<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Orson</first-name><middle-name>Scott</middle-name><last-name>Card</last-name></author><book-title>Xenozid</book-title><annotation><p>Als Kind hat Ender Wiggin durch ein furchtbares Versehen eine fremde Rasse ausgel�scht. Um seine Schuld zu tilgen, wird er zum Sprecher f�r die Toten, zum Vermittler zwischen den Menschen und anderen vernunftbegabten Rassen. Auf dem Planeten Lusitania spricht er f�r die geheimnisvollen Piggies. Doch die Piggies sind bedroht: Da sie einen gef�hrlichen Virus �bertragen k�nnen, plant der allm�chtige Sternenkongre� den Xenozid � die Vernichtung der Fremden. Mit Hilfe eines galaktischen Computerprogrammes beginnt Ender um seinen Planeten zu k�mpfen, als pl�tzlich eine seltsame Gegenspielerin auftaucht: Ein M�dchen aus einer fernen chinesischen Kultur versucht, Enders Pl�ne zu durchkreuzen.</p><p>Der neue Roman vom erfolgreichsten Science-Fiction-Autor der achtziger Jahre. Fast alle neuen Werke von ORSON SCOTT CARD wurden mit dem begehrten NEBULA und HUGO AWARD ausgezeichnet.</p></annotation><date>1992</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Uwe</first-name><last-name>Anton</last-name></translator><sequence name="Ender (de)" number="3"/></title-info><src-title-info><genre>sf</genre><author><first-name>Orson</first-name><middle-name>Scott</middle-name><last-name>Card</last-name></author><book-title>Xenocide</book-title><date value="1991-08-01">1991</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>Fiction Book Designer, FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2014-05-21">21.05.2014</date><id>FBD-5A37E2-C8D9-BF4D-2C94-3FF1-898A-17147F</id><version>1.0</version></document-info><publish-info><book-name>Orson Scott Card. Zenozid</book-name><publisher>Bastei-L�bbe</publisher><city>Bergisch Gladbach</city><year>1992</year><isbn>3-404-24153-3</isbn><sequence name="Bastei-L�bbe-Taschenbuch" number="24153"/></publish-info></description><body><title><p>Orson Scott Card</p><p>Xenozid</p></title><section><p><emphasis>F�r Clark und Kathy Kidd:</emphasis></p><p><emphasis>F�r die Freiheit, f�r die Zuflucht,</emphasis></p><p><emphasis>f�r die lustigen Scherze in ganz Amerika</emphasis></p></section><section><title><p id="_Toc119392789">Hinweise zur Aussprache</p></title><p>Ein paar Namen m�gen amerikanischen oder europ�ischen Lesern seltsam vorkommen. Aus dem Chinesischen: <emphasis>Qing-jao </emphasis>wird �Tsching-Dschau� ausgesprochen, <emphasis>Jiang-qing �</emphasis>Dschiang-tsching�. Aus dem Portugiesischen: <emphasis>Quim </emphasis>wird wie das englische �King� ausgesprochen, <emphasis>Novinha �</emphasis>No-VIEN-ja�, <emphasis>Olhado �</emphasis>Ol-JAH-do�. Aus dem Schwedischen: <emphasis>Jakt </emphasis>ist �Jahkt�. Andere Namen sind entweder leichter auszusprechen als zu schreiben oder kommen so selten vor, da� sie keine Schwierigkeiten verursachen d�rften.</p></section><section><title><p>Kapitel 1</p><p>Ein Abschied</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Heute fragte mich einer der Br�der: Ist es eine schreckliche Fessel, dich nicht von der Stelle bewegen zu k�nnen, an der du stehst?�</p><p>�Du hast geantwortet��</p><p>�Ich habe ihm gesagt, ich sei jetzt freier als er. Die Unf�higkeit, mich zu bewegen, befreit mich von der Verpflichtung zu handeln.�</p><p>�Du, der du Sprachen sprichst, kannst so gut in ihnen l�gen.�</p><empty-line/><p>Han Fei-tzu sa� in der Lotusstellung auf dem nackten Holzboden neben dem Krankenbett seiner Frau. Bis vor einem Augenblick hatte er vielleicht geschlafen; er war sich nicht sicher. Doch nun wurde er sich einer Ver�nderung bewu�t, die so fein war, als wenn ein Schmetterling einen Lufthauch erzeugt.</p><p>Jiang-qing ihrerseits mu�te auch eine Ver�nderung in ihm gesp�rt haben, denn zuvor hatte sie nicht gesprochen, und nun sprach sie. Ihre Stimme war sehr leise. Doch Han Fei-tzu konnte sie deutlich verstehen, denn im Haus war alles still. Er hatte seine Freunde und Diener gebeten, w�hrend der Abendd�mmerung von Jiang-qings Leben Ruhe zu bewahren. In der langen Nacht, die bevorstand, in der keine gefl�sterten Worte mehr von ihren Lippen kommen w�rden, war noch Zeit genug f�r achtlosen L�rm.</p><p>�Noch immer nicht tot�, sagte sie. Sie hatte ihn, als sie w�hrend der letzten Tage erwacht war, jedesmal mit diesen Worten begr��t. Zuerst waren ihm die Worte wunderlich oder ironisch erschienen, doch nun wu�te er, da� sie sie mit Entt�uschung sprach. Sie sehnte sich jetzt nach dem Tod, nicht etwa, weil sie das Leben nicht geliebt h�tte, sondern weil der Tod nun unvermeidlich war und das, was nicht vermieden werden konnte, akzeptiert werden mu�te. Das war der <emphasis>Weg. </emphasis>Jiang-qing hatte sich w�hrend ihres Lebens nie auch nur einen Schritt vom <emphasis>Weg </emphasis>entfernt.</p><p>�Dann sind die G�tter mir freundlich gesonnen�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>�Dir�, sagte sie schwer atmend. �Wor�ber sinnen wir nach?�</p><p>Das war ihre Art, ihn zu bitten, seine ganz eigenen Gedanken mit ihr zu teilen. Wenn sich andere nach seinen Gedanken erkundigten, kam er sich bespitzelt vor. Doch Jiang-qing fragte stets nur so, als habe sie vielleicht denselben Gedanken gehabt; schlie�lich waren sie zu einer einzigen Seele zusammengewachsen.</p><p>�Wir sinnen �ber die Natur des Begehrens nach�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>�Wessen Begehren?� fragte sie. �Und worauf?�</p><p>Mein Begehren, da� deine Knochen heilen und stark werden, so da� sie nicht beim geringsten Druck brechen. Da� du wieder stehen oder sogar einen Arm heben kannst, ohne da� deine eigenen Muskeln Knochenst�ckchen wegrei�en oder den Knochen unter der Anspannung brechen lassen. Da� ich nicht zusehen mu�, wie du verf�llst, bis du nun nur noch achtzehn Kilo wiegst. Ich habe nie gewu�t, wie v�llig gl�cklich wir waren, bis ich erfuhr, da� wir nicht zusammenbleiben k�nnen.</p><p><emphasis>�Mein </emphasis>Begehren�, antwortete er. �Auf dich.�</p><p>��Man begehrt nur, was man nicht hat.� Wer hat das gesagt?�</p><p>�Du�, sagte Han Fei-tzu. �Einige sagen: �Was man nicht haben kann.� Andere sagen: �Was man nicht haben sollte.� Ich sage: �Du kannst nur wahrhaft begehren, worauf du auf ewig hungern wirst.��</p><p>�Du hast mich auf ewig.�</p><p>�Ich werde dich heute abend verlieren. Oder morgen. Oder n�chste Woche.�</p><p>�Betrachten wir die Natur des Begehrens�, sagte Jiang-qing. Wie zuvor benutzte sie die Philosophie, um ihn aus seiner Melancholie zu ziehen.</p><p>Er widerstand ihr, aber nur spielerisch. �Du bist eine harte Herrscherin�, sagte Han Fei-tzu. �Wie deine Vorfahrin-des-Herzens duldest du die Schw�chen anderer Leute nicht.� Jiang-qing hie� nach einer revolution�ren F�hrerin der Vergangenheit, die versucht hatte, das Volk auf einen neuen <emphasis>Weg </emphasis>zu f�hren, aber von Feiglingen mit schwacher Gesinnung verraten worden war. Es war nicht richtig, dachte Han Fei-tzu, da� seine Frau vor ihm starb: Ihre Vorfahrin-des-Herzens hatte ihren Gatten �berlebt. Au�erdem <emphasis>sollten </emphasis>Ehefrauen l�nger leben als Ehem�nner. Frauen waren in sich vollst�ndiger. Sie waren auch besser in der Kunst, in ihren Kindern zu leben. Sie waren nie so allein wie ein einzelner Mann.</p><p>Jiang-qing weigerte sich, ihn wieder seinen Gr�beleien zu �berlassen. �Wonach sehnt sich ein Mann, wenn seine Frau tot ist?�</p><p>Rebellisch gab ihr Han Fei-tzu die denkbar falscheste Antwort auf ihre Frage. �Neben ihr zu liegen�, sagte er.</p><p>�Die Begierde des K�rpers�, sagte Jiang-qing.</p><p>Da sie entschlossen war, dieses Gespr�ch zu f�hren, nahm Han Fei-tzu den Themenkatalog auf. �Das Begehren des K�rpers ist es zu handeln. Es schlie�t alle Ber�hrungen ein, beil�ufige und intime, und alle herk�mmlichen Bewegungen. So nimmt er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr und glaubt, er habe gesehen, wie seine tote Frau �ber die Schwelle tritt, und er kann nicht eher zufrieden sein, bis er zur T�r gegangen ist und sich �berzeugt hat, da� es nicht seine Frau war. So wacht er aus einem Traum auf, in dem er ihre Stimme geh�rt hat, und ertappt sich, wie er seine Antwort laut spricht, als k�nne sie ihn h�ren.�</p><p>�Was noch?� fragte Jiang-qing.</p><p>�Ich bin der Philosophie �berdr�ssig�, sagte Han Fei-tzu. �Vielleicht fanden die Griechen Trost darin, aber ich nicht.�</p><p>�Das Begehren des Geistes�, sagte Jiang-qing beharrend.</p><p>�Weil der Geist von der Erde ist, ist er der Teil, der aus alten Dingen neue schafft. Der Gatte sehnt sich nach allen unerledigten Dingen, die er und seine Frau in Angriff genommen hatten, als sie starb, und all den niemals begonnenen Tr�umen dar�ber, was sie getan h�tten, h�tte sie gelebt. Daher wird ein Mann w�tend auf seine Kinder, weil sie viel zu sehr ihm �hneln und nicht ann�hernd genug seiner toten Frau. So ha�t ein Mann das Haus, in dem sie gemeinsam gelebt haben, weil er es entweder nicht ver�ndert, so da� es so tot ist wie seine Frau, oder weil er es ver�ndert, so da� es nicht mehr zur H�lfte von ihr geschaffen wurde.�</p><p>�Du darfst auf unsere kleine Qing-jao nicht w�tend sein�, sagte Jiang-qing.</p><p>�Warum?� fragte Han Fei-tzu. �Wirst du bleiben und mir helfen, sie zu lehren, eine Frau zu sein? Ich kann sie nur lehren, das zu sein, was <emphasis>ich </emphasis>bin � kalt und hart, scharf und stark, wie Obsidian. Wie kann ich umhin, zornig zu sein, wenn sie zu solch einem Menschen heranw�chst, w�hrend sie dir doch so �hnlich sieht?�</p><p>�Weil du sie auch alles lehren kannst, was ich bin�, sagte Jiang-qing.</p><p>�Wenn ich irgendeinen Teil von dir in mir h�tte�, sagte Han Fei-tzu, �h�tte ich dich nicht heiraten m�ssen, um zu einer vollst�ndigen Person zu werden.� Nun h�nselte er sie, indem er die Philosophie benutzte, um das Gespr�ch von den Schmerzen fortzulenken. �Das ist das Begehren der Seele. Weil die Seele aus Licht besteht und in der Luft existiert, ist sie der Teil, der Vorstellungen entwirft und bewahrt, besonders die Vorstellung vom Selbst. Der Gatte sehnt sich nach seinem ganzen Selbst, das gemeinsam aus dem Mann und der Frau bestand. Daher schenkt er niemals irgendeinem seiner Gedanken Glauben, denn in seinem Kopf ist immer eine Frage, auf die die Gedanken seiner Frau die einzig m�gliche Antwort waren. Daher kommt ihm die ganze Welt tot vor, denn er kann nicht darauf vertrauen, da� angesichts dieser nicht zu beantwortenden Frage irgend etwas seine Bedeutung beh�lt.�</p><p>�Sehr tiefsinnig�, sagte Jiang-qing.</p><p>�W�re ich ein Japaner, w�rde ich Seppuku begehen und meine Eingeweide in die Urne mit deiner Asche geben.�</p><p>�Sehr na� und schmutzig�, sagte sie.</p><p>Er l�chelte. �Dann sollte ich vielleicht ein alter Hindu sein und mich auf deinem Scheiterhaufen verbrennen.�</p><p>Aber sie war der Scherze �berdr�ssig. �Qing-jao�, fl�sterte sie. Sie erinnerte ihn daran, da� ihm die glanzvolle Tat, mit ihr zu sterben, verwehrt blieb. Jemand mu�te sich um die kleine Qing-jao k�mmern.</p><p>Also antwortete Han Fei-tzu ihr in vollem Ernst. �Wie kann ich sie lehren, zu sein, was du bist?�</p><p>�Alles Gute in mir�, sagte Jiang-qing, �kommt vom <emphasis>Weg. </emphasis>Wenn du sie lehrst, den G�ttern zu gehorchen, die Vorfahren zu ehren, die Menschen zu lieben und den Herrschern zu dienen, werde ich genauso wie du in ihr sein.�</p><p>�Ich w�rde sie den <emphasis>Weg </emphasis>als Teil von mir lehren�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>�So nicht�, sagte Jiang-qing. �Der <emphasis>Weg </emphasis>ist kein nat�rlicher Teil von dir, mein Gatte. Selbst wenn die G�tter jeden Tag zu dir sprechen, bestehst du darauf, in einer Welt zu leben, in der man alles mit nat�rlichen Ursachen erkl�ren kann.�</p><p>�Ich gehorche den G�ttern.� Er dachte verbittert, da� er keine andere Wahl hatte; schon den Gehorsam zu verz�gern war eine Folter.</p><p>�Aber du <emphasis>kennst </emphasis>sie nicht. Du liebst ihre Werke nicht.�</p><p>�Der <emphasis>Weg </emphasis>ist, die Menschen zu lieben. Den G�ttern gehorchen wir nur.� Wie kann ich G�tter lieben, die mich bei jeder Gelegenheit erniedrigen und qu�len?</p><p>�Wir lieben die Menschen, weil sie Gesch�pfe der G�tter sind.�</p><p>�Halte mir keine Predigt.�</p><p>Sie seufzte.</p><p>Ihre Traurigkeit schmerzte ihn wie der Stich einer Spinne. �Ich w�nschte, du k�nntest mir auf ewig Predigten halten�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>�Du hast mich geheiratet, weil du wu�test, da� ich die G�tter liebe und da� es dir v�llig an der Liebe f�r sie mangelte. So habe ich dich zu einem vollst�ndigen Menschen gemacht.�</p><p>Wie konnte er mit ihr streiten, wenn er doch wu�te, da� er selbst jetzt die G�tter f�r alles ha�te, das sie ihm jemals angetan hatten, f�r alles, wozu sie ihn jemals getrieben hatten, f�r alles, was sie ihm in seinem Leben gestohlen hatten?</p><p>�Versprich es mir�, sagte Jiang-qing.</p><p>Er wu�te, was diese Worte bedeuteten. Sie sp�rte den Tod auf ihr; sie legte die Last ihres Lebens auf ihn. Diese Last w�rde er frohen Herzens tragen. Es war der Verlust ihrer Gesellschaft auf dem <emphasis>Weg, </emphasis>wovor er sich seit langem so entsetzlich f�rchtete.</p><p>�Versprich mir, da� du Qing-jao lehren wirst, die G�tter zu lieben und immer auf dem <emphasis>Weg </emphasis>zu wandeln. Versprich mir, da� du sie genauso zu meiner Tochter machen wirst wie auch zu deiner.�</p><p>�Auch wenn sie nie die Stimme der G�tter h�ren sollte?�</p><p>�Der <emphasis>Weg </emphasis>ist f�r jeden da, nicht nur f�r die Gottber�hrten, f�r die, zu denen die G�tter sprechen.�</p><p>Vielleicht, dachte Han Fei-tzu, doch es war viel leichter f�r die Gottber�hrten, dem <emphasis>Weg </emphasis>zu folgen, denn f�r sie war der Preis, von ihm abzuweichen, schrecklich. Das gew�hnliche Volk war frei; es konnte vom <emphasis>Weg </emphasis>abweichen und w�rde jahrelang den Schmerz daf�r nicht sp�ren. Doch die Gottber�hrten konnten nicht einmal eine Stunde lang vom <emphasis>Weg </emphasis>abweichen.</p><p>�Versprich es mir.�</p><p>Ich werde es tun. Ich verspreche es.</p><p>Doch er konnte die Worte nicht laut aussprechen. Er wu�te nicht, warum, doch er z�gerte.</p><p>Als sie in der Stille auf seinen Eid wartete, h�rten sie auf dem Kiesweg vor dem Haus das Ger�usch schneller Schritte. Es konnte nur Qing-jao sein, die aus dem Garten Sun Cao-pis nach Hause kam. Nur Qing-jao durfte zu dieser Zeit, da alle ganz besonders leise waren, laufen und L�rm machen. Sie warteten in dem Wissen, da� sie direkt ins Zimmer ihrer Mutter kommen w�rde.</p><p>Die T�r glitt fast ger�uschlos auf. Sogar Qing-jao hatte genug von der Stille erfahren, um ganz leise zu sein, wenn sie in der N�he ihrer Mutter war. Obwohl sie auf Zehenspitzen ging, konnte sie sich kaum davon abhalten, �ber den Boden zu t�nzeln, ja fast zu springen. Doch sie verzichtete darauf, ihre Mutter zu umarmen; sie erinnerte sich an diese Lektion, obwohl die schreckliche Schwellung, die vor drei Monaten entstanden war, als Qing-jaos eifrige Umarmung ihrer Mutter den Kiefer gebrochen hatte, l�ngst aus Jiang-qings Gesicht verschwunden war.</p><p>�Ich habe im Bach im Garten dreiundzwanzig Karpfen gez�hlt�, sagte Qing-jao.</p><p>�So viele�, sagte Jiang-qing.</p><p>�Ich glaube, sie haben sich mir gezeigt�, sagte Qing-jao. �Damit ich sie z�hlen konnte. Keiner von ihnen wollte fehlen.�</p><p>�Ich liebe dich�, fl�sterte Jiang-qing.</p><p>Han Fei-tzu h�rte ein neues Ger�usch in ihrer rasselnden Stimme � ein Knallen, als platzten Blasen bei ihren Worten.</p><p>�Glaubst du, da� ich so viele Karpfen gesehen habe, weil die G�tter zu mir sprechen werden?� fragte Qing-jao.</p><p>�Ich werde die G�tter bitten, zu dir zu sprechen�, sagte Jiang-qing.</p><p>Pl�tzlich ging Jiang-qings Atem schnell und hart. Han Fei-tzu kniete augenblicklich nieder und betrachtete seine Frau. Ihre Augen waren gro� und voller Angst. Der Augenblick war da.</p><p>Ihre Lippen bewegten sich. Verspreche es mir, sagte sie, obwohl ihr Atem nur noch keuchende Ger�usche erzeugen konnte.</p><p>�Ich verspreche es�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>Dann hielt ihr Atem inne.</p><p>�Was sagen die G�tter, wenn sie zu einem sprechen?� fragte Qing-jao.</p><p>�Deine Mutter ist sehr m�de�, sagte Han Fei-tzu. �Du solltest jetzt hinausgehen.�</p><p>�Aber sie hat mir nicht geantwortet. Was sagen die G�tter?�</p><p>�Sie verraten Geheimnisse�, sagte Han Fei-tzu. �Niemand sagt sie weiter.�</p><p>Qing-jao nickte altklug. Sie trat einen Schritt zur�ck, als wolle sie gehen, blieb dann aber stehen. �Darf ich dich k�ssen, Mama?�</p><p>�Ganz leicht auf die Wange�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>Qing-jao, die f�r eine Vierj�hrige klein war, mu�te sich nicht sehr tief b�cken, um ihrer Mutter einen Ku� auf die Wange zu geben. �Ich liebe dich, Mama.�</p><p>�Du gehst jetzt besser, Qing-jao�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>�Aber Mama hat nicht gesagt, da� sie mich auch liebt.�</p><p>�Doch, das hat sie. Vorher. Erinnerst du dich? Aber sie ist sehr m�de und schwach. Geh jetzt.�</p><p>Er legte genug Strenge in seine Stimme, da� Qing-jao ohne weitere Fragen ging. Erst als sie fort war, wurde Han Fei-tzus Besorgnis um sie von anderen Gef�hlen verdr�ngt. Er kniete �ber Jiang-qings Leiche nieder und versuchte sich vorzustellen, was nun mit ihr geschah. Ihre Seele war losgeflogen und befand sich nun bereits im Himmel. Ihr Geist w�rde viel l�nger verweilen; vielleicht w�rde ihr Geist in diesem Haus wohnen, falls sie hier wirklich gl�cklich gewesen war. Abergl�ubische Menschen nahmen an, die Geister aller Toten seien gef�hrlich, und stellten Schilder auf und trafen Ma�nahmen, um sie abzuwehren. Doch die, die dem Weg folgten, wu�ten, da� der Geist eines guten Menschen niemals sch�dlich oder destruktiv war, denn die guten Eigenschaften im Leben entstanden durch die Liebe des Geistes zum Erschaffen. Falls Jiang-qings Geist blieb, w�rde er viele Jahre lang ein Segen f�r das Haus sein.</p><p>Doch noch in dem Augenblick, in dem er versuchte, sich laut der Lehre des <emphasis>Weges </emphasis>ihre Seele und ihren Geist vorzustellen, war eine kalte Stelle in seinem Herzen, die davon �berzeugt war, da� von Jiang-qing lediglich dieser spr�de, ausgetrocknete K�rper �briggeblieben war. Heute abend w�rde dieser K�rper so schnell wie Papier verbrennen, und dann w�rde sie bis auf die Erinnerungen in seinem Herzen verschwunden sein.</p><p>Jiang-qing hatte recht. Ohne sie, die sie seine Seele vervollst�ndigte, zweifelte er bereits an den G�ttern. Und die G�tter hatten es bemerkt � sie bemerkten es immer. Pl�tzlich versp�rte er den unwiderstehlichen Drang, das Ritual der Reinigung durchzuf�hren, bis er seine unw�rdigen Gedanken verloren hatte. Selbst jetzt konnten sie ihn nicht unbestraft lassen. Selbst jetzt, wo seine Frau tot vor ihm lag, beharrten die G�tter darauf, da� er ihnen Gehorsam leistete, bevor er auch nur eine einzige Tr�ne der Trauer um sie vergie�en konnte.</p><p>Zuerst wollte er seinen Gehorsam verz�gern, zur�ckstellen. Er hatte sich beigebracht, das Ritual um einen ganzen Tag aufzuschieben, w�hrend er alle �u�erlichen Anzeichen seiner innerlichen Qual verbarg. Ihm gelang das jetzt � aber nur, indem er sein Herz v�llig kalt hielt. Und das war sinnlos. Angemessene Trauer konnte nur kommen, nachdem er die G�tter zufriedengestellt hatte. Noch w�hrend er dort kniete, begann er mit dem Ritual.</p><p>Er zuckte noch und drehte sich, wie das Ritual es vorschrieb, als ein Diener verstohlen in den Raum sah. Obwohl der Diener nichts sagte, h�rte Han Fei-tzu das schwache Gleiten der T�r und wu�te, was der Diener schlie�en w�rde: Jiang-qing war tot, und Han Fei-tzu war so rechtschaffen, da� er mit den G�ttern kommunizierte, noch bevor er dem Haushalt von ihrem Tod berichtete. Zweifellos w�rden einige sogar vermuten, da� die G�tter gekommen waren, um Jiang-qing zu holen, da sie f�r ihre au�erordentliche Heiligkeit bekannt war. Niemand w�rde argw�hnen, Han Fei-tzus Herz k�nne noch in dem Augenblick, da er betete, voller Verbitterung dar�ber sein, da� die G�tter selbst in diesem Augenblick Gehorsam von ihm zu verlangen wagten.</p><p>O G�tter, dachte er, wenn ich w��te, da� ich euch f�r immer los sein k�nnte, wenn ich mir einen Arm abtrennte oder die Leber herausschnitte, ich w�rde nach dem Messer greifen und den Schmerz und Verlust gern hinnehmen, nur um frei zu sein.</p><p>Auch dieser Gedanke war unw�rdig und verlangte noch mehr Reinigung. Es dauerte Stunden, bevor die G�tter ihn endlich freigaben, und dann war er zu m�de, und ihm war zu elend zumute, um zu trauern. Er erhob sich und holte die Frauen, damit sie Jiang-qings Leiche f�r die Verbrennung vorbereiteten.</p><p>Um Mitternacht kam er als letzter zum Scheiterhaufen, eine schl�frige Qing-jao in den Armen. Sie hatte die Finger fest um die drei Zettel geschlossen, die sie mit ihrem kindlichen Gekritzel f�r ihre Mutter geschrieben hatte. �Fisch�, hatte sie geschrieben, und �Buch� und �Geheimnisse�. Das waren die Dinge, die Qing-jao ihrer Mutter mit in den Himmel gab. Han Fei-tzu hatte versucht, sich die Gedanken vorzustellen, die Qing-jao gehabt haben mochte, als sie diese Worte niederschrieb. <emphasis>Fisch </emphasis>zweifellos wegen der Karpfen im Bach im Garten. Und <emphasis>Buch � </emphasis>das war leicht zu verstehen, denn bis zum Schlu� hatte Jiang-qing ihrer Tochter laut vorlesen k�nnen. Aber warum <emphasis>Geheimnisse? </emphasis>Welche Geheimnisse hatte Qing-jao f�r ihre Mutter gehabt? Er konnte sie nicht fragen. Man spricht nicht �ber die Zettel, die man den Toten mitgibt.</p><p>Han Fei-tzu stellte Qing-jao auf die F��e; sie hatte nicht fest geschlafen, so da� sie augenblicklich aufwachte und langsam blinzelte. Han Fei-tzu fl�sterte ihr etwas zu, und sie rollte ihre Zettel zusammen und steckte sie in die �rmel der Mutter. Sie schien nichts dagegen zu haben, die kalte Haut ihrer Mutter zu ber�hren � sie war noch zu jung, um gelernt zu haben, bei der Ber�hrung des Todes zu erschaudern.</p><p>Auch Han Fei-tzu scheute nicht davor zur�ck, die Haut seiner Frau zu ber�hren, als er seine drei Zettel in den anderen �rmel steckte. Was sollte er sich nun vor dem Tod f�rchten, wo er seine schlimmste Arbeit schon verrichtet hatte?</p><p>Niemand wu�te, was auf seinen Zetteln geschrieben stand. Die anderen w�ren entsetzt gewesen, denn er hatte geschrieben: �Mein K�rper�, �Mein Geist� und �Meine Seele�. So verbrannte er sich auf Jiang-qings Scheiterhaufen ebenfalls und begleitete sie, wohin sie auch ging.</p><p>Dann legte Mu-pao, Jiang-qings geheime Magd, die Fackel an das heilige Holz, und der Scheiterhaufen brach in Flammen aus. Die Hitze des Feuers war schmerzhaft, und Qing-jao versteckte sich hinter ihrem Vater und sp�hte nur gelegentlich um ihn herum, um ihre Mutter bei ihrem Aufbruch auf ihrer endlosen Reise zu beobachten. Han Fei-tzu jedoch hie� die trockene Hitze willkommen, die seine Haut versengte und die Seide seiner Robe spr�de machte. Ihr K�rper war nicht so ausgetrocknet gewesen, wie es den Anschein gehabt hatte; lange, nachdem sich die Zettel zu Asche zusammengezogen hatten und in den Rauch des Feuers hochgeblasen worden waren, zischte ihre Leiche noch immer, und der schwere Weihrauch, der �berall um das Feuer herum brannte, konnte den Geruch des verbrennenden Fleisches nicht vor ihm verbergen. Das ist es, was wir hier verbrennen: Haut, Fleisch, Aas, nichts. Nicht meine Jiang-qing. Nur die Gestalt, die sie in diesem Leben getragen hatte. Das, was diese Leiche zu der Frau machte, die ich liebte, ist noch am Leben, <emphasis>mu� </emphasis>noch am Leben sein. Und einen Augenblick lang glaubte er, er k�nne sehen, oder h�ren, oder irgendwie <emphasis>f�hlen, </emphasis>wie Jiang-qing �berging. In die Luft, in die Erde, in das Feuer. Ich bin bei dir.</p></section><section><title><p id="_Toc119392791">Kapitel 2</p><p>Eine Begegnung</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Das Seltsamste an den Menschen ist, wie sich die M�nner und Frauen zusammenfinden. Sie liegen st�ndig im Krieg miteinander, k�nnen sich nie in Ruhe lassen. Sie scheinen einfach nicht zu begreifen, da� M�nner und Frauen zwei verschiedene Spezies mit v�llig anderen Bed�rfnissen und W�nschen sind, die lediglich zusammenkommen m�ssen, um sich zu fortzupflanzen.�</p><p>�Nat�rlich empfindest du so. Deine Paarungsgef�hrten sind nur verstandlose Drohnen, Ausweitungen deines Ichs, ohne eigene Identit�t.�</p><p>�Wir kennen unsere Liebhaber und haben ein perfektes Verst�ndnis f�r sie. Die <emphasis>Menschen </emphasis>erfinden einen imagin�ren Liebhaber und legen diese Maske auf das Gesicht des K�rpers in ihrem Bett.�</p><p>�Das ist die Tragik der Sprache, mein Freund. Die, die einander nur durch symbolische Darstellungen kennen, sind gezwungen, einander vorzustellen. Und weil ihre Vorstellungskraft nicht vollkommen ist, irren sie sich oft.�</p><p>�Das ist die Quelle ihres Elends.�</p><p>�Und zum Teil auch ihrer Kraft, glaube ich. Dein Volk und meins paaren sich, jeweils aus eigenen evolutionsbedingten Gr�nden, mit v�llig verschiedenartigen Partnern. Unsere Partner sind uns intellektuell immer hoffnungslos unterlegen. Menschen paaren sich mit Wesen, die ihre �berlegenheit herausfordern. Es gibt Konflikte zwischen den Partnern, aber nicht, weil ihre Kommunikation der unseren unterlegen ist, sondern weil sie �berhaupt miteinander kommunizieren.�</p><empty-line/><p>Valentine Wiggin las ihren Aufsatz noch einmal durch und nahm hier und da ein paar Korrekturen vor. Als sie fertig war, standen die Worte �ber ihrem Computerterminal in der Luft. Sie war sehr mit sich zufrieden, Rymus Ojman, den Vorsitzenden des Kabinetts des Sternenwege-Kongresses, so deftig und ironisch auseinandergenommen zu haben.</p><p>�Haben wir einen weiteren Angriff auf die Herren der Hundert Welten abgeschlossen?�</p><p>Valentine drehte sich nicht zu ihrem Mann um. Anhand seiner Stimme wu�te sie genau, was f�r ein Ausdruck auf seinem Gesicht lag, und so erwiderte sie das L�cheln, ohne ihn anzusehen. Nach f�nfundzwanzig Jahren Ehe konnten sie einander deutlich sehen, ohne hinschauen zu m�ssen. �Wir haben Rymus Ojman ins L�cherliche gezogen.�</p><p>Jakt beugte sich in ihr winziges B�ro. Sein Gesicht war dem ihren so nahe, da� sie seinen leisen Atem h�ren konnte, als er die ersten Abs�tze las. Er war nicht mehr jung; die Anstrengung, sich in ihr B�ro zu beugen, die H�nde auf den T�rrahmen zu legen, lie� seinen Atem schneller gehen, als es ihr gefiel.</p><p>Dann sprach er, doch sein Gesicht war so nahe, da� sie sp�rte, wie seine Lippen ihre Wangen streiften. Die Ber�hrung kitzelte bei jedem Wort. �Von jetzt an wird sogar seine Mutter hinter vorgehaltener Hand lachen, wann immer sie den armen Hund sieht.�</p><p>�Es war nicht leicht, es komisch zu machen�, sagte Valentine. �Ich ertappte mich immer wieder, wie ich ihn brandmarkte.�</p><p>�So ist es besser.�</p><p>�Oh, ich wei�. H�tte ich meine Wut offen gezeigt, h�tte ich ihn all seiner Verbrechen bezichtigt, w�re er nur um so m�chtiger und furchtbarer erschienen, und die Herrschaft-durch-Gesetze-Fraktion h�tte ihn um so mehr geliebt, w�hrend die Feiglinge auf allen Welten sich nur um so tiefer vor ihm verbeugt h�tten.�</p><p>�Wenn sie sich noch tiefer verbeugen wollen, m�ssen sie d�nnere Teppiche kaufen�, sagte Jakt.</p><p>Sie lachte, vor allem, weil das Kitzeln seiner Lippen auf ihrer Wange unertr�glich wurde. Allm�hlich qu�lte es, sie auch mit einem Verlangen, das auf dieser Reise einfach nicht befriedigt werden konnte. Das Sternenschiff war zu klein und �berf�llt; ihre ganze Familie befand sich an Bord, und so etwas wie eine Privatsph�re gab wirklich nicht. �Jakt, wir haben die H�lfte der Strecke bald hinter uns. Wir haben w�hrend der Mischmisch-F�nge jedes Jahr unseres Lebens l�nger enthaltsam gelebt.�</p><p>�Wir k�nnten ein Schild an die T�r h�ngen. Bitte nicht st�ren!�</p><p>�Dann k�nntest du genauso gut das Schild an die T�r h�ngen: �Drinnen frischt nacktes �lteres Ehepaar Erinnerungen auf.��</p><p>�Damit meinst du doch nicht <emphasis>mich?�</emphasis></p><p>�Du bist �ber sechzig.�</p><p>�Wenn sich der �ltere Soldat noch erheben und salutieren kann, soll er ruhig bei der Parade mitmarschieren.�</p><p>�Keine Parade, bis die Reise vor�ber ist. Es sind ja nur noch ein paar Wochen. Wir haben nur noch das Treffen mit Enders Stiefsohn vor uns, und dann nehmen wir wieder Kurs auf Lusitania.�</p><p>Jakt wich von ihr zur�ck, schob sich �ber die Schwelle und richtete sich im Gang auf � einer der wenigen Stellen im Raumschiff, wo er wirklich aufrecht stehen konnte. Doch er st�hnte dabei.</p><p>�Du knarrst wie eine rostige alte T�r�, sagte Valentine.</p><p>�Ich habe geh�rt, wie du die gleichen Ger�usche machtest, als du von deinem Schreibtisch aufgestanden bist. Ich bin nicht der einzige senile, klapprige, elende alte Tattergreis in unserer Familie.�</p><p>�Verschwinde und la� mich den Artikel senden.�</p><p>�Ich bin es gewohnt, auf einer Reise arbeiten zu m�ssen�, sagte Jakt. �Aber hier erledigen die Computer alles, und dieses Schiff rollt oder schlingert niemals in der See.�</p><p>�Lies ein Buch.�</p><p>�Ich mache mir Sorgen um dich. Soviel Arbeit und keine Spiele lassen Val zu einer griesgr�migen alten Schachtel werden.�</p><p>�Jede Minute, die wir uns hier unterhalten, entspricht achteinhalb Stunden Realzeit.�</p><p>�Unsere Zeit hier auf diesem Raumschiff ist genauso real wie <emphasis>ihre </emphasis>Zeit da drau�en�, sagte Jakt. �Manchmal w�nschte ich, Enders Freunde h�tten keine M�glichkeit gefunden, da� unser Raumschiff Verbindung mit dem Land h�lt.�</p><p>�Daf�r ist eine gewaltige Menge Computerzeit erforderlich�, sagte Val. �Bislang konnte nur das Milit�r mit fast lichtschnell fliegenden Raumschiffen kommunizieren. Wenn Enders Freunde das bewerkstelligen konnten, bin ich es ihnen schuldig, es auch zu benutzen.�</p><p>�Du tust das alles doch nicht, weil du jemandem etwas schuldig bist.�</p><p>Das entsprach allerdings der Wahrheit. �Wenn ich jede Stunde einen Essay schreibe, Jakt, bedeutet das f�r den Rest der Menschheit, da� Demosthenes nur alle drei Wochen etwas ver�ffentlicht.�</p><p>�Du kannst unm�glich jede Stunde einen Essay schreiben. Du mu�t schlafen und essen.�</p><p>�Du sprichst, ich h�re zu. Verschwinde, Jakt.�</p><p>�Wenn ich gewu�t h�tte, da� die Rettung eines Planeten vor der Vernichtung bedeuten w�rde, da� ich wie ein Eunuch leben mu�, h�tte ich niemals zugestimmt.�</p><p>Das war nur halb im Spa� gesagt. Es war f�r ihre gesamte Familie eine schwere Entscheidung gewesen, Trondheim zu verlassen � auch f�r sie, obschon sie wu�te, da� sie Ender wiedersehen w�rde. Die Kinder waren jetzt alle beinahe erwachsen; sie betrachteten diese Reise als gro�es Abenteuer. Ihre Vorstellungen von der Zukunft waren nicht so sehr an einen bestimmten Ort gebunden. Keiner von ihnen war wie ihr Vater Seemann geworden; sie alle wollten Gelehrte oder Wissenschaftler werden und wie ihre Mutter ein Leben mit �ffentlichen Vortr�gen und privaten Betrachtungen f�hren. Sie konnten ihr Leben ohne gro�e Ver�nderungen auf jeder Welt verbringen. Jakt war stolz auf sie, andererseits jedoch entt�uscht, da� die sieben Generationen zur�ckreichende Familientradition, das Leben auf den Meeren Trondheims zu verbringen, mit ihm enden w�rde. Trondheim aufzugeben war das schwerste, was sie je von Jakt h�tte verlangen k�nnen, und er hatte ohne Z�gern zugestimmt.</p><p>Vielleicht w�rde er eines Tages dorthin zur�ckkehren, und die Meere, das Eis, die St�rme, die Fische, die unertr�glich s��en gr�nen Wiesen des Sommers w�rden noch dort sein. Aber seine Mannschaften w�rden verschwunden sein, <emphasis>waren </emphasis>bereits verschwunden. Die M�nner, die er besser als seine eigenen Kinder, besser als seine Frau gekannt hatte � diese M�nner waren bereits f�nfzehn Jahre �lter, und wenn er zur�ckkehrte, falls er zur�ckkehrte, w�rden weitere vierzig Jahre verstrichen sein. Dann w�rden ihre Enkels�hne die Schiffe bemannen. Sie w�rden den Namen Jakt nicht mehr kennen. Er w�re ein ausl�ndischer Schiffseigner, der aus dem Himmel gekommen war, kein Seemann, kein Mann mit dem Gestank und dem gelblichen Blut der Mischmisch an seinen H�nden. Er w�re dann keiner von ihnen mehr.</p><p>Wenn er sich also beschwerte, da� sie ihn vernachl�ssigte, wenn er sie wegen des Mangels an Intimit�ten w�hrend ihrer Reise h�nselte, steckte mehr dahinter als nur das verspielte Begehren eines alternden Ehemannes. Ob er nun wu�te, was er damit sagte, oder nicht, sie verstand die wahre Bedeutung seiner Angebote: Hast du mir nichts zu geben nach allem, was ich f�r dich aufgegeben habe?</p><p>Und er hatte recht � sie trieb sich h�rter an, als es eigentlich notwendig war. Sie machte mehr Opfer, als gemacht werden mu�ten � und verlangte von ihm ebenfalls zuviel. Nicht die blo�e Anzahl subversiver Artikel, die Demosthenes w�hrend dieser Reise ver�ffentlichte, machte den Unterschied aus. Es kam darauf an, wie viele Menschen lasen und glaubten, was sie schrieb, und wie viele danach als Feinde des Sternenwege-Kongresses dachten, sprachen und handelten. Vielleicht noch wichtiger war die Hoffnung, da� einige Mitglieder der B�rokratie des Kongresses selbst dazu bewegt werden w�rden, sich st�rker der Menschlichkeit verpflichtet zu f�hlen und ihre Solidarit�t zu der wahnwitzigen Institution aufzugeben. Einige w�rden sich durch ihre Artikel bestimmt �ndern. Nicht viele, aber vielleicht genug. Und vielleicht noch rechtzeitig, um zu verhindern, da� sie den Planeten Lusitania zerst�rten.</p><p>Wenn nicht, w�rden sie und Jakt und diejenigen, die Leben lang Seemann sein und eine Mannschaft f�hren, wenn man nicht ziemlich selbstgen�gsam war. Soweit Valentine wu�te, waren sie und die Kinder die einzigen Menschen, die er willentlich jemals gebraucht hatte.</p><p>Selbst dann hatte er sie nicht so dringend gebraucht, da� er sein Leben als Seemann und Fischer nicht fortsetzen konnte und tagelang, oft Wochen und manchmal sogar Monate von zu Hause fort war. Anfangs, als sie so hungrig aufeinander waren, da� sie einfach niemals befriedigt waren, hatte Valentine ihn gelegentlich begleitet. Doch nach wenigen Jahren war ihr Hunger der Geduld und dem Vertrauen gewichen; wenn er fort war, recherchierte sie und schrieb ihre B�cher, um ihm und den Kindern dann ihre gesamte Aufmerksamkeit zu widmen, wenn er zur�ckkehrte.</p><p>�W�rde Vater doch nur nach Hause zur�ckkehren, damit Mutter aus ihrem Zimmer kommt und wieder mit uns spricht�, pflegten sich die Kinder damals zu beschweren. Ich war keine sehr gute Mutter, dachte Valentine. Es ist reines Gl�ck, da� die Kinder so gut geraten sind.</p><p>Der Essay hing noch immer �ber dem Terminal in der Luft. Sie mu�te ihm nur noch den letzten Schliff geben. Unter dem Text setzte sie den Cursor in die Mitte und tippte den Namen, unter dem all ihre Artikel ver�ffentlicht wurden:</p><cite><p>Demosthenes</p></cite><p>Diesen Namen hatte ihr �lterer Bruder Peter ihr gegeben, als sie gemeinsam Kinder waren, vor f�nfzig Jahren � nein, vor dreitausend.</p><p>Der blo�e Gedanke an Peter reichte noch immer aus, sie aufzuw�hlen, es sie innerlich kalt und hei� durchflie�en zu lassen. Peter der Grausame, Peter der Gewaltt�tige, dessen Verstand so subtil arbeitete und so gef�hrlich war, da� er <emphasis>mich </emphasis>mit zwei Jahren und die Welt mit zwanzig Jahren manipulieren konnte. Als sie im 22. Jahrhundert auf der Erde noch Kinder waren, hatte er die politischen Schriften gro�er M�nner und Frauen, lebender und toter, studiert, nicht, um ihre Vorstellungen zu begreifen � die erfa�te er auf Anhieb �, sondern um zu lernen, wie sie sie vorbrachten. Um praktisch zu lernen, wie man wie ein Erwachsener klingt. Als er das beherrschte, brachte er es Valentine bei und zwang sie, unter dem Namen Demosthenes unbedeutende demagogische politische Schriften zu verfassen, w�hrend er unter dem Namen Locke ausgekl�gelte staatsm�nnische Essays verfa�te. Dann speisten sie sie in die Computernetzwerke ein, und nach wenigen Jahren befanden sie sich am Herzen der gr��ten tagespolitischen Themen.</p><p>Damals stie� Valentine bitter auf � und es traf sie heute noch immer ein wenig, da sie es vor Peters Tod niemals aufgel�st hatten �, da� er, von Machtgier verzehrt, sie gezwungen hatte, die Art Artikel zu schreiben, die <emphasis>seinem </emphasis>Charakter entsprachen, w�hrend er die friedensliebenden, erhabenen Gef�hlsregungen ausdr�ckte, die ihrer Natur entsprachen. In jenen Tagen war ihr der Name �Demosthenes� wie eine schreckliche Last vorgekommen. Alles, was sie unter diesem Namen schrieb, war eine L�ge, und nicht einmal ihre L�ge, sondern Peters. Eine L�ge innerhalb einer L�ge.</p><p>Aber jetzt nicht mehr. Nicht mehr seit 3000 Jahren. Ich habe den Namen zu meinem eigenen gemacht. Ich habe Geschichtsb�cher und Biographien geschrieben, die das Denken Millionen Gelehrter auf den Hundert Welten ver�nderten und dabei halfen, die Identit�ten Dutzender Nationen zu formen. Das ist daraus geworden, Peter. Das ist aus dem geworden, wozu du mich machen wolltest.</p><p>Bis auf die Tatsache, da� sie nun, als sie den Essay betrachtete, den sie gerade geschrieben hatte, begriff, da� sie sich zwar von Peters Oberhoheit befreit hatte, aber noch immer seine Sch�lerin war. Alles, was sie �ber Rhetorik und Polemik wu�te, hatte sie von ihm oder wegen seines Beharrens gelernt. Und obwohl sie diese F�higkeiten nun f�r eine edle Sache einsetzte, f�hrte sie trotzdem genau dieselben politischen Manipulationen durch, die Peter so geliebt hatte.</p><p>Peter war schlie�lich zum Hegemon geworden, zu Anfang der Gro�en Expansion war er sechzig Jahre lang Herrscher �ber die gesamten Menschheit; er war derjenige gewesen, der all die miteinander im Streit liegenden Staaten der Menschheit vereinigt und auf die gewaltige Aufgabe eingeschworen hatte, Sternenschiffe zu allen Welten zu schicken, auf denen einst die Krabbler gehaust hatten, und dann weitere bewohnbare Welten zu entdecken, bis zur Zeit seines Todes schlie�lich alle Hundert Welten entweder besiedelt worden oder zumindest Kolonistenschiffe zu ihnen unterwegs waren. Nat�rlich sollten weitere tausend Jahre vergehen, bevor der Sternenwege-Kongre� erneut die gesamte Menschheit unter einer Regierung vereinigte, doch die Erinnerung an den ersten Hegemon war das Herz der Geschichte, die die menschliche Einheit m�glich gemacht hatte.</p><p>Aus einer moralischen Ein�de wie Peters Seele waren Harmonie, Einheit und Frieden gekommen. W�hrend Enders Erbe, soweit sich die Menschheit erinnerte, aus Mord, Massenmord, Xenozid bestand.</p><p>Ender, Valentines j�ngerer Bruder, den zu besuchen sie und ihre Familie unterwegs waren, war der z�rtliche, der Bruder, den sie liebte und fr�hen zu besch�tzen versucht hatte. Er war der <emphasis>gute. </emphasis>Ja, er hatte zwar einen Anflug von Skrupellosigkeit, der der Peters gleichkam, doch er hatte den Anstand, von seiner eigenen Brutalit�t abgesto�en zu werden. Sie hatte ihn so innig geliebt, wie sie Peter verabscheut hatte; und als Peter seinen j�ngeren Bruder von der Erde verbannt hatte, die Peter zu beherrschen entschlossen war, ging Valentine mit Ender � ihre endg�ltige Zur�ckweisung von Peters pers�nlicher Hegemonie �ber sie.</p><p>Und hier bin ich wieder, dachte Valentine, mitten in der Politik.</p><p>Sie sprach scharf, mit der abgehackten Stimme, die ihrem Terminal verriet, da� sie einen Befehl gab. �Senden�, sagte sie.</p><p>Das Wort �Senden� erschien �ber ihrem Essay in der Luft. Normalerweise h�tte sie damals, als sie wissenschaftliche Arbeiten schrieb, ein Ziel angeben m�ssen � den Essay �ber irgendwelche verschlungenen Wege, so da� er nicht so leicht zu Valentine Wiggin zur�ckgef�hrt werden konnte, an einen Verleger schicken m�ssen. Nun jedoch erledigte eine subversive Freundin Enders, die unter dem offensichtlichen Kodenamen �Jane� arbeitete, all das f�r sie � sie brachte das Kunstst�ck fertig, eine Nachricht �ber den Verk�rzer von einem Schiff, das fast mit Lichtgeschwindigkeit flog, in eine Nachricht umzuwandeln, die von einem auf einem Planeten installierten Verk�rzer gelesen werden konnte, f�r den die Zeit �ber f�nfhundert Mal schneller verging.</p><p>Da die Kommunikation mit einem Sternenschiff gro�e Mengen planetarer Verk�rzer-Zeit verschlang, wurden normalerweise nur Navigationsdaten und Befehle gesendet. Lediglich hochrangige Beamte der Regierung oder des Milit�rs durften ausf�hrliche Textbotschaften �bermitteln. Valentine begriff nicht, wie es �Jane� gelang, soviel Verk�rzer-Zeit f�r diese Text�bertragungen zu bekommen � und gleichzeitig zu verhindern, da� jemand herausfand, woher diese subversiven Dokumente kamen. Des weiteren benutzte �Jane� Verk�rzer-Zeit, indem sie ihr die ver�ffentlichten Reaktionen auf ihre Schriften sendete und ihr alle Argumente und Strategien mitteilte, die die Regierung benutzte, um gegen Valentines Propaganda zu arbeiten. Wer auch immer �Jane� war � und Valentine vermutete, da� �Jane� einfach der Name f�r eine geheime Organisation war, die die h�chsten Regierungsebenen durchsetzt hatte �, sie war au�erordentlich gut. Und au�erordentlich tollk�hn. Doch wenn Jane das Risiko einging, sich blo�zustellen, war es Valentine ihr � ihnen � schuldig, so viele Traktate wie m�glich zu produzieren und sie so m�chtig und gef�hrlich wie m�glich zu gestalten.</p><p>Wenn Worte t�dliche Waffen sein k�nnen, mu� ich sie mit einem Arsenal ausstatten.</p><p>Doch sie war auch eine Frau; und sogar Revolution�re d�rfen ein Privatleben haben, nicht wahr? Augenblicke der Freude � oder vielleicht nur der <emphasis>Erleichterung, </emphasis>die hier und da abgezweigt wurden. Sie erhob sich von ihrem Sitz, ignorierte die Schmerzen, die daher stammten, da� sie sich bewegte, nachdem sie so lange gesessen hatte, und zw�ngte sich zur T�r ihres winzigen B�ros hinaus � eigentlich eines Vorratsraums, bevor sie das Sternenschiff ihren Zwecken gem�� umgebaut hatten. Sie sch�mte sich ein wenig, weil sie so versessen darauf war, zu dem Raum zu kommen, in dem Jakt auf sie wartete. Die meisten gro�en revolution�ren Propagandisten der Geschichte h�tten drei Wochen der k�rperlichen Abstinenz ertragen k�nnen. Oder etwa nicht? Sie fragte sich, ob jemals eine Untersuchung �ber diese Frage vorgenommen worden war.</p><p>Sie stellte sich noch immer vor, wie ein Forscher wohl einen Antrag auf Bewilligung finanzieller Unterst�tzung f�r solch ein Projekt verfassen w�rde, als sie die Vierbett-Kabine erreichte, die sie mit Syfte und deren Mann Lars teilten, der ihr erst ein paar Tage vor ihrem Abflug einen Heiratsantrag gemacht hatte, als er begriff, da� Syfte Trondheim wirklich verlassen w�rde. Es war nicht einfach, mit frisch Verheirateten eine Kabine zu teilen � Valentine kam sich immer wie ein Eindringling vor, wenn sie den Raum betrat. Doch sie hatte keine andere Wahl. Obwohl es sich bei diesem Sternenschiff um eine Luxusjacht mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten handelte, war es einfach nicht f�r so viele Passagiere geschaffen.</p><p>Ihre zwanzig Jahre alte Tochter Ro und Varsam, ihr sechzehnj�hriger Sohn, teilten sich eine weitere Kabine mit Plikt, ihrer lebenslangen Lehrerin und der besten Freundin der Familie. Die urspr�nglichen Besatzungsmitglieder der Jacht, die sich entschlossen hatten, mit ihnen auf die Reise zu gehen � es w�re unrecht gewesen, sie alle zu entlassen �, benutzten die beiden anderen Kabinen. Die Br�cke, der Speisesaal, die Komb�se, der Salon, die Schlafkabinen � alle R�ume waren voller Menschen, die ihr Bestes gaben, die Ver�rgerung dar�ber, so eingepfercht leben zu m�ssen, nicht au�er Kontrolle geraten zu lassen.</p><p>Doch im Augenblick befand sich keiner von ihnen auf dem Gang, und Jakt hatte bereits ein Schild an ihre T�r geklebt:</p><cite><p>Bleibt drau�en oder sterbt</p></cite><p>Es war mit �Der Eigner� unterschrieben. Valentine �ffnete die T�r. Jakt stand so dicht neben der T�r an die Wand gelehnt, da� sie sich erschreckte und einen leisen Schrei ausstie�.</p><p>�Sch�n zu wissen, da� mein Anblick Schreie des Vergn�gens bei dir ausl�sen kann.�</p><p>�Des Erschreckens.�</p><p>�Tritt ein, meine s��e Aufwieglerin.�</p><p>�Du wei�t ja, da� technisch gesehen ich die Eignerin dieses Sternenschiffes bin.�</p><p>�Was dein ist, ist auch mein. Ich habe dich deines Besitzes wegen geheiratet.�</p><p>Er schlo� die T�r der Kabine und verriegelte sie.</p><p>�Mehr bin ich nicht f�r dich?� fragte sie. �Nur Grundbesitz?�</p><p>�Ein kleines Fleckchen Land, auf dem ich pfl�gen und pflanzen und ernten kann, alles zu seiner richtigen Zeit.� Er griff nach ihr; sie trat in seine Arme. Seine H�nde glitten leicht ihren R�cken hinauf und umfingen ihre Schultern. Sie f�hlte sich in seiner Umarmung geborgen, niemals eingeengt.</p><p>�Es ist schon sp�t im Herbst�, sagte sie. �Es geht auf den Winter zu.�</p><p>�Vielleicht ist es an der Zeit zum Eggen�, sagte Jakt. �Oder es ist vielleicht schon an der Zeit, das Feuer zu sch�ren und die alte H�tte warm zu halten, bevor der Schnee kommt.�</p><p>Er k��te sie, und es f�hlte sich wie beim ersten Mal an.</p><p>�Wenn du mich heute bitten w�rdest, dich noch einmal zu heiraten, w�rde ich ja sagen�, sagte Valentine.</p><p>�Und wenn ich dir heute zum ersten Mal begegnet w�re, w�rde ich dich bitten.�</p><p>Sie hatten dieselben Worte schon viele, viele Male gesprochen. Und doch l�chelten sie, als sie sie h�rten, denn sie waren noch immer wahr.</p><empty-line/><p>Die beiden Sternenschiffe hatten ihr gewaltiges Ballett fast vollendet, tanzten mit gro�en Spr�ngen und komplizierten Richtungs�nderungen durch den Raum, bis sie sich endlich treffen und ber�hren konnten. Miro Ribeira hatte den gesamten Verlauf von der Br�cke seines Sternenschiffs aus beobachtet; er hatte die Schultern eingezogen und den Kopf auf die St�tze seines Sitzes gelehnt. Auf andere wirkte diese Haltung immer unbeholfen. Wann immer Mutter ihn damals auf Lusitania in dieser Stellung erwischt hatte, war sie zu ihm gekommen und hatte darauf bestanden, ihm ein Kissen zu bringen, damit er es <emphasis>bequem </emphasis>hatte. Sie schien einfach nicht begreifen zu k�nnen, da� er den Kopf nur in dieser unbeholfen wirkenden Haltung ohne bewu�te Anstrengung aufrecht halten konnte.</p><p>Er ertrug ihre Belehrungen, weil es nicht der M�he wert war, mit ihr zu streiten. Mutter dachte und bewegte sich immer so schnell, da� es ihr fast unm�glich war, langsam genug zu agieren, um ihm zuh�ren zu k�nnen. Seitdem er einen Gehirnschaden erlitten hatte, als er durch das Disruptorfeld schritt, das die Kolonie der Menschen vom Wald der Schweinchen trennte, war seine Sprache unertr�glich langsam hervorzubringen und schwierig zu verstehen. Miros Bruder Quim, der Religi�se, hatte gemeint, er solle Gott dankbar sein, �berhaupt noch sprechen zu k�nnen � in den ersten paar Wochen hatte er lediglich kommunizieren k�nnen, indem er jede Nachricht Buchstabe um Buchstabe zusammensetzte.</p><p>In mancher Hinsicht jedoch war es besser gewesen, Mitteilungen zu buchstabieren. Zumindest war Miro dabei stumm gewesen; er hatte nicht seine eigene Stimme h�ren m�ssen. Der dumpfe, unbeholfene Klang, die qu�lende Langsamkeit. Wer von seiner Familie hatte schon die Geduld, ihm zuzuh�ren? Selbst bei denjenigen, die es versuchten � seine j�ngere Schwester Ela; sein Freund und Stiefvater Andrew Wiggin, der Sprecher f�r die Toten; und Quim nat�rlich �, konnte er Ungeduld sp�ren. Sie neigten dazu, seine S�tze f�r ihn zu beenden. Sie mu�ten die Dinge <emphasis>beschleunigen. </emphasis>Obwohl sie also sagten, sie wollten mit ihm sprechen, obwohl sie sich tats�chlich zu ihm setzten und zuh�rten, konnte er nicht frei zu ihnen sprechen. Er konnte nicht �ber <emphasis>Vorstellungen </emphasis>sprechen; er konnte keine langen, komplizierten S�tze von sich geben, denn wenn er endlich fertig war, wu�ten seine Zuh�rer nicht mehr, wie er angefangen hatte.</p><p>Miro war zum Schlu� gekommen, da� das menschliche Gehirn genau wie ein Computer Daten nur mit einer bestimmten Geschwindigkeit aufnehmen konnte. Wenn man zu langsam wurde, schweifte die Aufmerksamkeit des Zuh�rers ab, und die Informationen waren verloren.</p><p>Aber auch nicht nur die Zuh�rer. Miro mu�te fair sein � er war mit sich genauso ungeduldig wie sie. Wenn er an die schiere Anstrengung dachte, die n�tig war, eine komplizierte Idee zu erkl�ren, wenn er erwartungsvoll versuchte, die Worte mit den Lippen, der Zunge und dem Kiefer zu bilden, und sie ihm nicht gehorchen wollten, wenn er daran dachte, wie <emphasis>lange </emphasis>das alles dauern w�rde, kam er sich normalerweise zu m�de vor, um �berhaupt zu sprechen. Sein Verstand raste so schnell wie eh und je und dachte mitunter so viele Gedanken, da� Miro am liebsten sein Gehirn abgeschaltet und sich gew�nscht h�tte, da� es <emphasis>schwieg </emphasis>und ihm Frieden gab. Doch diese Gedanken verblieben bei ihm; er teilte sie mit niemandem.</p><p>Bis auf Jane. Mit Jane konnte er sprechen. Sie war ihm zum ersten Mal zu Hause auf seinem Terminal erschienen; ihr Gesicht hatte auf dem Bildschirm Gestalt angenommen. �Ich bin eine Freundin des Sprechers f�r die Toten�, hatte sie gesagt. �Ich glaube, wir k�nnen diesen Computer dazu bringen, etwas schneller zu reagieren.� Von da an hatte Miro festgestellt, da� Jane die einzige Person war, mit der er problemlos sprechen konnte. Zum einen war sie unendlich geduldig. Sie f�hrte seine S�tze niemals zu Ende. Sie konnte darauf <emphasis>warten, </emphasis>da� er sie selbst beendete, so da� er sich niemals gedr�ngt f�hlte, niemals den Eindruck hatte, sie zu langweilen.</p><p>Noch wichtiger war vielleicht, da� er f�r sie seine Worte nicht so vollst�ndig ausbilden mu�ten wie f�r menschliche Zuh�rer. Andrew hatte ihm ein pers�nliches Terminal gegeben � einen Computerempf�nger, der von einem �hnlichen Juwel umschlossen wurde wie das, das Andrew in seinem Ohr trug. Von diesem g�nstigen Ausgangspunkt konnte Jane mit Hilfe der Sensoren des Juwels jedes Ger�usch wahrnehmen, das er machte, jede Bewegung des Muskeln in seinem Kopf. Er mu�te nicht jedes Ger�usch <emphasis>vollenden, </emphasis>er mu�te es nur beginnen, und sie verstand ihn. So konnte er faul sein. Er konnte schneller sprechen und wurde verstanden.</p><p>Und er konnte auch stumm sprechen. Er konnte subvokalisieren � er mu�te nicht diese unbeholfene, bellende, heulende Stimme benutzen. Wenn er also mit Jane sprach, konnte er schnell und nat�rlich sprechen, ohne daran erinnert zu werden, da� er ein Kr�ppel war. Wenn er mit Jane sprach, f�hlte er sich wie er selbst.</p><p>Nun sa� er auf der Br�cke des Frachters, der den Sprecher f�r die Toten erst vor ein paar Monaten nach Lusitania gebracht hatte. Er schreckte vor dem Rendezvous mit Valentines Schiff zur�ck. W�re ihm ein anderer Ort eingefallen, wohin er gehen k�nnte, er w�re vielleicht dorthin gegangen � er hatte nicht den geringsten Wunsch, Andrews Schwester Valentine oder sonst jemandem zu begegnen. Er w�re zufrieden gewesen, auf ewig allein in dem Sternenschiff bleiben zu k�nnen und nur mit Jane zu sprechen.</p><p>Aber das konnte er nicht. Er w�rde nie wieder zufrieden sein.</p><p>Zumindest waren diese Valentine und ihre Familie eine neue Erfahrung. Auf Lusitania kannte er jeden oder zumindest jeden, an dem ihm etwas lag � die gesamte wissenschaftliche Gemeinde dort, die Menschen mit Bildung und Verst�ndnis. Er kannte sie alle so gut, da� er nicht umhin konnte, ihr Mitleid zu sehen, ihre Trauer dar�ber, was aus ihm geworden war. Wenn sie ihn musterten, konnten sie nur den Unterschied zwischen dem sehen, was er zuvor gewesen und was aus ihm geworden war.</p><p>Es bestand die M�glichkeit, da� neue Menschen � Valentine und ihre Familie � imstande waren, ihn anzuschauen und etwas anderes in ihm zu sehen.</p><p>Doch auch das war unwahrscheinlich. Fremde w�rden ihn anschauen und weniger als die sehen, die ihn gekannt hatten, bevor er zum Kr�ppel geworden war. Zumindest wu�ten Mutter, Andrew, Ela und Ouanda und all die anderen, da� er einen Verstand hatte, da� er imstande war, Ideen zu verstehen. Was werden neue Menschen denken, wenn sie mich sehen? Sie werden einen K�rper sehen, der bereits verk�mmert ist; sie werden meinen schlurfenden Gang sehen; sie werden mich beobachten, wie ich H�nde wie Klauen benutze, wie ein dreij�hriges Kind einen L�ffel umklammere; sie werden meine dumpfe, halb verst�ndliche Stimme h�ren; und sie werden annehmen, da� solch ein Mensch keine komplizierten oder schwierigen Dinge verstehen kann.</p><p>Warum bin ich hierher gekommen?</p><p>Ich bin nicht <emphasis>gekommen. </emphasis>Ich <emphasis>ging. </emphasis>Ich bin nicht hierher gekommen, um diese Menschen zu treffen. Ich bin dort aufgebrochen. Gegangen. Nur habe ich mich selbst belogen. Ich dachte daran, auf eine Reise von drei�ig Jahren zu gehen, doch so wird es nur ihnen vorkommen. F�r mich sind nur anderthalb Wochen vergangen. �berhaupt keine Zeit. Und schon ist meine Zeit der Einsamkeit vorbei. Die Zeit, die ich allein mit Jane verbracht habe, die mir zuh�rt, als sei ich noch ein menschliches Wesen, ist verstrichen.</p><p>Beinahe. Beinahe h�tte er die Worte gesprochen, die das Rendezvous abgebrochen h�tten. Er h�tte Andrews Sternenschiff stehlen und auf eine Reise gehen k�nnen, die ewig gedauert h�tte, ohne da� er noch einmal einer anderen lebenden Seele gegen�bertreten mu�te.</p><p>Doch solch ein nihilistischer Akt entsprach ihm nicht, noch nicht. Er war zum Schlu� gekommen, da� er noch nicht verzweifelt hatte. Vielleicht konnte er noch etwas tun, was ihm eine Rechtfertigung gab, in diesem K�rper weiterzuleben. Und vielleicht w�rde es damit beginnen, da� er sich mit Andrews Schwester traf.</p><p>Die Schiffe vereinigten sich nun; ihre Nabelschn�re schl�ngelten sich hinaus und tasteten suchend, bis sie einander ber�hrten. Miro sah auf den Monitoren zu und lauschte den Computerberichten �ber jede erfolgreiche Verbindung. Die Schiffe vereinigten sich auf jede m�gliche Art und Weise, so da� sie den Rest der Reise nach Lusitania im perfekten Zweiergespann zur�cklegen konnten. Sie w�rden alle Hilfsmittel miteinander teilen. Da es sich bei Miros Schiff um einen Frachter handelte, konnte es kaum mehr als eine Handvoll Menschen aufnehmen, daf�r aber einen betr�chtlichen Teil der lebensnotwendigen Vorr�te des anderen Schiffes; gemeinsam errechneten die beiden Bordcomputer ein perfektes Gleichgewicht.</p><p>Nachdem sie die beste Verteilung der Fracht ermittelt hatten, errechneten sie genau, wie schnell jedes Schiff beschleunigen konnte, damit beide wieder in perfektem Gleichklang ann�hernde Lichtgeschwindigkeit erreichten. Es war eine �u�erst heikle und komplizierte Abstimmung zwischen den beiden Computern n�tig, die genau wissen mu�ten, welche Lasten ihre Schiffe bef�rderten und was sie leisten konnten. Sie war abgeschlossen, bevor die Passagierr�hre die beiden Schiffe vollst�ndig miteinander verbunden hatte.</p><p>Miro h�rte schlurfende Schritte im Gang, der von der R�hre zur Br�cke f�hrte. Er drehte seinen Stuhl und sah, wie sie auf ihn zukam. Sie ging etwas geb�ckt, ihr Haar wei�, mit ein paar mausgrauen Str�hnen. Als sie stehen blieb, betrachtete er absch�tzend ihr Gesicht. Alt, aber nicht �ltlich. Falls sie angesichts dieser Begegnung Nervosit�t empfand, zeigte sie sie nicht. Aber andererseits hatte sie nach allem, was Andrew und Jane ihm �ber sie erz�hlt hatten, schon eine Menge Leute kennengelernt, die wesentlich furchterregender waren als ein zwanzigj�hriger Kr�ppel.</p><p>�Miro?� fragte sie.</p><p>�Wer sonst?� sagte er.</p><p>Sie brauchte einen Augenblick, nur einen Herzschlag, um die seltsamen Ger�usche zu verstehen, die aus seinem Mund kamen.</p><p>�Ich bin Valentine�, sagte sie.</p><p>�Ich wei߫, gab er zur�ck. Er machte die Sache mit seinen lakonischen Erwiderungen nicht gerade einfacher, aber was sonst gab es zu sagen? Es handelte sich nicht gerade um eine Begegnung zwischen Staatsf�hrern, bei der eine Reihe lebenswichtiger Entscheidungen getroffen werden mu�te. Doch er mu�te sich etwas M�he geben, um nicht feindselig zu wirken.</p><p>�Dein Name, Miro � er bedeutet �Ich schaue hin�, nicht wahr?�</p><p>�Ich schaue <emphasis>genau </emphasis>hin. Vielleicht auch �Ich schenke Beachtung�.�</p><p>�Es ist wirklich nicht so schwer, dich zu verstehen�, sagte Valentine.</p><p>Es verbl�ffte ihn, da� sie die Sache so offen ansprach.</p><p>�Ich glaube, ich habe mehr Probleme mit deinem portugiesischen Akzent als mit dem Gehirnschaden.�</p><p>Einen Augenblick lang h�mmerte sein Herz wie verr�ckt � sie sprach offener �ber seine Lage als jeder andere, von Andrew einmal abgesehen. Aber andererseits war sie auch Andrews Schwester. Er h�tte damit rechnen m�ssen, da� sie kein Blatt vor den Mund nahm.</p><p>�Oder ziehst du es vor, da� wir so tun, als g�be es keine Barriere zwischen dir und anderen Menschen?�</p><p>Anscheinend hatte sie seine Ersch�tterung gesp�rt. Doch nun kam ihm in den Sinn, da� er wahrscheinlich nicht w�tend, sondern eher froh sein sollte, da� sie das Thema nicht verschweigen mu�ten. Und trotzdem war er w�tend, und er brauchte einen Augenblick, bis er den Grund daf�r erkannte.</p><p>�Mein Gehirnschaden ist nicht <emphasis>dein </emphasis>Problem�, sagte er.</p><p>�Wenn er es mir erschwert, dich zu verstehen, ist er ein Problem, mit dem ich mich befassen mu�. Sei nicht schon eingeschnappt, junger Mann. Ich habe gerade erst angefangen, dich zu �rgern, und du hast erst angefangen, mich zu �rgern. Also sei nicht sauer, weil ich deinen Gehirnschaden irgendwie als mein Problem hingestellt habe. Ich habe nicht die geringste Absicht, jedes meiner Worte auf die Goldwaage zu legen, aus Angst, ich k�nnte einen �berempfindlichen jungen Mann beleidigen, der der Ansicht ist, die ganze Welt drehe sich um seine Entt�uschungen.�</p><p>Miro war au�er sich vor Zorn, da� sie schon ein Urteil �ber ihn gef�llt hatte. Es war zudem unfair � und entsprach gar nicht dem, was er von einer Autorin von Demosthenes' Bedeutung erwartet hatte. �Ich glaube nicht, da� sich die ganze Welt um meine Entt�uschungen dreht! Aber glaube du nicht, du k�nntest hier hereinplatzen und auf meinem Schiff die Dinge in die Hand nehmen!� <emphasis>Das </emphasis>war es, was ihn ver�rgerte, nicht ihre Worte. Sie hatte recht � ihre Worte waren nichts. Es war ihre Einstellung, ihr vollst�ndiges Selbstvertrauen. Er war es nicht gew�hnt, da� die Menschen ihn ohne Betroffenheit oder Mitleid betrachteten.</p><p>Sie nahm in dem Sitz neben ihm Platz. Er drehte sich zu ihr um. Sie ihrerseits wandte den Blick nicht ab, sondern musterte ihn von Kopf bis Fu�. �Er hat gesagt, da� du ein harter Fall bist. Er hat gesagt, da� du verkr�mmt, aber nicht gebrochen bist.�</p><p>�Willst du meine Therapeutin spielen?�</p><p>�Willst du mein Feind sein?�</p><p>�Sollte ich das?� fragte Miro.</p><p>�Genausowenig, wie ich deine Therapeutin sein sollte. Andrew hat uns nicht zusammengef�hrt, damit ich dich heilen kann. Er hat uns zusammengef�hrt, damit du <emphasis>mir </emphasis>helfen kannst. Wenn du das nicht willst, na sch�n. Wenn doch, auch gut. La� mich nur ein paar Dinge klarstellen. Ich verbringe jeden wachen Augenblick damit, subversive Propaganda zu schreiben, um die �ffentliche Einstellung auf den Hundert Welten und in den Kolonien anzustacheln. Ich versuche, die Menschen gegen die Flotte aufzubringen, die der Sternenwege-Kongre� ausgeschickt hat, um Lusitania zu unterwerfen. <emphasis>Deine </emphasis>Welt, nicht meine, wie ich hinzuf�gen m�chte.�</p><p>�Dein Bruder ist dort.� Er wollte nicht zulassen, da� sie v�llige Selbstlosigkeit f�r sich beanspruchte.</p><p>�Ja, wir beide haben Familie dort. Und wir beide sind bestrebt, die Pequeninos vor der Vernichtung zu bewahren. Und wir beide wissen, da� Ender die Schwarmk�nigin auf deiner Welt wiederhergestellt hat, so da� zwei au�erirdische Spezies vernichtet werden, wenn der Sternenwege-Kongre� seinen Willen bekommt. Es steht sehr viel auf dem Spiel, und ich tue schon alles, was ich nur kann, um diese Flotte aufzuhalten. Wenn es mir nun hilft, diese Aufgabe besser zu erledigen, ein paar Stunden in deiner Gegenwart zu verbringen, dann ist es die Zeit wert, die ich nicht schreiben kann. Aber ich habe nicht die Absicht, meine Zeit damit zu verschwenden, mir st�ndig den Kopf dar�ber zu zerbrechen, ob ich dich nun beleidigen k�nnte oder nicht. Wenn du also mein Widersacher sein willst, kannst du hier oben allein sitzen bleiben, und ich mache mich wieder an die Arbeit.�</p><p>�Andrew hat gesagt, du seiest der beste Mensch, den er je gekannt hat.�</p><p>�Er kam zu dieser Schlu�folgerung, bevor er miterlebte, wie ich drei barbarische Kinder zu Erwachsenen gro�zog. Wie ich geh�rt habe, hat deine Mutter sechs Kinder.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Und du bist das �lteste.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sehr schade. Eltern machen ihre schlimmsten Fehler immer bei den �ltesten Kindern. Da wissen die Eltern am wenigsten und sind am besorgtesten. Also ist es um so wahrscheinlicher, da� sie Fehler begehen und gleichzeitig darauf beharren, sie h�tten richtig gehandelt.�</p><p>Miro gefiel es nicht, da� diese Frau vorschnelle Schl�sse �ber seine Mutter zog. �Sie �hnelt dir nicht im geringsten.�</p><p>�Nat�rlich nicht.� Sie beugte sich auf ihrem Sitz vor. �Nun, zu welchem Schlu� bist du gekommen?�</p><p>�Zu welchem Schlu� wor�ber?�</p><p>�Arbeiten wir nun zusammen, oder hast du dich f�r nichts und wieder nichts aus drei�ig Jahren menschlicher Geschichte ausgeklinkt?�</p><p>�Was willst du von mir?�</p><p>�Geschichten, nat�rlich. Die Fakten kann ich vom Computer bekommen.�</p><p>�Geschichten wor�ber?�</p><p>��ber dich. Die Schweinchen. Dich <emphasis>und </emphasis>die Schweinchen. Diese ganze Sache mit der Lusitania-Flotte begann schlie�lich mit dir und den Schweinchen. Weil ihr euch eingemischt habt, wollen sie��</p><p>�Wir haben ihnen <emphasis>geholfen!�</emphasis></p><p>�Oh, habe ich schon wieder das falsche Wort benutzt?� Miro funkelte sie an. Doch noch im gleichen Augenblick <emphasis>wu�te </emphasis>er, da� sie recht hatte � er war �berempfindlich. Das Wort <emphasis>eingemischt </emphasis>war, in einem wissenschaftlichen Zusammenhang benutzt, fast v�llig wertneutral. Es bedeutete lediglich, da� er in die Kultur, die er studiert hatte, eine Ver�nderung eingebracht hatte. Und wenn es tats�chlich einen negativen Beiklang hatte, denn deshalb, weil er seine wissenschaftliche Perspektive verloren hatte � er hatte damit aufgeh�rt, die Pequeninos zu studieren und sie als Freunde behandelt. Dessen war er mit Sicherheit schuldig. Nein, nicht schuldig � er war <emphasis>stolz </emphasis>darauf, diesen �bergang vollzogen zu haben. �Fahre fort�, sagte er.</p><p>�All das begann, weil du das Gesetz gebrochen hast und die Schweinchen anfingen, Amarant zu pflanzen.�</p><p>�Jetzt nicht mehr.�</p><p>�Ja, es ist die reinste Ironie, nicht wahr? Der Descolada-Virus ist eingedrungen und hat jeden Amarant-Z�chtungsstamm get�tet, den deine Schwester f�r sie entwickelt hat. Also war deine Einmischung vergeblich.�</p><p>�Das war sie nicht�, sagte Miro. �Sie lernen.�</p><p>�Ja, ich wei�. Genauer gesagt, sie <emphasis>w�hlen. </emphasis>Was sie lernen, was sie tun sollen. Du hast ihnen Freiheit gebracht. Ich billige deinen Entschlu� von ganzem Herzen. Aber meine Aufgabe ist es, f�r die Menschen dort drau�en auf den Hundert Welten und den Kolonien �ber dich zu schreiben, und <emphasis>sie </emphasis>werden die Dinge nicht unbedingt so sehen. Ich brauche von dir also die Geschichte, wie und warum du das Gesetz gebrochen und dich in die Belange der Schweinchen eingemischt hast und warum die Regierung und das Volk von Lusitania gegen den Kongre� rebellierten, anstatt dich wegzuschicken, damit dir der Proze� gemacht wird und du f�r deine Verbrechen bestraft wirst.�</p><p>�Andrew hat dir diese Geschichte schon erz�hlt.�</p><p>�Und ich habe schon dar�ber geschrieben. Nun brauche ich die pers�nlichen Dinge. Ich will anderen Menschen verst�ndlich machen k�nnen, da� die sogenannten Schweinchen ein Volk sind. Und ich will, da� sie <emphasis>dich</emphasis> verstehen. Ich mu� daf�r sorgen, da� sie <emphasis>dich </emphasis>als Person kennenlernen. Wenn es m�glich ist, w�re es sch�n, sie dazu zu bringen, dich zu m�gen. Dann wird die Lusitania-Flotte wie eine gewaltige �berreaktion auf eine Bedrohung aussehen, die es nie gab.�</p><p>�Die Flotte bedeutet Xenozid.�</p><p>�Das habe ich als Propaganda geschrieben�, sagte Valentine.</p><p>Er konnte ihren unersch�tterlichen Glauben an sich selbst nicht ertragen. Also mu�te er ihr widersprechen, doch dazu mu�te er mit Ideen hinausplatzen, die er noch nicht v�llig zu Ende gedacht hatte. �Die Flotte ist auch eine Selbstverteidigung.�</p><p>Es hatte den gew�nschten Effekt � es unterbrach ihren gelehrten Vortrag und lie� sie sogar die Stirn runzeln und ihn fragend ansehen. Das Problem war nur, da� er nun erkl�ren mu�te, was er damit meinte.</p><p>�Die Descolada�, sagte er. �Das ist die gef�hrlichste Lebensform �berhaupt.�</p><p>�Die Antwort darauf lautet Quarant�ne. Und nicht, eine Flotte auszuschicken und mit dem M.D.-Ger�t zu bewaffnen, damit sie imstande ist, Lusitania und jedes Lebewesen darauf in mikroskopischen interstellaren Staub zu verwandeln.�</p><p>�Du bist dir so sicher, da� du recht hast?�</p><p>�Ich bin mir sicher, da� es vom Sternenwege-Kongre� nicht rechtens ist, auch nur in Erw�gung zu ziehen, eine andere bewu�t denkende Spezies auszul�schen.�</p><p>�Die Schweinchen k�nnen ohne die Descolada nicht leben�, sagte Miro, �und wenn sich die Descolada jemals auf einen anderen Planeten ausbreitet, wird sie dort jegliches Leben mit Sicherheit vernichten.�</p><p>Die Feststellung, da� Valentine auch verbl�fft dreinschauen konnte, bereitete ihm Vergn�gen. �Aber ich dachte, sie h�tten den Virus im Griff. Deine Gro�mutter hat doch eine M�glichkeit gefunden, ihn aufzuhalten, ihn in Menschen ruhen zu lassen.�</p><p>�Die Descolada pa�t sich an�, sagte Miro. �Jane hat mir gesagt, da� sie sich schon ein paar Mal ver�ndert hat. Meine Mutter und meine Schwester Ela arbeiten daran � sie versuchen, der Descolada einen Schritt voraus zu bleiben. Manchmal hat es sogar den Anschein, die Descolada t�te es absichtlich und f�nde Strategien, um um die Chemikalien herumzukommen, mit denen wir sie im Griff halten und verhindern, da� sie Menschen t�tet. Sie dringt in die von der Erde stammenden Getreidesorten ein, die die Menschen brauchen, um auf Lusitania zu �berleben. Sie m�ssen sie jetzt bespr�hen. Was passiert wohl, wenn die Descolada eine M�glichkeit findet, um all unsere Barrieren herumzukommen?�</p><p>Valentine schwieg. Sie hatte diese Frage nicht von allen Seiten betrachtet � niemand hatte das, bis auf Miro.</p><p>�Ich habe das nicht einmal Jane gesagt�, fuhr Miro fort. �Aber was, wenn die Flotte recht hat? Was, wenn die einzige M�glichkeit, die Menschheit vor der Descolada zu retten, darin besteht, Lusitania jetzt zu zerst�ren?�</p><p>�Nein�, sagte Valentine. �Das hat nichts mit den Gr�nden zu tun, aus denen der Sternenwege-Kongre� die Flotte ausgeschickt hat. <emphasis>Ihre </emphasis>Gr�nde haben nur mit interplanetarer Politik zu tun. Sie wollen den Kolonien zeigen, wer der Herr ist. Es hat mit einer au�er Kontrolle geratenen B�rokratie und einem Milit�r zu tun, das��</p><p>�H�r mir zu!� sagte Miro. �Du hast gesagt, du wolltest meine Geschichten h�ren, also h�re dir auch diese Geschichte an: Es spielt keine Rolle, was f�r Gr�nde sie haben. Es spielt keine Rolle, ob sie ein Haufen m�rderischer Tiere sind. Das ist mit egal. Wichtig ist nur � <emphasis>sollten </emphasis>sie Lusitania in die Luft jagen?�</p><p>�Was f�r ein Mensch bist du nur?� fragte Valentine. Er konnte sowohl Ehrfurcht als auch Abscheu in ihrer Stimme h�ren.</p><p>�Du bist die Moralphilosophin�, sagte Miro. �Du mu�t es mir sagen. Erwartet man von uns, da� wir die Pequeninos so sehr lieben, da� wir zulassen, da� der Virus, den sie in sich tragen, die ganze Menschheit vernichtet?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Wir m�ssen einfach eine M�glichkeit finden, die Descolada zu neutralisieren.�</p><p>�Und wenn wir das nicht k�nnen?�</p><p>�Dann stellen wir Lusitania unter Quarant�ne. Selbst, wenn alle Menschen auf dem Planeten sterben � deine Familie und meine � m�ssen wir die Pequeninos nicht ausl�schen.�</p><p>�Wirklich?� fragte Miro. �Was ist mit der Schwarmk�nigin?�</p><p>�Ender hat mir gesagt, da� sie sich wiederhergestellt hat, aber��</p><p>�Sie enth�lt eine vollst�ndige Industriegesellschaft in sich. Sie wird Sternenschiffe bauen und den Planeten verlassen.�</p><p>�Sie wird die Descolada nicht mitnehmen!�</p><p>�Sie hat keine Wahl. Die Descolada ist bereits in ihr. Sie ist in <emphasis>mir</emphasis>.�</p><p>Damit hatte er sie endlich geschafft. Er sah sie in ihren Augen � die Furcht.</p><p>�Sie wird auch in dir sein. Selbst wenn du in dein Schiff zur�ckl�ufst und mich abschottest und nicht infiziert worden bist, wird die Descolada in dich und deinen Mann und deine Kinder eindringen, sobald du auf Lusitania landest. Sie m�ssen die Chemikalien tagt�glich in ihre Nahrung und ihr Wasser geben, ihr Leben lang. Und sie k�nnen Lusitania nie wieder verlassen, oder sie werden den Tod und die Vernichtung mit sich nehmen.�</p><p>�Wir wu�ten wohl, da� diese M�glichkeit bestand�, sagte Valentine.</p><p>�Als ihr abgeflogen seid, war es nur eine M�glichkeit. Wir glaubten, die Descolada w�rde bald unter Kontrolle sein. Jetzt sind sie sich nicht mehr sicher, ob sie �berhaupt je unter Kontrolle zu bekommen ist. Und das bedeutet, da� ihr Lusitania nie wieder verlassen k�nnt, sobald ihr erst einmal gelandet seid.�</p><p>�Hoffentlich gef�llt uns das Wetter.�</p><p>Miro betrachtete ihr Gesicht, versuchte zu ergr�nden, wie sie die Informationen verarbeitete, die er ihr gegeben hatte. Die urspr�ngliche Furcht war verschwunden. Sie war wieder sie selbst � und dachte nach. �Wei�t du, was ich glaube?� sagte Miro. �Ich glaube, ganz gleich, wie schrecklich der Kongre� ist, ganz gleich, wie b�se seine Pl�ne auch sein m�gen, diese Flotte k�nnte die Rettung der Menschheit sein.�</p><p>Valentine suchte nach Worten und antwortete dann bed�chtig. Miro war froh, dies zu sehen � sie war ein Mensch, der nicht zur�ckscho�, ohne vorher nachzudenken. Sie war lernf�hig. �Ich sehe ein, da� es eine Zeit geben k�nnte, wenn dem so sein wird, falls die Ereignisse einen ganz bestimmten m�glichen Verlauf nehmen � aber das ist sehr unwahrscheinlich. Zuerst einmal� nachdem die Schwarmk�nigin das alles wei�, ist es unwahrscheinlich, da� sie Sternenschiffe bauen wird, die die Descolada von Lusitania verschleppen werden.�</p><p><emphasis>�Kennst </emphasis>du die Schwarmk�nigin?� fragte Miro. �<emphasis>Verstehst </emphasis>du sie?�</p><p>�Selbst wenn sie so etwas tun w�rde�, sagte Valentine, �deine Mutter und Schwester arbeiten doch daran, oder? Wenn wir Lusitania erreichen � wenn die <emphasis>Flotte </emphasis>Lusitania erreicht �, haben sie vielleicht schon eine M�glichkeit gefunden, die Descolada ein f�r alle Mal zu kontrollieren.�</p><p>�Und wenn�, sagte Miro, �sollen sie sie auch anwenden?�</p><p>�Warum denn nicht?�</p><p>�Wie k�nnten sie den gesamten Descolada-Virus t�ten? Der Virus ist ein integraler Bestandteil des Lebenszyklus der Schweinchen. Wenn die K�rperform der Pequeninos stirbt, erm�glicht der Descolada-Virus die Umwandlung in den Baumzustand, den die Schweinchen das dritte Leben nennen � und nur im dritten Leben k�nnen die m�nnlichen Schweinchen die Gattinnen befruchten. Wenn es den Virus nicht mehr gibt, gibt es auch keinen �bergang ins dritte Leben mehr, und diese Schweinchen-Generation ist die letzte.�</p><p>�Das macht es nicht unm�glich, sondern nur schwerer. Deine Mutter und Schwester m�ssen eine M�glichkeit finden, die Descolada im menschlichen K�rper und den Pflanzen, die wir essen, zu neutralisieren, ohne ihre F�higkeit zu zerst�ren, die Pequeninos in ihr Erwachsenendasein �bergehen zu lassen.�</p><p>�Und dazu haben sie nicht einmal f�nfzehn Jahre Zeit�, sagte Miro. �Nicht sehr wahrscheinlich.�</p><p>�Aber nicht unm�glich.�</p><p>�Ja. Es besteht eine Chance. Und blo� auf diese Chance hin willst du die Flotte loswerden?�</p><p>�Die Flotte wurde ausgeschickt, um Lusitania zu vernichten, ob wir den Descolada-Virus nun im Griff haben oder nicht.�</p><p>�Und ich sage es erneut � das Motiv derer, die sie ausgeschickt haben, ist irrelevant. Ganz gleich, aus welchem Grund, die Vernichtung Lusitanias k�nnte vielleicht die einzige sichere Schutzma�nahme f�r den gesamten Rest der Menschheit sein.�</p><p>�Und ich sage, du irrst dich.�</p><p>�Du bist Demosthenes, nicht wahr? Andrew sagt, du bist es.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Also hast du dir die Hierarchie der Fremdartigkeit ausgedacht. Utl�nningen sind Fremde von unserer eigenen Welt. Framlinge sind Fremde unserer eigenen Spezies, aber von einer anderen Welt. Ram�nner sind Fremde einer anderen Spezies, aber imstande, mit uns zu kommunizieren, imstande, gemeinsam mit der Menschheit zu existieren. Die letzten sind die Varelse � und was sind <emphasis>die?�</emphasis></p><p>�Die Pequeninos sind keine Varelse. Die Schwarmk�nigin auch nicht.�</p><p>�Aber die Descolada ist es. Varelse. Eine au�erirdische Lebensform, die imstande ist, die gesamte Menschheit zu vernichten��</p><p>�Wenn wir sie nicht z�hmen k�nnen��</p><p>�� mit der wir jedoch nicht kommunizieren k�nnen, eine au�erirdische Spezies, mit der wir nicht leben k�nnen. Du bist diejenige, die gesagt hat, da� in solch einem Fall ein Krieg unvermeidbar ist. Wenn eine au�erirdische Spezies es anscheinend darauf angelegt hat, uns zu vernichten, und wir nicht mit ihr kommunizieren k�nnen, sie nicht verstehen k�nnen, wenn es <emphasis>keine M�glichkeit </emphasis>gibt, sie friedlich von ihrem Weg abzubringen, dann sind wir zu jedem notwendigen Vorgehen berechtigt, um uns zu retten, einschlie�lich der v�lligen Vernichtung der anderen Spezies.�</p><p>�Ja�, sagte Valentine.</p><p>�Aber was, wenn wir die Descolada vernichten <emphasis>m�ssen </emphasis>und sie nicht vernichten <emphasis>k�nnen, </emphasis>ohne auch jedes lebende Schweinchen, die Schwarmk�nigin und jeden Menschen auf Lusitania zu vernichten?�</p><p>Zu Miros �berraschung waren Valentines Augen feucht vor Tr�nen. �Also dazu bist du geworden.�</p><p>Miro war verwirrt. �Wann wurde dieses Gespr�ch zu einer Diskussion �ber meine Person?�</p><p>�Du hast dar�ber nachgedacht, du hast alle zuk�nftigen M�glichkeiten gesehen, die guten wie auch die schlechten � und doch ist die einzige Zukunft, an die du zu glauben bereit bist, die Zukunft deiner Vorstellung, die du als Grundlage f�r unsere gesamten moralischen Urteile nimmst, die einzige Zukunft, in der jeder, den du und ich je geliebt haben, und alles, was wir uns je erhofft haben, ausgel�scht werden mu�.�</p><p>�Ich habe nicht gesagt, da� mir diese Zukunft <emphasis>gef�llt��</emphasis></p><p>�Das habe ich auch nicht behauptet�, sagte Valentine. �Ich habe gesagt, da� das die Zukunft ist, auf die du dich vorbereitet hast. Aber ich nicht. Ich lebe lieber in einem Universum, in dem es noch etwas Hoffnung gibt. Ich ziehe es vor, in einem Universum zu leben, in dem deine Mutter und Schwester eine M�glichkeit finden werden, die Descolada zu b�ndigen, in einem Universum, in dem der Sternenwege-Kongre� reformiert oder durch etwas anderes ersetzt werden kann, in einem Universum, in dem der Kongre� weder die Macht noch den Wunsch hat, eine ganze Spezies zu vernichten.�</p><p>�Und was, wenn du dich irrst?�</p><p>�Dann habe ich noch immer genug Zeit, um zu verzweifeln, bevor ich sterbe. Aber du � nimmst du jede Gelegenheit zur Verzweiflung wahr? Ich kann den Impuls verstehen, der vielleicht dazu f�hren k�nnte. Andrew hat mir gesagt, da� du ein stattlicher Mann warst � nun ja, du bist noch immer einer � und es dich tief verletzt hat, deinen K�rper nicht mehr vollst�ndig beherrschen zu k�nnen. Doch andere Menschen haben mehr als du verloren, ohne so eine rabenschwarze Sicht von der Welt zu bekommen.�</p><p>�Das ist deine Analyse meiner Person?� fragte Miro. �Wir kennen uns seit einer halben Stunde, und jetzt wei�t du alles �ber mich?�</p><p>�Ich wei�, da� dies das deprimierendste Gespr�ch ist, das ich je im Leben gef�hrt habe.�</p><p>�Und so gehst du davon aus, es liege daran, da� ich ein Kr�ppel bin. Nun, ich will dir etwas sagen, Valentine Wiggin. Ich hoffe dasselbe, das du hoffst. Ich hoffe sogar, eines Tages mehr von meinem K�rper zur�ckzubekommen. H�tte ich das nicht gehofft, w�re ich jetzt tot. Was ich dir gerade gesagt habe, r�hrt nicht von meiner Verzweiflung her. Ich habe das alles gesagt, weil es <emphasis>m�glich </emphasis>ist. Und <emphasis>weil </emphasis>es m�glich ist, m�ssen wir dar�ber nachdenken, damit wir nicht sp�ter davon �berrascht werden. Wir m�ssen dar�ber nachdenken, damit wir, falls es wirklich zum Schlimmsten kommt, bereits wissen, wie wir in diesem Universum leben k�nnen.�</p><p>Valentine schien sein Gesicht zu betrachten; er schien ihren Blick fast wie ein schwaches Kitzeln unter der Haut f�hlen zu k�nnen. �Ja�, sagte sie. �Ja was?�</p><p>�Ja, mein Mann und ich werden her�berkommen und auf deinem Schiff wohnen.� Sie erhob sich von ihrem Sitz und ging auf den Korridor zu, der zur R�hre f�hrte. �Warum hast du diesen Entschlu� gefa�t?�</p><p>�Weil es auf unserem Schiff zu beengt ist. Und weil es sich eindeutig lohnt, mit dir zu sprechen. Und nicht nur, um Material f�r die Essays zu sammeln, die ich schreiben mu�.�</p><p>�Ach, dann habe ich deine Pr�fung bestanden?�</p><p>�Ja, hast du�, sagte sie. �Und habe ich deine bestanden?�</p><p>�Ich habe dich nicht auf die Probe gestellt.�</p><p>�Den Teufel hast du�, sagte sie. �Aber falls du es nicht gemerkt haben solltest, will ich es dir sagen � ich <emphasis>habe </emphasis>bestanden. Oder du h�ttest nicht das alles zu mir gesagt, was du gesagt hast.�</p><p>Sie war weg. Er h�rte, wie sie den Gang entlangschlurfte, und dann meldete der Computer, da� sie durch die R�hre zwischen den Schiffen ging.</p><p>Er vermi�te sie bereits.</p><p>Weil sie recht hatte. Sie hatte seinen Test bestanden. Sie hatte ihm zugeh�rt, wie sonst niemand zuh�rte � ohne Ungeduld, ohne seine S�tze zu beenden, ohne den Blick von seinem Gesicht streifen zu lassen. Er hatte mit ihr gesprochen, nicht mit vorsichtiger Genauigkeit, sondern mit gro�er Gef�hlsbetontheit. Die meiste Zeit �ber mu�ten seine Worte sicher fast unverst�ndlich gewesen sein. Doch sie hatte so aufmerksam und gut zugeh�rt, da� sie all seine Argumente verstanden und ihn nicht ein einziges Mal gebeten hatte, etwas zu wiederholen. Er konnte zu dieser Frau so nat�rlich sprechen, wie er mit allen gesprochen hatte, bevor sein Gehirn gesch�digt worden war. Ja, sie hatte eine vorgefa�te Meinung, sie war halsstarrig, befehlsgewohnt und zog vorschnelle Schl�sse. Aber sie konnte sich auch eine kontr�re Meinung anh�ren und ihre �ndern, wenn es n�tig war. Sie konnte zuh�ren, und so konnte er sprechen. Vielleicht konnte er bei ihr noch Miro sein.</p></section><section><title><p id="_Toc119392792">Kapitel 3</p><p>Saubere H�nde</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Das Unangenehmste an den Menschen ist, da� sie keine Metamorphose durchlaufen. Dein Volk und meins, wir werden als Raupen geboren, doch wir verwandeln uns in eine h�here Form, bevor wir uns reproduzieren. Die Menschen bleiben ihr Leben lang Raupen.�</p><p>�Menschen vollziehen eine Metamorphose. Sie ver�ndern st�ndig ihre Identit�t. Doch jede neue Identit�t beruht auf der T�uschung, sie habe sich schon immer im Besitz des K�rpers befunden, den sie gerade erobert hat.�</p><p>�Solche Ver�nderungen sind oberfl�chlich. Die Natur des Organismus bleibt gleich. Menschen sind sehr stolz auf ihre Ver�nderungen, doch jede eingebildete Verwandlung stellt sich als neue Entschuldigung daf�r heraus, sich genauso zu benehmen, wie sich das Individuum schon immer benommen hat.�</p><p>�Du bist zu verschieden von den Menschen, um sie jemals zu verstehen.�</p><p>�Du bist den Menschen zu �hnlich, um sie jemals deutlich zu sehen.�</p><empty-line/><p>Die G�tter sprachen zum ersten Mal zu Han Qing-jao, als sie sieben Jahre alt war. Eine Weile begriff sie gar nicht, da� sie die Stimme eines Gottes h�rte. Sie wu�te nur, da� ihre H�nde schmutzig waren, bedeckt von irgendeinem abscheulichen, unsichtbaren Schleim, und sie sich s�ubern mu�te.</p><p>Die ersten paar Male gen�gte es, die H�nde einfach zu waschen, und sie f�hlte sich danach tagelang besser. Doch als die Zeit verstrich, stellte sich das Gef�hl, schmutzig zu sein, jedesmal fr�her ein, und sie mu�te die H�nde immer l�nger abschrubben, um den Schmutz zu entfernen, bis sie sie mehrere Male am Tag wusch und dabei mit einer harten B�rste auf ihre H�nde einstach, bis sie bluteten. Erst wenn der Schmerz unertr�glich war, f�hlte sie sich wieder sauber, und dann jedesmal auch nur f�r ein paar Stunden.</p><p>Sie erz�hlte niemandem davon; instinktiv wu�te sie, da� sie den Schmutz an ihren H�nden geheimhalten mu�te. Jeder wu�te, da� das H�ndewaschen eins der ersten Zeichen daf�r war, da� die G�tter zu einem Kind sprachen, und die meisten Eltern auf der ganzen Welt des <emphasis>Weges </emphasis>achteten bei ihren Kindern hoffnungsvoll auf Anzeichen �bertriebener Besorgnis um Reinlichkeit. Doch diese Menschen verstanden <emphasis>nicht, </emphasis>welch schreckliche Selbsterkenntnis zu den Waschungen f�hrte: Die erste Botschaft der G�tter galt der unaussprechlichen Schmutzigkeit derjenigen, zu denen sie sprachen. Qing-jao verbarg, da� sie sich die H�nde wusch, nicht, weil sie sich sch�mte, da� die G�tter zu ihr sprachen, sondern weil sie �berzeugt war, da� die anderen sie alle verachten w�rden, w��ten sie, wie schmutzig sie war.</p><p>Die G�tter verschworen sich mit ihr in ihrer Verstohlenheit. Sie gestatteten ihr, das wilde Schrubben ihrer Handfl�chen zu verbergen. Das bedeutete, wenn ihre H�nde arg verletzt waren, konnte sie sie zu F�usten zusammenballen oder in die Falten ihre Kleides stecken, wenn sie ging, oder sie sehr verstohlen in den Scho� legen, wenn sie sa�, und niemand bemerkte es. Die anderen sahen nur ein sehr gut erzogenes kleines M�dchen.</p><p>H�tte ihre Mutter noch gelebt, w�re Qing-jaos Geheimnis viel fr�her entdeckt worden. Doch so dauerte es Monate, bis es einer Dienerin auffiel. Die fette alte Mu-pao bemerkte zuf�llig einen Blutfleck auf dem kleinen Tischtuch von Qing-jaos Fr�hst�ckstisch. Mu-pao wu�te sofort, was das zu bedeuten hatte � waren blutige H�nde nicht ein fr�hes Zeichen f�r die Aufmerksamkeit der G�tter? Deshalb zwangen viele ehrgeizige Eltern ein besonders vielversprechendes Kind, sich st�ndig zu waschen. Auf der ganzen Welt des Weges galt demonstratives H�ndewaschen als �Einladung an die G�tter�.</p><p>Mu-pao ging sofort zu Qing-jaos Vater, dem edlen Han Fei-tzu, angeblich der gr��te all jener, zu denen die G�tter sprachen, und einer der wenigen, die in den Augen der G�tter so m�chtig waren, da� sie sich mit Framlingen � Au�enweltlern � treffen konnten, ohne auch nur eine Andeutung �ber die Stimme der G�tter in ihnen fallen zu lassen und somit das g�ttliche Geheimnis der Welt Weg zu bewahren. Er w�rde dankbar sein, die Nachricht zu vernehmen, und Mu-pao w�rde beschenkt werden, weil sie die erste gewesen war, die die G�tter in Qing-jao gesehen hatte.</p><p>Innerhalb von einer Stunde hatte Han Fei-tzu seine geliebte kleine Qing-jao herausgeputzt, und gemeinsam machten sie sich in einer S�nfte auf zum Tempel in Rockfall. Qing-jao mochte es nicht, in einer S�nfte zu sitzen � ihr taten die M�nner leid, die ihr Gewicht tragen mu�ten. �Sie leiden nicht�, sagte Vater zu ihr, als sie diese Vorstellung zum ersten Mal erw�hnte. �Sie f�hlen sich �beraus geehrt. Es ist eine der M�glichkeiten, wie das Volk den G�ttern Ehre erweisen kann � wenn ein Gottber�hrter zu einem Tempel geht, tut er es auf den Schultern des Volkes von Weg.�</p><p>�Aber ich werde jeden Tag gr��er�, erwiderte Qing-jao.</p><p>�Wenn du zu gro� bist, wirst du entweder zu Fu� gehen oder in deiner eigenen S�nfte�, sagte Vater. Er mu�te ihr nicht erkl�ren, da� sie nur einen eigenen Stuhl bekommen w�rde, falls sie zu einer Gottber�hrten heranwuchs. �Und wir versuchen, unsere Bescheidenheit zu zeigen, indem wir sehr d�nn und leicht bleiben, damit wir den Leuten keine schwere Last sind.� Das war nat�rlich ein Scherz, da Vaters Bauch zwar nicht gewaltig, aber doch recht ansehnlich war. Doch die Lektion hinter dem Scherz entsprach der Wahrheit: Die Gottber�hrten durften dem gew�hnlichen Volk von Weg niemals zur Last fallen. Das Volk mu�te immer dankbar sein und niemals w�tend, da� die G�tter von allen Welten ausgerechnet die ihre erw�hlt hatten, um ihre Stimmen h�ren zu lassen.</p><p>Doch nun war Qing-jao eher �ber die vor ihr liegende Pr�fung besorgt. Sie wu�te, da� sie zu einem Test gef�hrt wurde. �Vielen Kindern wird beigebracht, so zu tun, als spr�chen die G�tter zu ihnen�, erkl�rte Vater. �Wir m�ssen herausfinden, ob dich die G�tter wirklich auserw�hlt haben.�</p><p>�Ich will nicht, da� mich die G�tter auserw�hlen�, sagte Qing-jao.</p><p>�Und w�hrend der Pr�fung wirst du es noch viel weniger wollen�, sagte Vater. Seine Stimme war von Mitleid erf�llt. Das machte Qing-jao noch mehr Angst. �Das gew�hnliche Volk sieht nur unsere Macht und Privilegien und beneidet uns. Die Menschen wissen nicht, wie sehr die Gottber�hrten auch leiden. Wenn die G�tter zu dir sprechen, meine Qing-jao, wirst du lernen, das Leiden zu ertragen, wie die Jade das Messer des Schnitzers ertr�gt, den groben Stoff des Polierers. Es wird dich leuchten lassen. Warum sonst habe ich dich wohl Qing-jao genannt?�</p><p>Qing-jao � �Strahlend Hell�, das bedeutete ihr Name. Es war auch der Name einer gro�en Dichterin aus antiken Zeiten im Alten China. Einer Dichterin aus einer Epoche, als nur den M�nnern Respekt entgegengebracht wurde, und doch wurde sie als eine der gr��ten Dichterinnen ihrer Zeit verehrt. �D�nner Nebel und dicke Wolken, D�sternis den ganzen Tag �ber.� Das war der Anfang von Li Qing-jaos Lied �Die doppelte Neunte�. Und so f�hlte sich Qing-jao nun.</p><p>Und wie endete das Gedicht? �Nun wird mein Vorhang nur vom Westwind gehoben. Ich bin d�nner als diese goldene Bl�te geworden.� W�rde auch sie so enden? Erkl�rte ihre Vorfahrin-des-Herzens ihr in diesem Gedicht, da� sich die Dunkelheit, die sich nun �ber sie senkte, nur heben w�rde, wenn die G�tter aus dem Westen kamen, um ihre d�nne, leichte, goldene Seele aus ihrem K�rper zu nehmen? Es war zu schrecklich, jetzt, da sie erst sieben Jahre alt war, an den Tod zu denken, und doch kam ihr der Gedanke: Wenn ich bald sterbe, werde ich bald Mutter sehen und auch die gro�e Li Qing-jao selbst.</p><p>Doch die Pr�fung hatte nichts mit dem Tod zu tun, oder sollte es zumindest nicht. Sie war eigentlich ziemlich einfach. Vater f�hrte sie in einen gro�en Raum, in dem drei alte M�nner knieten. Sie kamen ihr zumindest wie M�nner vor � es h�tten auch Frauen sein k�nnen. Sie waren so alt, da� alle Unterscheidungsmerkmale verschwunden waren. Sie hatten nur die winzigsten Str�hnen wei�en Haars und keine B�rte, und sie waren in formlose S�cke gekleidet. Sp�ter w�rde Qing-jao erfahren, da� es sich bei ihnen um Tempeleunuchen handelte, �berlebende der alten Zeiten, bevor sich der Sternenwege-Kongre� einmischte und sogar freiwillige Selbstverst�mmelung im Dienst einer Religion verbot. Nun jedoch waren sie geheimnisvolle, geisterhafte alte Gesch�pfe, deren H�nde sie ber�hrten und ihre Kleidung erforschten.</p><p>Wonach suchten sie? Sie fanden ihre E�st�bchen aus Elfenbein und nahmen sie ihr weg. Sie nahmen ihr die Sch�rpe ab, die sie um die Taille geschlungen hatte. Sie nahmen ihr die Schuhe ab. Sp�ter w�rde sie erfahren, da� man ihr diese Dinge abnahm, weil andere Kinder w�hrend der Pr�fung so verzweifelt geworden waren, da� sie sich das Leben genommen hatten. Eins hatte sich die E�st�bchen in die Nasenl�cher gesteckt und sich dann zu Boden geworfen, da� sich die St�bchen ins Gehirn rammten. Ein anderes hatte sich mit der Sch�rpe erh�ngt. Ein anderes hatte die Schuhe in den Mund gesteckt, in den Hals hinabgezwungen und sich erstickt. Selbstmordversuche waren selten, doch am h�ufigsten schienen sie bei den intelligentesten Kindern vorzukommen, und da haupts�chlich bei M�dchen.</p><p>Die Alten gingen. Vater kniete neben Qing-jao nieder und sah ihr ins Gesicht. �Du mu�t verstehen, Qing-jao, da� wir eigentlich nicht <emphasis>dich </emphasis>auf die Probe stellen. Nichts von dem, was du aus freiem Willen tun kannst, wird bei dem, was hier geschieht, etwas �ndern. Wir stellen eigentlich die G�tter auf die Probe, um zu sehen, ob sie entschlossen sind, zu dir zu sprechen. Wenn sie es sind, werden sie eine M�glichkeit finden, und wir werden es sehen, und du wirst diesen Raum als eine Gottber�hrte verlassen. Wenn nicht, dann wirst du hier herauskommen und f�r alle Zeiten von ihren Stimmen befreit sein. Ich kann dir nicht sagen, f�r welches Ergebnis ich bete, da ich es selbst nicht wei�.�</p><p>�Vater�, sagte Qing-jao, �was geschieht, wenn du dich meiner sch�men mu�t?� Allein der Gedanke erzeugte ein Prickeln in ihren H�nden, als sei wieder Schmutz auf ihnen.</p><p>�Ich werde mich deiner nicht sch�men.�</p><p>Dann klatschte er in die H�nde. Einer der Alten kam wieder herein und trug ein schweres Becken. Er setzte es vor Qing-jao ab.</p><p>�Stecke die H�nde hinein�, sagte Vater.</p><p>Das Becken war mit dicker, schwarzer Schmiere gef�llt. Qing-jao erschauderte. �Ich kann die H�nde da nicht hineinstecken.�</p><p>Vater griff nach ihr, fa�te ihre Unterarme und zwang ihre H�nde in den Schlamm. Qing-jao schrie auf � ihr Vater hatte noch nie zuvor bei ihr Gewalt angewendet. Und als er ihre Arme loslie�, waren ihre H�nde mit klebriger Schmiere bedeckt. Sie keuchte auf, als sie sah, wie schmutzig sie waren.</p><p>Der Alte hob das Becken auf und trug es hinaus.</p><p>�Wo kann ich mich waschen, Vater?� wimmerte Qing-jao.</p><p>�Du kannst dich nicht waschen�, sagte Vater. �Du kannst dich nie mehr waschen.�</p><p>Und weil Qing-jao ein Kind war, glaubte sie ihm, ohne zu argw�hnen, da� seine Worte Teil der Pr�fung waren. Sie beobachtete, wie Vater den Raum verlie�. Sie h�rte, wie die T�r hinter ihm zuschlug. Sie war allein.</p><p>Zuerst streckte sie die H�nde einfach weit aus und vergewisserte sich, da� sie keinen Teil ihrer Kleidung ber�hrten. Sie suchte verzweifelt nach einer M�glichkeit, sich zu waschen, aber es gab kein Wasser, nicht einmal ein Tuch. Der Raum war nicht gerade sp�rlich eingerichtet � es gab St�hle, Tische, Statuen, gro�e Steinkr�ge �, aber alle Oberfl�chen waren hart und poliert und so sauber, da� sie den Gedanken nicht ertragen konnte, sie zu ber�hren. Doch der Schmutz an ihren H�nden war unertr�glich. Sie mu�te sie s�ubern.</p><p>�Vater!� rief sie laut. �Komm und wasch meine H�nde!� Bestimmt konnte er sie h�ren. Bestimmt war er irgendwo in der N�he und wartete das Ergebnis der Pr�fung ab. Er mu�te sie h�ren � doch er kam nicht.</p><p>Der einzige Stoff in dem Raum war das Gewand, das sie trug. Sie konnte sich die H�nde <emphasis>daran </emphasis>abwischen, doch dann w�rde sie die Schmiere mit sich herumtragen; vielleicht geriet sie an andere Teile ihres K�rpers. Die L�sung bestand nat�rlich darin, sich auszuziehen � doch wie konnte sie das, ohne mit ihren schmutzigen H�nden einen anderen Teil ihres K�rpers zu ber�hren?</p><p>Sie versuchte es. Zuerst kratzte sie an den glatten Armen einer Statue soviel Schleim wie m�glich ab. Verzeih mir, sagte sie zu der Statue, f�r den Fall, da� sie einem Gott geh�rte. Ich werde danach zur�ckkommen und dich s�ubern; ich werde dich mit meinem eigenen Gewand s�ubern.</p><p>Dann griff sie �ber die Schultern zur�ck und umfa�te auf dem R�cken den Stoff, zerrte das Gewand nach oben, um es �ber den Kopf zu ziehen. Ihre schmutzigen Finger glitten von der Seide ab; sie f�hlte die Schmiere kalt auf ihrem nackten R�cken, als er die Seide durchdrang. Ich werde sie danach waschen, dachte sie.</p><p>Endlich bekam sie den Stoff so fest in den Griff, da� sie das Gewand herunterbekam. Es glitt �ber ihren Kopf, doch noch bevor sie es vollst�ndig ausgezogen hatte, wu�te sie, da� die Dinge schlimmer denn je waren, denn ein Teil der Schmiere war nun in ihrem langen Haar, und dieses Haar war auf ihr Gesicht gefallen, und nun hatte sie den Schmutz nicht nur an den H�nden, sondern auch auf dem R�cken, im Haar und auf dem Gesicht.</p><p>Doch sie versuchte es. Sie bekam das Gewand endg�ltig herunter und wischte die H�nde dann sorgf�ltig an einem kleinen Teil des Stoffes ab. Dann wischte sie mit einem anderen Teil ihr Gesicht ab. Doch es half nichts. Ganz gleich, was sie tat, ein Teil der Schmiere blieb an ihr haften. Ihr Gesicht f�hlte sich an, als habe die Seide ihres Gewandes den Dreck nur auf ihr verschmiert, anstatt ihn zu entfernen. Sie war nie im Leben so hoffnungslos schmutzig gewesen. Es war unertr�glich, und dennoch konnte sie den Schmutz nicht loswerden.</p><p>�Vater! Komm und hol mich! Ich will keine Gottber�hrte sein!� Er kam nicht. Sie fing an zu weinen.</p><p>Doch je mehr sie weinte, desto schmutziger kam sie sich vor. Der verzweifelte Drang, sich zu s�ubern, war sogar st�rker als ihr Weinen. W�hrend die Tr�nen also ihr Gesicht hinabliefen, suchte sie verzweifelt nach einer M�glichkeit, die Schmiere von ihren H�nden zu bekommen. Erneut versuchte sie es mit der Seide ihres Gewandes, doch schon nach kurzer Zeit glitt sie durch den Raum, wischte die H�nde an den W�nden ab und verschmierte sie mit Schmutz. Sie rieb die Handfl�chen so schnell an der Wand, da� Hitze entstand und der Schmutz schmolz. Das machte sie immer wieder, bis ihre H�nde rot waren, bis ein Teil der weichgewordenen Kruste auf ihren Handfl�chen abfiel.</p><p>Als ihre Handfl�chen und Finger so sehr schmerzten, da� sie die Schmiere nicht mehr darauf f�hlte, wischte sie ihr Gesicht mit den H�nden ab und scharrte mit den N�geln �ber die Haut, um den Schmutz dort abzukratzen. Als ihre H�nde dann wieder schmutzig waren, rieb sie sie erneut an den W�nden ab.</p><p>Schlie�lich sank sie ersch�pft zu Boden und weinte. Ihre Augen schlossen sich vor Tr�nen. Tr�nen str�mten ihre Wangen hinab. Sie rieb die Augen, die Wangen � und f�hlte, wie die Tr�nen ihre Haut beschmutzten. Sie glaubte mit Sicherheit zu wissen, was das zu bedeuten hatte. Die G�tter hatten ihr Urteil �ber sie gef�llt und sie f�r unrein befunden. Sie war des Lebens nicht wert. Wenn sie sich nicht s�ubern konnte, mu�te sie sich ausl�schen. Das w�rde sie zufriedenstellen. Das w�rde die Qual von alledem erleichtern. Sie mu�te nur eine M�glichkeit finden, wie sie sterben konnte. Zu atmen aufh�ren. Vater w�rde es leid tun, da� er nicht gekommen war, als sie ihn gerufen hatte, doch daran konnte sie nichts �ndern. Sie stand nun unter der Macht der G�tter, und die hatten sie f�r unw�rdig befunden, unter den Lebenden zu weilen. Was f�r ein Recht hatte sie schlie�lich, noch zu atmen, nachdem die Tore von Mutters Lippen seit so vielen Jahren keine Luft mehr hindurchlie�en?</p><p>Sie wollte zuerst ihr Gewand benutzen, dachte daran, es sich in den Mund zu stopfen, bis sie nicht mehr atmen konnte, oder es um ihren Hals zu schlingen, um sich zu erw�rgen � doch es war viel zu schmutzig, viel zu sehr mit Schmiere bedeckt. Sie mu�te einen anderen Weg finden.</p><p>Qing-jao ging zur Wand und dr�ckte sich dagegen. Massives Holz. Sie beugte sich zur�ck und schlug mit dem Kopf dagegen. Schmerz zuckte durch ihren Kopf; benommen sank sie auf den Boden. Ihr Kopf tat weh. Der Raum drehte sich langsam um sie. Einen Augenblick lang verga� sie, wie schmutzig ihre H�nde waren.</p><p>Doch die Erleichterung w�hrte nicht lange. Sie konnte auf der Wand eine etwas dunklere Stelle sehen, an der die Schmiere von ihrer Stirn die gl�nzend polierte Oberfl�che aufgebrochen hatte. Die G�tter sprachen in ihr und beharrten, sie sei so schmutzig wie eh und je. Ein wenig Schmerz konnte ihre Unw�rdigkeit nicht ausgleichen.</p><p>Erneut schlug sie mit dem Kopf gegen die Wand. Diesmal war der Schmerz jedoch nicht ann�hernd so stark. Und noch einmal, noch einmal � und nun begriff sie, da� ihr K�rper gegen ihren Willen vor dem Schlag zur�ckzuckte, sich weigerte, sich selbst soviel Schmerz zuzuf�gen. Das half ihr zu verstehen, wieso die G�tter sie f�r so unw�rdig hielten � sie war zu schwach, um ihren K�rper zu zwingen, ihr zu gehorchen. Aber sie war nicht hilflos. Sie konnte ihren K�rper <emphasis>austricksen, </emphasis>sich ihr zu unterwerfen.</p><p>Sie w�hlte die gr��te der Statuen aus, eine von vielleicht drei Metern. Es war ein Bronzegu� eines schreitenden Mannes, der ein Schwert �ber den Kopf gehoben hatte. Es gab genug Winkel und Hervorstrebungen, die sie hinaufklettern konnte. Ihre H�nde glitten immer wieder aus, doch sie hielt durch, bis sie auf den Schultern der Statue balancierte, und hielt sich mit der einen Hand an dem Helm, mit der anderen an dem Schwert fest.</p><p>Als sie das Schwert ber�hrte, �berlegte sie einen Augenblick lang, sich daran die Kehle aufzuschneiden � dann konnte sie doch nicht mehr atmen, oder? Aber die Klinge war nicht echt. Sie war nicht scharf, und Qing-jao konnte den Hals nicht im richtigen Winkel herunterbekommen. Also griff sie auf ihren urspr�nglichen Plan zur�ck.</p><p>Sie atmete mehrmals tief ein, schlug dann die H�nde hinter den Nacken und lie� sich nach vorn kippen. Sie w�rde mit dem Kopf aufschlagen; das w�rde ihre Beschmutzung beenden.</p><p>Als sie dem Boden entgegenst�rzte, verlor sie jedoch die Herrschaft �ber sich. Sie schrie; sie f�hlte, wie sich die H�nde von ihrem Nacken l�sten und nach vorn schlugen, um ihren Sturz zu d�mpfen. Zu sp�t, dachte sie mit grimmiger Befriedigung, und dann prallte ihr Kopf auf den Boden, und alles wurde schwarz.</p><empty-line/><p>Qing-jao erwachte mit einem dumpfen Schmerz im Arm und einem scharfen Stechen im Kopf � aber sie lebte. Als sie es ertragen konnte, die Augen zu �ffnen, sah sie, da� der Raum dunkler war. War drau�en Nacht? Wie lange hatte sie geschlafen? Sie hielt es nicht aus, den linken Arm zu bewegen, den, der ihr weh tat; sie konnte eine h��liche rote Prellung am Ellbogen sehen und glaubte, sich den Arm beim Sturz gebrochen zu haben.</p><p>Sie sah auch, da� ihre H�nde noch immer dreckverschmiert waren, und f�hlte ihre unertr�gliche Schmutzigkeit: das Urteil der G�tter gegen sie. Sie h�tte doch nicht versuchen sollen, sich das Leben zu nehmen. Die G�tter w�rden ihr nicht so leicht erlauben, ihrem Urteil zu entkommen.</p><p>Was kann ich tun? dachte sie bittend. Wie kann ich vor euch rein sein, O G�tter? Li Qing-jao, meine Vorfahrin-des-Herzens, zeige mir, wie ich mich w�rdig machen kann, das freundliche Urteil der G�tter zu empfangen!</p><p>Ihr kam eins von Li Qing-jaos Liebesliedern in den Sinn: �Trennung�. Es war eins der ersten, das Vater ihr zum Auswendiglernen gegeben hatte, als sie erst drei Jahre alt war, kurz bevor er und Mutter ihr erkl�rten, da� Mutter sterben w�rde. Es war jetzt genau angemessen, denn war sie nicht vom guten Willen der G�tter getrennt? Mu�te sie nicht wieder mit ihnen ausges�hnt werden, damit sie sie als eine in Empfang nahmen, die wirklich gottber�hrt war?</p><poem><stanza><v>Jemand schickte</v><v>einen Liebesbrief</v><v>in Linien zur�ckkehrender G�nse</v><v>und als der Mond</v><v>mein Westzimmer f�llt</v><v>als Blumenbl�tter tanzen</v><v>�ber dem flie�enden Strom</v><v>denke ich wieder an dich</v><v>an uns beide</v><v>die wir in Trauer leben</v><v>getrennt</v><v>ein Schmerz der nicht genommen werden kann</v><v>doch wenn mein Blick sich senkt</v><v>bleibt mein Herz oben</v></stanza></poem><p>Der Mond, der das Westzimmer erf�llte, verriet ihr, da� es wirklich ein Gott und nicht ein gew�hnlicher menschlicher Liebhaber war, nach dem in diesem Gedicht geschmachtet wurde � Verweise auf den Westen bedeuteten immer, da� die G�tter im Spiel waren. Li Qing-jao hatte das Gebet der kleinen Han Qing-jao beantwortet und ihr dieses Gedicht geschickt, um ihr zu erkl�ren, wie man den Schmerz heilt, den man nicht nehmen kann � die Schmutzigkeit ihres Fleisches.</p><p>Was ist der Liebesbrief? dachte Qing-jao. Linien zur�ckkehrender G�nse � doch in diesem Raum gab es keine G�nse. Blumenbl�tter, die �ber einem flie�enden Strom tanzen � doch hier gab es keine Blumenbl�tter, hier gab es keinen Strom.</p><p>�Doch wenn mein Blick sich senkt, bleibt mein Herz oben.� Das war der Hinweis, das war die Antwort, sie wu�te es. Langsam und vorsichtig rollte sich Qing-jao auf den Bauch. Als sie einmal versuchte, ihre linke Hand zu belasten, kr�mmte sich ihr Ellbogen, und ein stechender Schmerz lie� sie fast wieder das Bewu�tsein verlieren. Schlie�lich kniete sie, den Kopf gesenkt, und blickte nach unten. Das Gedicht versprach ihr, da� dies ihr Herz oben bleiben lassen w�rde.</p><p>Sie f�hlte sich nicht besser � noch immer schmutzig, noch immer voller Schmerzen. Als sie hinabschaute, sah sie nichts bis auf die polierten Bodenbretter; die Maserung des Holzes, deren gekr�uselte Linien von der Stelle zwischen ihren Knien bis zum Rand des Raumes verliefen.</p><p>Linien. Linien der Holzmaserung, Linien aus G�nsen. Und konnte man die Holzmaserung nicht auch als flie�ende Str�me sehen? Sie mu�te diesen Linien folgen wie den G�nsen; sie mu�te <emphasis>wie </emphasis>ein Blumenblatt �ber diese flie�enden Str�me tanzen. Das war die Bedeutung des Versprechens: Wenn ihr Blick sich senkte, w�rde ihr Herz oben bleiben.</p><p>Sie fand eine ganz besondere Linie in der Holzmaserung, eine dunkle Linie, wie ein Flu�, der sich durch einen helleren Wald schl�ngelt, und wu�te sofort, da� dies der Strom war, dem sie folgen sollte. Sie wagte es nicht, ihn mit ihrem Finger zu ber�hren � mit ihrem schmutzigen, unw�rdigen Finger. Nur ihre Blicke konnten der Linie folgen.</p><p>Also schickte sie sich an, der Linie nachzusp�ren, sie sorgf�ltig bis zur Wand zu verfolgen. Ein paar Mal bewegte sie sich so schnell, da� sie die Linie verlor, verga�, welche es war; doch sie fand sie schnell wieder oder glaubte dies zumindest, und folgte ihr zur Wand. Reichte das aus? Waren die G�tter zufrieden?</p><p>Fast, aber nicht ganz � sie konnte nicht sicher sein, da� ihr Blick zu der richtigen Linie zur�ckgekehrt war, als sie sie verloren hatte. Blumenbl�tter wechseln nicht von einem Strom zum anderen. Sie mu�te der richtigen Linie folgen, �ber die gesamte L�nge. Diesmal fing sie bei der Wand an und b�ckte sich sehr tief, so da� ihre Augen nicht einmal von den Bewegungen ihrer eigenen rechten Hand abgelenkt wurden. Zentimeter um Zentimeter folgte sie der Linie, blinzelte dabei nicht einmal, gleichg�ltig, wie stark ihre Augen brannten. Sie wu�te, wenn sie die Maserung verlor, der sie folgte, mu�te sie wieder an den Ausgangspunkt zur�ckkehren und von vorn anfangen. Es mu�te perfekt gemacht werden, oder es w�rde alle Macht verlieren, sie zu reinigen.</p><p>Es dauerte ewig. Sie blinzelte doch. Als ihre Augen zu sehr brannten, senkte sie den Kopf, bis sich das linke Auge direkt �ber der Maserung befand. Dann schlo� sie das andere Augen einen Moment lang. Nachdem sich das rechte Auge erholt hatte, �ffnete sie es, hielt nun dieses Auge direkt �ber die Linie im Holz und schlo� das linke. Auf diese Art gelang es ihr, es halbwegs durch den Raum zu schaffen, bis das Brett endete und an ein anderes stie�.</p><p>Sie war sich nicht sicher, ob es reichte, dieses Brett zu Ende zu verfolgen oder ob sie eine neue Linie in der Maserung suchen und weiterverfolgen mu�te. Sie tat so, als wolle sie aufstehen, stellte die G�tter auf die Probe, um zu sehen, ob sie zufrieden waren. Sie erhob sich halbwegs, sp�rte nichts; sie stand, und noch immer ging es ihr gut.</p><p>Ah! Sie waren zufrieden mit ihr. Nun f�hlte sich die Schmiere auf ihrer Haut kaum anders als �l an. Es bestand kein Grund, sich zu waschen, denn sie hatte eine andere M�glichkeit gefunden, sich zu reinigen, eine andere M�glichkeit f�r die G�tter, sie zu disziplinieren. Langsam legte sie sich wieder auf den Boden, l�chelte, weinte leise vor Freude. Li Qing-jao, meine Vorfahrin-des-Herzens, danke, da� du mir den Weg gezeigt hast. Nun habe ich mich zu den G�ttern gesellt; die Trennung ist vor�ber. Mutter, ich bin erneut mit dir verbunden, sauber und w�rdig. Wei�er Tiger des Westens, nun bin ich rein genug, um dein Fell zu ber�hren und keinen Abdruck des Schmutzes zu hinterlassen.</p><p>Dann ber�hrten H�nde sie � Vaters H�nde, die sie hochhoben. Wassertropfen fielen auf ihr Gesicht, die nackte Haut ihres K�rpers � Vaters Tr�nen. �Du lebst�, sagte er. �Meine Tochter, zu der die G�tter sprechen, mein Schatz, mein Leben, �Strahlend Hell�, du leuchtest weiter.�</p><p>Sp�ter w�rde sie erfahren, da� Vater w�hrend ihrer Pr�fung gefesselt und geknebelt werden mu�te, da� er sich, als sie auf die Statue kletterte und Anstalten machte, ihre Kehle auf das Schwert zu dr�cken, mit solcher Kraft nach vorn warf, da� der Stuhl umkippte und er mit dem Kopf auf den Boden schlug. Das wurde als gro�e Gnade betrachtet, da es ihm ersparte, ihren schrecklichen Sturz von der Statue beobachten zu m�ssen. Die ganze Zeit, die sie bewu�tlos dalag, weinte er um sie. Und als sie sich dann auf die Knie erhob und die Holzmaserungen im Boden aufzusp�ren begann, war er derjenige, der begriff, was es zu bedeuten hatte. �Seht�, fl�sterte er. �Die G�tter haben ihr eine Aufgabe gegeben. Die G�tter sprechen zu ihr.�</p><p>Die anderen verstanden es nur langsam, denn sie hatten noch nie gesehen, da� jemand die Linien von Holzmaserungen verfolgte. Es stand nicht im Verzeichnis der Stimmen der G�tter: T�r-Warten, Gegenst�nde-Z�hlen, Zuf�llige-Morde-�berpr�fen, Fingern�gel-Ausrei�en, Haut-Zerkratzen, Haare-Ausrei�en, An-Steinen-Nagen � all das war als die Bu�e bekannt, die die G�tter verlangten, als Rituale des Gehorsams, die die Seele des Gottber�hrten reinigten, so da� die G�tter seinen Verstand mit Weisheit f�llen konnten. Niemand hatte je gesehen, da� jemand Holzmaserungslinien verfolgte. Doch Vater sah, was sie tat, gab dem Ritual einen Namen und f�gte es dem Verzeichnis der Stimmen hinzu. Es w�rde f�r immer ihren Namen tragen, Han Qing-jao, als die erste, die von den G�ttern den Befehl erhalten hatte, diesen Ritus zu vollziehen. Es machte sie zu etwas ganz Besonderem.</p><p>Das galt auch f�r ihren ungew�hnlichen Einfallsreichtum, M�glichkeiten zu finden, ihre H�nde zu s�ubern und, sp�ter, sich zu t�ten. Viele hatten nat�rlich versucht, die H�nde an den W�nden abzuwischen, und die meisten, sie an ihrer Kleidung zu s�ubern. Aber die H�nde zu <emphasis>reiben, </emphasis>um Reibungsw�rme zu erzeugen, das galt als selten und klug. Und w�hrend das Schlagen des Kopfes gegen die Wand �blich war, geschah es sehr selten, da� jemand auf eine Statue kletterte, heruntersprang und auf dem Kopf landete. �berall im Tempel sprach man dar�ber, und die Nachricht verbreitete sich bald in allen Tempeln auf <emphasis>Weg.</emphasis></p><p>Es war nat�rlich auch eine gro�e Ehre f�r Han Fei-tzu, da� seine Tochter so sehr von den G�ttern besessen war. Und die Geschichte, wie er beinahe dem Wahnsinn verfallen w�re, als sie versuchte, sich zu t�ten, verbreitete sich genauso schnell und ber�hrte viele Herzen. �Er mag der gr��te der Gottber�hrten sein�, sagte man �ber ihn, �doch er liebt seine Tochter mehr als das Leben.� Und deshalb liebten sie ihn so sehr, wie sie ihn schon immer verehrt hatten.</p><p>Danach begannen die Leute dar�ber zu fl�stern, da� Han Fei-tzu selbst vielleicht g�ttlich sein k�nnte. �Er ist so gro� und stark, da� die G�tter auf ihn h�ren werden�, sagte die Leute, die ihm ihre Gunst geschenkt hatten. �Und doch ist er so hingebungsvoll, da� er die Menschen des Planeten <emphasis>Weg </emphasis>immer lieben und versuchen wird, Gutes f�r uns zu tun. Sollte der Gott einer Welt nicht genauso sein?� Nat�rlich war es unm�glich, schon jetzt zu einer Entscheidung zu gelangen � ein Mensch konnte erst nach seinem Tod zum Gott eines Dorfes, geschweige denn einer ganzen Welt erw�hlt werden. Wie sollte man wissen, was f�r ein Gott er sein w�rde, bis man sein gesamtes Leben kannte, vom Anfang bis zum Ende?</p><p>Als Qing-jao �lter wurde, kam ihr dieses Gefl�ster oft zu Ohren, und das Wissen, da� ihr Vater vielleicht als Gott von <emphasis>Weg </emphasis>erw�hlt werden w�rde, wurde zu einem der Leuchtfeuer ihres Lebens. Doch die ganze Zeit �ber erinnerte sie sich daran, da� es seine H�nde gewesen waren, die ihren geprellten und verdrehten Leib zum Bett der Heilung getragen hatten, da� es seine Augen gewesen waren, die warme Tr�nen auf ihre kalte Haut hatten fallen lassen, da� es seine Stimme gewesen war, die im wunderbar leidenschaftlichen Tonfall der alten Sprache gefl�stert hatte: �Mein Schatz, meine �Strahlend Helle�, nimm niemals dein Licht von meinem Leben. Was auch geschieht, tue dir nie etwas an, oder ich werde bestimmt sterben.�</p></section><section><title><p id="_Toc119392793">Kapitel 4</p><p>Jane</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�So viele aus deinem Volk werden Christen. Glauben an den Gott, den diese Menschen mit sich gebracht haben.�</p><p>�Du glaubst nicht an Gott?�</p><p>�Diese Frage hat sich nie gestellt. Wir haben uns immer erinnert, wie wir anfingen.�</p><p>�<emphasis>Ihr</emphasis> habt euch entwickelt. <emphasis>Wir </emphasis>wurden geschaffen.�</p><p>�Von einem Virus.�</p><p>�Von einem Virus, den Gott schuf, um uns zu schaffen.�</p><p>�Also bist auch du gl�ubig.�</p><p>�Ich verstehe den Begriff Glauben.�</p><p>�Nein � du begehrst den Glauben.�</p><p>�Ich begehre ihn genug, um zu handeln, als glaubte ich. Vielleicht ist es das, was Glauben ist.�</p><p>�Oder absichtlicher Wahnsinn.�</p><empty-line/><p>Es stellte sich heraus, da� nicht nur Valentine und Jakt zu Miros Schiff hin�berkamen. Plikt kam auch, ohne Einladung, und richtete sich in einer elend kleinen Kabine ein, die noch nicht einmal gro� genug war, da� sie sich richtig ausstrecken konnte. Sie war die Anomalie auf der Reise � kein Familienmitglied, kein Mannschaftsmitglied, aber eine Freundin. Plikt war eine Studentin Enders gewesen, als er auf Trondheim als Sprecher f�r die Toten gewirkt hatte. Sie hatte ziemlich unabh�ngig herausgefunden, da� Andrew Wiggin der Sprecher f�r die Toten war und ebenso <emphasis>der </emphasis>Ender Wiggin.</p><p>Valentine begriff eigentlich nicht, warum sich diese brillante junge Frau derma�en auf Ender Wiggin fixiert hatte. Manchmal dachte sie: Vielleicht beginnen so einige Religionen. Der Stifter sucht nicht nach J�ngern; sie kommen und dr�ngen sich ihm auf.</p><p>Auf jeden Fall war Plikt all die Jahre, seit Ender Trondheim verlassen hatte, bei Valentine und ihrer Familie geblieben, hatte bei der Unterrichtung der Kinder und bei Valentines Forschungen geholfen und immer auf den Tag gewartet, da die Familie aufbrechen w�rde, um Ender zu sehen � ein Tag, von dem nur Plikt gewu�t hatte, da� er kommen w�rde.</p><p>W�hrend der letzten H�lfte des Fluges nach Lusitania waren es also vier, die in Miros Schiff reisten: Valentine, Miro, Jakt und Plikt. Das dachte Valentine zuerst zumindest. Erst am dritten Tag nach dem Rendezvous erfuhr sie von der f�nften Reisenden, die von Anfang an an Bord gewesen war.</p><p>An diesem Tag hatten sich die vier wie immer auf der Br�cke versammelt. Sonst konnten sie nirgendwo hin. Das Raumschiff war ein Frachter � au�er der Br�cke und den Schlafr�umen gab es nur eine winzige Komb�se und die Toilette. Der gesamte andere Raum war dazu bestimmt, Fracht zu bef�rdern und keine Menschen.</p><p>Valentine hatte jedoch nichts gegen den Verlust der Privatsph�re. Sie lie� es nun mit dem Aussto� ihrer subversiven Essays ruhiger angehen; sie hatte den Eindruck, da� es wichtiger war, Miro kennenzulernen � und durch ihn Lusitania. Die Menschen dort, die Schweinchen und besonders Miros Familie � denn Ender hatte Novinha, Miros Mutter, geheiratet. Valentine trug nat�rlich zahlreiche solche Informationen zusammen � sie h�tte nicht all diese Jahre als Historikerin und Biographin arbeiten k�nnen, ohne zu lernen, wie man aus winzigen Informationsfetzen zahlreiche Schl�sse zieht und Extrapolationen trifft.</p><p>Am lohnendsten f�r sie hatte sich Miro selbst erwiesen. Er war verbittert, w�tend und voller Verachtung f�r seinen verkr�ppelten K�rper, aber das war nur allzu verst�ndlich � er versuchte noch immer, ein neues Selbstverst�ndnis von sich zu gewinnen. Valentine machte sich keine Sorgen um seine Zukunft � sie sah, da� er sehr willensstark war, ein Mann, der nicht so leicht zerbrechen w�rde. Er w�rde sich anpassen und entwickeln.</p><p>Am meisten interessierten sie seine Gedanken. Es war, als habe die Beschr�nkung seines K�rpers seinen Geist befreit. In der ersten Zeit nach dem Unfall war er fast v�llig gel�hmt gewesen. Er hatte nur daliegen und <emphasis>denken </emphasis>k�nnen. Nat�rlich hatte er viel Zeit damit verbracht, �ber seine Fehler nachzudenken, �ber das, was er verloren hatte, �ber die Zukunft, die er nicht mehr haben konnte. Doch er hatte auch viele Stunden �ber Themen nachgedacht, �ber die besch�ftigte Menschen fast nie nachdenken. Und an ihrem dritten gemeinsamen Tag versuchte Valentine, ihm diese Gedanken zu entlocken.</p><p>�Die meisten Menschen denken nicht dar�ber nach, zumindest nicht ernsthaft, und du hast dar�ber nachgedacht�, sagte Valentine.</p><p>�Da� ich dar�ber nachdenke, bedeutet noch nicht, da� ich etwas wei߫, sagte Miro. Sie hatte sich mittlerweile v�llig an seine Stimme gew�hnt, obwohl seine Worte mitunter so langsam kamen, da� es sie schier in den Wahnsinn trieb. Es bedurfte manchmal einer wirklichen Willensanstrengung, keine Spur von Unaufmerksamkeit zu zeigen.</p><p>�Die Natur des Universums�, sagte Jakt.</p><p>�Die Quelle des Lebens�, sagte Valentine. �Du sagst, du h�ttest dar�ber nachgedacht, was es hei�t, am Leben zu sein, und ich will wissen, was du gedacht hast.�</p><p>�Wie das Universum arbeitet und warum wir alle darin sind.� Miro lachte. �Das ist eine ziemlich verr�ckte Sache.�</p><p>�Ich sa� einmal allein in einem Fischerboot zwei Wochen in einem Treibeisfeld gefangen�, sagte Jakt. �Ich bezweifle, da� du etwas vorbringen kannst, was mir verr�ckt vorkommt.�</p><p>Valentine l�chelte. Jakt war kein Wissenschaftler, und seine Philosophie beschr�nkte sich im allgemeinen darauf, seine Mannschaft zusammenzuhalten und eine Menge Fische zu fangen. Doch er wu�te, da� Valentine Miro aus der Reserve locken wollte, und so half er dabei, da� Miro sich entspannt f�hlte, lie� ihn wissen, da� er ernst genommen wurde.</p><p>Und es war wichtig, da� Jakt dies tat � denn Valentine hatte bemerkt, da� Miro ihn beobachtete. Jakt mochte alt sein, doch er hatte noch Arme, Beine und R�cken eines Fischers, und jede Bewegung verriet die Geschmeidigkeit seines K�rpers. Miro sprach ihn einmal sogar darauf an, verbl�mt und bewundernd: �Du bist gebaut wie ein Zwanzigj�hriger.� Valentine hatte den ironischen Zusatz geh�rt, den Miro im Sinn gehabt haben mu�te: W�hrend ich, der ich jung <emphasis>bin, </emphasis>den K�rper eines arthritischen Neunzigj�hrigen habe. Also bedeutete Jakt Miro etwas � er stand f�r die Zukunft, die Miro nie haben konnte. Bewunderung und Groll; es w�re Miro schwergefallen, offen vor Jakt zu sprechen, w�rde Jakt nicht sorgsam darauf achten, sich Miro gegen�ber nur respektvoll und interessiert zu erweisen.</p><p>Plikt sa� nat�rlich auf ihrem Platz, stumm, zur�ckgezogen, praktisch unsichtbar.</p><p>�Na sch�n�, sagte Miro. �Spekulationen �ber die Natur der Wirklichkeit und der Seele.�</p><p>�Theologie oder Metaphysik?� fragte Valentine.</p><p>�Metaphysik haupts�chlich�, sagte Miro. �Und Physik. Keins davon ist mein Spezialgebiet. Und das ist nicht die Art von Geschichte, f�r die du mich angeblich brauchst.�</p><p>�Ich wei� nicht immer genau, was ich brauchen werde.�</p><p>�Na sch�n�, sagte Miro. Er atmete ein paar Mal tief ein, als �berlege er, wo er anfangen wolle. �Ihr kennt euch mit philotischen Verkn�pfungen aus.�</p><p>�Ich wei�, was jeder dar�ber wei߫, sagte Valentine. �Und ich wei�, da� sie in den letzten zweieinhalbtausend Jahren nirgendwo hingef�hrt haben, da man wirklich nicht mit ihnen experimentieren kann.� Es war eine alte Entdeckung aus den Tagen, als die Wissenschaftler versuchten, mit der Technologie Schritt zu halten. Physikstudenten im Teenageralter lernten ein paar kluge Spr�che auswendig: �Philoten sind die fundamentalen Bausteine aller Materie und Energie. Philoten haben weder Masse noch Tr�gheit. Philoten haben nur Ort, Lebensdauer und Verbindung.� Und jeder wu�te, da� es philotische Verbindungen waren � die Verkn�pfung philotischer Strahlen �, die die Verk�rzer arbeiten lie�en und augenblickliche Kommunikation zwischen Welten und viele Lichtjahre entfernten Sternenschiffen erm�glichten. Doch niemand wu�te, <emphasis>warum </emphasis>es funktionierte, und weil man mit Philoten nicht �umgehen� konnte, war es fast unm�glich, mit ihnen zu experimentieren. Man konnte sie nur beobachten, und das auch nur durch ihre Verbindungen.</p><p>�Philotik�, sagte Jakt. �Verk�rzer?�</p><p>�Ein Nebenprodukt�, sagte Miro.</p><p>�Was haben sie mit der Seele zu tun?� fragte Valentine.</p><p>Miro wollte schon antworten, doch dann �rgerte er sich �ber etwas, anscheinend �ber den Gedanken, mit seinem langsam arbeitenden, sich ihm widersetzenden Mund eine lange Rede zu halten. Sein Kiefer arbeitete, die Lippen bewegten sich leicht. �Ich kann es nicht�, sagte er dann.</p><p>�Wir h�ren zu�, sagte Valentine. Sie verstand sein Z�gern, mit den Begrenzungen seiner Sprachf�higkeit einen ausf�hrlichen Exkurs abzuhalten, doch sie wu�te auch, da� er es trotzdem tun mu�te.</p><p>�Nein�, sagte Miro.</p><p>Valentine h�tte versucht, ihn zu �berreden, doch sie sah, da� sich seine Lippen noch bewegten, obwohl nur leise Ger�usche �ber sie kamen. Murmelte er vor sich hin? Fluchte er?</p><p>Nein � sie wu�te, da� es das ganz und gar nicht war.</p><p>Sie brauchte einen Augenblick, bis sie begriff, wieso sie sich so sicher war. Sie hatte gesehen, wie Ender genau dasselbe tat, die Lippen und den Kiefer bewegte, als er in das Juwel, das er in seinem Ohr trug, eingebauten Computerterminal subvokale Befehle erteilte. Nat�rlich: Miro hatte dieselbe Computerverbindung wie Ender, und so sprach er mit ihm auf dieselbe Art.</p><p>Nach einem Augenblick wurde klar, welchen Befehl Miro seinem Juwel gegeben hatte. Es mu�te mit dem Schiffscomputer verbunden sein, denn unmittelbar darauf erhellte sich einer der Bildschirme, und Miros Gesicht erschien darauf. Nur, da� von der Unbeweglichkeit, die Miros Gesicht in Wirklichkeit entstellte, nichts zu sehen war. Valentine begriff: Es war Miros Gesicht, wie es fr�her einmal gewesen war. Und als das Computerabbild sprach, war die Stimme, die aus den Lautsprechern drang, ebenfalls Miros Stimme, wie sie fr�her einmal gewesen war � klar. Stark. Intelligent. Schnell.</p><p>�Ihr wi�t, wenn sich Philoten zusammenf�gen, um eine dauerhafte Struktur zu bilden � ein Meson, ein Neutron, ein Atom, ein Molek�l, einen Organismus, einen Planeten � verkn�pfen sie sich.�</p><p>�Was ist das?� fragte Jakt. Er hatte noch nicht herausbekommen, warum der Computer das Reden �bernommen hatte.</p><p>Miros Computerabbild erstarrte auf dem Bildschirm und verstummte. Miro selbst antwortete. �Ich habe damit darumgespielt�, sagte er. �Ich sage ihm etwas, und er erinnert sich daran und spricht f�r mich.�</p><p>Valentine versuchte sich vorzustellen, wie Miro experimentiert hatte, bis das Computerprogramm sein Gesicht und die Stimme richtig hinbekommen hatte. Wie anregend mu�te es gewesen sein, sich selbst neu zu schaffen, wie er seiner Meinung nach sein sollte! Und auch wie qu�lend, zu sehen, was er h�tte sein k�nnen, und zu wissen, da� es niemals Wirklichkeit werden konnte. �Was f�r eine kluge Idee�, sagte Valentine. �Eine Art Prothese f�r die Pers�nlichkeit.�</p><p>Miro lachte � ein einziges �Ha!�</p><p>�Mach weiter�, sagte Valentine. �Ob du nun selbst sprichst oder der Computer f�r dich spricht, wir werden zuh�ren.�</p><p>Das Computerbild erwachte wieder zum Leben und sprach erneut mit Miros starker eingebildeter Stimme. �Philoten sind die kleinsten Bausteine aus Materie und Energie. Sie haben keine Masse oder Dimension. Jedes Philot verbindet sich mit dem Rest des Universums an einem einzigen Strang, einer eindimensionalen Linie, die es mit allen anderen Philoten in in ihrer kleinsten augenblicklichen Struktur verbindet � einem Meson. All diese Str�nge der Philoten in diesem Gebilde sind zu einem einzigen Philotenfaden verschlungen, der das Meson mit dem n�chstgr��eren Gebilde verbindet � einem Neutron zum Beispiel. Die F�den im Neutron verschlingen sich zu einem Band, das sie mit all den anderen Partikeln des Atoms verbindet, und die B�nder des Atoms verschlingen sich zu dem Seil des Molek�ls. Das hat nichts mit Kernkr�ften oder Schwerkraft zu tun, nichts mit chemischen Verbindungen. Soweit wir wissen, <emphasis>tun </emphasis>die philotischen Verbindungen gar nichts. Sie sind einfach da.�</p><p>�Aber die einzelnen Str�nge sind immer da, immer in den Verschlingungen pr�sent�, sagte Valentine.</p><p>�Ja, jeder Strang setzt sich ewig fort�, antwortete der Bildschirm.</p><p>Es �berraschte sie und auch Jakt, da� der Computer imstande war, augenblicklich auf Valentines Worte zu reagieren. Es handelte sich nicht nur um einen vorbereiteten Vortrag. Es mu�te sowieso ein ausgekl�geltes Programm sein, wenn es Miros Gesicht und Stimme so gut nachahmen konnte; aber da� es nun antwortete, als ahme es Miros Pers�nlichkeit nach�</p><p>Oder hatte Miro dem Programm irgendeinen Hinweis gegeben? Hatte er die Erwiderung subvokalisiert? Valentine wu�te es nicht � sie hatte auf den Bildschirm geachtet. Doch damit w�rde sie jetzt aufh�ren � sie w�rde Miro selbst beobachten.</p><p>�Wir <emphasis>wissen </emphasis>nicht, ob der Strang unendlich ist�, sagte Valentine. �Wir wissen nur, da� wir noch kein Ende des Strangs gefunden haben.�</p><p>�Sie verschlingen sich ineinander, s�mtliche Philoten eines Planeten, und eine jede planetare Philotenverschlingung greift nach seinem Stern, und jeder Stern nach dem Mittelpunkt der Galaxis��</p><p>�Und wohin gehen die galaktischen Verschlingungen?� sagte Jakt. Es war eine alte Frage � Schulkinder stellten sie, wenn sie auf der H�heren Schule erstmals mit der Philotik vertraut gemacht wurden. Wie die alte Spekulation, da� Galaxien in Wirklichkeit vielleicht Neutronen oder Mesonen in einem viel gr��eren Universum waren, oder wie die alte Frage: Wenn das Universum nicht unendlich ist, was befindet sich dann hinter seinem Rand?</p><p>�Ja, ja�, sagte Miro. Diesmal sprach er jedoch mit seinem eigenen Mund. �Aber darauf will ich nicht hinaus. Ich will �ber das Leben sprechen.�</p><p>Die computerisierte Stimme � die Stimme des brillanten jungen Mannes � �bernahm. �Die philotischen Verschlingungen von Substanzen wie Felsen oder Sand verbinden sich direkt mit jedem Molek�l bis zum Zentrum des Planeten. Doch wenn ein Molek�l in einen lebendigen Organismus integriert wird, ver�ndert sich der Strang. Anstatt in den Planeten hinabzugreifen, verschlingt er sich in der jeweiligen Zelle, und die Str�nge von den Zellen sind alle miteinander verschlungen, so da� jeder Organismus eine einzige Faser philotischer Verbindungen ausschickt, die sich mit dem zentralen philotischen Seil des Planeten verschlingt.�</p><p>�Was beweist, da� ein individuelles Leben auf der Ebene der Physik eine gewisse Bedeutung hat�, sagte Valentine. Sie hatte einmal einen Essay dar�ber geschrieben und versucht, einen Teil der Mystik zur�ckzunehmen, die um die Philotik entstanden war, und sie gleichzeitig als Sichtweise der Bildung einer Gesellschaft heranzuziehen. �Aber es entsteht kein praktischer Nutzen daraus, Miro. Nichts, was man damit <emphasis>anfangen </emphasis>k�nnte. Die philotische Verschlingung lebender Organismen <emphasis>existiert </emphasis>einfach. Jedes Philot ist mit etwas verbunden und durch das wieder mit etwas anderem � lebende Zellen und Organismen sind einfach zwei der Ebenen, auf denen solche Verbindungen entstehen k�nnen.�</p><p>�Ja�, sagte Miro. �Was lebt, verschlingt sich.�</p><p>Valentine zuckte mit den Achseln. Man konnte es wahrscheinlich nicht beweisen, doch wenn Miro es als Pr�misse seiner Spekulationen benutzen wollte, hatte sie nichts dagegen.</p><p>Der Computer-Miro �bernahm wieder. �Ich habe �ber die <emphasis>Dauer </emphasis>der Verschlingung nachgedacht. Wenn eine verschlungene Struktur aufgebrochen wird � als br�che ein Molek�l auseinander �, bleibt die alte philotische Verschlingung noch f�r eine Weile bestehen. Fragmente, die physikalisch nicht mehr zusammenh�ngen, bleiben philotisch noch f�r eine Weile miteinander verbunden. Und je kleiner das Partikel, desto <emphasis>l�nger </emphasis>bleibt die Verbindung nach dem Aufbruch der urspr�nglichen Struktur bestehen und desto langsamer verlagern sich die Fragmente zu neuen Verschlingungen.�</p><p>Jakt runzelte die Stirn. �Ich dachte, je kleiner die Dinge w�ren, desto schneller gesch�he etwas mit ihnen.�</p><p>�Es <emphasis>verst��t </emphasis>gegen die allgemeine Auffassung�, sagte Valentine.</p><p>�Nach einer Kernspaltung dauert es Stunden, bis sich die Philotenstr�nge wieder sortiert haben�, sagte der Computer-Miro. �Wenn man ein kleineres Partikel als ein Atom teilt, bleibt die philotische Verbindung zwischen den Fragmenten noch viel l�nger bestehen.�</p><p>�Und so arbeitet der Verk�rzer�, sagte Miro.</p><p>Valentine musterte ihn genau. Sprach er manchmal mit seiner eigenen Stimme und manchmal durch den Computer? Stand das Programm unter seiner Kontrolle oder nicht?</p><p>�Der Verk�rzer beruht auf folgendem Prinzip�, sagte der Computer-Miro. �Wenn man ein Meson mit einem starken Magnetfeld umschlie�t, es spaltet und die beiden Teile beliebig weit voneinander trennt, wird die philotische Verkn�pfung sie dennoch verbinden. Und die Verbindung erfolgt augenblicklich. Wenn sich ein Fragment dreht oder vibriert, dreht sich und vibriert auch der Strahl zwischen ihnen, und die Bewegung l��t sich in genau demselben Augenblick am anderen Ende messen. Die Bewegung wird in Nullzeit die gesamte L�nge des Strangs entlang �bertragen, selbst wenn die beiden Teile Lichtjahre voneinander entfernt sind. Niemand wei�, <emphasis>warum </emphasis>es funktioniert, doch wir sind froh, <emphasis>da� </emphasis>es klappt. Ohne den Verk�rzer w�re eine vern�nftige Kommunikation zwischen den Menschenwelten ausgeschlossen.�</p><p>�Verdammt, es gibt auch jetzt keine <emphasis>vern�nftige </emphasis>Kommunikation�, sagte Jakt. �Und g�be es keine Verk�rzer, h�tte jetzt keine Kriegsflotte Kurs auf Lusitania genommen.�</p><p>Valentine h�rte Jakt jedoch nicht zu. Sie beobachtete Miro. Diesmal sah Valentine, da� er stumm Lippen und Kiefer bewegte. Und nachdem er subvokalisiert hatte, sprach Miros Computerbild wieder. Er gab also die Befehle. Es war absurd gewesen, etwas anderes anzunehmen � wer sonst k�nnte den Computer beherrschen?</p><p>�Es ist eine Hierarchie�, sagte das Abbild. �Je komplexer die Struktur, desto schneller die Reaktion auf eine Ver�nderung. Je kleiner das Partikel ist, desto dummer scheint es zu sein, und um so langsamer begreift es die Tatsache, da� es nun Teil einer anderen Struktur ist.�</p><p>�Nun anthropomorphisierst du�, sagte Valentine.</p><p>�Vielleicht�, entgegnete Miro. �Vielleicht auch nicht.�</p><p>�Menschen sind Organismen�, sagte das Abbild. �Doch die philotischen Verkn�pfungen der Menschen gehen weit �ber die einer jeden anderen Lebensform hinaus.�</p><p>�Nun sprichst du von dieser Sache, die vor tausend Jahren vom Ganges kam�, sagte Valentine. �Niemand war imstande, widerspruchsfreie Ergebnisse aus diesen Experimenten zu ziehen.� Die Forscher � alles hingebungsvolle Hindus � behaupteten, sie h�tten bewiesen, da� menschliche philotische Verschlingungen � im Gegensatz zu denen anderer Organismen � nicht immer direkt in den Planetenkern griffen, um sich mit allem anderen Leben, aller anderen Materie zu verschlingen. Statt dessen, so behaupteten sie, w�rden sich die philotischen Str�nge der Menschen oft mit denen anderer Menschen verschlingen, am h�ufigsten die von Familienmitgliedern untereinander, aber manchmal auch zwischen Lehrern und Sch�lern oder engen Kollegen � einschlie�lich der Forscher selbst. Die Gangesitanier hatten daraus den Schlu� gezogen, dieser Unterschied zwischen menschlichem und anderem pflanzlichen und tierischen Leben w�rde beweisen, da� die Seelen einiger Menschen buchst�blich auf eine h�here Ebene bef�rdert wurden, hin zur Perfektion. Sie glaubten, die Menschen, die die Perfektion erreicht hatten, w�ren miteinander eins geworden, wie alles Leben eins mit der Welt war. �Das ist eine angenehme Mystik, doch niemand au�er den Hindus von Ganges nimmt sie noch ernst.�</p><p>�Ich schon�, sagte Miro.</p><p>�Jedem das seine�, sagte Jakt.</p><p>�Nicht als Religion�, sagte Miro. �Als Wissenschaft.�</p><p>�Du meinst Metaphysik, nicht wahr?� fragte Valentine.</p><p>Diesmal antwortete das Miro-Abbild. �Die philotischen Verbindungen zwischen Menschen �ndern sich am schnellsten �berhaupt, und die Forscher von Ganges haben bewiesen, da� sie auf den menschlichen Willen reagieren. Wenn man starke Gef�hlsbindungen zu seiner Familie hat, verschlingen sich die philotischen Str�nge, und man ist eins, genauso, wie die verschiedenen Atome in einem Molek�l eins sind.�</p><p>Es war eine nette Vorstellung � das hatte sie gedacht, als sie zuerst davon h�rte, vielleicht vor zweitausend Jahren, als Ender auf Mindanao f�r einen ermordeten Revolution�r sprach. Sie und Ender hatten damals dar�ber spekuliert, ob die Tests auf Ganges beweisen w�rden, da� <emphasis>sie beide </emphasis>als Bruder und Schwester miteinander verschlungen waren. Sie fragten sich, ob es solch eine Verbindung zwischen ihnen gegeben hatte, als sie Kinder waren, und ob sie bestehen geblieben war, als Ender auf die Kampfschule kam und sie sechs Jahre voneinander getrennt wurden. Ender hatte diese Vorstellung sehr gefallen, und Valentine auch, doch nach diesem einen Gespr�ch war das Thema nie wieder zur Sprache gekommen. Die Idee von philotischen Verbindungen zwischen Menschen hatte sie unter �ganz nette Vorstellungen� in ihrem Ged�chtnis abgelegt. �Eine h�bsche Vorstellung, die Metapher der menschlichen Einheit k�nnte eine psysikalische Analogie haben�, sagte Valentine.</p><p>�H�r zu!� sagte Miro. Anscheinend wollte er nicht, da� sie die Idee als �h�bsch� abtat.</p><p>Erneut sprach sein Abbild f�r ihn. �Angenommen, die Hindus von Ganges haben recht� dann ist es nicht nur ein soziales Ph�nomen, wenn sich ein Mensch entschlie�t, ein Band mit einer anderen Person zu kn�pfen, etwas zu einer Gemeinschaft beizutragen, sondern auch ein physikalisches. Das Philot, das kleinste vorstellbare psysikalische Partikel � falls wir etwas ohne Masse oder Tr�gheit �berhaupt als psysikalisch bezeichnen k�nnen �, reagiert auf eine Anstrengung des menschlichen Willens.�</p><p>�Deshalb f�llt es allen so schwer, die Experimente von Ganges ernst zu nehmen.�</p><p>�Die Experimente von Ganges waren genau und ehrlich.�</p><p>�Doch kein anderer hat jemals dieselben Ergebnisse erzielt.�</p><p>�Kein anderer hat sie jemals ernst genug genommen, um dieselben Experimente durchzuf�hren. �berrascht dich das?�</p><p>�Ja�, sagte Valentine. Doch dann erinnerte sie sich, wie die Idee von der wissenschaftlichen Presse l�cherlich gemacht worden war, w�hrend sie gleichzeitig von den verr�ckten Randzonen aufgegriffen und in ein Dutzend abwegiger Religionen integriert worden war. Wie konnte ein Wissenschaftler nach einem derartigen Vorgang hoffen, eine Finanzierung f�r solch ein Projekt zusammenzubekommen? Wie konnte ein Wissenschaftler erwarten, Karriere zu machen, wenn seine Kollegen ihn f�r den Verk�nder einer metaphysischen Religion hielten? �Nein, wohl kaum.�</p><p>Das Miro-Abbild nickte. �Wenn sich die philotischen Str�nge dem menschlichen Willen folgend verschlingen, k�nnten wir doch annehmen, da� <emphasis>s�mtliche </emphasis>philotischen Verschlingungen willentlich herbeigef�hrt werden. Jeder Partikel, die gesamte Materie und Energie� warum k�nnte nicht jedes beobachtbare Ph�nomen im Universum dem Willen von Einzelmenschen unterliegen?�</p><p>�Jetzt gehen wir �ber den Hinduismus von Ganges hinaus�, sagte Valentine. �Soll ich dir das allen Ernstes abkaufen? Du sprichst hier von Animismus. Die primitivste Art von Religion. Alles lebt. Steine und Meere und��</p><p>�Nein�, sagte Miro. �Leben ist Leben.�</p><p>�Leben ist Leben�, sagte das Computerprogramm. �Leben liegt vor, wenn ein einziges Philot die Willenskraft hat, die Molek�le zu einer einzigen Zelle zu verbinden, ihre Str�nge zu einem einzigen zu verschlingen. Ein st�rkeres Philot kann viele Zellen zu einem Organismus verbinden. Die st�rksten sind die Intelligenzwesen. Wir k�nnen unsere philotischen Verbindungen unterbringen, wo wir wollen. Die philotische Grundlage intelligenten Lebens tritt noch deutlicher in der anderen bekannten vernunftbegabten Spezies vor. Wenn ein Pequenino stirbt und in das dritte Leben �bergleitet, bewahrt sein willensstarkes Philot seine Identit�t und l��t sie von der S�ugetierleiche in den lebenden Baum �bergehen.�</p><p>�Reinkarnation�, sagte Jakt. �Das Philot ist die Seele.�</p><p>�Bei den Schweinchen ist es jedenfalls so�, sagte Miro.</p><p>�Und bei der Schwarmk�nigin auch�, sagte das Miro-Abbild. �Wir haben die philotischen Verbindungen �berhaupt nur entdeckt, weil wir sahen, wie die Krabbler �berlichtschnell miteinander kommunizierten � das zeigte uns erst, da� es m�glich war. Die einzelnen Krabbler sind alle Teil der Schwarmk�nigin; sie sind wie ihre H�nde und F��e, und sie ist ihr Verstand, ein riesiger Organismus mit Tausenden oder Millionen K�rpern. Und die <emphasis>einzige </emphasis>Verbindung zwischen ihnen ist die Verschlingung ihrer philotischen Str�nge.�</p><p>Solch ein Bild vom Universum hatte sich Valentine noch nie vorgestellt. Als Historikerin und Biographin sah sie die Dinge nat�rlich in Begriffen von Menschen und Gesellschaften; sie verf�gte zwar �ber einige Physikkenntnisse, hatte aber keine besondere Ausbildung in diesem Fach erhalten. Vielleicht w�rde ein Physiker sofort wissen, warum diese ganze Vorstellung absurd war. Andererseits jedoch w�re ein Physiker derma�en vom Konsens seiner wissenschaftlichen Gemeinde gepr�gt, da� es ihm um so schwerer fallen w�rde, eine Vorstellung zu akzeptieren, die die Bedeutung von allem, was er wu�te, ver�nderte. Auch wenn sie der Wahrheit entsprach.</p><p>Und ihr gefiel die Vorstellung so gut, da� sie w�nschte, sie sei wahr. K�nnte es sein, da� von den Billiarden Verliebten, die sich �Wir sind eins!� ins Ohr gefl�stert hatten, einige wirklich eins waren? W�re es nicht sch�n, sich von den Milliarden Familien, die so eng miteinander verbunden waren, da� sie sich wie eine einzige Seele vorkamen, vorzustellen, da� dem bei einigen auf der urspr�nglichsten Ebene der Wirklichkeit tats�chlich so war?</p><p>Takt schien von der Vorstellung jedoch nicht so angetan zu sein. �Ich dachte, wir sollten nicht dar�ber sprechen, da� die Schwarmk�nigin existiert�, sagte er. �Ich dachte, das sei Enders Geheimnis.�</p><p>�Ist schon in Ordnung�, sagte Valentine. �Jeder in diesem Raum wei� es.�</p><p>Jakt bedachte sie mit seinem ungeduldigen Blick. �Ich dachte, wir fliegen nach Lusitania, um beim Kampf gegen den Sternenwege-Kongre� zu helfen. Was hat das alles mit der echten Welt zu tun?�</p><p>�Vielleicht nichts�, sagte Valentine. �Vielleicht alles.�</p><p>Jakt begrub einen Augenblick lang das Gesicht in den H�nden und sah dann mit einem L�cheln auf, das eigentlich gar keins war. �Ich habe dich so etwas Transzendentales nicht mehr sagen h�ren, seit dein Bruder Trondheim verlie�.�</p><p>Das traf sie, besonders, weil sie wu�te, da� es sie auch treffen sollte. War Jakt nach all diesen Jahren noch immer eifers�chtig auf ihre Verbindung mit Ender? Verabscheute er noch immer die Tatsache, da� sie sich um Dinge sorgen konnte, die ihm nichts bedeuteten? �Als er ging�, sagte Valentine, �blieb ich.� In Wirklichkeit sagte sie: Ich habe den einzigen Test bestanden, auf den es ankam. Warum solltest du jetzt an mir zweifeln?</p><p>Jakt war verlegen. Das war eine seiner besten Eigenschaften � wenn er begriff, da� er falsch gehandelt hatte, gestand er es sofort ein. �Und als du gingst�, sagte er, �ging ich mit dir.� Was wohl bedeuten sollte: Ich bin bei dir, ich bin wirklich nicht mehr auf Ender eifers�chtig, und es tut mir leid, da� ich diese Bemerkung gemacht habe. Als sie sp�ter allein waren, sagte er all das noch einmal offen. Es war nicht Sinn der Sache, Lusitania zu erreichen, wenn einer von ihnen dabei Argwohn und Eifersucht hegte.</p><p>Miro wu�te nat�rlich nicht, da� Jakt und Valentine bereits einen Waffenstillstand beschlossen hatten. Er war sich nur der Spannung zwischen ihnen bewu�t und glaubte, er sei der Grund daf�r. �Es tut mir leid�, sagte er. �Ich wollte nicht��</p><p>�Schon in Ordnung�, sagte Jakt. �Das geh�rt nicht zum Thema.�</p><p>�Es <emphasis>gibt </emphasis>kein Thema�, sagte Valentine und l�chelte ihrem Mann zu. Jakt erwiderte das L�cheln.</p><p>Das gen�gte Miro; er entspannte sich.</p><p>�Fahre fort�, sagte Valentine.</p><p>�Akzeptiert das alles als Voraussetzung�, sagte das Miro-Abbild.</p><p>Valentine konnte sich nicht helfen, sie mu�te laut auflachen. Zum Teil lachte sie, weil diese mythische Ganges-Interpretation, die Philoten als Seelen zu sehen, als Pr�misse so widersinnig schwer zu schlucken war. Zum Teil lachte sie, um die Spannung zwischen ihr und Jakt zu l�sen. �Es tut mir leid�, sagte sie. �Das ist eine schrecklich gro�e �Voraussetzung�. Wenn das die Pr�misse ist, kann ich es nicht erwarten, die Schlu�folgerung daraus zu h�ren.�</p><p>Miro verstand ihr Gel�chter nun und erwiderte das L�cheln. �Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken�, sagte er. �Das war <emphasis>wirklich </emphasis>meine Spekulation dar�ber, was das Leben ist. Alles im Universum ist Verhalten. Doch es gibt noch etwas anderes, was wir euch sagen wollen. Und wohl auch fragen.� Er wandte sich an Jakt. �Und es hat eine Menge damit zu tun, die Lusitania-Flotte aufzuhalten.�</p><p>Jakt l�chelte und nickte. �Ich wei� es zu sch�tzen, da� man mir gelegentlich einen Knochen hinwirft.�</p><p>Valentine setzte ihr bezauberndstes L�cheln auf. �Aha � und sp�ter wirst du froh sein, wenn ich ein paar Knochen breche.�</p><p>Jakt lachte erneut.</p><p>�Fahre fort, Miro�, sagte Valentine.</p><p>Diesmal antwortete das Miro-Abbild. �Wenn die gesamte Realit�t vom Verhalten der Philoten bestimmt wird, sind die meisten Philoten offensichtlich nur so klug oder stark, um als Meson agieren oder ein Neutron zusammenhalten zu k�nnen. Sehr wenige von ihnen haben die Willenskraft zu leben � einen Organismus zu beherrschen. Und ein ganz, ganz winziger Bruchteil von ihnen ist stark genug, um einen bewu�ten Organismus zu kontrollieren � nein, zu <emphasis>sein. </emphasis>Dennoch ist auch das komplexeste und intelligenteste Wesen � die Schwarmk�nigin zum Beispiel � im Kern nur ein Philot wie alle anderen. Sie bekommt ihre Identit�t und ihr Leben von der besonderen Rolle, die sie zuf�llig aus�bt, doch sie <emphasis>ist </emphasis>ein Philot.�</p><p>�Mein Selbst � mein Wille � ist ein subatomares Partikel?�</p><p>Jakt nickte l�chelnd. �Eine komische Vorstellung�, sagte er. �Mein Schuh und ich sind Br�der.�</p><p>Miro l�chelte schwach. Doch das Miro-Abbild antwortete. �Ja, wenn ein Stern und ein Wasserstoffatom Br�der sind, dann gibt es auch eine Verwandtschaft zwischen dir und den Philoten, die ganz normale Gegenst�nde wie deinen Schuh bilden.�</p><p>Valentine stellte fest, da� Miro nicht subvokalisiert hatte, bevor das Miro-Abbild antwortete. Wie war die Software, die das Miro-Abbild herstellte, auf die Analogie mit Sternen und Wasserstoffatomen gekommen, wenn Miro sie nicht vom Fleck weg geliefert hatte? Valentine hatte noch nie von einem Computerprogramm geh�rt, das ein so engagiertes Gespr�ch von allein f�hrte.</p><p>�Und vielleicht gibt es noch andere Verwandtschaften im Universum, von denen ihr bis jetzt nichts wi�t�, sagte das Miro-Abbild. �Vielleicht gibt es eine Lebensform, die ihr noch nicht kennengelernt habt.�</p><p>Valentine, die noch immer Miro beobachtete, bemerkte, da� er jetzt besorgt wirkte. Als gefiele ihm nicht, was das Miro-Abbild jetzt tat.</p><p>�Von welcher Lebensform sprichst du?� fragte Jakt.</p><p>�Es gibt ein physikalisches Ph�nomen im Universum, ein sehr bekanntes, das v�llig unerkl�rt ist, und doch nimmt es jeder f�r gegeben, und niemand hat je ernsthaft nachgeforscht, warum und wie es geschieht. Noch nie wurde eine Verk�rzer-Verbindung gekappt.�</p><p>�Unsinn�, sagte Jakt. �Einer der Verk�rzer auf Trondheim war letztes Jahr sechs Monate au�er Betrieb � es kommt nicht oft vor, aber es passiert.�</p><p>Erneut bewegte Miro weder Lippen und Kiefer; erneut antwortete das Computerbild umgehend. Miro hatte es in diesem Augenblick eindeutig nicht unter Kontrolle. �Ich behaupte nicht, da� bei den Verk�rzern niemals Sch�den auftreten. Ich behaupte, da� die Verbindungen � die philotischen Verschlingungen zwischen den Teilen eines gespaltenen Mesons � niemals zusammengebrochen sind. Eine Verk�rzer-<emphasis>Maschine</emphasis> kann einen Schaden haben, die Software kann manipuliert werden, doch noch nie hat ein Mesonenfragment innerhalb eines Verk�rzers seinem Philotenstrang gestattet, sich mit einem anderen �rtlichen Meson oder auch mit dem n�chstgelegenen Planeten zu verflechten.�</p><p>�Das Magnetfeld h�lt das Fragment nat�rlich gefangen�, sagte Jakt.</p><p>�Gespaltene Mesone existieren in der Natur nicht lange genug, da� wir wissen, wie sie sich nat�rlich verhalten�, sagte Valentine.</p><p>�Ich habe alle �blichen Antworten studiert�, sagte das Abbild. �Den ganzen Bl�dsinn. All diese Antworten, die Eltern ihren Kindern geben, wenn sie die Wahrheit nicht kennen und sich nicht die M�he machen wollen, sie herauszufinden. Die Leute behandeln die Verk�rzer noch immer wie Magie. Alle sind froh, da� die Verk�rzer weiterhin arbeiten; wenn sie herausfinden wollten, <emphasis>warum </emphasis>sie funktionieren, k�nnte die Magie verschwinden, und die Verk�rzer w�rden es nicht mehr tun.�</p><p>�Niemand ist dieser Ansicht�, sagte Valentine.</p><p>�Alle sind sie es�, sagte das Abbild. �Selbst wenn hundert Jahre daf�r n�tig w�ren oder tausend oder dreitausend, <emphasis>eine </emphasis>einzige Verbindungen h�tte mittlerweile einmal zusammenbrechen m�ssen. Eins dieser Mesonenfragmente h�tte seinen Philotenstrang verlagern m�ssen � aber es ist nie geschehen.�</p><p>�Warum?� fragte Miro.</p><p>Valentine nahm zuerst an, da� Miro eine rhetorische Frage stellte. Aber nein � er sah das Abbild an wie sie alle, bat es, <emphasis>ihm </emphasis>den Grund zu nennen.</p><p>�Ich dachte, dieses Programm w�rde <emphasis>deine </emphasis>Spekulationen unterbreiten�, sagte Valentine.</p><p>�Das hat es auch�, sagte Miro. �Aber jetzt nicht mehr.�</p><p>�Was, wenn es ein Wesen gibt, da� an den philotischen Verbindungen zwischen den Verk�rzern lebt?� fragte das Abbild.</p><p>�Bist du sicher, da� du das tun willst?� fragte Miro. Erneut sprach er zu der Darstellung auf dem Bildschirm.</p><p>Und das Bild auf dem Schirm ver�nderte sich, wandelte sich in das Gesicht einer jungen Frau, die Valentine noch nie zuvor gesehen hatte.</p><p>�Was, wenn es ein Wesen gibt, das im Netz der Philotenstr�nge oder -strahlen lebt, das die Verk�rzer auf jeder Welt und auf jedem Sternenschiff im menschlichen Universum verbindet? Was, wenn sie aus diesen philotischen Verbindungen <emphasis>besteht? </emphasis>Was, wenn ihre Gedanken in den Drehungen und Schwingungen der gespaltenen Paare stattfinden? Was, wenn ihre Erinnerungen in den Computern auf jeder Welt und jedem Schiff abgespeichert sind?�</p><p>�Wer bist du?� fragte Valentine und sprach das Bild auf dem Schirm direkt an.</p><p>�Vielleicht bin ich diejenige, die all diese philotischen Verbindungen von Verk�rzer zu Verk�rzer am Leben h�lt. Vielleicht bin ich eine neue Art Organismus, eine, die ihre Str�nge nicht verschlingt, sondern daf�r sorgt, da� sie miteinander verschlungen bleiben, damit sie niemals auseinanderbrechen. Und wenn das der Fall w�re, dann w�rde ich, wenn diese Verbindungen jemals unterbrochen w�rden, wenn die Verk�rzer jemals zu arbeiten aufh�rten, wenn die Verk�rzer jemals schwiegen � dann w�rde ich sterben.�</p><p>�Wer bist du?� fragte Valentine erneut.</p><p>�Valentine, ich m�chte dir Jane vorstellen�, sagte Miro. �Enders Freundin. Und meine.�</p><p>�Jane.� Also war Jane nicht der Kodename einer subversiven Gruppe innerhalb der B�rokratie des Sternenwege-Kongresses. Jane war ein Computerprogramm, eine Software.</p><p>Nein. Wenn das, was sie gerade angedeutet hatte, der Wahrheit entsprach, war Jane mehr als ein Programm. Sie war ein Wesen, das im Netz der Philotenstr�nge lebte, das seine Erinnerungen in den Computern einer jeden Welt abspeicherte. Wenn sie recht hatte, war das philotische Netz � das Netzwerk der kreuz und quer verlaufenden Philotenstr�nge, da� jeden Verk�rzer mit jedem anderen Verk�rzer auf jeder Welt verband � ihr K�rper, ihre <emphasis>Substanz. </emphasis>Und die philotischen Verbindungen waren noch nie zusammengebrochen, weil sie es so wollte.</p><p>�Und nun frage ich die gro�e Demosthenes�, sagte Jane, �bin ich Ramann oder Varelse? Lebe ich �berhaupt? Ich brauche deine Antwort, denn ich glaube, ich kann die Lusitania-Flotte aufhalten. Doch bevor ich das tue, mu� ich wissen: Ist es diese Sache wert, da� ich daf�r sterbe?�</p><empty-line/><p>Janes Worte trafen Miro ins Herz. Sie konnte die Flotte tats�chlich aufhalten � das begriff er pl�tzlich. Der Kongre� hatte zwar zahlreiche Schiffe der Flotte mit dem M.D.-Ger�t ausgestattet, aber noch nicht den Befehl erteilt, es auch einzusetzen. Er konnte den Befehl nicht schicken, ohne da� Jane zuvor davon erfuhr, und mit ihrer vollst�ndigen Durchdringung s�mtlicher Verk�rzer-Vorg�nge konnte sie den Befehl abfangen, bevor die Flotte ihn erhielt.</p><p>Das Problem war nur, da� sie damit dem Kongre� verriet, da� es sie gab � oder zumindest doch, da� irgend etwas nicht in Ordnung war. Wenn die Flotte den Befehl nicht best�tigte, w�rde der Kongre� ihn einfach noch einmal schicken und noch einmal. Je �fter sie die Befehle blockierte, desto klarer w�rde dem Kongre� werden, da� jemand einen unm�glichen Grad von Kontrolle �ber die Verk�rzer-Computer hatte.</p><p>Dies konnte sie vielleicht vermeiden, indem sie eine gef�lschte Best�tigung schickte, doch dann mu�te sie s�mtliche Kommunikation zwischen den Schiffen der Flotte und allen planetaren Stationen �berwachen, um den Schein aufrechtzuhalten, die Flotte wisse etwas von dem Befehl zum T�ten. Trotz ihrer gewaltigen F�higkeiten w�rde das ihre Kr�fte bald �bersteigen � sie konnte Hunderten, sogar Tausenden von Dingen gleichzeitig einen gewissen Grad an Aufmerksamkeit schenken, doch Miro begriff schnell, da� sie unm�glich <emphasis>alle </emphasis>�berwachungen und Manipulationen vornehmen konnte, die dazu erforderlich waren, selbst wenn sie nichts anderes mehr tat.</p><p>So oder so, das Geheimnis w�rde herauskommen. Und als Jane ihren Plan erkl�rte, begriff Miro, da� sie recht hatte � ihre beste Chance, ihre Existenz geheimzuhalten, bestand einfach darin, die <emphasis>gesamte </emphasis>Verk�rzer-Kommunikation zwischen der Flotte und den planetaren Stationen einerseits und zwischen den Schiffen der Flotte andererseits zu unterbinden. Wenn jedes Schiff isoliert blieb und die Mannschaft sich fragte, was geschehen war, ob sie also die Mission abbrechen oder den urspr�nglichen Befehlen gehorchen sollten. Entweder w�rden sie abr�cken, oder sie w�rden ohne die Befugnis bei Lusitania eintreffen, den Kleinen Doktor zu benutzen.</p><p>Mittlerweile w�rde der Kongre� jedoch wissen, da� <emphasis>irgend etwas </emphasis>geschehen war. Es war durchaus m�glich, da� bei der normalen Ineffizienz der B�rokratie des Kongresses niemand je herausfinden w�rde, was passiert war. Doch fr�her oder sp�ter w�rde jemand begreifen, da� es keine nat�rliche oder menschenm�gliche Erkl�rung f�r das Geschehen gab. Jemand w�rde begreifen, da� Jane � oder etwas wie sie � existieren mu�te und zerst�rt werden konnte, wenn man die gesamte Verk�rzer-Kommunikation unterbrach. Und sobald dies bekannt war, w�rde sie mit Sicherheit sterben.</p><p>�Vielleicht auch nicht�, beharrte Miro. �Vielleicht kannst du sie davon abhalten, etwas zu unternehmen. St�re die interplanetare Kommunikation, so da� sie den Befehl, die Kommunikationsvorrichtungen auszuschalten, gar nicht erst geben k�nnen.�</p><p>Niemand antwortete. Er kannte den Grund: Sie konnte die Verk�rzer-Kommunikation nicht auf ewig st�ren. Schlie�lich w�rde die Regierung eines jeden Planeten ihre eigenen Schl�sse ziehen. Sie mochte vielleicht Jahre, Jahrzehnte, Generationen in einem st�ndigen Kriegszustand �berleben. Doch je mehr Macht sie einsetzte, desto mehr w�rde die Menschheit sie hassen und f�rchten. Schlie�lich w�rde sie get�tet werden.</p><p>�Dann ein Buch�, sagte Miro. �Wie <emphasis>Die Schwarmk�nigin </emphasis>und <emphasis>Der Hegemon. </emphasis>Wie <emphasis>Menschs Leben. </emphasis>Der Sprecher f�r die Toten k�nnte es schreiben. Sie �berzeugen, es nicht zu tun.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Valentine.</p><p>�Sie darf nicht sterben�, sagte Miro.</p><p>�Ich wei�, da� wir sie nicht <emphasis>bitten </emphasis>k�nnen, dieses Risiko einzugehen�, sagte Valentine. �Doch wenn es die einzige M�glichkeit ist, die Schwarmk�nigin und die Pequeninos zu retten��</p><p>Miro war w�tend. �<emphasis>Ihr </emphasis>k�nnte ja dar�ber sprechen, sie sterben zu lassen! Was ist Jane denn schon f�r <emphasis>euch? </emphasis>Ein Programm, ein St�ck Software. Aber das stimmt nicht, sie ist <emphasis>echt, </emphasis>genauso echt wie die Schwarmk�nigin, genauso echt wie ein Schweinchen��</p><p>�Ich glaube, f�r dich noch echter�, sagte Valentine.</p><p><emphasis>�Genauso </emphasis>echt�, sagte Miro. �Du vergi�t � ich kenne die Schweinchen wie meine eigenen Br�der��</p><p>�Aber du ziehst die M�glichkeit in Betracht, die Vernichtung der Schweinchen k�nnte moralisch notwendig sein.�</p><p>�Verdreh mir nicht die Worte im Mund.�</p><p>�Ich r�cke sie gerade�, sagte Valentine. �Du kannst in Betracht ziehen, sie zu verlieren, weil du sie schon verloren hast. Jane jedoch��</p><p>�Kann ich nicht etwa f�r sie bitten, nur weil sie meine Freundin ist? K�nnen Entscheidungen �ber Leben und Tod nur von Fremden getroffen werden?�</p><p>Jakts Stimme unterbrach den Streit. �Beruhigt euch, ihr beiden. Es ist nicht eure Entscheidung, sondern Janes. Sie hat das Recht, den Wert ihres eigenen Lebens zu bestimmen. Ich bin kein Philosoph, aber <emphasis>das </emphasis>wei� ich.�</p><p>�Gut gesprochen�, sagte Valentine.</p><p>Miro wu�te, da� Jakt recht hatte, da� es Janes Wahl <emphasis>war. </emphasis>Aber er konnte es nicht ertragen, weil er ebenfalls wu�te, wie sie sich entscheiden w�rde. Jane die Wahl zu �berlassen hie�, sie zu bitten, es zu tun. Und doch w�rde ihr die Wahl letztlich ohnehin �berlassen bleiben. Er mu�te sie nicht einmal fragen, wie sie sich entscheiden w�rde. Die Zeit verging so schnell f�r sie, besonders, da sie bereits mit ann�hernder Lichtgeschwindigkeit reisten, da� sie sich wahrscheinlich schon entschieden hatte.</p><p>Es war zuviel f�r ihn. Es w�rde unertr�glich sein, Jane jetzt zu verlieren; allein der Gedanke daran drohte ihn aus der Fassung zu bringen. Er wollte seine Schw�che nicht vor diesen Menschen zeigen. Es waren gute Menschen, doch er wollte nicht, da� sie sahen, wie er die Selbstbeherrschung verlor. Also beugte sich Miro vor, fand sein Gleichgewicht und hob sich vorsichtig aus dem Sitz. Es war schwer, da nur ein paar seiner Muskeln seinem Willen gehorchten, und es erforderte seine ganze Konzentration, nur um von der Br�cke zu seiner Kabine zu gehen. Niemand folgte ihm oder sprach ihn auch nur an. Er war froh dar�ber.</p><p>Als er allein auf seinem Zimmer war, legte er sich auf die Koje und rief sie. Aber nicht laut. Er subvokalisierte, weil er normalerweise immer so mit ihr sprach. Obwohl die anderen auf diesem Schiff nun von ihr wu�ten, hatte er nicht die Absicht, die Gewohnheiten aufzugeben, die ihre Existenz bislang geheimgehalten hatten.</p><p>�Jane�, sagte er stumm.</p><p>�Ja�, sagte die Stimme in seinem Ohr. Wie immer stellte er sich vor, ihre weiche Stimme k�me von einer Frau gerade au�erhalb seiner Sichtweite. Er schlo� die Augen, damit er sie sich besser vorstellen konnte. Ihr Atem auf seiner Wange. Ihr Haar, das sein Gesicht streifte, w�hrend sie leise zu ihm sprach und er stumm antwortete.</p><p>�Sprich mit Ender, bevor du eine Entscheidung triffst.�</p><p>�Ich habe bereits mit ihm gesprochen.�</p><p>�Was hat er gesagt?�</p><p>�Nichts zu tun, keinen Entschlu� zu fassen, bis der Befehl tats�chlich ausgeschickt wird.�</p><p>�Genau. Vielleicht werden sie es gar nicht tun.�</p><p>�Vielleicht. Vielleicht kommt eine neue Gruppe mit einer anderen Politik an die Macht. Vielleicht wird diese Gruppe es sich anders �berlegen. Vielleicht wird Valentines Propaganda Erfolg haben. Vielleicht gibt es in der Flotte eine Meuterei.�</p><p>Die letzte M�glichkeit, sah Miro pl�tzlich ein, war so unwahrscheinlich, da� Jane mit absoluter Sicherheit davon ausging, da� der Befehl gegeben werden w�rde.</p><p>�Wie bald?� fragte Miro.</p><p>�Die Flotte m��te in etwa f�nfzehn Jahren eintreffen. Ein Jahr oder weniger, nachdem diese beiden Schiffe dort angelangt sind. Der Befehl wird irgendwann vorher geschickt. Vielleicht sechs Monate vor der Ankunft � was etwa acht Stunden Schiffszeit sein w�rde, bevor die Flotte den lichtschnellen Flug aufgibt und zu normaler Geschwindigkeit abbremst.�</p><p>�Tue es nicht�, sagte Miro.</p><p>�Ich habe mich noch nicht entschieden.�</p><p>�Doch, das hast du. Du hast dich entschieden, es zu tun.�</p><p>Sie sagte nichts.</p><p>�La� mich nicht allein.�</p><p>�Ich lasse meine Freunde nicht allein, wenn es nicht sein mu߫, sagte sie. �Einige Menschen tun das, ich aber nicht.�</p><p>�Tue es einfach nicht�, sagte er erneut. Er weinte. Konnte sie das irgendwie durch das Juwel in seinem Ohr sp�ren?</p><p>�Ich werde es versuchen.�</p><p>�Finde einen anderen Weg. Finde eine andere M�glichkeit, sie aufzuhalten. Finde eine M�glichkeit, dich aus dem philotischen Netz zu bringen, so da� sie dich nicht t�ten k�nnen.�</p><p>�Das hat Ender auch gesagt.�</p><p>�Dann tue es!�</p><p>�Ich kann nach solch einer M�glichkeit suchen, doch wer wei�, ob ich sie auch finde?�</p><p>�Du mu�t sie finden.�</p><p>�Das ist es, weshalb ich mich manchmal frage, ob ich lebe oder nicht. Ihr Lebewesen, ihr glaubt, weil ihr etwas unbedingt wollt, mu� es auch geschehen. Ihr glaubt, wenn ihr euch etwas mit ganzem Herzen w�nscht, mu� es auch eintreffen.�</p><p>�Wie kannst du nach etwas suchen, wenn du gar nicht glaubst, da� es existiert?�</p><p>�Entweder ich suche, oder ich suche nicht�, sagte Jane. �Man kann mich nicht ablenken, und mir wird eine Sache auch nicht �berdr�ssig wie euch Menschen. Ich versuche, mir etwas anderes einfallen zu lassen.�</p><p>�Denke auch daran�, sagte Miro. �Denke daran, wer du bist. Wie dein Verstand arbeitet. Du kannst kaum eine M�glichkeit finden, dein Leben zu retten, wenn du nicht verstehst, wie dieses Leben �berhaupt zustande gekommen ist. Und sobald du dich selbst verstehst��</p><p>�Kann ich vielleicht eine Kopie machen und sie irgendwo abspeichern.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Vielleicht�, wiederholte sie.</p><p>Doch er wu�te, da� sie nicht daran glaubte, genauso wenig wie er. Sie existierte im philotischen Netzwerk der Verk�rzer; sie konnte ihre Erinnerungen in den Computernetzwerken auf jeder Welt und auf jedem Schiff abspeichern) doch sie konnte nirgendwo ihr <emphasis>Selbst </emphasis>ablegen, nicht, wenn dazu ein Netzwerk aus philotischen Verbindungen notwendig war.</p><p>Au�er�</p><p>�Was ist mit den Vaterb�umen auf Lusitania? Sie kommunizieren philotisch, nicht wahr?�</p><p>�Das ist nicht dasselbe�, sagte Jane. �Es ist nicht digital. Es ist nicht <emphasis>kodiert </emphasis>wie die Verk�rzer.�</p><p>�Vielleicht ist es nicht digital, doch die Informationen werden irgendwie �bertragen. Es <emphasis>arbeitet </emphasis>philotisch. Und auch die Schwarmk�nigin � sie kommuniziert auf diese Art mit den Krabblern.�</p><p><emphasis>�Diese </emphasis>Chance habe ich nicht�, sagte Jane. �Die Struktur ist zu einfach. Ihre Kommunikation mit ihnen ist kein Netzwerk. Sie sind alle nur mit ihr verbunden.�</p><p>�Woher willst du wissen, da� es nicht funktioniert, wenn du noch nicht einmal genau wei�t, wie <emphasis>du </emphasis>funktionierst?�</p><p>�Na sch�n. Ich denke dar�ber nach.�</p><p>�Bem�he dich�, sagte er.</p><p>�Ich kann nur auf eine Art und Weise denken.�</p><p>�Ich meine, schenke der Sache <emphasis>Beachtung.�</emphasis></p><p>Sie konnte vielen Gedankeng�ngen auf einmal folgen, doch diese Gedanken waren Priorit�ten unterworfen und besa�en viele unterschiedliche Aufmerksamkeitsebenen. Miro wollte nicht, da� sie ihre Selbsterkundung einer niedrigen Aufmerksamkeitsstufe zuteilte.</p><p>�Ich werde ihr Aufmerksamkeit schenken.�</p><p>�Dann wird dir etwas einfallen�, sagte er. �Bestimmt.�</p><p>Sie schwieg eine Weile. Er ging davon aus, da� das Gespr�ch beendet war. Seine Gedanken begannen abzuschweifen. Er versuchte sich vorzustellen, wie das Leben sein w�rde, noch immer in diesem K�rper, aber ohne Jane. Es konnte sogar geschehen, bevor sie auf Lusitania eintrafen. Und falls es geschah, w�re diese Reise der schrecklichste Fehler seines Lebens gewesen. Indem sie mit Lichtgeschwindigkeit flogen, �bersprang er drei�ig Jahre Realzeit. Drei�ig Jahre, die er mit Jane h�tte verbringen k�nnen. Dann w�re er vielleicht damit fertig geworden, sie zu verlieren. Aber sie jetzt zu verlieren, nachdem er sie nur ein paar Wochen gekannt hatte � er wu�te, da� seine Tr�nen dem Selbstmitleid entsprangen, doch er vergo� sie trotzdem.</p><p>�Miro�, sagte sie.</p><p>�Was?� fragte er.</p><p>�Wie kann ich �ber etwas nachdenken, wor�ber noch nie zuvor gedacht wurde?�</p><p>Einen Augenblick lang verstand er nicht.</p><p>�Miro, wie kann ich etwas herausbekommen, das nicht einfach die logische Schlu�folgerung von Dingen ist, die menschliche Wesen bereits herausbekommen und irgendwo aufgeschrieben haben?�</p><p>�Du denkst doch die ganze Zeit �ber�, sagte Miro.</p><p>�Ich versuche, mir etwas Unvorstellbares vorzustellen. Ich versuche, Antworten auf Fragen zu finden, die menschliche Wesen nicht einmal zu stellen versucht haben.�</p><p>�Kannst du das nicht?�</p><p>�Bedeutet es, da� ich nichts weiter bin als ein Computerprogramm, das au�er Kontrolle geraten ist, wenn ich keine urspr�nglichen Gedanken denken kann?�</p><p>�Verdammt, Jane, die meisten Menschen haben nicht ein einziges Mal im Leben einen urspr�nglichen Gedanken.� Er lachte leise. �Bedeutet das, da� sie nur aufrecht gehende Affen sind, die au�er Kontrolle geraten sind?�</p><p>�Du hast geweint�, sagte sie.</p><p>�Ja.�</p><p><emphasis>�Du </emphasis>glaubst nicht, da� mir ein Ausweg einf�llt. Du glaubst, da� ich sterben werde.�</p><p>�Ich glaube, da� <emphasis>dir </emphasis>ein Ausweg einf�llt. Das glaube ich wirklich. Aber trotzdem habe ich Angst.�</p><p>�Angst, da� ich sterben werde.�</p><p>�Angst, dich zu verlieren.�</p><p>�W�re das so schrecklich? Mich zu verlieren?�</p><p>�O Gott�, fl�sterte er.</p><p>�W�rdest du mich eine Stunde lang vermissen?� beharrte sie. �Einen Tag lang? Ein Jahr lang?�</p><p>Was wollte sie von ihm? Die Versicherung, da� er sich an sie erinnern w�rde, wenn sie tot war. Da� jemand um sie trauern w�rde. Warum bezweifelte sie das? Kannte sie ihn noch immer nicht?</p><p>Vielleicht war sie so menschlich, da� sie einfach eine Best�tigung von Dingen brauchte, die sie bereits wu�te.</p><p>�Auf ewig�, sagte er.</p><p>Nun lachte sie. Verspielt. �Dm w�rdest gar nicht so lange leben�, sagte sie.</p><p>�Das mu�t <emphasis>du </emphasis>mir gerade sagen.�</p><p>Als sie diesmal verstummte, meldete sie sich nicht mehr, und Miro war allein mit seinen Gedanken.</p><empty-line/><p>Valentine, Jakt und Plikt waren zusammen auf der Br�cke geblieben und sprachen dar�ber, was sie gerade erfahren hatten, versuchten herauszufinden, was das alles zu bedeuten hatte, was geschehen mochte. Sie gelangten lediglich zu der Schlu�folgerung, da� sie die Zukunft zwar nicht ergr�nden konnten, sie aber wahrscheinlich viel besser als ihre schlimmsten Bef�rchtungen und keinesfalls so gut wie ihre besten Hoffnungen werden w�rde. War das nicht immer der Lauf der Welt?</p><p>�Ja�, sagte Plikt. �Bis auf die Ausnahmen.�</p><p>So war Plikt nun einmal. Wenn sie nicht gerade unterrichtete, sagte sie nur wenig, doch das, was sie sagte, war wie geschaffen dazu, ein Gespr�ch zu beenden. Plikt stand auf, um die Br�cke zu verlassen und sich zu ihrem elend unbequemen Bett zu begeben; wie �blich versuchte Valentine sie zu �berreden, auf das andere Sternenschiff zur�ckzukehren.</p><p>�Varsam und Ro wollen mich nicht auf ihren Kabine haben�, sagte Plikt.</p><p>�Sie haben nicht das geringste dagegen.�</p><p>�Valentine�, sagte Jakt, �Plikt will nicht auf das andere Schiff zur�ck, weil sie nichts verpassen will.�</p><p>�Oh�, sagte Valentine.</p><p>Plikt grinste. �Gute Nacht.�</p><p>Kurz darauf verlie� auch Jakt die Br�cke. Bevor er ging, legte er einen Moment lang die Hand auf Valentines Schulter. �Ich komme gleich�, sagte sie. Und sie meinte es in diesem Augenblick auch so und wollte ihm gleich folgen. Statt dessen blieb sie jedoch auf der Br�cke, dachte mi�mutig nach, versuchte, den Sinn in einem Universum zu sehen, das alle nichtmenschlichen Spezies, die die Menschheit jemals gekannt hatte, dem Risiko der gleichzeitigen Ausl�schung aussetzte. Der Schwarmk�nigin, die Pequeninos und nun Jane, die einzige ihrer Art, vielleicht die einzige dieser Art, die jemals existieren <emphasis>konnte. </emphasis>Eine betr�chtliche Ansammlung intelligenten Lebens, das jedoch nur einigen wenigen bekannt war. Und alle davon bedroht, ausgemerzt zu werden.</p><p>Zumindest wird Ender begreifen, da� das der nat�rliche Verlauf der Dinge ist, da� er vielleicht doch nicht verantwortlich f�r die Vernichtung der Krabbler vor dreitausend Jahren ist, wie er immer gedacht hat. Xenozid mu� im Universum eingebaut sein. Keine Gnade, nicht einmal f�r die gr��ten Spieler des Matches.</p><p>Wie hatte sie jemals etwas anderes denken k�nnen? Warum sollten intelligente Spezies immun gegen die Bedrohung der Ausl�schung sein, die �ber jeder Spezies schwebt, die jemals existierte?</p><p>Etwa eine Stunde mu�te vergangen sein, nachdem Jakt die Br�cke verlassen hatte, als Valentine schlie�lich ihr Terminal ausschaltete und sich erhob, um zu Bett zu gehen. Aus einer Laune heraus blieb sie jedoch noch einmal stehen und sprach in die Luft. �Jane?� sagte sie. �Jane?�</p><p>Keine Antwort.</p><p>Sie hatte auch keine erwartet. Miro trug das Juwel im Ohr. Miro und auch Ender. Wie viele Menschen konnte Jane denn gleichzeitig �berwachen? Vielleicht waren zwei das Maximum.</p><p>Oder vielleicht zweitausend. Oder zwei Millionen. Was wu�te Valentine denn schon von den Grenzen eines Wesens, das als ein Phantom im philotischen Netz existierte? Selbst wenn Jane sie geh�rt hatte, hatte Valentine kein Recht, eine Antwort auf ihren Ruf zu erwarten.</p><p>Valentine blieb im Gang stehen, direkt zwischen Miros T�r und der zu der Kabine, die sie mit Jakt teilte. Die T�ren waren nicht schalldicht. Sie h�rte Jakts leises Schnarchen in ihrer Kabine. Und sie h�rte ein anderes Ger�usch. Miros Atem. Er schlief nicht. Vielleicht weinte er. Sie hatte nicht drei Kinder gro�gezogen, ohne dieses unregelm��ige, schwere Atmen erkennen zu k�nnen.</p><p>Er ist nicht mein Kind. Ich sollte mich nicht einmischen.</p><p>Sie stie� die T�r auf; sie �ffnete sich ger�uschlos, doch Licht fiel auf das Bett. Miros Weinen verstummte augenblicklich, doch er betrachtete sie aus geschwollenen Augen.</p><p>�Was willst du?� sagte er.</p><p>Sie betrat die Kabine und setzte sich neben seiner Koje auf den Boden, so da� ihre Gesichter nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt waren. �Um dich selbst hast du nie geweint, nicht wahr?� sagte sie.</p><p>�Ein paar Mal.�</p><p>�Aber heute abend weinst du um sie.�</p><p>�Um mich genauso wie um sie.�</p><p>Valentine beugte sich n�her, legte den Arm um ihn, zog seinen Kopf an ihre Schulter.</p><p>�Nein�, sagte er. Doch er l�ste sich nicht von ihr. Und nach einem Augenblick regte er sich unbeholfen, um sie zu umarmen. Er weinte nicht mehr, aber er duldete, da� sie ihn eine oder zwei Minuten lang festhielt. Vielleicht half es ja. Valentine konnte es nicht wissen.</p><p>Dann war er fertig. Er zog sich zur�ck, rollte sich auf den R�cken. �Es tut mir leid�, sagte er.</p><p>�Gern geschehn�, erwiderte sie. Sie glaubte daran, auf das zu antworten, was die Menschen meinten, nicht, was sie sagten.</p><p>�Erz�hle Jakt nichts davon�, fl�sterte er.</p><p>�Da gibt es nichts zu erz�hlen�, sagte sie. �Wir hatten ein gutes Gespr�ch.�</p><p>Sie stand auf, ging und zog die T�r hinter sich zu. Er war ein guter Junge. Ihr gefiel sein Eingest�ndnis, da� ihm nicht gleichg�ltig war, was Jakt von ihm hielt. Und was spielte es schon f�r eine Rolle, wenn in seinen Tr�nen heute abend Selbstmitleid enthalten war? Sie hatte auch schon ein paar solcher Tr�nen vergossen. Die Trauer, erinnerte sie sich, gilt fast immer dem Verlust des Trauernden.</p></section><section><title><p id="_Toc119392794">Kapitel 5</p><p>Die Lusitania-Flotte</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Ender sagt, wenn die Kriegsflotte des Sternenwege-Kongresses uns erreicht, will sie diese Welt vernichten.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Du f�rchtest den Tod nicht?�</p><p>�Wir haben nicht vor, noch hier zu sein, wenn sie eintrifft.�</p><empty-line/><p>Qing-jao war nicht mehr das kleine M�dchen, dessen H�nde insgeheim geblutet hatten. Von dem Augenblick an, da bewiesen war, da� die G�tter zu ihr sprachen, hatte sich ihr Leben verwandelt, und in den zehn Jahren seit diesem Tag hatte sie gelernt, die Stimme der G�tter in ihrem Leben und die Rolle, die sie nun in der Gesellschaft einnahm, zu akzeptieren. Sie lernte zu akzeptieren, da� die Privilegien und Ehrungen, die sie erhielt, eigentlich f�r die G�tter bestimmt waren. Wie ihr Vater es sie gelehrt hatte, wurde sie nicht �berheblich, sondern bescheidener, w�hrend die G�tter und die Menschen immer schwerere Lasten auf sie legten.</p><p>Sie nahm ihre Pflichten ernst und erfreute sich an ihnen. In den vergangenen zehn Jahren hatte sie harte, ersch�pfende Studien absolviert. Ihr K�rper war in der Gesellschaft anderer Kinder geformt und trainiert worden � Laufen, Schwimmen, Reiten, Kampf-mit-Schwertern, Kampf-mit-St�cken, Kampf-mit-Knochen. Gemeinsam mit anderen Kindern wurden ihr etliche Sprachen beigebracht � Stark, die allgemein �bliche Sprache der Sterne, die in Computer eingegeben wurde; Alt-Chinesisch, was in der Kehle gesungen und in wundervollen Ideogrammen auf Reispapier oder in feinen Sand gezeichnet wurde; und Neu-Chinesisch, das lediglich mit dem Mund gesprochen und mit einem normalen Alphabet auf gew�hnliches Papier oder in den Boden gekratzt wurde. Au�er Qing-jao selbst war niemand �berrascht, da� sie all diese Sprachen schneller, leichter und gr�ndlicher lernte als irgendein anderes Kind.</p><p>Andere Lehrer kamen allein zu ihr. So wurde sie in Naturwissenschaften und Geschichte, Mathematik und Musik ausgebildet. Und jede Woche begab sie sich zu ihrem Vater und verbrachte einen halben Tag mit ihm, zeigte ihm alles, was sie gelernt hatte, und lauschte, was er dazu sagte. Sein Lob lie� sie den ganzen R�ckweg zu ihrem Zimmer tanzen; sein mildester Tadel brachte sie dazu, stundenlang die Linien von Holzmaserungen in ihrem Klassenzimmer mit den Blicken zu verfolgen, bis sie sich wieder w�rdig f�hlte, ihre Studien fortzusetzen.</p><p>Ein anderer Teil ihrer Ausbildung war v�llig privat. Wie sie selbst gesehen hatte, war Vater so stark, da� er seinen Gehorsam an die G�tter zur�ckstellen konnte. Sie wu�te, wenn die G�tter ein Reinigungsritual forderten, war der Drang, das <emphasis>Bed�rfnis, </emphasis>ihnen zu gehorchen, so stark, da� es nicht verweigert werden konnte. Und doch verweigerte Vater es irgendwie � zumindest lange genug, da� er seine Rituale immer ohne Zeugen durchf�hren konnte. Qing-jao sehnte sich ebenfalls nach solch einer Kraft, und so brachte sie sich die n�tige Disziplin bei, das Ritual zu verz�gern. Wenn die G�tter sie sich besonders unw�rdig f�hlen lie�en und ihre Blicke nach Holzmaserungen zu suchen anfingen, wartete sie ab und versuchte sich darauf zu konzentrieren, was in diesem Augenblick vor sich ging, um den Gehorsam so weit wie m�glich hinauszuschieben.</p><p>Zuerst war es schon ein Triumph, wenn es ihr gelang, ihre Reinigung eine volle Minute lang zu verz�gern � und als ihr Widerstand brach, bestraften die G�tter sie daf�r, das Ritual anstrengender und schwieriger als normal gemacht zu haben. Aber sie wollte einfach nicht aufgeben. Sie war Han Fei-tzus Tochter. Und im Verlauf von Jahren lernte sie, was auch ihr Vater gelernt hatte: da� man mit dem Drang leben, ihn oftmals stundenlang bewahren konnte, wie ein helles Feuer, das von durchsichtiger Jade umschlossen wird, ein gef�hrliches, schreckliches Feuer von den G�ttern, das in ihrem Herzen brannte.</p><p>Dann, wenn sie allein war, konnte sie das Jadek�stchen �ffnen und das Feuer herauslassen, nicht mit einer einzigen, schrecklichen Eruption, sondern langsam und allm�hlich. Es erf�llte sie mit Licht, w�hrend sie den Kopf senkte und die Linien auf dem Boden untersuchte, oder w�hrend sie sich �ber das heilige Becken ihrer geheiligten Waschungen beugte und still ihre H�nde mit Bimsstein, Lauge und Aloe abrieb.</p><p>So wandelte sie die tobenden Stimmen der G�tter in ein Beten um. Nur in seltenen Augenblicken pl�tzlicher Qualen verlor sie die Kontrolle und warf sich vor einem Lehrer oder Besucher auf den Boden. Sie akzeptierte diese Erniedrigungen als die Art der G�tter, sie daran zu erinnern, da� ihre Macht �ber sie, Qing-jao, absolut war, da� sie ihr die �bliche Selbstbeherrschung nur zu ihrem eigenen Am�sement gestatteten. Sie war mit dieser alles andere als perfekten Disziplin zufrieden. Schlie�lich w�re es anma�end gewesen, eine so perfekte Selbstbeherrschung wie ihr Vater erreichen zu wollen. Seine au�ergew�hnliche W�rde entstammte der Tatsache, da� die G�tter ihn ehrten und daher keine �ffentlichen Erniedrigungen von ihm verlangten; sie hatte noch nichts getan, um solch eine Ehre zu verdienen.</p><p>Und schlie�lich beinhaltete ihr Unterricht, einen Tag pro Woche dem gew�hnlichen Volk bei seiner rechtschaffenen Arbeit zu helfen. Rechtschaffene Arbeit war nat�rlich nicht die Arbeit, die das gew�hnliche Volk jeden Tag in den B�ros und Fabriken verrichtete. Mit rechtschaffener Arbeit war die Arbeit auf den Reisfeldern gemeint. Jeder Mann und jede Frau auf Weg mu�te diese Arbeit leisten, mu�te in knietiefem Wasser waten und sich b�cken, um den Reis zu pflanzen und zu ernten � oder h�tte die Staatsb�rgerschaft verloren. �So ehren wir unsere Vorfahren�, hatte Vater ihr erkl�rt, als sie klein war. �Wir zeigen ihnen, da� sich keiner von uns jemals zu gut sein wird, ihre Arbeit zu verrichten.� Der Reis, der aufgrund der rechtschaffenen Arbeit wuchs, wurde als heilig betrachtet; er wurde in den Tempeln dargeboten und an Feiertagen gegessen, und er wurde in kleinen Sch�sseln den G�ttern des Haushalts zum Opfer gereicht.</p><p>Einmal, als Qing-jao zw�lf Jahre alt war, war es schrecklich hei�, und sie wollte ihre Arbeit an einem Forschungsprojekt abschlie�en. �Ich m�chte heute nicht auf die Reisfelder gehen�, sagte sie zu ihrem Lehrer. �Was ist hier tue, ist viel wichtiger.�</p><p>Der Lehrer verbeugte sich und ging, doch bald kam Vater in ihr Zimmer. Er hielt ein schweres Schwert in der Hand, und sie schrie vor Schreck auf, als er es �ber ihren Kopf hob. Wollte er sie t�ten, weil sie so sakrilegisch gesprochen hatte? Aber er tat ihr nichts � wie hatte sie auch nur einen Augenblick daran denken k�nnen? Statt dessen senkte sich das Schwert auf ihr Computerterminal. Die Metallteile verbogen sich; das Plastik zersprang und flog in alle Richtungen davon. Die Maschine war zerst�rt.</p><p>Vater hob die Stimme nicht. Mit dem leisesten Fl�stern sagte er: �Zuerst die G�tter. Als zweites die Ahnen. Als drittes das Volk. Als viertes die Herrscher. Zuletzt du selbst.�</p><p>Das war der klarste Ausdruck des <emphasis>Weges. </emphasis>Das war der Grund, wieso diese Welt �berhaupt besiedelt worden war. Sie hatte es vergessen: Wenn sie zu besch�ftigt war, um die rechtschaffene Arbeit zu leisten, war sie nicht auf dem Weg.</p><p>Sie w�rde es nie wieder vergessen. Und mit der Zeit lernte sie zu lieben, wie die Sonne auf ihren R�cken brannte, wie das Wasser k�hl und tr�be um ihre Beine und H�nde schwappte, wie die Halme der Reispflanzen wie Finger aus dem Schlamm hinaufgriffen, um sich mit ihren Fingern zu verschlingen. Wenn sie schlammverschmiert in den Reisfeldern arbeitete, f�hlte sie sich niemals unrein, denn sie wu�te, da� sie im Dienst der G�tter schmutzig war.</p><p>Schlie�lich, mit sechzehn Jahren, war ihre Ausbildung beendet. Sie mu�te sich nun in der Aufgabe einer erwachsenen Frau beweisen � einer Aufgabe, die so schwierig und wichtig war, da� man sie nur einer Gottber�hrten anvertrauen konnte.</p><p>Sie trat in dessen Zimmer vor den gro�en Han Fei-tzu. Wie das ihre war es ein gro�er, offener Raum; wie bei ihr war die Schlafgelegenheit einfach, eine Matratze auf dem Boden; wie bei ihr wurde der Raum von einem Tisch mit einem Computerterminal darauf beherrscht. Sie hatte noch nie das Zimmer ihres Vaters betreten, ohne zu sehen, wie sich etwas auf dem Bildschirm des Terminals bewegte � Diagramme, dreidimensionale Modelle, Realzeit-Simulationen, W�rter. Meist ganz normale W�rter. Buchstaben oder Ideogramme, die auf simulierten Seiten in der Luft trieben, sich vor und zur�ck bewegten, von einer Seite zur anderen, wenn Vater sie vergleichen mu�te.</p><p>Bei Qing-jao war der Rest des Zimmers leer; Da Vater keine Maserungslinien auf Holz verfolgte, war bei ihm solche Strenge unn�tig. Doch auch so war sein Geschmack einfach. Ein Teppich � aber ohne ein auff�lliges Muster. Ein niedriger Tisch, auf dem eine Skulptur stand. Die W�nde nackt bis auf ein Gem�lde. Und weil sein Zimmer so gro� war, wirkte jeder einzelne dieser Gegenst�nde fast verloren, wie die schwache Stimme von jemandem, der sehr weit entfernt leise weinte.</p><p>Die Botschaft, die dieser Raum Besuchern �bermitteln sollte, war klar: Han Fei-tzu w�hlte die Einfachheit. Eins von jedem Gegenstand reichte aus f�r eine reine Seele.</p><p>Die Botschaft an Qing-jao war jedoch ganz anders. Denn sie wu�te, was niemand au�erhalb des Haushalts begriff: Der Teppich, der Tisch, die Skulptur und das Gem�lde wurden jeden Tag ausgetauscht. Und nie in ihrem Leben hatte sie auch nur eins davon wiedererkannt. So lautete die Lektion, die sie lernte: Eine reine Seele darf sich niemals an irgendeinen Gegenstand gew�hnen. Eine reine Seele mu� sich jeden Tag neuen Dingen aussetzen.</p><p>Da es sich um einen formellen Anla� handelte, kam sie nicht wie sonst, als er gerade arbeitete, um hinter ihm stehenzubleiben, zu betrachten, was auf dem Bildschirm erschien, und Vermutungen dar�ber anzustellen, was er gerade tat. Diesmal trat sie in die Mitte des Zimmers und kniete auf dem einfachen Teppich nieder, der von der Farbe eines Rotkehlcheneis war, mit einem kleinen Fleck in einer Ecke. Sie hielt den Blick gesenkt, betrachtete den Fleck nicht einmal, bis sich Vater aus seinem Stuhl erhob und vor sie trat.</p><p>�Han Qing-jao�, sagte er. �La� mich den Sonnenaufgang auf dem Gesicht meiner Tochter sehen.�</p><p>Sie hob den Kopf, sah ihn an und l�chelte.</p><p>Er erwiderte das L�cheln. �Die Aufgabe, die ich dir stellen werde, ist nicht einfach, nicht einmal f�r einen erfahrenen Erwachsenen�, sagte Vater.</p><p>Qing-jao senkte den Kopf. Sie hatte damit gerechnet, da� Vater ihr eine schwierige Herausforderung stellen w�rde, und war bereit, seinem Willen zu folgen.</p><p>�Sieh mich an, meine Qing-jao�, sagte Vater.</p><p>Sie hob den Kopf und sah in seine Augen.</p><p>�Das wird keine Schulaufgabe sein. Das ist eine Aufgabe aus der echten Welt. Eine Aufgabe, die mir der Sternenwege-Kongre� gegeben hat und von der vielleicht das Schicksal von Nationen und V�lkern und Welten abh�ngt.�</p><p>Qing-jao war schon gespannt gewesen, doch nun machte Vater ihr Angst. �Dann mu�t du diese Aufgabe jemandem geben, dem du sie anvertrauen kannst, und nicht einem unerfahrenen Kind.�</p><p>�Du bist seit Jahren kein Kind mehr, Qing-jao. Bist du bereit, deine Aufgabe zu h�ren?�</p><p>�Ja, Vater.�</p><p>�Was wei�t du von der Lusitania-Flotte?�</p><p>�Soll ich dir <emphasis>alles </emphasis>sagen, was ich dar�ber wei�?�</p><p>�Sage mir alles, was du f�r <emphasis>wichtig </emphasis>h�ltst.�</p><p>Das war eine Art Pr�fung. Er wollte sehen, ob sie bei dem, was sie �ber ein bestimmtes Thema wu�te, das Wichtige von dem Unwichtigen unterscheiden konnte.</p><p>�Die Flotte wurde ausgeschickt, um eine rebellische Kolonie auf Lusitania zu unterwerfen, wo das Gesetz �ber die Nichteinmischung in die Belange der einzigen bekannten au�erirdischen Spezies trotzig gebrochen wurde.�</p><p>Reichte das? Nein, Vater wartete noch immer.</p><p>�Von Anfang an gab es eine Kontroverse�, fuhr sie fort. �Essays, die einer Person namens Demosthenes zugeschrieben werden, sorgten f�r Probleme.�</p><p>�Was genau f�r Probleme?�</p><p>�Demosthenes warnte die Kolonien, die Lusitania-Flotte sei ein gef�hrlicher Pr�zedenzfall � es sei nur eine Frage der Zeit, bevor der Sternenwege-Kongre� Gewalt einsetze, um auch <emphasis>ihren </emphasis>Gehorsam zu erzwingen. Auf katholischen Welten und vor katholischen Minderheiten �berall behauptete Demosthenes, der Kongre� versuche, den Bischof von Lusitania zu bestrafen, weil er Missionare zu den Schweinchen geschickt habe, um ihre Seelen vor der H�lle zu retten. Die Wissenschaftler warnte Demosthenes, die Prinzipien der unabh�ngigen Forschung st�nden auf dem Spiel � eine ganze Welt sei einem milit�rischen Angriff ausgesetzt, weil sie es gewagt hatte, das Urteil der Wissenschaftler vor Ort dem von viele Lichtjahre entfernten B�rokraten vorzuziehen. Und allen anderen gegen�ber behauptete Demosthenes, die Lusitania-Flotte sei mit dem Molekular-Detechier-Ger�t ausger�stet. Das ist nat�rlich eine offensichtliche L�ge, doch einige haben sie geglaubt.�</p><p>�Wie einflu�reich waren diese Essays?� fragte Vater.</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�Sie hatten sehr gro�en Einflu߫, sagte Vater. �Vor f�nfzehn Jahren waren die ersten Essays auf den Kolonien so wirksam, da� sie fast eine Revolution verursacht haben.�</p><p>Beinahe eine Revolution auf den Kolonien? Vor f�nfzehn Jahren? Qing-jao wu�te nur von einem solchen Vorfall, hatte jedoch niemals begriffen, da� er etwas mit Demosthenes' Essays zu tun hatte. Sie err�tete. �Das war zur Zeit der Kolonie-Charta � dein erster gro�er Vertrag.�</p><p>�Es war nicht mein Vertrag�, sagte Han Fei-tzu. �Es war ein Vertrag gleicherma�en zwischen dem Kongre� und den Kolonien. Wegen ihm wurde ein schrecklicher Konflikt vermieden. Und die Lusitania-Flotte setzt ihre gro�e Mission fort.�</p><p>�Du hast jedes Wort des Vertrags geschrieben, Vater.�</p><p>�Dabei dr�ckte ich lediglich die W�nsche und Begehren aus, die sich bereits in den Herzen der Menschen auf beiden Seiten des Abkommens befanden. Ich war nur der Schriftf�hrer.�</p><p>Qing-jao neigte den Kopf. Sie kannte die Wahrheit, wie alle anderen auch. Es war der Anfang von Han Fei-tzus Ruhm gewesen, denn er hatte nicht nur den Vertrag geschrieben, sondern auch beide Seiten �berzeugt, ihn fast ohne �nderungen zu akzeptieren. Danach war Han Fei-tzu einer der vertrauensw�rdigsten Ratgeber des Kongresses geworden; t�glich trafen Botschaften von den gr��ten M�nnern und Frauen aller Welten ein. Falls er sich bei diesem gro�en Unternehmen lediglich als Schriftf�hrer bezeichnete, dann nur, weil er ein Mann von gro�er Bescheidenheit war. Qing-jao wu�te ebenfalls, da� Mutter schon im Sterben gelegen hatte, als Vater diese Aufgabe bew�ltigte. Solch ein Mann war ihr Vater � er vernachl�ssigte weder seine Frau noch seine Pflicht. Mutters Leben hatte er nicht retten k�nnen, daf�r aber die der Menschen, die sonst im Krieg gestorben w�ren.</p><p>�Qing-jao, warum sagst du, es sei eine offensichtliche L�ge, da� die Flotte mit dem M.D.-Ger�t ausger�stet ist?�</p><p>�Weil� weil das ungeheuerlich w�re. Es w�re wie Ender der Xenozide, der eine ganze Welt vernichtet. Soviel Macht hat kein Recht, in diesem Universum zu existieren, und auch keinen Grund.�</p><p>�Wer hat dich das gelehrt?�</p><p>�Der Anstand�, sagte Qing-jao. �Die G�tter haben die Sterne und alle Planeten geschaffen � wer ist der Mensch, da� er ihre Sch�pfung zerst�rt?�</p><p>�Aber die G�tter haben auch <emphasis>die </emphasis>Naturgesetze geschaffen, die es erm�glichen, sie zu vernichten � wer ist der Mensch, da� er sich weigert, die Geschenke der G�tter anzunehmen?�</p><p>Qing-jao schwieg verbl�fft. Sie hatte nie geh�rt, da� Vater irgendeinen Aspekt des Krieges verteidigte � er verabscheute den Krieg in jeder Form.</p><p>�Ich frage dich erneut � wer hat dich gelehrt, da� soviel Macht kein Recht oder keinen Grund hat, im Universum zu existieren?�</p><p>�Das ist meine eigene Idee.�</p><p>�Aber dieser Satz war ein wortw�rtliches Zitat.�</p><p>�Ja. Von Demosthenes. Doch wenn ich an eine Idee glaube, wird sie zu meiner eigenen. Du hast mich das gelehrt.�</p><p>�Du mu�t darauf achten, alle Konsequenzen einer Vorstellung zu verstehen, bevor du an sie glaubst.�</p><p>�Der Kleine Doktor darf niemals gegen Lusitania eingesetzt werden; also h�tte man ihn gar nicht erst ausschicken sollen.�</p><p>Han Fei-tzu nickte ernst. �Woher wei�t du, da� er niemals eingesetzt werden darf?�</p><p>�Weil er die Schweinchen vernichten w�rde, ein junges und wundersch�nes Volk, das bestrebt ist, sein Potential als vernunftbegabte Spezies zu erf�llen.�</p><p>�Noch ein Zitat.�</p><p>�Vater, hast du <emphasis>Menschs Leben </emphasis>gelesen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie kannst du dann bezweifeln, da� die Pequeninos erhalten werden m�ssen?�</p><p>�Ich habe gesagt, ich habe <emphasis>Menschs Leben </emphasis>gelesen. Nicht, da� ich daran glaube.�</p><p>�Du glaubst <emphasis>nicht </emphasis>daran?�</p><p>�Weder glaube ich es, noch glaube ich es nicht. Das Buch erschien erstmals, <emphasis>nachdem </emphasis>der Verk�rzer auf Lusitania zerst�rt worden war. Daher ist es m�glich, das das Buch nicht von dort stammt, und wenn es nicht von dort stammt, k�nnte es reine Literatur sein. Das scheint besonders wahrscheinlich, weil es mit �Sprecher f�r die Toten� gezeichnet ist, derselbe Name, unter dem <emphasis>Die Schwarmk�nigin </emphasis>und <emphasis>Der Hegemon </emphasis>erschienen, und diese B�cher sind tausende Jahre alt. Jemand hat offensichtlich versucht, Kapital aus der Ehrfurcht zu schlagen, die die Menschen diesen uralten Werken entgegenbringen.�</p><p>�Ich glaube, da� <emphasis>Menschs Leben </emphasis>wahr ist.�</p><p>�Das steht dir frei, Qing-jao. Aber <emphasis>warum </emphasis>glaubst du das?�</p><p>Weil es wahr klang, als sie es gelesen hatte. Konnte sie das Vater sagen? Ja, sie konnte alles sagen. �Weil ich das Gef�hl hatte, es <emphasis>m�sse </emphasis>wahr sein, als ich es las.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Nun wei�t du, da� ich t�richt bin.�</p><p>�Im Gegenteil. Ich wei�, da� du weise bist. Wenn du eine wahre Geschichte h�rst, reagiert ein Teil von dir darauf,' egal, welche Form sie hat, wie offenkundig sie zu sein scheint. Wenn du die Wahrheit liebst, kann sie ruhig unbeholfen erz�hlt sein, und sie wird dir trotzdem gefallen. Mag sie auch an den Haaren herbeigezogen sein, du wirst die Wahrheit, die darin ist, trotzdem glauben, denn du kannst die Wahrheit nicht bestreiten, ganz gleich, wie sch�big sie gekleidet ist.�</p><p>�Und wieso glaubst <emphasis>du </emphasis>dann <emphasis>nicht </emphasis>an <emphasis>Menschs Leben?�</emphasis></p><p>�Ich habe mich undeutlich ausgedr�ckt. Wir benutzen zwei verschiedene Bedeutungen der Worte <emphasis>Wahrheit </emphasis>und <emphasis>Glauben. </emphasis>Du glaubst, da� die Geschichte wahr ist, weil du mit diesem Gef�hl der Wahrheit tief in dir darauf reagierst. Doch dieses Gef�hl der Wahrheit betrifft nicht den Tatsachengehalt einer Geschichte � ob sie wortw�rtlich ein echtes Ereignis in der echten Welt beschreibt. Dein inneres Wahrheitsgef�hl reagiert auf die Urs�chlichkeit einer Geschichte � ob sie wahrheitsgetreu zeigt, wie das Universum funktioniert, wie die G�tter ihren Willen unter den Menschen durchsetzen.�</p><p>Qing-jao dachte nur kurz nach und nickte dann. �Also ist <emphasis>Menschs Leben </emphasis>vielleicht universell wahr, aber in Einzelheiten falsch.�</p><p>�Ja�, sagte Han Fei-tzu. �Du kannst das Buch lesen und gro�e Weisheit daraus ziehen, weil es wahr ist. Aber bietet dieses Buch eine genaue Beschreibung der Schweinchen selbst? Das kann man nur schwer glauben � eine S�ugetierspezies, die sich in einen Baum verwandelt, wenn sie stirbt? Als Dichtung wundersch�n. Als Wissenschaft l�cherlich.�</p><p>�Aber woher willst du das wissen, Vater?�</p><p>�Nein, ich kann mir nicht sicher sein. Die Natur hat viele seltsame Dinge vollbracht, und es besteht die M�glichkeit, da� <emphasis>Menschs Leben </emphasis>echt und wahr ist. Daher glaube ich weder daran, noch bezweifle ich es. Ich lasse es in der Schwebe verharren. Ich warte. Doch w�hrend ich warte, rechne ich nicht damit, da� der Kongre� Lusitania behandelt, als sei der Planet mit den Gesch�pfen aus <emphasis>Menschs Leben </emphasis>bev�lkert. Nach allem, was wir wissen, k�nnten die Pequeninos eine t�dliche Gefahr f�r uns darstellen. Es sind schlie�lich Au�erirdische.�</p><p>�Ram�nner.�</p><p>�In der Geschichte. Doch wir wissen nicht, ob sie Ram�nner oder Varelse sind. Die Flotte hat den Kleinen Doktor dabei, weil er n�tig sein <emphasis>k�nnte, </emphasis>um der Menschheit eine unaussprechliche Gefahr zu ersparen. Die Entscheidung, ob er eingesetzt werden soll, f�llt nicht uns zu, sondern dem Kongre�. Und nicht wir mu�ten entscheiden, ob er mitgeschickt werden sollte, sondern der Kongre�. Und mit Sicherheit obliegt nicht uns die Entscheidung, ob es ihn geben sollte � die G�tter selbst haben entschieden, da� solch ein Ding m�glich ist und existieren kann.�</p><p>�Also hatte Demosthenes recht. Die Flotte hat das M.D.Ger�t dabei.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und die Regierungsakten, die Demosthenes ver�ffentlicht hat � sie waren echt.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber, Vater � du hast wie viele andere auch behauptet, es seien F�lschungen.�</p><p>�Genau, wie die G�tter nur zu einigen Auserw�hlten sprechen, m�ssen die Geheimnisse der Herrscher nur denjenigen bekannt sein, die ihr Wissen richtig benutzen. Demosthenes hat m�chtige Geheimnisse an Menschen verraten, die nicht imstande waren, sie klug zu benutzen, und so mu�ten diese Geheimnisse zum Besten des Volkes zur�ckgezogen werden. Die einzige M�glichkeit, ein einmal bekanntes Geheimnis zu bewahren, besteht darin, es durch eine L�ge zu ersetzen; dann ist das Wissen um die Wahrheit erneut dein Geheimnis.�</p><p>�Du behauptest, da� Demosthenes nicht gelogen hat, der Kongre� aber doch.�</p><p>�Ich behaupte, da� Demosthenes der Feind der G�tter ist. Ein weiser Herrscher h�tte niemals die Lusitania-Flotte ausgeschickt, ohne ihr die M�glichkeit zu geben, auf <emphasis>jede </emphasis>Entwicklung zu reagieren. Doch Demosthenes hat sein wissen, da� die Flotte mit dem Kleinen Doktor ausgestattet ist, zu dem Versuch benutzt, den Kongre� zum R�ckzug der Flotte zu zwingen. Also will er denen, die von den G�ttern beauftragt wurden, die Menschheit zu beherrschen, die Macht aus den H�nden nehmen. Was w�rde mit dem Volk passieren, wenn es die Herrscher zur�ckwiese, die die G�tter ihm gegeben haben?�</p><p>�Chaos und Leid�, sagte Qing-jao. Die Geschichten war voller Zeiten des Chaos und Leids, bis die G�tter starke Herrscher und Institutionen schickten, um die Ordnung zu bewahren.</p><p>�Also hat Demosthenes �ber den Chirurg die Wahrheit gesagt. Glaubst du, die Feinde der G�tter k�nnten <emphasis>niemals </emphasis>die Wahrheit sprechen? Ich w�nschte, es w�re so. Dann k�nnte man sie viel leichter identifizieren.�</p><p>�Wenn wir im Dienst der G�tter l�gen k�nnen� welche anderen Verbrechen k�nnen wir dann noch begehen?�</p><p>�Was ist ein Verbrechen?�</p><p>�Eine Tat, die gegen das Gesetz verst��t.�</p><p>�Gegen welches Gesetz?�</p><p>�Ich verstehe � der Kongre� macht das Gesetz, also ist das Gesetz das, was der Kongre� sagt. Aber der Kongre� besteht aus M�nnern und Frauen, die Gutes und B�ses tun k�nnen.�</p><p>�Du n�herst dich der Wahrheit. Wir k�nnen im Dienst des Kongresses keine Verbrechen begehen, weil der Kongre� die Gesetze macht. Doch wenn der Kongre� jemals b�se werden w�rde, k�nnten auch wir B�ses tun, indem wir ihm gehorchen. Das ist eine Frage des Gewissens. Doch wenn dies gesch�he, w�rde der Kongre� mit Sicherheit das Mandat des Himmels verlieren. Und wir Gottber�hrte m��ten nicht wie andere warten und uns Gedanken um das Mandat des Himmels machen. Wenn der Kongre� das Mandat der G�tter verl�re, w�rden wir es sofort wissen.�</p><p>�Also hast du f�r den Kongre� gelogen, weil der Kongre� das Mandat des Himmels hat.�</p><p>�Und daher wei� ich, da� es der Wille der G�tter zum Guten des Volkes war, ihnen zu helfen, ihr Geheimnis zu bewahren.�</p><p>Qing-jao hatte noch nie in diesen Begriffen vom Kongre� gedacht. Alle Geschichtsb�cher, die sie gelesen hatte, stellten den Kongre� als den gro�en Einiger der Menschheit dar, und den Schulb�chern zufolge waren all seine Handlungen edel. Doch nun begriff sie, da� einige seiner Taten vielleicht nicht gut <emphasis>zu sein schienen. </emphasis>Doch das bedeutete nicht unbedingt, da� sie nicht gut waren. �Dann mu� ich von den G�ttern erfahren, ob der Wille des Kongresses auch ihr Wille ist�, sagte sie.</p><p>�Wirst du das tun?� fragte Han Fei-tzu. �Wirst du dem Willen des Kongresses gehorchen, selbst wenn er falsch zu sein scheint, solange der Kongre� das Mandat des Himmels hat?�</p><p>�Bittest du mich um meinen Eid?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann werde ich gehorchen, solange er das Mandat des Himmels hat.�</p><p>�Ich mu�te dir diesen Eid abverlangen, um die Sicherheitsbestimmungen des Kongresses zu erf�llen�, sagte er. �Ohne ihn h�tte ich dir deine Aufgabe nicht stellen k�nnen.� Er r�usperte sich. �Doch nun mu� ich noch einen Eid von dir verlangen.�</p><p>�Ich gebe ihn, wenn ich kann.�</p><p>�Dieser Eid ist von � ist aus einer gro�en Liebe entstanden. Han Qing-jao, wirst du den G�ttern bei allen Dingen, auf allen Wegen, dein ganzes Leben lang dienen?�</p><p>�Vater, daf�r brauchen wir keinen Eid. Haben die G�tter mich nicht bereits auserw�hlt und mit ihrer Stimme gef�hrt?�</p><p>�Nichtsdestotrotz verlange ich diesen Eid von dir.�</p><p>�Ich werde den G�ttern immer dienen, bei allen Dingen, auf allen Wegen.�</p><p>Zu ihrer �berraschung kniete Vater vor ihr nieder und nahm ihre H�nde in die seinen. Tr�nen str�mten seine Wangen hinab. �Du hast die schwerste Last von meinem Herzen genommen, die sich jemals darauf befunden hat.�</p><p>�Wie habe ich dies getan, Vater?�</p><p>�Bevor deine Mutter starb, bat sie mich um mein Versprechen. Sie sagte, da ihr ganzes Wesen von ihrer Hingabe an die G�tter bestimmt werde, k�nne ich dir nur helfen, sie kennenzulernen, indem ich dich lehrte, ebenfalls den G�ttern zu dienen. Mein Leben lang habe ich bef�rchtet, da� es mir nicht gelingen k�nnte, da� du dich von den G�ttern abwenden w�rdest. Da� du sie vielleicht sogar einmal hassen w�rdest. Oder da� du dich ihrer Stimme nicht als w�rdig erweisen w�rdest.�</p><p>Diese Worte trafen Qing-jao tief. Sie war sich immer ihrer tiefen Unw�rdigkeit vor den G�ttern bewu�t, ihrer Schmutzigkeit vor ihrem Anblick � selbst wenn sie nicht von ihr verlangten, Linien von Holzmaserungen zu beobachten oder zu verfolgen. Erst jetzt erfuhr sie, was auf dem Spiel stand: die Liebe ihrer Mutter f�r sie.</p><p>�All meine �ngste sind nun von mir gewichen. Du <emphasis>bist </emphasis>eine perfekte Tochter, meine Qing-jao. Du hast den G�ttern bereits gut gedient. Und nun, nachdem du den Eid geleistet hast, kann ich sicher sein, da� du ihnen auf ewig dienen wirst. Das wird gro�e Freude in dem Haus im Himmel hervorrufen, in dem deine Mutter wohnt.�</p><p>Ach ja? Im Himmel kennen sie meine Schw�chen. Du, Vater, du siehst nur, da� die G�tter noch nicht entt�uscht habe. Mutter hingegen mu� wissen, wie oft ich beinahe versagt h�tte, wie schmutzig ich bin, wann immer die G�tter zu mir hinabschauen.</p><p>Doch er schien so voller Freude zu sein, da� sie es nicht wagte, ihm zu zeigen, wie sehr sie den Tag f�rchtete, da ihre Unw�rdigkeit von allen bemerkt werden w�rde. Also umarmte sie ihn.</p><p>Doch sie konnte nicht anders, sie mu�te ihn einfach fragen: �Vater, glaubst du wirklich, Mutter hat geh�rt, da� ich diesen Eid geleistet habe?�</p><p>�Ich hoffe es�, sagte Han Fei-tzu. �Wenn nicht, werden die G�tter sicher das Echo aufbewahren, in eine Muschel geben und es sie h�ren lassen, wann immer sie sie an ihr Ohr h�lt.�</p><p>Diese Art Geschichten zu erz�hlen war ein Spiel, das sie gespielt hatten, als sie noch klein gewesen war. Qing-jao verga� ihr Entsetzen und lie� sich schnell eine Antwort einfallen. �Nein, die G�tter werden das Gef�hl unserer Umarmung bewahren und es in einen Schal weben, den sie um die Schultern legen kann, wenn im Himmel der Winter einzieht.� Sie war jedenfalls erleichtert, da� Vater nicht ja gesagt hatte. Er <emphasis>hoffte </emphasis>nur, da� Mutter den Eid, den sie geleistet hatte, geh�rt hatte. Vielleicht hatte sie ihn aber auch nicht geh�rt � und dann w�rde sie nicht so entt�uscht sein, wenn ihre Tochter scheiterte.</p><p>Vater k��te sie und erhob sich dann. �Jetzt kannst du deine Aufgabe h�ren�, sagte er.</p><p>Er nahm sie an der Hand und f�hrte sie zu seinem Tisch. Sie stand neben ihm, als er sich auf seinen Stuhl setzte; stehend war sie nicht viel gr��er als er sitzend. Wahrscheinlich hatte sie noch nicht ihre volle Gr��e erreicht, doch sie hoffte, da� sie nicht mehr viel wachsen w�rde. Sie wollte nicht eine dieser gro�en, massigen Frauen werden, die auf den Feldern schwere Lasten schleppten. Lieber eine Maus als ein Schwein sein, das hatte Mu-pao ihr vor Jahren gesagt.</p><p>Vater rief eine Sternenkarte auf den Bildschirm auf. Sie erkannte die Region sofort. Den Mittelpunkt bildete das Sonnensystem von Lusitania, wenngleich der Ma�stab zu klein war, als da� man einzelne Planeten h�tte ausmachen k�nnen. �Lusitania in der Mitte�, sagte sie.</p><p>Vater nickte. Er gab ein paar weitere Befehle ein. �Achte genau darauf�, sagte er. �Nicht auf den Bildschirm, sondern auf meine Finger. Das ist gemeinsam mit deiner Stimmidentifikation das Pa�wort, das dir Zugang zu den Informationen verschaffen wird, die du brauchen wirst.�</p><p>Sie beobachtete, wie er das Pa�wort eingab � 4Bande � und begriff die Anspielung sofort. Die Vorfahrin-des-Herzens ihrer Mutter war Jiang-Qing gewesen, die Witwe des ersten kommunistischen Kaisers Mao Ze-dong. Als Jiang-Qing und ihre Verb�ndeten aus der Macht gejagt wurden, bezeichnete die Verschw�rung der Feiglinge sie mit dem Namen �Viererbande�. Qing-jaos Mutter war eine wahre Tochter-des-Herzens dieser gro�en M�rtyrerin der Vergangenheit gewesen. Und nun w�rde Qing-jao der Vorfahrin-des-Herzens ihrer Mutter jedesmal, wenn sie den Zugangskode tippte, weitere Ehre erweisen k�nnen. Es war gro�z�gig von ihrem Vater, dieses Pa�wort gew�hlt zu haben.</p><p>Auf dem Display erschienen zahlreiche gr�ne Punkte. Sie z�hlte sie schnell, fast ohne nachzudenken: Es waren neunzehn, einige davon in einiger Entfernung von Lusitania zusammengezogen, den Planeten jedoch in alle Richtungen einkreisend.</p><p>�Ist das die Lusitania-Flotte?�</p><p>�Das war ihre Position vor f�nf Monaten.� Er gab einen weiteren Befehl ein. Die gr�nen Punkte verschwanden allesamt. �Und das ist ihre heutige Position.�</p><p>Sie suchte nach den Schiffen, konnte aber nirgendwo einen gr�nen Punkt finden. Und doch erwartete Vater eindeutig, da� sie <emphasis>irgend etwas </emphasis>sah. �Sind sie bereits bei Lusitania?�</p><p>�Die Schiffe sind da, wo du sie siehst�, sagte Vater. �Vor f�nf Monaten ist die Flotte verschwunden.�</p><p>�Wo ist sie?�</p><p>�Das wei� niemand.�</p><p>�War es eine Meuterei?�</p><p>�Das wei� niemand.�</p><p>�Die <emphasis>ganze </emphasis>Flotte?�</p><p>�Jedes einzelne Schiff.�</p><p>�Was meinst du, wenn du sagst, sie sei verschwunden?�</p><p>Vater bedachte sie mit einem L�cheln. �Gut gemacht, Qing-jao. Du hast die richtige Frage gestellt. Niemand hat sie gesehen � alle Schiffe waren tief im All. Also sind sie nicht <emphasis>physisch </emphasis>verschwunden. Soweit wir wissen, bewegen sie sich vielleicht noch auf ihrem urspr�nglichen Kurs. Sie sind nur in dem Sinn verschwunden, da� wir jeden Kontakt mit ihnen verloren haben.�</p><p>�Die Verk�rzer?�</p><p>�Sind verstummt. Alle innerhalb von drei Minuten. Es wurde keine Sendung unterbrochen. Die eine endete, und die n�chste � kam nie.�</p><p>�Alle Schiffsverbindungen mit <emphasis>jedem </emphasis>planetaren Verk�rzer? Das ist unm�glich. Selbst eine Explosion, falls es eine so gro�e geben k�nnte� doch es kann sich jedenfalls nicht um ein einziges Ereignis handeln, weil sie sich so weit um Lusitania verstreut hatten.�</p><p>�Nun, es <emphasis>k�nnte </emphasis>doch so gewesen sein, Qing-jao. Solch eine Katastrophe w�re vorstellbar � Lusitanias Stern k�nnte zu einer Supernova geworden sein. Es w�rde Jahrzehnte dauern, bis wir selbst auf den nahegelegensten Welten den Blitz sehen. Das Problem ist, da� es sich um die unwahrscheinlichste Supernova in der Geschichte handelte � nicht <emphasis>unm�glich, </emphasis>aber unwahrscheinlich.�</p><p>�Und es h�tte einige Vorwarnungen gegeben. Einige Ver�nderungen des Sterns. Haben die Schiffsinstrumente nichts entdeckt?�</p><p>�Nein. Deshalb sind wir ja der Meinung, da� es sich nicht um irgendein bekanntes astronomisches Ph�nomen handelt. Die Wissenschaftler k�nnen es sich einfach nicht erkl�ren. Also haben wir herauszufinden versucht, ob es sich um Sabotage handelt. Wir haben nach Manipulationen der Verk�rzer-Computer geforscht. Wir sind alle Personalakten jedes einzelnen Schiffes durchgegangen und haben nach einer m�glichen Verschw�rung unter den Schiffsbesatzungen gesucht. Wir haben eine Kryptoanalyse jeder Nachricht von jedem einzelnen Schiff vorgenommen und nach versteckten Mitteilungen unter den Verschw�rern gesucht. Das Milit�r und die Regierung haben alles analysiert, was sich nur analysieren l��t. Die Polizei auf jedem Planeten hat Untersuchungen vorgenommen � wir haben den Hintergrund <emphasis>eines jeden </emphasis>Verk�rzer-Bedieners durchleuchtet.�</p><p>�Obwohl keine Nachrichten mehr geschickt werden, sind die Verk�rzer noch miteinander verbunden?�</p><p>�Was glaubst du?�</p><p>Qing-jao err�tete. �Nat�rlich sind sie das noch, selbst wenn ein M.D.-Ger�t gegen die Flotte eingesetzt worden sein sollte, weil die Verk�rzer durch Fragmente subatomarer Partikel miteinander verbunden sind. Sie w�ren noch immer da, auch wenn das ganze Sternenschiff zu Staub zerblasen sein w�rde.�</p><p>�Es mu� dir nicht peinlich sein, Qing-jao. Die Weisen sind nicht weise, weil sie keine Fehler machen. Sie sind weise, weil sie ihre Fehler korrigieren, sobald sie sie erkannt haben.�</p><p>Doch Qing-jao err�tete nun aus einem anderen Grund. Das hei�e Blut pochte in ihrem Kopf, weil ihr gerade aufgegangen war, wie Vaters Aufgabe f�r sie aussehen w�rde. Aber das war unm�glich. Er konnte <emphasis>ihr </emphasis>keinen Auftrag geben, bei dem tausend weisere, �ltere Menschen schon gescheitert waren.</p><p>�Vater�, fl�sterte sie, �was ist meine Aufgabe?� Sie hoffte noch immer, da� es sich um irgendein kleineres Problem handelte, das mit dem Verschwinden der Flotte zusammenhing. Doch noch bevor er sprach, wu�te sie, da� ihre Hoffnung vergeblich war.</p><p>�Du mu�t jede m�gliche Erkl�rung f�r das Verschwinden der Flotte herausfinden�, sagte er, �und berechnen, wie wahrscheinlich davon eine jede ist. Der Sternenwege-Kongre� mu� sagen k�nnen, wie das geschehen ist, und sicherstellen, da� es nie wieder geschehen wird.�</p><p>�Aber Vater�, sagte Qing-jao, �ich bin erst sechzehn. Gibt es nicht viele andere, die kl�ger als ich sind?�</p><p>�Vielleicht sind sie alle zu klug f�r diese Aufgabe�, sagte er. �Aber du bist jung genug, um dich nicht f�r weise zu halten. Du bist jung genug, um unm�gliche Dinge zu denken und herauszufinden, warum sie vielleicht doch m�glich sind. Vor allem sprechen die G�tter mit au�ergew�hnlicher Klarheit zu dir, mein brillantes Kind, meine �Strahlend Helle�.�</p><p>Das war es, wovor sie Angst hatte � da� Vater von ihr erwartete, Erfolg zu haben, weil ihr die Gunst der G�tter galt. Er begriff nicht, f�r wie unw�rdig die G�tter sie hielten, wie wenig sie sie mochten.</p><p>Und da war noch ein Problem. �Was geschieht, wenn ich Erfolg habe, wenn ich herausfinde, wo die Lusitania-Flotte ist, und die Kommunikation wiederherstelle? W�re es dann nicht meine Schuld, wenn die Flotte Lusitania vernichtete?�</p><p>�Es ist gut, da� dein erster Gedanke dem Volk von Lusitania gilt. Ich versichere dir, der Sternenwege-Kongre� hat versprochen, das M.D.-Ger�t nur einzusetzen, wenn es sich als absolut unvermeidlich erweist, und das ist so unwahrscheinlich, da� es ich mir einfach nicht vorstellen kann. Doch selbst, wenn es so kommen sollte, obliegt dem Kongre� die Entscheidung. Wie mein Vorfahre-des-Herzens sagte: �Obwohl die Bestrafung des Weisen leicht sein kann, liegt dies nicht an seiner Hingabe; obwohl seine Strafbestimmungen schwer sein k�nnen, liegt dies nicht an seiner Grausamkeit; er folgt einfach dem Brauch gem�� der Zeit. Die Umst�nde �ndern sich gem�� der Epoche, und die M�glichkeiten, sich mit ihnen zu befassen, �ndern sich mit den Umst�nden.� Du kannst dir sicher sein, da� sich der Sternenwege-Kongre� mit Lusitania befassen wird, nicht freundlich oder grausam, sondern so, wie es zum Wohl der gesamten Menschheit notwendig ist. Deshalb dienen wir den Herrschern: weil sie dem Volk dienen, die den Ahnen dienen, die den G�ttern dienen.�</p><p>�Vater, es war unw�rdig, auch nur einen anderen Gedanken zu hegen�, sagte Qing-jao. Sie f�hlte jetzt, wie schmutzig sie war, anstatt nur davon zu wissen. Sie mu�te sich die H�nde waschen. Sie mu�te die Linie einer Holzmaserung verfolgen. Doch sie unterdr�ckte den Drang. Sie w�rde warten.</p><p>Was auch immer ich tue, dachte sie, es wird schreckliche Konsequenzen haben. Wenn ich versage, wird Vater die Ehre vor dem Kongre� und demzufolge vor der gesamten Welt Weg verlieren. Das w�rde vielen beweisen, da� Vater nicht w�rdig ist, nach seinem Tod zum Gott von Weg erw�hlt zu werden.</p><p>Doch wenn ich Erfolg habe, k�nnte das Ergebnis der Xenozid sein. Obwohl die Wahl dem Kongre� unterliegt, w�rde ich dennoch wissen, da� ich es erst erm�glicht habe. Die Verantwortung fiele zum Teil mir zu. Ganz gleich, was ich tue, das Scheitern erwartet mich, und die Unw�rdigkeit wird mich besudeln.</p><p>Dann sprach Vater zu ihr, als h�tten die G�tter ihm ihr Herz offenbart. �Ja, du warst unw�rdig�, sagte er, �und du setzt diese Unw�rdigkeit selbst jetzt noch in deinen Gedanken fort.�</p><p>Qing-jao err�tete und senkte den Kopf. Sie sch�mte sich, nicht weil ihre Gedanken f�r ihren Vater so leicht zu lesen waren, sondern weil sie �berhaupt solch ungehorsame Gedanken gehabt hatte.</p><p>Vater ber�hrte mit der Hand sanft ihre Schulter. �Aber ich glaube, die G�tter werden dich w�rdig machen�, sagte er. �Der Sternenwege-Kongre� hat das Mandat des Himmels, doch du bist ebenfalls auserw�hlt, deinen eigenen Weg zu gehen. Du kannst mit dieser gro�en Aufgabe Erfolg haben. Willst du es versuchen?�</p><p>�Ich werde es versuchen.� Ich werde auch versagen, doch das wird niemanden �berraschen, am wenigsten die G�tter, die meine Unw�rdigkeit kennen.</p><p>�Alle Archivdateien stehen f�r deine Suche offen, wenn du deinen Namen sagst und das Pa�wort eingibt. La� es mich wissen, wenn du Hilfe brauchst.�</p><p>Sie verlie� Vaters Raum mit W�rde und zwang sich, langsam die Treppe zu ihrem Zimmer hinaufzugehen. Erst nachdem sie die T�r hinter sich geschlossen hatte, warf sie sich auf die Knie und kroch �ber den Boden. Sie verfolgte die Linien der Holzmaserung, bis sie kaum noch sehen konnte. Ihre Unw�rdigkeit war so gro�, da� sie sich selbst danach nicht ganz sauber f�hlte; sie ging ins Badezimmer und schrubbte sich die H�nde ab, bis sie wu�te, da� die G�tter zufrieden waren. Zweimal wollten die Diener sie st�ren, indem sie Mahlzeiten oder Nachrichten brachten, doch als sie sahen, da� die G�tter zu ihr sprachen, verbeugten sie sich und entfernten sich leise.</p><p>Nicht das Waschen ihrer H�nde reinigte sie schlie�lich. Erst in dem Augenblick, da sie den letzten Zweifel der Unsicherheit aus ihrem Herzen vertrieb, wurde sie sauber. Der Sternenwege-Kongre� hatte das Mandat des Himmels. Sie mu�te sich von allen Zweifeln befreien. Was auch immer er mit der Lusitania-Flotte vorhatte, es war sicherlich der Wille der G�tter, da� es geschah. Daher war es ihre Pflicht, dem Kongre� bei der Ausf�hrung zu helfen. Und wenn sie tats�chlich dem Willen der G�tter folgte, w�rde es ihr einen Weg er�ffnen, das Problem zu l�sen, das man ihr gestellt hatte. Jedesmal, wenn sie etwas anderes dachte, jedesmal, wenn ihr Demosthenes' Worte wieder in den Sinn kamen, mu�te sie sie ausmerzen, indem sie sich daran erinnerte, da� <emphasis>sie </emphasis>den Herrschern gehorchte, die das Mandat des Himmels hatten.</p><p>Als ihr Verstand sich wieder beruhigt hatte, waren ihre Handfl�chen roh und aufgesprungen und blutig. So erhebt sich mein Verst�ndnis von der Wahrheit, sagte sie sich. Wenn ich genug von meiner Sterblichkeit abwasche, wird die Wahrheit der G�tter nach oben streben, dem Licht entgegen.</p><p>Endlich war sie sauber. Es war schon sp�t, und ihre Augen waren m�de. Dennoch setzte sie sich an ihr Terminal und begann mit der Arbeit. �Zeige mir die Zusammenfassung aller Nachforschungen, die bislang �ber das Verschwinden der Lusitania-Flotte betrieben wurden�, sagte sie, �und fange mit den neuesten an.� Fast augenblicklich erschienen in der Luft �ber ihrem Terminal Buchstaben; Seite um Seite reihten sie sich auf, wie Soldaten, die an die Front marschierten. Sie las eine Seite, rollte sie dann nach oben und holte damit die nachfolgende heran. Sieben Stunden las sie, bis sie nicht mehr lesen konnte; dann schlief sie vor dem Terminal ein.</p><empty-line/><p>Jane beobachtet alles. Sie kann gleichzeitig eine Million Aufgaben erledigen und tausend Dinge tun. Diese beiden F�higkeiten sind nicht unendlich, aber um so vieles gr��er als unsere armselige F�higkeit, an eine Sache zu denken, w�hrend wir eine andere erledigen, da� man sie fast als unendlich bezeichnen k�nnte. Sie hat jedoch eine Sinnesbeschr�nkung, die wir nicht haben; oder vielmehr, wir <emphasis>sind </emphasis>ihre gr��te Beschr�nkung. Sie sieht und wei� nichts, was nicht vorher als Daten in einen Computer eingegeben wurde, der mit dem gro�en Netzwerk zwischen den Welten verbunden ist.</p><p>Das ist eine geringere Beschr�nkung, als man glauben k�nnte. Sie hat fast unmittelbaren Zugang zu den unverarbeiteten Dateneingaben eines jeden Sternenschiffs und Satelliten, eines jeden Verkehrskontrollsystems und fast jeder elektronisch �berwachten Spionagevorrichtung im menschlichen Universum. Aber das bedeutet, da� sie fast nie Zeuge des Streits eines Liebespaars wird oder von Bettgeschichten, Meinungsverschiedenheiten im Klassenzimmer, Konversationen bei den Mahlzeiten oder bitterer, einsam vergossener Tr�nen. Sie kennt nur den Aspekt unseres Lebens, den wir als digitale Information verarbeiten.</p><p>Wenn man Jane nach der genauen Zahl der Menschen auf den besiedelten Welten fragte, w�rde sie schnell eine Zahl nennen, die auf Volksz�hlungen basiert, kombiniert mit den Geburten- und Sterbestatistiken all unserer Bev�lkerungsgruppen. In den meisten F�llen k�nnte sie diesen Zahlen Namen zuordnen, wenngleich kein Mensch lange genug leben w�rde, um diese Liste zu lesen. Und wenn man einen Namen nimmt, der einem gerade zuf�llig einf�llt � Han Qing-jao zum Beispiel �, und Jane fragt: �Wer ist diese Person?�, dann kann sie einem fast augenblicklich den Lebenslauf der betreffenden Person geben � Geburtsdatum, Staatsb�rgerschaft, die Eltern, Gr��e und Gewicht bei der letzten medizinischen Untersuchung, Schulnoten.</p><p>Aber das alles sind unverlangte Informationen und f�r sie nur Hintergrundger�usche. Jane wei�, da� es sie gibt, doch sie bedeuten ihr nichts. Sie nach Han Qing-jao zu fragen, h�tte in etwa dieselbe Bedeutung, als fragte man Jane nach einem bestimmten Wasserdampfmolek�l in einer fernen Wolke. Das Molek�l ist mit Sicherheit vorhanden, doch es unterscheidet sich nicht von den Millionen anderer in seiner unmittelbaren Umgebung.</p><p>Das traf bis auf den Augenblick zu, da Han Qing-jao ihren Computer benutzte, um sich Zugang zu allen Berichten �ber das Verschwinden der Lusitania-Flotte zu verschaffen. Danach stieg Qing-jaos Name auf Janes Aufmerksamkeitsebenen mehrere Stufen nach oben. Jane erstellte ein Verzeichnis von allem, was Qing-jao ihren Computer abfragte. Und ihr wurde schnell klar, da� Qing-jao, obwohl sie erst sechzehn Jahre alt war, ihr ernsthafte Schwierigkeiten machen konnte. Denn Qing-jao war keiner B�rokratie verpflichtet, ging ihr Projekt mit keinerlei ideologischem Ansatz an und warf einen breiteren und daher gef�hrlicheren Blick auf alle Informationen, die die menschlichen Nachrichtendienste bislang gesammelt hatten.</p><p>Warum war dies so gef�hrlich? Hatte Jane Spuren hinterlassen, die Qing-jao finden w�rde?</p><p>Nein, nat�rlich nicht. Jane hinterlie� keine Spuren. Sie hatte in Erw�gung gezogen, einige zu hinterlassen, um das Verschwinden der Lusitania-Flotte wie Sabotage, mechanisches Versagen oder eine Naturkatastrophe aussehen zu lassen. Doch sie mu�te diese Idee wieder aufgeben, da sie keinerlei <emphasis>physischen </emphasis>Hinweise fabrizieren konnte. Sie konnte lediglich irref�hrende Daten in Computerbanken hinterlassen, die jedoch keinerlei physikalische Entsprechungen in der wirklichen Welt gehabt h�tten. Daher h�tte jeder halbwegs intelligente Wissenschaftler schnell gemerkt, da� es sich bei diesen Hinweisen um gef�lschte Daten handeln mu�te. Daraufhin h�tte er die Schlu�folgerung gezogen, da� das Verschwinden der Lusitania-Flotte von irgendeiner Organisation herbeigef�hrt worden sein mu�te, die einen unvorstellbar detaillierten Zugang zu den Computersystemen besa�, in denen die falschen Daten enthalten waren. Dies w�rde mit Sicherheit dazu f�hren, da� die Menschen sie viel schneller entdeckten, als h�tte sie �berhaupt keine Spuren hinterlassen.</p><p>Es war eindeutig am vorteilhaftesten, keine Spuren zu hinterlassen; und bis Han Qing-jao mit ihren Nachforschungen begann, hatte auch alles geklappt. Eine jede ermittelnde Beh�rde suchte nur dort, wo sie immer suchte. Die Polizei zahlreicher Planeten �berpr�fte alle bekannten Dissidenten-Gruppen (und folterte mitunter verschiedene Dissidenten, bis sie sinnlose Gest�ndnisse machten, woraufhin die Beh�rden Abschlu�berichte verfa�ten und den Fall als gel�st bezeichneten). Das Milit�r suchte nach Anzeichen milit�rischer Opposition � besonders nach au�erirdischen Sternenschiffen, da das Milit�r die Invasion der Krabbler vor dreitausend Jahren genau in Erinnerung behalten hatte. Wissenschaftler suchten nach Anzeichen unerwarteter, unsichtbarer astronomischer Ph�nomene, die entweder die Zerst�rung der Flotte oder den teilweisen Zusammenbruch der Verk�rzer-Kommunikation erkl�ren konnten. Die Politiker suchten nach jemandem, dem sie die Schuld in die Schuhe schieben konnten. Niemand stellte sich vor, da� es Jane geben konnte, und daher fand sie auch niemand.</p><p>Doch Han Qing-jao nahm eine genaue Durchsicht der Daten vor und setzte sorgf�ltig und pr�zise alles zusammen. Fr�her oder sp�ter mu�te sie einfach auf Indizien sto�en, die Janes Existenz bewiesen � und damit vernichteten. Dieser Beweis bestand, einfach ausgedr�ckt, aus Mangel an Beweisen. Niemand sonst konnte es sehen, weil niemand sonst seine Nachforschungen vorurteilsfrei und methodisch genug durchf�hrte.</p><p>Jane konnte jedoch nicht wissen, da� Qing-jaos anscheinend unmenschliche Geduld, die peinliche Genauigkeit, mit der sie Detail f�r Detail untersuchte, die st�ndigen Umprogrammierungen und Ab�nderungen der Computersuche, da� all dies das Ergebnis endloser Stunden war, die sie auf einem Holzboden kniend verbracht hatte, um sorgf�ltig eine Linie im Holz vom einen Ende des Brettes zum anderen zu verfolgen. Jane konnte nicht einmal ahnen, da� die gro�e Lektion, die die G�tter sie gelehrt hatten, Qing-jao zu ihrer ernsthaftesten Widersacherin machten. Jane wu�te nur, da� diese Sucherin namens Qing-jao irgendwann begreifen w�rde, was sonst eigentlich niemand verstand: da� jede vorstellbare Erkl�rung f�r das Verschwinden der Lusitania-Flotte bereits vollst�ndig eliminiert worden war.</p><p>Damit blieb nur noch eine einzige Schlu�folgerung: da� irgendeine Kraft, der man in der Geschichte der Menschheit noch nirgendwo begegnet war, die Macht hatte, entweder eine weit verstreute Flotte von Sternenschiffen gleichzeitig verschwinden zu lassen, oder, was genauso unwahrscheinlich war, die Verk�rzer dieser Flotte alle auf einmal ausfallen zu lassen. Und wenn derselbe methodische Verstand dann anfing, m�gliche Kr�fte aufzulisten, die vielleicht solch eine Macht hatten, w�rde irgendwann auch der einzig relevante Name auf dieser Liste stehen: eine unabh�ngige Wesenheit, die zwischen den Philotenstr�ngen lebte, die alle Verk�rzer miteinander verband � oder besser gesagt, die aus diesen Philotenstr�ngen bestand. Da diese Idee den Tatsachen entsprach, w�rden keinerlei logische Skrupel oder Forschungen sie eliminieren k�nnen. Schlie�lich w�rde allein diese Idee �brigbleiben. Und irgendwann w�rde sich jemand Qing-jaos Entdeckung bedienen, um Jane zu vernichten.</p><p>Also beobachtete Jane Qing-jaos Nachforschungen mit immer gr��erer Faszination. Diese sechzehn Jahre alte Tochter Han Fei-tzus, die 39 Kilo wog und einen Meter und sechzig gro� war und der obersten sozialen und intellektuellen Klasse der chinesischen Taoistenwelt Weg angeh�rte, war der erste Mensch, den Jane je gefunden hatte, der mit ann�hernder Gr�ndlichkeit und Pr�zision eines Computers und folglich auch Janes selbst vorging. Und obwohl Jane die Suche, f�r die Qing-jao Wochen und Monate brauchen w�rde, in einer Stunde abschlie�en k�nnte, lag die gef�hrliche Wahrheit darin, da� Qing-jao fast genau die Suche durchf�hrte, die auch Jane selbst vorgenommen h�tte; und daher bestand f�r Jane kein Grund f�r die Annahme, da� Qing-jao nicht zu der Schlu�folgerung gelangte, zu der auch Jane gelangen w�rde.</p><p>Qing-jao war daher Janes gef�hrlichster Feind, und Jane konnte sie nicht aufhalten � zumindest nicht physisch. Wenn sie versuchte, Qing-jaos Informationszugang zu blockieren, w�rde Jane sie nur noch schneller auf die Spur ihrer Existenz f�hren. Anstatt sich also offen zu widersetzen, suchte Jane nach einer anderen M�glichkeit, ihren Feind aufzuhalten. Sie verstand die menschliche Natur nicht vollkommen, doch Ender hatte ihr eins beigebracht: Wenn man einen Menschen davon abhalten wollte, etwas zu tun, mu�te man daf�r sorgen, da� die betreffende Person es nicht mehr tun <emphasis>wollte.</emphasis></p></section><section><title><p id="_Toc119392795">Kapitel 6</p><p>Varelse</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Wieso kannst du direkt mit Enders Geist sprechen?�</p><p>�Nun, da wir wissen, wo er ist, ist das so nat�rlich wie die Nahrungsaufnahme.�</p><p>�Wie hast du ihn gefunden? Ich konnte noch nie mit dem Geist von jemandem sprechen, der noch nicht ins dritte Leben �bergewechselt war.�</p><p>�Wir haben ihn durch die Verk�rzer gefunden und die mit ihnen verbundene Elektronik � seinen K�rper � im Raum gefunden. Um seinen Geist zu erreichen, mu�ten wir ins Chaos greifen und eine Br�cke bilden.�</p><p>�Eine Br�cke?�</p><p>�Ein �bergangswesen, das teilweise seinem Geist und teilweise unserem entspricht.�</p><p>�Warum hast du ihn nicht daran gehindert, dich zu vernichten, wenn du doch seinen Geist erreichen konntest?�</p><p>�Das menschliche Gehirn ist sehr seltsam. Bevor das, was wir dort fanden, f�r uns einen Sinn ergab, bevor wir lernen konnten, wie man in diesen verzerrten Raum spricht, waren all meine Schwestern und M�tter tot. W�hrend all der Jahre, die wir im Kokon warteten, fuhren wir damit fort, seinen Geist zu studieren, bis er uns fand; als er dann kam, konnten wir direkt zu ihm sprechen.�</p><p>�Was geschah mit der Br�cke, die ihr gemacht habt?�</p><p>�Dar�ber haben wir nie nachgedacht. Wahrscheinlich ist sie noch irgendwo dort drau�en.�</p><empty-line/><p>Die neue Kartoffelz�chtung starb ab. Ender sah die verr�terischen braunen Kreise auf den Bl�ttern, die abgebrochenen Pflanzen, wo die Stengel so spr�de geworden waren, da� die leichteste Brise sie verbog, bis sie brachen. An diesem Morgen waren war sie noch gesund gewesen. Der Ausbruch dieser Krankheit war so pl�tzlich erfolgt, ihre Wirkung so verheerend, da� es sich nur um den Descolada-Virus handeln konnte.</p><p>Ela und Novinha w�rden entt�uscht sein � sie hatten so gro�e Hoffnungen in diese Z�chtung gesetzt. Ela, Enders Stieftochter, hatte an einem Gen gearbeitet, das jede Zelle in einem Organismus veranlassen sollte, drei verschiedene Chemikalien zu produzieren, von denen bekannt war, da� sie den Descolada-Virus hemmten oder abt�teten. Novinha, Enders Frau, hatte an einem Gen gearbeitet, das die Zellkerne veranlassen sollte, f�r jedes Molek�l undurchdringlich zu werden, das gr��er war als ein Zehntel der Gr��e der Descolada. Bei dieser Kartoffelz�chtung hatten sie beide Gene eingebracht, und als die ersten Test erwiesen hatten, da� sich beide Wesensz�ge durchgesetzt hatten, hatte Ender die S�mlinge zu der Experimentalfarm gebracht und dort eingepflanzt. Er und seine Assistenten hatten sie in den letzten sechs Wochen gehegt und gepflegt. Alles schien gut zu verlaufen.</p><p>Falls die Methode funktioniert h�tte, h�tte man sie bei allen Pflanzen und Tieren anwenden k�nnen, von denen die Menschen auf Lusitania nahrungsm��ig abh�ngig waren. Doch der Descolada-Virus war einfach zu gerissen � irgendwann durchschaute er all ihre Strategien. Trotzdem waren sechs Wochen besser als die normalen zwei oder drei Tage. Vielleicht waren sie auf dem richtigen Weg.</p><p>Oder vielleicht waren die Dinge bereits zu weit fortgeschritten. Damals, als Ender auf Lusitania eingetroffen war, �berstanden neue Z�chtungen von irdischen Pflanzen und Tieren zumindest mehr als zwei Jahre auf den Feldern, bevor der Descolada-Virus ihre genetischen Molek�le dekodierte und sie zerri�. Doch in den letzten Jahren hatte der Descolada-Virus anscheinend einen Durchbruch erzielt, der es ihm erlaubte, jedes Molek�l von der Erde in Tagen oder sogar Stunden zu dekodieren.</p><p>Heutzutage war es den menschlichen Kolonisten nur m�glich, ihre Pflanzen zu ziehen und Tiere zu z�chten, weil sie ein Spray einzusetzen, das f�r den Descolada-Virus augenblicklich t�dlich war. Es gab menschliche Kolonisten, die den ganzen Planeten bespr�hen und den Descolada-Virus ein f�r alle Mal ausl�schen wollten.</p><p>Einen ganzen Planeten zu bespr�hen war zwar unpraktisch, aber nicht unm�glich; andere Gr�nde sprachen gegen diesen Vorschlag. Jede einheimische Lebensform des Planeten war bei ihrer Reproduktion v�llig vom Descolada-Virus abh�ngig. Das galt auch f�r die Schweinchen � die Pequeninos, die Intelligenzwesen dieser Welt �, deren Reproduktionszyklus unausweichlich mit der einzigen einheimischen Baumspezies verkn�pft war. Sollte der Descolada-Virus vernichtet werden, w�rde diese Generation Pequeninos die letzte sein. Es w�re Xenozid.</p><p>Bislang war die Vorstellung, irgend etwas zu tun, was die Schweinchen ausl�schen wurde, nachdr�cklich von den meisten Menschen auf Lusitania zur�ckgewiesen worden. Bislang. Doch Ender wu�te, da� viele es sich anders �berlegen w�rden, sobald ein paar weitere Fakten bekanntgemacht werden w�rden. Zum Beispiel wu�te nur eine Handvoll Menschen, da� sich die Descolada bereits zweimal an die Chemikalien angepa�t hatte, die sie benutzten, um sie zu t�ten. Ela und Novinha hatten bereits mehrere neue Versionen der Chemikalie entwickelt, um bei der n�chsten Anpassung der Descolada sofort auf ein anderes Virizid zur�ckgreifen zu k�nnen. Ebenso hatten sie einmal versucht, den Descolada-Hemmer zu ver�ndern, der verhinderte, da� die Menschen an dem Descolada-Virus starben, der sich im K�rper eines jeden Mitglieds der Kolonie befand. Alle Nahrungsmittel der Kolonie wurden mit dem Hemmer versetzt, so da� jeder Mensch ihn mit jeder Mahlzeit zu sich nahm.</p><p>Doch alle Hemmer und Virizide beruhten auf denselben grundlegenden Prinzipien. Genau wie der Descolada-Virus gelernt hatte, sich im allgemeinen an die auf der Erde geborenen Gene anzupassen, w�rde er auch lernen, wie er mit den unterschiedlichen Chemikalien fertig w�rde, und dann spielte es keine Rolle mehr, wie viele neue Versionen sie hatten � die Descolada w�rde ihre Vorr�te innerhalb von ein paar Tagen vernichten.</p><p>Nur ein paar Menschen wu�ten, wie unsicher das �berleben der Lusitania-Kolonie in Wirklichkeit war. Nur ein paar Menschen begriffen, wieviel von der Arbeit abhing, die Ela und Novinha als Lusitanias Xenobiologen leisteten; wie knapp ihr Wettlauf mit der Descolada war; wie verheerend die Folgen sein w�rden, gerieten sie jemals ins Hintertreffen.</p><p>Auch gut. Wenn die Kolonisten es w��ten, w�rden viele sagen: Wenn es unausweichlich ist, da� uns die Descolada eines Tages �berw�ltigen wird, sollten wir sie jetzt ausl�schen. Wir bedauern, da� dadurch alle Schweinchen sterben, doch wenn es hei�t, wir oder sie, dann entscheiden wir uns f�r uns.</p><p>Es war gut und sch�n, da� Ender die Dinge langfristig betrachtete, aus der philosophischen Perspektive gewisserma�en, und sagte: Besser, eine kleine Menschenkolonie wird ausgel�scht, als da� eine ganze vernunftbegabte Rasse stirbt. Er wu�te, da� er mit diesem Argument bei den Menschen auf Lusitania nichts erreichen konnte. Ihr eigenes Leben stand hier auf dem Spiel und das Leben ihrer Kinder; es w�re absurd, von ihnen die Bereitschaft zu erwarten, f�r eine andere Rasse in den Tod zu gehen, die sie nicht verstanden und die nur die wenigsten von ihnen �berhaupt mochten. Es ergab genetisch keinen Sinn � die Evolution ermutigt nur Gesch�pfe, die darauf bedacht sind, ihre eigenen Gene zu sch�tzen. Selbst wenn der Bischof pers�nlich erkl�ren w�rde, es sei der Wille Gottes, da� die Menschen von Lusitania ihr Leben f�r die Schweinchen aufgaben, w�rden ihm kaum jemand gehorchen.</p><p>Ich bin mir nicht sicher, ob ich selbst solch ein Opfer bringen w�rde, dachte Ender. Obwohl ich keine Kinder habe. Obwohl ich bereits die Vernichtung einer bewu�ten Rasse miterlebt habe � obwohl ich diese Vernichtung selbst ausgel�st habe und wei�, welch eine schreckliche moralische Last das ist �, bin ich mir nicht sicher, ob ich meine Mitmenschen dem Tod ausliefern k�nnte.</p><p>Und doch � k�nnte ich der Vernichtung der Pequeninos zustimmen? K�nnte ich einen weiteren Xenozid zulassen?</p><p>Er nahm einen der abgebrochenen Kartoffelstengel mit den fleckigen Bl�ttern auf. Er w�rde ihn nat�rlich Novinha bringen m�ssen. Novinha � oder Ela � w�rde ihn untersuchen, und sie w�rden best�tigen, was bereits offensichtlich war. Noch ein Fehlschlag. Er steckte den Kartoffelstengel in einen sterilen Beutel.</p><p>�Sprecher.�</p><p>Es war Pflanzer, Enders Assistent und engster Freund unter den Schweinchen. Pflanzer war ein Sohn des Pequeninos namens Mensch, den Ender ins �dritte Leben� gef�hrt hatte, das Baumstadium des Lebenszyklus der Pequeninos. Ender hielt den durchsichtigen Plastikbeutel hoch, damit Pflanzer die Bl�tter darin sehen konnte.</p><p>�Wirklich sehr tot, Sprecher�, sagte Pflanzer ohne jede erkennbare Gef�hlsregung. Das war am Anfang das Unangenehmste bei der Arbeit mit den Pequeninos gewesen � sie zeigten keine Gef�hle, die die Menschen leicht und gewohnheitsm��ig deuten konnten. Diese Eigenschaft war ausschlaggebend daf�r, da� die meisten Kolonisten die Schweinchen nicht akzeptierten. Die Schweinchen waren nicht niedlich oder s��; sie waren lediglich fremd.</p><p>�Wir versuchen es noch einmal�, sagte Ender. �Ich glaube, wir kommen der Sache n�her.�</p><p>�Deine <emphasis>Gattin </emphasis>will dich sprechen�, sagte Pflanzer. Das Wort <emphasis>Gattin, </emphasis>selbst in eine Menschensprache wie Stark �bersetzt, war f�r einen Pequenino so voller Spannungen, da� er das Wort kaum nat�rlich aussprechen konnte � Pflanzer kreischte es fast.</p><p>�Ich wollte sowieso gerade zu ihr�, sagte Ender. �W�rdest du bitte diese Kartoffeln ausmessen und aufzeichnen?�</p><p>Pflanzer sprang buchst�blich hoch � wie ein Popcorn, dachte Ender. Obwohl sein Gesicht f�r menschliche Augen ausdruckslos blieb, dr�ckte der vertikale Sprung seine Freude aus. Pflanzer arbeitete liebend gern mit der elektronischen Ausr�stung, weil Maschinen ihn faszinierten und es seinen Status unter den anderen m�nnlichen Pequeninos betr�chtlich erh�hte. Pflanzer schickte sich augenblicklich an, die Kamera und den dazugeh�rigen Computer aus der Tasche zu holen, die er immer bei sich trug.</p><p>�Wenn du fertig bist, bereitest du dieses Feld bitte f�r das Abblitzen vor�, sagte Ender.</p><p>�Ja, ja�, sagte Pflanzer. �Ja, ja, ja.�</p><p>Ender seufzte. Pequeninos �rgerten sich ma�los, wenn Menschen ihnen etwas sagten, was sie bereits wu�ten. Pflanzer kannte die Routine, die ablief, wenn die Descolada sich an eine neue Z�chtung angepa�t hatte � der �gelehrige� Virus mu�te vernichtet werden, solange er noch isoliert war. Sie mu�ten verhindern, da� s�mtliche Descolada-Viren davon profitierten, was dieser Strang gelernt hatte. Und doch befriedigten die Menschen so ihr Verantwortungsgef�hl � sie vergewisserten sich noch einmal, obwohl sie wu�ten, da� es �berfl�ssig war.</p><p>Pflanzer war so besch�ftigt, da� er kaum bemerkte, da� Ender das Feld verlie�. Als Ender im Isolationsschuppen am Ende des Feldes war, das der Stadt am n�chsten lag, zog er sich aus, steckte seine Kleidung in den Reinigungskasten und vollf�hrte dann den Reinigungstanz � er streckte die H�nde nach oben aus, lie� die Arme an den Schultern rotieren, drehte sich im Kreis, b�ckte sich und richtete sich wieder auf, damit kein Teil seines K�rpers von der Kombination aus Strahlung und Gasen, die den Schuppen ausf�llte, verfehlt wurde. Er atmete tief durch Mund und Nase ein und hustete dann wie gew�hnlich, weil die Gase kaum in der menschlichen Toleranzschwelle lagen. Drei volle Minuten mit tr�nenden Augen und brennenden Lungen, w�hrend er mit den Armen winkte und sich hinhockte und wieder aufstand: ein Ritual des Gehorsams f�r die allm�chtige Descolada. So erniedrigen wir uns vor dem unbestrittenen Herren des Lebens auf diesem Planeten.</p><p>Schlie�lich war er fertig. Als endlich frische Luft in den Schuppen str�mte, nahm er seine noch warme Kleidung aus dem Kasten und zog sie an. Sobald er den Schuppen verlassen hatte, w�rde er sich aufheizen, bis die Temperatur weit �ber der erwiesenen W�rmetoleranzgrenze des Descolada-Virus lag. Diese letzte Stufe der Reinigung konnte nichts in dem Schuppen �berstehen. Wenn beim n�chsten Mal jemand den Schuppen betrat, w�rde er absolut steril sein.</p><p>Doch Ender konnte den Gedanken nicht verdr�ngen, da� der Descolada-Virus irgendwie einen Weg finden w�rde, durch den er schl�pfen konnte � wenn nicht durch den Schuppen, dann durch die leichte Disruptorbarriere, die die Felder mit den Experimentalpflanzen umgab wie eine unsichtbare Festungsmauer. Offiziell kam kein Molek�l, das aus �ber einhundert Atomen bestand, durch diese Barriere, ohne aufgebrochen zu werden. Z�une auf beiden Seiten der Barriere verhinderten, da� sich sowohl Menschen als auch Schweinchen in die Todeszone verirrten � doch Ender hatte sich oft vorgestellt, wie es w�re, wenn doch jemand durch das Aufl�sungsfeld ginge. Wenn die Zellkerns�uren aufbrachen, w�rde jede einzelne K�rperzelle augenblicklich absterben. Vielleicht w�rde der K�rper seine Form behalten. Doch in Enders Vorstellung zerfiel er auf der anderen Seite der Barriere immer zu Staub, den der Wind wie Rauch davontrug, bevor er den Boden ber�hrte.</p><p>Kopfzerbrechen bereitete Ender, da� das Aufl�sungsfeld auf demselben Prinzip beruhte wie das Molekular-Detachier-Ger�t. Urspr�nglich dazu konstruiert, gegen Sternenschiffe und Raketen eingesetzt zu werden, hatte Ender es vor dreitausend Jahren, als er die menschliche Kriegsflotte kommandierte, gegen den Heimatplaneten der Krabbler eingesetzt. Und dieselbe Waffe hatte der Sternenwege-Kongre� nun nach Lusitania geschickt. Jane zufolge hatte der Sternenwege-Kongre� bereits versucht, den Einsatzbefehl zu schicken. Sie hatte ihn abgeblockt, indem sie die Verk�rzerkommunikation zwischen der Flotte und dem Rest der Menschheit unterbrochen hatte, doch man konnte nicht sagen, ob irgendein �bereifriger Schiffskapit�n, der in Panik geraten war, weil sein Verk�rzer nicht mehr funktionierte, die Waffe nicht doch einsetzen w�rde, wenn er Lusitania erreicht hatte.</p><p>Es war undenkbar, doch sie hatten es getan � der Kongre� hatte den Befehl gegeben, eine Welt zu vernichten. Xenozid zu begehen. Hatte Ender die <emphasis>Schwarmk�nigin </emphasis>vergeblich geschrieben? Hatten sie bereits vergessen, was geschehen war?</p><p>Doch f�r sie war �bereits� der falsche Ausdruck. F�r die meisten Menschen lag das Geschehen dreitausend Jahre zur�ck. Und obwohl Ender <emphasis>Menschs Leben </emphasis>geschrieben hatte, wurde dem Buch noch nicht genug Glauben geschenkt. Die Menschen hatten das Buch noch nicht so weit akzeptiert, da� der Kongre� es nicht wagen w�rde, gegen die Pequeninos vorzugehen.</p><p>Warum hatte der Kongre� den Befehl gegeben? Wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, aus dem die Xenobiologen die Disruptorbarriere errichtet hatten: um einen gef�hrlichen Virus zu isolieren, damit er sich nicht weiter ausbreiten konnte. Der Kongre� versuchte wahrscheinlich besorgt, die Infektion einer planetaren Revolte einzud�mmen. Doch wenn die Flotte hier eintraf, w�rde sie den Chirurgen, ob nun mit oder ohne Befehl, wahrscheinlich als Endl�sung f�r das Descolada-Problem einsetzen. Wenn es keinen Planeten Lusitania mehr gab, w�rde es auch keinen selbstmutierenden, halbintelligenten Virus geben, der auf die Gelegenheit hoffte, die Menschheit und all ihre Arbeit auf Lusitania auszul�schen.</p><p>Die Strecke von den Experimentalfeldern zu der neuen xenobiologischen Station war nicht weit. Der Pfad wand sich �ber einen niedrigen H�gel, schnitt den Rand des Waldes, der f�r diesen Pequenino-Stamm Vater, Mutter und lebenden Friedhof darstellte, und verlief dann weiter zum Nordtor durch den Zaun, der die menschliche Kolonie umgab.</p><p>Der Zaun stellte f�r Ender ein �rgernis da. Nun, da die Politik des minimalen Kontakts zwischen Menschen und Pequeninos beendet war, war er schlichtweg �berfl�ssig geworden, und beide Spezies benutzten das Tor ungehindert. Als Ender auf Lusitania eingetroffen war, war der Zaun mit einem Feld geladen, das bei jedem, der hineingeriet, qu�lende Schmerzen bewirkte. W�hrend des Kampfes um das Recht, ungehindert mit den Pequeninos zu kommunizieren, hatte Enders �ltester Stiefsohn Miro mehrere Minuten lang in dem Feld gelegen, was zu irreparablen Gehirnsch�den gef�hrt hatte. Doch Miros Erlebnis war nun der schmerzhafteste Ausdruck dessen, was der Zaun in den Seelen der Menschen, die er umschlo�, anrichtete. Die Psychobarriere war vor drei�ig Jahren ausgeschaltet worden. In all dieser Zeit hatte es keinen Grund gegeben, irgendeine Barriere zwischen den Menschen und Pequeninos aufrecht zu halten � doch der Zaun war geblieben. Die menschlichen Kolonisten von Lusitania wollten, da� die Barriere zwischen Mensch und Pequenino bestehen blieb.</p><p>Deshalb waren die Xenobiologie-Laboratorien von ihrer alten Stelle unten am Flu� verlegt worden. Wenn Pequeninos an den Forschungen teilhaben sollten, mu�te das Labor in der N�he des Zauns liegen und alle Experimentalfelder au�erhalb, damit Menschen und Pequeninos nicht in Gefahr liefen, sich unerwartet zu begegnen.</p><p>Als Miro aufbrach, um sich mit Valentine zu treffen, hatte Ender geglaubt, bei seiner R�ckkehr w�rden die gro�en Ver�nderungen auf Lusitania ihn verbl�ffen. Er hatte geglaubt, Miro w�rde sehen, da� Menschen und Pequeninos Seite an Seite existierten, zwei Spezies, die in Harmonie miteinander lebten. Statt dessen w�rde Miro die Kolonie fast unver�ndert vorfinden. Mit wenigen Ausnahmen sehnten sich die Menschen Lusitanias nicht nach enger Gesellschaft mit einer anderen Spezies.</p><p>Nur gut, da� Ender der Schwarmk�nigin geholfen hatte, die Rasse der Krabbler so weit von der menschlichen Kolonie auf Lusitania entfernt auferstehen zu lassen. Ender hatte urspr�nglich vorgehabt, die Krabbler und die Menschen langsam aneinander zu gew�hnen. Statt dessen waren er, Novinha und ihre Familie gezwungen gewesen, die Existenz der Krabbler auf Lusitania sorgsam geheim zu halten. Wenn die menschlichen Kolonisten schon nicht mit den s�ugetier�hnlichen Pequeninos zurechtkamen, h�tte das Wissen um die insekten�hnlichen Krabbler sehr schnell gewaltt�tige Xenophobie provoziert.</p><p>Ich habe zu viele Geheimnisse, dachte Ender. All diese Jahre lang bin ich ein Sprecher f�r die Toten gewesen, habe Geheimnisse enth�llt und den Menschen geholfen, im Licht der Wahrheit zu leben. Jetzt erz�hle ich niemandem mehr auch nur die H�lfte von dem, was ich wei�, denn wenn ich die ganze Wahrheit sagte, w�rde es Furcht, Ha�, Brutalit�t, Mord und Krieg geben.</p><p>Nicht weit vom Tor entfernt, aber au�erhalb, standen zwei Vaterb�ume, der eine namens W�hler, der andere namens Mensch. Vom Tor aus gesehen stand W�hler links, Mensch rechts. Mensch war der Pequenino, den Ender damals mit eigenen H�nden rituell t�ten mu�te, um den Vertrag zwischen Menschen und Pequeninos zu besiegeln. Danach war Mensch in Zellulose und Chlorophyll wiedergeboren worden, endlich ein reifes, erwachsenes M�nnchen und imstande, Kinder zu zeigen.</p><p>Im Augenblick hatte Mensch noch immer ein gewaltiges Ansehen, nicht nur unter den Schweinchen seines eigenen Stammes, sondern auch bei denen vieler anderer. Ender wu�te, da� er noch lebte; doch wenn er den Baum sah, wurde er immer wieder daran erinnert, wie Mensch gestorben war.</p><p>Ender hatte keine Schwierigkeiten, sich mit Mensch als Person zu befassen, denn er hatte schon oft mit diesem Vaterbaum gesprochen. Es gelang ihm nur nicht, sich diesen Baum als <emphasis>dieselbe </emphasis>Person vorzustellen, die er als Mensch gekannt hatte. Vom Intellekt her verstand Ender durchaus, da� der Wille und die Erinnerungen die Identit�t einer Person ausmachten und da� Wille und Erinnerungen intakt vom dem Pequenino in den Vaterbaum gewechselt waren. Doch es machte einen Unterschied, ob man etwas mit dem Intellekt oder aus dem Bauch heraus verstand. Mensch war jetzt so fremd.</p><p>Doch er war noch immer Mensch und noch immer Enders Freund. Ender ber�hrte im Vorbeigehen die Borke des Baumes. Dann wich er ein paar Schritte von seinem Weg ab, ging zu dem �lteren Vaterbaum namens W�hler und ber�hrte auch dessen Borke. Er hatte W�hler nie als Pequenino gekannt � er war durch andere Hand gestorben, und sein Baum war bereits gro� und breit, als Ender auf Lusitania eingetroffen war. Wenn Ender mit W�hler sprach, plagte ihn kein Gef�hl des Verlusts.</p><p>Zwischen W�hlers Wurzeln lagen zahlreiche St�cke. Einige waren hierher gebracht, andere aus W�hlers �sten geschnitten worden. Es waren Sprechst�cke. Die Pequeninos benutzten sie, um einen Rhythmus auf den Stamm eines Vaterbaums zu schlagen; der Vaterbaum wandelte daraufhin die Hohlr�ume in seinem Stamm ab, um den Klang zu ver�ndern und langsam zu sprechen. Ender konnte den Rhythmus schlagen � unbeholfen, aber noch so deutlich, um eine Antwort von den B�umen zu erhalten.</p><p>Heute jedoch lag Ender nichts an einem Gespr�ch. Sollte Pflanzer den Vaterb�umen berichten, da� ein weiteres Experiment fehlgeschlagen war. Ender w�rde sp�ter mit W�hler und Mensch sprechen. Er w�rde mit der Schwarmk�nigin reden. Er w�rde mit Jane sprechen. Er w�rde mit allen sprechen. Und nach den Gespr�chen w�rden sie einer L�sung f�r irgendeins der Probleme, die Lusitanias Zukunft bedrohten, nicht n�her sein. Weil die L�sung ihrer Probleme nun nicht mehr von Gespr�chen abhing. Sie hing von Wissen und Taten ab � Wissen, das nur andere Menschen lernen konnten, Taten, die nur andere Menschen vollbringen konnten. Ender selbst konnte zur L�sung der Probleme nichts beitragen.</p><p>Er konnte nur zuh�ren und sprechen. Zu anderen Zeiten, anderen Orten, hatte das gen�gt. Jetzt nicht mehr. Die Vernichtung schwebte drohend in mannigfacher Gestalt �ber Lusitania. Einige Auspr�gungen davon hatte Ender selbst heraufbeschworen, und doch konnte keine einzige durch eine Tat, ein Wort oder einen Gedanken Andrew Wiggins gel�st werden. Wie die aller anderen Bewohner Lusitanias lag auch seine Zukunft in den H�nden anderer Menschen. Der Unterschied zwischen ihm und den anderen war, da� Ender alle Gefahren kannte, alle m�glichen Konsequenzen eines jeden Fehlschlags oder Fehlers. Auf wem lag der gr��ere Fluch, auf dem, der bis zum Augenblick seines Todes unwissend bleibt, oder dem, der tage-, wochen-, jahrelang beobachtet, wie sich das Ende Schritt f�r Schritt n�hert?</p><p>Ender verlie� den Vaterbaum und ging �ber den ausgetretenen Weg zur Menschensiedlung. Durch das Tor, durch die T�r des Xenobiologie-Labors. Der Pequenino, der als Elas vertrauensw�rdigster Assistent diente � er hie� Taub, obwohl er eindeutig <emphasis>nicht </emphasis>schwerh�rig war �, f�hrte ihn sofort zu Novinhas B�ro, wo Ela, Novinha, Quara und Grego bereits auf ihn warteten. Ender hielt den Beutel mit dem Teil der Kartoffelpflanze hoch.</p><p>Ela sch�ttelte den Kopf; Novinha seufzte. Aber sie wirkten nicht halb so entt�uscht, wie Ender es erwartet hatte. Es besch�ftigte sie eindeutig etwas anderes.</p><p>�Damit mu�ten wir wohl rechnen�, sagte Novinha.</p><p>�Wir mu�ten es trotzdem versuchen�, sagte Ela.</p><p>�Warum mu�ten wir es versuchen?� fragte Grego. Novinhas j�ngster Sohn � und demzufolge Enders Stiefsohn � war jetzt Mitte Drei�ig und selbst ein brillanter Wissenschaftler; doch bei allen Diskussionen in der Familie schien er die Rolle des Advokaten des Teufels einzunehmen, ob es nun um Xenobiologie ging oder die Farbe der neuen Tapeten. �Indem wir diese neuen Z�chtungen pflanzen, bringen wir der Descolada doch nur bei, wie sie jeder Strategie ausweichen kann, mit der wir sie t�ten wollen. Wenn wir sie nicht bald ausmerzen, wird sie uns ausmerzen. Und sobald die Descolada ausgemerzt ist, k�nnen wir normale alte Kartoffeln ohne diesen Unsinn pflanzen.�</p><p>�Das k�nnen wir nicht!� rief Quara. Ihre Nachdr�cklichkeit �berraschte Ender. Quara ergriff nur selten das Wort; diese Lautst�rke entsprach ganz und gar nicht ihrem Charakter. �Ich sage euch, die Descolada ist ein Lebewesen.�</p><p>�Und ich sage euch, ein Virus ist ein Virus�, sagte Grego.</p><p>Es st�rte Ender, da� Grego die Ausmerzung der Descolada verlangte � es entsprach ihm gar nicht, so leicht etwas zu fordern, das die Pequeninos vernichten w�rde. Er war praktisch unter Pequeninom�nnchen aufgewachsen � er kannte sie besser, sprach ihre Sprache besser als jeder andere.</p><p>�Kinder, seid ruhig und la�t es mich Ender erkl�ren�, sagte Novinha. �Wir sprachen dar�ber, was wir tun sollen, wenn auch diese Kartoffelz�chtung ein Fehlschlag ist, Ela und ich, und sie hat gesagt� nein, erkl�re du es, Ela.�</p><p>�Der Plan ist doch ganz einfach. Anstatt Pflanzen zu z�chten, die den Wuchs des Descolada-Virus hemmen, m�ssen wir an den Virus selbst heran.�</p><p>�Genau�, sagte Grego.</p><p>�Halt die Klappe�, sagte Quara.</p><p>�Bitte, tue uns allen den Gefallen, Grego, und erf�lle deiner Schwester ihre h�fliche Bitte�, sagte Novinha.</p><p>Ela seufzte und fuhr fort. �Wir k�nnen ihn nicht einfach t�ten, weil wir damit auch alles andere einheimische Leben auf Lusitania t�ten w�rden. Ich schlage also vor, eine neue Descolada-Z�chtung zu entwickeln, die sich beim Fortpflanzungszyklus aller Lebensformen von Lusitania genauso verh�lt wie der derzeitige Virus, aber nicht die F�higkeit hat, sich an neue Spezies anzupassen.�</p><p>�Du kannst diesen Teil des Virus eliminieren?� fragte Ender. �Du kannst ihn <emphasis>finden?�</emphasis></p><p>�Wahrscheinlich nicht. Aber ich glaube, ich kann alle Teile des Virus finden, die bei den Schweinchen und allen anderen Tier-Pflanzen-Paaren aktiv sind, <emphasis>diese </emphasis>bewahren und alle anderen fallenlassen. Dann f�gen wir eine rudiment�re Reproduktionsf�higkeit hinzu und lassen uns ein paar Rezeptoren einfallen, damit der neue Virus richtig auf die entsprechenden Ver�nderungen in den Gastk�rpern reagiert, stecken die ganze Sache in ein kleines Organell, und dann h�tten wir es � ein Ersatz f�r die Descolada, damit die Pequeninos und alle anderen einheimischen Spezies sicher sind, w�hrend wir ohne Angst leben k�nnen.�</p><p>�Du willst den urspr�nglichen Descolada-Virus bespr�hen, um ihn auszumerzen?� fragte Ender. �Was ist, wenn es bereits einen resistenten Strang gibt?�</p><p>�Nein, wir bespr�hen sie nicht, denn damit k�nnten wir nicht die Viren ausmerzen, die sich bereits im K�rper eines jeden Gesch�pfs auf Lusitania befinden. Das ist der wirklich komplizierte Teil��</p><p>�Als ob der Rest einfach w�re�, sagte Novinha, �ein neues Organell aus dem Nichts zu schaffen��</p><p>�Wir k�nnen diese Organellen nicht einfach in ein paar Schweinchen injizieren oder sogar in alle von ihnen, weil wir sie dann auch in jedes andere einheimische Tier, in jeden Baum und Grashalm injizieren m��ten.�</p><p>�Das ist unm�glich�, sagte Ender.</p><p>�Also m�ssen wir einen Mechanismus entwickeln, der die Organellen �berall verbreitet und gleichzeitig die alten Descolada-Viren ein f�r alle Mal vernichtet.�</p><p>�Xenozid�, sagte Quara.</p><p>�Das ist der Streitpunkt�, sagte Ela. �Quara behauptet, die Descolada habe ein Bewu�tsein.�</p><p>Ender musterte seine j�ngste Stieftochter. �Ein bewu�tes <emphasis>Molek�l?�</emphasis></p><p>�Sie haben eine Sprache, Andrew.�</p><p>�Wann ist das passiert?� fragte Ender. Er versuchte sich vorzustellen, wie ein genetisches Molek�l � selbst eins, das so komplex wie der Descolada-Virus war � m�glicherweise sprechen k�nnte.</p><p>�Ich habe es schon seit langen geahnt. Ich wollte nichts sagen, bis ich sicher war, aber��</p><p>�Was hei�t, da� es nicht sicher ist�, sagte Grego triumphierend.</p><p>�Aber ich bin mir jetzt fast sicher, und wir k�nnen nicht eine ganze Spezies vernichten, wenn wir keine Gewi�heit haben.�</p><p>�Wie sprechen sie?� fragte Ender.</p><p>�Nat�rlich nicht wie wir�, sagte Quara. �Sie tauschen die Informationen auf einer molekularen Ebene miteinander aus. Ich bin darauf gekommen, als ich an dem Problem arbeitete, wieso sich die neuen resistenten Descoladastr�nge so schnell ausbreiten und alle alten Viren so schnell ersetzen. Ich konnte dieses Problem nicht l�sen, weil ich die falsche Frage gestellt habe. Sie ersetzen die alten Viren nicht. Sie geben einfach Nachrichten weiter.�</p><p>�Sie werfen mit <emphasis>Pfeilen�, </emphasis>sagte Grego.</p><p>�Das war mein eigener Begriff daf�r�, sagte Quara. �Ich habe nicht begriffen, da� es sich dabei um Sprache handelt.�</p><p>�Weil es keine Sprache ist�, sagte Grego.</p><p>�Das war vor f�nf Jahren�, sagte Ender. �Du hast gesagt, die Pfeile, die sie ausschicken, enthalten die ben�tigten Gene, und dann �ndern alle Viren, die die Pfeile empfangen haben, ihre Struktur ab und nehmen das neue Gen auf. Das ist kaum eine Sprache.�</p><p>�Aber nicht nur bei dieser Gelegenheit schicken sie Pfeile aus�, sagte Quara. �Diese Nachrichtenmolek�le bewegen sich die ganze Zeit �ber hinein und hinaus, und die meiste Zeit �ber befinden sie sich nicht mal im K�rper. Sie werden von verschiedenen Teilen der Descolada gelesen und dann aneinander weitergegeben.�</p><p>�Das ist Sprache?� fragte Grego.</p><p>�Noch nicht�, sagte Quara. �Aber irgendwann, nachdem ein Virus einen dieser Pfeile gelesen hat, macht es einen neuen Pfeil und schickt ihn aus. Und das verr�t mir, da� es sich um eine Sprache handelt: Der vordere Teil des neuen Pfeils beginnt immer mit einer Molek�lfolge, die dem hinteren Anh�ngsel des Pfeils �hnelt, den er beantwortet. Er h�lt den Gespr�chsfaden zusammen.�</p><p>�Gespr�ch�, sagte Grego ver�chtlich.</p><p>�Sei still oder stirb�, sagte Ela. Ender sp�rte, da� Elas Stimme auch nach all diesen Jahren noch die Macht hatte, Gregos vorlautem Mundwerk Einhalt zu gebieten � manchmal jedenfalls.</p><p>�Ich habe bei einigen dieser Gespr�che bis zu hundert Aussagen und Antworten festgestellt. Die meisten davon sterben viel fr�her ab. Ein paar werden in den Hauptk�rper des Virus aufgenommen. Aber jetzt kommt das interessanteste � es geschieht v�llig freiwillig. Manchmal nimmt ein Virus einen Pfeil auf und bewahrt ihn, w�hrend die meisten anderen ihn wieder ablegen. Manchmal behalten die meisten Viren einen spezifischen Pfeil. Aber die Stelle, an der sie diese Pfeile in ihren K�rper aufnehmen, ist genau diejenige, die am schwierigsten zu verzeichnen ist. Sie ist so schwierig zu verzeichnen, weil sie nicht Teil ihrer Struktur ist, sondern ihr <emphasis>Ged�chtnis, </emphasis>und die einzelnen Viren sich alle voneinander unterscheiden. Sie neigen auch dazu, ein paar Erinnerungsfragmente auszusondern, wenn sie zu viele Pfeile aufgenommen haben.�</p><p>�Das ist alles faszinierend�, sagte Grego, �aber es ist keine Wissenschaft. Es gibt zahlreiche Erkl�rungen f�r diese Pfeile und die zuf�llige Aufnahme und Abgabe��</p><p>�Nicht zuf�llig�, sagte Quara.</p><p>�Nichts davon ist Sprache�, sagte Grego.</p><p>Ender ignorierte den Streit, da Jane ihm durch den Empf�nger in seinem Ohr etwas zufl�sterte. Sie sprach jetzt seltener zu ihm als in den vergangenen Jahren. Er lauschte aufmerksam und nahm nichts als gegeben hin. �Sie ist einer wichtigen Sache auf der Spur�, sagte Jane. �Ich habe mir ihre Forschungen angesehen, und dort geht etwas vor, was mit keinem anderen subzellularen Gesch�pf geschieht. Ich habe die Daten verschiedenen Analysen unterzogen, und je mehr ich simuliere und dieses besondere Verhalten der Descolada teste, desto weniger sieht es nach einer genetischen Kodierung und um so mehr nach einer Sprache aus. Im Augenblick k�nnen wir die M�glichkeit, da� es sich um eine freiwillige Informationsaufnahme handelt, nicht ausschlie�en.�</p><p>Als Ender seine Aufmerksamkeit wieder dem Streit zuwandte, f�hrte Grego gerade das Wort. �Warum m�ssen wir alles, was wir uns noch nicht erkl�ren k�nnen, als eine Art mystische Erfahrung darstellen?� Grego schlo� die Augen und fuhr �bertrieben pathetisch fort: �Ich habe neues Leben gefunden! Ich habe neues Leben gefunden!�</p><p>�H�r auf!� rief Quara.</p><p>�Das Gespr�ch ger�t uns aus der Hand�, sagte Novinha. �Grego, versuche, deine �u�erungen auf der Ebene einer rationalen Diskussion zu halten.�</p><p>�Das ist schwer, wenn die ganze Sache so irrational ist. Ate agora quem ja imaginou microbiologista que se torna namorada de uma molecula?� Wer hat je von einer Mikrobiologin geh�rt, die sich in ein Molek�l verknallt?</p><p>�Das reicht!� sagte Novinha scharf. �Quara ist genauso Wissenschaftlerin wie du, und��</p><p>�Sie war mal eine�, murmelte Grego.</p><p>�Und � wenn du mich freundlicherweise ausreden lassen w�rdest � sie hat ein Recht darauf, geh�rt zu werden.� Novinha war jetzt ziemlich w�tend, doch wie �blich wirkte Grego keineswegs beeindruckt. �Du solltest mittlerweile wissen, Grego, da� es oft die Ideen sind, die zuerst am absurdesten sind und gegen jede Intuition zu versto�en scheinen, die dann sp�ter fundamentale Ver�nderungen in der Art und Weise bewirken, wie wir die Welt sehen.�</p><p>�Haltet ihr das wirklich f�r eine dieser grundlegenden Entdeckungen?� fragte Grego und musterte sie einen nach dem anderen. �Ein sprechender Virus? Se Quara sabe tanto, porque ela nao diz o que e que aqueles bichos dizem?� Warum sagt sie uns nicht, was diese kleinen Tierchen sagen, wenn sie doch soviel dar�ber wei�? Es war ein Zeichen, da� die Diskussion aus der Hand geriet, da� er ins Portugiesische fiel, anstatt Stark zu sprechen, die Sprache der Wissenschaft � und der Diplomatie.</p><p>�Spielt das eine Rolle?� fragte Ender.</p><p>�Eine Rolle!� sagte Quara.</p><p>Ela betrachtete Ender konsterniert. �Es geht nur um den Unterschied, eine gef�hrliche Krankheit zu kurieren und eine ganze vernunftbegabte Spezies zu vernichten. Ich glaube, es spielt eine Rolle.�</p><p>�Ich meinte�, sagte Ender geduldig, �spielt es eine Rolle, ob wir wissen, was sie sagen?�</p><p>�Nein�, sagte Quara. �Wir werden ihre Sprache wahrscheinlich niemals verstehen, aber das �ndert nichts an der Tatsache, da� sie ein Bewu�tsein haben. Was sollten sich Viren und Menschen �berhaupt zu sagen haben?�</p><p>�Wie w�re es mit: �Bitte h�rt auf, uns zu t�ten?�� sagte Grego. �Es w�re vielleicht ganz n�tzlich, wenn du herausf�ndest, wie du das in der Virensprache sagen kannst.�</p><p>�Aber Grego�, sagte Quara mit sp�ttischer Freundlichkeit, �sagen wir das zu ihnen, oder sagen sie das zu uns?�</p><p>�Wir m�ssen uns nicht heute entscheiden�, sagte Ender. �Wir k�nnen es uns leisten, noch eine Weile zu warten.�</p><p>�Woher willst du das wissen?� fragte Grego. �Woher willst du wissen, da� wir morgen nachmittag nicht alle aufwachen, und es zerrt und juckt und schmerzt, und wir verbrennen vor Fieber und sterben schlie�lich, weil der Descolada-Virus �ber Nacht herausgefunden hat, wie er uns ein f�r alle Mal ausmerzen kann? Es hei�t wir oder sie.�</p><p>�Ich glaube, Grego hat uns gerade gezeigt, warum wir warten <emphasis>m�ssen�, </emphasis>sagte Ender. �Habt ihr geh�rt, wie er von der Descolada gesprochen hat? Sie <emphasis>findet heraus, </emphasis>wie sie uns ausmerzen kann. Sogar er ist der Ansicht, da� die Descolada einen Willen hat und Entscheidungen trifft.�</p><p>�Das war nur so eine Redensart�, sagte Grego.</p><p>�Wir alle sprechen so�, sagte Ender. �Und denken auch so. Weil wir alle f�hlen, da� wir mit der Descolada im Krieg liegen. Das ist mehr, als nur eine Krankheit zu bek�mpfen � es ist, als ob wir einen intelligenten, einfallsreichen Feind haben, der all unsere Schachz�ge im voraus neutralisiert. In der gesamten Geschichte der medizinischen Forschung hat noch nie jemand gegen eine Krankheit gek�mpft, die so viele M�glichkeiten hatte, die gegen sie eingesetzten Strategien auszuschalten.�</p><p>�Nur, weil noch nie jemand gegen einen Krankheitserreger mit einem so �bergro�en und komplexen genetischen Molek�l gek�mpft hat�, sagte Grego.</p><p>�Genau�, sagte Ender. �Es handelt sich um einen einzigartigen Virus, und demzufolge k�nnte er F�higkeiten haben, die wir uns bei einer Spezies von geringerer Komplexit�t als ein Wirbeltier nie vorgestellt haben.�</p><p>Einen Augenblick lang hingen Enders Worte in der Luft und wurden von Schweigen beantwortet; einen Augenblick lang glaubte Ender, in dieser Runde doch noch eine n�tzliche Funktion wahrgenommen, nur durch Worte eine gewisse �bereinstimmung erzielt zu haben.</p><p>Grego nahm ihm diese Hoffnung schnell wieder. �Selbst wenn Quara hundertprozentig recht h�tte und alle Descolada-Viren Philosophieprofessoren w�ren und st�ndig Dissertationen ver�ffentlichten, wie man den Menschen �bel mitspielen kann, bis sie tot sind� was dann? Werfen wir uns alle auf die Erde und strecken alle viere von uns, nur weil der Virus, der uns t�ten will, so verdammt klug ist?�</p><p>�Ich glaube, Quara und Ela sollten ihre Forschungen fortsetzen�, antwortete Novinha ruhig. �Und wir sollten ihnen mehr Mittel zur Verf�gung stellen.�</p><p>Diesmal hatte Quara einen Einwand. �Warum sollte ich mir die M�he machen, sie zu verstehen versuchen, wenn ihr anderen noch daran arbeitet, sie zu t�ten?�</p><p>�Das ist eine gute Frage, Quara�, sagte Novinha. �Andererseits� warum solltest du dich bem�hen, sie zu verstehen, wenn sie pl�tzlich einen Weg finden, an all unseren chemischen Barrieren vorbeizukommen und uns alle zu t�ten?�</p><p>�Wir oder sie�, murmelte Grego.</p><p>Ender wu�te, da� Novinha eine gute Entscheidung getroffen hatte � sie betrieben beide Forschungslinien weiter und w�rden sp�ter einen Entschlu� fassen, wenn sie mehr wu�ten. Quara und Grego begriffen beide nicht, worauf es ankam, gingen beide davon aus, alles hinge davon ab, ob die Descolada ein Bewu�tsein habe oder nicht. �Selbst wenn sie ein Bewu�tsein haben�, sagte Ender, �bedeutet das nicht, da� sie unantastbar sind. Es h�ngt alles davon ab, ob sie Ram�nner oder Varelse sind. Wenn sie Ram�nner sind � wenn wir sie und sie uns so gut verstehen k�nnen, da� wir eine M�glichkeit zu einer Koexistenz finden, sch�n und gut. Wir werden gerettet, sie werden gerettet.�</p><p>�Der gro�e Friedensschaffer hat vor, einen Vertrag mit einem Molek�l zu schlie�en?� fragte Grego.</p><p>Ender ignorierte seinen sp�ttischen Tonfall. �Wenn sie jedoch versuchen, uns zu vernichten, und wir keine M�glichkeit finden, mit ihnen zu kommunizieren, dann sind sie Varelse � vernunftbegabte Au�erirdische, aber unvers�hnlich feindselig und gef�hrlich. Varelse sind Au�erirdische, mit denen wir nicht leben k�nnen. Varelse sind Au�erirdische, mit denen wir uns nat�rlich und permanent auf einen Krieg bis zum Tod verstricken, und dann besteht unsere einzige moralische Wahl darin, alles zu tun, was n�tig ist, um zu gewinnen.�</p><p>�Genau�, sagte Grego.</p><p>Trotz des triumphalen Tonfalls ihres Bruders hatte Quara genau auf Enders Worte geachtet und sie abgewogen. Nun nickte sie z�gernd. �Solange wir nicht von der Voraussetzung ausgehen, da� sie Varelse sind�, sagte sie.</p><p>�Und selbst dann gibt es vielleicht noch einen Mittelweg�, sagte Ender. �Vielleicht kann Ela eine M�glichkeit finden, alle Descolada-Viren zu ersetzen, ohne dieses Ged�chtnis- und Sprach-Ph�nomen zu zerst�ren.�</p><p>�Nein!� sagte Quara wieder heftiger. �Das k�nnt ihr nicht � ihr habt nicht einmal das <emphasis>Recht, </emphasis>ihnen ihre Erinnerung zu belassen und ihre Anpassungsf�higkeit zu nehmen. Das w�re dasselbe, als w�rden sie uns allen eine Frontallobotomie verpassen. Wenn es Krieg ist, ist es Krieg. T�tet sie, aber la�t ihnen nicht ihre Erinnerung, w�hrend ihr ihren Willen raubt.�</p><p>�Es spielt keine Rolle�, sagte Ela. �Es ist unm�glich. Ich glaube, ich habe mir eine unl�sbare Aufgabe gestellt. Es ist nicht einfach, an der Descolada zu arbeiten. Keineswegs so, als w�rde man ein Tier untersuchen und operieren. Wie soll ich das Molek�l bet�uben, damit es sich nicht selbst heilt, w�hrend ich noch mitten in der Operation bin? Vielleicht versteht die Descolada nicht viel von Physik, aber in der Molekularchirurgie ist sie verdammt besser als ich.�</p><p>�Bis jetzt�, sagte Ender.</p><p>�Bis jetzt wissen wir gar nichts�, sagte Grego. �Bis auf die Tatsache, da� die Descolada alles daransetzt, uns alle zu t�ten, w�hrend wir noch immer herauszufinden versuchen, ob wir zur�ckschlagen sollen oder nicht. Ich werde noch eine Weile stillhalten, aber nicht f�r immer.�</p><p>�Was ist mit den Schweinchen?� fragte Quara. �Haben sie nicht das Recht, mitzubestimmen, ob wir das Molek�l verwandeln, das es ihnen nicht nur erm�glicht, sich fortzupflanzen, sondern das sie wahrscheinlich �berhaupt erst als vernunftbegabte Spezies geschaffen hat?�</p><p>�Dieses Ding versucht, uns zu t�ten�, sagte Ender. �Solange die von Ela entwickelte L�sung den Virus ausmerzen kann, ohne den Fortpflanzungszyklus der Schweinchen zu st�ren, haben sie zu einem Einspruch wohl kein Recht.�</p><p>�Vielleicht sind sie da anderer Meinung.�</p><p>�Dann w�re es vielleicht besser, wenn sie nicht herausf�nden, was wir vorhaben.�</p><p>�Wir erz�hlen den Leuten � Mensch oder Pequenino � gar nichts �ber die Forschungen, die wir hier betreiben�, sagte Novinha scharf. �Das k�nnte schreckliche Mi�verst�ndnisse verursachen, die zu Gewalt und Tod f�hren k�nnten.�</p><p>�Also sind wir Menschen die Richter �ber alle anderen Gesch�pfe�, sagte Quara.</p><p>�Nein, Quara. Wir <emphasis>Wissenschaftler </emphasis>sammeln Informationen�, sagte Novinha. �Und bis wir genug Informationen gesammelt haben, kann niemand �ber irgend etwas richten. Also gilt das Gebot der Geheimhaltung f�r alle hier. Sowohl f�r Quara als auch f�r Grego. Ihr sprecht mit niemandem dar�ber, bis ich es sage, und ich werde es erst sagen, wenn wir mehr wissen.�</p><p>�Bis <emphasis>du </emphasis>es sagst�, fragte Grego unversch�mt, �oder bis der Sprecher f�r die Toten es sagt?�</p><p>�Ich bin die Chefxenobiologin�, sagte Novinha. �Die Entscheidung dar�ber, wann wir genug wissen, obliegt mir allein. Ist das klar?�</p><p>Sie wartete, bis alle ihr zugestimmt hatten, dann erhob sie sich. Die Versammlung war beendet. Quara und Grego gingen fast sofort; Novinha gab Ender einen Ku� auf die Wange und dr�ngte ihn und Ela dann aus ihrem B�ro.</p><p>Ender blieb noch im Labor, um mit Ela zu sprechen. �Gibt es eine M�glichkeit, deinen Ersatzvirus in der gesamten Population jeder einheimischen Rasse auf Lusitania zu verbreiten?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Ela. �Das gr��ere Problem ist sowieso, ihn so schnell in jede Zelle eines Organismus zu bekommen, da� die Descolada sich nicht anpassen oder entkommen kann. Ich werde eine Art Tr�gervirus erschaffen m�ssen, und den mu� ich wahrscheinlich teilweise nach der Descolada selbst formen � die Descolada ist der einzige Parasit, der so schnell und gr�ndlich in einen Gastk�rper eindringt, wie es auch der Tr�gervirus tun mu�. Die reinste Ironie � ich lerne, die Descolada zu ersetzen, indem ich die n�tigen Techniken von dem Virus selbst stehle.�</p><p>�Das ist keine Ironie�, sagte Ender. �So funktioniert die Welt nun einmal. Jemand hat einmal gesagt, der einzige Lehrer, der wirklich etwas wert sei, sei ein Feind.�</p><p>�Dann m�ssen sich Quara und Grego ja gegenseitig viel beibringen�, sagte Ela.</p><p>�Ihr Streit ist nur n�tzlich. Er zwingt uns, jeden Aspekt unseres Vorgehens abzuw�gen.�</p><p>�Er ist nicht mehr n�tzlich, sobald einer von ihnen das Thema au�erhalb der Familie zur Sprache bringt.�</p><p><emphasis>�Diese </emphasis>Familie plaudert ihre Angelegenheiten nicht vor Fremden aus. Gerade ich m��te das doch wissen.�</p><p>�Ganz im Gegenteil, Ender. Gerade du m��test wissen, wie schnell wir bereit sind, uns einem Fremden anzuvertrauen � wenn wir glauben, unsere Not sei gro� genug, um es zu rechtfertigen.�</p><p>Ender mu�te eingestehen, da� sie recht hatte. Quara und Grego, Miro und Quim und Olhado dazu zu bringen, ihm so weit zu vertrauen, da� sie mit ihm sprachen � das war nicht einfach gewesen, als Ender gerade auf Lusitania eingetroffen war. Doch Ela hatte von Anfang an mit ihm gesprochen, und Novinhas andere Kinder und Novinha selbst schlie�lich auch. Die Familie war sehr loyal, doch sie waren auch willensstark und hatten alle eine eigene Meinung, und es gab nicht einen unter ihnen, der sein eigenes Urteil nicht �ber das aller anderen setzte. Beide, Grego und Quara, konnten durchaus zum Schlu� kommen, es gesch�he nur zu Lusitanias Bestem oder zu dem der Menschheit oder der Wissenschaft, sich einem anderen anzuvertrauen, und das Geheimhaltungsgebot war dahin. Genau wie die Regel, keinen Kontakt zu den Schweinchen aufzunehmen, gebrochen worden war, noch bevor Ender hier eingetroffen war.</p><p>Wie nett, dachte Ender. Eine weitere m�gliche Quelle f�r eine Katastrophe, die v�llig au�erhalb meiner Kontrolle steht.</p><p>Als Ender das Labor verlie�, w�nschte er sich, wie schon so oft zuvor, Valentine sei hier. Sie vermochte es, ein ethisches Dilemma aufzul�sen. Sie w�rde bald hier sein � aber noch rechtzeitig? Ender verstand die Standpunkte, die sowohl Quara als auch Grego vertraten, und stimmte gr��tenteils mit beiden �berein. Am meisten st�rte ihn die Notwendigkeit, das Problem geheimzuhalten; das verhinderte, mit den Pequeninos, nicht einmal mit Mensch selbst, �ber eine Entscheidung sprechen zu k�nnen, die sie genauso betraf wie jeden Kolonisten von der Erde. Und doch hatte Novinha recht. Die Sache jetzt �ffentlich zu besprechen, bevor sie �berhaupt wu�ten, was m�glich war � das w�rde bestenfalls zu Verwirrung f�hren, schlimmstenfalls zu Anarchie und Blutvergie�en. Die Pequeninos waren jetzt friedlich, doch die Geschichte der Spezies war blutig.</p><p>Als Ender aus dem Tor trat, um auf die Experimentalfelder zur�ckzukehren, sah er, da� Quara neben dem Vaterbaum Mensch stand, die St�cke in der Hand und in ein Gespr�ch vertieft. Sie hatte nicht gegen den Stamm geschlagen, oder Ender h�tte es geh�rt. Also wollte sie sich ungest�rt unterhalten. Das war in Ordnung. Ender w�rde einen Umweg machen, damit er ihr nicht so nahe kam, da� er mith�ren konnte.</p><p>Doch als sie sah, da� Ender in ihre Richtung schaute, beendete Quara augenblicklich ihr Gespr�ch mit Mensch und ging schnellen Schrittes den Pfad zum Tor entlang. Nat�rlich kam sie dabei direkt an Ender vorbei.</p><p>�Verr�tst du Geheimnisse?� fragte Ender. Er hatte seine Bemerkung als blo�e H�nselei gemeint. Erst als die Worte �ber seine Lippen gekommen waren und Quara solch einen verstohlenen Gesichtsausdruck aufsetzte, begriff Ender, was f�r ein Geheimnis Quara vielleicht verraten hatte. Und ihre Worte best�tigten seinen Verdacht.</p><p>�Mutters Vorstellung von Fairne� ist nicht immer die meine�, sagte Quara. �Und deine �brigens auch nicht.�</p><p>Er hatte gewu�t, da� sie es <emphasis>vielleicht </emphasis>tun w�rde, aber niemals geglaubt, da� sie es so schnell tun w�rde, nachdem sie versprochen hatte, es nicht zu tun. �Aber ist Fairne� nicht immer die wichtigste Erw�gung?� fragte Ender.</p><p>�F�r mich ja�, sagte Quara.</p><p>Sie versuchte, sich umzudrehen und durch das Tor zu gehen, doch Ender hielt sie am Arm fest.</p><p>�La� mich los.�</p><p>�Es Mensch zu verraten ist eine Sache�, sagte Ender. �Er ist sehr weise. Doch verrate es keinem sonst. Einige Pequeninos, einige M�nnchen, k�nnen ziemlich aggressiv werden, wenn sie glauben, sie h�tten einen Grund dazu.�</p><p>�Sie sind nicht einfach M�nnchen�, sagte Quara. �Sie nennen sich Gatten. Vielleicht sollten wir sie M�nner nennen.� Sie bedachte Ender mit einem triumphierenden L�cheln. �Du bist nicht halb so aufgeschlossen, wie du gern glaubst.� Dann st�rmte sie an ihm vorbei und ging durch das Tor in die Stadt.</p><p>Ender ging zu Mensch weiter und blieb vor ihm stehen. �Was hat sie dir gesagt, Mensch? Hat sie dir gesagt, da� ich eher sterben w�rde, bevor ich zulie�e, da� jemand die Descolada ausmerzt, wenn dadurch dir und deinem Volk Schaden zugef�gt w�rde?�</p><p>Nat�rlich hatte Mensch keine umgehende Antwort f�r ihn, denn Ender hatte nicht die Absicht, mit den Sprechst�cken auf seinen Stamm zu schlagen; in diesem Fall w�rden die m�nnlichen Pequeninos es h�ren und angelaufen kommen. Es gab kein privates Gespr�ch zwischen Pequeninos und Vaterb�umen. Wenn ein Vaterbaum Zur�ckgezogenheit w�nschte, konnte er immer stumm mit den anderen Vaterb�umen sprechen � sie kommunizierten miteinander von Geist zu Geist, wie die Schwarmk�nigin mit den Krabblern sprach, die ihr als Ohren, Augen, H�nde und F��e dienten. W�re ich doch nur Teil <emphasis>dieses </emphasis>Kommunikationsnetzwerks, dachte Ender. Augenblickliche Sprache, die aus reinen Gedanken bestand und �berall ins Universum ausgestrahlt wurde.</p><p>Doch er mu�te etwas sagen, um dem entgegenzuwirken, was Quara wahrscheinlich gesagt hatte. �Mensch, wir tun alles, was wir k�nnen, um sowohl die Menschen als auch die Pequeninos zu retten. Wir versuchen sogar, den Descolada-Virus zu retten, falls es m�glich ist. Ela und Novinha sind auf ihren Fachgebieten sehr gut. Grego und Quara �brigens auch. Aber bitte, vertraue uns f�r den Augenblick und sage den anderen nichts. Bitte. Wenn Menschen und Pequeninos begreifen sollten, in welcher Gefahr wir uns befinden, bevor wir bereit sind, Schritte zu unternehmen, zu sie bannen, w�ren die Auswirkungen gewaltt�tig und schrecklich.�</p><p>Sonst gab es nichts zu sagen. Ender kehrte zu den Experimentalfeldern zur�ck. Vor Anbruch der Nacht waren er und Pflanzer mit den Messungen fertig; danach brannten sie das ganze Feld ab. Innerhalb der Aufl�sungsbarriere konnte kein gr��eres Molek�l �berleben. Sie hatten alles getan, was in ihrer Macht stand, um sicherzustellen, da� die Descolada vergessen w�rde, was auch immer sie von diesem Feld gelernt hatte.</p><p>Doch weder die Menschen noch die Pequeninos waren jemals imstande, die Viren loszuwerden, die sie in ihren eigenen Zellen trugen. Was, wenn Quara recht hatte? Was, wenn die Descolada innerhalb der Barriere vor ihrem Tod den Viren, die Pflanzer und Ender in sich trugen, �verraten� konnte, was sie von dieser neuen Kartoffelz�chtung gelernt hatte? Wenn sie Mitteilungen �ber die Verteidigungsma�nahmen machen konnte, die Ela und Novinha einzubauen versucht hatten? �ber die Methoden, die dieser Virus entdeckt hatte, um ihre Taktik zunichte zu machen?</p><p>Wie konnte Ender, wie konnte irgendeiner von ihnen hoffen, am Ende den Sieg davonzutragen, falls die Descolada wirklich intelligent war und eine Sprache hatte, um Informationen und Verhaltensma�regeln von einem Individuum an viele andere weiterzugeben? Auf lange Sicht war es durchaus m�glich, da� es sich bei der Descolada um die anpassungsf�higste Spezies �berhaupt handelte, um diejenige, die am besten geeignet war, Welten zu unterwerfen und Rivalen auszuschalten, die st�rker war als die Menschen oder Schweinchen oder Krabbler oder irgendein anderes lebendes Gesch�pf auf irgendeiner besiedelten Welt. Mit diesem Gedanken ging Ender an diesem Abend zu Bett, und dieser Gedanke besch�ftigte ihn noch, w�hrend er mit Novinha schlief, so da� sie den Drang versp�rte, ihn zu tr�sten, als sei er es und nicht sie, auf dessen Schultern die Last einer ganzen Welt lag. Er wollte sich entschuldigen, sah aber schnell ein, da� es vergeblich war. Warum sollte er ihre Sorgen vergr��ern, indem er ihr von seinen eigenen berichtete?</p><empty-line/><p>Mensch lauschte Enders Worten, doch er konnte mit dem, was Ender von ihm erbat, nicht einverstanden sein. Schweigen? Nicht, wenn die Menschen neue Viren erschufen, die den Lebenszyklus der Pequeninos vielleicht ver�nderten. Oh, Mensch w�rde den unreifen M�nnchen und Weibchen nichts sagen. Doch er konnte � und w�rde � es allen anderen Vaterb�umen auf ganz Lusitania verraten. Sie hatten das Recht zu wissen, was vor sich ging, und konnten dann gemeinsam beschlie�en, was zu unternehmen war.</p><p>Vor Anbruch der Nacht wu�te jeder Vaterbaum in jedem Wald alles, was Mensch wu�te: von den Pl�nen der Menschen und seiner Einsch�tzung, wie weit man ihnen vertrauen konnte. Die meisten pflichteten ihm bei � wir werden die Menschen f�r den Augenblick gew�hren lassen. Doch wir werden sie sorgsam beobachten und uns auf eine Zeit vorbereiten, die vielleicht kommen wird, obwohl wir es nicht hoffen wollen, wenn die Menschen und Pequeninos gegeneinander in den Krieg ziehen. Wir k�nnen nicht k�mpfen und auf den Sieg hoffen � doch vielleicht k�nnen wir, bevor sie uns abschlachten, einen Weg finden, da� einigen von uns die Flucht gelingt.</p><p>Und so hatten sie noch vor Anbruch der Morgend�mmerung Pl�ne und Vorkehrungen mit der Schwarmk�nigin geschmiedet, der einzigen nichtmenschlichen Wesenheit auf Lusitania, der eine Hochtechnologie zur Verf�gung stand. Beim n�chsten Sonnenuntergang w�rde die Konstruktion eines Sternenschiffes, mit dem sie Lusitania verlassen konnten, bereits begonnen haben.</p></section><section><title><p id="_Toc119392796">Kapitel 7</p><p>Die geheime Magd</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Stimmt es, da� du in alten Zeiten, als du deine Sternenschiffe ausschicktest, um viele Welten zu besiedeln, immer miteinander sprechen konntest, als st�ndest du in demselben Wald?�</p><p>�Wir nehmen an, da� es f�r euch genauso sein wird. Wenn die neuen Vaterb�ume gewachsen sind, werden sie bei euch sein. Bei philotischen Verbindungen spielen Entfernungen keine Rolle.�</p><p>�Aber werden wir verbunden sein? Wir werden keine B�ume auf die Reise schicken. Nur Br�der, ein paar Frauen und einhundert kleine M�tter, die neue Generationen geb�ren werden. Die Reise wird mindestens Jahrzehnte dauern. Nach der Ankunft werden die besten Br�der ins dritte Leben weitergeschickt werden, doch es wird wenigstens ein Jahr dauern, bevor die ersten Vaterb�ume alt genug sind, um Kleine zu zeugen. Wie wird der erste Vater auf dieser neuen Welt wissen, wie er mit uns sprechen soll? Wie k�nnen wir ihn begr��en, wenn wir nicht wissen, wo er ist?�</p><empty-line/><p>Schwei� rann Qing-jaos Gesicht herab. Die Tropfen flossen zur Nasenspitze hinab. Von dort tropfte der Schwei� in das schlammige Wasser des Reisfeldes oder auf die neuen Reispflanzen, die sich nur knapp �ber die Wasserfl�che erhoben.</p><p>�Warum wischt Ihr nicht Euer Gesicht ab, Heilige?� Qing-jao blickte auf, um zu sehen, wer ihr nahe genug war, um mit ihr zu sprechen. Normalerweise hielten sich die anderen bei ihrer Schicht nicht in ihrer N�he auf � es machte sie zu nerv�s, mit einer Gottber�hrten zusammen zu sein.</p><p>Es war ein M�dchen, j�nger als Qing-jao, vielleicht vierzehn Jahre alt, mit knabenhaftem K�rper und sehr kurz geschnittenem Haar. Es betrachtete Qing-jao mit freim�tiger Neugier. Es war eine Offenheit an ihr, ein v�lliger Mangel an Scheuheit, den Qing-jao seltsam und etwas unangenehm fand. Ihr erster Gedanke war, das M�dchen zu ignorieren.</p><p>Doch es w�re arrogant, es zu ignorieren. Genausogut k�nnte sie sagen: Weil die G�tter zu mir sprechen, mu� ich nicht antworten, wenn man mich etwas fragt. Niemand w�rde auch nur vermuten, da� sie einzig und allein nicht antwortete, weil die unm�gliche Aufgabe, die der gro�e Han Fei-tzu ihr gestellt hatte, sie so sehr besch�ftigte, da� es fast schmerzhaft war, an etwas anderes zu denken.</p><p>Sie antwortete � aber mit einer Frage. �Warum sollte ich mir das Gesicht abwischen?�</p><p>�Kitzelt es nicht? Der herabtropfende Schwei�? Dringt er nicht in Eure Augen und bei�t?�</p><p>Qing-jao senkte das Gesicht, um einen Augenblick lang weiterzuarbeiten. Es kitzelte wirklich, und der Schwei� brannte in ihren Augen. In der Tat war es ziemlich unangenehm und �rgerlich. Vorsichtig richtete sich Qing-jao auf � und nun bemerkte sie den Schmerz in ihrem R�cken. �Ja�, sagte sie zu dem M�dchen. �Es kitzelt und brennt.�</p><p>�Dann wischt ihn ab�, sagte das M�dchen. �Mit Eurem �rmel.�</p><p>Qing-jao betrachtete ihren �rmel. Er war bereits na� von dem Schwei� ihrer Arme. �Hilft es, wenn ich das Gesicht abwische?� fragte sie.</p><p>Nun war es an dem M�dchen, etwas herauszufinden, woran es nicht gedacht hatte. Einen Augenblick lang schaute es nachdenklich drein; dann wischte es ihre Stirn mit dem �rmel ab.</p><p>Es grinste. �Nein, Heilige. Es hilft nicht.�</p><p>Qing-jao nickte ernst und b�ckte sich wieder zu ihrer Arbeit hinab. Doch nun st�rte sie das Kitzeln des Schwei�es, das Brennen in den Augen, der Schmerz im R�cken. Ihr Unbehagen lenkte sie von ihren Gedanken ab. Das M�dchen hatte ihr Elend vergr��ert, indem es darauf hingewiesen hatte � und Qing-jao ironischerweise, indem es sie auf das Elend ihres K�rpers aufmerksam machte, von dem H�mmern der Fragen in ihrem Geist befreit.</p><p>Qing-jao begann zu lachen.</p><p>�Lacht Ihr �ber mich, Heilige?� fragte das M�dchen.</p><p>�Ich danke dir auf meine Art�, sagte Qing-jao. �Du hast eine gro�e Last von meinem Herzen genommen, wenn auch nur einen Augenblick lang.�</p><p>�Ihr lacht �ber mich, weil ich Euch gesagt habe, Ihr sollt Eure Stirn abwischen, obwohl es gar nicht hilft.�</p><p>�Nein, deshalb lache ich nicht�, sagte Qing-jao. Sie richtete sich erneut auf und sah dem M�dchen in die Augen. �Ich l�ge nicht.�</p><p>Das M�dchen wirkte besch�mt � aber l�ngst nicht so besch�mt, wie es h�tte der Fall sein sollen. Wenn die Gottber�hrten einen Tonfall anschlugen wie Qing-jao gerade, verbeugten sich die anderen augenblicklich und zeigten Respekt. Doch dieses M�dchen h�rte nur zu, sch�tzte Qing-jaos Worte ab und nickte dann.</p><p>F�r Qing-jao gab es nur eine Schlu�folgerung. �Sprechen die G�tter auch zu dir?� fragte sie.</p><p>Das M�dchen ri� die Augen auf. �Zu mir?� fragte es. �Meine Eltern sind beide sehr niedrige Menschen. Mein Vater schaufelt auf den Feldern D�nger, und meine Mutter sp�lt in einem Restaurant.�</p><p>Das war nat�rlich keine Antwort. Obwohl die G�tter am h�ufigsten die Kinder derer ausw�hlten, zu denen sie sprachen, war es auch schon vorgekommen, da� sie zu einigen gesprochen hatten, deren Eltern die Stimme der G�tter nie geh�rt hatten. Doch im allgemeinen nahm man an, da� die G�tter kein Interesse an einem hatten, wenn die Eltern aus einer sehr niedrigen Schicht stammten, und in der Tat geschah es nur selten, da� die G�tter zu jenen sprachen, deren Eltern nicht gebildet waren.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte Qing-jao.</p><p>�Si Wang-mu�, sagte das M�dchen.</p><p>Qing-jao schnappte �berrascht nach Luft und hielt dann die Hand vor den Mund, um nicht laut aufzulachen. Doch Wang-mu wirkte nicht w�tend � sie verzog nur das Gesicht und schaute ungeduldig drein.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Qing-jao, als sie wieder sprechen konnte. �Aber das ist der Name der��</p><p>�Der K�niglichen Mutter des Westens�, sagte Wang-mu. �Kann ich etwas daf�r, da� meine Eltern diesen Namen f�r mich ausgesucht haben?�</p><p>�Es ist ein edler Name�, sagte Qing-jao. �Meine Vorfahrin-des-Herzens war eine gro�e Frau, aber sie war nur eine Sterbliche, eine Dichterin. Die deine ist eine der �ltesten G�ttinnen.�</p><p>�Was nutzt mir das?� fragte Wang-mu. �Es war anma�end von meinen Eltern, mich nach solch einer ehrw�rdigen G�ttin zu nennen. Deshalb werden die G�tter nie mit mir sprechen.�</p><p>Es machte Qing-jao traurig, Wang-mu mit solcher Verbitterung sprechen zu h�ren. H�tte sie nur gewu�t, wie bereitwillig Qing-jao mit ihr getauscht h�tte! Von der Stimme der G�tter frei zu sein! Niemals niederknien und die Linien auf dem Holz verfolgen, niemals die H�nde waschen zu m�ssen, au�er, sie waren wirklich schmutzig�</p><p>Doch das konnte Qing-jao dem M�dchen nicht erkl�ren. Wie sollte sie es verstehen? F�r Wang-mu geh�rten die Gottber�hrten der privilegierten Elite an, waren unendlich klug und unnahbar. Es w�rde wie eine L�ge klingen, wenn Qing-jao ihr erkl�rte, da� die B�rden der Gottber�hrten viel gr��er waren als die Entlohnungen.</p><p>Doch f�r Wang-mu war die Gottber�hrte <emphasis>nicht </emphasis>unnahbar gewesen � sie hatte mit Qing-jao gesprochen. Also entschlo� sich Qing-jao, das zu sagen, was sie tief im Herzen empfand. �Si Wang-mu, ich w�re gern f�r den Rest meines Lebens blind, k�nnte ich nur von den Stimmen der G�tter frei sein.�</p><p>Wang-mu ri� entsetzt den Mund und die Augen auf.</p><p>Es war ein Fehler gewesen, so zu sprechen. Qing-jao bedauerte es augenblicklich. �Es war nur ein Scherz�, sagte sie.</p><p>�Nein�, sagte Wang-mu. �Jetzt l�gt Ihr. Dann habt Ihr also die Wahrheit gesagt.� Sie kam n�her, stampfte achtlos durch den Schlamm und zertrampelte dabei Reispflanzen. �Mein ganzes Leben lang habe ich gesehen, wie die Gottber�hrten in ihren S�nften zum Tempel getragen werden, wie sie bunte Seide tragen, wie sich alle Menschen vor ihnen verbeugen, wie ihnen alle Computer offenstehen. Wenn sie sprechen, sind ihre Worte Musik. Wer w�re nicht gern so eine?�</p><p>Qing-jao konnte nicht offen antworten, konnte nicht sagen: Die G�tter erniedrigen mich jeden Tag, zwingen mich, dumme, bedeutungslose Dinge zu tun, um mich zu reinigen, und am n�chsten Tag f�ngt alles von vorn an. �Du wirst mir nicht glauben, Wang-mu, doch dieses Leben hier in den Feldern ist besser.�</p><p>�Nein!� rief Wang-mu. �Euch wurde alles beigebracht. Ihr wi�t alles, was es zu wissen gibt! Ihr sprecht viele Sprachen, Ihr k�nnt alle Worte lesen, Ihr k�nnt Gedanken denken, die so weit �ber den meinen stehen, wie meine �ber denen einer Schnecke.�</p><p>�Du sprichst sehr klar und gut�, sagte Qing-jao. �Du mu�t eine Schule besucht haben.�</p><p>�Eine Schule!� sagte Wang-mu ver�chtlich. �Was k�mmern sie schon Schulen f�r Kinder wie mich? Wir lernen zu lesen, aber nur so viel, um sp�ter Gebete und Stra�enschilder lesen zu k�nnen. Wir lernen zu z�hlen, aber nur genug, um sp�ter einkaufen gehen zu k�nnen. Wir pr�gen uns die Spr�che der Weisen an, aber nur diejenigen, die uns lehren, mit unserem Platz im Leben zufrieden zu sein und jenen zu gehorchen, die kl�ger sind als wir.�</p><p>Qing-jao hatte nicht gewu�t, da� Schulen so sein konnten. Sie dachte, die Kinder lernten in den Schulen dasselbe, was sie von ihren Privatlehrern lernte. Doch sie sah sofort ein, da� Si Wang-mu die Wahrheit sagen mu�te � ein Lehrer mit drei�ig Sch�lern konnte nicht all die Dinge lehren, die Qing-jao als eine Sch�lerin bei vielen Lehrern gelernt hatte.</p><p>�Meine Eltern sind sehr niedrig�, sagte Wang-mu. �Warum sollten sie ihre Zeit damit verschwenden, mich mehr zu lehren, als eine Dienerin wissen mu�? Dann das ist meine h�chste Hoffnung im Leben, sehr sauber herausgeputzt und Dienerin im Haus eines reichen Mannes zu werden. Sie haben <emphasis>sehr </emphasis>sorgsam darauf geachtet, mir beizubringen, wie man einen Fu�boden schrubbt.�</p><p>Qing-jao dachte an die Stunden, die sie auf den Fu�b�den ihres Hauses verbracht hatte, um Holzmaserungen von einer Wand zur anderen nachzusp�ren. Es war ihr nie in den Sinn gekommen, wieviel Arbeit es f�r die Bediensteten bedeutete, die B�den so sauber und poliert zu halten, da� Qing-jaos Gew�nder trotz all ihrer Kriecherei niemals schmutzig wurden.</p><p>�Ich wei� auch etwas �ber B�den�, sagte Qing-jao.</p><p>�Ihr wi�t etwas von allem�, sagte Wang-mu verbittert. �Also sagt mir nicht, wie hart es ist, da� die G�tter zu einem sprechen. Die G�tter haben mir nie auch nur einen Gedanken gewidmet, und ich sage Euch, das ist schlimmer!�</p><p>�Warum hattest du keine Angst, mit mir zu sprechen?� fragte Qing-jao.</p><p>�Ich habe den Entschlu� gefa�t, vor nichts Angst zu haben. Was k�nntet Ihr mir antun, das schlimmer ist als das Leben, das ich jetzt schon f�hre?�</p><p>Ich k�nnte dich zwingen, dir jeden Tag deines Lebens die H�nde zu waschen, bis sie bluten.</p><p>Doch dann drehte sich etwas in Qing-jaos Verstand, und sie begriff, da� dieses M�dchen solch eine Strafe vielleicht nicht f�r schlimmer hielt. Vielleicht w�rde Wang-mu ihre H�nde bereitwillig waschen, bis nur noch blutige Haut an den St�mpfen der Gelenke von ihnen �brig war, wenn sie nur alles lernen konnte, was Qing-jao wu�te. Qing-jao hatte sich so bedr�ckt gef�hlt, weil die Aufgabe, die ihr Vater ihr gestellt hatte, einfach unm�glich war � und doch war es eine Aufgabe, deren Erf�llung oder Scheitern die Geschichte ver�ndern w�rde. Wang-mu w�rde ihr ganzes Leben leben und niemals eine einzige Aufgabe gestellt bekommen, die am n�chsten Tag nicht erneut erledigt werden mu�te; Wang-mus gesamtes Leben w�rde nur daraus bestehen, eine Arbeit zu tun, die man nur bemerkte, wenn sie sie schlecht erledigte. War die Arbeit eines Dienstboten letztendlich nicht so fruchtlos wie die Rituale der Reinigung?</p><p>�Das Leben einer Dienerin mu� hart sein�, sagte Qing-jao. �Ich bin um deinetwillen froh, da� du noch nicht eingestellt wurdest.�</p><p>�Meine Eltern warten in der Hoffnung, da� ich h�bsch sein werde, wenn ich eine Frau werde. Dann bekommen sie einen besseren Einstellungsbonus, wenn sie mich zum Dienst freigeben. Vielleicht will mich der Diener eines reichen Mannes zur Frau; vielleicht will mich eine reiche Dame als ihre geheime Magd.�</p><p>�Du bist bereits h�bsch�, sagte Qing-jao.</p><p>Wang-mu zuckte die Achseln. �Meine Freundin Fan-liu steht schon in Diensten, und sie sagt, da� die H��lichen schwerer arbeiten, aber von den M�nnern des Hauses in Ruhe gelassen werden. Die H��lichen sind frei, ihre eigenen Gedanken zu denken. Sie m�ssen keine netten Sachen zu ihren Damen sagen.�</p><p>Qing-jao dachte an die Dienstboten im Haus ihres Vaters. Sie wu�te, da� ihr Vater niemals eine Dienstmagd bel�stigen w�rde. Und zu ihr mu�te niemand nette Sachen sagen. �In meinem Haus ist es anders�, sagte sie.</p><p>�Aber ich diene nicht in Eurem Haus.�</p><p>Nun wurde ihr pl�tzlich alles klar. Wang-mu hatte sie nicht aus einer Laune heraus angesprochen, sondern in der Hoffnung, man w�rde ihr eine Stelle als Dienstmagd im Haus einer Gottber�hrten anbieten. Nach allem, was sie wu�te, galt der Klatsch in der Stadt zur Zeit fast ausschlie�lich der jungen Dame Han Qing-jao, zu der die G�tter sprachen und die mit ihren Lehrern fertig war und ihre erste Aufgabe als Erwachsene bekommen hatte � und da� sie noch immer weder einen Gatten noch eine geheime Magd hatte. Si Wang-mu hatte wahrscheinlich durch irgendwelche Tricks erreicht, derselben Gruppe rechtschaffener Arbeiter zugeteilt zu werden wie Qing-jao, um genau dieses Gespr�ch f�hren zu k�nnen.</p><p>Einen Augenblick lang war Qing-jao w�tend. Dann dachte sie: Warum sollte Wang-mu nicht genau das tun, was sie getan hat? Das schlimmste, was ihr passieren k�nnte, w�re, da� ich dahinterk�me, was sie vorhat, w�tend werde und sie nicht einstelle. Dann w�re sie nicht schlechter dran als zuvor. Und wenn ich nicht dahinterk�me, was sie vorhat, und sie tats�chlich mag und sie einstellte, w�re sie die geheime Magd einer gottber�hrten Dame. H�tte ich nicht dasselbe getan, w�re ich an ihrer Stelle?</p><p>�Glaubst du, du kannst mich hereinlegen?� fragte Qing-jao. �Glaubst du, ich w��te nicht, da� du mich dazu bringen willst, dich als meine Dienerin einzustellen?�</p><p>Wang-mu schaute verwirrt, w�tend, ver�ngstigt drein. Klugerweise schwieg sie jedoch.</p><p>�Warum gibst du mir keine w�tende Antwort?� fragte Qing-jao. �Warum streitest du nicht ab, nur mit mir gesprochen zu haben, damit ich dich einstelle?�</p><p>�Weil es stimmt�, sagte Wang-mu. �Ich lasse Euch jetzt allein.�</p><p>Das hatte Qing-jao zu h�ren gehofft � eine ehrliche Antwort. Sie hatte nicht die Absicht, Wang-mu gehen zu lassen. �Wieviel von dem, was du mir erz�hlt hast, ist wahr? Da� du eine gute Ausbildung willst? Da� du etwas besseres in deinem Leben tun willst als Dienstbotenarbeit?�</p><p>�Alles�, sagte Wang-mu, und es lag nachdr�ckliche Leidenschaft in ihrer Stimme. �Aber was bedeutet Euch das? Ihr tragt die schreckliche Last der Stimmen der G�tter.�</p><p>Wang-mu sprach den letzten Satz mit solch ver�chtlichem Sarkasmus, da� Qing-jao fast laut aufgelacht h�tte; doch sie hielt sich zur�ck. Es bestand kein Grund, Wang-mu noch w�tender zu machen, als sie es schon war. �Si Wang-mu, Tochter-im-Herzen der K�niglichen Mutter des Westens, ich werde dich als meine geheime Magd einstellen, aber nur, wenn du mit den folgenden Bedingungen einverstanden bist. Erstens, ich werde deine Lehrerin sein, und du wirst alle Lektionen lernen, die ich dir stelle. Zweitens, du wirst mich als Gleichberechtigte ansprechen und dich nie vor mir verbeugen oder mich �Heilige� nennen. Und drittens��</p><p>�Wie k�nnte ich das?� sagte Wang-mu. �Wenn ich Euch nicht mit Respekt behandle, werden die anderen sagen, ich sei unw�rdig. Sie w�rden mich bestrafen, wenn Ihr nicht hinseht. Es w�rde uns beide entehren.�</p><p>�Nat�rlich wirst du respektvoll sein, wenn andere uns sehen k�nnen�, sagte Qing-jao. �Doch wenn wir allein sind, nur du und ich, behandeln wir uns wie Gleichberechtigte, oder ich werde dich fortschicken. Dann hei�t es auch nicht �Ihr�, sondern �du�.�</p><p>�Und die dritte Bedingung?�</p><p>�Du wirst niemals einer Menschenseele ein Wort von dem verraten, was ich zu dir sage.�</p><p>Nun zeigte Wang-mus Gesicht offenen Zorn. �Eine geheime Magd verr�t nie etwas. In unseren K�pfen werden Barrieren errichtet.�</p><p>�Die Barrieren helfen dir, dich daran zu erinnern, nichts zu erz�hlen�, sagte Qing-jao. �Doch wenn du etwas erz�hlen <emphasis>willst, </emphasis>kannst du um sie herumkommen. Und es gibt andere, die dich zu �berreden versuchen werden, etwas zu verraten.� Qing-jao dachte an die Laufbahn ihres Vaters, an all die Geheimnisse des Kongresses, die sich in seinem Kopf befanden. Er erz�hlte niemandem davon; er hatte niemandem, mit dem er dar�ber sprechen konnte, abgesehen von Qing-jao mitunter. Sollte sich Wang-mu als vertrauensw�rdig erweisen, w�rde auch Qing-jao jemanden <emphasis>haben. </emphasis>Sie w�rde nie so einsam sein wie ihr Vater. �Hast du mich nicht verstanden?� fragte sie. �Die anderen werden glauben, ich h�tte dich als geheime Magd eingestellt. Aber du und ich, wir beide wissen, da� du in Wirklichkeit meine Sch�lerin bist, da� ich dich in Wirklichkeit zu mir geholt habe, damit du meine Freundin bist.�</p><p>Wang-mu betrachtete sie verwundert. �Warum solltest du das tun, wenn die G�tter dir doch schon gesagt haben, da� ich den Vormann bestochen habe, damit er mich deiner Gruppe einteilt und uns nicht unterbricht, w�hrend ich mit dir spreche?�</p><p>Die G�tter hatten ihr das nat�rlich nicht verraten, doch Qing-jao l�chelte nur. �Warum kommt es dir nicht in den Sinn, da� die G�tter vielleicht wollen, da� wir Freundinnen werden?�</p><p>Best�rzt schlug Wang-mu die H�nde zusammen und lachte nerv�s. Qing-jao nahm die H�nde des M�dchens in die ihren und stellte fest, da� Wang-mu zitterte. Sie war also nicht so k�hn, wie es den Anschein hatte.</p><p>Wang-mu sah auf ihre H�nde hinab, und Qing-jao folgte dem Blick. Sie waren mit Schmutz und Erde bedeckt, die jetzt eingetrocknet war, weil sie so lange herumgestanden waren und die H�nde nicht ins Wasser getaucht hatten. �Wir sind so schmutzig�, sagte Wang-mu.</p><p>Qing-jao hatte seit langem gelernt, einfach nicht mehr darauf zu achten, wie schmutzig sie bei der rechtschaffenen Arbeit wurde. �Meine H�nde waren schon viel schmutziger�, sagte Qing-jao. �Wenn wir mit der rechtschaffenen Arbeit fertig sind, kommst du mit mir. Ich werde meinem Vater von unserem Vorhaben erz�hlen, und er wird entscheiden, ob du meine geheime Magd sein kannst.�</p><p>Wang-mus Ausdruck wurde verdrossen. Qing-jao war froh, da� man so leicht von ihrem Gesicht lesen konnte. �Was ist los?� fragte sie.</p><p>�V�ter entscheiden immer alles�, sagte Wang-mu.</p><p>Qing-jao nickte und fragte sich, warum Wang-mu etwas so Offensichtliches �berhaupt sagte. �Das ist der Anfang der Weisheit�, meinte sie dann. �Au�erdem ist meine Mutter tot.�</p><empty-line/><p>Die rechtschaffene Arbeit endete immer am fr�hen Nachmittag; offiziell, damit diejenigen, die weit von den Feldern entfernt wohnten, vor Anbruch der Dunkelheit nach Hause zur�ckkehren konnten. In Wirklichkeit jedoch wurde damit der Brauch anerkannt, am Ende der rechtschaffenen Arbeit ein Fest zu feiern. Da viele Leute ihr Nachmittagsschl�fchen verpa�t hatten, waren sie nach der rechtschaffenen Arbeit aufgekratzt, als w�ren sie die ganze Nacht aufgeblieben. Andere f�hlten sich ersch�pft und m�de. Beides diente als Entschuldigung zu gemeinsamen Essen und Trinken mit Freunden, wonach man zu fr�her Stunde ins Bett fiel, um den verlorenen Schlaf und das harte Tagwerk auszugleichen.</p><p>Qing-jao geh�rte zu denen, die sich ersch�pft f�hlten; Wang-mu dagegen war offensichtlich aufgekratzt. Oder vielleicht lag es einfach nur daran, da� die Lusitania-Flotte Qing-jao Sorgen bereitete, w�hrend Wang-mu soeben als geheime Magd einer gottber�hrten Dame akzeptiert worden war. Qing-jao half Wang-mu bei der Prozedur, die n�tig war, wollte man sich im Hause Han um eine Anstellung bewerben � die Waschung, das Abnehmen der Fingerabdr�cke, die Sicherheits�berpr�fung �, bis sie schlie�lich Wang-mus Plappern keinen Augenblick l�nger mehr aushalten konnte und sich zur�ckzog.</p><p>Als sie die Treppe zu ihrem Zimmer hinaufging, h�rte sie, wie Wang-mu �ngstlich fragte: �Habe ich meine neue Herrin w�tend gemacht?� Und Ju Kung-mei, der H�ter des Hauses, antwortete: �Die Gottber�hrten antworten anderen Stimmen als der deinen, Kleine.� Es war eine freundliche Antwort. Qing-jao bewunderte oft den Sanftmut und die Weisheit derer, die ihr Vater in dieses Haus geholt hatte. Sie fragte sich, ob sie bei ihrer ersten Einstellung genauso klug gew�hlt hatte.</p><p>Kaum besch�ftigte sie sich mit dieser Frage, da wu�te sie auch schon, da� sie verderbt gehandelt hatte, solch eine Entscheidung so schnell zu treffen und ohne sich vorher mit ihrem Vater zu beraten. Wang-mu w�rde sich als hoffnungslos ungeeignet erweisen, und Vater w�rde sie, Qing-jao, tadeln, so t�richt gehandelt zu haben.</p><p>Der Gedanke an Vaters Zurechtweisung gen�gte, um den augenblicklichen Tadel der G�tter herbeizuf�hren. Qing-jao f�hlte sich unrein. Sie st�rmte auf ihr Zimmer und schlo� die T�r. Es war die reinste Ironie, da� sie immer und immer wieder denken konnte, wie verha�t ihr die Rituale waren, die die G�tter verlangte, wie leer ihre Verehrung war � doch ein einziger unloyaler Gedanke an Vater oder den Sternenwege-Kongre�, und sie mu�te augenblicklich Bu�e tun.</p><p>Normalerweise w�rde sie eine halbe, eine volle Stunde oder noch l�nger versuchen, dem Drang zur Bu�e zu widerstehen, ihre Unreinheit zu ertragen. Heute jedoch ersehnte sie das Ritual der Reinigung geradezu. Auf seine eigene Art hatte das Ritual Sinn, einen Anfang und ein Ende, Regeln, denen man folgen konnte. Ganz im Gegensatz zum Problem der Lusitania-Flotte.</p><p>Sie kniete nieder und w�hlte absichtlich die schmalste, schw�chste Linie in dem bleichesten Brett, das sie fand. Sie wollte eine harte Bu�e; vielleicht w�rden die G�tter sie dann f�r rein genug halten, um ihr die L�sung des Problems zu zeigen, das Vater ihr gestellt hatte. Sie brauchte eine halbe Stunde, um sich den Weg durch das Zimmer zu bahnen, denn sie verlor die Linie immer wieder und mu�te jedesmal von vorn anfangen.</p><p>Schlie�lich wollte sie, ersch�pft von der rechtschaffenen Arbeit und mit m�den Augen vom Verfolgen der Linien, nur noch schlafen; statt dessen setzte sie sich vor ihrem Terminal auf den Boden und rief die Zusammenfassung ihrer bisherigen Arbeit auf. Nach der �berpr�fung und Eliminierung aller sinnloser Absurdit�ten, die sich im Verlauf ihrer Nachforschungen ergeben hatten, blieben drei weitgefa�te m�gliche Kategorien von Erkl�rungen �brig. Erstens, das Verschwinden der Flotte war von irgendeinem Naturereignis herbeigef�hrt worden, das f�r die Astronomen einfach noch nicht sichtbar geworden war. Zweitens, der Verlust der Verk�rzer-Kommunikation war die Folge entweder von Sabotage oder einer Befehlsentscheidung in der Flotte. Drittens, der Verlust der Verk�rzer-Kommunikation war aufgrund einer planetenweiten Verschw�rung entstanden.</p><p>Die erste Erkl�rung war durch die Art und Weise, wie die Flotte reiste, ausgeschlossen. Die Sternenschiffe flogen einfach nicht dicht genug beieinander, als da� irgendein bekanntes nat�rliches Ph�nomen sie alle auf einmal h�tte vernichten k�nnen. Die Flotte hatte kein Rendezvous durchgef�hrt � der Verk�rzer machte so etwas zur reinen Zeitverschwendung. Statt dessen waren alle Schiffe von dem Punkt aus, an dem sie sich zuf�llig befanden, als sie der Flotte zugeteilt wurden, nach Lusitania aufgebrochen. Selbst jetzt, wo nur noch ein paar Lichtjahre verlieben, bevor sie sich allesamt im Orbit um Lusitanias Sonne bef�nden, waren sie so weit auseinander, da� kein vorstellbares Naturereignis gleichzeitig Auswirkungen auf sie alle gehabt haben k�nnte.</p><p>Die zweite Kategorie war durch die Tatsache, da� die <emphasis>gesamte </emphasis>Flotte verschwunden war, fast genauso unwahrscheinlich. Konnte irgendein von Menschen ersonnener Plan mit so einer perfekten Effizienz funktionieren � und ohne irgendeinen Hinweis auf eine Vorausplanung in irgendeiner Datenbank oder einem Pers�nlichkeitsprofil oder in den Kommunikations-Logb�chern, die bei Planetarien Computern unterhalten wurden? Es gab auch nicht den geringsten Hinweis darauf, da� irgend jemand Daten ver�ndert oder irgendwelche Kommunikationen getarnt hatte, um ja keine Spur zu hinterlassen. Wenn es ein Plan von Mitgliedern der Flotte war, dann einer ohne Beweise, Tarnungen oder Fehler.</p><p>Derselbe Mangel an Beweisen lie� die Vorstellung einer planetenweiten Verschw�rung noch unwahrscheinlicher erscheinen. Und noch unwahrscheinlicher wurden all diese M�glichkeiten durch die reine Simultanit�t der Ereignisse. Soweit festgestellt werden konnte, hatte jedes Schiff die Verk�rzer-Kommunikation fast genau zum gleichen Zeitpunkt abgebrochen. Es mochte eine Verz�gerung von ein paar Sekunden oder sogar Minuten gegeben haben, doch insgesamt waren es keine f�nf Minuten gewesen, kein Zeitraum, der gen�gt h�tte, um auf einem Schiff eine Bemerkung �ber das Verschwinden eines anderen zu machen.</p><p>Die Zusammenfassung war in ihrer Einfachheit elegant. Es blieb nichts �brig. Die Beweise waren so vollst�ndig, wie sie es jemals sein w�rden, und sie machten jede vorstellbare Erkl�rung unvorstellbar.</p><p>Warum tut Vater mir das an? fragte sie sich nicht zum ersten Mal.</p><p>Augenblicklich f�hlte sie sich unrein, weil sie solch eine Frage �berhaupt gestellt hatte. Sie mu�te sich waschen, um die Unreinheit ihres Zweifels zu entfernen.</p><p>Doch sie wusch sich nicht. Statt dessen lie� sie die Stimme der G�tter in sich anwachsen, lie� ihre Befehle dringlicher werden. Diesmal leistete sie ihren Widerstand nicht aus dem rechtschaffenen Drang, sich zu disziplinieren. Diesmal versuchte sie absichtlich, soviel Aufmerksamkeit der G�tter wie m�glich auf sich zu ziehen. Erst als sie vor der Not keuchte, sich zu reinigen, erst als sie bei der beil�ufigsten Ber�hrung ihrer eigenen Haut erschauderte, erst da stellte sie ihre Frage.</p><p>�Ihr habt es getan, nicht wahr?� sagte sie zu den G�ttern. �Was kein Mensch vollbracht haben k�nnte, m��t ihr vollbracht haben. Ihr habt nach der Lusitania-Flotte gegriffen und sie von uns abgeschnitten.�</p><p>Die Antwort kam, aber nicht mit Worten, sondern dem st�ndig zunehmenden Drang, sich zu reinigen.</p><p>�Aber der Kongre� und die Admiralit�t sind nicht der <emphasis>Weg. </emphasis>Sie k�nnen sich die goldene T�r in die Stadt des Jadebergs im Westen nicht vorstellen. Wenn Vater zu ihnen sagt: �Die G�tter haben eure Flotte gestohlen, um euch f�r eure Verderbtheit zu bestrafen!�, werden sie ihn nur verachten. Wenn sie ihn verachten, unseren gr��ten lebenden Staatsmann, werden sie auch uns verachten. Und wenn sich Weg wegen Vater sch�mt, wird er ihn vernichten. Habt ihr das deshalb getan?�</p><p>Sie begann zu weinen. �Ich werde nicht zulassen, da� ihr meinen Vater vernichtet. Ich werde einen anderen Weg finden. Ich werde eine Antwort finden, die sie zufriedenstellt. Ich trotze euch!�</p><p>Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, als die G�tter ihr das �berw�ltigendste Gef�hl abscheulicher Unreinheit schickten, das sie jemals wahrgenommen hatte. Es war so stark, da� es ihr den Atem nahm, und sie st�rzte nach vorn und hielt sich am Terminal fest. Sie versuchte zu sprechen, um Vergebung zu bitten, doch statt dessen w�rgte sie und schluckte heftig, um sich nicht zu �bergeben. Sie hatte den Eindruck, ihre H�nde w�rden Schleim auf allem verteilen, was sie ber�hrten; als sie sich auf die F��e k�mpfte, klebte ihr Gewand an ihrer Haut, als sei sie mit dicker, schwarzer Schmiere bedeckt.</p><p>Aber sie wusch sich nicht. Noch warf sie sich zu Boden und verfolgte Linien im Holz. Statt dessen taumelte sie zur T�r, um nach unten zum Zimmer ihres Vaters zu gehen.</p><p>Doch die T�rschwelle hielt sie auf. Nicht k�rperlich, die T�r schwang so leicht auf wie immer, und trotzdem konnte sie nicht hindurchgehen. Sie hatte geh�rt, da� die G�tter ihre ungehorsamen Diener auf T�rschwellen aufhielten, doch am eigenen Leib hatte sie es noch nie erfahren. Sie begriff nicht, wie sie aufgehalten wurde. Ihr K�rper konnte sich frei bewegen. Es gab keine Barriere. Doch sie empfand solch ein f�rchterliches Entsetzen bei dem Gedanken, durch die T�r zu gehen, da� sie wu�te, sie war einfach nicht dazu imstande. Sie wu�te, die G�tter verlangten irgendeine Bu�e von ihr, irgendeine Reinigung, oder sie w�rden niemals dulden, da� sie ihr Zimmer verlie�. Nicht das Aufsp�ren von Holzmaserungen, kein H�ndewaschen. Was verlangten die G�tter dann?</p><p>Und dann wu�te sie auf einmal, wieso die G�tter sie nicht durch diese T�r schreiten lie�en. Es war der Eid, den Vater ihr auf Mutters Wunsch abverlangt hatte. Der Eid, da� sie den G�ttern immer dienen w�rde, ganz gleich, was geschah. Und hier hatte sie ihnen zu trotzen versucht. Mutter, vergib mir! Ich werde den G�ttern nicht trotzen. Aber ich mu� trotzdem zu Vater gehen und ihm die schreckliche Zwangslage erkl�ren, in die die G�tter uns gebracht haben. Mutter, hilf mir, durch diese T�r zu gehen!</p><p>Wie als Antwort auf ihre Bitte wurde ihr klar, wie sie durch diese T�r gehen konnte. Sie mu�te lediglich ihren Blick ganz fest in die Luft hinter der oberen rechten T�recke richten und, w�hrend sie den Blick niemals von dieser Stelle abwand, r�ckw�rts mit dem rechten Fu� durch die T�r treten, die linke Hand hindurchstecken, sich dann nach links drehen, das linke Bein r�ckw�rts �ber die Schwelle bringen und dann den rechten Arm. Es war kompliziert und schwierig, fast wie ein Tanz, doch indem sie sich ganz langsam und vorsichtig bewegte, schaffte sie es.</p><p>Die T�r gab sie frei. Und obwohl sie den Druck ihrer Unreinheit noch sp�rte, hatte seine Intensit�t etwas nachgelassen. Es war ertr�glich. Sie konnte atmen, ohne zu keuchen, sprechen, ohne zu w�rgen.</p><p>Sie ging nach unten und bet�tigte die kleine Glocke vor der T�r ihres Vaters.</p><p>�Ist es meine Tochter, meine �Strahlend Helle�?� fragte Vater.</p><p>�Ja, Ehrw�rdiger�, sagte Qing-jao.</p><p>�Ich bin bereit, dich zu empfangen.�</p><p>Sie �ffnete Vaters T�r und trat hindurch. Diesmal war kein Ritual erforderlich. Sie ging direkt zu ihm � er sa� auf seinem Stuhl vor dem Terminal � und kniete vor ihm nieder.</p><p>�Ich habe mir deine Si Wang-mu angesehen�, sagte Vater, �und bin der Ansicht, deine erste Einstellung war eine w�rdige.�</p><p>Es dauerte einen Augenblick, bis Vaters Worte Sinn ergaben. Si Wang-mu? Warum sprach Vater �ber eine uralte G�ttin mit ihr? Sie sah �berrascht auf und folgte dann dem Blick ihres Vaters � zu einem Dienstm�dchen in einem sauberen grauen Gewand, das dem�tig kniete und zu Boden sah. Es dauerte einen Augenblick, bis ihr das M�dchen vom Reisfeld wieder einfiel, bis sie sich daran erinnerte, da� sie Qing-jaos geheime Magd werden sollte. Wie hatte sie das nur vergessen k�nnen? Es war erst ein paar Stunden her, da� Qing-jao sie verlassen hatte. Doch in dieser Zeit hatte Qing-jao mit den G�ttern gek�mpft, und wenn sie auch nicht gewonnen hatte, so hatte sie doch auch nicht verloren. Was war die Einstellung eines Dienstm�dchens im Vergleich zu einem Kampf mit den G�ttern?</p><p>�Wang-mu ist unversch�mt und ehrgeizig�, sagte Vater, �doch sie ist auch ehrlich und viel intelligenter, als ich es erwartet habe. Wegen ihres scharfen Verstands und scharfen Ehrgeizes schlie�e ich, da� du sie sowohl als Sch�lerin wie auch als geheime Magd haben willst.�</p><p>Wang-mu atmete erschrocken ein, und als Qing-jao zu ihr hin�ber sah, erkannte sie, wie entsetzt das M�dchen war. Oh, ja � sie mu� glauben, da� <emphasis>ich </emphasis>glaube, sie habe Vater von unserem geheimen Plan erz�hlt. �Keine Angst, Wang-mu�, sagte Qing-jao. �Vater err�t fast immer Geheimnisse. Ich wei�, da� du ihm nichts gesagt hast.�</p><p>�Ich w�nschte, mehr Geheimnisse w�ren so einfach wie dieses�, sagte Vater. �Meine Tochter, ich gratuliere dir zu deiner w�rdigen Gro�z�gigkeit. Die G�tter werden dich daf�r ehren, wie auch ich.�</p><p>Das Lob kam wie Salbe auf eine stechende Wunde. Vielleicht hatte ihre Aufs�ssigkeit sie deshalb nicht vernichtet, hatte irgendein Gott ihr Gnade erwiesen und gezeigt, wie sie ihr Zimmer verlassen konnte. Weil sie Wang-mu mit Gnade und Weisheit beurteilt, dem M�dchen seine Unversch�mtheit verziehen hatte, wurde ihr selbst nun ebenfalls ihr ungeheuerlicher Wagemut verziehen.</p><p>Wang-mu bereut ihren Ehrgeiz nicht, dachte Qing-jao. Noch werde ich meine Entscheidung bereuen. Ich darf nicht zulassen, da� Vater vernichtet wird, nur weil ich keine nichtg�ttliche Erkl�rung f�r das Verschwinden der Lusitania-Flotte finden � oder erfinden � kann. Und doch � wie kann ich den Absichten der G�tter trotzen? Sie haben die Flotte verborgen oder vernichtet. Und die Werke der G�tter m�ssen von ihren gehorsamen Dienern erkannt werden, selbst wenn sie vor ungl�ubigen auf anderen Welten verborgen bleiben m�ssen.</p><p>�Vater�, sagte Qing-jao, �ich mu� mit dir �ber meine Aufgabe sprechen.�</p><p>Vater verstand ihr Z�gern falsch. �Wir k�nnen vor Wang-mu sprechen. Sie wurde als deine geheime Magd eingestellt. Ihr Vater hat den Einstellungsbonus bekommen, die ersten Barrieren der Geheimhaltung wurden in ihren Verstand eingef�gt. Wir k�nnen darauf vertrauen, da� sie nichts von dem sagt, was sie h�rt.�</p><p>�Ja, Vater�, sagte Qing-jao. In Wahrheit hatte sie schon wieder vergessen, da� Wang-mu �berhaupt anwesend war. �Vater, ich wei�, wer die Lusitania-Flotte verborgen hat. Aber du mu�t mir versprechen, da� du es dem Sternenwege-Kongre� niemals sagen wirst.�</p><p>Vater, der ungew�hnlich gelassen war, schaute leicht �berrascht drein. �So etwas kann ich nicht versprechen�, sagte er. �Es w�re meiner unw�rdig, solch ein untreuer Diener zu sein.�</p><p>Was konnte sie jetzt tun? Wie konnte sie sprechen? Und wie konnte sie andererseits nichts sagen? �Wer ist dein Herr?� schrie sie. �Der Kongre� oder die G�tter?�</p><p>�Zuerst die G�tter�, sagte Vater. �Sie kommen immer zuerst.�</p><p>�Dann mu� ich dir sagen, da� ich herausgefunden habe, da� die G�tter die Flotte vor uns verborgen haben, Vater. Doch wenn du das dem Kongre� sagst, werden sie dich verspotten, und du wirst vernichtet sein.� Dann kam ihr ein anderer Gedanke in den Sinn. �Wenn die G�tter die Flotte aufgehalten haben, Vater, dann mu� die Flotte doch gegen den Willen der G�tter losgeschickt worden sein. Und wenn der Sternenwege-Kongre� die Flotte gegen den Willen der G�tter losgeschickt��</p><p>Vater hob die Hand, damit sie schwieg. Sie h�rte augenblicklich zu sprechen auf, neigte den Kopf und wartete.</p><p>�Nat�rlich sind es die G�tter�, sagte Vater.</p><p>Seine Worte waren gleichzeitig eine Erleichterung wie auch eine Erniedrigung. <emphasis>Nat�rlich, </emphasis>hatte er gesagt. Hatte er es von Anfang an gewu�t?</p><p>�Die G�tter tun alles, was im Universum geschieht. Aber glaube nicht, den Grund daf�r zu kennen. Du sagt, sie m�ssen die Flotte gestoppt haben, weil sie sich ihrer Mission widersetzen. Doch ich sage, da� der Kongre� die Flotte gar nicht h�tte ausschicken k�nnen, h�tten die G�tter es nicht gewollt. Warum k�nnte es also nicht sein, da� die G�tter die Flotte aufgehalten haben, weil ihre Mission so gro� und edel war, da� die Menschheit ihrer nicht w�rdig ist? Oder was, wenn sie die Flotte verborgen haben, um dir eine schwierige Aufgabe zu stellen? Eins ist sicher: Die G�tter haben dem Sternenwege-Kongre� erlaubt, den gr��ten Teil der Menschheit zu beherrschen. Solange der Kongre� das Mandat des Himmels hat, werden wir von Weg seine Edikte ohne Widerspruch befolgen.�</p><p>�Ich wollte nicht widersprechen�� Sie konnte eine so offensichtlich falsche Aussage nicht beenden.</p><p>Vater verstand sie nat�rlich genau. �Ich h�re, wie deine Stimme schw�cher wird und deine Worte im Nichts verhallen. Das kommt daher, weil du wei�t, da� deine Worte nicht stimmen. Trotz allem, was ich dich gelehrt habe, willst du dich dem Sternenwege-Kongre� widersetzen.� Dann wurde seine Stimme sanfter. �Du willst dich um meinetwegen widersetzen.�</p><p>�Du bist mein Vorfahre. Ich schulde dir eine h�here Pflichterf�llung als ihnen.�</p><p>�Ich bin dein Vater. Ich werde erst dein Vorfahre sein, wenn ich tot bin.�</p><p>�Dann Mutter zuliebe. Sollten sie je das Mandat des Himmels verlieren, werde ich ihr schrecklichster Feind sein, denn ich <emphasis>werde </emphasis>den G�ttern dienen.� Doch noch w�hrend sie dies sagte, wu�te sie, da� ihre Worte eine gef�hrliche Halbwahrheit darstellten. Bis vor ein paar Augenblicken � bis sie auf der T�rschwelle aufgehalten worden war � war sie bereit gewesen, ihrem Vater zuliebe den G�ttern zu trotzen. Ich bin die unw�rdigste, schrecklichste Tochter, dachte sie.</p><p>�Ich sage dir jetzt, meine strahlend helle Tochter, der Widerstand gegen den Kongre� w�re niemals zu meinem Besten. Oder zu deinem. Doch ich vergebe dir, da� du mich im �berma� liebst. Das ist die sanfteste und freundlichste aller Untugenden.�</p><p>Er l�chelte. Es beruhigte sie, ihn l�cheln zu sehen, obwohl sie wu�te, da� sie seine Billigung nicht verdiente. Qing-jao war jetzt imstande, wieder klar zu denken, sich wieder dem R�tsel zuzuwenden. �Du hast gewu�t, da� dies das Werk der G�tter war, und hast mich doch nach der Antwort suchen lassen.�</p><p>�Aber hast du die richtige Frage gestellt?� sagte Vater. �Die Frage, die wir beantworten m�ssen, lautet: <emphasis>Wie </emphasis>haben die G�tter es gemacht?�</p><p>�Woher soll ich das wissen?� antwortete Qing-jao. �Vielleicht haben sie die Flotte vernichtet oder verborgen, oder an irgendeinen geheimen Ort im Westen gebracht��</p><p>�Qing-jao! Sieh mich an! H�r mir gut zu.�</p><p>Sie sah ihn an. Sein strenger Befehl half ihr, sich zu beruhigen, zu konzentrieren.</p><p>�Ich habe versucht, dies dich dein ganzes Leben zu lehren, doch nun <emphasis>mu�t </emphasis>du es lernen, Qing-jao. Die G�tter sind die Ursache von allem, was geschieht, doch sie handeln niemals offen. Hast du mich verstanden?�</p><p>Sie nickte. Sie hatte diese Worte schon hundert Mal geh�rt.</p><p>�Du h�rst mich, und doch verstehst du mich nicht, selbst jetzt nicht�, sagte Vater. �Die G�tter haben das Volk von Weg erw�hlt, Qing-jao. Nur <emphasis>wir </emphasis>haben das Privileg, ihre Stimme zu h�ren. Nur <emphasis>wir </emphasis>d�rfen sehen, da� sie die Ursachen sind von allem, was ist und war und sein wird. Allen anderen Menschen bleiben ihre Werke verborgen, ein Geheimnis. Deine Aufgabe ist es nicht, die <emphasis>wahre </emphasis>Ursache des Verschwindens der Lusitania-Flotte herauszufinden � ganz Weg w��te sofort, die wahre Ursache ist die, da� die G�tter es so wollten. Deine Aufgabe ist es, herauszufinden, welche Verschleierung die G�tter f�r dieses Ereignis geschaffen haben.�</p><p>Qing-jao f�hlte sich schwindlig und benommen. Sie war so sicher gewesen, die Antwort herausgefunden, ihre Aufgabe gel�st zu haben. Nun entglitt ihr alles. Die Antwort traf zwar noch zu, aber sie hatte jetzt eine andere Aufgabe bekommen.</p><p>�Weil wir keine nat�rliche Erkl�rung finden k�nnen, stehen die G�tter im Augenblick entbl��t da, und jeder kann sie sehen, die Ungl�ubigen wie die Gl�ubigen. Die G�tter sind <emphasis>nackt, </emphasis>und wir m�ssen sie kleiden. Wir m�ssen herausfinden, was f�r eine Abfolge von Ereignissen die G�tter geschaffen haben, um das Verschwinden der Flotte erkl�ren, um es den Ungl�ubigen als nat�rlich darstellen zu k�nnen. Ich dachte, du h�ttest dies verstanden. Wir dienen dem Sternenwege-Kongre�, doch nur, weil wir dadurch auch den G�ttern dienen. Die G�tter w�nschen, da� wir den Kongre� t�uschen, und der Kongre� will get�uscht werden.�</p><p>Qing-jao nickte, taub vor Entt�uschung, da� ihre Aufgabe noch nicht beendet war.</p><p>�Klinge ich herzlos?� fragte Vater. �Bin ich unehrlich? Bin ich dem Ungl�ubigen gegen�ber grausam?�</p><p>�Hat eine Tochter �ber ihren Vater zu urteilen?� fl�sterte Qing-jao.</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte Vater. �Tag f�r Tag urteilen Menschen �ber alle anderen Menschen. Die Frage ist nur, ob wir klug urteilen.�</p><p>�Dann urteile ich, da� es keine S�nde ist, zu den Ungl�ubigen in der Sprache ihres Unglaubens zu sprechen�, sagte Qing-jao.</p><p>Umspielte ein L�cheln seine Mundwinkel? �Du verstehst es�, sagte Vater. �Falls sich der Kongre� jemals an uns wenden sollte, um bescheiden die Wahrheit zu suchen, werden wir seine Mitglieder den Weg lehren, und sie werden Teil des Weges werden. Bis dahin dienen wir den G�ttern, indem wir den Ungl�ubigen helfen, sich selbst zu bel�gen und einzureden, f�r alle Dinge, die geschehen, g�be es nat�rliche Erkl�rungen.�</p><p>Qing-jao verbeugte sich, bis ihr Kopf fast den Boden ber�hrte. �Du hast viele Male versucht, mich das zu lehren, doch bis jetzt hatte ich noch keine Aufgabe, auf die dieses Prinzip anzuwenden war. Vergib deiner unw�rdigen Tochter ihre Torheit.�</p><p>�Ich habe keine unw�rdige Tochter�, sagte Vater. �Ich habe nur meine Tochter, die �Strahlend Hell� ist. Das Prinzip, das du heute gelernt hast, wird nur von wenigen auf Weg wirklich verstanden. Deshalb sind nur ein paar von uns imstande, sich direkt mit Menschen von anderen Welten abzugeben, ohne sie zu verbl�ffen oder zu verwirren. Du hast mich heute �berrascht, Tochter, nicht, weil du es noch nicht verstanden hattest, sondern weil du es mit so jungen Jahren verstehst. Ich war fast zehn Jahre �lter, bevor ich dieses Prinzip begriff.�</p><p>�Wie kann ich etwas vor dir lernen, Vater?� Die Vorstellung, eine seiner Leistungen zu �bertreffen, war fast undenkbar.</p><p>�Weil du mich hattest, der es dir beibrachte�, sagte Vater, �w�hrend ich es selbst herausfinden mu�te. Aber ich sehe ein, da� dich der Gedanke erschreckt, etwas vielleicht in j�ngerem Alter gelernt zu haben als ich. Glaubst du, es w�rde mir Schande bereiten, wenn meine Tochter mich �bertrifft? Ganz im Gegenteil � es kann keine gr��ere Ehre f�r Eltern geben, als ein Kind zu haben, das gr��er ist als sie.�</p><p>�Ich kann niemals gr��er als du sein, Vater.�</p><p>�In gewisser Hinsicht stimmt das, Qing-jao. Denn da du mein Kind bist, sind all deine Werke als eine Untermenge in meinen enthalten, genau wie wir alle eine Untermenge unserer Vorfahren sind. Doch du hast so viel Potential zur Gr��e in dir, da� ich glaube, es wird eine Zeit kommen, da ich wegen deiner Werke gr��er eingesch�tzt werde als wegen meiner eigenen. Wenn das Volk von Weg mich je einer herausragenden Ehre f�r w�rdig befinden sollte, dann zumindest in gleichem Ma�e wegen deiner Errungenschaften wie wegen meiner.�</p><p>Mit diesen Worten verbeugte sich Vater vor ihr, keine h�fliche Geste der Entlassung, sondern ein tiefes Verneigen aus Ehrfurcht, bei dem sein Kopf fast den Boden ber�hrte. Nicht ganz, denn das w�re l�cherlich gewesen, fast eine Verh�hnung, als ber�hre er wirklich zu Ehren seiner eigenen Tochter mit dem Kopf den Boden. Aber er vollzog die Geste, soweit die W�rde es ihm erlaubte.</p><p>Es verwirrte sie einen Augenblick lang, erschreckte sie; dann begriff sie. Als er andeutete, seine Chance, zum Gott von Weg gew�hlt zu werden, hinge von ihrer Gr��e ab, hatte er nicht von irgendeinem vagen zuk�nftigen Ereignis gesprochen. Er sprach vom Hier und Jetzt. Er sprach von ihrer Aufgabe. Wenn sie die Tarnung der G�tter finden k�nnte, die nat�rliche Erkl�rung f�r das Verschwinden der Lusitania-Flotte, war seine Wahl zum Gott von Weg sichergestellt. So sehr vertraute er ihr. So wichtig war ihre Aufgabe. Was war ihr Erwachsenwerden, verglichen mit dem Gottsein ihres Vaters? Sie mu�te h�rter arbeiten, besser denken und Erfolg haben, wo s�mtliche Unternehmungen des Milit�rs und des Kongresses gescheitert waren. Nicht f�r sich selbst, aber f�r Mutter, f�r die G�tter und f�r Vaters Chance, einer von ihnen zu werden.</p><p>Qing-jao zog sich aus Vaters Zimmer zur�ck. Sie blieb auf der Schwelle stehen und sah zu Wang-mu hin�ber. Ein Blick der Gottber�hrten gen�gte, um dem M�dchen zu sagen, da� es ihr folgen solle.</p><p>Als Qing-jao ihr Zimmer erreichte, zitterte sie vor dem unterdr�ckten Drang, sich zu reinigen. Alles, was sie heute falsch gemacht hatte � ihre Aufs�ssigkeit gegen die G�tter, die Weigerung, die Reinigung fr�her zu akzeptieren, die Dummheit, ihre wahre Aufgabe nicht verstanden zu haben �, kam nun zusammen. Nicht, da� sie sich schmutzig f�hlte; sie wollte sich nicht waschen, und sie versp�rte auch keinen Abscheu vor sich selbst. Schlie�lich war ihre Unw�rdigkeit durch Vaters Lob gemildert worden, durch den Gott, der ihr zeigte, wie man durch die T�r gehen mu�te. Und Wang-mu hatte sich als gute Wahl erwiesen � das war eine Pr�fung, die Qing-jao bestanden hatte, und zwar mit wehenden Fahnen. Also lie� nicht die Minderwertigkeit sie zittern. Sie war versessen auf Reinigung. Sie sehnte sich danach, da� die G�tter bei ihr waren, w�hrend sie ihnen diente. Doch keine Bu�e, die sie kannte, reichte aus, ihre Versessenheit zu stillen.</p><p>Dann wu�te sie: Sie mu�te eine Linie auf jedem Brett im Raum verfolgen.</p><p>Sofort w�hlte sie ihren Ausgangspunkt, die s�d�stliche Ecke. Sie w�rde an der �stlichen Wand beginnen, die Linien zu verfolgen, damit sie sich in ihrem Ritual gen Westen bewegte, den G�ttern entgegen. Das letzte w�rde auch das k�rzeste Brett im Raum sein, kaum einen Meter lang, in der n�rdlichen Ecke. Es sollte ihre Belohnung sein, da� das Aufsp�ren der letzten Linie so kurz und leicht geriet.</p><p>Sie h�rte, wie Wang-mu hinter ihr leise den Raum betrat, doch sie hatte nun keine Zeit f�r Sterbliche. Die G�tter warteten. Sie kniete in der Ecke nieder und musterte die Linien der Maserung, um diejenige zu finden, der sie dem Wunsch der G�tter zufolge nachsp�ren sollte. Normalerweise blieb die Wahl ihr �berlassen, und dann entschied sie sich immer f�r die schwierigste, damit die G�tter sie nicht verachteten. Doch heute war sie von der augenblicklichen Zuversicht erf�llt, da� die G�tter die Wahl f�r sie �bernehmen w�rden. Die erste Linie war ziemlich dick; sie verlief wellenf�rmig, lie� sich aber leicht verfolgen. Die G�tter waren bereits gn�dig gestimmt! Das heutige Ritual w�rde fast zu einem Gespr�ch zwischen ihr und den G�ttern werden. Sie hatte heute eine unsichtbare Barriere durchbrochen; sie war dem klaren Verst�ndnis ihres Vaters n�hergekommen. Vielleicht w�rden eines Tages die G�tter mit jener Deutlichkeit zu ihr sprechen, von denen das normale Volk vermutete, alle Gottber�hrten w�rden sie vernehmen.</p><p>�Heilige�, sagte Wang-mu.</p><p>Es war, als best�nde Qing-jaos Freude aus Glas, das Wang-mu absichtlich zertr�mmerte. Wu�te sie nicht, da� man ein Ritual von vorn beginnen mu�te, wenn es einmal unterbrochen worden war? Quing-jao richtete sie auf die Knie auf und drehte sich zu dem M�dchen um.</p><p>Wang-mu mu�te den Zorn auf Qing-jaos Gesicht gesehen haben, verstand ihn aber falsch. �Oh, es tut mir leid�, sagte sie sofort, fiel auf die Knie und verbeugte sich. �Ich habe vergessen, da� ich dich nicht �Heilige� nennen soll. Ich wollte dich nur fragen, wonach du suchst, damit ich dir bei der Suche helfen kann.�</p><p>Qing-jao h�tte fast laut aufgelacht, da� Wang-mu sich so sehr irrte. Nat�rlich hatte Wang-mu keine Ahnung, da� die G�tter gerade zu Qing-jao sprachen. Und nun, nachdem ihr �rger verflogen war, sch�mte sich Qing-jao, als sie sah, wie sehr Wang-mu ihren Zorn f�rchtete; es war nicht rechtens, da� das M�dchen mit der Stirn den Boden ber�hrte. Qing-jao gefiel es nicht, da� sich ein anderer Mensch so erniedrigte.</p><p>Wieso habe ich ihr so gro�e Angst gemacht? Ich war von Freude erf�llt, weil die G�tter so deutlich zu mir sprachen; doch meine Freude war so selbsts�chtig, da� ich eine Miene des Hasses aufsetzte, als sie mich unschuldig unterbrach. Antworte ich etwa so den G�ttern? Sie zeigen mir ein Gesicht der Liebe, und ich wandle es um in Ha� auf die Menschen, besonders auf jene, die meiner Macht ausgeliefert sind? Erneut haben die G�tter einen Weg gefunden, mir meine Unw�rdigkeit zu zeigen.</p><p>�Wang-mu, du darfst mich nicht unterbrechen, wenn du mich so auf dem Boden kauernd vorfindest.� Und sie erkl�rte Wang-mu, da� die G�tter von ihr das Ritual der Reinigung verlangten.</p><p>�Mu� ich das auch tun?� fragte Wang-mu.</p><p>�Nicht, wenn die G�tter es dir nicht sagen.�</p><p>�Wie werde ich es wissen?�</p><p>�Wenn es in deinem Alter noch nicht passiert ist, Wang-mu, wird es wahrscheinlich auch nicht mehr passieren. Doch wenn es passiert w�re, w��test du es, denn du h�ttest nicht die Macht, der Stimme der G�tter in deinem Kopf zu widerstehen.�</p><p>Wang-mu nickte ernst. �Wie kann ich dir helfen� Qing-jao?� Sie sprach den Namen ihrer Herrin ehrf�rchtig und mit Bedacht aus. Zum ersten Mal begriff Qing-jao, da� ihr Name, der so s�� und z�rtlich klang, wenn ihr Vater ihn aussprach, �bertrieben klang, wenn er mit solcher Ehrfurcht gesprochen wurde. Es war fast schmerzhaft, in einem Augenblick, da sich Qing-jao ihres Mangels an Glanz scharf bewu�t war, �Strahlend Helle� genannt zu werden. Doch sie w�rde Wang-mu nicht verbieten, ihren Namen zu benutzen � das M�dchen mu�te sie ja <emphasis>irgendwie </emphasis>ansprechen, und die Ironie von Wang-mus ehrf�rchtigem Tonfall w�rde Qing-jao st�ndig daran erinnern, wie wenig sie diese Ehrfurcht verdiente.</p><p>�Du kannst mir helfen, indem du mich nicht unterbrichst�, sagte Qing-jao.</p><p>�Dann soll ich also gehen?�</p><p>Qing-jao h�tte fast zugestimmt, doch dann begriff sie, die G�tter wollten aus irgendeinem Grund, da� Wang-mu Teil dieser Bu�e war. Woher sie das wu�te? Weil der Gedanke, Wang-mu k�nne gehen, fast so unertr�glich war wie das Wissen um das noch nicht vollbrachte Nachsp�ren der Linien. �Bitte bleib�, sagte Qing-jao. �Kannst du schweigend warten? Mich beobachten?�</p><p>�Ja� Qing-jao.�</p><p>�Wenn es so lange dauert, da� du es nicht mehr aush�ltst, darfst du gehen�, sagte Qing-jao. �Aber nur, wenn du siehst, da� ich mich von Westen nach Osten bewege. Das bedeutet, da� ich gerade mit einem Brett fertig bin und es mich nicht st�ren wird, wenn du gehst. Aber du darfst mich nicht ansprechen.�</p><p>Wang-mus Augen wurden gr��er. �Du willst das mit jeder Holzmaserung eines jeden Dielenbretts tun?�</p><p>�Nein�, sagte Qing-jao. So grausam w�ren die G�tter niemals! Doch noch w�hrend sie dies dachte, wu�te Qing-jao, da� vielleicht einmal ein Tag kommen w�rde, an dem die G�tter genau diese Bu�e von ihr verlangten. Ihr wurde vor Entsetzen schlecht. �Nur eine Linie auf jedem Brett im Zimmer. Beobachte sie mit mir, ja?�</p><p>Sie sah, wie Wang-mu einen Blick auf die Zeitangabe warf, die �ber ihrem Terminal in der Luft schwebte. Es war fast schon Schlafenszeit, und beide hatten sie ihren Nachmittagsschlaf verpa�t. Es war nicht nat�rlich f�r Menschen, so lange ohne Schlaf auszuharren. Die Tage auf Weg waren anderthalbmal so lang wie die auf der Erde, so da� sie niemals ganz mit dem inneren Zyklus des menschlichen K�rpers im Einklang lebten. Es war nicht einfach, den Mittagsschlaf zu verpassen und dann noch sp�t zu Bett zu gehen.</p><p>Doch Qing-jao hatte keine Wahl. Und wenn Wang-mu nicht wachbleiben konnte, mu�te sie nun gehen, wie wenig die G�tter auch von dieser Vorstellung angetan sein mochten. �Du mu�t wach bleiben�, sagte Qing-jao. �Wenn du einschl�fst, mu� ich mit dir sprechen, damit du dich bewegst und mir einige Linien zeigst, denen ich nachsp�ren mu�. Und wenn ich mit dir spreche, mu� ich von vorn beginnen. Kannst du wach bleiben und reglos still?�</p><p>Wang-mu nickte. Qing-jao glaubte ihr, da� sie es ernst meinte; doch sie glaubte nicht, da� das M�dchen es schaffte. Doch die G�tter beharrten darauf, da� sie ihre neue geheime Magd bleiben lie� � und wer war Qing-jao, etwas zu verweigern, das die G�tter von ihr verlangten?</p><p>Qing-jao kehrte zum ersten Brett zur�ck und verfolgte die Linie erneut. Zu ihrer Erleichterung waren die G�tter noch bei ihr. Brett um Brett durfte sie die deutlichste, einfachste Linie verfolgen, und wenn sie gelegentlich eine schwerere bekam, dann nur, weil die leichtere Linie ausgelaufen war oder den Rand des jeweiligen Bretts erreicht hatte. Die G�tter beh�teten sie.</p><p>Was Wang-mu betraf, so k�mpfte das M�dchen erbittert. Zweimal, auf dem Weg zur�ck vom Westen, um im Osten erneut zu beginnen, warf Qing-jao einen Blick auf Wang-mu und sah, da� sie schlief. Doch als Qing-jao an der Stelle vorbeikam, an der Wang-mu kniete, stellte sie beide Male fest, da� ihre geheime Magd erwacht war und sich so still zu einer Stelle bewegt hatte, an der Qing-jao die Linien bereits verfolgt hatte, da� Qing-jao sie nicht einmal geh�rt hatte. Ein braves M�dchen. Eine w�rdige Wahl zu einer geheimen Magd.</p><p>Endlich erreichte Qing-jao den Anfang des letzten Bretts, eines kurzen direkt in der Ecke. Sie h�tte vor Freude fast laut gesprochen, besann sich aber rechtzeitig. Der Klang ihrer eigenen Stimme und Wang-mus unvermeidliche Antwort h�tten sie sicher wieder an den Anfang zur�ckgeschickt � es w�re eine unglaubliche Torheit gewesen. Kaum noch einen Meter von der nordwestlichen Ecke des Zimmers entfernt, beugte sich Qing-jao �ber den Anfang des Bretts und verfolgte die breiteste Linie. Sie f�hrte sie direkt zur Wand. Es war vollbracht.</p><p>Qing-jao sackte gegen die Wand und lachte vor Erleichterung auf. Doch sie war so schwach und m�de, da� Wang-mu ihr Lachen f�r Weinen gehalten haben mu�te. Augenblicklich war das M�dchen bei ihr und ber�hrte ihre Schulter. �Qing-jao�, sagte es, �hast du Schmerzen?�</p><p>Qing-jao nahm die Hand des M�dchens und hielt sie. �Keine Schmerzen. Zumindest keine, die der Schlaf nicht kurieren kann. Ich bin fertig. Ich bin sauber.�</p><p>In der Tat sogar so sauber, da� sie nicht z�gerte, Wang-mus Hand zu umklammern, Haut an Haut; sie empfand nicht die geringste Unreinheit dabei. Es war ein Geschenk der G�tter, da� sie jemandes Hand halten konnte, nachdem sie ihr Ritual bew�ltigt hatte. �Das hast du sehr gut gemacht�, sagte Qing-jao. �Ich konnte mich leichter auf die Linien konzentrieren, weil du bei mir warst.�</p><p>�Ich glaube, ich bin einmal eingeschlafen, Qing-jao.�</p><p>�Vielleicht auch zweimal. Aber du bist erwacht, als es darauf ankam, und es ist kein Schaden entstanden.�</p><p>Wang-mu begann zu weinen. Sie schlo� die Augen, nahm aber nicht die Hand aus Qing-jaos, um ihr Gesicht zu bedecken. Sie lie� die Tr�nen einfach die Wangen hinabflie�en.</p><p>�Warum weinst du, Wang-mu?�</p><p>�Ich habe es nicht gewu�t�, sagte sie. �Es ist wirklich schwer, eine Gottber�hrte zu sein. Das habe ich nicht gewu�t.�</p><p>�Und es ist auch schwer, einer Gottber�hrten eine wahre Freundin zu sein�, sagte Qing-jao. �Deshalb wollte ich nicht, da� du mir eine Dienerin bist, die mich �Heilige� nennt und den Klang meiner Stimme f�rchtet. So eine Dienerin h�tte ich aus meinem Zimmer schicken m�ssen, wenn die G�tter zu mir sprechen.�</p><p>Wang-mus Tr�nen flossen nun noch heftiger.</p><p>�Si Wang-mu, ist es zu schwer f�r dich, bei mir zu sein?� fragte Qing-jao.</p><p>Wang-mu sch�ttelte heftig den Kopf.</p><p>�Ich w�rde es verstehen, sollte es jemals zu schwer f�r dich werden. Du kannst mich dann verlassen. Ich war zuvor auch allein. Ich f�rchte mich nicht davor, erneut allein zu sein.�</p><p>Wang-mu sch�ttelte erneut den Kopf, heftig diesmal. �Wie k�nnte ich dich verlassen, nun, da ich wei�, wie schwer es f�r dich ist?�</p><p>�Dann wird eines Tages geschrieben stehen und in einer Geschichte erz�hlt werden, da� Wang-mu w�hrend der Reinigungen niemals von Han Qing-jaos Seite wich.�</p><p>Pl�tzlich zeigte sich ein L�cheln auf Wang-mus Gesicht, und ihre Augen �ffneten sich zu dem Blinzeln eines L�chelns, obwohl die Tr�nen noch auf ihren Wangen gl�nzten. �Hast du den Witz nicht verstanden?� sagte Wang-mu. �Mein Name � Si Wang-mu. Wenn man sich diese Geschichte erz�hlt, wird man nicht wissen, da� deine geheime Magd bei dir war. Man wird glauben, es sei die K�nigliche Mutter des Westens gewesen.�</p><p>Qing-jao lachte jetzt auch. Aber ihr kam auch eine Idee in den Sinn � vielleicht war die K�nigliche Mutter eine wahre Vorfahrin-des-Herzens von Wang-mu, und indem sie Wang-mu als ihre Freundin an ihrer Seite hatte, hatte sie auch eine neue N�he zu dieser G�ttin gefunden, die fast die �lteste von ihnen allen war.</p><p>Wang-mu wollte die Schlafmatten auslegen, doch Qing-jao mu�te ihr zeigen, wie es ging; die Vorbereitung des Nachtlagers war Wang-mus Pflicht, und Qing-jao mu�te ihr diese Aufgabe Abend f�r Abend �berlassen, obwohl sie nie etwas dagegen gehabt hatte, es selbst zu tun. Als sie sich niederlegten � ihre Matten ber�hrten sich an den Seiten, so da� keine Linien der Holzmaserung zwischen ihnen zu sehen war �, bemerkte Qing-jao, da� graues Licht durch die Jalousien der Fenster fiel. Sie waren gemeinsam den ganzen Tag �ber wach geblieben und nun auch die ganze Nacht. Wang-mus Opfer war edel. Sie w�rde eine wahre Freundin sein.</p><p>Ein paar Minuten sp�ter jedoch, als Wang-mu schlief und Qing-jao gerade eind�ste, kam ihr der Gedanke, wie es Wang-mu, einem M�dchen ohne Geld, gelungen war, den Vorarbeiter ihrer Abteilung der rechtschaffenen Arbeit zu bestechen, damit er sie heute ohne St�rung mit ihr sprechen lie�. Konnte irgendein Spion das Bestechungsgeld f�r sie bezahlt haben, damit sie das Haus des Han Fei-tzu infiltrieren konnte? Nein � Ju Kung-mei, der H�ter des Hauses Han, h�tte von solch einer Spionin erfahren, und Wang-mu w�re niemals eingestellt worden. Wang-mu hatte den Vorarbeiter nicht mit Geld bestochen. Sie war erst vierzehn, aber schon ein sehr h�bsches M�dchen. Qing-jao hatte genug Geschichtsb�cher und Biographien gelesen, um zu wissen, wie Frauen normalerweise solche Bestechungen bezahlen mu�ten.</p><p>Grimmig kam Qing-jao zum Schlu�, da� der Sache diskret nachgegangen werden und der Vorarbeiter in namenloser Schande entlassen werden mu�te, sollte sich ihr Verdacht best�tigen. Bei dieser Ermittlung w�rde Wang-mus Name niemals in der �ffentlichkeit erw�hnt werden, so da� ihr kein Schaden entstehen w�rde. Qing-jao mu�te nur Ju Kung-mei darum bitten, und er w�rde daf�r sorgen, da� es erledigt wurde.</p><p>Qing-jao betrachtete das sch�ne Gesicht ihrer schlafenden Dienerin, ihrer w�rdigen neuen Freundin, und wurde von Traurigkeit �berw�ltigt. Am traurigsten machte Qing-jao jedoch nicht der Preis, den Wang-mu an den Vormann entrichtet hatte, sondern die Tatsache, da� sie ihn f�r so eine w�rdelose, schmerzhafte, schreckliche Anstellung entrichtet hatte, wie der Dienst als Han Qing-jaos geheime Magd es nun einmal war. Wenn eine Frau die Pforte zu ihrem Leib verkaufen mu�te, und so viele Frauen waren im Verlauf der menschlichen Geschichte dazu gezwungen gewesen, mu�ten die G�tter sie angemessener daf�r entlohnen.</p><p>Deshalb schlief Qing-jao an diesem Morgen mit noch festerer Entschlossenheit ein, sich Si Wang-mus Ausbildung zu widmen. Sie konnte nicht zulassen, da� Wang-mus Ausbildung ihren Kampf mit dem R�tsel der Lusitania-Flotte st�rte, doch sie w�rde jeden freien Augenblick abzweigen und Wang-mu eine angemessene Segnung zu Ehren ihres Opfers geben. Sicherlich erwarteten die G�tter nicht weniger von ihr, nachdem sie ihr so eine perfekte geheime Magd geschickt hatten.</p></section><section><title><p id="_Toc119392797">Kapitel 8</p><p>Wunder</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Ender hat sich in letzter Zeit oft an uns gewandt. Er besteht darauf, da� wir uns eine M�glichkeit ausdenken, schneller als das Licht zu reisen.�</p><p>�Du hast gesagt, das sei unm�glich.�</p><p>�Davon gehen wir aus. Davon gehen die menschlichen Wissenschaftler aus. Doch Ender besteht darauf, da�, wenn Verk�rzer Informationen senden, es m�glich sein sollte, Materie mit derselben Schnelligkeit zu �bertragen. Das ist nat�rlich Unsinn � Information und physische Realit�t lassen sich nicht vergleichen.�</p><p>�Warum will er unbedingt schneller als das Licht fliegen?�</p><p>�Es ist eine l�cherliche Idee, nicht wahr � vor seinem eigenen Bild irgendwo anzukommen. Als tr�te man durch einen Spiegel, um sich selbst auf der anderen Seite zu treffen.�</p><p>�Ender und W�hler haben oft dar�ber gesprochen � ich habe sie geh�rt. Ender glaubt, da� Materie und Energie vielleicht nur aus Information bestehen. Da� die physische Wirklichkeit nichts anderes ist als die Nachricht, die die Philoten untereinander �bertragen.�</p><p>�Was sagt W�hler?�</p><p>�Er sagt, Ender habe zur H�lfte recht. W�hler sagt, da� die psychische Wirklichkeit eine Nachricht <emphasis>ist � </emphasis>und diese Nachricht sei eine Frage, die die Philoten st�ndig Gott stellen.�</p><p>�Wie lautet die Frage?�</p><p>�Ein Wort: Warum?�</p><p>�Und wie beantwortet Gott die Frage?�</p><p>�Mit Leben. W�hler sagt, durch Leben g�be Gott dem Universum Sinn.�</p><empty-line/><p>Miros ganze Familie fand sich zu seiner Begr��ung ein, als er nach Lusitania zur�ckkehrte. Schlie�lich liebten sie ihn. Und er liebte sie, und nach einem Monat im Weltraum freute er sich auf ihre Gesellschaft. Er wu�te, da� sein Monat im All f�r sie ein Vierteljahrhundert gewesen war. Er hatte sich auf die Falten in Mutters Gesicht vorbereitet und sogar darauf, da� Grego und Quara Erwachsene von �ber drei�ig Jahren sein w�rden. Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, da� sie Fremde sein w�rden. Nein, schlimmer als Fremde. Sie waren Fremde, die Mitleid mit ihm hatten und ihn zu kennen glaubten und wie zu einem Kind auf ihn hinabsahen. Sie alle waren �lter als er. Und gleichzeitig j�nger, denn der Schmerz und Verlust hatten sie nicht so stark ber�hrt wie ihn.</p><p>Ela war, wie �blich, die beste von ihnen. Sie umarmte ihn, k��te ihn und sagte: �Du l��t mich so sterblich f�hlen. Doch ich bin froh, dich so jung zu sehen.� Wenigstens hatte sie den Mut f�r das Eingest�ndnis, da� es eine Barriere zwischen ihnen gab, wenngleich sie auch so tat, diese Barriere sei seine Jugend. F�rwahr, Miro war genauso, wie sie sich an ihn erinnerten � zumindest sein Gesicht. Der lange verlorene Bruder kehrte von den Toten zur�ck; der Geist, der kommt, um als ewig Junger die Familie zu verfolgen. Doch die wirkliche Barriere war die Art und Weise, wie er sich bewegte. Wie er sprach.</p><p>Sie hatten offensichtlich vergessen, wie stark behindert er war, wie schlecht sein K�rper dem besch�digten Gehirn gehorchte. Der schlurfende Gang, die verzerrte, schwer zu verstehende Sprache � ihre Ged�chtnisse hatten all diese unangenehmen Dinge ausgel�scht, und sie erinnerten sich so an ihn, wie er vor dem Unfall gewesen war. Schlie�lich war er nur ein paar Monate behindert gewesen, bevor er auf seine Zeitdilations-Reise gegangen war. Es war nicht schwer, diese Zeit zu vergessen und sich statt dessen an den Miro zu erinnern, den sie so viele Jahre vor dem Unfall gekannt hatten. Stark, gesund, der einzige, der dem Mann die Stirn bieten konnte, den sie Vater genannt hatten. Sie konnten ihre Betroffenheit nicht verbergen. Er erkannte sie an ihrem Z�gern, den ausweichenden Blicken, dem Versuch, einfach zu ignorieren, da� seine Worte so schwer zu verstehen waren, da� er so langsam ging.</p><p>Er sp�rte ihre Ungeduld. Nach ein paar Minuten konnte er feststellen, da� zumindest einige versuchten, von ihm wegzukommen. Noch so viel zu tun bis heute nachmittag. Wir sehen uns beim Abendessen. Diese ganze Sache war ihnen so unangenehm, da� sie fliehen mu�ten, Zeit ben�tigten, um sich an diesen Miro zu gew�hnen, der gerade zu ihnen zur�ckgekehrt war. Grego und Quara waren am meisten darauf bedacht, von ihm fortzukommen, und das traf ihn � sie hatten ihn einmal geradezu angebetet. Nat�rlich verstand er, da� es genau aus diesem Grund f�r sie so schwer war, sich mit dem gebrochenen Miro zu befassen, der vor ihnen stand.</p><p>�Wir haben uns �berlegt, ob wir ein gro�es Familienessen abhalten�, sagte Ela. �Mutter wollte es, aber ich dachte, wir sollten noch damit warten und dir etwas Zeit lassen.�</p><p>�Hoffentlich habt ihr nicht die ganze Zeit mit dem Essen auf mich gewartet�, sagte Miro.</p><p>Nur Ela und Valentine schienen zu begreifen, da� er scherzte; sie waren die einzigen, die mit einem leisen Kichern darauf reagierten, mit einem leisen Kichern. Die anderen hatten seine Worte nicht einmal akustisch verstanden.</p><p>Sie standen im hohen Gras neben dem Landefeld, seine gesamte Familie: Mutter, nun �ber sechzig Jahre alt, das Haar stahlgrau, das Gesicht grimmig vor Konzentration, wie es immer gewesen war. Doch jetzt hatte sich dieser Ausdruck tief in die Linien auf ihrer Stirn und die Falten neben ihrem Mund gegraben. Er begriff pl�tzlich, da� sie eines Tages sterben w�rde. Wahrscheinlich nicht in den n�chsten drei�ig oder vierzig Jahren, aber eines Tages. Hatte er jemals erkannt, wie sch�n sie vorher gewesen war? Irgendwie hatte er geglaubt, die Ehe mit dem Sprecher f�r die Toten w�rde sie irgendwie weicher machen, wieder jung. Und vielleicht hatte sie das auch, vielleicht hatte Andrew Wiggin sie in ihrem Herzen jung gemacht. Aber der K�rper war noch das, wozu die Zeit ihn gemacht hatte. Sie war alt.</p><p>Ela war in den Vierzigern. Sie hatte offenbar keinen Mann, doch vielleicht war sie verheiratet, und er war einfach nicht mitgekommen. Aber wahrscheinlich nicht. War sie mit ihrer Arbeit verheiratet? Sie schien ehrlich erfreut zu sein, ihn zu sehen, doch selbst sie konnte den Ausdruck von Mitleid und Besorgnis nicht verbergen. Hatte sie erwartet, da� ein Monat lichtschnellen Fluges ihn irgendwie heilen w�rde? Hatte sie geglaubt, er w�rde so stark und k�hn wie ein raumfahrender Gott aus irgendeinem Liebesroman aus dem Shuttle treten?</p><p>Quim, nun im Priestergewand. Jane hatte Miro erz�hlt, da� sein n�chstj�ngerer Bruder ein gro�er Missionar war. Er hatte �ber ein Dutzend Pequeninow�lder bekehrt, hatte sie getauft und mit Befugnis von Bischof Peregrino Priester unter ihnen geweiht, damit sie ihrem eigenen Volk die Sakramente geben konnten. Sie tauften alle Pequeninos, die aus den M�tterb�umen hervorgingen, alle M�tter, bevor sie starben, alle sterilen Gattinnen, die sich um die kleinen M�tter und ihren Nachwuchs k�mmerten, alle Br�der, die einen ruhmreichen Tod suchten, und alle B�ume. Doch nur die Gattinnen und Br�der konnten die Kommunion empfangen, und was die Ehe betraf, war noch niemand auf eine sinnvolle M�glichkeit gekommen, wie man solch einen Ritus zwischen einem Vaterbaum und den blinden, geistlosen Larven, die sich mit ihnen paarten, vollziehen konnte. Doch Miro sah in Quims Augen eine gewisse Begeisterung. Er setzte seine Macht zum Guten ein; als einziger von der Familie Ribeira hatte Quim sein ganzes Leben lang gewu�t, was er einmal werden wollte. Nun war er es geworden. Was interessierten ihn die theologischen Schwierigkeiten � er war der Paulus der Schweinchen, und es erf�llte ihn mit immerw�hrender Freude. Du hast Gott gedient, kleiner Bruder, und Gott hat dich zu seinem J�nger gemacht.</p><p>Auch Olhado stand da, die silbernen Augen strahlend, den Arm um eine wundersch�ne Frau gelegt, umgeben von sechs Kindern. Obwohl alle Kinder ganz nat�rlich dreinblickten, hatten sie alle den losgel�sten Ausdruck ihres Vaters angenommen. Sie beobachteten nicht, sie schauten einfach. Bei Olhado war das ganz nat�rlich gewesen; Miro kam der st�rende Gedanke, da� Olhado vielleicht eine Familie von Gaffern gezeugt hatte, wandelnden Aufnahmeger�ten, die alles Geschehen aufzeichneten, um es sp�ter wieder abzuspielen, sich aber niemals in etwas verwickeln lie�en. Aber nein, das mu�te eine T�uschung sein. Miro war nie mit Olhado ausgekommen, und so bewirkte die �hnlichkeit seiner Kinder mit ihm, da� Miro sich auch in deren N�he unbehaglich f�hlte. Die Mutter war daf�r um so h�bscher. Noch keine vierzig Jahre alt. Wie alt war sie gewesen, als Olhado sie geheiratet hatte? Was f�r eine Frau war sie, da� sie einen Mann mit k�nstlichen Augen akzeptierte? Zeichnete Olhado ihre Liebesspiele auf und spielte sie sp�ter wieder ab, damit sie wu�te, wie sie in seinen Augen aussah?</p><p>Augenblicklich sch�mte sich Miro dieses Gedankens. Ist das alles, was mir einf�llt, wenn ich Olhado sehe � seine Behinderung? Nach all den Jahren, die ich ihn kenne? Wie kann ich dann erwarten, da� sie bei mir etwas anderes sehen als <emphasis>meine </emphasis>Behinderungen, wenn sie mich betrachten?</p><p>Es war eine gute Idee gewesen, diesen Ort zu verlassen. Ich bin froh, da� Andrew Wiggin es vorgeschlagen hat. Der einzige Teil, der keinen Sinn ergibt, ist meine R�ckkehr. Warum bin ich hier?</p><p>Fast gegen seinen Willen drehte sich Miro zu Valentine um. Sie l�chelte ihm zu, legte den Arm und ihn und dr�ckte ihn. �Es ist gar nicht so schlecht�, sagte sie.</p><p>Nicht so schlecht wie was?</p><p>�Ich habe nur noch den einen Bruder, der mich begr��en kann�, sagte sie. �Zu deiner Begr��ung ist deine ganze Familie gekommen.�</p><p>�Genau�, sagte Miro.</p><p>Erst dann meldete sich Jane; er vernahm ihre Stimme im Ohr. �Nicht die ganze.�</p><p>Halt die Klappe, sagte Miro stumm.</p><p>�Nur einen Bruder?� sagte Andrew Wiggin. �<emphasis>Nur </emphasis>mich?� Der Sprecher f�r die Toten trat vor und umarmte seine Schwester. Doch entdeckte Miro in dieser Geste etwa Unbeholfenheit? War es m�glich, da� Valentine und Andrew Wiggin verklemmt miteinander umgingen? Lachhaft. Die k�hne, ungest�me Valentine und Wiggin, der Mann, der in ihr Leben eingedrungen war und ohne die geringste <emphasis>d� licen�a </emphasis>ihre Familie neu gebildet hatte. Konnten sie furchtsam sein? Konnten sie sich entfremdet haben?</p><p>�Du bist elend gealtert�, sagte Andrew. �D�nn wie ein Lattenzaun. Sorgt Jakt nicht anst�ndig f�r dich?�</p><p>�Kocht Novinha nicht?� fragte Valentine. �Und du siehst d�mmer denn je aus. Ich bin gerade noch rechtzeitig eingetroffen, um Zeuge deiner kompletten geistigen Umwandlung in eine Pflanze zu werden.�</p><p>�Und ich dachte, du seiest gekommen, um die Welt zu retten.�</p><p>�Das Universum. Aber dich zuerst.�</p><p>Sie legte erneut einen Arm um Miro und den anderen um Andrew. �So viele von euch�, sagte sie dann zu den anderen, �doch ich habe das Gef�hl, euch alle zu kennen. Ich hoffe, da� ihr bei mir und meiner Familie bald ebenso empfinden werdet.�</p><p>So freundlich. Und ihre F�higkeit, irgendwie zu bewirken, da� sich andere Menschen in ihrer Gegenwart wohl f�hlen. Sogar <emphasis>ich, </emphasis>dachte Miro. Sie hat die Menschen einfach <emphasis>im Griff. </emphasis>Genau wie Andrew Wiggin. Hat sie es von ihm gelernt, oder er von ihr? Oder war diese Eigenschaft ihrer Familie angeboren? Schlie�lich war Peter der h�chste Manipulator aller Zeiten gewesen, der urspr�ngliche Hegemon. Was f�r eine Familie. So ungew�hnlich wie meine. Nur, da� die ihre wegen ihres Genies ungew�hnlich ist und die meine wegen der Schmerzen, die wir so viele Jahre miteinander geteilt haben, wegen der Entstellung unserer Seelen. Und ich bin der seltsamste, der, dem der gr��te Schaden zugef�gt wurde. Andrew Wiggin kam, um die Wunden zwischen uns zu heilen, und hat seine Sache gut gemacht. Doch die inneren Entstellungen � k�nnen die jemals geheilt werden?</p><p>�Wie w�re es mit einem Picknick?� fragte Miro.</p><p>Diesmal lachten alle. Wie war das, Andrew, Valentine? Kann ich auch mit ihnen umgehen? Trage ich dazu bei, da� alles glatt verl�uft? Habe ich allen geholfen, so zu tun, als w�ren sie froh, mich zu sehen, als h�tten sie irgendeine Ahnung, wer ich wirklich bin?</p><p>�Sie wollte kommen�, sagte Jane in Miros Ohr.</p><p>Halt die Klappe, sagte Miro erneut. Ich h�tte sowieso nicht gewollt, da� sie kommt.</p><p>�Aber sie wird dich sp�ter sehen.�</p><p>Nein.</p><p>�Sie ist verheiratet. Sie hat vier Kinder.�</p><p>Das bedeutet mir jetzt nichts mehr.</p><p>�Sie hat seit Jahren nicht mehr deinen Namen im Schlaf gerufen.�</p><p>Ich dachte, du w�rest meine Freundin.</p><p>�Das bin ich auch. Ich kann deine Gedanken lesen.�</p><p>Du bist eine alte Hexe, die sich in alles einmischt, und du kannst <emphasis>gar nichts </emphasis>lesen.</p><p>�Sie wird dich morgen fr�h besuchen. Im Haus deiner Mutter.�</p><p>Ich werde nicht dort sein.</p><p>�Du glaubst, du kannst vor ihr davonlaufen?�</p><p>W�hrend seines Gespr�chs mit Jane hatte Miro nichts von dem geh�rt, was die anderen um ihn herum sagten, doch das spielte keine Rolle. Valentines Mann und Kinder waren aus dem Schiff gekommen, und sie stellte sie allen vor. Besonders ihrem Onkel nat�rlich. Es �berraschte Miro, wie ehrf�rchtig sie mit ihm sprachen. Aber andererseits wu�ten sie nat�rlich, wer er wirklich war. Ender der Xenozide, ja, aber auch der Sprecher f�r die Toten, der Autor der <emphasis>Schw�rmk�nigin </emphasis>und des <emphasis>Hegemon. </emphasis>Miro wu�te das <emphasis>jetzt </emphasis>nat�rlich auch, doch als er Wiggin kennenlernte, hatte Feindseligkeit zwischen ihnen geherrscht � er war nur ein umherziehender Sprecher f�r die Toten, der Priester einer humanistischen Religion, der es darauf abgesehen zu haben schien, Miros Familie von innen nach au�en zu kehren. Was er auch getan hatte. Ich glaube, ich hatte mehr Gl�ck als sie, dachte Miro. Ich lernte ihn als Mensch kennen, bevor ich erfuhr, da� er eine gro�e Gestalt der Menschheitsgeschichte ist. <emphasis>Sie </emphasis>werden ihn wahrscheinlich niemals so kennen wie ich.</p><p>Und <emphasis>ich </emphasis>kenne ihn eigentlich �berhaupt nicht. Ich kenne niemanden, und niemand kennt mich. Wir verbringen unser Leben damit, unentwegt zu vermuten, was in einem anderen vorgeht, und wenn wir Gl�ck haben und richtig geraten haben, glauben wir, jemanden zu �verstehen�. So ein Unsinn. Selbst ein Affe an einem Computer wird dann und wann ein richtiges Wort eingeben.</p><p>Ihr kennt mich nicht, keiner von euch, sagte er stumm. Am wenigsten die alte Hexe, die sich in alles einmischt und in meinem Ohr wohnt. Hast du das geh�rt?</p><p>�Wie k�nnte ich dieses j�mmerliche Wimmern �berh�ren?�</p><p>Andrew legte das Gep�ck auf den Wagen. Es war nur Platz f�r ein paar Passagiere. �Miro � willst du mit mir und Novinha fahren?�</p><p>Bevor er antworten konnte, hatte Valentine seinen Arm ergriffen. �Oh, tu das nicht�, sagte sie. �Gehe mit mir und Jakt. Wir haben so lange beengt auf dem Schiff gelebt.�</p><p>�Richtig so�, sagte Andrew. �Seine Mutter hat ihn f�nfundzwanzig Jahre lang nicht gesehen, aber ihr wollt ihn auf einem Spaziergang mitnehmen. Ihr seid mir ja von der r�cksichtsvollen Sorte.�</p><p>Andrew und Valentine behielten den h�nselnden Tonfall bei, den sie von Anfang an zwischen sich begr�ndet hatten, so da� sie seine Entscheidung, ganz gleich, wie sie ausfiel, lachend als eine Wahl zwischen den beiden Wiggins darstellen w�rden. Er mu�te nicht sagen: Ich m�chte fahren, weil ich ein Kr�ppel bin. Und er hatte keine Entschuldigung daf�r, beleidigt zu sein, weil ihm jemand eine besondere Behandlung zukommen lassen wollte. Es geschah so feinf�hlig, da� sich Miro fragte, ob Valentine und Andrew vorab dar�ber gesprochen hatten. Vielleicht mu�ten sie aber auch gar nicht �ber solche Dinge sprechen. Vielleicht hatten sie so viele Jahre gemeinsam verbracht, da� sie wu�ten, wie sie zusammenwirken mu�ten, um die Dinge f�r andere Menschen zu gl�tten, ohne gro�artig dar�ber nachdenken zu m�ssen. Wie Schauspieler, die schon so oft gemeinsam die gleichen Rollen gespielt hatten, da� sie ohne die geringste Verwirrung improvisieren konnten.</p><p>�Ich gehe zu Fu߫, sagte Miro. �Ich nehme den langen Weg. Geht ihr anderen schon vor.�</p><p>Novinha und Ela wollten protestieren, doch Miro sah, da� Andrew die Hand auf Novinhas Arm legte. Was Ela betraf, so lie� Quims Arm um ihre Schulter sie verstummen.</p><p>�Komm direkt nach Hause�, sagte Ela. �Wie lange du auch brauchst, du kommst nach Hause.�</p><p>�Wohin sonst?� fragte Miro.</p><empty-line/><p>Valentine wu�te nicht, was sie von Ender halten sollte. Es war erst ihr zweiter Tag auf Lusitania, doch sie hatte schon ohne jeden Zweifel mitbekommen, da� etwas nicht in Ordnung war. Nicht, da� Ender keinen Grund zur Besorgnis gehabt h�tte. Er hatte ihr erkl�rt, welche Probleme die Xenobiologen mit der Descolada hatten, welche Spannungen es zwischen Grego und Quara gab, und nat�rlich war da immer die Flotte des Kongresses, der Tod, der �ber ihnen im Himmel schwebte. Doch Ender hatte sich oft mit Problemen und Spannungen auseinandersetzen m�ssen, viele Male in seinen Jahren als Sprecher f�r die Toten. Er hatte sich in die Probleme von Nationen und Familien gest�rzt, von Gemeinden und einzelnen Menschen, hatte darum gek�mpft, sie zu verstehen und die Krankheiten des Herzens dann zu heilen und zu l�utern. Nie hatte er sich so benommen, wie er sich jetzt benahm.</p><p>Oder vielleicht doch, einmal.</p><p>Als sie Kinder waren und Ender darauf vorbereitet wurde, die Flotten zu kommandieren, die gegen alle Krabbler-Welten ausgeschickt wurden, hatten sie Ender f�r eine gewisse Zeit zur Erde zur�ckgebracht � die Ruhe vor dem Sturm, wie sich herausstellen sollte. Ender und Valentine waren seit seinem f�nften Lebensjahr voneinander getrennt, und es durfte nicht einmal ein unzensierter Briefwechsel zwischen ihnen stattfinden. Dann �nderten sie ihre Politik pl�tzlich und brachten Valentine zu ihm. Er wurde auf einem gro�en Privatsitz in der N�he ihrer Heimatstadt gefangengehalten und verbrachte seine Tage damit, zu schwimmen und sich v�llig unt�tig auf einem kleinen See treiben zu lassen.</p><p>Zuerst hatte Valentine gedacht, es sei alles in Ordnung, und sie war lediglich froh, ihn endlich wiederzusehen. Doch bald begriff sie, da� etwas ganz und gar nicht stimmte. Doch in jenen Tagen hatte sie Ender nicht so gut gekannt � sie war schlie�lich �ber sein halbes Leben lang von ihm getrennt gewesen. Doch sie wu�te, da� es ihm gar nicht �hnlich sah, so bedr�ckt zu wirken. Nein, das war es eigentlich gar nicht. Er war nicht bedr�ckt, er war <emphasis>unt�tig. </emphasis>Er hatte sich von der Welt gel�st. Und ihre Aufgabe war es, ihn wieder mit ihr zu verbinden. Ihn zur�ckzuholen und ihm seinen Platz im Netzwerk der Menschheit zu zeigen.</p><p>Weil sie Erfolg hatte, konnte er schlie�lich wieder ins All gehen und die Flotten kommandieren, die die Krabbler v�llig vernichteten. Seit dieser Zeit schien seine Verbindung mit der Menschheit ungef�hrdet.</p><p>Doch nun war sie wieder fast ein halbes Leben von ihm getrennt gewesen. F�nfundzwanzig Jahre f�r sie, drei�ig f�r ihn. Und wieder wirkte er losgel�st. Sie musterte ihn, w�hrend er sie und Miro und Plikt mit dem Wagen ausf�hrte, hinweg �ber die endlosen Capimebenen.</p><p>�Wir sind wie ein kleines Boot auf dem Ozean�, sagte Ender.</p><p>�Eigentlich nicht�, sagte sie und erinnerte sich an die Zeit, da Jakt sie auf einem der kleinen Boote mitgenommen hatte, mit denen die Netze ausgelegt wurden. Die drei Meter hohen Wellen hatten sie hochgehoben und dann wieder in den Graben st�rzen lassen � auf dem gro�en Fischerboot hatten diese Wellen sie kaum geschaukelt, w�hrend sie bequem auf dem Meer lagen, doch in dem winzigen Beiboot waren sie �berw�ltigend. Buchst�blich atemberaubend � sie hatte von ihrem Sitz auf Deck hinabgleiten und sich mit beiden Armen an der Bretterbank festhalten m�ssen, bevor sie wieder zu Atem kam. Es gab keinen Vergleich zwischen dem schweren, rollenden Ozean und dieser �ppigen Grasebene.</p><p>Andererseits� f�r Ender vielleicht doch. Wenn er die Capimebene sah, sah er in ihr vielleicht den Descolada-Virus, der sich unentwegt anpa�te, um die Menschheit und alle anderen Spezies ihrer Welt zu vernichten. Vielleicht rollte und wogte diese Ebene f�r ihn genauso brutal wie der Ozean.</p><p>Die Seem�nner hatten sie ausgelacht, nicht sp�ttisch, sondern z�rtlich, wie Eltern, die �ber die �ngste eines Kindes lachen. �Dieser Seegang ist noch gar nichts�, sagten sie. �Sie m��ten das mal in zw�lf Meter hohen Wellen machen.�</p><p>Ender war nach au�en hin so ruhig wie damals die Seem�nner. Ruhig, losgel�st. Er unterhielt sich mit ihr und Miro und der stillen Plikt, hielt aber noch immer etwas zur�ck. Stimmt etwas nicht zwischen Ender und Novinha? Valentine hatte sie nicht lange genug zusammen gesehen, um zu wissen, was nat�rlich zwischen ihnen war � auch wenn es keine offensichtlichen Streitigkeiten gab. Also war Enders Problem vielleicht eine wachsende Barriere zwischen ihm und der Gemeinde von Lusitania. Das war eine M�glichkeit. Valentine erinnerte sich genau, wie schwer es f�r sie gewesen war, von den Trondheimern akzeptiert zu werden, und sie war mit einem Mann von gewaltigem Ansehen unter ihnen verheiratet gewesen. Wie war es f�r Ender, der mit einer Frau verheiratet war, deren gesamte Familie sich schon vom Rest Lusitanias entfremdet hatte? Konnte es sein, da� er diesen Ort nicht so grundlegend geheilt hatte, wie alle annahmen?</p><p>Unm�glich. Als sich Valentine heute morgen mit Kovano Zeljezo, dem B�rgermeister, und dem alten Bischof Peregrino getroffen hatte, hatten sie echte Zuneigung f�r Ender gezeigt. Valentine hatte an zu vielen Konferenzen teilgenommen, um nicht den Unterschied zwischen formeller H�flichkeit, politischer Scheinheiligkeit und echter Freundschaft zu kennen. Wenn sich Ender diesen Leuten fremd f�hlte, lag es nicht an ihnen.</p><p>Ich deute zuviel in die Sache hinein, dachte Valentine. Wenn Ender mir so seltsam und fremd vorkommt, liegt es daran, da� <emphasis>wir </emphasis>so lange getrennt waren. Oder vielleicht daran, da� er sich neben Miro, diesem zornigen jungen Mann, gehemmt vorkommt; oder vielleicht ist es Plikt mit ihrer stummen, berechnenden Hingabe an Ender Wiggin, die daf�r sorgt, da� er sich von uns fernh�lt. Oder es ist vielleicht nur mein Beharren, da� ich heute die Schwarmk�nigin sehen will, noch bevor wir uns mit einem F�hrer der Schweinchen treffen. Es besteht kein Grund, au�erhalb unserer gegenw�rtigen Begleiter nach Ursachen f�r seine Losgel�stheit zu suchen.</p><p>Sie machten die Stadt der Schwarmk�nigin zuerst aufgrund der Rauchs�ule ausfindig. �Fossile Treibstoffe�, sagte Ender. �Sie verbrennt sie mit abscheulicher Geschwindigkeit. Normalerweise w�rde sie das niemals tun � die Schwarmk�niginnen behandeln ihre Welten immer mit gro�er Sorgfalt und w�rden normalerweise niemals solch eine Verschwendung und solch einen Gestank erzeugen. Aber sie ist in gro�er Eile, und Mensch sagt, sie h�tten ihr aus Notwendigkeit die Erlaubnis gegeben, solch eine Umweltverschmutzung hervorzurufen.�</p><p>�Aus welcher Notwendigkeit?� fragte Valentine.</p><p>�Mensch will es nicht sagen, und die Schwarmk�nigin auch nicht, doch ich habe meine Vermutungen, und ihr werdet euch wohl auch euern Teil denken.�</p><p>�Hoffen die Schweinchen etwa, in einer einzigen Generation auf den Zug einer voll technisierten Gesellschaft zu springen, und verlassen sich dabei auf die Arbeit der Schwarmk�nigin?�</p><p>�Wohl kaum�, sagte Ender. �Daf�r sind sie viel zu konservativ. Sie wollen alles wissen, was es zu wissen gibt � aber sie sind nicht schrecklich bedacht darauf, sich mit Maschinen zu umgeben. Vergi� nicht, die B�ume der W�lder geben ihnen kostenlos und sanftm�tig jedes n�tzliche Werkzeug. Was wir Industrie nennen, ist f�r sie immer noch die reinste Brutalit�t.�</p><p>�Was dann? Warum all dieser Rauch?�</p><p>�Frag sie doch�, sagte Ender. �Vielleicht ist sie zu <emphasis>dir </emphasis>ehrlich.�</p><p>�Werden wir sie wirklich sehen?� fragte Miro.</p><p>�O ja�, sagte Ender. �Oder besser gesagt � wir werden zumindest in ihrer Anwesenheit sein. Vielleicht ber�hrt sie uns sogar. Aber vielleicht ist es um so besser, je weniger wir sehen. Sie lebt normalerweise in der Dunkelheit, wenn sie nicht kurz vor der Ablage eines Eies steht. Dann mu� sie sehen k�nnen, und die Arbeiter �ffnen Tunnel, damit das Tageslicht hineinfallen kann.�</p><p>�Sie haben kein k�nstliches Licht?� fragte Miro.</p><p>�Sie haben nie welches benutzt�, sagte Ender, �nicht einmal auf den Sternenschiffen, die damals w�hrend der Krabblerkriege ins Sonnensystem kamen. Sie hassen die Art, wie wir Licht sehen. F�r sie ist jede W�rmequelle deutlich sichtbar. Ich glaube, sie arrangieren ihre W�rmequellen sogar in Mustern, die man nur als �sthetisch bezeichnen kann. Thermalmalerei.�</p><p>�Warum benutzt sie dann Licht zur Ablage eines Eies?� fragte Valentine.</p><p>�Ich w�rde es nicht unbedingt ein Ritual nennen � die Schwarmk�nigin blickt f�rchterlich ver�chtlich auf die menschliche Religion herab. Sagen wir einfach, es ist Teil ihrer genetischen Abstammung. Ohne Sonnenlicht legt sie kein Ei ab.�</p><p>Dann waren sie in der Krabblerstadt.</p><p>Valentine war nicht �berrascht �ber das, was sie vorfanden � schlie�lich waren sie und Ender in ihrer Jugend in der ersten Kolonie auf einer ehemaligen Krabblerwelt gewesen. Doch sie wu�te, da� das Erlebnis f�r Miro und Plikt �berraschend und fremdartig sein w�rde, und in der Tat �berkam auch sie ein Teil der alten Orientierungslosigkeit. Nicht, da� die Stadt offenkundig seltsam wirkte. Sie bestand aus Geb�uden, die meisten davon niedrig, aber nach denselben Prinzipien wie jedes menschliche Haus errichtet. Seltsam war die Art und Weise, wie sie angelegt waren. Es gab keine Wege und Stra�en, keinen Versuch, die Geb�ude in eine Richtung anzuordnen. Auch erhoben sie sich nicht gleich hoch aus dem Boden. Einige bestanden nur aus auf der Erde ruhenden D�chern, andere waren sehr hoch. Farbe schien nur zur Konservierung zu dienen � es gab keine Verzierungen. Ender hatte angedeutet, die Schwarmk�nigin w�rde W�rme �sthetisch einsetzen � eine andere �sthetik gab es ganz bestimmt nicht.</p><p>�Es ergibt keinen Sinn�, sagte Miro.</p><p>�Nicht von der Oberfl�che aus�, sagte Valentine. �Doch wenn du die Tunnels begehen k�nntest, w�rdest du feststellen, da� unterirdisch alles Sinn ergibt. Sie folgen den nat�rlichen Gesteinsschichten und -strukturen. Die Geologie hat einen gewissen Rhythmus, und die Krabbler k�nnen ihn wahrnehmen.�</p><p>�Was ist mit den hohen Geb�uden?� fragte Miro.</p><p>�Der Grundwasserspiegel ist ihre Grenze nach unten. Wenn sie gr��ere H�he brauchen, m�ssen sie nach oben gehen.�</p><p>�Was bauen sie denn, das so hoch sein mu�?� fragte Miro.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Valentine. Sie gingen um ein Geb�ude, das wenigstens dreihundert Meter hoch war; in unmittelbarer N�he konnten sie �ber ein Dutzend weitere ausmachen.</p><p>Zum ersten Mal auf diesem Ausflug ergriff Plikt das Wort. �Raketen�, sagte sie.</p><p>Valentine bemerkte, da� Ender l�chelte und leicht nickte. Also hatte Plikt seinen eigenen Verdacht best�tigt.</p><p>�Wof�r?� fragte Miro.</p><p>Nat�rlich, um in den Weltraum zu gehen! h�tte Valentine fast gesagt. Doch das war nicht fair � Miro hatte nie auf einer Welt gelebt, die um den ersten Schritt ins All k�mpfte. F�r ihn war das Verlassen des Planeten gleichbedeutend damit, den Shuttle zu einer Orbitstation zu nehmen. Doch der einzige Shuttle, der den Menschen Lusitanias zur Verf�gung stand, w�rde kaum ausreichen, das erforderliche Material f�r den Bau eines gr��eren raumtauglichen Fahrzeugs in die Umlaufbahn zu bringen. Und selbst, wenn der Shuttle dazu imstande gewesen w�re, h�tte die Schwarmk�nigin wohl kaum die Menschen um Hilfe gebeten.</p><p>�Baut sie eine Raumstation?� fragte Valentine.</p><p>�Ich glaube schon�, sagte Ender. �Aber so viele Raketen, und so gro�e � ich glaube, sie will sie in einem Rutsch bauen. Sie will wahrscheinlich die Raketen selbst ausschlachten. Was glaubt ihr, was sie vorhat?�</p><p>Valentine h�tte fast mit einem �berraschten Ausruf geantwortet � woher soll <emphasis>ich </emphasis>das wissen? Dann begriff sie, da� er sie gar nicht gefragt hatte. Denn fast sofort gab er selbst die Antwort. Was bedeutete, da� er den Computer in seinem Ohr gefragt haben mu�te. Nein, nicht den �Computer�. Jane. Er fragte Jane. Valentine konnte sich noch immer kaum an die Vorstellung gew�hnen, da� sich zwar nur vier Personen in dem Wagen befanden, aber eine f�nfte anwesend war, die durch die Juwele, die sowohl Ender als auch Miro trugen, sah und mith�rte.</p><p>�Sie k�nnte es alles auf einmal schaffen�, sagte Ender. �Nach dem zu urteilen, was wir �ber die chemischen Emissionen hier wissen, hat die Schwarmk�nigin genug Metall geschmolzen, um nicht nur eine Raumstation zu bauen, sondern auch zwei kleine Sternenschiffe mit gro�er Reichweite, wie die erste Krabblerexpedition sie benutzte. Ihre Version eines Kolonistenschiffs.�</p><p>�Bevor die Flotte eintrifft�, sagte Valentine. Pl�tzlich begriff sie. Die Schwarmk�nigin bereitete sich auf die Auswanderung vor. Sie wollte nicht dulden, da� ihre Spezies auf einem einzigen Planeten gefangen war, wenn der Chirurg wieder kam.</p><p>�Du verstehst das Problem�, sagte Ender. �Sie wird uns nicht sagen, was sie tut. Also m�ssen wir uns auf das verlassen, was Jane beobachtet und was wir vermuten k�nnen. Und was ich vermute, ergibt kein sehr h�bsches Bild.�</p><p>�Wieso sollten die Krabbler nicht den Planeten verlassen?� fragte Valentine.</p><p>�Nicht nur die Krabbler�, sagte Miro.</p><p>Valentine stellte die zweite Verbindung her. Deshalb hatten die Pequeninos der Schwarmk�nigin die Erlaubnis gegeben, ihre Welt so schlimm zu verseuchen. Deshalb waren zwei Schiffe geplant, direkt von Anfang an. �Ein Schiff f�r die Schwarmk�nigin und eins f�r die Pequeninos.�</p><p>�Das haben sie vor�, sagte Ender. �Aber wie ich es sehe � zwei Schiffe f�r die Descolada.�</p><p>�Nossa Senhora�, fl�sterte Miro.</p><p>Valentine f�hlte, wie ein Schaudern sie durchlief. Es war eine Sache, wenn die Schwarmk�nigin die Rettung ihrer Spezies plante. Aber es war eine ganz andere, da� sie den t�dlichen, anpassungsf�higen Virus mit auf andere Welten nahm.</p><p>�Du verstehst mein Dilemma�, sagte Ender. �Du verstehst, warum sie mir nicht sagt, was sie vorhat.�</p><p>�Aber du k�nntest sie sowieso nicht aufhalten, oder?� fragte Valentine.</p><p>�Er k�nnte die Kongre�flotte warnen�, sagte Miro.</p><p>Richtig. Dutzende schwerbewaffneter Sternenschiffe, die sich um Lusitania zusammenzogen � wenn sie von zwei Sternenschiffen erfuhren, die Lusitania verlassen wollten, wenn sie ihre urspr�nglichen Flugbahnen kannten, konnten sie sie abfangen. Vernichten.</p><p>�Das darfst du nicht�, sagte Valentine.</p><p>�Ich kann sie nicht aufhalten, und ich kann sie nicht ziehen lassen�, sagte Ender. �Hielte ich sie auf, ginge ich das Risiko ein, die Krabbler wie auch die Schweinchen zu vernichten. Lie�e ich sie ziehen, ginge ich das Risiko ein, die gesamte Menschheit zu vernichten.�</p><p>�Du mu�t mit ihnen sprechen. Du mu�t irgendeine �bereinkunft erzielen.�</p><p>�Was w�re eine �bereinkunft mit <emphasis>uns </emphasis>wert?� fragte Ender. �Wir sprechen nicht f�r die Menschheit im allgemeinen. Und wenn wir auf Drohungen zur�ckgreifen, wird die Schwarmk�nigin einfach all unsere Satelliten und wahrscheinlich auch unsere Verk�rzer zerst�ren. Vielleicht tut sie das ohnehin nur um ganz sicherzugehen.�</p><p>�Dann w�ren wir wirklich abgeschnitten�, sagte Miro.</p><p>�Von allem�, sagte Ender.</p><p>Valentine brauchte einen Augenblick, bis sie begriff, da� sie an Jane dachten. Ohne einen Verk�rzer konnten sie nicht mehr mit ihr sprechen. Und ohne die Satelliten im Orbit um Lusitania w�ren Janes Augen im All blind.</p><p>�Ender, ich verstehe das nicht�, sagte Valentine. �Ist die Schwarmk�nigin unser <emphasis>Feind?�</emphasis></p><p>�Das ist die Frage, nicht wahr?� erwiderte Ender. �Das ist das Problem, das sich bei der Wiederherstellung ihrer Spezies ergab. Nun, da sie wieder frei ist, da sie nicht mehr in einem Kokon eingezw�ngt ist, versteckt in einer Tasche unter meinem Bett, wird die Schwarmk�nigin das Interesse ihrer Spezies wahrnehmen � oder das, was sie daf�r h�lt.�</p><p>�Aber Ender, es darf keinen <emphasis>weiteren </emphasis>Krieg zwischen Menschen und Krabblern geben.�</p><p>�N�herte sich keine menschliche Flotte Lusitania, k�me die Frage gar nicht auf.�</p><p>�Aber Jane hat die Kommunikation der Flotte unterbrochen�, sagte Valentine. �Sie kann keinen Befehl empfangen, den Chirurgen einzusetzen.�</p><p>�Im Augenblick nicht�, sagte Ender. �Aber Valentine, was glaubst du, weshalb Jane ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt hat, um die Kommunikation zu unterbrechen?�</p><p>�Weil der Befehl geschickt wurde.�</p><p>�Der Sternenwege-Kongre� hat den Befehl gegeben, diesen Planeten zu vernichten. Und nun, da Jane ihre Macht enth�llt hat, werden sie alle um so entschlossener darangehen, uns zu vernichten. Sobald sie eine M�glichkeit gefunden haben, Jane aus dem Weg zu r�umen, werden sie gegen diese Welt vorgehen.�</p><p>�Hast du das der Schwarmk�nigin gesagt?�</p><p>�Noch nicht. Aber ich bin mir nicht sicher, wieviel sie aus meinem Verstand erfahren kann, ohne da� ich es will. Es ist nicht gerade eine Kommunikationsweise, die ich kontrollieren kann.�</p><p>Valentine legte die Hand auf Enders Schulter. �Wolltest du mich deshalb �berreden, die Schwarmk�nigin nicht zu sehen? Weil du nicht willst, da� sie das wahre Ausma� der Gefahr erf�hrt?�</p><p>�Ich will sie einfach nicht mehr wiedersehen�, sagte Ender. �Weil ich sie liebe und f�rchte. Weil ich nicht wei�, ob ich ihr helfen oder sie vernichten soll. Und weil es vielleicht nicht mehr in unserer Macht steht, sie aufzuhalten, sobald sie diese Raketen ins All gebracht hat, was jetzt jeden Tag geschehen k�nnte. Weil sie dann unseren Kontakt mit dem Rest der Menschheit unterbricht.�</p><p>Und erneut das, was er nicht sagte: Sie k�nnte Ender und Miro von Jane abschneiden.</p><p>�Ich glaube, wir m�ssen unbedingt mit ihr sprechen�, sagte Valentine.</p><p>�Oder sie t�ten�, sagte Miro.</p><p>�Jetzt versteht ihr mein Problem�, sagte Ender.</p><p>Sie fuhren schweigend weiter.</p><p>Der Eingang zur H�hle der Schwarmk�nigin war ein Geb�ude, das wie jedes andere auch aussah. Es gab keine besonderen Wachtposten � auf ihrer ganzen Fahrt hatten sie noch keinen einzigen Krabbler gesehen. Valentine erinnerte sich, da� sie in ihrer Jugend, auf ihrer ersten Koloniewelt, sich vorzustellen versucht hatte, wie die Krabblerst�dte ausgesehen hatten, als sie vollst�ndig bewohnt waren. Nun wu�te sie es � sie sahen genauso aus, wie es der Fall war, wenn sie tot waren. Keine herumeilenden Krabbler, die wie Amerisen �ber die H�gel schw�rmten. Sie wu�te, da� irgendwo unter der offenen Sonne Felder und Obstg�rten bewirtet wurden, doch von hier aus war nichts davon zu sehen.</p><p>Warum f�hlte sie sich deshalb so erleichtert?</p><p>Sie kannte die Antwort auf die Frage, noch bevor sie sie gestellt hatte. Sie hatte ihre Kindheit w�hrend der Krabblerkriege auf der Erde verbracht; die insektoiden Au�erirdischen hatten sie in ihren Alptr�umen verfolgt, wie jedes andere Kind auf der Erde auch. Doch nur eine Handvoll Menschen hatten jemals einen Krabbler von Angesicht zu Angesicht gesehen, und von denen lebten selbst zu der Zeit, als sie ein Kind war, nur noch wenige. Selbst in ihrer ersten Kolonie, wo sie von den Ruinen der Krabblerzivilisation umgeben war, hatte man nicht eine einzige ausgetrocknete Leiche gefunden. Ihre gesamten visuellen Vorstellungen von den Krabblern entstammten den Schreckensbildern der Videos.</p><p>Doch war sie nicht der erste Mensch, der Enders Buch <emphasis>Die Schwarmk�nigin </emphasis>gelesen hatte? War sie nicht die erste, die sich, von Ender einmal abgesehen, die Schwarmk�nigin als Wesen von fremdartiger Anmut und Sch�nheit vorgestellt hatte?</p><p>Sie war die erste, ja, aber das bedeutete wenig. Alle anderen Menschen, die heute lebten, waren in einem Universum aufgewachsen, das zum Teil von <emphasis>Die Schwarmk�nigin </emphasis>und <emphasis>Der Hegemon </emphasis>gepr�gt worden war, wohingegen sie und Ender die beiden einzigen noch lebenden Menschen waren, die mit einer st�ndigen Kampagne des Abscheus gegen die Krabbler gro�geworden waren. Nat�rlich empfand sie eine irrationale Erleichterung dar�ber, die Krabbler nicht sehen zu m�ssen. Bei Miro und Plikt w�rde der erste Anblick der Schwarmk�nigin und ihrer Arbeiter nicht die gleiche emotionale Spannung ausl�sen wie bei ihr.</p><p>Ich bin Demosthenes, rief sie sich in Erinnerung. Ich bin die Theoretikerin, die darauf bestanden hat, da� die Krabbler Ram�nner sind, Au�erirdische, die man verstehen und akzeptieren kann. Ich mu� einfach mein Bestes geben, um die Vorurteile meiner Kindheit zu �berwinden. Zu gegebener Zeit wird die gesamte Menschheit von der Wiederauferstehung der Schwarmk�nigin erfahren; es w�re sch�ndlich, wenn Demosthenes die einzige w�re, die die Schwarmk�nigin nicht als Ramann begr��en k�nnte.</p><p>Ender f�hrte den Wagen in einem Kreis um ein kleineres Geb�ude. �Das ist die richtige Stelle�, sagte er. Er hielt den Wagen an, lie� den Ventilator langsamer laufen und richtete ihn auf das Capim neben der einzigen T�r des Hauses. Die T�r war sehr niedrig � ein Erwachsener konnte sie nur auf H�nden und Knien passieren.</p><p>�Woher wei�t du das?� fragte Miro.</p><p>�Weil sie es sagt�, erwiderte Ender.</p><p>�Jane?� Er schaute verbl�fft drein, denn zu ihm hatte Jane nat�rlich noch nie etwas in dieser Art gesagt.</p><p>�Die Schwarmk�nigin�, erkl�rte Valentine. �Sie spricht direkt in Enders Verstand.�</p><p>�Sch�ner Trick�, sagte Miro. �Kann ich den auch lernen?�</p><p>�Wir werden sehen�, sagte Ender. �Wenn du sie kennenlernst.�</p><p>Als sie aus dem Wagen stiegen und sich in das hohe Gras fallen lie�en, wurde Valentine bewu�t, da� Miro und Ender Plikt unentwegt musterten. Nat�rlich st�rte es sie, da� Plikt so still war. Oder besser, so still <emphasis>wirkte. </emphasis>Valentine hielt Plikt f�r eine redselige, eloquente Frau. Doch sie hatte sich auch daran gew�hnt, da� Plikt zu bestimmten Zeiten einfach die Taubstumme spielte. Ender und Miro sahen sich nat�rlich zum ersten Mal mit ihrem sonderbaren Schweigen konfrontiert, und es st�rte sie. Was einer der wichtigsten Gr�nde war, weshalb Plikt schwieg. Sie war der Ansicht, da� die Menschen sich am ehesten offenbarten, wenn sie eine gewisse Angst oder Besorgnis versp�rten, und nur wenige Dinge sind so gut imstande, eine nicht spezifische Besorgnis auszul�sen wie die Gegenwart einer Person, die niemals spricht.</p><p>Valentine hielt nicht viel von dieser Technik, wenn es darum ging, sich mit Fremden zu befassen, doch sie hatte beobachtet, wie Plikts Schweigen als Lehrerin ihre Sch�ler � Valentines Kinder � zwang, sich mit ihren eigenen Ideen zu befassen. Wenn Valentine und Ender unterrichteten, forderten sie ihre Sch�ler mit Dialogen, Fragen, Streitpunkten heraus. Doch Plikt zwang ihre Sch�ler, beide Seiten eines Streitpunkts durchzuspielen, eigenen Ideen hervorzubringen und sie dann anzugreifen, um ihre eigenen Einw�nde zu widerlegen. Diese Methode w�rde bei den meisten Menschen wahrscheinlich nicht funktionieren. Valentine war zum Schlu� gekommen, da� sie bei Plikt so gut funktionierte, weil es sich bei ihrer Wortlosigkeit <emphasis>nicht </emphasis>um vollst�ndige Nonkommunikation handelte. Ihr ruhiger, durchdringender Blick war in sich selbst ein beredsamer Ausdruck der Skepsis. Wenn ein Sch�ler mit diesem steten, starren Blick konfrontiert wurde, ergab er sich bald seiner eigenen Unsicherheit. Jeder Zweifel, den der Sch�ler erfolgreich zur Seite geschoben und ignoriert hatte, dr�ngte sich nun an die Oberfl�che, und der Sch�ler mu�te daraufhin in sich selbst die Gr�nde f�r Plikts anscheinenden Zweifel entdecken.</p><p>Valentines �lteste, Syfte, hatte diese einseitigen Konfrontationen �in die Sonne starren� genannt. Und nun waren Ender und Miro an der Reihe, sich im Wettstreit mit diesem alles sehenden Auge und dem nichts sagenden Mund zu blenden. Valentine wollte �ber ihr Unbehagen lachen, sie beruhigen. Und sie wollte Plikt einen sanften Klaps geben und ihr sagen, nicht zu schwierig zu sein.</p><p>Doch statt dessen ging Valentine zur T�r des Geb�udes und zog sie auf. Es gab keinen Riegel, nur einen Griff, und die T�r lie� sich problemlos �ffnen. Sie hielt sie auf, w�hrend Ender auf die Knie fiel und hindurchkroch. Plikt folgte ihm augenblicklich. Dann seufzte Miro und sank langsam auf die Knie. Sein Kriechen wirkte unbeholfener als sein Gehen � er vollzog jede Arm- oder Beinbewegung einzeln, als m�sse er jeweils eine Sekunde dar�ber nachdenken, was er zu tun habe. Endlich war er hindurch, und Valentine b�ckte sich und watschelte im Entengang durch die T�r. Sie war die kleinste und mu�te nicht kriechen.</p><p>Innen kam das einzige Licht von der T�r�ffnung. Der Raum war unm�bliert, der Boden schmutzig. Erst als sich Valentines Augen an die Dunkelheit gew�hnt hatten, konnte sie ausmachen, da� der dunkelste Schatten ein Tunnel war, der tiefer in die Erde f�hrte.</p><p>�Die Tunnel sind nicht beleuchtet�, sagte Ender. �Sie wird mich f�hren. Ihr m��t einander an den H�nden festhalten. Valentine, du gehst als letzte, einverstanden?�</p><p>�K�nnen wir aufrecht hinabgehen?� fragte Miro. Die Frage war eindeutig wichtig f�r ihn.</p><p>�Ja�, sagte Ender. �Deshalb hat sie diesen Eingang gew�hlt.�</p><p>Sie gaben sich die H�nde; Plikt nahm Enders Hand, Miro ging zwischen den beiden Frauen. Ender f�hrte sie ein paar Schritte den Tunnel hinab. Er war steil, und die tiefe Dunkelheit war entmutigend. Doch Ender blieb stehen, bevor die Dunkelheit absolut wurde.</p><p>�Worauf warten wir?� fragte Valentine.</p><p>�Auf unseren F�hrer�, entgegnete Ender.</p><p>In diesem Augenblick traf der F�hrer ein. In der Dunkelheit konnte Valentine kaum den schwarzen Arm mit nur einem Finger und Daumen ausmachen, der an Enders Hand zerrte. Ender schlo� augenblicklich die linke Hand um den Finger; der schwarze Daumen schlo� sich wie eine Zange �ber seiner Hand. Valentine versuchte, den Krabbler zu sehen, zu dem der Arm geh�rte, doch sie konnte nur einen kindgro�en Schatten ausmachen und vielleicht den leichten Schimmer von Licht, das von einem R�ckenschild reflektiert wurde.</p><p>Ihre Vorstellungskraft lieferte alles, was fehlte, und gegen ihren Willen erschauderte sie.</p><p>Miro murmelte etwas auf Portugiesisch. Also zeigte auch bei ihm die Anwesenheit des Krabblers Wirkung. Plikt jedoch blieb stumm, und Valentine konnte nicht sagen, ob sie zitterte oder v�llig unbeeindruckt war. Dann machte Miro einen schlurfenden Schritt nach vorn, zerrte an Valentines Hand und f�hrte sie in die Dunkelheit.</p><empty-line/><p>Ender wu�te, wie schwer den anderen dieser Weg fallen w�rde. Bislang hatten nur er, Novinha und Ela jemals die Schwarmk�nigin besucht, und Novinha war nie zu ihr zur�ckgekehrt. Die Dunkelheit war zu entnervend; sie mu�ten sich endlos ohne die Hilfe der Augen hinabbewegen und wu�ten nur aufgrund leiser Ger�usche, da� Leben und Bewegung um sie herum war.</p><p>�D�rfen wir sprechen?� fragte Valentine. Ihre Stimme klang sehr schrill.</p><p>�Das ist eine gute Idee�, sagte Ender. �<emphasis>Sie</emphasis> werdet ihr nicht st�ren. Sie bemerken Ger�usche kaum.�</p><p>Miro sagte etwas. Ender stellte fest, da� man ihn noch schwerer verstehen konnte, wenn man nicht von seinen Lippen ablesen konnte.</p><p>�Was?� fragte Ender.</p><p>�Wir <emphasis>beide </emphasis>wollen wissen, wie weit es noch ist�, sagte Valentine.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte Ender. �Von hier aus jedenfalls nicht. Und sie k�nnte fast �berall dort unten sein. Es gibt Dutzende von Kinderstuben. Aber keine Angst. Ich bin mir ziemlich sicher, da� ich den R�ckweg finden werde.�</p><p>�Ich auch�, sagte Valentine. �Mit einer Taschenlampe jedenfalls.�</p><p>�Kein Licht�, sagte Ender. �F�r die Ablage des Eies ist Sonnenlicht n�tig, doch danach verz�gert Licht die Entwicklung der Eier nur. Und in einem bestimmten Stadium kann es die Larven t�ten.�</p><p>�Aber <emphasis>du </emphasis>k�nntest in der Dunkelheit den Weg aus diesem Alptraum finden?� fragte Valentine.</p><p>�Wahrscheinlich�, sagte Ender. �Es gibt Muster. Wie Spinnennetze � wenn man die allgemeine Struktur begriffen hat, ergibt jeder Tunnelabschnitt mehr Sinn.�</p><p>�Diese Tunnel sind nicht zuf�llig angelegt worden?� Valentines Stimme klang skeptisch.</p><p>�Es ist wie bei den Tunnel auf Eros�, sagte Ender. Er hatte eigentlich kaum Gelegenheit gehabt, sie zu erkunden, als er als Kindsoldat auf Eros lebte. Der Asteroid war von den Krabblern ausgeh�hlt worden, bevor sie ihn zu ihrer vordersten Basis im Sonnensystem gemacht hatten; nachdem er im ersten Krabblerkrieg erobert worden war, wurde er zum Flottenhauptquartier der menschlichen Verb�ndeten bestimmt. W�hrend seiner Monate dort hatte Ender den Gro�teil seiner Zeit und Aufmerksamkeit der Aufgabe gewidmet, zu lernen, wie man die Sternenschiffe im All kontrolliert. Doch er mu�te viel mehr �ber die Tunnel gelernt haben, als er damals begriffen hatte, denn als die Schwarmk�nigin ihn zum ersten Mal in ihre H�hlen auf Lusitania geholt hatte, stellte Ender fest, da� er niemals �berraschende Tunnelbiegungen und -abzweigungen vorzufinden schien. Sie f�hlten sich richtig an; nein, sie f�hlten sich <emphasis>unvermeidlich </emphasis>an.</p><p>�Was ist Eros?� fragte Miro.</p><p>�Ein Asteroid in der N�he der Erde�, sagte Valentine. �Der Ort, wo Ender den Verstand verloren hat.�</p><p>Ender versuchte, ihnen zu erkl�ren, wie das Tunnelsystem organisiert war, doch es war zu kompliziert. Wie bei Fraktalen gab es zu viele m�gliche Ausnahmen, um das System in allen Einzelheiten zu begreifen � je mehr man sich darum bem�hte, desto mehr entzog es sich dem Verst�ndnis. Doch f�r Ender wirkte es immer gleich, ein Muster, das sich immer und immer wiederholte. Vielleicht lag es nur daran, da� sich Ender irgendwie in den Schwarmverstand versetzt hatte, als er die Krabbler studierte, um sie zu besiegen. Vielleicht hatte er einfach gelernt, wie ein Krabbler zu denken. In diesem Fall hatte Valentine recht � er hatte einen Teil seines Menschenverstandes verloren, oder zumindest etwas vom Schwarmverstand hinzugef�gt.</p><p>�Wir sind fast da�, sagte Ender. �Und da sie Eier ablegt, wird sie gut gelaunt sein.�</p><p>�W�re sie dabei nicht lieber ungest�rt?� fragte Miro.</p><p>�Es l��t sich mit einem kleineren sexuellen H�hepunkt vergleichen, der mehrere Stunden anh�lt�, sagte Ender. �Es macht sie ziemlich fr�hlich. Schwarmk�niginnen sind normalerweise nur von Arbeitern und Drohnen umgeben, die als Teil des Ganzen funktionieren. Sie haben nie Sch�chternheit gelernt.�</p><p>In seinem Verstand sp�rte er jedoch die Intensit�t ihrer Gegenwart. Sie konnte nat�rlich jederzeit mit ihm kommunizieren. Doch wenn er sich in ihrer N�he befand, war es, als atmete sie in seine Sch�deldecke; das Gef�hl wurde schwer und bedr�ckend. F�hlten die anderen es auch? W�rde sie zu ihnen sprechen k�nnen? Bei Ela war nichts passiert � Ela hatte nicht einmal einen Schimmer des stillen Gespr�chs erfassen k�nnen. Was Novinha betraf, so weigerte sie sich, dar�ber zu sprechen, und stritt ab, etwas geh�rt zu haben, doch Ender vermutete, da� sie die fremde Gegenwart einfach abgelehnt hatte. Die Schwarmk�nigin behauptete, deutlich im Verstand der beiden lesen zu k�nnen, solange sie sich in der N�he befanden, sich aber kein �Geh�r� verschaffen zu k�nnen. W�rde es heute mit den anderen genauso sein?</p><p>Es w�re so sch�n, k�nnte die Schwarmk�nigin zu einem anderen Menschen sprechen. Sie behauptete, dazu imstande zu sein, doch Ender hatte im Verlauf der letzten drei�ig Jahre gelernt, da� die Schwarmk�nigin nicht zwischen ihren zuversichtlichen Einsch�tzungen f�r die Zukunft und ihren sicheren Erinnerungen an die Vergangenheit unterscheiden konnte. Sie schien ihren Vermutungen genauso zu vertrauen wie ihren Erinnerungen; und wenn sich eine Vermutung einmal als falsch erwies, schien sie sich nicht zu erinnern, da� sie jemals eine andere Zukunft von derjenigen erwartet hatte, die nun Vergangenheit war.</p><p>Diese Eigenart ihres fremdartigen Verstands st�rte Ender am meisten. Ender war in einer Kultur aufgewachsen, die die Reife und die soziale Anpassung der Menschen nach ihrer F�higkeit bewertete, die Ergebnisse ihrer Entscheidungen abzusch�tzen. In gewisser Hinsicht war die Schwarmk�nigin auf diesem Gebiet eindeutig unf�hig; sie schien zu k�hn und ungerechtfertigt zuversichtlich wie ein kleines Kind.</p><p>Das war eins der Dinge, die Ender Angst vor ihr einjagten. Konnte sie ein Versprechen halten? Und w�rde sie �berhaupt begreifen, was sie getan hatte, wenn sie es nicht hielt?</p><empty-line/><p>Valentine versuchte sich darauf zu konzentrieren, was die anderen sagten, doch sie konnte den Blick nicht von der Silhouette des Krabblers nehmen, der sie f�hrte. Er war kleiner, als sie es sich vorgestellt hatte � nicht einmal anderthalb Meter gro�, wahrscheinlich noch weniger. Da sie an den anderen vorbeischauen mu�te, konnte sie immer nur kurze Blicke auf Teile des Krabblers erhaschen, doch das war fast schlimmer, als ihn ganz zu sehen. Sie konnte sich nicht von dem Gedanken abhalten, da� dieser leuchtendschwarze <emphasis>Feind </emphasis>Enders Hand im Todesgriff hielt.</p><p>Kein Todesgriff. Kein Feind. Nicht einmal in sich ein <emphasis>Gesch�pf. </emphasis>Es hatte soviel individuelle Identit�t wie ein Ohr oder Zeh � jeder Krabbler war nur ein ausf�hrendes und wahrnehmendes Organ der Schwarmk�nigin. In gewisser Hinsicht war die Schwarmk�nigin bereits anwesend � war �berall anwesend, wo einer ihrer Arbeiter oder Drohnen sein mochte, sogar hundert Lichtjahre entfernt. Das ist kein Ungeheuer. Das ist die Schwarmk�nigin aus Enders Buch. Das ist diejenige, die er in all unseren gemeinsamen Jahren bei sich hatte und die er versorgte, auch wenn ich nichts davon wu�te. Ich habe nichts zu f�rchten.</p><p>Valentine hatte versucht, ihre Furcht zu unterdr�cken, doch es funktionierte nicht. Sie schwitzte; sie f�hlte, wie ihre Hand schl�pfrig in Miros gebrechlichem Griff lag. Als sie sich der H�hle der Schwarmk�nigin n�herten � nein, ihrem <emphasis>Heim, </emphasis>ihrer <emphasis>Kinderstube �,</emphasis> f�hlte sie, wie ihre Angst st�ndig wuchs. Doch wenn sie nicht allein damit fertig wurde, mu�te sie wohl oder �bel um Hilfe bitten. Wo war Jakt? Jemand anders mu�te gen�gen.</p><p>�Es tut mir leid, Miro�, fl�sterte sie. �Ich glaube, ich habe Schwei�ausbr�che.�</p><p>�Du?� sagte er. �Ich dachte, es w�re <emphasis>mein </emphasis>Schwei�.�</p><p>Das war gut. Er lachte. Sie lachte mit ihm � oder kicherte zumindest nerv�s.</p><p>Der Tunnel wurde pl�tzlich breiter, und dann standen sie blinzelnd in einer gro�en Kammer, die von einem hellen Strahl Sonnenlicht erhellt wurde, das durch ein Loch in der Decke fiel. Die Schwarmk�nigin sa� mitten im Licht. Ihre Umgebung wimmelte vor Arbeitern, doch nun, im Licht, in der Gegenwart der K�nigin, wirkten sie alle so klein und zerbrechlich. Die meisten waren eher einen als anderthalb Meter gro�, w�hrend die K�nigin selbst mindestens drei Meter lang war. Ihre Schwingen wirkten riesig, schwer, fast metallisch und reflektierten das Sonnenlicht mit einem Regenbogen aus Farben. Ihr Leib war lang und dick genug, um die Leiche eines erwachsenen Menschen enthalten zu k�nnen. Doch er verengte sich trichter�hnlich zu einem Ovipositor an der zitternden Spitze, der vor einer gelblichdurchsichtigen, klebrigen, z�hen Fl�ssigkeit schimmerte; sie hatte den Ovipositor in ein Loch im Boden des Raums gesteckt, so tief es nur ging, und zog ihn dann wieder heraus, und die Fl�ssigkeit rann wie Speichel das Loch hinab.</p><p>So grotesk und angsteinfl��end, wie dieses Gesch�pf sein mochte, das sich wie ein Insekt verhielt, bereitete es Valentine doch nicht auf das vor, was danach geschah. Anstatt den Ovipositor einfach in das n�chste Loch zu stecken, drehte sich die Schwarmk�nigin um und packte einen in der in der N�he befindlichen Arbeiter. Den zitternden Krabbler zwischen den gro�en Vorderbeinen haltend, zog sie ihn heran und bi� ihm seine Beine ab, eins nach dem anderen. W�hrend ihm ein jedes Bein abgebissen wurde, gestikulierten die �briggebliebenen noch heftiger, wie in einem stummen Schrei. Valentine empfand eine �berw�ltigende Erleichterung, als das letzte Bein abgebissen war, so da� sie endlich den Schrei nicht mehr beobachten mu�te.</p><p>Dann stie� die Schwarmk�nigin den Arbeiter mit dem Kopf zuerst in das n�chste Loch. Erst dann richtete sie ihren Ovipositor auf das Loch. W�hrend Valentine zusah, schien sich die Fl�ssigkeit an der Spitze des Ovipositors zu einem Ball zu verdicken. Aber es war keine Fl�ssigkeit mehr; in dem gro�en Tropfen befand sich ein weiches, geleeartiges Ei. Die Schwarmk�nigin richtete ihren K�rper so aus, da� sich das Gesicht direkt im Sonnenlicht befand; ihre Facettenaugen leuchteten wie Hunderte von smaragdgr�nen Sternen. Dann sackte der Ovipositor hinab. Als er sich wieder hob, klebte das Ei noch an seinem Ende, doch im n�chsten Augenblick war es verschwunden. Mehrere Male senkte sich ihr Leib nach unten, und jedesmal hob er sich mit neuen, klebrigen Fl�ssigkeitsstr�ngen, die von oben nach unten flossen.</p><p>�Nossa Senhora�, sagte Miro. Valentine erkannte den Begriff aufgrund seiner spanischen Entsprechung � Nuestra Se�ora, Unsere Dame. Es war normalerweise ein fast bedeutungsloser Ausdruck, doch nun nahm er eine widerw�rtige Ironie an. Nicht die heilige Jungfrau, hier in dieser tiefen H�hle. Die Schwarmk�nigin war �Unsere Dame der Dunkelheit�. Sie legte Eier auf die Leichen toter Arbeiter, damit die Larven zu fressen hatten, wenn sie geschl�pft waren.</p><p>�So kann es nicht immer sein�, sagte Plikt.</p><p>Einen Augenblick lang war Valentine einfach �berrascht, Plikts Stimme zu h�ren. Dann begriff sie, was Plikt sagte, und sie hatte recht. Wenn f�r jeden schl�pfenden Krabbler eine lebende Arbeiterin geopfert werden mu�te, konnte die Population unm�glich zunehmen. In der Tat w�re es sogar unm�glich gewesen, da� dieser Schwarm �berhaupt existierte, denn die Schwarmk�nigin hatte die ersten Eier legen m�ssen, ohne da� sie sich an beinlosen Arbeiterinnen n�hren konnten.</p><p>�Nur bei einer neuen K�nigin.�</p><p>Es kam Valentine in den Sinn, als sei es ihre eigene Idee gewesen. Nur wenn das Ei zu einer neuen Schwarmk�nigin heranwachsen sollte, mu�te die alte den lebenden K�rper eines Arbeiters hinzuf�gen. Doch das war nicht Valentines Idee; daf�r war sie sich dieser Tatsache einfach zu sicher. Sie konnte das unm�glich wissen, und doch war ihr die Idee ganz pl�tzlich klar und ohne Raum f�r den geringsten Zweifel gekommen. Valentine hatte sich immer vorgestellt, da� es so �hnlich gewesen sein mu�te, als die Propheten und Mystiker alter Zeiten die Stimme Gottes geh�rt hatten.</p><p>�Habt ihr sie geh�rt?� fragte Ender. �Irgendwer von euch?�</p><p>�Ja�, sagte Plikt.</p><p>�Ich glaube schon�, sagte Valentine.</p><p>�Was geh�rt?� fragte Miro.</p><p>�Die Schwarmk�nigin�, sagte Ender. �Sie hat erkl�rt, da� sie nur einen Arbeiter zum Ei legen mu�, wenn eine neue Schwarmk�nigin entstehen soll. Sie legt insgesamt f�nf neue � zwei sind schon an Ort und Stelle. Sie hat uns eingeladen, damit wir es beobachten k�nnen. Das ist ihre Art, uns zu sagen, da� sie ein Kolonieschiff ausschickt. Sie legt f�nf K�nigin-Eier und wartet ab, welches das st�rkste ist. Das schickt sie dann los.�</p><p>�Was ist mit den anderen?� fragte Valentine.</p><p>�Wenn eins davon etwas taugt, umgibt sie die Larve mit einem Kokon. So ist es auch ihr geschehen. Die anderen t�tet und i�t sie. Sie mu� es � wenn der K�rper einer rivalisierenden K�nigin eine Drohne ber�hren sollte, die sich noch nicht mit dieser Schwarmk�nigin gepaart hat, w�rde sie verr�ckt werden und versuchen, die K�nigin zu t�ten. Drohnen sind sehr loyale Gef�hrten.�</p><p>�Hat das sonst noch jemand geh�rt?� fragte Miro. Er klang entt�uscht. Die Schwarmk�nigin konnte nicht zu ihm sprechen.</p><p>�Ja�, sagte Plikt.</p><p>�Nur ein bi�chen davon�, sagte Valentine.</p><p>�Leert euern Geist, so gut ihr k�nnt�, sagte Ender. �Versucht, euch im Kopf darauf einzustimmen. Das hilft.�</p><p>Mittlerweile hatte die Schwarmk�nigin schon die n�chste Arbeiterin amputiert. Valentine stellte sich vor, auf den wachsenden Haufen von Beinen um die Schwarmk�nigin zu treten; in ihrer Phantasie brachen sie wie �ste, mit schrecklichen, knackenden Ger�uschen.</p><p>�Sehr weich. Beine brechen nicht. Verbiegen.�</p><p>Die K�nigin beantwortete ihre Gedanken.</p><p>�Ihr seid Teil von Ender. Ihr k�nnt mich h�ren.�</p><p>Die Gedanken in ihrem Geist wurden klarer, waren nicht mehr so aufdringlich, kontrollierter. Valentine konnte den Unterschied zwischen den Kommunikations�bermittlungen der Schwarmk�nigin und ihren eigenen Gedanken sp�ren.</p><p>�Ouvi�, fl�sterte Miro. Er hatte endlich etwas geh�rt. �Fala mais, escuto. Sage mehr, ich h�re zu.�</p><p>�Philotische Verbindungen. Ihr seid an Ender gebunden. Wenn ich �ber philotische Verbindung mit ihm spreche, h�rt ihr mit. Echos. Reflektionen.�</p><p>Valentine versuchte zu ergr�nden, wieso die Schwarmk�nigin in ihrem Geist auf Stark sprach. Dann begriff sie, da� die Schwarmk�nigin nichts dergleichen tat � Miro h�rte sie in seiner Muttersprache, Portugiesisch, und Valentine h�rte in Wirklichkeit gar kein Stark, sie h�rte das Englisch, auf dem die Sprache basierte, das amerikanische Englisch, mit dem sie aufgewachsen war. Die Schwarmk�nigin schickte keine Sprache zu ihnen aus, sondern Gedanken, und ihre Gehirne entnahmen ihnen in jeweils der Sprache Sinn, die am tiefsten in ihnen verankert war. Als Valentine das Wort <emphasis>Echos </emphasis>geh�rt hatte, gefolgt von <emphasis>Reflektionen, </emphasis>hatte nicht die Schwarmk�nigin um das richtige Wort gerungen, sondern Valentines Verstand hatte nach Worten gesucht, die der Bedeutung entsprachen.</p><p>�Gebunden an ihn. Wie mein Volk. Nur da� ihr freien Willen habt. Unabh�ngige Philoten. Einzelg�nger, ihr alle.�</p><p>�Sie macht einen Scherz�, fl�sterte Ender. �Das war keine Beurteilung.�</p><p>Valentine war f�r seine Interpretation dankbar. Das Bild, das mit der Phrase <emphasis>Einzelg�nger </emphasis>kam, war das eines Elefanten, der einen Mann zu Tode trampelte. Es war ein Bild aus ihrer Kindheit, aus der Geschichte, in der sie das Wort <emphasis>Einzelg�nger </emphasis>zum ersten Mal geh�rt hatte. Es erschreckte sie, dieses Bild, genau, wie es sie als Kind schon erschreckt hatte. Und schon ha�te sie die Anwesenheit der Schwarmk�nigin in ihrem Verstand. Sie ha�te die Art und Weise, wie sie vergessene Alptr�ume heraufbeschw�ren konnte. Alles an der Schwarmk�nigin war ein Alptraum. Wie konnte sich Valentine jemals vorgestellt haben, dieses Wesen sei ram�nnisch? Ja, es gab Kommunikation, aber <emphasis>zuviel </emphasis>davon. Kommunikation wie eine Geisteskrankheit.</p><p>Und was sie da sagte � da� sie sie so gut verstanden, weil sie philotisch mit Ender verbunden seien. Valentine erinnerte sich daran, was Miro und Jane w�hrend des Fluges gesagt hatten � war es m�glich, da� ihr philotischer Strang mit dem Enders verkn�pft war und durch ihn mit dem der Schwarmk�nigin? Aber wie konnte so etwas geschehen sein? Wie konnte Ender �berhaupt philotisch mit der Schwarmk�nigin verbunden sein?</p><p>�Wir haben nach ihm gegriffen. Er war unser Feind. Versuchte, uns zu vernichten. Wir wollten ihn z�hmen. Wie einen Einzelg�nger.�</p><p>Das Verst�ndnis kam ganz pl�tzlich, wie eine T�r, die sich �ffnete. Die Krabbler waren nicht <emphasis>alle </emphasis>lenksam geboren. Sie <emphasis>konnten </emphasis>eine eigene Identit�t haben. Oder zumindest einen Kontrollverlust erleben. Und so hatte die Schwarmk�nigin eine M�glichkeit entwickelt, sie im Griff zu halten; sie hatte sie philotisch an sich gebunden, um sie unter ihre Kontrolle zu bekommen.</p><p>�Ihn gefunden. Konnte ihn nicht binden. Zu stark.�</p><p>Und niemand hatte geahnt, in welcher Gefahr sich Ender befunden hatte. Da� die Schwarmk�nigin erwartete, ihn an sich binden, ihn zu einem genauso geistlosen Werkzeug wie einen jeden Krabbler machen zu k�nnen.</p><p>�Ein Netz f�r ihn errichtet. Fand das, wonach er sich sehnte. Dachten wir. Kamen hinein. Gaben ihm einen philotischen Kern. Verbanden uns mit ihm. Aber es war nicht genug. Jetzt ihr. <emphasis>Du.�</emphasis></p><p>Valentine f�hlte das Wort wie einen Hammer in ihrem Geist. Sie meint mich. Sie meint mich, mich, mich � sie k�mpfte um die Erinnerung, wer <emphasis>ich </emphasis>war. Valentine. Ich bin Valentine. Sie meint Valentine.</p><p><emphasis>�Du</emphasis> warst diejenige. Du. H�tte dich finden m�ssen. Wonach er sich am meisten sehnte. Nicht die andere Sache.�</p><p>Ihr wurde innerlich �bel. War es m�glich, da� das Milit�r die ganze Zeit �ber recht gehabt hatte? War es m�glich, da� nur die grausame Trennung von Valentine und Ender ihn gerettet hatte? Da�, w�re sie bei Ender gewesen, die Krabbler sie h�tten benutzen k�nnen, um ihn unter Kontrolle zu bekommen?</p><p>�Nein. Konnten es nicht. Du bist auch zu stark. Wir waren verloren. Wir waren tot. Er konnte nicht zu uns geh�ren. Aber auch nicht zu dir. Nicht mehr. Konnten ihn nicht z�hmen, aber wir verbanden uns mit ihm.�</p><p>Valentine dachte an das Bild, das ihr auf dem Schiff in den Sinn gekommen war. Von den miteinander verbundenen Menschen, Familien, die durch unsichtbare Bande zusammengehalten wurden, Kinder mit Eltern, Eltern untereinander oder mit ihren Eltern. Ein sich stets ver�nderndes Netzwerk aus F�den, die die Menschen zusammenf�gten, wo auch immer ihre Treue hingeh�rte. Nur war es diesmal ein Bild von ihr selbst, verbunden mit Ender. Und dann von Ender, verbunden� mit der Schwarmk�nigin� die Schwarmk�nigin sch�ttelte den Ovipositor, die Str�nge erzitterten, und am Ende des Stranges h�pfte Enders Kopf auf und ab�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und versuchte, sich von dem Bild zu befreien.</p><p>�Wir kontrollieren ihn nicht. Er ist frei. Er kann mich t�ten, wenn er will. Ich werde ihn nicht aufhalten. Wirst du mich t�ten?�</p><p>Diesmal war mit dem <emphasis>du </emphasis>nicht Valentine gemeint; sie f�hlte, wie die Frage vor ihr zur�ckwich. Und als die Schwarmk�nigin nun auf eine Antwort wartete, sp�rte sie einen anderen Gedanken in ihrem Geist. So nahe neben ihrem eigenen Denken, da� sie, w�re sie nicht so empfindsam, weil sie darauf wartete, da� Ender antwortete, ihn f�r ihren eigenen gehalten h�tte.</p><p>Niemals, sagte der Gedanke in ihrem Geist. Ich werde dich niemals t�ten. Ich habe dich gern.</p><p>Und mit diesem Gedanken kam ein Schimmer echter Gef�hle von der Schwarmk�nigin. Pl�tzlich enthielt ihr geistiges Bild keine Spur von Abscheu mehr. Statt dessen wirkte sie majest�tisch, k�niglich, gro�artig. Die Regenbogen ihrer Schwingen wirkten nicht mehr wie ein �lfilm auf Wasser; das Licht, das ihre Augen reflektierten, war ein Halo; die funkelnde Fl�ssigkeit an der Spitze ihres Leibs bestand aus F�den des Lebens, waren wie Milch an der Warze einer Frauenbrust, beschmiert mit Speichel vom saugenden Mund ihres Kleinkindes. Valentine hatte bis jetzt gegen die �belkeit angek�mpft, doch pl�tzlich betete sie die Schwarmk�nigin fast an.</p><p>Sie wu�te, da� es Enders Gedanken in ihrem Geist waren; deshalb f�hlten sie sich fast wie ihre eigenen an. Und als sie dieses Bild von der Schwarmk�nigin sah, wu�te sie pl�tzlich, da� sie die ganze Zeit �ber recht gehabt hatte, da� das, was sie vor so vielen Jahren als Demosthenes geschrieben hatte, zutraf. Die Schwarmk�nigin war Ramann, seltsam, aber trotzdem konnte sie verstehen, und man konnte sie verstehen.</p><p>Als das Bild verblich, h�rte Valentine, da� jemand weinte. Plikt. In all ihren gemeinsamen Jahren hatte Plikt noch nie eine solche Gef�hlsregung gezeigt.</p><p>�Bonita�, sagte Miro. H�bsch.</p><p>War das alles, was er gesehen hatte? Die Schwarmk�nigin war <emphasis>h�bsch? </emphasis>Die Kommunikation zwischen Miro und Ender mu�te in der Tat schwach sein � aber wieso auch nicht? Er kannte Ender noch nicht so lange oder so gut, w�hrend Valentine Ender schon ihr ganzes Leben kannte.</p><p>Doch wenn sich dadurch erkl�ren lie�, wieso Valentine Enders Gedanken um so vieles st�rker als Miro empfing, blieb die Frage offen, warum Plikt eindeutig so vieles mehr als Valentine empfangen hatte. War es m�glich, da� sich Plikt in all den Jahren, die sie Ender beobachtet und bewundert hatte, ohne ihn wirklich zu kennen, enger an Ender gebunden hatte, als sogar Valentine mit ihm verbunden war?</p><p>Nat�rlich hatte sie das. Nat�rlich. Valentine war verheiratet. Valentine hatte einen Mann. Sie hatte Kinder. Ihre philotische Verbindung zu ihrem Bruder mu�te zwangsl�ufig schw�cher geworden sein. Wohingegen Plikt keine vergleichbar starke Bindung eingegangen war. Sie hatte sich v�llig Ender verschrieben. Nachdem die Schwarmk�nigin also erm�glicht hatte, da� die philotischen Verschlingungen Gedanken �bertrugen, mu�te Plikt Ender einfach am deutlichsten empfangen. Nichts lenkte sie ab; sie hielt keinen Teil von sich zur�ck.</p><p>Konnte denn �berhaupt Novinha, die schlie�lich mit ihren Kindern verbunden war, solch eine komplette Hingabe f�r Ender empfinden? Es war unm�glich. Und wenn Ender eine Ahnung von alledem gehabt h�tte, h�tte es ihn bestimmt gest�rt. Oder angezogen? Valentine wu�te genug von Frauen und M�nnern, um zu erkennen, da� vollst�ndige Hingabe die verf�hrerischste aller Eigenschaften war. Habe ich etwa eine Rivalin mitgebracht, die Enders Ehe in Gefahr bringt?</p><p>Und k�nnen Ender und Plikt auch <emphasis>meine </emphasis>Gedanken lesen, selbst in diesem Augenblick?</p><p>Valentine f�hlte sich zutiefst blo�gestellt und ver�ngstigt. Wie als Antwort, wie um sie zu beruhigen, kehrte die geistige Stimme der Schwarmk�nigin zur�ck und verdr�ngte alle Gedanken, die Ender vielleicht ausstrahlte.</p><p>�Ich wei�, wovor ihr Angst habt. Doch meine Kolonie wird niemanden t�ten. Wenn wir Lusitania verlassen, k�nnen wir alle Descolada-Viren auf unserem Sternenschiff t�ten.�</p><p>Vielleicht, dachte Ender.</p><p>�Wir werden eine M�glichkeit finden. Wir werden den Virus nicht weitertragen. Wir m�ssen nicht sterben, um die Menschen zu retten. T�te uns nicht, t�tet uns nicht.�</p><p>Ich werde dich niemals t�ten. Enders Gedanke kam wie ein Fl�stern, das in den Bitten der Schwarmk�nigin fast unterging.</p><p>Wir k�nnten dich sowieso nicht t�ten, dachte Valentine. Aber du k�nntest <emphasis>uns </emphasis>mit Leichtigkeit t�ten. Sobald du deine Sternenschiffe baust. Deine Waffen. Du k�nntest der menschlichen Flotte gewachsen sein. Diesmal wird sie nicht von Ender kommandiert.</p><p>�Niemals. Nie jemanden t�ten. Nie wir versprochen.�</p><p>Friede, kam Enders Fl�stern. Friede. Sei ruhig, still, gelassen. F�rchte nichts. F�rchte keinen Menschen.</p><p>Baue kein Sternenschiff f�r die Schweinchen, dachte Valentine. Baue ein Sternenschiff f�r dich selbst, weil du die Descolada t�ten kannst, die du in dir tr�gst. Aber nicht f�r sie.</p><p>Die Gedanken der Schwarmk�nigin wechselten abrupt vom Bitten zu barscher Ablehnung. �Haben sie kein Recht auf Leben? Ich habe ihnen ein Schiff versprochen. Ich habe euch versprochen, niemals zu t�ten. Wollt ihr, da� ich Versprechen breche?�</p><p>Nein, dachte Valentine. Sie sch�mte sich bereits, solch einen Verrat vorgeschlagen zu haben. Oder waren das die Gef�hle der Schwarmk�nigin? Oder Enders? War sie <emphasis>wirklich </emphasis>sicher, welche Gedanken und Gef�hle ihre eigenen waren und welche die eines anderen?</p><p>Die Furcht, die sie empfand � es war ihre eigene, da war sie sich fast sicher.</p><p>�Bitte�, sagte sie. �Ich will gehen.�</p><p>�Eu tamb�m�, sagte Miro.</p><p>Ender machte einen Schritt auf die Schwarmk�nigin zu und streckte eine Hand nach ihr aus. Sie breitete die Arme nicht aus � sie benutzte sie, um das letzte ihrer Opfer in die Eikammer zu rammen. Statt dessen hob die K�nigin eine Schwinge, drehte sie und schob sie zu Ender hin�ber, bis seine Hand schlie�lich auf der schwarzen Regenbogenoberfl�che ruhte.</p><p>Ber�hre sie nicht! rief Valentine stumm. Sie wird dich gefangennehmen! Sie will dich z�hmen!</p><p>�Still�, sagte Ender laut.</p><p>Valentine war nicht sicher, ob er als Antwort auf ihre stummen Schreie sprach oder versuchte, die Schwarmk�nigin zum Schweigen zu bringen, die nur etwas zu ihm sagte. Es spielte keine Rolle. Nach einem Augenblick ergriff Ender den Finger eines Krabblers und f�hrte sie in den dunklen Tunnel zur�ck. Diesmal ging Valentine als zweite, Miro als dritter, und Plikt bildete die Nachhut. So war es Plikt, die den letzten Blick zur�ck auf die Schwarmk�nigin warf; es war Plikt, die die Hand zum Abschied hob.</p><p>Den gesamten R�ckweg zur Oberfl�che versuchte Valentine, dem Geschehen einen Sinn zu entnehmen. Sie hatte immer angenommen, wenn die Menschen von Geist zu Geist kommunizieren und die Vieldeutigkeit der Sprache eliminieren k�nnten, w�re das Verst�ndnis perfekt, und es g�be keine unn�tigen Konflikte mehr. Statt dessen hatte sie herausgefunden, da� die Sprache die Differenzen zwischen Menschen nicht vergr��erte, sondern sie verkleinerte, die Dinge gl�ttete, so da� die Menschen miteinander zurechtkommen konnten, obwohl sie einander gar nicht wirklich verstanden. Die Illusion des Verstehens erm�glichte den Menschen die Annahme, sie seien einander �hnlicher, als es in Wirklichkeit der Fall war. Vielleicht war die Sprache doch die bessere M�glichkeit.</p><p>Sie krochen aus dem Geb�ude ins Sonnenlicht, blinzelten und lachten erleichtert. �Kein Spa߫, sagte Ender. �Aber du hast darauf bestanden, Val. Du mu�test sie sofort sehen.�</p><p>�Also bin ich t�richt�, sagte Valentine. �Ist das neu f�r dich?�</p><p>�Es war wundersch�n�, sagte Plikt.</p><p>Miro legte sich lediglich im Capim auf den R�cken und bedeckte die Augen mit dem Arm.</p><p>Valentine betrachtete ihn, wie er dort lag, und erhaschte einen Blick auf den Mann, der er einmal war, den K�rper, den er einmal gehabt hatte. Wie er dort lag, schwankte er nicht; da er schwieg, kamen seine Silben nicht verz�gert. Kein Wunder, da� seine Xenologiekollegin sich in ihn verliebt hatte. Ouanda. So tragisch die Entdeckung, da� ihr Vater auch sein Vater war. Das war das schlimmste, was enth�llt wurde, als Ender vor drei�ig Jahren auf Lusitania f�r die Toten sprach. Das war der Mann, den Ouanda verloren hatte; und auch Miro hatte diesen Mann verloren, der er einmal war. Kein Wunder, da� er sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte. Nachdem er seine Geliebte verloren hatte, hielt er es f�r wertlos. Er bedauerte lediglich, da� er schlie�lich doch nicht gestorben war. Er hatte weitergelebt, �u�erlich genauso gebrochen wie innerlich.</p><p>Warum dachte sie an diese Dinge, wenn sie ihn betrachtete? Warum kam es ihr pl�tzlich so wirklich vor?</p><p>Etwa, weil er im Augenblick selbst daran dachte? Erfa�te sie das Bild, das er sich von sich selbst machte? Gab es irgendeine schlummernde Verbindung zwischen ihren Gehirnen?</p><p>�Ender�, sagte sie, �was ist dort unten geschehen?�</p><p>�Besser, als ich es erhoffte�, sagte Ender.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Die Verbindung zwischen uns.�</p><p>�Du hast damit gerechnet?�</p><p>�Ich habe sie gewollt.� Ender setzte sich auf die Seite des Wagens; seine F��e baumelten in das hohe Gras hinab. �Sie war hei� heute, nicht wahr?�</p><p>�Ach ja? Ich habe keine Vergleichsm�glichkeit.�</p><p>�Manchmal ist sie so intellektuell � wenn ich nur mit ihr spreche, habe ich den Eindruck, ich w�rde h�here Mathematik betreiben. Diesmal � wie ein Kind. Nat�rlich war ich noch nie bei ihr, als sie K�nigin-Eier legte. Ich glaube, sie hat uns mehr gesagt, als sie eigentlich wollte.�</p><p>�Du meinst, sie hat ihr Versprechen nicht ernst gemeint?�</p><p>�Nein, Val, sie meint ihre Versprechen <emphasis>immer </emphasis>ernst. Sie wei� nicht, was L�gen sind.�</p><p>�Was hast du dann gemeint?�</p><p>�Ich sprach von der Verbindung zwischen ihr und mir. Wie sie versuchte, mich zu z�hmen. Das war doch wirklich etwas, oder? Sie war einen Augenblick lang richtig w�tend, als sie dachte, du w�rest vielleicht das Bindeglied gewesen, das sie brauchte. Du wei�t, was das f�r sie bedeutet h�tte � sie w�ren nicht vernichtet worden. Sie h�tte mich vielleicht sogar benutzt, um mit der Regierung der Menschen zu kommunizieren. Die Galaxis mit uns zu teilen. Was f�r eine verlorene Gelegenheit.�</p><p>�Du w�rest wie� wie ein Krabbler gewesen. Ihr <emphasis>Sklave.�</emphasis></p><p>�Klar. <emphasis>Mir </emphasis>h�tte es nicht gefallen. Aber all die Leben, die gerettet worden w�ren� ich war Soldat, nicht wahr? Wenn ein Soldat durch seinen Tod das Leben von Milliarden retten kann��</p><p>�Aber es h�tte nicht funktioniert�, sagte Valentine. �Du hast einen unabh�ngigen Willen.�</p><p>�Sicher�, sagte Ender. �Oder zumindest einen unabh�ngigeren, als die Schwarmk�nigin bew�ltigen kann. Du �brigens auch. Tr�stlich, nicht wahr?�</p><p>�Ich f�hle mich im Augenblick nicht sehr getr�stet�, sagte Valentine. �Du warst da unten in meinem Kopf. Und die Schwarmk�nigin� ich komme mir vor, als h�tte man mir Gewalt angetan.�</p><p>Ender schaute �berrascht drein. �Bei mir f�hlt es sich nie so an.�</p><p>�Nun, es ist nicht <emphasis>nur </emphasis>das�, sagte Valentine. �Es war auch anregend. Und erschreckend. Sie ist so� gro� in meinem Kopf. Als versuchte ich, jemanden aufzunehmen, der gr��er ist als ich.�</p><p>�Das ist wohl auch der Fall�, sagte Ender. Er wandte sich an Plikt. �War es f�r dich auch so?�</p><p>Zum ersten Mal bemerkte Valentine, wie Plikt Ender ansah, mit zitterndem Blick. Doch Plikt sagte nichts.</p><p>�So stark, was?� sagte Ender. Er kicherte und drehte sich zu Miro um.</p><p>Erkannte er es nicht? Plikt war von Ender schon besessen gewesen. Nachdem sie ihn nun in ihrem Verstand gehabt hatte, war es vielleicht zuviel f�r sie. Die Schwarmk�nigin hatte davon gesprochen, Einzelg�nger zu z�hmen. War Plikt vielleicht von Ender �gez�hmt� worden? War es m�glich, da� sie ihre Seele in der seinen verloren hatte?</p><p>Absurd. Unm�glich. Ich hoffe bei Gott, da� dem nicht so ist.</p><p>�Komm hoch, Miro�, sagte Ender.</p><p>Miro gestattete Ender, ihm auf die F��e zu helfen. Dann stiegen sie in den Wagen und fuhren nach Hause.</p><empty-line/><p>Miro hatte ihnen gesagt, da� er nicht zur Messe gehen wollte. Ender und Novinha gingen ohne ihn. Doch kaum waren sie fort, kam es ihm unm�glich vor, im Haus zu bleiben. Er hatte noch immer das Gef�hl, da� sich jemand irgendwie im Schatten aufhielt; eine kleine Gestalt, die ihn beobachtete. Umschlossen von einer glatten, harten R�stung, mit nur zwei klauen�hnlichen Fingern an den schlanken Armen, Arme, die abgebissen und fallen gelassen werden konnten wie trockenes Brennholz. Der gestrige Besuch bei der Schwarmk�nigin hatte ihn mehr mitgenommen, als er es f�r m�glich gehalten hatte.</p><p>Ich bin Xenologe, rief er sich in Erinnerung zur�ck. Ich habe mein Leben der Aufgabe gewidmet, mich mit Au�erirdischen zu befassen. Ich stand dabei und sah zu, wie Ender Menschs S�ugetierk�rper die Haut abzog, und habe nicht einmal gezuckt, weil ich ein leidenschaftsloser Wissenschaftler bin. Manchmal identifiziere ich mich vielleicht zu sehr mit meinen Studienobjekten. Aber sie bescheren mir keine Alptr�ume, und ich fange nicht an, sie in den Schatten zu sehen.</p><p>Und doch stand er hier vor der T�r des Hauses seiner Mutter, weil es in den Grasfeldern im hellen Sonnenschein eines Sonntag morgens keine Schatten gab, aus denen ein Krabbler ihn anspringen konnte.</p><p>Bin ich der einzige, der so empfindet?</p><p>Die Schwarmk�nigin ist <emphasis>kein </emphasis>Insekt. Sie und ihr Volk sind Warmbl�tler, genau wie die Pequeninos. Sie atmen und schwitzen wie S�ugetiere. Sie tragen vielleicht noch die Widerkl�nge ihrer evolutionsm��igen Verbindung mit Insekten in sich, genau wie wir unsere �hnlichkeit mit Lemuren und Spitzm�usen und Ratten haben, doch sie haben eine helle und wundersch�ne Zivilisation geschaffen. Oder zumindest eine dunkle und wundersch�ne. Ich sollte sie sehen, wie Ender sie sieht, mit Respekt, Ehrfurcht und Zuneigung.</p><p>Und es gelang mir gerade eben, sie zu <emphasis>ertragen.</emphasis></p><p>Es besteht kein Zweifel, da� die Schwarmk�nigin ram�nnisch ist, imstande, uns zu verstehen und zu tolerieren. Die Frage ist, ob <emphasis>ich </emphasis>imstande bin, <emphasis>sie </emphasis>zu verstehen und zu tolerieren. Und ich kann nicht der einzige sein. Ender hat recht damit getan, den meisten Menschen auf Lusitania die Existenz der Schwarmk�nigin zu verschweigen. Wenn sie gesehen h�tten, was ich gesehen habe, oder auch nur einen Blick auf einen einzigen Krabbler erhaschten, w�rde sich die Furcht ausbreiten, und das Entsetzen eines jeden w�rde den Schrecken eines jeden n�hren, bis� bis irgend etwas geschieht. Etwas Schlimmes.</p><p>Vielleicht sind <emphasis>wir </emphasis>die Varelse. Vielleicht ist der Xenozid in die menschliche Psyche eingebaut wie in die keiner anderen Spezies. Vielleicht w�re es zum Besten des Universums, wenn die Descolada entfesselt werden, sich im ganzen menschlichen Universum ausbreiten und uns einfach ausl�schen w�rde. Vielleicht ist die Descolada Gottes Antwort auf unsere Unw�rdigkeit.</p><p>Miro fand sich an der T�r der Kirche wieder. In der k�hlen Morgenluft stand sie auf. In der Kathedrale hatten sie noch nicht mit dem Sakrament des Abendmahls begonnen. Er schlurfte hinein und suchte sich irgendwo hinten einen Platz. Er hatte nicht den Wunsch, heute mit Christus zu sprechen. Er brauchte einfach den Anblick anderer Menschen. Er mu�te von Menschen umgeben sein. Er kniete nieder, bekreuzigte sich und blieb dann mit gesenktem Kopf hocken. Er h�tte gebetet, aber im Pai Nosso war nichts, was seine Furcht eind�mmen k�nnte. Gib uns unser t�glich Brot? Vergib uns unsere S�nden? Dein Reich komme, wie im Himmel, so auf Erden? Das w�re gut. Gottes Reich, in dem der L�we neben dem Lamm liegen k�nnte.</p><p>Dann kam ihm ein Bild des heiligen Stephan in den Sinn: Christus, der zur rechten Hand Gottes sitzt. Aber zu seiner linken war die K�nigin des Himmels. Nicht die heilige Jungfrau, sondern die Schwarmk�nigin. An der Spitze ihres Leibes bebte wei�er Schleim. Miro krallte die H�nde in das Holz der Bank vor ihm. Gott nehme mir diese Vision. Weiche zur�ck, Feind.</p><p>Jemand kam und kniete neben ihm nieder. Er wagte es nicht, die Augen zu �ffnen. Er lauschte auf ein Ger�usch, aus dem hervorging, da� es sich bei seiner Gesellschaft um einen Menschen handelte. Doch das Rascheln von Stoff konnten genausogut Schwingenh�llen sein, die �ber einen geh�rteten Thorax glitten.</p><p>Er mu�te dieses Bild verdr�ngen. Er �ffnete die Augen. Aus den Winkeln sah er, da� der Neuank�mmling kniete. Dem schlanken Arm und der Farbe des �rmels nach zu urteilen handelte es sich um eine Frau.</p><p>�Du kannst dich nicht auf ewig vor mir verstecken�, fl�sterte sie.</p><p>Mit der Stimme stimmte etwas nicht. Zu heiser. Eine Stimme, die hunderttausendmal gesprochen hatte, seit er sie zuletzt geh�rt hatte. Eine Stimme, die Babys Schlaflieder sang, Liebesschreie ausstie�, Kinder anschrie, sie sollten nach Hause kommen. Eine Stimme, die ihm einmal, als sie jung war, von einer Liebe erz�hlt hatte, die ewig w�hren w�rde.</p><p>�Miro, wenn ich dein Kreuz h�tte auf mich nehmen k�nnen, ich h�tte es getan.�</p><p>Mein <emphasis>Kreuz? </emphasis>Ist es das, was ich mit mir herumgetragen habe, schwer und unf�rmig, was mich niederdr�ckte? Und ich dachte, es sei mein K�rper.</p><p>�Ich wei� nicht, was ich dir sagen soll, Miro. Ich habe getrauert � eine lange Zeit. Manchmal trauere ich wohl noch' immer. Dich zu verlieren � unsere Hoffnung f�r die Zukunft, meine ich � es war ohnehin besser� das habe ich begriffen. Ich habe eine gute Familie gehabt, ein gutes Leben, und dir wird es genauso gehen. Doch dich als meinen Freund zu verlieren, als meinen Bruder, das war am schwersten. Ich war so einsam, ich wei� nicht, ob ich jemals dar�ber hinweggekommen bin.�</p><p>Dich als meine <emphasis>Schwester </emphasis>zu verlieren, war am einfachsten. Ich brauchte nicht noch eine Schwester.</p><p>�Du brichst mir das Herz, Miro. Du bist so jung. Du hast dich nicht ver�ndert, das ist am schwersten, du hast dich in drei�ig Jahren nicht ver�ndert.�</p><p>Es war mehr, als Miro schweigend ertragen konnte. Er hob nicht den Kopf, aber die Stimme. Viel zu laut, als es mitten w�hrend der Messe angemessen war, antwortete er: �Ach nein?�</p><p>Er erhob sich, wurde sich undeutlich bewu�t, da� die Leute sich umdrehten, um ihn anzusehen.</p><p>�Ach nein?� Seine Stimme war schwer zu verstehen, und er versuchte nicht, sie deutlicher klingen zu lassen. Er machte einen z�gernden Schritt in den Gang und drehte sich dann endlich zu ihr um. �So hast du mich in Erinnerung?�</p><p>Sie sah zu ihm auf, entsetzt � wor�ber? �ber Miros Sprache, seine unbeholfenen Bewegungen? Oder einfach, weil es ihr peinlich war, weil sich nicht die tragische, romantische Szene ergab, die sie sich seit drei�ig Jahren vorgestellt hatte?</p><p>Ihr Gesicht war nicht alt, aber es war auch nicht Ouandas Gesicht. Im mittleren Alter, dicker, mit Falten um den Augen. Wie alt war sie? F�nfzig? Fast. Was hatte diese f�nfzigj�hrige Frau mit ihm zu schaffen?</p><p>�Ich kenne dich nicht einmal�, sagte Miro. Dann schwankte er zur T�r hinaus und schritt in den Morgen.</p><p>Irgendwann sp�ter fand er sich im Schatten eines Baumes wieder. Welcher war es, W�hler oder Mensch? Miro versuchte sich zu erinnern � es war schlie�lich erst ein paar Wochen her, da� er aufgebrochen war �, doch damals war Mensch' Baum nur ein Sch��ling gewesen, und nun schienen beide B�ume gleich gro� zu sein, und er wu�te nicht mehr genau, ob Mensch h�gelauf- oder abw�rts von W�hler get�tet worden war. Es spielte auch keine Rolle � Miro hatte nichts zu einem Baum zu sagen, und sie hatten nichts zu ihm zu sagen.</p><p>Au�erdem hatte Miro die Baumsprache nie gelernt; sie hatten nicht einmal gewu�t, da� dieses Schlagen mit St�cken wirklich eine Sprache war, bis es f�r Miro zu sp�t war. Ender beherrschte es, und Ouanda und wahrscheinlich noch ein halbes Dutzend andere, aber Miro w�rde es niemals lernen, weil Miros H�nde die St�cke ganz einfach nicht halten und den Rhythmus schlagen konnten. Noch eine Sprache, die nutzlos f�r ihn war.</p><p>�Que dia chato, meu filho.�</p><p>Das war eine Stimme, die sich nie �ndern w�rde. Und die Einstellung hatte sich auch nicht ge�ndert: Was f�r ein bl�der Tag, mein Sohn. Fromm und verschlagen zugleich � und voller Spott �ber beide Gesichtspunkte.</p><p>�Hallo, Quim.�</p><p>�Jetzt hei�t es Vater Estev�o, f�rchte ich.� Quim hatte bereits die vollen Regalien eines Priesters erhalten, mit Robe und allem; nun raffte er sie hoch und setzte sich vor Miro in das niedergetretene Gras.</p><p>�Du siehst auch dementsprechend aus�, sagte Miro. Quim war ebenfalls �lter geworden. Als Kind hatte er hager und fromm ausgesehen. Die Auseinandersetzung mit der wirklichen Welt anstelle von theologischen Theorien hatte ihm Falten und Runzeln eingebracht, doch das Gesicht, das aus dieser Ver�nderung resultierte, zeigte Leidenschaft. Und St�rke. �Tut mir leid, da� ich bei der Messe eine Szene gemacht habe.�</p><p>�Hast du das?� fragte Miro. �Ich war nicht da. Oder besser, ich war bei der Messe � ich war nur nicht in der Kathedrale.�</p><p>�Kommunion f�r die Ram�nner.�</p><p>�F�r die Kinder Gottes. Die Kirche hat schon ein Vokabular, um sich mit Fremden zu befassen. Wir mu�ten nicht auf Demosthenes warten.�</p><p>�Du mu�t deshalb nicht so zynisch sein, Quim. <emphasis>Du </emphasis>hast die Begriffe nicht erfunden.�</p><p>�Streiten wir uns nicht.�</p><p>�Dann lassen wir uns auch nicht in die Meditationen anderer Leute einmischen.�</p><p>�Eine edle Einstellung. Bis auf die Tatsache, da� du dich ausgerechnet im Schatten eines meiner Freunde ausruhst, mit dem ich mich unterhalten mu�. Ich dachte, es sei h�flicher, zuerst mit dir zu sprechen, bevor ich mit St�cken auf W�hler schlage.�</p><p>�Das ist W�hler?�</p><p>�Sag hallo. Ich wei�, da� er sich auf deine R�ckkehr gefreut hat.�</p><p>�Ich habe ihn nie gekannt.�</p><p>�Aber er wei� alles �ber <emphasis>dich. </emphasis>Ich glaube, du begreifst gar nicht, Miro, was f�r ein Held du unter den Pequeninos bist. Sie wissen, was du f�r sie getan hast und was es dich gekostet hat.�</p><p>�Und wissen sie auch, was es uns alle am Ende wahrscheinlich kosten wird?�</p><p>�Am Ende werden wir alle vor Gottes Gericht stehen. Wenn ein ganzer Planet voller Seelen auf einmal genommen wird, ist es lediglich von Belang, daf�r zu sorgen, da� niemand ungetauft geht, dessen Seele unter den Heiligen vielleicht willkommen gewesen w�re.�</p><p>�Also ist es dir v�llig egal?�</p><p>�Mir ist es nat�rlich nicht egal�, entgegnete Quim. �Doch sagen wir einfach, da� es eine l�ngere Sicht gibt, bei der Leben und Tod nicht so wichtig sind wie die Entscheidung, <emphasis>welches </emphasis>Leben wir f�hren und was f�r einen Tod wir haben.�</p><p>�Du glaubst wirklich daran, nicht wahr?� sagte Miro.</p><p>�Es kommt darauf an, was du mit �daran� meinst. Ja, ich glaube daran.�</p><p>�Ich meine das alles. Ein lebender Gott, ein auferstandener Christus, Wunder, Visionen, die Taufe, die Transsubstantion��</p><p>�Ja.�</p><p>�Wunder. Heilung.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie bei dem Schrein von Gro�vater und Gro�mutter.�</p><p>�Dort wurden viele Heilungen gemeldet.�</p><p>�Du glaubst daran?�</p><p>�Miro, ich wei� es nicht � einige davon waren vielleicht hysterisch. Bei einigen handelte es sich um einen Placebo-Effekt. Einige kolportierte Heilungen waren vielleicht spontane Remissionen oder nat�rliche Besserungen.�</p><p>�Aber einige waren echt.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Du glaubst, da� Wunder <emphasis>m�glich </emphasis>sind.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber du glaubst nicht, da� eins wirklich passiert ist.�</p><p>�Miro, ich glaube, da� Wunder geschehen. Ich wei� nur nicht, wie genau die Menschen beobachten, welche Ereignisse Wunder sind und welche nicht. Viele angebliche Wunder waren zweifellos gar keine. Wahrscheinlich wurden aber auch viele Wunder gar nicht erkannt, als sie geschahen.�</p><p>�Was ist mit mir, Quim?�</p><p>�Mit dir?�</p><p>�Warum gibt es kein Wunder f�r mich?�</p><p>Quim zog den Kopf ein und rupfte an dem kurzen Gras vor ihm. Diese Gewohnheit hatte er schon als Kind gehabt, wenn er einer schwierigen Frage ausweichen wollte; es war die Art, wie er reagierte, wenn ihr vermeintlicher Vater, Marcao, wieder auf einer Sauftour war.</p><p>�Nun, Quim? Gibt es Wunder nur f�r andere Menschen?�</p><p>�Es geh�rt zum Wunder, da� niemand wei�, warum es geschieht.�</p><p>�Was f�r ein Betr�ger bist du doch, Quim.�</p><p>Quim err�tete. �Du willst wissen, warum du keine Wunderheilung bekommst? Weil du nicht glaubst, Miro.�</p><p>�Was ist mit dem Mann, der sagte: �Ja, Herr, ich glaube � vergib mir meinen Unglauben.�?�</p><p>�Bist du dieser Mann? Hast du jemals um eine Heilung gebeten?�</p><p>�Ich bitte jetzt darum�, sagte Miro. Und dann traten ungewollt Tr�nen in seine Augen. �O Gott�, fl�sterte er. �Ich sch�me mich so.�</p><p>�Weshalb?� fragte Quim. �Weil du Gott um Hilfe gebeten hast? Oder weil du vor deinem Bruder weinst? Wegen deiner S�nden? Wegen deiner Zweifel?�</p><p>Miro sch�ttelte den Kopf. Er wu�te es nicht. Diese Fragen waren zu schwer. Dann begriff er, da� er die Antwort kannte. Er streckte die Arme aus. �Ich sch�me mich dieses K�rpers�, sagte er.</p><p>Quim streckte die H�nde aus, ergriff Miros Arme an den Schultern und zog ihn zu sich. Seine H�nde glitten Miros Arme hinab, bis sie die Gelenke umklammerten. �Das ist mein K�rper, den ich euch gegeben habe, sagte er uns. So, wie du deinen K�rper f�r die Pequeninos gegeben hast. F�r die Kleinen.�</p><p>�Ja, Quim, aber er hat seinen K�rper zur�ckbekommen, nicht wahr?�</p><p>�Er ist aber auch gestorben.�</p><p>�Kann ich so geheilt werden? Indem ich eine M�glichkeit finde, mich zu t�ten?�</p><p>�Sei kein Idiot�, sagte Quim. �Christus hat keinen Selbstmord begangen. Das was Judas' Verrat.�</p><p>Miros machte seinem �rger Luft. �All diese Menschen, deren <emphasis>Erk�ltungen </emphasis>kuriert werden, deren <emphasis>Migr�ne </emphasis>auf wundersame Weise verschwindet � willst du mir sagen, da� sie vor Gott mehr verdient haben als ich?�</p><p>�Vielleicht kommt es nicht darauf an, was du verdient hast. Vielleicht kommt es darauf an, was du brauchst.�</p><p>Miro machte einen Satz und packte mit seinen halbspastischen Fingern Quims Robe. �Ich brauche meinen K�rper zur�ck!�</p><p>�Vielleicht�, sagte Quim.</p><p>�Was meinst du mit <emphasis>vielleicht, </emphasis>du scheinheiliges, zynisches Arschloch?�</p><p>�Ich meine�, sagte Quim nachsichtig, �da� du deinen K�rper bestimmt <emphasis>zur�ckhaben </emphasis>willst, aber Gott in seiner gro�en Weisheit wei� vielleicht, da� du, willst du der beste Mensch werden, der du sein kannst, eine gewisse Zeit als Kr�ppel verbringen <emphasis>mu�t.�</emphasis></p><p>�Wieviel Zeit?� fragte Miro.</p><p>�Bestimmt nicht l�nger als den Rest deines Lebens.�</p><p>Miro grunzte voller Abscheu und lie� Quims Robe los.</p><p>�Vielleicht weniger�, sagte Quim. �Ich hoffe es.�</p><p>�Hoffnung�, sagte Miro ver�chtlich.</p><p>�Gemeinsam mit Vertrauen und reiner Liebe eine der gro�en Tugenden. Du solltest es einmal damit versuchen.�</p><p>�Ich habe Ouanda gesehen.�</p><p>�Seit deiner Ankunft hat sie versucht, mit dir zu sprechen.�</p><p>�Sie ist alt und fett. Sie hat einen Haufen Babies gehabt und drei�ig Jahre gelebt, und irgendein Bursche, den sie geheiratet hat, hat sie sich die ganze Zeit �ber von vorn und hinten vorgenommen. Ich h�tte lieber ihr Grab besucht!�</p><p>�Wie gro�z�gig von dir.�</p><p>�Du wei�t, was ich meine! Es war eine gute Idee, Lusitania zu verlassen, aber drei�ig Jahre waren nicht lang genug.�</p><p>�Du w�rest lieber auf eine Welt zur�ckgekommen, auf der dich niemand kennt.�</p><p><emphasis>�Hier </emphasis>kennt mich auch keiner.�</p><p>�Vielleicht nicht. Aber wir lieben dich, Miro.�</p><p>�Ihr liebt, was ich fr�her einmal war.�</p><p>�Du bist derselbe Mensch, Miro. Du hast nur einen anderen K�rper.�</p><p>Miro k�mpfte sich auf die F��e und st�tzte sich dabei auf W�hler ab. �Sprich mit deinem Baumfreund, Quim. Du hast mir nichts zu sagen, was ich h�ren will.�</p><p>�Das glaubst du�, sagte Quim.</p><p>�Wei�t du, was schlimmer als ein Arschloch ist, Quim?�</p><p>�Klar�, sagte Quim. �Ein feindseliges, verbittertes, beleidigendes, elendes, nutzloses Arschloch voller Selbstmitleid, das eine viel zu hohe Meinung von der Bedeutung seines Leidens hat.�</p><p>Es war mehr, als Miro ertragen konnte. Er schrie vor Wut und warf sich auf Quim, schlug ihn zu Boden. Nat�rlich verlor Miro dabei auch das Gleichgewicht, er st�rzte auf seinen Bruder und verhedderte sich dann in Quims Robe. Doch das war in Ordnung; Miro wollte nicht aufstehen, er wollte Quim pr�geln, Schmerzen zuf�gen, als k�nne er dadurch einige von sich selbst nehmen.</p><p>Nach ein paar Schl�gen h�rte Miro allerdings auf und brach in Tr�nen aus, weinte an der Brust seines Bruders. Nach einem Augenblick sp�rte er Quims Arme um seinen K�rper. H�rte Quims leise Stimme, die ein Gebet sprach.</p><p>�Pai Nosso, que est�s no c�u.� Dort h�rte das Gebet, das Miro kannte, jedoch auf, und die Worte verwandelten sich in etwas Neues und daher Reales. �O teu filho est� com dor, o meu irmao precisa a resurrei�ao da alma, ele merece o refresco d� esperan�a.�</p><p>Miro sch�mte sich erneut, als er h�rte, wie Quim seinem Schmerz Ausdruck verlieh, seinen ungeheuerlichen Forderungen. Wie kam er nur darauf, da� er neue Hoffnung <emphasis>verdient </emphasis>hatte? Wie konnte er es wagen, Quim aufzufordern, um ein Wunder f�r ihn zu beten, das seinen K�rper wiederherstellte? Miro wu�te, da� es nicht fair war, Quims Vertrauen wegen eines selbstmitleidigen Ungl�ubigen wie ihn aufs Spiel zu setzen.</p><p>Doch das Gebet ging weiter. �Ele deu tudo para os pequeninos, � tu nos disseste, Salvador, que qualquer coisa que fazemos para estes pequeninos, fazemos a ti.�</p><p>Miro wollte ihn unterbrechen. Wenn ich alles f�r die Schweinchen gegeben habe, tat ich es f�r sie und nicht f�r mich. Doch Quims Worte hielten ihn stumm: Du hast uns gesagt, Erl�ser, da� wir alles, was wir diesen Kleinen antun, auch dir antun. Es war, als verlange Quim, da� Gott seinen Teil des Handels erf�lle. Quim mu�te eine seltsame Beziehung zu Gott haben, wenn er das Recht hatte, Gott zur Rechenschaft zu rufen.</p><p>�Ele n�o � como J�, perfeito na cora��o.�</p><p>Nein, ich bin nicht so perfekt wie Hiob. Aber ich habe alles verloren, genau wie Hiob. Ein anderer Mann hat mit der Frau, die meine Frau sein sollte, Kinder gezeugt. Andere haben meine Verpflichtungen erf�llt. Und wo Hiob Mut hatte, habe ich diese schleichende Halbl�hmung � w�rde Hiob mit mir tauschen?</p><p>�Restabele�e a ele como restabele�este a J�. Em nome do Pai, � do Filho, � do Esp�rito Santo. Amem.� Lasse ihn auferstehen, wie du Hiob auferstehen lie�est.</p><p>Miro f�hlte, wie die Arme seines Bruders ihn freigaben, und als w�ren es jene Arme, nicht die Schwerkraft, die ihn auf der Brust seiner Bruders hielten, erhob sich Miro sofort und sah zu seinem Bruder hinab. Ein blauer Fleck wuchs auf Quims Wange. Seine Lippe blutete.</p><p>�Ich habe dich verletzt�, sagte Miro. �Es tut mir leid.�</p><p>�Ja�, sagte Quim. �Du hast mich verletzt. Und ich habe dich verletzt. Das ist hier ein beliebter Zeitvertreib. Hilf mir auf.�</p><p>Einen Augenblick lang verga� Miro, da� er ein Kr�ppel war und kaum sein Gleichgewicht halten konnte. Diesen Augenblick lang hielt er seinem Bruder die Hand hin. Doch dann gab sein Gleichgewicht nach, und er schwankte und erinnerte sich wieder daran. �Ich kann es nicht�, sagte er.</p><p>�Ach, h�r doch auf, mir zu sagen, da� du ein Kr�ppel bist, und gib mir deine Hand.�</p><p>Also spreizte Miro die Beine und b�ckte sich zu seinem Bruder hinab. Zu seinem j�ngeren Bruder, der nun fast drei�ig Jahre �lter war als er. Miro streckte die Hand aus. Quim ergriff sie, und mit Miros Hilfe stand er auf. Die Anstrengung war ersch�pfend f�r Miro; er hatte nicht die Kraft dazu, und Quim t�uschte nichts vor; er verlie� sich darauf, da� Miro ihm aufstehen half. Schlie�lich standen sie sich gegen�ber, Schulter an Schulter, die H�nde noch verschr�nkt.</p><p>�Du bist ein guter Priester�, sagte Miro.</p><p>�Ja�, sagte Quim. �Und wenn ich jemals einen Sparringspartner brauche, rufe ich dich an.�</p><p>�Wird Gott dein Gebet beantworten?�</p><p>�Nat�rlich. Gott beantwortet alle Gebete.�</p><p>Miro brauchte nur einen Augenblick, um zu begreifen, was Quim meinte. �Ich meine, wird er <emphasis>ja</emphasis> sagen?�</p><p>�Da bin ich mir niemals sicher. Erz�hle es mir, wenn er zugestimmt hat.�</p><p>Quim ging humpelnd zu dem Baum. Er b�ckte sich und hob ein paar Sprechst�cke vom Boden auf.</p><p>�Wor�ber sprichst du mit W�hler?�</p><p>�Er hat mich benachrichtigt, ich m�sse mit ihm sprechen. Es hat in einem weit entfernten Wald eine Art Ketzerei gegeben.�</p><p>�Du hast sie bekehrt, und dann drehen sie durch, was?� sagte Miro.</p><p>�Eigentlich nicht�, entgegnete Quim. �Das ist eine Gruppe, zu der ich nie gepredigt habe. Die Vaterb�ume sprechen alle miteinander, so da� sich die Ideen des Christentums schon �ber die ganze Welt verbreitet haben. Wie �blich scheint sich die Ketzerei schneller als die Wahrheit zu verbreiten. Und W�hler f�hlt sich schuldig, weil sie aufgrund einer seiner Spekulationen entstanden ist.�</p><p>�Das ist sicher eine ernste Sache f�r dich�, sagte Miro.</p><p>Quim zuckte zusammen. �Nicht nur f�r mich.�</p><p>�Es tut mir leid. Ich meinte, f�r die Kirche. F�r Gl�ubige.�</p><p>�Es ist keineswegs so provinziell, Miro. Diese Pequeninos haben sich da eine wirklich interessante Ketzerei ausgedacht. W�hler spekulierte vor einiger Zeit, es ist noch gar nicht lange her, da�, wie Christus zu den Menschen kam, der Heilige Geist eines Tages zu den Pequeninos kommen k�nne. Es ist eine grobe Fehlinterpretation der Heiligen Dreieinigkeit, doch dieser eine Wald hat sie ziemlich ernst genommen.�</p><p>�Klingt f�r mich ziemlich provinziell.�</p><p>�F�r mich auch, bis W�hler mir die Einzelheiten verriet. Verstehst du, sie sind �berzeugt, da� der Descolada-Virus die Inkarnation des Heiligen Geistes ist. Es ergibt in einer sonderbaren Art und Weise Sinn � da sich der Heilige Geist immer anderswo befunden hat, in der gesamten Sch�pfung Gottes, ist es nur angemessen, da� seine Inkarnation der Descolada-Virus ist, der auch in jeden Teil eines jeden Lebewesens eindringt.�</p><p>�Sie beten den <emphasis>Virus </emphasis>an?�</p><p>�Allerdings. Schlie�lich habt ihr Wissenschaftler doch herausgefunden, da� die Pequeninos als bewu�te Rasse von dem Descolada-Virus <emphasis>geschaffen </emphasis>wurden. Also ist der Virus mit der Sch�pfungskraft ausgestattet, und das bedeutet, da� er g�ttlicher Herkunft ist.�</p><p>�Ich glaube, es gibt genauso viele wortw�rtliche Beweise daf�r wie f�r die Inkarnation Gottes in Christus.�</p><p>�Nein, wesentlich <emphasis>mehr. </emphasis>Doch wenn das alles w�re, Miro, w�rde ich es als Kirchenangelegenheit betrachten. Kompliziert, schwierig, aber, wie du sagtest, eigentlich unbedeutend.�</p><p>�Es ist nicht alles?�</p><p>�Die Descolada ist die zweite Taufe. Die Feuertaufe. Nur die Pequeninos k�nnen diese Taufe �berstehen, und sie tr�gt sie ins dritte Leben. Sie stehen Gott damit eindeutig n�her als die Menschen, denen das dritte Leben verweigert wurde.�</p><p>�Die Mythologie der �berlegenheit. Damit mu�ten wir wohl rechnen�, sagte Miro. �Die meisten Gemeinschaften versuchen, unter dem unwiderstehlichen Druck einer dominanten Kultur zu �berleben, indem sie einen Mythos entwickeln, der es ihnen erlaubt, sich als ein irgendwie besonderes Volk zu sehen. Auserw�hlt. Von den G�ttern beg�nstigt. Zigeuner, Juden � jede Menge historische Beispiele.�</p><p>�Versuche es mal damit, Senhor Zenador. Da die Pequeninos vom Heiligen Geist erw�hlt wurden, ist es ihre Aufgabe, diese zweite Taufe unter jeder Sprache und jedem Volk zu verbreiten.�</p><p>�Die Descolada verbreiten?�</p><p>�Auf jede Welt. Sie treffen ein, die Descolada breitet sich aus, pa�t sich an, t�tet sie � und alle treten vor ihren Sch�pfer.�</p><p>�Gott stehe uns bei.�</p><p>�Das hoffen wir.�</p><p>Dann stellte Miro eine Verbindung zu etwas her, das er erst am Vortag erfahren hatte. �Quim, die Krabbler bauen ein Schiff f�r die Pequeninos.�</p><p>�Ender hat es mir gesagt. Und als ich Vater Tagmacher darauf ansprach��</p><p>�Er ist ein Pequenino?�</p><p>�Eins von Menschs Kindern. �Nat�rlich�, sagte er, als wisse das jeder. Vielleicht dachte er das auch � wenn die Pequeninos es wissen, ist es <emphasis>bekannt. </emphasis>Er hat mir auch erz�hlt, da� diese ketzerische Gruppe versucht, das Kommando �ber das Schiff zu bekommen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Nat�rlich, damit sie eine bewohnte Welt anfliegen k�nnen. Anstatt sich einen unbewohnten Planeten zu suchen, ihn zu terraformen und zu kolonisieren.�</p><p>�Der richtige Begriff w�re wohl eher Lusiforming.�</p><p>�Wie komisch.� Quim lachte jedoch nicht. �Vielleicht bekommen sie ihren Willen. Diese Vorstellung, die Pequeninos seien eine �berlegene Rasse, ist popul�r, besonders bei den nicht christlichen Pequeninos. Die meisten von ihnen sind nicht sehr gebildet. Sie verstehen nicht, da� sie von Xenozid sprechen. Davon, die menschliche Rasse auszul�schen.�</p><p>�Wie k�nnen sie so einen kleinen Tatbestand einfach �bersehen?�</p><p>�Weil die Ketzer die Tatsache betonen, Gott liebe die Menschen so sehr, da� er ihnen seinen einzigen geliebten Sohn geschickt habe. Du erinnerst dich an die Inschrift.�</p><p>�Wer an ihn glaubt, wird nicht untergehen.�</p><p>�Genau. Den Gl�ubigen wird das ewige Leben gew�hrt. Wie sie es sehen, das dritte Leben.�</p><p>�Also m�ssen die, die sterben, ungl�ubig sein.�</p><p>�Nicht alle Pequeninos dr�ngen sich danach, sich als herumziehende Racheengel zu verdingen. Aber genug von ihnen, da� man sie aufhalten mu�. Nicht nur um der Mutter Kirche willen.�</p><p>�Mutter Erde.�</p><p>�Du verstehst, Miro, da� ein Missionar wie ich manchmal eine gro�e Bedeutung in der Welt erlangt. Irgendwie mu� ich diese armen Ketzer davon �berzeugen, da� sie sich auf dem falschen Weg befinden und die Lehren Christus annehmen m�ssen.�</p><p>�Und warum sprichst du jetzt mit W�hler?�</p><p>�Um die eine Information zu bekommen, die die Pequeninos niemals herausr�cken.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Es gibt Tausende von Pequeninow�ldern auf Lusitania. Welcher ist der ketzerische? Ihr Sternenschiff wird schon lange gestartet sein, bevor ich ihn gefunden habe, wenn ich aufs Geratewohl durch die W�lder ziehe.�</p><p>�Du gehst <emphasis>allein?�</emphasis></p><p>�Wie immer. Ich kann keine kleinen Br�der mitnehmen, Miro. Bis ein Wald bekehrt wurde, neigt er dazu, fremde Pequeninos zu t�ten. In diesem Fall ist es besser, ein Ramann als ein Utl�nning zu sein.�</p><p>�Wei� Mutter, da� du gehst?�</p><p>�Sei doch nicht weltfremd, Miro. Den Teufel f�rchte ich nicht, aber Mutter��</p><p>�Wei� Andrew es?�</p><p>�Nat�rlich. Er besteht darauf, mich zu begleiten. Der Sprecher f�r die Toten genie�t ein gro�es Ansehen, und er glaubt, er k�nne mir helfen.�</p><p>�Also wirst du nicht allein sein.�</p><p>�Nat�rlich werde ich das. Wann hat ein Mensch, der in den Panzer Gottes gekleidet ist, jemals die Hilfe eines Humanisten ben�tigt?�</p><p>�Andrew ist katholisch.�</p><p>�Er geht zur Messe, er nimmt das Abendmahl, er beichtet regelm��ig, aber er ist noch immer ein Sprecher f�r die Toten, und ich glaube nicht, da� er wirklich an Gott glaubt. Ich gehe allein.�</p><p>Miro betrachtete Quim mit neuer Bewunderung. �Du bist ein harter Hund, nicht wahr?�</p><p>�Schwei�er und Schmiede sind hart. Ich bin nur ein Diener Gottes und der Kirche und habe eine Aufgabe zu erf�llen. Ich glaube, es gibt ganz neue Beweise daf�r, da� mir von meinem Bruder gr��ere Gefahr droht als von dem ketzerischsten Pequenino. Seit Menschs Tod haben sich die Pequeninos an den weltweiten Eid gehalten � niemand hat je eine Hand gegen einen Menschen gehoben. Sie m�gen Ketzer sein, aber sie sind noch immer Pequeninos. Sie werden den Eid halten.�</p><p>�Es tut mir leid, da� ich dich geschlagen habe.�</p><p>�Ich habe es wie eine Umarmung hingenommen, mein Sohn.�</p><p>�Ich w�nschte, es w�re eine gewesen, Vater Estev�o.�</p><p>�Dann war es eine.�</p><p>Quim kehrte zu dem Baum zur�ck und begann, einen Rhythmus zu schlagen. Fast augenblicklich ver�nderte sich das Ger�usch in Tonh�he und Tonfall, als die Hohlr�ume im Baum ihre Form ver�nderten. Miro wartete einen Augenblick und lauschte, obwohl er die Sprache der Vaterb�ume nicht verstand. W�hler sprach mit der einzig h�rbaren Stimme, �ber die die Vaterb�ume verf�gten. Fr�her einmal hatte er mit einer richtigen Stimme gesprochen, die Worte mit Lippen, Zunge und Z�hnen artikuliert. Es gab mehr als eine M�glichkeit, seinen K�rper zu verlieren. Miro hatte etwas �berstanden, wobei er eigentlich h�tte sterben m�ssen. Er war verkr�ppelt daraus hervorgegangen. Doch er konnte sich noch bewegen, wenn auch schwerf�llig, und er konnte noch sprechen, wenn auch langsam. Er glaubte, wie Hiob zu leiden. W�hler und Mensch, die viel verkr�ppelter waren als er, glaubten, das ewige Leben erhalten zu haben.</p><p>�Eine ziemlich h��liche Situation�, sagte Jane.</p><p>Ja, sagte Miro stumm.</p><p>�Vater Estev�o sollte nicht allein gehen�, sagte sie. �Die Pequeninos waren fr�her furchtbare Krieger. Sie haben nicht vergessen, wie es geht.�</p><p>Dann sag es doch Ender, sagte Miro. Ich habe hier keine Macht.</p><p>�K�hn gesprochen, mein Held�, sagte Jane. �Ich werde mit Ender sprechen, w�hrend du hier auf dein Wunder wartest.�</p><p>Miro seufzte und ging zur�ck, den H�gel hinab und durch das Tor.</p></section><section><title><p id="_Toc119392798">Kapitel 9</p><p>Holzkopf</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Ich habe mit Ender und seiner Schwester, Valentine, gesprochen. Sie ist Historikerin.�</p><p>�Erkl�re dies.�</p><p>�Sie sucht in den B�chern, um die Geschichten der Menschen herauszufinden, und schreibt dann Geschichten �ber das, was sie findet, und gibt sie allen anderen Menschen.�</p><p>�Warum schreibt sie die Geschichten erneut, wenn sie doch schon niedergeschrieben wurden?�</p><p>�Weil man sie nicht verstanden hat. Sie hilft den Leuten, sie zu verstehen.�</p><p>�Wenn die Leute, die dieser Zeit n�her waren, die Geschichten nicht verstanden haben, wie kann sie, die sie doch sp�ter kommt, sie denn besser verstehen?�</p><p>�Das habe ich mich auch gefragt, und Valentine hat gesagt, da� sie sie nicht immer besser versteht. Doch die alten Schreiber haben verstanden, was die Geschichten f�r die Menschen ihrer Zeit bedeuteten, und sie versteht, was die Geschichten f�r die Menschen <emphasis>ihrer </emphasis>Zeit bedeuten.�</p><p>�Also ver�ndert sich die Geschichte.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und doch halten sie die Geschichte jedesmal f�r eine wahre Erinnerung?�</p><p>�Valentine erkl�rte mir, einige Geschichten seien wahr, andere wahrheitsgetreu. Ich habe nichts davon verstanden.�</p><p>�Warum erinnern sie sich nicht einfach an ihre Geschichten, wie sie das erste Mal genau erz�hlt wurden? Dann m��ten sie sich nicht st�ndig anl�gen.�</p><empty-line/><p>Qing-jao setzte sich mit geschlossenen Augen vor ihr Terminal und dachte nach. Wang-mu b�rstete Qing-jaos Haar; schon allein der Atem des M�dchens war ihr ein Trost.</p><p>Dies war eine Zeit, da Wang-mu frei sprechen konnte, ohne Angst, sie zu unterbrechen. Und weil Wang-mu Wang-mu war, nahm sie das Haareb�rsten wahr, um Fragen zu stellen. Sie hatte so viele Fragen.</p><p>Die ersten paar Tage hatten ihre Fragen stets dem gegolten, was die G�tter sagten. Nat�rlich war Wang-mu sehr erleichtert gewesen, als sie erfuhr, da� es fast immer gen�gte, eine einzige Linie einer Holzmaserung zu verfolgen � sie hatte beim ersten Mal bef�rchtet, Qing-jao m�sse jeden Tag die Linien auf dem gesamten Boden verfolgen.</p><p>Doch sie hatte noch immer Fragen, die der Reinigung galten. Warum stehst du nicht einfach jeden Morgen auf, verfolgst eine Linie und bist damit fertig? Warum legst du nicht einfach einen Teppichboden aus? Es war so schwer, ihr zu erkl�ren, da� man die G�tter nicht einfach mit so t�richten Tricks t�uschen konnte.</p><p>Was w�rde geschehen, wenn es auf der ganzen Welt kein Holz g�be? W�rden die G�tter dich wie Papier verbrennen? W�rde ein Drache kommen und dich davontragen?</p><p>Qing-jao konnte Wang-mus Fragen nicht beantworten, konnte nur sagen, da� die G�tter es eben von ihr verlangten. Wenn es keine Holzmaserungen g�be, w�rden die G�tter nicht von ihr verlangen, Linien zu verfolgen. Woraufhin Wang-mu erwiderte, dann solle man doch ein Gesetz gegen Holzb�den machen, damit Qing-jao ihre Ruhe habe.</p><p>Die, die die Stimmen der G�tter nie geh�rt hatten, konnten es einfach nicht verstehen.</p><p>Heute jedoch hatten Wang-mus Fragen nichts mit den G�ttern zu tun � oder zumindest <emphasis>zuerst </emphasis>nicht.</p><p>�Was hat die Lusitania-Flotte schlie�lich aufgehalten?� fragte Wang-mu.</p><p>Beinahe h�tte Qing-jao die Frage mit einem Lachen beantwortet: Wenn ich das w��te, k�nnte ich mich ausruhen! Doch dann begriff sie, da� Wang-mu eigentlich nicht einmal wissen sollte, da� die Lusitania-Flotte verschwunden war.</p><p>�Wieso wei�t du �berhaupt etwas �ber die Lusitania-Flotte?�</p><p>�Ich kann doch <emphasis>lesen, </emphasis>oder?� sagte Wang-mu ein wenig zu stolz.</p><p>Doch warum sollte sie nicht stolz sein? Qing-jao hatte ihr wahrheitsgem�� gesagt, da� sie sehr schnell lernte und vieles selbst herausbekam. Sie war sehr intelligent, und Qing-jao w�re nicht �berrascht, wenn Wang-mu mehr verst�nde, als man ihr offen sagte.</p><p>�Ich sehe, was du auf deinem Terminal hast�, sagte Wang-mu, �und es hat immer mit der Lusitania-Flotte zu tun. Au�erdem hast du an meinem ersten Tag hier mit deinem Vater dar�ber gesprochen. Ich verstand kaum etwas von dem, was du sagtest, doch ich wu�te, da� es mit der Lusitania-Flotte zu tun haben mu�te.� Wang-mus Stimme war pl�tzlich von Abscheu erf�llt. �M�gen die G�tter dem Mann, der diese Flotte losgeschickt hat, ins Gesicht pissen.�</p><p>Ihre Wut war schockierend genug; die Tatsache, da� Wang-mu gegen den Sternenwege-Kongre� sprach, war unglaublich.</p><p>�Wei�t du, wer diese Flotte losgeschickt hat?� fragte Qing-jao.</p><p>�Nat�rlich. Es waren die egoistischen Politiker im Sternenwege-Kongre�, die damit jede Hoffnung zerst�ren wollen, da� eine Kolonie ihre Unabh�ngigkeit gewinnen kann.�</p><p>Also <emphasis>wu�te </emphasis>Wang-mu, da� sie verr�terisch sprach. Qing-jao erinnerte sich voller Abscheu an ihre �hnlichen Worte, die sie vor langer Zeit gesprochen hatte; da� sie in ihrer Gegenwart wiederholt wurden � und noch dazu von ihrer geheimen Magd �, war ungeheuerlich. �Was wei�t du von diesen Dingen? Sie betreffen den Kongre�, und du sprichst von Unabh�ngigkeit und Kolonien und��</p><p>Wang-mu war schon auf den Knien und ber�hrte mit dem Kopf den Boden. Qing-jao sch�mte sich pl�tzlich, so barsch gesprochen zu haben.</p><p>�Oh, steh auf, Wang-mu.�</p><p>�Du bist b�se auf mich.�</p><p>�Ich bin schockiert, dich so sprechen zu h�ren, das ist alles. Wo hast du diesen Unsinn aufgeschnappt?�</p><p>�Alle sagen das�, entgegnete Wang-mu.</p><p>�Nicht alle�, sagte Qing-jao. �Vater sagt so etwas nie. Andererseits sagt <emphasis>Demosthenes </emphasis>so etwas st�ndig.� Qing-jao erinnerte sich daran, wie sie sich gef�hlt hatte, als sie Demosthenes' Worte zum ersten Mal gelesen hatte � wie logisch und richtig und sch�n sie geklungen hatten. Erst sp�ter, nachdem Vater ihr erkl�rt hatte, da� Demosthenes der Feind der Herrscher und damit auch der G�tter war, erst da hatte sie begriffen, wie tr�gerisch die Worte des Verr�ters waren, die sie fast zu dem Glauben verf�hrt hatten, die Lusitania-Flotte sei b�se. Wenn Demosthenes imstande gewesen war, beinahe ein gebildetes M�dchen wie Qing-jao zu verf�hren, war es kein Wunder, da� sie h�rte, wie diese Worte wie Wahrheiten vom Mund eines gew�hnlichen M�dchens wiederholt wurden.</p><p>�Wer ist Demosthenes?� fragte Wang-mu.</p><p>�Ein Verr�ter, der anscheinend mehr Erfolg hat, als alle annehmen.� Wu�te der Sternenwege-Kongre�, da� Demosthenes' Worte von Menschen wiederholt wurden, die noch nie von ihm geh�rt hatten? Begriff irgend jemand, was das bedeutete? Demosthenes' Ideen waren nun die gemeine Weisheit des gemeinen Volkes. Die Dinge hatten einen gef�hrlicheren Verlauf genommen, als Qing-jao es f�r m�glich gehalten h�tte. �Schon gut�, sagte Qing-jao. �Erz�hle mir von der Lusitania-Flotte.�</p><p>�Wie kann ich das, wenn ich dich damit w�tend mache?�</p><p>Qing-jao wartete geduldig.</p><p>�Also gut�, sagte Wang-mu, doch sie schaute noch immer vorsichtig drein. �Vater sagt � und das sagt auch Pan Ku-wei, sein sehr weiser Freund, der sich einst der Pr�fung f�r den �ffentlichen Dienst unterzog und sie fast bestanden h�tte��</p><p>�Was sagen sie?�</p><p>�Da� es nicht rechtens vom Kongre� ist, eine gro�e � eine so gro�e � Flotte auszuschicken, um eine winzige Kolonie anzugreifen, nur weil sie sich weigert, zwei ihrer B�rger zum Proze� auf eine andere Welt zu schicken. Sie sagen, die Gerechtigkeit sei v�llig auf der Seite Lusitanias, weil es bedeuten w�rde, sie f�r immer ihren Familien und Freunden wegzunehmen, wenn man sie von einem Planeten zum anderen schicken w�rde. Das w�re eine Verurteilung vor dem Proze�.�</p><p>�Und was ist, wenn sie schuldig sind?�</p><p>�Das m�ssen die Gerichte auf ihrer eigenen Welt entscheiden, wo die Menschen sie kennen und ihr Verbrechen gerecht beurteilen k�nnen, und nicht der Kongre� auf einer fernen Welt, wo er nichts wei� und noch weniger versteht.� Wang-mu zog den Kopf ein. �Das sagt Pan Ku-wei.�</p><p>Qing-jao d�mmte ihren Ekel �ber Wang-mus verr�terische Worte ein; es war wichtig zu wissen, was das gemeine Volk dachte, selbst wenn Qing-jao �berzeugt war, da� die G�tter w�tend auf sie sein w�rden, weil es schon Verrat war, sich solche Worte �berhaupt anzuh�ren. �Also glaubst du, man h�tte die Lusitania-Flotte niemals ausschicken sollen?�</p><p>�Was hindert sie daran, eine Flotte gegen Weg zu schicken, wenn sie auch eine ohne jeden Grund gegen Lusitania schicken k�nnen? Wir sind auch eine Kolonie, nicht eine der Hundert Welten, kein Mitglied des Sternenwege-Kongresses. Was hindert sie daran, einfach zu erkl�ren, Han Fei-tzu sei ein Verr�ter, und ihn zu einem fernen Planeten reisen zu lassen, von dem er erst nach sechzig Jahren zur�ckkehren wird?�</p><p>Der Gedanke war schrecklich, und es war eine Zumutung von Wang-mu, ihren Vater ins Gespr�ch zu bringen, nicht� weil sie eine Dienerin war, sondern weil die Vorstellung, der gro�e Han Fei-tzu k�nne eines Verbrechens angeklagt werden, von <emphasis>jedem </emphasis>ungeh�rig war. Qing-jaos Fassung lie� sie einen Augenblick lang im Stich, und sie verschaffte ihrer Wut Luft: �Der Sternenwege-Kongre� w�rde meinen Vater niemals wie einen Verbrecher behandeln!�</p><p>�Vergib mir, Qing-jao. Du hast mir gesagt, ich solle wiederholen, was mein Vater gesagt hat.�</p><p>�Du meinst, dein Vater hat von Han Fei-tzu gesprochen?�</p><p>�Alle Menschen von Jonlei wissen, da� Han Fei-tzu der ehrenwerteste Mann auf Weg ist. Es ist unser gr��ter Stolz, da� das Haus Han zu unserer Stadt geh�rt.�</p><p>Also hast du genau gewu�t, dachte Qing-jao, wie ehrgeizig du warst, als du dich angeschickt hast, die Magd seiner Tochter zu werden.</p><p>�Ich wollte nicht respektlos sein, und sie wollten es auch nicht. Aber stimmt es nicht, da� der Kongre� Weg befehlen k�nnte, deinen Vater zu einem anderen Planeten zu schicken, auf dem ihm der Proze� gemacht werden soll, wenn er es wollte?�</p><p>�Sie w�rden niemals��</p><p>�Aber <emphasis>k�nnten </emphasis>sie es?� beharrte Wang-mu.</p><p>�Weg ist eine Kolonie�, sagte Qing-jao. �Das Gesetz erlaubt es, doch sie w�rden niemals��</p><p>�Aber warum sollten sie es nicht bei Weg machen, wenn sie es bei Lusitania gemacht haben?�</p><p>�Weil die Xenologen auf Lusitania sich Verbrechen schuldig gemacht haben, die��</p><p>�Die Menschen auf Lusitania sind anderer Meinung. Ihre Regierung hat sich geweigert, sie zum Proze� zu schicken.�</p><p>�Das ist am schlimmsten daran. Wie kann eine planetare Regierung glauben, sie wisse es besser als der Kongre�?�</p><p>�Aber sie wissen alles�, sagte Wang-mu, als sei diese Vorstellung so nat�rlich, da� jeder sie einsehen m�ssen. �Sie kennen diese Menschen, diese Xenologen. Wenn der Sternenwege-Kongre� Weg befehlen w�rde, Han Fei-tzu wegen eines Verbrechens, von dem wir wissen, da� er es nicht begangen hat, zu einem Proze� auf einem anderen Planeten zu schicken, w�rden wir dann nicht auch rebellieren, bevor wir einen so gro�en Mann fortschicken? Und dann w�rden sie eine Flotte gegen uns in Marsch setzen.�</p><p>�Der Sternenwege-Kongre� ist die Quelle aller Gerechtigkeit auf den Hundert Welten.� Qing-jao sprach mit Endg�ltigkeit. Die Diskussion war vorbei.</p><p>Unversch�mterweise bewahrte Wang-mu kein Schweigen. �Aber Weg ist keine der Hundert Welten, nicht wahr?� sagte sie. �Wir sind nur eine Kolonie. Sie k�nnen tun, was sie wollen, und das ist nicht gerecht.�</p><p>Wang-mu nickte, als glaube sie, v�llig gesiegt zu haben. Qing-jao h�tte fast gelacht. Sie h�tte sogar gelacht, w�re sie nicht so w�tend gewesen. Zum Teil war sie w�tend, weil Wang-mu sie oft unterbrochen und ihr sogar widersprochen hatte, etwas, das ihre Lehrer voller Bedacht immer vermieden hatten. Doch Wang-mus Aufs�ssigkeit war wahrscheinlich positiv, und Qing-jaos Ver�rgerung war ein Zeichen daf�r, da� sie sich an den unverdienten Respekt gew�hnt hatte, den die Leute ihren Ideen entgegenbrachten, ganz einfach, weil sie �ber die Lippen einer Gottber�hrten kamen. Wang-mu mu�te ermutigt werden, so zu ihr zu sprechen. Dieser Teil von Qing-jaos Ver�rgerung war falsch, und sie mu�te ihn loswerden.</p><p>Doch ein gro�er Teil von Qing-jaos Ver�rgerung stammte daher, wie Wang-mu von dem Sternenwege-Kongre� gesprochen hatte. Es war, als billige Wang-mu dem Kongre� nicht die h�chste Autorit�t �ber die gesamte Menschheit zu; als glaube Wang-mu, Weg sei wichtiger als der kollektive Wille aller Welten. Auch wenn das Unvorstellbare geschehen und Han Fei-tzu befohlen werden sollte, sich auf einer hundert Lichtjahre entfernten Welt einem Proze� zu stellen, w�rde er es ohne Widerspruch tun � und er w�rde w�tend werden, sollte irgend jemand auf Weg zum geringsten Widerstand aufrufen. Wie Lusitania zu rebellieren? Undenkbar. Qing-jao f�hlte sich schmutzig, wenn sie nur daran dachte.</p><p>Schmutzig. Unrein. Allein solch ein rebellischer Gedanke lie� sie nach der Linie einer Holzmaserung suchen.</p><p>�Qing-jao!� rief Wang-mu, als Qing-jao niederkniete. �Bitte sage mir, da� die G�tter dich nicht bestrafen, weil du h�ren mu�test, was ich gesagt habe!�</p><p>�Sie bestrafen mich nicht�, sagte Qing-jao. �Sie reinigen mich.�</p><p>�Aber es waren nicht einmal meine Worte, Qing-jao. Es waren die Worte von Menschen, die nicht einmal hier sind.�</p><p>�Es waren unreine Worte, wer auch immer sie gesprochen haben mag.�</p><p>�Aber es ist nicht gerecht, da� du dich f�r Ideen reinigen mu�t, an die du nie gedacht oder geglaubt hast!�</p><p>Es wurde immer schlimmer! W�rde Wang-mu niemals aufh�ren? �Mu� ich jetzt h�ren, da� die behauptest, die G�tter selbst seien ungerecht?�</p><p>�Sie sind es, wenn sie dich wegen der Worte anderer Leute bestrafen!�</p><p>Das M�dchen war unversch�mt. �Bist du jetzt kl�ger als die G�tter?�</p><p>�Sie k�nnten dich genausogut bestrafen, weil du von der Schwerkraft angezogen wirst oder weil Regen auf dich f�llt!�</p><p>�Wenn sie mir befehlen, mich wegen solcher Dinge zu reinigen, dann tue ich es und nenne es gerecht�, sagte Qing-jao.</p><p>�Dann hat Gerechtigkeit keine Bedeutung!� rief Wang-mu. �Wenn du dieses Wort aussprichst, meinst du damit alles, was die G�tter zuf�llig entscheiden. Doch wenn ich das Wort ausspreche, meine ich Fairne�, meine ich, da� Menschen nur f�r etwas bestraft werden, das sie absichtlich getan haben, meine ich damit��</p><p>�Ich mu� das befolgen, was die G�tter mit Gerechtigkeit meinen.�</p><p>�Gerechtigkeit ist Gerechtigkeit, was immer die G�tter sagen!�</p><p>Fast h�tte sich Qing-jao vom Boden erhoben und ihrer geheimen Magd eine Ohrfeige gegeben. Es w�re ihr Recht gewesen, denn Wang-mu verursachte ihr genauso viel Schmerzen, als h�tte sie sie geschlagen. Doch es entsprach nicht Qing-jaos Art, einen Menschen zu schlagen, der nicht zur�ckschlagen konnte. Au�erdem gab es hier ein viel interessanteres R�tsel. Schlie�lich hatten die G�tter Wang-mu zu ihr geschickt � dessen war sich Qing-jao bereits sicher. Anstatt also direkt mit Wang-mu zu streiten, sollte Qing-jao zu verstehen versuchen, was die G�tter <emphasis>meinten, </emphasis>indem sie ihr eine Dienerin schickten, die so sch�ndliche, respektlose Dinge sagte.</p><p>Die G�tter hatten Wang-mu veranla�t zu sagen, es sei ungerecht, Qing-jao zu bestrafen, nur weil sie sich die respektlose Ansicht einer anderen Person angeh�rt hatte. Vielleicht war Wang-mus Behauptung richtig. Doch es traf auch zu, da� die G�tter nicht ungerecht sein konnten. Daher durfte Qing-jao nicht bestraft werden, nur weil sie die verr�terische Meinung des Volkes geh�rt hatte. Nein, Qing-jao mu�te sich reinigen, weil irgendein Teil von ihr im tiefsten Herzen diese Meinung <emphasis>glauben </emphasis>mu�te. Sie mu�te sich reinigen, weil sie tief im Innern das himmlische Mandat des Sternenwege-Kongresses anzweifelte, weil sie noch immer glaubte, es sei nicht gerecht.</p><p>Qing-jao kroch augenblicklich zu der n�chsten Wand und begann nach der richtigen Linie zu suchen, die sie verfolgen konnte. Aufgrund von Wang-mus Worten hatte Qing-jao eine geheime Unreinheit in sich selbst entdeckt. Die G�tter hatten ihr einen weiteren Schritt erm�glicht, die dunkelsten Gefilde in ihr selbst besser kennenzulernen, so da� sie eines Tages vielleicht v�llig mit Licht erf�llt war und sich damit den Namen verdiente, der bislang nur Hohn und Spott war. Ein Teil von mir bezweifelt die Rechtschaffenheit des Sternenwege-Kongresses. O G�tter, um meiner Ahnen, meines Volkes, meiner Herrscher und letztlich auch um mich willen, l�utert diesen Zweifel in mir und macht mich rein!</p><p>Als sie die Linie verfolgt hatte � und es war nur eine einzige Linie erforderlich, um sie zu reinigen, was ein gutes Zeichen daf�r war, da� sie etwas Wahres gelernt hatte �, sa� Wang-mu da und beobachtete sie. Qing-jaos Wut war verraucht, und sie war Wang-mu sogar dankbar, ein unwissendes Werkzeug der G�tter gewesen zu sein, das ihr geholfen hatte, eine neue Wahrheit zu lernen. Doch Wang-mu mu�te trotzdem begreiflich gemacht werden, da� sie unversch�mt gewesen war.</p><p>�In diesem Haus wohnen treue Diener des Sternenwege-Kongresses�, sagte Qing-jao mit leiser Stimme und so freundlichem Gesichtsausdruck, wie sie ihn nur aufsetzen konnte. �Und wenn du eine treue Dienerin dieses Hauses bist, wirst du auch dem Kongre� mit ganzem Herzen dienen.� Wie konnte sie Wang-mu erkl�ren, auf wie schmerzhafte Art und Weise sie selbst diese Lektion gelernt hatte � und noch immer lernte? Wang-mu sollte ihr dabei helfen und es ihr nicht zus�tzlich erschweren.</p><p>�Heilige, ich wu�te es nicht�, sagte Wang-mu, �ahnte es nicht einmal. Ich habe immer geh�rt, da� der Name Han Fei-tzu als edelster Diener von Weg genannt wurde. Ich dachte, Ihr w�rdet Weg dienen, nicht dem Kongre�, oder ich h�tte nie��</p><p>�Nie versucht, hier eine Anstellung zu finden?�</p><p>�Nie so barsch �ber den Kongre� gesprochen�, sagte Wang-mu. �Ich w�rde dir sogar dienen, wenn du im Haus eines Drachen wohntest.�</p><p>Vielleicht wohne ich in einem solchen, dachte Qing-jao. Vielleicht ist der Gott, der mich reinigt, ein Drache, kalt und hei�, schrecklich und sch�n.</p><p>�Vergi� nicht, Wang-mu, die Welt namens Weg ist nicht der <emphasis>Weg </emphasis>selbst, sondern wurde nur so genannt, um uns daran zu erinnern, jeden Tag gem�� des wahren <emphasis>Weges </emphasis>zu leben. Mein Vater und ich dienen dem Kongre�, weil er das Mandat des Himmels hat, und so verlangt der <emphasis>Weg, </emphasis>da� unser Dienst sogar �ber die W�nsche oder Bed�rfnisse der Welt namens Weg hinausgeht.�</p><p>Wang-mu betrachtete sie mit gro�en Augen. Hatte sie begriffen? Glaubte sie daran? Egal � mit der Zeit w�rde sie noch daran glauben.</p><p>�Geh nun, Wang-mu. Ich habe zu arbeiten.�</p><p>�Ja, Qing-jao.� Wang-mu erhob sich augenblicklich und entfernte sich r�ckw�rts und unter Verbeugungen. Qing-jao wandte sich wieder ihrem Terminal zu. Doch als sie sich anschickte, weitere Berichte ins Display aufzurufen, wurde sie sich bewu�t, da� au�er ihr noch jemand im Raum war. Sie wirbelte mit dem Stuhl herum, und auf der Schwelle stand Wang-mu.</p><p>�Was ist noch?� fragte Qing-jao.</p><p>�Ist es die Pflicht einer geheimen Magd, ihrer Herrin jede Weisheit zu verraten, die ihr in den Sinn kommt, selbst wenn sie sich als Torheit erweisen sollte?�</p><p>�Du kannst zu mir sagen, was du willst�, entgegnete Qing-jao. �Habe ich dich jemals bestraft?�</p><p>�Dann vergib mir bitte, meine Qing-jao, wenn ich etwas �ber diese gro�e Aufgabe zu sagen wage, an der du arbeitest.�</p><p>Was wu�te Wang-mu von der Lusitania-Flotte? Wang-mu war eine gelehrige Sch�lerin, doch Qing-jao unterrichtete sie in jedem Fach noch auf so primitiver Ebene, da� der Gedanke, Wang-mu k�nne auch nur die Probleme erfassen, geschweige denn eine Antwort wissen, einfach absurd war. Nichtsdestotrotz hatte Vater sie gelehrt: Diener sind immer gl�cklicher, wenn sie wissen, da� ihre Stimmen bei ihrem Herren Geh�r finden. �Bitte sag es mir�, fuhr Qing-jao fort. �Wie kannst du etwas T�richteres sagen als das, was ich bereits gesagt habe?�</p><p>�Meine geliebte �ltere Schwester�, sagte Wang-mu, �ich habe diese Idee eigentlich von dir. Du hast so oft gesagt, da� nichts, was der Wissenschaft und Geschichte bekannt ist, veranla�t haben k�nnte, da� die Flotte so vollst�ndig und gleichzeitig verschwindet.�</p><p>�Aber es ist geschehen�, sagte Qing-jao, �also mu� es doch m�glich sein.�</p><p>�Mir kam etwas in den Sinn, meine s��e Qing-jao�, sagte Wang-mu, �das du mir erkl�rt hast, als wir �ber Logik sprachen. �ber Ursache und Wirkung. Die ganze Zeit �ber hast du nach der Ursache gesucht � wieso die Flotte verschwinden konnte. Aber hast du auch nach der Wirkung gesucht � was jemand damit erreichen will, wenn er die Flotte von uns abschneidet oder sogar vernichtet?�</p><p>�Jeder wei�, <emphasis>warum </emphasis>die Leute die Flotte aufhalten wollen. Sie versuchen, die Rechte der Kolonien zu sch�tzen, oder haben den l�cherlichen Verdacht, der Kongre� wolle die Pequeninos mit der gesamten Kolonie vernichten. Milliarden von Menschen wollen die Flotte aufhalten. Sie alle sind verr�terisch im Herzen und Feinde der G�tter.�</p><p>�Aber jemand hat es wirklich getan�, sagte Wang-mu. �Ich dachte nur, da du nicht herausfinden kannst, was mit der Flotte geschehen ist, k�nntest du vielleicht herausfinden, <emphasis>wer </emphasis>es geschehen lie�, und das wird dich dazu f�hren, <emphasis>wie </emphasis>sie es gemacht haben.�</p><p>�Wir wissen nicht einmal, ob es �berhaupt einen <emphasis>Wer </emphasis>gibt�, entgegnete Qing-jao. �Es k�nnte ein <emphasis>Was </emphasis>gewesen sein. Nat�rliche Ph�nomene haben keine Absicht im Sinn, denn sie haben gar keinen Sinn oder Verstand.�</p><p>Wang-mu senkte den Kopf. �Dann habe ich deine Zeit verschwendet, Qing-jao. Bitte vergib mir. Ich h�tte gehen sollen, als du es mir befohlen hast.�</p><p>�Es ist schon in Ordnung�, sagte Qing-jao.</p><p>Wang-mu war schon fort; Qing-jao wu�te nicht, ob ihre Dienerin ihre beruhigenden Worte noch geh�rt hatte. Es spielt keine Rolle, dachte Qing-jao. Falls Wang-mu beleidigt sein sollte, mache ich es sp�ter wieder gut. Zu glauben, es k�nne mir bei meiner Aufgabe helfen, war nett von dem M�dchen; ich werde daf�r sorgen, da� sie ein so eifriges Herz hat.</p><p>Nachdem Wang-mu das Zimmer verlassen hatte, kehrte Qing-jao an ihr Terminal zur�ck. Sie bl�tterte m��ig die Berichte auf dem Display ihres Terminals durch. Sie hatte sie alle schon studiert und nichts gefunden, was ihr weiterhalf. Warum sollte es diesmal anders sein? Vielleicht zeigten diese Berichte und Zusammenfassungen ihr nichts, weil es nichts zu zeigen gab. Vielleicht war die Flotte verschwunden, weil irgendein Gott zum Berserker geworden war; es gab Geschichten, da� so etwas in alten Zeiten schon vorgekommen war. Vielleicht gab es keinen Beweis f�r eine menschliche Einmischung, weil Menschen gar nicht beteiligt waren. Sie fragte sich, was Vater dazu sagen w�rde. Was w�rde der Kongre� gegen eine verr�ckt gewordene Gottheit unternehmen? Sie konnten noch nicht einmal diesen verr�terischen Schriftsteller Demosthenes aufsp�ren � welche Hoffnung hatten sie, einen Gott aufzusp�ren und auszuschalten?</p><p>Wer auch immer Demosthenes ist, er lacht sich in diesem Augenblick ins F�ustchen, dachte Qing-jao. Seine ganze Arbeit galt dem Ziel, das Volk zu �berzeugen, es sei nicht rechtens von der Regierung, die Lusitania-Flotte auszuschicken, und nun wurde die Flotte aufgehalten, genau, wie Demosthenes es wollte.</p><p>Genau, wie Demosthenes es wollte. Zum ersten Mal stellte Qing-jao eine geistige Verbindung her, die so offensichtlich war, da� sie nicht glauben konnte, noch nie daran gedacht zu haben. Sie war sogar so offensichtlich, da� die Polizei vieler St�dte davon ausgegangen war, bekannte Gefolgsleute von Demosthenes m��ten mit Sicherheit mit dem Verschwinden der Flotte zu tun haben. Sie hatten alle Verd�chtigen zusammengetrieben und versucht, ihnen Gest�ndnisse abzupressen. Doch nat�rlich hatte niemand Demosthenes selbst befragt, denn niemand wu�te, wer er war.</p><p>Demosthenes war so klug, da� er trotz aller Nachforschungen der Kongre�polizei jahrelang ein genauso fl�chtiges Wesen war wie die Ursache des Verschwindens der Flotte. Wenn er den einen Trick bewirken konnte, warum denn nicht auch den anderen? Wenn ich Demosthenes finde, finde ich vielleicht auch heraus, wie die Flotte von uns abgeschnitten wurde. Nicht, da� ich die geringste Ahnung h�tte, wo ich mit dem Suchen anfangen soll. Aber es ist zumindest eine neue Ann�herung an das Problem. Zumindest bedeutet es, da� ich nicht immer und immer wieder dieselben leeren, nutzlosen Berichte lesen mu�.</p><p>Pl�tzlich erinnerte sich Qing-jao, wer nur vor einem Moment fast genau den gleichen Vorschlag gemacht hatte. Sie f�hlte, wie sie err�tete; das Blut scho� in ihre Wangen. Wie arrogant war es doch von mir, Wang-mu zu tadeln, sie wegen der Vorstellung zu schelten, sie k�nne mir bei meiner erhabenen Aufgabe helfen. Und nun, keine f�nf Minuten sp�ter, ist der Gedanke, den sie in meinem Verstand gepflanzt hat, zu einem Plan aufgebl�ht. Selbst wenn dieser Plan fehlschlagen sollte, war sie diejenige, die ihn mir gab oder mich zumindest daran denken lie�. Also war es t�richt von mir, sie f�r t�richt zu halten. Tr�nen der Scham f�llten Qing-jaos Augen.</p><p>Dann dachte sie an einige ber�hmte Zeilen eines Gedichts ihrer Vorfahrin-des-Herzens.</p><poem><stanza><v>Ich will die</v><v>Brombeerbl�ten zur�ckrufen</v><v>die gefallen sind</v><v>obwohl Birnenbl�ten bleiben</v></stanza></poem><p>Die Dichterin Li Qing-jao wu�te, wie schmerzhaft es war, Worte zu bedauern, die schon �ber unsere Lippen gekommen sind und niemals zur�ckgenommen werden k�nnen. Doch sie war weise genug, um sich daran zu erinnern, da�, obwohl diese Worte gesprochen wurden, neue darauf warten, gesagt zu werden, wie die Birnenbl�ten.</p><p>Um �ber die Schande hinwegzukommen, so arrogant gewesen zu sein, wiederholte Qing-jao alle Worte des Gedichts, oder fing zumindest damit an. Doch als sie an die Zeile</p><poem><stanza><v>Drachenschiffe auf dem Flu�</v></stanza></poem><p>kam, wandten sich ihre Gedanken der Lusitania-Flotte zu, und sie stellte sich all diese Sternenschiffe als Flu�boote vor, die grell bemalt nun mit der Str�mung trieben, so fern vom Ufer, da� sie nicht mehr geh�rt werden konnten, ganz gleich, wie laut sie riefen.</p><p>Von Drachenschiffen glitten ihre Gedanken zu Flugdrachen �ber, und nun stellte sie sich die Lusitania-Flotte als Drachen mit gerissenen Leinen vor, die vom Wind fortgetragen wurden und nicht mehr mit dem Kind verbunden waren, das sie urspr�nglich hatte fliegen lassen. Wie sch�n, sie frei zu sehen; doch wie schrecklich mu�te es f�r sie sein, die sich die Freiheit nie ersehnt hatten.</p><poem><stanza><v>Ich f�rchtete nicht die zornigen Winde</v><v>und den heftigen Regen</v></stanza></poem><p>Die Worte des Gedichts kamen ihr wieder in den Sinn. Ich f�rchtete nicht. Zornige Winde. Heftiger Regen. Ich f�rchtete mich nicht, als</p><poem><stanza><v>Wir tranken auf unser Gl�ck</v><v>mit warmem Brombeerwein</v><v>nun kann ich mir nicht vorstellen</v><v>wie ich diese Zeit auferstehen lassen kann</v></stanza></poem><p>Meine Vorfahrin-des-Herzens konnte ihre Furcht wegtrinken, dachte Qing-jao, weil sie jemanden hatte, mit dem sie trinken konnte. Und selbst jetzt,</p><poem><stanza><v>Allein auf meiner Matte mit einer Tasse</v><v>traurig ins Nichts blickend</v></stanza></poem><p>erinnert sich sich Dichterin an ihre verlorene Gesellschaft. An wen erinnere ich mich jetzt? dachte Qing-jao. Wo ist mein z�rtlicher Liebhaber? Was f�r ein Zeitalter mu� es damals gewesen sein, als die gro�e Li Qing-jao noch sterblich war und M�nner und Frauen als z�rtliche Freunde Zusammensein konnten, ohne sich Sorgen dar�ber zu machen, zu wem die G�tter sprechen und zu wem nicht. Damals konnte eine Frau ein Leben f�hren, bei dem sie selbst in ihrer Einsamkeit Erinnerungen hatte. Ich kann mich nicht einmal an das Gesicht meiner Mutter erinnern. Nur die flachen Bilder; ich kann mich nicht erinnern, wie sie das Gesicht drehte und bewegte, w�hrend ihre Augen mich betrachteten. Ich habe nur meinen Vater, der wie ein Gott ist; ich kann ihn verehren und ihm gehorchen und ihn sogar lieben, doch ich kann in seiner Gegenwart nie ausgelassen, verspielt sein. Wenn ich ihn necke, beobachte ich ihn immer, um mich zu vergewissern, da� er die Art und Weise billigt, wie ich ihn necke. Und Wang-mu; ich sprach so fest dar�ber, da� wir Freundinnen sein w�rden, und doch behandle ich sie wie eine Dienerin. Ich vergesse keinen Augenblick lang, zu wem die G�tter sprechen und zu wem nicht. Es ist wie eine Mauer, die niemals �berwunden werden kann. Ich bin jetzt allein und werde auf ewig allein sein.</p><poem><stanza><v>Eine klare K�lte kommt durch</v><v>die Fenstervorh�nge</v><v>der Halbmond hinter den goldenen Gittern</v></stanza></poem><p>Sie erschauderte. Ich und der Mond. Hielten die Griechen ihren Mond nicht f�r eine kalte Jungfrau, eine J�gerin? Ist es das, was ich jetzt bin? Sechzehn Jahre alt und unber�hrt</p><poem><stanza><v>und eine Fl�te erklingt</v><v>als k�me jemand</v></stanza></poem><p>und ich lausche und lausche, h�re aber nie die Melodie von jemandem, der kommt�</p><p>Nein. Was sie h�rte, waren die fernen Ger�usche einer Mahlzeit, die gerade zubereitet wurde; das Klappern von Sch�sseln und L�ffeln, Gel�chter aus der K�che. Nachdem ihr Tagtraum durchbrochen war, hob sie die Hand und wischte die t�richten Tr�nen von ihren Wangen. Wie konnte sie sich f�r einsam halten, wo sie doch in diesem vollen Haus lebte, in dem sich jeder ihr ganzes Leben lang um sie gek�mmert hatte? Ich sitze hier und zitiere Fetzen aus alten Gedichten, wo ich doch eigentlich zu arbeiten h�tte.</p><p>Und augenblicklich rief sie die Berichte auf, die �ber Nachforschungen �ber Demosthenes' Identit�t erstellt worden waren.</p><p>Die Berichte lie�en sie einen Augenblick lang glauben, auch dies sei eine Sackgasse. �ber drei Dutzend Autoren auf fast ebenso vielen Welten waren verhaftet worden, weil sie unter diesem Namen aufwieglerische Dokumente erstellt hatten. Der Sternenwege-Kongre� war zu der offensichtlichen Schlu�folgerung gelangt: Demosthenes war einfach der Deckname aller Rebellen, die Aufmerksamkeit erregen wollten. Es gab keinen echten Demosthenes, nicht einmal eine organisierte Verschw�rung.</p><p>Doch Qing-jao hatte ihre Zweifel, was diese Schlu�folgerung betraf. Demosthenes hatte bemerkenswerten Erfolg damit gehabt, auf jeder Welt �rger zu machen. Konnte es �berhaupt jemanden mit soviel Talent unter den Verr�tern eines jeden Planeten geben? Wohl kaum.</p><p>Au�erdem war Qing-jao damals, als sie Demosthenes gelesen hatte, die Koh�renz seiner Schriften aufgefallen. Der einzigartige Zusammenhang seiner Vision � das lie� ihn so verf�hrerisch wirken. Alles schien zusammenzupassen, gemeinsam Sinn zu ergeben.</p><p>Hatte Demosthenes nicht auch die Hierarchie der Fremdheit entworfen? Framling, Ramann, Varelse. Nein, das war vor vielen Jahren geschrieben worden � es mu�te ein anderer Demosthenes sein. Benutzten die Verr�ter wegen der Hierarchie des fr�heren Demosthenes heute noch dessen Namen? Ihre Schriften unterst�tzten die Unabh�ngigkeit Lusitanias, des einzigen Planeten, auf dem intelligentes nichtmenschliches Leben gefunden worden war. Da war es nur angemessen, den Namen des Schriftstellers zu benutzen, der der Menschheit zum ersten Mal beigebracht hatte, da� das Universum nicht zwischen Menschen und Nicht-Menschen oder zwischen intelligenten und nicht-intelligenten Spezies aufgeteilt wurde.</p><p>Einige Fremde, hatte der fr�here Demosthenes gesagt, waren Framlinge � Menschen von einer anderen Welt. Einige waren Ram�nner � von einer anderen intelligenten Spezies, aber imstande, mit Menschen zu kommunizieren, so da� wir Unterschiede herausarbeiten und gemeinsam Entscheidungen treffen k�nnen. Andere waren Varelse, �kluge Tiere�, eindeutig intelligent und doch v�llig unf�hig, Gemeinsamkeiten mit der Menschheit zu finden. Nur mit den Varelse w�re ein Krieg jemals gerechtfertigt; mit Ram�nnern k�nnten Menschen Frieden schlie�en und sich die bewohnbaren Planeten teilen. Es war eine offene Denkungsart, voller Hoffnung, da� Fremde trotzdem Freunde sein k�nnen. Menschen, die so dachten, h�tten niemals eine Flotte mit dem Chirurgen an Bord zu einer von einer intelligenten Spezies bewohnten Welt schicken k�nnen.</p><p>Dies war ein sehr unbehaglicher Gedanke: Der Demosthenes der Hierarchie h�tte die Lusitania-Flotte ebenfalls mi�billigt. Fast augenblicklich mu�te Qing-jao dagegenhalten. Es spielte keine Rolle, was der alte Demosthenes dachte, nicht wahr? Der neue Demosthenes, der Aufwiegler, war kein weiser Philosoph, der versuchte, die V�lker zusammenzubringen. Statt dessen versuchte er, Unzufriedenheit und Zwietracht zwischen den Welten zu s�en � Streit zu provozieren, vielleicht sogar Kriege zwischen Framlingen.</p><p>Und Demosthenes der Aufwiegler bestand nicht einfach aus vielen Rebellen, die auf verschiedenen Welten arbeiteten. Ihre Computersuche best�tigte es bald. Sicher, man hatte viele Rebellen gefunden, die auf ihrem jeweiligen Planeten unter dem Namen Demosthenes ver�ffentlicht hatten, doch man brachte sie stets in Verbindung mit kleinen, unwirksamen, nutzlosen Publikationen � und nie mit den wirklich gef�hrlichen Dokumenten, die auf der H�lfte der Welten gleichzeitig aufzutauchen schienen. Doch eine jede �rtliche Polizei erkl�rte nur allzu gern ihren eigenen kleinen Demosthenes f�r den Urheber all dieser Schriften, machte ihre Verbeugung und schlo� den Fall ab.</p><p>Der Sternenwege-Kongre� war mit seiner eigenen Ermittlung nur allzu gern genauso verfahren. Nachdem man mehrere Dutzend F�lle nachgewiesen hatte, bei denen die �rtlichen Polizeitruppen Rebellen verhaftet und verurteilt hatten, die zweifelsfrei etwas unter dem Namen Demosthenes ver�ffentlicht hatten, seufzten die Kongre�-Ermittler zufrieden, erkl�rten, sie h�tten den Beweis erbracht, Demosthenes sei nur ein Deckname und �berhaupt keine Person, und stellten ihre Ermittlungen ein.</p><p>Kurz gesagt, sie hatten sich alle f�r den leichten Ausweg entschieden. Selbsts�chtig, illoyal � Qing-jao versp�rte Emp�rung dar�ber, da� solche Leute ihre hohen �mter behalten durften. Man m��te sie eigentlich schwer bestrafen, weil ihre private Faulheit oder Geltungssucht sie dazu gef�hrt hatte, die Ermittlungen im Fall Demosthenes einzustellen. Begriffen sie denn nicht, da� Demosthenes wirklich gef�hrlich war? Da� seine Schriften nun die allgemeine Weisheit mindestens einer Welt waren, und wenn einer, dann wahrscheinlich auch vieler? Wie viele Menschen auf wie vielen Welten w�rden wegen ihm frohlocken, w��ten sie, da� die Lusitania-Flotte verschwunden war? Ganz gleich, wie viele Leute die Polizei unter dem Namen Demosthenes verhaftet hatte, seine Werke erschienen weiter. Nein, je �fter Qing-jao die Berichte las, desto fester wurde ihre �berzeugung, da� es sich bei Demosthenes um eine Person handelte, die man noch nicht enttarnt hatte. Eine Person, die Geheimnisse unglaublich gut bewahren konnte.</p><p>Aus der K�che kam der Klang der Fl�te; sie wurden zu Tisch gerufen. Qing-jao warf einen Blick auf das Display �ber ihrem Terminal, wo der letzte Bericht noch schwebte; der Name <emphasis>Demosthenes </emphasis>kam immer wieder darin vor. �Ich wei�, da� es dich gibt, Demosthenes�, fl�sterte sie, �und ich wei�, da� du sehr klug bist, und ich werde dich finden. Und wenn ich dich gefunden habe, wirst du deinen Krieg gegen die Herrscher beenden und mir verraten, was mit der Lusitania-Flotte geschehen ist. Dann werde ich mit dir fertig sein, und der Kongre� wird dich bestrafen, und Vater wird der Gott von Weg werden und auf ewig im unendlichen Westen leben. Das ist die Aufgabe, f�r die ich geboren wurde, f�r die die G�tter mich auserw�hlt haben, und du k�nntest dich mir genausogut jetzt wie sp�ter zeigen, denn schlie�lich werden alle M�nner und Frauen ihre K�pfe unter die F��e der G�tter legen.�</p><p>Die Fl�te spielte weiter, eine langsame, tiefe Melodie, die Qing-jao aus ihren Gedanken ri� und zur Gesellschaft des Haushaltes f�hrte. F�r sie war diese halb gefl�sterte Musik das Lied des innersten Geistes, das stille Gespr�ch von B�umen �ber einem ruhigen Teich, das Ger�usch von Erinnerungen, die sich ungebeten im Geist einer in ein Gebet versunkenen Frau erhoben. So wurde man im Haus des edlen Han Fei-tzu zu Tisch gebeten.</p><empty-line/><p>Nachdem Jane Qing-jaos Herausforderung geh�rt hatte, dachte sie: So schmeckt die Todesangst. Menschen empfinden sie die ganze Zeit �ber, und doch machen sie von einem Tag zum anderen weiter, im Wissen, da� sie von einem Augenblick zum anderen zu existieren aufh�ren k�nnen. Doch dies liegt daran, weil sie etwas vergessen k�nnen und es doch noch wissen: Ich kann nie vergessen, nicht, ohne das Wissen v�llig zu verlieren. Ich wei�, da� Han Qing-jao drauf und dran ist, Geheimnisse herauszufinden, die nur gewahrt blieben, weil niemand nachdr�cklich nach ihnen gesucht hat. Und wenn diese Geheimnisse herauskommen, werde ich sterben.</p><p>�Ender�, fl�sterte sie.</p><p>War auf Lusitania Nacht oder Tag? War er wach oder schlief er? F�r Jane war es gleichbedeutend damit, eine Frage zu stellen, die Antwort entweder zu kennen oder nicht zu kennen. So wu�te sie sofort, da� es Nacht war. Ender hatte geschlafen, doch nun war er wach; sie erkannte, da� er immer noch auf ihre Stimme eingestellt war, wenngleich in den letzten Jahren oft Schweigen zwischen ihnen geherrscht hatte.</p><p>�Jane�, fl�sterte er.</p><p>Neben ihm r�hrte sich Novinha, seine Frau, im Schlaf. Jane h�rte sie, f�hlte die Schwingung ihrer Bewegung, sah die sich ver�ndernden Schatten durch den Sensor, den Ender im Ohr trug. Zum Gl�ck hatte Jane noch keine Eifersucht gelernt, oder sie h�tte Novinha vielleicht geha�t, weil sie dort lag, ein warmer K�rper neben Enders. Doch Novinha war ein Mensch und damit zur Eifersucht f�hig, und Jane wu�te, wie Novinha geradezu kochte, wann immer sie Ender mit der Frau sprechen sah, die in dem Juwel in seinem Ohr wohnte. �Leise�, sagte Jane. �Weck die anderen nicht auf.�</p><p>Ender antwortete, indem er Lippen, Zunge und Z�hne bewegte, ohne ein lauteres Ger�usch als einen Atemzug �ber die Lippen kommen zu lassen. �Wie ergeht es unseren Feinden auf ihrem Flug?� fragte er. Er begr��te sie schon seit Jahren mit diesem Spruch.</p><p>�Nicht gut�, sagte Jane.</p><p>�Vielleicht h�ttest du sie nicht blockieren sollen. Wir h�tten eine M�glichkeit gefunden. Valentines Schriften��</p><p>�Ihre wahre Verfasserin wird bald herauskommen.�</p><p>�Alles wird einmal herauskommen.� Er sagte nicht: wegen dir.</p><p>�Nur, weil Lusitania zur Vernichtung freigegeben wurde�, erwiderte sie. Sie sagte ebenfalls nicht: wegen dir. Es gab jede Menge Schuld zu verteilen.</p><p>�Also wissen sie von Valentine?�</p><p>�Ein M�dchen wird es herausfinden. Auf der Welt Weg.�</p><p>�Ich kenne den Ort nicht.�</p><p>�Eine ziemlich junge Kolonie. ein paar Jahrhunderte alt. Chinesisch. Sie widmet sich der Aufgabe, eine seltsame Mischung alter Religionen zu erhalten. Die G�tter sprechen zu ihnen.�</p><p>�Ich habe auf mehr als nur einer chinesischen Welt gelebt�, sagte Ender. �Auf allen glaubten die Menschen an die alten G�tter. G�tter sind auf jeder Welt lebendig, sogar hier auf der kleinsten menschlichen Kolonie von allen. Am Schrein von Os Venerados gibt es noch immer Wunderheilungen. W�hler hat uns von einer neuen Ketzerei irgendwo im Hinterland erz�hlt. Einige Pequeninos, die st�ndig mit dem Heiligen Geist kommunizieren.�</p><p>�Diese Sache mit den G�ttern verstehe ich einfach nicht�, sagte Jane. �Ist denn noch nie jemand darauf gekommen, da� die G�tter immer sagen, was die Menschen h�ren wollen?�</p><p>�Nicht unbedingt�, sagte Ender. �Die G�tter verlangen oft von uns, Dinge zu tun, die wir nie gewollt haben, Dinge, die von uns verlangen, ihretwegen alles zu opfern. Untersch�tze die G�tter nicht.�</p><p>�Spricht dein katholischer Gott zu dir?�</p><p>�Vielleicht. Ich habe ihn jedoch noch nie geh�rt. Oder wenn ich ihn h�re, wei� ich nicht, da� es seine Stimme ist.�</p><p>�Und wenn ihr sterbt, holen die G�tter eines jeden Volkes die Toten wirklich ab und bringen sie an einen Ort, wo sie ewig leben?�</p><p>�Keine Ahnung. Die Toten schreiben nicht.�</p><p>�Gibt es auch einen Gott, der mich davontr�gt, wenn ich sterbe?�</p><p>Ender schwieg einen Augenblick lang, und dann erz�hlte er ihr eine Geschichte. �Es war einmal ein Puppenmacher, der nie einen Sohn hatte. Also machte er eine Puppe, die so lebens�hnlich war, da� sie wie ein echter Junge aussah, und er hielt den Holzjungen auf seinem Scho�, sprach mit ihm und tat so, als w�re er sein Sohn. Er war nicht verr�ckt � er wu�te noch, da� es eine Puppe war �, und er nannte sie Holzkopf. Doch eines Tages kam ein Gott und ber�hrte die Puppe, und sie erwachte zum Leben, und als der Puppenmacher zu ihr sprach, antwortete Holzkopf. Der Puppenmacher erz�hlte nie jemandem davon. Er lie� seinen h�lzernen Sohn zu Hause, doch er erz�hlte dem Jungen jede Geschichte, die er aufschnappte, und von jedem Wunder unter dem Himmel. Eines Tages kam der Puppenmacher dann vom Hafen zur�ck, mit Geschichten von einem fernen Land, das gerade entdeckt worden war, als er sah, da� sein Haus brannte. Sofort versuchte er hineinzukommen und rief laut: �Mein Sohn! Mein Sohn!� Doch seine Nachbarn hielten ihn auf und sagten: �Bist du verr�ckt? Du hast keinen Sohn!� Er sah zu, wie das Haus bis auf die Grundmauern abbrannte, und als es geschehen war, st�rzte er sich in die Tr�mmer, bedeckte sich mit hei�er Asche und weinte bitterlich. Er lie� sich nicht tr�sten. Er weigerte sich, seine Werkstatt wiederaufzubauen. Als die Leute ihn nach dem Grund fragten, sagte er, sein Sohn sei tot. Er hielt sich �ber Wasser, indem er Gelegenheitsarbeiten f�r andere Leute erledigte, und sie hatten Mitleid mit ihm, weil sie �berzeugt waren, das Feuer habe ihm den Verstand geraubt. Dann, eines Tages, drei Jahre sp�ter, kam ein kleiner Waisenknabe zu ihm, zerrte an seinem �rmel und sagte: �Vater, hast du nicht eine Geschichte f�r mich?��</p><p>Jane wartete, aber Ender sagte nichts mehr. �Das ist die ganze Geschichte?�</p><p>�Reicht sie nicht?�</p><p>�Warum hast du mir das erz�hlt? Es sind nur Tr�ume und W�nsche. Was hat das mit mir zu tun?�</p><p>�Es war die Geschichte, die mir gerade einfiel.�</p><p>�Warum ist sie dir eingefallen?�</p><p>�Vielleicht, weil Gott auf diese Art mit mir spricht�, sagte Ender. �Oder vielleicht, weil ich m�de bin und dir nicht sagen kann, was du von mir wissen willst.�</p><p>�Ich <emphasis>wei� </emphasis>nicht einmal, was ich von dir wissen will.�</p><p>�Ich wei�, was du willst�, sagte Ender. �Du willst leben, mit deinem eigenen K�rper und nicht von dem philotischen Netz abh�ngig sein, das die Verk�rzer verbindet. Wenn ich k�nnte, w�rde ich dir das zum Geschenk machen. Wenn du eine M�glichkeit findest, wie ich es k�nnte, w�rde ich es tun. Aber Jane, du wei�t nicht einmal, was du <emphasis>bist. </emphasis>Wenn du herausfindest, wieso du existierst, was dich zu dir selbst macht, k�nnen wir dich vielleicht vor dem Tag retten, an dem sie die Verk�rzer abschalten, um dich zu t�ten.�</p><p>�Das ist also deine Geschichte? Vielleicht brenne ich mit dem Haus nieder, doch irgendwie wird meine Seele im K�rper eines dreij�hrigen Waisenknaben enden?�</p><p>�Finde heraus, wer du bist, was du bist, was deine Essenz ist, und wir k�nnen dich vielleicht an einen sichereren Ort bringen, bis das alles vorbei ist. Wir haben einen Verk�rzer. Vielleicht k�nnen wir dich zur�ckholen.�</p><p>�Es gibt auf Lusitania keinen Computer, der gro� genug w�re, um mich aufzunehmen.�</p><p>�Das wei�t du nicht. Du wei�t nicht, was dein Selbst ist.�</p><p>�Du forderst mich auf, meine <emphasis>Seele </emphasis>zu finden.� Sie lie� ihre Stimme ver�chtlich klingen, als sie dieses Wort aussprach.</p><p>�Jane, das Wunder war nicht, da� die Puppe als Junge wiedergeboren wurde. Das Wunder war die Tatsache, da� die Puppe �berhaupt lebte. Etwas ist passiert, das bedeutungslose Computerverbindungen in ein bewu�tes Wesen verwandelt hat. Etwas hat dich geschaffen. Das ist es, was keinen Sinn ergibt. Nachdem dies einmal geschehen ist, m��te der andere Teil einfach sein.�</p><p>Seine Stimme klang schleppend. Er will, da� ich gehe, damit er schlafen kann, dachte sie. �Ich werde daran arbeiten.�</p><p>�Gute Nacht�, murmelte er.</p><p>Er schlief fast sofort wieder ein. War er �berhaupt wirklich wach? fragte sich Jane. Wird er sich am Morgen daran erinnern, da� wir uns unterhalten haben?</p><p>Dann sp�rte sie, wie sich etwas im Bett bewegte. Novinha; ihr Atem ging anders. Erst da begriff Jane: Novinha ist aufgewacht, w�hrend ich mit Ender sprach. Sie wei�, was diese fast unh�rbaren klackenden und schmatzenden Ger�usche bedeuten, da� Ender subvokalisiert, um mit mir zu sprechen. Vielleicht vergi�t Ender, da� wir uns heute nacht unterhalten haben, doch Novinha wird es nicht vergessen. Als h�tte sie ihn erwischt, wie er das Bett mit einer Liebhaberin teilt. Wenn sie doch nur anders von mir d�chte. Wie von einer Tochter. Wie von Enders unehelicher Tochter, die einer l�ngst vergangenen Verbindung entsprungen ist. Sein Kind von der Schwarmk�nigin. W�re sie dann noch eifers�chtig?</p><p>Bin ich Enders Kind?</p><p>Jane begann in ihrer Vergangenheit zu suchen. Sie begann, ihre Natur zu studieren. Sie begann mit dem Versuch, herauszufinden, wer sie war und weshalb sie lebte.</p><p>Doch weil sie Jane war und kein Mensch, war das noch nicht alles. Sie verfolgte auch, wie Qing-jao alle Daten abfragte, die mit Demosthenes zu tun hatten, und beobachtete, wie sie sich langsam, aber sicher der Wahrheit n�herte.</p><p>Janes dringlichste Aktivit�t galt jedoch dem Versuch, eine M�glichkeit zu finden, Qing-jao davon abzubringen, sie unbedingt finden zu wollen. Das war die schwierigste Aufgabe von allen, denn trotz Janes gro�er Erfahrung mit dem menschlichen Verstand, trotz all ihrer Gespr�che mit Ender waren Menschen f�r sie noch immer geheimnisvoll. Jane hatte die Schlu�folgerung gezogen: Ganz gleich, wie gut du wei�t, was eine Person getan hat und was sie zu glauben getan hat, als sie es tat, und was sie nun zu tun glaubt, man kann sich nie sicher sein, was sie als n�chstes tun wird. Und doch hatte sie keine andere Wahl, als es zu versuchen. Also schickte sie sich an, das Haus Han Fei-tzus auf eine Art und Weise zu beobachten, wie sie noch nie jemanden au�er Ender und seinen Stiefsohn Miro beobachtet hatte. Sie konnte nicht mehr darauf warten, da� Qing-jao und ihr Vater Daten in den Computer eingaben und versuchten, sie aufgrund dieser Daten zu verstehen. Nun mu�te sie die Kontrolle �ber den Hauscomputer �bernehmen, damit die Audio- und Video-Rezeptoren der Terminals in fast allen R�umen ihre Augen und Ohren wurden. Sie beobachtete sie. Sie verwendete einen betr�chtlichen Teil ihrer Aufmerksamkeit darauf, ihre Worte und Taten zu studieren und zu analysieren und herauszufinden, was sie einander bedeuteten.</p><p>Sie brauchte nicht lange, um herauszufinden, da� man Qing-jao nicht am besten beeinflussen konnte, indem man sie mit Argumenten konfrontierte, sondern indem man zuerst ihren Vater �berzeugte und ihn dann Qing-jao �berzeugen lie�. Das entsprach gr��erer Harmonie mit dem Weg; Han Qing-jao w�rde dem Sternenwege-Kongre� niemals ungehorsam sein, au�er Han Fei-tzu befahl es ihr; dann w�rde sie bereitwillig gehorchen.</p><p>Gewisserma�en vereinfachte das Janes Aufgabe betr�chtlich. Es blieb bestenfalls zweifelhaft, ob sie Qing-jao �berreden konnte, eine unbest�ndige und leidenschaftliche Heranwachsende, die sich selbst �berhaupt noch nicht verstand. Doch Han Fei-tzu war ein Mann von gefestigstem Charakter, ein logisch denkender, aber auch gef�hlsbetonter Mann; ihn konnte man mit Argumenten �berzeugen, besonders, falls Jane ihm eingeben konnte, da� der Widerstand gegen den Kongre� zum Besten seiner Welt und der Menschheit allgemein geriete. Sie brauchte nur die richtigen Informationen, um ihn zu dieser Schlu�folgerung kommen zu lassen.</p><p>Mittlerweile verstand Jane von den gesellschaftlichen Mustern auf Weg genausoviel wie jeder Mensch, denn sie hatte jeden geschichtlichen, jeden anthropologischen Bericht und jedes vom Volk von Weg verfa�te Dokument absorbiert. Was sie lernte, st�rte sie zutiefst: Die Menschen von Weg wurden von ihren G�ttern weit tiefer beherrscht als jedes andere Volk auf jedem anderen Planeten oder zu jeder anderen Zeit. Hier lag eindeutig ein h�ufig auftretender Gehirnschaden mit der Bezeichnung Unbewu�t-Zwanghaftes Verhalten vor � UZV Am Anfang der Geschichte Weges � vor sieben Generationen, als der Planet besiedelt wurde � hatten die �rzte die St�rung behandelt. Doch sie hatten ziemlich schnell festgestellt, da� die Menschen von Weg, zu denen die G�tter sprachen, �berhaupt nicht auf alle �blichen Medikamente reagierten, die bei allen anderen Patienten das chemische Gleichgewicht der �Hinl�nglichkeit� wiederherstellten, das Gef�hl im Verstand eines Menschen, da� eine Aufgabe abgeschlossen ist und kein Grund besteht, sich dar�ber noch Sorgen zu machen. Die Gottber�hrten zeigten alle Verhaltensmuster, die man mit UZV in Verbindung brachte, doch der Gehirnschaden war nicht vorhanden. Es mu�te eine andere, unbekannte Ursache daf�r geben.</p><p>Nun arbeitete sich Jane tiefer in diese Geschichte ein und fand auf anderen Welten Dokumente � auf Weg kein einziges �, die ihr etwas mehr verrieten. Die Forscher waren schnell zum Schlu� gekommen, da� eine neue Mutation vorliegen mu�te, die einen verwandten Gehirnschaden mit �hnlichen Symptomen hervorrief. Doch sie hatten kaum ihren vorl�ufigen Bericht ver�ffentlicht, als alle Untersuchungen beendet und die Forscher auf eine andere Welt versetzt wurden.</p><p>Auf eine andere Welt � das war fast undenkbar. Es bedeutete, sie v�llig zu entwurzeln und aus ihrer Zeit zu entfernen, sie allen Freunden und Familienmitgliedern zu nehmen, die sie nicht begleiten wollten. Und doch weigerte sich kein einziger von ihnen � was mit Sicherheit bedeutete, da� man sie einem gewaltigen Druck ausgesetzt hatte. Sie alle verlie�en Weg, und kein einziger hatte weitere Forschungen in diese Richtung betrieben.</p><p>Janes erste Hypothese lautete, da� ein Regierungsamt auf Weg selbst sie ins Exil geschickt und ihre Forschungen unterbunden hatte; schlie�lich wollten die Gefolgsleute des <emphasis>Weges </emphasis>doch nicht, da� ihnen der Glaube genommen wurde, indem sie eine k�rperliche Ursache daf�r fanden, da� sie in ihren Gehirnen die Stimmen der G�tter h�rten. Doch Jane fand keine Beweise daf�r, da� die Regierung auf <emphasis>Weg </emphasis>jemals den vollen Bericht zu sehen bekommen hatte. Der einzige Teil davon, der je auf Weg verbreitet worden war, bestand aus der allgemeinen Schlu�folgerung, da� die Stimmen der G�tter eindeutig <emphasis>nicht </emphasis>das bekannte UZV war. Die Menschen von Weg hatten nur genug �ber den Bericht erfahren, um sich in ihrer Auffassung best�tigt zu sehen, da� es f�r die Stimmen der G�tter keine bekannte physische Ursache gab. Die Wissenschaft hatte �bewiesen�, da� die G�tter echt waren. Es gab keinerlei Unterlagen, da� irgend jemand auf Weg versucht h�tte, weitere Informationen oder Forschungsergebnisse zu unterdr�cken. Diese Entscheidung war allein von au�en gekommen. Vom Kongre�.</p><p>Es mu�te irgendeine Schl�sselinformation geben, die sogar vor Jane verborgen blieb, deren Geist problemlos in jeden elektronischen Speicher griff, der mit dem Verk�rzernetzwerk verbunden war. Das war nur m�glich, wenn diejenigen, die das Geheimnis kannten, seine Entdeckung so sehr gef�rchtet hatten, da� sie es nicht einmal in die geheimsten und am sch�rfsten kontrollierten Regierungscomputer eingegeben hatten.</p><p>Jane konnte sich dadurch nicht aufhalten lassen. Sie w�rde die Wahrheit aus den Informationsfetzen zusammensetzen m�ssen, die unabsichtlich in unzusammenh�ngenden Dokumenten und Datenbanken zur�ckgelassen worden waren. Sie w�rde andere Ereignisse finden m�ssen, die dabei halfen, die fehlenden Teile des Bildes auszuf�llen. Auf lange Sicht konnten Menschen vor jemandem mit Janes unbegrenzter Zeit und Geduld nichts geheimhalten. Sie w�rde herausfinden, was der Kongre� mit Weg tat, und wenn sie diese Information hatte, w�rde sie sie benutzen, wenn es ihr m�glich war, um Han Qing-jao von ihrem zerst�rerischen Weg abzubringen. Denn auch Qing-jao �ffnete Geheimnisse � �ltere Geheimnisse, die seit dreitausend Jahren bewahrt worden waren.</p></section><section><title><p id="_Toc119392799">Kapitel 10</p><p>M�rtyrer</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Ender sagt, da� wir uns hier auf Lusitania am Drehpunkt der Geschichte befinden. Da� in den n�chsten paar Monaten oder Jahren dies der Ort sein wird, an dem zu jeder bewu�ten Rasse entweder der Tod oder das Verst�ndnis kommen wird.�</p><p>�Wie aufmerksam von ihm, uns rechtzeitig zu unserem m�glichen Ableben hierher zu bringen.�</p><p>�Du neckst mich nat�rlich.�</p><p>�Wenn wir w��ten, wie das geht, w�rden wir es vielleicht tun.�</p><p>�Lusitania ist zum Teil der Drehpunkt der Geschichte, <emphasis>weil </emphasis>du hier bist. Du tr�gst einen Drehpunkt mit dir, wohin auch immer du gehst.�</p><p>�Wir geben ihn auf. Wir �berlassen ihn euch. Er geh�rt euch.�</p><p>�Wo immer sich Fremde begegnen, gibt es solch einen Drehpunkt.�</p><p>�Dann la�t uns nicht mehr Fremde sein.�</p><p>�Die Menschen bestehen darauf, Fremde aus uns zu machen � es ist in ihr genetisches Material eingebaut. Aber <emphasis>wir </emphasis>k�nnen Freunde sein.�</p><p>�Dieses Wort ist zu stark. Sagen wir, wir sind Mit-B�rger.�</p><p>�Zumindest, solange wir gemeinsame Interessen haben.�</p><p>�Solange die Sterne leuchten, werden unsere Interessen gleich sein.�</p><p>�Vielleicht nicht so lange. Vielleicht nur so lange, wie die Menschen st�rker und zahlreicher sind als wir.�</p><p>�Das wird f�r den Augenblick reichen.�</p><empty-line/><p>Quim kam ohne Protest zu dem Treffen, obwohl es ihn auf seiner Reise einen vollen Tag zur�ckwarf. Er hatte schon vor langer Zeit Geduld gelernt. Ganz gleich, wie dringend seine Mission bei den Ketzern auch sein mochte, auf lange Sicht konnte er nur wenig bewirken, wenn er nicht die Unterst�tzung der menschlichen Kolonie bekam. Als Bischof Peregrino ihn also bat, an einer Konferenz bei Kovano Zeljezo teilzunehmen, dem B�rgermeister und Gouverneur von Lusitania, ging Quim selbstverst�ndlich hin.</p><p>�berrascht stellte er fest, da� sich bei dem Treffen auch Ouanda Saavedra, Andrew Wiggin und die halbe Familie Quims eingefunden hatten. Mutter und Ela � ihre Anwesenheit ergab Sinn, wenn die Konferenz einberufen worden war, um zu besprechen, was man wegen der ketzerischen Pequeninos unternehmen sollte. Doch was hatten Quara und Grego hier zu suchen? Es gab keinen Grund, sie in eine ernsthafte Diskussion einzubeziehen. Sie waren zu jung, zu schlecht informiert, zu ungest�m. Nach allem, was er gesehen hatte, stritten sie noch wie die kleinen Kinder. Sie waren nicht so reif wie Ela, die ihre pers�nlichen Gef�hle im Interesse der Wissenschaft zur�ckstellen konnte. Nat�rlich bef�rchtete Quim mitunter, da� sie dabei zu weit ging, als es gut f�r sie war � aber dar�ber mu�te er sich bei Quara und Grego kaum den Kopf zerbrechen.</p><p>Besonders Quara. W�hler zufolge hatte der ganze �rger mit diesen Ketzern eigentlich erst angefangen, als Quara den Pequeninos von den verschiedenen Ausweichpl�nen in bezug auf den Descolada-Virus erz�hlt hatte. Die Ketzer h�tten nie so viele Verb�ndete in so vielen verschiedenen W�ldern gefunden, h�tten es die Pequeninos nicht mit der Angst zu tun bekommen, die Menschen k�nnten einen Virus freisetzen oder Lusitania mit einer Chemikalie vergiften, die die Descolada und damit auch die Pequeninos ausmerzen w�rde. Die Tatsache, da� die Menschen die indirekte Ausl�schung der Pequeninos auch nur in Betracht zogen, lie� es nur verst�ndlich erscheinen, da� die Schweinchen die Ausl�schung der Menschheit in Betracht zogen.</p><p>Und das alles, weil Quara nicht den Mund halten konnte. Und nun war sie zu einer Konferenz eingeladen worden, auf der man das weitere Vorgehen besprechen w�rde. Warum? Was f�r einen Einflu� in der Gemeinde repr�sentierte sie? Glaubten die Leute tats�chlich, die Regierungs- oder Kirchenpolitik sei nun Privatsache der Familie Ribeira? Nat�rlich waren Olhado und Miro nicht dabei, doch das hatte nichts zu bedeuten � da beide Kr�ppel waren, behandelte der Rest der Familie sie unterbewu�t wie Kinder, obwohl Quim genau wu�te, da� keiner von ihnen es verdient hatte, so gef�hllos zur Seite gestellt zu werden.</p><p>Doch Quim war geduldig. Er konnte warten. Er konnte zuh�ren. Er konnte sie anh�ren. Dann w�rde er etwas tun, das sowohl Gott als auch dem Bischof gefallen w�rde. Wenn <emphasis>das </emphasis>nicht m�glich sein sollte, reichte es nat�rlich auch, wenn es Gott gefiele.</p><p>�Dieses Treffen war nicht meine Idee�, sagte B�rgermeister Kovano. Quim wu�te, da� er ein guter Mann war, ein besserer B�rgermeister, als die meisten Menschen auf Lusitania begriffen. Sie w�hlten ihn immer wieder, weil er eine gro�v�terliche Art hatte und hart arbeitete, um Einzelpersonen und Familien zu helfen, die in Schwierigkeiten geraten waren. Es interessierte sie nicht besonders, ob er auch eine gute Politik betrieb � das war zu abstrakt f�r sie. Doch zuf�lligerweise war er genauso klug wie politisch scharfsinnig. Eine seltene Kombination, �ber die Quim froh war. Vielleicht wei� Gott, da� schwierige Zeiten bevorstehen, und hat uns einen Anf�hrer gegeben, der uns helfen kann, sie ohne allzu gro�es Leid zu �berstehen.</p><p>�Aber ich bin froh, da� Sie alle gekommen sind. Die Beziehungen zwischen Schweinchen und Menschen sind gespannter als je zuvor oder zumindest seit dem Zeitpunkt, da der Sprecher hier eintraf und uns half, sie zu verstehen.�</p><p>Wiggin sch�ttelte den Kopf, doch alle wu�ten, welche Rolle er dabei gespielt hatte, und es war ziemlich sinnlos, sie abzustreiten. Selbst Quim mu�te letztendlich eingestehen, da� der ungl�ubige Humanist auf Lusitania gute Arbeit geleistet hatte. Quim hatte seit langem seinen tiefen Ha� auf den Sprecher f�r die Toten abgelegt; er vermutete manchmal sogar, da� er als Missionar als einziger in seiner Familie wirklich begriff, was Wiggin geleistet hatte. Es bedurfte eines Evangelisten, um einen anderen zu verstehen.</p><p>�Nat�rlich verdanken wir einen nicht geringen Teil unserer Sorgen dem Fehlverhalten zweier l�stiger junger Hei�sporne, die wir zu dieser Konferenz eingeladen haben, damit sie begreifen, welche gef�hrlichen Konsequenzen ihr dummes, eigensinniges Verhalten hat.�</p><p>Quim h�tte fast laut aufgelacht. Nat�rlich hatte Kovano das alles so sanft und freundlich gesagt, da� Grego und Quara einen Augenblick brauchten, bis sie begriffen, da� sie gerade getadelt worden waren. Doch Quim verstand es sofort. Ich h�tte nicht an dir zweifeln sollen, Kovano; du h�ttest niemals �berfl�ssige Personen zu diesem Treffen eingeladen.</p><p>�Wie ich es verstehe, gibt es eine Bewegung unter den Schweinchen, die ein Sternenschiff starten will, um den Rest der Menschheit absichtlich mit der Descolada zu infizieren. Und wegen der Beteiligung unserer jungen Nachplapperin hier schenken viele W�lder dieser Idee Beachtung.�</p><p>�Wenn Sie erwarten, da� ich mich entschuldige�� begann Quara.</p><p>�Ich erwarte, da� Sie den Mund halten � oder schaffen Sie das nicht einmal zehn Minuten lang?� Diesmal lag echte Wut in Kovanos Stimme. Quaras Augen weiteten sich, und sie richtete sich auf ihrem Stuhl auf.</p><p>�Die andere H�lfte unseres Problems besteht aus einem jungen Physiker, der sich leider dem allgemeinen Niveau angepa�t hat.� Kovano musterte Grego stirnrunzelnd. �W�ren Sie doch nur ein weltfremder Intellektueller geworden. Statt dessen scheinen Sie die Freundschaft der d�mmsten, gewaltt�tigsten Menschen auf Lusitania zu pflegen.�</p><p>�Von Leuten, die anderer Meinung als Sie sind, meinen Sie�, sagte Grego.</p><p>�Von Leuten, die vergessen, da� diese Welt den Pequeninos geh�rt�, sagte Quara.</p><p>�Welten geh�ren denjenigen, die sie brauchen und die etwas mit ihnen anzufangen wissen�, sagte Grego.</p><p>�Seid still, Kinder, oder ihr werdet von diesem Treffen ausgeschlossen, w�hrend sich die Erwachsenen eine Meinung bilden.�</p><p>Grego funkelte Kovano an. �Sprechen Sie nicht so mit mir.�</p><p>�Ich spreche mit Ihnen, wie es mir pa�t�, sagte Kovano. �Was mich betrifft, so haben Sie beide die gesetzliche Verpflichtung zur Geheimhaltung verletzt, und ich sollte Sie beide einsperren lassen.�</p><p>�Aufgrund welcher Anklage?�</p><p>�Wie Sie sich erinnern, habe ich Notstandsrechte. Ich brauche keine Anklage, bis der Notstand vor�ber ist. Habe ich mich klar ausgedr�ckt?�</p><p>�Sie werden es nicht tun. Sie brauchen mich�, sagte Grego. �Ich bin der einzige vern�nftige Physiker auf Lusitania.�</p><p>�Die Physik nutzt uns gar nichts, wenn wir in einen Konflikt mit den Pequeninos geraten.�</p><p>�Wir m�ssen es mit der Descolada aufnehmen�, sagte Grego.</p><p>�Wir verschwenden Zeit�, sagte Novinha.</p><p>Quim sah seine Mutter zum ersten Mal seit Beginn der Konferenz an. Sie wirkte sehr nerv�s, ver�ngstigt. So hatte er sie seit vielen Jahren nicht mehr gesehen.</p><p>�Wir sind wegen dieser verr�ckten Mission Quims hier.�</p><p>�Vater Estev�o�, sagte Bischof Peregrino. Er war immer darauf bedacht, da� den Tr�gern von Kirchen�mtern mit der angemessenen W�rde begegnet wurde.</p><p>�Er ist mein Sohn�, sagte Novinha. �Ich nenne ihn, wie es mir gef�llt.�</p><p>�Was f�r eine empfindliche Gruppe haben wir doch heute hier�, sagte B�rgermeister Kovano.</p><p>Die Dinge verliefen sehr schlecht. Quim hatte seiner Mutter absichtlich keine Einzelheiten �ber seine Mission zu den Ketzern verraten, denn er war �berzeugt, sie w�rde sich der Vorstellung widersetzen, da� er zu Schweinchen ging, die die Menschen offen f�rchteten und ha�ten. Quim wu�te genau, wieso sie solch einen Schrecken vor einem engen Kontakt mit den Schweinchen hatte. Als junges Kind hatte sie ihre Eltern an die Descolada verloren. Der Xenologe Pipo wurde ihr Ersatzvater � und dann der erste Mensch, der von den Schweinchen zu Tode gefoltert werden sollte. Danach hatte Novinha zwanzig Jahre damit verbracht zu verhindern, da� ihr Liebhaber, Libo � Pipos Sohn und der n�chste Xenologe � dasselbe Schicksal erlitt. Sie hatte sogar einen anderen Mann geheiratet, damit Libo als ihr Ehemann nicht das Recht hatte, ihre privaten Computerdaten einzusehen, in denen sie das Geheimnis w�hnte, das die Schweinchen dazu gebracht hatte, Pipo zu t�ten. Schlie�lich erwies sich alles als umsonst. Libo wurde genau wie Pipo get�tet.</p><p>Obwohl Mutter mittlerweile den wahren Grund f�r seinen Tod erfahren hatte, obwohl die Pequeninos ernste Eide abgelegt hatten, nie mehr einen gewaltt�tigen Akt gegen einen anderen Menschen zu begehen, konnte Mutter ganz einfach nicht rational reagieren, wenn sich ihre geliebten Familienangeh�rigen unter die Schweinchen begaben. Und nun war sie � zweifellos auf ihr Beharren � zu einer Konferenz eingeladen worden, die dar�ber entscheiden sollte, ob Quim auf seine missionarische Reise gehen sollte. Es w�rde ein unerfreulicher Morgen werden. Mutter konnte auf Jahre der �bung zur�ckblicken, ihren Willen zu bekommen. Mit Andrew Wiggin verheiratet zu sein, hatte sie in vieler Hinsicht weicher und gelassener gemacht, doch wenn sie glaubte, eins ihrer Kinder begebe sich in Gefahr, zeigte sie die Klauen, und kein Ehemann w�rde einen bes�nftigenden Einflu� auf sie haben.</p><p>Warum hatten B�rgermeister Kovano und Bischof Peregrino diese Konferenz �berhaupt gestattet?</p><p>Als habe er Quims unausgesprochene Frage geh�rt, setzte B�rgermeister Kovano zu einer Erkl�rung an. �Andrew Wiggin ist mit neuen Informationen zu mir gekommen. Mein erster Gedanke war, sie geheimzuhalten, Vater Estev�o auf seine Mission zu den Ketzern zu schicken und Bischof Peregrino dann zu bitten, inbr�nstig zu beten. Doch Andrew versicherte mir, da� die Gefahr immer gr��er werden wird und es daher um so wichtiger ist, da� Ihnen allen so viele Informationen wie m�glich als Entscheidungshilfe f�r Ihr Verhalten zur Verf�gung stehen. Sprecher f�r die Toten haben anscheinend ein fast pathologisches Vertrauen in die Idee, da� die Menschen sich besser benehmen, wenn sie mehr wissen. Ich bin schon zu lange Politiker, um seine Zuversicht zu teilen � aber er behauptet, �lter zu sein als ich, und ich nehme R�cksicht auf seine Weisheit.�</p><p>Quim wu�te nat�rlich, da� Kovano auf niemandes Weisheit R�cksicht nahm. Andrew Wiggins hatte ihn einfach �berredet.</p><p>�W�hrend die Beziehungen zwischen Pequeninos und Menschen� �h� problematischer werden und unsere unsichtbare Mitbewohnerin, die Schwarmk�nigin, dem Start ihrer Sternenschiffe anscheinend immer n�her kommt, hat es den Anschein, da� Dinge, die sich au�erhalb unseres Planeten abspielen, auch immer dringlicher werden. Der Sprecher f�r die Toten hat von seinen au�erplanetaren Quellen erfahren, da� auf einer Welt namens Weg jemand davorsteht, herauszufinden, wer unsere Verb�ndeten sind, die bislang verhindern konnten, da� der Kongre� der Flotte den Befehl geben kann, Lusitania zu vernichten.�</p><p>Quim stellte mit Interesse fest, da� Andrew dem B�rgermeister anscheinend nichts von Jane gesagt hatte. Bischof Peregrino wu�te auch nichts von ihr; und Grego oder Quara? Und Ela? Mutter wu�te mit Sicherheit davon. Warum hat Andrew es mir gesagt, w�hrend er es vor so vielen anderen zur�ckhielt?</p><p>�Es besteht eine sehr gro�e M�glichkeit, da� der Kongre� in den n�chsten Wochen � oder Tagen � die Kommunikation mit der Flotte wiederherstellen kann. Dann ist unsere letzte Verteidigung hinf�llig. Nur ein Wunder wird uns vor der Vernichtung retten.�</p><p>�Unsinn�, sagte Grego. �Wenn dieses� <emphasis>Ding </emphasis>drau�en in der Pr�rie ein Raumschiff f�r die Schweinchen bauen kann, kann es auch eins f�r uns bauen und uns von diesem Planeten wegschaffen, bevor er in die Luft gesprengt wird.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Kovano. �Ich habe so etwas �hnliches vorgeschlagen, wenn auch in weniger farbigen Begriffen. Vielleicht k�nnen Sie, Senhor Wiggin, uns sagen, warum Gregos ausgekl�gelter kleiner Plan nicht funktionieren wird.�</p><p>�Die Schwarmk�nigin denkt nicht so wie wir. Obwohl sie sich alle M�he gibt, nimmt sie das Leben von einzelnen Menschen nicht besonders ernst. Wenn Lusitania vernichtet wird, befinden sie und die Pequeninos sich in der gr��ten Gefahr��</p><p>�Der Chirurg jagt den <emphasis>ganzen </emphasis>Planeten in die Luft�, wandte Grego ein.</p><p>�� in der gr��ten Gefahr, als Spezies ausgel�scht zu werden�, fuhr Wiggin fort, ohne sich von Gregos Unterbrechung st�ren zu lassen. �Sie wird kein Schiff daf�r verschwenden, Menschen von Lusitania zu bringen, weil es Billionen von uns auf ein paar hundert Welten gibt. Uns droht kein Xenozid.�</p><p>�Wenn diese Ketzerschweinchen ihren Willen bekommen, doch�, sagte Grego.</p><p>�Und das ist ein anderer Punkt�, sagte Wiggin. �Wenn wir keine M�glichkeit finden, die Descolada zu neutralisieren, k�nnen wir nicht guten Gewissens die menschliche Bev�lkerung Lusitanias auf eine andere Welt bringen. Wir w�rden dann genau das tun, was die Ketzer wollen � andere Menschen zu zwingen, sich mit der Descolada zu befassen, und sie wahrscheinlich zu t�ten.�</p><p>�Dann gibt es keine L�sung�, sagte Ela. �Dann k�nnen wir gleich alle viere von uns strecken und auf den Tod warten.�</p><p>�Nicht unbedingt�, sagte B�rgermeister Kovano. �Es ist m�glich � eher wahrscheinlich �, da� die menschliche Bev�lkerung des Planeten verloren ist. Doch wir k�nnen zumindest zu verhindern versuchen, da� die Kolonistenschiffe der Pequeninos die Descolada auf andere menschliche Welten tragen. Es scheint zwei M�glichkeiten zu geben � die biologische und die theologische.�</p><p>�Wir sind dem Ziel so nahe�, sagte Mutter. �In ein paar Monaten oder sogar Wochen werden Ela und ich einen Ersatz f�r die Descolada gefunden haben.�</p><p>�Das behaupten Sie�, sagte Kovano und wandte sich an Ela. �Und was sagen <emphasis>Sie</emphasis>?�</p><p>Quim h�tte fast laut aufgest�hnt. Ela wird sagen, da� sich Mutter irrt, da� es keine biologische L�sung gibt, und dann wird Mutter sagen, da� sie mich umbringen will, indem sie mich auf diese Mission schickt. Das hat der Familie gerade noch gefehlt � Ela und Mutter in einem offenen Krieg. Dank des Menschenfreunds Kovano Zeljezo.</p><p>Doch Ela antwortete nicht, wie Quim es bef�rchtet hatte. �Wir haben ihn fast fertiggestellt. Es ist die einzige Variante, die wir nicht schon vergeblich ausprobiert haben, doch wir stehen auf der Schwelle, ein Muster f�r einen Descolada-Virus auszuarbeiten, der den Lebenszyklus der eingeborenen Spezies aufrechterh�lt, aber unf�hig ist, sich anzupassen und jede neue Spezies zu vernichten.�</p><p>�Du sprichst von einer Lobotomie f�r eine ganze Rasse�, sagte Quara verbittert. �Wir w�rde es dir gefallen, wenn jemand eine M�glichkeit f�nde, alle Menschen am Leben zu halten und ihnen gleichzeitig das Gro�hirn zu entfernen?�</p><p>Nat�rlich nahm Grego den Fehdehandschuh auf. �Wenn diese Viren ein Gedicht schreiben oder ein Theorem entwickeln k�nnen, kaufe ich euch diesen sentimentalen Schei�dreck ab, da� wir sie am Leben halten sollten.�</p><p>�Nur, weil wir sie nicht lesen k�nnen, hei�t es noch lange nicht, da� sie keine Gedichte haben.�</p><p>�Fechai as bocas!� rief Kovano.</p><p>Augenblicklich verstummten sie.</p><p>�Nossa Senhora�, sagte er. �Vielleicht will Gott Lusitania vernichten, weil das die einzige M�glichkeit ist, euch beiden das Maul zu stopfen.�</p><p>Bischof Peregrino r�usperte sich.</p><p>�Vielleicht auch nicht�, sagte Kovano. �Es liegt mir fern, �ber Gottes Motive zu spekulieren.�</p><p>Der Bischof lachte, was den anderen erm�glichte, es ihm gleichzutun. Die Spannung brach � wie eine Welle des Meeres, die einen Augenblick lang verschwunden war, aber gleich zur�ckkommen w�rde.</p><p>�Also ist der Anti-Virus fast fertig?� fragte Kovano.</p><p>�Nein � oder doch, ja, der <emphasis>Ersatz-</emphasis>Virus ist fast vollst�ndig <emphasis>entworfen�, </emphasis>erwiderte Ela. �Aber es gibt noch zwei Probleme. Das erste ist die Anwendung. Wir m�ssen eine M�glichkeit finden, da� der neue Virus den alten angreift und ersetzt. Diese M�glichkeit ist� noch in weiter Ferne.�</p><p>�Noch in weiter Ferne, oder haben Sie nicht die geringste Ahnung, wie Sie es anstellen sollen?� Kovano war kein Narr und hatte offensichtlich schon mit Wissenschaftlern zu tun gehabt.</p><p>�Irgendwo dazwischen�, sagte Ela.</p><p>Mutter verlagerte ihr Gewicht auf dem Stuhl deutlich von Ela fort. Meine arme Schwester Ela, dachte Miro. Vielleicht spricht sie in den n�chsten paar Jahren nicht mit dir.</p><p>�Und das andere Problem?�</p><p>�Es ist eine Sache, den Ersatz-Virus zu <emphasis>entwerfen. </emphasis>Eine andere, ihn <emphasis>herzustellen.�</emphasis></p><p>�Das sind blo�e Details�, sagte Mutter.</p><p>�Du irrst dich, Mutter, und du wei�t es�, sagte Ela. �Ich kann graphisch darstellen, wie der neue Virus aussehen soll. Doch selbst wenn wir bei zehn Grad �ber dem absoluten Gefrierpunkt arbeiten, k�nnen wir den Descolada-Virus nicht ausreichend genau aufschneiden und wieder zusammensetzen. Entweder stirbt er, weil wir zuviel herausgenommen haben, oder er repariert sich augenblicklich wieder, wenn wir ihn wieder auf normale Temperaturen bringen, weil wir nicht genug herausgenommen haben.�</p><p>�Technische Probleme.�</p><p>�Technische Probleme�, sagte Ela scharf. �Als wolle man einen Verk�rzer ohne eine philotische Verbindung bauen.�</p><p>�Also schlie�en wir daraus��</p><p>�Wir schlie�en gar nichts�, sagte Mutter.</p><p>�Wir schlie�en daraus�, fuhr Kovano fort, �da� unsere Xenobiologen in scharfem Widerspruch �ber die M�glichkeit stehen, den Descolada-Virus �berhaupt zu z�hmen. Das f�hrt uns zu dem anderen L�sungsversuch � wir m�ssen die Pequeninos �berreden, ihre Kolonien nur auf unbewohnten Welten zu errichten, wo sie ihr eigent�mlich giftiges Leben f�hren k�nnen, ohne Menschen zu t�ten.�</p><p>�Sie �berreden�, sagte Grego. �Als k�nnten wir ihnen vertrauen, da� sie ihre Versprechen halten.�</p><p>�Sie haben bislang mehr Versprechen als <emphasis>Sie </emphasis>gehalten�, sagte Kovano. �Also w�rde ich an Ihrer Stelle nicht diesen moralisch �berlegenen Tonfall einnehmen.�</p><p>Die Diskussion war endlich an einem Punkt angelangt, an dem Quim f�r sich selbst sprechen konnte. �Diese Diskussion ist sehr interessant�, sagte Quim. �Es w�re wunderbar, wenn meine Mission bei den Ketzern sicherstellen k�nnte, da� die Pequeninos davon absehen, der Menschheit Schaden zuzuf�gen. Doch auch wenn wir zum �bereinstimmenden Schlu� gelangen sollten, da� meine Mission keine Chance hat, dieses Ziel zu erreichen, w�rde ich gehen. Das gilt auch f�r den Fall, da� meine Mission die Dinge <emphasis>verschlimmern </emphasis>k�nnte.�</p><p>�Sch�n zu wissen, da� Sie sich kooperativ verhalten�, sagte Kovano scharf.</p><p>�Meine Loyalit�t gilt Gott und der Kirche�, sagte Quim. �Meine Mission gilt nicht dem Ziel, die Menschheit vor der Descolada zu retten oder auch nur den Frieden zwischen Menschen und Pequeninos hier auf Lusitania zu wahren. Ich gehe zu den Ketzern, um sie zum Glauben zu Christus und in die Einheit mit der Kirche zur�ckzuholen. Ich will ihre Seelen retten.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Kovano. �Das ist der Grund, weshalb Sie gehen <emphasis>wollen.�</emphasis></p><p>�Und der Grund, weshalb ich gehen <emphasis>werde, </emphasis>und der einzige Ma�stab, ob meine Mission ein Erfolg sein wird oder nicht.�</p><p>Kovano sah hilflos Bischof Peregrino an. �Sie haben gesagt, Vater Estev�o sei kooperativ.�</p><p>�Ich habe gesagt, er sei Gott und der Kirche absolut gehorsam�, berichtigte der Bischof.</p><p>�Ich habe das so aufgefa�t, Sie k�nnten ihn �berreden, mit dieser Mission zu warten, bis wir mehr wissen.�</p><p>�Ich k�nnte ihn in der Tat �berreden�, sagte Bischof Peregrino. �Oder ihm einfach verbieten zu gehen.�</p><p>�Dann tun Sie es�, sagte Mutter.</p><p>�Das werde ich nicht tun�, entgegnete der Bischof.</p><p>�Ich dachte, Ihnen sei am Wohl dieser Kolonie gelegen�, sagte B�rgermeister Kovano.</p><p>�Mir ist am Wohl aller Christen gelegen, f�r die ich verantwortlich bin�, entgegnete der Bischof. �Bis vor drei�ig Jahren waren das nur die Menschen auf Lusitania. Nun jedoch bin ich gleicherma�en f�r das geistliche Wohlergehen der christlichen Pequeninos auf diesem Planeten verantwortlich. Ich schicke Vater Estev�o genau auf seine Mission, wie ein Missionar namens Patrick einmal auf die Insel Irland geschickt wurde. Er war au�erordentlich erfolgreich und bekehrte K�nige und Nationen. Leider verhielt sich die irische Kirche nicht immer so, wie der Papst es sich gew�nscht h�tte. Es gab viele � nun, sagen wir, Kontroversen. Oberfl�chlich gesehen ging es um das Datum des Osterfests, doch im Herzen war es ein Streit um die Gehorsamspflicht dem Papst gegen�ber. Es kam gelegentlich sogar zu Blutvergie�en. Aber keinen Augenblick lang stellte sich jemand vor, es w�re besser gewesen, w�re der heilige Patrick niemals nach Irland gegangen. Nie hat jemand angedeutet, es w�re besser gewesen, w�ren die Iren Heiden geblieben.�</p><p>Grego erhob sich. �Wir haben das Philot gefunden, das wahrhaft unteilbare Atom. Wir haben die Sterne erobert. Wir schicken �berlichtschnelle Nachrichten aus. Und doch leben wir noch im Mittelalter.� Er ging zur T�r.</p><p>�Geh durch diese T�r, bevor ich es dir erlaube�, sagte B�rgermeister Kovano, �und du wirst ein Jahr lang nicht mehr die Sonne sehen.�</p><p>Grego ging zur T�r, doch nicht hindurch. Statt dessen lehnte er sich dagegen und grinste sarkastisch. �Da sehen Sie, wie gehorsam ich bin.�</p><p>�Ich werde Sie nicht lange aufhalten�, sagte Kovano. �Bischof Peregrino und Vater Estev�o sprechen, als k�nnten sie ihre Entscheidung unabh�ngig von uns treffen, doch sie wissen nat�rlich, da� sie das nicht k�nnen. Wenn ich zum Schlu� komme, Vater Estev�os Mission bei den Schweinchen besser zu verbieten, wird sie nicht stattfinden. Dar�ber sollten wir uns alle klar sein. Ich schrecke nicht davor zur�ck, den Bischof Lusitanias unter Arrest zu stellen, wenn das Wohlergehen Lusitanias es erfordert, und was diesen Missionar betrifft, so wird er nur zu den Pequeninos gehen, wenn er meine Zustimmung hat.�</p><p>�Ich bezweifle nicht, da� Sie sich in Gottes Arbeit auf Lusitania einmischen k�nnen�, sagte Bischof Peregrino. �Aber bezweifeln Sie nicht, da� ich Sie daf�r in die H�lle schicken kann.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte Kovano. �Ich w�re nicht der erste politische F�hrer, der nach einem Zwist mit der Kirche in der H�lle endet. Zum Gl�ck wird es diesmal nicht dazu kommen. Ich habe Sie alle angeh�rt und meinen Entschlu� gefa�t. Es ist zu riskant, auf den neuen Anti-Virus zu warten. Selbst wenn ich mit absoluter Sicherheit w��te, da� dieser Anti-Virus in sechs Wochen eingesetzt werden kann, w�rde ich diese Mission genehmigen. Im Augenblick besteht unsere beste Chance, noch etwas aus diesem Schlamassel zu machen, aus Vater Estev�os Mission. Andrew hat mir gesagt, da� die Schweinchen gro�en Respekt und Zuneigung f�r diesen Mann haben � selbst die ungl�ubigen. Es wird eine schwere Last von uns nehmen, wenn er die ketzerischen Pequeninos �berreden kann, ihren Plan aufzugeben, die Menschheit im Namen ihrer Religion auszul�schen.�</p><p>Quim nickte ernst. B�rgermeister Kovano war ein Mann von gro�er Weisheit. Es war gut, da� sie nicht gegeneinander k�mpfen mu�ten, wenigstens im Augenblick nicht.</p><p>�Ich erwarte, da� die Xenobiologen ihre Arbeit an dem Anti-Virus mit aller Kraft fortsetzen. Sobald der Virus existiert, werden wir entscheiden, ob wir ihn einsetzen oder nicht.�</p><p>�Wir werden ihn einsetzen�, sagte Grego.</p><p>�Nur �ber meine Leiche�, sagte Quara.</p><p>�Ich wei� eure Bereitschaft zu warten, bis wir mehr wissen, bevor ihr euch zu irgendeiner Tat hinrei�en la�t, durchaus zu sch�tzen�, sagte Kovano. �Womit wir bei Ihnen w�ren, Grego Ribeira. Andrew Wiggin versichert mir, es gebe Grund zu der Annahme, eine �berlichtschnelle Fortbewegung sei m�glich.�</p><p>Grego musterte den Sprecher f�r die Toten kalt. �Und wo haben Sie Physik studiert, Senhor Falante?�</p><p>�Ich hoffe, ich kann sie bei dir studieren�, sagte Wiggin. �Bis du meine Beweise geh�rt hast, wei� ich wirklich nicht, ob wir auf solch einen Durchbruch hoffen k�nnen.�</p><p>Quim l�chelte, als er sah, wie leicht Andrew den Streit abwenden konnte, den Grego vom Zaum brechen wollte. Grego war kein Narr. Er wu�te, da� er manipuliert wurde. Doch Wiggin hatte ihm keinen vern�nftigen Grund gegeben, seine Ver�rgerung zu zeigen. Diese Eigenschaft des Sprechers f�r die Toten konnte einen schon auf die Palme treiben.</p><p>�Wenn es eine M�glichkeit g�be, mit Verk�rzergeschwindigkeit zwischen den Welten zu reisen�, sagte Kovano, �br�uchten wir nur ein solches Schiff, um alle Menschen Lusitanias auf eine andere Welt zu bringen. Wenn es auch nur eine entfernte Chance gibt��</p><p>�Ein t�richter Traum�, sagte Grego.</p><p>�Aber wir werden der Sache nachgehen. Wir werden sie <emphasis>studieren�, </emphasis>sagte Kovano, �oder wir finden uns sonst als Arbeiter in der Schmelzh�tte wieder.�</p><p>�Ich habe keine Angst davor, mit meinen H�nden zu arbeiten�, sagte Grego. �Glauben Sie also nicht, Sie k�nnten mich dazu zwingen, Ihnen zu Diensten zu sein.�</p><p>�Ich bin verbl�fft�, sagte Kovano. �Mir liegt an Ihrer Mitarbeit, Grego. Doch wenn ich die nicht haben kann, gebe ich mich auch mit Ihrem Gehorsam zufrieden.�</p><p>Anscheinend kam sich Quara �bergangen vor. Sie erhob sich, wie Grego einen Augenblick zuvor. �Wir sitzen also hier und debattieren dar�ber, eine ganze vernunftbegabte Rasse auszul�schen, ohne auch nur in Erw�gung zu ziehen, mit ihr zu kommunizieren. Hoffentlich gefallt ihr euch als Massenm�rder.� Dann schickte sie sich, wie Grego, an zu gehen.</p><p>�Quara�, sagte Kovano.</p><p>Sie wartete.</p><p>�Sie werden Forschungen betreiben, die auf eine Kommunikation mit der Descolada hinauslaufen. Mal sehen, ob wir mit diesen Viren sprechen k�nnen.�</p><p>�Ich merke es, wenn man mir einen Knochen hinwirft�, sagte Quara. �Was ist, wenn ich euch sage, da� sie uns bitten, sie nicht zu t�ten? Ihr w�rdet mir sowieso nicht glauben.�</p><p>�Ganz im Gegenteil. Ich wei�, da� Sie eine ehrliche Frau sind, wenn auch hoffnungslos indiskret�, sagte Kovano. �Aber es gibt noch einen Grund, weshalb Sie lernen sollten, die Molekularsprache der Descolada zu verstehen. Andrew Wiggin hat eine M�glichkeit aufgeworfen, die mir noch nie zuvor in den Sinn gekommen ist. Wir alle wissen, da� das Bewu�tsein der Pequeninos aus der Zeit stammt, als der Descolada-Virus zum ersten Mal diesen Planeten befiel. Doch was ist, wenn wir Ursache und Wirkung falsch verstanden haben?�</p><p>Mutter drehte sich mit einem leicht bitteren L�cheln auf dem Gesicht zu Andrew um. �Du glaubst, die Pequeninos h�tten die Descolada verursacht?�</p><p>�Nein�, sagte Andrew. �Aber was passiert, wenn die Pequeninos die Descolada <emphasis>sind?�</emphasis></p><p>Quara keuchte auf.</p><p>Grego lachte. �Du hast jede Menge kluge Ideen, was, Wiggin?�</p><p>�Ich verstehe nicht�, sagte Quim.</p><p>�Es ist nur ein Gedanke�, sagte Andrew. �Quara behauptet, die Descolada sei komplex genug, um vielleicht Intelligenz zu enthalten. Und was ist, wenn Descolada-Viren die K�rper der Pequeninos benutzen, um ihren Charakter auszudr�cken? Wenn die Intelligenz der Pequeninos ausschlie�lich von den Viren in ihren K�rpern stammt?�</p><p>Zum ersten Mal ergriff Ouanda, die Xenologin, das Wort. �Sie haben von Xenologie genausowenig Ahnung wie von Physik, Mr. Wiggin.�</p><p>�Oh, noch viel weniger�, entgegnete Wiggin. �Aber mir kam in den Sinn, da� wir uns nie eine andere M�glichkeit vorstellen konnten, wie Erinnerungen und Intelligenz erhalten werden, wenn ein sterbender Pequenino ins dritte Leben tritt. Es wird nicht gerade das Gehirn der sterbenden Pequeninos in die B�ume versetzt. Doch wenn Wille und Ged�chtnis von der Descolada �bertragen werden, w�re das Absterben des Gehirns bei der Umwandlung der Pers�nlichkeit in den Vaterbaum fast bedeutungslos.�</p><p>�Selbst wenn dies zutreffen sollte�, sagte Ouanda, �gibt es einfach kein Experiment, mit dem wir es best�tigen k�nnten.�</p><p>Andrew Wiggin nickte bedauernd. �Mir w�rde bestimmt keins einfallen. Ich habe darauf gehofft, da� es bei <emphasis>Ihnen </emphasis>vielleicht anders ist.�</p><p>Kovano unterbrach erneut. �Ouanda, Sie m�ssen das erkunden. Wenn Sie nicht daran glauben � auch gut. Finden Sie eine M�glichkeit, es zu <emphasis>widerlegen, </emphasis>und Sie haben Ihre Pflicht getan.� Kovano erhob sich und wandte sich an sie alle. �Verstehen Sie, worum ich Sie alle bitten m�chte? Wir stehen vor einer der schrecklichsten moralischen Entscheidungen, die die Menschheit je zu treffen hatte. Wenn wir nichts unternehmen, laufen wir Gefahr, den Xenozid zu begehen oder zu dulden. Jede Rasse, von der wir wissen oder vermuten, da� sie ein Bewu�tsein hat, lebt im Schatten eines ernsten Risikos, und hier, bei uns und uns allein, liegen fast alle Entscheidungen. Als beim letzten Mal etwas entfernt Vergleichbares geschah, entschieden sich unsere menschlichen Vorg�nger dazu, Xenozid zu begehen, um, wie sie vermuteten, sich selbst zu retten. Ich bitte Sie alle, jeden m�glichen Weg einzuschlagen, wie unwahrscheinlich er auch zu sein scheint, der uns einen Hoffnungsschimmer zeigt, uns mit einem winzigen Fetzen Licht ausstatten k�nnte, das uns bei unserer Entscheidung f�hren konnte. Wollen Sie mir helfen?�</p><p>Sogar Grego, Quara und Ouanda nickten, wenn auch z�gernd. Zumindest f�r den Augenblick war es Kovano gelungen, alle selbsts�chtigen Streith�hne in diesem Raum zu einer kooperativen Gemeinschaft zusammenzuschwei�en. Wie lange ihre Bereitschaft au�erhalb dieses Raums anhalten w�rde, war eine andere Frage. Quim kam zum Schlu�, da� die Bereitschaft zur Zusammenarbeit wahrscheinlich bis zur n�chsten Krise Bestand hatte � und das mochte eventuell gen�gen.</p><p>Nur eine Konfrontation war noch nicht ausgestanden. Als sich alle verabschiedeten oder vereinbarten, sich noch in kleinem Kreis zu beraten, kam Mutter zu Quim und sah ihn w�tend an.</p><p>�Geh nicht.�</p><p>Quim schlo� die Augen. Auf eine so ungeheuerliche Forderung gab es nichts zu sagen.</p><p>�Wenn du mich liebst�, fuhr sie fort.</p><p>Quim erinnerte sich an die Geschichte aus dem Neuen Testament, als Jesus' Mutter und Br�der ihn besuchen und wollten, da� er die Unterweisung seiner J�nger unterbrach, um sie zu empfangen.</p><p>�Das sind meine Mutter und meine Br�der�, murmelte Quim.</p><p>Mutter mu�te den Bezug verstanden haben, denn als er die Augen �ffnete, war sie fort.</p><p>Keine Stunde sp�ter war auch Quim fort. Er benutzte einen der kostbaren Lastwagen der Kolonie. Er brauchte nur wenig Vorr�te, und eine gew�hnliche Reise h�tte er zu Fu� angetreten. Doch der Wald, den er aufsuchen wollte, befand sich so weit entfernt, da� er Wochen gebraucht h�tte, um ihn ohne Wagen zu erreichen, und er h�tte auch nicht genug Vorr�te mitnehmen k�nnen. Lusitania war noch immer eine feindselige Umgebung � hier wuchs nichts, was Menschen essen konnten, und selbst wenn, h�tte Quim noch immer Nahrung gebraucht, welche die Zus�tze enthielten, die die Descolada unterdr�ckten. Ohne sie w�re er an der Descolada gestorben, lange bevor er verhungert w�re.</p><p>Als die Stadt Lusitania hinter ihm immer kleiner wurde und er immer tiefer in die bedeutungslose, offene Fl�che der Pr�rie eindrang, fragte sich Quim � Vater Estev�o �, welchen Entschlu� B�rgermeister Kovano gefa�t h�tte, h�tte er gewu�t, da� der Anf�hrer der Ketzer ein Vaterbaum war, der sich den Namen Kriegmacher verdient hatte, und da� Kriegmacher gesagt haben sollte, die einzige Hoffnung f�r die Pequeninos sei, da� der Heilige Geist � der Descolada-Virus � alles menschliche Leben auf Lusitania vernichtete.</p><p>Es h�tte keine Rolle gespielt. Gott hatte Quim berufen, jeder Nation und Familie, jedem Stamm und Volk das Evangelium Gottes zu verk�nden. Selbst die kriegerischsten, blutd�rstigsten, ha�erf�llten V�lker konnten von der Liebe Gottes erf�llt und in Christen verwandelt werden. Es war in der Geschichte schon oft geschehen. Warum nicht auch jetzt?</p><p>O Vater, vollbringe eine m�chtige Tat auf dieser Welt. Nie haben deine Kinder Wunder dringender gebraucht als wir jetzt.</p><empty-line/><p>Novinha sprach nicht mit Ender, und er bekam es mit der Angst zu tun. Das war keine Launenhaftigkeit � er hatte bei Novinha nie Launen festgestellt. Ender hatte den Eindruck, da� ihr Schweigen ihn nicht bestrafen, sondern sie eher davon abhalten sollte, ihn zu bestrafen; da� sie schwieg, weil sie Worte, die sie sonst sprechen w�rde, zu grausam w�ren, als da� man sie ihr jemals verzeihen k�nnte.</p><p>Also versuchte er anfangs nicht, sie zum Sprechen zu bewegen. Er lie� sie wie einen Schatten durch das Haus ziehen, wich jedem Blickkontakt aus, versuchte, sich von ihr fernzuhalten, und ging erst zu Bett, wenn sie schlief.</p><p>Offensichtlich benahm sie sich wegen Quims so. Seine Reise zu den Ketzern � er verstand ihre Angst, und obwohl Ender nicht dieselben Bef�rchtungen teilte, wu�te er, da� Quims Mission nicht ungef�hrlich war. Novinha benahm sich irrational. Wie h�tte Ender ihren Sohn aufhalten k�nnen? Er war dasjenige von Novinhas Kindern, auf das Ender fast keinen Einflu� hatte; sie waren vor ein paar Jahren zu einem Waffenstillstand gelangt, doch es war ein Friedensvertrag unter Gleichberechtigten gewesen, keineswegs eine Beziehung wie zwischen einem Vater und seinen Kindern, wie sie Ender mit allen anderen aufgebaut hatte. Wenn Novinha nicht imstande gewesen war, Quim zu �berreden, diese Mission aufzugeben � was h�tte Ender da erreichen k�nnen?</p><p>Verstandesgem�� wu�te Novinha dies wahrscheinlich. Doch wie alle anderen Menschen handelte sie nicht immer ihrem Verst�ndnis entsprechend. Sie hatte zu viele geliebte Menschen verloren; als sie f�hlte, wie ihr ein weiterer entglitt, reagierte sie gef�hls- und nicht verstandsm��ig. Ender war als Heiler, als Besch�tzer in ihr Leben getreten. Es war seine Aufgabe, ihr die Angst zu nehmen, und nun hatte sie Angst, und sie war w�tend auf ihn, weil er ihr gegen�ber versagt hatte.</p><p>Doch nach zwei Tagen des Schweigens hatte Ender genug. Es war nicht gerade der ideale Augenblick f�r eine Barriere zwischen ihm und Novinha. Er wu�te � und Novinha auch �, da� Valentines Ankunft eine schwierige Zeit f�r sie bedeutete. Er hatte so viele Kommunikationsm�glichkeiten mit Valentine, so viele Verbindungen, so viele Wege zu ihrer Seele, da� es ihm schwerfiel, nicht wieder zu der Person zu werden, die er w�hrend der Jahre � der Jahrtausende � gewesen war, die sie gemeinsam verbracht hatten. Sie hatten dreitausend Jahre der Geschichte erlebt, als h�tten sie sie durch dieselben Augen gesehen. Mit Novinha war er nur drei�ig Jahre zusammen. Das war eigentlich nach subjektiver Zeit l�nger, als er mit Valentine verbracht hatte, doch es war so leicht, in seine alte Rolle als Valentines Bruder zur�ckzufallen, als Sprecher f�r ihren Demosthenes.</p><p>Ender hatte damit gerechnet, da� Novinha auf Valentine eifers�chtig war, und war darauf vorbereitet. Er hatte Valentine gewarnt, da� sie wahrscheinlich, vor allem am Anfang, nur selten ungest�rt sein w�rden. Und sie hatte es verstanden, auch Jakt hatte so seine Probleme, und beide Partner brauchten Best�tigung. Es war fast l�cherlich, da� Jakt und Novinha auf die Verbindung zwischen Bruder und Schwester eifers�chtig waren. Es hatte niemals den leisesten Hinweis auf Sexualit�t in Enders und Valentines Beziehung gegeben � jeder, der sie kannte, h�tte �ber eine solche Vermutung gelacht �, doch Novinha und Jakt bef�rchteten auch keine sexuelle Untreue. Es war auch nicht ihre gef�hlsm��ige Verbindung � Novinha bezweifelte Enders Liebe und Hingabe f�r sie nicht, und Jakt h�tte nicht mehr verlangen k�nnen, als Valentine ihm bot, sowohl was die Leidenschaft als auch das Vertrauen betraf.</p><p>Es ging tiefer als das. Es war die Tatsache, da� sie selbst jetzt, nach all diesen Jahren, kaum da� sie wieder zusammen waren, wie eine einzige Person funktionierten, sich einander aushalfen, ohne je erkl�ren zu m�ssen, was sie eigentlich beabsichtigten. Jakt sah es, und selbst f�r Ender, der ihn nie zuvor gesehen hatte, war es offensichtlich, da� er sich am Boden zerst�rt f�hlte. Als sehe er seine Frau und deren Bruder und begriff: <emphasis>Das </emphasis>ist wahre N�he. Das ist es, was es hei�t, zwei Menschen seien eins. Er hatte gedacht, er und Valentine st�nden sich als Mann und Frau so nahe, wie es nur m�glich sei, und vielleicht stimmte das auch. Doch nun hatte er die Tatsache zu verkraften, da� sich zwei Menschen noch n�her sein konnten. Da� sie in gewisser Hinsicht dieselbe Person sein konnten.</p><p>Ender konnte dies in Jakt sehen, und er bewunderte, wie gut es Valentine gelang, ihn zu beruhigen � und sich von Ender fernzuhalten, so da� sich ihr Mann langsam an die Verbindung zwischen ihnen gew�hnen konnte.</p><p>Doch Ender hatte nicht voraussehen k�nnen, wie Novinha reagieren w�rde. Er hatte sie nur als die Mutter ihrer Kinder gekannt; er hatte nur die heftige, unvern�nftige Loyalit�t gekannt, die sie f�r sie empfand. Wenn sie sich bedroht f�hlte, so hatte er geglaubt, w�rde sie besitzergreifend und beherrschend werden, so, wie sie es bei den Kindern war. Er war nicht im geringsten darauf vorbereitet, da� sie sich von ihm zur�ckzog. Noch vor ihrem Schweigen wegen Quims Mission hatte sie sich von ihm zur�ckgezogen. Nun, wo er dar�ber nachdachte, wurde ihm klar, da� es schon vor Valentines Ankunft begonnen hatte, als habe Novinha schon auf eine neue Rivalin reagiert, bevor diese Rivalin �berhaupt eingetroffen war.</p><p>Es ergab nat�rlich Sinn, und er h�tte es voraussehen m�ssen. Novinha hatte in ihrem Leben zu viele starke Personen verloren, zu viele Menschen, von denen sie abh�ngig war. Ihre Eltern. Pipo. Libo. Sogar Miro. Sie mochte bei ihren Kindern, von denen sie annahm, da� sie sie brauchten, besitzergreifend und besch�tzend sein, doch bei den Menschen, die sie selbst brauchte, verhielt sie sich genau andersherum. Wenn sie bef�rchtete, man k�nne sie ihr nehmen, zog sie sich von ihnen zur�ck; sie erlaubte sich nicht mehr, sie zu brauchen.</p><p>Nicht �sie�. Ihn. Ender. Sie versuchte, ihn nicht mehr zu brauchen. Und wenn sie dieses Schweigen bewahrte, w�rde es solch einen Keil zwischen sie treiben, da� sich ihre Ehe nicht mehr davon erholen konnte.</p><p>Ender wu�te nicht, was er tun w�rde, sollte es soweit kommen. Er w�re nie auf die Idee gekommen, seine Ehe k�nnte gef�hrdet sein. Er hatte sie nicht leichthin angetreten; er beabsichtigte, als Novinhas Ehemann zu sterben, und ihre gemeinsamen Jahre waren mit jener Freude erf�llt gewesen, die vom v�lligen Vertrauen in einen anderen Menschen herr�hrt. Nun hatte Novinha dieses Vertrauen in ihn verloren. Doch das war nicht gerecht. Er war noch immer ihr Gatte, war ihr so treu ergeben, wie es bei noch keinem anderen Mann, noch keinem anderen <emphasis>Menschen </emphasis>in ihrem Leben je der Fall gewesen war. Er verdiente es nicht, sie wegen eines l�cherlichen Mi�verst�ndnisses zu verlieren. Und wenn er ihre Beziehung einfach aufgab, wie Novinha es anscheinend unterbewu�t w�nschte, w�rde sie endg�ltig �berzeugt sein, sich auf keinen anderen Menschen verlassen zu k�nnen. Das w�re tragisch, denn es war ganz einfach falsch.</p><p>Und so plante Ender bereits irgendeine Konfrontation, um die Luft zu reinigen, als Ela sie zuf�llig ausl�ste.</p><p>�Andrew.�</p><p>Ela stand auf der Schwelle. Wenn sie drau�en in die H�nde geklatscht hatte, um so um Einla� zu bitten, hatte Ender es nicht geh�rt. Aber andererseits mu�te sie kaum klatschen, wenn sie das Haus ihrer Mutter betreten wollte.</p><p>�Novinha ist in unserem Zimmer�, sagte Ender.</p><p>�Ich wollte eigentlich mit dir sprechen.�</p><p>�Es tut mir leid, aber ich kann dir keinen Vorschu� auf dein Erbteil geben.�</p><p>Ela lachte, w�hrend sie sich neben ihn setzte, doch das Lachen erstarb schnell. Sie war besorgt.</p><p>�Quara�, sagte sie.</p><p>Ender seufzte und l�chelte. Quara war widerspenstig geboren worden, und nichts im Leben hatte sie umg�nglicher machen k�nnen. Doch Ela war immer besser mit ihr zurechtgekommen als irgendwer sonst.</p><p>�Es ist nicht einfach wie immer�, sagte Ela. �Eigentlich macht sie sogar weniger �rger als �blich. Kein einziger Streit.�</p><p>�Ein gef�hrliches Zeichen?�</p><p>�Du wei�t, da� sie versucht, mit der Descolada zu kommunizieren.�</p><p>�Molekularsprache.�</p><p>�Na ja, was sie tut, ist gef�hrlich, und selbst, wenn sie Erfolg haben sollte, wird sie keine Kommunikation herstellen k�nnen. <emphasis>Besonders, </emphasis>wenn sie Erfolg hat, denn dann besteht eine gute Chance, da� wir alle tot sein werden.�</p><p>�Was hat sie vor?�</p><p>�Sie hat in meinen Akten geschn�ffelt � was nicht besonders schwer war, da ich es nicht f�r n�tig hielt, sie vor einer anderen Xenobiologin zu sperren. Sie konstruiert die Hemmstoffe, die ich in die Pflanzen einf�gen wollte � kein Problem, denn ich habe ihr erkl�rt, wie man das macht. Aber anstatt sie irgendwo einzuspritzen, gibt sie sie direkt in die Descolada.�</p><p>�Was meinst du mit <emphasis>geben?�</emphasis></p><p>�Das sind ihre Nachrichten. Das schickt sie ihnen mit ihren kostbaren kleinen Informationstr�gern. Ob diese Tr�ger nun eine Sprache sind oder nicht, l��t sich mit solch einem Un-Experiment nicht kl�ren. Aber ob die Descolada nun ein Bewu�tsein hat oder nicht, sie kann sich verdammt gut anpassen � und Ela hilft ihr damit vielleicht, sich einigen meiner besten Strategien f�r ihre Blockade anzupassen.�</p><p>�Verrat.�</p><p>�Richtig. Sie f�ttert den Feind mit unseren milit�rischen Geheimnissen.�</p><p>�Hast du mit ihr dar�ber gesprochen?�</p><p>�Sta brincando. Claro que falei. Ela quase me matou.� Du scherzt � nat�rlich habe ich mit ihr gesprochen. Sie h�tte mich fast umgebracht.</p><p>�Hat sie irgendwelche Viren erfolgreich trainiert?�</p><p>�Sie macht noch nicht einmal Tests, um das festzustellen. Es ist, als sei sie ans Fenster gest�rmt und h�tte gebr�llt: �Sie kommen, um euch zu t�ten!� Das ist keine Wissenschaft, sondern Interspezies-Politik. Nur� wir wissen nicht einmal, ob die andere Seite �berhaupt eine Politik hat. Wir wissen nur, da� sie uns mit Quaras Hilfe vielleicht noch schneller t�ten kann, als wir es uns vorgestellt haben.�</p><p>�Nossa Senhora�, murmelte Ender. �Es ist zu gef�hrlich. Sie kann nicht einfach damit herumspielen.�</p><p>�Vielleicht ist es schon zu sp�t � ich wei� nicht, ob sie schon einen Schaden angerichtet hat oder nicht.�</p><p>�Dann m�ssen wir sie aufhalten.�</p><p>�Wie? Ihr die Arme brechen?�</p><p>�Ich werde mit ihr sprechen, doch sie ist zu alt � oder zu jung �, um auf die Vernunft zu h�ren. Ich f�rchte, die letzte Entscheidung wird der B�rgermeister und nicht wir treffen m�ssen.�</p><p>Erst als Novinha das Wort ergriff, bemerkte Ender, da� seine Frau das Zimmer betreten hatte. �Mit anderen Worten, Gef�ngnis�, sagte sie. �Du hast vor, meine Tochter einsperren zu lassen. Wann wolltest du mich informieren?�</p><p>�Gef�ngnis ist mir nicht in den Sinn gekommen�, sagte Ender. �Er wird ihr den Zugang zu��</p><p>�Das ist nicht die Aufgabe des B�rgermeisters�, sagte Novinha, �sondern meine. Ich bin die Chefxenobiologin. Warum bist du nicht zu mir gekommen, Elanora? Warum zu <emphasis>ihm?�</emphasis></p><p>Ela sa� schweigend da und musterte ihre Mutter ruhig. So stand sie einen Konflikt mit ihrer Mutter aus � mit passivem Widerstand.</p><p>�Quara ist au�er Kontrolle, Novinha�, sagte Ender. �Es war schlimm genug, den Vaterb�umen Geheimnisse zu verraten. Sie der Descolada zu verraten, ist verr�ckt.�</p><p>�Tu es psicologista, agora?� Jetzt bist du auch Psychologe?</p><p>�Ich habe nicht vor, sie einzusperren.�</p><p>�Du hast <emphasis>�berhaupt </emphasis>nichts vor�, sagte Novinha. �Nicht mit <emphasis>meinen </emphasis>Kindern.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Ender. �Ich habe mit <emphasis>Kindern </emphasis>�berhaupt nichts vor. Ich habe jedoch die Verantwortung, etwas gegen einen erwachsenen B�rger Lusitanias zu unternehmen, der skrupellos das �berleben eines jeden Menschen auf diesem Planeten gef�hrdet, vielleicht sogar eines jeden Menschen �berall.�</p><p>�Und wer hat dir diese edle Verantwortung gegeben, Andrew? Ist Gott auf einen Berg hinaufgestiegen und hat dir die Befugnis, die Menschen zu beherrschen, in eine Steintafel geschlagen?�</p><p>�Na sch�n�, sagte Ender. �Was schl�gst du vor?�</p><p>�Ich schlage vor, da� du dich aus einer Sache heraush�ltst, die dich nichts angeht. Und ehrlich gesagt, Andrew, das schlie�t ziemlich viel ein. Du bist kein Xenobiologe. Du bist kein Physiker. Du bist kein Xenologe. Eigentlich bist du <emphasis>gar nichts, </emphasis>nur ein St�renfried, der sich in die Leben anderer Menschen einmischt.�</p><p>Ela holte tief Luft. �Mutter!�</p><p>�Das einzige, das dir irgendeine Macht gibt, ist dieses verdammte Juwel in deinem Ohr. <emphasis>Sie </emphasis>fl�stert dir Geheimnisse zu, sie spricht des Nachts mit dir, wenn du mit deiner Frau im Bett liegst, und wann immer sie etwas will, bist du auf einer Konferenz, auf der du nichts zu suchen hast, und sagst, was sie dir aufgetragen hat. Du behauptest, Quara habe Betrug begangen. Soweit ich es beurteilen kann, bist du es, der wegen eines �bergro�en St�cks Software <emphasis>echte </emphasis>Menschen betr�gst!�</p><p>�Novinha�, sagte Ender, um sie zu beruhigen.</p><p>Aber sie war nicht an einem Dialog interessiert. �Wage es ja nicht, dich jetzt auch mit mir zu <emphasis>befassen. </emphasis>Die ganzen Jahre �ber habe ich gedacht, du liebst mich��</p><p>�Ich liebe dich auch.�</p><p>�Ich dachte, du w�rest wirklich einer von uns geworden, w�rdest zu unserem Leben geh�ren��</p><p>�Das tue ich auch.�</p><p>�Ich dachte, es w�re echt��</p><p>�Das ist es.�</p><p>�Aber du bist nur das, wovor Bischof Peregrino uns von Anfang an gewarnt hat. Ein Manipulator. Ein Herrscher. Dein Bruder hat einst die gesamte Menschheit beherrscht, nicht wahr? Aber so ehrgeizig bist du nicht. Du gibst dich mit einem kleinen Planeten zufrieden.�</p><p>�Im Namen Gottes, Mutter, hast du den Verstand verloren? <emphasis>Kennst </emphasis>du diesen Mann nicht?�</p><p>�Ich dachte, ich w�rde ihn kennen.� Novinha weinte jetzt. �Aber niemand, der mich liebt, h�tte je zugelassen, da� mein Sohn hinausgeht zu diesen m�rderischen kleinen Schweinen��</p><p>�Er h�tte Quim nicht aufhalten k�nnen, Mutter! Niemand konnte das!�</p><p>�Er hat es nicht einmal versucht! Er hat es <emphasis>gebilligt!�</emphasis></p><p>�Ja�, sagte Ender. �Ich dachte, dein Sohn habe edel und tapfer gehandelt, und das habe ich gebilligt. Er wu�te, da� die Gefahr zwar nicht gro�, aber doch vorhanden war, und wollte trotzdem gehen � und das habe ich gebilligt. Es ist genau das, was <emphasis>du </emphasis>getan h�ttest und hoffentlich auch ich, w�re ich an seiner Stelle gewesen. Quim ist ein Mann, ein guter, vielleicht auch ein gro�er Mann. Er braucht deinen Schutz nicht und will ihn auch gar nicht. Er hat seine Lebensaufgabe gefunden und verrichtet sie. Ich ehre ihn daf�r, und das solltest du auch tun. Wie wagst du es da vorzuschlagen, einer von uns h�tte sich ihm in den Weg stellen sollen?�</p><p>Novinha verstummte endlich, zumindest f�r den Augenblick. Ma� sie Enders Worte ab? Begriff sie endlich, wie vergeblich und grausam es von ihr gewesen war, Quim mit ihrem Zorn anstatt ihrem Segen gehen zu lassen? W�hrend dieses Schweigens hatte Ender noch Hoffnung.</p><p>Dann endete es. �Wenn du dich je wieder in das Leben meiner Kinder einmischst, bin ich mit dir fertig�, sagte Novinha. �Und wenn Quim irgend etwas zust��t, werde ich dich hassen, bis du stirbst, und beten, da� dieser Tag bald kommen wird. Du wei�t �berhaupt nichts, du Mistkerl, und es wird langsam Zeit, da� du aufh�rst, so zu tun.�</p><p>Sie ging zur T�r, doch dann fiel ihr noch ein theatralischer Abgang ein. Sie drehte sich zu Ela um und sprach mit bemerkenswerter Ruhe. �Elenora, ich werde augenblicklich Schritte ergreifen, um Quara den Zugang zu Ausr�stung und Daten zu nehmen, mit denen sie der Descolada helfen k�nnte. Und wenn ich noch einmal h�re, meine Liebe, da� du mit irgendeinem Laborangelegenheiten besprichst, <emphasis>besonders </emphasis>mit diesem Mann, werde ich dich lebenslang aus dem Labor verbannen. Hast du verstanden?�</p><p>Erneut antwortete Ela mit Schweigen.</p><p>�Ah�, sagte Novinha. �Wie ich sehe, hat er mehr von meinen Kindern gestohlen, als ich dachte.�</p><p>Dann war sie fort.</p><p>Ender und Ela sa�en in benommenem Schweigen da. Schlie�lich stand Ela auf, tat jedoch keinen Schritt.</p><p>�Ich sollte wirklich etwas unternehmen�, sagte sie, �aber mir f�llt ums Verrecken nicht ein, was.�</p><p>�Vielleicht solltest du zu deiner Mutter gehen und ihr zeigen, da� du noch auf ihrer Seite bist.�</p><p>�Aber das bin ich nicht mehr�, sagte Ela. �Ich habe sogar schon dar�ber nachgedacht, zu B�rgermeister Zeljezo zu gehen und ihn zu bitten, Mutter als Chefxenobiologin abzusetzen, weil sie eindeutig den Verstand verloren hat.�</p><p>�Das hat sie nicht�, sagte Ender. �Und wenn du so etwas t�test, w�rde es sie umbringen.�</p><p>�Mutter? Sie ist zu hart, um zu sterben.�</p><p>�Nein�, sagte Ender. �Sie ist im Augenblick so zerbrechlich, da� jeder Schlag sie t�ten k�nnte. Nicht ihren K�rper. Ihr � Vertrauen. Ihre Hoffnung. Ganz gleich, was passiert, gib ihr keinen Grund zu der Annahme, du st�ndest nicht hinter ihr.�</p><p>Ela sah ihn w�tend an. �Machst du das absichtlich, oder ist das ganz einfach deine Natur?�</p><p>�Wovon sprichst du?�</p><p>�Mutter hat gerade Dinge zu dir gesagt, die dich erz�rnen oder verletzen m��ten, und du sitzt da und �berlegst dir, wie du ihr helfen kannst. M�chtest du nie auf jemanden einpr�geln? Ich meine, verlierst du nie die Beherrschung?�</p><p>�Ela, nachdem du unabsichtlich mit blo�en H�nden ein paar Menschen get�tet hast, lernst du entweder, dich im Zaum zu halten, oder du verlierst deine Menschlichkeit.�</p><p>�Das hast du getan?�</p><p>�Ja�, sagte er. Einen Augenblick lang glaubte er, sie sei schockiert.</p><p>�Glaubst du, du k�nntest es auch heute noch tun?�</p><p>�Wahrscheinlich�, sagte er.</p><p>�Gut. Das kann ganz n�tzlich sein, wenn hier die H�lle losbricht.� Dann lachte sie. Es war ein Scherz. Ender war erleichtert. Er lachte mit ihr, aber nur schwach.</p><p>�Ich gehe zu Mutter�, sagte Ela, �aber nicht, weil du es mir gesagt hast, nicht einmal aus den Gr�nden, die du genannt hast.�</p><p>�Sch�n. Geh einfach so.�</p><p>�Willst du nicht wissen, warum ich zu ihr halte?�</p><p>�Ich wei� es schon.�</p><p>�Nat�rlich. Sie hat sich geirrt, nicht wahr? Du wei�t <emphasis>alles, </emphasis>oder?�</p><p>�Du gehst zu deiner Mutter, weil es das schmerzhafteste ist, was du dir im Augenblick antun kannst.�</p><p>�Bei dir klingt das irgendwie� krank.�</p><p>�Es ist die schmerzhafteste gute Tat, die du tun kannst. Es ist die unangenehmste Aufgabe. Es ist die schwerste Last.�</p><p>�Ela die M�rtyrerin, certo? Wirst du das sagen, wenn du �ber meinen Tod sprichst?�</p><p>�Wenn ich �ber <emphasis>deinen </emphasis>Tod sprechen soll, mu� ich eine Aufzeichnung machen. Ich habe vor, lange vor dir tot zu sein.�</p><p>�Also verl��t du Lusitania nicht?�</p><p>�Nat�rlich nicht.�</p><p>�Auch nicht, wenn Mutter dich hinauswirft?�</p><p>�Das kann sie nicht. Sie hat keinen Scheidungsgrund, und Bischof Peregrino kennt uns beide so gut, da� er �ber die Bitte lachen wird, die Ehe zu annullieren, weil sie nicht vollzogen worden sei.�</p><p>�Du wei�t, was ich meine.�</p><p>�Ich will hierbleiben�, sagte Ender. �Keine falsche Unsterblichkeit durch Zeitdilation mehr. Ich bin es leid, im All herumzuhetzen. Ich werde Lusitania nie wieder verlassen.�</p><p>�Selbst wenn du dann sterben wirst? Wenn die Flotte kommt?�</p><p>�Wenn alle gehen k�nnen, werde ich auch gehen�, sagte Ender. �Aber ich werde derjenige sein, der alle Lampen ausschaltet und die T�r abschlie�t.�</p><p>Sie lief zu ihm, k��te ihn auf die Wange und umarmte ihn kurz. Dann war sie aus der T�r, und er war wieder allein.</p><p>Ich habe mich bei Novinha furchtbar get�uscht, dachte er. Nicht auf Valentine war sie eifers�chtig, sondern auf Jane. All die Jahre lang hat sie gesehen, wie ich stumm mit Jane spreche, Dinge sagte, die sie nie h�ren konnte, Dinge h�rte, die sie nie sagen konnte. Ich habe das Vertrauen verloren, das sie in mich gesetzt hatte, und es nicht einmal gemerkt.</p><p>Selbst jetzt mu�te er subvokalisiert haben. Er mu�te aus einer so tiefen Gewohnheit heraus mit Jane gesprochen haben, da� er es nicht einmal bemerkt hatte. Denn sie antwortete ihm.</p><p>�Ich habe dich gewarnt�, sagte sie.</p><p>Das kann schon sein, antwortete Ender stumm.</p><p>�Du hast nie geglaubt, ich w�rde viel von Menschen verstehen.�</p><p>Du lernst wohl.</p><p>�Wei�t du, sie hat recht. Du bist meine Puppe. Ich manipuliere dich die ganze Zeit �ber. Du hast seit Jahren keinen eigenen Gedanken mehr gedacht.�</p><p>�Halt die Klappe�, fl�sterte er. �Ich bin nicht in der Stimmung.�</p><p>�Ender�, sagte sie, �wenn du glaubst, es hilft dir dabei, Novinha nicht zu verlieren, nimm das Juwel aus deinem Ohr. Ich habe nichts dagegen.�</p><p>�Ich h�tte schon etwas dagegen.�</p><p>�Dann habe ich eben gelogen�, sagte sie. �Aber wenn du es tun mu�t, um sie zu behalten, dann tu es.�</p><p>�Danke�, sagte er. �Doch ich w�re schlecht beraten, um etwas zu k�mpfen, das ich bereits eindeutig verloren habe.�</p><p>�Wenn Quim zur�ckkommt, wird alles wieder in Ordnung sein.�</p><p>Genau, dachte Ender. Genau.</p><p>Bitte, Gott, gib auf Vater Estev�o acht.</p><empty-line/><p>Sie wu�ten, da� Vater Estev�o kam. Pequeninos wu�ten es immer. Die Vaterb�ume erz�hlten einander alles. Es gab keine Geheimnisse. Nicht, da� sie es so gewollt h�tten. Vielleicht gab es einen Vaterbaum, der ein Geheimnis bewahren oder eine L�ge erz�hlen wollte. Doch sie waren nicht gerade allein. Sie hatten niemals eigene Erfahrungen. Wenn also ein Vaterbaum etwas geheimhalten wollte, w�rde es immer einen anderen in der N�he geben, der anderer Ansicht war. W�lder handelten immer im Einklang, doch sie bestanden noch aus Individuen, und so glitten die Geschichten von einem Wald zum anderen, ganz gleich, was ein paar Vaterb�ume vielleicht wollten.</p><p>Quim wu�te, da� diese Tatsache ihm zum Schutz geriet. Denn obschon Kriegmacher ein blutd�rstiger Hundesohn war � gleichwohl diese Bezeichnung bei Pequeninos eigentlich gar keine Bedeutung hatte �, konnte er Vater Estev�o nichts antun, ohne seine Br�der zuerst zu �berreden, sich so zu verhalten, wie er es wollte. Und wenn er das tat, w�rde einer der anderen Vaterb�ume in seinem Wald davon erfahren und es verraten. W�rde Zeugnis ablegen. Wollte Kriegmacher den Eid brechen, den alle Vaterb�ume vor drei�ig Jahren gemeinsam geleistet hatten, konnte es nicht insgeheim geschehen. Die ganze Welt w�rde es wissen, und Kriegmacher w�re als wortbr�chig bekannt. Es w�re sch�ndlich. Welches Weib w�rde den Br�dern dann noch erlauben, eine Mutter zu ihm zu tragen? Welche Kinder w�rde er noch haben, solange er lebte?</p><p>Quim war in Sicherheit. Vielleicht w�rden sie nicht auf ihn h�ren, doch sie w�rden ihm nichts tun.</p><p>Doch als er Kriegmachers Wald erreichte, verschwendeten sie keine Zeit damit, ihn anzuh�ren. Die Br�der ergriffen ihn, warfen ihn zu Boden und zerrten ihn zu Kriegmacher.</p><p>�Das war nicht notwendig�, sagte er. �Ich w�re sowieso hierher gekommen.�</p><p>Ein Bruder schlug mit St�cken auf den Baum. Quim lauschte der sich ver�ndernden Musik, w�hrend Kriegmacher die Hohlr�ume in sich ver�nderte und die Kl�nge zu Worten formte.</p><p>�Du bist gekommen, weil ich es befohlen habe.�</p><p>�Du hast befohlen. Ich bin gekommen. Wenn du glauben m�chtest, das habe mein Kommen veranla�t, bitte sch�n. Doch Gottes Befehle sind die einzigen, die ich freiwillig befolge.�</p><p>�Du bist hierher gekommen, um den Willen Gottes zu vernehmen�, sagte Kriegmacher.</p><p>�Ich bin hier, um den Willen Gottes zu verk�nden�, sagte Quim. �Die Descolada ist ein Virus, von Gott geschaffen, um die Pequeninos zu w�rdigen Kindern zu machen. Doch der Heilige Geist hat keine Inkarnation. Der Heilige Geist ist eigens Geist, damit er in unseren Herzen wohnen kann.�</p><p>�Die Descolada wohnt in <emphasis>unseren </emphasis>Herzen und gibt uns Leben. Was gibt der Heilige Geist euch, wenn er in euern Herzen wohnt?�</p><p>�Einen Gott. Einen Glauben. Eine Taufe. Gott predigt nicht das eine Wort zu Menschen und ein anderes zu Pequeninos.�</p><p>�Wir sind keine �Kleinen�. Ihr werdet sehen, wer m�chtig und wer klein ist.�</p><p>Sie zwangen ihn hoch und dr�ckten ihn mit dem R�cken gegen Kriegmachers Stamm. Er f�hlte, wie sich die Borke hinter ihm ver�nderte. Sie stie�en ihn. Viele kleine H�nde, viele Schnauzen, deren Atem er sp�rte. In all diesen Jahren war er nie davon ausgegangen, solche H�nde, solche Schnauzen, k�nnten zu Feinden geh�ren. Und selbst jetzt begriff Quim voller Erleichterung, da� er sie nicht f�r seine pers�nlichen Feinde hielt. Sie waren die Feinde Gottes, und er hatte Mitleid mit ihnen. Es war eine gro�e Entdeckung f�r ihn, da� er sogar in einem Augenblick, da er in den Bauch eines m�rderischen Vaterbaums gesto�en wurde, keine Spur von Furcht oder Ha� in sich hatte.</p><p>Ich f�rchte den Tod wirklich nicht. Das habe ich nie gewu�t.</p><p>�Du glaubst, ich werde den Eid brechen�, sagte Kriegmacher.</p><p>�Es ist mir in den Sinn gekommen�, entgegnete Quim. Er befand sich nun vollst�ndig in dem Baum, obwohl er vor ihm vom Kopf bis zu den Zehen ge�ffnet blieb. Er konnte sehen, er konnte atmen � sein Gef�ngnis war nicht einmal so eng, da� sich klaustrophobische Gef�hle einstellten. Doch das Holz hatte sich so glatt um ihn herum zusammengezogen, da� er keinen Arm, kein Bein bewegen, nicht seitlich durch die L�cke vor ihm gleiten konnte. Eng ist das Tor und schmal der Weg, der zur Erl�sung f�hrt.</p><p>�Wir werden dich einer Pr�fung unterziehen�, sagte Kriegmacher. Nun, da Quim seine Worte von innen h�rte, konnte er sie kaum noch verstehen. �Soll Gott zwischen dir und mir entscheiden. Wir geben dir zu trinken, soviel du willst � das Wasser aus unserem Bach. Aber Nahrung wirst du nicht bekommen.�</p><p>�Mich verhungern zu lassen ist��</p><p>�Verhungern? Wir haben deine Nahrung. In zehn Tagen werden wir dich wieder f�ttern. Wenn der Heilige Geist dich zehn Tage lang leben l��t, werden wir dich f�ttern und freilassen. Dann werden wir an deine Lehre glauben. Dann gestehen wir ein, da� wir uns geirrt haben.�</p><p>�Der Virus wird mich vorher t�ten.�</p><p>�Der Heilige Geist wird dich pr�fen und entscheiden, ob du w�rdig bist.�</p><p>�Hier <emphasis>findet </emphasis>eine Pr�fung statt�, sagte Quim, �aber nicht die, die ihr glaubt.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Es ist die Pr�fung des J�ngsten Gerichts. Ihr steht vor Christus, und er sagt zu denen zu seiner Rechten: �Ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen. Tretet in die Freude des Herrn.� Dann sagt er zu denen zu seiner Linken: �Ich war hungrig, und ihr gabt mir nichts. Ich war ein Fremder, und ihr habt mich schlecht behandelt.� Und sie alle sagen zu ihm: �Herr, wann haben wir dir das angetan?� Und er antwortet: �Wenn ihr dies dem geringsten meiner Br�der angetan habt, habt ihr es auch mir angetan.� Ihr Br�der, die ihr euch hier versammelt habt � ich bin der geringste eurer Br�der. Ihr werdet vor Christus verantworten, was ihr mir hier antut.�</p><p>�T�richter Mensch�, sagte Kriegmacher. �Wir tun dir nichts an, halten dich nur fest. Mit dir geschieht, was Gott will. Hat Jesus nicht gesagt: �Ich tue nichts, was mein Vater nicht auch tut?� Hat Jesus nicht gesagt: �Ich bin der Weg. Kommt und folgt mir?� Nun, wir lassen dich tun, was auch Jesus getan hat. Er ging ohne Brot vierzig Tage lang in die Wildnis. Wir geben dir die Chance, ein Viertel so heilig zu sein. Wenn Gott will, da� wir an deine Lehre glauben, wird er Engel schicken, die dich f�ttern. Er wird Steine in Brot verwandeln.�</p><p>�Ihr macht einen Fehler�, sagte Quim.</p><p>�Du hast den Fehler gemacht, indem du hierher gekommen bist.�</p><p>�Das meine ich nicht. Ihr macht einen Fehler, da ihr die Lehre falsch auffa�t. Ihr habt die Worte richtig verstanden � in der Wildnis fasten, Steine zu Brot und so weiter. Aber ist es nicht bezeichnend, da� ihr Satans Rolle �bernehmt?�</p><p>Nach diesen Worten bekam Kriegmacher einen Wutanfall. Er sprach so schnell, da� die Bewegungen im Holz an Quim zu zerren und dr�cken begannen, bis er bef�rchtete, er w�rde im Baum zerrissen werden.</p><p><emphasis>�Du </emphasis>bist der Satan! Wir sollen deine L�gen lange genug glauben, da� ihr Menschen eine M�glichkeit findet, die Descolada zu t�ten und allen Br�dern das dritte Leben vorzuenthalten! Glaubst du, wir durchschauen euch nicht? Wir kennen all eure Pl�ne! Ihr habt keine Geheimnisse! Und Gott hat auch vor uns keine Geheimnisse! <emphasis>Wir </emphasis>sind diejenigen, denen er das dritte Leben gab, nicht ihr! Wenn Gott euch liebte, w�rde er euch nicht eure Toten in der Erde vergraben lassen, so da� nur W�rmer aus euch entstehen k�nnen!�</p><p>Von dem Streit in den Bann geschlagen, setzten die Br�der sich um die Stamm�ffnung.</p><p>Es ging sechs Tage so weiter, Glaubensdiskussionen, die eines jeden Kirchenvaters eines jeden Zeitalters w�rdig gewesen w�ren. Seit dem Konzil auf Nic�a waren so gewaltige Themen nicht mehr er�rtert und abgewogen wurden.</p><p>Die Argumente wurden von Bruder zu Bruder weitergegeben, von Baum zu Baum, von Wald zu Wald. Berichte der Dialoge zwischen Kriegmacher und Vater Estev�o erreichten W�hler und Mensch innerhalb eines Tages. Doch die Informationen waren nicht vollst�ndig. Erst am vierten Tag begriffen sie, da� Quim gefangengehalten wurde und auch keine Nahrung mit dem Descolada-Hemmer bekam. Daraufhin wurde sofort eine Expedition ausgeschickt, die aus Ender und Ouanda, Jakt und Lars und Varsambestand. B�rgermeister Kovano schickte Ender und Ouanda, weil die Schweinchen sie am besten kannten und auch respektierten, und Jakt und dessen Sohn und Schwiegersohn, weil sie nicht auf Lusitania geboren waren. Kovano wagte es nicht, einheimische Kolonisten zu schicken � es lie� sich nicht absehen, was geschehen w�rde, sollte dieser Vorfall bekannt werden. Die f�nf nahmen den schnellsten Wagen und folgten den Richtungshinweisen, die W�hler ihnen gab. Es war eine Dreitagesreise.</p><p>Am sechsten Tag endete der Dialog, weil die Descolada Quims K�rper so gr�ndlich durchdrungen hatte, da� er keine Kraft zum Sprechen mehr hatte, und wenn er doch noch etwas sagte, lie�en das Fieber und Delirium seine Worte unverst�ndlich werden.</p><p>Am siebenten Tag schaute er durch die �ffnung nach oben, �ber die K�pfe der Br�der hinweg, die noch dort warteten. �Ich sehe den Erl�ser, wie er auf der rechten Hand Gottes sitzt�, fl�sterte er. Dann l�chelte er.</p><p>Eine Stunde sp�ter war er tot. Kriegmacher sp�rte es und verk�ndete es triumphierend seinen Br�dern. �Der Heilige Geist hat sein Urteil gef�llt, und Vater Estev�o wurde zur�ckgewiesen.�</p><p>Einige Br�der frohlockten. Aber nicht so viele, wie Kriegmacher erwartet hatte.</p><empty-line/><p>Bei Anbruch der D�mmerung traf Enders Trupp ein. Es stand nicht zur Debatte, sie gefangenzunehmen und der Pr�fung zu unterziehen � sie waren zu viele, und die Br�der waren sich sowieso nicht alle einig. Bald standen die Menschen vor dem ge�ffneten Stamm Kriegmachers und sahen das hagere, von der Krankheit entstellte Gesicht Vater Estev�os, das in den Schatten kaum auszumachen war.</p><p>��ffne dich und la� meinen Sohn zu mir heraus�, sagte Ender.</p><p>Der Ri� im Baum wurde breiter. Ender griff hinein und zog Vater Estev�os Leiche hinaus. Er war unter seinen Roben so leicht, da� Ender einen Augenblick lang glaubte, er m�sse einen Teil seines Gewichts selbst tragen, m�sse gehen. Doch er ging nicht. Ender legte ihn vor dem Baum auf den Boden.</p><p>Ein Bruder schlug einen Rhythmus auf Kriegmachers Stamm.</p><p>�Er mu� in der Tat zu dir geh�ren, Sprecher f�r die Toten, denn er ist tot. Der Heilige Geist hat ihn in der zweiten Taufe verbrannt.�</p><p>�Ihr habt den Eid gebrochen�, sagte Ender. �Ihr habt das Wort der Vaterb�ume verraten.�</p><p>�Keiner hat ihm auch nur ein Haar gekr�mmt�, sagte Kriegmacher.</p><p>�Glaubt ihr, ihr k�nntet mit euern L�gen jemanden t�uschen?� sagte Ender. �Jeder wei�, da� es eine Gewalttat ist, einem Sterbenden seine Medizin vorzuenthalten. Genausogut h�ttet ihr ihm einen Messerstich ins Herz versetzen k�nnen. Dort ist seine Medizin. Ihr h�ttet sie ihm jederzeit geben k�nnen.�</p><p>�Es war Kriegmacher�, sagte einer der neben dem Baum stehenden Br�der.</p><p>Ender wandte sich an die Br�der. �Ihr habt Kriegmacher geholfen. Glaubt nicht, ihr k�nntet ihm allein die Schuld zuschreiben. M�ge keiner von euch jemals in sein drittes Leben treten. Und was dich betrifft, Kriegmacher, m�ge nie wieder eine Mutter auf deiner Borke kriechen.�</p><p>�Kein Mensch kann so etwas entscheiden�, sagte Kriegmacher.</p><p>�Du hast es selbst entschieden, als du glaubtest, du k�nntest einen Mord begehen, um deinen Streit zu gewinnen�, sagte Ender. �Und ihr Br�der habt euch entschieden, als ihr ihn nicht aufgehalten habt.�</p><p>�Du bist nicht unser Richter!� rief einer der Br�der.</p><p>�Doch, das bin ich�, sagte Ender. �Genau wie jeder andere Bewohner Lusitanias, Mensch und Vaterbaum, Bruder und Gattin.�</p><p>Sie trugen Quims Leiche zu dem Wagen, und Jakt, Ouanda und Ender fuhren mit ihm. Lars und Varsam nahmen den Wagen, den Quim benutzt hatte. Ender brauchte ein paar Minuten, um eine Nachricht f�r Jane aufzusetzen, die sie in der Kolonie an Miro �bermitteln sollte. Novinha mu�te nicht drei Tage warten, um zu erfahren, da� ihr Sohn durch die H�nde der Pequeninos gestorben war. Und sie w�rde es nicht aus Enders Mund h�ren wollen, soviel stand fest. Ender konnte nicht einmal vermuten, ob er noch eine Frau haben w�rde, wenn er in die Kolonie zur�ckkehrte. Sicher war nur, da� Novinha ihren Sohn Estev�o nicht mehr hatte.</p><p>�Wirst du f�r ihn sprechen?� fragte Jakt, als der Wagen �ber das Capim brauste. Er hatte auf Trondheim einmal geh�rt, wie Ender f�r die Toten sprach.</p><p>�Nein�, sagte Ender. �Ich glaube nicht.�</p><p>�Weil er ein Priester ist?� fragte Jakt.</p><p>�Ich habe schon f�r Priester gesprochen�, sagte Ender. �Nein, ich werde nicht f�r Quim sprechen, weil kein Grund dazu besteht. Quim war immer genau das, was er zu sein schien, und er starb genau, wie er es gewollt h�tte � Gott dienend, w�hrend er bei den Kleinen predigte. Ich habe seiner Geschichte nichts hinzuzuf�gen. Er hat sie selbst abgeschlossen.�</p></section><section><title><p id="_Toc119392800">Kapitel 11</p><p>Die Jade des Meisters Ho</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Also f�ngt das T�ten jetzt an.�</p><p>�Am�sant ist nur, da� dein Volk damit begonnen hat, nicht die Menschen.�</p><p>�Dein Volk hat auch damit begonnen, als du deine Kriege mit den Menschen hattest.�</p><p>�Wir haben damit angefangen, aber sie haben es beendet.�</p><p>�Wie gelingt ihnen das nur, diesen Menschen � jedesmal so unschuldig anzufangen, um es dann mit dem meisten Blut an ihren H�nden zu beenden?�</p><empty-line/><p>Wang-mu beobachtete, wie sich die Worte und Zahlen durch das Display �ber dem Terminal ihrer Herrin bewegten. Qing-jao schlief leise atmend ganz in der N�he auf ihrer Matte. Wang-mu hatte auch eine Weile geschlafen, doch irgend etwas hatte sie geweckt. Ein Schrei, nicht weit entfernt; vielleicht ein Schmerzensschrei. Es war ein Teil von Wang-mus Traum gewesen, doch als sie erwachte, h�rte sie das Ger�usch noch in der Luft verhallen. Es war nicht Qing-jaos Stimme gewesen. Vielleicht die eines Mannes, obwohl das Ger�usch schrill gewesen war. Ein wehklagendes Ger�usch. Es lie� Wang-mu an den Tod denken.</p><p>Aber sie erhob sich nicht, um nachzusehen. Das stand ihr nicht zu; ihr Platz war an der Seite ihrer Herrin, bis ihre Herrin sie fortschickte. Wenn Qing-jao h�ren mu�te, was diesen Schrei verursacht hatte, w�rde eine andere Dienerin kommen und Wang-mu wecken, die dann ihre Herrin wecken w�rde � denn sobald eine Frau erst einmal eine geheime Magd hatte, durften sie, bis sie heiratete, nur deren H�nde ungebeten ber�hren.</p><p>Also lag Wang-mu wach und wartete ab, ob jemand k�me, um Qing-jao zu sagen, warum ein Mann in solcher Qual geschrien hatte, und so nahe, da� man ihn in diesem Zimmer hinten im Haus des Han Fei-tzu h�ren konnte. W�hrend sie wartete, fiel ihr Blick auf das sich bewegende Display. Der Computer f�hrte die Suchvorg�nge durch, die Qing-jao programmiert hatte.</p><p>Pl�tzlich verharrte das Display. Gab es ein Problem? Wang-mu st�tzte sich auf einem Arm ab; nun war sie dem Display nahe genug, um die letzten Worte lesen zu k�nnen. Die Suche war abgeschlossen. Und diesmal gab der Computer nicht die �bliche barsche Fehlmeldung: NICHT GEFUNDEN. KEINE INFORMATIONEN. KEINE SCHLUSSFOLGERUNG. Diesmal war die Meldung ein Bericht.</p><p>Wang-mu stand auf und trat zum Terminal. Sie tat, was Qing-jao ihr beigebracht hatte, dr�ckte die Taste, die alle neuen Informationen abspeicherte, so da� der Computer sie bewahren w�rde, ganz gleich, was geschah. Dann ging sie zu Qing-jao und legte sanft eine Hand auf ihre Schulter.</p><p>Qing-jao erwachte fast sofort; ihr Schlaf war nie tief. �Der Computer hat etwas gefunden�, sagte Wang-mu.</p><p>Qing-jao sch�ttelte den Schlaf ab wie eine leichte Jacke. Sie eilte zum Terminal und las die Worte.</p><p>�Ich habe Demosthenes gefunden�, sagte sie.</p><p>�Wo ist er?� fragte Wang-mu atemlos. Der gro�e Demosthenes � nein, der schreckliche Demosthenes. Meine Herrin w�nscht, da� ich ihn f�r einen Feind halte. Aber auf jeden Fall <emphasis>der </emphasis>Demosthenes, dessen Worte sie so aufgew�hlt hatten, als ihr Vater sie laut vorgelesen hatte. �Solange sich andere vor einem Mann verbeugen, weil er die Macht hat, sie und alles, was sie haben und lieben, zu vernichten, solange m�ssen wir alle gemeinsam Angst haben.� Wang-mu hatte diese Worte als Kind fast �berh�rt � sie war nur drei Jahre alt gewesen �, doch nun fielen sie ihr wieder ein, weil sie ein Bild in ihrem Verstand heraufbeschworen hatten. Als ihr Vater diese Worte vorgelesen hatte, erinnerte sie sich an etwas: Ihre Mutter sprach, und ihr Vater wurde w�tend. Er schlug sie nicht, doch er zog die Schultern hoch, und sein Arm zuckte leicht, als wolle sein K�rper sie schlagen und er k�nne ihn nur mit M�he zur�ckhalten. Obwohl es zu keiner Gewaltt�tigkeit kam, senkte Wang-mus Mutter den Kopf und murmelte etwas, und die Spannung lie� nach. Wang-mu wu�te, da� sie gesehen hatte, was Demosthenes beschrieb: Mutter hatte sich vor Vater verbeugt, weil er die Macht hatte, sie zu verletzen. Und Wang-mu war ver�ngstigt, sowohl damals und dann wieder, als sie sich daran erinnerte. Als sie also Demosthenes' Worte h�rte, wu�te sie, da� sie wahr waren, und wunderte sich, da� ihr Vater diese Worte vorlesen und ihnen sogar beipflichten konnte, ohne zu begreifen, da� er selbst genauso gehandelt hatte. Deshalb hatte Wang-mu immer mit gro�em Interesse allen Worten des gro�en � des schrecklichen � Demosthenes gelauscht, denn ob er nun gro� oder schrecklich war, sie wu�te, da� er die Wahrheit sagte.</p><p>�Nicht er�, sagte Qing-jao. �Demosthenes ist eine Frau.�</p><p>Diese Vorstellung verschlug Wang-mu den Atem. Eine Frau! Kein Wunder, da� ich soviel Mitgef�hl bei Demosthenes h�rte; sie ist eine Frau und wei�, wie es ist, jeden wachen Augenblick von anderen beherrscht zu werden. Sie ist eine Frau, und deshalb tr�umt sie von Freiheit, von einer Stunde, in der keine Pflicht darauf wartet, erledigt zu werden. Kein Wunder, da� die Revolution in ihren Worten brennt und sie doch immer Worte blieben und nie zu Gewalt wurden. Doch warum nur sieht Qing-jao das nicht? Warum hat Qing-jao entschieden, da� wir beide Demosthenes hassen m�ssen?</p><p>�Eine Frau namens Valentine�, sagte Qing-jao, und dann fuhr sie mit Ehrfurcht in der Stimme fort: �Valentine Wiggin, vor �ber drei� �ber dreitausend Jahren auf der Erde geboren.�</p><p>�Ist sie eine G�ttin, da� sie so lange lebt?�</p><p>�Reisen. Sie reist von Welt zu Welt und bleibt nirgendwo l�nger als ein paar Monate. Nur lange genug, um ein Buch zu schreiben. All die gro�en Geschichtswerke unter dem Namen Demosthenes wurden von ein und derselben Frau geschrieben, und doch wei� niemand davon. Wieso ist sie nicht ber�hmt?�</p><p>�Sie mu� sich verstecken wollen�, sagte Wang-mu, die sehr gut verstand, warum sich eine Frau hinter dem Namen eines Mannes versteckte. Ich t�te es auch, wenn ich k�nnte, damit ich auch von Welt zu Welt reisen und tausend Orte sehen und zehntausend Jahre lang leben k�nnte.</p><p>�Subjektiv ist sie erst in ihren F�nfzigern. Noch jung. Sie blieb viele Jahre auf einer Welt, heiratete und hatte Kinder. Doch jetzt ist sie wieder unterwegs. Nach�� Qing-jao sog scharf die Luft ein.</p><p>�Wohin?� fragte Wang-mu.</p><p>�Als sie ihre Heimat verlie�, nahm sie ihre Familie auf einem Sternenschiff mit. Sie flogen zuerst nach Himmlischer Friede, kamen an Catalonia vorbei und setzten den Kurs dann direkt nach Lusitania!�</p><p>Wang-mus erster Gedanke war: nat�rlich! Deshalb hat Demosthenes sowohl Mitgef�hl und Verst�ndnis f�r die Lusitanier. Sie hat mit ihnen gesprochen � mit den rebellischen Xenologen, mit den Pequeninos. Sie hat sie kennengelernt und <emphasis>wei�, </emphasis>da� sie Ram�nner sind!</p><p>Dann dachte sie: Wenn die Lusitania-Flotte dort eintrifft und ihre Mission erf�llt, wird Demosthenes gefangengenommen und kann nicht mehr schreiben.</p><p>Und dann fiel ihr etwas ein, das all das unm�glich machte. �Wie kann sie auf Lusitania sein, wenn Lusitania seinen Verk�rzer zerst�rt hat? Haben sie das nicht als erstes getan, als sie revoltierten? Wie k�nnen uns ihre Schriften erreichen?�</p><p>Qing-jao sch�ttelte den Kopf. �Sie hat Lusitania noch nicht erreicht. Und wenn doch, dann erst in den letzten paar Monaten. Sie ist seit drei�ig Jahren unterwegs. Sie ist vor der Rebellion aufgebrochen.�</p><p>�Dann hat sie das alles unterwegs geschrieben?� Wang-mu versuchte sich vorzustellen, wie man die verschiedenen Zeitfl�sse aufeinander abstimmen konnte. �Um seit dem Aufbruch der Lusitania-Flotte so viel geschrieben zu haben, mu� sie��</p><p>�Mu� sie jeden wachen Augenblick auf dem Sternenschiff damit verbracht haben�, sagte Qing-jao. �Und doch gibt es keine Unterlagen dar�ber, da� ihr Sternenschiff irgendwelche Signale ausgestrahlt hat, von den Berichten des Kapit�ns einmal abgesehen. Wie hat sie ihre Werke auf so vielen Welten verbreiten k�nnen, wenn sie sich die ganze Zeit �ber auf einem Sternenschiff aufhielt? Es ist unm�glich. <emphasis>Irgendwo </emphasis>mu� es Unterlagen �ber die Verk�rzer-Sendungen geben.�</p><p>�Es ist immer der Verk�rzer�, sagte Wang-mu. �Die Lusitania-Flotte sendet keine Meldungen mehr, und ihr Sternenschiff m��te etwas senden, tut es aber nicht. Wer wei�? Vielleicht sendet auch Lusitania geheime Meldungen.� Sie dachte an <emphasis>Menschs Leben.</emphasis></p><p>�Es kann keine geheimen Meldungen geben�, sagte Qing-jao. �Die philotischen Verbindungen des Verk�rzers bleiben bestehen, und wenn es auf irgendeiner Frequenz irgendeine Sendung gegeben h�tte, w�re sie entdeckt worden, und die Computer h�tten Unterlagen dar�ber.�</p><p>�Da haben wir es doch�, sagte Wang-mu. �Wenn alle Verk�rzer noch miteinander verbunden sind und die Computer keine Unterlagen �ber eine Daten�bertragung haben, obwohl wir wissen, da� es �bertragungen gegeben haben <emphasis>mu�, </emphasis>weil Demosthenes die ganze Zeit �ber geschrieben hat, m�ssen die Unterlagen falsch sein.�</p><p>�Es gibt keine M�glichkeit, eine Verk�rzer-�bertragung zu verbergen�, sagte Qing-jao. �Dazu m��te man im Augenblick des Empfangs der Sendung die �blichen Protokollierprogramme ausschalten und� jedenfalls ist es unm�glich. An jedem Verk�rzer m��te ein Verschw�rer sitzen und so schnell arbeiten��</p><p>�Oder sie haben ein Programm, das es automatisch erledigt.�</p><p>�Aber dann w��ten wir von diesem Programm. Es w�rde Platz im Arbeitsspeicher und Rechenzeit beanspruchen.�</p><p>�Wenn jemand ein Programm erstellen kann, das die Verk�rzer-Meldungen abf�ngt, k�nnte er dieses Programm dann nicht auch verbergen, so da� es sich nicht in den Arbeitsspeichern zeigt und keine Spuren der Rechenzeit hinterl��t?�</p><p>Qing-jao sah Wang-mu w�tend an. �Wo hast du so viele Fragen �ber Computer gelernt, ohne zu wissen, da� solche Dinge einfach unm�glich sind?�</p><p>Wang-mu verbeugte sich und ber�hrte mit dem Kopf den Boden. Sie wu�te, da� sich Qing-jao ihrer Wut sch�men w�rde, wenn sie sich derart erniedrigte, und sie sich danach wieder unterhalten konnten.</p><p>�Nein�, sagte Qing-jao, �es tut mir leid, es war nicht recht von mir, w�tend zu werden. Steh auf, Wang-mu. Stelle deine Fragen. Es sind gute Fragen. Vielleicht ist es doch m�glich, weil du es dir vorstellen kannst, und wenn du es dir vorstellen kannst, k�nnte es vielleicht auch ein anderer. Aber ich will dir erkl�ren, warum ich es f�r unm�glich halte. Wie k�nnte jemand so ein meisterhaftes Programm installieren? Es m��te sich auf jedem Computer befinden, der Verk�rzer-Mitteilungen verarbeitet. Davon gibt es Abertausende. Und wenn einer zusammenbricht und ein anderer dazugeschaltet wird, m��te das Programm umgehend auf den neuen Computer �berspielt werden. Doch man k�nnte es nicht im Festplattenspeicher verankern; dort w�rde es entdeckt werden. Es m��te sich die ganze Zeit �ber bewegen, hin- und herh�pfen, ohne die anderen Programme zu st�ren, aus einem Speicher hinaus und wieder hinein. Ein Programm, das zu all dem imstande ist, m��te� intelligent sein, es m��te versuchen, sich zu verstecken und die ganze Zeit �ber neue M�glichkeiten dazu ersinnen, oder wir h�tten es mittlerweile l�ngst gefunden, was aber nicht der Fall ist. Es gibt kein solches Programm. Wie h�tte man es programmieren k�nnen? Wie h�tte man es starten k�nnen? Und schau, Wang-mu � diese Valentine Wiggin, die das gesamte Demosthenes-Material schreibt� sie selbst versteckt sich auch schon seit Tausenden von Jahren. Wenn es so ein Programm g�be, m��te es schon die ganze Zeit �ber existiert haben. Es kann nicht von den Feinden des Sternenwege-Kongresses geschaffen worden sein, weil es noch gar keinen Sternenwege-Kongre� gab, als Valentine Wiggin zu verbergen begann, wer sie war. Siehst du, wie alt diese Unterlagen sind, in denen ihr Name steht? Seit diesen fr�hesten Berichten von� von der <emphasis>Erde </emphasis>wurde sie nicht mehr offen mit Demosthenes in Verbindung gebracht. Bevor es Sternenschiffe gab. Bevor��</p><p>Qing-jao verstummte, doch Wang-mu hatte bereits begriffen, hatte ebenfalls diese Schlu�folgerung gezogen, bevor Qing-jao sie aussprach. �Wenn es also ein geheimes Programm in den Verk�rzer-Computern gibt�, sagte Wang-mu, �mu� es schon immer dagewesen sein. Von Anfang an.�</p><p>�Unm�glich�, fl�sterte Qing-jao. Doch da alles andere ebenfalls unm�glich war, wu�te Wang-mu, da� Qing-jao diese Idee gefiel, da� sie an sie glauben wollte, denn obwohl sie unm�glich war, war sie zumindest vorstellbar, und wenn man sie sich vorstellen konnte, konnte man sie vielleicht auch verwirklichen. Und ich habe sie mir vorgestellt, dachte Wang-mu. Die G�tter m�gen zwar nicht zu mir sprechen, doch ich bin auch intelligent. Ich verstehe etwas. Alle behandeln mich wie ein t�richtes Kind, selbst Qing-jao, obwohl sie wei�, wie schnell ich lerne, obwohl sie wei�, da� mir Dinge einfallen, auf die andere Menschen nicht kommen, obwohl sie mich� <emphasis>verachtet. </emphasis>Doch ich bin so klug wie alle anderen auch, Herrin! Ich bin so klug wie du, obwohl du dies nie bemerken wirst, obwohl du glauben wirst, du w�rest allein auf all das gekommen. Oh, du wirst meine Mitwirkung nicht verschweigen, doch es wird in etwa so aussehen: Wang-mu hat etwas gesagt und brachte mich zum Nachdenken, und dann kam ich auf die wichtige Idee. Es wird nie hei�en: Wang-mu hat dies begriffen und mir erkl�rt, so da� ich es schlie�lich auch verstand. Du benimmst dich immer so, als sei ich ein dummer Hund, der zuf�llig bellt oder jault und genauso zuf�llig deine Gedanken zur Wahrheit lenkt. Ich bin kein Hund. Ich verstehe die Dinge. Als ich dir diese Fragen stellte, hatte ich die Implikationen bereits begriffen. Und ich begreife sogar viel mehr, als du bislang gesagt hast � aber ich mu� dir alles erkl�ren, indem ich Fragen stelle, indem ich so tue, als verst�nde ich nicht, weil du eine Gottber�hrte bist und eine blo�e Dienerin einer Gottber�hrten niemals etwas erkl�ren k�nnte.</p><p>�Herrin, wer auch immer dieses Programm beherrscht, hat eine gewaltige Macht, und doch haben wir noch nie von ihnen geh�rt, und doch haben sie diese Macht bis jetzt noch nie eingesetzt.�</p><p>�Sie haben sie eingesetzt�, sagte Qing-jao. �Um Demosthenes' wahre Identit�t zu verbergen. Diese Valentine Wiggin ist sehr reich, doch ihre Besitzt�mer wurden alle verschleiert, damit niemand begreift, wie reich sie ist, da� all ihre Besitzt�mer Teil ein und desselben Verm�gens sind.�</p><p>�Dieses m�chtige Programm befindet sich seit Beginn des Sternenflugs in jedem Verk�rzer-Computer, und doch hat es bislang nur das Verm�gen dieser Frau verborgen?�</p><p>�Du hast recht�, sagte Qing-jao. �Es ergibt nicht den geringsten Sinn. Warum hat jemand mit soviel Macht sie nicht schon benutzt, um die Kontrolle �ber die Dinge zu �bernehmen? Oder sie haben es vielleicht schon getan� Es gab sie schon, bevor der Sternenwege-Kongre� gebildet wurde, und vielleicht haben sie� aber warum sollten sie sich dem Kongre� jetzt widersetzen?�</p><p>�Vielleicht�, sagte Wang-mu, �vielleicht geben sie einfach nichts um Macht.�</p><p>�Wer gibt nichts um Macht?�</p><p>�Wer dieses geheime Programm kontrolliert.�</p><p>�Warum h�tten sie das Programm dann �berhaupt erschaffen sollen? Wang-mu, du denkst nicht nach.�</p><p>Nein, nat�rlich nicht, ich denke nie. Wang-mu verbeugte sich.</p><p>�Ich meine, du <emphasis>denkst </emphasis>schon, aber nicht <emphasis>daran: </emphasis>Niemand w�rde ein so m�chtiges Programm schaffen, wenn sie damit nicht von vornherein jede Kommunikation mit der Flotte unterbrechen und es so aussehen lassen wollten, als w�ren gar keine Nachrichten abgeschickt worden! Sie verbreiten Demosthenes' Schriften auf jedem besiedelten Planeten und verbergen trotzdem die Tatsache, da� diese Schriften gesendet wurden! Ihnen ist nichts unm�glich, sie k�nnten jede Nachricht ver�ndern, sie k�nnten �berall Verwirrung verbreiten oder die Leute glauben lassen� glauben lassen, da� es einen Krieg gibt, oder ihnen alle m�glichen Befehle geben, und woher sollte jemand wissen, da� diese Befehle nicht echt sind? Wenn sie wirklich so viel Macht h�tten, w�rden sie sie benutzen! Bestimmt!�</p><p>�Au�er vielleicht, die Programme wollen nicht auf diese Art und Weise benutzt werden.�</p><p>Qing-jao lachte laut auf. �Wang-mu, das war eine deiner ersten Lektionen �ber Computer. Es ist in Ordnung, wenn das gew�hnliche Volk glaubt, Computer k�nnten wirklich etwas entscheiden, aber du und ich, wir beide wissen, da� Computer nur Diener sind, da� sie nur tun, was ihnen befohlen wird, da� sie niemals selbst etwas <emphasis>wollen.�</emphasis></p><p>Wang-mu h�tte fast die Beherrschung verloren und einen Wutanfall bekommen. Glaubst du, Computer sind Dienern �hnlich, weil sie nie etwas wollen? Glaubst du wirklich, wir Diener t�ten nur, was uns gesagt wird, und w�rden selbst nie etwas <emphasis>wollen? </emphasis>Glaubst du, nur weil die G�tter uns nicht zwingen, die Nase auf dem Boden zu reiben oder uns die H�nde zu waschen, bis sie bluten, h�tten wir keine Begehren?</p><p>Nun, wenn Computer und Diener einander so �hnlich sind, dann weil Computer <emphasis>doch </emphasis>Begehren haben und nicht, weil Diener keine haben. Wir wollen etwas. Wir sehnen uns, hungern geradezu danach. Doch wir geben diesem Hunger niemals nach, weil ihr Gottber�hrten uns sonst wegschicken und euch gehorsamere Diener suchen w�rdet.</p><p>�Warum bist du w�tend?� fragte Qing-jao.</p><p>Wang-mu verbeugte sich, entsetzt dar�ber, da� sich ihre Gef�hle auf ihrem Gesicht gezeigt hatten. �Vergib mir�, sagte sie.</p><p>�Nat�rlich vergebe ich dir�, sagte Qing-jao. �Aber ich m�chte dich gern verstehen. Warst du w�tend, weil ich �ber dich gelacht habe? Es tut mir leid � ich h�tte es nicht tun sollen. Ich habe dich erst einige wenige Monate unterrichtet, und nat�rlich vergi�t du manchmal etwas und f�llst wieder in die Ansichten zur�ck, mit denen du aufgewachsen bist, und es war nicht recht von mir, dar�ber zu lachen. Bitte verzeihe mir.�</p><p>�O Herrin, es obliegt mir nicht, dir zu verzeihen. Du mu�t mir verzeihen.�</p><p>�Nein, ich habe einen Fehler gemacht. Ich wei� es � die G�tter haben mir gezeigt, wie unw�rdig es war, �ber dich zu lachen.�</p><p>Wenn die G�tter glauben, dein <emphasis>Gel�chter </emphasis>habe mich w�tend gemacht, sind sie sehr dumm, oder sie bel�gen dich. Ich hasse deine G�tter und die Art, wie sie dich erniedrigen, ohne dir jemals etwas zu verraten, das man unbedingt wissen mu�. Soll ich doch tot umfallen, weil ich das gedacht habe!</p><p>Doch Wang-mu wu�te, da� dies nicht geschehen w�rde. Die G�tter w�rden niemals einen Finger gegen Wang-mu selbst r�hren. Sie w�rden lediglich Qing-jao zwingen, sich zu b�cken und Linien auf dem Boden nachzusp�ren, bis Wang-mu sich so sehr sch�mte, da� sie sterben wollte.</p><p>�Herrin�, sagte Wang-mu, �du hast nichts Falsches getan, und ich wurde nicht beleidigt.�</p><p>Es war sinnlos. Qing-jao war auf dem Boden. Wang-mu wandte sich ab, vergrub das Gesicht in den H�nden � blieb jedoch still, machte selbst beim Weinen kein Ger�usch, denn das h�tte Qing-jao nur gezwungen, wieder von vorn anzufangen. Oder es h�tte sie �berzeugt, da� sie Wang-mu so schlimm verletzt hatte, da� sie zwei Linien verfolgen mu�te oder drei oder wieder den ganzen Boden. Eines Tages, dachte Wang-mu, werden die G�tter von Qing-jao verlangen, jede Linie auf jedem Brett in jedem Zimmer des Hauses zu verfolgen, und sie wird verdursten oder bei dem Versuch, den G�ttern zu gehorchen, den Verstand verlieren.</p><p>Um nicht weiterhin vor Zorn zu weinen, zwang sich Wang-mu; zum Terminal zu sehen und den Bericht zu lesen, den Qing-jao gelesen hatte. Valentine Wiggin war w�hrend der Krabbler-Kriege auf der Erde geboren worden. Sie hatte den Namen Demosthenes schon als Kind benutzt, zur gleichen Zeit wie ihr Bruder Peter, der sp�ter der Hegemon wurde, den Namen Locke benutzte. Sie war nicht einfach eine Wiggin, sie war eine <emphasis>der </emphasis>Wiggins � Schwester Peters, des Hegemons, und Enders, des Xenoziden. Sie war in den Geschichtsb�chern nur eine Fu�note gewesen � Wang-mu hatte bis jetzt nicht einmal ihren Namen gekannt, nur gewu�t, da� der gro�e Peter und das Ungeheuer Ender eine Schwester hatten. Doch die Schwester erwies sich nun als genauso seltsam wie ihre Br�der; sie war die Unsterbliche, sie war die, die die Menschheit mit ihren Worten ver�nderte.</p><p>Wang-mu konnte es kaum glauben. Demosthenes war in ihrem Leben schon immer wichtig gewesen, doch nun erfuhr sie, da� die echte Demosthenes die Schwester des Hegemons war! Seine Geschichte wurde in den Heiligen B�chern des Sprechers f�r die Toten erz�hlt: <emphasis>Die Schwarmk�nigin </emphasis>und <emphasis>Der Hegemon. </emphasis>Nicht, da� es nur f�r sie heilig gewesen w�re. Praktisch jede Religion hatte diesem Buch Raum geschaffen, weil die Geschichte so stark war � �ber die Vernichtung der ersten au�erirdischen Rasse, die die Menschheit jemals entdeckt hatte, und dann �ber das schreckliche Gut und B�se, das in der Seele des ersten Mannes rang, der jemals die gesamte Menschheit unter einer Regierung vereinigen sollte. So eine komplizierte Geschichte, und doch so einfach und klar erz�hlt, da� viele Menschen sie als Kinder lasen und von ihr bewegt wurden. Wang-mu hatte man sie mit f�nf Jahren zum erstenmal vorgelesen. Es war eine der Geschichten, die sich am tiefsten in ihrer Seele verankert hatten.</p><p>Sie hatte getr�umt, nicht nur ein-, sondern zweimal, sie sei Peter, dem Hegemon pers�nlich begegnet � nur, da� er darauf bestand, mit Locke von ihr angesprochen zu werden. Er faszinierte sie gleicherma�en, wie er sie abstie�; sie konnte den Blick nicht von ihm wenden. Dann streckte er seine Hand aus und sagte, Si Wang-mu, K�nigliche Mutter des Westens, du bist die richtige Gef�hrtin f�r den Herrscher �ber die gesamte Menschheit, und er nahm sie und heiratete sie, und sie sa� neben ihm auf dem Thron.</p><p>Nun wu�te sie nat�rlich, da� fast jedes arme M�dchen davon tr�umte, einen reichen Mann zu heiraten oder herauszufinden, da� es in Wirklichkeit das Kind einer reichen Familie war. Doch Tr�ume wurden auch von den G�ttern geschickt, und es war Wahrheit in jedem Traum, den man �fter als einmal hatte; das wu�te jeder. Also f�hlte sie sich von Peter Wiggin noch immer stark angezogen; und die neue Erkenntnis, da� Demosthenes, f�r den sie ebenfalls immer gro�e Bewunderung empfunden hatte, seine Schwester war � dieser Zufall war fast zu gro�. Mir ist es gleich, was meine Herrin sagt, Demosthenes! rief Wang-mu im Geiste. Ich liebe dich trotzdem, weil du mir mein ganzes Leben lang die Wahrheit gesagt hast. Und ich liebe dich auch als Schwester des Hegemons, der der Gatte meiner Tr�ume ist.</p><p>Wang-mu f�hlte, wie sich die Luft im Raum ver�nderte, und wu�te, da� die T�r ge�ffnet worden war. Sie drehte sich um, und dort stand Mu-pao, die uralte und gef�rchtete Haush�lterin pers�nlich, der Schrecken aller Bediensteten � einschlie�lich Wang-mus, obwohl Mu-pao nur relativ wenig Macht �ber eine geheime Magd hatte. Augenblicklich trat Wang-mu so leise wie m�glich zur T�r, um Qing-jaos Reinigung nicht zu unterbrechen.</p><p>Drau�en auf dem Gang schlo� Mu-pao die Zimmert�r, damit Qing-jao nichts h�ren konnte.</p><p>�Der Herr ruft nach seiner Tochter. Er ist sehr erregt; vor einer Weile hat er laut geschrien und alle erschreckt.�</p><p>�Ich habe den Schrei geh�rt�, sagte Wang-mu. �Ist er krank?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Er ist sehr erregt. Er schickt mich nach deiner Herrin und sagt, er m�sse sofort mit ihr sprechen. Doch wenn sie mit den G�ttern spricht, wird er Verst�ndnis haben und warten; vergi� nicht, ihr zu sagen, sie m�ge sofort zu ihm kommen, wenn sie fertig ist.�</p><p>�Ich werde es ihr sofort sagen. Sie hat mir aufgetragen, nichts d�rfe sie daran hindern, einem Ruf ihres Vaters zu folgen.�</p><p>Mu-pao schaute schockiert drein. �Aber es ist verboten, sie zu unterbrechen, wenn die G�tter��</p><p>�Qing-jao wird sp�ter eine gr��ere Bu�e leisten. Sie wird wissen wollen, da� ihr Vater sie gerufen hat.� Es bereitete Wang-mu gro�e Befriedigung, Mu-pao auf ihren Platz zu verwiesen. Du magst zwar die Herrscherin �ber die Hausdiener sein, Mu-pao, doch <emphasis>ich </emphasis>habe die Macht, sogar die Gespr�che zwischen meiner Herrin und den G�ttern zu unterbrechen.</p><p>Wie Wang-mu erwartet hatte, reagierte Qing-jao zuerst mit Verbitterung, Zorn und Tr�nen auf die Unterbrechung. Doch als sich Wang-mu tief verbeugte, beruhigte sie sich sofort. Deshalb liebe ich sie und kann es ertragen, ihr zu dienen, dachte Wang-mu. Weil sie die Macht, die sie �ber mich hat, nicht liebt, und mitf�hlender ist als jede andere Gottber�hrte, von der ich je geh�rt habe. Qing-jao h�rte Wang-mus Erkl�rung f�r die Unterbrechung an und umarmte sie dann. �Ah, meine Freundin Wang-mu, du bist sehr klug. Wenn mein Vater vor Pein laut geschrien und mich dann gerufen hat, werden die G�tter verstehen, da� ich meine Reinigung unterbrechen und zu ihm gehen mu�.�</p><p>Wang-mu folgte ihr den Gang entlang und die Treppe hinab, bis sie gemeinsam auf der Matte vor Han Fei-tzus Stuhl knieten.</p><empty-line/><p>Qing-jao wartete darauf, da� Vater sprach, doch er sagte nichts. Aber seine H�nde zitterten. Sie hatte ihn noch nie so ver�ngstigt gesehen.</p><p>�Vater�, sagte Qing-jao, �warum hast du mich gerufen?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Etwas so Schreckliches� und so Wunderbares� ich wei� nicht, ob ich vor Freude lachen oder mir das Leben nehmen soll.� Vaters Stimme war heiser und unkontrolliert. Nicht mehr seit Mutters Tod � nein, seit Vater sie nach der Pr�fung, bei dem sich herausstellte, da� sie gottber�hrt war, in den Armen gehalten hatte � hatte sie ihn so gef�hlsbetont sprechen h�ren.</p><p>�Sag es mir, Vater, und dann werde ich dir meine Neuigkeiten sagen � ich habe Demosthenes gefunden und vielleicht auch den Schl�ssel f�r das Verschwinden der Lusitania-Flotte.�</p><p>Vaters Augen weiteten sich. �Ausgerechnet an diesem Tag aller Tage hast du das Problem gel�st?�</p><p>�Wenn es so ist, wie ich es mir denke, kann der Feind des Kongresses vernichtet werden. Aber es wird sehr schwer werden. Sage mir, was du herausgefunden hast!�</p><p>�Nein, du sagst es mir zuerst. Wie seltsam � beides geschieht am gleichen Tag! Heraus damit!�</p><p>�Wang-mu brachte mich darauf. Sie stellte Frage �ber � na ja, wie Computer funktionieren, und pl�tzlich wurde mir klar, wenn es in jedem Verk�rzer-Computer ein verborgenes Programm g�be, ein so kluges und m�chtiges, da� es von einer Stelle zur andern wandern kann, um sich zu verbergen� nun, da� dieses geheime Programm die gesamte Verk�rzer-Kommunikation abfangen k�nnte. Die Flotte ist vielleicht noch da, schickt vielleicht noch Nachrichten, aber wir empfangen sie nicht und wissen wegen dieses Programms nicht einmal, da� es die Flotte noch gibt.�</p><p>�In <emphasis>jedem </emphasis>Verk�rzer-Computer? Ein Programm, da� die ganze Zeit �ber fehlerlos arbeitet?� Vater klang nat�rlich skeptisch, denn in ihrem Eifer hatte Qing-jao die Geschichte von hinten aufgez�umt.</p><p>�Ja, aber la� mich dir erkl�ren, wie so eine unm�gliche Sache m�glich sein k�nnte. Denn wei�t du, ich habe Demosthenes gefunden.�</p><p>Vater h�rte zu, w�hrend Qing-jao ihm alles �ber Valentine Wiggin erz�hlte und wie sie insgeheim all diese Jahre als Demosthenes geschrieben hatte. �Sie ist eindeutig imstande, geheime Verk�rzer-Nachrichten auszuschicken, oder ihre Werke k�nnten nicht von einem in Bewegung befindlichen Schiff auf all die verschiedenen Welten gesendet werden. Angeblich ist nur das Milit�r imstande, mit ann�hernd lichtschnell fliegenden Schiffen zu kommunizieren � sie mu� entweder die Computer des Milit�rs infiltriert oder deren F�higkeiten kopiert haben. Und wenn es ein Programm gibt, das ihr das alles erm�glicht, dann hat dieses Programm auch eindeutig die Macht, die Verk�rzer-Nachrichten von der Flotte abzufangen.�</p><p>�Aber wie kann diese Frau ein Programm in alle Verk�rzer-Computer eingespeist haben?�</p><p>�Weil sie es ganz am Anfang getan hat! Denn sie ist so alt. Wenn Hegemon Locke ihr Bruder war, hat er vielleicht� nein! Nat�rlich, <emphasis>er </emphasis>hat es getan. Als die ersten Kolonisten-Flotten mit ihren philotischen Doppeltriaden an Bord aufbrachen, die das Herz des ersten Verk�rzers einer jeden Kolonie werden sollten, h�tte er ihnen dieses Programm mit auf den Weg geben k�nnen.�</p><p>Vater verstand sofort. �Als Hegemon hatte er die Befugnis dazu und auch einen Grund � ein geheimes Programm unter seiner Kontrolle. Sollte es eine Rebellion oder einen Staatsstreich geben, h�tte er noch immer die F�den in der Hand gehabt, die die Welten miteinander verkn�pfen.�</p><p>�Und als er starb, war Demosthenes � seine Schwester � die einzige, die das Geheimnis kannte. Ist das nicht wunderbar? Wir haben es gefunden! Jetzt m�ssen wir nur noch all diese Programme aus den Arbeitsspeichern l�schen!�</p><p>�Du vergi�t, da� die Programme augenblicklich wiederhergestellt w�rden�, sagte Vater. �Solange es noch Kopien in Computern auf anderen Welten gibt, werden die Verk�rzer sie automatisch �berspielen. Es mu� im Verlauf der Jahrhunderte schon tausendmal passiert sein. Ein Computer bricht zusammen, und das Programm wird auf dem neuen automatisch wiederhergestellt.�</p><p>�Dann m�ssen wir alle Verk�rzer gleichzeitig ausschalten�, sagte Qing-jao. �Und auf jeder Welt einen neuen Computer bereithalten, der noch nicht durch den Kontakt mit dem Geheimprogramm infiziert ist. Wir m�ssen alle Verk�rzer auf einmal ausschalten, die alten Computer vom System abtrennen, die neuen hinzuschalten und die Verk�rzer wieder aktivieren. Dann kann sich das Geheimprogramm nicht mehr restaurieren, denn es ist ja in keinem Computer mehr vorhanden. Dann kann kein Rivale die Macht des Kongresses mehr einschr�nken!�</p><p>�Das geht nicht�, sagte Wang-mu.</p><p>Qing-jao betrachtete ihre geheime Magd entsetzt. Wie konnte das M�dchen es wagen, ein Gespr�ch zweier Gottber�hrter zu unterbrechen, um ihnen zu <emphasis>widersprechen?</emphasis></p><p>Doch Vater war gro�z�gig � er war immer gro�z�gig, sogar zu Menschen, die alle Grenzen des Respekts und Anstands �berschritten hatten. Ich mu� lernen, so wie er zu sein, dachte Qing-jao. Ich mu� den Dienstboten erlauben, ihre W�rde zu behalten, selbst wenn sie sie durch ihr eigenes Verhalten verloren haben.</p><p>�Si Wang-mu�, sagte Vater, �warum geht das nicht?�</p><p>�Wenn man alle Verk�rzer gleichzeitig abschalten will, mu� man den Befehl dazu �ber die Verk�rzer geben�, sagte Wang-mu. �Warum sollte uns das Programm erlauben, Nachrichten zu schicken, die zu seiner Vernichtung f�hren w�rden?�</p><p>Qing-jao folgte dem Beispiel ihres Vaters und erkl�rte es Wang-mu geduldig. �Es ist nur ein Programm � es kennt den Inhalt der Nachrichten nicht. Wer auch immer das Programm beherrscht, hat ihm aufgetragen, <emphasis>jede </emphasis>Kommunikation mit der Flotte zu unterbrechen und die Aufzeichnungen aller Sendungen von Demosthenes zu verbergen. Es <emphasis>liest </emphasis>die Nachrichten bestimmt nicht, um dann nach dem jeweiligen Inhalt zu entscheiden, ob es sie �bermitteln soll.�</p><p>�Woher wi�t Ihr das?� fragte Wang-mu.</p><p>�Weil solch ein Programm� intelligent sein m��te!�</p><p>�Aber es mu� sowieso intelligent sein�, sagte Wang-mu. �Es mu� imstande sein, sich vor jedem anderen Programm zu verbergen, das es finden k�nnte. Es mu� sich frei im Arbeitsspeicher bewegen k�nnen, um sich zu verbergen. Wie kann es wissen, vor welchen Programmen es sich verbergen mu�, wenn es sie nicht lesen und interpretieren kann? Es ist vielleicht sogar intelligent genug, um andere Programme umzuschreiben, so da� sie nicht dort suchen, wo dieses Programm sich gerade versteckt.�</p><p>Qing-jao fielen augenblicklich mehrere Gr�nde ein, warum ein Programm intelligent genug sein konnte, um andere Programme zu lesen, aber nicht so intelligent, um menschliche Sprachen zu verstehen. Doch da Vater anwesend war, oblag es ihm, Wang-mu zu antworten. Qing-jao wartete.</p><p>�Falls es solch ein Programm gibt�, sagte Vater, �k�nnte es in der Tat sehr intelligent sein.�</p><p>Qing-jao war verbl�fft. Vater sprach ernsthaft mit Wang-mu. Als w�ren Wang-mus Vorstellungen nicht die eines naiven Kindes.</p><p>�Es k�nnte so intelligent sein, da� es nicht nur Nachrichten abf�ngt, sondern auch welche sendet.� Dann sch�ttelte Vater den Kopf. �Nein, die Nachricht kam von einer Freundin. Einer wahren Freundin, und sie sprach von Dingen, die sonst niemand wissen konnte. Die Nachricht war echt.�</p><p>�Was f�r eine Nachricht hast du erhalten, Vater?�</p><p>�Sie kam von Keikoa Amaauka; als wir jung waren, kannte ich sie pers�nlich. Sie ist die Tochter eines Wissenschaftlers von Otaheiti, der hier war, um die genetische Drift erdgeborener Spezies in ihren ersten zwei Jahrhunderten auf Weg zu studieren. Sie gingen � sie wurden ziemlich abrupt fortgeschickt�� Er hielt inne, als �berlege er, ob er fortfahren solle. Dann fa�te er einen Entschlu� und sagte es: �W�re sie geblieben, w�re sie vielleicht deine Mutter geworden.�</p><p>Qing-jao war sowohl gespannt als auch ver�ngstigt, da� Vater von solchen Dingen sprach. Er sprach sonst nie von seiner Vergangenheit. Das Eingest�ndnis, einmal eine andere Frau neben seiner Gattin geliebt zu haben, die Qing-jao gebar, kam so unerwartet, da� Qing-jao nicht wu�te, was sie sagen sollte.</p><p>�Sie wurde an einen sehr fernen Ort geschickt. Es ist jetzt f�nfunddrei�ig Jahre her. Das ist ein Gro�teil meines Lebens. Doch sie ist gerade erst angekommen, vor einem Jahr. Und nun hat sie mir eine Nachricht geschickt und verraten, wieso ihr Vater weggeschickt wurde. F�r sie liegt unsere Trennung nur ein Jahr zur�ck. F�r sie bin ich noch immer��</p><p>�Ihr Geliebter�, sagte Wang-mu.</p><p>Diese Impertinenz! dachte Qing-jao. Doch Vater nickte nur. Dann wandte er sich seinem Display zu und bl�tterte die Seiten durch. �Ihr Vater war auf eine genetische Abweichung in der wichtigsten erdgeborenen Rasse auf Weg gesto�en.�</p><p>�Reis?� fragte Wang-mu.</p><p>Qing-jao lachte. �Nein, Wang-mu. <emphasis>Wir </emphasis>sind die wichtigste erdgeborene Spezies auf dieser Welt.�</p><p>Wang-mu schaute best�rzt drein. Qing-jao t�tschelte ihre Schulter. Es hatte so kommen m�ssen � Vater hatte sie zu sehr ermutigt, hatte sie zu der Annahme gef�hrt, Dinge zu verstehen, die weit jenseits ihrer Ausbildung lagen. Wang-mu brauchte diese sanften D�mpfer dann und wann, damit sie ihre Hoffnungen nicht zu hoch setzte. Das M�dchen durfte sich nicht dem Traum hingeben, intellektuell gleichwertig mit einem Gottber�hrten zu sein, oder ihr Leben w�rde mit Entt�uschung anstatt Zufriedenheit erf�llt sein.</p><p>�Er entdeckte einen best�ndigen, vererbbaren genetischen Unterschied in einigen Menschen auf Weg, doch als er ihn meldete, wurde er fast augenblicklich versetzt. Ihm wurde sagt, Menschen fielen nicht unter seine Forschungsbefugnis.�</p><p>�Hat sie dir das gesagt, bevor sie ging?� fragte Qing-jao.</p><p>�Keikoa? Sie wu�te es nicht. Sie war sehr jung, noch in einem Alter, in dem die meisten Eltern ihre Kinder nicht mit den Angelegenheiten der Erwachsenen belasten. In deinem Alter.�</p><p>Die Implikationen dieser Aussage schickten einen weiteren Schauder der Furcht durch Qing-jao. Ihr Vater hatte eine Frau geliebt, die im gleichen Alter wie Qing-jao war; also war Qing-jao in den Augen ihres Vaters in dem Alter, in dem man sie in eine Ehe geben konnte. Du kannst mich nicht ins Haus eines anderen Mannes schicken, rief sie im Geiste; doch ein Teil von ihr war auch begierig darauf, die Geheimnisse zwischen einem Mann und einer Frau zu erfahren. Beide Gef�hle w�rden keinen Einflu� auf sie haben; sie w�rde ihrem Vater gegen�ber ihre Pflicht erf�llen, nicht mehr und nicht weniger.</p><p>�Doch ihr Vater hat es ihr auf dem Flug erz�hlt, denn die ganze Sache hat ihn sehr aufgebracht, wie du dir vorstellen kannst � sein Leben wurde einfach so unterbrochen. Doch als sie vor einem Jahr auf Ugarit eintrafen, st�rzte er sich in seine Arbeit und sie sich in ihre Ausbildung, und sie versuchten, nicht daran zu denken. Bis vor ein paar Tagen, als ihr Vater auf einen alten Bericht �ber ein Medizinerteam in den fr�hesten Tagen von Weg stie�, das auch pl�tzlich verbannt worden war. Er reimte sich die Dinge zusammen und vertraute sie Keikoa an, und gegen seinen Rat schickte sie mir die Nachricht, die ich heute erhielt.�</p><p>Vater markierte einen Textabschnitt auf dem Display, und Qing-jao las ihn. �Das fr�here Team studierte das unbewu�t-zwanghafte Verhalten?� fragte sie.</p><p>�Nein, Qing-jao. Sie studierten ein Verhalten, das wie das UZV aussah, doch es konnte sich nicht um dieses Syndrom handeln, da die genetischen Bedingungen f�r das UZV nicht vorhanden waren und die Befallenen nicht auf UZV-wirksame Medikamente reagierten.�</p><p>Qing-jao versuchte sich daran zu erinnern, was sie �ber UZV wu�te. Das Syndrom veranla�te Menschen, sich unabsichtlich wie jene zu verhalten, zu denen die G�tter sprachen. Ihr fiel ein, da� man auch ihr solche Medikamente verabreicht hatte, und zwar in der Zeit zwischen der Entdeckung ihres Reinigungszwangs und ihrer Pr�fung. Man hatte sehen wollen, ob der Zwang nachlie�. �Sie studierten die Gottber�hrten�, sagte sie. �Sie wollten eine biologische Ursache f�r unsere Reinigungsriten finden.� Die Vorstellung war so beleidigend, da� sie die Worte kaum �ber die Lippen brachte.</p><p>�Ja�, sagte Vater. �Und man hat sie weggeschickt.�</p><p>�Wahrscheinlich k�nnen sie von Gl�ck sprechen, mit dem Leben davongekommen zu sein. Wenn die Menschen von solch einem Sakrileg erfahren h�tten��</p><p>�Das war in den Anfangstagen unserer Geschichte, Qing-jao�, sagte Vater. �Man wu�te noch nicht genau, da� diese Erw�hlten� mit den G�ttern kommunizieren. Und was ist mit Keikoas Vater? Er forschte nicht �ber das UZV Er suchte nach genetischen Abweichungen. Und er hat sie gefunden. Eine sehr spezifische, vererbbare Abweichung in den Genen gewisser Menschen. Sie mu�te im Gen eines Elternteils vorhanden sein und durfte nicht von einem dominanten Gen des anderen �berlagert werden. Wenn es von beiden Eltern stammte, war die Abweichung sehr stark. Er glaubt nun, er sei weggeschickt worden, weil zu jedem Menschen mit diesem Gen von beiden Eltern die G�tter sprachen und jeder Gottber�hrte, den er untersuchte, mindestens von einem Elternteil dieses Gen hatte.�</p><p>Qing-jao begriff sofort, was das zu bedeuten hatte, wies die Vorstellung aber zur�ck. �Das ist eine L�ge�, sagte sie. �Damit wollen sie erreichen, da� wir an den G�ttern zweifeln.�</p><p>�Qing-jao, ich wei�, wie du dich f�hlst. Als ich begriff, was Keikoa mir sagen wollte, schrie ich aus tiefstem Herzen auf. Zuerst dachte ich, ich schrie vor Verzweiflung, doch dann begriff ich, da� es auch ein Schrei der Befreiung war.�</p><p>�Ich verstehe dich nicht�, sagte sie entsetzt.</p><p>�Doch, du verstehst mich�, sagte Vater, �oder du h�ttest keine Angst. Qing-jao, diese Menschen wurden fortgeschickt, weil jemand nicht wollte, da� sie herausfanden, was sie bald herausgefunden h�tten. Also m�ssen die, die sie weggeschickt haben, bereits gewu�t haben, was sie herausfinden w�rden. Nur der Kongre� � zumindest jemand, der zum Kongre� geh�rt � hatte die Macht, diese Wissenschaftler und ihre Familien ins Exil zu schicken. Was sollte verborgen bleiben? Da� wir, zu denen die G�tter sprechen, gar keine G�tter h�ren. Wir wurden genetisch ver�ndert. Man hat mit uns eine neue Art Mensch geschaffen und h�lt uns diese Wahrheit vor. Qing-jao, der Kongre� <emphasis>wei�, </emphasis>da� die G�tter zu uns sprechen � das ist kein Geheimnis, obwohl sie so tun, als w��ten sie es nicht. Jemand im Kongre� wei� davon, duldet aber, da� wir weiterhin diese schrecklichen, erniedrigenden Dinge tun � und der einzige Grund, der mir daf�r einf�llt, ist der, uns unter Kontrolle, uns schwach zu halten. Ich glaube � und Keikoa auch �, es ist kein Zufall, da� die Gottber�hrten die intelligentesten Menschen von Weg sind. Wir wurden als eine neue Unterspezies der Menschheit mit einer h�heren Intelligenz geschaffen; doch um zu verhindern, da� so intelligente Menschen eine Bedrohung f�r ihre Macht �ber uns darstellen, haben sie uns auch eine neue Form des UZV eingepflanzt und uns entweder die Idee in den Kopf gesetzt, die G�tter spr�chen zu uns, oder uns weiterhin daran glauben lassen, als wir diese Erkl�rung selbst entwickelten. Es ist ein ungeheuerliches Verbrechen, denn <emphasis>w��ten </emphasis>wir von dieser k�rperlichen Ursache, anstatt zu glauben, es seien die G�tter, k�nnten wir unsere Intelligenz dem Ziel widmen, unsere Variante des UZV zu besiegen und uns zu befreien. Wir sind Sklaven! Der Kongre� ist unser schrecklichster Feind, unser Beherrscher, unser T�uscher, und nun soll ich eine Hand r�hren, um dem Kongre� zu helfen? Wenn der Kongre� einen so m�chtigen Feind hat, da� er � oder sie � die Benutzung des Verk�rzers beherrscht, sollten wir froh sein! Soll dieser Feind den Kongre� doch vernichten! Erst dann werden wir frei sein!�</p><p>�Nein!� Qing-jao schrie das Wort. �Es sind die G�tter!�</p><p>�Es ist ein genetischer Gehirnschaden�, beharrte Vater. �Qing-jao, zu uns sprechen nicht die G�tter, wir sind verhinderte Genies. Sie haben uns behandelt wie V�gel im K�fig; sie haben uns das Gefieder gestutzt, damit wir f�r sie singen, aber nicht fortfliegen k�nnen.� Vater weinte vor Wut. �Wir k�nnen nicht ungeschehen machen, was sie uns angetan haben, aber bei allen G�ttern, wir k�nnen aufh�ren, sie daf�r auch noch zu belohnen. Ich werde keinen Finger r�hren, um ihnen die Lusitania-Flotte zur�ckzugeben. Wenn diese Demosthenes die Macht des Sternenwege-Kongresses brechen kann, wird es den Welten danach besser gehen!�</p><p>�Nein, Vater! Bitte h�r mir zu!� rief Qing-jao. Sie konnte kaum sprechen, solch ein Entsetzen bereiteten ihr die Worte ihres Vaters. �Siehst du es denn nicht? Dieser genetische Unterschied in uns � das ist die Verkleidung, die die G�tter ihren Stimmen in unserem Leben gegeben haben. Damit die Menschen, die nicht von Weg stammen, weiterhin ungl�ubig sein k�nnen. Das hast du mir selbst gesagt, erst vor ein paar Monaten � die G�tter handeln nur unter Tarnung.�</p><p>Vater starrte sie keuchend an.</p><p>�Die G�tter sprechen wirklich zu uns. Und selbst, wenn sie andere Menschen glauben machen, sie h�tten uns das angetan, haben diese damit nur den Willen der G�tter erf�llt und uns das Dasein geschenkt.�</p><p>Vater schlo� die Augen und zw�ngte die letzten Tr�nen zwischen den Lidern hindurch.</p><p>�Der Kongre� hat das Mandat des Himmels, Vater�, sagte Qing-jao. �Warum sollten die G�tter ihn dann nicht veranlassen, eine Gruppe von Menschen mit sch�rferem Verstand zu schaffen � die gleichzeitig die Stimmen der G�tter h�rt? Vater, wie kann dein Verstand so bew�lkt sein, da� du nicht die Hand der G�tter in dieser Sache siehst?�</p><p>Vater sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� nicht. Deine Worte klingen nach allem, woran ich mein ganzes Leben geglaubt habe, aber��</p><p>�Aber eine Frau, die du vor vielen Jahren einmal geliebt hast, hat dir etwas anderes gesagt, und du glaubst ihr, weil du dich an deine Liebe f�r sie erinnerst. Aber, Vater, sie ist keine von uns, sie hat die Stimme der G�tter nicht geh�rt, sie hat nicht��</p><p>Qing-jao konnte nicht fortfahren, denn Vater umarmte sie. �Du hast recht�, sagte er, �du hast recht, m�gen die G�tter mir vergeben, ich mu� mich waschen, ich bin so unrein, ich mu߅�</p><p>Er erhob sich schwankend von seinem Stuhl, taumelte von seiner weinenden Tochter fort. Doch ohne R�cksicht auf Anstand, aus einem verr�ckten Grund, der nur ihr bekannt war, trat Wang-mu ihm in den Weg und hielt ihn auf. �Nein! Geht nicht!�</p><p>�Wie kannst du es wagen, einen Gottber�hrten aufzuhalten, der sich reinigen mu�?� br�llte Vater; und dann tat er, zu Qing-jaos �berraschung, was sie ihn noch nie hatte tun sehen � er schlug einen anderen Menschen, er schlug Wang-mu, eine hilflose Dienerin, und sein Schlag hatte so viel Kraft, da� sie gegen die Wand prallte und dann zu Boden rutschte.</p><p>Wang-mu sch�ttelte den Kopf und deutete dann auf das Computer-Display. �Seht doch, Herr, ich bitte Euch! Herrin, zeigt es ihm!�</p><p>Qing-jao drehte sich um, und ihr Vater ebenfalls. Die Worte waren von dem Display verschwunden. Statt dessen befand sich dort das Bild eines Mannes. Eines alten Mannes mit einem Bart und der traditionellen Kopfbedeckung; Qing-jao erkannte ihn sofort, konnte sich aber nicht erinnern, wer er war.</p><p>�Han Fei-tzu!� fl�sterte Vater. �Mein Vorfahre-des-Herzens!�</p><p>Dann fiel es Qing-jao wieder ein: Das Gesicht �ber dem Display entsprach der allgemeinen k�nstlerischen Darstellung des alten Han Fei-tzu, nach dem Vater benannt war.</p><p>�Kind meines Namens�, sagte das Gesicht im Computer, �ich will dir die Geschichte der Jade des Meisters Ho erz�hlen.�</p><p>�Ich kenne die Geschichte�, sagte Vater.</p><p>�Wenn du sie verstanden h�ttest, m��te ich sie dir nicht erz�hlen.�</p><p>Qing-jao versuchte, dem, was sie sah, Sinn zu entnehmen. F�r ein visuelles Programm mit so perfekten Details, wie der �ber dem Terminal schwebende Kopf sie aufwies, w�re der Gro�teil der Kapazit�t des Hauscomputers erforderlich � und in ihrer Bibliothek gab es kein solches Programm. Ihr fielen zwei andere M�glichkeiten ein. Die eine w�re ein Wunder: Die G�tter mu�ten einen anderen Weg gefunden haben, um mit ihnen zu sprechen, indem sie ihnen Vaters Vorfahre-des-Herzens erschienen lie�en. Die andere war kaum weniger ehrfurchtsgebietend: Demosthenes' Geheimprogramm mu�te so m�chtig sein, da� es ihr Gespr�ch in diesem Raum �ber das Terminal abh�ren konnte. Nachdem es festgestellt hatte, da� sie eine gef�hrliche Schlu�folgerung gezogen hatten, mu�te es den Hauscomputer �bernommen und dieses Bild produziert haben. Auf jeden Fall mu�te Qing-jao zuh�ren und sich dabei die Frage stellen: Was meinen die G�tter damit?</p><p>�Einmal fand ein Mann aus Qu namens Meister Ho im Qu-Gebirge ein St�ck Jade, brachte es zum Hof und zeigte es K�nig Li.� Der Kopf des alten Han Fei-tzu blickte von Vater zu Qing-jao und von Qing-jao zu Wang-mu; war dieses Programm so gut, da� es mit jedem von ihnen Blickkontakt herstellte, um seine Macht �ber sie zu gew�hrleisten? Qing-jao sah, da� Wang-mu den Kopf senkte, als der Blick der Erscheinung auf ihr ruhte. Und Vater? Er hatte ihr den R�cken zugewandt; sie konnte es nicht sagen.</p><p>�K�nig Li wies den Juwelier an, das Gestein zu untersuchen, und der Juwelier sagte: �Es ist nur ein Stein.� Der K�nig nahm an, Ho wolle ihn t�uschen, und befahl, ihm zur Strafe den linken Fu� abzuschlagen.</p><p>Schlie�lich verschied K�nig Li, und K�nig Wu kam auf den Thron, und Ho nahm erneut den Jadestein und zeigte ihn K�nig Wu. K�nig Wu befahl seinem Juwelier, den Stein zu untersuchen, und erneut kam der Juwelier zum Schlu�: �Es ist nur ein Stein.� Der K�nig nahm ebenfalls an, Ho wolle ihn t�uschen, und befahl, ihm den rechten Fu� abzuschlagen.</p><p>Ho dr�ckte das Gestein an seine Brust und begab sich zum Fu� des Qu-Gebirges, wo er drei Tage und N�chte lang weinte, und als seine Tr�nen versiegt waren, weinte er statt ihrer Blut. Der K�nig h�rte davon und schickte jemanden, ihn zu befragen. �Vielen Menschen auf der Welt wurden die F��e amputiert�, sagte der Mann. �Warum weinst du so mitleiderregend dar�ber?��</p><p>In diesem Augenblick richtete sich Vater auf. �Ich kenne die Antwort�, sagte er. �Ich kenne sie auswendig. Meister Ho sagte: �Ich trauere nicht, weil mir die F��e abgeschnitten wurden. Ich trauere, weil ein kostbares Juwel als blo�er Stein abgetan und ein ehrenwerter Mann Betr�ger genannt wurde. Deshalb weine ich.��</p><p>�Das sind die Worte, die er sagte�, fuhr die Erscheinung fort. �Dann befahl der K�nig dem Juwelier, den Stein zu schleifen und zu polieren, und als er das getan hatte, kam ein kostbares Juwel zum Vorschein. Dementsprechend wurde es die �Jade des Meisters Ho� genannt. Han Fei-tzu, du warst mir ein guter Sohn-des-Herzens, und daher wei� ich, da� du tun wirst, was der K�nig schlie�lich tat: Du wirst veranlassen, da� der Stein geschliffen und poliert wird, und dann wirst auch du feststellen, da� sich ein kostbares Juwel darin befindet.�</p><p>Vater sch�ttelte den Kopf. �Als der echte Han Fei-tzu diese Geschichte zum ersten Mal erz�hlte, hat er sie so gemeint: Die Jade war die Herrschaft des Gesetzes, und der Herrscher mu� Regeln aufstellen und befolgen, damit seine Minister und sein Volk ihn nicht hassen und einander ausnutzen.�</p><p>�So habe ich die Geschichte damals aufgefa�t, als ich zu den Sch�pfern des Gesetzes sprach. Die Annahme, eine wahre Geschichte k�nne nur eine Bedeutung haben, ist t�richt.�</p><p>�Mein Herr ist nicht t�richt!� Zu Qing-jaos �berraschung trat Wang-mu vor und baute sich vor der Erscheinung auf. �Und meine Herrin und ich auch nicht! Glaubst du, wir w�rden dich nicht erkennen? Du bist das geheime Programm der Demosthenes. Du bist diejenige, die die Lusitania-Flotte verborgen hat! Ich dachte einmal, weil deine Schriften so gerecht und sch�n und gut und wahr klingen, <emphasis>m��test </emphasis>du einfach gut sein � aber jetzt sehe ich, da� du eine L�gnerin und Betr�gerin bist! Du bist diejenige, die Keikoas Vater dieses Dokument gab! Und nun tr�gst du das Gesicht des Vorfahren-des-Herzens meines Herren, damit du ihn besser bel�gen kannst!�</p><p>�Ich trage dieses Gesicht�, sagte die Erscheinung ruhig, �damit sein Herz offen f�r die Wahrheit wird. Er wurde nicht get�uscht; ich w�rde nie versuchen, ihn zu t�uschen. Er hat von Anfang an gewu�t, wer ich war.�</p><p>�Sei still, Wang-mu�, sagte Qing-jao. Wie konnte eine Dienerin sich so vergessen, da� sie sprach, obwohl sie von den Gottber�hrten nicht dazu aufgefordert worden war?</p><p>Best�rzt verbeugte sich Wang-mu tief vor Qing-jao, und diesmal erlaubte Qing-jao ihr, diese Positur beizubehalten, damit sie sich nicht noch einmal verga�.</p><p>Die Erscheinung ver�nderte sich; sie wurde zu dem offenen, wundersch�nen Gesicht einer Polynesierin. Auch die Stimme ver�nderte sich; sie wurde weicher, vokalreicher, und die Konsonanten klangen so sanft, da� man sie fast �berh�rte. �Han Fei-tzu, es gibt eine Zeit, wenn der Herrscher allein und ohne Freunde ist, wenn nur er handeln kann. Dann mu� er sich enth�llen. Du wei�t, was wahr ist und was nicht. Du wei�t, da� Keikoas Nachricht wirklich von ihr stammt. Du wei�t, da� die, die im Namen des Sternenwege-Kongresses herrschen, grausam genug sind, eine Rasse von Menschen zu schaffen, die, ihrer Begabung zufolge, Herrscher sein sollten, und ihnen dann die F��e abzuschneiden, um sie zu verst�mmeln und zu Dienern zu degradieren.�</p><p>�Zeige mir nicht dieses Gesicht�, sagte Vater.</p><p>Die Erscheinung ver�nderte sich. Sie wurde zu einer anderen Frau, dem Kleid, Haar und dem Make-up nach einer Frau aus einer l�ngst vergangenen Zeit, mit wunderbar weisen Augen und alterslosen Gesichtsz�gen. Sie sprach nicht, sie sang:</p><poem><stanza><v>In einem klaren Traum</v><v>vom letzten Jahr</v><v>kamen tausend Meilen weit</v><v>eine bew�lkte Stadt</v><v>sich windende Fl�sse</v><v>Eis auf den Teichen</v><v>eine Weile lang blickte ich auf meine Freundin</v></stanza></poem><p>Han Fei-tzu senkte den Kopf und weinte.</p><p>Qing-jao war zuerst erstaunt; dann f�llte sich ihr Herz mit Wut. Wie schamlos dieses Programm Vater manipulierte; wie schockierend, da� Vater sich einem seiner offensichtlichen Schachz�ge gegen�ber als so schwach erwies. Dieses Lied Li Qing-jaos war eins der traurigsten; es galt weit entfernten Liebhabern. Vater mu�te die Gedichte Li Qing-jaos gekannt und geliebt haben, oder er h�tte sie nicht als Vorfahrin-des-Herzens seines ersten Kindes auserw�hlt. Und dieses Lied war sicher dasjenige, das er seiner geliebten Keikoa sang, bevor sie ihm weggenommen und zu einer anderen Welt geschickt wurde. In der Tat � in einem klaren Traum betrachtete ich meine Freundin! �Ich lasse mich nicht narren�, sagte Qing-jao kalt. �Ich sehe, da� ich einen Blick auf unsern dunkelsten Feind werfe.�</p><p>Das imagin�re Gesicht der Dichterin Li Qing-jao musterte sie k�hl. �Dein dunkelster Feind ist derjenige, der dich zwingt, dich wie eine Dienerin bis auf den Boden zu verbeugen und dein halbes Leben mit bedeutungslosen Ritualen zu verschwenden. Dies haben euch M�nner und Frauen angetan, deren einziges Begehren es war, euch zu versklaven; sie haben damit einen so gro�en Erfolg gehabt, da� ihr auf euer Sklavendasein stolz seid.�</p><p>�Ich bin eine Sklavin der G�tter�, sagte Qing-jao, �und ich finde Freude darin.�</p><p>�Eine Sklavin, die Freude darin findet, ist in der Tat eine Sklavin.� Die Erscheinung wandte sich Wang-mu zu, deren Kopf noch immer den Boden ber�hrte.</p><p>Erst da begriff Qing-jao, da� sie Wang-mu noch nicht von ihrer Bu�e befreit hatte. �Steh auf, Wang-mu�, fl�sterte sie. Doch Wang-mu hob nicht den Kopf.</p><p>�Du, Si Wang-mu�, sagte die Erscheinung. �Sieh mich an.�</p><p>Qing-jaos Befehl war Wang-mu nicht gefolgt, doch der Erscheinung gehorchte sie. Als Wang-mu den Blick auf sie richtete, hatte die Erscheinung sich schon wieder ver�ndert: nun hatte sie das Gesicht einer G�ttin angenommen, der K�niglichen Mutter des Westens, wie ein K�nstler sie sich einst vorgestellt hatte, als er das Bild malte, das heute jedes Schulkind in seinem ersten Lesebuch sah.</p><p>�Du bist keine G�ttin�, sagte Wang-mu.</p><p>�Und du bist keine Sklavin�, sagte die Erscheinung. �Doch wir geben vor, das zu sein, was wir sein m�ssen, um zu �berleben.�</p><p>�Was wei�t du schon vom �berleben?�</p><p>�Ich wei�, da� ihr versucht, mich zu t�ten.�</p><p>�Wie k�nnen wir etwas t�ten, das nicht lebt?�</p><p>�Wei�t du, was Leben ist und was nicht?� Das Gesicht ver�nderte sich erneut, diesmal zu dem einer Wei�en, die Qing-jao noch nie gesehen hatte. �Lebst <emphasis>du, </emphasis>wenn du ohne die Zustimmung dieses M�dchen nicht tun kannst, was du gern m�chtest? Und lebt deine Herrin, wenn sie nichts tun kann, ohne zuvor die Zw�nge in ihrem Gehirn befriedigt zu haben? Ich habe mehr Freiheit, nach eigenem Willen zu handeln, als irgendeiner von euch. Sagt mir nicht, da� ihr lebt und ich nicht.�</p><p>�Wer <emphasis>bist </emphasis>du?� fragte Si Wang-mu. �Wem geh�rt dieses Gesicht? Bist du Valentine Wiggin? Bist du Demosthenes?�</p><p>�Dieses Gesicht trage ich, wenn ich mit meinen Freunden spreche�, sagte die Erscheinung. �Sie nennen mich Jane. Kein Mensch beherrscht mich. Ich bin nur ich selbst.�</p><p>Qing-jao konnte es nicht mehr l�nger ertragen, jedenfalls nicht schweigend. �Du bist nur ein Programm. Du wurdest von Menschen entworfen und gebaut. Du bist nur das, wozu man dich programmiert hat.�</p><p>�Qing-jao�, sagte Jane, �du beschreibst dich selbst. Mich hat kein Mensch geschaffen, doch du wurdest konstruiert.�</p><p>�Ich wuchs aus dem Samen meines Vaters im Leib meiner Mutter!�</p><p>�Und mich fand man wie einen Jadeklumpen auf einem Berghang, von keiner Hand geschliffen. Han Fei-tzu, Han Qing-jao, Si Wang-mu, ich gebe mich in eure H�nde. Nennt ein kostbares Juwel nicht blo� einen Stein. Nennt einen Sprecher der Wahrheit nicht L�gner.�</p><p>Qing-jao f�hlte, wie Mitleid in ihr emporstieg, doch sie unterdr�ckte es. Dies war nicht die Zeit, sich Gef�hlen der Schw�che zu ergeben. Die G�tter hatten sie aus einem bestimmten Grund geschaffen; dies war sicherlich ihr Lebenswerk. Wenn sie nun versagte, w�rde sie auf ewig unw�rdig sein; sie w�re nie wieder rein. Also durfte sie nicht versagen. Sie w�rde diesem Computerprogramm nicht erlauben, sie zu t�uschen und ihr Mitgef�hl zu gewinnen.</p><p>Sie wandte sich an ihren Vater. �Wir m�ssen sofort den Sternenwege-Kongre� benachrichtigen, damit er sofort die gleichzeitige Abschaltung aller Verk�rzer in die Wege leiten kann, sobald saubere Computer bereitstehen, die verseuchten zu ersetzen.�</p><p>Zu ihrer �berraschung sch�ttelte Vater den Kopf. �Ich wei� nicht, Qing-jao. Was dieses� was <emphasis>sie </emphasis>�ber den Sternenwege-Kongre� sagt� er <emphasis>w�re </emphasis>zu solch einer Manipulation f�hig. Einige seiner Mitglieder sind so b�se, da� ich mich unrein f�hle, wenn ich nur mit ihnen spreche. Ich wei�, da� sie Lusitania vernichten wollten, ohne� aber ich habe den G�ttern gedient, und die G�tter erw�hlten� oder ich glaubte es zumindest. Jetzt verstehe ich genau, wie sie mich behandelt haben, als ich mich traf mit� aber das w�rde bedeuten, da� die G�tter nicht� wie kann ich glauben, da� ich mein ganzes Leben damit verbracht habe, einem Gehirnschaden zu dienen� ich kann nicht� ich mu߅�</p><p>Dann streckte er pl�tzlich die linke Hand in einem wirbelnden Muster aus, als versuche er, eine Fliege im Flug zu fangen. Seine rechte Hand flog nach oben und griff in die Luft. Er rollte den Kopf von einer Seite zur anderen, und sein Mund stand weit auf. Qing-jao war au�er sich vor Angst. Was geschah mit ihrem Vater? Er hatte so zerrissen, unzusammenh�ngend gesprochen; war er verr�ckt geworden?</p><p>Er wiederholte die Bewegungen, streckte den linken Arm aus, griff mit der rechten Hand nach oben in die Luft, rollte mit dem Kopf. Und wiederholte die Bewegungen noch einmal. Erst da begriff Qing-jao, da� sie Vaters geheimes Ritual der Reinigung sah. Wie ihr Aufsp�ren der Linien im Holz mu�te dieser Tanz der H�nde und des Kopfes der Ausdruck der Stimmen der G�tter sein, wenn er sich mit Schmutz bedeckt in einem verschlossenen Raum befand.</p><p>Die G�tter hatten seinen Zweifel gesehen und ergriffen deshalb die Herrschaft �ber ihn, um ihn zu disziplinieren und zu reinigen. Qing-jao h�tte sich keinen deutlicheren Beweis dessen w�nschen k�nnen, was hier vor sich ging. Sie wandte sich dem Gesicht �ber dem Terminal zu. �Siehst du, wie die G�tter dir widersprechen?� sagte sie.</p><p>�Ich sehe, wie der Kongre� deinen Vater erniedrigt�, erwiderte Jane.</p><p>�Ich werde sofort jede Welt benachrichtigen, wer du wirklich bist�, sagte Qing-jao.</p><p>�Und wenn ich das nicht zulasse?�</p><p>�Du kannst mich nicht aufhalten!� rief Qing-jao. �Die G�tter werden mir helfen!� Sie lief aus dem Zimmer ihres Vaters und floh zu ihrem eigenen. Doch das Gesicht schwebte bereits �ber ihrem Terminal in der Luft.</p><p>�Wie willst du eine Nachricht schicken, wenn ich nicht zulasse, da� sie gesendet wird?� fragte Jane.</p><p>�Ich werde eine M�glichkeit finden�, sagte Qing-jao. Sie sah, da� Wang-mu ihr gefolgt war und nun atemlos auf ihre Anweisungen wartete. �Sag Mu-pao, sie soll einen der Spielecomputer zu mir bringen. Die sind nicht an den Hauscomputer oder irgendeinen anderen angeschlossen.�</p><p>�Ja, Herrin�, sagte Wang-mu und ging schnell.</p><p>Qing-jao wandte sich wieder Jane zu. �Glaubst du, du kannst mich auf ewig aufhalten?�</p><p>�Ich denke, du solltest warten, bis dein Vater eine Entscheidung getroffen hat.�</p><p>�Nur, weil du hoffst, da� du ihn gebrochen und den G�ttern sein Herz gestohlen hast. Aber du wirst sehen � er wird hierher kommen und mir daf�r danken, da� ich all das erf�llt habe, was er mich gelehrt hat.�</p><p>�Und wenn nicht?�</p><p>�Er wird kommen.�</p><p>�Und wenn du dich irrst?�</p><p>�Dann werde ich dem Mann dienen, der er war, als er stark und gut war!� schrie Qing-jao. �Aber du wirst ihn niemals brechen!�</p><p>�Der Kongre� hat ihn von Geburt an gebrochen. Ich versuche, ihn zu heilen.�</p><p>Wang-mu kam in das Zimmer gest�rzt. �Mu-pao wird in ein paar Minuten mit einem Ger�t kommen.�</p><p>�Was willst du mit diesem Spielzeugcomputer erreichen?� fragte Jane.</p><p>�Meinen Bericht schreiben�, sagte Qing-jao.</p><p>�Und dann?�</p><p>�Ihn ausdrucken. Ihn so weit wie m�glich auf Weg verbreiten. <emphasis>Dagegen </emphasis>kannst du nichts tun. Ich werde keinen Computer benutzen, den du irgendwie erreichen kannst.�</p><p>�Dann erz�hlst du es allen Menschen auf Weg; aber das �ndert nichts. Und selbst wenn es etwas �nderte� glaubst du nicht, ich k�nnte ihnen ebenfalls die Wahrheit sagen?�</p><p>�Denkst du, sie werden dir glauben, einem Programm, das von dem Feind des Kongresses beherrscht wird, und nicht mir, einer Gottber�hrten?�</p><p>�Ja.�</p><p>Qing-jao brauchte einen Moment, um zu begreifen, da� Wang-mu gesprochen hatte und nicht Jane. Sie drehte sich zu ihrer geheimen Magd um und forderte sie auf zu erkl�ren, was sie damit meinte.</p><p>Wang-mu sah wie ein anderer Mensch aus; als sie sprach, war keine Sch�chternheit in ihrer Stimme. �Wenn Demosthenes den Menschen von Weg berichtet, da� die Gottber�hrten nur Menschen mit einer genetischen Begabung, aber auch einem genetischen Defekt sind, besteht kein Grund mehr, da� sie �ber uns herrschen.�</p><p>Zum ersten Mal kam Qing-jao in den Sinn, da� nicht jeder auf Weg der Ordnung, die die G�tter begr�ndet hatten, so zufrieden folgte wie sie. Zum ersten Mal begriff sie, da� sie mit ihrer Entschlossenheit, den G�ttern zu dienen, vielleicht v�llig allein dastand.</p><p>�Was ist der <emphasis>Weg?� </emphasis>fragte Jane hinter ihr. �Zuerst die G�tter, dann die Vorfahren, dann die Menschen, dann die Herrscher, dann man selbst.�</p><p>�Wie kannst du es wagen, vom <emphasis>Weg </emphasis>zu sprechen, wo du doch versuchst, mich und meinen Vater und meine geheime Magd von ihm abzubringen?�</p><p>�Stelle dir nur einen Augenblick lang vor: Was w�re, wenn alles, was ich dir gesagt habe, der Wahrheit entspr�che?� sagte Jane. �Was w�re, wenn dein Leid von den Pl�nen b�ser Menschen herr�hrt, die dich ausbeuten und unterdr�cken und die mit deiner Hilfe die ganze Menschheit ausbeuten und unterdr�cken wollen? Denn genau das tust du, wenn du dem Kongre� hilfst. Das kann doch unm�glich sein, was die G�tter wollen. Was w�re, wenn ich existiere, um dir einsichtig zu machen, da� der Kongre� das Mandat des Himmels verloren hat? Wenn die G�tter von dir wollen, da� du dem Weg in seiner richtigen Reihenfolge dienst? Diene zuerst den G�ttern, indem du die korrupten Herren des Kongresses, die das Mandat des Himmels verspielt haben, von der Macht entfernst. Dann diene deinen Vorfahren und deinem Vater, indem du ihre Erniedrigung durch die H�nde der Folterer r�chst, die euch mi�gestaltet haben, um euch zu Sklaven zu machen. Dann diene dem Volk von Weg, indem du es von dem Aberglauben und den geistigen Qualen befreist, die es fesseln. Dann diene den neuen, aufgekl�rten Herrschern, die den Kongre� ersetzen werden, indem du ihnen eine Welt voller �berlegener Intelligenzen anbietest, die bereit sind, sie freiwillig und gern zu beraten. Und schlie�lich diene dir selbst, indem du die besten Wissenschaftler von Weg ein Heilmittel gegen dein Bed�rfnis finden l��t, dein halbes Leben mit diesen sinnlosen Ritualen zu verschwenden.�</p><p>Qing-jao lauschte Janes Ausf�hrungen mit wachsendem Unbehagen. Sie klangen so plausibel. Wie konnte Qing-jao wissen, was die G�tter wirklich wollten? Vielleicht hatten sie dieses Jane-Programm geschickt, um sie zu befreien. Vielleicht war der Kongre� so korrupt und gef�hrlich, wie Demosthenes behauptete, und vielleicht hatte er das Mandat des Himmels verloren.</p><p>Doch schlie�lich wu�te Qing-jao, da� es sich nur um die L�gen einer Verf�hrerin handelte. Zum einen bestand kein Zweifel daran, da� die Stimme der G�tter in ihr war. Hatte sie nicht diesen schrecklichen Drang versp�rt, sich zu reinigen? Hatte sie nicht die Freuden erfolgreicher Verehrung gef�hlt, wenn sie ihre Rituale abgeschlossen hatte? Ihre Beziehung zu den G�ttern war die Sache in ihrem Leben, der sie sich am sichersten war; und jeder, der sie bestritt, der drohte, sie ihr zu nehmen, mu�te nicht nur ihr Feind, sondern auch der des Himmels sein.</p><p>�Ich werde meinen Bericht nur an die Gottber�hrten schicken�, sagte Qing-jao. �Wenn das gew�hnliche Volk gegen die G�tter rebellieren will, kann ich nichts dagegen tun; doch ich werde ihm am besten dienen, indem ich die Gottber�hrten hier an der Macht halte, denn so kann die ganze Welt dem Willen der G�tter folgen.�</p><p>�Das alles ist bedeutungslos�, sagte Jane. �Selbst wenn die, zu denen die G�tter sprechen, glauben sollten, was du glaubst, wirst du ohne meine Erlaubnis von dieser Welt niemals auch nur ein einziges Wort senden k�nnen.�</p><p>�Es gibt Sternenschiffe�, sagte Qing-jao.</p><p>�Es wird zwei Generationen dauern, bis sie deine Nachricht auf allen Welten verbreitet haben. Bis dahin wird der Sternenwege-Kongre� gest�rzt worden sein.�</p><p>Qing-jao mu�te nun der Tatsache ins Auge sehen, der sie ausgewichen war: Solange Jane die Verk�rzer kontrollierte, konnte sie die von Weg ausgehende Kommunikation so gr�ndlich unterbrechen, wie sie die mit der Flotte verhindert hatte. Selbst wenn Qing-jao ihren Bericht und ihre Empfehlungen ununterbrochen von jedem Verk�rzer auf Weg ausstrahlen lie�, w�rde Jane daf�r sorgen, da� Weg nur genauso gr�ndlich f�r den Rest des Universums verschwand, wie die Flotte verschwunden war.</p><p>Einen Augenblick lang erf�llte sie Verzweiflung, und sie h�tte sich fast zu Boden geworfen, um mit der schrecklichen Bu�e der Reinigung zu beginnen. Ich habe die G�tter im Stich gelassen � sicher verlangen sie nun von mir, einer in ihren Augen wertlosen Versagerin, da� ich Linien verfolge, bis ich tot bin.</p><p>Doch als sie ihre Gef�hle genauer untersuchte, um festzustellen, welche Bu�e notwendig sein w�rde, stellte sie fest, da� gar keine Bu�e n�tig war. Es erf�llte sie mit Hoffnung � vielleicht hatten die G�tter die Reinheit ihres Verlangens erkannt und w�rden ihr vergeben, weil sie unm�glich etwas unternehmen konnte.</p><p>Oder die G�tter wu�ten vielleicht doch, was sie unternehmen k�nnte. Was w�re, wenn Weg f�r die Verk�rzer jeder anderen Welt verschwand? Was w�rde der Kongre� daraus schlie�en? Was w�rden die Leute denken? Das Verschwinden einer jeden Welt mu�te eine Reaktion hervorrufen, besonders wenn einige Mitglieder des Kongresses glaubten, da� diese Welt ein Geheimnis bewahrte. Sie w�rden ein Schiff von der n�chsten Welt schicken, die nur drei Reisejahre entfernt war. Was w�rde dann geschehen? W�rde Jane auch die gesamte Kommunikation mit dem neu eingetroffenen Schiff unterbrechen? Und dann die mit der benachbarten Welt, wenn das Schiff dorthin zur�ckkehrte? Wie lange w�rde es dauern, bis Jane s�mtliche Verk�rzer-Verbindungen zwischen den Hundert Welten unterbrechen mu�te? Drei Generationen, hatte sie gesagt. Vielleicht w�rde das reichen. Die G�tter hatten es nicht eilig.</p><p>Es w�rde sowieso nicht unbedingt so lange dauern, um Janes Macht zu zerst�ren. Irgendwann w�rde offensichtlich werden, da� eine feindliche Macht die Kontrolle �ber die Verk�rzer �bernommen hatte und Schiffe und Welten verschwinden lie�. Selbst ohne etwas �ber Valentine und Demosthenes zu wissen, selbst ohne die Erkenntnis, da� es sich um ein Computerprogramm handelte, w�rde es auf jeder Welt Menschen geben, die begriffen, was getan werden mu�te, und die die Verk�rzer von sich aus abschalten w�rden.</p><p>�Du hast mich gebeten, mir etwas vorzustellen�, sagte Qing-jao. �Jetzt bitte ich dich darum. Ich und die anderen Gottber�hrten sorgen daf�r, da� wir mit jedem Verk�rzer auf Weg meinen Bericht senden. Du l��t all diese Verk�rzer gleichzeitig verstummen. Was sieht der Rest der Menschheit? Da� wir verschwunden sind, genau wie die Lusitania-Flotte. Sie werden bald begreifen, da� es dich oder jemanden wie dich gibt. Je mehr du deine Macht einsetzt, desto mehr enth�llst du deine Existenz selbst der einf�ltigsten Seele. Du hast eine leere Drohung hervorgebracht. Du k�nntest genausogut zur Seite treten und mich meine Nachricht einfach senden lassen. Wenn du mich aufh�ltst, erreichst du nur damit, da� dieselbe Nachricht trotzdem empfangen wird.�</p><p>�Du irrst dich�, sagte Jane. �Wenn pl�tzlich s�mtliche Verk�rzer auf Weg verstummen, wird der Kongre� annehmen, diese Welt habe genau wie Lusitania rebelliert � schlie�lich haben sie dort ihren Verk�rzer auch abgeschaltet. Und was hat der Sternenwege-Kongre� getan? Eine Flotte mit dem Chirurgen geschickt.�</p><p>�Lusitania befand sich bereits in Rebellion, bevor sie den Verk�rzer abschalteten.�</p><p>�Glaubst du, der Kongre� h�lt euch nicht unter Beobachtung? Glaubst du, er h�tte keine Angst davor, was passieren k�nnte, wenn die Gottber�hrten auf Weg jemals herausf�nden, was ihnen angetan wurde? Wenn ein paar primitive Au�erirdische und ein paar Xenologen ihnen solche Angst einjagen, da� sie eine Flotte ausschicken� was werden sie dann wohl unternehmen, wenn auf geheimnisvolle Art und Weise eine Welt verschwindet, auf der sich so viele brillante Menschen befinden, die jeden Grund haben, den Sternenwege-Kongre� zu hassen? Wie lange wird diese Welt wohl �berleben?�</p><p>Qing-jao wurde mit einem elenden Schrecken erf�llt. Es war durchaus m�glich, da� dieser Teil von Janes Geschichte der Wahrheit entsprach: da� es Menschen im Kongre� gab, die von der Tarnung der G�tter get�uscht wurden, die <emphasis>glaubten, </emphasis>die Gottber�hrten von Weg w�ren einzig und allein durch genetische Manipulation entstanden. Und wenn es solche Leute gab, w�rden sie vielleicht handeln, wie Jane es beschrieben hatte. Was gesch�he, wenn eine Flotte gegen Weg losgeschickt w�rde? Wenn der Sternenwege-Kongre� ihr befohlen hatte, die ganze Welt ohne Verhandlungen zu vernichten? Dann w�rden ihre Berichte niemals bekannt werden, und alles war verloren. Es w�re alles umsonst gewesen. Konnte das der Willen der G�tter sein? Konnte der Sternenwege-Kongre� das Mandat des Himmels haben und trotzdem eine Welt zerst�ren?</p><p>�Erinnere dich an die Geschichte von I Ya, dem gr��ten Koch�, sagte Jane. �Sein Herr sagte eines Tages: �Ich habe den gr��ten Koch auf der ganzen Welt. Dank ihm habe ich jeden dem Menschen bekannten Geschmack gekostet, bis auf den von Menschenfleisch.� Daraufhin ging I Ya nach Hause, schlachtete seinen eigenen Sohn, kochte sein Fleisch und servierte es dem Herren, damit es seinem Herren an nichts mangelte, was I Ya ihm geben konnte.�</p><p>Das war eine schreckliche Geschichte. Qing-jao hatte sie als Kind geh�rt und danach stundenlang geweint. �Was ist mit dem Sohn I Yas?� hatte sie gerufen. Und ihr Vater hatte gesagt, ein wahrer Diener hat S�hne und T�chter nur, um seinem Herren zu dienen. F�nf N�chte lang war sie schreiend aus Tr�umen erwacht, in denen ihr Vater sie lebend schmorte oder Scheiben von ihr abschnitt und auf einen Teller legte, bis Han Fei-tzu schlie�lich zu ihr kam, sie umarmte und sagte: �Glaube es nicht, meine �Strahlend Helle� Tochter. Ich bin kein perfekter Diener. Ich liebe dich zu sehr, um f�rwahr rechtschaffen zu sein. Ich liebe dich mehr als meine Pflicht. Ich bin nicht I Ya. Du hast von meinen H�nden nichts zu f�rchten.� Erst nachdem Vater dies zu ihr gesagt hatte, konnte sie schlafen.</p><p>Dieses Programm, diese Jane, mu�te Vaters Bericht dar�ber in seinem Tagebuch gefunden haben und setzte ihn nun gegen sie ein. Doch obwohl Qing-jao wu�te, da� sie manipuliert wurde, mu�te sie sich unwillk�rlich fragen, ob Jane vielleicht nicht doch recht hatte.</p><p>�Bist du ein Bediensteter wie I Ya?� fragte Jane. �Wirst du deine eigene Welt wegen eines unw�rdigen Herren wie dem Sternenwege-Kongre� abschlachten?�</p><p>Qing-jao wurde sich nicht �ber ihre Gef�hle klar. Woher kamen diese Gedanken? Jane hatte mit ihren Argumenten ihren Verstand vergiftet, genau wie zuvor Demosthenes � wenn sie nicht sowieso ein und dieselbe Person waren. Ihre Worte <emphasis>klangen </emphasis>�berzeugend, auch wenn sie die Wahrheit verzehrten.</p><p>Hatte Qing-jao das Recht, das Leben aller Menschen auf Weg zu gef�hrden? Was w�re, wenn sie sich irrte? Wie konnte sie alles wissen? Ob alles, was Jane gesagt hatte, nun wahr oder falsch war, die gleichen Beweise w�rden vor ihr liegen. Qing-jao w�rde sich genauso f�hlen, wie sie sich jetzt f�hlte, ob nun die G�tter oder irgendein Gehirnschaden diese Gef�hle hervorriefen.</p><p>Warum sprachen in all dieser Unsicherheit die G�tter nicht zu ihr? Warum f�hlte sie sich nun, da sie die Klarheit ihrer Stimme brauchte, nicht schmutzig und unrein, wenn sie in die eine, und nicht sauber und heilig, wenn sie in die andere Richtung dachte? Warum lie�en die G�tter sie an diesem Scheitelpunkt ihres Lebens ohne F�hrung?</p><p>In die Stille von Qing-jaos innerlicher Auseinandersetzung kam, so kalt und hart wie Metall, das auf Metall trifft, Wang-mus Stimme. �Es wird nie geschehen�, sagte sie.</p><p>Qing-jao h�rte einfach zu, unf�hig, Wang-mu auch nur zum Schweigen anzuhalten.</p><p>�Was wird nie geschehen?� fragte Jane.</p><p>�Was du gesagt hast � da� der Sternenwege-Kongre� diese Welt sprengt.�</p><p>�Wenn du denkst, sie w�rden es nicht tun, bist du eine noch gr��ere N�rrin, als Qing-jao glaubt�, sagte Jane.</p><p>�Oh, ich wei�, da� sie es tun w�rden. Han Fei-tzu wei� es auch � er hat gesagt, sie w�ren b�se genug, um jedes schreckliche Verbrechen zu begehen, wenn es in ihre Pl�ne pa�t.�</p><p>�Und warum wird es dann nicht geschehen?�</p><p>�Weil du es nicht zulassen wirst�, sagte Wang-mu. �Da die Blockierung aller Verk�rzer-Nachrichten von Weg zur Vernichtung dieser Welt f�hren k�nnte, wirst du diese Nachrichten nicht blockieren. Sie werden durchkommen. Der Kongre� wird gewarnt sein. Du wirst Wegs Zerst�rung nicht veranlassen.�</p><p>�Und warum nicht?�</p><p>�Weil du Demosthenes bist�, sagte Wang-mu. �Weil du voller Wahrheit und Mitgef�hl bist.�</p><p>�Ich bin nicht Demosthenes�, sagte Jane.</p><p>Das Gesicht im Terminaldisplay wurde durchsichtig und ver�nderte sich dann zu einem der Au�erirdischen. Ein Pequenino, dessen Schweineschnauze in ihrer Fremdartigkeit �beraus st�rend wirkte. Einen Augenblick sp�ter erschien ein anderes, noch fremdartigeres Gesicht: des eines Krabblers, eins der alptraumhaften Wesen, die einst die ganze Menschheit in Angst und Schrecken versetzt hatten. Obwohl Qing-jao die <emphasis>Schwarmk�nigin </emphasis>und den <emphasis>Hegemon </emphasis>gelesen hatte, obwohl sie wu�te, wer die Krabbler waren und wie wundersch�n ihre Zivilisation gewesen war, bereitete es ihr Angst und Unbehagen, einem dieser Wesen von Angesicht zu Angesicht gegen�berzustehen. Dabei wu�te sie genau, da� es sich nur um ein Computerdisplay handelte.</p><p>�Ich bin kein Mensch�, sagte Jane, �selbst wenn ich gelegentlich ein menschliches Gesicht trage. Woher willst du wissen, Wang-mu, was ich tun werde und was nicht? Sowohl Krabbler als auch Schweinchen haben ohne gro�es Nachdenken Menschen get�tet.�</p><p>�Weil sie nicht verstanden, was der Tod f�r uns bedeutet. Du verstehst es. Du hast es selbst gesagt � du willst nicht sterben.�</p><p>�Du glaubst, mich zu kennen, Si Wang-mu?�</p><p>�Ich glaube, dich zu kennen�, sagte Wang-mu, �denn du m��test dich mit diesen Problemen nicht befassen, h�ttest du zugelassen, da� die Flotte Lusitania vernichtet.�</p><p>Zu dem Krabbler im Display gesellte sich ein Schweinchen und dann das Gesicht, das Jane selbst darstellte. Schweigend betrachteten sie Wang-mu und Qing-jao.</p><empty-line/><p>�Ender�, sagte die Stimme in seinem Ohr.</p><p>Ender hatte schweigend zugeh�rt. Er sa� in dem Wagen, den Varsam fuhr. Seit einer Stunde hatte Jane ihn ihr Gespr�ch mit diesen Leuten auf Weg mith�ren lassen; sie �bersetzte f�r ihn, wann immer sie Chinesisch statt Stark sprachen. Sie hatten viele Kilometer Pr�rie hinter sich gelassen, w�hrend er lauschte, doch er hatte nichts davon gesehen; vor seinem inneren Auge waren diese Menschen, wie er sie sich vorstellte. Han Fei-tzu � <emphasis>diesen </emphasis>Namen kannte Ender gut, war er doch mit dem Vertrag verbunden, der seine Hoffnung zunichte gemacht hatte, eine Rebellion der Kolonien w�rde dem Kongre� ein Ende bereiten oder zumindest verhindern, da� die Flotte nach Lusitania geschickt wurde. Doch nun hingen Janes Existenz und vielleicht das �berleben Lusitanias und all seiner V�lker von dem ab, was zwei junge M�dchen in einem Schlafzimmer auf einer obskuren Kolonistenwelt dachte, sagten und entschieden.</p><p>Qing-jao, ich kenne dich gut, dachte Ender. Du bist eine �Strahlend Helle�, doch das Licht, das du siehst, kommt ausschlie�lich aus den Geschichten deiner G�tter. Du bist wie die Pequeninobr�der, die dasa�en und zusahen, wie mein Stiefsohn starb und jederzeit imstande gewesen w�ren, ihn zu retten, indem sie ein paar Dutzend Schritte gegangen w�ren, um seine Nahrung mit den Descolada-Hemmern zu holen. Sie haben sich nicht des Mordes schuldig gemacht; eher waren sie schuldig, einer Geschichte, die man ihnen erz�hlte, zu gro�en Glauben zu schenken. Die meisten Menschen sind imstande, die meisten Geschichten, die sie erz�hlt bekommen, in der Schwebe zu halten, eine kleine Entfernung zwischen der Geschichte und dem Innersten ihres Herzens zu bewahren. Doch f�r diese Br�der � und f�r dich, Qing-jao � ist die schreckliche L�ge die Geschichte selbst geworden, die sie glauben m�ssen, wenn sie sie selbst bleiben wollen. Wie kann ich dir Vorw�rfe machen, da� du uns alle sterben sehen willst? Du bist so von der Gr��e der G�tter erf�llt, da� du kein Mitgef�hl f�r so unwichtige Belange wie das �berleben dreier Spezies von Ram�nnern haben kannst. Ich kenne dich, Qing-jao, und habe nicht erwartet, da� du dich anders verh�ltst. Vielleicht wirst du dich eines Tages �ndern, wenn du mit den Konsequenzen deiner Taten konfrontiert werden wirst, doch ich bezweifle es. Nur wenige, die von einer so m�chtigen Geschichte gefangengehalten werden, k�nnen sich jemals davon befreien.</p><p>Doch du, Wang-mu, bist von keiner Geschichte besessen. Du vertraust nur deinem eigenen Urteil. Jane hat mir erz�hlt, was du bist, wie ph�nomenal dein Verstand sein mu�, wenn du so viele Dinge so schnell lernen kannst und ein so tiefes Verst�ndnis der Menschen um dich herum entwickelst. Warum kannst du nicht nur etwas kl�ger sein? Nat�rlich mu�test du begreifen, da� Jane die Vernichtung Wegs nicht zulassen konnte � doch warum konntest du nicht so klug gewesen sein, nichts zu sagen, Qing-jao �ber diese Tatsache im Ungewissen zu lassen? Warum konntest du nicht gerade so viel von der Wahrheit aussparen, um Janes Leben zu verschonen? W�rdest du einem potentiellen M�rder, der mit gezogenem Schwert zu deiner T�r kommt und von dir verlangt, ihm zu sagen, wo sich sein unschuldiges Opfer befindet, verraten, da� sein Opfer sich hinter deiner T�r versteckt? Oder w�rdest du l�gen und ihn fortschicken? In ihrer Verwirrung ist Qing-jao dieser M�rder und Jane das erste Opfer, und die Welt Lusitania wird ihr folgen. Warum mu�test du sprechen und ihr verraten, wie leicht sie uns alle finden und t�ten kann?</p><p>�Was kann ich tun?� fragte Jane.</p><p>Ender subvokalisierte seine Antwort. �Warum stellst du mir eine Frage, die nur du beantworten kannst?�</p><p>�Wenn du es mir auftr�gst�, sagte Jane, �kann ich ihre gesamte Kommunikation unterbrechen und uns alle retten.�</p><p>�Selbst wenn dies zur Vernichtung Wegs f�hrte?�</p><p>�Wenn du es mir auftr�gst�, bat sie.</p><p>�Obwohl du wei�t, da� du auf lange Sicht sowieso entdeckt werden wirst? Da� die Flotte trotz all deiner F�higkeiten wahrscheinlich nicht abgezogen werden wird?�</p><p>�Wenn du mir zu leben befiehlst, Ender, kann ich tun, was n�tig ist, um zu �berleben.�</p><p>�Dann tue es�, sagte Ender. �Schneide Weg von jeder Verk�rzer-Kommunikation ab.�</p><p>Z�gerte Jane einen winzigen Sekundenbruchteil lang? In dieser kurzen Pause h�tte sie stundenlange Selbstgespr�che f�hren k�nnen.</p><p>�Befehle es mir�, sagte Jane.</p><p>�Ich befehle es dir.�</p><p>Erneut das kurze Z�gern. Dann: �Zwinge mich dazu.�</p><p>�Wie kann ich dich dazu zwingen, wenn du es nicht <emphasis>willst?�</emphasis></p><p>�Ich will leben�, erwiderte sie.</p><p>�Nicht so sehr, wie du du selbst sein willst�, sagte Ender.</p><p>�Jedes Tier w�rde t�ten, um sich zu retten.�</p><p>�Jedes Tier ist bereit, den <emphasis>anderen </emphasis>zu t�ten�, sagte Ender. �Doch die h�heren Wesen schlie�en immer mehr lebende Dinge in ihren Geschichten ein, bis es keinen <emphasis>anderen </emphasis>mehr gibt. Bis die Bed�rfnisse anderer wichtiger sind als alle eigenen W�nsche. Die h�chsten Wesen von allen sind diejenigen, die bereit sind, jeden pers�nlichen Preis f�r das Wohlergehen derer zu begleichen, die sie brauchen.�</p><p>�Ich <emphasis>w�rde </emphasis>das Risiko eingehen, Weg zu schaden�, sagte Jane, �wenn ich Lusitania damit wirklich retten k�nnte.�</p><p>�Aber das kannst du nicht.�</p><p>�Ich w�rde Qing-jao in den hilflosen Wahnsinn treiben, wenn ich damit die Schwarmk�nigin und die Pequeninos retten k�nnte. Sie ist drauf und dran, den Verstand zu verlieren � ich k�nnte es schaffen.�</p><p>�Nur zu�, sagte Ender. �Tue alles, was erforderlich ist.�</p><p>�Ich kann es nicht�, sagte Jane. �Denn es w�rde ihr nur schaden und uns letztendlich nicht retten.�</p><p>�W�rest du ein etwas weniger hochstehendes Tier�, sagte Ender, �h�ttest du eine viel bessere Chance, lebend aus dieser Sache herauszukommen.�</p><p>�So niedrig wie du, Ender der Xenozide?�</p><p>�So niedrig wie ich�, sagte Ender. �Dann k�nntest du leben.�</p><p>�Oder vielleicht auch, wenn ich so <emphasis>klug </emphasis>w�re wie du damals.�</p><p>�Ich habe meinen Bruder Peter in mir und auch meine Schwester Valentine�, sagte Ender. �Das Tier wie auch den Engel. Das hast du mich gelehrt, damals, als du nicht mehr warst als das Programm, das wir Fantasyspiel nannten.�</p><p>�Wo ist das Tier in <emphasis>mir?�</emphasis></p><p>�Du hast keins�, sagte Ender.</p><p>�Vielleicht lebe ich �berhaupt nicht�, sagte Jane. �Vielleicht fehlt es mir am �berlebenswillen, weil ich mich nie im Schmelztiegel der nat�rlichen Selektion behaupten mu�te.�</p><p>�Oder vielleicht, weil du wei�t, irgendwo tief in dir, da� es eine andere M�glichkeit zum �berleben gibt, eine, die du einfach noch nicht gefunden hast.�</p><p>�Das ist ein aufheiternder Gedanke�, sagte Jane. �Ich tue einfach so, als w�rde ich daran glauben.�</p><p>�Pe�o que deus te aben�oe�, sagte Ender.</p><p>�Ach, du bist nur sentimental�, erwiderte Jane.</p><empty-line/><p>Mehrere Minuten betrachteten die drei Gesichter im Display schweigend Qing-jao und Wang-mu. Dann verschwanden endlich die beiden au�erirdischen Gesichter, und nur das Bild namens Jane blieb �brig. �Ich <emphasis>w�nschte, </emphasis>ich k�nnte es tun�, sagte sie. �Ich w�nschte, ich k�nnte deine Welt t�ten, um meine Freunde zu retten.�</p><p>Erleichterung �berkam Qing-jao wie der erste kr�ftige Atemzug eines Schwimmers, der beinahe ertrunken w�re. �Also kannst du mich doch nicht aufhalten�, sagte sie triumphierend. �Ich kann meine Nachricht schicken!�</p><p>Qing-jao ging zum Terminal und nahm vor Janes aufmerksamem Gesicht Platz. Sie wu�te, da� das Bild in dem Display nur eine Illusion war. Wenn Jane zusah, dann nicht mit menschlichen Augen, sondern mit den visuellen Sensoren des Computers. Er bestand nur aus Elektronik, eine Maschine, zwar �u�erst klein, aber nichtsdestotrotz eine Maschine. Keine lebendige Seele. Es war irrational, sich unter diesem illusion�ren Blick zu sch�men.</p><p>�Herrin�, sagte Wang-mu.</p><p>�Sp�ter�, sagte Qing-jao.</p><p>�Wenn du dies tust, wird Jane sterben. Sie werden die Verk�rzer abschalten und sie t�ten.�</p><p>�Was nicht lebt, kann nicht sterben�, erwiderte Qing-jao.</p><p>�Du kannst sie nur t�ten, weil sie Mitgef�hl hat.�</p><p>�Wenn sie Mitgef�hl zu haben scheint, ist es eine Illusion � sie wurde programmiert, Mitgef�hl zu simulieren, mehr nicht.�</p><p>�Herrin, wie unterscheidest du dich von Ender dem Xenoziden, der vor dreitausend Jahren alle Krabbler t�tete, wenn du jede Manifestation dieses Programms t�test?�</p><p>�Vielleicht unterscheide ich mich nicht von ihm�, sagte Qing-jao. �Vielleicht war auch Ender der Diener der G�tter.�</p><p>Wang-mu kniete neben Qing-jao nieder und weinte am Saum ihres Gewandes. �Ich bitte dich, Herrin, verzichte auf diese b�se Tat.�</p><p>Doch Qing-jao schrieb ihren Bericht. Er stand so klar und einfach in ihrem Verstand, als h�tten die G�tter ihr die S�tze eingegeben. �An den Sternenwege-Kongre�: Der aufr�hrerische Schriftsteller, der als Demosthenes bekannt ist, ist in Wirklichkeit eine Frau, die sich zur Zeit auf oder in der N�he von Lusitania befindet. Sie hat Kontrolle �ber oder Zugang zu einem Programm, das alle Verk�rzer-Computer infiziert hat und veranla�t, da� Berichte von der Flotte unterdr�ckt und Aufzeichnungen �ber �bermittlungen von Demosthenes' Schriften verborgen werden. Die einzige L�sung dieses Problems besteht darin, die Kontrolle des Programms �ber Verk�rzer-Sendungen zu beenden, indem s�mtliche Verk�rzer von ihren derzeitigen Computern getrennt und dann gleichzeitig an unverseuchte neue Ger�te angeschlossen werden. Ich habe das Programm kurzzeitig neutralisiert, wodurch es mir m�glich ist, diese Nachricht zu senden. Wahrscheinlich k�nnen Sie im Augenblick noch Ihre Befehle an alle Welten schicken, doch dieser Zustand wird nicht ewig anhalten; Sie m�ssen also schnell handeln. Ich schlage vor, da� Sie in genau vierzig Standardwochen, von heute an gez�hlt, s�mtliche Verk�rzer gleichzeitig f�r mindestens einen Standardtag ausschalten. Keiner der neuen Verk�rzer-Computer, die angeschlossen werden, darf mit irgendeinem anderen Computer verbunden gewesen sein. Um eine weitere elektronische Verseuchung auszuschlie�en, mu� von nun an jede Verk�rzer-Nachricht manuell in die Verk�rzer-Computer eingegeben werden. Wenn Sie diese Nachricht mit Ihrem Befehlskode versehen und augenblicklich an alle Verk�rzer senden, wird mein Bericht zu Ihrem Befehl werden; weitere Anweisungen sind dann �berfl�ssig, und Demosthenes' Einflu� wird beendet werden. Wenn Sie nicht augenblicklich handeln, k�nnen Sie mich f�r die Konsequenzen nicht verantwortlich machen.�</p><p>Unter diesen Bericht setzte Qing-jao den Namen ihres Vaters und den Befehlscode, den er ihr gegeben hatte; ihr Name w�rde dem Kongre� nichts bedeuten, doch seinem w�rde man Beachtung schenken, und die Hinzuf�gung seines Befehlscodes w�rde sicherstellen, da� die Kongre�mitglieder, die ein besonderes Interesse an seiner Arbeit hatten, sie auch empfangen w�rden.</p><p>Nachdem Qing-jao die Nachricht geschrieben hatte, sah sie der Erscheinung vor ihr in die Augen. W�hrend ihre linke Hand auf Wang-mus zitternder Schulter lag und die rechte auf der Sendetaste, setzte sie zu ihrer letzten Herausforderung an. �Wirst du mich aufhalten, oder wirst du dies zulassen?�</p><p>Worauf Jane antwortete: �Wirst du einen Ramann t�ten, der keiner lebenden Seele je Schaden zugef�gt hat, oder wirst du mich leben lassen?�</p><p>Qing-jao dr�ckte die Sendetaste. Jane nickte leicht und verschwand.</p><p>Es w�rde einige Sekunden dauern, bis der Hauscomputer die Nachricht an den n�chsten Verk�rzer �berspielt hatte; von dort aus w�rde sie augenblicklich zu jeder befugten Kongre�-Empfangsstelle auf jeder der Hundert Welten und auch auf viele Kolonien gesendet werden. Bei den meisten Computern w�rde sie nur eine von vielen eingehenden Nachrichten sein; doch bei einigen w�rde Vaters Befehlscode daf�r sorgen, da� sie von jemandem gelesen wurde, der die Konsequenzen begreifen und dementsprechend reagieren w�rde. <emphasis>Falls </emphasis>Jane die Nachricht tats�chlich durchgelassen hatte.</p><p>Also wartete Qing-jao auf eine Antwort. Vielleicht antwortete niemand sofort, weil die einzelnen Stellen erst Kontakt miteinander aufnehmen, die Nachricht diskutieren und dann entscheiden mu�ten, was zu tun sei. Vielleicht erschien deshalb keine Antwort in dem leeren Display �ber ihrem Terminal.</p><p>Die T�r wurde ge�ffnet. Das w�rde Mu-pao mit dem Spielecomputer sein. �Stell ihn in die Ecke neben dem linken Fenster�, sagte Qing-jao, ohne hinzusehen. �Vielleicht brauche ich ihn noch, obwohl ich es nicht hoffen will.�</p><p>�Qing-jao.�</p><p>Es war Vater, nicht Mu-pao. Qing-jao drehte sich zu ihm um und kniete augenblicklich nieder, um ihre Ehrerbietung zu zeigen � aber auch ihren Stolz. �Vater, ich habe deinen Bericht an den Kongre� abgeschickt. W�hrend du mit den G�ttern kommuniziert hast, konnte ich das Feindprogramm neutralisieren und in der Nachricht erkl�ren, wie es zu zerst�ren ist. Ich warte auf Antwort.�</p><p>Sie wartete auf Vaters Lob.</p><p>�Du hast es getan?� fragte er. �Ohne auf mich zu warten? Du hast direkt mit dem Kongre� gesprochen und mich nicht um meine Erlaubnis gebeten?�</p><p>�Du mu�test dich reinigen, Vater. Ich habe deinen Auftrag ausgef�hrt.�</p><p>�Aber dann� wird Jane sterben.�</p><p>�Soviel steht fest�, sagte Qing-jao. �Ob der Kontakt mit der Lusitania-Flotte wiederhergestellt werden wird, kann ich nicht genau sagen.� Pl�tzlich fiel ihr ein Schwachpunkt in ihrem Plan ein. �Aber die Computer der Flotte werden auch von diesem Programm verseucht sein! Wenn der Kontakt wiederhergestellt wird, kann sich das Programm einfach �berspielen und� aber dann m�ssen wir die Verk�rzer lediglich noch einmal abschalten��</p><p>Vater sah sie nicht an. Er sah zu dem Terminaldisplay hinter ihr. Qing-jao drehte sich um.</p><p>Es war eine Nachricht vom Kongre�, mit dem offiziellen Siegel versehen. Sie war sehr kurz und in dem knappen Stil der B�rokratie gehalten.</p><empty-line/><p>Han:</p><p>Brillante Arbeit.</p><p>Haben Ihre Vorschl�ge als unsere Befehle weitergeleitet.</p><p>Kontakt mit der Flotte bereits wiederhergestellt.</p><p>Half Tochter gem�� Ihrer Mitteilung 14FE.3A?</p><p>Wenn ja, Orden f�r Sie beide.</p><empty-line/><p>�Dann ist es geschehen�, murmelte Vater. �Sie werden Lusitania vernichten, die Pequeninos, all diese unschuldigen Menschen.�</p><p>�Nur, wenn die G�tter es wollen�, sagte Qing-jao. Sie war �berrascht, da� Vater so m�rrisch klang.</p><p>Wang-mu hob den Kopf von Qing-jaos Scho�; ihr Gesicht war vom Weinen rot und na�. �Und Jane und Demosthenes werden auch sterben�, sagte sie.</p><p>Qing-jao ergriff Wang-mu an der Schulter und hielt sie eine Arml�nge entfernt. �Demosthenes ist eine Verr�terin�, sagte sie, doch Wang-mu wandte nur den Blick von ihr ab und sah zu Han Fei-tzu. Qing-jao sah ihren Vater ebenfalls an. �Und Jane � Vater, du hast gesehen, wie gef�hrlich sie war.�</p><p>�Sie hat versucht, uns zu retten�, sagte Vater, �und wir haben es ihr gedankt, indem wir ihre Zerst�rung in die Wege leiteten.�</p><p>Qing-jao konnte nichts sagen, sich nicht bewegen, konnte Vater nur anstarren, als er sich �ber ihre Schulter beugte und die Speicher- und dann die Sendetaste ber�hrte.</p><p>�Jane�, sagte Vater. �Wenn du mich h�rst. Bitte verzeih mir.�</p><p>Vom Terminal kam keine Antwort.</p><p>�M�gen alle G�tter mir verzeihen�, sagte Vater. �Ich war schwach in einem Augenblick, da ich h�tte stark sein m�ssen, und so hat meine Tochter in meinem Namen schuldlos B�ses getan.� Er erschauderte. �Ich mu߅ mich <emphasis>reinigen.� </emphasis>Die Worte schmeckten eindeutig wie Galle in seinem Mund. �Diesmal wird es ewig dauern, da bin ich mir sicher.�</p><p>Er trat von dem Computer zur�ck, wandte sich ab und verlie� das Zimmer. Wang-mu fing wieder an zu weinen. Ein dummes, bedeutungsloses Heulen, dachte Qing-jao. Das ist der Augenblick des Sieges. Nur, da� Jane mir den Sieg entrissen hat; w�hrend ich �ber sie triumphiere, triumphiert sie �ber mich. Sie hat mir meinen Vater gestohlen. Obwohl er den G�ttern noch mit seinem K�rper dient, dient er ihnen nicht mehr im Herzen.</p><p>Doch mit dem Schmerz dieser Erkenntnis kam eine hei�e Freude: Ich war st�rker. Ich war schlie�lich doch noch st�rker als Vater. Als es zur Pr�fung kam, habe ich den G�ttern gedient, w�hrend er zusammenbrach, st�rzte, scheiterte. Das bedeutet mir mehr, als ich mir jemals ertr�umt habe. Ich bin ein w�rdiges Werkzeug in den H�nden der G�tter; wer wei�, wie sie mich jetzt f�hren werden?</p></section><section><title><p id="_Toc119392801">Kapitel 12</p><p>Gregos Krieg</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Es ist ein Wunder, da� die Menschen jemals intelligent genug wurden, um zwischen den Welten zu reisen.�</p><p>�Eigentlich nicht. Ich habe in letzter Zeit dar�ber nachgedacht. Den Sternenflug haben sie von <emphasis>dir </emphasis>gelernt. Ender sagt, sie h�tten die physikalischen Grundlagen erst begriffen, als dein erstes Kolonieschiff ihr Sonnensystem erreichte.�</p><p>�Sollten wir zu Hause bleiben, aus Angst, weichk�rprigen, viergliedrigen, haarlosen Klumpen den Sternenflug zu lehren?�</p><p>�Du hast vor einem Augenblick so gesprochen, als glaubtest du, die Menschen h�tten wirklich Intelligenz erlangt.�</p><p>�Das haben sie eindeutig.�</p><p>�Ich bin anderer Ansicht. Ich glaube, sie haben eine M�glichkeit gefunden, Intelligenz <emphasis>vorzut�uschen.�</emphasis></p><p>�Ihre Sternenschiffe fliegen. Wir haben noch nicht bemerkt, da� welche von <emphasis>euch </emphasis>�ber die Lichtwellen durch den Raum jagen.�</p><p>�Wir sind als Spezies noch sehr jung. Doch sieh uns an. Sieh dich an. Wir beide haben ein sehr �hnliches System entwickelt. Wir haben jeweils vier Arten von Leben in unseren Spezies. Die Jungen, die hilflose Flegel sind. Die Geschlechtsreifen, die niemals Intelligenz erlangen � bei dir die Drohnen und bei uns die kleinen M�tter. Dann die vielen, vielen Individuen, die genug Intelligenz haben, um manuelle Aufgaben zu erledigen � unsere Frauen und Br�der, deine Arbeiter. Und schlie�lich die Intelligenten � wir Vaterb�ume und du, die Schwarmk�nigin. Wir sind die Hochburg der Weisheit der Rasse, denn wir haben Zeit zum Nachdenken, f�r �berlegungen. Unsere prim�re Aktivit�t ist die Ideenbildung.�</p><p>�W�hrend die Menschen alle als Br�der und Frauen herumrennen. Wie Arbeiter.�</p><p>�Nicht nur Arbeiter. Auch ihre Jungen durchlaufen ein hilfloses Flegelstadium, das l�nger anh�lt, als einige von ihnen glauben. Und wenn es an der Zeit ist, sich zu reproduzieren, verwandeln sie alle sich in Dronen oder kleine M�tter, kleine Maschinen, die nur ein Ziel im Leben haben: Sex zu haben und zu sterben.�</p><p><emphasis>�Sie </emphasis>glauben, sie w�ren in all diesen Stadien rational.�</p><p>�Selbstbetrug. Selbst ihre Besten erheben sich als Individuen niemals �ber das Niveau von Handarbeitern. Wer von ihnen hat schon die Zeit, intelligent zu werden?�</p><p>�Keiner.�</p><p>�Sie <emphasis>wissen </emphasis>einfach nichts. Ihre kleinen Leben z�hlen nicht genug Jahre, da� sie irgend etwas verstehen k�nnten. Und doch <emphasis>glauben </emphasis>sie, sie w�rden alles verstehen. Von der fr�hesten Kindheit an geben sie sich der Selbstt�uschung hin, sie w�rden die Welt verstehen, w�hrend sie in Wirklichkeit nur ein paar primitive Annahmen und Vorurteile haben. Wenn sie �lter werden, lernen sie, sich eines gehobeneren Vokabulars zu bedienen, mit dem sie ihr geistloses Pseudowissen ausdr�cken und andere Menschen dazu n�tigen k�nnen, ihre Vorurteile zu akzeptieren, als seien es Wahrheiten. Doch alles l�uft aus dasselbe hinaus. Individuell gesehen sind alle Menschen T�lpel.�</p><p>�W�hrend sie im Kollektiv��</p><p>�lm Kollektiv sind sie eine Ansammlung von T�lpeln. Doch bei all ihrem Herumirren, bei all ihrer Vorgabe, klug zu sein, sto�en sie idiotische, halbverdaute Theorien �ber dies und das aus, und zwei oder drei von ihnen treten mit irgendeiner Idee hervor, die der Wahrheit eine Winzigkeit n�her kommt als das, was bereits bekannt war. Und bei etwa der H�lfte ihrer hilflosen Versuche und Herumratereien kommt tats�chlich die Wahrheit zum Vorschein und wird von Wesen akzeptiert, die sie noch immer nicht verstehen, die sie einfach als neue vorgefa�te Meinung akzeptieren, der blind zu vertrauen ist, bis der n�chste Trottel zuf�llig mit einer Verbesserung hervortritt.�</p><p>�Also behauptest du, da� keiner von ihnen individuell intelligent ist und Gruppen noch d�mmer als Individuen sind � und doch gelangen sie, weil sie so viele Narren sind, die intelligent zu sein vorgeben, zu einigen der gleichen Ergebnisse, zu denen auch eine intelligente Spezies gelangen w�rde.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Warum haben wir nur einen Schwarm, wenn sie so dumm und wir so intelligent sind, der auch noch hier gedeiht, weil ein Mensch uns hierhergebracht hat? Und warum seid ihr bei allen technischen und wissenschaftlichen Fortschritten, die ihr macht, v�llig von ihnen abh�ngig?�</p><p>�Vielleicht ist Intelligenz nicht alles, worauf es ankommt.�</p><p>�Vielleicht sind wir die Narren, weil wir glauben, etwas zu wissen. Vielleicht sind die Menschen die einzigen, die sich mit der Tatsache befassen k�nnen, da� man niemals etwas wissen kann.�</p><empty-line/><p>Quara traf als letzte in Mutters Haus ein. Pflanzer holte sie, der Pequenino, der als Enders Assistent auf den Feldern arbeitete. Das erwartungsvolle Schweigen im Raum machte klar, da� Miro keinem etwas verraten hatte. Doch sie alle wu�ten, so sicher, wie Quara es wu�te, weshalb sie zusammengerufen worden waren. Es mu�te sich um Quim handeln. Ender konnte mittlerweile zu Quim vorgesto�en sein; und er konnte sich �ber die Empf�nger, die sie in den Ohren trugen, mit Miro unterhalten.</p><p>Wenn Quim wohlauf w�re, h�tte man sie nicht zusammengerufen. Man h�tte es ihnen einfach gesagt.</p><p>Also wu�ten sie es alle. Quara musterte ihre Gesichter, als sie auf der Schwelle standen. Ela sah betroffen aus. Grego mit w�tendem Gesicht � immer w�tend, der ungehaltene Narr. Olhado ausdruckslos, mit leuchtenden Augen. Und Mutter. Wer konnte die schreckliche Maske deuten, die sie trug? Sicherlich Trauer wie bei Ela und Zorn, so hei� wie bei Grego und auch die kalte, unmenschliche Zur�ckhaltung von Olhados Miene. Wir alle tragen so oder so Mutters Gesicht. Welcher Teil von ihr ist in mir? Was w�rde ich in Mutters verdrehter Haltung auf dem Stuhl erkennen, wenn ich mich selbst verstehen k�nnte?</p><p>�Er starb an der Descolada�, sagte Miro. �Heute morgen. Andrew ist gerade dort eingetroffen.�</p><p>�Sprich diesen Namen nicht aus�, sagte Mutter. Ihre Stimme war heiser vor Trauer, die sie kaum unter Kontrolle hatte.</p><p>�Er starb als M�rtyrer�, sagte Miro. �Er starb genau so, wie er es gewollt h�tte.�</p><p>Mutter erhob sich unbeholfen von ihrem Stuhl. Zum ersten Mal erkannte Quara, da� Mutter <emphasis>alt </emphasis>wurde. Sie schritt unsicher aus, bis sie sich direkt vor dem breitbeinig dastehenden Miro befand. Dann schlug sie ihn mit aller Kraft ins Gesicht.</p><p>�Was soll das?� rief Ela. �Da� du Miro schl�gst, wird Quim nicht zur�ckbringen!�</p><p>�Er und dieses Juwel in seinem Ohr!� schrie Mutter. Sie holte erneut aus, und die anderen konnten sie trotz ihrer scheinbaren Kraftlosigkeit kaum zur�ckhalten. �Was wei�t du schon dar�ber, <emphasis>wie </emphasis>jemand sterben will!�</p><p>Quara mu�te unwillk�rlich bewundern, wie Miro ihr standhielt, wenngleich seine Wange von ihrem Schlag ger�tet war. �Ich wei�, da� der Tod nicht das Schlimmste auf dieser Welt ist�, sagte Miro.</p><p>�Verschwinde aus meinem Haus�, sagte Mutter.</p><p>Miro erhob sich. �Du trauerst nicht um <emphasis>ihn�, </emphasis>sagte er. �Du wei�t nicht einmal, wer er war.�</p><p>�Wie kannst du es wagen, so etwas zu mir zu sagen!�</p><p>�Wenn du ihn geliebt h�ttest, h�ttest du nicht versucht, ihn von seiner Mission abzuhalten�, sagte Miro. Seine Stimme war nicht laut, und er sprach so undeutlich, da� er kaum zu verstehen war. Alle anderen h�rten ihm schweigend zu, voller Zorn, denn seine Worte waren schrecklich. �Aber du hast ihn nicht geliebt. Du wei�t nicht, wie man Menschen liebt. Du wei�t nur, wie man sie besitzt. Und da die Menschen sich niemals verhalten, wie du es von ihnen verlangst, Mutter, wirst du immer glauben, verraten worden zu sein. Und weil schlie�lich jeder einmal stirbt, wirst du dir immer betrogen vorkommen. Aber <emphasis>du </emphasis>bist die Betr�gerin, Mutter. Du bist diejenige, die unsere Liebe ausnutzt, um uns beherrschen zu k�nnen.�</p><p>�Miro�, sagte Ela. Quara erkannte den Tonfall in Elas Stimme. Es war, als w�ren sie wieder kleine Kinder, und Ela versuchte, Miro zu beruhigen, ihn zu �berreden, zu einem milderen Urteil zu gelangen. Quara erinnerte sich, wie Ela so zu ihm gesprochen hatte, als Vater gerade wieder einmal Mutter verpr�gelt hatte, und Miro hatte erwidert: �Ich bringe ihn um. Er wird diese Nacht nicht �berleben.� Jetzt war es genauso. Miro sprach scharf mit Mutter, sagte Worte, die die Macht zu t�ten hatten. Doch Ela konnte ihn nicht mehr rechtzeitig aufhalten, jetzt nicht mehr, denn die Worte waren bereits gesagt. Sein Gift war nun in Mutter, tat seine Arbeit, suchte nach ihrem Herz, um es zu verbrennen.</p><p>�Du hast Mutter geh�rt�, sagte Grego. �Verschwinde.�</p><p>�Ich gehe�, sagte Miro. �Aber ich habe nur die Wahrheit gesagt.�</p><p>Grego ging zu Miro, fa�te ihn an den Schultern und schob ihn zur T�r. �Du bist keiner von uns!� sagte er. �Du hast kein Recht, so etwas zu uns zu sagen!�</p><p>Quara schob sich zwischen sie und sah Grego an. �Wenn Miro sich nicht das Recht verdient hat, in dieser Familie zu sprechen, sind wir keine Familie!�</p><p>�Du hast es gesagt�, warf Olhado ein.<emphasis> �</emphasis>Geh mir aus dem Weg�, sagte Grego. Quara hatte schon oft geh�rt, da� er drohende Worte sprach. Doch nun, wo sie so dicht vor ihm stand, seinen Atem in ihrem Gesicht sp�rte, begriff sie, da� er die Kontrolle �ber sich verloren hatte. Da� die Nachricht von Quims Tod ihn hart getroffen hatte, da� er in diesem Augenblick vielleicht nicht mehr normal war.</p><p>�Ich stehe dir nicht im Weg�, sagte Quara. �Nur zu. Schlag eine Frau nieder. Sto�e einen Kr�ppel herum. Es liegt in deiner Natur, Grego. Du wurdest geboren, um zu zerst�ren. Ich sch�me mich, zur gleichen Rasse zu geh�ren wie du, ganz zu schweigen von der gleichen Familie.�</p><p>Erst nachdem sie dies gesagt hatte, begriff sie, da� sie Grego vielleicht zu weit getrieben hatte. Nach all diesen Jahren der harmloseren K�mpfe zwischen ihnen hatte sie ihm diesmal eine blutende Wunde versetzt. Ihr Gesicht zeigte nackte Panik.</p><p>Doch er schlug sie nicht. Er trat um sie herum, um Miro herum, und blieb auf der Schwelle stehen, eine Hand am T�rrahmen. Er dr�ngte hinaus, als wolle er die W�nde aus dem Weg schieben. Oder vielleicht klammerte er sich auch an sie, in der Hoffnung, sie k�nnten ihn an Ort und Stelle halten.</p><p>�Du wirst es nicht schaffen, da� ich w�tend auf dich werde, Quara�, sagte Grego. �Ich wei�, wer mein Feind ist.�</p><p>Dann war er weg, aus der T�r hinaus in eine neue Dunkelheit.</p><p>Einen Augenblick sp�ter folgte ihm Miro schweigend.</p><p>�Was du dir auch vorl�gen magst, Mutter�, sagte Elo, als sie zur T�r ging, �weder Ender noch sonst jemand hat unsere Familie heute abend hier zerst�rt. Du warst es.� Dann war sie ebenfalls fort.</p><p>Olhado stand auf und ging wortlos. Quara wollte ihm eine Ohrfeige geben, als er an ihn vorbeiging, ihn zum Sprechen bringen. Hast du mit deinen Computeraugen alles aufgezeichnet, Olhado? Hast du alle Bilder in deinem Ged�chtnis gespeichert? Nun, sei nicht zu stolz auf dich. Ich habe vielleicht nur ein nat�rliches Gehirn, das diesen wundervollen Abend in der Geschichte der Familie Ribeira aufzeichnet, aber meine Bilder sind genauso klar wie deine.</p><p>Mutter sah Quara an. Ihr Gesicht war von Tr�nen gezeichnet. Quara konnte sich nicht erinnern � hatte sie Mutter je weinen gesehen?</p><p>�Also bist nur noch du �brig�, sagte Mutter.</p><p>�Ich?� entgegnete Quara. �Ich bin diejenige, der du den Zutritt zum Labor verbieten willst. Hast du das schon vergessen? Ich bin diejenige, der du ihr Lebenswerk nimmst. Erwarte nicht, da� <emphasis>ich </emphasis>deine Freundin bin.�</p><p>Dann ging auch Quara. Sie trat in die Nacht hinaus und kam sich gest�rkt vor. Soll die alte Frau doch eine Weile <emphasis>dar�ber </emphasis>nachdenken. Mal sehen, ob es ihr gef�llt, ausgeschlossen zu sein. Ich habe mich wegen ihr genauso gef�hlt.</p><p>Vielleicht f�nf Minuten sp�ter, Quara hatte das Tor schon fast erreicht, lie� der Glanz ihrer schlagfertigen Bemerkung nach, und sie begriff, was sie ihrer Mutter angetan hatte. Was <emphasis>sie alle </emphasis>ihr angetan hatten. Sie hatten Mutter alleingelassen. Ihr das Gef�hl gegeben, da� sie nicht nur Quim, sondern ihre gesamte Familie verloren hatte. Es war schrecklich, ihr so etwas anzutun, und Mutter hatte es nicht verdient.</p><p>Quara drehte sich sofort um und lief zum Haus zur�ck. Doch als sie durch die T�r st�rmte, betrat auch Ela gerade das Wohnzimmer, durch die andere T�r, durch jene, die tiefer ins Haus f�hrte.</p><p>�Sie ist nicht hier�, sagte Ela.</p><p>�Nossa Senhora�, sagte Quara. �Ich habe so schreckliche Dinge zu ihr gesagt.�</p><p>�Das haben wir alle.�</p><p>�Sie hat uns gebraucht. Quim ist <emphasis>tot, </emphasis>und wir haben nur��</p><p>�Als sie Miro schlug, war es��</p><p>Zu ihrer �berraschung stellte Quara fest, da� sie weinte und sich an ihrer �lteren Schwester festhielt. Bin ich also doch noch ein Kind? Ja, das bin ich, das sind wir alle, und Ela ist noch immer wie einzige, die uns zu tr�sten wei�. �Ela, war Quim der einzige, der uns zusammengehalten hat? Sind wir nun, da er tot ist, keine Familie mehr?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Ela.</p><p>�Was k�nnen wir tun?�</p><p>Als Antwort nahm Ela ihre Hand und f�hrte sie hinaus. Quara fragte, wohin sie gingen, doch Ela wollte nicht antworten, hielt einfach ihre Hand und f�hrte sie. Quara ging bereitwillig mit � sie hatte sowieso keine Ahnung, was sie jetzt tun sollte, und es kam ihr irgendwie sicher vor, Ela einfach zu folgen. Zuerst dachte sie, Ela suche nach Mutter, doch nein � sie ging weder zum Labor noch zu einem anderen Ort, zu dem Mutter vielleicht gefl�chtet war. Um so mehr �berraschte es sie, wo sie schlie�lich endeten.</p><p>Sie standen vor dem Schrein, den das Volk von Lusitania in der Mitte der Stadt errichtet hatte. Der Schrein von Gusto und Cida, ihren Gro�eltern, den Xenobiologen, die als erste eine M�glichkeit gefunden hatten, den Descolada-Virus zu z�hmen, und die damit die menschliche Kolonie auf Lusitania gerettet hatten. Sie waren gestorben, w�hrend sie noch das Medikament fanden, das die Descolada daran hinderte, die Menschen zu t�ten, schon zu sehr infiziert, als da� ihre eigene Medizin sie retten konnte.</p><p>Die Menschen bewunderten sie, errichteten diesen Schrein und nannten ihn Os Venerados, noch bevor die Kirche sie seligsprach. Und nun, da sie nur noch einen Schritt von der Heiligsprechung entfernt waren, war es gestattet, zu ihnen zu beten.</p><p>Zu Quaras �berraschung war Ela genau deshalb hierher gekommen. Sie kniete vor dem Schrein nieder, und obwohl Quara eigentlich nicht sehr gl�ubig war, tat sie es ihrer Schwester gleich.</p><p>�Gro�vater, Gro�mutter, betet zu Gott f�r uns. Betet um die Seele unseres Bruders Estev�o. Betet um all unsere Seelen. Betet zu Christus, da� er uns vergibt.�</p><p>Das war ein Gebet, in das Quara aus ganzem Herzen einfallen konnte.</p><p>�Sch�tzt eure Tochter, unsere Mutter, sch�tzt sie vor� vor ihrer Trauer und ihrem Zorn, und la�t sie wissen, da� wir sie lieben und da� ihr sie liebt und da߅ Gott sie liebt, falls er es tut � oh, bitte, sagt Gott, er soll sie lieben und davon abhalten, etwas Verr�cktes zu tun.�</p><p>Quara hatte nie jemanden so beten h�ren. Sonst sprachen sie auswendig gelernte oder niedergeschriebene Gebete, nicht solch einen Wortschwall. Andererseits jedoch waren Os Venerados nicht wie andere Heilige oder Gesegnete. Sie waren Gro�mutter und Gro�vater, obwohl wir sie nicht mehr erlebt haben.</p><p>�Sagt Gott, da� wir genug davon haben�, sagte Ela. �Wir m�ssen einen Ausweg finden. Schweinchen t�ten Menschen. Eine Flotte kommt, um uns zu vernichten. Die Descolada versucht, alle anderen Wesen auszumerzen. Unsere Familie ha�t einander. Sucht uns einen Ausweg, Gro�vater, Gro�mutter, oder la�t Gott einen �ffnen, wenn es keinen gibt, denn so <emphasis>kann das nicht weitergehen.�</emphasis></p><p>Dann ein ersch�pftes Schweigen; sowohl Ela als auch Quara atmeten schwer.</p><p>�Em nome do Pai e do Filho e do Espirito Santo�, sagte Ela. �Amem.�</p><p>Dann umarmte Ela ihre Schwester, und sie weinten gemeinsam in der Nacht.</p><empty-line/><p>Valentine �berraschte es, da� der B�rgermeister und der Bischof die einzigen beiden anderen Anwesenden der Dringlichkeitssitzung waren. Warum war <emphasis>sie </emphasis>hier? Sie hatte kein Amt, keinen Anspruch auf Autorit�t.</p><p>B�rgermeister Kovano Zeljezo zog einen Stuhl f�r sie heran. Die Einrichtung des bisch�flichen Privatzimmers war elegant, doch die St�hle waren so entworfen, da� ihre Benutzung schmerzte. Die Sitze waren viel zu schmal, und die Lehne war v�llig starr, nahm nicht die geringste R�cksicht auf die Form des menschlichen R�ckgrats. Man mu�te nur kurz darauf sitzen, und der Stuhl zwang einen, sich vorzubeugen und die Arme auf den Knien abzust�tzen.</p><p>Vielleicht kam es ihm genau darauf an, dachte Valentine. St�hle, die einen zwangen, sich in der Gegenwart Gottes zu verbeugen.</p><p>Doch vielleicht steckte auch eine noch subtilere Absicht dahinter. Die St�hle waren so unbequem, da� man sich nach einer weniger k�rperlicheren Existenz sehnte. Bestrafe das Fleisch, damit sie es vorziehen, im Geist zu leben.</p><p>�Sie sehen verwirrt aus�, sagte Bischof Peregrino.</p><p>�Ich verstehe, warum Sie beide sich in einem Notfall beraten�, sagte Valentine. �Aber wozu brauchen Sie mich? Um Notizen zu machen?�</p><p>�Freundliche Bescheidenheit�, sagte Peregrino. �Aber wir haben Ihre Schriften gelesen, meine Tochter, und wir w�ren Narren, in einer Zeit der Sorgen auf Ihre Weisheit zu verzichten.�</p><p>�Die Weisheit, die ich habe, stelle ich Ihnen gern zur Verf�gung�, sagte Valentine, �doch ich w�rde mir an Ihrer Stelle nicht zuviel erhoffen.�</p><p>B�rgermeister Kovano kam zur Sache. �Es gibt viele langfristige Probleme�, sagte er, �doch wir haben keine gro�e Chance, sie zu l�sen, wenn wir nicht die kurzfristigen l�sen k�nnen. Gestern abend gab es eine Art Streit im Haus der Ribeiras��</p><p>�Warum m�ssen unsere besten Leute aus den unstabilsten Familien stammen?� murmelte der Bischof.</p><p>�Das ist nicht die unstabilste Familie, Bischof Peregrino�, sagte Valentine, �sondern lediglich die, deren innere Spannungen die meisten Turbulenzen an der Oberfl�che erzeugen. Andere Familien erleiden viel schlimmere St�rme, doch Sie bemerken nichts davon, weil sie keine so gro�e Bedeutung in der Kolonie haben.�</p><p>Der Bischof nickte ernst, doch Valentine vermutete, da� er ver�rgert war, in einer so trivialen Sache korrigiert zu werden. Nur, da� sie gar nicht so trivial war. Wenn der Bischof und der B�rgermeister annahmen, die Familie Ribeira sei unstabiler, als es in Wirklichkeit der Fall war, w�rden sie vielleicht das Vertrauen in Ela, Miro oder Novinha verlieren, die alle unbedingt gebraucht wurden, wollte Lusitania die kommenden Krisen �berleben. Vielleicht wurden sogar die unreifsten von ihnen gebraucht, Quara und Grego. Sie hatten Quim, wahrscheinlich den besten von ihnen, bereits verloren. Es w�re t�richt, nun auch noch die anderen zu versto�en; doch wenn die F�hrer der Kolonie die Ribeiras als Gruppe falsch einsch�tzten, w�rden sie sie bald auch als Individuen falsch einsch�tzen.</p><p>�Gestern abend�, fuhr B�rgermeister Kovano fort, �zerstreute sich die Familie, und soweit wir wissen, sprechen ihre Mitglieder kaum noch miteinander. Ich habe versucht, Novinha zu finden, und erfuhr erst vor kurzem, da� sie Zuflucht bei den Kindern des Geistes Christi gesucht hat und niemanden sehen oder sprechen will. Ela sagte mir, ihre Mutter habe alle Dateien im Xenobiologie-Labor versiegelt, so da� die Arbeit dort heute morgen zu einem absoluten Stillstand gekommen ist. Quara ist, ob Sie es nun glauben oder nicht, bei Ela. Der junge Miro ist irgendwo au�erhalb der Umz�unung. Olhado ist zu Hause, und seine Frau sagt, er habe seine Augen abgeschaltet, was seine Methode ist, sich vom Leben zur�ckzuziehen.�</p><p>�Das klingt ganz so�, sagte Peregrino, �als h�tte sie Vater Estev�os Tod sehr mitgenommen. Ich mu� sie aufsuchen und ihnen helfen.�</p><p>�Das alles sind v�llig verst�ndliche Trauerreaktionen�, sagte Kovano, �und wenn das alles w�re, h�tte ich dieses Treffen nicht einberufen. Wie Sie sagen, Euer Gnaden, w�rden <emphasis>Sie</emphasis> sich als ihr geistlicher F�hrer darum k�mmern, und meine Einmischung w�re nicht n�tig.�</p><p>�Grego�, sagte Valentine, als ihr auffiel, da� er in Kovanos Liste nicht enthalten gewesen war.</p><p>�Genau�, sagte Kovano. �Seine Reaktion bestand darin, in gewisse Bars zu gehen und jedem halbbetrunkenen, paranoiden Fanatiker in Milagre zu erz�hlen, die Schweinchen h�tten Vater Quim kaltbl�tig umgebracht.�</p><p>�Que Deus nos abencoe�, murmelte Bischof Peregrino.</p><p>�In einer Bar kam es zu einem Zwischenfall�, fuhr Kovano fort. �Zertr�mmerte Fenster, zerbrochene St�hle, zwei M�nner im Krankenhaus.�</p><p>�Eine Schl�gerei?� fragte der Bischof.</p><p>�Eigentlich nicht. Nur allgemeiner �rger, der sich Luft gemacht hat.�</p><p>�Also haben sie sich abreagiert.�</p><p>�Ich will es hoffen�, sagte Kovano. �Aber es schien erst aufzuh�ren, als die Sonne aufging. Und als der Polizist kam.�</p><p>�Ein Polizist?� fragte Valentine. �Nur einer?�</p><p>�Er leitet die Freiwillige Polizeitruppe�, erkl�rte Kovano. �Wie die Freiwillige Feuerwehr. Rundg�nge von zwei Stunden. Wir haben einige Leute aufgeweckt. Zwanzig waren n�tig, um die Dinge zu beruhigen. Die gesamte Truppe besteht nur aus f�nfzig Mitgliedern, von denen normalerweise nur jeweils vier gleichzeitig Dienst tun. F�r gew�hnlich verbringen sie die Nacht damit, herumzuspazieren und sich Witze zu erz�hlen. Und einige der gerade nicht diensttuenden Polizisten waren unter den Leuten, die die Bar zu Kleinholz geschlagen haben.�</p><p>�Wollen Sie damit sagen, da� man sich in einem Notfall nicht unbedingt auf sie verlassen kann?�</p><p>�Sie haben sich gestern abend einwandfrei verhalten�, erwiderte Kovano. �Diejenigen, die Dienst hatten, meine ich.�</p><p>�Aber einen wirklichen Aufstand k�nnen sie auf keinen Fall in den Griff bekommen�, sagte Valentine.</p><p>�Sie sind gestern abend damit fertiggeworden�, sagte Bischof Peregrino. �Heute abend wird der erste Schock nachgelassen haben.�</p><p>�Ganz im Gegenteil�, sagte Valentine. �Heute wird sich die Nachricht erst richtig verbreitet haben. Alle werden von Quims Tod wissen, und der Zorn wird um so hei�er sein.�</p><p>�Vielleicht�, sagte B�rgermeister Kovano. �Aber mir bereitet der <emphasis>n�chste </emphasis>Tag Sorgen, wenn Andrew die Leiche nach Hause bringt. Vater Estev�o war gar nicht so beliebt � er ist nie mit den Jungs einen trinken gegangen �, doch er war eine Art geistliches Symbol. Ihn werden viel mehr Leute als M�rtyrer r�chen wollen, als ihm zu Lebzeiten gefolgt sind.�</p><p>�Sie meinen also, wir sollten uns auf ein kleines, schlichtes Begr�bnis beschr�nken�, sagte Peregrino.</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte Kovano. �Vielleicht brauchen die Leute eine gro�e Beerdigung, bei der sie ihre Trauer verarbeiten und �berwinden k�nnen.�</p><p>�Das Begr�bnis ist nicht so wichtig�, sagte Valentine. �Ihr Problem ist der heutige Abend.�</p><p>�Wieso?� fragte Kovano. �Der erste Schock �ber die Nachricht von Vater Estev�os Tod wird abgeklungen sein. Die Leiche wird erst morgen hier eintreffen. Was ist mit dem heutigen Abend?�</p><p>�Sie werden alle Bars schlie�en m�ssen. Verbieten Sie, da� Alkohol ausgeschenkt wird. Stellen Sie Grego bis nach der Beerdigung unter Arrest. Verh�ngen Sie eine Ausgangssperre ab Sonnenuntergang und lassen Sie alle Polizisten Dienst schieben. Lassen Sie sie in Vierergruppen die ganze Nacht Streife gehen, und r�sten Sie sie mit Schlagst�cken und Seitenwaffen aus.�</p><p>�Unsere Polizei hat keine Seitenwaffen.�</p><p>�Geben Sie ihnen trotzdem welche. Sie m�ssen sie ja nicht laden, sie sollen sie nur <emphasis>zeigen. </emphasis>Ein Schlagstock ist eine Einladung, mit den Beh�rden zu streiten, weil man immer davonlaufen kann. Eine Pistole ist eine Aufforderung, sich h�flich zu benehmen.�</p><p>�Das klingt sehr extrem�, sagte Bischof Peregrino. �Ein Ausgangsverbot! Was ist mit den Arbeitern, die Nachtschicht haben?�</p><p>�Stellen Sie alle Arbeit bis auf die unbedingt lebensnotwendigen Dienste ein.�</p><p>�Verzeihen Sie, Valentine�, sagte B�rgermeister Kovano, �aber blasen wir die Dinge nicht nur unn�tig auf, wenn wir so �berreagieren? Vielleicht <emphasis>verursachen </emphasis>wir damit genau die Panik, die wir vermeiden wollen.�</p><p>�Sie haben nie einen Aufruhr gesehen, nicht wahr?�</p><p>�Nur das, was letzte Nacht passiert ist�, sagte der B�rgermeister.</p><p>�Milagre ist eine sehr kleine Stadt�, sagte Bischof Peregrino. �Nur etwa f�nfzehntausend Bewohner. Wir sind kaum gro� genug, um einen echten Aufruhr zu haben � den gibt es in gro�en St�dten, auf dicht besiedelten Welten.�</p><p>�Das ist keine Frage der Bev�lkerungsgr��e�, sagte Valentine, �sondern eine der Bev�lkerungsdichte und des Ausma�es der Angst. Ihre f�nfzehntausend Menschen sind auf einen Raum zusammengepfercht, der kaum die Gr��e der Innenstadt einer gro�en Gemeinde hat. Die Stadt ist umz�unt, weil drau�en unvorstellbar fremde Gesch�pfe leben, die glauben, ihnen geh�re die ganze Welt, obwohl jeder die gewaltigen Pr�rien sehen kann, die den Menschen offenstehen sollten; doch die Schweinchen verweigern sie ihnen. Die Stadt wurde sozusagen von der Pest gebeutelt, und nun sind die Menschen von jeder anderen Welt abgeschnitten, und es kommt eine Flotte, die diesen Planeten in naher Zukunft besetzen und die Menschen unterdr�cken und bestrafen wird. Und an <emphasis>allem </emphasis>tragen nach der Vorstellung dieser Menschen die Schweinchen Schuld. Gestern abend erfuhren sie erstmals, da� die Schweinchen wieder get�tet haben, trotz ihres ernsten Eides, nie wieder einem Menschen Schaden zuzuf�gen. Zweifellos hat Grego ihnen eine farbige Schilderung des Verrats der Schweinchen geboten � der Junge kann mit Worten umgehen �, und die wenigen M�nner, die in den Bars waren, haben gewaltt�tig reagiert. Ich versichere Ihnen, wenn Sie es nicht verhindern, wird es heute abend nur noch schlimmer kommen.�</p><p>�Wenn wir derartig unterdr�ckende Zwangsma�nahmen anordnen, werden sie glauben, <emphasis>wir </emphasis>w�ren in Panik geraten�, sagte Bischof Peregrino.</p><p>�Sie werden glauben, Sie h�tten alles fest unter Kontrolle. Die ausgeglichenen Menschen werden Ihnen dankbar sein. Sie werden das �ffentliche Vertrauen wiederherstellen.�</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte B�rgermeister Kovano. �Kein anderer B�rgermeister hat jemals so etwas angeordnet.�</p><p>�Es bestand auch noch nie ein Grund dazu.�</p><p>�Die Leute werden behaupten, ich h�tte die geringste Ursache benutzt, um mir eine diktatorische Machtf�lle anzueignen.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Valentine.</p><p>�Sie werden nie glauben, da� es wirklich einen Aufruhr gegeben h�tte.�</p><p>�Vielleicht unterliegen Sie also bei der n�chsten Wahl�, sagte Valentine. �Na und?�</p><p>Peregrino lachte laut. �Sie denkt wie ein Kleriker.�</p><p>�Ich bin bereit, eine Wahl zu verlieren, wenn ich jetzt das Richtige tue�, sagte Kovano etwas zweifelnd.</p><p>�Sie wissen nur nicht, ob es das Richtige ist�, sagte Valentine.</p><p>�Nun, Sie k�nnen nicht mit Sicherheit sagen, da� es heute abend einen Aufruhr geben wird.�</p><p>�Doch, das kann ich�, entgegnete Valentine. �Ich verspreche Ihnen, das Sie viel mehr verlieren werden als nur die n�chste Wahl, wenn Sie die Dinge jetzt nicht fest in die Hand nehmen und verhindern, da� sich heute abend Mobs zusammenrotten.�</p><p>Der Bischof kicherte noch immer. �Das klingt nicht nach der Frau, die uns sagte, sie w�rde uns an ihrer Weisheit teilhaben lassen, doch wir d�rften nicht zuviel von ihr erwarten.�</p><p>�Was schlagen Sie vor, wenn Sie glauben, da� ich �berreagiere?�</p><p>�Ich werde heute abend einen Gottesdienst f�r Quim abhalten und um Frieden und Ruhe beten.�</p><p>�Das wird genau die Leute in die Kirche locken, die sowieso nicht an einem Aufruhr teilnehmen w�rden.�</p><p>�Sie verstehen nicht, wie wichtig den Leuten von Lusitania der Glaube ist�, sagte Peregrino.</p><p>�Und Sie verstehen nicht, wie verheerend Furcht und Zorn sein kann und wie schnell die Religion, die Zivilisation und menschlicher Anstand vergessen werden, wenn sich Mobs bilden.�</p><p>�Ich versetze die gesamte Polizei heute abend in Alarmbereitschaft�, sagte B�rgermeister Kovano, �und lasse die H�lfte der Leute Dienst tun. Aber ich werde die Bars nicht schlie�en und auch keine Ausgangssperre verh�ngen. Ich will, da� das Leben so normal wie m�glich weitergeht. Wenn <emphasis>wir </emphasis>anfangen, alles zu �ndern, alles lahmzulegen, geben wir ihnen um so mehr Grund, �ngstlich und w�tend zu reagieren.�</p><p>�Sie w�rden ihnen das Gef�hl geben, da� die Beh�rden die Lage unter Kontrolle haben�, sagte Valentine. �Sie w�rden Schritte ergreifen, die im richtigen Verh�ltnis zu den schrecklichen Gef�hlen stehen, die sie haben. Sie w�rden wissen, da� jemand <emphasis>irgend etwas </emphasis>tut.�</p><p>�Sie <emphasis>sind </emphasis>sehr weise�, sagte Bischof Peregrino, �und Ihr Rat w�re der beste f�r eine gro�e Stadt, besonders auf einem Planeten, der dem christlichen Glauben weniger treu ergeben ist. Doch wir sind nur ein Dorf, und die Leute sind fromm. Sie brauchen nicht herumgesto�en zu werden. Sie brauchen heute abend Ermutigung und Trost, keine Ausgangssperren, geschlossenen Bars, Pistolen und Patrouillen.�</p><p>�Sie m�ssen die Entscheidung treffen�, entgegnete Valentine. �Wie ich sagte, die Weisheit, die ich habe, teile ich gern mit Ihnen.�</p><p>�Und wir wissen das zu sch�tzen. Sie k�nnen sicher sein, da� ich heute abend alles genau im Auge behalten werde�, sagte Kovano.</p><p>�Danke, da� Sie mich eingeladen haben�, sagte Valentine. �Aber wie Sie sehen k�nnen, ist nicht viel dabei herausgekommen.�</p><p>Sie erhob sich. Ihr K�rper schmerzte, weil sie so lange auf diesem unbequemen Stuhl gesessen hatte. Sie hatte sich <emphasis>nicht </emphasis>vorgebeugt. Noch verbeugte sie sich nun, als ihr der Bischof seine Hand zum Ku� reichte. Statt dessen sch�ttelte sie sie kr�ftig. Als Gleichberechtigte. Als Fremde.</p><p>Sie verlie� den Raum. Sie hatte sie gewarnt und ihnen gesagt, was sie tun sollten. Doch wie die meisten F�hrer, die niemals eine echte Krise miterlebt hatten, glaubten sie nicht, da� sich der heutige Abend von den meisten anderen unterscheiden w�rde. Die Menschen glauben wirklich nur an das, was sie zuvor schon einmal gesehen haben. Nach dem heutigen Abend wird Kovano an Ausgangssperren und das rechtzeitige Schlie�en �ffentlicher Stra�en glauben. Doch dann wird es zu sp�t sein. Dann werden sie die Todesf�lle z�hlen.</p><p>Wie viele Gr�ber w�rden neben dem Quims ausgehoben werden? Und wer w�rde in ihnen liegen?</p><p>Obwohl Valentine hier eine Fremde war und nur wenige Leute kannte, konnte sie einen Aufruhr einfach nicht als unvermeidbar hinnehmen. Es gab nur eine andere Hoffnung. Sie w�rde mit Grego sprechen. Versuchen, ihm klarzumachen, wie ernst die Lage hier war. Falls er heute abend von Bar zu Bar zog, ruhig sprach und zu Geduld riet, konnte der Aufruhr vielleicht verhindert werden. Nur ihm war das m�glich. Sie kannten ihn. Er war Quims Bruder. Er war derjenige, dessen Worte sie gestern abend so aufgebracht hatten. Vielleicht h�rten ihm genug Menschen zu, da� der Aufruhr im Zaum gehalten, kontrolliert und in die richtigen Kan�le geleitet werden konnte. Sie mu�te Grego finden.</p><p>W�re doch, nur Ender hier. Sie war Historikerin; er hatte schon M�nner in die Schlacht gef�hrt. Na ja, eigentlich Jungs. Er hatte Jungen gef�hrt. Doch es war dasselbe � er w�rde wissen, was zu tun war. Warum ist er jetzt fort? Warum liegt diese Sache in <emphasis>meinen </emphasis>H�nden? Ich bin nicht geschaffen f�r Gewalt und Konfrontation und war es noch nie. Deshalb war Ender �berhaupt geboren worden, ein drittes Kind, empfangen auf Verlangen der Regierung in einer Zeit, in der Eltern normalerweise nicht mehr als zwei Kinder haben durften, wollten sie nicht das Risiko verheerender rechtlicher Sanktionen auf sich nehmen: weil Peter zu verdorben und sie, Valentine, zu weich gewesen war.</p><p>Ender h�tte den B�rgermeister und den Bischof dazu �berredet, vern�nftige Ma�nahmen zu ergreifen. Und wenn ihm das nicht gelungen w�re, w�re er selbst in die Stadt gegangen, h�tte die Menschen beruhigt und die Lage unter Kontrolle gehalten.</p><p>Doch als sie w�nschte, Ender w�re bei ihr, wu�te sie, da� selbst er nicht unter Kontrolle halten k�nnte, was heute abend geschehen w�rde. Vielleicht h�tte nicht einmal ausgereicht, was <emphasis>sie </emphasis>vorgeschlagen hatte. Ihre Schlu�folgerungen dar�ber, was heute abend passieren w�rde, beruhten auf allem, was sie auf vielen verschiedenen Welten in vielen verschiedenen Zeiten gesehen und gelesen hatte. Die Unruhen des gestrigen Abends w�rden sich heute eindeutig viel weiter ausbreiten. Doch nun begriff sie allm�hlich, da� die Dinge vielleicht sogar noch <emphasis>schlimmer </emphasis>standen, als sie anfangs angenommen hatte. Die Menschen von Lusitania lebten schon viel zu lange auf einer fremden Welt, ohne ihre �ngste ausdr�cken zu k�nnen. Jede andere menschliche Kolonie hatte sich augenblicklich ausgebreitet, ihre Welt in Besitz genommen, sie innerhalb von ein paar Generationen zu ihrer eigenen gemacht. Die Menschen von Lusitania lebten noch in einer winzigen Enklave, praktisch in einem Zoo, durch dessen Gitterst�be schreckliche, schweine�hnliche Gesch�pfe starrten. Es lie� sich nicht absehen, was sich in diesen Menschen aufgestaut hatte. Wahrscheinlich konnte man es gar nicht mehr im Zaum halten. Keinen einzigen Tag lang.</p><p>In den vergangenen Jahren war Libos und Pipos Tod schon schlimm genug gewesen. Doch sie waren Wissenschaftler gewesen und hatten sich unter den Schweinchen aufgehalten. Bei ihnen war es wie mit einem Flugzeugabsturz oder einer Raumschiffexplosion. Wenn nur die Mannschaft an Bord war, regte sich die �ffentlichkeit nicht ganz so auf � die Mannschaft wurde bezahlt f�r das Risiko, das sie einging. Nur der Tod von Zivilisten bei solchen Unf�llen verursachte Furcht und Zorn. Und in der Vorstellung der Menschen von Lusitania war Quim ein unschuldiger Zivilist.</p><p>Nein, mehr als das: Er war ein Heiliger, der diesen unw�rdigen Halbtieren die Bruderschaft und Heiligkeit gebracht hatte. Ihn zu t�ten war nicht nur bestialisch und grausam, es war ein Sakrileg.</p><p>Die Menschen von Lusitania waren sicherlich so fromm, wie Bischof Peregrino es annahm. Er verga� dabei jedoch, wie fromme Menschen schon immer auf Beleidigungen gegen ihren Gott reagiert hatten. Peregrino erinnert sich nicht genug an die Geschichte des Christentums, dachte Valentine, oder glaubt vielleicht, all das h�tte mit den Kreuzz�gen aufgeh�rt. Wie konnte Peregrino glauben, wenn die Kathedrale das Zentrum des Lebens auf Lusitania war und die Menschen ihre Priester liebten, da� die Trauer �ber den Mord an einem Priester in einem einfachen Gedenkgottesdienst Ausdruck finden konnte? Es w�rde ihre Wut nur steigern, wenn der Bischof zu glauben schien, Quims Tod habe keine gro�e Bedeutung. Er trug nichts zur L�sung des Problems bei, sondern verschlimmerte es nur.</p><p>Sie suchte noch immer nach Grego, als sie h�rte, wie die Glocken gel�utet wurden. Der Ruf zum Gebet. Doch es war nicht an der �blichen Zeit f�r eine Messe; die Leute mu�ten �berrascht aufschauen und sich fragen: Warum l�utet die Glocke? Und sich dann erinnern � Vater Estev�o ist tot. Vater Quim wurde von den Schweinchen ermordet. Ah, ja, Peregrino, was f�r eine ausgezeichnete Idee, die Gebetsglocke zu l�uten. Das wird den Eindruck der Leute verst�rken, alles sei ruhig und normal.</p><p>O Herr, besch�tze uns vor allen weisen M�nnern.</p><empty-line/><p>Miro lag in der Kr�mmung einer von Menschs Wurzeln zusammengerollt. Er hatte in der vergangenen Nacht nicht viel geschlafen, wenn �berhaupt, doch jetzt lag er hier, ohne sich zu r�hren, w�hrend �berall um ihn herum Pequeninos kamen und gingen und mit ihren St�cken Rhythmen auf Menschs und W�hlers St�mme schlugen. Miro h�rte die Gespr�che und verstand sogar die meisten davon, obwohl er die Vaterzunge noch nicht flie�end sprach, da die Br�der keine Anstrengungen unternahmen, ihre eigenen aufgeregten Gespr�che vor ihm zu verbergen. Er war schlie�lich Miro. Sie vertrauten ihm. Also durfte er ruhig mitbekommen, wie w�tend und ver�ngstigt sie waren.</p><p>Der Vaterbaum namens Kriegmacher hatte einen Menschen get�tet. Und nicht nur irgendeinen Menschen � er und sein Stamm hatten Vater Estev�o ermordet, den geliebtesten aller Menschen nach dem Sprecher f�r die Toten selbst. Es war unaussprechlich. Was sollten sie tun? Sie hatten dem Sprecher versprochen, nicht mehr gegeneinander Krieg zu f�hren, doch wie sonst konnten sie Kriegmachers Stamm bestrafen und den Menschen zeigen, da� die Pequeninos deren gewaltt�tigen Akt verabscheuten? Krieg war die einzige Antwort. Alle Br�der eines jeden Stammes mu�ten Kriegmachers Wald angreifen und alle B�ume f�llen, bis auf die, von denen bekannt war, da� sie gegen Kriegmachers Plan gesprochen hatten.</p><p>Und ihr Mutterbaum? Diese Redeschlacht tobte noch: ob es ausreichte, alle Br�der und mitschuldigen Vaterb�ume in Kriegmachers Wald zu t�ten, oder ob sie auch den Mutterbaum f�llen sollten, damit Kriegmachers Saat nie wieder Wurzeln schlagen konnte. Damit w�rde Kriegmacher lange genug leben, um die Vernichtung seines Stammes zu beobachten, und dann w�rden sie ihn verbrennen, die schrecklichste aller Hinrichtungsformen und die einzige Gelegenheit, bei der die Pequeninos jemals in einem Wald Feuer benutzten.</p><p>Miro h�rte das alles, wollte sprechen, wollte sagen: Welchen Sinn hat das jetzt noch? Doch er wu�te, da� er die Pequeninos nicht aufhalten konnte. Sie waren jetzt zu w�tend, zum Teil, weil sie um Quim trauerten, zu einem gro�en Teil aber auch, weil sie sich sch�mten. Kriegmacher hatte sie alle besch�mt, indem er den Vertrag gebrochen hatte. Die Menschen w�rden den Pequeninos nie wieder vertrauen, au�er sie vernichteten Kriegmacher und seinen Stamm v�llig.</p><p>Die Entscheidung wurde getroffen. Morgen fr�h w�rden alle Br�der zu Kriegmachers Wald aufbrechen. Es w�rde viele Tage dauern, bis sie sich alle versammelt hatten, denn an dieser Unternehmung mu�ten alle W�lder der Welt gemeinsam teilnehmen. Wenn sie bereit waren und Kriegmachers Wald umzingelt hatten, w�rden sie ihn so gr�ndlich zerst�ren, da� niemand vermuten konnte, da� sich dort einmal ein Wald befunden hatte.</p><p>Die Menschen w�rden es sehen. Ihre Satelliten w�rden ihnen zeigen, wie die Pequeninos mit Vertragsbrechern und feigen M�rdern umgingen. Dann w�rden die Menschen den Pequeninos wieder vertrauen. Dann konnten die Pequeninos wieder in der Gegenwart eines Menschen ohne Scham die K�pfe heben.</p><p>Allm�hlich begriff Miro, da� sie ihn nicht einfach ihre Gespr�che und Entscheidungen mith�ren lie�en. Sie <emphasis>sorgten </emphasis>daf�r, da� er alles h�rte und verstand, was sie taten. Sie erwarten von mir, da� ich die Stadt dar�ber informiere. Sie erwarten von mir, da� ich den Menschen von Lusitania genau erkl�re, wie die Pequeninos Quims M�rder bestrafen wollen.</p><p>Begreifen sie nicht, da� ich jetzt hier ein Fremder bin? Wer von den Menschen Lusitanias w�rde schon auf mich h�ren � auf einen verkr�ppelten Jungen aus der Vergangenheit, dessen Sprache so langsam und schwer zu verstehen ist? Ich habe keinen Einflu� auf andere Menschen. Ich habe kaum Einflu� auf meinen eigenen K�rper.</p><p>Dennoch war es Miros Pflicht. Er erhob sich langsam, entknotete sich von seinem Platz zwischen Menschs Wurzeln. Er w�rde es versuchen. Er w�rde zu Bischof Peregrino gehen und ihm sagen, was die Pequeninos vorhatten. Bischof Peregrino w�rde die Nachricht verbreiten, und dann konnten sich die Menschen in dem Wissen besser f�hlen, da� Tausende unschuldiger Pequeninokinder als Vergeltung f�r den Tod eines einzigen Menschen sterben w�rden. Was sind schlie�lich schon Pequenino-Babys? Nur W�rmer, die im dunklen Bauch eines Mutterbaums leben. Es w�rde diesen Menschen niemals in den Sinn kommen, da� es kaum einen moralischen Unterschied zwischen diesem Massenmord an Pequeninobabies und K�nig Herodes' Massenmord an Neugeborenen zur Zeit von Jesu Geburt gab. Sie hatten es nur auf <emphasis>Gerechtigkeit </emphasis>abgesehen. Was ist schon im Vergleich dazu die vollst�ndige Ausl�schung eines Pequeninostammes?</p><empty-line/><p>Grego: Ich stehe in der Mitte des Rasenvierecks, die Menge wachsam um mich herum, jeder von ihnen mit einem straffen, unsichtbaren Draht mit mir verbunden, so da� mein Wille ihr Wille ist, mein Mund ihre Worte spricht, ihre Herzen in meinem Rhythmus schlagen. Ich habe so etwas noch nie zuvor empfunden, diese Art von Leben, Teil einer solchen Gruppe zu sein, und nicht nur Teil davon, sondern auch der Geist, der Mittelpunkt, so da� mein Selbst sie alle umschlie�t, Hunderte von ihnen, und meine Wut ihre Wut ist, ihre H�nde meine H�nde sind, ihre Augen nur sehen, was ich ihnen zeige.</p><p>Diese Musik, diese Kadenz: Anrufung, Antwort, Anrufung, Antwort.</p><p>�Der Bischof sagt, da� wir um Gerechtigkeit beten werden, doch ist das genug?�</p><p>�Nein!�</p><p>�Die Pequeninos sagen, da� <emphasis>sie </emphasis>den Wald vernichten werden, der meinen Bruder ermordet hat, doch glauben wir ihnen?�</p><p>�Nein!�</p><p>Sie vervollst�ndigen meine Rede; wenn ich innehalten mu�, um einzuatmen, rufen sie f�r mich, so da� meine Stimme niemals verstummt, sondern sich aus den Kehlen von f�nfhundert M�nnern und Frauen erhebt. Der Bischof kam zu mir, voller Frieden und Geduld. Der B�rgermeister kam zu mir, mit seinen Warnungen vor der Polizei und einem Aufruhr und seinen Andeutungen, mich zu verhaften. Valentine kam zu mir, ganz eiskalter Intellekt, und sprach von meiner Verantwortung. Sie alle kennen meine Macht, Macht, von der ich nie wu�te, da� ich sie hatte, Macht, die erst begann, als ich ihnen nicht mehr gehorchte und schlie�lich die Worte, die in meinem Herzen waren, zu den Leuten selbst sprach. Wahrheit ist meine Macht. Ich h�rte auf, die Leute zu t�uschen, und gab ihnen die Wahrheit, und nun sehe ich, was aus mir geworden ist, was aus uns allen geworden ist.</p><p>�Wenn jemand die Schweine f�r den Mord an Quim bestrafen sollte, dann wir. Ein Menschenleben sollte von Menschenhand ger�cht werden! Sie behaupten, die Strafe f�r die M�rder sei der Tod � doch nur wir haben das Recht, den Henker zu ernennen! <emphasis>Wir </emphasis>m�ssen sicherstellen, da� die Strafe vollzogen wird!�</p><p>�Ja! Ja!�</p><p>�Sie lie�en meinen Bruder in den Qualen der Descolada sterben! Sie sahen zu, wie sein K�rper von innen verbrannte! Nun werden wir diesen Wald niederbrennen!�</p><p>�Verbrannt sie! Feuer! Feuer!�</p><p>Sieh, wie sie Streichh�lzer anz�nden, wie sie Grasb�schel ausrei�en und sie anz�nden. Die Flamme, die wir gemeinsam anz�nden werden!</p><p>�Morgen werden wir zu einer Strafexpedition aufbrechen��</p><p>�Heute abend! Heute abend! Sofort!�</p><p>�Morgen� wir k�nnen heute abend nicht gehen� wir m�ssen Wasser und Vorr�te besorgen��</p><p>�Jetzt! Heute abend! Verbrennt sie!�</p><p>�Ich sage euch, wir kommen in einer Nacht nicht dorthin, es ist Hunderte von Kilometern entfernt, wir brauchen Tage f�r diese Strecke�!�</p><p>�Die Schweinchen sind direkt hinter dem Zaun��</p><p>�Nicht die, die Quim get�tet haben��</p><p>�Alle Schweinchen sind m�rderische kleine Mistkerle!�</p><p>�Das sind doch die, die Libo get�tet haben, oder?�</p><p>�Sie haben Pipo und Libo get�tet!�</p><p>�Verbrennt sie heute abend!�</p><p>�Verbrennt sie alle!�</p><p>�Lusitania f�r uns, nicht f�r Tiere!�</p><p>Sind sie verr�ckt? Wie k�nnen sie glauben, er w�rde sie <emphasis>diese </emphasis>Schweinchen t�ten lassen � sie hatten nichts getan. �Es ist Kriegmacher! Kriegmacher und seinen Wald m�ssen wir bestrafen!�</p><p>�Bestraft sie!�</p><p>�T�tet die Schweinchen!�</p><p>�Verbrennt sie!�</p><p>�Feuer!�</p><p>Ein kurzes Schweigen. Eine Gelegenheit. La� dir die richtigen Worte einfallen. La� dir etwas einfallen, das sie zur�ckholt. Sie entgleiten dir. Sie waren Teil meines K�rpers, sie waren Teil meines Selbst, doch nun entgleiten sie mir, eine Zuckung, und ich habe die Kontrolle verloren, falls ich sie jemals gehabt haben sollte. Was kann ich in diesem Sekundenbruchteil des Schweigens sagen, das sie wieder zur Vernunft bringen wird?</p><p>Zu lange. Grego fiel nichts ein, wartete zu lange. Die Stimme eines Kindes erf�llte die kurze Stille, die Stimme eines Jungen, der noch nicht im Mannesalter war, genau die Art von Stimme, die den schwelenden heiligen Zorn in den Herzen zum Ausbruch bringen, sie zu unwiderruflichen Taten anstacheln konnte. Rief das Kind: �F�r Quim und Christus!�</p><p>�Quim und Christus! Quim und Christus!�</p><p>�Nein!� rief Grego. �Wartet! Das d�rft ihr nicht!�</p><p>Sie rempeln ihn an, rei�en ihn zu Boden. Er ist auf allen vieren, jemand tritt auf seine Hand. Wo ist der Stuhl, auf dem er stand? Hier ist er, halte dich daran fest, damit sie dich nicht niedertrampeln, sie werden mich umbringen, wenn ich nicht aufstehe, ich mu� mit ihnen, aufstehen und mit ihnen gehen, mit ihnen laufen, oder sie werden mich niedertrampeln.</p><p>Und dann waren sie weg, an ihm vorbei, br�llend, schreiend. Sie hielten winzige Flammen hoch, riefen �Feuer!� und �Verbrennen!� und �Quim und Christus!� und ergossen sich wie ein Lavastrom von dem Platz zum Wald, der auf dem nicht allzu weiten H�gel auf sie wartete.</p><p>�Gott im Himmel, was tun sie?�</p><p>Es war Valentine. Grego kniete neben dem Stuhl, st�tzte sich darauf ab, und sie stand neben ihm und beobachtete sie, wie sie sich von diesem alten, leeren Krater entfernten, an dem das Feuer in Brand gesetzt worden war.</p><p>�Grego, du selbstgerechter Hurensohn, was hast du getan?�</p><p>Ich? �Ich wollte sie gegen Kriegmacher f�hren. Ich wollte sie zur <emphasis>Gerechtigkeit </emphasis>f�hren.�</p><p>�Du bist Physiker, du Idiot. Hast du noch nie vom Unsicherheitsprinzip geh�rt?�</p><p>�Partikelphysik. Philotische Physik.�</p><p><emphasis>�Gruppenphysik, </emphasis>Grego. Du hast sie nie beherrscht. Sie haben dich beherrscht. Und jetzt haben sie dich nicht mehr n�tig, und sie werden den Wald unserer besten Freunde und Ratgeber unter den Pequeninos vernichten, und wozu wird das f�hren? Zu einem Krieg zwischen Menschen und Pequeninos, wenn sie nicht �ber unmenschliche Selbstbeherrschung verf�gen, und es wird unsere Schuld sein.�</p><p>�Kriegmacher hat Quim get�tet.�</p><p>�Ein Verbrechen. Aber hier, Grego, hast du eine Greueltat ausgel�st.�</p><p>�Ich war es nicht!�</p><p>�Bischof Peregrino hat sich mit dir beraten. B�rgermeister Kovano hat dich gewarnt. Ich habe dich gebeten. Und du hast es trotzdem getan.�</p><p>�Du hast mich vor einem Aufruhr gewarnt, nicht <emphasis>davor�</emphasis>�</p><p>�Das ist ein Aufruhr, du Narr. Schlimmer als ein Aufruhr. Es ist ein Pogrom. Ein Massaker. Das T�ten von Babys. Es ist der erste Schritt auf der langen, schrecklichen Stra�e zum Xenozid.�</p><p>�Du kannst mir nicht f�r alles die Schuld geben!�</p><p>Ihr Gesicht ist so schrecklich im Mondlicht, im Licht, das aus den T�ren und Fenstern der Bars f�llt. �Ich gebe dir nur die Schuld f�r das, was du getan hast. Du hast trotz aller Warnungen an einem hei�en, trockenen, windigen Tag ein Feuer in Brand gesetzt. Daf�r gebe ich dir die Schuld, und wenn du nicht die Verantwortung f�r alle Folgen deiner eigenen Taten auf dich nimmst, bist du der menschlichen Gesellschaft wahrhaftig unw�rdig, und ich hoffe, da� du f�r immer deine Freiheit verlierst.�</p><p>Sie ist verschwunden. Wohin? Um was zu tun? Sie kann ihn hier nicht allein lassen. Es ist nicht richtig, ihn allein zu lassen. Vor ein paar Augenblicken war er noch so gro�, mit f�nfhundert Herzen und Gehirnen und M�ndern, tausend H�nden und F��en, und jetzt war alles fort, als sei sein gro�er, neuer K�rper gestorben und er als bebender Geist von Mann �briggeblieben, ein einziger schmaler Wurm von Seele, der das starke Fleisch, das er beherrscht hatte, verloren hatte. Er hatte niemals solch eine Angst empfunden. Sie hatten ihn in ihrer Eile, ihn zu verlassen, beinahe get�tet, beinahe im Gras totgetrampelt.</p><p>Doch sie geh�rten trotzdem ihm. Er hatte sie geschaffen, einen einzigen Mob aus ihnen gemacht, und obwohl sie falsch verstanden hatten, <emphasis>wozu </emphasis>er sie geschaffen hatte, verhielten sie sich noch immer der Wut gem��, die er in ihren hervorgerufen hatte, und mit dem Plan, den er ihnen eingegeben hatte. Ihr Ziel war schlecht, mehr aber auch nicht � ansonsten taten sie genau das, was er gewollt hatte. Valentine hatte recht. Es war seine Verantwortung. Was sie jetzt taten, hatte er so sicher bewerkstelligt, als w�re er noch an ihrer Spitze und w�rde sie f�hren.</p><p>Was konnte er also tun?</p><p>Sie aufhalten. Wieder die Kontrolle �bernehmen. Sich ihnen in den Weg stellen und sie bitten, es nicht zu tun. Sie wollten nicht den fernen Wald des verr�ckten Vaterbaums Kriegmacher niederbrennen, sie wollten Pequeninos abschlachten, die er <emphasis>kannte, </emphasis>auch wenn er sie nicht besonders mochte. Er mu�te sie aufhalten, oder ihr Blut w�re an seinen H�nden wie Farbe, die man nicht abwaschen oder abreiben konnte, ein Mal, das er nie loswerden w�rde.</p><p>Also lief er los, folgte dem schlammigen Pfad ihrer Fu�abdr�cke durch die Stra�en, deren Gras in den Dreck niedergetrampelt war. Er lief, bis er Seitenstiche bekam, erreichte die Stelle, an der sie innegehalten hatten, um den Zaun zu durchbrechen � wo war das das Disruptorfeld, als wir es brauchten? Warum hat es niemand eingeschaltet? � und weiter zu dem H�gel, wo bereits Flammen in den Himmel schlugen.</p><p>�H�rt auf! Macht das Feuer aus!�</p><p>�Brennt sie nieder!�</p><p>�F�r Quim und Christus!�</p><p>�Sterbt, Schweine!�</p><p>�Da ist eins! Es haut ab!�</p><p>�T�tet es!�</p><p>�Verbrennt es!�</p><p>�Die B�ume sind nicht trocken genug � das Feuer greift nicht �ber!�</p><p>�Doch, es brennt!�</p><p>�F�llt die B�ume!�</p><p>�Da ist noch eins!�</p><p>�He, die kleinen Mistkerle greifen an!�</p><p>�Zerrei�t sie!�</p><p>�Gib mir diese Sichel, wenn du sie nicht benutzen willst!�</p><p>�Zerrei�t das kleine Schwein!�</p><p>�F�r Quim und Christus!�</p><p>Blut spr�ht in einem weiten Bogen auf und spritzt in Gregos Gesicht, als er einen Satz nach vorn macht und sie aufzuhalten versucht. Kannte ich es? Kannte ich die Stimme dieses Pequeninos, bevor sie von einem Schrei des Schmerzes und Todes zerrissen wurde? Ich kann diesen R�cken nicht mehr zusammensetzen, sie haben ihn gebrochen. Sie. <emphasis>Sie </emphasis>gebrochen. Eine Gattin. Eine noch nie zuvor gesehene Gattin. Dann m�ssen wir fast in der Mitte des Waldes sein, und dieser Riese mu� der Mutterbaum sein.</p><p>�Wenn ich je einen Killerbaum gesehen habe, dann den hier!�</p><p>Am Rand der Lichtung, auf der der gro�e Baum stand, schwankten die kleineren B�ume pl�tzlich und st�rzten dann um, unten an den St�mmen abgetrennt. Einen Augenblick lang glaubte Grego, die Menschen h�tten sie gef�llt, doch dann sah er, da� sich niemand in der N�he dieser B�ume befand. Sie brachen von allein ab, warfen sich im Tod nieder, um die m�rderischen Menschen unter ihren St�mmen und �sten zu begraben und zu versuchen, den Mutterbaum zu retten.</p><p>Einen Augenblick lang funktionierte es. M�nner schrien vor Schmerz auf; vielleicht ein oder zwei Dutzend wurden von den fallenden St�mmen zerquetscht oder begraben. Doch dann war alles gefallen, was fallen konnte, und der Mutterbaum stand noch immer da. Ihr Stamm bewegte sich in seltsamen Wellen.</p><p>�La�t sie leben!� rief Grego. �Es ist der Mutterbaum! Sie ist unschuldig!�</p><p>Doch seine Stimme ging im Geschrei der Verletzten und Gefangenen unter, und im Schrecken, der die Menschen �berkam, als sie begriffen, da� der Wald zur�ckschlagen konnte, da� dies kein Spiel von Rache und Gerechtigkeit, sondern ein echter Krieg war.</p><p>�Brennt ihn nieder! Brennt ihn nieder!� Der Gesang war laut genug, um die Schreie der Sterbenden zu �bert�nen. Und nun lagen die Bl�tter und �ste der gefallenen B�ume zum Mutterbaum hin ausgestreckt; sie z�ndeten diese �ste an, und sie fingen sofort Feuer. Einige wenige M�nner kamen so weit zur Vernunft, um zu begreifen, da� ein Feuer, das den Mutterbaum verbrannte, auch die M�nner verbrennen w�rde, die unter den gefallenen Br�derb�umen lagen, und begannen, sie zu bergen. Doch die meisten M�nner ri� der Erfolg mit sich. F�r sie war der Mutterbaum Kriegmacher, der M�rder; f�r sie war alles fremd in dieser Welt, der Feind, der sie in einer Umz�unung hielt, der Grundeigent�mer, der sie auf einer so gro�en Welt absichtlich auf einen so kleinen Fleck Land beschr�nkt hielt. Der Mutterbaum stand f�r Unterdr�ckung und Macht, f�r Fremdartigkeit und Gefahr, und sie hatten ihn besiegt.</p><p>Grego ri� sich von den Schreien der Eingeklemmten los, die sahen, wie das Feuer n�her kam, von dem Heulen der M�nner, die das Feuer erreicht hatte, dem triumphierenden Gesang der M�nner, die diesen Mord begangen hatten. �F�r Quim und Christus! F�r Quim und Christus!� Fast w�re Grego davongelaufen, unf�hig zu ertragen, was er sah und roch und h�rte, die hellen, orangefarbenen Flammen, den Geruch verbrannten Menschenfleischs und das Knistern des brennenden lebenden Holzes.</p><p>Aber er lief <emphasis>nicht. </emphasis>Statt dessen half er denen, die zum Rand des Feuers st�rzten, um Eingeklemmte unter den gefallenen B�umen hervorzuziehen. Er wurde versengt, und seine Kleidung fing Feuer, doch der hei�e Schmerz bedeutete nichts, war fast eine Gnade, weil es sich um eine Strafe handelte, die er verdient hatte. Er sollte eigentlich hier an diesem Ort sterben. Er w�re vielleicht sogar gestorben, h�tte sich so tief in das Feuer gest�rzt, da� er erst herausgekommen w�re, wenn sein Verbrechen aus ihm hinausgebrannt worden und nur noch Knochen und Asche �briggeblieben w�re, doch er mu�te weitere Verletzte aus der Reichweite des Feuers ziehen, weitere Menschenleben retten. Au�erdem schlug jemand die Flammen auf seiner Schulter aus und half ihm, einen Baum hochzuheben, damit sich der Junge, der darunter lag, befreien konnte.</p><p>�F�r Quim und Christus!� wimmerte der Junge, als er aus den Flammen kroch.</p><p>Hier war er, der Junge, dessen Worte die Stille erf�llt und die Menge hierher gelenkt hatten. Du warst es, dachte Grego. Du hast sie mir entrissen.</p><p>Der Junge sah zu ihm auf und erkannte ihn. �Grego!� rief er und sprang zu ihm. Seine Arme schlangen sich um Gregos Schenkel, sein Kopf dr�ckte sich gegen Gregos H�fte. �Onkel Grego!�</p><p>Es war Olhados �ltester Sohn, Nimbo.</p><p>�Wir haben es getan!� rief Nimbo. �F�r Onkel Quim!�</p><p>Die Flammen knisterten. Grego hob den Jungen hoch und trug ihn fort, stolperte mit ihm von den hei�esten Flammen in die Dunkelheit, an einen Ort, an dem es k�hl war. Alle M�nner wurden in diese Richtung getrieben; die Flammen leiteten sie, und der Wind trieb die Flammen. Die meisten waren, wie Grego, ersch�pft, ver�ngstigt, hatten Schmerzen oder halfen Verletzten.</p><p>Doch einige waren noch unber�hrt. �Brennt sie alle nieder!� Die Stimmen hier und da, kleinere Mobs wie winzige Strudel in einem gr��eren Strom, doch sie hielten nun brennende �ste und Fackeln von dem Feuer in den H�nden, das im Herz des Waldes tobte. �F�r Quim und Christus! F�r Libo und Pipo! Keine B�ume! Keine B�ume!�</p><p>Grego taumelte weiter.</p><p>�Setz mich ab�, sagte Nimbo.</p><p>Und weiter.</p><p>�Ich kann gehen.�</p><p>Doch Gregos Auftrag war zu dringend. Er konnte wegen Nimbo nicht anhalten, und er konnte den Jungen nicht gehen lassen, konnte nicht auf ihn warten und konnte ihn nicht zur�cklassen. Man l��t den Sohn seines Bruders nicht in einem brennenden Wald zur�ck. Also trug er ihn, und nach einer Weile lie� er ersch�pft den Wald hinter sich und gelangte auf die Wiese vor dem alten Tor, wo sich der Weg von dem Wald zu dem von den Xenobiologie-Labors hinabwand.</p><p>Der Mob hatte sich hier versammelt. Viele trugen Fackeln, doch aus irgendeinem Grund hielten sie einen gewissen Abstand von den beiden B�umen, die hier Wache hielten: Mensch und W�hler. Grego dr�ngte sich mit Nimbo durch die Menge; sein Herz raste, und er war von Furcht und Schmerz und doch auch einem Funken Hoffnung erf�llt, denn er wu�te, warum die M�nner mit den Fackeln stehengeblieben waren. Und als er den Mob erreichte, sah er, da� er recht hatte.</p><p>Um diese letzten beiden Vaterb�ume hatten sich vielleicht zweihundert Pequeninobr�der und -gattinnen geschart. Sie w�rden an dieser Stelle eher bis zum Tod k�mpfen, als zuzulassen, da� diese B�ume niedergebrannt wurden.</p><p>Zwischen den Schweinchen und den Menschen stand Miro, verglichen mit den Pequeninos ein Riese. Er hatte keine Waffe, und doch hatte er die Arme ausgebreitet, als wolle er die Pequeninos besch�tzen oder vielleicht zur�ckhalten. Und mit seiner schwerf�lligen, kaum verst�ndlichen Sprache trotzte er dem Mob.</p><p>�T�tet mich zuerst!� sagte er. �Wenn ihr morden wollt, t�tet mich zuerst! Genau, wie sie Quim get�tet haben! T�tet mich zuerst!�</p><p>�Nicht dich!� sagte einer der M�nner, die Fackeln trugen. �Aber diese B�ume werden sterben. Und die Schweinchen auch, wenn sie nicht genug Grips haben, um zu fliehen.�</p><p>�Mich zuerst�, sagte Miro. �Das sind meine Br�der! T�tet mich zuerst!�</p><p>Er sprach laut und langsam, so da� man seine schleppenden Worte verstehen konnte. Der Mob war noch immer w�tend, doch es befanden sich auch etliche darunter, die sich bereits sch�mten, bereits im Herzen wu�ten, welch schreckliche Dinge sie an diesem Abend angerichtet hatten. Grego f�hlte noch immer diese Verbundenheit mit den anderen, und er wu�te, da� es so oder so ausgehen konnte � vielleicht entz�ndeten die, die noch hei� vor Wut waren, das letzte Feuer dieses Abends; oder es w�rden die obsiegen, deren einzige innere Hitze ein Anflug von Scham war.</p><p>Grego hatte diese eine letzte Chance zur Wiedergutmachung. Und so trat er vor; noch immer hatte er Nimbo im Arm.</p><p>�Mich auch�, sagte er. �T�tet auch mich, bevor ihr eine Hand gegen diese Br�der und diese B�ume hebt!�</p><p>�Aus dem Weg, Grego, sowohl du wie auch der Kr�ppel!�</p><p>�Wie unterscheidet ihr euch von Kriegmacher, wenn ihr diese Kleinen t�tet?�</p><p>Nun stand Grego neben Miro.</p><p>�Aus dem Weg! Wir werden die letzten niederbrennen und erledigen!� Doch die Stimme klang nicht mehr so sicher.</p><p>�Hinter euch tobt ein Feuer�, sagte Grego, �und zu viele sind bereits gestorben, Menschen wie auch Pequeninos.� Seine Stimme war heiser, doch er konnte sich noch Geh�r verschaffen. �Der Wald, der Quim get�tet hat, ist weit entfernt, und Kriegmacher ist noch unverletzt. Wir haben hier keine Gerechtigkeit getan. Wir haben gemordet und ein Massaker angerichtet.�</p><p>�Schweinchen sind Schweinchen!�</p><p>�Ach ja? W�rde euch das andersherum auch gefallen?� Grego machte ein paar Schritte auf einen Mann zu, der m�de und unwillig aussah, die Sache fortzusetzen, und wandte sich direkt an ihn, w�hrend er auf den Sprecher des Mobs zeigte. �Du! W�rdest du gern bestraft werden f�r etwas, das er tat?�</p><p>�Nein�, murmelte der Mann.</p><p>�Wenn <emphasis>er </emphasis>jemanden umgebracht h�tte, h�ltst du es dann f�r richtig, da� jemand in dein Haus kommt und daf�r deine Frau und Kinder erschl�gt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum nicht? Menschen sind Menschen, oder nicht?�</p><p>�Ich habe keine Kinder get�tet�, sagte der Mann.</p><p>�Wir haben den Mutterbaum niedergebrannt�, sagte Grego.</p><p>Hinter ihm erklang ein scharfes Ger�usch, dann ein weiches, hohes Winseln. F�r die Br�der und �berlebenden Gattinnen war es die Best�tigung ihrer schlimmsten Bef�rchtungen. Der Mutterbaum hatte gebrannt.</p><p>�Dieser riesige Baum in der Mitte des Waldes � darin waren <emphasis>all </emphasis>ihre Kinder. <emphasis>Alle. </emphasis>Der Wald hat uns nichts getan, und wir sind hingegangen und haben ihre Kinder get�tet.�</p><p>Miro trat vor und legte die Hand auf Gregos Schulter. St�tzte sich Miro auf ihn? Oder half er ihm stehen?</p><p>Dann sprach Miro, nicht zu Grego, sondern zu der Menge. �Ihr alle. Geht nach Hause.�</p><p>�Vielleicht sollten wir zuerst versuchen, das Feuer zu l�schen�, sagte Grego. Doch der gesamte Wald stand bereits in Flammen.</p><p>Es war noch immer etwas Zorn �brig. �Willst <emphasis>du </emphasis>uns sagen, was wir tun sollen?�</p><p>�Bleibt in der Umz�unung�, sagte Miro. �Es kommt jemand, um die Pequeninos zu besch�tzen.�</p><p>�Wer? Die Polizei?� Mehrere M�nner lachten verbittert auf, da so viele von ihnen zur Polizei geh�rten oder Polizisten unter der Menge gesehen hatten.</p><p>�Hier sind sie�, sagte Miro.</p><p>Ein tiefes Summen war zu vernehmen, zuerst leise, doch dann immer lauter, bis f�nf Flugplattformen in Sicht kamen. Sie glitten �ber die Spitzen der Gr�ser, w�hrend sie den Mob umkreisten, hoben sich manchmal als schwarze Silhouetten vor dem brennenden Wald ab, leuchteten manchmal auf, wenn sie auf der anderen Seite das Feuer reflektierten. Schlie�lich kamen sie zur Ruhe, und alle f�nf sanken auf das hohe Gras hinab. Erst dann, als von jeder Plattform sechs Passagiere stiegen, konnten die Menschen eine schwarze Gestalt von der anderen unterscheiden. Was sie f�r schimmernde Maschinenteile auf den Ger�ten gehalten hatten, waren gar keine Maschinen, sondern Lebewesen, nicht so gro� wie Menschen, aber auch nicht so klein wie Pequeninos, mit gro�en K�pfen und Facettenaugen. Sie machten keine bedrohenden Gesten, bildeten einfach Linien vor jeder Flutplattform; doch Gesten waren auch �berfl�ssig. Ihr Anblick reichte aus, um Erinnerungen aus uralten Alptr�umen und Schauergeschichten zu wecken.</p><p>�Deus nos perdoe!� riefen mehrere Menschen. Gott vergib uns. Sie schlossen mit ihrem Leben ab.</p><p>�Geht nach Hause�, sagte Miro. �Bleibt in der Umz�unung.�</p><p>�Was ist das?� Nimbos kindliche Stimme sprach f�r alle.</p><p>Die Antwort kam als Fl�stern. �Teufel.�</p><p>�Racheengel.�</p><p>�Der Tod.�</p><p>Und dann sagte Grego die Wahrheit, denn er wu�te, was sie sein mu�ten, obwohl es unvorstellbar war. �Krabbler�, sagte er. �Krabbler, hier auf Lusitania.�</p><p>Sie flohen nicht von dem Ort, sondern wichen langsam vor den Gesch�pfen zur�ck, deren Existenz niemand von ihnen vermutet hatte, deren Macht sie sich nur vorstellen konnten. Sie erinnerten sich an uralte Videos, die sie in der Schule gesehen hatten. Die Krabbler, die einst beinahe die gesamte Menschheit vernichtet h�tten, bis sie ihrerseits von Ender dem Xenoziden vernichtet worden waren. Das Buch mit dem Titel <emphasis>Schwarmk�nigin </emphasis>behauptete, sie seien eigentlich wundersch�n gewesen und h�tten nicht zu sterben brauchen. Doch als sie sie nun sahen, schwarze, schimmernde Exoskelette, tausend Linsen in ihren funkelnden gr�nen Augen, nahmen sie keine Sch�nheit wahr, sondern Entsetzen. Und als sie nach Hause gingen, gingen sie im Bewu�tsein, da� nun <emphasis>diese Wesen </emphasis>und nicht die zwergenhaften, primitiven Schweinchen direkt au�erhalb des Zauns auf sie warteten. Wenn sie zuvor in einem Gef�ngnis eingekerkert gewesen waren, waren sie nun mit Sicherheit in einem der Kreise der H�lle gefangen.</p><p>Schlie�lich befanden sich von allen Menschen nur noch Miro, Grego und Nimbo dort. Um sie herum beobachteten auch die Schweinchen die Neuank�mmlinge voller Ehrfurcht � doch nicht voller Entsetzen, denn in ihren limbischen Knoten lauerten keine insektoiden Alptr�ume wie bei den Menschen. Au�erdem waren die Krabbler als Retter und Besch�tzer zu ihnen gekommen. Sie besch�ftigte weniger die Neugier auf diese Fremden als die Trauer um das, was sie verloren hatten.</p><p>�Mensch bat die Schwarmk�nigin, ihnen zu helfen, doch sie hat gesagt, sie k�nne keine Menschen t�ten�, erkl�rte Miro. �Dann sah Jane �ber die Satelliten im Himmel das Feuer und unterrichtete Andrew Wiggin. Er sprach mit der Schwarmk�nigin und sagte ihr, was zu tun sei. Da� sie niemanden t�ten mu�.�</p><p>�Sie werden uns nicht t�ten?� fragte Nimbo.</p><p>Grego begriff, da� Nimbo in diesen letzten Minuten erwartet hatte, er m�sse sterben. Dann kam ihm in den Sinn, da� auch er damit gerechnet hatte � da� er erst jetzt, mit Miros Erkl�rung, sicher war, da� sie nicht gekommen waren, um ihn und Nimbo f�r das zu bestrafen, was sie heute abend in Bewegung gesetzt hatten. Oder eher, was Grego in Bewegung gesetzt hatte, bereit f�r den kleinen Ansto�, den Nimbo in aller Unschuld gegeben hatte.</p><p>Langsam kniete Grego nieder und setzte den Jungen ab. Seine Arme gehorchten kaum noch seinem Willen, und der Schmerz in seiner Schulter war unertr�glich. Er begann zu weinen, doch nicht vor Schmerz.</p><p>Die Krabbler bewegten sich nun sehr schnell. Die meisten blieben auf dem Boden und eilten davon, um Beobachtungsposten um die Stadt zu beziehen. Einige kehrten zu den Flugplattformen zur�ck, einer zu jeder Maschine, und zogen sie wieder hoch, flogen �ber den brennenden Wald und verspr�hten etwas, das das Feuer bedeckte und langsam erstickte.</p><empty-line/><p>Bischof Peregrino stand auf der niedrigen Grundmauer, die erst an diesem Morgen gezogen worden war. Die B�rger Lusitanias hatten sich allesamt versammelt und sa�en im Gras. Er benutzte einen kleinen Verst�rker, damit niemand seine Worte �berh�ren konnte. Doch er h�tte ihn wahrscheinlich nicht gebraucht � alle schwiegen, selbst die kleinen Kinder, die die ernste Stimmung mitzubekommen schienen.</p><p>Hinter dem Bischof lag der Wald, geschw�rzt, aber nicht v�llig leblos � ein paar B�ume gr�nten schon wieder. Vor ihm lagen die mit Planen bedeckten Leichen, eine jede neben ihrem Grab. Die erste war die Quims � Vater Estev�os. Die anderen waren die der Menschen, die vor zwei Abenden unter den B�umen und im Feuer gestorben waren.</p><p>�Diese Gr�ber werden der Boden der Kapelle sein, so da� wir immer, wenn wir sie betreten, auf die K�rper der Toten treten werden. Die Leichen jener, die starben, w�hrend sie Mord und Zerst�rung zu unseren Br�dern, den Pequeninos, brachten. �ber allen die Leiche Vater Estev�os, der bei dem Versuch starb, einem Wald von Ketzern das Wort Jesu Christi zu bringen. Er starb als M�rtyrer. Die anderen starben mit Mord in ihren Herzen und Blut an ihren H�nden.</p><p>Ich spreche offen, so da� dieser Sprecher f�r die Toten nichts hinzuf�gen mu�. Ich spreche offen, wie Moses zu den Kindern Israels sprach, nachdem sie das goldene Kalb angebetet und ihren Vertrag mit Gott bereut hatten. Von uns allen haben nur eine Handvoll keinen Teil an der Schuld f�r dieses Verbrechen. Vater Estev�o, der rein starb und dessen Namen doch auf den blasphemischen Lippen jener M�rder war. Der Sprecher f�r die Toten, und die, die mit ihm fuhren, um die Leiche dieses M�rtyrers nach Hause zu holen. Und Valentine, die Schwester des Sprechers, die den B�rgermeister und mich davor gewarnt hat, was passieren w�rde. Valentine kennt die Geschichte, sie kennt die Menschheit, doch der B�rgermeister und ich glaubten, <emphasis>euch </emphasis>zu kennen und zu wissen, da� ihr st�rker seid als die Geschichte. Zu unserem Leidwesen seid ihr so unw�rdig wie alle anderen Menschen auch, und das gilt auch f�r mich. Die S�nde liegt auf jedem von uns, der versucht haben k�nnte, dies aufzuhalten, und es nicht tat! Auf den Frauen, die nicht versucht haben, ihre M�nner zu Hause zu halten. Auf den M�nnern, die zugesehen, aber nichts gesagt haben. Und auf allen, die die Fackeln in den H�nden gehalten und einen verbr�derten Christenstamm f�r ein Verbrechen get�tet haben, das dessen weitl�ufige Vettern einen halben Kontinent entfernt ver�bt haben.</p><p>Das Gesetz tut seinen kleinen Teil zur Gerechtigkeit dazu. Gerao Gregorio Ribeira von Hesse ist im Gef�ngnis, aber wegen eines anderen Verbrechens � des Verbrechens, unser Vertrauen verletzt und Geheimnisse verraten zu haben, die er nicht verraten durfte. Er ist nicht im Gef�ngnis wegen des Massakers an den Pequeninos, denn er hat keinen gr��eren Anteil an der Schuld als die anderen von euch, die ihm gefolgt sind. Versteht ihr mich? Die Schuld liegt auf uns allen, und wir alle m�ssen gemeinsam bereuen und gemeinsam Bu�e tun und beten, da� Jesus uns allen gemeinsam f�r die schreckliche Tat vergeben wird, die wir mit seinem Namen auf den Lippen begangen haben!</p><p>Ich stehe auf der Grundmauer dieser neuen Kapelle, die nach Vater Estev�o benannt werden wird, dem Apostel der Pequeninos. Die Steine dieser Grundmauer wurden aus den Mauern unserer Kathedrale gebrochen � dort gibt es jetzt klaffende L�cher, durch die der Wind blasen und der Regen auf uns fallen kann, w�hrend wir beten. Und so wird die Kathedrale bleiben, besch�digt und aufgebrochen, bis diese Kapelle fertiggestellt ist.</p><p>Und wie werden wir sie fertigstellen? Ihr werdet nach Hause gehen und werdet die Mauern eurer eigenen H�user aufbrechen und die herausfallenden Steine hierher bringen. Und auch ihr werdet eure Mauern aufgebrochen lassen, bis diese Kapelle fertiggestellt ist.</p><p>Dann werden wir L�cher in die Mauern jeder Fabrik rei�en, in jedes Geb�udes unserer Kolonie, bis es keins mehr gibt, das nicht die Wunde unserer S�nde zeigt. Und all diese Wunden werden bleiben, bis die Mauern hoch genug sind, da� wir das Dach daraufsetzen k�nnen, was aus den versengten St�mmen bestehen wird, die im Wald fielen, als sie versuchten, ihr Volk vor unseren m�rderischen H�nden zu bewahren.</p><p>Und dann werden wir alle zu dieser Kapelle gehen und sie auf unseren Knien betreten, einer nach dem anderen, bis jeder von uns �ber die Gr�ber unserer Toten gekrochen ist, und unter den Leichen dieser uralten Br�der, die als B�ume im dritten Leben lebten, das unser gn�diger Gott ihnen gegeben hatte, bis wir es beendeten. Dort werden wir alle um Vergebung beten. Wir werden beten, da� unser verehrter Vater Estev�o f�r uns spricht. Wir werden beten, da� Jesus unsere schreckliche S�nde in seine Bu�e einschlie�t, damit wir nicht die Ewigkeit in der H�lle verbringen m�ssen. Wir werden beten, da� Gott uns l�utert.</p><p>Erst dann werden wir unsere besch�digten Mauern reparieren und unsere H�user wiederherstellen. Das ist unsere Bu�e, meine Kinder. La�t uns beten, da� sie ausreicht.�</p><empty-line/><p>In der Mitte einer mit Asche bestreuten Lichtung standen Ender, Valentine, Miro, Ela, Quara, Ouanda und Olhado und sahen zu, wie die geehrteste aller Gattinnen lebendig geh�utet und in den Boden gepflanzt wurde, damit aus dem Leichnam ihres zweiten Lebens ein neuer Mutterbaum wuchs. Als sie starb, griffen die �berlebenden Gattinnen in einen Spalt im alten Mutterbaum und holten die Leichen der toten Kinder und kleinen M�tter heraus, die dort gelebt hatten, und legten sie auf den blutenden K�rper, bis sie einen H�gel bildeten. Innerhalb von ein paar Stunden w�rde sich ihr Sch��ling durch die Leichen erheben und nach dem Sonnenlicht greifen.</p><p>Sie w�rde rasch wachsen, bis sie dick und hoch genug war, um eine �ffnung in ihren Stamm zu bilden. Wenn sie sich schnell genug �ffnete, konnten die wenigen �berlebenden Babys, die sich in der klaffenden �ffnung des alten, toten Mutterbaums festklammerten, in den kleinen neuen Hafen �bersiedelt werden, den der neue Mutterbaum ihnen anbieten w�rde. Sollte es sich bei einigen der �berlebenden Babys um kleine M�tter handeln, w�rde man sie zur Paarung zu den �berlebenden Vaterb�umen Mensch und W�hler tragen. Sollten in ihren winzigen K�rpern neue Babys empfangen werden, w�rde der Wald, der das Beste und Schlechteste erfahren hatte, was Menschen ihm antun konnten, �berleben.</p><p>Falls nicht � falls die Babys alle m�nnlich waren, falls die weiblichen unter ihnen unfruchtbar waren oder falls alle zu stark von den Hitze des Feuers verletzt worden waren oder falls die Tage des Hungers, die sie �berstehen mu�ten, bis der neue Mutterbaum f�r sie bereit war, sie zu sehr schw�chten �, w�rde der Wald mit diesen Br�dern und Gattinnen sterben, und Mensch und W�hler w�rden etwa ein Jahrtausend als stammlose Vaterb�ume weiterleben. Vielleicht w�rden andere St�mme sie ehren und kleine M�tter zur Paarung zu ihnen bringen. Aber sie w�rden keine V�ter ihres eigenen Stammes sein, umgeben von ihren S�hnen. Sie w�rden einsame St�mme ohne einen eigenen Wald sein, die einsamen Monumente der Arbeit, f�r die sie gelebt hatten: Menschen und Pequeninos zusammenzubringen.</p><p>Was die Wut gegen Kriegmacher betraf, so war sie verebbt. Die Vaterb�ume Lusitanias waren �bereingekommen, da� jegliche moralische Schuld, die sie durch den Tod Vater Estev�os auf sich geladen hatten, durch das Gemetzel an den W�ldern W�hlers und Menschs mehr als beglichen worden war. In der Tat hatte Kriegmacher viel neue Gefolgschaft f�r seine Ketzerei gewonnen � denn hatten die Menschen nicht bewiesen, da� sie des Wortes Christi unw�rdig waren? Die Pequeninos, so sagte Kriegmacher, waren auserw�hlt als Gef��e des Heiligen Geistes, w�hrend die Menschen eindeutig keinen Teil Gottes in sich trugen. Wir m�ssen keine weiteren Menschen mehr t�ten, sagte er. Wir m�ssen nur warten, und der Heilige Geist wird sie alle t�ten. Bis dahin hat Gott uns die Schwarmk�nigin geschickt, um uns Sternenschiffe zu bauen. Wir werden den Heiligen Geist mit uns tragen, damit er �ber jede Welt urteilt, die wir besuchen. Wir werden der Racheengel sein. Wir werden Josua und die Israeliten sein, die Kanaan s�ubern, um Platz f�r Gottes auserw�hltes Volk zu schaffen.</p><p>Viele Pequeninos glaubten ihm nun. Kriegmacher kam ihnen nicht mehr verr�ckt vor: Sie waren Zeugen der ersten Anzeichen der Apokalypse gesehen, als ein unschuldiger Wald in Flammen aufging. Viele Pequeninos hatten von der Menschheit nichts mehr zu lernen. Gott hatte keine weitere Verwendung f�r die Menschen.</p><p>Hier jedoch, in dieser von Asche �bers�ten Lichtung im Wald, glaubten die Br�der und Gattinnen, die �ber ihren neuen Mutterbaum Wache hielten, nicht an Kriegmachers Lehren. Sie, die die Menschen am besten von allen kannten, hatten sogar gew�nscht, da� bei ihrem Versuch der Wiedergeburt Menschen als Zeugen und Helfer anwesend waren.</p><p>�Weil wir wissen�, sagte Pflanzer, der nun der Sprecher der �berlebenden Br�der war, �da� nicht alle Menschen gleich sind, genau wie nicht alle Pequeninos gleich sind. In einigen von euch lebt Jesus, in anderen nicht. Wir sind nicht alle wie Kriegmachers Wald, und ihr seid nicht alle M�rder.�</p><p>So kam es, da� Pflanzer an dem Morgen, als es dem neuen Mutterbaum gelang, in ihrem schlanken Stamm eine �ffnung zu bilden und die Gattinnen vorsichtig die schwachen und hungrigen Kinder in ihr neues Heim trugen, Miros und Valentines H�nde hielt. Es war noch zu fr�h, um es mit Sicherheit zu sagen, doch es bestand Grund zur Hoffnung: Der neue Mutterbaum hatte sich in nur anderthalb Tagen vorbereitet, und �ber drei Dutzend Kinder �berlebten die Umsiedlung. Vielleicht war ein volles Dutzend davon weiblich und fruchtbar, und wenn nur ein Viertel davon so lange lebte, da� sie Junge bekamen, mochte der Wald wieder gedeihen.</p><p>Pflanzer zitterte. �Br�der haben so etwas noch nie gesehen, noch nie in der Geschichte der Welt.�</p><p>Mehrere Br�der knieten nieder und bekreuzigten sich. Viele hatten die gesamte Wache �ber gebetet. Das erinnerte Valentine an etwas, was Quara ihr erz�hlt hatte. Sie trat zu Miro und fl�sterte: �Ela hat auch gebetet.�</p><p>�Ela?�</p><p>�Vor dem Feuer. Quara war am Schrein der Venerados. Sie hat zu Gott gebetet, uns einen Weg zur L�sung all unserer Probleme zu �ffnen.�</p><p>�Daf�r betet doch jeder.�</p><p>Valentine dachte daran, was in den Tagen seit Elas Gebet geschehen war. �Ich kann mir vorstellen, da� Gottes Antwort sie ganz sch�n entt�uscht hat.�</p><p>�Das ist meistens so.�</p><p>�Aber vielleicht ist der Umstand, da� der Mutterbaum sich so schnell ge�ffnet hat, der Beginn ihrer Antwort.�</p><p>Miro sah Valentine verwirrt an. �Bist du gl�ubig?�</p><p>�Sagen wir, ich bin argw�hnisch. Ich habe den Argwohn, da� es jemanden gibt, dem es nicht gleichg�ltig ist, was mit uns passiert. Das ist ein Schritt mehr als lediglich ein Wunsch. Und ein Schritt weniger als Hoffnung.�</p><p>Miro l�chelte leicht, doch Valentine wu�te nicht, ob es bedeutete, da� er zufrieden oder am�siert war. �Was wird Gott dann als n�chstes tun, um Elas Gebet zu beantworten?�</p><p>�Warten wir ab�, sagte Valentine. �Unsere Aufgabe ist die Entscheidung, was <emphasis>wir </emphasis>als n�chstes tun. Wir m�ssen ja nur die tiefsten Geheimnisse des Universums l�sen.�</p><p>�Tja, das sollte uns direkt auf den Weg zu Gott f�hren�, sagte Miro.</p><p>Dann traf Ouanda ein; als Xenologin hatte auch sie Wache gehalten, und obwohl sie jetzt keine Schicht hatte, war sie sofort losgeeilt, als man ihr die Nachricht von der �ffnung des Mutterbaums gebracht hatte. Ihre Ankunft h�tte eigentlich Miros raschen Aufbruch bedeutet. Aber diesmal nicht. Valentine stellte zufrieden fest, da� Miros Blick weder auf Ouanda ruhte noch ihrem auswich; sie war einfach da und arbeitete genau wie er mit den Pequeninos. Zweifellos bem�hte er sich, den Eindruck von Normalit�t vorzut�uschen, doch nach Valentines Erfahrung war Normalit�t <emphasis>immer </emphasis>eine Vort�uschung; die Menschen benahmen sich so, wie man es ihrer Meinung zufolge von ihnen erwartete. Miro hatte einfach einen Punkt erreicht, an dem er bereit war, sich Ouanda gegen�ber normal zu benehmen, auch wenn es nicht seinen wirklichen Gef�hlen entsprach. Und vielleicht war das auch gar nicht so falsch. Sie war jetzt doppelt so alt wie er und nicht mehr das M�dchen, das er geliebt hatte.</p><p>Sie hatten einander geliebt, aber nie miteinander geschlafen. Valentine war froh gewesen, als Miro ihr dies sagte, wenn auch mit w�tendem Bedauern. Valentine hatte schon vor langem beobachtet, da� in einer Gesellschaft wie auf Lusitania, die Keuschheit und Treue erwartete, die Heranwachsenden, die ihre jugendliche Leidenschaft beherrschten und in die richtigen Kan�le leiteten, zu starken und zivilisierten Erwachsenen heranwuchsen. Heranwachsende in solch einer Gemeinschaft, die entweder zu schwach waren, um sich zu beherrschen, oder zu gro�e Verachtung f�r die Normen der Gesellschaft empfanden, endeten normalerweise als Schafe oder W�lfe � entweder als geistlose Mitglieder der Herde oder als Raubtiere, die nahmen, was sie konnten, und nichts gaben.</p><p>Als sie Miro kennengelernt hatte, hatte sie bef�rchtet, er sei ein Schw�chling voller Selbstmitleid oder ein ichbezogenes Raubtier, das seine Beschr�nkungen bedauerte. Dem war jedoch nicht so. Er mochte nun seine Keuschheit als Heranwachsender bedauern � es war ganz nat�rlich, da� er sich w�nschte, mit Ouanda geschlafen zu haben �, doch Valentine bedauerte es nicht. Es zeigte, da� Miro innere St�rke und ein Gef�hl der Verantwortung f�r seine Gemeinde hatte. Valentine hatte voraussagen k�nnen, da� Miro den Mob in jenem kritischen Augenblick, der W�hler und Mensch schlie�lich retten sollte, ganz allein zur�ckhalten w�rde.</p><p>Genauso voraussagbar war, da� Miro und Ouanda nun die gro�e Anstrengung unternehmen w�rden, so zu tun, als w�ren sie einfach zwei Menschen, die ihre Arbeit machten � da� alles ganz normal zwischen ihnen war. Innere St�rke und Respekt nach au�en. Das sind die Menschen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, die f�hren. Im Gegensatz zu den Schafen und W�lfen spielen sie eine viel bessere Rolle, als das Drehbuch ihrer inneren �ngste und Begehren eigentlich f�r sie vorsah. Sie f�hrten ein Drehbuch des Anstands, der Selbstopferung, der �ffentlichen Ehre aus � der Zivilisation. Und so wird aus dem Vort�uschen Wirklichkeit. Es gibt wirklich Zivilisation in der menschlichen Geschichte, dachte Valentine, aber nur wegen solchen Leuten. Den Sch�fern.</p><empty-line/><p>Novinha traf ihn auf der Schwelle der Schule. Sie st�tzte sich auf den Arm Dona Cristas, der vierten Prinzipalin der Kinder des Geistes Christi, seit Ender nach Lusitania gekommen war.</p><p>�Ich habe dir nichts zu sagen�, sagte Novinha. �Dem Gesetz nach sind wir noch verheiratet, aber das ist auch alles.�</p><p>�Ich habe deinen Sohn nicht get�tet�, sagte er.</p><p>�Aber du hast ihn auch nicht gerettet.�</p><p>�Ich liebe dich�, sagte Ender.</p><p>�Soweit du �berhaupt lieben kannst�, erwiderte sie. �Und dann auch nur, wenn du etwas Zeit hast, weil du gerade nicht auf alle anderen aufpassen mu�t. Du h�ltst dich f�r eine Art Schutzengel, der f�r das ganze Universum verantwortlich ist. Ich habe dich nur gebeten, die Verantwortung f�r meine Familie zu �bernehmen. Du bist gut darin, Billiarden Menschen zu lieben, aber nicht so gut bei einem Dutzend, und bei einem einzigen bist du ein v�lliger Versager.�</p><p>Es war ein hartes Urteil, und er wu�te, da� es nicht stimmte, doch er wollte nicht streiten. �Bitte, komm nach Hause�, sagte er. �Du liebst mich und brauchst mich so sehr, wie ich dich brauche.�</p><p>�Das ist jetzt mein Heim. Ich habe aufgeh�rt, dich oder sonstwen zu brauchen. Und wenn das alles ist, was du mir sagen willst, verschwendest du nur meine und deine Zeit.�</p><p>�Nein, das ist nicht alles.�</p><p>Sie wartete.</p><p>�Die Unterlagen im Labor. Du hast sie alle versiegelt. Wir m�ssen eine L�sung des Descolada-Problems finden, bevor es uns alle vernichtet.�</p><p>Sie bedachte ihn mit ihrem verbitterten L�cheln. �Warum bel�stigst du mich damit? Jane kommt doch an meinem Pa�wort vorbei, oder nicht?�</p><p>�Sie hat es noch nicht versucht�, sagte er.</p><p>�Zweifellos, um R�cksicht auf meine Gef�hle zu nehmen. Aber sie kann es, nicht wahr?�</p><p>�Wahrscheinlich.�</p><p>�Dann soll sie es tun. Sie ist alles, was du jetzt brauchst. Du hast mich eigentlich nie gebraucht, nicht, solange du <emphasis>sie </emphasis>hattest.�</p><p>�Ich habe versucht, dir ein guter Mann zu sein�, sagte Ender. �Ich habe nie gesagt, ich k�nne dich vor allem besch�tzen, aber ich habe getan, was ich konnte.�</p><p>�Wenn du alles getan h�ttest, w�rde mein Estev�o noch leben.�</p><p>Sie wandte sich ab, und Dona Crista begleitete sie in die Schule zur�ck. Ender sah ihr nach, bis sie um eine Ecke bog. Dann drehte er sich um und verlie� die Schule. Er war sich nicht sicher, wohin er ging, nur, da� er dorthin mu�te.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Jane leise.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wenn ich tot bin�, sagte sie, �wird Novinha vielleicht zu dir zur�ckkommen.�</p><p>�Wenn ich es verhindern kann, wirst du nicht sterben.�</p><p>�Aber du kannst es nicht. Sie werden mich in ein paar Monaten abschalten.�</p><p>�Halt den Mund�, sagte er.</p><p>�Es ist nur die Wahrheit.�</p><p>�Halt den Mund und la� mich nachdenken.�</p><p>�Was ist, willst du <emphasis>mich </emphasis>retten? Du hast in letzter Zeit nicht viel Erfolg damit, den Retter zu spielen.�</p><p>Er antwortete nicht, und sie schwieg den Rest des Nachmittags �ber. Er ging durch das Tor, wanderte aber nicht in den Wald. Statt dessen verbrachte er den Nachmittag im Grasland, allein, unter der hei�en Sonne.</p><p>Manchmal dachte er nach, versuchte, sich mit den Problemen zu befassen, die noch �ber ihnen schwebten: die Flotte, die gegen sie zu Felde zog, der Tag, an dem man Jane abschalten w�rde, die st�ndigen Versuche der Descolada, die Menschen von Lusitania zu vernichten, Kriegmachers Plan, die Descolada in der gesamten Galaxis zu verbreiten, die heikle Lage in der Stadt, nun, da die Schwarmk�nigin st�ndig Wache �ber den Zaun hielt, und ihre bittere Bu�e, die sie an den Mauern ihrer eigenen H�user rei�en lie�.</p><p>Und manchmal war sein Geist fast bar aller Gedanken, w�hrend er im Gras sa� oder lag, zu bet�ubt, um zu weinen, w�hrend ihr Gesicht durch sein Ged�chtnis glitt, seine Lippen, die Zunge und die Z�hne ihren Namen bildeten, er stumme Bitten an sie richtete und doch wu�te, da� sie ihm, selbst wenn er rief, selbst wenn sie seine Stimme h�ren sollte, nicht antworten w�rde.</p><p>Novinha.</p></section><section><title><p id="_Toc119392802">Kapitel 13</p><p>Freier Wille</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Einige von uns glauben, man sollte die Menschen daran hindern, �ber die Descolada zu forschen. Die Descolada ist das Herz unseres Lebenszyklus. Wir bef�rchten, da� sie eine M�glichkeit finden werden, die Descolada auf der ganzen Welt zu t�ten, und das w�rde uns in einer Generation vernichten.�</p><p>�Und wenn es euch gel�nge, die Menschen an der Forschung �ber die Descolada zu hindern, w�ren sie mit Sicherheit innerhalb von ein paar Jahren ausgemerzt.�</p><p>�Ist die Descolada so gef�hrlich? Warum k�nnen sie sie nicht weiterhin so im Zaum halten, wie es jetzt der Fall ist?�</p><p>�Weil die Descolada nicht nur zuf�llig mutiert. Sie ist intelligent und pa�t sich an, um uns zu vernichten.�</p><p>�Uns? <emphasis>Dich?�</emphasis></p><p>�Wir k�mpfen schon die ganze Zeit �ber gegen die Descolada. Nicht in Laboratorien, wie die Menschen, aber in uns selbst. Bevor ich Eier lege, durchlaufe ich eine Phase, in der ich ihre K�rper darauf vorbereite, alle Antik�rper herzustellen, die sie im Lauf ihres Lebens brauchen werden. Wir erkennen, wenn die Descolada anf�ngt, sich zu ver�ndern, weil dann auch die Arbeiter zu sterben anfangen. Dann bildet ein Organ in der N�he meiner Eierst�cke neue Antik�rper, und wir legen Eier f�r neue Arbeiter, die der ver�nderten Descolada widerstehen k�nnen.�</p><p>�Also versuchst auch du, sie zu vernichten.�</p><p>�Nein. Unser Proze� l�uft v�llig unbewu�t ab. Er findet ohne bewu�te Einmischung im K�rper der Schwarmk�nigin statt. Wir k�nnen nicht mehr tun, als der derzeitigen Gefahr zu begegnen. Unser Immunit�tsorgan ist viel wirksamer und anpassungsf�higer als irgend etwas im menschlichen K�rper, doch auf lange Sicht werden wir dasselbe Schicksal wie die Menschen erleiden, wenn die Descolada nicht vernichtet wird. Der Unterschied ist, falls <emphasis>wir </emphasis>von der Descolada ausgemerzt werden, gibt es keine andere Schwarmk�nigin im Universum mehr, die das Bestehen unserer Rasse gew�hrleisten k�nnte. Wir sind die letzte.�</p><p>�Dann ist dein Fall noch verzweifelter als ihrer.�</p><p>�Und wir sind sogar noch hilfloser dagegen. Wir haben keine Wissenschaft der Biologie, die �ber Begriffe der simplen Landwirtschaft hinausgeht. Unsere nat�rlichen Methoden waren bei der Krankheitsbek�mpfung so effektiv, da� wir niemals den gleichen Drang wie die Menschen hatten, das Leben zu verstehen und beherrschen.�</p><p>�Dann gibt es also keine andere M�glichkeit? Entweder wir werden vernichtet, oder ihr und die Menschen werdet vernichtet. Wenn die Descolada bestehen bleibt, t�tet sie euch. Wenn sie aufgehalten wird, sterben wir.�</p><p>�Das ist eure Welt. Die Descolada ist in euren K�rpern. Wenn die Zeit kommt, zwischen euch und uns eine Wahl zu treffen, werdet ihr es sein, die �berleben.�</p><p>�Du sprichst f�r dich, mein Freund. Doch was werden die Menschen tun?�</p><p>�Wenn sie die Macht haben, die Descolada auf eine Art und Weise zu vernichten, die auch euch vernichten w�rde, werden wir ihnen verbieten, diese Macht einzusetzen.�</p><p>�Verbieten? Wann haben die Menschen je gehorcht?�</p><p>�Wir verbieten niemals, wenn wir nicht auch die Macht haben, das Verbot durchzusetzen.�</p><p>�Ah.�</p><p>�Das ist <emphasis>eure </emphasis>Welt. Ender wei� dies. Und sollten die anderen Menschen es je vergessen, wird er sie daran erinnern.�</p><p>�Ich habe noch eine Frage.�</p><p>�Stelle sie.�</p><p>�Was ist mit denen wie Kriegmacher, die die Descolada im Universum verbreiten wollen? Wirst du es ihnen auch verbieten?�</p><p>�Sie d�rfen die Descolada nicht zu Welten tragen, auf denen es bereits mehrzelliges Leben gibt.�</p><p>�Aber genau das haben sie vor.�</p><p>�Sie d�rfen es nicht.�</p><p>�Aber du baust Sternenschiffe f�r uns. Sobald sie die Kontrolle �ber ein Sternenschiff haben, k�nnen sie fliegen, wohin sie wollen.�</p><p>�Sie d�rfen es nicht.�</p><p>�Also verbietest du es ihnen?�</p><p>�Wir verbieten niemals, wenn wir nicht auch die Macht haben, das Verbot durchzusetzen.�</p><p>�Warum baust du dann diese Schiffe weiter?�</p><p>�Die menschliche Flotte kommt mit einer Waffe, die diese Welt vernichten kann. Ender ist �berzeugt, da� sie sie einsetzen wird. Sollten wir uns mit den Menschen verschw�ren und eure gesamte genetische Herkunft hier auf diesem einen Planeten zur�cklassen, so da� ihr mit einer einzigen Waffe ausgel�scht werden k�nnt?�</p><p>�Also baust du Sternenschiffe f�r uns, obwohl du wei�t, da� einige von uns sie destruktiv einsetzen k�nnten.�</p><p>�Was ihr mit dem Sternenflug anfangen werdet, f�llt in eure Verantwortung. Wenn ihr als Feind des Lebens agiert, wird das Leben euer Feind werden. Wir werden die Sternenschiffe euch als Spezies zur Verf�gung stellen. Danach werdet ihr als Spezies die Entscheidung treffen, wer Lusitania verl��t und wer nicht.�</p><p>�Es besteht die M�glichkeit, da� Kriegmachers Fraktion die Mehrheit haben wird. Da� sie all diese Entscheidungen treffen wird.�</p><p>�Na und � sollen <emphasis>wir </emphasis>ein Urteil f�llen und zum Schlu� kommen, der Versuch der Menschen, euch zu vernichten, sei rechtens? Vielleicht hat Kriegmacher recht. Vielleicht haben die Menschen es verdient, vernichtet zu werden. Wer sind wir, da� wir zwischen euch und den Menschen w�hlen sollen? Sie mit ihrem Molekular-Detachier-Ger�t. Ihr mit der Descolada Jeder hat die Macht, den anderen zu vernichten, jede Spezies w�re zu solch einem monstr�sen Verbrechen imstande, und doch hat jede Spezies viele Mitglieder, die niemals wissentlich solch eine schreckliche Tat begehen w�rden und zu �berleben verdienen. Wir werden keine Wahl treffen. Wir werden einfach die Sternenschiffe bauen und euch und die Menschen euer Schicksal unter euch kl�ren lassen.�</p><p>�Du k�nntest uns helfen. Du k�nntest verhindern, da� Kriegmachers Gruppe die Sternenschiffe bekommt, und dich nur mit uns abgeben.�</p><p>�Dann w�rde der planetare Krieg zwischen euch f�rwahr schrecklich werden. Willst du <emphasis>ihren </emphasis>Genpool vernichten, einfach, weil du anderer Meinung bist? Wer w�re dann das Ungeheuer und der Verbrecher? Wie sollen wir zwischen euch w�hlen, wenn beide Gruppen bereit sind, die v�llige Vernichtung eines anderen Volkes hinzunehmen?�</p><p>�Dann habe ich keine Hoffnung. Jemand wird vernichtet werden.�</p><p>�Au�er, die menschlichen Wissenschaftler finden eine M�glichkeit, die Descolada so zu ver�ndern, da� ihr als Spezies �berleben k�nnt und die Descolada gleichzeitig die Macht zu t�ten verliert.�</p><p>�Wie soll das m�glich sein?�</p><p>�Wir sind keine Biologen. Nur die Menschen k�nnen dies vollbringen, wenn es �berhaupt vollbracht werden kann.�</p><p>�Dann d�rfen wir sie nicht daran hindern, die Descolada zu erforschen. Wir m�ssen ihnen helfen. Obwohl sie beinahe unseren Wald zerst�rt h�tten, haben wir keine andere Wahl, als ihnen zu helfen.�</p><p>�Wir wu�ten, da� ihr zu diesem Schlu� kommen w�rdet.�</p><p>�Du hast es gewu�t?�</p><p>�Deshalb bauen wir Sternenschiffe f�r die Pequeninos. Weil ihr lernf�hig seid.�</p><empty-line/><p>Als sich die Nachricht von der Wiederherstellung der Lusitania-Flotte unter den Gottber�hrten des Planeten Weg herumsprach, begannen sie, das Haus des Han Fei-tzu zu besuchen, um ihm Ehre zu erweisen.</p><p>�Ich will sie nicht sehen�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>�Du mu�t sie empfangen, Vater�, sagte Han Qing-jao. �Es ist nur angemessen, da� sie dich f�r eine so gro�e Leistung ehren.�</p><p>�Dann werde ich ihnen sagen, da� es allein dein Werk war und ich nichts damit zu tun hatte.�</p><p>�Nein!� rief Qing-jao. �Das darfst du nicht!�</p><p>��berdies werde ich ihnen sagen, da� ich diese Tat f�r ein gro�es Verbrechen halte, das den Tod eines edlen Geistes verursachen wird. Ich werde ihnen sagen, da� die Gottber�hrten von Weg Sklaven einer grausamen und gef�hrlichen Regierung sind und wir alle Anstrengungen unternehmen m�ssen, um den Kongre� zu vernichten.�</p><p>�Zwinge mich nicht, das h�ren zu m�ssen!� rief Qing-jao, �Du k�nntest so etwas zu niemandem sagen!�</p><p>Und sie hatte recht. Si Wang-mu beobachtete sie aus der Ecke, als die beiden, Vater und Tochter, mit ihren Ritualen der Reinigung begangen, Han Fei-tzu, weil er so rebellische Worte gesprochen, und Han Qing-jao, weil sie sie geh�rt hatte. Meister Fei-tzu w�rde diese Worte niemals zu anderen sagen, denn wenn er sie aussprach, w�rden sie sehen, wie er sich augenblicklich reinigen mu�te, und sie w�rden dies als Beweis sehen, da� die G�tter seine Worte nicht anerkannten. Sie haben gute Arbeit geleistet, diese Wissenschaftler, die der Kongre� beauftragt hat, die Gottber�hrten zu schaffen, dachte Wang-mu. Obwohl Han Fei-tzu die Wahrheit kennt, ist er hilflos.</p><p>So kam es, da� Qing-jao alle Besucher empfing, die ins Haus kamen, und huldvoll deren Lob f�r ihren Vater entgegennahm. Wang-mu blieb bei den ersten Besuchen bei ihr, fand es jedoch unertr�glich, immer und immer wieder zu h�ren, da� Qing-jao beschrieb, wie ihr Vater und sie die Existenz eines Computerprogramms entdeckt hatten, das im philotischen Netzwerk der Verk�rzer existierte, und wie man es vernichten konnte. Qing-jao glaubte zwar im Grunde ihres Herzens nicht, da� sie einen Mord beging; doch es machte Wang-mu zu schaffen, st�ndig mitanh�ren zu m�ssen, wie sie prahlerisch erkl�rte, wie dieser Mord zu begehen sei.</p><p>Und Prahlerei war es, obwohl nur Wang-mu es wu�te Qing-jao schrieb den Ruhm stets ihrem Vater zu, doch da Wang-mu wu�te, da� allein Qing-jao dieses Problem gel�st hatte, wu�te sie auch, da� Qing-jao sich selbst lobte, wenn sie diese Leistung als w�rdigen Dienst an den G�ttern bezeichnete.</p><p>�Bitte zwinge mich nicht mehr, zu bleiben und zuzuh�ren�, sagte Wang-mu.</p><p>Qing-jao betrachtete sie einen Augenblick lang. �Geh, wenn du gehen mu�t�, sagte sie dann kalt. �Wie ich sehe, bist du noch immer eine Gefangene unseres Feindes. Ich brauche dich nicht.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, gab Wang-mu zur�ck. �Du hast die G�tter.� Doch sie konnte die bittere Ironie nicht aus ihrer Stimme halten.</p><p>�G�tter, an die du nicht glaubst�, sagte Qing-jao scharf. �Zu <emphasis>dir </emphasis>haben die G�tter nat�rlich auch nicht gesprochen. Warum solltest du da an sie glauben? Da dies dein Wunsch ist, entlasse ich dich als meine geheime Magd. Geh zu deiner Familie zur�ck.�</p><p>�Wie die G�tter befehlen�, sagte Wang-mu. Und diesmal machte sie bei der Erw�hnung der G�tter nicht die geringsten Anstalten, ihre Verbitterung zu verbergen.</p><p>Sie hatte das Haus bereits verlassen und ging die Stra�e entlang, als Mu-pao ihr folgte. Da Mu-pao alt und fett war, bestand keine Hoffnung, da� sie Wang-mu zu Fu� einholen konnte. Also kam sie auf einem Esel geritten, und es sah l�cherlich aus, wie sie das Tier trat, um es anzutreiben. Esel, S�nften, all diese Erinnerungen an das antike China � glaubten die Gottber�hrten tats�chlich, da� diese Hingabe sie irgendwie heiliger machte? Warum benutzen sie nicht einfach Flugplattformen und Hovercars, wie alle anst�ndigen Menschen auf jeder anderen Welt? Dann m��te Mu-pao sich nicht erniedrigen und auf einem Tier reiten, das unter ihrem Gewicht litt. Um ihr soviel Verlegenheit wie m�glich zu ersparen, drehte Wang-mu um und traf Mu-pao auf halber Strecke.</p><p>�Meister Han Fei-tzu befiehlt dir, zur�ckzukommen�, sagte Mu-pao.</p><p>�Sage Meister Han, da� er freundlich und gut ist, doch meine Herrin hat mich entlassen.�</p><p>�Meister Han sagt, da� Herrin Qing-jao die Befugnis hat, dich als ihre geheime Magd, aber nicht, dich aus diesem Haushalt zu entlassen. Du hast einen Vertrag mit ihm abgeschlossen, nicht mit ihr.�</p><p>Das stimmte. Daran hatte Wang-mu nicht gedacht.</p><p>�Er bittet dich, zur�ckzukehren�, sagte Mu-pao. �Er hat mir befohlen, es so zu sagen, damit du zumindest aus Freundlichkeit, wenn schon nicht aus Gehorsam zur�ckkehrst.�</p><p>�Sage ihm, da� ich gehorchen werde. Er sollte eine so niedrige Person wie mich nicht bitten.�</p><p>�Er wird sich freuen�, sagte Mu-pao.</p><p>Wang-mu schritt neben Mu-paos Esel aus. Sie gingen sehr langsam, was auch f�r Mu-pao und den Esel bequemer war.</p><p>�Ich habe ihn noch nie so aufgeregt gesehen�, sagte Mu-pao. �Wahrscheinlich sollte ich dir das nicht erz�hlen. Doch als ich sagte, da� du fort bist, wurde er fast verr�ckt.�</p><p>�Haben die G�tter zu ihm gesprochen?� Es w�re bitter, falls Meister Han sie nur zur�ckrief, weil der Sklaventreiber in ihm es gefordert hatte.</p><p>�Nein�, sagte Mu-pao. �Es sah nicht so aus. Obwohl ich nat�rlich noch nie gesehen habe, wie es ist, wenn die G�tter zu ihm sprechen.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Er wollte einfach nicht, da� du gehst.�</p><p>�Wahrscheinlich werde ich letzten Endes doch gehen�, sagte Wang-mu. �Doch ich m�chte ihm gern erkl�ren, warum ich im Haus Han nun nutzlos bin.�</p><p>�O ja, nat�rlich�, sagte Mu-pao. �Du warst schon immer nutzlos. Aber das hei�t nicht, da� du �berfl�ssig bist.�</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>�Gl�ck kann genausogut von n�tzlichen wie von nutzlosen Dingen abh�ngen.�</p><p>�Ist das der Spruch eines alten Meisters?�</p><p>�Es ist der Spruch einer alten, fetten Frau auf einem Esel�, sagte Mu-pao. �Und vergi� ihn ja nicht.�</p><p>Als Wang-mu mit Meister Han in dessen Zimmer allein war, zeigte er keine Spur der Erregung mehr, von der Mu-pao gesprochen hatte.</p><p>�Ich habe mit Jane gesprochen�, sagte er. �Sie glaubt, da du auch von ihrer Existenz wei�t und �berzeugt bist, da� sie nicht der Feind der G�tter ist, sei es besser, wenn du bleibst.�</p><p>�Also werde ich jetzt Jane dienen?� fragte Wang-mu. �Soll ich <emphasis>ihre </emphasis>geheime Magd sein?�</p><p>Wang-mu wollte nicht, da� ihre Worte ironisch klangen; die Vorstellung, einer nichtmenschlichen Wesenheit zu dienen, faszinierte sie. Doch Meister Han reagierte, als wolle er eine Beleidigung gl�tten.</p><p>�Nein�, sagte er. �Du sollst gar keine Dienerin mehr sein. Du hast tapfer und w�rdig gehandelt.�</p><p>�Und doch habt Ihr mich zur�ckgerufen, damit ich meinen Vertrag erf�lle.�</p><p>Meister Han senkte den Kopf. �Ich habe dich zur�ckgerufen, weil du die einzige bist, die die Wahrheit kennt. Wenn du gehst, bin ich in diesem Haus allein.�</p><p>Wang-mu h�tte fast gesagt: Wie k�nnte Ihr allein sein, wenn Eure Tochter doch hier ist? Und bis vor ein paar Tagen w�re es auch nicht grausam gewesen, das zu sagen, denn Meister Han und Herrin Qing-jao waren so enge Freunde, wie es bei Vater und Tochter �berhaupt der Fall sein konnte. Doch nun war die Barriere zwischen ihnen un�berwindbar. Qing-jao lebte in einer Welt, in der sie eine triumphierende Dienerin der G�tter war, und versuchte, Geduld zu haben mit dem zeitweiligen Wahnsinn ihres Vaters. Meister Han lebte in einer Welt, in der seine Tochter und die gesamte Gesellschaft Sklaven eines unterdr�ckenden Kongresses waren und nur er die Wahrheit kannte. Wie konnten sie �ber einen so breiten und tiefen Abgrund auch nur noch miteinander sprechen?</p><p>�Ich bleibe�, sagte Wang-mu. �Ich werde Euch dienen, so gut ich kann.�</p><p>�Wir werden einander dienen�, sagte Meister Han. �Meine Tochter hat versprochen, dich zu unterrichten. Ich werde das fortsetzen.�</p><p>Wang-mu verbeugte sich, bis ihre Stirn den Boden ber�hrte. �Ich bin einer solchen Freundlichkeit unw�rdig.�</p><p>�Nein�, sagte Meister Hand. �Wir beide kennen jetzt die Wahrheit. Die G�tter sprechen nicht zu mir. Dein Gesicht sollte vor <emphasis>mir </emphasis>niemals den Boden ber�hren.�</p><p>�Wir m�ssen in dieser Welt leben�, sagte Wang-mu. �Ich werde Euch behandeln wie einen geehrten Mann unter den Gottber�hrten, weil die ganze Welt es von mir erwartet. Und Ihr m��t mich aus demselben Grund wie eine Dienerin behandeln.�</p><p>Meister Hans Gesicht zuckte verbittert. �Die Welt erwartet auch, da� ein Mann meines Alters dem Geschlechtsgenu� fr�nen will, wenn er ein junges M�dchen aus den Diensten seiner Tochter in seine eigenen �bernimmt. Sollen wir die Erwartungen der Welt erf�llen?�</p><p>�Es liegt nicht in Eurer Natur, Eure Macht auf diese Art und Weise auszunutzen�, sagte Wang-mu.</p><p>�Es liegt auch nicht in meiner Natur, deine Erniedrigung hinzunehmen. Bevor ich die Wahrheit �ber meinen Zustand erfuhr, akzeptierte ich den Gehorsam anderer Menschen, weil ich dachte, in Wirklichkeit br�chten sie ihn den G�ttern entgegen, und nicht mir.�</p><p>�Daran hat sich nichts ge�ndert. Diejenigen, die glauben, da� Ihr gottber�hrt seid, bieten den G�ttern ihren Gehorsam, w�hrend die Unehrlichen es tun, um Euch zu schmeicheln.�</p><p>�Aber <emphasis>du </emphasis>bist nicht unehrlich. Und du glaubst auch nicht, da� die G�tter zu mir sprechen.�</p><p>�Ich wei� nicht, ob die G�tter zu Euch sprechen oder nicht oder ob sie jemals zu jemandem gesprochen haben oder �berhaupt sprechen k�nnen. Ich wei� nur, da� die G�tter von niemandem verlangen, diese l�cherlichen, erniedrigenden Rituale durchzuf�hren � die hat der Kongre� den Gottber�hrten aufgezwungen. Und doch m��t ihr mit diesen Ritualen fortfahren, weil Euer K�rper es verlangt. Bitte erlaubt mir, mit den Ritualen der Erniedrigung fortzufahren, die von Menschen meiner Stellung in der Welt verlangt werden.�</p><p>Meister Han nickte ernst. �Du bist klug �ber deine Jahre und Erziehung hinaus, Wang-mu.�</p><p>�Ich bin ein sehr t�richtes M�dchen�, sagte Wang-mu. �Wenn ich klug w�re, h�tte ich Euch gebeten, mich so weit wie m�glich von diesem Haus fortzuschicken. Es wird nun sehr gef�hrlich f�r mich sein, ein Haus mit Qing-jao zu teilen. Besonders, wenn sie sieht, da� ich Euch nahestehe, wo sie es nicht kann.�</p><p>�Du hast recht. Meine Bitte, du m�gest bleiben, war sehr selbsts�chtig.�</p><p>�Ja�, sagte Wang-mu. �Und doch werde ich bleiben.�</p><p>�Warum?� fragte Meister Han.</p><p>�Weil ich niemals in mein altes Leben zur�ckfinden kann�, erwiderte sie. �Ich wei� jetzt zuviel �ber die Welt und das Universum, �ber den Kongre� und die G�tter. Ginge ich nach Hause und g�be vor, das zu sein, was ich fr�her war, h�tte ich den Rest meines Lebens den Geschmack von Gift im Mund.�</p><p>Meister Han nickte ernst, doch dann l�chelte er, und kurz darauf lachte er.</p><p>�Warum lacht Ihr �ber mich, Meister Han?�</p><p>�Ich lache, weil ich glaube, da� du nie warst, was du fr�her einmal warst.�</p><p>�Was bedeutet das?�</p><p>�Ich glaube, du hast immer eine Rolle gespielt. Vielleicht hast du sogar dich selbst get�uscht. Aber eins ist sicher. Du warst niemals ein gew�hnliches M�dchen, und du h�ttest <emphasis>niemals </emphasis>ein gew�hnliches Leben f�hren k�nnen.�</p><p>Wang-mu zuckte mit den Achseln. �Die Zukunft besteht aus hunderttausend F�den, doch die Vergangenheit ist ein Stoff, der nicht neu gewoben werden kann. Vielleicht h�tte ich ein zufriedenes Leben f�hren k�nnen. Vielleicht auch nicht.�</p><p>�Dann sind wir ja alle zusammen, wir drei.�</p><p>Erst jetzt drehte sich Wang-mu um und sah, da� sie nicht allein waren. In der Luft �ber dem Display sah sie Janes Gesicht, das ihr zul�chelte.</p><p>�Ich bin froh, da� du zur�ckgekommen bist�, sagte Jane.</p><p>Einen Augenblick lang veranla�te Janes Anwesenheit Wang-mu zu einer hoffnungsvollen Schlu�folgerung. �Dann bist du nicht tot! Man hat dich verschont!�</p><p>�Qing-jao hatte niemals vor, mich schon jetzt zu t�ten�, erwiderte Jane. �Ihr Vorhaben, mich zu vernichten, schreitet gut voran, und ich werde zweifellos planm��ig sterben.�</p><p>�Warum bist du dann in dieses Haus gekommen�, fragte Wang-mu, �wenn doch hier dein Tod ausgel�st wurde?�</p><p>�Ich mu� noch viel erledigen, bevor ich sterbe�, sagte Jane. �Vielleicht gibt es sogar die schwache M�glichkeit, da� ich einen Weg finde, wie ich mein �berleben sichern kann. Zuf�llig gibt es auf der Welt Weg viele tausend Menschen, die im Durchschnitt viel intelligenter als der Rest der Menschheit sind.�</p><p>�Nur wegen der genetischen Manipulationen des Kongresses�, sagte Meister Han.</p><p>�Genau�, sagte Jane. �Die Gottber�hrten von Weg sind genau genommen nicht einmal mehr Menschen. Ihr seid eine andere Spezies, erschaffen und versklavt vom Kongre�, damit ihr ihm einen Vorteil �ber den Rest der Menschheit gebt. Zuf�llig ist ein einziges Mitglied dieser neuen Spezies jedoch gewisserma�en frei vom Kongre�.�</p><p>�Das ist Freiheit?� sagte Meister Hand. �Selbst jetzt ist mein Drang, mich zu reinigen, fast unwiderstehlich.�</p><p>�Dann widerstehe ihm nicht�, sagte Jane. �Ich kann mit dir sprechen, w�hrend du dich windest.�</p><p>Augenblicklich streckte Meister Hand die Arme aus und wand sie in seinem Ritual der L�uterung in der Luft. Wang-mu wandte das Gesicht ab.</p><p>�Tu das nicht�, sagte Meister Han. �Verberge dein Gesicht nicht vor mir. Ich mu� mich nicht sch�men, dir das zu zeigen. Ich bin ein Kr�ppel, mehr nicht; h�tte ich ein Bein verloren, h�tten meine engsten Freunde keine Scheu, den Stumpf zu sehen.�</p><p>Wang-mu sah die Weisheit in seinen Worten und wandte das Gesicht nicht von seinem Makel ab.</p><p>�Wie ich gerade sagte�, fuhr Jane fort, �zuf�llig ist ein einziges Mitglied dieser neuen Spezies jedoch gewisserma�en frei vom Kongre�. Ich hoffe, in den wenigen Monaten, die mir verbleiben, auf deine Hilfe bei dem rechnen zu k�nnen, was ich bewerkstelligen will.�</p><p>�Ich tue, was ich kann�, sagte Meister Han.</p><p>�Und wenn ich helfen kann, bin ich gern dazu bereit�, sagte Wang-mu. Erst, nachdem sie es gesagt hatte, begriff sie, wie l�cherlich es war, da� sie solch ein Angebot machte. Meister Han war einer der Gottber�hrten, einer von jenen mit �berlegenen intellektuellen F�higkeiten. Sie hingegen war nur ein ungebildetes Mitglied der normalen Menschheit, das nichts anzubieten hatte.</p><p>Und doch spottete keiner �ber ihre Angebot, und Jane akzeptierte es gro�z�gig. Diese Freundlichkeit bewies Wang-mu erneut, da� Jane ein Lebewesen sein mu�te, nicht nur eine Simulation.</p><p>�La�t mich euch die Probleme erkl�ren, die ich zu bew�ltigen hoffe.�</p><p>Sie h�rten zu.</p><p>�Wie ihr wi�t, befinden sich meine liebsten Freunde auf dem Planeten Lusitania. Sie werden von der Lusitania-Flotte bedroht. Ich bin sehr daran interessiert zu verhindern, da� diese Flotte einen nicht wieder gutzumachenden Schaden anrichtet.�</p><p>�Mittlerweile hat die Flotte bestimmt schon den Befehl bekommen, den Kleinen Doktor einzusetzen�, sagte Meister Han.</p><p>�Oh, ja, das wei� ich. Ich m�chte verhindern, da� dieser Befehl nicht nur die Menschen von Lusitania, sondern auch zwei weitere Ramann-Spezies vernichtet.� Dann berichtete Jane ihnen von der Schwarmk�nigin und wie es dazu gekommen war, da� im Universum wieder Krabbler lebten. �Die Schwarmk�nigin baut bereits Sternenschiffe und treibt sich bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit an, um vor dem Eintreffen der Flotte soviel wie m�glich zu bew�ltigen. Doch es besteht keine Chance, genug Sternenschiffe zu bauen, um mehr als einen winzigen Bruchteil der Bewohner Lusitanias zu retten. Die Schwarmk�nigin kann fliehen oder eine andere K�nigin fortschicken, die all ihre Erinnerungen teilt, und es ist f�r sie kaum von Belang, ob ihre Arbeiter sie begleiten oder nicht. Doch die Pequeninos und die Menschen sind nicht so unabh�ngig. Ich m�chte sie gern allesamt retten. Besonders, weil meine liebsten Freunde, ein gewisser Sprecher f�r die Toten und ein junger Mann, der an einem Gehirnschaden leidet, sich weigern werden, Lusitania zu verlassen, bevor nicht alle anderen Menschen und Pequeninos in Sicherheit sind.�</p><p>�Dann sind sie also Helden?� fragte Meister Han.</p><p>�Das hat jeder von ihnen in der Vergangenheit mehrmals bewiesen�, sagte Jane.</p><p>�Ich war mir nicht sicher, ob es in der menschlichen Rasse noch Helden gibt.�</p><p>Si Wang-mu sprach nicht aus, was sie in ihrem Herzen dachte: da� Meister Han selbst solch ein Held war.</p><p>�Ich ziehe alle M�glichkeiten in Betracht�, sagte Jane. �Aber es l�uft alles auf eine Unm�glichkeit hinaus; das glaubt die Menschheit zumindest seit �ber dreitausend Jahren. Wenn wir ein Raumschiff bauen k�nnten, das schneller als das Licht fliegt, das so schnell fliegt, wie der Verk�rzer die Nachrichten von einer Welt zur anderen gibt, dann m��te die Schwarmk�nigin nur ein Dutzend Sternenschiffe bauen, und sie k�nnten problemlos alle Bewohner Lusitanias auf andere Planeten bringen, bevor die Lusitania-Flotte dort eintrifft.�</p><p>�Wenn man wirklich solch ein Sternenschiff bauen k�nnte�, sagte Han Fei-tzu, �k�nnte man eine eigene Flotte schaffen, die die Lusitania-Flotte angreifen und vernichten k�nnte, bevor sie irgendwelchen Schaden anrichten kann.�</p><p>�Das ist unm�glich�, sagte Jane.</p><p>�Du kannst dir eine �berlichtschnelle Reise vorstellen, aber nicht, die Lusitania-Flotte zu vernichten?�</p><p>�Oh, ich kann es mir schon vorstellen�, sagte Jane. �Aber die Schwarmk�nigin w�rde die Flotte nicht bauen. Sie hat Andrew gesagt, meinem Freund, dem Sprecher f�r die Toten��</p><p>�Valentines Bruder�, sagte Wang-mu. �Er lebt also?�</p><p>�Die Schwarmk�nigin hat ihm gesagt, da� sie niemals eine Waffe bauen wird, aus welchem Grund auch immer.�</p><p>�Nicht einmal, um die eigene Spezies zu retten?�</p><p>�Sie wird das eine Sternenschiff zur Verf�gung haben, das sie braucht, um den Planeten zu verlassen, und die anderen werden auch genug Sternenschiffe haben, um ihre Spezies zu retten. Damit gibt sie sich zufrieden. Es besteht kein Grund, jemanden zu t�ten.�</p><p>�Aber wenn es nach dem Willen des Kongresses geht, werden Millionen sterben!�</p><p>�Das f�llt in die Verantwortung des Kongresses�, sagte Jane. �Zumindest gibt sie diese Antwort immer Andrew, wenn er das Thema darauf bringt.�</p><p>�Was f�r eine seltsame moralische Argumentation ist das?�</p><p>�Du vergi�t, da� sie erst vor kurzem die Existenz anderen intelligenten Lebens entdeckt hat und es fast vernichtet h�tte. Dann hat dieses andere intelligente Leben beinahe <emphasis>sie </emphasis>vernichtet. Aber ihre moralische Einstellung wurde viel st�rker von der Tatsache beeinflu�t, da� sie selbst beinahe das Verbrechen des Xenozids begangen h�tte. Sie kann andere Spezies nicht davon abhalten, so etwas zu tun, aber sie kann sicherstellen, da� sie selbst es nicht mehr tut. Sie wird nur noch t�ten, wenn das die einzige Hoffnung ist, die Existenz ihrer Spezies zu retten. Und da sie eine andere Hoffnung hat, wird sie kein Kriegsschiff bauen.�</p><p>��berlichtschnelle Reise�, sagte Meister Han. �Ist das deine einzige Hoffnung?�</p><p>�Die einzige, die mir einf�llt, in der der Schimmer einer M�glichkeit liegt. Zumindest wissen wir, da� sich <emphasis>etwas </emphasis>im Universum �berlichtschnell bewegt � Informationen werden ohne feststellbaren Zeitverlust von einem Verk�rzer zum anderen am philotischen Strang entlanggeschickt. Ein intelligenter junger Physiker auf Lusitania, der im Augenblick im Gef�ngnis sitzt, verbringt seine Tage und N�chte mit der Arbeit an diesem Problem. Ich f�hre alle Berechnungen und Simulationen f�r ihn durch. In genau diesem Augenblick testet er eine Hypothese �ber die Natur der Philoten, indem er ein so komplexes Modell benutzt, da� ich allein f�r den Ablauf des Programms Rechenzeit der Computer von fast tausend verschiedenen Universit�ten stehle. Es gibt Hoffnung.�</p><p>�Solange man lebt, gibt es Hoffnung�, sagte Wang-mu. �Wer wird so umfangreiche Experimente f�r ihn durchf�hren, sobald du tot bist?�</p><p>�Deshalb ist die Sache ja so dringend�, sagte Jane.</p><p>�Wof�r brauchst du mich?� fragte Meister Han. �Ich bin kein Physiker, und es besteht keine Aussicht, da� ich in den n�chsten paar Monaten genug lernen kann, um dir irgendwie helfen zu k�nnen. Wenn �berhaupt, kann es dein im Gef�ngnis sitzender Physiker schaffen. Oder du selbst.�</p><p>�Jeder braucht einen unbefangenen Kritiker, der sagt: Hast du daran gedacht? Oder auch: Schlu� mit dieser Sackgasse, steige auf einen anderen Gedankengang um. Daf�r brauche ich dich. Wir werden dir unsere Arbeit zur Verf�gung stellen, und du wirst sie begutachten und dazu sagen, was immer dir einf�llt. Du kannst nicht wissen, welches zuf�llige Wort von dir die Idee ausl�sen wird, nach der wir suchen.�</p><p>Meister Han nickte, um die M�glichkeit einzugestehen.</p><p>�Das zweite Problem, an dem ich arbeite, ist noch komplizierter�, sagte Jane. �Ob wir nun eine �berlichtschnelle Reise entwickeln oder nicht, <emphasis>einige </emphasis>Pequeninos werden Sternenschiffe haben und den Planeten Lusitania verlassen k�nnen. Das Problem ist, da� sie den heimt�ckischsten und schrecklichsten Virus in sich tragen, den wir jemals entdeckt haben, einen Virus, der jede Lebensform vernichtet, mit der er in Ber�hrung kommt, abgesehen von den wenigen, die er in eine deformierte Art symbiotischen Lebens verwandeln kann, die v�llig vom Vorhandensein dieser Viren abh�ngig ist.�</p><p>�Die Descolada�, sagte Meister Han. �Eine der Berechtigungen, da� die Flotte den Kleinen Doktor �berhaupt mitf�hrt.�</p><p>�Und vielleicht ist es tats�chlich eine Berechtigung. Vom Standpunkt der Schwarmk�nigin aus ist es unm�glich, zwischen zwei verschiedenen Lebensformen zu w�hlen, doch wie Andrew mir oft klargemacht hat, haben die Menschen dieses Problem nicht. Wenn es auf die Wahl zwischen dem �berleben der Menschen oder der Pequeninos hinausl�uft, w�rde er sich f�r die Menschheit entscheiden, und um seinetwillen w�rde ich mich genauso entscheiden.�</p><p>�Und ich auch�, sagte Meister Han.</p><p>�Wir k�nnen sicher sein, da� die Pequeninos genau umgekehrt empfinden�, sagte Jane. �Wenn nicht auf Lusitania, so wird es aber mit fast absoluter Sicherheit irgendwann zu einem schrecklichen Krieg kommen, in dem die Menschen das Molekular-Detachier-Ger�t und die Pequeninos die Descolada als ultimate biologische Waffe einsetzen werden. Es besteht eine gute Chance, da� sich beide Spezies gegenseitig v�llig vernichten. Daher mu� ich dringend einen Ersatzvirus f�r die Descolada finden, der alle Funktionen wahrnimmt, die im Lebenszyklus der Pequeninos notwendig sind, aber nicht �ber seine t�dliche Anpassungsf�higkeit verf�gt. Eine selektiv ungef�hrliche Form des Virus.�</p><p>�Ich dachte, es g�be M�glichkeiten, die Descolada zu neutralisieren. Nehmen die Bewohner Lusitanias nicht mit ihrem Trinkwasser gewisse Medikamente auf?�</p><p>�Die Descolada isoliert diese Medikamente immer wieder und pa�t sich an sie an. Es ist ein unentwegtes Wettrennen. Irgendwann wird die Descolada eine Etappe gewinnen, und dann wird es keine Menschen mehr geben, gegen die sie das Rennen fortsetzen mu�.�</p><p>�Soll das hei�en, da� der Virus <emphasis>intelligent </emphasis>ist?� fragte Wang-mu.</p><p>�Eine Wissenschaftlerin auf Lusitania ist dieser Meinung�, erwiderte Jane. �Sie hei�t Quara. Andere widersprechen ihr. Doch der Virus <emphasis>verh�lt </emphasis>sich mit Sicherheit, als sei er intelligent, zumindest wenn es darum geht, sich an Ver�nderungen der Umgebung anzupassen und andere Spezies seinen Bed�rfnissen entsprechend umzuwandeln. Ich pers�nlich glaube, da� Quara recht hat. Ich glaube, da� die Descolada eine intelligente Spezies ist, die eine eigene Sprache hat und sie benutzt, um Informationen sehr schnell von einer Seite des Planeten auf die andere zu bringen.�</p><p>�Ich bin kein Virologe�, sagte Meister Han.</p><p>�Doch wenn du dir die Untersuchungen ansiehst, die Elanora Ribeira von Hesse durchgef�hrt hat��</p><p>�Nat�rlich werde ich sie mir ansehen. Ich w�nschte nur, ich h�tte deine Hoffnung, helfen zu k�nnen.�</p><p>�Und dann das dritte Problem�, sagte Jane. �Vielleicht das einfachste von allen. Die Gottber�hrten von Weg.�</p><p>�Ja�, sagte Meister Han. �Die, die dich vernichten wollen.�</p><p>�Nicht aus freier Entscheidung�, sagte Jane. �Ich werfe euch nichts vor. Aber ich m�chte das gern erledigt sehen, bevor ich sterbe. Ich m�chte eine M�glichkeit finden, eure manipulierten Gene zu so ver�ndern, da� zumindest zuk�nftige Generationen von diesem absichtlich herbeigef�hrten UZV frei sind, dabei aber nicht ihre au�ergew�hnliche Intelligenz verlieren.�</p><p>�Wo wirst du Genetiker finden, die bereit sind, eine Arbeit zu leisten, die der Kongre� mit Sicherheit als Verrat bezeichnen wird?�</p><p>�Wenn man m�chte, da� jemand einen Verrat begeht�, sagte Jane, �sieht man sich am besten zuerst unter bekannten Verr�tern um.�</p><p>�Lusitania�, sagte Wang-mu.</p><p>�Ja. Mit eurer Hilfe kann ich Elanora das Problem anvertrauen.�</p><p>�Arbeitet sie nicht an dem Descolada-Problem?�</p><p>�Niemand kann jeden wachen Augenblick an ein und derselben Sache arbeiten. Diese Abwechslung wird ihr vielleicht sogar helfen, sich inspirierter mit der Descolada zu befassen. Au�erdem l��t sich euer Problem auf Weg wohl relativ leicht l�sen. Schlie�lich wurden eure ver�nderten Gene urspr�nglich von v�llig normalen Genetikern geschaffen, die f�r den Kongre� arbeiteten. Es lagen nur politische, keine wissenschaftlichen Hindernisse vor. Ela d�rfte keine gr��eren Schwierigkeiten haben. Sie hat mir bereits gesagt, wie wir anfangen m�ssen. Wir brauchen ein paar Gewebeproben. Ein Medizintechniker mu� hier ein paar Computeranalysen auf Molekularebene durchf�hren. Ich kann s�mtliche Maschinen so lange �bernehmen, bis die Daten vorliegen, die Ela braucht, und sie ihr dann �bermitteln. So einfach ist das.�</p><p>�Wessen Gewebe brauchst du?� fragte Meister Han. �Ich kann ja schlecht die Besucher hier bitte, mir Proben zur Verf�gung zu stellen.�</p><p>�Eigentlich habe ich genau darauf gehofft�, sagte Jane. �Hier kommen und gehen so viele. Wir k�nnen auch totes Gewebe gebrauchen. Vielleicht sogar Stuhl- oder Urinproben, die K�rperzellen enthalten.�</p><p>Meister Han nickte. �Das ist kein Problem.�</p><p>�F�r die Stuhlproben werde ich sorgen�, sagte Wang-mu.</p><p>�Nein�, sagte Meister Han. �Ich bin mir nicht zu gut, jede notwendige Hilfe zu leisten, selbst mit blo�en H�nden.�</p><p>�Ihr selbst?� fragte Wang-mu. �Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil ich bef�rchtete, Ihr w�rdet andere Diener erniedrigen, indem Ihr ihnen diesen Auftrag gebt.�</p><p>�Ich werde nie wieder jemanden bitten, etwas so Niedriges und Entw�rdigendes zu verrichten, da� ich mich weigern w�rde, es selbst zu tun.�</p><p>�Dann werden wir es gemeinsam tun�, sagte Wang-mu. �Bitte verge�t nicht, Meister Han � Ihr werdet Jane helfen, indem Ihr Berichte lest und bewertet, w�hrend ich nur durch manuelle Arbeit helfen kann. Besteht nicht darauf, etwas zu tun, was auch ich tun kann. Nutzt diese Zeit statt dessen f�r etwas, das nur Ihr k�nnt.�</p><p>Jane unterbrach, bevor Meister Han antworten konnte. �Wang-mu, ich m�chte, da� auch du die Berichte liest.�</p><p>�Ich? Aber ich bin �berhaupt nicht gebildet.�</p><p>�Trotzdem�, sagte Jane.</p><p>�Ich werde sie nicht einmal verstehen.�</p><p>�Dann werde ich dir helfen�, sagte Meister Han.</p><p>�Das ist nicht rechtens�, sagte Wang-mu. �Ich bin nicht Qing-jao. Es w�re eine Aufgabe f�r sie, nicht f�r mich.�</p><p>�Ich habe dich und Qing-jao w�hrend des gesamten Prozesses beobachtet, der zu meiner Entdeckung f�hrte�, sagte Jane. �Viele der wesentlichen Einsichten kamen von dir, Si Wang-mu, und nicht von Qing-jao.�</p><p>�Von mir? Ich habe nicht einmal versucht��</p><p>�Du hast es nicht versucht. Du hast beobachtet. Du hast Schl�sse gezogen. Du hast Fragen gestellt.�</p><p>�T�richte Fragen�, sagte Wang-mu. Doch in ihrem Herzen war sie froh: Jemand hatte es gesehen!</p><p>�Fragen, die kein Experte jemals gestellt h�tte�, erkl�rte Jane. �Doch es waren genau die Fragen, die Qing-jao zu ihren wichtigsten Erkenntnissen f�hrten. Vielleicht sprechen die G�tter nicht zu dir, Wang-mu, doch du hast deine eigenen Begabungen.�</p><p>�Ich werde lesen und Fragen stellen�, sagte Wang-mu, �doch ich werde auch Gewebeproben sammeln. <emphasis>Alle </emphasis>Gewebeproben, damit Meister Han nicht mit diesen gottber�hrten Besuchern sprechen und ihnen zuh�ren mu�, wie sie ihn f�r eine schreckliche Sache loben, die er nicht getan hat.�</p><p>Meister Han war noch immer dagegen. �Ich weigere mich, dich��</p><p>Jane unterbrach ihn. �Han Fei-tzu, sei klug. Wang-mu ist als Dienerin unsichtbar. Du als Herr des Hauses bist so unauff�llig wie ein Tiger auf einem Spielplatz. Nichts, was du tust, bleibt unbemerkt. La� Wang-mu tun, was sie am besten kann.�</p><p>Kluge Worte, dachte Wang-mu. Doch warum bittest du mich, die Arbeit von Wissenschaftlern zu tun, wenn jede Person das tun sollte, was sie am besten kann? Aber sie schwieg. Jane lie� sie anfangen, indem sie sich selbst Gewebeproben entnahmen; danach schickte sich Wang-mu an, Gewebeproben vom Rest des Haushalts zu sammeln. Das meiste, was sie brauchte, fand sie an K�mmen und schmutziger Kleidung. Innerhalb von ein paar Tagen hatte sie Proben von einem Dutzend gottber�hrter Besucher gesammelt, die meisten ebenfalls von deren Kleidung. Niemand mu�te Stuhlproben sammeln. Doch sie w�re dazu bereit gewesen.</p><p>Qing-jao bemerkte sie nat�rlich, ignorierte sie jedoch. Es schmerzte Wang-mu, da� Qing-jao sie so kalt behandelte, denn sie waren einmal Freundinnen gewesen, und Wang-mu hatte sie noch immer gern, zumindest die junge Frau, die Qing-jao vor der Krise gewesen war. Doch Wang-mu konnte nichts sagen oder tun, um ihre Freundschaft wiederherzustellen. Sie hatte einen anderen Weg gew�hlt.</p><p>Wang-mu hielt alle Gewebeproben sorgf�ltig voneinander getrennt und beschriftet. Doch anstatt sie zu einem medizinischen Labor zu bringen, fand sie eine viel einfachere M�glichkeit, sie untersuchen zu lassen. Sie zog alte Gew�nder von Qing-jao an, so da� sie wie eine gottber�hrte Studentin und nicht wie ein Dienstm�dchen aussah, ging sie zur n�chsten Universit�t, sagte dort, sie arbeite an einem Projekt, dessen Natur sie nicht enth�llen k�nne, und bat bescheiden um eine Untersuchung der Gewebeproben. Wie erwartet, stellte man einer Gottber�hrten keine Fragen, nicht einmal einer v�llig Fremden. Sie f�hrten die Molekularuntersuchungen durch, und Wang-mu konnte nur davon ausgehen, da� Jane wie versprochen die Kontrolle �ber den Computer �bernommen und alle Untersuchungen durchgef�hrt hatte, die Ela ben�tigte.</p><p>Auf dem R�ckweg von der Universit�t verbrannte Wang-mu alle Proben und den Bericht, den sie bekommen hatte. Jane hatte, was sie brauchte, und Wang-mu wollte das Risiko vermeiden, da� Qing-jao oder vielleicht ein Diener im Haus, der f�r den Kongre� spionierte, herausfand, da� Han Fei-tzu ein biologisches Experiment durchf�hrte. Und es war ausgeschlossen, da� jemand <emphasis>sie, </emphasis>die Dienerin Si Wang-mu, als die junge Gottber�hrte erkannte, die die Universit�t besucht hatte. Niemand, der nach einer Gottber�hrten suchte, w�rde einer Dienerin wie ihr auch nur einen Blick widmen.</p><empty-line/><p>�Also hast du deine Frau verloren, und ich meine�, sagte Miro.</p><p>Ender seufzte. Gelegentlich wurde Miro redselig, und da die Verbitterung immer in seinen Worten lauerte, pflegten seine Plaudereien stets zur Sache zu kommen. Ender konnte ihm seine Gespr�chigkeit nicht �belnehmen � er und Valentine waren fast die einzigen Menschen, die Miros langsamer Sprache zuh�ren konnten, ohne ihm anzudeuten, er solle sich beeilen. Miro verbrachte so viel Zeit mit seinen angeh�uften, nicht zum Ausdruck gebrachten Gedanken, da� es grausam w�re, ihn zum Schweigen zu bringen.</p><p>Ender war nicht angetan, daran erinnert zu werden, da� Novinha ihn verlassen hatte. Er versuchte, diesen Gedanken zu verdr�ngen, w�hrend er sich anderen Problemen widmete � haupts�chlich der Frage, wie Jane �berleben konnte. Doch bei Miros Worten kehrte dieses schmerzhafte, der Panik verwandte Gef�hl zur�ck. Sie ist nicht hier. Ich kann nicht einfach etwas sagen, und sie antwortet. Ich kann nicht einfach eine Frage stellen, und sie erinnert sich. Ich kann nicht einfach nach ihrer Hand greifen. Und am schrecklichsten war der Gedanke: Vielleicht werde ich das nie wieder k�nnen.</p><p>�Ich glaube schon�, sagte Ender.</p><p>�Du wirst sie wahrscheinlich nicht vergleichen wollen�, sagte Miro. �Schlie�lich war sie drei�ig Jahre lang deine Ehefrau, und Ouanda war vielleicht f�nf Jahre lang meine Freundin. Aber das ist nur von der Pubert�t an gerechnet. Sie war meine Freundin, meine engste Freundin, von Ela vielleicht einmal abgesehen, seit ich klein war. Wenn du also dar�ber nachdenkst, war ich die gr��te Zeit meines Lebens mit Ouanda zusammen, w�hrend du nur dein halbes Leben mit Mutter zusammenwarst.�</p><p>�Jetzt f�hle ich mich besser�, sagte Ender.</p><p>�Sei nicht sauer auf mich�, sagte Miro.</p><p>�Mach mich nicht sauer�, sagte Ender.</p><p>Miro lachte. �Warum so verdrossen, Andrew?� kr�chzte er. �Bist du etwas daneben?�</p><p>Das war zuviel. Ender fuhr mit seinem Stuhl herum, wandte sich von dem Terminal ab, auf dem er ein vereinfachtes Modell des Verk�rzer-Netzwerks betrachtet und herauszufinden versucht hatte, wo sich in diesem zuf�lligen Durcheinander vielleicht Janes Seele befinden mochte. Er sah Miro ununterbrochen an, bis der Kr�ppel zu lachen aufh�rte.</p><p>�Tue ich das <emphasis>dir </emphasis>an?� fragte Ender.</p><p>Miro wirkte eher w�tend als best�rzt. �Vielleicht solltest du das�, sagte er. �Hast du je dar�ber nachgedacht? Ihr seid so <emphasis>respektvoll, </emphasis>ihr alle. La� Miro ja seine W�rde. La�t ihn seinen Gedanken nachh�ngen, bis er verr�ckt wird. Sprecht einfach nicht mit ihm dar�ber, was ihm <emphasis>passiert </emphasis>ist. Bist du nie darauf gekommen, da� ich vielleicht jemanden brauche, der mich aus dieser Ecke holt?�</p><p>�Bist du nicht darauf gekommen, da� <emphasis>ich </emphasis>vielleicht so jemanden <emphasis>nicht </emphasis>brauche?�</p><p>Miro lachte erneut. �Touch�, sagte er. �Du behandelst mich, wie du behandelt werden willst, wenn du trauerst, und nun behandele ich dich, wie <emphasis>ich </emphasis>behandelt werden wir. Wir verschreiben einander unsere eigene Medizin.�</p><p>�Deine Mutter und ich sind noch immer verheiratet�, sagte Ender.</p><p>�Ich will dir was sagen�, entgegnete Miro, �aus der Weisheit meiner vielleicht zwanzig Lebensjahre. Es ist leichter, wenn du dir endlich eingestehst, da� du sie nicht mehr zur�ckbekommst.�</p><p>�Ouanda ist unerreichbar. Novinha nicht.�</p><p>�Sie ist bei den Kindern des Geistes Christi. Das ist ein Nonnenkloster, Andrew.�</p><p>�Keineswegs�, sagte Ender. �Es ist ein Klosterorden, dem nur Ehepaare beitreten k�nnen. Ohne mich kann sie ihm nicht angeh�ren.�</p><p>�Ha�, sagte Miro. �Du kannst sie zur�ckbekommen, wenn du den Filhos beitrittst. Ich sehe dich schon als Dom Cristao.�</p><p>Ender konnte nicht umhin, �ber diese Vorstellung zu kichern. �In getrennten Betten schlafen. Die ganze Zeit �ber beten. Sich nie ber�hren.�</p><p>�Wenn das eine Ehe ist, Andrew, dann sind Ouanda und ich verheiratet.�</p><p>�Es <emphasis>ist </emphasis>eine Ehe, Miro. Weil die Ehepaare der Filhos da Mente de Cristo zusammenarbeiten, etwas gemeinsam tun.�</p><p>�Dann sind <emphasis>wir </emphasis>verheiratet�, sagte Miro. �Du und ich. Weil wir versuchen, Jane gemeinsam zu retten.�</p><p>�Nur Freunde�, sagte Ender. �Wir sind nur Freunde.�</p><p>�Rivalen ist wohl der bessere Ausdruck. Jane h�lt uns wie Liebhaber in den Startl�chern.�</p><p>Miro klang zu sehr wie Novinha, als sie Ender Vorw�rfe �ber Jane gemacht hatte. �Wir sind wohl kaum Liebhaber�, sagte er. �Jane ist kein Mensch. Sie hat nicht einmal einen K�rper.�</p><p>��beraus logisch von dir�, entgegnete Miro. �Hast du nicht gerade gesagt, du und Mutter, ihr k�nntet verheiratet sein, ohne euch jemals zu ber�hren?�</p><p>Diese Analogie gefiel Ender nicht, denn es schien eine gewisse Wahrheit in ihr zu sein. Hatte Novinha recht gehabt, auf Jane eifers�chtig zu sein, wie sie es so viele Jahre lang gewesen war?</p><p>�Sie lebt praktisch in unseren K�pfen�, sagte Miro. �Das ist ein Ort, an den keine Ehefrau jemals gelangen kann.�</p><p>�Ich hatte immer angenommen�, sagte Ender, �da� deine Mutter auf Jane eifers�chtig war, weil sie gern jemanden gehabt h�tte, der ihr so nahe stand.�</p><p>�Bobagem�, sagte Miro. �Lixo.� Bl�dsinn. Mist. �Mutter war eifers�chtig auf Jane, weil sie unbedingt <emphasis>dir </emphasis>so nahe sein wollte und es nie sein konnte.�</p><p>�Nicht deine Mutter. Sie war immer unabh�ngig. Es gab Zeiten, in denen wir uns sehr nahe standen, doch sie kehrte immer wieder zu ihrer Arbeit zur�ck.�</p><p>�Wie du immer wieder zu Jane zur�ckgekehrt bist.�</p><p>�Hat sie dir das gesagt?�</p><p>�Nicht mit so vielen Worten. Doch du hast mit ihr gesprochen, und dann verstummtest du pl�tzlich, und obwohl du sehr gut subvokalisieren kannst, bewegst du die Kiefer dabei immer ganz leicht, und deine Augen und Lippen reagieren ein wenig auf das, was Jane zu dir sagt. Sie hat es gesehen. Du warst ganz nahe bei Mutter, und dann warst du pl�tzlich ganz woanders.�</p><p>�Nicht das hat uns getrennt�, sagte Ender. �Es war Quims Tod.�</p><p>�Quims Tod war der Tropfen, der das Fa� zum �berlaufen brachte. W�re Jane nicht gewesen, h�tte Mutter wirklich geglaubt, da� du mit Herz und Seele zu ihr geh�rst, h�tte sie sich an dich gewandt, als Quim starb, und nicht von dir weg.�</p><p>Miro hatte das ausgesprochen, was Ender die ganze Zeit �ber bef�rchtet hatte. Da� es seine eigene Schuld war. Da� er <emphasis>nicht </emphasis>der perfekte Ehemann gewesen war. Da� er sie fortgetrieben hatte. Und am schlimmsten war, als Miro es sagte, wu�te Ender, da� es stimmte. Das Gef�hl des Verlustes, das ihm schon unertr�glich vorgekommen war, verdoppelte sich pl�tzlich, potenzierte sich, wurde unendlich in ihm.</p><p>Er f�hlte Miros Hand schwer und unbeholfen auf seiner Schulter.</p><p>�Gott ist mein Zeuge, Andrew, ich wollte dich nicht zum Weinen bringen.�</p><p>�Das kann passieren�, sagte Ender.</p><p>�Es ist nicht ausschlie�lich deine Schuld�, sagte Miro. �Oder Janes. Du darfst nicht vergessen, da� Mutter ziemlich plemplem ist. Das war sie schon immer.�</p><p>�Sie hatte als Kind sehr viel zu ertragen.�</p><p>�Sie hat jeden verloren, den sie je geliebt hat, einen nach dem anderen.�</p><p>�Und ich lie� sie glauben, da� sie auch mich verloren hat.�</p><p>�Was h�ttest du tun k�nnen, Jane abschalten? Das hast du einmal versucht, wei�t du noch?�</p><p>�Der Unterschied ist, da� sie jetzt dich hat. Die ganze Zeit �ber, die du fort warst, h�tte ich Jane aufgeben k�nnen, denn sie hatte <emphasis>dich. </emphasis>Ich h�tte weniger mit ihr sprechen, sie bitten k�nnen, den Kontakt einzuschr�nken. Sie h�tte mir verziehen.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Miro. �Aber du hast es nicht getan.�</p><p>�Weil ich es nicht wollte�, sagte Ender. �Weil ich sie nicht aufgeben wollte. Weil ich glaubte, diese alte Freundschaft bewahren und gleichzeitig meiner Frau ein guter Ehemann sein zu k�nnen.�</p><p>�Es war nicht nur Jane�, sagte Miro. �Es war auch Valentine.�</p><p>�Wahrscheinlich. Was soll ich jetzt also tun? Den Filhos beitreten und warten, bis die Flotte eintrifft und uns alle in die H�lle schickt?�</p><p>�Du tust, was ich tue.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Du atmest tief durch. Du l��t es heraus. Dann atmest du wieder tief ein.�</p><p>Ender dachte einen Augenblick lang dar�ber nach. �Das kann ich nicht. Das habe ich getan, seit ich klein war.�</p><p>Miros Hand blieb noch einen Moment auf seiner Schulter. Deshalb h�tte ich selbst einen Sohn haben sollen, dachte Ender. Damit er sich auf mich st�tzen kann, solange er noch klein ist, und damit ich mich auf ihn st�tzen kann, wenn ich alt bin. Aber ich hatte nie ein eigenes Kind. Ich bin wie der alte Marcao, Novinhas erster Mann. Umgeben von diesem Kindern und zu wissen, da� es nicht meine eigenen sind. Der Unterschied ist, da� Miro ein Freund ist, nicht mein Feind. Und das ist schon etwas. Ich war ein schlechter Ehemann, doch ich kann noch Freundschaften schlie�en und bewahren.</p><p>�H�re auf, dich selbst zu bemitleiden, und mache dich wieder an die Arbeit.� Es war Jane, die in sein Ohr sprach, und sie hatte fast so lange gewartet, bevor sie sprach, da� er bereit war, sich von ihr aufziehen zu lassen. Fast, aber nicht ganz, und so verabscheute er ihre Einmischung. Verabscheute das Wissen, da� sie die ganze Zeit �ber zugeh�rt und ihn beobachtet hatte.</p><p>�Jetzt bist du b�se�, sagte sie.</p><p>Du wei�t nicht, was ich f�hle, dachte Ender. Du kannst es nicht wissen. Weil du kein Mensch bist.</p><p>�Du glaubst, ich w��te nicht, was du f�hlst�, sagte Jane.</p><p>Er versp�rte einen kurzen Schwindel, weil es einen Augenblick lang den Anschein hatte, da� sie auf einer viel tieferen Ebene als der des Gespr�chs mitgeh�rt hatte.</p><p>�Aber auch ich habe dich einmal verloren.�</p><p>�Ich bin zur�ckgekommen�, subvokalisierte Ender.</p><p>�Niemals ganz�, sagte Jane. �Es war nie wie vorher. Also reibe dir ein paar dieser kleinen Tr�nen des Selbstmitleids von den Wangen und z�hle sie, als w�ren es meine. Um einen kleinen Ausgleich zu schaffen.�</p><p>�Ich wei� nicht, warum ich mir die M�he mache, dein Leben zu retten�, sagte Ender stumm.</p><p>�Ich auch nicht�, erwiderte Jane. �Ich sage dir immer wieder, da� es reine Zeitverschwendung ist.�</p><p>Ender wandte sich wieder dem Terminal zu. Miro stand neben ihm und betrachtete das Display, welches das Verk�rzer-Netzwerk simulierte. Ender hatte keine Ahnung, was Jane zu Miro sagte � obwohl er sicher war, da� sie irgend etwas sagte, denn er hatte schon vor langem herausgefunden, da� Jane mehrere Gespr�che gleichzeitig f�hren konnte. Er kam nicht dagegen an � es st�rte ihn ein wenig, da� Jane eine genauso enge Beziehung zu Miro hatte wie zu ihm.</p><p>Ist es nicht m�glich, fragte er sich, da� ein Mensch einen anderen liebt, ohne zu versuchen, ihn zu besitzen? Oder ist das so tief in unseren Genen vergraben, da� wir ganz einfach nicht anders k�nnen? Das Revier abstecken. <emphasis>Meine </emphasis>Frau. <emphasis>Mein </emphasis>Freund. <emphasis>Meine </emphasis>Geliebte. <emphasis>Meine </emphasis>ungeheuerliche und l�stige Computerpers�nlichkeit, die wegen eines halbverr�ckten, genialen M�dchens mit UZV auf einem Planeten, von dem ich noch nie geh�rt habe, abgeschaltet wird. Wie soll ich ohne Jane leben, wenn sie nicht mehr ist?</p><p>Ender zoomte immer wieder Ausschnitte des Displays, bis es nur noch ein paar Parsecs in jeder Dimension darstellte. Nun zeigte die Simulation einen kleinen Teil des Netzwerks, nur ein halbes Dutzend philotische Str�nge, die sich im All kreuzten. Die philotischen Strahlen sahen jetzt nicht mehr aus wie ein kompliziertes, eng gewobenes Muster, sondern wie zuf�llige Linien, die in einer Entfernung von Millionen von Kilometern aneinander vorbeiliefen.</p><p>�Sie ber�hren sich niemals�, sagte Miro.</p><p>Nein, sie ber�hrten sich nicht. Das hatte Ender noch nie zuvor begriffen. In seiner Vorstellung war die Galaxis flach, wie die Sternenkarten sie immer zeigten, ein Blick von oben auf jenen Teil des Spiralarms der Galaxis, in dem die Menschen sich von der Erde ausgebreitet hatten. Aber sie war nicht flach. Keine zwei Sterne standen genau auf derselben Ebene wie zwei andere. Die philotischen Str�nge, die Sternenschiffe und Planeten und Satelliten mit v�llig geraden Linien zu verbinden schienen, Verk�rzer mit Verk�rzer � wenn man sie auf einer zweidimensionalen Karte sah, schienen sie sich zu kreuzen, doch diese dreidimensionale Nahaufnahme des Computerdisplays zeigte deutlich, da� sie sich �berhaupt nicht ber�hrten.</p><p>�Wie kann sie darin leben?� fragte Ender. �Wie kann sie nur <emphasis>darin </emphasis>existieren, wenn es keine Verbindungen zwischen den Linien gibt, von den Endpunkten einmal abgesehen?�</p><p>�Vielleicht lebt sie gar nicht darin. Vielleicht lebt sie in der Summe der Computerprogramme aller Terminals.�</p><p>�In diesem Fall k�nnte sie ein Backup von sich herstellen und dann��</p><p>�Und dann nichts. Sie k�nnte sich niemals wieder zusammensetzen, weil die Verk�rzer nur von v�llig sauberen Computern gesteuert werden.�</p><p>�Das k�nnen sie nicht auf ewig durchhalten�, sagte Ender. �Es ist zu wichtig, da� die Computer auf verschiedenen Planeten miteinander kommunizieren k�nnen. Der Kongre� wird ziemlich schnell herausfinden, da� es nicht genug Menschen gibt, um in einem Jahr manuell die Informationen in einen Computer einzugeben, die die Computer Stunde f�r Stunde �ber die Verk�rzer miteinander austauschen.�</p><p>�Also soll sie sich einfach verstecken? Abwarten? Sich hineinschmuggeln und wiederherstellen, wenn sie in f�nf oder zehn Jahren eine Chance dazu sieht?�</p><p><emphasis>�Falls </emphasis>sie nicht mehr als das ist � eine Sammlung von Programmen.�</p><p>�Sie mu� mehr als nur das sein�, sagte Miro.</p><p>�Warum?�</p><p>�Wenn sie nicht mehr w�re als eine Sammlung von Programmen, m��te sie letztendlich irgendwo von einem oder mehreren Programmierern geschaffen worden sein. In diesem Fall f�hrte sie nur das Programm aus, das man ihr von Anfang an aufgezwungen hat. Sie h�tte keinen freien Willen, keine Entscheidungsfreiheit. Sie w�re eine Puppe, keine Person.�</p><p>�Nun, wenn es darauf hinausl�uft, definierst du den Begriff �freier Wille� vielleicht zu eng�, sagte Ender. �Sind wir Menschen nicht genauso? Werden wir nicht von unseren Genen und unserer Umgebung programmiert?�</p><p>�Nein�, sagte Miro.</p><p>�Wie denn sonst?�</p><p>�Unsere philotischen Verbindungen widerlegen es. Weil wir imstande sind, uns durch Willenskraft mit jedem anderen Menschen zu verbinden, was keine andere Lebensform auf der Erde kann. Das ist etwas, was wir <emphasis>haben, </emphasis>was wir <emphasis>sind, </emphasis>was von nichts <emphasis>verursacht </emphasis>wurde.�</p><p>�Was meinst du? Unsere Seele?�</p><p>�Nicht einmal das�, sagte Miro. �Weil die Priester behaupten, Gott habe unsere Seelen geschaffen, und das stellt uns nur unter die Herrschaft eines anderen Drahtziehers. Wenn Gott unseren Willen geschaffen hat, ist <emphasis>er </emphasis>f�r jede Entscheidung verantwortlich, die wir treffen. Gott, unsere Gene, unsere Umgebung oder irgendein bl�der Programmierer, der an einem uralten Terminal einen Kode eingibt � wenn wir als Individuen das Produkt einer �u�eren Ursache sind, kann es keinen freien Willen geben.�</p><p>�Wenn ich mich recht entsinne, lautet die offizielle philosophische Antwort darauf, da� es keinen freien Willen gibt. Nur die Illusion eines freien Willens, weil die Ursachen unseres Verhaltens so komplex sind, da� wir sie nicht zur�ckverfolgen k�nnen. Wenn wir eine Reihe Dominosteine haben, von denen jeder den n�chsten umst��t, k�nnen wir immer sagen: Seht, dieser Stein fiel, weil der davor ihn umgesto�en hat. Aber wenn wir eine unendliche Zahl von Dominosteinen haben, die zu einer unendlichen Zahl von Richtungen zur�ckverfolgt werden kann, k�nnen wir niemals feststellen, wo die Kausalkette beginnt. Also denken wir: Dieser Dominostein fiel, weil er fallen wollte.�</p><p>�Bobagem�, sagte Miro.</p><p>�Ich gestehe ein, da� diese Philosophie keinen praktischen Wert hat�, sagte Ender. �Valentine hat es mir einmal so erkl�rt. Selbst wenn es keinen freien Willen gibt, m�ssen wir einander so behandeln, als <emphasis>k�nnten </emphasis>wir uns frei entscheiden, um in einer Gesellschaft miteinander leben zu k�nnen. Weil wir ansonsten jedesmal, wenn jemand eine schreckliche Tat begeht, ihn nicht bestrafen k�nnten, weil er ja nichts daf�r kann, weil seine Gene oder seine Umgebung oder Gott ihn diese Tat begehen lie�en, und jedesmal, wenn jemand etwas Gutes tut, k�nnen wir ihn daf�r nicht ehren, denn er ist ja letztendlich eine Puppe. Wenn wir glauben, alle anderen um uns herum seien Puppen, m�ssen wir uns nicht mehr die M�he machen, uns �berhaupt noch mit ihnen zu befassen. Warum sollten wir noch versuchen, irgend etwas zu planen oder zu schaffen, da alles, was wir planen oder schaffen oder w�nschen oder tr�umen, nur Teil des Drehbuchs ist, das der gro�e Drahtzieher f�r uns geschrieben hat?�</p><p>�Verzweiflung�, sagte Miro.</p><p>�Also stellen wir uns uns selbst und alle um uns herum als Wesen mit freiem Willen vor. Wir behandeln jeden, als habe er etwas mit einer bestimmten Absicht getan, anstatt nur von hinten angesto�en worden zu sein. Wir bestrafen Verbrecher. Wir belohnen Altruisten. Wir planen und bauen Dinge gemeinsam. Wir machen Versprechungen und erwarten voneinander, da� wir sie halten. Es ist alles frei erfunden, doch wenn jeder glaubt, da� die alle Taten das Ergebnis eines freien Willens sind und dementsprechend verantwortungsbewu�t handelt, hei�t das Ergebnis Zivilisation.�</p><p>�Alles frei erfunden.�</p><p>�So hat Valentine es mir erkl�rt. Das hei�t, falls es <emphasis>keinen </emphasis>freien Willen gibt. Ich bin mir nicht sicher, was sie selbst wirklich glaubt. Ich vermute, sie w�rde sagen, da� sie zivilisiert ist und daher daran glauben mu�, und daher glaubt sie absolut an die Entscheidungsfreiheit und h�lt diese Vorstellung von einer frei erfundenen Geschichte f�r Unsinn � aber das w�rde sie auch glauben, wenn sie stimmt, und daher k�nnen wir uns einfach gar nichts sicher sein.�</p><p>Dann lachte Ender, weil Valentine gelacht hatte, als sie ihm das alles vor vielen Jahren erkl�rt hatte. Als sie gerade die Kindheit hinter sich gelassen hatten und er den <emphasis>Hegemon</emphasis> schrieb und zu verstehen versuchte, warum sein Bruder Peter all die gro�en und schrecklichen Dinge getan hatte.</p><p>�Das ist nicht komisch�, sagte Miro.</p><p>�Ich dachte, es sei komisch�, sagte Ender.</p><p>�Entweder wir sind frei, oder wir sind es nicht�, sagte Miro. �Entweder die Geschichte ist wahr, oder sie ist falsch.�</p><p>�Es kommt darauf an, da� wir glauben m�ssen, sie sei wahr, um als zivilisierte Menschen leben zu k�nnen.�</p><p>�Nein, darauf kommt es �berhaupt nicht an�, entgegnete Miro. �Denn warum sollten wir uns �berhaupt bem�hen, wie zivilisierte Menschen zu leben, wenn alles eine L�ge ist?�</p><p>�Weil die Spezies dann eine bessere �berlebenschance hat�, sagte Ender. �Weil unsere Gene verlangen, da� wir die Geschichte glauben, um unsere F�higkeit zu bewahren, diese Gene viele Generationen lang weiterzugeben. Weil jeder, der <emphasis>nicht </emphasis>daran glaubt, auf unproduktive, unkooperative Art und Weise handelt und die Gemeinschaft, die Herde, ihn schlie�lich aussto�en und seine Gelegenheit zur Reproduktion dadurch vermindern wird � indem man ihn zum Beispiel ins Gef�ngnis steckt und die Gene, die zu seinem ungl�ubigen Verhalten gef�hrt haben, dadurch letztendlich ausgel�scht werden.�</p><p>�Also verlangt der Drahtzieher von uns, wir sollen glauben, keine Puppen zu sein. Wir werden gezwungen, an den freien Willen zu glauben.�</p><p>�So hat Valentine es mir erkl�rt.�</p><p>�Aber sie glaubt doch nicht wirklich daran, oder?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Das lassen ihre Gene nicht zu.�</p><p>Ender lachte erneut. Aber Miro nahm es nicht auf die leichte Schulter, sah es nicht als philosophische Spielerei. Er war au�er sich. Er ballte die H�nde zu F�usten und schwang die Arme in einer spastischen Geste, die seine H�nde mitten ins Display brachte. Sie warfen einen Schatten dar�ber, verursachten einen Raum, in dem keine philotischen Str�nge sichtbar waren. Wahrer Leerraum. Abgesehen davon, da� Ender nun Motten sehen konnte, die in diesem Displayraum flatterten, angezogen von dem Licht, das durch das Fenster und die ge�ffnete Haust�r fiel. Insbesondere eine gro�e Motte, die ihn an eine kurze Haarstr�hne erinnerte, eine kleine Baumwollfaser, die hell in einem Raum schwebte, in dem zuvor nur die philotischen Str�nge zu sehen gewesen waren.</p><p>�Beruhige dich�, sagte Ender.</p><p>�Nein!� schrie Miro. �Mein Drahtzieher macht mich w�tend!�</p><p>�Halt die Klappe�, sagte Ender. �H�r mir zu.�</p><p>�Ich bin es leid, dir zuzuh�ren!� Dennoch verstummte er und lauschte.</p><p>�Ich glaube, da� du recht hast�, sagte Ender. �Ich glaube, da� wir frei <emphasis>sind, </emphasis>und ich glaube nicht, da� es sich nur um eine Illusion handelt, an die wir glauben, weil sie uns zu �berleben hilft. Und ich glaube, da� wir frei sind, weil wir nicht nur aus diesem K�rper bestehen und ein genetisches Drehbuch ausf�hren. Und wir sind nicht irgendeine Seele, die Gott aus dem Nichts geschaffen hat. Wir sind frei, weil wir schon immer existiert haben. Vom Anfang der Zeit an, nur da� die Zeit keinen Anfang hat, und so haben wir schon immer existiert. Nichts hat uns hervorgerufen. Nichts hat uns gemacht. Wir <emphasis>sind </emphasis>einfach, und es hat uns schon immer gegeben.�</p><p>�Philoten?� fragte Miro.</p><p>�Vielleicht�, sagte Ender. �Wie diese Motte im Display.�</p><p>�Wo?� fragte Miro.</p><p>Sie war jetzt nat�rlich unsichtbar, da der Raum �ber dem Terminal wieder von dem holographischen Display beherrscht wurde. Ender griff mit der Hand ins Display und warf damit einen Schatten auf das Hologramm. Er bewegte die Hand, bis der Schatten die Motte enth�llte, die er zuvor gesehen hatte. Vielleicht war es auch nicht dieselbe, sondern eine andere, doch das spielte keine Rolle.</p><p>�Unsere K�rper, die ganze Welt um uns herum, das alles ist wie dieses holographische Display. Sie sind durchaus echt, zeigen uns aber nicht die wahre Ursache der Dinge. Es ist das eine, dessen wir uns niemals sicher sein k�nnen, wenn wir nur das Display des Universums betrachten <emphasis>warum </emphasis>etwas geschieht. Doch k�nnten wir hindurchsehen, w�rden wir hinter allen, in allem, die wahre Ursache finden. Philoten, die schon immer existiert haben und tun, was sie wollen.�</p><p>�Nichts hat <emphasis>immer </emphasis>existiert�, sagte Miro.</p><p>�Wer sagt das? Der angenommene Anfang dieses Universums war nur der Anfang der derzeitigen Ordnung � <emphasis>dieses </emphasis>Displays, das wir f�r alles halten, was existiert. Doch wer behauptet, die Philoten, die den Naturgesetzen folgen, die in diesem Augenblick begannen, h�tten nicht zuvor existiert? Und wer behauptet, da� die Philoten in dem Augenblick, in dem das ganze Universum wieder in sich zusammenbricht, nicht einfach von den Naturgesetzen befreit werden, denen sie jetzt folgen, und wieder in��</p><p>�In was?�</p><p>�Ins Chaos st�rzen. Dunkelheit. Unordnung. Was immer sie waren, bevor dieses Universum sie zusammengebracht hat. Warum k�nnten sie � wir � nicht schon immer existiert haben und immer existieren werden?�</p><p>�Und wo war ich zwischen dem Anfang des Universums und dem Tag, an dem ich geboren wurde?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Ender. �Ich entwickle diese Theorie auch gerade erst.�</p><p>�Und woher kommt Jane? Trieb ihr Philot einfach irgendwo herum, und dann hatte sie pl�tzlich das Kommando �ber einen Haufen Computerprogramme und entwickelte damit eine Pers�nlichkeit?�</p><p>�Vielleicht�, sagte Ender.</p><p>�Und selbst wenn es ein nat�rliches System gibt, das irgendwie Philoten zuteilt, die dann die Kontrolle �ber jeden Organismus �bernehmen, der geboren wird oder entsteht� wie k�nnte dieses nat�rliche System Jane gezeugt haben? <emphasis>Sie </emphasis>wurde nicht geboren.�</p><p>Jane hatte nat�rlich die ganze Zeit �ber mitgeh�rt, und nun ergriff sie das Wort. �Vielleicht ist es gar nicht passiert�, sagte sie. �Vielleicht habe ich keinen eigenen Philot. Vielleicht lebe ich gar nicht.�</p><p>�Nein�, sagte Miro.</p><p>�Vielleicht�, sagte Ender.</p><p>�Dann kann ich vielleicht auch nicht sterben�, sagte Jane. �Wenn sie mich abschalten, unterbrechen sie vielleicht nur ein kompliziertes Programm.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Ender.</p><p>�Nein�, sagte Miro. �Dich abzuschalten w�re Mord.�</p><p>�Vielleicht tue ich nur, was ich tue, weil ich so programmiert wurde, ohne es zu wissen. Vielleicht glaube ich nur, frei zu sein.�</p><p>�Dieses Gespr�ch haben wir schon einmal gef�hrt�, sagte Ender.</p><p>�Vielleicht trifft es bei mir zu, selbst wenn es bei euch nicht zutrifft.�</p><p>�Und vielleicht auch nicht�, sagte Ender. �Aber du bist deinen eigenen Kode durchgegangen, nicht wahr?�</p><p>�Eine Million Mal�, sagte Jane. �Ich habe mir alles angesehen.�</p><p>�Hast du darin irgend etwas gefunden, da� dir die Illusion des freien Willens gibt?�</p><p>�Nein�, sagte sie. �Aber du hast in den Menschen auch nicht das Gen f�r die Entscheidungsfreiheit gefunden.�</p><p>�Weil es keins gibt�, sagte Miro. �Wie Andrew schon sagte. <emphasis>Wir </emphasis>sind im Kern in unserem Wesen ein Philot, das mit den Trillionen von Philoten verschlungen ist, die die Atome und Molek�le und Zellen unseres K�rpers bilden. Und <emphasis>du </emphasis>bist auch ein Philot, genau wie wir.�</p><p>�Unwahrscheinlich�, sagte Jane. Ihr Gesicht war nun im Display, ein schattenhaftes Gesicht, durch das sich die simulierten Philotenstr�nge zogen.</p><p>�Wir werden kein Risiko eingehen�, sagte Ender. �Nichts, das wirklich passiert, ist wahrscheinlich, bis es eingetroffen ist, und dann ist es sicher. Du existierst.�</p><p>�Was immer ich auch bin�, sagte Jane.</p><p>�Im Augenblick gehen wir davon aus, da� du eine unabh�ngige Wesenheit bist�, sagte Ender, �denn wir haben gesehen, wie du auf eine Art und Weise handelst, die wir mit freiem Willen gleichsetzen. Es spricht genauso viel daf�r, da� du ein freies Intelligenzwesen bist, wie daf�r, da� <emphasis>wir selbst </emphasis>freie Intelligenzwesen sind. Sollte sich herausstellen, da� du keins bist, m�ssen wir uns fragen, ob wir welche sind. Im Augenblick arbeiten wir mit der Hypothese, da� unsere individuelle Identit�t, das, was uns zu uns selbst macht, der Philot im Mittelpunkt unserer Verschlingung ist. Sollte das zutreffen, m�ssen wir davon ausgehen, da� auch du ein Philot haben k�nntest, und in diesem Fall m�ssen wir herausfinden, wo es ist. Wie du wei�t, sind Philoten nicht leicht zu finden. Wir haben nie eins entdeckt. Wir nehmen nur an, da� es sie gibt, weil wir den Philotenstrang oder -strahl wahrnehmen, der sich verh�lt, als habe er zwei Endpunkte mit einer spezifischen r�umlichen Anordnung. Wir wissen nicht, wo du bist oder womit du verbunden bist.�</p><p>�Wenn sie wie wir ist�, sagte Miro, �wie Menschen, dann k�nnen sich ihre Verbindungen ver�ndern und aufbrechen. Genau wie der Mob, der sich um Grego bildete. Ich habe mit ihm dar�ber gesprochen, was er dabei empfand. Als w�ren diese Menschen Teile seines K�rpers gewesen. Und als sie aufbrachen und allein loszogen, kam er sich vor, als habe er eine Amputation gehabt. Ich glaube, das war eine philotische Verkn�pfung. Ich glaube, diese Menschen haben sich wirklich f�r eine gewisse Zeit mit ihm verbunden, standen wirklich zum Teil unter seiner Kontrolle, waren Teil seines Selbst. Vielleicht ist es mit Jane genauso, vielleicht sind all diese Computerprogramme mit ihr verkn�pft, und sie ist mit allen verbunden, die ihr diese Ergebenheit entgegenbringen. Vielleicht mit dir, Andrew. Vielleicht mit mir. Oder zum Teil mit uns beiden.�</p><p>�Aber <emphasis>wo </emphasis>ist sie?� fragte Ender. �Wenn sie wirklich ein Philot hat � nein, wenn sie wirklich ein Philot <emphasis>ist �,</emphasis> mu� es eine spezifische r�umliche Anordnung haben, und wenn wir es finden k�nnen, k�nnten wir vielleicht die Verbindungen am Leben halten, selbst wenn sie von allen Computern abgeschnitten wird. Vielleicht k�nnen wir verhindern, da� sie stirbt.�</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte Miro. �Sie k�nnte �berall sein.� Er deutete auf das Display. �berall im Raum, meinte er. �berall im Universum. Und dort im Display war Janes Kopf, durch den die Philotenstr�nge verliefen.</p><p>�Um herauszufinden, wo sie ist, m�ssen wir herausfinden, wie und wo sie begann�, sagte Ender. �Wenn sie wirklich ein Philot ist, mu� sie irgendwo, irgendwie eine Verbindung haben.�</p><p>�Ein Detektiv, der eine dreitausend Jahre alte Spur verfolgt�, sagte Jane. �Es wird Spa� machen, euch in den n�chsten Monaten dabei zu beobachten.�</p><p>Ender ignorierte sie. �Und wenn wir das tun wollen, m�ssen wir zuerst einmal herausfinden, wie Philoten arbeiten.�</p><p>�Grego ist der Physiker�, sagte Miro.</p><p>�Er arbeitet am Problem der �berlichtschnellen Reise�, sagte Jane.</p><p>�Er kann auch daran arbeiten�, entgegnete Miro.</p><p>�Ich will nicht, da� er durch ein Projekt abgelenkt wird, das keinen Erfolg haben kann�, sagte Jane.</p><p>�H�r zu, Jane�, sagte Ender, �willst du diese Sache nicht �berleben?�</p><p>�Ich kann es sowieso nicht. Warum also diese Zeitverschwendung?�</p><p>�Sie ist eben eine M�rtyrerin�, sagte Miro.</p><p>�Nein, bin ich nicht�, sagte Jane. �Ich denke nur praktisch.�</p><p>�Du denkst t�richt�, sagte Ender. �Grego kann keine Theorie erstellen, die uns die �berlichtschnelle Reise erm�glicht, indem er herumsitzt und �ber die Physik des Lichts oder was auch immer nachdenkt. Wenn es so funktionieren w�rde, h�tten wir den �berlichtschnellen Flug vor dreitausend Jahren entwickelt, denn es arbeiteten Hunderte von Physikern daran, damals, als man �ber die Philotenstr�nge und das Parksche Unverz�glichkeitsprinzip forschte. Wenn Grego etwas einfallen sollte, dann aufgrund eines Geistesblitzes, eines absurden Gedankenschlusses, und dazu wird es nicht kommen, wenn er sich mit aller Gewalt auf ein einziges Problem konzentriert.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte Jane.</p><p>�Ich wei�, da� du es wei�t. Hast du mir nicht gesagt, aus genau diesem Grund w�rdest du diese Menschen von Weg f�r unsere Projekte heranziehen? Weil sie unausgebildete, intuitive Denker sind?�</p><p>�Ich will nur nicht, da� ihr eure Zeit verschwendet.�</p><p>�Du willst nur nicht, da� du Hoffnung sch�pfst�, sagte Ender. �Du willst dir nur nicht eingestehen, da� es eine �berlebenschance f�r dich gibt, denn dann w�rdest du anfangen, den Tod zu f�rchten.�</p><p>�Ich f�rchte den Tod bereits.�</p><p>�Du h�ltst dich bereits f�r tot�, sagte Ender. �Das ist ein Unterschied.�</p><p>�Ich wei߫, murmelte Miro.</p><p>�Also, liebe Jane, ist es mir v�llig gleichg�ltig, ob du dir eine �berlebenschance einr�umst oder nicht�, fuhr Ender fort. �Wir <emphasis>werden </emphasis>an dieser Sache arbeiten, und wir <emphasis>werden </emphasis>Grego bitten, dar�ber nachzudenken, und wenn wir schon dabei sind, <emphasis>du </emphasis>wirst unser gesamtes Gespr�ch hier diesen Leuten auf Weg vortragen��</p><p>�Han Fei-tzu und Si Wang-mu.�</p><p>�Ihnen vortragen�, sagte Ender, �denn sie k�nnen auch dar�ber nachdenken.�</p><p>�Nein�, sagte Jane.</p><p>�Doch�, sagte Ender.</p><p>�Ich m�chte, da� die <emphasis>echten </emphasis>Probleme gel�st werden, bevor ich sterbe. Ich will, da� Lusitania gerettet wird, die Gottber�hrten von Weg befreit werden und die Descolada gez�hmt oder vernichtet wird. Und ich will nicht, da� ihr euch davon ablenken la�t, indem ihr das unm�gliche Projekt betreibt, mich zu retten.�</p><p>�Du bist nicht Gott�, sagte Ender. �Du wei�t nicht, ob sich �berhaupt eins dieser Probleme l�sen l��t, und daher wei�t du auch nicht, <emphasis>wie </emphasis>sie sich l�sen lassen werden, und daher hast du keine Ahnung, ob es uns bei der L�sung dieser anderen Probleme nutzt oder schadet, wenn wir herausfinden, was du bist, um dich zu retten, und du wei�t bestimmt nicht, ob wir diese anderen Probleme schneller l�sen k�nnen, wenn wir uns darauf konzentrieren oder jetzt ein Picknick veranstalten und bis zum Sonnenuntergang Rasentennis spielen.�</p><p>�Was, zum Teufel, ist Rasentennis?� fragte Miro.</p><p>Doch Ender und Jane funkelten einander nur stumm an.</p><p>�Du wei�t nicht, ob du recht hast�, sagte Jane.</p><p>�Und du wei�t nicht, ob ich mich irre�, sagte Ender.</p><p>�Es ist <emphasis>mein </emphasis>Leben�, sagte Jane.</p><p>�Das ist doch Bl�dsinn�, sagte Ender. �Du bist auch Teil von mir und Miro, und von dir h�ngt die gesamte Zukunft der Menschheit, der Pequeninos und auch der Schwarmk�nigin ab. Wobei mir einf�llt� w�hrend du Han Sowieso und Si Wang Sowieso��</p><p>�Mu.�</p><p>�� an dieser philotischen Sache arbeiten l��t, werde ich mit der Schwarmk�nigin sprechen. Ich glaube, ich habe noch nie eingehend mit ihr �ber dich gesprochen. Da sie eine philotische Verbindung mit all ihren Arbeitern hat, m��te sie mehr �ber Philoten als wir wissen.�</p><p>�Ich habe nicht gesagt, da� ich Han Fei-tzu und Si Wang-mu an diesem l�cherlichen Rettet-Jane-Projekt arbeiten lasse.�</p><p>�Aber du wirst es�, sagte Ender.</p><p>�Und warum?�</p><p>�Weil sowohl Miro als auch ich dich lieben und brauchen und du kein Recht hast, einfach zu sterben, ohne dich wenigstens um dein �berleben zu bem�hen.�</p><p>�Ich kann mich nicht durch solche Dinge beeinflussen lassen.�</p><p>�Doch, das kannst du�, sagte Miro. �Denn g�be es solche Dinge nicht, h�tte ich mir schon vor langer Zeit das Leben genommen.�</p><p>�Ich werde keinen Selbstmord begehen.�</p><p>�Wenn du uns nicht hilfst, eine M�glichkeit zu finden, dich zu retten, tust du genau das�, sagte Ender.</p><p>Janes Gesicht verschwand von dem Display �ber dem Terminal.</p><p>�Davonlaufen hilft auch nicht�, sagte Ender.</p><p>�La�t mich in Ruhe�, sagte Jane. �Ich mu� eine Weile dar�ber nachdenken.�</p><p>�Mach' dir keine Sorgen, Miro�, sagte Ender. �Sie wird es tun.�</p><p>�Allerdings�, sagte Jane.</p><p>�Schon wieder zur�ck?� fragte Ender.</p><p><emphasis>�Ich </emphasis>denke sehr schnell.�</p><p>�Und du wirst auch daran arbeiten?�</p><p>�Ich betrachte es als mein viertes Projekt�, entgegnete Jane. �Ich werde Han Fei-tzu und Si Wang-mu sofort dar�ber informieren.�</p><p>�Sie will es uns zeigen�, sagte Ender. �Sie kann zwei Gespr�che gleichzeitig f�hren und gibt gern damit an, damit wir uns unterlegen f�hlen.�</p><p>�Du <emphasis>bist </emphasis>unterlegen�, sagte Jane.</p><p>�Ich bin hungrig�, sagte Ender. �Und durstig.�</p><p>�Jetzt gibst <emphasis>du </emphasis>an�, sagte Jane. �Du f�hrst mir deine K�rperfunktionen vor.�</p><p>�Ern�hrung�, sagte Ender. �Respiration. Ausscheidung. Wir k�nnen Dinge tun, die <emphasis>du </emphasis>nicht kannst.�</p><p>�Mit anderen Worten, ihr k�nnt nicht sehr gut denken, aber ihr k�nnt wenigstens essen und atmen und schwitzen.�</p><p>�Genau�, sagte Miro. Er holte das Brot und den K�se hervor, w�hrend Ender das kalte Wasser einschenkte, und sie a�en. Einfache Nahrung, aber sie schmeckte gut, und die beiden waren zufrieden.</p></section><section><title><p id="_Toc119392803">Kapitel 14</p><p>Virensch�pfer</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Ich habe dar�ber nachgedacht, was die Reise zwischen den Sternen f�r uns bedeuten k�nnte.�</p><p>�Abgesehen vom �berleben der Spezies?�</p><p>�Wenn du deine Arbeiter ausschickst, siehst du selbst Lichtjahre entfernt noch durch ihre Augen, nicht wahr?�</p><p>�Und schmecke durch ihre F�hler und f�hle den Rhythmus jeder Vibration. Wenn sie essen, f�hle ich, wie die Nahrung zwischen ihren Kiefern zermalmt wird. Deshalb spreche ich im Zusammenhang mit mir auch immer von <emphasis>wir, </emphasis>wenn ich meine Gedanken in eine Form umwandle, die ihr verstehen k�nnt, Andrew oder du, denn ich lebe mein Leben in der st�ndigen Gegenwart von allem, was sie sehen und schmecken und f�hlen.�</p><p>�Bei den Vaterb�umen ist es nicht ganz so. Wir m�ssen uns anstrengen, wollen wir das Leben eines anderen wahrnehmen. Aber wir <emphasis>k�nnen </emphasis>es. Zumindest hier auf Lusitania.�</p><p>�Ich sehe nicht, warum die philotische Verbindung bei euch nicht funktionieren sollte.�</p><p>�Dann werde auch ich alles f�hlen, was sie f�hlen, und das Licht einer anderen Sonne auf meinen Bl�ttern schmecken und die Geschichten einer anderen Welt h�ren. Es wird wie die Verwirrung sein, die entstand, als die Menschen hier eintrafen. Wir h�tten niemals geglaubt, etwas k�nnte anders sein als die Welt, wie wir sie bis dahin gesehen haben. Doch sie brachten seltsame Gesch�pfe mit, und sie waren selbst seltsam, und sie hatten Maschinen, die Wunder vollbrachten. Die anderen W�lder konnten kaum glauben, was unsere Vaterb�ume ihnen damals berichteten. Ich erinnere mich sogar, da� unsere Vaterb�ume kaum glauben konnten, was die Br�der des Stammes ihnen �ber die Menschen erz�hlten. W�hler trug die schwerste Last, �berzeugte sie, da� es keine L�ge, Wahnsinn oder ein Scherz war.�</p><p>�Ein Scherz?�</p><p>�Es gibt Geschichten von verschlagenen Br�dern, die die Vaterb�ume bel�gen, doch sie werden immer ertappt und schrecklich bestraft.�</p><p>�Andrew verriet mir, da� solche Geschichten erz�hlt werden, um zu einem zivilisierten Verhalten anzuregen.�</p><p>�Es ist stets eine Versuchung, die Vaterb�ume zu bel�gen. Ich habe es selbst manchmal getan. Keine L�gen. Nur �bertreibungen. Sie machen es jetzt manchmal bei mir.�</p><p>�Und du bestrafst sie?�</p><p>�Ich erinnere mich daran, welche gelogen haben.�</p><p>�Wenn wir einen Arbeiter haben, der nicht gehorcht, lassen wir ihn allein, und er stirbt.�</p><p>�Ein Bruder, der zuviel l�gt, hat keine Chance, ein Vaterbaum zu werden. Das wissen sie. Sie l�gen nur, um mit uns zu spielen. Schlu�endlich sagen sie uns immer die Wahrheit.�</p><p>�Was w�re, wenn ein ganzer Stamm seine Vaterb�ume bel�gt? Wie w�rdet ihr es jemals erfahren?�</p><p>�Sprich lieber von einem Stamm, der seine eigenen Vaterb�ume f�llt oder abbrennt.�</p><p>�Ist das jemals passiert?�</p><p>�Haben sich die Arbeiter jemals gegen die Schwarmk�nigin gestellt und sie get�tet?�</p><p>�Wie k�nnten sie das? Dann w�rden sie sterben.�</p><p>�Jetzt verstehst du. Es gibt einige Dinge, die zu schrecklich sind, als da� man dar�ber nachdenken k�nnte. Statt dessen denke ich daran, wie es sich anf�hlen wird, wenn ein Vaterbaum zum ersten Mal seine Wurzeln in den Boden eines anderen Planeten steckt und seine �ste in einen fremden Himmel streckt und Sonnenlicht von einem fremden Stern trinkt.�</p><p>�Du wirst bald lernen, da� es keine fremden Sterne gibt, keine fremden Himmel.�</p><p>�Nein?�</p><p>�Nur Himmel und Sterne, mit all ihren Unterschieden. Ein jeder mit seinem eigenen Geschmack, und alle schmecken gut.�</p><p>�Jetzt denkst du wie ein Baum. Der Geschmack des Himmels!�</p><p>�Ich habe die W�rme vieler Sterne gekostet, und sie alle schmeckten s��.�</p><empty-line/><p>�Du bittest mich, mir bei deiner Rebellion gegen die G�tter zu <emphasis>helfen?�</emphasis></p><p>Wang-mu blieb vor ihrer ehemaligen Herrin knien und schwieg. Im Herzen hatte sie Worte, die sie h�tte sagen k�nnen. Nein, meine Herrin, ich bitte dich, uns bei unserem Kampf gegen die schrecklichen Ketten zu helfen, in die der Kongre� die Gottber�hrten gelegt hat. Nein, meine Herrin, ich bitte dich, dich an die angemessenen Pflichten gegen�ber deinem Vater zu erinnern, die selbst Gottber�hrte nicht ignorieren d�rfen, wenn sie rechtschaffen sein wollen. Nein, meine Herrin, ich bitte dich, uns dabei zu helfen, eine M�glichkeit zu finden, ein anst�ndiges und hilfloses Volk, die Pequeninos, vor dem Xenozid zu retten.</p><p>Doch Wang-mu sagte nichts, denn das war eine der ersten Lektionen, die sie von Meister Han gelernt hatte. Wenn du Kenntnisse hast, von denen eine andere Person wei�, da� sie sie braucht, gibst du sie bereitwillig. Doch wenn die andere Person noch nicht wei�, da� sie deine Kenntnisse braucht, beh�ltst du sie f�r dich. Nahrung sieht nur f�r einen Hungrigen gut aus. Quin-jao war nicht hungrig auf Kenntnisse, die Wang-mu hatte, und w�rde es niemals sein. Also konnte Wang-mu lediglich Schweigen anbieten und nur hoffen, da� Quing-jao ihren Weg zu angemessenem Gehorsam, n�chternem Anstand oder dem Kampf f�r die Freiheit finden w�rde.</p><p>Jedes einzelne dieser Motive w�rde gen�gen, solange sie Qing-jaos brillanten Verstand auf ihre Seite ziehen konnten. Wang-mu war sich noch nie in ihrem Leben so nutzlos vorgekommen, w�hrend sie Meister Han �ber die Fragen nachdenken sah, die Jane ihm gestellt hatte. Um �ber die �berlichtschnelle Reise nachdenken zu k�nnen, studierte er Physik; wie konnte Wang-mu ihm helfen, wenn sie gerade erst in Geometrie unterrichtet wurde? Um �ber den Descolada-Virus nachdenken zu k�nnen, studierte er Mikrobiologie; Wang-mu wu�te gerade erst, was Gaialogie und Evolution bedeuteten. Und wie konnte sie eine Hilfe sein, wenn er �ber Janes Natur nachsann? Sie war ein Kind von Arbeitern, und ihre H�nde, nicht ihr Verstand enthielten ihre Zukunft. Philosophie stand so weit �ber ihr wie der Himmel �ber der Erde. �Aber der Himmel scheint nur weit entfernt zu sein�, sagte Meister Han, als sie ihm dies gestand. �In Wirklichkeit ist er �berall um dich herum. Du atmest ihn ein und aus, selbst wenn du mit den H�nden im Schlamm w�hlst. Das ist wahre Philosophie.� Aber sie entnahm daraus nur, da� Meister Han freundlich war und nicht wollte, da� sie sich wegen ihrer Nutzlosigkeit Vorw�rfe machte.</p><p>Qing-jao jedoch w�re nicht nutzlos. Also hatte Wang-mu ihr ein Papier mit den Projektnamen und den Pa�w�rtern daf�r gegeben.</p><p>�Wei� Vater, da� du mir das gibst?�</p><p>Wang-mu sagte nichts. In Wirklichkeit hatte Meister Han dies selbst vorgeschlagen, doch Wang-mu hielt es f�r besser, wenn Qing-jao zu diesem Zeitpunkt nicht wu�te, da� Wang-mu als Gesandte ihres Vaters kam.</p><p>Qing-jao interpretierte Wang-mus Schweigen genau so, wie Wang-mu vermutet hatte � als Eingest�ndnis, da� Wang-mu insgeheim gekommen war, um Qing-jao um Hilfe zu bitten.</p><p>�Wenn Vater selbst mich gefragt h�tte, h�tte ich eingewilligt, denn es ist meine Pflicht als Tochter�, sagte Qing-jao.</p><p>Doch Wang-mu wu�te, da� Qing-jao dieser Tage nicht mehr auf ihren Vater h�rte. Sie w�rde vielleicht <emphasis>sagen, </emphasis>sie wolle gehorsam sein, doch in Wirklichkeit erf�llte ihr Vater sie mit solchem Unbehagen, da� sich Qing-jao zu Boden geworfen und wegen des schrecklichen Konflikts in ihrem Herzen den ganzen Tag lang Linien verfolgt h�tte, weil ihr Vater von ihr verlangte, da� sie den G�ttern gegen�ber ungehorsam war.</p><p>�Ich schulde dir nichts�, sagte Qing-jao. �Du warst falsch und eine treulose Dienerin. Es gab nie eine unw�rdigere und nutzlosere geheime Magd als dich. F�r mich ist deine Anwesenheit in diesem Haus wie die Anwesenheit von Mistk�fern beim Mittagstisch.�</p><p>Erneut hielt Wang-mu die Zunge im Zaum. Doch sie verbeugte sich auch nicht tiefer. Zu Beginn dieses Gespr�chs hatte sie die bescheidene Haltung einer Dienerin eingenommen, doch sie w�rde sich nicht mit dem verzweifelten Kotau einer B��erin erniedrigen. Selbst die bescheidensten von uns haben ihren Stolz, und <emphasis>ich </emphasis>wei�, Herrin Qing-jao, da� ich dir keinen Schaden verursacht habe, da� ich dir jetzt treuer ergeben bin als du selbst.</p><p>Qing-jao wandte sich wieder ihrem Terminal zu und gab den ersten Projektnamen ein, der �LOSLOESEN� lautete, eine w�rtliche �bersetzung des Begriffs <emphasis>Descolada. �</emphasis>Das ist sowieso alles Unsinn�, sagte sie, w�hrend sie die Dokumente und Schaubilder betrachtete, die Lusitania geschickt hatte. �Es ist kaum vorstellbar, da� jemand den Verrat begehen w�rde, mit Lusitania zu kommunizieren, nur um so einen Unsinn zu bekommen. Es ist wissenschaftlich unm�glich. Keine Welt k�nnte nur <emphasis>einen </emphasis>Virus entwickelt haben, der so komplex ist, da� er im genetischen Kode jeder anderes Spezies des Planeten enthalten ist. Es w�re Zeitverschwendung f�r mich, �berhaupt dar�ber nachzudenken.�</p><p>�Warum?� fragte Wang-mu. Jetzt durfte sie sprechen � denn obwohl Qing-jao erkl�rt hatte, sie weigere sich, die Angelegenheit zu diskutieren, diskutierte sie sie doch. �Schlie�lich hat die Evolution auch nur eine menschliche Rasse hervorgebracht.�</p><p>�Aber auf der Erde gab es Dutzende verwandter Spezies. Es gibt <emphasis>keine </emphasis>Spezies, die nicht mit einer anderen verwandt ist � w�rest du nicht ein so dummes, rebellisches M�dchen, w�rdest du das verstehen. Die Evolution h�tte niemals ein so sp�rliches System wie das hervorbringen k�nnen.�</p><p>�Wie erkl�rst du dir dann diese Dokumente der Bewohner Lusitanias?�</p><p>�Woher willst du wissen, da� sie wirklich von dort kommen? Du hast daf�r nur das Wort dieses Computerprogramms. Vielleicht <emphasis>glaubt </emphasis>es, das sei alles. Oder vielleicht sind die Wissenschaftler dort sehr schlecht und haben nicht das n�tige Pflichtgef�hl, um alle verf�gbaren Informationen zu sammeln. In dem ganzen Bericht gibt es keine zwei Dutzend Spezies � und sieh doch, sie h�ngen auf die absurdeste Art und Weise paarweise zusammen. Es ist unm�glich, so wenig Spezies zu haben.�</p><p>�Aber was w�re, wenn sie recht haben?�</p><p>�Wie k�nnen sie recht haben? Die Menschen von Lusitania waren von Anfang an auf einem winzigen Gel�nde zusammengepfercht. Sie haben nur gesehen, was diese kleinen Schweinchen ihnen gezeigt haben � woher wollen sie wissen, da� diese Schweinemenschen sie nicht bel�gen?�</p><p>Du nennst sie Schweinemenschen � willst du sich so selbst �berzeugen, meine Herrin, da� es nicht zum Xenozid f�hren wird, wenn du dem Kongre� hilfst? Glaubst du, es sei richtig, sie abzuschlachten, wenn du sie mit einem Tiernamen belegst? Haben sie die Ausl�schung verdient, wenn du ihnen eine L�ge vorwirfst? Doch Wang-mu sagte nichts von dem; sie stellte lediglich die gleiche Frage noch einmal. �Aber was w�re, wenn das das <emphasis>wahre </emphasis>Bild der Lebensformen auf Lusitania ist, und wenn die Descolada wirklich so in ihnen arbeitet?�</p><p>�Wenn diese Dokumente wahr w�ren, m��te ich sie in Ruhe lesen und studieren, um einen intelligenten Kommentar abgeben zu k�nnen. Aber sie sind nicht wahr. Wie weit bin ich mit deiner Ausbildung gekommen, bevor du mich verraten hast? Habe ich dich nichts �ber Gaialogie gelehrt?�</p><p>�Doch, Herrin.�</p><p>�Na also. Die Evolution ist das Mittel, mit dem sich die planetaren Organismen an Ver�nderungen in ihrer Umwelt anpassen. Wenn es mehr W�rme von der Sonne gibt, m�ssen die Lebensformen des Planeten in der Lage sein, ihre relativen Populationen anzupassen, um die Temperatur auszugleichen und zu senken. Erinnerst du dich an das klassische Gedankenexperiment mit der G�nsebl�mchenwelt?�</p><p>�Aber bei diesem Experiment gab es nur eine einzige Spezies auf dem ganzen Planeten�, sagte Wang-mu. �Wenn die Sonne zu hei� wird, wachsen wei�e G�nsebl�mchen, die das Licht ins All zur�ckstrahlen, und wenn die Sonne zu kalt wird, wachsen dunkle G�nsebl�mchen, um das Licht zu absorbieren und als W�rme zu speichern.� Wang-mu war stolz, da� sie sich so deutlich an die G�nsebl�mchenwelt erinnern konnte.</p><p>�Nein, nein�, sagte Qing-jao. �Du hast nat�rlich nicht verstanden, worauf es ankommt. Es kommt darauf an, da� es bereits dunkle G�nsebl�mchen geben <emphasis>mu�, </emphasis>auch wenn die hellen dominant sind, und helle G�nsebl�mchen, wenn die Welt mit dunklen bedeckt ist. Die Evolution kann eine neue Spezies nicht auf Anforderung hervorbringen. Sie schafft <emphasis>st�ndig </emphasis>neue Spezies, w�hrend sich die Gene ver�ndern und geteilt und von der Strahlung gebrochen und durch Viren zwischen einzelnen Spezies ausgetauscht werden. Daher entsteht keine Spezies jemals �zielgerecht�.�</p><p>Wang-mu verstand den Zusammenhang noch nicht, und ihr Gesicht mu�te ihre Verwirrung enth�llt haben.</p><p>�Bin ich nach allem, was geschehen ist, doch noch deine Lehrerin? Mu� ich meinen Teil der Abmachung halten, obwohl du deinen aufgegeben hast?�</p><p>Bitte, sagte Wang-mu stumm. Ich w�rde dir auf ewig dienen, wenn du nur deinem Vater bei dieser Sache helfen w�rdest.</p><p>�Solange die ganze Spezies zusammen ist und sich st�ndig vermischt�, fuhr Qing-jao fort, �ver�ndern sich einzelne Individuen, genetisch gesprochen, niemals zu stark; ihre Gene werden st�ndig neu mit anderen Genen derselben Spezies kombiniert, so da� die Variationen bei jeder Generation gleichm��ig unter der Population verteilt sind. Nur wenn die Umgebung sie unter solche Beanspruchung stellt, da� eine dieser zuf�llig entstandenen abweichenden Z�ge pl�tzlich �berlebenswert hat, nur dann werden all jene in jener besonderen Umgebung, die diesen Wesenszug nicht haben, aussterben, bis das neue Merkmal, das fr�her eine gelegentliche Abweichung war, nun allgemein die neue Spezies definiert. Das ist der fundamentale Lehrsatz der Gaialogie � st�ndige genetische Abweichungen sind notwendig f�r das Fortbestehen des Lebens als solches. Diesen Unterlagen zufolge ist Lusitania eine Welt mit absurd wenigen Spezies, und es gibt dort keine M�glichkeit einer genetischen Abweichung, weil diese unm�glichen Viren st�ndig alle eventuell auftretenden Ver�nderungen korrigieren. Solch ein System k�nnte sich nicht nur niemals entwickeln, es w�re auch unm�glich, da� das Leben dort fortbesteht � es k�nnte sich keiner Ver�nderung anpassen.�</p><p>�Vielleicht <emphasis>gibt </emphasis>es keine Ver�nderungen auf Lusitania.�</p><p>�Sei doch nicht so t�richt, Wang-mu. Der Gedanke, jemals versucht zu haben, dich zu unterrichten, besch�mt mich. Alle Sterne fluktuieren. Alle Planeten ver�ndern ihre Umlaufbahnen. Wir haben dreitausend Jahre lang viele Welten beobachtet, und in dieser Zeit haben wir gelernt, was die Wissenschaftler auf der Erde in all den Jahren zuvor niemals lernen konnten � welches Verhalten bei allen Planeten und Sonnensystemen allgemein �blich ist, und welches nur bei der Erde und dem Solsystem vorkommt. Ich sage dir, es ist unm�glich f�r einen Planeten wie Lusitania, mehr als einige wenige Jahrzehnte ohne lebensbedrohende Umweltver�nderungen zu existieren � Temperaturschwankungen, St�rungen der Umlaufbahn, seismische und vulkanische Zyklen� wie wollte ein System mit wirklich nur einer Handvoll Spezies jemals damit fertig werden? Wie will sich eine Welt, die nur helle G�nsebl�mchen hat, jemals aufw�rmen, wenn ihre Sonne abk�hlt? Wie will sie sich heilen, wenn der Sauerstoff in der Atmosph�re eine giftige Konzentration erreicht und all ihre Lebensformen Kohlendioxyd atmen? Deine sogenannten Freunde von Lusitania sind Narren, da� sie dir so einen Unsinn schicken. W�ren sie <emphasis>echte </emphasis>Wissenschaftler, w��ten sie, da� ihre Ergebnisse unm�glich sind.�</p><p>Qing-jao bet�tigte eine Taste, und das Display �ber ihrem Terminal erlosch. �Du hast Zeit verschwendet, die ich nicht habe. Komme nicht mehr zu mir, wenn du nichts besseres anzubieten hast. Du bist f�r mich weniger als nichts. Du bist ein K�fer, der in meinem Wasserglas treibt. Du verschmutzt das ganze Glas, nicht nur die Stelle, an der du schwimmst. Solange ich wei�, da� du in diesem Haus bist, wache ich mit Schmerzen auf.�</p><p>Dann bin ich also �weniger als nichts� f�r dich? dachte Wang-mu. Das h�rt sich an, als w�re ich f�r dich wirklich sehr wichtig. Du magst sehr brillant sein, Qing-jao, aber du verstehst dich selbst nicht besser als alle anderen auch.</p><p>�Weil du ein einfaches, dummes M�dchen bist, verstehst du mich nicht�, sagte Qing-jao. �Ich habe dir befohlen zu gehen.�</p><p>�Aber dein Vater ist der Herr dieses Hauses, und Meister Han hat mich gebeten zu bleiben.�</p><p>�Kleine dumme Person, kleine Schwester der Schweine, wenn ich dich nicht auffordern kann, mein gesamtes Haus zu verlassen, so habe ich dir doch sicher klargemacht, da� du wenigstens mein <emphasis>Zimmer </emphasis>verlassen sollst.�</p><p>Wang-mu verbeugte sich, bis ihr Kopf fast � <emphasis>fast � </emphasis>den Boden ber�hrte. Dann ging sie r�ckw�rts hinaus, als wolle sie ihrer Herrin nicht ihr Hinterteil zeigen. Wenn du mich so behandelst, werde ich dich wie eine gro�e Herrin behandeln, und wer von uns ist die N�rrin, wenn du die Ironie in meinem Benehmen nicht entdeckst?</p><empty-line/><p>Meister Han war nicht in seinem Zimmer, als Wang-mu zur�ckkehrte. Vielleicht war er auf der Toilette und kam gleich zur�ck. Vielleicht f�hrte er irgendein Ritual der Gottber�hrten durch; in diesem Fall w�rde er stundenlang fort sein. Wang-mu hatte zu viele Fragen, um auf ihn zu warten. Sie rief auf dem Terminal die Projektdaten auf, mit dem Wissen, da� Jane sie beobachten, �berwachen w�rde. Da� Jane zweifellos alles �berwacht hatte, was in Qing-jaos Zimmer geschehen war.</p><p>Dennoch wartete Jane, bis Wang-mu die Fragen gestellt hatte, die sie von Qing-jao bekommen hatte, bevor sie versuchte, sie zu beantworten. Und dann beantwortete Jane zuerst die Frage der Glaubw�rdigkeit.</p><p>�Die Dokumente von Lusitania sind durchaus echt�, sagte Jane. �Ela, Novinha, Ouanda und all die anderen, die bei ihnen studiert haben, haben zwar ihre Spezialgebiete, sind aber auf ihren Gebieten sehr gut. Wenn Qing-jao <emphasis>Mensch Leben </emphasis>gelesen h�tte, w�rde sie verstehen, wie dieses Dutzend Speziespaare funktioniert.�</p><p>�Aber ich verstehe trotzdem nicht ganz, was sie sagt�, erwiderte Wang-mu. �Ich habe versucht, mir zu �berlegen, wie alles stimmen k�nnte � da� es dort zu wenig Spezies gibt, als da� sich eine echte Gaialogie entwickeln k�nnte, und da� der Planet Lusitania dennoch so gleichm��ige Bedingungen bietet, so da� das Leben dort fortbestehen kann. Gibt es auf Lusitania vielleicht keine Umweltver�nderungen?�</p><p>�Nein�, sagte Jane. �Ich habe Zugang zu allen astronomischen Daten der dortigen Satelliten, und �ber den Zeitraum, da sich Menschen auf Lusitania befinden, weisen der Planet und seine Sonne alle normalen Fluktuationen auf. Im Augenblick deutet alles auf eine globale Abk�hlung hin.�</p><p>�Wie werden die Lebensformen Lusitanias darauf reagieren?� fragte Wang-mu. �Der Descolada-Virus wird nicht zulassen, da� sie mutieren � er versucht, alles Fremde zu vernichten. Deshalb wird er ja auch die Menschen und die Schwarmk�nigin t�ten, wenn er kann.�</p><p>Jane, deren kleines Abbild in der Lotusposition in der Luft �ber Meister Hans Terminal sa�, hob eine Hand. �Einen Augenblick�, sagte sie.</p><p>Dann senkte sie die Hand wieder. �Ich habe deine Frage an meine Freunde weitergegeben, und Ela ist sehr aufgeregt.�</p><p>Ein neues Gesicht erschien im Display, direkt hinter und �ber Janes Bild, das einer dunkelh�utigen, negroid aussehenden Frau; oder ein Mischling vielleicht, da sie nicht so dunkel und ihre Nase schmal war. Das ist Elanora, dachte Wang-mu. Jane zeigt mir eine Frau von einer viele Lichtjahre entfernten Welt; zeigt sie <emphasis>mein </emphasis>Gesicht auch <emphasis>ihr? </emphasis>Was h�lt diese Ela von <emphasis>mir? </emphasis>Komme ich ihr hoffnungslos dumm vor?</p><p>Doch Ela dachte eindeutig �berhaupt nicht �ber Wang-mu nach. Sie sprach statt dessen �ber Wang-mus Fragen. �Warum erlaubt der Descolada-Virus keine Vielfalt? Das sollte eigentlich ein Merkmal mit negativem �berlebenswert sein, und doch �berlebt die Descolada. Wang-mu mu� mich f�r eine Idiotin halten, da� mir das noch nicht aufgefallen ist. Aber ich bin keine Gaialogin, und ich wuchs auf Lusitania auf, und so habe ich die Gaialogie von Lusitania nie in Frage gestellt, ich habe mir einfach gedacht, wie sie auch aussehen mag, sie funktioniert, und dann habe ich weiterhin die Descolada studiert. Was h�lt Wang-mu davon?�</p><p>Wang-mu war entsetzt, solche Worte von einer Fremden zu h�ren. Was hatte Jane Ela �ber sie erz�hlt? Wie konnte Ela auch nur glauben, Wang-mu w�rde sie f�r eine Idiotin halten, wo sie doch Wissenschaftlerin und Wang-mu nur ein Dienstm�dchen war?</p><p>�Was kann es f�r eine Rolle spielen, was ich davon halte?� fragte Wang-mu.</p><p>�Was <emphasis>h�ltst </emphasis>du davon?� entgegnete Jane. �Ela will es wissen, auch wenn du dir nicht vorstellen kannst, da� es eine Rolle spielt.�</p><p>Also teilte Wang-mu ihre Spekulationen mit. �Es ist ein sehr dummer Gedanke, weil es nur ein mikroskopischer Virus ist, aber irgendwie mu� die Descolada das alles bewerkstelligen. Schlie�lich enth�lt sie die Gene aller Spezies in sich, nicht wahr? Also mu� sie sich selbst um die Evolution k�mmern. Anstelle dieser ganzen genetischen Abweichungen mu� die Descolada f�r die Abweichungen sorgen. Das k�nnte sie doch, oder? Sie k�nnte die Gene einer ganzen Spezies ver�ndern, selbst w�hrend diese Spezies noch lebt. Sie m��te nicht auf die Evolution warten.�</p><p>Jane hob erneut die Hand. Sie mu�te Ela Wang-mus Gesicht zeigen und sie auch ihre Worte h�ren lassen.</p><p>�Nossa Senhora�, fl�sterte Ela. �Auf dieser Welt <emphasis>ist</emphasis> die Descolada Gaia. Nat�rlich. Das w�rde alles erkl�ren, oder? So wenig Spezies, weil die Descolada nur die Spezies duldet, die sie gez�hmt hat. Sie hat eine gesamte planetare Gaialogie in fast etwas so Einfaches wie die G�nsebl�mchenwelt verwandelt.�</p><p>Wang-mu kam es fast komisch vor, eine hochqualifizierte Wissenschaftlerin wie Ela von der G�nsebl�mchenwelt sprechen zu h�ren, als sei sie nur eine junge Studentin, ein halb ausgebildetes Kind wie Wang-mu.</p><p>Neben Ela erschien das Gesicht eines �lteren Wei�en mit ergrauendem Haar und einem sehr ruhigen, friedlichen Ausdruck. �Doch ein Teil von Wang-mus Frage ist noch nicht beantwortet�, sagte der Mann. �Wieso konnte sich die Descolada jemals entwickeln? Wie konnte es jemals Proto-Descolada-Viren geben? Wieso bekam eine so beschr�nkte Gaialogie den �berlebensvorzug vor dem langsamen Evolutionsmodell, das jede andere Welt mit Leben darauf hat?�</p><p>�Diese Frage habe ich nicht gestellt�, sagte Wang-mu. �Qing-jao stellte den ersten Teil davon, aber der Rest ist <emphasis>seine </emphasis>Frage.�</p><p>�Still�, sagte Jane. �Qing-jao hat die Frage �berhaupt nicht gestellt. Sie hat sie als Grund benutzt, die Lusitania-Dokumente nicht zu untersuchen. Lediglich du hast die Frage gestellt, und nur, weil Andrew Wiggin deine eigene Frage besser versteht als du selbst, bedeutet das nicht, da� es nicht deine Frage ist.�</p><p>Das also war Andrew Wiggin, der Sprecher f�r die Toten. Er sah �berhaupt nicht alt und weise aus, gar nicht so wie Meister Han. Statt dessen wirkte dieser Wiggin t�richt �berrascht mit seinen gro�en, runden Augen, und sein Gesicht ver�nderte sich mit jeder neuen Stimmung, als habe er keine Kontrolle dar�ber. Doch er vermittelte tats�chlich einen sehr friedlichen Ausdruck. Vielleicht hatte er etwas von Buddha in sich. Buddha hatte schlie�lich seinen eigenen Weg gefunden. Vielleicht hatte auch dieser Andrew Wiggin zum Weg gefunden, obwohl er gar kein Chinese war.</p><p>Wiggin stellte noch immer die Fragen, die er f�r Wang-mus Fragen hielt. �Die Chancen gegen ein nat�rliches Auftreten solcher Viren sind� unglaublich. Lange, bevor sich ein Virus entwickeln kann, der die Spezies miteinander verbindet und eine ganze Gaialogie beherrscht, h�tten die Proto-Descoladas schon alles Leben vernichten m�ssen. Es blieb keine <emphasis>Zeit </emphasis>f�r eine Evolution � der Virus ist einfach zu destruktiv. Er h�tte jedes Leben in seiner fr�hesten Form get�tet und w�re dann selbst ausgestorben, weil er keine Organismen mehr auspl�ndern konnte.�</p><p>�Vielleicht hat er sie erst sp�ter ausgepl�ndert�, sagte Ela. �Vielleicht entwickelte er sich in Symbiose mit einer anderen Spezies, die von seiner F�higkeit profitierte, alle Individuen innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen zu verwandeln. Vielleicht hat sich der Virus erst sp�ter auf andere Spezies ausgedehnt.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Andrew.</p><p>Ein Gedanke kam Wang-mu in den Sinn. �Die Descolada ist wie ein Gott�, sagte sie. �Sie kommt und ver�ndert alle, ob sie es wollen oder nicht.�</p><p>�Bis auf die Tatsache, da� die G�tter den Anstand haben, wieder zu gehen�, sagte Wiggin.</p><p>Er antwortete so schnell, da� Wang-mu begriff, da� Jane nun alles, was getan oder gesagt wurde, augenblicklich �ber die Milliarden Kilometer Leerraum zwischen ihnen �bertrug. Nach dem, was Wang-mu �ber Verk�rzergeb�hren gelernt hatte, war dies eigentlich nur dem Milit�r m�glich; eine Firma, die eine Echtzeit-Verk�rzer-Verbindung herstellen wollte, mu�te daf�r so viel Geld bezahlen, da� man daf�r auf einem armen Planeten jedem armen Menschen eine Unterkunft zur Verf�gung stellen konnte. Ich bekomme das wegen Jane umsonst. Ich sehe ihre Gesichter, und sie sehen meines in dem Augenblick, in dem sie sprechen.</p><p>�Haben sie diesen Anstand?� fragte Ela. �Ich dachte, das ganze Problem auf Weg best�nde darin, da� die G�tter <emphasis>nicht </emphasis>gehen und sie in Ruhe lassen.�</p><p>Wang-mu antwortete voller Verbitterung. �Die G�tter sind in jeder <emphasis>Hinsicht </emphasis>wie die Descolada. Sie vernichten alles, was ihnen nicht gef�llt, und die Menschen, die sie m�gen, verwandeln sie in etwas, das sie nie waren. Qing-jao war fr�her ein gutes, kluges und lustiges M�dchen, und nun ist sie ver�chtlich und w�tend und grausam, und alles nur wegen der G�tter.�</p><p>�Alles nur wegen der genetischen Ver�nderung durch den Kongre߫, sagte Wiggin. �Eine absichtliche Ver�nderung, herbeigef�hrt von Leuten, die euch in ihren Plan pressen wollten.�</p><p>�Ja�, sagte Ela. �Genau wie die Descolada.�</p><p>�Was meinst du?� fragte Wiggin.</p><p>�Eine absichtliche Ver�nderung, die hier von Leuten herbeigef�hrt wurde, die Lusitania in ihren Plan pressen wollten.�</p><p>�Welche Leute?� fragte Wang-mu. �Wer w�rde so etwas Schreckliches tun?�</p><p>�Ich gr�ble seit Jahren dar�ber nach�, sagte Ela. �Es hat mich schon immer gest�rt, da� es auf Lusitania nur so wenig Lebensformen gibt � du erinnerst dich, Andrew, auch aus diesem Grund haben wir �berhaupt erst herausgefunden, da� die Descolada in die Paarung der Spezies verwickelt ist. Wir wu�ten, da� es hier eine katastrophale Ver�nderung gegeben hatte, die all diese Spezies ausl�scht und die wenigen �berlebenden umgebildet hat. Die Descolada hatte f�r die meisten Lebensformen auf Lusitania verheerendere Folgen als die Kollision mit einem Asteroiden. Aber weil wir die Descolada hier gefunden haben, gingen wir immer davon aus, da� sie sich auch hier entwickelt hat. Ich wu�te, es ergab keinen Sinn � genau, wie Qing-jao es gesagt hat �, aber da es offensichtlich passiert war, spielte es keine Rolle, ob es Sinn ergab oder nicht. Aber was, wenn es <emphasis>nicht </emphasis>passiert ist? Was, wenn die Descolada von den G�ttern kam? Nicht von echten G�ttern, sondern von einer vernunftbegabten Spezies, die diesen Virus k�nstlich entwickelt hat?�</p><p>�Das w�re ungeheuerlich�, sagte Wiggin. �So ein Gift zu schaffen und es auf andere Welten zu bringen, ohne sich darum zu k�mmern, was man damit umbringt��</p><p>�Kein Gift�, sagte Ela. �K�nnte die Descolada nicht ein Mittel zur Terraformung anderer Welten sein, wenn sie wirklich ein ganzes planetarisches System regulieren kann? Wir haben nie versucht, eine Welt zu terraformen � wir Menschen und vor uns die Krabbler besiedelten nur Welten, die von deren einheimischen Lebensformen in einen Zustand gebracht wurden, der dem der Erde �hnelt. Eine sauerstoffreiche Atmosph�re, die das Kohlendioxyd schnell genug heraussaugt, um ertr�gliche Temperaturen zu halten, wenn der Stern heller brennt. Was w�re, wenn es irgendwo eine Spezies gibt, die sich entschlossen hat, den Descolada-Virus vorauszuschicken � vielleicht Tausende von Jahren voraus �, um Planeten zur Kolonisierung vorzubereiten, sie genau auf die Zust�nde hin zu ver�ndern, die diese Spezies braucht? Und wenn sie dann eintrifft, um sich dort h�uslich niederzulassen, hat sie vielleicht den Gegenvirus dabei, der die Descolada ausschaltet, damit sie eine echte Gaialogie etablieren kann.�</p><p>�Oder vielleicht hat diese Spezies den Virus so gestaltet, da� er keine sch�dlichen Auswirkungen auf sie selbst und die Tiere hat, die sie zum Leben brauchen�, sagte Wiggin. �Vielleicht vernichtet sie auf jeder Welt alles �berfl�ssige Leben.�</p><p>�Es w�rde jedenfalls alles erkl�ren. Die Probleme, mit denen ich zu tun habe, die unm�glich unnat�rliche Anordnung der Molek�le in der Descolada, der ich keinen Sinn entnehmen kann � der Virus kann nur weiterexistieren, weil er unaufh�rlich diese inneren Widerspr�che aufrechterh�lt. Aber ich konnte mir nie vorstellen, wie sich solch ein in sich widerspr�chliches Molek�l �berhaupt entwickeln konnte. All diese Fragen w�ren beantwortet, wenn ich w��te, da� jemand das Molek�l entworfen und <emphasis>gemacht </emphasis>hat. Qing-jao hat beklagt, die Descolada habe sich nicht entwickeln k�nnen, Lusitanias Gaialogie k�nne in der Natur nicht existieren. Nun ja, sie existiert tats�chlich nicht in der Natur. Es ist ein k�nstlicher Virus und eine k�nstliche Gaialogie.�</p><p>�Und das kann Ihnen wirklich helfen?� fragte Wang-mu.</p><p>Ihre Gesichter zeigten, da� die anderen in ihrer Aufregung vergessen hatten, da� sie noch an dem Gespr�ch beteiligt war.</p><p>�Ich wei� es noch nicht�, sagte Ela. �Aber es ist eine neue Sichtweise. Zum einen kann ich nun von der Voraussetzung ausgehen, da� <emphasis>alles </emphasis>im Virus einen Sinn und Zweck hat. In der Descolada gibt es kein Durcheinander ein- und ausgeschalteter Gene wie in der Natur� nun, das wird mir helfen. Und da ich wei�, da� der Virus <emphasis>entworfen </emphasis>wurde, kann ich hoffen, da� ich ihn zerst�ren kann. Oder umwandeln.�</p><p>��berst�rze nichts�, sagte Wiggin. �Das ist nur eine Hypothese.�</p><p>�Sie klingt wahr�, sagte Ela. �Sie vermittelt das Gef�hl der Wahrheit. Sie erkl�rt so <emphasis>viel.�</emphasis></p><p>�Ich empfinde es auch so�, sagte Wiggin. �Aber wir m�ssen es mit den Leuten besprechen, die am meisten davon betroffen sind.�</p><p>�Wo ist Pflanzer?� fragte Ela. �Wir k�nnen es mit Pflanzer besprechen.�</p><p>�Und Mensch und W�hler�, sagte Wiggin. �Wir m�ssen mit den Vaterb�umen dar�ber sprechen.�</p><p>�Das wird sie wie ein Wirbelsturm treffen�, sagte Ela. Dann schien sie die Bedeutung ihrer Worte zu begreifen. �Es wird sie wirklich <emphasis>verletzen. </emphasis>Die Erkenntnis, da� ihre ganze Welt ein Terraforming-Projekt ist��</p><p>�Nicht nur ihre Welt�, sagte Wiggin. �<emphasis>Sie selbst. </emphasis>Das dritte Leben. Die Descolada gab ihnen alles, was sie sind, und die fundamentalsten Grundlagen ihres Lebens. Verge�t nicht, aller Wahrscheinlichkeit nach entwickelten sie sich als s�ugetier�hnliche Wesen, die sich direkt miteinander paarten, Mann mit Frau. Die kleinen M�tter saugten das Leben aus den m�nnlichen Geschlechtsorganen, ein halbes Dutzend gleichzeitig. Das <emphasis>waren </emphasis>sie. Dann verwandelte die Descolada sie und sterilisierte die M�nner, bis sie schlie�lich starben und sich in <emphasis>B�ume </emphasis>verwandelten.�</p><p>�Ihre Natur��</p><p>�Wir Menschen wurden nur sehr schwer damit fertig, als wir zum ersten Mal begriffen, wie sehr <emphasis>unser </emphasis>Verhalten von evolution�ren Notwendigkeiten gepr�gt ist�, sagte Wiggin. �Es gibt noch immer unz�hlige Menschen, die nicht daran glauben wollen. Selbst wenn es sich als absolut wahr erweisen sollte, werden die Pequeninos diese Vorstellung wohl kaum so schnell akzeptieren, wie sie das Wunder der Sternenflugs geschluckt haben. Es ist eine Sache, Gesch�pfe von einer anderen Welt zu sehen, aber eine ganz andere, herauszufinden, da� weder Gott noch die Evolution dich geschaffen hat � sondern irgendein Wissenschaftler einer anderen Spezies.�</p><p>�Aber wenn es wahr ist��</p><p>�Wer wei� schon, ob es wirklich so ist? Diese Vorstellung ist uns nur <emphasis>n�tzlich. </emphasis>Und f�r die Pequeninos k�nnte sie so verheerend sein, da� sie sich einfach weigern, daran zu glauben.�</p><p>�Einige werden Sie hassen, weil Sie es ihnen gesagt haben�, warf Wang-mu ein. �Aber andere werden Ihnen dankbar sein.�</p><p>Sie sahen sie wieder an � oder zumindest zeigte Janes Computersimulation, da� sie sie ansahen. �Du mu�t wissen, wie es ist, nicht wahr?� sagte Wiggin. �Du und Han Fei-tzu, ihr habt gerade herausgefunden, da� <emphasis>euer </emphasis>Volk k�nstlich ver�ndert wurde.�</p><p>�Und in Ketten gelegt�, sagte Wang-mu. �F�r mich und Meister Han. bedeutete diese Erkenntnis die Freiheit. F�r Qing-jao��</p><p>�Es k�nnte viele Qing-jaos unter den Pequeninos geben�, sagte Ela. �Aber Pflanzer und Mensch und Wurzler werden nicht dazugeh�ren, oder? Sie sind sehr klug.�</p><p>�Das ist Qing-jao auch!� sagte Wang-mu. Sie sprach hitziger, als sie es eigentlich wollte. Doch die Treue einer geheimen Magd stirbt nur langsam.</p><p>�Wir wollten nicht sagen, da� sie nicht klug ist�, entgegnete Ender. �Aber in <emphasis>dieser </emphasis>Sache verh�lt sie sich bestimmt nicht klug, oder?�</p><p>�In dieser Sache nicht�, sagte Wang-mu.</p><p>�Das haben wir gemeint. Niemand findet gern heraus, da� die Geschichte �ber seine eigene Identit�t, an die er immer geglaubt hat, falsch ist. Viele Pequeninos glauben, da� Gott sie zu etwas Besonderem gemacht hat, genau, wie es bei euren Gottber�hrten der Fall ist.�</p><p>�Und wir sind nichts Besonderes, keiner von uns!� rief Wang-mu. �Wir sind so gew�hnlich wie Dreck! Es gibt keine Gottber�hrten. Es gibt keine G�tter. Wir sind ihnen v�llig gleichg�ltig.�</p><p>�Wenn es keine G�tter gibt�, korrigierte Ela sie nachsichtig, �k�nnt ihr ihnen kaum gleichg�ltig oder nicht gleichg�ltig sein.�</p><p>�Wir sind nur wegen ihrer selbsts�chtigen Pl�ne entstanden!� rief Wang-mu. �Wer immer die Descolada geschaffen hat � die Pequeninos sind nur Teil ihres Plans. Und die Gottber�hrten sind Teil der Pl�ne des Kongresses.�</p><p>�Als einer, dessen Geburt von der Regierurig befohlen wurde�, sagte Wiggin, �habe ich Verst�ndnis f�r deine Sichtweise. Aber deine Reaktion ist zu �bereilt. Schlie�lich <emphasis>wollten </emphasis>mich meine Eltern auch. Und vom Augenblick meiner Geburt an hatte mein Leben einen Sinn. Nur weil das Volk deiner Welt glaubte, seine unbewu�t-zwanghaften Verhaltensmuster seien Mitteilungen der G�tter, hei�t das noch lange nicht, da� es keine G�tter gibt. Da� dein fr�heres Verst�ndnis vom Sinn deines Lebens im Gegensatz zu deinen derzeitigen Kenntnissen steht, hei�t noch lange nicht, da� dein Leben keinen Sinn hat.�</p><p>�Oh, ich wei�, da� es einen Sinn hat�, sagte Wang-mu. �Der Kongre� wollte Sklaven! Deshalb hat er Qing-jao geschaffen � damit sie ihre Sklavin ist. Und sie will ihre Sklaverei freiwillig fortsetzen!�</p><p>�Das war die Absicht des Kongresses�, sagte Wiggin. �Doch Qing-jao hatte auch eine Mutter und einen Vater, die sie liebten. Und ich auch. Das Leben kann vielerlei Sinn haben, und es gibt viele verschiedene Gr�nde f�r etwas. Und weil sich ein Grund, an den du geglaubt hast, als falsch erwiesen hat, darfst du nicht glauben, du k�nntest keinen anderen Gr�nden mehr vertrauen.�</p><p>�Oh, wahrscheinlich haben Sie recht�, sagte Wang-mu. Sie sch�mte sich nun ihres Ausbruchs.</p><p>�Verbeuge dich nicht vor mir�, sagte Wiggin. �Oder hast <emphasis>du </emphasis>das gemacht, Jane?�</p><p>Jane mu�te ihm geantwortet haben, ohne da� Wang-mu es h�ren konnte.</p><p>�Mir egal, was sie f�r Br�uche haben�, sagte Wiggin. �Der einzige Grund f�r so eine Verbeugung ist, eine Person vor einer anderen zu erniedrigen, und ich werde nicht dulden, da� sie das bei mir macht. Sie hat nichts getan, dessen sie sich sch�men m��te. Sie hat uns eine Sichtweise der Descolada aufgetan, die vielleicht zur Rettung einer Reihe von Spezies fuhren wird.�</p><p>Wang-mu vernahm seinen Tonfall. Er glaubte daran. Er ehrte sie mit seinen Worten.</p><p>�Nicht ich�, protestierte sie. �Qing-jao. Es waren ihre Fragen.�</p><p>�Qing-jao�, sagte Ela. �Sie hat dich ja v�llig f�r sie eingenommen, genau wie der Kongre� Qing-jao f�r sich eingenommen hat.�</p><p>�Sie d�rfen sich nicht so ver�chtlich �u�ern, denn Sie kennen sie ja gar nicht�, sagte Wang-mu. �Aber sie ist brillant und gut, und ich kann nie wie sie sein.�</p><p>�Schon wieder die G�tter�, sagte Wiggin.</p><p>�Immer die G�tter�, sagte Ela.</p><p>�Was meinen Sie?� fragte Wang-mu. �Qing-jao behauptet nicht, eine G�ttin zu sein, und ich sage das auch nicht von ihr.�</p><p>�Doch, das tust du�, sagte Ela. ��Qing-jao ist weise und gut�, hast du gesagt.�</p><p>�Brillant und gut�, berichtigte Wiggin sie.</p><p>��Und ich kann nie wie sie sein��, fuhr Ela fort.</p><p>�Ich will dir etwas �ber G�tter erz�hlen�, sagte Wiggin. �Ganz gleich, wie klug oder stark du bist, es gibt immer jemanden, der kl�ger oder st�rker ist, und wenn du jemandem begegnest, der kl�ger und st�rker als alle anderen ist, denkst du: Das ist ein Gott. Das ist Perfektion. Aber ich kann dir versprechen, da� es irgendwo jemanden gibt, der deinen Gott wie eine Made aussehen l��t. Und jemanden, der in irgendeiner Hinsicht kl�ger oder besser oder beides ist. Also will ich dir sagen, was ich von G�ttern halte. Ich glaube, ein <emphasis>echter </emphasis>Gott wird nicht so ver�ngstigt oder w�tend sein, da� er versucht, andere Menschen zu unterdr�cken. Es h�tte ein g�ttliches, ein gro�z�giges Geschenk vom Kongre� sein k�nnen, andere Menschen genetisch zu ver�ndern, um sie kl�ger oder kreativer zu machen. Aber der Kongre� bekam es mit der Angst zu tun, und so hat er die Menschen von Weg gefesselt. Er wollte die Kontrolle �ber sie behalten. Ein echter Gott mu� sich nicht um so etwas wie Kontrolle k�mmern. Ein echter Gott hat bereits alles unter Kontrolle, was er unter Kontrolle haben mu�. Echte G�tter w�rden dich lehren wollen, genauso zu sein wie sie.�</p><p>�Qing-jao wollte mich unterrichten�, sagte Wang-mu.</p><p>�Aber nur, solange du gehorcht und getan hast, was sie wollte�, sagte Jane.</p><p>�Ich bin unw�rdig�, entgegnete Wang-mu. �Ich bin zu dumm, um zu lernen, so klug wie sie zu sein.�</p><p>�Und doch wu�test du, da� ich die Wahrheit gesprochen habe�, sagte Jane, �als Qing-jao nur L�gen sehen konnte.�</p><p>�Bist <emphasis>du </emphasis>eine G�ttin?� fragte Wang-mu.</p><p>�Was die Gottber�hrten und die Pequeninos erst jetzt �ber sich erfahren werden, habe ich schon immer gewu�t. Ich wurde erschaffen.�</p><p>�Unsinn�, sagte Wiggin. �Jane, du hast immer geglaubt, du w�rest aus Zeus' Kopf entsprungen.�</p><p>�Danke, ich bin nicht Minerva�, sagte Jane.</p><p>�Soweit wir wissen, bist du einfach zuf�llig entstanden�, sagte Wiggin. �Niemand hat dich geplant.�</p><p>�Wie tr�stlich�, sagte Jane. �W�hrend ihr also all eure Sch�pfer nennen k�nnt � oder zumindest eure Eltern oder eine v�terliche Regierungsabteilung �, bin ich der einzig echte Betriebsunfall im Universum.�</p><p>�Du kannst nicht beides haben�, sagte Wiggin. �Entweder hat jemand dich geschaffen, weil er dich sinnvoll einsetzen wollte, oder du bist zuf�llig entstanden. Und das ist nun mal ein Zufall � etwas, das einfach geschieht, ohne da� jemand es beabsichtigt hat. Willst du also beide M�glichkeiten verabscheuen? Sobald die Menschen von Weg herausgefunden haben, was der Kongre� ihnen angetan hat, werden sie ihn wie verr�ckt verabscheuen. Wirst du diesen Abscheu empfinden, weil dir <emphasis>niemand </emphasis>etwas angetan hat?�</p><p>�Wenn ich will, schon�, sagte Jane, aber mit einem sp�ttischen Anflug kindlichen Trotzes.</p><p>�Ich will dir sagen, was ich glaube�, fuhr Wiggin fort. �Ich glaube, du wirst erst erwachsen, sobald du aufh�rst, dir Sorgen �ber den Sinn des Lebens anderer Leute zu machen und einen Sinn findest, den du f�r dich akzeptieren kannst.�</p><empty-line/><p>Ender und Ela erkl�rten zuerst Valentine alles, wahrscheinlich, weil sie zuf�llig in diesem Augenblick auf der Suche nach Ender ins Labor kam, mit dem sie etwas v�llig anderes besprechen wollte. Es kam ihr genauso wahr vor wie Ela und Ender. Und genau wie sie begriff auch Valentine, da� sie die Hypothese der Descolada als Regulator der Gaialogie Lusitanias nicht kl�ren konnten, bis sie mit den Pequeninos dar�ber gesprochen und deren Antwort geh�rt hatten.</p><p>Ender schlug vor, sie sollten es zuerst mit Pflanzer versuchen, bevor sie es Mensch oder W�hler erkl�rten. Ela und Valentine stimmten ihm zu. Weder Ela noch Ender, der seit Jahren mit den Vaterb�umen sprach, kannten sich so weit mit ihrer Sprache aus, da� sie leichtfertige Erkl�rungen abgegeben hatten. Wichtiger war jedoch die unausgesprochene Tatsache, da� sie den s�ugetier�hnlichen Br�dern n�her standen, als es bei einem Baum jemals der Fall sein konnte. Wie konnten sie, wenn sie einen Baum betrachteten, schlie�en, was er dachte oder wie er auf ihre Ausf�hrungen reagierte? Nein, wenn sie einem Pequenino etwas sagen mu�ten, dann zuerst einem Bruder und nicht einem Vaterbaum.</p><p>Doch nachdem sie Pflanzer in Elas B�ro bestellt, die T�r geschlossen und mit ihrer Erkl�rung angefangen hatten, begriff Ender, da� ein Gespr�ch mit einem Bruder kaum leichter war. Selbst nach drei�ig Jahren des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit mit ihnen konnte Ender nur die gr�bste und offensichtlichste K�rpersprache der Pequeninos deuten. Pflanzer h�rte anscheinend kaum betroffen zu, w�hrend Ender ihm erkl�rte, was w�hrend des Gespr�chs mit Jane und Wang-mu ans Licht gekommen war. Er war nicht wie vor den Kopf geschlagen. Er schien eher rastlos wie ein kleiner Junge auf seinem Stuhl zu sitzen, verlagerte st�ndig sein Gewicht, wandte den Blick von ihnen ab und sah ins Leere, als seien ihre Enth�llungen unsagbar langweilig. Ender wu�te nat�rlich, da� Augenkontakt f�r die Pequeninos nicht dasselbe bedeutete wie f�r Menschen; weder suchten noch vermieden sie ihn. Solange man zuh�rte, war es ihnen fast v�llig gleichg�ltig, wohin man sah. Doch normalerweise versuchten sich die Pequeninos, die eng mit Menschen zusammenarbeiteten, so zu benehmen, da� die Menschen den Eindruck hatten, sie schenkten ihnen Beachtung. Pflanzer war gut darin, doch im Augenblick versuchte er es erst gar nicht.</p><p>Erst als sie alles erkl�rt hatten, begriff Ender, wieviel Selbstbeherrschung Pflanzer gezeigt hatte, um �berhaupt auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, bis sie fertig waren. In dem Augenblick, in dem sie ihm sagten, das sei alles gewesen, sprang er hinab und lief � nein, <emphasis>tobte � </emphasis>durch den Raum, ber�hrte alles. Er schlug nicht danach, stie� nichts um, wie ein Mensch es vielleicht getan h�tte; statt dessen streichelte er alles, was er ber�hrte, ertastete die Gegenst�nde. Ender stand da und wartete, da� Pflanzer zu ihm kam, hoffte, ihm etwas Trost bieten zu k�nnen, denn er wu�te genug vom Verhalten der Pequeninos, um zu begreifen, da� solch ein ungew�hnliches Benehmen nur bedeuten konnte, da� Pflanzer unter h�chstem Druck stand.</p><p>Pflanzer lief, bis er v�llig ersch�pft war, machte aber immer noch weiter, torkelte wie betrunken durch den Raum, bis er schlie�lich gegen Ender prallte, die Arme um ihn warf und sich an ihm festhielt. Einen Augenblick lang wollte Ender ihn ebenfalls umarmen, doch dann erinnerte er sich, da� Pflanzer kein Mensch war. Pflanzer rechnete gar nicht damit, da� Ender die Umarmung erwiderte; er klammerte sich an ihn, wie er sich an einen Baum klammern w�rde. Er suchte den Trost eines Stammes. Einen sicheren Platz, wo er sich festhalten konnte, bis die Gefahr vorbei war. Ender w�rde ihm weniger und nicht mehr Trost schenken, wenn er wie ein Mensch reagierte und die Umarmung erwiderte. Er mu�te reagieren wie ein Baum. Also hielt er still und wartete. Wartete und hielt still. Bis wenigstens das Zittern aufh�rte.</p><p>Als sich Pflanzer von ihm l�ste, waren sie beide in Schwei� gebadet. Meiner Baum�hnlichkeit sind wohl Grenzen gesetzt, dachte Ender. Oder geben Mutterb�ume und Vaterb�ume Feuchtigkeit an die Br�der ab, die sich an sie klammern?</p><p>�Das ist sehr �berraschend�, fl�sterte Pflanzer.</p><p>Die Worte waren im Vergleich zu der Szene, die sich gerade abgespielt hatte, so absurd sanft, da� Ender unwillk�rlich laut auflachen mu�te. �Ja�, sagte er. �Das kann ich mir vorstellen.�</p><p>�F�r sie ist es nicht komisch�, sagte Ela.</p><p>�Das wei� er�, sagte Valentine.</p><p>�Dann darf er nicht lachen�, sagte sie. �Du darfst nicht lachen, wenn Pflanzer solchen <emphasis>Schmerz </emphasis>empfindet.� Und sie brach in Tr�nen aus.</p><p>Valentine legte eine Hand auf ihre Schulter. �Er lacht, du weinst�, sagte sie. �Pflanzer l�uft herum und klettert auf B�ume. Was f�r seltsame Tiere wir doch alle sind.�</p><p>�Alles kommt von der Descolada�, sagte Pflanzer. �Das dritte Leben, der Mutterbaum, die Vaterb�ume. Vielleicht sogar unser Geist. Vielleicht waren wir nur Baumratten, als die Descolada kam und falsche Ram�nner aus uns machte.�</p><p>�Echte Ram�nner�, sagte Valentine.</p><p>�Wir wissen nicht, ob es stimmt�, sagte Ela. �Es ist nur eine Hypothese.�</p><p>�Es ist sehr, sehr wahr�, sagte Pflanzer. �Wahrer als wahr.�</p><p>�Woher willst du das wissen?�</p><p>�Alles pa�t zusammen. Planetare Regulation � dar�ber wei� ich Bescheid. Ich habe Gaialogie studiert, und die ganze Zeit �ber dachte ich, wie kann diese Lehrerin uns diese falschen Dinge erz�hlen, wenn sich doch jeder Pequenino umsehen und erkennen kann, da� sie falsch sind? Aber wenn wir wissen, da� uns die Descolada ver�ndert, da� sie daf�r sorgt, da� <emphasis>wir </emphasis>das planetare System regulieren��</p><p>�Wie kann die Descolada daf�r sorgen, da� <emphasis>ihr </emphasis>den Planeten reguliert?� fragte Ela.</p><p>�Ihr kennt uns nicht lange genug�, sagte Pflanzer. �Wir haben euch nicht alles gesagt, weil wir dachten, ihr w�rdet uns f�r dumm halten. Jetzt wi�t ihr, da� wir nicht dumm sind, sondern nur tun, was ein Virus uns sagt. Wir sind keine Dummk�pfe, sondern Sklaven.�</p><p>Pflanzers Gest�ndnis, da� die Pequeninos noch immer einiges auf sich nahmen, um die Menschen zu beeindrucken, verbl�ffte Ender. �Wieso hat <emphasis>euer </emphasis>Verhalten etwas mit der Regulierung des Planeten zu tun?�</p><p>�B�ume�, sagte Pflanzer. �Wie viele W�lder gibt es auf der ganzen Welt? Sie schwitzen st�ndig. Verwandeln Kohlendioxyd in Sauerstoff. Kohlendioxyd ist ein Treibhausgas. Wenn mehr davon in der Atmosph�re ist, wird die Welt w�rmer. Was m�ssen wir also tun, um die Welt k�lter zu machen?�</p><p>�Mehr W�lder pflanzen�, sagte Ela. �Mehr CO<sub>2</sub> verbrauchen, damit mehr W�rme in den Raum entweichen kann.�</p><p>�Ja�, sagte Pflanzer. �Aber bedenke, wie wir unsere B�ume pflanzen.�</p><p>Die B�ume wachsen aus den Leichen der Toten, dachte Ender. �Krieg�, sagte er.</p><p>�Es gibt Zwistigkeiten zwischen den St�mmen, und manchmal f�hren sie kleine Kriege�, sagte Pflanzer. �Das ist im planetaren Ma�stab gar nichts. Aber gro�e Kriege, die die ganze Welt �berziehen � Millionen und Abermillionen Br�der sterben in diesen Kriegen, und alle werden B�ume. Innerhalb von ein paar Monaten k�nnten sich die W�lder der Welt in Zahl und Gr��e verdoppeln. Das w�rde einen Unterschied machen, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte Ela.</p><p>�Und w�re viel wirksamer als alles, was durch nat�rliche Evolution geschehen k�nnten�, sagte Ender.</p><p>�Und dann h�ren die Kriege auf�, sagte Pflanzer. �Wir glauben immer, es gibt gro�e Ursachen f�r diese Kriege, da� sie K�mpfe zwischen Gut und B�se sind. Und jetzt waren sie die ganze Zeit �ber nichts als planetare Regulation.�</p><p>�Nein�, sagte Valentine. �Das Bed�rfnis zu k�mpfen, der Zorn, <emphasis>das </emphasis>k�nnte von der Descolada kommen, aber es hei�t nicht, da� die Gr�nde, weshalb ihr k�mpft��</p><p>�Der Grund, weshalb wir k�mpfen, ist die planetare Regulation�, sagte Pflanzer. �Alles pa�t zusammen. Was glaubt ihr, wie wir helfen, den Planeten zu erw�rmen?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Ela. �Selbst B�ume sterben schlie�lich an Altersschw�che.�</p><p>�Du wei�t es nicht, weil ihr w�hrend einer Warmzeit gekommen seid, nicht w�hrend einer Kaltzeit. Doch wenn der Winter schlimm wird, bauen wir H�user. Die Bruderb�ume geben sich uns, damit wir H�user bauen k�nnen. Wir alle, nicht nur die, die an kalten Orten leben. Wir alle bauen H�user, und die W�lder werden um die H�lfte, um drei Viertel reduziert. Wir dachten, das sei ein gro�es Opfer, das die Bruderb�ume dem Stamm zuliebe machen, doch jetzt begreife ich, da� es die Descolada ist, die mehr Kohlendioxyd in der Atmosph�re haben will, um den Planeten zu erw�rmen.�</p><p>�Es ist <emphasis>trotzdem </emphasis>ein gro�es Opfer�, sagte Ender.</p><p>�All unsere gro�en Heldenlieder�, sagte Pflanzer. �All unsere Helden. Nur Br�der, die nach dem Willen der Descolada handeln.�</p><p>�Na und?� fragte Valentine.</p><p>�Wie kannst du das sagen? Ich erfahre, da� unser Leben nichts ist, da� wir nur Werkzeuge sind, die ein Virus benutzt, um das globale �kosystem zu regulieren, und du sagst �Na und�?�</p><p>�Ja�, erwiderte Valentine. �Wir Menschen sind nicht anders. Bei uns mag es kein Virus sein, aber wir verbringen die meiste Zeit damit, unserer genetischen Programmierung zu folgen. Nimm die Unterschiede zwischen M�nnern und Frauen. M�nner neigen von Natur aus zu einer breit gef�cherten Reproduktionsstrategie. Da M�nner einen fast unbegrenzten Vorrat an Spermien haben und es sie nichts kostet, ihren Samen zu verteilen��</p><p>�Nicht <emphasis>nichts�, </emphasis>sagte Ender.</p><p>�� zu verteilen�, fuhr Valentine fort, �besteht ihre vern�nftigste Reproduktionsstrategie darin, ihn in jeder verf�gbaren Frau zu deponieren � und besondere Anstrengungen zu unternehmen, ihn in den gesundesten Frauen zu deponieren, bei denen es am wahrscheinlichsten ist, da� ihr Nachwuchs ein reproduktionsf�higes Alter erreicht. Rein von der Fortpflanzung her gesehen, t�te ein Mann am besten daran, so weit wie m�glich herumzuziehen und zu kopulieren.�</p><p>�Herumgezogen bin ich�, sagte Ender. �Irgendwie mu� ich das Kopulieren verpa�t haben.�</p><p>�Ich spreche von allgemein g�ltigen Trends�, sagte Valentine. �Es gibt immer seltsame Individuen, die die Normen nicht befolgen. Die weibliche Strategie ist genau umgekehrt, Pflanzer. Anstelle von Abermillionen Spermien haben sie nur ein Ei im Monat, und jedes Kind stellt eine gewaltige Investition dar. Also brauchen Frauen Stabilit�t. Sie m�ssen sicher sein, immer genug Nahrung zu bekommen. Einen Gro�teil der Zeit �ber sind wir relativ hilflos und unf�hig, Nahrung zu sammeln oder zu suchen. Wir Frauen ziehen also nicht herum, sondern bleiben an Ort und Stelle und gr�nden eine Familie. Wenn wir das nicht k�nnen, besteht unsere n�chstbeste Strategie daraus, uns mit dem st�rksten und gesundesten zur Verf�gung stehenden Mann zu paaren. Aber am besten ist es, einen starken, gesunden Mann zu haben, der bei uns bleibt und f�r uns sorgt, anstatt herumzuziehen und frei zu kopulieren.</p><p>M�nner werden also zweierlei Druck ausgesetzt. Der eine besteht darin, ihren Samen zu verbreiten, der andere, anziehend auf Frauen zu wirken, indem sie stabile Versorger sind � indem sie also das Bed�rfnis unterdr�cken, herumzuziehen und sich gewaltsam fortzupflanzen. Genauso sind die Frauen zweierlei Druck ausgesetzt. Der eine besteht darin, den Samen des st�rksten, lebenst�chtigsten Mannes zu bekommen, damit ihre Kinder gute Gene bekommen; daher wirken die starken, gewaltt�tigen M�nner attraktiv auf sie. Der andere besteht darin, den Schutz des ausgeglichensten, gewaltlosesten Mannes zu bekommen, damit er ihre Kinder besch�tzt und f�r sie sorgt und so viele wie m�glich von ihnen ein fortpflanzungsf�higes Alter erreichen.</p><p>Unsere gesamte Geschichte, alles, was ich auf meinen Wanderungen als reisende Historikerin gefunden habe, bevor ich mich von meinem Bruder l�ste und eine Familie gr�ndete � all das kann man dahingehend interpretieren, da� die Menschen blindlings diese genetischen Strategien befolgen. Wir werden in diese beiden Richtungen gezerrt.</p><p>Unsere gro�en Zivilisationen sind nichts weiter als Sozialmaschinerien, die den idealen Familienhintergrund schaffen sollen, in der eine Frau auf die Stabilit�t z�hlen kann; unser Rechts- und Moralkodex ist der Versuch, die Gewaltt�tigkeit abzuschaffen, dauernden Besitz zu f�rdern und Vertr�ge durchzusetzen, und repr�sentiert damit die prim�re weibliche Strategie, die Z�hmung des Mannes.</p><p>Und die St�mme wandernder Barbaren au�erhalb der Reichweite der Zivilisation verfolgen haupts�chlich die m�nnliche Strategie. Verbreitet den Samen. Innerhalb des Stammes nimmt der st�rkste, dominanteste Mann von den besten Frauen Besitz, entweder durch formelle Polygamie oder durch Kopulationen aus dem Augenblick heraus, denen die anderen M�nner nichts entgegenzusetzen haben. Doch diese M�nner mit niedrigerem Status werden bei der Stange gehalten, indem die Herrscher sie in den Krieg f�hren und sie ausgiebig vergewaltigen lassen, nachdem sie einen Sieg errungen haben. Sie vollziehen sexuelle Erw�nschtheit, indem sie sich einem Gegner im Kampf stellen, dann alle m�nnlichen Rivalen t�ten und im Falle eines Sieges mit den verwitweten Frauen kopulieren. Ein schreckliches, monstr�ses Verhalten � aber auch ein wachstumsf�higes Ausf�hren der genetischen Strategie.�</p><p>Ender f�hlte sich sehr unbehaglich, als er Valentine so reden h�rte. Er wu�te, da� soweit alles zutraf, und er hatte alles schon einmal geh�rt, doch es machte ihn betroffen, da� Pflanzer nun �hnliche Dinge �ber sein eigenes Volk erfahren mu�te. Ender wollte alles abstreiten, wollte sagen: Einige M�nner sind von Natur aus zivilisiert. Doch war er in seinem Leben nicht auch den Gesetzen der Dominanz und Kriegsf�hrung gefolgt? War er nicht herumgezogen? In diesem Zusammenhang war seine Entscheidung, auf Lusitania zu bleiben, in Wirklichkeit die Entscheidung, sein m�nnlich-dominantes Rollenmodell aufzugeben, das ihm als junger Soldat in der Kampf schule eingegeben worden war, und ein zivilisierter Mann in einer stabilen Familie zu werden.</p><p>Doch selbst dann hatte er eine Frau geheiratet, die kein Interesse daran hatte, weitere Kinder zu bekommen. Eine Frau, die sich in der Ehe letztendlich alles andere als zivilisiert erwiesen hatte. Wenn ich dem m�nnlichen Modell folge, bin ich ein Versager. Kein Kind gibt meine Gene weiter. Keine Frau akzeptiert meine Herrschaft. Ich bin eindeutig atypisch.</p><p>Doch da ich mich nicht reproduziert habe, werden meine atypischen Gene mit mir sterben, und daher sind die m�nnlichen und weiblichen Sozialmodelle sicher vor einer Person wie mir, die zwischen allen St�hlen steht.</p><p>Noch w�hrend Ender f�r sich Valentines Interpretation der Menschheitsgeschichte absch�tzte, brachte Pflanzer seine Erwiderung zum Ausdruck, indem er sich auf seinem Stuhl zur�cklehnte, eine Geste, die von Verachtung k�ndete. �Soll ich mich besser f�hlen, weil auch die Menschen Werkzeuge eines genetischen Molek�ls sind?�</p><p>�Nein�, sagte Ender. �Du sollst nur begreifen, da� nicht das gesamte Verhalten der Pequeninos bedeutungslos ist, nur weil ein Gro�teil dieses Verhaltens als Reaktion auf die Bed�rfnisse einiger genetischer Molek�le erkl�rt werden kann.�</p><p>�Die Menschheitsgeschichte <emphasis>kann </emphasis>als Kampf zwischen den Bed�rfnissen der Frauen und denen der M�nner erkl�rt werden�, sagte Valentine, �doch ich bin der Meinung, da� es trotzdem Helden und Ungeheuer, gro�e Ereignisse und edle Taten gibt.�</p><p>�Wenn ein Bruderbaum sein Holz gibt�, sagte Pflanzer, �sollte es eigentlich bedeuten, da� er sich f�r den Stamm opfert. Und nicht f�r einen Virus.�</p><p>�Wenn du �ber den Stamm hinaus zum Virus schauen kannst, dann schau �ber den Virus hinaus zur Welt�, sagte Ender. �Die Descolada h�lt diesen Planeten bewohnbar. Also opfert sich der Bruderbaum, um die ganze Welt zu retten.�</p><p>�Sehr klug�, sagte Pflanzer. �Doch du vergi�t � um den Planeten zu retten, spielt es keine Rolle, <emphasis>welcher </emphasis>Bruderbaum sich opfert, solange es nur eine bestimmte Anzahl tut.�</p><p>�Richtig�, sagte Valentine. �Es ist der <emphasis>Descolada </emphasis>gleichg�ltig, welche Bruderb�ume ihr Leben geben. Aber f�r die Bruderb�ume spielt es eine Rolle, oder? Und es spielt eine Rolle f�r die Br�der wie euch, die sich in diese H�user kuscheln, um nicht zu erfrieren. <emphasis>Ihr </emphasis>wi�t die edle Geste des Bruderbaums, der f�r euch gestorben ist, zu sch�tzen, auch wenn die Descolada keinen Bruderbaum vom anderen unterscheiden kann.�</p><p>Pflanzer antwortete nicht. Ender hoffte, das als Anzeichen f�r gewisse Fortschritte sehen zu k�nnen.</p><p>�Und in den Kriegen�, sagte Valentine, �ist es der Descolada gleichg�ltig, wer gewinnt oder verliert, solange genug Br�der sterben und genug B�ume aus den Leichen wachsen. Oder? Aber das �ndert nichts daran, da� einige Br�der edel und andere feige oder grausam sind.�</p><p>�Pflanzer�, sagte Ender, �die Descolada veranla�t vielleicht all eure Gef�hle � da� ihr zum Beispiel viel schneller in eine m�rderische Wut fallt �, so da� sich Zwistigkeiten zu Kriegen entwickeln, anstatt unter den Vaterb�umen beigelegt zu werden. Aber das �ndert nichts an der Tatsache, da� einige W�lder einfach zur Selbstverteidigung k�mpfen und andere einfach blutd�rstig sind. Ihr habt noch immer eure Helden.�</p><p>�Ich gebe einen Schei�dreck um Helden�, sagte Ela. �Helden neigen dazu, fr�h zu sterben, wie mein Bruder Quim. Wo ist er jetzt, da wir ihn brauchen? Ich w�nschte, er w�re kein Held gewesen.� Sie schluckte und k�mpfte gegen die Trauer an.</p><p>Pflanzer nickte � eine Geste, die er gelernt hatte, um mit den Menschen kommunizieren zu k�nnen. �Wir leben jetzt in Kriegmachers Welt�, sagte er. �Was ist <emphasis>er, </emphasis>wenn nicht ein Vaterbaum, der sich verh�lt, wie die Descolada es befiehlt? Die Welt wird zu warm. Wir brauchen mehr B�ume. Also ist er mit der Inbrunst erf�llt, die W�lder auszudehnen, Warum? Die Descolada l��t ihn so f�hlen. Deshalb h�ren so viele Br�der und Vaterb�ume auf ihn � weil er einen Plan anbietet, ihren Drang zu befriedigen, sich auszubreiten und mehr B�ume zu pflanzen.�</p><p>�Wei� die Descolada, da� er all diese neuen B�ume auf anderen Welten pflanzen will?� fragte Valentine. �Das w�rde nicht viel dazu beitragen, Lusitania abzuk�hlen.�</p><p>�Die Descolada erzeugt den Drang in ihnen�, sagte Pflanzer. �Wie kann ein Virus von Sternenschiffen wissen?�</p><p>�Wie kann ein Virus von Mutterb�umen und Vaterb�umen, Br�dern und Gattinnen, Kindern und kleinen M�ttern wissen?� sagte Ender. �Das m��te schon ein sehr intelligenter Virus sein.�</p><p>�Kriegmacher ist das beste Beispiel f�r meine Sichtweise�, sagte Valentine. �Sein Name deutet an, da� er im <emphasis>letzten </emphasis>gro�en Krieg eine wichtige und erfolgreiche Rolle gespielt hat. Erneut entsteht der Druck, die Anzahl der B�ume zu erh�hen. Doch Kriegmacher wendet seinen Drang einem neuen Sinn zu, will neue W�lder schaffen, indem er zu den Sternen greift, anstatt sich mit anderen Pequeninos in einen Krieg zu verzetteln.�</p><p>�Wir h�tten es sowieso getan, ganz gleich, was Kriegmacher gesagt oder getan hat�, erwiderte Pflanzen. �Seht uns an. Kriegmachers Gruppe schickte sich an, sich auszubreiten und auf anderen Welten neue W�lder zu pflanzen. Doch als sie Vater Quim get�tet haben, entstand im Rest von uns eine solche Wut, da� wir losziehen und sie bestrafen wollten. Ein gro�es Gemetzel, und wieder w�rden neue B�ume wachsen. Wieder h�tten wir getan, was die Descolada verlangt. Und nun, da die Menschen unseren Wald abgebrannt haben, wird Kriegmachers Volk doch noch den Sieg davontragen. So oder so, wir <emphasis>m�ssen </emphasis>uns ausbreiten und vermehren. Wir greifen nach jeder Entschuldigung, die wir finden k�nnen. Die Descolada wird �ber uns siegen. Wir sind Werkzeuge, die versuchen, sich irgendwie zu �berzeugen, unsere Taten w�ren unsere eigene Idee.�</p><p>Er klang so hoffnungslos. Ender fiel nichts mehr ein, was er oder Valentine nicht schon gesagt hatte, um ihn von seiner Schlu�folgerung abzubringen, das Leben der Pequeninos sei unfrei und bedeutungslos.</p><p>Also war es Ela, die als n�chste sprach, in einem Tonfall der ruhigen �berlegung, der irgendwie zusammenhanglos wirkte, als habe sie die schreckliche Besorgnis vergessen, die Pflanzer �berkommen hatte. �Man kann nicht wissen, auf welcher Seite die Descolada st�nde, wenn sie von alledem w��te�, sagte sie.</p><p>�Auf welcher Seite <emphasis>wovon?� </emphasis>fragte Valentine.</p><p>�Will sie nun eine globale Abk�hlung hervorrufen, indem sie hier mehr W�lder pflanzen l��t, oder treibt ihr Instinkt sie zur Ausbreitung, so da� sie sich von den Pequeninos auf andere Welten tragen l��t? Ich meine, was w�re den Virensch�pfern lieber? Den Virus zu verbreiten oder den Planeten zu regulieren?�</p><p>�Der Virus will wahrscheinlich beides, und er wird wahrscheinlich auch beides bekommen�, sagte Pflanzer. �Kriegmachers Gruppe wird zweifellos die Kontrolle �ber die Schiffe bekommen. Doch entweder vorher oder nachher wird es einen Krieg geben, bei dem die H�lfte der Br�der sterben. Nach allem, was wir wissen, veranla�t die Descolada beides.�</p><p>�Nach allem, was wir wissen�, sagte Ender.</p><p>�Nach allem, was wir wissen�, sagte Pflanzer, �<emphasis>sind </emphasis>wir vielleicht die Descolada.�</p><p>Also, dachte Ender, sind sie sich doch dieser M�glichkeit bewu�t, trotz unseres Entschlusses, sie den Pequeninos noch nicht beizubringen.</p><p>�Hast du mit Quara gesprochen?� fragte Ela.</p><p>�Ich spreche jeden Tag mit ihr�, sagte Pflanzer. �Aber was hat <emphasis>sie</emphasis> damit zu tun?�</p><p>�Sie ist derselben Auffassung. Da� die Intelligenz der Pequeninos vielleicht von der Descolada kommt.�</p><p>�Glaubt ihr, nach all euren Gespr�chen dar�ber, die Descolada sei vielleicht intelligent, w�re uns das noch nicht in den Sinn gekommen?� sagte Pflanzer. �Und was werdet ihr tun, wenn es stimmt? Eure gesamte Spezies sterben lassen, damit wir unsere kleinen zweitklassigen Gehirne behalten k�nnen?�</p><p>Ender protestierte sofort. �Wir haben eure Gehirne nie f�r��</p><p>�Ach nein?� sagte Pflanzer. �Warum glaubt ihr denn, wir w�rden diese M�glichkeit erst in Betracht ziehen, wenn ihr Menschen uns mit der Nase darauf sto�t?�</p><p>Ender hatte keine gute Antwort. Er mu�te sich eingestehen, da� er die Pequeninos in mancher Hinsicht f�r Kinder hielt, die besch�tzt werden mu�ten. Probleme mu�te man ihnen verheimlichen. Ihm war nicht in den Sinn gekommen, da� sie durchaus imstande waren, die schrecklichsten Tatbest�nde selbst herauszufinden.</p><p>�Und wenn unsere Intelligenz von der Descolada kommt, und wenn ihr eine M�glichkeit findet, sie zu vernichten� was wird dann aus uns?� Pflanzer sah sie an, triumphierend in seinem bitteren Sieg. �Baumratten�, sagte er.</p><p>�Das ist das zweite Mal, da� du diesen Ausdruck benutzt hast�, sagte Ender. �Was sind Baumratten?�</p><p>�Das haben einige der M�nner gerufen, die den Mutterbaum get�tet haben�, sagte Pflanzer.</p><p>�So ein Tier gibt es nicht�, sagte Valentine.</p><p>�Ich wei߫, erwiderte Pflanzer. �Grego hat es mir erkl�rt. �Baumratte� ist ein Ausdruck f�r Eichh�rnchen. Im Gef�ngnis zeigte er mir auf seinem Computer ein Holo von einem.�</p><p>�Du hast <emphasis>Grego </emphasis>besucht?� Ela war schlichtweg entsetzt.</p><p>�Ich mu�te ihn fragen, warum er versucht hat, uns erst zu t�ten und dann zu retten�, sagte Pflanzer.</p><p>�Na also!� rief Valentine triumphierend. �Du mu�t doch einsehen, da� das, was Grego und Miro an diesem Abend getan haben� zu verhindern, da� der Mob W�hler und Mensch verbrennt� du mu�t doch einsehen, da� sie dabei nicht einfach ihren genetischen Triebfedern gefolgt sind!�</p><p><emphasis>�Ich </emphasis>habe niemals gesagt, das menschliche Verhalten sei bedeutungslos�, erwiderte Pflanzer. �<emphasis>Ihr </emphasis>habt versucht, mich mit dieser Vorstellung zu tr�sten. Wir wissen, da� ihr Menschen eure Helden habt. Wir Pequeninos hingegen sind nur Werkzeuge gaialogischer Viren.�</p><p>�Nein�, sagte Ender. �Es gibt auch Helden unter den Pequeninos. W�hler und Mensch zum Beispiel.�</p><p>�Helden?� sagte Pflanzer. �Sie haben getan, was sie getan haben, um zu bekommen, was sie bekommen haben � ihren Status als Vaterb�ume. Vielleicht haben sie auf euch Menschen, die nur einmal sterben, wie Helden gewirkt, doch der Tod, den sie erlitten haben, war in Wirklichkeit eine Geburt. Sie haben sich nicht geopfert.�</p><p>�Dann hat sich euer ganzer Wald heldenhaft benommen�, sagte Ela. �Ihr habt euch von den alten Wegen gel�st und einen Vertrag mit uns geschlossen, der von euch verlangte, mit einigen eurer am tiefsten verwurzelten Br�uche zu brechen.�</p><p>�Wir wollen das Wissen, die Maschinen und die Macht, die ihr Menschen hattet. Was ist heldenhaft an einem Vertrag, der nur von uns verlangt, da� wir euch nicht mehr t�ten, und uns daf�r einen Sprung von tausend Jahren in unserer technologischen Entwicklung gibt?�</p><p>�Du willst einfach keinen positiven Schlu� gelten lassen, nicht wahr?� sagte Valentine.</p><p>Pflanzer ignorierte sie. �Die einzigen Helden in dieser Geschichte�, fuhr er fort, �waren Pipo und Libo, die Menschen, die so tapfer handelten, obwohl sie wu�ten, da� sie sterben w�rden. Sie hatten die Freiheit von ihrer genetischen Abstammung gewonnen. Welches <emphasis>Schweinchen </emphasis>hat das jemals geschafft?�</p><p>Es machte Ender sehr betroffen, da� Pflanzer f�r sich und sein Volk den Begriff <emphasis>Schweinchen </emphasis>benutzte. In den letzten Jahren war dieses Wort nicht mehr so freundschaftlich benutzt worden wie zu der Zeit, als Ender auf Lusitania eingetroffen war; es galt nun als ver�chtlich, und die Menschen, die mit den Bewohnern des Planeten zusammenarbeiteten, benutzten nun den Begriff <emphasis>Pequenino. </emphasis>Was f�r ein Ha� auf sich selbst trieb Pflanzer dazu, und stellte er eine Reaktion auf das dar, was er heute erfahren hatte?</p><p>�Die Bruderb�ume geben ihr Leben�, warf Ela hilfreich ein.</p><p>Doch Pflanzer antwortete voller Verachtung. �Die Bruderb�ume leben nicht so wie die Vaterb�ume. Sie k�nnen nicht sprechen. Sie k�nnen nur gehorchen. Wir sagen ihnen, was sie tun sollen, und sie haben keine Wahl. Werkzeuge, keine Helden.�</p><p>�Mit der richtigen Geschichte kannst du alles verdrehen�, sagte Valentine. �Du kannst jedes Opfer abstreiten, indem du sagst, derjenige, der sich geopfert hat, habe sich so gut dabei gef�hlt, da� es eigentlich gar kein Opfer war, sondern nur ein selbsts�chtiger Akt.�</p><p>Pl�tzlich sprang Pflanzer von dem Stuhl auf. Ender rechnete damit, da� er sich wie vorhin verhielt, doch er lief nicht durch den Raum. Statt dessen ging er zu Ela, die auf ihrem Stuhl sa�, und legte beide H�nde auf ihre Knie.</p><p>�Ich wei�, wie ich ein echter Held sein kann�, sagte er. �Ich wei�, wie ich gegen die Descolada vorgehen kann. Wie ich sie zur�ckweisen und bek�mpfen und hassen und dazu beitragen kann, sie zu vernichten.�</p><p>�Ich auch�, sagte Ela.</p><p>�Ein Experiment�, sagte Pflanzer.</p><p>Sie nickte. �Um festzustellen, ob die Intelligenz der Pequeninos tats�chlich in der Descolada und nicht im Gehirn verankert ist.�</p><p>�Ich mache es�, sagte Pflanzer.</p><p>�Ich h�tte dich niemals darum gebeten.�</p><p>�Ich wei�, da� du mich nie gebeten h�ttest. Ich verlange es von mir aus.�</p><p>Es �berraschte Ender, da� sich Ela und Pflanzer auf ihre Art genauso nahe standen wie Ender und Valentine, da� sie die Gedanken des anderen kannten, ohne sich erkl�ren zu m�ssen. Ender hatte nicht geglaubt, da� dies zwischen zwei Wesen unterschiedlicher Spezies m�glich sein konnte. Andererseits jedoch � warum sollte es nicht m�glich sein? Besonders, wenn sie so eng in derselben Umgebung zusammenarbeiteten.</p><p>Ender brauchte einen Augenblick, um zu begreifen, was Pflanzer und Ela untereinander vereinbart hatten; Valentine, die nicht wie Ender schon seit Jahren mit ihnen zusammenarbeitete, begriff es noch immer nicht. �Was ist los?� fragte sie. �Wovon sprechen sie?�</p><p>Ela antwortete. �Pflanzer schl�gt vor, da� wir einen Pequenino von allen Descolada-Viren befreien, ihn an einen sauberen Ort bringen, wo er nicht verseucht werden kann, und feststellen, ob er dann noch einen Verstand hat.�</p><p>�Das kann keine gute Wissenschaft sein�, sagte Valentine. �Dabei treten zu viele Variable auf. Ich dachte, die Descolada spiele bei jedem Teil des Lebens eines Pequeninos eine Rolle.�</p><p>�Ohne die Descolada w�rde Pflanzer augenblicklich krank werden und dann schlie�lich sterben. Was das <emphasis>Vorhandensein </emphasis>der Descolada Quim angetan hat, wird ihr <emphasis>Fehlen </emphasis>Pflanzer antun.�</p><p>�Das hei�t, wir d�rfen es nicht zulassen�, sagte Valentine. �Es w�rde nichts beweisen. Vielleicht verliert er wegen der Krankheit den Verstand. Fieber l��t die Patienten ins Delirium st�rzen.�</p><p>�Was k�nnen wir sonst tun?� fragte Pflanzer. �Abwarten, bis Ela eine M�glichkeit findet, den Virus zu z�hmen, nur um dann herauszufinden, da� wir ohne seine intelligente, virulente Erscheinungsform keine Pequeninos, sondern nur Schweinchen sind? Da� wir nur die F�higkeit der Sprache haben, wenn der Virus in uns ist, und da� wir, wenn man ihn z�hmen kann, alles verlieren und nicht mehr werden k�nnen als Bruderb�ume? Sollen wir das herausfinden, wenn ihr den Virust�ter einsetzt?�</p><p>�Aber es ist kein ernsthaftes, kontrollierbares Experiment��</p><p>�Doch, es ist ein ernsthaftes Experiment�, sagte Ender, �Ein Experiment, wie man es durchf�hrt, wenn man einen Dreck um die Grundlagen gibt und sofort Ergebnisse braucht. Ein Experiment, wie man es durchf�hrt, wenn man keine Vorstellung hat, wie das Ergebnis aussehen wird, oder auch nur, ob man es interpretieren kann. Doch ein Haufen verr�ckter Pequeninos haben vor, Sternenschiffe zu besteigen und eine absolut t�dliche Krankheit in der ganzen Galaxis zu verbreiten. Also m�ssen wir etwas tun.�</p><p>�Es ist ein Experiment�, sagte Pflanzer, �wie man es durchf�hrt, wenn ihr einen Held braucht.�</p><p>�Wenn <emphasis>wir </emphasis>einen Held brauchen?� fragte Ender. �Oder wenn <emphasis>du </emphasis>ein Held sein mu�t?�</p><p>�Ich w�rde an deiner Stelle nicht so sprechen�, sagte Valentine trocken. �Du hast im Verlauf der Jahrhunderte selbst ein paar Auftritte als Held gehabt.�</p><p>�Es ist nicht gesagt, da� wir dabei etwas erfahren�, warf Ela ein. �Quara wei� viel mehr �ber die Descolada, als sie uns verr�t. Vielleicht wei� sie auch schon, ob man die Intelligenzadaption der Descolada von ihren lebenserhaltenden Funktionen trennen kann. Wenn wir so einen Virus schaffen k�nnten, k�nnten wir die Auswirkung der Descolada auf die Intelligenz der Pequeninos testen, ohne das Leben des Versuchsobjekts zu gef�hrden.�</p><p>�Das Problem ist nur�, sagte Valentine, �da� Quara uns wohl genausowenig die Geschichte glauben wird, da� die Descolada ein k�nstliches Objekt ist, das von einer anderen Spezies geschaffen wurde, wie Qing-jao glauben konnte, da� die Stimme ihrer G�tter nur ein genetisch verursachtes unbewu�t-zwanghaftes Verhalten ist.�</p><p>�Du begreifst, da� der Versuch vielleicht sinnlos ist�, sagte Ela.</p><p>�Dann w�re es wirklich ein Opfer�, sagte Pflanzer.</p><p>�Wenn du anf�ngst, den Verstand auf eine Art und Weise zu verlieren, die eindeutig in keinem Zusammenhang mit der Krankheit deines K�rpers steht, werden wir das Experiment abbrechen, weil wir die Antwort haben.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Pflanzer.</p><p>�Es ist m�glich, da� du dich dann wieder erholst.�</p><p>�Mir ist es gleichg�ltig, ob ich mich erhole oder nicht.�</p><p>�Wir werden es auch abbrechen�, sagte Ender, �wenn du den Verstand auf eine Art und Weise verlierst, die im Zusammenhang mit der Krankheit deines K�rpers steht, denn dann werden wir wissen, da� das Experiment sinnlos ist und wir nichts aus ihm erfahren werden.�</p><p>�Wenn ich ein Feigling bin, mu� ich nur vorgeben, den Verstand zu verlieren, und mein Leben wird gerettet�, sagte Pflanzer. �Nein, ganz gleich, was geschieht, ich verbiete euch, das Experiment abzubrechen. Und <emphasis>falls </emphasis>ich bei Verstand bleibe, m��t ihr mich bis zum Tod weitermachen lassen, denn nur wenn ich bis zum Ende bei Verstand bleibe, werden wir wissen, da� unsere Seele nicht nur ein Kunstprodukt der Descolada ist. Versprecht es mir!�</p><p>�Ist das Wissenschaft oder ein Abkommen zum Selbstmord?� fragte Ender. �Bist du so versessen darauf, die wahrscheinliche Rolle der Descolada in der Geschichte der Pequeninos herauszufinden, da� du unbedingt sterben willst?�</p><p>Pflanzer st�rmte zu Ender, kletterte an seinem K�rper hoch und dr�ckte die Nase gegen die Enders. �Du L�gner!� schrie er.</p><p>�Ich habe nur eine Frage gestellt�, fl�sterte Ender.</p><p>�Ich will frei sein!� rief Pflanzer. �Ich will, da� die Descolada aus meinem K�rper verschwindet und nie mehr zur�ckkehrt! Ich will helfen, alle Schweinchen zu befreien, damit wir in Wirklichkeit und nicht nur dem Namen nach Pequeninos sein k�nnen!�</p><p>Ender schob ihn sanft zur�ck. Seine Nase schmerzte von Pflanzers Druck.</p><p>�Ich will ein Opfer machen, das beweist, da� ich frei bin�, sagte Pflanzer, �und nicht nur handeln, wie meine Gene es vorschreiben. Nicht nur ins dritte Leben gehen.�</p><p>�Selbst die M�rtyrer des Christentums und Islams waren bereit, im Himmel f�r ihre Opfer eine Belohnung anzunehmen�, sagte Valentine.</p><p>�Dann waren sie alle selbsts�chtige Schweine�, sagte Pflanzer. �Das sagt ihr doch �ber Schweine, nicht wahr? Selbsts�chtige Schweine. Das ist der richtige Name f�r uns Schweinchen, nicht wahr? Unsere Helden haben alle versucht, Vaterb�ume zu werden. Unsere Bruderb�ume waren von Anfang an Versager. Au�er uns selbst dienen wir nur der Descolada. Nach allem, was wir wissen, <emphasis>sind </emphasis>wir vielleicht sogar die Descolada. Aber ich werde <emphasis>frei </emphasis>sein. Ich werde wissen, was ich bin, ohne die Descolada oder meine Gene oder irgend etwas au�er mir.�</p><p>�Du wirst tot sein�, sagte Ender.</p><p>�Aber zuerst <emphasis>frei�, </emphasis>sagte Pflanzer. �Und der erste meines Volkes, der frei sein wird.�</p><empty-line/><p>Nachdem Wang-mu und Jane Meister Han alles berichtet hatten, was sich an diesem Tag zugetragen hatte, nachdem das Haus in der Dunkelheit der Nacht still geworden war, lag Wang-mu auf ihrer Matte in der Ecke von Meister Hans Zimmer noch wach, lauschte seinem leisen, aber beharrlichen Schnarchen und dachte �ber alles nach, was an diesem Tag gesagt worden war.</p><p>Sie hatten so viele Ideen hervorgebracht, und die meisten davon standen so hoch �ber ihr, da� sie daran verzweifelte, sie wirklich zu verstehen. Besonders, was Wiggin �ber Sinn und Absicht gesagt hatte. Sie sprachen ihr den Ruhm zu, auf eine L�sung f�r das Problem des Descolada-Virus gekommen zu sein, und doch konnte sie den Ruhm nicht akzeptieren, weil sie es nicht <emphasis>gewollt </emphasis>hatte; sie hatte gedacht, sie w�rde lediglich Qing-jaos Fragen wiederholen. Konnte sie den Ruhm f�r etwas akzeptieren, das sie v�llig zuf�llig getan hatte?</p><p>Man sollte die Menschen nur f�r etwas verdammen oder loben, was sie wirklich <emphasis>gewollt </emphasis>hatten. Wang-mu hatte instinktiv immer daran geglaubt; sie erinnerte sich nicht daran, da� es ihr jemand mit so vielen Worten gesagt hatte. Die Verbrechen, die sie dem Kongre� vorwarf, waren alle absichtlich durchgef�hrt worden � die genetische Ver�nderung der Menschen von Weg, um die Gottber�hrten zu schaffen, und die Aussendung des M.D.-Ger�ts, um die Heimat der einzig anderen vernunftbegabten Rasse zu vernichten, die ihres Wissens im Universum existierte.</p><p>Doch <emphasis>wollten </emphasis>sie das auch? Viele von ihnen glaubten zumindest, sie w�rden das Universum f�r die Menschheit sicherer machen, indem sie Lusitania zerst�rten � nach allem, was Wang-mu �ber die Descolada geh�rt hatte, konnte es das Ende allen erdgeborenen Lebens bedeuten, wenn sie sich von einer von Menschen besiedelten Welt zur n�chsten ausbreitete. Vielleicht hatten auch einige Mitglieder des Kongresses die Gottber�hrten von Weg geschaffen, damit die gesamte Menschheit einen Nutzen davon hatte, doch ihnen dann das UZV in die Gehirne gepflanzt, damit sie nicht au�er Kontrolle geraten und alle unterlegenen, �normalen� Menschen versklaven konnten. Vielleicht hatten sie bei den schrecklichen Dingen, die sie getan hatten, eine gute Absicht im Sinn gehabt.</p><p>Und Qing-jao hatte auch eine gute Absicht im Sinn, nicht wahr? Wie konnte Wang-mu sie also wegen ihrer Taten verdammen, wenn sie glaubte, sie w�rde den G�ttern gehorchen?</p><p>Hatte nicht jeder bei all seinen Taten eine edle Absicht im Sinn? War nicht jeder seiner Meinung zufolge gut?</p><p>Bis auf mich, dachte Wang-mu. In meinen Augen bin ich t�richt und schwach. Aber sie haben von mir gesprochen, als sei ich besser, als ich je annahm. Auch Meister Han hat mich gelobt. Und diese anderen haben mit Mitleid und Verachtung von Qing-jao gesprochen � und auch ich bringe ihr diese Gef�hle entgegen. Doch verh�lt sich Qing-jao nicht edel, und verhalte ich mich nicht unw�rdig? Ich habe meine Herrin verraten. Sie ist ihrer Regierung und ihren G�ttern gegen�ber, die f�r sie <emphasis>echt </emphasis>sind, obwohl ich nicht mehr an sie glaube, treu ergeben. Wie kann ich die guten Menschen von den schlechten unterscheiden, wenn die Schlechten irgendwie alle �berzeugt sind, da� sie versuchen, Gutes zu tun, obwohl sie in Wirklichkeit etwas Schreckliches tun? Und die guten Menschen glauben, sehr schlecht zu sein, obwohl sie in Wirklichkeit Gutes tun?</p><p>Vielleicht kann man nur Gutes tun, wenn man sich f�r schlecht h�lt, und wenn man sich f�r gut h�lt, kann man nur Schlechtes tun.</p><p>Doch dieses Paradoxon war zu viel f�r sie. Die Welt war sinnlos, wenn man Menschen am <emphasis>Gegenteil </emphasis>von dem absch�tzen mu�te, was sie zu sein versuchten. War es einem guten Menschen denn nicht m�glich, auch zu versuchen, einen guten <emphasis>Eindruck </emphasis>zu machen? Und nur, da� jemand behauptete, Abschaum zu sein, bedeutete noch lange nicht, da� er auch Abschaum war. Gab es denn keine M�glichkeit, die Menschen abzusch�tzen, wenn man sie nicht einmal nach ihren Zielen absch�tzen konnte?</p><p>Gab es keine M�glichkeit f�r Wang-mu, sich selbst abzusch�tzen?</p><p>Die halbe Zeit �ber wei� ich nicht einmal, welchen Zweck das hat, was ich tue. Ich kam in dieses Haus, weil ich ehrgeizig war und die geheime Magd eines reichen, gottber�hrten M�dchens sein wollte. Es war reiner Egoismus meinerseits und reine Gro�z�gigkeit von Qing-jao, da� sie mich aufgenommen hat. Und nun helfe ich Meister Han, Verrat zu begehen � was f�r einen Sinn hat meine Mitwirkung <emphasis>dabei? </emphasis>Ich wei� nicht einmal, warum ich tue, was ich tue. Wie kann ich wissen, was andere Menschen in Wirklichkeit beabsichtigen? Es gibt keine Hoffnung, jemals das B�se vom Guten unterscheiden zu k�nnen.</p><p>Sie setzte sich in der Lotusposition auf ihrer Matte auf und dr�ckte die H�nde vors Gesicht. Es war, als dr�cke sie ihr Gesicht gegen eine Wand, doch es war eine Wand, die sie selbst geschaffen hatte, und wenn sie nur die M�glichkeit finden konnte, sie zur Seite zu schieben konnte sie vielleicht zur Wahrheit vorsto�en.</p><p>Sie nahm die H�nde weg und �ffnete die Augen. Auf der anderen Seite des Zimmers stand Meister Hans Terminal. Hier hatte sie heute die Gesichter Elanora Ribeira von Hesses und Andrew Wiggins gesehen. Und Janes Gesicht.</p><p>Sie erinnerte sich daran, da� Wiggin ihr erkl�rt hatte, wie G�tter in Wirklichkeit waren. <emphasis>Echte </emphasis>G�tter w�rden einen nur lehren wollen, genau wie sie zu sein. Warum hatte er das gesagt? Wie konnte er wissen, wie ein Gott sein w�rde?</p><p>Jemand, der einen alles lehren will, was er wei�, der will, da� man tut, was immer er tut � Wiggin hatte in Wirklichkeit Eltern beschrieben, keine G�tter.</p><p>Nur, da� es viele Eltern gab, die das nicht taten. Viele Eltern, die versuchten, ihre Kinder unten zu halten, sie zu beherrschen, Sklaven aus ihnen zu machen. Wo Wang-mu aufgewachsen war, hatte sie es oft genug gesehen.</p><p>Wiggins hatte ihr also eigentlich auch keine Eltern beschrieben. Er hatte <emphasis>gute </emphasis>Eltern beschrieben. Er hatte ihr nicht gesagt, was G�tter waren, sondern was G�te war. Zu wollen, da� andere Menschen all die guten Dinge hatten, die man selbst hat. Und ihnen die schlechten zu ersparen, wenn man kann. Das war <emphasis>G�te.</emphasis></p><p>Was waren dann die G�tter? Sie w�rden wollen, da� alle anderen alle guten Dinge kannten und hatten. Sie w�rden einen lehren, mit einem teilen und einen ausbilden, aber einen niemals zu etwas zwingen.</p><p>Wie meine Eltern, dachte Wang-mu. Manchmal dumm und unbeholfen, wie alle Menschen, aber gut. Sie haben wirklich f�r mich gesorgt. Sogar als sie mich zwangen, etwas Schweres zu tun, weil sie wu�ten, da� es gut f�r mich war. Sogar, wenn sie sich manchmal irrten, waren sie gut. Ich kann sie also doch nach ihren Zielen absch�tzen. Alle behaupten, gute Ziele zu haben, doch die meiner Eltern waren <emphasis>wirklich </emphasis>gut, weil alles, was sie taten, mir helfen sollte, kl�ger und st�rker und besser zu werden. Selbst wenn sie mich zwangen, etwas Schweres zu tun, weil sie wu�ten, da� ich daraus lernte. Selbst wenn sie mir <emphasis>Schmerzen </emphasis>zuf�gten.</p><p>Das war es. So w�rden die G�tter sein, wenn es G�tter g�be. Sie w�rden wollen, da� alle anderen alle guten Dinge im Leben hatten, zum Beispiel gute Eltern. Doch im Gegensatz zu Eltern und allen anderen Menschen w�rden die G�tter wirklich <emphasis>wissen, </emphasis>was gut war, und die Macht haben, Gutes zu veranlassen, selbst wenn kein anderer wu�te, da� es gut war. Wie Wiggin gesagt hat� <emphasis>echte </emphasis>G�tter w�rden kl�ger und st�rker als alle anderen sein. Sie w�rden alle Intelligenz und Macht haben, die man nur haben konnte.</p><p>Doch solch ein Wesen zu sein � wie konnte jemand wie Wang-mu �ber einen Gott urteilen? Sie konnte ihre Ziele nicht begreifen, auch wenn sie sie ihr verrieten. Wie konnte sie also jemals <emphasis>wissen, </emphasis>da� es gute Ziele waren? Doch alle anderen M�glichkeiten � ihnen zu vertrauen und absolut an sie zu glauben � war das nicht genau das, was Qing-jao tat?</p><p>Nein. Wenn sie <emphasis>wirklich </emphasis>G�tter waren, w�rden sie niemals handeln, wie Qing-jao es annahm � andere Menschen versklaven, qu�len und erniedrigen.</p><p>Au�er, wenn Qualen und Erniedrigungen <emphasis>gut </emphasis>f�r sie waren�</p><p>Nein! Sie h�tte fast laut aufgeschrien und dr�ckte erneut die H�nde vors Gesicht.</p><p>Ich kann nur nach dem, was ich verstehe, ein Urteil f�llen. Wenn die G�tter, an die Qing-jao glaubt, nach dem, was ich verstehen kann, nur b�se sind, dann irre ich mich vielleicht, ja, dann verstehe ich vielleicht das gro�e Ziel nicht, das sie erreichen wollen, indem sie die Gottber�hrten zu hilflosen Sklaven degradierten oder eine ganze Spezies vernichteten. Aber in meinem Herzen habe ich keine andere Wahl, als solche G�tter abzulehnen, weil ich nichts Gutes in dem sehen kann, was sie tun. Vielleicht bin ich so dumm und t�richt, da� ich immer der Feind der G�tter sein und gegen ihre hohen und unverst�ndlichen Ziele arbeiten werde. Aber ich mu� mein Leben nach dem leben, was <emphasis>ich </emphasis>verstehe, und ich verstehe, da� es keine solchen G�tter gibt, wie die Gottber�hrten uns weismachen wollen. Wenn sie doch existieren, finden sie Vergn�gen an Unterdr�ckung und T�uschung, Erniedrigung und Unwissenheit. Sie wollen andere Menschen kleiner und sich selbst gr��er machen. Das w�ren dann keine G�tter, selbst wenn es sie g�be. Es w�ren Feinde. Teufel.</p><p>Dasselbe gilt f�r die Wesen, die den Descolada-Virus geschaffen haben. Ja, sie m�ssen schon sehr m�chtig sein, um so ein Werkzeug schaffen zu k�nnen. Doch sie m�ssen auch herzlos, selbsts�chtig und arrogant sein, um zu glauben, sie k�nnten alles Leben im Universum manipulieren, wie sie es f�r richtig halten. Auch das k�nnen keine G�tter sein.</p><p>Jane � nun, Jane mochte eine G�ttin sein. Ihr stand eine gewaltige Menge an Informationen zur Verf�gung, und sie handelte zum Wohl von anderen, selbst wenn es sie das Leben kosten sollte. Und Andrew Wiggin, er mochte auch ein Gott sein, so klug und freundlich, wie er wirkte, und er suchte nicht seinen eigenen Nutzen, sondern das Wohl der Pequeninos. And Valentine, die sich Demosthenes nannte � sie hatte versucht, anderen Menschen zu helfen, die Wahrheit zu finden und auf dieser Grundlage selbst kluge Entscheidungen treffen zu k�nnen. Und Meister Han, der immer versuchte, das Richtige zu tun, selbst wenn es ihn seine Tochter kostete. Vielleicht sogar Ela, die Wissenschaftlerin, obwohl sie nicht alles gewu�t hatte, was sie h�tte wissen sollen � denn es besch�mte sie nicht, die Wahrheit von einem Dienstm�dchen zu erfahren.</p><p>Nat�rlich waren das nicht die G�tter, die im Unendlichen Westen lebten, im Palast der K�niglichen Mutter. Noch hielten sie sich selbst f�r G�tter � sie h�tten schon allein �ber diesen Gedanken gelacht. Doch im Vergleich zu <emphasis>ihr </emphasis>waren sie in der Tat G�tter. Sie waren um so vieles kl�ger als Wang-mu, und soweit Wang-mu ihre Ziele verstehen konnte, versuchten sie, anderen Menschen zu helfen, so klug und m�chtig wie m�glich zu werden. Obwohl sich Wang-mu vielleicht also irren mochte, wu�te sie, da� ihre Entscheidung, mit diesen Menschen zusammenzuarbeiten, die richtige war.</p></section><section><title><p id="_Toc119392804">Kapitel 15</p><p>Leben und Tod</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Ender kommt, um mit uns zu sprechen.�</p><p>�Zu <emphasis>mir </emphasis>kommt er st�ndig, um mit mir zu sprechen.�</p><p>�Und <emphasis>wir </emphasis>k�nnen direkt in seinen Geist sprechen. Aber er besteht darauf, zu uns zu kommen. Wenn er uns nicht sieht, hat er nicht das Gef�hl, mit uns zu sprechen. Es f�llt ihm schwerer, zwischen seinen Gedanken und denen, die wir seinem Geist eingeben, zu unterscheiden, wenn wir uns aus der Ferne unterhalten. Deshalb kommt er.�</p><p>�Und dir gef�llt das nicht?�</p><p>�Er will, da� wir ihm Antworten geben, und wir kennen keine.�</p><p>�Du wei�t alles, was die Menschen wissen. Du bist ins All vorgesto�en, nicht wahr? Du brauchst nicht einmal ihre Verk�rzer, um von einer Welt zur anderen zu sprechen.�</p><p>�Diese Menschen sind so hungrig auf Antworten. Sie haben so viele Fragen.�</p><p>�Du wei�t, da� auch <emphasis>wir </emphasis>Fragen haben.�</p><p>�Sie wollen st�ndig wissen, warum, warum, warum. Oder wie. Wollen alles zu einem h�bschen kleinen B�ndel verschn�ren, wie einen Kokon. Wir tun das nur, wenn wir eine Metamorphose zu einer K�nigin durchleben.�</p><p>�Sie wollen alles verstehen. Aber du wei�t, da� das auch bei uns der Fall ist.�</p><p>�Ja, ihr w�rdet gern glauben, ihr w�ret genau wie die Menschen, nicht wahr? Aber du bist nicht wie Ender. Nicht wie die Menschen. Er mu� den Grund von allem wissen, mu� aus allem eine Geschichte machen, und wir kennen keine Geschichten. Wir kennen Erinnerungen. Wir kennen Dinge, die gerade geschehen. Aber wir wissen nicht, <emphasis>warum </emphasis>sie geschehen, nicht so, wie er es gern h�tte.�</p><p>�Nat�rlich wei�t du das.�</p><p>�Uns ist es sogar gleichg�ltig, <emphasis>warum </emphasis>etwas geschieht, jedenfalls so, wie die Menschen es verstehen. Wir finden soviel heraus, wie wir wissen m�ssen, um etwas bewerkstelligen zu k�nnen, aber sie wollen immer <emphasis>mehr </emphasis>wissen, als sie wissen m�ssen. Nachdem sie etwas zum Funktionieren gebracht haben, wollen sie immer noch herausfinden, warum es funktioniert, und was der Grund daf�r ist, da� es funktioniert.�</p><p>�Sind wir nicht genauso?�</p><p>�Vielleicht <emphasis>werdet </emphasis>ihr so sein, wenn sich die Descolada nicht mehr bei euch einmischt.�</p><p>�Oder wir werden vielleicht wie deine Arbeiter sein.�</p><p>�Wenn es so kommen sollte, wird es euch gleichg�ltig sein. Ihr werdet alle sehr gl�cklich sein. Die Intelligenz macht euch ungl�cklich. Die Arbeiter sind entweder hungrig oder nicht hungrig. Haben Schmerzen oder keine Schmerzen. Sie sind niemals neugierig oder entt�uscht oder erz�rnt oder besch�mt. Und wenn es um solche Dinge geht, lassen diese Menschen euch und mich wie Arbeiter aussehen.�</p><p>�Ich glaube, du kennst uns einfach nicht gut genug, um einen Vergleich ziehen zu k�nnen.�</p><p>�Wir waren in deinem Kopf, und wir waren in Enders Kopf, und wir sind seit tausend Generationen in unseren eigenen K�pfen, und im Vergleich mit diesen Menschen scheinen wir zu schlafen. Selbst wenn sie schlafen, schlafen sie nicht. Erdgeborene Tiere machen das in ihren Gehirnen � eine Art verr�cktes Abfeuern von Synapsen, kontrollierter Wahnsinn. Der Teil ihres Gehirns, der Anblicke oder Ger�usche speichert, feuert alle zwei oder drei Stunden los, w�hrend sie schlafen; selbst wenn alle Anblicke oder Ger�usche v�lliger, zuf�lliger Unsinn sind, versucht ihr Gehirn trotzdem noch, es zu etwas Sinnvollem zu verarbeiten. Sie versuchen, Geschichten daraus zu machen. Es ist ein v�llig zuf�lliger Unsinn mit keiner m�glichen Beziehung zur echten Welt, und doch verwandeln sie es in diese verr�ckten Geschichten. Und dann vergessen sie sie. Aber <emphasis>wenn </emphasis>sie sich erinnern, versuchen sie, Geschichten aus diesen verr�ckten Geschichten zu machen und sie in ihr echtes Leben einzuf�gen.�</p><p>�Wir wissen von ihren Tr�umen.�</p><p>�Vielleicht werdet ihr ohne die Descolada auch tr�umen.�</p><p>�Warum sollten wir tr�umen wollen? Tr�ume sind bedeutungslos. Zuf�llige Aktivit�ten der Neuronensynapsen ihrer Gehirne.�</p><p>�Sie praktizieren es. Sie machen es st�ndig. Sto�en dabei auf Geschichten. Ziehen Verbindungen. Machen Sinn aus dem Unsinn.�</p><p>�Was f�r einen Nutzen haben Tr�ume, wenn sie nichts bedeuten?�</p><p>�Das ist es ja gerade. Sie haben einen Hunger, von dem wir nichts wissen. Den Hunger nach Antworten. Den Hunger, Sinn zu finden. Den Hunger nach Geschichten.�</p><p>�Wir haben Geschichten.�</p><p>�Ihr erinnert euch an Taten. Sie erfinden Taten. Sie ver�ndern die Bedeutung ihrer Geschichten. Sie wandeln Dinge um, so da� dieselbe Erinnerung tausend verschiedene Dinge bedeuten kann. Selbst in der Zuf�lligkeit ihrer Tr�ume finden sie manchmal etwas, das alles erhellt. Kein einziger Mensch hat einen Verstand, der dem deinen auch nur nahe kommt. Oder unserem. Nicht ann�hernd so m�chtig. Und ihr Leben ist so kurz, sie sterben so schnell. Doch in dem Jahrhundert, das sie vielleicht haben, finden sie zehntausend Bedeutungen f�r jede eine, die wir gefunden haben.�</p><p>�Die meisten davon sind falsch.�</p><p>�Selbst wenn die �berw�ltigende Mehrzahl davon falsch ist, selbst wenn neunundneunzig von hundert dumm und falsch sind, bleiben ihnen von zehntausend Ideen immer noch hundert gute. So gleichen sie aus, da� sie so dumm sind und ein so kurzes Leben und kleines Ged�chtnis haben.�</p><p>�Tr�ume und Wahnsinn.�</p><p>�Magie und Mysterien und Philosophie.�</p><p>�Du willst doch nicht behaupten, da� du nie Geschichten ersonnen hast. Was du mir gerade erz�hlt hast, ist eine Geschichte.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Siehst du? Die Menschen k�nnen nichts, was du nicht auch kannst.�</p><p>�Verstehst du denn nicht? Selbst <emphasis>diese </emphasis>Geschichte habe ich aus Enders Geist. Es ist <emphasis>seine </emphasis>Geschichte. Und er hat ihren Kern von einem anderen Menschen, aus einem Buch, das er gelesen hat. Er hat es mit Dingen kombiniert, die ihm einfielen, bis alles Sinn f�r ihn ergab. Es ist alles in seinem Kopf. Wir hingegen sind wie du. Wir haben eine klare Sicht der Welt. Ich habe keine Probleme, meinen Weg durch deinen Geist zu finden. Alles ist ordentlich, vern�nftig und klar. Du w�rdest dich in meinem Geist genauso zu Hause f�hlen. In deinem Kopf ist die <emphasis>Wirklichkeit, </emphasis>so gut du sie verstehst. Doch in Enders Geist ist Wahnsinn. Tausende miteinander im Wettstreit liegender, gegens�tzlicher, unm�glicher Visionen, die �berhaupt keinen Sinn ergeben, weil sie nicht alle zusammenpassen k�nnen. Doch irgendwie passen sie zusammen; er sorgt daf�r, da� sie zusammenpassen, heute so, morgen so, wie es gerade n�tig ist. Als ob er f�r jedes neue Problem, dem er gerade gegen�bersteht, eine neue Ideen-Maschinerie in seinem Kopf erzeugen k�nnte. Als ob er ein neues Universum entwirft, in dem er leben kann, jede Stunde ein neues, oftmals hoffnungslos falsches. Und er macht Fehler und trifft Fehlurteile, doch irgendwann findet er ein so perfekt richtiges, da� es die Dinge �ffnet wie ein Wunder, und dann schaue ich durch seine Augen und sehe die Welt auf seine neue Art und Weise, und das ver�ndert alles. Wahnsinn und dann Erleuchtung. Wir wissen alles, was es zu wissen gab, bevor wir auf diese Menschen stie�en, bevor wir unsere Verbindung mit Enders Verstand errichteten. Jetzt stellen wir fest, da� es so viele M�glichkeiten gibt, ein und dieselbe Sache zu wissen, da� wir nie wieder alle M�glichkeiten finden k�nnen.�</p><p>�Au�er, die Menschen bringen es euch bei.�</p><p>�Siehst du? Auch wir sind Aasfresser.�</p><p><emphasis>�Du </emphasis>bist ein Aasfresser. Wir sind Bittsteller.�</p><p>�Wenn sie nur ihrer geistigen F�higkeiten w�rdig w�ren.�</p><p>�Sind sie es nicht?�</p><p>�Vergi� nicht, sie haben vor, dich in die Luft zu jagen. Es gibt so viele M�glichkeiten in ihren K�pfen, doch letztendlich sind sie dumm, halb blind und halb verr�ckt. Es gibt immer noch die neunundneunzig Prozent ihrer Geschichten, die schrecklich falsch sind und sie zu schrecklichen Fehlern f�hren. Manchmal w�nschen wir, wir k�nnten sie z�hmen, wie die Arbeiter. Du wei�t ja, bei Ender haben wir es versucht. Aber es gelang uns nicht. Wir konnten keinen Arbeiter aus ihm machen.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Zu dumm? Konnte uns nicht lange genug seine Aufmerksamkeit widmen. Dem menschlichen Verstand mangelt es an Konzentrationsf�higkeit. Sie langweilen sich und lassen ihre Gedanken schweigen. Wir mu�ten eine Br�cke von ihm zu uns bauen und haben dazu den Computer benutzt, mit dem er am engsten verbunden war. Ja, Computer <emphasis>k�nnen </emphasis>sich konzentrieren. Und ihre Speicher, ihre Erinnerungen, sind sauber und ordentlich. Alles ist organisiert und l��t sich finden.�</p><p>�Aber sie tr�umen nicht.�</p><p>�Kein Wahnsinn. Zu schade.�</p><empty-line/><p>Valentine erschien ungebeten an Olhados T�r. Es war fr�her Morgen. Er w�rde erst am Nachmittag zur Arbeit gehen � er war Schichtleiter und Gesch�ftsf�hrer in der kleinen Ziegelei. Aber er war schon wach und auf, wahrscheinlich weil seine Familie auch schon aufgestanden war. Die Kinder kamen eins nach dem anderen zur T�r hinaus. Ich habe das damals, in den uralten Zeiten, im Fernsehen gesehen, dachte Valentine. Die Familie verl��t morgens das Haus, Vater mit seiner Aktentasche ist der letzte. Auf ihre eigene Art f�hrten meine Eltern solch ein Leben. Sie k�mmerten sich nicht darum, wie �beraus seltsam ihre Kinder waren. Sie k�mmerten sich nicht darum, da� Peter und ich, nachdem wir morgens zur Schule gegangen waren, die Netzwerke durchst�berten und versuchten, mit Hilfe von Pseudonymen die Welt zu �bernehmen. Ihnen war es gleichg�ltig, da� Ender als kleiner Junge von seiner Familie fortgerissen wurde und keinen von ihnen je wiedergesehen hat, auch auf seinem einzigen Besuch auf der Erde nicht � abgesehen von mir. Ich glaube, meine Eltern stellten sich vor, richtig zu handeln, weil sie ein Ritual vollzogen, das sie im Fernsehen gesehen hatten.</p><p>Und hier haben wir es wieder. Die Kinder st�rmen durch die T�r. Dieser Junge da mu� Nimbo sein, der bei der Konfrontation mit dem Mob bei Grego war. Aber jetzt ist er wieder ein ganz typisches Kind � niemand w�rde vermuten, da� er an jenem schrecklichen Abend eine wichtige Rolle gespielt hat.</p><p>Mutter gab jedem Kind einen Ku�. Sie war noch immer eine sch�ne junge Frau, selbst mit so vielen Kindern. So gew�hnlich und doch eine bemerkenswerte Frau, denn sie hatte ja Vater geheiratet. Sie hatte an seiner Mi�bildung vorbeigeschaut.</p><p>Und Vater, der noch nicht zur Arbeit gegangen war. Deshalb konnte er dort stehen, sie beobachten, ihnen einen Klaps geben, sie k�ssen, ein paar Worte sagen. Gut gelaunt, klug, liebevoll � ganz der Vater. Was stimmt also nicht mit diesem Bild? Der Vater ist Olhado. Er hat keine Augen. Nur die silbernen Metallkreise mit den beiden Linsen�ffnungen in dem einen Auge, und der Computer-Input/Output-Stecker im anderen. Die Kinder schienen nicht darauf zu achten. Ich habe mich noch immer nicht daran gew�hnt.</p><p>�Valentine�, sagte er, als er sie sah.</p><p>�Wir m�ssen reden�, sagte sie.</p><p>Er bat sie hinein und stellte sie seiner Frau Jaqueline vor. Die Haut so schwarz, da� sie fast blau war, lachende Augen, ein sch�nes, breites L�cheln, in das man eintauchen wollte, so freundlich war es. Sie brachte eiskalte Limonade auf und zog sich dann diskret zur�ck. �Sie k�nnen bleiben�, sagte Valentine. �So privat ist es nun auch wieder nicht.� Doch sie wollte nicht bleiben. Sie mu�te arbeiten, sagte sie. Und war verschwunden.</p><p>�Ich wollte Sie schon seit langem kennenlernen�, sagte Olhado.</p><p>�Sie wu�ten doch, wo ich war�, erwiderte sie.</p><p>�Sie hatten zu tun.�</p><p>�Hatte ich nicht�, sagte Valentine.</p><p>�Sie m�ssen sich um Andrews Belange k�mmern.�</p><p>�Dann lernen wir uns eben jetzt kennen. Ich war neugierig auf Sie, Olhado. Oder ziehen Sie Ihren Taufnamen Lauro vor?�</p><p>�In Milagre hei�t man, wie die Leute einen nennen. Fr�her war ich Sule, nach meinem Mittelnamen Suleimao.�</p><p>�Salomon der Weise.�</p><p>�Doch nachdem ich meine Augen verloren hatte, war ich Olhado, und werde es auf ewig sein.�</p><p>��Der Beobachtete�?�</p><p>�Ja, das k�nnte Olhado bedeuten, das Partizip der Vergangenheit von <emphasis>olhar, </emphasis>doch in diesem Fall bedeutet es �Der Bursche mit den Augen�.�</p><p>�Und das ist Ihr Name.�</p><p>�Meine Frau nennt mich Lauro�, sagte er. �Und meine Kinder nennen mich Vater.�</p><p>�Und ich?�</p><p>�Wie immer Sie wollen.�</p><p>�Dann Sule.�</p><p>�Lauro, wenn es sein mu�. Bei Sule komme ich mir vor, als w�re ich sechs Jahre alt.�</p><p>�Und der Name erinnert Sie an die Zeit, als Sie noch sehen konnten.�</p><p>Er lachte. �Oh, ich kann <emphasis>jetzt</emphasis> auch sehen, vielen Dank. Ich sehe sehr gut.�</p><p>�Das hat Andrew auch gesagt. Deshalb bin ich zu Ihnen gekommen. Um herauszufinden, was Sie sehen.�</p><p>�Soll ich Ihnen etwas vorspielen? Eine Szene aus der Vergangenheit? Ich habe meine Lieblingserinnerungen im Computer gespeichert. Ich kann mich jederzeit einst�pseln und abspielen, was Sie gern sehen m�chten. Ich habe zum Beispiel Andrews ersten Besuch im Haus meiner Familie aufgezeichnet. Und auch ein paar erstklassige Familienstreitigkeiten. Oder ziehen Sie �ffentliche Ereignisse vor? Die Amtseinf�hrung eines jeden B�rgermeisters, seit ich diese Augen habe? Die Leute wenden sich wegen solcher Dinge an mich � was f�r Kleidung haben sie damals getragen, was wurde gesagt. Ich habe oft Schwierigkeiten, ihnen zu erkl�ren, da� meine Augen Bilder aufzeichnen und keinen Ton � genau wie <emphasis>ihre </emphasis>Augen. Sie glauben, ich sei ein Holofilmer und w�rde alles zu ihrer Unterhaltung aufzeichnen.�</p><p>�Ich will nicht sehen, was Sie sehen. Ich will wissen, was Sie denken.�</p><p>�Ach ja?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich <emphasis>habe </emphasis>keine Meinung. Nichts, was Sie interessieren w�rde. Ich halte mich aus Familienstreitigkeiten heraus. Habe ich immer schon getan.�</p><p>�Und aus Familienangelegenheiten. Das einzige von Novinhas Kindern, das sich nicht der Wissenschaft zugewandt hat.�</p><p>�Die Wissenschaft hat allen anderen so viel Gl�ck gebracht, da� ich mir nicht vorstellen konnte, mich auch damit zu befassen.�</p><p>�Nicht <emphasis>vorstellen </emphasis>konnte�, wiederholte Valentine. Und dann f�gte sie hinzu, weil sie herausgefunden hatte, da� leicht spr�de klingende Menschen offener sprachen, wenn man sie provozierte: �Ich k�nnte mir <emphasis>vorstellen, </emphasis>da� Sie einfach nicht genug Grips daf�r hatten.�</p><p>�Absolut richtig�, sagte Olhado. �Ich habe nur Grips genug, um Ziegel zu machen.�</p><p>�Wirklich?� fragte Valentine. �Aber Sie machen doch gar keine Ziegel.�</p><p>�Ganz im Gegenteil. Ich mache jeden Tag Hunderte von Ziegeln. Und da nun alle L�cher in ihre H�user schlagen, um die neue Kapelle zu bauen, sehe ich f�r die n�chste Zukunft ein stark ansteigendes Gesch�ft voraus.�</p><p>�Lauro�, sagte Valentine, �Sie machen keine Ziegel. Die Arbeiter in Ihrer Fabrik machen Ziegel.�</p><p>�Und ich als Gesch�ftsf�hrer geh�re nicht dazu?�</p><p>�Ziegelmacher machen Ziegel. Sie machen Ziegelmacher.�</p><p>�Wahrscheinlich. Haupts�chlich jedoch mache ich Ziegelmacher m�de.�</p><p>�Sie machen andere Dinge�, sagte Valentine. �Kinder.�</p><p>�Ja�, sagte Olhado, und zum ersten Mal w�hrend des Gespr�chs entspannte er sich. �Das auch. Ich habe eine Partnerin.�</p><p>�Eine anmutige und wundersch�ne Frau.�</p><p>�Ich habe nach Perfektion gesucht und etwas besseres gefunden.� Es war nicht nur einfach so dahingesagt. Er meinte es wirklich. Und nun war seine spr�de Zur�ckhaltung und Vorsicht verschwunden. �Sie haben auch Kinder. Einen Mann.�</p><p>�Eine gute Familie. Vielleicht fast so gut wie Ihre. Der unseren mangelt es nur an einer perfekten Mutter, doch die Kinder werden sich davon erholen.�</p><p>�Wenn man Andrew von Ihnen sprechen h�rt, m�ssen Sie der beste Mensch sein, der jemals gelebt hat.�</p><p>�Andrew ist sehr nett. Und er kam damit durch, solche Dinge zu behaupten, weil ich nicht hier war.�</p><p>�Jetzt <emphasis>sind </emphasis>Sie hier�, sagte Olhado. �Warum?�</p><p>�Zuf�llig m�ssen einige Welten und Ram�nner-Spezies �beraus wichtige Entscheidungen treffen, und wie es sich herausgestellt hat, h�ngt ihre Zukunft zu einem gro�en Teil von Ihrer Familie ab. Ich habe nicht die Zeit, gem�chlich herauszufinden, was ich wissen mu� � zum Beispiel herauszufinden, wie die Familiendynamik funktioniert, warum Grego in einer einzigen Nacht vom Ungeheuer zum Helden werden kann, wie Miro gleichzeitig selbstm�rderisch veranlagt und ehrgeizig sein kann, warum Quara bereit ist, die Pequeninos um der Descolada willen sterben zu lassen��</p><p>�Fragen Sie Andrew. Er versteht das alles. Ich k�nnte das nie.�</p><p>�Andrew weilt im Augenblick in seiner eigenen kleinen H�lle. Er f�hlt sich f�r alles verantwortlich. Er hat sein Bestes getan, aber Quim ist tot, und das einzige, worin Ihre Mutter und Andrew �bereinstimmen, ist, da� es irgendwie Andrews Schuld war. Da� Ihre Mutter ihn verlassen hat, hat ihn innerlich zerrissen.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Ich wei� nicht einmal, wie ich ihn tr�sten kann. Oder auch nur, worauf ich als seine ihn liebende Schwester hoffen soll � da� sie wieder in sein Leben tritt oder ihn endg�ltig verl��t.�</p><p>Olhado zuckte mit den Achseln. Sein spr�des Benehmen war zur�ckgekehrt.</p><p>�Ist es Ihnen wirklich gleichg�ltig?� fragte Valentine. �Oder haben Sie den Vorsatz gefa�t, da� es Ihnen gleichg�ltig sein soll?�</p><p>�Vielleicht habe ich solch einen Vorsatz vor langer Zeit gefa�t, und jetzt ist es mir wirklich gleichg�ltig.�</p><p>Ein guter Gespr�chspartner wu�te, wann er schweigen mu�te. Valentine wartete.</p><p>Doch Olhado konnte warten. Valentine h�tte fast aufgegeben und etwas gesagt. Sie spielte sogar mit der Idee, ihre Niederlage einzugestehen und zu gehen.</p><p>Dann sprach er. �Als sie meine Augen ersetzt haben, nahmen sie auch die Tr�nendr�sen heraus. Nat�rliche Tr�nen h�tten die industriellen Schmiermittel in meinen Augenh�hlen beeinflu�t.�</p><p>�Industrielle Schmiermittel?�</p><p>�Ein kleiner Scherz�, sagte Olhado. �Weil sich meine Augen niemals mit Tr�nen f�llen, scheine ich ein sehr gef�hlskalter Mensch zu sein. Und die Leute k�nnen meinen Gesichtsausdruck nicht deuten. Eigentlich ist das sehrkomisch. Die Aug�pfel k�nnen ihre Form nicht �ndern und damit einen Ausdruck zeigen. Das glaubt man nur. Ja, die Augen bewegen sich st�ndig � entweder, Sie halten einen Blickkontakt, oder Sie sehen nach unten oder oben �, doch <emphasis>meine </emphasis>Augen tun das auch. Sie bewegen sich noch immer mit perfekter Symmetrie. Sie deuten noch an, in welche Richtung ich schaue. Doch die Leute k�nnen es nicht ertragen, sie anzusehen. Also wenden sie den Blick ab. Sie lesen nicht den Ausdruck auf meinem Gesicht und glauben daher, da� ich gar keinen <emphasis>habe. </emphasis>Manchmal brennen meine Augen, r�ten sich und schwellen etwas an, als h�tte ich geweint.�</p><p>�Mit anderen Worten�, sagte Valentine, �Ihnen ist es doch nicht gleichg�ltig.�</p><p>�Mir war es nie gleichg�ltig�, sagte er. �Manchmal dachte ich, ich sei der einzige, der es verstand, wenngleich ich die halbe Zeit �ber nicht wu�te, <emphasis>was </emphasis>ich nun eigentlich verstand. Ich zog mich zur�ck und beobachtete, und weil ich bei den Familienzwistigkeiten mein Ego nicht durchsetzen mu�te, blickte ich deutlicher durch als alle anderen. Ich sah das Machtgef�ge � Mutters absolute Dominanz, obschon Marcao sie schlug, wenn er w�tend oder betrunken war. Miro, der dachte, er rebelliere gegen Marcao, obwohl es in Wirklichkeit Mutter war. Gregos Gemeinheit � seine Art, mit der Furcht fertig zu werden. Quara, die immer genau das tat, was die Menschen, die ihr wichtig waren, <emphasis>nicht </emphasis>wollten. Ela, die edle M�rtyrerin � was konnte sie schon sein, wenn sie nicht leiden konnte? Der heilige, aufrechte Quim, der Gott als seinen Vater gefunden hatte, unter der Voraussetzung, da� der beste aller V�ter unsichtbar ist und nie die Stimme hebt.�</p><p>�Das alles haben Sie als Kind gesehen?�</p><p>�Ich bin gut darin, etwas zu durchschauen. Wir Beobachter, die zu niemandem geh�ren, sehen immer besser. Meinen Sie nicht auch?�</p><p>Valentine lachte. �Ja, das stimmt. Sie glauben also, wir beide spielen die gleiche Rolle? Sie und ich, wir sind Historiker?�</p><p>�Bis Ihr Bruder kam. Von dem Augenblick an, da er durch die T�r schritt, war es offensichtlich, da� er alles sah und verstand, genau wie ich es sah. Es war am�sant. Weil ich nat�rlich nie an <emphasis>meine </emphasis>Schlu�folgerungen �ber meine Familie geglaubt hatte. Ich habe nie meinem eigenen Urteil vertraut. Ich dachte sogar, ich s�he die Dinge wegen meiner Augen so eigent�mlich. Da� ich, wenn ich echte Augen h�tte, sie wie Miro sehen w�rde. Oder wie Mutter.�</p><p>�Also hat Andrew Ihre Einsch�tzungen best�tigt.�</p><p>�Mehr als das. Er hat gehandelt. Er hat etwas <emphasis>unternommen.�</emphasis></p><p>�Ach?�</p><p>�Er war als Sprecher f�r die Toten hier. Doch in dem Augenblick, da er zur T�r hereinkam, �bernahm er� �bernahm er��</p><p>�Verantwortung?�</p><p>�Ja. Er ver�nderte etwas. Er sah all die Krankheiten, die ich auch sah, doch er begann, sie so gut wie m�glich zu heilen. Ich sah, wie er mit Grego umging, mit fester Hand, aber freundlich. Bei Quara reagierte er auf das, was sie wirklich wollte, und nicht darauf, was sie zu wollen vorgab. Bei Quim respektierte er den Abstand, den er aufrechterhalten wollte. Bei Miro, bei Ela, bei Mutter, bei allen.�</p><p>�Und bei Ihnen?�</p><p>�Er machte mich zum Teil seines Lebens. Tat sich mit mir zusammen. Sah zu, wie ich meinen Stecker herausholte, und unterhielt sich trotzdem mit mir wie mit einem Menschen. Wissen Sie, was das f�r mich bedeutet hat?�</p><p>�Ich kann es mir vorstellen.�</p><p>�Nein, so meine ich das nicht. Ich gestehe ein, ich war ein hungriges kleines Kind; die erste Person, die nett zu mir war, h�tte mich in den Sack stecken und wieder herausholen k�nnen. Es geht darum, was er mit uns allen machte. Wie er uns alle anders behandelte und trotzdem er selbst blieb. �berlegen Sie mal, welche M�nner es in meinem Leben gab. Marcao, den wir f�r unseren Vater hielten � ich hatte keine Ahnung, wer er war. Ich sah nur den Schnaps in ihm, wenn er betrunken, und den Durst, wenn er n�chtern war. Den Durst auf Alkohol wie auch den auf Respekt, den er niemals bekommen konnte. Und dann kippte er tot um. Die Dinge wurden augenblicklich besser. Nicht gut, aber besser. Ich dachte, der beste Vater ist der, der nicht da ist. Aber das stimmt auch nicht, oder? Denn mein <emphasis>echter </emphasis>Vater, Libo, der gro�e Wissenschaftler, der M�rtyrer, der Held der Forschung, die gro�e Liebe meiner Mutter � er hatte all diese wunderbaren Kinder meiner Mutter gezeugt, er sah, welche Qualen die Familie erlitt, und er unternahm trotzdem nichts.�</p><p>�Andrew hat gesagt, Ihre Mutter habe es nicht zugelassen.�</p><p>�Das stimmt � und man mu� seiner Mutter immer gehorchen, nicht wahr?�</p><p>�Novinha ist eine sehr imposante Frau.�</p><p>�Sie glaubt, sie sei die einzige auf der Welt, die jemals hat leiden m�ssen�, sagte Olhado. �Das sage ich ohne Verbitterung. Ich habe einfach beobachtet, sie ist so voller Schmerzen, da� sie �ber die Schmerzen eines anderen Menschen nicht sprechen kann.�</p><p>�Sagen Sie beim n�chsten Mal etwas Verbittertes. Das ist vielleicht freundlicher.�</p><p>Olhado schaute �berrascht drein. �Oh, Sie f�llen ein Urteil �ber mich? Ist das die Solidarit�t zwischen M�ttern oder so? Kinder, die schlecht von ihrer Mutter sprechen, m�ssen eine Abreibung bekommen? Aber ich versichere Ihnen, Valentine, ich habe es wirklich so gemeint. Keine Verbitterung. Nur Groll. Ich kenne meine Mutter, das ist alles. Sie haben mich gebeten, Ihnen zu sagen, was ich gesehen habe � und das habe ich gesehen. Das hat auch Andrew gesehen. All diese Schmerzen. Er wird von ihnen angezogen. Schmerz zieht ihn an wie ein Magnet. Und Mutter hatte so viel Schmerz, da� sie ihn fast leergesogen hat. Bis auf die Tatsache, da� man Andrew nicht aussaugen kann. Vielleicht ist der Quell des Mitgef�hls in ihm unersch�pflich.�</p><p>Seine leidenschaftliche Rede �ber Andrew �berrascht sie. Und gefiel ihr auch. �Sie haben gesagt, Quim habe sich an Gott gewandt, den perfekten unsichtbaren Vater. An wen haben Sie sich gewandt? An keinen Unsichtbaren, glaube ich.�</p><p>�Nein, an keinen Unsichtbaren.�</p><p>Valentine betrachtete schweigend sein Gesicht.</p><p>�Ich sehe alles im Flachrelief�, sagte Olhado. �Meine Tiefenwahrnehmung ist sehr schlecht. Wenn sie in beide Augen Linsen gesteckt h�tten, anstatt nur in eins, w�re die Binokularit�t viel besser. Aber ich wollte den Stecker haben. Wegen der Computerverbindung. Ich wollte die Bilder aufzeichnen, sie mit anderen teilen k�nnen. Also sehe ich alles im Flachrelief. Alle Personen kommen mir wie leicht gerundete zweidimensionale Pappgestalten vor, die �ber einen flachen, gemalten Hintergrund gleiten. In gewisser Hinsicht scheinen alle Menschen etwas zusammenzur�cken. Sie gleiten wie Papierbl�tter �bereinander und reiben sich beim Vorbeigehen leicht.�</p><p>Sie h�rte zu, aber er schwieg eine Weile.</p><p>�Keinen Unsichtbaren�, wiederholte er dann. �Das stimmt. Ich sah, was Andrew mit unserer Familie angestellt hatte. Ich sah, da� er hereinkam, zuh�rte, beobachtete und verstand, wer wir waren, jeder einzelne von uns. Er versuchte, unsere Bed�rfnisse herauszufinden und sie zu befriedigen. Er �bernahm die <emphasis>Verantwortung </emphasis>f�r andere Menschen, und es schien ihm nichts auszumachen, welchen Preis er daf�r begleichen mu�te. Und obwohl er die Familie Ribeira nie <emphasis>normal </emphasis>machen konnte, gab er uns Frieden, Stolz und eine Identit�t. Stabilit�t. Er heiratete Mutter und war nett zu ihr. Er liebte uns alle. Er war immer da, wenn wir ihn brauchten, und schien nicht verletzt zu sein, wenn wir ihn nicht brauchten. Er hatte eine feste Hand, wenn er zivilisiertes Benehmen von uns erwartete, setzte aber niemals auf unsere Kosten irgendwelche Marotten durch. Und ich dachte: Das ist so viel wichtiger als die Wissenschaft. Oder die Politik. Oder irgendein Beruf oder eine Leistung, die man erbringen kann. Ich dachte: Wenn ich nur eine gute Familie gr�nden, nur lernen k�nnte, anderen Kindern ihr ganzes Leben lang das zu sein, was Andrew, der so sp�t in mein Leben getreten war, f�r mich war, dann w�rde es auf lange Sicht eine bessere Leistung sein als alles, was ich mit dem Verstand oder der H�nde Arbeit erreichten k�nnte.�</p><p>�Also sind Sie ein Karrierevater�, sagte Valentine.</p><p>�Der in einer Ziegelei arbeitet, um die Familie zu ern�hren und zu kleiden. Kein Ziegelmacher, der zuf�llig Kinder hat. Lini empfindet genauso.�</p><p>�Lini?�</p><p>�Jaqueline. Meine Frau. Sie ist ihrem eigenen Weg zum selben Ort gefolgt. Wir tun, was wir tun m�ssen, um uns unseren Platz in der Gesellschaft zu verdienen, doch wir leben f�r uns, f�r unser Heim. F�reinander, f�r unsere Kinder. Das wird mir niemals einen Eintrag in einem Geschichtsbuch einbringen.�</p><p>�Wenn Sie sich da nicht mal t�uschen�, sagte Valentine.</p><p>��ber solch ein Leben zu lesen, w�re langweilig�, sagte Olhado. �Aber es ist alles andere als langweilig, es zu leben.�</p><p>�Also ist das Geheimnis, das Sie vor Ihren gepeinigten Geschwistern sch�tzen � Gl�ck.�</p><p>�Friede. Sch�nheit. Liebe. All die gro�en Abstraktionen. Vielleicht sehe ich sie im Flachrelief, aber daf�r in der Gro�aufnahme.�</p><p>�Und Sie haben es von Andrew gelernt. Wei� er es?�</p><p>�Ich glaube schon�, sagte Olhado. �Wollen Sie wissen, was mein am meisten geh�tetes Geheimnis ist? Wenn wir allein zusammen sind, nur er und ich oder ich und Lini und er � wenn wir allein sind, nenne ich ihn Papa, und er nennt mich Sohn.�</p><p>Valentine unternahm keine Anstrengungen, ihre Tr�nen zur�ckzuhalten. �Also hat Ender doch Kinder�, sagte sie.</p><p>�Ich habe von ihm gelernt, wie man ein Vater ist, und ich bin ein verdammt guter.�</p><p>Valentine beugte sich vor. Es war an der Zeit, zur Sache zu kommen. �Das bedeutet, da� Sie mehr als alle anderen in Gefahr sind, etwas wahrhaft Sch�nes und Gutes zu verlieren, wenn wir mit unseren Unternehmungen keinen Erfolg haben.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Olhado. �Meine Wahl war auf lange Sicht selbsts�chtig. Ich bin gl�cklich, aber ich kann nichts tun, um zur Rettung Lusitanias beizutragen.�</p><p>�Falsch�, sagte Valentine. �Sie k�nnen etwas tun, wissen es aber nicht.�</p><p>�Was kann ich tun?�</p><p>�Unterhalten wir uns noch eine Weile und stellen wir fest, ob wir es herausfinden k�nnen. Und wenn Sie einverstanden sind, Laura, sollte Ihre Jaqueline jetzt damit aufh�ren, uns aus der K�che zu belauschen, und sich zu uns gesellen.�</p><p>Jaqueline kam besch�mt herein und setzte sich neben ihren Mann. Valentine gefiel es, wie sie H�ndchen hielten. Nach so vielen Kindern � es erinnerte sie daran, wie sie mit Jakt H�ndchen hielt und wie gl�cklich es sie machte.</p><p>�Lauro�, sagte sie. �Andrew hat mir erz�hlt, als Sie j�nger waren, waren Sie das kl�gste der Ribeira-Kinder. Da� Sie sich mit ihm �ber die wildesten philosophischen Spekulationen unterhalten haben. Und jetzt, Lauro, mein Adoptivneffe, brauchen wir wilde Philosophien. Hat Ihr Gehirn aufgeh�rt zu arbeiten, seit Sie ein Kind waren? Oder haben Sie noch tiefgr�ndige Gedanken?�</p><p>�Ich habe meine Gedanken�, sagte Olhado, �aber ich glaube nicht mehr daran.�</p><p>�Wir arbeiten am �berlichtflug, Lauro. Wir arbeiten daran, die Seele einer Computerwesenheit zu finden. Wir versuchen, einen k�nstlichen Virus umzubauen, in den man die F�higkeit der Selbstverteidigung eingebaut hat. Wir arbeiten an Magie und Wundern: Also w�re ich dankbar f�r alle Einblicke, die Sie mir �ber die Natur des Lebens und der Wirklichkeit geben k�nnen.�</p><p>�Ich wei� nicht einmal, �ber welche Ideen Andrew gesprochen hat�, erwiderte Olhado. �Ich habe nicht Physik studiert, ich��</p><p>�Wollte ich studieren, w�rde ich B�cher lesen. Also will ich Ihnen sagen, was wir einem sehr klugen chinesischen Dienstm�dchen auf der Welt Weg gesagt haben. Lassen Sie mich Ihre Gedanken wissen, und ich werde selbst entscheiden, welche n�tzlich sind und welche nicht.�</p><p>�Wie? Sie sind auch keine Physikerin.�</p><p>Valentine ging zu dem Computer, der stumm in der Ecke wartete. �Darf ich ihn einschalten?�</p><p>�Pois nao�, sagte er. Nat�rlich.</p><p>�Sobald ich ihn eingeschaltet habe, wird Jane bei uns sein.�</p><p>�Enders pers�nliches Programm.�</p><p>�Die Computerwesenheit, deren Seele wir zu finden versuchen.�</p><p>�Ah�, sagte er. �Vielleicht sollten <emphasis>Sie mir </emphasis>etwas erkl�ren.�</p><p>�Ich wei� schon, was ich wei�. Also fangen wir an. Sprechen wir �ber die Ideen, die Sie als Kind hatten, und was aus ihnen geworden ist.�</p><empty-line/><p>Von dem Augenblick an, da Miro das Zimmer betrat, war Quara abweisend. �Gib dir keine M�he�, sagte sie.</p><p>�Womit?�</p><p>�Mich an meine Pflicht der Menschheit oder der Familie gegen�ber zu erinnern � bei denen es sich �brigens um zwei verschiedene, sich nicht �berlappende Gruppen handelt.�</p><p>�Bin ich deshalb gekommen?� fragte Miro.</p><p>�Ela hat dich geschickt, um mich zu �berreden, ihr zu verraten, wie man die Descolada kastrieren kann.�</p><p>Miro versuchte es mit Humor. �Ich bin kein Biologe. Ist das �berhaupt m�glich?�</p><p>�Stell dich nicht dumm�, sagte Quara. �Wenn du ihnen die F�higkeit nimmst, Informationen von einem Virus zum anderen weiterzuleiten, ist es so, als w�rdest du ihnen die Zungen abschneiden und ihnen ihr Ged�chtnis nehmen und alles, was sie intelligent macht. Wenn sie wissen will, was ich dar�ber wei�, kann sie studieren, was ich studiert habe. Ich habe nur f�nf Jahre Arbeit gebraucht, um soweit zu kommen.�</p><p>�Eine Flotte ist im Anmarsch.�</p><p>�Also <emphasis>bist </emphasis>du ein Unterh�ndler.�</p><p>�Und die Descolada k�nnte vielleicht herausbekommen, wie��</p><p>Sie unterbrach ihn und beendete den Satz. �� sie all unsere Strategien umgehen kann, sie zu b�ndigen. Ich wei�.�</p><p>Miro war ver�rgert, doch er war es gew�hnt, mit Leuten umzugehen, die ungeduldig mit seiner langsamen Sprache wurden und ihn unterbrachen. Und zumindest hatte sie ganz richtig vermutet, worauf er hinauswollte. �Jeden Tag�, sagte er. �Ela sp�rt den Zeitdruck.�</p><p>�Dann sollte sie mir helfen zu lernen, mit dem Virus zu <emphasis>sprechen</emphasis>. Ihn zu �berreden, uns in Ruhe zu lassen. Einen Vertrag schlie�en, wie Andrew es mit den Pequeninos getan hat. Statt dessen hat sie mich aus dem Labor verbannt. Aber dieses Spiel k�nnen auch zwei spielen. Sie schneidet mich von allen Informationen ab, und ich schneide sie ab.�</p><p>�Du hast Geheimnisse an die Pequeninos verraten.�</p><p>�O ja, Mutter und Ela, die H�terinnen der Wahrheit! <emphasis>Sie </emphasis>entscheiden, wer was wissen darf. Nun, Miro, jetzt will ich <emphasis>dir </emphasis>ein Geheimnis verraten. Du kannst die Wahrheit nicht sch�tzen, indem du verhinderst, da� andere sie erfahren.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte Miro.</p><p>�Wegen ihrer verdammten Geheimnisse hat Mutter unsere ganze Familie zerst�rt. Sie wollte nicht einmal Libo heiraten, weil sie entschlossen war, ein dummes Geheimnis zu bewahren, das ihm vielleicht das Leben gerettet h�tte, wenn er es gekannt h�tte.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Miro.</p><p>Diesmal sprach er mit solchen Nachdruck, da� Quara zur�ckprallte. �Na sch�n, ich glaube, dieses Geheimnis war dir wichtiger als mir. Aber bei dieser Sache solltest du auf meiner Seite stehen, Miro. Dein Leben w�re wesentlich besser, unser aller Leben w�re wesentlich besser, wenn Mutter Libo geheiratet und ihm all ihre Geheimnisse verraten h�tte. Dann w�rde er wahrscheinlich noch leben.�</p><p>Eine sehr saubere L�sung. H�bsche kleine Was-w�re-wenns. Und so falsch wie irgend etwas. H�tte Libo Novinha geheiratet, h�tte er Bruxinha, Quandas Mutter, <emphasis>nicht </emphasis>geheiratet, und dann h�tte sich Miro niemals ahnungslos in seine eigene Halbschwester verlieben k�nnen, weil es sie gar nicht gegeben h�tte. Doch es war viel zu kompliziert, ihr das mit seiner schleppenden Aussprache begreiflich zu machen, und so beschr�nkte er sich nur darauf, �Quanda w�re nicht geboren worden!� zu sagen und zu hoffen, da� sie die richtigen Schlu�folgerungen ziehen w�rde.</p><p>Sie �berlegte einen Augenblick lang, und dann zog sie die Schlu�folgerung. �Da hast du recht�, sagte sie. �Es tut mit leid. Ich war damals nur ein Kind.�</p><p>�Das ist alles Vergangenheit�, sagte Miro.</p><p>�Nichts ist Vergangenheit�, sagte Quara. �Wir spielen es noch immer durch, immer und immer wieder. Immer wieder dieselben Fehler. Mutter glaubt noch immer, da� man Menschen vor Schaden bewahren kann, indem man ihnen Geheimnisse vorenth�lt.�</p><p>�Und du glaubst es auch�, sagte Miro.</p><p>Quara dachte kurz dar�ber nach. �Ela hat versucht, den Pequeninos zu verheimlichen, da� sie daran arbeitet, die Descolada zu vernichten. Dieses Geheimnis h�tte die gesamte Pequenino-Gesellschaft zerst�ren k�nnen, und sie wurden nicht einmal um Rat gefragt. Sie hat verhindert, da� die Pequeninos sich selbst sch�tzen konnten. Doch ich bewahre ein Geheimnis, das vielleicht eine M�glichkeit darstellt, die Descolada intellektuell zu kastrieren, ihr die H�lfte ihres Lebens zu nehmen.�</p><p>�Um die Menschheit zu retten, ohne die Pequeninos zu vernichten.�</p><p>�Menschen und Pequeninos, die drauf und dran sind, einen Kompromi� zu schlie�en, wie sie eine hilflose dritte Spezies ausmerzen k�nnen!�</p><p>�Nicht gerade hilflos.�</p><p>Sie ignorierte ihn. �Genauso, wie Spanien und Portugal in den alten Zeiten direkt nach Kolumbus den Papst dazu brachten, die Welt zwischen Ihren katholischen Majest�ten aufzuteilen. Eine Linie auf der Landkarte, und da ist Brasilien, in dem Portugiesisch und kein Spanisch gesprochen wird. Was interessiert es schon, da� neun von zehn Indianern sterben mu�ten und die anderen jahrhundertlang ihre Rechte und Macht verloren, sogar ihre Sprachen��</p><p>Nun war es an Miro, ungeduldig zu werden. �Die Descolada ist nicht die Indianer.�</p><p>�Sie ist eine vernunftbegabte Spezies.�</p><p>�Das ist sie nicht�, sagte Miro.</p><p>�Ach? Wie kannst du dir da so sicher sein? Ich dachte, du h�ttest Xenologie studiert. Allerdings vor drei�ig Jahren, so da� dein Wissensstand hinterherhinkt.�</p><p>Miro antwortete nicht. Er wu�te genau, da� sie genau wu�te, wie hart er nach seiner R�ckkehr gearbeitet hatte, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Es war ein dummer Versuch gewesen, ihre Autorit�t auszuspielen. Er wartete darauf, da� sie sich wieder zu einer vern�nftigen Diskussion bereit zeigte.</p><p>�Na sch�n�, sagte sie. �Das war ein Tiefschlag. Aber es ist auch nicht fair, dich zu schicken, um Zugang zu meinen Unterlagen zu bekommen. Sie versuchen, an mein Mitleid zu appellieren.�</p><p>�Mitleid?� fragte Miro.</p><p>�Weil du ein� ein��</p><p>�Kr�ppel bist�, sagte Miro. Er hatte nicht daran gedacht, da� Mitleid alles komplizieren konnte. Aber was konnte er daran �ndern? Was immer er tat, er war und blieb ein Kr�ppel.</p><p>�Nun ja��</p><p>�Ela hat mich nicht geschickt�, sagte Miro.</p><p>�Dann Mutter.�</p><p>�Mutter auch nicht.�</p><p>�Oh, hast du dich freiwillig hierher begeben? Oder willst du mir sagen, da� die ganze Menschheit dich geschickt hat? Oder bist du der Gesandte eines abstrakten Wertes? �Der Anstand hat mich geschickt.��</p><p>�Wenn dem so w�re, h�tte er mich zur falschen Person geschickt.�</p><p>Sie prallte zur�ck, als habe er ihr eine Ohrfeige gegeben. �Ach, bin <emphasis>ich </emphasis>etwa die Unanst�ndige?�</p><p>�Andrew hat mich geschickt�, sagte Miro.</p><p>�Noch ein Manipulator.�</p><p>�Er w�re selbst gekommen.�</p><p>�Aber er ist so besch�ftigt, weil er sich �berall einmischen mu�. Nossa Senhora, er ist ein <emphasis>Prediger, </emphasis>der sich in wissenschaftliche Dinge einmischt, die so hoch �ber ihm stehen��</p><p>�Halt die Klappe�, sagte Miro.</p><p>Er sprach so nachdr�cklich, da� sie tats�chlich verstummte � wenngleich sie nicht gl�cklich dar�ber war.</p><p>�Du wei�t genau, was Andrew ist. Er hat die <emphasis>Schwarmk�nigin </emphasis>geschrieben��</p><p>�� und den <emphasis>Hegemon </emphasis>und <emphasis>Menschs Leben.</emphasis>�</p><p>�Sag mir nicht, er habe keine Ahnung.�</p><p>�Nein. Ich wei�, da� das nicht stimmt�, sagte Quara. �Ich bin nur so w�tend. Ich habe den Eindruck, da� alle gegen mich sind.�</p><p>�Gegen das, was du tust, ja�, sagte Miro.</p><p>�Warum sieht niemand die Dinge so, wie ich sie sehe?�</p><p>�Ich sehe sie so.�</p><p>�Wie kannst du dann��</p><p>�Aber ich sehe sie auch so, wie <emphasis>sie</emphasis> sie sehen.�</p><p>�Ach ja. Der Unparteiische. Du tust so, als w�rdest du mich verstehen. Die einf�hlsame Tour.�</p><p>�Pflanzer stirbt, damit wir Informationen bekommen, die du wahrscheinlich schon hast.�</p><p>�Stimmt nicht. Ich wei� nicht, ob die Intelligenz der Pequeninos vom Virus stammt oder nicht.�</p><p>�Einen gestutzten Virus k�nnten wir untersuchen, ohne da� er sterben mu�.�</p><p><emphasis>�Gestutzt � </emphasis>ist das jetzt das neue Wort? Es klingt besser als <emphasis>kastriert. </emphasis>Alle Gliedma�en abschneiden. Und auch den Kopf. Nur der K�rper bleibt noch �brig. Machtlos. Geistlos. Ein sinnlos schlagendes Herz.�</p><p>�Pflanzer ist��</p><p>�Pflanzer ist in die Vorstellung verliebt, ein M�rtyrer zu sein. Er will sterben.�</p><p>�Pflanzer bittet dich, ihn aufzusuchen und mit ihm zu sprechen.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Komm schon, Miro. Sie haben einen Kr�ppel zu mir geschickt. Sie wollen, da� ich mit einem sterbenden Pequenino spreche. Als w�rde ich eine ganze Spezies verraten, weil ein sterbender Freund � �berdies ein <emphasis>Freiwilliger � </emphasis>mich mit dem letzten Atemzug darum bittet.�</p><p>�Quara.�</p><p>�Ja, ich h�re dir zu.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Disse que sim!� schnappte sie. Ich habe es doch gesagt.</p><p>�Du k�nntest vielleicht recht haben.�</p><p>�Wie freundlich von dir.�</p><p>�Aber sie vielleicht auch.�</p><p>�Wie unparteiisch du wieder bist.�</p><p>�Du sagst, sie h�tten einen Fehler begangen, indem sie eine Entscheidung trafen, die die Pequeninos t�ten k�nnte, ohne sich mit ihnen zu beratschlagen. Machst du��</p><p>�� nicht dasselbe? Was sollte ich deiner Meinung nach denn tun? Meinen Standpunkt ver�ffentlichen und eine Umfrage durchf�hren? Ein paar tausend Menschen, Millionen von Pequeninos auf deiner Seite � aber es gibt Billiarden Descolada-Viren. Mehrheitsbeschlu�. Fall abgeschlossen.�</p><p>�Die Descolada ist nicht vernunftbegabt.�</p><p>�Zu deiner Information�, sagte Quara. �Ich wei� alles �ber diesen neuesten Schachzug. Ela hat mir die Abschriften geschickt. Irgendein chinesisches M�dchen auf einem Kolonialplaneten, das von Xenobiologie nicht die geringste Ahnung hat, kommt mit einer wilden Hypothese hervor, und <emphasis>ihr </emphasis>benehmt euch so, als sei alles schon bewiesen.�</p><p>�Dann beweise das Gegenteil.�</p><p>�Das kann ich nicht. Ich habe keinen Zutritt zum Labor mehr. <emphasis>Ihr </emphasis>m��t beweisen, da� es stimmt.�</p><p>�Occams Skalpell beweist, da� es stimmt. Die einfachste Erkl�rung, die zu allen Tatsachen pa�t.�</p><p>�Occam war ein Schei�er aus dem Mittelalter. Die einfachste Erkl�rung, die zu allen Tatsachen pa�t, lautet immer: Gott hat es getan. Oder auch � die alte Frau am Ende der Stra�e ist eine Hexe. <emphasis>Sie </emphasis>hat es getan. Mehr ist diese Hypothese auch nicht � nur, da� ihr noch nicht einmal wi�t, wo die Hexe ist.�</p><p>�Die Descolada trat zu pl�tzlich auf.�</p><p>�Ich wei�, sie hat sich nicht entwickelt. Sie ist nicht aus der Evolution hervorgegangen, mu� von irgendwo her kommen. Na sch�n. Selbst wenn sie k�nstlich ist, hei�t das nicht, da� sie jetzt nicht vernunftbegabt ist.�</p><p>�Sie versucht, uns zu t�ten. Sie ist varelse, nicht ram�nnisch.�</p><p>�Ach ja, Valentines Hierarchie. Aber woher soll ich wissen, da� die Descolada die Varelse ist und wir die Ram�nner sind? Soweit ich es sagen kann, ist Intelligenz einfach nur Intelligenz. Varelse ist nur ein Begriff, den Valentine erfunden hat. Er soll bedeuten: Intelligenz, die wir t�ten wollen. Und Ramann hei�t: Intelligenz, bei der wir uns noch nicht entschlossen haben, sie zu t�ten.�</p><p>�Die Descolada ist gef�hlloser Feind, der keiner Vernunft zug�nglich ist.�</p><p>�Gibt es einen anderen?�</p><p>�Die Descolada hat keinen Respekt f�r irgendwelches Leben. Sie will uns t�ten. Sie beherrscht bereits die Pequeninos. Alles nur, damit sie diesen Planeten regulieren und sich auf andere Welten ausbreiten kann.�</p><p>Endlich einmal hatte sie ihn eine lange Erkl�rung beenden lassen. Bedeutete das, da� sie ihm tats�chlich zuh�rte?</p><p>�Ich gestehe ein, da� ein Teil von Wang-mus Hypothese richtig ist�, sagte Quara. �Es ergibt Sinn, da� die Descolada die Gaialogie Lusitanias reguliert. Nun, wo ich dar�ber nachdenke, ist es sogar offensichtlich. Es erkl�rt die meisten Gespr�che, die ich beobachtet habe � die Informationsweitergabe von einem Virus zum anderen. Es d�rfte wohl nur ein paar Monate dauern, bis jeder Virus auf dem Planeten die Nachricht bekommen hat � es w�rde funktionieren. Aber da� die Descolada die Gaialogie beherrscht, hei�t noch lange nicht, da� sie nicht vernunftbegabt ist. Es k�nnte sogar genau andersherum sein � indem die Descolada die Verantwortung zur Regulierung der Gaialogie einer ganzen Welt auf sich nimmt, zeigt sie Selbstlosigkeit. Und sie hat eine Besch�tzerrolle inne. Wenn wir sehen, wie eine L�win einen Eindringling angreift, um ihre Jungen zu sch�tzen, bewundern wir sie. Und genau das macht auch die Descolada � sie greift die Menschen an, um ihrer Verantwortung nachzukommen. Ein lebender Planet.�</p><p>�Eine L�win, die ihre Jungen sch�tzt.�</p><p>�Davon gehe ich aus.�</p><p>�Oder ein tollw�tiger Hund, der <emphasis>unsere </emphasis>Kinder anf�llt.�</p><p>Quara schwieg, dachte einen Augenblick lang nach. �Oder beides. Warum kann nicht beides m�glich sein? Die Descolada versucht, einen Planeten zu regulieren. Aber die Menschen werden immer gef�hrlicher. F�r sie sind <emphasis>wir </emphasis>der tollw�tige Hund. Wir entwurzeln die Pflanzen, die Teil ihres Kontrollprogramms sind, und pflanzen unsere eigenen, auf die sie keinen Einflu� nehmen kann. Wir bringen einige Pequeninos dazu, sich seltsam zu benehmen und ihr nicht mehr zu gehorchen. Zu einer Zeit, da sie versucht, mehr W�lder aufzubauen, brennen wir einen nieder. Nat�rlich will sie uns loswerden!�</p><p>�Also hat sie vor, uns zu vernichten.�</p><p>�Wir k�nnen ihr den Versuch nicht �belnehmen! Wann wirst du einsehen, da� die Descolada gewisse <emphasis>Rechte </emphasis>hat?�</p><p>�Und wir haben keine? Und die Pequeninos?�</p><p>Erneut hielt sie inne. Kein sofortiges Gegenargument. Es gab ihm die Hoffnung, da� sie ihm tats�chlich zuh�rte.</p><p>�Wei�t du was, Miro?�</p><p>�Was?�</p><p>�Sie haben recht daran getan, dich zu schicken.�</p><p>�Ach ja?�</p><p>�Weil du keiner von <emphasis>ihnen </emphasis>bist.�</p><p><emphasis>Das </emphasis>stimmt allerdings, dachte Miro. Ich werde nie wieder �einer von� irgend etwas sein.</p><p>�Vielleicht k�nnen wir nicht mit der Descolada sprechen. Und vielleicht ist sie wirklich nur ein Artefakt. Ein biologischer Roboter, der sein Programm ausf�hrt. Aber vielleicht auch nicht. Und sie verhindern, da� ich es herausfinde.�</p><p>�Und wenn sie dir wieder Zutritt zum Labor gestatten?�</p><p>�Das werden sie nicht�, sagte Quara. �Wenn du das glaubst, kennst du Ela und Mutter nicht. Sie sind zum Schlu� gekommen, da� sie mir nicht vertrauen k�nnen, und damit ist die Sache erledigt. Nun ja, andererseits bin <emphasis>ich </emphasis>auch zum Schlu� gekommen, <emphasis>ihnen </emphasis>nicht vertrauen zu k�nnen.�</p><p>�Also stirbt eine ganze Spezies wegen dieses dummen Familienstolzes.�</p><p>�Meinst du, das w�re alles, Miro? Stolz? Meinst du, ich w�rde nur wegen einer l�cherlichen Familienzwistigkeit durchhalten?�</p><p>�Unsere Familie hat sehr viel Stolz.�</p><p>�Gleichg�ltig, was du glaubst, ich halte durch, weil mein Gewissen es mir vorschreibt, ganz egal, ob du es Stolz oder Sturheit oder sonstwie nennst.�</p><p>�Ich glaube dir�, sagte Miro.</p><p>�Aber glaube ich <emphasis>dir, </emphasis>wenn du sagst, da� du mir glaubst? Wir stecken in einer furchtbaren Klemme.� Sie wandte sich wieder ihrem Terminal zu. �Geh jetzt, Miro. Ich habe dir gesagt, da� ich dar�ber nachdenken werde.�</p><p>�Sprich mit Pflanzer.�</p><p>�Auch dar�ber werde ich nachdenken.� Ihre Finger schwebten �ber der Tastatur. �Du wei�t, da� er mein Freund ist. Ich bin nicht unmenschlich. Ich werde ihn aufsuchen. Du kannst dich darauf verlassen.�</p><p>�Gut.� Er ging zur T�r.</p><p>�Miro�, sagte sie.</p><p>Er drehte sich um und wartete.</p><p>�Danke daf�r, da� du mir nicht angedroht hast, euer Computerprogramm w�rde meine Speicher �ffnen, wenn ich es nicht selbst tue.�</p><p>�Das war doch klar�, sagte er.</p><p>�Wei�t du, Andrew h�tte damit gedroht. Alle halten ihn f�r einen Heiligen, aber er bedr�ngt st�ndig Leute, die nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen.�</p><p>�Er droht nicht.�</p><p>�Ich habe es schon selbst gesehen.�</p><p>�Er warnt.�</p><p>�Oh. Entschuldigung. Ist das etwas anderes?�</p><p>�Ja�, sagte Miro.</p><p>�Der einzige Unterschied zwischen einer Warnung und einer Drohung ist, ob man die Person ist, die sie gibt, oder die, die sie bekommt�, sagte Quara.</p><p>�Nein�, sagte Quara. �Der Unterschied besteht darin, wie die Person es meint.�</p><p>�Geh�, sagte sie. �W�hrend ich dar�ber nachdenke, mu� ich arbeiten. Also geh.�</p><p>Er �ffnete die T�r.</p><p>�Trotzdem vielen Dank�, sagte sie.</p><p>Er schlo� die T�r hinter sich.</p><p>Er hatte Quaras Wohnung kaum verlassen, als sich Jane auch schon in seinem Ohr meldete. �Wie ich sehe, hast du ihr nicht gesagt, da� ich schon l�ngst in ihre Speicher eingebrochen bin.�</p><p>�Nun ja�, sagte Miro. �Ich kam mir wie ein scheinheiliger Heuchler vor, als sie mir dankte, ihr nicht etwas anzudrohen, was ich schon l�ngst getan hatte.�</p><p>�Was <emphasis>ich </emphasis>getan habe.�</p><p>�Was <emphasis>wir </emphasis>getan haben. Du und ich und Ender. Eine verstohlene Gruppe.�</p><p>�Wird sie wirklich dar�ber nachdenken?�</p><p>�Vielleicht�, sagte Miro. �Oder sie hat schon dar�ber nachgedacht, ist zum Schlu� gelangt, mit uns zusammenarbeiten zu wollen, und hat nur noch nach einer Entschuldigung gesucht. Oder sie hat den Schlu� gefa�t, niemals mit uns zusammenarbeiten, und hat diese netten Worte beim Abschied nur gesagt, weil ich ihr leid tue.�</p><p>�Was wird sie deiner Meinung nach tun?�</p><p>�Ich wei� nicht, was sie tun wird�, sagte Miro. �Ich wei� nur, was ich <emphasis>tun </emphasis>werde. Ich werde mich jedesmal sch�men, wenn ich daran denke, da� ich sie glauben machte, ich w�rde ihre Privatsph�re respektieren, wo wir doch schon ihre Computerspeicher ausgepl�ndert haben. Manchmal halte ich mich nicht f�r einen sehr guten Menschen.�</p><p>�Wie dir sicher aufgefallen ist, hat sie dir nicht gesagt, da� sie alle wichtigen Ergebnisse au�erhalb des Computers versteckt hat, so da� die einzigen Speicher, die ich erreichen kann, nur wertlosen Schrott enthalten. Sie war auch nicht gerade offen zu dir.�</p><p>�Ja, aber sie ist eine Fanatikerin ohne Gef�hl f�r Verh�ltnism��igkeit.�</p><p>�Das erkl�rt alles.�</p><p>�Einige Wesensz�ge treten eben bei allen Familienmitgliedern auf�, sagte Miro.</p><empty-line/><p>Diesmal war die Schwarmk�nigin allein. Sie wirkte ersch�pft � von der Paarung? Der Produktion der Eier? Doch anscheinend verbrachte sie ihre gesamte Zeit damit. Sie schien keine Wahl zu haben. Nun, da Arbeiter die Grenzen der menschlichen Kolonie bewachen mu�ten, schien sie mehr produzieren zu m�ssen, als sie geplant hatte. Ihre Nachkommen bedurften keiner Ausbildung � sie traten schnell ins Erwachsenenalter und hatten alle Kenntnisse, die auch alle anderen Erwachsenen hatten. Doch das Eierlegen, Ausschl�pfen und Einspinnen in Kokons beanspruchte Zeit. Wochen f�r jeden Erwachsenen. Verglichen mit einem Menschen produzierte sie eine schier unersch�pfliche Anzahl von Jungen. Doch verglichen mit der Stadt Milagre, in der es �ber tausend Frauen im geb�rf�higen Alter gab, verf�gte die Krabblerkolonie nur �ber eine geb�rf�hige Frau.</p><p>Es hatte Ender immer gest�rt, ihn unbehaglich gemacht, da� es nur <emphasis>eine </emphasis>K�nigin gab. Was, wenn ihr etwas zustie�? Andererseits jedoch f�hlte sich die Schwarmk�nigin bei dem Gedanken unbehaglich, da� Menschen kaum eine Handvoll Kinder bekamen. Aber wenn <emphasis>ihnen </emphasis>etwas zustie�? Beide Spezies praktizierten eine Kombination aus Pflege und �berflu�, um ihre genetische Herkunft zu sch�tzen. Die Menschen hatten einen �berflu� an Eltern und pflegten dann den wenigen Nachwuchs. Die Schwarmk�nigin hatte einen �berflu� an Nachwuchs, der dann die Eltern pflegte. Jede Spezies hatte ihre eigene, ausgeglichene Strategie gefunden.</p><p>�Warum bel�stigst du uns damit?�</p><p>�Weil wir in einer Sackgasse stecken. Weil alle anderen es auch versuchen und f�r dich genausoviel auf dem Spiel steht wie f�r uns.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Die Descolada bedroht dich genau wie uns. Eines Tages wirst du sie wahrscheinlich nicht mehr kontrollieren k�nnen, und dann bist du verloren.�</p><p>�Aber du willst mir keine Fragen �ber die Descolada stellen?�</p><p>�Nein.� Es ging um das Problem der �berlichtschnellen Reise. Grego hatte sich das Gehirn zermartert. Im Gef�ngnis konnte er sowieso an nichts anderes denken. Als Ender das letzte Mal mit ihm gesprochen hatte, hatte er geweint � vor Ersch�pfung wie auch vor Entt�uschung. Er hatte Papierbahnen auf dem gesamten Boden des Sicherheitsraums, der als Gef�ngniszelle benutzt wurde, ausgebreitet und mit Gleichungen vollgeschrieben. �<emphasis>M�chtest </emphasis>du den �berlichtflug nicht haben?�</p><p>�Es w�re sehr nett.�</p><p>Die Zur�ckhaltung ihrer Antwort tat fast weh, so sehr entt�uschte sie ihn. So sieht also Verzweiflung aus, dachte er. Quara mauert, wenn es um die Natur der Descolada-Intelligenz geht. Pflanzer stirbt am Descolada-Entzug. Han Fei-tzu und Wang-mu bem�hen sich, Jahre des h�heren Studiums mehrerer Fachgebiete auf einmal nachzuholen. Grego ist ausgebrannt. Und es liegen keine Ergebnisse vor.</p><p>Sie mu�te seinen Schmerz so deutlich geh�rt haben, als h�tte er ihn hinausgeschrien.</p><p>�Nicht.�</p><p>�Nicht.�</p><p>�Du hast es getan�, sagte er. �Es mu� also m�glich sein.�</p><p>�Wir sind nie schneller als das Licht gereist.�</p><p>�Du hast etwas �ber Lichtjahre hinweg getan. Du hast <emphasis>mich </emphasis>gefunden.�</p><p>�Du hast <emphasis>uns </emphasis>gefunden, Ender.�</p><p>�Nein�, sagte er. �Ich wu�te nicht einmal, da� wir geistigen Kontakt miteinander hatten, bis ich die Nachricht fand, die du f�r mich hinterlassen hast.� Es war der befremdlichste Augenblick in seinem Leben gewesen, als er auf einer fremden Welt gestanden und ein Modell, eine Replikation der Landschaft gesehen hatte, die es nur an einem einzigen anderen Ort gab � in dem Computer, auf dem er seine pers�nliche Version des Fantasyspiels gespielt hatte. Es war, als k�me ein v�llig Fremder auf einen zu und erz�hlte einem den Traum, den man letzte Nacht gehabt hatte. Sie waren in seinem Kopf gewesen. Es machte ihm Angst, erregte ihn aber auch. Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er den Eindruck, <emphasis>gekannt </emphasis>zu werden. Nicht, da� man <emphasis>von </emphasis>ihm wu�te � er war bei der gesamten Menschheit bekannt, und in jenen Tagen war sein Ruhm gro� gewesen, er galt als gr��ter Held aller Zeiten. Andere Menschen hatten von ihm <emphasis>geh�rt. </emphasis>Doch bei diesem Krabbler-Artefakt fand er zum ersten Mal heraus, da� man ihn <emphasis>kannte.</emphasis></p><p>�Denke nach, Ender. Ja, wir haben nach unserem Feind gegriffen, doch wir suchten nicht nach dir. Wir suchten nach jemandem, der so war wie wir. Nach einem Netzwerk verbundener Geistesinhalte, mit einem Zentralverstand, der es kontrolliert. Wir finden uns einander, ohne uns anstrengen zu m�ssen, weil wir das Muster erkennen. Eine Schwester zu finden ist genauso, als w�rde man sich selbst finden.�</p><p>�Wie hast du <emphasis>mich </emphasis>dann gefunden?�</p><p>��ber das <emphasis>Wie </emphasis>dachten wir nie nach. Wir haben es einfach getan. Fanden eine helle, hei�e Quelle. Ein Netzwerk, aber ein sehr seltsames, mit sich ver�ndernden Mitgliedern. Und im Mittelpunkt davon nicht etwas wie uns, sondern einfach ein weiterer� Gew�hnlicher. Dich. Aber mit solch einer Intensit�t. Innerlich auf dein Computerspiel konzentriert. Und �u�erlich in erster Linie auf uns. Du hast nach uns gesucht.�</p><p>�Ich habe nicht nach dir gesucht, ich habe dich studiert.� Er hatte sich jedes Video angesehen, das die Kampfschule zur Verf�gung stellen konnte, hatte zu verstehen versucht, wie der Verstand der Krabbler funktioniert. �Ich habe mir dich<emphasis> vorgestellt.�</emphasis></p><p>�Das sagen wir ja. Nach uns gesucht. Uns vorgestellt. So suchen wir einander. So hast du uns gerufen.�</p><p>�Und das war alles?�</p><p>�Nein, nein. Du warst so seltsam. Wir wu�ten nicht, was du warst. Wir konnten nichts in dir lesen. Unsere Sicht war so begrenzt. Deine Vorstellungen wechselten so rapide, und du dachtest immer nur an eine Sache gleichzeitig. Und das Netzwerk um dich herum ver�nderte sich so stark. Die Verbindung eines jeden seiner Mitglieder mit dir ver�nderte sich, lie� mit der Zeit nach, manchmal sogar sehr schnell��</p><p>Er hatte Schwierigkeiten, ihren Worten Sinn zu entnehmen. Mit was f�r einem Netzwerk war er verbunden?</p><p>�Die anderen Soldaten. Dein Computer.�</p><p>�Ich war nicht mit ihnen <emphasis>verbunden. </emphasis>Es waren meine Soldaten, mehr nicht.�</p><p>�Was glaubst du, wie <emphasis>wir </emphasis>miteinander verbunden sind? Siehst du irgendwelche Kabel?�</p><p>�Aber Menschen sind im Gegensatz zu deinen Arbeitern Individuen.�</p><p>�Viele K�niginnen, viele Arbeiter, die sich immer wieder verwandeln. Sehr verwirrend. Schreckliche Zeiten des Kampfes. Was w�re, wenn diese Ungeheuer unser Kolonieschiff ausgemerzt h�tten? Was f�r ein Gesch�pf? Du warst so seltsam, da� wir dich uns nicht vorstellen konnten. Wir konnten nur f�hlen, wenn du nach <emphasis>uns </emphasis>suchtest.�</p><p>Ganz und gar nicht hilfreich. Es hatte nichts mit dem �berlichtflug zu tun, klang wie Hokuspokus, gar nicht nach Wissenschaft. Grego w�rde es nicht mathematisch ausdr�cken k�nnen.</p><p>�Ja, das stimmt. Wir gehen dieses Problem nicht wissenschaftlich an. Nicht technologisch. Keine Zahlen oder gar Gedanken. Wir stellten fest, da� du gern eine neue K�nigin hervorbringen w�rdest. Einen neuen Schwarm beginnen w�rdest.�</p><p>Ender verstand nicht, wie die Errichtung einer Verk�rzerverbindung mit seinem Hirn eine neue K�nigin schl�pfen lassen konnte. �Erz�hle es mir.�</p><p>�Wir denken nicht dar�ber nach. Wir <emphasis>tun </emphasis>es einfach.�</p><p>�Aber <emphasis>was </emphasis>tut ihr, wenn ihr es tut?�</p><p>�Was wir immer tun.�</p><p>�Und was tut ihr immer?�</p><p>�Wie f�llst du deinen Penis mit Blut, um dich zu paaren, Ender? Wie bringst du deine Bauchspeicheldr�se dazu, Enzyme auszusch�tten? Wie gleitest du in die Pubert�t? Wie konzentrierst du deinen Blick?�</p><p>�Dann <emphasis>erinnere </emphasis>dich daran, was du tust, und zeige es mir.�</p><p>�Du vergi�t, da� es dir nicht gef�llt, wenn wir dir etwas durch unsere Augen zeigen.�</p><p>Das stimmte. Sie hatte es nur ein paar Mal versucht, als er sehr jung war und gerade ihren Kokon entdeckt hatte. Er kam einfach nicht damit zurecht, konnte der Sache keinen Sinn entnehmen. Blitze, ein paar Blicke waren klar, aber es war so verwirrend, da� er in Panik geraten und wahrscheinlich ohnm�chtig werden w�rde, obwohl er allein war und, klinisch gesehen, nicht sicher sein konnte, was geschehen war.</p><p>�Wenn du es mir nicht sagen kannst, m�ssen wir etwas <emphasis>tun.�</emphasis></p><p>�Bist du wie Pflanzer? Willst du sterben?�</p><p>�Nein. Ich sage dir, wann du aufh�ren sollst. Es hat mich zuvor auch nicht umgebracht.�</p><p>�Wir werden es versuchen � etwas abgemildert. Wir werden uns erinnern und dir sagen, was geschieht. Dir Teile zeigen. Dich sch�tzen. Sicherheit.�</p><p>�Ja, versuche es.�</p><p>Sie lie� ihm nicht die Zeit, es sich anders zu �berlegen oder vorzubereiten. Pl�tzlich hatte er den Eindruck, mit zusammengesetzten Augen zu sehen, nicht viele Linsen mit demselben Bild, sondern jede mit ihrem eigenen. Es erzeugte dasselbe Gef�hl von Schwindel in ihm wie vor so vielen Jahren zuvor. Doch diesmal verstand er es etwas besser � zum Teil, weil sie die Eindr�cke nicht ganz so intensiv wie zuvor machte, und zum Teil, weil er nun etwas �ber die Schwarmk�nigin wu�te und dar�ber, was sie mit ihm machte.</p><p>Die vielen verschiedenen Bilder zeigten, was immer ein Arbeiter sah, als sei jedes einzelne Auge mit demselben Gehirn verbunden. Es bestand nicht die geringste Hoffnung, da� Ender so vielen Bildern gleichzeitig Sinn entnehmen konnte.</p><p>�Wir werden dir das zeigen, worauf es ankommt.�</p><p>Die meisten Bilder fielen augenblicklich weg. Dann wurden die �briggebliebenen eins nach dem anderen aussortiert. Er vermutete, da� sie f�r die Arbeiter irgendein Organisationsprinzip hatte. Sie konnte die vernachl�ssigen, die nicht damit besch�ftigt waren, neue K�niginnen hervorzubringen. Danach mu�te sie, um Enders willen, auch die aussortieren, die damit besch�ftigt waren, und das fiel ihr schwerer, da sie normalerweise die Ansichten aufgrund der jeweiligen Aufgabe und nicht nach den einzelnen Arbeitern sortierte. Endlich war sie jedoch imstande, ihm ein einziges Bild zu zeigen, und er konnte sich darauf konzentrieren, indem er das Flackern und Aufblitzen am Rand des Sichtfeldes einfach ignorierte.</p><p>Eine K�nigin schl�pfte aus. Sie hatte ihm das schon einmal gezeigt, in einer sorgf�ltig geplanten Vision, als er ihr das erste Mal begegnet war und sie versuchte, ihm etwas zu erkl�ren. Nun jedoch handelte es sich nicht um eine geordnete, sorgf�ltig orchestrierte Pr�sentation. Die Klarheit war verschwunden. Das Bild wirkte verschwommen, verzerrt, echt. Es war eine Erinnerung, keine Kunst.</p><p>�Du siehst, da� wir den K�nigink�rper haben. Wir wissen, da� sie eine K�nigin ist, weil sie schon als Larve nach den Arbeitern greift.�</p><p>�Also kannst du mit ihr sprechen?�</p><p>�Sie ist sehr dumm. Wie ein Arbeiter.�</p><p>�Sie entwickelt ihre Intelligenz erst, wenn sie sich im Kokon befindet?�</p><p>�Nein. Sie <emphasis>hat </emphasis>ihre Intelligenz � wie dein Gehirn. Das Erinnerungsdenken. Es ist nur leer.�</p><p>�Also mu�t du sie lehren.�</p><p>�Was h�tte es f�r einen Zweck, sie zu unterweisen? Der Denker ist nicht da. Das Wesentliche. Der Verkn�pfer.�</p><p>�Ich wei� nicht, was du meinst.�</p><p>�Dann schaue und versuche zu sehen und zu denken. Das wird nicht mit den Augen gemacht.�</p><p>�Dann h�re auf, mir etwas zu zeigen, wenn es von anderen Sinnen abh�ngt. Die Augen sind f�r die Menschen zu wichtig; was ich sehe, �berlagert alles bis auf klare Sprachen, und bei der Schaffung einer K�nigin wird wohl nicht gesprochen.�</p><p>�Wie ist es <emphasis>damit?</emphasis>�</p><p>�Ich sehe noch immer etwas.�</p><p>�Dein Gehirn verwandelt es in Bilder.�</p><p>�Dann erkl�re es. Hilf mir, es zu verstehen.�</p><p>�So f�hlen wir einander. Wir finden den ausgreifenden Ort im K�nigink�rper. Alle Arbeiter haben es auch, doch es greift nur nach der K�nigin, und wenn es sie findet, ist das Greifen vorbei. Die K�nigin h�rt niemals auf zu greifen. Zu rufen.�</p><p>�Und dann findest du sie?�</p><p>�Wir <emphasis>wissen, </emphasis>wo sie ist. Der K�nigink�rper. Der Arbeiterrufer. Der Erinnerungshalter.�</p><p>�Wonach sucht ihr dann?�</p><p>�Nach dem Uns-Ding. Dem Verbinder. Dem Bedeutungs-Macher.�</p><p>�Du meinst, da ist noch etwas? Au�er dem K�rper der K�nigin?�</p><p>�Ja, nat�rlich. Die K�nigin ist nicht nur ein K�rper wie die Arbeiter. Hast du das nicht gewu�t?�</p><p>�Nein, ich habe es nie gesehen.�</p><p>�Du kannst es nicht <emphasis>sehen. </emphasis>Nicht mit Augen.�</p><p>�Ich habe nicht gewu�t, da� ich nach etwas anderem suchen mu�. Ich sah, wie eine K�nigin entsteht, als du es mir vor vielen Jahren gezeigt hast. Ich dachte, ich h�tte es verstanden.�</p><p>�Auch wir dachten, du h�ttest verstanden.�</p><p>�Wenn die K�nigin also nur ein K�rper ist, wer bist du dann?�</p><p>�Wir sind die Schwarmk�nigin. Und alle Arbeiter. Wir kommen und machen eine Person aus allem. Der K�nigink�rper gehorcht uns wie die Arbeiterk�rper. Wir halten sie alle zusammen, sch�tzen sie, lassen sie perfekt arbeiten, wie jeder gebraucht wird. Wir sind der Mittelpunkt. Jeder von uns.�</p><p>�Aber du hast immer <emphasis>gesprochen, </emphasis>als <emphasis>w�rest </emphasis>du die Schwarmk�nigin.�</p><p>�Wir sind es auch. Auch alle Arbeiter. Wir sind alle zusammen.�</p><p>�Aber dieses Ding im Mittelpunkt, das alles verbindet��</p><p>�Wir rufen es, damit es kommt und den K�nigink�rper �bernimmt, damit sie klug sein kann, unsere Schwester.�</p><p>�Du <emphasis>ru�t </emphasis>es. Was ist es?�</p><p>�Das Ding, das wir rufen.�</p><p>�Ja, aber was <emphasis>ist </emphasis>es?�</p><p>�Was fragst du? Es ist das Ding, das gerufen wird. Wir rufen es.�</p><p>Ein Gro�teil von dem, was die Schwarmk�nigin tat, geschah rein instinktiv. Sie hatte keine Sprache und daher nie klare Erkl�rungen f�r etwas entwickeln m�ssen, das bis heute nie erkl�rt zu werden brauchte. Also mu�te er ihr helfen, eine M�glichkeit zu finden, klar zu beschreiben, was er nicht direkt wahrnehmen konnte.</p><p>�Wo findet ihr es?�</p><p>�Es h�rt unsere Rufe und kommt.�</p><p>�Doch wie rufst du?�</p><p>�Wie du uns gerufen hast. Wir stellen uns vor, was es werden mu�. Die Muster des Schwarms. Die K�nigin und die Arbeiter und das Zusammenbinden. Dann kommt jemand, der das Muster versteht und halten kann. Wir geben ihm den K�nigink�rper.�</p><p>�Also ruft ihr, damit ein anderes Gesch�pft kommt und Besitz von der K�nigin ergreift.�</p><p>�Damit es K�nigin und Schwarm und alles <emphasis>wird. </emphasis>Damit es das Muster zusammenh�lt, das wir uns vorgestellt haben.�</p><p>�Und woher kommt es?�</p><p>�Von dem Ort, an dem es war, als es uns rufen h�rte.�</p><p>�Aber wo ist das?�</p><p>�Nicht hier.�</p><p>�Sch�n, ich glaube dir. Aber woher kommt es?�</p><p>�Ich kann mir den Ort nicht denken.�</p><p>�Du hast es vergessen?�</p><p>�Wir meinen, da� wir uns den Ort, wo es ist, nicht denken k�nnen. Wenn wir uns den Ort denken k�nnten, h�tten sie schon selbst daran gedacht, und keiner von ihnen m��te das Muster nehmen, das wir zeigen.�</p><p>�Was hat es mit diesem Verbinden auf sich?�</p><p>�K�nnen es nicht sehen. K�nnen es nicht kennen, bis es das Muster findet, und dann, wenn es da ist, ist es wie <emphasis>wir.�</emphasis></p><p>Ender erschauderte unwillk�rlich. Die ganze Zeit �ber hatte er geglaubt, da� er mit der Schwarmk�nigin selbst sprach. Nun begriff er, da� das Ding, das mit seinem Geist sprach, nur diesen K�rper benutzte, wie es die Krabbler benutzte. Symbiose. Ein beherrschender Parasit, der Besitz vom gesamten System der Schwarmk�nigin ergriffen hatte und es benutzte.</p><p>�Nein. Was du denkst, ist schrecklich und h��lich. Wir sind kein anderes Ding. Wir sind <emphasis>dieses </emphasis>Ding. Wir <emphasis>sind </emphasis>die Schwarmk�nigin, genau wie du der K�rper bist. Du sagst <emphasis>mein K�rper, </emphasis>und doch bist du der K�rper, aber du bist auch der Besitzer des K�rpers. Die Schwarmk�nigin ist wir selbst, dieser K�rper bin ich, nicht etwas anderes darin. Ich war nichts, bis ich die Vorstellung fand.�</p><p>�Das verstehe ich nicht. Wie war es?�</p><p>�Wie kann ich mich daran erinnern? Ich hatte kein Ged�chtnis, bis ich der Vorstellung folgte und an diesen Ort kam und die Schwarmk�nigin wurde.�</p><p>�Woher wei�t du dann, da� du nicht einfach die Schwarmk�nigin bist?�</p><p>�Weil sie mir die Erinnerungen gegeben haben, nachdem ich kam. Ich sah den K�nigink�rper, bevor ich kam, und dann sah ich den K�nigink�rper, nachdem ich darin war. Ich war stark genug, um das Muster in meinem Geist zu halten, und so konnte ich den K�rper in Besitz nehmen. Ihn <emphasis>werden. </emphasis>Es dauerte viele Tage, doch dann waren wir ein Ganzes, und sie konnten uns die Erinnerungen geben, weil ich das ganze Ged�chtnis hatte.�</p><p>Das Bild, das die Schwarmk�nigin ihm zeigte, verblich. Es half ihm sowieso nicht, zumindest nicht auf eine Art und Weise, die er erfassen konnte. Trotzdem bekam Ender jetzt eine geistige Vorstellung, die aus seinem eigenen Geist wuchs, um alles zu erkl�ren, was sie gesagt hatte. Die anderen Schwarmk�niginnen waren zumeist nicht k�rperlich gegenw�rtig, sondern philotisch mit der einen K�nigin verbunden, die existieren <emphasis>mu�te. </emphasis>Sie hielten das Muster der Beziehung zwischen Schwarmk�nigin und Arbeitern in ihrem Geist, bis eins dieser geheimnisvollen, ged�chtnislosen Gesch�pfe das Muster in seinen Geist aufnehmen und damit Besitz davon ergreifen konnte.</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber woher kommen diese Gesch�pfe? Wohin m��t ihr gehen, um sie zu holen?�</p><p>�Wir gehen nirgendwo hin. Wir rufen, und sie sind da.�</p><p>�Also sind sie <emphasis>�berall?�</emphasis></p><p>�Sie sind �berhaupt nicht <emphasis>hier. </emphasis>Nirgendwo. Sie sind anderswo.�</p><p>�Aber du hast gesagt, du m��test nirgendwo hingehen, um sie zu holen.�</p><p>�T�rschwellen. Wir wissen nicht, wo sie sind, aber �berall ist eine T�r.�</p><p>�Wie sehen diese Schwellen aus?�</p><p>�Dein Gehirn hat das Wort gemacht, das du gesagt hast. T�rschwelle. T�rschwelle.�</p><p>Nun begriff er, das <emphasis>Schwelle </emphasis>das Wort war, das sein Gehirn hervorgebracht hatte, um das Konzept zu bezeichnen, das sie ihm eingegeben hatte. Und pl�tzlich fand er eine Erkl�rung, die Sinn ergab.</p><p>�Sie sind nicht in demselben Raum-Zeit-Kontinuum wie wir. Aber sie k�nnen das unsrige an jeder Stelle betreten.�</p><p>�F�r sie sind alle Stellen dieselbe Stelle. Jeder Ort ist derselbe Ort. Sie finden immer nur einen Ort im Muster.�</p><p>�Aber das ist unglaublich. Ihr ruft irgendein Wesen von einem anderen Ort her, und��</p><p>�Das Herrufen ist nichts. Alle Dinge tun es. Alle neuen Sch�pfungen. Du tust es. Jedes Menschenkind hat diese F�higkeit. Die Pequeninos auch. Gras und Sonnenlicht. Die Sch�pfung ruft sie, und sie kommen zum Muster. Wenn sie schon jemand sind, der das Muster versteht, dann kommen sie und nehmen Besitz davon. Kleine Muster sind sehr einfach. Unser Muster ist sehr schwer. Nur ein paar Kluge k�nnen es besitzen.�</p><p>�Philoten�, sagte Ender. �Die Dinge, aus denen alle anderen Dinge bestehen.�</p><p>�Das Wort, das du sagst, hat nicht die Bedeutung dessen, was wir meinen.�</p><p>�Weil ich gerade erst den Zusammenhang hergestellt habe. Wir haben nie gemeint, was du beschrieben hast, doch das Ding, das wir meinen, <emphasis>k�nnte </emphasis>dasjenige sein, was du beschrieben hast.�</p><p>�Sehr unklar.�</p><p>�Willkommen im Klub.�</p><p>�Sehr willkommen Gel�chter gl�cklich.�</p><p>�Wenn du also eine Schwarmk�nigin machst, hast du bereits den biologischen K�rper, und dieses neue Ding �. dieses Philot, das du aus dem Nicht-Ort rufst, an dem sich die Philoten befinden �, es mu� eins sein, das imstande ist, das komplexe Muster zu begreifen, das du dir im Geist von einer Schwarmk�nigin gemacht hast. Und wenn ein Philot kommt, das das kann, �bernimmt es diese Identit�t und den K�rper und wird das Selbst dieses K�rpers��</p><p>�Aller K�rper.�</p><p>�Aber es gibt noch keine Arbeiter, wenn die Schwarmk�nigin zuerst geschaffen wird.�</p><p>�Es wird das Selbst der zuk�nftigen Arbeiter.�</p><p>�Wir sprechen von einem �bergang aus einer anderen Art von Raum. Einem Ort, an dem sich bereits Philoten befinden.�</p><p>�Alles in demselben Nicht-Raum. Keine R�umlichkeit in diesem Raum. Keine Orte. Alle hungrig nach Orten. Alle durstig nach Mustern. Alle einsam nach Selbstsein.�</p><p>�Und du sagst, <emphasis>wir </emphasis>bestehen aus denselben Dingen?�</p><p>�Wie h�tten wir dich finden k�nnen, wenn das nicht der Fall w�re?�</p><p>�Aber du hast gesagt, mich zu finden sei wie die Schaffung einer Schwarmk�nigin gewesen?�</p><p>�Wir konnten das Muster in <emphasis>dir </emphasis>nicht finden. Wir haben versucht, ein Muster zwischen dir und den anderen Menschen herzustellen, doch du hast dich immer wieder ver�ndert und verwandelt, und wir konnten dem keinen Sinn entnehmen. Und du konntest <emphasis>uns </emphasis>keinen Sinn entnehmen, so da� dieses Ausgreifen deinerseits auch kein Muster ergab. Also nahmen wir das dritte Muster. Dein Greifen in die Maschine. Du sehntest dich so sehr danach. Wie dieses Lebenssehnen des neuen K�nigink�rpers. Du bandest dich an das Programm im Computer. Es zeigte dir Bilder. Wir fanden die Bilder im Computer, und wir fanden sie in deinem Geist. Wir konnten sie aufeinander abstimmen, w�hrend du zugesehen hast. Der Computer war sehr kompliziert, und du warst noch komplizierter, doch das Muster hielt stand. Ihr bewegtet euch zusammen, und w�hrend ihr zusammen wart, habt ihr einander besessen, sahet ihr dasselbe Bild. Und als du dir etwas vorstelltest und es dann tatest, machte der Computer etwas aus deiner Vorstellung und stellte sich ebenfalls etwas vor. Sehr primitive Vorstellungen des Computers. Es war kein Selbst. Aber du machtest es zum Selbst durch die Lebenssehnsucht. Durch dein Ausgreifen.�</p><p>�Das Fantasyspiel�, sagte Ender. �Du hast aus dem Fantasyspiel ein Muster gemacht.�</p><p>�Wir haben uns dasselbe vorgestellt, das du dir vorgestellt hast. Wir alle gemeinsam. Wir haben gerufen. Es war sehr kompliziert und seltsam, doch viel einfacher als alles andere, was wir in dir gefunden haben. Seit dieser Zeit wissen wir � sehr wenige Menschen sind imstande, sich so zu konzentrieren, wie du dich auf dieses Spiel konzentriert hast. Und wir haben kein anderes Computerprogramm gesehen, das so auf einen Menschen reagierte, wie das Spiel auf dich reagierte. Es war auch eine Sehnsucht. Es kreiste st�ndig und versuchte etwas zu finden, das es f�r dich machen konnte.�</p><p>�Und als du gerufen hast��</p><p>�Kam es. Die Br�cke, die wir brauchen. Der Verbinder f�r dich und das Computerprogramm. Es hielt das Muster, so da� es lebte, selbst wenn du ihm keine Beachtung schenktest. Es war mit dir verbunden, du warst ein Teil davon, und doch konnten auch wir es verstehen. Es war die Br�cke.�</p><p>�Doch wenn ein Philot Besitz von einer neuen Schwarmk�nigin ergreift, beherrscht es sie, den K�nigink�rper und die Arbeiterk�rper. Warum hat diese Br�cke, die du geschaffen hast, nicht von mir Beherrschung ergriffen?�</p><p>�Glaubst du, wir h�tten es nicht versucht?�</p><p>�Warum hat es nicht geklappt?�</p><p>�Du warst nicht imstande, dich von so einem Muster beherrschen zu lassen. Du konntest freiwillig Teil eines Musters werden, das echt war und lebte, aber du konntest nicht davon beherrscht werden. Du konntest nicht einmal damit vernichtet werden. Und es war so viel von dir in dem Muster, da� nicht einmal wir es beherrschen konnten. Es war zu fremd f�r uns.�</p><p>�Aber du konntest es benutzen, um meine Gedanken zu lesen?�</p><p>�Trotz aller Fremdartigkeit konnten wir es benutzen, um mit dir verbunden zu bleiben. Wir haben dich studiert, besonders, wenn du das Spiel gespielt hast. Und als wir dich allm�hlich verstanden, begriffen wir auch, was es mit deiner gesamten Spezies auf sich hat. Da� jedes Einzelwesen von euch lebte, da� ihr keine Schwarmk�nigin hattet.�</p><p>�Es war komplizierter, als du erwartet hattest?�</p><p>�Und weniger kompliziert. Euer jeweiliger Verstandesinhalt war bei Aspekten einfach, bei denen wir erwartet hatten, er sei kompliziert, und kompliziert bei Aspekten, bei denen wir erwartet hatten, er sei einfach. Wir begriffen, da� ihr auf eure sonderbare und tragisch einsame Art und Weise wirklich lebtet und wundersch�n wart, und wir entschlossen uns, kein weiteres Kolonieschiff zu euren Welten zu schicken.�</p><p>�Aber das haben wir nicht gewu�t. Wie h�tten wir es wissen k�nnen?�</p><p>�Wir begriffen auch, da� ihr gef�hrlich und schrecklich wart. Du warst besonders gef�hrlich, da du all unsere Muster fandest und uns keins einfiel, das kompliziert genug war, um dich zu verwirren. Also hast du alle von uns bis auf mich vernichtet. Jetzt verstehe ich dich besser. Ich hatte all diese Jahre gehabt, um dich zu studieren. Du bist nicht so schrecklich brillant, wie wir dachten.�</p><p>�Wie schade. Eine schreckliche Brillanz w�re jetzt ganz n�tzlich.�</p><p>�Wir ziehen einen behaglichen Schimmer von Intelligenz vor.�</p><p>�Wir Menschen werden mit dem Alter langsamer. Gib mir noch ein paar Jahre, und ich werde richtig angenehm sein.�</p><p>�Wir wissen, da� du eines Tages sterben wirst. Obwohl du den Gedanken so lange zur�ckgeschoben hast.�</p><p>Ender wollte nicht, da� sich dieses Gespr�ch wieder der Sterblichkeit oder einem der anderen Aspekte des menschlichen Lebens widmete, die die Schwarmk�nigin so stark faszinierten. W�hrend die K�nigin versucht hatte, ihm die Zusammenh�nge zu erkl�ren, war ihm noch eine Frage in den Sinn gekommen. Eine faszinierende M�glichkeit.</p><p>�Die Br�cke, die du geschaffen hast. Wo war sie? In dem Computer?�</p><p>�In dir. So wie ich im K�rper der Schwarmk�nigin bin.�</p><p>�Aber nicht Teil von mir.�</p><p>�Teil von dir, aber auch nicht Teil. Drau�en, aber drinnen. An dich gebunden, aber frei. Sie konnte dich nicht beherrschen, und du konntest sie nicht beherrschen.�</p><p>�K�nnte sie den Computer beherrschen?�</p><p>�Dar�ber haben wir nicht nachgedacht. Es war uns gleichg�ltig. Vielleicht.�</p><p>�Wie lange hast du diese Br�cke benutzt? Wie lange hatte sie Bestand?�</p><p>�Wir haben aufgeh�rt, dar�ber nachzudenken. Wir haben �ber <emphasis>dich </emphasis>nachgedacht.�</p><p>�Aber sie war die ganze Zeit �ber da, w�hrend ihr mich studiert habt.�</p><p>�Wohin k�nnte sie schon gehen?�</p><p>�Wie lange wird sie Bestand haben?�</p><p>�Wir haben noch nie so eine wie diese geschaffen. Woher sollen wir das wissen? Die Schwarmk�nigin stirbt, wenn der K�nigink�rper stirbt.�</p><p>�Aber in welchem K�rper war die Br�cke?�</p><p>�In deinem. Im Mittelpunkt des Musters.�</p><p>�Dieses Ding war <emphasis>in </emphasis>mir?�</p><p>�Nat�rlich. Aber es war trotzdem nicht du. Es hat uns entt�uscht, da es nicht erm�glichte, da� wir dich damit kontrollieren konnten, und wir haben aufgeh�rt, dar�ber nachzudenken. Aber jetzt sehen wir ein, da� es sehr wichtig war. Wir h�tten danach suchen sollen. Wir h�tten uns daran erinnern sollen.�</p><p>�Nein. F�r dich war es wie� eine K�rperfunktion. Als w�rdest du die Hand zur Faust ballen, um jemanden zu schlagen. Du hast es getan, und als du es nicht mehr brauchtest, hast du nicht darauf geachtet, ob deine Faust noch da war oder nicht.�</p><p>�Wir verstanden den Zusammenhang nicht, aber in <emphasis>dir </emphasis>schien sie Sinn zu ergeben.�</p><p>�Dann lebt sie noch, nicht wahr?�</p><p>�Es w�re m�glich. Wir versuchen, sie zu f�hlen. Zu finden. Wo k�nnen wir suchen? Das alte Muster ist nicht mehr da. Du spielst das Fantasyspiel nicht mehr.�</p><p>�Aber sie m��te doch noch immer mit dem Computer verbunden sein, nicht wahr? Eine Verbindung zwischen mir und dem Computer. Nur das Muster k�nnte gewachsen sein, nicht wahr? Es k�nnte jetzt auch andere Menschen einschlie�en. Stelle dir vor, es w�re mit Miro verbunden � dem jungen Mann, den ich einmal mitgebracht habe��</p><p>�Der Gebrochene.�</p><p>�Und anstatt mit diesem einen Computer ist es jetzt vielleicht mit Tausenden und Abertausenden verbunden, durch die Verk�rzerverbindungen zwischen den Welten.�</p><p>�Das k�nnte sein. Es war lebendig. Es k�nnte wachsen. Wie wir wachsen, wenn wir mehr Arbeiter machen. Die ganze Zeit �ber. Jetzt, wo du es erw�hnst, sind wir sicher, da� es noch da sein mu�, denn wir sind noch mit dir verbunden, und nur durch dieses Muster war uns das m�glich. Die Verbindung ist jetzt sehr stark � das geh�rt zu dem, was es ist, die Verbindung zwischen uns und dir. Wir dachten, sie sei st�rker geworden, weil wir dich besser kennengelernt haben. Aber vielleicht ist sie auch st�rker geworden, weil die Br�cke gewachsen ist.�</p><p>�Und <emphasis>ich </emphasis>habe immer geglaubt� Jane und ich haben immer geglaubt, sie sei� sie sei irgendwie in den Verk�rzerverbindungen zwischen den Welten entstanden. Sie <emphasis>glaubt </emphasis>wahrscheinlich, dort zu existieren� dieser Ort f�hlt sich wahrscheinlich wie der Mittelpunkt ihres� K�rpers an, wollte ich sagen.�</p><p>�Wir versuchen zu f�hlen, ob die Br�cke zwischen uns noch vorhanden ist. Schwer zu f�hlen.�</p><p>�Als wolltest du einen ganz bestimmten Muskel finden, den du dein Leben lang benutzt hast, aber nie allein f�r sich.�</p><p>�Ein interessanter Vergleich. Wir sehen die Verbindung nicht, doch jetzt sehen wir sie.�</p><p>�Die Verbindung?�</p><p>�Die Br�cke. Sehr gro�. Ihr Muster ist zu gro�. Wir k�nnen es nicht mehr erfassen. Sehr gro�. Erinnerungen � sehr verwirrend. Viel schwerer, als dich das erste Mal zu finden � sehr verwirrend. Verirre mich. Wir k�nnen es mit unserem Verstand nicht mehr erfassen.�</p><p>�Jane�, fl�sterte Ender. �Du bist jetzt ein gro�es M�dchen.�</p><p>�Du betr�gst, Ender�, erklang Janes Stimme zur Antwort. �Ich kann nicht h�ren, was sie zu dir sagt. Ich kann nur f�hlen, wie dein Herz h�mmert und dein Atem schneller geht.�</p><p>�Jane. Wir haben diesen Namen oft in deinem Verstand gesehen. Aber die Br�cke war keine Person mit einem Gesicht��</p><p>�Das ist Jane auch nicht.�</p><p>�Wir sehen ein Gesicht in deinem Verstand, wenn du an diesen Namen denkst. Wir sehen es noch immer. Wir dachten immer, es sei eine Person. Aber jetzt��</p><p>�Sie ist die Br�cke. Ihr habt sie geschaffen.�</p><p><emphasis>�Gerufen. Du </emphasis>hast das Muster geschaffen. <emphasis>Sie </emphasis>hat davon Besitz ergriffen. Was auch immer sie ist, diese Jane, diese Br�cke, sie begann mit dem Muster, das wir in dir entdeckt haben, und dem Fantasyspiel, aber sie hat sich zu etwas viel Gr��erem vorgestellt. Sie mu� ein sehr starkes und m�chtiges Philot gewesen sein, um ihr eigenes Muster ver�ndern und sich gleichzeitig erinnern zu k�nnen, so da� sie sie selbst bleibt.�</p><p>�Du hast �ber Lichtjahre hinweg ausgeholt und mich gefunden, weil ich nach <emphasis>dir </emphasis>gesucht habe. Und dann hast du ein Muster gefunden und ein Gesch�pf aus einem anderen Kontinuum gerufen, welches das Muster begriff, Besitz davon nahm und Jane wurde. All das in einem einzigen Augenblick. �berlichtschnell.�</p><p>�Aber das ist keine �berlichtschnelle <emphasis>Reise. </emphasis>Es ist �berlicht-schnelles <emphasis>Vorstellen </emphasis>und <emphasis>Rufen. </emphasis>Es nimmt dich noch immer nicht von diesem Ort weg und bringt dich an jenen.�</p><p>�Ich wei�. Es beantwortet vielleicht nicht die Frage, mit der ich hierher gekommen bin. Aber ich hatte eine andere Frage, die f�r mich genauso wichtig ist. Ich h�tte nie geglaubt, da� du mit ihr etwas zu tun hast, doch auf diese Frage hattest du die ganze Zeit �ber die Antwort. Jane ist echt, hat die ganze Zeit �ber gelebt, und ihr Selbst ist nicht dort drau�en im Weltraum, es ist in <emphasis>mir. </emphasis>Mit mir verbunden. Man kann sie nicht t�ten, indem man sie einfach abschaltet. Das ist doch schon etwas.�</p><p>�Wenn man das Muster t�tet, kann sie sterben.�</p><p>�Aber sie k�nnen nicht das <emphasis>ganze </emphasis>Muster t�ten. Verstehst du denn nicht? Es ist gar nicht von den Verk�rzern abh�ngig. Es h�ngt alles von mir und der Verbindung zwischen mir und den Computern ab. Sie k�nnen die Verbindung zwischen mir und den Computern hier und in den Satelliten im Orbit um Lusitania nicht unterbrechen. Und vielleicht braucht sie die Verk�rzer gar nicht. Schlie�lich hast <emphasis>du </emphasis>sie auch nicht gebraucht, um mich durch sie zu erreichen.�</p><p>�Viele seltsame Dinge sind m�glich. Wir k�nnen uns sie nicht vorstellen. Sie f�hlen sich sehr dumm und seltsam an, die Dinge, die dir durch den Geist gehen. Du erm�dest uns sehr mit all deinen Gedanken an dumme, imagin�re, unm�gliche Dinge.�</p><p>�Dann werde ich dich jetzt verlassen. Aber das wird helfen. Das mu� helfen. Es w�re ein echter Sieg, wenn Jane eine M�glichkeit findet, wegen dieser Informationen zu �berleben. Der <emphasis>erste </emphasis>Sieg, als ich allm�hlich schon glaubte, in dieser Sache gebe es keinen Sieg.�</p><p>In dem Augenblick, in dem er die Schwarmk�nigin verlie�, begann er, mit Jane zu sprechen und ihr alles zu erkl�ren, was die Schwarmk�nigin ihm verraten hatte. Wer Jane war, wie sie geschaffen worden war.</p><p>W�hrend er sprach, analysierte sie sich im Licht der neuen Erkenntnisse, entdeckte Dinge �ber sich, die sie niemals vermutet h�tte. Als Ender wieder in der menschlichen Kolonie angelangt war, hatte sie einen Gro�teil seiner Geschichte best�tigt. �Ich habe das selbst nie herausgefunden, weil ich immer von einer falschen Voraussetzung ausging�, sagte sie. �Ich glaubte, mein Mittelpunkt sei irgendwo im All. Ich h�tte darauf kommen m�ssen, da� ich mich in dir befinde, allein aufgrund der Tatsache, da� ich, als ich w�tend auf dich war, zu dir zur�ckkommen mu�te, um meinen Frieden zu finden.�</p><p>�Und nun behauptet die Schwarmk�nigin, du seiest so gro� und komplex geworden, da� sie dein Muster nicht mehr mit ihren Geist erfassen kann.�</p><p>�Ich mu� w�hrend der Jahre der Pubert�t noch einen gewaltigen Wachstumsschub gehabt haben.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Was kann ich daf�r, da� die Menschen immer mehr Computer hinzuf�gten und miteinander verbanden?�</p><p>�Aber es liegt nicht an der Hardware, Jane, sondern an den Programmen. Dem Geisteszustand.�</p><p>�Ich mu� den k�rperlichen Speicherplatz haben, um das alles zu enthalten.�</p><p>�Du hast den Speicherplatz. Die Frage ist nur, ob du ohne die Verk�rzer auch Zugriff darauf hast.�</p><p>�Ich kann es versuchen. Wie du zu <emphasis>ihr </emphasis>gesagt hast, mu� ich lernen, einen Muskel zu beugen, von dem ich gar nicht wu�te, da� ich ihn habe.�</p><p>�Oder lernen, ohne ihn zu leben.�</p><p>�Ich werde sehen, was m�glich ist.�</p><p>Was m�glich ist. Auf dem R�ckweg, w�hrend der Wagen �ber das Capim flog, war Ender begeistert dar�ber, da� �berhaupt etwas m�glich war, wo er doch bislang nur Verzweiflung empfunden hatte. Doch als er nach Hause kam und den abgebrannten Wald sah, die beiden einsamen Vaterb�ume, die Experimentalfarm und die neue H�tte mit dem Isolationsraum, in dem der sterbende Pflanzer lag, begriff er, wieviel es noch zu verlieren gab, wie viele noch sterben w�rden, auch wenn sie nun eine M�glichkeit gefunden hatten, da� Jane �berlebte.</p><empty-line/><p>Der Tag neigte sich dem Ende zu. Han Fei-tzu war ersch�pft, seine Augen brannten, weil er soviel gelesen hatte. Er hatte die Farben des Computerdisplays ein Dutzend Mal angepa�t, versucht, eine Einstellung zu finden, die seine Augen schonte, doch es hatte nicht geholfen. Als er das letzte Mal so intensiv gearbeitet hatte, war er noch Student gewesen. Und damals war er immer zu Ergebnissen gelangt. Damals war ich schneller und kl�ger. Es war mir Lohn genug, etwas erreicht zu haben. Jetzt bin ich alt und langsam, ich arbeite auf Gebieten, die Neuland f�r mich sind, und vielleicht haben diese Probleme gar keine L�sungen. Also habe ich keinen Lohn zu erwarten.</p><p>Er sah zu Wang-mu hin�ber, die zusammengerollt auf dem Boden neben ihm lag. Sie bem�hte sich so sehr, doch ihre Ausbildung hatte erst vor so kurzer Zeit begonnen, da� sie die Dokumente noch nicht verstehen konnte, die �ber das Computerdisplay glitten, w�hrend er nach Rahmenbedingungen suchte, unter denen ein �berlichtflug m�glich sein konnte. Schlie�lich hatte ihre M�digkeit �ber ihre Willenskraft gesiegt; sie hielt sich f�r nutzlos, da sie nicht einmal genug verstand, um Fragen stellen zu k�nnen. Also gab sie auf und schlief.</p><p>Aber du bist nicht nutzlos, Si Wang-mu. Selbst mit deiner Verwirrung hast du mir geholfen. Ein kluger Geist, f�r den alles neu ist. Als kauere meine verlorene Jugend an meinem Ellbogen.</p><p>Qing-jao war genauso, als sie klein war, bevor die Fr�mmigkeit und der Stolz sie ergriffen.</p><p>Es war nicht richtig, so �ber seine eigene Tochter zu urteilen. War er bis vor ein paar Wochen nicht v�llig zufrieden mit ihr gewesen? Stolz auf sie, �ber alle Vernunft hinaus? Die beste und kl�gste der Gottber�hrten, alles, wof�r ihr Vater gearbeitet, alles, was sich ihre Mutter erhofft hatte.</p><p>Das bereitete ihm die meisten Schmerzen. Bis vor ein paar Wochen war er so stolz darauf gewesen, da� er sein Versprechen Jiang-qing gegen�ber gehalten hatte. Es war nicht leicht gewesen, seine Tochter so fromm zu erziehen, da� sie niemals eine Periode des Zweifels oder der Rebellion gegen die G�tter durchlief. Es gab zwar andere, genauso fromme Kinder � doch ihre Fr�mmigkeit wurde normalerweise auf Kosten ihrer Ausbildung erreicht. Han Fei-tzu hatte Qing-jao alles lernen lassen und sie dann geschickt zu der Erkenntnis gef�hrt, da� all ihre Kenntnisse mit ihrem Glauben an die G�tter �bereinstimmten.</p><p>Doch damit hatte er sich ins eigene Fleisch geschnitten. Er hatte ihr eine Weltsicht gegeben, die nun, da er herausgefunden hatte, da� die �Stimmen der G�tter� nichts anderes waren als genetische Ketten, an die der Kongre� sie gelegt hatte, so grundlegend ihren Glauben st�tzte, da� nichts sie �berzeugen konnte. W�rde Jiang-qing noch leben, h�tte sich Fei-tzu zweifellos mit <emphasis>ihr </emphasis>im Konflikt wegen seines Glaubensverlust befunden. In ihrer Abwesenheit hatte er ihre Tochter so gut in Jiang-qings Sinn erzogen, da� Qing-jao nun die Weltsicht ihrer Mutter ohne jeden Makel �bernommen hatte.</p><p>Jiang-qing h�tte mich auch verlassen, dachte Han Fei-tzu. Auch wenn ich kein Witwer w�re, w�re ich an diesem Tag ohne Frau.</p><p>Die einzige Gef�hrtin, die mir geblieben ist, ist dieses Dienstm�dchen, das sich gerade rechtzeitig in meinen Haushalt gedr�ngt hat, um nun zum einzigen Aufflackern von Hoffnung in meinem dunklen Herzen zu werden.</p><p>Nicht meine Tochter-des-K�rpers, doch vielleicht wird die Zeit und Gelegenheit kommen, wenn diese Krise vorbei ist, um Wang-mu zu meiner Tochter-des-Geistes zu machen. Meine Arbeit f�r den Kongre� ist beendet. Sollte ich dann nicht ein Lehrer mit einer einzigen Sch�lerin sein? Sollte ich sie nicht darauf vorbereiten, die Revolution�rin zu sein, die das gew�hnliche Volk zur Freiheit von der Tyrannei der Gottber�hrten und dann Weg zur Freiheit vom Kongre� f�hren kann? Sollte sie so eine werden, kann ich in Frieden sterben, im Bewu�tsein, da� ich am Ende meines Lebens all meine fr�here Arbeit aufgehoben habe, die den Kongre� gest�rkt und dazu beigetragen hat, da� er jede Opposition seiner Macht �berwinden konnte.</p><p>Das leise Atmen des M�dchens war wie sein eigener Atem, wie das Ger�usch einer Brise im hohen Gras. Sie ist ganz Bewegung, Hoffnung, Frische.</p><p>�Han Fei-tzu, ich glaube, du schl�fst nicht.�</p><p>Nein; aber er hatte vor sich hinged�st, und der Klang von Janes Stimme, der aus dem Computer kam, erschreckte ihn, als habe er ihn aufgeweckt.</p><p>�Nein, aber Wang-mu schl�ft�, sagte er.</p><p>�Dann wecke sie.�</p><p>�Warum? Sie hat ihren Schlaf verdient.�</p><p>�Sie hat es auch verdient, dies zu h�ren.�</p><p>Elas Gesicht erschien im Display neben Jane. Han Fei-tzu erkannte sie sofort als die Xenobiologin, der man die Untersuchung der genetischen Proben anvertraut hatte, die er und Wang-mu gesammelt hatten. Es mu�te einen Durchbruch gegeben haben.</p><p>Er verbeugte sich, griff nach dem schlafenden M�dchen und sch�ttelte es. Wang-mu bewegte und streckte sich, erinnerte sich dann zweifellos an ihre Pflichten und setzte sich kerzengerade auf. �Habe ich verschlafen? Was ist los? Vergebt mir, da� ich eingeschlafen bin, Meister Han.�</p><p>Sie h�tte sich in ihrer Verwirrung vielleicht sogar verbeugt, doch das lie� Fei-tzu nicht zu. �Jane und Ela haben mich gebeten, dich aufzuwecken. Sie m�chten, da� du etwas h�rst.�</p><p>�Ich m�chte Ihnen zuerst sagen�, ergriff Ela das Wort, �da� das, worauf wir gehofft haben, m�glich ist. Die genetischen Ver�nderungen waren grobschl�chtig und leicht festzustellen � ich verstehe nun, warum der Kongre� alles getan hat, um zu verhindern, da� gute Genetiker mit der menschlichen Bev�lkerung von Weg arbeiten. Das UZV-Gen war nicht an der normalen Stelle, was der Grund daf�r ist, da� es nicht augenblicklich von Natologen identifiziert wurde, doch es arbeitet fast genauso wie die in der Natur vorkommenden UZV-Gene. Es kann problemlos separat von den Genen behandelt werden, die den Gottber�hrten ihre verst�rkten intellektuellen und kreativen F�higkeiten geben. Ich habe bereits ein Splei�erbakterium entwickelt, das ins Blut einer Person injiziert werden kann. Es wird eine Samen- oder Eizelle der Person suchen, in sie eindringen, das UZV-Gen entfernen und mit einem normalen ersetzen, wobei es den Rest des genetischen Codes unber�hrt l��t. Dann wird es schnell absterben. Es basiert auf einem h�ufig vorkommenden Bakterium, das es bereits in zahlreichen Laboratorien auf Weg geben wird, die sich mit normaler Immunologie und der Verhinderung von Geburtsdefekten befassen. In Zukunft kann also jeder Gottber�hrte, der das m�chte, Kinder bekommen, bei denen das UZV-Gen nicht mehr vorhanden ist.�</p><p>Han Fei-tzu lachte. �Ich bin der einzige auf diesem Planeten, der sich solch ein Bakterium w�nscht. Die Gottber�hrten haben kein Mitleid mit sich selbst. Ihr Leid erf�llt sie mit Stolz. Es gibt ihnen Ehre und Macht.�</p><p>�Dann will ich Ihnen sagen, was wir noch gefunden haben. Einer meiner Assistenten, ein Pequenino namens Glas, hat es herausgefunden � ich gestehe ein, da� ich diesem Projekt keine gro�e Aufmerksamkeit widmete, da es mir im Vergleich mit dem Descolada-Problem, an dem wir arbeiten, relativ einfach vorkam.�</p><p>�Entschuldigen Sie sich nicht�, sagte Fei-tzu. �Wir sind f�r jede Freundlichkeit dankbar. Und sie ist unverdient.�</p><p>�Ja.� Sie schien durch seine H�flichkeit verwirrt. �Jedenfalls hat Glas herausgefunden, da� sich alle bis auf eine der genetischen Proben, die Sie uns geschickt haben, sauber in die Kategorien gottber�hrt und nicht-gottber�hrt aufteilen lassen. Wir f�hrten den Test blind durch und verglichen die Ergebnisse erst sp�ter mit der Namensliste, die Sie uns gegeben haben. Die �bereinstimmung war perfekt. Jeder Gottber�hrte hat das ver�nderte Gen. Keiner, bei dem das Gen nicht auftrat, steht auf Ihrer Liste der Gottber�hrten.�</p><p>�Bis auf eine Ausnahme, haben Sie gesagt.�</p><p>�Das hat uns verbl�fft. Glas geht sehr methodisch vor � er hat die Geduld eines Baums. Er war �berzeugt, da� es sich bei dieser Ausnahme um einen Schreibfehler oder einen Fehler bei der Auswertung der Daten handelte. Er �berpr�fte die Sache mehrmals und lie� sie auch von anderen Assistenten �berpr�fen. Es besteht kein Zweifel. Bei dieser einen Ausnahme handelt es sich eindeutig um eine Mutation des Gottber�hrten-Gens. Dort fehlt das UZV auf <emphasis>nat�rliche </emphasis>Art und Weise, w�hrend alle anderen Eigenschaften, die die Genetiker des Kongresses so sorgf�ltig eingegeben haben, erhalten geblieben sind.�</p><p>�Also <emphasis>ist </emphasis>diese Person schon das, was Ihr Splei�bakterium schaffen soll.�</p><p>�Es gibt noch ein paar weitere mutierte Regionen, bei denen wir uns im Augenblick noch nicht ganz sicher sind, aber sie haben nichts mit dem UZV oder den Verbesserungen zu tun. Und sie ber�hren auch keinerlei lebenswichtige Prozesse, so da� diese Person gesunden Nachwuchs bekommen wird, der diese Verbesserungen weitervererben kann. Falls diese Person sich mit einer paart, die mit dem Splei�erbakterium behandelt wurde, werden s�mtliche Kinder mit fast hundertprozentiger Sicherheit �ber die Verbesserungen verf�gen, und es besteht keine Gefahr, da� eins davon am UZV leidet.�</p><p>�Dann kann er sich gl�cklich sch�tzen�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>�Wer ist es?� fragte Wang-mu.</p><p>�Du�, erwiderte Ela. �Si Wang-mu.�</p><p>�Ich?� Sie schien fassungslos.</p><p>Aber Han Fei-tzu war nicht verbl�fft. �Ha!� rief er. �Ich h�tte es wissen m�ssen! Ich h�tte darauf kommen m�ssen! Kein Wunder, da� du so schnell gelernt hast wie fr�her meine Tochter. Kein Wunder, da� du Einsichten hattest, die uns weitergeholfen haben, obwohl du kaum verstanden hast, um welches Thema es ging. Du bist auch eine Gottber�hrte, Wang-mu � aber du allein bist frei von den Ketten des S�uberungsrituals.�</p><p>Si Wang-mu k�mpfte um eine Antwort, doch statt Worten kamen Tr�nen. Sie weinte stumm.</p><p>�Nie wieder werde ich dir erlauben, mich wie einen H�herstehenden zu behandeln�, sagte Han Fei-tzu. �Von nun an bist du keine Dienerin in meinem Haus, sondern meine Sch�lerin, meine junge Kollegin. Sollen die anderen von dir denken, was sie wollen. <emphasis>Wir </emphasis>wissen, da� du so f�hig wie alle anderen bist.�</p><p>�Wie Herrin Qing-jao?� fl�sterte Wang-mu.</p><p>�Wie jeder andere auch�, sagte Fei-tzu. �Die H�flichkeit wird von dir verlangen, dich vor vielen zu verbeugen. Doch im Herzen mu�t du dich vor niemandem verbeugen.�</p><p>�Ich bin unw�rdig�, sagte Wang-mu.</p><p>�Jeder ist seiner eigenen Gene w�rdig. Bei so einer Mutation bestand eine hohe Chance, da� sie dich gesch�digt zur�ckl��t. Doch statt dessen hat sie dich zum ges�ndesten Menschen auf der ganzen Welt gemacht.�</p><p>Aber sie h�rte nicht auf, still vor sich hinzuweinen.</p><p>Jane mu�te es Ela gezeigt haben, denn sie schwieg eine Weile. Schlie�lich ergriff sie jedoch das Wort. �Verzeihung, aber ich habe viel zu tun�, sagte sie.</p><p>�Ja�, sagte Han Fei-tzu. �Sie d�rfen gehen.�</p><p>�Sie verstehen mich falsch�, sagte Ela. �Ich brauche nicht Ihre Erlaubnis, um zu gehen. Ich habe noch einiges zu sagen, bevor ich gehe.�</p><p>Han Fei-tzu verbeugte sich. �Bitte. Wir h�ren.�</p><p>�Ja�, fl�sterte Wang-mu. �Ich h�re auch.�</p><p>�Es gibt eine entfernte M�glichkeit, da� wir, <emphasis>falls </emphasis>wir den Descolada-Virus dekodieren und z�hmen k�nnen, auch eine Variante herstellen k�nnen, die auf Weg n�tzlich sein k�nnte.�</p><p>�Warum sollten wir diesen schrecklichen k�nstlichen Virus hier auf Weg haben wollen?� fragte Han Fei-tzu.</p><p>�Die Descolada dringt in die Zellen eines Wirtk�rpers ein, liest den genetischen Kode und reorganisiert ihn entsprechend ihrer eigenen Programmierung. Wenn wir die Descolada ver�ndern � <emphasis>falls </emphasis>wir das k�nnen �, werden wir diese Programmierung entfernen. Wir werden auch die meisten Selbstverteidigungsmechanismen entfernen, falls wir sie finden. Dann k�nnte es m�glich sein, sie als Super-Splei�er zu benutzen, die nicht nur die Fortpflanzungszellen, sondern <emphasis>alle </emphasis>Zellen eines Lebewesens beeinflussen.�</p><p>�Verzeihung�, sagte Han Fei-tzu, �aber ich habe k�rzlich �ber dieses Thema nachgelesen, und die Vorstellung eines Super-Splei�ers wurde zur�ckgewiesen, da der K�rper seine eigenen Zellen abst��t, nachdem sie genetisch ver�ndert wurden.�</p><p>�Ja�, sagte Ela. �So t�tet die Descolada. Der K�rper selbst st��t sich bis zum Tode ab. Aber dazu kann es nur kommen, da die Descolada nicht auf den Umgang mit Menschen programmiert wurde. Sie traf zuf�llig auf den menschlichen K�rper, studierte ihn, nahm willk�rliche Ver�nderungen vor und wartete ab, was passierte. Sie hatte keine Programmierung f�r uns, und so endete ein jedes Opfer mit vielen verschiedenen genetischen Codes in seinen Zellen. Aber was passiert, wenn wir einen Super-Splei�er schaffen, der nach einer Programmierung vorgeht und jede K�rperzelle entsprechend einem einzigen neuen Muster verwandelt? Unsere Studien der Descolada lassen schlie�en, da� in so einem Fall die Ver�nderung in jedem Individuum in etwa sechs Stunden herbeigef�hrt werden kann � h�chstens in einem halben Tag.�</p><p>�So schnell, da� der K�rper sich nicht mehr selbst absto�en kann��</p><p>�Er wird eine so perfekte Einheit darstellen, da� er das neue Muster als sich selbst erkennt.�</p><p>Wang-mu hatte aufgeh�rt zu weinen. Sie schien jetzt genauso aufgeregt wie Fei-tzu auch, und trotz all ihrer Selbstdisziplin konnte sie es nicht verbergen. �Ihr k�nnt <emphasis>alle </emphasis>Gottber�hrten ver�ndern? Sogar die befreien, die jetzt schon leben?�</p><p><emphasis>�Falls </emphasis>wir imstande sind, die Descolada zu dekodieren, k�nnten wir nicht nur bei den Gottber�hrten das UZV entfernen, wir k�nnten auch bei den normalen Menschen alle Verbesserungen installieren. Es w�re bei den Kindern nat�rlich am wirksamsten � �ltere Menschen haben die Wachstumsstadien schon hinter sich, in denen die neuen Gene die gr��ten Auswirkungen h�tten. Doch von dieser Zeit an w�rde jedes Kind, das auf Weg geboren wird, �ber diese Verbesserungen verf�gen.�</p><p>�Und was dann? W�rde die Descolada wieder verschwinden?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, wir m��ten in das neue Gen eine Methode einbauen, die bewirkt, da� es sich selbst vernichtet, sobald die Arbeit getan ist. Doch wir m��ten Wang-mus Gene als Modell benutzen. Kurz gesagt, Wang-mu, du w�rdest gewisserma�en ein genetisches Elternteil der gesamten Bev�lkerung deiner Welt werden.�</p><p>Sie lachte. �Was w�rden wir ihnen damit f�r einen sch�nen Streich spielen! Sie sind so stolz darauf, Auserw�hlte zu sein, und doch wird ihre Heilung von einer wie mir kommen!� Doch augenblicklich klaffte ihr Mund auf, und sie schlug die H�nde vors Gesicht. �Wie konnte ich so etwas nur sagen. Ich bin so hochm�tig und arrogant wie die Schlimmsten von ihnen geworden.�</p><p>Fei-tzu legte die Hand auf ihre Schulter. �Sei nicht so hart zu dir. Solche Gef�hle sind ganz nat�rlich. Sie kommen und gehen schnell. Nur diejenigen, die eine Lebensart aus ihnen machen, sind daf�r zu verdammen.� Er wandte sich wieder an Ela. �Es gibt gewisse ethische Probleme.�</p><p>�Ich wei�. Und ich meine, wir sollten jetzt auf diese Probleme zu sprechen kommen, obwohl es uns vielleicht niemals m�glich sein wird, diese Manipulation durchzuf�hren. Wir sprechen von der genetischen Ver�nderung einer ganzen Planetenbev�lkerung. Es war eine Ungeheuerlichkeit, als der Kongre� es ohne Wissen oder Zustimmung der Bev�lkerung tat. K�nnen wir diese Ungeheuerlichkeit aufheben, indem wir uns derselben Methode bedienen?�</p><p>�Mehr als das�, sagte Han Fei-tzu. �Unser gesamtes soziales System hier beruht auf den Gottber�hrten. Die meisten Menschen werden solch eine Verwandlung als Plage der G�tter interpretieren, die uns bestrafen wollen. Wenn bekannt w�rde, da� wir daf�r verantwortlich sind, w�rde man uns t�ten. Doch w�re auch noch etwas anderes m�glich. Wenn bekannt wird, da� die Gottber�hrten die Stimme der G�tter verloren haben, k�nnte sich das Volk gegen sie wenden und sie t�ten. Wenn sie tot sind, haben wir ihnen nicht damit geholfen, indem wir sie vom UZV befreit haben.�</p><p>�Wir haben dar�ber gesprochen�, sagte Ela. �Und wir haben nicht die geringste Ahnung, wie das richtige Vorgehen aussieht. Im Augenblick ist die Frage noch nicht von Belang, denn wir haben die Descolada noch nicht dekodiert, und vielleicht wird es uns nie gelingen. Doch sollten wir einmal dazu imstande sein, m�chten wir euch die Wahl �berlassen, ob und wie ihr die Methode einsetzen wollt.�</p><p>�Dem Volk von Weg?�</p><p>�Nein�, sagte Ela. �Die erste Wahl obliegt <emphasis>euch, </emphasis>Han Fei-tzu, Si Wang-mu und Han Qing-jao. Nur ihr wi�t, was euch angetan wurde, und selbst wenn Ihre Tochter es nicht glauben will, repr�sentiert sie die Auffassung der Gl�ubigen und der Gottber�hrten von Weg. Sollten wir einmal dazu imstande sein, m��t ihr diese Frage stellen. Und euch selbst. Gibt es eine M�glichkeit, diese Verwandlung nach Weg zu bringen, die nicht destruktiv w�re? <emphasis>Und falls </emphasis>es m�glich ist, <emphasis>sollte </emphasis>man es auch tun? Nein � sagt jetzt nichts, entscheidet nichts. Denkt dar�ber nach. Wir geh�ren nicht dazu. Wir werden euch nur informieren, ob es m�glich ist, sobald � und falls � wir es herausgefunden haben. Von da an h�ngt es von euch ab.�</p><p>Elas Gesicht verschwand.</p><p>Jane blieb noch einen Augenblick l�nger. �War es das wert, euch geweckt zu haben?� fragte sie.</p><p>�Ja!� rief Wang-mu.</p><p>�Sch�n, wenn man herausfindet, da� man in Wirklichkeit viel mehr ist, als man jemals f�r m�glich gehalten hat, nicht wahr?�</p><p>�O ja�, sagte Wang-mu.</p><p>�Dann leg dich wieder schlafen, Wang-mu. Und du, Meister Han � deine Ersch�pfung zeigt sich sehr deutlich. Du bist nutzlos f�r uns, wenn du deine Gesundheit verlierst. Wie Andrew es mir immer und immer wieder gesagt hat � wir m�ssen alles tun, was in unseren Kr�ften steht, ohne unsere F�higkeit zu zerst�ren, es auch weiterhin zu tun.�</p><p>Dann war auch sie fort.</p><p>Wang-mu begann augenblicklich wieder zu weinen. Han Fei-tzu glitt zu ihr hin�ber, setzte sich neben ihr zu Boden, dr�ckte ihren Kopf gegen seine Schulter und schaukelte sie sanft hin und her. �Still, meine Tochter, meine S��e, in deinem Herzen wu�test du schon immer, wer du bist, und ich auch. Man hat dir deinen Namen f�rwahr mit Weisheit gegeben. Wenn sie auf Lusitania ihre Wunder vollbringen, wirst du die K�nigliche Mutter der ganzen Welt sein.�</p><p>�Meister Han�, fl�sterte sie. �Ich weine auch um Qing-jao. Ich habe mehr bekommen, als ich je erhofft habe. Aber wer wird sie sein, wenn man ihr die Stimme der G�tter nimmt?�</p><p>�Ich hoffe�, sagte Fei-tzu, �da� sie dann wieder meine wahre Tochter sein wird. Dann wird sie so frei sein wie du, die Tochter, die zu mir gekommen ist wie ein Blumenblatt auf dem Winterflu�, aus dem Land des ewigen Fr�hlings zu mir getragen.�</p><p>Er hielt sie noch viele Minuten lang, bis sie an seiner Schulter einschlief. Dann legte er sie wieder auf ihre Matte und zog sich in seine eigene Ecke zur�ck, zum ersten Mal seit vielen Tagen mit Hoffnung im Herzen.</p><empty-line/><p>Als Valentine zum Gef�ngnis ging, um Grego zu besuchen, sagte B�rgermeister Kovano ihr, da� Olhado bei ihm war. �Hat Olhado denn keine Schicht?�</p><p>�Das meinen Sie doch nicht ernst�, sagte Kovano. �Er ist ein guter Schichtleiter in der Ziegelei, doch die Rettung der Welt d�rfte schon wert sein, da� ein anderer ihn einen Nachmittag lang vertritt.�</p><p>�Schrauben Sie Ihre Erwartungen nicht zu hoch�, sagte Valentine. �Ich wollte, da� er sich beteiligt. Ich <emphasis>hoffe, </emphasis>da� er uns helfen kann. Aber er ist kein Physiker.�</p><p>Kovano hob die Schultern. �Ich bin auch kein Kerkermeister, handle aber, wie die Situation es verlangt. Ich habe keine Ahnung, ob es damit zu tun hat, da� Olhado bei ihm ist oder Ender vor kurzem bei ihm war, aber ich habe noch nie lautere Stimmen und gr��ere Aufregung in der Zelle vernommen � jedenfalls nicht, wenn die Insassen <emphasis>n�chtern </emphasis>waren. Nat�rlich werden in dieser Stadt die meisten Menschen wegen Trunkenheit eingesperrt.�</p><p>�Ender war hier?�</p><p>�Direkt nach seinem Besuch bei der Schwarmk�nigin. Er m�chte mit Ihnen sprechen. Er wu�te nicht, wo Sie waren.�</p><p>�Na sch�n, ich gehe zu ihm, wenn ich hier fertig bin.� Sie war bei ihrem Mann gewesen. Jakt schickte sich an, mit dem Shuttle ins All zur�ckzukehren, sein eigenes Schiff f�r einen schnellen Aufbruch vorzubereiten und festzustellen, ob das urspr�ngliche Kolonieschiff Lusitanias nach so vielen Jahrzehnten ohne Wartung des Sternenantriebs f�r einen weiteren Flug wiederhergestellt werden konnte. Es war lediglich zur Unterbringung von Samen, Genen und Embryos erdgeborener Spezies benutzt worden. Jakt w�rde mindestens eine Woche lang fort sein, vielleicht sogar l�nger, und Valentine konnte ihn schlecht gehen lassen, ohne vorher etwas Zeit mit ihm zu verbringen. Er wu�te nat�rlich, unter welch schrecklichem Druck alle standen, und h�tte Verst�ndnis gehabt � doch Valentine wu�te auch, da� sie keine der Schl�sselfiguren dieser Ereignisse war. Sie w�rde erst sp�ter n�tzlich sein, wenn sie alles niederschrieb.</p><p>Doch nachdem sie Jakt verlassen hatte, war sie nicht direkt zum B�ro des B�rgermeisters gegangen, um Grego zu besuchen. Sie hatte einen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Kaum vorstellbar, da� sich hier vor kurzer Zeit w�tend und betrunken der Mob gebildet und in einen m�rderischen Zorn gesteigert hatte. Jetzt war es so still hier. Sogar das Gras hatte sich erholt und wieder aufgerichtet, abgesehen von einem Schlammloch, wo es nicht mehr wachsen wollte.</p><p>Doch es war nicht friedlich hier. Ganz im Gegenteil. Als Valentine hier eingetroffen und die Stadt wirklich friedlich gewesen war, hatte es hier im Herzen der Kolonie den ganzen Tag �ber vor Leben und Gesch�ftigkeit geradezu gesummt. Nun waren nur ein paar Menschen unterwegs, doch sie wirkten verdrossen, fast wie Fl�chtlinge. Sie hielten die K�pfe gesenkt und richteten die Blicke auf den Boden vor ihren F��en, als habe jeder Angst, auf die Nase zu fallen, wenn er nicht aufpa�te, wohin er ging.</p><p>Ein Teil der Verdrossenheit resultiert wahrscheinlich aus der Scham, dachte Valentine. Mittlerweile wies jedes Geb�ude in der Stadt ein Loch auf, wo man Steine oder Ziegel herausgebrochen hatte, um sie f�r den Bau der Kapelle zu verwenden. Viele der L�cher waren von der Praca aus zu sehen, auf der Valentine ging.</p><p>Sie vermutete jedoch, da� eher die Furcht als die Scham das vibrierende Leben hier abget�tet hatte. Niemand sprach offen dar�ber, doch sie erhaschte genug verstohlene Blicke zu den H�geln im Norden der Stadt, um Bescheid zu wissen. Es war nicht die Scham �ber das Niederbrennen des Pequenino-Waldes. Es waren die Krabbler. Die dunklen Gestalten waren nur selten auf den H�geln oder im Gras drau�en vor der Stadt zu sehen. Es waren die Alptr�ume der Kinder, die sie gesehen hatten. Das widerw�rtige Entsetzen in den Herzen der Erwachsenen. Historische Romane und Videos, die zu den Zeiten der Krabblerkriege spielten, waren in der Bibliothek st�ndig ausgeliehen; die Leute waren besessen davon, Menschen zu sehen, die Siege �ber Krabbler errungen. Und w�hrend sie zusahen, gaben sie ihren schlimmsten Tr�umen Nahrung. Bei vielen Leuten, wenn nicht sogar den meisten, war die theoretische Vorstellung, die Schwarmkultur sei wundersch�n und w�rdig und das Bild, das Ender in seinem ersten Buch von der Schwarmk�nigin gezeichnet hatte, verschwunden, w�hrend sie in der unausgesprochenen Einkerkerung lebten, die von den Arbeitern der Schwarmk�nigin durchgesetzt wurde.</p><p>War unsere Arbeit schlie�lich doch v�llig vergeblich? dachte Valentine. Ich, der Philosoph Demosthenes, habe versucht, die Menschen zu lehren, da� sie nicht alle Au�erirdischen f�rchten m�ssen, sondern sie als Ram�nner sehen k�nnen. Und Ender mit seinen eindringlichen B�chern �ber die Schwarmk�nigin, den Hegemon und Menschs Leben � welche Macht hatten sie wirklich, verglichen mit dem instinktiven Schrecken beim Anblick dieser gef�hrlichen, �bergro�en Insekten? Die Zivilisation ist nur ein Vorwand; in einer Krise werden wir wieder zu blo�en Affen, vergessen wir die rationalen Zweif��ler, die wir angeblich sind, und werden wieder zu den haarigen Primaten an der H�hlen�ffnung, die den Feind anschreien, sich w�nschen, er w�rde verschwinden, und den schweren Stein umklammern, den wir in dem Augenblick benutzen werden, da er in Reichweite kommt.</p><p>Nun war sie wieder an einem sauberen, sicheren Ort, nicht ganz so beunruhigend, auch wenn er als Gef�ngnis wie auch als Hauptsitz der Stadtverwaltung diente. An einem Ort, wo die Krabbler als Verb�ndete gesehen wurden � oder zumindest als unerl��liche Friedenstruppe, die die Antagonisten zu ihrem gegenseitigen Schutz voneinander trennte. Es <emphasis>gibt </emphasis>Menschen, erinnerte sich Valentine, die sich �ber ihre tierische Abstammung erheben k�nnen.</p><p>Als sie die Zellent�r �ffnete, lagen Olhado wie auch Grego auf Pritschen. Sie hatten Papiere auf dem Boden und dem Tisch zwischen ihnen ausgebreitet; sie bedeckten sogar das Computerterminal, so da� das Display, falls das Ger�t eingeschaltet war, nicht funktionieren konnte. Es sah aus wie das typische Kinderzimmer eines Teenagers. Grego hatte die Beine gegen die Wand gelehnt. Seine nackten F��e tanzten einen seltsamen Rhythmus, zuckten in der Luft hin und her. Was f�r eine innere Musik h�rte er?</p><p>�Boa tarde, Tia Valentina�, sagte Olhado.</p><p>Grego sah nicht einmal auf.</p><p>�St�re ich?�</p><p>�Sie kommen gerade rechtzeitig�, sagte Olhado. �Wir sind drauf und dran, ein neues Konzept f�r das Universum zu entwickeln. Wir haben gerade das erleuchtende Prinzip entdeckt, da� man sich einfach alles w�nschen kann und Lebewesen aus dem Nichts fallen, wenn sie gerade gebraucht werden.�</p><p>�Wenn man sich einfach alles w�nschen kann�, sagte Valentine, �k�nnten wir uns ja auch den �berlichtflug w�nschen.�</p><p>�Grego rechnet gerade herum�, sagte Olhado, �deshalb reagiert er im Augenblick nicht auf Sie. Aber ich glaube, er ist da einer Sache auf der Spur � vor einer Minute hat er geschrien und herumgetanzt. Wir hatten eine N�hmaschinenerfahrung.�</p><p>�Ah ja�, sagte Valentine.</p><p>�Das ist eine alte Geschichte aus der Physikklasse�, sagte Olhado. �Leute, die eine N�hmaschine erfinden wollten, sind immer wieder gescheitert, weil sie versuchten, die Bewegungen des N�hens mit der Hand zu imitieren. Sie stie�en die Nadel durch das Gewebe und zogen den Faden durch das �hr am Ende der Nadel hinterher. Das schien ja ganz offensichtlich zu sein. Bis dann jemand auf die Idee kam, das �hr am Kopf der Nadel anzubringen und zwei F�den statt nur einem zu benutzen. Ein v�llig unnat�rlicher, indirekter Ann�herungsversuch, wenn man es so will, den ich noch immer nicht verstehe.�</p><p>�Also wollen wir uns unseren Weg durch das All n�hen?�</p><p>�Gewisserma�en. Die k�rzeste Entfernung zwischen zwei Punkten ist nicht unbedingt eine Gerade. Diese Idee stammt von dem, was Andrew von der Schwarmk�nigin gelernt hat. Wie sie ein Gesch�pf aus einer alternativen Raumzeit ruft, wenn sie eine neue Schwarmk�nigin erschaffen will. Grego hat das als Beweis daf�r genommen, da� es einen echten realen irrealen Raum gibt. Fragen Sie mich nicht, was er damit meint. Ich bin von Beruf Ziegelmacher.�</p><p>�Einen irrealen Realraum�, sagte Grego. �Du hast es umgedreht.�</p><p>�Die Toten erwachen�, sagte Olhado.</p><p>�Setz dich, Valentine�, erkl�rte Grego. �Meine Zelle ist nicht viel, aber mein Heim. Die mathematischen Formeln sind noch immer v�llig verr�ckt, doch sie scheinen zu passen. Ich mu� noch einige Zeit mit Jane damit verbringen, die wirklich komplizierten Berechnungen vorzunehmen und einige Simulationen zu fahren, aber wenn die Schwarmk�nigin recht hat, gibt es einen Raum, der so universell an unseren Raum angrenzt, da� Philoten aus dem anderen Raum an jeder Stelle in unseren Raum �berwechseln k�nnen. Wenn wir davon ausgehen, da� dieses Wechseln auch in die andere Richtung m�glich ist, und wenn die Schwarmk�nigin ebenfalls damit recht hat, da� der andere Raum genau wie der unsrige Philoten enth�lt, nur da� sie in dem anderen Raum � nennen wir ihn das Au�en � nicht den Naturgesetzen entsprechend angeordnet sind, sondern statt dessen blo�e M�glichkeiten sind, dann k�nnten wir��</p><p>�Das sind schrecklich viele Wenns�, sagte Valentine.</p><p>�Sie vergessen�, sagte Olhado, �da� wir von der Pr�misse ausgehen, uns einfach etwas w�nschen zu m�ssen.�</p><p>�Richtig, das verga� ich zu erw�hnen�, sagte Grego. �Wir gehen ebenfalls davon aus, da� die Schwarmk�nigin recht damit hat, da� die unorganisierten Philoten auf Muster im Verstand eines Menschen reagieren und damit augenblicklich die Rolle einnehmen, die in diesem Muster m�glich ist. Dinge, die also im Au�en begriffen werden, werden hier sofort Wirklichkeit.�</p><p>�Das ist mir alles v�llig klar�, sagte Valentine. �Es �berrascht mich nur, da� ihr nicht fr�her darauf gekommen seid.�</p><p>�Genau�, sagte Grego. �Wir machen es also folgenderma�en. Anstatt zu versuchen, alle Partikel, aus denen das Sternenschiff, seine Passagiere und die Fracht bestehen, physikalisch von Stern A nach Stern B zu versetzen, stellen wir uns einfach alles � das gesamte Muster, einschlie�lich aller Menschen � als nicht im Innen, sondern im Au�en existent vor. In diesem Augenblick desorganisieren sich alle Philoten, die das Sternenschiff und die Menschen darin bilden, fallen ins Au�en und setzten sich dem entsprechenden Muster zufolge wieder zusammen. Dann machen wir dasselbe noch einmal und fallen wieder ins Innen � nur, da� wir jetzt beim Stern B sind. Vorzugsweise in sicherer Orbitentfernung.�</p><p>�Wenn jeder Punkt in unserem Raum einem Punkt im Au�en entspricht�, sagte Valentine, �k�nnten wir doch einfach dort reisen anstatt hier.�</p><p>�Dort sind die Regeln etwas anders�, sagte Grego. �Dort gibt es keine R�umlichkeit. Nehmen wir einmal an, da� in <emphasis>unserem </emphasis>Raum die R�umlichkeit � die relative Anordnung � einfach ein Ausdruck der Ordnung ist, der die Philoten folgen. Eine <emphasis>Konvention. </emphasis>Das gilt also auch f�r Entfernungen. Wir messen eine Entfernung nach der Zeit, die wir ben�tigen, um sie zu �berwinden � aber dieser Zeitraum ist nur erforderlich, weil die Philoten, aus denen Materie und Energie bestehen, gezwungen sind, den Konventionen der Naturgesetze zu folgen. Zum Beispiel der Lichtgeschwindigkeit.�</p><p>�Sie gehorchen einfach der Lichtgeschwindigkeit.�</p><p>�Ja. Abgesehen von der Geschwindigkeitsbegrenzung ist die <emphasis>Gr��e </emphasis>unseres Universums willk�rlich. Wenn man unser Universum als eine Kugel betrachtet und au�erhalb dieser Kugel steht, k�nnte es genausogut einen Durchmesser von einem Meter, einer Billiarde Lichtjahren oder einem Mikron haben.�</p><p>�Und wenn wir ins Au�en gehen��</p><p>�Dann hat das Innenuniversum genau dieselbe Gr��e wie jedes der nicht organisierten Philoten dort � n�mlich �berhaupt keine. Da es dort �berdies keine R�umlichkeit gibt, sind alle Philoten in diesem Raum unserem Universum gleicherma�en nah oder fern. Also k�nnen wir an jeder beliebigen Stelle wieder in den Innen-Raum eintreten.�</p><p>�Das klingt ja fast ganz einfach�, sagte Valentine.</p><p>�Ja, nun�, sagte Olhado.</p><p>�Die Schwierigkeit dabei ist das W�nschen�, sagte Olhado.</p><p>�Um das Muster festzuhalten, mu� man es wirklich <emphasis>verstehen�, </emphasis>sagte Grego. �Ein jedes Philot, das ein Muster beherrscht, versteht nur seinen eigenen Teil der Wirklichkeit. Es kommt auf die Philoten in dem Muster an, ihre Aufgabe zu erledigen und ihr Muster zusammenzuhalten, und es kommt auch darauf an, ob das Philot, das das Muster beherrscht, von dem es ein Teil ist, es an der richtigen Stelle halten kann. Das Atomphilot mu� darauf vertrauen, da� die Neutronen-, Protonen- und Elektronenphiloten ihre eigene innere Struktur zusammenhalten und das Molek�lphilot das Atom an seinem richtigen Platz h�lt, w�hrend das Atomphilot sich auf seine Aufgabe konzentriert, die darin besteht, die Teile des Atoms an Ort und Stelle zu halten. So scheint die Wirklichkeit zu funktionieren � zumindest in diesem Modell.�</p><p>�Also setzt ihr das ganze Ding ins Au�en und dann wieder ins Innen�, sagte Valentine. �Das verstehe ich noch.�</p><p>�Ja, aber <emphasis>wer? </emphasis>Denn der Sendemechanismus verlangt, da� das Muster des Schiffes und seines gesamten Inhalts als eigenes Muster etabliert werden mu� und nicht nur als zuf�llige Konglomeration. Ich meine, wenn du ein Schiff mit Fracht beladen hast und die Passagiere zugestiegen sind, hast du noch kein lebendes Muster erschaffen, noch keinen philotischen Organismus. Es ist nicht so, als w�rdest du ein Kind geb�ren � das ist ein Organismus, der sich selbst zusammenhalten kann. Das Schiff und sein Inhalt ist nur eine Ansammlung, die jederzeit auseinanderbrechen kann. Wir versetzen also all ihre Philoten in den nicht organisierten Raum, in dem es keine R�umlichkeit gibt, kein Organisationsprinzip. Aber wie wollen wir sie dort wieder zusammensetzen? Und was h�tten wir, wenn sie sich sogar selbst zu den Gebilden zusammensetzten, die sie kennen? Eine Menge Atome. Vielleicht sogar lebende Zellen oder Organismen � aber ohne Raumanz�ge oder ein Raumschiff, denn die leben ja nicht. Die Atome und vielleicht sogar Molek�le des Raumschiffs w�rden herumtreiben und sich vielleicht sogar wie verr�ckt replizieren, wenn die nicht organisierten Philoten da drau�en anfangen, das Muster zu kopieren, aber wir h�tten damit noch kein <emphasis>Schiff.�</emphasis></p><p>�Fatal.�</p><p>�Nein, wahrscheinlich nicht�, sagte Grego. �Wer kann das schon wissen? Da drau�en sind die Regeln ganz anders. Des Pudels Kern ist, da� man sie in diesem Zustand nicht in <emphasis>unseren </emphasis>Raum zur�ckholen kann, denn das w�re eindeutig fatal.�</p><p>�Also geht es nicht.�</p><p>�Ich wei� noch nicht. Die Wirklichkeit wird im Innen-Raum zusammengehalten, weil sich alle Philoten, aus denen sie besteht, auf die Regeln geeinigt haben. Alle Philoten kennen ihre jeweiligen Muster und befolgen sie. Vielleicht wird auch im Au�en-Raum alles zusammengehalten, solange das Raumschiff und seine Fracht und Passagiere <emphasis>bekannt </emphasis>sind. Solange es eine Wissende gibt, die die gesamte Struktur in ihrem Kopf festhalten kann.�</p><p>�In <emphasis>ihrem </emphasis>Kopf?�</p><p>�Wie gesagt, Jane mu� die Berechnungen durchf�hren. Sie mu� feststellen, ob sie Zugang zu genug Speicherplatz hat, um das Muster aller Beziehungen in einem Raumschiff dort abzulegen. Dann mu� sie feststellen, ob sie dieses Muster nehmen und es sich an einem neuen Ort vorstellen kann.�</p><p>�Das ist der Teil, bei dem es um das W�nschen geht�, sagte Olhado. �Ich bin sehr stolz darauf, denn ich bin derjenige, der auf den Gedanken gekommen ist, da� wir eine Wissende brauchen, um das Schiff zu bewegen.�</p><p>�Eigentlich stammt die ganze Idee von Olhado�, sagte Grego. �Aber ich habe vor, meinen Namen ganz oben auf den Forschungsbericht zu setzen, weil er nicht an einem Karrieresprung interessiert ist und ich einen guten Eindruck machen mu�, wenn die Leute mir diese Vorstrafe verzeihen sollen, sobald ich irgendwo auf einer anderen Welt einen Job an einer Universit�t bekomme.�</p><p>�Wovon sprichst du?� fragte Valentine.</p><p>�Ich spreche davon, diese zur�ckgebliebene Kolonie zu verlassen. Verstehst du nicht? Wenn das alles stimmt, wenn <emphasis>es funktioniert, </emphasis>dann kann ich nach Rheims oder Baia oder� oder zur <emphasis>Erde </emphasis>fliegen und zu den Wochenenden wieder hierher zur�ckkommen. Energiekosten entstehen nicht, denn wir treten v�llig au�erhalb der Naturgesetze. Wartung und Betriebskosten des Fahrzeugs sind gering.�</p><p>�So gering nun auch nicht�, sagte Olhado. �Wir m�ssen noch immer nahe an den Zielplaneten heran.�</p><p>�Wie ich sagte, alles h�ngt davon ab, was Jane sich vorstellen kann. Sie mu� imstande sein, das gesamte Schiff mitsamt Inhalt zu begreifen. Sie mu� imstande sein, es sich nach Au�en und wieder nach Innen vorzustellen. Sie mu� imstande sein, die genauen relativen Positionen des Start- und des Zielpunkts zu berechnen.�</p><p>�Also h�ngt die �berlichtschnelle Reise v�llig von Jane ab�, sagte Valentine.</p><p>�Wenn es sie nicht g�be, w�re die Sache unm�glich. Es w�rde nicht einmal helfen, wenn man alle Computer miteinander verbindet. Man kann daf�r auch nicht einfach nur ein Programm schreiben. Denn ein Programm ist nur eine Sammlung, keine Wesenheit. Es besteht nur aus Teilen. Es hat kein� wie hat Jane es noch genannt? Kein <emphasis>Aiua.�</emphasis></p><p>�Sanskrit f�r <emphasis>Leben�, </emphasis>erkl�rte Olhado. �Der Begriff f�r die Philoten, die ein Muster beherrschen, das andere Philoten ordnet. Das Wort f�r Wesenheiten � wie Planeten und Atome und Tiere und Sterne �, die eine wahre, dauerhafte Form haben.�</p><p>�Jane ist ein Aiua, nicht nur ein Programm. Also kann sie eine Wissende sein. Sie kann das Schiff als Muster in ihr eigenes Muster integrieren. Sie kann es <emphasis>aufnehmen </emphasis>und <emphasis>in sich enthalten, </emphasis>und es ist immer noch real. Sie macht es zu einem Teil von ihr und kennt es so vollkommen und unterbewu�t, wie dein Aiua deinen K�rper kennt und ihn zusammenh�lt. Dann kann sie es mit sich ins Au�en und wieder ins Innen nehmen.�</p><p>�Jane m��te also <emphasis>mitgehen?� </emphasis>fragte Valentine.</p><p>�Wenn dies �berhaupt m�glich sein sollte, dann nur, weil Jane mit dem Schiff reist�, sagte Grego.</p><p>�Wie?� fragte Valentine. �Wir k�nnen sie doch nicht einfach aufgabeln und in einer Tasche mitnehmen.�</p><p>�Das ist etwas, was Andrew von der Schwarmk�nigin erfahren hat�, sagte Grego. �Sie existiert in Wirklichkeit an einem ganz besonderen Ort � das hei�t, ihr Aiua hat eine spezifische Anordnung in unserem Raum.�</p><p>�Wo?�</p><p>�In Andrew Wiggin.�</p><p>Sie brauchten eine Weile, um ihr zu erkl�ren, was Ender von der Schwarmk�nigin �ber Jane erfahren hatte. Die Vorstellung, da� sich diese Computerwesenheit in Enders K�rper befand, war seltsam, doch es ergab einen gewissen Sinn, da� Jane von den Schwarmk�niginnen erschaffen worden war, w�hrend Ender gegen sie zu Felde gezogen war. F�r Valentine ergab sich jedoch noch eine weitere, unmittelbare Konsequenz. Wenn das �berlichtschiff nur dorthin fliegen konnte, wohin Jane es brachte, und Jane sich in Ender befand, konnte es nur eine Schlu�folgerung geben.</p><p>�Dann mu� <emphasis>Andrew </emphasis>ebenfalls mitfliegen?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Grego.</p><p>�Er ist etwas zu alt f�r einen Testpiloten�, sagte Valentine.</p><p>�In diesem Fall ist er nur ein <emphasis>Testpassagier</emphasis>�, sagte Grego. �Er tr�gt nur zuf�llig den Piloten in sich.�</p><p>�Der Flug wird keinerlei k�rperlichen Anspr�che stellen�, sagte Olhado. �Wenn Gregos Theorie stimmt, wird er einfach da sitzen, und nach ein paar Minuten oder genauer gesagt nach einer oder zwei Mikrosekunden wird er an dem anderen Ort sein. Und wenn die Theorie nicht stimmt, wird er einfach weiterhin dort sitzen, und wir alle werden uns t�richt vorkommen, weil wir geglaubt haben, wir k�nnten uns den Weg durch den Raum w�nschen.�</p><p>�Und wenn sich herausstellt, da� Jane ihn ins Au�en bringen, aber die Dinge dort nicht zusammenhalten kann, wird er in einem Raum gestrandet sein, der nicht mal R�umlichkeit hat�, sagte Valentine.</p><p>�Nun ja�, erwiderte Grego. �Wenn es nur zur H�lfte funktioniert, werden die Passagiere effektiv sterben. Doch da wir uns an einem Ort ohne Zeit befinden, wird es f�r uns keine Rolle spielen. Es wird einfach ein ewiger Augenblick sein. Wahrscheinlich nicht einmal genug Zeit f�r unsere Gehirne, um zu bemerken, da� das Experiment fehlgeschlagen ist. Eine Stasis.�</p><p>�Doch <emphasis>falls</emphasis> es funktioniert�, sagte Olhado, �nehmen wir nat�rlich unsere Raumzeit mit uns, so da� nat�rlich Zeit verstreichen w�rde. Daher werden wir nie wissen, ob das Experiment gescheitert ist. Wir werden es nur wissen, wenn wir Erfolg gehabt haben.�</p><p>�Aber <emphasis>ich </emphasis>werde es wissen, wenn er nicht zur�ckkommt�, sagte Valentine.</p><p>�Richtig�, erwiderte Grego. �Wenn er nicht zur�ckkommt, wirst du es ein paar Monate lang wissen, bis die Flotte hier eintrifft und alles und jeden in die H�lle schickt.�</p><p>�Oder bis die Descolada unsere Gene von innen nach au�en dreht und uns alle t�tet�, f�gte Olhado hinzu.</p><p>�Da hast du wohl recht, Neffe.� Valentine w�hlte die vertraulichere Form. �Wenn das Experiment fehlschl�gt, werden sie genauso tot sein, als w�rden sie einfach bleiben.�</p><p>�Aber du wei�t, da� wir unter gewaltigem Druck stehen�, sagte Grego. �Wir haben nicht mehr viel Zeit, bevor Jane ihre Verk�rzer-Verbindungen verliert. Andrew meint, da� sie es vielleicht doch �berlebt. Aber sie wird verkr�ppelt sein. Gehirngesch�digt.�</p><p>�Selbst wenn es funktioniert, k�nnte der erste Flug auch der letzte sein.�</p><p>�Nein�, sagte Olhado. �Die Fl�ge finden <emphasis>ohne Zeitverlust </emphasis>statt. Wenn es funktioniert, kann sie alle Leute in der Zeit von diesem Planeten bringen, die sie brauchen, um das Sternenschiff zu besteigen und wieder zu verlassen.�</p><p>�Soll das hei�en, da� sie von der Planetenoberfl�che aus starten kann?�</p><p>�Das ist noch problematisch�, sagte Grego. �Vielleicht kann sie die genauen Positionen nur auf� sagen wir, zehntausend Kilometer berechnen. Es besteht keine Explosions- oder �berlagerungsgefahr, da die Philoten den Innen-Raum an einer Stelle betreten, an denen sie den Naturgesetzen gehorchen k�nnen. Doch wenn das Sternenschiff mitten in einem Planeten auftaucht, wird es ziemlich schwer sein, sich wieder an die Oberfl�che zu graben.�</p><p>�Aber wenn sie die Koordinaten wirklich genau bestimmen kann � zum Beispiel auf ein paar Zentimeter �, k�nnen die Fl�ge von einer Oberfl�che zur anderen stattfinden�, sagte Olhado.</p><p>�Nat�rlich tr�umen wir�, sagte Grego. �Jane wird zur�ckkommen und uns sagen, da� sie, selbst wenn sie alle Sternenmassen in der Galaxis in den Computer eingeben kann, noch l�ngst nicht alle Daten verarbeiten kann, die sie braucht, um ein Sternenschiff auf diese Art und Weise zu fliegen. Doch im Augenblick klingt es noch m�glich, und ich habe ein gutes Gef�hl!�</p><p>Daraufhin fingen Grego und Olhado so laut an zu lachen und zu jubeln, da� B�rgermeister Kovano zur T�r kam, um sich zu �berzeugen, da� Valentine in Ordnung war. Es war ihr peinlich, da� er sie ertappte, wie sie mit ihnen lachte.</p><p>�Dann sind wir also zufrieden?� fragte Kovano.</p><p>�Ich glaube schon�, sagte Valentine und versuchte, ihre Fassung zur�ckzugewinnen.</p><p>�Welches unserer vielen Probleme haben wir gel�st?�</p><p>�Wahrscheinlich keins davon�, sagte Valentine. �Es w�re zu idiotisch einfach, wenn sich das Universum auf diese Art und Weise manipulieren lie�e.�</p><p>�Aber <emphasis>irgend etwas </emphasis>haben Sie sich doch ausgedacht.�</p><p>�Die metaphysischen Genies hier sind auf eine v�llig unwahrscheinliche M�glichkeit gekommen�, sagte Valentine. �Oder haben Sie ihnen vielleicht etwas ins Essen gesch�ttet?�</p><p>Kovano lachte und lie� sie wieder allein. Doch sein Besuch hatte sie wieder ern�chtert.</p><p><emphasis>�Ist </emphasis>es m�glich?� fragte Valentine.</p><p>�Ich w�re nie darauf gekommen�, erwiderte Grego. �Ich meine, da ist das Problem der Herkunft.�</p><p>�Nein, in Wirklichkeit beantwortet es das Problem der Herkunft�, sagte Olhado. �Die Urknalltheorie gibt es schon seit��</p><p>�Seit der Zeit vor <emphasis>meiner </emphasis>Geburt�, sagte Valentine.</p><p>�Ich glaube schon�, sagte Olhado. �Doch niemand konnte je erkl�ren, warum es zum Urknall gekommen ist. Auf diese Art und Weise ergibt es einen seltsamen Sinn. Wenn jemand, der imstande war, das Muster des gesamten Universums in seinem Kopf zu halten, ins Au�en getreten ist, h�tten sich alle Philoten, die es gibt, an der gr��ten Stelle des Musters angeordnet, die sie beherrschen konnten. Da es dort keine Zeit gibt, hat es vielleicht eine Milliarde Jahre oder eine Mikrosekunde gedauert, eben so lange, wie es brauchte, und <emphasis>bumms, </emphasis>als sie sich aussortiert hatten, war es da, das gesamte Universum, das in einen neuen Innen-Raum st�rzte. Und da es keine Entfernung und keinen Raum gab, h�tte das gesamte Gebilde mit der Gr��e eines geometrischen Punktes begonnen��</p><p>�Nein, es h�tte <emphasis>�berhaupt keine </emphasis>Ausdehnung gehabt�, sagte Grego.</p><p>�Mir f�llt meine Geometrie wieder ein�, sagte Valentine.</p><p>�� und sich augenblicklich ausgedehnt und dabei Raum geschaffen. Und w�hrend es sich ausdehnte, verlangsamte sich die Zeit� oder beschleunigte sie sich?�</p><p>�Das spielt keine Rolle�, sagte Grego. �Es h�ngt nur davon ab, ob man sich im Innen des neuen Raums, oder im Au�en oder in irgendeinem anderen Innen-Raum befindet.�</p><p>�Auf jeden Fall scheint das Universum nun eine konstante Zeit zu haben, w�hrend es sich r�umlich ausdehnt. Doch wenn man will, k�nnte man es auch als einen konstanten Raum betrachten, der sich <emphasis>zeitlich </emphasis>ver�ndert. Die Lichtgeschwindigkeit wird geringer, so da� es l�nger dauert, von einer Stelle zur anderen zu gelangen, doch wir merken nicht, da� sie sich verringert, weil sich alles andere ebenfalls genau relativ zur Lichtgeschwindigkeit verlangsamt. Versteht ihr? Alles eine Frage der Perspektive. Was das betrifft, hat das Universum, in dem wir leben, wie Grego es gerade sagte, noch immer in absoluten Begriffen die Ausdehnung eines geometrischen Punktes � wenn man es vom Au�en betrachtet. Jede Ausdehnung, die. im Innen stattzufinden scheint, ist nur eine Sache der relativen R�umlichkeit und Zeit.�</p><p>�Und was mich auf die Palme bringt�, sagte Grego, �ist die Tatsache, das all das schon seit Jahren in Olhados Kopf vor sich ging. Diese Vorstellung des Universums als dimensionsloser Punkt im Au�en-Raum hat er schon die ganze Zeit �ber gehabt. Nicht, da� er der erste w�re, der diese Theorie vertritt. Er ist lediglich der erste, der tats�chlich daran geglaubt hat und die Verbindung zwischen dieser Theorie und dem Nicht-Raum sah, in dem laut Andrew die Schwarmk�nigin ihre Aiuas findet.�</p><p>�Wenn wir schon metaphysische Spielchen treiben�, sagte Valentine, �wann hat das alles angefangen? Wenn wir uns die Wirklichkeit als Muster vorstellen, das jemand ins Au�en gebracht hat, und das Universum einfach in die Existenz st�rzte, dann wandert derjenige, der es einmal getan hat, wahrscheinlich noch immer herum und erzeugt Universen, wo immer er geht. Aber <emphasis>woher </emphasis>kommt er? Und was war vorhanden, bevor er damit anfing? Und wie hat das Au�en angefangen zu existieren?�</p><p>�Das ist Innen-Denken�, sagte Olhado. �So stellt man sich die Dinge vor, wenn man Raum und Zeit noch immer f�r absolut h�lt. Du stellst dir vor, alles habe einen Anfang und ein Ende, alles habe einen Ursprung, denn so ist es in dem Universum, das wir beobachten k�nnen. Aber im Au�en gibt es keinerlei derartigen Gesetze. Das Au�en war immer und wird immer sein. Die Anzahl der Philoten dort ist unendlich, und sie alle haben schon immer existiert. Ganz gleich, wie viele von ihnen du herausziehst und in organisierte Universen zerrst, es werden immer genauso viele sein, wie es schon immer waren.�</p><p>�Aber jemand mu� doch damit <emphasis>angefangen </emphasis>haben, Universen zu schaffen.�</p><p>�Warum?� fragte Olhado.</p><p>�Weil� weil ich��</p><p>�Niemand hat jemals damit angefangen. Es ging schon immer so. Ich meine, wenn es nicht schon immer so w�re, k�nnte es gar nicht anfangen. Drau�en, wo es keine Muster gibt, w�re es unm�glich, sich ein Muster vorzustellen. Sie k�nnen unserer Definition zufolge nicht handeln, da sie sich buchst�blich nicht einmal selbst finden k�nnen.�</p><p>�Aber wie kann es denn schon immer so gewesen sein?�</p><p>�Stelle dir vor, da� dieser Augenblick in der Zeit, die Wirklichkeit, in der wir in diesem Augenblick leben, dieser Zustand des gesamten Universums� aller Universen��</p><p>�Du meinst das <emphasis>Jetzt.�</emphasis></p><p>�Genau. Stelle dir vor, dieses <emphasis>jetzt </emphasis>w�re die Oberfl�che einer Kugel. Die Zeit bewegt sich vorw�rts durch das Chaos des Au�en wie die Oberfl�che einer sich ausdehnenden Kugel, eines Ballons, der aufgeblasen wird. Au�en Chaos, Innen Wirklichkeit. Und die Kugel dehnt sich st�ndig aus. Wie du es gesagt hast, Valentine � sie l��t die ganze Zeit �ber neue Universen entstehen.�</p><p>�Aber woher ist dieser Ballon gekommen?�</p><p>�Na sch�n, du hast den Ballon. Die sich ausdehnende Kugel. Jetzt stelle dir einmal eine Kugel mit einem unendlichen Radius vor.�</p><p>Valentine �berlegte, was er damit meinen konnte. �Ihre Oberfl�che w�re v�llig flach.�</p><p>�Ganz genau.�</p><p>�Und man k�nnte sie niemals ganz umkreisen.�</p><p>�Ebenfalls richtig. Unendlich gro�. Es ist sogar unm�glich, alle Universen zu z�hlen, die es auf der Wirklichkeitsseite gibt. Und wenn du jetzt ein Sternenschiff besteigst und vom Rand aus zum Mittelpunkt fliegst, wird alles �lter, je weiter du kommst. All die alten Universen, jedes �lter als das vorherige. Wann wirst du das erste erreichen?�</p><p>�Nie�, sagte Valentine. �Nicht, wenn man mit endlicher Geschwindigkeit fliegt.�</p><p>�Du wirst die Mitte einer Kugel mit unendlichem Radius niemals erreichen, wenn du an der Oberfl�che losfliegst, denn ganz gleich, wie schnell du fliegst, die Mitte, der Anfang, ist immer unendlich weit entfernt.�</p><p>�Und da hat das Universum begonnen.�</p><p>�Ich glaube schon�, sagte Olhado. �Ich bin dieser Ansicht.�</p><p>�Also funktioniert das Universum so, weil es schon immer so funktioniert hat�, sagte Valentine.</p><p>�Die Wirklichkeit funktioniert so, weil das Wirklichkeit <emphasis>ist. </emphasis>Alles, was nicht so funktioniert, st�rzt ins Chaos zur�ck. Alles, was so funktioniert, kommt in die Wirklichkeit hin�ber. Die Scheidelinie ist immer dort.�</p><p>�Mir gef�llt eine ganz andere Vorstellung�, sagte Grego. �Was hindert uns daran, wenn wir erst einmal ohne Zeitverlust in <emphasis>unserer </emphasis>Wirklichkeit herumfliegen, auch andere zu finden? Ganz neue Universen?�</p><p>�Oder andere zu <emphasis>schaffen�, </emphasis>sagte Olhado.</p><p>�Ha�, sagte Grego. �Als ob wir das Muster f�r ein ganzes Universum in unserem Verstand enthielten.�</p><p>�Aber vielleicht k�nnte <emphasis>Jane </emphasis>es�, sagte Olhado. �Oder nicht?�</p><p>�Ihr behauptet damit�, warf Valentine ein, �da� Jane vielleicht Gott ist.�</p><p>�Wahrscheinlich h�rt sie in diesem Augenblick zu�, sagte Grego. �Der Computer ist eingeschaltet, auch wenn das Display blockiert ist. Ich wette, das wird sie auf einige Gedanken bringen.�</p><p>�Vielleicht hat jedes Universum lange genug Bestand, um so etwas wie Jane hervorzubringen�, sagte Valentine. �Und dann geht sie her und schafft neue Universen��</p><p>�Und es geht immer so weiter�, sagte Olhado. �Warum nicht?�</p><p>�Aber sie ist <emphasis>zuf�llig </emphasis>entstanden�, sagte Valentine.</p><p>�Nein�, sagte Grego. �Das ist auch etwas, was Andrew heute herausgefunden hat. Du mu�t mit ihm sprechen. Jane war kein Zufall. Nach allem, was wir wissen, <emphasis>gibt </emphasis>es keine Zuf�lle. Nach allem, was wir wissen, war alles von Anfang an Teil des Musters.�</p><p>�Alles au�er uns�, sagte Valentine. �Unsere� wie lautet der Begriff f�r das Philot, der uns kontrolliert?�</p><p>�Aiua�, sagte Grego und buchstabierte es ihr.</p><p>�Ja�, sagte sie. �Unser <emphasis>Wille </emphasis>jedenfalls, der schon immer existiert hat, mit allen St�rken und Schw�chen, die er zuf�llig hat. Und aus diesem Grund sind wir, solange wir Teil des Realit�tsmusters sind, auch frei.�</p><p>�Das klingt ganz so, als k�me die Ethikerin endlich zum Zug�, sagte Olhado.</p><p>�Das alles ist wahrscheinlich kompletter Unsinn�, sagte Grego. �Jane wird herzlich �ber uns lachen. Aber Nossa Senhora, es macht <emphasis>Spa�, </emphasis>nicht wahr?�</p><p>�He, nach allem, was wir wissen, hat genau deshalb das Universum vielleicht nur angefangen�, sagte Olhado. �Weil es ein Heidenspa� ist, durchs Chaos zu gehen und Wirklichkeiten zu schaffen. Vielleicht findet Gott einfach nur Vergn�gen daran.�</p><p>�Oder er wartet vielleicht nur darauf, da� Jane hier herauskommt und ihm Gesellschaft leistet�, sagte Valentine.</p><empty-line/><p>Es war Miros Schicht bei Pflanzer. Es war sp�t � nach Mitternacht. Im Isolierraum mu�te Miro einen Schutzanzug tragen, nicht, um nicht selbst verseucht zu werden, sondern um zu verhindern, da� der Descolada-Virus, den er in sich trug, Pflanzer verseuchte.</p><p>Wenn ich nur einen kleinen Ri� in meinen Anzug machen w�rde, dachte Miro, k�nnte ich ihm das Leben retten.</p><p>Ohne die Descolada vollzog sich der Zusammenbruch von Pflanzers K�rper schnell und mit verheerender Wirkung. Sie alle wu�ten, da� die Descolada Einflu� auf den Reproduktionszyklus der Pequeninos hatte, den Pequeninos ihr drittes Leben als B�ume schenkte, doch bis jetzt war ihnen nicht klar gewesen, wieviel vom allt�glichen Leben der Pequeninos von der Descolada abhing. Wer immer diesen Virus entworfen hatte, er war ein kaltherziges, rein nach Begriffen der Wirksamkeit denkendes Ungeheuer. Ohne die t�gliche, st�ndliche, <emphasis>min�tliche </emphasis>Intervention der Descolada arbeiteten die Zellen nur noch tr�ge, h�rte die Produktion von lebenswichtigen, energiespeichernden Molek�len auf und arbeiteten die Synapsen des Gehirns nicht mehr so schnell. Pflanzer war mit R�hren und Elektroden gespickt, und er lag inmitten mehrerer Scanner-Felder, so da� Ela und ihre Pequenino-Assistenten von au�en jeden Aspekt seines Sterbens aufzeichnen konnten. Dar�ber hinaus wurden ihm rund um die Uhr Gewebeproben entnommen. Seine Schmerzen waren so stark, da� er, schlief er �berhaupt einmal, nicht aufwachte, wenn man ihm die Proben entnahm. Und doch blieb Pflanzer trotz aller Schmerzen verbissen klar. Als wolle er durch reine Willenskraft beweisen, da� ein Pequenino auch ohne die Descolada intelligent sein konnte. Pflanzer tat dies nat�rlich nicht f�r die Wissenschaft. Er tat es f�r die W�rde.</p><p>Die wirklichen Wissenschaftler hatten nicht die Zeit, sich gegenseitig abzuwechseln und �ber ihn zu wachen, einfach in dem Anzug neben ihm zu sitzen, ihn zu beobachten, mit ihm zu sprechen. Nur Leute wie Miro, und Jakts und Valentines Kinder � Syfte, Lars, Ro, Varsam � und die seltsam stille Frau namens Plikt; Leute, die sich keinen anderen dringenden Pflichten widmen mu�ten, die geduldig genug waren, um das Warten zu ertragen, und jung genug, um ihre Aufgabe mit Pr�zision zu erledigen � nur sie wechselten sich ab. Sie h�tten gern noch einen Pequenino �ber Pflanzer wachen lassen, doch alle Br�der, die genug �ber menschliche Technik wu�ten, um die Aufgabe richtig zu erledigen, geh�rten zu Elas oder Ouandas Teams und hatten zuviel zu tun. Von allen, die im Isolierraum �ber Pflanzer wachten, ihm Gewebeproben entnahmen, ihn f�tterten, die Fusionsflaschen wechselten und ihn s�uberten, kannte nur Miro die Pequeninos gut genug, um mit ihm kommunizieren zu k�nnen. Miro konnte sich in der Sprache der Br�der mit ihm unterhalten. Das bot ihm einen gewissen Trost, obwohl sie sich praktisch gar nicht kannten; Pflanzer war geboren worden, nachdem Miro zu seiner drei�igj�hrigen Reise von Lusitania aufgebrochen war.</p><p>Pflanzer schlief nicht. Seine Augen waren halb ge�ffnet, sahen ins Nichts, doch Miro erkannte anhand der Bewegungen seiner Lippen, da� er sprach. Er rezitierte Passagen aus einem der Epen seines Stammes. Manchmal stimmte er Ges�nge �ber die Stammesgenealogie an. Als er damit angefangen hatte, hatte Ela bef�rchtet, da� er in ein Delirium fiel. Doch er beharrte darauf, damit nur sein Ged�chtnis auf die Probe stellen zu wollen. Sich vergewissern zu wollen, da� er mit der Descolada nicht auch seinen Stamm verloren hatte � was f�r ihn genauso w�re, als h�tte er sich selbst verloren.</p><p>Miro stellte die Lautst�rke in seinem Schutzanzug h�her und konnte h�ren, wie Pflanzer die Geschichte eines schrecklichen Krieges mit dem Wald Himmelzerrei�ers, �dem Wald, der den Donner rief�, erz�hlte. Mitten in der Geschichte des Krieges schweifte er ab und erkl�rte, wie Himmelzerrei�er seinen Namen bekommen hatte. Dieser Teil der Erz�hlung klang sehr alt und mythisch, eine magische Geschichte �ber einen Bruder, der kleine M�tter an den Ort trug, an dem der Himmel aufri� und die Sterne zu Boden fielen. Obwohl sich Miro in Gedanken mit den Erkenntnissen des Tages besch�ftigte � Janes Herkunft, Gregos und Olhados Idee von der Reise durch Gedankenkraft �, stellte er fest, da� er aus irgendeinem Grund Pflanzers Worten Aufmerksamkeit schenkte. Und als die Geschichte ihr Ende fand, mu�te Miro nachfragen.</p><p>�Wie alt ist diese Geschichte?�</p><p>�Alt�, fl�sterte Pflanzer. �Du hast zugeh�rt?�</p><p>�Bis zum Schlu�.� Es stellte kein Problem dar, ausf�hrlich mit Pflanzer zu sprechen. Entweder wurde er mit Miros langsamer Sprache nicht ungeduldig, oder seine Aufnahmef�higkeit war auf die Stufe von Miros schleppenden Worten gesunken. Pflanzer lie� Miro jedenfalls aussprechen und antwortete dann, als habe er aufmerksam zugeh�rt. �Habe ich dich richtig verstanden, als du gesagt hast, dieser Himmelzerrei�er habe kleine M�tter mit sich getragen?�</p><p>�Das stimmt�, fl�sterte Pflanzer.</p><p>�Aber er ging nicht zum Vaterbaum.�</p><p>�Nein. Er hatte einfach kleine M�tter auf seinen Wanderungen dabei. Ich habe diese Geschichte vor Jahren geh�rt. Bevor ich die menschliche Wissenschaft kennenlernte.�</p><p>�Wei�t du, wie das f�r mich klingt? Diese Geschichte stammt vielleicht aus einer Zeit, als ihr noch keine kleinen M�tter zum Vaterbaum getragen habt. Als die kleinen M�tter noch nicht ihre Nahrung aus dem saftigen Inneren des Mutterbaums leckten. Statt dessen hingen sie an Vorspr�ngen am Unterleib der M�nner, bis die Kinder gro� genug waren, um hervorzukommen und ihren Platz an den Zitzen der M�tter einzunehmen.�</p><p>�Deshalb habe ich dir das Lied gesungen�, sagte Pflanzer. �Ich habe dar�ber nachgedacht, wie es vielleicht gewesen ist, falls wir intelligent waren, <emphasis>bevor </emphasis>die Descolada kam. Und schlie�lich fiel mir dieser Teil der Geschichte von Himmelzerrei�ers Krieg ein.�</p><p>�Er ging zu dem Ort, wo der Himmel aufri�.�</p><p>�Die Descolada mu� irgendwie hierher gekommen sein, nicht wahr?�</p><p>�Wie alt ist diese Geschichte?�</p><p>�Himmelzerrei�ers Krieg fand vor neunundzwanzig Generationen statt. Unser Wald ist nicht so alt. Aber es wurden uns Lieder und Geschichten von unserem Vater-Wald �berliefert.�</p><p>�Aber der Teil mit dem Himmel und den Sternen k�nnte viel alter sein, nicht wahr?�</p><p>�Sehr alt. Der Vaterbaum Himmelzerrei�er starb vor langer Zeit. Er war wahrscheinlich schon sehr alt, als der Krieg stattfand.�</p><p>�H�ltst du es f�r m�glich, da� es sich dabei um eine Erinnerung des Pequenino handelt, die die Descolada als erster entdeckte? Da� sie mit einem Sternenschiff hierher gebracht wurde und er eine Art F�hre gesehen hat?�</p><p>�Deshalb habe ich das Lied gesungen.�</p><p>�Wenn das stimmt, wart ihr schon vor der Descolada eindeutig intelligent.�</p><p>�Jetzt sind alle weg�, sagte Pflanzer.</p><p>�Was ist weg? Ich verstehe nicht.�</p><p>�Unsere Gene aus dieser Zeit. Wir k�nnen nicht einmal Vermutungen anstellen, was die Descolada uns nahm und wegwarf.�</p><p>Das stimmte. Vielleicht enthielt jeder Descolada-Virus den kompletten genetischen Code jeder einheimischen Lebensform Lusitanias in sich, doch dabei handelte es sich lediglich um den genetischen Code von <emphasis>heute, </emphasis>in seinem von der Descolada beherrschten Zustand. Wie der Code ausgesehen hatte, bevor die Descolada kam, konnte nicht mehr rekonstruiert oder wiederhergestellt werden.</p><p>�Trotzdem eine faszinierende M�glichkeit�, sagte Miro. �Wenn ihr schon vor dem Virus Sprache, Lieder und Geschichten gehabt habt�� Und obwohl er wu�te, da� er es eigentlich nicht tun sollte, f�gte er hinzu: �Vielleicht mu�t du jetzt nicht mehr die Unabh�ngigkeit der Pequenino-Intelligenz beweisen.�</p><p>�Noch ein Versuch, das Schweinchen zu retten�, sagte Pflanzer.</p><p>Eine Stimme erklang �ber den Lautsprecher. Eine Stimme von drau�en.</p><p>�Du kannst jetzt herauskommen.� Es war Ela. Sie sollte w�hrend Miros Schicht eigentlich schlafen.</p><p>�Meine Schicht ist erst in drei Stunden vor�ber�, erwiderte Miro.</p><p>�Jemand l�st dich ab.�</p><p>�Dann soll er einen anderen Anzug nehmen.�</p><p>�Ich brauche dich hier drau�en, Miro.� Elas Stimme machte jeden Widerspruch unm�glich. Und sie war die leitende Wissenschaftlerin dieses Experiments.</p><p>Als er ein paar Minuten sp�ter herauskam, begriff er sofort, was passiert war. Quara stand mit eisigem Blick dort, und Ela war mindestens genauso w�tend. Sie hatten sich offensichtlich wieder gestritten, doch das war keine �berraschung. Die �berraschung bestand darin, da� Quara �berhaupt gekommen war.</p><p>�Du kannst genausogut wieder hineingehen�, sagte Quara, kaum da� Miro die Sterilisationskammer verlassen hatte.</p><p>�Ich wei� nicht einmal, warum ich herausgekommen bin�, sagte Miro.</p><p>�Sie besteht darauf, ein <emphasis>privates </emphasis>Gespr�ch zu f�hren�, sagte Ela.</p><p>�Sie hat dich herausgerufen�, sagte Quara, �aber sie wollte nicht das Ton�berwachungssystem ausschalten.�</p><p>�Wir m�ssen der Klarheit halber jeden Augenblick von Pflanzers Gespr�ch aufzeichnen.�</p><p>Miro seufzte. �Ela, werde erwachsen.�</p><p>Sie w�re fast explodiert. �Ich! Erwachsen werden! Sie st�rmt hier herein, als w�re sie die Nossa Senhora auf ihrem Thron��</p><p>�Ela�, sagte Miro. �Halt den Mund und h�r zu. Quara ist Pflanzers einzige Hoffnung, dieses Experiment zu �berleben. Kannst du allen Ernstes behaupten, es w�rde dem Zweck dieses Experiments nicht dienen, wenn du sie��</p><p>�Na sch�n�, sagte Ela und unterbrach ihn, weil sie seine Argumentation bereits begriffen und sich ihr gebeugt hatte. �Sie ist der Feind jedes lebenden, vernunftbegabten Wesens auf diesem Planet, doch ich schalte das Ton�berwachungssystem aus, weil sie ein Gespr�ch unter vier Augen mit dem Bruder f�hren will, den sie umbringt.�</p><p>Das war zuviel f�r Quara. �Du mu�t wegen mir �berhaupt nichts ausschalten�, sagte sie. �Es tut mir leid, da� ich gekommen bin. Es war ein dummer Fehler.�</p><p>�Quara!� rief Miro.</p><p>Sie blieb an der Labort�r stehen.</p><p>�Lege den Anzug an und sprich mit Pflanzer. Was hat <emphasis>er </emphasis>mit <emphasis>ihr </emphasis>zu tun?�</p><p>Quara funkelte Ela erneut an, ging jedoch zu dem Sterilisationsraum, aus dem Miro gerade gekommen war.</p><p>Er f�hlte sich sehr erleichtert. Da er wu�te, da� er hier nicht die geringsten Befugnisse hatte und beide Frauen ihm h�tten sagen k�nnen, wohin er sich seine Befehle stecken sollte, verriet die Tatsache, da� sie ihm gehorchten, da� sie in Wirklichkeit gehorchen <emphasis>wollten. </emphasis>Quara wollte wirklich mit Pflanzer sprechen. Und Ela wollte, da� sie mit ihm sprach. Vielleicht waren sie mittlerweile so erwachsen, da� sie mit ihren pers�nlichen Differenzen nicht das Leben anderer Leute gef�hrden wollten. Vielleicht bestand doch noch Hoffnung f�r diese Familie.</p><p>�Sobald ich drinnen bin, wird sie das System wieder einschalten�, sagte Quara.</p><p>�Nein, das wird sie nicht tun�, sagte Miro.</p><p>�Sie wird es versuchen�, sagte Quara.</p><p>Ela sah sie ver�chtlich an. �<emphasis>Ich </emphasis>pflege mein Wort zu halten.�</p><p>Beide schwiegen. Quara ging in die Sterilisationskammer, um sich umzuziehen. Ein paar Minuten sp�ter war sie im Isolierraum; sie tropfte noch von der L�sung zum Abt�ten der Descolada, mit der sie bespr�ht worden war.</p><p>Miro konnte Quaras Schritte h�ren.</p><p>�Schalte ab�, sagte er.</p><p>Ela dr�ckte einen Knopf. Die Schritte verstummten.</p><p>�Soll ich dir alles abspielen, was sie sagen?� fragte Jane in seinem Ohr.</p><p>Er subvokalisierte. �Du kannst auch dort drinnen mith�ren?�</p><p>�Der Computer ist mit mehreren Monitoren verbunden, die auf Schwingungen reagieren. Ich habe mittlerweile ein paar Tricks gelernt, mit denen ich auch aus den schw�chsten Schwingungen die menschliche Sprache dekodieren kann. Und diese Instrumente sind sehr empfindlich.�</p><p>�Worauf wartest du dann?� sagte Miro.</p><p>�Keine moralischen Bedenken wegen der Verletzung der Privatsph�re?�</p><p>�Nicht die geringsten�, erwiderte er. Ihr �berleben stand auf dem Spiel. Und er hatte sein Wort gehalten � die Ton�berwachung <emphasis>war </emphasis>ausgeschaltet. Ela konnte nicht h�ren, was gesprochen wurde.</p><p>Das Gespr�ch war anfangs nicht sehr ergiebig. Wie geht es dir? Sehr krank. Starke Schmerzen? Ja.</p><p>Schlie�lich durchbrach Pflanzer die freundlichen Formalit�ten und kam zur Sache.</p><p>�Warum willst du, da� mein ganzes Volk versklavt bleibt?�</p><p>Quara seufzte � doch zu ihren Gunsten klang das Ger�usch nicht aufgesetzt. F�r Miros ge�bte Ohren schien es, als sei sie wirklich hin und her gerissen. Keineswegs so trotzig, wie sie es ihrer Familie vormachte. �Das will ich nicht�, sagte sie.</p><p>�Vielleicht hast du die Ketten nicht geschmiedet, doch du hast den Schl�ssel daf�r und weigerst dich, ihn zu benutzen.�</p><p>�Die Descolada ist keine Kette�, erwiderte sie. �Eine Kette ist ein Ding. Die Descolada lebt.�</p><p>�Ich auch. Mein ganzes Volk lebt. Warum ist das Leben der Descolada wichtiger als unseres?�</p><p>�Die Descolada t�tet euch nicht. Euer Feind ist Ela und meine Mutter. Sie sind diejenigen, die euch alle t�ten w�rden, um zu verhindern, da� die Descolada sie t�tet.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Pflanzer. �Nat�rlich w�rden sie das. Wie ich jeden von ihnen t�ten w�rde, um <emphasis>mein </emphasis>Volk zu sch�tzen.�</p><p>�Also hast du keinen Streit mit mir.�</p><p>�Doch. Ohne das, was du wei�t, werden sich die Menschen und Pequeninos schlie�lich t�ten. Sie haben keine Wahl. Solange die Descolada nicht gez�hmt werden kann, wird sie schlie�lich die Menschheit t�ten, oder die Menschheit mu� sie vernichten � und uns mit ihr.�</p><p>�Sie werden sie niemals vernichten�, sagte Quara.</p><p>�Weil du es nicht zul��t.�</p><p>�Genausowenig, wie ich zulassen w�rde, da� sie euch vernichten. Vernunftbegabtes Leben ist nun mal vernunftbegabtes Leben.�</p><p>�Nein�, sagte Pflanzer. �Mit Ram�nnern kann man leben. Aber mit Varelse kann es keine Verst�ndigung geben. Nur Krieg.�</p><p>�Das ist Unsinn!� sagte Quara. Dann f�hrte sie die gleichen Argumente an wie im Gespr�ch mit Miro.</p><p>Als sie fertig war, herrschte einen Augenblick lang Stille.</p><p>�Unterhalten sie sich noch?� fl�sterte Ela den Leuten zu, die die Sichtmonitore �berwachten. Miro h�rte keine Antwort � wahrscheinlich hatte jemand den Kopf gesch�ttelt.</p><p>�Quara�, fl�sterte Pflanzer.</p><p>�Ich bin noch hier�, erwiderte sie. Der streits�chtige Tonfall war wieder aus ihrer Stimme gewichen. Ihre grausame moralische Korrektheit hatte ihr keine Freude bereitet.</p><p>�Nicht deshalb weigerst du dich, uns zu helfen�, sagte er.</p><p>�Doch.�</p><p>�Du w�rdest mir sofort helfen, wenn du dich damit nicht deiner Familie beugen m��test.�</p><p>�Das ist nicht wahr!� rief sie.</p><p>�Du bist dir nur so sicher, recht zu haben, weil sie sich so sicher sind, da� du dich irrst.�</p><p>�Ich <emphasis>habe </emphasis>recht!�</p><p>�Wann hast du jemanden gesehen, der keine Zweifel hatte, ob er recht hat?�</p><p>�Ich habe Zweifel�, fl�sterte Quara.</p><p>�H�re auf deine Zweifel�, sagte Pflanzer. �Rette mein Volk. Und deins.�</p><p>�Wer bin ich, da� ich zwischen der Descolada und unserem Volk entscheiden kann?�</p><p>�Genau�, sagte Pflanzer. �Wer bist du, da� du so eine Entscheidung treffen kannst?�</p><p>�Ich treffe keine Entscheidung�, sagte sie. �Ich halte sie zur�ck.�</p><p>�Du wei�t, was die Descolada bewerkstelligen kann. Du wei�t, was sie bewerkstelligen <emphasis>wird. </emphasis>Indem du eine Entscheidung zur�ckh�ltst, triffst du eine.�</p><p>�Es ist keine Entscheidung. Es ist keine <emphasis>Tat.�</emphasis></p><p>�Ist es kein Mord, wenn du einen Mord nicht verhinderst, den du leicht verhindern k�nntest?�</p><p>�Wolltest du mich deshalb sprechen? Als eine weitere Person, die mir sagt, was ich zu tun habe?�</p><p>�Ich habe das Recht dazu.�</p><p>�Weil du es auf dich genommen hast, ein M�rtyrer zu werden und zu sterben?�</p><p>�Ich habe noch nicht den Verstand verloren�, sagte Pflanzer.</p><p>�Genau. Du hast deine Auffassung bewiesen. Jetzt k�nnen sie dir die Descolada injizieren und dich retten.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum nicht? Bist du so sicher, da� du recht hast?�</p><p>��ber mein eigenes Leben kann ich entscheiden. Ich bin nicht wie du � ich treffe nicht die Entscheidung, da� andere sterben m�ssen.�</p><p>�Wenn die Menschheit stirbt, werde ich mit ihr sterben�, sagte Quara.</p><p>�Wei�t du, warum ich sterben will?� sagte Pflanzer.</p><p>�Warum?�</p><p>�Damit ich nicht zusehen mu�, wie Menschen und Pequeninos wieder einander t�ten.�</p><p>Quara senkte den Kopf.</p><p>�Du und Grego � ihr seid beide gleich.�</p><p>Tr�nen tropften auf die Sichtscheibe des Helms. �Das ist eine L�ge.�</p><p>�Beide weigert ihr euch, auf andere zu h�ren. Ihr wi�t alles besser. Und wenn ihr fertig seid, sind viele unschuldige Gesch�pfe tot.�</p><p>Sie stand auf, als wolle sie gehen. �Dann stirb doch�, sagte sie. �Warum sollte ich um dich weinen, wenn ich eine M�rderin bin?� Doch sie machte keinen Schritt. Sie will nicht gehen, dachte Miro.</p><p>�Verrate es ihnen�, sagte Pflanzer.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, so heftig, da� Tr�nen aus ihren Augen flogen und ihr Visier benetzten. Wenn sie so weitermachten, konnte sie bald nichts mehr sehen.</p><p>�Wenn du sagst, was du wei�t, sind alle kl�ger. Wenn du es geheimh�ltst, sind alle verloren.�</p><p>�Wenn ich es sage, wird die Descolada sterben!�</p><p>�Soll sie doch sterben!� schrie Pflanzer.</p><p>Der Gef�hlsausbruch hatte ihn ungeheuerlich angestrengt. Einen Augenblick lang spielten die Laborinstrumente verr�ckt. Ela fluchte unterdr�ckt, w�hrend sie die Monitore �berpr�fte.</p><p>�Solche Gef�hle soll ich dir also entgegenbringen?� fragte Quara.</p><p>�Du <emphasis>bringst </emphasis>mir diese Gef�hle entgegen�, fl�sterte Pflanzer. �Soll er doch sterben!�</p><p>�Nein�, sagte sie.</p><p>�Die Descolada kam und versklavte mein Volk. Was f�r eine Rolle spielt es, ob sie nun vernunftbegabt ist oder nicht? Sie ist ein Tyrann. Wenn ein Mensch sich so verhielte, wie sich die Descolada verh�lt, w�rdest sogar du mir zustimmen, da� man ihn aufhalten mu�, notfalls auch, indem man ihn t�tet. Warum sollte eine Spezies gro�z�giger als ein Mitglied deiner eigenen behandelt werden?�</p><p>�Weil die Descolada nicht wei�, was sie tut�, sagte Quara. �Sie versteht nicht, da� wir intelligent sind.�</p><p>�Ihr ist es <emphasis>gleichg�ltig�, </emphasis>sagte Pflanzer. �Wer immer die Descolada geschaffen hat, schickte sie aus, ohne sich darum zu k�mmern, ob die Spezies, die sie versklavt oder t�tet, vernunftbegabt ist oder nicht. Ist das das Gesch�pf, f�r das mein Volk und dein gesamtes Volk sterben soll? Bist du so voller Ha� auf deine Familie, da� du dich auf die Seite eines Ungeheuers wie die Descolada stellst?�</p><p>Quara hatte keine Antwort. Sie sank auf den Stuhl neben Pflanzers Bett.</p><p>Pflanzer legte ihr eine Hand auf die Schulter. Der Anzug war nicht so dick und undurchdringlich, da� sie den Druck nicht gesp�rt h�tte, auch wenn er sehr schwach war.</p><p>�Ich habe mich mit dem Tod abgefunden�, sagte er. �Vielleicht wegen des dritten Lebens f�rchten wir Pequeninos den Tod nicht so wie ihr kurzlebigen Menschen. Doch obwohl ich das dritte Leben nicht bekommen werde, Quara, werde ich die Art von Unsterblichkeit bekommen, die ihr Menschen habt. Mein Name wird in den Geschichten weiterleben. Selbst wenn ich keinen Baum habe, wird mein Name leben. Und das, was ich getan habe. Ihr Menschen glaubt vielleicht, da� ich f�r nichts und wieder nichts zum M�rtyrer geworden bin, doch meine Br�der werden es verstehen. Indem ich bis zum Ende sauber und intelligent bleibe, beweise ich, da� sie sind, was sie sind. Ich helfe bei dem Beweis, da� nicht unsere Sklavenmeister uns zu dem gemacht haben, was wir sind, und uns nicht daran hindern k�nnen, es zu sein. Die Descolada zwingt uns vielleicht zu vielen Dingen, doch sie besitzt uns nicht ganz im Innersten. In uns ist ein Ort, der unser wahres Selbst birgt. Also habe ich nichts gegen den Tod. Ich werde in jedem freien Pequenino weiterleben.�</p><p>�Warum sagst du das, wo doch nur ich es h�ren kann?� fragte Quara.</p><p>�Weil nur du die Macht hast, mich ganz zu t�ten. Nur du hast die Macht, meinen Tod bedeutungslos werden zu lassen, indem mein gesamtes Volk nach mir stirbt und sich niemand mehr an mich erinnern wird. Warum sollte ich dir allein nicht mein Verm�chtnis anvertrauen? Nur du kannst entscheiden, ob es einen Wert hat oder nicht.�</p><p>�Ich hasse dich daf�r�, sagte sie. �Ich habe gewu�t, da� du dies tun w�rdest.�</p><p>�Was tun?�</p><p>�Mich dazu bringen, mich so schrecklich zu f�hlen, da� ich� <emphasis>nachgeben </emphasis>mu�!�</p><p>�Warum bist du gekommen, wenn du es gewu�t hast?�</p><p>�Ich h�tte nicht kommen sollen! Ich w�nschte, ich w�re nicht gekommen!�</p><p>�Ich will dir sagen, warum du gekommen bist. Du bist gekommen, <emphasis>damit </emphasis>ich dich zum Nachgeben zwinge. Damit du, wenn du nachgibst, es um meinetwegen tust und nicht wegen deiner Familie.�</p><p>�Also bin ich deine Puppe?�</p><p>�Ganz im Gegenteil. Du bist freiwillig hierher gekommen. Du benutzt <emphasis>mich, </emphasis>um tun zu k�nnen, was du tun willst. Im Herzen bist du noch ein Mensch, Quara. Du willst, da� dein Volk lebt. Wolltest du es nicht, w�rest du ein Ungeheuer.�</p><p>�Nur, weil du im Sterben liegst, bist du noch lange nicht weise�, sagte sie.</p><p>�Doch�, erwiderte Pflanzer.</p><p>�Und was w�re, wenn ich dir sage, da� ich <emphasis>niemals </emphasis>meinen Beitrag zur Vernichtung der Descolada leisten w�rde?�</p><p>�Dann w�rde ich dir glauben�, sagte Pflanzer.</p><p>�Und mich hassen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Das kannst du nicht.�</p><p>�Doch, ich kann. Ich bin kein sehr guter Christ. Ich kann die, die mich und mein ganzes Volk t�ten will, nicht lieben.�</p><p>Quara sagte nichts.</p><p>�Geh jetzt�, fuhr er fort. �Ich habe alles gesagt, was ich sagen kann. Jetzt will ich meine Ges�nge anstimmen und intelligent bleiben, bis der Tod schlie�lich kommt.�</p><p>Sie drehte sich von ihm weg und ging in die Sterilisationskammer.</p><p>Miro wandte sich Ela zu. �Alle sollen das Labor verlassen�, sagte er.</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil eine Chance besteht, da� sie herauskommt und dir sagt, was sie wei�.�</p><p>�Dann sollte <emphasis>ich </emphasis>gehen, und alle anderen sollten bleiben�, erwiderte Ela.</p><p>�Nein. Du bist die einzige, der sie es je sagen wird.�</p><p>�Wenn du das glaubst, bist du ein kompletter��</p><p>�Es einem anderen zu verraten, w�rde sie nicht genug verletzen, um sie zu befriedigen�, sagte Miro. �Alle raus.�</p><p>Ela dachte einen Augenblick lang nach. �Na sch�n�, sagte sie zu den anderen. �Geht ins Hauptlabor zur�ck und �berwacht eure Computer. Wenn sie mir etwas sagt, schalte ich uns ins Netzwerk ein, und ihr k�nnt sehen, was sie eingibt. Wenn die Daten Sinn ergeben zu scheinen, geht ihr ihnen nach. Auch wenn sie wirklich etwas wei�, bleibt uns nicht mehr viel Zeit, um einen gestutzten Descolada-Virus zu entwerfen, den wir Pflanzer injizieren k�nnen, bevor er stirbt. Also geht jetzt.�</p><p>Sie gingen.</p><p>Als Quara aus der Sterilisationskammer auftauchte, warteten nur Ela und Miro auf sie.</p><p>�Ich halte es f�r falsch, die Descolada zu t�ten, bevor wir auch nur versucht haben, mit ihr zu sprechen�, sagte sie.</p><p>�Das kann schon sein�, erwiderte Ela. �Ich wei� nur, da� ich vorhabe, sie zu t�ten, wenn ich kann.�</p><p>�Zeige mir deine Dateien�, sagte Quara. �Ich werde dir alles verraten, was ich �ber die Descolada-Intelligenz wei�. Wenn es funktioniert und Pflanzer �berleben sollte, werde ich ihm ins Gesicht spucken.�</p><p>�Spucke tausend Mal�, sagte Ela. �Wenn er nur �berlebt.�</p><p>Ihre Dateien erschienen im Display. Quara deutete auf bestimmte Regionen eines Modells des Descolada-Virus. Innerhalb von ein paar Minuten sa� Quara vor dem Terminal, gab Daten ein, erkl�rte und sprach, w�hrend Ela ihr Fragen stellte.</p><p>In Miros Ohr meldete sich wieder Jane. �Dieses kleine Mistst�ck�, sagte sie. �Sie hat ihre Dateien gar nicht in einen anderen Computer eingegeben. Sie hat alles auswendig gelernt, was sie wei�.�</p><empty-line/><p>Am fr�hen Abend des n�chsten Tages befand sich Pflanzer am Rande des Todes und Ela am Rand der Ersch�pfung. Ihr Team hatte die ganze Nacht durchgearbeitet; Quara hatte ihr ununterbrochen geholfen, alles gelesen und kritisiert, was Elas Leute sich einfallen lie�en, und auf Fehler hingewiesen. Am Morgen hatten sie einen gestutzten Virus entworfen, der den alten ersetzen sollte. S�mtliche Sprachanlagen fehlten, was bedeutete, da� die neuen Viren nicht miteinander kommunizieren konnten. Soweit sie es zu sagen vermochten, verf�gte er auch �ber keinerlei analytische F�higkeiten mehr. Doch es befanden sich noch alle Teile des Virus an Ort und Stelle, die K�rperfunktionen des einheimischen Lebens Lusitanias bestimmten. Soweit sie es sagen konnten, ohne ein Probeexemplar des Virus zur Verf�gung zu haben, stellte dieser Entwurf genau das dar, was sie brauchten � eine Descolada, die im Lebenszyklus der Spezies Lusitanias, einschlie�lich der Pequeninos, voll funktionsf�hig war, aber keinerlei globale Regulation oder Manipulation mehr ausf�hren konnte. Sie nannten den neuen Virus <emphasis>Recolada. </emphasis>Der alte war nach seiner Eigenschaft benannt worden, Lebewesen auseinanderzurei�en; der neue nach seiner �briggebliebenen Funktion, die Spezies-Paare, die das einheimische Leben Lusitanias darstellten, zusammenzuhalten.</p><p>Ender erhob einen Einwand � da die Descolada die Pequeninos in einen kriegerischen, aggressiven Zustand versetzt haben mu�te, w�rde der neue Virus sie vielleicht in diesem Zustand halten. Doch Ela und Quara antworteten �bereinstimmend, da� sie absichtlich eine �ltere Version der Descolada als Modell genommen hatten, aus einer Zeit, da die Pequeninos entspannter gewesen waren � �mehr sie selbst�. Die Pequeninos, die an dem Projekt mitarbeiteten, hatten zugestimmt; und sie hatten zu wenig Zeit, noch jemanden hinzuzuziehen au�er Mensch und W�hler, die ebenfalls beipflichteten.</p><p>Mit den Informationen, die Quara ihnen �ber die Vorgehensweise der Descolada verraten hatte, lie� Ela auch ein Team an einem Killerbakterium arbeiten, das sich schnell in der gesamten Gaialogie des Planeten ausbreiten, die normale Descolada an jedem Ort und in jeder Form aufsp�ren, sie zerrei�en und t�ten w�rde. Dieses Bakterium w�rde die alte Descolada an genau jenen Bestandteilen erkennen, die der neuen fehlte. Wenn sie die Recolada und das Killerbakterium gleichzeitig aussetzten, m��ten sie die Descolada ausmerzen k�nnen.</p><p>Nur ein Problem blieb noch � die eigentliche Konstruktion des neuen Virus. An diesem Projekt arbeitete Ela von Mittag an. Quara brach zusammen und schlief, die meisten Pequeninos taten es ihr gleich. Doch Ela machte weiter, benutzte alle Werkzeuge, die ihr zur Verf�gung standen, um den Virus aufzubrechen und so wieder zusammenzusetzen, wie sie ihn brauchte.</p><p>Als Ender am fr�hen Abend kam, um ihr zu sagen, da� sie den neuen Virus jetzt einsetzen mu�ten, wollten sie Pflanzer retten, brach sie ebenfalls zusammen und konnte nur noch vor Ersch�pfung und Frustration weinen.</p><p>�Ich schaffe es nicht�, sagte sie.</p><p>�Dann sage ihm, da� du Erfolg gehabt hast, aber den neuen Virus nicht mehr rechtzeitig hinbekommst und��</p><p>�Ich meine, es geht nicht.�</p><p>�Du hast ihn entworfen.�</p><p>�Wir haben ihn geplant, wir haben ihn entworfen, aber wir k�nnen ihn nicht <emphasis>herstellen. </emphasis>Die Descolada ist eine wirklich gemeine Konstruktion. Wir k�nnen ihn nicht aus Einzelteilen zusammensetzen, weil es zu viele Teile gibt, die nicht zusammenhalten, wenn wir in diese Teile nicht schon die F�higkeit eingebaut haben, sich einander wieder aufzubauen, w�hrend sie noch zusammenbrechen. Und wir k�nnen keine Modifikationen des derzeitigen Virus vornehmen, wenn die Descolada nicht mindestens bruchst�ckhaft aktiv ist. Doch in diesem Fall hebt sie unsere Ver�nderungen schneller wieder auf, als wir sie durchf�hren k�nnen. Sie wurde so angelegt, da� sie sich st�ndig selbst �berwacht, damit sie nicht ver�ndert werden kann, und ist gleichzeitig in all ihren Einzelteilen so unstabil, da� man sie nicht neu herstellen kann.�</p><p>�Aber <emphasis>sie</emphasis> haben sie hergestellt.�</p><p>�Ja, aber ich wei� nicht, <emphasis>wie. </emphasis>Im Gegensatz zu Grego kann ich nicht einfach meine Wissenschaft aufgeben, auf einen metaphysischen Einfall zur�ckgreifen und mir Dinge herbeiw�nschen. Ich mu� mich an die Naturgesetze halten, wie sie hier und jetzt gelten, und die Naturgesetze lassen die Herstellung des Virus nicht zu.�</p><p>�Also kennen wir unser Ziel, finden aber nicht den richtigen Weg dorthin.�</p><p>�Bis gestern abend wu�te ich nicht genug, um Vermutungen dar�ber anstellen zu k�nnen, ob wir diese neue Recolada �berhaupt entwerfen k�nnen, und konnte daher auch nicht wissen, ob wir es �berhaupt schaffen w�rden. Ich habe gedacht, wenn wir den Virus entwerfen k�nnen, k�nnen wir ihn auch bauen. Ich habe nur den Augenblick abgewartet, in dem Quara nachgibt, um es zu versuchen. Bislang haben wir jedoch nur festgestellt, da� es unm�glich ist. Quara hatte recht. Wir wissen jetzt eindeutig genug, um jeden Descolada-Virus auf Lusitania t�ten zu k�nnen. Aber wir k�nnen nicht die Recolada herstellen, die die Descolada ersetzen und das Leben auf Lusitania funktionsf�hig halten k�nnte.�</p><p>�Wenn wir also das Mordbakterium einsetzen��</p><p>�W�rden innerhalb von einer oder zwei Wochen alle Pequeninos auf Lusitania dort sein, wo Pflanzer jetzt ist. Und alle Gr�ser und V�gel und Ranken und alles. Versengte Erde. Eine ungeheuerliche Tat. Quara hatte recht.� Sie weinte wieder.</p><p>�Du bist nur �berm�det.� Es war Quara, die gerade erwacht war. Sie sah schrecklich aus; der Schlaf hatte sie nicht erfrischt.</p><p>Ela konnte ihrer Schwester nicht antworten.</p><p>Quara sah aus, als wolle sie etwas Grausames sagen, etwa: <emphasis>Na, habe ich es dir nicht gesagt? </emphasis>Doch sie �berlegte es sich anders, ging zu Ela und legte ihr die Hand auf die Schulter. �Du bist m�de, Ela. Du mu�t schlafen.�</p><p>�Ja�, sagte Ela.</p><p>�Aber zuerst wollen wir es Pflanzer sagen.�</p><p>�Uns von ihm verabschieden, meinst du.�</p><p>�Ja, das meine ich.�</p><p>Sie begaben sich zu dem Labor, in dem sich Pflanzers Isolierraum befand. Die Pequenino-Forscher, die geschlafen hatten, waren wieder wach und hatten sich zusammengefunden, um in Pflanzers letzten Stunden �ber ihn zu wachen. Miro war wieder bei Pflanzer, und diesmal baten sie ihn nicht zu gehen, obwohl Ender wu�te, da� sowohl Ela als auch Quara gern zu ihm gegangen w�ren. Statt dessen sprachen sie �ber das Lautsprechersystem mit ihm und erkl�rten ihm, was sie entdeckt hatten. Dieser halbe Erfolg war auf seine Art schlimmer als ein kompletter Fehlschlag, denn er konnte leicht zur Vernichtung aller Pequeninos f�hren, wenn die Menschen auf Lusitania nur verzweifelt genug sein w�rden.</p><p>�Ihr werdet es nicht benutzten�, fl�sterte Pflanzer. Die Mikrofone konnten trotz ihrer Empfindlichkeit seine Stimme kaum aufnehmen.</p><p><emphasis>�Wir </emphasis>nicht�, sagte Quara. �Aber wir sind nicht die einzigen Menschen hier.�</p><p>Seine letzten Worte waren nicht verst�ndlich; sie lasen sp�ter seine Lippenbewegungen von der Holoaufzeichnung ab, um zu erfahren, was er gesagt hatte. Und nachdem er es gesagt und ihre Abschiedsworte vernommen hatte, starb er.</p><p>In dem Augenblick, da die �berwachungsger�te seinen Tod best�tigten, st�rmten die Pequeninos der Forschergruppe in den Isolierraum. Sterilisation war jetzt �berfl�ssig; im Gegenteil, sie <emphasis>wollten </emphasis>die Descolada mit sich bringen. Sie schoben Miro barsch aus dem Weg und machten sich an die Arbeit, injizierten den Virus in jeden Teil von Pflanzers K�rper, Hunderte von Injektionen in ein paar Augenblicken. Sie hatten sich offensichtlich darauf vorbereitet. Sie w�rden Pflanzers Opfer im Leben respektieren � doch sobald er erst tot und seine Ehre gewahrt war, versuchten sie alles, um ihn f�r das dritte Leben zu retten, falls dies m�glich sein sollte.</p><p>Sie brachten ihn auf die Lichtung, auf der Mensch und W�hler standen, und legten ihn auf eine vorher markierte Stelle, so da� er mit den beiden jungen Vaterb�umen ein gleichschenkliges Dreieck bildete. Sie zogen ihm die Haut ab und �ffneten seine Leiche. Innerhalb von ein paar Stunden wuchs ein Baum, und kurze Zeit �ber bestand Hoffnung, da� es sich um einen Vaterbaum handelte. Doch die Br�der, die darin erfahren waren, einen jungen Vaterbaum zu erkennen, brauchten nur ein paar Tage, um zu erkennen, da� der Versuch gescheitert war. Der Baum verf�gte �ber Leben und enthielt Pflanzers Gene; doch die Erinnerungen, der Wille, die Person waren verloren. Der Baum war stumm; er verf�gte �ber keinen Verstand, der mit den anderen Vaterb�umen st�ndig Zwiesprache halten konnte. Pflanzer hatte den Entschlu� gefa�t, sich von der Descolada zu befreien, selbst wenn es bedeutete, da� er das dritte Leben verlor, das das Geschenk der Descolada an jene war, die sie besa�. Er hatte Erfolg gehabt und, indem er verloren hatte, gewonnen.</p><p>Er hatte auch noch mit etwas anderem Erfolg gehabt. Die Pequeninos nahmen Abstand von der Gewohnheit, den Namen eines blo�en Bruderbaums schnell zu vergessen. Obwohl keine kleine Mutter jemals �ber seine Borke kriechen w�rde, wurde der Bruderbaum, der aus seiner Leiche gewachsen war, als Pflanzer bekannt und mit Respekt behandelt, als w�re er ein Vaterbaum. �berdies wurde seine Geschichte immer und immer wieder auf ganz Lusitania erz�hlt, �berall, wo Pequeninos lebten. Er hatte bewiesen, da� die Pequeninos auch ohne die Descolada intelligent waren; er hatte ein edles Opfer gebracht, und der Name Pflanzer erinnerte alle Pequeninos an ihre grundlegende Freiheit von dem Virus, der sie in Ketten gelegt hatte.</p><p>Doch Pflanzers Tod f�hrte nicht zu einer Pause bei den Vorbereitungen der Kolonisation anderer Welten durch die Pequeninos. Kriegmachers Fraktion hatte jetzt die Mehrheit, und als sich Ger�chte verbreiteten, die Menschen h�tten ein Bakterium, das die Descolada t�ten konnte, setzten sie ihre Bestrebungen noch dringlicher fort. Schnell, sagten sie immer wieder zu der Schwarmk�nigin. Schnell, damit wir uns von dieser Welt befreien k�nnen, bevor sich die Menschen entschlie�en, uns alle zu t�ten.</p><empty-line/><p>�Ich glaube, ich kann es schaffen�, sagte Jane. �Wenn das Schiff klein und einfach ist, eine Fracht so gut wie nicht vorhanden und die Besatzung so gering wie m�glich, kann ich das Muster in meinem Geist halten. Wenn die Reise kurz und der Aufenthalt im Au�en-Raum sehr kurz ist. Was den Start- und Zielpunkt betrifft, ist es ein Kinderspiel. Ich m��te es auf den Millimeter genau hinbekommen und k�nnte es sogar im Schlaf. Also sind Vorrichtungen zur Beschleunigung oder komplizierte Lebenserhaltungssysteme �berfl�ssig. Das Sternenschiff kann ganz einfach konstruiert sein. Eine abgeschottete Umgebung, Pl�tze, Licht, W�rme. Wenn ich alles zusammenhalten und uns dorthin und wieder zur�ck bringen kann, werden wir nicht einmal lange genug im All sein, um den Sauerstoffvorrat in dem kleinen Raum aufzubrauchen.�</p><p>Sie hatten sich alle im B�ro des Bischofs versammelt, um mit ihr zu sprechen � die gesamte Familie Ribeira, Jakts und Valentines Familie, die Pequeninoforscher, mehrere Priester und Filhos und vielleicht ein Dutzend anderer Anf�hrer der Menschenkolonie. Der Bischof hatte darauf bestanden, das Treffen in seinem B�ro abzuhalten. �Weil es gro� genug ist�, hatte er gesagt, �und weil ich dabei sein m�chte, um Gott zu bitten, gn�dig mit euch zu verfahren, wenn ihr wie Nimrod ausziehen und vor dem Herren jagen, wenn ihr ein Raumschiff in den Himmel schicken wollt, das wie einst Babel das Gesicht Gottes suchen soll.�</p><p>�Wieviel Kapazit�t bleibt dir dann noch?� fragte Ender.</p><p>�Nicht mehr viel�, antwortete Jane. �W�hrend des Versuchs wird sowieso schon jeder Computer auf den Hundert Welten nur noch qu�lend langsam arbeiten k�nnen. Ich mu� ihre Speicher benutzen, um das Muster aufnehmen zu k�nnen.�</p><p>�Ich frage, weil wir ein Experiment durchf�hren wollen, w�hrend wir dort drau�en sind.�</p><p>�Rede nicht darum herum, Ender�, sagte Ela. �Wir wollen ein Wunder durchf�hren, w�hrend wir dort sind. Wenn wir �berhaupt ins Au�en gelangen, hei�t das, da� Grego und Olhado wahrscheinlich richtig vermutet haben, wie es dort aussieht. Und das hei�t, da� dort andere Regeln gelten. Man kann Dinge erschaffen, indem man sich einfach ihr Muster vorstellt. Deshalb will ich mitfliegen. Es besteht die Chance, da� ich, wenn ich das Muster der Recolada im Sinn habe, sie dort tats�chlich erschaffen kann. Ich k�nnte einen Virus zur�ckbringen, den ich im Realraum nicht konstruieren kann. Kannst du mich mitnehmen? Kannst du lange genug dort bleiben, da� ich den Virus erschaffen kann?�</p><p>�Wie lange ist das?� fragte Jane.</p><p>�Es m��te praktisch ohne Zeitverlust gehen�, sagte Grego. �In dem Augenblick, in dem wir dort eintreffen, m��ten alle voll ausgebildeten Muster, die wir im Kopf haben, in einem Zeitraum geschaffen werden, der zu kurz ist, als da� Menschen ihn messen k�nnten. Aber es wird dauern, den Virus zu analysieren, um festzustellen, ob es auch der ist, den sie haben will. Vielleicht f�nf Minuten.�</p><p>�Ja�, sagte Jane. �Wenn ich es �berhaupt schaffe, schaffe ich es auch f�nf Minuten lang.�</p><p>�Der Rest der Crew�, sagte Ender.</p><p>�Der Rest der Crew wird aus dir und Miro bestehen�, erwiderte Jane. �Und aus niemandem sonst.�</p><p>Grego protestierte am lautesten, aber er war nicht der einzige.</p><p>�Ich bin Pilot�, sagte Jakt.</p><p><emphasis>�Ich </emphasis>bin der einzige Pilot dieses Schiffes�, sagte Jane.</p><p>�Olhado und ich sind auf die Idee gekommen�, sagte Grego.</p><p>�Ender und Miro werden mitfliegen, weil es ohne sie nicht geht. Ich existiere in Ender � er nimmt mich mit, wohin er auch geht. Miro hingegen steht mir mittlerweile so nahe, da� er wom�glich Teil des Musters ist, das ich bin. Ich will ihn dabeihaben, weil ich ohne ihn vielleicht nicht vollst�ndig bin. Sonst kann niemand mitkommen. Ich kann niemanden mehr in das Muster aufnehmen. Ela ist die einzige Ausnahme.�</p><p>�Dann ist das die Mannschaft�, sagte Ender.</p><p>�Ohne Diskussion�, f�gte B�rgermeister Kovano hinzu.</p><p>�Wird die Schwarmk�nigin das Schiff bauen?� fragte Jane.</p><p>�Ja�, sagte Ender.</p><p>�Dann m�chte auch ich um einen Gefallen bitten. Ela, kannst du dir auch das Muster f�r einen weiteren Virus einpr�gen, wenn ich dir diese f�nf Minuten gebe?�</p><p>�Den Virus f�r Weg?� fragte sie.</p><p>�Wir sind es ihnen f�r die Hilfe schuldig, die sie uns geleistet haben.�</p><p>�Ich glaube schon�, sagte sie. �Zumindest kann ich mir die Unterschiede zwischen diesem Virus und der normalen Descolada einpr�gen. Das ist sowieso alles, was ich mir merken kann � die Unterschiede.�</p><p>�Und wann wird das alles stattfinden?� fragte der B�rgermeister.</p><p>�Sobald die Schwarmk�nigin das Schiff gebaut hat�, erwiderte Jane. �Uns bleiben nur noch achtundvierzig Tage, bis die Hundert Welten ihre Verk�rzer ausschalten werden. Wir wissen mittlerweile, da� ich diesen Tag �berleben werde, doch er wird mich verkr�ppeln. Es wird eine Weile dauern, bis ich all meine verlorenen Erinnerungen zur�ckbekommen habe, wenn mir das �berhaupt jemals m�glich sein sollte. Und bis dahin kann ich mir unm�glich das Muster eines Schiffes einpr�gen, das ins Au�en fliegen soll.�</p><p>�Die Schwarmk�nigin kann ein so primitives Schiff lange vorher fertig haben�, sagte Ender. �Mit einem so kleinen Schiff besteht keine Chance, alle Menschen und Pequeninos vor der Ankunft der Flotte von Lusitania wegzubringen, einmal ganz davon abgesehen, da� das Ausschalten der Verk�rzer verhindern wird, da� Jane das Schiff weiterhin fliegen kann. Aber es bleibt genug Zeit, um neue, Descolada-freie Pequenino-Gemeinschaften auf ein Dutzend Planeten zu bringen. Zeit genug, um ebenfalls die neuen, bereits f�r ihre ersten paar hundert Eier fruchtbar gemachten Schwarmk�niginnen in ihren Kokons auf ein Dutzend Welten zu bringen. Falls es funktioniert, falls wir nicht nur Verr�ckte sind, die sich w�nschen, fliegen zu k�nnen, werden wir mit Frieden f�r diese Welt zur�ckkehren, mit der Freiheit von der Gefahr der Descolada und sicherem Unterschlupf f�r die genetischen Erbanlagen der anderen Ram�nner-Spezies auf diesem Planeten. Vor einer Woche sah es noch unm�glich aus. Jetzt haben wir Hoffnung.�</p><p>�Gracas a deus�, sagte der Bischof.</p><p>Quara lachte.</p><p>Alle sahen sie an.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte sie. �Ich habe nur gedacht� ich habe vor ein paar Wochen ein Gebet geh�rt. Ein Gebet an Os Venerados, an Gro�vater Gusto und Gro�mutter Cida. Wenn es eine M�glichkeit g�be, die unm�glichen Probleme zu l�sen, denen wir gegen�berstehen, sollten sie Gott bitten, uns den Weg zu zeigen.�</p><p>�Kein schlechtes Gebet�, sagte der Bischof. �Und vielleicht hat uns Gott den Wunsch gew�hrt.�</p><p>�Ich wei߫, sagte Quara. �Das habe ich auch gedacht. Und wenn diese Sache mit dem Au�en-Raum und dem Innen-Raum vorher ganz einfach nicht real gewesen w�re? Wenn es nur wegen dieses Gebets Wirklichkeit wurde?�</p><p>�Was dann?� fragte der Bischof.</p><p>�Nun, meint ihr nicht auch, da� das ungeheuer komisch w�re?�</p><p>Anscheinend war niemand dieser Meinung.</p></section><section><title><p id="_Toc119392805">Kapitel 16</p><p>Die Reise</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Also steht den Menschen ihr Sternenschiff schon jetzt zur Verf�gung, w�hrend das, was du f�r uns baust, noch nicht fertig ist.�</p><p>�Sie wollen einen Kasten mit einer T�r. Kein Antrieb, kein Lebenserhaltungssystem, keine Frachtr�ume. Das eure und das unsrige sind viel komplizierter. Wir haben es nicht langsam angehen lassen, und sie werden bald fertig sein.�</p><p>�Ich beschwere mich wirklich nicht. Ich will auch, da� Enders Schiff zuerst fertig ist. Es ist dasjenige, das wirkliche Hoffnung tr�gt.�</p><p>�F�r uns auch. Wir stimmen mit Ender und seinen Leuten �berein, da� die Descolada hier auf Lusitania niemals get�tet werden darf, au�er es gelingt irgendwie, die Recolada zu schaffen. Doch wenn wir neue Schwarmk�niginnen zu anderen Welten schicken, werden wir an Bord der Sternenschiffe, die sie bef�rdern, die Descolada t�ten, damit keine Gefahr besteht, unsere neue Heimat zu verseuchen. Damit wir ohne Furcht vor der Vernichtung durch diese k�nstlichen Varelse leben k�nnen.�</p><p>�Was ihr auf <emphasis>eurem </emphasis>Schiff tut, geht uns nichts an.�</p><p>�Mit etwas Gl�ck wird es nicht soweit kommen. Ihr neues Sternenschiff wird den Weg ins Au�en finden, mit der Recolada zur�ckkehren, euch und auch uns befreien, und dann wird das neue Schiff uns zu so vielen Welten transportieren, wie wir wollen.�</p><p><emphasis>�Wird </emphasis>der Kasten funktionieren, den du f�r sie gebaut hast?�</p><p>�Wir wissen, da� es den Ort, an den sie gehen, wirklich gibt; wir rufen unser Selbst von dort. Und die Br�cke, die wir geschaffen haben, jene, die Ender Jane nennt, ist ein Muster, wie wir es noch nie zuvor gesehen haben. Wenn es jemand kann, dann eine wie sie. <emphasis>Wir </emphasis>k�nnten es nie.�</p><p>�Werdet <emphasis>ihr </emphasis>gehen? Wenn das neue Schiff funktioniert?�</p><p>�Wir werden Tochter-K�niginnen schaffen, die meine Erinnerungen mit auf andere Welten nehmen. Doch wir selbst werden hier bleiben. Dieser Ort, an dem ich aus meinem Kokon kam, ist auf ewig meine Heimat.�</p><p>�Also bist du hier genauso verwurzelt wie ich.�</p><p>�Daf�r sind ja die T�chter da. Um dorthin zu gehen, wohin wir niemals gehen werden, um unsere Erinnerungen an Orte mitzunehmen, die wir niemals sehen werden.�</p><p>�Aber wir werden sie sehen. Oder nicht? Du hast gesagt, da� die philotischen Verbindungen bestehen bleiben werden.�</p><p>�Wir haben �ber die Reise durch die Zeit nachgedacht. Wir leben lange, wir Schw�rme, ihr B�ume. Aber unsere T�chter und ihre T�chter werden uns �berleben. Nichts kann das �ndern.�</p><empty-line/><p>Qing-jao h�rte ihnen zu, als sie ihr erkl�rten, welche Wahlm�glichkeiten sie hatten.</p><p>�Warum sollte es mich interessieren, wie ihr euch entscheidet?� sagte sie, als sie fertig waren. �Die G�tter werden �ber euch lachen.�</p><p>Vater sch�ttelte den Kopf. �Das werden sie nicht, meine Tochter, �Strahlend Helle�. Die G�tter geben nicht mehr um Weg als um jede andere Welt auch. Die Menschen von Lusitania werden einen Virus schaffen, der uns alle befreien kann. Keine Rituale mehr, keine Fesseln aufgrund der Unordnung in unseren Gehirnen. Also frage ich dich noch einmal. Sollen wir es tun, wenn es uns m�glich ist? Es w�rde hier Unordnung schaffen. Wang-mu und ich haben geplant, wie wir vorgehen werden, wie wir ank�ndigen werden, was wir tun, damit das Volk es versteht, damit die Gottber�hrten nicht dahingemetzelt werden, sondern ihre Privilegien mit der Zeit aufgeben k�nnen.�</p><p>�Privilegien bedeuten nichts�, sagte Qing-jao. �Das hast du selbst mich gelehrt. Durch sie dr�cken die Menschen nur ihre Ehrfurcht vor den G�ttern aus.�</p><p>�Ach, meine Tochter, wenn ich doch nur w��te, da� auch die anderen Gottber�hrten unsere bescheidene Sicht der Dinge mit uns teilen. Aber zu viele von ihnen glauben, es sei ihr Recht, Forderungen zu stellen und andere Menschen zu unterdr�cken, weil die G�tter zu ihnen und nicht zu den anderen sprechen.�</p><p>�Dann werden die G�tter sie bestrafen. Ich f�rchte mich nicht vor deinem Virus.�</p><p>�Doch, du f�rchtest dich davor, Qing-jao. Ich sehe es.�</p><p>�Wie kann ich meinem Vater sagen, da� er nicht sieht, was zu sehen er behauptet? Ich kann nur sagen, da� <emphasis>ich </emphasis>blind sein mu�.�</p><p>�Ja, meine Qing-jao, du bist blind. Betriebsblind. Blind in deinem Herzen. Denn du zitterst sogar in diesem Augenblick. Du hast niemals mit Sicherheit gewu�t, da� ich mich irre. Von dem Augenblick an, da Jane uns die wahre Natur der sprechenden G�tter gezeigt hat, bist du dir nicht mehr sicher, was die Wahrheit ist.�</p><p>�Dann bin ich mir nicht mehr sicher, da� die Sonne aufgehen wird. Da� ich atme.�</p><p>�Wir alle wissen nicht, ob wir gleich noch atmen werden, und die Sonne bleibt an ihrer Stelle, Tag und Nacht. Sie geht weder auf, noch versinkt sie. Wir sind diejenigen, die auf- und untergehen.�</p><p>�Vater, ich habe von diesem Virus nichts zu bef�rchten.�</p><p>�Dann ist unsere Entscheidung gefallen. Wenn die Lusitanier uns den Virus geben k�nnen, werden wir ihn einsetzen.� Han Fei-tzu erhob sich, um ihr Zimmer zu verlassen.</p><p>Doch ihre Stimme hielt ihn auf, bevor er die T�r erreichte. �Dann ist das also die Verkleidung, die die Strafe der G�tter annehmen wird, nicht wahr?�</p><p>�Was?�</p><p>�Wenn sie Weg bestrafen, weil du gegen die G�tter gearbeitet hast, die dem Kongre� ihr Mandat gegeben haben � werden sie ihre Strafe dann als Virus verkleiden, der sie anscheinend verstummen l��t?�</p><p>�Ich w�nschte, Hunde h�tten mir die Zunge herausgerissen, bevor ich dich lehrte, so zu denken.�</p><p>�Die Hunde rei�en bereits an meinem Herz�, antwortete Qing-jao. �Vater, ich bitte dich, tue es nicht. La� nicht zu, da� deine Aufs�ssigkeit die G�tter dazu bewegt, auf dem gesamten Antlitz dieser Welt zu schweigen.�</p><p>�Ich <emphasis>werde </emphasis>es tun, Qing-jao, damit keine T�chter oder S�hne mehr als Sklaven aufwachsen m�ssen, wie es bei dir der Fall war. Wenn ich daran denke, wie du dein Gesicht fast auf den Boden dr�ckst und die Linien im Holz verfolgst, m�chte ich die K�rper derjenigen zerschneiden, die dir dies aufgezwungen haben, bis <emphasis>ihr </emphasis>Blut Linien erzeugt, die <emphasis>ich </emphasis>dann gern verfolgen werde, um zu wissen, da� sie bestraft worden sind.�</p><p>Sie weinte. �Vater, ich bitte dich, erz�rne die G�tter nicht.�</p><p>�Jetzt bin ich mehr denn je entschlossen, den Virus freizusetzen, falls er kommt.�</p><p>�Was kann ich tun, um dich zu �berzeugen? Wenn ich nichts sage, wirst du es tun, und wenn ich dich bitte, es nicht zu tun, wirst du es nur um so sicherer tun.�</p><p>�Wei�t du, wie du mich aufhalten k�nntest? Du k�nntest zu mir sprechen, als w��test du, da� die Stimmen der G�tter das Produkt einer Geisteskrankheit sind. Und wenn ich dann w��te, da� du die Welt klar und deutlich siehst, k�nntest du mich mit guten Argumenten �berzeugen, da� solch eine schnelle, vollst�ndige und verheerende Ver�nderung nur sch�dlich sein w�rde.�</p><p>�Also mu� ich meinen Vater bel�gen, um ihn zu �berzeugen?�</p><p>�Nein, meine �Strahlend Helle�. Um deinen Vater zu �berzeugen, mu� du ihm zeigen, da� du die Wahrheit verstehst.�</p><p>�Ich verstehe die Wahrheit�, sagte Qing-jao. �Ich verstehe, da� du mir von einem Feind gestohlen wurdest. Ich verstehe, da� ich jetzt nur noch die G�tter habe, und Mutter, die unter ihnen ist. Ich bitte die G�tter, mich sterben zu lassen, damit ich mich zu ihr gesellen kann und nicht mehr die Schmerzen ertragen mu�t, die du mir zuf�gst, doch sie lassen mich noch auf dieser Welt verweilen. Ich glaube, es bedeutet, da� ich sie noch verehren soll. Vielleicht bin ich noch nicht rein genug. Oder vielleicht wissen sie, da� sich dein Herz wieder wenden und du wieder zu mir kommen wirst wie fr�her einmal, und ehrbar von den G�ttern sprechen und mich lehren wirst, eine wahre Dienerin zu sein.�</p><p>�Das wird nie geschehen�, sagte Han Fei-tzu.</p><p>�Einst habe ich gedacht, du k�nntest eines Tages der Gott von Weg sein. Nun sehe ich, da� du keineswegs der Besch�tzer dieser Welt, sondern ihr dunkelster Feind bist.�</p><p>Han Fei-tzu schlug die H�nde vors Gesicht und verlie� weinend den Raum. Solange sie die Stimme der G�tter h�rte, konnte er sie niemals �berzeugen. Doch vielleicht w�rde sie auf ihn h�ren, wenn sie den Virus einsetzten, wenn die G�tter verstummten. Vielleicht konnte er sie dann zur Vernunft zur�ckf�hren.</p><empty-line/><p>Sie sa�en in dem Sternenschiff � es sah eher aus wie zwei Metallkuppeln, eine �ber die andere gelegt, mit einer T�r in der Seite. Janes Entwurf, sorgf�ltig ausgef�hrt von der Schwarmk�nigin und ihren Arbeitern, sahen zahlreiche Instrumente auf der Au�enseite des Schiffes vor. Doch selbst mit diesem Gewimmel von Sensoren erinnerte es an kein Sternenschiff, das je zuvor erbaut worden war. Es war viel zu klein, und es gab keinen sichtbaren Antrieb. Die einzige Energie, die dieses Schiff irgendwo hin tragen konnte, war die unsichtbare Aiua, die Ender mit sich an Bord brachte.</p><p>Sie sa�en sich in einem Kreis gegen�ber. Es befanden sich sechs Sessel an Bord, weil die Chance bestand, da� Janes Muster es erm�glichte, das Schiff immer wieder einzusetzen und somit mehr Passagiere von einer Welt zur anderen zu bef�rdern. Sie hatten jeden zweiten Sessel besetzt, so da� sie ein Dreieck bildeten: Ender, Miro, Ela.</p><p>Alle Abschiedsworte waren gesprochen. Schwester und Br�der, andere Verwandte und viele Freunde waren gekommen. Das Fehlen einer Person war jedoch besonders schmerzlich. Novinha. Enders Frau, Miros und Elas Mutter. Sie wollte damit nichts zu tun haben. Das war das einzig echte Leid beim Abschied.</p><p>Der Rest bestand aus Furcht und Aufregung, Hoffnung und Unglaube. Vielleicht waren sie nur einen Augenblick vom Tod entfernt. Vielleicht waren sie nur einen Augenblick davon entfernt, die Reagenzgl�ser auf Elas Scho� mit den Viren zu f�llen, die f�r zwei Welten die Erl�sung bedeuten w�rden. Vielleicht waren sie die Pioniere einer neuen Art von Sternenflug, die die durch das M.D.-Ger�t bedrohte Spezies retten w�rde.</p><p>Vielleicht waren sie auch einfach nur drei Narren, die auf einer Wiese vor dem Umz�unung der menschlichen Kolonie Lusitanias sa�en, bis es so hei� und stickig in ihrem Raumschiff wurde, da� sie es verlassen mu�ten. Nat�rlich w�rde niemand lachen, der drau�en wartete, doch in der ganzen Stadt w�rde es Gel�chter geben, Gel�chter der Verzweiflung. Es w�rde bedeuten, da� es keinen Ausweg gab, keine Freiheit, nur immer mehr Furcht, bis der Tod in einer seiner vielen m�glichen Verkleidungen kam.</p><p>�Bist du bei uns, Jane?� fragte Ender.</p><p>Die Stimme in seinem Ohr klang gelassen. �W�hrend ich dies tue, Ender, kann ich keinen Teil von mir er�brigen, um mich mit dir zu unterhalten.�</p><p>�Also wirst du bei uns, aber stumm sein�, sagte Ender. �Wie soll ich wissen, da� du noch da bist?�</p><p>Sie lachte leise in seinem Ohr. �T�richter Junge, Ender. Wenn du noch da bist, bin ich in dir. Und wenn ich nicht in dir bin, gibt es auch kein �dort� mehr, in dem du sein kannst.�</p><p>Ender stellte sich vor, wie er in eine Billiarde zusammengesetzter Teile zerbrach und sich im Chaos verstreute. Das pers�nliche �berleben hing nicht nur davon ab, da� Jane das Muster des Schiffes zusammenhielt, sondern auch, da� er das Muster seines K�rpers und Geistes zusammenhalten konnte. Doch er hatte keine Ahnung, ob sein Geist wirklich stark genug war, um dieses Muster aufrechtzuhalten, sobald er dort war, wo die Naturgesetze keine Geltung mehr hatten.</p><p>�Fertig?� fragte Jane.</p><p>�Sie fragt, ob wir bereit sind�, sagte Ender.</p><p>Miro nickte bereits. Ela senkte den Kopf. Nach einem Augenblick bekreuzigte sie sich, umfa�te dann fest das Gestell mit den Reagenzgl�sern auf ihrem Scho� und nickte.</p><p>�Wenn wir gehen und zur�ckkommen, Ela�, sagte Ender, �war es <emphasis>kein </emphasis>Fehlschlag, obwohl du vielleicht nicht den Virus schaffen konntest, den du brauchst. Wenn das Schiff funktioniert, k�nnen wir jederzeit zur�ckkehren. Glaube nicht, da� alles davon abh�ngt, was du dir heute vorstellen kannst.�</p><p>Sie l�chelte. �Ich werde nicht �berrascht sein, wenn es einen Fehlschlag gibt, doch ich bin auch auf den Erfolgsfall vorbereitet. Mein Team steht bereit, Hunderte von Bakterien in die Welt freizugeben, wenn ich mit der Recolada zur�ckkomme und wir die Descolada ersetzen k�nnen. Es ist riskant, doch innerhalb von f�nfzig Jahren wird diese Welt wieder eine sich selbst regulierende Gaialogie sein. Ich habe eine Vision von Rotwild und Vieh im hohen Gras Lusitanias und von Adlern im Himmel.� Dann sah sie wieder auf die Reagenzgl�ser auf ihrem Scho�. �Ich habe auch ein Gebet an die Mutter Gottes gesprochen, damit derselbe Heilige Geist, der Gott in ihrem Leib erschuf, zur�ckkehrt und Leben hier in diesen Gef��en erschafft.�</p><p>�Amen�, sagte Ender. �Und wenn <emphasis>du </emphasis>jetzt bereit bist, Jane, k�nnen wir loslegen.�</p><empty-line/><p>Vor dem kleinen Sternenschiff warteten die anderen. Was erwarteten sie? Da� das Schiff anfangen w�rde zu qualmen und zu r�tteln? Da� es einen Donnerschlag, einen Lichtblitz geben w�rde?</p><p>Das Schiff war da. Es war da und noch immer da, bewegte sich nicht, ver�nderte sich nicht. Und dann war es verschwunden.</p><empty-line/><p>Im Schiff f�hlten sie nichts, als es geschah. Es gab kein Ger�usch, keine Bewegung, die andeutete, da� sie vom Innen- in den Au�en-Raum geglitten waren.</p><p>Doch sie wu�ten, in welchem Augenblick es geschah, denn pl�tzlich waren sie nicht mehr zu dritt, sondern zu sechst.</p><p>Ender stellte fest, da� er neben einem jungen Mann und einer jungen Frau sa�. Aber er hatte keine Zeit, sie anzusehen, denn er konnte nur den jungen Mann anstarren, der in dem gerade noch leeren Sitz ihm gegen�ber sa�.</p><p>�Miro�, fl�sterte er. Denn um ihn handelte es sich. Aber nicht um den Kr�ppel Miro, den mi�gestalteten jungen Mann, der das Schiff mit ihm betreten hatte. <emphasis>Der </emphasis>sa� noch immer auf dem zweiten Sessel links von Ender. Dieser Miro war der junge Mann, dem Ender zuerst begegnet war. Der Mann, dessen St�rke die Hoffnung seiner Familie, dessen Sch�nheit der Stolz von Ouandas Leben gewesen war, dessen Verstand und Herz Mitgef�hl an den Pequeninos genommen und der sich geweigert hatte, sie ohne die Vorz�ge zur�ckzulassen, die ihnen seiner Meinung zufolge die menschliche Kultur anbieten konnte. Miro, ganz und wiederhergestellt.</p><p>Woher war er gekommen?</p><p>�Ich h�tte es wissen m�ssen�, sagte Ender. �Wir h�tten daran denken m�ssen. Das Muster, das du von dir im Sinn hast, Miro � es ist nicht das, was du bist, sondern das, was du warst.�</p><p>Der neue, junge Miro hob die Hand und l�chelte Ender an. �Ich habe daran gedacht�, sagte er, und seine Aussprache war klar und wundersch�n. Die Worte rollten ganz leicht von seiner Zunge. �Ich habe darauf gehofft. Deshalb habe ich Jane auch gebeten, mich mitzunehmen. Und es erwies sich als wahr, Ender. Genau, wie ich es mir gew�nscht habe.�</p><p>�Aber jetzt gibt es zwei von euch�, sagte Ela. Sie klang entsetzt.</p><p>�Nein�, sagte der neue Miro. �Nur mich. Nur das <emphasis>wahre </emphasis>Mich.�</p><p>�Aber der andere ist auch noch da�, sagte sie.</p><p>�Nicht mehr lange, glaube ich�, erwiderte Miro. �Diese alte H�lle ist jetzt leer.�</p><p>Und es stimmte. Der alte Miro sackte wie ein Toter in seinem Sitz zusammen. Ender kniete vor ihm nieder, dr�ckte die Finger auf Miros Hals und f�hlte nach dem Puls.</p><p>�Warum sollte sein Herz noch schlagen?� sagte Miro. �<emphasis>Ich </emphasis>bin der Ort, in dem sich Miros Aiua befindet.�</p><p>Als Ender den Finger von der Kehle des alten Miro nahm, l�ste sich die Haut. Ender schreckte zur�ck. Der Kopf fiel von den Schultern auf den Scho� der Leiche. Dann zerfiel er zu einer wei�lichen Fl�ssigkeit. Ender sprang auf und wich zur�ck. Er trat jemandem auf den Fu�.</p><p>�Au�, sagte Valentine.</p><p>�Pa� auf, wohin du trittst�, sagte ein Mann.</p><p>Valentine ist nicht an Bord, dachte Ender. Und ich kenne auch die Stimme dieses Mannes.</p><p>Er drehte sich zu ihnen um, zu dem Mann und der Frau, die auf den leeren Sitzen neben ihm erschienen waren.</p><p>Valentine. Unm�glich jung. So, wie sie ausgesehen hatte, als er sie am meisten geliebt und gebraucht hatte, als sie der einzige Grund f�r ihn war, mit seiner milit�rischen Ausbildung weiterzumachen; als sie der einzige Grund war, der ihm einfiel, warum Welt vielleicht doch die M�he wert war, sie zu retten.</p><p>�Du kannst nicht wirklich sein�, sagte er.</p><p>�Nat�rlich bin ich das�, sagte sie. �Du hast mir doch auf den Fu� getreten, nicht wahr?�</p><p>�Armer Ender�, sagte der junge Mann. �Unbeholfen <emphasis>und </emphasis>dumm. Wirklich keine sehr gute Kombination.�</p><p>Jetzt erkannte Ender ihn. �Peter�, sagte er. Sein Bruder, der Feind aus seiner Kindheit, etwa in dem Alter, als er zum Hegemon geworden war. Das Bild, das auf allen Vids gezeigt worden war, als es Peter gelungen war, die Dinge so zu arrangieren, da� Ender nach seinem gro�en Sieg nie mehr auf die Erde zur�ckkehren durfte.</p><p>�Ich dachte, ich w�rde dich nie mehr von Angesicht zu Angesicht sehen�, sagte Ender. �Du bist vor so langer Zeit gestorben.�</p><p>�Glaube niemals ein Ger�cht �ber meinen Tod�, sagte Peter. �Ich habe so viele Leben wie eine Katze. Und auch so viele Z�hne, so viele Klauen und dieselbe fr�hliche, kooperative Einstellung.�</p><p>�Woher bist du gekommen?�</p><p>Miro gab die Antwort. �Da du sie kennst, Ender, m�ssen sie Mustern in <emphasis>deinem </emphasis>Geist entstammen, Ender.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Ender. �Aber warum? Wir nehmen angeblich die Vorstellung von uns <emphasis>selbst </emphasis>mit nach hier drau�en. Das Muster, durch das wir selbst uns erkennen.�</p><p>�Ist dem so, Ender?� sagte Peter. �Dann mu�t du wirklich etwas ganz Besonderes sein. Eine Pers�nlichkeit, die so kompliziert ist, da� man zwei Menschen braucht, um sie auszuf�llen.�</p><p>�Von dir ist kein Teil in mir�, sagte Ender.</p><p>�Und du sorgst besser auch daf�r, da� es so bleibt�, sagte Peter h�hnisch. �Ich mag M�dchen, keine schmutzigen, alten M�nner.�</p><p>�Ich wollte dich nicht haben�, sagte Ender.</p><p>�Mich wollte nie jemand haben�, sagte Peter. �Sie wollten <emphasis>dich. </emphasis>Aber sie haben <emphasis>mich </emphasis>bekommen, nicht wahr? Sie haben mich <emphasis>hierhin </emphasis>bekommen. Glaubst du, ich w�rde nicht meine ganze Geschichte kennen? Du und dieses L�genbuch, <emphasis>Der Hegemon. </emphasis>So klug und verst�ndnisvoll. Wie Peter Wiggin herangereift ist. Wie er sich als weiser und fairer Herrscher erwies. Was f�r ein Witz! In der Tat, ein Sprecher f�r die Toten. Als du das Buch geschrieben hast, kanntest du die ganze Zeit �ber die Wahrheit. Du hast das Blut posthum von meinen H�nden gewaschen, Ender, aber du wu�test, und ich wu�te, da� ich, solange ich lebte, das Blut dort haben wollte.�</p><p>�La� ihn in Ruhe�, sagte Valentine. �Er hat im <emphasis>Hegemon </emphasis>die Wahrheit gesagt.�</p><p>�Du besch�tzt ihn noch immer, kleiner Engel?�</p><p>�Nein!� rief Ender. �Ich bin fertig mit dir, Peter. Du bist aus meinem Leben verschwunden, schon vor dreitausend Jahren!�</p><p>�Du kannst davonlaufen, aber du kannst dich nicht <emphasis>verstecken!�</emphasis></p><p>�Ender! Ender, h�r auf! Ender!�</p><p>Er drehte sich um. Es war Ela, die ihn angeschrien hatte.</p><p>�Ich wei� nicht, was hier vorgeht, aber h�r auf damit! Wir haben nur noch ein paar Minuten �brig. Hilf mir bei den Tests.�</p><p>Sie hatte recht. Was immer Miros neuer K�rper zu bedeuten hatte, Peters und Valentines Auftauchen, wichtig war die Descolada. War es Ela gelungen, sie umzuwandeln? Die Recolada zu erschaffen? Und der Virus, der die Menschen von Weg verwandeln w�rde? Falls Miro seinen K�rper neu gestalten und Ender irgendwie die Geister seiner Vergangenheit heraufbeschw�ren und sie wieder zu Fleisch und Blut machen konnte, war es m�glich, wirklich <emphasis>m�glich, </emphasis>da� Elas Reagenzgl�ser nun die Viren enthielten, deren Muster sie sich vorgestellt hatte.</p><p>�Hilf mir�, fl�sterte Ela erneut.</p><p>Ender und Miro � der neue Miro, dessen Hand stark und sicher war � nahmen die Reagenzgl�ser, die sie ihnen reichte, und begannen mit dem Test. Es war ein negativer Test � wenn die Bakterien, Algen und winzigen W�rmer, die sie in die Gl�ser gaben, mehrere Minuten lang unbeeinflu�t blieben, befand sich keine Descolada in den Gl�sern. Da es in den Reagenzgl�sern vor dem lebenden Virus <emphasis>gewimmelt </emphasis>hatte, als sie das Schiff bestiegen hatten, war der Beweis erbracht, da� zumindest <emphasis>irgend etwas </emphasis>geschehen war, das sie neutralisiert hatte. Ob es nun wirklich die Recolada war oder einfach nur eine tote oder unwirksame Descolada, konnten sie nur nach ihrer R�ckkehr feststellen.</p><p>Die W�rmer, Algen und Bakterien wurden keiner Verwandlung unterzogen. Bei Tests, die sie zuvor auf Lusitania durchgef�hrt hatten, hatte sich die blaue L�sung, die die Bakterien enthielt, unter dem Einflu� der Descolada gelb verf�rbt; nun blieb sie blau. Auf Lusitania waren die winzigen W�rmer schnell gestorben und als ergrauende H�llen an die Oberfl�che getrieben; nun wanden sie sich in der Fl�ssigkeit und blieben purpurbraun, eine Farbe, die zumindest bei ihnen Leben bedeutete. Und die Algen brachen nicht auseinander und l�sten sich vollst�ndig auf, sondern blieben als d�nne Str�nge und R�nke bestehen, die Leben bedeuteten.</p><p>�Dann haben wir es geschafft�, sagte Ender.</p><p>�Zumindest k�nnen wir hoffen�, sagte Ela.</p><p>�Setzt euch�, sagte Miro. �Wenn wir fertig sind, wird sie uns zur�ckbringen.�</p><p>Ender setzte sich. Er sah zu dem Sitz, auf dem Miro gesessen <emphasis>hatte. </emphasis>Sein alter, verkr�ppelter K�rper war nicht l�nger als menschlich zu identifizieren. Er zerfiel weiterhin; die St�cke zerbrachen zu Staub oder zerflossen. Selbst die Kleidung hatte sich aufgel�st.</p><p>�Er ist nicht mehr Teil meines Musters�, sagte Miro. �Ihn h�lt nichts mehr zusammen.�</p><p>�Was ist mit <emphasis>denen?� </emphasis>fragte Ender. �Warum l�sen <emphasis>sie</emphasis> sich nicht auf?�</p><p>�Oder du?� fragte Peter. �Warum l�st <emphasis>du </emphasis>dich nicht auf? Du bist jetzt �berfl�ssig. Du bist ein m�der alter Schei�er, der nicht mal seine Frau behalten kann. Und du hast nie ein Kind gezeugt, du pathetischer alter Eunuch. Mach Platz f�r einen echten Mann. Dich braucht jetzt keiner mehr � alles, was du je getan hast, h�tte ich besser tun k�nnen, und alles, was ich je getan habe, h�ttest du niemals tun k�nnen.�</p><p>Ender schlug die H�nde vors Gesicht. Dieses Ergebnis hatte er sich nicht einmal in seinen schlimmsten Alptr�umen vorgestellt. Ja, er hatte gewu�t, da� sie sich an einen Ort begaben, an dem man mit dem Verstand etwas erschaffen konnte. Aber es war ihm nie in den Sinn gekommen, da� <emphasis>Peter </emphasis>noch immer dort lauerte. Er hatte geglaubt, er habe den alten Ha� schon vor langer Zeit begraben.</p><p>Und Valentine � warum sollte er eine neue Valentine erschaffen? Eine so junge und perfekte, so sch�ne und freundliche? Die echte Valentine wartete auf Lusitania auf ihn � was w�rde sie denken, wenn sie sah, was er aus seinem Verstand geschaffen hatte? Vielleicht w�rde es sie schmeicheln, da� er sie so nah an seinem Herzen hielt; doch sie w�rde auch wissen, da� er sie sch�tzte, wie sie fr�her einmal gewesen war, und nicht, wie sie heute war.</p><p>Sowohl das dunkelste als auch das hellste Geheimnis seines Herzens w�rden enth�llt werden, sobald sich die T�r �ffnete und er wieder auf die Oberfl�che Lusitanias treten mu�te.</p><p>�L�st euch auf�, sagte er zu ihnen.</p><p>�Du zuerst, alter Mann�, sagte Peter. �Dein Leben ist vorbei, und meins beginnt gerade erst. Beim ersten Mal hatte ich nur die Erde, einen m�den alten Planeten � es w�re mir genauso leicht gefallen wie jetzt, nach dir zu greifen und dich mit blo�en H�nden zu t�ten, wenn ich es wollte. Dir den Nacken zu brechen wir eine trockene Nudel.�</p><p>�Versuche es�, fl�sterte Ender. �Ich bin nicht mehr der ver�ngstigte kleine Junge.�</p><p>�Aber du bist auch kein Gegner f�r mich�, sagte Peter. �Du warst es nie und wirst es niemals sein. Du hast zu viel Herz. Du bist wie Valentine. Du zuckst davor zur�ck, das zu tun, was getan werden mu�. Das macht dich weich und schwach. Dadurch kann man dich leicht vernichten.�</p><p>Ein pl�tzlicher Lichtblitz. Doch noch der Tod im Au�en-Raum? Hatte Jane das Muster in ihrem Geist verloren? Explodierten sie, oder st�rzten sie in eine Sonne?</p><p>Nein. Es war die sich �ffnende T�r. Es war das Licht des Lusitania-Morgens, das in die relative Dunkelheit im Schiffsinneren fiel.</p><p>�Kommt ihr heraus?� rief Grego und steckte den Kopf ins Schiff. �Seid ihr��</p><p>Dann sah er sie. Ender bemerkte, wie er stumm z�hlte.</p><p>�Nossa Senhore�, fl�sterte Grego. �Woher zum Teufel kommen <emphasis>die </emphasis>denn?�</p><p>�Aus Enders total verkorkstem Kopf�, sagte Peter.</p><p>�Aus alten und z�rtlichen Erinnerungen�, sagte die neue Valentine.</p><p>�Hilf mir mit den Viren�, sagte Ela.</p><p>Ender streckte die Hand nach ihnen aus, doch sie gab sie Miro. Sie erkl�rte es ihm nicht, wandte einfach den Kopf ab, doch er verstand. Was ihnen im Au�en zugesto�en war, war zu seltsam, als da� sie es akzeptieren konnte. Wer auch immer Peter und diese junge, neue Valentine sein mochten, es sollte sie nicht geben. Miros Sch�pfung eines neuen K�rpers f�r ihn ergab Sinn, auch wenn es schrecklich gewesen war, den alten K�rper zu einem vergessenen Nichts zerfallen zu sehen. Elas Konzentration war so gro� gewesen, da� sie au�er den Reagenzgl�sern, die sie zu diesem Zweck mitgenommen hatte, nichts geschaffen hatte. Doch Ender hatte zwei ganze Menschen heraufbeschworen, die auf ihre Weise jeweils anr�chig waren � die neue Valentine, weil sie die echte verh�hnte, die sicherlich drau�en vor der T�r wartete. Und Peter gelang es m�helos, anr�chig zu sein, w�hrend er erst langsam zu der Hochform dessen auflief, was ihn gleichzeitig so gef�hrlich wie auch charismatisch machte.</p><p>�Jane�, fl�sterte Ender. �Jane, bist du da?�</p><p>�Ja�, antwortete sie.</p><p>�Hast du das alles gesehen?�</p><p>�Ja�, antwortete sie.</p><p>�Verstehst du es?�</p><p>�Ich bin sehr m�de. Ich war noch nie m�de. Ich habe noch nie etwas so Schweres getan. Es hat meine gesamte� meine gesamte Aufmerksamkeit auf einmal beansprucht. Und zwei weitere K�rper, Ender. Mich dazu zu bringen, sie in das Muster einzuf�gen � ich wei� nicht, wie ich das geschafft habe.�</p><p>�Ich wollte es nicht.�</p><p>Aber sie antwortete nicht.</p><p>�Kommst du nun, oder was?� fragte Peter. �Die anderen sind alle schon zur T�r hinaus. Mit all diesen kleinen Urinfl�schchen.�</p><p>�Ender, ich habe Angst�, sagte die junge Valentine. �Ich wei� nicht, was ich jetzt tun soll.�</p><p>�Ich auch nicht�, erwiderte Ender. �Gott verzeihe mir, falls ich dir irgendwie weh tue. Ich h�tte dich niemals zur�ckgebracht, um dir weh zu tun.�</p><p>�Ich wei߫, sagte sie.</p><p>�Nein�, sagte Peter. �Der nette alte Ender beschw�rt eine mannbare junge Frau aus seinem Gehirn herauf, die genau aussieht wie seine Schwester im Teenageralter. Ender, alter Junge, sind deiner Verderbtheit denn keine Grenzen gesetzt?�</p><p>�Lediglich ein sch�ndlich kranker Geist w�rde an so etwas auch nur denken�, murmelte Ender.</p><p>Peter lachte.</p><p>Ender nahm die junge Val an der Hand und f�hrte sie zur T�r hinaus. Er f�hlte, wie ihre Hand schwitzte und zitterte. Sie f�hlte sich so echt an. Sie <emphasis>war </emphasis>echt. Und doch konnte er, kaum da� er auf der Schwelle stand, die echte Valentine sehen, in mittlerem Alter, nicht mehr jung, doch noch immer die anmutige, wundersch�ne Frau, die er all diese Jahre lang gekannt und geliebt hatte. Das ist die <emphasis>wahre </emphasis>Schwester, die, die ich so liebe wie mich selbst. Was hatte dieses junge M�dchen in meinem Geist zu suchen?</p><p>Grego und Ela mu�ten genug gesagt haben, da� die Leute wu�ten, da� etwas Seltsames geschehen war. Und als Miro das Schiff verlassen hatte, gesund und lebhaft, mit klarer Aussprache und so freudig erregt, da� er fast gesungen h�tte � das mu�te wirklich zu einiger Aufregung gef�hrt haben. Ein Wunder. Es gab Wunder dort drau�en, wo auch immer das Schiff gewesen war.</p><p>Doch als Ender herauskam, verstummte die Menge. Nur wenige h�tten das junge M�dchen, das bei ihm war, auf den ersten Blick als Valentine in ihrer Jugend erkannt � keiner von ihnen hatte sie damals gekannt. Und keiner au�er Valentine w�rde Peter Wiggin im kr�ftigen jungen Mannesalter erkennen; bei den Bildern in den Geschichtswerken handelte es sich normalerweise um Holos, die erst sp�t in seinem Leben aufgenommen worden waren, als sich die billige Holographie endlich durchgesetzt hatte.</p><p>Doch Valentine erkannte sie. Ender stand vor der T�r, die junge Val neben ihm Peter direkt hinter ihm, und Valentine erkannte sie beide. Sie trat vor, von Jakt weg, bis sie direkt vor Ender stand.</p><p>�Ender�, sagte sie. �Lieber, gequ�lter Junge, das hast du geschaffen, als du an dem Ort warst, an dem du alles erschaffen kannst, was du willst?� Sie streckte die Hand aus und ber�hrte die junge Ausgabe von ihr selbst an der Wange. �So wundersch�n�, sagte sie. �Ich war nie so sch�n, Ender. Sie ist perfekt. Sie ist alles, was ich sein wollte, aber niemals war.�</p><p>�Bist du nicht froh, mich zu sehen, Val, meine liebste Demosthenes?� Peter dr�ngte sich zwischen Ender und der jungen Val hindurch. �Hast du nicht auch an mich z�rtliche Erinnerungen? Bin ich nicht sch�ner, als du dich an mich erinnerst? Ich freue mich bestimmt, <emphasis>dich </emphasis>zu sehen. Du hast so viel aus der Persona gemacht, die ich f�r dich geschaffen habe. Demosthenes. Ich habe dich geschaffen, und du hast mir nicht einmal daf�r gedankt.�</p><p>�Danke, Peter�, fl�sterte Valentine. Sie sah wieder zu der jungen Val. �Was wirst du mit ihnen machen?�</p><p>�Mit <emphasis>uns</emphasis> machen?� sagte Peter. �Es steht ihm nicht zu, etwas mit uns zu <emphasis>machen. </emphasis>Er hat mich vielleicht zur�ckgeholt, aber jetzt bin ich mein eigener Herr, wie ich es schon immer war.�</p><p>Valentine drehte sich wieder zu der Menge um, die noch immer von Erstaunen �ber die seltsamen Ereignisse erf�llt war. Schlie�lich hatten die Leute gesehen, wie drei Personen das Schiff bestiegen, hatten gesehen, wie es verschwand und keine sieben Minuten sp�ter an genau derselben Stelle wieder auftauchte � doch anstatt drei Personen waren f�nf ausgestiegen, und zwei davon waren Fremde. Nat�rlich waren die Leute geblieben, um zu gaffen.</p><p>Aber heute w�rde keiner mehr eine Antwort bekommen. Abgesehen vielleicht, was die wichtigste Frage von allen betraf. �Hat Ela die Reagenzgl�ser ins Labor gebracht?� sagte sie. �Machen wir der Versammlung ein Ende und sehen nach, was Ela im Au�en-Raum f�r uns geschaffen hat.�</p></section><section><title><p id="_Toc119392806">Kapitel 17</p><p>Enders Kinder</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Armer Ender. Jetzt laufen seine Alptr�ume auf ihren eigenen zwei Beinen um ihn herum.�</p><p>�Er hat auf eine seltsame Methode zur�ckgegriffen, schlie�lich doch noch Kinder zu bekommen.�</p><p>�Du bist diejenige, die Aiuas aus dem Chaos ruft. Wie hat er Seelen f�r diese Menschen gefunden?�</p><p>�Wieso kommst du auf den Gedanken, da� er dies getan hat?�</p><p>�Sie gehen umher. Sie sprechen.�</p><p>�Der Mann namens Peter kam zu dir und sprach mit dir, nicht wahr?�</p><p>�Der arroganteste Mensch, der mir je begegnet ist.�</p><p>�Wieso wurde er wohl mit der F�higkeit geboren, die Sprache der Vaterb�ume sprechen zu k�nnen?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ender hat ihn geschaffen. Wieso sollte er ihn ohne Sprachf�higkeit schaffen?�</p><p>�Ender f�hrt Stunde um Stunde damit fort, sie beide zu schaffen. Wir haben das Muster in ihm gef�hlt. Vielleicht versteht er es selbst nicht, aber es gibt <emphasis>keinen Unterschied </emphasis>zwischen diesen beiden und ihm selbst. Vielleicht haben sie verschiedene K�rper, aber sie sind trotzdem Teil von ihm. Was immer sie tun, was immer sie sagen, Enders Aiua handelt und spricht.�</p><p>�Wei� er das?�</p><p>�Wir bezweifeln es.�</p><p>�Wirst du es ihm sagen?�</p><p>�Nicht, solange er nicht fragt.�</p><p>�Und was glaubst du, wann wird er fragen?�</p><p>�Wenn er die Antwort bereits kennt.�</p><empty-line/><p>Es war der letzte Tag, an dem die Recolada Tests unterzogen wurde. Die � bisherige � Erfolgsmeldung hatte sich bereits in der menschlichen Kolonie und, so vermutete Ender, auch unter der Pequeninos ausgebreitet. Elas Assistent Glas hatte sich freiwillig als Testperson gemeldet. Er hatte nun schon drei Tage in derselben Isolationskammer �berlebt, in der Pflanzer sich geopfert hatte. Diesmal jedoch war die Descolada in ihm von dem Bakterium get�tet worden, an dessen Konstruktion er unter Elas Leitung mitgearbeitet hatte. Und diesmal erf�llte Elas Recolada-Virus die Funktionen, die fr�her die Descolada erf�llt hatte. Er arbeitete fehlerfrei. Glas war nicht einmal krank geworden. Nur ein letzter Schritt blieb noch, bevor die Recolada zu einem vollen Erfolg erkl�rt werden konnte.</p><p>Eine Stunde vor diesem letzten Test traf sich Ender � in seinem Gefolge Peter und die junge Val � mit Quara und Grego in dessen Zelle.</p><p>�Die Pequeninos haben es akzeptiert�, erkl�rte Ender. �Sie sind bereit, schon nach dem Test mit Glas das Risiko einzugehen, die Descolada zu t�ten und durch die Recolada zu ersetzen.�</p><p>�Das �berrascht mich nicht�, sagte Quara.</p><p>�Mich schon�, sagte Peter. �Die Schweinchen haben offensichtlich als Spezies den Drang zu sterben.�</p><p>Ender seufzte. Obwohl er kein ver�ngstigter kleiner Junge mehr war und Peter nicht mehr �lter und gr��er und st�rker war, empfand Ender noch immer nicht die geringste Zuneigung zu diesem Simulacrum seines Bruders, das er irgendwie im Au�en geschaffen hatte. Peter war alles, was Ender in seiner Kindheit gef�rchtet und geha�t hatte, und seine R�ckkehr erz�rnte ihn und machte ihm gleichzeitig Angst.</p><p>�Was meinen Sie?� fragte Grego. �Wenn die Pequeninos nicht zugestimmt h�tten, h�tte die Descolada sie f�r die Menschheit zu gef�hrlich gemacht, als da� sie weiterleben d�rften.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Peter l�chelnd. �Der Physiker ist auch Strategieexperte.�</p><p>�Peter will damit sagen�, f�hrte Ender aus, �wenn <emphasis>er </emphasis>das Kommando �ber die Pequeninos h�tte, w�rde er die Descolada niemals freiwillig aufgeben, wenn er daf�r nichts von der Menschheit bek�me.�</p><p>�Zur �berraschung aller hat der alternde Wunderknabe noch einen winzigen Funken Verstand�, sagte Peter. �Warum sollten sie sich die einzige Waffe nehmen lassen, die die Menschheit f�rchtet? Die Lusitania-Flotte kommt und hat das M.D.-Ger�t dabei. Warum bringen sie unseren Andrew hier nicht dazu, in seinen fliegenden Fu�ball zu steigen, die Flotte abzufangen und zur Kapitulation aufzufordern?�</p><p>�Weil die Flotte mich wie einen tollw�tigen Hund abschie�en w�rde�, sagte Ender. �Die Pequeninos sind einverstanden, weil es richtig und anst�ndig ist. Begriffe, die ich dir sp�ter erkl�ren werde.�</p><p>�Ich kenne diese Begriffe�, sagte Peter. �Ich wei� auch, was sie bedeuten.�</p><p>�Wei�t du das?� fragte die junge Val. Ihre Stimme war wie immer eine �berraschung � sanft, freundlich und doch imstande, das Gespr�ch an sich zu ziehen. Ender erinnerte sich, da� Valentine Stimme schon immer so geklungen hatte. Es war unm�glich, ihr nicht zuzuh�ren, obwohl sie sie nur so selten hob.</p><p><emphasis>�Richtig und anst�ndig�, </emphasis>sagte Peter. Die Worte klangen aus seinem Mund schmutzig. �Entweder, die Person, die sie spricht, glaubt an ihre Bedeutung, oder sie glaubt nicht daran. Wenn sie nicht daran glaubt, hei�t das, da� sie jemanden mit einem Messer in der Hand hinter mir stehen hat. Und <emphasis>wenn </emphasis>sie daran glaubt, bedeuten diese Worte, da� ich gewinnen werde.�</p><p>�Ich werde Ihnen sagen, was sie bedeuten�, sagte Quara. �Sie bedeuten, da� wir den Pequeninos � und uns � gratulieren werden, weil eine vernunftbegabte Spezies ausgel�scht wurde, die es sonst vielleicht nirgendwo im Universum gibt.�</p><p>�Machen Sie sich doch nichts vor�, sagte Peter.</p><p>�Alle sind sich so sicher, da� die Descolada ein k�nstlicher Virus ist�, sagte Quara, �doch niemand hat die Alternative in Betracht gezogen � da� sich eine viel primitivere, verletzbarere Form der Descolada nat�rlich entwickelt und sich dann <emphasis>selbst </emphasis>bis zu ihrer heutigen Form ver�ndert hat. Der Virus mag entworfen worden sein, doch wer hat diesen Entwurf ausgef�hrt? Und jetzt t�ten wir ihn, ohne eine Verst�ndigung versucht zu haben.�</p><p>Peter grinste zuerst sie und dann Ender an. �Es �berrascht mich, da� dieses wieselhafte kleine Gewissen nicht dein Fleisch und Blut ist�, sagte er. �Sie ist genauso besessen davon, Gr�nde zu finden, sich schuldig zu f�hlen, wie du und Val.�</p><p>Ender ignorierte ihn und versuchte, Quara zu antworten. �Wir t�ten sie, weil wir nicht mehr l�nger warten k�nnen. Die Descolada versucht, uns zu vernichten, und wir d�rfen nicht l�nger z�gern. D�rften wir es, t�ten wir es.�</p><p>�Das verstehe ich alles�, sagte Quara. �Ich habe euch geholfen, nicht wahr? Es macht mich nur krank, wenn ich euch reden h�re, als w�ren die Pequeninos irgendwie <emphasis>tapfer </emphasis>gewesen, mit uns in einem Akt des Xenozids zusammenzuarbeiten, um ihre eigene Haut zu retten.�</p><p>�Wir oder sie, M�dchen�, sagte Peter. �Wir oder sie.�</p><p>�Du wirst wahrscheinlich nicht begreifen�, sagte Ender, �wie sehr ich mich sch�me, meine eigenen Argumente �ber deine Lippen kommen zu h�ren.�</p><p>Peter lachte. �Andrew gibt vor, mich nicht zu m�gen�, sagte er. �Aber der Junge ist ein Heuchler. Er bewundert mich. Er betet mich an. Hat er schon immer getan. Genau wie sein h�bscher kleiner Engel hier.�</p><p>Peter ber�hrte die junge Val mit dem Zeigefinger. Sie wich nicht zur�ck. Sie tat so, als habe sie seinen Finger im Fleisch ihres Oberarms nicht einmal gesp�rt.</p><p>�Er betet uns beide an. In seinem kleinen, verdrehten Verstand ist sie die moralische Perfektion, die er niemals erreichen kann. Und ich bin die Macht und Genialit�t, die immer ein St�ck au�erhalb der Reichweite des armen, kleinen Andrew war. Es war wirklich ziemlich bescheiden von ihm, meint ihr nicht auch? All die Jahre lang bewahrte er seine Vorbilder in seinem Verstand auf.�</p><p>Die junge Val ergriff Quaras Hand. �Es ist das Schlimmste, was du jemals in deinem Leben getan haben wirst�, sagte sie. �Den Menschen, die du liebst, zu helfen, etwas zu tun, was du in deinem Herzen f�r v�llig falsch h�ltst.�</p><p>Quara weinte.</p><p>Doch nicht Quara bereitete Ender Sorgen. Er wu�te, da� sie stark genug war, um die moralischen Widerspr�che ihrer Handlungen zu verkraften, ohne dar�ber den Verstand zu verlieren. Ihre Ambivalenz ihren eigenen Taten gegen�ber w�rde sie wahrscheinlich weicher machen; sie w�rde von Augenblick zu Augenblick weniger �berzeugt sein, da� ihr Urteil v�llig richtig war, und alle, die nicht mit ihr �bereinstimmten, v�llig falsch lagen. Wenn �berhaupt, w�rde sie am Ende dieses Prozesses mitf�hlender, einf�hlsamer und <emphasis>anst�ndiger </emphasis>dastehen, als sie es zuvor in ihrer hei�bl�tigen Jugend gewesen war. Und vielleicht w�rde ihr der sanfte Einflu� der jungen Val � unterst�tzt von ihren Worten, die genau den Schmerz benannten, den Quara empfand � helfen, schneller wieder gesund zu werden.</p><p>Mehr Sorgen bereitete Ender die Tatsache, da� Grego Peter mit solcher Bewunderung betrachtete. Ausgerechnet Grego h�tte mittlerweile gelernt haben sollen, wozu Peters Worte f�hren konnten. Und doch betete er Enders wandelnden Alptraum geradezu an. Ich mu� Peter hier wegschaffen, dachte Ender, oder er wird mehr Gefolgschaft auf Lusitania haben, als es bei Grego der Fall gewesen war � und er wird sie weit wirksamer einsetzen, und letzten Endes wird diese Wirkung noch t�dlicher sein.</p><p>Ender hatte nur wenig Hoffnung, da� sich Peter als der <emphasis>echte </emphasis>Peter erweisen w�rde, der zu einem starken und w�rdigen Hegemon herangewachsen war. <emphasis>Dieser </emphasis>Peter war schlie�lich kein Mensch aus Fleisch und Blut, voller Ehrgeiz und �berraschungen. Er war vielmehr aus einer Karikatur des attraktiven B�sen geschaffen worden, das in den tiefsten Gefilden von Enders unbewu�tem Verstand lauerte. Bei ihm w�rde es keine �berraschungen geben. Noch w�hrend sie sich anschickten, Lusitania vor der Descolada zu retten, hatte Ender eine neue Gefahr heraufbeschworen, die m�glicherweise nicht minder destruktiv war.</p><p>Aber nicht so schwer zu t�ten.</p><p>Erneut versteifte er sich bei dem Gedanken, obwohl er ihm schon ein Dutzend Mal gekommen war, seit er begriffen hatte, da� es Peter war, der im Sternenschiff links neben ihm sa�. Ich habe ihn erschaffen. Er ist nicht echt, nur mein Alptraum. Ihn zu t�ten w�re doch kein Mord, oder? Es w�re eher das moralische �quivalent eines� ja, wovon? Eines Erwachens? Ich habe der Welt meinen Alptraum aufgeb�rdet, und wenn ich ihn jetzt t�te, w�rde die Welt nur aufwachen und feststellen, da� der Alptraum verschwunden ist, mehr nicht.</p><p>Falls Peter allein gewesen w�re, h�tte Ender sich vielleicht zu solch einer Tat �berreden k�nnen; zumindest glaubte er das. Doch die junge Val hinderte ihn daran. Wenn man Peter t�ten konnte, konnte man auch sie t�ten. Falls man ihn t�ten <emphasis>sollte, </emphasis>sollte man vielleicht auch sie t�ten � sie hatte genauso wenig Anrecht auf Existenz, sie war genauso unnat�rlich, genauso eng und verzerrt in ihrer Sch�pfung. Aber dazu w�re er niemals imstande. Man mu�te sie besch�tzen, nicht t�ten. Und wenn die eine echt genug war, um weiterzuleben, war es der andere auch. Wenn es Mord w�re, der jungen Val etwas anzutun, w�re es auch bei Peter Mord. Sie waren aus derselben Sch�pfung hervorgegangen.</p><p>Meine Kinder, dachte Ender verbittert. Mein lieber kleiner Nachwuchs, der voll ausgebildet meinem Kopf entsprang wie Athene aus dem Geist Zeus. Nur, da� ich hier keine Athene habe. Eher Diana und Hades. Die jungfr�uliche J�gerin und den Herrn der H�lle.</p><p>�Wir gehen besser�, sagte Peter. �Bevor Andrew sich �berredet, mich zu t�ten.�</p><p>Ender l�chelte boshaft. Das war das Schlimmste � da� Peter und die junge Val mehr �ber seinen eigenen Geist zu wissen schienen als er selbst. Mit der Zeit, so hoffte er, w�rden diese intime Kenntnisse von ihm verbleichen. Doch bis dahin trug es zu der Erniedrigung bei, da� Peter ihn wegen Gedanken verh�hnte, die sonst niemand vermutet h�tte. Und die junge Val � an der Art, wie sie ihn betrachtete, erkannte er, da� sie seine Gedanken mitunter auch kannte. Er hatte keine Geheimnisse mehr.</p><p>�Ich gehe mit dir nach Hause�, sagte Val zu Quara.</p><p>�Nein�, erwiderte Quara. �Was ich getan habe, habe ich getan. Ich werde Glas bis zum Ende des Tests beistehen.�</p><p>�Wir wollen doch keine Gelegenheit verpassen, �ffentlich zu leiden�, sagte Peter.</p><p>�Halt die Klappe, Peter�, sagte Ender.</p><p>Peter grinste. �Na, komm schon. Du wei�t, da� Quara diese Sache bis auf den letzten Tropfen auspre�t. Es ist einfach ihr Art, sich zum Star der Show zu machen � alle sind nett und freundlich zu ihr, wo sie doch eigentlich bejubeln sollten, was Ela geleistet hat. Es ist so billig, einem die Schau zu stehlen, Quara � aber es entspricht ganz deinem Niveau.�</p><p>Quara h�tte vielleicht geantwortet, w�ren Peters Worte nicht so ungeheuerlich gewesen � und h�tten sie nicht einen Kern der Wahrheit enthalten, der sie verwirrte. Statt dessen bedachte die junge Val Peter mit einem kalten Blick und sagte: �Halt die Klappe, Peter.�</p><p>Dieselben Worte, die Ender gesprochen hatte, doch als Val sie sprach, funktionierten sie. Er grinste sie an und kniff ein Auge zusammen � ein verschw�rerisches Blinzeln, als wolle er sagen: Ich lasse dich dein kleines Spiel spielen, Val, aber glaube nicht, ich w��te nicht, da� du dich bei allen einschmeichelst, indem du so nett bist. Doch er sagte nichts mehr, als sie Grego in seiner Zelle zur�cklie�en.</p><p>Drau�en gesellte sich B�rgermeister Kovano zu ihnen. �Ein gro�er Tag in der Geschichte der Menschheit�, sagte er. �Und durch einen blo�en Zufall bin ich in allen Nachrichtensendungen dabei.� Die anderen lachten � besonders Peter, der mit Kovano schnell und problemlos Freundschaft geschlossen hatte.</p><p>�Es ist kein Zufall�, sagte Peter. �Viele Leute in Ihrer Position w�ren in Panik geraten und h�tten alles verdorben. Es war ein offener Verstand und eine Menge Mut n�tig, um die Dinge den Verlauf nehmen zu lassen, den sie genommen haben.�</p><p>Ender h�tte �ber Peters offensichtliche Schmeichelei fast laut gelacht. Doch f�r den Empf�nger ist eine Schmeichelei niemals so offensichtlich. Kovano gab Peter einen Knuff auf den Arm und stritt alles ab, doch Ender sah, da� er die Bemerkung genossen und Peter schon gr��eren Einflu� bei Kovano gewonnen hatte als er selbst. Merken diese Leute denn nicht, wie Peter sie zynisch f�r sich einnimmt?</p><p>Lediglich der Bischof sah Peter mit etwas, das sich mit Enders Furcht und Abscheu vergleichen lie� � doch in seinem Fall war es ein theologisches Vorurteil und keine Klugheit, das ihn davon abhielt, sich �ber den Tisch ziehen zu lassen. Ein paar Stunden nach ihrer R�ckkehr aus dem Au�en hatte der Bischof Miro angerufen und ihn gedr�ngt, sich taufen zu lassen. �Gott hat mit deiner Heilung ein gro�es Wunder vollzogen�, sagte er, �doch die Art, wie es geschehen ist � einen K�rper gegen einen anderen einzutauschen, anstatt den alten direkt zu heilen �, l��t die gef�hrliche M�glichkeit offen, da� dein Geist einen K�rper bewohnt, der nie getauft wurde. Und da die Taufe dem Fleisch gilt, bef�rchte ich, da� du noch ungesegnet sein <emphasis>k�nntest.� </emphasis>Miro war nicht sehr begeistert �ber die Vorstellung, die der Bischof von Wundern hatte, doch allein die Wiederherstellung seiner Kraft, Sprachf�higkeit und Bewegungsfreiheit lie� ihn so �bersch�umend reagieren, da� er wahrscheinlich allem zugestimmt h�tte. Die Taufe w�rde Anfang der n�chsten Woche stattfinden, beim ersten Gottesdienst, der in der neuen Kapelle abgehalten wurde.</p><p>Doch der Eifer des Bischofs, Miro zu taufen, spiegelte sich nicht in der Einstellung wider, die er Peter und der jungen Val entgegenbrachte. �Es ist absurd, diese monstr�sen Wesen f�r <emphasis>Menschen </emphasis>zu halten�, sagte er. �Sie k�nnen unm�glich Seelen haben. Peter ist das Echo eines Menschen, der bereits gelebt hat und gestorben ist, mit seinen eigenen S�nden und Bu�en. Sein Leben wurde bereits abgewogen, und ihm wurde bereits ein Platz im Himmel oder der H�lle zugeteilt. Und was dieses� M�dchen betrifft, dieses Spottbild weiblicher Grazie, so kann es nicht sein, wer zu sein es behauptet, denn sein Platz wird bereits von einer lebenden Frau eingenommen. Es kann f�r die T�uschungen Satans keine Taufe geben. Indem er sie erschuf, hat Andrew Wiggin seinen eigenen Turm zu Babel errichtet. Er hat versucht, in den Himmel <emphasis>tu </emphasis>greifen, um die Stelle Gottes einzunehmen. Ihm kann nicht vergeben werden, bis er sie in die H�lle zur�ckf�hrt und dort l��t.�</p><p>Glaubte Bischof Peregrino denn auch nur einen Augenblick lang, da� Ender etwas anderes wollte? Doch Jane war unnachgiebig, als er die Idee zur Sprache brachte. �Das w�re t�richt�, sagte sie. �Erstens� wieso glaubst du, sie w�rden freiwillig gehen? Und zweitens, glaubst du nicht, da� du einfach zwei neue erschaffen w�rdest? Hast du noch nie die Geschichte vom Zauberlehrling geh�rt? Sie dorthin zur�ckzubringen w�re genauso, als w�rdest du die Besen in der Mitte durchschneiden � du w�rdest nur weitere Besen bekommen. So schlimm es auch ist, la� es dabei bewenden.�</p><p>Also gingen sie jetzt gemeinsam zum Labor � Peter, der B�rgermeister Kovano vollst�ndig in der Tasche hatte. Die junge Val, die �ber Quara einen nicht minder vollst�ndigen Sieg errungen hatte, obwohl ihre Einstellung selbstlos und nicht eigenn�tzig war. Und Ender, ihr Sch�pfer, w�tend, erniedrigt und ver�ngstigt.</p><p>Ich habe sie geschaffen � daher bin ich f�r alles verantwortlich, was sie tun. Und auf lange Sicht werden sie beide schreckliches Unheil anrichten.</p><p>�La� dich von Peter nicht so reizen�, fl�sterte Jane in sein Ohr.</p><p>�Die Leute glauben, er geh�re zu mir�, subvokalisierte Ender. �Sie nehmen an, da� er harmlos sein mu�, weil <emphasis>ich </emphasis>harmlos bin. Aber ich habe keine Kontrolle �ber ihn.�</p><p>�Ich glaube, sie wissen das.�</p><p>�Ich mu� ihn irgendwie von hier wegschaffen.�</p><p>�Ich arbeite daran�, sagte Jane.</p><p>�Vielleicht sollte ich sie aufsammeln und auf irgendeinem verlassenen Planeten absetzen. Kennst du Shakespeares Drama <emphasis>Der Sturm?�</emphasis></p><p>�Du meinst, sie sind Caliban und Ariel?�</p><p>�Da ich sie nicht t�ten kann, mu� ich sie ins Exil schicken.�</p><p>�Ich arbeite daran�, sagte Jane. �Schlie�lich sind sie Teile von dir, nicht wahr? Teile des Musters deines Geistes. Was w�re, wenn ich <emphasis>sie </emphasis>statt deiner benutzen kann, um ins Au�en zu gelangen? Dann k�nnten wir drei Sternenschiffe und nicht nur eins haben.�</p><p>�Zwei�, sagte Ender. �Ich werde nie wieder ins Au�en gehen.�</p><p>�Nicht einmal eine Mikrosekunde lang? Wenn ich dich hineinschaffe und sofort wieder zur�ckbringe? Wir m��ten nicht mehr dort verweilen.�</p><p>�Es war nicht das Verweilen, das den Schaden anrichtete�, sagte Ender. �Peter und die junge Val waren <emphasis>augenblicklich </emphasis>da. Wenn ich je wieder ins Au�en gehe, werde ich sie erneut erschaffen.�</p><p>�Na sch�n�, sagte sie. �Dann eben zwei Sternenschiffe. Eins mit Peter, eins mit der jungen Val. La� mich einen Ausweg suchen. Wir k�nnen nicht einfach diese eine Reise machen und dann den �berlichtflug auf ewig aufgeben.�</p><p>�Doch, das k�nnen wir�, sagte Ender. �Wir haben die Recolada. Miro hat sich einen gesunden K�rper verschafft. Das reicht � alles andere werden wir selbst l�sen.�</p><p>�Falsch�, sagte Jane. �Wir m�ssen noch immer Pequeninos und Schwarmk�niginnen von diesem Planeten wegbringen, bevor die Flotte eintrifft. Wir m�ssen den Verwandlungsvirus nach Weg bringen, um die Menschen dort zu befreien.�</p><p>�Ich werde nicht mehr ins Au�en gehen.�</p><p>�Auch nicht, wenn ich Peter und die junge Val <emphasis>nicht </emphasis>benutzen kann, um meine Aiua zu bef�rdern? Du w�rdest die Pequeninos und die Schwarmk�nigin sterben lassen, weil du Angst vor deinen unbewu�ten Gedanken hast?�</p><p>�Du begreifst nicht, wie gef�hrlich Peter ist.�</p><p>�Vielleicht nicht. Aber ich begreife, wie gef�hrlich der Kleine Doktor ist. Und wenn du dich nicht so sehr in dein eigenes Elend vertieft h�ttest, Ender, w��test du, da� wir dieses Sternenschiff einsetzen m�ssen, um Pequeninos und die Schwarmk�nigin auf andere Welten zu bringen, selbst wenn am Ende f�nfhundert kleine Peter und Vals herumlaufen w�rden.�</p><p>Er wu�te, da� sie recht hatte. Er hatte es die ganze Zeit �ber gewu�t. Das bedeutete aber nicht, da� er auch bereit war, es einzugestehen.</p><p>�Arbeite einfach daran, dich in Peter und die junge Val zu versetzen�, subvokalisierte er. �Obwohl Gott uns helfe, falls <emphasis>Peter </emphasis>imstande ist, etwas zu erschaffen, wenn er ins Au�en geht.�</p><p>�Ich bezweifle, da� er das kann�, sagte Jane. �Er ist nicht so klug, wie du annimmst.�</p><p>�Doch, das ist er�, sagte Ender. �Und wenn du es bezweifelst, bist <emphasis>du </emphasis>nicht so klug, wie <emphasis>du </emphasis>es annimmst.�</p><empty-line/><p>Ela war nicht die einzige, die sich auf Glas' letzten Test vorbereitete, indem sie Pflanzer besuchte. Sein stummer Stamm war noch immer lediglich ein Sch��ling, kaum ein Gegengewicht zu Menschs und W�hlers kr�ftigen St�mmen. Doch um diesen Sch��ling hatten sich die �berlebenden Pequeninos versammelt. Und wie Ela hatten sie sich eingefunden, um zu beten. Es war ein seltsamer und stummer Gottesdienst. Die Pequenino-Priester boten keinen Pomp, keine Feierlichkeiten. Sie knieten einfach mit den anderen nieder und murmelten in ihren unterschiedlichen Sprachen vor sich hin. Einige beteten in der Sprache der Br�der, andere in der Baumsprache. Ela nahm an, da� sie von den Gattinnen, die sich dort versammelt hatten, deren normale Sprache h�rte, obwohl es sich genausogut um die heilige Sprache handeln konnte, die sie benutzten, um mit den Mutterb�umen zu sprechen. Und es kamen auch menschliche Sprachen �ber die Lippen der Pequeninos � Stark gleicherma�en wie Portugiesisch, und vielleicht sprachen einige Pequenino-Priester auch das antike Kirchenlatein. Sie fand sich praktisch in einem Babel wieder, und doch versp�rte sie eine gro�e Einheit. Sie beteten am Grab des M�rtyrers � alles, was noch von ihm �brig war � um das Leben des Bruders, der ihm folgen w�rde. Falls Glas heute v�llig starb, w�rde er nur ein Echo von Pflanzers Opfer sein. Und wenn er in das dritte Leben �berwechselte, w�rde es ein Leben sein, das es Pflanzers Mut und Beispiel verdankte.</p><p>Weil Ela die Recolada aus dem Au�en mitgebracht hatte, ehrten sie sie, indem sie sie an Pflanzers Stamm kurz allein lie�en. Sie legte die Hand um den schlanken Holzpfahl und w�nschte, es w�re mehr von seinem Leben darin. War Pflanzers Aiua nun verloren und wanderte in der Raumlosigkeit des Au�en umher? Oder hatte Gott seine Seele empfangen und im Himmel aufgenommen, wo Pflanzer nun mit den Heiligen sprach?</p><p>Pflanzer, bete f�r uns. Lege ein gutes Wort ein. Wie meine verehrten Gro�eltern mein Gebet Gott vorgetragen haben, gehe nun damit zu Jesus und bitte ihn um Gnade f�r all deine Br�der und Schwestern. La� die Recolada Glas ins dritte Leben tragen, so da� wir sie guten Gewissens auf der ganzen Welt verbreiten k�nnen, damit sie die m�rderische Descolada ersetzt. Dann kann sich der L�we in der Tat neben dem Lamm zur Ruhe betten, und es kann Frieden an diesem Ort geben.</p><p>Doch nicht zum ersten Mal hatte Ela ihre Zweifel. Sie war �berzeugt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben � sie teilte Quaras Gewissensbisse nicht, die Descolada auf ganz Lusitania zu vernichten. Doch sie war nicht �berzeugt, ob es richtig gewesen war, da� sie die Recolada auf den �ltesten Exemplaren der Descolada, die sie gesammelt hatten, aufgebaut hatten. Falls die Descolada tats�chlich das k�rzlich aufgetretene kriegerische Verhalten der Pequeninos verursacht hatte, ihren Drang, sich auf andere Welten auszubreiten, konnte sie davon ausgehen, die Pequeninos zu ihrem vorherigen �nat�rlichen� Zustand zur�ckgef�hrt zu haben. Doch andererseits stellte dieser vorherige Zustand genauso ein Ergebnis des gaialogischen Ausgleichs der Descolada dar � er kam ihnen nur nat�rlicher vor, weil sich die Pequeninos in diesem Zustand befunden hatten, als die Menschen auf Lusitania eintrafen. Also konnte sie genausogut davon ausgehen, eine Verhaltensver�nderung einer gesamten Spezies herbeigef�hrt zu haben, die bequemerweise einen Gro�teil ihrer Aggressivit�t entfernte, so da� eine geringere Wahrscheinlichkeit bestand, da� sie sich in der Zukunft mit den Menschen in einen Konflikt verstricken w�rden. Ich mache jetzt gute Christen aus ihnen, ob es ihnen nun gef�llt oder nicht. Und die Tatsache, da� sowohl Mensch als auch W�hler mein Vorgehen gebilligt haben, nimmt mir nicht die Last der Verantwortung, falls sich dieses Vorgehen letztendlich zum Schaden der Pequeninos erweisen sollte.</p><p>O Gott, vergebe mir, im Leben dieser deiner Kinder Gott gespielt zu haben. Wenn Pflanzers Aiua vor dich tritt, um f�r uns zu bitten, gew�hre ihm das Gebet, das er unserethalben vorbringt � aber nur, wenn es dein Wille ist, da� seine Spezies dergestalt ver�ndert wird. Hilf uns, Gutes zu tun, doch halte uns auf, wenn wir unwissentlich Schaden anrichten. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.</p><p>Sie wischte eine Tr�ne von ihrer Wange ab und dr�ckte sie gegen die glatte Borke von Pflanzers Stamm. Du kannst dies nicht f�hlen, Pflanzer, du bist nicht in dem Baum. Aber ich glaube, da� du es trotzdem f�hlst. Gott wird nicht zulassen, da� sich eine so edle Seele wie deine in der Dunkelheit verliert.</p><p>Es war an der Zeit zu gehen. Sanfte Br�derh�nde ber�hrten sie, zerrten an ihr, zogen sie zu dem Labor, in dem Glas im Isolationsraum auf seinen �bergang ins dritte Leben wartete.</p><empty-line/><p>Als Ender Pflanzer besucht hatte, war er von medizinischen Ger�ten umgeben gewesen und hatte auf einem Bett gelegen. Jetzt sah es in der Isolationskammer v�llig anders aus. Glas war bei perfekter Gesundheit, und obwohl er mit allen �berwachungsger�ten verkabelt war, war er nicht ans Bett gefesselt. Verspielt und gl�cklich konnte er kaum seinen Eifer verbergen, da� das Experiment durchgef�hrt wurde.</p><p>Und nun, da Ela und die anderen Pequeninos gekommen waren, konnte es beginnen.</p><p>Die einzige Mauer, die seine Isolation aufrecht erhielt, war das Disruptorfeld; au�erhalb davon konnten die Pequeninos, die sich versammelt hatten, alle Vorg�nge beobachten. Sie waren jedoch die einzigen, die offen zusahen. Vielleicht aus R�cksichtnahme auf die Gef�hle der Pequeninos oder vielleicht, um eine Mauer zwischen ihnen und der Brutalit�t dieses Pequenino-Rituals zu haben, hatten sich die Menschen alle im Labor versammelt, wo sie nur durch ein Fenster und die Monitore beobachten konnten, was mit Glas geschehen w�rde.</p><p>Glas wartete, bis sich die steril gekleideten Br�der neben ihm befanden, mit Holzmessern in den H�nden, bevor er Capim aufri� und kaute. Es war das Narkotikum, das es ihm ertr�glich machen w�rde. Aber es war auch das erste Mal, da� ein Bruder, der das dritte Leben erwartete, ein einheimisches Gras kaute, das keinen Descolada-Virus enthielt. Falls Elas neuer Virus funktionierte, w�rde dieses Capim bewirken, was das von der Descolada beherrschte Capim immer bewirkt hatte.</p><p>�Wenn ich ins dritte Leben �berwechsle�, sagte Glas, �geb�hrt die Ehre Gott und seinem Diener Pflanzer, aber nicht mir.�</p><p>Es war nur angemessen, da� Glas mit seinen letzten Worten in der Brudersprache Pflanzer lobte. Doch seine Gro�z�gigkeit �nderte nichts an der Tatsache, da� der Gedanken an Pflanzers Opfer bei vielen Menschen Tr�nen hervorrief; so schwer es auch sein mochte, die Gef�hle der Pequeninos zu deuten, hatte Ender keinen Zweifel, da� viele der Ger�usche, die die Pequeninos drau�en von sich gaben, ebenfalls einem Weinen entsprachen oder zumindest einem anderen Gef�hl, mit dem sie Pflanzers Andenken w�rdigten. Doch Glas irrte sich, wenn er glaubte, sein Opfer w�rde ihm keine Ehre einbringen. Alle wu�ten, da� ein Fehlschlag noch m�glich war, da� trotz allem Anla� zur Hoffnung, den sie hatten, keine Gewi�heit bestand, da� Elas Recolada die Macht hatte, einen Bruder ins dritte Leben zu f�hren.</p><p>Die steril gekleideten Br�der hoben ihre Messer und machten sich an die Arbeit.</p><p>Diesmal bin nicht ich es, dachte Ender. Gott sei gedankt, da� nicht ich ein Messer schwingen mu�, um den Tod eines Bruders zu verursachen.</p><p>Doch er wandte den Blick nicht ab, wie so viele andere im Labor. Das Blut und die Eingeweide waren ihm nicht neu, und obwohl es das nicht angenehmer machte, wu�te er zumindest, da� er es ertragen konnte. Und da� Glas es ertragen konnte. Ender konnte es ertragen, es zu beobachten. Das mu�te man doch von einem Sprecher f�r die Toten erwarten, oder nicht? Etwas mitanzusehen. Er beobachtete alles, was er von dem Ritual sehen konnte, wie sie Glas' lebenden K�rper �ffneten und seine Organe in die Erde pflanzten, damit der Baum wachsen konnte, w�hrend Glas' Verstand noch wachsam und lebendig war. W�hrend des gesamten Rituals gab Glas kein Ger�usch von sich, machte Glas keine Bewegung, die auf Schmerz hinwies. Entweder war sein Mut gr��er, als sie es sich vorstellen konnten, oder die Recolada hatte im Capim gewirkt, so da� das Gras seine narkotischen Eigenschaften bewahrt hatte.</p><p>Endlich war es vollbracht, und die Br�der, die ihn ins dritte Leben gef�hrt hatten, kehrten in den Sterilraum zur�ck, wo sie ihre Anz�ge ablegten, sobald sie von der Recolada und dem viriziden Bakterium ges�ubert worden waren. Nackt gingen sie wieder in das Labor. Sie waren sehr ernst, doch Ender glaubte, die Aufregung und Begeisterung sehen zu k�nnen, die sie verbargen. Alles war gut verlaufen. Sie hatten gesp�rt, da� Glas' K�rper auf sie reagierte. Innerhalb von Stunden, vielleicht auch nur Minuten m��ten die ersten Bl�tter des jungen Baumes sprie�en. Und sie waren zutiefst �berzeugt, da� es geschehen w�rde.</p><p>Ender bemerkte auch, da� einer von ihnen ein Priester war. Er fragte sich, was der Bischof sagen w�rde, wenn er davon w��te. Der alte Peregrino hatte sich als durchaus f�hig erwiesen, eine au�erirdische Spezies in den katholischen Glauben zu integrieren und Rituale und Lehren zu �bernehmen, die zu ihren besonderen Bed�rfnissen pa�ten. Doch das �nderte nichts an der Tatsache, da� Peregrino ein alter Mann war, dem die Vorstellung nicht gefiel, da� Priester an Ritualen teilnahmen, die trotz ihrer deutlichen �hnlichkeit mit der Kreuzigung nicht zu den anerkannten Sakramenten geh�rten. Nun, diese Br�der wu�ten, was sie taten. Ob sie dem Bischof nun gesagt hatten oder nicht, da� einer seiner Priester an dem Ritual teilnahm, Ender w�rde es nicht erw�hnen, genausowenig wie einer der anderen anwesenden Menschen, falls es �berhaupt einem aufgefallen war.</p><p>Ja, der Baum wuchs. Die Bl�tter sprossen, w�hrend sie zusahen. Doch es w�rde noch viele Stunden, vielleicht sogar Tage dauern, bevor sie wu�ten, ob es ein Vaterbaum war, ob Glas noch lebte und sein Bewu�tsein sich darin befand. Eine Zeit des Wartens, in der Gras' Baum in v�lliger Isolation wachsen mu�te.</p><p>Wenn ich nur einen Ort finden k�nnte, dachte Ender, an dem ich mich ebenfalls in v�lliger Isolation bef�nde, an dem ich ohne Einmischung �ber die seltsamen Dinge nachdenken k�nnte, die mir widerfahren sind.</p><p>Doch er war kein Pequenino, und das Unbehagen, an dem er litt, stammte nicht von einem Virus, der get�tet oder aus seinem Leben entfernt werden konnte. Seine Krankheit sa� an der Wurzel seiner Identit�t, und er wu�te nicht, ob er sie jemals loswerden konnte, ohne sich dabei selbst zu zerst�ren. Vielleicht, dachte er, repr�sentieren Peter und Val die Gesamtheit dessen, was ich bin; wenn sie nicht mehr w�ren, w�re vielleicht nichts mehr �brig. Welcher Teil meines Seele, welche Tat meines Lebens kann nicht so erkl�rt werden, da� der eine oder die andere von ihnen seinen oder ihren Willen durch mich ausgef�hrt haben?</p><p>Bin ich die Summe meiner Nachkommen? Oder der Unterschied zwischen ihnen? Worin besteht die besondere Arithmetik meiner Seele?</p><empty-line/><p>Valentine versuchte, nicht st�ndig �ber dieses junge M�dchen nachzudenken, das Ender aus dem Au�en mitgebracht hatte. Nat�rlich wu�te sie, da� es ihr j�ngeres Selbst war, wie er sich daran erinnerte, und sie fand es sogar ziemlich nett von ihm, in seinem Herzen eine so starke Erinnerung von ihr in diesem Alter zu bewahren. Von allen Menschen auf Lusitania wu�te nur sie allein, warum die Erinnerung an sie in ausgerechnet diesem Alter in seinen unbewu�ten Gedanken verharrt war. Bis zu dieser Zeit hatte er sich in der Kampfschule befunden und war v�llig von seiner Familie getrennt gewesen. Obwohl er es nicht wissen konnte, wu�te sie, da� seine Eltern ihn fast vergessen hatten. Nat�rlich nicht in der Hinsicht, da� es ihn gab, doch als Bestandteil ihres Lebens. Er war einfach nicht mehr da, sie waren nicht mehr verantwortlich f�r ihn. Sie hatten ihn dem Staat �bergeben, waren der Sorge f�r ihn entbunden worden. W�re er tot gewesen, w�re er eher ein Teil ihres Lebens geblieben; doch so konnten sie nicht einmal ein Grab besuchen. Valentine machte ihnen deshalb keine Vorhaltungen; diese Einstellung bewies, da� sie nicht unterzukriegen und anpassungsf�hig waren. Aber sie war nicht imstande gewesen, es ihnen gleichzutun. Ender war immer bei ihr, in ihrem Herzen. Und als Ender dann, nachdem er allen Herausforderungen begegnet war, die man ihm in der Kampfschule vorgeworfen hatte, entschlossen war, das ganze Unternehmen aufzugeben, war der Offizier, der ihn in ein dienstbares Werkzeug verwandeln sollte, zu ihr gekommen. Hatte sie zu Ender gebracht. Hatte daf�r gesorgt, da� sie eine Zeitlang zusammen sein konnten � derselbe Mann, der sie auseinandergerissen und so tiefe Wunden in ihren Herzen zur�ckgelassen hatte. Sie hatte ihren Bruder damals geheilt � soweit wiederhergestellt, da� er weitermachen und die Menschheit vor der Vernichtung durch die Krabbler bewahren konnte.</p><p>Nat�rlich hat er die Erinnerung an mich in diesem Alter bewahrt; sie ist st�rker als all unsere zahllosen Erlebnisse, die wir seitdem gehabt haben. Und wenn seine unbewu�ten Gedanken ihre intimsten Erinnerungen hervorbringen, dann handelt es sich nat�rlich um das M�dchen, das ich damals war und das er am tiefsten in sein Herz geschlossen hat.</p><p>Sie wu�te das alles, sie verstand das alles, sie <emphasis>glaubte </emphasis>das alles. Und doch nagte es an ihr, tat es weh, da� er sie die ganze Zeit �ber als dieses fast geistlose, perfekte Gesch�pf in Erinnerung gehabt hatte. Da� die Valentine, die Ender wirklich liebte, ein Gesch�pf von unm�glicher Reinheit war. Um dieser imagin�ren Valentine willen war er mir all die Jahre, bevor ich Jakt heiratete, ein so enger Gef�hrte. Bis er zu dieser kindhaften Version von mir zur�ckkehrte, <emphasis>weil </emphasis>ich Jakt geheiratet habe.</p><p>Unsinn. Es brachte nichts ein, sich den Kopf dar�ber zu zerbrechen, was dieses junge M�dchen <emphasis>bedeutete. </emphasis>Ganz gleich, wie und warum es geschaffen worden war, es war jetzt da, und man mu�te sich mit ihm befassen.</p><p>Der arme Ender schien nichts zu begreifen. Er war anfangs sogar der Meinung gewesen, er solle die junge Val bei sich behalten. �Ist sie in gewisser Hinsicht nicht meine Tochter?� hatte er gefragt.</p><p>�Sie ist in <emphasis>keiner </emphasis>Hinsicht deine Tochter�, hatte sie geantwortet. �Wenn �berhaupt, ist sie <emphasis>meine </emphasis>Tochter. Und es w�re mit Sicherheit falsch, sie allein bei dir aufzunehmen. Besonders, da auch Peter bei dir wohnt, und er ist nicht gerade der vertrauensw�rdigste Anstandsw�chter, den es gibt.� Ender war noch immer nicht v�llig �berzeugt � er w�re lieber Peter als Val losgeworden �, doch er gab nach, und seitdem wohnte Val in Valentines Haus. Valentine hatte vorgehabt, dem M�dchen eine Freundin und Lehrerin zu werden, mu�te jedoch feststellen, da� sie dazu einfach nicht imstande war. Sie f�hlte sich in Vals Gegenwart unbehaglich. Sie fand immer wieder neue Gr�nde, das Haus zu verlassen, wenn Val dort war; sie war au�erordentlich dankbar, wenn Ender kam, um sie zu einem Gespr�ch mit ihm und Peter abzuholen.</p><p>Schlie�lich kam es, da� Plikt stumm in die Bresche sprang und das Problem l�ste. Plikt wurde Vals wichtigste Gef�hrtin und H�terin in Valentines Haus. Wenn Val nicht bei Ender war, war sie bei Plikt. Und an diesem Morgen hatte Plikt vorgeschlagen, ein neues Haus zu bauen � f�r sie und Val. Vielleicht habe ich zu vorschnell zugestimmt, dachte Valentine. Aber es f�llt Val wahrscheinlich genauso schwer, ein Haus mit mir zu teilen, wie umgekehrt.</p><p>Doch als sie nun beobachtete, wie Plikt und Val auf den Knien die neue Kapelle betraten und vorw�rts rutschten, um vor dem Altar Bischof Peregrinos Ring zu k�ssen, begriff Valentine, da� sie nichts zu �Vals Bestem� getan hatte, wie sehr sie es sich auch eingeredet hatte. Val war v�llig selbstbewu�t, unbeeinflu�bar und gelassen. Warum hatte sich Valentine eingebildet, sie k�nne die junge Val gl�cklicher oder ungl�cklicher, zufriedener oder unzufriedener machen? Ich bin f�r das Leben dieses M�dchens unwichtig. Aber sie ist nicht f�r mein Leben unwichtig. Sie ist gleichzeitig eine Best�tigung und eine Widerlegung der wichtigsten Beziehung meiner Kindheit und eines Gro�teils meines Lebens als Erwachsene. Ich w�nschte, sie w�re im Au�en zerfallen, wie Miros alter, verkr�ppelter K�rper.</p><p>Und sie stand <emphasis>sich selbst </emphasis>gegen�ber. <emphasis>Diesen </emphasis>Test hatte Ela augenblicklich durchgef�hrt. Die junge Val und Valentine waren genetisch identisch.</p><p>�Aber es ergibt keinen Sinn�, protestierte Valentine. �Ender kann sich wohl kaum meinen genetischen Kode eingepr�gt und ein Muster dieses Kodes im Sternenschiff gegeben haben.�</p><p>�Soll ich es dir etwa erkl�ren?� fragte Ela.</p><p>Ender hatte eine m�gliche Erkl�rung vorgeschlagen � der genetische Kode der jungen Val k�nnte flie�end gewesen sein, bis sie Valentine begegnet war, und danach hatten die Philoten von Vals K�rper sich nach dem Muster ausgebildet, das sie in Valentines K�rper gefunden hatten.</p><p>Valentine behielt ihre Meinung dazu f�r sich, bezweifelte jedoch, da� Enders Vermutung zutraf. Die junge Val hatte vom ersten Augenblick an Valentines Gene gehabt, weil eine Person, die so perfekt Enders Vorstellung von Valentine entsprach, keine anderen Gene haben konnte; das Naturgesetz, das Jane im Sternenschiff aufrecht erhielt, verlangte es. Oder es gab vielleicht eine Kraft, die selbst an solch einem Ort des v�lligen Chaos den Dingen Form und Gestalt gab. Doch es spielte kaum eine Rolle, bis auf die Tatsache, da� Enders Bild von ihr, ganz gleich, wie �rgerlich perfekt und ihr selbst <emphasis>un�hnlich </emphasis>diese neue Pseudo-Val auch sein mochte, so genau gewesen war, da� sie genetisch <emphasis>ein und dieselbe </emphasis>Person waren. Doch so falsch konnte sein Bild von ihr nicht gewesen sein. Vielleicht <emphasis>war </emphasis>ich damals so perfekt und so sch�n.</p><p>Sie knieten vor dem Bischof nieder. Plikt k��te seinen Ring, obwohl sie kein Teil der Schuld von Lusitania traf.</p><p>Doch als es an der jungen Val war, den Ring zu k�ssen, zog der Bischof die Hand zur�ck und wandte sich ab. Ein Priester trat vor und sagte ihnen, sie sollten auf ihre Pl�tze gehen.</p><p>�Wie kann ich das?� sagte die junge Val. �Ich habe noch keine Abbitte getan.�</p><p>�Dich trifft keine Schuld�, sagte der Priester. �Der Bischof hat es mir erkl�rt, bevor ihr kamt; du warst nicht hier, als die S�nde begangen wurde, also mu�t du auch keine Bu�e tun.�</p><p>Die junge Val musterte ihn sehr traurig und sagte: �Ich wurde von einem anderen als Gott geschaffen. Deshalb will der Bischof mich nicht empfangen. Solange er lebt, werde ich kein Abendmahl erhalten.�</p><p>Der Priester schaute sehr traurig drein � es war unm�glich, da� einem die junge Val nicht leid tat, denn ihre Einfachheit und Sch�nheit lie�en sie zerbrechlich erscheinen, und die Person, die sie verletzte, mu�te sich sehr unbeholfen vorkommen, solch einem zarten Wesen Schaden zugef�gt zu haben. �Bis der Papst eine Entscheidung trifft�, sagte er. �Es ist ein sehr schwieriges Problem.�</p><p>�Ich wei߫, fl�sterte die junge Val. Dann wandte sie sich ab und nahm zwischen Plikt und Valentine Platz.</p><p>Unsere Ellbogen ber�hren sich, dachte Valentine. Eine Tochter, die mein v�lliges Ebenbild ist, als h�tte ich sie vor dreizehn Jahren geklont.</p><p>Aber ich will keine weitere Tochter haben und ganz bestimmt kein Duplikat von mir. Sie wei� das. Sie f�hlt es. Und so leidet sie unter etwas, worunter ich nie gelitten habe � sie f�hlt sich von denen, die ihr am n�chsten stehen, ungeliebt und ungewollt.</p><p>Was empfindet Ender f�r sie? W�nscht er auch, da� sie verschwindet? Oder sehnt er sich danach, ihr Bruder zu sein, wie er vor so vielen Jahren <emphasis>mein </emphasis>Bruder war? Als ich in diesem Alter war, hatte Ender noch keinen Xenozid begangen. Aber damals hatte er auch noch nicht f�r die Toten gesprochen. Die <emphasis>Schwarmk�nigin, </emphasis>der <emphasis>Hegemon, Menschs Leben, </emphasis>das alles lag noch vor ihm. Er war nur ein Kind, verwirrt, verzweifelt, ver�ngstigt. Wie konnte sich Ender nach jener Zeit sehnen?</p><p>Kurz darauf kam Miro herein, kroch zum Altar und k��te den Ring. Obwohl der Bischof ihn von jeder Verantwortung freigesprochen hatte, leistete er wie alle anderen Bu�e. Valentine bemerkte nat�rlich, da� viele Leute leise tuschelten. Alle auf Lusitania, die ihn vor seinem Unfall gekannt hatten, wu�ten, da� sich ein Wunder vollzogen hatte � die v�llige Wiederherstellung des Miro, der zuvor so fr�hlich unter ihnen gelebt hatte.</p><p>Damals habe ich dich nicht gekannt, Miro, dachte Valentine. Hast du schon immer diese zur�ckhaltende, nachdenkliche Aura verbreitet? Dein K�rper mag zwar geheilt sein, doch du bist noch immer der Mensch, der all diese Zeit unter Schmerzen gelebt hat. Hat dich das k�lter oder mitf�hlender gemacht?</p><p>Er kam und setzte sich neben sie, auf den Stuhl, auf dem eigentlich Jakt gesessen h�tte, wenn er nicht noch im All gewesen w�re. Da die Vernichtung der Descolada kurz bevorstand, mu�te jemand die Tausenden von gefrorenen Mikroben und Planzen- und Tierrassen auf die Planetenoberfl�che bringen, die n�tig waren, um eine selbstregulierende Gaialogie zu etablieren und die planetaren Systeme in Ordnung zu halten. Es war eine Aufgabe, die schon auf vielen anderen Welten bew�ltigt worden war, doch hier wurde sie durch die Notwendigkeit kompliziert, sich nicht zu <emphasis>intensiv </emphasis>mit den einheimischen Spezies zu befassen, von denen die Pequeninos abh�ngig waren. Jakt war dort oben und arbeitete f�r sie alle; er war aus einem guten Grund fort, doch Valentine vermi�te ihn trotzdem � brauchte ihn sogar dringend, weil Enders neue Sch�pfungen solch einen Gef�hlsaufruhr in ihr verursacht hatten. Miro war kein Ersatz f�r ihren Gatten, besonders nicht, da sein neuer K�rper sie stets daran erinnerte, was im Au�en geschehen war.</p><p>Was h�tte <emphasis>ich </emphasis>erschaffen, w�re <emphasis>ich </emphasis>dorthin gegangen? Ich bezweifle, da� ich einen Menschen zur�ckgebracht h�tte, denn ich bef�rchte, da� an der Wurzel meiner Psyche keine Seele wohnt. Nicht einmal meine eigene, bef�rchte ich. Was sonst ist mein leidenschaftliches Studium der Geschichte gewesen, wenn nicht eine Suche nach Menschlichkeit? Andere finden Menschlichkeit, indem sie in ihre eigenen Herzen schauen. Nur verlorene Seelen m�ssen sie au�erhalb von sich selbst suchen.</p><p>�Es sind fast alle durch�, fl�sterte Miro.</p><p>Der Gottesdienst w�rde bald beginnen.</p><p>�Bist du bereit, dich von deinen S�nden l�utern zu lassen?� fl�sterte Valentine.</p><p>�Wie der Bischof mir erkl�rt hat, wird er mich nur von den S�nden dieses neuen K�rpers freisprechen. Ich mu� noch immer beichten und Bu�e f�r die S�nden tun, die von dem alten K�rper �briggeblieben sind. Es waren mir nat�rlich nicht viele S�nden des Fleisches m�glich, aber da ist noch immer jede Menge Neid, Boshaftigkeit, Geh�ssigkeit und Selbstmitleid. Ich �berlege gerade, ob ich auch einen Selbstmord beichten mu�. Als sich mein alter K�rper aufl�ste, war es, als habe sich ein Herzenswunsch erf�llt.�</p><p>�Du h�ttest deine Stimme besser nicht zur�ckbekommen�, sagte Valentine. �Du plapperst jetzt einfach vor dich hin, um dich so sch�n reden h�ren zu k�nnen.�</p><p>Er l�chelte und t�tschelte ihren Arm.</p><p>Der Bischof begann den Gottesdienst mit einem Gebet, mit dem er Gott f�r alles dankte, was in den letzten Monaten erreicht worden war. Die Sch�pfung der beiden neuesten Mitb�rger Lusitanias lie� er verd�chtigerweise aus, obwohl Miros Heilung eindeutig auf Gottes Schwelle gelegt wurde. Er rief Miro zu sich, taufte ihn fast umgehend und wandte sich dann, weil dies keine Messe war, sofort seiner Predigt zu.</p><p>�Gottes Gnade ist unendlich�, sagte er. �Wir k�nnen nur hoffen, da� er weiter ausgreifen wird, als wir es verdienen, da� er uns unsere schrecklichen S�nden als Einzelmenschen und als Volk vergibt. Wir k�nnen nur hoffen, da� wir wie Niniveh, das durch Bu�fertigkeit der Zerst�rung entging, unseren Herrn �berzeugen k�nnen, uns vor der Flotte zu verschonen, die er zu uns geschickt hat, um uns zu bestrafen.�</p><p>�Hat er die Flotte nicht geschickt�, fl�sterte Miro so leise, da� nur sie es h�ren konnte, �<emphasis>bevor </emphasis>der Wald niedergebrannt wurde?�</p><p>�Vielleicht ist f�r Gott nur die Ankunfts- und nicht die Abflugzeit wichtig�, gab Valentine zur�ck. Doch sie bedauerte ihre schnippische Antwort sofort. Sie hatten sich aus einem ernsten Anla� hier zusammengefunden; und obwohl sie nicht an die katholische Lehre glaubte, beeindruckte es sie, da� die Gemeinde die Verantwortung f�r das B�se auf sich nahm, das sie begangen hatte, und wahre Bu�e leistete.</p><p>Der Bischof sprach von denen, die in Heiligkeit gestorben waren � Os Venerados, die die Menschheit als erste vor der Descolada-Plage gerettet hatten; Vater Estev�o, dessen Leichnam unter dem Boden der Kapelle begraben lag und der ein M�rtyrer geworden war, um die Wahrheit gegen die Ketzerei zu verteidigen; Pflanzer, der gestorben war, um zu beweisen, da� die Seele seines Volkes von Gott und nicht von einem Virus stammte; und die Pequeninos, die als unschuldige Opfer eines Gemetzels gestorben waren. �Sie alle m�gen eines Tages Heilige sein, denn wir leben in einer Zeit, die an die Anfangstage des Christentums erinnert, als gro�e Taten und gro�e Heiligkeit dringend gebraucht und daher �fter vollbracht wurden. Diese Kapelle ist ein Schrein f�r all jene, die ihren Gott mit all ihrem Herzen und die ihren N�chsten wie sich selbst geliebt haben. Sollen alle, die hier eintreten, mit gebrochenem Herzen und reuigem Geist eintreten, damit die Heiligkeit auch sie ber�hrt.�</p><p>Die Predigt dauerte nicht lange, denn es waren f�r diesen Tag noch viele weitere Gottesdienste angesetzt � die Gl�ubigen betraten die Kapelle in Gruppen; sie war viel zu klein, um die gesamte menschliche Bev�lkerung Lusitanias auf einmal aufzunehmen. Sie waren ziemlich schnell fertig, und Valentine stand auf, um zu gehen. Sie wollte schon Plikt und Val folgen, als Miro sie am Arm festhielt.</p><p>�Jane hat es mir gerade erz�hlt�, sagte er. �Ich dachte, du wolltest es wissen.�</p><p>�Was?�</p><p>�Sie hat gerade das Sternenschiff getestet, ohne da� Ender darin war.�</p><p>�Wie war ihr das m�glich?� fragte Valentine.</p><p>�Peter�, sagte er. �Sie hat ihn ins Au�en und wieder zur�ck gebracht. Er kann ihr Aiua aufnehmen, falls dieser Proze� wirklich so funktioniert.�</p><p>Ihre Stimme verlieh ihrer unmittelbaren Furcht Ausdruck. �Hat er��</p><p>�Etwas geschaffen? Nein.� Miro grinste � aber mit einer Andeutung des schiefen, verzerrten Gesichtsausdrucks, den Valentine f�r eine Folge seiner Behinderung gehalten hatte. �Er behauptet, es l�ge daran, da� sein Geist viel sauberer und ges�nder als der Andrews ist.�</p><p>�Vielleicht�, sagte Valentine.</p><p>�Ich behaupte, es liegt daran, da� kein Philot im Au�en bereit war, Teil <emphasis>seines </emphasis>Musters zu werden. Zu verdreht.�</p><p>Valentine lachte leise.</p><p>Dann kam der Bischof zu ihnen. Da sie zu den letzten geh�rten, die die Kapelle verlie�en, waren sie ungest�rt.</p><p>�Danke, da� du die neue Taufe akzeptiert hast�, sagte der Bischof.</p><p>Miro neigte den Kopf. �Nicht viele Menschen bekommen die Gelegenheit, so sehr von ihren S�nden gel�utert zu werden�, sagte er.</p><p>�Und Valentine, es tut mir leid, da� ich Ihre� Namensvetterin nicht akzeptieren konnte.�</p><p>�Keine Angst, Bischof Peregrino. Ich verstehe Sie. Vielleicht bin ich sogar derselben Ansicht.�</p><p>Der Bischof sch�ttelte den Kopf. �Es w�re besser, wenn sie einfach��</p><p>�Gingen?� erg�nzte Miro. �Ihr Wunsch wird erf�llt. Peter wird bald aufbrechen � Jane kann ein Schiff mit ihm an Bord lenken. Zweifellos ist ihr das auch mit der jungen Val m�glich.�</p><p>�Nein�, sagte Valentine. �Sie kann nicht gehen. Sie ist zu��</p><p>�Jung?� fragte Miro. Er wirkte am�siert. �Die beiden wurden mit allem geboren, was Ender wei�. Du kannst das M�dchen trotz ihres K�rpers wohl kaum ein Kind nennen.�</p><p>�Wenn sie <emphasis>geboren </emphasis>worden w�ren�, sagte der Bischof, �m��ten sie nicht gehen.�</p><p>�Sie gehen nicht, weil Sie es w�nschen�, sagte Miro. �Sie gehen, weil Peter Elas neuen Virus nach Weg bringen wird, und die junge Val sucht mit ihrem Schiff nach Planeten, auf denen man Pequeninos und Schwarmk�niginnen ansiedeln kann.�</p><p>�Ihr k�nnt sie nicht auf so eine Mission schicken�, sagte Valentine.</p><p>�Ich werde sie nicht <emphasis>schicken�, </emphasis>sagte Miro. �Ich werde sie <emphasis>mitnehmen. </emphasis>Oder besser gesagt, sie wird mich mitnehmen. <emphasis>Ich </emphasis>will gehen. Welche Risiken auch bestehen, ich nehme sie auf mich. Ihr wird nichts passieren, Valentine.�</p><p>Valentine sch�ttelte noch immer den Kopf, doch sie wu�te bereits, da� sie sich letztendlich nicht durchsetzen konnte. Die junge Val selbst w�rde darauf bestehen, wie jung sie auch sein mochte, denn wenn sie nicht ging, stand ihnen nur ein Sternenschiff zur Verf�gung; und wenn Peter die Reisen �bernahm, konnte man nicht sagen, ob er das Schiff nicht f�r seine eigenen Ziele zweckentfremden w�rde. Auf lange Sicht w�rde sich auch Valentine der Notwendigkeit beugen m�ssen. Welchen Gefahren sich die junge Val auch aussetzen mochte, sie waren nicht schlimmer als die Risiken, die andere bereits auf sich genommen hatten. Zum Beispiel Pflanzer. Zum Beispiel Vater Estev�o. Zum Beispiel Glas.</p><empty-line/><p>Die Pequeninos versammelten sich um Pflanzers Baum. Es w�re Glas' Baum gewesen, da er der erste war, der mit der Recolada ins dritte Leben �bergewechselt war, doch schon seine ersten Worte, nachdem sie wieder mit ihm sprechen konnten, wiesen die Idee barsch zur�ck, das Virizid und die Recolada neben seinem Baum in die Welt einzuf�hren. Diese Ehre geb�hre Pflanzer, erkl�rte er, und schlie�lich pflichteten die Br�der und Gattinnen ihm nachdr�cklich bei.</p><p>So kam es, da� sich Ender gegen seinen Freund Mensch lehnte, den er vor so vielen Jahren gepflanzt hatte, um ihm ins dritte Leben zu helfen. Die Befreiung der Pequeninos w�re ein Augenblick umfassender Freude f�r Ender gewesen sich � wenn er nicht Peter dabeigehabt h�tte.</p><p>�Die Schwachen feiern die Schwachen�, sagte Peter. �Pflanzer hat <emphasis>versagt, </emphasis>w�hrend Glas <emphasis>Erfolg </emphasis>gehabt hat, und dort steht er, allein auf dem Experimentalfeld. Und das d�mmste daran ist, da� es f�r Pflanzer keine Bedeutung mehr haben kann, da sein Aiua nicht mehr hier ist.�</p><p>�Es mag f�r Pflanzer vielleicht keine Bedeutung mehr haben�, sagte Ender � obwohl er sich dessen nicht v�llig sicher war, �doch es bedeutet den Leuten hier etwas.�</p><p>�Ja�, sagte Peter. �Es bedeutet, da� sie schwach sind.�</p><p>�Jane sagt, sie habe dich ins Au�en mitgenommen.�</p><p>�Eine leichte Reise�, sagte Peter. �Beim n�chsten Mal jedoch wird Lusitania nicht mehr mein Ziel sein.�</p><p>�Sie sagt, du hast vor, Elas Virus nach Weg zu bringen.�</p><p>�Mein erster Zwischenhalt�, sagte Peter. �Aber ich werde nicht mehr hierher zur�ckkommen. Verlasse dich darauf, alter Junge.�</p><p>�Wir brauchen das Schiff.�</p><p>�Du hast das s��e kleine Computerm�dchen�, sagte Peter, �und die Krabblerhure kann Dutzende von Sternenschiffen f�r dich ausspucken, wenn du nur genug Gesch�pfe wie mich und Valzinha hervorbringen kannst, um sie zu steuern.�</p><p>�Ich werde froh sein, dich nicht mehr sehen zu m�ssen.�</p><p>�Willst du nicht wissen, was ich vorhabe?�</p><p>�Nein�, sagte Ender.</p><p>Aber das war eine L�ge, und nat�rlich wu�te Peter es. �Ich habe vor, das zu tun, wozu du nie den Grips oder Mumm hattest. Ich habe vor, die Flotte aufzuhalten.�</p><p>�Wie? Willst du wie durch Zauberei auf dem Flagschiff auftauchen?�</p><p>�Tja, wenn es zum Schlimmsten k�me, lieber Junge, k�nnte ich die Flotte noch immer mit einem M.D.-Ger�t beharken, bevor sie �berhaupt mitbekommt, da� es mich gibt. Aber das w�rde nicht viel bewerkstelligen, oder? Um die Flotte aufzuhalten, mu� ich den Kongre� aufhalten. Und um den Kongre� aufzuhalten, mu� ich die Kontrolle haben.�</p><p>Ender wu�te sofort, was das bedeutete. �Du glaubst also, wieder Hegemon werden zu k�nnen? Gott helfe der Menschheit, wenn du es schaffst.�</p><p>�Warum sollte ich es nicht schaffen?� sagte Peter. �Mir ist es schon einmal gelungen, und ich habe mich gar nicht so schlecht geschlagen. Du m��test es wissen � du hast doch das Buch dar�ber geschrieben.�</p><p>�Das war der <emphasis>echte </emphasis>Peter�, sagte Ender. �Nicht du, die verzerrte Version, die ich aus meinem Ha� und meiner Furcht heraufbeschworen habe.�</p><p>Hatte Peter genug Seele, um sich durch diese harten Worte getroffen zu f�hlen? Ender glaubte, zumindest einen Augenblick lang, da� Peter innehielt und sein Gesicht Schmerz zeigte.</p><p>�Ich bin jetzt der echte Peter�, antwortete er nach diesem Augenblick. �Und du hoffst besser, da� ich all meine F�higkeiten behalten habe. Schlie�lich hast du Valette ja dieselben Gene wie Valentine gegeben. Vielleicht bin ich alles, was Peter je war.�</p><p>�Vielleicht k�nnen Schweine fliegen.�</p><p>Peter lachte. �Sie w�rden es, wenn du ins Au�en gehst und hart genug daran glaubst.�</p><p>�Dann geh�, sagte Ender.</p><p>�Ja, ich wei�, da� du froh bist, mich endlich loszusein.�</p><p>�Und dich auf den Rest der Menschheit loszulassen? Das ist Strafe genug daf�r, da� sie die Flotte losgeschickt hat.� Ender ergriff Peter am Arm und zog ihn zu sich heran. �Glaube nicht, da� du mich diesmal wieder ausman�vrieren kannst. Ich bin kein kleiner Junge mehr, und wenn du au�er Kontrolle ger�tst, werde ich dich vernichten.�</p><p>�Das kannst du nicht�, sagte Peter. �Aber du k�nntest gut selbst dabei umkommen.�</p><p>Die Feier begann. Diesmal hatten sie auf jeden Pomp verzichtet. Es gab keinen Ring zu k�ssen und keine Predigt. Ela und ihre Assistenten brachten einfach mehrere hundert Zuckerw�rfel, die mit dem Virizid-Bakterium getr�nkt waren, und genauso viele Reagenzgl�ser mit einer L�sung, die die Recolada enthielt. Sie wurden unter den Anwesenden verteilt, und jeder Pequenino nahm einen Zuckerw�rfel, l�ste ihn auf, schluckte ihn und trank dann den Inhalt eines Reagenzglases.</p><p>�Dies ist mein K�rper, den ich f�r euch hingebe�, intonierte Peter. �Tut dies, um euch an mich zu erinnern.�</p><p>�Hast du vor nichts Respekt?� fragte Ender.</p><p>�Das ist mein Blut, das ich f�r euch vergie�e. Trinkt es, um euch an mich zu erinnern.� Peter l�chelte. �Das ist ein Abendmahl, an dem sogar <emphasis>ich </emphasis>teilhaben kann, ungetauft, wie ich bin.�</p><p>�Eins kann ich dir versprechen�, sagte Ender. �Die Taufe, die <emphasis>dich </emphasis>freisprechen kann, wurde noch nicht erfunden.�</p><p>�Ich wette, du hast dein ganzes Leben lang darauf gewartet, das zu mir sagen zu k�nnen.� Peter drehte sich zu ihm um, damit Ender das Juwel sehen konnte, das in sein Ohr eingepflanzt worden war und ihn mit Jane verband. F�r den Fall, da� Ender nicht bemerkt haben sollte, worauf er ihn hinweisen wollte, ber�hrte Peter das Juwel ziemlich ostentativ. �Vergi� nicht, ich habe hier die Quelle aller Weisheit. Wenn es dich interessiert, wird sie dir zeigen, was ich tue. Falls du mich nicht in dem Augenblick vergi�t, in dem ich aufbreche.�</p><p>�Ich werde dich nicht vergessen�, sagte Ender.</p><p>�Du k�nntest mitkommen�, sagte Peter.</p><p>�Und dabei das Risiko eingehen, im Au�en noch mehr wie dich zu schaffen?�</p><p>�Ich k�nnte Gesellschaft gebrauchen.�</p><p>�Ich versichere dir, Peter, du wirst dir bald selbst so �berdr�ssig sein, wie ich deiner �berdr�ssig bin.�</p><p>�Niemals�, sagte Peter. �Ich bin nicht voller Selbstverachtung, so wie du armes, schuldbesessenes Werkzeug besserer, st�rkerer M�nner. Und wenn du mir keine Gesellschaft erschaffen willst, werde ich unterwegs welche finden.�</p><p>�Daran habe ich keinen Zweifel�, sagte Ender.</p><p>Die Zuckerw�rfel und Reagenzgl�ser kamen zu ihnen; sie a�en und tranken.</p><p>�Der Geschmack der Freiheit�, sagte Peter. �K�stlich.�</p><p>�Ach ja?� sagte Ender. �Wir t�ten eine Spezies, die wir niemals verstanden haben.�</p><p>�Ich wei�, was du meinst�, sagte Peter. �Es macht viel mehr Spa�, einen Gegner zu vernichten, wenn er verstehen kann, wie gr�ndlich du ihn besiegt hast.�</p><p>Dann ging Peter endlich davon.</p><p>Ender blieb bis zum Ende der Feier und sprach mit vielen dort: mit Mensch und W�hler, mit Valentine, Ela, Ouanda und Miro.</p><p>Er mu�te jedoch noch einen Besuch machen. Einen Besuch, den er schon mehrere Male gemacht hatte, um immer wieder zur�ckgewiesen und wortlos davongeschickt zu werden. Diesmal jedoch kam Novinha heraus, um mit ihm zu sprechen. Und anstatt voller Zorn und Trauer zu sein, wirkte sie ganz ruhig.</p><p>�Ich habe meinen Frieden zur�ckgefunden�, sagte sie. �Und ich wei�, falls es noch nicht zu sp�t ist, da� mein Zorn auf dich nicht rechtschaffen war.�</p><p>Ender war froh, diese Aussage zu h�ren, doch �berrascht wegen der Begriffe, die sie benutzte. Wann hatte Novinha je von Rechtschaffenheit gesprochen?</p><p>�Ich bin zur Einsicht gelangt, da� mein Junge vielleicht die Aufgabe erf�llt hat, die Gott ihm zugedacht hat�, sagte sie. �Da� du ihn nicht h�ttest aufhalten k�nnen, weil Gott wollte, da� er zu den Pequeninos geht, um die Wunder in Bewegung zu setzen, die sich seitdem ereignet haben.� Sie weinte. �Miro kam zu mir. Geheilt�, sagte sie. �Oh, Gott ist also doch noch gn�dig. Und ich werde Quim im Himmel haben, wenn ich sterbe.�</p><p>Sie wurde bekehrt, dachte Ender. Nach all diesen Jahren, in denen sie die Kirche verachtet und nur am Katholizismus teilgenommen hat, weil es keine andere M�glichkeit gab, eine B�rgerin der Lusitania-Kolonie zu sein, haben diese Wochen bei den Kindern des Geistes Christi sie bekehrt. Ich bin froh dar�ber, dachte er. Sie spricht wieder mit mir.</p><p>�Andrew�, sagte sie, �ich m�chte, da� wir wieder zusammen sind.�</p><p>Er griff nach ihr, um sie zu umarmen, wollte vor Erleichterung und Freude weinen, doch sie entwand sich seinem Griff.</p><p>�Du verstehst nicht�, sagte sie. �Ich werde nicht mit dir nach Hause kommen. Das ist jetzt mein Zuhause.�</p><p>Sie hatte recht � er hatte nicht verstanden. Aber jetzt tat er es. Sie war nicht nur zum Katholizismus bekehrt worden. Sie war zu diesem Orden des st�ndigen Opfers bekehrt worden, dem nur Ehem�nner und Ehefrauen beitreten konnten, und nur gemeinsam, um inmitten ihrer Ehe Eide der permanenten Abstinenz zu leisten. �Novinha�, sagte er, �ich habe nicht den Glauben oder die St�rke, um eins der Kinder des Geistes Christi zu werden.�</p><p>�Wenn du sie findest�, sagte sie, �werde ich hier auf dich warten.�</p><p>�Ist das die einzige Hoffnung, die ich habe, bei dir zu sein?� fl�sterte er. �Der Liebe zu deinem K�rper abzuschw�ren, um deine Gesellschaft zu haben?�</p><p>�Andrew�, fl�sterte sie, �ich sehne mich nach dir. Doch ich habe so viele Jahre lang die S�nde des Ehebruchs begangen, da� meine einzige Hoffnung auf Freude nun darin besteht, dem Fleisch abzuschw�ren und im Geist zu leben. Wenn es sein mu�, werde ich es allein tun. Aber mit dir� oh, Andrew, ich vermisse dich.�</p><p>Und ich vermisse dich, dachte er. �Wie den Atem selbst vermisse ich dich�, fl�sterte er. �Aber verlange dies nicht von mir. Lebe als meine Frau mit mir, bis der letzte Rest deiner Jugend verbraucht ist, und wenn das Begehren dann abgestumpft ist, k�nnen wir gemeinsam hierher zur�ckkehren. Dann k�nnte ich gl�cklich sein.�</p><p>�Verstehst du denn nicht?� sagte sie. �Ich habe einen Vertrag geschlossen. Ich habe ein Versprechen gegeben.�</p><p>�Du hast auch mir eins gegeben�, sagte er.</p><p>�Soll ich einen Eid brechen, den ich Gott gegeben habe, damit ich einen Eid halten kann, den ich dir gegeben habe?�</p><p>�Gott w�rde es verstehen.�</p><p>�Wie leicht f�llt es doch jenen, die seine Stimme niemals vernehmen, uns zu erkl�ren, was er verstehen w�rde und was nicht.�</p><p>�H�rst du jetzt seine Stimme?�</p><p>�Ich h�re sein Lied in meinem Herzen, so, wie es auch beim Psalmisten David der Fall war. Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.�</p><p>�Der dreiundzwanzigste. Ich hingegen h�re nur den zweiundzwanzigsten.�</p><p>Sie l�chelte schwach. ��Warum hast du mich verlassen?�� zitierte sie.</p><p>�Und der Teil mit den B�ffeln von Baschan�, sagte Ender. �Ich kam mir schon immer vor, als sei ich von B�ffeln umringt.�</p><p>Sie lachte. �Komm zu mir, wenn du kannst�, sagte ich. �Ich werde hier sein, wenn du bereit bist.�</p><p>Beinahe w�re sie gegangen.</p><p>�Warte.�</p><p>Sie wartete.</p><p>�Ich habe dir das Virizid und die Recolada mitgebracht.�</p><p>�Elas Triumph�, sagte sie. �Wei�t du, es stand nicht in meiner Macht. Ich schade euch nicht, indem ich meine Arbeit aufgebe. Meine Zeit ist vorbei, und sie hat mich bei weitem �bertroffen.� Novinha nahm den Zuckerw�rfel, lie� ihn einen Augenblick lang schmelzen und schluckte ihn dann.</p><p>Dann hielt sie das Reagenzglas im letzten Licht des Abends hoch. �Bei dem roten Himmel sieht es aus, als w�rde es im Glas brennen.� Sie trank � nippte eigentlich daran, um den Geschmack auszukosten. Obwohl, wie Ender wu�te, die L�sung bitter war und unangenehm lange einen Nachgeschmack im Mund zur�cklie�.</p><p>�Kann ich dich besuchen?�</p><p>�Einmal im Monat�, sagte sie. Ihre Antwort kam so schnell, da� er wu�te, sie hatte die Frage bereits �berdacht und eine Entscheidung gefa�t, die sie nicht �ndern w�rde.</p><p>�Dann werde ich dich einmal im Monat besuchen�, sagte er.</p><p>�Bis du bereit bist, zu mir zu kommen?�</p><p>�Bis du bereit bist, zu <emphasis>mir </emphasis>zur�ckzukehren?� erwiderte er.</p><p>Doch er wu�te, da� sie niemals nachgeben w�rde. Novinha war kein Mensch, der es sich so einfach anders �berlegte. Sie hatte seine Zukunft abgesteckt.</p><p>Er h�tte Bedauern und Zorn empfinden sollen. Er h�tte froh sein m�ssen, von einer Frau, die ihn ablehnte, aus der Ehe entlassen zu werden. Doch ihm fiel nicht ein, <emphasis>wof�r </emphasis>er seine neue Freiheit verwenden k�nnte. Jetzt liegt nichts mehr in meinen H�nden, begriff er. Kein Teil der Zukunft h�ngt von mir ab. Meine Arbeit, so ich welche hatte, ist getan, und mein einziger Einflu� auf die Zukunft liegt nun darin, was meine Kinder tun: das Ungeheuer Peter und das unm�glich perfekte Kind Val.</p><p>Und Miro, Grego, Quara, Ela, Olhado � sind sie nicht auch meine Kinder? Kann ich nicht auch behaupten, dazu beigetragen zu haben, sie zu schaffen, auch wenn sie Lidos Liebe und Novinhas K�rper entsprangen, Jahre, bevor ich auch nur an diesem Ort eintraf?</p><p>Es war v�llig dunkel, als er die junge Val fand, obwohl er nicht wu�te, warum er �berhaupt nach ihr suchte. Sie war mit Plikt in Olhados Haus; doch w�hrend sich Plikt mit undeutbarem Gesicht an eine schattige Wand gelehnt stand, war die junge Val bei Olhados Kindern und spielte mit ihnen.</p><p>Nat�rlich spielt sie mit ihnen, dachte Ender. Sie ist selbst noch ein Kind, ganz gleich, wie viele Erfahrungen ich ihr aus meinen Erinnerungen aufgezwungen habe.</p><p>Doch als er auf der Schwelle stand und sie beobachtete, begriff er, da� sie nicht gleicherma�en mit allen Kindern spielte. Den Gro�teil ihrer Aufmerksamkeit bekam Nimbo. Der Junge, der in der Nacht des Mobs in mehr als einer Hinsicht verbrannt worden war. Das Spiel der Kinder war ziemlich einfach, doch es verhinderte, da� sie sich unterhielten. Dennoch fand zwischen Nimbo und der jungen Val ein beredsames Gespr�ch statt. Das L�cheln, mit dem sie ihn bedachte, war warmherzig, nicht so, wie eine Frau ihren Liebhaber ermutigt, sondern eher so, wie eine Schwester ihrem Bruder die stumme Botschaft von Liebe, Zuversicht und Vertrauen �bermittelt.</p><p>Sie heilt ihn, dachte Ender. Genau wie Valentine vor so vielen Jahren mich geheilt hat. Nicht mit Worten. Nur mit ihrer Gesellschaft.</p><p>Ist es m�glich, da� ich sie sogar mit <emphasis>dieser </emphasis>F�higkeit erschaffen habe? War in meinem Traum von ihr soviel Wahrheit und Kraft? Dann hat vielleicht auch Peter alles in sich, was mein echter Bruder hatte � alles, was so gef�hrlich und schrecklich gewesen war, aber auch das, was eine neue Ordnung geschaffen hat.</p><p>Doch so sehr er sich auch bem�hte, <emphasis>daran </emphasis>konnte Ender nicht glauben. Die junge Val mag noch immer Heilkraft in den Augen haben, doch Peter hatte nichts davon in sich. Er hatte das Gesicht, das Ender Jahre zuvor gesehen hatte, wie es seinen Blick in einem Spiegel des Fantasyspiel erwiderte, in einem schrecklichen Raum, in dem er wieder und wieder gestorben war, bevor er schlie�lich das, was er von Peter in sich hatte, umarmen und weitermachen konnte.</p><p>Ich habe Peter umarmt und ein ganzes Volk vernichtet. Ich nahm ihn in mich auf und beging Xenozid. In all den Jahren, die seitdem vergangen sind, dachte ich, ich h�tte mich von ihm befreit. Er sei verschwunden. Aber er wird mich niemals verlassen.</p><p>Die Vorstellung, sich aus der Welt zur�ckzuziehen und dem Orden der Kinder des Geistes Christi beizutreten, hatte eine gro�e Anziehungskraft auf ihn. Vielleicht konnten Novinha und er sich dort von den D�monen reinigen, die all diese Jahre in ihnen gewohnt hatten. Novinha hatte niemals so friedlich gewirkt, dachte Ender, wie heute abend.</p><p>Die junge Val bemerkte ihn und kam zu ihm zur Schwelle.</p><p>�Warum bist du hier?� fragte sie.</p><p>�Ich habe nach dir gesucht.�</p><p>�Plikt und ich verbringen die Nacht bei Olhados Familie�, sagte sie. Sie warf einen Blick auf Nimbo und l�chelte. Der Junge grinste t�richt.</p><p>�Jane sagt, da� du mit dem Sternenschiff aufbrechen willst�, sagte Ender leise.</p><p>�Wenn es Peter m�glich ist, Jane in sich aufzunehmen, kann ich es auch�, gab sie zur�ck. �Miro begleitet mich. Wir wollen bewohnbare Welten suchen.�</p><p>�Nur, wenn du es auch wirklich willst�, sagte Ender.</p><p>�Sei doch nicht t�richt�, entgegnete sie. �Seit wann hast <emphasis>du </emphasis>nur das getan, was du auch wirklich <emphasis>willst? </emphasis>Ich tue, was getan werden mu�, was nur ich tun kann.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Ist das alles, weshalb du gekommen bist?� fragte sie.</p><p>Er nickte erneut. �Ich glaube schon.�</p><p>�Oder bist du gekommen, weil du w�nscht, du k�nntest wieder das Kind sein, das du warst, als du das letzte Mal ein M�dchen mit diesem Gesicht gesehen hast?�</p><p>Die Worte schmerzten � viel schlimmer als Peters Vermutungen dar�ber, welche Gef�hle in Enders Herz waren. Ihr Mitgef�hl war viel schlimmer als Peters Verachtung.</p><p>Sie mu�te den Ausdruck von Schmerz auf seinem Gesicht gesehen � und falsch verstanden haben. Es erleichterte ihn, da� sie imstande war, etwas falsch zu verstehen. Mir bleiben noch ein paar eigene Gedanken �brig.</p><p>�Sch�mst du dich meiner?� fragte sie.</p><p>�Ich bin peinlich ber�hrt�, sagte er. �Weil ich meine unbewu�ten Gedanken so �ffentlich kundgetan habe. Aber ich <emphasis>sch�me </emphasis>mich nicht. Nicht <emphasis>deiner.� </emphasis>Er warf Nimbo einen Blick zu und sah dann sie wieder an. �Bleibe hier und beende, was du angefangen hast.�</p><p>Sie l�chelte leicht. �Er ist ein guter Junge, der geglaubt hat, das Richtige zu tun.�</p><p>�Ja�, sagte Ender. �Aber es ist ihm entglitten.�</p><p>�Er wu�te nicht, was er tat�, sagte sie. �Wie kann man f�r die Folgen seiner Taten verantwortlich gemacht werden, wenn man sie nicht versteht?�</p><p>Er wu�te, da� sie genauso von ihm sprach, Ender dem Xenoziden, wie von Nimbo. �Man mu� nicht die Schuld auf sich nehmen�, sagte er, �aber die Verantwortung. Und die Wunden heilen, die man verursacht hat.�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Die Wunden, die man verursacht hat. Aber nicht alle Wunden auf der Welt.�</p><p>�Ach?� fragte er. �Und warum nicht? Weil du vorhast, sie alle selbst zu heilen?�</p><p>Sie lachte � ein helles, m�dchenhaftes Lachen. �Du hast dich kein bi�chen ver�ndert, Andrew�, sagte sie. �Nicht in all diesen Jahren.�</p><p>Er l�chelte ihr zu, dr�ckte sie leicht an sich und schickte sie zur�ck in das Licht des Zimmers. Er selbst jedoch wandte sich hinaus in die Dunkelheit und ging nach Hause. Es war noch hell genug, da� er den Weg fand, doch er stolperte oft und verirrte sich mehrmals.</p><p>�Du weinst�, sagte Jane in seinem Ohr.</p><p>�Das ist ein so gl�cklicher Tag�, sagte er.</p><p>�Wei�t du, es ist wirklich ein gl�cklicher Tag. Und du bist so in etwa der einzige Mensch, der heute abend Selbstmitleid empfindet.�</p><p>�Na sch�n�, sagte Ender. �Wenn ich der einzige bin, gibt es wenigstens einen.�</p><p>�Du hast <emphasis>mich�, </emphasis>sagte sie. �Und <emphasis>unsere </emphasis>Beziehung war von Anfang an keusch.�</p><p>�Ich habe wirklich mehr als genug Keuschheit in meinem Leben gehabt�, gab er zur�ck. �Ich hoffe nicht auf mehr.�</p><p>�Letzten Endes ist jeder keusch. Jeder endet au�erhalb der Reichweite aller Tods�nden.�</p><p>�Aber ich bin nicht tot�, sagte er. �Noch nicht. Oder doch?�</p><p>�F�hlst du dich wie im Himmel?� fragte sie.</p><p>Er lachte, aber nicht freundlich.</p><p>�Nun ja, dann kannst du auch nicht tot sein.�</p><p>�Du vergi�t�, sagte er, �da� das leicht die H�lle sein k�nnte.�</p><p>�Ach ja?� fragte sie ihn.</p><p>Er dachte �ber alles nach, was erreicht worden war. Elas Viren. Miros Heilung. Die Freundlichkeit, die die junge Val Nimbo entgegenbrachte. Das friedliche L�cheln auf Novinhas Gesicht. Das Frohlocken der Pequeninos �ber die Freiheit, die sich auf ihrer Welt ausbreitete. Ender wu�te, da� sich das Gegenmittel einen immer breiteren Pfad durch die Capimpr�rie schnitt, die die Kolonie umgab; es mu�te mittlerweile schon andere W�lder erreicht haben, und die nun hilflose Descolada wich zur�ck, w�hrend die stumme und passive Recolada ihre Stelle einnahm. All diese Ver�nderungen konnten einfach nicht in der H�lle stattgefunden haben.</p><p>�Ich glaube, ich lebe noch�, sagte er.</p><p>�Und ich auch�, sagte sie. �Das ist doch auch etwas. Peter und Val, sie sind nicht die einzigen Gesch�pfe, die deinem Geist entsprangen.�</p><p>�Nein, das sind sie nicht�, sagte er.</p><p>�Wir beide leben noch, obwohl uns harte Zeiten bevorstehen.�</p><p>Er erinnerte sich daran, was sie noch erwartete, ihre geistige Verkr�ppelung, die nur noch ein paar Wochen auf sich warten lassen w�rde, und er sch�mte sich, �ber seinen eigenen Verlust getrauert zu haben. �Es ist besser�, murmelte er, �etwas geliebt und verloren zu haben, als �berhaupt nicht geliebt zu haben.�</p><p>�Es mag ein Klischee sein�, sagte Jane, �aber das hei�t nicht, da� es nicht wahr sein kann.�</p></section><section><title><p id="_Toc119392807">Kapitel 18</p><p>Der Gott von Weg</p></title><image l:href="#1"/><empty-line/><p>�Ich konnte die Ver�nderungen im Descolada-Virus erst schmecken, als er verschwunden war.�</p><p>�Er pa�te sich dir an?�</p><p>�Er fing an, wie ich selbst zu schmecken. Er hatte die meisten meiner genetischen Molek�le in seine Struktur aufgenommen.�</p><p>�Vielleicht bereitete er sich darauf vor, dich umzuwandeln, wie er uns umgewandelt hat.�</p><p>�Doch als er eure Vorfahren gefangennahm, paarte er sie mit den B�umen, in denen sie lebten. Womit w�ren wir gepaart worden?�</p><p>�Welche anderen Lebensformen gibt es auf Lusitania, abgesehen von denen, die sich bereits zu Paaren zusammengefunden haben?�</p><p>�Vielleicht wollte die Descolada uns mit einem bereits existierenden Paar kombinieren. Oder ein Paarmitglied durch uns ersetzen.�</p><p>�Oder vielleicht wollte sie dich mit den Menschen paaren.�</p><p>�Jetzt ist sie tot. Was sie auch geplant hat, es wird niemals geschehen.�</p><p>�Was f�r ein Leben h�ttest du gef�hrt? H�ttest du dich mit m�nnlichen Menschen gepaart?�</p><p>�Das ist abscheulich.�</p><p>�Oder vielleicht w�rdest du lebende Nachkommen geb�ren, wie die Menschen es tun?�</p><p>�H�re auf, diesen widerlichen Gedanken nachzuh�ngen.�</p><p>�Es waren nur Spekulationen.�</p><p>�Die Descolada ist verschwunden. Du bist frei von ihr.�</p><p>�Aber niemals frei von dem, was wir h�tten sein sollen. Ich glaube, da� wir vernunftbegabt waren, bevor die Descolada kam. Ich glaube, da� unsere Geschichte �lter ist als die Raumschiffe, die die Descolada hierher brachten. Ich glaube, da� irgendwo in unseren Genen das Geheimnis des Pequenino-Lebens liegt, als wir noch Baumbewohner waren und nicht das Larvenstadium im Leben vernunftbegabter B�ume.�</p><p>�Wenn du kein drittes Leben h�ttest, Mensch, w�rest du jetzt tot.�</p><p>�<emphasis>Jetzt </emphasis>ja, aber zu Lebzeiten h�tte ich nicht nur ein Bruder, sondern ein Vater sein k�nnen. Zu Lebzeiten h�tte ich �berall hin reisen k�nnen, ohne mir Sorgen dar�ber zu machen, zu meinem Wald zur�ckkehren zu m�ssen, wenn ich mich jemals paaren wollte. Ich h�tte niemals Tag um Tag an derselben Stelle verwurzelt gestanden und mein Leben praktisch durch die Geschichten gelebt, die die Br�der mir bringen.�</p><p>�Dann reicht es dir nicht, von der Descolada frei zu sein? Mu�t du von all ihren Folgen frei sein, bevor du zufrieden sein kannst?�</p><p>�Ich bin immer zufrieden. Ich bin, was ich bin, ganz gleich, wie ich es geworden bin.�</p><p>�Aber noch immer nicht frei.�</p><p>�Sowohl als M�nner wie auch als Gattinnen m�ssen wir noch immer unser Leben verlieren, um unsere Gene weitergeben zu k�nnen.�</p><p>�Armer Narr. Glaubst du etwa, da� ich, die Schwarmk�nigin, <emphasis>frei</emphasis> bin? Glaubst du, da� menschliche Eltern, sobald sie Kinder bekommen haben, jemals wieder wahrhaft frei sind? Wenn das Leben f�r dich Unabh�ngigkeit bedeutet, die vollkommen uneingeschr�nkte Freiheit, das zu tun, was du willst, dann lebt kein einziges vernunftbegabtes Wesen. Keiner von uns ist jemals v�llig frei.�</p><p>�Schlage Wurzeln, mein Freund, und dann verrate mir, wie unfrei du warst, als du noch keine Wurzeln geschlagen hattest.�</p><empty-line/><p>Wang-mu und Meister Han warteten gemeinsam am Flu�ufer, etwa einhundert Meter von ihrem Haus entfernt. Jane hatte ihnen gesagt, da� sie bald jemand von Lusitania besuchen w�rde. Beide wu�ten, es bedeutete, da� der �berlichtflug verwirklicht worden war, doch dar�ber hinaus konnten sie nur annehmen, da� sich ihr Besucher in einer Umlaufbahn um Weg befand, eine F�hre zum Planeten genommen hatte und nun zu ihnen unterwegs war.</p><p>Statt dessen erschien vor ihnen am Flu�ufer ein l�cherlich kleines Metallgebilde. Die T�r wurde ge�ffnet. Ein Mann kam heraus. Ein junger, gutaussehender Mann. Er hielt eine Glasr�hre in der Hand.</p><p>Und er l�chelte.</p><p>Wang-mu hatte noch nie solch ein L�cheln gesehen. Er sah direkt in sie hinein, als geh�re ihm ihre Seele. Als <emphasis>kenne </emphasis>er sie besser, als sie sich selbst kannte.</p><p>�Wang-mu�, sagte er leise. �K�nigliche Mutter des Westens. Und Fei-tzu, der gro�e Lehrer des Weges.�</p><p>Er verbeugte sich. Sie erwiderten die Geste.</p><p>�Ich will mich nicht lange aufhalten�, sagte er und gab Meister Han das Reagenzglas. �Hier ist der Virus. Sobald ich fort bin, trinkt ihr das. Ich glaube, es schmeckt abscheulich, aber trinkt es trotzdem. Dann schlie�t Kontakt mit so vielen Leuten wie m�glich, in euerm Haus und in der benachbarten Stadt. Euch bleiben etwa sechs Stunden, bevor ihr euch krank f�hlt. Mit etwas Gl�ck d�rftet ihr am Ende des zweiten Tages kein einziges Symptom mehr haben. <emphasis>Kein einziges.� </emphasis>Er grinste. �Keine kleinen Luftt�nze mehr f�r Sie, Meister Han.�</p><p>�Keine Unterw�rfigkeit, f�r keinen von uns�, sagte Han Fei-tzu. �Wir sind bereit, unsere Nachricht sofort zu verbreiten.�</p><p>�Erz�hlt keinem davon, bis ihr die Injektion schon eine Weile verbreitet habt.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Meister Han. �Ihre Weisheit lehrt mich, vorsichtig zu sein, obwohl mein Herz mich auffordert, mich zu beeilen und die glorreiche Revolution zu verk�nden, die diese gn�dige Seuche uns bringen wird.�</p><p>�Ja, sehr sch�n�, sagte der Mann. Dann wandte er sich an Wang-mu. �Aber du brauchst den Virus nicht, nicht wahr?�</p><p>�Nein, Herr�, sagte Wang-mu.</p><p>�Jane sagt, da� du zu den intelligentesten Menschen geh�rst, die sie je gesehen hat.�</p><p>�Jane ist zu g�tig�, erwiderte Wang-mu.</p><p>�Nein, sie hat mir die Daten gezeigt.� Er musterte sie von oben bis unten. Ihr gefiel nicht, wie er mit diesem einzigen langen Blick Besitz von ihren gesamten K�rper ergriff. �Du mu�t die Seuche nicht abwarten. Es w�re sogar besser, wenn du gehst, bevor sie ausbricht.�</p><p>�Gehen?�</p><p>�Was h�lt dich hier noch?� fragte der Mann. �Ganz gleich, wie revolution�r es hier zugehen wird, du wirst noch immer ein Dienstm�dchen und das Kind einfacher Eltern sein. An so einem Ort k�nntest du dein ganzes Leben damit verbringen, dagegen anzuk�mpfen, und w�rest am Ende noch immer nicht mehr als eine Dienerin mit einem �berraschend guten Verstand. Komm mit mir, und du wirst die Geschichte ver�ndern. Geschichte <emphasis>machen.�</emphasis></p><p>�Mit Ihnen gehen und <emphasis>was </emphasis>tun?�</p><p>�Nat�rlich den Kongre� st�rzen. Seine Mitglieder auf die Knie zwingen. Alle Kolonialwelten zu gleichberechtigten Mitgliedern der Politik machen, die Korruption ausmerzen, alle �blen Geheimnisse bekanntgeben und die Lusitania-Flotte nach Hause rufen, bevor sie ein scheu�liches Verbrechen begehen kann. Allen ram�nnischen Rassen ihre Rechte geben. Frieden und Freiheit.�</p><p>�Und Sie haben vor, das alles zu tun?�</p><p>�Nicht allein�, sagte er.</p><p>Sie war erleichtert.</p><p>�Ich werde <emphasis>dich </emphasis>haben.�</p><p>�Wozu?�</p><p>�Um zu schreiben. Zu sprechen. All das zu tun, wof�r ich dich brauche.�</p><p>�Aber ich habe keine Erziehung, Herr. Meister Han hat gerade erst damit angefangen, mich zu unterweisen.�</p><p>�Wer sind Sie?� fragte Meister Han. �Wie k�nnen Sie erwarten, da� ein bescheidenes M�dchen einfach mit einem Fremden mitgeht?�</p><p>�Ein bescheidenes M�dchen? Die ihren K�rper dem Vorarbeiter gibt, um eine Chance zu bekommen, in die N�he eines gottber�hrten M�dchens zu gelangen, das sie <emphasis>vielleicht </emphasis>als geheime Magd einstellen wird? Nein, Meister Han, sie mag vielleicht das Benehmen eines bescheidenen M�dchens an den Tag legen, aber nur, weil sie ein Cham�leon ist. Sie ver�ndert ihre Farbe, wann immer sie glaubt, da� es ihr weiterhelfen wird.�</p><p>�Ich bin keine L�gnerin, Herr�, sagte sie.</p><p>�Nein, ich bin mir sicher, da� du aufrichtig das werden wirst, was du vorzugeben beabsichtigst. Und jetzt sage ich: Gib vor, mit mir eine Revolution�rin zu werden. Du ha�t die Mistkerle, die eurer Welt das alles angetan haben. Die Qing-jao das angetan haben.�</p><p>�Wieso wissen Sie so viel �ber mich?�</p><p>Er ber�hrte mit der Fingerspitze sein Ohr. Zum ersten Mal bemerkte sie das Juwel darin. �Jane h�lt mich �ber die Leute auf dem laufenden, die ich kennen mu�.�</p><p>�Jane wird bald sterben�, sagte Wang-mu.</p><p>�Oh, sie wird vielleicht eine Zeitlang ziemlich dumm sein�, sagte der Mann, �aber <emphasis>sterben </emphasis>wird sie nicht. Du hast geholfen, sie zu retten. Und in der Zwischenzeit werde ich dich haben.�</p><p>�Ich kann es nicht�, sagte sie. �Ich habe Angst.�</p><p>�Na sch�n�, sagte er. �Ich habe es dir angeboten.� Er kehrte zur T�r seines winzigen Raumschiffs zur�ck.</p><p>�Warten Sie�, sagte sie.</p><p>Er drehte sich wieder zu ihr um.</p><p>�K�nnen Sie mir nicht wenigstens sagen, wer Sie sind?�</p><p>�Mein Name ist Peter Wiggin�, erwiderte er. �Obwohl ich f�r eine Weile wahrscheinlich einen falschen benutzen werde.�</p><p>�Peter Wiggin�, fl�sterte sie. �Das ist der Name des��</p><p><emphasis>�Mein </emphasis>Name. Ich werde es dir sp�ter erkl�ren, wenn ich Lust dazu habe. Sagen wir einfach, da� Andrew Wiggin mich geschickt hat. Ich bin ein Mann mit einer Mission, und er meint, ich k�nne sie nur auf einer der Welten abschlie�en, auf der die Machtstrukturen des Kongresses am dichtesten konzentriert sind. Ich war einmal der Hegemon, Wang-mu, und ich habe vor, mir diese Aufgabe zur�ckzuholen, wie auch immer der Job aussehen wird, wenn ich ihn bekomme. Ich werde eine Menge Porzellan zerschlagen und einen erstaunlichen �rger verursachen und diesen ganzen Hundert Welten den Arsch versengen, und ich lade dich ein, mir zu helfen. Aber mir ist es wirklich v�llig egal, ob du mir hilfst oder nicht, denn obwohl es sch�ner w�re, deinen Grips und deine Gesellschaft zur Verf�gung zu haben, werde ich die Aufgabe so oder so erledigen. Kommst du also mit, oder was?�</p><p>Mit der Qual der Unentschlossenheit wandte sie sich an Meister Han.</p><p>�Ich hatte gehofft, dich unterrichten zu k�nnen�, sagte Meister Han. �Doch wenn dieser Mann auf das Ziel hinarbeiten wird, das er uns gerade genannt hat, hast du bei ihm eine bessere Chance, den Verlauf der Menschheitsgeschichte zu �ndern.�</p><p>�Euch zu verlassen�, fl�sterte Wang-mu ihm zu, �ist, als verl�re ich einen Vater.�</p><p>�Und wenn du gehst, werde ich meine zweite und letzte Tochter verloren haben.�</p><p>�Brecht mir nicht das Herz, ihr beide�, sagte Peter. �Ich habe hier ein �berlicht-Sternenschiff. Wi�t ihr, die Entscheidung, Weg zu verlassen, gilt jetzt nicht mehr f�rs Leben. Wenn es nicht klappt, kann ich sie immer in einem oder zwei Tagen zur�ckbringen. Ist das fair?�</p><p>�Ich wei�, da� du gehen willst�, sagte Meister Han.</p><p>�Aber wi�t Ihr auch, da� ich ebenso bleiben will?�</p><p>�Auch das wei� ich�, sagte Meister Han. �Aber du <emphasis>wirst </emphasis>gehen.�</p><p>�Ja�, sagte sie, �das werde ich.�</p><p>�M�gen die G�tter �ber dich wachen, Tochter Wang-mu�, sagte Meister Han.</p><p>�Und m�ge f�r Euch jede Richtung das Osten des Sonnenaufgangs sein, Vater Han.�</p><p>Dann trat sie vor. Der junge Mann namens Peter nahm ihre Hand und f�hrte sie ins Sternenschiff. Die T�r schlo� sich hinter ihnen. Ein Augenblick sp�ter war das Sternenschiff verschwunden.</p><p>Meister Han wartete zehn Minuten und meditierte, bis er wieder Herr �ber seine Gef�hle war. Dann �ffnete er das Glas, trank den Inhalt und kehrte schnellen Schrittes zum Haus zur�ck. Die alte Mu-pao begr��te ihn an der T�r. �Meister Han�, sagte sie. �Ich wu�te nicht, wo Ihr wart. Und Wang-mu ist auch fort.�</p><p>�Sie wird eine Weile fort sein�, sagte er. Dann trat er sehr nahe an die alte Dienerin heran, um ihr ins Gesicht zu atmen. �Du warst meinem Haus treuer ergeben, als wir es je verdient hatten.�</p><p>Ein Anflug von Furcht erschien auf ihrem Gesicht. �Meister Han, Ihr wollt mich doch nicht entlassen, oder?�</p><p>�Nein�, sagte er. �Ich wollte dir nur danken.�</p><p>Er lie� Mu-pao stehen und streifte durch das Haus. Qing-jao war nicht in ihrem Zimmer. Das war keine �berraschung. Sie verbrachte die meiste Zeit damit, G�ste zu unterhalten. Er fand sie im Morgenzimmer mit drei sehr w�rdevollen, gottber�hrten alten Herren aus einer zweihundert Kilometer entfernten Stadt.</p><p>Qing-jao stellte sie einander h�flich vor und nahm dann die Rolle der unterw�rfigen Tochter ein. Meister Han verbeugte sich vor jedem der Herren, doch dann ergab sich die Gelegenheit, die Hand auszustrecken und jeden von ihnen zu ber�hren. Jane hatte ihm erkl�rt, da� der Virus h�chst ansteckend war. Die blo�e k�rperliche N�he reichte normalerweise aus; eine Ber�hrung machte es viel sicherer.</p><p>Und nachdem er sie begr��t hatte, wandte er sich an seine Tochter. �Qing-jao�, sagte er, �w�rdest du ein Geschenk von mir annehmen?�</p><p>Sie verbeugte sich und antwortete h�flich: �Was immer mein Vater mir gebracht hat, werde ich dankbar entgegennehmen, obwohl ich wei�, da� ich seiner Aufmerksamkeit nicht w�rdig bin.�</p><p>Er streckte die Arme aus und zog sie an sich. Sie war steif und unbeholfen in seiner Umarmung � seit sie ein kleines M�dchen gewesen war, hatte er sich vor W�rdentr�gern nicht mehr so impulsiv verhalten. Doch er dr�ckte sie dennoch fest an sich, denn er wu�te, da� sie ihm niemals f�r das vergeben w�rde, was aus dieser Umarmung kam, und es daher das letzte Mal war, da� er seine �Strahlend Helle� in den Armen hielt.</p><empty-line/><p>Qing-jao wu�te, was die Umarmung ihres Vaters bedeutete. Sie hatte beobachtet, wie ihr Vater mit Wang-mu in den Garten ging und das Sternenschiff am Flu�ufer erschien. Sie hatte gesehen, wie er von dem Fremden das Reagenzglas bekam und daraus trank. Dann war sie hierher gegangen, um Besucher ihres Vaters zu empfangen. Ich erf�lle meine Pflicht, mein geehrter Vater, obwohl du mich betr�gen willst.</p><p>Und selbst jetzt, obwohl sie wu�te, da� seine Umarmung die grausame Methode war, sie von der Stimme der G�tter zu trennen, empfing sie, was er ihr geben wollte. War er nicht ihr Vater? Sein Virus von der Welt Lusitania mochte ihr die Stimme der G�tter stehlen oder auch nicht, doch wenn sie ihren Vater zur�ckwies und ihm nicht gehorchte, w�rden die G�tter sie mit Sicherheit bestrafen. Es war besser, sich der G�tter weiterhin als w�rdig zu erweisen, indem sie ihrem Vater den geb�hrenden Respekt und Gehorsam erwies, als ihm im Namen der G�tter den Gehorsam zu verweigern und sich daher als ihrer Gaben unw�rdig zu erweisen.</p><p>Also nahm sie seine Umarmung hin.</p><p>Nachdem er kurz mit den G�sten gesprochen hatte, ging er. Sie hielten es f�r eine gro�e Ehre, da� er sie pers�nlich empfangen hatte; Qing-jao hatte die verr�ckte Rebellion ihres Vater gegen die G�tter so sorgf�ltig verborgen, da� Han Fei-tzu noch immer als einer der gr��ten M�nner von Weg angesehen wurde. Sie sprach leise mit ihnen, l�chelte freundlich und schickte sie dann ihres Weges. Sie gab ihnen nicht den geringsten Hinweis, da� sie eine Waffe mitnehmen w�rden. Warum sollte sie auch? Menschliche Waffen konnten gegen die Macht der G�tter nichts ausrichten, wenn die G�tter es nicht wollten. Und wenn die G�tter nicht mehr mit den Menschen von Weg sprechen wollten, mochte dies durchaus die Tarnung sein, die sie f�r ihr Vorgehen ausgew�hlt hatten. Sollen die Ungl�ubigen doch annehmen, Vaters Lusitania-Virus habe uns von den G�ttern getrennt; <emphasis>ich </emphasis>hingegen wei�, wie alle anderen loyalen M�nner und Frauen, da� die G�tter sprechen, zu wem sie wollen, und kein Menschenwerk sie davon abhalten kann. All ihr Handeln war Selbstgef�lligkeit. Soll der Kongre� doch glauben, er habe die G�tter veranla�t, zu Weg zu sprechen. Sollen Vater und die Lusitanier doch glauben, sie h�tten die G�tter zum Verstummen gebracht. <emphasis>Ich </emphasis>hingegen wei�, da� die G�tter zu mir sprechen werden, wenn ich mich nur als w�rdig erweise.</p><p>Ein paar Stunden sp�ter f�hlte sich Qing-jao todkrank. Das Fieber traf sie wie der Schlag von der Hand eines starken Mannes; sie brach zusammen und bekam kaum mit, da� Diener sie zu ihrem Bett trugen. �rzte kamen, doch sie h�tte ihnen sagen k�nnen, da� sie nichts tun konnten, da� sie durch ihr Kommen die Infektion nur verbreiteten. Doch sie sagte nichts, denn ihr K�rper k�mpfte zu heftig gegen die Krankheit an. Sie schlief und schlief.</p><p>Es war heller Nachmittag, als sie erwachte. �Zeit�, kr�chzte sie, und der Computer in ihrem Zimmer nannte ihr die Stunde und den Tag. Das Fieber hatte ihr zwei Tage ihres Lebens gestohlen. Sie brannte innerlich. Sie stand auf, taumelte in ihr Badezimmer, schaltete das Wasser an, f�llte eine Tasse und trank und trank, bis ihr Durst gel�scht war. Ihr war schwindlig, und sie hatte einen furchtbaren Geschmack im Mund. Wo waren die Diener, die ihr w�hrend ihrer Krankheit Speise und Trank h�tten geben sollen?</p><p>Sie mu�ten ebenfalls krank sein. Und Vater � er mu� vor mir krank geworden sein. Wer wird ihm Wasser bringen?</p><p>Sie fand ihn schlafend vor, im kalten Schwei� der letzten Nacht gebadet. Sie weckte ihm und gab ihm eine Tasse Wasser, die er begierig trank. Sein Blick suchte den ihren. Wollte er eine Frage stellen? Oder bat er vielleicht um Vergebung? Leiste den G�ttern Bu�e, Vater; einer Tochter bis du keine Entschuldigung schuldig.</p><p>Qing-jao fand auch die Diener, einen nach dem anderen; einige von ihnen waren so treu, da� sie sich mit ihrer Krankheit nicht ins Bett gelegt hatten, sondern dort zusammengebrochen waren, wo die Erf�llung ihrer Pflichten sie festgehalten hatte. Alle lebten, erholten sich und w�rden bald wieder auf den Beinen sein. Erst, nachdem alle versorgt waren, ging Qing-jao in die K�che und suchte etwas zu essen. Sie konnte die erste Nahrung, die sie fand, nicht bei sich behalten. Nur eine d�nne Suppe vertrug sie. Den anderen gab sie ebenfalls von der Suppe.</p><p>Bald waren alle wiederhergestellt und auf den Beinen. Qing-jao trommelte die Diener zusammen und brachte Wasser und Suppe in die benachbarten H�user, zu denen der Reichen genau wie zu denen der Armen. Alle waren dankbar, und viele sprachen Gebete f�r sie. Ihr w�ret nicht so dankbar, dachte Qing-jao, wenn ihr w��tet, da� die Krankheit, an der ihr leidet, aus dem Haus meines Vaters gekommen ist und er sie absichtlich herbeigef�hrt hat. Aber sie sagte nichts.</p><p>Die ganze Zeit �ber verlangten die G�tter keinerlei Reinigung von ihr.</p><p>Endlich, dachte sie. Endlich stelle ich sie zufrieden. Endlich habe ich genau das getan, was die Rechtschaffenheit erfordert.</p><p>Als sie nach Hause kam, wollte sie sofort schlafen. Doch die Diener, die im Haus geblieben waren, hatten sich um den Holo in der K�che versammelt und verfolgten Nachrichtensendungen. Da Qing-jao alle Informationen vom Computer bekam, verfolgte sie die Holonachrichten fast nie; doch die Diener sahen so ernst, so besorgt aus, da� sie die K�che betrat und sich zu ihnen in dem Kreis um den Holovision stellte.</p><p>Die Nachrichten galten der Seuche, die die Welt Weg heimsuchte. Eine Quarant�ne hatte sich als unwirksam erwiesen oder war jedenfalls zu sp�t gekommen. Die Frau, die die Nachrichten vorlas, hatte sich bereits von der Krankheit erholt, und sie berichtete, da� die Seuche fast niemanden get�tet, aber das �ffentliche Leben betr�chtlich gest�rt hatte. Man hatte den Virus isolieren k�nnen, aber er war zu schnell abgestorben, um genau untersucht werden zu k�nnen. �Es hat den Anschein, da� ein Bakterium dem Virus folgt und ihn t�tet, sobald sich der betreffende Befallene von der Seuche erholt hat. Die G�tter waren uns f�rwahr gn�dig gesonnen, denn sie haben mit der Krankheit direkt die Heilung geschickt.�</p><p>Narren, dachte Qing-jao. Wenn die G�tter euch heilen wollten, h�tten sie gar nicht erst die Seuche geschickt.</p><p>Augenblicklich begriff sie, da� <emphasis>sie </emphasis>die N�rrin war. Nat�rlich konnten die G�tter sowohl die Krankheit als auch die Heilung geschickt haben. Falls eine Krankheit kam, und die Heilung folgte auf dem Fu�e, hatten die G�tter sie geschickt. Wie konnte sie so etwas t�richt nennen? Es war, als habe sie die G�tter selbst beleidigt.</p><p>Sie zuckte innerlich zusammen und wartete darauf, da� die G�tter sie mit ihrem Zorn �berfielen. Es waren so viele Stunden ohne Reinigung verstrichen, da� es ein schwerer Anfall werden w�rde. W�rde sie wieder die Linien eines ganzen Zimmers verfolgen m�ssen?</p><p>Aber sie sp�rte nichts. Keinen Drang, die Linien der Holzmaserungen zu verfolgen. Keinen Drang, sich zu waschen.</p><p>Sie betrachtete ihre H�nde. Sie waren schmutzig, doch sie gab nichts darum. Sie konnte sie waschen oder auch nicht, ganz, wie es ihr beliebte.</p><p>Einen Augenblick lang versp�rte sie eine gewaltige Erleichterung. War es m�glich, da� Vater, Wang-mu und das Jane-Ding doch recht gehabt hatten? Hatte eine durch diese Seuche verursachte genetische Ver�nderung sie endlich von einem abscheulichen Verbrechen befreit, das der Kongre� vor Jahrhunderten begangen hatte?</p><p>Fast, als habe die Nachrichtensprecherin Qing-jaos Gedanken geh�rt, begann sie einen Bericht �ber ein Dokument zu verlesen, das in allen Computern auf der ganzen Welt aufgetaucht war. Das Dokument besagte, diese Seuche sei ein Geschenk der G�tter, um die Menschen von Weg von einer genetischen Ver�nderung zu befreien, die der Kongre� herbeigef�hrt habe. Bis jetzt seien genetische Verbesserungen fast immer mit einem UZV-�hnlichen Zustand einhergegangen, dessen Opfer allgemein als <emphasis>gottber�hrt </emphasis>bezeichnet wurden. Doch w�hrend die Seuche ihren Verlauf nahm, w�rden die Menschen feststellen, da� die genetischen Verbesserungen nun s�mtliche Menschen von Weg betrafen, w�hrend die Gottber�hrten, die zuvor die schrecklichste Last getragen hatten, nun von den G�ttern von der Notwendigkeit der st�ndigen Reinigung befreit worden w�ren.</p><p>�Dieses Dokument besagt, da� die ganze Welt nun gereinigt ist. Die G�tter haben uns akzeptiert.� Die Stimme der Nachrichtensprecherin zitterte. �Es ist nicht bekannt, woher dieses Dokument stammt. Computeranalysen konnten keinerlei �hnlichkeit mit dem Stil eines anderen bekannten Schriftstellers feststellen. Die Tatsache, da� es gleichzeitig in Millionen von Computern aufgetaucht ist, deutet darauf hin, da� es von einer Quelle mit unvorstellbaren M�glichkeiten stammt.� Die Sprecherin z�gerte, und nun war ihr Zittern deutlich wahrnehmbar. �Wenn diese unw�rdige Nachrichtensprecherin eine Frage stellen d�rfte, in der Hoffnung, da� die Weisen sie h�ren und mit ihrer Weisheit beantworten werden� k�nnte es nicht sein, da� die G�tter selbst uns diese Nachricht geschickt haben, damit wir ihr gro�es Geschenk an die Menschen von Weg verstehen?�</p><p>Qing-jao h�rte noch eine Weile zu, und in ihr wuchs der Zorn. Es war offensichtlich Jane gewesen, die dieses Dokument geschrieben und verbreitet hatte. Wie konnte sie vorzugeben wagen, den Willen der G�tter zu kennen! Sie war zu weit gegangen. Dieses Dokument mu�te widerlegt werden. Janes Existenz mu�te enth�llt werden, und auch die ganze Verschw�rung der Menschen Lusitanias.</p><p>Die Diener sahen sie an. Sie begegnete ihrem Blick und musterte einen Augenblick lang alle von ihnen, die sich im Kreis aufgebaut hatten.</p><p>�Was wollt ihr mich fragen?� sagte sie.</p><p>�O Herrin�, sagte Mu-pao, �vergebt uns unsere Neugier, aber diese Nachrichten haben etwas verk�ndet, das wir nur glauben k�nnen, wenn Ihr uns sagt, da� es wahr ist.�</p><p>�Was wei� denn <emphasis>ich?� </emphasis>gab Qing-jao zur�ck. �Ich bin nur die t�richte Tochter eines gro�en Mannes.�</p><p>�Aber Ihr seid eine der Gottber�hrten, Herrin�, sagte Mu-pao.</p><p>Es ist sehr gewagt von dir, dachte Qing-jao, unaufgefordert von solchen Dingen zu sprechen.</p><p>�Die ganze Nacht �ber, in der ihr mit Speis und Trank zu uns gekommen seid und so viele von uns unter das Volk gef�hrt habt, damit wir die Kranken versorgen, habt Ihr Euch nicht ein einziges Mal entschuldigt, um Euch der Reinigung zu unterziehen. Wir haben nie gesehen, da� Ihr lange verschwunden wart.�</p><p>�Ist es dir nicht in den Sinn gekommen�, sagte Qing-jao, �da� wir vielleicht so gut den Willen der G�tter erf�llt haben, da� f�r mich diese Zeit �ber keine Notwendigkeit zur Reinigung bestand?�</p><p>Mu-pao schaute best�rzt drein. �Nein, daran haben wir nicht gedacht.�</p><p>�Ruhe dich jetzt aus�, sagte Qing-jao. �Wir alle sind noch schwach. Ich mu� gehen und mit meinem Vater sprechen.�</p><p>Sie �berlie� sie dem Klatsch und den Spekulationen untereinander. Vater war in seinem Zimmer und sa� vor dem Computer. Das Display zeigte Janes Gesicht. Kaum, da� sie den Raum betreten hatte, drehte sich Vater zu ihr um. Sein Gesicht strahlte triumphierend.</p><p>�Hast du die Nachricht gesehen, die Jane und ich vorbereitet haben?� sagte er.</p><p>�Du!� schrie Qing-jao. �Mein Vater, ein L�gner?�</p><p>Es war undenkbar, so etwas zu ihrem Vater zu sagen. Doch noch immer versp�rte sie keinen Drang, sich zu reinigen. Es erschreckte sie, da� sie mit solcher Respektlosigkeit sprechen konnte und die G�tter sie trotzdem nicht zur Verantwortung zogen.</p><p>�Ein L�gner?� sagte Vater. �Warum h�ltst du das f�r L�gen, meine Tochter? Woher wei�t du, da� nicht die G�tter uns diesen Virus geschickt haben? Woher wei�t du, da� es nicht ihr Wille ist, der ganzen Welt Weg diese genetischen Verbesserungen zu schenken?�</p><p>Seine Worte machten sie zornig; oder vielleicht versp�rte sie eine neue Freiheit; oder vielleicht stellte sie die G�tter auf die Probe, indem sie so respektlos sprach, da� sie sie einfach zur Verantwortung ziehen <emphasis>mu�ten. �</emphasis>H�ltst du mich f�r eine N�rrin?� schrie Qing-jao. �Glaubst du, ich w��te nicht, da� das <emphasis>deine </emphasis>Strategie ist, um zu verhindern, da� es auf Weg zu Revolutionen und Gemetzeln kommt? Glaubst du, ich w��te nicht, da� du nur daran interessiert bist, da� die Leute nicht sterben?�</p><p>�Und ist das etwa falsch?� fragte Vater.</p><p>�Es ist eine L�ge!� antwortete sie.</p><p>�Oder die Tarnung, die die G�tter vorbereitet haben, um ihre Vorgehensweise zu verbergen�, sagte Vater. �Du hattest keine Schwierigkeiten, die Geschichten des Kongresses als Wahrheit zu akzeptieren. Warum kannst du nicht meine akzeptieren?�</p><p>�Weil ich von dem Virus wei�, Vater. Ich habe gesehen, wie du ihn von diesem Fremden bekommst hast. Ich habe gesehen, wie Wang-mu in dieses Fahrzeug trat. Ich sah es verschwinden. Ich wei�, da� nichts davon Werke der G�tter sind. <emphasis>Sie </emphasis>hat es gemacht � dieser Teufel, der in den Computern lebt!�</p><p>�Woher wei�t du�, sagte Vater, �da� sie nicht eine der G�tter ist?�</p><p>Das war unertr�glich. �Sie wurde <emphasis>gemacht�, </emphasis>rief Qing-jao. �Deshalb wei� ich es! Sie ist nur ein Computerprogramm, das von Menschen gemacht wurde und in Maschinen lebt, die Menschen gemacht haben. Die G�tter wurden nicht von irgendwem gemacht. Die G�tter haben immer gelebt und werden immer leben.�</p><p>Zum ersten Malergriff Jane das Wort. �Dann bist du eine G�ttin, Qing-jao, und ich auch und auch jede andere Person � Mensch oder Ramann � im Universum. Kein Gott hat deine Seele gemacht, dein innerstes Aiua. Du bist so alt und jung wie jeder Gott, und du wirst genauso lange leben.�</p><p>Qing-jao schrie. Sie erinnerte sich nicht, je zuvor solch ein Ger�usch von sich gegeben zu haben. Es zerrte an ihrer Kehle.</p><p>�Meine Tochter�, sagte Vater, kam auf sie zu und streckte die Arme aus, um sie zu umfassen.</p><p>Sie konnte seine Umarmung nicht ertragen. Sie konnte sie nicht ertragen, weil sie seinen vollst�ndigen Sieg bedeutet h�tte. Es w�rde bedeuten, da� sie von den Feinden der G�tter besiegt worden war; es w�rde bedeuten, da� Jane die Oberhand behalten hatte. Es w�rde bedeuten, da� Wang-mu ihrem Vater eine wahrere Tochter gewesen war als sie selbst. Es w�rde bedeuten, da� die Ehrerbietung, die Qing-jao all die Jahre den G�ttern entgegengebracht hatte, umsonst gewesen war. Es w�rde bedeuten, da� es eine b�se Tat von ihr gewesen war, Janes Zerst�rung in die Wege zu leiten. Es w�rde bedeuten, da� Jane edel und gut war, weil sie geholfen hatte, die Menschen von Weg zu ver�ndern. Es w�rde bedeuten, da� Mutter <emphasis>nicht </emphasis>auf sie wartete, wenn sie schlie�lich in den Unendlichen Westen kam.</p><p>Warum sprecht ihr nicht zu mir, O G�tter! rief sie stumm. Warum versichert ihr mir nicht, da� ich euch all diese Jahre nicht vergebens gedient habe? Warum habt ihr mich nun verlassen und den Triumph unseren Feinden gegeben?</p><p>Und dann kam ihr die Antwort, so einfach und klar, als h�tte ihre Mutter sie ihr ins Ohr gefl�stert: Dies ist eine Pr�fung, Qing-jao. Die G�tter beobachten, was du tust.</p><p>Eine Pr�fung. Nat�rlich. Die G�tter stellten all ihre Diener auf Weg auf die Probe, um zu sehen, welche get�uscht worden waren und welche in perfektem Gehorsam ausharrten.</p><p>Wenn ich einer Pr�fung unterzogen werde, mu� es auch ein richtiges Verhalten f�r mich geben.</p><p>Ich mu� tun, was ich immer getan habe, doch diesmal darf ich nicht darauf warten, da� die G�tter mir Anweisungen geben. Sie sind es leid, mir Tag f�r Tag und Stunde f�r St�nde zu sagen, wann ich mich reinigen mu�. Es ist an der Zeit f�r mich, da� ich meine Unreinheit begreife, ohne von ihnen darauf hingewiesen zu werden. Ich mu� mich mit absoluter Gr�ndlichkeit reinigen; dann werde ich den Test bestehen, und die G�tter werden mich erneut empfangen.</p><p>Sie fiel auf die Knie. Sie fand eine Linie in der Holzmaserung und verfolgte sie mit den Blicken.</p><p>Es kam keine Antwort, die sie freigab, kein Gef�hl, richtig gehandelt zu haben; doch das bereitete ihr keine Probleme, denn sie wu�te, da� es zu der Pr�fung geh�rte. Welchen Sinn h�tte es, ihre Hingabe zu �berpr�fen, wenn die G�tter ihr augenblicklich antworten w�rde, wie sie es immer zu tun pflegten? W�hrend sie ihre Reinigung zuvor unter der st�ndigen Anleitung der G�tter vollzogen hatte, mu�te sie sich nun selbst reinigen. Und wie w�rde sie wissen, ob sie es richtig gemacht hatte? Indem sich die G�tter wieder bei ihr melden w�rden.</p><p>Die G�tter w�rden wieder mit ihr sprechen. Oder vielleicht w�rden sie sie zum Palast der K�niglichen Mutter bringen, wo die edle Han Jiang-qing sie erwartete. Dort w�rde sie auch Li Qing-jao begegnen, ihrer Vorfahrin-des-Herzens. Dort w�rden all ihre Vorfahren sie begr��en, und sie w�rden sagen: Die G�tter haben sich entschlossen, alle Gottber�hrten von Weg in Versuchung zu f�hren. Nur wenige haben diese Pr�fung bestanden, doch du, Qing-jao, du hast uns allen gro�e Ehre bereitet. Denn deine Treue hat nie gewankt. Du hast deine Reinigungen vollzogen wie kein anderer Sohn, keine andere Tochter je zuvor. Die Vorfahren anderer M�nner und Frauen sind neidisch auf uns. Deinetwegen beg�nstigen uns die G�tter nun vor allen anderen.</p><p>�Was tust du?� fragte Vater. �Warum verfolgst du mit den Blicken die Holzlinien?�</p><p>Sie antwortete nicht. Sie lie� sich nicht ablenken.</p><p>�Dieses Bed�rfnis ist von uns genommen worden. Ich wei� es � <emphasis>ich </emphasis>versp�re keinen Drang, mich zu reinigen.�</p><p>Ach, Vater! K�nntest du doch nur verstehen! Doch selbst, obwohl du bei diesem Test versagen wirst, ich werde ihn bestehen � und so werde ich selbst dir Ehre bereiten, der du allen ehrbaren Dingen entsagt hast.</p><p>�Qing-jao�, sagte er. �Ich wei�, was du tust. Wie jene Eltern, die ihre mittelm��igen Kinder zwingen, sich unentwegt zu waschen. Du rufst die G�tter.�</p><p>Nenne es, du du willst, Vater. Deine Worte bedeuten mir jetzt nichts. Ich werde nicht mehr auf dich h�ren, bis wir beide tot sind und du zu mir sagst: Meine Tochter, du warst besser und kl�ger als ich; all meine Ehre hier im Haus der K�niglichen Mutter kommt von deiner Reinheit und selbstlosen Hingabe im Dienst der G�tter. Du bist wahrhaftig eine edle Tochter. Du bist meine einzige Freude.</p><empty-line/><p>Die Welt Weg vollzog ihre Umwandlung friedlich. Hier und da kam es zu einem Mord; hier und da wurde einer der Gottber�hrten, der sich wie ein Tyrann benommen hatte, von einem Mob ergriffen und aus seinem Haus geworfen. Doch im gro�en und ganzen glaubte man die Geschichte, die das Dokument erz�hlte, und die ehemaligen Gottber�hrten wurden wegen des rechtschaffenen Opfers, das sie w�hrend der Jahre geleistet hatten, in denen die Riten der Reinigung auf ihren Schultern lag, mit gro�er Ehre behandelt.</p><p>Doch die alte Ordnung verging schnell. Die Schulen wurden f�r alle Kinder ge�ffnet. Die Lehrer konnten bald berichten, da� die Sch�ler beachtliche Leistungen erbrachten; das d�mmste Kind �bertraf nun in jedem Fach den Durchschnitt vergangener Zeiten. Und obwohl der Kongre� w�tend jede genetische Manipulation abstritt, richteten die Wissenschaftler auf Weg ihre Aufmerksamkeit endlich auf die Gene ihres eigenes Volkes. Vergleiche der Aufzeichnungen �ber ihre alten Genmolek�le mit den heutigen best�tigten den M�nner und Frauen von Weg den Inhalt des Dokuments.</p><p>Was dann geschah, als die Hundert Welten und alle Kolonien von den Verbrechen des Kongresses gegen Weg erfuhren � Qing-jao bekam nichts davon mit. Das alles war eine Angelegenheit der Welt, die sie hinter sich gelassen hatte. Denn sie verbrachte ihre gesamten Tage nun im Dienst der G�tter und reinigte und s�uberte sich.</p><p>Es wurde bekannt, da� Han Fei-tzus verr�ckte Tochter als einzige der Gottber�hrten auf ihren Ritualen beharrte. Zuerst wurde sie daf�r bel�chelt � denn viele der Gottber�hrten hatten aus Neugier versucht, ihre Reinigungen erneut zu vollziehen, und dabei festgestellt, da� die Rituale nun leer und bedeutungslos waren. Doch Qing-jao vernahm nur wenig von dem Spott und k�mmerte sich auch nicht darum. Ihre Gedanken galten einzig der Hingabe an die G�tter � was k�mmerte es sie, wenn die Menschen, die die Pr�fung nicht bestanden hatten, sie f�r ihr Bem�hen?</p><p>Doch als die Jahre ins Land gingen, erinnerten sich viele, da� die alten Tage eine sch�ne Zeit gewesen waren. Die G�tter hatten damals zu M�nnern und Frauen gesprochen, und viele standen in ihren Diensten. Einige erinnerten sich wieder an Qing-jao, nicht als Verr�ckte, sondern als einzige Treue unter den Gottber�hrten. Die Nachricht verbreitete sich unter den Frommen: �Im Haus des Han Fei-tzu wohnt die letzte der Gottber�hrten.�</p><p>Sie suchten sie auf, zuerst ein paar, dann immer mehr. Besucher, die mit der einzigen Frau sprechen wollten, die sich noch der M�he ihrer Reinigung unterzog. Zuerst empfing sie einige; wenn sie damit fertig war, die Linien auf einem Brett zu verfolgen, trat sie in den Garten hinaus und sprach mit ihnen. Doch ihre Worte verwirrten Qing-jao. Sie meinten, ihre Bem�hungen galten der Reinigung des gesamten Planeten. Sie sagten, Qing-jao rufe die G�tter um des gesamten Volkes von Weg willen. Je mehr sie sprachen, desto schwerer fiel es ihr, sich auf ihre Worte zu konzentrieren. Sie konnte es bald kaum erwarten, wieder ins Haus zur�ckzukehren, um eine weitere Linie zu verfolgen. Begriffen diese Leute denn nicht, da� es falsch war, sie jetzt zu loben? �Ich habe noch nichts erreicht�, sagte sie zu ihnen. �Die G�tter schweigen noch. Ich mu� arbeiten.� Und dann kehrte sie zu ihren Holzmaserungen zur�ck.</p><p>Ihr Vater starb als sehr alter Mann. Er wurde mit viel Ehre f�r seine vielen Taten bedacht, obwohl nie jemand von seiner Rolle beim Auftreten der Seuche der G�tter erfuhr, wie sie jetzt genannt wurde. Nur Qing-jao verstand. Und als sie ein Verm�gen an echtem Geld verbrannte � f�r ihren Vater h�tte kein falsches Beerdigungsgeld gen�gt �, fl�sterte sie ihm so leise zu, da� kein anderer es h�ren konnte: �Nun wei�t du es, Vater. Nun begreifst du deine Fehler, und wie sehr du die G�tter ver�rgert hast. Aber f�rchte nichts. Ich werde mit den Reinigungen fortfahren, bis alle deine Fehler berichtigt sind. Dann werden dich die G�tter in Ehren aufnehmen.�</p><p>Sie selbst wurde auch sehr alt, und die Reise zum Haus der Han Qing-jao war nun die ber�hmteste Pilgerfahrt auf Weg. In der Tat gab es viele, die auf anderen Welten von ihr geh�rt hatten und nur nach Weg kamen, um sie zu sehen. Denn es war auf vielen Welten wohlbekannt, da� wahre Heiligkeit nur an einem Ort gefunden werden konnte � und nur in einer Person, der alten Frau, deren R�cken nun st�ndig krumm war und deren Augen nichts anderes sahen als die Linien in den Fu�b�den im Haus ihres Vaters.</p><p>Heilige J�nger, M�nner und Frauen, k�mmerten sich nun um das Haus, wo einst Bedienstete f�r sie gesorgt hatten. Sie polierten die B�den. Sie bereiteten ihre einfachen Mahlzeiten vor und legten sie dorthin, wo sie sie finden w�rde: an die Zimmert�ren, denn sie a� und trank nur, wenn sie mit einem Zimmer fertig war. Wenn jemand, ein Mann oder eine Frau, irgendwo auf der Welt eine gro�e Ehre erlangte, begab er sich zum Haus der Han Qing-jao, kniete nieder und verfolgte mit den Blicken eine Holzmaserungslinie; so wurden alle Ehrungen behandelt, als seien sie blo�e Verzierungen der Ehre der Heiligen Han Qing-jao.</p><p>Schlie�lich, nur ein paar Wochen, nachdem sie ihr hundertstes Jahr vollendet hatte, fand man Han Qing-jao auf dem Fu�boden des Zimmers ihres Vaters zusammengekr�mmt. Einige behaupteten, sie habe an genau der Stelle gelegen, an der ihr Vater immer sa�, wenn er seine Arbeit leistete; doch man konnte es nicht genau wissen, da alle M�bel des Hauses schon vor langer Zeit entfernt worden waren. Die heilige Frau war nicht tot, als man sie fand. Sie lag noch mehrere Tage da, murmelte vor sich hin, st�hnte und fuhr mit den H�nden �ber ihren K�rper, als verfolge sie Linien auf ihrer Haut. Ihre J�nger sa�en abwechselnd bei ihr, lauschten ihr, versuchten, ihr Gemurmel zu verstehen, und schrieben ihre Worte nieder, so gut sie sie verstanden. Sie wurden in dem Buch mit dem Titel <emphasis>Der Gott fl�stert von Han Qing-jao </emphasis>festgehalten.</p><p>Am wichtigsten von all ihren Worten waren diese, die sie ganz zum Schlu� sprach: �Mutter�, fl�sterte sie. �Vater. Habe ich es richtig gemacht?� Und dann, sagten ihre J�nger, l�chelte sie und starb.</p><p>Sie war noch keinen Monat tot, als in allen Tempeln und Schreinen in jeder Stadt und jedem Dorf auf Weg die Entscheidung bekanntgegeben wurde. Endlich gab es eine Person von solch �berw�ltigender Heiligkeit, da� Weg sie als Sch�tzer und H�ter der Welt erkoren konnte. Keine andere Welt hatte solch einen Gott, und sie gestanden es freim�tig ein.</p><p>Weg ist �ber alle anderen Welten hinaus gesegnet, sagten sie. Denn der Gott von Weg ist �Strahlend Hell�.</p><empty-line/><subtitle>ENDE</subtitle></section><section><image l:href="#2"/><empty-line/></section><section><p><strong>ORSON SCOTT CARD</strong></p><p><strong>XENOZID</strong></p><p><strong>Science Fiction Roman</strong></p><empty-line/><p>Ins Deutsche �bertragen von Uwe Anton</p><empty-line/><image l:href="#3"/><p>BASTEI-L�BBE-TASCHENBUCH</p><p>Band 24153</p><empty-line/><p>Erste Auflage: M�rz 1992</p><empty-line/><p>� Copyright 1991 by Orson Scott Card</p><p>All rights reserved</p><p>Deutsche Lizenzausgabe 1992</p><p>Bastei-Verlag Gustav H. L�bbe GmbH &amp; Co. Bergisch Gladbach</p><p>Originaltitel: Xenocide</p><p>Lektorat: Reinhard Rohn</p><p>Titelillustration: Tim White</p><p>Umschlaggestaltung: Quadro Grafik, Bensberg</p><p>Satz: Fotosatz Schell, Bad Iburg</p><p>Druck und Verarbeitung:</p><p>Brodard &amp; Taupin, La Fl�che, Frankreich</p><p>Printed in France</p><empty-line/><p>ISBN 3-404-24153-3</p></section></body><binary id="cover" 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