<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Die Gegenerde</book-title><annotation><p>Tarl Cabot, ein junger Geschichtslehrer an einem amerikanischen College, wird w�hrend eines Campingusflugs in den winterlichen Bergen Neuenglands pl�tzlich auf eine fremde Welt versetzt � auf Gor, die Gegenerde.</p><p>Hier leben Sklaven und Sklavenhalter, hier herrschen Kasten in zahlreichen Stadtstaaten, hier wahren g�ttergleiche Priesterk�nige das Geheimnis ihrer unumschr�nkten Macht.</p><p>Tarl Cabot scheint in der Gunst der Priesterk�nige zu stehen. Ihm gelingen Dinge, die den Bewohnem von Gor bislang verwehrt geblieben sind. Auf dem R�cken eines Tarn, des m�chtigen Kampfvogels der Gegenerde, greift er in die Geschehnisse auf Gor ein und wird zum entscheidenden Faktor f�r die Zukunft dieser Welt.</p></annotation><date>1972</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schluck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="1"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Tarnsman of Gor</book-title><date>1966</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><src-ocr>Romuluz</src-ocr><id>7812ACB0-FBD7-42CB-8910-B0F943294E93</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Gor: Die Gegenerde</p><p>(Tarnreiter von Gor)</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Ich hei�e Tarl Cabot. Mein Nachname leitet sich angeblich von dem italienischen Namen Caboto her, doch ich w��te nicht, da� da eine Verbindung best�nde, zumal unsere Familie � einfache Kaufleute in Bristol � stets mit heller Hautfarbe und ungeb�ndigtem grellrotem Haar gesegnet war. Auch mein Vorname ist ungew�hnlich und hat mir besonders in der Schulzeit oft zu schaffen gemacht. Er wurde mir von meinem Vater gegeben, der aus meinem Leben verschwand, als ich noch sehr jung war. Ich hielt ihn f�r tot, bis ich fast zwanzig Jahre nach seinem Verschwinden eine seltsame Botschaft von ihm erhielt, Meine Mutter war etwa zur Zeit meiner Einschulung gestorben. Biographische Details sind stets langweilig zu lesen; ich will mich daher auf die Bemerkung beschr�nken, da� ich ein kluges Kind war, ziemlich gro� f�r mein Alter, und von einer Tante erzogen wurde, die mir alles gab, was sich ein Kind w�nschen konnte � au�er Liebe.</p><p>Auch die Universit�t Oxford brachte ich mit Anstand hinter mich und fand mich schlie�lich, angemessen gebildet, auf der Schwelle des Lebens -mit der Erkenntnis, da� ich mich nicht ohne weiteres in die Welt w�rde einf�gen k�nnen, von der die B�cher sprachen. Da ich mit englischer Geschichte einigerma�en zurechtgekommen war, bewarb ich mich bei mehreren klein amerikanischen Colleges um einen Platz als Geschichtslehrer. Meine Oxford-Professoren waren so freundlich, die etwas �bertriebene Schilderung meines Ausbildungsstands mit Empfehlungsschreiben zu best�tigen, und so fand sich schlie�lich ein kleines liberales College in New Hampshire, das in Verhandlungen trat. Ich war sicher, da� man dr�ben der Wahrheit bald auf die Spur kommen w�rde, aber zun�chst hatte ich freie Passage nach Amerika und eine Stellung, die mindestens ein Jahr dauern w�rde Diesen Umstand fand ich sehr angenehm, wenn ich auch den Verdacht nicht los wurde, da� ich im wesentlichen als exotisches Element eingestellt worden war; gewi� hatte es andere amerikanische Bewerber gegeben, die mir an Gelehrsamkeit und Empfehlungen weit �berlegen waren � bis auf den klaren britischen Akzent.</p><p>Amerika gefiel mir sehr, obwohl ich im ersten Semester angespannt arbeiten mu�te, um meinen Studenten wenigstens um eine Nasenl�nge voraus zu sein. Ich machte die entt�uschende Entdeckung, da� man als Engl�nder nicht automatisch auch eine Autorit�t auf dem Gebiet der englischen Geschichte ist. Zum Gl�ck wu�te mein Vorgesetzter, ein milder bebrillter Mann, noch weniger �ber das Thema als ich � oder lie� mich zumindest in dem Glauben.</p><p>Die Weihnachtsferien waren mir eine gro�e Hilfe � ich wollte die Zeit nutzen, meine F�hrung vor den Studenten noch etwas auszubauen. Aber nach all den Arbeiten, Pr�fungen und Beurteilungen des ersten Semesters �berkam mich das unwiderstehliche Verlangen, das britische Empire links liegen zu lassen und mich einmal auszutoben; ich wollte einen Campingausflug in die nahegelegenen White Mountains machen. Ich borgte mir eine Campingausr�stung von einem der wenigen Freunde, die ich am College gewonnen hatte, und lie� mich von ihm in die Berge fahren. Wir vereinbarten, da� er mich genau in drei Tagen an der gleichen Stelle wieder abholen sollte. Als erstes �berpr�fte ich meinen Kompa�, als w��te ich genau, was mir bevorstand, und kurz darauf war ich in den W�ldern unterwegs. Ich hatte keine Angst vor der Begegnung mit der Natur � ich war eher angenehm ber�hrt, mit mir selbst, den gr�nen Kiefern und den Schneefeldern allein zu sein. Zwei Stunden war ich unterwegs, ehe mir das B�ndel auf meinem R�cken zu schwer wurde. Ich nahm eine kalte Mahlzeit zu mir und stie� kurz darauf noch tiefer in die Berge vor.</p><p>Gegen Abend legte ich mein B�ndel bei einem Felsplateau ab und begann Feuerholz zu sammeln. Ich hatte mich einige Meter von meinem provisorischen Lager entfernt, als ich verbl�fft stehenblieb. In der Dunkelheit zu meiner Linken strahlte etwas einen ruhigen, blauen Schimmer aus. Ich n�herte mich vorsichtig dem Objekt. Es schien sich um einen rechteckigen Metallumschlag zu handeln, kaum gr��er als ein gew�hnlicher Brief. Die Haare standen mir zu Berge, meine Augen weiteten sich. Auf dem Umschlag standen in veralteten englischen Lettern zwei Worte � mein Name, Tarl Cabot.</p><p>Das war nat�rlich ein Witz. Irgendwie war mir mein Freund gefolgt und versteckte sich jetzt in der Dunkelheit. Lachend rief ich seinen Namen. Doch es kam keine Antwort. Nach einer vergeblichen Suche, die mich recht �rgerlich stimmte, kam ich zu dem Schlu�, da� er das Objekt f�r mich zur�ckgelassen hatte. Ich nahm es zur Hand. Es kam mir k�lter vor, wenn es auch immer noch eine gewisse W�rme ausstrahlte. Ein seltsames Ding.</p><p>Ich nahm es mit in mein Lager und entz�ndete mein Feuer, das mich vor Dunkelheit und K�lte sch�tzen sollte. Mein Atem ging schwer. Das Herz pochte mir in der Brust. Ich hatte Angst.</p><p>Mit langsamen Bewegungen machte ich mir eine Dose Bohnen hei� und verzehrte sie, um durch die gewohnte T�tigkeit meine Gedanken von dem unheimlichen Brief abzulenken. Als ich ihn schlie�lich wieder anschaute, gl�hte er nicht mehr. Wie lange hatte er dort im Wald gelegen? Es war fast, als h�tte das Gl�hen nur den Zweck gehabt, mich auf den Umschlag aufmerksam zu machen � ein Ziel, das nun erreicht war.</p><p>Die Schrift auf dem Brief, die in das Metall eingelassen zu sein schien, erinnerte mich an die Abbildungen von Dokumenten in meinen Geschichtsb�chern. Der Umschlag hatte keine Lasche; als ich mit dem Daumen dar�berfuhr, blieb keine Spur zur�ck. Widerstrebend nahm ich den Dosen�ffner zur Hand und versuchte die Metallspitze durch den Umschlag zu dr�cken. So leicht der Umschlag auch zu sein schien, er setzte dem Metall Widerstand entgegen, als h�tte ich es mit einem Ambo� zu tun. Der Dosen�ffner bog sich zur Seite, doch der Umschlag wies nicht Einmal einen Kratzer auf.</p><p>Verwirrt sah ich mir das Gebilde an. Auf der R�ckseite zeigte sich ein kleiner Kreis, in dem ein Daumenabdruck zu sehen war. Ich wischte ihn an meinem �rmel ab, doch der Fleck blieb. Ich dr�ckte mit dem Zeigefinger darauf, doch es geschah nichts. Ich war des Herumr�tseins m�de und legte mich zu Bett. Ich konnte lange Zeit nicht einschlafen, denn ich f�hlte mich seltsam allein. Ich kam wir wie das einzige lebendige Wesen auf dem Planeten vor: Es war mir fast, als l�ge mein Schicksal au�erhalb unserer kleinen Welt, irgendwo in den fernen, fremden Gefilden der Sterne. Pl�tzlich kam mir ein Gedanke, und ich wu�te, was ich tun mu�te. Dieser Umschlag war kein Witz, kein Trick. Irgend etwas in meinem innern kannte die Wahrheit, hatte von Anfang an Bescheid gewu�t. Halb im Traum legte ich neues Holz auf das glimmende Feuer, nahm den Umschlag und dr�ckte langsam den rechten Daumen auf den Kreis. Und wie ich es erwartet, ja,</p><p>bef�rchtet hatte � der scheinbar aus einem St�ck bestehende Brief �ffnete sich knisternd.</p><p>Ein Gegenstand fiel heraus � ein Ring aus rotem Metall mit dem einfachen Zeichen �C�. In meiner Erregung nahm ich kaum Notiz davon. Eine Schrift zog sich �ber die Innenseite des Umschlages � in den gleichen Buchstaben wie die Anschrift.</p><p>Ich erstarrte, als ich das Datum bemerkte � der Brief war am 3. Februar 1640 geschrieben, vor �ber dreihundert Jahren. Seltsamerweise hatten wir auch heute den 3. Februar. Die Unterschrift unter dem Brief war in moderner Schrift gehalten.</p><p>Ich kannte diese Schriftz�ge, hatte sie ein- oder zweimal auf Briefen gesehen, die meine Tante aufbewahrte. An den Mann erinnerte ich mich nicht � es war die Unterschrift meines Vaters Matthew Cabot, der in meiner fr�hen Jugend verschwunden war. Der Wald um mich drehte sich; ich konnte mich nicht bewegen. Es wurde mir f�r einen Augenblick schwarz vor Augen. Schlie�lich sch�ttelte ich mich, bi� die Z�hne zusammen und sagte mir, da� ich ja noch lebte, da� ich nicht tr�umte, da� ich hier einen Brief in H�nden hielt, der �ber dreihundert Jahre nach seiner Niederlegung zugestellt war, von einem Mann geschrieben, der nach unserer Zeitrechnung jetzt um die f�nfzig sein mu�te. Noch heute erinnere ich mich an jedes Wort dieses Schreibens:</p><cite><p>Am Dritten Tag des Februar, im Jahr Unseres Herrn 1640</p><p>Tarl Cabot, mein Sohn:</p><p>Verzeih mir, aber es bleibt keine andere Wahl. Die Entscheidung ist gefallen. Tu, was immer Du in Deinem eigenen Interesse f�r richtig h�ltst, aber Du bist auserkoren. Du kannst Deinem Schicksal nicht entgehen. Ich w�nsche Dir und Deiner Mutter alles Gute. Trag den Ring aus rotem Metall bei Dir und bring mir bitte eine Handvoll gr�ner Erde mit.</p><p>Behalte diesen Brief nicht bei dir. Er wird vernichtet.</p><p>Mit Zuneigung Matthew Cabot.</p></cite><p>Ich las den Text immer wieder und wurde dabei unnat�rlich ruhig. Ich war sicher, da� ich noch bei Sinnen war. Ich steckte den Brief in meinen Rucksack. Ich mu�te sofort in die Stadt zur�ck. Ich wu�te nicht, wieviel Zeit mir blieb, aber wenn es einige Stunden waren, konnte ich vielleicht noch eine Landstra�e, einen Flu� oder eine H�tte erreichen.</p><p>Ich sah mich unruhig um. Irgendwie hatte ich das Gef�hl, beobachtet zu werden � ein unsch�ner Gedanke. Ich zog Stiefel und Mantel an, schn�rte mein B�ndel und trat das Feuer aus.</p><p>In der Asche schimmerte etwas. Ich b�ckte mich und nahm den Ring auf. Er war warm vom Feuer, doch er war hart und real ein St�ck Wirklichkeit. Er existierte. Ich lie� ihn in meine Manteltasche gleiten.</p><p>Von dem unbestimmten Drang getrieben, das Lager verlassen zu m�ssen, marschierte ich durch die Dunkelheit davon. Ich forderte das Ungl�ck heraus, denn ich konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Ich hatte mich vielleicht zwanzig Minuten lang von Baum zu Baum getastet, als zu meinem Entsetzen Schlafsack und B�ndel auf meinem R�cken in Flammen aufgingen. Mit hastiger Bewegung schleuderte ich das hei�e Gebilde von mir. Es war, als starrte ich in einen Hochofen. Ich wu�te, da� der Brief die Ursache f�r das Inferno war, und erschauderte bei dem Gedanken, was geschehen w�re, wenn ich den Umschlag in der Manteltasche gehabt h�tte.</p><p>Wenn ich heute dar�ber nachdenke, ist es eigentlich seltsam da� ich nicht Hals �ber Kopf geflohen bin. Vielmehr untersuchte ich die �berreste meines Schlafsacks mit einer kleinen Taschenlampe und stellte fest, da� sich der Umschlag anscheinend Spur aufgel�st hatte.</p><p>Ein unbekannter Duft hing in der Luft.</p><p>Ich �berlegte, ob der Ring vielleicht auf �hnliche Weise au flammen k�nnte, aber seltsamerweise bezweifelte ich das.</p><p>War ich in dem Brief nicht ausdr�cklich gebeten worden, den Ring zu tragen und den Brief fortzuwerfen? Eine Warnung, ich leichtsinnig in den Wind geschlagen hatte.</p><p>Jedenfalls hatte ich noch den Kompa�, der eine feste Bindung zur Wirklichkeit darstellte. Der lautlose Flammenausbruch hatte mich verwirrt; ich wu�te die Richtung nicht mehr. Mein Kompa� w�rde mir weiterhelfen. Doch als ich das Ger�t �ffnete, wollte mir das Herz stehenbleiben. Die Nadel fuhr wild im Kreis herum als existierten die Naturgesetze pl�tzlich nicht mehr.</p><p>Zum erstenmal seit meinem seltsamen Fund verlor ich die Nerven. Der Kompa� war mein Anker gewesen, meine Basis, auf die ich mich verlassen hatte. Ein lautes Ger�usch ert�nte � gewi� meine Stimme, ein pl�tzliches erschrecktes Aufheulen, das mir immer schmachvoll in Erinnerung bleiben wird.</p><p>Im n�chsten Augenblick raste ich wie ein entsetztes Tier davon.</p><p>Wie lange ich gelaufen bin, wei� ich nicht mehr. Vielleicht einige Stunden lang, vielleicht auch nur Minuten. Unz�hlige Male stolperte ich und st�rzte oder wurde von stechenden Kiefer�sten aufgehalten. Der Mond ging auf und tauchte den Hang in sein kaltes Licht. Ich sank atemlos zu Boden. Zum erstenmal in meinem Leben hatte ich ungez�gelte Angst versp�rt, der ich mich v�llig ergeben hatte, wie einer Kraft, der man keinen Widerstand entgegensetzen kann. Ich mu�te mich vor dieser Macht h�ten. Ich sah mich um und erblickte das Felsplateau, auf dem ich mein Lager errichtet hatte, und die Asche meines Feuers. Ich war zu meinem Lager zur�ckgekehrt.</p><p>Ich sp�rte die Erde unter mir, den Druck gegen meine schmerzenden Muskeln, den schwei��berstr�mten K�rper. Und ich wu�te, da� es gut war, Schmerz zu versp�ren. Gef�hle waren wichtig. Ich lebte. Ich sah das Schiff herabsinken. Einen kurzen Moment sah es wie eine Sternschnuppe aus, dann trat es deutlich hervor � als eine breite, dicke Silberscheibe. Lautlos ging es auf dem Felsplateau nieder. Ein leichter Hauch fuhr durch die Nadeln am Boden, und ich stand auf. Im gleichen Augenblick �ffnete sich lautlos eine T�r in der Flanke des Schiffes. Ich mu�te es betreten. Die Worte meines Vaters kamen mir in den Sinn. �Du kannst Deinem Schicksal nicht entgehen.� Ehe ich das Schiff betrat, blieb ich einen Augenblick stehen und nahm eine Handvoll gr�ner Erde auf, worum mich mein Vater gebeten hatte. Auch mir war es wichtig, etwas bei mir zu haben, das meine Heimat war. Erde von meinem Planeten, meiner Welt.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Als ich ausgeruht erwachte, hatte ich keine Ahnung, was seit Betreten des Schiffes mit mir geschehen war. Ich �ffnete die Augen und erwartete fast, mich in meinem Zimmer im College zu befinden. Doch ich lag auf einem flachen, harten Lager, das ein Tisch sein mochte, in einem kreisf�rmigen Raum mit niedriger Decke. Die langen schmalen Fenster erinnerten mich an Schie�scharten in mittelalterlichen T�rmen. Zu meiner Rechten hing ein gro�er Wandteppich mit einer Jagdszene. Ein Trupp von J�gern griff ein h��liches Tier an, das einem Wildschwein �hnelte; im Verh�ltnis zu den M�nnern wirkte es allerdings �berm��ig gro�; au�erdem hatte es vier Hauer, die messerscharf zu sein schienen. Auf der anderen Seite hing ein runder Schild mit gekreuzten Speeren dahinter; die Zeichen darauf erinnerten mich an fr�he griechische Schilde, doch ich konnte sie nicht entziffern. �ber dem Schild hing ein Helm mit einem ann�hernd Y-f�rmigen Schlitz f�r Augen, Nase und Mund. Eine strenge W�rde ging von den Waffen aus, die dort an der Wand hingen, als seien sie zum Kampf bereit. Au�er diesem Wandschmuck und zwei Steinbl�cken, bei denen es sich um St�hle handeln mochte, war der Raum leer; W�nde, Decke und Fu�boden waren marmorglatt. Es schien keine T�r zu geben. Ich richtete mich auf, lie� mich von dem Steintisch gleiten und ging zu einem Fenster. Ich sah hinaus und erblickte die Sonne � es mu�te unsere Sonne sein. Sie wirkte einen Deut gr��er, als ich sie in Erinnerung hatte. Der Himmel war blau � wie auf der Erde. Ich atmete frei, und das lie� auf eine Atmosph�re schlie�en, die sehr viel Sauerstoff enthielt. Ich mu�te auf der Erde sein. Doch als ich mich weiter umsah, d�mmerte mir die Erkenntnis, da� es sich nicht um meinen Mutterplaneten handeln konnte. Das Geb�ude, in dem ich mich befand, schien zu einer riesigen Gruppe von T�rmen zu geh�ren � sich endlos erstreckenden flachen Zylindern unterschiedlicher Formen und Gr��en, die durch schmale, buntgestrichene Br�cken miteinander verbunden waren. Ich konnte mich nicht weit genug hinausbeugen, um auch den Boden zu erkennen. Doch in der Ferne waren Berge auszumachen, die mit gr�ner Vegetation bedeckt waren. Ratlos wandte ich mich wieder dem Tisch zu � und h�tte mir im n�chsten Augenblick beinahe die H�fte daran gesto�en. Es war fast, als w�re ich gestolpert, als w�re mir schwindlig. Ich machte eine Runde durch das Zimmer und sprang schlie�lich auf den Tisch, wie ich normalerweise eine Treppenstufe ersteige. Es war anders, eine andere Bewegung. Ja, das mu�te es sein. Eine geringere Schwerkraft. Der Planet war also kleiner als unsere Erde und hatte -nach der Gr��e der Sonne zu urteilen � eine etwas kleinere Umlaufbahn, Meine Kleidung bestand aus einer r�tlichen Tunika, die an der H�fte von einer gelben Schnur zusammengehalten wurde. Ich sah, da� man mir den roten Ring mit dem �C� an die Hand gesteckt hatte. Ich war hungrig und versuchte mich zu konzentrieren, doch es n�tzte nichts. Ich kam mir wie ein ahnungsloses Kind vor, das sich in einer v�llig unbegreiflichen Erwachsenenwelt wiederfindet.</p><p>Ein St�ck Wand glitt zur Seite, und ein gro�er rothaariger Mann trat ein.</p><p>Er mochte Ende Vierzig sein und war gekleidet wie ich. Offensichtlich ein Mann von der Erde. Er l�chelte mich an, legte mir die H�nde auf die Schultern und sagte mit einem Anflug von Stolz: �Du bist mein Sohn Tarl Cabot.�</p><p>�Ich bin Tarl Cabot�, sagte ich.</p><p>�Ich bin dein Vater�, sagte er und reichte mir die Hand. Die vertraute Geste beruhigte mich etwas. Ich war �berrascht, da� ich diesen Fremden nicht nur als Wesen von meiner Welt hinnahm, sondern auch als den Vater, an den ich mich nicht erinnern konnte.</p><p>�Wie geht es deiner Mutter?� fragte er, und seine Augen verrieten Besorgnis.</p><p>�Sie ist vor vielen Jahren gestorben�, sagte ich.</p><p>Er sah mich an. �Von allen war sie mir am liebsten�, sagte er und wandte sich ab. Ich war w�tend auf mich selbst, da ich gegen meinen Willen Mitleid mit ihm versp�rte. Hatte er nicht meine Mutter und mich im Stich gelassen? Doch irgendwie f�hlte ich mich gedr�ngt, zu ihm zu treten und ihm die Hand auf den Arm zu legen, ihn zu ber�hren. Etwas r�hrte sich in mir, verschwommene, schmerzhafte Erinnerungen tauchten auf, die viele Jahre lang geruht hatten.</p><p>�Vater�, sagte ich.</p><p>Er richtete sich auf, wandte sich um und blickte mich traurig an. �Mein Sohn�, antwortete er.</p><p>Wir trafen uns in der Mitte des Raumes und umarmten einander. Ich weinte, und er weinte ebenfalls. Ich sollte sp�ter erfahren, da� ein Mann auf dieser Welt seine Gef�hle ohne Scheu zeigen darf.</p><p>Schlie�lich trennten wir uns.</p><p>Mein Vater musterte mich mit ruhigem Blick. �Sie wird die letzte sein�,</p><p>sagte er. �Ich hatte kein Recht auf ihre Liebe.� Er hielt inne. �Vielen Dank f�r dein Geschenk, Tarl Cabot�, sagte er dann.</p><p>Ich sah ihn verwirrt an.</p><p>�Die Handvoll Erde�, sagte er. �Eine Handvoll Heimatboden.�</p><p>Ich nickte. Ich wollte jetzt nicht sprechen, wollte vielmehr all die unz�hligen Dinge h�ren, die ich wissen mu�te.</p><p>�Du wirst hungrig sein�, sagte er.</p><p>�Ich m�chte wissen, wo ich bin und was ich hier soll�, entgegnete ich.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte er. �Aber du mu�t auch essen.� Er l�chelte.</p><p>�W�hrend du deine Mahlzeit einnimmst, rede ich mit dir.�</p><p>Er klatschte in die H�nde, und das Wandst�ck glitt erneut zur�ck. Ich war verbl�fft. Durch die �ffnung kam ein junges M�dchen, dessen blondes Haar zur�ckgebenden war. Sie trug ein �rmelloses diagonal gestreiftes Kleidungsst�ck. Sie war barfu� und trug als einzigen Schmuck ein leichtes Stahlband um den Hals. Mit schnellen Schritten verschwand sie wieder.</p><p>�Du kannst sie heute abend haben, wenn du willst�, sagte mein Vater, der das M�dchen kaum zu bemerken schien.</p><p>Ich war nicht sicher, was er meinte, und lehnte ab.</p><p>Auf das Dr�ngen meines Vaters begann ich zu essen. Das Mahl war einfach, doch es schmeckte ausgezeichnet. Das Brot war noch hei�, das Fleisch schien von irgendeinem Wild zu sein. Die Fr�chte � eine Art Trauben und Pfirsiche � waren frisch und kalt wie Bergschnee. W�hrend des Essens berichtete mein Vater.</p><p>�Gor�, sagte er, �so hei�t diese Welt. In allen Sprachen des Planeten bedeutet das �Heimstein�.� Er hielt inne. �Heimstein�, wiederholte er.</p><p>�In den D�rfern dieser Welt�, fuhr er fort, �wurde jede H�tte urspr�nglich um einen flachen Stein gebaut, der das Zentrum des kreisf�rmigen Geb�udes bildete. In ihn wurde das Familienzeichen eingeritzt, und er wurde Heimstein genannt. Es handelte sich gewisserma�en um ein Zeichen der Selbst�ndigkeit, eine Abgrenzung des Lebensraums, und jeder Mann war sein eigener Herr in seiner H�tte.</p><p>Sp�ter wurden Heimsteine auch f�r D�rfer benutzt und schlie�lich f�r St�dte. Der Heimstein eines Dorfes ruht immer auf dem Marktplatz; und in einer Stadt wird er stets auf der Spitze des h�chsten Turms aufbewahrt. Mit der Zeit kamen dem Heimstein mystische Kr�fte zu, er l�ste etwas von jenen Gef�hlen aus, die die Erdenmenschen gegen�ber ihren Flaggen entwickeln.�</p><p>Mein Vater war aufgestanden und schien sich an seinem Thema zu erw�rmen. Mit der Zeit sollte ich einiges von dem begreifen, was ihn in diesem Augenblick erf�llte. Tats�chlich gibt es eine Regel auf Gor, wonach jeder, der von Heimsteinen spricht, aufstehen soll, um dem Thema Ehre zu erweisen.</p><p>�Diese Steine�, fuhr mein Vater fort, �sind nat�rlich verschieden geformt und gef�rbt, und viele weisen komplizierte Muster auf. Manche gro�e Stadt hat nur einen kleinen, unscheinbaren Heimstein, der allerdings aus der Zeit stammen mag, da die Stadt noch ein kleines Dorf war. Wo immer ein Mann seinen Heimstein pflanzt, beansprucht er das Land f�r sich. Gutes Land wird nur durch die Schwerter der st�rksten Landeigner in der Umgebung gesch�tzt.�</p><p>�Schwerter?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte mein Vater, als w�re das gar nichts Ungew�hnliches. Er l�chelte. �Du hast noch viel �ber Gor zu lernen�, sagte er. �Es gibt eine Hierarchie der Heimsteine, so k�nnte man sagen. Zwei Soldaten, die sich wegen eines Streifens guten Landes umbringen w�rden, k�mpfen Seite an Seite bis zum Tode um den Heimstein ihres Dorfes oder der Stadt, in deren Einflu�bereich ihr Dorf liegt.</p><p>Ich werde dir eines Tages meinen eigenen kleinen Heimstein zeigen, den ich in meinen R�umen aufbewahre. Er umschlie�t eine Handvoll Erde, die ich mitbrachte, als ich auf diese Welt kam. Das ist eine lange Zeit her.� Er betrachtete mich ruhig. �Ich werde die Erde aufbewahren, die du mir geschenkt hast�, sagte er leise, �und eines Tages geh�rt sie vielleicht dir, wenn du es schaffst, einen eigenen Heimstein zu erringen.�</p><p>Ich stand auf und sah ihn an.</p><p>Er hatte sich abgewandt, anscheinend in Gedanken versunken. �Von Zeit zu Zeit tr�umen Eroberer oder Staatsm�nner davon, einen einzigen Gro�en Heimstein f�r den ganzen Planeten zu schaffen. Den Ger�chten zufolge gibt es einen solchen Stein, doch er liegt am Heiligen Ort und ist der Quell der Macht f�r die Priesterk�nige.�</p><p>�Wer sind die Priesterk�nige?� fragte ich.</p><p>Mein Vater drehte sich um, und er schien beunruhigt, als habe er bereits zuviel gesagt.</p><p>�Ja�, sagte er schlie�lich. �Ich mu� dir wohl auch von den Priesterk�nigen berichten. Aber la� mich das auf meine Art tun, damit du vielleicht besser verstehst, wovon ich spreche.� Wir setzten uns wieder, und mein Vater machte sich methodisch daran, mir seine Welt zu erkl�ren.</p><p>In seinem Bericht bezeichnete mein Vater den Planeten Gor oft als Gegenerde � eine Bezeichnung, die aus den Schriften der Pythagor�er stammt, die als erste das Vorhandensein eines solchen Himmelsk�rpers vermutet hatten. Seltsamerweise wurde die Sonne in der Gor-Sprache auch als Lar-Torvis bezeichnet, was Mittelfeuer bedeutet, ein weiterer pythagor�ischer Ausdruck, der allerdings meines</p><p>Wissens nicht auf die Sonne angewendet wurde. Es gab auf Gor eine Sekte, die die Sonne anbetete, wie ich sp�ter erfuhr, doch sie war klein und unbedeutend im Vergleich zum Kult der Priesterk�nige. Die Priesterk�nige, wer immer sie sein</p><p>on mochten, standen f�r die Bev�lkerung im Range v G�ttern. Sie waren die �ltesten G�tter Gors, und in einem Augenblick der Gefahr mochte selbst dem Mutigsten ein Gebet zu den Priesterk�nigen von den Lippen kommen.</p><p>�Die Priesterk�nige�, sagte mein Vater, �sind unsterblich. Das glauben wenigstens die meisten hier.�</p><p>�Glaubst du es auch?� fragte ich.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte mein Vater. �Vielleicht.�</p><p>�Was f�r Menschen sind das?� fragte ich.</p><p>�Man wei� nicht, ob es sich um Menschen handelt�, antwortete mein Vater.</p><p>�Was sind sie dann?�</p><p>�Vielleicht G�tter.�</p><p>�Das meinst du doch nicht ernst!�</p><p>�Aber ja�, sagte er. �Ein Wesen, das �ber dem Tode steht und unvorstellbare Macht und Weisheit auf sich vereinigt, ist doch bestimmt dieses Namens wert.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Ich w�rde eher vermuten�, fuhr mein Vater fort, �da� die Priesterk�nige doch Menschen sind � M�nner wie wir, oder jedenfalls humanoide Organismen irgendeiner Art -, mit einer Wissenschaft und Technologie versehen, die der unseren ebensoweit �berlegen ist wie die Entwicklung des zwanzigsten Jahrhunderts der der fr�hen Astrologen und Alchimisten.�</p><p>Seine Vermutung schien mir Hand und Fu� zu haben; sprachen nicht auch die Technologie des Umschlags, die Ausschaltung meines Kompasses und das seltsame Raumschiff daf�r, da� hier Wesen am Werk waren, die ungew�hnliche Kr�fte beherrschten?</p><p>�Die Priesterk�nige�, sagte mein Vater, �haben ihren Heiligen Ort im Sardargebirge, einer Ein�de, in die kein Mensch Vordringen kann. Der Heilige Ort ist f�r die meisten hier tabu. Bisher ist noch niemand aus diesen Bergen zur�ckgekehrt.� Mein Vater starrte ins Leere. �Schon zahllose Idealisten und Rebellen sind auf den gefrorenen H�ngen des Gebirges zu Tode gekommen. Will man sich ihm n�hern, mu� das zu Fu� geschehen, denn unsere Tiere wagen sich nicht heran. K�rperteile von Zufluchtsuchenden sind in den Ebenen gefunden worden, wie Fleischst�cke, die aus unvorstellbarer Entfernung Raubtieren zum Fra� hingeworfen wurden.� Meine Hand verkrampfte sich um den Krug.</p><p>�Manchmal�, fuhr mein Vater fort, �begeben sich alte M�nner auf den Weg in die Berge, um dort das Geheimnis der Unsterblichkeit zu finden. Doch niemand ist je zur�ckgekehrt. Manche sagen, sie werden dort Priesterk�nige, doch ich w�rde eher meinen, da� es den sicheren Tod bedeutet, hinter das Geheimnis der Priesterk�nige zu kommen.� Mein Vater erkl�rte mir nun die Sagen um die Priesterk�nige, und ich mu�te erfahren, da� sie wenigstens in einem Punkt richtige G�tter des Planeten waren � sie konnten alles vernichten oder in ihre Gewalt bringen, auf das ihr Auge fiel. Nach allgemeiner Auffassung entging ihnen nichts, was auf ihrem Planeten vorging, aber wenn das wirklich stimmte, so schienen sie kaum Notiz davon zu nehmen, wie ich erfuhr. Angeblich erstrebten sie die Heiligkeit und konnten sich in ihrer inneren Einkehr nicht um die kleinen Dinge der Au�enwelt k�mmern. Diese Vermutung schien mir allerdings wenig zu dem erschreckenden Schicksal zu passen, das angeblich all jene erwartete, die das Sardargebirge bestiegen. Ich konnte mir kaum einen durchgeistigten Heiligen vorstellen, der aus seinen Gedanken erwacht, um einen Eindringling zu zerfetzen und die Brocken �ber die Ebenen zu zerstreuen.</p><p>�Es gibt allerdings ein Gebiet�, sagte mein Vater, �f�r das sich die Priesterk�nige sehr interessieren � f�r die Technik. Sie beschr�nken durch aktive Eingriffe unsere Entwicklung auf diesem Gebiet. Es ist unglaublich, aber die st�rkste Waffe, die uns � den Menschen im Schatten der Berge � erlaubt ist, ist die Armbrust und die Lanze. Dar�ber hinaus gibt es keine mechanischen Transport- oder Kommunikationsmittel und Ortungseinrichtungen wie etwa Radarger�te, die aus dem Milit�r unserer Welt nicht mehr wegzudenken sind. Andererseits sind die Sterblichen � wir Menschen im Schatten der Berge � in Sachen Beleuchtung, St�dtebau, Landwirtschaft und Medizin sehr fortgeschritten.� Er sah mich am�siert an. �Du fragst dich sicher, warum die zahlreichen L�cher in unserer Technologie nicht l�ngst �ber die K�pfe der Priesterk�nige hinweg gestopft worden sind. Es m��te doch auf dieser Welt Menschen geben, die in der Lage sind, so etwas wie ein Gewehr oder ein Panzerfahrzeug zu erdenken.�</p><p>�Ganz recht�, sagte ich.</p><p>�Und das stimmt auch�, sagte er grimmig. �Von Zeit zu Zeit geschieht so etwas, doch die Erfinder werden stets kurz darauf vernichtet. Sie gehen in Flammen auf.�</p><p>�Wie der Umschlag aus blauem Metall?�</p><p>�Ja�, sagte er. �Es bedeutet den Flammentod, eine verbotene Waffe zu besitzen. Manchmal setzen sich mutige Leute in den Besitz von Kriegsmaterial und entgehen dem Flammentod � vielleicht ein Jahr lang.</p><p>Fr�her oder sp�ter erwischt es sie aber doch.�</p><p>�Was ist mit dem Schiff, das mich hergebracht hat? Es ist doch ein gro�artiges Beispiel eurer Technologie!�</p><p>�Nicht f�r unsere Technologie, sondern f�r die der Priesterk�nige�, sagte er. �Ich glaube nicht, da� das Schiff Menschen aus dem Schatten der Berge an Bord gehabt hat.�</p><p>�Bestand die Besatzung aus Priesterk�nigen?� fragte ich.</p><p>�Offen gesagt glaube ich, da� das Schiff aus dem Sardargebirge ferngesteuert wurde � wie angeblich alle Akquisitionsreisen.�</p><p>�Akquisition?�</p><p>�Ja�, sagte mein Vater. �Vor langer Zeit habe ich die gleiche seltsame Reise gemacht. Wie viele andere auch.�</p><p>�Aber mit welchem Ziel, welcher Absicht?� fragte ich.</p><p>�Jeder vielleicht aus einem anderen Grund, mit einem anderen Ziel�, sagte er.</p><p>Mein Vater berichtete mir dann, da� nach Angaben der Wissenden, die sich als Mittler zwischen Priesterk�nigen und Menschen verstanden, der Planet Gor einmal der Satellit einer fernen Sonne gewesen war. Die Wissenschaft der Priesterk�nige habe ihn mehrmals versetzt und ihm immer wieder einen neuen Stern gegeben. Ich hielt diese Geschichte f�r unwahrscheinlich, nicht zuletzt wegen der unvorstellbaren Entfernungen.</p><p>Wenn der Planet �berhaupt bewegt worden war � und ich wu�te, dass dies empirisch m�glich war -, dann von einem ganz in der N�he gelegenen Stern. Vielleicht war Gor einmal Satellit von Alpha Centauri gewesen � aber auch hier waren die Entfernungen fast un�berwindlich.</p><p>Es gab eine andere M�glichkeit, die ich meinem Vater er�ffnete � vielleicht war der Planet die ganze Zeit �ber in unserem System gewesen, allerdings ohne entdeckt zu werden, so unwahrscheinlich das klang angesichts der jahrtausendelangen Himmelserkundung von den Neandertalern bis zu den brillanten Geistern von Mount Wilson und Mount Palomar. Zu meiner �berraschung erkannte mein Vater diese absurde Hypothese durchaus an.</p><p>�Das�, sagte er lebhaft, �ist die Theorie des Sonnenschilds. Deshalb stelle ich mir den Planeten auch oft als Gegenerde vor, nicht nur, weil er unserer Heimatwelt so sehr �hnelt, sondern weil er der Erde auf seiner Bahn genau gegen�bersteht. Er hat die gleiche Umlaufebene und h�lt das Mittelfeuer stets zwischen sich und seinem Planetenbruder Erde, obwohl das von Zeit zu Zeit eine Ver�nderung in der Umlaufgeschwindigkeit erfordert.�</p><p>�Aber er m��te sich doch entdecken lassen�, wandte ich ein. �Man kann einen Planeten von der Gr��e der Erde doch nicht so einfach verstecken. Unm�glich!�</p><p>�Du untersch�tzt die Priesterk�nige und ihre Wissenschaft�, sagte mein Vater l�chelnd. �Jede Macht, die einen Planeten bewegen kann � und ich glaube, da� die Priesterk�nige das Verm�gen -, kann auch die allgemeine Umlaufgeschwindigkeit dieses Himmelsk�rpers beeinflussen, damit uns die Sonne ein st�ndiger Schutzschild ist. Ich glaube fest, da� die Priesterk�nige die Schwerkraft �berwinden k�nnen, zumindest auf begrenztem Gebiet, und da� sie das auch tun. Zum Beispiel k�nnten physikalische Hinweise auf die Existenz des Planeten � zum Beispiel Lichtstrahlen und Funkwellen � abgelenkt werden, etwa durch eine schwerkraftm��ige Verformung des Alls in der N�he des Planeten, wodurch die Licht- und Funkwellen zerstreut, abgelenkt oder zur�ckgestrahlt und somit nichts von dieser Welt verraten w�rden. Auf gleiche Weise lassen sich Erkundungssatelliten behandeln�, f�gte mein Va ter hinzu. �Nat�rlich zitiere ich hier nur Hypothesen, denn was die Priesterk�nige wirklich tun und wie sie es tun � das wissen nur sie.� Ich leerte meinen Krug.</p><p>�Tats�chlich gibt es Hinweise auf die Existenz der Gegenerde�, sagte mein Vater. �Bestimmte nat�rliche Signale im Strahlbereich des Spektrums.�</p><p>Mein Erstaunen war offensichtlich.</p><p>�Ja�, sagte er, �aber da die Vermutung, es k�nnte eine andere Welt geben, unglaublich ist, sind diese Hinweise in �bereinstimmung mit anderen Theorien gedeutet worden, auch in den F�llen, wo unsere Instrumente glatt versagt haben. Manchmal ist es eben leichter, nur das zu glauben, was man glauben will.�</p><p>Mein Vater hatte mir nichts mehr zu sagen. Er stand auf, umfa�te meine Schultern, hielt mich einen Augenblick fest und l�chelte. Dann glitt das Wandst�ck lautlos zur Seite, und er verlie� den Raum. Er hatte nichts davon gesagt, welche Bestimmung mich hier erwartete. Warum ich auf die Gegenerde gekommen war, wollte er noch nicht mit mir besprechen, auch erkl�rte er mir das vergleichsweise unwichtige Geheimnis des seltsamen Briefes nicht. Am meisten schmerzte mich, da� er nicht �ber sich selbst gesprochen hatte. Ich wollte ihn unbedingt n�her kennenlernen, diesen freundlichen Fremden � meinen Vater. Mein Bericht enth�lt nur Dinge, die ich nach eigenem Erleben als Wirklichkeit kenne, aber ich werde nicht beleidigt sein, wenn Sie, geneigter Leser, mir mit Unglauben begegnen. Aufgrund der schwachen Beweise, die ich zu bieten habe, sind Sie geradezu verpflichtet, meine Schilderung abzulehnen oder Ihr Urteil dar�ber zumindest aufzuschieben. Tats�chlich ist die Wahrscheinlichkeit, da� dieser Bericht auf Glauben st��t, so gering, da� die Priesterk�nige von Sardar gegen seine Niederschrift offensichtlich nichts einzuwenden haben. Dar�ber freue ich mich, denn ich mu� meine Geschichte einfach erz�hlen, ich kann nicht anders.</p><p>Vielleicht sind auch die Priesterk�nige Mensch genug, um eitel zu sein -wenn es sich wirklich um Menschen handelt; niemand hat sie jemals gesehen. Sie sind vielleicht eitel genug, sich zu w�nschen, da� Sie von ihrer Existenz erfahren, wenn auch nur auf eine Weise, die es Ihnen unm�glich macht, meinen Bericht ernsthaft hinzunehmen. Vielleicht gibt es Humor am Heiligen Ort, oder Ironie. Denn selbst wenn Sie mir glauben � was k�nnten Sie tun? Nichts � Sie mit Ihrer primitiven Technologie, auf die Sie so stolz sind; mindestens tausend Jahre lang k�nnten Sie nichts tun � und dann hat dieser Planet, wenn es den Priesterg�ttern gef�llt, l�ngst eine neue Sonne und neue V�lker f�r seine gr�nen Gefilde gefunden.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>�Ho!� rief Torm, ein recht untypisches Mitglied der Kaste der Schriftgelehrten, und zog seine blaue Robe �ber den Kopf, als k�nnte er meinen Anblick nicht l�nger ertragen. �Ja!� rief er und steckte seinen blonden Haarschopf zwischen den Stoff alten hervor. �Ja, ich hab's verdient! Warum mu� ich, ein Idiot, immer mit Idioten gesegnet sein? Habe ich denn nichts Besseres zu tun? Warten hier nicht tausend Schriftrollen darauf, entziffert zu werden?� �Wei� ich nicht�, sagte ich.</p><p>�Schau doch!� rief er verzweifelt und machte eine hoffnungslose Geste. Auf ganz Gor hatte ich noch kein so unordentliches Zimmer gesehen. Sein breiter Holztisch war mit Papier und Tintenf�ssern �bers�t, der Boden bis zum letzten Quadratzentimeter voller Schriftrollen in St�ndern und Stapeln. Eines der Fenster war gewaltsam erweitert worden, und ich stellte mir Torm mit einem Hammer vor, wie er �rgerlich auf die Wand einschlug, um mehr Licht f�r seine Arbeit zu gewinnen. Unter seinem Tisch stand ein Becken mit gl�henden Kohlen, die ihm die F��e w�rmten � gef�hrlich nahe am gelehrten Schrifttum, das den Boden bedeckte.</p><p>Torm war von schm�chtiger Statur und erinnerte mich immer wieder an einen �rgerlichen Vogel, der mit Vorliebe die Eichh�rnchen beschimpft. Die Goreaner, die ich bisher kennengelernt hatte, waren stets sehr sorgf�ltig gekleidet gewesen, aber Torm hatte offensichtlich Besseres zu tun. Dazu geh�rte es anscheinend auch, Wesen wie mich, die keine Ahnung hatten, zu unterweisen.</p><p>Trotz seiner Exzentrik f�hlte ich mich zu dem Mann hingezogen. Ich sp�rte etwas in ihm, das ich bewunderte � einen klugen und freundlichen Geist, einen Sinn f�r Humor und Liebe zum Lernen, eines der tiefsten und ehrlichsten Gef�hle, das es geben kann. Diese Liebe f�r seine Schriftrollen und die M�nner, die sie vor Jahrhunderten geschrieben hatten, beeindruckte mich eigentlich am meisten. Es mochte unglaublich scheinen, aber f�r mich war er der gr��te Gelehrte in der Stadt der Zylinder.</p><p>�rgerlich w�hlte sich Torm durch einen der gewaltigen Papierhaufen und fischte schlie�lich, auf H�nden und Knien hockend, eine kleine magere Rolle hervor, setzte sie in die Lesevorrichtung ein � ein Metallrahmen mit Rollen an beiden Enden � und drehte die Rolle mit einem Knopfdruck zum Anfang.</p><p>�Al-Ka!� sagte Torm und deutete mit langem, gebietendem Finger auf ein Zeichen. �Al-Ka�, sagte er.</p><p>�Al-Ka�, wiederholte ich.</p><p>Wir sahen uns an und begannen zu lachen. Eine Freudentr�ne rollte ihm �ber die Nase, und seine hellblauen Augen, blitzten.</p><p>Ich lernte das goreanische Alphabet.</p><p>Die n�chsten Wochen brachten allerhand Arbeit f�r mich, nur von sorgf�ltig berechneten Ruhepausen unterbrochen. Zuerst traten Torm und mein Vater als Lehrer auf, doch als ich mich in die Sprache einf�hlte, kamen zahlreiche andere hinzu, die mich auf verschiedenen Spezialgebieten unterwiesen. Torm hatte das Englische eigentlich nur zur �bung und zum Spa� erlernt, da es nirgendwo auf dem Planeten gesprochen wurde; er fand offenbar Gefallen daran, seine Gedanken in einer v�llig fremd en Sprache auszudr�cken.</p><p>Meine Ausbildung erstreckte sich neben den geistigen �bungen auf Waffenkunde und den Gebrauch zahlreicher anderer Ger�te, die den Goreanern etwa so vertraut sind, wie wir mit Addiermaschinen und Waagen umgehen.</p><p>Einer der interessantesten Apparate war der �bersetzer, der sich auf verschiedene Sprachen einstellen lie�. Obwohl es eine allgemein bekannte Hauptsprache auf Gor zu geben schien, die mehrere Dialekte oder Nebensprachen hatte, gab es einige Sprachen, die f�r mein Ohr �berhaupt nicht wie Sprachen klangen; sie kamen mir eher wie Schreie von V�geln und Raubtieren vor. Der �bersetzer war mir also eine gro�e Hilfe.</p><p>Zu meiner freudigen �berraschung hatte mein Vater eines dieser Ger�te auf Englisch eingerichtet � ein Umstand, der meinen Sprachstudien sehr f�rderlich war. Zu Torms Erleichterung konnte ich mit der Maschine auch selbst arbeiten, die im �brigen ein Wunder an Verkleinerung war. Etwa von der Gr��e einer tragbaren Reiseschreibmaschine, konnte sie immerhin auf vier nicht-goreanische Sprachen eingestellt werden. Die �bersetzungen fallen nat�rlich sehr w�rtlich aus, und das Vokabular ist auf etwa 25000 Entsprechungen f�r jede Sprache beschr�nkt. Somit war die Maschine f�r eine verfeinerte Kommunikation nicht sehr geeignet.</p><p>Torm hatte mir n�chtern erkl�rt: �Du mu�t dich mit der Geschichte und den Sagen Gors besch�ftigen, mit seiner Geographie und Wirtschaft, mit seinen Gesellschaftsstrukturen und Gewohnheiten, wie etwa das Kastensystem und die Klanggruppen, mit dem Recht, den Heimstein zu setzen, mit dem Heiligen Ort, mit dem Kriegsrecht und so weiter.� Und ich wurde mit all dem vertraut. Von Zeit zu Zeit stie� Torm einen Entsetzensschrei aus, wenn ich einen Fehler machte, und dann nahm er traurig eine gro�e Schriftrolle auf � mit dem Werk eines Autors, den er nicht mochte � und versetzte mir damit einen kurzen Schlag auf den Kopf. Wie auch immer � er war jedenfalls entschlossen, da� seine Ausbildung Fr�chte tragen sollte.</p><p>Seltsamerweise beschr�nkte sich die religi�se Unterweisung auf die Anbetung der Priesterk�nige; meinen sonstigen Fragen wich Torm mit der Bemerkung aus, das sei Sache der Wissenden. Offensichtlich ist die Religion auf dieser Welt ein sorgsam geh�tetes Kleinod der Kaste der Wissenden, die die Mitglieder anderer Kasten nur selten an ihren Opfern und Zeremonien teilnehmen l��t. Ich sollte einige Gebete zu den Priesterk�nigen auswendig lernen, aber sie waren in Altgoreanisch gehalten, einer Sprache, die nur von den Wissenden gesprochen wurde, so da� ich mich nicht weiter darum k�mmerte. Ich hatte ohnehin das Gef�hl, da� zwischen der Kaste der Schriftgelehrten und der Kaste der Wissenden ein gespanntes Verh�ltnis bestand. Die ethischen Lebensregeln auf Gor sind im wesentlichen in den Gewohnheiten der Kasten festgehalten � Sammlungen von Hinweisen, deren Urspr�nge sich in der Geschichte verlieren. Ich wurde besonders nach dem Kodex der Kriegerkaste erzogen.</p><p>�Du w�rdest ohnehin nie einen guten Schriftgelehrten abgeben�, sagte Torm.</p><p>Der Kodex der Krieger war von einer besonderen Ritterlichkeit bestimmt und unterstrich die Loyalit�t gegen�ber den Oberen und dem Heimstein. Es waren harte Regeln, doch sie kannten R�cksichtnahme und Sinn f�r Ehre, den ich verstehen und mir aneignen konnte. Auch wurde ich im Doppelten Wissen unterwiesen � das hei�t, ich erfuhr, was die Menschen im allgemeinen wu�ten und was die Intellektuellen im besonderen erfuhren. Manchmal bestand ein �berraschender Unterschied zwischen den beiden Elementen. Zum Beispiel wurden die Menschen unter den Hohen Kasten in dem Glauben gelassen, da� die Welt eine breite flache Scheibe war. Vielleicht sollte damit jeder Versuch einer Erforschung verhindert werden. Andererseits erfuhren die Hohen Kasten � Krieger, Hausbauer, Schriftgelehrte, Wissende und �rzte � die Wahrheit �ber solche Dinge. Ich begann mich allerdings zu fragen, ob nicht das Zweite Wissen, das der Intellektuellen, ebenso begrenzt war wie die Unterweisung auf der unteren Ebene, ob es nicht auch den Wissensdrang der Menschen z�geln und unterbinden sollte. Ich hatte das Gef�hl, da� es noch ein Drittes Wissen gab, das den Priesterk�nigen vorbehalten ist.</p><p>�Der Stadtstaat�, sagte mein Vater eines Nachmittags, �ist die normale politische Einheit auf Gor � feindliche St�dte, die das Territorium in ihrem Umfeld kontrollieren, umgeben von einem Niemandsland aus freien Gebieten.�</p><p>�Wie wird die F�hrung in diesen St�dten festgelegt?� fragte ich. �Die Herrscher werden aus jeder beliebigen Hohen Kaste gew�hlt.� Ich runzelte die Stirn. �Nur aus Hohen Kasten?� �Das Kastensystem�, sagte mein Vater geduldig, �ist relativ unbeweglich, doch es ist nicht eingefroren und h�ngt nicht nur v�llig von der Geburt ab. Wenn zum Beispiel ein Kind in der Schule unter Beweis stellt, da� es f�r eine h�here Kaste geeignet ist, wird ihm das ges tattet. Aber es gibt auch den umgekehrten Fall, wenn ein Kind nicht den Standard entwickelt, der von seiner Kaste erwartet wird.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich, ohne wirklich zufriedengestellt zu sein. �Die Hohen Kasten jeder Stadt�, sagte mein Vater, �w�hlen auf eine bestimmte Zeit einen Administrator und einen Rat. Kommt eine Krise auf, wird ein Kriegsf�hrer, ein Ubar, benannt, der als Alleinherrscher regiert, bis die Krise nach seiner Auffassung vor�ber ist.� �Nach seiner Auffassung?� fragte ich skeptisch. �Gew�hnlich stellen die Ubars ihr Amt nach der Krise zur Verf�gung�, sagte mein Vater. �Das geh�rt zum Kodex der Krieger.� �Aber was geschieht, wenn er sein Amt nicht abgibt?� fragte ich. Ich wu�te inzwischen, da� man sich nicht immer auf die Einhaltung der Kastenregeln verlassen konnte.</p><p>�Will ein Ubar nicht zur�cktreten, lassen ihn gew�hnlich seine Leute im Stich. Der Kriegsf�hrer bleibt allein in seinem Palast zur�ck, den w�tenden Volksmassen hilflos ausgeliefert.� Ich nickte und stellte mir einen leeren Palast vor, in dem ein Mann einsam auf seinem Thron sa�, in Staatsroben geh�llt, und darauf wartete, da� die Menschenmengen hereinst�rmten. �Aber�, fuhr mein Vater fort, �manchmal vermag ein Ubar die Herzen seiner M�nner zu gewinnen, und dann bleiben sie bei ihm. Dann wird er ein Tyrann und herrscht, bis er auf die eine oder andere Weise gewaltsam beseitigt wird.� Das Gesicht meines Vaters war hart geworden. Er schien einen solchen Mann zu kennen. �Bis er gewaltsam beseitigt wird�, wiederholte er langsam. Am n�chsten Morgen folgten neue, endlose Lektionen bei Torm. Gor war keine Kugel, sondern ein Sph�roid, etwas schwerer in der s�dlichen Hemisph�re. Die Neigung seiner Achse war etwas gr��er als die der Erde, doch nicht so gro�, da� das Klima keinen Wechsel von Jahreszeiten kannte. Gor hatte zwei Polargebiete und eine �quatorzone, zwischen denen sich im S�den und Norden gem��igte Klimazonen erstreckten. Zu meiner �berraschung war ein Gro�teil der Landkarten wei�, aber auch so bereitete es mir geh�riges Kopfzerbrechen, alle bekannten Fl�sse, Seen, Ebenen und Halbinseln auswendig zu lernen. Wirtschaftlich gesehen basierte das goreanische Leben auf der Arbeit des freien Landbewohners � die vielleicht niedrigste, aber auch gefestigtste Kaste. Grundnahrungsmittel war ein gelbes Korn, Sa-Tarna genannt � Lebenstochter. Interessanterweise wurde Fleisch als Sa-Tassna bezeichnet, was Lebensmutter bedeutet. Oberhaupt wird im allgemeinen Sprachgebrauch Sa-Tassna als Ausdruck f�r Lebensmittel gebraucht. Das schien mir darauf hinzudeuten, da� sich die Goreaner fr�her einmal vordringlich von der Jagd ern�hrt hatten. Allerdings blieb mir wenig Zeit zur Spekulation, da mich mein Lehrplan sehr in Anspruch nahm. Man schien die Absicht zu haben, mich in wenigen Wochen zu einem echten Goreaner zu machen. Aber diese Wochen machten mir auch Spa�, wie immer, wenn ich lernte und mich sp�rbar weiter entwickelte � auch wenn mir das letzte Ziel noch nicht bekannt war. In diesen Wochen kam ich mit vielen Goreanern zusammen, meistens Mitglieder der Kaste der Schriftgelehrten und der Kaste der Krieger.</p><p>Bisher hatte ich nur wenige Frauen gesehen, doch ich wu�te, da� sie, wenn sie frei waren, innerhalb des Kastensystems nach den gleichen Regeln auf- oder abstiegen wie die M�nner, obwohl dies offenbar von Stadt zu Stadt verschieden war. Im ganzen gefielen mir die Menschen hier, und ich war sicher, da� sie im wesentlichen von der Erde abstammten. Ihre Vorfahren mu�ten durch die sogenannten Akquisitionsreisen nach Gor gekommen und hier einfach freigelassen worden sein � wie Tiere in einem Waldreservat. Bei diesen Vorfahren mochte es sich um Chald�er oder Kelten oder Syrer oder Engl�nder gehandelt haben, die im Verlaufe vieler Jahrhunderte aus den verschiedensten Zivilisationen hierherkamen. Die Kinder und Gro�kinder hatten sich dann nat�rlich zu Goreanern entwickelt, wodurch fast alle Spuren der irdischen Herkunft verschwanden. Von Zeit zu Zeit entz�ckte mich jedoch ein englisches Wort in der goreanischen Sprache � wie etwa �Axt� oder �Schiff�. �Torm�, fragte ich einmal, �warum ist die irdische Herkunft nicht ein Teil des Ersten Wissens?� �Ist das nicht offensichtlich?� antwortete er. �Nein�, sagte ich.</p><p>�Ah!� erwiderte er und schlo� langsam die Augen und schwieg einige Zeit. �Du hast recht�, sagte er schlie�lich. �Es ist nicht offensichtlich.� �Was tun wir also?� fragte ich. �Wir setzen unseren Unterricht fort.�</p><p>Das Kastensystem war zwar gesellschaftlich wirksam, doch ich hatte pers�nliche Bedenken. Es war meiner Meinung nach viel zu starr -insbesondere im Hinblick auf die Auswahl der Herrscher aus den Hohen Kasten und auf das Doppelte Wissen. Aber noch weitaus unsch�ner war die vorherrschende Sklaverei. F�r den Goreaner gab es au�erhalb des Kastensystems nur drei Lebensformen: Sklave, Gesetzesbrecher und Priesterk�nig. Ein Mann, der seinem Beruf nicht nachgehen oder ohne Erlaubnis des Rates der Hohen Kasten seinen Status �ndern wollte, war automatisch ein Gesetzesbrecher und mu�te aufgespie�t werden.</p><p>Das M�dchen, das ich am ersten Tag in meinem Zimmer gesehen hatte, war eine Sklavin gewesen, und das Band um ihren Hals, das ich f�r ein Schmuckst�ck hielt, war ihr Sklavenzeichen. Ein zweites Zeichen, ein Brandmal, war unter ihrer Kleidung versteckt. Dieses kennzeichnete sie als Sklavin, w�hrend das Halsband ihren Herrn identifizierte. Ich hatte das M�dchen nicht wiedergesehen und �berlegte, was wohl aus ihr geworden war. Allerdings fragte ich nicht nach ihr. Es geh�rte zu den ersten Erkenntnissen, die ich auf Gor gewann, da� Sorge um einen Sklaven fehl am Platze war. Ich hielt mich also zur�ck. Ich erfuhr von einem anderen Schriftgelehrten beil�ufig, da� Sklaven freie M�nner nicht unterweisen durften, weil das eine Schuld begr�nden w�rde, und weil niemand einem Sklaven etwas schuldete. Ich beschlo�, mich nach besten Kr�ften gegen dieses erniedrigende System zu wehren. Ich sprach einmal mit meinem Vater dar�ber, der mir nur sagte, da� es auf Gor noch viel schlimmere Dinge als die Sklaverei g�be.</p><p>Ohne Vorwarnung raste der bronzene Speer auf meine Brust zu. Ich drehte mich zur Seite, und die Spitze durchtrennte meine Tunika und zog eine blutige Furche �ber meine Haut. Das Metall bohrte sich zwanzig Zentimeter tief in einen Holzpfeiler hinter mir. W�re ich nicht zur Seite gesprungen, h�tte mich der Speer glatt durchbohrt. �Schnell genug ist er�, sagte der Mann, der den Speer geworfen hatte. �Ich nehme ihn.�</p><p>Das war meine erste Begegnung mit meinem Waffenmeister, der ebenfalls Tarl hie�. Ich werde ihn den �lteren Tarl nennen. Er wirkte wie ein blonder Wikinger, ein b�rtiger Bursche mit fr�hlichem, zerfurchten Gesicht und wilden blauen Augen, der die Welt als sein Eigentum zu betrachten schien. Er war ein stolzer Mann ohne Arroganz, ein Mann, der wu�te, da� er seine Waffen beherrschte und mit jedem Gegner fertig werden konnte.</p><p>Mit der Zeit wurde ich gut mit ihm bekannt, denn der weitaus gr��te Teil meiner Ausbildung galt nun den Waffen � im Wesentlichen dem Training mit Schwert und Speer. Der Speer kam mir wegen der geringeren Schwerkraft besonders leicht vor, und ich entwickelte bald eine gro�e Geschicklichkeit damit. Ich konnte auf kurze Entfernung einen Schild durchbohren und vermochte auf zwanzig Meter Entfernung ein Ziel von der Gr��e eines Suppentellers zu treffen.</p><p>Auch sollte ich nun lernen, den Speer mit der linken Hand zu werfen.</p><p>�Was ist, wenn du am rechten Arm verwundet bist?� fragte der �ltere Tarl, der mein Widerstreben bemerkte. �Was tust du dann?�</p><p>�Fliehen?� fragte Torm, der meine �bungen von Zeit zu Zeit besuchte.</p><p>�Nein!� rief der �ltere Tarl. �Du mu�t weiterk�mpfen und sterben wie ein Krieger.�</p><p>Torm klemmte sich eine Schriftrolle unter den Arm und wischte sich die Nase. �Ist das vern�nftig?� fragte er.</p><p>Der �ltere Tarl ergriff einen Speer, und Torm hob hastig seine blaue Robe und verschwand.</p><p>Verzweifelt machte ich mich an die Arbeit und entwickelte zu meiner �berraschung nach einiger Zeit auch mit dem linken Arm eine gewisse Fertigkeit. Ich hatte meine �berlebenschancen um einen unbestimmten Prozentsatz verbessert.</p><p>Mein Training mit dem kurzen, breiten Schwert der Goreaner war ebenfalls sehr gr�ndlich. Ich hatte in Oxford einem Fechtklub angeh�rt und brachte daher gewisse Grundkenntnisse mit, aber hier wurde es nun wirklich ernst. Wieder mu�te ich die Klinge mit beiden H�nden fuhren lernen, obwohl ich mir eingestehen mu�te, da� ich ein unheilbarer Rechtsh�nder war.</p><p>W�hrend meiner Schwertausbildung verletzte mich der �ltere Tarl mehrmals mit seiner Klinge, wobei er stets zu meinem �rger ausrief: �Du bist tot!� Gegen Ende des Trainings gelang es mir, seine Parade zu durchbrechen und ihm eine Stichwunde auf der Brust beizubringen. Ich zog mein Schwert zur�ck, dessen Spitze blutig war. Tarl warf seine Waffe krachend zu Boden und ri� mich lachend an seine blutende Brust.</p><p>�Ich bin tot!� br�llte er triumphierend. Er klatschte mir auf die Schultern, stolz wie ein Vater, der seinem Sohn das Schachspielen beigebracht hat und nun zum erstenmal geschlagen wurde.</p><p>Ich wurde auch im Gebrauch des Schildes unterwiesen, der haupts�chlich dazu einzusetzen war, einen Speer harmlos abzulenken.</p><p>Als meine Ausbildungszeit ihrem Ende zuging, k�mpfte ich stets mit Schild und Helm. Ich h�tte mir gew�nscht, da� meine R�stung durch einen Panzer oder vielleicht ein Kettenhemd erg�nzt w�rde, aber ich mu�te erfahren, da� die Priesterk�nige das v   erboten hatten. Der Grund hierf�r lag vielleicht in dem Wunsch, da� der Krieg ein biologisch selektiver Proze� bleiben sollte, in dem die Schwachen und Langsamen untergehen und sich nicht weiter vermehren. Dies mag auch die Erkl�rung f�r die relativ primit iven Waffen sein, die die Menschen im Schatten der Berge f�hren durften. Neben Speer und Schwert waren noch Armbrust und Bogen zugelassen; ich wurde jedoch kaum darin unterwiesen, weil der �ltere Tarl wenig daf�r �brig hatte. Er sah sie als zweitklassige Waffen an, die der Hand eines Kriegers unw�rdig waren. Ich teilte seine Verachtung nicht und versuchte mich in meiner Freizeit damit zu besch�ftigen. Ich ahnte, da� meine Ausbildung nun bald zu Ende war � vielleicht weil meine Ruheperioden l�nger wurden oder weil manche Dinge zur Sprache kamen, die ich bereits kannte; vielleicht lag es auch an der Haltung meiner Instruktoren. Ich sp�rte, da� ich nahezu bereit war � aber ich hatte keine Ahnung, wof�r. Besonderen Spa� bereitete mir in diesen letzten Tagen, da� ich die goreanische Sprache nun m�helos beherrschte. Ich begann auf goreanisch zu tr�umen und vermochte auch meine Lehrer zu verstehen, wenn sie miteinander sprachen. Auch dachte ich in Goreanisch und mu�te mir stets einen kleinen Ruck geben, wenn ich wieder englisch denken oder sprechen wollte. Einmal hatte ich sogar auf Goreanisch geflucht, was den �lteren Tarl sehr am�sierte. Die Zeit meiner Unterweisung r�ckte wieder heran, und als der �ltere Tarl meinen Raum betrat, trug er einen etwa sechzig Zentimeter langen Metallstab, der an einem Ende eine Lederschlinge aufwies. An dem Griff befand sich ein Schalter. Ein �hnliches Instrument hing an seinem G�rtel. �Das ist keine Waffe�, sagte er. �Es darf auch nicht als Waffe benutzt werden.� �Was ist es dann?�</p><p>�Ein Tarnstab�, erwiderte er. Er legte den kleinen Schalter um und ber�hrte damit den Tisch. Unz�hlige Funken spr�hten gelblich in alle Richtungen, ohne auf dem Tisch eine Spur zu hinterlassen. Tarl schaltete den Stock aus und reichte ihn mir. Als ich die Hand danach ausstreckte, schaltete er ihn ein und dr�ckte ihn mir in die Hand. Eine Milliarde gelber Sterne schien in meiner</p><p>Hand zu explodieren. Ich schrie erschreckt auf und hob die Hand an den Mund. Es war wie ein kr�ftiger elektrischer Schlag. Ich untersuchte meine Hand; sie war unverletzt.</p><p>�Nimm dich vor einem Tarnstab in acht�, sagte der �ltere Tarl. �Das ist kein Spielzeug.�</p><p>Ich nahm den Stab langsam auf und achtete darauf, ihn in der N�he des Griffes anzufassen. Den Lederriemen legte ich mir um das Handgelenk. Der �ltere Tarl verlie� das Zimmer, und ich sollte ihm offensichtlich folgen. Wir erstiegen die Wendeltreppe, die an der Innenseite des Zylinderturms empor f�hrte. Nachdem wir einige Dutzend Etagen hinter uns gebracht hatten, erreichten wir das flache Dach des Geb�udes. Der Wind fegte �ber die kreisf�rmige Ebene und dr�ckte mich zum Rand. Es gab kein Gel�nder. Ich stemmte mich gegen den Wind und fragte mich, was nun geschehen sollte. Ich schlo� die Augen. Der �ltere Tarl nahm eine Tarnpfeife aus seiner Tunika und lie� einen durchdringenden Laut ert�nen.</p><p>Ich hatte noch keinen Tarn zu Gesicht bekommen � mit Ausnahme von bildlichen Darstellungen in meinem Zimmer und in Lehrb�chern �ber die Pflege, die Zucht und Ausr�stung dieser V�gel. Man hatte mich absichtlich nicht auf diesen Augenblick vorbereitet, wie ich sp�ter erfahren sollte. Die Goreaner glauben, da� die F�higkeit, einen Tarn zu beherrschen, angeboren sein mu�. Man kann diese Eigenschaft nicht lernen. Es ist eine Sache des Blutes und des Willens, der Verbindung zwischen Tier und Mensch, einer Beziehung zwischen zwei Wesen, die intuitiv und spontan gegeben sein mu�. Angeblich wei� ein Tarn ganz genau, wer ein Tarnsmann ist und wer nicht. Es hei�t, wer keiner ist, stirbt bei der ersten Begegnung mit seinem Kampfvogel. Zun�chst sp�rte ich nur einen gewaltigen Windhauch und h�rte ein ohrenbet�ubendes, schnappendes Ger�usch, als knallte ein Riese mit einem Handtuch, dann duckte ich mich erschauernd unter einem gewaltigen gefl�gelten Schatten. Ein riesiger Tarn mit Krallen wie gigantische Stahlhaken, die Fl�gel wildschlagend in der Luft, verhielt starr �ber uns.</p><p>�Vorsicht vor den Fl�geln!� rief der �ltere Tarl.</p><p>Das Kommando war �berfl�ssig; hastig st�rzte ich zur Seite. Ein Schlag dieser Fl�gel mu�te mich meterweit in die Leere hinaussto�en.</p><p>Der Tarn landete auf dem Dach des Zylinders und betrachtete uns mit seinen schillernden, schwarzen Augen.</p><p>Obwohl der Tarn wie die meisten V�gel �berraschend leicht ist � was in erster Linie an den hohlen Knochen liegt -, ist er ein �u�erst kr�ftiger Vogel. W�hrend gro�e irdische V�gel � so etwa der Adler -einen Anlauf nehmen m�ssen, wenn sie vom Boden aus starten, kann der Tarn mit seiner unglaublichen Muskulatur sich und seinen Reiter mit einem Sprung und einem schnellen Zucken der riesigen Fl�gel in die Luft heben. Dabei kommt ihm nat�rlich auch die geringere Schwerkraft Gors zugute. Von den Goreanern werden diese V�gel auch als die �Br�der des Windes� bezeichnet.</p><p>Der Federschmuck der Tarns ist unterschiedlich, und sie werden auch auf ihre F�rbung hin gez�chtet und nicht nur auf ihre St�rke und Intelligenz. Schwarze Tarns kommen bei n�chtlichen �berf�llen zum Einsatz, wei�e bei Winterfeldz�gen, und vielfarbig schillernde Tarns werden von Kriegern bevorzugt, die Eindruck machen wollen und auf Tarnung keinen Wert legen. Der gew�hnliche Tarn jedoch hat ein gr�nlichbraunes Gefieder. Abgesehen von der Gr��e ist der Tarn dem irdischen Falken am �hnlichsten � nur hat er einen Kamm, der dem eines Eichelh�hers gleicht. Tarns, die eine b�sartige Natur haben, sind selten mehr als halb gez�hmt und sind � wie ihre winzigen irdischen Br�der � fleischfressend. Es ist schon vorgekommen, da� ein Tarn seinen eigenen Reiter angriff und auffra�. Nur den Tarnstock f�rchten sie � sonst nichts. Sie werden von M�nnern der Tarnkaste trainiert. Immer wenn ein junger Vogel davonfliegt oder irgendwie ungehorsam ist, wird er auf die Stange zur�ckgezogen und mit dem Tarnstab geschlagen. Sp�ter werden die V�gel nat�rlich losgekettet, aber ein Fu�ring soll sie an diese Zeit erinnern. Das Training schl�gt jedoch meistens an, au�er wenn das Tier au�ergew�hnlich aufgeregt ist oder lange keine Nahrung bekommen hat. Der Tarn geh�rt zu den beiden bevorzugten Reittieren des goreanischen Kriegers; das zweite ist der gro�e Tharlarion, eine Art Sattel-Eidechse, meistens von den Clans benutzt, die mit Tarns nicht umzugehen verstehen. Soweit ich wu�te, hielt niemand in der Stadt der Zylinder einen Tharlarion, obwohl sie angeblich auf Gor weitverbreitet waren -besonders im Flachland, im Sumpf und in den W�sten.</p><p>Der �ltere Tarl war auf seinen Tarn gestiegen, wobei er die f�nfsprossige Leiter benutzte, die an der linken Seite des Sattels herabh�ngt und die w�hrend des Fluges hochgezogen wird. Er schnallte sich mit einem breiten purpurnen Gurt im Sattel fest. Er warf mir einen kleinen Gegenstand zu, der mir fast aus der Hand fiel. Es war eine Tarnpfeife mit einem Ton, auf den nur ein ganz bestimmter Tarn reagieren w�rde � das Reittier, das f�r mich bestimmt war. Seit dem Zwischenfall mit dem wildgewordnen Kompa� in den New-Hampshire-Bergen war ich nicht mehr so �ngstlich gewesen � aber diesmal k�mpfte ich meine Furcht nieder. Wenn ich sterben sollte, konnte ich nichts dagegen tun.</p><p>Ich blies in die Pfeife, und ein schrille r Ton erklang, der sich von Tarls Pfiff sehr unterschied.</p><p>Im n�chsten Augenblick stieg aus dem Nichts ein phantastisches Gebilde herauf � vielleicht von einem Vorsprung weiter unten -, ein zweiter riesiger Tarn, gr��er als der erste, ein schimmernder, schwarzer Vogel, der einmal um den Zylinder kreiste und dann auf mich zukam. Er landete wenige Meter entfernt, und seine Krallen prallten auf den Stein. Sie waren mit Stahlkanten verst�rkt � ein Kampftarn. Der Vogel hob seinen gekr�mmten Schnabel zum Himmel und kreischte auf. Gleichzeitig sch�ttelte er seine Fl�gel. Der gewaltige Kopf drehte sich in meine Richtung, und die runden Augen blinzelten mich an. Im n�chsten Augenblick �ffnete sich der Schnabel, ich erhaschte einen kurzen Blick auf seine d�nne, scharfe Zunge, die so lang war wie ein Arm, und schon st�rzte sich das Ungeheuer auf mich, hieb mit dem monstr�sen Schnabel nach mir, und ich h�rte den Altern Tarl entsetzt aufschreien: �Den Stab! Den Stab!�</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Ich ri� sch�tzend den rechten Arm hoch, wobei der Tarnstab, der an dem Lederriemen hing, einen weiten Bogen beschrieb. Ich griff danach, benutzte ihn als Waffe, schlug damit nach dem zuschnappenden Schnabel, der mich packen wollte, als w�re ich ein St�ck Nahrung auf dem flachen Teller des Zylinderdaches. Der Tarn stie� zweimal zu, und zweimal wehrte ich ihn ab. Dann zog er den Kopf zur�ck und �ffnete den Schnabel, um erneut anzugreifen. In diesem Augenblick schaltete ich den Tarnstab ein und schlug kr�ftig zu. Hellschimmernde Funkenkaskaden spr�hten, und ein Schrei der Wut und des Schmerzes ert�nte, w�hrend der Tarn mit den Fl�geln flatterte und sich mit einem pl�tzlichen Luftsto� aus meiner Reichweite brachte, der mich fast in die Tiefe geblasen h�tte. Ich hockte auf H�nden und Knien und versuchte mich wieder aufzurappeln. Der Tarn umkreiste den Zylinder und stie� durchdringende Schreie aus; dann begann er davonzufliegen.</p><p>Ohne nachzudenken, ergriff ich meine Tarnpfeife und blies hinein. Als der schrille Ton erklang, schien der Riesenvogel in der Luft zu erzittern, begann zu kreisen, verlor an H�he, stieg dann wieder an. In seiner Brust tobte der Kampf zwischen der wilden Natur des Tarn, dem Ruf der fernen Berge und des freien Himmels mit dem Training, das er in seiner Jugend durchgemacht hatte.</p><p>Mit lautem Wutschrei kehrte er schlie�lich zum Zylinder zur�ck. Ich ergriff die kurze Leiter, die vom Sattel herabhing, erkletterte sie, setzte mich im Sattel zurecht und zog den breiten Purpurgurt fest der mich vor dem Sturz in die Tiefe bewahren sollte.</p><p>Der Tarn wird durch einen Halsgurt gelenkt, an dem gew�hnlich sechs Lederriemen befestigt sind, die in einem Metallring am Vorderteil des Sattels zusammenlaufen. Die Z�gel sind verschieden gef�rbt und f�hren zu verschiedenen, weit auseinanderliegenden Ringen am Halsriemen des Vogels. Um den Kurs zu bestimmen, zieht man nun den Z�gel, dessen Ende am ehesten in die gew�nschte Richtung zeigt. Wenn man etwa an H�he verlieren oder landen will, benutzt man den vierten Z�gel, der unmittelbar vor dem Hals des Tarn ausl�uft. Zum Starten zieht man den ersten Z�gel, der einen Druck auf den Ring an der R�ckseite des Vogelhalses aus�bt.</p><p>Gelegentlich wird auch der Tarnstab benutzt, um den Tarn zu lenken; dabei ber�hrt man den Vogel in der entgegengesetzten Richtung, die man einschlagen will; beim Zur�ckweichen vor dem Stab wird der Vogel entsprechend fliegen. Diese Methode ist allerdings nicht sehr genau, weil die Reaktion ausschlie�lich instinktiv erfolgt.</p><p>Ich zog am ersten Z�gel, und mit Entsetzen und Freude sp�rte ich den kr�ftigen Schlag der Fl�gel, die durch die Luft peitschten. Ich wurde heftig zur�ckgeworfen, aber der Sattelgurt hielt. Eine Minute lang vermochte ich nicht zu atmen; ich klammerte mich furchtsam an den Sattelring, die Hand um den ersten Z�gel verkrampft. Der Tarn stieg immer weiter, und die Stadt der Zylinder fiel unter mir zur�ck. So etwas hatte ich noch nicht erlebt, und wenn ich mich noch nie wie ein Gott gef�hlt hatte, dann bestimmt in diesem ersten Augenblick. Ich sah hinab und erblickte den �lteren Tarl auf seinem Tier, das mich zu �berholen versuchte.</p><p>�Hallo, Kleiner!� rief er undeutlich her�ber. �Willst du zu den Monden Gors aufsteigen?�</p><p>Ich sp�rte pl�tzlich, da� mir schwindlig wurde. Die H�gel und Ebenen Gors waren ein vielscheckiges, verschwommenes Muster unter mir; ich glaubte fast schon die Kr�mmung des Globus auszumachen, doch das mu� eine Sinnest�uschung gewesen sein.</p><p>Ehe ich das Bewu�tsein verlor, zog ich am vierten Z�gel, und der Tarn begann wie ein angreifender Falke zu fallen � mit einer Geschwindigkeit, die mir den letzten Atem raubte. Ich lie� die Z�gel fahren, was das Zeichen f�r einen best�ndigen Geradeausflug ist. Der gro�e Tarn flatterte mit den Fl�geln, fing Luft darunter ein und begann langsamer zu fliegen. Der �ltere Tarl, der sehr erfreut zu sein schien, man�vrierte seinen Vogel in meine N�he. Er deutete auf die Stadt, die nun mehrere Kilometer unter uns lag.</p><p>�Ein Rennen!� rief ich.</p><p>�Einverstanden!� br�llte er zur�ck, lie� seinen Tarn herumwirbeln und flog los. Ich war �rgerlich. Er war so geschickt im Umgang mit seinem Tier, da� er sofort in F�hrung ging und unm�glich zu �berholen war.</p><p>Endlich vermochte auch ich den Tarn zu wenden und versuchte ihn anzuspornen. Mir kam der Gedanke, da� die V�gel doch eigentlich auch auf Laute reagieren mu�ten. Ich br�llte auf Goreanisch und Englisch:</p><p>�Har-ta! Har-ta! Schneller! Schneller!�</p><p>Der gro�e Vogel schien zu sp�ren, was ich wollte. Eine bemerkenswerte Ver�nderung ging mit ihm vor. Er reckte den Kopf vor, und die Fl�gel schlugen die Luft pl�tzlich wie mit Peitschen, die Augen gl�hten auf, und jeder Muskel und Knochen schien Kraft auszustrahlen. Wir rasten davon.</p><p>Nach kaum einer Minute �berholten wir den �berraschten Tarl und waren gleich darauf auf dem gro�en Zylinder gelandet, von dem wir vor wenigen Minuten gestartet waren.</p><p>�Bei den Barten der Priesterk�nige!� dr�hnte der �ltere Tarl, als er seinen Vogel landete. �Das ist der Tarn aller Tarns!�</p><p>Die freigelassenen Tarns kehrten aus eigenem Antrieb zu ihren St�llen zur�ck, und der �ltere Tarl und ich gingen in meine Wohnung hinab. Er platzte f�rmlich vor Stolz. �Was f�r ein Tarn!� sagte er. �Ich hatte ein ganzes Pasang Vorsprung, und doch hast du mich �berholt.� Das Pasang ist eine Entfernungseinheit auf Gor, die etwa einem Kilometer entspricht. �Dieser Tarn ist bestens geeignet f�r dich!� �Ich dachte, er wollte mich umbringen�, sagte ich. �Ich habe fast den Eindruck, da� die Tarnw�chter ihre Tiere doch nicht ausreichend z�hmen.�</p><p>�Nein!� rief der �ltere Tarl. �Das Training ist ausgezeichnet. Der Wille des Tarns darf nicht gebrochen werden � jedenfalls nicht bei einem Kampftarn. Er ist so weit gez�hmt, da� es auf die St�rke seines Herrn ankommt, ob das Tier ihn auffri�t oder ihm gehorcht. Du wirst deinen noch kennenlernen, und er dich. Ihr beide werdet am H     immel eins sein -der Tarn der K�rper und du sein Wille. Du wirst in st�ndigem Waffenstillstand mit ihm leben. Wenn du schwach oder hilflos bist, t�tet er dich. Solange du aber stark bleibst und dich als sein Herr behauptest, achtet und respektiert er dich.� Er schwieg einen Augenblick. �Wir waren uns deiner nicht sicher, dein Vater und ich, aber heute wei� ich es ganz genau. Du hast einen Tarn, einen Kampf tarn gez�hmt. In deinen Adern mu� das Blut deines Vaters flie�en, der einmal Ubar, der Kriegsherr von Ko-ro-ba, der Stadt der Zylinder, war und jetzt ihr Administrator ist.�</p><p>Ich war �berrascht, denn ich hatte nicht gewu�t, da� mein Vater Kriegsherr dieser Stadt gewesen war und nun als ihr Oberster ziviler Beamter fungierte.</p><p>Unser Gespr�ch wurde pl�tzlich unterbrochen. Das Brausen von Fl�geln ert�nte vor unserem Fenster, und der �ltere Tarl st�rzte sich auf mich und zog mich zu Boden. Im gleichen Augenblick zischte der Eisenbolzen einer Armbrust durch eines der schmalen Fenster herein, prallte sirrend gegen die Wand hinter meinem Stuhlbein und flog kreiselnd durch das Zimmer. Ich erhaschte einen Blick auf den schwarzen Helm eines Tarnsmannes, der schon wieder davonflatterte. Rufe ert�nten, hastige Schritte waren zu h�ren. Ich eilte an das Fenster und sah, da� mehrere Armbrustbolzen hinter dem Angreifer herflogen, der schon fast ein halbes Pasang entfernt war.</p><p>�Ein Mitglied der Kaste der Attent�ter�, sagte der �ltere Tarl. �Marlenus, der gern Ubar von ganz Gor w�re, wei� von deiner Existenz.�</p><p>�Wer ist Marlenus?� fragte ich mit zittriger Stimme.</p><p>�Das erf�hrst du morgen�, erwiderte der �ltere Tarl. �Und morgen wird man dir auch sagen, warum du nach Gor gebracht wurdest.�</p><p>�Warum kann ich das nicht jetzt erfahren?�</p><p>�Weil der Morgen schnell genug heranr�ckt�, antwortete der �ltere Tarl.</p><p>Ich starrte ihn an. �Und heute abend?� fragte ich.</p><p>�Heute abend�, sagte er, �besaufen wir uns.�</p><p>Am n�chsten Morgen erwachte ich auf der Schlafmatte in der Ecke meiner Wohnung. Mir war kalt. Ich hatte f�rchterliche Kopfschmerzen, und es war, als stachen mir unz�hlige Speerspitzen durch das Gehirn. Ich stemmte mich vorsichtig hoch, stand auf, stolperte zur Waschsch�ssel auf dem Tisch und spritzte mir Wasser ins Gesicht. Was gestern abend vorgefallen war, wu�te ich nicht mehr so recht. Der �ltere Tarl und ich hatten eine Runde durch die Tavernen der Stadt gemacht, und ich wu�te noch, da� ich singend �ber schmale, gel�nderlose Br�cken gestolpert war. Der �ltere Tarl hatte ebenfalls von dem gegorenen Kornsaft zuviel getrunken; Pagar-Sa-Tarna hie� er, Vergn�gen der Lebenstochter. Er wurde aber stets nur �Paga� genannt. Ich hatte keine gro�e Lust, das Zeug jemals wieder zu probieren. Ich erinnerte mich auch an die M�dchen in der letzten Taverne, herrliche Gestalten in seidenen Tanzkleidern, Unterhaltungssklaven, wie Tiere zur Leidenschaft gez�chtet. Wenn es geborene Sklaven und geborene Freie gab, wie der �ltere Tarl behauptete, dann waren jene M�dchen geborene Sklavinnen gewesen. Es war unm�glich, sie sich anders vorzustellen; aber auch sie hatten sicherlich ein schmerzhaftes Erwachen, rappelten sich auf, s�uberten sich. Ich erinnerte mich besonders an ein M�dchen, ein gertenschlanker K�rper, das schwarze Haar wirr auf den braunen Schultern, die Glocken an ihren Fu�gelenken, das leise Klingen in der verh�ngten Nische. Ich mu�te pl�tzlich daran denken, da� ich dieses M�dchen gern l�nger besessen h�tte, als die eine Stunde, f�r die ich sie bezahlt hatte. Ich verbannte den Gedanken aus meinem schmerzenden Kopf und kn�pfte eben meine Tunika zu, als der �ltere Tarl den Raum betrat. �Wir gehen jetzt in den Ratssaal�, sagte er.</p><p>Ich folgte ihm.</p><p>Der Ratssaal ist der Raum, in dem die gew�hlten Vertreter der Hohen Kasten Ko-ro-bas ihre Zusammenk�nfte abhalten. Jede Stadt hat einen solchen Raum. Er befand sich im gr��ten Zylinder, und die Decke war mindestens sechsmal so hoch wie ein gew�hnlicher Raum. Die Lichtpunkte, die mich an den Sternenhimmel erinnerten, funkelten an der Decke, und die W�nde waren waagerecht mit Farbstreifen bemalt � von unten nach oben in wei�er, blauer, gelber, gr�ner und roter Farbe, gem�� den Farben der Kasten. Steinb�nke f�r die Ratsmitglieder erhoben sich in f�nf Ebenen an diesen W�nden � eine Ebene f�r jede der Hohen Kasten. Die B�nke entsprachen der F�rbung der Wand hinter ihnen.</p><p>Die unterste Bank, wei�gestrichen, war den Wissenden Vorbehalten, den Interpreten des Willens der Priesterk�nige. Hinter ihnen sa�en � in dieser Reihenfolge � die Vertreter der Schriftgelehrten, Hausbauer, �rzte und Krieger.</p><p>Ich stellte fest, da� Torm nicht zu den Vertretern der Schriftgelehrten geh�rte, und l�chelte. �Ich bin zu praktisch veranlagt�, hatte Torm gesagt, �um mich mit den unn�tzen Dingen des Regierens zu besch�ftigen.�</p><p>Angenehm fiel mir auf, da� meiner eigenen Kaste, der Kaste der Krieger, der geringste Status zukam; wenn es nach mir gegangen w�re, h�tten die Krieger �berhaupt nicht zu den Hohen Kasten gez�hlt. Andererseits hatte ich sehr viel dagegen einzuwenden, da� die Kaste der Wissenden den Ehrenplatz einnahm, da sie mir noch mehr als die Soldaten unproduktive Mitglieder der Gesellschaft zu sein schienen. Die Krieger boten der Stadt wenigstens ihren Schutz, w�hrend die Wissenden allenfalls Heilung von Krankheiten und Plagen zu bieten hatten, die sie weitgehend selbst suggeriert hatten.</p><p>In der Mitte des kreisf�rmigen Saals erhob sich eine Art Thron, auf dem in seiner Staatskleidung � einem einfachen braunen Umhang � mein Vater sa�, Administrator Ko-ro-bas, einst Ubar, Kriegsherr der Stadt. Zu seinen F��en lagen ein Helm, ein Schild, ein Speer und ein Schwert. �Tritt vor, Tarl Cabot�, sagte mein Vater, und ich stand vor seinem Thron und sp�rte die Blicke aller Anwesenden auf mir ruhen. Hinter mir wartete der �ltere Tarl, dem nichts von der vergangenen Nacht anzumerken war.</p><p>Der �ltere Tarl ergriff das Wort: �Ich, Tarl, Schwertk�mpfer Ko-ro-bas, gebe mein Wort, da� dieser Mann geeignet ist, Mitglied der Hohen Kaste der Krieger zu werden.�</p><p>Mein Vater antwortete ihm nach dem festgelegten Ritual: �Kein Turm in Ko-ro-ba ist st�rker als das Wort Tarls, des Schwertk�mpfers unserer Stadt. Ich, Matthew Cabot von Ko-ro-ba, akzeptiere sein Wort.�</p><p>Von der unteren Bank an aufw�rts stand nun jedes Ratsmitglied auf, nannte seinen Namen und erkl�rte, da� er auch seinerseits das Wort des blonden Schwertk�mpfers anerkenne. Als alle fertig waren, �berreichte mir mein Vater die Waffen, die vor dem Thron gelegen hatten. Um meine Schulter legte er das Stahlschwert, befestigte an meinem linken Arm den runden Schild, dr�ckte mir den Speer in die rechte Hand und senkte langsam den Helm auf meinen Kopf.</p><p>�Wirst du den Kodex der Krieger einhalten?� fragte mein Vater.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Welches ist dein Heimstein?� fragte mein Vater.</p><p>Ich ahnte, welche Antwort von mir erwartet wurde, und antwortete: �Mein Heimstein ist der Heimstein Ko-ro-bas.�</p><p>�Und dieser Stadt verpf�ndest du dein Leben, deine Ehre und dein Schwert?� fragte mein Vater.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Dann� fuhr mein Vater fort und legte mir feierlich die H�nde auf die Schultern, �erkl�re ich dich hiermit in meiner Eigenschaft als Administrator dieser Stadt in Gegenwart des Rates der Hohen Kasten zum Krieger von Ko-ro -ba.�</p><p>Mein Vater l�chelte. Ich nahm den Helm ab und war sehr stolz, als ich die Zustimmung des Rates vernahm, die goreanische Abart des Beifalls, die darin bestand, da� die rechte Hand in schneller Folge auf die linke Schulter geschlagen wird. Abgesehen von den Kandidaten, die in die Kaste der Krieger aufgenommen werden sollten, durfte niemand den Ratssaal bewaffnet betreten. W�ren sie bewaffnet gewesen, h�tten meine Kastenbr�der auf der letzten Bank ihren Beifall mit Speer und Schild kundgetan; so begn�gten sie sich mit der allgemein �blichen Beifallsbezeigung. Irgendwie hatte ich das Gef�hl, da� sie stolz waren auf mich, obwohl ich mir den Grund daf�r nicht vorstellen konnte.</p><p>Jedenfalls hatte ich noch nichts geleistet, was ihr Interesse rechtfertigte. Im Gefolge des �lteren Tarls verlie� ich den Ratssaal und beitrat einen kleinen Nebenraum, um dort auf meinen Vater zu warten. Der Raum enthielt einen Tisch, auf dem einige Landkarten lagen. Der Altere Tarl beugte sich sofort dar�ber. Er rief mich an seine Seite, begann sich eingehend damit zu besch�ftigen und zeigte mir diese und jene Stelle. �Und hier�, sagte er schlie�lich und setzte seinen Finger auf das Blatt, �liegt die Stadt Ar, der Erzfeind Ko-ro-bas, die Hauptstadt Marlenus, der Ubar von ganz Gor werden will.� �Hat das etwas mit mir zu tun?� fragte ich. �Ja�, sagte der �ltere Tarl. �Du wirst nach Ar reisen. Du sollst den Heimstein Ars stehlen und ihn nach Ko-ro-ba bringen.�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Ich bestieg meinen Tarn, jenen wilden, herrlichen Vogel. Schild und Speer waren an den Sattel geschnallt; das Schwert trug ich �ber der Schulter. An der rechten Seite des Sattels hing eine Armbrust mit einem K�cher voller Geschosse, und auf der linken Seite ein Bogen mit einem zweiten K�cher. Die Satteltaschen enthielten die leichte Ausr�stung, die ein Tarnsmann gew�hnlich bei sich tr�gt � insbesondere Rationen, Kompa�, Landkarten, Schnur und Ersatzsehnen f�r den Bogen. Im Sattel vor mir sa� ein M�dchen. Sie war gefesselt und trug eine Sklavenhaube �ber dem Kopf; es war Sana, die Turmsklavin, die ich an meinem ersten Tag auf Gor gesehen hatte.</p><p>Ich winkte dem �lteren Tarl und meinem Vater zum Abschied zu, zog den ersten Z�gel und war im n�chsten Augenblick in der Luft. Der Turm und die winzigen Gestalten darauf blieben unter mir zur�ck. Ich lie� den vierten Z�gel los und zog die sechste Leine, wodurch ich den Kurs nach Ar bestimmte. Als ich den Zylinder passierte, in dem Torm seine Schriftrollen aufbewahrte, glaubte ich den kleinen Schriftgelehrten an seinem erweiterten Fenster stehen zu sehen. Er hob winkend den blauen Arm. Er machte einen ziemlich traurigen Eindruck. Ich erwiderte seinen Gru� und kehrte Ko-ro-ba den R�cken. Von der Erregung, die ich bei meinem ersten Flug versp�rt hatte, war wenig �briggeblieben.</p><p>Ich war besorgt und �rgerlich �ber die unsch�nen Einzelheiten der Mission, die vor mir lag. Ich dachte an das unschuldige M�dchen, das besinnungslos vor mir sa�.</p><p>Wie �berrascht ich gewesen war, als sie in dem kleinen Nebenraum des Ratssaales erschien! Sie war vor meinem Vater niedergekniet, der mir den Plan des Rates erl�uterte.</p><p>Die Macht Marlenus � oder jedenfalls ein Gro�teil seiner Macht � lag in dem Siegesmythos begr�ndet, der ihn wie einen Zaubermantel umgab und der die Soldaten und Bewohner seiner Stadt magisch anzuziehen schien. Im Kampfe noch nie besiegt, hatte er als Ubar aller Ubars die R�ckgabe seines Titels k�hn verweigert. Das war vor etwa zw�lf Jahren gewesen, nach Beendigung eines kleineren Talkrieges. Seine M�nner hatten ihm weiter Gehorsam geschworen, hatten ihn dem normalen Schicksal eines zu ehrgeizigen Ubars nicht ausgeliefert. Die Soldaten und der Rat seiner Stadt hatten seinen Drohungen und Versprechungen nachgegeben; er wollte Ar Macht und Reichtum bringen. Es schien fast, als h�tten sie ihr Vertrauen auf den richtigen Mann gesetzt. Heute war Ar keine einzelne belagerte Stadt, deren es in Gor viele gab, sondern sie war eine Metropole, in der die Heimsteine zahlreicher bisher freier St�dte aufbewahrt wurden. Es existierte ein Imperium von Ar, eine widerstandsf�hige, arrogante, kriegsge�bte Macht, die nur zu offensichtlich bestrebt war, ihre Feinde aufzureiben und ihre politische Hegemonie immer weiter �ber die Ebenen, Berge und W�sten Gors auszudehnen.</p><p>Es konnte nicht mehr lange dauern, bis auch Ko-ro-ba seine relativ kleine Streitmacht an Tarnk�mpfern gegen das Imperium Ar schicken mu�te. Mein Vater hatte in seinem Amt als Administrator Ko-ro-bas eine Allianz gegen Ar schmieden wollen, doch die Freien St�dte hatten sich diesem voller Stolz und Mi�trauen widersetzt; sie f�rchteten um den Bestand ihres eigenen Einflu�gebietes. Sie hatten die Abgesandten meines Vaters sogar mit Sklavenpeitschen aus ihren Ratss�len getrieben � eine Beleidigung, die normalerweise zum Krieg gef�hrt h�tte. Aber mein Vater wu�te, da� ein Streit zwischen den Freien St�dten genau das war, was Marlenus jetzt brauchte; da war es schon besser, wenn Ko-ro-ba als Stadt voller Feiglinge angesehen wurde. Doch wenn nun der Heimstein Ars, das Symbol und das Kernst�ck des Imperiums, gestohlen wurde, mochte der Zauberbann Marlenus gebrochen werden. Er w�rde zum Gesp�tt aller Leute werden, seinen eigenen Leuten verd�chtig, ein F�hrer, der seinen Heimstein verloren hatte. Er konnte von Gl�ck sagen, wenn er nicht �ffentlich aufgespie�t wurde.</p><p>Das M�dchen im Sattel vor mir r�hrte sich; die Wirkung der Droge lie� nach. Sie st�hnte leise und lehnte sich zur�ck. Schon beim Start hatte ich ihre Hand- und Fu�fesseln gel�st und nur den breiten Gurt unber�hrt gelassen, der sie auf dem R�cken des Tarn festhielt. Ich gedachte den Plan des Rates nicht bis in die letzten Einzelheiten auszuf�hren -jedenfalls nicht, soweit er dieses M�dchen betraf, obwohl sie ihre Rolle �bernommen hatte und wu�te, da� sie nicht mit dem Leben davonkommen konnte. Ich kannte kaum mehr als ihren Namen � Sana -und die Tatsache, da� sie eine Sklavin aus der Stadt Thentis war. Der �ltere Tarl hatte mir erz�hlt, da� Thentis f�r seine Tarnschw�rme bekannt war und da� sich der Name von den Thentis -Bergen herleitete, in denen sie liegt. Krieger aus Ar hatten eines Tages die Tarnschw�rme und die �u�eren T�rme von Thentis �berfallen und dabei das M�dchen gefangengenommen. Sie war am Tage des Liebesfestes in Ar verkauft worden und war an einen Agenten meines Vaters gefallen. Dieser Mann hatte den Auftrag, gem�� dem Plan des Rates ein M�dchen zu erstehen, das f�r die Rache an Ar ihr Leben geben w�rde. Ich hatte Mitleid mit ihr. Sie hatte viel durchgemacht und war zweifellos nicht aus dem gleichen Holz geschnitzt wie die M�dchen in der Taverne; ihr w�re ein Leben in Sklaverei bestimmt nicht leichtgefallen. Ich hatte irgendwie das Gef�hl, da� sie trotz ihres Sklavenkragens ein freier Mensch war � schon seit dem Augenblick, da mein Vater ihr befohlen hatte, sich mir zu unterwerfen und mich als ihren neuen Herrn zu akzeptieren. Sie war aufgestanden, war auf nackten F��en quer durch den Raum auf mich zugekommen und war vor mir niedergekniet, wobei sie den Kopf senkte und mir mit gekreuzten Unterarmen die H�nde reichte. Die rituelle Bedeutung dieser Geste entging mir nicht; sie bot mir ihre Handgelenke dar, als sollte ich sie fesseln. Ihre Rolle in dem Plan war einfach, aber t�dlich.</p><p>Der Heimstein Ars wurde wie in den meisten Zylinderst�dten auf dem h�chsten Turm der Stadt aufbewahrt, frei auf dem Dach liegend, wie zur Herausforderung f�r die Tarnkrieger rivalisierender St�dte. Nat�rlich wurde das Heiligtum gut bewacht und beim ersten Anzeichen von Gefahr sofort in Sicherheit gebracht. Jeder Angriff auf den Heimstein galt bei den B�rgern einer Stadt als schreckliches Sakrileg und wurde unweigerlich mit dem Tode bestraft; paradoxerweise war es die gr��te Ruhmestat �berhaupt, mit dem Heimstein einer anderen Stadt nach Hause zu kommen, und einem Krieger, dem dieses gelang, wurden die h�chsten Ehrungen zuteil, und er wurde als ein Mann angesehen, dem die Priesterk�nige wohlgesinnt waren.</p><p>Der Heimstein einer Stadt ist Mittelpunkt verschiedener Rituale. Das n�chste war das Pflanzfest des Korns Sa-Tarna, der Lebenstochter, das jedes Fr�hjahr gefeiert wurde, um eine gute Ernte zu gew�hrleisten. Es ist ein kompliziertes Fest, das in den meisten goreanischen St�dten bekannt ist, und zerf�llt in zahlreiche diffizile Rituale. Sie werden meistens von den Wissenden einer Stadt arrangiert und ausgef�hrt. Gewisse Momente der Zeremonie sind jedoch oft Mitgliedern der anderen Hohen Kasten vorbehalten.</p><p>In Ar geht zum Beispiel fr�h am Morgen ein Mitglied der Hausbauer auf das Dach, auf dem der Heimstein aufbewahrt wird, und setzt ein primitives Symbol seines Berufs, ein metallenes Rechteck, vor dem Stein ab und betet zu den Priesterk�nigen um das Wohlergehen seiner Kaste im kommenden Jahr; sp�ter legt ein Krieger seine Waffen vor dem Stein nieder, gefolgt von Vertretern der anderen Kasten. Wichtig dabei ist, da� sich die W�chter des Heimsteins in das Innere des Zylinders zur�ckziehen, w�hrend diese Vertreter der Hohen Kasten ihre Rituale verrichten. Der jeweilige Bittsteller soll mit den Priesterk�nigen allein sein, so wird gesagt.</p><p>Als H�hepunkt des Pflanzfestes in Ar � sehr wichtig f�r den Plan des Rates von Ko-ro-ba � betritt ein Mitglied der Familie des Ubars das Dach bei Nacht, unter den drei vollen Monden, mit denen das Fest zu tun hat. Es wirft Korn auf den Stein und sprengt einige Tropfen eines roten wein�hnlichen Getr�nks dar�ber, das aus der Frucht des Ka-la-na-Baums gewonnen wird. Das Mitglied der Ubar-Familie betet dann zu den Priesterg�ttern und erbittet eine reiche Ernte. Dann kehrt es in das Innere des Zylinders zur�ck, woraufhin die W�chter des Heimsteins ihren Dienst wieder aufnehmen.</p><p>In diesem Jahr fiel die Ehre des Kornopfers der Tochter des Ubar zu. Ich wu�te nichts �ber sie � nur da� sie Talena hie� und als eine der Sch�nheiten von Ar galt und da� ich sie t�ten sollte.</p><p>Nach dem Plan des Rates von Ko-ro-ba sollte ich im Augenblick des Opfers, um die zwanzigste goreanische Stunde � die unserer Mitternacht entspricht � auf dem Dach des h�chsten Zylinders in Ar landen, die Tochter des Ubar umbringen und ihren K�rper und den Heimstein davontragen. Das M�dchen h�tte ich im Sumpfland n�rdlich von Ar abzuwerfen und den Stein nach Ko-ro-ba zu bringen. Das M�dchen Sana, das im Sattel vor mir sa�, m��te die schweren Roben und Schleier der Toten anlegen und an ihrer Stelle in das Innere des Zylinders zur�ckkehren. Es w�rde vermutlich einige Minuten dauern, bis ihre Identit�t entdeckt war, und dann sollte sie das Gift nehmen, das ihr der Rat zur Verf�gung gestellt hatte.</p><p>Zwei M�dchen sollten in dieser Nacht sterben, nur damit ich mit dem Heimstein entfliehen konnte, ehe es Alarm gab. Ich wu�te, da� ich diesen Plan nicht ausf�hren w�rde. Abrupt �nderte ich den Kurs und lenkte meinen Tarn auf die blaue, schimmernde Bergkette zu. Das M�dchen vor mir st�hnte und sch�ttelte sich, und ihre H�nde fuhren unsicher an die Sklavenhaube, die ihren Kopf bedeckte.</p><p>Ich half ihr beim L�sen der Haube und war entz�ckt, als ihr langes blondes Haar im Winde flatternd an meiner Wange entlangstrich. Ich steckte die Haube in die Satteltasche und betrachtete sie bewundernd � nicht nur wegen ihrer Sch�nheit, sondern auch wegen ihrer offensichtlichen Furchtlosigkeit. Jedes normale M�dchen h�tte Grund zur Angst gehabt � die H�he, in der sie sich befand, das wilde Tier, auf dem sie ritt, die Aussicht auf ein schreckliches Schicksal, das sie am Ende dieses Fluges erwartete. Aber sie war ein M�dchen aus dem gebirgigen Thentis; dort �ngstigten sich die M�dchen nicht so schnell.</p><p>Sie sah sich nicht um, sondern betrachtete ihre Handgelenke und rieb sie vorsichtig.</p><p>�Du hast mich losgebunden�, sagte sie. �Und du hast mir die Haube abgenommen � warum?�</p><p>�Ich dachte, es w�re bequemer f�r dich�, erwiderte ich.</p><p>�Du behandelst eine Sklavin mit ungew�hnlicher R�cksicht�, sagte sie.</p><p>�Danke.�</p><p>�Du hast keine... Angst?� fragte ich. �Ich meine � wegen des Tarn? Du bist doch sicher schon auf einem Tarn geritten. Ich hatte beim erstenmal gro�e Angst.�</p><p>Das M�dchen wandte verbl�fft den Kopf. �Frauen d�rfen selten auf dem R�cken von Tarns reiten�, sagte sie. �Im Tragkorb schon, aber nicht wie ein Krieger.� Sie hielt inne. �Du hast gesagt, du h�ttest Angst gehabt�, sagte sie.</p><p>�Das stimmt auch�, lachte ich und erinnerte mich an die Aufregung und an das seltsame Kribbeln der Gefahr.</p><p>�Warum sagst du einer Sklavin, da� du Angst hattest?� fragte sie.</p><p>�Wei� ich nicht�, erwiderte ich. �Jedenfalls hatte ich Angst.�</p><p>Sie blickte wieder nach vorn. �Ich bin schon einmal auf dem R�cken eines Tarn geritten�, sagte sie bitter. �Im Sattel gefesselt, auf dem Wege nach Ko-ro-ba, wo ich verkauft wurde.�</p><p>Sie betrachtete den Horizont und erstarrte pl�tzlich. �Das ist nicht der Kurs nach Ar�, rief sie aus.</p><p>�Ich wei߫, sagte ich.</p><p>�Was tust du?� Sie wandte sich zu mir um und starrte mich mit aufgerissenen Augen an. �Wohin fliegst du, Herr?�</p><p>Das Wort �Herr� verwirrte mich, auch wenn es zu Recht von einem M�dchen benutzt wurde, das tats�chlich mein Eigentum war.</p><p>�Nenn mich nicht �Herr�, sagte ich.</p><p>�Aber du bist mein Herr�, sagte sie.</p><p>Ich zog den Schl�ssel zu Sanas Kragen aus meiner Tunika. Ich �ffnete das Schlo� des Stahlbandes, zerrte das Gebilde von ihrem Hals und warf es in die Tiefe.</p><p>�Du bist frei�, sagte ich. �Wir fliegen nach Thentis.�</p><p>Sie sa� erstarrt vor mir, und ihre H�nde betasteten ungl�ubig den nackten Hals. �Warum?� fragte sie. �Warum?�</p><p>Was konnte ich ihr sagen? Da� ich aus einer anderen Welt kam, da� ich entschlossen war, nicht alles anzuerkennen, was in Gor selbstverst�ndlich war, da� sie mir in ihrer Hilflosigkeit nicht gleichg�ltig gewesen war, da� ich sie einfach nicht als Instrument des Rates sehen konnte, sondern nur als M�dchen, jung, voller Leben, ein M�dchen, das nicht in einem politischen Spiel geopfert werden durfte ...?</p><p>�Ich habe meine Gr�nde�, sagte ich, �aber ich bin nicht sicher, da� du sie verstehen w�rdest.�</p><p>�Mein Vater und meine Br�der werden dich belohnen.�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Wenn du w�nschst, m�ssen sie mich dir �berlassen, ohne Brautgeld.�</p><p>�Der Ritt nach Thentis ist lang�, sagte ich. Sie erwiderte stolz: �Mein Brautpreis w�ren hundert Tarns.� Ich pfiff leise vor mich hin � meine ehemalige Sklavin h�tte einen hohen Preis erbracht. Mit dem Gehalt eines Kriegers h�tte ich sie mir nicht leisten k�nnen.</p><p>�Wenn du landen willst�, sagte Sana, die mich offensichtlich auf irgendeine Weise entsch�digen wollte, �bin ich dir gern gef�llig.�</p><p>�M�chtest du den Wert des Geschenkes herabsetzen, das ich dir mache?� fragte ich.</p><p>Sie �berlegte einen Augenblick und k��te mich dann sanft auf die Lippen. �Nein, Tarl Cabot von Ko-ro-ba�, sagte sie, �aber du wei�t, dass du mir am Herzen liegst.�</p><p>Ich machte mir klar, da� sie mich als freie Frau angesprochen hatte, indem sie meinen Namen benutzte. Ich legte die Arme um sie und versuchte sie vor dem k�hlen Hauch des Windes zu sch�tzen.</p><p>Auf einem Turm in Thentis lie� ich sie zur�ck, k��te sie noch einmal und entfernte ihre Arme von meinem Hals. Sie weinte. Ich zog den Tarn in die Luft und winkte der kleinen Gestalt zu, die noch immer den gestreiften Umhang einer Sklavin trug. Sie hatte den wei�en Arm gehoben, und ihr blondes Haar wehte hinter ihr im Wind, der �ber das nackte Dach fegte. Ich schlug die Richtung nach Ar ein.</p><p>Als ich den Vosk, jenen m�chtigen, vierzig Pasang breiten Flu� �berquerte, der die Grenze Ars bildet und sich in den Tambergolf ergie�t, machte ich mir klar, da� ich nun endlich das Imperium Ars erreicht hatte. Sana hatte mir die Giftkapsel aufdr�ngen wollen, die ihr der Rat zum eigenen Gebrauch �berlassen hatte. Doch ich hatte die Tablette fortgeworfen. Sie war eine Versuchung, der ich nicht erliegen wollte. Wenn der Tod so leicht fiel, lag mir vielleicht nicht mehr so viel am Leben. Es mochte der Augenblick kommen, da ich diese Entscheidung bedauerte.</p><p>Es dauerte drei Tage, ehe ich die Stadt Ar erreichte. Kurz nachdem ich den Vosk �berquert hatte, war ich niedergegangen und hatte mein Lager aufgeschlagen. Von nun an reiste ich nur noch bei Nacht. W�hrend des Tages lie� ich meinen Tarn frei, der sich nach Belieben ern�hren konnte.</p><p>W�hrend des ersten Tages ruhte ich im Schatten eines kleinen Baumhains, von denen es hier im Grenzland Ars viele gab, schlief, a� von meinen Rationen und �bte mit meinen Waffen und versuchte meine Muskeln geschmeidig zu halten � trotz der Anstrengung der langen Tarnritte. Aber ich langweilte mich. Zuerst war sogar die Landschaft deprimierend, denn die Bewohner Ars hatten zur Kennzeichnung ihrer Grenze ein Gebiet von etwa dreihundert Pasang verw�stet; sie hatten Fruchtb�ume gef�llt, Brunnen zugesch�ttet und die fruchtbaren Gebiete versalzen. Aus praktischen Erw�gungen hatte sich Ar mit einer unsichtbaren Mauer umgeben, einem trockengebleichten G�rtel, der f�r Fu�volk fast unpassierbar war.</p><p>Am zweiten Tag hatte ich mehr Gl�ck; ich schlug mein Lager in einer grasbestandenen Ebene auf, die hier und dort mit Ka -la -na-B�umen bestanden war. In der Nacht war ich �ber Kornfelder dahingeflogen, die silbriggelb im Licht der drei Monde schimmerten. Ich richtete mich w�hrend meines Fluges nach der schimmernden Nadel des Gor-Kompasses, die stets auf das Sardargebirge gerichtet war, die Festung der Priesterk�nige. Manchmal lenkte ich meinen Tarn auch nach den Sternen � die gleichen Fixsterne, die ich schon aus anderem Winkel von den Bergen in New Hampshire aus gesehen hatte. Am dritten Tag lagerte ich in dem Sumpfwald, der die Stadt Ar im Norden begrenzt. Ich hatte mir diese Gegend ausgesucht, weil sie in unmittelbarer N�he Ars am wenigstens bewohnt ist. In der letzten Nacht hatte ich zu viele Dorffeuer gesehen, und zweimal waren die Tarnpfeifen naher Patrouillen zu h�ren gewesen, die jeweils aus drei Kriegern bestanden. Ich dachte daran, das Projekt �berhaupt aufzugeben, mich als Deserteur aus der Gesellschaft selbst auszusto�en. Ich wollte diesem wahnsinnigen Plan entfliehen.</p><p>Aber eine Stunde vor Mitternacht des Tages, an dem das Pflanzfest der Sa-Tarna gefeiert wurde, stieg ich wieder in den Sattel meines Tarn, zog den ersten Z�gel und stieg �ber die dichtbelaubten B�ume des Sumpfwaldes auf. Im gleichen Augenblick h�rte ich den heiseren Schrei eines Patrouillenf�hrers: �Da ist er! Wir haben ihn!� Sie hatten meinen Tarn bei seinem Nahrungsflug verfolgt. Drei Krieger aus Ar n�herten sich nun aus verschiedenen Richtungen. Sie hatten offensichtlich nicht die Absicht, mich gefangen-</p><p>zunehmen, denn eine Sekunde nach dem Schrei zischte ein Armbrustbolzen �ber meinen Kopf dahin. Ehe ich mich sammeln konnte, materialisierte sich ein dunkler gefl�gelter Schatten vor mir, und im Licht der drei Monde erblickte ich einen Krieger auf einem Tarn, der mit einem Speer nach mir hieb.</p><p>Er h�tte sein Ziel sicher gefunden, wenn mein Tarn in diesem Augenblick nicht heftig nach links ausgewichen w�re, wobei er fast mit einem zweiten Tarn und seinem Reiter zusammenstie�. Dieser feuerte einen Bolzen ab, der mit lautem Ger�usch in meine Satteltasche klatschte. Der dritte Krieger n�herte sich von hinten. Ich wandte mich um, hob den Tarnstab, der um mein Handgelenk geschnallt war, und versuchte seine Klinge abzuwehren. Schwert und Tarnstab trafen klirrend aufeinander, und ein Schauer gelber Funken spr�hte in alle Richtungen. Irgendwie mu�te ich den Stab eingeschaltet haben. Mein Tarn und der des Angreifers wichen instinktiv vor dem Blitz zur�ck, und ich hatte mir unbeabsichtigt eine kleine Atempause verschafft. Hastig l�ste ich meinen Bogen aus der Schlinge, setzte einen Pfeil auf und ri� meinen Tarn in eine pl�tzliche Wende. Der erste meiner Verfolger hatte mit diesem Man�ver vermutlich nicht gerechnet, sondern sich auf eine Jagd eingestellt. Als ich ihn passierte, sah ich seine aufgerissenen Augen in dem �Y� seines Helms, als er erkannte, da� ich auf diese kurze Entfernung mein Ziel unm�glich verfehlen konnte. Ich sah, wie er pl�tzlich im Sattel erstarrte, und bekam noch mit, da� sein Tarn kreischend davonflatterte.</p><p>Jetzt warteten die beiden anderen M�nner der Patrouille auf eine Gelegenheit zum Angriff. Sie schwebten heran, etwa f�nf Meter voneinander entfernt, und versuchten mich in die Zange zu nehmen. Sie gedachten die Fl�gel meines Tarn in die H�he zu heben und den Augenblick meiner Hilflosigkeit auszunutzen. Mir blieb keine Zeit zum �berlegen, doch pl�tzlich merkte ich, da� ich das Schwert gezogen und den Tarnstab in den G�rtel geschoben hatte. Als wir in der Luft zusammenstie�en, zog ich heftig am ersten Z�gel und brachte die stahlbewehrte n Krallen meines Kampftarn ins Spiel. Und bis zum heutigen Tage bin ich den Tarnz�chtern von Ko-ro-ba dankbar f�r das sorgf�ltige Training meines gro�en Vogels. Vielleicht sollte ich auch den Kampfgeist des gefiederten Riesen loben, meines Kampftarn, den der �ltere Tarl den Tarn aller Tarns genannt hatte. Schnabel und</p><p>Krallen zuckten vor, und mit ohrenbet�ubendem Kreischen st�rzte sich mein Tarn auf die beiden anderen V�gel.</p><p>Ich kreuzte die Klinge mit dem n�chsten der beiden Krieger; der Kampf konnte nur wenige Sekunden gedauert haben. Ich merkte pl�tzlich wie aus weiter Ferne, da� einer der feindlichen Tarns, heftig mit den Fl�geln schlagend, zu Boden ging. Der andere Krieger zog seinen Tarn herum, als wollte er einen neuen Angriff beginnen, doch dann schien ihm pl�tzlich bewu�t zu werden, da� es jetzt seine Pflicht war, Alarm zu geben. Er stie� einen w�tenden Schrei aus, wendete sein Tier erneut und raste auf die Lichter der Stadt zu.</p><p>Er glaubte sicher, da� er mir entkommen konnte, aber ich kannte meinen Tarn. Ich gab ihm die Z�gel frei und feuerte ihn an. Als wir uns dem fliehenden Krieger n�herten, legte ich einen zweiten Pfeil auf die Sehne. Ich wollte den Mann nicht umbringen, sondern zielte auf den Fl�gel seines Tarn. Der Vogel fuhr herum und begann sich um den verletzten Fl�gel zu k�mmern. Der Krieger vermochte das Tier nicht mehr zu lenken, und ich sah, wie der Tarn mit ungeschickten Bewegungen langsam zu Boden kreiselte.</p><p>Ich zog wieder am ersten Z�gel, und als wir eine ausreichende H�he erreicht hatten, schlugen wir wieder die Richtung nach Ar ein. Ich wollte �ber die gew�hnlichen Patrouillen hinwegfliegen. Als ich mich der Stadt n�herte, beugte ich mich �ber den Hals des Tarns und hoffte, da� mein Tier f�r einen wilden Tarn gehalten wurde, der hoch �ber der Stadt dahinflog.</p><p>Die Stadt Ar mu�te aus �ber hunderttausend Zylindern bestehen, die mit den Lichtern des Pflanzfestes geschm�ckt waren. Ich gestand mir gern ein, da� Ar die gr��te Stadt des bekannten Gor war. Sie war gro�artig und sch�n, ein w�rdiger Rahmen f�r das Juwel des Imperiums � ein Juwel, das dem Ubar, dem siegreichen Marlenus, zur Versuchung geworden war. Und irgendwo dort unten in der gewaltigen Helligkeit lag ein unscheinbarer Stein, der Heimstein dieser gro�en Stadt, und ich mu�te ihn an mich bringen.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Es bereitete mir keine M�he, den gr��ten Zylinder Ars auszumachen, das Geb�ude des Ubar Marlenus. Als ich n�her herankam, sah ich, da� auf allen Br�cken ein lebhaftes Treiben herrschte; viele der Feiernden mochten bereits vom Paga berauscht sein. Zwischen den Zylindern flogen Tarnk�mpfer dahin und genossen offenbar Freiheiten des Festes, flogen miteinander um die Wette, veranstalteten spielerische K�mpfe, ritten Attacken gegen die Br�cken und zogen ihre Tiere nur Zentimeter �ber den K�pfen der erschreckten Passanten hin. K�hn senkte ich meinen Tarn herab, steuerte ihn mitten Zwischen die Zylinder, einer von vielen wilden Tarnk�mpfern der Stadt. Ich lie� mein Tier auf einer der Stahlstangen landen, die hier und da aus den Zylindern ragten und die f�r die Tarns bestimmt sind. Der gro�e Vogel hob und senkte vorsichtig die Fl�gel, und seine stahl bewehrten Krallen schurrten �ber die Stange. Endlich war er im Gleichgewicht, faltete seine Fl�gel unter und blieb still sitzen, reglos bis auf die wachsamen Bewegungen des gro�en Kopfes und das Blitzen der b�sen Augen, die die Menschenstr�me auf den nahegelegenen Br�cken betrachteten. Mein Herz begann wild zu schlagen, und ich �berlegte, wie leicht es noch war, aus Ar zu fliehen. Einmal flog ein betrunkener Krieger ohne Helm vorbei und wollte ebenfalls auf meiner Stange landen � ein wilder Tarnsmann von niedrigem Rang, der es auf einen Kampf abgesehen hatte. Ihm Platz zu machen, war unm�glich, denn das h�tte sofort Mi�trauen erweckt. Auf Gor gibt es nur eine ehrenvolle Antwort auf eine Herausforderung � sie sofort anzunehmen.</p><p>�Die Priesterk�nige m�gen deine Knochen zerstreuen!� rief ich und f�gte hinzu: �Und du sollst dich von den Exkrementen der Tharlarions ern�hren!� Meine zweite Bemerkung, die sich auf die geha�ten Reittiere der niedrigen Clans bezog, schien dem Mann besonderen Spa� zu machen.</p><p>�M�ge dein Tarn seine Federn verlieren!� dr�hnte er, klatschte sich auf die Schenkel und landete seinen Tarn auf meiner Stange. Dann beugte er sich her�ber und warf mir einen Beutel mit Paga her�ber. Ich trank davon und warf ihm den Wein ver�chtlich zur�ck. Im n�chsten Augenblick war er wieder in der Luft und schmetterte irgendein Lied heraus.</p><p>Wie die meisten Kompasse auf Gor, so enthielt auch der meine ein Chronometer. Ich drehte das Ger�t herum, dr�ckte auf den Hebel, der den r�ckw�rtigen Deckel �ffnete, und warf einen Blick auf die Zeiger. Es war zwei Minuten nach der zwanzigsten Stunde! Vergessen war jeder Gedanke an Desertation. Abrupt startete ich meinen Tarn und steuerte auf den Turm des Ubar zu.</p><p>Sekunden sp�ter tauchte das Geb�ude unter mir auf. Ich lenkte den Tarn sofort hinab, denn ohne guten Grund darf man nicht in die N�he dieses Turmes kommen. Im Anflug erblickte ich das gro�e runde Dach des Zylinders. Es schien von unten beleuchtet � ein bl�ulicher S   chimmer. In der Mitte des Kreises erhob sich eine niedrige runde Plattform, etwa drei Meter im Durchmesser, durch vier flache Stufen abgesetzt. Auf der Plattform stand eine einsame, dunkelgekleidete Gestalt. Als mein Tarn auf der Plattform landete und ich herabsprang, h�rte ich ein M�dchen schreien.</p><p>Ich st�rzte zur Mitte der Plattform und zerbrach dabei unter meinem Fu� einen kleinen Korb mit Korn und stie� einen Ka-la-na-Beh�lter aus dem Weg, der seine rote Fl�ssigkeit �ber die Steinfl�che ergo�. Ich warf mich auf den Stapel von Steinen in der Mitte der Plattform; die Schreie des M�dchen gellten mir im Ohr. Ganz in der N�he waren die Rufe von M�nnern und das Klirren von Waffen zu h�ren. Krieger hasteten die Treppe zum Dach herauf. Welches war der Heimstein? Ich stie� die Steine zur Seite. Einer mu�te der Heimstein Ars sein � aber welcher? Wie konnte ich ihn von all den anderen Steinen unterscheiden � von den Heimsteinen der St�dte, die unter Ars Macht standen? Ja! Es mu�te der Stein sein, der voller Ka -la -na war, der Stein, an dem die kleinen K�rner hafteten! Hastig betastete ich die Steine, doch mehrere waren feucht und mit Sa-Tarna �bers�t. Ich sp�rte, da� die vermummte Gestalt mich zur�ckzerrte, da� sie versuchte, ihre Fingern�gel in meine Schultern und me inen Hals zu graben. Ich schwang herum und stie� sie zur�ck. Sie fiel auf die Knie und kroch pl�tzlich zu einem der Steine, packte ihn und wollte die Flucht ergreifen. Ein Speer klapperte neben mir �ber die Plattform. Die W�chter waren auf dem Dach!</p><p>Ich sprang hinter der vermummten Gestalt her, ergriff sie, wirbelte sie herum und entri� ihr den Stein, den sie trug. Sie schlug nach mir und verfolgte mich zu dem Tarn, der erregt seine Fl�gel sch�ttelte und das Dach des Zylinders verlassen wollte. Ich sprang hoch, griff nach dem Sattelring. Im n�chsten Augenblick sa� ich im Sattel und zerrte heftig am ersten Z�gel. Die vermummte Gestalt versuchte die Sattelleiter zu erklimmen, wurde jedoch durch das Gewicht ihrer bestickten Roben behindert. Ich fluchte, als ein Pfeil meine Schulter streifte. Im gleichen Augenblick breiteten sich die gewaltigen Fl�gel des Tarn aus, und das Ungeheuer erhob sich in die Luft. Er schwebte davon, und das Surren der Pfeile klang mir in den Ohren, dazu die Schreie der aufgebrachten M�nner und der lange, durchdringende Entsetzensschrei eines M�dchens.</p><p>Ich blickte verbl�fft nach unten. Die vermummte Gestalt klammerte sich noch immer verzweifelt an der Sattelleiter fest. Sie pendelte frei unter dem Tarn hin und her, w�hrend die Lichter Ars schnell unter uns zur�ckblieben. Ich zog mein Schwert aus der Scheide, um die Leiter abzutrennen, doch dann hielt ich inne und stie� die Klinge �rgerlich wieder zur�ck. Ich konnte mir das zus�tzliche Gewicht nicht erlauben, doch ich brachte es auch nicht �ber das Herz, das M�dchen in den Tod zu schicken.</p><p>Ich fluchte, als unten das wilde Konzert von Tarnpfeifen h�rbar wurde. In der heutigen Nacht war bestimmt jeder Tarnk�mpfer Ars unterwegs. Ich passierte die letzten Zylinder der Stadt und fand mich frei in der goreanischen Nacht, auf dem Wege nach Ko-ro-ba. Ich steckte den Heimstein in die Satteltasche, verriegelte sie und griff dann nach unten, um die Sattelleiter einzuziehen.</p><p>Das M�dchen wimmerte entsetzt, und ihre Muskeln und Finger schienen vor K�lte erstarrt.</p><p>Als ich sie l�ngst vor mir in den Sattel gezogen und sicher am Ring festgeschnallt hatte, mu�te ich ihre Finger gewaltsam von der Leitersprosse l�sen. Ich faltete die Leiter zusammen und befestigte sie an der Seite des Sattels. Das M�dchen tat mir leid. Eine hilflose Figur in den ehrgeizigen politischen Pl�nen ihres Vaters. Die leisen Angstlaute, die sie ausstie�, r�hrten mich.</p><p>�Hab keine Angst�, sagte ich. �Ich werde dir nichts tun. Wenn wir �ber dem Sumpf hinaus sind, setzte ich dich an irgendeiner Stra�e ab.� Ich wollte sie beruhigen. �Morgen fr�h bist du wieder in Ar.� Hilflos stammelte sie ein unverst�ndliches Wort des Dankes, drehte sich herum und legte die Arme um mich, wie um Schutz zu suchen. Ich sp�rte sie zittern, sp�rte ihren unschuldigen K�rper, und dann schlo� sie pl�tzlich die Arme um meine H�ften und stemmte mich mit einem Wutschrei aus dem Sattel. Als ich zu fallen begann, machte ich mir klar, da� ich bei der wilden Flucht meinen eigenen Sattelgurt nicht festgezogen hatte. Meine H�nde versuchten zuzupacken, griffen ins Leere. Ich st�rzte kopf�ber ins Nichts.</p><p>Einen Sekundenbruchteil lang h�rte ich ihr triumphierendes Gel�chter, das sich schnell im Wind verlor. Ich sp�rte, wie sich mein K�rper beim Sturz in Erwartung des Aufpralls versteifte. Ich fragte mich wohl auch, ob ich Schmerz versp�ren w�rde, und kam zu dem Schlu�, da� das wohl der Fall sein mu�te. Absurderweise versuchte ich meinen K�rper zu lockern und entspannte die Muskeln, als ob das noch einen Unterschied machen w�rde. Ich wartete auf den Aufprall, war mir des Schmerzes bewu�t, als ich durch �ste raste und schlie�lich in einer weichen, nachgebenden Substanz untertauchte. Ich verlor das Bewu�tsein. Als ich die Augen �ffnete, haftete mein K�rper an einem weitreichenden Netzwerk aus breiten elastischen Bahnen, die eine seltsame Struktur bildeten, etwa ein Pasang im Durchmesser, durch das in unregelm��igen Abst�nden die gewaltigen B�ume des Sumpfwaldes ragten. Ich sp�rte das seltsame Gewebe zittern und versuchte aufzustehen. Doch das war unm�glich. Ich klebte an der Substanz, aus der das gewaltige Netz bestand. Von links n�herte sich mit einer f�r ihre Gr��e erstaunlichen Geschwindigkeit eine der Sumpfspinnen Gors. Ich richtete meine Augen auf den blauen Himmel und w�re am liebsten im Sumpf versunken. Ich erschauerte, als das Ungeheuer neben mir verhielt, und ich sp�rte die leichte Ber�hrung seiner Vorderbeine, ahnte die tastende Ber�hrung der empfindlichen Haare. Ich sah auf, und das Tier starrte mich mit seinen acht schimmernden Knopfaugen an -fragend, wie mir schien. Dann h�rte ich zu meinem Erstaunen eine mechanisch erzeugte Stimme fragen: �Wer bist du?� Ich begann zu zittern, glaubte ich doch, da� mich meine Sinne schlie�lich doch im Stich gelassen h�tten. Gleich darauf wiederholte die Stimme ihre Frage mit erh�hter Lautst�rke und f�gte hinzu: �Bist du aus der Stadt Ar?�</p><p>�Nein�, sagte ich und st�rzte mich kopf�ber in diese phantastische Halluzination. �Nein, ich komme nicht aus Ar, sondern aus der Freien Stadt Ko-ro-ba.�</p><p>Als ich das sagte, beugte sich das monstr�se Insekt neben mir nieder, und ich erblickte seine E�werkzeuge, scharf wie gebogene Messer. Ich st�hlte mich gegen den t�dlichen Zugriff dieser nat�rlichen Klingen. Statt dessen wurde Speichel oder eine �hnliche Ausscheidung rings um mich auf das Netz getr�ufelt, was sofort den Klebeeffekt beseitigte. Als ich wieder frei war, umfa�ten mich die E�werkzeuge, und ich wurde an den Rand des Netzes getragen, wo die Spinne eine herabh�ngende Liane ergriff und sich zu Boden gleiten lie�. Ich wurde abgesetzt. Das Tier wich dann auf seinen acht Beinen vor mir zur�ck, ohne den schimmernden Blick von mir zu nehmen.</p><p>Wieder h�rte ich die mechanische Stimme. �Ich hei�e Nar und geh�re dem Spinnenvolk an.� Nun entdeckte ich auch das kleine Ger�t, das unten an dem K�rper befestigt war, eine �bersetzungsvorrichtung, wie ich sie auch schon in Ko-ro-ba gesehen hatte. Offensichtlich �bersetzte der Apparat Lautimpulse, die unterhalb meiner H�rbarkeitsschwelle lagen. Meine Antworten wurden bestimmt entsprechend umgewandelt. Eines der Insektenbeine drehte an einem Knopf. �Kannst du mich h�ren?� fragte das Tier. �Ja�, sagte ich. Das Insekt schien erleichtert zu sein. �Das freut mich�, sagte es. �Du hast mir das Leben gerettet�, sagte ich. �Vielen Dank!� �Mein Netz hat dir das Leben gerettet�, berichtigte mich das Insekt. Es schwieg einen Augenblick und sagte dann, als sp�rte es meine Besorgnis: �Ich werde dir nichts tun. Das Spinnenvolk f�gt einem intelligenten Wesen keinen Schaden zu.� �Daf�r bin ich dir dankbar�, sagte ich. Der n�chste Satz raubte mir den Atem. �Bist du der Mann, der den Heimstein Ars genommen hat?�</p><p>Ich antwortete erst nach einigem Z�gern und bejahte dann die Frage. Offensichtlich hatte das Wesen wenig f�r die Menschen Ars �brig. �Das freut mich zu h�ren�, sagte das Insekt. �Denn die Bewohner dieser Stadt behandeln unser Spinnenvolk nicht gut. Sie jagen uns und lassen uns nur am Leben, damit sie das Cur-lon-Garn bekommen, das dann in den Webereien Ars verarbeitet wird. Wenn sie keine intelligenten Wesen w�ren, w�rden wir sie bek�mpfen.�</p><p>�Woher wei�t du, da� der Heimstein Ars gestohlen wurde?� fragte ich.</p><p>�Diese Nachricht hat sich schnell verbreitet. Alle intelligenten Wesen verbreiten sie � ob sie nun kriechen, fliegen oder schwimmen. Dar�ber herrscht gro�e Freude auf Gor � allerdings nicht in Ar.�</p><p>�Ich habe den Heimstein wieder verloren�, sagte ich. �Ich wurde von einem M�dchen get�uscht, das vermutlich die Tochter des Ubar ist. Sie schleuderte mich von meinem Tarn, und ich wurde nur durch dein Netz gerettet. Ich m�chte vermuten, da� heute abend auch in Ar wieder Freude herrscht, wenn n�mlich die Tochter des Ubar den Heimstein zur�ckbringt.�</p><p>Wieder sprach die mechanische Stimme: �Wie kann es sein, da� die Tochter des Ubar den Heimstein zur�ckbringt, wenn du an deinem G�rtel den Tarnstab tr�gst?�</p><p>Ich war verbl�fft, da� mir das nicht selbst eingefallen war. Ich stellte mir das M�dchen auf dem R�cken des wilden Tarn vor, unge�bt im Umgang mit einem solchen Tier, ohne Tarnstab, mit dem sie sich gegen den Vogel verteidigen konnte. Ihre �berlebenschancen kamen mir pl�tzlich sehr gering vor, denn bald war Fressenszeit f�r den Tarn. Es war bestimmt schon seit einigen Stunden hell.</p><p>�Ich mu� nach Ko-ro-ba zur�ck�, sagte ich. �Ich habe meine Mission nicht erf�llt.�</p><p>�Wenn du einverstanden bist, bringe ich dich an den Rand des Sumpfes�, sagte das Insekt. Ich dankte ihm und wurde sanft auf den R�cken gehoben. Die Spinne bewegte sich nun schnell und geschickt durch den Sumpfwald.</p><p>Wir waren etwa eine Stunde unterwegs, als Nar pl�tzlich verharrte und die beiden Vorderbeine witternd in die Luft hob.</p><p>�Hier ist ein fleischfressender Tharlarion in der Nahe � ein wilder Tharlarion: Halt dich fest!�</p><p>Zum Gl�ck gehorchte ich sofort, denn schon raste Nar zu einem nahestehenden Sumpfbaum und hastete am Stamm empor. Einige Minuten sp�ter h�rte ich das hungrige Knurren eines wilden Tharlarion und gleich darauf den durchdringenden Entsetzensschrei eines M�dchens.</p><p>Von Nars R�cken aus konnte ich das Sumpfgebiet mit seinen Schilfinseln und Insektenschw�rmen �berblicken. In einer Schilfwand etwa f�nfzig Schritt entfernt tauchte schreiend und stolpernd eine Menschengestalt auf. Mit ausgestreckten Armen floh sie blindlings in den Sumpf. Im gleichen Augenblick erkannte ich die bestickte Robe, die nun schlammbespritzt und zerfetzt war � es war die Tochter des Ubar!</p><p>Kaum hatte das M�dchen die Lichtung erreicht und hastete durch das seichte gr�ne Wasser zu unseren F��en, als auch schon der furchterregende Kopf eines wilden Tharlarion im Schilf erschien. Die runden Augen schimmerten vor Erregung, das riesige Maul klaffte weit. Mit fast unvorstellbarer Geschwindigkeit zuckte eine lange braune Zuge aus diesem Maul und ringelte sich um die schlanke, hilflose Gestalt des M�dchens. Sie kreis chte hysterisch.</p><p>Ohne nachzudenken, kletterte ich von Nars R�cken, ergriff eine der langen, lianen�hnlichen Ranken, die wie Parasiten in den Sumpfb�umen leben. Eine Sekunde sp�ter landete ich am Fu�e des Baumes im Sumpfwasser und rannte mit erhobenem Schwe rt auf den Tharlarion zu. Ich st�rzte mich zwischen das gro�e Maul und das M�dchen und hieb mit schnellem Schwertschlag die braune Zunge durch. Ein ohrenbet�ubender Schmerzensschrei schrillte durch die schw�le Sumpfluft, und der Tharlarion erhob sich schmerzgepeinigt auf die Hinterpranken und zog mit h��lichem Ger�usch den Stumpf seiner Zunge in das Maul. Gleich darauf richteten sich seine b�sen Augen auf mich, das Maul, das nun mit farblosem Schleim gef�llt war, �ffnete sich und entbl��te scharfe Zahnreihen.</p><p>Das Ungeheuer ging zum Angriff �ber. Ich kniete nieder, und der gewaltige Kopf fuhr �ber mich dahin; im gleichen Augenblick stie� ich das Schwert heftig nach oben und lie� die Klinge tief in den dicken Hals sinken. Der Tharlarion wich einige Schritte zur�ck, langsam, unsicher. Der Zungenstumpf zischelte mehrmals aus dem Mund, als verst�nde das Wesen nicht, warum die Zunge nicht mehr vollst�ndig war. Der Tharlarion sank ein wenig tiefer in den Sumpf und schlo� halb die Augen. Da wu�te ich, da� der Kampf v        or�ber war. Das Wesen glitt langsam in den Schlamm, und ringsum r�hrte sich das Wasser, und ich ahnte, da� sich nun bereits die kleinen Wasserechsen des Sumpfes an ihre scheu�liche Arbeit machten. Ich b�ckte mich und wusch meine Schwertklinge ab. Vorsichtig</p><p>kehrte ich dann zum Stamm des Sumpfbaums zur�ck und erkletterte die kleine trockene Insel, die sich darum gebildet hatte. Ich sah mich um. Das M�dchen war geflohen. Das �rgerte mich etwas. Aber was hatte ich erwartet? Da� sie mir danken w�rde? Sie hatte mich zweifellos dem Tharlarion �berlassen und sich dar�ber gefreut, da� sich ihre Gegner nun gegenseitig vernichteten, w�hrend sie ungeschoren davonkam. Ich fragte mich, wie weit sie wohl in den Sumpf vordringen konnte, ehe ein zweiter Tharlarion ihre Spur aufnahm. Ich rief: �Nar!� und sah mich nach meinem Spinnenfreund um, doch auch er war verschwunden. Ersch�pft lehnte ich mich mit dem R�cken gegen den Baumstamm, ohne die Hand vom Schwertgriff zu nehmen. Angewidert beobachtete ich den K�rper des toten Tharlarion. Er hatte sich gewendet, und die ersten Knochen wurden sichtbar. Die kleinen Echsen waren wirklich schnell.</p><p>Ein Ger�usch ert�nte. Ich sprang kampfbereit auf. Doch es war nur die Spinne, die mit hastigen Bewegungen n�her kam. In ihren E�werkzeugen hielt sie die Tochter des Ubar Marlenus. Das M�dchen schlug mit ihren winzigen F�usten auf Nar ein. Die Spinne k�mmerte sich nicht darum und setzte sie vor mir ab, und ihre schimmernden Knopfaugen wirkten wie leere, ausdruckslose Monde an einem n�chtlichen Himmel.</p><p>�Dies ist die Tochter des Ubar Marlenus�, sagte Nar und f�gte ironisch hinzu: �Sie hat leider vergessen, dir f�r die Rettung ihres Lebens zu danken � was f�r ein intelligentes Wesen doch einigerma�en seltsam ist, nicht wahr?�</p><p>�Schweig, Insekt!� sagte die Tochter des Ubar flehend. Sie schien sich vor Nar nicht zu f�rchten � vielleicht weil die Bewohner Ars mit dem Spinnenvolk vertraut waren. Allerdings konnte kein Zweifel bestehen, da� ihr die Ber�hrung der E�werkzeuge zuwider war. Ich betrachtete sie, die nun wirklich keinen sch�nen Anblick mehr bot. Ihre schweren Roben waren schlammbespritzt, und an mehreren Stellen war der schwere Brokat gebrochen. Es mochte Stunden gedauert haben, sie f�r das Fest herauszuputzen. Durch den schmalen Schlitz der Schleier blitzten mich ihre Augen w�tend an. Ich bemerkte, da� sie gr�nlich waren, die Augen einer Herrscherstochter, wild, ungez�hmt, gewohnt zu befehlen. Es wurde mir auch zu meinem Mi�vergn�gen bewu�t, da� die Tochter des</p><p>Ubar mehrere Zentimeter gr��er war als ich; es war fast, als stimmten ihre K�rperproportionen nicht.</p><p>�Du l��t mich sofort frei�, verk�ndete sie, �und schickst das eklige Insekt fort.�</p><p>�Spinnen sind eigentlich bemerkenswert saubere Insekten�, sagte ich mit einem bezeichnenden Blick auf ihre verdreckten Roben.</p><p>Sie zuckte die Achseln.</p><p>�Wo ist der Tarn?� fragte ich.</p><p>�Du solltest lieber fragen, wo der Heimstein Ars ist�, erwiderte sie.</p><p>�Wo ist der Tarn?� wiederholte ich. Mein Tier interessierte mich in diesem Augenblick mehr als das l�cherliche St�ck Stein, f�r das ich mein Leben riskiert hatte.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte sie. �Es ist mir auch egal.�</p><p>�Was ist geschehen?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich w�nsche nicht, da� dieses Verh�r fortgesetzt wird�, verk�ndete sie.</p><p>W�tend ballte ich die F�uste.</p><p>Sanft schl�ssen sich die E�werkzeuge Nars um den Hals des M�dchens. Angst �berkam sie mit pl�tzlichem Zittern. �Es soll aufh�ren!� keuchte sie und wand sich in dem erbarmungslosen Griff.</p><p>Ihre Finger versuchten die harten Zangen vergeblich zur Seite zu schieben.</p><p>�M�chtest du ihren Kopf?� fragte die mechanische Stimme des Insekts.</p><p>Ich wu�te, da� das Insekt keinem intelligenten Wesen weh tun konnte � also mu�te es einen Plan verfolgen. Deshalb sagte ich: �Ja.� Die beiden Klingen begannen sich unbarmherzig wie eine gigantische Schere um den Hals des M�dchens zu schlie�en.</p><p>�Halt!� schrie sie. �Ich habe versucht, den Tarn nach Ar zur�ckzulenken. Aber ich habe noch nie einen geritten und hatte keinen Tarnstab!�</p><p>Ich machte eine Handbewegung, und Nar zog seine Esswerkzeuge zur�ck.</p><p>�Wir waren irgendwo �ber dem Sumpfwald�, fuhr das M�dchen fort, �als wir einem Schw�rm wilder Tarns begegneten. Mein Tarn griff den F�hrer des Schwarms an.�</p><p>Sie erschauderte bei dem Gedanken, und ich hatte Mitleid mit ihr. Hilflos an den Sattel eines Riesentarns geschnallt, der sich in einen Kampf auf Leben und Tod einl��t � das mu�te ein schreckliches Erlebnis gewesen sein.</p><p>�Mein Tarn brachte den anderen Vogel um�, fuhr das M�dchen fort, �und folgte ihm zu Boden, wo er seinen Gegner in St�cke ri�.� Sie zitterte. �Ich l�ste den Sattelgurt und versteckte mich zwischen den B�umen. Nach einigen Minuten flog dein Tarn wieder davon, Schnabel und Krallen waren voller Blut und Federn. Zuletzt sah ich ihn, wie er die F�hrung des Schwarms �bernahm.�</p><p>Und damit war jede Hoffnung dahin, dachte ich. Der Tarn war wieder wild geworden. Seine Instinkte hatten �ber die Tarnpfeife und die Erinnerung an die Menschen triumphiert. �Und der Heimstein Ars?� fragte ich.</p><p>�In der Satteltasche�, best�tigte sie meine Bef�rchtung. Ich hatte die Tasche verschlossen, die fest mit dem Sattel verbunden war. Ihre Stimme hatte bedr�ckt geklungen, und ich sp�rte ihre Scham, da� sie den Heimstein nicht an sich gebracht hatte. Der Tarn war nun fortgeflogen, seine wilde Natur hatte die Oberhand gewonnen, der Heimstein war in der Satteltasche. Ich hatte versagt, die Tochter des Ubar hatte versagt, und so standen wir einander nun gegen�ber auf der gr�nen Lichtung im Sumpfwald Ars.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Das M�dchen richtete sich stolz auf � was bei ihrer Aufmachung etwas l�cherlich wirkte. Sie wich vor Nar zur�ck, und ihre Augen blitzten mich durch die schmale �ffnung ihres Schleiers an. �Es war der Tochter des Ubar eine Freude�, sagte sie, �dir und deinem achtbeinigen Bruder vom Verbleib deines Tarn und des Heimsteins zu berichten. Ihr werdet mich jetzt sofort freilassen!� �Du bist frei�, sagte ich. Sie starrte mich verbl�fft an und wich weiter zur�ck, wobei sie Nar besonders im Auge behielt. Ihr Blick war auf mein Schwert gerichtet, als erwartete sie von mir niedergeschlagen zu werden, wenn sie mir den R�cken kehrte.</p><p>�Es ist gut�, sagte sie schlie�lich, �da� du meinem Befehl gehorchst. Vielleicht wird dir deswegen ein leichter Tod gew�hrt.�</p><p>�Wer k�nnte der Tochter des Ubar etwas abschlagen?� fragte ich und f�gte boshaft hinzu: �Viel Gl�ck im Sumpf.�</p><p>Sie blieb stehen und erschauderte. Ich wandte mich ab, legte meine Hand auf ein Vorderbein Nars � sehr sanft, um seine empfindlichen H�rchen nicht zu verletzen.</p><p>�Nun, mein Bruder�, sagte ich und dachte an die Beleidigung des M�dchens, �setzen wir unsere Reise fort?� Ich wollte Nar zu verstehen geben, da� nicht alle Menschen so �ber das Spinnenvolk dachten wie die Bewohner Ars.</p><p>�Ja, mein Bruder�, erwiderte die mechanische Stimme. Und tats�chlich w�re ich lieber ein Bruder dieses sanften, intelligenten Monstrums gewesen als der Freund mancher Barbaren, die mir schon hier auf Gor begegnet waren. Vielleicht war es sogar eine Ehre, da� er mich als seinen Bruder bezeichnet hatte.</p><p>Ich stieg auf Nars R�cken, und wir setzten uns in Bewegung.</p><p>�Wartet!� rief die Tochter des Ubar. �Ihr k�nnt mich nicht hier allein lassen!� Sie stolperte von dem Grash�gel und fiel ins Wasser. Sie kniete in der gr�nen Fl�ssigkeit und hob flehend die H�nde, als w�rde sie sich pl�tzlich ihrer entsetzlichen Lage bewu�t. Es war kein sch�nes Schicksal, im Sumpfwald allein gelassen zu werden. �Nehmt mich mit�, sagte sie.</p><p>�Warte�, sagte ich zu Nar, und die Riesenspinne blieb stehen.</p><p>Das M�dchen versuchte aufzustehen, doch eines ihrer Beine schien pl�tzlich viel l�nger zu sein als das andere. Wieder stolperte sie und st�rzte. Sie fluchte wie ein Tarnsmann. Ich lachte und glitt von Nars R�cken. Ich watete zu ihr und trug sie auf den kleinen H�gel zur�ck. F�r ihre Gr��e war sie �berraschend leicht.</p><p>Ich hatte sie kaum in die Arme genommen, als sie wild nach mir schlug.</p><p>�Wie kannst du es wagen, die Tochter eines Ubars anzufassen!� rief sie.</p><p>Ich zuckte die Achseln und lie� sie ins Wasser fallen. W�tend rappelte sie sich auf und humpelte zu dem Baum. Ich folgte ihr und untersuchte das Bein. Ein gewaltiger Schuh hatte sich von ihrem kleinen Fu� gel�st und hing lose herab. Die Sohle war etwa zwanzig Zentimeter dick. Ich lachte. Endlich hatte ich eine Erkl�rung f�r die unglaubliche Gr��e des M�dchens gefunden.</p><p>�Der Schuh ist kaputt�, sagte ich. �Tut mir leid.�</p><p>Sie versuchte aufzustehen, aber es gelang ihr nicht. Ich l�ste auch den anderen Schuh. �Kein Wunder, da� du kaum gehen kannst�, sagte ich. �Warum tr�gst du die dummen Dinger?�</p><p>�Die Tochter eines Ubar mu� auf ihre Untertanen herabsehen�, war die Antwort.</p><p>Als sie sich jetzt aufrichtete, reichte sie mir kaum bis zum Kinn. W�tend hielt sie den Blick gesenkt. Die Tochter eines Ubar schaute zu niemandem auf.</p><p>�Ich befehle dir, mich zu besch�tzen�, sagte sie.</p><p>�Ich nehme von der Tochter des Ubar von Ar keine Befehle entgegen�, sagte ich.</p><p>�Du mu�t mich mitnehmen�, sagte sie.</p><p>�Warum?� fragte ich. Nach den rauhen Sitten des Landes schuldete ich ihr nichts � eher war es anders herum. Nach ihrem Versuch, mich umzubringen, der nur durch Nars Netz fehlgeschlagen war, hatte ich eigentlich das Recht, sie zu t�ten und ihren K�rper den Wasserechsen zu �berlassen. Nat�rlich vermochte ich diese Dinge nicht vom goreanischen Standpunkt aus zu sehen, aber das wu�te sie nat�rlich nicht. Wie konnte sie auch ahnen, da� ich sie nicht so behandeln w�rde, wie sie es nach der rauhen Justiz Gors verdient hatte?</p><p>�Du mu�t mich besch�tzen�, sagte sie. Ein flehender Unterton lag in ihrer Stimme.</p><p>�Warum?� fragte ich w�tend.</p><p>�Weil ich deine Hilfe brauche�, sagte sie. Dann schnappte sie aufgebracht: �Das h�tte ich nicht sagen m�ssen!� Sie hatte den Kopf gehoben und schaute mir einen Augenblick lang in die Augen. Wutzitternd senkte sie den Kopf wieder.</p><p>�Bittest du mich um diesen Gefallen?� fragte ich.</p><p>Pl�tzlich wirkte sie seltsam unterw�rfig.</p><p>�Ja�, sagte sie. �Fremder, ich, die Tochter des Ubar von Ar, bitte dich um deinen Schutz.�</p><p>�Du hast mich umbringen wollen�, antwortete ich. �Wie kann ich wissen, da� du nicht mein Feind bist?�</p><p>Ein langes Schweigen trat ein.</p><p>�Ich wei�, worauf du jetzt wartest�, sagte die Tochter des Ubar ruhig � unnat�rlich ruhig, wie mir scheinen wollte. Ich verstand sie nicht. Warum z�gerte ich? Zu meiner Verbl�ffung kniete die Tochter des Ubar Marlenus vor mir, einem einfachen Krieger aus Ko-ro-ba, nieder, senkte den Kopf und hob die Arme, die Handgelenke �ber Kreuz.</p><p>Es war die gleiche einfache Geste, die Sana im Zimmer meines Vaters gemacht hatte � die Unterwerfung einer gefangenen Frau. Ohne den Blick zu heben, sagte die Tochter des Ubar mit klarer Stimme: �Ich unterwerfe mich.�</p><p>Sp�ter w�nschte ich mir, ich h�tte eine Schnur gehabt, um ihre unschuldig gehobenen Handgelenke zu fesseln. Einen Augenblick lang war ich sprachlos, doch dann erinnerte ich mich an die goreanische Regel, nach der ich verpflichtet war, entweder die Unterwerfung anzunehmen oder meinen Gefangenen zu t�ten. Ich nahm ihre H�nde und sagte: �Ich nehme deine Unterwerfung an.� Dann zog ich sie sanft hoch.</p><p>Ich f�hrte sie an der Hand zu Nar, half ihr auf den schimmernden, haarigen R�cken der Spinne und folgte ihr. Wortlos setzte sich Nar in Bewegung. Die acht schmalen Insektenf��e schienen kaum in das gr�ne Wasser zu tauchen. Einmal geriet Nar in Treibsand, und ihr R�cken kr�mmte sich pl�tzlich. Ich hielt die Tochter des Ubar fest umschlungen, w�hrend sich das Insekt wieder aufrichtete, eine Sekunde im Schlamm schwamm und sich dann mit wirbelnden Beinen befreite.</p><p>Nach etwa einer Stunde hielt Nar an und hob eines der Vorderbeine. In einer Entfernung von etwa drei Pasangs waren gr�ne Wiesen und Sa-Tarna-Felder zu erkennen. Die mechanische Stimme sagte: �Ich m�chte mich dem festen Land nicht weiter n�hern. Dort ist es gef�hrlich f�r das Spinnenvolk.�</p><p>Ich glitt zu Boden und half der Tochter des Ubar herab. Nebeneinander standen wir in dem seichten Wasser. Ich legte meine Hand flach auf Nars groteskes Gesicht, und das Monster schlo� mit kurzem Druck seine E�werkzeuge um meinen Arm. �Lebt wohl�, sagte Nar.</p><p>Ich erwiderte diesen Gru� und w�nschte ihm und seinem Volk alles Gute.</p><p>Das Insekt legte mir seine Vorderbeine auf die Schultern. �Ich frage dich nicht nach deinem Namen, Krieger�, sagte es. �Auch werde ich den Namen deiner Heimatstadt vor der Unterworfenen nicht wiederholen, aber du sollst wissen, da� das Spinnenvolk deiner und deiner Stadt in Ehren gedenkt.�</p><p>Noch einmal klang die mechanische Stimme auf: �Nimm dich vor der Tochter des Ubar in acht.�</p><p>�Sie hat sich unterworfen�, erwiderte ich, zuversichtlich, da� sich das M�dchen an die Regeln halten w�rde.</p><p>Als Nar im Sumpf verschwand, winkte ich ihm nach. Gleich darauf war mein grotesker Freund nicht mehr zu sehen. �Gehen wir�, sagte ich zu dem M�dchen und schlug die Richtung zu den Sa-Tarna-Feldern ein. Die Tochter des Ubar folgte einige Meter hinter mir.</p><p>Wir waren etwa zwanzig Minuten lang durch den Sumpf gewatet, als das M�dchen pl�tzlich aufschrie. Ich fuhr herum. Sie war bis zur H�fte im Brackwasser versunken � ein Treibsandloch! Sie schrie hysterisch. Vorsichtig versuchte ich mich ihr zu n�hern, doch der Boden unter meinen F��en wurde weich. Ich versuchte sie mit meinem Schwertg�rtel zu erreichen � er war zu kurz. Der Tarnstab, der im G�rtel gesteckt hatte, fiel ins Wasser und ging unter.</p><p>Das M�dchen sank immer tiefer in das Wasser, und bald waren nur noch Kopf und Schultern zu sehen. Sie schrie unbeherrscht; angesichts des f�rchterlichen Todes hatte sie jede Beherrschung verloren. �Nicht bewegen!� schrie ich. Aber sie zuckte hysterisch und w�hlte wie ein wildgewordenes Tier. �Der Schleier!� schrie ich. �Mach ihn los! Wirf ihn her!� Ihre Finger versuchten an dem Schleier zu ziehen, doch in ihrem Entsetzen vermochte sie ihn nicht mehr rechtzeitig zu l�sen. Dann erreichte der Schlamm ihre weit aufgerissenen Augen, und ihr Kopf verschwand in dem gr�nlichen Wasser, ihre H�nde schwenkten verzweifelt durch die Luft.</p><p>Hastig sah ich mich um und erblickte einen halb untergetauchten Baumstamm. Ohne mich um die m�glichen Gefahren zu k�mmern, hastete ich zu dem Holz und zog mit aller Kraft daran. Wahrscheinlich waren es nur Sekunden, aber es schien mir Stunden zu dauern, bis der Stamm nachgab und aus dem Schlamm freikam. Ich schob ihn hastig auf die Stelle zu, an der die Tochter des Ubar untergegangen war. Ich klammerte mich an dem Stamm fest, paddelte in dem flachen Wasser �ber dem Treibsand dahin und griff immer wieder in die gr�nliche Br�he. Endlich ber�hrten meine Finger etwas � das Handgelenk des M�dchens -, und ich zog sie langsam aus dem Sand. Mein Herz machte einen Freudensprung, als ich ihr Wimmern h�rte, als ihre Lungen die feuchte, belebende Luft ansaugten. Ich schob den Stamm zur�ck, nahm das M�dchen auf und trug sie zu einer grasbewachsenen festen Landzunge am Rande des Sumpfes.</p><p>Ich setzte sie im Gras ab. Etwa hundert Meter weiter begann ein gelbes Sa-Tarna-Feld und ein buntes Dickicht aus Ka-la -na-B�umen. Ersch�pft lie� ich mich neben dem M�dchen nieder und l�chelte vor mich hin. Die stolze Tochter des Ubar in all ihren Festgew�ndern stank zum Himmel nach Sumpf und Angstschwei�.</p><p>�Du hast mir wieder das Leben gerettet�, sagte die Tochter des Ubar.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Sind wir jetzt aus dem Sumpf heraus?� fragte sie.</p><p>Ich nickte erneut.</p><p>Das schien ihr zu gefallen. Mit einer Bewegung, die so gar nicht zu ihrer feierlichen Aufmachung pa�te, legte sie sich zur�ck und schaute zum Himmel auf. Zweifellos war sie ebenso abgespannt wie ich. Au�erdem war sie ein M�dchen. Ich sp�rte Mitleid.</p><p>�Bitte�, sagte sie.</p><p>�Was m�chtest du?� fragte ich.</p><p>�Ich habe Hunger�, sagte sie.</p><p>�Ich auch�, lachte ich. �Dort dr�ben sind Ka-la-na-B�ume. Warte hier; ich hole einige Fr�chte.�</p><p>�Nein, ich komme mit � wenn du gestattest�, sagte sie.</p><p>Die pl�tzliche Unterw�rfigkeit �berraschte mich, doch ich dachte an ihre Gesten im Sumpf.</p><p>�Aber nat�rlich freue ich mich �ber deine Gesellschaft.�</p><p>Ich nahm ihren Arm, doch sie wich zur�ck. �Da ich mich unterworfen habe�, sagte sie, �mu� ich dir folgen.�</p><p>�Das ist Unsinn�, sagte ich. �Geh neben mir.�</p><p>Aber sie senkte scheu den Kopf. �Das ist nicht gestattet.�</p><p>�Wie du willst�, sagte ich lachend und setzte mich in Bewegung. Sie folgte mir eingesch�chtert, wie ich meinte.</p><p>Wir hatten die Ka-la-na-B�ume fast erreicht, als ich das leichte Rascheln von Brokat hinter mir vernahm. Ich wandte mich um � gerade noch rechtzeitig! Mit hastiger Bewegung vermochte ich ihre Hand zu ergreifen, die einen langen, schmalen Dolch umklammert hielt. Sie br�llte w�tend auf, als ich ihr die Waffe abnahm.</p><p>�Du Tier!� schrie ich aufgebracht. �Du schmutziges, stinkendes, undankbares Tier!�</p><p>Ich f�hlte mich versucht, ihr den langen Dolch in die Brust zu sto�en.</p><p>W�tend steckte ich ihn schlie�lich in meinen G�rtel.</p><p>�Du hast dich unterworfen�, sagte ich.</p><p>Trotz meines festen Griffes, der schmerzhaft sein mu�te, richtete sich Marlenus' Tochter vor mir auf und sagte arrogant: �Du Tharlarion!</p><p>Glaubst du etwa, da� sich die Tochter des Ubar von ganz Gor einem wie dir unterwerfen w�rde?�</p><p>Grausam dr�ckte ich sie auf die Knie nieder � das schmutzige, stolze M�dchen.</p><p>�Du hast dich unterworfen�, sagte ich.</p><p>Sie verfluchte mich, und in ihren gr�nen Augen funkelte der Ha�. �So behandelst du also die Tochter eines Ubar?� schrie sie.</p><p>�Ich will dir zeigen, wie ich mit dem heimt�ckischsten M�dchen auf ganz Gor umgehe!� rief ich und lie� sie los. Mit beiden H�nden ri� ich ihr den Schleier vom Gesicht, griff in ihr Haar und zerrte sie wie ein gew�hnliches Tavernenm�dchen oder eine Lagerhure hinter mir her in den Schatten der Ka-la-na-B�ume. Eine herrliche Kaskade schwarzen Haares l�ste sich, dunkel wie die Fl�gel meines Tarn. Eine herrliche olivget�nte Haut umgab die gr�nen Augen, ihr Gesicht schimmerte atemb eraubend sch�n. Ihr Mund war w�tend verzogen. �Es macht mir Freude�, sagte ich, �das Gesicht meines Feindes zu sehen.�</p><p>Ich lie� sie in das Gras sinken, und unglaublicherweise verflog meine Wut. Aufgebracht hatte ich sie in den Schatten der B�ume gezerrt � nach allen Lebensregeln dieser Welt geh�rte sie mir. Doch wieder sah ich sie als M�dchen, als eine Sch�nheit, die nicht mi�braucht werden durfte.</p><p>�Du verstehst nat�rlich�, sagte ich, �da� ich dir nicht mehr trauen kann.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte sie. �Ich bin dein Feind. Und ich habe keine Angst vor dem Tod.�</p><p>�Zieh dich aus�, sagte ich.</p><p>�Nein!� schrie sie und wich zur�ck. Sie erhob sich vor mir auf die Knie, legte den Kopf auf meine F��e. �Die Tochter eines Ubar bittet dich aus ganzem Herzen � schlag nur mit der Klinge zu, schnell.�</p><p>Ich lachte aus vollem Halse. Die Tochter des Ubar hatte Angst, da� ich sie nehmen k�nnte � ich, ein gew�hnlicher Soldat. Aber ich mu�te mir besch�mt eingestehen, da� mir eben dieser Gedanke durch den Kopf gegangen war, als ich sie zu den B�umen zerrte, und da� mich der Zauber ihrer Sch�nheit davon abgebracht hatte, sie zu erniedrigen. Ich sch�mte mich und beschlo�, da� diesem M�dchen kein Leid geschehen sollte, obwohl sie b�sartig und heimt�ckisch war wie ein Tharlarion.</p><p>�Ich werde dich nicht nehmen�, sagte ich. �Ich will dich auch nicht t�ten.�</p><p>Sie hob den Kopf und musterte mich verwundert.</p><p>Dann stand sie auf und sah mich ver�chtlich an. �Wenn du ein wirklicher Krieger w�rst, h�ttest du mich schon auf dem R�cken deines Tarn genommen, hoch oben in den Wolken � und du h�ttest meine Kleidung in die Stra�en Ars hinabgeworfen, um meinen Leuten zu zeigen, was mit der Tochter ihres Ubar geschehen ist.� Offensichtlich glaubte sie, ich h�tte Angst, sie zu verletzen, und als Tochter eines Ubar st�nde sie �ber den Gefahren einer Gefangenschaft.</p><p>�Zieh dich aus�, sagte ich. �Ich mu� sehen, ob du noch andere Waffen tr�gst.�</p><p>�Kein Mann darf die Tochter des Ubar ohne Kleidung sehen�, entgegnete sie.</p><p>�Entweder ziehst du dich jetzt aus�, sagte ich, �oder ich lege selbst Hand an.�</p><p>W�tend begann sie die Haken ihrer schweren Roben zu l�sen.</p><p>Sie hatte kaum begonnen, als ihre Augen pl�tzlich triumphierend aufleuchteten und ein Freudenschrei �ber ihre Lippen kam.</p><p>�Keine Bewegung!� sagte eine Stimme hinter mir. �Eine Armbrust ist auf dich angelegt.�</p><p>�Gut gemacht, M�nner von Ar�, rief die Tochter des Ubar.</p><p>Ich wandte mich langsam mit ausgebreiteten H�nden um und sah mich zwei Fu�soldaten aus Ar gegen�ber. Einer war Offizier, der andere ein gew�hnlicher Soldat, der seine Armbrust auf mich gerichtet hatte. Auf die kurze Entfernung konnte er mich kaum verfehlen.</p><p>Der Offizier, ein gro�er Bursche, dessen Helm Kampfspuren aufwies, kam vorsichtig mit erhobenem Schwert n�her und entwaffnete mich. Er betrachtete das Zeichen auf dem Dolchgriff und l�chelte. Er steckte die Waffe in seinen G�rtel und fesselte mich mit Handschellen. Dann wandte er sich an das M�dchen.</p><p>�Du bist Talena, Marlenus Tochter?� fragte er und klopfte auf den Dolchgriff.</p><p>�Du siehst doch, da� ich die Roben der Tochter des Ubar trage�, sagte das M�dchen, ohne von dem Offizier weiter Notiz zu nehmen. Sie trat vor mich hin, ihr triumphierender Blick war auf mich gerichtet. Sie spuckte mir ins Gesicht und versetzte mir einen heftigen Schlag. Meine Wange brannte.</p><p>�Bist du Talena?� fragte der Offizier noch einmal.</p><p>�Das bin ich, ihr Helden vor Ar�, erwiderte das M�dchen stolz und wandte sich um. �Ich bin Talena, die Tochter von Marlenus, des Ubar von ganz Gor.�</p><p>�Gut�, sagte der Offizier und wandte sich an seinen Untergebenen.</p><p>�Zieh sie aus und leg ihr Sklavenfesseln an.�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Ich sprang vor, wurde jedoch durch das Schwert des Offiziers aufgehalten. Der einfache Soldat legte seine Armbrust ab und n�herte sich Talena, die ihn schreckensbleich anstarrte. Der Mann begann die bestickten Schlaufen aufzurei�en; methodisch ri� er ihre Roben auseinander, �ffnete sie, zog sie �ber ihre Schultern herab. Gleich darauf stand sie nackt vor uns, ihre Kleidung lag als ein schmutziger Haufen um ihre F��e. Ihr K�rper, stellenweis e schlammverschmutzt, war von au�ergew�hnlicher Sch�nheit. �Warum tut ihr das?� fragte ich. �Marlenus ist geflohen�, sagte der Offizier. �In der Stadt herrscht Chaos. Die Wissenden haben die Macht �bernommen und befohlen, da� Marlenus und alle Mitglieder seines Haushalts auf den Mauern Ars �ffentlich aufzuspie�en sind.� Das M�dchen stie� einen Schreckensschrei aus. Der Offizier fuhr fort: �Marlenus hat den Heimstein verloren, den Stein, der Ar Gl�ck brachte. Er selbst ist mit f�nfzig Tarnk�mpfern und einem gro�en Teil des Stadtschatzes geflohen. In den Stra�en toben K�mpfe zwischen den Gruppen, die die Herrschaft �ber Ar anstreben. Es wird gepl�ndert und gebrandschatzt. Die Stadt steht unter Kriegsrecht.� Widerstandslos hob das M�dchen die Arme, und der Soldat lie� die Sklavenfessel darum zuschnappen � zwei leichte, mit blauen Steinen besetzte Goldb�nder, die fast wie Schmuckst�cke aussahen. Talena schien sprachlos zu sein. In wenigen Sekunden war ihre Welt zusammengebrochen. Sie war nun pl�tzlich die verurteilte Tochter eines Verbrechers, unter dessen Herrschaft der Heimstein gestohlen worden war. Wie alle anderen Mitglieder des Haushalts war sie jetzt der Rache der aufgebrachten B�rger ausgesetzt.</p><p>�Ich bin der Mann, der den Heimstein gestohlen hat�, sagte ich. Der Offizier versetzte mir einen Sto� mit seinem Schwert. �Das hatten wir schon angenommen � bei dieser Gesellschaft.� Er lachte leise. �Keine Angst � obwohl es in Ar viele gibt, die sich �ber deine Tat freuen, wird dein Tod nicht angenehm oder schnell sein.�</p><p>�La�t das M�dchen frei�, sagte ich. �Sie hat nichts getan. Sie hat nach besten Kr�ften versucht, den Heimstein eurer Stadt zu retten.� Talena schien verbl�fft zu sein, da� ich mich f�r sie einsetzte. �Die Wissenden haben ihr Urteil gesprochen�, sagte der Offizier. �Sie haben bestimmt, da� den Priesterk�nigen ein Opfer dargebracht wird, auf da� sie uns Gnade erweisen und den Heimstein zur�ckbringen.� In diesem Augenblick verachtete ich die Wissenden von Ar, die � wie die anderen Mitglieder ihrer Kaste �berall auf Gor � nur zu gern bereit waren, politische Macht an sich zu bringen, auf die sie angeblich durch ihre Berufung verzichtet hatten. Die wirkliche Absicht hinter den �Opfern f�r die Priesterk�nige� war es wahrscheinlich. Konkurrenten f�r den Thron von Ar zu beseitigen und die eigene politische Position zu festigen. Der Offizier zog die Augen zusammen. �Wo ist der Heimstein?� �Ich wei� es nicht.�</p><p>Das Schwert wurde mir vor den Hals gelegt. In diesem Augenblick sagte die Tochter des Ubar zu meiner �berraschung: �Er spricht die Wahrheit. Der Heimstein war in der Satteltasche seines Tarn. Der Tarn ist geflohen, und der Stein ist fort.� Der Offizier fluchte leise.</p><p>�Bringt mich nach Ar�, sagte Talena. �Ich bin bereit.� Sie trat aus dem Kreis ihrer Kleidung und stand stolz zwischen den B�umen. Der Wind spielte mit ihrem langen schwarzen Haar.</p><p>Der Offizier musterte sie von Kopf bis Fu�, und seine Augen leuchteten. Ohne den anderen Soldaten anzusehen, gab er den Befehl, mich anzuketten. Dann steckte er sein Schwert in die Scheide, ohne den Blick von Talena zu nehmen. �Das M�dchen kette ich selbst an�, sagte er, zog eine Kette aus seinem Beutel und n�herte sich dem M�dchen. �Die Kette wird nicht n�tig sein�, sagte sie stolz.</p><p>Das werde ich entscheiden�, sagte der Offizier und lachte, als er das Metall am Hals des M�dchens befestigt. Er zog spielerisch daran. �H�tte ich mir nie tr�umen lassen, einmal Marlenus Tochter an der Kette zu haben.�</p><p>�Du Ungeheuer!� zischte sie.</p><p>�Ich sehe, da� ich dir noch den geh�rigen Respekt beibringen mu߫, sagte er, legte seine Hand zwischen Hals und Kette, zog sie zu sich heran. Mit wilder Geb�rde st�rzte er sich pl�tzlich �ber sie, und das M�dchen, das r�ckw�rts in das Gras gedr�ckt wurde, schrie auf. Der zweite Soldat schaute zu. Er hoffte sicherlich, da� auch er noch an die Reihe k�me. Ich hob die schweren metallenen Handfesseln und versetzte ihm damit einen Schlag gegen die Schl�fe. Lautlos sank er zu Boden.</p><p>Der Offizier richtete sich auf. Er knurrte w�tend und versuchte sein Schwert zu ziehen. Die Klinge war noch nicht halb aus der Scheide, als ich ihn ansprang. Meine gefesselten H�nde schl�ssen sich um seinen Hals. Er wehrte sich verzweifelt und versuchte meine Finger zu l�sen; das Schwert glitt ihm aus der Scheide. Doch ich lie� nicht locker. Nun zog er Talenas Dolch aus seinem G�rtel, und ich h�tte den t�dlichen Sto� sicher nicht verhindern k�nnen.</p><p>Pl�tzlich zuckte er zusammen, und ich sah einen blutigen Stumpf am Ende seines Arms. Talena hatte sein Schwert aufgenommen und ihm die Hand abgeschlagen, die den Dolch hielt. Ich lie� den Offizier los. Er zuckte im Gras und war tot. Talena, nackt, hielt noch das blutige Schwert in den H�nden, und in ihren Augen stand das Entsetzen �ber ihre Tat.</p><p>�La� das Schwert fallen�, befahl ich schnell � aus Besorgnis, ihr k�nnte der Gedanke kommen, nun auch mich damit anzugreifen. Das M�dchen gehorchte, sank auf die Knie und barg das Gesicht in den H�nden. Die Tochter des Ubar war offenbar nicht ganz so unmenschlich, wie ich angenommen hatte.</p><p>Ich nahm das Schwert, n�herte mich dem anderen Soldaten und fragte mich, ob ich ihn umbringen w�rde, wenn er noch lebte. Vielleicht h�tte ich ihn geschont, ich wei� es nicht; jedenfalls wurde ich der Entscheidung enthoben. Er lag reglos im Gras. Die schweren Handschellen hatten ihm den Sch�delknochen gespalten.</p><p>Ich durchsuchte die Beutel des Offiziers und fand den Schl�ssel zu meinen Handschellen. Es bereitete mir M�he, ihn in die vorgesehene �ffnung zu stecken.</p><p>�La� mich das machen�, sagte Talena, nahm den Schl�ssel und �ffnete das Schlo�. Ich warf die Fessel ab und rieb mir die Handgelenke.</p><p>�Ich bitte dich�, sagte Talena, die niedergeschlagen neben mir stand, die H�nde in der bunten Sklavenfessel.</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich. �Es tut mir leid.� Ich suchte weiter in dem Beutel und fand schlie�lich auch den winzigen Schl�ssel f�r die Sklavenfesseln.</p><p>Ich befreite sie.</p><p>Nun machte ich mich an eine eingehende Untersuchung der Beutel und Waffen.</p><p>�Was hast du vor?� fragte Talena.</p><p>�Ich nehme mir, was wir brauchen k�nnen�, sagte ich und sortierte den Inhalt der Beutel. Wichtigste Gegenst�nde waren ein Kompa�chronometer, einige E�rationen, zwei Wasserflaschen,</p><p>Bogensehnen, F�den und �l f�r den Mechanismus einer Armbrust. Ich beschlo�, mein eigenes Schwert und die Armbrust des Soldaten mitzunehmen, die ich entspannte. Der K�cher enthielt etwa zehn Geschosse. Keiner der Soldaten hatte einen Speer oder einen Schild bei sich gehabt. Anschlie�end trug ich die beiden K�rper zum Sumpf hinab und warf sie in das schmutzige Wasser.</p><p>Als ich auf die Lichtung zur�ckkehrte, sa� Talena im Gras. Ich war �berrascht, da� sie sich noch nicht wieder angekleidet hatte. Sie hatte ihr Kinn auf das Knie gelegt, und als sie mich erblickte, fragte sie ziemlich unterw�rfig: �Darf ich mich anziehen?�</p><p>�Aber sicher.�</p><p>Sie l�chelte. �Wie du siehst, trage ich keine Waffen bei mir.�</p><p>�Du untersch�tzt dich�, sagte ich.</p><p>Sie schien geschmeichelt zu sein. Aus ihrer schmutzigen Kleidung suchte sie sich ein St�ck Unterkleid heraus, etwas Blauseidenes, das die Schultern frei lie�, zog es �ber und band es mit einem G�rtel aus Schleierseide zusammen. Mehr nahm sie nicht. �berraschenderweise schien sie keinen Gedanken mehr an ihr Aussehen zu verschwenden; sie wirkte ehrlich erleichtert, die hinderliche Festkleidung der Tochter des Ubar los zu sein. Das Unterkleid, das nat�rlich f�r ihre hohen Schuhe berechnet war, hing ihr �ber die F��e. Auf ihre Bitte schnitt ich ihr den Stoff zurecht, bis er einige Zentimeter �ber den Fu�gelenken endete.</p><p>�Danke�, sagte sie.</p><p>Ich l�chelte sie an. Das schien eine v�llig neue Talena zu sein.</p><p>Sie wanderte auf der Lichtung umher. Offensichtlich gefiel sie sich sehr; sie drehte sich mehrmals im Kreise und schien sich an der neugewonnenen Bewegungsfreiheit zu freuen.</p><p>Ich nahm einige Ka-la-na-Fr�chte auf und �ffnete zwei E�rationen.</p><p>Talena setzte sich neben mir ins Gras. Wir teilten uns die Mahlzeit.</p><p>�Tut mir leid, was mit deinem Vater geschehen ist�, sagte ich.</p><p>�Er war der Ubar aller Ubars�, sagte sie und z�gerte einen Augenblick.</p><p>�Das Leben eines Ubar ist stets gefahrvoll.� Nachdenklich starrte sie ins Gras. �Er mu� gewu�t haben, da� es eines Tages so kommen w�rde.�</p><p>�Hat er denn nie mit dir dar�ber gesprochen?� fragte ich.</p><p>Sie warf den Kopf zur�ck und lachte. �Stammst du denn nicht aus Gor?</p><p>Ich habe meinen Vater nur bei den �ffentlichen Feiern gesehen. Die T�chter der Hohen Kasten werden in Ar in den Hohen G�rten aufgezogen, wie Blumen, bis irgendein hochgeborener Br�utigam, vorzugsweise ein Ubar oder ein Administrator, den Brautpreis zahlt, der von den V�tern festgelegt ist.�</p><p>�Soll das hei�en, da� du deinen Vater �berhaupt nicht gekannt hast?� fragte ich.</p><p>�Ist das denn in deiner Stadt anders, Krieger?�</p><p>�Ja�, sagte ich und dachte daran, da� in Ko-ro-ba die Familie noch immer in hohen Ehren stand. Ich �berlegte, ob das vielleicht auf den Einflu� meines Vaters zur�ckzuf�hren war, dessen irdische Einstellung zuweilen mit den rauhen Sitten auf Gor in Konflikt geriet.</p><p>�Das w�rde mir wohl gefallen�, sagte sie. Dann musterte sie mich eingehend. �Aus welcher Stadt kommst du, Krieger?�</p><p>�Nicht aus Ar�, erwiderte ich.</p><p>�Darf ich deinen Namen wissen?�</p><p>�Ich hei�e Tarl.� ' �Ah, du bist Tarl Cabot aus Ko-ro-ba, nicht wahr?�</p><p>Ich konnte mein Erstaunen nicht verbergen, und sie lachte fr�hlich.</p><p>�Wu�te ich's doch�, sagte sie.</p><p>�Woher?�</p><p>�Der Ring�, fuhr sie fort und deutete auf das rote Metallband, das meinen rechten Mittelfinger umspannte. �Das ist das Zeichen Cabots, des Administrators von Ko-ro-ba, und du bist sein Sohn Tarl, den die Krieger von Ko-ro -ba in der Kunst des Kampfes unterwiesen haben.�</p><p>�Die Spione Ars sind sehr t�chtig�, sagte ich.</p><p>�T�chtiger als die Attent�ter von Ar�, sagte sie. �Pa-Kur, Ars Meisterattent�ter, sollte dich t�ten, aber er hat versagt.�</p><p>Ich erinnerte mich an den Anschlag im Haus meines Vaters � ein Anschlag, der bestimmt gelungen w�re, wenn der �ltere Tarl nicht so wachsam gewesen w�re.</p><p>�Ko-ro-ba ist eine der wenigen St�dte, die mein Vater gef�rchtet hat�,</p><p>sagte Talena, �weil ihm bewu�t war, da� sie eines Tages vielleicht andere St�dte gegen ihn f�hren k�nnte. Wir in Ar waren der Meinung, da� er dich zu diesem Zwecke ausbilden lie�, und deshalb wollten wir dich beseitigen.� Sie hielt inne und sah mich an. �Wir h�tten aber nie vermutet, da� du unseren Heimstein stehlen wolltest.�</p><p>�Woher wei�t du das alles?� fragte ich.</p><p>�Oh, die Frauen im Hohen Garten wissen Bescheid�, erwiderte sie.</p><p>Ich begann die Rationen aufzuteilen, die ich den Soldaten abgenommen hatte.</p><p>�Was tust du?� fragte Talena.</p><p>�Ich gebe dir eine H�lfte der Nahrungsmittel�, erwiderte ich. �Aber warum?� fragte sie mit besorgtem Blick. �Weil ich dich verlasse�, sagte ich und schob ihr einen Anteil hin�ber und auch eine der Wasserflaschen. Zuletzt warf ich ihr einen Dolch zu. �Den kannst du vielleicht gebrauchen.�</p><p>Die Tochter des Ubar schien sprachlos zu sein. Ihre Augen weiteten sich fragend, doch in meinem Gesicht stand nur Entschlossenheit.</p><p>Ich packte meine Sachen zusammen und war abmarschbereit. Das M�dchen stand auf und nahm ihr kleines B�ndel �ber die Schulter. �Ich gehe mit dir�, sagte sie. �Und du kannst es nicht verhindern.�</p><p>�Und wenn ich dich an diesen Baum kette?� fragte ich. �Du bist nicht wie die anderen Krieger aus Ar�, sagte sie. �So etwas w�rdest du nicht tun.� �Du darfst mir nicht folgen.� �Allein bin ich verloren.�</p><p>Ich wu�te, da� sie die Wahrheit sprach. Eine hilflose Frau hatte auf den Ebenen Gors keine Chance. �Wie kann ich dir nur trauen?� fragte ich.</p><p>�Das kannst du nicht�, sagte sie offen. �Denn ich stamme aus Ar und mu� dein Feind bleiben.�</p><p>�Dann ist es nur in meinem Interesse, wenn ich dich zur�cklasse�, sagte ich.</p><p>�Aber ich kann dich zwingen, mich mitzunehmen.� Und sie kniete vor mir nieder, senkte den Kopf und hob mir ihre gekreuzten Arme entgegen.</p><p>�Nun mu�t du mich mitnehmen � oder mich umbringen, was du bestimmt nicht machst.�</p><p>Ich verfluchte sie.</p><p>�Was ist die Unterwerfung Talenas, der Tochter des Ubar, wert?� fragte ich sp�ttisch.</p><p>�Nichts�, sagte sie. �Aber du mu�t sie akzeptieren oder mich umbringen.�</p><p>W�tend stapfte ich zu der Sklavenfessel im Gras und nahm auch eine Sklavenhaube und die Kette auf.</p><p>�Wenn du schon eine Gefangene sein willst�, sagte ich, �sollst du auch entsprechend behandelt werden. Ich nehme deine Unterwerfung an.�</p><p>Ich fesselte sie, nahm ihr den Dolch ab und steckte ihn in meinen G�rtel.</p><p>�rgerlich warf ich ihr beide B�ndel �ber die Schulter. Dann nahm ich die Armbrust auf und verlie� die Lichtung. Das verh�llte M�dchen zerrte ich hinter mir her. Zu meinem Erstaunen lachte sie unter ihrer Haube.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Wir wanderten zusammen durch die Nacht, Fl�chtlinge unter den drei Monden Gors. Kurz nach Verlassen der Lichtung hatte ich eine sp�ttische Talena von Haube und Fesseln befreit. Als wir die Kornfelder �berquerten, erkl�rte sie mir die Gefahren, die uns hier drohten � von den Raubtieren der Ebenen und von vorbeiziehenden Fremden. �brigens ist es von Interesse festzuhalten, da� in der goreanischen Sprache die Bezeichnung f�r einen Fremden mit dem Wort Feind identisch ist.</p><p>Talena schien von neuem Leben erf�llt, als w�re sie sehr froh �ber ihre Flucht aus den Hohen G�rten. Sie war nun eine relativ freie Person. Der Wind zerrte an ihrem Haar, und sie atmete ihn ein wie Ka-la-na-Wein. Ich sp�rte, da� sie sich in meiner Begleitung freier f�hlte, als sie je zuvor gewesen war. Ihre Fr�hlichkeit war seltsam ansteckend, und wir unterhielten uns und scherzten miteinander, als w�ren wir nicht die schlimmsten Feinde auf Gor.</p><p>Ich versuchte die Richtung nach Ko-ro-ba einzuschlagen. Nach Ar konnten wir unm�glich zur�ckkehren, da uns beiden dort der Tod drohte. In den meisten goreanischen St�dten stand uns vermutlich ein �hnliches Schicksal bevor; die Freien St�dte waren nicht gerade f�r ihre Gastfreundschaft bekannt. Im Hinblick auf den Ha�, den die meisten Goreaner der Stadt Ar entgegenbrachten, war es unbedingt erforderlich, die Identit�t meiner sch�nen Begleiterin geheimzuhalten. Aber ich machte mir Sorgen. Was sollte Talena geschehen, wenn wir das unvorstellbare Gl�ck hatten, Ko-ro-ba zu erreichen? W�rde sie dort �ffentlich aufgespie�t oder den Wissenden von Ar �bergeben werden? Oder gedachte man sie f�r den Rest ihrer Tage in ein Verlies unterhalb der Stadt zu verbannen? Vielleicht gestattete man ihr auch das Leben einer Sklavin.</p><p>Wenn sich Talena f�r diese Spekulationen interessierte, so lie� sie es sich nicht anmerken. Sie erkl�rte mir ihren Plan: �Ich werde als Tochter eines reichen H�ndlers auftreten, die du erobert hast�, erkl�rte sie. �Dein Tarn wurde von den M�nnern meines Vaters get�tet, und du f�hrst mich nun in deine Stadt, wo ich dein Sklave sein soll.� Widerstrebend stimmt e ich dieser Geschichte zu, die einigerma�en logisch klang. Talena und ich waren uns einig, da� die Gefahr, erkannt zu werden, relativ gering war, denn man w�rde allgemein annehmen, da� der Mann, der den Heimstein gestohlen und mit der Tochter des Ubar verschwunden war, seine unbekannte Ausgangsbasis l�ngst wieder erreicht hatte.</p><p>Gegen Morgen a�en wir von unseren Rationen und f�llten unsere Wasserflaschen an einer verborgenen Quelle. Anschlie�end badeten wir und legten uns schlafen. Zu Talenas �rger band ich sie einige Meter entfernt fest, indem ich ihre Arme um einen jungen Baumstamm legte und zusammenband. Ich hatte keine Lust, w�hrend des Schlafes erdolcht zu werden.</p><p>Am Nachmittag zogen wir weiter und wagten uns schlie�lich sogar auf eine der breiten gepflasterten Stra�en, die von Ar fortf�hrten � eine Stra�e wie eine Mauer aus festen, zusammengef�gten Steinen, die tausend Jahre lang halten sollte. Es herrschte sehr wenig Verkehr hier oben, vielleicht wegen des Chaos in der Stadt. Wenn es Fl�chtlinge gab, waren sie sicher noch hinter uns, und nur wenige H�ndler n�herten sich der Stadt. Wer wollte schon seine G�ter in einem Chaos aufs Spiel setzen? Und wenn</p><p>uns von Zeit zu Zeit ein Reisender entgegenkam, n�herten wir uns nur vorsichtig. Wie in meinem Heimatland England h�lt man sich auf der linken Seite der Stra�e � was mehr als nur eine Angewohnheit ist. Wenn man n�mlich links geht, ist der Schwertarm dem Entgegenkommenden zugewandt.</p><p>Unsere Besorgnis schien unbegr�ndet, und bald hatten wir mehrere Pasangsteine passiert, ohne etwas Bedrohliches gesehen zu haben als einige Bauern, die Schilf auf dem R�cken trugen, und zwei dahineilende Wissende. Einmal jedoch zog mich Talena von der Stra�e, und wir vermochten unser Entsetzen kaum zu verbergen, als ein Auss�tziger an uns vor�berschritt. Er litt an der unheilbaren Dar-Kosis � Krankheit. Er war in gelbe Lumpen gekleidet und bet�tigte eine h�lzerne Rassel, die alle Entgegenkommenden warnte.</p><p>Langsam wurde es einsamer; die Stra�e schien �berhaupt weniger begangen zu sein. Gras wuchs in den Steinritzen, die Radspuren verloren sich fast. Wir passierten mehrere Kreuzungen, doch ich hielt die Richtung nach Ko-ro-ba. Was wir tun sollten, wenn wir den verw�steten Landg�rtel und das Ufer des Vosk-Flusses erreichten, wu�te ich nicht. �Wir werden nie nach Ko-ro-ba kommen�, sagte Talena verzweifelt. In dieser Nacht a�en wir die letzten Rationen auf und leerten eine der Wasserflaschen. Als ich das M�dchen fesseln wollte, stie� sie mich zur Seite.</p><p>�Wir m�ssen ein besseres Arrangement finden�, sagte sie und warf die Armfessel zu Boden. �Das ist unbequem.� �Was schl�gst du vor?�</p><p>Sie sah sich um und l�chelte pl�tzlich. �Hier�, sagte sie, nahm eine Sklavenkette aus meinem Beutel, wickelte sie mehrmals um ihr schlankes Fu�gelenk und verschlo� sie. Den Schl�ssel dr�ckte sie mir in die Hand. Dann brachte sie die Kette zu einem nahen Baum, b�ckte sich und schlang das lose Ende um den Stamm. �Gib mir die Sklavenfessel!� befahl sie. Ich brachte ihr das Gew�nschte, und sie f�hrte die beiden Ringe der Handfessel durch den Teil der Kette, der um den Baum gewickelt war, schlo� sie und �berlie� mir ebenfalls den Schl�ssel. �Siehst du, k�hner Tarnsmann�, sagte sie. �Ich will dich lehren, wie man eine Gefangene behandelt! Du kannst nun in Frieden schlafen, und ich verspreche dir, ich schneide dir heute nacht nicht die Kehle durch.�</p><p>Ich lachte und nahm sie kurz in die Arme. Pl�tzlich sp�rte ich, wie mein Herz schneller schlug. Auch Talena reagierte auf meine Ber�hrung. Ich wollte sie �berhaupt nicht mehr loslassen, wollte sie nur noch f�r mich.</p><p>Nur unter Aufbietung aller Willenskr�fte konnte ich mich dem magischen Zwang ihrer Augen entziehen.</p><p>�So�, sagte sie ver�chtlich, �so behandelt also ein Tarnk�mpfer die Tochter eines reichen Kaufmanns!�</p><p>Ich legte mich ins Gras und wandte mich ab. Lange Zeit konnte ich nicht einschlafen.</p><p>Am Morgen verlie�en wir sehr fr�h unser Lager. Unser Fr�hst�ck bestand aus einem Schluck Wasser und einigen kleinen trockenen Beeren, die wir an B�schen fanden. Wir waren noch nicht lange unterwegs, als Talena meinen Arm ergriff. Ich horchte und machte das Stampfen eines Tharlarions aus. �Ein Krieger�, sagte ich.</p><p>�Schnell�, befahl sie. �Die Haube!�</p><p>Ich st�lpte ihr die Haube �ber und fesselte sie hastig.</p><p>Das Klirren der Klauen des Tharlarions wurde lauter.</p><p>Gleich darauf kam der Reiter in Sicht, ein pr�chtiger, b�rtiger Krieger mit goldenem Helm und Tharlarionlanze. Er brachte die Reitechse wenige Meter vor mir zum Stehen. Er ritt einen Tharlarion von der Art, die man als Gro�en Tharlarion bezeichnet, ein Tier, das sich in gro�en Spr�ngen auf den Hinterbeinen fortbewegt. Die beiden l�cherlichen kleinen Vorderbeine hingen nutzlos herab.</p><p>�Wer bist du?� fragte der Mann.</p><p>�Ich bin Tarl aus Bristol�, antwortete ich.</p><p>�Bristol?� erwiderte der Krieger ratlos.</p><p>�Hast du noch nie davon geh�rt?� fragte ich ungl�ubig.</p><p>�Nein�, gab er offen zu. �Ich bin Kazrak aus Port Kar, im Dienste Mintars aus der Kaste der Kaufleute.�</p><p>Port Kar war mir bekannt. Es handelte sich um eine Stadt im Voskdelta, die ziemlich verrufen war.</p><p>Der Krieger deutete mit seiner Lanze auf Talena. �Wer ist das?� fragte er.</p><p>�Du brauchst ihren Namen oder ihre Herkunft nicht zu kennen�, sagte ich.</p><p>Der Krieger lachte und schlug sich auf die Schenkel. �Du willst mir wahrscheinlich einreden, da� sie aus einer Hohen Kaste stammt�, sagte er. �Sicher ist sie nur die Tochter eines Ziegenh�ters.�</p><p>�Gibt es Neuigkeiten aus Ar?� fragte ich, ohne mich um Talenas nerv�ses Zusammenzucken zu k�mmern.</p><p>�Dort herrscht Krieg�, sagte der Reiter erfreut. �W�hrend die Bewohner Ars miteinander um die Zylinder k�mpfen, sammelt sich eine Armee aus f�nfzig St�dten an den Ufern des Vosk. Sie will in Ar einfallen. Dort unten gibt es ein Lager, wie man es selten sieht � eine Stadt aus Zelten, pasanggro�e Tharlarionweiden, und die Fl�gel der Tarns klingen wie Donner aus dem Himmel.�</p><p>Ihre Stimme klang ged�mpft unter der Haube, als Talena jetzt sagte: �Die Geier kommen und fallen �ber die verwundeten Tarnk�mpfer her.�</p><p>Es war ein goreanisches Sprichwort.</p><p>�Ich habe das M�dchen nicht angesprochen�, sagte der Krieger. �Sie tr�gt ihre Fesseln wohl noch nicht lange.�</p><p>�Welches ist dein Ziel?� fragte ich.</p><p>�Die Stadt der Zelte am Ufer des Vosk�, erwiderte der Krieger.</p><p>�Was gibt es Neues vom Ubar Marlenus?� fragte Talena.</p><p>�Du solltest sie schlagen�, sagte der Krieger, gab jedoch Antwort.</p><p>�Nichts. Er ist geflohen.�</p><p>�Und was gibt es Neues �ber den Heimstein von Ar und die Tochter des Marlenus?� fragte ich. So etwas mu�te jeden Mann in Ar interessieren.</p><p>�Der Heimstein wird in hundert St�dten vermutet. Man sagt auch, da� er vernichtet wurde. Nur die Priesterk�nige wissen das!�</p><p>�Und die Tochter von Marlenus?�</p><p>�Sie ist bestimmt im Schlafgemach des k�hnsten Tarnk�mpfers auf Gor�, sagte der Krieger lachend. �Ich hoffe, er hat so viel Gl�ck mit ihr wie mit dem Heimstein. Sie soll das Temperament eines Tharlarion haben � und ein entsprechendes Gesicht dazu.�</p><p>Talena erstarrte. �Ich habe geh�rt�, sagte sie hochm�tig, �da� die Tochter des Ubar die sch�nste Frau auf ganz Gor ist.�</p><p>�Das M�dchen gef�llt mir�, sagte der Krieger. ��berla� sie mir!�</p><p>�Nein�, erwiderte ich.</p><p>��berla� sie mir, oder mein Tharlarion zertritt dich�, schnappte er. �Oder m�chtest du lieber von meiner Lanze aufgespie�t werden?�</p><p>�Du kennst die Regeln�, sagte ich ruhig. �Wenn du sie willst, mu�t du mich herausfordern und mir die Wahl der Waffen �berlassen.�</p><p>Das Gesicht des Kriegers verdunkelte sich. Dann warf er den pr�chtigen Kopf zur�ck und lachte. Seine Z�hne schimmerten hell durch seinen buschigen Bart. �Einverstanden!� br�llte er, befestigte seine Lanze am Sattel und glitt zu Boden. �Ich fordere dich!�</p><p>�Schwert�, sagte ich.</p><p>�Gut�, erwiderte er.</p><p>Wir schoben die erschreckte Talena zur Seite, die nun mit ansehen mu�te, wie zwei entschlossene Krieger um sie k�mpften. Kazrak aus Port Kar war ein ausgezeichneter Schwertk�mpfer, doch wir wussten bereits nach den ersten Sekunden, da� ich ihm �berlegen war. Sein Gesicht war bleich unter seinem Helm, als er meinen wilden Angriff zu parieren versuchte. Einmal trat ich zur�ck und senkte die Schwertspitze zum Boden, die symbolische Gnadenbezeigung, falls er den Kampf abbrechen wollte. Aber das schien ihn noch mehr aufzubringen, denn er nahm seinen Angriff mit doppelter Kraft wieder auf.</p><p>Schlie�lich gelang es mir nach einem besonders heftigen Schlagwechsel, meine Klinge in seine Schulter zu bohren, und als sein Schwertarm herabsank, schlug ich ihm die Waffe aus der Hand. Stolz stand er auf der Stra�e und wartete auf den t�dlichen Streich.</p><p>Ich wandte mich um und trat neben Talena, die niedergschlagen am Stra�enrand stand und nun dem Augenblick entgegenfieberte, da ihr der Sieger die Haube abnehmen w�rde.</p><p>Als sie mich erblickte, stie� sie einen kleinen Freudenschrei aus. Dann sah sie den verletzten Krieger. Sie erschauderte. �T�te ihn!� befahl sie.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Der Krieger, der sich seine blutende Schulter hielt, l�chelte bitter. �Sie war den Kampf wert�, sagte er und musterte Talena.</p><p>Das M�dchen zerrte ihren Dolch aus meinem G�rtel und rannte auf den Mann zu. Im letzten Augenblick konnte ich verhindern, da� sie ihm die Klinge in die Brust stie�.</p><p>Er hatte sich nicht von der Stelle ger�hrt. �Du solltest sie mal auspeitschen�, sagte er sachlich.</p><p>Ich trennte einige Zentimeter Stoff vom Saum ihres Kleides ab, was Talena w�tend �ber sich ergehen lie�. Ich hatte die Wunde kaum verbunden, als ich metallische Ger�usche vernahm und mich pl�tzlich von berittenen Lanzentr�gern umgeben sah, die die gleiche Kleidung trugen wie Kazrak. Hinter ihnen war eine lange Reihe breiter Tharlarions sichtbar, die die vierbeinige Abart der Rasse sind. Diese Ungeheuer zogen m�chtige Wagen, die vollbepackt waren unter roten Planen. �Das ist die Karawane Mintars aus der Kaste der Kaufleute�, sagte Kazrak.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>�Tut ihm nichts�, sagte Kazrak. �Er ist mein Schwertbruder, Tarl aus Bristol.� Kazraks Bemerkung entsprang dem seltsamen Kodex der Krieger auf diesem Planeten, Regeln, die ihm so selbstverst�ndlich waren wie das Atmen. M�nner, die das Blut ihres Gegners vergossen haben, werden Schwertbr�der, sofern nicht das Blut auf der Waffe verflucht wird. Das ist eine Regel, die, losgel�st von jeder Heimstein-Bindung, nur die beiden beteiligten K�mpfer angeht. Die Wand von Lanzen teilte sich und lie� den Kaufmann Mintar hindurch. Eine juwelenbesetzte S�nfte hing zwischen zwei langsam hin und her schwankenden Tharlarions � Die Ungeheuer wurden angehalten, und die Vorh�nge der S�nfte teilten sich. Auf bestickten Kissen sa� ein riesig wirkender Mann, dessen Kopf so rund war wie ein Tarnei und dessen Augen sich fast in den Fettpolstern seines Gesichts verloren. Ein d�nnes Haarb�schel senkte sich von seinem dicken Kinn herab. �So�, sagte der Kaufmann mit schnellem Blick, �Kazrak aus Port Kar hat also seinen Meister gefunden.�
 �Ich bin zuvor noch nie besiegt worden�, erwiderte Kazrak stolz. �Wer bist du?� wandte sich Mintar an mich. �Tarl aus Bristol�, sagte ich. �Und das ist meine Frau, die ich durch das Recht des Schwertes f�r mich beanspruche.� Mintar lie� nicht erkennen, da� er von der Stadt Bristol noch nicht geh�rt haben konnte. Er schlo� kurz die Augen und wandte sich dann an seine Reiter, die mich umgaben. �M�chte jemand aus meinen Diensten um die Frau des Tarl aus Bristol k�mpfen?� fragte er.</p><p>Die Krieger rutschten unruhig in den S�tteln hin und her. Mintar lachte ver�chtlich, dann verd�sterte sich sein Gesicht. �Tarl aus Bristol�, sagt er. �Du hast meinen besten K�mpfer au�er Gefecht gesetzt. Du bist mir etwas schuldig. Kannst du den hohen Sold f�r einen solchen K�mpfer bezahlen?�</p><p>�Ich habe kein anderes Verm�gen als dieses M�dchen�, sagte ich, �und sie gebe ich nicht auf.�</p><p>Mintar schnaubte. �In den Wagen habe ich vierhundert M�dchen, die genauso h�bsch sind.� Er musterte Talena eingehend, doch sein Blick blieb n�chtern. �Sie br�chte nicht einmal die H�lfte des Geldes, das ich f�r einen K�mpfer wie Kazrak ausgeben m��te.�</p><p>Talena fuhr zusammen, als h�tte sie einen Schlag ins Gesicht erhalten.</p><p>�Dann kann ich nicht bezahlen, was ich dir schulde�, sagte ich.</p><p>�Ich bin ein Kaufmann�, erwiderte Mintar, �und es geh�rt zu meinen Prinzipien, da� ich alle Schulden eintreibe.� , Ich wappnete mich, mein Leben teuer zu verkaufen. Seltsamerweise machte ich mir am meisten Sorgen dar�ber, was aus dem M�dchen werden sollte.</p><p>�Kazrak aus Port Kar�, sagte Mintar. �Bist du einverstanden, den jetzt noch offenen Betrag deines Soldes Tarl aus Bristol zu �berlassen, wenn er an deiner Stelle in meine Dienste tritt?�</p><p>�Ja�, erwiderte Kazrak. �Er hat mir die Ehre erwiesen. Er ist mein Schwertbruder.�</p><p>Mintar musterte mich befriedigt. �Tarl aus Bristol�, sagte er, �trittst du in die Dienste Mintars aus der Kaste der Kaufleute?�</p><p>�Und wenn ich es nicht tue?� fragte ich.</p><p>�Dann gebe ich meinen Leuten den Befehl, dich zu t�ten�, seufzte Mintar, �und wir erleiden beide einen Verlust.�</p><p>�Oh, Ubar aller Kaufleute�, sagte ich, �ich w�rde doch nicht zulassen, da� deine Gewinne geschm�lert werden.�</p><p>Mintar entspannte sich sichtlich. �Und was ist mit dem M�dchen? Wenn du willst, kaufe ich sie.�</p><p>�Sie ist nicht zu verkaufen. Sie mu� mich begleiten�, sagte ich.</p><p>�Zwanzig Tarnm�nzen�, sagte Mintar.</p><p>Ich lachte.</p><p>Mintar l�chelte auch. �Vierzig�, sagte er.</p><p>�Nein�, sagte ich. Mintar l�chelte nicht mehr. �F�nfundvierzig�, sagte er gepre�t.</p><p>�Kommt nicht in Frage.�</p><p>�Ist sie aus einer Hohen Kaste?� fragte der Kaufmann.</p><p>�Ich bin die Tochter eines reichen H�ndlers�, verk�ndete Talena stolz, �des reichsten auf Gor. Ich wurde von diesem Tarnk�mpfer entf�hrt.</p><p>Sein Tarn ist get�tet worden, und er bringt mich nun nach � nach Bristol, wo ich seine Sklavin werden soll.�</p><p>�Ich bin der reichste Kaufmann auf Gor�, sagte Mintar leise.</p><p>Talena zuckte zusammen.</p><p>�Wenn dein Vater ein Kaufmann ist, sag mir seinen Namen�, fuhr er fort.</p><p>�Ich kenne ihn bestimmt.�</p><p>�Gro�er Mintar�, schaltete ich mich ein, �vergib diesem weiblichen Tharlarion. Ihr Vater war ein Ziegenh�ter in den Sump fw�ldern Ars, und ich habe sie entf�hrt. Sie soll in Bristol meine Ziegen h�ten.�</p><p>Die Soldaten brachen in Gel�chter aus. Kazrak dr�hnte am lautesten.</p><p>Einen Augenblick lang bef�rchtete ich, Talena w�rde ihre wahre Identit�t verraten.</p><p>Mintar l�chelte am�siert. �Solange du in meinen Diensten stehst, kannst du sie an meiner Kette halten�, sagte er.</p><p>�Mintar ist gro�z�gig�, sagte ich.</p><p>�Nein�, sagte Talena. �Ich m�chte das Zelt meines Kriegers teilen.�</p><p>�Wie du willst�, sagte Mintar, ohne sich weiter um sie zu k�mmern. Er gab Anweisung, die Vorh�nge seiner S�nfte wieder zu schlie�en.</p><p>Kazrak f�hrte Talena und mich an der langen Karawane entlang, um einen Platz f�r das M�dchen zu finden. Neben einem langen Wagen, der mit gelb und blau gestreifter Seide bedeckt war, entfernte ich ihre Handfesseln und �berlie� sie einem Aufseher.</p><p>�Ich habe einen freien Fu�ring�, sagte er, nahm Talena am Arm und stie� sie in das Innere des Wagens. Drinnen sa�en etwa zwanzig M�dchen, zehn auf jeder Seite. Sie waren an eine Metallstange gekettet, die in der Mitte des Wagens verlief. Sie trugen Sklavenkleidung. Ehe Talena festgemacht wurde, rief sie mir �ber die Schulter zu: �So leicht wirst du mich nicht los, Tarl aus Bristol!�</p><p>�Versuch ruhig, den Ring abzustreifen!� lachte Kazrak und wandte sich zum Gehen.</p><p>Wir hatten kaum zehn Meter zur�ckgelegt, als wir ein M�dchen schreien h�rten, gefolgt von lautem Kreischen und Rufen. Poltern ert�nte aus dem Wagen, dazu das Klirren von Ketten. Der Aufseher sprang mit seiner Peitsche unter die Plane, und durch den L�rm waren seine Fl�che und das Knallen der Peitsche zu h�ren. Atemlos und w�tend kam er wieder zum Vorschein und zog Talena am Haar hinter sich her. Sie widersetzte sich seinem Griff und trat w�tend aus. Die M�dchen im Wagen riefen dem Aufseher ermunternd zu, der Talena �rgerlich vor mir zu Boden stie�. Ihr Haar war zerzaust, Striemen zogen sich �ber ihren R�cken und Kratzer �ber ihre Schultern. Ein Arm war geprellt, und ihr Kleid war halb zerfetzt.</p><p>�Behalt sie in deinem Zelt!� schnaubte der Aufseher. �Die Priesterk�nige sind Zeugen, da� sie es wirklich geschafft hat�, sagte Kazrak bewundernd. �Ein echter weiblicher Tharlarion!� Talena hob ihre blutverschmierte Nase und l�chelte mich strahlend an. Die n�chsten Tage geh�rten zu den gl�cklichsten meines Lebens. Talena und ich wurden zu einem Teil der langen, dahinknarrenden Karawane Mintars, dieser unendlichen und unvorstellbar bunten Prozession. Es hatte den Anschein, als sollte die angenehme Reise niemals enden, und ich fand Gefallen an der langen Reihe von Wagen, die mit den verschiedensten G�tern angef�llt waren, mit geheimnisvollen Metallen und Schmucksteinen, mit Stoffballen, Nahrungsmitteln, Weinen und Paga, Waffen und R�stungen, Kosmetika und Parf�ms, Arzneimitteln und Sklaven. Wir brachen jeden Morgen lange vor Anbruch der D�mmerung auf und fuhren, bis die Sonne am h�chsten stand. Am fr�hen Nachmittag wurde das Lager aufgeschlagen. Die Zugtiere erhielten zu trinken und zu fressen, Wachen zog auf, die Wagen wurden gesichert, und die Mitglieder der Karawane k�mmerten sich um ihre Kochfeuer. Am Abend vergn�gten sich die Kutscher und Krieger mit Geschichten und Liedern, berichteten von erfundenen und tats�chlichen Abenteuern und br�llten unter dem Einflu� des Paga ihre rauhen Lieder hinaus.</p><p>In diesen Tagen lernte ich auch den Umgang mit einem Hohen Tharlarion. Diese gigantischen Echsen werden seit tausend Generationen auf Gor gez�chtet. Sie reagieren auf Wortsignale, doch gelegentlich mu� man auch mit einer Lanzenspitze nachhelfen. Die Hohen Tharlarions sind Fleischfresser, doch ihr ganzer Metabolismus ist anders ausgerichtet als beispielsweise der eines Tarn, der st�ndig an Nahrung zu denken scheint. Au�erdem brauchen sie sehr wenig Wasser.</p><p>Ein Tharlarionsattel ist speziell mit der Absicht konstruiert, die Ersch�tterungen des unregelm��igen Sprungschrittes dieser Tiere zu absorbieren. Dies geschieht im wesentlichen dadurch, da� der Sitz des Sattels auf einem hydraulischen Gestell befestigt ist, das in einer dicken Fl�ssigkeit schwimmt. Dadurch wird auch der Sattelsitz in der Waagerechten gehalten. Trotz dieser Erfindung tragen die Tharlarionreiter einen breiten, dicken Lederg�rtel, der sie im Sattel h�lt, und au�erdem hohe weiche Stiefel. Das Leder sch�tzt die Beine vor der rauhen Haut der Reittiere. Wenn ein Tharlarion galoppiert, kann seine Haut das ungesch�tzte Fleisch von den Knochen seines Reiters fetzen. Wie versprochen, �berlie� mir Kazrak den Rest seines Solds eine h�bsche Summe, achtzig Tarnm�nzen. Ich mu�te ihn �berreden, einen Teil dieses Betrags zu seinem eigenen Bedarf zu behalten. Immerhin war ich sein Schwertbruder. Wir wohnten mit Talena in einem Zelt, und unter Kazraks sp�ttischem Blick trennte ich einen Teil des Zeltes f�r das M�dchen ab.</p><p>Kazrak und ich besorgten f�r Talena gestreifte Sklavenkleidung, was mir das geeignete Mittel zu sein schien, Fragen nach ihrer wahren Identit�t zu verhindern. Au�erdem erwarb Kazrak auf seine Kosten zwei Gegenst�nde, die er f�r wichtig hielt � einen gravierten Kragen und eine Sklavenpeitsche.</p><p>Wir kehrten in das Zelt zur�ck und �berlie�en Talena die neue Kleidung. Sie bi� sich w�tend auf die Unterlippe. Wenn Kazrak nicht bei mir gewesen w�re, h�tte ich sicherlich einiges zu h�ren bekommen. �Wolltest du dich etwa als freie Frau kleiden?� schnappte ich. Sie starrte mich an, in dem Bewu�tsein, ihre Rolle spielen zu m�ssen. Sie warf den Kopf in den Nacken. �Nat�rlich nicht�, sagte sie und f�gte ironisch hinzu: �Herr.� Aufrecht verschwand sie hinter ihrem Seidenvorhang und erschien gleich darauf wieder in ihre m kurzen �rmellosen Sklavenumhang. Kokett drehte sie sich vor uns im Kreise.</p><p>�Gefalle ich dir?� fragte sie.</p><p>�Knie nieder�, sagte ich und nahm das Sklavenband.</p><p>Talena erbleichte, doch als Kazrak zu lachen begann, gehorchte sie. Ich hielt ihr das Eisenband hin, das die Aufschrift trug: �ICH BIN DAS EIGENTUM TARLS AUS BRISTOL.�</p><p>Dann lie� ich das schmale Stahlband um ihren Hals zuschnappen und steckte den Schl�ssel in meinen Beutel.</p><p>�Soll ich das Brandeisen holen lassen?� fragte Kazrak.</p><p>�Nein�, flehte Talena, die nun zum erstenmal wirklich �ngstlich wirkte.</p><p>�Heute gebe ich ihr noch kein Brandzeichen�, sagte ich mit ernstem Gesicht.</p><p>�Bei den Priesterk�nigen!� lachte Kazrak. �Ich glaube fast, du hast etwas f�r diesen wilden Tharlarion �brig!�</p><p>�La� uns allein, Krieger�, sagte ich.</p><p>Wieder lachte Kazrak, blinzelte mir zu und zog sich mit ironischer Verbeugung zur�ck.</p><p>�Wie kannst du es wagen�, tobte Talena, �die Tochter des Ubar von Ar zu fesseln!� Verzweifelt b�umte sie sich unter meinem Griff.</p><p>�Die Tochter des Ubar von Ar�, sagte ich, �tr�gt den Kragen Tarls aus Bristol.�</p><p>Sie zitterte vor Wut, doch dann nahm sie sich zusammen. Sie versuchte das Gesicht zu wahren. �Vielleicht ist es wirklich angemessen, da� ein Tarnk�mpfer der gefangenen Tochter eines reichen Kaufmanns seinen Kragen umlegt.�</p><p>�Oder der Tochter eines Ziegenhirten�, f�gte ich hinzu.</p><p>Ihre Augen blitzten. �Ja, vielleicht�, sagte sie. �Gut, ich erkenne an, dass dein Plan vern�nftig ist!� Herrisch streckte sie mir ihre kleine Hand entgegen. �Aber gib mir den Schl�ssel�, fuhr sie fort, �damit ich den Kragen abnehmen kann, wenn es mir gef�llt.�</p><p>�Ich behalte den Schl�ssel�, sagte ich. �Und er wird abgenommen, wenn es mir gef�llt, wenn �berhaupt.�</p><p>Sie richtete sich w�tend auf. �Na gut�, entgegnete sie. Dann fiel ih r Blick auf den zweiten Gegenstand, den Kazrak mir geschenkt hatte � die Sklavenpeitsche. �Was soll das?�</p><p>�Du bist doch bestimmt mit einer Sklavenpeitsche vertraut?� fragte ich, nahm sie auf und schlug mir damit in die Handfl�che.</p><p>�Ja�, sagte sie leise. �Ich habe sie oft genug bei meinen Sklaven benutzt. Willst du sie auch bei mir...?�</p><p>�Wenn n�tig�, sagte ich.</p><p>�Du h�ttest ja nicht den Mut dazu�, sagte sie.</p><p>�Eher schon die Lust�, sagte ich.</p><p>Sie l�chelte. Ihre n�chste Bemerkung verbl�ffte mich. �Benutze sie ruhig, wenn ich dir nicht gefalle, Tarl aus Bristol�, sagte sie und wandte sich ab.</p><p>In den n�chsten Tagen zeigte sich Talena zu meiner �berraschung aufgeschlossen und fr�hlich. Sie interessierte sich f�r die Karawane und marschierte stundenlang neben den bunten Wagen her, lie� sich von den Kutschern manchmal ein St�ck mitnehmen, erbettelte eine Frucht oder eine S��igkeit von ihnen. Sie unterhielt sich angeregt mit den Passagieren der blauen und gelben Wagen, �bermittelte ihnen Neuigkeiten und Klatsch und neckte sie mit dem Aussehen ihrer k�nftigen Herren.</p><p>Sie wurde zum Liebling der ganzen Karawane. Ein- oder zweimal zeigten sich berittene Krieger des Zuges an ihr interessiert, aber als sie die Aufschrift des Halsbandes lasen, zogen sie sich knurrend zur�ck und ertrugen mit saurer Miene ihre sp�ttischen Bemerkungen. Am Nachmittag, wenn das Lager aufgeschlagen wurde, half sie Kazrak und mir beim Zeltbau und sammelte anschlie�end Feuerholz. Sie kochte auch f�r uns, kniete neben dem Feuer, die Haare zur�ckgebunden, damit sie nicht in die Flammen gerieten, das Gesicht schwei��berstr�mt, den Blick starr auf das St�ck Fleisch gerichtet, das dann zumeist doch noch anbrannte. Nach dem Essen s�uberte sie unsere Sachen, sa� auf dem Zeltteppich zwischen uns und erz�hlte uns von den angenehmen Kleinigkeiten ihres Tages.</p><p>�Die Sklaverei bekommt ihr anscheinend gut�, sagte ich zu Kazrak.</p><p>�O nein, nicht die Sklaverei�, sagte er l�chelnd. Und ich wu�te nicht, was diese Bemerkung bedeuten sollte. Talena err�tete, senkte den Kopf und polierte mit heftiger Bewegung meine Tharlarionstiefel.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Mehrere Tage lang fuhr die Karawane durch den Verw�steten Streifen, der das Reich Ar begrenzte. Aus der Ferne h�rten wir nun das ged�mpfte Dr�hnen des Vosk. Als die Karawane einen H�gel �berfuhr, erblickten wir am Flu�ufer vor uns eine unglaubliche Szene. Ein Lager aus zahlreichen bunten Zelten erstreckte sich bis zum Horizont, eine schnell errichtete Stadt f�r eine der gr��ten Armeen, die je auf den Ebenen Gors zusammengekommen waren. Die Flaggen von hundert St�dten flatterten �ber den Zelten, und durch das best�ndige Rauschen des Flusses war das Dr�hnen gro�er Tarntrommeln zu h�ren � jener Trommeln, deren Signale die komplizierten Kriegsformationen der fliegenden goreanischen Kavallerie steuerten. Talena rannte neben meinem Tharlarion her, und mit meiner Lanze hob ich sie in den Sattel, damit sie besser sehen konnte. Zum erstenmal seit vielen Tagen stand Wut in ihren Augen. �Die Geier kommen und fallen �ber die verwundeten Tarnk�mpfer her.�</p><p>Ich schwieg, denn ich wu�te, da� letztlich ich f�r diesen Aufmarsch verantwortlich war. Ich hatte den Heimstein Ars gestohlen und damit den Niedergang Marlenus ausgel�st, dessen Flucht nun wiederum den Ausbruch des Chaos bewirkt hatte.</p><p>Talena beugte sich zur�ck, und ihre Schultern zuckten. Sie weinte. Wenn es mir m�glich gewesen w�re, die Vergangenheit umzuschreiben, h�tte ich in diesem Augenblick den Raub des Heimsteins am liebsten r�ckg�ngig gemacht.</p><p>Heute schlugen wir unser Lager nicht zur �blichen Zeit auf, sondern versuchten vor Einbruch der Dunkelheit die gro�e Zeltstadt zu erreichen. Auf diesen letzten Pasangs verdienten sich die W�chter der Karawane -so auch ich � ihren Lohn, denn wir wurden mehrmals angegriffen, zuletzt von einem Dutzend Tarnk�mpfer, die es auf unseren Waffenwagen abgesehen hatten. Doch sie wurden von einem Hagel von Armbrustpfeilen empfangen und zogen sich zur�ck. In dieser Nacht brachten wir die Karawane in das eingez�unte Lager, das von Pa-Kur, dem Meisterattent�ter, f�r Mintar vorbereitet worden war. Pa-Kur war der Ubar dieser riesigen, unorganisierten Kriegsbande. Die Karawane wurde abgesichert, und in wenigen Stunden sollte das Gesch�ft beginnen. Die Karawane wurde dringend erwartet, und die Waren mu�ten gute Preise bringen.</p><p>Mein Plan, den ich Talena auseinandersetzte, war einfach. Ich wollte einen Tarn erwerben, wenn ich ihn mir leisten konnte; Notfalls gedachte ich das Tier zu stehlen. Und dann wollten wir nach Ko-ro -ba fliehen. Die Sache mochte riskant sein, aber es war immer noch besser, als den Vosk in einem Boot zu �berqueren und den Weg zu Fu� oder auf dem R�cken eines Tharlarions fortzusetzen.</p><p>Talena wirkte niedergeschlagen � ein seltsamer Gegensatz zu der Lebhaftigkeit der vergangenen Tage. �Was wird aus mir in Ko-ro-ba?� fragte sie.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte ich l�chelnd. �Vielleicht k�nntest du Tavernensklavin werden.�</p><p>Sie l�chelte bitter. �Nein, Tarl aus Bristol�, sagte sie. �Vermutlich werde ich aufgespie�t, denn ich bin und bleibe Marlenus Tochter.�</p><p>Ich schwieg, aber ich war entschlossen, nicht ohne sie zu leben. Sollte sie in Ko-ro-ba ihr Schicksal finden, so wollte ich mit ihr sterben. Talena stand auf. �Heute abend�, sagte sie, �trinken wir Wein.� Es war ein goreanischer Ausdruck, mit dem die Ereignisse der Zukunft den Priesterg�ttern �berlassen werden.</p><p>�Trinken wir Wein�, sagte ich.</p><p>In dieser Nacht nahm ich Talena mit in die Stadt der Zelte, und im Licht der Fackeln wanderten wir Arm in Arm durch die belebten Stra�en. Hier gab es nicht nur Krieger und Tarnk�mpfer, sondern auch H�ndler und Bauern, Lagerfrauen und Sklaven. Fasziniert klammerte sich Talena an meinem Arm fest. Wir beobachteten in einem Zelt einen bronzeh�utigen Riesen, der Feuerb�lle zu verschlucken schien; im n�chsten Zelt bot ein Seidenh�ndler seine Stoffe an, und im dritten drehten sich Sklavenm�dchen und tanzten, w�hrend ihr Herr den Mietpreis hinausschrie.</p><p>�Ich m�chte den Markt sehen�, sagte Talena eifrig, und ich wu�te, welchen Markt sie meinte. Widerstrebend f�hrte ich sie zu dem gro�en Zelt aus blauer und gelber Seide. Wir dr�ngten uns zwischen den hei�en, stinkenden K�rpern der K�ufer hindurch, bis wir schlie�lich ziemlich weit vorn standen. Aufgeregt sah Talena zu, wie dort oben ein M�dchen nach dem anderen auf einen gro�en runden Holzblock gef�hrt und verkauft wurde.</p><p>�Sie ist sch�n�, sagte Talena, wenn der Auktion�r die Schleife des einfachen Umhangs eines M�dchens �ffnete und das Kleidungsst�ck zu Boden fiel. Bei einem anderen M�dchen schnaubte sie ver�chtlich. Sie kannte einige der Sklavinnen aus der Karawane und schien ihre Freundinnen und Feindinnen zu haben.</p><p>Zu meiner �berraschung freuten sich die M�dchen �ber ihren Verkauf und stellten k�hn ihre Reize zur Schau, wobei sie ihre Vorg�ngerin noch zu �berbieten versuchten. Nat�rlich war es viel angenehmer, zu einem hohen Preis verkauft zu werden und die Gewi�heit zu haben, da� der k�nftige Herr wohlbestallt war. Entsprechend gaben die M�dchen ihr Bestes, um das Interesse der K�ufer zu wecken. Talena � wie die anderen Zuschauer � schien nicht das Gef�hl zu haben, da� diesem Handel etwas verwerfliches anhaftete. Die Sklaverei war ein selbstverst�ndlicher Teil des goreanischen Lebens. Ich bemerkte im Publikum eine gro�e, d�stere Gestalt, die allein auf einem hohen Holzthron sa�, von Tarnk�mpfern umg eben. Der Mann trug den schwarzen Helm der Kaste der Attent�ter. Ich nahm Talena beim Ellenbogen und dr�ngte sie gegen ihren Widerstand durch die Menge ins Freie.</p><p>Wir erstanden eine Flasche Ka-la -na-Wein und tranken daraus, w�hrend wir durch die Stra�en schritten. Sie erbat sich eine Zehntelm�nze. Wie ein Kind ging sie zu einem der St�nde, w�hrend ich mich umdrehen mu�te. Nach wenigen Minuten kehrte sie zur�ck, ein kleines Paket in der Hand. Sie gab mir das Wechselgeld zur�ck, lehnte sich an meine Schulter und sagte, sie w�re m�de. Wir kehrten in unser Zelt zur�ck. Kazrak war nicht da, und ich nahm an, da� er heute nicht zur�ckkehren w�rde.</p><p>Talena zog sich hinter ihren Seidenvorhang zur�ck, und ich entz�ndete das Feuer in der Mitte des Zeltes. Ich war noch nicht m�de. Ich vermochte den Mann auf dem Thron nicht zu vergessen, den Mann mit dem schwarzen Helm, und ich bef�rchtete fast, da� er mich bemerkt und seine Ma�nahmen bereits getroffen hatte. Ich sa� auf dem weichen Teppich und stocherte vorsichtig in dem Feuer unserer Kochstelle herum. Aus einem Nachbarzelt war Fl�tenmusik zu h�ren, dazu leises Trommeln und das rhythmische Klingeln einer Zimbel. Ich war in Gedanken versunken, als Talena hinter dem Seidenvorhang hervortrat. Ich hatte angenommen, sie h�tte sich schlafen gelegt. Statt dessen hatte sie ein durchsichtiges Seidentanzkleid angezogen und ihre Lippen ger�tet. Mir wurde schwindlig von dem kr�ftigen Duft eines Parf�ms. An ihren olivefarbenen Fu�gelenken hingen winzige Tanzglocken. An Daumen und Zeigefinger jeder Hand waren winzige Fingerzimbeln befestigt. Sie ging ein wenig in die Knie und hob anmutig die H�nde �ber den Kopf. Ihre Fingerzimbeln klangen auf, und dann begann Talena, die Tochter des Ubar von Ar, f�r mich zu tanzen.</p><p>Sie bewegte sich langsam vor mir und fragte leise: �Gefalle ich dir, Herr?� In ihrer Stimme schwang keine Verachtung, keine Ironie.</p><p>�Ja�, sagte ich, ohne auf den Titel einzugehen, mit dem sie mich angeredet hatte.</p><p>Sie hielt einen Augenblick inne und trat zur Seite. Sie schien zu z�gern.</p><p>Dann nahm sie mit schneller Bewegung die Sklavenpeitsche und eine Sklavenkette auf. Sie kniete vor mir nieder, die Knie nicht in der Stellung einer Turmsklavin, sondern in der einer Freudensklavin.</p><p>�Wenn du m�chtest�, sagte sie, �tanze ich den Peitschentanz f�r dich.�</p><p>Ich warf Peitsche und Kette zur Seite. �Nein�, sagte ich aufgebracht.</p><p>�Dann zeige ich dir einen Liebestanz�, sagte sie gl�cklich. �Ich habe ihn in den Hohen G�rten Ars gelernt.�</p><p>�Das w�rde mir gefallen�, sagte ich, und Talena zeigte mir Ars herrlichen Tanz der Leidenschaft.</p><p>Mehrere Minuten lang tanzte sie vor mir, und ihr rotes Gewand schimmerte im Schein der Flammen, und ihre blo�en F��e huschten sanft �ber den Teppich. Mit einem letzten Klirren ihrer Fingerzimbeln fiel sie vor mir zu Boden, ihr Atem ging schnell, und in ihren Augen stand Verlangen. Da lag ich auch schon neben ihr und nahm sie in die Arme.</p><p>Ihr Herz schlug heftig gegen meine Brust. Sie schaute mir in die Augen, ihre Lippen zitterten.</p><p>�La� das Eisen kommen�, sagte sie. �Ich will dein sein, Herr.�</p><p>�Nein, Talena�, sagte ich und k��te sie.</p><p>�Ich m�chte dein Eigentum sein�, wimmerte sie. �Ich m�chte dir ganz geh�ren, auf jede m�gliche Art. Ich m�chte dein Brandzeichen, Tarl of Bristol, verstehst du nicht? Ich m�chte deine Sklavin sein.�</p><p>Ich griff nach ihrem Sklavenkragen, schlo� ihn auf, warf ihn zur Seite. �Du bist frei, mein Liebling�, fl�sterte ich. �Immer frei!� Sie sch�ttelte schluchzend den Kopf. �Nein�, sagte sie. �Ich bin deine Sklavin.� Sie pre�te sich erregt an mich. �Ich bin dein�, hauchte sie. �Nimm mich.�</p><p>Pl�tzlicher L�rm lie� mich auffahren. Tarnk�mpfer drangen in das Zelt ein. Einen Sekundenbruchteil lang sah ich noch einen Speerschaft, der auf mein Gesicht zuraste. Ich h�rte Talena schreien. Etwas blitzte auf, d     ann herrschte Dunkelheit.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Mit Armen und Beinen war ich an ein Holzgestell gefesselt, das im Wasser schwamm. Mein K�rpergewicht lie� die Fesseln tief in mein Fleisch einschneiden. Ich wandte den Kopf und erbrach mich in das gelbe Wasser des Vosk. Dann blinzelte ich in die hei�e Sonne und versuchte mich zu bewegen.</p><p>Eine Stimme sagte: �Er ist wach.�</p><p>Undeutlich nahm ich die Bewegung einiger Speersch�fte wahr, die gegen mein Gestell gestemmt wurden, bereit, es in die Str�mung hinauszuschieben. In meinem Blickfeld erschien ein schwarzer Gegenstand, der sich als der Helm eines Mitglieds der Kaste der Attent�ter erwies. Langsam wurde der Helm angehoben, und ich starrte in ein hageres, grausames Gesicht, ein Gesicht, das aus grauem Metall zu bestehen schien.</p><p>�Ich bin Pa-Kur�, sagte der Mann. �Meisterattent�ter Ars.</p><p>Oberbefehlshaber dieser Armee.�</p><p>�So treffen wir uns also wieder�, sagte ich.</p><p>Die Augen blieben ausdruckslos.</p><p>�Der Zylinder in Ko-ro-ba. Die Armbrust�, sagte ich.</p><p>Er schwieg.</p><p>�Damals ist es dir nicht gelungen, mich zu t�ten�, sagte ich sp�ttisch.</p><p>�Vielleicht m�chtest du jetzt einen zweiten Schu� riskieren.</p><p>M�glicherweise entspricht das Ziel diesmal mehr deinen F�higkeiten.�</p><p>Die M�nner hinter Pa-Kur murmelten. Der Schwarzbehelmte zeigte keine Reaktion.</p><p>�Meine Waffe�, sagte er nur und streckte den Arm aus. Sofort wurde eine Armbrust hineingelegt. Es war eine gro�e Metallwaffe, aufgezogen und geladen.</p><p>Ich machte mich auf den t�dlichen Schu� gefa�t und �berlegte schon, ob ich den Aufprall sp�ren w�rde. Pa-Kur hob herrisch die Hand. Von irgendwoher schnellte ein kleiner runder Gegenstand hoch in die Luft, �ber den Flu�. Es war eine Tarnm�nze, die einer von Pa-Kurs M�nnern geschleudert hatte. Als das winzige Objekt, das sich schwarz von dem blauen Himmel abhob, seinen h�chsten Punkt erreichte, h�rte ich das Klicken des Ausl�sers, die Vibration der Sehne, und das kurze Zischen des Bolzens. Ehe die M�nze ihren Sturz beginnen konnte, wurde sie von dem Gescho� getroffen, das sie wohl etwa zweihundertundf�nfzig Meter weiter �ber den Flu� hinaustrug.</p><p>�Ich war ein Narr�, st�hnte ich.</p><p>�Und du stirbst auch den Tod eines Narren�, sagte er. In seiner Stimme schwang keine Empfindung.</p><p>�Warte�, entgegnete ich. �Ich erbitte einen Gefallen.� Die Worte fielen mir schwer,</p><p>�Sag mir, was du mit dem M�dchen gemacht hast.�</p><p>�Sie ist Talena, die Tochter des Ubar Marlenus�, antwortete Pa-Kur.</p><p>�Sie wird in Ar als meine K�nigin herrschen.�</p><p>�Sie w�rde lieber sterben�, sagte ich.</p><p>�Sie hat mich akzeptiert�, erwiderte Pa-Kur.</p><p>Die erbarmungslosen Augen musterten mich ausdruckslos. �Es war ihr Wunsch, da� du den Verbrechertod stirbst�, f�gte er hinzu, �auf diesem Gestell der Erniedrigung, unwert, unsere Waffen zu besudeln.�</p><p>Ich schlo� die Augen. Ich h�tte wissen m�ssen, da� die stolze Talena, Tochter eines Ubar, die erstbeste Gelegenheit ergreifen w�rde, um in Ar wieder an die Macht zu kommen. Und ich, ihr Besch�tzer, wurde nun abgeschoben. Nach goreanischer Sitte spuckte mich jeder der M�nner an. Zuletzt spuckte Pa-Kur in seine Hand und legte sie mir auf die Brust.</p><p>�Ich h�tte dich ehrenvoll umgebracht�, sagte er mit unbewegtem Gesicht, �wenn nicht die Tochter des Marlenus Einspruch erhoben h�tte.</p><p>Das schw�re ich beim schwarzen Helm meiner Kaste.�</p><p>�Ich glaube dir�, sagte ich gepre�t. Mir war egal, ob ich lebte oder starb.</p><p>Langsam wurde ich vom Ufer fortgeschoben. Die Str�mung ergriff mich, und das Holzgestell wurde in langsamen Kreisen immer weiter in den Vosk hinausgetrieben.</p><p>Ein unangenehmer Tod erwartete mich. Hilflos an den Holzrahmen gefesselt, ohne Nahrung oder Wasser, wenige Zentimeter �ber der unruhigen Wasseroberfl�che, unter einer hei�en Sonne � da w�rde ich das Flu�delta nur als verschrumpelte Leiche erreichen, wenn �berhaupt. Wahrscheinlich waren die Wasserechsen oder die gro�en Schildkr�ten des Flusses schneller.</p><p>Meine Fu�- und Handgelenke waren wei� und gef�hllos geworden. Der grelle Schein der Sonne machte mir zu schaffen. Meine Kehle war wie ausged�rrt. Dabei war das Flu�wasser so nahe! Gedanken fuhren mir wie hei�e Nadeln durch den Kopf. Das Bild der verr�terischen, doch wundersch�nen Talena in ihrem Tanzkleid, in meinen Armen � sie, die dem kalten Pa-Kur ihre Liebe schenkte wegen eines Throns, sie, deren Ha� mich diesem f�rchterlichen Tod entgegenschickte und mir nicht einmal einen ehrenvollen Kriegertod g�nnte. Ich wollte sie hassen, aber ich brachte es nicht fertig. Ich liebte sie. Im Gras am Rande des Sumpfwaldes, in den Kornfeldern des Imperiums, auf der gro�en Ar-Stra�e, in der exotischen Karawane Mintars � dort �berall hatte ich die Frau gefunden, die ich liebte, die Blume einer barbarischen Rasse auf einer fernen, unbekannten Welt.</p><p>Unendlich langsam r�ckte die Nacht heran, doch endlich war die Sonne untergegangen, und ich hie� die k�hle, windige Dunkelheit willkommen. Das Wasser pl�tscherte um das Holzgestell, die Sterne schimmerten �ber mir in frostiger Ferne. Einmal b�umte sich zu meinem Entsetzen ein schuppiger K�rper unter dem Rahmen auf, und ich f�rchtete um mein Leben. Doch dann war das Wasser wieder ruhig. Erneut stieg die Sonne am Himmel auf, und mein zweiter Tag auf dem Vosk begann. Ich begann Angst zu haben, da� ich meine H�nde und F��e nie wieder gebrauchen k�nnte, da� die Fesseln sie absterben lassen w�rden � und dann begann ich wild und unkontrolliert zu lachen, als ich mir klar machte, da� es darauf gar nicht mehr ankam. Vielleicht war es dieses wilde Gel�chter, das den Tarn aufmerksam machte. Ich sah ihn kommen, die Sonne im R�cken; seine scharfen Krallen senkten sich wie Haken herab, die sich r�cksichtslos um meinen K�rper schl�ssen und mich mitsamt dem Holzgestell in die H�he hoben. Pl�tzlich schwebte ich in der Luft, die Fesseln, die nicht f�r diese Belastung gedacht waren, rissen und gaben das Holz frei, und der Tarn stieg mit triumphierendem Schrei zum Himmel auf.</p><p>Mir blieben noch einige Augenblicke zum Leben � die kurze Pause, die auch M�usen gew�hrt wird, w�hrend sie vom Falken zu dessen Nest getragen werden. Auf irgendeinem nackten Felsen hoch oben in den Bergen w�rde mein K�rper nun in St�cke gerissen. Der Tarn, ein brauner Tarn mit schwarzem Kamm, hielt auf einen fernen, verschwommenen Fleck zu, der ein Gebirge sein mu�te. Der Vosk wurde zu einem breiten schimmernden Band am Horizont. Weit unten war zu sehen, da� der Verw�stete Streifen hier und dort schon gr�ne Stellen aufwies, wo die Natur wieder durchzubrechen begann. Soweit ich sagen konnte, kamen wir nicht in die N�he der gro�en Stra�e, die zum Vosk hinabf�hrte. Dort h�tten wir die Kriegshorden Pa-Kurs sehen k�nnen, die in langen Reihen auf Ar zu marschierten, unz�hlige Tharlarionreiter, Tarntruppen, Versorgungswagen und Packtiere. Vorsichtig �ffnete und schlo� ich meine H�nde und bewegte die F��e und versuchte die Zirkulation wieder in Gang zu bringen. Der Tarn flog ruhig. Ich war dankbar, das schmerzvolle Gestell endlich los zu sein, und sah meinem schnellen Tod nun fast gelassen entgegen.</p><p>Doch pl�tzlich beschleunigte mein Tarn und begann in der n�chsten Minute nerv�s hin und her zu flattern. Das Tier floh! Ich drehte mich in seinen Klauen herum, und mein Herz machte einen erschreckten Sprung. Die Haare standen mir zu Berge, als ich den wilden Angriffsschrei eines zweiten Tarn vernahm; es handelte sich um ein gewaltiges Tier, das so schwarz war wie Pa-Kurs Helm. Seine Fl�gel peitschten durch die Luft und trugen den Angreifer unbarmherzig n�her. Mein Vogel machte eine unsichere Ausweichbewegung, und die gro�en Krallen des anderen Tarn streiften harmlos vor�ber. Dann kam der zweite Angriff, und mein Vogel wich erneut aus, doch der Angreifer hatte dieses Man�ver vorausgesehen � und das Ergebnis war, da� beide in der Luft zusammenstie�en.</p><p>In diesem wahnsinnigen Augenblick sp�rte ich, wie die entsetzlichen Klauen in die Brust meines Tieres drangen, das seine Krallen �ffnete. Ich begann zu fallen. Ich bemerkte noch, da� mein Tarn abst�rzte und da� sich der Angreifer in meine Richtung wandte. Im Fallen drehte ich mich herum, einen Angstschrei in der Kehle, und entsetzt sah ich den Boden n�her kommen. Doch ich sollte ihn nicht erreichen, denn der angreifende Tarn flog unter mich und griff mich mit seinem Schnabel auf � so wie eine M�we einen Fisch auffangen mag. Der gekurvte Schnabel schlo� sich um meinen K�rper, und wieder war ich die Beute eines Tarn. Bald hatte der schnelle Angreifer seine Berge erreicht, eine Kette r�tlicher Klippen, die schroff in die H�he ragten. Auf einem sonnenhellen Felsvorsprung lie� mich der Tarn in sein Nest fallen und setzte eine stahlbewehrte Kralle auf meinen K�rper, damit der gro�e Schnabel ungest�rt seine Arbeit verrichten konnte. Als sich die Spitze bedrohlich herabsenkte, gelang es mir, ein Bein zu heben und den Kopf des Tiers mit einem gewaltigen Tritt zur�ckzutreiben. Gleichzeitig stie� ich einen wilden Fluch aus.</p><p>Der Klang meiner Stimme hatte eine unerwartete Wirkung auf den Vogel. E        r neigte fragend den Kopf auf die Seite. Wieder br�llte ich ihn an. Und ich mu�te vor Hunger und Angst halb wahnsinnig gewesen sein, denn erst jetzt wurde mir klar, da� dieser Tarn mein eigenes Tier war! Ich gab mit lauter, fester Stimme ein Kommando und schob den st�hlernen Fu� von meiner Brust. Der Vogel wich zur�ck und wu�te offenbar nicht, was er tun sollte. Ich blieb im Gefahrenbereich, klatschte ihn freundlich auf den Schnabel, als w�ren wir in einem Tarnstall, und schob meine Hand in seine Nackenfedern � ein Gebiet, in dem sich der Tarn nicht s�ubern kann, wenn er sich Parasiten absucht. Ich holte einige murmelgro�e L�use aus den Federn, klatschte sie in den Schnabel des Tarn und wischte sie an seiner Zunge ab. Ich wiederholte diese Geste mehrmals, und der Tarn streckte den Kopf vor. Er hatte keinen Sattel und keine Z�gel mehr, die zweifellos abgefallen oder abgestreift worden waren. Nach einigen Minuten breitete der Tarn befriedigt die Fl�gel aus und setzte seine Nahrungssuche fort. Offensichtlich geh�rte ich nun nicht mehr in den Bereich des E�baren f�r ihn. Da� sich diese Meinung schnell �ndern konnte � besonders, wenn er keine Nahrung fand � war klar. Ich fluchte, weil ich den Tarnstab im Treibsand des Sumpfwaldes verloren hatte. Ich suchte auf dem Felsvorsprung nach einem Abstieg, doch die Klippen �ber und unter mir waren zu steil.. Pl�tzlich legte sich ein gro�er Schatten �ber mich ... Mein Tarn war zur�ckgekehrt. Ich blickte auf und mu�te erschreckt feststellen, da� es sich um ein anderes Tier handelte, einen wilden Tarn. Er landete auf dem Felsgrat und schnappte mit dem Schnabel. Hastig sah ich mich nach einer Waffe um und traute meinen Augen nicht, als ich im Ge�st des Nestes die �berbleibsel meines Sattels ausmachte. Ich zog den Speer aus dem Sattelschuh und wandte mich um. Das Tier hatte einen Moment zu lange gewartet. Als es nun zum Angriff �berging, stie� ich ihm die breite Waffe tief in die Brust. Seine Beine gaben nach, und er sank mit ausgebreiteten Fl�geln zu Boden und war sofort tot. Ich zog die Waffe zur�ck und benutzte sie als Hebel und rollte den zuckenden K�rper in die Tiefe.</p><p>Nun kehrte ich zum Nest zur�ck und nahm die �berreste des Sattels an mich. Bogen und Armbrust fehlten. Auch der Schild war verschwunden. Mit der Speerspitze durchtrennte ich die Satteltasche. Wie erwartet enthielt sie den Heimstein Ars. Er war wenig eindrucksvoll, klein, flach und von mattbrauner Farbe. In groben Strichen war ein archaischer goreanischer Buchstabe eingeritzt.</p><p>Ungeduldig legte ich den Stein beiseite. Viel wichtiger f�r mich war der weitere Inhalt der Satteltasche � meine restlichen Vorr�te, f�r den Heimflug nach Ko-ro-ba bestimmt. Zun�chst �ffnete ich eine der beiden Wasserflaschen und nahm eine getrocknete Ration. Und hoch oben auf dem windumtosten Felsvorsprung verzehrte ich ein Mahl, das mir schmeckte wie kein Essen zuvor, obwohl es nur aus einigen Schlucken Wasser, alten Keksen und einem St�ck Trockenfleisch bestand. Ich leerte die Satteltasche v�llig und fand zu meinem Entz�cken alte Karten und das Ger�t, das den Goreanern als Kompa� und auch als Chronometer dient. Soweit ich es nach der Karte und meinen Erinnerungen bestimmen konnte, befand ich mich in den Voltai-Bergen, manchmal auch das Rote Gebirge genannt, s�dlich vom Flu� und �stlich von Ar. Das bedeutete, da� ich die gro�e Stra�e doch �berquert hatte, aber ich wu�te nicht, ob das vor oder hinter Pa-Kurs Kriegshorde geschehen war.</p><p>Ich nahm nun Schn�re und Ersatzsehnen aus der Tasche, die mir bei der Reparatur des Sattels und der Z�gel n�tzen sollten. Es war schade, da� ich keinen Ersatz-Tarnstab in der Tasche gehabt hatte, auch w�re mir jetzt eine zweite Tarnpfeife sehr</p><p>zugute gekommen. Meine war verlorengegangen, als mich Talena kurz nach der Flucht vom R�cken meines Tarn warf. Ich wu�te nicht, ob sich der Vogel ohne Tarnstab lenken lie�. Bei meinen bisherigen Fl�gen hatte ich ihn nur selten eingesetzt � sogar seltener, als allgemein empfohlen wird, aber er war stets f�r den Notfall zur Stelle gewesen. Nun hatte ich ihn nicht bei mir. Ob ich d Tier   as zumindest eine Zeitlang kontrollieren konnte, w�rde davon abh�ngen, ob seine Jagd erfolgreich gewesen war � und sicherlich auch davon, wie der pl�tzliche Einflu� der Freiheit auf den Vogel gewirkt hatte. Mit meinem Speer konnte ich den Tarn t�ten, aber das brachte mich noch nicht von diesem Felsplateau fort. Ich hatte keine Lust, in der Einsamkeit hier oben zu verhungern.</p><p>In den n�chsten Stunden reparierte ich nach besten Kr�ften Z�gel und Sattel mit den Schn�ren, die mir zur Verf�gung standen. Als sich das gewaltige Reittier wieder auf dem Felsvorsprung niederlie�, hatte ich meine Arbeit beendet, und die verschiedenen Gegenst�nde waren sogar wieder in der Satteltasche verstaut. Dabei hatte ich auch den Heimstein Ars mit eingesteckt � jenes unansehnliche Felsst�ck, das mein Schicksal so sehr beeinflu�t hatte.</p><p>In den Krallen des Tarn hing eine tote Antilope; Hals und Kopf rollten haltlos hin und her. Als der Tarn seine Beute aufgefressen hatte, n�herte ich mich dem Tier und sprach zutraulich zu ihm, als w�re das etwas ganz Normales. Ich lie� den Vogel einen Blick auf das Geschirr werfen und befestigte es dann mit gemessenen Bewegungen an dem gefiederten Hals. Anschlie�end warf ich den Sattel auf den R�cken des Tarn und kroch unter seinen Bauch, um die Gurte festzuziehen. Schlie�lich stieg ich ruhig die frisch reparierte Steigleiter hinauf, zog sie hoch und befestigte sie an der Seite des Sattels. Ich blieb einen Augenblick reglos sitzen und zog dann entschlossen am ersten Z�gel. Erleichtert atmete ich auf, als sich das schwarze Ungeheuer in die L�fte schwang.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Ich w�hlte den Kurs nach Ko-ro-ba. In meiner Satteltasche trug ich eine Siegestroph�e, die inzwischen wertlos geworden war -</p><p>jedenfalls f�r mich. Sie hatte ihre Wirkung l�ngst getan. Ihr Verschwinden hatte bereits ein Imperium ins Wanken gebracht und zumindest f�r den Augenblick die Unabh�ngigkeit Ko-ro-bas und ihrer feindlichen Schwesterst�dte gesichert. Und doch brachte mir mein Sieg -wenn man ihn so bezeichnen konnte � keine Freude. Ich hatte das M�dchen verloren, das ich liebte, so grausam und undankbar sie auch gewesen sein mochte.</p><p>Ich lie� den Tarn ansteigen, bis ich ein Gebiet von etwa zweihundert Pasang �berschauen konnte. Weit entfernt war der silberne Streifen zu erkennen, bei dem e s sich um den gro�en Vosk handeln mu�te; davor die Grenze zwischen der grasbestandenen Ebene und dem Verw�steten Streifen. Ich �berschaute einen Teil der Voltai-Berge, entdeckte im S�den den Widerschein des Abendlichts auf den T�rmen Ars und beobachtete im Norden, vom Vosk n�her kommend, den Schimmer unz�hliger Kochfeuer, das Nachtlager Pa-Kurs. Als ich den zweiten Z�gel zog, um den Tarn in Richtung Ko-ro-ba zu lenken, entdeckte ich etwas Unerwartetes unmittelbar unter mir. Ich war verbl�fft. Von den schroffen Felsen des Voltai abgeschirmt, nur von hier oben zu erkennen, sah ich vier oder f�nf kleine Feuer, wie sie etwa das Lager einer Bergpatrouille oder einer kleinen Jagdgesellschaft zieren mochten � J�ger, die es auf die geschickte goreanische Bergziege abgesehen hatten oder auf den gef�hrlichen Larl, ein gelbbraunes leoparden�hnliches Raubtier, das oft in den goreanischen Bergen anzutreffen ist. Dieses Ungeheuer erreicht aufgerichtet eine Gr��e von zwei Metern und ist wegen seiner gelegentlichen Ausfl�ge in die Zivilisation gef�rchtet. Neugierig lenkte ich den Tarn hinab; es kam mir unwahrscheinlich vor, da� sich derzeit eine Patrouille aus Ar in den Voltai-Bergen aufhielt, ganz zu schweigen von einer Jagdgesellschaft. Als ich n�her kam, wurde mein Verdacht best�tigt. Vielleicht h�rten die M�nner des geheimnisvollen Lagers den Schlag der Tarnfl�gel, vielleicht war ich auch einen Sekundenbruchteil lang als Silhouette vor einem der drei goreanischen Monde zu sehen � jedenfalls verschwanden die Feuer pl�tzlich in einem Funkenregen, und die gl�hende Asche wurde sofort v�llig ausgetreten. Gesetzlose, vielleicht Deserteure aus der Armee von Ar. Es mochte viele geben, die sich in den Bergen in Sicherheit brachten. Meine Neugier war gestillt, und ich hatte wenig Lust, in der Schw�rze</p><p>dort unten zu landen, wo aus jeder Richtung ein Pfeil heranhuschen konnte, und ich zog an dem ersten Z�gel und machte Anstalten, nach Ko-ro-ba zur�ckzukehren, von wo ich vor einigen Tagen � vor einer Ewigkeit � gestartet war.</p><p>Als sich der Tarn in die L�fte schwang, h�rte ich den unheimlichen Jagdschrei des Larl. Mein Tarn schien mitten im Flug zu erschaudern. Der Schrei wurde erwidert und fand bald auch ein drittes Echo in einiger Entfernung. Wenn der Larl allein jagt, geht er stumm vor und �u�ert keinen Laut, bis auf das pl�tzliche Br�llen, das den eigentlichen Angriff einleitet und das Opfer im entscheidenden Augenblick vor Schreck lahmen soll. Doch heute nacht war eine ganze Larlhorde auf der Pirsch, und die Schreie sollten die Beute, die gew�hnlich aus mehreren Tieren bestand, in die Richtung treiben, in der Stille herrschte. Dort wartete dann gew�hnlich der Rest des Rudels.</p><p>Die drei Monde schimmerten hell, und in dem exotischen Gewirr aus Licht und Schatten erblickte ich einen der Larls, der lautlos dahintrottete; sein K�rper wirkte fast wei� im Mondschein. Das Ungeheuer blieb stehen, hob witternd den breiten Kopf und stie� wieder seinen Jagdschrei aus, der sofort von Westen und S�dwesten erwidert wurde. Pl�tzlich verharrte das Tier und stellte seine spitzen Ohren auf. Ich dachte schon, da� es vielleicht meinen Tarn geh�rt h�tte, doch es k�mmerte sich nicht um uns.</p><p>Ich steuerte den Tarn in weiten Kreisen niedriger und behielt den Larl im Auge. Der Schwanz des Tieres begann �rgerlich hin und her zu peitschen. Es duckte sich. Dann huschte es los, setzte vorsichtig eine Pranke vor die andere, zuerst die Krallen und dann den Pfotenballen -eine Bewegung, die ebenso sch�n wie erschreckend war. Offenbar ging dort unten etwas Ungew�hnliches vor. Irgendein Tier schien zu versuchen, den Kreis der Larls zu durchbrechen. Der Larl hatte durchaus etwas dagegen, da� ihm ein einzelnes Tier entwischte, obwohl er damit riskierte, den Kreis der jagenden Raubtiere zu �ffnen. Auch wenn er sich zu Rudeln zusammenfindet, bleibt er doch immer ein einsamer J�ger.</p><p>Erschreckt machte ich pl�tzlich die Beute des Larls aus. Es war ein Mensch, der sich mit �berraschender Schnelligkeit in dem rauhen Gel�nde bewegte. Zu meiner Verbl�ffung sah ich, da� er die gelben Lumpen eines Dar-Kosis -Auss�tzigen trug, jener ansteckenden unheilbaren Krankheit Gors.</p><p>Ohne nachzudenken, ergriff ich meinen Speer, zog mit hastiger Bewegung am vierten Z�gel und leitete damit einen abrupten Abstieg ein. Der Vogel landete zwischen dem kranken Menschen und dem n�herkommenden Larl.</p><p>Ich wagte es nicht, meinen Speer von dem sicheren, doch schwankenden Sattel des Tarn aus zu werfen; vielmehr sprang ich zu Boden. Im n�chsten Augenblick stie� der Larl seinen Jagdschrei aus und griff an. Das Entsetzen �ber den wilden Schrei griff mit Riesenf�usten nach mir � ein unkontrollierbarer Reflex, der mich lahmte. Doch so schnell er gekommen war, klang der Moment der Erstarrung auch wieder ab, und ich hob den Speer, um dem Ansturm des Larls zu begegnen. Vielleicht hatte mein pl�tzliches Erscheinen das Tier unsicher gemacht oder seine Instinkte verwirrt � jedenfalls hatte es wohl eine Sekunde zu fr�h geschrien, so da� ich Muskeln und Nerven wieder in die Gewalt bekommen konnte. Als das gewaltige Raubtier, noch f�nf Meter entfernt, zu einem gewaltigen Sprung ansetzte, hatte ich meinen Speer wie eine Pike in den Boden gestemmt und st�tze ihn vorsichtig ab. Die Speerspitze verschwand in der pelzigen Brust des Larls, und der Speerschaft begann darin zu versinken, als das Ge wicht des Tieres die Spitze weiter hineintrieb. Ich sprang zur Seite, wobei ich den Zuckungen der gef�hrlichen Vorderpranken nur knapp entging. Der Speerschaft brach ab, und das Ungeheuer ging zu Boden. Es stie� wilde, durchdringende Schreie aus und versuchte den kleinen spitzen Gegenstand aus seinem K�rper zu entfernen. Erschaudernd rollte der gro�e Kopf schlie�lich zur Seite, und die Augen schl�ssen sich, bis nur noch ein milchiger Schlitz zu sehen war.</p><p>Ich wandte mich um und musterte den Mann, dessen Leben ich gerettet hatte. Er stand geb�ckt vor mir. Seine Kapuze verdeckte das Gesicht. �Von der Sorte gibt es hier noch mehr�, sagte ich. �Du solltest mit mir kommen. Hier bist du nicht sicher.�</p><p>Die Gestalt schien kleiner zu werden in ihren gelben Lumpen. �Die Heilige Krankheit�, fl�sterte sie und deutete auf ihr Gesicht. Das war die w�rtliche �bersetzung des Wortes Dar-Kosis � Heilige Krankheit. Dieser Namen entspringt dem Glauben, da� sie den Priesterk�nigen heilig sei und da� alle, die unter ihr leiden, den Priesterk�nigen verschrieben sind. Entsprechend gilt es als S�nde, ihr Blut zu vergie�en. Die Auss�tzigen hatten ohnehin wenig von ihren Mitmenschen zu furchten; ihre Krankheit ist auf dem Planeten derart gef�rchtet, da� selbst k�hnste Gesetzesbrecher einen weiten Bogen um sie machen.</p><p>An verschiedenen Orten gibt es Dar-Kosis -Gruben, in denen die Auss�tzigen sich freiwillig aufhalten k�nnen und wo sie vom R�cken hochfliegender Tarns aus versorgt werden. Ist ein Auss�tziger erst einmal in einer solchen Grube, darf er sie nicht wieder verlassen. Dieser arme Bursche hier mu�te aus einer der Gruben geflohen sein.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte ich.</p><p>�Ich bin ein Auss�tziger�, jammerte die unheimliche Gestalt. �Die Auss�tzigen sind tot. Die Toten sind namenlos.�</p><p>Ich war froh, da� es dunkel war und da� der Mann seine Kapuze herabgezogen hatte, denn ich hatte wenig Lust, sein verw�stetes Gesicht zu sehen.</p><p>�Du brauchst keine Angst zu haben�, sagte ich und deutete auf den</p><p>Tarn, der ungeduldig seine Fl�gel sch�ttelte. �Beeil dich. Es sind noch mehr Larls in der N�he.�</p><p>�Die Heilige Krankheit�, sagte der Mann noch einmal.</p><p>�Ich kann dich nicht hier zur�cklassen�, sagte ich. Ich erschauderte bei dem Gedanken, das entsetzliche Wesen in meinen Sattel zu heben. Ich f�rchtete die Krankheit � doch ich konnte den Mann hier nicht den Raubtieren �berlassen.</p><p>Die Gestalt lachte � ein d�nnes, jammerndes Ger�usch. �Ich bin l�ngst tot�, lachte sie wild. �M�chtest du die Heilige Krankheit haben?� fragte er und streckte eine Hand aus, als wollte er nach mir greifen.</p><p>Ich wich entsetzt zur�ck.</p><p>Das Ding stolperte vor, griff nach mir und fiel mit leisem St�hnen zu Boden. Es sa� dort vor mir, in gelbe Lumpen gekleidet � ein H�uflein Verzweiflung unter den drei goreanischen Monden. Es schaukelte hin und her und stie� leise Laute des Wahnsinns aus.</p><p>Aus einiger Entfernung h�rte ich das Br�llen eines Larls.</p><p>�Steh auf�, sagte ich. �Wir haben nicht viel Zeit.�</p><p>�Hilf mir�, wimmerte der andere.</p><p>Ich unterdr�ckte meinen Ekel und streckte meine Hand aus. �Komm, fa� an�, sagte ich. �Ich helfe dir.�</p><p>Aus dem H�uflein Lumpen streckte sie mir eine Hand entgegen, deren Finger gekr�mmt waren wie die Spitzen einer Tierklaue. Ich schlo� die Augen und griff zu, um das ungl�ckliche Wesen hochzuziehen.</p><p>Zu meinem Erstaunen war die Hand des Mannes fest und hart wie Sattelleder. Ehe ich �berhaupt wu�te, was mit mir geschah, wurde mein Arm nach unten gezogen, und ich lag zu F��en des Mannes, der blitzschnell aufsprang und einen Stiefel auf meinen Hals setzte. Seine Hand umspannte ein Schwert und f�hrte dessen Spitze auf meine Brust. Der Mann lachte dr�hnend und warf seinen Kopf hoch, wobei seine Kapuze zur�ckfiel. Ich sah einen massigen, l�wen�hnlichen Kopf mit ungez�hmtem langem Haar und einem Bart, der so wild war wie die Voltai-Berge. Der Mann, der vor mir anzuwachsen schien, zog aus seinen gelben Roben eine Tarnpfeife hervor und lie� einen schrillen Ton h�ren. Sofort wurde dieser Laut von anderen Pfeifen aufgenommen, die aus allen Richtungen von den Bergen herabklangen. Kaum eine Minute sp�ter war die Luft von wildem Fl�gelschlag erf�llt, und etwa ein halbes Hundert wilder Tarnk�mpfer landete auf der Ebene. �Ich bin Marlenus, Ubar von Ar�, sagte der Mann.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Ich war in kniender Stellung gefesselt, und mein R�cken blutete von zahlreichen Peitschenschl�gen. Neun Tage lang war ich nun schon ein Gefangener in Marlenus Lager, gefoltert und geschunden. Jetzt wurde ich vor den Ubar gebracht � zum erstenmal, seit ich sein Leben gerettet hatte. Vielleicht gedachte er, die Leiden des Kriegers, der den Heimstein seiner Stadt gestohlen hatte, endlich zu beenden. Einer seiner Tarnk�mpfer griff in mein Haar und zwang meine Lippen zu seiner Sandale hinab. Ich hob den Kopf hoch und hielt den R�cken gerade und lie� in meinem Blick nichts erkennen, das ihm Befriedigung verschaffen konnte. Ich kniete auf dem Felsboden einer flachen H�hle irgendwo im Voltai � links und rechts flackerten abgeschirmte Feuer. Auf einem Thron aus aufgestapelten Felsbrocken sa� Marlenus. Das Haar fiel ihm locker �ber die Schultern, und sein gro�er Bart reichte fast bis zum Schwertg�rtel. Er war ein riesiger Mann, gr��er noch als der �ltere Tarl, und in seinen wilden gr�nen Augen loderte das Feuer, das ich auch in den Augen seiner Tochter Talena gefunden hatte. Obwohl ich von der Hand dieses gro�artigen Barbaren sterben sollte, versp�rte ich keine Abneigung gegen ihn.</p><p>Um den Hals trug er die goldene Kette des Ubar � eine medaillongro�e Nachbildung des Heimsteins von Ar. Seine H�nde umschlossen den eigentlichen Stein, jenen winzigen Quell f�r all das Blutvergie�en. Seine Finger betasteten ihn sanft.</p><p>Am H�hleneingang hatten zwei seiner M�nner eine Tharlarionlanze in eine Vertiefung geschoben. Vermutlich sollte ich nun aufgespie�t werden. Es gibt verschiedene M�glichkeiten, eine solche grausame Hinrichtung vorzunehmen, und einige Methoden sind nat�rlich r�cksichtsvoller als andere. Ich rechnete kaum damit, da� mir ein schneller Tod gew�hrt werden w�rde.</p><p>�Du hast den Heimstein Ars gestohlen�, sagte Marlenus. �Ja�, erwiderte ich.</p><p>�Eine t�chtige Leistung�, sagte Marlenus und betrachtete den Stein. Ich kniete vor ihm und wunderte mich, da� er � und die �brigen Anwesenden � kein Interesse am Schicksal seiner Tochter zeigten. �Du wei�t nat�rlich, da� du sterben mu�t�, sagte Marlenus, ohne mich anzuschauen.</p><p>�Du bist ein junger, mutiger und dummer Krieger�, sagte er und beugte sich vor. Lange schaute er mir in die Augen und setzte sich dann wieder zurecht. �Es gab eine Zeit, da war ich ebenso jung und mutig � und vielleicht ebenso dumm.� Marlenus starrte �ber meinen Kopf ins Leere. �Ich riskierte mein Leben tausendfach und verschenkte meine Jugend an die Vision eines geeinigten Imperiums von Ar, die Vision, da� es auf Ar nur noch eine Sprache, einen Handel, eine Art von Gesetzen g�be, da� die Stra�en und Gebirgsp�sse sicher w�ren, da� das Landvolk seine Felder in Frieden bestellen k�nnte, da� es nur einen Rat g�be, der �ber die Politik entscheidet, da� nur noch eine �bergeordnete Stadt best�nde, unter deren Einflu� sich die Zylinder von hundert feindlichen St�dten zusammenfinden � und all dies hast du vernichtet.� Marlenus sah mich an. �Was kannst du von all dem wissen � du, ein einfacher Tarnsmann? Aber ich, Marlenus, der ich mehr als ein einfacher Krieger war. Wo die anderen nur die Regeln ihrer Kasten sahen, wo die anderen keine Verpflichtung sp�rten als die gegen�ber ihrem Heimstein, wagte ich es, den Traum von Ar zu tr�umen � wagte mir vorzustellen, da� dem sinnlosen Blutvergie�en ein Ende bereitet werden k�nnte, da� �ngste und Gefahren, Rachefeldz�ge und Grausamkeiten, die unser Leben verdunkeln, in die Vergangenheit verbannt werden sollten � ich tr�umte, da� sich aus der Asche meiner Eroberungen eine neue Welt erheben w�rde, eine Welt der Ehre und der Ordnung, der Macht und Gerechtigkeit.�</p><p>�Ihrer Gerechtigkeit�, sagte ich.</p><p>�Ja, meiner Gerechtigkeit, wenn du willst�, sagte er.</p><p>Marlenus setzte den Heimstein auf dem Boden ab und zog sein Schwert, das er quer vor sich �ber die Knie legte; er wirkte wie ein erz�rnter Kriegsgott.</p><p>�Wei�t du, Tarnsmann�, sagte er, �da� es ohne das Schwert keine Gerechtigkeit gibt?� Er l�chelte grimmig. �Das ist eine entsetzliche Wahrheit�, sagte er. �Bedenke es wohl! Ohne diese Klinge gibt es nichts � keine Gerechtigkeit, keine Zivilisation, keine Gesellschaft, keine Gemeinschaft, keinen Frieden. Ohne das Schwert ist nichts.�</p><p>�Aber mit welchem Recht ist es das Schwert des Marlenus, das Gor die Gerechtigkeit bringt?�</p><p>�Du verstehst mich nicht�, sagte Marlenus. �Auch das Recht, von dem du so ehrerbietig sprichst, verdankt seine Existenz dem Schwert.�</p><p>�Ich halte das f�r falsch�, sagte ich. �Ich hoffe jedenfalls, da� es falsch ist.�</p><p>Marlenus blieb ruhig. �Vor dem Schwert ist nichts richtig oder falsch � vor dem Schwert besteht nur die Realit�t Es gibt keine Gerechtigkeit, solange nicht das Schwert sie schafft, etabliert, garantiert, ihr Substanz und Bedeutung gibt.�</p><p>�Aber�, sagte ich, �was ist mit dem Traum vom m�chtigen Ar, von dem du gesprochen hast, dem Traum, den du f�r gut und richtig hieltest?�</p><p>�Ja?� fragte Marlenus.</p><p>�Ist das ein guter Traum?� fragte ich.</p><p>�Ja, es ist ein guter Traum�, sagte er.</p><p>�Und doch�, sagte ich, �hat dein Schwert noch nicht die Kraft gefunden, ihn Wirklichkeit werden zu lassen.�</p><p>Marlenus sah mich nachdenklich an und lachte. �Bei den Priesterk�nigen�, sagte er, �ich glaube fast, diesen Wortwechsel habe ich verloren. � Aber wenn deine Worte die Wahrheit sind � wie scheiden wir dann die guten von den schlechten Tr�umen?�</p><p>Das schien mir eine schwierige Frage zu sein.</p><p>�Ich werd's dir sagen�, lachte Marlenus. Stolz schlug er auf seine Klinge.</p><p>�Hiermit!�</p><p>Nun erhob sich der Ubar und schob sein Schwert in die Scheide. Wie auf ein Signal kamen einige seiner Tarnk�mpfer in die H�hle und ergriffen mich.</p><p>�Spie�t ihn auf!� sagte Marlenus.</p><p>Die M�nner begannen meine Fesseln zu l�sen, damit ich frei auf die Lanze gespie�t werden konnte, was vermutlich auch ein besseres Schauspiel bot, als wenn ich gefesselt gewesen w�re.</p><p>�Deine Tochter Talena lebt�, sagte ich zu Marlenus. Er schien sich nicht sonderlich f�r das Thema zu interessieren. Wenn er jedoch ein Mensch war, mu�te er wissen wollen, was aus ihr geworden war.</p><p>�Sie h�tte mir tausend Tarns gebracht�, sagte Marlenus. �Setzt die Vollstreckung fort.�</p><p>Die K�mpfer umfa�ten meine Arme. Zwei weitere M�nner nahmen die Tharlarionlanze aus der Vertiefung und brachten sie vor. Ich sollte nun damit aufgespie�t und daran in die H�he gehievt werden.</p><p>�Sie ist immerhin deine Tochter�, sagte ich zu Marlenus. �Sie lebt.�</p><p>�Hat sie sich dir unterworfen?� fragte Marlenus.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Dann hat sie ihr Leben h�her bewertet als meine Ehre.�</p><p>Pl�tzlich wich die seltsame L�hmung, die mich befallen hatte, und Wut erf�llte mich. �Deine Ehre sei verdammt!� br�llte ich.</p><p>Ohne nachzudenken, ri� ich mich von den beiden Tarnk�mpfern los, als w�ren sie Kinder, st�rzte mich auf Marlenus und versetzte ihm einen heftigen Faustschlag ins Gesicht. Verbl�fft taumelte er zur�ck. Ich wandte mich gerade noch rechtzeitig zur�ck, um die Lanze zur Seite zu schlagen, die � von zwei M�nnern gef�hrt � meinen R�cken durchbohren sollte. Ich griff danach, drehte sie herum und benutzte sie als Sprungstab, der von den beiden M�nnern gehalten wurde. Ich sprang in die Luft und trat dabei nach meinen Gegnern. Ich h�rte sie schmerzerf�llt aufschreien und fand mich allein im Besitz der Lanze. Etwa f�nf oder sechs Tarnk�mpfer rannten auf den breiten H�hleneingang zu, doch ich griff sofort an, die Lanze parallel zu meinem K�rper haltend, hieb ich mit fast �bernat�rlichen Kr�ften zu und dr�ckte die M�nner aus der H�hle. Ihre Schreie mischten sich mit Wutgebr�ll, als nun die anderen Tarnk�mpfer zum Angriff �bergingen.</p><p>Einer hob eine Armbrust, und ich schleuderte die Lanze. Er st�rzte r�ckw�rts zu Boden; der Lanzenschaft ragte aus seiner Brust, und der Bolzen aus seiner Waffe prallte funkenspr�hend gegen die Decke �ber meinem Kopf. Einer der M�nner lag zu meinen F��en. Ich zerrte das Schwert aus der Scheide. Ich begann mich zu wehren und t�tete den ersten Mann, der auf mich eindr�ngte, und verwundete den zweiten � wurde jedoch langsam in die H�hle hineingedr�ngt. Ich hatte keine Chance, aber ich gedachte meine Haut teuer zu verkaufen.</p><p>W�hrend des K�mpfens h�rte ich das br�llende Gel�chter Marlenus hinter mir, der sich dar�ber freute, da� sich die einfache Aufspie�ung zu einem Kampf entwickelt hatte, der so recht nach seinem Herzen war. In einer Kampfpause fuhr ich zu ihm herum � in der Hoffnung, ihn �berraschen zu k�nnen, doch im gleichen Augenblick trafen mich meine eigenen Fesseln ins Gesicht; Marlenus hatte sie wie ein Lasso geschleudert, so da� sie sich um meinen Hals wickelten. Ich schluckte und sch�ttelte den Kopf, um das Blut aus meinen Augen zu vertreiben, doch im n�chsten Augenblick war ich schon von einigen Tarnk�mpfern �berw�ltigt.</p><p>�Gut gek�mpft, junger Krieger�, sagte Marlenus anerkennend. �Du hast wirklich nicht wie ein Sklave sterben wollen.� Er wandte sich an seine M�nner. �Was meint ihr�, lachte er, �hat dieser Krieger sich das Recht verdient, den Tarntod zu sterben?�</p><p>�Das hat er!� sagte einer der Tarnk�mpfer, der eine blutende Brustwunde versorgte.</p><p>Ich wurde nach drau�en gezerrt, und an meinen Hand- und Fu�gelenken wurden Fesseln angebracht. Die losen Enden � wurden mit breiten Lederriemen an zwei Tarns befestigt, von denen einer mein eigenes schwarzes Tier war.</p><p>�Du wirst in St�cke gerissen�, sagte Marlenus. �Das ist nicht angenehm, aber immer noch besser als die Aufspie�ung.�</p><p>Ich wurde fest angeknotet. Ein Tarnk�mpfer bestieg den einen Vogel, ein zweiter das andere Tier.</p><p>�Ich bin noch nicht tot�, sagte ich. Es war eine dumme Bemerkung, aber ich hatte irgendwie das Gef�hl, da� meine Zeit noch nicht gekommen war.</p><p>Marlenus blieb ernst. �Du hast den Heimstein Ars gestohlen�, sagte er.</p><p>�Du hattest Gl�ck.�</p><p>�Keiner entgeht dem Tarntod�, sagte einer der M�nner.</p><p>Die Krieger des Ubar wichen zur�ck und machten den Tarns Platz.</p><p>Marlenus �berpr�fte noch einmal pers�nlich die Knoten, zog sie noch enger an.</p><p>�M�chtest du, da� ich dich gleich t�te?� fragte er leise. �Der Tarntod ist kein sch�nes Ende.� Seine Hand, von seinen M�nnern durch den breiten K�rper abgeschirmt, lag auf meinem Hals.</p><p>�Warum diese pl�tzliche F�rsorge?� fragte ich.</p><p>�Wegen eines M�dchens�, sagte er. �Wegen der Liebe, die sie f�r dich empfindet.�</p><p>�Deine Tochter ha�t mich�, sagte ich.</p><p>�Sie hat dem Werben Pa-Kurs, des Attent�ters, nur nachgegeben, damit du auf dem Holzgestell eine �berlebenschance hattest.�</p><p>�Woher wei�t du das?� fragte ich.</p><p>�Das ist im Lager Pa-Kurs allgemein bekannt�, erwiderte Marlenus. Ich sp�rte, da� er l�chelte. �Ich selbst habe es als Auss�tziger von Mintar geh�rt, der der Kaste der Kaufleute angeh�rt. Die H�ndler m�ssen sich ihre Freunde auf beiden Seiten des Zauns halten, denn wer kann wissen, ob nicht Marlenus eines Tages wieder auf dem Thron Ars sitzt?�</p><p>Ich mu� einen Freudenschrei ausgesto�en haben, denn Marlenus legte mir hastig die Hand auf den Mund.</p><p>Er fragte nicht mehr, ob er mich umbringen sollte, sondern richtete sich auf und ging davon.</p><p>Mit schmerzhaftem Ruck hoben sich die beiden Tarns in die L�fte. Einen Augenblick schwang ich frei zwis chen den V�geln. Als wir eine H�he von etwa hundert Metern erreicht hatten, steuerten die beiden Reiter nach einem vorher vereinbarten Signal � dem schrillen Pfiff einer Tarnpfeife � ihre Tiere in entgegengesetzte Richtungen. Der pl�tzliche Schmerz schien meinen K�rper auseinanderzurei�en. Ich mu� gegen meinen Willen aufgeschrien haben. Die V�gel zogen davon, versuchten sich voneinander zu entfernen. Von Zeit zu Zeit lie�en die Tiere in ihren Bem�hungen nach, und die Seile erschlafften. Ich h�rte die Fl�che der Tarnreiter �ber mir und sah auch zweimal das Aufblitzen der Tarnst�be. Dann verst�rkten die V�gel ihren Zug wieder, und der unertr�gliche Schmerz begann erneut.</p><p>Pl�tzlich ert�nte ein schnurrendes Ger�usch, und eine der Handfesseln ri�. Ohne nachzudenken, fummelte ich an der Fessel des anderen Arms herum, und als der Vogel wieder anflog, wurde mir die Schlinge schmerzhaft �ber die Hand gerissen, und das Seil tanzte in die Dunkelheit davon, und ich schwang kopf�ber an den Seilen des anderen Tarn. Es mochte einige Augenblicke dauern, bis die Tarnk�mpfer die Wahrheit erkannten, denn sie mu�ten nat�rlich zun�chst vermuten, da� sie meinen Leib auseinandergerissen hatten. Ich schwang mich hoch und begann an einem der beiden Seile hinaufzuklettern, die zu dem gro�en Vogel �ber mir f�hrten. Nach wenigen Augenblicken hatte ich den Sattelgurt erreicht und klammerte mich an den Waffenringen fest.</p><p>Da entdeckte mich der Tarnk�mpfer und stie� einen Wutschrei aus. Er zog sein Schwert und hieb nach mir, und ich lie� mich auf eine Klaue des Vogels gleiten, der sofort vom Kurs abkam. Im n�chsten Augenblick lockerte ich den Sattelgurt, und der gesamte Sattel, an den sich der Reiter festgeschnallt hatte, glitt vom R�cken des Vogels und taumelte in die schwarze Dunkelheit unter mir.</p><p>Ich h�rte den Schrei des Tarnk�mpfers � ein Schrei, der pl�tzlich abbrach.</p><p>Der andere Tarnmann mu�te etwas gemerkt haben. Jede Sekunde war kostbar. Ich setzte alles auf eine Karte, tastete in der Dunkelheit nach den Z�geln des Vogels und vermochte schlie�lich den Halsriemen des Tieres zu umfassen. Der pl�tzlich nach unten gerichtete Druck meiner Hand hatte die gew�nschte Wirkung. Der Vogel meinte, der vierte Z�gel w�re gezogen worden, und begann sofort an H�he zu verlieren. Eine Minute sp�ter hatte ich wieder festen Boden unter den F��en � ein wildes Hochplateau. Ein roter Schimmer zog �ber den Bergen herauf, und ich wu�te, da� der Morgen anbrach. Meine Fu�gelenke waren noch immer an den Vogel gefesselt, und hastig l�ste ich die Seile. Im ersten Schimmer des Morgenlichts entdeckte ich in einiger Entfernung das Gesuchte � den Sattel und den verkr�mmten K�rper des Tarnsmannes. Ich lie� den Vogel stehen, rannte zu dem Sattel und nahm die Armbrust an mich, die zu meiner Freude noch in Ordnung war. Auch der Spezialk�cher war voll. Ich</p><p>spannte den Bogen und setzte einen Bolzen ein. Ich vermochte den anderen Tarn �ber mir zu h�ren. Als er zum Angriff herabschwebte entdeckte der Reiter zu sp�t meine Armbrust. Das Gescho� lie� ihn im Sattel zusammensinken.</p><p>Der Tarn, mein schwarzer Riese aus Ko-ro-ba, landete und kam majest�tisch n�her. Ich wartete unruhig, bis er den Kopf zutraulich �ber meine Schulter streckte und seinen Hals lang machte. Fr�hlich kratzte ich ihm eine Handvoll L�use aus den Federn und klatschte sie wie eine S��igkeit auf seine Zunge. Dann t�tschelte ich ihm freundlich das Bein, stieg zum Sattel hinauf, stie� den toten Reiter zu Boden und g�rtete mich fest.</p><p>Ich f�hlte mich gro�artig. Ich hatte wieder Waffen und meinen Tarn, dazu einen Tarnstab und einen kompletten Sattel. Ich schwang mich in die L�fte, ohne noch einen Gedanken an Ko-ro-ba oder den Heimstein zu verschwenden. Mit gro�em Optimismus lie� ich meinen Tarn �ber den Voltai-Bergen aufsteigen und nahm Kurs auf Ar.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Ar, zwar belagert, doch noch unbesiegt, war ein gro�artiger Anblick. Seine herrlichen schimmernden Zylinder ragten stolz hinter den schneewei�en Marmorbefestigungen auf, den Doppelmauern; die erste war hundert Meter hoch, die zweite � zwanzig Meter dahinter � sogar hundertunddrei�ig Meter. Die Mauern waren so breit, da� man mit sechs Tharlarionwagen nebeneinander darauf entlangfahren konnte. In Abst�nden von f�nfzig Metern erhoben sich vorspringende T�rme. �ber der Stadt, �ber den Mauern und Zylindern, machte ich hier und dort das Blitzen schwankender Tarndr�hte aus � Hunderttausende d�nner Dr�hte, die sich als sch�tzendes Netz �ber die Stadt erstreckten. Einen Tarn durch dieses Schutznetz zu steuern, war nahezu unm�glich; die Dr�hte mu�ten ihm die Fl�gel vom Leib trennen.</p><p>In der Stadt hatten die Wissenden, die kurz nach Marlenus Flucht an die Macht gekommen waren, sicherlich schon die Belagerungsvorr�te angegriffen und die gewaltigen Kornspeicher unter Verwaltung gestellt. Bei vern�nftiger Rationierung mochte eine Stadt wie Ar eine Generation lang ausharren. Au�erhalb der Mauern hatten sich Pa-Kurs Streitkr�fte</p><p>gesammelt und richteten sich unter Anleitung der besten goreanischen Belagerungsexperten auf den Kampf ein. Einige hundert Meter von den Mauern entfernt, au�er Armbrustschu�weite, hoben Tausende von Belagerungssklaven einen riesigen Graben aus. Bei ihrer Vollendung sollte die Grube f�nfzehn bis zwanzig Meter breit und fast f�nfundzwanzig Meter tief sein. Am r�ckw�rtigen Rand des Grabens wurde die ausgehobene Erde zu einem gro�en Wall aufgeworfen. Oben auf diesem Wall entstanden zahlreiche L�cher, die hinter beweglichen Holzschilden Bogensch�tzen und sonstige Artillerie beherbergen sollten. Zwischen diesem Graben und den Stadtmauern waren in der Dunkelheit Tausende von angespitzten Pf�hlen aufgestellt worden, der Stadt zugeneigt. Manche dieser Todesfallen waren getarnt oder in Gruben aufgestellt. Hinter dem gro�en Graben zog sich in einigen hundert Metern Entfernung eine kleinere Grube hin � etwa f�nf Meter breit und f�nf Meter tief, ebenfalls mit einem Wall versehen. Auf diesem erhob sich eine Palisade angespitzter St�mme. In dieser Palisadenwand g�hnte alle f�nfzig Meter ein Holztor; Zug�nge zu den zahllosen Zelten des belagerten Heeres.</p><p>Hier und dort wurden zwischen den Zelten Belagerungst�rme konstruiert. Neun solche Baustellen waren zu sehen. Es war undenkbar, da� sie die Mauern Ars �berragten, aber mit ihren Sturmrammen konnten sie vielleicht weiter unten Schaden anrichten. Die Mauerkronen sollten von Tarnk�mpfern angegriffen werden. Wenn die Zeit der Attacke heranr�ckte, sollten Br�cken �ber die Gr�ben geschlagen werden; �ber diese Br�cken w�rden sich die Heerscharen von K�mpfern ergie�en. Leichtes Kampfger�t, zumeist Katapulte, wurden von gepanzerten Tarnteams �ber die Gr�ben geschafft.</p><p>Ein Aspekt der Belagerung mu�te meinen Augen verschlossen bleiben -das war das heftige Duell des Tunnelgrabens von beiden Seiten. Wahrscheinlich waren bereits zahlreiche unterirdische G�nge in Arbeit, in denen zweifellos einige der heftigsten K�mpfe der Belagerung ausgetragen wurden. Nat�rlich erschien es angesichts der Fundamente der m�chtigen Stadtmauern unwahrscheinlich, da� sie durch Tunnel zum Einsturz gebracht werden konnten, aber es war denkbar, da� sich einer der Tunnels unbemerkt in die Stadt hineinf�hren lie�, wodurch ein mutiger Trupp hinter die Reihen der Verteidiger gelangen und von dort etwa gegen das Haupttor vorgehen konnte.</p><p>Nun bemerkte ich einen Umstand, der mich etwas verwirrte. Pa-Kur hatte es vers�umt, sich durch einen dritten Graben den R�cken freizuhalten. Ich sah Lieferanten und H�ndler, die ungehindert im Lager ein- und ausgingen. Ich �berlegte, da� Pa-Kur sicher nichts zu bef�rchten hatte und deshalb seine Belagerungssklaven und Gefangenen nicht mit nutzloser und zeitraubender Arbeit besch�ftigen wollte. Dennoch hielt ich es f�r einen Fehler, wenn auch nur nach den Regeln der Belagerungspraxis.</p><p>Ich landete meinen Tarn etwas au�erhalb des Lagers, acht oder zehn Kilometer von der Stadt entfernt. Ich war nicht �berrascht, als niemand mich aufhielt; Pa-Kurs Arroganz war so gro�, da� keinerlei Wachen die Zug�nge zu der Zeltstadt kontrollierten. Ich betrat das Lager, wie ich vielleicht einen Jahrmarkt besucht h�tte. Ich hatte keinen pr�zisen Plan, doch ich war entschlossen, Talena zu finden und mit ihr zu fliehen � oder bei dem Versuch zu sterben.</p><p>Ich hielt ein vorbei eilendes Sklavenm�dchen an und erkundigte mich nach dem Weg zum Lager des Kaufmanns Mintar; ich war sicher, da� er die Horden in das Kernland Ars zur�ckbegleitet hatte. Das M�dchen spuckte die M�nzen, die sie in ihrem Mund trug, in die Hand und gab mir die gew�nschte Information.</p><p>Ich hatte mir einen Helm �bergestreift, den ich dem Krieger in den Voltai-Bergen abgenommen hatte, und n�herte mich nun nerv�s dem Lager Mintars. Am Eingang stand ein riesiger Drahtk�fig, ein Tarnstall. Ich warf dem Aufseher eine silberne Tarnm�nze zu und befahl ihm, sich um meinen Vogel zu k�mmern.</p><p>Ich schlich vorsichtig um das Lager herum, das � wie viele H�ndlerlager � durch einen geflochtenen Weidenzaun vom Hauptlager abgetrennt war.</p><p>�ber der Anlage erstreckte sich ein silberschimmerndes Tarnnetz, als handele es sich um eine belagerte Stadt. Mintars Lager war mehrere Morgen gro� � das gr��te H�ndlerlager �berhaupt.</p><p>Vorsichtig sah ich mich um, kletterte �ber den schmalen Zaun und lie� mich zwischen einigen Tharlarions zu Boden gleiten. Die schwerf�lligen Zugtiere hoben kaum den Kopf, als ich mich zwischen ihnen hindurchwand und mich vorsichtig zum Innenzaun des Korrals vorarbeitete.</p><p>Ich hatte Gl�ck; niemand sah mich, als ich mich �ber den Zaun schwang und nun auf einem ausgetretenen Pfad zwischen den Wohnzelten befand. Normalerweise ist jedes vern�nftig organisierte H�ndlerlager geometrisch angelegt, und in jeder Nacht stehen die Zelte, relativ gesehen, am gleichen Ort. In konzentrischen Kreisen werden die einzelnen Zeltgruppen angeordnet, die Zelte der W�chter bilden den �u�eren Ring, gefolgt von den Unterk�nften der Handwerker, Kutscher, Aufseher und Sklaven � und das Zentrum war nat�rlich dem Kaufmann, seinen Waren und seiner Leibwache vorbehalten.</p><p>In Kenntnis dieser Dinge hatte ich mir die Stelle ausgesucht; ich wollte mich zu Kazraks Zelt durchschlagen, das im Au�enring in der N�he der Tharlarionkorrale lag. Meine �berlegungen erwiesen sich als richtig, und eine Minute sp�ter war ich in sein Zelt geglitten. Ich lie� meinen Ring mit dem Cabot-Zeichen auf seinen Schlafsack fallen.</p><p>Die n�chste Stunde, die ich wartend verbrachte, dehnte sich endlos.</p><p>Endlich b�ckte sich Kazraks m�de Gestalt, den Helm in der Hand, durch die Zelt�ffnung. Ich wartete schweigend im Schatten. Er lie� seinen Helm auf den Schlafsack fallen und begann sein Schwert abzunehmen. Noch immer sagte ich nichts, denn solange er eine Waffe bei sich hatte, war es nicht auszuschlie�en, da� er mich im ersten Augenblick der �berraschung angriff. Ich sah Kazrak Funken schlagen und sp�rte ein warmes Gef�hl der Freundschaft in mir aufsteigen, als ich in dem aufflammenden Feuer seine Z�ge ausmachte. Er entz�ndete die kleine Zeltlamp e und wandte sich um. Dabei entdeckte er den Ring.</p><p>�Bei den Priesterk�nigen!� rief er.</p><p>Ich sprang quer durch das Zelt und legte ihm die Hand auf den Mund.</p><p>Einen Augenblick lang rangen wir miteinander.</p><p>�Kazrak!� sagte ich und nahm die Hand fort. Er umarmte mich und dr�ckte mich an seine Brust. In seinen Augen standen Tr�nen.</p><p>�Ich habe nach dir gesucht�, sagte er. �Zwei Tage lang bin ich das Ufer des Vosk abgeritten. Ich h�tte dich losgeschnitten.�</p><p>�Das ist verboten�, sagte ich lachend.</p><p>�Und wenn schon�, erwiderte er. �Ich h�tte dich losgeschnitten.�</p><p>�Ich habe das Holzgestell gefunden�, sagte Kazrak, �ein halbes Pasang vom Vosk entfernt. Ich hielt dich f�r tot.�</p><p>�Wir sind wieder zusammen�, sagte ich einfach.</p><p>Der brave Mann weinte, und ich h�tte am liebsten mit ihm geweint. Freundlich ergriff ich seine Schultern und sch�ttelte ihn. Ich ging zu seiner Reisekiste neben dem Schlafsack, nahm seine Ka-la-na-Flasche heraus, g�nnte mir einen gro�en Schluck und druckte ihm das Gef�� in die Hand. Er trank den Rest in einem Zug aus und wischte sich den Bart.</p><p>�Wir sind wieder zusammen, Tarl aus Bristol, mein Schwertbruder.�</p><p>Kazrak und ich setzten uns, und ich berichtete ihm von meinen Abenteuern. Er sch�ttelte den Kopf. �Du bist vom Schicksal bevorzugt�,</p><p>sagte er. �Die Priesterk�nige haben dich f�r Gro�es ausersehen.�</p><p>�Das Leben ist kurz�, sagte ich. �Sprechen wir von anderen Dingen.�</p><p>In diesem Augenblick �ffnete sich der Eingang zu Kazraks Zelt, und ich warf mich in den Schatten.</p><p>Der Mann, der nun eintrat, geh�rte zu den T      ierhaltern Mintars; er lenkte die beiden Tiere, die die S�nfte des Kaufmanns trugen.</p><p>�W�rden Kazrak und sein Gast, Tarl aus Bristol, mich bitte zum Zelt Mintars aus der Kaste der Kaufleute begleiten?� fragte er.</p><p>Kazrak und ich waren sprachlos, doch wir standen auf und folgten dem Mann. Es war nun dunkel geworden, und da ich meinen Helm aufgesetzt hatte, bestand keine Gefahr, da� mich ein zuf�lliger Beobachter erkannte. Ehe ich das Zelt verlie�, steckte ich den Ring aus rotem Metall in meinen Beutel. Bisher hatte ich das Schmuckst�ck offen getragen, doch jetzt hielt ich es f�r besser, Vorsicht walten zu lassen.</p><p>Mintars Zelt war sehr gro� und rund, ein Palast aus Seidenstoffen. Wir passierten die W�chter am Eingang. In der Mitte des gro�en Innenraums sa�en zwe i M�nner auf Kissen vor einem kleinen Feuer, ein Spielbrett zwischen sich. Der kleine war Mintar aus der Kaste der Kaufleute, dessen K�rper wie ein Mehlsack auf den Polstern ruhte. Sein Gegen�ber, ein Riese von einem Mann, war in die Lumpen eines Auss�tzigen geh�llt, doch er trug sie wie ein K�nig. Er sa� mit gekreuzten Beinen und hocherhobenem Kopf auf den Kissen, in der Haltung eines Kriegers. Ich erkannte ihn sofort. Es war Marlenus.</p><p>�Unterbrecht das Spiel nicht�, befahl Marlenus.</p><p>Mintar war in Gedanken versunken; seine kleinen Augen waren auf die roten und gelben Vierecke des Spielfeldes gerichtet.</p><p>Auch Marlenus wandte sich wieder dem Spiel zu. Ein kurzes Licht spielte in Mintars kleinen Augen, und seine dicke Hand verharrte einen Augenblick z�gernd �ber einem der Spielsteine, einem Tarnsmann. Er ber�hrte die Figur und verpflichtete sich damit, sie zu ziehen. Ein kurzer Zugwechsel folgte � fast eine Kettenreaktion, bei der keiner der M�nner weiter nachdachte. Ein Erster Tarnsmann schlug einen Ersten Tarnsmann, ein Zweiter Speerk�mpfer schaltete den Ersten Tarnk�mpfer aus, die Stadt beseitigte den Speerk�mpfer, ein Attent�ter nahm die Stadt, der Attent�ter fiel dem Zweiten Tarnsmann zum Opfer, dieser einem Speersklaven, und jener seinerseits einem anderen Speersklaven.</p><p>Mintar legte sich in die Kissen zur�ck. �Du hast die Stadt genommen�,</p><p>sagte er, �nicht aber den Heimstein.� In seinen Augen leuchtete es. �Ich habe das zugelassen, damit ich den Speersklaven in die Hand bekam.</p><p>Beenden wir das Spiel. Der Speersklave gibt mir den ben�tigten Punkt � einen kleinen, aber entscheidenden Punkt.�</p><p>Marlenus l�chelte grimmig. Mit herrischer Geste schickte er seinen Ubar in die Gasse, die durch Mintars letzten Zug ge�ffnet worden war; der Ubar bedrohte nun den Heimstein.</p><p>Sp�ttisch verneigte sich Mintar. �Eine Schw�che meines Spiels�, sagte er. �Ich achte immer zu sehr auf den Profit, so klein er auch sein mag.�</p><p>Marlenus blickte zu Kazrak und mir auf. �Mintar� sagte er, �lehrt mich die Geduld. Er ist gew�hnlich ein Meister der Verteidigung.�</p><p>�Und Marlenus ein gro�artiger Angreifer�, sagte Mintar l�chelnd.</p><p>�Ein fesselndes Spiel�, sagte Marlenus und deutete auf das Spielbrett.</p><p>�Ich habe den Attent�ter benutzt, um die Stadt zu nehmen, dann ist der Attent�ter durch einen Tarnk�mpfer beseitigt worden . .. eine unorthodoxe, aber interessante Kombination ...�</p><p>�Und der Tarnk�mpfer wird durch einen Speersklaven ausgeschaltet�, bemerkte ich.</p><p>�Stimmt�, sagte Marlenus kopfsch�ttelnd, �und damit habe ich gewonnen.�</p><p>�Und Pa-Kur�, sagte ich, �ist der Attent�ter.�</p><p>�Ja�, fuhr Marlenus fort, �und Ar die Stadt.�</p><p>�Und ich bin der Tarnsmann?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte Marlenus.</p><p>�Und wer ist der Speersklave?�</p><p>�Ist das wichtig?� fragte Marlenus, nahm mehrere Speersklaven auf und lie� sie nacheinander auf das Spielfeld fallen. �Jeder kommt in Frage.�</p><p>�Wenn die Attent�ter die Stadt nehmen�, sagte ich, �ist die Herrschaft der Wissenden beendet, und die Horde wird sich mit ihrer Beute in alle Winde zerstreuen und eine Besatzungsmacht zur�cklassen.�</p><p>Mintar bewegte sich unruhig auf seinen Kissen. �Der junge Tarnk�mpfer versteht unser Spiel�, sagte er.</p><p>�Und�, fuhr ich fort, �wenn Pa-Kur f�llt, zerstreiten sich die Besatzer, und es mag eine Revolution geben ...�</p><p>�Unter der F�hrung eines Ubar�, sagte Marlenus zustimmend und musterte den Spielstein in seiner Hand. Es war ein Ubar. Er lie� ihn auf das Spielfeld fallen, wodurch die anderen St�cke in alle Richtungen vom Brett fielen. �Unter der F�hrung eines Ubar!� rief er aus.</p><p>�Du bist also bereit, die Stadt Pa-Kur zu �berlassen?� fragte ich. �Du willst es zulassen, da� seine Horden die Zylinder in Besitz nehmen, die Stadt ausrauben und vernichten, die Bewohner t�ten oder versklaven?�</p><p>In Marlenus Augen blitzte es auf. �Nein�, sagte er. �Aber Ar wird fallen.</p><p>Die Wissenden k�nnen nur Gebete murmeln und die Details ihrer sinnlosen Opferfeiern arrangieren. Sie streben nach politischer Macht, doch sie verstehen nichts davon, verm�gen sie nicht zu steuern. Sie werden einer gut organisierten Belagerung nicht lange standhalten. Sie k�nnen die Stadt nicht halten.�</p><p>�K�nntest du denn nicht in die Stadt vordringen und die Macht �bernehmen? Du k�nntest den Heimstein zur�ckbringen und eine Gefolgschaft um dich versammeln.�</p><p>�Ja�, sagte Marlenus. �Ich k�nnte den Heimstein wieder in die Stadt bringen, und ich h�tte auch bald wieder eine Gefolgschaft. Aber sie w�re nicht gro� genug. Wie viele w�rden dem Banner eines Gesetzlosen folgen? Nein, zuerst mu� die Macht der Wissenden gebrochen sein.�</p><p>Marlenus musterte mich aus zusammengekniffenen Augen. �Vielleicht�, sagte er.</p><p>�Dann h�tte ich einen Plan�, sagte ich. �Versuche die Heimsteine jener St�dte in deinen Besitz zu bringen, die Ar Untertan sind � sie werden auf dem Zentralturm aufbewahrt. Wenn du sie in Besitz hast, kannst du in Pa-Kurs Horden Zwietracht s�en, indem du den Truppenabordnungen der einzelnen St�dte ihre Steine zur�ckgibst -unter der Bedingung, da� sie sich sofort zur�ckziehen. Wenn sie sich weigern, kannst du die Steine vernichten.�</p><p>�Die Soldaten der zw�lf unterworfenen St�dte�, sagte er, �wollen Beute und die Frauen von Ar � und nicht nur ihre Steine.� �Vielleicht k�mpfen einige doch f�r ihre Freiheit � f�r das Recht, ihren Heimstein selbst aufzubewahren�, sagte ich. �Sicher bestehen doch Pa-Kurs Horden nicht nur aus Abenteurern und S�ldnern.� Ich bemerkte das Interesse des Ubar und fuhr fort: �Au�erdem w�rden nur wenige goreanische Soldaten � so barbarisch sie auch sein m�gen � die Vernichtung ihres Heimsteins riskieren, der immerhin das Gl�ckspfand ihres Heimatortes ist.�</p><p>Marlenus runzelte die Stirn. �Aber wenn die Belagerung aufgehoben ist, w�ren die Wissenden noch immer an der Macht.� �Und Marlenus k�nnte nicht auf den Thron Ars zur�ck�, sagte ich. �Aber zumindest w�re die Stadt gerettet. Was ist dir am liebsten, Ubar � deine Stadt oder dein Titel? Liegt dir das Wohlergehen Ars am Herzen � oder nur dein Ruhm?�</p><p>Marlenus sprang auf, warf die gelben Lumpen ab und zog sein blitzendes Schwert. �Ein Ubar beantwortet eine solche Frage mit dem Schwert!� Auch ich hatte die Waffe gezogen. Einen langen schrecklichen Moment starrten wir uns an, dann trat Marlenus einen Schritt zur�ck, stie� sein br�llendes Gel�chter aus und rammte seine Klinge wieder in die Scheide. �Dein Plan ist gut�, sagte er. �Meine M�nner und ich werden heute nacht in die Stadt eindringen.� �Und ich komme mit�, sagte ich.</p><p>�Nein�, erwiderte Marlenus. �Die M�nner Ars brauchen die Hilfe eines Kriegers aus Ko-ro-ba nicht.�</p><p>�Vielleicht k�nnte sich der junge Tarnsmann um Talena, Marlenus1 Tochter, k�mmern�, sagte Mintar leise. �Wo ist sie?� fragte ich.</p><p>�Wir wissen es nicht genau�, sagte Mintar. �Aber man nimmt an, da� sie sich in Pa-Kurs Zelten aufh�lt.�</p><p>Zum erstenmal sprach Kazrak. �An dem Tage, da Ar f�llt, heiratet sie Pa-Kur und wird an seiner Seite herrschen. Er hofft, dass das die �berlebenden in Ar dazu bringt, ihn als rechtm��igen Ubar anzuerkennen. Er wird sich zu ihrem Befreier erkl�ren � er will als der Mann gelten, der den Despotismus der Wissenden beendet und den Glanz des Imperiums wiederherstellt.�</p><p>Mintar schob nachdenklich die Figuren auf dem Spielbrett hin und her.</p><p>�Wie die Lage im Augenblick aussieht�, sagte er, �ist das M�dchen unwichtig, aber nur die Priesterk�nige k�nnen alle denkbaren Z�ge vorhersehen. Es mag von Vorteil sein, das M�dchen aus dem Spiel zu nehmen.�</p><p>Marlenus starrte mit geballten F�usten zu Boden. �Ja�, sagte er, �sie mu� fort � doch nicht nur aus strategischen Gr�nden. Sie hat mich entehrt.� Er starrte mich stirnrunzelnd an. �Sie ist mit einem Krieger allein gewesen, hat sich ihm unterworfen � und jetzt hat sie sogar versprochen, an der Seite eines Attent�ters zu herrschen.�</p><p>�Sie hat dich nicht entehrt�, sagte ich.</p><p>�Sie hat sich unterworfen�, knurrte Marlenus.</p><p>�Nur um sich zu retten�, sagte ich.</p><p>�Und es geht das Ger�cht�, sagte Mintar, ohne aufzublicken, �da� sie sich Pa-Kur nur versprochen hat, um einem gewissen Tarnsmann, den sie liebt, eine �berlebenschance zu gew�hren.�</p><p>�Sie h�tte als Braut tausend Tarns gebracht�, sagte Marlenus erbittert.</p><p>�Und jetzt ist sie weniger wert als eine ausgebildete Sklavin.�</p><p>�Sie ist deine Tochter!� sagte ich hitzig.</p><p>�Wenn sie jetzt hier w�re�, sagte Marlenus, �w�rde Ich sie erw�rgen.�</p><p>�Und ich w�rde dich t�ten�, sagte ich.</p><p>�Na�, sagte Marlenus l�chelnd, �vielleicht w�rde ich sie auch nur schlagen und meinen Tarnk�mpfern �berlassen.�</p><p>�Und ich w�rde dich t�ten�, wiederholte ich.</p><p>�Es sieht fast so aus�, sagte Marlenus, �als m��ten wir uns bek�mpfen.�</p><p>�Liebst du sie denn nicht?� fragte ich.</p><p>Marlenus musterte mich verwirrt. �Ich bin ein Ubar�, sagte er. Er nahm den gelben Umhang auf, zog ihn �ber und barg sein Gesicht in der gelben Kapuze des Auss�tzigen. Ehe er sich zum Gehen wandte, stie� er mir seinen knorrigen Wanderstab gutm�tig vor die Brust. �Die Priesterk�nige seien mit dir�, sagte er und lachte.</p><p>Marlenus kr�mmte sich zusammen und verlie� das Zelt, allem �u�eren Anschein nach ein verzweifelter Auss�tziger, der sich mit seinem Stock einen Weg ertastete.</p><p>Mintar blickte auf. �Du bist bisher der einzige Mensch, der dem Tarntod entkommen ist�, sagte er, und in seiner Stimme schwang Ehrfurcht mit.</p><p>�Vielleicht ist es wahr, was �ber dich erz�hlt wird � da� du ein Krieger bist, wie er nur alle tausend Jahre nach Gor geholt wird, um die Welt zu ver�ndern. Und zwar geholt von den Priesterk�nigen.�</p><p>�Woher wu�test du, da� ich in dein Lager kommen w�rde?� fragte ich.</p><p>�Wegen des M�dchens�, erwiderte Mintar. �Es war doch eine logische Vermutung, da� du zun�chst das Zelt deines Schwertbruders Kazrak aufsuchen w�rdest.�</p><p>Mintar griff in seinen Beutel und zog eine gro�e goldene Tarnm�nze heraus. Er warf sie Kazrak zu. �Ich nehme an, da� du meine Dienste verlassen willst�, sagte er.</p><p>�Ich mu߫, erwiderte Kazrak.</p><p>�Wo sind die Zelte Pa-Kurs?� fragte ich.</p><p>�Sie liegen an der h�chsten Stelle des Lagers, nahe dem zweiten Graben, direkt gegen�ber dem gro�en Stadttor Ars. Das schwarze Banner der Kaste der Attent�ter ist nicht zu �bersehen.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich. �Obwohl du der Kaste der Kaufleute angeh�rst, bist du ein mutiger Mann.�</p><p>�Ein Kaufmann kann so mutig sein wie ein Krieger, junger Tarnsmann�,</p><p>sagte Mintar l�chelnd. Er schien fast verlegen zu sein. �Sehen wir es einmal so. Wenn Marlenus die Stadt zur�ckgewinnt � erh�lt dann Mintar nicht alle Monopole, die er sich w�nscht?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Aber Pa-Kur wird darin sicher nicht weniger gro�z�gig sein als Marlenus.�</p><p>�Sogar noch gro�z�giger�, berichtigte mich Mintar und schaute wieder auf das Spielbrett, �aber Pa-Kur spielt dieses Spiel leider nicht.�</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Kazrak und ich kehrten zu seinem Zelt zur�ck, und bis zum fr�hen Morgen diskutierten wir unsere Chancen, Talena zu retten. Wir w�lzten Pl�ne, die aber keine gro�en Erfolgsaussichten zu haben schienen. Es w�re Selbstmord gewesen, einen direkten �bergriff zu wagen, und doch schien mir nichts anderes �brigzubleiben. Bis die Stadt fiel oder Pa-Kur seine Pl�ne �nderte, war sie wohl einigerma�en sicher. Doch konnte ich es kaum ertragen, sie in den Zelten Pa-Kurs zu wissen, und ich wu�te, da� ich mich nicht mehr lange beherrschen konnte. Im Augenblick gewann jedoch Kazraks n�chterne �berlegung die Oberhand.</p><p>Ich blieb in den n�chsten Tagen in seiner N�he und wartete meinen Augenblick ab. Ich f�rbte mein Haar schwarz und beschaffte mir Helm und Uniform eines Attent�ters. An der linken Seite des schwarzen Helmes befestigte ich den goldenen Streifen eines Kuriers. In dieser Verkleidung wanderte ich nun zwischen den Zelten herum, beobachtete die Belagerung und die Bewegungen der Truppen. Von Zeit zu Zeit erkletterte ich einen der im Bau befindlichen Belagerungst�rme und betrachtete die Stadt Ar und die K�mpfe, die zwischen dem ersten Graben und der �u�eren Befestigungsmauer im Gange waren. In regelm��igen Abst�nden schrillten Alarmt�ne durch die Luft, wenn die Stadtstreitkr�fte Ausf�lle machten. Derartige K�mpfe tobten fast t�glich auf irgendeiner Seite der Stadt und endeten mit unterschiedlichem Ergebnis. Dennoch konnte kein Zweifel bestehen, da� Pa-Kurs Leute in der besseren Position waren. Der Nachschub an Soldaten und Material schien f�r Pa-Kur unersch�pflich; au�erdem hatte er eine schlagkr�ftige Tharlarionkavallerie zur Verf�gung � eine Waffe, die den Verteidigern der Stadt v�llig abging.</p><p>Oft war der Himmel mit Tarnk�mpfern aus Ar und aus dem Lager angef�llt, die in die gedr�ngt marschierenden Soldaten sch�ssen oder sich in einigen hundert Metern H�he auf Duelle einlie�en. Doch mit der Zeit wurde die Armee der Tarnk�mpfer aus der Stadt kleiner, mu�te der �bermacht Pa-Kurs immer �fter nachgeben. Am neunten Tag der Belagerung hatte Pa-Kur die Lufthoheit gewonnen, und auch die Bodenausf�lle der Stadtsoldaten unterblieben. Es bestand f�r die Eingeschlossenen keine Hoffnung mehr, die Belagerung durch Kampf zu beenden. Die St�dter blieben hinter ihren Mauern, versteckten sich unter ihren Tarndr�hten und warteten auf die Angriffe, w�hrend die Wissenden der Stadt den Priesterk�nigen ihre Opfer darbrachten. Am zehnten Tag der Belagerung wurden kleine Katapulte von Tarns �ber die Gr�ben geflogen und begannen sogleich ihre</p><p>Artillerieduelle mit entsprechenden Waffen auf den Mauerkronen. Gleichzeitig schoben Belagerungssklaven die Linien der spitzen Pf�hle voran. Nach etwa viert�gigem Bombardement � das vermutlich ohne gro�e Wirkung blieb, begann der erste Generalangriff. Einige Stunden vor Sonnenaufgang setzten sich die riesigen Belagerungst�rme in Bewegung. Sie waren ringsum mit Stahlplatten besetzt, um den Feuerbr�nden und dem hei�en Teer der Verteidiger zu widerstehen. Gegen Mittag waren sie auf Bogenschu�weite heran. Nach Einbruch der Dunkelheit erreichte der erste Turm im Fackelschein die Mauern. Innerhalb einer Stunde waren drei weitere T�rme am Ziel. Ringsum schw�rmten die Krieger. In der Luft dar�ber trafen sich Tarnk�mpfer zum t�dlichen Duell. An Strickleitern stiegen die Verteidiger der Stadt vierzig Meter an ihrer Mauer herab, um die Spitzen der T�rme zu erreichen. Durch kleine Tore griffen die St�dter die T�rme auch von unten an, wurden jedoch von Pa-Kurs Reihen zur�ckgedr�ngt. Von den Mauerkronen regneten Steine und sonstige Geschosse auf die T�rme herab. In den T�rmen beugten sich schwitzende Sklaven unter den Peitschen ihrer Aufseher und zerrten an den Ketten, die die gewaltigen Stahlrammen hin und her schwingen lie�en.</p><p>Einer der Belagerungst�rme wurde untergraben und st�rzte zur Seite, ein zweiter wurde erobert und angesteckt. Doch f�nf weitere T�rme rollten langsam auf die Stadtmauern zu. Einer Streitmacht von Tarnk�mpfern gelang es, mehrere Bogensch�tzen in der Stadt abzusetzen, die gro�en Schaden anrichteten. Am zwanzigsten Tag herrschte gro�e Freude in Pa-Kurs Lager, denn an einer Stelle waren die Tarndr�hte durchschnitten, und eine Abteilung Speerk�mpfer hatte das Hauptwasserreservoir Ars erreicht und vergiftet. Nun lebte die Stadt im wesentlichen von ihren Privatbrunnen, und man hoffte, da� Wasser und Nahrungsmittel knapp w�rden, damit sich die Wissenden, die bei der Verteidigung nicht gerade geschickt vorgegangen waren, bald einer hungrigen und verzweifelten Bev�lkerung gegen�bersahen. Was aus Marlenus geworden war, wu�te ich nicht. Ich vermutete, da� er sich Zutritt zur Stadt verschafft hatte und nun den rechten Augenblick abwartete. Doch in der vierten Woche kam schlimme Kunde. Offenbar hatte man Marlenus entdeckt und ihn in dem Zylinder der Heimsteine eingeschlossen, in jenem Geb�ude, das einmal sein Palast gewesen war.</p><p>Wie es schien, hatten Marlenus und seine Streiter das obere Stockwerk und das Dach des Zylinders in der Gewalt, doch er vermochte nichts mehr mit den Heimsteinen anzufangen, die nun so nahe waren. Er und seine M�nner hatten keine Tarns, und der R�ckweg war ihnen abgeschnitten. Au�erdem waren die Tarnnetze in der N�he des Zentralturms besonders dicht und mu�ten jeden Rettungsversuch zunichte machen.</p><p>Pa-Kur war nat�rlich zufrieden, Marlenus seinen Gegnern zu �berlassen.</p><p>Ich fragte mich, wie lange Marlenus aushallen konnte. Mein Plan hinsichtlich der Heimsteine war jedenfalls fehlgeschlagen, und Marlenus, auf den ich mich verlassen hatte, war � wie es am Spielbrett gehei�en h�tte � ausgeschaltet, wenn nicht gar ganz aus dem Spiel genommen.</p><p>Verzweifelt besprachen Kazrak und ich diese Dinge. Es erschien uns unwahrscheinlich, da� Ar die Belagerung �berstehen w�rde. Eines mu�ten wir auf jeden Fall versuchen � Talena zu retten. Ein neuer Plan kam mir in den Sinn.</p><p>�Die Belagerung k�nnte vielleicht durchbrochen werden�, sagte ich, �wenn Pa-Kur �berraschend angegriffen w�rde � und zwar von hinten, von der ungesch�tzten Seite seines Lagers her.�</p><p>Kazrak l�chelte. �Das stimmt. Aber woher soll die Armee kommen?�</p><p>Ich z�gerte einen Augenblick und sagte dann: �Aus Ko-ro-ba oder auch Thentis.�</p><p>Kazrak starrte mich ungl�ubig an. �Hast du den Verstand verloren?�</p><p>fragte er. �Die Freien St�dte werden sich h�ten! Es liegt doch in ihrem Interesse, da� Ar f�llt.�</p><p>�Und wie soll das werden�, fragte ich, �wenn Pa-Kur auf dem Thron der Stadt sitzt?�</p><p>Kazrak runzelte die Stirn.</p><p>�Pa-Kur wird Ar nicht vernichten�, sagte ich, �und er wird seine Horde nach M�glichkeit zusammenhalten. Marlenus hat von einem Imperium getr�umt � Pa-Kurs Ehrgeiz dagegen kann nur in einen Alptraum der Unterjochung f�hren.�</p><p>�Du hast recht�, sagte Kazrak.</p><p>�Warum sollten sich also die Freien St�dte Gors nicht zusammenschlie�en, um Pa-Kur zu besiegen? Marlenus ist keine Gefahr mehr; selbst wenn er �berlebt, ist er ein Ausgesto�ener.�</p><p>�Aber die St�dte werden sich nie zusammenschlie�en.�</p><p>�Sie haben es noch nie getan�, sagte ich, �aber sie sind hoffentlich vern�nftig genug, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen. �Nimm diesen Ring�, fuhr ich fort und gab ihm das rote Metallband mit dem Siegel des Cabot. �Zeig ihn den Administratoren in Ko-ro-ba und Thentis und in anderen St�dten. Sag ihnen, sie sollen die Belagerung brechen � und diese Bitte k�me von Tarl Cabot, Krieger aus Ko-ro-ba.�</p><p>�Wahrscheinlich werde ich aufgespie�t�, sagte Kazrak und stand auf, �aber ich gehe.�</p><p>Schweren Herzens sah ich zu, wie Kazrak seinen Schwertg�rtel �ber die Schulter streifte und den Helm aufnahm. �Leb wohl, Schwertbruder�, sagte er, wandte sich um und verlie� das Zelt.</p><p>Wenige Minuten sp�ter hatte ich ebenfalls meine Sachen zusammengesucht, setzte den schwarzen Helm der Attent�ter auf und ging zum Lager von Pa-Kur. Es bestand aus einigen Dutzend schwarzen Seidenzelten auf einer kleinen Anh�he hinter dem zweiten Graben.</p><p>Ich hatte mich schon hundertmal dieser Zeltgruppe gen�hert, doch diesmal wollte ich mehr. Mein Herz begann zu schlagen � endlich w�rde ich etwas unternehmen. Es w�re Selbstmord gewesen, gewaltsam in das Lager einzudringen, aber da Pa-Kur zur Zeit vor der Stadt unterwegs war, konnte ich mich vielleicht als sein Kurier ausgeben.</p><p>Ohne zu z�gern, sprach ich bei den Wachen vor. �Eine Nachricht von Pa-Kur�, sagte ich, �f�r die Ohren Talenas, seiner k�nftigen Ubara.�</p><p>�Ich �berbringe die Nachricht�, erwiderte einer der W�chter mi�trauisch.</p><p>�Die Worte sind f�r die k�nftige Ubara�, sagte ich �rgerlich.</p><p>�Verweigerst du einem Kurier Pa-Kurs den Zutritt?�</p><p>�Ich kenne dich nicht�, knurrte er.</p><p>�Sag mir deinen Namen!� forderte ich.</p><p>Es folgte ein gequ�ltes Schweigen, dann trat der W�chter zur Seite. Ich ging durch das Tor und sah mich um. Gleich darauf erreichte ich ein zweites Tor und wurde noch einmal befragt; ein Turmsklave begleitete mich zwischen die Zelte, gefolgt von zwei W�chtern.</p><p>Wir blieben vor einem buntschimmernden Zelt aus gelb-rot-gestreifter Seide stehen. Ich wandte mich um. �Wartet hier�, sagte ich. �Meine Nachricht ist f�r die Ohren der k�nftigen Ubara bestimmt � und nur f�r sie.� Das Herz schlug mir zum Halse. Ich war erstaunt, da� meine Stimme so ruhig klang.</p><p>Ich betrat das Zelt. In dem gro�en Innenraum stand ein K�fig. Er ma� vielleicht drei Meter im Quadrat und war auch oben abgeschlossen. Die schweren Metallst�be waren mit Silber �berzogen und mit Edelsteinen besetzt. Ein M�dchen sa� in dem K�fig auf einem Thron. Sie trug das schwere Ornat einer Ubara. Eine innere Stimme warnte mich. Ich wei� nicht, wieso ich das Gef�hl hatte, da� etwas nicht in Ordnung war. Ich unterdr�ckte den Impuls, ihren Namen zu rufen, an den K�fig zu springen, nach ihr zu greifen und sie an mich zu dr�cken. Das mu�te Talena sein, meine Geliebte, der mein Leben geh�rte. Und doch n�herte ich mich nur langsam, fast vorsichtig. Die Gestalt wirkte irgendwie fremd � war sie vielleicht verletzt oder bet�ubt? Erkannte sie mich denn nicht? Ich stand vor dem K�fig und nahm den Helm vom Kopf. Sie gab kein Zeichen des Erkennens. Meine Stimme klang ged�mpft: �Ich bin Pa-Kurs Kurier�, sagte ich. �Er l��t dir ausrichten, da� die Stadt bald fallen wird und da� du dann neben ihm auf dem Thron von Ar herrschen wirst.� �Pa-Kur ist g�tig�, sagte das M�dchen.</p><p>Ich war wie vor den Kopf geschlagen, f�rmlich �berw�ltigt von Pa-Kurs Schl�ue. Froh konnte ich sein, da� ich Kazraks Ratschl�ge nicht in den Wind geschlagen hatte. Ja, es w�re ein Fehler gewesen, Talena gewaltsam befreien zu wollen. Die Stimme dieses M�dchens geh�rte nicht meiner geliebten Talena. Das M�dchen in dem K�fig war eine Fremde.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Pa-Kur hatte mich �berlistet. Niedergeschlagen, verlie� ich das Lager des Oberbefehlshabers und kehrte in Kazraks Zelt zur�ck. In den n�chsten Tagen versuchte ich Erkundigungen einzuziehen; ich befragte Sklaven, forderte Schwertk�mpfer heraus und lie� mich auf mancherlei Gefahren ein, um die gew�nschte Information zu bekommen. Doch wenn ich �berhaupt eine Antwort erhielt � durch das Schwert oder durch den Einsatz goldener Tarn-M�nzen -, war sie immer gleich, n�mlich da� Talena in dem rotgelben Zelt wohnte. Wahrscheinlich wu�te nur Pa-Kur, wo sich das M�dchen wirklich aufhielt.</p><p>In meiner Verzweiflung machte ich mir klar, da� ich mit meinen hastigen Erkundigungen nur eins bewirkt hatte; Pa-Kur mu�te nun wissen, da� sich jemand verzweifelt f�r den Aufenthaltsort des M�dchens interessierte, woraufhin der Attent�ter seine Sicherheitsvorkehrungen nur noch verst�rken w�rde. In diesen Tagen trug ich die einfache Kleidung eines Tarnsmanns; trotzdem entging ich den Suchtrupps Pa-Kurs einige Male nur mit knapper Not; sie wurden zumeist von M�nnern gef�hrt, die ich in meiner Verzweiflung ausgefragt hatte. In Kazraks Zelt zog ich niedergeschlagen Bilanz � ich mu�te mir eingestehen, da� Marlenus Tarnk�mpfer ausgeschaltet worden war und in dem Spiel keine Rolle mehr spielte. Ich �berlegte, ob ich Pa-Kur t�ten sollte � aber das h�tte mich wahrscheinlich dem ersehnten Ziel nicht n�hergebracht.</p><p>Es waren entsetzliche Tage. Ich erhielt keinerlei Nachricht von Kazrak, und die Berichte aus der Stadt �ber die Lage Marlenus begannen sich zu widersprechen. Es war daraus zu schlie�en, da� er und seine M�nner �berw�ltigt waren und sich der Zentralturm wieder voll in der Gewalt der Wissenden befand. Und wenn seine Niederlage noch nicht eingetreten war, wurde sie jedenfalls st�ndlich erwartet. Die Belagerung dauerte nun schon zweiundf�nfzig Tage, und die Streitkr�fte Pa-Kurs hatten die erste Mauer �berwunden. Sie wurde an sieben Stellen methodisch abgetragen, um den Belagerungst�rmen Zugang zum zweiten Wall zu gew�hren. Zus�tzlich wurden Hunderte von leichten �Flugbr�cken� konstruiert; im Augenblick des Angriffs sollten diese von der ersten zur zweiten Mauer hin�bergelegt werden, und die K�mpfer Pa-Kurs w�rden zum hochaufragenden zweiten Verteidigungswall der Stadt hinaufklettern. Den Ger�chten zufolge reichten bereits Dutzende von Tunnels bis weit hinter die zweite Mauer und konnten an verschiedenen Stellen in der Stadt jederzeit ge�ffnet werden. Es war Ars gro�es Pech, da� es in dieser schweren Zeit ausgerechnet in der Gewalt der schw�chsten aller Kasten stand, der Kaste der Wissenden, die sich nur in Mythologie und Aberglaube auskannten. Aus Berichten von Deserteuren ging hervor, da� hinter den Mauern Hunger herrschte und da� das Wasser knapp wurde.</p><p>Einige Verteidiger �ffneten die Adern der Tarns und tranken ihr Blut. Hier in unserem Lager rechnete man t�glich, ja, st�ndlich mit dem Fall der Stadt. Doch Ar wehrte sich.</p><p>Ich bin der ehrlichen �berzeugung, da� die mutigen K�mpfer Ars ihre Stadt bis zum letzten Blutstropfen verteidigt h�tten, doch die Wissenden wollten es anders. �berraschend erschien der Oberste Wissende der Stadt auf den Mauern. Er hob einen Schild in die H�he und legte ihn dann zusammen mit einem Speer vor seinen F��en ab. Diese Geste ist nach goreanischer Gepflogenheit die Bitte um eine Zusammenkunft, um einen Waffenstillstand, ein zeitweiliges Ablegen der Waffen. Bei einer Kapitulation werden die Schildgriffe und der Speerschaft gebrochen, zum Zeichen, da� sich der Unterlegene selbst entwaffnet hat und sich der Gnade des Siegers ergibt.</p><p>Kurz darauf erschien Pa-Kur auf der ersten Mauer gegen�ber dem Obersten Wissenden und vollzog die gleiche Geste. Am gleichen Abend wurden Botschafter ausgetauscht,     und     in    Noten       und     Konferenzen     wurden      die Kapitulationsbedingungen festgelegt. Bei Tagesanbruch waren die wichtigsten Bedingungen im Lager bekannt, und Ar war gefallen.</p><p>Den Wissenden ging es bei den Verhandlungen weitgehend darum, ihre eigene Sicherheit zu garantieren und nach M�glichkeit eine Verw�stung der Stadt zu verhindern. Entsprechend war ihre erste Bedingung, da� Pa-Kur ihnen eine Generalamnestie gew�hren sollte. Pa-Kur ging bereitwillig auf diese Forderung ein; ein sinnloses Abschlachten der Wissenden w�re f�r seine Truppen ein b�ses Omen gewesen, au�erdem konnten sie ihm bei der Kontrolle der Bev�lkerung wertvolle Dienste leisten. Weiterhin forderten die Wissenden, die Stadt d�rfe nur durch zehntausend bewaffnete Soldaten besetzt werden, w�hrend die �brigen K�mpfer der Horde die Tore nur unbewaffnet passieren sollten. Es folgte eine Vielzahl von kleineren, komplizierten Konzessionen und Bedingungen, die zumeist mit der Versorgung der Stadt und dem Schutz ihrer Kaufleute und Bauern zu tun hatten. Pa-Kur stellte seinerseits die harten Forderungen, die einem goreanischen Eroberer im allgemeinen zustehen. Die Bev�lkerung sollte v�llig entwaffnet werden. Offiziere der Kriegerkaste und ihre Familien wurden aufgespie�t und in der Bev�lkerung jeder zehnte Mann hingerichtet. Die tausend sch�nsten Frauen der Stadt wurden Pa-Kur als Freudensklavinnen zur Verf�gung gestellt, der sie an seine h�chsten Offiziere weiterreichte. Von den anderen freien Frauen sollten drei�ig Prozent � wiederum die ges�ndesten und attraktivsten � an die Soldaten versteigert werden; der Ertrag kam Pa-Kur zu. Siebentausend junge M�nner sollten die Reihen seiner Belagerungssklaven schlie�en. Kinder unter zw�lf wurden beliebig auf die anderen freien St�dte Gors verteilt. Und was die Sklaven Ars anging, so sollten sie dem geh�ren, der ihren Kragen auswechselte. Bei Morgend�mmerung verlie� eine gewaltige Prozession das Lager Pa-Kurs, und als sie die Hauptbr�cke �ber den ersten Graben erreichte, begann sich in der Ferne das gro�e Tor der Stadt zu �ffnen. Ich war vermutlich der einzige in der riesigen Zuschauermenge, dem nach Weinen zumute war � vielleicht mit der Ausnahme Mintars. Pa-Kur ritt an der Spitze der zehntausend Mann Besatzungsmacht. Sein Reittier war ein juwelengeschm�ckter schwarzer Tharlarion, ein seltenes Tier. Verwundert sah ich, da� die gro�e Prozession anhielt und acht Mitglieder der Kaste der Attent�ter eine S�nfte herantrugen. Pl�tzlich merkte ich auf. Die S�nfte wurde neben Pa-Kurs Tharlarion abgesetzt. Ein M�dchen wurde herausgehoben. Sie trug keinen Schleier, und mein Herz machte einen Sprung. Es war Talena! Aber sie trug nicht die Roben einer Ubara. Sie war barfu� und war in einen langen wei�en Umhang gekleidet. Zu meinem Erstaunen waren ihre Handgelenke mit goldenen Handschellen gefesselt; eine goldene Kette ging davon aus, die Pa-Kur nun am Sattel seines Tharlarion befestigte. Im dumpfen Rhythmus der Tarntrommeln setzte sich die Prozession wieder in Bewegung, und Talena schritt w�rdevoll neben dem Tharlarion ihres Siegers einher.</p><p>Ich konnte mein Entsetzen kaum verbergen, so da� ein Tharlarionreiter neben mir am�siert sagte: �Eine der Kapitulationsbedingungen. Talena, die Tochter Marlenus, wird aufgespie�t.�</p><p>�Aber warum?� fragte ich. �Sie sollte doch Pa-Kurs Braut sein, sollte Ubara von Ar werden.�</p><p>�Als Marlenus floh�, sagte der Mann, �haben die Wissenden entschieden, da� alle Mitglieder seiner Familie aufgespie�t werden.� Er l�chelte grimmig. �Um nun vor den Stadtbewohnern das Gesicht zu waren, haben sie gefordert, da� sich Pa-Kur an dieses Urteil h�lt.� �Und Pa-Kur hat zugestimmt?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte der Mann. �Ihm ist jeder Schl�ssel recht, der das Stadttor �ffnet.�</p><p>Mir wurde schwindlig, und ich taumelte durch die Reihen der Soldaten, die die Prozession beobachteten. Ich hastete durch die verlassenen Stra�en des Lagers und suchte mir blindlings meinen Weg zu Kazraks Zelt. Ich warf mich auf den Schlafsack und begann zu weinen. Dann krallten sich meine H�nde in den Stoff, und ich sch�ttelte heftig den Kopf, um den unkontrollierten Ansturm der Gef�hle abklingen zu lassen. Der Schock, Talena wiederzusehen und das Schicksal zu erfahren, das sie erwartete, war einfach zuviel gewesen. Ich mu�te mich zusammennehmen.</p><p>Mit langsamen Bewegungen stand ich schlie�lich auf und legte den schwarzen Helm und die Uniform der Kaste der Attent�ter an. Ich lockerte das Schwert in seiner Scheide, schob den Schild auf meinen linken Arm und ergriff meinen Speer. Entschlossen verlie� ich das Zelt. Mit schnellen Schritten ging ich zu dem gro�en Tarnstall am Eingang des Lagers.</p><p>Mein Tarn wurde mir gebracht. Er schimmerte gesund und schien voller Energie zu sein. Die Tage der Ruhe hatten ihm gutgetan; andererseits sehnte er sich bestimmt nach der Weite des Himmels. Ich warf dem Tarnw�chter eine goldene Tarnm�nze zu. Er hatte gute Arbeit geleistet. Ve rwirrt hielt er mir die M�nze hin. Eine goldene Tarnm�nze ist ein kleines Verm�gen. Ich stieg in den Sattel und schnallte mich fest. Ich sagte dem Tarnpfleger, da� er das Geld behalten sollte � eine Geste, die mich seltsam erfreute. Au�erdem rechnete ich nicht damit, da� ich noch die Chance h�tte, das Geld selbst auszugeben. �Bringt mir vielleicht Gl�ck�, sagte ich. Dann zog ich am ersten Z�gel und lie� den gewaltigen Vogel in die L�fte steigen.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Als der Tarn an H�he gewann, sah ich das gro�e Lager, die Gr�ben, die Doppelmauern Ars und Pa-Kurs gewaltige Prozession; die Morgensonne blitzte auf den Waffen der Soldaten. Ich dachte an Marlenus, der � wenn er noch am Leben war � dieses Schauspiel von seinem Turm aus beobachten konnte. Ich hoffte, da� er nicht wu�te, welches Schicksal seine Tochter erwartete. Ich mu�te versuchen, sie zu retten. Was h�tte ich jetzt darum gegeben, Marlenus und seine Streitmacht auf meiner Seite zu haben, so klein sie auch sein mochte!</p><p>Als fielen pl�tzlich die St�cke eines Puzzlespiel an Ort und Stelle, formte sich ein Plan in meinem Kopf. Marlenus war in die Stadt eingedrungen.</p><p>Auf irgendeinem Wege. Tagelang hatte ich dar�ber nachgedacht � dabei erschien mir die L�sung so klar. Die Lumpen der Auss�tzigen! Die Dar-Kosis -Gruben hinter der Stadt! Eine dieser Gruben mu�te eine falsche Spur sein, mu�te einen unterirdischen Eingang zur Stadt verdecken.</p><p>Wahrscheinlich hatte sich der schlaue Ubar schon vor Jahren einen solchen Fluchtweg geschaffen. Ich mu�te die Grube und den Tunnel finden und mich irgendwie auf seine Seite schlagen.</p><p>Zun�chst gab es noch etwas anderes zu erledigen. Ich lie� mein Tier geradewegs auf die Mauern der Stadt zurasen. Kaum eine Minute sp�ter schwebte ich �ber der Innenmauer in der N�he des gro�en Tores. Die Soldaten brachten sich Hals �ber Kopf in Sicherheit, als ich meinen Tarn landete. Niemand wagte es, die Hand gegen mich zu erheben. Ich trug die Uniform eines Kriegers der Kaste der Attent�ter, und an der linken Seite meines Helms schimmerte der goldene Streifen eines Kuriers.</p><p>Ohne abzusteigen, verlangte ich nach dem befehlshabenden Offizier.</p><p>Ein grauhaariger Mann kam niedergeschlagen herbei. Er hatte keine Freude daran, von einem Feind der Stadt gerufen zu werden.</p><p>�Pa-Kur n�hert sich der Stadt!� rief ich. �Ar geh�rt ihm.�</p><p>Die M�nner schwiegen.</p><p>�Ihr hei�t ihn willkommen�, sagte ich ver�chtlich, �indem ihr das gro�e Tor �ffnet, aber ihr habt die Tarndr�hte nicht eingezogen. Nehmt sie sofort herunter, damit seine Tarnk�mpfer die Stadt ungehindert betreten k�nnen.�</p><p>�Das geh�rte nicht zu den Kapitulationsbedingungen�, sagte der Offizier.</p><p>�Ar ist gefallen�, sagte ich. �Gehorche dem Wort Pa-Kurs.� �Gut�, sagte der Offizier und wandte sich an einen Untergebenen. �La�t das Netz herab.�</p><p>Der Befehl pflanzte sich �ber die Mauer fort, von Turm zu Turm. Kurz darauf setzten sich die gro�en Winden in Bewegung, und Meter um Meter sank das entsetzliche Tarnnetz herab. Sobald es den Boden erreichte, wurde es auseinandergenommen und zusammengerollt. Mir ging es nat�rlich nicht daru m, den Weg f�r die Tarnk�mpfer Pa-Kurs zu ebnen, die meines Wissens gar nicht zur Besatzungsmacht geh�rten, sondern ich wollte den Himmel �ber der Stadt frei haben, damit ich und andere einen Fluchtweg offen hatten.</p><p>Hochm�tig fuhr ich fort: �Pa-Kur m�chte au�erdem wissen, ob der fr�here Ubar Marlenus noch am Leben ist.�</p><p>�Ja�, sagte der Offizier, �im Zentralzylinder.�</p><p>�Ist er gefangen?�</p><p>�So gut wie gefangen.�</p><p>�Sorgt daf�r, da� er nicht flieht.�</p><p>�Das wird er nicht�, sagte der Mann. �F�nfzig W�chter sorgen daf�r.�</p><p>�Was ist mit dem Dach des Zylinders?� fragte ich. �Immerhin sind die Tarnnetze jetzt unten.�</p><p>�Ich glaube kaum, da� er fliegen kann�, erwiderte der Offizier; �Wohin soll Pa-Kur die Tochter des fr�heren Ubar bringen � wo soll sie hingerichtet werden?�</p><p>Der Offizier deutete auf einen fernen Zylinder. �Zum Justizzylinder. �Die Hinrichtung soll so schnell wie m�glich stattfinden.� Der Zylinder war wei�, eine Farbe, die auf Gor ein Zeichen der Unparteilichkeit ist. Die Farbe deutete auch</p><p>n darauf hin, da� die i diesem Turm gesprochene Gerechtigkeit dem Denken der Wissenden entsprach.</p><p>Auf Gor gibt es zwei Rechtssysteme � das der Stadt, unter der Rechtsprechung eines Administrators oder Ubar, und das der Wissenden, die letztlich dem Obersten Wissenden jeder Stadt unterstehen. Die Trennung entspricht etwa der zwischen dem Zivil- und dem Kirchenrecht auf unserer Welt. Ich stellte entsetzt fest, da� auf dem Dach des Justizzylinders eine Hinrichtungsspitze schimmerte, fast f�nfzehn Meter lang. Sie leuchtete aus der Ferne wie eine Nadel her�ber.</p><p>Ich zog den Tarn erneut in die Luft. Es war mir gelungen, die Tarndr�hte der Stadt zu beseitigen, und ich wu�te, da� Marlenus noch am Leben war und einen Teil des Zentralzylinders hielt, und ich wu�te, wo und wann Talenas Hinrichtung stattfinden sollte.</p><p>Ich lie� die Mauern Ars hinter mir zur�ck, wobei ich best�rzt registrierte, da� die Prozession Pa-Kurs die Stadt fast schon erreicht hatte. Ich sah den Tharlarion, auf dem er ritt, und neben ihm das M�dchen in ihrer wei�en Robe.</p><p>Die n�chsten drei Minuten kamen mir wie eine Stunde vor � dann endlich war ich hinter dem Lager Pa-Kurs und suchte nach den gef�rchteten Dar-Kosis -Gruben, jenen Gef�ngnissen, die die Auss�tzigen freiwillig aufsuchen k�nnen. Es gab mehrere solcher Gruben, von oben leicht zu erkennen � gro�e, kreisf�rmige Vertiefungen, wie Brunnen in die Erde getrieben. Als ich meine Suche beendete, hatte ich nur eine solche Grube gefunden, in der sich keine Auss�tzigen befanden. Ohne einen Gedanken an die m�gliche Ansteckungsgefahr zu verschwenden, landete ich den Tarn in der verlassenen Grube. Der Riese erreichte den Felsboden, und aufschauend lie� ich meinen Blick an den k�nstlich gegl�tteten Felsw�nden entlangstreifen, die auf allen Seiten vielleicht dreihundert Meter hoch aufragten. Es war kalt hier unten. In der Mitte der Grube war eine Zisterne in den Fels gehauen, halb mit fauligem Wasser gef�llt. Soweit ich feststellen konnte, gab es keine M�glichkeit, die Dar-Kosis -Grube zu verlassen � au�er auf dem R�cken eines Tarns. Wenn es einen geheimen Ausgang gab, von Marlenus f�r seine besonderen Zwecke geschaffen, dann war er nicht offensichtlich. Und ich hatte keine Zeit, mich sorgf�ltig umzusehen. Ich entdeckte einige der H�hlen, die in die Grubenw�nde geschlagen waren und als Unterk�nfte f�r die Auss�tzigen dienten. Verzweifelt suchte ich mehrere dieser Vertiefungen ab; einige waren nur klein, andere bestanden aus drei oder vier zusammenh�ngenden R�umen. Ich fand halb verrottete Schlafmatten, verrostete Metallteile wie Pfannen oder Kessel � doch der gesuchte Durchgang blieb mir verborgen. Als ich eine dieser H�hlen verlie�, sah ich meinen Tarn auf der anderen Seite der Grube stehen, den Kopf ratlos auf die Seite gelegt. Der Vogel zog den Schnabel zur�ck und pickte daraufhin an einer anscheinend glatten Felswand, wiederholte mehrmals die Bewegung und begann sodann hin und her zu schreiten, wobei er ungeduldig die Fl�gel sch�ttelte.</p><p>Ich lief durch die Grube auf ihn zu und begann die Wand eingehend zu untersuchen. Ich starrte jeden Quadratzentimeter an und lie� meine Finger dar�bergleiten. Doch nichts zeigte sich � allerdings hing ein unmerklicher Duft von Tarnausscheidung in der Luft.</p><p>Mehrere Minuten lang untersuchte ich die glatte Felswand � in der Gewi�heit, da� sie das Geheimn is barg. Verzweifelt trat ich schlie�lich zur�ck und hoffte, irgendwo einen ungew�hnlichen Vorsprung oder eine Vertiefung auszumachen, wo sich der �ffnungsmechanismus des Tunnels befinden mochte. Doch es offenbarte sich mir kein Hebel, Griff oder irgendeine sonstige Vorrichtung.</p><p>Ich erweiterte meine Suche und wanderte an den Felsw�nden entlang, die jedoch v�llig unber�hrt und undurchdringlich schienen. Mit pl�tzlichem Aufschrei rannte ich zu der flachen Zisterne in der Mitte der Grube, warf mich der L�nge nach auf den Boden, versenkte meine Hand in dem k�hlen, �belriechenden Wasser und tastete verzweifelt den Boden ab.</p><p>Meine Finger umschlossen einen Griff, und ich drehte ihn mit hastiger Bewegung. Gleichzeitig ert�nte hinter mir ein sanftes, rollendes Ger�usch, irgendwo wurde ein schweres Gewicht hydraulisch angehoben und in der Balance gehalten. Zu meiner Verbl�ffung �ffnete sich ein riesiger Durchgang in der Felswand. Ein gewaltiges Felsst�ck war nach oben zur�ckgeeilten und offenbarte einen gro�en, d�steren rechteckigen Tunnel, der gro� genug schien, einen fliegenden Tarn aufzunehmen. Ich ergriff die Z�gel meines Tieres und zerrte es durch die �ffnung. Hinter dem Tor machte ich einen zweiten Griff aus, der der Vorrichtung in der Zisterne entsprach. Ich drehte ihn, und die gro�e Pforte schlo� sich hinter mir. Ich gedachte das Geheimnis des Tunnels m�glichst lange zu wahren.</p><p>Hier unten war es nicht v�llig dunkel; der Tunnel wurde von den runden, drahtgesch�tzten Energiekugeln erhellt, die alle Hundert Meter schimmerten. Diese Kugeln, vor etwa hundert Jahren von der Kaste der Hausbauer erfunden, spenden ein klares, weiches Licht und m�ssen nur alle zwei Jahre ausgewechselt werden.</p><p>Ich bestieg den Tarn, der in dieser seltsamen Umgebung sichtlich nerv�s war. Ich t�tschelte ihn und sprach beruhigend auf ihn ein, doch ich vermochte ihn nicht zu bes�nftigen. Als ich den ersten Z�gel zog, reagierte das Tier nicht, doch beim zweitenmal erhob es sich in die Luft, wobei es fast die Decke ber�hrte und mit den Fl�gelspitzen die W�nde streifte. Mein Helm sch�tzte mich vor dem Granit der Tunneldecke. Schlie�lich ging der Tarn etwas tiefer und schwebte nun mit zunehmender Geschicklichkeit durch den Gang, und die Energiekugeln blitzten wie eine hellschimmernde Kette an mir vor�ber.</p><p>Am Ende unseres Fluges weitete sich der Tunnel zu einer riesigen Kammer, die von Hunderten von Energiekugeln erleuchtet war. Die H�hle enthielt einen gewaltigen Tarnk�fig, der etwa zwanzig riesige, halb verhungerte Tiere enthielt. Sie hoben die K�pfe, als sie uns sahen, und musterten uns aufmerksam. Der Boden des K�figs war mit den Knochen und Federn von etwa f�nfzehn Tarns bedeckt. Ich sagte mir, da� es sich um die Tiere Marlenus und seiner M�nner handeln mu�te, die oben im Zentralzylinder eingeschlossen waren. Wochenlang ohne Nahrung, waren die Tarns schlie�lich �ber ihre schwachen Artgenossen hergefallen. Der Hunger hatte sie zu unkontrollierbaren Raubtieren werden lassen.</p><p>Vielleicht konnte ich mir das zunutze machen. Irgendwie mu�te ich Marlenus befreien. Ich wu�te, da� meine Gegenwart den W�chtern unerkl�rlich sein mu�te, wenn ich im Palast auftauchte, und da� ich mich hier nicht als Herold Pa-Kurs ausgeben konnte. Irgendwie mu�te ich seine Belagerer zerstreuen oder niederk�mpfen. Pl�tzlich hatte ich einen Plan. Zweifellos war ich bereits unter dem Zentralzylinder, und der belagerte Marlenus und seine Leute befanden sich da irgendwo �ber mir. Ich sah mich um. Eine breite Treppe f�hrte zu einer T�r, die sicherlich den Zugang zum Zentralturm bildete. Befriedigt stellte ich fest, da� sie auch f�r einen Tarn gro� genug war. Zum Gl�ck war eine der T�ren des Tarnk�figs dieser Treppe zugewandt.</p><p>Ich nahm meinen Tarnstab und stieg ab. Ich ging zu der Treppe, die zum Tor hinauff�hrte, drehte den Hebel, und als sich die Wand zu bewegen begann, hastete ich die Treppe hinab und �ffnete die K�figt�r. Durch diese T�r gedeckt, trat ich eilig zur�ck. Wenige Sekunden sp�ter steckte der erste der abgemagerten Tarns seinen Kopf durch die K�figt�r. Mit blitzenden Augen starrte er mich an. F�r ihn war ich Nahrung, die er t�ten und auffressen w�rde. Er wanderte um die T�r herum und ging auf mich los. Ich schlug mit dem Tarnstab nach dem Angreifer, doch das Instrument schien keine Wirkung zu haben. Der gef�hrliche Schnabel stie� immer wieder vor; die gro�en Klauen schnappten hoch. Der Tarnstab wurde mir aus der Hand gerissen. In diesem Augenblick schaltete sich ein gro�er schwarzer Schatten in den Kampf ein; mit zusto�endem Schnabel und stahlbewehrten Klauen verwandelte mein schwarzer Tarn den Angreifer in Sekundenschnelle in einen traurigen Federhaufen. Eine der Krallen auf den geschlagenen Gegner gestemmt, stie� mein Tarn den Kriegsschrei seiner Rasse aus. Die anderen Tarns, die nun den K�fig verlassen wollten, z�gerten. Doch dann bemerkten sie die offene T�r, die in den Zylinder f�hrte.</p><p>In diesem Augenblick entdeckte ein W�chter Ars die r�tselhafte �ffnung, die sich da pl�tzlich aufgetan hatte, und stie� einen Warnruf aus. Einer der ausgehungerten Tarns st�rzte sich auf ihn, und der Mann br�llte entsetzt. Ein zweiter Tarn erreichte die T�r und versuchte, dem ersten Tarn seine Beute abzunehmen. Andere M�nner eilten herbei, und sofort hasteten die vor Hunger fast wahnsinnigen Tarns in den Zylinder. Aus der gro�en Halle t�nte sogleich entsetzlicher Kampfl�rm herab, die Schreie der M�nner und der Tarns, das Zischen der Pfeile, das wilde Schlagen von Fl�geln und Krallen.</p><p>Nach einigen Minuten f�hrte ich meinen Tarn die Treppe hinauf und durch die �ffnung. Die gro�e Halle im Erdgescho� des Zylinders bot einen entsetzlichen Anblick. F�nfzehn Tarns sa�en �ber den Resten von etwa einem Dutzend W�chter. Mehrere Tarns waren tot; andere zuckten, von Pfeilen getroffen, hilflos auf dem Boden! Ein lebendiger W�chter war nicht in Sicht. Die �berlebenden waren bestimmt geflohen � vielleicht �ber die breite Treppe, die an der Innenseite des Zylinders in die H�he f�hrte.</p><p>Ich lie� meinen Tarn zur�ck und erstieg mit gezogenem Schwert die Stufen. Als ich mich dem Teil des Geb�udes n�herte, der der Privatbenutzung des Ubar vorbehalten war, erblickte ich etwa zwanzig W�chter vor einer Barrikade aus Unrat und Tarndraht. Einige Soldaten hatten unten mit den Tarns gek�mpft; sie waren schwei��berstr�mt, ihre Kleidung war zerrissen, an ihren Waffen schimmerte Blut. F�r sie mu�te ich hinter dem gef�hrlichen Angriff stecken. Ohne mich nach meiner Identit�t zu fragen oder sonstwie die Form zu wahren, st�rzten sie sich auf mich.</p><p>�Stirb, Attent�ter!� schrie einer der M�nner und stach mit seiner Klinge zu.</p><p>Ich unterlief ihn und versenkte meine Klinge in seine Brust. Da waren die anderen schon heran. Die n�chsten Minuten habe ich nicht mehr klar in Erinnerung; sie sind f�r mich wie unzusammenh�ngende, bizarre Traumfetzen. Ich wei� noch, da� die M�nner auf mich eindrangen; meine Klinge, wie vom Arm eines Gottes gef�hrt, begegnete ihrem Stahl, schnitt sich ihren Pfad nach oben. Ein, zwei, drei Gegner gingen zu Boden, und dann weitere. Ich griff an, parierte und schlug erneut zu, und mein Schwert blitzte auf und trank immer wieder neues Blut. Es kam mir fast vor, als st�nde ich neben mir und beobachtete mich, Tarl Cabot, einen einfachen Krieger, einen einzelnen Mann. Doch es wollte mir in diesem heftigen Delirium des Kampfes scheinen, als w�re ich viele M�nner zugleich, eine Armee, als k�nnte keiner sich gegen mich behaupten, als bek�mpften sie nicht mich, sondern etwas, das auch ich nur schwach ersp�ren konnte, etwas Angreifbares, doch Unwiderstehliches, eine Lawine, einen Sturm, eine Naturkraft, die Bestimmung ihrer Welt, etwas, das ich nicht zu benennen vermochte, das sich in jenen Augenblicken jedoch nicht Folterungen oder gar beherrschen lie�.</p><p>Pl�tzlich stand ich allein auf der Treppe, von Toten umgeben. Ich wurde mir bewu�t, da� ich aus mehreren kleineren Wunden blutete. Langsam stieg ich die Treppe hinauf, bis ich die Barrikade erreichte. Ich rief laut: �Marlenus, Ubar von Ar!�</p><p>Erfreut vernahm ich von weiter oben die Stimme des Ubar. �Wer will mit mir sprechen?� �Tarl aus Bristol!� rief ich. Schweigen.</p><p>Ich wischte mein Schwert ab, steckte es fort und erkletterte die Barrikade. Langsam stieg ich auf der anderen Seite hinab und folgte langsam den Stufen, mit leeren H�nden. Die Treppe kr�mmte sich vor mir an der Wand entlang, und mehrere Meter �ber mir erschien eine breite T�r, die mit M�beln verbarrikadiert war. Und hinter diesem Schutzwall erschien das ausgemergelte, aber noch immer wilde Gesicht des Ubar Marlenus. Ich nahm den Helm ab und setzte ihn auf die Treppe. Im n�chsten Augenblick st�rmte er durch das Hindernis, als best�nde es nur aus Sperrholz. Wortlos umarmten wir uns.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Ich hastete in Begleitung von Marlenus und seinen M�nnern in den Hauptflur des Geb�udes hinab. Die gro�en V�gel, die ihre Mahlzeit beendet hatten, waren nun den menschlichen Kommandos wieder zug�nglich, und mit ihren Tarnst�ben verschafften sich Marlenus und seine K�mpfer schnell wieder Respekt. Trotz der Dringlichkeit unserer Mission lie� sich Marlenus Zeit, eine Fliese anzuheben und den darunter aufragenden Hebel zu drehen; die Geheimt�r, durch die wir gekommen waren, schlo� sich und barg das Geheimnis des Tunnels. Wir f�hrten unsere Tarns zu einem der gro�en Kreisfenster des Zylinders. Ich stieg in den Sattel und lie� mein Tier aufsteigen. Marlenus und seine M�nner folgten mir. Eine Minute sp�ter hatten wir das Dach des Zentralzylinders erreicht, und Ar lag unter uns. Marlenus war im wesentlichen unterrichtet �ber die politische Lage; er fluchte laut, als ich ihm mitteilte, welchem Schicksal Talena entgegenging, wollte mich bei meinem Angriff auf den Justizzylinder jedoch nicht begleiten.</p><p>�Schau!� rief Marlenus. �Die Besatzungstruppen Pa-Kurs sind schon in der Stadt. Die M�nner Ars liefern ihre Waffen ab!� �Willst du deine Tochter nicht retten?� fragte ich. �Nimm dir so viele M�nner, wie du willst�, sagte er, �aber ich mu� um meine Stadt k�mpfen, und solange ich lebe, soll Ar nicht untergehen.� Er r�ckte den Helm auf seinem Kopf zurecht und machte sich kampfbereit. Im n�chsten Augenblick schwang sich sein Tarn davon. Ich rief ihm nach, doch er hatte seine Entscheidung getroffen. Er schwebte in die Stra�en der Stadt hinab, um seine B�rger erneut zu den Waffen zu rufen, um sie aufzufordern, die verr�terische Herrschaft der Wissenden abzusch�tteln. Einer nach dem anderen folgten ihm seine M�nner, Tarnsmann um Tarnsmann � jeder gedachte mit seinem Ubar zu sterben. Und auch ich w�re mit ihm geflogen, wenn mich nicht eine h�here Pflicht gerufen h�tte.</p><p>Ich machte mich ebenfalls kampfbereit. Ohne gro�e Hoffnung richtete ich meinen Tarn auf den Justizzylinder. W�hrend des Fluges bemerkte ich zu meinem Entsetzen, da� die Horden Pa-Kurs �ber die Br�cken des ersten Grabens dr�ngten; das Sonnenlicht schimmerte auf ihren Waffen. Es hatte nicht den Anschein, als wollten sich die K�mpfer an die Bedingungen der Kapitulation halten. Heute nacht w�rde Ar in Flammen stehen, die Truhen ausger�umt, die M�nner niedergestochen, die Frauen in der Gewalt vergn�gungss�chtiger Soldaten sein.</p><p>Der Justizzylinder bestand aus wei�em Marmor. Sein Dach, auf dem sich etwa zweihundert Menschen aufhieltet!, hatte einen Durchmesser von ungef�hr hundert Metern. Ich machte die wei�en Roben der Wissenden aus und die verschiedenfarbigen Uniformen der Soldaten Ars, und als schwarze Flecken in dieser Versammlung die dunkle Kleidung der Kaste der Attent�ter. Die Spitze, die gew�hnlich auf dem Zylinder aufragte, war herabgesenkt worden. Wenn sie sich wieder hob, w�rde sie Talenas K�rper tragen.</p><p>Ich landete meinen Tarn in der Mitte der Fl�che. Wild fluchend und schreiend brachten sich die M�nner in Sicherheit. Ich hatte eigentlich erwartet, da� man sofort auf mich schie�en w�rde, doch dann fiel mir ein, da� ich ja noch immer meine Kurierkleidung trug.</p><p>Talena lag auf dem Boden, an H�nden und F��en gefesselt. Die Spitze des Hinrichtungsspeers lag neben ihr. Bei meiner Landung waren auch ihre beiden Henker geflohen. Das M�dchen lag fast innerhalb der Fl�gelweite des Vogels � so nahe, und doch Welten von mir getrennt.</p><p>�Was soll das?� rief eine befehlsgewohnte Stimme. Pa-Kur wandte sich um.</p><p>Ich sah ihn an, und Wut erf�llte mich, wallte in mir auf wie Lava, die nach au�en dr�ngt. �M�nner von Ar!� rief ich, �nehmt euch in acht!� Mit wilder Geb�rde deutete ich auf den Schw�rm der Riesenstreitmacht, die sich �ber das Vorfeld den Stadtmauern n�herte. Wutschreie wurden laut.</p><p>�Wer bist du?� rief Pa-Kur und zog sein Schwert.</p><p>Ich warf meinen Helm ab. �Ich bin Tarl aus Bristol�, sagte ich.</p><p>Der Schrei des Staunens und der Freude, den Talena ausstie�, war mir eine unvorstellbare Beruhigung.</p><p>�Spie�t sie auf!� br�llte Pa-Kur.</p><p>Als die beiden st�mmigen Henker vortraten, ergriff ich meinen Speer und schleuderte ihn mit einer Kraft, die mir selbst unglaublich erschien. Der Speer zuckte wie ein Blitz durch die Luft, traf den einen Henker in die Brust, ging durch seinen K�rper hindurch und bohrte sich in das Herz des anderen Mannes.</p><p>Entsetztes Schweigen breitete sich aus.</p><p>Leise Rufe t�nten von unten herauf. Es begann brenzlig zu riechen. Waffengeklirr ert�nte. �M�nner von Ar!� rief ich. �H�rt! Schon ist Marlenus, euer Ubar, zum Kampf um die Freiheit Ars angetreten!�</p><p>Die M�nner der Stadt sahen sich an.</p><p>�Wollt ihr eure Stadt �bergeben? Euer Leben und eure Frauen den Attent�tern �berlassen?� fragte ich.</p><p>�Nieder mit den Wissenden!� rief ein Mann und zog sein Schwert.</p><p>�Nieder mit den Attent�tern!� fiel ein zweiter ein.</p><p>Die Wissenden wichen entsetzt zur�ck. Wie durch Zauberhand trennten sich die M�nner der Stadt von den anderen K�mpfern. Schwerter wurden gezogen; im n�chsten Augenblick mu�te der Kampf ausbrechen.</p><p>�Halt!� dr�hnte eine feierliche, klangvolle Stimme. K�pfe wandten sich um. Der Oberste Wissende Ars trat vor. Majest�tisch kam er �ber das Dach. Er war ein ausgemergelter, unglaublich gro�er Mann mit glattrasiertem, eingefallenem Gesicht und wilden, prophetischen Augen.</p><p>�Wer zweifelt hier den Willen der Priesterk�nige an?� fragte er.</p><p>Niemand antwortete. Die M�nner wichen zur�ck, auch Pa-Kur schien eingesch�chtert. Die geistige Macht dieses Mannes hing fast greifbar in der Luft.</p><p>�Wenn es der Wille der Priesterk�nige ist�, sagte ich, �den Tod eines unschuldigen M�dchens herbeizuf�hren, dann wende ich mich gegen diesen Willen.�</p><p>Solche Worte waren auf Gor noch nicht gesprochen worden.</p><p>Absolute Stille herrschte auf dem Zylinder. Der Oberste Wissende wandte sich zu mir um und hob einen langen Skelettfinger.</p><p>�Stirb den Flammentod!� sagte er.</p><p>Ich hatte �ber dieses Ph�nomen schon von meinem Vater und dem �lteren Tarl geh�rt � von jenem legend�ren Schicksal, das alle ereilt, die sich dem Willen der Priesterk�nige widersetzen. Ich wu�te sehr wenig �ber die sagenhaften Priesterk�nige, doch ich ahnte, da� sie existieren mu�ten, denn ich war von einer fortgeschrittenen Technologie nach Gor gebracht worden. Allerdings hielt ich die Priesterk�nige nicht f�r G�tter, sondern nahm an, da� sie norma le Lebewesen waren, da� sie �ber die Ereignisse auf dieser Welt gut Bescheid wu�ten und den Goreanern von Zeit zu Zeit ihren Willen kundtaten.</p><p>Auf dem R�cken meines Tarns wartete ich.</p><p>�Stirb den Flammentod!� wiederholte der alte Mann; doch seine Stimme war unsicher geworden, sein Ausspruch hatte etwas Pathetisches. �Vielleicht kann kein Mensch den Willen der Priesterk�nige kennen�, sagte ich.</p><p>�Ich habe den Tod des M�dchens verf�gt!� rief der alte Mann wild. �T�tet sie!� br�llte er in die Runde.</p><p>Niemand r�hrte sich. Ehe ihn jemand aufhalten konnte, entri� er einem Attent�ter das Schwert, ergriff es mit beiden H�nden und st�rzte zu Talena. Er schwankte hysterisch, in seinen Augen stand ein wahnsinniger Ausdruck, sein Mund zuckte, sein Glaube an die Priesterk�nige war zerschlagen. Der alte Mann spannte sich f�r den Schlag, der das M�dchen t�ten sollte. Doch im n�chsten Augenblick war er von einem bl�ulichen Schimmer umgeben, und zum Entsetzen aller schien er wie eine lebendige Bombe feuerspr�hend zu explodieren. Kein Laut war aus dieser flammenden Masse zu h�ren, die einmal ein Mensch gewesen war, und Sekunden sp�ter war alles vorbei, und ein Windhauch wehte einige Aschepartikel vom Dach. Pa-Kur sagte mit unnat�rlich ruhiger Stimme: �Das Schwert soll �ber diese Dinge entscheiden.�</p><p>Sofort lie� ich mich aus dem Sattel meines Tarns gleiten und zog meine Klinge. Pa-Kur war angeblich der beste Schwertk�mpfer dieses Planeten.</p><p>Im n�chsten Augenblick entbrannte ein heftiger Kampf zwischen den Attent�tern Pa-Kurs und den M�nnern der Stadt, die die pl�tzliche Attacke heftig erwiderten. Sie waren hoffnungslos in der Minderzahl, aber ich wu�te, da� sie sich ausgezeichnet schlagen w�rden. Pa-Kur n�herte sich vorsichtig, auf seine �berlegene Geschicklichkeit bauend. Trotzdem gedachte er kein Risiko einzugehen. Wir trafen fast �ber dem K�rper Talenas zusammen. Die Spitzen unserer Klingen ber�hrten sich kurz, einmal, zweimal. Pa-Kur machte eine Finte, ohne sich eine Bl��e zu geben, und seine Augen schienen meine Schulter zu beobachten, schienen zu registrieren, wie ich seinen Schlag parierte. Wieder testete er mich und schien mit dem Ergebnis zufrieden. Und dann probierte er methodisch verschiedene andere Schl�ge aus, benutzte sein Schwert fast wie eine Sonde. Einmal stach ich direkt zu. Mit Leichtigkeit lenkte Pa-Kur den Schlag zur Seite ab.</p><p>Endlich trat er zur�ck. �Ich kann dich t�ten�, sagte er selbstischer. Es mochte stimmen, aber ich hatte mehr den Eindruck, als sei diese Bemerkung dazu gedacht, den Gegner unsicher zu machen, ih m die Initiative zu rauben.</p><p>�Wie kommt es, da� du mich t�ten kannst, wenn ich dir nicht den R�cken zuwende?� Irgendwo in dieser unmenschlich ruhigen H�lle mu�te ein Kern der Eitelkeit stecken!</p><p>Doch ich erntete nur ein kurzes �rgerliches Aufflackern in seinen Augen, dann l�chelte Pa-Kur. Unsere Klingen trafen sich, doch der Schlagabtausch wurde schneller. Ich begann mich zu fragen, ob seine Taktik einen bestimmten Grund hatte, ob sein vorsichtiges Probieren vielleicht eine schwache Stelle meiner Verteidigung offenbarte. Aber w�hrend eines Kampfes sind solche Spekulationen gef�hrlich. Ich wollte mich ganz auf die Bewegung seiner Klinge konzentrieren und mich nicht beeindrucken lassen.</p><p>Ich bedr�ngte ihn, und er lie� mich gew�hren; m�helos parierte er meine Attacken, ohne seinerseits in die Offensive �berzugehen. Offenbar wollte er mich schw�chen, da� er gefahrlos seinen eigenen wilden Angriff beginnen konnte, der sagenhaft sein sollte.</p><p>W�hrend unseres Kampfes dr�ngten die M�nner Ars ihre Gegner immer wieder zur�ck, doch aus dem Innern des Zylinders schw�rmten immer neue Gegner heran. Es war nur eine Sache der Zeit, bis der letzte Verteidiger der Stadt �ber den Rand des Geb�udes gedr�ngt worden war.</p><p>Talena hatte sich umgedreht und kniete nun gefesselt am Boden und beobachtete unseren Kampf. Ihr Anblick gab mir neue Kraft, und zum erstenmal wollte mir scheinen, da� Pa-Kur meine Angriffe nicht mehr so sicher erwiderte wie am Anfang.</p><p>Pl�tzlich ert�nte ein L�rm wie Donnergrollen am Himmel, und ein gewaltiger Schatten huschte �ber das Dach, als w�re die Sonne durch eine Wolke ausgel�scht. Pa-Kur und ich trennten uns und blickten hastig auf. Bei unserem Duell hatten wir die Umwelt v�llig vergessen. Ich h�rte nun den fr�hlichen Ruf: �Schwertbruder!� Es war Kazrak! �Tarl von Ko -ro-ba!� rief eine zweite vertraute Stimme � die Stimme meines Vaters. Der Himmel war voller Tarns. Tausende von riesigen V�geln senkten sich auf die Stadt herab, �berfluteten die Br�cken und Stra�en, rasten zwischen den T�rmen hindurch, die nun nicht mehr durch Tarnnetze gesch�tzt waren. In der Ferne stand das Lager Pa-Kurs in Flammen.</p><p>�ber die Br�cken des Gro�en Grabens ergo� sich eine Armee. In Ar hatten Marlenus M�nner offenbar das gro�e Tor erreicht, denn es schlo� sich langsam und trennte die Besatzungsmacht von der wilden Horde drau�en. Die Horde selbst war �berrascht und verwirrt, von Panik erf�llt. Viele Tarnk�mpfer Pa-Kurs suchten ihr Heil bereits in der Flucht.</p><p>Zwar waren Pa-Kurs Heerscharen den Angreifern zahlenm��ig weit �berlegen, doch es fehlte ihnen die F�hrung. Die M�nner wu�ten nur, da� sie �berrascht worden waren und nun unter dem Angriff disziplinierter Truppen standen, w�hrend die feindlichen Tarnk�mpfer ungehindert von oben vorgehen konnten.</p><p>Kazraks Tarn war auf dem Zylinderdach gelandet, gefolgt von meinem Vater und f�nfzig anderen Streitern. Die Attent�ter Pa-Kurs warfen bereits die Waffen fort und wurden mit schnellen Bewegungen gefesselt.</p><p>Auch Pa-Kur hat dies alles gesehen, ehe wir uns nun wieder gegen�berstanden. Ich neigte mein Schwert zum Boden und bot Pardon.</p><p>Doch Pa-Kur schnaubte nur ver�chtlich durch die Nase und griff an. Ich widerstand ihm mit sauberen Paraden, und nach einem l�ngeren heftigen Schlagabtausch wu�te ich, da� ich ihn besiegen konnte.</p><p>Nun ergriff ich die Initiative und begann ihn zur�ckzudr�ngen � Schritt um Schritt n�herten wir uns dem Rand des Zylinders. Ruhig sagte ich: �Ich kann dich t�ten.� Ich wu�te, da� ich die Wahrheit sprach.</p><p>Ich schlug ihm die Klinge aus der Hand. Klirrend rutschte sie �ber den Marmorboden.</p><p>�Ergib dich�, sagte ich, �oder nimm dein Schwert.�</p><p>Wie eine zuschnappende Kobra setzte sich Pa-Kur wieder in den Besitz seiner Waffe. Der Kampf begann erneut, und zweimal verletzte ich ihn, beim zweitenmal hatte ich fast die Position, die ich brauchte. Ich ben�tigte nur noch wenige Schl�ge, und der Attent�ter w�rde leblos zu meinen F��en liegen.</p><p>Pa-Kur schien das auch zu sp�ren, denn pl�tzlich schleuderte er sein Schwert nach mir. Er verletzte mich an der Seite, und ich sp�rte die W�rme des hervorstr�menden Blutes. Pa-Kur und ich sahen uns an, ohne Ha�. Hochaufgerichtet stand er vor mir, unbewaffnet.</p><p>�Du wirst mich nicht als Gefangenen heimf�hren�, sagte er. Er wandte sich um und sprang ins Leere.</p><p>Langsam trat ich an den Rand des Zylinders. Von dem Obersten Attent�ter war nichts mehr zu sehen. Sein zerschmetterter K�rper w�rde tief unten von der Stra�e genommen und �ffentlich aufgespie�t werden.</p><p>Ich steckte mein Schwert fort, ging zu Talena und l�ste ihre Fesseln.</p><p>Zitternd stand sie neben mir, und ich nahm sie in die Arme. �Ich liebe dich�, sagte ich.</p><p>Wie hielten uns umschlungen. �Ich liebe dich�, hauchte sie. Hinter uns erdr�hnte Marlenus gewaltiges Gel�chter. Talena und ich fuhren auseinander.</p><p>Der Ubar klopfte mir auf die Schulter. Dann ging er zu seiner Tochter und nahm ihren Kopf zwischen die H�nde. �Ja�, sagte er, als s�he er seine Tochter zum erstenmal. �Sie ist es wert, die Tochter eines Ubar zu sein. �Schenkt mir viele Enkel!� sagte er.</p><p>Ich sah mich um. Mein Vater betrachtete mich wohlwollend. In der Ferne war Pa-Kurs Lager ein Tr�mmerfeld aus verkohlten Pf�hlen. Die Besatzungsmacht in der Stadt hatte sich ergeben. Au�erhalb der Mauern hatte die Horde ihre Waffen abgeliefert. Ar war gerettet.</p><p>Talena blickte zu mir auf. �Was wirst du mit mir tun?� fragte sie.</p><p>�Ich nehme dich mit nach Ko-ro-ba�, sagte ich. �In meine Stadt.�</p><p>�Als deine Sklavin?� Sie l�chelte.</p><p>�Wenn du mich haben willst � als meine Freie Gef�hrtin.� �Ich nehme dich, Tarl von Ko-ro-ba�, sagte Talena. �Ich nehme dich als meinen Freien Gef�hrten.�</p><p>Sie lachte, und ich hob sie in den Sattel meines Tarn. �Bist du ein richtiger Krieger?� fragte sie.</p><p>�Das werden wir sehen!� erwiderte ich lachend. Den rauen Heiratssitten Gors entsprechend, str�ubte sie sich, wand sich hin und her und tat, als wollte sie nicht mitfliegen, und ich zog sie vor mich auf den Sattel. Handgelenke und Beine wurden gefesselt, und dann lag sie quer �ber dem R�cken des Tarn, eine hilflose Gefangene aus Liebe und eigener Entscheidung. Die Krieger lachten, Marlenus am lautesten. �Es scheint, als geh�re ich dir, k�hner Tarnsmann�, sagte sie. �Was willst du nun mit mir tun?� Anstelle einer Antwort zog ich am ersten Z�gel, und der gro�e Vogel erhob sich in die Luft, h�her und h�her, bis in die Wolken, und sie rief: �Jetzt, mein Tarl!� Und noch ehe wir die Stadt ganz hinter uns lassen konnten, hatte ich ihre Fesseln schon gel�st und ihren Umhang in die Stra�en hinabgeworfen, um ihrem Volk Kunde zu geben vom Schicksal der Tochter ihres Ubar.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>Es wird nun Zeit f�r den einsamen Schreiber dieser Zeilen, seinen Bericht abzuschlie�en � ohne Bitterkeit und ohne Resignation. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, da� ich eines Tages vielleicht nach Gor zur�ckkehren darf. Diese letzten Abs�tze werden in einer Wohnung in Manhattan geschrieben, im sechsten Stockwerk hoch �ber dem L�rm des Nachmittagsverkehrs. Die Sonne scheint, und ich wei�, da� irgendwo dahinter, als Gegenst�ck zu meinem Heimatplaneten, eine andere Welt existiert. Und ich frage mich, ob auf dieser Welt ein M�dchen, das jetzt eine Frau ist, an mich denkt und vielleicht an die Geheimnisse meiner Heimatwelt, von denen ich ihr berichtet habe. Mein Schicksal war erf�llt, ich hatte den Priesterk�nigen gedient, eine Welt hatte sich ver�ndert. Nicht l�nger ben�tigt, wurde ich zur�ckgeschickt. Vielleicht hielten mich die Priesterk�nige Gors f�r gef�hrlich, vielleicht wurde ihnen klar, da� ich sie nicht anbetete, vielleicht neideten sie mir auch meine Liebe f�r Talena. Aufgrund meines Einspruchs wurden die besiegten Armeen Pa-Kurs sehr gro�z�gig behandelt. Die Heimsteine der zw�lf Unterworfenen St�dte wurden zur�ckgegeben, und die K�mpfer dieser St�dte durften in ihre Heimat zur�ckkehren. Der gr��te Teil der S�ldner wurde ein Jahr lang als Arbeitssklaven einbehalten, die die gro�en Gr�ben und Belagerungstunnel wieder auff�llen und die Mauern Ars reparieren sollten. Die Offiziere Pa-Kurs wurden nicht aufgespie�t, sondern wie einfache Soldaten behandelt. Die Angeh�rigen der Kaste der Attent�ter mu�ten als Galeerensklaven arbeiten. Seltsamerweise blieb der K�rper Pa-Kurs unauffindbar.</p><p>Marlenus unterwarf sich dem Rat der Hohen Kasten seiner Stadt. Zwar wurde das Todesurteil der Wissenden widerrufen, doch aus Angst vor seinem Machtdrang wurde er aus der Stadt verbannt. Mit etwa f�nfzig Getreuen zog er sich in die Voltai-Berge zur�ck, von wo er die fernen T�rme seiner Stadt �berschauen kann. Dort herrscht er wohl noch heute, ein Larl unter den Menschen, ein ausgesto�ener K�nig, f�r seine Gefolgsleute stets ein Ubar aller Ubars.</p><p>Die Freien St�dte Gors benannten meinen Schwertbruder Kazrak zum vorl�ufigen Administrator Ars � eine Entscheidung, die sp�ter durch den Hohen Rat best�tigt wurde.</p><p>Als Talena und ich nach Ko-ro-ba zur�ckkehrten, fand dort ein gro�es Fest zur Feier unserer Gef�hrtenschaft statt. Ein Feiertag wurde ausgerufen, und die ganze Stadt erstrahlte in festlichem Glanz. Zu meiner Freude ri� sich sogar Torm, der alte Schriftgelehrte, von seinen Rollen los, um mein Gl�ck zu teilen.</p><p>An diesem Tag schworen wir uns ewige Treue, Talena und ich, solange wir lebten. Ich habe versucht, dieses Versprechen zu halten, und ich wei� das gleiche von ihr. Diese herrliche Nacht war voller Blumen, Fackeln und Ka-la-na-Wein und nach den s��en Stunden der Liebe entschlummerten wir in sanfter Umarmung.</p><p>Es mochte Wochen sp�ter gewesen sein, da� ich erstarrt und kalt in den Bergen von New Hampshire wieder erwachte, nahe dem flachen Plateau, auf dem das silberne Raumschiff gelandet war. Ich trug die gleiche Ausflugskleidung, die ich damals angehabt hatte; sie kam mir nun grob und eng vor. Menschen sterben, doch nicht an gebrochenem Herzen, denn wenn es das g�be, w�re ich l�ngst nicht mehr am Leben. Ich zweifelte an meinem Verstand, ich hatte die entsetzliche Bef�rchtung, da� all die Geschehnisse nur ein schrecklicher Traum gewesen waren. Ich sa� allein in den Bergen, den Kopf in den H�nden. Schweren Herzens richtete ich mich auf. Aber dann sah ich es, neben meinem Stiefel im Gras � einen kleinen, runden Gegenstand. Ich lie� mich auf die Knie fallen, nahm ihn an mich, und die Tr�nen liefen mir �ber das Gesicht, und mein Herz erlebte die traurigste Freude, die ein Mensch kennen kann. In meiner Hand hielt ich den Ring aus rotem Metall, der das Siegel Cabots trug. Das Geschenk meines Vaters. Ich schnitt mir mit dem Ring in die Hand, und ich lachte vor Freude, als ich den Schmerz sp�rte und das Blut sah. Der Ring war Wirklichkeit, und ich war wach, und es gab eine Gegenerde � und das M�dchen Talena. Als ich wieder in die Stadt kam, stellte ich fest, da� ich sieben Monate fort gewesen war. Es bereitete mir keine Schwierigkeiten, eine Amnesie vorzut�uschen � und welchen anderen Bericht h�tte ich geben k�nnen �ber die Zeit, die inzwischen vergangen war ?</p><p>Ich verbrachte einige Tage unter Beobachtung in einem Krankenhaus und wurde dann entlassen. Ich entschied, da� ich � zumindest vor�bergehend � nach New York ziehen wollte. Mein Posten im College war nat�rlich inzwischen besetzt worden, au�erdem versp�rte ich keinen Wunsch, zur�ckzukehren; ich h�tte zuviel erkl�ren m�ssen. Ich sandte meinem Freund im College einen Scheck als Bezahlung f�r seine Campingausr�stung, die durch den blauen Brief vernichtet worden war. Freundlicherweise sorgte er daf�r, da� mir B�cher und sonstige Besitzt�mer an die neue Anschrift nachgesandt wurden. Als ich auch meine Konten �bertragen lie�, stellte ich zu meiner �berraschung fest, da� das Sparkonto in meiner Abwesenheit um einen h�bschen Betrag angereichert worden war. Seit meiner R�ckkehr von der Gegenerde habe ich also nicht arbeiten m�ssen. Gewi�, ich habe gelegentlich eine Stellung angenommen, doch nur Arbeiten, die mir gefielen und die ich jederzeit wieder aufgeben konnte. Zwischendurch bin ich viel gereist, lese viel und halte mich fit. Ich bin sogar einem Fechtklub beigetreten, um mein Auge wach und meinen Arm stark zu halten, obwohl die winzige Klinge im Vergleich zum goreanischen Schwert in der Hand kaum zu sp�ren ist.</p><p>Obwohl seit meinem Verlassen der Gegenerde inzwischen sechs Jahre vergangen sind, scheine ich �u�erlich nicht zu altern. Ich habe mir dar�ber Gedanken gemacht und das mit dem geheimnisvollen Brief meines Vaters in Verbindung gebracht, der ein Datum aus dem siebzehnten Jahrhundert trug. Vielleicht haben die Seren der Kaste der �rzte etwas damit zu tun, ich wei� es nicht.</p><p>Zwei- oder dreimal im Jahr kehre ich in die Berge von New Hampshire zur�ck, um mir den gro�en flachen Felsen anzuschauen und eine Nacht dort zu verbringen � und um vielleicht die silberne Scheibe am Himmel auszumachen, falls mich die Priesterk�nige wieder auf ihre Welt rufen wollen. Aber wenn das geschieht, werden sie das in dem klaren Bewu�tsein tun, da� ich nicht eine einfache Figur in ihrem umfassenden Spiel sein will. Wer oder was sind die Priesterk�nige, da� sie das Leben anderer derart bestimmen, da� sie einen Planeten beherrschen, die St�dte einer Welt terrorisieren, Menschen dem Flammentod �berantworten und Liebende voneinander trennen? Wie entsetzlich ihre Macht auch sein mag � jemand mu� sie herausfordern. Wenn ich jemals wieder die gr�nen Felder Gors erschaue, werde ich bestimmt versuchen, das R�tsel der Priesterk�nige zu l�sen, werde in das Sardargebirge vorsto�en und mich ihnen entgegenstellen, wer oder was sie auch sind.</p></section></body><binary id="cover" 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