, eine angenehm aussehende Frau mit blauen Augen, deren Blick messerscharf werden konnte, wenn sie etwas interessierte, sa� etwas zur Seite geneigt im Sattel und musterte Eben so intensiv, dass es ein Wunder war, dass er nicht in St�cke geschnitten auf dem Boden lag.</p><p>�Lange mache ich da nicht mehr mit�, knurrte Harine und trat ihr Pferd mit den blo�en Fersen, damit es in Bewegung blieb. Die mit Brokat geschm�ckte gelbe Seide unterst�tzte ihre Bem�hungen, im Sattel sitzen zu bleiben, genauso wenig, wie es Shalons blaue Seide tat. Sie schwankte umher, jede Bewegung des Tiers lie� sie rutschen und bei jedem Schritt verlor sie beinahe den Halt. Der Wind frischte auf, spielte mit den Enden ihrer Sch�rpe und lie� ihren Umhang flattern, aber sie hielt es f�r unter ihrer W�rde, die Kleidung zu kontrollieren. Auf den Schiffen wurden Umh�nge nur selten benutzt; sie waren im Weg und konnten Arme und Beine in genau dem Augenblick behindern, in dem man sie f�rs �berleben brauchte. Moad hatte ihn abgelehnt und verlie� sich auf seinen gesteppten blauen Mantel, den er auch in der gr��ten K�lte auf See trug. Nesune Bihara ritt in bronzefarbenes Tuch gekleidet durch das Wegetor und blickte sich um, als wollte sie alles auf einmal in sich aufnehmen, dann kam Elza Penfel, die aus irgendeinem Grund ein m�rrisches Gesicht machte und den pelzges�umten Umhang eng um sich zog. Keine der anderen Aes Sedai schienen gro�e Anstrengungen zu machen, sich vor der K�lte zu sch�tzen.</p><p><emphasis>�Vielleicht</emphasis> begegne ich dem Coramoor, sagt sie�, murmelte Harine und zerrte an den Z�geln, bis ihr Pferd auf die Seite der Lichtung zuschritt, die jener entgegengesetzt lag, auf der sich die Aes Sedai versammelten. �Vielleicht! Und sie bietet einem diese <emphasis>M�glichkeit</emphasis> an, als w�re es ein Privileg.� Harine musste keine Namen nennen; wenn sie das Wort �sie� auf eine Weise in den Mund nahm, die an den Stich einer Qualle denken lie�, dann konnte sie nur eine Frau meinen. �Ich habe das Recht dazu, es ist ausgehandelt worden! Sie verweigert mir das vereinbarte Gefolge! Ich muss meine Segelherrin zur�cklassen und meine Diener!� Erian Boroleos kam voller Anspannung durch die �ffnung, als w�rde sie ein Schlachtfeld erwarten. Ihr folgte Beldeine Nyram, die nicht mal wie eine Aes Sedai aussah. Beide trugen Gr�n, Erian von Kopf bis Fu�, Beldeine in den Schlitzen an �rmeln und Rock. Hatte das etwas zu bedeuten? Vermutlich nicht. �Soll ich mich dem Coramoor wie ein Decksm�dchen n�hern, das ihrer Segelherrin die Ehre erweist?� Wenn mehrere Aes Sedai zusammen standen, war die glattgesichtige Alterslosigkeit deutlich zu erkennen, selbst wenn das Haar wei� war, konnte man unm�glich sagen, wer zwanzig Jahre oder gar doppelt so alt war, und Beldeine sah einfach wie ein zwanzigj�hriges M�dchen aus. Und das sagte einem genauso wenig wie ihre R�cke. �Soll ich etwa selbst mein Bettzeug ausl�ften und mein Leinen waschen? Sie schie�t das Protokoll einfach in den Wind! Ich werde es nicht erlauben! Schluss damit!� Das waren alte Klagen, die sie seit dem vergangenen Abend, als Cadsuane ihre Bedingungen gestellt hatte, falls sie sie begleiten wollten, ein Dutzend Mal ge�u�ert hatte. Diese Bedingungen waren streng gewesen, aber Harine war keine andere Wahl geblieben, als ihnen zuzustimmen, was die Verbitterung nur noch gr��er machte.</p><p>Shalon h�rte nur mit halbem Ohr zu, nickte und murmelte die n�tigen Erwiderungen. Nat�rlich stimmte sie ihr zu. Ihre Schwester erwartete Zustimmung. Die Aes Sedai beanspruchten jedoch den Hauptteil ihrer Aufmerksamkeit. Sie beobachtete sie verstohlen. Moad tat so, als w�rde er nicht zuh�ren, aber er war ja auch Harines Schwertmeister. Bei jedem anderen war Harine scheinbar so fest wie ein nasser Knoten, aber sie lie� Moad so viel Spielraum, dass jedermann h�tte denken k�nnen, der grauhaarige Mann mit den harten Augen sei ihr Geliebter, vor allem, da sie beide verwitwet waren. Das hei�t, sie h�tten es vielleicht gedacht, wenn sie Harine nicht kannten. Harine w�rde sich niemals einen Geliebten nehmen, der einen geringeren Rang als sie einnahm, was nat�rlich zur Folge hatte, dass sie sich jetzt keinen mehr nehmen konnte. Als sie ihre Pferde in der N�he der B�ume zum Stehen brachten, st�tzte Moad einen Ellbogen auf den hohen Knauf seines Sattels, legte eine Hand auf den langen, mit Schnitzereien verzierten Elfenbeingriff seines Schwerts, das hinter seiner Sch�rpe steckte, und betrachtete die Aes Sedai und die M�nner, die sie begleiteten, ohne jede Zur�ckhaltung. Wo hatte er gelernt, ein Pferd zu reiten? Er sah doch tats�chlich so aus, als w�rde er sich wohl f�hlen. Sein Rang war auf den ersten Blick zu erkennen; selbst wenn er nicht sein Schwert und den dazu passenden Dolch trug, waren da noch immer die acht schweren Ohrringe und die Art und Weise, wie die Sch�rpe geknotet war. Gab es bei den Aes Sedai keine vergleichbaren Methoden? Konnten sie wirklich so schlecht organisiert sein? Angeblich war die Wei�e Burg wie ein mechanischer Apparat, der Throne in sich aufnahm und sie nach seinem Willen umformte. Nat�rlich schien die Maschine jetzt kaputt zu sein.</p><p>�Ich sagte, wo hat sie uns hingebracht, Shalon?�</p><p>Harines Stimme war wie eine eiskalte Rasierklinge und sie trieb das Blut aus Shalons Gesicht. Unter einer j�ngeren Verwandten zu dienen war niemals einfach, aber <emphasis>Hanne</emphasis> machte es noch schwieriger. Im Privaten war sie mehr als nur k�hl, und in der �ffentlichkeit war sie dazu f�hig, eine Segelherrin an den F��en aufh�ngen zu lassen, ganz zu schweigen von einer Windsucherin. Und seit diese junge K�stengebundene namens Min ihr gesagt hatte, dass sie eines Tages die Herrin der Schiffe sein w�rde, war sie noch schlimmer geworden. Sie warf Shalon einen missbilligenden Blick zu und hob ihr goldenes Riechk�stchen, als wollte sie einen unangenehmen Geruch �berdecken, dabei machte die K�lte das Parf�m unbrauchbar.</p><p>Schnell schaute Shalon zum Himmel und versuchte, den Sonnenstand zu bestimmen. Sie w�nschte sich, ihr Sextant w�re nicht auf der <emphasis>Wei�en Gischt</emphasis> eingeschlossen �die K�stengebundenen durften niemals einen Sextanten zu Gesicht bekommen, geschweige denn seinen Einsatz verfolgen �, aber sie war sich sowieso nicht sicher, ob er eine Hilfe gewesen w�re. Diese B�ume mochten kurz sein, trotzdem konnte sie keinen Horizont ausmachen. Ziemlich genau im Norden wuchsen die H�gel zu Gebirgen an, die schr�g von Nordosten nach S�dwesten f�hrten. Sie vermochte nicht einzusch�tzen, wie hoch sie waren. F�r ihren Geschmack ging es in dieser Landschaft viel zu sehr auf und ab. Trotzdem wusste jede Windsucherin, wie man grob sch�tzte. Und wenn Harine Informationen verlangte, erwartete sie auch, welche zu bekommen.</p><p>�Ich kann nur sch�tzen, Herrin der Wogen�, sagte sie. Harines Kiefermuskeln spannten sich, aber keine Windsucherin w�rde eine Sch�tzung als exakte Position ausgeben. �Ich glaube, wir befinden uns drei- oder vierhundert Meilen s�dlich von Cairhien. Genaueres kann ich nicht sagen.� Jede gr�ne Sch�lerin, die mit einem Messstab eine so ungenaue Position benannte, w�re f�r den Stock des Decksmeisters vorn�bergebeugt worden, aber als Shalon h�rte, was sie da sagte, erstarrte ihre Zunge. F�r ein Schiff unter vollen Segeln bedeuteten hundert an einem Tag zur�ckgelegte Meilen einen guten Schnitt. Moad sch�rzte nachdenklich die Lippen.</p><p>Harine nickte langsam und schaute durch Shalon hindurch, als k�nnte sie Schiffe sehen, die unter vollen Segeln durch mithilfe der Macht geschaffene L�cher in der Luft glitten. Dann w�rden ihnen die Meere wahrlich geh�ren. Sie sch�ttelte sich, beugte sich zu Shalon her�ber, und ihr Blick schien sich in dem ihren festzukrallen. �Ihr m�sst das in Erfahrung bringen, ganz egal, was es kostet. Sagt ihr, dass Ihr mich ausspionieren werdet, wenn sie es Euch beibringt. Wenn das Licht es will und Ihr sie �berzeugen k�nnt, tut sie es wom�glich. Oder Ihr kommt vielleicht nahe genug an eine der anderen heran, um es zu erlernen.�</p><p>Shalon fuhr sich mit der Zunge �ber die Lippen. Sie hoffte, dass Harine ihr Zusammenzucken entgangen war. �Ich habe sie schon einmal zur�ckgewiesen, Herrin der Wogen.� Sie hatte eine Erkl�rung gebraucht, warum die Aes Sedai sie eine Woche lang festgehalten hatten, und eine Version der Wahrheit war ihr am aussichtsreichsten erschienen. Harine wusste alles. Bis auf das Geheimnis, das Verin ihr entlockt hatte. Bis auf die Tatsache, dass Shalon sich bereiterkl�rt hatte, Cadsuanes Bedingungen zu erf�llen, um dieses Geheimnis weiterhin zu h�ten. Mochte das Licht ihr gn�dig sein, sie bereute Ailil, aber sie war so einsam gewesen, dass sie viel zu weit herausgesegelt war, bevor ihr das klar geworden war. Bei Harine gab es keine abendlichen Unterhaltungen bei mit Honig ges��tem Wein, um die langen Monate ertr�glicher zu machen, die sie von ihrem Ehemann Mishael getrennt war.</p><p>Bestenfalls w�rden noch viele Monate vergehen, bevor sie wieder in seinen Armen liegen konnte. �Bei allem Respekt, warum sollte sie mir jetzt glauben?�</p><p>�Weil Ihr das Wissen haben wollt.� Harine lie� die Hand durch die Luft sausen. �Die K�stengebundenen glauben immer an Habgier. Ihr werdet ihnen nat�rlich ein paar Dinge erz�hlen m�ssen, um Eure ehrlichen Absichten zu beweisen. Ich werde jeden Tag entscheiden, was es sein wird. Vielleicht kann ich sie in die Richtung steuern, in der ich sie haben will.�</p><p>Brutale Finger schienen sich in Shalons Kopfhaut zu graben. Sie hatte vorgehabt, Cadsuane so wenig zu erz�hlen, wie es nur eben ging, und das auch nur so selten wie m�glich, bis sie eine Gelegenheit gefunden hatte, sich von ihr zu befreien. Wenn sie jeden Tag mit der Aes Sedai sprechen und � und was noch schlimmer war � ihr ins Gesicht l�gen musste, w�rde die Frau mehr aus ihr herausbekommen, als sie wollte. Mehr, als Harine wollte. Viel mehr. Das war so sicher wie der Sonnenaufgang. �Verzeiht mir, Herrin der Wogen�, sagte sie mit jedem Funken an Ehrerbietung, den sie aufzubringen imstande war, �aber falls ich das sagen darf, werde ich...�</p><p>Sie unterbrach sich, als Sarene Nemdahl herangeritten kam und vor ihnen das Pferd z�gelte. Die letzten Aes Sedai und Beh�ter waren durch das Tor gekommen und Cadsuane hatte es verschwinden lassen. Corele, eine d�nne, aber h�bsche Frau, lachte und warf ihre schwarze Haarm�hne zur�ck, w�hrend sie sich mit Kumira unterhielt. Merise, eine hoch gewachsene Frau, deren Augen von einem noch helleren Blau waren als Kumiras, und einem mehr als h�bschen Gesicht, das streng genug war, um selbst Harine aufmerken zu lassen, dirigierte mit scharfen Gesten die vier M�nner, die sich um die Packpferde k�mmerten. Alle anderen ergriffen die Z�gel. Anscheinend machten sich alle bereit, die Lichtung zu verlassen.</p><p>Sarene war wundersch�n, allerdings minderte der fehlende Schmuck ihr Aussehen genauso wie das schlichte wei�e Kleid, das sie trug. Die K�stengebundenen schienen �berhaupt keinen Sinn f�r Farben zu haben. Sogar ihr dunkler Umhang war mit wei�em Fell ges�umt. �Herrin der Wogen, Cadsuane, sie hat mich gebeten... mir befohlen, Eure Helferin zu sein�, sagte sie und neigte ehrerbietig den Kopf. �Ich werde Eure Fragen beantworten, sofern ich das kann, und Euch bei den Br�uchen helfen, so gut ich mich in ihnen auskenne. Mir ist bewusst, das Euch meine Anwesenheit m�glicherweise Unbehagen bereitet, aber wenn Cadsuane befiehlt, m�ssen wir gehorchen.�</p><p>Shalon l�chelte. Sie bezweifelte, dass die Aes Sedai wusste, dass auf einem Schiff eine Helferin das darstellte, was bei den K�stengebundenen eine Dienerin war. Harine w�rde vermutlich lachen und wissen wollen, ob die Aes Sedai Leinent�cher vern�nftig waschen konnte. Es w�rde erfreulich sein, sie in guter Stimmung zu sehen.</p><p>Doch statt zu lachen versteifte sich Harine auf ihrem Sattel, als w�re ihr R�ckgrat zu einem Hauptmast geworden, und die Augen quollen hervor. �Ich versp�re kein Unbehagen!�, fauchte sie. �Ich ziehe es nur vor ... Fragen jemand anderem zu stellen... Cadsuane. Ja. Cadsuane. Und ich muss weder <emphasis>ihr</emphasis> noch sonst jemandem gehorchen! Niemandem! Au�er der Herrin der Schiffe!� Shalon runzelte die Stirn; es sah ihrer Schwester nicht �hnlich, so durcheinander zu klingen. Harine holte tief Luft und sprach dann in energischerem Tonfall weiter, obwohl es sich in gewisser Weise genauso seltsam wie zuvor anh�rte. �Ich spreche f�r die Herrin der Schiffe des Atha'an Miere und verlange den mir zustehenden Respekt! Ich verlange ihn, habt Ihr das verstanden? Ja, ist das klar?�</p><p>�Ich kann sie bitten, jemand anderen zu bestimmen�, sagte Sarene zweifelnd, als w�rde sie nicht erwarten, dass ihre Bitte etwas �ndern w�rde. �Ehr m�sst wissen, dass sie mir an jenem Tag ganz genaue Anweisungen gegeben hat. Aber ich h�tte nicht meine Beherrschung verlieren sollen. Da habe ich versagt. Gef�hle zerst�ren jegliche Vernunft.�</p><p>�Ich wei�, wie man Befehle befolgen muss�, knurrte Harine und duckte sich im Sattel zusammen. Sie sah aus, als w�re sie bereit, sich jeden Augenblick auf Sarene zu st�rzen. �Ich hei�e es gut, wenn Befehle befolgt werden!�, kreischte sie beinahe. �Allerdings kann man Befehle, die ausgef�hrt worden sind, auch wieder vergessen. Man muss sie nicht mehr erw�hnen. Versteht Ihr mich?� Shalon starrte sie von der Seite an. Wovon sprach sie da? Welche Befehle hatte Sarene ausgef�hrt und warum wollte Harine, dass sie in Vergessenheit gerieten? Moad machte keine Anstrengungen, sein Stirnrunzeln zu verbergen. Dann wurde sich Harine seiner Aufmerksamkeit bewusst und ihre Miene verfinsterte sich.</p><p>Sarene schien es nicht zu bemerken. �Ich wei� nicht, wie man absichtlich etwas vergessen soll�, sagte sie langsam und legte die Stirn in Falten. �Ich nehme an, Ihr meint, dass wir so tun sollten. Ist das richtig?� Die mit Perlen geschm�ckten Z�pfe, die aus ihrer Kapuze baumelten, stie�en klirrend zusammen, als sie den Kopf �ber diese Dummheit sch�ttelte. �Also gut. Ich werde Eure Fragen so gut beantworten, wie ich kann. Was wollt Ihr wissen?� Harine seufzte lauthals. Shalon h�tte es f�r Ungeduld halten k�nnen, aber sie glaubte, es war Erleichterung. Erleichterung?</p><p>Ob Harine nun erleichtert war oder nicht, sie wurde wieder sie selbst, von Selbstbeherrschung erf�llt und befehlsgewohnt, und sie versuchte den Blick der Aes Sedai zu erwidern, als wollte sie diese dazu zu bringen, dass sie ihren senkte. �Ihr k�nnt mir sagen, wo wir sind und wo wir hinreisen�, verlangte sie zu wissen.</p><p>�Wir sind in den H�geln von Kintara�, sagte Cadsuane, die pl�tzlich vor ihnen erschien; ihr Pferd stieg auf die Hinterbeine, lie� die Hufe durch die Luft wirbeln und verspr�hte Schnee. �Und wir reiten nach Far Madding.� Sie hielt sich nicht nur im Sattel, sie schien das Aufb�umen des Tieres nicht mal zu bemerken!</p><p>�Ist der Coramoor in Far Madding?�</p><p>�Angeblich soll Geduld eine Tugend sein, Herrin der Wogen.� Obwohl Cadsuane den Titel benutzte, der Harine zustand, lag kein Respekt in ihrem Benehmen. Nicht der geringste. �Ihr reitet mit mir. Versucht nicht, zur�ckzufallen. Es w�re unerfreulich, wenn ich Euch wie Korns�cke transportieren m�sste. Sobald wir in der Stadt sind, werdet Ihr schweigen, bis ich Euch zu sprechen erlaube. Ich werde nicht zulassen, dass Ihr durch Unwissenheit Probleme schafft. Ihr werdet Sarene Euch f�hren lassen. Sie hat Ihre Befehle.�</p><p>Shalon erwartete einen Wutausbruch, aber Harine beherrschte sich, obwohl es sie offensichtlich viel M�he kostete. Sobald sich Cadsuane abgewandt hatte, murmelte sie w�tend vor sich hin, biss aber die Z�hne zusammen, als sich Sarenes Pferd in Bewegung setzte. Offensichtlich sollte keine Aes Sedai h�ren, was sie zu sagen hatte.</p><p>Wie sich herausstellte, bedeutete mit Cadsuane zu reiten, hinter ihr herzureiten, und zwar zwischen den B�umen vorbei nach S�den. Alanna und Verin ritten zwar neben der Frau, aber als Harine den Versuch unternahm, sich zu ihnen zu gesellen, machte ein Blick von ihr klar, dass sonst niemand willkommen war. Shalon erwartete eine Explosion, die nicht kam. Stattdessen bedachte Harine aus irgendeinem Grund Sarene mit einen finsteren Blick und riss ihr Pferd herum, um zwischen Moad und Shalon zu reiten. Sie unternahm keine Anstrengung, Sarene, die auf Shalons anderer Seite ritt, noch irgendwelche Fragen zu stellen, sondern beschr�nkte sich darauf, die vor ihr befindlichen Frauen finster anzuschauen. H�tte Shalon sie nicht besser gekannt, h�tte sie gesagt, dass in diesen Blicken eher Trotz als Wut lag.</p><p>Shalon wiederum war heilfroh, schweigen zu k�nnen. Ein Pferd zu reiten war schon schwierig genug, ohne sich gleichzeitig unterhalten zu m�ssen. Davon abgesehen wusste sie pl�tzlich, warum sich Harine so seltsam verhielt. Sie versuchte bestimmt, bei den Aes Sedai die Wogen zu gl�tten. Das musste es sein. Harine z�gelte ihr Temperament nie, wenn es nicht unbedingt n�tig war. Die Anstrengung, die die Kontrolle sie jetzt kostete, musste sie innerlich f�rmlich brodeln lassen. Und wenn ihre Bem�hungen nicht das gew�nschte Ergebnis brachten, w�rde sie Shalon in einen Kessel stecken und kochen. Der Gedanke daran verursachte Shalon Kopfschmerzen. Sie konnte nur hoffen, dass das Licht sie leitete und ihr half; es musste eine M�glichkeit geben, wie sie vermeiden konnte, ihre Schwester auszuspionieren, ohne dass man ihrer Wangenkette s�mtliche Ehrenauszeichnungen abriss und sie sich auf einen Springer abkommandiert fand, dessen Segelherrin dar�ber br�tete, warum sie niemals h�her aufgestiegen war und die ihre Wut dar�ber an jedermann auslie�. Genauso schlimm w�re es gewesen, wenn Mishael ihr Ehegel�bde als gebrochen erkl�rte. Es <emphasis>musste</emphasis> eine M�glichkeit geben.</p><p>Manchmal drehte sie sich auf ihrem Sattel um und warf einen Blick auf die hinter ihr reitenden Aes Sedai. Von den Frauen vor ihr war mit Sicherheit nichts zu lernen. Gelegentlich wechselten Cadsuane und Verin ein paar Worte, aber sie steckten dabei die K�pfe zusammen und sprachen zu leise, um belauscht werden zu k�nnen. Alanna schien das, was vor ihnen lag, kaum erwarten zu k�nnen; sie blickte ununterbrochen nach S�den. Ein paar Mal lie� sie ihr Pferd ein paar Schritte schneller ausschreiten, bevor Cadsuane sie mit einem leisen Wort zur�ckholte, dem sie mit wildem Blick oder einer m�rrischen Grimasse z�gernd gehorchte. Cadsuane und Verin schienen um die Frau besorgt zu sein. Cadsuane strich fast auf die gleiche Art �ber ihren Arm, wie Shalon den Hals ihres Pferdes t�tschelte, und Verin strahlte sie an, als w�rde sie sich von einer Krankheit erholen. Was Shalon nichts sagte. Also dachte sie �ber die anderen nach.</p><p>Wenn man auf einem Schiff aufsteigen wollte, reichte es nicht, nur die Winde Weben oder das Wetter vorhersagen oder die Position bestimmen zu k�nnen. Man musste die Absicht lesen k�nnen, die zwischen den Worten eines Befehls verborgen lag, und imstande sein, kleine Gesten und Ver�nderungen im Gesichtsausdruck zu interpretieren. Man musste erkennen, wer sich wem unterwarf, selbst wenn es kaum merklich war, denn Mut und F�higkeiten lie�en einen nur bis zu einem gewissen Punkt aufsteigen.</p><p>Nicht weit hinter ihnen ritten vier Frauen � Nesune, Erian, Beldeine und Elza � in einer kleinen Gruppe, obwohl sie nicht zusammengeh�rten, sondern lediglich den gleichen Platz einnahmen. Weder sprachen sie miteinander noch sahen sie sich an. Sie schienen einander nicht besonders zu m�gen. Shalon setzte sie in Gedanken in das gleiche Boot wie Sarene. Die Aes Sedai gaben vor, dass sie alle unter Cadsuane vereint waren, aber das entsprach offensichtlich nicht der Wahrheit. Merise, Corele, Kumira und Daigian sa�en in einem anderen Boot, das von Cadsuane gelenkt wurde. Manchmal schien Alanna in dem einen und dann wieder in dem anderen Boot zu sein, w�hrend Verin in gewisser Weise zwar zu Cadsuanes Boot geh�rte, aber nicht darin sa�. Vielleicht schwamm sie nebenher, w�hrend Cadsuane ihre Hand hielt. Und w�re das nicht allein schon seltsam genug gewesen, war da noch die Sache mit dem erwiesenen Respekt.</p><p>Seltsamerweise hatte es den Anschein, als w�rden die Aes Sedai St�rke in der Macht Erfahrung oder F�higkeiten vorziehen. Ihre Rangordnung gr�ndete sich auf St�rke, wie bei Decksmatrosen, die sich in K�stentavernen pr�gelten. Nat�rlich beugten sie sich alle Cadsuane, doch bei den anderen gab es Merkw�rdigkeiten. Den Regeln ihrer eigenen Hierarchie zufolge bekleideten einige der Frauen aus Nesunes Boot eine Position, auf der sie von einigen aus Cadsuanes Boot Respekt erwarten konnten, aber obwohl ein paar von ihnen dies durchaus zum Ausdruck brachten, benahmen sie sich dabei, als w�rden sie einem H�hergestellten gegen�berstehen, der ein ernstes, allgemein bekanntes Verbrechen begangen hatte. Der Hierarchie nach �bertraf Nesune alle im Rang � von Cadsuane und Merise einmal abgesehen �, doch sie verhielt sich Daigian � welche die unterste Sprosse der Leiter einnahm � gegen�ber auf eine Weise, als w�rde sie trotzig zu diesem Verbrechen stehen, und die anderen in ihrem Boot verhielten sich genauso. Alles lief sehr unauff�llig ab, ein leicht erhobenes Kinn, eine leise gew�lbte Braue, ein Verziehen der Lippen, aber f�r ein beim Aufstieg auf den Schiffen ge�btes Auge war es unverkennbar. Vielleicht w�rde ihr nichts davon helfen, aber wenn sie schon Werg zupfen musste, dann ging das nur, indem sie einen Faden fand und zog.</p><p>Der Wind frischte auf; die B�en dr�ckten den Umhang gegen ihren R�cken und lie�en ihn zu ihren beiden Seiten emporflattern. Sie nahm es kaum wahr.</p><p>Die Beh�ter stelten m�glicherweise einen weiteren Faden dar. Sie bildeten den Abschluss, verborgen hinter den Aes Sedai, die hinter Nesune und den anderen drei ritten. Eigentlich hatte Shalon erwartet, dass zw�lf Aes Sedai von mehr als sieben Beh�tern begleitet werden w�rden. Angeblich hatte jede Aes Sedai mindestens einen Beh�ter, wenn nicht noch mehr. Sie sch�ttelte gereizt den Kopf. Nat�rlich abgesehen von der Roten Ajah. Sie war nicht v�llig unwissend, was die Rote Ajah betraf.</p><p>Aber die Frage war nicht, wie viele Beh�ter, sondern ob sie <emphasis>alle</emphasis> Beh�ter waren. Sie war sich ziemlich sicher, den ergrauten alten Damer und den so h�bschen Jahar in schwarzen M�nteln gesehen zu haben, bevor sie sich pl�tzlich mit den Aes Sedai zusammengetan hatten. Zu diesem Zeitpunkt war sie nicht willens gewesen, sich die Schwarzm�ntel genauer anzusehen, und um der Wahrheit die Ehre zu geben, war ihre Aufmerksamkeit mindestens zur H�lfte von der h�bschen Ailil in Beschlag genommen gewesen, aber sie <emphasis>war</emphasis> sich sicher. Und wie auch immer Eben da hineinpasste, sie war sich fast sicher, dass die beiden anderen jetzt Beh�ter waren. Fast sicher. Jahar sprang genauso schnell wie Nethan oder Bassane, wenn Merise mit den Fingern schnippte, und der Art nach zu urteilen, wie Corele Damer anl�chelte, war er entweder ihr Beh�ter oder ihr Bettw�rmer, und Shalon konnte sich nicht vorstellen, dass eine Frau wie sie einen fast kahlen alten Mann mit einem lahmen Bein in ihr Bett holte. Sie wusste bestimmt nicht viel �ber die Aes Sedai, aber sie war �berzeugt, dass es keine akzeptierte Praxis war, mit M�nnern, welche die Macht lenken konnten, den Bund einzugehen. Falls sie beweisen konnte, dass sie es getan hatten, w�rde sich das vielleicht als das Messer erweisen, das scharf genug war, um sich von Cadsuane freizuschneiden.</p><p>�Diese M�nner k�nnen die Macht jetzt nicht mehr lenken�, murmelte Sarene.</p><p>Shalon fuhr so schnell auf dem Sattel herum, dass sie sich mit beiden H�nden an der M�hne des Pferdes festhalten musste, um nicht herunterzufallen. Der Wind wehte den Umhang �ber ihren Kopf und sie riss ihn wieder herunter, bevor sie sich richtig aufsetzen konnte. Sie kamen zwischen den B�umen hervor. Unter ihnen befand sich eine breite Stra�e, die in einem weiten Bogen s�dw�rts aus den H�geln zu einem See f�hrte, der vielleicht eine Meile entfernt am Saum einer mit braunem Gras bewachsenen Ebene lag, die sich bis zum Horizont erstreckte. Der See, der im Westen mit einem schmalen Schilfrand an sie angrenzte, war eine kl�gliche Entschuldigung f�r ein Gew�sser, kaum l�nger als zehn Meilen und nicht mal so breit. In seiner Mitte erhob sich eine Insel, die, so weit es Shalon �berblicken konnte, von hohen, mit T�rmen �bers�ten Mauern umgeben und von einer Stadt eingenommen wurde. Sie erfasste das alles mit einem Blick, w�hrend sie zugleich Sarene anstarrte. Es war fast so, als h�tte die Frau ihre Gedanken gelesen. �Warum k�nnen sie die Macht nicht lenken?�, fragte sie. �Habt Ihr ...? Habt Ihr sie ... ged�mpft?� Sie glaubte, das war wohl das richtige Wort, aber das sollte die M�nner doch angeblich umbringen. Sie war immer der Meinung gewesen, dass es eine seltsame Methode war, um Hinrichtungen aus irgendeinem Grund sanfter zu machen.</p><p>Sarene blinzelte und Shalon erkannte, dass die Aes Sedai mit sich selbst gesprochen hatte. Sie musterte Shalon einen Augenblick lang, w�hrend sie Cadsuane den Abhang hinunter folgten, dann richtete sie den Blick wieder auf die Stadt auf der Insel. �Euch fallen Dinge auf, Shalon. Es w�re besser, wenn Ihr das, was Euch an den M�nnern aufgefallen ist, f�r Euch behalten w�rdet.�</p><p>�Dass sie Beh�ter sind?�, sagte Shalon leise. �Habt Ihr sie deshalb binden k�nnen? Weil Ihr sie ged�mpft habt?� Sie hoffte, ein Gest�ndnis entlocken zu k�nnen, aber die Aes Sedai sah sie lediglich an. Sie schwieg, bis sie den Fu� des H�gels erreichten und hinter Cadsuane auf die Stra�e einbogen. Die Stra�e war breit, der Boden vom vielen Verkehr fest zusammengestampft, aber sie hatten sie f�r sich allein.</p><p>�Es ist nicht unbedingt ein Geheimnis�, sagte Sarene schlie�lich und nicht sehr bereitwillig f�r etwas, das kein Geheimnis war, �aber es ist auch nicht weithin bekannt. Wir sprechen nicht oft von Far Madding, von den Schwestern einmal abgesehen, die hier geboren wurden, und selbst die kommen nur selten zu Besuch. Aber Ihr solltet Bescheid wissen, bevor Ihr dort eintretet. Die Stadt hat ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> in ihrem Besitz. Vielleicht sind es auch drei <emphasis>Ter 'angreale.</emphasis> Das wei� keiner. Man kann sie genauso wenig studieren, wie man sie fortbringen kann. Sie m�ssen w�hrend der Zerst�rung der Welt erschaffen worden sein, als die Furcht vor wahnsinnigen Machtlenkern allt�glich war. Aber einen solchen Preis f�r Sicherheit zu zahlen...� Die mit Perlen verzierten Z�pfe, die bis zu ihrer Brust baumelten, klirrten gegeneinander, als sie voller Unglauben den Kopf sch�ttelte. �Diese <emphasis>Ter 'angreale,</emphasis> sie kopieren ein <emphasis>Stedding.</emphasis> Das hei�t, zumindest in den wichtigen Dingen, f�rchte ich, obwohl ich vermute, dass ein Ogier das anders sehen w�rde.� Sie seufzte traurig.</p><p>Shalon starrte sie ungl�ubig an und warf Harine und Moad einen verwirrten Blick zu. Warum sollten Fabeln einer Aes Sedai Furcht einfl��en? Harine �ffnete den Mund, gab dann aber Shalon ein Zeichen, die offensichtliche Frage zu stellen. Sollte sie auch mit Sarene Freundschaft schlie�en, um ihren Kurs zu gl�tten? Shalons Kopf schmerzte. Aber sie war ebenfalls neugierig.</p><p>�Und welche Dinge sind das?�, fragte sie behutsam. Glaubte die Frau wirklich an f�nf Spannen gro�e Leute, die B�umen etwas vorsangen? Und da gab es noch etwas mit �xten, oder? Hier kommen die Aelfinn, um dein Brot zu stehlen; hier kommen die Ogier, um dir den Kopf abzuschlagen. Licht, das hatte sie nicht mehr geh�rt, seit Harine mit Puppen gespielt hatte. Da ihre Mutter auf den Schiffen aufgestiegen war, hatte man ihr die Aufgabe �bertragen, Harine zusammen mit ihrem ersten Kind gro�zuziehen.</p><p>Sarenes Augen weiteten sich �berrascht. �Das wisst Ihr wirklich nicht?� Ihr Blick glitt zu der vorausliegenden Inselstadt. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen war sie im Begriff, die Bilge zu betreten. �Innerhalb des <emphasis>Stedding</emphasis> kann man die Macht nicht lenken. Man kann nicht einmal die Wahre Quelle f�hlen. Kein drau�en gewobenes Gewebe hat einen Einfluss auf das, was drinnen ist, obwohl das keine Rolle spielt. Tats�chlich gibt es hier zwei <emphasis>Stedding,</emphasis> eines in dem anderen. Das gr��ere beeinflusst M�nner, aber wir werden das kleinere betreten, bevor wir die Br�cke erreichen.�</p><p>�Ihr werdet dort nicht die Macht lenken k�nnen?�, fragte Harine. Als die Aes Sedai nickte, ohne den Blick von der Stadt zu nehmen, umspielte ein schmales, frostiges L�cheln Harmes Lippen. �Vielleicht k�nnen wir uns �ber die Instruktionen unterhalten, nachdem wir ein Quartier bezogen haben.�</p><p>�Dir lest die Philosophie?� Sarene sah �berrascht aus. �Die Theorie der Instruktionen, heutzutage h�lt man nicht viel davon, aber ich war immer der Meinung, dass man daraus viel lernen kann. Eine Unterhaltung wird nett sein, um mich von anderen Dingen abzulenken. Falls uns Cadsuane Zeit l�sst.�</p><p>Harine fiel der Unterkiefer herunter. Sie starrte die Aes Sedai an und verga�, sich am Sattel festzuhalten, und nur Moads schneller Griff verhinderte, dass sie herunterfiel.</p><p>Shalon hatte Harine niemals die Philosophie erw�hnen h�ren, aber ihr war es egal, wor�ber ihre Schwester sprach. Sie starrte Far Madding an und schluckte schwer. Sie hatte nat�rlich gelernt, jemanden einzuh�llen, damit diese Person nicht die Macht benutzen konnte, und sie war im Laufe ihrer Ausbildung auch selbst eingeh�llt worden, aber selbst eingeh�llt konnte man noch immer die Quelle f�hlen. Wie w�rde es sein, sie nicht f�hlen zu k�nnen? So als w�rde man die Sonne aus der Sicht verlieren, sie aber direkt am Rande des Sichtfelds lauern? Wie w�rde es sein, wenn die Sonne verschwand?</p><p>W�hrend sie sich dem See n�herten, war sie sich der Quelle bewusster, als sie es seit jenem ersten Mal der Freude, als sie diese ber�hrt hatte, gewesen war. Sie konnte nur m�hsam verhindern, nicht von ihr zu trinken, aber die Aes Sedai w�rden das Licht sehen und vermutlich auch den Grund daf�r kennen. Sie w�rde sich oder Harine nicht auf diese Weise besch�men. Auf dem Wasser tummelten sich viele kleine Boote, von denen keines l�nger als sechs oder sieben Spannen war; einige holten Netze ein, andere krochen langsam mithilfe langer Ruder dahin. Der windbewegten D�nung nach zu urteilen, die �ber die Oberfl�che rollte und manchmal in schaumigen, an Brandung erinnernde Font�nen gegeneinander prallte, w�ren Segel genauso sehr ein Hindernis wie eine Hilfe gewesen. Dennoch schienen die Boote beinahe etwas Vertrautes zu sein, auch wenn sie nicht einmal ann�hernd mit den schnittigen Vier- oder Acht- oder Zw�lfsitzern vergleichbar waren, wie die Schiffe des Meervolks sie mit sich f�hrten. Ein winziger Trost inmitten all dieser Merkw�rdigkeiten.</p><p>Die Stra�e m�ndete auf einer Landzunge, die eine halbe Meile oder mehr in den See hineinragte, und pl�tzlich verschwand die Quelle. Sarene seufzte, gab aber durch nichts anderes zu erkennen, dass sie es bemerkt hatte. Shalon befeuchtete sich die Lippen. Es war nicht so schlimm, wie sie bef�rchtet hatte. Sie f�hlte sich... leer, aber das konnte sie ertragen. Wenn sie es nicht zu lange ertragen musste. Der b�ige und kaprizi�se Wind, der versuchte, ihre Umh�nge zu stehlen, f�hlte sich pl�tzlich viel k�lter an.</p><p>Am Ende der Landzunge befand sich auf der einen Seite zwischen der Stra�e und dem Wasser ein Dorf aus grauen Steinh�usern mit schiefergedeckten D�chern. Frauen, die mit gro�en K�rben vorbeieilten, blieben beim Anblick der Reiter stehen. Mehr als nur eine griff sich an die Nase, w�hrend sie starrte. Shalon hatte sich fast an diese Art von Blicken gew�hnt. In Cairhien. Aber ihre Aufmerksamkeit wurde von dem Festungswerk gegen�ber dem Dorf angezogen, einem Berg aus dicht verfugten Steinen, der f�nf Spannen in die H�he wuchs und auf dessen Eckt�rmen Soldaten durch die Visiere ihrer Helme sp�hten. Einige hielten offen gespannte Armbr�ste. Weitere behelmte Soldaten str�mten aus einem eisenbeschlagenen Tor in unmittelbarer N�he der Br�cke, M�nner mit R�stungen, deren Panzer aus rechteckigen Schuppen zusammengesetzt waren und die als Abzeichen ein goldenes Schwert auf der linken Schulter trugen. Einige trugen Schwerter am G�rtel, andere hielten lange Speere oder Armbr�ste. Shalon fragte sich, ob sie wohl damit rechneten, dass sich die Aes Sedai den Weg freik�mpften. Ein Offizier mit einer gelben Feder am Helm bedeutete Cadsuane anzuhalten, dann ging er auf sie zu und nahm den Helm ab. Mit grauen Str�hnen durchsetztes Haar flutete bis zur Taille auf seinen R�cken. Er hatte ein hartes, m�rrisches Gesicht.</p><p>Cadsuane beugte sich tief auf ihrem Sattel herab, um ein paar leise Worte mit dem Mann zu wechseln, dann zog sie einen fetten Geldbeutel unter einer Satteltasche hervor. Er nahm ihn entgegen, trat zur�ck und winkte einen der anderen Soldaten heran, einen gro�en, knochigen Mann, der keinen Helm trug. Er hielt ein Schreibbrett und sein im Nacken zusammengebundenes Haar reichte ebenfalls bis zur Taille. Er neigte respektvoll den Kopf, bevor er sich nach Alannas Namen erkundigte und ihn sorgf�ltig und mit zwischen die Z�hne geklemmter Zunge niederschrieb, wobei er die Feder oft in die Tinte eintauchte. Der m�rrische Offizier stand da, den Helm auf die H�fte gest�tzt, und musterte die anderen hinter Cadsuane ausdruckslos. Der Geldbeutel hing an seinen Fingern, als h�tte er ihn vergessen. Er schien sich nicht dar�ber bewusst zu sein, dass er mit einer Aes Sedai gesprochen hatte. Vielleicht war es ihm auch egal. Hier unterschied sich eine Aes Sedai durch nichts von einer anderen Frau. Shalon erschauderte. Hier unterschied auch sie sich durch nichts von einer normalen Frau, w�hrend der Dauer ihres Aufenthalts war sie ihrer F�higkeiten beraubt. Beraubt.</p><p>�Sie schreiben die Namen aller Ausl�nder auf�, sagte Sarene. �Die Ratsherrinnen wissen gern, wer in der Stadt ist.�</p><p>�Vielleicht w�rden sie eine Herrin der Wogen ohne Bestechung einlassen�, sagte Harine trocken. Der knochige Soldat, der sich von Alanna abwandte, zuckte wie jeder K�stengebundene beim Anblick von Shalons und Harines Schmuck zusammen, bevor er auf sie zukam.</p><p>�Euer Name, ehrenwerte Frau, wenn Ihr so freundlich w�rt?�, sagte er h�flich zu Sarene und neigte wieder den Kopf. Sie sagte ihn ihm, ohne zu erw�hnen, dass sie eine Aes Sedai war. Shalon lie� es ebenfalls bei ihrem Namen bewenden, aber Harine gab auch ihre Titel an, Harine din Togara Zwei Winde, Herrin der Wogen vom Clan Shodein, Au�erordentliche Botschafterin der Herrin der Schiffe des Atha'an Miere. Der Bursche blinzelte, dann biss er sich auf die Zunge und beugte den Kopf �ber das Schreibbrett. Harine runzelte die Stirn. Wenn sie jemanden beeindrucken wollte, dann erwartete sie auch, dass er beeindruckt war.</p><p>W�hrend der knochige Mann schrieb, dr�ngte sich ein st�mmiger Soldat mit Helm, an dessen Schulter eine Ledertasche hing, zwischen Harines und Moads Pferd. Hinter den St�ben seines Visiers verzerrte eine wulstige Narbe, die das ganze Gesicht hinunterverlief, seinen Mund zu einem h�hnischen Grinsen, aber er verneigte sich durchaus respektvoll vor Harine. Und dann versuchte er, Moad das Schwert abzunehmen.</p><p>�Ihr m�sst das erlauben oder Eure Klingen bis zur Abreise hier lassen�, sagte Sarene schnell, als der Schwertmeister dem st�mmigen Mann die Scheide vorenthielt. �Cadsuane hat f�r diese Verg�nstigung bezahlt, Herrin der Wogen. In Far Madding darf kein Mann mehr als ein G�rtelmesser tragen, es sei denn, die Waffe ist friedensgebunden, dass sie nicht gezogen werden kann. Selbst diese Mauerwachen d�rfen von ihrem Posten kein Schwert mitnehmen. Stimmt das nicht?�, fragte sie den d�rren Soldaten, und er erwiderte, dies sei richtig und es sei auch gut so.</p><p>Mit einem Schulterzucken zog Moad das Schwert aus der Sch�rpe, und als der Bursche mit der Narbe auch den Dolch mit dem Elfenbeingriff verlangte, gab er auch diesen ab. Der Mann schob sich den langen Dolch hinter den G�rtel, holte eine Rolle aus feinem Draht aus der Tasche und wickelte das Schwert geschickt in ein Netz ein. Gelegentlich hielt er inne, um eine Siegelpresse aus dem G�rtel zu ziehen und eine kleine Bleischeibe um die Dr�hte zu falten, aber er hatte schnelle, ge�bte H�nde.</p><p>�Die Namensliste wird an die anderen beiden Br�ckenposten weitergegeben�, fuhr Sarene fort, �und die M�nner m�ssen die ungebrochenen Dr�hte vorzeigen, andernfalls werden sie festgehalten, bis ein Magistrat entscheidet, dass kein weiteres Verbrechen ver�bt wurde. Und selbst wenn keines geschehen ist, besteht die Strafe in einer hohen Geldbu�e und Peitschenhieben. Die meisten Ausl�nder hinterlegen ihre Waffen vor dem Betreten der Stadt, um das Geld zu sparen, aber das w�rde bedeuten, dass wir auch auf dieser Br�cke wieder abreisen m�ssten. Das Licht allein wei�, welche Richtung wir einschlagen wollen, wenn wir wieder gehen.� Sie warf Cadsuane einen Blick zu, die anscheinend Alanna davon abhalten musste, allein �ber die lange Br�cke zu reiten, und f�gte beinahe fl�sternd hinzu: �Zumindest hoffe ich, dass das ihre Beweggr�nde sind.�</p><p>Harine schnaubte. �Das ist doch albern. Wie soll er sich verteidigen?�</p><p>�Gute Frau, in Far Madding besteht f�r keinen Mann die Notwendigkeit, sich verteidigen zu m�ssen.� Die Stimme des st�mmigen Mannes war heiser, aber er klang nicht sp�ttisch. Er verk�ndete das Offensichtliche. �Daf�r sorgen die Stra�enh�ter. W�rde man zulassen, dass jeder Mann ein Schwert tr�gt, wenn er will, dann h�tten wir hier bald so schlimme Zust�nde wie �berall anderswo. Ich habe geh�rt, wie es da zugeht, gute Frau, und das wollen wir hier nicht haben.� Er verbeugte sich vor Harine und schritt die Reihe weiter ab, gefolgt von dem Mann mit dem Schreibbrett.</p><p>Moad untersuchte kurz Schwert und Dolch, deren Griff und Scheide sorgf�ltig eingewickelt waren, dann schob er sie zur�ck an Ort und Stelle, wobei er darauf achtete, seine Sch�rpe nicht mit den Siegeln zu zerrei�en. �Schwerter erhalten erst dann einen Nutzen, wenn der Verstand versagt�, sagte er. Harine schnaubte erneut. Shalon fragte sich, wo der Bursche seine Narbe wohl herhatte, wenn Far Madding so sicher war.</p><p>Hinter ihnen ert�nten Protestrufe von den anderen M�nnern, aber sie wurden schnell zum Verstummen gebracht. Vermutlich von Merise. Darauf h�tte Shalon jede Wette abgeschlossen. Manchmal lie� diese Frau Cadsuane locker erscheinen. Ihre Beh�ter waren wie die abgerichteten Wachhunde, die Amayar benutzte, bereit, auf einen Pfiff loszuspringen, und sie z�gerte nicht, die Beh�ter der anderen Aes Sedai herumzukommandieren. Kurz darauf waren alle Schwerter friedensgebunden und die Packpferde nach verborgenen Waffen durchsucht. Sie ritten auf die Br�cke und die Hufe klapperten �ber den Stein. Shalon versuchte sich jede Einzelheit zu merken, nicht so sehr aus Interesse, sondern um sich von dem abzulenken, was fehlte.</p><p>Die Br�cke war flach und so breit wie die hinter ihr liegende Stra�e; an den Seiten ragten niedrige Steinbr�stungen in die H�he, die einen Wagen daran hindern w�rden, in die Tiefe zu st�rzen, Angreifern aber keinen Schutz boten, und sie war lang, mindestens eine Dreiviertelmeile, und so gerade wie ein Pfeil. Gelegentlich fuhr eines der Boote unter ihr hindurch, was unm�glich gewesen w�re, h�tten sie Masten gehabt. Riesige T�rme flankierten das mit Eisen beschlagene Stadttor � Sarene erkl�rte ihnen, dass es sich um das Caemlyn-Tor handelte �, wo W�chter mit dem goldenen Schwert auf der Schulter die K�pfe vor den Frauen neigten und die M�nner misstrauisch be�ugten. Die dahinterliegende Stra�e ...</p><p>V�llig sinnlos, hier aufmerksam alles beobachten zu wollen. Die Stra�e war breit und gerade und wurde von zwei- oder dreist�ckigen Steinh�usern ges�umt; die Stra�e war voller Menschen und Karren, und alles schien zu verschwimmen. Die Quelle war verschwunden! Shalon wusste, dass sie wieder da sein w�rde, wenn sie diesen Ort verlie�, und beim Licht, sie wollte auf der Stelle umkehren. Wie lange w�rde es wohl dauern, bevor sie dies konnte? M�glicherweise hielt sich der Coramoor in der Stadt auf, und Harine wollte auf dem schnellsten Weg zu ihm, vielleicht wegen dem, was er darstellte, vielleicht weil sie glaubte, er w�rde ihr helfen, zur Herrin der Schiffe aufzusteigen. Bis Harine abreiste und Cadsuane sie von der �bereinkunft entband, sa� Shalon hier fest. Hier, wo es keine Wahre Quelle gab.</p><p>Sarene redete wie ein Wasserfall, doch Shalon bekam kaum ein Wort mit. Sie �berquerten einen Platz mit einer gro�en Frauenstatue in der Mitte, aber Shalon schnappte nur ihren Namen auf, Einion Avharin, obwohl Sarene ihr berichtete, warum die Frau in Far Madding ber�hmt war und warum ihre Statue auf das Caemlyn-Tor zeigte. Eine Reihe blattloser B�ume teilte die Stra�e jenseits des Platzes. S�nften und Kutschen und M�nner in Schuppenr�stungen k�mpften sich durch die Menge, aber sie nahm sie nur wie durch einen Schleier wahr. Zitternd zog sie sich in sich selbst zur�ck. Die Stadt verschwand. Die Zeit verschwand. Alles verschwand au�er der Angst, nie wieder die Quelle sp�ren zu k�nnen. Shalon war sich nie zuvor bewusst gewesen, welchen Trost sie aus ihrer unsichtbaren Gegenwart gesch�pft hatte. Sie war immer da gewesen, hatte unvorstellbare Freuden versprochen, ein Leben, das so reich war, dass alle Farben verblassten, wenn die Macht aus ihr wich. Und jetzt war die Quelle selbst nicht mehr da. Sie war weg. Das war alles, dessen sie sich bewusst war, dessen sie sich bewusst sein konnte. Sie war weg.</p></section><section><title><p>24</p><p>Unter Ratsherrinnen</p></title><p>Temand sch�ttelte Shalons Arm. Es war Sarene und die Aes Sedai sprach zu ihr. �Es ist dort drin�, sagte Sarene, �in der Ratsherrinnenhalle. Unter der Kuppel.� Sie zog die Hand zur�ck, holte tief Luft und ergriff die Z�gel. �Der Gedanke, dass der Effekt schlimmer ist, weil wir so nahe sind, ist l�cherlich�, murmelte sie, �aber so f�hlt es sich nun einmal an.�</p><p>Shalon beherrschte sich m�hsam. Die Leere w�rde nicht verschwinden, aber sie zwang sich, sie zu ignorieren. Doch in Wahrheit f�hlte sie sich wie ein entkerntes Obstst�ck.</p><p>Sie befanden sich auf einem gewaltigen Platz � sie nahm an, dass man es einen Platz nannte, obwohl er kreisrund war �, der mit wei�en Steinen gepflastert war. In der Mitte erhob sich ein gro�er Palast, ein rundes Geb�ude, das bis auf die hohe blaue Kuppel, die wie ein halbierter Ball aussah, v�llig wei� war. Die oberen beiden Etagen unterhalb der Kuppel wurden von kannelierten S�ulen umgeben und ein best�ndiger Strom Menschen floss die breiten wei�en Steintreppen hinauf und hinab, die an beiden Seiten zur zweiten Etage f�hrten. Abgesehen von einem hohen, weit ge�ffneten Bronzetor bestand das Erdgeschoss nur aus wei�em Stein, aus dem man doppelt lebensgro�e, mit Diademen geschm�ckte Frauen herausgemei�elt hatte. Zwischen ihnen befanden sich wei�e Steingarben aus Korn und Tuch, deren lose Enden im Wind zu flattern schienen, aufgestapelte Barren, die vermutlich Gold, Silber oder Eisen symbolisieren sollten, und S�cke, aus denen M�nzen und Edelsteine rieselten. Unter den F��en der Frauen, in einem umlaufenden Fries, fuhren viel kleinere Steinfiguren Wagen und bedienten Essen und Webst�hle. Die Menschen hier hatten ein Monument geschaffen, das ihre Erfolge im Handel verk�ndete. Das war idiotisch. Wenn Menschen auf die Idee kamen, dass man in Handelsdingen besser als sie war, wurden sie nicht nur eifers�chtig, sie wurden stur und versuchten, l�cherliche Gesch�fte durchzusetzen. Und manchmal blieb einem keine andere Wahl, als dies zu akzeptieren.</p><p>Ihr wurde bewusst, dass Harine sie stirnrunzelnd ansah, und sie richtete sich im Sattel auf. �Verzeiht mir, Herrin der Wogen�, sagte sie. Die Quelle war weg, aber sie w�rde zur�ckkehren � nat�rlich w�rde sie das! �, und sie hatte ihre Pflicht zu erf�llen. Sie sch�mte sich, dass sie ihrer Furcht nachgegeben hatte, doch die Leere blieb. O mein Licht, diese Leere! �Es geht mir wieder besser. Ich werde mich von jetzt an bem�hen.� Harine nickte blo�; sie runzelte noch immer die Stirn und Shalons Kopfhaut juckte. Wenn Harine auf die erwartete Standpauke verzichtete, dann nur, weil sie etwas Schlimmeres im Sinn hatte.</p><p>Cadsuane ritt geradewegs �ber den Platz und durch das offene Tor der Ratsherrinnenhalle in einen gro�en Raum mit hoher Decke, der ein im Inneren des Geb�udes liegender Stallhof zu sein schien. Ein Dutzend M�nner in blauen M�nteln, die neben S�nften kauerten, auf deren T�ren ein goldenes Schwert und eine goldene Hand aufgemalt waren, schauten bei ihrer Ankunft �berrascht auf. Das galt auch f�r die M�nner in blauen Westen, die gerade ein Gespann von einer Kutsche mit dem Schwert-und-Hand-Siegel abschirrten, und jene, die den Steinboden mit gro�en Besen kehrten. Zwei weitere Stallburschen f�hrten Pferde in einen breiten Korridor, der nach Heu und Dung roch.</p><p>Ein dicker, glatt rasierter Mann in mittleren Jahren eilte �ber die Pflastersteine heran, verneigte sich ununterbrochen und rieb sich die H�nde. Wo die anderen M�nner das lange Haar im Nacken zusammengebunden hatten, benutzte er eine kleine Silberspange, und sein blauer Mantel war offensichtlich aus gutem Tuch. Schwert-und-Hand waren gro� auf die linke Brustseite aufgestickt. �Vergebt mir�, sagte er mit einem �ligen L�cheln. �Ich will Euch nicht beleidigen, aber ich f�rchte, Ihr habt die falsche Richtung eingeschlagen. Das hier ist die Ratsherrinnenhalle und...�</p><p>�Sag der Ersten Ratsherrin Barsalla, dass Cadsuane Melaidhrin sie sprechen will�, unterbrach Cadsuane ihn, als sie abstieg.</p><p>Das L�cheln des Mannes flackerte und seine Augen weiteten sich. �Cadsuane Melaidhrin? Ich dachte, Ihr w�rt...!� Er verstummte, als ihr Blick pl�tzlich gefror, dann hustete er in die Hand und setzte sein schmieriges L�cheln wieder auf. �Verzeiht mir, Cadsuane Sedai. Erlaubt Ihr mir, Euch und Eure Begleiterinnen in einen Warteraum zu f�hren, wo man Euch willkommen hei�t, w�hrend ich der Ersten Ratsherrin Bescheid sage?� Seine Augen weiteten sich leicht, als er diese Begleiterinnen n�her betrachtete. Offensichtlich konnte er Aes Sedai erkennen, zumindest, wenn sie in einer Gruppe beisammen waren. Shalon und Harine lie�en ihn blinzeln, aber f�r einen K�stengebundenen verf�gte er �ber Selbstkontrolle. Er starrte sie nicht an.</p><p>�Ich erlaube dir, dass du zu Aleis rennst, so schnell dich deine F��e tragen, und ihr mitteilst, dass ich da bin, Junge�, erwiderte Cadsuane, l�ste den Umhang und warf ihn quer �ber den Sattel. �Sag ihr, dass ich in der Kuppel bin und nicht den ganzen Tag Zeit habe. Und? Hopp-hopp!� Diesmal flackerte das L�cheln des Mannes nicht, es wurde kr�nklich, aber er z�gerte nur einen Augenblick, bevor er losrannte und den Stallburschen zurief, sich um die Pferde zu k�mmern.</p><p>Doch Cadsuane hatte ihn aus den Gedanken gestrichen, sobald sie ihm ihre Befehle erteilt hatte. �Verin, Kumira, Ihr kommt mit mir�, verk�ndete sie energisch. �Merise, haltet alle zusammen und zum Aufbrach bereit, bis ich ... Alanna, kommt zur�ck und steigt vom Pferd. Alanna!� Z�gernd lenkte Alanna ihr Pferd vom Tor weg und stieg mit finsterer Miene ab. Ihr schlanker Beh�ter Ihvon beobachtete sie besorgt. Cadsuane seufzte, als w�re ihre Geduld so gut wie am Ende. �Wenn es sein muss, setzt Euch auf sie drauf, um sie hier zu behalten, Merise�, sagte sie und �bergab ihre Z�gel einem kleinen, drahtigen Stallburschen. �Ich will, dass alle zum Aufbruch bereit sind, wenn ich mit Aleis fertig bin.� Merise nickte und Cadsuane wandte sich dem Stallburschen zu. �Er braucht nur etwas Wasser�, sagte sie und gab ihrem Pferd einen z�rtlichen Klaps. �Ich habe ihn heute nicht scharf geritten.�</p><p>Shalon war mehr als erleichtert, ihr Pferd einem Stallburschen ohne Anweisungen �bergeben zu k�nnen. Es w�re ihr egal gewesen, wenn er die Kreatur get�tet h�tte. Sie wusste nicht, wie weit sie benommen geritten war, sie f�hlte sich, als h�tte sie jede der vielen hundert Meilen von Cairhien bis hier im Sattel gesessen. Ihr Fleisch f�hlte sich genauso zerknittert an wie ihre Kleidung. Pl�tzlich fiel ihr auf, dass Jahars h�bsches Gesicht bei den M�nnern fehlte. Verins Tomas, ein st�mmiger, grauhaariger Mann, der genauso hart wie die anderen aussah, f�hrte das Packpferd, das Jahar benutzt hatte. Wohin war der junge Mann verschwunden? Merise schien �ber seine Abwesenheit jedenfalls nicht besorgt zu sein.</p><p>�Diese Erste Ratsherrin�, knurrte Harine und lie� Moad ihr beim Absteigen helfen. Sie bewegte sich genauso steif wie Shalon. Er war einfach vom Pferd gesprungen. �Ist das hier eine wichtige Frau, Sarene?�</p><p>�Man k�nnte sagen, sie ist die Herrscherin von Far Madding, allerdings nennen die anderen Ratsherrinnen sie die Erste unter gleichen, was auch immer das bedeuten mag.� Sarene gab ihr Pferd einem Stallburschen; sie sah v�llig frisch aus. Vielleicht war sie zuvor �ber dieses <emphasis>Ter'angreal</emphasis> best�rzt gewesen, das die Quelle gestohlen hatte, aber jetzt war sie die personifizierte k�hle Erhabenheit, wie eine Eisskulprur. Der Stallbursche stolperte �ber seine eigenen F��e, als er ihr Gesicht sah. �Einst war die Erste Ratsherrin die Beraterin der K�niginnen von Maredo, aber seit Maredos ... Aufl�sung betrachten sich die meisten Ersten Ratsherrinnen als die nat�rlichen Erben von Maredos Herrschern.�</p><p>Shalon wusste, dass ihre Kenntnisse in der Geschichte der K�stengebundenen so unzul�nglich waren wie ihre Geographiekenntnisse �ber alles, was sich jenseits der K�ste befand, aber von einer Nation namens Maredo hatte sie noch nie geh�rt. Harine schien das jedoch zu reichen. Falls diese Erste Ratsherrin hier herrschte, musste die Herrin der Wogen des Clan Shodein sie kennen lernen. Harines W�rde verlangte nicht weniger. Entschlossen humpelte sie �ber den Stallhof zu Cadsuane.</p><p>�O ja�, sagte die unertr�gliche Aes Sedai, bevor Harine �berhaupt den Mund aufmachen konnte. �Ihr werdet mich ebenfalls begleiten. Und Eure Schwester. Aber Euer Schwertmeister nicht. Ein Mann in der Kuppel w�re schlimm genug, aber ein Mann mit einem Schwert w�rde ausreichen, um den Ratsherrinnen Kr�mpfe zu bescheren. Ihr habt eine Frage, Herrin der Wogen?� Harine machte den Mund so schnell zu, dass ihre Z�hne deutlich h�rbar aufeinander schlugen. �Gut�, murmelte Cadsuane. Shalon st�hnte. Das w�rde die Laune ihrer Schwester nicht verbessern.</p><p>Cadsuane f�hrte sie breite, blau geflieste Korridore entlang, die mit hellen Wandteppichen geschm�ckt waren und von vergoldeten Kandelabern mit funkelnden Spiegeln erhellt wurden. Diener in Blau starrten sie zuerst an und verbeugten sich dann hastig nach der Art der K�stengebundenen, als sie vorbeirauschten. Sie f�hrte sie lange, geschwungene wei�e Steintreppen hinauf, die bis auf die Stellen, an denen sie die helle Wand ber�hrten, frei standen. Cadsuane rauschte daher wie ein Schwan, aber mit einer Geschwindigkeit, die die Schmerzen in Shalons Beinen zu einem Brennen anfachte. Harines Gesicht erstarrte zu einer h�lzernen Maske, die die Anstrengung des Treppensteigens verbarg. Selbst Kumira schien etwas �berrascht zu sein, obwohl Cadsuanes Tempo ihr nichts auszumachen schien. Die rundliche kleine Verin eilte an Cadsuanes Seite daher und l�chelte Harine und Shalon gelegentlich �ber die Schulter an. Manchmal glaubte Shalon, Verin zu hassen, aber in diesem L�cheln lag weder Spott noch Heiterkeit, sondern nur Aufmunterung.</p><p>Cadsuane f�hrte sie eine letzte, von W�nden umschlossene Wendeltreppe hinauf, und pl�tzlich standen sie auf einer Galerie mit einem vergoldeten Gel�nder, die die ganze... Einen Augenblick lang starrte Shalon mit offenem Mund. �ber ihr erhob sich eine blaue Kuppel, die an ihrer h�chsten Stelle einhundert Fu� oder h�her war. Sie wurde von nichts gest�tzt au�er sich selbst. Shalons Unwissenheit �ber die K�stengebundenen erstreckte sich nicht nur auf Geografie und Geschichte � und Aes Sedai �, sondern auch auf Architektur; tats�chlich wusste sie mit Ausnahme von Cairhien so gut wie nichts �ber die K�stengebundenen. Sie wusste, wie man die Baupl�ne f�r einen Springer zeichnen musste und wie er dann gebaut wurde, aber sie konnte sich nicht einmal ann�hernd vorstellen, wie man so etwas hier bauen sollte.</p><p>Auf der Galerie gab es drei weitere mit wei�en Steinen abgesetzte Torbogen wie der, durch den sie gerade gekommen waren, hinter denen sich Treppen verbargen. Sie waren allein, und das schien Cadsuane zu erfreuen, obwohl sie lediglich nickte. �Kumira, zeigt der Herrn der Wellen und ihrer Schwester Far Maddings W�chter.� In der gro�en Kuppel warf ihre Stimme ein leises Echo. Sie zog Verin ein St�ck zur Seite und die beiden steckten die K�pfe zusammen. Was sie zu fl�stern hatten, warf kein Echo.</p><p>�Ihr m�sst Ihnen verzeihen�, sagte Kumira leise zu Harine und Shalon. Selbst das rief ein leises Ger�usch hervor, wenn auch kein richtiges Echo. �Das muss schwierig sein, selbst f�r Cadsuane.� Sie strich sich mit den Fingern durch ihr kurzes braunes Haar und sch�ttelte den Kopf, damit es wieder in die alte Form fiel. �Die Ratsherrinnen sind selten erfreut, Aes Sedai zu sehen, vor allem Schwestern, die hier geboren wurden. Ich glaube, sie w�rden gern so tun, als g�be es die Macht nicht. Nun, ihre Geschichte gibt ihnen ausreichend Grund dazu, denn die letzten zweitausend Jahre hatten sie die M�glichkeit, diese Illusion zu untermauern. Aber wie dem auch sei, Cadsuane ist Cadsuane. Sie erblickt nur selten einen aufgebl�hten Kopf, ohne sich dazu zu entscheiden, ihm die Luft rauszulassen, selbst wenn er eine Krone tr�gt. Oder das Diadem einer Ratsherrin. Ihr letzter Besuch liegt �ber zwanzig Jahre zur�ck, w�hrend des Aiel-Krieges, aber ich vermute, jene, die sich daran erinnern, werden sich unter ihren Betten verstecken wollen, wenn sie von ihrer Ankunft erfahren.� Kumira gab ein leises Lachen von sich. Shalon verstand nicht, was es da zu lachen gab. Harine verzog die Lippen, aber es lie� sie aussehen, als h�tte sie Magenschmerzen.</p><p>�Ihr wollt den... W�chter sehen?�, fuhr Kumira fort. �Vermutlich ein Name, der so gut wie jeder andere ist, sch�tze ich. Es gibt da nicht viel zu sehen.� Sie trat vorsichtig an das vergoldete Gel�nder und schaute dar�ber hinweg, als h�tte sie Angst herunterzufallen, aber dann nahmen ihre blauen Augen wieder den �blichen scharfen Ausdruck an. �Ich w�rde alles daf�r geben, ihn untersuchen zu k�nnen, aber das ist nat�rlich unm�glich. Wer wei�, was er au�er dem, was wir l�ngst wissen, sonst noch tun k�nnte?� In ihrer Stimme lag genauso viel Ehrfurcht wie Bedauern.</p><p>Shalon hatte keine H�henangst, und sie dr�ckte sich neben der Aes Sedai an das aufwendig geschmiedete Eisen, da sie sehen wollte, was die Quelle gestohlen hatte. Nach kurzem Z�gern gesellte sich Harine zu ihnen. Zu Shalons �berraschung bestand die H�he, die Kumira Unbehagen bereitete, aus kaum mehr als zwanzig Fu�. Unter ihnen erstreckte sich ein glatter Boden, dessen blaue und wei�e Fliesen ein kompliziertes Labyrinth ergaben, das ein rotes, von einem gelben Rand umgebenes Oval einschloss. Unter der Galerie sa�en drei Frauen in Wei� auf St�hlen, die die Kuppelwand ber�hrten und in gleichm��igen Abst�nden voneinander um die Fl�che aufgestellt waren. Neben jeder Frau war eine anscheinend aus von Schlieren durchzogenen Kristallen bestehende Scheibe mit einem Durchmesser von einer vollen Spanne in den Boden eingelassen. In der Scheibenmitte war ein langer, schmaler Keil aus klarem Kristall eingelassen, der auf den Mittelpunkt des Raums zeigte. Die undurchsichtigen Scheiben wurden von Metallringen eingefasst und wiesen Markierungen wie von einem Kompass auf, allerdings wurden die Striche zwischen den gro�en Markierungen zusehends kleiner. Shalon war sich nicht sicher, aber sie hatte den Eindruck, als w�re der ihr am n�chsten befindliche Ring mit Zahlen beschrieben. Das war alles. Keine monstr�sen Gebilde. Sie hatte sich etwas Gewaltiges und Schwarzes vorgestellt, das das Licht verschluckte. Sie umfasste das Gel�nder fester, um ihre H�nde am Zittern zu hindern, und sie dr�ckte die Knie durch, damit sie still dastand. Was sich auch immer dort unten befand, es <emphasis>hatte</emphasis> das Licht gestohlen.</p><p>Das leise Ger�usch von Halbschuhen verk�ndete die Ankunft neuer Personen auf der Galerie, die durch die gleiche T�r�ffnung kamen, die sie benutzt hatten. Es handelte sich um ein Dutzend l�chelnder Frauen mit hoch gestecktem Haar und wehenden blauen Seidenroben, die reich mit goldenen Stickereien versehen waren und hinter ihnen �ber den Boden schleiften. Sie trugen sie wie �rmellose M�ntel �ber den Gew�ndern. Diese Leute wussten, wie man seinen Rang zur Schau stellte. Jede der Frauen hatte einen gro�en Anh�nger in der Form jenes goldges�umten roten Ovals, der an einer Kette aus schweren goldenen Gliedern baumelte; das gleiche Emblem wiederholte sich an der Vorderseite eines schmalen Diadems aus Gold. Bei einer der Frauen bestanden die roten Ovale aus Rubinen statt Emaille, und der Goldreif �ber ihren Brauen lag beinahe unter Saphiren und Mondsteinen verborgen; am rechten Zeigefinger trug sie einen schweren goldenen Siegelring. Sie war hoch gewachsen und erhaben, das schwarze Haar war hoch gesteckt und zu einer Kugel geformt; obwohl ihr Haar gro�z�gig von wei�en Str�hnen durchsetzt war, war ihr Gesicht faltenfrei. Die anderen Frauen waren gro�, klein, st�mmig, d�nn, h�bsch und unscheinbar; keine von ihnen war jung, aber jede strahlte Autorit�t aus. Doch sie hob sich durch mehr als ihre Edelsteine von ihnen ab. In ihren gro�en dunklen Augen lagen Leidenschaft und Weisheit, und von ihr ging mehr als nur Autorit�t aus; hier war jemand, der zu befehlen gewohnt war. Man brauchte Shalon nicht sagen, dass das die Erste Ratsherrin war, aber die Frau verk�ndete es trotzdem.</p><p>�Ich bin Aleis Barsalla, Erste Ratsherrin von Far Madding.� Ihre honigs��e Stimme war tief f�r eine Frau und sie schien eine Proklamation zu verk�nden und Beifall zu erwarten. Sie hallte durch die Kuppel. �Far Madding hei�t Harine din Togara Zwei Winde, Herrin der Wogen des Clans Shodein und Au�erordentliche Botschafterin der Herrin der Schiffe des Atha'an Miere willkommen. M�ge das Licht Euch erleuchten und Wohlstand bescheren. Euer Kommen erfreut jedes Herz in Far Madding. Ich begr��e die Gelegenheit, mehr �ber das Atha'an Miere zu erfahren, aber Ihr m�sst von Eurer beschwerlichen Reise erm�det sein. Ich habe Euch in meinem Palast Quartiere zuweisen lassen. Wenn Ihr Euch ausgeruht und gegessen habt, k�nnen wir uns unterhalten, zu unserem gegenseitigen Nutzen, wenn es dem Licht gef�llt.� Die anderen Frauen hoben die R�cke und machten einen kleine Verbeugung.</p><p>Harine neigte leicht den Kopf; in ihrem L�cheln lag eine Spur von Zufriedenheit. Hier war endlich jemand, der ihr den n�tigen Respekt erwies. Au�erdem war es bestimmt hilfreich, dass sie nicht ihren und Shalons Schmuck anstarrten.</p><p>�Anscheinend sind die Boten vom Tor so schnell wie eh und je, Aleis�, sagte Cadsuane. �Und f�r mich gibt es kein Willkommen?� Aleis' L�cheln flackerte einen Augenblick lang, und bei einigen der anderen verschwand es sogar v�llig, als sich Cadsuane neben Harine stellte. Die freundlichen Mienen, die aufrecht erhalten wurden, sahen gezwungen aus. Eine h�bsche Frau mit ernster Miene ging sogar so weit, dass sie die Stirn runzelte.</p><p>�Wir sind Euch dankbar, dass Ihr die Herrin der Wogen hergebracht habt, Cadsuane Sedai.� Aber die Erste Ratsherrin klang nicht gerade dankbar. Sie richtete sich zu ihrer vollen Gr��e auf und sah starr geradeaus, und zwar �ber Cadsuanes Kopf hinaus statt in ihr Gesicht, �Ich bin sicher, wir finden eine M�glichkeit, Euch vor Eurer Abreise das Ausma� unserer Dankbarkeit wissen zu lassen.�</p><p>Sie h�tte ihre abweisende Haltung nicht deutlicher zum Ausdruck bringen k�nnen, aber die Aes Sedai l�chelte die gr��ere Frau an. Es war nicht unbedingt ein h�hnisches L�cheln, aber es war auch nicht im mindesten am�siert. �Es kann durchaus sein, dass meine Abreise noch in weiter Ferne liegt, Aleis. Ich danke Euch f�r das Angebot einer Unterkunft und nehme an. Ein Palast auf den H�geln ist selbst dem besten Gasthaus vorzuziehen.� Die Augen der Ersten Ratsherrin weiteten sich erstaunt, dann kniff sie sie entschlossen zusammen.</p><p>�Cadsuane muss bei mir bleiben�, verk�ndete Harine, bevor Aleis etwas sagen konnte, und es gelang ihr tats�chlich, die Worte nicht ganz erstickt klingen zu lassen. �Wo sie nicht willkommen ist, bin ich es ebensowenig.� Das war ein Teil der Abmachung gewesen, die man ihr aufgezwungen hatte, falls sie Cadsuane begleiten wollten. Bis sie sich mit dem Caramoor vereinigten, mussten sie dorthin gehen, wohin sie es befahl, und sie in jede Einladung mit einschlie�en, die sie erhielten. Letzteres war als keine gro�e Sache erschienen, vor allem, wenn man es mit dem Rest verglich, aber offensichtlich hatte die Frau genau gewusst, wie man sie hier empfangen w�rde.</p><p>�Das muss Euch nicht entmutigen, Aleis.� Cadsuane beugte sich vertraulich zu der ersten Ratsherrin vor, aber sie senkte ihre Stimme nicht. Das Echo der Kuppel verst�rkte ihre Worte. �Ich bin sicher, Ihr habt keine schlechten Angewohnheiten mehr, die ich korrigieren m�sste.�</p><p>Das Gesicht der Ersten Ratsherrin wurde blutrot und hinter ihrem R�cken tauschten die anderen Ratsherrinnen fragende Blicke aus. Einige betrachteten sie wie aus einem neuen Blickwinkel. Wie erlangten sie ihre Stellung und wie verloren sie sie? Es waren zw�lf, Aleis nicht mitgez�hlt, aber die Ersten Zw�lf unter den Segelherrinnen w�hlten die Herrin der Wogen, und die Ersten Zw�lf unter den Herrinnen der Wogen w�hlten die Herrin der Schiffe. Darum hatte Harine die Worte des seltsamen M�dchens geglaubt; sie geh�rte den Ersten Zw�lf an. Darum und weil die beiden Aes Sedai behauptet hatten, dass die Visionen des M�dchens der Wahrheit entsprachen. Eine Herrin der Wogen und selbst die Herrin der Schiffe konnte abgesetzt werden, wenn auch nur aus genau bestimmten Gr�nden, so wie erwiesener Unf�higkeit oder wenn sie den Verstand verlor, und die Ersten Zw�lf mussten zu einem einstimmigen Ergebnis kommen. Unter den K�stengebundenen schienen die Dinge anders geregelt zu werden, und oftmals schlampig. Aleis' Augen, nun fest auf Cadsuane gerichtet, waren sowohl voller Hass als auch gehetzt. Vielleicht konnte sie die zw�lf Blicke in ihrem R�cken sp�ren. Die anderen Ratsherrinnen stellten sie auf den Pr�fstand. Aber falls sich Cadsuane dazu entschieden hatte, sich in die politischen Aff�ren dieses Ortes einzumischen, lautete die Frage, warum sie es getan hatte. Und warum so plump?</p><p>�Ein Mann hat gerade die Macht benutzt�, sagte Verin pl�tzlich. Sie hatte sich nicht zu den anderen gesellt und schaute zehn Schritte entfernt �ber das Gel�nder. Die Kuppel lie� ihre Stimme weit tragen. �Habt Ihr in letzter Zeit viele M�nner die Macht lenken lassen, Erste Ratsherrin?�</p><p>Shalon schaute in die Tiefe und blinzelte. Die eben noch durchsichtigen Keile waren jetzt tiefschwarz, und statt zum Herzen des Raums zu zeigen, hatten sie sich alle in die gleiche Richtung gedreht. Eine der Frauen war aufgesprungen und beugte sich vorn�ber, um zu bestimmen, wo der schmale schwarze Keil auf der Markierung hinzeigte, und die anderen beiden Frauen eilten bereits auf einen Torbogen zu. Pl�tzlich verstand Shalon. Jede Windsucherin konnte m�helos triangulieren. Irgendwo hinter der T�r war eine Karte, und bald w�rde darauf die Position des Mannes eingezeichnet sein, der die Macht gelenkt hatte.</p><p>�Bei einer Frau w�ren sie rot, nicht schwarz�, sagte Kumira beinahe fl�sternd. Sie stand noch immer ein St�ck vom Gel�nder entfernt, aber sie hielt sich mit beiden H�nden daran fest und beugte sich vor, um alles sehen zu k�nnen. �Es warnt und lokalisiert und verteidigt. Und was sonst noch? Die Frauen, die es geschaffen haben, w�rden mehr gewollt haben, vielleicht haben sie sogar noch ganz andere Dinge ben�tigt. Nicht zu wissen, was es sonst noch vermag, k�nnte schrecklich gef�hrlich sein.� Sie klang nicht �ngstlich. Sie klang aufgeregt.</p><p>�Ich sch�tze, es ist ein Asha'man�, sagte Aleis ruhig und l�ste den Blick von Cadsuane. �Sie k�nnen uns nicht bel�stigen. Sie d�rfen die Stadt betreten, so lange sie sich an die Gesetze halten.� So beherrscht sie auch war, einige der hinter ihr stehenden Frauen tuschelten wie frisch gebackene Decksm�dchen, die zum ersten Mal unter K�stengebundenen waren. �Vergebt mir, Aes Sedai. Far Madding hei�t Euch willkommen. Ich f�rchte, ich kenne Euren Namen nicht.�</p><p>Verin starrte noch immer auf den Boden der Kuppel. Shalon warf einen erneuten Blick �ber das Gel�nder und blinzelte, als sich die schwarzen Keile ver�nderten. Im einen Augenblick waren sie schwarz und wiesen nach Norden, im n�chsten waren sie wieder glasklar und zeigten auf die Mitte des Labyrinths. Sie drehten sich nicht; zuerst waren sie das eine, dann das andere.</p><p>�Ihr d�rft mich Eadwina nennen�, sagte Verin. Shalon konnte kaum ihre �berraschung verbergen. Kumira blinzelte nicht einmal. �Denkt Ihr an die Geschichte, Erste Ratsherrin?�, fuhr Verin fort, ohne aufzusehen. �Guaire Amalasans Belagerung von Far Madding dauerte drei Wochen. Am Ende war es eine �ble Sache.�</p><p>�Ich bezweifle, dass sie etwas �ber <emphasis>ihn</emphasis> h�ren wollen�, sagte Cadsuane scharf, und aus irgendeinem Grund sah mehr als nur eine Ratsherrin unbehaglich aus. Wer, beim Licht, war dieser Guaire Amalasan? Der Name schien vage vertraut, aber Shalon konnte ihn nicht unterbringen. Offensichtlich ein k�stengebundener Eroberer.</p><p>Aleis sah Cadsuane an und ihre Lippen wurden schmal. �Die Geschichte betrachtet Guaire Amalasan als einen bemerkenswerten General, Eadwina Sedai, der vielleicht gleich nach Artur Falkenfl�gel kommt. Wie kommt Ihr auf ihn?�</p><p>Shalon war noch nie Zeugin geworden, dass eine der Aes Sedai aus Cadsuanes Gefolge ihre beil�ufigen Warnungen nicht genauso schnell befolgte wie ihre Befehle, aber Verin ignorierte sie dieses Mal. Sie schaute nicht auf. �Ich dachte nur daran, dass er die Macht nicht benutzen konnte, und doch zerquetschte er Far Madding wie eine �berreife Pflaume.� Die st�mmige kleine Aes Sedai verstummte, als w�re ihr gerade etwas in den Sinn gekommen. �Wie Ihr wisst, hat der Wiedergeborene Drache Heere in Illian, Tear, Andor und Cairhien. Ganz zu schweigen von den vielen Zehntausenden von Aiel. Sehr wild, diese Aiel. Ich frage mich, wie Ihr es so ruhig aufnehmen k�nnt, dass seine Asha'man Euch ausspionieren.�</p><p>�Ich glaube, Ihr habt ihnen genug Angst eingejagt�, sagte Cadsuane energisch.</p><p>Verin wandte sich mit weit aufgerissenen Augen von dem vergoldeten Gel�nder ab, ein runder, �berraschter K�stenvogel. Sogar ihre pummeligen H�nde flatterten wie Fl�gel. �Oh. Ich wollte nicht... O nein. Der Wiedergeborene Drache w�re sicherlich schon l�ngst gegen Euch marschiert, wenn er das im Sinn h�tte. Nein, ich nehme an, die Seanchaner ... Ihr habt von ihnen geh�rt? Was wir aus Altara und weiter westlich h�ren, ist �beraus schrecklich. Sie scheinen alles vor sich herzutreiben. Nein, ich nehme an, dass sie f�r seine Pl�ne viel wichtiger sind als die Eroberung Far Maddings. Es sei denn, nat�rlich, Ihr tut etwas, um ihn zu ver�rgern oder seine Anh�nger aufzuscheuchen. Aber ich bin sicher, Ihr seid viel zu intelligent, um dies zu tun.� Sie sah sehr unschuldig aus. In die Ratsherrinnen kam Bewegung, Wellen, die kleine Fische an der Oberfl�che machten, wenn unter ihnen ein L�wenfisch vorbeischwamm.</p><p>Cadsuane seufzte, ihre Geduld war nun sichtlich ersch�pft. �Falls Ihr �ber den Wiedergeborenen Drachen diskutieren wollt, Eadwina, dann m�sst Ihr das ohne mich tun. Ich will mir das Gesicht waschen und einen Schluck hei�en Tee trinken.�</p><p>Die Erste Ratsherrin zuckte zusammen, als h�tte sie Cadsuanes Anwesenheit v�llig vergessen, so unm�glich das auch erschien. �Ja. Ja, nat�rlich. Cumere, Narvais, w�rdet Ihr bitte die Herrin der Wogen und Cadsuane Sedai in meinen... Palast begleiten und es ihnen dort bequem machen?� Die kleine Pause war das einzige Zeichen des Unbehagens, das sie sich bei dem Gedanken, Cadsuane in ihrem Haus zu haben, anmerken lie�. �Ich m�chte mich noch mit Eadwina Sedai unterhalten, falls ihr das nichts ausmacht.� Von den meisten Ratsherrinnen gefolgt, rauschte Aleis die Galerie entlang. Verin sah pl�tzlich alarmiert und unsicher aus, als sie sie bei den Armen nahmen und sie f�rmlich mit sich schleiften. Shalon glaubte die �berraschung oder das Unbehagen genauso wenig wie die zuvor zur Schau gestellte Unschuld. Sie glaubte jetzt zu wissen, wo Jahar war. Sie wusste nur nicht, warum.</p><p>Die Frauen, die Aleis angesprochen hatte � die h�bsche, die Cadsuane mit dem Stirnrunzeln bedacht hatte, und eine schlanke grauhaarige Frau �, f assten die Bitte der Ersten Ratsherrin als Befehl auf, was es vermutlich auch gewesen war. Sie breiteten die Roben aus, machten eine halbe Verbeugung und fragten Harine, ob sie die G�te h�tte, sie zu begleiten, und verk�ndeten in blumigen Redewendungen ihre Freude, sie begleiten zu d�rfen. Harine h�rte mit m�rrischem Gesicht zu. Sie h�tten vor ihr Rosenbl�tter ausstreuen k�nnen, aber die Erste Ratsherrin hatte sie ihren Untergebenen �berlassen. Shalon fragte sich, ob es wohl eine M�glichkeit gab, ihrer Schwester aus dem Weg zu gehen, bis sie sich wieder beruhigt harte.</p><p>Cadsuane sah nicht zu, wie Verin mit Aleis ging, zumindest nicht offen, aber ihr Mund verzog sich zu einem fl�chtigen L�cheln, als sie im n�chsten Torbogen der Galerie verschwanden. �Cumere und Narvais�, sagte sie unvermittelt. �Ihr seid doch bestimmt Cumere Powys und Narvais Maslin? Ich habe von Euch geh�rt.� Das riss ihre Aufmerksamkeit von Harine. �Es gibt Ma�st�be, die jede Ratsherrin erf�llen sollte�, fuhr Cadsuane in strengem Tonfall fort, nahm jede von ihnen am �rmel und drehte sie rechts und links von sich zur Treppe. Die beiden tauschten besorgte Blicke und lie�en sie gew�hren; Harine hatten sie anscheinend v�llig vergessen. An dem Durchgang blieb Cadsuane noch einmal stehen, um zur�ckzusehen, aber weder zu Harine noch zu Shalon. �Kumira? Kumira!�</p><p>Die Aes Sedai zuckte zusammen und riss sich mit einem letzten, sehnsuchtsvollen Blick �ber das Gel�nder los, um Cadsuane zu folgen. Was Harine und Shalon keine andere Wahl lie�, als sich ihr ebenfalls anzuschlie�en, wollten sie nicht zur�ckgelassen werden und selbst den Weg finden. Shalon schoss hinter den anderen her und Harine war nicht weniger schnell. Cadsuane hielt die Ratsherrinnen fest, f�hrte den Weg die Wendeltreppe hinunter an und sprach leise auf sie ein. Da sich Kumira zwischen ihr und den dreien befand, konnte Shalon kein Wort verstehen. Cumere und Narvais versuchten zu sprechen, aber Cadsuane gestattete keiner von ihnen mehr als ein paar Worte, bevor sie erneut loslegte. Sie schien ganz ruhig und n�chtern zu sein. Ihre Begleiterinnen machten langsam einen nerv�sen Eindruck. Was, beim Licht, hatte Cadsuane nur vor?</p><p>�Macht Euch dieser Ort zu schaffen?�, fragte Harine pl�tzlich.</p><p>�Es ist, als h�tte ich meine Augen verloren.� Die Wahrheit dieser Worte lie� Shalon erbeben. �Ich f�rchte mich, Herrin der Wogen, aber so lange es das Licht will, kann ich meine Furcht kontrollieren.� Licht, sie hoffte es zumindest. Sie musste es schaffen.</p><p>Harine nickte und warf den vor ihr gehenden Frauen stirnrunzelnd einen Blick zu. �Ich wei� nicht, ob es in Aleis' Palast eine Badewanne gibt, die gro� genug f�r uns ist, dass wir zusammen baden k�nnen, und ich bezweifle, dass sie mit Honig ges��ten Wein haben, aber wir werden schon etwas f�r uns finden.� Sie wandte den Blick von Cadsuane und den anderen und ber�hrte unbeholfen Shalons Arm. �Als Kind habe ich mich vor der Dunkelheit gef�rchtet, und du hast mich nie allein gelassen, bis die Angst weg war. Ich werde dich auch nicht allein lassen, Shalon.�</p><p>Shalon �bersah eine Stufe und konnte gerade eben noch verhindern, Hals �ber Kopf die Treppe hinunterzust�rzen. Seit Harine zur Segelherrin aufgestiegen war, hatte sie Shalon nicht mehr in der �ffentlichkeit beim Namen genannt. Und so freundlich war sie auch unter vier Augen schon zuvor nicht mehr gewesen. �Danke�, sagte sie. �Harine�, f�gte sie mit einiger M�he hinzu. Ihre Schwester t�tschelte ihren Arm und l�chelte. Harine hatte keine �bung im L�cheln, aber der unbeholfene Versuch verriet W�rme.</p><p>Allerdings konnte man das nicht von dem Blick sagen, den sie den vor ihnen gehenden Frauen zuwarf. �Vielleicht kann ich hier ein echtes Gesch�ft machen. Cadsuane hat ihren Ballast verlagert, also f�hrt sie bereits mit Schlagseite. Shalon, wenn du ihr n�her kommst, musst du den Grund daf�r herausfinden. Am liebsten w�rde ich Aleis' Eckzahn an einer Kette tragen ... mich einfach wortlos stehen zu lassen, aber nicht um den Preis, dass Cadsuane den Coramoor irgendwie in Schwierigkeiten bringt. Du musst es herausfinden, Shalon.�</p><p>�Ich glaube, f�r Cadsuane ist das Intrigenschmieden so nat�rlich wie das Atmen�, erwiderte Shalon mit einem Seufzen, �aber ich werde es versuchen, Harine. Ich werde mein Bestes tun.�</p><p>�Das hast du doch immer getan, Schwester. Und das wirst du auch immer tun. Das wei� ich.�</p><p>Shalon seufzte erneut. Es war viel zu fr�h, die neu gefundene Zuneigung ihrer Schwester auf die Probe zu stellen. Ein Gest�ndnis w�rde m�glicherweise Vergebung zur Folge haben, vielleicht aber auch nicht, und sie h�tte es nicht �berlebt, auf einen Schlag ihre Ehe und ihre Stellung zu verlieren. Aber zum ersten Mal, seit Verin ihr in unmissverst�ndlichen Worten Cadsuanes Bedingungen klargemacht hatte, wenn sie ihr Geheimnis bewahren wollte, fing Shalon an, �ber ein Gest�ndnis nachzudenken.</p></section><section><title><p>25</p><p>Verschiedene Arten von Beh�terbund</p></title><p>Rand sa� mit untergeschlagenen Beinen und an der Wand lehnend auf dem Bett seines Zimmers im <emphasis>Haupt der Ratsherrin</emphasis> und spielte auf der mit Silber eingefassten Fl�te, die ihm Thom Merrilin vor so langer Zeit geschenkt hatte. Einem Menschenalter. Dieses Zimmer mit seinen geschnitzten Wandpaneelen und den Fenstern, die auf den Nethvin-Markt hinausschauten, war besser als das, aus dem sie in der <emphasis>Krone von Maredo</emphasis> ausgezogen waren. Die neben ihm aufgestapelten Kissen waren mit Entendaunen gef�llt, das Bett verfugte �ber einen bestickten Baldachin und Vorh�nge, und der Spiegel �ber dem Waschst�nder hatte keine einzige Blase. Der Sims �ber dem steinernen Kamin wies sogar einfaches Schnitzwerk auf. Es war das Zimmer eines wohlhabenden ausl�ndischen Kaufmanns. Er war froh, dass er daran gedacht hatte, beim Aufbruch in Cairhien genug Gold mitzunehmen. Er war es einfach nicht gew�hnt, viel davon in der Tasche zu haben. F�r den Wiedergeborenen Drachen wurde alles zur Verf�gung gestellt. Allerdings h�tte er sich mit der Fl�te irgendein Nachtlager verdienen k�nnen. Die Melodie hie� <emphasis>Klage einer langen Nacht</emphasis> und er hatte sie nie zuvor im Leben geh�rt. Lews Hierin schon. Es war wie mit den Fertigkeiten im Zeichnen. Eigentlich, fand Rand, h�tte ihm das Angst einjagen oder ihn w�tend machen sollen, aber er sa� einfach da und spielte, w�hrend Lews Therin weinte.</p><p>�Licht, Rand�, murmelte Min, �willst du blo� dasitzen und auf diesem Ding rumblasen?� Ihre R�cke wirbelten umher, w�hrend sie auf dem gebl�mten Teppich auf und ab schritt. Der Bund mit ihr und Elayne und Aviendha f�hlte sich an, als h�tte es ihn schon immer gegeben. Als h�tte er nie etwas anderes gewollt. Er atmete und er war mit ihnen verbunden; das eine war so nat�rlich wie das andere. �Sollte sie ein falsches Wort sagen, das jemand aufschnappt, wenn sie es bereits gesagt hat... Ich werde nicht zulassen, dass dich jemand f�r Elaida in eine Zelle schleift!� Alannas Bund hatte sich noch nie so angef�hlt. Zwar hatte er sich im Grunde nicht ver�ndert, doch seit jenem Tag in Caemlyn erschien er zusehends st�rker als Eindringling, wie ein Fremder, der �ber seine Schulter blickte, Sand in seinen Stiefeln. <emphasis>�Musst</emphasis> du das spielen? Es treibt mir Tr�nen in die Augen und verschafft mir gleichzeitig eine G�nsehaut. Wenn sie dich in Gefahr bringt...!� Sie riss eines ihrer Messer aus seinem Versteck in dem lose fallenden �rmel und drohte damit.</p><p>Er nahm die Fl�te von den Lippen und sah schweigend zu ihr her�ber. Ihr Gesicht r�tete sich, dann knurrte sie pl�tzlich und schleuderte die Klinge in den Boden, wo sie zitternd stecken blieb.</p><p>�Sie ist hier�, sagte er und zeigte mit der Fl�te in eine Richtung. Unbewusst drehte er das Instrument und zeichnete Alannas Weg damit ganz genau nach. �Sie wird bald da sein.� Sie war am Vortag in Far Madding eingetroffen, und er verstand nicht, warum sie bis jetzt gewartet hatte. Alanna war ein Gewirr aus Gef�hlen in seinem Kopf, nerv�s und misstrauisch, besorgt, entschlossen und vor allem zornig. Ein kaum gez�gelter Zorn. �Wenn du lieber nicht dabei sein willst, kannst du ...� Min sch�ttelte energisch den Kopf. Direkt neben Alannas Bund lag das B�ndel, das Min darstellte. Auch in ihm brodelte es vor Sorge und Wut, aber jedes Mal, wenn sie ihn ansah, strahlte die Liebe wie ein Signalfeuer auf und durchdrang es. Manchmal auch einfach nur so, wenn sie ihn nicht ansah. Furcht schimmerte ebenfalls hindurch, obwohl sie sie zu verbergen suchte.</p><p>Er setzte die Fl�te wieder an die Lippen und begann mit <emphasis>Der betrunkene Hausierer.</emphasis> Das war fr�hlich genug, um die Toten aufzumuntern. Lews Therin knurrte ihn an.</p><p>Min musterte ihn mit verschr�nkten Armen, dann riss sie abrupt an ihrem Kleid und r�ckte es auf den H�ften zurecht. Mit einem Seufzer senkte er die Fl�te und wartete. Wenn eine Frau grundlos ihr Kleid richtete, war das mit einem Mann zu vergleichen, der die Schnallen seiner R�stung fester zog und den Sattelgurt �berpr�fte; sie wollte einen Sturmangriff reiten, und man w�rde wie ein Hund niedergemacht, wenn man die Flucht ergriff. In Min war die Entschlossenheit jetzt genauso gro� wie in Alanna, Zwillingssonnen, die in seinem Hinterkopf aufgl�hten.</p><p>�Wir werden nicht mehr �ber Alanna sprechen, bis sie hier ist�, sagte sie entschieden, so als h�tte er auf diesem Thema bestanden. Entschlossenheit und noch immer Furcht, die jetzt st�rker als zuvor war, ununterbrochen niedergetrampelt wurde und wieder in die H�he sprang.</p><p>�Aber nat�rlich, Frau, wenn du es so m�chtest�, erwiderte er und senkte den Kopf in der Art, wie es in Far Madding Sitte war. Sie schnaubte laut.</p><p>�Rand, ich mag Alivia. Das tue ich wirklich, selbst wenn sie Nynaeve in den Wahnsinn treibt.� Mit einer in die H�fte gest�tzten Faust beugte sich Min vor und richtete den Zeigefinger genau auf seine Nase. �Aber sie wird dich t�ten.� Sie spie jedes Wort aus.</p><p>�Du hast gesagt, sie w�rde mir dabei helfen zu sterben�, sagte er ganz ruhig. �Das waren deine Worte.� Wie w�rde es sich wohl anf�hlen, wenn er starb? Da w�rde Trauer sein, sie verlassen zu m�ssen und Elayne und Aviendha. Trauer �ber den Schmerz, den er ihnen bereitet hatte. Vor dem Ende h�tte er gern noch einmal seinen Vater gesehen. Davon abgesehen war er beinahe zu dem Schluss gekommen, dass der Tod eine Erl�sung sein w�rde.</p><p><emphasis>Der Tod</emphasis> ist <emphasis>eine Erl�sung,</emphasis> sagte Lews Thenn inbr�nstig. <emphasis>Ich</emphasis><emphasis>will</emphasis><emphasis>den Tod. Wir verdienen den Tod!</emphasis></p><p>�Mir beim Sterben zu helfen ist nicht dasselbe, wie mich zu t�ten�, fuhr Rand fort. Mittlerweile war er richtig gut darin, die Stimme zu ignorieren. �Es sei denn, du hast deine Meinung �ber das ge�ndert, was du gesehen hast.�</p><p>Min warf verzweifelt die H�nde in die H�he. �Ich habe gesehen, was ich gesehen habe, und das habe ich dir erz�hlt, aber der Pfuhl des Verderbens soll mich verschlucken, wenn ich darin einen Unterschied erkenne. Und ich kann einfach nicht begreifen, warum du glaubst, dass es ihn tats�chlich gibt!�</p><p>�Min, fr�her oder sp�ter muss ich sterben�, sagte er geduldig. Das hatten ihm jene gesagt, denen er glauben musste. Wenn du leben willst, musst du sterben. F�r ihn ergab das noch immer keinen Sinn, aber es stellte eine unverr�ckbare Tatsache dar. Er musste sterben, genau wie es scheinbar in den Prophezeiungen des Drachen stand. �Ich hoffe, es wird nicht bald sein. Jedenfalls will ich das nicht. Es tut mir Leid, Min. Ich h�tte niemals zulassen d�rfen, dass du mit mir den Bund eingehst.� Aber er war nicht stark genug gewesen, es ihnen abzuschlagen, genauso wenig wie er stark genug gewesen war, um sie von sich zu sto�en. Er war zu schwach, um das zu tun, was getan werden musste. Er musste im Winter trinken, bis das Herz des Winters wie der Mittag eines Sonnentags aussah.</p><p>�H�ttest du dich geweigert, h�tten wir dich gefesselt und es trotzdem getan.� Er kam zu dem Schluss, dass es besser war, sie nicht zu fragen, wie sich das von dem unterschieden h�tte, was Alanna getan hatte. Sie sah darin auf jeden Fall einen Unterschied. Sie kniete sich aufs Bett und nahm sein Gesicht in beide H�nde. �Rand al'Thor, du wirst mir jetzt zuh�ren. Ich lasse dich nicht sterben. Und wenn du es trotzdem schaffst, nur um mir eins auszuwischen, folge ich dir und hole dich zur�ck.� Pl�tzlich schob sich starke Belustigung durch den Ernst, den er in seinem Kopf f�hlte. Ihre Stimme nahm eine sp�ttische Strenge an. �Und dann bringe ich dich an diesen Ort, um hier zu leben. Ich werde dich zwingen, dir das Haar bis zur Taille wachsen zu lassen und Haarspangen mit Mondsteinen zu tragen.�</p><p>Er l�chelte sie an. Sie konnte ihn noch immer zum L�cheln bringen. �Ich habe noch nie von einem Schicksal geh�rt, das schlimmer als der Tod ist, aber ich glaube, das k�nnte es durchaus sein.�</p><p>Jemand klopfte an der T�r und Min erstarrte. In einer stummen Frage formten ihre Lippen Alannas Namen. Rand nickte und zu seiner �berraschung stie� ihn Min auf die Kissen und warf sich auf seine Brust. Sie wand sich und hob dann den Kopf, und ihm wurde klar, dass sie versuchte, ihr Bild in dem Spiegel �ber dem Waschtisch zu sehen. Endlich fand sie eine Position, die ihr gefiel; sie lag halb auf ihm drauf, eine Hand in seinem Nacken und die andere neben ihrem Gesicht auf seiner Brust. �Herein�, rief sie.</p><p>Cadsuane betrat den Raum und blieb stehen, ihr Blick richtete sich auf das Messer, das im Boden steckte. Mit dem Gewand aus feinem dunkelgr�nen Tuch und dem von einer Silberbrosche gehaltenen pelzbesetzten Umhang h�tte sie durchaus als erfolgreiche Kauffrau oder Geldverleiherin durchgehen k�nnen, obwohl die goldenen V�gel, Fische, Sterne und Monde, die von dem eisengrauen Haarknoten auf ihrem Kopf baumelten, f�r beide zu protzig gewesen w�re. Sie trug ihren Gro�en Schlangenring nicht, was vermuten lie�, dass sie sich bem�hte, nicht zu viel Aufsehen zu erregen. �Habt ihr Kinder euch gestritten?�, fragte sie nachsichtig.</p><p>Rand konnte beinahe sp�ren, wie Lews Therin ganz still wurde, so wie eine Bergkatze, die sich in den Schatten duckte. Lews Therin h�tete sich vor dieser Frau fast genauso sehr wie er auch.</p><p>Min k�mpfte sich mit knallrotem Gesicht auf die F��e und gl�ttete w�tend die R�cke. �Du hast gesagt, sie w�re es!�, sagte sie anklagend in dem Augenblick, in dem Alanna eintrat. Cadsuane schloss die T�r.</p><p>Alanna warf Min einen Blick zu und tat sie als unwichtig ab, w�hrend sie sich auf Rand konzentrierte. Ohne den Blick von ihm abzuwenden, nahm sie den Umhang ab und warf ihn �ber einen der beiden Stuhle, die es in dem Raum gab. Ihre H�nde legten sich auf die dunkelgrauen R�cke und verkraUten sich in dem Stoff. Auch sie trug keinen Aes Sedai-Ring. Von dem Augenblick an, in dem ihr Blick auf ihn fiel, str�mte Freude durch ihren Bund. Der Rest war immer noch da, die Nervosit�t und der Zorn, aber dass sie Freude empfand, damit h�tte er nie gerechnet!</p><p>Er blieb liegen, wo er war, ergriff die Fl�te und spielte damit. �Sollte ich �berrascht sein, Euch zu sehen, Cadsuane? Ihr taucht viel zu oft dort auf, wo ich Euch nicht sehen will. Wer hat Euch das Schnelle Reisen beigebracht?� Es konnte nur das gewesen sein. Im einen Augenblick war Alanna ein vager Gedanke an der Schwelle seines Bewusstseins gewesen, im n�chsten erbl�hte sie in seinem Kopf zu voller St�rke auf. Zuerst hatte er gedacht, sie h�tte das Schnelle Reisen gelernt, aber als er jetzt Cadsuane sah, wusste er es besser.</p><p>Alanna presste die Lippen aufeinander und selbst Min sah missbilligend aus. Die Gef�hle, die von der einen durch den Beh�terbund fl�ssen, waren sprunghaft; bei der anderen war es jetzt nur noch Wut, in die sich Entz�cken mischte. Warum versp�rte Alanna <emphasis>Freude?</emphasis></p><p>�Wie ich sehe, habt Ihr noch immer keine besseren Manieren als eine Ziege�, sagte Cadsuane trocken. �Mein Junge, ich glaube kaum, dass ich Eure Erlaubnis brauche, um meinem Geburtsort einen Besuch abzustatten. Und was das Schnelle Reisen anbelangt, es geht Euch nichts an, was ich wo gelernt habe.� Sie l�ste den Umhang, steckte die Brosche in ihren G�rtel, wo sie schnell bei der Hand war, und legte ihn sich �ber den Arm, und zwar auf eine Weise, als w�re er viel wichtiger als Rand. Ihre Stimme nahm einen gereizten Unterton an. �Auf die eine oder andere Weise habt Ihr mir eine Menge Reisegef�hrten aufgehalst. Alanna war so begierig, Euch wiederzusehen, nur ein Herz aus Stein h�tte sich weigern k�nnen, sie nicht mitzunehmen, und Sorilea hat gesagt, dass einige der anderen, die Euch den Treueid geleistet haben, zu nichts zu gebrauchen seien, bis man ihnen erlauben w�rde, Alanna zu begleiten, also habe ich Nesune, Sarene, Erian, Beldeine und Elza auch mitgebracht. Ganz zu schweigen von Harine und ihrer Schwester und ihrem Schwertmeister. Sie wusste nicht, ob sie in Ohnmacht fallen, schreien oder jemanden bei�en sollte, als sie herausfand, dass Alanna Euch suchen wollte. Und dann sind da noch drei von Euren schwarzbem�ntelten Freunden. Ich wei� nicht, wie dringend sie Euch sehen wollen, aber sie sind auch hier. Nun, jetzt, da wir Euch gefunden haben, kann ich Euch ja die Meervolkfrauen und die Schwestern schicken, damit Ihr Euch um sie k�mmert.�</p><p>Rand sprang mit einem unterdr�ckten Fluch auf die Beine. �Nein! Haltet sie von mir fern!�</p><p>Cadsuanes dunkle Augen wurden schmal. �Ich habe Euch schon einmal wegen Eurer Ausdrucksweise ermahnt; ich werde es nicht noch einmal tun.� Sie sah ihn noch einen Augenblick lang stirnrunzelnd an, dann nickte sie, als w�rde sie glauben, dass er sich die Lektion zu Herzen nehme. �Nun, was bringt Euch auf die Idee, Ihr k�nntet mir sagen, was ich zu tun habe, mein Junge?�</p><p>Rand k�mpfte mit sich. Er konnte hier keine Befehle geben. Er hatte Cadsuane noch nie irgendwo etwas befehlen k�nnen. Min behauptete, dass er die Frau brauchte, dass sie ihm etwas beibringen w�rde, das er lernen musste, aber wenn �berhaupt machte ihn das nur noch misstrauischer, was ihre Person betraf. �Ich will meine Angelegenheiten hier zu Ende bringen und in aller Ruhe abreisen�, sagte er schlie�lich. �Wenn Ihr ihnen schon Bescheid sagt, dann sorgt wenigstens daf�r, dass sie verstehen, warum ich es mir nicht leisten kann, dass sie sich in meiner N�he aufhalten, ehe ich zur Abreise bereit bin.� Die Frau sah ihn mit hochgezogener Augenbraue erwartungsvoll an, und er holte tief Luft. Warum musste sie immer alles so schwierig machen? �Ich w�rde es zu sch�tzen wissen, wenn Ihr keiner von ihnen verratet, wo ich bin.� Dann f�gte er z�gernd, sehr z�gernd hinzu: �Bitte.� Min atmete aus, als h�tte sie die Luft angehalten.</p><p>�Gut�, sagte Cadsuane nach einem Augenblick. �Ihr habt Manieren, wenn Ihr es nur versucht, selbst wenn es Euch aussehen l�sst, als h�ttet Ihr Zahnschmerzen. Ich sch�tze, ich kann f�r den Moment Euer Geheimnis bewahren. Nicht alle von ihnen wissen, dass Ihr in der Stadt seid. Ach ja. Ich sollte Euch sagen, dass Merise mit Narishma den Beh�terbund eingegangen ist. Corele hat Damer und der junge Hopwil geh�rt zu Daigian.� Sie sagte es, als w�re es eine Nebens�chlichkeit, die sie leicht h�tte vergessen k�nnen.</p><p>Diesmal machte er sich nicht die M�he, leise zu fluchen, und Cadsuanes kraftvolle Ohrfeige renkte ihm beinahe den Kiefer aus. Schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen. Eine der anderen Frauen keuchte auf.</p><p>�Ich habe es Euch gesagt�, sagte Cadsuane gelassen. �Keine Warnungen mehr.�</p><p>Min machte einen Schritt auf sie zu, doch er sch�ttelte kaum merklich den Kopf. Es half ihm, die Flecken zu verscheuchen. Er h�tte sich gern den Kiefer gerieben, aber er hielt seine H�nde an den Seiten. Er musste sich dazu zwingen, den Griff um die Fl�te zu lockern. Was Cadsuane anging, h�tte der Schlag genauso gut niemals stattgefunden haben k�nnen.</p><p>�Warum sollten Flinn und die anderen sich bereit erkl�ren, den Bund einzugehen?�, verlangte er zu wissen.</p><p>�Fragt sie, wenn Ihr sie seht�, entgegnete sie. �Min, ich glaube, Alanna will eine Zeit lang mit ihm allein sein.� Sie wandte sich zur T�r, ohne auf Mins Erwiderung zu warten, und f�gte dann hinzu: �Alanna, ich warte unten im Frauenraum. Lasst Euch nicht zu viel Zeit. Ich will zur�ck auf die H�hen. Min?�</p><p>Min starrte Alanna finster an. Sie starrte Rand finster an. Dann warf sie die H�nde in die Luft und stapfte leise vor sich hin schimpfend hinter Cadsuane aus dem Raum. Sie warf die T�r hinter sich ins Schloss.</p><p>�Mit deinem eigenen Haar hast du mir besser gefallen.� Alanna verschr�nkte die Arme unter den Br�sten und musterte ihn. In dem Bund rangen Zorn und Freude miteinander. �Ich hatte gehofft, dass es besser sein w�rde, so nahe bei dir zu sein, aber du bist noch immer wie ein Stein in meinem Kopf. Selbst aus dieser Entfernung kann ich kaum sagen, ob du aufgebracht bist oder nicht. Aber egal, es ist besser, hier zu sein. Ich mag es nicht, so lange von einem Beh�ter getrennt zu sein.�</p><p>Rand ignorierte sie und die �bersch�umende Freude, die durch den Bund floss. �Sie hat nicht gefragt, was ich in Far Madding will�, sagte er leise und starrte auf die T�r, als k�nnte er Cadsuane durch das Holz hindurch sehen. Sie musste sich doch sicher danach fragen. �Du hast ihr gesagt, dass ich hier bin, Alanna. Nur du kannst es gewesen sein. Was ist mit deinem Eid geschehen?�</p><p>Alanna holte tief Luft, und es verging ein Augenblick, bevor sie darauf antwortete. �Ich bin mir nicht sicher, ob Cadsuane �berhaupt etwas an dir liegt�, fauchte sie. �Ich halte den Schwur, so gut ich kann, aber du machst es einem sehr schwer.� Ihre Stimme verh�rtete sich, durch den Bund floss mehr Zorn. �Ich schulde einem Mann die Lehnstreue, der verschwindet und mich zur�ckl�sst. Wie soll ich dir da dienen? Aber was noch viel wichtiger ist, was hast du getan?� Sie �berquerte den Teppich und starrte zu ihm hoch; in ihren Augen loderte Wut. Er war mehr als ein Fu� gr��er als sie, aber es schien ihr egal zu sein. �Du hast etwas getan, ich wei� es. Ich war drei Tage lang ohne Bewusstsein! Was hast du getan?�</p><p>�Wenn ich schon einen Bund eingehen muss, dann nur mit jemandem, dem ich dazu die Erlaubnis gegeben habe.� Er konnte ihre Hand gerade noch abfangen, bevor sie in seinem Gesicht landete. �Ich bin f�r heute genug geschlagen worden.�</p><p>Sie starrte mit gebleckten Z�hnen zu ihm hoch, als w�re sie bereit, ihm die Kehle durchzubei�en. Der Bund bef�rderte jetzt nur noch Zorn und Emp�rung, so messerscharf wie ein Dolch. �Du hast zugelassen, dass jemand anders mit dir den Bund eingeht?�, fauchte sie. �Wie kannst du es wagen! Wer auch immer sie ist, ich werde sie vor Gericht sehen! Ich werde sie mit <emphasis>Ruten</emphasis> auspeitschen lassen! Du geh�rst mir!�</p><p>�Weil du mich <emphasis>genommen</emphasis> hast, Alanna�, sagte er kalt. �Falls noch mehr Schwestern davon erfahren sollten, w�rde man dich mit Ruten auspeitschen.� Min hatte ihm einst gesagt, dass er Alanna vertrauen konnte, dass sie die Gr�ne und vier andere Schwestern �in seiner Hand� gesehen hatte. Auf eine seltsame Art und Weise vertraute er ihr tats�chlich, aber er befand sich auch in Alannas Hand, und das wollte er nicht. �Gib mich frei und ich bestreite, dass es jemals passiert ist.� Er hatte nicht einmal gewusst, dass das �berhaupt m�glich war, bis Lan ihm von Myrelle und ihm erz�hlt hatte. �Gib mich frei und ich befreie dich von deinem Eid.�</p><p>Die brodelnde Wut, die durch den Bund floss, lie� nach, ohne ganz zu verschwinden, aber ihr Gesicht wurde ruhig und ihre Stimme beherrscht. �Du tust mir weh.�</p><p>Das wusste er. Er konnte den Schmerz in ihrem Handgelenk durch den Bund f�hlen. Er lie� sie los und sie massierte das Handgelenk ausgiebiger, als es wegen der Schmerzen, die er gef�hlt hatte, notwendig gewesen w�re. Sie setzte sich auf den zweiten Stuhl, schlug die Beine �bereinander und rieb sich weiterhin das Gelenk. Sie schien nachzudenken.</p><p>�Ich habe daran gedacht, dich freizugeben�, sagte sie schlie�lich. �Ich habe davon getr�umt.� Sie stie� ein kl�gliches Lachen aus. �Ich habe sogar Cadsuane gebeten, den Bund an sie weitergeben zu d�rfen. Ein Zeichen, wie verzweifelt ich war, um so eine Bitte zu stellen. Wenn jemand dich unter Kontrolle halten kann, dann Cadsuane. Aber sie hat sich geweigert. Sie war au�er sich, dass ich es vorschlug, ohne dich zu fragen, aber selbst wenn du dich einverstanden erkl�rt h�ttest, h�tte sie es nicht getan.� Sie breitete die H�nde aus. �Also geh�rst du mir.� In ihrem Gesicht regte sich keine Miene, aber als sie das sagte, loderte die Freude wieder auf. �Auf welche Weise auch immer ich dich bekommen habe, du bist mein Beh�ter. Ich trage eine Verantwortung, die genauso stark ist wie der Eid, den ich schwor, dir zu gehorchen. Genauso stark. Also werde ich dich nicht freigeben und irgendjemand anderen �berlassen, bis ich wei�, dass sie dich auf die richtige Weise kontrollieren kann. Wer hat sich mit dir verbunden? Wenn sie f�hig ist, gebe ich dich frei.�</p><p>Allein die Vorstellung, Cadsuane h�tte seinen Bund �bernehmen k�nnen, jagte Rand eine G�nsehaut �ber den R�cken. Alanna war nie dazu f�hig gewesen, ihn mithilfe des Bundes zu kontrollieren, und er glaubte auch nicht, dass es �berhaupt eine Schwester gab, die es konnte, aber er w�rde niemals das Risiko eingehen, es gerade bei dieser Frau darauf ankommen zu lassen. Licht!</p><p>�Wie kommst du darauf, dass ich ihr egal bin?�, verlangte er zu wissen, statt Alannas Frage zu beantworten. Vertrauen oder nicht, niemand w�rde dies erfahren, solange er es verhindern konnte. Was Elayne, Min und Aviendha getan hatten, mochte zwar durch das Burggesetz legitimiert sein, aber wenn herauskam, dass sie auf diese Weise mit ihm verbunden waren, hatten sie von den anderen Aes Sedai Schlimmeres als eine Bestrafung zu bef�rchten. Er setzte sich auf die Bettkante und drehte die Fl�te in seinen H�nden. �Nur weil sie meinen Bund nicht haben wollte? Vielleicht sind ihr die Konsequenzen nicht so gleichg�ltig wie dir? Sie ist in Cairhien zu mir gekommen und auch dann noch geblieben, als es au�er mir keinen Grund daf�r mehr gab. Soll ich ernsthaft glauben, sie wollte ihre Freunde besuchen, w�hrend ich zuf�llig hier bin? Sie hat dich nach Far Madding gebracht, damit sie mich finden konnte.�</p><p>�Rand, sie wollte jeden Tag wissen, wo du bist�, sagte Alanna, �aber ich bezweifle, dass es in Seleisin einen Hirten gibt, der sich nicht fragt, wo du bist. Die ganze <emphasis>Welt</emphasis> will das wissen. Ich wusste, dass du im tiefen S�den bist, dass du dich seit Tagen nicht von der Stelle ger�hrt hattest. Als ich herausfand, dass sie und Verin herkommen, musste ich sie auf den Knien anflehen, mich mitkommen zu lassen. Aber ich hatte keine Ahnung, dass du in der Stadt bist, bis ich oben in den H�geln �ber der Stadt aus dem Tor trat. Davor dachte ich, ich musste den halben Weg bis nach Tear Reisen, um dich zu finden. Cadsuane hat es mir auf dem Weg hierher beigebracht, also glaube nicht, du k�nntest mir in Zukunft so leicht aus dem Weg gehen.�</p><p><emphasis>Cadsuane</emphasis> hatte Alanna das Schnelle Reisen beigebracht? Das verriet noch immer nicht, wer es Cadsuane gezeigt hatte. Andererseits spielte es keine Rolle. �Und Damer und die beiden anderen haben zugelassen, das sie gebunden werden? Oder haben die Schwestern es auf die gleiche Weise vollbracht, wie du dich mit mir verbunden hast?�</p><p>Ihre Wangen r�teten sich, aber ihre Stimme blieb ruhig. �Ich habe geh�rt, wie Merise Jahar gefragt hat. Er hat zwei Tage gebraucht, um einzuwilligen, und sie hat ihn nicht unter Druck gesetzt. Ich kann nicht f�r die anderen sprechen, aber wie Cadsuane schon sagte, du kannst sie ja fragen, wenn du willst. Rand, du musst eines wissen, diese M�nner hatten Angst, zu deiner �Schwarzen Burg� zur�ckzukehren.� Ihre Lippen verzogen sich angewidert, als sie diesen Namen aussprach. �Sie hatten Angst, dass man sie beschuldigt, an dem Angriff auf dich teilgenommen zu haben. Wenn sie einfach geflohen w�ren, h�tte man sie als Deserteure gejagt. Soweit ich wei�, lautet dein Befehl doch so, oder? Wo h�tten sie sonst hingehen k�nnen au�er zu den Aes Sedai? Und es ist gut, dass sie es getan haben.� Sie l�chelte, als h�tte sie gerade etwas Wunderbares gesehen, und ihre Stimme wurde aufgeregt. �Rand, Damer hat eine Methode entdeckt, wie man jemanden von einer D�mpfung Heilen kann! Licht, ich kann dieses Wort aussprechen, ohne dass mir die Zunge erstarrt. Er hat Irgain und Ronaille und Sashalle Geheilt. Sie haben dir die Treue geschworen, genau wie die anderen auch.�</p><p>�Was meinst du damit � wie die anderen auch?� �Ich meine, all die Schwestern, die von den Aiel festgehalten wurden. Sogar die Roten.� Sie klang, als k�nnte sie es noch immer nicht glauben, was durchaus richtig war, aber Unglaube verwandelte sich in Eifer, als sie beide F��e auf den Boden stellte, sich vorbeugte und ihn fixierte. �Jede von ihnen hat den Eid geleistet und die Strafe akzeptiert, die du Nesune und den anderen auferlegt hast, den ersten f�nf, die den Schwur geleistet haben. Cadsuane vertraut ihnen nicht. Sie hat nicht erlaubt, dass auch nur eine von ihnen einen Beh�ter mitbringt. Ich muss zugeben, dass ich zuerst unschl�ssig war, aber ich glaube, dass <emphasis>du</emphasis> ihnen vertrauen kannst. Sie haben einen Eid auf dich geschworen. Du wei�t, was das f�r eine Schwester bedeutet. Wir k�nnen keinen Eid brechen, Rand. Das ist nicht m�glich.�</p><p>Sogar die Roten. Es hatte ihn �berrascht, als die ersten f�nf Gefangenen ihm Gehorsam schworen. Elaida hatte sie geschickt, um ihn zu entfuhren, und sie hatten es auch getan. Er war sich sicher gewesen, dass es damit zu tun hatte, dass er <emphasis>Ta'veren</emphasis> war, aber das hatte nur die Wahrscheinlichkeit ge�ndert, hatte daf�r gesorgt, dass das, was nur einmal in einer Million F�lle passierte, "zur Realit�t wurde. Schwer zu glauben, dass eine Rote auf einen Mann, der die Macht lenken konnte, einen Treueid schwor, ganz egal unter welchen Umst�nden.</p><p>�Rand, du brauchst uns.� Sie stand auf und bewegte sich, als wollte sie auf und ab schreiten, aber dann blieb sie stehen und betrachtete ihn. Ihre H�nde gl�tteten die R�cke, als w�re sie sich nicht bewusst, was sie tat. �Du brauchst die Unterst�tzung der Aes Sedai. Ohne sie wirst du jede Nation erobern m�ssen und darin warst du bis jetzt nicht besonders erfolgreich. Du magst ja der Ansicht sein, dass die Rebellion in Cairhien ihr Ende gefunden hat, aber nicht jeder ist davon begeistert, dass Dobraine zu deinem Verwalter ernannt wird. Falls Toram Riatin wieder auftauchen sollte, k�nnten sich ihm eine Menge Unzufriedener anschlie�en. So wie wir geh�rt haben, sitzt Hochlord Darlin gem�tlich im Stein und wird als dein Verwalter in Tear angek�ndigt, aber die Rebellen str�men nicht aus dem Haddon Mirk an seine Seite. Was Andor angeht, wird Elayne Trakand vielleicht verk�nden, dass sie dich unterst�tzt, sobald sie auf dem Thron sitzt, aber sie hat deine Soldaten aus Caemlyn herausman�vriert, und ich trage ein Gl�ckchen am Hals, wenn sie sie nach einer erfolgreichen Thronbesteigung in Andor bleiben l�sst. Die Schwestern k�nnen dir helfen. Elayne wird auf uns h�ren. Die Rebellen in Cairhien und Tear werden zuh�ren. Die Wei�e Burg beendet seit dreitausend Jahren Kriege und Rebellionen. Dir mag der Vertrag missfallen, den Rafela und Merana mit Harine abgeschlossen haben, aber sie haben alles erreicht, was du haben wolltest. Licht, Mann, lass uns dir helfen!�</p><p>Rand nickte langsam. Dass ihm die Aes Sedai den Gehorsam schworen war blo� als eine M�glichkeit erschienen, die Menschen mit seiner Macht zu beeindrucken. Die Furcht, dass sie ihn f�r ihre eigenen Zwecke einspannten, hatte ihn f�r alles blind gemacht. Er gab das nicht gern zu. Er war ein Narr gewesen.</p><p><emphasis>Ein Mann, der jedem vertraut, ist ein Narr,</emphasis><emphasis>sagte Lews Therin,</emphasis><emphasis>und ein Mann, der niemandem vertraut, ist ein Narr. Wir sind alle Narren, wenn wir lange genug leben.</emphasis><emphasis>Er klang</emphasis> beinahe wie ein geistig gesunder Mensch.</p><p>�Geh zur�ck nach Cairhien�, sagte er. �Richte Rafela und Merana aus, ich will, dass sie mit den Rebellen in Haddon Mirk sprechen. Sag ihnen, sie sollen auch Bera und Kiruna mitnehmen.� Von Alanna abgesehen waren das die vier anderen, denen er Min zufolge vertrauen konnte. Was hatte sie �ber die f�nf Frauen gesagt, die Cadsuane mitgebracht hatte? Dass jede von ihnen ihm auf ihre Art dienen w�rde. Das reichte nicht, noch nicht. �Ich will Darlin Sisnera als meinen Statthalter und die von mir erlassenen Gesetze sollen bestehen bleiben. Alles andere k�nnen sie bei den Verhandlungen weggeben, solange sie nur die Rebellion beenden. Und danach... was ist?�</p><p>Alannas Miene hatte sich verd�stert und sie war wieder auf den Stuhl gesunken. �Es ist nur, dass ich diesen ganzen weiten Weg gereist bin, und du schickst mich sofort wieder weg. Es ist vermutlich besser so, da dieses M�dchen hier ist.� Sie seufzte. �Du hast keine Vorstellung davon, was ich in Cairhien durchgemacht habe, wie ich den Bund nur gerade genug verh�llt habe, um zu verhindern, dass mich das, was ihr beider, treibt, die ganze Nacht wach h�lt. Das ist viel schwieriger, als ihn vollst�ndig zu verh�llen, aber ich mag es nicht, die Verbindung mit meinen Beh�tern v�llig zu verlieren. Doch zur�ck nach Cairhien zu gehen wird fast genauso schlimm sein.�</p><p>Rand r�usperte sich. �Das ist mein Wille.� �ber gewisse Dinge sprachen Frauen viel offener als M�nner, das hatte er mittlerweile gelernt, aber es war immer noch ein Schock, wenn sie es dann taten. Er hoffte, dass Elayne und Aviendha den Bund verh�llten, wenn er Min liebte. Wenn sie zusammen im Bett lagen, existierte nichts mehr au�er ihr, genau wie es bei Elayne gewesen war. Und mit Sicherheit wollte er sich nicht mit Alanna dar�ber unterhalten. �M�glicherweise bin ich hier fertig, wenn du in Cairhien alles erledigt hast. Wenn ich nicht... wenn nicht, kannst du hierher zur�ckkehren. Aber du musst von mir fernbleiben, bis ich etwas anderes sage.� Selbst mit dieser Einschr�nkung bl�hte in ihr die Freude wieder auf.</p><p>�Du wirst mir nicht verraten, mit wem du den Bund eingegangen bist, oder?� Er sch�ttelte den Kopf und sie seufzte. �Ich sollte jetzt besser gehen.� Sie stand auf, nahm den Umhang und legte ihn sich �ber den Arm. �Im besten Fall ist Cadsuane nur ungeduldig. Sorilea hat sie ermahnt, wie eine Mutterglucke auf uns aufzupassen, und das tut sie auch. Auf ihre Weise.� An der T�r blieb sie f�r eine letzte Frage stehen. �Warumbist du hier, Rand? Cadsuane mag es ja egal sein, aber mir nicht. Wenn du willst, behalte ich es f�r mich. Ich habe es nie geschafft, mich l�nger als nur ein paar Tage in einem <emphasis>Stedding</emphasis> aufzuhalten. Warum solltest du freiwillig hier bleiben, wo du nicht einmal die Quelle f�hlen kannst?�</p><p>�Vielleicht ist es f�r mich nicht so schlimm�, log er. Ihm wurde klar, dass er es ihr h�tte sagen k�nnen. Er glaubte ihr, dass sie es f�r sich behalten w�rde. Aber sie sah ihn als ihr Beh�ter und sie war eine Gr�ne. Keine Erkl�rung konnte sie dazu bringen, dass er sich all dem allein stellte, aber in Far Madding konnte sie sich nicht besser verteidigen als Min, vielleicht sogar noch weniger. �Geh, Alanna. Ich habe genug Zeit verschwendet.�</p><p>Sobald sie den Raum verlassen hatte, rutschte er auf dem Bett herum, bis er mit dem R�cken wieder an der Wand lehnte, dann sa� er da und spielte mit der Fl�te herum. Er dachte nach. Min hatte gesagt, dass er Cadsuane brauchte, aber sie war an ihm lediglich als Kuriosit�t interessiert. Eine Kuriosit�t mit schlechten Manieren. Irgendwie musste er ihr Interesse wecken. Aber wie, beim Licht, sollte er das machen?</p><p>Mit einiger M�he k�mpfte sich Verin auf dem Hof von Aleis' Palast aus ihrer S�nfte. Sie war einfach nicht daf�r gebaut, in diese Dinger zu passen, aber in Far Madding stellten sie das schnellste Transportmittel dar. Kutschen wurden fr�her oder sp�ter von den Menschenmassen aufgehalten, und an einige der Orte, zu denen sie wollte, kamen sie erst gar nicht heran. Der feuchte Wind vom See wurde k�lter, als sich das Zwielicht herabsenkte, aber Verin lie� zu, dass er ihren Umhang flattern lie�, w�hrend sie zwei Silberpfennige aus dem Geldbeutel heraussuchte und sie den Tr�gern gab. Nat�rlich durfte sie das eigentlich nicht, da es sich um Aleis' Jungen handelte, aber Eadwina w�rde das nicht wissen. Sie h�tten das Geld nicht annehmen d�rfen, aber das Silber verschwand im Handumdrehen in ihren M�nteln, und der j�ngere der beiden, ein ansehnlicher Bursche in mittleren Jahren, machte vor ihr sogar eine anmutige Verbeugung, bevor sie die S�nfte aufnahmen und in Richtung Remise losliefen, ein niedriges Geb�ude, das in einer Ecke der Vordermauer stand. Verin seufzte. Ein Junge in seinen mittleren Jahren. Es hatte nicht lange gedauert, bis sie das Gef�hl hatte, Far Madding niemals verlassen zu haben. Damit musste sie vorsichtig umgehen. Es k�nnte gef�hrlich sein, vor allem, falls Aleis oder die anderen ihre T�uschung entdeckten. Vermutlich war die Anordnung f�r Verin Mathwins Exil niemals au�er Kraft gesetzt worden. In Far Madding verhielten sich alle still, wenn eine Aes Sedai mit dem Gesetz in Konflikt geriet, aber die Ratsherrinnen hatten keinen Grund, die Aes Sedai zu f�rchten, und aus eigenen Gr�nden hielt die Wei�e Burg bei den seltenen Gelegenheiten still, wenn sich eine Schwester einer vom Gericht verh�ngten Auspeitschung gegen�bersah. Verin hatte nicht die Absicht, der neueste Grund f�r die Burg zu sein, still zu halten.</p><p>Nat�rlich war Aleis' Palast nicht mit dem Sonnenpalast oder dem K�niglichen Palast von Andor zu vergleichen, auch nicht mit anderen Pal�sten, in denen K�nige und K�niginnen residierten. Er war ihr pers�nliches Eigentum, das nichts mit ihrer Position als Erste Ratsherrin zu tun hatte. Zu beiden Seiten wuchsen andere Pal�ste in die H�he, mal gr��er und mal kleiner, die jedoch alle von hohen Mauern umgeben wurden. Nur am Ende nicht, wo die H�hen � der einzige Punkt der Insel, der einem Berg nahe kam � in einer steilen Klippe zum Wasser hinabst�rzten. Allerdings war der Palast nicht mal klein. Die Frauen der Barsallas waren bereits im Handel und in der Politik t�tig gewesen, als die Stadt noch Fei Moreina gehei�en hatte. Beide Stockwerke des Palastes wurden von hohen S�uleng�ngen umgeben und der wei�e Marmorw�rfel bedeckte den gr��ten Teil des von einer Mauer umgebenen Anwesens.</p><p>Sie fand Cadsuane in einem Wohnzimmer, das einen sch�nen Ausblick auf den See geboten h�tte, w�ren die Vorh�nge nicht zugezogen gewesen, um die W�rme des Feuers in dem gro�en Marmorkamin im Raum zu behalten. Ihr N�hk�rbchen stand auf einem kleinen Beistelltisch mit Intarsien, der neben ihren Stuhl ger�ckt worden war, und sie arbeitete ganz ruhig mit Nadel und Stickreifen. Sie war nicht allein. Verin faltete ihren Umhang zusammen, legte ihn �ber die Lehne eines Polsterstuhls und setzte sich auf einen anderen, um zu warten.</p><p>Elza schien sie kaum wahrzunehmen. Die Gr�ne mit der f�r gew�hnlich so freundlichen Miene stand vor Cadsuane auf dem Teppich und schaute grimmig drein; ihr Gesicht war ger�tet, und ihre Augen funkelten. Elza war sich ihrer Position unter den Schwestern immer deutlich bewusst, vielleicht sogar zu sehr. Um Verin zu ignorieren und vor allem Cadsuane zur Rede zu stellen, musste sie ganz sch�n aufgeregt sein. �Wie konntet Ihr sie gehen lassen?�, verlangte sie zu wissen. �Wie sollen wir ihn ohne sie finden?� Ah, darum also ging es.</p><p>Cadsuanes Kopf blieb �ber den Stickreifen gebeugt und ihre Nadel machte weiterhin kleine Stiche. �Ihr k�nnt warten, bis sie zur�ckkehrt�, sagte sie seelenruhig.</p><p>Elza ballte die F�uste. �Wie k�nnt Ihr so gleichg�ltig sein?�, sagte sie. �Er ist der Wiedergeborene Drache! Dieser Ort k�nnte eine Todesfalle f�r ihn sein! Ihr m�sst...!� Sie verstummte mitten im Satz, als Cadsuane einen Finger hob. Mehr tat sie nicht, aber bei ihr reichte das vollst�ndig.</p><p>�Ich habe mir Eure Tirade lange genug angeh�rt, Elza. Ihr d�rft gehen! Sofort!�</p><p>Elza z�gerte, aber sie hatte keine Wahl. Mit ger�tetem Gesicht machte sie einen kleinen Knicks, wobei sie den Stoff ihrer R�cke in den noch immer geballten F�usten hielt, aber selbst wenn sie aus dem Wohnzimmer hinausstolzierte, so tat sie es doch ohne zu z�gern.</p><p>Cadsuane legte den Stickreifen auf den Scho� und lehnte sich zur�ck. �Macht Ihr mir einen Tee, Verin?�</p><p>Unwillk�rlich zuckte Verin zusammen. Die andere Schwester hatte nicht einmal in ihre Richtung geschaut. �Nat�rlich, Cadsuane.� Auf einem der Seitentische stand ein �bertrieben verzierter silberner Teekessel auf einem vierbeinigen Gestell und war gl�cklicherweise noch immer hei�. �War es klug, Alanna gehen zu lassen?�, fragte sie.</p><p>�Ich konnte sie wohl kaum daran hindern, ohne den Jungen mehr wissen zu lassen, als er soll, oder?�, erwiderte Cadsuane trocken.</p><p>In aller Ruhe goss Verin Tee in eine Tasse aus d�nnem blauen Porzellan. Es war kein Meervolk-Porzellan, aber es handelte sich um gute Qualit�t. �K�nnt Ihr Euch denken, warum er ausgerechnet nach Far Madding gekommen ist? Ich habe beinahe meine Zunge verschluckt, als mir klar wurde, dass der Grund, warum er mit dem Herumspringen aufgeh�rt hat, darin bestehen k�nnte, dass er hier ist. Wenn es etwas Gef�hrliches ist, sollten wir vielleicht versuchen, ihn aufzuhalten.�</p><p>�Verin, er kann tun, was sein Herz begehrt, egal was, wenn er nur lange genug lebt, um Tarmon Gai'don zu erreichen. Und so lange ich an seiner Seite sein kann, um ihm beizubringen, wie man wieder lacht und weint.� Sie schloss die Augen, rieb sich die Schl�fen mit den Fingerspitzen und seufzte. �Er verwandelt sich in Stein, Verin, und wenn er nicht wieder lernt, dass er ein Mensch ist, k�nnte der Sieg in der Letzten Schlacht nicht viel besser als eine Niederlage sein. Die junge Min hat ihm gesagt, dass er mich braucht; so viel habe ich aus ihr herausbekommen, ohne ihren Verdacht zu erregen. Aber ich muss darauf warten, dass er zu mir kommt. Ihr seht doch, wie grob er mit Alanna und all den anderen umspringt. Es wird schon schwer genug sein, ihn zu unterrichten, wenn er darum bittet. Er widersetzt sich jeder F�hrung, glaubt, er m�sste alles selbst tun und erlernen, und wenn ich ihn nicht daf�r arbeiten lasse, wird er gar nichts lernen.� Ihre H�nde fielen auf den Stickreifen auf ihrem Scho�. �Ich scheine heute Abend in einer mitteilsamen Stimmung zu sein. Ungew�hnlich f�r mich. Falls Ihr diesen Tee jemals fertig eingegossen habt, werde ich m�glicherweise noch mehr preisgeben.�</p><p>�Oh, ja, nat�rlich.� Hastig f�llte Verin eine zweite Tasse und schob die kleine Phiole unge�ffnet zur�ck in ihre G�rteltasche. Es war gut, sich Cadsuane endlich sicher sein zu k�nnen. �Nehmt Ihr Honig?�, fragte sie so gedankenverloren, wie sie zustande brachte. �Ich kann mir das einfach nicht merken.�</p></section><section><title><p>26</p><p>Erwartungen</p></title><p>Als Elayne zusammen mit Egwene �ber die braun verf�rbte Dorfwiese von Emondsfelde ging, erf�llten sie die Ver�nderungen mit Trauer. Egwene schien von ihnen verbl�fft zu sein. Als sie in <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> erschienen war, baumelte ein langer Zopf auf ihrem R�cken; sie trug ausgerechnet ein einfaches Wollkleid und derbe Schuhe, deren Spitzen bei jedem Schritt unter ihren R�cken hervorschauten. Elayne vermutete, dass sie diese Art von Kleidung getragen hatte, als sie noch in den Zwei Fl�ssen lebte. Jetzt hing ihr dunkles Haar �ber die Schultern, gehalten von einer kleinen Haube aus feiner Spitze, und ihre Kleidung war so kostbar wie Elaynes. Das Oberteil aus dunklem Blau wies genau wie der Kragen und der Rocksaum und die �rmelaufschl�ge silberne Stickereien auf. Silbern verzierte Samtslipper ersetzten die derben Schuhe. Elayne musste sich konzentrieren, um zu verhindern, dass sich ihr gr�nes Reitgewand � vielleicht auf peinliche Weise � ver�nderte, aber bei ihrer Freundin waren die Ver�nderungen zweifellos bewusst entstanden.</p><p>Sie hoffte, dass Rand Emondsfelde noch immer lieben konnte, aber es war nicht l�nger das Dorf, in dem er und Egwene aufgewachsen waren. Hier in der Welt der Tr�ume gab es keine Menschen, dennoch war Emondsfelde nun offensichtlich eine richtige Stadt, sogar eine bl�hende Stadt, in der fast jedes dritte Haus aus Stein errichtet war. Einige waren sogar drei Stockwerke hoch und es waren mehr D�cher mit Ziegeln in allen Farben des Regenbogens gedeckt als mit Stroh. Einige Stra�en waren mit glatten, genau passenden Ziegeln gepflastert, die noch neu und nicht abgetreten waren, und um die Stadt wuchs sogar eine dicke Steinmauer mit T�rmen und eisenbeschlagenen Toren empor, die einer Grenzland-Stadt zur Ehre gereicht h�tte. Au�erhalb der Mauer gab es S�ge- und Getreidem�hlen, eine Eisengie�erei und gro�e Webereien sowohl f�r Wolle als auch f�r Teppiche; in ihrem Schutz reihten sich L�den von M�beltischlern, T�pfermeistern, N�herinnen, Scherenschleifern und Gold-und S�berschmieden aneinander, von denen viele mindestens genauso gut wie die Caemlyns waren, obwohl einige der Dekore aus Arad Doman oder Tarabon zu stammen schienen.</p><p>Ehe Luft war k�hl, aber nicht kalt, und es gab keinerlei Anzeichen f�r Schnee auf dem Boden, zumindest nicht im Augenblick. Hier stand die Sonne genau im Zenit, allerdings hoffte Elayne, dass es in der wachen Welt noch immer Nacht war. Sie wollte noch etwas echten Schlaf mitbekommen, bevor sie sich dem Morgen stellen musste. In den letzten paar Tagen war sie immer m�de gewesen; es gab einfach so viel zu tun und so wenige Stunden. Sie waren hergekommen, weil es unwahrscheinlich erschien, dass sie hier von einem Spion entdeckt wurden, aber Egwene war stehen geblieben, um sich die Ver�nderungen des Ortes anzuschauen, in dem sie geboren worden war. Und Elayne hatte au�er Rand ihre eigenen Gr�nde, sich Emondsfelde genau anzusehen. Das Problem � <emphasis>eines</emphasis> der Probleme � war nur, dass in der wachen Welt eine Stunde verging, w�hrend man in der Welt der Tr�ume f�nf oder zehn verbrachte, doch es konnte auch genauso gut anders herum sein. M�glicherweise war es in Caemlyn bereits Morgen.</p><p>Egwene blieb an der Einm�ndung zum Dorfplatz stehen und blickte zur�ck zu der breiten Steinbr�cke, die sich �ber den schnell breiter werdenden Fluss spannte; er entsprang einer Quelle, die stark genug aus einem aus dem Boden hervorragenden Felsen schoss, urn einen Mann von den F��en zu rei�en. In der Mitte des Dorfplatzes erhob sich eine Marmors�ule, in die man �berall Namen eingemei�elt hatte, die von zwei hohen Fahnenmasten auf Steinpodesten flankiert wurde. �Ein Schlachtendenkmal�, murmelte sie. �Wer h�tte sich solch ein Ding in Emondsfelde vorstellen k�nnen? Obwohl Moraine behauptet hat, dass an dieser Stelle einst eine gro�e Schlacht geschlagen wurde, in den Trolloc-Kriegen, als Manetheren unterging.�</p><p>�Es stand in den Geschichtsb�chern, die ich studiert habe�, sagte Elayne leise und betrachtete die leeren Fahnenmasten. Die im Augenblick leeren Masten. Sie konnte Rand hier nicht f�hlen. Oh, er war noch immer genauso sehr in ihrem Kopf wie Birgitte, ein felsengleicher Knoten aus Gef�hlen und k�rperlichen Empfindungen, der jetzt, da Rand weit weg war, sogar noch schwerer zu deuten war, doch hier im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> vermochte sie nicht zu sagen, in welcher Richtung er sich befand. Sie vermisste dieses Wissen, so geringf�gig es auch war. Sie vermisste ihn.</p><p>Banner erschienen an den Fahnenmasten und blieben gerade lange genug, um einmal m�de zu flattern. Lange genug, um einen roten Adler sichtbar werden zu lassen, der �ber ein blaues Feld flog. Nicht <emphasis>einen</emphasis> roten Adler: der Rote Adler. Als sie diesen Ort einmal mit Nynaeve im <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> besucht hatte, hatte sie geglaubt, ihn gesehen zu haben, sp�ter dann aber entschieden, dass es ein Irrtum gewesen war. Meister Norry hatte sie aufgekl�rt. Sie liebte Rand, aber falls jemand an dem Ort seiner Jugend versuchte, Manetheren aus seinem uralten Grab wiederauferstehen zu lassen, w�rde sie das zur Kenntnis nehmen m�ssen, so sehr ihn das auch schmerzen w�rde. Dieses Banner und dieser Name verk�rperten noch immer genug Macht, um Andor zu bedrohen.</p><p>�Ich habe von Bode Cauthon und anderen Novizinnen aus der Heimat von den Ver�nderungen geh�rt�, fuhr Egwene fort und betrachtete die um den Dorfplatz stehenden H�user stirnrunzelnd, �aber davon war keine Rede.� Die meisten der H�user waren aus Stein. Neben dem gewaltigen Steinfondament eines viel gr��eren Hauses stand eine winzige Schenke, aus deren Mitte eine pr�chtige Eiche wuchs, aber auf der anderen Seite des Fundaments war etwas, das wie eine viel gr��ere Schenke aussah, so gut wie fertig gestellt, und �ber dessen T�r hing bereits ein Schild mit der Aufschrift <emphasis>Die Bogensch�tzen.</emphasis> �Ich w�rde gerne wissen, ob mein Vater noch B�rgermeister ist. Geht es meiner Mutter gut? Meinen Schwestern?�</p><p>�Ich wei�, dass du morgen das Heer abr�cken l�sst�, sagte Elayne, �wenn es nicht schon Morgen ist, aber sobald du Tar Valon erreicht hast, wirst du doch sicherlich ein paar Stunden Zeit finden, um ihnen einen Besuch abzustatten.� Das Schnelle Reisen machte solche Dinge einfach. Vielleicht sollte sie selbst jemanden nach Emondsfelde schicken. Wenn sie herausgefunden hatte, wem sie eine solche Mission anvertrauen konnte. Falls sie jemanden entbehren konnte, dem sie vertraute.</p><p>Egwene sch�ttelte den Kopf. �Elayne, ich musste Frauen, mit denen ich aufgewachsen bin, eine Pr�gelstrafe verabreichen lassen, weil sie nicht glauben, dass ich der Amyrlin-Sitz bin, oder weil sie der Meinung sind, dass sie die Regeln brechen k�nnen, weil sie mich kennen.� Pl�tzlich lag die Stola mit den sieben farbigen Streifen auf ihren Schultern. Bis sie sie mit einer Grimasse bemerkte und verschwinden lie�. �Ich glaube nicht, dass ich mich Emondsfelde als Amyrlin stellen k�nnte�, sagte sie traurig. �Noch nicht.� Sie rief sich zur Ordnung und ihre Stimme nahm einen energischeren Tonfall an. �Das Rad dreht sich und alles ver�ndert sich. Ich muss mich daran gew�hnen. Ich werde mich daran gew�hnen.� Sie h�rte sich beinahe so an wie Siuan Sanche, so wie sich Siuan in Tar Valon angeh�rt hatte, bevor sich alles ver�nderte. Stola oder nicht, Egwene klang wie der Amyrlin-Sitz. �Bist du sicher, dass ich dir nicht ein paar von Gareth Brynes Soldaten schicken soll? Wenigstens genug, um Caemlyn zu sichern?�</p><p>Pl�tzlich umgab sie funkelnder Schnee, der bis zu ihren Knien reichte. Schnee, der die D�cher mit leuchtend wei�en Hauben versah. Das war nicht das erste Mal, dass so etwas geschah, und die beiden Frauen weigerten sich einfach, sich von der pl�tzlichen K�lte ber�hren zu lassen, statt sich Umh�nge und w�rmere Kleider vorzustellen.</p><p>�Vor dem Fr�hling wird keiner gegen mich ins Feld ziehen�, sagte Elayne. Heere reisten im Winter nicht, es sei denn, sie hatten den Vorteil des Schnellen Reisens auf ihrer Seite, so wie es bei Egwenes Heer der Fall war. Der Schnee verhinderte jede Bewegung, und dort, wo er schmolz, trat der Schlamm an seine Stelle. Diese Grenzl�nder hatten ihren Marsch nach S�den vermutlich unter der Annahme begonnen, dass es in diesem Jahr keinen Winter geben w�rde. �Au�erdem wirst du jeden Mann brauchen, wenn du Tar Valon erreichst.�</p><p>Es war keine �berraschung, dass Egwene lediglich zustimmend nickte, ohne das Angebot zu wiederholen. Obwohl sie den ganzen vergangenen Monat gro�e Anstrengungen in der Rekrutierung neuer Mariner unternommen hatten, verf�gte Gareth Bryne noch immer nicht �ber mehr als die H�lfte der Soldaten, die er seiner Aussage zufolge brauchte, um Tar Valon zu erobern. Laut Egwene war er bereit, mit dem anzufangen, was er hatte, aber es bereitete ihr offensichtlich Sorgen. �Ich muss harte Entscheidungen treffen, Elayne. Das Rad webt, wie es das Rad will, aber ich bin diejenige, die entscheiden muss.�</p><p>Rasch stapfte Elayne durch den Schnee und warf die Arme um Egwene, um sie zu umarmen. Das hei�t, am Anfang stapfte sie. Als sie die andere Frau an sich zog, verschwand der Schnee, ohne auch nur eine feuchte Stelle auf ihren Kleidern zu hinterlassen. Die beiden stolperten, als w�rden sie miteinander tanzen, und w�ren beinahe gefallen.</p><p>�Du wirst die richtigen Entscheidungen treffen�, sagte Elayne und lachte, obwohl ihr nicht dazu zumute war. Egwene fiel nicht in ihr Lachen ein.</p><p>�Ich hoffe es�, sagte sie ernst, �denn was auch immer ich entscheide, Menschen werden deswegen sterben.� Sie t�tschelte Elaynes Arm. �Nun, du verstehst diese Art von Entscheidungen, nicht wahr? Wir beide m�ssen zur�ck in unsere Betten.� Sie z�gerte, bevor sie weitersprach. �Elayne, wenn dich Rand wieder besucht, dann musst du mich wissen lassen, was er gesagt hat, ob er dir einen Hinweis gibt, was er vorhat oder wo er hinwill.�</p><p>�Ich werde dir sagen, was ich wei�, Egwene.� Elayne versp�rte einen Stich der Schuld. Sie hatte Egwene alles erz�hlt, oder zumindest fast alles, aber sie hatte ihr verschwiegen, dass sie Rand mit Min und Aviendha verbunden hatte. Das Burggesetz verbot nicht, was sie getan hatten. Das hatte die gr�ndliche Befragung Vandenes ergeben. Ob man es aber gestatten w�rde, war keineswegs sicher. Doch ein von Birgitte rekrutierter S�ldner aus Arafel hatte gesagt: �Was nicht verboten ist, ist erlaubt.� Das klang fast so wie eines von Linis alten Sprichw�rtern, obwohl sie bezweifelte, dass ihre alte Amme jemals so nachsichtig sein w�rde. �Du beunruhigst ihn, Egwene. Ich meine, mehr als sonst. Ich wei� es. Warum?�</p><p>�Daf�r habe ich meine Gr�nde, Elayne. Die Augen-und-Ohren berichten sehr besorgniserregende Ger�chte. Ich hoffe, es sind nur Ger�chte, aber wenn sie es nicht sind...� Jetzt war sie wirklich der Amyrlin-Sitz, eine kleine schlanke junge Frau, die so stark wie Stahl und so gewaltig wie ein Berg erschien. In ihren dunklen Augen lag Entschlossenheit. �Ich wei�, dass du ihn liebst. Ich liebe ihn auch. Aber ich versuche nicht, die Wei�e Burg zu Heilen, nur damit er die Aes Sedai wie <emphasis>Dom�ne</emphasis> an die Leine legen kann. Schlaf gut und tr�ume etwas Sch�nes, Elayne. Sch�ne Tr�ume sind viel wertvoller, als die Menschen wissen.� Und sie war verschwunden, zur�ckgekehrt in die wache Welt.</p><p>Einen Augenblick lang stand Elayne da und starrte auf die Stelle, wo Egwene gestanden hatte. Wovon hatte sie gesprochen? Rand w�rde das niemals tun! Und nur wenn er es aus Liebe zu ihr tat, er w�rde es nicht tun! Sie stie� den steinharten Knoten im hinteren Teil ihres Bewusstseins an. Da er so weit weg war, leuchteten die goldenen Adern nur in der Erinnerung. Er w�rde das sicher nicht tun. Voller Sorge kehrte sie aus dem Traum zur�ck in ihren schlafenden K�rper.</p><p>Sie brauchte Schlaf, aber sie war noch nicht richtig in ihrem K�rper, als auch schon Sonnenlicht auf ihre Lider fiel. Welche Stunde war es? Sie hatte Termine wahrzunehmen, Pflichten zu erf�llen. Sie wollte einen Monat lang schlafen. Sie rang mit der Pflicht, aber die Pflicht siegte. Vor ihr lag ein arbeitsreicher Tag. Jeder Tag war ein arbeitsreicher Tag. Sie �ffnete die Augen; sie f�hlten sich an, so als h�tte sie �berhaupt nicht geschlafen. Dem Winkel des durch das Fenster einfallenden Lichts nach zu urteilen, war Sonnenaufgang schon lange vorbei. Sie h�tte einfach hier liegen bleiben k�nnen. Pflicht. Aviendha bewegte sich im Schlaf und Elayne stie� sie fest in die Rippen. Wenn sie schon wach sein musste, dann sollte Aviendha auch nicht herumtr�deln d�rfen.</p><p>Aviendha erwachte mit einem Ruck und reckte sich nach dem Messer, das auf dem kleinen Tisch neben dem Bett lag. Bevor ihre Hand den dunklen Horngriff ber�hrte, lie� sie sie zur�ckfallen. �Etwas hat mich geweckt�, murmelte sie. �Ich dachte, eine Shaido w�rde ... sieh dir die Sonne an! Warum hast du mich so lange schlafen lassen?�, wollte sie wissen und kroch auf allen vieren aus dem Bett. �Nur weil ich bei dir bleiben darf� � die Worte kamen einen Augenblick lang ged�mpft, als sie sich das vom Schlaf zerknitterte Unterhemd �ber den Kopf streifte � �hei�t das nicht, dass Monaelle mich nicht mit der Rute schl�gt, wenn sie mich f�r faul h�lt. Willst du den ganzen Tag liegen bleiben?�</p><p>St�hnend kroch Elayne aus dem Bett. Essande wartete bereits an der T�r zum Ankleidezimmer; sie weckte Elayne nie, es sei denn, Elayne dachte daran, es zu befehlen. Elayne ergab sich der beinahe stummen Hilfe der wei�haarigen Frau, w�hrend sich Aviendha allein anzog, aber ihre Schwester machte Essandes Stille wieder wett, indem sie lachend Kommentare abgab. So dass sie sich wieder wie ein Baby f�hlen musste, da sie doch ein anderer anzog, oder dass sie m�glicherweise verga�, wie man sich allein anzog und jemanden brauchte, um sie anzukleiden. Sie hatte das so ziemlich jeden Morgen getan, seit sie angefangen hatte, dasselbe Bett zu teilen. Aviendha fand das alles sehr witzig. Elayne sagte kein Wort, sie antwortete nur auf die Vorschl�ge der Ankleidefrau bez�glich ihrer Kleidung, bis der letzte Perlmuttknopf zugekn�pft war und sie sich in Spiegel betrachtete.</p><p>�Essande�, sagte sie dann beil�ufig, �sind Aviendhas Kleider bereit?� Das Gewand aus blauem Tuch mit den silbernen Stickereien w�rde f�r das ausreichen, was sie heute zu erledigen hatte.</p><p>Essandes Miene hellte sich auf. �Lady Aviendhas h�bsche Seide und Spitze, meine Lady? O ja. Alles ausgeb�rstet und gewaschen und geb�gelt und wegger�umt.� Sie zeigte auf die Garderoben, die die eine Wand s�umten.</p><p>Elayne l�chelte ihre Schwester �ber die Schulter an. Aviendha starrte die Garderoben an, als enthielten sie giftige Vipern, schluckte dann und beeilte sich, das dunkle zusammengefaltete Tuch um den Kopf zu binden.</p><p>Als Elayne Essande entlassen hatte, sagte sie: �Nur f�r den Fall, dass du sie brauchst.�</p><p>�Gut�, murmelte Aviendha und legte ihre silberne Halskette um. �Keine Witze mehr �ber die Frau, die dich anzieht.�</p><p>�Gut. Oder ich befehle ihr, <emphasis>dich</emphasis> anzuziehen. Das w�re bestimmt am�sant.�</p><p>Aviendha murmelte etwas beinahe Unverst�ndliches �ber Leute, die keinen Humor hatten; sie war offensichtlich anderer Meinung. Elayne rechnete halb damit, dass sie verlangte, alle f�r sie besorgten Gew�nder wegzugeben. Eigentlich �berraschte sie es, dass sie es nicht schon l�ngst getan hatte.</p><p>Das f�r Aviendha im Wohnzimmer bereitgestellte Fr�hst�ck bestand aus gep�keltem Schinken mit Rosinen, mit getrockneten Pflaumen gekochte Eier, ged�rrtem Fisch mit Pinienn�ssen, frischem Brot mit Butter und Tee mit so viel Honig, dass er so dick wie Sirup war. Nun, das war etwas �bertrieben, aber so hatte es den Anschein. Elayne nahm keine Butter auf ihr Brot, nur ganz wenig Honig im Tee und statt dem Rest hei�en Haferbrei mit Krautern, die angeblich besonders gesund sein sollten. Sie f�hlte sich nicht, als w�re sie schwanger, ganz egal was Min Aviendha gesagt hatte, aber sie hatte es auch Birgitte erz�hlt, sobald sie mit ihrem Trinkgelage angefangen hatten. Dank der Bem�hungen ihrer Beh�terin, Dyelins und Reene Harfors sah sie sich nun mit einer Kost konfrontiert, die �f�r eine Frau in ihrem Zustand� angemessen war. Wenn sie sich aus der K�che etwas S��es kommen lie�, kam das aus unerfindlichen Gr�nden nie bei ihr an, und wenn sie sich selbst dort hinunterschlich, schenkten die K�che ihr solch missbilligende Blicke, dass sie sich unverrichteter Dinge wieder davonstahl.</p><p>Eigentlich trauerte sie dem gew�rzten Wein und den S��igkeiten und den anderen Dingen, die ihr nun verboten waren, gar nicht nach � zumindest nicht sehr, ausgenommen in jenen Augenblicken, in denen Aviendha sich einen Pudding oder ein St�ck Kuchen reinschaufelte. <emphasis>Aber jeder</emphasis> im Palast wusste, dass sie schwanger war. Und das bedeutete nat�rlich, dass sie auch wussten, wie sie in diesen Zustand gekommen war, wenn nicht durch wen.</p><p>Die M�nner waren nicht so schlimm, wenn man davon absah, dass sie es <emphasis>wussten,</emphasis> und sie <emphasis>ivusste,</emphasis> dass sie es wussten, aber die Frauen machten sich nicht die M�he, es zu verbergen. Ob sie es akzeptierten oder verurteilten, die eine H�lfte sah sie an, als w�re sie ein leichtes M�dchen, w�hrend die andere H�lfte es nachdenklich tat. Sie zwang sich, den Haferbrei herunterzuschlucken � eigentlich war er gar nicht so �bel, aber sie h�tte wirklich gern etwas von dem Schinken gehabt, den Aviendha aufschnitt, oder von den Eiern mit Pflaumen �, l�ffelte Haferbrei in den Mund und freute sich fast schon auf die morgendliche �belkeit, damit sie ihren aufgew�hlten Magen mit Birgitte teilen konnte.</p><p>Der erste Besucher, der an diesem Morgen ihre Gem�cher besuchte, war unter den Frauen des Palasts der aussichtsreichste Kandidat f�r die Vaterschaft ihres gerade empfangenen Kindes.</p><p>�Meine K�nigin�, sagte Hauptmann Mellar und zog den mit einer Feder geschm�ckten Hut schwungvoll vom Kopf und verbeugte sich anmutig. �Der Erste Schreiber erwartet das Vergn�gen der Gesellschaft Eurer Majest�t.� Die dunklen Augen des Hauptmanns, die nie zu blinzeln schienen, verk�ndeten, dass er niemals Tr�ume von den M�nnern haben w�rde, die er t�tete, und die mit Spitze ges�umte Sch�rpe quer �ber seiner Brust und die Spitze an Kragen und �rmeln lie� ihn nur noch h�rter aussehen. Aviendha wischte sich mit der Serviette Fett vom Kinn und betrachtete ihn ausdruckslos. Die beiden Gardistinnen zu beiden Seiten der T�r verzogen kaum merklich das Gesicht. Mellar hatte bereits den Ruf, Gardistinnen in den Hintern zu kneifen, zumindest die h�bscheren unter ihnen, ganz zu schweigen davon, dass er sich in den Schenken der Stadt �ber ihre F�higkeiten ver�chtlich machte. In den Augen der Gardistinnen war Letzteres viel schlimmer.</p><p>�Ich bin noch nicht die K�nigin, Hauptmann�, sagte Elayne kurz angebunden. Sie versuchte, sich bei dem Mann immer so kurz wie m�glich zu fassen. �Wie geht es mit der Rekrutierung meiner Leibwache voran?�</p><p>�Bis jetzt sind es nur zweiunddrei�ig, meine Lady.� Den Hut noch immer in den H�nden, legte der scharf gesichtige Mann beide H�nde auf den Schwertgriff; seine l�ssige Haltung war kaum passend in der Gegenwart der Frau, die er seine K�nigin genannt hatte. Genauso wenig wie sein Grinsen. �Lady Birgitte hat strenge Anforderungen. Nicht viele Frauen erf�llen sie. Gebt mir zehn Tage und ich finde hundert M�nner, die besser sind und Euch genauso in ihren Herzen bewahren, wie ich das tue.�</p><p>�Ich glaube nicht, Hauptmann Mellar.� Es kostete sie M�he, nicht k�hl zu klingen. Er musste die Ger�chte geh�rt haben, die �ber sie und ihn im Umlauf waren. Konnte er glauben, dass sie, nur weil sie sie nicht bestritten hatte, ihn tats�chlich attraktiv fand? Sie schob die zur H�lfte geleerte Sch�ssel mit Haferbrei von sich und unterdr�ckte einen Schauder. Zweiunddrei�ig, bis jetzt? Die Zahlen wuchsen schnell. Einige der J�ger des Horns, die einen Rang verlangt hatten, waren zu dem Schluss gekommen, dass der Dienst in Elaynes Leibwache einen gewissen Reiz hatte. Sie sah ein, dass die Frauen nicht Tag und Nacht Dienst schieben konnten, aber ganz egal, was Birgitte sagte, das Ziel von einhundert erschien �bertrieben. Doch schon die Andeutung, dass auch weniger reichten, lie� die Frau stur reagieren. �Bitte sagt dem Ersten Sekret�r, ich lasse bitten�, sagte sie. Er schenkte ihr eine weitere schwungvolle Verbeugung.</p><p>Sie stand auf, um ihm zu folgen, und als er einen der mit einem geschnitzten L�wen verzierten T�rfl�gel �ffnete, legte sie ihm die Hand auf den Arm und l�chelte. �Nochmals danke, dass Ihr mir das Leben gerettet habt, Hauptmann�, sagte sie, und diesmal lag genug W�rme in ihrer Stimme.</p><p>Der Bursche grinste sie doch tats�chlich unversch�mt an! Die Gardistinnen starrten reglos geradeaus, sowohl jene, die sie drau�en im Korridor sehen konnte, bevor sich die T�r hinter ihm schloss, als auch die, die drinnen stationiert waren, und als sich Elayne umdrehte, starrte Aviendha sie mit fast dem gleichen ausdruckslosen Blick an, den sie f�r Mellar �brig gehabt hatte. Es lag ein gewisses Gef�hl darin: reines Erstaunen. Elayne seufzte.</p><p>Sie ging �ber den Teppich, beugte sich herunter und legte den Arm um ihre Schwester, dann sprach sie so leise, dass nur sie es h�ren konnte. Sie vertraute den Frauen ihrer Leibwache Dinge an, die sie sonst nur wenigen mitteilte, aber es gab einige Angelegenheiten, die sie ihnen nicht zu sagen wagte. �Ich sah eine vorbeigehende Dienerin, Aviendha. Dienerinnen klatschen noch mehr als M�nner. Je mehr glauben, dass es Doilin Meilars Kind ist, desto ungef�hrdeter wird es sein. Falls n�tig lasse ich mir von dem Mann sogar in den Hintern kneifen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Aviendha langsam und betrachtete ihren Teller so aufmerksam, als w�rde sie etwas anderes als die Eier und Pflaumen sehen, die sie nun mit dem L�ffel hin und her schob.</p><p>Meister Norry pr�sentierte seine gew�hnliche Mischung aus allt�glichem Palastbetrieb und Stadtleben, Einzelheiten aus seiner Korrespondenz mit ausl�ndischen Hauptst�dten und den Informationen von Kaufleuten und Bankiers und anderen Leuten, die au�erhalb der Grenzen zu tun hatten, aber seine erste Neuigkeit war bei weitem die f�r Elayne wichtigste, wenn nicht sogar die interessanteste.</p><p>�Die beiden wichtigsten Bankiers der Stadt sind ... zug�nglich geworden, meine Lady�, sagte er mit seiner staubtrockenen Stimme. Die Ledermappe an die Brust gedr�ckt, warf er Aviendha einen Seitenblick zu. Er hatte sich noch immer nicht an ihre Gegenwart bei seinen Berichten gew�hnt. Oder an die Leibw�chterinnen. Aviendha fletschte die Z�hne und er blinzelte und hustete dann in seine knochige Hand. �Meister Hoffley und Frau Andscale waren zuerst etwas ... z�gerlich, aber sie kennen den Markt f�r Alaun genauso gut wie ich. Man kann zwar noch nicht mit Sicherheit sagen, dass ihre Schatzkammern nun die Euren sind, aber ich habe in die Wege geleitet, dass zwanzigtausend Goldkronen in die Schatzkammer des Palasts gebracht werden, und wenn n�tig gibt es noch mehr.�</p><p>�Informiert die Lady Birgitte�, sagte Elayne und verbarg ihre Erleichterung. Birgitte hatte noch nicht genug Gardesoldaten in Dienst gestellt, um eine Stadt von der Gr��e Caemlyns verteidigen, geschweige denn etwas anderes tun zu k�nnen, aber vor dem Fr�hling waren keine Eink�nfte von ihren G�tern zu erwarten, und die S�ldner <emphasis>waren</emphasis> teuer. Jetzt w�rde sie die M�nner nicht wegen mangelndem Gold verlieren, bevor Birgitte die n�tigen M�nner f�r ihren Ersatz rekrutieren konnte. �Weiter, Meister Norry.�</p><p>�Ich f�rchte, den Abwasserkan�len muss eine hohe Priorit�t einger�umt werden, meine Lady. Die Ratten vermehren sich in ihnen, als w�re es schon Fr�hling, und ...�</p><p>Er warf alles zusammen, so wie er es f�r wichtig hielt. Norry schien es als pers�nliche Niederlage aufzufassen, dass er immer noch nicht in Erfahrung gebracht hatte, wer Elenia und Naean befreit hatte, dabei war seit ihrer Rettung nicht mal eine ganze Woche verstrichen. Der Getreidepreis stieg in exorbitante H�hen, genau wie bei allen Lebensmitteln, und es war bereits abzusehen, dass die Reparaturen des Palastdaches l�nger dauern und teurer sein w�rden, als die Steinmetze veranschlagt hatten, aber Lebensmittel wurden immer teurer, w�hrend der Winter seinen Verlauf nahm, und Steinmetze kosteten immer mehr, als sie veranschlagt hatten. Norry r�umte ein, dass die letzten Briefe aus Neu-Braem mehrere Tage alt waren, aber die Grenzl�nder waren anscheinend damit zufrieden, dort zu bleiben, wo sie waren, was er nicht verstehen konnte. Jedes Heer, vor allem eines, das angeblich so gro� war, h�tte das Umland mittlerweile v�llig leerpl�ndern m�ssen. Elayne verstand es auch nicht, aber sie war zufrieden, dass es so war. Ger�chte aus Cairhien, dass Aes Sedai Rand den Lehnseid schworen, gaben Egwenes Sorgen wenigstens einen Grund, obwohl es sehr unwahrscheinlich erschien, dass eine Schwester tats�chlich so etwas tat. Norrys Einsch�tzung zufolge war das die uninteressanteste Neuigkeit, aber Elayne sah das anders. Rand konnte es sich nicht leisten, sich die Schwestern um Egwene abspenstig zu machen. Er konnte es sich nicht leisten, sich �berhaupt <emphasis>eine</emphasis> Aes Sedai abspenstig zu machen. Aber er schien immer wieder M�glichkeiten zu finden, es zu tun.</p><p>Kurz nach Halwin Norry kam Reene Harfor herein, nickte den Gardistinnen an der T�r zu und schenkte Aviendha ein offenes L�cheln. Falls die pummelige grauhaarige Frau je missbilligt hatte, dass Elayne Aviendha eine Schwester nannte, hatte sie es sich nie anmerken lassen, und mittlerweile schien sie es ehrlich zu begr��en. Aber auch wenn sie l�chelte, war ihr Bericht viel ernster als alles, was der Erste Sekret�r zu berichten gehabt hatte.</p><p>�Jon Skellit wird von Haus Arawn bezahlt, meine Lady�, sagte Reene, und ihr rundes Gesicht war streng genug, um einem Henker geh�ren zu k�nnen. �Er ist jetzt zweimal dabei gesehen worden, wie er von M�nnern Geldb�rsen angenommen hat, von denen man wei�, dass sie Arawn unterst�tzen. Und es besteht kein Zweifel, dass Ester Norham in jemandes Diensten steht. Sie stiehlt nicht, aber sie hat �ber f�nfzig Goldkronen unter einer losen Bodendiele versteckt, und gestern Abend hat sie zehn Kronen hinzugef�gt.�</p><p>�Verfahrt mit ihnen wie mit den anderen�, sagte Elayne traurig. Bis jetzt hatte die Haushofmeisterin neun Spione enttarnt, bei denen sie sich sicher war, und vier davon wurden von Leuten besch�ftigt, deren Identit�t sie noch nicht hatte aufdecken k�nnen. Dass Reene �berhaupt welche gefunden hatte, reichte schon aus, um Elayne zu �rgern, aber bei dem Barbier und der Friseurin war das etwas anderes. Beide hatten schon in den Diensten ihrer Mutter gestanden. Eine Schande, dass sie es nicht f�r angebracht gehalten hatten, ihre Loyalit�t auf Morgases Tochter zu �bertragen.</p><p>Aviendha verzog das Gesicht, als Frau Harfoor murmelte, sie w�rde sich darum k�mmern, aber es war sinnlos, die Spione zu entlassen oder sie zu t�ten, wie es die Aiel vorgeschlagen hatte. Sie w�rden blo� von Spionen ersetzt, die sie nicht kannte. <emphasis>Ein Spion ist das Werkzeug deines Feindes, bis du seine Identit�t kennst,</emphasis><emphasis>hatte ihre Mutter gesagt,</emphasis><emphasis>aber dann ist er dein Werkzeug.</emphasis><emphasis>Und Thom hatte gesagt:</emphasis><emphasis>Entdeckst du einen Spion, dann wickle ihn ein und f�ttere ihn mit einem L�ffel.</emphasis> Man w�rde den M�nnern und Frauen, die sie verraten hatten, �erlauben�, das zu entdecken, was sie f�r angebracht hielt, und nicht alles w�rde der Wahrheit entsprechen, so wie die Zahl der Leute, die Birgitte rekrutiert hatte.</p><p>�Und die andere Angelegenheit, Frau Harfor?�</p><p>�Noch nichts, meine Lady, aber ich bin sehr zuversichtlich�, sagte Reene noch grimmiger als zuvor. �Ich bin sehr zuversichtlich.�</p><p>Nach der Haushofmeisterin kamen zwei Kaufmannsdelegationen, zuerst eine gro�e Gruppe Kandori mit edelsteinbesetzten Ohrringen und silbernen Gildenketten �ber der Brust und im Anschluss ein halbes Dutzend Illianer, deren schlichte M�ntel und Gew�nder nur einen Hauch von Stickereien aufwiesen. Sie benutzte einen der kleinen Audienzr�ume. Die Wandteppiche, die den Marmorkamin flankierten, zeigten Jagdszenen und nicht den Wei�en L�wen, und die polierten h�lzernen Wandvert�felungen waren nicht mit Schnitzwerk verziert. Es handelte sich um Kaufleute, nicht um Diplomaten, obwohl sich einige von ihnen anscheinend herabgesetzt f�hlten, weil sie ihnen nur Wein anbot und nicht mit ihnen trank. Sowohl Kandori wie auch Illianer betrachteten die beiden Gardesoldatinnen misstrauisch, die ihr in den Raum gefolgt waren und sich an der T�r postiert hatten, obwohl sie mittlerweile von dem Anschlag auf ihr Leben geh�rt haben mussten. Sechs weitere Leibw�chterinnen warteten drau�en vor der T�r.</p><p>Die Kandori musterten Aviendha verstohlen, wenn sie Elayne nicht aufmerksam zuh�rten, und die Illianer vermieden nach dem ersten �berraschten Blick jeden Augenkontakt mit ihr. Zweifellos ma�en sie der Anwesenheit einer Aiel Bedeutung zu, selbst wenn sie nur in einer Ecke auf dem Boden sa� und schwieg, aber sowohl Kandori wie auch Illianer wollten das Gleiche, n�mlich die Versicherung, dass Elayne den Wiedergeborenen Drachen auf keinen Fall ver�rgerte, damit er nicht seine Heere und Aiel losschickte, um Andor zu verw�sten, was den Handel empfindlich st�ren w�rde; nat�rlich sagten sie es nicht geradeheraus. So wie sie auch nicht erw�hnten, dass sowohl die Aiel wie auch die Legion des Drachen nicht weit von Caemlyn entfernt gro�e Heerlager unterhielten. Die h�flichen Fragen nach ihren weiteren Pl�nen, nachdem sie nun das Drachenbanner und die Banner des Lichts aus Caemlyn entfernt hatte, reichten aus. Sie sagte ihnen, was sie allen sagte, dass Andor sich mit dem Wiedergeborenen Drachen verb�nden w�rde, aber nicht seine Unterwerfung darstellte. Im Gegenzug w�nschten sie ihr alles Gute und deuteten an, dass sie ihren Anspruch auf den L�wenthron von ganzem Herzen unterst�tzten, ohne das jedoch mit deutlichen Worten zu sagen. Schlie�lich wollten sie im Falle ihres Scheiterns von demjenigen, der die Krone eroberte, weiterhin in Andor willkommen gehei�en werden.</p><p>Nachdem die Illianer ihre Verbeugungen und Hofknickse gemacht und gegangen waren, schloss Elayne einen Augenblick lang die Augen und massierte sich die Schl�fen. Vor dem Mittagessen stand noch ein Treffen mit einer Delegation der Glasmacher auf der Tagesordnung, danach f�nf weitere mit Kaufleuten und Handwerkern; es war ein gesch�ftiger Tag, voller glattz�ngiger Plattit�den und Doppeldeutigkeiten. Und da Nynaeve und Merilille weg waren, war sie am Abend mit dem Unterricht f�r die Windsucherinnen dran, eine bestenfalls weniger angenehme Erfahrung als die schlimmste Audienz mit Kaufleuten. Was ihr nur wenig Zeit lassen w�rde, um das <emphasis>Ter 'angreal</emphasis> zu studieren, das sie aus Ebou Dar mitgebracht hatten, bevor sie dann so m�de war, dass sie nicht l�nger die Augen offen halten konnte. Es war peinlich, wenn Aviendha sie halb zum Bett tragen musste, aber sie konnte nicht k�rzer treten. Es gab zu viel zu tun und der Tag hatte nicht genug Stunden.</p><p>Bis zur Ankunft der Glasmacher war fast noch eine Stunde Zeit, aber Aviendha hatte f�r ihren Vorschlag, jetzt einen Blick auf die Gegenst�nde aus Ebou Dar zu werfen, nicht mal ein L�cheln �brig.</p><p>�Hat Birgitte mit dir gesprochen?�, wollte Elayne wissen, w�hrend ihre Schwester sie eine schmale Treppe beinahe hinaufzerrte. Vier Gardistinnen gingen voraus und die anderen folgten ihnen, und sie alle ignorierten beflissen ihre Unterhaltung mit Aviendha. Obwohl sie den Eindruck hatte, dass Rasoria Domanche, eine st�mmige J�gerin des Horns mit blauen Augen und blonden Haaren, wie man es gelegentlich unter Tairenern fand, leicht schmunzelte.</p><p>�Brauche ich sie, um zu wissen, dass du zu viele Stunden im Palast verbringst und zu wenig schl�fst?�, erwiderte Aviendha ver�chtlich. �Du brauchst frische Luft.�</p><p>Die Luft in dem hohen S�ulengang war mit Sicherheit frisch. Und k�hl, obwohl die Sonne hoch am grauen Himmel stand. Ein kalter Wind wehte um die glatten S�ulen, so dass die Gardistinnen, die bereit standen, sie vor den Tauben zu besch�tzen, ihre befiederten H�te festhalten mussten. Elayne weigerte sich st�rrisch, die k�hle Brise zu ignorieren.</p><p>�Dyelin hat mit dir geredet�, murmelte sie zitternd. Dyelin behauptete, eine Schwangere w�rde jeden Tag lange Spazierg�nge brauchen. Sie hatte es eilig gehabt, Elayne daran zu erinnern, dass sie, ob nun Tochter-Erbin oder nicht, zurzeit eigentlich nur die Hohe Herrin von Haus Trakand war, und falls die Hohe Herrin von Trakand mit der Hohen Herrin von Taravin sprechen wollte, dann entweder nur, wenn sie die Palastkorridore erklomm, oder gar nicht.</p><p>�Monaelle hat sieben Kinder geboren�, erwiderte Aviendha. �Sie sagt, ich muss daf�r sorgen, dass du an die frische Luft kommst.� Obwohl sie nur ihr Schultertuch hochgezogen hatte, gab es keinerlei Anzeichen, dass sie den Wind f�hlte. Aber Aiel waren so gut wie die Schwestern darin, die Elemente zu ignorieren. Elayne verschr�nkte die Arme und schaute finster drein.</p><p>�H�r auf zu schmollen, Schwester�, sagte Aviendha. Sie zeigte nach unten auf einen der Stallh�fe, der hinter den wei�en Ziegeld�chern noch gerade eben zu sehen war. �Schau, Reanne Corly sieht bereits nach, ob Merilille Ceandevin zur�ckkehrt.� Der vertraute waagerechte Strich aus Licht erschien auf dem Stallhof und rotierte zu einer zehn Fu� breiten und hohen �ffnung in der Luft.</p><p>Elayne sah m�rrisch auf Reannes Kopf hinunter. Sie <emphasis>schmollte</emphasis> nicht. Vielleicht h�tte sie Reanne das Schnelle Reisen nicht beibringen sollen, da die Kusine noch keine Aes Sedai war. Aber keine der anderen Schwestern war stark genug, um das Muster weben zu k�nnen, und wenn es die Windsucherinnen lernen durften, dann hatten ihrer Meinung nach die paar Kusinen, die dazu in der Lage waren, das gleiche Recht dazu. Davon abgesehen konnte sie nicht alles allein machen. Licht, war der Winter so kalt gewesen, bevor sie gelernt hatte, sich weder von Hitze noch von K�lte ber�hren zu lassen?</p><p>Zu ihrer �berraschung ritt Merilille durch das Wegetor und sch�ttelte Schnee von ihrem mit dunklem Pelz ges�umten Umhang, gefolgt von den Gardesoldaten, die man vor sieben Tagen zusammen mit ihr losgeschickt hatte. Zaida und die Windsucherinnen hatten ihr Verschwinden sehr unwirsch aufgenommen, um es h�flich auszudr�cken, aber die Graue hatte sich f�rmlich auf die Gelegenheit gest�rzt, ihnen f�r kurze Zeit zu entkommen. Es war n�tig gewesen, jeden Tag nach ihr Ausschau zu halten und ein Tor an derselben Stelle zu �ffnen, doch Elayne hatte sie bestenfalls in einer Woche zur�ckerwartet. Als der letzte der zehn Soldaten mit den roten Umh�ngen den Hof betrat, stieg die schlanke Graue Schwester aus dem Sattel, gab ihre Z�gel einem Stallm�dchen und eilte mit einer solchen Hast in den Palast, dass das M�dchen ihr kaum den Weg frei machen konnte.</p><p>�Ich genie�e die frische Luft�, sagte <emphasis>Elayne,</emphasis> die nur m�hsam ein Z�hneklappern unterdr�cken konnte, �aber wenn Merilille zur�ck ist, muss ich nach unten.� Aviendha zog die Brauen zusammen, als w�rde sie vermuten, dass die Ablenkung nicht zuf�llig geschah, aber sie war die Erste, die in Richtung Treppe ging. Merililles R�ckkehr war wichtig und ihrer Eile nach zu urteilen brachte sie entweder sehr gute oder schlimme Neuigkeiten.</p><p>Als Elayne und ihre Schwester das Wohnzimmer betraten � nat�rlich gefolgt von zwei Gardistinnen, die zu beiden Seiten der T�r Aufstellung nahmen �, erwartete Merilille sie bereits. Ihr feuchter Umhang lag �ber einer Stuhllehne, die hellgrauen Reithandschuhe steckten hinter ihrem G�rtel, und ihr schwarzes Haar h�tte eine B�rste gebrauchen k�nnen. Mit den purpurfarbenen Halbmonden unter den Augen sah Merililles blasses Gesicht so m�de aus, wie Elayne sich f�hlte.</p><p>So schnell sie vom Stallhof hinaufgekommen war, war sie dennoch nicht allein. Birgitte stand stirnrunzelnd da, eine Hand auf den verzierten Kaminsirns gelegt. Mit der anderen hielt sie ihren langen goldenen Zopf; dabei sah sie fast wie Nynaeve aus. Heute trug sie ausladende dunkelgr�ne Hosen und ihren kurzen roten Mantel, eine Kombination, die die Augen schmerzen lie�. Und Hauptmann Mellar verbeugte sich artig vor Elayne und wedelte mit dem mit einer wei�en Feder geschm�ckten Hut herum. Er hatte hier nichts zu suchen, aber sie lie� ihn bleiben und schenkte ihm sogar ein L�cheln. Ein <emphasis>herzliches</emphasis> L�cheln.</p><p>Die pummelige junge Dienerin, die gerade ein gro�es Silbertablett auf einer Anrichte abgestellt hatte, blinzelte und starrte Mellar mit gro�en Augen an, bevor sie sich daran erinnerte, vor dem Gehen einen Hofknicks zu machen. Elayne behielt das L�cheln bei, bis sich die T�r geschlossen hatte. Was auch immer ihr Baby besch�tzte, sie war bereit, es zu tun. Auf dem Tablett standen hei�er gew�rzter Wein f�r alle und d�nner Tee f�r sie. Nun, wenigstens war er hei�.</p><p>�Ich hatte ziemliches Gl�ck�, sagte Merilille seufzend, als sie sa�, und warf Mellar �ber den Weinpokal einen argw�hnischen Blick zu. Sie kannte die Geschichte, wie er Elaynes Leben gerettet hatte, aber sie war aufgebrochen, bevor die Ger�chte begannen. �Wie sich herausstellte, hatte Reanne ihr Wegetor keine f�nf Meilen von den Grenzl�ndern entfernt ge�ffnet. Sie sind seit ihrer Ankunft nicht weitergezogen.� Sie r�mpfte die Nase. �Bei jedem anderen Wetter w�re der Gestank der Latrinen und des Pferdedungs �berw�ltigend gewesen. Ihr hattet Recht, Elayne. Alle vier Herrscher sind da, in vier ein paar Meilen voneinander entfernt liegenden Lagern. In jedem ist ein Heer. Ich fand die Schienarer am ersten Tag und ich verbrachte die meiste Zeit mit Gespr�chen mit Easar von Schienar und den anderen dreien. Wir trafen uns jeden Tag in einem anderen Lager.�</p><p>�Ich hoffe, Ihr habt auch etwas Zeit darauf verwendet, Euch umzusehen�, sagte Birgitte respektvoll von ihrer Position vor dem Kamin. Sie behandelte jede Aes Sedai mit Respekt. Nur die nicht, mit der sie verbunden war. �Wie viele sind es?�</p><p>�Ich nehme nicht an, dass Ihr eine korrekte Zahl habt�, warf Mellar ein und klang, als w�rde er es auch nicht erwarten. Dieses eine Mal lag auf seinem schmalen Gesicht kein L�cheln. Er sah in seinen Weinpokal und zuckte mit den Schultern. �Doch was auch immer Ihr gesehen habt, k�nnte von Wert sein. Falls es genug sind, k�nnten sie verhungern, bevor sie Caemlyn bedrohen. Ohne Proviant besteht das gr��te Heer der Welt nur aus wandelnden Leichen.� Er lachte. Birgitte starrte ihn finster an, aber Elayne hob kaum merklich ihre Hand und bedeutete der anderen Frau, den Mund zu halten.</p><p>�Sie haben nicht viele Vorr�te, Hauptmann�, sagte Merilille k�hl und setzte sich trotz ihrer offensichtlichen Ersch�pfung aufrecht hin, �aber sie sind auch noch nicht am Verhungern. Ich w�rde mich nicht darauf verlassen, dass es so weit kommt, was das angeht.� Nach der kurzen Trennung vom Meervolk hatten ihre gro�en Augen den st�ndig �berraschten Ausdruck verloren, und trotz ihrer aalglatten Aes Sedai-Beherrschung war es offensichtlich, dass sie beschlossen hatte, Doilin Mellar nicht zu m�gen, ganz egal, wessen Leben er gerettet hatte. �Was ihre Zahl angeht, ich w�rde sagen, es sind etwas mehr als zweihunderttausend Mann, und ich bezweifle, dass au�er ihren Offizieren jemand genauere Angaben machen k�nnte. Selbst hungrig sind das eine Menge Schwerter.� Mellar zuckte erneut mit den Schultern; der Aes Sedai-Blick schien ihm nichts auszumachen.</p><p>Die schlanke Graue sah ihn nicht wieder an, ignorierte ihn aber auch nicht; als sie fortfuhr, schien er f�r sie so etwas wie ein weiteres M�belst�ck geworden zu sein. �Es sind mindestens zehn Schwestern bei ihnen, Elayne, obwohl sie gro�e Anstrengungen unternehmen, diese Tatsache zu verbergen. Ich glaube nicht, dass es Anh�ngerinnen Egwenes sind, aber sie m�ssen auch nicht auf Elaidas Seite stehen. Ich f�rchte, viele Schwestern verhalten sich abwartend, bis die Schwierigkeiten der Burg geregelt sind.� Sie seufzte wieder, und diesmal vermutlich nicht aus M�digkeit.</p><p>Mit einer Grimasse stellte Elayne ihre Teetasse zur Seite. Die K�che hatte keinen Honig mitgeschickt und sie mochte ihn nicht bitter. �Was wollen sie, Merilille? Die Herrscher, meine ich, nicht die Schwestern.� Zehn Schwestern machten dieses Heer zehnmal so gef�hrlich, vor allem f�r Rand. Nein, f�r jeden. �Sie sitzen doch nicht die ganze Zeit im Schnee, nur weil es ihnen Spa� macht.�</p><p>Die Graue spreizte die zierlichen H�nde. �Ich kann nur Vermutungen anstellen, was die lange Sicht angeht. Was das Hier und Jetzt angeht, wollen sie Euch treffen, und zwar so bald wie m�glich. Nach ihrer Ankunft in der N�he von Neu-Braem haben sie Reiter nach Caemlyn ausgeschickt, aber zu dieser Jahreszeit k�nnte es noch eine Woche oder l�nger dauern, bis sie hier eintreffen. Tenobia von Saldaea ist die Bemerkung entschl�pft � oder sie hat so getan �, dass ihnen bekannt ist, dass Ihr in Verbindung mit einer gewissen Person steht oder sie zumindest n�her kennt, an der sie offensichtlich ein Interesse haben. Sie wissen irgendwoher von Eurer Anwesenheit in Fahne, als dort gewisse Dinge geschahen.� Mellar runzelte verwirrt die Stirn, aber niemand kl�rte ihn auf. �Ich habe wegen der anderen Schwestern nicht enth�llt, dass wir das Schnelle Reisen beherrschen, aber ich sagte, ich k�nnte bald mit einer Antwort zur�ck sein.�</p><p>Elayne wechselte einen Blick mit Birgitte, die ebenfalls mit den Schultern zuckte, obwohl es in ihrem Fall weder aus Gleichg�ltigkeit noch Geringsch�tzung geschah. Elayne hatte gehofft, die Grenzl�nder gegen ihre Konkurrenten bei der Thronanw�rterschaft ins Spiel bringen zu k�nnen, aber das gr��te Problem bestand darin, dass sie nicht wusste, wie sie als die Hohe Herrin von Trakand und Tochter-Erbin einer toten K�nigin etablierten Herrschern gegen�bertreten sollte. Birgittes Schulterzucken besagte, sei dankbar, dass sich dieses Problem gel�st hat, aber Elayne fragte sich, wie die Leute aus den Grenzlanden etwas erfahren hatten, das nur ganz wenigen bekannt war. Und wenn sie es wussten, wie viele dann noch? Sie <emphasis>w�rde</emphasis> ihr ungeborenes Kind besch�tzen!</p><p>�W�rt Ihr bereit, unverz�glich zur�ckzureiten, Merilille?�, fragte sie. Die Schwester erkl�rte sich sofort einverstanden, und der Ausdruck in ihren Augen deutete an, dass sie jede Art von Gestank ertragen w�rde, wenn sie nur den Windsucherinnen noch eine Zeit lang aus dem Weg gehen konnte. �Dann reiten wir zusammen. Wenn sie sich bald mit mir treffen wollen, gibt es daf�r keinen besseren Tag als heute.� Sie wussten zu viel, um das herauszuschieben. Nichts durfte ihr Kind bedrohen. Nichts!</p></section><section><title><p>27</p><p>K�niginnen und K�nige zu �berraschen</p></title><p>Sie konnte nat�rlich nicht einfach verk�nden, dass sie ging; das w�re zu einfach gewesen.</p><p>�Das ist nicht klug, Schwester�, sagte Aviendha unheilvoll, w�hrend Merilille loseilte, um sich frisch zu machen. Und wie sie sich beeilte; die Graue schien schon Ausschau nach dem Meervolk zu halten, bevor sie die Wohnzimmert�r erreicht hatte. Wenn eine Schwester von Elaynes Stellung sagte, geh, dann ging Merilille. Elayne sa� an ihrem Schreibpult, und Aviendha stand �ber sie gebeugt, die Arme verschr�nkt und das Schultertuch so um den Kopf geschlungen, dass sie wie eine Weise Frau aussah. �Das ist sogar alles andere als klug.�</p><p>�Klug?�, knurrte Birgitte und stemmte die F�uste in die H�ften. �Klug? Das M�dchen wurde nicht wissen, was �klug� ist, wenn es sie in die Nase bei�t! Warum diese Eile? Lass Merilille tun, was diese Grauen am besten k�nnen, soll sie eine Unterredung in ein paar Tagen oder auch Wochen arrangieren. K�niginnen hassen es, �berrascht zu werden, und K�nige verabscheuen es geradezu. Glaubt mir, ich wei� es aus eigener Erfahrung. Sie finden eine M�glichkeit, es dich bereuen zu lassen.� Der Beh�terbund spiegelte ihre Wut und Entt�uschung wider.</p><p>�Ich <emphasis>will</emphasis> sie ja �berraschen, Birgitte. Vielleicht hilft es mir ja herauszufinden, was sie alles �ber mich wissen.� Elayne verzog das Gesicht und schob das vollgekleckerte Blatt zur Seite und nahm ein neues aus dem Papierk�stchen aus Rosenholz. Merililles Neuigkeiten hatten ihre M�digkeit verscheucht, aber in klarer, sauberer Handschrift zu schreiben schien schwierig zu sein. Au�erdem musste auch die Formulierung stimmen. Das sollte kein Brief von der Tochter-Erbin von Andor sein, sondern von Elayne Trakand, Aes Sedai der Gr�nen Ajah. Sie mussten das sehen, was <emphasis>sie</emphasis> wollte.</p><p>�Versuch du ihr, Verstand beizubringen, Aviendha�, murmelte Birgitte. �Und falls du es nicht schaffst, sollte ich schon mal damit anfangen, eine halbwegs anst�ndige Eskorte zusammenzustellen.�</p><p>�Keine Eskorte, Birgitte. Nur du. Eine Aes Sedai und ihre Beh�terin. Und Aviendha nat�rlich.� Elayne hielt beim Schreiben inne, um ihre Schwester anzul�cheln, aber sie erwiderte das L�cheln nicht.</p><p>�Ich kenne deinen Mut, Elayne�, sagte Aviendha. �Ich bewundere deinen Mut. Aber selbst <emphasis>Sha'mad Conde</emphasis> wei�, wann es vorsichtig zu sein gilt!� <emphasis>Sie</emphasis> sprach von Vorsicht? Aviendha w�rde Vorsicht nicht mal dann erkennen, wenn sie sie ... nun, wenn sie sie in die Nase biss!</p><p>�Eine Aes Sedai und ihre Beh�terin?�, rief Birgitte aus. �Ich habe dir gesagt, dass du nicht l�nger herumreisen kannst, um Abenteuer zu erleben!�</p><p>�Keine Eskorte�, sagte Elayne energisch und tauchte die Feder f�r den n�chsten Versuch ein. �Das ist kein Abenteuer. Es ist nur die Art und Weise, wie es gemacht werden muss.� Birgitte warf die H�nde in die Luft und knurrte ein paar Fl�che, aber nichts davon war Elayne neu.</p><p>Zu ihrer �berraschung hatte Hauptmann Mellar keine Einw�nde dagegen, sie nicht zu begleiten. Ein Treffen mit vier Herrschern w�rde kaum so langweilig sein wie mit Kaufleuten, aber er bat darum, bleiben zu k�nnen und sich um seine Pflichten zu k�mmern, da sie ihn nicht brauchte. Das kam ihr entgegen. Ein Hauptmann der K�niglichen Garde w�rde nur daf�r sorgen, dass die Grenzl�nder sie fr�her als die Tochter-Erbin betrachteten, als ihr recht war. Ganz zu schweigen davon, dass es Mellar m�glicherweise in den Sinn kam, sie l�stern anzugrinsen.</p><p>Allerdings wurde Hauptmann Mellars Unbek�mmertheit nicht vom Rest ihrer Leibwache geteilt. Eine der Gardistinnen war anscheinend auf dem schnellsten Wege zu Caseille gelaufen, denn die hoch gewachsene Arafelinerin kam in das Wohnzimmer gest�rmt, noch w�hrend Elayne schrieb, und verlangte, sie mit der ganzen Leibwache zu begleiten. Birgitte musste ihr schlie�lich befehlen, den Raum zu verlassen, um ihre Proteste zu beenden.</p><p>Wenigstens dieses eine Mal schien Birgitte zu begreifen, dass sich Elayne nicht umstimmen lassen w�rde, darum ging sie mit Caseille, um sich umzuziehen. Nun, genau genommen stapfte sie fluchend davon und knallte die T�r hinter sich zu, aber wenigstens ging sie. Eigentlich h�tte man annehmen k�nnen, es w�rde sie freuen, f�r kurze Zeit den Mantel des Generalhauptmanns ausziehen zu k�nnen, aber der Bund h�tte genauso gut ein Echo ihrer Fl�che sein k�nnen. Aviendha fluchte nicht, aber sie machte mit ihren Belehrungen weiter. Aber da alles in Windeseile geschehen musste, hatte Elayne eine Entschuldigung, sie zu ignorieren.</p><p>Essande wurde gerufen und fing an, passende Kleidung bereitzulegen, w�hrend Elayne hastig ihr Mittagessen etwas fr�her einnahm. Sie hatte nicht danach geschickt; darum hatte sich offensichtlich Aviendha gek�mmert. Anscheinend hatte Monaelle gesagt, dass das Vers�umen von Mahlzeiten genauso schlimm war, wie zu viel zu essen. Frau Harfor wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass sie sich um die Glasmacher und auch die anderen Delegationen k�mmern musste, und sie nickte zustimmend, jedoch nicht, ohne leicht die Stirn zu runzeln. Bevor sie ging, verk�ndete sie, dass sie Ziegen f�r den Palast gekauft hatte. Elayne musste Ziegenmilch trinken und zwar eine Menge davon. Careane st�hnte, als sie h�rte, dass sie an diesem Abend die Windsucherinnen unterrichten musste, aber wenigstens sparte sie sich eine Bemerkung �ber Elaynes Speiseplan. Tats�chlich hoffte Elayne, bei Einbruch der Nacht wieder zur�ck im Palast zu sein, aber sie erwartete auch, so m�de zu sein, als h�tte sie diesen Unterricht erteilt. Vandene gab ihr auch keine Ratschl�ge, jedenfalls keine dieser Art. Elayne hatte im Rahmen ihres Schulunterrichts auch die Nationen an der Grenze zur Gro�en F�ule studiert und ihr Vorhaben mit der wei�haarigen Gr�nen besprochen, die die Grenzl�nder gut kannte, dennoch h�tte sie Vandene nur zu gern mitgenommen. Jemand, der dort gelebt hatte, w�rde vielleicht Nuancen sehen, die ihr verborgen blieben. Aber sie wagte es nicht, mehr als nur ein paar hastige Fragen zu stellen, w�hrend Essande sie ankleidete, nur um sich ein paar der Dinge wieder ins Ged�chtnis zur�ckzurufen, die Vandene ihr bereits erz�hlt hatte. Dabei wurde ihr klar, dass sie keine Ermutigung brauchte. Sie f�hlte sich so konzentriert wie Birgitte, wenn diese einen Bogen spannte.</p><p>Schlie�lich musste man Reanne von dem Ort holen, an dem sie wieder damit besch�ftigt war, einstige <emphasis>Sul'dam</emphasis> davon zu �berzeugen, dass auch sie die Macht lenken konnten. Reanne hatte das Gewebe im Stallhof jeden Tag seit Merililles Aufbrach gewoben; sie konnte es m�helos an derselben Stelle im Braem-Wald �ffnen. Im Palast gab es keine Karten dieser Gegend, die gut genug waren, dass Merilille die Position der Lager genau bestimmen konnte, und wenn Elayne oder Aviendha das Wegetor woben, �ffnete es sich unter Umst�nden zehn oder noch mehr Meilen weiter von den Lagern entfernt statt auf der kleinen Lichtung, die Reanne kannte. Der Schneefall hatte kurz vor der R�ckkehr der Grauen Schwester aufgeh�rt, dennoch w�rden zehn Meilen in frisch gefallenem Schnee mindestens zwei weitere Stunden Ritt bedeuten. Elayne wollte das schnell erledigt wissen. Schnelligkeit. Jeder musste schnell handeln.</p><p>Dem Meervolk blieb die Aufregung, die den Palast erfasste, gewiss nicht verborgen; Gardistinnen, die durch die G�nge liefen und Nachrichten �berbrachten oder diese oder jene Person holten, aber Elayne sorgte daf�r, dass man ihnen nichts sagte. Angenommen, Zaida wollte mitkommen, so war sie durchaus dazu f�hig, eine ihrer Windsucherinnen ein eigenes Wegetor weben zu lassen, falls Elayne sich weigerte, und die Herrin der Wogen war eine Komplikation, die es zu vermeiden galt. Die Frau f�hrte sich schon so auf, als h�tte sie genauso viel Recht im Palast zu sein wie Elayne. Eine Zaida, die versuchte, alles an sich zu rei�en, konnte ihr Vorhaben genauso sicher ruinieren wie Mellar, der sie l�stern angrinste.</p><p>Sich zu beeilen schien au�erhalb Essandes M�glichkeiten zu liegen, aber alle anderen arbeiteten mit fliegenden Fingern, und als die Sonne genau im Zenit stand, sa� Elayne auf Feuerherz und ritt langsam durch den Schnee im Braem-Wald, fast f�nfzig Meilen n�rdlich von Caemlyn entfernt, rechnete man so, wie die Wildgans flog, aber nur einen Schritt durch ein Wegetor in den dichten Wald aus hohen Kiefern und Zwerglorbeer und Eichen, dessen grau�stige B�ume ihre Bl�tter verloren hatten. Gelegentlich wich der Wald zur�ck und enth�llte breite, von einem wei�en Schneeteppich bedeckte Wiesen, die bis auf die Abdr�cke von Merililles galoppierendem Pferd unber�hrt waren. Merilille war mit dem Brief vorausgeschickt worden, und Elayne, Aviendha und Birgitte waren ihr nach einer Stunde gefolgt, um ihr die n�tige Zeit zu verschaffen, die Grenzl�nder vor ihnen zu erreichen. Die Stra�e von Caemlyn nach Neu-Braem lag einige Meilen westlich. Sie h�tten genauso gut tausend Meilen von menschlichen Siedlungen entfernt sein k�nnen.</p><p>F�r Elayne war das Ankleiden eine genauso ernste Angelegenheit wie die Zusammenstellung einer R�stung gewesen. Ihr Umhang war f�r zus�tzliche W�rme mit Marderfell gef�ttert, aber das Material war dunkelgr�ne Wolle, weich und doch dick, und das Reitgewand bestand aus gr�ner Seide und war schmucklos. Selbst die engsitzenden Reithandschuhe waren aus einfachem dunkelgr�nen Leder. Solange keine Schwerter gezogen wurden, war das die R�stung, in der eine Aes Sedai Herrschern gegen�bertrat. Ihr einzig sichtbarer Schmuck war eine kleine Brosche aus Bernstein in Form einer Schildkr�te, und falls jemand das merkw�rdig finden sollte, war das seine Sache. Keiner ihrer Rivalen verf�gte �ber gen�gend M�glichkeiten, ein Heer aus Grenzl�ndern als Falle aufzubauen, nicht mal Elaida h�tte das gekonnt, aber die zehn Schwestern standen m�glicherweise auf ihrer Seite. Zehn Schwestern oder mehr. Sie hatte nicht vor, sich in einem Sack zur Wei�en Burg schaffen zu lassen.</p><p>�Wir k�nnen es bleiben lassen, ohne <emphasis>Toh zu</emphasis> verschulden, Elayne�, sagte Aviendha mit finsterer Miene. Sie trug noch immer ihre Aiel-Kleidung mit der Silberkette und dem schweren Elfenbeinarmband. Ihr st�mmiger Brauner war eine Handspanne kleiner als Feuerherz oder Birgittes schlanker Grauer Pfeil und auch viel einfacher zu f�hren, obwohl sie viel entspannter ritt als fr�her. Der Sattel sorgte daf�r, dass ihre schwarzbestrumpften Beine oberhalb der Knie entbl��t waren, aber wenn man von dem um ihren Kopf gewundenen Schultertuch absah, erweckte sie den Eindruck, als sei ihr warm. Im Gegensatz zu Birgitte hatte sie nicht mit ihren Bem�hungen aufgeh�rt, Elayne von ihrem Vorhaben abzubringen. ��berraschungen sind ja sch�n und gut, aber sie werden dich mehr respektieren, wenn sie dir auf halbem Wege entgegenkommen m�ssen.�</p><p>�Ich kann Merilille wohl kaum im Stich lassen�, sagte Elayne geduldiger, als ihr zumute war. Sie f�hlte sich zwar nicht l�nger m�de, aber sie f�hlte sich auch nicht unbedingt frisch und versp�rte nicht die geringste Lust auf eine Diskussion. Aber sie wollte Aviendha nicht anfauchen. �Sie k�nnte sich wie eine N�rrin vorkommen, wenn sie da mit einem Brief steht, der meine Ankunft ank�ndigt, und ich komme dann gar nicht. Und schlimmer, <emphasis>ich</emphasis> w�rde mir wie eine N�rrin vorkommen.�</p><p>�Besser sich wie eine N�rrin vorzukommen als eine zu sein�, murmelte Birgitte kaum h�rbar. Ihr dunkler Umhang breitete sich hinter ihrem Sattel aus und der kompliziert geflochtene Zopf hing aus der Kapuzen�ffnung bis beinahe zur Taille. Diese Kapuze bis zu den Seiten ihres Gesichts hochzuziehen war ihr Zugest�ndnis an die K�lte und den b�igen Wind gewesen, der manchmal frisch gefallenen Schnee wie Federn hochstieben lie�. Sie wollte vermeiden, dass ihre Sicht behindert wurde. Der Verschluss ihres Bogenk�chers, der eigentlich die Sehne trocken halten sollte, hing herab, damit sie schnell an den Bogen herankommen konnte. Den Vorschlag, ein Schwert zu tragen, hatte sie mit der gleichen Emp�rung zur�ckgewiesen, wie es der Fall gewesen w�re, h�tte Elayne Aviendha gebeten, eines zu tragen. Mit dem Bogen kannte sich Birgitte aus, hingegen behauptete sie, nur sich selbst zu verletzen, wenn sie ein Schwert ziehen w�rde. Zu einer anderen Jahreszeit w�re ihr kurzer gr�ner Mantel mit dem Wald verschmolzen und ihre locker fallenden Hosen hatten wie durch ein Wunder dieselbe Farbe. Sie war jetzt eine Beh�terin, nicht der Generalhauptmann der K�niglichen Garde, trotzdem war sie nicht so erfreut �ber diese Bezeichnung, wie man vielleicht erwartet h�tte. Der Bund �bermittelte genauso viel Unbehagen wie Aufmerksamkeit.</p><p>Elayne seufzte und ihr Atem verwandelte sich in Nebel. �Ihr beiden wisst genau, was ich hier zu erreichen hoffe. Ihr wisst es, seit ich die Entscheidung getroffen habe. Warum behandelt ihr mich pl�tzlich, als w�re ich aus Glas?�</p><p>Die beiden Frauen tauschten an ihr vorbei einen Blick aus, jede wartete darauf, dass die andere den Anfang machte, dann wandten sie die K�pfe und schauten starr geradeaus. Pl�tzlich wusste Elayne Bescheid.</p><p>�Wenn mein Kind geboren ist�, sagte sie trocken, �k�nnt ihr euch beide als ihre Amme bewerben.� Falls das Kind eine �sie� werden w�rde. Falls Min das gesagt hatte, war es Aviendhas und Birgittes weingeschw�ngerten Erinnerungen an diese Nacht entfallen. M�glicherweise w�rde es besser sein, zuerst einen Sohn zu bekommen, damit sie mit seiner Erziehung beginnen konnte, bevor seine Schwester kam. Doch eine Tochter sicherte die Thronfolge, w�hrend ein einzelner Sohn zur Seite geschoben werden w�rde, und so sehr sie sich auch mehr als nur ein Kind w�nschte, es stand nirgendwo geschrieben, dass das geschehen w�rde. Mochte das Licht daf�r sorgen, dass sie von Rand noch mehr Kinder bekam, aber sie musste praktisch denken. �Ich selbst brauche keine Amme mehr.�</p><p>Aviendhas von der Sonne verbrannte Wangen wurden vor Verlegenheit noch dunkler. Birgittes Gesichtsausdruck ver�nderte sich nicht, aber durch den Beh�terbund kam die gleiche Empfindung.</p><p>Sie ritten langsam und folgten Merililles Spuren fast zwei Stunden lang. Elayne kam gerade zu dem Schluss, dass das erste Lager ganz in der N�he sein musste, als Birgitte pl�tzlich den Arm hob und sagte: �Schienarer.� Sie lockerte den Bogen in seinem K�cher. Aufmerksamkeit verschluckte die Ver�rgerung und alle andere Gef�hle in dem Bund. Aviendha ber�hrte den Griff ihres G�rtelmessers, als wollte sie sich vergewissern, dass es da war.</p><p>Sie warteten im Schutz der B�ume, abseits von Merililles Spuren, und sowohl die M�nner wie auch die Pferde verharrten so reglos, dass Elayne sie beinahe f�r irgendwelche nat�rlichen Felsformationen gehalten h�tte, bis sie die seltsamen Federb�schel auf ihren Helmen sah. Die Pferde waren nicht gepanzert, wie es bei schienarischer Kavallerie oftmals vorkam, aber die M�nner trugen Harnische und Kettenhemden; Schwerter mit langen Griffen hingen an ihren G�rteln oder S�tteln. Viele trugen auch Keulen. Ihre dunklen Augen blinzelten nie. Eines der Pferde wedelte mit dem Schweif und die Bewegung erschien �berraschend.</p><p>Ein scharfgesichtiger Mann mit rauer Stimme ergriff das Wort, als Elayne und die anderen beiden Frauen vor ihm die Pferde z�gelten. Der Federbusch auf seinem Helm sah aus wie schmale Schwingen. �K�nig Easar �bersendet Euch die Garantie Eurer Sicherheit, Elayne Sedai, und ich f�ge die meine noch hinzu. Ich bin Kayen Yokata, Lord von Fal Eisen, und m�ge der Frieden mich verlassen und die F�ule meine Seele fressen, sollte Euch oder sonst jemandem in Eurer Begleitung in unserem Lager ein Leid geschehen.�</p><p>Das war nicht so tr�stlich, wie Elayne es sich gew�nscht h�tte. Diese ganzen Sicherheitsgarantien machten nur deutlich, dass sie zur Debatte gestanden hatten und es vielleicht noch taten. �Braucht eine Aes Sedai Versicherungen von Schienarem?�, fragte sie. Sie begann mit einer Novizinnen�bung f�r Ruhe und wurde sich bewusst, dass sie sie nicht brauchte. Sehr seltsam. �Ihr d�rft uns den Weg zeigen, Lord Kayen.� Er nickte blo� und wendete sein Pferd.</p><p>Einige Schienarer sahen Aviendha ausdruckslos an, da sie sie als Aiel erkannten, aber die meisten trieben nur ihre Pferde an und schl�ssen sich ihnen an. Die Stille w�hrend des kurzen Ritts wurde nur von den Hufen gebrochen, die den unter dem Neuschnee liegenden Schnee knirschend zertraten. Elayne hatte Recht gehabt. Das schienarische Lager war ganz in der N�he. Schon Minuten sp�ter kamen mit R�stungen bekleidete Wachposten in Sicht und kurz darauf ritten sie in das Lager.</p><p>Das zwischen den B�umen liegende Heerlager erschien gr��er, als sie erwartet hatte. Ob sie nun nach links, recht oder geradeaus sah, so weit das Auge reichte, breiteten sich Zelte und Kochfeuer, Halteseile mit angebundenen Pferden und Reihen mit Wagen aus. Soldaten schauten neugierig zu ihnen auf, als sie und ihre Eskorte vorbeiritten, hartgesichtige M�nner, deren K�pfe bis auf einen Haarschopf in der Mitte, der manchmal bis zu den Schultern reichte, v�llig glatt rasiert waren. Nur wenige trugen Teile ihrer R�stungen, aber Waffen und Panzer lagen immer in Reichweite. Der Geruch war nicht so schlimm, wie Mer�ille behauptet hatte, aber der Geruch dessen, was auch immer in den Kesseln vor sich hinkochte, konnte den Gestank von Latrinen und Pferdedung nicht ganz �berdecken. Keiner schien zu hungern, obwohl viele sehr schlank waren. Aber es war nicht die Schlankheit von Hunger, sondern die von M�nnern, die nie besonders dick gewesen waren. Ihr fiel auf, dass �ber keinem Feuer ein Spie� zu sehen war. Fleisch w�rde schwerer zu besorgen sein als Getreide, obwohl Korn in dieser Phase des Winters ebenfalls knapp wurde. Gerstensuppe konnte einem Mann nicht dieselbe Kraft wie Fleisch geben. Sie mussten bald weiterziehen; kein Ort konnte vier Heere dieser Gr��e f�r lange Zeit ern�hren. Sie musste nur daf�r sorgen, dass sie in die richtige Richtung zogen.</p><p>Nat�rlich war nicht jeder Mann ein Soldat mit geschorenem Kopf, obwohl die anderen beinahe genauso unbeugsam aussahen. Es gab Wagner, die an Fuhrwerken arbeiteten; Hufschmiede, die Pferden neue Hufeisen anpassten; W�scherinnen, die in kochenden Kesseln umr�hrten; Frauen, die n�hten, bei denen es sich entweder um N�herinnen oder Ehefrauen handelte. Einem Heer folgten immer viele Menschen, manchmal genauso viele, wie es Soldaten gab. Aber sie entdeckte niemanden, der eine Aes Sedai h�tte sein k�nnen; nat�rlich war es unwahrscheinlich, dass sich Schwestern die �rmel hochkrempelten und mit Holzl�ffeln Waschkessel umr�hrten oder sich hinsetzten und Hosen flickten. Warum blieben sie in ihren Verstecken? Sie widerstand dem Verlangen, die Quelle zu umarmen, durch das an ihrer Brust angesteckte <emphasis>Angreal</emphasis> in Form einer Schildkr�te <emphasis>Saidar</emphasis> aufzunehmen. Eine Schlacht nach der anderen und zuerst musste sie f�r Andor k�mpfen.</p><p>Kayen stieg vor einem Zelt vom Pferd. Das Zelt war betr�chtlich gr��er als alle anderen und bestand aus hellem Segeltuch mit einem einzigen Spitzkegel. Er half ihr herunter. Er wusste nicht, ob er bei Aviendha und Birgitte das Gleiche tun sollte und z�gerte, aber die Beh�terin l�ste sein Dilemma, indem sie anmutig abstieg und die Z�gel einem bereitstehenden Soldaten gab, w�hrend die Aiel mehr oder weniger vom Sattel fiel. Aviendha hatte ihre Reitfertigkeiten verbessert, aber Aufsitzen und Absteigen bereiteten ihr noch immer Probleme. Sie schaute finster in die Runde, um zu sehen, ob jemand lachte, dann gl�ttete sie die volumin�sen R�cke, wickelte das Tuch vom Kopf und drapierte es sich um die Schultern. Birgitte sah zu, wie ihr Pferd fortgef�hrt wurde, und es hatte den Anschein, als w�nschte sie, Bogen und K�cher vom Sattel genommen zu haben. Kayen �ffnete einen der Zelteing�nge und verbeugte sich.</p><p>Mit einem letzten tiefen Atemzug f�hrte Elayne die beiden anderen Frauen hinein. Sie konnte nicht zulassen, dass man sie als Bittstellerin betrachtete. Sie war nicht gekommen, um zu betteln oder um sich zu verteidigen. Es <emphasis>wird Situationen geben,</emphasis> hatte ihr Gareth Bryne als Kind ein<emphasis>mal gesagt,</emphasis><emphasis>in denen Ihr Euch einer �berzahl gegen�bersehen werdet, ohne einen Fluchtweg zu haben. Tut immer das, womit Euer Feind am wenigsten rechnet, Elayne. In diesem Fall m�sst Ihr angreifen.</emphasis> Sie musste von Anfang an angreifen.</p><p>Merilille kam ihr �ber die Teppiche am Boden entgegengerauscht. Das L�cheln der zierlichen Grauen konnte man nicht unbedingt als erleichtert bezeichnen, aber sie war offensichtlich froh, Elayne zu sehen. Au�er ihr waren nur f�nf andere Personen anwesend, zwei Frauen und drei M�nner, und bei einem der letzteren handelte es sich um einen Diener. Den O-Beinen und dem vernarbten Gesicht nach zu urteilen, war es ein alter Kavallerist, der n�her trat und Umh�nge und Handschuhe einsammelte � wobei er Aviendha kurz anstarrte �, bevor er sich zu einem einfachen Holztisch zur�ckzog, auf dem ein silbernes Tablett mit einem hohen Krug und einer Reihe Pokale stand. Die anderen vier Personen herrschten �ber die Nationen der Grenzl�nder. Ein paar lehnenlose Faltst�hle und vier gro�e Kohlenpfannen mit gl�henden Kohlen vervollst�ndigten die M�blierung des Zeltes. Das war nicht die Art von Empfang, die die Tochter-Erbin von Andor erwartet h�tte: H�flinge und viele Diener und h�fliche Konversation, die erfolgen musste, bevor man sich den ernsten Gespr�chen zuwandte, sowie M�nner und Frauen, die hinter den Herrschern standen und sie berieten. Was Elayne hier vorfand, war genau das, worauf sie gehofft hatte.</p><p>Bevor Merilille den Palast verlie�, hatte eine kurze Heilung die dunklen Ringe unter ihren Augen verschwinden lassen, und sie besorgte Elaynes Vorstellung mit einfacher W�rde. �Das ist Elayne Trakand von der Gr�nen Ajah, wie ich Euch sagte.� Das war alles. Elayne hatte genug von Vandene erfahren, um die vier Herrscher voneinander unterscheiden zu k�nnen.</p><p>�Ich hei�e Euch willkommen, Elayne Sedai�, sagte Easar von Schienar. �M�ge Euch der Frieden und das Licht gn�dig sein.� Er war ein kleiner Mann, kaum gr��er als sie, der in seinem bronzefarbenen Mantel schlank wirkte und dessen Gesicht trotz des langen wei�en Haarschopfes, der eine Seite seines Kopfes bedeckte, keine Falten aufwies. Als sie in seine traurig blickenden Augen sah, rief sie sich in Erinnerung, dass er als weiser Herrscher, erfahrener Diplomat und guter Soldat galt. Dem �u�eren Anschein nach war er nichts davon. �Darf ich Euch Wein anbieten? Die Gew�rze sind nicht frisch, aber sie haben durch das Alter an Sch�rfe gewonnen.�</p><p>�Ich muss gestehen, als Merilille uns sagte, Ihr w�rdet heute den ganzen Weg von Caemlyn kommen, h�tte ich Ihre Worte angezweifelt, w�re sie keine Aes Sedai.� Ethenielle von Kandor war vielleicht eine halbe Hand gr��er als Merilille und dick; ihr schwarzes Haar war leicht mit Grau durchsetzt, aber trotz ihres L�chelns hatte sie nichts M�tterliches an sich. K�nigliche Erhabenheit kleidete sie genauso sehr wie die feine blaue Wolle ihres Gewands. Ihre Augen waren ebenfalls blau; sie blickten klar und ausgeglichen.</p><p>�Wir freuen uns, dass Ihr gekommen seid�, sagte Paitar von Arafel mit einer �berraschend tiefen, wohlklingenden Stimme, die Elayne irgendwie das Gef�hl vermittelte, willkommen zu sein. �Wir haben viel mit Euch zu besprechen.� Vandene hatte gesagt, er sei der h�bscheste Mann in allen Grenzl�ndern, und vielleicht war er das auch vor langer Zeit einmal gewesen, aber das Alter hatte tiefe Furchen in sein Gesicht gegraben, und auf seinem Kopf waren nur noch ein paar graue Haare zu sehen. Allerdings war er gro� und breitschultrig und er sah stark aus. Und keineswegs wie ein Narr.</p><p>Wo die anderen ihre Jahre voller Anmut trugen, prunkte Tenobia von Saldaea mit ihrer Jugend, wenn auch nicht unbedingt mit ihrer Sch�nheit, wof�r nicht zuletzt ihre Adlernase und der breite Mund die Schuld trugen. Ihre schr�gstehenden, fast purpurnen Augen, die sich auf einer H�he mit Elaynes befanden, waren noch der beste Zug an ihr. Wo sich die anderen schlicht kleideten, obwohl sie die Herrscher von Nationen waren, funkelte ihr hellblaues Gewand mit Perlen und Saphiren, und in ihrem Haar trug sie noch mehr Saphire. F�r den Hof w�re das durchaus passend gewesen, aber wohl kaum f�r ein Feldlager. Und was die h�fische H�flichkeit betraf... �Beim Licht, Merilille Sedai�, sagte Tenobia schrill und runzelte die Stirn, �ich wei�, dass Ihr die Wahrheit sagt, aber sie sieht mehr wie ein Kind als wie eine Aes Sedai aus. Ihr habt nicht erw�hnt, dass sie eine schwarz�ugige Aiel mitbringt.�</p><p>Easar verzog keine Miene, aber Paitars Lippen pressten sich aufeinander, und Ethenielle ging sogar so weit, Tenobia einen Blick zuzuwerfen, der von einer Mutter h�tte kommen k�nnen. Einer w�tenden, missbilligenden Mutter.</p><p>�Schwarz?�, murmelte Aviendha verwirrt. �Meine Augen sind doch nicht schwarz. Bevor ich den Drachenwall �berquerte, hatte ich au�er bei einem Kesselflicker noch nirgendwo schwarze Augen gesehen.�</p><p>�Tenobia, Ihr wisst, dass ich nur die Wahrheit sagen kann, und ich versichere Euch ...�, fing Merilille an.</p><p>Elayne brachte sie mit einer Ber�hrung am Arm zum Schweigen. �Es reicht, wenn Ihr wisst, dass ich eine Aes Sedai bin, Tenobia. Das ist meine Schwester, Aviendha aus der Septime der Neun T�ler von den Taardad Aiel.� Aviendha l�chelte sie an oder vielmehr fletschte die Z�hne. �Das ist meine Beh�terin, Lady Birgitte Trahelion.� Birgitte machte eine knappe Verbeugung, die ihren blonden Zopf schaukeln lie�.</p><p>Die eine Vorstellung rief genauso viele verbl�ffte Blicke hervor wie die andere � eine Frau der Aiel war ihre Schwester, eine <emphasis>Beh�terin? �,</emphasis> aber Tenobia und die anderen herrschten �ber L�nder am Rand der F�ule, wo ge �staltgewordene Albtr�ume im Licht des Tages umgehen konnten und jeder, der sich zu sehr von der �berraschung mitrei�en lie�, so gut wie tot war. Aber Elayne lie� ihnen keine Gelegenheit, ihr Gleichgewicht wiederzufinden. <emphasis>Greift an, bevor ihnen klar ist, was Ihr vorhabt,</emphasis><emphasis>hatte Gareth Bryne gesagt,</emphasis><emphasis>und greift an, bis Ihr sie in die Flucht schlagt oder ihre Reihen durchbrecht.</emphasis></p><p>�Haben wir die Artigkeiten damit hinter uns gebracht?�, fragte sie und nahm sich vom Tablett des Soldaten einen Pokal, aus dem der Duft gew�rzten Weins emporstieg. Eine Welle der Vorsicht str�mte durch den Beh�terbund, und sie sah, wie Aviendha dem Pokal einen schiefen Blick zuwarf, aber sie hatte nicht vor, davon zu trinken. Sie war nur froh, dass keine von ihnen etwas sagte.</p><p>�Nur eine N�rrin w�rde glauben, dass ihr alle den weiten Weg gekommen seid, um Andor zu erobern�, sagte sie, ging zu den St�hlen und setzte sich. Die anderen mochten Herrscher sein, aber das lie� ihnen keine Wahl. Entweder mussten sie ihrem Beispiel folgen oder ihren R�cken ansehen. Beziehungsweise Birgittes R�cken, da sie sich hinter ihr aufstellte. Wie gew�hnlich setzte sich Aviendha auf den Boden und arrangierte ihre R�cke zu einem ordentlichen F�cher. Sie schl�ssen sich ihr an. �Der Wiedergeborene Drache f�hrt euch her�, fuhr Elayne fort. �Ihr habt diese Audienz mit mir erbeten, weil ich in Falme dabei war. Es stellt sich nur die Frage, warum das f�r euch so wichtig ist? Glaubt ihr, ich kann euch mehr �ber die Geschehnisse erz�hlen, als ihr ohnehin bereits wisst? Das H�rn von Valere wurde geblasen, tote Helden aus den Legenden ritten gegen die seanchanischen Invasoren, und der Wiedergeborene Drache k�mpfte am Himmel gegen den Schatten, wo es alle sehen konnten. Wenn ich das wei�, wisst ihr genauso viel wie ich.�</p><p>�Audienz?�, fragte Tenobia ungl�ubig und hielt mitten im Hinsetzen inne. Der Faltstuhl quietschte, als sie sich den Rest einfach fallen lie�. �Keiner hat eine <emphasis>Audienz erbeten!</emphasis> Selbst wenn Ihr bereits auf dem Thron von Andor sitzen w�rdet...!�</p><p>�Lasst uns beim Thema bleiben, Tenobia�, unterbrach Paitar sie freundlich. Er hatte sich nicht gesetzt, sondern war stehen geblieben und trank gelegentlich von seinem Wein. Elayne war froh, dass sie seine Falten sehen konnte. Diese Stimme h�tte sonst den Verstand einer Frau verwirren k�nnen.</p><p>Ethenielle schenkte Tenobia noch einen b�sen Blick, w�hrend sie Platz nahm, und murmelte etwas vor sich hin. Elayne glaubte, das Wort �Heirat� in einer bedauernden Betonung geh�rt zu haben, aber das ergab keinen Sinn. Zumindest wandte sie ihre Aufmerksamkeit Elayne zu, sobald sie sa�. �Zu einem anderen Zeitpunkt k�nnte mir Euer Temperament gefallen, Elayne Sedai, aber es macht keinen gro�en Spa�, in einen Hinterhalt zu geraten, bei dem einer Eurer Verb�ndeten seine Hand im Spiel hatte.� Tenobia runzelte finster die Stirn, obwohl Ethenielle ihren scharfen Blick nicht in ihre Richtung richtete. �Was in Fahne geschehen ist�, fuhr die K�nigin von Kandor fort, �ist weniger wichtig als das, was sich daraus ergeben hat. Nein, Paitar, wir m�ssen ihr sagen, was sie wissen muss, denn sie wei� bereits zu viel. Elayne, Ihr wart in Fahne eine der Gef�hrtinnen des Wiedergeborenen Drachen. Vielleicht eine Freundin. Ihr habt Recht, wir sind nicht gekommen, um zu erobern. Wir sind gekommen, um den Wiedergeborenen Drachen zu finden. Und wir sind den ganzen Weg marschiert, nur um herausfinden zu m�ssen, dass keiner seinen derzeitigen Aufenthaltsort kennt. Wisst Ihr, wo er ist?�</p><p>Elayne verbarg ihre Erleichterung �ber die direkte Frage. W�rden sie sie f�r mehr als eine Gef�hrtin oder Freundin halten, h�tten sie sie niemals gestellt. Sie konnte also genauso direkt sein. Greif an und h�r nicht mehr damit auf. �Warum wollt Ihr ihn finden? Boten k�nnten ihm jede beliebige Nachricht zukommen lassen.� Was so gut wie die Frage war, warum sie gro�e Heere mitge �bracht hatten.</p><p>Easar hatte sich keinen Wein genommen und er stand mit in die H�ften gestemmten F�usten da. �Der Krieg ge �gen den Schatten wird entlang der F�ule gef�hrt�, sagte er grimmig. �Die letzte Schlacht wird in der F�ule stattfinden, wenn nicht sogar im Shayol Ghul selbst. Und er ignoriert die Grenzl�nder und besch�ftigt sich mit Gegenden, die seit den Trolloc-Kriegen keinen Myrddraal mehr gesehen haben.�</p><p>�Der <emphasis>Car'a'carn</emphasis> entscheidet, wo der Tanz der Speere getanzt wird, Feuchtl�nder�, h�hnte Aviendha. �Wenn Ihr ihm folgt, dann k�mpft Ihr dort, wo er es befiehlt.� Keiner sah sie an. Sie starrten alle Elayne an. Keiner machte sich die Bresche zunutze, die Aviendha geboten hatte.</p><p>Elayne zwang sich dazu, gleichm��ig zu atmen und erwiderte ihre Blicke, ohne zu blinzeln. Ein Grenzl�nder-Heer war eine zu aufwendige Falle f�r Elaida, um Elayne Trakand zu fangen, aber Rand al'Thor, der Wiedergeborene Drache, war ein anderes Kaliber. Merilille rutschte auf ihrem Stuhl herum, aber sie hatte ihre Anweisungen. Ganz egal, wie viele Vertr�ge die Schwester der Grauen ausgehandelt hatte, sobald Elayne das Wort ergriff, hatte sie zu schweigen. Selbstvertrauen floss durch den Bund mit Birgitte. Rand war ein Stein, unleserlich und weit weg. �Ihr kennt die Proklamation der Wei�en Burg?�, fragte sie ganz ruhig. Mittlerweile mussten sie sie kennen.</p><p>�Die Burg belegt jeden mit einem Bann, der sich dem Wiedergeborenen Drachen ohne ihre Vermittlung n�hert�, sagte Paitar genauso ruhig. Nun setzte auch er sich und sah sie ernst an. �Ihr seid eine Aes Sedai. Sicherlich z�hlt das als das Gleiche.�</p><p>�Die Burg mischt sich in alles ein�, murmelte Tenobia. �Nein, Ethenielle, ich werde das sagen! Die ganze Welt wei�, dass die Burg gespalten ist! Folgt Ihr Elaida oder den Rebellen, Elayne?�</p><p>�Die Welt wei� selten, was sie zu wissen glaubt�, sagte Merilille mit einer Stimme, die die Temperatur des Zeltes zu senken schien. Die kleine Frau, die losrannte, wenn Elayne es ihr befahl, und kreischte, wenn die Windsucherinnen sie ansahen, sa� aufrecht da und schaute Tenobia als Aes Sedai an, und ihr glattes Gesicht war so frostig wie ihr Tonfall. �Die Angelegenheiten der Burg betreffen nur die Aufgenommenen, Tenobia. Wenn Ihr etwas erfahren wollt, bittet darum, dass man Euren Namen in das Novizinnenbuch eintr�gt, und in zwanzig Jahren werdet Ihr dann vielleicht etwas wissen.�</p><p>Ihre Erleuchtete Majest�t Tenobia si Bashere Kazadi, Schild des Nordens und Schwert der F�ulnisgrenze, Hohe Herrin von Haus Kazadi, Lady von Shahayni, Asnelle, Kunwar und Ganai, starrte Merilille mit unb�ndiger Wut an. Und sagte kein Wort. Elaynes Wertsch�tzung f�r sie stieg etwas an.</p><p>Merililles Ungehorsam st�rte sie nicht. So musste sie keine Ausfl�chte mehr machen und gleichzeitig so tun, als w�rde sie nur die Wahrheit sagen. Egwene hatte gesagt, sie m�ssten ihr Leben so f�hren, als h�tten sie bereits die Drei Eide geleistet, und im Augenblick sp�rte Elayne, welche Belastung dies war. Hier war sie nicht die TochterErbin von Andor, die darum k�mpfte, den Thron ihrer Mutter zu beanspruchen. Sie war eine Aes Sedai der Gr�nen Ajah, die ihre Worte mit Sorgfalt ausw�hlen musste, statt einfach nur das zu verbergen, was ihrem Willen nach verborgen bleiben sollte.</p><p>�Ich kann Euch nicht sagen, wo genau er sich aufh�lt.� Das war die Wahrheit, weil sie ihnen nur die ungef�hre Richtung h�tte sagen k�nnen, irgendwo in Richtung Tear, und sie wusste nicht einmal, wie weit er entfernt war; es war aber auch deshalb die Wahrheit, weil sie ihnen nicht ausreichend vertraute, um ihnen selbst das zu sagen. Sie musste nur darauf achten, was und wie sie es sagte. �Ich wei�, dass er sich dort, wo er ist, eine Zeit lang aufhalten will.� Er hatte sich seit Tagen nicht mehr bewegt; seit er sie verlassen hatte, war es das erste Mal, dass er l�nger als einen halben Tag an einem Ort geblieben war. �Ich werde Euch sagen, was ich kann, aber nur, wenn Ihr Euch bereit erkl�rt, innerhalb einer Woche nach S�den zu marschieren. Wenn Ihr noch l�nger hier bleibt, werden Euch sowohl das Korn wie auch das Fleisch ausgehen. Ich verspreche Euch, dass Ihr auf den Wiedergeborenen Drachen zumarschiert.� Zumindest am Anfang.</p><p>Paitar sch�ttelte den kahlen Kopf. �Ihr wollt, dass wir Andor betreten? Elayne Sedai, oder soll ich Euch jetzt Lady Elayne nennen? Ich w�nsche Euch allen Segen des Lichts, was Euren Anspruch auf die Krone Andors betrifft, aber es geht nicht so weit, dass ich Euch meine M�nner f�r Euren Kampf gebe.�</p><p>�Elayne Sedai und Lady Elayne sind ein und dieselbe Person�, verk�ndete sie. �Ich bitte Euch nicht, f�r mich zu k�mpfen. Tats�chlich hoffe ich von ganzem Herzen, dass Ihr Andor ohne einen Zwischenfall durchqueren k�nnt.� Sie hob den silbernen Weinpokal und benetzte nur die Lippen mit der Fl�ssigkeit, ohne zu trinken. Vorsicht blitzte in dem Beh�terbund auf und Elayne musste lachen. Aviendha betrachtete sie aus den Augenwinkeln und runzelte die Stirn. Selbst in diesem Augenblick passten sie auf die werdende Mutter auf.</p><p>�Ich freue mich, dass das jemand am�sant findet�, sagte Ethenielle trocken. �Versucht wie ein S�dl�nder zu denken, Paitar. Hier spielt man das Spiel der H�user, und ich glaube, sie ist darin sehr geschickt. Ich sch�tze, das sollte sie auch; man hat mir erz�hlt, dass die Aes Sedai <emphasis>Daes Dae'mar</emphasis> erfunden haben.�</p><p>�Denkt an die Taktik, Paitar.� Easar musterte Elayne mit einem schmalen L�cheln. �Wir r�cken wie Invasoren auf Caemlyn vor, jeder Andoraner wird es so sehen. Hier mag der Winter sehr mild sein, aber wir werden f�r die Strecke trotzdem Wochen brauchen. Wenn wir angekommen sind, wird sie gen�gend der andoranischen H�user gegen uns vereint haben. Und damit wird sie auch genug auf ihrer Seite haben, um den L�wenthron besteigen zu k�nnen. Zumindest werden ihr ausreichend viele die Treue geschworen haben, dass keiner mehr in der Lage sein wird, ihr lange standhalten zu k�nnen.� Tenobia rutschte stirnrunzelnd auf ihrem Stuhl herum und richtete die R�cke, aber als sie den Blick erneut auf Elayne richtete, lag ein Respekt darin, der zuvor nicht da gewesen war.</p><p>�Und wenn wir Caemlyn erreichen, Elayne Sedai, werdet Ihr uns mittels Verhandlungen dazu bringen, Andor ohne eine Schlacht zu verlassen�, sagte Ethenielle. Es klang nicht ganz wie eine Frage, aber fast. �Wirklich schlau.�</p><p>�Wenn alles so funktioniert, wie sie es geplant hat�, sagte Easar, und sein L�cheln verblasste. Er streckte die Hand aus und der alte Soldat gab ihm einen Pokal. �Aber das tun Schlachten nur selten, selbst solche, bei denen kein Tropfen Blut vergossen wird.�</p><p>�Ich m�chte wirklich, dass kein Blut vergossen wird�, sagte Elayne. Licht, es musste gelingen, oder sie hatte ihr Land nicht wie beabsichtigt vor dem B�rgerkrieg gerettet, sondern es in etwas viel Schlimmeres gest�rzt. �Ich werde alles daf�r tun, damit es so abl�uft. Ich erwarte von Euch, dass Ihr das Gleiche tut.�</p><p>�Wisst Ihr auch zuf�llig, wo mein Onkel Davram ist, Elayne Sedai?�, fragte Tenobia pl�tzlich. �Davram Bashere? Ich m�chte mit ihm genauso gern sprechen wie mit dem Wiedergeborenen Drachen.�</p><p>�Lord Davram h�lt sich nicht weit von Caemlyn auf, Tenobia. Ich kann Euch aber nicht versprechen, dass er bei Eurer Ankunft noch da sein wird. Das hei�t, falls Ihr zustimmt.� Elayne zwang sich zu ruhigen Atemz�gen, um ihre Anspannung zu verbergen. Jetzt konnte sie nicht mehr zur�ck. Sie war ziemlich sicher, dass sie nach S�den ziehen w�rden, aber ohne eine Vereinbarung w�rde es zu Blutvergie�en kommen.</p><p>Einen langen Augenblick herrschte Stille im Zelt, nur das Knistern der Kohlefeuer war zu h�ren. Ethenielle tauschte mit den beiden M�nnern Blicke aus.</p><p>�So lange ich meinen Onkel zu Gesicht bekomme�, sagte Tenobia erregt, �stimme ich zu.�</p><p>�Bei meiner Ehre, ich stimme zu�, sagte Easar entschieden, und Paitar sagte beinahe gleichzeitig: �Beim Licht, ich stimme zu.�</p><p>�Dann gilt das f�r uns alle�, hauchte Ethenielle. �Und jetzt m�sst Ihr Euren Teil dazu beitragen, Elayne Sedai. Wo finden wir den Wiedergeborenen Drachen?�</p><p>Ein Schauder durchfuhr Elayne, und sie vermochte nicht zu sagen, ob es Aufregung oder Furcht war. Sie hatte erreicht, weswegen sie gekommen war, war die Gefahr f�r sich und Andor eingegangen, und nur die Zeit w�rde zeigen, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Sie antwortete ohne zu z�gern. �Wie ich euch bereits sagte, kenne ich den genauen Ort nicht. Aber eine Suche in Murandy d�rfte erfolgreich sein.� Das war die Wahrheit, obwohl es ein Erfolg f�r sie und nicht f�r die anderen sein w�rde. Egwene hatte Murandy heute verlassen und das Heer verlagert, das Arathelle Renshar und die anderen Adligen im S�den festgehalten hatte. Vielleicht w�rden die nach S�den ziehenden Grenzl�nder Arathelle und Luan und Pelivar zu der Entscheidung zwingen, sie zu unterst�tzen. Dyelin war fest davon �berzeugt. Mochte das Licht es geschehen lassen.</p><p>Mit Ausnahme von Tenobia schienen die Grenzl�nder �ber die Information, wo Rand zu finden war, nicht besonders begeistert zu sein. Ethenielle stie� beinahe einen Seufzer aus und Easar nickte blo� und sch�rzte nachdenklich die Lippen. Paitar trank seinen Pokal zur H�lfte aus, der erste richtige Schluck, den er genommen hatte. Es hatte den Anschein, dass sie den Wiedergeborenen Drachen zwar unbedingt finden wollten, der Begegnung aber nicht gerade mit Freude entgegensahen. Tenobia hingegen befahl dem alten Soldaten, ihr Wein zu bringen, und lie� sich weiter dar�ber aus, wie gern sie ihren Onkel wiedersehen wollte. Elayne h�tte nicht gedacht, dass die Frau so viel Familiensinn hatte.</p><p>Zu dieser Jahreszeit brach die Nacht fr�h herein, und Easar wies alle darauf hin, dass nur noch wenig Tageslicht blieb, und bot Quartiere zur �bernachtung an. Ethenielle meinte, ihr Zelt sei viel bequemer, zeigte jedoch keinerlei Anzeichen von Entt�uschung, als Elayne verk�ndete, sofort aufbrechen zu m�ssen.</p><p>�Erstaunlich, dass Ihr eine solche Distanz in so kurzer Zeit zur�cklegen k�nnt�, murmelte Ethenielle. �Ich habe geh�rt, wie Aes Sedai von einer Sache namens Schnelles Reisen sprachen. Ein verloren gegangenes Talent?�</p><p>�Seid Ihr unterwegs vielen Schwestern begegnet?�, fragte Elayne.</p><p>�Ein paar�, erwiderte Ethenielle. �Anscheinend sind �berall Aes Sedai.� Selbst Tenobias Miene war pl�tzlich ausdruckslos.</p><p>Elayne lie� zu, dass Birgitte ihr den Umhang auf die Schultern legte und nickte. �Das ist wahr. W�rdet Ihr unsere Pferde bringen lassen?�</p><p>Keine von ihnen sprach, bis sie das Lager verlassen hatten und zwischen den B�umen herritten. Der Pferdege �ruch und Latrinengestank war im Lager nicht so schlimm erschienen, aber ihr Fehlen lie� die Luft hier sehr frisch und den Schnee irgendwie wei�er erscheinen.</p><p>�Du warst sehr still, Birgitte Trahelion�, sagte Aviendha und bearbeitete die Rippen ihres Pferdes mit den Fersen. Sie war der festen �berzeugung, dass das Tier stehen blieb, wenn man es nicht st�ndig daran erinnerte, weiterzulaufen.</p><p>�Eine Beh�terin spricht nicht f�r ihre Aes Sedai, sie h�rt verdammt noch mal zu und hielt ihr den R�cken frei�, erwiderte Birgitte trocken. Es war unwahrscheinlich, dass sich jemand in dieser N�he zum schienarischen Lager im Wald herumtrieb, der ihnen gef�hrlich werden konnte, aber ihr Bogen blieb unbedeckt, und sie behielt st�ndig die B�ume im Blick.</p><p>�Eine viel schnellere Form der Verhandlung, als ich es gew�hnt bin, Elayne�, sagte Merilille. �Normalerweise braucht man f�r diese Angelegenheiten wochenlange oder sogar monatelange Gespr�che, bevor es zu einer Einigung kommt. Ihr hattet Gl�ck, dass es keine Domani sind. Oder Cairhiener�, gab sie verst�ndnisvoll zu. �Grenzl�nder sind erfrischend offen und geradeheraus. Unkompliziert im Umgang.�</p><p>Offen und geradeheraus? Elayne sch�ttelte leicht den Kopf. Sie wollten Rand finden, behielten den Grund aber f�r sich. Sie verbargen auch die Anwesenheit der Schwestern. Wenigstens w�rden sie sich von ihm fortbewegen, sobald sie sie auf den Weg nach Murandy gebracht hatte. Das w�rde f�r den Augenblick reichen m�ssen, aber sie musste ihn warnen, sobald sie eine M�glichkeit gefunden hatte, wie ihr das gelingen sollte, ohne ihn in Gefahr <emphasis>zu bringen.</emphasis><emphasis>Pass auf ihn auf, Min,</emphasis><emphasis>dachte sie.</emphasis><emphasis>Passf�r uns auf ihn auf.</emphasis></p><p>Ein paar Meilen vom Lager entfernt z�gelte sie das Pferd, um den Wald genauso gewissenhaft zu mustern wie Birgitte. Vor allem den Teil, der hinter ihnen lag. Die Sonne hatte fast die Baumwipfel erreicht. Ein wei�er Fuchs lie� sich einen Augenblick lang sehen und war dann verschwunden. Etwas bewegte sich auf einem kahlen Ast, vielleicht ein Vogel oder ein Eichh�rnchen. Pl�tzlich schoss ein schwarzer Falke aus dem Himmel und ein leises Quieken zerriss die Luft und verklang abrupt. Sie wurden nicht verfolgt. Elayne sorgte sich nicht wegen der Schienarer, sondern wegen der versteckten Schwestern. Die M�digkeit, die nach Merililles Nachricht verschwunden war, kehrte jetzt, nachdem das Treffen mit den Grenzl�ndern vorbei war, doppelt zur�ck. Sie wollte nichts mehr, als so bald wie m�glich in ihr Bett zu steigen, aber sie wollte es auch nicht so dringend, um unbekannten Schwestern das Gewebe des Schnellen Reisens zu verraten.</p><p>Sie h�tte ein Wegetor auf den Palasthof weben k�nnen, aber dabei das Risiko eingehen m�ssen, jemanden zu t�ten, der gerade zuf�llig vorbeiging, also webte sie es zu einem Ort, den sie genauso gut kannte. Sie war so m�de, dass das Weben M�he kostete und ihr das angesteckte</p><p><emphasis>Angreal</emphasis> erst wieder einfiel, als der silbrige Strich in der Luft erschienen war und sich auf ein Feld �ffnete, dessen braunes Gras von einem fr�heren Schneefall niedergedr�ckt war. Das Feld befand sich s�dlich von Caemlyn, und Gareth Bryne hatte sie oft dorthin gebracht, damit sie der K�niglichen Garde beim Exerzieren zusehen konnte.</p><p>�Willst du es dir nur ansehen?�, fragte Birgitte.</p><p>Elayne blinzelte. Aviendha und Merilille musterten sie besorgt. Birgittes Gesicht verriet nichts, aber auch der Bund verriet Sorge.</p><p>�Ich habe nur nachgedacht�, sagte Elayne und lenkte Feuerherz durch das Tor. Ein Bett w�rde wunderbar sein.</p><p>Es war nur ein kurzer Ritt von dem alten Exerzierfeld zu den hohen Toren in der hellen, f�nfzig Fu� hohen Stadtmauer. Die langen Marktgeb�ude, die den Weg zu den Toren s�umten, waren zu dieser Stunde leer, aber aufmerksame Gardisten hielten Wache. Sie sahen zu, wie sie und ihr Gefolge hereinritten, ohne sie anscheinend zu erkennen. Vermutlich waren es S�ldner. Sie w�rden sie nicht erkennen, es sei denn, sie h�tten sie auf dem L�wenthron sitzen gesehen. Mit der Hilfe des Lichts und dem n�tigen Gl�ck w�rden sie das auch.</p><p>Die D�mmerung n�herte sich rasch. Der Himmel nahm ein dunkles Grau an und die Schatten auf den Stra�en wurden immer l�nger. Es waren nur noch wenige Leute unterwegs, die sich beeilten, ihr Tagewerk zu beenden, bevor sie zu einem warmen Feuer und dem Abendessen nach Hause gingen. Ein paar Tr�ger mit der dunkel lackierten S�nfte eines Kaufmanns liefen voraus die Stra�e entlang, und ein paar Augenblicke sp�ter ratterte einer der gro�en Pumpenwagen von acht Pferden gezogen in die andere Richtung; die eisenbeschlagenen R�der rollten laut �ber die Pflastersteine. Wieder ein Feuer irgendwo. Sie brachen meistens in der Nacht aus. Eine Patrouille aus vier Gardisten f�hrte ihre Pferde an Elayne vorbei, ohne ihr einen zweiten Blick zu schenken. Sie erkannten sie genauso wenig wie die M�nner am Tor.</p><p>Sie schwankte auf dem Sattel und dachte nur noch an ihr Bett.</p><p>Es war ein Schock, als ihr bewusst wurde, dass man sie vom Sattel hob. Sie �ffnete die Augen, ohne sich daran erinnern zu k�nnen, sie geschlossen zu haben, und entdeckte, dass Birgitte sie in den Palast trug.</p><p>�Lass mich runter�, sagte sie m�de. �Noch kann ich laufen.�</p><p>�Du kannst kaum stehen�, knurrte Birgitte. �Sei still.�</p><p>�Ihr k�nnt nicht mit ihr sprechen!�, sagte Aviendha laut.</p><p>�Sie muss unbedingt schlafen, Meister Norry�, sagte Merilille entschieden. �Es muss bis morgen warten.�</p><p>�Vergebt mir, aber es kann nicht bis morgen warten�, erwiderte Norry, der �berraschenderweise selbst ausgesprochen entschieden klang. �Es ist wichtig, dass ich jetzt mit ihr spreche!�</p><p>Als Elayne den Kopf hob, hatte sie das Gef�hl, alles w�rde sich um sie drehen. Wie immer presste Halwin Norry die Ledermappe an die d�rre Brust, aber der langweilige Mann, der im gleichen staubtrockenen Tonfall von gekr�nten H�uptern sprach wie von Dachreparaturen, tanzte beinahe auf und ab in dem Bem�hen, sich von Aviendha und Merilille zu befreien, von denen jede einen seiner Arme hielt.</p><p>�Lass mich runter, Birgitte�, sagte sie erneut, und das n�chste Wunder geschah, als Birgitte gehorchte. Sie st�tzte Elayne jedoch weiterhin, wof�r diese dankbar war. Sie war nicht davon �berzeugt, dass ihre Beine sie noch lange tragen w�rden. �Was gibt es denn, Meister Norry? Aviendha, Merilille, lasst den Mann los.�</p><p>Der Erste Sekret�r schoss nach vorn, sobald sie ihn losgelassen hatten. �Die Nachricht erreichte uns kurz nach Eurem Aufbrach, meine Lady�, sagte er und klang gar nicht staubtrocken. Besorgnis lie� seine Miene verkniffen aussehen. �Da sind vier Heere ... Sie sind klein, sollte ich wohl sagen. Licht, ich kann mich noch daran erinnern, als f�nftausend Mann ein Heer darstellten.� Er rieb sich mit der Hand �ber die Glatze und brachte die wei�en Haarb�schel hinter den Ohren in Unordnung. �Vier kleine Heere n�hern sich Caemlyn aus dem Osten�, fuhr er in einem gesch�ftsm��igeren Tonfall fort. �Ich f�rchte, sie werden innerhalb einer Woche hier sein. Zwanzigtausend Mann. Vielleicht auch drei�igtausend. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen.� Er streckte ihr die Mappe entgegen, als wollte er ihr die darin enthaltenen Papiere zeigen. Er <emphasis>war</emphasis> aufgeregt.</p><p>�Wer?�, fragte sie. Elenia hatte G�ter und Streitkr�fte im Osten, genau wie Naean. Aber keine der beiden konnte zwanzigtausend Mann aufstellen. Und der Schnee und der Schlamm h�tten sie bis zum Fr�hling aufhalten <emphasis>m�ssen.</emphasis><emphasis>��H�tten� und �M�ssen� bauen keine Br�cken,</emphasis> schien sie Lini sagen zu h�ren.</p><p>�Ich wei� es nicht, meine Lady�, erwiderte Norry. �Noch nicht.�</p><p>Vermutlich spielte es auch keine Rolle. Wer immer es war, er r�ckte heran, und zwar jetzt. �Meister Norry, ich will, dass Ihr beim ersten Licht damit anfangt, s�mtliche Lebensmittel aufzukaufen, die Ihr au�erhalb der Mauer finden k�nnt. Birgitte, lass die Bannerm�nner, die die Rekrutierung durchf�hren, verk�nden, dass die S�ldner entweder innerhalb der n�chsten vier Tage der Garde beitreten oder die Stadt verlassen m�ssen. Und, Meister Norry, lasst noch Folgendes unter der Bev�lkerung verk�nden. Wer vor Beginn der Belagerung gehen will, sollte das jetzt tun. Das sollte die Zahl der M�nder verringern, die wir f�ttern m�ssen, und es k�nnte dazu f�hren, dass noch ein paar M�nner der Garde beitreten.� Sie l�ste sich aus Birgittes Griff und ging den Korridor entlang in Richtung ihrer Gem�cher. Die anderen mussten ihr wohl oder �bel folgen. �Merilille, sagt es den Kusinen und den Atha'an Miere. Vielleicht wollen sie ebenfalls gehen, bevor es anf�ngt. Birgitte, Karten. Lass die guten Karten in meine Gem�cher bringen. Und noch etwas, Meister Norry ...�</p><p>Da war keine Zeit f�r Schlaf, nicht einmal f�r M�digkeit. Sie musste eine Stadt verteidigen.</p></section><section><title><p>28</p><p>Neuigkeiten in einem Kleidersack</p></title><p>An dem Morgen, nachdem Mat versprochen hatte, falls m�glich Teslyn zu helfen � und Joline und dieser Edesina, die er bis jetzt noch nicht einmal zu Gesicht bekommen hatte! �, verk�ndete Tylin, dass sie die Stadt verlassen w�rde.</p><p>�Suroth will mir zeigen, wie viel von Altara ich jetzt kontrolliere, mein T�ubchen�, sagte sie. Ihr G�rtelmesser steckte in dem geschnitzten Bettpfosten und sie lagen zwischen zerw�hlten Decken. Er trug nur das Seidentuch, das die Henkersnarbe an seinem Hals verbarg, und sie nur ihre Haut. Es war eine wirklich sch�ne Haut, so zart wie keine, die er je ber�hrt hatte. Gedankenverloren zeichnete sie mit einem langen, gr�n lackierten Fingernagel seine anderen Narben nach. Auf die eine oder andere Weise hatte er eine stattliche Anzahl davon errungen, obwohl er sich immer bem�ht hatte, sie zu vermeiden. Auf einer Auktion w�rde sein Fell nicht viel einbringen, so viel stand fest, aber die Narben faszinierten sie. �Eigentlich war das gar nicht ihre Idee. Tuon glaubt, es w�rde mir helfen... wenn ich es mit eigenen Augen sehe statt nur auf einer Karte, und Suroth tut, was das M�dchen vorschl�gt. Aber sie h�tte gern, wenn es schon gestern geschehen w�re. Wir werden mit <emphasis>To'raken</emphasis> reisen, um die Entfernung schnell zur�ckzulegen. Anscheinend zweihundert Meilen an einem Tag. Oh, kein Grund, so gr�n im Gesicht zu werden, Schweinchen. Ich werde dich schon nicht auf eines dieser Dinger steigen lassen.�</p><p>Mat stie� einen Seufzer der Erleichterung aus. Ihn hatte nicht die Vorstellung aufgebracht, fliegen zu m�ssen. Er konnte sich vorstellen, dass er daran sogar Gefallen finden w�rde. Aber wenn er Ebou Dar f�r einige Zeit verlie�, wusste nur das Licht allein, ob Teslyn oder Joline oder vielleicht sogar diese Edesina nicht ungeduldig genug wurden, um eine Dummheit anzustellen. Ganz davon abgesehen, welchen Unfug Beslan im Sinn hatte. Beslan, der Sohn Tylins, bereitete ihm fast so viele Sorgen wie die Frauen. Tylin fand die Vorstellung, auf einer der seanchanischen Bestien fliegen zu d�rfen, offensichtlich aufregend, und sie sah mehr denn je wie ein Adlerweibchen aus.</p><p>�Ich werde l�nger als eine Woche unterwegs sein, mein S��er. Hm.� Der gr�ne Fingernagel fuhr �ber die fu�lange wulstige Narbe auf seinen Rippen. �Soll ich dich ans Bett fesseln, damit ich dich bis zu meiner R�ckkehr in Sicherheit wei�?�</p><p>Ihr durchtriebenes L�cheln mit seinem gewinnendsten Grinsen zu erwidern kostete ihn M�he. Er war sich ziemlich sicher, dass sie scherzte, aber eben nur ziemlich. Die Sachen, die sie ihm f�r den heutigen Tag herausgesucht hatte, kleideten ihn in ein Rot, das grell genug war, um in den Augen zu schmerzen; die einzige Ausnahme machten die Blumen, die Mantel und Umhang schm�ckten, sein schwarzer Hut und das Halstuch. Die wei�e Spitze an Hals und Handgelenken lie�en den Rest noch roter aussehen. Trotzdem schl�pfte er hinein, denn er hatte es eilig, aus ihren Gem�chern herauszukommen. Bei Tylin war dies nur klug, wenn ein Mann sich seiner Sache nicht sicher war. M�glicherweise hatte sie ja doch <emphasis>keinen</emphasis> Scherz gemacht.</p><p>Anscheinend hatte Tylin nicht �bertrieben, was Suroths Ungeduld anging. In weniger als zwei von der juwelengeschm�ckten Zylinderuhr in Tylins Wohnzimmer angezeigten Stunden � ebenfalls ein Geschenk Suroths � begleitete er die K�nigin zu den Docks. Suroth und Tylin ritten an der Spitze der ungef�hr zwanzig Angeh�rigen des Blutes und ihrer diversen <emphasis>So'jhin �</emphasis> M�nner und Frauen, die ihre zur H�lfte rasierten K�pfe vor dem Blut neigten, alle andere aber von oben herab betrachteten. Er ritt auf Pip hinter ihnen her. Der �Liebling� einer altaranischen K�nigin konnte nicht zusammen mit dem Blut reiten, was Tylin jetzt nat�rlich mit einschloss. Es war schlie�lich nicht so, als w�re er ein erbberechtigter Diener oder jemand von vergleichbarem Rang.</p><p>Das Blut und die meisten der <emphasis>So'jhin</emphasis> ritten auf pr�chtigen Tieren, schlanken Stuten mit langen H�lsen und zierlichem Schritt, oder Wallachen mit breiter Brust und glutvollen Augen. Mats Gl�ck schien ihn bei Pferdewetten im Stich zu lassen, aber mit Pip w�re er gegen jeden von ihnen angetreten. Der braune Wallach mit der stumpfen Nase sah nicht nach viel aus, aber Mat war davon �berzeugt, dass er allen diesen h�bschen Pferden h�tte davonlaufen k�nnen. Nach der langen Zeit im Stall wollte Pip umhert�nzeln, da er nicht laufen konnte, und Mat brauchte sein ganzes K�nnen � nun, das K�nnen, das irgendwie zusammen mit den Erinnerungen anderer M�nner kam �, um das Tier unter Kontrolle zu halten. Bevor sie die halbe Strecke zu den Docks zur�ckgelegt hatten, schmerzte sein Bein bis zur H�fte. Falls er Ebou Dar in K�rze verlassen wollte, w�rde es auf dem Meer oder mit Lucas Wanderzirkus sein m�ssen. Er hatte auch schon eine gute Idee, wie er den Mann dazu bewegen konnte, vor dem Fr�hling aufzubrechen, falls es notwendig sein sollte. Eine vielleicht gef�hrliche Idee, aber er hatte keine gro�e Wahl. Die Alternative war noch riskanter.</p><p>Er war nicht allein in der Nachhut. Hinter ihm marschierten mehr als f�nfzig M�nner und Frauen in zwei Reihen, die gl�cklicherweise dicke wei�e Wollgew�nder �ber den durchsichtigen F�hnchen trugen, die sonst ihre Kleidung darstellten. Einige von ihnen f�hrten Packpferde mit gro�en Korbtaschen voller Delikatessen. Das Blut kam nicht ohne seine Diener aus; tats�chlich schienen sie der Meinung zu sein, dass mit so wenigen kaum die Grundversorgung gew�hrleistet war. Die <emphasis>Da'covale</emphasis> hoben selten den Blick von den Pflastersteinen und ihre Gesichter waren so dem�tig wie Milch. Mat war Zeuge gewesen, wie ein <emphasis>Da'covale</emphasis> zu einer Pr�gelstrafe geschickt worden war, ein blonder Mann in seinem Alter, und der Bursche war gerannt, um das f�r seine Bestrafung notwendige Instrument zu holen. Er hatte nicht einmal versucht, Zeit zu schinden oder sich gar zu verstecken, er hatte auch nicht versucht, der Bestrafung zu entgehen. Mat konnte solche Leute einfach nicht verstehen.</p><p>Vor ihm ritten sechs <emphasis>Sul'dam,</emphasis> deren kurze, abgen�hte R�cke ihre Kn�chel zeigten. Bei einer oder zweien waren es sehr h�bsche Kn�chel, aber die Frauen sa�en in den S�tteln, als w�rden sie ebenfalls dem Blut angeh�ren. Die Kapuzen ihrer mit dem Blitz geschm�ckten Umh�nge hingen ihnen auf den R�cken und sie lie�en die kalten Windb�en die Umh�nge anheben, als k�nnte die K�lte ihnen nichts anhaben. Zwei von ihnen f�hrten angeleinte <emphasis>Damane</emphasis> neben sich her.</p><p>Mat musterte die Frauen verstohlen. Eine der <emphasis>Damane,</emphasis> eine kleine Frau mit hellblauen Augen, war durch ein silbernes <emphasis>A'dam</emphasis> mit der pummeligen <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit der olivfarbenen Haut verbunden, die er dabei beobachtet hatte, wie sie Teslyn herumf�hrte. Die dunkelhaarige <emphasis>Damane</emphasis> h�rte auf den Namen Pura. Er hatte es Teslyn nicht recht geglaubt, als sie behauptet hatte, die Frau w�re zur echten <emphasis>Damane</emphasis> geworden, aber die langsam ergrauende <emphasis>Sul'dam</emphasis> beugte sich auf ihrem Sattel herunter und murmelte der Frau, die einst Ryma Galfrey gewesen war, etwas ins Ohr, und was es auch gewesen sein mochte, Pura lachte und klatschte begeistert in die H�nde.</p><p>Mat erschauderte. Sie w�rde verdammt noch mal um Hilfe br�llen, sollte er versuchen, ihr das <emphasis>A'dam</emphasis> abzunehmen. Licht, was dachte er sich nur! Schlimm genug, dass er drei Aes Sedai den Hintern retten musste � sollte man ihn doch zu Asche verbrennen, anscheinend brauchte er nur zu blinzeln, damit man ihm so etwas aufb�rdete! �, das war schlimm genug, ohne jetzt auch noch daran zu denken, noch weitere aus Ebou Dar herauszuschaffen.</p><p>Ebou Dar war eine gro�e Hafenstadt, vielleicht sogar der gr��te Hafen der bekannten Welt; der Kai f�hrte an der ganzen Stadt entlang, und die Docks waren lange graue Steinfinger, die aus ihm hervorstachen. Fast alle Liegepl�tze waren mit seanchanischen Schiffen aller Gr��en belegt, deren Mannschaften in die Takelage geklettert waren und jetzt frenetisch jubelten, als Suroth an ihnen vorbeiritt, ein Chor donnernder Stimmen, die ihren Namen riefen. Die M�nner auf den anderen Schiffen winkten und riefen ebenfalls, obwohl viele gar nicht genau zu wissen schienen, wem oder was sie da zujubelten. Zweifellos glaubten sie, dass es von ihnen erwartet w�rde. Auf diesen Schiffen bewegte der im Hafen wehende Wind die Goldenen Bienen von Illian und die Halbmonde von Tear und den Goldenen Falken von Mayene. Anscheinend hatte Rand den dortigen Kaufleuten nicht befohlen, den Handel mit von den Seanchanern besetzten H�fen einzustellen, oder die Kaufleute taten es hinter seinem R�cken. Farben blitzten in Mats Sch�del auf, und er sch�ttelte den Kopf, um ihn wieder klarzubekommen. Die meisten Kauf leute w�rden mit dem M�rder ihrer Mutter Gesch�fte machen, wenn es ihnen einen Profit einbrachte.</p><p>Das s�dlichste Dock war von Schiffen ger�umt worden, und seanchanische Offiziere mit d�nnen Federb�schen auf den lackierten Helmen standen bereit, um Suroth und Tylin in eines der gro�en Ruderboote zu helfen, die auf dem Wasser warteten und deren lange Ruder von acht Mann bedient wurden. Aber erst nachdem Tylin Mat einen Abschiedskuss gegeben hatte, wobei sie ihm beinahe Haare ausriss, als sie seinen Kopf nach unten zog und ihm in den Hintern kniff, als w�rde verdammt noch mal niemand zusehen! Suroth runzelte ungeduldig die Stirn, bis Tylin in dem Langboot sa�, aber selbst dann war die Seanchanerin noch immer nicht zufrieden und scheuchte ihre <emphasis>So'jhin</emphasis> Alwhin mit Fingerschnippen herum, so dass die Frau mit den kantigen Gesichtsz�gen st�ndig �ber die Ruderb�nke kletterte, um ihr dieses oder jenes zu holen.</p><p>Der Rest des Blutes erhielt tiefe Verbeugungen von den Offizieren, musste die Leitern aber mithilfe ihrer <emphasis>So'jhin</emphasis> hinunterklettern. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> halfen den <emphasis>Dom�ne</emphasis> in die Boote, aber die wei� gekleideten Diener konnten ihre K�rbe und sich selbst allein nach unten schaffen. Kurze Zeit sp�ter fuhren die Boote durch den Hafen auf den Ort zu, an dem man <emphasis>Raken</emphasis> und <emphasis>To'raken</emphasis> s�dlich vom Rahad hielt. Sie suchten sich ihren Weg vorbei an der gewaltigen vor Anker liegenden Flotte der Seanchaner und den Dutzenden gekaperten Schiffen des Meervolks, die das Hafenbecken ausf�llten. Letztere schienen mit den gerippten Segeln der Seanchaner und anderem Tauwerk neu aufgeriggt worden zu sein. Ihre Besatzungen bestanden ebenfalls aus Seanchanern. Mit Ausnahme der Windsucherinnen, an die Mat nicht denken wollte, waren die �berlebenden Atha'an Miere alle im Rahad, wo sie zusammen mit den anderen <emphasis>Da'covale</emphasis> die versandeten Kan�le reinigten. Nat�rlich abgesehen von denen, die man verkauft hatte. Und es gab nichts, das er daran �ndern konnte. Er schuldete ihnen nichts, er hatte bereits mehr am Hals, als er bew�ltigen konnte, und es gab nichts, das er h�tte tun k�nnen. Mehr gab es dazu nicht zu sagen!</p><p>Er wollte sofort losreiten und die Schiffe des Meervolks hinter sich lassen. Niemand auf den Docks schenkte ihm auch nur die geringste Beachtung. Die Offiziere waren gegangen, sobald die Boote abgelegt hatten. Jemand � er wusste nicht wer � hatte die Packpferde fortgef�hrt. Die Matrosen kletterten aus den Wanten und gingen wieder ihrer Arbeit nach, und die Mitglieder der Gilde der Schauerleute setzten ihre tiefen, schweren und mit Ballen und Kisten und F�ssern beladenen Schubkarren wieder in Bewegung. Aber wenn er zu fr�h ging, konnte Tylin auf die Idee kommen, dass er die Stadt sofort verlie� und ihm ihre M�nner hinterherschicken, also lie� er Pip am Ende des Docks stehen bleiben und winkte wie ein Narr, bis sie weit genug weg war, um ihn ohne die Hilfe eines Fernglases nicht mehr sehen zu k�nnen.</p><p>Trotz des pochenden Beins ritt er langsam fast den ganzen Kai ab. Er vermied es, noch einen Blick auf den Hafen zu werfen. N�chtern gekleidete Kaufleute standen da und sahen zu, wie ihre Fracht gel�scht wurde, steckten gelegentlich M�nner oder Frauen in einer gr�nen Lederweste einen Geldbeutel zu, damit man mit ihren Waren behutsamer umging oder sie mit gr��erer Schnelligkeit bearbeitete, obwohl es kaum m�glich erschien, dass die Gildenleute sich noch schneller bewegten. S�dl�nder schienen sich ohnehin st�ndig im Laufschritt zu bewegen, solange die Sonne nicht genau �ber ihnen im Zenit stand und die hier herrschende Hitze eine Ente braten konnte; aber unabh�ngig davon, wo die Sonne im Augenblick stand, der graue Himmel und der schneidende, vom Meer kommende Wind sorgte sowieso f�r K�lte.</p><p>Als er sich auf der H�he des Mol Hara befand, hatte er mehr als zwanzig <emphasis>Sul'dam</emphasis> gez�hlt, die mit <emphasis>Damane</emphasis> die Docks patrouillierten, sich f�r Boote interessierten, die von den vor Anker gegangenen Schiffen ablegten, die nicht aus Seanchan kamen, und an Bord jedes neu angekommenen Schiffes gingen. Und auch an Bord jener, die bereit waren, ihre Leinen zu l�sen. Er war sich ziemlich sicher gewesen, dass sie dort sein w�rden. Es w�rde also Valan Luca sein m�ssen. Die einzige Alternative war zu gef�hrlich, es sei denn in einer Notlage. Luca hatte auch seine Risiken, aber er stellte die einzige echte M�glichkeit dar, die es noch gab.</p><p>Im Tarasin-Palast stieg er mit schmerzverzerrter Miene von Pip und zog den Wanderstab unter dem Sattelgurt hervor. Er �berlie� das Pferd einem Stallburschen und hinkte hinein; das linke Bein konnte kaum sein Gewicht tragen. Vielleicht w�rde ein hei�es Bad die Schmerzen lindern. Vielleicht w�rde er dann nachdenken k�nnen. Man w�rde Luca �berraschen m�ssen, aber bevor es so weit war, galt es noch ein paar andere kleine Probleme zu �berwinden.</p><p>�Ah, da seid Ihr ja�, sagte Noal und blieb vor ihm stehen. Seit Mat dem alten Mann einen Schlafplatz verschafft hatte, hatte er ihn nur selten zu Gesicht bekommen, aber wenn man bedachte, dass er jeden Tag in die Stadt verschwand und erst in der Nacht in den Palast zur�ckkehrte, sah er in seinem frisch ausgeb�rsteten grauen Mantel doch wohlausgeruht aus. Er zupfte die Spitze an seinen �rmeln zurecht und l�chelte vertrauensvoll, was seine Zahnl�cken enth�llte. �Ihr plant etwas, Lord Mat, und ich m�chte Euch meine Dienste anbieten.�</p><p>�Ich plane, Gewicht von meinem Bein zu nehmen�, sagte Mat so beil�ufig, wie er nur konnte. Noal schien harmlos zu sein. Harnan zufolge erz�hlte er vor dem Schlafengehen Geschichten, die er und die anderen Rotwaffen zu schlucken schienen, einschlie�lich der, in der es um einen Ort namens Shibouya ging, der angeblich jenseits der Aiel-W�ste lag und in dem Frauen, die die Macht lenken konnten, t�towierte Gesichter hatten, auf �ber dreihundert Verbrechen die Todesstrafe stand und unter den Bergen Riesen lebten, M�nner, die noch gr��er als Ogier waren und ihre Gesichter auf den B�uchen hatten. Er behauptete, dort gewesen zu sein. Niemand, der derartige Behauptungen in die Welt setzte, konnte etwas anderes als harmlos sein. Andererseits, als Mat ihm das eine Mal zugesehen hatte, wie er die langen Dolche benutzte, die er unter dem Mantel trug, war er ihm alles andere als harmlos erschienen. Es gab eine gewisse Art und Weise, wie ein Mann eine Waffe hielt, die besagte, dass er daran gew�hnt war, sie zu benutzen. �Falls ich mich dazu entscheide, etwas anderes zu tun, werde ich an Euch denken.�</p><p>Noch immer l�chelnd tippte sich Noal mit einem jener verkr�mmten Finger an die Hakennase. �Ihr vertraut mir noch nicht. Das ist verst�ndlich. Doch wenn ich Euch schaden wollte, dann h�tte ich an jenem Abend in der Gasse einfach nur zusehen brauchen. Ihr habt jenes Glitzern im Auge. Ich habe gro�e M�nner gesehen, wie sie ihre Pl�ne schmiedeten, und auch Schurken so finster wie der Pf�hl des Verderbens. Ein Mann, der gef�hrliche Pl�ne schmiedet, die nicht bekannt werden sollen, hat einen ganz bestimmten Ausdruck.�</p><p>�Meine Augen sind nur m�de�, erwiderte Mat lachend und st�tzte sich auf den Stab. Gro�e M�nner, die Pl�ne schmiedeten? Vermutlich hatte der alte Bursche sie in Shibouya gesehen, neben den Riesen. �Ihr wisst, dass ich Euch f�r Eure Hilfe in der Gasse dankbar bin. Wenn ich noch etwas f�r Euch tun kann, dann sagt es. Aber im Augenblick will ich nur ein hei�es Bad finden.�</p><p>�Trinkt dieser <emphasis>Gholam</emphasis> eigentlich Blut?�, fragte Noal und ergriff Mats Arm, als dieser gerade loshinken wollte.</p><p>Licht, er w�nschte, er h�tte diesen Namen nicht vor dem Alten ausgesprochen. Er w�nschte, Birgitte h�tte ihm niemals von dem Ding erz�hlt. �Warum fragt Ihr?� <emphasis>Gholam</emphasis> lebten von Blut. Sie a�en nichts anderes.</p><p>�Vergangene Nacht wurde noch ein Mann mit herausgerissener Kehle gefunden, aber weder auf ihm noch auf seinem Bettzeug war viel Blut zu finden. Habe ich das erw�hnt? Er �bernachtete in einem Gasthof in der N�he vom Moldine-Tor. Falls das Ding die Stadt verlassen hatte, dann ist es jetzt wieder da.� Er schaute an Mat vorbei und verbeugte sich �bertrieben. �Falls Ihr Eure Meinung �ndert, ich bin immer bereit�, sagte er in einem leiseren Tonfall, als er sich wieder aufrichtete.</p><p>Mat blickte �ber die Schulter, als der Alte davoneilte. Tuon stand unter einem der vergoldeten Kandelaber und musterte ihn durch den Schleier. Wenigstens blickte sie ihn diesmal an. Aber wie immer, wenn er sie entdeckte, wandte sie sich ab und rauschte den Korridor entlang; ihre wei�en Faltenr�cke raschelten leise. Heute begleitete sie niemand.</p><p>Mat erschauderte zum zweiten Mal an diesem Tag. Schade, dass das M�dchen Suroth und Tylin nicht begleitet hatte. Ein Mann, dem man einen Brotlaib gab, sollte sich nicht dar�ber beschweren, wenn ein paar Kr�mel fehlten, aber Aes Sedai und Seanchaner, <emphasis>Gholam,</emphasis> die ihn verfolgten, alte M�nner, die ihre Nasen in seine Angelegenheiten steckten, und d�rre M�dchen, die ihn anstarrten � all das h�tte ausgereicht, um jedem Mann eine G�nsehaut zu bescheren. Vielleicht sollte er es sich noch einmal �berlegen, bevor er Zeit damit verschwendete, sein Bein einzuweichen.</p><p>Er f�hlte sich besser, nachdem er Lopin losgeschickt hatte, den Rest seiner Kleidung aus Beslans Spielzeugschrank zu holen. Und Nerim, um Juilin zu finden. Sein Bein schmerzte noch immer scheu�lich und zitterte, wenn er gehen wollte, aber wenn er schon keine Zeit verschwenden wollte, dann konnte er es genauso gut auch jetzt angehen. Er wollte Ebou Dar vor Tylins R�ckkehr verlassen und das gab ihm zehn Tage. Weniger, wenn er sichergehen wollte.</p><p>Als der Diebef�nger seinen Kopf durch die Schlafzimmert�r steckte, betrachtete sich Mat gerade in Tylins hohem Spiegel. Das rote Gewand war zusammen mit den anderen bunten Sachen, die sie ihm geschenkt hatte, im Schrank verstaut. Vielleicht konnte ja Tylins n�chster Liebling sie gebrauchen. Er hatte den einfachsten Mantel angezogen, den er besa�, fein gewebte blaue Wolle ohne jede Verzierung. Die Art von Mantel, die ein Mann mit Stolz tragen konnte, ohne dass ihn jeder anstarrte. Ein anst�ndiger Mantel.</p><p>�Vielleicht etwas Spitze�, murmelte er und fingerte an seinem Hemdkragen herum. �Ganz wenig.� Wenn man so dar�ber nachdachte, war es wirklich ein sehr einfacher Mantel. Fast schon schlicht.</p><p>�Ich verstehe nichts von Spitze�, sagte Juilin. �Hast du mich deshalb sprechen wollen?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht. Was gibt es da zu grinsen?� Der Kerl grinste nicht blo�; das L�cheln teilte sein dunkles Gesicht beinahe in zwei H�lften.</p><p>�Ich bin gl�cklich, das ist alles. Suroth ist weg und ich bin gl�cklich. Wenn du mich nicht �ber Spitze ausfragen wolltest, worum geht es dann?�</p><p>Blut und verdammte Asche! Die Frau, f�r die er sich interessierte, musste eine von Suroths <emphasis>Da'covale</emphasis> sein! Eine, die sie zur�ckgelassen hatte. Sonst hatte er n�mlich keinen Grund, sich daf�r zu interessieren, ob sie da war oder nicht, und erst recht keinen Grund, dar�ber gl�cklich zu sein. Und der Mann wollte sich etwas von ihrem Besitz nehmen! Nun, vielleicht war das ja gar nicht so schlimm, verglichen damit, ein paar <emphasis>Damane</emphasis> zu entf�hren.</p><p>Mat hinkte zu Juilin her�ber, legte einen Arm um seine Schultern und f�hrte ihn ins Wohnzimmer. �Ich brauche das Gewand einer <emphasis>Damane</emphasis> f�r eine Frau von etwa dieser Gr��e.� Er hielt eine Hand in Schulterh�he hoch. �Eine schlanke Frau.� Er schenkte dem Burschen sein ehrlichstes L�cheln, aber Juilins Grinsen schwand merklich. �Und ich brauche drei Su/'dam-Gew�nder und ein <emphasis>A'dam.</emphasis> Und mir kam der Gedanke, dass der Mann, der am besten wei�, wie man etwas stiehlt, ohne erwischt zu werden, ein Diebef�nger sein musste.�</p><p>�Ich bin Diebef�nger�, knurrte der Mann und sch�ttelte Mats Arm ab, �und kein Dieb!�</p><p>Mat lie� sein Grinsen ebenfalls verschwinden. �Juilin, du wei�t, dass die einzige M�glichkeit, die Schwestern aus der Stadt zu bringen, darin besteht, die Wachen glauben zu machen, dass sie noch immer <emphasis>Damane</emphasis> sind. Teslyn und Edesina tragen, was sie dazu brauchen, aber wir m�ssen Joline verkleiden. Suroth wird in zehn Tagen wieder da sein, Juilin. Wenn wir bis dahin nicht verschwunden sind, wird deine H�bsche noch immer ihr geh�ren, wenn wir dann gehen.� Wenn sie bis dahin nicht weg waren, w�rde keiner von ihnen gehen, zumindest bef�rchtete er das. Licht, in dieser Stadt konnte sich ein Mann in seinen R�umen zu Tode zittern.</p><p>Juilin vergrub die F�uste in den Taschen seines dunklen tairenischen Mantels und starrte ihn finster an. Das hie�, eigentlich starrte er durch ihn hindurch auf etwas, das dem Diebef�nger in keiner Weise gefiel. Schlie�lich zog er eine Grimasse und murmelte: �Das wird nicht leicht sein.�</p><p>Tats�chlich waren die folgenden Tage alles andere als leicht. Die Dienerinnen lachten �ber seine neuen Kleider. Also seine alten Kleider. Sie grinsten und schl�ssen in seiner H�rweite Wetten dar�ber ab, wie schnell er sich bei Tylins R�ckkehr wohl umziehen konnte; die meisten schienen zu glauben, er w�rde, sobald er von ihrer bevorstehenden Ankunft erfuhr, durch die Korridore laufen und sich die Kleider vom Leib rei�en. Er ignorierte sie. Bis auf den Teil mit Tylins R�ckkehr. Als eine Dienerin dies zum ersten Mal erw�hnte, w�re er beinahe zusammengezuckt, weil er glaubte, sie w�sste mehr als er.</p><p>Einige der Frauen und fast alle M�nner schl�ssen von seinem Kleiderwechsel auf seine baldige Abreise. Sie bezeichneten es missbilligend als Flucht und taten, was sie konnten, um ihm Steine in den Weg zu legen. In ihren Augen war er die Salbe, die Tylins Zahnschmerzen rinderte, und sie wollten nicht, dass sie nach ihrer R�ckkehr ihre Wut ertragen mussten, weil sie ihn verloren hatte. Er musste daf�r sorgen, dass sich entweder Lopin oder Nerim st�ndig in Tylins Gem�chern aufhielt, um seine Besitzt�mer zu bewachen, andernfalls w�ren die Kleider erneut verschwunden, und nur Vanin und die Rotwaffen konnten verhindern, dass Pip aus dem Stall verschwand.</p><p>Mat versuchte diesen Eindruck noch zu verst�rken. Wenn er ging und gleichzeitig zwei <emphasis>Damane</emphasis> verschwanden, w�rde man die Geschehnisse mit Sicherheit miteinander in Verbindung bringen, aber da Tylin verreist und seine Absicht wegzulaufen vor ihrer R�ckkehr ein offenes Geheimnis gewesen war, w�rde man sie nicht verantwortlich machen k�nnen. Jeden Tag ritt er mit Pip im Stall einige Bahnen, sogar bei Regen, und jedes Mal ritt er l�nger, als wollte er sein Durchhalteverm�gen trainieren. Was er tats�chlich tat, wie ihm nach einer Weile bewusst wurde. Sein Bein und die H�fte schmerzten noch immer furchtbar, aber so langsam glaubte er, zehn Meilen schaffen zu k�nnen, ohne absteigen zu m�ssen. Acht Meilen aufjeden Fall.</p><p>Wenn der Himmel wolkenlos war, verschafften die <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihren <emphasis>Damane</emphasis> ihren Auslauf, w�hrend er �bte. Den Seanchanerinnen war klar, dass er nicht Tylins Besitz war, andererseits hatte er geh�rt, wie einige ihn als Spielzeug bezeichneten! Tylins Spielzeug, sagten sie, als w�re das sein Name! Er war f�r sie nicht wichtig genug, als dass sie sich f�r seinen richtigen Namen interessiert h�tten. F�r sie war jemand entweder <emphasis>Da'covale</emphasis> oder nicht, und dieses Zwischending am�sierte sie endlos. Er ritt unter dem Gel�chter der <emphasis>Sul'dam</emphasis> und versuchte sich einzureden, dass ihm das half. Je mehr Leute aussagen konnten, dass er vor Tylins R�ckkehr seine Flucht vorbereitet hatte, umso besser war es f�r sie. Es war nur nicht besonders angenehm f�r ihn.</p><p>Gelegentlich sah er Aes Sedai-Gesichter unter den <emphasis>Damane,</emphasis> die man spazieren f�hrte, au�er Teslyn waren es drei, aber er hatte keine Ahnung, wie Edesina aussah. Sie h�tte die kleine blasse Frau sein k�nnen, die ihn an Moiraine erinnerte, oder die gro�e mit dem silbrigblonden Haar oder die schlanke Schwarzhaarige. Wie sie so neben einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> hergingen, h�tten sie genauso gut aus eigenem Antrieb spazieren gehen k�nnen, w�ren da nicht der funkelnde Kragen um ihren Hals und die Leine gewesen, die sie mit dem Handgelenk der <emphasis>Sul'dam</emphasis> verband. Teslyn selbst sah bei jeder Begegnung zusehends w�tender aus und starrte stur geradeaus. Jedes Mal schien sich auf ihrem Gesicht gr��ere Entschlossenheit abzuzeichnen. Dazu kam aber etwas, das m�glicherweise Panik war. Mat fing an, sich um sie und ihre Ungeduld Sorgen zu machen.</p><p>Er wollte Teslyn Mut machen, er brauchte diese alten Erinnerungen nicht, um zu wissen, dass mit Panik gepaarte Entschlossenheit Leute umbringen konnte, obwohl sie es ihm best�tigten. Er wollte ihr wirklich Mut machen, aber er wagte sich nicht noch einmal in die N�he der Zwinger auf dem Dachboden. Tuon war auch weiterhin da, wenn er sich umdrehte, sah ihn einfach nur an oder schaute ihm bei dem zu, was er gerade tat. Aber sie tat es nicht so oft, dass er glaubte, sie w�rde ihn verfolgen. Warum sollte sie das auch tun? Aber es geschah zu oft, als dass es ein Zufall h�tte sein k�nnen. Gelegentlich wurde sie von ihrer <emphasis>So'jhin</emphasis> Selucia begleitet, hin und wieder auch von Anath, obwohl die gro�e r�tselhafte Frau nach einer gewissen Zeit aus dem Palast oder zumindest aus den Korridoren verschwunden zu sein schien. Sie war �auf dem R�ckzug�, hatte er geh�rt, was auch immer das bedeuten mochte, und er w�nschte sich nur, sie h�tte Tuon mitgenommen. Er bezweifelte, dass das M�dchen ein zweites Mal glauben w�rde, dass er einer Windsucherin etwas S��es brachte. Wollte sie ihn vielleicht noch immer kaufen? Aber wenn das der Fall sein sollte, konnte er es trotzdem nicht verstehen. Er hatte nie verstehen k�nnen, was eine Frau an einem Mann fand, bei den unscheinbarsten M�nnern schienen sie gro�e Augen zu machen, aber ihm war klar, dass er keine Sch�nheit war, egal, was Tylin auch sagte. Frauen logen, um einen Mann ins Bett zu kriegen, und sie erz�hlten noch schlimmere L�gen, sobald sie ihn einmal dort hatten.</p><p>Auf jeden Fall war Tuon nur ein unbedeutendes �rgernis. Eine Fliege an seinem Ohr. Nicht mehr. Es brauchte mehr als plappernde Frauen oder ihn anstarrende M�dchen, um ihn ins Schwitzen zu bringen. Tylin schaffte das, obwohl sie abwesend war. Wenn sie zur�ckkam und ihn bei seinen Reisevorbereitungen erwischte, w�rde sie vielleicht ihre Meinung �ndern und ihn verkaufen. Sie war jetzt selbst eine Hochlady, und er war davon �berzeugt, dass sie sich bald den Kopf bis auf einen Haarschopf rasierte. Eine richtige Angeh�rige des seanchanischen Hohen Blutes, und wer vermochte schon zu sagen, was sie dann tun w�rde? Tylin brachte ihn zum Schwitzen, aber es gab noch gen�gend andere Sachen, die einem Mann den Schwei� auf die Stirn treiben konnten.</p><p>Noal und manchmal auch Thom berichteten ihm �ber weitere Morde des <emphasis>Gholam.</emphasis> Jede Nacht geschah ein neuer, obwohl au�er den beiden und ihm keiner eine Verbindung zwischen ihnen herstellte. Mat hielt sich nach M�glichkeit nur noch auf offenen Pl�tzen auf, wo er viele Leute um sich herum hatte. Er h�rte auf, in Tylins Bett zu schlafen, und verbrachte niemals zwei N�chte am selben Ort. Und wenn das bedeutete, die Nacht im Stall zuzubringen, nun, er hatte auch schon fr�her in St�llen geschlafen, obwohl er sich nicht daran erinnern konnte, dass das Heu so spitz durch seine Kleidung piekte. Aber es war immer noch besser, von Heu gepiekt zu werden, als die Kehle herausgerissen zu bekommen.</p><p>Nachdem er sich zu der Entscheidung durchgerungen hatte, zu versuchen, Teslyn zu befreien, war er auf direktem Weg zu Thom gegangen und hatte ihn in der K�che gefunden, wo er �ber mit Honig marinierten H�hnchen mit den K�chen plauderte. Thom kam mit K�chen genauso gut zurecht wie mit Bauern, Kaufleuten und Adligen. Thom Merrilin hatte die Gabe, mit jedem zurechtzukommen, jedermanns Klatsch aufzuschnappen und alles zusammenzusetzen, um sich ein Bild zu machen. Er konnte die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten und das erkennen, was andere �bersahen. Sobald er mit dem H�hnchen fertig gewesen war, war Thom die einzige M�glichkeit eingefallen, wie man die Aes Sedai an den Wachen vorbeischaffen konnte. Damals war das ganze Unternehmen sogar einfach erschienen. F�r eine kurze Weile. Aber andere Hindernisse t�rmten sich auf.</p><p>Juilin hatte ebenfalls die Gabe, die Dinge aus einer verzerrten Perspektive zu betrachten, vielleicht von seinen Jahren als Diebef�nger, und Mat hatte sich an einigen Abenden mit ihm und Thom in dem winzigen Zimmer getroffen, das sich die beiden M�nner in den Dienstbotenquartieren teilten, um einen Plan zu schmieden, wie sie diese Hindernisse umgehen konnten. Sie hatten Mat nun wirklich ins Schwitzen gebracht.</p><p>Bei dem ersten dieser Treffen, am Abend von Tylins Aufbruch, war Beslan auf der Suche nach Thom hereingeplatzt; zumindest hatte er das behauptet. Ungl�cklicherweise hatte er zuvor an der T�r gelauscht und genug geh�rt, um nicht mit irgendeiner Geschichte abgespeist werden zu k�nnen. Und was noch viel schlimmer war, er wollte mitmachen. Er sagte ihnen sogar, auf welche Art und Weise.</p><p>�Ein Aufstand�, sagte er, als er auf dem dreibeinigen Hocker zwischen den beiden schmalen Betten sa�. Ein Waschtisch mit einem angesto�enen wei�en Krug und Sch�ssel ohne Spiegel vervollst�ndigte das Mobiliar des Raumes und raubte noch den letzten Rest Platz. Juilin sa� mit unleserlichem Gesicht in Hemds�rmeln auf der Kante des einen Bettes und Thom lag ausgestreckt auf dem anderen und studierte stirnrunzelnd seine Kn�chel. Also musste sich Mat gegen die T�r lehnen, damit niemand mehr hereinplatzen konnte. Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Offensichtlich hatte Thom die ganze Zeit �ber diesen Wahnsinn Bescheid gewusst; das war es also gewesen, was er hatte abk�hlen wollen. �Das Volk wird sich erheben, wenn ich das Zeichen gebe�, fuhr Beslan fort. �Meine Freunde haben in der ganzen Stadt mit M�nnern gesprochen. Sie sind zum Kampf bereit!�</p><p>Seufzend verlagerte Mat sein Gewicht auf das gesunde Bein. Vermutlich w�rden sich Beslan und seine Freunde allein erheben m�ssen, wenn er das Zeichen gab. Die meisten Leute redeten lieber �bers K�mpfen als es tats�chlich zu tun, vor allem, wenn es gegen Soldaten ging. �Beslan, in den Geschichten fahrender S�nger besiegen Stallburschen mit Heugabeln und B�cker mit Pflastersteinen die Heere, weil sie frei sein wollen.� Thom schnaubte so ver�chtlich, dass sein langer wei�er Schnurrbart in Bewegung geriet. Mat ignorierte ihn. �Im wahren Leben werden die Stallburschen und B�cker get�tet. Ich erkenne gute Soldaten, wenn ich sie sehe, und die Seanchaner sind sehr gut.�</p><p>�Wenn wir die <emphasis>Dom�ne</emphasis> zusammen mit den Aes Sedai befreien, werden sie an unserer Seite k�mpfen!�, beharrte Beslan.</p><p>�Oben auf dem Dachboden m�ssen zweihundert oder sogar noch mehr <emphasis>Dom�ne</emphasis> sein, Beslan, die meisten von ihnen Seanchanerinnen. Befreie sie und vermutlich wird jede einzelne von ihnen losrennen, um eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> zu finden. Licht, wir k�nnten nicht mal den Frauen vertrauen, die nicht aus Seanchan kommen!� Mat hielt eine Hand hoch, um Beslans Protest im Keim zu ersticken. �Wir haben keine M�glichkeit herauszufinden, wem wir vertrauen k�nnen und wem nicht, dazu fehlt uns die Zeit. Und selbst wenn wir die h�tten, m�ssten wir den Rest t�ten. Ich bin nicht dazu bereit, eine Frau zu t�ten, deren einziges Verbrechen darin besteht, an der Leine gef�hrt zu werden. Bist du es?� Beslan schaute weg, aber sein Kinn war entschlossen vorgeschoben. Er gab nicht auf.</p><p>�Ob wir die <emphasis>Damane</emphasis> befreien oder nicht�, fuhr Mat fort, �wenn sich das Volk nun erhebt, werden die Seanchaner Ebou Dar in einen Schlachthof verwandeln. Sie schlagen Rebellionen grausam nieder, Beslan. Sehr grausam! Wir k�nnten jede <emphasis>Damane</emphasis> auf dem Dachboden umbringen und sie w�rden Entsatz aus den Lagern holen. Deine Mutter wird zur�ckkommen und innerhalb der Stadtmauern nur noch Tr�mmer und davor deinen Kopf auf einem Spie� vorfinden. Und ihrer wird kurz darauf daneben stecken. Du glaubst doch wohl nicht, sie w�rden ihr abnehmen, dass sie keine Ahnung hatte, was ihr eigener Sohn plante, oder?� Beim Licht, wusste sie etwa Bescheid? Die Frau war mutig genug, um es zu versuchen. Er glaubte zwar nicht, dass sie dumm genug dazu war, aber...</p><p>�Sie sagt, wir sind M�use�, sagte Beslan erbittert. �Wenn Wolfshunde vorbeistreifen, sind die M�use still oder werden gefressen�, zitierte er. �Es gef�llt mir nicht, eine Maus zu sein, Mat.�</p><p>Mat bekam wieder leichter Luft. �Besser eine lebende Maus zu sein als eine tote, Beslan.� Was zwar nicht unbedingt die diplomatischste Art war, es auszudr�cken � Beslan verzog auch das Gesicht �, aber das war die Wahrheit.</p><p>Mat ermutigte Beslan, auch weiterhin zu den Treffen zu kommen, und wenn auch nur, um ihn unter Kontrolle zu haben, aber er lie� sich nur selten sehen. Thom fiel es zu, die Leidenschaft des Mannes abzuk�hlen, so gut er konnte. Er schaffte es lediglich, Beslan das Versprechen abzuringen, den Aufstand fr�hestens einen Monat nach ihrem Aufbruch anzuf�hren, damit sie weit genug entfernt waren. Und wenn das auch nicht zufrieden stellend war, so war es doch zumindest eine abgemachte Sache. Alles andere schien zwei Schritte voranzugehen, um dann gegen eine Steinmauer zu prallen. Oder einen Stolperdraht.</p><p>Juilins Angebetete hatte ihn gut im Griff. Es schien ihn nicht zu st�ren, ihretwegen seine tairenische Kleidung gegen die gr�nwei�e Livree eines Dieners einzutauschen oder auf Schlaf zu verzichten und zwei N�chte damit zu verbringen, den Boden in der N�he der Treppe zu den Zwingern zu kehren. Niemand warf einem Diener, der einen Besen schwang, einen zweiten Blick zu, nicht mal andere Diener. Im Tarasin-Palast gab es so viele von ihnen, dass sie nicht alle einander kannten, und wenn sie einen Mann in Livree mit einem Besen sahen, nahmen sie an, dass er ihn auch dort benutzen sollte. Juilin verbrachte auch zwei Tage mit Putzen und berichtete schlie�lich, dass <emphasis>Sul'dam</emphasis> die Zwinger am fr�hen Morgen und direkt nach Einbruch der Dunkelheit kontrollierten und auch zu jeder beliebigen Tageszeit dort auftauchten, man die <emphasis>Damane</emphasis> aber in der Nacht sich selbst �berlie�.</p><p>�Ich habe eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> belauscht, die sagte, sie sei froh, nicht drau�en in den Lagern zu sein, wo...� Juilin lag ausgestreckt auf seiner d�nnen Matratze und unterbrach sich, um ausgiebig hinter vorgehaltener Hand zu g�hnen. Thom sa� auf der Kante seines Bettes, so dass f�r Mat nur der Hocker �brig blieb. Es war besser, als stehen zu m�ssen, wenn auch nicht sehr. Die meisten Leute w�rden zu dieser Stunde bereits schlafen. �Wo man sie manchmal zur Nachtwache einteilen w�rde�, fuhr der Diebef�nger fort, als er wieder sprechen konnte. �Sie sagte auch, sie w�rde die <emphasis>Damane</emphasis> gern die Nacht durchschlafen lassen, damit sie alle bei Sonnenaufgang frisch und munter w�ren.�</p><p>�Also m�ssen wir in der Nacht handeln�, murmelte Thom und spielte mit seinem langen wei�en Schnurrbart. Er brauchte nicht zu erw�hnen, dass alles, was sich nachts bewegte, Blicke auf sich zog. Im Gegensatz zur B�rgerwache schickten die Seanchaner nachts Patrouillen los.</p><p>Die Wache war auch Bestechungsgeldern nie abgeneigt gewesen, bis die Seanchaner sie aufgel�st hatte. Jetzt konnte man in der Nacht davon ausgehen, auf der Stra�e der Totenwache zu begegnen, und jeder, der versuchte, sie zu bestechen, w�rde vermutlich nicht mehr lange genug leben, damit man ihm den Prozess machte.</p><p>�Hast du schon ein <emphasis>Adam</emphasis> gefunden, Juilin?�, fragte Mat. �Oder die Kleider? Kleider k�nnen doch nicht so schwer zu beschaffen sein wie ein <emphasis>Adam.�</emphasis></p><p>Juilin g�hnte erneut in seine Hand. �Ich besorge sie, wenn es m�glich ist. Wei�t du, sie lassen sie nicht einfach so rumliegen.�</p><p>Thom entdeckte, dass es nicht m�glich war, eine <emphasis>Damane</emphasis> einfach durch das Stadttor zu f�hren. Das hei�t, Riselle hatte es entdeckt, wie er freim�tig zugab. Anscheinend hatte einer der hochrangigen Offiziere, die in der <emphasis>Wanderin</emphasis> abgestiegen waren, eine Singstimme, die ihr sehr gefiel.</p><p>�Einer vom Blut kann eine <emphasis>Damane</emphasis> mitnehmen, ohne dass Fragen gestellt werden�, berichtete Thom bei ihrem n�chsten Treffen. Diesmal sa�en er und Juilin auf ihren Betten. Mat fing an, den Hocker zu hassen. �Das hei�t, zumindest ein paar von ihnen. <emphasis>Sul'dam</emphasis> brauchen jedoch einen unterzeichneten und mit Siegel versehenen Befehl, und zwar von einem Angeh�rigen des Blutes, einem Offizier mindestens im Rang eines Kapit�ns oder einem <emphasis>Der'sul'dam.</emphasis> Die W�chter an den Stadttoren und den Docks haben Listen eines jeden in der Stadt g�ltigen Siegels, also kann ich nicht einfach ein Siegel machen und hoffen, dass es akzeptiert wird. Ich brauche eine Kopie des richtigen Befehls mit dem dazu passenden Siegel. Daraus ergibt sich die Frage, wer unsere drei <emphasis>Sul'dam</emphasis> sein sollen.�</p><p>�Vielleicht w�rde Riselle mitmachen�, schlug Mat vor. Sie wusste zwar nicht, was sie taten, und es ihr zu verraten w�rde ein Risiko sein. Aber Thom hatte ihr alle m�gliehen Fragen gestellt, als wollte er mehr �ber das Leben unter den Seanchanern erfahren, und sie hatte sie gern an ihren seanchanischen Bekannten weitergereicht. Doch vermutlich w�rde sie nicht das Risiko eingehen wollen, dass ihr h�bscher Kopf auf einem Spie� landete. Sie konnte Schlimmeres tun, als nur nein zu sagen. �Und was ist mit deiner Freundin, Juilin?� Mat hatte da eine Idee, was die dritte betraf. Er hatte Juilin gebeten, ein <emphasis>Sul'dam-</emphasis>Gewand aufzutreiben, das Setalle Anan passte, obwohl es bis jetzt keine Gelegenheit gegeben hatte, sie danach zu fragen. Seit Joline in die K�che hereinspaziert war, hatte er der <emphasis>Wanderin</emphasis> nur einen einzigen Besuch abgestattet, um sicherzugehen, dass ihr klar war, dass er alles tat, was in seinen Kr�ften stand. Nat�rlich glaubte sie es nicht, aber Frau Anan war es tats�chlich gelungen, den Zorn der Aes Sedai zu beschwichtigen, bevor sie herumzubr�llen anfing. Sie w�rde die perfekte <emphasis>Sul'dam</emphasis> f�r Joline abgeben.</p><p>Juilin zuckte unbehaglich mit den Schultern. �Es war schwer genug, Thera davon zu �berzeugen, mit mir wegzulaufen. Jetzt ist sie ... �ngstlich. Ich kann ihr helfen, ihre Angst mit der Zeit zu �berwinden. Ich wei�, dass ich das kann. Aber ich glaube nicht, dass sie es schaffen w�rde, sich als <emphasis>Sul'dam</emphasis> auszugeben.�</p><p>Thom zupfte an seinem Schnurrbart. �Es ist unwahrscheinlich, dass Riselle gehen w�rde, unter welchen Umst�nden auch immer. Anscheinend gef�llt ihr Bannergeneral Lord Yamadas Gesang so sehr, dass sie sich entschieden hat, ihn zu heiraten.� Er seufzte bedauernd. �Ich f�rchte, aus dieser Quelle kommen keine Informationen mehr.� Und sein Gesichtsausdruck besagte, dass er auch seinen Kopf nicht mehr auf ihren Busen betten konnte. �Nun ja, denkt weiter dar�ber nach, wen wir fragen k�nnten. Und seht, ob ihr an eine Abschrift eines dieser Befehle herankommt.�</p><p>Thom gelang es, die richtige Tinte und das passende Papier zu organisieren, und er war bereit, jedermanns Handschrift und Siegel zu imitieren. Er hielt nichts von Siegeln, er behauptete, jeder mit einer Steckr�be und einem Messer k�nnte sie nachmachen. In der Handschrift eines anderen Mannes zu schreiben, so dass der andere glaubte, er h�tte es selbst geschrieben, das war eine Kunst. Aber keiner von ihnen kam an eine Kopie der Befehle mit dem richtigen Siegel heran. Die Seanchaner lie�en sie genauso wenig wie die <emphasis>Adam</emphasis> einfach herumliegen. Juilin schien auch keine Fortschritte mit dem <emphasis>A'dam</emphasis> zu machen. Zwei Schritte vorw�rts, dann die Steinmauer. Und sechs Tage waren einfach so verstrichen. Es blieben noch vier �brig. Mat hatte das Gef�hl, seit Tylins Aufbruch w�ren sechs Jahre verstrichen und es w�rde nur noch vier Stunden bis zu ihrer R�ckkehr dauern.</p><p>Am siebten Tag hielt Thom Mat auf dem Korridor auf, als er vom Reiten kam. Der ehemalige Gaukler l�chelte, als w�rde er nichtssagende Konversation betreiben, aber er senkte die Stimme. Die vorbeieilenden Diener konnten nicht mehr als ein Murmeln h�ren. �Laut Noal hat der <emphasis>Gholam</emphasis> vergangene Nacht erneut get�tet. Man hat den Suchern befohlen, den M�rder zu finden, und wenn sie daf�r aufh�ren m�ssen zu essen und zu schlafen, aber ich kann nicht herausfinden, wer den Befehl gegeben hat. Selbst die Tatsache, dass man ihnen befohlen hat, etwas zu unternehmen, scheint ein Geheimnis zu sein. Aber nichtsdestotrotz bereiten sie schon die Streckbank vor und schieben die Eisen ins Feuer.�</p><p>Es spielte keine Rolle, dass Thom leise sprach; Mat schaute sich trotzdem um, ob ihnen jemand zuh�rte. Die einzige Person in Sichtweite war ein korpulenter grauhaariger Mann namens Narvin, der zwar eine Livree trug, aber weder in Eile war noch etwas transportierte. Diener von so hoher Stellung wie Narvin machten keine Boteng�nge und beeilten sich auch nicht. Mats Anblick, als er versuchte, in alle Richtungen gleichzeitig zu schauen, lie� ihn blinzeln, dann runzelte er die Stirn. Mat wollte die Z�hne fletschen, aber stattdessen grinste er so entwaffnend, wie er nur konnte, und Narvin ging mit finsterer Miene weiter. Mat war davon �berzeugt, dass dieser Bursche f�r den ersten Versuch, Pip aus dem Stall zu entfernen, verantwortlich war.</p><p>�Noal hat dir von den Suchern erz�hlt?�, fl�sterte er ungl�ubig, sobald Narvin weit genug weg war.</p><p>Thom winkte ab. �Nat�rlich nicht. Nur von den Morden. Obwohl er Ger�chte aufzuschnappen scheint und wei�, was sie bedeuten. Das ist ein seltenes Talent. Ich w�rde gern wissen, ob er wirklich in Shara war�, sagte er nachdenklich. �Er hat erz�hlt, er...� Thom r�usperte sich, als er Mats Blick sah. �Nun, das kann warten. Ich habe andere Quellen als die viel betrauerte Riselle. Einige davon sind Lauscher. Lauscher scheinen wirklich alles zu h�ren.�</p><p>�Du hast mit Lauschern gesprochen?� Mats Stimme quietschte wie eine verrostete T�rangel. Er hatte das Gef�hl, seine ganze Kehle w�re verrostet!</p><p>�Da ist doch nichts dabei, so lange sie nicht wissen, dass du Bescheid wei�t.� Thom kicherte. �Mat, bei den Seanchanern musst du bei allen davon ausgehen, dass sie Lauscher sind. So erf�hrst du, was du wissen willst, ohne das falsche Wort in das falsche Ohr zu sagen.� Er hustete und strich den Schnurrbart mit den Kn�cheln glatt. �Ich kenne zuf�llig einen oder zwei, die wirklich dazugeh�ren. Mehr Informationen k�nnen jedenfalls nicht schaden. Du willst doch vor Tylins R�ckkehr weg sein, oder? Irgendwie siehst du ohne sie etwas ... verloren aus.�</p><p>Mat konnte nur st�hnen.</p><p>In dieser Nacht schlug der <emphasis>Gholam</emphasis> abermals zu. Lopin und Nerim sprudelten vor Neuigkeiten f�rmlich �ber, bevor Mat seinen Fr�hst�cksfisch gegessen hatte. Sie behaupteten, in der Stadt herrsche Aufruhr. Das letzte Opfer, eine Frau, sei in der Einm�ndung einer Gasse gefunden worden, und pl�tzlich w�rden die Leute dar�ber reden und einen Mord mit dem anderen in Verbindung bringen. Da war ein Verr�ckter am Werk und die Leute verlangten mehr seanchanische Stra�enpatrouillen in der Nacht. Mat schob den Teller von sich. Mehr Patrouillen. Und als w�re das nicht schon schlimm genug, war es durchaus m�glich, dass Suroth fr�her zur�ckkam, wenn sie davon erfuhr, und Tylin mitbrachte. Bestenfalls blieben ihm noch zwei Tage. Er hatte das Gef�hl, das, was er gegessen hatte, gleich wieder von sich geben zu m�ssen.</p><p>Er verbrachte den Rest des Vormittags damit, auf dem Teppich in Tylins Schlaf gemach auf und ab zu gehen, also gut, zu hinken, und den Schmerz in seinem Bein zu ignorieren, w�hrend er versuchte, sich etwas einfallen zu lassen, egal was, das ihn das Unm�gliche in zwei Tagen gelingen lassen w�rde. Der Schmerz hatte tats�chlich nachgelassen. Er hatte den Wanderstab aufgegeben und sich angestrengt, neue Kr�fte zu gewinnen. Vermutlich w�rde er zu Fu� nun zwei oder drei Meilen schaffen, ohne das Bein ausruhen zu m�ssen. Zumindest ohne es lange ausruhen zu m�ssen.</p><p>Gegen Mittag brachte ihm Juilin die einzige gute Nachricht, die er seit langer Zeit erhalten hatte. Und eigentlich war es auch keine Nachricht. Es war ein Kleidersack mit zwei Gew�ndern, die um ein silbernes <emphasis>A'dam</emphasis> gewickelt waren.</p></section><section><title><p>29</p><p>Ein anderer Plan</p></title><p>Der Keller der <emphasis>Wanderin</emphasis> mit seiner Decke aus Holzbalken war gro�, doch obwohl sich nur f�nf Leute darin aufhielten, erschien er so eng wie das Zimtner, das sich Juilin und Thom teilten. Die auf einem aufrecht stehenden Fass abgesetzte �llampe warf flackernde Schatten. Ein St�ck weiter lag der ganze Keller in Dunkelheit. Der Abstand zwischen den Regalen und den rauen Steinw�nden war kaum gr��er, als ein Fass hoch war, aber das schien nicht der Grund daf�r zu sein, dass er so beengt wirkte.</p><p>�Ich habe Euch um Hilfe gebeten, nicht um einen Strick um den Hals�, sagte Joline kalt. Nach fast einer Woche in Frau Anans Obhut und mithilfe von Enids K�che sah die Aes Sedai nicht l�nger hager aus. Das zerlumpte Gewand, in dem Mat sie zuvor gesehen hatte, war von einem hochgeschlossenen, aus feinem Tuch gefertigten blauen Gewand ersetzt worden, das an den �rmeln und unter dem Kinn einen Hauch Spitze aufwies. Das flackernde Licht tauchte ihr Gesicht immer wieder in Schatten und sie sah w�tend aus; sie versuchte Mat mit ihren Blicken zu durchbohren. �Wenn etwas schief geht, egal was, w�re ich v�llig hilflos!�</p><p>Er wollte nichts davon h�ren. Da bot man aus der G�te seines Herzens seine Hilfe an, gewisserma�en, und das hatte man davon. Er hielt ihr praktisch das <emphasis>A'dam</emphasis> unter die Nase. Es wand sich in seiner Hand wie eine lange Schlange aus Silber und funkelte im Lampenlicht, Kragen und Armband schleiften �ber den Steinboden, und Joline sch�rzte die dunklen R�cke und trat zur�ck, um jede Ber�hrung zu vermeiden. So wie sich ihr Mund verzog, h�tte es genauso gut eine Viper sein k�nnen. Er fragte sich, ob es ihr passen w�rde; der Kragen schien gr��er als ihr schlanker Hals zu sein. �Sobald wir au�erhalb der Stadtmauer sind, wird Frau Anan es Euch abnehmen�, knurrte er. �Ihr vertraut ihr doch, oder? Sie hat ihren Hals riskiert, um Euch hier unten zu verstecken. Ich sage Euch, das ist die einzige M�glichkeit!� Joline hob stur das Kinn. Frau Anan murmelte �rgerlich etwas vor sich hin.</p><p>�Sie will das Ding nicht tragen�, sagte Fen mit ausdrucksloser Stimme hinter Mat.</p><p>�Wenn sie es nicht tragen will, dann tr�gt sie es auch nicht�, sagte Blaeric mit noch ausdrucksloserer Stimme neben Fen.</p><p>F�r zwei v�llig unterschiedliche M�nner waren sich Jolines dunkelhaarige Beh�ter ziemlich �hnlich. Fen mit seinen dunklen, schr�g stehenden Augen und einem Kinn, mit dem man einen Stein spalten konnte, war eine Spur kleiner als Blaeric und vielleicht etwas breiter in Brust und Schultern, doch jeder h�tte ohne weiteres die Kleidung des anderen tragen k�nnen. Fens glattes schwarzes Haar reichte fast bis zu den Schultern, das Haar des blau�ugigen Blaeric war kurz geschnitten und hatte fast dieselbe Farbe. Blaeric war Schienarer, und er hatte den Haarknoten abrasiert und lie� den Rest wachsen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, aber es gefiel ihm nicht. Fen, ein Saldaeaner, schien gar nichts zu gefallen mit Ausnahme von Joline. Beide mochten Joline, und zwar sehr. Beide sprachen �hnlich, dachten �hnlich und bewegten sich �hnlich. Sie trugen zerschlissene Hemden und die einfachen Westen von Tagel�hnern, die bis �ber ihre H�ften reichten, aber jeder, der sie selbst in diesem schlechten Licht f�r Arbeiter gehalten h�tte, h�tte blind sein m�ssen. Am Tag, wenn sie in den St�llen arbeiteten, wo Frau Anan sie untergebracht hatte ... Licht! Sie schauten Mat an wie L�wen eine Ziege, die vor ihnen die Z�hne gefletscht hatte. Er drehte sich so, dass er die Beh�ter nicht einmal aus dem Augenwinkel sehen musste. Mit den beiden im R�cken stellten die an verschiedenen Stellen seines K�rpers versteckten Messer nur einen kleinen Trost da.</p><p>�Wenn Ihr nicht auf ihn h�ren wollt, Joline Maza, dann werdet Ihr mir zuh�ren.� Setalle stemmte beide H�nde in die H�ften und beugte sich der schlanken Aes Sedai entgegen. �Ich will Euch wieder in der Wei�en Burg sehen, auch wenn das bedeutet, dass ich Euch jeden Schritt dorthin sto�en muss! Vielleicht werdet Ihr mir unterwegs zeigen, dass Ihr wisst, was es bedeutet, eine Aes Sedai zu sein. Ich w�rde mich damit zufrieden geben, einen Blick auf eine erwachsene Frau zu erh�schen. Bis jetzt habe ich blo� eine Novizin gesehen, die in ihr Kissen weint und Wutanf�lle kriegt!�</p><p>Joline starrte sie an, die gro�en braunen Augen so weit aufgerissen, wie es nur ging, als k�nnte sie nicht glauben, was sie da h�rte. Mat war sich nicht sicher, ob er es glaubte. Wirtinnen sagten einer Aes Sedai nicht die Meinung. Fen grunzte und Blaeric murmelte etwas, das sich nicht nett anh�rte.</p><p>�Ihr braucht doch nicht weiter als au�er Sichtweite der Torw�chter zu gehen�, sagte Mat hastig zu Setalle in der Hoffnung, einen m�glichen Wutausbruch Jolines zu verhindern. �Haltet die Kapuze Eures Umhangs hochgeschlagen ...� Licht, er musste ihr einen dieser schicken Umh�nge besorgen! Nun, wenn Juilin ein <emphasis>A'dam</emphasis> stehlen konnte, dann konnte er auch einen verdammten Umhang klauen. �Die W�chter werden nur eine weitere <emphasis>Sul'dam</emphasis> sehen. Ihr k�nnt vor Tagesanbruch wieder hier sein, ohne dass es eine Menschenseele erfahren haben muss. Es sei denn, Ihr besteht darauf, Euren Hochzeitsdolch zu tragen.� Er lachte �ber seinen Witz, aber sie fiel nicht in sein Lachen ein.</p><p>�Glaubt Ihr, ich k�nnte an einem Ort bleiben, an dem Frauen zu Tieren gemacht werden, weil sie die Macht lenken k�nnen?�, wollte sie wissen und stapfte �ber den Boden, bis sie beinahe Zeh an Zeh mit ihm stand. �Glaubt Ihr, ich w�rde meine Familie zur�cklassen?� W�hrend sie Joline angestarrt hatte, schien sie ihn nun mit ihrem wilden Blick zu verschlingen. Ehrlich gesagt hatte er nie �ber diese Frage nachgedacht. Sicherlich w�rde er die <emphasis>Damane</emphasis> gern frei sehen, aber warum sollte ihr das so viel bedeuten? Doch offensichtlich tat es das; sie griff nach dem langen Krummdolch, der hinten in ihrem G�rtel steckte, und streichelte ihn. Ebou Dari nahmen Beleidigungen nie gut auf und in dieser Hinsicht war sie eine reine Ebou Dari. �Zwei Tage nach der Ankunft der Seanchaner habe ich begonnen, den Verkauf der <emphasis>Wanderin</emphasis> in die Wege zu leiten, als ich sehen konnte, was sie sind. Ich h�tte schon vor Tagen alles an Lydel Elonid �bergeben sollen, aber ich habe es hinausgez�gert, weil Lydel nicht damit rechnen w�rde, eine Aes Sedai im Keller zu finden. Wenn Ihr zum Auf bruch bereit seid, kann ich ihm die Schl�ssel �bergeben und mit Euch gehen. Lydel wird ungeduldig�, f�gte sie mit einem bedeutsamen, auf Joline gerichteten Blick �ber die Schulter hinzu.</p><p>Und was ist mit meinem Gold? wollte er emp�rt fragen. H�tte Lydel ihn das mitnehmen lassen, den unerwarteten Reichtum unter ihrem K�chenboden? Doch es war etwas anderes, das ihm den Atem verschlug. Pl�tzlich sah er sich Frau Anans ganze Familie aufgeb�rdet, einschlie�lich der verheirateten S�hne und T�chter mit ihren Kindern und vielleicht auch noch ein paar Tanten und Onkel und Nichten und Neffen. Dutzende. Sie mochte ja von au�erhalb kommen, aber ihr Mann hatte in der ganzen Stadt Verwandte. Blaeric schlug ihm so hart auf den R�cken, dass er stolperte.</p><p>Er zeigte dem Burschen die Z�hne und hoffte, dass der Schienarer es als dankbares L�cheln interpretierte. Blaerics Miene �nderte sich nicht. Verdammte Beh�ter! Verdammte Aes Sedai! Verdammte, verfluchte Wirtinnen!</p><p>�Frau Anan�, sagte er vorsichtig, �so wie ich von Ebou Dar wegkommen will, ist da nicht viel Platz f�r andere.� Er hatte ihr noch nicht von Lucas Wanderzirkus berichtet. Schlie�lich bestand die M�glichkeit, dass er den Mann doch nicht �berzeugen konnte. Und je mehr Leute Luca mitnehmen musste, desto schwerer w�rde er zu �berzeugen sein. �Kehrt zur�ck, sobald wir au�erhalb der Stadt sind. Wenn Ihr sie verlassen m�sst, nehmt eines der Fischerboote Eures Mannes. Aber ich rate Euch, ein paar Tage zu warten. Vielleicht eine Woche. Sobald die Seanchaner entdecken, dass zwei <emphasis>Damane</emphasis> fehlen, werden sie sich auf jeden st�rzen, der die Stadt verlassen will.�</p><p>�Zwei?�, sagte Joline in scharfem Tonfall. �Teslyn und wer noch?�</p><p>Mat verzog das Gesicht. Das hatte er nicht preisgeben wollen. Er hatte Joline so weit, und bei ihr fielen einem als allererstes Worte wie launisch, halsstarrig und verw�hnt ein. Alles, was sie auf den Gedanken bringen konnte, dass die Sache schwieriger und Ungewisser werden k�nnte, w�rde sie m�glicherweise dazu bringen, einen eigenen hirnverbrannten Plan auszubr�ten. Etwas, das seine Pl�ne zweifellos zum Scheitern verurteilte. Wenn sie allein zu fl�chten versuchte, w�rde man sie zweifellos gefangen nehmen, und sie w�rde k�mpfen. Und sobald die Seanchaner erfuhren, dass eine Aes Sedai direkt unter ihrer Nase in der Stadt gewesen war, w�rden sie die Suche nach <emphasis>Marath'damane</emphasis> wieder ausweiten, die Stra�enpatrouillen noch mehr verst�rken, als sie es bereits wegen des �verr�ckten M�rders� getan hatten, und, was das Schlimmste sein w�rde, es noch schwieriger machen, durch die Stadttore zu gelangen.</p><p>�Edesina Azzedin�, sagte er z�gernd. �Ich wei� nicht mehr �ber sie.�</p><p>�Edesina�, wiederholte Joline langsam. Ein paar winzige Falten brachten ihre glatte Stirn in Unordnung. �Ich habe geh�rt, sie ...� Was auch immer sie geh�rt hatte, sie biss die Z�hne zusammen und fixierte ihn mit einem wilden Blick. �Halten sie auch noch andere Schwestern fest? Wenn Teslyn freikommt, werde ich ihnen keine andere Schwester �berlassen!�</p><p>Mat musste sich anstrengen, sie nicht ungl�ubig anzustarren. Launisch und verw�hnt? Er sah eine L�win an, die es mit Blaeric und Fen aufnehmen konnte. �Glaubt mir, ich werde keine Aes Sedai in den Zwingern lassen, es sei denn, sie will dort bleiben�, sagte er so trocken, wie er nur konnte. Die Frau war trotzdem halsstarrig. M�glicherweise w�rde sie darauf bestehen, die anderen beiden zu retten, die wie Pura waren, Licht, er h�tte <emphasis>niemals</emphasis> zulassen d�rfen, in die Angelegenheiten der Aes Sedai verstrickt zu werden, und er brauchte keine uralten Erinnerungen, um ihn davor zu warnen! Da reichten seine eigenen schon aus, vielen Dank auch!</p><p>Fen stie� ihn mit einem harten Finger in die linke Schulter. �Seid nicht so unversch�mt�, warnte der Beh�ter.</p><p>Joline r�mpfte �ber seinen Tonfall die Nase, bedr�ngte ihn aber nicht weiter.</p><p>Mat f�hlte, wie sich ein Knoten in seinem Nacken l�ste, genau dort, wo die Axt des Scharfrichters zuschlagen w�rde. Aes Sedai verdrehten anderen Leuten die Worte im Mund; sie rechneten nicht damit, dass man sie mit ihren eigenen Tricks hereinlegte.</p><p>Er wandte sich Setalle zu. �Frau Anan, Ihr m�sst doch einsehen, dass die Schiffe Eures Mannes viel besser ...�</p><p>�Das mag schon sein�, unterbrach sie ihn, �aber Jasfer ist vor drei Tagen mit seinen zehn Booten und unserer ganzen Familie losgesegelt. Falls er jemals zur�ckkehrt, wird die Gilde wohl mit ihm reden wollen. Eigentlich darf er keine Passagiere mitnehmen. Sie fahren nach Illian, wo sie auf mich warten werden. Ihr m�sst wissen, dass ich gar nicht bis nach Tar Valon will.�</p><p>Diesmal konnte Mat eine Grimasse nicht verhindern. Er hatte auf Jasfer Anans Fischerboote zur�ckgreifen wollen, falls es ihm nicht gelang, Luca zu �berreden. Eine gef�hrliche Idee, sicher, sogar mehr als gef�hrlich. Vielleicht sogar verr�ckt. Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> auf den Docks h�tten vermutlich jeden Befehl �berpr�ft, der <emphasis>Damane</emphasis> an Bord von Fischerbooten schickte, vor allem in der Nacht. Aber er hatte die Boote stets im Hinterkopf gehabt. Nun, er w�rde Luca Daumenschrauben anlegen m�ssen, und zwar so fest wie n�tig.</p><p>�Ihr lasst Eure Familie zu dieser Jahreszeit hinausfahren?� In Jolines Stimme vermengten sich Unglaube und Verachtung. �Wo die schlimmsten St�rme heraufziehen?�</p><p>Frau Anan hatte der Aes Sedai den R�cken zugewandt, und sie hob stolz den Kopf, aber der Stolz galt nicht ihr. �Jasfer kann in den Rachen eines Cemaros segeln, wenn es sein muss. Ich vertraue ihm, so wie Ihr Euren Beh�tern vertraut, Gr�ne. Mehr sogar.�</p><p>Joline runzelte pl�tzlich die Stirn, nahm die Lampe an ihrem Eisenring und verschob sie, um das Gesicht der Wirtin in das Licht zu tauchen. �Sind wir uns fr�her schon einmal begegnet? Manchmal, wenn ich Euer Gesicht nicht sehen kann, klingt Eure Stimme vertraut.�</p><p>Statt einer Antwort nahm Setalle Mat das <emphasis>A'dam</emphasis> ab und fummelte an dem Armreif herum, der sich an dem einen Ende der silbernen Leine befand. Das ganze Ding war aus Segmenten gefertigt, die so geschickt zusammengef�gt waren, dass man nicht erkennen konnte, wie es gemacht worden war. �Wir k�nnten den Test endlich hinter uns bringen.�</p><p>�Den Test?�, sagte er, und die haselnussbraunen Augen warfen ihm einen vernichtenden Blick zu.</p><p>�Nicht jede Frau kann eine <emphasis>Sul'dam</emphasis> sein. Das m�sstet Ihr mittlerweile wissen. Ich habe die Hoffnung, dass ich dazu f�hig bin, aber wir sollten es lieber jetzt herausfinden und nicht im letzten Augenblick.� Sie starrte den geschlossenen Armreif stirnrunzelnd an und drehte ihn in den H�nden. �Wisst Ihr, wie man dieses Ding �ffnet? Ich kann nicht mal erkennen, wo der Verschluss ist.�</p><p>�Ja�, sagte er leise. Er hatte sich nur wenige Male mit Seanchanern �ber <emphasis>Sul'dam</emphasis> und <emphasis>Damane</emphasis> unterhalten, und dabei war es um die Frage gegangen, wie man sie in der Schlacht benutzte. Er hatte nie einen Gedanken daran verschwendet, wie die <emphasis>Sul'dam</emphasis> ausgew�hlt wurden. M�glicherweise musste er gegen sie k�mpfen � diese uralten Erinnerungen lie�en ihm kaum eine Ruhepause, einmal nur nicht daran denken zu m�ssen, wie man eine Schlacht f�hrte �, aber er hatte mit Sicherheit nie daran gedacht, welche zu rekrutieren. �Besser, es jetzt zu testen.� Statt... Licht!</p><p>Die Verschl�sse bereiteten ihm keine Schwierigkeiten, der Armreif war das einfachste. Man musste nur an den richtigen Stellen dr�cken, oben und unten, nicht ganz gegen�ber der Leine. Das konnte man mit einer Hand machen und der Armreif sprang mit einem metallischen Klicken auf. Der Kragen war etwas schwieriger zu handhaben und brauchte beide H�nde. Er legte die Finger auf die richtigen Punkte zu beiden Seiten der Stelle, an der die Leine befestigt war, und dr�ckte, dann drehte und zog er, w�hrend er den Druck aufrecht erhielt. Nichts Sichtbares geschah, bis er die beiden Seiten in die andere Richtung drehte. Dann �ffnete sich der Kragen direkt neben der Leine mit einem lauteren Klicken als das Armband. Ganz einfach. Es herauszufinden hatte ihn im Palast auch nur eine Stunde gekostet, obwohl Juilin ihm dabei geholfen hatte. Hier lobte ihn jedoch niemand. Keiner sah so aus, als h�tte er etwas getan, das sie nicht auch h�tten tun k�nnen!</p><p>Setalle lie� das Armband um ihr Handgelenk zuschnappen, wickelte sich die Leine um den Unterarm und hielt dann den offenen Kragen hoch. Joline starrte ihn voller Abscheu an, die H�nde, die die R�cke hielten, ballten sich zu F�usten.</p><p>�Wollt Ihr fliehen?�, fragte die Wirtin ruhig.</p><p>Nach einem Augenblick hob Joline das Kinn. Setalle schloss den Kragen um den Hals der Aes Sedai mit dem gleichen scharfen Schnappen, den er beim �ffnen gemacht hatte. Mat hatte sich wegen der Gr��e geirrt; er sa� ziemlich eng auf dem hohen Kragen ihres Gewands. Jolines Lippen zuckten, aber das war auch schon alles, und Mat konnte beinahe sp�ren, wie sich Blaeric und Fen hinter ihm anspannten. Er hielt den Atem an.</p><p>Seite an Seite machten die beiden Frauen einen kleinen Schritt und schoben sich an Mat vorbei. Er atmete auf. Joline runzelte unsicher die Stirn. Dann machte sie einen zweiten Schritt.</p><p>Mit einem Aufschrei fiel die Aes Sedai zu Boden und wand sich vor Schmerzen. Sie konnte keine Worte formen, nur ihr St�hnen wurde lauter. Ihre Arme, Beine und sogar Finger zuckten und verdrehten sich auf seltsame Weise.</p><p>Setalle fiel auf die Knie, als Joline auf den Boden auftraf, ihre Hand flog zu dem Kragen, aber Blaeric und Fen waren noch schneller als sie, obwohl ihre Handlungen seltsam erschienen. Auf den Knien hob Blaeric die wimmernde Joline hoch und legte sie an seine Brust, w�hrend er ausgerechnet begann, ihren Nacken zu massieren. Fen bearbeitete ihre Arme. Der Kragen sprang auf und Setalle sackte auf die Fersen, aber Joline zuckte und wimmerte noch immer, und ihre Beh�ter bearbeiteten sie weiter, als versuchten sie, Muskelkr�mpfe wegzumassieren. Sie warfen Mat kalte Blicke zu, als w�re das alles seine Schuld.</p><p>Mat nahm die beiden kaum wahr; seine sch�nen Pl�ne waren v�llig ruiniert. Er wusste nicht, was er als N�chstes tun sollte, wo er �berhaupt anfangen sollte. In zwei Tagen war Tylin vermutlich wieder da, und er war davon �berzeugt, vor ihrer R�ckkehr weg sein zu m�ssen.</p><p>Er zw�ngte sich an Setalle vorbei und klopfte ihr auf die Schulter. �Sagt ihr, wir versuchen etwas anderes�, murmelte er. Aber was? Offensichtlich konnte nur eine Frau mit den F�higkeiten einer <emphasis>Sul'dam</emphasis> mit einem <emphasis>A'dam</emphasis> umgehen.</p><p>Die Wirtin holte ihn in der Dunkelheit am Fu� der Treppe zur K�che ein, w�hrend er seinen Hut und Umhang nahm. Einen einfachen Wollumhang ohne jede Verzierung. Ein Mann brauchte keine Verzierungen. Er jedenfalls vermisste sie nicht. Und dieses ganze Spitzenzeug! Sogar mit Sicherheit nicht!</p><p>�Habt Ihr noch einen anderen Plan?�, fragte sie. In der Dunkelheit konnte er ihr Gesicht nicht sehen, aber das Silber des <emphasis>A'dam</emphasis> funkelte hell. Sie hielt das Armband an ihrem Handgelenk umklammert.</p><p>�Ich habe immer noch einen anderen Plan�, log er und �ffnete das Armband f�r sie. �Wenigstens m�sst Ihr nicht mehr Euren Hals riskieren. Sobald ich Euch Joline abgenommen habe, k�nnt Ihr Euch zu Eurem Mann begeben.�</p><p>Sie grunzte blo�. Vermutlich wusste sie, dass er keinen Plan hatte.</p><p>Er wollte den Schankraum voller Seanchaner meiden, also ging er durch die K�che auf den Stallhof und dann durch das Tor auf den Mol Hara. Er hegte nicht die Bef�rchtung, dass ihn jemand bemerkte oder sich fragte, warum er hier gewesen war. In seiner unauff�lligen Kleidung schien man ihn bei seinem Eintritt f�r jemanden gehalten zu haben, der eine Besorgung f�r die Wirtin erledigt hatte. Aber es waren drei <emphasis>Sul'dam</emphasis> da gewesen, zwei davon mit <emphasis>Damane.</emphasis> Langsam wuchs in ihm die Bef�rchtung, Teslyn und Edesina nicht von ihren Kragen befreien zu k�nnen, und er wollte sich in diesem Augenblick einfach keine weitere <emphasis>Damane</emphasis> ansehen m�ssen. Blut und verdammte Asche, er hatte blo� versprochen, es zu versuchen!</p><p>Die schwache Sonne stand noch immer hoch am Himmel, aber der vom Meer kommende Wind wurde st�rker; er war voller Salz und versprach kalten Regen. Von der Schwadron der Totenwache abgesehen, die �ber den Platz marschierte und statt aus Ogiern aus Menschen bestand, beeilte sich jeder auf dem Mol Hara, seine Erledigungen vor dem einsetzenden Regen zu beenden. Als Mat den Sockel von K�nigin Narienes hoher, barbusiger Statue erreichte, fiel eine Hand auf seine Schulter.</p><p>�Ich haben Euch zuerst gar nicht erkannt ohne Eure schicken Sachen, Mat Cauthon.�</p><p>Mat drehte sich um und fand sich dem breiten illianischen <emphasis>So'jhin</emphasis> gegen�ber, den er an jenem Tag gesehen hatte, als Joline wieder in seinem Leben aufgetaucht war. Es war keine angenehme Assoziation. Der Bursche mit dem runden Gesicht sah seltsam aus mit seinem Bart und dem zur H�lfte rasierten Kopf und er trug ausgerechnet nur Hemds�rmel und zitterte.</p><p>�Ihr kennt mich?�, fragte Mat vorsichtig.</p><p>Der massige Kerl strahlte ihn mit einem breiten Grinsen an. �Gl�ck stich mich, das ich tun. Ihr haben einst eine denkw�rdige Reise auf meinem Schiff gemacht, mit Trollocs und Shadar Logoth am einen Ende und einem Myrddraal und dem brennenden Wei�br�cke am anderen. Bayle Domon, Meister Cauthon. Erinnert Ihr Euch jetzt?�</p><p>�Ja, schon.� Das stimmte auch mehr oder weniger. Er konnte sich dieser Reise nur noch vage entsinnen, in seinem Ged�chtnis klafften gro�e L�cken, die nun von den Erinnerungen der anderen M�nner gef�llt wurden. �Wir m�ssen uns mal bei einem Becher hei�em gew�rzten Wein zusammensetzen und �ber die alten Zeiten reden.� Was nie geschehen w�rde, wenn er Domon aus dem Weg gehen konnte. Was von dieser Reise noch in seinem Ged�chtnis vorhanden war, war auf eine seltsame Weise unangenehm, so wie die Erinnerung an eine t�dliche Krankheit. Nat�rlich war er in gewisser Weise krank gewesen. Eine weitere unerfreuliche Erinnerung.</p><p>�Keine Zeit sein besser als jetzt�, sagte Domon lachend, legte einen dicken Arm auf Mats Schultern und steuerte ihn zur�ck in Richtung Wanderin.</p><p>Au�er einem Kampf schien es keine M�glichkeit zu geben, dem Mann zu entgehen, also ging Mat mit. Eine Pr�gelei war nicht die richtige Methode, um jeglicher Aufmerksamkeit zu entgehen. Davon abgesehen war er sich nicht sicher, ob er gewinnen w�rde. Domon sah fett aus, aber das Fett �berzog harte Muskeln. Und ein Schluck zu trinken konnte auf keinen Fall schaden. Davon abgesehen, war Domon nicht Schmuggler gewesen? M�glicherweise kannte er ja Wege nach Ebou Dar und wieder hinaus, die anderen verborgen geblieben waren, und vielleicht enth�llte er sie, wenn man die richtigen Fragen stellte. Vor allem bei einem Schluck Wein. In Mats Manteltasche befand sich ein dicker Beutel voller Gold, und er hatte nichts dagegen, alles auszugeben, um den Mann so betrunken zu machen wie einen Geigenspieler am Sonntag. Betrunkene redeten gern.</p><p>Domon f�hrte ihn durch den Schankraum, verbeugte sich links und rechts vor Angeh�rigen des Blutes und Offizieren, die ihn kaum zur Kenntnis nahmen, betrat aber nicht die K�che, in der Enid ihnen m�glicherweise eine Bank in der Ecke gegeben h�tte. Stattdessen f�hrte er ihn die gel�nderlose Treppe hinauf. Und bis Mat in ein Zimmer im r�ckw�rtigen Teil des Gasthauses gef�hrt wurde, hatte er angenommen, Domon w�rde nur Mantel und Umhang holen. Ein ordentliches Kaminfeuer heizte den Raum, aber pl�tzlich war es ihm viel k�lter, als es drau�en gewesen war.</p><p>Domon schloss hinter ihnen die T�r und baute sich mit vor der Brust verschr�nkten Armen davor auf. �Ihr sein in der Gegenwart vom Kapit�n der Gr�nen Lady Egeanin Tamarath�, verk�ndete er und f�gte dann in normalerem Tonfall hinzu: �Das sein Mat Cauthon.�</p><p>Mat sah von Domon zu der hochgewachsenen Frau, die steif auf einem Stuhl mit einer Sprossenlehne sa�. Ihr Faltengewand war heute hellgelb und sie trug einen mit Blumen bestickten Hausmantel dar�ber, aber er erinnerte sich an sie. Ihr blasses Gesicht war hart und in ihren blauen Augen funkelte der gleiche raubtierhafte Ausdruck wie in Tylins. Nur vermutete er, dass Egeanin nicht hinter K�ssen her war. Sie hatte schlanke H�nde, aber sie wiesen die Schwielen einer Schwertk�mpferin auf. Er bekam keine Gelegenheit, sie zu fragen, was das sollte, und es war auch nicht n�tig.</p><p>�Mein <emphasis>Sojhin</emphasis> hat mir berichtet, dass Euch Gefahren nicht unvertraut sind, Meister Cauthon�, sagte sie, sobald Domon verstummt war. Ihr breiter seanchanischer Akzent klang noch immer gebieterisch und befehlend, andererseits geh�rte sie dem Blut an. �Ich brauche solche M�nner, um ein Schiff zu bemannen, und ich bezahle gut, in Gold, nicht in Silber. Wenn Ihr andere wie Euch kennt, werde ich sie in meine Dienste nehmen. Sie m�ssen aber verschwiegen sein. Meine Absichten sind meine Sache. Bayle erw�hnte zwei andere Namen. Thom Merrilin und Juilin Sandar. Falls sich einer von ihnen in Ebou Dar aufhalten sollte, k�nnte ich ihre Fertigkeiten ebenfalls gebrauchen. Sie kennen mich und sie wissen, dass sie mir ihr Leben anvertrauen k�nnen. So wie Ihr auch, Meister Cauthon.�</p><p>Mat lie� sich auf den zweiten Stuhl des Zimmers nieder und warf den Umhang zur�ck. Selbst bei einem der niederen R�nge des Blutes � ihr dunkler Haarschopf und die gr�n lackierten N�gel der kleinen Finger verk�ndeten ihre Stellung � h�tte er sich nicht setzen d�rfen, aber er musste nachdenken. �Ihr verf�gt �ber ein Schiff?�, fragte er haupts�chlich, um Zeit zu gewinnen. Sie �ffnete w�tend den Mund. An das Blut gerichtete Fragen hatten taktvoll gestellt zu werden.</p><p>Domon grunzte und sch�ttelte den Kopf, und einen Augenblick lang sah sie sogar noch w�tender aus, aber dann gl�ttete sich ihr strenges Gesicht. Andererseits bohrten sich ihre Blicke in Mat und sie stand auf und baute sich mit in die H�ften gestemmten H�nden vor ihm auf. �Ich werde ein Schiff fr�hestens gegen Ende des Fr�hlings haben, sobald mein Gold aus Cantorin gebracht werden kann�, sagte sie in einem eisigen Tonfall.</p><p>Mat seufzte. Nun, es w�re sowieso unm�glich gewesen, Aes Sedai auf einem seanchanischen Schiff hier herauszubringen. �Woher kennt Ihr Thom und Juilin?� Domon konnte ihr von Thom erz�hlt haben, das schon, aber woher, beim Licht, kannte sie Juilin?</p><p>�Ihr stellt zu viele Fragen�, sagte sie entschieden und wandte sich von ihm ab. �Ich f�rchte, ich kann Euch doch nicht gebrauchen. Bayle, bring ihn raus.� Letzteres war ein hochm�tiger Befehl.</p><p>Domon bewegte sich nicht von der T�r weg. �Sagt es ihm�, dr�ngte er sie. �Fr�her oder sp�ter er m�ssen alles erfahren oder er bringen Euch in gr��ere Gefahr, als Ihr jetzt seid. Sagt es ihm.� Selbst f�r einen <emphasis>So'jhin</emphasis> schien er sich eine Menge herausnehmen zu k�nnen. Die Seanchaner waren ber�chtigt daf�r, sicherzustellen, dass ihr Besitz seine Stellung nicht verga�. Und alle anderen auch nicht, was das betraf. Egeanin konnte nicht mal ein Viertel so hart sein, wie sie erschien.</p><p>Und im Augenblick erschien sie sehr hart, wie sie ihre R�cke aus dem Weg trat, auf und ab marschierte und Domon und dann Mat finstere Blicke zuwarf. Schlie�lich blieb sie stehen. �Ich habe ihnen in Tanchico einen kleinen Gefallen getan.� Sie schwieg einen Augenblick lang und f�gte dann hinzu: �Und den beiden Frauen, die in ihrer Begleitung waren, Elayne Trakand und Nynaeve al'Meara.� Ihr Blick richtete sich auf ihn, sie musterte ihn gespannt, um zu sehen, ob er die Namen kannte.</p><p>Mat f�hlte, wie sich in seiner Brust etwas spannte. Es war kein Schmerz, sondern eher so, als w�rde er zusehen, wie das Pferd, auf das er gewettet hatte, auf die Ziellinie zust�rmte, die Verfolger aber so dichtauf, dass das Ergebnis noch immer infrage stand. Was, beim Licht, hatten Nynaeve und Elayne in Tanchico zu tun gehabt, wobei sie die Hilfe einer Seanchanerin ben�tigt und auch bekommen hatten? Thom und Juilin hatten sich nie n�her �ber die Einzelheiten ausgelassen. Aber darum ging es hier nicht. Egeanin brauchte M�nner, die ihre Geheimnisse bewahren konnten und die die Gefahr nicht f�rchteten. Sie war selbst in Gefahr. F�r eine Angeh�rige des Blutes gab es kaum Gefahren, mal abgesehen von anderen Adligen und ... �Die Sucher sind hinter Euch her�, sagte er.</p><p>Die Art und Weise, wie ihr Kopf hochruckte, war Best�tigung genug, und ihre Hand tastete zur Seite, als w�rde sie nach dem Schwert greifen. Domon trat von einem Fu� auf den anderen und spreizte die gro�en Finger, die Augen auf Mat gerichtet. Augen, die pl�tzlich h�rter blickten als Egeanins. Der st�mmige Mann sah nicht l�nger witzig aus; er sah gef�hrlich aus. Pl�tzlich kam Mat der Gedanke, dass er dieses Zimmer m�glicherweise nicht mehr lebend verlassen w�rde.</p><p>�Wenn Ihr den Suchern entkommen wollt, kann ich Euch helfen�, sagte er schnell. �Ihr m�sst den Einflussbereich der Seanchaner verlassen. �berall, wo sie sind, k�nnen die Sucher Euch finden. Und es ist am besten, so schnell wie m�glich aufzubrechen. Gold k�nnt Ihr Euch immer noch beschaffen. Wenn Euch die Sucher nicht vorher erwischen. Thom hat mir berichtet, dass sie wegen etwas in hektische Aktivit�ten verfallen sind. Sie werfen die Eisen ins Feuer und machen die Streckbank fertig.�</p><p>Eine Zeit lang stand Egeanin reglos da, starrte ihn an. Schlie�lich wechselte sie einen langen Blick mit Domon. �Vielleicht w�re es gut, so schnell wie m�glich abzureisen�, wisperte sie. Aber ihr Tonfall gewann sofort wieder an Kraft. Falls ihrer Miene einen Moment lang Sorge abzulesen gewesen war, verschwand sie. �Die Sucher werden mich bestimmt nicht daran hindern, die Stadt zu verlassen, aber sie glauben, sie k�nnen mir zu etwas folgen, das sie mehr als mich wollen. Sie werden mir folgen, und bis ich die L�nder verlasse, die von den <emphasis>Rhyagelle</emphasis> gehalten werden, k�nnen sie den Soldaten befehlen, mich festzunehmen, was sie auch in dem Augenblick tun werden, in dem sie zu dem Schluss kommen, dass ich mich in noch nicht unterworfene L�nder begebe. Das ist dann der Moment, in dem ich die Hilfe Eures Freundes Thom Merrilin brauchen werde, Meister Cauthon. Zwischen hier und dort muss ich aus der Sicht der Sucher verschwinden. Ich mag das Gold aus Cantorin nicht haben, aber ich habe genug, um Euch Eure Hilfe angemessen zu entlohnen. Da k�nnt Ihr beruhigt sein.�</p><p>�Nennt mich Mat�, sagte er und schenkte ihr sein sch�nstes L�cheln. Selbst harte Frauen wurden bei seinem sch�nsten L�cheln weicher. Nun, sie wurde nicht weicher, zumindest nicht sichtbar � wenn �berhaupt runzelte sie leicht die Stirn �, aber eine Sache �ber Frauen wusste er: er kannte den Effekt, den sein L�cheln hatte. �Ich wei�, wie ich Euch auf der Stelle verschwinden lassen kann. Es macht keinen Sinn zu warten. Die Sucher k�nnten sich entschlie�en, Euch morgen zu verhaften.� Das traf tief. Sie zuckte nicht zusammen. Vermutlich gab es nur sehr wenig, das sie zusammenzucken lie�. Aber beinahe h�tte sie genickt. �Da ist nur noch eine Sache, Egeanin.� Das hier konnte ihm noch immer ins Gesicht explodieren wie eines von Aludras Feuerwerken, aber er z�gerte nicht. Manchmal musste man die W�rfel einfach werfen. �Ich brauche kein Gold, aber ich brauche drei <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die den Mund halten k�nnen. Glaubt Ihr, Ihr k�nntet welche besorgen?�</p><p>Nach einem Augenblick, der Stunden zu dauern schien, nickte sie, und Mat l�chelte innerlich. Sein Pferd war zuerst �ber die Zielgerade gegangen.</p><p>�Domon�, sagte Thom mit ausdrucksloser Stimme um den Pfeifenstiel, den er zwischen die Z�hne geklemmt hatte. Er lag mit einem doppelt gefalteten Kissen unter dem Kopf da und schien den blauen Dunst zu studieren, der in der Luft des fensterlosen Raums schwebte. Die einzige Lampe verbreitete nur ein kl�gliches Licht. �Und Egeanin.�</p><p>�Und sie geh�rt jetzt dem Blut an.� Juilin sa� auf der Bettkante und schaute in den verbrannten Kopf seiner Pfeife. �Ich wei� nicht, ob ich das gut finden soll.�</p><p>�Hei�t das, wir k�nnen ihnen nicht vertrauen?�, wollte Mat wissen und legte ohne nachzudenken den Daumen auf seinen Tabak. Mit einem leisen Fluch riss er ihn zur�ck und schob ihn sich in den Mund, um an der kleinen Verbrennung zu saugen. Wieder einmal war ihm die Wahl zwischen Hocker und stehen geblieben, aber dieses eine Mal hatte er nichts gegen den Hocker einzuwenden gehabt. Die Unterhaltung mit Egeanin hatte nicht viel Zeit des Nachmittags in Anspruch genommen, aber Thom war erst nach Einbruch der Dunkelheit in den Palast zur�ckgekehrt, w�hrend Juilin noch sp�ter wieder aufgetaucht war. Keiner von ihnen schien so erfreut �ber Mats Neuigkeiten zu sein, wie er erwartet hatte. Thom hatte blo� geseufzt, dass er endlich einen guten Blick auf eines der richtigen Siegel hatte werfen k�nnen, aber Juilin hatte nur das Gesicht verzogen, wann immer er in Richtung des B�ndels schaute, das er in die Ecke des Zimmers geworfen hatte. Es gab nun wirklich keinen Grund f�r den Mann, sich so zu benehmen, blo� weil sie die <emphasis>Sul'dam-Gew�nder</emphasis> nicht l�nger brauchten. �Ich sage euch, die haben eine entsetzliche Angst vor den Suchern�, fuhr Mat fort, als sein Daumen abgek�hlt war. Nun gut, vielleicht nicht gerade entsetzliche Angst, aber sie f�rchteten sich. �Egeanin mag zum Blut geh�ren, aber sie hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, als sie h�rte, wozu ich die <emphasis>Sul'dam</emphasis> brauche. Sie sagte lediglich, sie w�rde drei kennen, die tun w�rden, was wir wollen, und dass sie ihr morgen zur Verf�gung st�nden.�</p><p>�Egeanin, eine ehrenhafte Frau�, sagte Thom nachdenklich. Er legte immer wieder eine Pause ein, um einen Rauchring zu blasen. �Seltsam, das schon, aber schlie�lich ist sie Seanchanerin. Ich glaube, sogar Nynaeve mochte sie am Ende, und Elayne auf jeden Fall. Und sie mochte die beiden. Obwohl es Aes Sedai waren, wie sie glaubte. Sie war in Tanchico ausgesprochen n�tzlich. Mehr als nur kompetent. Ich w�rde zu gerne wissen, wieso sie zum Blut aufgestiegen ist, aber ich denke, wir k�nnen Egeanin vertrauen. Und Domon. Ein bemerkenswerter Mann, dieser Domon.�</p><p>�Ein Schmuggler�, murmelte Juilin ver�chtlich. �Und jetzt <emphasis>geh�rt</emphasis> er ihr. <emphasis>So'jhin</emphasis> sind mehr als nur Besitz, wisst ihr. Es gibt <emphasis>So'jhin,</emphasis> die dem Blut sagen, was sie zu tun haben.� Thom hob eine buschige Braue und sah ihn an. Einfach so, aber nach einem Augenblick zuckte der Diebef�nger mit den Schultern. �F�r einen Schmuggler.�</p><p>Mat schnaubte. Vielleicht waren sie eifers�chtig. Nun, er war <emphasis>ta'veren,</emphasis> und damit mussten sie leben. �Dann brechen wir morgen Nacht auf. Die einzige �nderung des Plans besteht darin, dass wir drei echte <emphasis>Sul'dam</emphasis> und eine Angeh�rige des Blutes haben, um uns durch das Tor zu bringen.�</p><p>�Und diese <emphasis>Sul'dam</emphasis> werden drei Aes Sedai aus der Stadt bringen, sie gehen lassen und nicht einmal daran denken, Alarm zu schlagen�, murmelte Juilin. �Als al'Thor in Tear war, habe ich mal gesehen, wie eine geworfene M�nze f�nfmal auf ihrem Rand landete. Schlie�lich gingen wir und lie�en sie so auf dem Tisch stehen. Ich sch�tze, alles kann passieren.�</p><p>�Entweder du vertraust ihnen oder nicht, Juilin�, knurrte Mat. Der Diebef�nger sah zu dem B�ndel in der Ecke und Mat sch�ttelte den Kopf. �Wie haben sie euch in Tanchico geholfen, Thom? Blut and Asche, jetzt seht mich nicht wieder so ausweichend an! Ihr wisst es und sie wissen es, also kann ich es genauso gut auch wissen.�</p><p>�Nynaeve hat gesagt, wir sollen es <emphasis>niemandem</emphasis> verraten�, sagte Juilin, als w�rde das ernsthaft eine Rolle spielen. �Elayne auch. Wir haben es versprochen. Man k�nnte sagen, wir haben einen Eid geschworen.�</p><p>Thom sch�ttelte den Kopf auf dem Kissen. �Umst�nde ver�ndern manche Dinge, Juilin. Au�erdem war es kein Eid.� Er blies drei perfekte Rauchringe, einen in dem anderen. �Sie halfen uns, eine Art m�nnliches <emphasis>A'dam</emphasis> zu besorgen und loszuwerden. Anscheinend wollte die Schwarze Ajah es bei Rand benutzen. Du kannst verstehen, warum Nynaeve und Elayne nicht wollten, dass das bekannt wird. Falls es sich herumspricht, dass so ein Ding jemals existierte, das Licht allein wei�, welche Geschichten in die Welt gesetzt w�rden.�</p><p>�Wen k�mmert es schon, was f�r Geschichten die Leute erz�hlen?� Ein <emphasis>A'dam</emphasis> f�r einen Mann? Licht, wenn die Schwarze Ajah so etwas Rand um den Hals gelegt h�tte oder die Seanchaner... Die Farben wirbelten wieder durch seinen Kopf und er zwang sich dazu, nicht weiter an Rand zu denken. �Klatsch wird niemandem... schaden.� Diesmal gab es keine Farben. Er konnte es vermeiden, solange er nicht an... Die Farben wirbelten umher und er biss auf das Mundst�ck.</p><p>�Das stimmt nicht, Mat. Geschichten haben Macht. Die Geschichten der fahrenden S�nger und die Epen der Barden und auch die Ger�chte auf den Stra�en. Sie erwecken Leidenschaften und ver�ndern die Weise, wie Menschen die Welt sehen. Ich habe heute geh�rt, wie ein Mann sagte, Rand h�tte Elaida die Treue geschworen, er sei in der Wei�en Burg. Der Kerl glaubte es, Mat. Was ist, sagen wir, wenn genug Tairener daran glauben? Tairener m�gen Aes Sedai nicht. Stimmt's, Juilin?�</p><p>�Einige schon�, meinte Juilin. Dann f�gte er hinzu, als h�tte Thom es aus ihm herausgepresst: �Die meisten. Aber nur wenige von uns haben Aes Sedai kennen gelernt. Da das Gesetz das Lenken der Macht verbot, kamen nur wenige Aes Sedai nach Tear, und sie haben nur selten ihre Identit�t enth�llt.�</p><p>�Das ist nicht das Thema, mein pr�chtiger Aes Sedailiebender tairenischer Freund. Und es verleiht meinem Argument auf jeden Fall Gewicht. Tear h�lt zu Rand, zumindest die Adligen, weil sie Angst haben, dass er zur�ckkommen wird, wenn sie es nicht tun. Aber wenn sie glauben, dass er in den H�nden der Burg ist, dann kann er vielleicht nicht mehr zur�ckkommen. Wenn sie glauben, er sei ein Werkzeug der Burg, ist das f�r sie nur ein weiterer Grund, sich gegen ihn zu wenden. Lass genug Tairener diese beiden Dinge glauben, und er h�tte Tear genauso gut verlassen k�nnen, nachdem er <emphasis>Callandor</emphasis> gezogen hat. Das ist nur ein Ger�cht, und nur Tear, aber es k�nnte genauso viel Schaden in Cairhien oder Illian oder sonst wo anrichten. Ich wei� nicht, was f�r Geschichten ein f�r einen Mann bestimmtes <emphasis>A'dam</emphasis> in die Welt setzen w�rde, in einer Welt mit dem Wiedergeborenen Drachen und Asha'man, aber ich bin zu alt, um es herausfinden zu wollen.�</p><p>Mat verstand, zumindest in gewisser Weise. Man versuchte immer, den gegnerischen Befehlshaber glauben zu machen, dass man etwas anderes tat als das, was man tats�chlich tat, dass man dort hinging, wo man gar nicht hinwollte. Und der Feind versuchte das Gleiche, wenn er sein Handwerk einigerma�en verstand. Manchmal gerieten beide Seiten so in Verwirrung, dass seltsame Dinge geschahen. Manchmal sogar Trag�dien. St�dte brannten, obwohl niemand ein Interesse daran hatte, nur weil die Brandstifter die L�ge glaubten, und Tausende starben. Aus dem gleichen Grund wurden Ernten zerst�rt, und Zehntausende starben in der Hungersnot, die daraufhin folgte.</p><p>�Also werde ich nichts �ber dieses <emphasis>A'dam</emphasis> f�r M�nner sagen�, sagte er. �Ich gehe davon aus, jemand hat daran gedacht, es ihm zu sagen...?� Farben blitzten auf. Vielleicht konnte er sie einfach ignorieren oder sich daran gew�hnen. Sie waren so schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen waren, und sie bereiteten keine Schmerzen. Er konnte nur Dinge nicht leiden, die er nicht begriff. Vor allem, wenn sie m�glicherweise etwas mit der Macht zu tun hatten. Der silberne Fuchskopf unter seinem Hemd mochte ihn gegen die Macht besch�tzen, aber dieser Schutz hatte so viele L�cken wie seine eigenen Erinnerungen.</p><p>�Wir haben nicht gerade st�ndigen Kontakt�, sagte Thom trocken und zwinkerte. �Ich sch�tze, Elayne und Nynaeve haben eine M�glichkeit gefunden, es ihn wissen zu lassen, falls sie es f�r wichtig hielten.�</p><p>�Warum sollten sie?�, sagte Juilin und b�ckte sich, um einen Stiefel auszuziehen. �Das Ding liegt auf dem Meeresgrund.� Mit einem Stirnrunzeln warf er den Stiefel auf die zusammengekn�llten Kleider in der Ecke. �G�nnst du uns heute Nacht etwas Schlaf, Mat? Ich glaube kaum, dass wir morgen dazu kommen werden, und ich m�chte wenigstens jede zweite Nacht schlafen.�</p><p>In dieser Nacht entschied sich Mat, in Tylins Bett zu schlafen. Nicht um der alten Zeiten willen. Der Gedanke lie� ihn lachen, obwohl das Gel�chter zu sehr nach einem Wimmern klang, um witzig zu sein. Es war einfach so, dass eine gute Federmatratze und mit G�nsefedern gef�llte Kopfkissen einer Scheune vorzuziehen waren, wenn man nicht wusste, wann man das n�chste Mal ungest�rten Schlaf finden w�rde.</p><p>Das Problem lag nur darin, dass er nicht schlafen konnte. Er lag dort im Dunkeln mit einem Arm hinter den Kopf gelegt und die Lederschnur des Medaillons ums Handgelenk geschlungen, damit es bereit war f�r den Fall, dass der <emphasis>Gholam</emphasis> unter dem T�rspalt hindurchschl�pfte, aber es war nicht das Ungeheuer, das ihn wach hielt. Er konnte nicht aufh�ren, den Plan zu durchdenken. Es war ein guter Plan, ein einfacher Plan; so einfach, wie es unter diesen Umst�nden m�glich war. Doch keine Schlacht war jemals nach Plan gegangen, nicht einmal die besten. Gro�e Hauptm�nner hatten ihren Ruf nicht nur f�r ihre brillanten Pl�ne erworben, sondern weil sie den Sieg auch dann errungen hatten, nachdem diese Pl�ne durchkreuzt worden waren. Als das erste Licht die Fenster ber�hrte, lag er noch immer da, rollte das Medaillon �ber die Fingerr�cken und versuchte darauf zu kommen, was wohl schief gehen w�rde.</p></section><section><title><p>30</p><p>Kalte, dicke Regentropfen</p></title><p>Der Tag begann kalt, graue Wolken verdeckten die aufgehende Sonne, w�hrend der Wind vom Meer der St�rme an losen Glasscheiben in den Fensterrahmen r�ttelte. In den Geschichten war das nicht die richtige Art von Tag f�r gro�artige Rettungsmissionen oder eine Flucht. Es war ein Tag f�r Mord. Kein angenehmer Gedanke, wenn man hoffen musste, auch noch den n�chsten Sonnenaufgang zu erleben. Aber der Plan <emphasis>war</emphasis> einfach. Jetzt, da Mat eine Angeh�rige des seanchanischen Blutes zur Verf�gung stand, konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Er versuchte eindringlich, sich selbst davon zu �berzeugen.</p><p>W�hrend er sich anzog, brachte Lopin ihm das Fr�hst�ck, Brot und Schinken und etwas harten gelben K�se. Nerim faltete ein paar letzte Kleidungsst�cke zusammen, die noch ins Gasthaus gebracht werden mussten, darunter ein paar der Hemden, die Tylin hatte anfertigen lassen. Schlie�lich waren das gute Hemden, und Nerim behauptete, etwas wegen der Spitze tun zu k�nnen, obwohl er es gew�hnlich so klingen lie�, als b�te er an, ein Leichentuch zu n�hen. Der grauhaarige kleine Bursche konnte geschickt mit der Nadel umgehen, wie Mat genau wusste. Er hatte schlie�lich genug von Mats Wunden gen�ht.</p><p>�Nerim und ich werden Olver durch das M�lltor auf der Hinterseite des Palasts herausbringen�, wiederholte Lopin mit �bertriebener Geduld, die H�nde in H�fth�he verschr�nkt. Die Diener im Palast lie�en nur selten eine Mahlzeit aus und sein dunkler tairenischer Mantel spannte sich enger als je zuvor �ber seinen runden Bauch. Was das anging, war die R�ckseite des Mantels auch nicht mehr so weit, wie sie einmal gewesen war. �Au�er den Wachen ist dort nie jemand, bis am Nachmittag der Abfallkarren herausgebracht wird, und sie sind daran gew�hnt, dass wir die Sachen meines Lords dort herausbringen, also werden sie uns keine Aufmerksamkeit schenken. In der <emphasis>Wanderin</emphasis> werden wir das Gold und die restlichen Kleidungsst�cke meines Lords abholen, und Merwyn, Fergin und Gorderan werden mit den Pferden zu uns sto�en. Dann bringen die Rotwaffen und wir den jungen Olver am sp�ten Nachmittag durch das Dal Eira-Tor. Ich habe die Lotteriemarken f�r die Pferde einschlie�lich der beiden Packtiere in meiner Tasche, mein Lord. An der Gro�en Nordstra�e liegt ein verlassener Stall, etwa eine Meile n�rdlich vom Ring des Himmels, wo wir warten werden, bis mein Lord kommt. Ich gehe davon aus, die Anweisungen meines Lords korrekt wiedergegeben zu haben?�</p><p>Mat schluckte das letzte St�ck K�se herunter und wischte sich die H�nde ab. �Glaubst du, ich lasse es dich zu oft wiederholen?�, sagte er und schl�pfte in seinen Mantel. Einen unauff�lligen dunkelgr�nen Mantel. Bei Gesch�ften wie den heutigen wollte kein Mann auff�llig gekleidet sein. �Ich wollte sichergehen, dass du es auswendig kannst. Vergesst nicht, wenn ihr mich nicht bis Sonnenaufgang gesehen habt, reitet ihr weiter, bis ihr auf Talmanes und die anderen sto�t.� Die Morgeninspektion der Zwinger w�rde den Alarm ausl�sen, und wenn er bis dahin nicht aus der Stadt heraus war, w�rde er vermutlich endlich erfahren, ob sein Gl�ck auch die Axt des Scharfrichters aufhielt. Es war ihm vorhergesagt worden, dass er sterben und wieder leben sollte, aber er war sich ziemlich sicher, dass das bereits geschehen war.</p><p>�Nat�rlich, mein Lord�, sagte Lopin ausdruckslos. �Es wird geschehen, wie mein Lord befohlen hat.�</p><p>�Sicher, mein Lord�, murmelte Nerim so d�ster wie immer. �Mein Lord befiehlt und wir gehorchen.�</p><p>Mat vermutete, dass beide logen, aber zwei oder drei Tage des Wartens w�rden ihnen nicht schaden, und bis dahin w�rden sie eingesehen haben, dass er nicht mehr kam. Falls n�tig, w�rden Metwyn und die anderen beiden Soldaten sie �berzeugen. Diese drei mochten Mat Cauthon ja folgen, aber sie waren nicht so dumm, ihren Hals auf den Richtblock zu legen, wenn sein Kopf bereits gefallen war. Aus irgendeinem Grund war er sich bei Lopin und Nerim da nicht so sicher.</p><p>Olver war nicht so aufgebracht, Riselle verlassen zu m�ssen, wie Mat bef�rchtet hatte. Er sprach das Thema an, w�hrend er dem Jungen half, seine Besitzt�mer zusammenzupacken, damit sie ins Gasthaus gebracht werden konnten. Olvers Sachen lagen ordentlich auf dem schmalen Bett ausgebreitet, das in dem kleinen Zimmer stand; als die Gem�cher noch Mat geh�rt hatten, war es ein kleines Wohnzimmer gewesen.</p><p>�Sie heiratet, Mat�, sagte Olver geduldig, als m�sste er jemandem etwas erkl�ren, der das Offensichtliche nicht begriff. Er klappte das kleine geschnitzte K�stchen, das Riselle ihm geschenkt hatte, lange genug auf, um sich zu vergewissern, dass seine Rotfalkenfeder sicher aufgehoben war, dann schloss er es und steckte es in die Ledertasche, die er �ber der Schulter tragen w�rde. Er passte auf die Feder mit der gleichen Gewissenhaftigkeit auf wie auf den Geldbeutel, der zwanzig Goldkronen und eine Hand voll Silber enthielt. �Ich glaube nicht, dass ihr Mann es ihr erlauben w�rde, mir weiterhin das Lesen beizubringen. Ich w�rde es nicht, wenn ich ihr Mann w�re.�</p><p>�Oh�, sagte Mat. Riselle hatte sich beeilt, sobald sie sich entschieden hatte. Ihre Hochzeit mit Bannergeneral Yamada war am Vortag �ffentlich verk�ndet worden und sollte morgen stattfinden, obwohl den Br�uchen zufolge gew�hnlich einige Monate dazwischen lagen. Yamada mochte ein guter General sein, Mat wusste es nicht, aber gegen Riselle und diesen gro�artigen Busen hatte er keine Chance gehabt. Heute schauten sie sich ein Weingut in den Rhiannonh�geln an, das der Br�utigam ihr als Hochzeitsgeschenk kaufte. �Ich dachte nur, du wolltest... ich wei� nicht... sie vielleicht mitnehmen.�</p><p>�Mat, ich bin kein Kind mehr�, sagte Olver trocken. Er packte den Schildkr�tenpanzer wieder in sein Leinentuch und steckte ihn ebenfalls in die Ledertasche. �Du <emphasis>wirst</emphasis> doch Schlangen und F�chse mit mir spielen, oder? Riselle spielt gern und du hast ja keine Zeit mehr f�r mich.� Trotz der Kleidungsst�cke, die Mat in einen Umhang packte, um ihn in einem Reisekorb zu verstauen, hatte der Junge eine zus�tzliche Hose und ein paar saubere Hemden und Str�mpfe in der Ledertasche. Und das Spiel Schlangen und F�chse, das sein toter Vater f�r ihn gemacht hatte. Es war eher unwahrscheinlich, das zu verlieren, was man am Leib trug, und Olver hatte mit seinen zehn Jahren bereits mehr verloren als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Aber er glaubte noch immer daran, ohne Schummeln bei Schlangen und F�chsen gewinnen zu k�nnen.</p><p>�Das werde ich�, versprach Mat. Das w�rde er auch, falls er es aus der Stadt herausschaffte. Er brach mit Sicherheit so viele Regeln, dass er den Sieg verdient hatte. �Du k�mmerst dich um Wind, bis ich komme.� Olver grinste breit. Der Junge liebte den langbeinigen grauen Wallach mindestens genauso sehr, wie er Schlangen und F�chse liebte.</p><p>Ungl�cklicherweise geh�rte Beslan ebenfalls zu denjenigen, die der Meinung waren, bei Schlangen und F�chsen gewinnen zu k�nnen.</p><p>�Heute Nacht�, knurrte er und ging vor dem Kamin in Tylins Wohnzimmer auf und ab. Sein Blick war kalt genug, um die W�rme des prasselnden Feuers zu verscheuchen, und er hielt die H�nde hinter dem R�cken verschr�nkt, als wollte er sie von dem Griff des schmalen Schwertes fern halten. Die Zylinderuhr auf dem Marmorsims schlug viermal f�r die zweite Stunde des Morgens. �Mit ein paar Tagen Vorbereitung h�tte ich etwas Pr�chtiges veranstalten k�nnen!�</p><p>�Ich will aber nichts Pr�chtiges�, sagte Mat. Er wollte gar nichts von dem Mann, aber Beslan hatte zuf�llig gesehen, wie Thom sich auf den Stallhof der <emphasis>Wanderin</emphasis> schlich. Thom war losgezogen, um Joline zu besch�ftigen, bis Egeanin am Abend mit ihren <emphasis>Sul'dam</emphasis> kam; er sollte ihre Nerven beruhigen und sie mit h�fischem Getue freundlich stimmen, aber er h�tte auch alle m�glichen anderen Gr�nde haben k�nnen, um das Gasthaus zu besuchen. Nun, vielleicht nicht viele, da es dort vor Seanchanern wimmelte, aber mit Sicherheit doch einige. Beslan hatte sich jedoch auf den richtigen Grund gest�rzt wie eine Ente auf einen K�fer, und er wollte nicht zulassen, dass er nicht beteiligt wurde. �Es reicht, wenn ein paar deiner Freunde die Ausr�stung anz�nden, die die Seanchaner auf der Buchtstra�e gelagert haben. Aber nach Mitternacht; besser eine Stunde sp�ter als zu fr�h.� Mit etwas Gl�ck w�rde er die Stadt vor Mitternacht verlassen haben. �Das wird ihre Aufmerksamkeit nach S�den lenken, und du wei�t, dass es ihnen schaden wird, wenn sie Ausr�stung verlieren.�</p><p>�Ich habe gesagt, ich werde es tun�, sagte Beslan m�rrisch, �aber du kannst nicht gerade behaupten, dass Brandstiftung eine gro�e Geste ist.�</p><p>Mat lehnte sich zur�ck, legte die H�nde auf die Bambus nachempfundenen Lehnen und runzelte die Stirn. Er wollte seine H�nde sowieso ausruhen, aber sein Siegelring verursachte auf dem vergoldeten Holz ein lautes Klicken, als er mit den Fingern trommelte. �Beslan, man wird dich doch in einer Schenke sehen, wenn die Br�nde beginnen, oder?� Der junge Mann verzog das Gesicht. �Beslan?�</p><p>Beslan warf die H�nde in die Luft. �Ich wei�, ich wei�, ich darf Mutter nicht in Gefahr bringen. Man wird mich sehen. Um Mitternacht werde ich so betrunken wie der Mann einer Wirtin sein! Du kannst darauf wetten, dass man mich sieht! Es ist einfach nur nicht besonders heldenhaft, Mat. Ich befinde mich mit den Seanchanern im Kriegszustand, ob Mutter es nun auch ist oder nicht.�</p><p>Mat versuchte, nicht zu st�hnen. Beinahe w�re es ihm gelungen.</p><p>Es gab nat�rlich keine M�glichkeit zu verbergen, dass die Rotwaffen Pferde aus den St�llen holten. An diesem Morgen bemerkte er zweimal, wie Dienerinnen einander M�nzen gaben, und beide Male schaute ihn die Frau, die bezahlen musste, b�se an. Obwohl Vanin und Harnan es sich anscheinend noch immer in dem langen Quartier neben den St�llen bequem machten, wusste der Palast, dass Mat Cauthon bald aufbrach, und die ersten Wetten wurden bereits ausgezahlt. Er musste nur daf�r sorgen, dass keiner herausfand, wie bald, bevor es zu sp�t war.</p><p>Als der Morgen seinen Verlauf nahm, wurde der Wind st�rker, aber Mat lie� Pip satteln und ritt seine endlosen Kreise auf dem Stallhof, kr�mmte sich im Sattel etwas zusammen und zog den Umhang eng um sich. Er ritt langsamer als gew�hnlich, und so machten Pips Hufe gem�tliche, trottende Ger�usche auf den Pflastersteinen. Gelegentlich schaute er zu den am Himmel immer dunkler werdenden Wolken empor, verzog das Gesicht und sch�ttelte den Kopf. Nein, bei diesem Wetter war Mat Cauthon wirklich nicht gern drau�en. Mat Cauthon w�re lieber an einem warmen und trockenen Ort, bis sich der Himmel aufklarte, ja, das w�re er.</p><p>Die <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die ihre <emphasis>Dom�ne</emphasis> in ihrem eigenen Kreis auf dem Stallhof umherf�hrten, wussten ebenfalls, dass er bald aufbrechen w�rde. Zwar hatten die Dienerinnen keinen direkten Kontakt zu den Seanchanerinnen, aber was eine Frau wei�, das wei� bald jede Frau im Umkreis von einer Meile. Ein Buschfeuer fra� sich nicht so schnell durch einen ausgetrockneten Wald, wie sich Klatsch unter Frauen verbreitete. Eine gro�e blonde <emphasis>Sul'dam</emphasis> schaute in seine Richtung und sch�ttelte den Kopf. Eine st�mmige kleine <emphasis>Sul'dam</emphasis> lachte laut und verzog ihr Gesicht, das so dunkel wie das einer Atha'an Miere war. Er war blo� Tylins Spielzeug.</p><p>Die <emphasis>Sul'dam</emphasis> bereiteten ihm keine Sorge, Teslyn hingegen schon. Er hatte sie einige Tage lang nicht unter den umhergef�hrten <emphasis>Damane</emphasis> gesehen. Heute lie�en die <emphasis>Sul'dam</emphasis> ihre Umh�nge im Wind flattern, aber die <emphasis>Damane</emphasis> hielten die ihren fest um die K�rper geschlungen; nur Teslyns grauer Umhang flatterte vergessen in alle Richtungen, und sie strauchelte, wenn der Boden uneben war. Ihre Augen waren weit aufgerissen und blickten besorgt. Gelegentlich warf sie der schwarzhaarigen, drallen <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die das andere Ende der silbernen Leine hielt, einen schnellen Blick zu, und wenn sie das tat, fuhr sie sich mit der Zunge unsicher �ber die Lippen.</p><p>In Mats Eingeweiden schien sich eine Faust zu ballen. Wo war ihre Entschlossenheit geblieben? Wenn sie bereit war, sich unterkriegen zu lassen...</p><p>�Alles in Ordnung?�, fragte Vanin, als Mat abstieg und ihm Pips Z�gel reichte. Es hatte angefangen zu regnen, kalte, dicke Tropfen, und die <emphasis>Sul'dam</emphasis> trieben ihre Sch�tzlinge lachend ins Geb�ude, um nicht nass zu werden. Einige der <emphasis>Damane</emphasis> lachten auch, ein Laut, der beinahe Mats Blut erstarren lie�. Vanin ging kein Risiko ein, dass sich jemand m�glicherweise fragte, warum sie drau�en im Regen standen und sich unterhielten. Der dicke Mann b�ckte sich, hob Pips linkes Vorderbein hoch und studierte den Huf. �Ihr seht etwas kr�nklicher aus als sonst.�</p><p>�Es ist alles in bester Ordnung�, erwiderte Mat. Der Schmerz in Bein und H�fte nagte an ihm wie ein Raubtier, aber er nahm ihn gar nicht bewusst wahr, genauso wenig wie den noch dichter fallenden Regen. Licht, wenn Teslyn jetzt aufgab ... �Vergesst nicht. Wenn Ihr heute Nacht im Palast Schreie h�rt oder etwas �hnliches, das nach �rger klingt, dann wartet nicht. Harnan auch nicht. Ihr reitet dann auf der Stelle los und findet Olver. Er wird ...�</p><p>�Ich wei�, wo wir den kleinen Burschen finden werden.� Vanin lie� Pips Bein los, erhob sich und spuckte durch eine seiner Zahnl�cken. Regen lief ihm �bers Ge �sicht. �Harnan ist zu bl�d, um allein die Stiefel anzuzie �hen, doch ich wei�, was zu tun ist. Ihr k�mmert Euch um Euren Teil und sorgt daf�r, dass Euer Gl�ck anh�lt. Komm jetzt, Junge�, f�gte er bedeutend w�rmer an Pip gerichtet hinzu. �Ich habe sch�nen Hafer f�r dich. Und einen hei�en Fischeintopf f�r mich.�</p><p>Mat h�tte auch etwas essen sollen, aber ihm kam es so vor, als h�tte er einen Stein verschluckt, der keinen Platz f�r eine Mahlzeit lie�. Er hinkte zur�ck in Tylins Gem�cher, warf den feuchten Umhang �ber einen Stuhl und stand eine Weile da und starrte in die Ecke, wo sein schwarzsch�ftiger Speer neben dem Bogen stand. Den <emphasis>Ashandarei</emphasis> wollte er im letzten Augenblick holen. Das Blut w�rde im Bett sein, wenn er zuschlug, die Dienerschaft auch; nur die Wachen drau�en w�rden nicht schlafen, und er w�rde nicht riskieren, dass man ihn damit sah, bevor es nicht zu vermeiden war. Selbst die Seanchaner, die ihn als Spielzeug bezeichneten, w�rden ihn bemerken, wenn er mitten in der Nacht eine Waffe durch die Korridore trug. Den Bogen hatte er auch mitnehmen wollen. Es war so gut wie unm�glich, au�erhalb der Zwei Fl�sse an gute schwarze Eibe heranzukommen, davon abgesehen schnitt man sie zu kurz. Im entspannten Zustand sollte ein Bogen zwei Handspannen gr��er als der Mann sein, der ihn spannte. Aber vielleicht lie� er ihn doch besser zur�ck. Falls es dazu kommen sollte, brauchte er f�r den <emphasis>Ashandarei</emphasis> sowieso beide H�nde, und der Augenblick, den es dauerte, den Bogen fallen zu lassen, konnte der Augenblick sein, der ihn t�ten w�rde.</p><p>�Alles wird nach Plan gehen�, sagte er laut. Blut und Asche, er h�rte sich genauso bescheuert wie Beslan an. �Ich werde mir nicht den Weg aus dem verdammten Palast freik�mpfen m�ssen!� Und war beinahe genauso dumm. Bei den W�rfeln war Gl�ck eine feine Sache. Bei anderen Dingen konnte es einen Mann das Leben kosten, wenn er sich auf sein Gl�ck verlie�.</p><p>Er legte sich auf das Bett, schlug die bestiefelten F��e �bereinander und betrachtete Speer und Bogen. Da die T�r zum Wohnzimmer offen stand, konnte er h�ren, wie die Zylinderuhr leise jede vergangene Stunde schlug. Licht, in dieser Nacht brauchte er sein Gl�ck.</p><p>Das durch das Fenster einfallende Licht schwand so langsam, dass er beinahe aufgestanden w�re, um nachzusehen, ob die Sonne am Himmel stehen geblieben war, aber schlie�lich verblasste das graue Licht zu purpurnem Zwielicht und zu richtiger Dunkelheit. Die Uhr schlug zweimal, dann war nur noch das Rauschen des Regens und das Pfeifen des Windes zu h�ren. Arbeiter, die dem Wetter getrotzt hatten, w�rden die Werkzeuge niederlegen und schwerf�llig nach Hause wanken. Niemand kam, um die Lampen zu entz�nden oder sich um das Kaminfeuer zu k�mmern. Niemand rechnete mit seiner Anwesenheit, da er in der vergangenen Nacht in diesem Bett geschlafen hatte. Die Flammen im Kamin des Schlafzimmers sanken in sich zusammen und erloschen. Jetzt war alles in Bewegung. Olver war in dem alten Stall in Sicherheit, dessen Dach gr��tenteils noch intakt war. Die Uhr schlug die erste Stunde der Nacht und es dauerte nicht mal eine Woche, und sie k�ndigte mit vier Schl�gen die zweite Stunde an.</p><p>Mat erhob sich vom Bett, ertastete sich den Weg durch das stockfinstere Wohnzimmer und �ffnete eines der hohen Fenster. Der kr�ftige Wind trieb Regentropfen durch das verschn�rkelte, wei�e Gitter aus Gusseisen, die seinen Mantel im Nu durchn�ssten. Der Mond verbarg sich hinter den Wolken, und die Stadt war eine Masse regenverh�llter Finsternis, die nicht einmal von einem Blitz erhellt wurde. Regen und Wind hatten anscheinend alle Stra�enlaternen gel�scht; wenn sie den Palast verlassen hatten, w�rde die Nacht sie verbergen. Und jede Patrouille, die bei diesem Wetter auf der Stra�e war, w�rde zweimal hinsehen. Er zitterte, als der Wind durch den feuchten Mantel drang, und schloss das Fenster.</p><p>Er setzte sich auf die Kante eines der Bambus-St�hle, st�tzte die Ellbogen auf die Knie und beobachtete die Uhr auf dem erloschenen Kamin. Er konnte sie in der Dunkelheit nicht sehen, aber hier h�rte er sie ticken. Er bewegte sich nicht, obwohl der eine Schlag, der die n�chste Stunde ank�ndigte, ihn zusammenzucken lie�. Jetzt konnte man nur noch warten. Bald w�rde Egeanin Joline ihrer <emphasis>Sul'dam</emphasis> vorstellen. Falls sie wirklich drei Frauen gefunden hatte, die ihre Befehle befolgten. Falls Joline nicht in Panik ausbrach, wenn sie ihr das <emphasis>A'dam</emphasis> anlegten. Thom, Joline und die anderen aus dem Gasthaus w�rden kurz vor dem Dal Eira zu ihm sto�en. Und wenn er es nicht erreichte ... Thom hatte seine Steckr�be zurechtgeschnitzt und war ziemlich sicher, sie mit seinem gef�lschten Befehl durch das Tor zu bringen. Zumindest hatten sie eine Chance, wenn alles schief ging. Wenn. Zu viele �Wenns�, um jetzt dar�ber nachzudenken. Daf�r war es zu sp�t.</p><p>Die Uhr machte <emphasis>Fing,</emphasis> wie ein St�ck Kristall, das mit einem L�ffel angeschlagen wurde. <emphasis>Fing.</emphasis> Etwa jetzt w�rde sich Juilin auf den Weg zu seiner geliebten Thera machen und mit etwas Gl�ck w�rde Beslan in irgendeiner Schenke mit dem ernsthaften Trinken anfangen. Er holte tief Luft, stand in der Dunkelheit auf und �berpr�fte tastend die Messer, die in seinen �rmeln, unter dem Mantel, in den heruntergeschlagenen Sch�ften seiner Stiefel und hinten in seinem Kragen versteckt waren. Als er damit fertig war, verlie� er die Gem�cher. Zu sp�t, um jetzt noch etwas anderes tun zu k�nnen als anzufangen.</p><p>Die leeren Korridore waren nur sp�rlich beleuchtet. In nur einem Kandelaber von dreien brannte eine Flamme vor den Spiegeln, kleine Teiche aus Licht, zwischen denen Schatten flackerten, die niemals richtig dunkel wurden. Mats Stiefel hallten laut auf den Bodenfliesen. Und den Marmorstufen. Es war unwahrscheinlich, dass zu dieser Stunde �berhaupt noch jemand wach war, aber falls jemand ihn sah, durfte er nicht den Anschein erwecken, er w�rde umherschleichen. Er steckte die Daumen hinter den G�rtel und zwang sich zu schlendern. Es war nicht schlimmer, als einen Kuchen von der K�chenfensterbank zu stehlen. Obwohl, wenn er dar�ber nachdachte, schienen die l�ckenhaften Erinnerungen an seine Kindheit zu besagen, dass man ihm daf�r ein- oder zweimal beinahe die Haut abgezogen h�tte.</p><p>Er betrat den S�ulengang vor dem Stallhof; der Wind peitschte den Regen zwischen die wei�en S�ulen, und Mat schlug den Kragen hoch. Verdammter Regen! Darin konnte man ja ertrinken, dabei war er noch gar nicht richtig drau�en gewesen. Die an den Au�enmauern angebrachten Lampen waren alle erloschen mit Ausnahme der beiden, die das offene Tor flankierten; die einzigen hellen Lichter im str�menden Regen. Die Wache der Seanchaner w�rde so reglos dastehen, als w�re es ein angenehmer Nachmittag. Die Ebou Dari vermutlich auch; sie mochten es �berhaupt nicht, irgendwie vorgef�hrt zu werden. Nach einem Augenblick zog er sich zur T�r der Eingangshalle zur�ck, um nicht v�llig durchn�sst zu werden. Auf dem Stallhof regte sich nichts. Wo waren sie? Blut und verfluchte Asche, wo ...?</p><p>Reiter erschienen im Tor, denen zwei M�nner mit Stablaternen vorausgingen. Mat konnte sie bei dem Regen nicht z�hlen, aber es waren zu viele. W�rden seanchanische Kuriere Laternentr�ger haben? Vielleicht bei diesem Wetter? Mit einer Grimasse trat er noch einen Schritt zur�ck, in die Eingangshalle hinein. Das fahle Licht der einsamen Lampe hinter ihm reichte aus, um die Nacht drau�en in eine schwarze Decke zu verwandeln, aber er sp�hte in sie hinein. Ein paar Minuten sp�ter erschienen vier mit dicken Umh�ngen vermummte Gestalten, die auf die T�r zueilten. Wenn es Kuriere waren, w�rden sie an ihm vorbeigehen, ohne ihm einen zweiten Blick <emphasis>zuzuwerfen.</emphasis></p><p>�Euer Mann Vanin ist unversch�mt�, verk�ndete Egeanin und warf die Kapuze zur�ck, sobald sie an den kannelierten S�ulen vorbei war. In der Dunkelheit war ihr Gesicht blo� ein Schatten, aber die K�lte ihrer Stimme reichte aus, um ihm zu verraten, was er sehen w�rde, bevor sie die Halle betrat und ihn zur�ckdr�ngte. Ihre Brauen waren zusammengezogen, ihre Augen schleuderten Blicke wie eisige Dolche. Ein grimmiger Domon folgte ihr und sch�ttelte Regen von seinem Umhang, dann kamen zwei <emphasis>Sul'dam;</emphasis> die eine war blass und hatte blondes Haar, die andere langes braunes Haar. Viel mehr konnte Mat nicht sehen, da sie mit gesenkten K�pfen dort standen und die Fliesen zu ihren F��en betrachteten. �Ihr habt mir nicht gesagt, dass sie zwei M�nner dabei hat�, fuhr Egeanin fort und sch�lte sich die Handschuhe von den H�nden. Sie lie� einem keine Gelegenheit, ein Wort dazwischenzuquetschen. �Oder dass Frau Anan mitkommt. Gl�cklicherweise kenne ich mich darin aus zu improvisieren. Pl�ne m�ssen immer den Umst�nden angepasst werden, wenn der Anker trocken ist. Apropos trocken, seid Ihr bereits drau�en rumgelaufen? Ich hoffe, man hat Euch nicht bemerkt.�</p><p>�Was meint Ihr damit, Ihr habt den Plan den Umst�nden angepasst?�, wollte Mat wissen und fuhr sich mit den H�nden durchs Haar. Licht, es war ganz nass! �Ich hatte alles genau festgelegt!� Warum standen die beiden <emphasis>Sul'dam</emphasis> reglos da? Wenn er jemals widerwillige Statuen gesehen hatte, dann die beiden. �Wer sind all die anderen da drau�en?�</p><p>�Die Leute aus dem Gasthaus�, sagte Egeanin ungeduldig. �Erstens brauchte ich das entsprechende Gefolge, damit f�r die Stra�enpatrouillen alles richtig aussieht. Diese beiden Beh�ter sind muskul�se Burschen; sie geben ausgezeichnete Laternentr�ger ab. Zweitens wollte ich nicht das Risiko eingehen, sie in diesem Sturm zu verlieren. Besser, wir sind alle von Anfang an zusammen.� Sie wandte den Kopf und folgte seinem Blick zu den beiden <emphasis>Sul'dam.</emphasis> �Das sind Seta Zarbey und Renna Emain. Vermutlich hoffen sie, dass Ihr diese Namen nach der heutigen Nacht wieder vergesst.�</p><p>Die blasse Frau zuckte zusammen, als der Name Seta ausgesprochen wurde, also musste die andere Renna sein. Keine von ihnen hob den Kopf. Wieso hatte Egeanin sie eigentlich in der Hand? Nicht, dass es eine Rolle gespielt h�tte. Es kam nur darauf an, dass sie da und bereit waren, das N�tige zu tun.</p><p>�Sinnlos, hier herumzustehen�, sagte Mat. �Bringen wir es hinter uns.� Er verkniff sich jede Bemerkung zu ihrer Plan�nderung. Schlie�lich hatte er, als er in Tylins Gem�chern auf dem Bett gelegen hatte, sich selbst dazu entschlossen, die eine oder andere �nderung zu riskieren.</p></section><section><title><p>31</p><p>Die Prophezeiung der Aelfinn</p></title><p>Die seanchanische Adlige brachte �berraschung und keinen geringen Unmut zum Ausdruck, als Mat sie zu den Zwingern f�hrte. Seta und Renna kannten den Weg nat�rlich, und er h�tte eigentlich seinen Umhang und alles andere holen sollen, was er mitnehmen wollte. Die beiden <emphasis>Sul'dam</emphasis> folgten ihnen mit nassen Umh�ngen und zu Boden gerichteten Blicken durch die sp�rlich beleuchteten Korridore. Domon machte die Nachhut, als w�rde er die beiden vor sich hertreiben. Der Zopf, der an der einen Seite seines Kopfes herunterhing, baumelte hin und her, als er in jeden kreuzenden Korridor blickte, und manchmal griff er an die Taille, als erwartete er ein Schwert oder eine Keule zu finden. Au�er ihnen waren die mit Wandteppichen geschm�ckten G�nge still und leer.</p><p>�Ich habe da oben eine Kleinigkeit zu erledigen�, sagte Mat so beil�ufig wie er nur konnte zu Egeanin und l�chelte sie an. �Ihr braucht Euch nicht darum zu k�mmern. Dauert keine Minute.� Sein bestes L�cheln schien keinen gr��eren Eindruck auf sie zu machen als gestern in ihrem Zimmer im Gasthaus.</p><p>�Wenn Ihr mich jetzt Schiffbruch erleiden lasst...�, knurrte sie in drohendem Tonfall.</p><p>�Denkt einfach nur daran, wer das alles geplant hat�, murmelte er, und sie grunzte. Licht, Frauen schienen immer zu glauben, sie k�nnten dazukommen und alles �bernehmen und bessere Arbeit leisten als der Mann, dessen Arbeit es war!</p><p>Wenigstens h�rte sie auf, sich zu beschweren. Sie stiegen rasch zur obersten Etage des Palasts hinauf, dann die dunkle schmale Treppe zu dem riesigen Dachboden. Nur ein paar der Lampen brannten, nicht einmal so viele wie in den unteren Korridoren, und das Labyrinth schmaler G�nge zwischen den winzigen h�lzernen R�umen war eine Masse bleicher Schatten. Nichts regte sich und Mat atmete etwas leichter. Er h�tte noch leichter geatmet, h�tte Renna nicht vor offensichtlicher Erleichterung geseufzt.</p><p>Sie und Seta wussten, wo die einzelnen <emphasis>Damane</emphasis> untergebracht waren, und auch wenn sie sich nicht gerade beeilten, z�gerten sie dennoch nicht, tiefer in den Dachboden hineinzugehen, vielleicht, weil Domon ihnen auf den Fersen folgte. Es war kein Bild, das f�r Vertrauen sorgte. Nun, wenn W�nsche Pferde w�ren, w�rden Bettler reiten. Ein Mann musste mit dem auskommen, was er hatte. Vor allem, wenn ihm keine andere Wahl blieb.</p><p>Egeanin warf ihm einen letzten harten Blick zu und knurrte wieder, diesmal aber wortlos, dann eilte sie mit wehendem Umhang hinter den anderen her. Er verzog das Gesicht. So wie die Frau daherschritt, h�tte man sie f�r einen Mann halten k�nnen.</p><p>Er hatte etwas zu erledigen und m�glicherweise keine Kleinigkeit. Es war nichts, das er tun wollte. Licht, er hatte wirklich versucht, es sich selbst auszureden! Aber es war etwas, das er verdammt noch mal tun musste! Sobald Egeanin hinter Domon und den anderen um eine Ecke verschwunden war, huschte er zu dem n�chsten Zimmer, in dem sich seiner Erinnerung nach eine Frau vom Meervolk befand.</p><p>Er dr�ckte die einfache Holzt�r lautlos auf und schob sich in den pechschwarzen Raum. Eine Frau schnarchte leise. Langsam ertastete er sich einen Weg, bis er mit dem Knie gegen das Bett stie�, dann tastete er sich etwas schneller die Erhebung unter der Decke entlang und fand ihren Kopf gerade noch rechtzeitig, um ihr den Mund zuzuhalten, als sie ruckartig erwachte.</p><p>�Ich will, dass Ihr mir eine Frage beantwortet�, fl�sterte er. Blut und Asche, was war, wenn er sich im Zimmer geirrt hatte? Was war, wenn das �berhaupt keine Windsucherin war, sondern eine der verdammten Seanchanerinnen? �Was w�rdet Ihr tun, wenn ich Euch diesen Kragen um Euren Hals abnehmen w�rde?� Er nahm die Hand weg und hielt den Atem an.</p><p>�Ich w�rde meine Schwestern befreien, falls es dem Licht gef�llt, dies geschehen zu lassen.� Der MeervolkAkzent in der Dunkelheit lie� ihn wieder atmen. �Wenn das Licht es zul�sst, w�rden wir irgendwie den Hafen durchqueren, zu dem Ort, wo man unsere Leute festh�lt, und so viele befreien, wie wir k�nnen.� Die Stimme der Frau blieb leise, wurde aber bei jedem Wort leidenschaftlicher. �Wenn das Licht es will, w�rden wir unsere Schiffe zur�ckerobern und uns einen Weg aufs Meer hinaus erk�mpfen. Nun! Wenn das ein Trick ist, bestraft mich daf�r und bringt es hinter Euch oder t�tet mich deswegen. Ich stand ganz kurz davor, mich selbst aufzugeben, und diese Schande wird f�r alle Zeiten in mir brennen, aber Ihr habt mich daran erinnert, wer ich bin, und jetzt werde ich mich niemals ergeben. Habt Ihr geh�rt? Niemals!�</p><p>�Und wenn ich Euch bitte, noch drei Stunden zu warten?�, fragte er noch immer �ber sie gebeugt. �Ich kann mich daran erinnern, dass das Atha'an Miere den Verlauf einer Stunde bis auf die Minute bestimmen kann.� Zwar hatte er das nicht geh�rt, aber die Erinnerung geh�rte jetzt ihm, eine �berfahrt auf einem Schiff der Atha'an Miere von Allorallen nach Barashta und eine Frau des Meervolks mit leidenschaftlichen Augen, die weinte, als sie sich weigerte, ihm an Land zu folgen.</p><p>�Wer seid Ihr?�, fl�sterte sie.</p><p>�Man nennt mich Mat Cauthon, falls das einen Unterschied macht.�</p><p>�Ich bin Nestelle din Sakura S�dstern, Mat Cauthon.� Er h�rte sie spucken und wusste, was sie da tat. Er spuckte in die eigene Hand und ihre beiden H�nde fanden sich in der Dunkelheit. Die ihre war genauso voller Schwielen wie die seine, ihr Griff war fest. �Ich werde warten�, sagte sie. �Und ich werde mich an Euch erinnern. Ihr seid ein guter Mann.�</p><p>�Ich bin nur ein Spieler�, sagte er zu ihr. Ihre Hand f�hrte die seine zu dem Segmentkragen um ihren Hals und die Konstruktion �ffnete sich mit einem metallischen Klicken. Sie holte tief Luft.</p><p>Er musste nur ihre Finger an die richtigen Stellen legen und ihr den Trick einmal zeigen, bevor sie verstanden hatte, aber er lie� sie den Kragen dreimal schlie�en und �ffnen, bevor er zufrieden war. Wenn er das schon tat, dann konnte er auch daf�r sorgen, dass es richtig funktionierte. �Drei Stunden, so genau es geht�, erinnerte er sie.</p><p>�So genau es geht�, fl�sterte sie.</p><p>Sie konnte alles ruinieren, aber wenn er kein Risiko einging, wer dann? Schlie�lich war er der Mann mit dem Gl�ck. M�glicherweise war davon in letzter Zeit ja nicht viel zu bemerken gewesen, aber er hatte Egeanin genau in dem Augenblick gefunden, als er sie brauchte. Mat Cauthon gebot noch immer �ber das Gl�ck.</p><p>Er schl�pfte so leise aus dem Raum, wie er ihn betreten hatte, und schloss hinter sich die T�r. Und h�tte beinahe seine Zunge verschluckt. Er starrte auf den R�cken einer breiten, grauhaarigen Frau in einem Gewand mit roten Rechtecken. Vor ihr stand die zu voller Gr��e aufgerichtete Egeanin sowie Teslyn, die durch die silberne Leine des <emphasis>A'dam</emphasis> mit Renna verbunden war. Von Domon oder Seta oder dieser Edesina, von der er noch immer nicht wusste, wie sie aussah, war nichts zu entdecken. Egeanin sah aus wie eine wilde L�win, die ihre Beute verteidigte, aber Teslyn stand mit weit aufgerissenen Augen da und zitterte am ganzen Leib, und Rennas Mund war auf eine Weise verzogen, die besagte, dass sie sich jeden Moment �bergeben w�rde.</p><p>Ohne zu atmen machte er einen vorsichtigen Schritt auf die grauhaarige Frau zu und streckte die H�nde aus. Wenn er sie �berw�ltigte, bevor es ihr gelang einen Schrei auszusto�en, konnten sie sie verstecken, und zwar... Wo? Seta und Renna w�rden sie t�ten wollen. Ganz egal, womit Egeanin sie in der Hand hatte, die Frau konnte ihre Namen nennen.</p><p>Egeanins strenger Blick traf sich �ber der Schulter der grauhaarigen <emphasis>Sul'dam</emphasis> einen winzigen Augenblick lang mit dem seinen, bevor er sich wieder auf das Gesicht der anderen Frau richtete. �Nein!�, sagte sie in scharfem Tonfall. �Wir k�nnen jetzt keine Zeit mit �nderungen in meinen Pl�nen verschwenden. Die Hochlady Suroth hat gesagt, ich k�nnte jede <emphasis>Damane</emphasis> benutzen, die ich will, <emphasis>Der'sul'dam.�</emphasis></p><p>�Nat�rlich, meine Lady�, erwiderte die Grauhaarige und klang verwirrt. �Ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass Tessi nicht richtig ausgebildet ist. Eigentlich bin ich nur hier, um nach ihr zu sehen. Sie macht sch�ne Fortschritte, meine Lady, das schon, aber ...�</p><p>Noch immer ohne zu atmen wich Mat auf Zehenspitzen zur�ck. Er huschte die schmale dunkle Treppe hinunter und st�tzte sich mit den H�nden an beiden W�nden ab, um so viel von seinem Gewicht wie m�glich auf sie zu verlagern. Er konnte sich nicht daran erinnern, ob es beim Heraufgehen quietschende Stufen gegeben hatte, aber es gab Risiken und es gab Risiken. Ein Mann ging die ein, die er musste, und stellte sein Gl�ck ansonsten nicht auf die Probe. Das war der Weg zu einem langen Leben, etwas, das er sich sehnlichst w�nschte.</p><p>Am Fu� der Treppe blieb er stehen und saugte Luft in seine Lungen, bis sein Herz zu h�mmern aufh�rte. Zumindest bis es etwas langsamer schlug. Aufh�ren zu h�mmern w�rde es vermutlich erst morgen. Er wusste nicht mehr, ob er geatmet hatte, seit er die grauhaarige Frau gesehen hatte. Licht! Wenn Egeanin glaubte, die Sache in der Hand zu haben, sch�n und gut, aber trotzdem, Licht! Sie musste den beiden <emphasis>Sul'dam</emphasis> Schlingen um die H�lse gelegt haben! <emphasis>Ihr</emphasis> Plan? Nun, sie hatte Recht, dass keine Zeit zu verschwenden war. Er lief los.</p><p>Er rannte, bis ein scharfer Schmerz durch seine H�fte schoss und er gegen einen Tisch mit t�rkisfarbenen Intarsien prallte. Er griff nach einem Sommerwandteppich, um nicht zu st�rzen, und die mit hellen Blumen geschm�ckte Seide riss bis zur H�lfte von dem gelben Marmorsims. Die hohe wei�e Porzellanvase auf dem Tisch kippte um und zersplitterte auf den blauroten Bodenfliesen; das Klirren hallte durch den ganzen Korridor. Danach hinkte er. Aber er hinkte schneller, als je ein Mann gehinkt war. Wenn jemand kam, um nach der Ursache des L�rms zu sehen, w�rde er nicht Mat Cauthon �ber die Scherben gebeugt vorfinden � oder innerhalb der n�chsten beiden Korridore, was das anging.</p><p>Er hinkte den Rest des Weges zu Tylins Gem�chern, hatte das Wohnzimmer durchquert und stand schon halb im Schlafzimmer, bevor ihm bewusst wurde, dass alle Lampen brannten. Das Feuer im Kamin war mit Scheiten aus dem vergoldeten Holzkorb aufgef�llt und brannte. Tylin hatte die Arme nach hinten gedreht und fummelte an ihren Kn�pfen herum, schaute bei seinem Eintreten auf und runzelte die Stirn. Ihr dunkelgr�nes Reitgewand war zerknittert. Das Feuer prasselte und schickte Funken in den Kamin hinauf.</p><p>�Ich habe dich noch gar nicht zur�ckerwartet�, sagte er und versuchte nachzudenken. Bei all den Dingen, die er in Betracht gezogen hatte, dass sie schief gehen k�nnten, hatte Tylins vorzeitige R�ckkehr nie eine Rolle gespielt. Sein Verstand schien eingefroren zu sein.</p><p>�Suroth hat erfahren, dass ein Heer in Murandy verschwanden ist�, erwiderte Tylin langsam und richtete sich auf. Sie sprach gedankenverloren, schenkte ihren Worten nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, mit der sie Mat Cauthon betrachtete. �Ich wei� nicht, wie ein Heer verschwinden kann, aber sie entschied, dass sie dringend zur�ckkehren musste. Wir lie�en alle zur�ck, reisten so schnell, wie eine dieser Bestien nur uns beide und die Frau, die sie lenkte, tragen konnte, und beschlagnahmten zwei Pferde an den Docks, um allein herzureiten. Sie ist sogar zu dieser Schenke auf der anderen Seite des Platzes gegangen, wo ihre Offiziere wohnen, statt herzukommen. Ich glaube nicht, dass sie in dieser Nacht schlafen will, oder einen von ihnen ...�</p><p>Tylin verstummte, ging auf ihn zu und ber�hrte seinen unauff�lligen gr�nen Mantel. �Das Problem mit einem Scho�fuchs ist�, murmelte sie, �dass er sich fr�her oder sp�ter daran erinnert, ein Fuchs zu sein.� Die gro�en dunklen Augen schauten zu ihm hoch. Pl�tzlich packte sie zwei Hand voll seiner Haare und zog ihn zu einem <emphasis>KUSS</emphasis> nach unten, der ihm fast die Stiefel auszog. �Das�, sagte sie atemlos, als sie ihn schlie�lich loslie�, �soll dir zeigen, wie sehr ich dich vermissen werde.� Ohne die Miene zu verziehen, versetzte sie ihm einen Schlag, der so hart war, dass silberne Sterne vor seinen Augen tanzten. �Und das ist daf�r, dass du dich w�hrend meiner Abwesenheit davonstehlen wolltest.� Sie wandte ihm den R�cken zu und schob die M�hne ihres rabenschwarzen Haars �ber eine Schulter. �Mach mir die Kn�pfe auf, mein h�bscher kleiner Fuchs. Wir sind so sp�t eingetroffen, dass ich mich entschied, meine Dienerinnen nicht zu wecken, aber mit diesen Fingern�geln kann man einfach keine Kn�pfe aufmachen. Eine letzte gemeinsame Nacht und morgen werde ich dich auf deinen Weg schicken.�</p><p>Mat rieb sich die Wange. Die Frau h�tte ihm einen Zahn ausschlagen k�nnen. Wenigstens hatte sie seine Gedanken in Schwung gebracht. Wenn sich Suroth in der <emphasis>\Manderin</emphasis> aufhielt, dann war sie nicht im Tarasin-Palast und konnte auch nicht sehen, was sie nicht sehen sollte. Sein Gl�ck hielt noch an. Er musste sich nur Sorgen wegen der Frau vor ihm machen. Der einzige Weg f�hrte nach vorn.</p><p>�Ich gehe in dieser Nacht�, sagte er und legte die H�nde auf Tylins Schultern. �Und wenn ich das tue, nehme ich ein paar Aes Sedai vom Dachboden mit. Komm mit mir! Ich schicke Thom und Juilin los, um Beslan zu finden, und...�</p><p><emphasis>�Mit</emphasis> dir gehen?�, sagte sie ungl�ubig, l�ste sich von ihm und drehte sich um, um ihn anzusehen. Ihr stolzes Gesicht war voller Verachtung. �T�ubchen, ich habe keine Lust, dein Liebling zu werden, und ich habe nicht die Absicht, ein Fl�chtling zu sein. Oder Altara derjenigen zu �berlassen, mit der die Seanchaner mich ersetzen werden, wer auch immer das sein sollte. Ich bin die K�nigin von Altara, m�ge das Licht mir beistehen, und ich werde mein Land nicht im Stich lassen. Du willst die Aes Sedai wirklich befreien? Ich w�nsche dir daf�r alles Gute, wenn du das tun musst, ich w�nsche auch den Schwestern alles Gute, aber, mein S��er, das h�rt sich nach einer sicheren Methode an, damit dein Kopf auf einem Spie� landet. Es ist ein zu h�bscher Kopf, um ihn abschneiden und in Teer tauchen zu lassen.�</p><p>Er versuchte sie erneut bei den Schultern zu fassen, aber sie trat mit einem so durchbohrenden Blick zur�ck, dass er die H�nde sinken lie�. Er legte jede Unze Dringlichkeit in seine Stimme, zu der er f�hig war. �Tylin, ich habe daf�r gesorgt, dass jedermann wei�, dass ich gehe, und dass ich es eilig hatte, vor deiner R�ckkehr weg zu sein, damit bei den Seanchanern kein Zweifel besteht, dass du nichts damit zu tun hast, aber jetzt...�</p><p>�Bin ich zur�ckgekehrt und habe dich �berrascht�, unterbrach sie ihn wild, �und du hast mich gefesselt und unter das Bett gesteckt. Wenn man mich am Morgen findet, werde ich w�tend auf dich sein. F�rmlich au�er mir!�</p><p>Sie l�chelte, aber ihre Augen loderten. Ganz egal, was sie �ber F�chse und dar�ber gesagt hatte, ihn auf den Weg zu schicken, sie war nicht sehr weit von dieser Wut entfernt. �Ich werde ein Kopfgeld auf dich aussetzen und Tuon sagen, dass sie dich nach deiner Gefangennahme kaufen kann, wenn sie dich dann noch will. In meinem Zorn werde ich die perfekte Hochlady sein. Sie werden mir glauben, Entchen. Ich habe Suroth bereits gesagt, dass ich mir die Haare abrasieren will.�</p><p>Mat grinste kl�glich. Er glaubte ihr. Sie w�rde ihn wirklich verkaufen, wenn man ihn einfing. <emphasis>Frauen sind ein Labyrinth in einem n�chtlichen Dornengestr�pp,</emphasis><emphasis>lautete ein altes Sprichwort,</emphasis><emphasis>und nicht einmal sie kennen den Weg.</emphasis></p><p>Tylin bestand darauf, ihre Fesselung zu �berwachen. Sie schien sogar stolz darauf zu sein. Sie musste mit Stoffbahnen gebunden werden, die er aus ihren R�cken herausschnitt, als h�tte sie ihn �berrascht und w�re �berw�ltigt worden. Die Knoten mussten fest sein, damit sie nicht entkommen konnte, ganz egal, wie sehr sie auch dagegen ank�mpfte, und sobald sie gekn�pft waren, k�mpfte sie damit und warf sich wild herum, dass es den Anschein hatte, als wollte sie sich tats�chlich befreien; ihr Mund verzog sich w�tend, als es ihr nicht gelang. Kn�chel und Handgelenke mussten auf ihrem R�cken zusammengebunden werden, und eine Leine musste von ihrem Hals zu einem der langen Bettpfosten f�hren, damit sie nicht auf dem Boden in den Korridor robben konnte. Und nat�rlich durfte sie auch nicht um Hilfe rufen. Als er ihr eines ihrer seidenen Taschent�cher vorsichtig in den Mund schob und ein zweites davor band, um es an Ort und Stelle zu halten, l�chelte sie, aber in ihren Augen <emphasis>lag ein wildes Funkeln.</emphasis><emphasis>Ein Labyrinth in einem n�chtlichen Dornengestr�pp.</emphasis></p><p>�Ich werde dich vermissen�, sagte er leise, als er sie unter das Bett schob. Zu seiner �berraschung erkannte er, dass es die Wahrheit war. Licht! Rasch nahm er Umhang, Handschuhe und Speer und l�schte auf dem Weg nach drau�en die Lampen. Frauen konnten einen Mann in diesem Labyrinth einfangen, ohne dass er es bemerkte.</p><p>Die Korridore waren noch immer leer und still bis auf den Klang seiner hinkenden Schritte, aber jede Erleichterung, die er versp�rte, verschwand in dem Augenblick, in dem er die Eingangshalle vor dem Stallhof erreichte.</p><p>Die einsame Lampe warf ihr flackerndes Licht auf die unweigerlich mit Blumen verzierten Wandteppiche, aber Juilin und seine Frau waren nicht da, genauso wenig wie Egeanin und die anderen. Bei der Zeit, die Tylin ihn aufgehalten hatte, h�tten sie mittlerweile alle auf ihn warten m�ssen. Jenseits des S�ulengangs str�mte der Regen in einem schwarzen Vorhang zu Boden, der alles verbarg. Waren sie m�glicherweise zu den St�llen gegangen? Diese Egeanin schien seinen Plan st�ndig zu �ndern, wenn es ihr in den Sinn kam.</p><p>Er murmelte unh�rbar vor sich hin, zog den Urnhang um sich und bereitete sich darauf vor, durch den str�menden Regen zu den St�llen zu gehen. In dieser Nacht hatte er genug von Frauen ertragen.</p><p>�Also wollt Ihr <emphasis>wirklich</emphasis> gehen. Das kann ich nicht zulassen, Spielzeug.�</p><p>Mit einem Fluch drehte er sich auf dem Absatz herum und sah sich Tuon gegen�ber; ihr dunkles Gesicht hinter dem langen, durchsichtigen Schleier war ernst. Der schmale Reif, der den Schleier auf ihrem rasierten Kopf hielt, war eine Masse aus Feuersteinen und Perlen, noch ein Verm�gen, wenn man von dem breiten, juwelenbesetzten G�rtel um ihre Taille und der langen Kette um ihren Hals absah. Ein guter Zeitpunkt, um sich f�r Juwelen zu interessieren, ganz egal, wie kostbar sie waren. Wieso, beim Licht, war sie wach? Blut und Asche, wenn sie losrannte und nach den Wachen rief, um ihn aufzuhalten ...</p><p>Verzweifelt griff er nach dem schmalen M�dchen, aber sie entwand sich ihm und stie� ihm den <emphasis>Ashandarei</emphasis> aus der Hand; der kurz angesetzte Schlag bet�ubte fast sein Handgelenk. Er erwartete, dass sie die Flucht ergriff, aber stattdessen deckte sie ihn mit einem Hagel aus Schl�gen ein, hieb mit den Kn�cheln zu, setzte ihre H�nde wie Axtklingen ein. Er hatte flinke H�nde, laut Thom die schnellsten, die der alte Gaukler jemals im Leben gesehen hatte, aber er war vollauf mit der Abwehr besch�ftigt und konnte vergessen, sie packen zu wollen. H�tte er sich nicht so abm�hen m�ssen, um zu verhindern, dass sie ihm die Nase brach � oder etwas anderes, was das anging; f�r eine so winzige Person konnte sie sehr hart zuschlagen �, h�tte er das Ganze vielleicht sogar witzig gefunden. Obwohl er kaum mehr als �ber eine durchschnittliche Gr��e verf�gte, ragte er hoch �ber sie hinaus, dennoch griff sie ihn w�tend an, so als w�re sie die Gr��ere und St�rkere, die davon ausging, ihn zu �berw�ltigen. Aus irgendeinem Grund verzogen sich ihre vollen Lippen nach einigen Augenblicken zu einem L�cheln, und h�tte er es nicht besser gewusst, w�re er davon �berzeugt gewesen, dass in diese gro�en, feuchten Augen ein vergn�gtes Funkeln trat. Sollte man ihn zu Asche verbrennen, zu diesem Zeitpunkt dar�ber nachzudenken, wie h�bsch diese Frau doch war, war genauso schlimm, wie ihre Juwelen zu sch�tzen!</p><p>Pl�tzlich floss sie f�rmlich vor ihm zur�ck und nahm beide H�nde, um den Juwelenreif zu richten, der ihren Schleier hielt. Ihr Gesicht zeigte nun keine Spur von Vergn�gen. Ihr Ausdruck verriet nur noch Konzentration. Sie suchte sich sorgf�ltig einen festen Stand, ohne auch nur einen Augenblick lang den Blick von seinem Gesicht zu wenden, und fing langsam an, die wei�en Faltenr�cke mit den H�nden zu raffen und sie St�ck f�r St�ck �ber die Knie zu ziehen.</p><p>Mat konnte nicht begreifen, warum sie nicht nach Hilfe rief, aber ihm war klar, dass sie nach ihm treten wollte.</p><p>Nun, nicht solange er noch ein W�rtchen mitzureden hatte! Er warf sich auf sie und alles geschah gleichzeitig. Ein stechender Schmerz in der H�fte lie� ihn auf ein Knie st�rzen. Tuon riss ihre R�cke fast bis zu den H�ften hoch, und ihr schlankes, von einem wei�en Strumpf verh�lltes Bein zuckte ihm entgegen, aber der Tritt ging �ber seinen Kopf hinweg, weil sie pl�tzlich in die Luft gehoben wurde.</p><p>Er h�tte genauso �berrascht sein m�ssen, Noal zu sehen, der die Arme um das M�dchen schlang, wie sie, von hinten gepackt zu werden, aber er reagierte schneller als sie. Als sie den Mund �ffnete, um endlich um Hilfe zu rufen, kam Mat auf die F��e und schnippte ihr mit einer Handbewegung den Juwelenreif vom Kopf und stopfte ihr den Schleier zwischen die Z�hne. Nat�rlich kooperierte sie nicht so, wie Tylin es getan hatte. Nur ein fester Griff um ihren Kiefer konnte verhindern, dass sie ihre Z�hne in seine Finger versenkte. Zornige Laute kamen aus ihrem Mund, und ihre Augen verrieten eine Wut, wie sie sie nicht einmal in den hitzigsten Augenblicken ihres Angriffs gezeigt hatte. Sie wand sich in Noals Griff und trat mit den Beinen um sich, aber der alte Mann schaffte es, seine Last zu verlagern und jedem Tritt ihrer Fersen auszuweichen. Ob alt oder nicht, sie zu halten schien ihm keine M�he zu bereiten.</p><p>�Habt Ihr oft diese Probleme mit Frauen?�, fragte er mit einem zahnl�ckigen L�cheln. Er trug seinen Umhang und seine zusammengeschn�rten Besitzt�mer waren dar�ber auf seinem R�cken festgeschnallt.</p><p>�Immer�, erwiderte Mat m�rrisch und st�hnte auf, als ein Knie seine schmerzende H�fte traf. Er schaffte es, mit einer Hand das Halstuch zu l�sen und den zusammengekn�llten Schleier in Tuons Mund festzubinden, und es kostete ihn nur einen Biss in den Daumen. Licht, was sollte er nur mit <emphasis>ihr</emphasis> machen?</p><p>�Ich wei� nicht, ob es das war, was Ihr geplant habt�, sagte Noal, der trotz der sich in seinem Griff wild aufb�umenden zierlichen Frau keinesfalls schwerer atmete, �aber wie Ihr sehen k�nnt, will auch ich in dieser Nacht aufbrechen. Ich dachte mir, dass dies in ein oder zwei Tagen ein ungem�tlicher Ort f�r jemanden sein k�nnte, dem Ihr ein Bett verschafft habt.�</p><p>�Eine weise Entscheidung�, murmelte Mat. Licht, er h�tte daran denken sollen, Noal zu warnen.</p><p>Er ging in die Knie und wich Tuons Tritten lange genug aus, um sich ihre Beine zu schnappen. Mit einem aus dem �rmel gezogenen Messer schnitt er in ihren Rocksaum und riss dann ein langes St�ck Stoff heraus, um damit ihre Kn�chel zu fesseln. Es war hilfreich, dass er zuvor mit Tylin schon mal hatte �ben k�nnen. Er war es nicht gewohnt, Frauen zu fesseln. Er riss ein zweites St�ck Stoff aus dem unteren Rockteil, hob den Juwelenreif vom Boden auf und stand wieder auf. Dabei grunzte er zweimal, das erste Mal wegen der Anstrengung und das zweite Mal wegen eines letzten, mit beiden Beinen ausgef�hrten Tritts, der seine H�fte auflodern lie�. Als er Tuon den Reif auf den Kopf setzte, starrte sie ihm direkt in die Augen. Sie hatte die sinnlose Gegenwehr eingestellt, aber sie hatte keine Angst. Licht, an ihrer Stelle h�tte er sich in die Hosen gemacht.</p><p>Da traf endlich Juilin ein; er trug bereits seinen Umhang, hatte sein kurzes Schwert und den gezackten Schwertbrecher am G�rtel und den d�nnen Bambusstab in der Hand. Eine schlanke, dunkelhaarige Frau in einem der dicken wei�en Gew�nder, die <emphasis>Da'covale</emphasis> drau�en trugen, klammerte sich an seinem rechten Arm fest. Sie war auf eine dralle Weise h�bsch, mit einem Mund wie eine Rosenknospe, aber f�nf oder sechs Jahre �lter, als Mat erwartet hatte, und ihre gro�en dunklen Augen blickten eingesch�chtert. Bei Tuons Anblick stie� sie einen leisen Schrei aus und lie� Juilin los, als w�re er ein hei�er Herd, sank neben der T�r zu Boden und legte den Kopf auf die Knie.</p><p>�Ich musste Thera noch einmal davon �berzeugen, mit mir wegzulaufen�, sagte Juilin seufzend und schenkte ihr einen besorgten Blick. Das war die ganze Erkl�rung, die er f�r seine Versp�tung abgab, bevor er sich Noals Last zuwandte. Er schob die alberne rote kegelf�rmige M�tze, die er trug, nach hinten und kratzte sich am Kopf. �Und was machen wir mit ihr?�, fragte er n�chtern.</p><p>�Wir lassen sie in den St�llen zur�ck�, erwiderte Mat. Das w�rde m�glich sein, wenn Vanin die Stallburschen �berredet hatte, ihm und Harnan die Versorgung s�mtlicher eintreffender Kurierpferde zu �berlassen. Bis jetzt war das nur eine zus�tzliche Vorsichtsma�nahme gewesen, eigentlich unn�tig. Bis jetzt. �Im Heuschober. Eigentlich d�rfte sie keiner vor dem Morgen finden, wenn sie f�r die St�lle frisches Heu herunterschaufeln.�</p><p>�Und ich dachte, Ihr wolltet sie entf�hren�, meinte Noal. Er seufzte, stellte Tuons gefesselte F��e auf dem Boden ab und fasste sie an den Oberarmen. Die kleine Frau verzichtete mit hoch erhobenem Kopf auf jede Gegenwehr. Selbst mit dem Knebel im Mund war ihr deutlich ihre Verachtung anzusehen. Sie weigerte sich zu k�mpfen, nicht, weil es hoffnungslos war, sondern weil sie sich so entschieden hatte.</p><p>Schritte ert�nten in dem Korridor, der in die Eingangshalle m�ndete, und wurden lauter. Es konnte nur Egeanin sein. Oder, nach der Art zu urteilen, wie sich die Nacht entwickelte, die Totenwache. Eine aus Ogiern bestehende Abteilung.</p><p>Hastig bedeutete Mat den anderen, sich in die Ecken zu dr�cken, wo sie au�er Sichtweise eines jeden waren, der durch diese T�r kam, dann humpelte er los, um seinen schwarzen Speer aufzuheben. Juilin zog Thera auf die F��e und zog sie nach links, wo sie sich in der Ecke zusammenkauerte, w�hrend er sich vor sie stellte und den Stab in beide H�nde nahm. Er schien eine zerbrechliche Waffe zu sein, aber der Diebef�nger konnte damit verbluffende Erfolge erziehen. Noal zerrte Tuon in die andere Ecke und lie� einen ihrer Arme los, um mit der Hand in seinen Mantel zu greifen, wo er seine langen Messer aufbewahrte. Mat baute sich in der Mitte des Raums mit dem R�cken zu der regnerischen Nacht auf, den <emphasis>Ashandarei</emphasis> erhoben. Ganz egal, wer den Raum betrat, da seine H�fte nach Tuons Tritt v�llig verkrampft war, w�rde er sich nicht schnell bewegen k�nnen, aber falls es zum Schlimmsten kam, w�rde er einige Leute zumindest zeichnen k�nnen.</p><p>Als Egeanin durch die T�r rauschte, st�tzte er sich erleichtert auf den Speer. Nach ihr kamen zwei <emphasis>Sul'dam,</emphasis> denen Domon folgte. Mat bekam Edesina das erste Mal zu Gesicht, obwohl ihm wieder einfiel, dass er sie bei dem Auslauf der <emphasis>Damane</emphasis> gesehen hatte; sie war eine schlanke, h�bsche Frau in einem dieser schmucklosen grauen Kleider, deren schwarzes Haar bis zur Taille reichte. Obwohl das <emphasis>A'dam</emphasis> sie an Setas Handgelenk fesselte, blickte sich Edesina ruhig um. Eine Aes Sedai an der Leine, aber eine Aes Sedai, die zuversichtlich war, dass die Leine bald gel�st wurde. Teslyn hingegen zitterte vor Begierde, leckte sich die Lippen und starrte auf die T�r zum Stallhof. Renna und Seta trieben die beiden Aes Sedai hinter Egeanin an, sie wandten ebenfalls den Blick nicht von der T�r.</p><p>�Ich musste die <emphasis>Der'sul'dam</emphasis> beruhigen�, sagte Egeanin, sobald sie den Raum betreten hatte. �Sie sind sehr um ihre Sch�tzlinge besorgt.� Sie bemerkte Juilin und Thera und runzelte die Stirn; eigentlich hatte es keinen Grund gegeben, ihr von Thera zu erz�hlen, nicht, wenn sie bereit war, <emphasis>Damane</emphasis> zu helfen, aber die �berraschung mit dem Wollgewand gefiel ihr nicht. �Dass sie Renna und Seta gesehen hat, ver�ndert nat�rlich ein paar Dinge�, fuhr sie fort, �aber ...�Ihre Worte brachen wie mit dem Messer abgeschnitten ab, als ihr Blick auf Tuon fiel. Egeanin war eine Frau mit blasser Haut, aber sie wurde noch bleicher. Tuon erwiderte den Blick �ber ihren Knebel hinweg mit der Grimmigkeit eines Scharfrichters.</p><p>�Oh, Licht!�, stie� Egeanin heiser hervor und sank auf die Knie. �Ihr seid ja wahnsinnig! An die Tochter der Neun Monde Hand anzulegen bedeutet einen langsamen Tod durch die Folter!� Die beiden <emphasis>Sul'dam</emphasis> keuchten auf und knieten ohne zu z�gern nieder, dabei zogen sie nicht nur die beiden Aes Sedai mit sich, sondern ergriffen die <emphasis>Adam</emphasis> direkt am Kragen, um ihre Gesichter auf den Boden zu zwingen.</p><p>Mat grunzte, als h�tte Tuon ihn in den Bauch getreten. Es f�hlte sich zumindest so an. Die Tochter der Neun Monde. Die Aelfinn hatten ihm die Wahrheit gesagt, wie sehr er das Wissen auch hasste. Er w�rde sterben und wieder leben, falls das nicht schon geschehen war. Er w�rde die H�lfte des Lichts der Welt aufgeben, um die Welt zu retten, und er wollte nicht einmal dar�ber nachdenken, was das zu bedeuten hatte. Er w�rde heiraten ... �Sie ist meine Frau�, sagte er leise. Jemand keuchte; er glaubte, es war Domon.</p><p>�Was?�, kreischte Egeanin und wandte den Kopf so schnell in seine Richtung, dass ihr Haarschopf herumschwang und sie mitten ins Gesicht traf. Mat h�tte nicht gedacht, dass sie kreischen konnte. �Das k�nnt Ihr nicht sagen! Das d�rft Ihr nicht sagen!�</p><p>�Warum nicht?�, wollte er wissen. Die Aelfinn sagten immer die Wahrheit. Immer. �Sie ist meine Frau. Eure verdammte Tochter der Neun Monde ist meine Frau!�</p><p>Alle starrten ihn an, nur Juilin nicht; der nahm die Kappe ab und starrte dort hinein. Domon sch�ttelte den Kopf und Noal lachte leise. Egeanins Mund stand offen. Die beiden <emphasis>Sul'dam</emphasis> starrten ihn an, als w�re er ein gef�hrlicher Irrer. Tuon starrte ihn ebenfalls an, aber ihre Miene war v�llig unleserlich, diese dunklen Augen verbargen jeden Gedanken. O Licht, was sollte er nur tun? Erstens die Dinge in Bewegung bringen, bevor ...</p><p>Selucia eilte in den Raum und Mat st�hnte. W�rde denn jeder Bewohner des verdammten Palasts hier reinkommen? Domon versuchte sie zu ergreifen, aber sie wich ihm aus. Die dralle blonde <emphasis>So'jhin</emphasis> war nicht so erhaben wie gew�hnlich, sie rang die H�nde und blickte sich gehetzt um. �Vergebt mir, dass ich spreche�, sagte sie mit furchterf�llter Stimme, �aber was Ihr da tut, ist �ber alle Ma�en verr�ckt.� Mit einem Aufst�hnen kauerte sie sich zwischen die beiden knienden <emphasis>Sul'dam</emphasis> und legte jeder eine Hand auf die Schulter, als suchte sie ihren Schutz. Ihre Blicke irrten unstet durch den Raum. �Wie auch immer die Omen ausgesehen haben, das hier kann wieder in Ordnung gebracht werden, <emphasis>so</emphasis> lange Ihr Euch nur einverstanden erkl�rt, Euch zur�ckzuziehen.�</p><p>�Ganz ruhig, Selucia�, sagte Mat in einem beruhigenden Tonfall. Sie schaute ihn nicht an, aber er machte trotzdem beschwichtigende Gesten. In keiner seiner Erinnerungen konnte er eine Methode finden, wie man mit einer hysterischen Frau umgehen musste. Au�er sich zu verstecken. �Niemandem wird etwas geschehen. Niemandem! Das verspreche ich Euch. Ihr k�nnt Euch wieder beruhigen.�</p><p>Aus irgendeinem Grund blitzte ganz kurz Verwirrung auf ihrem Gesicht auf, aber sie kniete nieder und faltete die H�nde im Scho�. Pl�tzlich war ihre Furcht v�llig verschwunden und sie war so erhaben wie immer. �Ich werde Euch gehorchen, solange Ihr meiner Herrin nichts antut. Falls Ihr das doch tun solltet, werde ich Euch t�ten.�</p><p>Wenn diese Worte von Egeanin gekommen w�ren, h�tte ihn das nachdenklich gemacht. Aber da sie von dieser pummeligen Frau mit den hellen Wangen kamen, die, obwohl gr��er als ihre Herrin, eher klein war, verwarf er es sofort wieder. Das Licht wusste, dass Frauen gef�hrlich waren, aber mit der Dienerin einer Lady w�rde er schon fertig werden. Zumindest war sie nicht mehr hysterisch. Seltsam, wie schnell das bei Frauen kommen und gehen konnte.</p><p>�Ich sch�tze, Ihr wollt <emphasis>beide</emphasis> in den Heuschober bringen?�, sagte Noal.</p><p>�Nein�, erwiderte Mat und sah Tuon an. Sie erwiderte den Blick und noch immer wurde er aus ihrem Gesichtsausdruck nicht schlau. Eine jungenhaft schlanke kleine Frau, wo er doch Frauen mit Fleisch auf den Knochen mochte. Erbin des Throns von Seanchan, wo ihm Adlige doch immer eine G�nsehaut bescherten. Eine Frau, die ihn hatte <emphasis>kaufen</emphasis> wollen und die ihm jetzt vermutlich ein Messer in die Rippen jagen wollte. Und sie w�rde seine Ehefrau sein. Die Aelfinn sagten immer die Wahrheit. �Wir nehmen sie mit�, sagte er.</p><p>Endlich regte sich etwas in Tuons Miene. Sie l�chelte, als w�sste sie pl�tzlich ein Geheimnis. Sie l�chelte und er erschauderte. Oh, beim Licht, und wie er erschauderte.</p></section><section><title><p>32</p><p>Eine Prise Weisheit</p></title><p><emphasis>Das Goldene Rad</emphasis> war ein gro�es Gasthaus, direkt neben dem Avharin-Markt, mit einem langen Schankraum mit Holzbohlendecke, in dem zu viele rechteckige Tische standen. Selbst mittags war kaum mehr als einer von f�nf Tischen besetzt; gew�hnlich waren es ausl�ndische H�ndler, die Frauen mit gedeckten Farben und Haarknoten oben auf dem Kopf oder im Nacken gegen�bersa�en. Die Frauen waren ebenfalls Kauffrauen oder Bankiersfrauen; in Far Madding war das Bankenwesen und der Handel M�nnern verboten. Alle Ausl�nder im Schankraum waren M�nner, da die Frauen unter ihnen den Frauenraum benutzten. Der Duft ged�nsteten Fischs und gebratenem Lamms erf�llte die Luft, und gelegentlich befahl ein Ruf von einem der Tische einen der Diener heran, die im hinteren Teil des Raums in einer langen Reihe warteten. Ansonsten d�mpften die H�ndler und Bankiersfrauen ihre Stimmen. Der drau�en fallende Regen war lauter.</p><p>�Seid Ihr sicher?�, fragte Rand und nahm die zerknitterte Zeichnung von dem Diener zur�ck, den er auf die Seite gezogen hatte.</p><p>�Ich glaube, er ist es�, sagte der Bursche unsicher und wischte sich die H�nde an der langen, mit einem aufgestickten gelben Wagenrad versehenen Sch�rze ab. �Es sieht ihm �hnlich. Er m�sste bald zur�ck sein.� Sein Blick schoss an Rand vorbei und er seufzte. �Ihr solltet lieber etwas zu trinken bestellen oder gehen. Frau Gallger mag es nicht, wenn wir reden statt zu arbeiten. Und es w�rde ihr gar nicht gefallen, wenn ich �ber ihre G�nner rede.�</p><p>Rand sah �ber die Schulter. Eine schlanke Frau, die einen gro�en Elfenbeinkamm in den Haarknoten an ihrem Hinterkopf gesteckt hatte, stand in dem gelb gestrichenen Torbogen, der zum Frauenraum f�hrte. So wie sie den Blick durch den Schankraum schweifen lie�, konnte sie nur die Wirtin sein � einerseits war sie wie eine K�nigin, die ihr Reich betrachtete, andererseits eine B�uerin, die ihre Felder begutachtete. Und keine von beiden war von dem d�rftigen Gesch�ft begeistert. Als ihr Blick auf Rand und den Diener fiel, runzelte sie die Stirn.</p><p>�Gew�rzten Wein�, sagte Rand und gab dem Mann ein paar M�nzen, Kupfer f�r den Wein und eine Silbermark f�r seine Informationen, so unsicher sie auch waren. Seit er Rochaid get�tet hatte und Kisman entkommen war, war mehr als eine Woche vergangen, und nach all diesen Tagen war es das erste Mal, dass er beim Vorzeigen der Zeichnungen mehr als ein Schulterzucken oder ein Kopfsch�tteln erhalten hatte.</p><p>Es standen ein Dutzend leerer Tische zur Auswahl, aber er wollte im vorderen Teil des Raums in der Ecke sitzen, wo er jeden Eintretenden sehen konnte, ohne selbst gesehen zu werden, und als er sich seinen Weg zwischen den Tischen suchte, bekam er Bruchfetzen diverser Unterhaltungen mit.</p><p>Eine hochgewachsene blasse Frau in dunkelgr�ner Seide antwortete einem Mann in einem engsitzenden, schwarzen tairenischen Mantel mit einem Kopfsch�tteln. Der eisengraue Haarknoten lie� sie von der Seite etwas wie Cadsuane aussehen. Der Mann verzog keine Miene, aber sein dunkles, kantiges Gesicht schien besorgt. �Ihr braucht Euch �ber Andor keine Sorgen mehr zu machen, Meister Admira�, sagte sie beruhigend. �Glaubt mir, die Andoraner werden herumbr�llen und sich gegenseitig mit den Schwertern drohen, aber sie werden es niemals zum Kampf kommen lassen. Es liegt in Eurem Interesse, f�r Eure Waren die derzeitige Route zu behalten. Cairhien w�rde Euch ein F�nftel mehr Steuern berechnen als Far Madding. Denkt nur an die zus�tzlichen Kosten.� Der Tairener furchte die Stirn, als w�rde er daran denken. Oder sich fragen, ob seine Interessen wirklich mit den ihren �bereinstimmten.</p><p>�Ich habe geh�rt, die Leiche w�re schwarz angelaufen und aufgebl�ht gewesen�, sagte an einem anderen Tisch ein schlanker, wei�b�rtiger Illianer in einem dunkelblauen Mantel. �Ich habe geh�rt, dass der Rat befohlen hat, sie zu verbrennen.� Er hob bedeutungsvoll die Brauen und tippte sich an die spitze Nase, die ihm das Aussehen eines Wiesels verlieh.</p><p>�Falls es in der Stadt eine <emphasis>Seuche</emphasis> geben sollte, Meister Azereos, h�tte der Rat es bekannt gegeben�, sagte die zierliche Frau, die ihm gegen�bersa�. Mit den beiden reich verzierten Elfenbeink�mmen in ihrem aufgerollten Haar sah sie auf ein fuchshafte Weise h�bsch aus; dabei wirkte sie so k�hl wie eine Aes Sedai, allerdings hatte sie in den Winkeln ihrer braunen Augen kleine F�ltchen. �Ich rate Euch wirklich davon ab, auch nur <emphasis>Teile</emphasis> Eures Handels nach Lugard zu verlagern. In Murandy herrscht gro�e Unruhe. Die Adligen werden <emphasis>niemals</emphasis> zulassen, dass Roedran ein Heer aufstellt. Und wie Ihr sicherlich geh�rt habt, sind <emphasis>Aes Sedai</emphasis> darin verstrickt. Das Licht allein wei�, was sie tun werden.� Der Illianer zuckte unbehaglich mit den Schultern. Heutzutage war sich niemand sicher, was Aes Sedai tun w�rden, falls das jemals der Fall gewesen sein sollte.</p><p>Ein Kandori mit grauen Str�hnen in seinem Gabelbart und einer gro�en Perle in seinem linken Ohr beugte sich zu einer dicken, in dunkelgraue Seide gekleideten Frau her�ber, die ihr schwarzes Haar in einer festen Rolle auf dem Kopf trug. �Ich habe geh�rt, dass der Wiedergeborene Drache zum K�nig von Illian gekr�nt wurde, Frau Shimel.� Er runzelte die Stirn. �Wegen der Proklamation der Wei�en Burg �berlege ich mir, meine Fr�hlingswagen entlang Erinin nach Tear zu schicken. Die Flussstra�e mag ja eine schwierigere Route sein, aber Illian ist kein so bedeutender Markt f�r Felle, dass ich so gro�e Risiken eingehen m�chte.�</p><p>Die dicke Frau l�chelte; f�r ein so rundes Gesicht war es ein sehr schmales L�cheln. �Mir wurde gesagt, dass man den Mann kaum in Illian gesehen hat, seit er die Krone entgegennahm, Meister Posavina. Aber wie dem auch sei, die Burg wird sich um ihn k�mmern, wenn sie es nicht schon l�ngst getan hat, und heute Morgen habe ich erfahren, dass der Stein von Tear belagert wird. Das ist kaum eine Situation, in der ihr einen vern�nftigen Markt f�r Felle vorfinden werdet, oder? Nein, Tear ist nicht der Ort, an dem man Risiken aus dem Weg gehen kann.� Die Falten auf Meister Posavinas Stirn wurden noch tiefer.</p><p>Rand erreichte einen kleinen Tisch in der Ecke, warf den Umhang �ber eine Stuhllehne, setzte sich mit dem R�cken zur Wand und schlug den Kragen hoch. Der Diener brachte einen dampfenden Zinnbecher mit gew�rztem Wein, murmelte einen hastigen Dank f�r das Silber und eilte los, als an einem anderen Tisch ein Ruf ert�nte. Zwei gro�e Kamine an beiden Seiten des Raums nahmen der Luft ihre K�hle, aber falls jemand bemerkte, dass Rand die Handschuhe nicht auszog, so gab es derjenige nicht zu erkennen. Er gab vor, in den Weinbecher zwischen seinen H�nden zu starren, w�hrend er den Eingang im Auge behielt.</p><p>Das meiste Gerede interessierte ihn nicht. Es war kaum neu, und manchmal wusste er mehr als die Leute, die er belauscht hatte. Zum Beispiel teile Elayne die Meinung der blassen Frau und sie musste Andor besser kennen als jede Kauffrau aus Far Madding. Dass der Stein belagert wurde, war jedoch neu. Doch dar�ber musste er sich noch keine Sorgen machen. Der Stein war niemals erobert worden, mit Ausnahme von ihm, und er wusste, dass sich Alanna irgendwo in Tear befand. Er hatte gef�hlt, wie sie n�rdlich von Far Madding an einen Ort noch weiter im Norden gesprungen war, und dann einen Tag sp�ter irgendwo nach S�den und Osten. Sie war weit genug entfernt, dass er nicht sagen konnte, ob sie in Haddon Mirk oder in der Stadt Tear war, aber er war zuversichtlich, dass sie an einem der Orte war, und zwar in Gesellschaft von vier Schwestern, denen er vertrauen konnte. Falls Merana und Rafela vom Meervolk bekommen konnten, was er wollte, dann w�rden sie es auch bei den Tairenern schaffen. Rafela war Tairenerin und das sollte helfen. Nein, die Welt w�rde auch noch eine Weile l�nger ohne ihn auskommen. Sie musste es.</p><p>Ein gro�er Mann in einem langen feuchten Umhang, dessen Gesicht von der Kapuze verborgen wurde, trat von der Stra�e ein, und Rands Blicke folgten ihm zu der Treppe im hinteren Teils des Raums. Auf der ersten Stufe schlug der Bursche die Kapuze zur�ck und enth�llte graues Haar und ein blasses, verkniffenes Gesicht. Er konnte nicht derjenige sein, den der Diener gemeint hatte. Niemand, der Augen im Kopf hatte, w�rde ihn mit Perval Torval verwechsern.</p><p>Rand lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Oberfl�che des Weins und seine Gedanken verd�sterten sich. Min und Nynaeve hatten sich geweigert, auch nur noch eine Stunde damit zu verbringen, die Stra�en abzulaufen, wie Min es ausgedr�ckt hatte, und er vermutete, dass Alivia die Zeichnungen nur noch ohne jeden Nachdruck herumzeigte. Falls sie es �berhaupt tat. Alle drei hatten die Stadt heute verlassen und befanden sich auf den H�geln, wenn er das richtig interpretierte, was ihm der Bund von Min �bermittelte. Sie war wegen etwas sehr aufgeregt. Die drei Frauen glaubten, Kisman h�tte nach dem gescheiterten Attentat die Flucht ergriffen, und die anderen Renegaten h�tten ihn entweder begleitet oder w�ren gar nicht erst gekommen. Sie alle versuchten nun schon seit Tagen, ihn dazu zu �berreden, die Stadt zu verlassen. Wenigstens hatte Lan nicht aufgegeben.</p><p><emphasis>Warum k�nnen die Frauen nicht Recht haben?,</emphasis><emphasis>wisperte Lews Therm wild in seinem Kopf.</emphasis><emphasis>Diese Stadt ist schlimmer als jedes Gef�ngnis. Hier gibt es keine Quelle! Warum sollten sie bleiben? Warum sollte �berhaupt ein geistig gesunder Mann hier bleiben? Wir k�nnten ausreiten, hinter die Barriere, nur f�r einen Tag, ein paar Stunden. Licht, blo� f�r ein paar Stunden!</emphasis> Die Stimme lachte unkontrolliert, wild. <emphasis>O Licht, warum habe ich blo� einen Verr�ckten in meinem Kopf? Warum? Warum?</emphasis></p><p>W�tend zwang Rand Lews Therin zur�ck, bis er nur noch ein ged�mpftes Summen darstellte. Obwohl nur Min einen gewissen Enthusiasmus gezeigt hatte, hatte er dar�ber nachgedacht, die Frauen auf ihrem Ritt zu begleiten. Nynaeve und Alivia hatten den Grund f�r ihren Ausritt nicht preisgeben wollen, obwohl der Morgenhimmel den Regen verhei�en hatte, der jetzt drau�en niederging. Es war nicht das erste Mal, dass sie gegangen waren. Um die Quelle zu f�hlen, wie er vermutete. Um von der Einen Macht zu trinken, und wenn auch nur f�r kurze Zeit. Nun, er konnte es ertragen, die Macht nicht lenken zu k�nnen. Er ertrug die Abwesenheit der Quelle. Er konnte das! Er musste es, damit er die M�nner t�ten konnte, die versucht hatten, ihn umzubringen.</p><p>Das <emphasis>ist nicht der Grund!</emphasis> br�llte Lews Therin und �berwand Rands Versuche, ihn zum Verstummen zu bringen. <emphasis>Du hast Angst! Wenn die Krankheit dich �bermannt, w�hrend du versuchst, das Zugangs-Ter'angreal zu benutzen, k�nnte es dich t�ten oder Schlimmeres! Es k�nnte uns alle t�ten!,</emphasis> st�hnte er.</p><p>Wein spritzte �ber Rands Handgelenk und tr�nkte seinen �rmel. Vorsichtig l�ste er den Griff um den Becher. Der war von Anfang an nicht ganz rund gewesen, und er glaubte nicht, dass er ihn so verbogen hatte, dass es auffallen w�rde. Er hatte <emphasis>keine</emphasis> Angst! Er weigerte sich, sich von der Angst ber�hren zu lassen. Licht, am Ende w�rde er sterben m�ssen. Das hatte er akzeptiert.</p><p><emphasis>Sie haben versucht, mich umzubringen, und daf�r will ich sie tot sehen,</emphasis><emphasis>dachte er.</emphasis><emphasis>Wenn das etwas dauert, nun, vielleicht wird die Krankheit bis dahin vorbei sein. Soll man dich doch zu Asche verbrennen, ich muss bis zur Letzten Schlacht �berleben.</emphasis> In seinem Kopf lachte Lews Therin noch unkontrollierter als zuvor.</p><p>Ein weiterer gro�er Mann schwankte herein, und zwar durch die T�r zum Stallhof, die sich am Fu� der Treppe im hinteren Teil des Raumes befand. Er sch�ttelte Regentropfen von seinem Umhang, warf die Kapuze zur�ck und ging auf den Durchgang zum Frauenraum zu. Mit dem h�hnisch verzerrten Mund, der scharf geschnittenen Nase und dem ver�chtlichen Blick, mit dem er die Leute an den Tischen betrachtete, �hnelte er Torval, aber sein Gesicht verriet, dass er zwanzig Jahre �lter war, und er schleppte drei�ig Pfund mehr Fett herum. Er schaute durch den gelben Torbogen und rief mit einer hohen, pedantischen Stimme, die einen starken illianischen Akzent aufwies. �Frau Gallger, ich reise am Morgen ab. In aller Fr�he, also erwarte ich nicht, dass mir der morgige Tag berechnet wird!� Torval war Taraboner.</p><p>Rand nahm seinen Umhang, lie� den Becher auf dem Tisch stehen und schaute nicht zur�ck.</p><p>Der mitt�gliche Himmel war grau und kalt, und falls der Regen nachgelassen hatte, war nicht viel davon zu bemerken, und da die b�igen Seewinde ihn vor sich hertrieben, reichte er aus, um fast jeden von der Stra�e zu vertreiben. Rand hielt den Umhang mit einer Hand fest, sowohl um die Zeichnungen in seiner Tasche zu sch�tzen als auch den Rest von ihm trocken zu halten, und mit der anderen hielt er die Kapuze vor den Windst��en fest. Die vom Wind vorw�rts gepeitschten Regentropfen trafen sein Gesicht wie Eisperlen. Eine einsame S�nfte passierte ihn, das Haar der Tr�ger hing ihnen nass auf den R�cken und ihre Stiefel traten in tiefe Pf�tzen auf dem Pflaster. Ein paar Leute schleppten sich in ihre Umh�nge geh�llt die Stra�e entlang. Es waren noch einige Stunden Tageslicht �brig, aber er ging an den Gasth�usern <emphasis>Drei Herzen der Ebene</emphasis> und <emphasis>Drei Damen aus Maredo</emphasis> vorbei, ohne einzutreten. Er redete sich ein, dass es am Regen lag. Das war nicht das richtige Wetter, um ein Gasthaus nach dem anderen abzusuchen. Aber er wusste, dass es eine L�ge war.</p><p>Eine kleine pummelige Frau in einem dunklen Umhang kam die Stra�e entlang und hielt pl�tzlich auf ihn zu. Als sie vor ihm stehen blieb und den Kopf hob, sah er, dass es Verin war.</p><p>�Hier steckt Ihr also�, sagte sie. Regentropfen fielen in ihr erhobenes Gesicht, aber sie schien es nicht zu bemerken. �Eure Wirtin meinte, Ihr wolltet zum Avharin hinaufgehen, sie war sich jedoch nicht sicher. Ich f�rchte, Frau Keene schenkt dem Kommen und Gehen ihrer m�nnlichen G�ste keine gro�e Aufmerksamkeit. Und hier stehe ich jetzt mit v�llig durchn�ssten Schuhen und Str�mpfen. Als M�dchen bin ich ja gern im Regen spazieren gegangen, aber im Laufe der Zeit hat es irgendwie seinen Reiz verloren.�</p><p>�Hat Cadsuane Euch geschickt?�, fragte er und bem�hte sich, nicht hoffongsvoll zu klingen. Nach Alannas Abreise hatte er sein Zimmer im <emphasis>Haupt der Ratsherrin</emphasis> behalten, damit Cadsuane ihn finden konnte. Er w�rde wohl kaum ihr Interesse wecken, wenn sie die Gasth�user nach ihm durchsuchen musste. Vor allem, da sie keinerlei Anzeichen gezeigt hatte, dass sie ihn suchen w�rde.</p><p>�O nein, das w�rde sie niemals tun.� Die Vorstellung schien Verin zu �berraschen. �Ich glaubte nur, Ihr w�rdet vielleicht gern die Neuigkeit erfahren. Cadsuane macht mit den M�dchen einen Ausritt.� Sie runzelte nachdenklich die Stirn und legte den Kopf schief. �Obwohl ich Alivia wohl nicht als M�dchen bezeichnen sollte. Eine bemerkenswerte Frau. Bedauerlicherweise viel zu alt, um Novizin zu werden; o ja, wirklich sehr bedauernswert. Sie saugt f�rmlich alles in sich auf, was man ihr beibringt. Ich glaube, sie kennt fast jede M�glichkeit, wie man etwas mit der Macht zerst�ren kann, aber da h�rt ihr Wissen auch schon auf.�</p><p>Er zog sie zur Stra�enseite, wo die �berh�ngende Dachkante eines einst�ckigen Geb�udes etwas vor dem Regen sch�tzte, wenn auch nicht unbedingt vor dem Wind. Cadsuane war mit Min und den anderen unterwegs? Das musste nichts zu bedeuten haben. Er hatte schon fr�her erlebt, dass Aes Sedai von Nynaeve fasziniert waren, und Min zufolge interessierten sie sich noch mehr f�r Alivia. �Welche Neuigkeit, Verin?�, fragte er leise.</p><p>Die rundliche kleine Aes Sedai blinzelte, als h�tte sie vergessen, dass es eine Neuigkeit gab, dann l�chelte sie unvermittelt. �Oh, ja. Die Seanchaner. Sie sind in Illian. Nicht in der Stadt, das noch nicht; kein Grund, blass zu werden. Aber sie haben die Grenze �berschritten. Sie errichten an der K�ste und im Landesinneren befestigte Lager. Ich verstehe nur wenig von milit�rischen Dingen. Wenn ich ein Geschichtsbuch lese, �berspringe ich die Schlachten immer. Aber ich glaube, dass die Stadt ihr Ziel ist. Eure Schlachten scheinen sie nicht besonders aufgehalten zu haben. Darum lese ich nie etwas �ber Schlachten. Sie scheinen auf lange Sicht gesehen nie etwas zu ver�ndern, sondern immer nur f�r kurze Zeit. Geht es Euch gut?�</p><p>Er zwang sich, die Augen zu �ffnen. Verin sp�hte wie ein dicker Spatz zu ihm hoch. Die ganzen K�mpfe, all die Toten, M�nner, die er get�tet hatte, und es hatte nichts ver�ndert. Gar nichts!</p><p><emphasis>Sie irrt sich,</emphasis> murmelte Lews Therin in seinem Kopf. <emphasis>Schlachten k�nnen die Geschichte ver�ndern.</emphasis><emphasis>Er klang dar�ber nicht erfreut. Das</emphasis><emphasis>Problem liegt nur darin, dass man manchmal nicht vorhersagen kann, wie sich die Geschichte ver�ndert, bis es zu sp�t ist.</emphasis></p><p>�Verin, wenn ich zu Cadsuane ginge, w�rde sie mit mir sprechen? �ber etwas anderes als meine Manieren, die ihr nicht gefallen? Das scheint n�mlich alles zu sein, was ihr am Herzen liegt.�</p><p>�Oh, mein Lieber. Ich f�rchte, Cadsuane ist in vielerlei Hinsicht eine Traditionalistin, Rand. Ich habe nie geh�rt, dass sie einen Mann als hochm�tig bezeichnet, aber ...� Sie legte gedankenverloren einen Finger an die Lippen, dann nickte sie, und Regentropfen rannen ihr das Gesicht hinunter. �Ich glaube, sie wird sich anh�ren, was Ihr zu sagen habt, wenn Ihr den schlechten Eindruck ungeschehen machen k�nnt, den Ihr bei ihr hinterlassen habt. Oder wenn ihr ihn zumindest so gut verwischt, wie es Euch m�glich ist. Nur wenige Schwestern lassen sich von Titeln oder Kronen beeindrucken, Rand, und Cadsuane noch weniger als andere, die ich kenne. Sie interessiert sich viel mehr daf�r, ob Leute Narren sind oder nicht. Wenn Ihr Cadsuane beweisen k�nnt, dass Ihr kein Narr seid, wird sie zuh�ren.�</p><p>�Dann sagt ihr ...� Er holte tief Luft. Licht, am liebsten h�tte er Kisman und Dashiva und all die anderen mit blo�en H�nden erw�rgt! �Sagt ihr, dass ich Far Madding morgen verlassen werde, und ich hoffe, dass sie mich als meine Beraterin begleitet.� Den ersten Teil kommentierte Lews Therin mit einem erleichterten Seufzen; w�re er mehr als eine Stimme gewesen, h�tte Rand gesagt, dass er beim zweiten Teil erstarrte. �Sagt Ihr, ich akzeptiere ihre Bedingungen. Ich entschuldige mich f�r mein Benehmen in Cairhien und werde mein M�glichstes hon, in Zukunft auf meine Manieren zu achten.� Das zu sagen fiel gar nicht schwer. Nun ja, ein bisschen schon, aber falls sich Min nicht irrte, brauchte er Cadsuane, und Min irrte sich nie bei dem, was sie sah.</p><p>�Also habt Ihr gefunden, was Ihr hier suchtet?� Er blickte sie stirnrunzelnd an und sie l�chelte zur�ck und t�tschelte seinen Arm. �Falls Ihr in dem Glauben nach Far Madding gekommen w�rt, Ihr k�nntet die Stadt erobern, indem Ihr verk�ndet, wer Ihr seid, w�rt Ihr sofort wieder abgereist, nachdem Euch klar wurde, dass Ihr hier die Macht nicht benutzen k�nnt. Also konnte es sich nur darum handeln, etwas oder jemanden zu finden.�</p><p>�Vielleicht habe ich gefunden, was ich brauchte�, sagte er kurz angebunden. Nur das nicht, was er wollte.</p><p>�Dann kommt heute Abend in den Barsalla-Palast oben auf den H�hen, Rand. Jeder kann Euch sagen, wie er zu finden ist. Ich bin wirklich fest davon �berzeugt, dass sie Euch anh�ren wird.� Sie r�ckte den Umhang zurecht und schien die Feuchtigkeit der Wolle zum ersten Mal zu bemerken. �Du meine G�te. Ich muss ins Trockene. Ich schlage vor, Ihr tut das auch.� Sie drehte sich um, verharrte dann aber und sah noch einmal �ber die Schulter. Ihre dunklen Augen blinzelten nicht. Pl�tzlich klang sie alles andere als gedankenverloren. �Ihr k�nntet es viel schlechter treffen, als Cadsuane zur Beraterin zu haben, Rand, aber ich bezweifle, dass Ihr eine bessere finden w�rdet. Falls sie zustimmt und Ihr wirklich kein Narr seid, werdet Ihr auf ihren Rat h�ren.� Sie rauschte durch den Regen davon und sah dabei fast aus wie ein stolzer Schwan.</p><p><emphasis>Manchmal macht mir diese Frau Angst,</emphasis><emphasis>murmelte Lews</emphasis> Therin, und Rand nickte. Cadsuane machte ihm keine Angst, aber sie machte ihn misstrauisch. Jede Aes Sedai, die ihm nicht den Treueid geleistet hatte, machte ihn misstrauisch, mit Ausnahme von Nynaeve. Und selbst bei ihr war er sich nicht immer sicher.</p><p>Auf den zwei Meilen R�ckweg zum <emphasis>Haupt der Ratsherrin</emphasis> lie� der Regen nach. Daf�r frischte der Wind auf, und das Schild �ber der T�r, auf dem das strenge Antlitz einer Frau mit dem juwelenbesetzten Diadem der Ersten Ratsherrin abgebildet war, schwang quietschend an seiner Halterung hin und her. Der Schankraum war kleiner als im <emphasis>Goldenen Rad,</emphasis> daf�r war die Wandt�felung poliert und mit Schnitzereien verziert, und die Tische unter den roten Deckenbalken standen nicht so eng beieinander. Der Durchgang zum Frauenraum war rot gestrichen und die Verzierungen sahen wie verspielte Spitzenkl�ppelei aus, genau wie die Simse der Marmorkamine. Im <emphasis>Haupt der Ratsherrin</emphasis> befestigten die Diener ihr langes Haar mit Silberspangen. Nur zwei von ihnen waren zu sehen; sie standen in der N�he der K�chent�r. An den Tischen sa�en nur drei M�nner, alles ausl�ndische H�ndler, die weit auseinander sa�en und in ihren Wein starrten. M�glicherweise sogar Konkurrenten, denn gelegentlich rutschte der eine oder andere auf seinem Stuhl herum und bedachte die anderen beiden mit einem Stirnrunzeln. Einer von ihnen, ein grauhaariger Mann, trug einen dunkelgrauen Seidenmantel, und ein schlanker Bursche mit einem finsteren Gesicht hatte einen roten Stein von der Gr��e eines Taubeneis im Ohr. Das <emphasis>Haupt der Ratsherrin</emphasis> beherbergte die wohlhabenderen ausl�ndischen H�ndler und davon gab es in Far Madding derzeit nicht viele.</p><p>Die Uhr auf dem Kaminsims des Frauenraums � Min hatte erz�hlt, dass sie ein Silbergeh�use aufwies � schlug mit kleinen Gl�ckchen die Stunde, als er den Schankraum betrat, und er hatte den Umhang noch nicht richtig ausgesch�ttelt, als auch schon Lan eintrat. Der Beh�ter sch�ttelte den Kopf, sobald er Rands Blick bemerkte. Nun, Rand rechnete mittlerweile auch nicht mehr damit, sie zu finden. Selbst f�r einen <emphasis>Ta'veren</emphasis> war das vermutlich ein Ding der Unm�glichkeit.</p><p>Sobald sie beide dampfende Becher voller Wein empfangen und es sich auf der langen roten Bank vor einem der Kamine bequem gemacht hatten, berichtete er Lan von seiner Entscheidung und den Gr�nden, weshalb er sie getroffen hatte. Einen Teil der Gr�nde. Den wichtigen Teil. �Wenn ich sie in dieser Minute in den H�nden h�tte, w�rde ich sie umbringen und mein Heil in der Flucht suchen, aber sie umzubringen �ndert nichts. Zumindest nicht genug�, korrigierte er sich und sah stirnrunzelnd in die Flammen. �Ich kann noch einen Tag in der Hoffnung hier verbringen, sie morgen zu finden. Oder auch noch Wochen. Monate. Aber die Welt wartet nicht auf mich. Ich dachte, ich h�tte sie mittlerweile erledigt, aber die Geschehnisse eilen bereits dem weit voraus, womit ich gerechnet habe. Und das gilt nur f�r die Geschehnisse, von denen ich wei�. Licht, was mag alles geschehen, von dem ich nichts wei�, nur weil ich keinen Kaufmann dar�ber beim Wein habe klagen h�ren?�</p><p>�Du kannst niemals alles wissen�, sagte Lan ruhig. �Und ein Teil von dem, was du erf�hrst, ist immer falsch. Vielleicht sogar der wichtigste Teil. Ein Teil der Weisheit liegt darin, dies zu wissen. Ein Teil des Mutes besteht darin, trotzdem weiterzumachen.�</p><p>Rand schob die Stiefel n�her ans Feuer. �Hat Nynaeve dir gesagt, dass sie und die anderen sich mit Cadsuane treffen? Sie machen gerade einen Ausritt.� Oder befanden sich auf dem R�ckweg. Er konnte f�hlen, dass sich Min n�herte. Sie w�rde nicht mehr lange fort sein. Noch immer versetzte sie etwas in gro�e Aufregung, ein Gef�hl, das st�ndig auf und ab schwankte, so als versuchte sie es zu unterdr�cken.</p><p>Lan l�chelte, was ohne Nynaeves Anwesenheit nur selten vorkam. Das L�cheln erreichte allerdings nicht seine Augen. �Sie hat mir verboten, es dir zu sagen, aber da du es bereits wei�t... Sie und Min haben Alivia auf ihre Seite gezogen. Falls es ihnen gelingt, Cadsuanes Interesse zu wecken, wollen sie sie m�glicherweise dir n�her bringen. Sie haben herausgefunden, wo sie wohnt, und sie gebeten, sie zu unterrichten.� Das L�cheln verblasste und lie� ein Gesicht zur�ck, das aus Stein h�tte gemei�elt sein k�nnen. �Meine Frau hat f�r dich ein Opfer gebracht, Schafhirte�, sagte er leise. �Ich hoffe, du wirst das nicht vergessen. Sie will nicht viel dar�ber sagen, aber ich glaube, Cadsuane behandelt sie, als w�re sie noch immer eine Aufgenommene oder gar eine Novizin. Du wei�t, wie schwer das f�r Nynaeve zu ertragen w�re.�</p><p>�Cadsuane behandelt alle und jeden, als w�ren sie Novizen�, murmelte Rand. Hochmut? Licht, wie sollte er nur mit dieser Frau umgehen? Und doch musste er einen Weg finden. Sie sa�en schweigend da und starrten ins Feuer, bis ihre nach vorn geschobenen Stiefelsohlen zu qualmen anfingen.</p><p>Der Bund warnte ihn, und er wandte den Kopf in genau dem Augenblick, als Nynaeve in der T�r zum Stallhof erschien, gefolgt von Min und Alivia; sie sch�ttelten den Regen von ihren Umh�ngen, richteten die Reitr�cke und bedachten die feuchten Stellen mit einer Grimasse, als h�tten sie erwartet, bei diesem Wetter ausreiten zu k�nnen, ohne nass zu werden. Wie gew�hnlich trug Nynaeve ihr juwelenbesetztes <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> G�rtel und Halskette, Armreife und Ringe und das seltsame <emphasis>Angreal,</emphasis> das sich aus Armreifen und Ring zusammensetzte.</p><p>Min machte sich noch immer zurecht, als sie zu Rand hin�berschaute und l�chelte; nat�rlich war sie kein bisschen �berrascht, ihn dort zu sehen. W�rme floss wie eine Liebkosung durch den Bund, obwohl sie noch immer versuchte, ihre Aufregung zu unterdr�cken. Die anderen beiden Frauen brauchten l�nger, um Lan und ihn zu bemerken, aber als sie es taten, �bergaben sie die Umh�nge einem der Diener, damit dieser sie nach oben in ihre Zimmer brachte, dann setzten sie sich zu den beiden M�nnern am Kamin und streckten ihre H�nde der W�rme entgegen.</p><p>�Und, hat der Ausritt im Regen mit Cadsuane Spa� gemacht?�, fragte Rand und hob den Becher, um einen Schluck von dem s��en Wein zu nehmen. Min riss den Kopf zu ihm herum, und kurz blitzte Schuld in dem Bund auf, aber ihr Gesicht verk�ndete lupenreine Emp�rung. Um ein Haar h�tte er sich verschluckt. Wieso war es <emphasis>sein</emphasis> Fehler, wenn sie sich hinter seinem R�cken mit Cadsuane traf? �H�r auf, Lan so b�se anzustarren, Nynaeve�, sagte er, als er wieder sprechen konnte. �Verin hat es mir gesagt.� Nynaeve richtete den Blick nun auf ihn und er sch�ttelte den Kopf. Frauen behaupteten oft, dass es � was auch immer �es� war � ausnahmslos die Schuld eines Mannes war, aber manchmal schienen Frauen tats�chlich daran zu glauben! �Ich entschuldige mich f�r das, was auch immer du meinetwegen von ihr erdulden musstest�, fuhr er fort, �aber das wird nicht l�nger n�tig sein. Ich habe sie gebeten, meine Beraterin zu werden. Das hei�t, ich habe Verin gebeten, ihr zu sagen, dass ich sie darum bitten will. Heute Abend. Mit etwas Gl�ck wird sie morgen mit uns abreisen.� Er hatte mit Ausrufen �berraschter Erleichterung gerechnet, aber die bekam er nicht.</p><p>�Eine erstaunliche Frau, diese Cadsuane�, sagte Alivia und schob ihr von wei�en B�ndern gehaltenes blondes Haar zurecht. Die Stimme mit dem dichten Akzent klang beeindruckt. �Eine strenge Lehrerin, sie wei� zu unterrichten.�</p><p>�Manchmal siehst du ja den Wald, Wollkopf, wenn man dich an der Nase zu ihm f�hrt�, sagte Min und verschr�nkte die Arme unter den Br�sten. Der Bund �bertrug Zustimmung, aber er glaubte nicht, dass sie daf�r war, weil er die Suche nach den Renegaten aufgegeben hatte. �Vergiss nicht, sie will eine Entschuldigung f�r Cairhien. Denk einfach, sie sei deine Tante, die sich nichts bieten l�sst, und dann wirst du gro�artig mit ihr zurechtkommen.�</p><p>�Cadsuane ist nicht so schlimm, wie es den Anschein hat.� Nynaeve schaute die anderen Frauen stirnrunzelnd an, und ihre Hand zuckte nach dem Zopf, der �ber ihrer Schulter lag, dabei hatten die anderen sie blo� angesehen. �Ist sie auch nicht! Wir werden unsere ... Differenzen mit der Zeit schon kl�ren. Das ist alles, was n�tig ist. Etwas Zeit.�</p><p>Rand wechselte einen Blick mit Lan, der kaum merklich mit den Schultern zuckte und einen Schluck trank. Rand atmete langsam aus. Nynaeve hatte Meinungsverschiedenheiten mit Cadsuane, die sie mit der Zeit beilegen w�rde, Min sah in der Frau eine strenge Tante und Alivia eine strenge Lehrerin. So wie er Nynaeve kannte, w�rde bei den beiden die Fetzen fliegen, bis die Sache bereinigt war, und mit den anderen beiden Vorstellungen wollte er nun wirklich nichts zu tun haben. Aber ihm blieb nichts anderes �brig. Er nahm noch einen Schluck Wein.</p><p>Die M�nner an den Tischen sa�en nicht nahe genug, um ihnen zuh�ren zu k�nnen, trotzdem senkte Nynaeve ihre Stimme und beugte sich Rand entgegen. �Cadsuane hat mir gezeigt, wozu zwei meiner <emphasis>Ter'angreale</emphasis> in der Lage sind�, fl�sterte sie, und in ihren Augen funkelte es aufgeregt. �Ich wette, dass dieser Schmuck, den sie da tr�gt, ebenfalls <emphasis>Ter'angreale</emphasis> sind. Sie hat meine sofort erkannt, als sie sie ber�hrte.� L�chelnd ber�hrte Nynaeve mit dem Daumen einen von den drei Ringen an ihrer rechten Hand, den mit dem hellgr�nen Stein. �Ich wusste, dass man mit dem hier aus drei Meilen Entfernung erkennen kann, ob jemand <emphasis>Saidar</emphasis> ber�hrt, aber sie sagt, er w�rde auch <emphasis>Saidin</emphasis> aufsp�ren. Sie ist auch davon �berzeugt, dass er mir die Richtung zeigen m�sste, aber wir konnten nicht herausfinden, wie das gehen soll.�</p><p>Alivia wandte sich vom Feuer ab und gab ein lautes Schnauben von sich, senkte aber ebenfalls die Stimme. �Und Ihr wart zufrieden, als sie es nicht schaffte. Ich habe es Euch am Gesicht angesehen. Wie k�nnt Ihr damit zufrieden sein, etwas nicht zu wissen?�</p><p>�Nur, dass <emphasis>sie</emphasis> etwas nicht wei߫, murmelte Nynaeve und warf der gr��eren Frau einen finsteren Blick zu, aber schon im n�chsten Augenblick war ihr L�cheln wieder da. �Das wichtigste aber ist das hier, Rand.� Ihre H�nde legten sich auf den schmalen, juwelenbesetzten G�rtel um ihre Taille. �Sie nannte es eine �Quelle�.� Er zuckte zusammen, als etwas sein Gesicht ber�hrte, und sie kicherte. Ausgerechnet Nynaeve kicherte! �Es <emphasis>ist</emphasis> eine Quelle�, lachte sie hinter vorgehaltener Hand, �oder zumindest ein Fass! Und es ist voller <emphasis>Saidar!</emphasis> Zwar nicht sehr viel, aber um es aufzuf�llen, muss ich nur durch sie hindurch <emphasis>Saidar</emphasis> umarmen, so als w�re es ein <emphasis>Angreal.</emphasis> Ist das nicht wunderbar?�</p><p>�Wunderbar�, sagte er ohne gro�e Begeisterung. Also trug Cadsuane st�ndig <emphasis>Ter'angreale</emphasis> in ihrem Haar, und aller Wahrscheinlichkeit nach eine dieser �Quellen�, da sie sie sonst nicht erkannt h�tte. Licht, er war immer davon �berzeugt gewesen, dass niemals jemand zwei <emphasis>Ter'angreale</emphasis> mit gleicher Funktion gefunden hatte. Sie am Abend zu treffen w�re auch ohne das Wissen, dass sie selbst an diesem Ort die Macht lenken konnte, schlimm genug gewesen.</p><p>Er wollte Min fragen, ob sie ihn begleitete, als Frau Keene herbeieilte; der wei�e Haarknoten auf ihrem Kopf war so fest gezogen, dass es den Anschein hatte, als wollte sie sich die Haut vom Gesicht ziehen. Sie schenkte Rand und Lan einen missbilligenden Blick und sch�rzte die Lippen, als w�rde sie dar�ber nachdenken, was sie wohl angestellt hatten. Er hatte beobachtet, dass sie die Kaufleute, die in dem Gasthaus logierten, mit dem gleichen Blick bedachte. W�ren die Unterk�nfte nicht so bequem und das Essen so gut gewesen, h�tte sie vermutlich �berhaupt keine Kunden gehabt.</p><p>�Frau Farshaw, das hier wurde heute Morgen f�r Euren Mann abgegeben�, sagte sie und gab Min einen Brief, der mit einem unordentlichen roten Wachsklumpen versiegelt war. Das spitze Kinn der Wirtin hob sich. �Au�erdem hat sich eine Frau nach ihm erkundigt.�</p><p>�Verin�, sagte Rand schnell, um Fragen zuvorzukommen und die Frau loszuwerden. Wer wusste, dass man ihm an diese Adresse einen Brief schicken konnte? Cadsuane? Einer der Asha'man, die sie begleiteten? Vielleicht eine der anderen Schwestern? Er sah das zusammengefaltete St�ck Papier in Mins Hand stirnrunzelnd an und wartete ungeduldig darauf, dass die Wirtin verschwand.</p><p>Mins Lippen zuckten, und sie bem�hte sich so krampfhaft, ihn nicht anzusehen, dass er wusste, dass er der Ausl�ser f�r dieses L�cheln war. Ihre Belustigung tr�pfelte durch den Bund. �Danke, Frau Keene. Verin ist eine Freundin.�</p><p>Das spitze Kinn ging noch weiter in die H�he. �Wenn Ihr mich fragt, Frau Farshaw, wenn man einen h�bschen Mann hat, muss man auch auf seine Freunde ein Auge haben.�</p><p>Als Min beobachtete, wie die Frau in Richtung des roten Torbogens ging, funkelte in ihren Augen die Heiterkeit, die durch den Bund floss, und ihre Lippen k�mpften darum, nicht einfach drauflos zu lachen. Statt Rand die Botschaft zu geben, erbrach sie das Siegel mit dem Daumen und entfaltete den Brief selbst, so als wollte sie der Welt zeigen, dass auch sie eine Bewohnerin dieser verr�ckten Stadt war.</p><p>Sie runzelte leicht die Stirn, w�hrend sie las, aber ein kurzes Aufflackern im Bund war die einzige Warnung, die Rand erhielt. Sie zerkn�llte das Blatt und wandte sich dem Kamin zu; er sprang von der Bank auf und riss ihr gerade noch rechtzeitig den Brief aus der Hand, bevor sie ihn in die Flammen werfen konnte.</p><p>�Sei kein Narr�, sagte sie und griff nach seinem Handgelenk. Sie starrte zu ihm hoch; in ihren gro�en dunklen Augen lag t�dlicher Ernst. Der Bund �bermittelte nur grimmige Intensit�t. �Bitte sei kein Narr.�</p><p>�Ich habe Verin versprochen, keiner zu sein�, sagte er, aber Min l�chelte nicht.</p><p>Er gl�ttete den Brief auf seiner Brust. Die spinnenartige Handschrift war ihm unbekannt, es gab keine Unterschrift.</p><p>Ich wei�, wer Ihr seid, und ich w�nsche Euch alles Gute, aber ich w�nsche auch, dass Ihr Far Madding verlasst. Der Wiedergeborene Drache hinterl�sst nur Tod und Zerst�rung. Ich wei� auch, warum Ihr hier seid. Ihr habt Rochaid get�tet und Kisman ist auch tot. Torval und Gedwyn haben die R�ume �ber einem Schuster namens Zeram in der Blaue-Karpfen-Stra�e gemietet, direkt oberhalb vom Illian-Tor. T�tet sie und geht, und lasst Far Madding in Ruhe.</p><p>Die Uhr im Frauenraum schlug die volle Stunde. Bevor er Cadsuane treffen musste, blieben ihm noch viele Stunden lang Tageslicht.</p></section><section><title><p>33</p><p>In der Blaue-Karpfen-Stra�e</p></title><p>Min sa� im Schneidersitz auf dem Bett, eine Position, die im Reitgewand nicht ganz so bequem war wie in Hosen, und lie� eines ihrer Messer �ber die Oberseite ihrer Finger rollen. Thom hatte ihr gesagt, es sei eine v�llig nutzlose Fertigkeit, aber manchmal erregte man damit die Aufmerksamkeit der Leute, ohne zu anderen Ma�nahmen greifen zu m�ssen. In der Mitte des Raums hielt Rand sein in der Scheide steckendes Schwert in die H�he, um die Schnitte zu mustern, die er in den Friedensbund gemacht hatte, und ignorierte sie dabei v�llig. Die Drachenk�pfe auf seinen Handr�cken glitzerten metallisch rot und golden.</p><p>�Du hast zugegeben, dass es eine Falle ist�, fauchte sie ihn an. �Lan gibt es zu. Eine blinde Ziege in Seleisin hat mehr Verstand, als in eine Falle zu laufen! �Nur Narren k�ssen Hornissen oder bei�en ins Feuer!��, zitierte sie.</p><p>�Eine Falle ist keine Falle mehr, wenn man wei�, dass es eine ist�, sagte er gedankenverloren und bog ein Ende eines der durchtrennten Dr�hte ein St�ck zurecht, damit er besser zu seinem Gegenst�ck passte. �Wenn man wei�, dass es eine Falle ist, dann findet man vielleicht einen Weg, in sie hineinzugehen, ohne dass sie zuschnappt.�</p><p>Sie warf das Messer so hart, wie sie nur konnte. Es flog an seinem Gesicht vorbei und blieb zitternd in der T�r stecken. Sie zuckte leicht zusammen, als ihr einfiel, wann sie dies das letzte Mal getan hatte. Nun, jetzt lag sie nicht auf ihm, und Cadsuane w�rde leider auch nicht eintreten. Sollte der Mann doch zu Asche verbrennen, das vor K�lte erstarrte B�ndel aus Gef�hlen in ihrem Kopf war nicht einmal erzittert, als das Messer vorbeiraste, es war nicht mal �berrascht gewesen! �Selbst wenn du Gedwyn und Orval dort findest, wei�t du doch genau, dass die anderen in einem Versteck lauern werden. Licht, sie k�nnten dort f�nfzig S�ldner versteckt haben!�</p><p>�In Far Madding?� Er hielt in seiner T�tigkeit inne und betrachtete das in der T�r steckende Messer, aber nur, um dann den Kopf zu sch�tteln und sich wieder dem Friedensbund zuzuwenden. �Min, ich bezweifle, dass man in der ganzen Stadt zwei S�ldner finden d�rfte. Glaube mir, ich will dort nicht umgebracht werden. Falls ich keine M�glichkeit finde, die Falle auszul�sen, ohne dabei erwischt zu werden, werde ich nicht in ihre N�he gehen.� In ihm war nicht mehr Furcht als in einem Stein! Und genauso viel Verstand! Er wollte nicht umgebracht werden! Als wenn jemand das je gewollt h�tte!</p><p>Sie kroch vom Bett und �ffnete die T�r des Nachtschr�nkchens lange genug, um die Peitsche herauszuholen, die Frau Keene dort deponiert hatte, wie sie es in allen Zimmern tat, selbst wenn sie sie an Ausl�nder vermietete. Das Ding war so lang wie ihr Arm und so breit wie ihre Hand, mit einem Holzgriff an dem einen Ende und drei einzelnen Riemen am anderen. �Vielleicht sollte ich das hier mal bei dir benutzen, um deine Nase so frei zu machen, dass du riechen kannst, was sich vor dir befindet!�, rief sie.</p><p>Das war der Augenblick, in dem Nynaeve, Lan und Alivia eintraten. Nynaeve und Lan waren in Umh�nge geh�llt, au�erdem trug Lan sein Schwert an der H�fte. Nynaeve hatte s�mtlichen Schmuck abgelegt bis auf einen mit Juwelen besetzten Armreif und den juwelenbesetzten G�rtel, der die Quelle darstellte. Lan schloss leise die T�r. Nynaeve und Alivia starrten Min an, die die Peitsche �ber den Kopf erhoben hielt.</p><p>Hastig warf sie das Ding auf den gebl�mten Teppich und trat es unters Bett. �Ich verstehe nicht, warum du Lan das erlaubst, Nynaeve�, sagte sie so entschlossen, wie sie konnte. Was in diesem Moment nicht besonders entschlossen war. Warum mussten andere Leute auch <emphasis>immer</emphasis> im ung�nstigsten Augenblick hereinkommen?</p><p>�Manchmal muss eine Schwester dem Urteil ihres Beh�ters vertrauen�, sagte Nynaeve k�hl und zog die Handschuhe an. Nach den Gef�hlen zu urteilen, die sich auf ihrem Antlitz spiegelten, h�tte sie genauso gut eine Porzellanpuppe sein k�nnen. Oh, sie war bis zu den Zehenn�geln eine Aes Sedai.</p><p><emphasis>Er ist nicht dein Beh�ter, er ist dein Ehemann,</emphasis><emphasis>wollte Min sagen,</emphasis><emphasis>und du kannst wenigstens mitgehen und auf ihn aufpassen. Ich wei� nicht, ob mein Beh�ter mich</emphasis><emphasis>jemals</emphasis><emphasis>heiraten wird, und</emphasis><emphasis>er</emphasis><emphasis>hat gedroht, mich zu fesseln, falls ich den Versuch unternehme mitzukommen!</emphasis> Nicht, dass sie lange �ber diesen Punkt diskutiert hatte. Wenn er sich wie ein Narr benehmen wollte, gab es bessere M�glichkeiten, ihn zu retten, als jemanden erstechen zu wollen.</p><p>�Wenn wir das tun wollen, Schafhirte�, sagte Lan grimmig, �dann sollten wir es tun, solange es noch hell ist.� Seine blauen Augen blickten k�lter als je zuvor und waren so hart wie polierte Steine. Nynaeve warf ihm einen besorgten Blick zu, der Min beinahe Mitleid f�r sie versp�ren lie�. Beinahe.</p><p>Rand g�rtete das Schwert �ber seinen Mantel und warf sich dann den Umhang um, lie� die Kapuze aber auf dem R�cken h�ngen. Dann wandte er sich ihr zu. Sein Gesicht war so hart wie das von Lan, seine blaugrauen Augen blickten beinahe genauso kalt, aber in dem gefrorenen Stein in ihrem Kopf pulsierten Adern aus Gold. Sie wollte die H�nde in dem schwarz gef�rbten Haar versenken, das beinahe seine Schultern ber�hrte, und ihn ohne R�cksicht auf etwaige Zuschauer k�ssen. Stattdessen verschr�nkte sie die Arme unter den Br�sten, hob das Kinn und brachte ihre Missbilligung deutlich zum Ausdruck.</p><p>Auch sie wollte nicht, dass er dort starb, und sie w�rde nicht zulassen, dass er den Eindruck gewann, sie w�rde nachgeben, nur weil er stur war.</p><p>Er versuchte nicht, sie in den Arm zu nehmen. Er nickte, als w�rde er sie tats�chlich verstehen, und nahm die Handschuhe von dem kleinen Tisch neben der T�r. �Ich bin zur�ck, so schnell ich kann, Min. Dann besuchen wir Cadsuane.� Jene goldenen Adern gl�hten noch, als er den Raum gefolgt von Lan verlassen hatte.</p><p>Nynaeve blieb an der T�r noch einmal stehen. �Ich passe auf die beiden auf, Min. Alivia, bitte bleibt bei ihr und achtet darauf, dass sie nichts Dummes anstellt.� Sie war k�hl und erhaben, die Haltung einer Aes Sedai. Bis sie in den Korridor rauschte. �Da soll man sie doch verbrennen!�, stie� sie hervor. �Sie gehen!� Und sie rannte los und lie� die T�r halb offen stehen.</p><p>Alivia schloss sie. �Sollen wir etwas spielen, um uns die Zeit zu vertreiben, Min?� Sie setzte sich auf den Stuhl vor dem Kamin und holte ein St�ck Bindfaden aus der G�rteltasche. �Das Fadenspiel?�</p><p>�Nein danke, Alivia.� Min sch�ttelte beinahe den Kopf �ber den Eifer der Frau. Rand mochte die Taten, die in Zukunft von Alivias zu erwarten waren, ja willf�hrig akzeptieren, aber sie hatte sich vorgenommen, die Frau kennen zu lernen, und das, was sie herausgefunden hatte, hatte sie �berrascht. Oberfl�chlich gesehen schien die ehemalige <emphasis>Damane</emphasis> eine reife Frau in mittleren Jahren zu sein, streng und wild und sogar einsch�chternd. Sie sch�chterte sogar Nynaeve ein. Nynaeve sagte nur selten �bitte� zu jemandem, aber bei Alivia machte sie eine Ausnahme. Aber man hatte sie mit vierzehn zur <emphasis>Damane</emphasis> gemacht, und ihre Liebe zu Kinderspielen war nicht das Einzige, das seltsam an ihr war.</p><p>Min w�nschte sich, es h�tte eine Uhr in dem Raum gegeben, obwohl das einzige Gasthaus mit einer Uhr in jedem Zimmer vermutlich eine Unterkunft f�r K�nige und K�niginnen gewesen w�re. Unter Alivias aufmerksamen Blicken ging sie auf und ab, z�hlte im Geist die Sekunden und versuchte abzusch�tzen, wie lange es dauern w�rde, bis Rand und die anderen au�er Sichtweite des Gasthauses sein w�rden. Als sie zu dem Schluss kam, dass genug Zeit vergangen war, nahm sie den Umhang von der Garderobe.</p><p>Alivia st�rmte zur T�r und versperrte sie mit in die H�ften gestemmten F�usten und ihr Ausdruck hatte nichts Kindliches an sich. �Ihr werdet ihnen nicht nachgehen�, sagte sie entschlossen. �Das w�rde alles nur noch schwieriger machen und das kann ich nicht zulassen.� Mit den blauen Augen und dem goldfarbenen Haar stimmten die Farben zwar nicht, aber sie erinnerte Min an ihre Tante Rana, die immer zu wissen schien, wann man etwas falsch gemacht hatte und die immer daf�r sorgte, dass man es nicht noch einmal tun wollte.</p><p>�Erinnert Ihr Euch an unsere Unterhaltungen �ber M�nner?�, wollte Min wissen. Alivias Wangen f�rbten sich blutrot. �Ich meine die, in denen es darum ging, dass sie nicht immer mit ihrem Verstand denken!�, beeilte sie sich hinzuzuf�gen. Sie hatte oft geh�rt, wie sich Frauen h�hnisch dar�ber �u�erten, dass andere Frauen nichts �ber M�nner wussten, aber ihr war nie so jemand begegnet, bis sie Alivia kennen gelernt hatte. Die wusste wirklich nichts! �Rand wird sich auch ohne mich in Schwierigkeiten bringen. Ich <emphasis>werde</emphasis> zu Cadsuane gehen und wenn Ihr mich aufhalten wollt...� Sie hob die geballte Faust.</p><p>Alivia sah sie einen langen Augenblick mit gerunzelter Stirn an. Schlie�lich sagte sie: �Lasst mich meinen Umhang holen, dann begleite ich Euch.�</p><p>In der Blaue-Karpfen-Stra�e waren weder S�nften noch livrierte Diener zu sehen, und Kutschen h�tten niemals durch die schmale, gewundene Gasse gepasst. Rechts und links erhoben sich mit Schieferd�chern gedeckte L�den und H�user aus Stein, die gr��tenteils zwei Stockwerke hoch waren; manchmal grenzten sie direkt aneinander, aber manchmal verliefen auch kleine Durchg�nge dazwischen. Der B�rgersteig war noch immer rutschig vom Regen, und der kalte Wind wollte Rand den Umhang stehlen, aber es waren Leute unterwegs. Drei Stra�enh�ter, von denen einer einen Fangstab auf der Schulter trug, blieben stehen und musterten Rands Schwert, gingen dann aber weiter. Nicht weit entfernt erhoben sich auf der anderen Stra�enseite die drei Stockwerke � wenn man den Dachboden unter dem Spitzdach nicht mitz�hlte �des Hauses, in dem sich der Laden des Schusters Zeram befand.</p><p>Ein d�rrer Mann mit einem fliehenden Kinn warf Rands M�nze in einen Geldbeutel und nahm einen d�nnen Holzstab, um einen Fleischkuchen mit brauner Kruste von dem Holzkohlengrill auf seinem Karren zu heben. Sein Gesicht war faltig, sein dunkler Mantel sch�big, und sein langes graues Haar war mit einem Lederriemen zusammengebunden. Er schaute auf Rands Schwert und sah schnell wieder weg. �Warum erkundigt Ihr Euch nach dem Schuster? Das hier ist bestes Hammelfleisch.� Sein Grinsen zeigte viele Z�hne und lie� sein Kinn beinahe ganz verschwinden und pl�tzlich sah sein Blick sehr verschlagen aus. �Nicht mal die Erste Ratsherrin isst besser.�</p><p><emphasis>Als ich ein Junge war, nannte man Fleischkuchen Pasteten,</emphasis> murmelte Lews Therin. <emphasis>Wir kauften sie auf dem Land und...</emphasis></p><p>Rand balancierte den Kuchen von einer Hand auf die andere, da sich die Hitze durch die Handschuhe fra�, und senkte die Stimme. �Ich m�chte gern wissen, was f�r ein Mann meine Stiefel macht. Misstraut er zum Beispiel Fremden? Ein Mann macht seine Arbeit nicht mit vollem Einsatz, wenn er einem misstraut.�</p><p>�Aber gewiss doch, gn�dige Frau�, sagte der kinnlose Bursche und senkte vor einer st�mmigen grauhaarigen Frau den Kopf. Er wickelte vier Fleischkuchen in festes Papier und reichte ihr das P�ckchen, bevor er ihre M�nzen entgegennahm. �Eine Ehre. M�ge das Licht auf Euch scheinen.� Sie ging ohne ein Wort und schob das P�ckchen unter den Umhang, und er schenkte ihrem R�cken eine m�rrische Grimasse, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder Rand zuwandte. �Zeram kennt kein Misstrauen, und wenn er welches h�tte, dann h�tte ihm Milsa das schon l�ngst ausgetrieben. Milsa ist seine Frau. Seit das letzte der Kinder geheiratet hat, vermietet Milsa die oberste Etage. Das hei�t, wenn sie jemanden findet, den es nicht st�rt, in der Nacht eingesperrt zu sein.� Er lachte. �Milsa hat eine Treppe direkt bis zur dritten Etage einbauen lassen, also hat man seine Privatsph�re, aber sie wollte nicht auch noch f�r eine neue T�r bezahlen, also enden die Stufen im Laden, und sie hat nicht genug Vertrauen, um den nachts unverschlossen zu lassen. Wollt Ihr den Kuchen essen oder nur anschauen?�</p><p>Rand nahm einen schnellen Bissen, wischte sich hei�es Fett vom Kinn und ging hin�ber zu dem Schutz, den die �berh�ngende Dachrinne eines kleines Messerladens bot. �berall auf der Stra�e kauften Leute den H�ndlern schnelle Mahlzeiten ab, Fleischkuchen oder Bratfisch und zusammengedrehte Papiert�ten mit ger�steten Erbsen. Drei oder vier der M�nner waren so gro� wie er, und zwei oder drei der Frauen waren so gro� wie die meisten der M�nner, sie h�tten glatt Aiel sein k�nnen. Vielleicht war der kinnlose Bursche gar nicht so verschlagen, wie er wirkte, vielleicht lag es auch nur daran, dass Rand seit dem Fr�hst�ck nichts gegessen hatte, aber er entdeckte, dass er den Kuchen am liebsten heruntergeschlungen und noch einen gekauft h�tte. Stattdessen zwang er sich dazu, ihn langsam zu essen. Zerams Gesch�ft schien zu florieren. Ein st�ndiger Strom von M�nnern betrat den Laden, die meisten trugen ein Paar Stiefel, das geflickt werden musste. Selbst wenn er Besucher hinaufgehen lie�, ohne sie vorher anzuk�ndigen, w�rde er sie sp�ter beschreiben k�nnen, und ein paar andere w�rden es auch.</p><p>Falls die Renegaten die oberste Etage von der Schusterfrau gemietet hatten, w�rde es ihnen nicht viel ausmachen, nachts eingesperrt zu sein. An der S�dseite trennte eine Gasse das Haus des Schusters von dem einst�ckigen Nachbarhaus, ein gef�hrlicher Sprung in die Tiefe, aber auf der anderen Seite grenzte ein zweist�ckiges Geb�ude mit einer Schneiderei im Erdgeschoss. Zerams Haus besa� nur an der Vorderseite Fenster � hinten gab es nur eine weitere Gasse f�r die M�llentsorgung; das hatte Rand schon �berpr�ft �, aber es musste einen Weg auf das Dach geben, um falls n�tig die Schieferpfannen reparieren zu k�nnen. Von dort w�rde es nur ein kurzer Sprung auf das Dach der Schneiderei sein, danach musste man nur noch drei weitere D�cher �berqueren, bevor man zu einem weiteren niedrigen Geb�ude kam, dem Laden eines Kerzenmachers, von dem aus man leicht auf die Stra�e oder in die Gasse hinter den Geb�uden gelangen konnte. Das w�rde in der Nacht kein gro�es Risiko darstellen, nicht einmal im hellen Tageslicht, wenn man sich von der Stra�e fern hielt und auf die Patrouillen der Stra�enh�ter achtete, wenn man hinuntersprang. So wie die BlaueKarpfen-Stra�e verlief, waren die n�chsten Wacht�rme au�er Sicht.</p><p>Zwei M�nner n�herten sich dem Schuster, und Rand drehte sich schnell um, schaute in das kleine Schaufenster des Messerladens und tat so, als w�rde er die auf einem Brett befestigten Scheren und Messer betrachten. Einer der M�nner war gro�, wenn auch nicht ganz so gro� wie ein Aiel. Tiefe Kapuzen verbargen ihre Gesichter, aber keiner von ihnen trug ein Paar Stiefel, und obwohl sie die Umh�nge mit beiden H�nden festhielten, riss der Wind die S�ume weit genug in die H�he, um Schwertscheiden sichtbar werden zu lassen. Eine B�e zog dem kleineren Mann die Kapuze vom Kopf; er riss sie sofort zur�ck, aber der Schaden war angerichtet. Charl Gedwyn hatte angefangen, sein Haar im Nacken mit einer Silberspange mit einem gro�en roten Edelstein zusammenzuhalten, aber er war noch immer ein finster dreinblickender Mann, der etwas Herausforderndes an sich hatte. Bei dem anderen Mann konnte es sich demzufolge nur um Torval handeln, da w�re Rand jede Wette eingegangen. Keiner der anderen war so gro�.</p><p>Rand wartete, bis die beiden Zerams Laden betreten hatten, leckte ein paar fettige Kr�mel vom Handschuh und machte sich auf die Suche nach Lan und Nynaeve. Er fand sie, bevor er die gewundene Stra�e weit genug entlanggegangen war, um den Schuster au�er Sicht zu verlieren. Der Kerzenladen, den er als m�glichen Weg von den D�chern herunter ausgemacht hatte, befand sich jetzt zusammen mit einer Seitengasse ein St�ck hinter ihm. Voraus bog die Stra�e in die andere Richtung ab. Keine f�nfzig Schritte weiter stand ein Wachturm, auf dem ein Stra�enh�ter thronte. Die D�cher waren von hier aus allerdings nicht mehr zu sehen, ein dreist�ckiges Geb�ude mit einer M�beltischlerei, die sich die Seitengasse mit dem Kerzenmacher teilte, verstellte den Blick.</p><p>�Ein halbes Dutzend Leute haben Torval und Gedwyn erkannt�, sagte Lan, �aber keinen der anderen.� Er hielt die Stimme gesenkt, obwohl keiner der Passanten ihnen auch nur einen zweiten Blick schenkte. Der Anblick zweier M�nner, die Schwerter unter den Umh�ngen trugen, reichte aus, um jeden, der es bemerkte, schneller ausschreiten zu lassen.</p><p>�Ein Metzger, der seinen Laden ein St�ck die Stra�e herunter hat, hat gesagt, dass die beiden bei ihm einkaufen�, berichtete Nynaeve, �aber nie f�r mehr als zwei Personen.� Sie warf Lan einen Seitenblick zu, als h�tte sie den endg�ltigen Beweis geliefert.</p><p>�Ich habe sie gesehen�, sagte Rand. �Sie sind gerade reingegangen. Nynaeve, kannst du mich und Lan von der Gasse hinter dem Geb�ude aufs Dach heben?�</p><p>Nynaeve betrachtete Zerams Haus stirnrunzelnd und rieb mit einer Hand den G�rtel um ihre Taille. �Einer nach dem anderen, das m�sste m�glich sein�, sagte sie schlie�lich. �Aber daf�r w�rde man mehr als die H�lfte des Quelleninhalts verbrauchen. Ich w�rde euch nicht wieder herunterholen k�nnen.�</p><p>�Hinauf reicht aus�, sagte Rand. �Wir ziehen uns �ber die D�cher zur�ck und klettern neben dem Kerzenmacher herunter.�</p><p>Nat�rlich protestierte sie, w�hrend sie die Stra�e entlang zu dem Schuster gingen. Nynaeve hatte grunds�tzlich etwas an allem auszusetzen, das nicht ihrem Einfallsreichtum entsprungen war. �Ich soll euch blo� auf das Dach bringen und dann warten?�, murmelte sie und schaute so finster nach rechts und links, dass ihr genauso viele Leute aus dem Weg gingen wie den M�nnern, die sie flankierten, ob sie nun die Schwerter sahen oder nicht. Sie stie� die Hand unter dem Umhang hervor, um den Armreif mit den hellroten Steinen zu zeigen. �Das hier kann mich mit einer R�stung bedecken, die besser als jeder Stahl ist. Ich merke es nicht einmal, wenn mich ein Schwert trifft. <emphasis>Ich glaubte,</emphasis> ich w�rde mit euch reingehen.�</p><p>�Um was zu tun?�, fragte Rand leise. �Um sie mit der Macht festzuhalten, damit wir sie t�ten k�nnen? Um sie selbst zu t�ten?� Sie senkte den Blick und starrte stirnrunzelnd die Pflastersteine an.</p><p>Rand ging an Zerams Laden vorbei, blieb vor dem niedrigen Haus stehen und sah sich so unauff�llig um, wie er konnte. Es waren keine Stra�enh�ter in Sicht, aber er beeilte sich, als er Nynaeve in die schmale Gasse dr�ngte. Bevor er Rochaid gefolgt war, hatte er auch keine Stra�enh�ter gesehen.</p><p>�Du bist sehr still�, sagte Lan.</p><p>Sie machte noch drei Schritte, bevor sie antwortete, ohne langsamer zu werden oder �ber die Schulter zu sehen. �Ich habe zuvor nicht nachgedacht�, sagte sie leise. �Ich habe es f�r ein Abenteuer gehalten, die Konfrontation mit Schattenfreunden, abtr�nnigen Asha'man, aber du gehst da rauf, um sie hinzurichten. Wenn m�glich wirst du sie t�ten, bevor sie dich �berhaupt bemerkt haben, nicht wahr?�</p><p>Rand warf Lan einen Blick �ber die Schulter zu, aber der �ltere Mann sch�ttelte nur verwirrt den Kopf. Nat�rlich w�rden sie sie ohne Vorwarnung t�ten, falls das m�glich war. Das hier war kein Duell; es war eine Hinrichtung, genau wie sie gesagt hatte. Zumindest hoffte Rand, dass es das sein w�rde.</p><p>Die Gasse hinter den Geb�uden war etwas breiter als jene, die zur Stra�e f�hrte; die steinige Erde wurde von den Furchen der M�llkarren durchzogen, die morgens hier entlanggeschoben wurden. Um sie herum erhoben sich nackte Steinmauern. Niemand wollte ein Fenster ha-, ben, um den M�llkarren zuzusehen.</p><p>Nynaeve schaute an Zerams Haus empor, dann seufzte sie pl�tzlich. �T�tet sie im Schlaf, wenn ihr k�nnt�, sagte sie dann sehr leise f�r solch wilde Worte.</p><p>Etwas Unsichtbares wickelte sich unter Rands Armen fest um seine Brust, und er schwebte langsam in die H�he, immer weiter nach oben, bis er �ber die hervorstehende Regenrinne trieb. Der unsichtbare Harnisch verschwand, und seine Stiefel traten kurz ins Leere, bis sie das schr�ge Dach ber�hrten und die feuchten grauen Schieferpfannen ein St�ck hinunterrutschten. Er ging in die Hocke und kroch auf allen vieren wieder hinauf. Ein paar Augenblicke sp�ter schwebte Lan herbei und landete ebenfalls auf dem Dach. Der Beh�ter ging ebenfalls in die Hocke und sp�hte in die Gasse hinunter.</p><p>�Sie ist weg�, sagte Lan schlie�lich. Er drehte sich herum und streckte dann den Arm aus. �Dort ist unser Eingang.�</p><p>Es handelte sich um eine Fallt�r, die ganz in der N�he des Dachfirsts zwischen den Platten eingesetzt und mit einem Schutzblech ausgestattet worden war, um Regenwasser von dem Dachboden fern zu halten, der sichtbar wurde, als man sie anhob. Rand lie� sich in den staubigen Raum hinab, der durch das einfallende Licht etwas erhellt wurde. Einen Augenblick lang hing er dort an den H�nden, dann lie� er los und fiel die letzten paar Fu�. Bis auf einen Stuhl mit drei Beinen und einer ge�ffneten Truhe war der lange Raum vollkommen leer. Anscheinend hatte Zeram aufgeh�rt, den Dachboden als Lagerraum zu benutzen, nachdem seine Frau Mieter aufgenommen hatte.</p><p>Die beiden M�nner bewegten sich vorsichtig und suchten den Boden ab, bis sie eine weitere, diesmal gr��ere Fallt�r fanden. Lan strich �ber die Messingangeln und fl�sterte, sie seien trocken aber nicht verrostet. Rand zog das Schwert und nickte. Lan riss die Fallt�r auf.</p><p>Rand war sich nicht sicher, was er vorfinden w�rde, als er durch die �ffnung in die Tiefe sprang und sich mit einer Hand festhielt, um den Sturz zu kontrollieren. Er landete federnd auf den Fu�ballen in einem Raum, der die Funktion des Dachbodens �bernommen zu haben schien. An den W�nden standen Kommoden und Kleiderschr�nke, Holztruhen'waren aufeinander gestapelt, Tische mit St�hlen beladen. Doch mit den beiden toten M�nnern, die auf dem Boden lagen, als h�tte man sie in den Lagerraum geschleift, hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Die schwarz angeschwollenen Gesichter waren unkenntlich, aber der kleinere der beiden trug eine silberne Haarspange mit einem gro�en roten Edelstein.</p><p>Lan sprang lautlos vom Dachboden, sah die Leichen und hob eine Braue. Das war alles. Ihn konnte nichts �berraschen.</p><p>�Fain ist hier�, fl�sterte Rand. Als w�re das Aussprechen dieses Namens ein Ausl�ser, fingen die beiden Wunden in seiner Seite an zu pochen, die �ltere wie eine Scheibe aus Eis, die neuere wie ein dar�berliegender Riegel aus Feuer. �Er hat den Brief geschickt.�</p><p>Lan deutete mit dem Schwert auf die Fallt�r, aber Rand sch�ttelte den Kopf. Er hatte die Renegaten mit eigenen H�nden t�ten wollen, aber jetzt, da Torval und Gedwyn tot waren � und Kisman mit ziemlicher Sicherheit auch; da war doch die aufgedunsene Leiche gewesen, die der Kaufmann im <emphasis>Goldenen Rad</emphasis> erw�hnt hatte �, jetzt erkannte er, dass es ihm egal war, wer sie get�tet hatte, solange sie nur tot waren. Es spielte keine Rolle, falls ein Fremder Dashiva erledigte. Fain war eine andere Sache. Fain hatte die Zwei Fl�sse mit Trollocs gequ�lt und ihm eine weitere Verletzung beigebracht, die nicht heilen wollte. Falls Fain in Reichweite war, w�rde er ihn nicht entkommen lassen. Er bedeutete Lan, so vorzugehen wie auf dem Dachboden, und stellte sich vor die T�r, das Schwert in beiden H�nden. Als Lan die T�r aufriss, schoss er in einen gro�en, von Lampen erhellten Raum, an dessen gegen�berliegender Wand ein mit einem Baldachin versehenes Bett stand und in dessen Kamin ein Feuer brannte.</p><p>Allein die Schnelligkeit seiner Bewegung rettete ihn. Im Augenwinkel sah er ein Aufblitzen, etwas zog an dem Umhang, der hinter ihm herwehte, und er wirbelte unbeholfen herum, um die Hiebe eines Krummdolches abzuwehren. Jede Bewegung war eine Willensanstrengung. Die Wunden in seiner Seite pochten nicht mehr, sie waren wie zupackende Krallen, geschmolzenes Eisen und die reine Essenz von Eis, die darum k�mpften, ihn aufzurei�en. Lews Therin heulte auf. Die Qual lahmte beinahe jeden von Rands Gedanken.</p><p>�Ich habe euch gesagt, dass er mir geh�rt!�, kreischte der knochige Mann und t�nzelte aus der Reichweite von Rands Hieb. Das wutverzerrte Gesicht mit der gro�en Nase und den abstehenden Ohren lie� ihn wie eine Schreckgestalt aussehen, mit der man Kindern Angst machte, aber in seinen Augen blitzte Mordlust auf. Mit den gefletschten Z�hnen sah er aus wie ein rasendes Wie �sel. Ein tollw�tiges Wiesel, das bereit war, sogar einen Leoparden zu zerfleischen. Mit diesem Dolch konnte er so viele Leoparden t�ten, wie er wollte. �Mir allein!�, kreischte Padan Fain und sprang zur�ck, als Lan in den Raum eilte. �T�te den H�sslichen!�</p><p>Erst als Lan sich von Fain abwandte, registrierte Rand, dass sich noch jemand in dem Raum befand, ein hoch gewachsener blasser Mann, der sich beinahe begierig in Bewegung setzte, um mit dem Beh�ter die Klingen zu kreuzen. Toram Riatins Gesicht war abgezehrt, aber er warf sich mit der Anmut des Klingenmeisters, der er war, in den Tanz der Schwerter. Lan begegnete ihm mit der gleichen Anmut, ein Tanz aus Stahl und Tod begann.</p><p>So �berrascht Rand auch war, den Mann, der versucht hatte, den Thron von Cairhien zu beanspruchen, in einem abgetragenen Mantel in Far Madding zu sehen, hielt er den Blick und sein Schwert doch auf Fain gerichtet. Ein Schattenfreund und Schlimmeres, so hatte ihn einst Moiraine bezeichnet, vor langer Zeit. Der lodernde Schmerz in seiner Seite lie� ihn stolpern, als er auf den einstigen Gaukler vorr�ckte und das Gestampfe der Stiefel und das Klirren aufeinander prallenden Stahls hinter ihm genauso ignorierte wie Lews Thenns St�hnen in seinem Kopf. Fain tanzte umher und wich aus, versuchte nahe genug heranzukommen, um den Dolch einzusetzen, der den niemals heilenden Schnitt in Rands Seite gemacht hatte, und knurrte leise Fl�che, wenn ihn die Schwertklinge zur�ckzwang. Pl�tzlich drehte er sich um und rannte los, auf die R�ckseite des Geb�udes zu.</p><p>Als Fain aus dem Zimmer verschwand, verblasste die uns�gliche Qual, die Rand zusetzte, zu einem stetigen Pochen, aber er folgte ihm trotzdem mit gro�er Vorsicht. An der T�r sah er allerdings, dass Fain sich nicht verstecken wollte. Der Mann wartete auf ihn am Fu� der Treppe, die nach unten f�hrte, den Krummdolch in der Hand. Der gro�e Rubin am Knauf funkelte und fing das Licht der Lampen ein, die in dem fensterlosen Raum auf Tischen standen. Sobald Rand den Raum betreten hatte, w�teten Feuer und Eis in seiner Seite, bis er sp�rte, wie sein Herz erzitterte. Sich aufrecht zu halten kostete eisernen Willen. Jeder Schritt nach vorn lie� diese Anstrengung l�cherlich erscheinen, aber er machte den Schritt, und den n�chsten auch.</p><p>�Ich will, dass er wei�, wer ihn t�tet�, verk�ndete Fain trotzig. Er starrte Rand direkt an, schien aber mit sich selbst zu sprechen. �Ich will, dass er es wei�! Aber wenn er tot ist, wird er nicht l�nger meine Tr�ume heimsuchen. Ja. Dann wird er damit aufh�ren.� Mit einem L�cheln hob er die freie Hand.</p><p>Torval und Gedwyn kamen mit �ber den Armen gelegten Umh�ngen die Treppe herauf.</p><p>�Ich sage, wir n�hern uns ihm nicht, bevor ich wei�, wo die anderen sind�, knurrte Gedwyn. �Der M'Hael wird uns umbringen, wenn wir...�</p><p>Ohne nachzudenken bewegte Rand die Handgelenke, f�hrte die Position �Den Wind schneiden� aus und lie� unmittelbar darauf �Den F�cher entfalten� folgen.</p><p>Das Trugbild der zu neuem Leben erwachten toten M�nner verschwand, und Fain sprang mit einem schrillen Aufschrei zur�ck; Blut str�mte die eine Seite seines Gesichts herunter. Pl�tzlich legte er den Kopf schief, als w�rde er jemandem zuh�ren, und einen Augenblick sp�ter widmete er Rand einen Schrei wortlosen Zorns und floh die Treppe hinunter.</p><p>Verbl�fft setzte sich Rand in Bewegung, um Fain zu folgen, aber Lan griff nach seinem Arm.</p><p>�Die Stra�e f�llt sich mit H�tern, Schafhirte.� Ein feuchter dunkler Fleck beschmutzte die linke Seite von Lans Mantel, aber sein Schwert steckte in der Scheide, der Beweis, wer den Tanz besser getanzt hatte. �Es wird Zeit, aufs Dach zu kommen.�</p><p>�In dieser Stadt kann ein Mann nicht einmal mit einem Schwert durch eine Gasse gehen�, murmelte Rand und schob das Schwert in die Scheide. Lan lachte nicht, aber das tat er ohnehin selten, solange es nicht f�r Nynaeve war. Vielleicht w�rden die Stra�enh�ter Fain gefangen nehmen. Vielleicht w�rde er f�r die hier gefundenen Leichen h�ngen. Es reichte nicht, aber es w�rde reichen m�ssen. Rand war es satt, was alles reichen musste.</p><p>Auf dem Dachboden sprang Lan in die H�he, um die Kante der Fallt�r aufs Dach zu erwischen und sich daran hinaufzuziehen. Rand war sich nicht sicher, ob er den Sprung schaffen w�rde. Der Schmerz war zusammen mit Fain verschwunden, aber seine Seite f�hlte sich an, als h�tte man sie mit Axtsch�ften gepr�gelt. Als er sich zum ersten Versuch bereitmachte, steckte Lan den Kopf durch die Fallt�r und streckte eine Hand aus.</p><p>�Sie kommen vielleicht nicht sofort, Schafhirte, aber gibt es einen Grund, auf sie zu warten?�</p><p>Rand erwischte Lans Hand und lie� sich hinaufziehen, bis er die Kante fassen und allein auf das Dach klettern konnte. Geduckt bewegten sie sich �ber die feuchten Schieferpfannen zur R�ckseite des Geb�udes, dann begannen sie mit dem kurzen Aufstieg zum Dachfirst. M�glicherweise befanden sich Stra�enh�ter auf der Stra�e, aber noch bestand die Chance, ungesehen zu entkommen, vor allem wenn sie Nynaeve ein Zeichen geben konnten, f�r eine Ablenkung zu sorgen.</p><p>Rand griff nach dem Dachfirst und hinter ihm rutschte Lans Stiefel mit einem Quietschen auf dem nassen Schiefer aus. Rand drehte sich herum und packte das Handgelenk des anderen Mannes, aber Lans Gewicht zog ihn die glatte graue Schr�ge hinunter. Vergeblich griffen sie mit ihren freien H�nden nach einem Haltepunkt, der Kante einer Schieferpfanne, irgendetwas. Keiner sagte auch nur ein Wort. Lans Beine verschwanden �ber die Dachkante, dann folgte der Rest von ihm. Rands behandschuhte Finger fanden an etwas Halt; er wusste nicht, was es war, und es war ihm auch egal. Sein Kopf und eine Schulter ragten �ber die Dachkante und Lan baumelte �ber der zehn Fu� tiefer gelegenen Gasse neben dem niedrigen Haus in seinem Griff.</p><p>�Lass los�, sagte Lan leise. Er schaute zu Rand hinauf, seine Augen blickten kalt und hart, sein Gesicht war ausdruckslos. �Lass los.�</p><p>�Wenn sich die Sonne gr�n verf�rbt�, erwiderte Rand. Wenn er ihn nur ein St�ck hochziehen konnte, damit er die Regenrinne erreichen...</p><p>Was auch immer seine Finger erwischt hatten, brach mit einem hellen Schnappen, und die Gasse raste ihnen entgegen.</p></section><section><title><p>34</p><p>Das Geheimnis des Kolibris</p></title><p>Nynaeve versuchte, die Gasse neben dem Kerzenmacher nicht zu offensichtlich zu beobachten, legte das zusammengefaltete St�ck Borte wieder auf das Tablett der H�ndlerin und schob die Hand unter den Umhang, um ihn gegen den Wind geschlossen zu halten. Der Umhang war von besserer Qualit�t als die Gewandung der vorbeigehenden Passanten, doch unscheinbar genug, dass ihr keiner einen zweiten Blick schenkte. Aber das w�rden sie, wenn sie ihren G�rtel sahen. Frauen mit Schmuck kamen nicht in die Blaue-Karpfen-Stra�e oder kauften von Stra�enh�ndlerinnen. Nachdem sie jede der dort ausgelegten Borte angefasst hatte, verzog die schlanke H�ndlerin das Gesicht, aber Nynaeve hatte bereits drei St�cke gekauft, dazu noch zwei Schleifen und ein P�ckchen Nadeln, nur um einen Grund zum Bleiben zu haben. Nadeln konnte man immer gebrauchen, aber sie hatte keine Ahnung, was sie mit dem Rest anstellen sollte.</p><p>Pl�tzlich h�rte sie aus der Richtung des Wachtums einen Aufruhr, den L�rm sich n�hernder Stra�enh�ter. Der H�ter kletterte gerade von seinem Posten herunter. Passanten in der N�he des Wachturms starrten neugierig in die Blaue-Karpfen-Stra�e hinein, dann dr�ngten sie eilig zur Seite, als rennende Stra�enh�ter erschienen und ihre Holzrasseln �ber den K�pfen schwangen. Es handelte sich nicht um eine Patrouille aus zwei oder drei M�nnern, vielmehr fiel eine Flut Gepanzerter in die Blaue-KarpfenStra�e ein, und aus der angrenzenden Stra�e kamen noch mehr hinzu. Leute, die ihnen nicht schnell genug aus dem Weg gingen, wurden zur Seite gesto�en. Ein Mann st�rzte vor ihnen zu Boden. Sie wurden nicht einen Schritt langsamer, als sie �ber ihn hinwegtrampelten.</p><p>Die Bortenverk�uferin warf die H�lfte ihrer Ware vom Tablett, als sie zur Seite sprang, und Nynaeve dr�ckte sich genauso schnell neben der ungl�ubig starrenden Frau gegen die Hausmauer. Die Masse der Stra�enh�ter f�llte die Stra�e, ihre Fangst�be und Kampfst�be ragten wie Piken in die H�he, sie rempelten Nynaeve mit den Schultern an und trieben sie an der H�userwand entlang. Die H�ndlerin schrie auf, als man ihr das Tablett entriss und es verschwand, aber die H�ter starrten alle geradeaus.</p><p>Als der letzte Mann vorbeigerannt war, befand sich Nynaeve gute zehn Schritte tiefer in der Stra�e als zuvor. Die Bortenverk�uferin rief den M�nnern w�tend etwas hinterher und drohte ihnen mit den F�usten. Indigniert zog Nynaeve den verrutschten Umhang zurecht; sie war durchaus geneigt, etwas mehr zu tun als nur zu br�llen. Sie hatte nicht �bel Lust...</p><p>Pl�tzlich stockte ihr der Atem. Die Stra�enh�ter waren stehen geblieben, mindestens hundert Mann br�llten einander an, als w�ssten sie nicht, was jetzt zu tun war. Sie waren vor dem Schusterladen stehen geblieben. O Licht, Lan! Und Rand auch, Rand war immer dabei, aber zuerst kam immer das Herz ihres Herzens, Lan.</p><p>Sie zwang sich zum Weiteratmen. Einhundert Mann. Sie ber�hrte den juwelenbesetzten G�rtel um ihre Taille, die Quelle. Nur noch weniger als die H�lfte des darin gespeicherten <emphasis>Saidar</emphasis> war vorhanden, aber m�glicherweise w�rde das reichen. Es w�rde eben reichen m�ssen, auch wenn sie noch nicht genau wusste, wof�r eigentlich. Sie zog die Kapuze tief in die Stirn und ging auf die M�nner vor dem Schusterladen zu. Niemand sah in ihre Richtung. Sie konnte ...</p><p>H�nde ergriffen sie, zerrten sie zur�ck, wirbelten sie in die entgegengesetzte Richtung.</p><p>Cadsuane hatte ihren einen Arm ergriffen, und Alivia den anderen, und die beiden dr�ngten sie die Stra�e entlang. Fort von dem Schusterladen. Min ging neben Alivia und warf besorgte Blicke �ber die Schulter. Pl�tzlich zuckte sie zusammen. �Er ... Ich glaube, er ist gest�rzt�, fl�sterte sie. �Ich glaube, er ist ohnm�chtig und auch verletzt, ich wei� nur nicht, wie schlimm.�</p><p>�Wir werden ihm hier nicht helfen k�nnen, und uns auch nicht�, sagte Cadsuane beherrscht. Die goldenen Schmuckst�cke, die an der Vorderseite ihres Haarknotens hingen, baumelten im Inneren ihrer Kapuze umher, w�hrend sie den Kopf drehte und die Leute vor ihr musterte. Der Wind lie� sie die tiefe Kapuze mit der Hand festhalten; daf�r bl�hte sich der Umhang hinter ihr auf. �Ich will hier weg sein, bevor einer der Burschen auf die Idee kommt, die Frauen zu bitten, ihre Gesichter zu enth�llen. Jede Aes Sedai, die heute Nachmittag in der N�he der Blaue-Karpfen-Stra�e angetroffen wird, wird Fragen beantworten m�ssen, und das nur wegen diesem Kind!�</p><p>�Lasst mich los!�, fauchte Nynaeve und wehrte sich. Lan. Wenn Rand bewusstlos geschlagen worden war, was war dann mit Lan? �Ich muss zur�ck und ihnen helfen!� Die beiden Frauen zerrten sie mit einem Griff wie aus Eisen weiter. Jedermann, den sie passierten, schaute zu dem Schusterladen her�ber.</p><p>�Ihr habt schon genug getan, Ihr dummes Ding.� Cadsuanes Stimme war so kalt wie Stahl. �Ich <emphasis>habe</emphasis> Euch vor Far Maddings Wachhunden gewarnt. Pfff! Ihr habt den Rat in Panik versetzt, indem Ihr die Macht dort benutzt habt, wo sie <emphasis>niemand</emphasis> benutzen kann. Wenn die Stra�enh�ter sie gefangen genommen haben, dann ist es Eure Schuld.�</p><p>�Ich glaubte, <emphasis>Saidar</emphasis> w�rde keine Rolle spielen�, sagte Nynaeve wenig �berzeugend. �Es war nur eine kleine Menge, und nicht f�r lang. Ich... Ich glaubte, vielleicht w�rden sie es nicht mal bemerken.�</p><p>Cadsuane warf ihr einen ver�chtlichen Blick zu. �Hier entlang, Alivia�, sagte sie und zog Nynaeve um die Ecke mit dem verlassenen Wachturm. Kleine Gruppen aufgeregter Menschen standen �berall herum. Ein Mann gestikulierte wild, als w�rde er einen Fangstab schwingen. Eine Frau zeigte auf den leeren Wachturm und sch�ttelte erstaunt den Kopf.</p><p>�Sag was, Min�, bettelte Nynaeve. �Wir k�nnen sie nicht einfach zur�cklassen.� Sie kam nicht einmal auf den Gedanken, Alivia anzusprechen, deren Gesichtsausdruck Cadsuane verst�ndnisvoll erscheinen lie�.</p><p>�Von mir kannst du kein Mitleid erwarten.� Mins Stimme war fast so kalt wie Cadsuanes. Als sie Nynaeve ansah, war es nur ein Seitenblick, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Stra�e richtete. �Ich habe dich angebettelt, mir zu helfen, sie davon abzuhalten, aber du musstest ja genauso dumm wie sie sein. Jetzt m�ssen wir uns auf Cadsuane verlassen.�</p><p>Nynaeve schnaubte. �Was kann sie schon tun? <emphasis>MUSS</emphasis> ich dich daran erinnern, dass Lan und Rand hinter uns sind und die Entfernung jede Minute gr��er wird?�</p><p>�Der Junge ist nicht der Einzige, der Unterricht in Manieren braucht�, murmelte Cadsuane. �Bis jetzt hat er sich noch nicht einmal bei mir entschuldigt, aber er hat Verin gesagt, er w�rde es tun, und ich sch�tze, damit kann ich im Moment leben. PfffI Der Junge macht mehr �rger als jeder, den ich je kennen gelernt habe. Ich werde tun, was ich kann, M�dchen, was weit mehr ist, als Ihr k�nntet, wenn Ihr versucht, Euch einen Weg durch die Stra�enh�ter hindurch zu bahnen. Von jetzt an werdet Ihr genau das tun, was ich sage, oder ich lasse Alivia sich auf Euch drauf setzen!� Alivia nickte. Min auch!</p><p>Nynaeve verzog das Gesicht. Eigentlich sollte die Frau sich doch <emphasis>ihr</emphasis> unterwerfen! Dennoch, ein Gast der Ersten Ratsherrin konnte mehr erreichen als die einfache Nynaeve al'Meara, selbst wenn sie ihren Gro�en Schlangenring aufsetzte. F�r Lan w�rde sie Cadsuane ertragen.</p><p>Aber als sie sie fragte, wie sie die M�nner befreien wollte, erhielt sie blo� folgende Antwort: �Ich wei� nicht, M�dchen, ob ich �berhaupt etwas tun kann. Aber ich habe dem Jungen Versprechungen gemacht und ich halte meine Versprechen. Ich hoffe, er vergisst das nicht.� In ihrem eisigen Tonfall fl��te es nicht gerade Zuversicht ein.</p><p>Rand erwachte in Dunkelheit und Schmerz, auf dem R�cken liegend. Seine Handschuhe waren verschwunden und er konnte eine raue Pritsche unter sich sp�ren. Sie hatten auch seine Stiefel ausgezogen. Seine Handschuhe waren weg. Sie wussten, wer er war. Er setzte sich vorsichtig auf. Sein Gesicht f�hlte sich verschwollen an, und jeder Muskel seines K�rpers schmerzte, als h�tte man ihn verpr�gelt, aber es schien nichts gebrochen zu sein.</p><p>Er stand langsam auf, ertastete sich einen Weg an der Steinwand neben der Pritsche entlang und kam sofort zu einer Ecke und dann zu einer T�r mit Eisenbeschl�gen. In der Finsternis entdeckten seine Finger eine kleine Klappe, die er aber nicht aufdr�cken konnte. Ihre R�nder lie�en kein Licht herein. Lews Therin fing in seinem Kopf an zu hecheln. Rand ging weiter, ertastete sich den Weg, die Bodenfliesen unter seinen nackten F��en waren kalt. Die n�chste Ecke kam beinahe unmittelbar darauf, dann eine dritte, wo seine Zehen gegen etwas stie�en, das auf dem Steinboden schepperte. Die eine Hand auf die Wand gelegt, b�ckte er sich und entdeckte einen Holzeimer. Er lie� ihn dort stehen und vollendete die Runde bis zur�ck zur Eisent�r. Den ganzen Weg. Er befand sich in einem schwarzen Kasten, der drei Schritte lang und etwas �ber zwei Schritte breit war. Er hob die Hand und entdeckte zwei Handbreit �ber seinem Kopf die Decke.</p><p><emphasis>Eingeschlossen,</emphasis> keuchte Lews Therin heiser. <emphasis>Wieder in der Kiste. Als uns diese Frauen in die Kiste steckten. Wir m�ssen hier raus!</emphasis><emphasis>heulte er auf.</emphasis><emphasis>Wir m�ssen hier raus!</emphasis></p><p>Rand ignorierte die kreischende Stimme in seinem Kopf und wich vor der T�r zur�ck, bis er sich genau in der Mitte der Zelle zu befinden glaubte, dann hockte er sich im Schneidersitz auf den Boden. Er war so weit von den W�nden entfernt, wie das m�glich war, und in der Dunkelheit versuchte er, sie sich noch weiter entfernt vorzustellen, aber es hatte den Anschein, dass er die Arme nicht einmal ganz h�tte auszustrecken brauchen, um den Stein zu ber�hren. Er konnte f�hlen, wie er zitterte, als w�re es der K�rper eines anderen, der da unkontrolliert bebte. Die W�nde schienen direkt neben ihm zu sein, die Decke unmittelbar �ber seinem Kopf. Dagegen musste er ank�mpfen, oder er w�rde so verr�ckt wie Lews Therin sein, wenn endlich jemand kam, um ihn hier herauszulassen. Irgendwann w�rde man ihn herauslassen, und wenn auch nur, um ihm demjenigen zu �bergeben, den Elaida schickte. Wie viele Monate w�rde es dauern, bis eine Botschaft Tar Valon erreichte und Elaidas Abgesandte eintrafen? Falls es Schwestern geben sollte, die sich in der N�he befanden und Elaida treu ergeben waren, w�rde es vielleicht schneller gehen. Entsetzen gesellte sich zu seinem Zittern, als ihm klar wurde, dass er sich w�nschte, dass diese Schwestern in der N�he waren, sich in der Stadt aufhielten, damit sie ihn aus diesem Kasten holen konnten.</p><p>�Ich werde mich nicht ergeben!�, rief er. �Ich werde so hart sein, wie ich sein muss!� In dem engen Raum hallte seine Stimme wie Donnerhall.</p><p>Moraine war gestorben, weil er nicht hart genug gewesen war, um das zu tun, was zu tun gewesen w�re. Ihr Name stand immer ganz oben auf der Liste, die sich in sein Ged�chtnis eingebrannt hatte. Die Frauen, die seinetwegen gestorben waren. Moiraine Damodred. Jeder Name dieser Liste beschwor Qualen herauf, die ihn die k�rperlichen Schmerzen und die steinernen Mauern jenseits seiner Fingerspitzen vergessen lie�en. Colavaere Saighan, die gestorben war, weil er ihr alles genommen hatte, was f�r sie von Wert war. Liah, die Tochter des Speeres der Cosaida Chareen, die von seiner Hand gestorben war, weil sie ihm nach Shadar Logoth gefolgt war. Jendhilion, eine Tochter der Kalten Gipfel Miagoma, die gestorben war, weil sie die Ehre haben wollte, seine T�r zu bewachen. Er musste hart sein! Er beschwor einen Namen nach dem anderen von dieser langen Liste und schmiedete seine Seele geduldig in den Flammen des Schmerzes.</p><p>Die Vorbereitungen hatten l�nger gedauert, als Cadsuane gehofft hatte, vor allem, weil sie einigen Leuten einh�mmern musste, dass eine gro�artige Rettungsmission in der Tradition der Geschichten der fahrenden S�nger nicht infrage kam, darum war die Nacht schon hereingebrochen, als sie die von Lampen erhellten Korridore der Ratsherrinnenhalle entlangging. Gemessenen Schritts, nicht in Eile. War man in Eile, hielten einen die Leute sofort f�r nerv�s und glaubten, dass sie die Oberhand hatten. Wenn sie jemals in ihrem Leben von Anfang an die Oberhand haben musste, dann in dieser Nacht.</p><p>Zu dieser Stunde h�tten die Korridore eigentlich leer sein m�ssen, aber die Geschehnisse des Tages hatten den normalen Lauf der Dinge ver�ndert. �berall eilten Schreiber in blauen M�nteln umher, die manchmal stehen blieben, um ihr Gefolge anzustarren. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatten sie noch nie vier Aes Sedai auf einmal gesehen � sie war nicht bereit, Nynaeve diesen Titel zuzugestehen, bevor sie die Drei Eide abgelegt hatte �, und der heutige Aufruhr d�rfte zu ihrer Verwirrung bei dem Anblick beigetragen haben. Allerdings zogen die drei M�nner, die die Nachhut bildeten, fast genauso viele Blicke auf sich. Vermutlich war den Schreibern die Bedeutung der schwarzen M�ntel oder der Anstecknadeln an den hohen Kragen unbekannt, aber es war sehr unwahrscheinlich, dass sie in diesen G�ngen jemals drei M�nner mit Schwertern gesehen hatten. Aber wie dem auch sei, mit etwas Gl�ck w�rde keiner von ihnen losrennen und Aleis in Kenntnis setzen, wer da kam, um in die geschlossene Ratssitzung hereinzuplatzen. Es war bedauerlich, dass sie die M�nner nicht allein hatte mitnehmen k�nnen, aber selbst Daigian hatte bei diesem Vorschlag R�ckgrat gezeigt. Und noch viel bedauerlicher war, dass ihre s�mtlichen Begleiter nicht die Ruhe und Gelassenheit zeigten, die Merise und die anderen beiden Schwestern an den Tag legten.</p><p>�Das klappt niemals�, murmelte Nynaeve vermutlich das zehnte Mal seit ihrem Aufbrach von den H�hen.�Wir sollten von Anfang an hart zuschlagen!�</p><p>�Wir h�tten schneller sein m�ssen�, murmelte Min finster. �Ich kann f�hlen, wie er sich ver�ndert. Wenn er zuvor ein Stein war, ist er jetzt aus Eisen! Licht, was machen sie blo� mit ihm?� Sie war nur dabei, weil sie eine Verbindung zu dem Jungen darstellte, und sie hatte mit ihren Berichten nicht aufgeh�rt, von denen jeder d�sterer als der vorherige war. Cadsuane hatte ihr nicht gesagt, wie die Zellen aussahen, nicht, nachdem das M�dchen schon zusammengebrochen war, als sie ihr erz�hlt hatte, was die Schwestern, die den Jungen entf�hrt hatten, ihm angetan hatten.</p><p>Cadsuane seufzte. Sie hatte eine zusammengew�rfelte Armee, aber selbst eine provisorische Streitmacht brauchte Disziplin. Vor allem, wenn die Schlacht unmittelbar bevorstand. Es w�re noch schlimmer gewesen, h�tte sie die Meervolk-Frauen nicht gezwungen zur�ckzubleiben. �Wenn es sein muss, kann ich das auch ohne euch beide tun�, sagte sie entschieden. �Nein, Nynaeve, sagt jetzt nichts. Merise oder Corele k�nnen diesen G�rtel genauso gut tragen wie Ihr. Falls ihr Kinder also nicht mit den Klagen aufh�rt, wird Alivia euch auf die H�hen zur�ckbringen und daf�r sorgen, dass ihr etwas habt, wor�ber ihr jammern k�nnt.� Das war der einzige Grund, weshalb sie die seltsame Wilde mitgenommen hatte. Alivia wurde meistens sehr umg�nglich in Gesellschaft von Leuten, die sie nicht niederstarren konnte, aber die beiden Plapperm�uler starrte sie ausgesprochen finster an.</p><p>Wie auf Kommando fuhren die beiden K�pfe zu der Frau mit dem blonden Haar herum und die Plapperm�uler verstummten. Sie hielten den Mund, ohne sich jedoch zu f�gen. Min konnte so lange mit den Z�hnen knirschen, wie sie wollte, aber Nynaeves finsterer Blick st�rte Cadsuane. Das M�dchen war durchaus vielversprechend, aber ihre Ausbildung hatte viel zu fr�h geendet. Ihre Fertigkeiten im Heilen grenzten ans Wunderbare, in allem anderen waren sie bestenfalls trostlos. Und sie hatte nicht die Lektionen erhalten, in denen man erfuhr, was man alles ertragen konnte, ja, sogar ertragen musste. In Wahrheit versp�rte Cadsuane Mitgef�hl mit ihr. Ein bisschen. Das war eine Lektion, die nicht jedermann in der Burg lernen konnte. Ihr war sie von einer fast zahnlosen Wilden auf einem Bauernhof im Herzen der Schwarzen Berge erteilt worden, der sie voller Stolz auf ihre k�rzlich erworbene Stola und ihre Kraft entgegengetreten war. Oh, es war schon eine sehr zusammengew�rfelte kleine Armee, die sie versammelt hatte, um den Versuch zu unternehmen, Far Madding auf den Kopf zu stellen.</p><p>Im Vorzimmer des Ratssaals hielten sich ein paar Schreiber und Boten auf, aber sie waren genau das: Schreiber und Boten. Die Schreiber z�gerten in �bertriebener Verbl�ffung, jeder von ihnen wartete darauf, dass der andere den Anfang machte und etwas sagte, aber die Boten in ihren roten M�nteln, die genau wussten, dass es nicht ihre Aufgabe war, etwas zu sagen, wichen auf den blauen Bodenfliesen zu den Seiten des Zimmers zur�ck. Die Schreiber gaben ihr den Weg frei, keiner traute sich, zuerst die Stimme zu erheben. Trotzdem h�rte sie ein kollektives Aufst�hnen, als sie einen der hohen, mit Hand und Schwert geschm�ckten T�rfl�gel �ffnete.</p><p>Der Ratssaal war nicht gro�. Vier mit Spiegeln versehene Kandelaber reichten aus, um ihn zu erleuchten, und ein gro�er tairenischer Teppich in Rot und Blau und Gold bedeckte fast den ganzen Boden. Ein gro�er Marmorkamin an der einen Seite des Raums leistete gute Arbeit, die Luft zu erw�rmen, auch wenn die Glast�ren, die zum S�ulengang an der Au�enseite des Geb�udes f�hrten, im Nachtwind klapperten, und zwar laut genug, um das Ticken der hohen, vergoldeten illianischen Uhr auf dem Sims zu �bert�nen. Dreizehn geschnitzte und vergoldete St�hle, die beinahe schon Thronsessel darstellten, standen in einem Halbkreis der T�r gegen�ber; sie alle wurden von besorgt dreinblickenden Frauen besetzt.</p><p>Aleis, die am Kopf des Halbkreises sa�, runzelte die Stirn, als sie Cadsuane und ihre kleine Parade sah, die in den Saal str�mte. �Das ist eine geschlossene Sitzung, Aes Sedai�, sagte sie, zugleich f�rmlich und kalt. �Vielleicht bitten wir Euch, uns sp�ter ...�</p><p>�Ihr wisst, wen Ihr da in der Zelle habt�, unterbrach Cadsuane sie.</p><p>Es war keine Frage, aber Aleis versuchte mit Ausfl�chten davonzukommen. �Eine gewisse Anzahl von M�nnern, soweit ich informiert bin. Stadtbekannte Trunkenbolde, diverse Ausl�nder, die man wegen R�ufereien oder Diebstahl festgenommen hat, heute einen Grenzl�nder, der vielleicht drei M�nner ermordet hat. Ich f�hre nicht pers�nlich Buch �ber die Festnahmen, Cadsuane Sedai.� Bei der Erw�hnung des wegen Mordes festgenommenen Mannes holte Nynaeve zischend Luft, und ihre Augen funkelten bedrohlich, aber immerhin hatte das Kind genug Verstand, den Mund zu halten.</p><p>�Also wollt Ihr verbergen, dass Ihr den Wiedergeborenen Drachen gefangen haltet�, sagte Cadsuane ganz ruhig. Sie hatte gehofft, und zwar mit aller Macht, dass Verins m�hevolle Vorarbeit sie davor zur�ckschrecken lassen w�rde. Aber vielleicht konnte man es ja doch noch auf die ganz einfache Weise schaffen. �Ich kann ihn Euch abnehmen. Ich habe im Laufe der Jahre �ber zwanzig M�nnern gegen�bergestanden, welche die Macht lenken konnten. Er macht mir keine Angst.�</p><p>�Wir danken Euch f�r dieses Angebot�, erwiderte Aleis glatt, �aber wir ziehen es vor, zuerst mit Tar Valon Verbindung aufzunehmen.� Um einen Preis zu feilschen, meinte sie. Nun, was sein musste, musste eben sein. �Macht es Euch etwas aus, uns zu verraten, wie Ihr erfahren habt ...�</p><p>Cadsuane unterbrach sie erneut. �Vielleicht h�tte ich es fr�her erw�hnen sollen, aber diese M�nner hinter mir sind Asha'man.�</p><p>Die drei traten vor, genau wie sie instruiert worden waren, und Cadsuane musste zugeben, dass sie ein gef�hrliches Erscheinungsbild boten. Der grauhaarige Damer sah aus wie ein B�r mit Zahnschmerzen, der h�bsche Jahar schien ein dunkler, schlanker Leopard zu sein, und Ebens starrer Blick erschien besonders unheilvoll, kam er doch aus einem so jugendlichen Gesicht. Sie hatten durchaus Wirkung auf den Rat. Ein paar der Frauen rutschten auf ihren St�hlen umher, als wollten sie mit ihnen zur�ckweichen, aber Cyprien stand der Mund offen, was bei ihren hervorstehenden Z�hnen sehr unvorteilhaft aussah. Sybaine, deren Haar so grau wie Cadsuanes war, sackte auf ihrem Stuhl zusammen und fing an, sich mit der schlanken Hand Luft zuzuwedeln, w�hrend sich Cumeres Mund verzog, als musste sie sich �bergeben.</p><p>Aleis war aus h�rterem Holz geschnitzt, obwohl sie beide H�nde gegen den Leib dr�ckte. �Ich habe Euch bereits gesagt, dass Asha'man gerngesehene Besucher sind, solange sie sich an die Gesetze halten. Wir f�rchten die Asha'man nicht, Cadsuane, obwohl ich sagen muss, dass es mich �berrascht, welche in Eurer Begleitung zu sehen. Vor allem Angesichts des Angebots, das Ihr gerade gemacht habt.�</p><p>Also war sie jetzt nur noch Cadsuane, wie? Trotzdem bedauerte sie die Notwendigkeit, Aleis zu brechen. Sie regierte Far Madding gut, aber von dieser Nacht w�rde sie sich m�glicherweise niemals wieder erholen. �Habt Ihr vergessen, was heute sonst noch passiert ist, Aleis? Jemand hat in der Stadt die Macht gelenkt.� Wieder rutschten die Ratsherrinnen herum und auf mehr als nur einer Stirn zeigten sich besorgte Falten.</p><p>�Eine Abweichung.� Die k�hle Beherrschung war aus Aleis' Stimme verschwunden und durch Wut ersetzt worden, und vielleicht auch durch einen Hauch von Furcht. Ihre Augen glitzerten dunkel. �Vielleicht haben sich die W�chterinnen geirrt. Keiner der Befragten hat etwas beobachtet, das einen Hinweis darauf geben...�</p><p>�Selbst das, was wir f�r vollkommen halten, kann Fehler haben, Aleis.� Cadsuane griff nach ihrer eigenen Quelle und nahm eine genau berechnete Menge <emphasis>Saidar</emphasis> in sich auf. Sie hatte �bung darin, der kleine goldene Kolibri konnte nicht ann�hernd so viel davon speichern wie Nynaeves G�rtel. �Fehler k�nnen unbemerkt jahrhundertelang verborgen bleiben, bevor man sie bemerkt.� Das Gewebe aus Luft, das sie wob, reichte gerade dazu aus, das juwelenbesetzte Diadem von Aleis' Kopf zu heben und auf dem Teppich vor den F��en der Frau abzusetzen. �Sobald man sie jedoch entdeckt hat, findet sie anscheinend jeder, der danach sucht, ebenfalls.�</p><p>Dreizehn schockierte Blicke starrten das Diadem an. Die Ratsherrinnen schienen wie erstarrt zu sein und hielten den Atem an.</p><p>�Weniger ein Fehler als ein Scheunentor, wenn Ihr mich fragt�, verk�ndete Damer. �Ich finde, auf Eurem Kopf sieht es h�bscher aus.�</p><p>Der Glanz der Macht h�llte pl�tzlich Nynaeve ein, und das Diadem flog auf Aleis zu und wurde im letzten Augenblick langsamer, so dass es �ber ihrem bleichen Gesicht zur Ruhe kam, statt ihr den Kopf aufzuschlagen. Das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> verschwand jedoch nicht um das M�dchen. Nun, sollte sie doch ihre Quelle leeren.</p><p>�Wird ...?� Aleis schluckte, aber als sie fortfuhr, brach ihre Stimme. �Wird es ausreichen, wenn wir ihn in Eure Obhut �bergeben?� Ob sie Cadsuane oder die Asha'man meinte, blieb unklar, vielleicht wusste sie es selbst nicht.</p><p>�Ich glaube, das wird es�, sagte Cadsuane ruhig, und Aleis sackte zusammen wie eine Puppe, der man die F�den durchtrennt hatte. So schockiert die anderen Ratsherrinnen �ber die Zurschaustellung der Macht auch waren, tauschten sie dennoch fragende Blicke aus. Blicke, die sich auch auf Aleis richteten, Entschlossenheit trat in Gesichter, man nickte sich zu. Cadsuane holte tief Luft. Sie hatte dem Jungen versprochen, dass alles, was sie tun w�rde, zu seinem Nutzen geschah, nicht zum Nutzen der Burg und auch von niemand anderen, und jetzt hatte sie eine gute Frau zu seinem Nutzen gebrochen. �Es tut mir sehr Leid, Aleis�, sagte sie. Und dachte: <emphasis>Die Schuld auf deinem Konto wird jetzt schon immer gr��er, Junge.</emphasis></p></section><section><title><p>35</p><p>Mit den Choedan Kai</p></title><p>Rand ritt ohne zur�ckzublicken �ber die breite Steinbr�cke, die vom Caemlyn-Tor nach Norden f�hrte. Die Sonne war eine blasse goldene Scheibe, die gerade an einem wolkenlosen Himmel aufgegangen war, aber die Luft war kalt genug, um seinen Atem in Nebel zu verwandeln, und die Winde vom See lie�en seinen Umhang flattern. Aber er f�hlte die K�lte nicht, es sei denn als etwas Fernes, das eigentlich nichts mit ihm zu tun hatte. Ihm war k�lter, als der Winter jemals h�tte bewirken k�nnen. Die W�chter, die in der Nacht gekommen waren, um ihn aus der Zelle zu holen, waren �berrascht gewesen, ihn mit einem kleinen L�cheln vorzufinden. Er zeigte es noch immer, eine leichte Kr�mmung seiner Lippen. Nynaeve hatte mit dem letzten Rest <emphasis>Saidar</emphasis> ihres G�rtel seine Prellungen Geheilt, doch der behelmte Offizier, der am Fu� der Br�cke die Stra�e betrat, ein st�mmiger Mann mit derben Gesichtsz�gen, zuckte bei seinem Anblick zusammen, so als w�re sein Gesicht noch immer geschwollen und blau angelaufen.</p><p>Cadsuane beugte sich auf ihrem Sattel herunter, um mit dem Offizier ein paar leise Worte zu wechseln und ihm ein zusammengefaltetes Papier zu geben. Er sah sie stirnrunzelnd an und fing an zu lesen, dann riss er den Kopf hoch, um die M�nner und Frauen, die geduldig hinter ihr auf ihren Pferden warteten, erstaunt anzustarren. Er fing erneut oben auf der Seite an, las und bewegte dabei lautlos die Lippen, als wollte er sich eines jeden Wortes vergewissern. Unterzeichnet und besiegelt von allen dreizehn Ratsherrinnen besagte der Befehl, dass weder die Friedensbunde �berpr�ft noch die Packpferde durchsucht werden sollten. Die Namen aller sollten in den B�chern unkenntlich gemacht und der Befehl selbst verbrannt werden. Sie waren niemals nach Far Madding gekommen. Keine Aes Sedai, keine Atha'an Miere, keiner von ihnen.</p><p>�Es ist vorbei, Rand�, sagte Min sanft und lenkte ihren kr�ftigen Braunen n�her an seinen grauen Wallach heran, obwohl sie schon so nahe bei ihm geblieben war wie Nynaeve bei Lan. Lans Prellungen und ein gebrochener Arm waren geheilt worden, bevor sie sich Rand zugewandt hatte. Mins Gesicht spiegelte die Sorge wider, die durch den Bund str�mte. Sie �berlie� ihren Umhang dem Wind und t�tschelte seinen Arm. <emphasis>�Du</emphasis> musst nicht l�nger dar�ber nachdenken.�</p><p>�Ich bin Far Madding dankbar, Min.� Seine Stimme war ausdruckslos, distanziert, genau wie damals, wenn er in den fr�hen Tagen nach <emphasis>Saidin</emphasis> gegriffen hatte. Er h�tte sie gern f�r sie gew�rmt, aber das schien jenseits seiner M�glichkeiten zu liegen. �Ich habe dort gefunden, was ich gebraucht habe.� Falls ein Schwert ein Erinnerungsverm�gen hatte, w�rde es dem Schmiedefeuer vielleicht dankbar sein, sich aber niemals gern daran erinnern. Als man sie durchwinkte, lie� er den Grauen auf den Weg und hinauf in die H�gel gehen, und er sah sich nicht einmal um, bis die B�ume jeden Blick auf die Stadt verbargen.</p><p>Die Stra�e stieg in die H�he und wand sich durch die bewaldeten, winterlichen H�gel, auf denen nur die Kiefern und der Zwerglorbeer gr�n und die meisten �ste kahl und grau waren, und pl�tzlich war die Quelle wieder da und wartete scheinbar direkt neben seinem Augenwinkel. Sie pulsierte und lockte und f�llte ihn mit einem Hunger, als st�nde er kurz vor dem Verhungern. Gedankenlos griff er danach und f�llte die Leere in sich mit <emphasis>Saidin,</emphasis> und es war eine Lawine aus Feuer und ein Sturm aus Eis, und alles wurde von dem schmutzigen Makel durchdrungen, der die gr��ere Wunde in seiner Seite schw�ren lie�. Er schwankte im Sattel, als sich in seinem Kopf alles drehte, und sein Magen verkrampfte sich, noch w�hrend er versuchte, die Lawine abzureiten, die seinen Verstand verbrennen, und auf den Ausl�ufern des Sturms zu gleiten, der seine Seele zerfetzen wollte. In der m�nnlichen H�lfte der Macht gab es weder Vergeben noch Mitleid. Ein Mann k�mpfte gegen sie an oder starb. Er konnte f�hlen, wie sich die drei Asha'man hinter ihm ebenfalls f�llten, <emphasis>Saidin</emphasis> tranken wie M�nner, die gerade aus der W�ste kamen und Wasser gefunden hatten. In seinem Kopf seufzte Lews Therin vor Erleichterung.</p><p>Min z�gelte ihr Pferd so nahe neben ihm, dass sich ihre Beine ber�hrten. �Alles in Ordnung?�, fragte sie besorgt. �Du siehst krank aus.�</p><p>�Mir geht es gut�, sagte er zu ihr, und die L�ge betraf nicht nur seinen Magen. Er war Stahl und zu seiner �berraschung noch immer nicht hart genug. Er hatte sie nach Caemlyn schicken wollen, mit Alivia als Besch�tzerin. Falls die Frau mit den goldenen Haaren ihm beim Sterben helfen w�rde, musste er ihr vertrauen k�nnen. Er hatte sich seine Worte zurechtgelegt, aber nach einem Blick in Mins dunkle Augen war er nicht hart genug, sie von seiner Zunge formen zu lassen. Er lenkte den Grauen zwischen kahle B�ume und sagte �ber die Schulter gerichtet zu Cadsuane: �Das hier ist der Ort.�</p><p>Nat�rlich folgte sie ihm. Das taten sie alle. Harine hatte ihn kaum lange genug aus den Augen gelassen, um ein paar Stunden zu schlafen. Er h�tte sie zur�ckgelassen, aber zu diesem Thema hatte Cadsuane ihm ihren ersten <emphasis>Rat gegeben.</emphasis><emphasis>Ihr habt mit ihnen einen Handel abgeschlossen, mein Junge, das ist dasselbe, als h�ttet Ihr einen Vertrag unterzeichnet. Oder Euer Wort gegeben. Haltet es oder sagt ihnen, dass Ihr es brecht. Sonst seid Ihr nichts anderes als ein Dieb.</emphasis></p><p>Barsch, auf den Punkt gebracht und in einem Tonfall, der keinen Zweifel �ber ihre Meinung zu Dieben aufkommen lie�. Er hatte nie versprochen, ihren Rat auch zu befolgen, aber sie hatte zu lange gez�gert, ihm �berhaupt als seine Ratgeberin zur Seite zu stehen, als dass er es riskieren wollte, sie so schnell wieder zu vertreiben, also ritten die Herrin der Wogen und die beiden anderen vom Meervolk mit Alivia, vor Verin und den anderen f�nf Aes Sedai, die ihm die Treue geschworen hatten, und den vieren, die Cadsuanes Begleiterinnen waren. Sie w�rde ihn noch eher verlassen als ihre Anf�hrerin, davon war er �berzeugt, vielleicht sogar noch schneller.</p><p>F�r die Augen eines jeden anderen war der Ort, an dem er vor der Einreise in Far Madding gegraben hatte, durch nichts zu erkennen. Er sah jedoch einen schmalen Lichtstrahl, der wie Laternenlicht durch die feuchte Erde des Waldbodens in die H�he wuchs. Selbst ein Mann, der die Macht lenken konnte, h�tte durch diesen Strahl hindurchgehen k�nnen, ohne ihn zu bemerken. Er machte sich nicht die M�he abzusteigen. Mit Str�ngen aus Luft riss er die dicke Schicht aus verfaulenden Bl�ttern und Zweigen beiseite und schaufelte feuchte Erde heraus, bis er ein langes, schmales, von Lederschn�ren zusammengehaltenes B�ndel freigelegt hatte. Erdklumpen hingen an dem Tuch, als er <emphasis>Callandor</emphasis> in seine Hand schweben lie�. Er hatte nicht gewagt, es nach Far Madding mitzunehmen. Ohne Scheide h�tte er es am Br�ckentor zur�cklassen m�ssen, eine gef�hrliche Flagge, die nur darauf wartete, seine Anwesenheit zu verk�nden. Es war unwahrscheinlich, dass man in der ganzen Welt ein weiteres Schwert aus Kristall finden w�rde, und zu viele Leute wussten, dass der Wiedergeborene Drache eins besa�. Und da er es hier zur�ckgelassen hatte, war er in der finsteren, feuchten, engen Steinkiste unter der ... Nein. Das war vorbei. Vorbei. Lews Therin hechelte in den Schatten seines Verstandes.</p><p>Er schob <emphasis>Callandor</emphasis> unter den Sattelgurt und lenkte den Grauen herum, bis er den anderen gegen�berstand. Der eisige Wind lie� die Pferde die Schweife eng an die K�rper gedr�ckt halten, aber gelegentlich stampfte eines mit dem Huf auf oder warf den Kopf nach oben; nach der langen Zeit der Unt�tigkeit im Stall warteten sie ungeduldig darauf, sich wieder bewegen zu k�nnen. Wegen den mit Juwelen verzierten <emphasis>Ter'angrealen,</emphasis> die Nynaeve trug, sah die Ledertasche, die an ihrer Schulter hing, ganz unauff�llig aus. Jetzt, da die Zeit nahe war, strich sie �ber die ausgebeulte Tasche, ohne sich �berhaupt bewusst zu sein, was sie da eigentlich tat. Sie versuchte ihre Furcht zu verbergen, aber ihr Kinn zitterte. Cadsuane sah ihn unbewegt an. Die Kapuze war ihr auf den R�cken gefallen, und manchmal versetzte ein etwas st�rkerer Windsto� die goldenen Fische und V�gel und Sterne und Monde in Bewegung, die von ihrem Haarknoten baumelten.</p><p>�Ich werde die m�nnliche H�lfte der Quelle vom Makel befreien�, verk�ndete er.</p><p>Die drei Asha'man, die nun wie die anderen Beh�ter einfache dunkle M�ntel und Umh�nge trugen, tauschten aufgeregte Blicke, aber die Aes Sedai erschauderten. Nesune stie� ein Keuchen aus, das f�r die schlanke, vo �gel�hnliche Schwester viel zu laut erschien.</p><p>Cadsuanes Gesichtsausdruck ver�nderte sich um keinen Deut. �Damit?�, sagte sie und wies mit einer skeptisch hochgezogenen Braue auf das B�ndel unter seinem Bein.</p><p>�Mit den Choedan Kai�, erwiderte er. Dieser Name war ein weiteres Geschenk von Lews Therin, der in Rands Verstand nistete, als w�re er schon immer dort gewesen. �Ihr kennt sie als gewaltige Statuen, <emphasis>Sa'angreale,</emphasis> von denen die eine in Cairhien und die andere in Tremalking vergraben ist.� Als die Insel des Meervolks erw�hnt wurde, riss Harine den Kopf hoch und die goldenen Medaillons ihrer Nasenkette klirrten leise. �Sie sind zu gro�, um ohne weiteres bewegt werden zu k�nnen, aber ich besitze zwei <emphasis>Ter'angreale,</emphasis> die man Zugangsschl�ssel nennt. Damit kann man die Choedan Kai von jedem Ort der Welt anzapfen.�</p><p><emphasis>Gef�hrlich,</emphasis> st�hnte Lews Therin. <emphasis>Wahnsinn.</emphasis> Rand beachtete ihn nicht. Im Augenblick spielte einzig und allein Cadsuane eine Rolle.</p><p>Ihr Brauner wackelte mit einem Ohr und damit schien er begeisterungsf�higer zu sein als seine Reiterin. �Eines dieser <emphasis>Sa angreale</emphasis> ist f�r eine Frau gemacht�, sagte sie k�hl. �Wer soll es Eurer Meinung nach benutzen? Oder erlauben Euch diese Schl�ssel, aus beiden Kraft zu ziehen?�</p><p>�Nynaeve wird mit mir eine Verkn�pfung eingehen.� Er hatte genug Vertrauen zu Nynaeve, um mit ihr eine Verkn�pfung einzugehen, aber auch zu niemandem anderen. Sie war eine Aes Sedai, aber sie war die Seherin von Emondsfelde gewesen; er musste ihr vertrauen. Sie l�chelte ihn an und nickte entschieden; ihr Kinn hatte aufgeh�rt zu zittern. �Versucht nicht, mich davon abzuhalten, Cadsuane.� Sie sagte nichts, sondern musterte ihn blo�, ihre dunklen Augen wogen ab und urteilten.</p><p>�Verzeiht mir, Cadsuane�, brach Kumira das Schweigen, trieb ihren Schecken mit den Fersen an und ritt nach vorn. �Junger Mann, habt Ihr die M�glichkeit eines Fehlschlags bedacht? Habt Ihr �ber die <emphasis>Konsequenzen</emphasis> eines Fehlschlags nachgedacht?�</p><p>�Ich muss dieselbe Frage stellen�, sagte Nesune scharf. Sie sa� kerzengerade im Sattel und sie erwiderte Rands Blick offen. �Nach allem, was ich gelesen habe, kann der Versuch, diese <emphasis>Sa'angreale</emphasis> zu benutzen, in einer Katastrophe enden. Zusammen k�nnten sie stark genug sein, um die Welt wie ein H�hnerei aufzuschlagen.�</p><p><emphasis>Wie ein H�hnerei!,</emphasis> stimmte Lews Therin zu. <emphasis>Sie sind nie getestet worden, nie benutzt. Das ist Wahnsinn!,</emphasis> kreischte er. <emphasis>Du bist wahnsinnig! Wahnsinnig!</emphasis></p><p>�Wie ich letztens erfahren habe�, sagte Rand zu den Schwestern, �hat ein Asha'man von f�nfzig den Verstand verloren und musste wie ein tollw�tiger Hund get�tet werden. Mittlerweile werden es mehr sein. Es besteht ein Risiko, dies zu tun, aber es gibt nur m�glicherweise und vielleicht. Wenn ich es nicht versuche, steht eines mit Sicherheit fest: Immer mehr M�nner werden dem Wahnsinn verfallen, vielleicht Dutzende, vielleicht wir alle, und fr�her oder sp�ter werden es zu viele sein, um sie alle t�ten zu k�nnen. M�chtet ihr gern auf die Letzte Schlacht warten, w�hrend hundert wahnsinnige Asha'man umherziehen, oder zweihundert oder gar f�nfhundert? Und ich bin dann vielleicht einer von ihnen? Wie lange wird die Welt das �berstehen?� Er sprach zu den beiden Braunen Schwestern, beobachtete dabei aber Cadsuane. Der Blick ihrer fast schwarzen Augen wich keinen Moment von ihm. Er brauchte sie in seiner N�he, aber wenn sie versuchte, es ihm auszureden, w�rde er ihren Rat ablehnen, ganz egal, welche Konsequenzen sich daraus ergaben. Und wenn sie versuchte, ihn aufzuhalten...? In seinem Inneren w�tete <emphasis>Saidin.</emphasis></p><p>�Wollt Ihr es hier machen?�, fragte sie.</p><p>�In Shadar Logoth�, erwiderte er, und sie nickte.</p><p>�Ein passender Ort�, sagte sie, �wenn wir schon riskieren, die Welt zu zerst�ren.�</p><p>Lews Therin schrie, ein leiser werdendes Heulen, das durch Rands Sch�del hallte, w�hrend die Stimme in die Tiefen der Dunkelheit floh. Doch es gab keinen Ort, an dem man sich verstecken konnte. Keinen Ort der Sicherheit.</p><p>Das Wegetor, das er wob, �ffnete sich nicht in der Ruinenstadt Shadar Logoth, sondern auf einem d�nn bewaldeten, unregelm��ig geformten H�gel ein paar Meilen weiter n�rdlich, wo die Hufe der Pferde auf steinige Erde traten, die das Wachstum der blattlosen B�ume gehemmt hatte, und in unregelm��igen Abst�nden kleine Schneeh�ufen lagen. Als Rand abstieg, fiel sein Blick auf den Ort, den man einst Aridhol genannt hatte und der jenseits der Baumwipfel undeutlich zu sehen war; T�rme, die abrupt in Steintr�mmern endeten, und wei�e zwiebeif�rmige Kuppeln, die ein ganzes Dorf h�tten beherbergen k�nnen, w�ren sie unversehrt gewesen. Er schaute nicht lange hin. Trotz des kalten Morgenhimmels schafften es die blassen Kuppeln nicht, so zu funkeln, wie sie es eigentlich h�tten tun sollen; es war, als w�rde ein Schatten auf den sich ausbreitenden Ruinen liegen. Selbst in dieser Entfernung zur Stadt hatte die zweite niemals heilende Wunde in seiner Seite angefangen, leicht zu pochen. Der Schnitt von Padan Fains Dolch, dem Dolch aus Shadar Logoth, pochte nicht im gleichen Pulsschlag wie die gr��ere Wunde, �ber die er quer hinwegverlief, sondern vielmehr genau gegens�tzlich, so dass sie einen abwechselnden Rhythmus bildeten.</p><p>Genau wie zu erwarten gewesen war, �bernahm Cadsuane das Kommando und gab br�ske Befehle. Auf die eine oder andere Weise taten Aes Sedai dies doch immer, wenn sich ihnen dazu auch nur die geringste Gelegenheit bot, und Rand versuchte nicht, sie daran zu hindern. Lan, Nethan und Bassane ritten in den Wald hinunter, um ihn zu durchsuchen, und die anderen Beh�ter beeilten sich, die Pferde an niedrigen �sten festzubinden. Min stellte sich in ihre Steigb�gel und zog Rands Kopf heran, so dass sie seine Augen k�ssen konnte. Ohne ein Wort zu verlieren gesellte sie sich dann zu den M�nnern mit den Pferden. Ihre Liebe zu ihm brandete durch den Bund, er �bermittelte Zuversicht und ein Vertrauen, das so allesumfassend war, dass er ihr erstaunt hinterher starrte.</p><p>Eben kam, um Rands Pferd zu nehmen, und er grinste von einem Ohr zum anderen. Zusammen mit seiner Nase schienen diese Ohren noch die H�lfte seines Gesichts auszumachen, aber er war mittlerweile eher ein schlanker Junge als ein t�lpelhafter. �Es wird wunderbar sein, die Macht ohne den Makel lenken zu k�nnen, mein Lord Drache�, sagte er aufgeregt. Rand sch�tzte Eben auf siebzehn Jahre, aber er klang viel j�nger. �Wenn ich dar�ber nachdenke, m�chte ich mich am liebsten �bergeben.� Als er den Grauen wegbrachte, grinste er noch immer.</p><p>Die Macht tobte in Rand, und der Schmutz, der das reine Leben <emphasis>Saidins</emphasis> befleckte, sickerte in ihn hinein, widerw�rtige Tunnel, die Wahnsinn und Tod bringen w�rden.</p><p>Cadsuane versammelte die Aes Sedai um sich und Alivia und die Windsucherinnen des Meervolks ebenfalls. Harine maulte lauthals dar�ber, dass sie ausgeschlossen wurde, bis ein ausgestreckter Finger Cadsuanes sie �ber den H�gel schreiten lie�. Moad, der seinen seltsamen blauen Steppmantel trug, setzte Harine auf einen Felsblock und redete beruhigend auf sie ein, obwohl sich seine Blicke manchmal auf die sie umgebenden B�ume richteten, und dann legte er immer die Hand auf den langen Elfenbeingriff seines Schwertes. Jahar kam von den Pferden und wickelte <emphasis>Callandor</emphasis> aus. Das Kristallschwert mit seinem langen, durchsichtigen Griff und der leicht gekr�mmten Klinge funkelte im schwachen Sonnenlicht. Nach einer ungeduldigen Geste Merises beschleunigte er seine Schritte und gesellte sich zu ihr. Damer befand sich ebenfalls in dieser Gruppe, genau wie Eben. Cadsuane hatte nicht darum gebeten, <emphasis>Callandor</emphasis> benutzen zu d�rfen. Aber man konnte sie gew�hren lassen. F�r den Augenblick jedenfalls.</p><p>�Diese Frau k�nnte die Geduld eines Steins auf die Probe stellen!�, murmelte Nynaeve und kam neben Rand zu stehen. Mit der einen Hand hielt sie den Riemen der Ledertasche fest, w�hrend die andere genauso fest um den dicken Zopf geschlossen war, der aus ihrer Kapuze herausragte. �In den Pfuhl des Verderbens mit ihr, sage ich! Bist du sicher, dass sich Min nicht wenigstens dieses eine Mal geirrt hat? Nun, ich sch�tze, wohl nicht. Trotzdem...! Wirst du wohl aufh�ren, so zu l�cheln? Du w�rdest eine Katze nerv�s machen!�</p><p>�Eigentlich k�nnten wir genauso gut anfangen�, sagte er zu ihr, und sie blinzelte.</p><p>�Sollten wir nicht auf Cadsuane warten?� Niemand w�re auf die Idee gekommen, dass sie sich noch einen Augenblick zuvor �ber die Aes Sedai beschwert hatte. Wenn �berhaupt h�rte sie sich an, als wollte sie sie auf keinen Fall ver�rgern.</p><p>�Sie wird tun, was sie tun wird, Nynaeve. Mit deiner Hilfe werde ich das tun, was ich tun muss.�</p><p>Sie z�gerte noch immer, dr�ckte die Tasche an die Brust und warf besorgte Blicke zu den Frauen, die sich um Cadsuane versammelt hatten. Alivia verlie� die Gruppe und eilte �ber den absch�ssigen Boden auf sie zu; sie hielt den Umhang mit beiden H�nden geschlossen.</p><p>�Cadsuane sagt, ich muss die <emphasis>Ter'angreale</emphasis> haben, Nynaeve�, sagte sie mit ihrem breiten seanchanischen Akzent. �Jetzt streitet nicht, dazu ist keine Zeit. Au�erdem werdet Ihr nichts damit anfangen k�nnen, wenn Ihr mit ihm verkn�pft seid.�</p><p>Diesmal konnte man den Blick, den Nynaeve den Frauen um Cadsuane zuwarf, beinahe m�rderisch nennen, sie murmelte etwas, nahm aber Ringe und Armreife ab und gab Alivia auch den mit Juwelen verzierten G�rtel und die Halskette. Einen Augenblick sp�ter seufzte sie und l�ste das seltsame Armband, das mit flachen Kettchen mit den Fingerringen verbunden war. �Die k�nnt Ihr dann genauso gut auch nehmen. Ich sch�tze, ich brauche kein <emphasis>Angreal,</emphasis> wenn ich das m�chtigste <emphasis>Sa'angreal</emphasis> benutze, das je erschaffen wurde. Aber ich will alle zur�ckhaben, verstanden?�, sagte sie wild.</p><p>�Ich bin keine Diebin�, erwiderte die Frau mit den Falkenaugen affektiert und schob die vier Ringe auf die Finger ihrer linken Hand. Seltsamerweise passte das <emphasis>Angreal,</emphasis> das den Eindruck erweckte, eigens f�r Nynaeve hergestellt worden sein, auch genauso m�helos an ihre viel gr��ere Hand. Die beiden Frauen starrten das Ding an.</p><p>Ihm wurde bewusst, dass keiner von ihnen die M�glichkeit in Betracht zog, dass er versagen k�nnte. Er w�nschte sich, er k�nnte so sicher wie sie sein. Aber was getan werden musste, musste getan werden.</p><p>�Willst du den ganzen Tag warten, Rand?�, fragte Nynaeve, als Alivia wieder zu Cadsuane ging, und zwar noch schneller, als sie gekommen war. Nynaeve zog den Umhang zurecht, setzte sich auf einen grauen Felsbrocken von der Gr��e einer kleinen Bank, zog die Tasche auf den Scho� und schlug die Lederklappe zur�ck.</p><p>Rand setzte sich ihr mit untergeschlagenen Beinen gegen�ber auf den Boden, w�hrend sie die beiden Zugangsschl�ssel hervorholte, zwei glatte wei�e Statuen von jeweils einem Fu� H�he, von denen jede eine durchsichtige Kugel in einer erhobenen Hand hielt. Sie gab ihm die Figur eines b�rtigen Mannes in einem langen Gewand. Die Frau mit dem langen Gewand stellte sie neben ihren F��en auf den Boden. Die Gesichter der Figuren waren heiter, stark und von der Weisheit des Alters gepr�gt.</p><p>�Du musst dich an den Punkt begeben, an dem du kurz davor stehst, die Quelle zu umarmen�, erkl�rte sie ihm und gl�ttete R�cke, die nicht gegl�ttet werden mussten. �Dann kann ich mit dir eine Verkn�pfung eingehen.�</p><p>Mit einem Seufzen stellte Rand den B�rtigen ab und lie� <emphasis>Saidin</emphasis> los. Das w�tende Feuer und das Eis verschwanden und mit ihnen die Widerlichkeit der Verunreinigung, die so glatt wie schmieriges Fett war. Aber mit ihnen schien auch das Leben zu schwinden und lie� die Welt blass und trostlos werden. Er st�tzte die H�nde auf den Boden, um sich gegen die �belkeit zu wappnen, die in dem Moment, in dem er die Quelle erneut ergriff, zuschlagen w�rde, aber pl�tzlich lie� ein anderes Schwindelgef�hl die Welt sich drehen. Einen Herzschlag lang f�llte ein undeutliches Gesicht seine Gedanken und verdr�ngte Nynaeve, das Gesicht eines Mannes, das beinahe erkennbar war. Licht, falls das je geschah, wenn er gerade <emphasis>Saidin</emphasis> ergriff ... Nynaeve beugte sich besorgt zu ihm herunter.</p><p>�Jetzt�, sagte er und griff durch den B�rtigen hindurch nach der Quelle, ohne sie festzuhalten. Er wollte vor Schmerzen br�llen, als lodernde Flammen ihn zu verbrennen schienen, w�hrend zugleich rasende Sturmwinde gefrorene Sandk�rner �ber seine Haut peitschten. Nynaeve holte schnell tief Luft, wie er sehen konnte, darum wusste er, dass es nur einen winzigen Augenblick lang andauerte, doch es erschien ihm wie Stunden, bevor ...</p><p><emphasis>Saidin</emphasis> str�mte durch ihn hindurch, mit seiner ganzen lava�hnlichen Wut, dem atemraubenden Eis, seiner ganzen F�ulnis, und er konnte nicht einmal einen haarfeinen Strom kontrollieren. Er sah, wie der Strom aus ihm in Nynaeve hineinfloss. Das Gef�hl, wie es in seinem Inneren brodelte, die t�ckischen Str�mungen und der tr�gerische Untergrund, die ihn in einem Herzschlag zerst�ren konnten � es war eine Qual, dies alles f�hlen zu m�ssen, ohne dagegen ank�mpfen oder es kontrollieren zu k�nnen. Pl�tzlich wurde ihm klar, dass er sich ihr bewusst war, so wie er sich Min bewusst war, aber er konnte blo� an <emphasis>Saidin</emphasis> denken, das ihn unkontrolliert durchstr�mte.</p><p>Sie holte stockend Atem. �Wie kannst du <emphasis>das</emphasis> ertragen...?�, stie� sie heiser hervor. �Das ganze Chaos und die Wut und den Tod. Licht! Pass auf, du musst jetzt mit aller Kraft versuchen, die Str�me zu kontrollieren, w�hrend ich...� Er tat, was sie ihm befohlen hatte, in dem verzweifelten Bem�hen, sein Gleichgewicht in dem niemals endenden Krieg mit <emphasis>Saidin</emphasis> zu finden, und sie schrie auf und zuckte zusammen. �Du solltest doch warten, bis ich...�, fing sie w�tend an, um dann mit gereizter Stimme fortzufahren. �Nun, wenigstens bin ich es los.</p><p>Was schaust du mich mit so gro�en Augen an? Ich bin hier diejenige, der man die Haut abgezogen hat!�</p><p><emphasis>�Saidar�,</emphasis> murmelte er von Staunen erf�llt. Es war so ... anders.</p><p>Verglichen mit dem Aufruhr von <emphasis>Saidin</emphasis> war <emphasis>Saidar</emphasis> ein tr�ger Fluss, der ungehindert dahinstr�mte. Er griff in diesen Fluss hinein, und pl�tzlich k�mpfte er gegen Str�mungen, die ihn tiefer hineinziehen wollten, rasende Strudel, die ihn untertauchen wollten. Je st�rker er k�mpfte, desto st�rker wurden die sich unabl�ssig ver�ndernden Str�me. Es war nur ein Augenblick vergangen, seit er versucht hatte, <emphasis>Saidar</emphasis> zu kontrollieren, und es kam ihm bereits so vor, als m�sste er darin ertrinken, als w�rde es ihn in die Ewigkeit hinfortsp�len. Nynaeve hatte ihn gewarnt und ihn angewiesen, was er tun m�sste, aber es war so fremd erschienen, dass er es bis zu diesem Augenblick nicht richtig geglaubt hatte. Mit einer gro�en Anstrengung zwang er sich dazu, nicht l�nger gegen die Str�mungen anzuk�mpfen, und sofort floss der Fluss wieder friedlich daher.</p><p>Das war die erste Schwierigkeit, gegen <emphasis>Saidin</emphasis> zu k�mpfen, w�hrend man sich <emphasis>Saidar</emphasis> ergab. Die erste Schwierigkeit und der erste Schl�ssel zu dem, was er tun m�sste. Die m�nnliche und die weibliche H�lfte der Wahren Quelle �hnelten sich und auch wiederum nicht, sie zogen sich an und stie�en sich ab, k�mpften gegeneinander, w�hrend sie zusammenarbeiteten, um das Rad der Zeit anzutreiben. Der Makel der m�nnlichen H�lfte hatte sogar einen Zwilling. Die Wunde, die ihm Ishamael zugef�gt hatte, klopfte in �bereinstimmung mit dem Makel, w�hrend die andere, die von Farns Klinge stammte, in �bereinstimmung mit dem B�sen pochte, das Aridhol vernichtet hatte.</p><p>Er zwang sich zu einem behutsamen Vorgehen, benutzte die gewaltige Kraft des ungewohnten <emphasis>Saidars,</emphasis> um es in die Richtung zu lenken, in die er es haben wollte, und webte unbeholfen eine Verbindung, eine Art R�hre, die an dem einen Ende die m�nnliche H�lfte der Quelle ber�hrte und mit dem anderen die in der Ferne liegende Stadt. Die R�hre musste aus unbeschmutztem <emphasis>Saidar</emphasis> bestehen. Eine aus <emphasis>Saidin</emphasis> gewobene R�hre w�rde m�glicherweise zerspringen, wenn die F�ulnis schlie�lich tropfenweise hinausgepresst wurde � falls das so funktionierte, wie er hoffte. Er stellte es sich zumindest als R�hre vor, obwohl es das eigentlich gar nicht war. Das Gewebe formte sich nicht im mindesten so, wie er es erwartet h�tte. Als h�tte <emphasis>Saidar</emphasis> einen eigenen Willen, bildete das Gewebe Windungen und Spiralen, die ihn an eine Blume erinnerten. Es war nichts zu sehen, keine spektakul�ren Gewebe, die vom Himmel sanken. Die Quelle lag im Herzen der Sch�pfung, war �berall, selbst in Shadar Logoth. Die R�hre erstreckte sich �ber Entfernungen jenseits seiner Vorstellungskraft und hatte dennoch keine L�nge. Es musste eine R�hre sein, ganz egal, wie ihr Erscheinungsbild auch aussah. Wenn nicht...</p><p>Er sch�pfte <emphasis>Saidin,</emphasis> k�mpfte damit, besiegte es in dem t�dlichen Kampf, den er so gut kannte, und zwang es in das blumenartige Gewebe aus <emphasis>Saidar.</emphasis> Und es floss hindurch. <emphasis>Saidin</emphasis> und <emphasis>Saidar,</emphasis> �hnlich und gegens�tzlich, konnten sich nicht vermischen. Der Strom aus <emphasis>Saidin</emphasis> r�ckte in sich zusammen, wich vor dem ihn umgebenden <emphasis>Saidar</emphasis> zur�ck, aber das <emphasis>Saidar</emphasis> dr�ckte von allen Seiten dagegen und komprimierte ihn noch st�rker und lie� ihn schneller flie�en. Reines <emphasis>Saidin �</emphasis> rein bis auf die F�ulnis � kam mit Shadar Logoth in Kontakt.</p><p>Rand runzelte die Stirn. Hatte er sich geirrt? Es tat sich nichts. Au�er... Die Wunden in seiner Seite schienen schneller zu pulsieren. Inmitten des Feuersturms und dem eiskalten Zorn von <emphasis>Saidin</emphasis> hatte es den Anschein, dass die F�ulnis in Bewegung geriet. Nur der Hauch einer Bewegung, die er m�glicherweise gar nicht bemerkt h�tte, h�tte er sich nicht so angestrengt, um irgendetwas zu finden. Eine winzige Regung mitten im Chaos, aber alles bewegte sich in die gleiche Richtung.</p><p>�Mach weiter�, feuerte Nynaeve ihn an. Ihre Augen strahlten, als w�rde der Strom aus <emphasis>Saidar</emphasis> in ihrem Inneren schon reichen, damit sie Freude empfand.</p><p>Er sch�pfte noch tiefer von beiden H�lften der Quelle, verst�rkte die R�hre, w�hrend er noch mehr <emphasis>Saidin</emphasis> hineinzw�ngte, sch�pfte von der Macht, bis nichts von dem, was er h�tte tun k�nnen, noch mehr Erfolg gebracht h�tte. Er wollte herausbr�llen, wie viel in ihn hineinstr�mte, so viel, dass er den Eindruck hatte, gar nicht mehr zu existieren, dass es nur noch die Eine Macht gab. Er h�rte Nynaeve st�hnen, aber der m�rderische Kampf mit <emphasis>Saidin</emphasis> beanspruchte ihn v�llig.</p><p>Elza spielte an dem Gro�en Schlangenring an ihrem linken Zeigefinger herum und starrte den Mann an, dem sie zu dienen geschworen hatte. Er sa� mit grimmigem Gesicht auf dem Boden und blickte stur geradeaus, als k�nnte er Nynaeve, die Wilde, die direkt vor ihm sa� und wie die Sonne leuchtete, �berhaupt nicht wahrnehmen. Vielleicht konnte er das tats�chlich nicht. Sie konnte f�hlen, wie <emphasis>Saidar</emphasis> in rei�enden Str�men ungeahnten Ausma�es durch Nynaeve hindurchfloss. Alle Schwestern der Burg h�tten zusammen nur einen Bruchteil dieses Ozeans bew�ltigen k�nnen. Sie beneidete die Wilde darum, aber vermutlich h�tte die schiere Freude, die das ausl�ste, sie um den Verstand gebracht. Trotz der K�lte funkelten Schwei�perlen auf Nynaeves Gesicht. Ihre Lippen standen offen und ihre gro�en Augen starrten verz�ckt auf eine Stelle jenseits des Wiedergeborenen Drachen.</p><p>�Ich f�rchte, es wird bald beginnen�, verk�ndete Cadsuane. Die grauhaarige Schwester wandte sich von dem sitzenden Paar ab, stemmte die H�nde in die H�ften und lie� einen sorgenvollen Blick �ber den H�gel schweifen.</p><p>�Das wird man in Tar Valon sp�ren, vielleicht sogar auf der anderen Seite der Welt. Alle auf eure Pl�tze.�</p><p>�Kommt, Elza�, sagte Merise, und pl�tzlich leuchtete das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> um sie herum auf.</p><p>Elza lie� zu, in eine Verkn�pfung mit der Schwester gezogen zu werden, aber sie zuckte zusammen, als Merise ihren Asha'man-Beh�ter in den Zirkel aufnahm. Er war auf d�stere Weise wundersch�n, aber das Kristallschwert in seinen H�nden leuchtete mit einem kaum wahrnehmbaren Glimmen, und sie konnte das unglaubliche brodelnde Chaos f�hlen, das <emphasis>Saidin</emphasis> sein musste. Obwohl Merise die Str�me kontrollierte, drehte der <emphasis>Saidin</emphasis> anhaftende Makel Elza den Magen um. Es war ein Misthaufen, der in schw�ler Sommerhitze vor sich hinfaulte. Die andere Gr�ne war trotz ihrer Strenge eine wundersch�ne Frau, aber ihre Lippen wurden schmal, als musste auch sie sich bem�hen, sich nicht zu �bergeben.</p><p>�berall auf dem H�gel bildeten sich die Zirkel. Sarene und Corele verkn�pften sich mit dem alten Mann, mit Flinn, und Nesune, Beldeine und Daigian mit dem jungen Hopwil. Verin und Kumira bildeten sogar einen Zirkel mit der Wilden vom Meervolk; sie war sogar ziemlich stark, und jeder wurde gebraucht. Sobald ein Zirkel gebildet war, verlie� er den H�gel; jeder verschwand in eine andere Richtung im Wald. Alivia, die seltsame Wilde, die keinen zus�tzlichen Namen zu haben schien, ging mit wehendem Umhang und umgeben vom Gl�hen der Macht nach Norden. Die Frau mit den winzigen Falten um die Augen und der unglaublichen St�rke war <emphasis>wirklich</emphasis> beunruhigend. Elza h�tte viel darum gegeben, die <emphasis>Ter'angreale,</emphasis> die sie trug, in ihrem Besitz zu haben.</p><p>Alivia und die drei Zirkel w�rden einen Verteidigungsring bilden, falls er gebraucht wurde, aber die gr��te Notwendigkeit lag direkt hier oben auf dem H�gel. Der Wiedergeborene Drache musste um jeden Preis besch�tzt werden. Diese Aufgabe hatte nat�rlich Cadsuane selbst �bernommen, aber Merises Zirkel w�rde ebenfalls hier Stellung beziehen. Der Menge von <emphasis>Saidar</emphasis> nach zu urteilen, die Cadsuane sch�pfte, musste sie ein eigenes <emphasis>Angreal</emphasis> haben. Es war mehr <emphasis>Saidar,</emphasis> als Elza und Merise zusammengerechnet genommen hatten, aber selbst das verblasste angesichts der Macht, die durch <emphasis>Callandor</emphasis> floss.</p><p>Elza schaute zum Wiedergeborenen Drachen her�ber und holte tief Luft. �Merise, ich wei�, ich sollte nicht fragen, aber darf ich die Str�me vermischen?�</p><p>Sie hatte damit gerechnet, betteln zu m�ssen, aber die gr��ere Frau z�gerte nur einen Augenblick lang, bevor sie die Kontrolle an sie weitergab. Fast unverz�glich entspannten sich Merises Lippen, allerdings konnte man sie trotzdem niemals als weich bezeichnen. Feuer und Eis und Schmutz sch�ssen in Elza empor und sie erschauderte. Was es auch kostete, der Wiedergeborene Drache musste die Letzte Schlacht erreichen.</p><p>Barmellin lenkte seinen Karren �ber die verschneite Stra�e nach Tremonsien und fragte sich, ob die alte Maglin in den <emphasis>Neun Ringen</emphasis> wohl den gew�nschten Preis f�r den Pflaumenschnaps hinter ihm auf der Ladefl�che zahlen w�rde. Er war nicht besonders zuversichtlich. Maglin hatte nicht viel Silber, der Pflaumenschnaps war nicht besonders gut, und so sp�t im Winter w�rde sie vielleicht bis zum Fr�hling warten wollen, bis es ihr wieder besser ging. Pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass der Tag sehr hell erschien. Fast wie ein Sommermittag statt einem Wintermorgen. Aber am seltsamsten von allem war, dass das Leuchten aus der riesigen Grube neben der Stra�e zu kommen schien, in der Arbeiter aus der Stadt bis zum vergangenen Jahr gegraben hatten. Dort unten sollte eine kolossale Statue sein, aber es hatte ihn nie genug interessiert, um selbst einen Blick hineinzuwerfen. Jetzt z�gelte er seine Stute fast gegen seinen Willen und stieg in den Schnee, um bis zum Rand der Grube zu trotten. Sie war hundert Schritte tief und zehnmal so breit, und er musste die H�nde vors Gesicht legen, um sich vor dem grellen Schein zu sch�tzen, der aus ihrer Tiefe kam. Er blinzelte zwischen den Fingern hindurch und konnte eine gl�hende Kugel ausmachen, die wie eine zweite Sonne war. Pl�tzlich wurde ihm klar, dass es sich um die Eine Macht handeln musste.</p><p>Mit einem erstickten Aufschrei stapfte er durch den Schnee zur�ck zu seinem Karren und zog sich hastig hinauf, schlug Nisa mit den Z�geln, damit sie sich wieder in Bewegung setzte, noch w�hrend er versuchte, ihren Kopf herumzurei�en, um zu seinem Bauernhof zur�ckzufahren. Er w�rde in seinem Haus bleiben und den Schnaps selbst trinken. Und zwar das ganze Fass.</p><p>Tief in Gedanken versunken spazierte Timna daher und nahm die brachliegenden Felder kaum wahr, die s�mtliche H�gelseiten bis auf eine um sie herum bedeckten. Tremalking war eine gro�e Insel, und so weit vom Meer entfernt roch der Wind nicht nach Salz, dennoch war es das Atha'an Miere, das ihr Sorgen bereitete. Sie verweigerten den Weg des Wassers, aber Timna war eine der F�hrerinnen, die auserw�hlt waren, sie vor sich selbst zu sch�tzen, falls das m�glich war. Das war sehr schwierig in der derzeitigen Situation, da sie alle so aufgeregt waren wegen ihrem Coramoor. Nur wenige blieben auf der Insel. Sogar die Statthalter, die sich stets genau wie die Atha'an Miere dar�ber beschwerten, vom Meer getrennt zu sein, hatten auf jedem zu findenden Schiff die Segel gesetzt, um nach ihm zu suchen.</p><p>Pl�tzlich erregte etwas auf dem unbebauten H�gel ihre Aufmerksamkeit. Eine riesige Steinhand ragte aus dem Boden und hielt eine durchsichtige Kugel von der Gr��e eines Hauses. Und diese Kugel leuchtete wie die pr�chtige Sommersonne.</p><p>Alle Gedanken an die Atha'an Miere waren verschwunden, als Timna ihren Umhang straffte und sich auf den Boden setzte. Der Gedanke, dass sie die Erf�llung einer Prophezeiung und das Ende der Illusion sah, lie� sie l�cheln.</p><p>�Wenn Ihr wirklich eine der Auserw�hlten seid, werde ich Euch dienen�, sagte der b�rtige Mann vor Cyndane voller Zweifel, aber sie bekam nicht mit, was er sonst noch zu sagen hatte.</p><p>Sie konnte es f�hlen. So viel auf eine Stelle gerichtetes <emphasis>Saidar</emphasis> war ein Leuchtfeuer, das jede Frau auf der Welt, die die Macht lenken konnte, f�hlen und finden w�rde. Also hatte er eine Frau f�r den anderen Zugangsschl�ssel gefunden. Dabei w�re sie zusammen mit ihm dem Gro�en Herrn � dem Sch�pfer!- gegen�bergetreten. Sie h�tte die Macht mit ihm geteilt, ihn die Welt an ihrer Seite beherrschen lassen. Und er hatte ihre Liebe zur�ckgewiesen, hatte sie zur�ckgewiesen!</p><p>Der Narr, der da vor ihr etwas plapperte, war ein wichtiger Mann, was solche Dinge an diesem Ort anging, aber sie hatte keine Zeit, sich seiner Vertrauensw�rdigkeit zu versichern. Doch wenn sie das nicht tat, konnte sie ihn nicht so einfach zur�cklassen und das Risiko eingehen, dass er anderen alles erz�hlte. Nicht, wenn sie Moridins Hand sp�ren konnte, die das <emphasis>Cour'souvra</emphasis> mit ihrer Seele liebkoste. Ein rasiermesserscharfer Strom Luft schnitt den Bart des Burschen in zwei Teile, als sie seinen Kopf nahm. Ein zweiter Strom stie� den K�rper zur�ck, so dass das Blut, das wie eine Font�ne aus dem Halsstumpf schoss, nicht ihr Gewand beschmutzte. Bevor Kopf und K�rper auf den Steinboden auftrafen, hatte sie schon ihr Wegetor gewoben. Ein Leuchtfeuer, das sie bestimmen konnte, das sie anlockte.</p><p>Als sie den h�geligen Wald betrat, dessen Boden von unregelm��ig geformten Schneehaufen bedeckt wurde und von dessen kahlen B�umen dicke, braune Schlingpflanzen herabhingen, fragte sie sich, wo das Leuchtfeuer sie hingef�hrt hatte. Aber es spielte keine Rolle. S�dlich von ihr strahlte das Leuchtfeuer, genug <emphasis>Saidar,</emphasis> um einen Kontinent auf einen Schlag zu verw�sten. Er w�rde dort sein, er und wer auch immer diese Frau war, mit der er sie betrogen hatte. Sorgf�ltig griff sie nach der Macht, um ein Gewebe f�r seinen Tod zu spinnen.</p><p>Blitze zuckten aus dem wolkenlosen Himmel, wie Cadsuane sie nie zuvor gesehen hatte. Nicht normal gezackte Blitze, sondern silberblaue Lanzen, die auf der H�gelkuppe einschlugen, auf der sie stand, die statt ihr den umgedrehten Schild trafen, den sie gewoben hatte, die f�nfzig Fu� �ber ihrem Kopf mit ohrenbet�ubendem Krachen niedergingen. Selbst innerhalb des Schildes knisterte die Luft und ihr Haar richtete sich auf. Ohne die Hilfe des <emphasis>Angreals,</emphasis> das von ihrem Haarknoten herabbaumelte und eine gewisse �hnlichkeit mit einem Haubenw�rger hatte, w�re sie nicht in der Lage gewesen, den Schild aufrechtzuerhalten.</p><p>Ein zweiter goldener Vogel, eine Schwalbe, hing an einer d�nnen Kette von ihrer Hand. �Dort�, sagte sie und zeigte in die Richtung, in die sie zu fliegen schien. Eine Schande, dass sie nicht feststellen konnte, aus welcher Entfernung die Macht gelenkt worden war, ob von einem Mann oder einer Frau, aber die Richtung w�rde reichen m�ssen. Sie hoffte, dass es keine ... Pannen geben w�rde. Dort drau�en befanden sich auch ihre Leute. Doch wenn die Warnung zusammen mit einem Angriff kam, konnte es keinen Zweifel geben.</p><p>Das Wort hatte ihren Mund noch nicht ganz verlassen, als im Norden des Waldes auch schon eine Flammens�ule in die H�he wuchs, gefolgt von der n�chsten und der �bern�chsten, eine schwankende Linie, die nordw�rts raste. <emphasis>Callandor</emphasis> leuchtete in den H�nden des jungen Jahars wie eine Flamme. Der Konzentration auf Elzas Gesicht nach zu urteilen sowie der Art und Weise, wie sie ihre F�uste in ihre R�cke krallte, war �berraschenderweise sie diejenige, die diese Str�me lenkte.</p><p>Merise ergriff eine Hand voll vom schwarzen Haar des Jungen und zog sanft an seinem Kopf. �Ruhig, mein H�bscher�, murmelte sie. �Oh, ganz ruhig, mein wundersch�ner starker Mann.� Er l�chelte sie an, es war ein hinrei�endes L�cheln.</p><p>Cadsuane sch�ttelte kaum merklich den Kopf. Die Beziehung einer Schwester zu ihrem Beh�ter zu verstehen war immer schwierig, vor allem bei den Gr�nen, aber sie konnte nicht einmal ann�hernd ergr�nden, was sich zwischen Merise und ihrem Jungen abspielte.</p><p>Ihre eigentliche Aufmerksamkeit galt jedoch einem anderen Jungen. Nynaeve schwankte; sie st�hnte vor Ekstase, als diese unglaubliche Menge <emphasis>Saidar</emphasis> durch sie hindurchfloss, aber Rand sa� da wie ein Stein, und Schwei� rann �ber sein Gesicht. Seine Augen war leer, wie polierte Saphire. War er sich �berhaupt dessen bewusst, was um ihn herum geschah?</p><p>Die Schwalbe drehte sich unter ihrer Hand an ihrer Kette.</p><p>�Dort�, sagte sie und zeigte auf die Ruinen von Shadar Logoth.</p><p>Rand konnte Nynaeve nicht l�nger sehen. Er konnte �berhaupt nichts mehr sehen, auch nichts mehr f�hlen. Er schwamm in wogenden Flammenseen, kroch �ber zusammenbrechende Eisberge. Die F�ulnis floss wie die Gezeiten eines Ozeans und drohte ihn davonzusp�len. Wenn er auch nur einen Augenblick lang die Kontrolle verlor, w�rde sie alles mit sich rei�en, was ihn ausmachte, und es ebenfalls in die R�hre sp�len. Genauso schlimm �oder vielleicht sogar noch schlimmer � war die Tatsache, dass trotz des Stroms an Schmutz, der durch die seltsame Blume floss, der Makel auf der m�nnlichen H�lfte der Quelle nicht abzunehmen schien. Er war wie �l, das in einer so d�nnen Schicht auf dem Wasser schwamm, dass man es erst dann bemerkte, wenn man die Oberfl�che ber�hrte; es bedeckte die Unermesslichkeit der m�nnlichen H�lfte und war selbst ein Ozean f�r sich. Er musste durchhalten. Er musste es. Aber f�r wie lange? Wie lange konnte er durchhalten?</p><p>Falls er wieder r�ckg�ngig machen konnte, was al'Thor mit der Quelle angestellt hatte, �berlegte Demandred, als er Shadar Logoth durch sein Tor betrat, es pl�tzlich und unvermittelt ungeschehen machte, w�rde das den Mann vielleicht t�ten oder zumindest die F�higkeit zum Lenken der Macht aus ihm herausbrennen. Er hatte al'Thors Plan ergr�ndet, sobald ihm klar geworden war, wo sich der Zugangsschl�ssel befand. Ein brillantes Vorhaben, wie er neidlos anerkannte, aber wahnsinnig gef�hrlich. Lews Therin war ein gro�artiger Pl�neschmied gewesen, wenn auch sicher nicht so brillant, wie alle immer behauptet hatten. Nicht ann�hernd so brillant wie Demandred.</p><p>Aber ein Blick auf die mit Ger�ll �bers�te Stra�e, und er dachte nicht mehr daran, etwas zu ver�ndern. Neben ihm erhob sich eine unvollst�ndige blasse Kuppel, deren zerschmetterte Spitze sich etwa zweihundert Fu� oder noch h�her �ber der Stra�e befand, und aus dem Himmel dar�ber fiel das Licht des Vormittags. Doch vom gezackten Rand der Ruine bis zur Stra�e hinunter war die Luft voller Schatten, so als w�rde bereits die Nacht hereinbrechen. Die Stadt... bebte. Er konnte es durch die Stiefelsohlen hindurch f�hlen.</p><p>Feuer schoss im Wald empor, gro�e durch <emphasis>Saidin</emphasis> verursachte Explosionen schleuderten mit Flammenzungen B�ume in die Luft, die auf ihn zurasten, aber er webte bereits ein Wegetor. Er sprang hinein, lie� es verschwinden und lief so schnell er konnte zwischen den von Schlingpflanzen umklammerten B�umen hindurch, pfl�gte durch Schneefelder, stolperte �ber im Schlamm verborgene Steine, wurde aber nicht langsamer, nicht einen Moment lang. Er war Soldat gewesen. Noch immer rennend h�rte er die erwarteten Explosionen, und er wusste, dass sie so sicher auf die Stelle zurasten, an der sein Tor entstanden war, wie sie in den Ruinen direkt auf ihn zugekommen waren. Aber sie waren jetzt weit genug von ihm entfernt, um keine Gefahr mehr darzustellen. Ohne das Tempo zu verringern, wandte er sich dem Zugangsschl�ssel zu. Bei der Menge von <emphasis>Saidin,</emphasis> die hindurchstr�mte, h�tte genauso gut ein flammender Pfeil am Himmel auf al'Thor zeigen k�nnen.</p><p>Falls niemand in diesem verfluchten Zeitalter keine weitere unbekannte F�higkeit entdeckt hatte, musste al'Thor ein Ger�t, ein <emphasis>Ter'angreal,</emphasis> in seinen Besitz gebracht haben, das einen Machtlenker aufsp�rte. So viel er �ber die Zeit wusste, welche die Menschen nun als die Zerst�rung der Welt bezeichneten � nachdem er im Shayol Ghul eingekerkert worden war �, h�tte jede Frau, die in der Lage war, ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> herzustellen, den Versuch unternommen, so etwas zu erschaffen. Im Krieg lie� sich die andere Seite immer etwas einfallen, mit dem man nicht gerechnet hatte, und man musste etwas dagegensetzen. Im Krieg war er immer gut gewesen. Aber zuerst musste er n�her heran.</p><p>Pl�tzlich sah er zu seiner Rechten Leute voraus und ging hinter einem grauen Baumstamm in Deckung. Ein kahler alter Mann mit einem wei�en Haarkranz hinkte zwischen zwei Frauen daher, von denen eine auf wilde, aufregende Weise sch�n war, w�hrend die andere schlichtweg atemberaubend aussah. Was taten sie hier im Wald? Wer waren sie? Freunde von al'Thor oder einfach nur Leute, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren? Er z�gerte, sie zu t�ten, wer sie auch waren. Jede Anwendung der Macht w�rde al'Thor warnen. Er w�rde warten m�ssen, bis sie vorbei waren. Der alte Mann drehte den Kopf, als suchte er etwas zwischen den B�umen, aber Demandred bezweifelte, dass ein so hinf�lliger Bursche so weit sehen konnte.</p><p>Pl�tzlich blieb der alte Mann stehen und stie� seine Hand genau in Demandreds Richtung nach vorn, und er sah sich unvermittelt gezwungen, ein Netz aus <emphasis>Saidin</emphasis> abzuwehren, das seinen Abwehrschild viel h�rter traf, als er eigentlich erwartet hatte; so hart, wie sein eigenes Gewebe es getan h�tte. Der hinkende alte Mann war ein Asha'man! Und mindestens eine der Frauen musste das sein, was in diesem Zeitalter als Aes Sedai bezeichnet wurde, und sich mit dem Burschen zu einem Zirkel zusammengeschlossen haben.</p><p>Er versuchte, einen eigenen Angriff zu starten und sie zu zerschmettern, aber der Alte schleuderte ihm ohne Unterlass ein Gewebe nach dem anderen entgegen, und er konnte nichts anderes tun, als sie abzuwehren. Diejenigen, die die B�ume trafen, h�llten sie in Flammen oder lie�en die St�mme zersplittern. Er war ein General, ein gro�er General, aber Gener�le h�tten es nicht n�tig, an der Seite der M�nner zu k�mpfen, die sie befahlen! Fluchend zog er sich zwischen dem Prasseln brennender B�ume und dem Donner der Explosionen zur�ck. Fort von dem Schl�ssel. Fr�her oder sp�ter musste der Alte erm�den und dann konnte er sich al'Thor widmen und ihn t�ten. Falls nicht einer der anderen es vor ihm schaffte. Er hoffte inst�ndig, dass sie versagten.</p><p>Die R�cke bis zu den Knien gerafft, rannte Cyndane fluchend von ihrem dritten Wegetor fort, sobald sie es verlassen hatte. Sie konnte die Explosionen auf die Stelle zurasen h�ren, aber diesmal begriff sie, warum sie direkt auf sie zielten. Sie stolperte �ber im Schnee verborgene Ranken und stie� gegen B�ume. Sie hasste W�lder! Wenigstens waren ein paar der anderen da � sie hatte gesehen, dass die emporschie�enden Feuers�ulen auch in andere Richtungen rasten; sie sp�rte, dass <emphasis>Saidar</emphasis> an mehr als nur einem Ort gewoben wurde, und zwar voller Zorn �, aber sie betete zum Gro�en Herrn, dass sie Lews Therin als Erste erreichte. Denn ihr war klar geworden, dass sie ihn sterben sehen wollte, und daf�r musste sie n�her heran.</p><p>Osan'gar kauerte hinter einem umgest�rzten Baumstamm und keuchte von der Anstrengung des Laufens. Die Monate, die er als Corlan Dashiva maskiert verbracht hatte, hatten ihm Leibes�bungen nicht schmackhafter gemacht. Die Explosionen, die ihn um ein Haar get�tet h�tten, verklangen, fingen dann aber in der Ferne von vorn an, und er schob sich vorsichtig ein kleines St�ck h�her, um �ber den Stamm zu sp�hen. Nicht, dass er der Meinung war, dass ein St�ck Holz gro�en Schutz bot. Er war nie Soldat gewesen, nein, wirklich nicht. Seine Talente, sein Genie lag anderswo. Er hatte die Trollocs erschaffen und somit auch die Myrddraal, die aus ihnen hervorgegangen waren, und viele andere Kreaturen, die die Welt ersch�ttert und seinen Namen ber�hmt gemacht hatten. Der Zugangsschl�ssel pulsierte vor <emphasis>Saidin,</emphasis> aber er konnte f�hlen, dass in andere Richtungen auch geringere Mengen gelenkt wurden.</p><p>Er hatte damit gerechnet, dass andere Auserw�hlte vor ihm hier waren, hatte gehofft, sie h�tten die Aufgabe vor seinem Eintreffen erledigt, aber offensichtlich war das nicht der Fall. Denn genauso offensichtlich hatte al'Thor ein paar dieser Asha'man mitgebracht, und der Menge von <emphasis>Saidin</emphasis> nach zu urteilen, die sich in den auf ihn ge �richteten Explosionen befunden hatte, obendrein auch noch <emphasis>Callandor.</emphasis> Und vielleicht ein paar seiner zahmen so genannten Aes Sedai.</p><p>Er ging zur�ck in die Hocke und biss sich auf die Lippe. Dieser Wald war ein sehr gef�hrlicher Ort, mehr, als er erwartet hatte, und �berhaupt nicht f�r ein Genie geeignet. Aber die Tatsache blieb bestehen, dass Moridin ihm schreckliche Angst einjagte. Der Mann hatte ihm immer Angst eingejagt, gleich von Anfang an. Er war verr�ckt vor Machthunger gewesen, bevor man sie in dem Stollen versiegelt hatte, und seit ihrer Befreiung schien er zu glauben, er sei der Gro�e Herr. Wenn er jetzt die Flucht ergriff, w�rde Moridin dies herausfinden und ihn t�ten. Was aber noch schlimmer war, sollte al'Thor Erfolg haben, k�nnte sich der Gro�e Herr dazu entscheiden, beide zu t�ten und Osan'gar gleich mit. Ihm war egal, ob die anderen starben, aber um sich selbst machte er sich gro�e Sorgen.</p><p>Er war nicht gut darin, die Zeit am Sonnenstand zu sch�tzen, aber es war offensichtlich kurz vor Mittag. Er erhob sich vom Boden, putzte an dem Dreck auf seiner Kleidung herum, gab dann angewidert auf und fing an, in einer, wie er fand, verstohlenen Weise geduckt von einem Baum zum n�chsten zu huschen. Immer auf den Schl�ssel zu. Vielleicht w�rde einer der anderen den Mann ja erledigen, bevor er dort war, aber wenn nicht, w�rde er m�glicherweise eine Gelegenheit finden, der Held zu sein. Nat�rlich mit aller gebotenen Vorsicht.</p><p>Verin verfolgte stirnrunzelnd die Erscheinung, die sich links von ihr einen Weg zwischen den B�umen vorbei suchte. Ihr fiel keine andere Bezeichnung f�r eine Frau ein, die juwelenbeladen und in einem Gewand, das nacheinander jede Farbe von Schwarz bis Wei� annahm und manchmal auch durchsichtig wurde, durch den Wald spazierte! Sie beeilte sich nicht, aber sie ging in Richtung des H�gels, auf dem sich Rand befand. Und wenn sich Verin nicht sehr irrte, war sie eine der Verlorenen.</p><p>�Wollen wir sie blo� beobachten?�, fl�sterte Shalon w�tend. Sie war aufgebracht gewesen, dass sie nicht die Str�me verkn�pfen durfte, als w�rde die St�rke einer Wilden bei Aes Sedai etwas z�hlen, und der stundenlange Marsch durch den Wald hatte ihre Laune nicht verbessert.</p><p>�Wir m�ssen etwas <emphasis>tun�,</emphasis> sagte Kumira leise, und Verin nickte.</p><p>�Ich habe gerade entschieden, was.� Eine Abschirmung. Eine gefangene Verlorene k�nnte sich als n�tzlich erweisen.</p><p>Sie webte die Abschirmung mit der vollen Kraft ihres Zirkels und sah entsetzt, wie sie abprallte. Die Frau umarmte bereits <emphasis>Saidar,</emphasis> obwohl um sie herum kein Licht aufflackerte, und sie war ungeheuer stark!</p><p>Dann hatte sie keine Zeit mehr zum nachdenken, denn die Frau mit dem goldenen Haar wirbelte herum und begann, die Macht zu lenken. Verin konnte die Gewebe nicht sehen, aber sie wusste, dass sie sich einem Angriff auf ihr Leben stellte, und sie war viel zu weit gekommen, um hier zu sterben.</p><p>Eben zog den Urnhang enger um seinen K�rper und w�nschte sich, er w�re besser darin, die K�lte zu ignorieren. Einfache K�lte konnte er ignorieren, aber nicht den Wind, der aufgekommen war, seit die Sonne ihren Zenit �berschritten hatte. Die drei mit ihm verkn�pften Schwestern �berlie�en ihre Umh�nge einfach den B�en, w�hrend sie alle Richtungen gleichzeitig im Auge zu behalten versuchten. Daigian f�hrte den Zirkel � vermutlich seinetwegen �, aber sie sch�pfte mit solch leichter Hand, dass er kaum einen Hauch von <emphasis>Saidin</emphasis> durch sich hindurchflie�en sp�rte. Sie wollte sich dem nicht stellen, bevor es unbedingt n�tig war. Er schob ihre Kapuze zurecht und sie l�chelte ihn aus ihren Tiefen an. Der Bund �bertrug ihre Zuneigung f�r ihn und die seine zu ihr, wie er vermutete. Mit der Zeit w�rde er f�r die kleine Aes Sedai vermutlich Liebe empfinden.</p><p>Der tosende <emphasis>Saidin-Strom</emphasis> weit hinter ihm �berlagerte immer wieder seine F�higkeit, andere aktive Machtlenker zu f�hlen, aber er konnte sp�ren, wie andere die Macht lenkten. Die Schlacht hatte an anderer Stelle begonnen und bis jetzt waren sie vier nur umhergelaufen. Aber das st�rte ihn nicht besonders. Er war bei den Quellen von Dumai dabei gewesen und hatte gegen die Seanchaner gek�mpft, und er hatte gelernt, dass es viel mehr Spa� machte, �ber Schlachten zu lesen, als sie zu schlagen. Was ihn jedoch st�rte, war der Umstand, dass man ihm nicht die Kontrolle �ber den Zirkel gegeben hatte. Nat�rlich hatte sie Jahar auch nicht, aber er war fest davon �berzeugt, dass sich Merise damit am�sierte, Jahar einen Keks auf der Nase balancieren zu lassen. Damer hatte die Kontrolle �ber den Zirkel. Nur weil der Mann ein paar Jahre �lter als er war � nun, es waren mehr als nur ein paar Jahre; er war �lter als sein Vater �, war nun wirklich kein Grund, dass Cadsuane ihn wie einen ...</p><p>�K�nnt Ihr mir helfen? Ich scheine mich verirrt zu haben und habe mein Pferd verloren.� Die Frau, die vor ihnen hinter einem Baum hervortrat, hatte nicht einmal einen Umhang. Stattdessen trug sie ein Gewand aus dunkelgr�ner Seide, das so tief ausgeschnitten war, dass die H�lfte ihres �ppigen Busens entbl��t war. Locken schwarzen Haars umrahmten ein wundersch�nes Gesicht mit gr�nen Augen, die funkelten, wenn sie l�chelte.</p><p>�Ein seltsamer Ort f�r einen Ausritt�, sagte Beldeine misstrauisch. Die h�bsche Gr�ne war nicht begeistert gewesen, als Cadsuane Daigian den Befehl �bergeben hatte, und sie hatte jede sich bietende Gelegenheit ergriffen, um ihre Meinung �ber Daigians Entscheidungen kundzutun.</p><p>�Ich hatte nicht so weit reiten wollen�, sagte die Frau und kam n�her. �Wie ich sehe, seid ihr alle Aes Sedai. Mit einem... Br�utigam? Wisst ihr, was hier vor sich geht?�</p><p>Pl�tzlich f�hlte Eben, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich. Es war unm�glich, was er da f�hlte! Die Frau mit den gr�nen Augen runzelte �berrascht die Stirn und er tat das Einzige, das er tun konnte.</p><p>�Sie h�lt <emphasis>Saidin!�,</emphasis> rief er und st�rzte sich auf sie, w�hrend er f�hlte, wie Daigian tief von der Macht sch�pfte.</p><p>Beim Anblick der Frau, die etwa hundert Schritte voraus zwischen den B�umen stand, wurde Cyndane langsamer; es handelte sich um eine hochgewachsene Frau mit hellblonden Haaren, die einfach zusah, wie sie n�her kam. Die Schlachten, die an anderen Orten mit der Macht ausgetragen wurden, machten sie misstrauisch, gaben ihr gleichzeitig aber auch neue Zuversicht. Die Frau war in einfache Wolle gekleidet, andererseits war sie mit Juwelen beh�ngt, als w�re sie eine gro�e Lady. Mit dem <emphasis>Saidar</emphasis> in ihr konnte Cyndane die feinen F�ltchen an den Augenwinkeln der anderen Frau sehen. Also geh�rte sie nicht zu denen, die sich Aes Sedai nannten. Aber wer war sie dann? Und warum stand sie da, als wollte sie Cyndane den Weg versperren? Es spielte keine Rolle. Jetzt die Macht zu benutzen w�rde sie verraten, aber sie hatte ja Zeit. Der Schl�ssel leuchtete noch immer wie ein Leuchtfeuer der Macht. Lews Therin lebte noch. Ganz egal, wie wild die Augen der Frau blickten, falls sie wirklich glaubte, ein Hindernis zu sein, w�rde f�r sie ein Messer reichen. Und nur f�r den Fall, dass sie sich als das erwies, was man Wilde nannte, bereitete Cyndane ein kleines Geschenk f�r sie vor, ein umgedrehtes Gewebe, das sie nicht einmal sehen w�rde, bevor es zu sp�t war.</p><p>Pl�tzlich flammte das Licht <emphasis>Saidars</emphasis> um die Frau auf, aber der bereitgehaltene Feuerball schoss aus Cyndanes Hand, klein genug, um jeder Entdeckung zu entgehen, wie sie hoffte, aber gro� genug, um ein Loch in die Frau zu brennen ...</p><p>In dem Augenblick, in dem das Gewebe aus Feuer die Frau erreichte, <emphasis>als</emphasis> es fast nahe genug war, um ihr Kleid anzusengen, l�ste es sich in seine Bestandteile auf. Die Frau tat nichts; das Netz l�ste sich einfach auf! Cyndane hatte noch nie von einem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> geh�rt, das ein Gewebe zerst�ren konnte, aber es konnte sich nur darum handeln.</p><p>Dann schlug die Frau zur�ck und sie erlebte ihren zweiten Schock. Sie war st�rker als Cyndane, bevor die Aelfinn und die Eelfinn sie in ihrer Gewalt gehabt hatten! Das war unm�glich; keine Frau <emphasis>konnte</emphasis> st�rker sein. Sie musste auch ein <emphasis>Angreal</emphasis> haben. Der Schock dauerte nur die Zeit an, die es kostete, die Str�me der Frau zu durchtrennen. Offensichtlich wusste sie nicht, wie sie sie zur�cknehmen musste. Vielleicht w�rde dieser Vorteil ausreichen. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> Lews Therin sterben sehen! Die hoch gewachsene Frau zuckte zusammen, als die durchtrennten Str�me in sie hineinschnellten, aber noch w�hrend sie den Schlag hinnahm und mit den F��en einen besseren Stand suchte, schlug sie erneut zu. Mit einem Knurren wehrte sich Cyndane und der Boden unter ihren F��en b�umte sich auf. Sie <emphasis>w�rde</emphasis> ihn sterben sehen! Sie <emphasis>w�rde</emphasis> ihn sterben sehen!</p><p>Der hohe H�gel lag nicht in unmittelbarer N�he des Zugangsschl�ssels, trotzdem leuchtete der Schl�ssel so hell in Moghediens Kopf, dass sie nach einem kleinen Schluck dieses gewaltigen <emphasis>Saidar-Stioms</emphasis> d�rstete. So viel zu halten, nur der tausendste Teil einer solchen Menge, w�rde die schiere Ekstase sein. Sie d�rstete danach, aber diese bewaldete Stellung war so nahe daran, wie sie vorhatte heranzugehen. Allein die Bedrohung von Moridins H�nden, die ihr <emphasis>Cour'souvra</emphasis> liebkosten, hatte sie dazu getrieben, an diesen Ort zu reisen, und sie hatte es hinausgez�gert und darum gebetet, dass alles vorbei sein w�rde, bevor man sie dazu gezwungen hatte. Sie hatte immer im Verborgenen gearbeitet, aber sie war noch nicht richtig da gewesen, als sie sich auch schon vor einem Angriff in Sicherheit bringen musste. In dem sich unter ihr im Licht der fr�hen Nachmittagssonne ausbreitenden Wald zuckten an weit voneinander entfernten Stellen mit <emphasis>Saidar</emphasis> gewobene Blitze und Flammens�ulen auf; dazu kamen auch noch einige, die aus <emphasis>Saidin</emphasis> bestehen mussten. Schwarze Rauchwolken quollen von brennenden Baumst�mpfen empor, ohrenbet�ubende Explosionen hallten durch die Luft.</p><p>Es k�mmerte sie nicht, wer da k�mpfte, wer lebte und wer starb. Nat�rlich w�re es erfreulich gewesen, wenn Cyndane oder Graendal umgekommen w�ren. Oder gar beide. Moghedien w�rde das nicht passieren, sie w�rde sich nicht mitten �ber ein Schlachtfeld schleppen. Und als w�re das nicht schon schlimm genug gewesen, erhob sich noch etwas jenseits des leuchtenden Schl�ssels, eine gewaltige abgeflachte Kuppel aus Finsternis mitten im Wald, so als h�tte sich die Nacht in Stein verwandelt. Sie zuckte zusammen, als Bewegung in die schwarze Oberfl�che kam, so als w�rde eine kleine Welle durch sie hindurchfahren. Die Kuppel wuchs deutlich sichtbar ein St�ck in die H�he. Reiner Wahnsinn, sich n�her heranzuwagen, was auch immer es war. Moridin w�rde nicht wissen, was sie hier tat oder auch nicht.</p><p>Sie zog sich auf die R�ckseite des H�gels zur�ck, fort von dem leuchtenden Schl�ssel und der seltsamen Kuppel, setzte sich und tat das, was sie schon so oft in der Vergangenheit getan hatte. Aus den Schatten zusehen und �berleben.</p><p>Rand schrie im Inneren seines Kopfes. Er war sich sicher, dass er schrie, dass Lews Therin schrie, aber in dem Chaos konnte er keine der beiden Stimmen ausmachen. Der widerw�rtige Ozean des Makels schoss mit rasender Geschwindigkeit durch ihn hindurch. Flutwellen aus Verderbnis begruben ihn unter sich. Tobende Sturmwinde aus Schmutz rissen an ihm. Allein der Makel verriet ihm, dass er die Macht noch umarmt hielt. <emphasis>Saidin</emphasis> h�tte sich ver�ndern, aufflammen, ihn t�ten k�nnen, und er h�tte es nicht bemerkt. Diese stinkende Flut �berlagerte alles andere, und er klammerte sich mit den Fingern�geln fest, um zu verhindern, dass er davon fortgesp�lt wurde. Der Makel war in Bewegung geraten. Das war alles, was jetzt z�hlte. Er musste durchhalten!</p><p>�Min, was k�nnt Ihr mir sagen?� Trotz ihrer M�digkeit hielt sich Cadsuane auf den Beinen. Diesen Schild fast den ganzen Tag aufrechtzuerhalten h�tte ausgereicht, um jeden zu ersch�pfen.</p><p>Schon seit einiger Zeit war kein Angriff mehr auf die H�gelkuppe erfolgt, und tats�chlich schien das einzige Lenken der Macht, das sie sp�ren konnte, von Nynaeve und dem Jungen auszugehen. Elza schritt einen endlosen Kreis um den Kamm ab; sie war noch immer mit Merise und Jahar verkn�pft, aber im Augenblick gab es nichts f�r sie zu tun, au�er die H�gel in der Umgebung im Auge zu behalten. Jahar sa� auf einem Stein und hielt das leicht glimmende <emphasis>Callandor</emphasis> in der Armbeuge. Merise sa� neben ihm auf dem Boden, den Kopf auf die Knie gebettet, und er streichelte ihr �bers Haar.</p><p>�Nun, Min?�, wollte Cadsuane wissen.</p><p>Das M�dchen schaute w�tend von der Senke in dem steinigen Boden auf, in die Tomas und Moad sie und Harine hingesetzt hatten. Wenigstens hatten die M�nner genug Verstand gehabt, um einzusehen, dass sie in diesem Kampf nichts tun konnten. Harine schaute m�rrisch drein, und mehr als nur einmal hatte einer der M�nner Min daran hindern m�ssen, zu dem jungen al'Thor zu gehen. Sie hatten ihr sogar die Messer abnehmen m�ssen, nachdem sie sie damit bedroht hatte.</p><p>�Ich wei�, dass er lebt�, murmelte das M�dchen, �und ich glaube, er leidet Schmerzen. Aber wenn ich genug sp�re, um zu dem Schluss zu kommen, dass er Schmerzen hat, dann muss er Qualen durchleiden. Lasst mich zu ihm gehen.�</p><p>�Ihr w�rdet jetzt nur im Weg sein.�</p><p>Cadsuane ignorierte das Aufst�hnen des M�dchens und ging �ber den steinigen Boden zu Rand und Nynaeve hin�ber, wandte aber einen Augenblick lang den Blick von ihnen. Selbst aus der Entfernung von einigen Meilen sah die schwarze Kuppel gewaltig aus, sie war mindestens tausend Fu� hoch. Und sie schwoll an. Ihre Oberfl�che sah wie schwarzer Stahl aus, obwohl sie im Licht der Nachmittagssonne nicht funkelte. In ihrer N�he schien das Licht sogar schw�cher zu werden.</p><p>Rand sa� in der gleichen Position wie zu Anfang da, eine reglose, blinde Statue mit schwei�bedecktem Gesicht. Falls er Qualen erlitt, wie Min behauptete, lie� er sich jedenfalls nichts anmerken. Und wenn es so war, wusste Cadsuane sowieso nicht, was sie h�tte tun k�nnen. Ihn jetzt in irgendeiner Weise zu st�ren w�rde m�glicherweise schreckliche Konsequenzen haben. Cadsuane warf der totenschwarzen, wachsenden Kuppel einen Blick zu und grunzte. Vielleicht w�rde es schon schreckliche Konsequenzen haben, dass man ihn �berhaupt damit hatte beginnen lassen.</p><p>Mit einem Aufst�hnen rutschte Nynaeve von ihrer Steinbank auf den Boden. Ihr Gewand war schwei�getr�nkt, Haarstr�hnen klebten in ihrem feuchten Gesicht. Ihre Lider zitterten schwach, ihre Br�ste wogten, als sie verzweifelt nach Luft schnappte. �Aufh�ren�, wimmerte sie. �Ich kann es nicht mehr ertragen.�</p><p>Cadsuane z�gerte, etwas, woran sie nicht gew�hnt war. Das M�dchen konnte den Zirkel nicht verlassen, bis der junge al'Thor sie freigab, aber vorausgesetzt, diese Choedan Kai hatten nicht den gleichen Fehler wie <emphasis>Callandor,</emphasis> w�rde sie ausreichend dagegen gesch�tzt sein, so viel Macht aufzunehmen, dass sie einen Schaden davontrug.</p><p>Andererseits diente sie als Kanal f�r mehr <emphasis>Saidar,</emphasis> als die ganze Wei�e Burg mit s�mtlichen ihrer im Besitz befindlichen <emphasis>Angreale</emphasis> und <emphasis>Sa'angreale</emphasis> f�hig zu beherrschen gewesen w�re. Nachdem dies nun seit Stunden durch sie hindurchstr�mte, w�rde sie m�glicherweise an k�rperlicher Ersch�pfung sterben.</p><p>Sie kniete neben dem M�dchen nieder, legte die Schwalbe neben sich auf den Boden, nahm ihren Kopf in beide H�nde und verringerte die Menge an <emphasis>Saidar,</emphasis> die sie in den Schild flie�en lie�. Ihre F�higkeiten im Heilen waren allenfalls durchschnittlich, aber sie w�rde einen Teil der Ersch�pfung des M�dchens fortsp�len, ohne selbst zusammenzubrechen. Dabei war sie sich des geschw�chten Schildes �ber ihnen st�ndig bewusst, und sie beeilte sich, die Gewebe zu formen.</p><p>Osan'gar erreichte die H�gelkuppe, lie� sich zu Boden fallen und l�chelte, als er zur Seite kroch, um hinter einem Baum in Deckung zu gehen. Von dieser Position aus konnte er mit dem <emphasis>Saidin</emphasis> in ihm den benachbarten H�gel deutlich sehen � genau wie die Leute, die sich dort befanden. Es waren weniger als erwartet. Eine Frau zog langsam ihre Runden um den Kamm und beobachtete die B�ume, aber alle anderen bewegten sich nicht. Narishma sa� mit dem gl�henden <emphasis>Callandor</emphasis> in den H�nden da, eine Frau hatte den Kopf auf sein Knie gebettet. Dann waren da noch zwei andere Frauen, eine kniete �ber der anderen, aber sie beide wurden gr��tenteils vom R�cken eines Mannes verdeckt. Er brauchte das Gesicht des Mannes nicht zu sehen, um al'Thor zu erkennen. Der Schl�ssel auf dem Boden neben ihm verriet ihn. F�r Osan'gars Augen leuchtete er strahlend hell. In seinem Kopf �berstrahlte er die Sonne, tausend Sonnen. Was er damit h�tte machen k�nnen! Eine Schande, dass er zusammen mit al'Thor vernichtet werden musste. Aber er konnte noch immer <emphasis>Callandor</emphasis> an sich nehmen, nachdem al'Thor tot war. Keiner der Auserw�hlten besa� auch nur so etwas wie ein <emphasis>Angreal</emphasis> Selbst Moridin w�rde vor ihm erzittern, sobald er das Kristallschwert besa�. Nae'blis? Sie w�rden Osan'gar zum Nae'blis machen, nachdem er al'Thor vernichtet und all das, was er hier getan hatte, wieder ungeschehen gemacht hatte. Mit einem leisen Lachen wob er Baalsfeuer. Wer h�tte je gedacht, dass er sich als Held des Tages erweisen w�rde?</p><p>Elza schritt langsam daher und musterte die bewaldeten H�gel ringsum. Pl�tzlich verharrte sie. Im Augenwinkel hatte sie eine winzige Bewegung gesehen. Langsam drehte sie den Kopf, aber nicht bis zu dem H�gel, auf dem sie das Aufblitzen gesehen hatte. Der Tag war f�r sie sehr schwierig gewesen. W�hrend ihrer Gefangenschaft in den Aielzelten in Cairhien war ihr bewusst geworden, dass es f�r den Wiedergeborenen Drachen an erster Stelle darauf ankam, sich der Letzten Schlacht zu stellen. Das war pl�tzlich so unfassbar offensichtlich gewesen, dass es sie erstaunt hatte, dass ihr das vorher nicht bewusst gewesen war. Jetzt war es ihr klar, so klar wie <emphasis>Saidar</emphasis> das Gesicht des Mannes erhellte, der sich auf dem H�gel zu verstecken versuchte, w�hrend er an einem Baumstamm vorbei sp�hte. Heute war sie gezwungen gewesen, gegen die Auserw�hlten zu k�mpfen. Sicherlich w�rde der Gro�e Herr es verstehen, falls sie tats�chlich einen von ihnen get�tet hatte, aber Corlan Dashiva war nur ein Asha'man. Dashiva richtete die Hand auf den H�gel, auf dem sie stand, und sie sch�pfte so tief sie konnte aus <emphasis>Callandor</emphasis> in Jahars H�nden. <emphasis>Saidin</emphasis> war ihrer Meinung nach gut f�r Zerst�rungszwecke zu gebrauchen. Ein gewaltiger aufblitzender Feuerball in Rot, Gelb und Blau h�llte die andere H�gelkuppe ein. Als die Flammen verschwanden, endete sie in einem glatten Plateau, das f�nfzig Schritte niedriger als der alte Kamm war.</p><p>Moghedien wusste nicht, warum sie so lange geblieben war. In zwei Stunden ging die Sonne unter und der Wald war still. Bis auf den Schl�ssel konnte sie kein angewandtes <emphasis>Saidar</emphasis> mehr f�hlen. Das schloss nicht aus, dass jemand noch kleine Mengen benutzte, aber das war nicht mit dem Zorn vergleichbar, der zuvor hier gew�tet hatte. Die Schlacht war zu Ende, die anderen Auserw�hlten tot oder besiegt auf der Flucht. Die Niederlage war offensichtlich, da der Schl�ssel noch immer in ihrem Kopf loderte. Es war erstaunlich, dass die Choedan Kai die ununterbrochene Benutzung auf dieser Stufe �berstanden hatten.</p><p>Sie lag oben auf ihrem Aussichtspunkt auf dem Bauch, das Kinn auf die H�nde gest�tzt, und betrachtete die gro�e Kuppel. Schwarz schien sie nicht l�nger richtig zu beschreiben. Es gab keinen richtigen Begriff mehr daf�r, aber Schwarz war eine vergleichsweise schwache Farbe. Es war nun eine Halbkugel, die sich wie ein Berg zwei Meilen oder mehr in den Himmel erhob. Sie wurde von einer tiefen Schattenschicht umgeben, so als w�rde sie das letzte Licht aus der Luft saugen. Moghedien konnte nicht begreifen, warum sie keine Angst hatte. Das Ding w�rde m�glicherweise wachsen, bis es die ganze Welt einh�llte, vielleicht w�rde es � so wie Aran'gar gemeint hatte � die Welt auch zerschmettern. Aber falls das geschah, w�rde es keinen sicheren Ort geben, keine Schatten, in denen sich die Spinne verbergen konnte.</p><p>Pl�tzlich wand sich etwas aus der dunklen, glatten Oberfl�che heraus, etwas, das an eine Flamme erinnerte, falls Flammen schw�rzer als schwarz sein konnten, gefolgt von der n�chsten und der �bern�chsten, bis die Kuppel von brodelndem stygischen Feuer bedeckt wurde. Das Tosen zehntausender Donnerschl�ge lie� Moghedien die H�nde auf die Ohren schlagen und in dem Get�se lautlos aufkreischen, dann brach die Kuppel in der Zeit eines Herzschlages in sich zusammen, schrumpfte auf die Gr��e einer Nadelspitze, l�ste sich in Nichts auf. Dann heulte der Wind auf und raste auf die Stelle zu, an der sich die verschwundene Kuppel befunden hatte. Er schleifte Moghedien �ber den steinigen Boden, ganz egal, wie verzweifelt sie sich auch bem�hte, sich irgendwo festzuhalten, schleuderte sie gegen B�ume und hob sie in die Luft. Seltsamerweise versp�rte sie noch immer keine Furcht. Wenn sie dies �berlebte, w�rde sie niemals wieder Furcht empfinden.</p><p>Cadsuane lie� das Ding, das einmal ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> gewesen war, zu Boden fallen. Man konnte es nicht l�nger als die Statue einer Frau bezeichnen. Das Gesicht dr�ckte noch immer die gleiche erhabene Weisheit aus wie zuvor, aber die Figur war in zwei St�cke zerbrochen; die eine Seite war geschmolzen und so klumpig wie aufgekochtes Wachs, und der Arm mit der Kristallkugel lag nun in Splittern um das zerst�rte Ding herum. Die m�nnliche Figur war unversehrt und steckte bereits in ihrer Satteltasche. <emphasis>Callandor</emphasis> war ebenfalls gesichert. Es war besser, keine Versuchungen auf der offenen H�gelspitze liegen zu lassen. Wo sich einst Shadar Logoth befunden hatte, klaffte nun eine gewaltige �ffnung im Wald, die perfekt kreisf�rmig und so gro� war, dass Cadsuane trotz der dicht �ber dem Horizont stehenden Sonne sehen konnte, wie die gegen�berliegende Seite schr�g in die Tiefen der Erde f�hrte.</p><p>Lan f�hrte sein hinkendes Schlachtross den Abhang hinauf und lie� die Z�gel fallen, als er Nynaeve auf dem Boden ausgestreckt liegen und bis zum Kinn mit ihrem Umhang zugedeckt sah. Der junge al'Thor lag ebenfalls in seinen Umhang eingewickelt an ihrer Seite, Min lag zusammengekr�mmt neben ihm, den Kopf auf seiner Brust. Sie hielt die Augen geschlossen, aber ihrem schmalen L�cheln nach zu urteilen schlief sie nicht. Lan hatte kaum einen Blick f�r sie �brig, als er die letzten Schritte rannte und sich auf die Knie fallen lie�, um Nynaeves Kopf sanft in seine Armbeuge zu betten. Sie regte sich genauso wenig wie der Junge.</p><p>�Sie sind nur ohnm�chtig�, erkl�rte Cadsuane. �Corele sagt, es w�re besser, sie sich allein erholen zu lassen.� Und wie lange das dauern w�rde, da hatte Corele sich nicht festlegen wollen. Genauso wenig wie Damer. Die Wunden in der Seite des Jungen hatten sich nicht ver�ndert, obwohl Damer fest damit gerechnet hatte. Es war alles sehr beunruhigend.</p><p>Den H�gel ein St�ck weiter hinauf beugte sich der kahle Asha'man �ber eine st�hnende Beldeine, und seine Finger zuckten �ber sie hinweg, w�hrend er sein seltsames Heilgewebe webte. Er hatte in der vergangenen Stunde viel zu tun gehabt. Alivia konnte nicht aufh�ren, den Arm, der gebrochen und bis auf den Knochen verbrannt gewesen war, ungl�ubig anzustarren und ihn zu beugen und dehnen. Sarene ging auf unsicheren Beinen, aber das war nur die M�digkeit. Sie war unten im Wald beinahe gestorben und diese Erfahrung stand ihr noch immer in die weit aufgerissenen Augen geschrieben. Wei�e Schwestern waren nicht an solche Dinge gew�hnt.</p><p>Nicht jeder hatte so viel Gl�ck gehabt. Verin und die Meervolk-Frau sa�en neben der mit einem Umhang verh�llten Kumira; ihre Lippen bewegten sich im stummen Gebet f�r ihre Seele, und Nesune versuchte ungeschickt die schluchzende Daigian zu tr�sten, die den Leichnam des jungen Eben in den Armen hielt und ihn wie ein Baby wiegte. Gr�ne waren an leidvolle Erfahrungen gew�hnt, aber Cadsuane gefiel es nicht, zwei ihrer Leute f�r nicht mehr als ein paar angesengte Verlorene und einen toten Renegaten verloren zu haben.</p><p>�Sie ist sauber�, sagte Jahar zum wiederholten Male. Diesmal war Merise diejenige, die sa�, w�hrend sein Kopf in ihrem Scho� ruhte. Ihre blauen Augen blickten so streng wie immer, aber sie streichelte z�rtlich sein Haar. �Sie ist sauber.�</p><p>Cadsuane wechselte mit Merise �ber den Kopf des Jungen hinweg einen Blick. Damer und Jahar sagten �bereinstimmend das Gleiche, der Makel war weg, aber wie konnten sie nur sicher sein, dass nicht eine Kleinigkeit zur�ckgeblieben war? Merise hatte ihr gestattet, eine Verkn�pfung mit dem Jungen einzugehen, und sie konnte nichts von dem f�hlen, was die anderen Gr�nen beschrieben hatten, aber wie sollten sie nur sicher sein k�nnen? <emphasis>Saidin</emphasis> war so fremdartig, dass sich in diesem verr�ckten Chaos alles M�gliche verbergen konnte.</p><p>�Ich will sofort aufbrechen, sobald die restlichen Beh�ter eingetroffen sind�, verk�ndete sie. Es gab zu viele Fragen, f�r die sie keine befriedigenden Antworten hatte, aber sie hatte jetzt den jungen al'Thor, und sie beabsichtigte nicht, ihn wieder zu verlieren.</p><p>Die Nacht brach herein. Oben auf dem H�gel wehte der Wind Staub �ber die Fragmente dessen, was einst ein <emphasis>Ter'angreal</emphasis> gewesen war. In der Tiefe lag die Gruft von Shadar Logoth ge�ffnet dar, um der Welt Hoffnung zu geben. Und auf dem fernen Tremalking verbreitete sich die Nachricht, dass die Zeit der Illusionen zu einem Ende gekommen war.</p></section><section><title><p>Glossar</p></title><subtitle>Vorbemerkung zur Datierung</subtitle><p>Der Tomanische Kalender (von Toma dur Ahmid entworfen) wurde ungef�hr zwei Jahrhunderte nach dem Tod des letzten m�nnlichen Aes Sedai eingef�hrt. Er z�hlte die Jahre nach der Zerst�rung der Welt (NZ). Da aber in den Jahren der Zerst�rung und in den darauf folgenden Jahren fast totales Chaos herrschte und dieser Kalender erst gut hundert Jahre nach dem Ende der Zerst�rung eingef�hrt wurde, hat man seinen Beginn v�llig willk�rlich gew�hlt. Am Ende der Trolloc-Kriege waren so viele Aufzeichnungen vernichtet worden, dass man sich stritt, in welchem Jahr der alten Zeitrechnung man sich �berhaupt befand. Tiam von Gazar schlug die Einf�hrung eines neuen Kalenders vor, der am Ende dieser Kriege einsetzte und die (scheinbare) Erl�sung der Welt von der Bedrohung durch Trollocs feierte. In diesem zweiten Kalender erschien jedes Jahr als so genanntes Freies Jahr (FJ). Innerhalb der zwanzig auf das Kriegsende folgenden Jahre fand der Gazareische Kalender weitgehend Anerkennung. Artur Falkenfl�gel bem�hte sich, einen neuen Kalender durchzusetzen, der auf seiner Reichsgr�ndung basierte (VG = Von der Gr�ndung an), aber dieser Versuch ist heute nur noch den Historikern bekannt. Nach weitreichender Zerst�rung, Tod und Aufruhr w�hrend des Hundertj�hrigen Krieges entstand ein vierter Kalender durch Uren din Jubai Fliegende M�we, einem Gelehrten der Meerleute, und wurde von dem Panarchen Farede von Tarabon weiterverbreitet. Dieser Farede-Kalender z�hlt die Jahre der Neuen �ra (NA) von dem willk�rlich angenommenen Ende des Hundertj�hrigen Krieges an und ist w�hrend der geschilderten Ereignisse in Gebrauch.</p><p><strong>A'dam</strong> (aidam): Ein Ger�t, mit dessen Hilfe man Frauen kontrollieren kann, die die Macht lenken, und das nur von Frauen ben�tzt werden kann, die entweder selbst die F�higkeit besitzen, mit der Macht umzugehen, oder die das zumindest erlernen k�nnen. Er verkn�pft die beiden Frauen. Der von den Seanchanern verwendete Typus besteht aus einem Halsband und einem Armreif, die durch eine Leine miteinander verbunden sind; s�mtliche Teile sind aus einem silbrigen Metall gefertigt. Falls ein Mann, der die Macht lenken kann, mithilfe eines <emphasis>Adam</emphasis> mit einer Frau verkn�pft wird, f�hrt das wahrscheinlich zu beider Tod. Selbst die blo�e Ber�hrung eines <emphasis>Adam</emphasis> durch einen Mann mit dieser F�higkeit verursacht ihm gro�e Schmerzen, falls dieser <emphasis>A'dam</emphasis> von einer Frau mit Zugang zur Wahren Quelle getragen wird.</p><p><strong>Aes Sedai</strong> (Aies Sehdai): Tr�ger der Einen Macht. Seit der Zeit des Wahnsinns sind alle �berlebenden Aes Sedai Frauen. Von vielen respektiert und verehrt, misstraut man ihnen und f�rchtet, ja, hasst sie weitgehend. Viele geben ihnen die Schuld an der Zerst�rung der Welt und allgemein glaubt man, sie w�rden sich in die Angelegenheiten ganzer Staaten einmischen. Gleichzeitig aber findet man nur wenige Herrscher ohne Aes Sedai-Berater, selbst in L�ndern, wo schon die Existenz einer solchen Verbindung geheim gehalten werden muss. Nach einigen Jahren, in denen sie die Macht gebrauchen, beginnen die Aes Sedai alterslos zu wirken, so dass auch eine Aes Sedai, die bereits Gro�mutter sein k�nnte, keine Alterserscheinungen zeigt, au�er vielleicht ein paar grauen Haaren <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Ajah; Amyrlin-Sitz).</p><p><strong>Aiel</strong> (Aiiehl): Die Bewohner der Aiel-W�ste. Gelten als wild und z�h. Vor dem T�ten verschleiern sie ihre Gesichter. Sie nehmen kein Schwert in die Hand, nicht einmal in t�dlichster Gefahr, und sie reiten nur unter Zwang auf einem Pferd, sind aber t�dliche Krieger, ob mit Waffen oder nur mit blo�en H�nden. Die Aielm�nner ben�tzen f�r den Kampf die Bezeichnung �der Tanz� und �der Tanz der Speere�. Sie sind in zw�lf Clans zersplittert: die Chareen, die Chodarra, die Daryne, die Goshien, die Miagoma, die Nakai, die Reyn, die Shaarad, die Shaido, die Shiande, die Taardad und die Tomanelle. Jeder Clan ist wiederum in Septimen eingeteilt. Manchmal sprechen sie auch von dem dreizehnten Clan, <emphasis>dem Clan, den es nicht gibt,</emphasis> den Jenn, die einst Rhuidean erbauten. Es geh�rt zum Allgemeinwissen, dass die Aiel einst den Aes Sedai den Dienst versagten und dieser S�nde wegen in die Aiel-W�ste verbannt wurden, und dass sie der Vernichtung anheim fallen, sollten sie noch einmal die Aes Sedai im Stich lassen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel-Kriegergemeinschaften).</p><p><strong>Aielkrieg</strong> (976-78 N�): Als K�nig Laman von Cairhien den Avendoraldera f�llte, �berquerten vier Clans der Aiel das R�ckgrat der Welt. Sie eroberten und brandschatzten die Hauptstadt Cairhien und viele andere kleine und gro�e St�dte im Land. Der Konflikt weitete sich schnell nach Andor und Tear aus. Im Allgemeinen glaubt man, die Aiel seien in der Schlacht an der Leuchtenden Mauer vor Tar Valon endg�ltig besiegt worden, aber in Wirklichkeit fiel K�nig Laman in dieser Schlacht, und die Aiel, die damit ihr Ziel erreicht hatten, kehrten �ber das R�ckgrat der Welt in ihre Heimat zur�ck.</p><p><strong>Aiel-Kriegergemeinschaften:</strong> Alle Aiel-Krieger sind Mitglieder einer von zw�lf Kriegergemeinschaften. Es sind die Schwarzaugen <emphasis>(Sein Doon),</emphasis> die Br�der des Adlers <emphasis>(Far Aldazar Din),</emphasis> die L�ufer der D�mmerung <emphasis>(Rahien Sorei),</emphasis> die Messerh�nde <emphasis>(Sovin Nai),</emphasis> die T�chter des Speers <emphasis>(Far Dareis Mai),</emphasis> die Bergt�nzer <emphasis>(Hama N'dore),</emphasis> die Nachtspeere <emphasis>(Core Darei),</emphasis> die Roten Schilde <emphasis>(Aethan Dar),</emphasis> die Steinhunde <emphasis>(Shae'en M'taal),</emphasis> die Donnerg�nger <emphasis>(Sha'mad Conde),</emphasis> die Blutabk�mmlinge <emphasis>(Tain Shari)</emphasis> und die Wassersucher <emphasis>(DuahdeMahdi'in).</emphasis> Jede Gemeinschaft hat eigene Br�uche und manchmal auch ganz bestimmte Pflichten. Zum Beispiel fungieren die Roten Schilde als Polizei. Steinsoldaten werden h�ufig als Nachhut bei R�ckzugsgefechten eingesetzt. Die T�chter des Speers sind gute Kundschafterinnen. Die Clans der Aiel bek�mpfen sich auch gelegentlich untereinander, aber Mitglieder der gleichen Gemeinschaft k�mpfen nicht gegeneinander, selbst wenn ihre Clans im Krieg miteinander liegen. So gibt es jederzeit, sogar w�hrend einer offenen kriegerischen Auseinandersetzung, Kontakt zwischen den Clans <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aiel).</p><p><strong>Aiel-W�ste:</strong> Das raue, zerrissene und fast wasserlose Gebiet �stlich des R�ckgrats der Welt, von den Aiel auch das Dreifache Land genannt. Nur wenige Au�enseiter wagen sich dorthin, nicht nur, weil es f�r jemanden, der dort nicht geboren wurde, fast unm�glich ist, Wasser zu finden, sondern auch, weil die Aiel sich im st�ndigen Kriegszustand mit allen anderen V�lkern befinden und keine Fremden m�gen. Nur fahrende H�ndler, Gaukler und die Tuatha'an d�rfen sich in die W�ste begeben, und sogar ihnen gegen�ber sind die Kontakte eingeschr�nkt, da sich die Aiel bem�hen, jedem Zusammentreffen mit den Tuatha'an aus dem Weg zu gehen, die von ihnen auch als �die Verlorenen� bezeichnet werden. Es sind keine Landkarten der W�ste bekannt.</p><p><strong>Ajah:</strong> Gemeinschaften unter den Aes Sedai. Es gibt sieben Ajahs, die durch ihre Farben gekennzeichnet werden: Blau, Rot, Wei�, Gr�n, Braun, Gelb und Grau. Bis auf den Amyrlin-Sitz geh�rt jede Aes Sedai einer von ihnen an. Jede Gruppe folgt ihrer eigenen Auslegung, was die Anwendung der Einen Macht betrifft sowie die eigentliche Aufgabe der Aes Sedai. Die Rote Ajah setzt all ihre Kr�fte dazu ein, M�nner, die die Macht lenken k�nnen, zu finden und zu d�mpfen. Die Schwestern der Braunen entsagen allem Weltlichen und widmen ihr Dasein der Suche nach Wissen, w�hrend die Wei�en gr��tenteils weder mit der Welt noch mit weltlichem Wissen etwas zu tun haben wollen und sich den Fragen der Philosophie und der Wahrheit widmen. Die Gr�ne Ajah (die w�hrend der Trolloc-Kriege auch Kampf-Ajah genannt wurde), h�lt sich f�r Tarmon Gai'don bereit. Die Gelben Schwestern widmen sich der Heilung von Krankheiten und die Blauen studieren die Rechtsprechung. Die Grauen sind Vermittler und stiften Frieden und Konsens. Die Existenz einer Schwarzen Ajah, die sich den Zielen des Dunklen K�nig verschrieben hat, wird offiziell und vehement bestritten.</p><p><strong>Algai'd'siswai:</strong> In der Alten Sprache �K�mpfer des Speers� oder �Speerk�mpfer�. Mit diesem Namen bezeichnet man Aiel, die den Speer tragen und in den Kampf ziehen, im Gegensatz zu jenen, die ein Handwerk aus�ben.</p><p><strong>Amyrlin-Sitz,</strong> der: (1) Titel der F�hrerin der Aes Sedai. Auf Lebenszeit vom Turmrat, dem h�chsten Gremium der Aes Sedai, gew�hlt; dieser besteht aus je drei Abgeordneten (die man Sitzende nennt, wie z.B. �Sitzende der Gr�nen�) der sieben Ajahs. Der Amyrlin-Sitz hat, jedenfalls theoretisch, die uneingeschr�nkte Macht �ber die Aes Sedai. Sie hat etwa den Rang einer K�nigin. Etwas weniger formell ist die Bezeichnung: die Amyrlin. (2) Thron der F�hrerin der Aes Sedai.</p><p><strong>Amys:</strong> Die Weise Frau der Kaltfelsenfestung. Sie ist eine Traumg�ngerin, eine Aiel der Neun-T�ler-Septime der Taardad Aiel. Verheiratet mit Rhuarc, Schwesterfrau der Lian, der Dachherrin der Kaltfelsenfestung. Amys ist die Schwestermutter von Aviendha.</p><p><strong>Angreal:</strong> Ein �berbleibsel aus dem Zeitalter der Legenden. Es erlaubt einer Person, die die Eine Macht lenken kann, einen st�rkeren Energiefluss zu meistern, als das sonst ohne Hilfe und Lebensgefahr m�glich w�re. Einige wurden zur Benutzung durch Frauen hergestellt, andere f�r M�nner. Ger�chte �ber <emphasis>Angreale,</emphasis> die von beiden Geschlechtern ben�tzt werden k�nnen, wurden nie best�tigt. Es ist heute nicht mehr bekannt, wie sie angefertigt wurden. Es existieren nur noch sehr wenige <emphasis>(siehe auch: Sa'angreal, Ter'angreal).</emphasis></p><p><strong>Asha'man:</strong> (1) In der Alten Sprache �W�chter�, immer ein W�chter von Gerechtigkeit und Wahrheit. (2) Die Bezeichnung der M�nner � sowohl allgemein als auch im Sinne eines Ranges �, die zur Schwarzen Burg in der N�he von Caemlyn in Andor gezogen sind, um dort den Gebrauch der Einen Macht zu erlernen. Ihre Ausbildung konzentriert sich auf die M�glichkeiten, die Eine Macht als Waffe zu benutzen. Sobald sie gelernt haben, <emphasis>Saidin,</emphasis> die m�nnliche H�lfte der Macht, zu ergreifen, wird von ihnen verlangt � eine weitere Abweichung von den Gepflogenheiten der Wei�en Burg �, alle m�hevollen Arbeiten mithilfe der Macht zu erledigen. Ein neu aufgenommener Rekrut wird Soldat genannt; er tr�gt einen schlichten schwarzen Mantel mit einem hohen Kragen nach der andoranischen Mode. Mit der Bef�rderung zum Geweihten erh�lt er das Recht, eine als Schwert bezeichnete silberne Anstecknadel am Mantelkragen zu tragen. Die Bef�rderung zum Asha'man beinhaltet das Recht, auf der dem Schwert gegen�berliegenden Kragenseite die aus Gold und rotem Emaille bestehende Anstecknadel in Form eines Drachen zu tragen. Obwohl viele Frauen � einschlie�lich der Ehefrauen � die Flucht ergreifen, wenn sie erfahren, dass ihr Mann die Macht lenken kann, sind eine stattliche Anzahl der M�nner aus der Schwarzen Burg verheiratet, und sie benutzen eine Abart des Beh�terbundes, um eine Verbindung zu ihren Frauen herzustellen. Dieser Bund wurde k�rzlich so modifiziert, dass er Gehorsam erzwingt, und dazu benutzt, gefangene Aes Sedai gef�gig zu machen.</p><p><strong>Aufgenommene:</strong> Junge Frauen in der Ausbildung zur Aes Sedai, die eine bestimmte Stufe erreicht und einige Pr�fungen bestanden haben. Normalerweise braucht man f�nf bis zehn Jahre, um von der Novizin zur Aufgenommenen erhoben zu werden. Die Aufgenommenen sind in ihrer Bewegungsfreiheit weniger eingeschr�nkt als die Novizinnen, und es ist ihnen innerhalb bestimmter Grenzen sogar erlaubt, eigene Studiengebiete zu w�hlen. Eine Aufgenommene hat das Recht, einen Gro�en Schlangenring zu tragen, aber nur am dritten Finger ihrer linken Hand. Wenn eine Aufgenommene zur Aes Sedai erhoben wird, w�hlt sie ihre Ajah, erh�lt das Recht, deren Stola zu tragen und darf den Ring an jedem Finger oder auch gar nicht tragen, je nachdem, was die Umst�nde von ihr verlangen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Aes Sedai).</p><p><strong>Avendoraldera:</strong> Ein in Cairhien aus einem Avendesora-Keim gezogener Baum. Der Keimling war ein Geschenk der Aiel im Jahre 566 N�. Es gibt aber keinen zuverl�ssigen Bericht �ber eine Verbindung zwischen den Aiel und dem legend�ren Baum des Lebens.</p><p><strong>Balwer, Sebban:</strong> ehemals Pedron Nialls offizieller Sekret�r und insgeheim sein Meister der Spione. Er half aus ureigenen Beweggr�nden in Amador Morgase bei ihrer Flucht vor den Seanchanern und ist jetzt der Sekret�r von Perrin t'Bashere Aybara und Falle ni Bashere t'Aybara.</p><p><strong>Beh�ter:</strong> Ein Krieger, der durch den Beh�terbund mit einer Aes Sedai verbunden ist. Dies geschieht mithilfe der Einen Macht und er erh�lt dadurch besondere F�higkeiten. Er hat st�rkere Heilkr�fte, kommt lange Zeit ohne Nahrung, Wasser und Schlaf aus und kann den Einfluss des Dunklen K�nigs auf gr��ere Entfernung sp�ren. Beh�ter und Aes Sedai teilen durch den Bund gewisse physische und emotioneile Empfindungen. Solange ein Beh�ter am Leben ist, ist sich die mit ihm verbundene Aes Sedai dieser Tatsache bewusst � ganz egal, wie weit er von ihr entfernt ist �, und wenn er stirbt, wird sie den Augenblick und die Art seines Todes kennen. Die meisten Ajahs vertreten die Auffassung, dass eine Aes Sedai nur mit einem Beh�ter verbunden sein sollte, allerdings weigern sich die Roten Ajah, �berhaupt einen Bund einzugehen, w�hrend die Gr�nen Ajah der Meinung sind, eine Aes Sedai sollte so viele Beh�ter haben, wie sie f�r richtig h�lt. Ein Beh�ter sollte den Bund freiwillig eingehen, aber es ist vorgekommen, dass ihm der Bund gegen seinen Willen aufgezwungen wurde. Was die Aes Sedai von der Verbindung haben, ist ein wohlgeh�tetes Geheimnis. Allen historischen Aufzeichnungen zufolge sind Beh�ter immer nur M�nner gewesen, aber k�rzlich ging eine Frau den Bund ein, bei dem es daraufhin zu gewissen anderen Eigenschaften kam <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Birgitte)</p><p><strong>Birgitte:</strong> Beh�terin von Elayne Trakand, vermutlich die erste weibliche Beh�terin �berhaupt, eine Tatsache, die eine Reihe von gr��tenteils unerwarteten Schwierigkeiten mit sich bringt. Birgitte ist in Wahrheit die legend�re Heldin gleichen Namens, die zu jenen geh�rte, die durch das H�rn von Valere zur�ckgerufen werden sollten. W�hrend eines Kampfes mit Moghedien wurde sie aus dem <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> in die Welt der Lebenden gerissen und nur das Eingehen des Bundes mit Elayne konnte ihr Leben retten. Abgesehen von ihrer Sch�nheit und ihrem Geschick mit dem Bogen �hnelt sie nur wenig den Legenden, die man �ber sie erz�hlt.</p><p><strong>Blut, das:</strong> Bezeichnung der Seanchaner f�r ihren Adel. Man kann zum Blut sowohl erhoben als auch hineingeboren werden.</p><p><strong>Cha Faile:</strong> (1) In der Alten Sprache die �Krallen des Falken�. (2) Von jungen Cairhienern und Tairenern angenommener Name, die versuchen, dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zu folgen. Sie haben Faile ni Bashere t'Aybara den Treueid geschworen und handeln im Geheimen als ihre pers�nlichen Sp�her und Spione.</p><p><strong>Corenne:</strong> In der Alten Sprache �Die Wiederkehr�. Die Seanchaner bezeichnen damit sowohl die Flotte aus Tausenden von Schiffen wie auch die Hunderttausende von Soldaten, Handwerkern und anderen Menschen, die Schiffe transportierten und den Vorl�ufern folgen, um das Land zu beanspruchen, das Artur Falkenfl�gels Nachfahren gestohlen wurde, <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Hailene)</p><p><strong>Da'covale:</strong> (1) In der Alten Sprache bezeichnet man damit eine Person, die einer anderen geh�rt oder ihr �Besitz� ist. (2) Bei den Seanchanern wird dieser Begriff h�ufig f�r Besitzt�mer und Sklaven verwendet. In Seanchan hat die Sklaverei eine lange und ungew�hnliche Geschichte, da Sklaven die M�glichkeit haben, zu Positionen mit gro�er Macht und �ffentlicher Autorit�t aufzusteigen, darunter auch solche, in denen sie �ber freie B�rger bestimmen <emphasis>(siehe auch: So'jhin).</emphasis></p><p><strong>Damane:</strong> In der Alten Sprache �Die Gefesselten�. Frauen, die die Eine Macht lenken k�nnen, werden mithilfe eines <emphasis>A'dam</emphasis> unter Kontrolle gehalten und dienen den Seanchanern zu verschiedenen Zwecken, vor allem als Wunderwaffen im Krieg. Im ganzen Reich von Seanchan werden jedes Jahr junge Frauen gepr�ft, ob sie �ber die F�higkeit verf�gen, bis hin zu dem Alter, in dem sich die Gabe, die Macht gebrauchen zu k�nnen, in jedem Fall gezeigt h�tte. Genauso wie die jungen M�nner mit diesem Talent (die hingerichtet werden) werden die <emphasis>Damane</emphasis> aus den Familienb�chern und allen B�rgerlisten des Reiches gestrichen. Frauen, die dieses Talent besitzen, aber noch nicht zu <emphasis>Damane</emphasis> gemacht wurden, nennt man <emphasis>Marath'danwne,</emphasis> �jene, die an die Leine gelegt werden m�ssen� (siehe auch: <emphasis>Adam; Marath'danwne;</emphasis> Seanchan; <emphasis>Sul'dam).</emphasis></p><p><strong>Der'morat:</strong> (1) In der Alten Sprache �Meisterbezwinger�. (2) Bezeichnung der Seanchaner f�r einen Tierb�ndiger und Ausbilder von Exoten beziehungsweise f�r jeden Ausbilder, wobei das Suffix einen langj�hrigen und f�higen Meister bezeichnet, so wie beispielsweise in <emphasis>Der'morat'raken. Der'morat</emphasis> k�nnen eine ziemlich hohe soziale Stellung erreichen; der h�chste ist der <emphasis>Der'sul'dam,</emphasis> die Ausbilder der <emphasis>Sul'dam,</emphasis> die mit hohen Armeeoffizieren gleichzusetzen sind <emphasis>(siehe auch: Morat).</emphasis></p><p><strong>Drache,</strong> der: Ehrenbezeichnung f�r Lews Therin Telamon w�hrend des Schattenkrieges vor mehr als dreitausend Jahren. Als der Wahnsinn alle m�nnlichen Aes Sedai befiel, t�tete Lews Therin alle Angeh�rigen, die etwas von seinem Blut in sich trugen und jede Person, die er liebte. So bezeichnete man ihn anschlie�end als Bruderm�rder <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Wiedergeborener Drache, Prophezeiungen des Drachen).</p><p><strong>Erstschwester; Erstbruder:</strong> Diese Verwandschaftsbezeichn�ng bei den Aiel bedeutet einfach, die gleiche Mutter zu haben. Das ist f�r die Aiel eine engere Verwandtschaftsbeziehung, als vom gleichen Vater abzustammen.</p><p><strong>Fain, Padan:</strong> Ehemaliger Schattenfreund, der mittlerweile etwas viel Schlimmeres als ein Schattenfreund ist. Er ist genauso sehr ein Feind der Verlorenen wie Rand al'Thors, den er leidenschaftlich hasst. Zuletzt fungierte er unter dem Namen Jeraal Mordeth als Berater von Lord Toram Riatin bei dessen Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen in Cairhien.</p><p><strong>F�uste des Himmels:</strong> Leicht bewaffnete und gepanzerte seanchanische Infanterie, die auf den R�cken der gefl�gelten Kreaturen namens <emphasis>To'raken</emphasis> in die Schlacht ziehen. Es handelt sich ausschlie�lich um kleinw�chsige M�nner und Frauen, was gr��tenteils an dem geringen Gewicht liegt, das ein <emphasis>To'raken</emphasis> tragen kann. Sie gelten allgemein als die z�hesten verf�gbaren Soldaten und werden haupts�chlich f�r Sturmangriffe eingesetzt, zum Beispiel auf die Nachhut des Feindes, sowie in solchen F�llen, in denen es darauf ankommt, Soldaten in k�rzester Zeit an ihre Positionen zu bringen.</p><p><strong>Gai'schain:</strong> In der Alten Sprache �dem Frieden im Kampfe verschworen�, so weit dieser Begriff �berhaupt �bersetzt werden kann. Von einem Aiel, der w�hrend eines �berfalls oder einer bewaffneten Auseinandersetzung von einem anderen Aiel gefangen genommen wird, verlangt das <emphasis>ji'e'toh,</emphasis> dass er dem neuen Herren gehorsam ein Jahr und einen Tag dient und dabei keine Waffe anr�hrt und niemals Gewalt ben�tzt. Eine Weise Frau, ein Schmied oder eine Frau mit einem Kind unter zehn Jahren k�nnen nicht zu <emphasis>Gai'schain</emphasis> gemacht werden.</p><p><strong>Gef�hrten:</strong> die Milit�relite von Illian, die derzeit von dem Ersten Hauptmann Demetre Marcolin befehligt wird. Die Gef�hrten stellen die Leibwache f�r den K�nig von Illian und bewachen Schl�sselstellungen des Landes. Dar�ber hinaus hat man die Gef�hrten in der Schlacht traditionellerweise dazu eingesetzt, die st�rkste Position des Feindes anzugreifen, seine Schw�che auszunutzen und, falls n�tig, den R�ckzug des K�nigs zu decken. Im Gegensatz zu den meisten vergleichbaren Eliteeinheiten sind Ausl�nder nicht nur willkommen (mit Ausnahme von Tairenern, Altaranern und Murandianern), sie k�nnen sogar � genau wie normale Untertanen � in die h�chsten Positionen aufsteigen, was ebenfalls sehr ungew�hnlich ist. Die Uniform der Gef�hrten besteht aus einem gr�nen Mantel, einem Brustharnisch, auf dem die Neun Bienen von Illian eingraviert sind, sowie einem konischen Helm mit einem Stangenvisier. Der Erste Hauptmann tr�gt an den Manschetten vier aufgestickte goldene Ringe und drei schmale goldene Federn auf dem Helm. Der Zweite Hauptmann tr�gt an den Manschetten drei aufgestickte goldene Ringe und am Helm drei goldene Federn mit gr�nen Spitzen. Leutnants tragen an den Manschetten zwei gelbe Ringe und zwei gr�ne Federn auf dem Helm, Unterleutnants einen gelben Ring und eine gr�ne Feder. Bannertr�ger tragen zwei unterbrochene gelbe Ringe an der Manschette und eine gelbe Feder, Fu�soldaten einen einzigen unterbrochenen gelben Ring.</p><p><strong>Hailene:</strong> In der Alten Sprache �Vorl�ufer� oder �Jene, die vorher kommen�. Bezeichnung der Seanchaner f�r die gewaltige Expeditionsstreitmacht, die �ber das Aryth-Meer geschickt wurde, um die L�nder auszuspionieren, die einst von Arrur Falkenfl�gel beherrscht wurden. Seitdem sie unter dem Befehl der Hochlady Suroth steht und ihre Gr��e durch in den eroberten L�ndern eingezogene Rekruten stark angeschwollen ist, hat die Hailene ihre urspr�nglichen Ziele weit hinter sich gelassen.</p><p><strong>Hanion, Daved:</strong> Schattenfreund und ehemaliger Befehlshaber der Wei�en L�wen, der in den Diensten des Verlorenen Rahvin stand, w�hrend dieser als Lord Gaebril Caemlyn beherrschte. Sp�ter f�hrte Hanion befehlsgem�� die Wei�en L�wen nach Cairhien, um dort die Rebellion gegen den Wiedergeborenen Drachen voranzutreiben. Die Wei�en L�wen wurden von einer �Blase des B�sen� vernichtet und Hanion wurde zu bisher unbekannten Zwecken nach Caemlyn zur�ckbeordert.</p><p><strong>Hierarchie des Meervolks:</strong> Das Atha'an Miere, das Meervolk, wird von der Herrin der Schiffe des Atha'an Miere beherrscht. Dir zur Seite stehen die Windsucherinnen der Herrin der Schiffe sowie der Meister der Klingen. Den n�chsten untergeordneten Rang bekleiden die Herrinnen der Wogen der einzelnen Clans, von denen jede ebenfalls �ber eine Windsucherin und einen Schwertmeister verf�gen. Die Herrin der Wogen des betreffenden Clans herrscht �ber die Segelherrinnen (die Schiffskapit�ne), die den Befehl �ber die Schiffe haben und von ihren eigenen Windsucherinnen und Zahlmeistern unterst�tzt werden. Die Windsucherin der Herrin der Schiffe hat die Autorit�t �ber alle Windsucherinnen der Clan-Wellenherrinnen, von denen jede wiederum die Autorit�t �ber alle Windsucherinnen ihres Clans hat. Das Gleiche gilt f�r den Meister der Klingen, der die Autorit�t �ber alle Schwertmeister hat, denen wiederum die Zahlmeister ihres Clans unterstehen. Beim Meervolk ist Rang nicht erblich. Die Herrin der Schiffe wird auf Lebenszeit von den Ersten Zw�lf des Atha'an Miere gew�hlt, den zw�lf �ltesten Herrinnen der Wogen. Die Herrin der Wogen des Clans wird wiederum von den zw�lf �ltesten Segelherrinnen ihres Clans gew�hlt, die man schlicht die Ersten Zw�lf nennt � ein Begriff, der ebenfalls dazu benutzt wird, um die �lteste Segelherrin vor Ort zu benennen. Sie kann von denselben Ersten Zw�lf durch eine Abstimmung wieder abgesetzt werden. In der Tat kann bis auf die Herrin der Schiffe jeder wegen Gesetzes�bertretungen, Feigheit oder anderen Verbrechen bis hinunter zum einfachen Deckmatrosen degradiert werden. Beim Tod einer Herrin der Wogen oder der Herrin der Schiffe muss ihre Windsucherin notwendigerweise einer Frau mit niederem Rang dienen und ihr eigener Rang verringert sich deswegen ebenfalls.</p><p><strong>Ishara:</strong> Die erste K�nigin von Andor (zirka 994-1020 FJ). Nach dem Tod Artur Falkenfl�gels �berzeugte Ishara ihren Gemahl, einen von Falkenfl�gels wichtigsten Gener�len, die Belagerung von Tar Valon abzubrechen und sie mit so vielen Soldaten, wie er von dem Heer auf seine Seite ziehen konnte, nach Caemlyn zu begleiten. Wo viele andere versuchten, Falkenfl�gels ganzes Reich f�r sich zu erobern und scheiterten, nahm Ishara erfolgreich von einem kleinen Teil Besitz. Heutzutage weist fast jedes Adelshaus Andors etwas von Isharas Blut auf und der rechtm��ige Anspruch auf den L�wenthron h�ngt sowohl von der direkten Abstammung von ihr als auch von der nachgewiesenen Anzahl an Verbindungen zu ihr ab.</p><p><strong>Kusinen:</strong> Selbst w�hrend der Trolloc-Kriege vor mehr als zweitausend Jahren (zirka 1000-1350 NZ) hielt die Wei�e Burg ihren Standard aufrecht und schickte Frauen fort, die nicht die n�tigen Voraussetzungen erf�llten. Eine Gruppe solcher Frauen, die sich davor f�rchteten, w�hrend der Kriege nach Hause zur�ckzukehren, floh nach Barashta (in der N�he des heutigen Ebou Dar), so weit von den K�mpfen entfernt, wie es nur m�glich war. Sie bezeichneten sich als Kusinen, blieben im Untergrund und boten einen sicheren Hafen f�r all jene, die aus der Burg fortgeschickt wurden. Im Laufe der Zeit f�hrte die Verbindung mit Frauen, denen man befohlen hatte, die Burg zu verlassen, zu Kontakten mit Ausrei�erinnen, und obwohl man die wahren Gr�nde vermutlich nie erfahren wird, fingen die Kusinen an, auch Ausrei�erinnen bei sich aufzunehmen. Sie unternahmen gro�e Anstrengungen, dass diese M�dchen nichts �ber die Kusinen erfuhren, bis sie sicher sein konnten, dass die Aes Sedai sich nicht auf sie st�rzen und sie zur�ckholen w�rden. Schlie�lich war allgemein bekannt, dass Ausrei�erinnen fr�her oder sp�ter immer eingefangen wurden, und die Kusinen wussten ganz genau, dass man auch sie streng bestrafen w�rde, falls sie ihre Existenz nicht geheim hielten. Allerdings wussten die Aes Sedai der Wei�en Burg fast von Anfang an �ber sie Bescheid, doch die Kriege lie�en keine Zeit �brig, sich um sie zu k�mmern. Nach Beendigung der Kriege kam die Burg zu der Einsicht, dass es m�glicherweise nicht in ihrem besten Interesse lag, die Kusinen zu vernichten. Im Gegensatz zu den Verlautbarungen der Burg war vielen Ausrei�erinnen die Flucht gelungen, aber sobald die Kusinen ihnen halfen, wusste die Burg genau, in welche Richtung sie flohen, und nun holte sie neun von zehn zur�ck. Da die Kusinen in dem Bem�hen, ihre Existenz und ihre Anzahl zu verbergen, Barashta (und sp�ter Ebou Dar) immer wieder verlie�en, um sp�ter wieder dorthin zur�ckzukehren, und nie l�nger als zehn Jahre an einem Ort blieben, damit niemand bemerkte, dass sie nicht wie andere Menschen alterten, kam die Burg zu dem Glauben, dass es nur wenige von ihnen gab, die niemals gro�es Aufsehen erregten. Um die Kusinen als Falle f�r Ausrei�erinnen zu benutzen, entschied sich die Burg, sie im Gegensatz zu jeder �hnlichen Verbindung im Verlauf der Geschichte in Ruhe zu lassen. Tats�chlich ist sogar die Existenz der Kusinen ein Geheimnis, das allein den anerkannten Aes Sedai bekannt ist. Die Kusinen haben keine Gesetze, sondern nur Regeln, die teilweise auf dem Regelwerk der Wei�en Burg f�r Novizinnen und Aufgenommene basieren und teilweise auf der Notwendigkeit zur Geheimhaltung. Wie bei der Entstehungsgeschichte der Kusinen vielleicht zu erwarten ist, werden die Regeln bei allen Mitgliedern sehr streng eingehalten. K�rzlich erfolgte offene Kontakte zwischen Aes Sedai und Kusinen sind zwar nur einer Hand voll Schwestern bekannt, haben jedoch zu schockierenden Erkenntnissen gef�hrt, einschlie�lich der Tatsache, dass es doppelt so viele Kusinen wie Aes Sedai gibt. Dar�ber hinaus sind einige von ihnen mehr als hundert Jahre �lter, als jede Aes Sedai seit Beginn der Trolloc-Kriege und auch schon zuvor geworden ist. Die Auswirkungen dieser Enth�llungen sowohl auf die Kusinen wie auf die Aes Sedai ist jedoch noch eine Sache der Spekulation <emphasis>(siehe auch:</emphasis> N�hkr�nzchen).</p><p><strong>Lanzenhauptmann:</strong> In den meisten L�ndern f�hren Adelsfrauen ihre Heere nicht pers�nlich in den Kampf. Stattdessen nehmen sie professionelle Soldaten in Dienst, meistens einen Mann von niederer Geburt, der f�r die Ausbildung und das Kommando �ber die Bewaffneten verantwortlich ist. Je nach Land nennt man diesen Mann Lanzenhauptmann, Schwerthauptmann, Meister der Pferde oder Meister der Lanzen. Unweigerlich entstehen oft Ger�chte �ber eine engere Beziehung als zwischen Lady und Diener. Manchmal entsprechen sie sogar der Wahrheit.</p><p><strong>Legion des Drachen:</strong> Eine gro�e Milit�rformation, die nur aus Infanterie besteht und dem Wiedergeborenen Drachen die Treue geschworen hat. Ihre Ausbildung liegt in den H�nden von Davram Bashere, und zwar nach Vorschriften, die er selbst zusammen mit Mat Cauthon erarbeitet hat und die sich rigoros vom �blichen Einsatz der Fu�soldaten unterscheiden. Viele M�nner melden sich als Freiwillige, aber ein gro�er Teil der Legion wird von Rekr�tier�ngskommandos der Schwarzen Burg herangeschafft, die zuerst alle M�nner, die bereit sind, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen, an einer Sammelstelle zusammenholen, und auch das erst, nachdem sie sie durch Wegetore in die N�he von Caemlyn schaffen, um diejenigen herauszusieben, die man im Gebrauch der Einen Macht unterweisen kann. Der Rest � bei weitem der gr��ere Teil � wird in Basheres Ausbildungslager geschickt.</p><p><strong>Marath'damane:</strong> In der Alten Sprache �jene, die an die Leine gelegt werden m�ssen� und �eine, die man anleinen muss�. So bezeichnen die Seanchaner jede Frau, die die Macht lenken kann und nicht den Kragen einer <emphasis>Dom�ne</emphasis> tr�gt <emphasis>(siehe auch: Damme).</emphasis></p><p><strong>Mera'din:</strong> In der Alten Sprache �die Bruderlosen�. Der Name wurde von jenen Aiel angenommen, die Clan und Septime verlie�en und sich den Shaido anschl�ssen, weil sie Rand al'Thor, einen Feuchtl�nder, nicht als den <emphasis>Car'a'carn</emphasis> akzeptieren konnten oder sich weigerten, seine Enth�llungen �ber die Geschichte und die Urspr�nge der Aiel zu glauben. Clan und Septime zu verlassen � egal, aus welchem Grund � ist unter Aiel eine unvorstellbare Tat, weswegen die Kriegergemeinschaften der Shaido sie nicht aufnehmen wollten. Daher gr�ndeten sie ihre eigene Gemeinschaft, die Bruderlosen.</p><p><strong>Meister der Lanzen:</strong><emphasis>siehe auch:�</emphasis>Lanzenhauptmann</p><p><strong>Meister der Pferde:</strong><emphasis>siehe auch:�</emphasis>Lanzenhauptmann</p><p><strong>Moiraine Damodred:</strong> Eine Aes Sedai der Blauen Ajah. Sie ben�tzt nur selten ihren Familiennamen und h�lt ihre Beziehung zum Hause Damodred meist geheim. Geboren 956 N� im K�niglichen Palast von Cairhien. Nachdem sie 972 N� als Novizin in die Wei�e Burg kam, machte sie dort rasch Karriere. Sie wurde nach nur drei Jahren zur Aufgenommenen erhoben und drei Jahre sp�ter, am Ende des Aielkriegs, zur Aes Sedai. Von diesem Zeitpunkt an begann sie ihre Suche nach dem jungen Mann, der � den Prophezeiungen der Aes Sedai Gitara Morose zufolge � w�hrend der Schlacht an der Leuchtenden Mauer am Abhang des Drachenbergs geboren wurde und der zum Wiedergeborenen Drachen bestimmt war. Sie war es auch, die Rand al'Thor, Mat Cauthon, Petrin Aybara und Egwene al'Vere von den Zwei Fl�ssen fortbrachte. Sie verschwand w�hrend eines Kampfes mit Lanfear in Cairhien in einem <emphasis>Ter'angreal</emphasis> und wurde, dem Anschein nach, genauso get�tet wie die Verlorene.</p><p><strong>Morat-:</strong> In der Alten Sprache �Tierb�ndiger�. Die Seanchaner bezeichnen damit die M�nner und Frauen, die die Exoten abrichten; es gibt <emphasis>Morat'raken, Rakenb�ndiger</emphasis> oder Reiter, die zwanglos auch Flieger genannt werden <emphasis>(siehe auch: Der'morat).</emphasis></p><p><strong>N�hkr�nzchen:</strong> Die Anf�hrerinnen der Kusinen. Da keine Angeh�rige der Kusinen jemals erfahren hat, wie die Hierarchie der Aes Sedai funktioniert � das Wissen dar�ber wird erst dann weitergegeben, wenn eine Aufgenommene die Pr�fung f�r die Stola bestanden hat �, legten sie keinen Wert auf die St�rke in der Macht, sondern ma�en dem Alter ein gr��eres Gewicht zu; so nimmt die �ltere Frau immer einen h�heren Rang als die j�ngere ein. Das N�hkr�nzchen (die Bezeichnung wurde gew�hlt, weil sie � wie der Begriff Kusine � unverf�nglich ist) setzt sich daher aus den dreizehn �ltesten in Ebou Dar wohnenden Kusinen zusammen und die Frau mit dem h�chsten Alter und damit die Vorsitzende tr�gt den Titel �lteste. Nach den Regeln m�ssen alle zur�cktreten, wenn die Zeit zum Weiterziehen gekommen ist, aber so lange sie in Ebou Dar beheimatet sind, haben sie die absolute Autorit�t �ber die Kusinen, und zwar in einem Ma�, um das sie jeder Amyrlin-Sitz beneiden w�rde <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kusinen).</p><p><strong>Ogien</strong> (1) Eine nichtmenschliche Rasse. Typisch f�r Ogier sind ihre Gr��e (m�nnliche Ogier werden im Durchschnitt zehn Fu� gro�), ihre breiten, r�sselartigen Nasen und die langen, mit Haarb�scheln bewachsenen Ohren. Sie wohnen in Gebieten, die sie <emphasis>Stedding</emphasis> nennen. Nach der Zerst�rung der Welt (von den Ogiern das Exil genannt) waren sie aus diesen <emphasis>Stedding</emphasis> vertrieben und das f�hrte zu einer als �das Sehnen� bezeichneten Erscheinung: Ein Ogier, der sich zu lange au�erhalb seines Stedding aufh�lt, erkrankt und stirbt schlie�lich. Sie sind in informierten Kreisen bekannt als extrem gute Steinbaumeister, die fast alle gro�en St�dte der Menschen nach der Zerst�rung erbauten. Sie selbst betrachten diese Kunst allerdings nur als etwas, das sie w�hrend des Exils erlernten und das nicht so wichtig ist wie das Pflegen der B�ume in einem <emphasis>Stedding,</emphasis> besonders der hochaufragenden Gro�en B�ume. Au�er zu ihrer Arbeit als Steinbaumeister verlassen sie ihr <emphasis>Stedding</emphasis> nur selten und wollen mit der Menschheit nichts zu tun haben. Man wei� unter Menschen nur sehr wenig �ber sie und viele halten die Ogier sogar f�r blo�e Legenden. Obwohl sie als friedliebend gelten und nur sehr schwer zu erregen sind, hei�t es in einigen alten Berichten, sie h�tten w�hrend der Trolloc-Kriege Seite an Seite mit den Menschen gek�mpft. Dort werden sie als m�rderische Gegner bezeichnet. Im Gro�en und Ganzen sind sie ungemein wissensdurstig, und ihre B�cher und Berichte enthalten oftmals Informah'onen, die bei den Menschen l�ngst verloren gegangen sind. Die normale Lebenserwartung eines Ogiers ist etwa drei- oder viermal so hoch wie bei Menschen. (2) Jedes Individuum dieser nichtmenschlichen Rasse <emphasis>(siehe auch: Stedding).</emphasis></p><p><strong>Prophet:</strong> Die formelle Bezeichnung lautet Prophet des Lord Drachen. Einst war Masema Dagar ein schienarischer Soldat, der eine Offenbarung erlebte und entschied, dass er dazu auserw�hlt wurde, die Worte des Wiedergeborenen Drachen auf der Welt zu verbreiten. Er glaubt, dass es nichts Wichtigeres gibt, als die Tatsache anzuerkennen, dass der Wiedergeborene Drache das gestaltgewordene Licht ist und man willens ist, seinem irgendwann erschallenden Ruf zu folgen. Er und seine Anh�nger sind zu jeder Gewalttat bereit, um andere zu zwingen, die glorreichen Taten des Wiedergeborenen Drachen zu preisen. Er hat seinem Namen entsagt, l�sst sich nur noch als �der Prophet� ansprechen und hat gro�e Teile von Ghealdan und Amadicia, die nun unter seiner Herrschaft stehen, ins Chaos gest�rzt.</p><p><strong>Prophezeiungen des Drachen:</strong> Ein nur unter den ausgesprochen Gebildeten bekannter Zyklus von Weissagungen, der auch selten erw�hnt wird. Man findet ihn im gr��eren Karaethon Zyklus. Es wird dort vorausgesagt, dass der Dunkle K�nig wieder befreit werde, und dass Lews Therin Telamon, der Drache, wiedergeboren werde, um in Tarmon Gai'don, der Letzten Schlacht gegen den Schatten, zu k�mpfen. Es wird prophezeit, dass er die Welt abermals rettet und erneut zerst�ren wird <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache).</p><p><strong>R�ckkehr:</strong><emphasis>siehe auch:</emphasis> Corenne</p><p><strong>Sa'angreal:</strong> Ein extrem seltenes Objekt, das einem Menschen erlaubt, die Eine Macht in viel st�rkerem Ma�e als sonst m�glich zu ben�tzen. Ein <emphasis>Sa'angreal</emphasis> �hnelt einem <emphasis>Angreal,</emphasis> ist jedoch ungleich st�rker. Die Menge der Einen Macht, die man mit einem <emphasis>Sa'angreal</emphasis> beherrschen kann, ist betr�chtlich gr��er als die mithilfe eines <emphasis>Angreals</emphasis> kontrollierte. Das Verh�ltnis entspricht etwa der Macht, die man mit einem <emphasis>Angreal</emphasis> kontrolliert im Gegensatz zu der, die man ohne jedes Hilfsmittel lenkt. Sie sind Relikte des Zeitalters der Legenden. Es ist nicht mehr bekannt, wie sie angefertigt wurden. Wie die <emphasis>Angreal</emphasis> sind auch sie geschlechterspezifisch und k�nnen entweder nur von einer Frau oder einem Mann eingesetzt werden. Es gibt nur noch eine Hand voll davon, weit weniger sogar als <emphasis>Angreale.</emphasis></p><p><strong>Schwerthauptmann:</strong><emphasis>siehe auch:</emphasis> Lanzenhauptmann</p><p><strong>Seanchan:</strong> Das Land, aus dem die Nachkommen der Streitmacht stammen, die Artur Falkenfl�gel �ber das Aryth-Meer sandte, um die dort gelegenen L�nder zu erobern. Sie glauben, dass man aus Sicherheitsgr�nden jede Frau, die mit der Macht umgehen kann, durch einen <emphasis>A'dam</emphasis> kontrollieren muss. Aus dem gleichen Grund werden solche M�nner get�tet.</p><p><strong>Sei'mosiev:</strong> In der Alten Sprache �gesenkter Blick�. Ist bei den Seanchanern die Rede davon, dass jemand <emphasis>sei'mosiev</emphasis> wurde, bedeutet das, dass er das �Gesicht verloren� hat <emphasis>(siehe auch:</emphasis><emphasis>Sei'taer).</emphasis></p><p><strong>Sei'taer:</strong> In der Alten Sprache �offener Blick�. Die Seanchaner bezeichnen damit Ehre oder �Gesicht�, die F�higkeit, jemandem ohne Scham in die Augen sehen zu k�nnen. Es ist m�glich, <emphasis>sei'taer</emphasis> �zu haben�, was so viel bedeutet, dass man eine ehrenhafte Person ist, die einem anderen offen ins Gesicht sehen kann, so wie es m�glich ist, <emphasis>sei'taer</emphasis> zu �gewinnen� oder zu �verlieren� <emphasis>(siehe auch: sei'mosiev).</emphasis></p><p><strong>Shen an Calhar:</strong> In der Alten Sprache �die Bande der Roten Hand�. (1) Eine legend�re Gruppe von Helden, die viele Abenteuer bestand und schlie�lich bei der Verteidigung von Manetheren starb, als das Land w�hrend der Trolloc-Kriege vernichtet wurde. (2) Eine Truppenformation, die eher zuf�llig von Mat Cauthon begr�ndet wurde; sie ist �hnlich den Streitkr�ften organisiert, die es auf dem H�hepunkt der milit�rischen Kunst gab, den Tagen von Artur Falkenfl�gel und den unmittelbar darauf folgenden Jahrhunderten.</p><p><strong>So'jhin:</strong> Die treffendste �bersetzung aus der Alten Sprache d�rfte die Umschreibung �Erhabenheit unter Niederen� sein, obwohl es einige auch als �sowohl Himmel wie auch Tal� �bersetzen. Mit <emphasis>So'jhin</emphasis> bezeichnen Seanchaner die H�heren Diener, deren Rang erblich ist. Sie sind <emphasis>Da'covale,</emphasis> Besitz, bekleiden jedoch Positionen von betr�chtlicher Autorit�t und Macht. Selbst Angeh�rige des Blutes behandeln die <emphasis>So'jhin</emphasis> der Kaiserfamilie mit Vorsicht und sprechen die pers�nlichen <emphasis>So'jhin</emphasis> der Kaiserin als Gleichgestellte an <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Blut, <emphasis>Da'covale).</emphasis></p><p><strong>Sul'dam:</strong> W�rtlich: �Tr�gerin der Leine�. Bezeichnung der Seanchaner f�r eine Frau mit der F�higkeit, <emphasis>Damane �</emphasis> Frauen, die die Eine Macht lenken k�nnen � zu beherrschen und mithilfe eines <emphasis>Adam</emphasis> unter Kontrolle zu halten. Junge Frauen werden von den Seanchanern im gleichen Alter und zur gleichen Zeit auf diese F�higkeit hin �berpr�ft wie die <emphasis>Damane</emphasis> selbst. Eine relativ ehrenvolle Position in der seanchanischen Gesellschaft. Man findet viel mehr <emphasis>Sul'dam</emphasis> als <emphasis>Damane (siehe auch: A'dam; Damane;</emphasis> Seanchan)</p><p><strong>Stedding,</strong> das: Eine Ogier-Enklave. Viele <emphasis>Stedding</emphasis> sind seit der Zerst�rung der Welt verlassen worden. In Erz�hlungen und Legenden werden sie als Zufluchtsst�tte bezeichnet, und das aus gutem Grund. Auf eine heute nicht mehr bekannte Weise wurden sie abgeschirmt, sodass in ihrem Bereich die Eine Macht nicht angewendet werden kann und nicht einmal eine Spur der Wahren Quelle wahrzunehmen ist. Versuche, von au�erhalb eines <emphasis>Stedding</emphasis> mithilfe der Einen Macht in deren Innerem einzugreifen, blieben erfolglos. Kein Trolloc wird ohne Not ein Stedding betreten und selbst ein Myrddraal betritt es nur, wenn er dazu gezwungen ist, und dann auch nur z�gernd und mit gr��ter Abscheu. Sogar echte und hingebungsvolle Schattenfreunde f�hlen sich in einem <emphasis>Stedding</emphasis> �u�erst unwohl.</p><p><strong>Tel'aran'rhiod:</strong> In der Alten Sprache: �die unsichtbare Welt� oder �die Welt der Tr�ume�. Eine Welt, die man in Tr�umen manchmal sehen kann. Nach den Angaben der Alten durchdringt und umgibt sie alle m�glichen Welten. Im Gegensatz zu anderen Tr�umen ist das, was dort mit lebendigen Dingen geschieht, v�llig real. Wenn man dort also eine Wunde empf�ngt, ist diese beim Erwachen immer noch vorhanden, und einer, der dort stirbt, erwacht nie mehr. Ansonsten hat aber das, was dort geschieht, keinerlei Einfluss auf die wachende Welt. Viele Menschen k�nnen <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> kurze Augenblicke lang in ihren Tr�umen ber�hren, aber nur wenige haben je die F�higkeit besessen, aus freien St�cken dort einzudringen, wenn auch einige <emphasis>Ter'angreale</emphasis> entdeckt wurden, die eine solche F�higkeit unterst�tzen. Mithilfe eines solchen <emphasis>Ter'angreals</emphasis> k�nnen auch Menschen in die Welt der Tr�ume eintreten, die nicht die F�higkeit zum Gebrauch der Macht besitzen <emphasis>(siehe auch: Ter'angreal).</emphasis></p><p><strong>Ter'angreal:</strong> Gegenst�nde aus dem Zeitalter der Legenden, die die eine Macht verwenden oder bei deren Gebrauch helfen. Im Gegensatz zu <emphasis>Angrealen</emphasis> und <emphasis>Sa'angrealen</emphasis> wurde jeder <emphasis>Ter'angreal</emphasis> zu einem ganz bestimmten Zweck hergestellt. So verwandelt beispielsweise ein Eidstab den auf ihn geleisteten Eid zu etwas absolut Bindendem. Aes Sedai benutzen diverse <emphasis>Ter'angreale,</emphasis> aber bei vielen ist die urspr�ngliche Anwendung in Vergessenheit geraten. Manche erfordern den Einsatz der Einen Macht, um zu funktionieren, andere wiederum auch nicht. Einige t�ten sogar oder zerst�ren die F�higkeit einer Frau, die sie ben�tzt, die Eine Macht zu lenken. Wie bei den <emphasis>Angrealen</emphasis> und <emphasis>Sa'angrealen</emphasis> ist nicht mehr bekannt, wie man sie herstellt. Dieses Geheimnis ging nach der Zerst�rung der Welt verloren <emphasis>(siehe auch: Angreal; Sa'angreal).</emphasis></p><p><strong>Tiefenschau:</strong> (1) Die F�higkeit, mithilfe der Einen Macht Krankheiten zu diagnostizieren. (2) Die F�higkeit, mithilfe der Einen Macht Erzvorkommen aufzusp�ren. Dies ist eine seit langem verschollene F�higkeit der Aes Sedai, was wom�glich auch der Grund daf�r ist, dass der Name heute eine andere F�higkeit bezeichnet.</p><p><strong>T�chter des Schweigens:</strong> W�hrend der (dreitausend Jahre umfassenden) Geschichte der Wei�en Burg wurden immer wieder Frauen fortgeschickt, die sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden wollten und den Versuch unternahmen, sich zu einer Gruppe zusammenzuschlie�en. Solche Gruppen wurden stets von der Wei�en Burg aufgel�st, sobald sie bekannt wurden, und ihre Mitglieder in aller �ffentlichkeit streng bestraft, um sicherzugehen, dass auch jeder die Botschaft verstand. Die letzte aufgel�ste Gruppe nannte sich selbst T�chter des Schweigens (794-798 N�). Die T�chter bestanden aus zwei Aufgenommenen, die man aus der Burg fortgeschickt hatte, und dreiundzwanzig Frauen, die sie aufgesp�rt und ausgebildet hatten. Sie wurden nach Tar Valon geschafft und bestraft, die dreiundzwanzig wurden in das Novizinnenbuch aufgenommen. Nur eine davon errang die Stola <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kusinen).</p><p><strong>Totenwache:</strong> Eliteeinheit des seanchanischen Kaiserreichs, in der sowohl Menschen wie auch Ogier dienen. Die menschlichen Mitglieder der Totenwache sind alle <emphasis>Da'covale,</emphasis> die als Sklaven geboren und in fr�hester Jugend ausgew�hlt wurden, um der Kaiserin, zu deren Besitz sie z�hlen, zu dienen. Bis zum Fanatismus loyal und von wildem Stolz erf�llt haben sie oftmals Raben auf die Schultern t�towiert, das Zeichen eines <emphasis>Da'covale</emphasis> der Kaiserin. Helme und R�stung sind dunkelgr�n und blutrot lackiert, die Schilde sind schwarz lackiert, und Speere und Schwerter haben schwarze Quasten <emphasis>(siehe auch: Da'covale).</emphasis></p><p><strong>Vereinigung:</strong> Als die von Artur Falkenfl�gel ausgesandten Heere unter dem Kommando seines Sohnes Luthair in Seanchan landeten, entdeckten sie einen sich in st�ndiger Ver�nderung befindlichen Flickenteppich aus Nationen, die permanent miteinander Krieg f�hrten und die h�ufig von Aes Sedai beherrscht wurden. Ohne ein Gegenst�ck zur Wei�en Burg k�mpften die Aes Sedai mithilfe der Einen Macht um die Vergr��erung ihrer pers�nlichen Reiche. Sie bildeten kleine Gruppen und intrigierten st�ndig gegeneinander. Diese Intrigen drehten sich gr��tenteils um den Gewinn pers�nlicher Vorteile. Die daraus entstandenen Kriege unter den zahllosen Nationen erm�glichten den aus dem Osten �ber das Aryth-Meer eingedrungenen Heeren �berhaupt erst, mit der Eroberung eines ganzen Kontinents zu beginnen, die sp�ter von ihren Nachkommen vollendet wurde. Diese Eroberung, in deren Verlauf die Nachkommen der urspr�nglichen Soldaten nicht nur ihre Herrschaft auf ganz Seanchan ausdehnten, sondern zu Seanchanern wurden, dauerte l�nger als neunhundert Jahre und wird als die Vereinigung bezeichnet.</p><p><strong>Verlorene:</strong> Name von dreizehn m�chtigen Aes Sedai, sowohl M�nner als auch Frauen, die w�hrend des Zeitalters der Legenden zum Schatten �berliefen und in der Versiegelung des Stollens zum Gef�ngnis des Dunklen K�nigs gefangen wurden. Obwohl lange Zeit angenommen wurde, dass w�hrend des Schattenkrieges allein sie das Licht aufgaben, gab es in Wahrheit noch andere; diese dreizehn nahmen lediglich die h�chsten R�nge ein. Die Verlorenen (die sich selbst die Auserw�hlten nennen) sind seit ihrem Erwachen in der neuen Zeit dezimiert worden. Die bekannten �berlebenden sind Demandred, Semirhage, Graendal, Mesaana, Moghedien sowie zwei andere, die in neuen K�rpern wiedergeboren wurden und die neuen Namen Osan'gar und Aran'gar erhielten. K�rzlich erschien ein Mann, der sich Moridin nennt und bei dem es sich m�glicherweise um einen weiteren toten Verlorenen handelt, der vom Dunklen K�nig von jenseits des Grabes zur�ckgeholt wurde. Das Gleiche trifft vielleicht auf die Frau namens Cyndane zu, aber da Aran'gar ein Mann war, der als Frau zur�ckgebracht wurde, k�nnten sich die Spekulationen �ber Moridin und Cyndane als sinnlos erweisen, bevor man mehr erfahren hat.</p><p><strong>Verteidiger des Steins:</strong> Milit�rische Eliteeinheit von Tear. Der derzeitige Hauptmann des Steins (und Befehlshaber der Verteidiger) ist Rodrivar Tihera. Nur Tairener werden als Verteidiger akzeptiert, und die Offiziere sind f�r gew�hnlich von adliger Geburt, obwohl sie oftmals niederen H�usern oder unbedeutenden Seitenzweigen m�chtiger H�user entstammen. Die Aufgabe der Verteidiger besteht darin, die gewaltige Festung namens Stein von Tear in der Stadt Tear zu besch�tzen und die Stadt zu verteidigen. Au�erdem �bernehmen sie die Aufgaben einer Stadtwache. Au�er in Kriegszeiten f�hren sie ihre Pflichten nur selten weit von der Stadt fort. Dann bilden sie allerdings genau wie vergleichbare Eliteeinheiten den Kern der aufzustellenden Armee. Die Uniform der Verteidiger besteht aus einem schwarzen Mantel mit wattierten �rmeln, die mit schwarzen und goldenen Streifen versehen sind, sowie einem polierten Brustharnisch und einem Helm mit Stahlkrempe und Stangenvisier. Der Hauptmann der Verteidiger tr�gt drei kurze wei�e Federn auf dem Helm und auf den Manschetten seines Mantels drei ineinander verschlungene goldene Tressen auf einem wei�en Band. Die anderen Hauptm�nner tragen zwei wei�e Federn und eine goldene Tresse auf den wei�en Manschetten, Leutnants eine wei�e Feder und eine schwarze Tresse auf der wei�en Manschette und Unterleutnants eine kurze schwarze Feder und eine unbestickte Manschette. Bannertr�ger tragen goldfarbene Manschetten an ihren M�nteln und einfache Soldaten haben schwarz- und goldgestreifte Manschetten.</p><p><strong>Vorl�ufer,</strong><emphasis>siehe auch:</emphasis> Hailene</p><p><strong>Waffenm�nner:</strong> Soldaten, die einem bestimmten Lord oder einer Lady die Lehnstreue schulden.</p><p><strong>Weise Frau</strong> (1): Bei den Aiel w�hlen die Weisen Frauen unter allen Frauen diejenigen aus, die zu dieser T�tigkeit berufen sind. Sie erlernen die Heilkunst, Kr�uterkunde und anderes, �hnlich wie die Seherinnen. Sie besitzen gro�e Autorit�t und Verantwortung sowie gro�en Einfluss auf die Septimen und die Clanh�uptlinge, obwohl diese M�nner sie oft beschuldigen, dass sie sich st�ndig einmischen. Eine betr�chliche Anzahl von Weisen Frauen k�nnen � in unterschiedlicher St�rke � die Eine Macht lenken; sie sp�ren jede Aielfrau auf, die mit dem Funken geboren wurden oder lernen k�nnen, die Macht zu benutzen. Allerdings herrscht unter den Aiel der Brauch, nicht �ber dieses Thema zu sprechen. So wie <emphasis>es</emphasis> ebenfalls Brauch ist, dass Weise Frauen jeden Kontakt mit Aes Sedai meiden, und zwar wesentlich konsequenter als die anderen Aiel. Weise Frauen stehen �ber allen Fehden und kriegerischen Auseinandersetzungen und d�rfen dem <emphasis>Ji'e'toh</emphasis> zufolge weder verletzt noch auf sonstige Weise behindert werden. W�rde eine Weise Frau an einem Kampf teilnehmen, w�re das eine grobe Verletzung jeglicher Sitten und Traditionen. Drei zurzeit lebende Weise Frauen sind Traumg�ngerinnen und verf�gen �ber die F�higkeit, <emphasis>Tel'aran'rhiod</emphasis> zu betreten und mit anderen Menschen in ihren Tr�umen zu sprechen <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Traumg�nger; <emphasis>Tel'aran'rhiod).</emphasis></p><p><strong>Weise Frauen</strong> (2): Ehrentitel in Ebou Dar f�r Frauen, die f�r ihre unglaublichen F�higkeiten bekannt sind, so gut wie jede Verletzung zu heilen. Traditionellerweise tragen Weise Frauen einen roten G�rtel. Obwohl viele Leute durchaus wissen, dass die Weisen Frauen von Ebou Dar nicht mal aus Altara geschweige denn aus Ebou Dar selbst stammen, war bis vor kurzem nicht bekannt � und auch jetzt nur wenigen �, dass es sich bei allen Weisen Frauen in Wahrheit um Angeh�rige der Kusinen handelt, die verschiedene Arten des mithilfe der Macht erfolgenden Heilens beherrschen und Krauter und Salben nur als Tarnung verordnen. Nach der Flucht der Kusinen aus Ebou Dar wegen der Eroberung der Stadt durch die Seanchaner h�lt sich dort keine Weise Frau mehr auf <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Kusinen).</p><p><strong>Wiedergeborener Drache:</strong> Nach der Prophezeiung und den Legenden wird der Drache dann wiedergeboren werden, wenn die Menschheit in gr��ter Not ist und er die Welt retten muss. Das ist nichts, worauf sich die Menschen freuen, denn die Prophezeiung besagt, dass die Wiedergeburt des Drachen zu einer neuen Zerst�rung der Welt f�hren wird, au�erdem erschrecken die Menschen bei dem Gedanken an Lews Therin Bruderm�rder, auch wenn er schon mehr als dreitausend Jahre tot ist <emphasis>(siehe auch:</emphasis> Drache).</p></section></body><binary id="cover" 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