<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Die Nomaden von Gor</book-title><annotation><p>Tarl Cabot dringt in dem Machtbereich der Wagenv�lker vor, den wilden Nomaden, die ihre riesigen Herden allj�rlich �ber die unendlichen Pr�rien von Gor treiben. In der Obhut der Wagenv�lker befindet sich das letzte Ei der Priesterk�nige, von dem das Fortbestehen der m�chtigen, hochentwickelten Rasse abh�ngt. Tarl Cabot hat den Auftrag, das Ei ausfindig zu machen und zu besch�tzen. Es gelingt ihm schlie�lich, den Respect der Nomaden zu erk�mpfen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Bald stellt er fest, da� auch andere M�chte an dem Erbe der Priesterk�nige interessiert sind, der steinreiche Saphrar von Turia etwa, der sein Verm�gen und seine Heimatstadt aufs Spiel setzt, um das Ei in seinen Besitz zu bringen. Aber auch er ist nur eine Figur in dem gnadenlosen Spiel, im Hintergrund steht der �Graue�, der geheimnisvolle Mann, der die junge Amerikanerin Elisabeth nach Gor verschieppte, um Tarl Cabot zu vernichten, und der vor nichts zur�ckschreckt, um die Priesterk�nige zu entmachten.</p></annotation><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="4"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Nomads of Gor</book-title><date>1969</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><src-ocr>451F�</src-ocr><id>5E9A1BC9-6585-45A0-AFC5-67BFA1B26057</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Die Nomaden von Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>�Lauf!� rief die Frau mir zu. �Lauf um dein Leben!�</p><p>Sie hastete an mir vorbei, eine B�uerin, in grobes Sackleinen gekleidet. Sie trug einen Bastkorb mit Vulos � gez�hmte Tauben, die ihrer Eier wegen gehalten werden. Ihr Mann, eine Kiepe auf dem R�cken, folgte ihr dichtauf. Er machte einen gro�en Bogen um mich.</p><p>�Vorsicht�, sagte er. �Ich trage einen Heimstein.�</p><p>Ich trat zur�ck und machte keine Anstalten, meine Waffe zu ziehen. Obwohl ich der Kaste der Krieger angeh�rte und er nur ein Bauer war, behindert man nicht ohne weiteres einen Mann, der seinen Heimstein tr�gt.</p><p>Als er erkannte, da� ich ihm nichts antun wollte, blieb er stehen und deutete zum Horizont. �Sie kommen�, sagte er. �Lauf, du Narr! Fl�chte dich nach Turia!�</p><p>Turia, die Stadt mit den hohen Mauern und den neun Toren, lag inmitten der gewaltigen Pr�rien, auf die die Wagenv�lker Anspruch erhoben. Sie war bisher unbesiegt geblieben.</p><p>Unsicher stolperte der Bauer weiter, wobei er immer wieder entsetzte Blicke �ber die Schulter warf.</p><p>In einiger Entfernung machte ich andere Menschen aus, die offensichtlich vor etwas flohen � von Lasten gebeugt, Haustiere vor sich her treibend. Schon stob eine Herde kleiner Kailiauk an mir vor�ber, st�mmige Graslandtiere, sandfarben, wild, schwer, die breiten K�pfe mit einem dreizackigen Horn versehen; sie hatten keinen Wehrkreis gebildet, in dem sie Jungtiere und Weibchen sch�tzten, nein, auch sie waren geflohen. Hinter ihnen entdeckte ich zwei der sechsbeinigen Pr�riesleen, kleiner als der Waldsleen, aber ebenso heimt�ckisch und b�sartig, beide etwa zwei Meter lang, nicht weit davon entfernt einen Tumit, einen gro�en Laufvogel, dessen gekr�mmter Schnabel nur zu deutlich von seinen Fre�gewohnheiten zeugte. Die Wagenv�lker erhoben Anspruch auf die s�dlichen Pr�rien Gors, vom schimmernden Thassa und den Bergen Ta-Thassa bis hin zu den s�dlichen Ausl�ufern der Voltai-Berge, die sich wie das R�ckgrat Gors aus der Kruste des Planeten erhoben. Im Norden behaupteten sie sich sogar bis zu den riedbewachsenen Ufern des Cartius, eines breiten, schnellen Nebenflusses des unvergleichlichen Vosk. Das Land zwischen Cartius und Vosk hatte einmal innerhalb der Grenzen des gro�en Reiches von Ar gelegen, doch selbst Marlenus, Ubar aller Ubar, hatte es in seiner Amtszeit nicht gewagt, seine Tarnk�mpfer nach S�den �ber den Cartius vorsto�en zu lassen.</p><p>In den vergangenen Monaten war ich aus der n�rdlichen in die s�dliche Hemisph�re Gors vorgesto�en, zu Fu�, �ber den �quator, wobei ich mich durch die Jagd ern�hrt hatte und zuweilen auch in die Dienste von Handelskarawanen getreten war. Ich hatte das Sardargebirge im Monat Se�Var verlassen, der auf der n�rdlichen Halbkugel ein Wintermonat ist, und war sehr lange unterwegs gewesen; nun hatte ich dieses Gebiet erreicht � von einigen die Ebene von Turia, von anderen das Land der Wagenv�lker genannt �, und in dieser Hemisph�re herrschte der Herbst. Das will nicht viel besagen, da wohl aufgrund des Gleichgewichts zwischen Land und Wasser auf diesem Planeten keine sonderlichen Unterschiede zwischen den Jahreszeiten festzustellen sind. Andererseits sind Gors Temperaturunterschiede zuweilen extremer als die auf der Erde, was vermutlich auf die gewaltigen windgepeitschten Ebenen dieses Planeten zur�ckzuf�hren ist; obwohl Gor kleiner ist als die Erde und dementsprechend eine geringere Anziehung aus�bt, m�gen seine Landgebiete die meines Heimatplaneten weit �bersteigen, obwohl ich das nicht genau wei�; die kartographisch erfa�ten Regionen sind zwar gewaltig, stellen aber nur einen geringen Teil der Planetenoberfl�che dar.</p><p>Einige Minuten beobachtete ich reglos die Tiere und Menschen, die in Richtung Turia flohen. Ich vermochte ihr Entsetzen nicht zu verstehen. Selbst das Herbstgras wogte in gewaltigen Wellen in Richtung Turia und schimmerte dabei in der Sonne wie eine sandfarbene Brandung unter den dahinjagenden Wolken; es war, als suche selbst der Wind Schutz hinter den hohen Mauern der fernen Stadt. Ich schaute in die Richtung, aus der all die Fl�chtenden gekommen waren. In einigen Pasang Entfernung entdeckte ich hohe Rauchwolken, die in die kalte Luft stiegen. Offenbar brannten dort Felder. Die Pr�rie selbst brannte nicht; nur die Felder von Bauern waren betroffen, die Felder von Menschen, die sich den Boden urbar gemacht hatten; das eigentliche Pr�riegras, das den m�chtigen Bosk ern�hrte, blieb verschont.</p><p>Auch sah ich in der Ferne Staubwolken wie eine schwarze Gewitterwand, Staub, der unter den Hufen unz�hliger Tiere emporwirbelte � zweifellos die Boskherden der Wagenv�lker.</p><p>Die Wagenv�lker treiben keine Landwirtschaft, auch kennen sie keine Produktion von Handelsg�tern, wie wir sie haben. Sie sind Hirten und � wie es hei�t � M�rder. Sie essen nichts, das mit dem Schmutz der Erde in Ber�hrung gekommen ist. Sie leben vom Fleisch und von der Milch des Bosk. Sie geh�ren zu den stolzesten Menschengruppen Gors und halten die Stadtbewohner des Planeten f�r Ungeziefer, f�r Feiglinge, die sich hinter Mauern fl�chten m�ssen, f�r arme Seelen, die vor dem freien Himmel Angst haben, die es nicht wagen, sich den offenen, .windbewegten Weiten ihrer Welt auszusetzen.</p><p>Der Bosk, der die Wagenv�lker am Leben erh�lt, ist ein bison�hnliches Tier, ein riesiges, unf�rmiges Wesen mit gewaltigem H�ckernacken und langem, verfilztem Fell. Er hat einen breiten Kopf und winzige rote Augen, ein Temperament, das dem des Sleen entspricht, und zwei lange, spitze H�rner. Bei gr��eren Tieren messen diese H�rner von Spitze zu Spitze �ber zwei Speerl�ngen.</p><p>Die Wagenv�lker ern�hren sich aber nicht nur vom Fleisch und von der Milch des Bosk; sein Leder bedeckt auch die kuppel�hnlichen Wagen, in denen sie leben; seine gef�rbten, zusammengen�hten H�ute bildeten ihre Kleidung, das Leder des H�ckers findet f�r Schilde Verwendung, seine Sehnen als Bindfaden, seine Knochen und H�rner sind Rohstoff f�r hundert verschiedene Dinge. Sogar der Dung wird verwertet; man trocknet ihn und verwendet ihn als Brennstoff. Der Bosk wird als Mutter der Wagenv�lker bezeichnet, und in dieser Eigenschaft verehren sie ihn. Jeder, der einen Bosk sinnlos t�tet, wird erdrosselt oder im Fell jenes Tieres erstickt, das er get�tet hat. Hat der Betreffende sogar ein Muttertier mit einem ungeborenen Jungen erwischt, wird er bei lebendigem Leibe vor der Boskherde an einen Pfahl gebunden, und Herde und Wagenkarawane w�lzen sich �ber ihn hinweg.</p><p>Der Strom der Fl�chtenden nahm ab, nur der Wind blieb, und das Feuer in der Ferne. Pl�tzlich sp�rte ich, da� der Boden bebte. Meine Nackenhaare schienen sich aufzurichten. Die Erde erzitterte unter den Hufen der Boskherden. Die Wagenv�lker kamen.</p><p>Ihre Vorreiter mu�ten bald in Sicht sein.</p><p>Ich h�ngte meinen Helm �ber die linke Schulter, wo ich schon ein Kurzschwert trug; mit dem linken Arm hielt ich meinen Schild, in der rechten Hand den goreanischen Kriegsspeer.</p><p>So begann ich auf die Staubwolke zuzugehen.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Dabei fragte ich mich nicht zum erstenmal, was ich, Tarl Cabot, auf der Erde geboren und sp�ter Krieger der goreanischen Stadt Ko-ro-ba, der T�rme des Morgens, eigentlich hier suchte.</p><p>In den langen Jahren seit meinem ersten Besuch auf der Gegenerde hatte ich viele Dinge gesehen und erlebt, hatte manche Gefahren und erstaunliche Situationen �berstanden, hatte auch manche Freuden genie�en k�nnen � doch ich wu�te nicht, ob ich je etwas so Unvern�nftiges, ja, T�richtes getan hatte wie jetzt.</p><p>Vor einigen Jahren waren am H�hepunkt einer seit Jahrhunderten schwelenden Intrige zwei M�nner, Angeh�rige zweier goreanischer St�dte, von den Priesterk�nigen mit einer geheimen gefahrvollen Aufgabe betraut worden � sie sollten einen Gegenstand zu den Wagenv�lkern bringen, die nach allgemeiner Auffassung zu den freiesten, isoliertesten und wildesten Volksgruppen des Planeten geh�rten � einen Gegenstand, den sie sicher aufbewahren sollten.</p><p>Die beiden Gesandten hatten ihre Aufgabe erf�llt, doch sie waren sp�ter bei einem Krieg zwischen ihren St�dten umgekommen und hatten das Geheimnis ihrer Mission mit ins Grab genommen. Ich selbst hatte im Sardargebirge davon erfahren und hatte den Eindruck, da� au�er mir vielleicht nur wenige Angeh�rige der Wagenv�lker die wahre Bedeutung des geheimnisvollen Gegenstands kannten � und um ehrlich zu sein, nicht einmal ich wu�te, ob ich ihn erkennen w�rde, wenn ich ihn zu Gesicht bekam.</p><p>Konnte ich, Tarl Cabot, ein Mensch, dieses Objekt finden und es nach dem Wunsch der Priesterk�nige ins Sardargebirge zur�ckbringen, wo es seine einzigartige und einmalige Rolle im Geschick dieser barbarischen Welt spielen mu�te?</p><p>Ich wu�te es nicht. Aber worum handelte es sich bei diesem Gegenstand?</p><p>Man k�nnte ihn als das Ziel heftiger Intrigen bezeichnen, als Quell tiefgreifender Zwistigkeiten unter dem Sardargebirge � Auseinandersetzungen, von denen die Menschen Gors nichts ahnten �, als die kostbare, einzige Hoffnung einer uralten unglaublichen Rasse, als Same, ein St�ck lebendiges Gewebe, die schlummernde F�higkeit zur Wiedergeburt, der Same der G�tter, ein Ei � das letzte und einzige Ei der Priesterk�nige.</p><p>Aber warum setzten sich die Priesterk�nige nicht selbst auf seine Spur � mit ihren Flugschiffen und ihren durchschlagenden Waffen und fantastischen Ger�ten?</p><p>Priesterk�nige ertragen die Sonne nicht. Sie sind nicht wie die Menschen, und niemand w�rde sie f�r Priesterk�nige halten. Die Menschen stellten sich die Priesterk�nige nach ihrem eigenen Ebenbild vor. Ein Priesterk�nig hatte mir einmal gesagt: �Der Mensch ist dem Menschen gegen�ber wie ein Larl; wenn wir es zulie�en, w�rde er auch uns Priesterk�nige so behandeln.�</p><p>So war ich losgezogen � weil ich von der Bedeutung meiner Mission �berzeugt war, und weil sie meinem Freund Misk etwas bedeutete, von dem an anderer Stelle die Rede ist. Ein Gro�teil seines Lebens galt dem Traum eines neuen Lebens f�r die Priesterk�nige, neuen Nachkommen, einem neuen Anfang.</p><p>Ich erinnerte mich an die st�rmische Nacht im Schatten des Sardargebirges, als wir uns �ber seltsame Dinge unterhielten, als ich ihn schlie�lich verlie� und mich beim Anf�hrer meiner Reisegruppe nach dem Weg in das Land der Wagenv�lker erkundigte.</p><p>Nun hatte ich sie gefunden.</p><p>Wenn ich meine Mission erfolgreich abschlo�, war das vielleicht die Rettung f�r meine Mitmenschen, die die Priesterk�nige dann weiterhin vor der Selbstvernichtung durch eine unkontrollierte technologische Entwicklung bewahren mochten. Aber der herausragende Grund f�r meine Bem�hungen war meine Freundschaft zu Misk, der ein Priesterk�nig war.</p><p>Wie sollte ich aber vorgehen? Konnte ich einfach zu den Wagenv�lkern kommen, mich als Tarl Cabot aus Ko-ro-ba vorstellen? Sagen: �Ich bringe zwar keine Beweise, keine Referenzschreiben, aber ich komme von den Priesterk�nigen und m�chte gern den Gegenstand abholen, den ihr f�r sie verwahrt. Sie m�chten ihn n�mlich gern zur�ck haben. Vielen Dank. Auf Wiedersehen�?</p><p>Ich lachte. Es war besser, wenn ich zun�chst m�glichst wenig sagte.</p><p>Der Gegenstand war vielleicht gar nicht mehr bei den Wagenv�lkern. Au�erdem gab es vier St�mme � die Paravaci, die Kataii, die Kassars und die gef�rchteten Tuchuks. Wer konnte wissen, bei welchem Volk das Ei hinterlegt worden war?</p><p>Vielleicht war es versteckt worden und l�ngst vergessen? Vielleicht wurde es angebetet, vielleicht war es ein Sakrileg, auch nur daran zu denken!</p><p>Und wenn ich das Ei in meinen Besitz brachte, wie wollte ich es fortschaffen?</p><p>Ich hatte keinen Tarn, keinen der wilden Reitv�gel dieser Welt; ich hatte auch keinen Tharlarion, wie sie von den Kriegern vieler St�dte als Reittier benutzt werden.</p><p>Ich war zu Fu� unterwegs auf den baumlosen s�dlichen Ebenen Gors, auf den Ebenen Turias, im Land der Wagenv�lker.</p><p>Wie es hie�, brachten die Wagenv�lker einen Fremden sofort um. Das Wort f�r Fremder und Feind ist in der goreanischen Sprache identisch.</p><p>Ich mu�te mich offen n�hern, da ein Anschleichen wegen der Herdensleen unm�glich war � gez�hmte Wachtiere, die bei Einbruch der Dunkelheit aus ihren K�figen gelassen wurden, um die Herden zu bewachen.</p><p>Es �berrascht mich, wie weit ich noch von den Herden entfernt gewesen war. Zwar sah ich die hochwallenden Staubwolken und sp�rte das Zittern der Erde schon seit einiger Zeit, aber noch hatte ich mein Ziel nicht erreicht.</p><p>Jetzt allerdings h�rte ich das Br�llen der Bosks, das vom Wind herangetragen wurde. Staub verdunkelte den Himmel. Gras und Boden schienen unter meinen F��en zu vibrieren.</p><p>Ich kam an brennenden Feldern und H�tten vorbei, an rauchenden Ruinen von Sa-Tarna-Kornkammern, an den niedergerittenen Z�unen von Korr�len. Schlie�lich entdeckte ich am Horizont eine gezackte Linie, h�ckrig dahinrollend wie eine wogende Flut, wie eine lebendige Woge, die aus der Erde aufzusteigen schien und in einem gewaltigen Bogen sich weiterw�lzend von einer Ecke des Blickfelds bis zur anderen erstreckte. Die Herden der Wagenv�lker, die den Staub wie Flammen zum Himmel z�ngeln lie�en; wie ein Gletscher aus Fell und H�rnern, der sich �ber die Pr�rie in meine Richtung schob.</p><p>Und dann sah ich den ersten Vorreiter, der mir ohne Eile entgegenkam. Ich machte die schlanke Linie seiner Lanze aus, die er auf dem R�cken trug.</p><p>Ich erkannte einen kleinen runden Lederschild, der schwarz lackiert zu sein schien; er trug einen konischen fellbesetzten Eisenhelm, ein farbiges Kettennetz sch�tzte sein Gesicht und lie� nur die Augen frei. Er war mit einer gef�tterten Jacke bekleidet; sie war pelzbesetzt und hatte einen Pelzkragen; seine Stiefel bestanden aus Boskleder und waren ebenfalls pelzges�umt; um die H�ften trug er einen breiten G�rtel.</p><p>Er sa� sehr aufrecht im Sattel. Die Lanze blieb auf dem R�cken, aber in der Rechten hielt er den kleinen, kr�ftigen Hornbogen der Wagenv�lker, und am Sattel befand sich ein lackierter, rechteckiger K�cher, der bis zu vierzig Pfeilen enthalten konnte. Am Sattel hing auch ein zusammengerolltes Lasso aus geflochtenem Boskleder, und auf der anderen Seite eine lange Bola mit drei Gewichten, die f�r die Jagd auf Tumits und Menschen bestimmt ist; am eigentlichen Sattel, und zwar auf der rechten Seite, was darauf hindeutete, da� der Reiter Rechtsh�nder war, befanden sich die sieben Scheiden f�r die fast legend�ren Quivas, die ausbalancierten Sattelmesser der Pr�rie. Es hie�, da� die Nachkommen der Wagenv�lker im Gebrauch des Bogens, der Quiva und der Lanze unterwiesen wurden, noch ehe sie einen Namen erhielten.</p><p>Die Wagenv�lker f�hrten oft Krieg untereinander, aber einmal in zehn Jahren kommen alle V�lker zusammen, und in diesem Jahr war es wieder soweit. Bei den Wagenv�lkern hei�t diese Zeit das Omenjahr, obwohl es sich dabei nicht um ein ganzes Jahr, sondern nur um eine Jahreszeit handelt. Die Wagenv�lker rechnen das Jahr von der Zeit des Schnees bis zur Zeit des Schnees; das Omenjahr dauert mehrere Monate und besteht aus drei Phasen � der Passage von Turia, die im Herbst stattfindet, aus dem �berwintern, das n�rdlich von Turia und s�dlich des Cartius stattfindet, wobei der �quator in dieser Hemisph�re nat�rlich im Norden liegt; und aus der R�ckkehr nach Turia im Fr�hling oder, wie die Wagenv�lker sagen, zur Zeit des Kurzen Grases. Nahe der Stadt Turia, im Fr�hling, wird das Omenjahr dann abgeschlossen; dort werden die Omen ausgesprochen, gew�hnlich von mehreren hundert Haruspexen, die Boskblut und Verrleber lesen, um zu bestimmen, ob die Zeichen g�nstig stehen f�r die Wahl eines Ubar San, eines Hohen Ubar f�r alle Wagenv�lker.</p><p>Wie ich geh�rte hatte, waren die Omen jedoch seit �ber hundert Jahren nicht mehr g�nstig gewesen. Ich vermutete, da� dies an den Feindseligkeiten und Streitereien zwischen den V�lkern liegen mochte, die eigentlich gar keine Einigkeit wollten. Die Haruspexe mu�ten sich dieser Tatsache bewu�t sein. Au�erdem w�re es f�r Turia oder die anderen St�dte im Norden nicht gut gewesen, wenn sich die isolierten wilden V�lker der Ebenen unter einem Banner vereint und ihre Herden nach Norden getrieben h�tten � aus den trockenen Ebenen auf die saftigeren Weiden der T�ler des �stlichen Cartius und vielleicht sogar weiter den Vosk hinauf.</p><p>Vor tausend Jahren, so hie� es, hatten die Wagenv�lker schon einmal Tod und Vernichtung bis vor die Tore Ars und Ko-ro-bas getragen.</p><p>Der Reiter hatte mich bereits von weitem gesehen und ritt langsam auf mich zu. Das Reittier der Wagenv�lker, in den n�rdlichen Gegenden unbekannt, ist die erschreckende, aber sch�ne Kaiila. Es ist ein fleischfressendes, hochm�tiges Wesen mit seidigem Fell, langem Hals und sanftem, anmutigem Gang. Es ist lebendgeb�rend und zweifellos urspr�nglich ein S�ugetier, obwohl die Jungen nicht ges�ugt werden. Die Jungtiere beginnen kurz nach der Geburt zu jagen. Es geh�rt zu den Instinkten der Mutter, ihre Kinder grunds�tzlich in der N�he von Beutetieren zur Welt zu bringen. Bei der gez�hmten Kaiila wurde eine gefesselte Verr oder ein Gefangener dem neugeborenen Tier zum Fra�e vorgeworfen.</p><p>Die Kaiila ist sehr beweglich und somit dem langsameren bed�chtigeren Tharlarion �berlegen. Sie braucht auch weniger Nahrung als ein Tarn.</p><p>Der Kopf der Kaiila weist zwei gro�e Augen auf, die von dreifachen Lidern gegen die Sandst�rme in den Pr�rien gesch�tzt werden.</p><p>Der Reiter hatte seine Kaiila nun gez�gelt und wartete auf weitere drei Krieger, die hinter ihm aufgetaucht waren und mich nun einzukreisen begannen. Zu meiner Linken bezog ein Mann mit gelblackiertem Schild Position. Er trug ein Windtuch als Mundschutz vor dem Gesicht. Ein Kataii, sagte ich mir. Der dritte Reiter hatte einen roten Schild. Das Blutvolk also, die Kassars. Ich wandte mich um und war nicht �berrascht, den vierten Reiter hinter mir zu entdecken. Er trug einen Umhang aus wei�em Fell und eine wei�e Kappe, die den konischen Metallhelm locker verh�llte. Das Leder seines Wamses war schwarz. Seine G�rtelschnalle bestand aus Gold. Die Lanze hatte einen Widerhaken, mit dem er einen berittenen Gegner aus dem Sattel zerren konnte. Um den Hals trug er ein breites Juwelenband. Ich sollte sp�ter erfahren, da� es sich hierbei um eine Herausforderung an die Gegner handelte; sie soll zu einem Angriff animieren, damit der Reiter sein Waffengeschick unter Beweis stellen kann, ohne lange nach Gegnern zu suchen. Nach der Aufmachung handelte es sich um einen Paravaci, um einen Angeh�rigen des Reichen Volkes, des reichsten Wagenvolkes.</p><p>�Tal!� rief ich und hob meine Hand. �Ich bin Tarl Cabot und komme in Frieden!�</p><p>Ich sah, wie die Kaiila erstarrten, ihre Flanken zu zittern begannen.</p><p>�Sprecht ihr Goreanisch?� rief ich.</p><p>Die Lanzen zuckten herab. Die Speere der Wagenv�lker sind flexibel und leicht, dabei scharf wie Schwerter; sie werden mit einer Schlaufe gehalten, damit sie auch im Nahkampf nicht verlorengehen. Sie werden selten geworfen.</p><p>Der Mann hinter mir sagte in stark gef�rbtem Goreanisch: �Ich bin Tolnus von den Paravaci.� Von links ert�nte der Schrei: �Und ich bin Conrad von den Kassars!� Rechts dr�hnte ein Lachen: �Ich bin Hakimba von den Kataii!� Die Reiter zogen ihre Windt�cher herab. Auch der Reiter vor mir hob seine farbige Kettenmaske in die H�he. Ich schaute in die Gesichter von vier M�nnern, Krieger der Wagenv�lker. Jedes dieser Gesichter wies parallele farbige Narben auf, die mich an die Gesichtszeichen primitiver Erdv�lker erinnerten. Hier jedoch schienen zeremonielle Gr�nde ausschlaggebend zu sein, Zeichen des Ruhms und des Status, der Arroganz und des Stolzes. Die Narben waren mit Nadeln und Messern eingeritzt und mit Pigmenten und Boskdung in die Haut gegerbt worden, paarweise angeordnet, von der Wange in Richtung Nase verlaufend. Jeder der M�nner hatte solche Narben, jedoch anders geordnet. Der Anblick dieser Narben, dieser h��lichen, erschreckenden Zeichen, die vielleicht auch Feinde einsch�chtern sollten, lie� mich einen Augenblick daran denken, da� die Wagenv�lker vielleicht gar keine Menschen waren, sondern Angeh�rige einer fremden Rasse, Wesen, die von den Priesterk�nigen aus irgendeinem unerfindlichen Grund auf diese Welt gebracht worden waren. Aber ich erinnerte mich rechtzeitig an die alten Ger�chte �ber den schrecklichen Narbenkodex der Wagenv�lker, wonach jede Narbe eine Bedeutung hatte, die von den Angeh�rigen der Paravaci, der Kassars, der Kataii und der Tuchuks klar abgelesen werden konnte, als h�tten sie ein Buch vor sich. Damals wu�te ich nur von der Mutnarbe, die sich stets ganz oben befindet und ohne die es keine anderen Narben gibt. Die Wagenv�lker sch�tzen Mut �ber alles.</p><p>Nun hob der Mann vor mir seinen kleinen lackierten Schild. �H�r meinen Namen!� rief er. �Ich bin Kamchak von den Tuchuks!�</p><p>Kaum hatte er geendet, kaum hatten die M�nner ihre Namen genannt, als sich auch schon alle vier Kaiila wie auf ein geheimes Zeichen in Bewegung setzten und sich wutschnaubend auf mich st�rzten. Die Reiter waren nach vorn gebeugt, die Lanzen weit vorgestreckt, bem�ht, mich als erster zu erreichen.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Den Tuchuk h�tte ich mit meinem schweren goreanischen Kriegsspeer vielleicht t�ten k�nnen � die anderen aber h�tten dann ein leichtes Spiel mit mir gehabt. So setzte ich im letzten Augenblick alles auf den Respekt der Wagenv�lker vor dem Mut eines Mannes und machte keine Anstalten, mich zu verteidigen. Das Herz schlug mir bis zum Hals, doch ohne mir etwas anmerken zu lassen, ja, mit ver�chtlichem Gesichtsausdruck wartete ich den Angriff ab.</p><p>Im letzten Augenblick, wenige Handbreiten vor mir, zuckten die Lanzen zur�ck und die Kaiila wurden gez�gelt.</p><p>�Aieee!� schrie der Krieger der Kataii.</p><p>Ich hatte mich nicht bewegt. �Mein Name ist Tarl Cabot�, sagte ich. �Ich komme in Frieden.�</p><p>Die vier Reiter zogen sich zur�ck und berieten sich. Ich st�tzte mich auf meinen Speer und g�hnte ostentativ.</p><p>Mein Puls raste. H�tte ich mich bewegt, w�re ich jetzt nicht mehr am Leben. Ich h�tte nat�rlich k�mpfen k�nnen, aber es entsprach nicht meiner Absicht, mich den Wagenv�lkern als Feind vorzustellen.</p><p>Endlich l�ste sich der Tuchuk von den drei anderen Kriegern und verhielt seine Kaiila ein Dutzend Schritte vor mir.</p><p>�Du bist ein Fremder�, sagte er. �Du tr�gst keine Insignien. Wie war der Name der Stadt, aus der du kommst?�</p><p>�Ich komme aus Ko-ro-ba.�</p><p>Die M�nner gerieten in Bewegung. �Ich habe von Ko-ro-ba singen h�ren�, sagte der Tuchuk grinsend.</p><p>Vor langer Zeit hatten sich Ar und Ko-ro-ba erfolgreich gegen eine Invasion der Wagenv�lker aus dem S�den gewehrt, und die Erinnerung an diesen Kampf mochte bei den Wagenv�lkern noch wach sein.</p><p>�Was suchst du bei den Wagenv�lkern?�</p><p>�Wie du siehst, trage ich keine Insignien.�</p><p>Der Tuchuk lachte. �Du bist ein Narr, wenn du bei den Wagenv�lkern Schutz suchst.�</p><p>Ich hatte ihn �berzeugt, da� ich tats�chlich ein Ge�chteter war, ein Fl�chtling.</p><p>�K�mpfen wir�, sagte ich.</p><p>�Korobaner�, schaltete sich der Kassar ein. �Hast du keine Angst vor unseren Lanzen gehabt?�</p><p>�Doch�, sagte ich wahrheitsgem��.</p><p>�Aber du hast deine Angst nicht gezeigt. Das scheint mir wahrer Mut zu sein. Hoffentlich f�llt die Lanze mir zu.�</p><p>Ich blickte ihn verst�ndnislos an.</p><p>�Wo sind deine M�nner?� fragte nun der Kataii. �Willst du spionieren?�</p><p>�Ich bin kein Spion�, sagte ich. �Und ich bin allein.�</p><p>�Die Turianer haben dich geschickt.�</p><p>�Nein � ich komme in Frieden.�</p><p>�Wei�t du, da� die Wagenv�lker jeden Fremden umbringen?� wollte der Paravaci wissen.</p><p>�Ja, ich habe davon geh�rt.�</p><p>�Das Ger�cht stimmt�, sagte er, und die vier Reiter ritten einige Schritte davon.</p><p>Der Tuchuk nahm seine lange, schmale Lanze und steckte sie mit der Spitze nach oben in den Boden. Langsam begannen die vier Krieger nun im Kreis zu reiten, um die Lanze herum. Sie waren bereit, die Waffe in dem Augenblick zu greifen, da sie umzusinken begann.</p><p>Der Wind schien zuzunehmen.</p><p>Ich wu�te, da� es eine Ehre f�r mich war � da� die Krieger meine Haltung anerkannten und nun das Los entscheiden lie�en, wer mich gewann, wessen Waffen mein Blut flie�en lassen w�rden, unter wessen Kaiila ich zertrampelt werden sollte.</p><p>Ich sah, wie die Lanze zitterte, bemerkte die Spannung der Krieger, die die Spitze nicht aus den Augen lie�en. Bald mu�te sie fallen.</p><p>Inzwischen waren die Herden n�hergekommen; ich konnte schon die einzelnen Tiere erkennen, auch Reiter, die auf ihren schnellen Kaiila die Herden bewachten.</p><p>Bald w�rden die Tiere im Kreis gef�hrt, bis sie zur Ruhe kamen und �ber Nacht friedlich grasen durften. Die Wagen folgten der Herde. Die Herde bildet einen sch�tzenden Keil f�r die Wagen, von denen es zahllose geben soll, w�hrend die Herden selbst oft als unendlich gro� bezeichnet werden. Aber beides stimmt nicht, denn die Ubar der Wagenv�lker wissen sehr wohl die Zahl ihrer Wagen und der gekennzeichneten Tiere; jede Herde besteht �brigens aus mehreren kleineren Herden mit eigenen Reitergruppen. Ich roch jetzt die Tiere, diesen satten, frischen, durchdringenden Geruch, vermischt mit dem Duft zertrampelten Grases und aufgew�hlter Erde, das Aroma des Dungs, Urins und Schwei�es von �ber einer Million Tieren. Die gro�artige Vitalit�t dieses Geruchs, der manche Menschen abst��t, verbl�ffte und erregte mich � war mir ein Zeichen f�r das Pulsieren des Lebens, widerstandsf�hig, grob, �bersch�umend, unbesiegbar, primitiv, schnaubend, animalisch � eine Lawine aus Gewebe und Blut, ein gro�artiger, unaufhaltsamer Katarakt des Atmens und Stampfens und Sehens und F�hlens auf der s��en, gewellten, windzerzausten Mutter Erde. Ich sp�rte in diesem Augenblick, was der Bosk den Wagenv�lkern bedeutete.</p><p>�Ho!� h�rte ich einen Aufschrei, und als ich herumfuhr, sah ich die schwarze Lanze fallen, die im n�chsten Augenblick von der Faust des narbenbedeckten Tuchukkriegers umschlossen wurde.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Der Tuchukkrieger hob triumphierend die Waffe, griff gleichzeitig durch die Halteschlinge und ri� sein Reittier herum. Die Kaiila st�rmte auf mich zu, der Ritter hing tief im Sattel, hielt die Lanze gesenkt. Die schmale flexible Lanze traf meinen siebenschichtigen goreanischen Schild und lie� Funken aus der Metallumrandung spr�hen. Ich selbst hatte meinen Speer nicht geworfen, denn ich wollte den Tuchuk nicht t�ten.</p><p>Trotz der Schnelligkeit des Angriffs hatte der Krieger kaum zwei Meter hinter mir sein Tier herumgerissen und gab nun seiner Kaiila die Z�gel frei, damit mich das Tier mit seinen F�ngen attackieren konnte.</p><p>Ich stie� mit dem Speer zu und versuchte, das zuschnappende Maul des kreischenden Tieres abzuwehren. Die Kaiila schlug zu, zog sich zur�ck und zuckte erneut zum Angriff vor. Die ganze Zeit �ber versuchte mich der Tuchuk mit seiner Lanze zu erreichen. Viermal wurde ich getroffen, doch den St��en fehlte die Kraft, um mich entscheidend zu verletzen. Im n�chsten Augenblick packte das Tier meinen Schild, zerrte ihn hoch und begann ihn zu zermalmen. Dann schleuderte es ihn zur Seite.</p><p>Der Tuchuk lachte. Ich machte meinen Speer wurfbereit.</p><p>Vorsichtig begann mich das Tier zu umkreisen. Ich sollte sp�ter erfahren, da� Kaiila darauf trainiert werden, einem geschleuderten Speer auszuweichen. Auch ohne das zu wissen, war ich zuversichtlich, mein Ziel auf so kurze Entfernung nicht zu verfehlen. Andererseits hatte ich nicht den Wunsch, das Tier oder seinen Reiter umzubringen.</p><p>Zur Verbl�ffung des Tuchuks und der anderen warf ich den Speer fort.</p><p>Mein Gegner nahm seine Lanze und schlug damit anerkennend gegen seinen Schild. Die anderen Krieger folgten seinem Beispiel. Dann trieb der Tuchuk seine Lanze in den Boden und h�ngte seinen schimmernden Schild daran. Ich sah, wie er eine der Quivas aus der Sattelscheide zog und die lange Bola mit den drei Gewichten zur Hand nahm. Zur Begleitung eines langsamen, gutturalen Kriegerliedes begann er die Bola zu schwingen. Diese Waffe besteht aus drei langen Lederschn�ren, jede etwa anderthalb Meter lang, die am Ende in Leders�cken mit runden Metallgewichten auslaufen. Geschickt geschleudert, kann sie fast jedes Opfer erlegen, das sie in Sekundenbruchteilen umwickelt. Der Krieger springt sodann blitzschnell von seiner Kaiila und vollendet sein Werk mit der Quiva.</p><p>Die Bola des Tuchuks wirbelte, der Krieger stie� einen Schrei aus und gab seiner Kaiila die Sporen � dann surrte die Bola los, fast unsichtbar in der Luft. Anstatt mich zu Boden zu werfen, trat ich der heranfliegenden Bola mit der Klinge eines korobanischen Kurzschwertes entgegen und durchschnitt mit einem blitzschnellen Hieb die gespannten Lederb�nder, wodurch die Metallgewichte in allen Richtungen davonflogen. Als der Tuchuk von seinem Reittier sprang, die Quiva sto�bereit erhoben, sah er sich unerwartet einem kampfbereiten Krieger aus Ko-ro-ba gegen�ber.</p><p>Die Quiva drehte sich so schnell, da� ich kaum merkte, wie der Arm zur�ckzuckte, um die scharfe Waffe zu schleudern.</p><p>Ich reagierte gerade noch rechtzeitig mit meinem Schwert und schlug das heranschwirrende Gescho� zur Seite.</p><p>Verbl�fft stand der Tuchuk vor mir. Ich h�rte die anderen Krieger anerkennend murmeln. Mein Gegner nahm seinen Helm ab und warf ihn ins Gras. Er ri� seine Jacke auf und bot mir die nackte Brust. �Gut gemacht�, sagte er. Dann blickte er ein letztesmal zum Himmel auf.</p><p>Ich trat vor ihn hin und setzte ihm meine Schwertspitze auf die Brust. Er r�hrte sich nicht.</p><p>�Ich bin Tarl Cabot�, sagte ich. �Ich komme in Frieden.� Dann stie� ich meine Klinge zur�ck in die Scheide.</p><p>Einen Augenblick lang war der Tuchuk wie erstarrt. Er musterte mich ungl�ubig und warf dann pl�tzlich den Kopf zur�ck und lachte, bis ihm Tr�nen �bers Gesicht liefen. Er sank zusammen und schlug sich mit den F�usten auf die Knie. Schlie�lich richtete er sich wieder auf und wischte sich mit dem Handr�cken die Tr�nen ab.</p><p>Er beugte sich nieder und nahm eine Handvoll Schmutz und Gras auf � das Land, auf dem die Bosks grasen, das Land, das den Tuchuks geh�rt. Der Krieger grinste und legte seine Hand unter die meine, so da� unsere beiden H�nde, die Erde und Gras hielten, verschr�nkt waren.</p><p>�Ja�, sagte der Krieger, �komm in Frieden in das Land der Wagenv�lker.�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Ich folgte dem Krieger Kamchak in das Lager der Tuchuks.</p><p>Dabei wurden wir fast von sechs Reitern auf Kaiilas umgeritten, die zwischen den dichtstehenden Wagen an uns vor�berdonnerten. Hier und dort liefen Kinder herum. Tuchukfrauen, ohne Schleier und in langen Lederkleidern, die Haare zu Z�pfen geflochten, k�mmerten sich um riesige Kocht�pfe. Sie wiesen keine Narben auf, trugen jedoch durch die Nase einen Ring � wie die Bosk. Ich h�rte einen Haruspex zwischen den Wagen singen. An einem Feuer tanzte ein Tuchuk, die H�nde in die H�ften gestemmt.</p><p>Die Tuchuks und die anderen Wagenv�lker verehren die Priesterk�nige, aber im Gegensatz zu den Goreanern in den St�dten vollzieht sich das nicht auf f�rmliche Art. Heilig sind dem Tuchuk auch viele andere Dinge � so der Bosk und die Geschicklichkeit mit den Waffen �, doch am meisten beeindruckt ihn der Himmel, der einfache riesige, sch�ne Himmel, von dem der Regen str�mt, der nach den Mythen der Wagenv�lker die Erde und die Bosks und die Tuchuks formte. Wenn der Tuchuk betet, betet er zum Himmel, fordert von ihm Sieg und Gl�ck f�r sich und Niederlage und Elend f�r den Feind. Der Tuchuk betet �brigens nur, wenn er im Sattel sitzt und seine Waffen zur Hand hat � so wie ein Krieger zu seinem Ubar aufblickt. Die Frauen der Wagenv�lker d�rfen nicht beten; sie wenden sich daf�r an die Haruspexe, die f�r annehinbare Preise Horoskope und Talismane feilbieten.</p><p>Als wir zwischen zwei Wagen durchkamen, schrak ich zur�ck. Ein sandfarbener Pr�riesleen warf sich neben mir gegen die Gitterst�be seines K�figs, fauchte und hieb mit seiner sechszackigen Klaue nach mir. Es waren weitere vier Sleens in dem K�fig, und sie wanderten unruhig hin und her. Sie werden bei Einbruch der Dunkelheit freigelassen, um die Herden zu bewachen. Sie werden auch eingesetzt, wenn ein Sklave entflieht, denn die Sleens sind geschickte, ausdauernde Spurensucher.</p><p>�berrascht drehte ich mich um, als das Klingeln von Sklavengl�ckchen ert�nte und ich ein M�dchen mit einer Last zwischen den Wagen erblickte.</p><p>Kamchak war meinem Blick gefolgt und lachte leise.</p><p>�Sie ist aus Turia�, sagte er. �Ihr Herr traut ihr nicht.�</p><p>Ich runzelte die Stirn. �Turianische M�dchen sind stolz�, fuhr Kamchak fort. �Sie geben ausgezeichnete Sklavinnen ab. Aber nachts mu� man sie unter dem Wagen anketten.�</p><p>Wir ritten weiter.</p><p>Die Wagen dieser Nomaden, zu Hunderten und Tausenden aufgefahren, bieten in ihren leuchtenden Farben einen gro�artigen Anblick. Zu meiner �beraschung waren die Fahrzeuge fast quadratisch, wobei jedes die Gr��e eines ger�umigen Zimmers hat. Jedes wird von einem Doppelgespann Bosks gezogen, von insgesamt acht Tieren. Die Gespanne sind an zwei Zugstangen festgemacht, die miteinander durch Temholz, ein besonders hartes, aber flexibles Material verbunden sind. Auch die Achsen der Wagen bestehen aus Temholz.</p><p>Der Wagenkasten, der fast zwei Meter hoch liegt, besteht aus schwarzen lackierten Temholzplanken. Innerhalb des quadratischen Wagenkastens ist ein rundes zeltartiges Gerippe angebracht, das mit angemalten und eingefetteten Boskh�uten bespannt ist. Diese H�ute werden fantasievoll bemalt und sind mit individuellen Mustern versehen, wobei jeder Wagen die anderen an K�hnheit und Glanz zu �berbieten versucht. Das runde Zeltskelett erhebt sich etwas innerhalb des Wagenkastens, so da� der Wagen � fast wie bei einem Schiff � von einem Rundgang umgeben ist. Die Flanken des Wagenkastens sind �brigens hier und dort mit Schie�scharten versehen, denn der kleine Hornbogen der Wagenv�lker l��t sich nicht nur aus dem Sattel abschie�en, sondern auch in der Enge eines Wagens. Zu den auff�lligsten Details dieser Wagen geh�ren die R�der, die riesig sind. Die Hinterr�der haben einen Durchmesser von etwa drei Metern; die Vorderr�der sind wie bei den Conestogawagen etwas kleiner, vielleicht zweieinhalb Meter; die gr��eren Hinterr�der versinken nicht so leicht in weichem Boden; die kleineren Vorderr�der, die den ziehenden Bosks n�her sind, machen das Gef�hrt besser man�vrierbar. Die R�der bestehen aus geschnitztem Holz und sind wie die Wagenh�ute fantasievoll bemalt. Dicke Streifen Boskleder bilden die Fahrfl�chen und werden drei- bis viermal im Jahr erneuert. Der Wagen wird mit acht Z�geln gelenkt, je zwei f�r die vier Leittiere. Gew�hnlich werden die Wagen jedoch wie Tandems zu langen Fahrketten verbunden und nur die f�hrenden Wagen werden gesteuert, w�hrend die anderen, durch Leinen verbunden, einfach nachfolgen. Oft wird ein Wagen auch durch eine Frau oder einen Jungen gelenkt, der neben dem Leittier einhergeht.</p><p>Das Innere der Wagen, die fest zugeschn�rt werden, ist meist prunkvoll ausgestattet � mit herrlichen Teppichen ausgelegt, voller Truhen und Seidenstoffe und Beutest�cken aus �berfallenen Karawanen, erhellt durch Tharlarion�llampen, deren goldenes Licht sich in den seidenen Kissen spiegelt. In der Mitte des Wagens befindet sich eine kleine flache kupferne Feuerschale mit einem Grill. Hier wird auch gekocht, obwohl diese Feuerstelle in erster Linie f�r W�rme sorgen soll. Der Rauch zieht durch ein Loch am h�chsten Punkt der Kuppel ab, ein Loch, das geschlossen bleibt, wenn die Wagen in Bewegung sind.</p><p>Pl�tzlich dr�hnten Kaiilahufe neben mir, und ich wich zur�ck.</p><p>�Zur Seite, du Dummkopf!� rief eine M�dchenstimme, und zu meiner Verbl�ffung entdeckte ich im Sattel des nerv�s t�nzelnden Tiers, das mich fast zu Boden geworfen h�tte, ein strahlend sch�nes Gesch�pf, das �rgerlich an den Z�geln zerrte.</p><p>Sie unterschied sich sehr von den anderen Frauen der Wagenv�lker, die ich bisher gesehen hatte � den st�mmigen Gestalten mit geflochtenem Haar, die sich �ber ihre Kessel beugten.</p><p>Das M�dchen trug einen kurzen Lederrock, der seitlich geschlitzt war, damit sie im Kaiila-Sattel Platz nehmen konnte; ihre Lederbluse war �rmellos, und um ihre Schultern lag ein rotes Cape. Ihr schwarzes Haar war mit einem roten Tuch zur�ckgebunden. Ihre Haut war hellbraun, und ihre Augen funkelten schwarz.</p><p>�Was f�r ein Narr ist das?� fragte sie Kamchak.</p><p>�Er ist kein Narr�, sagte Kamchak, �sondern Tarl Cabot, ein Krieger, der Gras und Erde mit mir gehalten hat.�</p><p>�Er ist ein Fremder�, sagte sie. �Er m��te get�tet werden!�</p><p>Kamchak grinste sie an, und das M�dchen schnaubte ver�chtlich, ri� ihr Tier herum und galoppierte davon.</p><p>�Sie hei�t Hereena und geh�rt dem Ersten Wagen an�, erkl�rte mir Kamchak.</p><p>�Was hei�t das?�</p><p>�Du wei�t wohl nur wenig �ber die Wagenv�lker. Wenn man dem Ersten Wagen angeh�rt, ist man im Haushalt von Kutaituchik.�</p><p>Ich wiederholte langsam den Namen. �Und er ist Ubar der Tuchuks?�</p><p>�Sein Wagen ist der Erste Wagen�, sagte Kamchak l�chelnd, �Und es ist Kutaituchik, der auf dem Thron der grauen Robe sitzt, auf dem Thron der Tuchuks.�</p><p>So erfuhr ich den Namen des Mannes, der wohl Ubar aller Tuchuks war.</p><p>�Du wirst irgendwann auch einmal zu Kutaituchik gebracht�, sagte Kamchak. �Ich selbst mu� oft in den Wagen des Ubar.�</p><p>Daraus schlo� ich, da� Kamchak bei den Tuchuks gro�es Ansehen geno� und einige Verantwortung trug.</p><p>�Und das M�dchen ist eine Tochter Kutaituchiks?�</p><p>�Nein�, sagte Kamchak. �Sie ist nicht mit ihm verwandt.�</p><p>�Sie schien so anders als die anderen Tuchukfrauen.�</p><p>Kamchak lachte. �Nat�rlich � sie ist auch dazu aufgezogen worden, als Preis in den Spielen des Liebeskrieges zu dienen.�</p><p>�Den � was?� fragte ich.</p><p>�Hast du die Ebene der Tausend Pf�hle noch nicht gesehen?�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Ich wollte Kamchak gerade um eine n�here Erkl�rung bitten, als wir lautes Geschrei und das Quietschen einer Kaiila h�rten. Kamchak hob den Kopf und lauschte auf das Rufen der M�nner und die Schreie von Frauen und Kindern. Eine Trommel begann zu schlagen, und jemand blies auf einem Boskhorn.</p><p>�Man hat einen Gefangenen ins Lager gebracht�, sagte Kamchak.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Kamchak ging zwischen den Wagen hindurch auf den L�rm zu, und ich folgte ihm. Auch andere Tuchuks dr�ngten in unsere Richtung. Wir wurden von bewaffneten Dienern gesto�en, von Jungen mit noch narbenlosen Gesichtern, von ledergekleideten Frauen, die ihre Feuer im Stich lie�en, von wilden, halbnackten Kindern und turianischen Sklavenm�dchen, die sehen wollten, was es mit dem Horn und der Trommel auf sich hatte.</p><p>Wir erreichten eine breite Grasstra�e, eine Scheide zwischen den Wagen, eine Art Zentrum in der Stadt aus Harriga oder Boskwagen. Zahlreiche Tuchuks und Sklaven dr�ngten sich in dieser Stra�e, Handaufleger und Haruspexe, S�nger und Musiker und hier und dort auch fliegende H�ndler, die gelegentlich von den Tuchuks zugelassen werden, weil ihre Waren willkommen sind. Wie ich sp�ter erfuhr, trug jeder dieser M�nner ein winziges Brandmal auf dem Unterarm, ein Zeichen in der Form von Boskh�rnern, das dem Betreffenden freie Durchfahrt auf den Ebenen der Wagenv�lker gestattet. Die Schwierigkeit lag nat�rlich darin, dieses Brandzeichen zu erlangen. Wenn bei einem S�nger das Lied keinen Gefallen fand oder die Waren eines H�ndlers abgelehnt wurden, hatte das meist den Tod zur Folge.</p><p>Jetzt erblickte ich weiter unten auf der breiten Grasbahn zwei Kaiilareiter, die auf uns zukamen. Eine Lanze war zwischen ihnen befestigt, etwa anderthalb Meter �ber dem Boden. Und zwischen den beiden Reittieren, an die Lanze gefesselt, die H�nde auf dem R�cken gebunden, stolperte ein M�dchen.</p><p>Ich war verbl�fft, denn dieses M�dchen war nicht wie eine Goreanerin gekleidet � sie war sicher nicht aus irgendeiner Stadt der Gegenerde, auch nicht eine B�uerin der Sa-Tarna-Felder oder aus den Weinbergen, auf denen die Ta-Trauben gez�chtet werden, es war auch kein M�dchen der Wagenv�lker.</p><p>Kamchak trat in die Mitte der breiten Stra�e, hob eine Hand, und die beiden Reiter z�gelten ihre Tiere.</p><p>Das M�dchen keuchte atemlos und zitterte am ganzen K�rper. Sie w�re zu Boden gesunken, wenn die Lanze sie nicht gehalten h�tte. Ihre Augen wirkten seltsam glasig. Ihre Kleidung war verschmutzt und zerrissen, die Schuhe baumelten ihr um den Hals, gelbe Nylonstr�mpfe hingen in Fetzen um ihre Waden.</p><p>Auch Kamchak schien �berrascht von der seltsamen Kleidung, ganz besonders aber von dem breiten Lederkragen, den die Fremde um den Hals gen�ht trug.</p><p>Kamchak trat vor das M�dchen hin und nahm ihren Kopf in beide H�nde. Sie hob den Blick, und als sie so pl�tzlich in das wilde, narbige Gesicht starrte, schrie sie hysterisch auf und versuchte sich loszurei�en, aber ihre Fesseln waren zu stark. Sie wimmerte und warf den Kopf hin und her. Es war offensichtlich, da� sie ihren Augen nicht traute, da� sie ihre Umgebung nicht begriff.</p><p>Sie hatte dunkles Haar und dunkelbraune Augen. Sie schrie auf, als Kamchak ihr die Schuhe von den Schultern ri�. Sie waren orangefarben, hatten hohe Abs�tze und trugen eine Aufschrift, die f�r einen Goreaner unleserlich sein mu�te � eine englische Aufschrift.</p><p>Das M�dchen versuchte zu sprechen. �Ich hei�e Elizabeth Cardwell�, sagte sie .�Ich bin amerikanische Staatsb�rgerin. Ich wohne in New York City.�</p><p>Kamchak starrte die Reiter verbl�fft an. Auf Goreanisch sagte einer der beiden: �Sie ist eine Barbarin. Sie kann kein Goreanisch.�</p><p>Ich dachte mir, da� es sicher am besten war, wenn ich vorl�ufig den Mund hielt.</p><p>Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Wie war es m�glich, da� ein M�dchen von der Erde zu den Tuchuks gebracht wurde? Hatten die Priesterk�nige das M�dchen auf diese Welt geholt? War sie das Opfer einer Akquisitionsreise? Aber angeblich waren diese doch nach dem k�rzlichen unterirdischen Krieg der Priesterk�nige gestoppt worden. Hatte man die Reisen schon wieder aufgenommen? Gewi� war dieses M�dchen noch nicht lange auf Gor, vielleicht erst seit Stunden. Aber wenn die Priesterk�nige wieder Akquisitionsreisen durchf�hrten � warum? Steckten wom�glich andere Priesterk�nige dahinter � war vielleicht etwas Bestimmtes beabsichtigt, etwas, das mit mir zu tun hatte?</p><p>Pl�tzlich warf das M�dchen den Kopf in den Nacken und schrie hysterisch: �Ich bin wahnsinnig! Ich bin wahnsinnig!�</p><p>Ich hielt es nicht mehr aus und sagte: �Nein, es ist alles in Ordnung mit Ihnen.�</p><p>Das M�dchen starrte mich an, w�hrend die Tuchuks verbl�fft die K�pfe wandten.</p><p>Ich sagte zu Kamchak: �Ich verstehe ihre Sprache.�</p><p>Einer der Reiter richtete seine Lanze auf mich und rief aufgeregt: �Er spricht ihre Sprache!�</p><p>�Bitte!� flehte das M�dchen. �Helfen Sie mir!�</p><p>�Sie m�ssen still sein�, sagte ich.</p><p>Ich wu�te nur zu gut, was jetzt geschehen w�rde, was das Schicksal jeder Frau war, die in die H�nde goreanischer M�nner fiel. Sie war eine Gefangene, die ihrem Schicksal als Sklavin nicht entgehen konnte.</p><p>Kamchak trat vor sie hin, betastete ihr gelbes Kleid und ri� es ihr vom Leib.</p><p>�Bitte�, flehte das M�dchen und wandte sich an mich.</p><p>Aber ich konnte nichts unternehmen.</p><p>Kamchak hob die Kleidung vom Boden auf, rollte sie zusammen und schickte eine Frau damit fort. Das gefesselte M�dchen sah hilflos zu, wie das B�ndel, ihre ganzen Besitzt�mer aus der alten Welt, zu einem Kochfeuer gebracht und in die Flammen geworfen wurden.</p><p>�Nein, nein!� schrie sie.</p><p>�Sag ihr�, wandte sich Kamchak an mich, �da� sie schnell Goreanisch lernen mu�, wenn sie nicht sterben will.�</p><p>Ich �bersetzte, und die Fremde sch�ttelte heftig den Kopf. �Sagen Sie den Leuten, da� ich Elizabeth Cardwell hei�e. Ich wei� nicht, wo ich bin � ich will zur�ck nur in meine Heimat. Ich bin amerikanische Staatsb�rgerin und in New York City zu Hause � ich zahle Ihnen alles, jeden Betrag, ich ...�</p><p>�Aber Sie haben nichts�, antwortete ich, und sie err�tete. �Au�erdem haben wir gar nicht die M�glichkeit, Sie wieder nach Hause zu bringen.�</p><p>�Wieso?� wollte sie wissen.</p><p>�Haben Sie nicht den Unterschied der Schwerkraft bemerkt � auch da� die Sonne hier ganz anders aussieht?�</p><p>�O nein!� jammerte sie.</p><p>�Sie sind hier nicht auf der Erde�, sagte ich. �Sie sind auf Gor � auf einer zweiten Erde vielleicht, jedenfalls nicht auf Ihrer Heimatwelt. Sie sind auf einem anderen Planeten.�</p><p>Sie schlo� die Augen und begann zu st�hnen. �Aber wie ... wie ...�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>Kamchak stie� mich ungeduldig in die Seite.</p><p>�Was hat sie gesagt?� fragte er.</p><p>�Sie ist nat�rlich sehr durcheinander�, sagte ich. �Sie m�chte in ihre Heimatstadt zur�ck.�</p><p>�Und wie hei�t die?� fragte Kamchak.</p><p>�New York.�</p><p>�Nie davon geh�rt.�</p><p>�Sie ist sehr weit entfernt von hier.�</p><p>�Wie kommt es, da� du ihre Sprache sprichst?�</p><p>�Ich habe einmal in L�ndern gelebt, wo ihre Sprache gesprochen wird. Sie sind sehr weit von hier.�</p><p>�Weiter als die Inseln Cos und Tyros?� fragte er.</p><p>�Viel weiter�, erwiderte ich. �Zu weit, als da� man den Bosk dorthin treiben k�nnte.�</p><p>Kamchak grinste mich an.</p><p>Einer der Reiter meldete sich zu Wort. �Sie war allein. Wir haben die Umgegend abgesucht, aber da war niemand sonst.�</p><p>�Wie ist sie hergekommen?� wollte Kamchak wissen.</p><p>Ich �bersetzte die Frage, und das M�dchen sah mich an, schlo� die Augen und sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht�, sagte sie.</p><p>Als ich �bersetzt hatte, gab Kamchak einem Jungen Zeichen, der eine Haut mit Ka-la-na-Wein herbeibrachte und Elizabeth Cardwell davon zu trinken gab. Ersch�pft, verwirrt und staubbedeckt stand das M�dchen von der Erde nackt vor Kamchak von den Tuchuks.</p><p>�Sie mu� Goreanisch lernen�, sagte der Krieger noch einmal. �La� sie sagen: �La Kajira�.�</p><p>�Sie m�ssen die goreanische Sprache lernen�, wandte ich mich an das M�dchen. �Sagen Sie: �La Kajira�.�</p><p>Sie blickte mich hilflos an. Dann wiederholte sie: �La Kajira. � Was hei�t das �berhaupt?�</p><p>�Es bedeutet: Ich bin ein Sklavenm�dchen.�</p><p>�Nein!� rief sie. �Nein! Nein!�</p><p>Kamchak nickte den beiden Kaiilareitern zu. �Bringt sie zum Wagen von Kutaituchik.�</p><p>Die beiden Reiter wendeten ihre Tiere und verschwanden zwischen den Wagen.</p><p>Ich sah Kamchak an. �Hast du ihren Kragen gesehen?� fragte ich.</p><p>Er hatte kein Interesse an dem breiten Lederkragen des M�dchens gezeigt.</p><p>�Nat�rlich�, sagte er.</p><p>�So einen Kragen habe ich noch nie gesehen�, sagte ich.</p><p>�Es ist ein Briefkragen�, sagte Kamchak. �In das Leder ist eine Nachricht eingen�ht.�</p><p>Meine Verbl�ffung schien ihn zu am�sieren, denn er lachte �Komm, gehen wir zum Wagen von Kutaituchik.�</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Der Wagen von Kutaituchik, der Ubar der Tuchuks genannt wurde, stand auf einem gro�en, flachen Grash�gel, der h�chsten Stelle im Lager. Neben dem Wagen hing an einem gro�en Pfahl die Tuchukstandarte mit den vier Boskh�rnern.</p><p>Die hundert Bosk, die den Wagen zogen, waren abgeschirrt worden � riesige rote Tiere mit polierten H�rnern und ge�lten Fellen. Ihre vergoldeten Nasenringe waren juwelenbesetzt.</p><p>Der Wagen selbst war der gr��te im Lager � so gro�, wie ich es bei einem Fahrzeug dieser Art nicht f�r m�glich gehalten hatte. Tats�chlich bildete er ein riesiges Viereck, das auf zahlreichen mit R�dern versehenen Plattformen ruhte; dazu befand sich an den Au�enseiten ein Dutzend der gro�en R�der, wie sie auch an den normalen Wagen angebracht waren; aber diese R�der allein h�tten das Gewicht dieses fantastischen Fellpalastes nicht tragen k�nnen.</p><p>Die Felle, aus denen die Kuppel bestand, waren bunt, und der Rauchabzug an der Spitze mu�te drei�ig Meter �ber dem Plattformboden liegen. Ich versuchte mir vorzustellen, welche Reicht�mer, Beutest�cke und M�belst�cke das Innere einer solchen Prunkburg zieren w�rden.</p><p>Aber ich betrat den Wagen nicht, denn Kutaituchik hielt auf dem flachen H�gel im Freien Hof. Dort war eine Rampe erbaut worden, die nur knapp drei�ig Zentimeter �ber dem Boden lag. Auf dieser Plattform lagen Dutzende von dicken Teppichen, manchmal vier oder f�nf �bereinander.</p><p>Zahlreiche Tuchuks und andere Gestalten dr�ngten sich um die Erhebung, und auf der Plattform standen im Kreis um Kutaituchik mehrere M�nner, die ich nach ihrem Standplatz und nach ihrem Schmuck f�r bedeutende W�rdentr�ger hielt.</p><p>Und zwischen diesen M�nnern sa� mit untergeschlagenen Beinen Kutaituchik, der der Ubar der Tuchuks genannt wurde.</p><p>Kutaituchik sa� inmitten zahlreicher Waren, meistens Gef��e mit Edelmetallen und Ketten und Juwelen � Seide aus Tyros, Silber aus Thentis und Tharna, Seidenstoffe aus den Webereien von Ar, Weine aus Cos, Datteln aus Tor. Auch zwei bildsch�ne M�dchen hockten dort, blond und blau�ugig � sie waren vielleicht ein Geschenk an Kutaituchik oder waren T�chter eines Feindes; es war nicht zu erkennen, aus welcher Stadt sie kamen.</p><p>Kamchak und ich waren am Rand der Plattform stehengeblieben, wo uns die Sandalen ausgezogen und die F��e von turianischen Sklaven gewaschen wurden.</p><p>Dann bestiegen wir die Plattform und n�herten uns der scheinbar in Gedanken versunkenen Gestalt, die darauf sa�.</p><p>Die Plattform war prunkvoll ausgestattet und die Teppiche in allen Farben leuchteten, doch Kutaituchik selbst sa� auf einem einfachen, zerschlissenen, teilweise zerrissenen grauen Boskfell. Zweifellos hatte Kamchak von dieser Haut gesprochen, als er die Robe erw�hnte, auf der der Ubar der Tuchuks sitzt � der einfachen Robe, die seinen Thron darstellt.</p><p>Kutaituchik hob den Kopf und sah uns an; seine Augen wirkten schl�frig. Sein Sch�del war kahl rasiert bis auf einen schwarzen Haarknoten am Hinterkopf; der Ubar war ein breitschultriger Mann mit kurzen Beinen, er hatte Schlitzaugen wie Kamchak, seine Haut war gelblich-braun. Er war bis zur H�fte nackt und trug um die Schultern eine reichlich verzierte und mit Juwelen ges�umte Robe aus rotem Boskfell. Um den Hals hatte er ein goldenes Medaillon mit dem Zeichen der vier Boskh�rner. Er trug Pelzstiefel, weite lederne Hosen und ein rotes H�fttuch, in dem eine Quiva steckte. Neben ihm lag zusammengerollt eine Boskpeitsche � vielleicht ein Zeichen der Macht. Geistesabwesend griff Kutaituchik in einen goldenen Kasten neben seinem rechten Knie und zog eine Kette getrockneter und gerollter Kandabl�tter heraus.</p><p>Die Wurzeln der Kandapflanze, die haupts�chlich in den W�stengebieten Gors w�chst, sind giftig, w�hrend ihre Bl�tter in gerolltem Zustand von den Goreanern gern als eine Art Narkotikum gekaut werden, besonders in der s�dlichen Hemisph�re des Planeten.</p><p>Ohne den Blick von uns zu nehmen, steckte Kutaituchik ein Ende der gr�nen Kandakette in den Mund und begann langsam darauf zu kauen. Er sagte nichts; auch Kamchak schwieg. Wir setzten uns nur mit untergeschlagenen Beinen in seine N�he. Ich war mir der Tatsache bewu�t, da� von den Anwesenden auf der Plattform nur Kutaituchik, Kamchak und ich sa�en. Ich freute mich, da� man sich dem h�chsten Tuchuk nicht unterw�rfiger n�hern mu�te. Eine Aura vergangener St�rke umgab den alten Mann. Langsam wanderte die Kette durch seinen Mund, w�hrend er uns mit glasigem Blick musterte. F�r ihn gab es keine schnellen Kaiilaritte mehr, keine Waffengepl�nkel, auch keine T�nze um das Boskdungfeuer.</p><p>Kamchak und ich warteten, bis das Kanda gekaut war. Schlie�lich schleuderte der alte Mann die schwarze Kette zur Seite und grinste.</p><p>�Wie geht es den Bosks?� fragte er Kamchak.</p><p>�So gut, wie man es erwarten kann�, sagte Kamchak.</p><p>�Die Quivas sind scharf?�</p><p>�Man bem�ht sich, sie scharf zu halten.�</p><p>�Es ist wichtig, die Achsen der Wagen zu schmieren�, bemerkte Kutaituchik.</p><p>�Ja, das meine ich auch.�</p><p>Kutaituchik steckte pl�tzlich die Hand aus, die Kamchak lachend ergriff. Dann lehnte sich Kutaituchik zur�ck und klatschte in die H�nde. �Bringt die Sklavin!�</p><p>Ich wandte mich um und sah einen st�mmigen W�chter auf die Plattform kommen. Er schleppte Elizabeth Cardwell hinter sich her und arrangierte sie in der Stellung einer Vergn�gungssklavin vor dem Herrscher der Tuchuks.</p><p>Man hatte sie gewaschen und gek�mmt. Sie bot einen h�bschen Anblick. Wie ich feststellte, trug sie noch immer den breiten Lederkragen.</p><p>Das M�dchen blickte wild um sich und dann senkte sie den Blick.</p><p>�Sprechen Sie�, sagte ich.</p><p>Sie sagte fast unh�rbar: �La Kajira� und erschauderte.</p><p>Kutaituchik wirkte zufrieden.</p><p>�Mehr Goreanisch kann sie nicht�, sagte Kamchak.</p><p>�Im Augenblick reicht das auch.�</p><p>Das Verh�r Elizabeth Cardwells dauerte Stunden, wobei ich nat�rlich als �bersetzer fungieren mu�te. Zu meiner �berraschung stellte nicht Kutaituchik die meisten Fragen, sondern Kamchak, der sich f�r alles interessierte. Immer wieder kehrte er zu bestimmten Kernfragen zur�ck, die er auf verschiedene Weise anging; er verband geschickt ihre Antworten zu einem umfassenden Bild. Ich bewunderte seine Geschicklichkeit; h�tte das M�dchen sich auch nur einmal widersprochen oder gez�gert, w�re ihm das sofort aufgefallen.</p><p>Inzwischen waren Fackeln gebracht worden; die Nacht brach herein.</p><p>Die �bersetzung war nicht einfach, aber ich versuchte, den Bericht des M�dchens, stockend wie er kam, so genau wie m�glich wiederzugeben. Obwohl das Risiken in sich barg, �bersetzte ich ohne Umschreibung, auch wenn die Antworten in den Ohren der Tuchuks fantastisch klingen mu�ten, denn sie berichtete von einer fremden Welt, in der es keine autonomen St�dte gab, sondern nur riesige Nationen, in der keine Kasten und Handwerksz�nfte herrschten, sondern globale, ineinander verzahnte Industriekomplexe, in der es Flugzeuge und Motorfahrzeuge gab.</p><p>Zu meiner Freude hielten sich Kutaituchik und Kamchak zur�ck � sie schienen das M�dchen nicht f�r wahnsinnig zu halten. Ich hatte bef�rchtet, da� sie schnell die Geduld mit ihr verlieren w�rden. Damals hatte ich noch keine Ahnung, da� Kutaituchik und Kamchak durchaus Grund zu der Annahme hatten, da� das M�dchen die Wahrheit sprach.</p><p>Was sie am meisten interessierte, n�mlich die Frage, wie das M�dchen nach Gor gekommen war, blieb nat�rlich unbeantwortet, und wir wu�ten schlie�lich, da� auch die Fremde die Wahrheit nicht wu�te.</p><p>Schlie�lich war Kamchak fertig, und die beiden M�nner lehnten sich zur�ck und betrachteten das M�dchen.</p><p>�R�hren Sie sich nicht�, sagte ich.</p><p>Nach den Informationen, die ich bisher hatte, wu�te ich nicht zu sagen, warum ausgerechnet Elizabeth Cardwell ausersehen worden war, den Briefkragen zu tragen. Der Kragen war bis jetzt noch nicht entfernt und untersucht worden.</p><p>Mi� Cardwell unterschied sich wenig von Tausenden anderer arbeitender M�dchen in den gro�en St�dten der Erde; sie war vielleicht intelligenter als viele, vielleicht auch h�bscher als manche andere, aber dem Wesen nach war sie wie jedes andere M�dchen, das sich mit einer Freundin eine Wohnung teilt und in B�ros, Studios oder L�den arbeitet und in der glitzernden Stadt sein Auskommen sucht. Was dieser jungen Frau widerfahren war, h�tte jeder anderen auch passieren k�nnen. Sie erinnerte sich noch, da� sie am Morgen aufgestanden war, sich gewaschen, angezogen und ein hastiges Fr�hst�ck zu sich genommen hatte. Sie war im Fahrstuhl nach unten gefahren, hatte die U-Bahn benutzt und ihre Arbeit als Sekret�rin in einer Werbeagentur in der Madison Avenue aufgenommen. Sie erinnerte sich noch an die Aufregung, als sie zu einem Gespr�ch aufgefordert wurde, in dem sich entscheiden sollte, ob sie zweite Sekret�rin des Leiters der K�nstlerischen Abteilung werden w�rde.</p><p>Im B�ro des K�nstlerischen Leiters war ein Fremder gewesen, ein gro�er, breitschultriger Mann mit gro�en H�nden und grauem Gesicht, dessen Augen etwas gl�sern wirkten. Er hatte sie erschreckt, obwohl er einen dunklen Anzug teuren Zuschnitts trug, wirkte er nicht, als sei er solche Kleidung gew�hnt. Nicht der Abteilungsleiter richtete das Wort an sie, sondern der Fremde. Er erlaubte ihr nicht, Platz zu nehmen, sondern forderte sie auf, sich aufrecht vor ihn hinzustellen. Er musterte sie unversch�mt. �Heben Sie den Kopf!� sagte er, und sie gehorchte err�tend.</p><p>�rgerlich umklammerte sie ihren Stenoblock, als er einige Schritte zur�cktrat.</p><p>�Gehen Sie mal hin und her.�</p><p>�Nein�, sagte sie.</p><p>Der Abteilungsleiter, der seltsam unruhig wirkte, nickte hastig. �Bitte, Mi� Cardwell, tun Sie, was er sagt.�</p><p>Elizabeth sah dem Fremden in die Augen, und sie hatte das Gef�hl, da� dieser Mann schon viele Frauen so abgesch�tzt hatte.</p><p>Das machte sie w�tend, aber sie gehorchte.</p><p>�Sind Sie zufrieden?� fragte sie bei�end.</p><p>�Ja�, hatte der Mann gesagt.</p><p>Dann erinnerte sie sich nur noch, wie sie auf die T�r zuging � und dann an einen seltsamen Geruch, der sich um sie zusammenzuziehen schien.</p><p>Sie war auf der goreanischen Pr�rie wieder zu sich gekommen. Ihre Kleidung war unver�ndert gewesen, bis auf den breiten Lederkragen, den man ihr um den Hals gen�ht hatte. Und dann war sie einige Stunden ziellos durch die Pr�rie gewandert, bis die zwei Reiter sie aufgegriffen hatten.</p><p>�Der Kragen�, sagte Kamchak, �stammt aus Turia.�</p><p>Kutaituchik nickte.</p><p>Das war mir neu, eine willkommene Information, die mir verriet, da� die Antwort auf dieses R�tsel zumindest teilweise in der Stadt Turia zu suchen war.</p><p>Aber wie kam es, da� Elizabeth Cardwell von der Erde einen turianischen Briefkragen trug? Kamchak zog seine Quiva und schob sie zwischen Kragen und Hals des M�dchens. Das Leder wurde von der scharfen Klinge m�helos getrennt.</p><p>Kutaituchik und ich sahen aufmerksam zu, als Kamchak nun vorsichtig den Kragen ausbreitete und ein d�nnes, zusammengefaltetes Papier herauszog, Rencepapier, das aus den Fiebern der Rencepflanze hergestellt wird, die haupts�chlich im Voskdelta zu finden ist. Ich hielt diesen Umstand f�r nicht weiter bedeutsam, aber nat�rlich dachte ich gleich an Port Kar, an die verrufene Hafenstadt, die Anspruch auf das Delta erhebt und auch die Fabrikation des Rencepapiers beherrscht.</p><p>Kamchak reichte Kutaituchik das Papier, der es nahm und verst�ndnislos zu betrachten schien. Schweigend reichte er es Kamchak zur�ck, der vorgab es sorgf�ltig zu betrachten. Zu meiner Verbl�ffung kantete er es und drehte es schlie�lich ganz herum. Schlie�lich stie� er ein Knurren aus und gab es an mich weiter.</p><p>Ich mu�te mir ein L�cheln verbei�en, denn offenbar konnte keiner der Tuchuks lesen.</p><p>�Lies�, sagte Kutaituchik.</p><p>Ich nahm das St�ck Rencepapier, warf einen Blick darauf und wurde schlagartig ernst. Die Schrift war Goreanisch, die Zeilen verliefen abwechselnd von links nach rechts und rechts nach links. Die Buchstaben waren sehr deutlich und mit schwarzer Tinte geschrieben, vermutlich mit einer Riedfeder. Auch dies schien auf das Voskdelta hinzuweisen.</p><p>�Wie lautet der Text?� fragte Kutaituchik.</p><p>Die Nachricht war einfach, bestand sie doch nur aus drei Zeilen. Ich las laut vor:</p><empty-line/><p>Findet den Mann, mit dem dieses M�dchen sprechen kann.</p><p>Er ist Tarl Cabot.</p><p>T�tet ihn.</p><empty-line/><p>�Und wer hat die Nachricht unterschrieben?� fragte Kutaituchik.</p><p>Ich z�gerte, ehe ich sagte: �Sie ist unterschrieben mit: �Priesterk�nige von Gor�.�</p><p>Kutaituchik l�chelte. �Du liest das Go reanische gut�, sagte er.</p><p>Da begriff ich, da� beide M�nner sehr wohl lesen konnten. Sie hatten mich nur auf die Probe gestellt.</p><p>Kamchak grinse Kutaituchik an und sagte: �Er hat Gras und Erde mit mir gehalten.�</p><p>�Ah�, sagte Kutaituchik. �Das wu�te ich nicht.�</p><p>Meine Gedanken �berst�rzten sich. Jetzt begriff ich, wieso ein englischsprechendes M�dchen als �berbringerin des Kragens erforderlich war. Sie war der Schl�ssel, der mich in den V�lkerscharen der Wagenv�lker aufsp�ren sollte, der mir den Tod bringen sollte.</p><p>Aber ich verstand nicht, warum die Priesterk�nige meinen Tod wollten. War ich nicht f�r sie unterwegs? War ich nicht ihretwegen zu den Wagenv�lkern gekommen, um nach dem Ei der Priesterk�nige zu suchen, nach der goldenen Kugel, wie ich es mir vorstellte, nach der letzten Hoffnung ihrer Rasse?</p><p>Und jetzt wollten sie, da� ich starb?</p><p>Ich wollte aufspringen, aber Kamchak hielt mich am Arm fest.</p><p>�Offensichtlich ist das keine Nachricht der Priesterk�nige�, sagte er.</p><p>�Woher willst du das wissen?� fragte ich.</p><p>Das narbige Gesicht verzog sich zu einem Grinsen, und Kamchak schlug sich auf die Knie. Er begann zu lachen. �Glaubst du, die Priesterk�nige h�tten es n�tig, andere ihre Arbeit tun zu lassen, wenn sie wirklich deinen Tod wollten?� Er deutete auf den Kragen. �Glaubst du, Priesterk�nige w�rden sich eines solchen Kragens und eines M�dchens bedienen? Nein, die Priesterk�nige brauchen die Tuchuks nicht, wenn sie jemanden t�ten wollen!�</p><p>Kamchaks Worte waren logisch, doch erschien es mir seltsam, da� jemand im Namen der Priesterk�nige zu sprechen wagte. Woher wollte ich wissen, da� die Nachricht nicht doch aus dem Sardargebirge kam? Ich allein wu�te von dem Krieg im unterirdischen Nest der Priesterk�nige, von den technischen R�ckschl�gen, die sie hatten hinnehmen m�ssen. Wer konnte wissen, auf welch primitive Mittel sie jetzt zur�ckgreifen mu�ten? Trotzdem � Kamchak mu�te recht haben. Meine Freundschaft zu Misk wog einiges auf, und stand ich nicht gewisserma�en in den Diensten der Priesterk�nige? Aber wenn die Nachricht nicht aus dem Sardargebirge kam � woher dann? Wer steckte dahinter? Es mu�te andere geben, die �ber meine Mission Bescheid wu�ten, die darauf abzielten, da� die Rasse der Priesterk�nige ausstarb, andere, die ebenfalls Menschen von der Erde nach Gor holen konnten. Irgendeine andere Partei, die insgeheim die Priesterk�nige bek�mpfte. Aber meine Spekulationen waren zu fantastisch, und ich dachte nicht weiter dar�ber nach.</p><p>Die gro�e Frage blieb jedoch offen, und ich war entschlossen, die Antwort zu finden. Und diese Antwort lag m�glicherweise in Turia.</p><p>Inzwischen wollte ich nat�rlich meine Arbeit fortsetzen. Ich wollte versuchen, das Ei f�r Misk zu finden und es ins Sardargebirge zur�ckschaffen. Ich nahm an, da� jenes R�tsel und meine Mission durchaus miteinander zu tun hatten.</p><p>�Was w�rdest du tun�, fragte ich Kamchak. �wenn du die Nachricht f�r echt hieltest?�</p><p>�Nichts�, sagte Kamchak ernst.</p><p>�Du w�rdest die Herden, die Wagen und die Tuchuks aufs Spiel setzen?� Kamchak wu�te sehr wohl, da� man sich den Befehlen der Priesterk�nige nicht so einfach widersetzen konnte. Ihre Rache konnte f�rchterlich sein.</p><p>�Ja�, sagte Kamchak.</p><p>�Aber Warum?�</p><p>Er l�chelte. �Weil wir miteinander Erde und Gras gehalten haben.�</p><p>Ich nickte.</p><p>Kamchak wandte sich an einen Krieger. �Bringt Fleisch.�</p><p>Der Krieger sprang von der Plattform und kehrte nach wenigen Sekunden mit einer Handvoll gebratenem Boskfleisch zur�ck.</p><p>Kutaituchik gab Zeichen, da� das zitternde M�dchen vorgef�hrt werden sollte, und zwei Krieger dr�ngten sie vor die graue Robe.</p><p>Er nahm das Fleisch in die Hand und gab es Kamchak, der hineinbi�; der Bratensaft lief ihm �bers Kinn; dann hielt Kamchak dem M�dchen das Fleisch hin.</p><p>�Essen Sie�, sagte ich.</p><p>Elizabeth Cardwell nahm das Fleisch in beide H�nde und begann zu essen.</p><p>Damit war sie Kamchaks Sklavin. Als sie gegessen hatte, barg sie das Gesicht in den H�nden und begann zu schluchzen.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Wenn ich eine schnelle L�sung der R�tsel erwartet hatte, die mich besch�ftigten, oder ein schnelles Ende meiner Suche nach dem Ei der Priesterk�nige, wurde ich entt�uscht � denn monatelang tat sich nichts.</p><p>Ich hatte gehofft, nach Turia gehen zu k�nnen, um dort das Geheimnis des Briefkragens zu ergr�nden, aber dazu kam es nicht, jedenfalls nicht vor dem Fr�hling.</p><p>�Wir haben das Omenjahr�, hatte Kamchak von den Tuchuks zu mir gesagt.</p><p>Die Herden wurden um Turia herumgetrieben, denn jetzt war die Zeit der Passage Turias � die erste Periode des Omenjahres, da sich die Wagenv�lker versammelten und gemeinsam zu ihren Winterweiden vorstie�en; die zweite Periode ist die �berwinterung, die im Norden von Turia stattfindet; der dritte und letzte Abschnitt ist die R�ckkehr nach Turia im Fr�hling. So erhaschte ich einen Blick auf das ferne Turia nur vom R�cken meiner Kaiila aus � auf die Stadt mit ihren hohen Mauern und den neun Toren.</p><p>Aus der Ferne wirkte sie anmutig und sch�n, wie sie sich wei�schimmernd aus der Ebene erhob.</p><p>�Sei geduldig, Tarl Cabot�, sagte Kamchak, der neben mir ritt. �Im Fr�hling finden die Spiele des Liebeskrieges statt, und ich reite dann nach Turia. Wenn du m�chtest, kannst du mich begleiten.�</p><p>�Einverstanden�, sagte ich.</p><p>Ich w�rde also warten. Das schien mir nach gr�ndlicher �berlegung doch das Beste zu sein. Das Geheimnis des Kragens war von sekund�rer Bedeutung, und ich schlug es mir f�r den Augenblick aus dem Kopf. Mein Hauptinteresse, mein Ziel lag gewi� nicht im fernen Turia, sondern hier bei dieser Wagenkarawane.</p><p>Wir ritten zur Herde zur�ck.</p><p>Wie war es m�glich, da� Kamchak im Fr�hling nach Turia ritt?</p><p>Ich sp�rte, da� er ein bedeutender Mann der Tuchuks war.</p><p>Vielleicht waren Verhandlungen zu f�hren, vielleicht ging es um die Spiele des Liebeskrieges, die mir bisher noch niemand erkl�rt hatte; vielleicht waren auch einfach Handelsgesch�fte der Grund. Ich hatte zu meiner �berraschung erfahren, da� gelegentlich Handelsverbindungen mit Turia aufgenommen wurden, wobei es besonders um Metalle und Tuche ging � Waren, die bei den Wagen hohe Preise erzielen. Tats�chlich sind die Kragen und Ketten der Sklavenm�dchen meist turianischer Herkunft. Die Turianer ihrerseits nehmen als Bezahlung f�r ihre Waren � die sie selbst erzeugten oder von anderen St�dten bezogen � Boskh�rner und Felle. Auch erhalten die Turianer andere Waren von den Wagenv�lkern � Beutest�cke von Karawanen, die bis zu tausend Pasang von den Herden entfernt aufgebracht wurden, die vielleicht sogar auf dem Weg von oder nach Turia gewesen waren. Diese �berf�lle bringen den Wagenv�lkern mancherlei Dinge ein, die sie sonst bei den Turianern eintauschen � Juwelen, Edelmetalle, Gew�rze, farbige Tafelsalze, Zaumzeug und S�ttel f�r die schwerf�lligen Tharlarions, Felle kleiner Flu�tiere, landwirtschaftliche Werkzeuge, Tinte und Papier, Wurzelgem�se, getrocknete Fische, Medizin, Salben, Parf�ms, und auch Frauen � gew�hnlich weniger ansehnliche Gesch�pfe, die sie nicht selbst behalten wollen. Die Wagenv�lker bieten den Turianern zuweilen auch erbeutete Seidenstoffe an � doch meistens behalten sie diese f�r ihre eigenen Sklavenm�dchen, die diese in der Abgeschiedenheit der Wagen tragen. Zwei Dinge jedoch sind nicht in den Handel mit Turia einbezogen � lebendige Bosks und M�dchen aus Turia, die grunds�tzlich als Sklavinnen behalten werden.</p><p>Der Winter brach mit unerwarteter St�rke �ber die Herde herein � einige Tage zu fr�h. Heftiger Schneefall setzte ein, ein eisiger Wind, der oft schon zweitausendf�nfhundert Pasang zur�ckgelegt hatte, peitschte die Pr�rie, Schnee bedeckte das Gras, das schnell braun und br�chig wurde, und die Herden teilten sich in tausend kleine Gruppen auf, jede mit eigenen Wachreitern, Herden, die sich immer weiter verliefen, die den Schnee zerstampften und herumschn�ffelten und das gefrorene Gras zu rupfen versuchten. Tiere begannen zu sterben, und die Frauen heulten und klagten so laut, als st�nden ihre Wagen in Flammen und die Turianer w�ren ihnen auf den Fersen. Tausende von Angeh�rigen der Wagenv�lker gruben Schnee, um nach einer Handvoll Gras zur F�tterung der Tiere zu suchen. Wagen mu�ten aufgegeben werden, da nicht die Zeit blieb, neue Bosks f�r das Geschirr auszubilden. Die Herden mu�ten in Bewegung bleiben. Siebzehn Tage nach Beginn der Schneef�lle begannen die ersten Herden endlich ihre Winterweiden zu erreichen, weit im Norden in der N�he des �quators. Hier lag kaum Schnee, oft nur ein leichter Frosthauch, der in der Mittagssonne wieder schmolz, und das Gras war frisch und nahrhaft. Weitere hundert Pasang im Norden gab es �berhaupt keinen Schnee mehr, und die Menschen begannen wieder zu singen und um ihre Feuer aus Boskdung zu tanzen.</p><p>�Die Bosks sind in Sicherheit�, sagte Kamchak. Ich hatte gesehen, wie starke M�nner vom R�cken ihrer Kaiila sprangen und mit Tr�nen in den Augen das frische gr�ne Gras k��ten. �Die Bosks sind in Sicherheit!� hatten sie gerufen, und der Schrei war von den Frauen aufgenommen und von Wagen zu Wagen weitergereicht worden. �Die Bosks sind in Sicherheit!�</p><p>In diesem Jahr, vielleicht weil es das Omenjahr war, zogen die Wagenv�lker nicht noch weiter nach Norden. Man blieb auf dieser Seite des Cartius, um nicht Auseinandersetzungen mit anderen V�lkern herauszufordern.</p><p>Die �berwinterung war nicht unangenehm, obwohl es auch am �quator empfindlich kalt sein konnte; die Wagenv�lker und ihre Sklaven trugen Boskfelle und Pelzstiefel und M�tzen mit Ohrensch�tzern gegen die K�lte.</p><p>Auf dem R�cken einer Kaiila, die schwarze Lanze in der Hand, im Sattel vorgebeugt, so galoppierte ich an einem Holzstab vorbei, auf dessen Spitze eine trockene Tospit lag, eine schrumplige pfirsich�hnliche Frucht, etwa so gro� wie eine Pflaume. Sie ist bitter, aber e�bar.</p><p>�Gut!� rief Kamchak, als er sah, da� ich die Tospit aufgespie�t hatte, deren H�lften nun am Lanzenschaft herabgerutscht war.</p><p>Dieser Sto� brachte zwei Punkte.</p><p>Ich h�rte Elizabeth Cardwells Freudenschrei und sah, da� sie in die Luft sprang. Sie trug einen Sack Tospits auf der Schulter.</p><p>�Tospit!� br�llte Conrad von den Kassars, dem Blutvolk, und das M�dchen legte hastig eine Frucht auf den Pfahl.</p><p>Das Donnern von Kaiilahufen ert�nte, und Conrad schwang die Tospit mit seiner roten Lanze geschickt vom Pfahl; die Spitze drang kaum in die Frucht ein, weil er die Waffe im letzten Moment geschickt zur�ckgezogen hatte. �Ausgezeichnet!� rief ich ihm zu. Mein eigener Sto� war mit voller Kraft ausgef�hrt worden, eine Taktik, die mich bei einem Kampf h�tte gef�hrden k�nnen, weil ich die Lanze dann vielleicht nicht mehr von meinem Gegner freibekam. Sein Sto� dagegen, das mu�te ich offen eingestehen, war seine drei Punkte wert.</p><p>Nun ritt Kamchak an, und er holte wie Conrad die Frucht m�helos vom Pfahl, wobei sein Speer vielleicht noch einige Millimeter weniger tief in die gr�ne Haut eindrang.</p><p>Der Krieger, der zu Conrad geh�rte, donnerte nun auf den Pfahl zu.</p><p>Ein Schrei der Entt�uschung ert�nte, als die Speerspitze die Frucht nur teilte und vom Pfahl schlug. Das brachte nur einen Punkt.</p><p>Wieder stie� Elizabeth einen Freudenschrei aus, denn sie geh�rte zum Wagen Kamchaks und Tarl Cabots.</p><p>Der Reiter, der den mi�gl�ckten Sto� vollf�hrt hatte, lie� seine Kaiila pl�tzlich herumwirbeln, und das M�dchen sank auf die Knie. Sie erkannte nat�rlich sofort, da� sie ihre Freude �ber seinen Fehlschlag nicht so offen h�tte zeigen d�rfen. Ich erstarrte, aber Kamchak lachte nur und hielt mich zur�ck. Die Kaiila des Reiters hatte sich �ber dem M�dchen aufgerichtet. Der Krieger beruhigte sein Reittier, hob geschickt seine Lanze unter das Kinn des M�dchens, damit sie ihn ansah.</p><p>Es freute mich, wie gut Elizabeth in den vergangenen Monaten mit der Sprache zurechtgekommen war. Kamchak hatte drei turianische Sklavinnen zu ihrer Ausbildung gemietet, und sie hatte sehr schnell gelernt.</p><p>Das Leben als Sklavin war f�r Elizabeth Cardwell nicht leicht gewesen, besonders nicht in den ersten Wochen. Es ist auch keine so einfache Ver�nderung � der Wechsel aus einem angenehmen klimatisierten B�ro an der Madison Avenue in New York in den Wagen eines Tuchukkriegers.</p><p>Auch Kamchak war sich bewu�t, da� er hier ein ungew�hnliches M�dchen vor sich hatte. Ihre Reaktionen verwirrten ihn mehr als einmal, doch seltsamerweise sah er von strengen Ma�regelungen ab. Zu meiner �berraschung zwang er das M�dchen auch nicht, Sklavenkleidung anzulegen, was bei den anderen Sklavenm�dchen im Lager nicht wenig Aufregung verursachte. Auch brachte er nicht sein Brandzeichen an, ebensowenig mu�te sie einen Kragen tragen; nur ihr Haar hatte offen zu sein, was auf Gor seit jeher ein Zeichen f�r den Sklavenstand gewesen ist. Sie durfte sich ein eigenes �rmelloses Kleidungsst�ck aus dem Fell eines roten Larl n�hen, das zuerst ziemlich lang ausfiel, von ihrem Herrn aber schnell gek�rzt wurde. Sie war anders als jedes Sklavenm�dchen, das er bisher besessen hatte. Sie war seine erste Barbarin. Er wu�te nicht recht, was er von ihr halten sollte, denn er war M�dchen gewohnt, die durch ihre Erziehung auf die M�glichkeit der Sklaverei vorbereitet waren. Doch im ganzen behandelte er sie bemerkenswert gut � f�r einen Tuchuk. Damit will ich nicht sagen, da� sie nicht schwer arbeiten mu�te und gelegentlich auch zurechtgewiesen wurde, aber im Vergleich zu einem normalen Sklavendasein lebte sie nicht schlecht.</p><p>Jetzt blickte der Kassar, der das vor ihm kniende M�dchen gemustert hatte auf, lachte und hob seine Lanze.</p><p>Ich atmete erleichtert auf.</p><p>Der Krieger ritt zu Kamchak hin�ber. �Was m�chtest du f�r deine h�bsche kleine Barbarensklavin?� fragte er.</p><p>�Sie steht nicht zum Verkauf.�</p><p>�Wollen wir um sie wetten?� dr�ngte der Reiter. Er hie� Albrecht und war aus dem Volk der Kassars. Er hatte zusammen mit Conrad gegen mich und Kamchak gek�mpft.</p><p>Mein Herz begann zu h�mmern.</p><p>Kamchaks Augen blitzten. Er war ein Tuchuk. �Deine Bedingungen?�</p><p>�Um den Ausgang unseres Wettstreits�, sagte Albrecht und deutete auf zwei M�dchen, die ihm geh�rten und am Rande des Kampfplatzes auf ihn warteten, �gegen diese beiden.� Die M�dchen stammten aus Turia. Sie waren keine Barbarinnen und waren beide sehr sch�n. Zweifellos wu�ten beide, wie sie einem anspruchsvollen Krieger der Wagenv�lker gefallen konnten.</p><p>�Gemacht!� rief Kamchak.</p><p>Einige M�nner, Kinder und Sklavenm�dchen hatten unserem Kampf zugesehen. Kaum war Kamchak auf Albrechts Vorschlag eingegangen, als mehrere Sklavinnen auf die Wagen zuliefen und laut �Wettstreit! Wettstreit!� zu rufen begannen. Zu meinem Mi�vergn�gen fand sich schnell eine gro�e Anzahl Tuchuks, begleitet von ihren freien Frauen oder Sklavinnen, am Kampfplatz ein. Die Bedingungen des Kampfes sprachen sich schnell herum. In der Menge waren auch einige Kassars und Paravaci und sogar ein Kataii. Die Sklavinnen wirkten besonders aufgeregt. Ich h�rte, wie Wetten abgeschlossen wurden. Die Tuchuks, wie viele Bewohner Gors, lieben das Spiel. Tats�chlich soll es vorgekommen sein, da� ein Tuchuk seine ganze Boskherde auf ein einziges Kaiilarennen setzte oder da� bei Spielen bis zu einem Dutzend Sklavinnen den Besitzer wechselten, nur weil ein Vogel eine andere als die gewettete Richtung einschlug oder die Anzahl von Kernen in einer Tospitfrucht nicht stimmte.</p><p>Die beiden M�dchen Albrechts standen mit leuchtenden Augen am Rande der Wettkampfbahn und versuchten ihr freudiges L�cheln zu unterdr�cken. Zu meiner �berraschung schien sich auch Elizabeth Cardwell zu freuen, obwohl ich mir den Grund nicht recht vorstellen konnte.</p><p>Sie kam zu mir her�ber, stellte sich auf Zehenspitzen neben meine Kaiila und hielt meinen Steigb�gel. �Sie werden gewinnen�, sagte sie.</p><p>Ich w�nschte, ich w�re so zuversichtlich wie sie.</p><p>Ich war zweiter Reiter f�r Kamchak, so wie Albrecht zweiter Reiter f�r Conrad von den Kassars war.</p><p>Zwar ist die Position des ersten Reiters h�her, aber die von beiden K�mpfern erzielten Punkte z�hlen gleich. Gew�hnlich ist der erste Reiter der erfahrenere, geschicktere Mann.</p><p>In der nun folgenden Stunde erwies sich mein Training als vorteilhaft. In den letzten Monaten hatte ich mich, wenn ich nicht gerade mit Kamchak Herdenritte unternahm, sehr f�r die Jagdund Kampfwaffen der Tuchuks interessiert, was f�r einen Krieger stets eine zufriedenstellende Besch�ftigung ist. Kamchak war ein guter Lehrer in dieser Beziehung und �berwachte meine stundenlangen �bungen mit Lanze, Quiva und Bola. Auch lernte ich den Umgang mit dem Lasso und dem Bogen. Dem Bogen fehlt wegen seiner geringen Gr��e die Schu�weite und Durchschlagskraft des goreanischen Langbogens oder der Armbrust; doch auf kurze Entfernungen, schnell und kr�ftig abgeschossen, bildet er eine nicht zu untersch�tzende Waffe. Am besten kam ich mit dem ausbalancierten Sattelmesser, der Quiva, zurecht; sie ist etwa drei�ig Zentimeter lang, die Klinge hat zwei Schneiden und eine gef�hrliche Spitze. Ich erwarb mir im Umgang mit der Quiva einige Geschicklichkeit. Auf zw�lf Meter vermochte ich eine geworfene Tospit zu treffen, und auf drei�ig Meter eine Bosklederscheibe, die knapp zehn Zentimeter Durchmesser hatte.</p><p>Kamchak freute sich �ber meine Erfolge.</p><p>Meine Kenntnisse wurden nun auf die Probe gestellt. Im Verlauf des Tages sammelten beide Parteien Punkte, und die F�hrung wanderte dabei hin und her, lag zuerst bei Kamchak und bei mir und schlie�lich bei Conrad und Albrecht.</p><p>Vom R�cken meiner Kaiila bemerkte ich das M�dchen Heerena aus dem Ersten Wagen in der Menge � das M�dchen, das mir schon an meinem ersten Tag im Lager der Tuchuks aufgefallen war. Sie war sehr lebhaft und stolz, und der winzige goldene Nasenring tat ihrer Sch�nheit keinen Abbruch. Sie und andere waren von Kind auf in dem Glauben erzogen worden, da� sie einen guten Preis bei den Spielen des Liebeskrieges abgeben w�rden. Turianische Krieger, so hatte mir Kamchak berichtet, hatten Freude an den wilden M�dchen der Wagenv�lker. Ein junger Mann, blau�ugig, blond, ohne Narbe, stie� im Gedr�nge gegen die Steigb�gel des M�dchens. Sie schlug ihm zweimal heftig mit ihrer Lederpeitsche gegen den Hals, wo sofort ein blutiger Striemen erschien.</p><p>�Sklave!� zischte sie.</p><p>Er sah sie �rgerlich an. �Ich bin kein Sklave�, sagte er. �Ich bin Tuchuk.�</p><p>�Turianischer Sklave!� spottete sie. Kamchak hatte mir von dem jungen Mann erz�hlt. Im Lager war er ein Nichts. Er �bernahm alle Arbeiten, half bei den Herden und erhielt daf�r ab und zu ein St�ck Fleisch. Er wurde Harold gerufen, ein englischer Vorname. Solche Vornamen sind auf Gor nicht unbekannt und werden teilweise schon seit tausend Jahren weitervererbt � wahrscheinlich der Name eines Urahns, der vielleicht von den Priesterk�nigen bei einer Akquisitionsreise nach Gor geholt worden war. Ich hatte mich nat�rlich in einem Gespr�ch mit Harold davon �berzeugt, da� der junge Mann wirklich Goreaner war, ein Abkomme der Wagenv�lker. Das Problem des jungen Mannes bestand darin � vielleicht auch der Grund, warum er noch keine Mutnarbe errungen hatte �, da� er in seiner Kindheit von Turianern entf�hrt worden war und mehrere Jahre in der Stadt verbracht hatte; als J�ngling war er unter gro�en Gefahren aus Turia geflohen und hatte sich m�hsam �ber die Pr�rie geschleppt, um wieder bei seinem Volk zu sein. Zu seiner gro�en Entt�uschung hatten ihn seine Landsleute nicht wieder aufgenommen, sondern hielten ihn mehr f�r einen Turianer als f�r einen Tuchuk. Seine Eltern und Bekannten waren dem turianischen �berfall, bei dem er geraubt wurde, zum Opfer gefallen. Zum Gl�ck hatte sich ein Jahresbewahrer an den �berfall erinnert. So war er nicht umgebracht worden und durfte bei den Tuchuks bleiben. Allerdings hatte er keinen eigenen Wagen und auch keine Bosks. Ihm geh�rte nicht einmal eine Kaiila. Er hatte Waffen an sich genommen, die andere fortwarfen, und �bte f�r sich. Doch niemand, der feindliche Karawanen �berfiel oder die Stadt und ihre Au�enfelder angriff oder Racheakte gegen Nachbarn wegen Boskdiebstahls unternahm, wollte ihn als Krieger akzeptieren. Zwar bewies er, da� er mit den Waffen umgehen konnte, doch man lachte ihn nur aus. �Du hast ja nicht mal eine Kaiila�, sagte man. �Du hast auch noch keine Mutnarbe.� Wahrscheinlich brachte es der junge Mann nie zu dieser Narbe, ohne die er bei den strengen, grausamen Tuchuks st�ndig verspottet und verachtet wurde.</p><p>Ich schlug mir das M�dchen Heerena und den jungen Harold aus dem Kopf. Albrecht zog seine Kaiila herum und l�ste die Bola von seinem Sattel.</p><p>�Legt eure Pelze ab�, sagte er zu seinen beiden M�dchen.</p><p>Sie gehorchten sofort und standen nun in ihren kurzen Sklaventuniken vor ihm im Gras.</p><p>Sie w�rden f�r uns laufen.</p><p>Kamchak galoppierte mit seiner Kaiila zur Menge hin�ber, wo er hastig mit einem Krieger diskutierte, einem Mann, dessen Wagen unserer Kolonne folgte. Von diesem Krieger hatte Kamchak auch die beiden M�dchen gemietet, die Elizabeth Cardwell die goreanische Sprache beigebracht hatten. Ich sah eine kupferne Tarnm�nze aufblitzen, und eines der M�dchen, es war Tuka, ein attraktives turianisches Gesch�pf, zog ihren Pelzumhang aus.</p><p>Sie w�rde f�r einen der Kassars laufen, sicher f�r Conrad.</p><p>Tuka mochte Elizabeth nicht, ein Gef�hl, das von der irdischen Sklavin erwidert wurde. Ich machte mir Sorgen, da� Tuka vielleicht nicht gut laufen w�rde und wir den Wettstreit daher verlieren k�nnten, wenn sie sich absichtlich leicht fangen lie�.</p><p>Aber dann kam ich zu dem Schlu�, da� das nicht zu erwarten war. Wenn Kamchak und ihr Herr der Meinung waren, da� sie sich nicht die gr��te M�he gegeben hatte, mu�te sie mit Schwierigkeiten rechnen. Ob sie nun Elizabeth ha�te oder nicht � sie w�rde gut laufen. Denn in gewisser Weise ging es um ihr Leben.</p><p>Kamchak ri� seine Kaiila herum und kam zu uns her�ber. Er deutete mit der Lanze auf Elizabeth Cardwelll. �Zieh deine Pelze aus�, sagte er.</p><p>Elizabeth gehorchte wortlos.</p><p>Obwohl es schon dem Abend zuging, leuchtete die Sonne noch hell am Himmel. Die Luft war kalt. Wind bewegte das Gras.</p><p>In etwa vierhundert Metern Entfernung wurde eine schwarze Lanze in den Pr�rieboden gesto�en. Nat�rlich rechnete niemand damit, da� eines der M�dchen dieses Ziel erreichte. Bei dem Lauf ging es um die Zeit, um Tempo und die Geschicklichkeit des M�dchens und des Kaiilarreiters. Die Tuchukm�dchen, Elizabeth und Tuka, w�rden f�r die Kassars laufen; die beiden Kassarm�dchen liefen f�r Kamchak und mich; nat�rlich versuchte jedes der M�dchen, Vorteile f�r ihren Herrn herauszuholen, indem sie ihrem Verfolger auswich.</p><p>Bei solchen Rennen wird die Zeit nach dem Herzschlag einer stehenden Kaiila gemessen. Schon hatte man ein Tier herbeigef�hrt. Ganz in der N�he war eine lange Boskpeitsche zu einem Kreis ausgelegt worden, der etwa drei Meter Durchmesser hatte. Das M�dchen begann ihren Lauf aus diesem Kreis. Der Reiter mu�te versuchen, sie so schnell wie m�glich zu fangen, zu fesseln und in den Peitschenkreis zur�ckzubringen.</p><p>Schon hatte ein grauhaariger Tuchuk seine Hand auf das seidige Fell der stehenden Kaiila gelegt.</p><p>Kamchak gab der barf��igen Tuka ein Zeichen, die verschreckt in den Kreis trat.</p><p>Conrad l�ste seine Bola vom Sattel. Zwischen den Z�hnen hielt er eine bosklederne Schnur, die etwa einen Meter lang war.</p><p>�Lauf�, sagte Conrad leise.</p><p>Tuka hastete los. Die Menge begann zu schreien, begann sie anzufeuern. Conrad, die Schnur im Mund, die Bola still an der Seite, beobachtete sie. Sie erhielt eine Vorgabe von f�nfzehn Schl�gen des gro�en Kaiilaherzens � eine Zeit, in der sie etwa die halbe Strecke zur Lanze zur�cklegte.</p><p>Der Schiedsrichter z�hlte laut die Schl�ge.</p><p>Bei zehn begann Conrad langsam die Bola zu schwingen, die ihre h�chste Drehgeschwindigkeit erst erreichen w�rde, wenn er in vollem Galopp war und sein Opfer fast erreicht hatte.</p><p>Bei f�nfzehn gab Conrad der Kaiila die Sporen � ger�uschlos, um das M�dchen nicht zu warnen.</p><p>Die Menge reckte die H�lse. Der Schiedsrichter hatte erneut zu z�hlen begonnen, wobei er wieder mit Null anfing, die zweite Z�hlung, die die Zeit des Reiters bestimmte.</p><p>Das M�dchen war schnell, und das bedeutete Zeit f�r uns, auch wenn es sich nur um einen Schlag handelte. Sie mu�te mitgez�hlt haben, denn einen Augenblick nach Conrads Start warf sie einen Blick �ber die Schulter und sah ihn n�herkommen. Dann z�hlte sie offenbar weitere zehn Schl�ge ab, denn nun begann sie Haken zu schlagen, begann hin und her zu huschen, um dem Reiter eine schnelle Ann�herung zu erschweren.</p><p>�Sie l�uft gut�, sagte Kamchak.</p><p>Das tat sie, aber im n�chsten Augenblick sah ich die Bola aufblitzen, sah sie fast drei Meter weit ausschwingen, auf die Fu�gelenke des M�dchens zu. Die schmale Gestalt st�rzte.</p><p>Kaum zehn Schl�ge sp�ter hatte Conrad die sich wehrende Tuka bereits gefesselt und vor sich �ber den Sattel gezogen, war mit kreischender Kaiila zur�ckgerast und hatte das M�dchen gefesselt in den Peitschenkreis geworfen.</p><p>�Drei�ig�, sagte der Schiedsrichter.</p><p>Conrad grinste.</p><p>Tuka versuchte sich aus ihren Fesseln zu befreien. Brachte sie eine Hand frei oder vermochte sie die Fesseln zu lockern, war Conrad disqualifiziert.</p><p>Nach einigen Sekunden sagte der Schiedsrichter: �Halt�, und Tuka lag gehorsam still. Der Richter untersuchte die Fesseln. �Das M�dchen ist gefesselt�, verk�ndete er.</p><p>Erschreckt blickte Tuka zu Kamchak auf, der auf seiner Kaiila sa�.</p><p>�Du bist gut gelaufen�, sagte er.</p><p>Sie schlo� erleichtert die Augen.</p><p>Ein Tuchukkrieger zerschnitt ihre Fesseln, und Tuka sprang auf und eilte zu ihrem Herrn. Dort zog sie hastig ihre Pelze wieder an.</p><p>Die n�chste L�uferin, ein schlankes Kassarm�dchen, trat in den Kreis, und Kamchak l�ste seine Bola. Es wollte mir scheinen, als liefe die Kleine besonders umsichtig, aber Kamchak fing sie m�helos. Zu meinem �rger gelang dem M�dchen ein Trick. Als Kamchak bereits wieder auf den Peitschenkreis zugaloppierte bi� das M�dchen der Kaiila in den Hals. Das Tier stieg hoch, kreischte und zischte und bi� seiner gefesselten Last ins Bein. Als Kamchak das M�dchen zu Boden geworfen und vor der Wut der Kaiila gerettet hatte, waren f�nfunddrei�ig Schl�ge vergangen.</p><p>Er hatte verloren.</p><p>Als das M�dchen mit blutendem Bein losgebunden wurde, strahlte sie vor Freude.</p><p>�Gut gemacht�, sagte Albrecht, ihr Herr.</p><p>Sie war ein mutiges M�dchen. Es war leicht zu sehen, da� sie mit Albrecht mehr verband als ein St�ck Sklavenkette.</p><p>Auf ein Zeichen Kamchaks hin trat nun Elizabeth Cardwell in den Peitschenkreis. Sie hatte Angst. Sie und ich hatten angenommen, da� Kamchak besser abschneiden w�rde als Conrad. Dann h�tte uns n�mlich auch meine Niederlage gegen Albrecht, die mir sicher zu sein schien, nicht sonderlich geschadet. Wenn ich nun auch noch unterlag, war sie eine Sklavin der Kassars.</p><p>Albrecht grinste, schwang die Bola neben seinem Steigb�gel leicht hin und her.</p><p>Er sah sie an. �Lauf�, sagte er.</p><p>Elizabeth Cardwell sprintete los.</p><p>Sie hatte nat�rlich die L�ufe Tukas und des Kassarm�dchens beobachtet und versuchte sich danach zu richten, aber sie hatte keinerlei Erfahrung � zum Beispiel wu�te sie die richtige Schlagzahl nicht zu berechnen. Einige M�dchen der Wagenv�lker sind speziell darauf trainiert, einer Bola auszuweichen, und so ein M�dchen, das manche Wette erfolgreich �bersteht, ist ihrem Herrn viel wert. Eine der besten L�uferinnen war nach allgemeiner Auffassung eine Kassarsklavin, ein turianisches M�dchen namens Dina. Sie war mehr als zweihundertmal im Wettbewerb gelaufen; fast immer hatte sie ihren Verfolger irgendwie st�ren und ihre R�ckkehr in den Peitschenkreis verz�gern k�nnen; vierzigmal, eine unglaubliche Zahl, war es ihr sogar gelungen, die Lanze zu erreichen.</p><p>Bei f�nfzehn galoppierte Albrecht mit wirbelnder Bola lautlos an. Elizabeth hatte nicht mitgez�hlt oder die Schnelligkeit der Kaiila untersch�tzt, denn als sie sich vorsichtig umsah, war ihr Verfolger schon heran; im n�chsten Augenblick wirbelte sich die Bola um ihre Beine. Albrecht ri� sie auf seine Kaiila, und f�nf oder sechs Schl�ge sp�ter wurde Elizabeth gefesselt zu F��en des Schiedsrichters ins Gras geworfen.</p><p>�F�nfundzwanzig!� verk�ndete der Unparteiische.</p><p>Jubel brach in der Menge aus, die zwar weitgehend aus Tuchuks bestand, einen guten Ritt aber zu sch�tzen wu�te.</p><p>Weinend zerrte Elizabeth an den Fesseln, die ihre Handgelenke umspannten.</p><p>Der Schiedsrichter untersuchte die Fesseln und verk�ndete: �Das M�dchen ist gefesselt.�</p><p>Elizabeth st�hnte und r�hrte sich nicht mehr. �Ich hab�s versucht�, sagte sie.</p><p>�Einige M�dchen haben diesen Lauf schon hundertmal gemacht. Manche werden besonders darin ausgebildet.�</p><p>�Gesteht ihr eure Niederlage ein?� wandte sich Conrad an Kamchak.</p><p>�Nein�, sagte Kamchak. �Mein zweiter Reiter war noch nicht dran.�</p><p>�Er geh�rt ja nicht einmal zu den Wagenv�lkern�, sagte Conrad.</p><p>�Trotzdem wird er reiten�, sagte Kamchak.</p><p>F�nfundzwanzig schl�gt er nicht�, sagte Conrad.</p><p>Kamchak zuckte die Achseln. Ich wu�te, da� f�nfundzwanzig eine sehr gute Zeit war. Albrecht war ein vorz�glicher Reiter und sehr erfahren in diesem Sport, und nat�rlich war er diesmal nur gegen eine untrainierte barbarische Sklavin geritten, die noch nie gegen eine Bola gelaufen war.</p><p>�In den Kreis�, sagte Albrecht zu dem anderen Kassarm�dchen.</p><p>Stolz trat sie vor. Sie wirkte sehr intelligent. Ihre Fu�gelenke waren ein wenig st�mmiger als gew�hnlich. Offenbar war sie gut im Training.</p><p>Ich w�nschte, ich h�tte sie schon einmal laufen sehen, denn die meisten M�dchen haben ein bestimmtes Schema, auch in ihren Ausweichman�vern, einen Rhythmus, den man dann voraussehen kann. Auch kann man an ihrem Lauf ablesen, wie so ein M�dchen denkt; man kann sich ihren Gedankeng�ngen anpassen. Sie atmete mehrmals tief ein.</p><p>�Wenn du gewinnst�, sagte Albrecht grinsend, �erh�ltst du heute abend ein Silberarmband und f�nf Meter rote Seide.�</p><p>�Ich werde f�r dich gewinnen, Herr.�</p><p>Albrecht sah mich an. �Dieses M�dchen�, sagte er, �ist noch nie in weniger als zweiunddrei�ig Schl�gen eingebracht worden.�</p><p>Ich bemerkte, wie Kamchak interessiert den Kopf hob, aber er sagte nichts.</p><p>Zu meiner �berraschung sah mich das M�dchen k�hn an. �Ich wette�, sagte sie, �da� ich die Lanze erreiche.�</p><p>Ihre Offenheit ver�rgerte mich etwas.</p><p>�Ich halte dagegen�, sagte ich.</p><p>�Sie lachte. �Wenn ich gewinne, gibst du mir deine Bola, die ich dann meinem Herrn �bergebe.�</p><p>�Einverstanden�, sagte ich. �Und wenn ich gewinne?�</p><p>�Das wirst du nicht�, erwiderte sie. �Aber wenn, gebe ich dir einen Goldring und eine Silberschale.�</p><p>�Wie ist es m�glich, da� eine Sklavin solche Dinge besitzt?� wollte ich wissen.</p><p>Sie warf hochm�tig den Kopf in den Nacken.</p><p>�Ich habe ihr oft Wertgegenst�nde geschenkt�, sagte Albrecht.</p><p>Ich vermutete, da� dieses M�dchen keine typische Sklavin war.</p><p>�Ich will deinen Ring und deine Schale nicht�, sagte ich.</p><p>�Was dann?�</p><p>�Wenn ich gewinne, m�chte ich als Preis den Ku� eines unversch�mten M�dchens!�</p><p>�Tuchuksleen!� fauchte sie mit blitzenden Augen.</p><p>Conrad und Albrecht lachten. Albrecht sagte zu dem M�dchen: �Ich bin einverstanden.�</p><p>�Also gut, Tharlarion!� sagte das M�dchen. �Deine Bola � gegen einen Ku�.� Ihre Schultern zitterten vor Wut. �Ich werde dir zeigen, wie ein Kassarm�dchen laufen kann�</p><p>�Der Mut wollte mich verlassen. Ich erinnerte mich an Albrechts Bemerkung, da� dieses M�dchen noch nie unter zweiunddrei�ig Schl�gen eingeholt worden war.</p><p>�Dann darf ich also annehmen�, sagte ich beil�ufig zu Albrecht, �Da� die Kleine hier schon �fter gegen die Bola gelaufen ist.�</p><p>�Ja�, sagte Albrecht. �Das stimmt. Du hast vielleicht schon von ihr geh�rt. Es ist Dina aus Turia.� Conrad und Albrecht schlugen sich vor Vergn�gen auf die Schenkel und lachten br�llend. Auch Kamchak fiel in das Gel�chter ein; Tr�nen rannen ihm �ber das narbige Gesicht. Er deutete auf Conrad. �Schlauer Kassar!� lachte er. Das war ein Witz, da gew�hnlich die Tuchuks mit der Bezeichnung �schlau� belegt wurden. Die Tuchuks und die Kassars mochten diesen Witz als lustig empfinden � ich wollte den Trick jedoch nicht so einfach hinnehmen. Wie geschickt waren wir hereingelegt worden! Wir hatten keine Ahnung gehabt, da� eines der beiden M�dchen Dina war, die nat�rlich nicht gegen den erfahrenen Kamchak, sondern gegen seinen ungeschickten Freund Tarl Cabot laufen sollte, der nicht einmal zu den Wagenv�lkern geh�rte! Conrad und Albrecht waren vielleicht sogar mit dieser Absicht ins Lager der Tuchuks gekommen. Was konnten sie auch verlieren? Bestenfalls h�tten wir ein Unentschieden herausgeholt, falls Kamchak Conrad geschlagen h�tte. Aber das war nicht eingetreten; daf�r hatte das h�bsche kleine turianische M�dchen gesorgt, das sich mit ihrem Bi� �brigens in Lebensgefahr begeben hatte.</p><p>Auch Dina, in diesem Sport wohl die erfahrenste Sklavin �berhaupt, hatte zu lachen begonnen, hing sich an den Steigb�gel Albrechts und schaute zu ihm auf. Ich bemerkte, da� seine Kaiila halb �ber dem Peitschenkreis stand, in dem sich das M�dchen aufhielt. Sie hatte sich etwas hochgezogen, so da� ihre F��e nicht auf dem Boden standen, und hielt den Kopf an seinen Pelzstiefel gepre�t.</p><p>�Lauf�, sagte ich.</p><p>Sie stie� einen �rgerlichen kleinen Schrei aus, in den Albrecht einfiel, und Kamchak lachte. �Lauf, du N�rrin!� br�llte Conrad. Das M�dchen lie� den Steigb�gel los, und ihre F��e ber�hrten den Boden. Sie war etwas aus dem Gleichgewicht, fing sich aber wieder und rannte mit �rgerlichem Ruf los. Durch mein �berraschendes Startzeichen hatte ich vielleicht zehn oder f�nfzehn Meter gewonnen.</p><p>Ich zog die Lederfessel aus meinem G�rtel und steckte sie zwischen die Z�hne.</p><p>Ich begann die Bola zu schwingen.</p><p>W�hrend ich die Bola langsam auf Geschwindigkeit brachte, ohne den Blick von dem M�dchen zu nehmen, wich Dina pl�tzlich vom geraden Kurs ab. Kaum f�nf Meter vom Peitschenring entfernt, begann sie Ausweichman�ver durchzuf�hren, wobei sie nat�rlich die Richtung zur Lanze beibehielt. Das verwirrte mich. Sie hatte sich bestimmt nicht versch�tzt. W�hrend der Schiedsrichter laut weiterz�hlte, pr�gte ich mir ihre Taktik ein, zwei Haken nach links, gefolgt von einem weiten Schwenk nach rechts, um die Richtung zu korrigieren; zwei links, dann nach rechts; zwei links, dann wieder nach rechts.</p><p>�F�nfzehn!� rief der Schiedsrichter, und ich beugte mich vor und spornte meine Kaiila an. Ich ritt sofort in h�chstem Tempo los, denn ich durfte keinen Schlag verlieren. Auch wenn ich Gl�ck hatte und Albrechts Zeit erreichte, geh�rte Elizabeth den Kassars, denn Conrad hatte Kamchak klar besiegt. Es ist nat�rlich gef�hrlich, ein hakenschlagendes M�dchen mit voller Geschwindigkeit anzureiten, denn es ist dann schwer, das Tier herumzurei�en, sollte das M�dchen �berraschend ausweichen. Aber ich konnte Dinas Lauf absch�tzen, zwei nach links und einen Schwenk nach rechts; also lenkte ich die Kaiila mit vollem Tempo auf einen vorausberechneten Treffpunkt zwischen Dina und Bola zu. Die Primitivit�t ihres Laufes �berraschte mich, und ich wunderte mich, wieso so ein M�dchen selten in weniger als zweiunddrei�ig Schl�gen eingebracht worden war, wieso sie vierzigmal sogar die Lanze erreicht hatte.</p><p>Gleich wollte ich die Bola werfen, wenn sie den zweiten Haken nach links machte. Doch dann dachte ich an die Intelligenz, die aus ihren Augen geschimmert hatte, an ihre Zuversicht, und ich setzte alles auf eine Karte, auf den ersten Bruch ihres Zwei-links-einmal-rechts-Schemas, hoffte auf einen �berraschenden Rechtshaken. Ich h�rte ihren verbl�fften Aufschrei, als sich die Bola um ihre Schenkel wickelte; blitzschnell ri� ich meine Kaiila herum, fing das M�dchen im Fallen an den Haaren auf, zerrte sie hoch und begann sie zu fesseln, w�hrend ich mein Tier zur�ckrasen lie�, Sekundenbruchteile, ehe ich sie zu F��en des Schiedsrichters in den Kreis fallen lie�, hatte ich die Knoten geschlossen.</p><p>�Zeit!� br�llte Kamchak.</p><p>Der Schiedsrichter blickte verbl�fft auf, als k�nnte er dem Ergebnis nicht trauen. �Siebzehn�, fl�sterte er.</p><p>Die Menge schwieg einen Augenblick und begann dann zu jubeln. Kamchak klopfte dem verwirrten Albrecht auf die Schulter.</p><p>Dina versuchte sich aus ihren Fesseln zu befreien, die jedoch vom Schiedsrichter gleich darauf anerkannt wurden.</p><p>Ich blickte auf Dina hinab, die sich zu meinen F��en wand, und zerrte sie hoch. �Es sieht so aus, als k�nnte ich meine Bola behalten�, sagte ich.</p><p>Ich nahm das M�dchen in die Arme und kassierte nicht ohne Freude meinen Gewinn. Es lag nicht an ihrer anf�nglichen Widerspenstigkeit, da� der Ku� l�nger ausfiel als beabsichtigt; es hatte mit der Wirkung zu tun, die unser Kontakt gegen ihren Willen auf Dina hatte. Mit verwirrtem Blick trat sie zur�ck.</p><p>Kamchak lachte, w�hrend Elizabeth mich zu meiner Verbl�ffung w�tend ansah. Was war los mit ihr?</p><p>�Der Wettstreit endet unentschieden�, sagte Kamchak. �Die Punkte stehen gleich.�</p><p>�Einverstanden�, sagte Conrad.</p><p>�Nein�, sagte Albrecht. �Es mu� einen Gewinner geben.�</p><p>�Ich bin heute schon genug geritten�, sagte Kamchak.</p><p>�Ich auch�, bemerkte Conrad. �Kehren wir zu den Wagen zur�ck.�</p><p>Albrecht deutete mit der Lanze auf mich. �Du bist herausgefordert. Lanze und Tospit. Lebendiges Ziel!�</p><p>Dieser Sport ist der gef�hrlichste �berhaupt � der eigene Sklave mu� f�r den K�mpfer stehen. Er oder sie h�lt dabei eine Tospitfrucht im Mund, die mit der Lanze aufgespie�t werden mu�. Schon mancher Sklave ist dabei schwer im Gesicht verletzt worden.</p><p>�Ich will nicht f�r ihn stehen!� rief Elizabeth Cardwell.</p><p>Aber sie konnte sich nicht dagegen wehren und bezog schlie�lich Position, seitlich zur Reitrichtung, die Tospit vorsichtig im Mund.</p><p>Elizabeth zeigte keine Furcht, wie ich erwartet hatte, sondern schien nur w�tend zu sein. Sie r�hrte sich keinen Millimeter, als ich an ihr vorbeidonnerte und dabei die Tospit s�uberlich aufspie�te.</p><p>Das M�dchen, das in den Hals der Kaiila gebissen hatte, stand f�r Albrecht.</p><p>Mit fast ver�chtlicher Leichtigkeit galoppierte er an ihr vorbei.</p><p>�Drei Punkte f�r jeden!� verk�ndete der Schiedsrichter.</p><p>Albrecht rief: �Jetzt zur Lanzenspitze gewendet!�</p><p>�Ich will nicht mehr reiten�, sagte ich.</p><p>�Dann beanspruche ich den Sieg und die Frau!� br�llte Albrecht.</p><p>So blieb mir nichts anderes �brig, als zu reiten.</p><p>Elizabeth nahm etwa f�nfzig Meter entfernt Aufstellung. Nun kam der schwierigste Lanzensto� �berhaupt. Der Reiter mu� im entscheidenden Augenblick nicht nur die Frucht treffen, sondern seine Waffe auch mit der aufgespie�ten Tospit zur�ckziehen und um den Kopf der Sklavin herumschwingen lassen. Geschickt ausgef�hrt, ist es ein herrlicher Sto�. Doch von der Hand eines ungeschickten Reiters ist schon manche Sklavin entstellt oder gar get�tet worden.</p><p>Ich hoffte, da� Elizabeth ohne Wunden davonkam. Die Kaiila kam schnell in Fahrt; ihr Galopp war gleichm��ig.</p><p>Die Menge br�llte auf, als ich an Elizabeth vorbeiraste, die Tospit auf der Lanzenspitze.</p><p>Krieger trommelten mit den Speeren gegen ihre lackierten Schilde. M�nner br�llten.</p><p>Ich sah, wie Elizabeth zu schwanken begann, aber sie verlor das Bewu�tsein nicht.</p><p>Albrecht von den Kassars senkte w�tend die Lanze und galoppierte auf sein M�dchen zu. Eine Sekunde sp�ter war auch seine Lanzenspitze von einer Tospit gekr�nt.</p><p>Das M�dchen hatte sich nicht von der Stelle ger�hrt und l�chelte.</p><p>Die Menge bejubelte nun auch Albrecht.</p><p>Doch pl�tzlich wurde es still, denn der Schiedsrichter eilte zu Albrecht und bat um dessen Lanze. �Hier ist Blut an der Spitze�, sagte er.</p><p>�Ich habe sie nicht verletzt!� rief Albrecht</p><p>�Ich bin nicht verletzt!� rief das M�dchen.</p><p>Der Richter zeigte die Lanzenspitze herum. Ein winziger Blutfleck war an ihrer Spitze sichtbar, und auch die kleine gr�ne Frucht wies einen roten Striemen auf.</p><p>��ffne den Mund, Sklavin�, sagte der Richter.</p><p>Sie gehorchte nach anf�nglichem Z�gern, und der Richter entdeckte Blut in ihrem Mund. Das M�dchen hatte die Wunde zu verbergen versucht.</p><p>Mit einem kleinen Schreck wurde mir pl�tzlich klar, da� sie und Dina nun Kamchak und mir geh�rten.</p><p>Lachend sprang Kamchak von seiner Kaiila und fesselte die beiden M�dchen.</p><p>�Ich wei� nicht, was wir mit all den Sklaven sollen�, sagte Elizabeth Cardwell. Sie sah mich mit zornblitzenden Augen an und wandte sich ab.</p><p>Kurze Zeit sp�ter ritten Kamchak und ich Seite an Seite zum Lager zur�ck, gefolgt von den drei M�dchen.</p><p>�Die Zeit des Kurzen Grases bricht an�, sagte Kamchak. �Morgen wenden sich unsere Herden in Richtung Turia.�</p><p>Ich nickte. Die �berwinterung war vorbei. Nun kam der dritte Abschnitt des Omenjahres, die R�ckkehr nach Turia. Vielleicht erhielt ich jetzt Antwort auf die verschiedenen Fragen, die mich immer wieder besch�ftigt hatten � auf die Frage nach dem Briefkragen, nach den seltsamen Begleitumst�nden dieser Sendung, nach dem goldenen Ei, dem letzten Ei der Priesterk�nige.</p><p>�Ich nehme dich mit nach Turia�, sagte Kamchak.</p><p>�Gut�, erwiderte ich.</p><p>Die �berwinterung hatte mir Spa� gemacht, aber jetzt war sie vorbei. Bei Anbruch des Fr�hlings zogen die Bosks wieder nach S�den. Ich und die Wagen w�rden sie begleiten.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Es konnte kein Zweifel bestehen, da� ich in der abgetragenen Robe eines Kriegers und Kamchak in seiner schwarzen Tuchuk-Lederkleidung bei diesem Bankett Saphrars, des Kaufmanns von Turia, fehl am Platze schienen.</p><p>Es hatte mich einigerma�en �berrascht, da� Kamchak und ich, die wir immerhin Botschafter der Wagenv�lker waren, im Hause des H�ndlers Saphrar bewirtet und nicht in den Palast von Phanius Turmus geladen wurden, der Administrator von Turia war. Kamchaks Erkl�rung klang jedoch �berzeugend. Es gab anscheinend zwei Gr�nde, einen offiziellen und einen wirklichen. Der offizielle Grund, von Administrator Phanius Turmus verk�ndet, besagte, da� die Angeh�rigen der Wagenv�lker eine Bewirtung im Administrationspalast nicht verdient h�tten; der wirkliche Grund, der wohl selten offen ausgesprochen wurde, lag darin, da� die Macht in Turia offenbar haupts�chlich bei der Kaste der Kaufleute lag, deren Anf�hrer Saphrar war. Der Administrator war jedoch zweifellos unterrichtet. Er wurde bei diesem Bankett durch seine rechte Hand vertreten, Kamras aus der Kriegerkaste, ein Captain, der der beste K�mpfer der Stadt sein sollte.</p><p>Ich a� gew�rztes Vulogehirn � und zwar mit einer goldenen E�gabel, wie ich sie auf Go r noch nicht gesehen hatte. Dazu trank ich einen gro�en Schluck Paga. An dieser Stelle m�chte ich einmal ausf�hren, da� die Kaste der Kaufleute der Tradition gem�� nicht zu den f�nf Hohen Kasten Gors geh�rt � zur Kaste der Wissenden, Schriftgelehrten, �rzte, Hausbauer und Krieger. In der Regel � ein leider ungl�ckseliger Umstand � ist es nur Mitgliedern der f�nf Hohen Kasten gestattet, Sitze in den Hohen R�ten der St�dte zu beziehen. Wie �berall �bt das Gold der Kaufleute einen nicht unbetr�chtlichen Einflu� aus, besonders in den St�dten, nicht immer vulg�r durch Bestechungssummen und indirekte Zuwendungen, sondern oft auch sehr geschickt in der Form von Kreditzusagen oder -verweigerungen bei bestimmten Projekten, W�nschen und Bed�rfnissen des Hohen Rates. Es gibt ein Sprichwort auf Gor: �Gold kennt keine Kaste� � ein Sprichwort, das die Kaufleute sehr lieben. Wie ich geh�rt habe, sehen sie sich insgeheim als die h�chste Kaste �berhaupt an, obwohl sie das nat�rlich nicht offen aussprechen, um die Mitglieder anderer Kasten nicht gegen sich aufzubringen. Der Anspruch ist nicht ganz unbegr�ndet, k�nnte man sagen, denn die Kaufleute sind oft auf ihre Art sehr mutig und geschickt; sie unternehmen lange Reisen, setzen ihre Waren aufs Spiel, riskieren Karawanen, handeln Tauschvereinbarungen aus, formulieren und entwickeln untereinander Handelsgesetze, der einzigen gesetzlichen Vereinbarungen �berhaupt, die zwischen den goreanischen St�dten bestehen. Die H�ndler veranstalten und leiten effektiv auch die vier gro�en Jahrm�rkte, die jedes Jahr am Fu�e des Sardargebirges abgehalten werden. Ich sage �effektiv�, weil diese M�rkte eigentlich unter der Leitung eines Komitees der Kaste der Wissenden stehen, das sich jedoch weitgehend auf seine Zeremonien beschr�nkt und zufrieden ist, die schwierige F�hrung dieses gewaltigen kommerziellen Ph�nomens den Mitgliedern der niederen, verachteten Kaste der Kaufleute zu �berlassen.</p><p>�Dies�, sagte Saphrar der H�ndler, �ist eine Portion cosianischen Fl�gelfisches.�</p><p>�Wie kommt es, da� du in Turia Fische von der Insel Cos servieren kannst?�</p><p>�Ich habe eine Kriegsgaleere in Port Kar�, erwiderte Saphrar, �die ich zweimal im Jahr nach Cos schicke, um Fische zu holen.� Saphrar war ein kleiner, dicker Mann mit rosiger Haut und kurzen Beinen und Armen; er hatte lebhafte Augen und einen winzigen rundlichen Mund; von Zeit zu Zeit bewegte er hastig seine rotlackierten Fingern�gel, als bef�hlte er eine Tarnm�nze oder einen vorz�glichen Stoff. Sein Kopf war glattrasiert, wie es in der Kaste der Kaufleute �blich ist, seine Augenbrauen waren ausgezupft, und �ber jedem Auge waren vier goldene Tropfen angebracht. Er stellte bei jedem L�cheln zwei goldene Z�hne zur Schau, die beiden oberen Schneidez�hne, die vermutlich Gift enthielten; H�ndler sind im Umgang mit Waffen selten ge�bt. Sein rechtes Ohr wies eine Kerbe auf, zweifellos ein Unfall. Kerben dieser Art werden gew�hnlich Dieben zugef�gt, wenn sie zum erstenmal erwischt werden. In Saphrars Fall mu�te die Kerbe sicher auf einen anderen Grund zur�ckzuf�hren sein; trotzdem hatte sie ihm bestimmt schon oft Kopfzerbrechen bereitet. Saphrar war ein angenehmer Bursche, der sich zu benehmen wu�te, ein wenig tr�ge vielleicht � bis auf die Augen und seine schnellen Finger. Auf jeden Fall war er ein guter und aufmerksamer Gastgeber.</p><p>�Wie kommt es�, sagte ich, �da� ein Kaufmann aus Turia in Port Kar eine Kriegsgaleere unterh�lt?�</p><p>Saphrar lehnte sich auf seinen gelben Kissen zur�ck.</p><p>�Ich hatte nicht den Eindruck, da� Port Kar mit Binnenst�dten freundschaftliche Beziehungen unterh�lt�, fuhr ich fort.</p><p>�Das trifft auch nicht zu�, sagte Saphrar achselzuckend. �Gold kennt eben keine Kaste.�</p><p>Ich a� ein St�ck Fisch und sp�lte mit einem ordentlichen Schluck Paga nach. Saphrar beobachtete mich schaudernd.</p><p>Neben mir kratzte Kamchak seinen Teller leer, hielt ihn an den Mund und lie� das fantasievoll zubereitete Fleisch in seinen Mund gleiten.</p><p>Ich beobachtete Saphrar, der mit geschlossenen Augen ein zuckendes Etwas in den Mund schob.</p><p>�Saphrar aus der Kaste der Kaufleute hat die wahre Macht in Turia�, hatte mir Kamchak gesagt. Ich blickte den Tisch hinunter und musterte Kamras, die rechte Hand von Phanius Turmur, dem Administrator Turias. Er war ein gro�er starker Mann mit langem schwarzem Haar. Er sa� wie ein Krieger. Er hatte von uns bisher noch keine Notiz genommen.</p><p>Kamchak und ich waren erst vor einigen Stunden in die neuntorige Stadt gekommen. Wir hatten einige Packkaiila mitgebracht. Auf diesen Tieren befanden sich Kisten mit kostbaren Schnitzereien und Juwelen, dazu Silbergef��e, Schmuck, Spiegel, Ringe, K�mme und goldene Tarnm�nzen, die die Zeichen von einem Dutzend St�dten trugen. Alles Geschenke f�r die Turianer, eine fast unversch�mte Geste der Wagenv�lker, die damit anzeigen wollten, wie unwichtig ihnen solche Dinge waren, so unwichtig, da� sie sie sogar den Turianern �berlie�en. Turianische Besucher bei den Wagenv�lkern, so selten sie kamen, versuchten diese Geschenke nat�rlich zu �bertreffen. Kamchak hatte mir im Vertrauen gesagt, da� einige der Kostbarkeiten schon ein Dutzendmal hin und her gewandert waren. Nur eine kleine, flache Kiste wollte Kamchak den Dienern Phanius Turmus� nicht �berlassen, denen er am ersten Tor gegen�bertrat. Er bestand darauf, den Beh�lter selbst zu tragen, der jetzt neben seinem rechten Knie am Tisch stand.</p><p>Mich freute dieser Besuch sehr, denn es interessiert mich immer, eine neue Stadt kennenzulernen.</p><p>Turia erf�llte meine Erwartungen. Es war eine Luxusstadt. Ihre L�den waren mit seltenen und interessanten Waren gef�llt. Ich roch unbekannte Ger�che. Mehr als einmal stie�en wir auf Musikanten, die hintereinander die Stra�e entlangmarschierten und dabei spielten � wahrscheinlich waren sie unterwegs zu irgendeinem Fest. Freudig nahm ich wieder einmal die bunten Kastenfarben einer typischen goreanischen Stadt wahr, h�rte zum erstenmal seit langer Zeit die altbekannten Rufe der Stra�enverk�ufer. Wir erregten kein Aufsehen, was mich zuerst verwunderte. Dann kam ich darauf, da� vermutlich Abgesandte der Wagenv�lker jeden Fr�hling die Stadt aufsuchten. Wir wurden kaum beachtet, obwohl wir theoretisch Feinde Turias waren. Aber die Stadt war bisher noch nie besiegt worden; und seit �ber einem Jahrhundert hatte keine Belagerung mehr stattgefunden. Der Durchschnittsb�rger machte sich also �ber die Wagenv�lker keine Gedanken.</p><p>Ich lie� meinen Blick an den Tischen des Banketts entlangwandern, die wie ein Hufeisen angeordnet waren, so da� Sklaven vor die G�ste treten und sie bedienen konnten. Nat�rlich bot sich so auch die Gelegenheit, im freien Mittelteil K�nstler auftreten zu lassen. An einem Ende stand ein kleiner Altar f�r die Priesterk�nige; dort brannte ein Feuer. Auf dieses Feuer hatte der Oberdiener Saphrars zu Beginn des Essens einige Brocken Korn, etwas farbiges Salz, einige Tropfen Wein gesch�ttet. �Ta-Sardar-Gor�, hatte er gesagt ,�f�r die Priesterk�nige Gors�, und diese Worte waren von den Anwesenden wiederholt worden. Nur Kamchak fiel in den Satz nicht ein, der das seinem Himmel nicht zumuten wollte. Ich selbst sagte die Worte in Ehrerbietung vor den Priesterk�nigen und in Erinnerung an meinen Freund Misk.</p><p>Ein Turianer, der einige Schritte von mir entfernt sa�, bemerkte, da� ich die Lippen bewegt hatte, und sagte: �Ich sehe, da� du nicht bei den Wagenv�lkern gro� geworden bist.�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Das ist Tarl Cabot aus Ko-ro-ba�, sagte Saphrar.</p><p>�Wie kommt es, da� du meinen Namen kennst?�</p><p>�Man h�rt so allerlei�, sagte der Kaufmann geheimn isvoll.</p><p>Ich h�tte ihn weiter ausgefragt, aber er wandte sich an einen Mann hinter ihm, und ich verga� meine Frage.</p><p>W�hrend auf den Stra�en die Frauen verh�llt gegangen waren, was mich sehr betr�bte, belohnte man uns hier um so mehr mit sch�nen Gesichtern. Mehrere freie Frauen sa�en als G�ste am Tisch; Sklavinnen halfen bei der Bedienung. Die freien Frauen legten, wie es der pr�de Kamchak empfinden mu�te, schamlos ihre Schleier ab und genossen das Fest. Dadurch gewann das Bankett sehr, wenn ich mich auch des Eindrucks nicht erwehren konnte, da� dieses unverschleierte Auftreten etwas ungew�hnlich war, zumal noch in Anwesenheit von zwei Tuchukkriegern.</p><p>Zwischen den G�ngen waren verschiedene Unterhalter aufgetreten, Jongleure, Feuerschlucker und Akrobaten. Auch ein Zauberer hatte seine Tricks vorgef�hrt, die Kamchak besonders gefielen, au�erdem ein Mann, der einen Sleen zum Takt seiner Peitsche tanzen lie�.</p><p>Ich erhaschte einige Worte des Gespr�chs zwischen Kamchak und Saphrar und erriet daraus, da� sie einen Treffpunkt zum Austausch von Waren aushandelten. Sp�ter am Abend, als mich der Paga betrunkener gemacht hatte als es eigentlich ratsam war, h�rte ich eine Diskussion, die sich nur um jene Spiele drehen konnte, die Kamchak die Spiele des Liebeskrieges genannt hatte � dabei ging es um Zeit, Waffen, Schiedsrichter und dergleichen. Dann h�rte ich den Satz: �Wenn sie teilnehmen soll, mu�t du uns die goldene Kugel �berlassen.�</p><p>Abrupt wurde ich munter, und sofort lie� die Wirkung des Alkohols nach. Es durchlief mich wie ein Schock. Ich begann zu zittern, hielt mich jedoch am Tisch fest und versuchte mir nichts anmerken zu lassen.</p><p>�Ich kann daf�r sorgen, da� sie f�r die Spiele ausgesucht wird�, sagte Saphrar, �aber das mu� sich f�r mich lohnen.�</p><p>�Wie kannst du daf�r sorgen, da� sie f�r die Spiele ausgesucht wird?� fragte Kamchak.</p><p>�Mein Gold sorgt daf�r�, erwiderte Saphrar, �und auch daf�r, da� sie nicht gut verteidigt wird.�</p><p>Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, da� Kamchaks schwarze Augen blitzten. Dann h�rte ich den Oberdiener rufen; seine Stimme lie� alles andere verstummen, die Gespr�che und sogar die Musik. Die Akrobaten, die gerade zwischen den Tischen turnten, verschwanden. �Die Lady Aphris von Turia.�</p><p>Alle wandten sich um und blickten auf eine breite Marmortreppe zur Linken des riesigen Bankettsaals im Hause Saphrars des Kaufmanns.</p><p>In einem bodenlangen wei�en Seidenkleid, mit Goldstreifen durchwirkt, kam Aphris aus Turia langsam die Treppe herab. Ihre Sandalen waren aus Gold, und sie trug dazu passende goldene Handschuhe.</p><p>Ihr Gesicht war von einem wei�seidenen Schleier verborgen, und um den Kopf trug sie die Robe der Verh�llung, so da� auch ihr Haar nicht zu erkennen war.</p><p>Ihre Kleidung entsprach den Farben der Kaste der Kaufleute, der sie anzugeh�ren schien. Ich erinnerte mich, da� Kamchak einige Male von dieser Frau gesprochen hatte.</p><p>�Die reichste Frau in Turia�, sagte Kamchak.</p><p>�Wenn sie vollj�hrig wird�, bemerkte Saphrar.</p><p>Bis dahin wurde ihr Verm�gen zweifellos von Saphrar verwaltet.</p><p>Diese Vermutung wurde mir so sp�ter von Kamchak best�tigt. Saphrar war mit dem M�dchen nicht verwandt, sondern war von den turianischen Kaufleuten als Verwalter ihres Verm�gens eingesetzt worden, nachdem ihr Vater bei einem paravacischen �berfall ums Leben gekommen war � der reichste Kaufmann der Stadt.</p><p>Das M�dchen, das die Blicke aller auf sich ruhen sp�rte, �berschaute die Bankettszene. Ich f�hlte, da� sie mich und Kamchak, die Fremden in diesem Kreis, sofort ausgemacht hatte. Ihre Haltung schien darauf hinzudeuten, da� sie ein wenig belustigt war.</p><p>�Ist sie die goldene Kugel nicht wert?� fragte der Kaufmann.</p><p>�Das l��t sich nicht so ohne weiteres sagen�, erwiderte Kamchak.</p><p>�Ich habe die Aussage ihrer Kammersklavinnen�, fuhr Saphrar fort. �Sie soll wundersch�n sein. Die Kugel ist ja auch nicht wirklich aus Gold, sondern sieht nur so aus.�</p><p>�Trotzdem sind die Tuchuks stolz darauf.�</p><p>�Ich m�chte das Ding ja auch nur als Kuriosit�t�, sagte Saphrar.</p><p>�Ich mu� dar�ber nachdenken�, sagte Kamchak, ohne den Blick von Aphris zu wenden. Ich lie� mir nicht anmerken, da� ich jedes Wort mith�rte, wobei es mir einige M�he machte, die anmutige Gestalt nicht allzu sehr anzustarren, die jetzt auf das obere Ende des Tisches zuging. Auf ein Zeichen hin nahmen die Musiker ihre Instrumente wieder zur Hand, und die Akrobaten setzten ihre begonnene Schau fort.</p><p>�Es befindet sich im Wagen von Kutaituchik�, sagte Saphrar. �Ich k�nnte Tarn-S�ldner aus dem Norden schicken � aber ich w�rde lieber keinen Krieg riskieren.�</p><p>Mein Herz begann heftig zu schlagen. Wenn Saphrars Informationen stimmten, befand sich das letzte Ei der Priesterk�nige im Wagen Kutaituchiks, der Ubar der Tuchuks genannt wurde.</p><p>Ich bemerkte, wie Aphris von Turia n�herkam, ohne sich um die anderen G�ste zu k�mmern. �ber ihrem Schleier nahm ich jetzt zwei mandelf�rmige schwarze Augen wahr; ihre Haut, soweit zu erkennen, war hell, wenn auch nicht ganz wei�.</p><p>�Die goldene Kugel gegen Aphris aus Turia�, fl�sterte Saphrar in Kamchaks Ohr.</p><p>Kamchak wandte sich an den kleinen dicken H�ndler, und sein narbiges Gesicht verzerrte sich zu einem breiten Grinsen. �Die Tuchuks sind sehr stolz auf die goldene Kugel.�</p><p>�Na gut�, sagte Saphrar heftig, �dann bekommst du auch die Frau nicht � daf�r sorge ich schon �, w�hrend ich mir irgendwie die Kugel aneigne. Das verstehst du doch!�</p><p>Das M�dchen ging jetzt hinter uns entlang, und Saphrar sprang auf und verbeugte sich vor ihr. �Verehrte Aphris aus Turia�, sagte er, �die ich liebe wie meine eigene Tochter.�</p><p>Das M�dchen neigte den Kopf. �Verehrter Saphrar�, sagte sie.</p><p>Saphrar machte ein Zeichen, und zwei Sklavinnen brachten eine Seidenmatte und ein Kissen und legten sie zwischen Saphrar und Kamchak.</p><p>Aphris setzte sich und sah sich um. Nach kurzem Schweigen sagte sie: �Ich rieche Boskdung.�</p><p>Der Oberdiener starrte sie entsetzt an, grinste und breitete entschuldigend die Arme aus. �Es tut mir leid, Lady, aber unter den Umst�nden...�</p><p>Sie sah sich um und schien nun erst Kamchak zu entdecken. �Ah!� sagte sie. �Jetzt verstehe ich � ein Tuchuk!�</p><p>Obwohl Kamchak mit untergeschlagenen Beinen am Tisch sa�, schien er sich zu verbeugen, dann schlug er mit der Faust auf den Tisch, da� das Geschirr klirrte. �Gro�artig!� br�llte er.</p><p>Sie wandte sich an ihn. �Es will mir scheinen, als w�ren wir uns schon einmal begegnet.�</p><p>�Vor zwei Jahren � du nanntest mich damals einen Tuchuksleen.�</p><p>�Ja, ich glaube, ich erinnere mich.�</p><p>�Ich hatte dir ein f�nffaches Diamantarmband zum Geschenk gemacht, denn ich hatte geh�rt, du seiest wundersch�n.�</p><p>�Oh�, sagte Aphris, �ja � ich habe es einem meiner Sklaven geschenkt.�</p><p>Wieder schlug Kamchak belustigt auf den Tisch. �Damals, als du mich einen Tuchuksleen nanntest, damals schwor ich mir, dich zu meiner Sklavin zu machen.�</p><p>Aphris lachte nun nicht mehr.</p><p>Saphrar war sprachlos.</p><p>Stille herrschte ringsum.</p><p>Kamras, Erster K�mpfer der Stadt Turia, sprang auf und wandte sich an Saphrar. �Gestatte mir, da� ich Waffen holen lasse.�</p><p>Kamchak trank von seinem Paga und tat, als h�tte er Kamras� Bemerkung nicht geh�rt.</p><p>�Nein! Nein�, rief Saphrar. �Der Tuchuk und sein Freund sind G�ste und Botschafter der Wagenv�lker � ihnen darf hier nichts geschehen.�</p><p>Aphris aus Turia lachte fr�hlich, und Kamras kehrte verlegen an seinen Platz zur�ck.</p><p>�Bringt Essenzen!� rief Aphris, und ein Sklave brachte ein Tablett mit verschiedenen Flaschen. Aphris nahm zwei zur Hand, hielt sie sich unter die Nase und verspr�hte dann Parf�m auf Kissen und Tisch. Ihre Handlung am�sierte die Turianer sehr.</p><p>�Daf�r�, sagte Kamchak, �verbringst du deine erste Nacht in einem Dungsack.�</p><p>Aphris lachte und wandte sich an mich. �Und wer bist du?�</p><p>�Ich bin Tarl Cabot aus der Stadt Ko-ro-ba.�</p><p>�Die liegt weit im Norden�, bemerkte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie kommt es, da� ein Korobaner im stinkenden Wagen eines Tuchuksleens lebt?�</p><p>�Der Wagen stinkt nicht�, sagte ich, �und Kamchak von den Tuchuks ist mein Freund.�</p><p>�Du bist nat�rlich ein Ge�chteter�, stellte sie fest.</p><p>Ich zuckte nur die Achseln.</p><p>Das M�dchen wandte sich an Saphrar. �Vielleicht m�chten die Barbaren unterhalten werden.�</p><p>Diese Bemerkung verwunderte mich, denn wir waren schon den ganzen Abend gut unterhalten worden.</p><p>Saphrar hatte �rgerlich den Kopf gesenkt. �Vielleicht�, sagte er. Vielleicht war er noch ver�rgert, weil Kamchak ihm die goldene Kugel nicht geben wollte. Ich begriff die Motive meines Freundes nicht � es sei denn, er wu�te, worum es sich handelte. Dann war das Gebilde f�r ihn nat�rlich von unsch�tzbarem Wert. Aber ich hatte das Gef�hl, da� er den wahren Wert nicht begriff und trotzdem einen h�heren Preis anzustreben schien als den, den Saphrar zahlen wollte.</p><p>�Sind die Frauen Turias nicht sch�n?� fragte mich Aphris.</p><p>�Allerdings�, sagte ich. �In meiner Stadt ist es freien Frauen nicht gestattet, sich vor Fremden ohne Schleier zu zeigen.�</p><p>Das M�dchen lachte fr�hlich und wandte sich an Kamchak. �Was meinst du dazu, mein s��er Boskdung?�</p><p>Kamchak zuckte die Achseln. �Es ist allgemein bekannt, da� die Frauen Turias schamlos sind.�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte Aphris �rgerlich.</p><p>�Ich sehe sie doch�, sagte Kamchak grinsend und breitete die Arme aus.</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte das M�dchen.</p><p>Kamchak sah sich verwirrt um.</p><p>Zweimal klatschte das M�dchen in die H�nde, und zu meiner �berraschung standen die Frauen am Tisch auf, stellten sich hastig in Position und warfen zur Freude der G�ste ihre kostbaren Roben ab. Jede der Frauen, die ich f�r frei gehalten hatte, trug den Sklavenkragen.</p><p>Kamchak war w�tend.</p><p>�Hast du wirklich angenommen�, fragte Aphris arrogant, �da� wir es einem Tuchuk gestatten w�rden, in das Gesicht einer freien turianischen Frau zu blicken?�</p><p>Kamchak hatte die F�uste auf dem Tisch geballt, denn ein Tuchuk l��t sich nicht gern zum Narren halten.</p><p>Kamras lachte laut, und sogar Saphrar kicherte zwischen seinen gelben Kissen. Kamchak schwieg und hob seinen Pagakrug, leerte ihn und beobachtete die Sklavinnen, die sich nun zwischen den Tischen zur Musik wiegten.</p><p>�Wir haben viele M�dchen bei uns, die ebenso sch�n sind.�</p><p>�Oh?� fragte Aphris.</p><p>�Ja�, sagte Kamchak, �turianische Sklavinnen � so wie du eine sein wirst.�</p><p>�Du wei�t nat�rlich, da� ich dich t�ten lassen w�rde, wenn du nicht Botschafter der Wagenv�lker w�rst�, sagte sie.</p><p>Kamchak lachte. �Es ist eine Sache, den Tod eines Tuchuks anzuordnen � etwas anderes ist es aber, ihn tats�chlich umzubringen.�</p><p>�Ich bin sicher, da� sich beides arrangieren lie�e�, bemerkte Aphris.</p><p>Kamchak lachte. �Es wird mir Freude machen, dich zu besitzen�, sagte er.</p><p>Das M�dchen lachte. �Du bist ein Tor�, sagte sie und f�gte ernst hinzu: �Aber nimm dich in acht! � Wenn du mich nicht mehr am�sierst, verl��t du diesen Tisch nicht lebend!�</p><p>�Und jetzt die anderen!� rief sie und klatschte in die H�nde. Saphrar neigte ergeben den Kopf.</p><p>Der Oberdiener gab ein Zeichen und entlie� die M�dchen. Gleich darauf ert�nte das L�uten von Sklavenglocken. Neue M�dchen traten ein. Meine Hand krampfte sich um den Weinkrug. Aphris aus Turia war wirklich k�hn. Ich fragte mich, ob Kamchak einen Zwischenfall heraufbeschw�ren w�rde.</p><p>Die M�dchen, die nun barfu� vor uns die temperamentvollen Liebest�nze der Kataii, der Kassars, der Paravaci und der Tuchuks vorf�hrten, waren Angeh�rige der Wagenv�lker. Es wurde schnell deutlich, warum die turianischen M�nner so gro�en Gefallen an den Pr�riem�dchen fanden.</p><p>Kamchak hatte mit zusammengepre�ten Lippen zugesehen und wandte sich nun an die sch�ne Aphris. �Ich werde daf�r sorgen�, sagte Kamchak, �da� man dir als meiner Sklavin diesen Tanz beibringt.�</p><p>Aphris erstarrte, doch sie lie� sich nichts anmerken.</p><p>Kamchak wartete, bis die M�dchen der Wagenv�lker ihren Tanz beendeten. Als sie den Raum verlassen hatten, stand er auf. �Wir m�ssen gehen�, sagte er.</p><p>Ich nickte und rappelte mich auf. �Was ist in dem Kasten?� fragte Aphris aus Turia, als sie sah, da� Kamchak den kleinen schwarzen Beh�lter aufnahm, der w�hrend des Essens an seinem rechten Knie gestanden hatte.</p><p>Sie war sichtlich neugierig.</p><p>Kamchak zuckte die Achseln.</p><p>Ich erinnerte mich, da� er Aphris vor zwei Jahren ein f�nffaches Diamantarmband geschenkt hatte, das sie damals ausschlug und einem Sklaven gab.</p><p>Trotzdem interessierte sie sich jetzt f�r die Schachtel.</p><p>�Es ist nichts�, sagte Kamchak, �nur eine Kleinigkeit.�</p><p>�Aber ist sie f�r jemanden?� fragte sie.</p><p>�Ich hatte gehofft�, sagte Kamchak, �dieses Etwas dir geben zu k�nnen.�</p><p>�Oh?� fragte Aphris, die diese Vorstellung sichtlich begr��te.</p><p>�Aber dir w�rde es nicht gefallen�, sagte er.</p><p>�Woher willst du das wissen�, sagte sie ziemlich von oben herab. �Ich habe es ja noch gar nicht gesehen.�</p><p>�Ich nehme es wieder mit nach Hause.�</p><p>�Wie du willst.�</p><p>�Aber du kannst es nat�rlich haben�, sagte er.</p><p>�Ist es denn etwas anderes als ein schlichtes Diamanthalsband?� Aphris aus Turia war nicht dumm. Sie wu�te sehr wohl, da� die Wagenv�lker in ihren Reicht�mern anderen goreanischen V�lkern nicht nachstanden.</p><p>�Ja�, sagte Kamchak, �es handelt sich um etwas anderes als ein Diamantenhalsband. Aber du willst es nat�rlich nicht haben.�</p><p>�Du hast es doch f�r mich mitgebracht, nicht wahr?� fragte sie.</p><p>Kamchak zuckte die Achseln.</p><p>�Ich m�chte es haben�, sagte Aphris pl�tzlich. �Gib es mir!�</p><p>Kamchak blickte zweifelnd auf den Kasten in seiner Hand. �Na gut, aber ich m�chte es dir selbst anlegen.�</p><p>Kamras, Erster K�mpfer Turias, erhob sich von seinem Sitz. �Das war k�hn, Tuchuksleen!� zischte er.</p><p>�Sehr wohl�, sagte Aphris, �du darfst es mir selbst umlegen.�</p><p>Kamchak stellte sich also hinter Aphris, die aufrecht am Tisch kniete. In ihren Augen schimmerte die Neugier. Ich sah, da� sie schneller atmete.</p><p>Kamchak �ffnete seinen Kasten.</p><p>Als Aphris den Deckel aufklappen h�rte, mu�te sie sichtlich an sich halten, um sich nicht umzudrehen. Nun ging alles ungeheuer schnell. Kamchak nahm aus der Schachtel einen Gegenstand, der tats�chlich dazu gedacht war, am Hals getragen zu werden, aber es handelte sich um einen runden Metallring � einen turianischen Sklavenkragen. Das feste Schlo� hinten am Kragen klickte h�rbar, als sich das Metall um den Hals Aphris� legte. Im gleichen Augenblick ri� Kamchak die Verbl�ffte hoch und zerrte ihr mit beiden H�nden den Schleier vom Gesicht! Ehe jemand einschreiten konnte, raubten seine k�hnen Lippen der starren Aphris aus Turia einen Ku�! Dann schleuderte er sie r�ckw�rts �ber den niedrigen Tisch, so da� sie in der Mitte des Hufeisens zu Boden fiel. Wie durch Zauberhand erschien eine Quiva in seinem �rmel und bewahrte die Umstehenden vor un�berlegten Handlungen.</p><p>Das M�dchen kniete nun und versuchte sich von dem Kragen zu befreien.</p><p>Kamchak schaute auf sie hinab. �Unter deinen wei�goldenen Roben�, sagte er, �rieche ich den K�rper eines Sklavenm�dchens!�</p><p>�Sleen! Sleen!� wimmerte sie.</p><p>�Leg deinen Schleier wieder an!� befahl Saphrar.</p><p>�Mach sofort den Kragen ab!� befahl Kamras, der Erste K�mpfer des Administrators Phanius Turmus.</p><p>Kamchak l�chelte. �Ich habe den Schl�ssel vergessen.�</p><p>�Dann schickt nach jemandem aus der Kaste der Metallarbeiter!� rief Saphrar.</p><p>�berall wurden Schreie laut: �T�tet die Tuchuksleens!� �Foltert sie!� �In das �l der Tharlarions mit ihnen!� �Aufspie�en!� �Fesseln und ins Feuer!� Aber Kamchak lie� sich davon nicht beeindrucken. Niemand wagte es, sich ihm zu n�hern, denn in seiner Hand schimmerte die Quiva. Er w�re kein Tuchuk gewesen, wenn er damit nicht h�tte umgehen k�nnen.</p><p>�T�tet ihn!� kreischte Aphris. �T�tet ihn!�</p><p>�Leg deinen Schleier wieder vor�, sagte Saphrar eindringlich. �Sch�mst du dich denn nicht?�</p><p>In ihren Augen stand Wut. Er, ein Tuchuk, hatte ihr Gesicht gesehen!</p><p>Obwohl ich es nie zugegeben h�tte, freute mich Kamchaks K�hnheit, denn sie hatte ein Gesicht, um das es sich zu k�mpfen lohnte � herrliche Z�ge, jetzt allerdings wutverzerrt, sch�ner als die h�bschesten Sklavenm�dchen, die uns bedient oder mit ihren T�nzen erfreut hatten.</p><p>�Ihr verge�t nat�rlich�, sagte Kamchak, �da� ich Abgesandter der Wagenv�lker bin und in euren Mauern Schutz genie�e.�</p><p>�Spie�t ihn auf!� br�llten die Turianer.</p><p>�Es ist ein Witz!� rief Saphrar. �Ein Tuchuk-Witz!�</p><p>�T�tet ihn!� rief Aphris au�er sich.</p><p>�S��e Aphris�, sagte Saphrar leise. �Du mu�t dich beruhigen. Bald kommt einer von den Metallarbeitern und befreit dich von diesem ... Du solltest dich jetzt zur�ckziehen.�</p><p>�Nein!� rief Aphris. �Erst mu� dieser Tuchuk sterben!�</p><p>�Das ist nicht m�glich, meine Liebe�, sagte Saphrar.</p><p>�Du bist herausgefordert!� sagte Kamras und spuckte vor Kamchak aus.</p><p>Einen Augenblick sah ich Kamchaks Augen aufblitzen und dachte schon, er w�rde die Herausforderung des Ersten Schwertk�mpfers der Stadt auf der Stelle annehmen. Aber dann zuckte er nur die Achseln und grinste. �Warum sollte ich k�mpfen?� fragte er.</p><p>Das h�rte sich gar nicht nach meinem Kamchak an.</p><p>�Du bist ein Feigling!� br�llte Kamras.</p><p>Ich fragte mich, ob Kamras die Bedeutung dieses Wortes kannte, mit dem er den Tr�ger einer Tuchuk-Mutnarbe bedachte.</p><p>Aber zu meiner Verbl�ffung l�chelte Kamchak nur. �Warum sollte ich k�mpfen? Was ist damit zu gewinnen?�</p><p>�Aphris aus Turia!� rief das M�dchen.</p><p>Rufe des Entsetzens und des Protests liefen um den Tisch.</p><p>�Ja!� rief Aphris. �Wenn du, Erster K�mpfer Turias, gegen Kamchak k�mpfst, biete ich mich als Preis im Liebeskrieg!�</p><p>Kamchak schaute sie an. �Ich k�mpfe�, sagte er.</p><p>Stille breitete sich aus.</p><p>Ich sah, wie Saphrar, der ein wenig im Hintergrund stand, die Augen schlo� und langsam nickte. �Schlauer Tuchuk�, sagte er leise. Ja, sagte ich mir, schlauer Tuchuk. Kamchak hatte es geschafft, da� sie Aphris aus Turia aus verletztem Stolz f�r den Liebeskrieg zur Verf�gung stellte. Das war etwas, das er nicht mit der goldenen Kugel von Saphrar dem Kaufmann zu kaufen brauche � so etwas vermochte er offensichtlich selbst zu arrangieren, mit der Schlauheit eines Tuchuks. Ich nahm nat�rlich an, da� Saphrar, der immerhin als Vormund dieses M�dchens galt, so etwas nicht zulassen w�rde. �Nein, meine Liebe�, sagte Saphrar zu dem M�dchen, �du darfst keine Rache f�r diese schreckliche Beleidigung erhoffen � du darfst nicht an die Spiele denken � du mu�t diesen unangenehmen Abend vergessen � du darfst nicht an die Geschichten denken, die �ber dich im Umlauf sein werden � �ber die Tat des Tuchuks und sein Entkommen.�</p><p>�Nie!� sagte Aphris. �Ich melde mich zum Liebeskrieg, das sage ich dir!�</p><p>�Nein�, sagte Saphrar, �das kann ich nicht zulassen � es ist besser, wenn die Leute �ber Aphris lachen. In einigen Jahren vergessen sie die Sache.�</p><p>�Ich verlange, da� ich mich melden darf!� rief das M�dchen.</p><p>�Aber in wenigen Tagen wirst du vollj�hrig und erh�ltst die Verf�gungsgewalt �ber dein Verm�gen � dann kannst du tun, was du willst.�</p><p>�Aber das ist erst nach den Spielen!� rief das M�dchen.</p><p>�Ja�, sagte Saphrar, als m��te er nachdenken. �Das stimmt.�</p><p>�Ich verteidige sie!� sagte Kamras. �Ich verliere bestimmt nicht.�</p><p>�Es stimmt, da� du noch nie verloren hast.�</p><p>�Gib deine Erlaubnis!� riefen mehrere Stimmen durcheinander.</p><p>�Wenn du es nicht gestattest�, flehte Aphris, �ist meine Ehre auf ewig befleckt.�</p><p>Mir fiel pl�tzlich ein, da� nach den goreanischen Zivilgesetzen alle Besitzt�mer einer Person, die der Sklaverei verf�llt, automatisch dem n�chsten m�nnlichen Verwandten �bertragen werden � oder dem n�chsten Verwandten, oder � wenn kein Mann mehr in der Familie ist � dem Treuh�nder. Wenn also Aphris an Kamchak fallen und Sklavin werden sollte, w�rde ihr Verm�gen an Saphrar, Kaufmann aus Turia, �bergehen. Um legale Komplikationen zu vermeiden und die Betr�ge f�r Investitionen frei zu machen, ist der Verm�gens�bertrag unwiderruflich; sollte der fr�here Eigent�mer wieder frei werden, hat er keinen Rechtsanspruch mehr auf die �bertragenen Werte.</p><p>�Gut�, sagte Saphrar mit gesenktem Blick, als f�lle er eine Entscheidung wider sein besseres Wissen, �ich erlaube es meinem Sch�tzling, Lady Aphris aus Turia, sich als Preis f�r die Spiele des Liebeskrieges zur Verf�gung zu stellen.� Ein Freudenschrei klang auf; alle waren �berzeugt, da� der Tuchuksleen eine gerechte Strafe f�r seine freche Tat an der reichsten Tochter Turias erhalten w�rde.</p><p>�Danke, Vormund�, sagte Aphris, warf mit einem letzten b�sen Blick auf Kamchak hochm�tig den Kopf zur�ck und verlie� mit k�niglichem Schritt die Tische.</p><p>�Wenn man sie so gehen sieht�, bemerkte Kamchak ziemlich laut, �glaubt man kaum, da� die den Kragen einer Sklavin tr�gt.�</p><p>Aphris wirbelte mit geballten F�usten herum und sah ihn mit blitzenden Augen an.</p><p>�Ich meinte ja nur, kleine Aphris�, sagte Kamchak, �da� du deinen Kragen zu tragen verstehst.�</p><p>Das M�dchen stie� einen erstickten Wutschrei aus und stolperte die Treppe hinauf. Weinend, mit verrutschtem Schleier, mit beiden H�nden am Kragen zerrend, verschwand sie in ihren R�umen.</p><p>�Keine Angst, Saphrar aus Turia�, sagte Kamras, �ich t�te diesen Tuchuksleen � langsam und mit Vergn�gen.�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Mehrere Tage nach Saphrars Bankett � es war noch sehr fr�h am Morgen � kamen Kamchak und ich zusammen mit mehreren hundert Angeh�rigen der vier Wagenv�lker zur Ebene der Tausend Pf�hle, die einige Pasang von Turia entfernt liegt.</p><p>Schiedsrichter und Handwerker aus Ar, das Hunderte von Pasangs entfernt jenseits des Cartius liegt, waren bereits bei der Arbeit, inspizierten die Pf�hle und bereiteten den Boden dazwischen vor. Diesen M�nnern war speziell f�r das gro�e Ereignis freies Geleit in dieses Gebiet gew�hrt worden. Trotzdem war die Reise nicht ohne Gefahren, doch sie brachte auch gute Gewinne aus den Schatztruhen Turias und der Wagenv�lker. Einige Schiedsrichter, die inzwischen ein Verm�gen gemacht hatten, waren schon mehrfach im Amt gewesen. Das Honorar f�r einen einfachen Handwerker entsprach einem Jahreseinkommen im luxuri�sen Ar. Wir lie�en uns Zeit, ritten auf unseren Kaiila in vier langen Reihen � die Tuchuks, die Kassars, die Kataii, die Paravaci, etwa zweihundert Krieger aus jedem Stamm. Kamchak ritt fast an der Spitze der Tuchuks. Der Standartentr�ger, der eine Fahne mit den vier Boskh�rnern pr�sentierte, ritt in unserer N�he. Die Spitze unserer Kolonne bildete Kutaituchik, der mit geschlossenen Augen auf einer riesigen Kaiila sa� und sich langsam hin- und herschaukeln lie�. Eine halb gekaute Kandakette baumelte in seinem Mund.</p><p>Neben ihm ritten drei andere M�nner, die ich f�r die Ubar der Kassars, der Kataii und der Pravaci hielt. Nicht weit hinter ihnen entdeckte ich zu meiner �berraschung die drei anderen M�nner, die ich getroffen hatte, als ich zu den Wagenv�lkern kam � Conrad von den Kassars, Hakimba von den Kataii und Tolnus von den Paravaci. Wie Kamchak ritten auch sie ganz in der N�he ihrer Standartenf�hrer. Die Standarte der Kassars zeigte eine rote dreigewichtige Bola, w�hrend die Kataii einen gelben Bogen auf schwarzer Lanze zum Zeichen hatten; die Paravaci schlie�lich pr�sentierten stolz ein Banner voller Juwelen, die auf Golddraht aufgezogen die Umrisse eines Boskkopfes zeigten.</p><p>Barfu� wanderte Elizabeth neben Kamchaks Steigb�gel her. Weder Dina noch das andere Kassarsklavenm�dchen waren bei uns. Am Nachmittag des Vortags hatte Albrecht sein Sklavenm�dchen Tenchika, das er trotz des Bisses in den Hals von Kamchaks Kaiila verloren hatte, zur�ckgekauft � f�r die unglaubliche Summe von vierzig Goldst�cken, vier Quivas und einem Kaiilasattel. Das war eine der h�chsten Preise, der bei den Wagenv�lkern, je f�r ein Sklavenm�dchen gezahlt worden war � ein sicheres Zeichen, da� Albrecht seine kleine Tenchika sehr vermi�t hatte. Kamchak selbst hatte sich sehr �ber diesen Handel gefreut, was es Albrecht nicht gerade leichter machte. Der Tuchuk hatte immer wieder dr�hnend gelacht und sich auf die Knie geschlagen, weil sich Albrecht offensichtlich in das M�dchen verliebt hatte. Dabei war sie nur eine Sklavin! Albrecht hatte seine Tenchika �rgerlich zweimal geschlagen und sie ein wertloses Ding genannt, w�hrend sie lachte und neben seiner Kaiila hin und her h�pfte und vor Freude weinte; zuletzt sah ich sie neben seinem Steigb�gel herlaufen und den Kopf gegen seinen Pelzstiefel pressen.</p><p>Dina hatte ich, obwohl sie eine Sklavin war, zu mir in den Sattel genommen und war mit ihr fortgeritten, bis wir in der Ferne die wei�en Mauern Turias erkennen konnten.</p><p>Als wir nahe genug heran waren, setzte ich das M�dchen ab und deutete auf die Stadt. �Das ist Turia�, sagte ich. �Deine Heimatstadt. Du bist frei.�</p><p>Das M�dchen senkte den Kopf. �Aber ich geh�re dir � ganz dir.�</p><p>�Du bist frei � das ist mein Wunsch.�</p><p>�Habe ich dir nicht gefallen?�</p><p>�Sehr sogar.�</p><p>�Aber warum verkaufst du mich nicht � ich bin wertvoll.�</p><p>�Wertvoller, als du ahnst.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>Ich griff in meine G�rteltasche und gab ihr ein Goldst�ck. �Hier�, sagte ich. �Nun kehre nach Turia zur�ck, finde deine Familie und sei frei.�</p><p>Pl�tzlich begann sie zu zittern und klammerte sich an meinen Steigb�gel.</p><p>Ich sprang ab und machte ihre H�nde los. �Du bist frei! Soll ich dich in die Stadt bringen und �ber die Mauer werfen?�</p><p>Sie lachte. �Nein!� Pl�tzlich warf sie die Arme um meinen Hals und k��te mich. Als ich sie wieder abgesetzt hatte, bemerkte ich in der Ferne eine Staubwolke, die vor den Mauern der Stadt aufstieg. Wahrscheinlich einige Krieger auf Tharlarions. Ich machte mich von dem M�dchen los, sprang in den Sattel und winkte Dina zu.</p><p>Im n�chsten Augenblick zischte mir ein Pfeil �ber den Kopf.</p><p>Ich lachte, ri� die Kaiila herum und galoppierte davon, wobei die schwerf�lligen Tharlarions schnell zur�ckfielen.</p><p>Die Verfolger kehrten bald um und fanden ein freies M�dchen, das in einer Hand ein Goldst�ck umklammerte und lachend und weinend einem Feind nachwinkte.</p><p>Als ich zu den Wagen zur�ckkehrte, waren Kamchaks erste Worte: �Ich hoffe, du hast einen guten Preis f�r sie erzielt.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>Elizabeth Cardwell, die sich gerade um das Feuer im Wagen k�mmerte, war erstaunt, als ich ohne Dina zur�ckkehrte. �Du ... hast sie ... verkauft?� fragte sie ungl�ubig. �Verkauft?�</p><p>�Vielleicht verkaufe ich dich auch�, sagte Kamchak.</p><p>Elizabeth wirkte pl�tzlich verschreckt. Sie warf mir einen flehenden Blick zu. Kamchaks Worte beunruhigten mich auch. Elizabeth musterte mich ungl�ubig und sch�ttelte den Kopf. Ich hielt es nicht f�r gut, ihr zu sagen, da� ich Dina freigegeben hatte � damit machte ich ihr das Leben nur schwer, und sie gab sich vielleicht der sinnlosen Hoffnung hin, da� ihr Kamchak eines Tages ein �hnliches Geschenk machen w�rde. Damit konnte sie kaum rechnen. Ich l�chelte vor mich hin. Kamchak, der einer Sklavin die Freiheit gab? Undenkbar!</p><p>�Ja�, sagte Kamchak, �ich glaube, ich verkaufe dich.�</p><p>Elizabeth zitterte vor Entsetzen.</p><p>�Aber vielleicht k�nnte ich sie auch ausbilden lassen ...� �berlegte er.</p><p>�Damit lie�e sich ein besserer Preis erzielen�, sagte ich, wobei ich auch daran dachte, da� ein gutes Training wahrscheinlich einige Monate dauern w�rde.</p><p>�Sie ist eine kleine Barbarin�, sagte Kamchak und blinzelte mir zu. �Aber eine h�bsche kleine Barbarin, nicht wahr?�</p><p>Ich folgte Kamchak vor den Wagen, wo er sich zu meiner Verbl�ffung an mich wandte: �Du warst ein Narr, als du Dina freigelassen hast.�</p><p>�Woher willst du wissen, da� ich sie freigelassen habe?�</p><p>�Ich habe gesehen, wie du sie vorn in den Sattel gehoben hast und in Richtung Turia geritten bist�, sagte er. �Ich wei�, da� du sie mochtest. Au�erdem ist dein Beutel nicht dicker geworden.�</p><p>Ich lachte.</p><p>Kamchak deutete auf mein Geldt�schchen. �Du m��test jetzt vierzig Goldst�cke darin haben. Soviel ist sie mindestens wert � vielleicht sogar mehr. Eine ge�bte Bolal�uferin wie sie ...� Kamchak lachte. �Albrecht war ein Narr, aber Tarl Cabot ist ein noch gr��erer.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Jeder, der sich in ein Sklavenm�dchen verliebt, ist ein Narr!�</p><p>�Vielleicht ist eines Tages auch Kamchak von den Tuchuks an der Reihe.�</p><p>Daraufhin warf Kamchak den Kopf in den Nacken und begann br�llend zu lachen. Als er sich wieder beruhigt hatte, schlug er mir auf die Schulter. �Komm, betrinken wir uns!�</p><p>�Aber morgen k�mpfst du auf der Ebene der Tausend Pf�hle � deshalb sollten wir lieber schlafen gehen!�</p><p>�Ich bin ein Tuchuk � also betrinke ich mich.� Wir spuckten dann um die Wette, um zu bestimmen, wer die Flasche Paga bezahlen mu�te. Er gewann, indem er beim Spucken schnell den Kopf drehte und seitlich zielte. Im Vergleich zu seiner Fertigkeit fiel mein Versuch deprimierend einfallslos und geradlinig aus. Der schlaue Tuchuk hatte mich nat�rlich zuerst spucken lassen.</p><p>Am Morgen darauf erreichten wir die Ebene der Tausend Pf�hle.</p><p>Trotz des wilden Abends schien Kamchak guter Laune zu sein, blickte sich pfeifend um und trommelte von Zeit zu Zeit einen kleinen Rhythmus auf seinem Sattel. Ich vermutete, da� Kamchak in Gedanken bei Aphris aus Turia war; offenbar rechnete er fest damit, dieses M�dchen zu gewinnen.</p><p>Ich wei� nicht, ob es auf der Ebene der Tausend Pf�hle wirklich tausend Pf�hle gibt � jedenfalls ist ihre Zahl sehr gro�. Diese Pf�hle, etwa zwei Meter hoch und vielleicht f�nfzehn Zentimeter im Durchmesser, stehen sich in zwei parallelen Reihen paarweise gegen�ber � der Zwischenraum zwischen den Reihen betr�gt etwa f�nfzehn Meter; innerhalb einer Reihe sind die Pf�hle rund zehn Meter voneinander entfernt. Die beiden Pfahlreihen erstrecken sich vier Pasang weit �ber die Pr�rie. Eine dieser Reihen liegt zur Stadt hin, die andere zu den Pr�rien. Wie ich feststellte, waren die Pf�hle k�rzlich bunt angemalt worden, jeder in anderen Farben und in verschiedenen Mustern. Es war ein farbiges Bild, ein Bild der Lebensfreude. Ich mu�te daran denken, da� zwischen diesen beiden Pfahlreihen in K�rze M�nner k�mpfen und sterben w�rden.</p><p>Ich bemerkte, da� Arbeiter an einigen Pf�hlen noch kleine Ringe anbrachten, etwa anderthalb Meter �ber dem Boden.</p><p>Ich h�rte einige Musiker, die etwa f�nfzig Meter hinter den turianischen Pf�hlen leichte Weisen spielten.</p><p>Zwischen den beiden Pfahlreihen war f�r jedes gegen�berliegende Pfahlpaar ein Kreis in das Gras gem�ht, ein Kreis, der etwa zweieinhalb Meter gro� war. Das Rund war mit Sand ausgelegt.</p><p>Zwischen den M�nnern der Wagenv�lker dr�ngten sich k�hn H�ndler aus Turia und verkauften Kuchen, Wein und Fleisch, auch Ketten und Sklavenkragen.</p><p>Kamchak warf einen Blick auf die Sonne, die ihren Himmelsweg etwa zu einem Viertel zur�ckgelegt hatte. �Die Turianer kommen immer zu sp�t�, sagte er.</p><p>�Sie kommen aber�, sagte ich und deutete auf eine Staubwolke. Bei den Tuchuks entdeckte ich jetzt den jungen Harold, den Hereena vom Ersten Wagen so herablassend behandelt hatte. Das M�dchen selbst war nicht zu sehen. Der junge Bursche machte auf mich einen guten Eindruck, auch wenn er keine Narbe trug. Das hatte zur Folge, da� er an den heutigen Wettk�mpfen nicht teilnehmen konnte � ohne Narbe durfte er auch nicht um eine freie Frau werben, einen eigenen Wagen besitzen oder mehr als f�nf Bosks und drei Kaiila sein Eigentum nennen. Die Mutnarbe hat also nicht nur eine k�mpferische, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Bedeutung.</p><p>Lange Reihen von Tharlarions n�herten sich von der Stadt. Die Morgensonne blitzte auf den Helmen der turianischen Krieger, auf ihren langen Lanzen und auf den Metallverst�rkungen ihrer ovalen Schilde. Ich h�rte das Dr�hnen der beiden Tharlariontrommeln, die die Geschwindigkeit der Prozession bestimmten � wie das Klopfen eines Herzens. Neben den Tharlarions schritten andere Bewaffnete und sogar B�rger Turias sowie weitere H�ndler und Musiker, die die Spiele sehen wollten.</p><p>Turia selbst zeigte sich in vollem Flaggenschmuck; auf den Mauern dr�ngten sich die Menschen, die die Wettk�mpfe zweifellos durch die langen Gl�ser der Kaste der Hausbauer beobachten wollten.</p><p>Etwa zweihundert Meter vor den Pfahlreihen zog sich die Formation der turianischen Krieger in die Breite, bis sie fast der L�nge der Pfahlreihen entsprach. Dann setzten sich auf ein pl�tzliches Signal der Trommel die m�chtigen Tharlarions in Bewegung, die Lanzen senkten sich, die Reiter begannen zu br�llen, und die ganze Reihe donnerte heran.</p><p>�Verrat!� br�llte ich.</p><p>Gegen den Angriff einer Tharlarionarmee gab es keinen Schutz.</p><p>Zu meiner Verbl�ffung schienen sich die Krieger der Wagenv�lker wenig um die gef�hrliche Lawine zu k�mmern, die sich ihnen n�herte. Einige feilschten gelassen mit den H�ndlern, andere unterhielten sich in aller Ruhe.</p><p>Elizabeth hatte die H�nde vor das Gesicht geschlagen, und ich machte Anstalten, sie auf meinen Sattel zu ziehen und die Flucht zu ergreifen.</p><p>�Also wirklich!� sagte Kamchak tadelnd.</p><p>Ich richtete mich auf und sah, da� die Kette der Tharlarionreiter zischend und stampfend haltgemacht hatte � etwa f�nfzehn Meter vor den Pf�hlen. �Ein alter turianischer Scherz�, sagte Kamchak. �Sie freuen sich ebenso auf die Spiele wie wir und wollen sich den Spa� nicht verderben.� Und er lachte.</p><p>Ich wandte mich verlegen ab.</p><p>In diesem Augenblick entstand Bewegung bei den Turianern, die lachend mit den Lanzen gegen ihre Schilde schlugen. Kaiilahufe donnerten hinter uns auf, und eine gro�e Anzahl langhaariger Reiter st�rmte in das Lager der Wagenv�lker.</p><p>Ja, sie waren gro�artig, die wilden M�dchen der Wagenv�lker, und ich sah, da� die stolze Hereena keine geringe Rolle unter ihnen spielte. Ihr Blick fiel auf Harold, neben dem sie von ihrer Kaiila sprang und ihm die Z�gel zuwarf. �Bring das Tier fort, Sklave�, sagte sie frech.</p><p>W�tend nahm er die Z�gel und f�hrte das Tier zur Seite.</p><p>Nun wurde es auch bei den Wagenv�lkern laut, als hinter den Reihen der Turianer verh�llte S�nften abgesetzt wurden, denen die Damen der Stadt entstiegen, um die es bei den Spielen gehen sollte.</p><p>Die Einrichtung des Liebeskrieges zwischen den Turianern und den Wagenv�lkern ist eine alte Tradition, �lter sogar als das Omenjahr. Die theoretische Begr�ndung f�r diese Spiele besteht f�r die Turianer darin, da� sich hier eine ausgezeichnete Gelegenheit bietet, die Wildheit und Geschicklichkeit turianischer Krieger unter Beweis zu stellen und so die k�hnen Krieger der Wagenv�lker zu entmutigen. Wahrscheinlich k�mpft der turianische Krieger gern und bringt im Kampf seine Frauen an sich. Die Turianer sind ohnehin der Meinung, da� ihre Krieger zu wenig mit den Wagenv�lkern k�mpfen, die sich als ausweichender Gegner erwiesen haben, schnell zuschlagend und schnell wieder in der Versenkung verschwunden. Ich fragte einmal Kamchak, ob auch die Wagenv�lker einen Grund f�r den Liebeskrieg h�tten. Er bejahte meine Frage und deutete lachend auf die Sklavenm�dchen Tenchika und Dina, die damals noch in seinem Wagen lebten. �Das ist der Grund�, sagte Kamchak. Jetzt erst ging mir auf, da� die beiden Sklavenm�dchen vielleicht bei einem Kampf im Liebeskrieg gewonnen worden waren.</p><p>Eine nach der anderen entstiegen die stolzen Damen Turias nun ihren S�nften, in Roben der Verh�llung gekleidet. Nicht jede durfte sich als Preis f�r die K�mpfe zur Verf�gung stellen; nach allgemeiner �bereinkunft konnten �berhaupt nur die sch�nsten ausgew�hlt werden.</p><p>Ich h�rte einen Schiedsrichter rufen: �Erster Pfahl! Aphris aus Turia!�</p><p>�Ha!� br�llte Kamchak und schlug mir so heftig auf den R�cken, da� ich fast aus dem Sattel gest�rzt w�re.</p><p>Ich war verbl�fft. Das turianische M�dchen mu�te wirklich von gro�er Sch�nheit sein, wenn sie f�r den Ersten Pfahl bestimmt wurde.</p><p>In ihrer wei�en und goldenen Robe wurde Aphris nun von dem Schiedsrichter zum ersten Pfahl auf der Seite der Wagenv�lker gef�hrt. Die Pr�riem�dchen w�rden an den Pf�hlen auf der Stadtseite stehen. So konnten die turianischen M�dchen ihre Stadt und ihre Krieger sehen, w�hrend die M�dchen der Wagenv�lker die Ebene und ihre K�mpfer betrachten konnten.</p><p>Ich sah, da� Hereena aus dem Ersten Wagen am Dritten Pfahl stand, obwohl die beiden Kassarm�dchen vor ihr nicht h�bscher zu sein schienen. Sie war dar�ber sichtlich erbost, konnte jedoch die Entscheidung der Schiedsrichter nicht anfechten.</p><p>Ich blickte die Pfahlreihen entlang. Die M�dchen der Wagenv�lker standen stolz vor ihren Pf�hlen, zuversichtlich, da� ihre K�mpfer, die noch nicht bestimmt waren, durch einen Sieg ihre R�ckkehr zum eigenen Volk sicherstellen w�rden; die M�dchen aus der Stadt taten ebenso gelassen, aber auch sie waren sicher aufgeregt.</p><p>Kamchak ritt auf seiner Kaiila durch die Menge auf den ersten Pfahl zu.</p><p>Ich folgte ihm.</p><p>Er beugte sich aus dem Sattel. �Guten Morgen, kleine Aphris�, sagte er.</p><p>Sie erstarrte, w�rdigte ihn aber keines Blicks. �Bist du zum Sterben bereit, Sleen?� fauchte sie.</p><p>�Nein�, sagte Kamchak. �Wie ich sehe, tr�gst du den Kragen nicht mehr. Aber das macht nichts � ich habe noch einen f�r dich.�</p><p>�Ich freue mich schon darauf, wenn du im Sand kniest, und Kamras aus Turia um den t�dlichen Streich bittest!�</p><p>�Die n�chste Nacht, kleine Aphris, wirst du im Dungsack verbringen, wie ich es dir versprochen habe.�</p><p>Er lachte laut und lenkte seine Kaiila weiter. Nun wurden die M�dchen auf beiden Seiten an den Pf�hlen festgemacht; sie mu�ten die H�nde durch die Ringe stecken, die sodann geschlossen wurden. Die Schl�ssel wurden an kleinen Haken �ber ihren K�pfen befestigt.</p><p>Ich sah, wie Aphris unauff�llig die H�nde in ihren Fesseln bewegte, um sie herauszuziehen; aber das ging nat�rlich nicht. Nun war es zu sp�t, aus dem Liebeskrieg auszusteigen.</p><p>�Sind die Frauen gefesselt?� fragte der Oberrichter, der auf einer kleinen Plattform am Ende der Pfahlreihen stand � in diesem Jahr auf der Seite der Wagenv�lker.</p><p>�Sie sind gefesselt!� t�nte es.</p><p>�Dann sollen sich die K�mpfer finden!� rief der Schiedsrichter.</p><p>Nun gerieten die Krieger der Wagenv�lker und die Turianer in Bewegung, str�mten in das Gebiet zwischen den Pfahlreihen. Die Pr�riem�dchen waren nat�rlich unverschleiert, was es den Turianern leicht machte. Die Krieger der Wagenv�lker mu�ten sich an die Schiedsrichter wenden, wenn sie ein turianisches M�dchen sehen wollten; diese l�fteten dann kurz den Schleier. Nat�rlich w�rde kein Angeh�riger der Wagenv�lker sein Leben f�r ein M�dchen riskieren, das er gar nicht gesehen hatte.</p><p>�Ich m�chte mir gern die hier ansehen�, sagte Kamchak und deutete mit dem Daumen auf Aphris.</p><p>�Erinnerst du dich nicht an mein Gesicht, Sleen!� fauchte die Verschleierte.</p><p>�Mein Ged�chtnis ist nicht mehr gut�, sagte Kamchak. �Hier begegnen einem so viele Gesichter.�</p><p>Der Schiedsrichter l�ste Aphris� wei�en und goldenen Schleier. Das M�dchen war wirklich unglaublich sch�n.</p><p>�Was meinst du?� fragte mich Kamchak.</p><p>�Sie ist gro�artig�, sagte ich.</p><p>�Wahrscheinlich gibt es noch bessere weiter unten�, sagte Kamchak. �Sehen wir uns lieber erst noch mal um.�</p><p>Aphris Gesicht r�tete sich vor Zorn, und sie schrie hinter ihm her: �Komm zur�ck, du Sleen!�</p><p>�Willst du nicht f�r sie k�mpfen?� fragte ich Kamchak.</p><p>�Aber nat�rlich�, grinste er.</p><p>Trotzdem schauten wir uns nacheinander alle turianischen M�dchen an und kehrten erst nach langer Zeit an den Anfang der Pfahlreihen zur�ck.</p><p>�Ein trauriger Haufen dieses Jahr�, wandte sich Kamchak an Aphris.</p><p>�K�mpfe f�r mich!�</p><p>�M�chtest du das?� fragte Kamchak interessiert.</p><p>Sie zitterte vor Wut. �Ja! Ich m�chte es!�</p><p>�Na gut�, sagte Kamchak. �Dann k�mpfe ich f�r dich.�</p><p>Es wollte mir scheinen, als lehnte sich Aphris aus Turia erleichtert gegen ihren Pfahl. Sie musterte Kamchak erfreut. �Du wirst vor meinen F��en sterben.�</p><p>Kamchak zuckte die Achseln, ohne die M�glichkeit zu verneinen. Dann wandte er sich an den Schiedsrichter: �Will sonst noch jemand f�r sie k�mpfen?�</p><p>�Nein�, sagte der Schiedsrichter.</p><p>Wollen mehr als zwei M�nner f�r ein M�dchen k�mpfen, entscheidet gew�hnlich Rang und Ansehen �ber den Vortritt; es ist verp�nt, da� sich etwa zwei Angeh�rige der Wagenv�lker um ein M�dchen schlagen � besonders in Anwesenheit des Feindes.</p><p>�Dann scheint sie ja ziemlich unansehnlich zu sein�, bemerkte Kamchak.</p><p>�Nein�, sagte der Schiedsrichter. �Es liegt daran, da� Kamras sie verteidigt.�</p><p>�O nein!� rief Kamchak sichtlich erschrocken und fuhr zur�ck.</p><p>�Du wirst dich doch noch erinnern?� lachte Aphris h�hnisch.</p><p>�Ich habe damals viel Paga getrunken�, gestand Kamchak.</p><p>�Du brauchst nicht zu k�mpfen�, sagte der Richter, �dann f�llt ihm das Kassarm�dchen zu.�</p><p>Diese Aussicht schmeckte dem Kassarm�dchen, das Aphris gegen�berstand, offenbar ganz und gar nicht. Sie blickte Kamchak erschrocken und flehend an.</p><p>Der zuckte die Achseln. �Na gut, dann k�mpfe ich.�</p><p>�Du bist ein Narr�, sagte Kamras aus Turia.</p><p>Ich zuckte etwas zusammen, denn ich hatte nicht gemerkt, da� der Turianer so dicht hinter uns gestanden hatte. Er bot wirklich ein eindrucksvolles Bild. Er wirkte stark und schnell. Das lange schwarze Haar hatte er hinter dem Kopf zusammengebunden. Seine kraftvollen Handgelenke waren mit Boskleder umwickelt. In seiner Rechten trug er einen Speer und �ber der Schulter ein kurzes Schwert. Er �berragte Kamchak um Hauptesl�nge.</p><p>�Beim Himmel�, sagte dieser und pfiff durch die Z�hne, �du bist wirklich ein gro�er Bursche.�</p><p>�Fangen wir an�, forderte Kamras ungeduldig. Daraufhin lie� der Schiedsrichter den Kreis zwischen Aphris und dem Kassarm�dchen frei machen. Zwei M�nner kamen mit Harken und s�uberten den Ring.</p><p>Zu Kamchaks Pech waren in diesem Jahr die Turianer mit der Waffenwahl an der Reihe. Gl�cklicherweise konnte aber der Krieger der Wagenv�lker vom Kampf zur�cktreten, solange sein Name in den offiziellen Listen der Spiele noch nicht eingetragen war. W�hlte Kamras also eine Waffe, mit der Kamchak nicht zurechtkam, konnte der Tuchuk den Kampf ablehnen, womit das Kassarm�dchen allerdings verloren war.</p><p>�Ah ja � die Waffen�, sagte Kamchak. �Was nehmen wir denn � die Kaiilalanze, Peitsche und Bola, vielleicht die Quiva?�</p><p>�Schwert�, sagte Kamras hart.</p><p>Diese Entscheidung st�rzte mich in Verzweiflung. Seit ich bei den Wagenv�lkern war, hatte ich noch keines von den goreanischen Kurzschwertern gesehen, die in den St�dten so beliebt sind � wahrscheinlich, weil sich diese Waffe vom R�cken einer Kaiila aus nicht gut einsetzen l��t, so war denn zu erwarten, da� der arme Kamchak mit dem Schwert sicherlich wenig vertraut war. Gew�hnlich w�hlen turianische Krieger bei den K�mpfen des Liebeskrieges Morgenstern und Dolch, Axt und Morgenstern, Dolch und Peitsche, Axt und Netz oder zwei Dolche � mit der Einschr�nkung, da� die Quiva nicht geschleudert werden darf.</p><p>Kamras schien fest entschlossen. �Das Schwert�, wiederholte er.</p><p>�Aber ich bin doch nur ein armer Tuchuk�, jammerte Kamchak.</p><p>Kamras lachte. �Es bleibt dabei�, sagte er.</p><p>�Aber wie soll ich mich mit dem Schwert verteidigen � ich, ein armer Tuchuk?�</p><p>Kamras l�chelte voller Verachtung. �Ich will gro�z�gig sein � verzichte auf den Kampf!�</p><p>�K�mpfe, dreckiger Tuchuk!� w�tete Aphris und zerrte an ihren Ringen.</p><p>�La� ihm den Ausweg�, sagte Kamras. �Ganz Gor wird �ber ihn lachen � und das ist deine Rache.�</p><p>�Ich will, da� er stirbt!� schrie Aphris. �Er soll vor mir im Staub verbluten!�</p><p>Kamras zuckte die Achseln. �Na gut, dann t�te ich ihn.� Er wandte sich an Kamchak. �Ich gestatte dir, eine Waffe zu w�hlen, die uns beiden recht ist.�</p><p>�Vielleicht k�mpfe ich ja gar nicht�, sagte Kamchak.</p><p>Kamras ballte die F�uste. �Gut, wie du willst.�</p><p>�Aber vielleicht k�mpfe ich doch�, sagte Kamchak schnell. �Gut, ich k�mpfe!� setzte er nach einer kleinen Pause hinzu.</p><p>Die beiden M�dchen stie�en einen Freudenschrei aus.</p><p>Der Schiedsrichter trug Kamras und Kamchak in seine Listen ein.</p><p>�Welche Waffe w�hlt ihr?� fragte der Schiedsrichter. �Denkt daran, beide m�ssen mit der Wahl einverstanden sein.�</p><p>Kamchak wiegte gedankenverloren den Kopf und blickte schlie�lich seinen Gegner an. �Ich habe mich schon �fter gefragt, wie es ist, wenn man so ein Schwert h�lt.�</p><p>Der Schiedsrichter lie� fast seine Liste fallen.</p><p>�Ich nehme das Schwert�, sagte Kamchak kurzentschlossen.</p><p>Das Kassarm�dchen st�hnte laut auf.</p><p>Kamras blickte Aphris aus Turia an. Er schien sprachlos zu sein. Auch das M�dchen wu�te nichts zu sagen. �Er ist wahnsinnig�, brachte Kamras schlie�lich heraus.</p><p>�Tritt zur�ck�, sagte ich zu Kamchak.</p><p>�Zu sp�t�, sagte der Richter.</p><p>�Zu sp�t�, sagte Kamchak unschuldig und warf mir einen bedauernden Blick zu.</p><p>Innerlich st�hnte ich auf, denn in den letzten Monaten hatte ich den mutigen, schlauen Tuchuk sehr ins Herz geschlossen.</p><p>Schwerter wurden gebracht, goreanische Kurzschwerter, die in Ar geschmiedet worden waren.</p><p>Kamchak nahm seine Waffe zur Hand, als handelte es sich um einen Wagenhebel, der dazu dient, festgefahrene Wagen aus dem Schlamm zu stemmen.</p><p>Kamras und ich blickten uns entsetzt an.</p><p>Was Kamras nun sagte, mu� ich ihm hoch anrechnen. Er wandte sich an Kamchak: �Tritt zur�ck.� Ich konnte ihn verstehen, er war ein Krieger und kein Schl�chter.</p><p>�Zu meinen F��en soll er verbluten!� fauchte die sanfte Aphris aus Turia. �Ein Goldst�ck f�r jeden Stich, Kamras!� rief sie.</p><p>Kamchak fuhr mit dem Daumen �ber die Klinge. Ich sah, wie sich die Haut spaltete und ein dicker Blutstropfen hervortrat.</p><p>Er blickte auf. �Scharf�, sagte er bewundernd.</p><p>�Ja�, sagte ich ersch�pft und wandte mich ab. �Darf ich f�r ihn k�mpfen?� fragte ich den Schiedsrichter.</p><p>�Das ist nicht gestattet�, erwiderte der Mann.</p><p>�Aber es w�re eine gute L�sung�, sagte Kamras.</p><p>Ich packte Kamchak an den Schultern. �Kamras will dich nicht abschlachten�, sagte ich. Es gen�gt ihm, dich zu besch�men. Tritt zur�ck.�</p><p>Pl�tzlich blitzte mich Kamchak an. �M�chtest du, da� ich in Schande zur�cktrete?�</p><p>�Es ist besser, in Schande zur�ckzutreten, als tot zu sein.�</p><p>�Nein�, sagte er, �besser tot als in Schande zu leben.�</p><p>Ich lie� ihn in Ruhe. Er war ein Tuchuk. Er w�rde mir sicher sehr fehlen, dieser wilde, trinkfeste, stampfende, tanzende Kamchak von den Tuchuks.</p><p>Im letzten Augenblick rief ich ihm zu: �Um der Priesterk�nige willen � du mu�t die Waffe so halten!� Und ich versuchte ihm einen einfachen Griff zu zeigen, der ihm sowohl den Angriff als auch die Verteidigung gestattete. Aber als ich zur�cktrat, hielt er seine Waffe wie eine goreanische S�ge.</p><p>Auch Kamras schlo� kurz die Augen, als k�nne er diesen Anblick nicht ertragen. Ich machte mir klar, da� Kamras den Tuchuk hatte erniedrigen wollen � er versp�rte keinen Wunsch, den ungeschickten Tuchuk zu t�ten, der ja praktisch wehrlos war.</p><p>�Der Kampf soll beginnen�, sagte der Schiedsrichter.</p><p>Ich trat zur�ck, und Kamras n�herte sich vorsichtig seinem Gegner.</p><p>Kamchak betrachtete die Kante seines Schwertes, drehte es hin und her und besch�ftigte sich offenbar vergn�gt mit den Reflexionen der Sonnenstrahlen auf dem Stahl.</p><p>�Pa� auf!� br�llte ich.</p><p>Kamchak wandte sich um, um zu sehen, was ich meinte, und zu seinem Gl�ck blitzte in diesem Augenblick der Lichtreflex genau in Kamras� Augen, der pl�tzlich den Arm hochwarf und blinzelnd den Kopf sch�ttelte. Er konnte nichts sehen.</p><p>�Schlag zu!� kreischte ich.</p><p>�Was?� fragte Kamchak.</p><p>�Pa� auf!� br�llte ich, denn Kamras ging erneut vor.</p><p>Kamras hatte nat�rlich die Sonne im R�cken, was ihm so selbstverst�ndlich war wie einem Tarn, der seine Beute angeht.</p><p>Kamchak hatte unglaubliches Gl�ck, da� die Klinge im rechten Augenblick aufgeblitzt war. Das hatte ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Kamras ging zum Angriff �ber, und es sah aus, als w�rfe Kamchak im letzten Augenblick den Arm hoch, als verl�re er das Gleichgewicht, und tats�chlich hoppelte er pl�tzlich nur noch auf einem Stiefel herum. Ich bemerkte kaum, wie Kamras� Schlag heftig pariert wurde. Kamras begann seinen Gegner nun im Ring herumzujagen. Kamchak stolperte fast r�ckw�rts aus dem Kreis und versuchte sein Gleichgewicht wiederzugewinnen. Bei seiner Verfolgung hatte Kamras ein Dutzendmal recht ungeschickt zugeschlagen, wobei Kamchak zu meiner Verbl�ffung jeden Schlag hatte abwehren k�nnen; er hielt sein Schwert jetzt wie einen Pr�gel.</p><p>�T�te ihn!� kreischte Aphris aus Turia.</p><p>Ich war in Versuchung, mich abzuwenden.</p><p>Das Kassarm�dchen wimmerte vor Entt�uschung.</p><p>Als sei er erm�det, setzte sich Kamchak pl�tzlich schweratmend in den Sand. Das Schwert hatte er vor das Gesicht gehoben, wo es ihn offensichtlich beim Sehen behinderte. Mit den Stiefeln drehte er sich im Kreis, so da� er stets Kamras ansah, aus welcher Richtung dieser auch angriff. Immer wieder schlug der Turianer zu, und ich erwartete bei jedem Hieb, Kamchak tot umsinken zu sehen, und jedesmal wollte mir das Herz in der Brust stocken, doch � ich verstand es nicht � stets im letzten Augenblick wehrte Kamchak mit einem m�den kleinen Zucken seiner Klinge den Aufprall ab, so da� der turianische Stahl harmlos zur Seite glitt. Erst jetzt d�mmerte mir, da� Kamchak nun schon seit drei oder vier Minuten das Ziel eines immer heftiger werdenden Angriffs war � eines Angriffs durch den Ersten K�mpfer Turias �, ohne da� er bis zu diesem Moment auch nur einen Kratzer davongetragen hatte.</p><p>Nun rappelte sich Kamchak m�de wieder auf.</p><p>�Stirb, Tuchuk!� br�llte Kamras, der nun seine Wut kaum noch z�geln konnte und seinen Gegner best�rmte. �ber eine Minute lang � ich wagte kaum zu atmen, und ringsum herrschte Stille bis auf das grelle Klirren der Waffen, � hielt Kamchak schwerf�llig stand, den Kopf eingezogen der K�rper fast unbeweglich � bis auf die schnellen Bewegungen seines Arms und das Zucken seines Handgelenks.</p><p>Kamras, ersch�pft, kaum noch in der Lage, das Schwert zu heben, stolperte zur�ck.</p><p>Wieder zuckten die Sonnenstrahlen auf Kamchaks Schwert und stachen seinem Gegner direkt in die Augen.</p><p>Entsetzt sch�ttelte Kamras den Kopf und blinzelte, schlug wild mit dem Schwert um sich.</p><p>Dann stampfte Kamchak schwerf�llig auf ihn zu. Ich sah, wie Kamras die ersten Wunden hinnehmen mu�te, zuerst an der Wange, dann am linken Arm, dann am Bein, dann an einem Ohr.</p><p>�T�te ihn!� kreischte Aphris. �T�te ihn!�</p><p>Doch jetzt k�mpfte Kamras wie ein Betrunkener um sein Leben, und der Tuchuk folgte ihm wie ein B�r �berallhin � er bewegte sich nicht mehr als n�tig, schlurfte durch den Sand, verwundete Kamras immer wieder mit seiner Klinge.</p><p>�T�te ihn!� heulte Aphris aus Turia.</p><p>Etwa eine Viertelstunde lang setzte Kamchak seinem Gegner nach, brachte ihm immer neue Wunden bei. Und dann sah ich zur �berraschung aller Kamras, den Ersten K�mpfer Turias, geschw�cht vom Blutverlust in die Knie sinken. Der Tuchuk stand �ber ihm. Kamras versuchte sein Schwert zu heben, doch Kamchaks Stiefel dr�ckte es in den Sand, und Kamras starrte bet�ubt in das unergr�ndliche, narbige Gesicht des Tuchuks. Kamchaks Schwert lag ihm am Hals. �Sechs Jahre vor meiner ersten Narbe�, sagte Kamchak, �war ich S�ldner bei den W�chtern von Ar und erkundete f�r mein Volk die Mauern und Verteidigungsanlagen dieser Stadt. Damals war ich Erster Schwertk�mpfer der Wachen.�</p><p>Kamras fiel zu seinen F��en in den Sand, er war zu schwach, um um Gnade zu bitten.</p><p>Kamchak t�tete ihn nicht.</p><p>Er warf sein Schwert in den Sand, und obwohl er es nur von sich warf, grub es sich bis fast zum Griff in den Ring. Er blickte mich an und grinste. �Eine interessante Waffe�, versicherte er, �aber ich ziehe Lanze und Quiva vor.�</p><p>Jubelgeschrei wurde laut, und Lanzen wurden gegen Lederschilde geschlagen. Ich eilte zu Kamchak und warf ihm die Arme um die Schultern und dr�ckte ihn lachend an mich. Er grinste von einem Ohr zum anderen.</p><p>Dann wandte er sich um und n�herte sich dem Pfahl Aphris�, die ihm sprachlos vor Entsetzen entgegenblickte.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Sekunden sp�ter stand Aphris aus Turia in all ihrer Sch�nheit vor uns. �Bitte nein, Tuchuk!� flehte sie. �Bitte nicht!�</p><p>Kamchak machte Aphris vom Pfahl los und legte ihr eine Sklavenfessel an.</p><p>�Ich sehe, da� du mit Sklavinnen umzugehen verstehst�, sagte eine Stimme.</p><p>Ich wandte mich um und erblickte eine juwelenbesetzte S�nfte, von der Saphrar auf uns herabblickte. Aphris err�tete bis hinter die Ohren.</p><p>Obwohl dies doch ein schwarzer Tag f�r ihn sein mu�te, l�chelte Saphrar vor Vergn�gen.</p><p>�Saphrar!� rief das M�dchen verzweifelt.</p><p>Der Kaufmann sah das M�dchen an. Er nahm von einem Seidenkissen ein kleines Brillenglas und betrachtete die Gestalt des M�dchens eingehend.</p><p>�Aphris!� rief er, als sei er entsetzt; dabei l�chelte er weiter.</p><p>�Saphrar!� weinte sie. �Befreie mich!�</p><p>�Eine Katastrophe!� klagte Saphrar, aber noch immer sah ich die Spitzen seiner goldenen Schneidez�hne.</p><p>Kamchak hatte einen Arm um meine Schulter gelegt und lachte leise. �Der Kleinen steht eine �berraschung bevor�, fl�sterte er.</p><p>Aphris wandte sich an Kamchak. �Ich bin die reichste Frau in Turia�, sagte sie. �Was ist dein Preis?�</p><p>Kamchak sah mich an. �Glaubst du, f�nf Goldst�cke w�ren zuviel?� fragte er.</p><p>Ich war �berrascht.</p><p>Aphris wu�te nicht, was sie sagen sollte. Dann wandte sie sich an Saphrar. �Kauf mich zur�ck!� verlangte sie. �Wenn n�tig, setzt mein ganzes Verm�gen ein, alles! Befreie mich!�</p><p>�Aber Aphris�, brummte Saphrar tadelnd. �Ich bin Verwalter deines Verm�gens � und deine Besitzt�mer f�r eine Sklavin einzuhandeln, w�re eine h�chst unkluge und unverantwortliche Entscheidung.�</p><p>Aphris starrte ihn sprachlos an. �Es stimmt, da� du die reichste Frau in Turia � warst�, sagte Saphrar, �aber dein Verm�gen steht unter meiner Verwaltung, bis du vollj�hrig bist, und das ist erst in ein paar Tagen der Fall. Stimmt es, da� du � wenn du vollj�hrig w�rst � all deine Verm�genswerte einem Tuchuk in den Rachen werfen w�rdest, nur um wieder freizukommen?�</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Wie gut also, da� eine solche Transaktion durch das Gesetz verhindert wird. Du wei�t sicher, da� eine Sklavin keinen Besitz haben darf.�</p><p>�Ich bin die reichste Frau in Turia!� rief sie.</p><p>�Das warst du!�</p><p>�Ich bitte dich � kaufe mich frei, kaufe mich! Bitte!�</p><p>Saphrar l�chelte sie g�tig an und fragte Kamchak: �Wie war doch gleich ihr Preis, Tuchuk?�</p><p>�Ich hab� ihn gesenkt�, sagte Kamchak. �Ich �berlasse sie dir f�r eine kupferne Tarnm�nze.�</p><p>�Das ist zuviel�, sagte Saphrar l�chelnd.</p><p>Aphris brach schluchzend zusammen.</p><p>Saphrar gab seinen Sklaven ein Zeichen, die S�nfte aufzunehmen und weiterzutragen.</p><p>Kamchak lachte. Er hatte lange auf dieses Lachen warten m�ssen, auf seinen Sieg �ber das M�dchen, das ihn vor zwei Jahren t�dlich beleidigt hatte.</p><p>Wie wir am Abend im Lager erfuhren, hatten die Wagenv�lker bei den Spielen des Liebeskrieges diesmal �berdurchschnittlich gut abgeschnitten. Etwa siebzig Prozent der turianischen Frauen waren als Sklavinnen von den Pf�hlen fortgef�hrt worden. In den vorangegangenen Jahren war das Verh�ltnis umgekehrt gewesen. Wir erfuhren auch, da� Hereena vom Ersten Wagen von einem turianischen Offizier gewonnen worden war, der f�r das Haus Saphrars des Kaufmanns k�mpfte. Wahrscheinlich wurde sie ihm zum Geschenk gemacht.</p><p>Nachdem wir Elizabeth und Aphris am Wagen zur�ckgelassen hatten, wanderten wir zum Sklavenwagen, wo wir um eine Flasche Paga wetteten.</p><p>�Nach dem Flug der V�gel?� fragte Kamchak.</p><p>�Einverstanden�, sagte ich, �aber ich darf zuerst raten.�</p><p>�Na gut.�</p><p>Ich wu�te nat�rlich, da� wir jetzt Fr�hling hatten und da� die meisten Zugv�gel in dieser Jahreszeit nach S�den flogen. �S�den�, sagte ich.</p><p>�Norden�, sagte er.</p><p>Als wir etwa eine Minute gewartet hatten, entdeckte ich mehrere V�gel � Flu�m�wen �, die nach Norden flogen.</p><p>�Das sind Voskm�wen�, erkl�rte Kamchak. �Im Fr�hling, wenn das Eis des Vosk bricht, fliegen sie nach Norden.�</p><p>Ich holte einige M�nzen aus meinem Geldbeutel.</p><p>Eine Stunde sp�ter kehrten wir singend zu Kamchaks Wagen zur�ck.</p><p>Elizabeth hatte das Abendessen bereit.</p><p>�Das Fleisch ist verbrannt�, stellte Kamchak fest.</p><p>�Ihr seid ja auch sp�t dran�, bemerkte Aphris.</p><p>�Das Fleisch ist verbrannt�, knurrte Kamchak.</p><p>�Ich mache frisches�, sagte Elizabeth und stand auf.</p><p>�Habt ihr euch um die Bosks gek�mmert, wie ich�s euch befohlen habe?� fragte der Tuchuk.</p><p>�Ja�, erwiderte Elizabeth.</p><p>Aphris schnaubte nur durch die Nase.</p><p>W�hrend des Essens sa� Kamchak wie so oft auf einem eckigen Gebilde, das mich an einen grauen Stein erinnerte. Es lag zwischen den Sachen, die Kamchak in seinem Wagen aufbewahrte � Schatullen, Truhen, Stoffballen � und einmal hatte er mir das Ding mit dem Fu� her�bergesto�en, damit ich es mir ans�he. Es kollerte �ber den Teppich, und ich war �berrascht, wie leicht es war. Es f�hlte sich an, als sei es aus irgendeinem Leder und hatte eine k�rnige Oberfl�che.</p><p>�Was h�ltst du davon?� fragte Kamchak.</p><p>�Interessant�, bemerkte ich.</p><p>�Ja�, sagte er. �Das dachte ich mir.� Er breitete seine Arme aus, und ich warf ihm das Ding wieder zu. �Ich habe es schon einige Zeit. Zwei Reisende haben es mir gegeben.�</p><p>�Oh�, sagte ich.</p><p>Als Kamchak sein frisch ger�stetes Fleisch verzehrte und seine Flasche Boskmilch geleert hatte, sch�ttelte er den Kopf. Dann wandte er sich an Elizabeth: �Du kannst im Wagen schlafen.�</p><p>Aphris musterte das andere M�dchen mit finsterem Blick. �Wenn sie dir dienen will � bitte sch�n. Ich werde die erste Gelegenheit ergreifen, um zu fliehen.�</p><p>�Nimm dich vor dem Herdensleen in acht�, sagte Kamchak.</p><p>Aphris erbleichte.</p><p>�Wenn du nachts das Lager verlassen willst, sp�ren sie dich auf und rei�en meine kleine h�bsche Sklavin in Fetzen.�</p><p>�Das stimmt�, sagte ich warnend zu Aphris.</p><p>�Trotzdem werde ich fliehen.�</p><p>�Aber heute nacht noch nicht!� sagte Kamchak lachend.</p><p>�Nein�, sagte Aphris heftig. Sie sah sich um. Ihr Blick blieb eine Augenblick an dem Kaiilasattel h�ngen, der zu dem Preis geh�rte, den Kamchak f�r Tenchika erzielt hatte. Im Sattel steckten sieben Quivas. Aphris wandte sich wieder an Kamchak. �Diese Sklavin�, sagte sie ver�chtlich und deutete auf Elizabeth, �wollte mir nichts zu essen geben.�</p><p>�Kamchak mu� zuerst essen, Sklavin�, erwiderte Elizabeth.</p><p>�Na und?� sagte Aphris. �Jetzt hat er gegessen.�</p><p>Kamchak nahm ein St�ck Fleisch, das von seiner Mahlzeit �briggeblieben war, und hielt es dem M�dchen hin. �I߫, sagte er.</p><p>Aphris blickte ihn w�tend an und l�chelte dann. �Aber ja�, sagte sie. Die stolze Aphris aus Turia beugte sich vor, um das Fleisch zu essen, das ihr Herr ihr hinhielt. Ihre h�bschen wei�en Z�hne gruben sich in seine Hand.</p><p>�Aii!� kreischte er, fuhr auf und steckte seine blutende Hand in den Mund.</p><p>Elizabeth und ich waren aufgesprungen.</p><p>Aphris hatte sich umgedreht und war zu dem Kaiilasattel mit den sieben Quivas gelaufen. Eine der Waffen hatte sie herausgezogen und stand uns nun mit der Klinge gegen�ber. Sie zitterte vor Wut.</p><p>Kamchak setzte sich wieder, wobei er noch immer an seiner Hand saugte. Auch ich setzte mich.</p><p>Wir lie�en Aphris einfach stehen, die atemlos das Messer umklammerte.</p><p>�Sleen!� fauchte das M�dchen. �Ich habe ein Messer.�</p><p>Kamchak k�mmerte sich nicht mehr um sie, sondern betrachtete seine Hand. Er stellte fest, da� die Wunde nicht weiter schlimm war, nahm das Fleischst�ck zur Hand, das er hatte fallen lassen, und warf es Elizabeth zu, die schweigend zu essen begann. Dann deutete er auf die �berreste des verschmorten Fleisches zum Zeichen, da� sie essen k�nnte.</p><p>�Ich habe ein Messer!� wiederholte Aphris aufgebracht. Kamchak reinigte sich mit einem Fingernagel die Z�hne. �Bring Wein�, sagte er zu Elizabeth, die mit vollem Mund losging und eine kleine Weinhaut und eine Schale brachte, die sie f�r ihn f�llte. Als Kamchak getrunken hatte, schaute er Aphris an. �Was du getan hast, hat normalerweise eine strenge Strafe zur Folge.�</p><p>�Da bringe ich mich lieber gleich um�, schrie Aphris.</p><p>Kamchak zuckte die Achseln.</p><p>Das M�dchen machte ihre Drohung nicht wahr. �Nein�, fauchte sie, �ich t�te dich!�</p><p>�Das ist schon besser�, nickte Kamchak.</p><p>�Ich habe ein Messer!�</p><p>�Offensichtlich�, sagte Kamchak. Er stand auf, ging mit schweren Schritten zu einer Zeltwand und nahm eine Sklavenpeitsche von einem Haken.</p><p>Er wandte sich dem M�dchen zu.</p><p>�Sleen!� heulte sie. Sie warf die Hand mit dem Messer zur�ck und st�rzte sich auf ihn, um ihm die Waffe ins Herz zu sto�en, doch ehe sie ihren Lauf vollenden konnte, wickelte sich die Peitschenschnur knallend um ihren Unterarm. Das turianische M�dchen schrie auf, die Peitsche ri� sie von den Beinen, und die Quiva glitt �ber den Boden.</p><p>Kamchak zerrte das M�dchen hoch, warf es sich �ber die Schulter und verlie� mit ihr den Wagen.</p><p>�Du gehst jetzt zu Bett!� knurrte er. �Denk daran, was ich dir beim Bankett versprochen habe!�</p><p>Ich folgte ihm und sah zu, wie Kamchak den gro�en Dungsack am linken Hinterrad des Wagens �ffnete.</p><p>Aphris strampelte verzweifelt. �Nein! Nein!�</p><p>Im n�chsten Augenblick verschwand das M�dchen kopf�ber in dem gro�en Ledersack. Kamchak zog die Schn�re zu und richtete sich langsam auf. �Ich bin m�de�, sagte er. �Es war ein anstrengender Tag.�</p><p>Ich stieg hinter ihm in den Wagen, wo wir uns nach kurzer Zeit zum Schlafen niederlegten.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>In den n�chsten Tagen strich ich mehrmals in der N�he des riesigen Wagens Kutaituchiks herum. Mehr als einmal verscheuchten mich die W�chter. Ich wu�te, da� sich in diesem Wagen die goldene Kugel, zweifellos das Ei der Priesterk�nige befinden mu�te, wenn Saphrars Informationen stimmten.</p><p>Ich machte mir klar, da� ich mir irgendwie Zugang zu dem Wagen verschaffen, die Kugel an mich bringen und sie ins Sardargebirge transportieren mu�te. Jetzt h�tte ich einiges f�r einen Tarn gegeben. Meine Kaiila n�tzte mir wenig; ich war sicher, da� man mich schnell eingeholt h�tte, wenn die Verfolger, wie es bei den Wagenv�lkern �blich ist, jeweils einige frische Tiere mitf�hrten. Meine Kaiila w�rde schnell erm�den, und ich w�re erledigt.</p><p>Die Pr�rie erstreckte sich auf Hunderte von Pasang in alle Richtungen. Deckung gab es kaum.</p><p>Nat�rlich war es denkbar, da� ich Kutaituchik oder Kamchak meine Mission offenbarte und dann einfach auf das Beste hoffte, aber ich erinnerte mich, da� Kamchak zu Saphrar gesagt hatte, die Tuchuks w�ren stolz auf die goldene Kugel; ich hatte also keine Hoffnung, ihnen das Ding abzuschwatzen. Ebensowenig verf�gte ich �ber ein Verm�gen wie Saphrar, um das Ei zu kaufen, wobei nicht einmal Saphrars konkrete Angebote auf Gegenliebe gesto�en waren.</p><p>Dennoch wollte ich mich nicht wie ein Dieb in den Wagen Kutaituchiks schleichen, denn die Tuchuks hatten mich auf ihre grobe Art in ihrer Mitte aufgenommen � besonders der ungeschliffene, lachende, schlaue Kamchak, in dessen Wagen ich wohnte. Es schien mir ungerecht, die Gastfreundschaft der Tuchuks zu mi�brauchen, indem ich einen Gegenstand an mich brachte, den sie offenbar selbst sehr hoch einsch�tzten. Ich fragte mich, ob einer der Tuchuks ahnte, wie gro� der Wert dieser goldenen Kugel wirklich war, die zweifellos die letzte Hoffnung des Volkes der Priesterk�nige barg. In Turia hatte ich leider keine Antwort auf das R�tsel des Briefkragens gefunden � auch nicht �ber das seltsame Auftauchen von Mi� Elizabeth Cardwell auf den s�dlichen Ebenen Gors. Ich hatte jedoch zuf�llig den Aufbewahrungsort der goldenen Kugel herausbekommen und wu�te, da� Saphrar, ein Mann der Macht, ebenfalls daran interessiert war. Diese Informationen waren nicht zu untersch�tzen. Ich fragte mich, ob vielleicht Saphrar der Schl�ssel des Geheimnisses war, dem ich mich gegen�bersah. Das schien mir nicht unm�glich. Wie konnte es sein, da� er, ein Kaufmann Turias, von der goldenen Kugel wu�te? Wie war es m�glich, da� er, offenbar ein schlauer und intelligenter Mann, ein Verm�gen f�r etwas ausgeben wollte, das er nur eine Kuriosit�t nannte? Hier schien etwas nicht in �bereinstimmung zu sein mit der rationalen Gier kaufm�nnischer Kalkulation, etwas, das selbst �ber die Verblendung eines begeisterten Sammlers hinausging � der zu sein er behauptete. Was immer Saphrar, Kaufmann aus Turia, sein mochte � ein Narr war er sicher nicht. Er oder jene, f�r die er arbeitete, mu�ten ahnen � oder wissen �, worum es sich bei der goldenen Kugel handelte. Wenn dies zutraf � was ich f�r wahrscheinlich hielt �, dann mu�te ich das Ei so schnell wie m�glich an mich bringen und es nach M�glichkeit in das Sardargebirge schaffen. Ich hatte keine Zeit mehr zu verlieren. Aber wie sollte ich mein Werk beginnen?</p><p>Ich kam zu dem Schlu�, da� die beste Gelegenheit f�r den Diebstahl die Tage der Omenfindung sein w�rden. Zu dieser Zeit hielten sich Kutaituchik und andere hohe Pers�nlichkeiten der Tuchuks � zweifellos auch Kamchak � in den flachen H�geln rings um das Omental auf, in dem auf Hunderten von Steinalt�ren die Haruspexe der vier Wagenv�lker ihrem geheimnisvollen Beruf nachgingen und die Omen befragten, um zu bestimmen, ob die Zeit richtig war f�r die Wahl eines Ubar San, eines Hohen Ubar f�r alle Wagenv�lker. Wenn so ein Mann gew�hlt wurde, dann hoffte ich zum Besten der Wagenv�lker, da� die Wahl nicht auf Kutaituchik fiel. Er war bestimmt einmal ein gro�er Mann gewesen und ein vorz�glicher Krieger, aber nun war er nur noch schl�frig und dick und dachte allenfalls an den Inhalt seines goldenen Kandakastens. Andererseits mochte eine solche Wahl im Sinne der goreanischen St�dte liegen; unter Kutaituchik zogen die Wagen bestimmt nicht nach Norden, nicht einmal vor die Tore Turias. Dann �berlegte ich, da� es wahrscheinlich gar nicht zu der Wahl kommen w�rde � es hatte seit �ber hundert Jahren keinen Ubar San mehr gegeben � und die Wagenv�lker in ihrer Wildheit und Unabh�ngigkeit gar keinen Ubar San mehr haben wollten.</p><p>Wie schon mehrmals zuvor fiel mir pl�tzlich eine maskierte Gestalt auf, die mir �berallhin zu folgen schien � ein Mann in der Tracht des Klans der Folterer. Ich nahm an, da� er neugierig war, weil ich, obwohl weder H�ndler noch S�nger, bei den Wagen lebte. Wenn ich den Mann anschaute, wandte er sich ab. Vielleicht bildete ich mir auch nur ein, da� er mich verfolgte. Eimal beschlo� ich, mich umzudrehen und ihn auszufragen, aber er war verschwunden.</p><p>Ich kehrte zu Kamchaks Wagen zur�ck. Ich freute mich auf den Abend.</p><p>An jenem Abend f�hrte ein Sklavenm�dchen den Kettentanz vor. Sie geh�rte dem Mann, der im Tuchuklager Paga feilhielt und war uns am Vorabend des Liebeskrieges bereits aufgefallen. Ich wu�te noch, da� Kamchak das M�dchen am liebsten selbst gekauft h�tte.</p><p>Schon hatte man nahe dem Wagen des H�ndlers ein Viereck abgeteilt. Gegen Geld lie� der Wagenbesitzer Zuschauer eintreten. Dieses Arrangement irritierte mich etwas, denn gew�hnlich finden die traditionellen Sklavent�nze am offenen Lagerfeuer statt. Aber vielleicht war dieses kleine M�dchen aus Port Kar etwas besonderes. Kamchak, der sich sonst nicht so leicht von einer Tarnm�nze trennte, schien besondere Informationen zu haben. Ich beschlo�, diesmal nicht mit ihm um das Eintrittsgeld zu wetten.</p><p>Ich eilte die Stufen hinauf und betrat den Wagen.</p><p>Nur die beiden M�dchen waren anwesend, und Aphris kniete hinter Elizabeth und k�mmte ihr Haar. Sie schienen ziemlich aufgeregt zu sein. Vielleicht hatte Kamchak ihnen ein Geschenk versprochen.</p><p>�Sei gegr��t, Herr�, sagten beide M�dchen im Chor.</p><p>�Seid gegr��t. Wo ist Kamchak?�</p><p>�Er kommt gleich�, versicherte Elizabeth.</p><p>�Kamchak nimmt uns heute abend mit zu einem Kettentanz�, sagte Aphris.</p><p>Ich war erstaunt. Wie kam Kamchak dazu, die M�dchen mitzunehmen? Der H�ndler w�rde bestimmt auch f�r die M�dchen Eintritt verlangen.</p><p>�Ho!� br�llte Kamchak, als er in den Wagen stapfte. �Fleisch!� verlangte er.</p><p>Elizabeth und Aphris sprangen auf und k�mmerten sich drau�en um das Kochfeuer. Er setzte sich mit untergeschlagenen Beinen auf den Teppich in der N�he des Feuers.</p><p>Dann musterte er mich schr�g von der Seite und zog zu meiner �berraschung eine Tospit aus seinem Beutel � eine gelblich-wei�e bittere Frucht, die einem Pfirsich �hnelt, aber nur die Gr��e einer Pflaume hat. Er warf mir die Tospit zu.</p><p>�Gerade oder ungerade?� fragte er. Ich hatte mich entschlossen, mit Kamchak nicht mehr zu wetten, aber jetzt bot sich mir eine Gelegenheit zur Rache, die ich dringend brauchte. Die gew�hnliche Tospit hat fast immer eine ungerade Zahl von Kernen. Andererseits hat die seltene langstielige Tospit in der Regel eine gerade Anzahl Kerne. Beide Fr�chte sind �u�erlich nicht zu unterscheiden. Ich konnte sehen, da� bei dieser Tospit der Stengel abgedreht worden war, bestimmt kein Zufall. Es mu�te sich also um die seltene langstielige Sorte handeln.</p><p>�Gerade�, sagte ich.</p><p>Kamchak sah mich an, als h�tte er Zahnweh. �Tospits haben aber fast immer eine ungerade Zahl von Kernen�, sagte er.</p><p>�Gerade�, beharrte ich.</p><p>�Na gut�, r�umte er ein, �dann i� die Tospit und sieh nach.�</p><p>�Warum sollte ich sie essen?� fragte ich. Die Tospit ist immerhin ziemlich bitter. Warum sollte Kamchak sie nicht essen? Er hatte die Wette vorgeschlagen.</p><p>�Ich bin ein Tuchuk�, sagte Kamchak. �Ich komme vielleicht in Versuchung, einen Kern zu verschlucken.�</p><p>�Dann schneiden wir sie auf.�</p><p>�Da verpa�t man vielleicht ein K�rnchen.�</p><p>�Vielleicht k�nnten wir die Tospit zerdr�cken?�</p><p>�Aber macht das nicht zuviel Arbeit? Davon bekommt auch der Teppich Flecke.�</p><p>�Dann zerdr�cken wir sie eben in einer Schale.�</p><p>�Aber dann m��ten wir die Schale auswaschen.�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Alles in allem�, sagte Kamchak, �meine ich, da� du die Frucht essen solltest.�</p><p>�Da hast du wohl recht.�</p><p>Ich bi� tapfer in die Frucht, die sich tats�chlich als sehr bitter erwies.</p><p>�Au�erdem�, sagte Kamchak, �mag ich Tospits nicht sehr.�</p><p>�Das kann ich verstehen.�</p><p>�Sie sind sehr bitter.�</p><p>�Allerdings�, stimmte ich zu.</p><p>Ich a� die Frucht � und stellte fest, da� sie sieben Fruchtkerne hatte. W�tend spuckte ich sie auf die Handfl�che.</p><p>�Die meisten Tospits�, sagte Kamchak, �haben eine ungerade Anzahl von Kernen.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Warum hast du dann auf eine gerade Zahl gesetzt?�</p><p>�Ich nahm an, da� du eine langstielige Tospit gefunden hattest.�</p><p>�Aber die gibt�s doch erst gegen Ende des Sommers.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Da du verloren hast�, sagte Kamchak, �halte ich es f�r fair, da� du heute abend den Eintritt bezahlst!�</p><p>�Na gut.�</p><p>�Die Sklavinnen kommen mit.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Ich nahm einige M�nzen aus meinem Geldbeutel und reichte sie Kamchak, der sie in der Tasche verschwinden lie�. Als ich ihm das Geld �berreichte, warf ich nachdenkliche Blicke auf die juwelenund geldgef�llten Truhen und Schalen in der Ecke des Wagens.</p><p>�Da kommen die Sklavinnen. Jetzt gibt�s etwas zu essen.�</p><p>Mit meinem Geld, fair gewonnen, bezahlte Kamchak unseren Eintritt, und wir dr�ngten uns in das verh�ngte Viereck.</p><p>Zahlreiche M�nner und auch einige M�dchen hatten bereits Platz genommen. Auch Kassars und Paravaci waren gekommen und einer der Kataii, die sich sonst in den Lagern der anderen V�lker selten sehen lie�en. Nat�rlich waren die Tuchuks zahlenm��ig am st�rksten vertreten; sie sa�en mit untergeschlagenen Beinen um ein gro�es Feuer in der Mitte der Einfriedung. Sie waren bester Laune und lachten und fuchtelten wild mit den H�nden, w�hrend sie ihre Taten schilderten, die offenbar recht zahlreich waren. Es war die Jahreszeit der Karawanen�berf�lle. Zu meiner Freude stellte ich fest, da� das Feuer nicht mit Boskdung gen�hrt wurde, sondern mit Holz � Holzplanken, die zum Wagen eines �berfallenen H�ndlers geh�rt hatten. Das war weniger sch�n. Etwas abseits, auf der anderen Seite einer kleinen freien Fl�che, sa� eine Gruppe von neun Musikern. Sie spielte noch nicht. Einer der M�nner trommelte geistesabwesend einen Rhythmus auf einer kleinen Handtrommel; zwei andere stimmten ihre Saiteninstrumente. Bei einem der Instrumente handelt es sich um eine achtsaitige Czehar � eine Art flacher, l�nglicher Kasten; der Spieler sitzt mit untergeschlagenen Beinen und hat das Instrument quer auf den Knien, w�hrend er es mit einem St�ck Holz zupft; das andere ist die Kalika, ein sechssaitiges Instrument, ebenfalls flach; die Saiten werden mit kleinen Holzkurbeln gespannt und gestimmt. Sie sieht nicht wie ein Kasten aus, sondern �hnelt unserem Banjo, wenn es auch ganz anders klingt, die Saiten werden wie bei der Czehar gezupft. Auf Gor hatte ich �brigens noch kein Streichinstrument gesehen, ebensowenig wie geschriebene Musik; ich wei� nicht, ob es eine Notenschrift gibt; Melodien werden vom Vater an den Sohn vom Meister an den Lehrling weitergegeben. Ein zweiter Kalikaspieler hielt sein Instrument ruhig im Scho� und beobachtete die Sklavinnen unter den Zuschauern. Die drei Fl�tisten polierten ihre Instrumente und unterhielten sich; offensichtlich ging es um musikalische Dinge, denn ab und zu unterstrich einer der Musiker seine Behauptung mit einer Passage auf seiner Fl�te, und dann versuchten die anderen seinen Versuch zu verbessern oder zu berichtigen; ihre Diskussion fiel bald ziemlich temperamentvoll aus. Ein zweiter Trommler wartete ruhig seine Zeit ab, w�hrend ein anderer junger Mann ernst vor einer Sammlung verschiedener Dinge hockte � ein gekerbter Stock, der gegen einen anderen Stock gerieben wurde, Zimbeln verschiedener Art, ein Tambourin und verschiedene andere Schlaginstrumente, Metallst�cke an Dr�hten, kieselgef�llte Beh�ltnisse. Sklavengl�ckchen an Handringen und dergleichen. Diese Dinge wurden w�hrend des Spiels nicht nur von ihm sondern auch von den anderen Mitgliedern der Gruppe benutzt, wahrscheinlich besonders vom zweiten Kaskaspieler und dem dritten Fl�tisten. Bei den goreanischen Musikern genie�en �brigens die Czeharspieler das gr��te Prestige; in dieser Gruppe gab es nur einen, der den F�hrer spielte; dann folgen die Fl�tisten, dann die Kalikaspieler, dann kommen die Trommler, und ganz am Ende steht der Mann, der die verschiedenen Instrumente aufbewahrt und spielt und nach Bedarf an die anderen Spieler verteilt. Schlie�lich m�chte ich noch erw�hnen, da� Musiker auf Gor niemals in die Sklaverei verkauft werden; wer Musik macht, mu� frei sein � wie der Tarn und die Voskm�we.</p><p>Innerhalb der Einfriedung befand sich auch der Boskwagen des H�ndlers, zur einen Seite hin offen. Die Bosks waren abgeschirrt und fortgef�hrt worden. Man konnte hin�bergehen und sich eine Flasche Paga kaufen.</p><p>�Wir sind durstig�, sagte Kamchak.</p><p>�Ich kaufe den Paga�, sagte ich.</p><p>Kamchak zuckte die Achseln. Immerhin hatte er ja von seinem � gewonnenen � Geld den Eintritt bezahlt.</p><p>Als ich mit der Flasche zur�ckkehrte, mu�e ich mich vorsichtig zwischen den Tuchuks hindurchdr�ngen. Zum Gl�ck wurde meine Ungeschicklichkeit nicht als Herausforderung angesehen. Jemand sagte sogar: �Verzeih, da� ich dir im Weg sitze.� Nach der Art der Tuchuks versicherte ich ihm, da� ich keineswegs beleidigt sei, und schwitzend gelangte ich schlie�lich ans Ziel. Kamchak hatte sich inzwischen einen ziemlich guten Platz besorgt; wahrscheinlich hatte er sich zwei M�nner ausgesucht, die ziemlich dicht beisammen sa�en und hatte sich grob zwischen sie gesetzt. Aphris hockte zu seiner Rechten und Elizabeth zu seiner Linken.</p><p>Ich zog den Korken der Pagaflasche mit den Z�hnen heraus und reichte sie Kamchak, wie es die H�flichkeit erforderte. Etwa ein Drittel des Inhalts fehlte, als Elizabeth, die wegen des Pagageruchs das Gesicht verzog, mir die Flasche zur�ckreichte.</p><p>Aphris, deren schwarzes Haar offen herabfiel, blickte sich interessiert um. Ich sah, da� mehrere Tuchuks sie bewundernd musterten. Auch Elizabeth zog manchen anerkennenden Blick auf sich.</p><p>Ich wu�te auch, da� Aphris, die nun zwar schon mehrere Tage im Wagen Kamchaks wohnte, von Kamchak noch nicht zum Sklavenmeister geschickt worden war. Das M�dchen war also noch ohne Brandzeichen und auch ohne Nasenring. Ich fand das bemerkenswert. Au�erdem hatte er sie nach den ersten Tagen kaum noch gescholten, nur einmal hatte er sie ziemlich verpr�gelt, als sie eine Schale fallen lie�.</p><p>Aphris ihrerseits schien den Plan aufgegeben zu haben, ihren Herrn mit einer Quiva zu t�ten. Das war vielleicht auch kl�ger so, denn welches Schicksal ihr nach vollbrachter Tat drohte, konnte sie sich bestimmt ausmalen. Auch mochte sie in der Angst leben, wieder in den Dungsack gesteckt zu werden, wenn ihr der Mordanschlag erneut mi�lang � in den Sack, der st�ndig am linken Hinterrad des Wagens hing. Ihre erste Nacht im Lager schien eine Erfahrung zu sein, die sie auf keinen Fall noch einmal durchmachen wollte.</p><p>Sehr gut erinnerte ich mich an den Tag nach jenem lebhaften Abend. Wir hatten lange geschlafen, und als Kamchak endlich aufstand und ein sp�tes Fr�hst�ck zu sich genommen hatte, �ffnete er den Sack, und sie kam r�ckw�rts herausgekrochen. Auf der Stelle hatte sie darum gebeten, Wasser f�r die Bosks holen zu d�rfen, wof�r es noch etwas fr�h war � aber es schien offensichtlich, da� das h�bsche M�dchen so eine Nacht nicht noch einmal durchmachen wollte.</p><p>�Lauf, du faules M�dchen�, hatte Kamchak gesagt, �die Bosks brauchen ihr Wasser.�</p><p>Dankbar hatte Aphris aus Turia die Ledereimer genommen und war zum Wasser gelaufen.</p><p>Kamchak wandte sich an mich und sagte: �Hier, pa� auf die Barbarin auf.�</p><p>Elizabeth sah ihn erstaunt an.</p><p>So eine Bitte war ungew�hnlich, denn Elizabeth geh�rte ja nicht mir.</p><p>Sch�chtern sah mich das M�dchen an. Ihr Atem ging schneller.</p><p>Kamchak reichte mir Elizabeths Schl�ssel, und ich �berpr�fte ihre Fu�b�nder.</p><p>Der Tuchuk legte Aphris den Arm um die Schulter und sagte: �Bald wirst du sehen, was eine ausgebildete Frau vermag.�</p><p>�Sie ist doch auch nur eine Sklavin.�</p><p>Elizabeth musterte mich �ngstlich. �Hat das etwas zu bedeuten?� fragte sie.</p><p>�Nichts.�</p><p>Sie senkte den Blick. �Er mag Aphris. Werde ich jetzt verkauft?�</p><p>�M�glich�, sagte ich ehrlich.</p><p>�Tarl Cabot�, fl�sterte sie. �Wenn ich verkauft werden soll � kaufe mich!�</p><p>Ich musterte sie ungl�ubig. �Warum denn?�</p><p>Sie senkte den Kopf.</p><p>Kamchak langte an Elizabeth vorbei und zerrte mir die Pagaflasche aus der Hand. Dann rang er mit Aphris, bog ihr den Kopf zur�ck, kniff ihr die Nase zu und schob ihr den Flaschenhals zwischen die Z�hne. Sie wehrte sich und lachte und sch�ttelte den Kopf. Dann mu�te sie atmen, und ein gro�er Schluck Paga brannte ihr im Hals, so da� sie zu keuchen und zu husten begann. Ich ahnte, da� sie ein so starkes Gebr�u bisher noch nicht getrunken hatte; sie kannte wahrscheinlich nur die sirups��en Weine Turias. Sie w�rgte und sch�ttelte den Kopf, und Kamchak klopfte ihr kr�ftig auf den R�cken.</p><p>�Warum?� wiederholte ich meine Frage an Elizabeth. Aber da hatte das M�dchen schon mit schnellem Griff die Pagaflasche an sich gebracht und setzte sie zu Kamchaks Verbl�ffung an die Lippen. Ohne die Folgen ihrer Handlung zu bedenken, nahm sie f�nf m�chtige Schlucke zu sich. Als ich die Flasche gerettet hatte, ri� sie pl�tzlich die Augen auf und blinzelte mehrmals schnell hintereinander. Sie atmete langsam aus, als st�nde ihr Hals in Flammen, und dann sch�ttelte sie sich und begann heftig zu husten, so da� ich ihr aus Angst, sie k�nnte ersticken, mehrmals auf den R�cken schlug. Endlich, vorgebeugt nach Atem ringend, schien sie wieder zu sich zu kommen. Ich umfa�te ihre Schultern, und pl�tzlich drehte sie sich um und warf sich quer �ber meinen Scho�. Sie reckte sich woll�stig, und ich starrte verbl�fft auf sie hinab. �Weil ich besser bin als Dina und Tenchika�, sagte sie.</p><p>�Aber nicht besser als Aphris�, rief Aphris.</p><p>�Auf, auf, kleiner Sleen�, sagte Kamchak am�siert, �oder ich mu� dich aufspie�en lassen, um meine Ehre zu retten.�</p><p>Elizabeth starrte mich an.</p><p>�Sie ist betrunken�, sagte ich zu Kamchak.</p><p>�Vielleicht mag jemand ein Barbarenm�dchen kaufen�, sagte Elizabeth.</p><p>Ich stemmte Elizabeth wieder hoch.</p><p>�Niemand will mich kaufen�, klagte sie laut.</p><p>Sofort kamen vier oder f�nf Angebote aus der Menge, und ich hatte schon Sorge, da� sich Kamchak auf der Stelle von Elizabeth trennen w�rde, wenn die Preise noch etwas besser wurden.</p><p>�Verkaufe sie�, sagte Aphris.</p><p>�Sei ruhig, Sklavin�, sagte Elizabeth.</p><p>Kamchak lachte dr�hnend auf.</p><p>Der Paga machte Mi� Cardwell offenbar sehr zu schaffen. Sie konnte kaum knien, und schlie�lich gestattete ich ihr, da� sie sich an mich lehnte, wobei sie das Kinn auf meine rechte Schulter legte.</p><p>�Wei�t du�, sagte Kamchak, �die kleine Barbarin mag dich.�</p><p>�Unsinn�, erwiderte ich.</p><p>�Ich habe gesehen, wie du bei den Spielen des Liebeskrieges Elizabeth retten wolltest, als die Turianer angriffen.�</p><p>�Ich wollte nicht, da� dein Besitz Schaden nimmt.�</p><p>�Du magst sie�, verk�ndete Kamchak.</p><p>�Unsinn!�</p><p>�Unsinn�, sagte Elizabeth schl�frig. Dann hob sie den Kopf und sagte auf Englisch: �Ich hei�e Elizabeth Cardwell, Mr. Cabot. W�rden Sie mich kaufen?�</p><p>�Nein�, antwortete ich auf Englisch.</p><p>�Das dachte ich mir�, erwiderte sie und legte den Kopf wieder auf meine Schulter.</p><p>�Hast du ihre Reaktion gesehen, als ich dir ihren Schl�ssel gab?� fragte Kamchak.</p><p>�Ich habe nicht darauf geachtet.�</p><p>�M�chtest du sie kaufen?�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Nein�, sagte Elizabeth.</p><p>Das letzte, was ich bei meiner bevorstehenden gef�hrlichen Mission brauchte, war ein Sklavenm�dchen, das mir nur hinderlich sein konnte.</p><p>�Du solltest sie aber kaufen!� sagte Kamchak.</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich mache dir einen guten Preis.�</p><p>O ja, sagte ich mir, einen guten Preis und dann � ha-ha-ha.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Na gut�, sagte Kamchak.</p><p>Ich atmete auf.</p><p>In diesem Augenblick erschien eine schwarzgekleidete Frau auf den Stufen des H�ndlerwagens. Ich h�rte, wie Kamchak seine Sklavinnen anstie�. �Pa�t auf, ihr beiden Kochhexen � hier k�nnt ihr noch etwas lernen.�</p><p>Stille breitete sich aus. In diesem Augenblick fiel mein Blick auf eine verh�llte Gestalt, die die Kleidung des Klans der Folterer trug. Ich war sicher, da� es sich um den Mann handelte, der mir im Lager verschiedentlich gefolgt war.</p><p>Aber ich achtete nicht weiter auf ihn, weil nun die langerwartete Vorstellung beginnen sollte. Aphris sah aufmerksam zu, und Kamchaks Augen blitzten. Elizabeth hob etwas den Kopf, um besser sehen zu k�nnen.</p><p>Die verschleierte Gestalt der Frau kam die Stufen herab. Unten angekommen, verharrte sie einen Augenblick, ohne sich zu r�hren. Dann begannen die Musiker zu spielen � zun�chst einen knappen, aufr�ttelnden Trommelrhythmus. Zum Klang der Musik lief die Gestalt wie erschreckt hierhin und dorthin, wich eingebildeten Hindernissen aus oder warf die Arme hoch, lief, so wollte es mir scheinen, durch die aufgescheuchten Massen einer brennenden Stadt � allein, doch irgendwie von verfolgten Mitmenschen umgeben. Im Hintergrund tauchte nun die Gestalt eines Kriegers in scharlachrotem Umhang auf. Er kam n�her, obwohl er sich kaum zu bewegen schien, und wohin sich das M�dchen auch wandte, immer versperrte ihr dieser Mann den Weg. Und dann hatte er schlie�lich die Hand auf ihre Schulter gelegt, und sie warf den Kopf zur�ck und hob die H�nde und ihr ganzer K�rper dr�ckte Elend und Verzweiflung aus ... Er drehte sie zu sich um und zerrte ihr mit beiden H�nden Kapuze und Schleier vom Kopf.</p><p>Die Menge schrie entz�ckt auf.</p><p>Das Gesicht des M�dchens war zur stilisierten Schreckensmaske aller T�nzer geschminkt � aber sie war sch�n. Ich hatte sie nat�rlich schon gesehen, aber ihr Anblick im Feuerschein verbl�ffte uns dennoch � ihr Haar fiel lang und seidig schwarz herab, ihre Augen waren dunkel, ihre Haut angenehm get�nt.</p><p>Sie schien den Krieger anzuflehen, doch dieser bewegte sich nicht. Sie schien sich vor ihm zu winden und seinem Griff entfliehen zu wollen, aber er lie� nicht los.</p><p>Dann nahm er die H�nde von ihren Schultern, und zum Aufschrei der Menge sank sie zu seinen F��en nieder, ergab sich in ihr Schicksal als Sklavin.</p><p>Der Krieger drehte sich nun zur Seite und streckte seine Hand aus. Aus der Dunkelheit wurde ihm Kragen und Kette zugeworfen, die er dem M�dchen anlegte.</p><p>Das M�dchen dr�ngte nun von ihm fort, und zum Rhythmus der Musik k�mpfte sie gegen die Kette. Ha� und Hast sprachen nun aus dem Tanz, der an Tempo gewann. Das M�dchen umkreiste den Krieger, drehte sich in dem weiten Kragen; der Krieger holte etwas Kette ein, bis sie ganz in seiner N�he war, dann lie� er zu, da� sie sich wieder entfernte. Endlich erreichte seine Faust den eigentlichen Kragen, und ersch�pft sank die Sklavin gegen ihn, wurde von ihm hochgehoben und davongetragen.</p><p>Kamchak und ich und viele Zuschauer warfen Goldst�cke in den Sand beim Feuer.</p><p>�Sie war gro�artig!� rief Aphris.</p><p>�Und ich�, klagte Kamchak, �habe nur zwei miserable Kochsklavinnen!�</p><p>Kamchak und ich standen auf. Aphris schmiegte sich an ihren Herrn. Kamchak nahm das M�dchen in die Arme, lachte dr�hnend und warf sie sich �ber die Schulter. Dann stapfte er zum Ausgang.</p><p>�Heute nacht!� br�llte er und wandte sich um, �geh�rt die kleine Barbarin dir!�</p><p>Lachend verschwand er nach drau�en.</p><p>Elizabeth Cardwell starrte ihm nach und sah mich verst�rt an. �Das kann er doch nicht tun�, sagte sie.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte sie langsam. �Warum auch nicht?�</p><p>�Es tut mir leid.�</p><p>�Ich bin wie ein Buch oder ein Stuhl f�r ihn. Nimm sie! Behalte sie bis morgen!� Tr�nen standen ihr in den Augen.</p><p>�Ich dachte, du h�ttest dir gew�nscht, da� ich dich kaufe.�</p><p>�Verstehst du mich denn nicht?� fragte sie. �Er h�tte mich auch jedem anderen geben k�nnen, nicht nur dir � irgendeinem, irgendeinem !�</p><p>�Das stimmt�, sagte ich. �Aber mach dir nichts daraus.�</p><p>�Wie mir scheint, geh�re ich also jetzt dir�, sagte sie und l�chelte unter Tr�nen.</p><p>�Es scheint so�, sagte ich.</p><p>Ich b�ckte mich, nahm Kamchaks Schl�ssel zur Hand und l�ste Elizabeths Fessel.</p><p>�Was machst du nun mit mir?�</p><p>Ich l�chelte. �Nichts�, sagte ich. �Hab� keine Angst.�</p><p>�Oh? Gefalle ich dir so wenig?�</p><p>�Aber ja.�</p><p>�Und warum . . .?�</p><p>Was konnte ich ihr sagen? Sie tat mir leid. Die kleine Sekret�rin, die ihrer Heimatwelt so weit entr�ckt war, hatte sich noch l�ngst nicht eingew�hnt. F�r mich w�rde sie immer die ungl�ckliche Elizabeth Cardwell sein, das unschuldige Opfer einer ungewollten Versetzung aus einer Welt in die andere.</p><p>Sie blickte mir lange in die Augen und senkte dann weinend den Kopf. Ich nahm sie tr�stend in die Arme, doch sie stie� mich von sich, drehte sich um und lief aus der kleinen Arena.</p><p>Ich blickte ihr verwirrt nach.</p><p>Dann folgte ich ihr achselzuckend und �berlegte, ob ich vielleicht noch etwas im Lager spazierengehen sollte, ehe ich zum Wagen zur�ckkehrte. Elizabeths Verhalten verwirrte mich; ich fand, sie hatte seltsam reagiert. Wahrscheinlich machte sie sich Sorgen, da� sie vielleicht bald ihre Stelle als Erstes M�dchen im Wagen Kamchaks verlieren k�nnte. Und diese Sorge mochte gar nicht so unbegr�ndet sein. Nat�rlich k�nnte ich Kamchak ermutigen, sie an einen guten Herrn zu verkaufen, aber wenn Kamchak auch bereit sein mochte, mir bei diesem Wunsch entgegenzukommen, w�rde �ber den Verkauf letztlich nur der Preis entscheiden. Wenn ich das Geld zusammenbekam, konnte ich sie nat�rlich selbst kaufen und ihr ein gutes Heim suchen. Beispielsweise hielt ich Conrad von den Kassars f�r einen geeigneten Mann. Er hatte jedoch k�rzlich ein turianisches M�dchen bei den Spielen gewonnen. Au�erdem gibt sich nicht jeder Mann mit einer untrainierten barbarischen Sklavin zufrieden, die � selbst wenn sie als Geschenk in den Wagen kommt � immerhin ern�hrt werden mu�. Au�erdem herrschte in diesem Fr�hling kein Mangel an M�dchen.</p><p>Um in Ruhe dar�ber nachzudenken, erstand ich eine weitere Flasche Paga, die mir auf meinem einsamen Spaziergang Gesellschaft leisten sollte.</p><p>Ich hatte erst ein Viertel der Flasche getrunken und ging gerade an einem Wagen vorbei, als ich pl�tzlich einen Schatten �ber die lackierten Planken zucken sah. Instinktiv warf ich den Kopf zur Seite. Im gleichen Augenblick zischte eine Quiva an meinem Ohr vorbei und bohre sich mit dumpfem Laut f�nf Zentimeter tief in die Holzflanke des Wagens.</p><p>Ich warf die Pagaflasche weg, wobei ich die hochprozentige Fl�ssigkeit in hohem Bogen versch�ttete, fuhr herum und sah etwa f�nfzig Meter entfernt eine dunkle Gestalt zwischen zwei Wagen stehen � meinen verh�llten Verfolger aus dem Klan der Folterer, der mich nicht zum erstenmal bel�stigte.</p><p>Der Unbekannte machte auf dem Absatz kehrt und sprintete davon. Ich zog mein Schwert und stolperte hinter ihm her, doch schon wurde ich von einer Reihe aneinandergebundener Kaiila aufgehalten, die ins Lager gef�hrt wurden, nachdem sie auf der Ebene hatten jagen d�rfen.</p><p>Als ich endlich den dichtgedr�ngten K�rpern ausweichend mich unter dem Seil wegducken konnte, das die Tiere zusammenhielt, war mein Angreifer verschwunden. Meine Anstrengungen brachten mir nur die �rgerlichen Rufe des Mannes an der Spitze des Kaiilazuges ein. Eines der b�sartigen Tiere schnappte sogar nach mir und zerri� mir den �rmel meiner Tunika.</p><p>W�tend kehrte ich zum Wagen zur�ck und zog die Quiva aus dem Holz.</p><p>Inzwischen hatte sich auch der Wagenbesitzer eingefunden, den der Zwischenfall nat�rlich interessierte. Er hielt eine Fackel in die H�he und untersuchte m�rrisch den Schaden an seinem Wagen. �Ein ungeschickter Wurf�, grollte er unwillig.</p><p>�Vielleicht�, sagte ich.</p><p>�Aber�, sagte er und wandte sich an mich, �unter diesen Umst�nden war�s vielleicht ganz gut so.�</p><p>�Ja�, nickte ich. �Das mag wohl sein.�</p><p>Ich fand meine Pagaflasche wieder und stellte fest, da� noch ein Rest darin war. Ich wischte den Flaschenhals ab und reichte sie dem Mann. Er trank etwa die H�lfte, fuhr sich �ber den Mund und gab mir die Flasche zur�ck. Ich leerte sie vollends und warf sie in eins der Abfall�cher, die in regelm��igen Abst�nden im Lager zu finden sind.</p><p>�Kein schlechter Paga�, sagte der Mann.</p><p>�Nein�, sagte ich, �der Paga ist ziemlich gut.�</p><p>�Darf ich die Quiva mal sehen?� fragte der Mann.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Was?�</p><p>�Die Quiva.�</p><p>�Aber was ist an ihr so interessant?�</p><p>�Es ist eine paravacische Quiva.�</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Am Morgen war Elizabeth Cardwell verschwunden.</p><p>Kamchak war au�er sich vor Wut. Aphris, die die Stimmungen des Tuchuks f�rchten gelernt hatte, hielt sich stumm im Hintergrund.</p><p>�Du darfst die Jagdsleen nicht loslassen�, sagte ich zu Kamchak.</p><p>�Ich behalte sie an der Leine�, erwiderte er grimmig. Mi�trauisch beobachtete ich die beiden sechsbeinigen geschmeidigen Jagdsleen, die an ihren Ketten zerrten. Kamchak hielt Elizabeths Bettzeug � eine rote Decke � vor ihre Schnauzen. Die spitzen Ohren legten sich eng an die dreieckigen K�pfe; die langen K�rper zitterten, ich sah, wie die Krallen hin und her zuckten. Die Tiere hoben die K�pfe, schwenkten sie hin und her, nahmen Witterung auf. Im n�chsten Augenblick begannen sie aufgeregt zu wimmern; ich wu�te, da� sie der Spur zuerst zu der Einfriedung folgen w�rden, wo wir gestern abend den Tanz gesehen hatten.</p><p>�Sie wird sich heute nacht zwischen den Wagen versteckt haben�, sagte Kamchak.</p><p>�Ich wei� � wegen der Herdensleen.� Diese Tiere h�tten das M�dchen im Licht der drei goreanischen Monde gestellt und in St�cke gerissen.</p><p>�Sie ist bestimmt noch nicht weit.�</p><p>Kamchak stieg in den Sattel einer Kaiila.</p><p>�Was wirst du mit ihr machen?� fragte ich.</p><p>�Ich schneide ihr die Ohren ab, und ... Ha!�</p><p>Ich entdeckte Elizabeth Cardwell, die auf den Wagen zukam. Mit einem Holzjoch schleppte sie zwei Eimer, in denen Wasser pl�tscherte.</p><p>Aphris stie� einen Freudenschrei aus und eilte zu Elizabeth und k��te sie, was mich nicht wenig �berraschte. Dann half sie ihr mit den Eimern.</p><p>�Wo bist du gewesen?� fragte Kamchak streng.</p><p>Elizabeth hob unschuldig den Kopf und sah ihn offen an. �Wasser holen.�</p><p>Die Sleen versuchten, ihr an die Gurgel zu springen, und sie wich erschrocken zum Wagen zur�ck. �B�se Tiere�, sagte sie. �Was wollen sie von mir?�</p><p>Kamchak warf den Kopf in den Nacken und lachte. Elizabeth w�rdigte mich keines Blickes.</p><p>Kamchak stieg ab, holte eine Sklavenfessel aus dem Wagen und legte sie Elizabeth an.</p><p>�Warum das?� fragte sie.</p><p>�Weil das Wasserholen so lange gedauert hat.� Er wandte sich an mich. �Klug von ihr, da� sie zur�ckgekehrt ist.�</p><p>Das meinte ich auch, gab es aber nicht zu. �Ich glaube, sie hat wirklich Wasser geholt.�</p><p>�Du magst sie, nicht wahr?�</p><p>�Sie tut mir leid.�</p><p>�Hast du gestern deinen Spa� mit ihr gehabt?�</p><p>�Ich habe sie nicht mehr gesehen, seit wir die Umfriedung verlie�en.� Kamchak sah mich einen Augenblick lang pr�fend an und zuckte die Achseln. Dann wandte er sich an das M�dchen. �Du hast mich angelogen. Heute abend hole ich den Sklavenmeister � der brennt dir mein Brandzeichen auf.�</p><p>Er nahm Elizabeth am Arm und zerrte sie zu einem leeren Sleenk�fig. Dort schlo� er sie ein.</p><p>Ich sah, wie Aphris zum K�fig schlich und der Gefangenen etwas Wasser brachte.</p><p>Kamchak bemerkte es auch, erhob aber keine Einw�nde. �Komm�, sagte er. �Ich m�chte eine neue Kaiila kaufen.�</p><p>Es war ein gesch�ftiger Tag f�r Kamchak.</p><p>Er kaufte die Kaiila nicht, obwohl es sich um ein herrliches Tier handelte. Er wickelte ein schweres Ledertuch um den Arm und versetzte dem Tier damit einen �berraschenden Schlag auf die Schnauze. Die Kaiila reagierte nicht schnell genug. �Ein langsames Tier wie das�, sagte Kamchak geringsch�tzig, �kann einem Mann beim Kampf das Leben kosten.� Das mochte stimmen. Die Kaiila und ihr Herr k�mpften wie Freunde zusammen, sie sind ein einziges wildes Tier, das mit Z�hnen und einer Lanze bewaffnet ist. Nachdem er sich noch einige Kaiila angesehen hatte, besuchte Kamchak einen Wagen, in dem er die Besamung einer seiner K�he mit dem Bullen des Eigent�mers besprach � im Austausch f�r einen �hnlichen Gefallen. Diese Angelegenheit wurde zur allseitigen Zufriedenheit geregelt. In einem anderen Wagen feilschte er um einen Satz Quiva, die in Ar geschmiedet worden waren, und vermochte seinen Preis durchzusetzen. Die Messer sollten am n�chsten Morgen zusammen mit einem neuen Sattel in seinen Wagen geliefert werden.</p><p>Zu Mittag a�en wir getrocknetes Boskfleisch und tranken Paga; dann ging er zum Wagen Kutaituchiks, wo er mit der tr�gen Gestalt freundliche Floskeln tauschte � �ber die Gesundheit der Bosks, �ber die Sch�rfe der Quivas und �ber die Notwendigkeit, die Wagenachsen gut zu schmieren. Auf Kutaituchiks Plattform sprach er auch mit mehreren anderen hochstehenden Tuchuks. Dabei schien Kamchaks Wort einiges Gewicht zu haben.</p><p>Nach dem Besuch beim Wagen des Ubar machten wir am Wagen des Sklavenmeisters halt, wo Kamchak zu meinem �rger den Mann f�r den Abend zu sich bestellte. �Ich kann sie ja nicht immer in einen Sleenk�fig stecken�, sagte Kamchak. �Es gibt viel Arbeit am Wagen.� Zu meiner Freude ritt Kamchak sodann mit mir in das Omental � dazu lieh er sich zwei Kaiila von einem Krieger, den ich noch nie gesehen hatte.</p><p>Wir passierten einen flachen H�gel und erblickten eine gro�e Anzahl Zelte, die im Kreis aufgeschlagen waren. Die Mitte dieses Kreises bestand aus einer Grasfl�che, vielleicht zweihundert Meter im Durchmesser � und auf ihr befanden sich Hunderte von kleinen Steinalt�ren. In der Mitte des Feldes gab es eine gro�e kreisf�rmige Steinplattform.</p><p>Die Spitze dieser Plattform bildete ein gro�er vierseitiger Altar, zu dem von allen Seiten Stufen f�hrten. Eine Flanke dieses Altars wies das Zeichen der Tuchuks auf; die anderen waren mit den Emblemen der drei anderen Wagenv�lker geschm�ckt.</p><p>Im Au�engebiet des Zeltkreises befanden sich zahlreiche angebundene Tiere, daneben standen die Haruspexe � es schien f�r jeden Altar einen Haruspex zu geben. Unter den Tieren waren Verrs, gez�hmte Tarks, flatternde Vulos, Sleen und auch Kaiila und sogar Bosks; bei den Paravaci standen auch einige gefesselte Sklaven. Die anderen V�lker lehnten das Opfern von Sklaven ab, denn wer konnte einem turianischen Sklaven schon eine so wichtige Sache wie die Wahl eines Ubar San anvertrauen? Das erschien mir durchaus logisch. Die geopferten Tiere werden �brigens sp�ter verzehrt, so da� das Omenjahr keine Verschwendung mit sich bringt, sondern eher eine Zeit festlicher Mahlzeiten f�r die Wagenv�lker ist.</p><p>Noch hatte die Befragung der Omen nicht begonnen. Die Haruspexe waren noch nicht an ihre Alt�re getreten. Auf jedem dieser Steingebilde brannte allerdings bereits ein kleines Boskdungfeuer, in dem jeweils ein Weihrauchstab lag.</p><p>Kamchak und ich stiegen au�erhalb des Kreises von unseren Tieren und sahen zu, wie sich die vier Oberen Haruspexe der Wagenv�lker dem gro�en Altar in der Mitte des Kreises n�herten. Dann trugen vier andere Haruspexe einen gro�en Holzk�fig herbei, in dem sich ein Dutzend wei�er Vulos befand � der goreanische Taubenvogel.</p><p>�Das ist das erste Omen�, sagte Kamchak, �um festzustellen, ob die Omen bereit sind, sich befragen zu lassen.�</p><p>�Aha�, sagte ich.</p><p>Die vier Haruspexe stimmten nun einen Singsang an, blickten zum Himmel auf, an dem freundlich die Sonne schien, und warfen den Vulos Korn hin.</p><p>Selbst aus dieser Entfernung war zu erkennen, da� die Tauben sich gierig auf das Futter st�rzten.</p><p>Nun wandten sich die vier Haruspexe um, blickten ihre Assistenten an und verk�ndeten: �Die Omen sind bereit!�</p><p>Ein Freudenschrei lief um den Zeltkreis.</p><p>�Dieser Teil der Omenbefragung l�uft immer gut ab�, informierte mich Kamchak.</p><p>�Wieso?� fragte ich.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte er und sah mich nachdenklich an �Vielleicht liegt es daran, da� die Vulos in den drei Tagen vor der Befragung nicht gef�ttert werden.�</p><p>�M�glicherweise liegt es daran�, nickte ich.</p><p>Ich sah nun die anderen Haruspexe und die Zuschauer mit ihren Tieren auf die Alt�re zustr�men. Die Omenbefragung dauerte mehrere Tage und kostete Hunderte von Tieren. Von Tag zu Tag wird Buch gef�hrt. Als wir gingen, h�rten wir einen Haruspex ausrufen, er habe eine g�nstige Leber gefunden. Ein anderer Haruspex eilte herbei. Ich vermutete, da� das Lesen der Zeichen sehr schwierig war und die Interpretation nicht einem einzelnen �berlassen werden konnte. Als wir unsere Kaiila bestiegen, h�rte ich zwei weitere Haruspexe rufen, sie h�tten Lebern gefunden, die zweifellos ung�nstig seien. Schreiber gingen mit ihren Rollen zwischen den Alt�ren hin und her und schrieben alles auf. Die Oberen Haruspexe der vier V�lker blieben am Mittelaltar, zu dem jetzt ein wei�er Bosk gef�hrt wurde.</p><p>Es d�mmerte schon, als Kamchak und ich den Wagen des H�ndlers erreichten und uns dort mit einer Flasche Paga niederlie�en.</p><p>Meine Gedanken weilten bei Elizabeth, der heute abend ein unerfreuliches Erlebnis bevorstand.</p><p>�Du bist schweigsam�, sage Kamchak und sah mich von der Seite an.</p><p>�Mu� der Sklavenmeister heute abend kommen?� fragte ich.</p><p>Kamchak sch�ttelte den Kopf, lachte und klopfte mir auf die Schulter. �Sie ist doch nur eine Sklavin!�</p><p>�Empfindest du nichts f�r sie?�</p><p>�Doch � ich mag diese kleine Barbarin, aber sie hat eine Lektion verdient. Oder willst du sie kaufen?� Ich dachte an den Wagen Kutaituchiks und an die goldene Kugel. Die Omenbefragung hatte begonnen. Ich mu�te versuchen, die Kugel an mich zu bringen � heute nacht oder in den n�chsten Tagen. Ich �berlegte mir eben meine Antwort auf Kamchaks Frage, �berlegte, ob ich wohl seinen Preis bezahlen k�nnte, als er den Kopf hob.</p><p>Mit einer schnellen Handbewegung forderte er mich zum Schweigen auf.</p><p>Da h�rte ich das Schrillen eines Boskhorns in der Ferne, ein zweites fiel ein.</p><p>Kamchak sprang auf. �Das Lager wird angegriffen!� br�llte er und st�rmte los.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Als Kamchak und ich die Stufen des Wagens hinabeilten, herrschte drau�en schon lebhaftes Treiben. M�nner eilten hin und her, einige mit Fackeln bewaffnet; Kaiilahufe donnerten. Gr�ne, blaue und gelbe Kriegslaternen brannten bereits auf Pf�hlen in der Dunkelheit, zur Kennzeichnung der Versammlungsorte f�r die Orlus, die Hundertschaften, und der Oralus, der Tausendschaften. Jeder Krieger der Wagenv�lker geh�rt zu einer Or, einer Zehnerschaft, jede Zehnerschaft geh�rt zu einer Orlu, einer Hundertschaft, die ihrerseits einen festen Platz in einer Oralu, einer Tausendschaft, hat. Wer die Wagenv�lker nicht kennt oder sie nur bei ihren schnellen �berf�llen erlebt hat, h�lt sie manchmal f�r unorganisiert, f�r eine wilde Kriegerhorde � aber das ist nicht der Fall. Jeder Mann kennt seine Position. W�hrend des Tages werden die Bewegungen dieser Einheiten durch das Boskhorn und Standarten bestimmt; bei Nacht durch Boskh�rner und Kriegslaternen, die von einzelnen Reitern an langen Stangen mitgef�hrt werden.</p><p>Kamchak und ich bestiegen die Kaiila und kehrten im Galopp zu unserem Wagen zur�ck.</p><p>Wenn die Boskh�rner erklingen, machen die Frauen der Wagenv�lker die Waffen f�r ihre M�nner bereit. Die Bosks werden angeschirrt, und man beobachtet die Zeichen der Kriegslaternen, um zu sehen, ob etwa die Wagen fortgefahren werden m�ssen.</p><p>Aphris hatte die Bosks bereits eingespannt. Kamchak sprang von der Kaiila und trat das Feuer aus. �Was ist los?� rief Aphris. Kamchak fa�te sie grob am Arm, zerrte sie vor den Sleenk�fig, in dem Elizabeth kauerte, und schob sie zu dem anderen M�dchen hinein. Er konnte kein Risiko eingehen. Auf die verzweifelten Rufe Aphris� h�rte er nicht, sondern warf mir Lanze und Bogen zu. Dann sprang er in den Sattel seiner Kaiila und raste los.</p><p>Gleich darauf hatten wir die Herden erreicht. Dort hatten sich bereits die Tausendschaften gebildet, lange Reiterketten warteten mit sto�bereit erhobener Lanze.</p><p>Kamchak gliederte sich in keiner Zehnerschaft oder Hundertschaft ein. Er ritt vielmehr vor die Masse der Reiter, galoppierte zu einigen Kriegern hin�ber, die dort bereits warteten. Hier hielt er hastig Kriegsrat, und ich sah, wie er den Arm hob. Rote Kriegslaternen stiegen in die H�he, und zu meiner Verbl�ffung �ffnete sich die gewaltigen Boskherden, von den Herdensleen zur Seite gebissen, und die Kette der Reiter, den Kriegslaternen folgend, str�mte mit unglaublicher Pr�zision wie ein Flu� zwischen den Bosks hindurch.</p><p>Ich ritt an Kamchaks Seite, und nach wenigen Augenblicken hatten wir die beunruhigte Herde hinter uns gelassen und waren auf der freien Ebene. Im Licht der goreanischen Monde erblickten wir hingemetzelte Bosks, einige hundert Tiere und dahinter etwa tausend Tharlarionsreiter, die sich hastig zur�ckzogen.</p><p>Anstatt die Verfolgung aufzunehmen, z�gelte Kamchak pl�tzlich seine Kaiila. Ich sah, da� eine gelbe Laterne auf halber H�he schimmerte.</p><p>�Warum verfolgen wir sie nicht?� br�llte ich.</p><p>�Wartet!� schrie er. �Wir haben uns hereinlegen lassen. H�rt ihr?�</p><p>In der Ferne h�rten wir donnerndes Fl�gelschlagen, und dann entdeckten wir vor den goreanischen Monden die Silhouetten von Tarnk�mpfern, die ins Lager herabstie�en. Es waren wohl achthundert oder tausend V�gel. Ich h�rte das Dr�hnen der Tarntrommel, die den Formationsflug lenkte.</p><p>�Wir sind Narren!� br�llte Kamchak und ri� seine Kaiila herum. �Jeder zu seinem eigenen Wagen zur�ck!�</p><p>Ich sah zwei gelbe und eine rote Laterne an den Pf�hlen.</p><p>Das Auftauchen von Tarnk�mpfern so weit im S�den erstaunte mich. Soviel ich wu�te, befand sich die n�chste Tarnkavallerie im fernen Ar. Gewi� stand Ar nicht im Krieg mit den Tuchuks!</p><p>Also mu�te es sich um S�ldner handeln! Kamchak kehrte nicht zu seinem eigenen Wagen zur�ck, sondern galoppierte, von hundert M�nnern gefolgt, auf den H�gel zu, auf dem die Standarte der vier Boskh�rner und der riesige Wagen Kutaituchiks standen, der Ubar der Tuchuks genannt wurde.</p><p>Bei den Wagen h�tten die Tarnk�mpfer nur Sklaven, Kinder und Frauen gefunden � aber kein Wagen war angez�ndet oder beraubt worden.</p><p>Wieder h�rten wir das donnernde Fl�gelschlagen, und die Horde der Tarns rauschte �ber uns dahin. Einige Tuchukpfeile schwirrten sinnlos in den Himmel, fielen zwischen den Wagen wieder zu Boden.</p><p>Die zusammengen�hten bunten Boskh�ute, die die Riesenkuppel �ber Kutaituchiks Wagen gedeckt hatten, hingen zerfetzt herab. Wo sie nicht zerrissen waren, g�hnten unz�hlige L�cher, als h�tte der Gegner mit Dolchen immer wieder zugestochen und jede freie Stelle zu treffen versucht.</p><p>F�nfzehn oder zwanzig W�chter lagen tot am Boden, zumeist von zahllosen Pfeilen getroffen.</p><p>Kamchak sprang aus dem Sattel seiner Kaiila, ri� eine Fackel aus einer Halterung und betrat den Wagen.</p><p>Ich folgte ihm und blieb verbl�fft stehen. Tausende von Pfeilen waren durch die Kuppel in den Wagen gefeuert worden. Man konnte keinen Schritt tun, ohne auf Pfeilholz zu treten, das unter den Sohlen zerbrach. In der Mitte des Wagens hockte Kutaituchik, allein, vorn�bergebeugt � von f�nfzehn oder zwanzig Pfeilen durchbohrt. Zu seiner Rechten stand der goldene Kandakasten. Ich sah mich um. Der Wagen war ausgeraubt worden � wahrscheinlich der einzige Wagen �berhaupt.</p><p>Kamchak trat n�her und setzte sich mit untergeschlagenen Beinen vor den alten Toten und barg das Gesicht in den H�nden.</p><p>Ich st�rte ihn nicht.</p><p>Andere dr�ngten hinter uns in den Wagen, doch sie hielten sich im Hintergrund.</p><p>Ich h�rte Kamchak st�hnen: �Die Bosk entwickeln sich zur Zufriedenheit�, sagte er. �Die Quivas � ich werde versuchen, sie scharf zu halten. Ich werde daf�r sorgen, da� die Wagenachsen gut geschmiert sind.� Dann neigte er den Kopf und begann zu schluchzen, wobei er sich vor und zur�ck wiegte.</p><p>Au�er seinem Schluchzen war nur das Knistern der Fackel zu h�ren, die die Reste der zerfetzten Kuppel erleuchtete. Hier und dort sah ich umgest�rzte Truhen, verstreute Juwelen, zerrissene Roben und Stoffe. Die goldene Kugel war nicht zu entdecken.</p><p>Wenn sie hier aufbewahrt worden war, hatte man sie mitgenommen.</p><p>Endlich stand Kamchak auf.</p><p>Er wandte sich zu mir um. Tr�nen schimmerten in seinen Augen. �Er ist fr�her ein gro�er Krieger gewesen�, sagte er.</p><p>Ich nickte.</p><p>Kamchak sah sich um, nahm einen der Pfeile zur Hand und brach ihn mitten durch.</p><p>�Das haben die Turianer auf dem Gewissen!� sagte er.</p><p>�Saphrar?�</p><p>�Kein Zweifel�, sagte Kamchak. �Wer sonst k�nnte Tarn-S�ldner anwerben oder f�r die Ablenkung sorgen, die uns Narren zur Herde lockte? Er wollte die goldene Kugel.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�So wie du, Tarl Cabot.�</p><p>Ich starrte ihn verbl�fft an.</p><p>�Aus welchem Grund h�ttest du sonst zu den Wagenv�lkern kommen sollen?�</p><p>Ich brachte zuerst kein Wort heraus. �J-ja�, sagte ich schlie�lich. �Du hast recht. Ich m�chte die Kugel f�r die Priesterk�nige holen. Sie ist ihnen wichtig.�</p><p>�Sie ist wertlos�, sagte Kamchak.</p><p>�Nicht f�r die Priesterk�nige�, sagte ich.</p><p>Kamchak sch�ttelte den Kopf. �Nein, Tarl Cabot�, sagte er fest, �die goldene Kugel ist wirklich wertlos.�</p><p>Der Tuchuk sah sich traurig um und betrachtete noch einmal die vorn�bergebeugte Gestalt Kutaituchiks. �Er war ein gro�er Mann!�</p><p>Ich nickte. �Es wird nun einen neuen Ubar der Tuchuks geben m�ssen�, bemerkte ich.</p><p>Kamchak blickte mich an. �Nein�, sagte er.</p><p>�Kutaituchik�, sagte ich, �ist tot.�</p><p>Kamchak sah mich ruhig an. �Kutaituchik war nicht Ubar der Tuchuks.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Er wurde Ubar der Tuchuks genannt�, sagte Kamchak, �aber er war es nicht.�</p><p>�Wie ist das m�glich?� �Wir Tuchuks sind nicht ganz so dumm, wie die Turianer annehmen. Wegen eines solchen Angriffs wartete Kutaituchik hier im Wagen des Ubar.�</p><p>Ich sch�ttelte verwundert den Kopf.</p><p>�Er wollte es so�, sagte Kamchak. �Er wollte es so.� Er fuhr sich mit dem Arm �ber die Augen. �Er sagte, zu mehr tauge er in seinem Alter nicht mehr � nur noch hierf�r und f�r nichts sonst.�</p><p>Ein gro�artiger Plan.</p><p>�Dann ist der wirkliche Ubar der Tuchuks also noch am Leben�, sagte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wer wei� aber, wer der wirkliche Ubar ist?�</p><p>�Die Krieger wissen es. Die Krieger.�</p><p>�Und wer ist Ubar der Tuchuks?�</p><p>�Ich.�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Turia wurde nun belagert � obwohl die Tuchuks allein die Stadt nicht v�llig einkesseln konnten. Die anderen Wagenv�lker sahen den Mord an Kutaituchik und die Verw�stung seines Wagens als ein Problem, das man getrost dem Volk der vier Boskh�rner �berlassen sollte. Sie meinten, da� die Kassars, die Kataii und die Paravaci nichts damit zu tun h�tten. Es hatte einige Kassars und auch einige Kataii gegeben, die sich mit in den Kampf st�rzen wollten, aber die ruhigen Paravaci hatten diese Leute �berzeugt, da� der Streit allein Turia und die Tuchuks anging und nicht die Wagenv�lker im allgemeinen. Tats�chlich waren Abgesandte der Stadt auf Tarns zu den drei anderen Wagenv�lkern geflogen und hatten deren Ubar versichert, da� die Stadt ihnen gegen�ber keinerlei feindliche Absichten hege.</p><p>Den Landweg jedoch vermochte die Kavallerie der Tuchuks einigerma�en erfolgreich zu blockieren. Viermal hatten die riesigen Tharlarions der Stadt den Weg freik�mpfen wollen, doch jedesmal hatten sich die Hundertschaften zur�ckgezogen, bis der Angriff sich verzettelt hatte und die Tharlarions von den wenigen Kaiila eingekreist worden waren; und dann fielen die turianischen Reiter rasch den Pfeilen der Tuchuks zum Opfer. Mehrmals hatten Tharlarioneinheiten auch versucht, Karawanen zu sch�tzen, die die Stadt verlie�en, oder waren erwarteten Karawanen entgegengezogen � aber jedesmal zwangen die schnellen Tuchukreiter diese Wagenz�ge zum Umkehren oder brachten die Karawanen bis zum letzten Mann auf.</p><p>Am meisten f�rchteten die Tuchuks die Tarns�ldner der Stadt, denn diese vermochten relativ ungest�rt vom R�cken ihrer Tiere aus auf die Krieger zu schie�en � aber diese einzige wirksame turianische Waffe vermochte die Tuchuks nicht aus der N�he der Stadt zu vertreiben. Auf der freien Pr�rie wehrten sich die Tuchuks, indem sie ihre Hundertschaften in Zehnerschaften aufteilten und somit als kleine und wenige Gruppen kaum Ziele boten. Es ist nicht leicht, vom R�cken eines Tarn aus einen Kaiilareiter zu treffen, wenn dieser sich der Gefahr bewu�t ist und Ausweichman�ver macht; wagte sich der Tarnk�mpfer sogar zu nahe an sein Ziel heran, waren er und sein Tier dem Gegenfeuer der Tuchuks ausgesetzt, die ihre kleinen Bogen wohl einzusetzen verstanden. Die Schie�k�nste der Tarnk�mpfer sind am wirksamsten gegen Massen von Infantrie oder gegen gr��ere Tharlarioneinheiten. Wichtig war auch die Tatsache, da� viele der Tarns�ldner mit der zeitraubenden und unangenehmen Aufgabe betraut waren, die Stadt aus der Luft mit Nachschubg�tern zu versorgen � mit Pfeilholz und Nahrungsmitteln, die teilweise vom fernen Cartius herbeigeschafft werden mu�ten. Ich vermutete, da� die S�ldner, die als Tarnk�mpfer einer besonders stolzen Volksgruppe angeh�rten, den Turianern f�r diese Dienste einen hohen Preis abverlangten, denn die Zumutung, Lasten zu transportieren, lie� sich nur durch das Gewicht goldener Tarnm�nzen einigerma�en mildern. Wasserprobleme gab es in der Stadt nicht, denn sie wurde aus gekachelten Brunnen versorgt, von denen einige viele hundert Meter tief sind; es gibt auch Reservoirs, die aus der Schneeschmelze und durch den Fr�hlingsregen gespeist werden.</p><p>Kamchak sa� des �fteren w�tend auf seiner Kaiila und beobachtete die fernen wei�en Mauern Turias. Er konnte nichts gegen die Luftversorgung der Stadt unternehmen. Ihm fehlten Belagerungsmaschinen, Truppen und die Kriegserfahrung der n�rdlichen St�dte. Er stand hier vor dieser Stadt als Nomade, auf seine Weise von den Mauern gehemmt. �Ich m�chte wissen�, sagte ich, �warum die Tarnk�mpfer nicht gegen die Wagen vorgegangen sind � etwa mit Brandpfeilen �, warum sie nicht die Bosks angreifen und aus der Luft t�ten, so da� wir uns zur�ckziehen m��ten.�</p><p>Das erschien mir die einfachste Strategie zu sein. Es gab schlie�lich auf der Pr�rie keine M�glichkeit, Wagen oder Bosks zu verstecken.</p><p>�Es sind S�ldner�, knurrte Kamchak geringsch�tzig.</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Wir haben sie bezahlt, da� sie unsere Wagen nicht verbrennen und die Bosks in Ruhe lassen.�</p><p>�Sie erhalten also Geld von beiden Seiten?�</p><p>Aus irgendeinem Grund �rgerte mich das, obwohl es mich nat�rlich freute, da� die Wagen und die Bosks dadurch in Sicherheit waren. Wahrscheinlich war ich w�tend, weil ich mich selbst als Tarnk�mpfer betrachtete und es mir irgendwie unehrenhaft vorkam, da� die Dienste der m�chtigen Tarn gleicherma�en beiden Seiten angeboten wurden.</p><p>�Aber�, fuhr Kamchak fort, �letztlich wird Saphrar aus Turia meinen Preis �berbieten � und die Wagen werden brennen, und die Bosks werden get�tet...� Er knirschte mit den Z�hnen. �Noch hat er den Preis nicht erreicht�, sagte Kamchak, �weil wir ihm noch nicht wirklich geschadet haben.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Wir ziehen uns zur�ck�, sagte Kamchak. Er wandte sich an einen Untergebenen. �Die Leute sollen sich bereit machen�, sagte er, �die Bosks weiterzutreiben.�</p><p>�Du gibst auf?� fragte ich.</p><p>In Kamchaks Augen blitzte ein r�tselhaftes Feuer auf. Dann l�chelte er. �Nat�rlich.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>Ich wu�te, da� ich irgendwie in die Stadt eindringen mu�te � denn dort lag jetzt die goldene Kugel. Irgendwie mu�te ich versuchen, dieses Gebilde in meinen Besitz zu bringen und ins Sardargebirge zu schaffen. War ich nicht aus diesem Grund zu den Wagenv�lkern gekommen? Ich verfluchte mich, weil ich so lange gewartet und somit meine Chance vertan hatte. Zu meiner Verbitterung lag das Ei jetzt nicht mehr in einem Tuchukwagen auf offener Pr�rie, sondern ruhte wahrscheinlich im Hause Saphrars, einer Kaufmannsfestung hinter den hohen wei�en Mauern Turias. Ich weihte Kamchak nicht in meine Pl�ne ein, denn er h�tte sich bestimmt gegen meine sinnlose Mission ausgesprochen. Vielleicht h�tte er mich sogar am Verlassen des Lagers gehindert.</p><p>Andererseits kannte ich die Stadt nicht. Ich hatte keine Ahnung, wie ich sie betreten sollte.</p><p>Ein gesch�ftiger Nachmittag begann. Die Vorbereitungen zum Abmarsch waren in vollem Gange. Schon hatte man die Herden etwas von der Stadt fort nach Westen getrieben. Die Wagenbosks wurden gestriegelt, Zaumzeug und Wagen wurden kontrolliert, Fleisch wurde geschnitten, um in der Sonne getrocknet zu werden. Am n�chsten Morgen w�rden die Wagen in langer Kette den langsam dahintrottenden Herden folgen und Turia zur�cklassen. Inzwischen ging die Omenbefragung � auch mit den Haruspexen der Tuchuks � weiter. Ich hatte sagen h�ren, da� sich die Omen normal entwickelten � es stand also schlecht f�r die Wahl eines Ubar San.</p><p>Seit dem Tod Kutaituchiks hatte sich Kamchaks Art zum Schlechten gewandelt. Er trank und scherzte und lachte nur noch selten. Mir fehlten seine st�ndigen Wettangebote, seine Bereitschaft, sich im Wettkampf mit mir zu messen. Er wirkte niedergeschlagen, schlechtgelaunt, von einem gro�en Ha� auf Turia und seine Einwohner zerfressen. Besonders Aphris hatte darunter zu leiden. Sie stammte aus Turia. Immer wieder hatte er sie seine Gef�hle gegen�ber der Stadt sp�ren lassen. Allerdings war der Sklavenmeister nicht gekommen, weder an jenem ersten Abend, noch an den Tagen danach. Kamchak hatte wichtigere Dinge im Kopf als die Kennzeichnung seiner Sklavinnen, und er begn�gte sich damit, die M�dchen abends wieder in den K�fig einzuschlie�en. Besonders Aphris schien dieses Verhalten zu kr�nken; seine pl�tzliche H�rte und Gleichg�ltigkeit machten ihr zu schaffen. Ich versuchte ihn mehrmals zur Besinnung zu bringen, doch ich vermochte ihn nicht umzustimmen. Er sah Aphris an, kehrte in seinen Wagen zur�ck und sa� mit untergeschlagenen Beinen stundenlang da, sagte kein Wort und starrte ins Leere. Die Arbeit am Wagen wurde inzwischen von Tuka und einem anderen M�dchen erledigt, das er mietete. Elizabeth lie� die strenge Behandlung stoisch �ber sich ergehen, aber manchmal h�rte ich sie nachts weinen.</p><p>Ich mu�te lange suchen, bis ich zwischen den Wagen den Mann fand, den, ich sprechen wollte. Er sa� mit untergeschlagenen Beinen im Schatten eines Wagens, die Waffen in ein Ledertuch geschlagen griffbereit neben sich. Es war Harold, der junge blonde blau�ugige Tuchuk, den Hereena vom Ersten Wagen so geringsch�tzig behandelt hatte.</p><p>Er a� ein St�ck Boskfleisch nach Art eines Tuchukkriegers � er hielt das Fleisch in der Linken und zwischen den Z�hnen, schnitt es mit seiner Quiva wenige Millimeter von den Lippen entfernt ab und kaute das losgeschnittene St�ck.</p><p>Wortlos setzte ich mich neben ihm nieder und sah ihm beim Essen zu. Er beobachtete mich wachsam.</p><p>�Wie steht es mit den Bosk?� fragte ich nach einigen Sekunden.</p><p>�Nicht schlechter, als zu erwarten war.�</p><p>�Sind die Quivas gesch�rft?�</p><p>�Ja, und wir schmieren die Achsen unserer Wagen.� Er reichte mir ein St�ck Fleisch und fuhr fort: �Du bist Tarl Cabot, der Korobaner.�</p><p>�Ja, und du bist Harold � der Tuchuk.�</p><p>Er sah mich an und l�chelte. �Ja, ich bin Harold � der Tuchuk.�</p><p>�Ich gehe nach Turia�, sagte ich.</p><p>�Das ist interessant. Ich gehe auch nach Turia.�</p><p>�In wichtiger Mission?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Worum geht es bei dir?�</p><p>�Um ein M�dchen. Ich will mir ein M�dchen holen.�</p><p>�Ah�, sagte ich.</p><p>�Und was hast du in Turia vor?�</p><p>�Nichts Wichtiges.�</p><p>�Eine Frau?�</p><p>�Nein, eine goldene Kugel.�</p><p>�Davon habe ich geh�rt�, sagte Harold. �Sie wurde aus dem Wagen Kutaituchiks gestohlen.� Er sah mich an. �Man sagt, sie sei wertlos.�</p><p>�Vielleicht�, sagte ich, �aber ich gehe wohl trotzdem nach Turia und sehe mich mal danach um. Sto�e ich zuf�llig darauf, nehme ich sie vielleicht mit und bringe sie mit zur�ck.�</p><p>�Wo soll deiner Meinung nach die goldene Kugel liegen?�</p><p>�Ich vermute, da� sie sich irgendwo im Palast Saphrars, eines turianischen Kaufmanns, befindet.� �Das ist interessant�, sagte Harold, �denn ich hatte mir gedacht, ich versuche mal mein Gl�ck in den Vergn�gungsg�rten eines turianischen H�ndlers namens Saphrar.�</p><p>�Das ist wirklich interessant. Vielleicht ist es derselbe Mann.�</p><p>�M�glich�, sagte Harold. �Ist er klein, ziemlich dick, mit zwei gelben Z�hnen?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Das sind Giftz�hne � eine turianische Sitte.�</p><p>�Ich werde versuchen, mich nicht bei�en zu lassen.�</p><p>Dann sa�en wir noch eine Zeitlang beisammen, ohne etwas zu sagen, und ich sah ihm beim Essen zu. Der Wagen, an dem er sa�, geh�rte nicht ihm. Er hatte auch keine eigene Kaiila. Soviel ich wu�te, besa� Harold kaum mehr als die Kleidung am Leibe, seine Waffen und das Fleisch, das er a�.</p><p>�Du wirst in Turia umkommen�, sagte Harold.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Du wei�t ja nicht einmal, wie du in die Stadt kommst�, sagte er.</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Ich kann nach Belieben in die Stadt�, sagte er. �Ich kenne einen Weg.�</p><p>�Vielleicht kann ich dich begleiten.�</p><p>�Vielleicht�, sagte er und wischte seine Quiva am �rmel ab.</p><p>�Wann gehst du nach Turia?� fragte ich.</p><p>�Heute nacht.�</p><p>Ich sah ihn an. �Warum hast du so lange gewartet?�</p><p>�Kamchak sagte mir, ich sollte auf dich warten�, erwiderte er l�chelnd.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Der Weg nach Turia, den mir Harold der Tuchuk zeigte, war nicht angenehm, aber ich lie� mich nicht beirren.</p><p>�Kannst du schwimmen?� fragte er.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ich war fr�her Badesklave in den �ffentlichen B�dern Turias. Jede Nacht wurden die Becken geleert und ges�ubert, und ich geh�rte zu den M�nnern, die sich darum k�mmern mu�ten�, sagte er. �Ich war erst sechs Jahre alt, als ich nach Turia kam, und ich lebte elf Jahre in der Stadt.�</p><p>�Sind die M�dchen, die sich bei Tag um die Badenden k�mmern, wirklich so h�bsch, wie behauptet wird?� fragte ich.</p><p>�Vielleicht�, sagte er. �Ich habe sie n�mlich nie gesehen � am Tag waren ich und die anderen Sklaven in einem dunklen Raum angekettet, um Kr�fte f�r die Nachtarbeit zu sammeln.�</p><p>�Wie konntest du dann fliehen?�</p><p>�Nachts, wenn wir die Becken reinigen mu�ten, wurden uns die Ketten abgenommen � damit sie nicht rosteten. Man fesselte uns nur mit Halsb�ndern aneinander. An das Seil kam ich �brigens erst mit vierzehn � vorher durfte ich mich nach Belieben in den Becken tummeln und machte auch Boteng�nge f�r den Bademeister � in diesen Jahren lernte ich schwimmen und wurde mit den Stra�en Turias vertraut. Als ich siebzehn war, fand ich mich pl�tzlich am Ende des Seils, kaute es durch und versteckte mich, in dem ich mich an einem Brunnenseil herablie�. Das Wasser unten war in Bewegung, und ich tauchte hinab und fand einen Spalt, den ich durchschwamm. Ich kam in einen Tunnel und erreichte schlie�lich ein flaches Becken, das �berlaufbecken f�r den Brunnen; wieder schwamm ich unter Wasser und erreichte schlie�lich einen Felstunnel, durch den ein Flu� str�mte, zum Gl�ck nicht ganz bis obenhin. Und der Tunnel endete � hier.�</p><p>Harold deutete auf einen Spalt zwischen zwei Felsen, knapp drei�ig Zentimeter breit, durch den ein unterirdischer Bach quoll und in einem kleinen Flu� m�ndete, aus dem Aphris und Elizabeth oft Wasser f�r die Wagenbosks geholt hatten.</p><p>Wortlos steckte Harold seine Quiva zwischen die Z�hne, befestigte ein Seil mit Haken an seinem G�rtel und verschwand unter Wasser. Ich folgte ihm, mit Quiva und Schwert bewaffnet. An die nun folgende Reise erinnere ich mich nicht gern. Ich bin zwar ein guter Schwimmer, aber es schien mir, als m��ten wir pasangweit gegen eine starke Str�mung anschwimmen. An einer Stelle im Tunnel verschwand Harold pl�tzlich unter Wasser und ich folgte ihm. Schweratmend tauchten wir in dem kleinen Becken auf, das aus dem Unterwasserflu� gespeist wurde. Hier verschwand Harold erneut, und ich machte es ihm nach. Erst nach langer Zeit kamen wir wieder ins Freie, diesmal am Grund eines gekachelten Brunnenschachtes. Es war ein ziemlich gro�er Brunnen vielleicht f�nf Meter im Durchmesser. Einige Zentimeter �ber uns hing eine gro�e schwere Trommel, die etwas zur Seite geneigt war. Sie fa�te Hunderte von Litern; zwei Seile f�hrten herab; ein kleines zum Abf�llen, und ein gro�es Halteseil; dieses Seil war mit einer Kette verst�rkt, die mit einer Art Harz gegen Wassereinfl�sse gesch�tzt war.</p><p>Ich h�rte Harolds Stimme in der Dunkelheit, von den Fliesen hohl zur�ckgeworfen. �Die Fliesen m�ssen regelm��ig kontrolliert werden�, sagte er, �und zu diesem Zweck gibt es Halteschleifen am Seil.�</p><p>Ich atmete erleichtert auf, denn der Brunnenschacht ragte wirklich endlos �ber uns auf.</p><p>Die Fu�schleifen waren zus�tzlich angebracht und mit Harz �bergossen. Sie standen jeweils etwa drei Meter auseinander, so da� der Aufstieg auch so ziemlich anstrengend war, trotz der vielen Pausen, die man einlegen konnte. Mich beunruhigte die Aussicht, auf dem R�ckweg das goldene Ei bei mir zu haben und es unter Wasser aus der Stadt schaffen zu m�ssen. Auch war mir nicht klar, wie Harold � sollte seine Mission erfolgreich verlaufen � sein M�dchen auf diesem Wege entf�hren wollte.</p><p>Ich fragte ihn, als wir noch etwa sechzig Meter unter dem Brunnenrand waren.</p><p>�F�r den R�ckweg�, sagte er, �stehlen wir uns zwei Tarns und fliegen einfach fort.�</p><p>�Es freut mich, da� du einen Plan hast.�</p><p>�Nat�rlich � ich bin doch ein Tuchuk.�</p><p>�Bist du je auf einem Tarn geritten?�</p><p>�Nein�, t�nte seine Stimme von oben. �Aber du bist doch Tarnk�mpfer.�</p><p>�Allerdings.�</p><p>�Na also � dann bringst du es mir bei.�</p><p>Ein Tarn merkt sehr schnell, wer ein Tarnk�mpfer ist und wer nicht � und er bringt alle um, die es nicht sind.�</p><p>�Dann mu� ich das Tier eben t�uschen.�</p><p>�Wie willst du das schaffen.�</p><p>�F�llt mir bestimmt nicht schwer�, sagte Harold. �Ich bin doch ein Tuchuk.�</p><p>Ich �berlegte, ob ich wieder hinabsteigen und ins Tuchuklager zur�ckkehren sollte. Vielleicht ergab sich morgen noch einmal eine Gelegenheit, in die Stadt einzudringen. Aber ich hatte keine Lust, den m�hsamen Weg durchs Wasser noch einmal zur�ckzulegen.</p><p>�Die Sache m��te die Mutnarbe wert sein�, sagte Harold von oben, �was meinst du?�</p><p>�Was?� fragte ich.</p><p>�Ich meine, wenn ich mir aus dem Hause Saphrars ein M�dchen stehle und sie auf einem gestohlenen Tarn zur�ckbringe.�</p><p>�Zweifellos�, knurrte ich. Ich �berlegte, ob es bei den Tuchuks so etwas wie eine Idiotennarbe gab � dann h�tte ich den jungen Mann daf�r vorgeschlagen.</p><p>Trotzdem mu�te ich den zuversichtlichen jungen Burschen irgendwie bewundern.</p><p>Ich mu�te mir auch eingestehen, da� meine eigenen Erfolgsund �berlebenschancen kaum besser standen � und da hing ich, sein Kritiker, am Trommelseil, na�, unterk�hlt, au�er Atem, ein Fremd er in Turia � und ich wollte einen Gegenstand stehlen, der bestimmt so gut bewacht wurde wie der Heimstein dieser Stadt. Ich beschlo�, Harold und mich f�r die Idiotennarbe vorzuschlagen und den Tuchuks die Entscheidung zu �berlassen.</p><p>Erleichtert legte ich schlie�lich den Arm um den Windenbaum und zog mich hoch. Harold hatte bereits am Brunnenrand Stellung bezogen und sah sich wachsam um. Die turianischen Brunnen haben �brigens keine hohen Schutzmauern, sondern nur einen wenige Zentimeter hohen Rand. Ich schwang mich zu Harold hin�ber. Wir befanden uns in einem von hohen Mauern umschlossenen Brunnenhof, um den Verteidigungsg�nge verliefen. Die Mauern boten so die M�glichkeit zur Verteidigung, und die verschiedenen Brunnen der Stadt, von denen einige durch Quellen gespeist werden, bilden eine Anzahl von abgeschlossenen Verteidigungseinheiten, falls Teile der Stadt in feindliche H�nde fallen sollten. Ein Torbogen stand einladend offen. So leicht hatte ich mir den Zugang zur Stadt nicht vorgestellt.</p><p>�Ich war vor f�nf Jahren das letztemal hier�, sagte Harold.</p><p>�Ist es weit bis zum Hause Saphrars?�</p><p>�Ziemlich weit�, antwortete er. �Aber die Stra�en sind dunkel.�</p><p>�Gut, dann los.� Es war k�hl, und meine nasse Kleidung lie� mich fr�steln. Harold schien das alles nichts auszumachen.</p><p>�Die Dunkelheit wird die N�sse unserer Kleidung verbergen � und wenn wir unser Ziel erreichen, sind wir vielleicht schon trocken.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Harold. �Das geh�rte ja zu meinem Plan.�</p><p>�Oh.�</p><p>�Andererseits m�chte ich vielleicht noch mal richtig baden � ich war noch nie als Kunde in den B�dern.�</p><p>�Das ist alles ganz sch�n und gut�, sagte ich, �aber ich halte es f�r besser, wenn wir gleich auf unser Ziel losgehen.�</p><p>�Wie du willst�, sagte Harold. �Schlie�lich kann ich ja noch oft genug baden, wenn wir die Stadt genommen haben.�</p><p>�Die Stadt genommen?� fragte ich ungl�ubig. �H�r mal, die Bosks ziehen schon wieder ab. Die Wagen werden morgen fr�h folgen. Die Belagerung ist vorbei. Kamchak gibt auf!�</p><p>Harold l�chelte. �Ach was?� sagte er.</p><p>Arm in Arm schritten wir durch das Tor, das den einzigen Zugang zum Brunnenhof bildete.</p><p>Kaum hatten wir die Schwelle erreicht und einige Schritte auf der Stra�e zur�ckgelegt, als ein metallisches Rasseln zu h�ren war. Verbl�fft blickten wir auf und sahen, wie sich ein Stahlnetz �ber uns legte.</p><p>Sofort h�rten wir mehrere M�nner auf die Stra�e springen. Die Schn�re des Drahtnetzes wurden enger gezogen. Harold und ich vermochten uns nicht mehr zu bewegen und standen, vom Netz eingeschlossen, wie die Idioten auf der Stelle, bis ein W�chter uns einen Tritt versetzte.</p><p>�Zwei Fische aus dem Brunnen�, sagte eine Stimme.</p><p>�Das bedeutet nat�rlich, da� auch andere von dem Brunnen wissen�, sagte ein anderer.</p><p>�Wir verdoppeln die Wachen�, bemerkte ein Dritter.</p><p>Ich versuchte mich umzudrehen. �Hat das auch zu deinem Plan geh�rt?�</p><p>Harold grinste s�uerlich. �Nein�, sagte er.</p><p>Ich versuchte mich aus dem Netz zu befreien. Aber der schwere Draht hielt meinen Bem�hungen stand.</p><p>Harold und ich waren mit einer turianischen Sklavenstange aneinandergefesselt, die von Hals zu Hals lief; au�erdem waren uns die H�nde auf dem R�cken gebunden.</p><p>Wir knieten vor einer niedrigen, von Teppichen und Kissen bedeckten Plattform, auf der Saphrar aus Turia ruhte. Der Kaufmann trug ein wei�es und goldenes Seidengewand, und seine Sandalen waren ebenfalls aus wei�em Leder mit goldenen Verzierungen. Seine Zehen- und Fingern�gel schimmerten karmesinrot. Ich sah die Spitzen seiner goldenen Z�hne.</p><p>Er war von zwei Kriegern flankiert, die sich mit untergeschlagenen Beinen auf der Plattform niedergelassen hatten. Der Mann links trug eine Robe und eine Kapuze, wie sie von den Mitgliedern des Klans der Folterer getragen wird. Etwas an seinem K�rperbau und seiner Haltung kam mir bekannt vor � er mu�te der Mann sein, der im Lager der Tuchuks mit einer Paravaci-Quiva nach mir geworfen hatte � ja, er trug auch jetzt eine Quiva dieses Volkes. Der andere Krieger war in der Lederkleidung eines Tarnk�mpfers erschienen, allerdings mit Juwelen verziert. Um seinen Hals hing eine Tarnm�nze aus Ar. Neben ihm lagen Speer, Helm und Schild.</p><p>�Ich freue mich, da� du uns besuchst, Tarl Cabot aus Ko-ro-ba�, sagte Saphrar. �Wir rechneten schon damit, da� du es versuchen w�rdest � aber wir wu�ten nat�rlich nicht, da� du den Passagebrunnen kennst.�</p><p>Harold neben mir zuckte zusammen. Er hatte offensichtlich bei seiner Flucht einen Ausweg aus der Stadt entdeckt, der gewissen Turianern nicht unbekannt war.</p><p>�Unser Freund�, sagte Saphrar und deutete auf den Maskierten, �ist schon vor euch durch den Brunnen gekommen. Da wir st�ndig mit ihm in Verbindung standen und ihm den Brunnen gezeigt hatten, hielten wir es f�r ratsam, eine Wache aufzustellen � wie gut.�</p><p>�Wer ist dieser Verr�ter der Wagenv�lker?� fragte Harold. Sein Blick fiel auf die Quiva. �Ah � ich verstehe � ein Paravaci nat�rlich.�</p><p>Der Mann erstarrte, und seine Hand ballte sich um den Griff der Quiva.</p><p>�Ich habe mich oft gefragt�, sagte Harold unbeeindruckt, �woher die Paravaci ihren Reichtum beziehen.�</p><p>Mit einem Wutschrei sprang der Maskierte auf, wurde jedoch von Saphrar zur�ckgehalten.</p><p>Der andere Krieger schwieg. Er hatte ein markantes, narbiges Gesicht und kluge, dunkle Augen. Er musterte uns, wie ein Krieger seinen Feind betrachtet.</p><p>�Ich w�rde euch gern unseren maskierten Freund vorstellen�, sagte Saphrar, �aber nicht einmal ich kenne seinen Namen oder sein Gesicht � ich wei� nur, da� er bei den Paravaci eine hohe Position bekleidet und mir daher sehr n�tzlich gewesen ist.�</p><p>�Ich kenne ihn�, sagte ich. �Er ist mir im Lager der Tuchuks �fter gefolgt � und hat versucht, mich umzubringen.�</p><p>�Ich hoffe, da� uns das beim zweitenmal besser gelingt.�</p><p>�Geh�rst du wirklich dem Klan der Folterer an?� fragte Harold den verh�llten Mann.</p><p>�Das wirst du bald genauer wissen�, antwortete der Maskierte.</p><p>�Glaubst du, da� ich dich um Gnade anflehen werde?�</p><p>Saphrar schaltete sich ein, ehe der andere antworten konnte. �Und das hier ist Ha-Keel aus Port Kar, Anf�hrer der Tarns�ldner unserer Stadt.�</p><p>�Ist Saphrar bekannt�, fragte ich, �da� du Gold von den Tuchuks erhalten hast?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Ha-Keel.</p><p>�Du meinst vielleicht�, sagte Saphrar und lachte leise, �da� ich dies nun abstritte und da� du mich und meine Verb�ndeten auseinanderbringen k�nntest! Aber du mu�t wissen, Tarl Cabot, da� ich Kaufmann bin und die Menschen und die Bedeutung des Goldes verstehe � ich habe also nichts gegen Ha-Keels kleine Gesch�fte mit den Tuchuks.�</p><p>�Wie kommt es, da� Ha-Keel aus Port Kar eine M�nze aus Ar um den Hals tr�gt?�</p><p>�Ich habe eine Zeitlang in Ar gelebt�, sagte Ha-Keel. �Tats�chlich erinnere ich mich an dich von der damaligen Belagerung Ars.�</p><p>�Es betr�bt mich�, sagte ich, �da� sich ein Schwert, das einmal f�r die Verteidigung Ars gef�hrt wurde, vom Locken des Goldes beeinflussen l��t.�</p><p>�F�r diese Tarnm�nze habe ich einen Mann umgebracht, um Seide und Parf�m f�r eine Frau zu kaufen � aber sie hat mich verlassen. Da konnte ich nicht in das herrliche Ar zur�ckkehren.�</p><p>�Ha-Keel begab sich klugerweise nach Port Kar, das M�nner wie ihn nicht abzuweisen pflegte. Und dort begegneten wir uns�, sagte Saphrar.</p><p>�Ha! Die kleine Urt wollte mir den Beutel stehlen!�</p><p>�Dann warst du nicht immer Kaufmann?� fragte ich.</p><p>�Unter Freunden k�nnen wir ja offen sprechen�, sagte Saphrar l�chelnd, �zumal ich sicher bin, da� du das erwiesene Vertrauen nicht mi�brauchen, kannst � du wirst n�mlich bald sterben.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. �Ich war ein kleiner Verk�ufer in einer Parf�merie in Tyros � bis man mich dabei erwischte, wie ich einige Parfumflaschen auf eigene Rechnung mitgehen lie�. Ich erhielt eine Ohrnarbe und wurde verbannt. Ich schlug mich nach Port-Kar durch, wo es mir einige Zeit sehr schlecht ging, bis ich ihn traf.�</p><p>�Wen?�</p><p>�Einen Mann, einen gro�en, d�ster wirkenden Mann mit steingrauem Gesicht und Augen wie Glas.�</p><p>Ich erinnerte mich sofort an Elizabeths Beschreibung des Mannes, der sie auf der Erde untersucht hatte.</p><p>�Und dein Gl�ck wendete sich zum Besseren, als du diesen Mann kanntest?�</p><p>�Entschieden�, sagte Saphrar. �Er beschaffte mir mein Verm�gen und schickte mich vor einigen Jahren von Port-Kar hierher.�</p><p>�Ah � jetzt verstehe ich, wieso du dort eine Kriegsgaleere unterhalten kannst. Und � nat�rlich! Das Rencepapier! Die Nachricht kam von dir.�</p><p>�Nat�rlich!� sagte Saphrar l�chelnd, �Der Kragen wurde dem M�dchen in diesem Haus umgen�ht. Sie gefiehl mir recht gut � nur mein Wohlt�ter, der sie mir auf dem R�cken eines Tarns brachte, bestand darauf, da� ich sie weiterschickte. Es ging darum, da� dich die Wagenv�lker t�ten w�rden, wenn du dich durch deine Sprache verraten h�ttest. Sie haben es nicht getan � das macht nun keinen Unterschied mehr.�</p><p>�Wie kommt es�, fragte ich, �da� du damals beim Bankett meinen Namen wu�test, obwohl du mich noch nie gesehen hattest?�</p><p>�Der Mann mit dem grauen Gesicht hat dich gut beschrieben � und ich war sicher, da� es bei den Tuchuks keinen zweiten Mann mit rotem Haar gab.�</p><p>�Bringen wir sie doch endlich um�, sagte der Paravaci.</p><p>�Niemand hat dich zum Sprechen aufgefordert, Sklave�, sagte Harold.</p><p>��berla� mir den da�, wandte sich der Paravaci an Saphrar und deutete mit seiner Quiva auf Harold.</p><p>�Vielleicht�, sagte Saphrar. Dann stand der kleine Kaufmann auf und klatschte zweimal in die H�nde. Zwei Bewaffnete traten ein. Sie trugen zwischen sich eine kleine Plattform, auf der das Ziel meiner W�nsche ruhte � die goldene Kugel.</p><p>Es war eindeutig ein Ei � das Gebilde war oval, vierzig Zentimeter lang und etwa drei�ig Zentimeter dick.</p><p>�Wei�t du, was das ist?� fragte ich, ohne den Blick von dem Ei losrei�en zu k�nnen.</p><p>�Nein�, sagte Saphrar, �aber ich wei�, da� es den Priesterk�nigen viel bedeutet.�</p><p>�Scheint ein Ei zu sein�, sagte Ha-Keel.</p><p>�M�glich � aber was sollten die Priesterk�nige mit einem Ei wollen?� fragte Saphrar und sah mich an. �Deswegen also bist du nach Turia gekommen?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Und ich habe es ja auch schnell gefunden.�</p><p>Ha-Keel zog sein Schwert. �Ich werde ihn t�ten, wie es einem Krieger geziemt.�</p><p>�Nein�, sagte Saphrar fest. �Sie geh�ren beide mir.�</p><p>�Du hast das Ei in deinen Besitz gebracht � und viele M�nner sind schon daf�r gestorben �, nur um es dem grauen Mann zu geben?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte Saphrar.</p><p>�Und er gibt es den Priesterk�nigen zur�ck?�</p><p>�Das wei� ich nicht. Er gibt mir jedenfalls Gold daf�r � viel Gold. Vielleicht ist er selbst ein Priesterk�nig, denn wer w�rde sonst wagen, im Namen der Priesterk�nige zu sprechen, wie er es in dem Brief getan hat?�</p><p>Ich wu�te nat�rlich, da� der Mann kein Priesterk�nig war. Andererseits war mir klar, da� Saphrar keine Ahnung hatte, f�r wen er arbeitete. Jedenfalls handelte es sich um den Mann, der Elizabeth Cardwell auf diese Welt gebracht hatte, ein Mann, der �ber eine fortschrittliche Technik verf�gen mu�te, die ihm zumindest Raumfl�ge gestattete. Ich wu�te nat�rlich nicht, ob diese Technologie seine eigene war oder ob sie ihm von anderen zur Verf�gung gestellt wurde � von Wesen, die im Hintergrund blieben und die ein besonderes Interesse an Gor und an der Erde hatten. Wahrscheinlich war er ihr Agent � aber wer waren seine Hinterm�nner? Waren diese Wesen im Hintergrund eine Gefahr f�r die Priesterk�nige? Aber die Unbekannten schienen die Priesterk�nige auch zu f�rchten, denn sonst h�tten sie l�ngst h�rter durchgegriffen, um die Nestbewohner auszul�schen. Ich �berlegte angestrengt. Die Unbekannten mu�ten bis zu einem gewissen Grade Kenntnis haben von den Vorg�ngen unter dem Sardargebirge � sie wu�ten wahrscheinlich von den Priesterk�nigen, deren Stellung k�rzlich durch den unterirdischen Krieg ersch�ttert worden war. Nach diesem Ereignis wanderten nun viele Menschen auf Gor herum und berichteten von ihrem Leben unter dem Gebirge � Dinge, die von normalen Goreanern sicher lachend abgetan wurde � aber w�rden die Unbekannten nicht auf diese Versprengten h�ren?</p><p>Sie mu�ten also wissen, da� ein Gro�teil der �berwachungsanlagen der Priesterk�nige vernichtet war, da� die technologischen M�glichkeiten dieses Volkes nur noch sehr beschr�nkt waren, zumindest in der n�chsten Zeit. Ebenfalls konnten sie wissen, da� es bei dem Krieg um eine Generationenfrage gegangen war. Da die Mutter des Nestes, die als einzige Eier legen konnte, kurz vor dem Krieg gestorben war, mochten die Unbekannten daraus schlie�en, da� es irgendwo noch ein letztes Ei geben mochte, das erforderlich war, um eine neue Generation von Priesterk�nigen entstehen zu lassen. Von dieser �berlegung zu meiner Mission in den s�dlichen Ebenen war es nur noch ein kleiner Schritt.</p><p>Waren sie wirklich zum richtigen Schlu� gekommen, h�tten sie bestimmt zuerst daf�r sorgen wollen, da� ich das Ei nicht fand und da� sie selbst es in Besitz bekamen. Die sicherste Methode war mein Tod � also die Botschaft in Elizabeths Kragen. � Bei den Tuchuks, die sich selten zu un�berlegten Dingen hinrei�en lie�en, war dieser Plan allerdings fehlgeschlagen; dann kam der Anschlag mit der Paravaci-Quiva, und nun war ich Saphrar endg�ltig ausgeliefert, so da� das erste Ziel erreicht schien. Auch der zweite Plan war fast durchgef�hrt � das Ei war in Besitz Saphrars, der es zweifellos dem Unbekannten ausliefern w�rde, der es wiederum den Unbekannten aush�ndigte � wer immer sie sein mochten. Saphrar war schon seit mehreren Jahren in Turia. Das schien mir darauf hinzudeuten, da� die Unbekannten l�ngst von der Mission der beiden M�nner gewu�t hatten, die das Ei aus dem Sardargebirge zu den Wagenv�lkern brachten. Vielleicht hatten sie jetzt ganz offen und schnell zugeschlagen � aus Angst, da� ich das Ei als erster erreichen und zur�ckbringen k�nnte. Ich erinnerte mich auch, da� Saphrar von dem Versteck des Eis in Kutaituchiks Wagen gewu�t hatte � woher hatte er diese Information? Es konnte sein, da� die Tuchuks gar kein Geheimnis aus der Existenz der goldenen Kugel gemacht hatten � wom�glich weil sie deren Bedeutung nicht erkannten. Kamchak selbst hatte mir gesagt, das Ei sei wertlos. Die Entscheidung schien jedenfalls gefallen � zuungunsten der Priesterk�nige, die dem sicheren Untergang entgegengingen. Wenn sie das Ei nicht erhielten, mochte der Tag nicht fern sein, da die Unbekannten auf Gor die Macht ergreifen w�rden.</p><p>�M�chtest du um dein Leben k�mpfen?� fragte mich Saphrar.</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte der Kaufmann. �Das sei dir gestattet � im Gelben See von Turia.�</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Am Rand des Gelben Sees von Turia wurden Harold und ich von unserer Halsfessel befreit. Das Schwert erhielt ich nicht zur�ck, doch wurde mir meine Quiva wieder in den G�rtel gesto�en.</p><p>Der See liegt unter einem Dach; er nimmt einen weitl�ufigen Raum im Hause Saphrars ein, mit einer Dachkuppel, die vielleicht f�nfundzwanzig Meter hoch liegt. Der eigentliche See, in einem Becken, um den ein Marmorsteg verl�uft, ist kreisf�rmig und hat einen Durchmesser von zwanzig bis f�nfundzwanzig Metern.</p><p>Der Raum ist sehr sch�n eingerichtet und h�tte in die ber�hmten turianischen B�der gepa�t. Er war mit zahlreichen exotischen Bl�ten bemalt, ganz in Gr�n und Gelb gehalten. Breitbl�ttrige tropische Pflanzen wucherten in Nischen rings um den See; der riesige Raum war sehr sch�n; es herrschte jedoch eine derartige Hitze und Feuchtigkeit, da� man sich an den �quator versetzt glaubte.</p><p>Das Licht str�mte interessanterweise von einer durchsichtigen blauen Decke herab, hinter der sich wahrscheinlich Energielampen befanden; Saphrar mu�te wirklich reich sein, wenn er sich diese Beleuchtung leisten konnte.</p><p>Am Rand des Sees erhoben sich acht S�ulen, von denen zahlreiche Ranken ausgingen, die teilweise �ber dem See herabhingen; sie waren so zahlreich, da� das Dach nur bruchst�ckweise durch das Rankengewirr zu sehen war. Einige hingen so tief, da� sie fast die Seeoberfl�che ber�hrten. Ein Sklave stand an einer Art Schaltbrett mit Hebeln und Schaltern.</p><p>Da ich keine Bel�ftungs�ffnungen sah, wunderte ich mich zuerst, woher die Hitze kam � und es dauerte einige Minuten, bis ich merkte, da� der seltsame Dampf vom See selbst aufstieg. Das Wasser mu�te hei� sein. Die Oberfl�che wirkte seltsam ruhig, und ich �berlegte, was sich in den Tiefen verbergen mochte. Wenigstens hatte ich meine Quiva. Ich bemerkte, da� die Wasseroberfl�che kurz nach unserem Eintritt leicht zu zittern begann � wahrscheinlich sp�rte das unbekannte Wesen unsere Gegenwart.</p><p>�Was f�r ein Ungeheuer verbirgt sich im See?� fragte ich.</p><p>�Das wirst du bald erfahren�, sagte Saphrar lachend, der uns von einigen Bewaffneten bewachen lie�.</p><p>Ich vermutete, da� es sich um ein gef�hrliches Wassertier handelte, von denen es auf Gor zahlreiche Arten gibt. Da es bisher noch nicht zum Atemholen an die Oberfl�che gekommen war, war das Tier vermutlich ein Seewesen, das seinen Sauerstoff aus dem Wasser bezog.</p><p>�Ich m�chte mir das nicht ansehen�, sagte Ha-Keel. �Mit deiner Erlaubnis ziehe ich mich zur�ck.�</p><p>Saphrar nickte wortlos, und Ha-Keel verlie� den Raum.</p><p>�Werde ich gefesselt in den See geworfen?� fragte ich.</p><p>�Aber nein�, sagte Saphrar, �das w�re doch nicht fair.�</p><p>Ich h�rte den Paravaci hinter seiner Maske kichern.</p><p>�Holt den Holzschild!� befahl Saphrar, und zwei Bewaffnete verlie�en den Raum.</p><p>Ich betrachtete den See. Das Wasser war sch�n; es schimmerte gelblich und sah aus, als w�re es voller Juwelen. Seltsame Str�nge schienen sich unter der Oberfl�che hinzuziehen, und hier und dort schimmerten kleine verschiedenfarbige Kugeln. Dann bemerkte ich, da� der Dampf in rhythmischen Abst�nden aufstieg und da� sich die Wasseroberfl�che am Au�enrand beim Abstr�men des Dampfes leicht zu heben schien.</p><p>Meine Beobachtungen wurden durch Saphrars M�nner unterbrochen, die eine anderthalb Meter hohe Holzwand brachten, hinter die sich Saphrar, der Paravaci und die mit Armbr�sten bewaffneten Krieger zur�ckzogen. Nur Harold und seine W�chter blieben stehen.</p><p>�Wozu der Schild?� fragte ich.</p><p>�Damit du nicht in Versuchung kommst, die Quiva nach mir zu werfen�, sagte Saphrar.</p><p>Das klang l�cherlich, aber ich schwieg. Ich hatte jedenfalls nicht die Absicht, meine lebenswichtige Quiva so einfach fortzuwerfen.</p><p>Ich wandte mich wieder dem See zu. Vielleicht bildete ich es mir nur ein � aber das Gelb des Wassers schien intensiver geworden zu sein, und die seltsamen Erscheinungen unter der Oberfl�che waren anscheinend in Bewegung geraten; die seltsamen Kugeln schienen sogar zu pulsieren. Der Rhythmus des Dampfes nahm an Tempo zu, und ich vermochte nun auch einen feinen Geruch wahrzunehmen, der mir bisher entgangen war.</p><p>�Bindet ihn los�, sagte Saphrar.</p><p>�Wenn es mir gelingt, das Ungeheuer im See zu vernichten oder ihm zu entkommen�, sagte ich, �dann bin ich doch wohl frei, nicht wahr?�</p><p>�Das ist nur fair�, sagte Saphrar. �Bisher ist es aber noch niemandem gelungen.�</p><p>Die Wasseroberfl�che machte eine erneute Wandlung durch. Sie schien sich in der Mitte zu senken, w�hrend sie sich am Rand meinen Sandalen entgegenw�lbte. Der See schimmerte nun f�rmlich, war von fantastischen Farbwogen �berzogen, als l�gen Juwelen im Sonnenlicht. Die seltsamen Str�nge zuckten wild hin und her. Der Dampf stieg in heftigen St��en auf. Es war fast, als h�tte der See zu schwitzen begonnen.</p><p>�Hinein mit ihm!� befahl Saphrar.</p><p>Mit den F��en zuerst, die Quiva in der Hand � so st�rzte ich mich in die gelbe Fl�ssigkeit.</p><p>Zu meiner �berraschung war der See gar nicht tief � zumindest nicht am Ufer. Das Wasser reichte mir nur bis zu den Knien. Ich machte noch einige Schritte zur Mitte hin, wo es tiefer wurde. Etwa ein Drittel hatte ich zur�ckgelegt, als ich schon bis zur H�fte eingesunken war.</p><p>Ich blickte mich suchend um, doch es war schwer, durch die Oberfl�che in die Tiefe zu sp�hen. Das Dampfen hatte aufgeh�rt � der ganze See lag ruhig.</p><p>Die seltsamen Str�nge n�herten sich mir nicht, sondern verharrten zufrieden, auch die seltsamen Kugeln blieben unbeweglich. Einige wei�e Exemplare schienen allerdings langsam heranzuschwimmen.</p><p>Ich wartete auf den Angriff � vielleicht zwei oder drei Minuten lang.</p><p>Schon nahm ich an, da� es hier gar kein gef�hrliches Wassertier gab, da� man mich zum Narren gehalten hatte, und ich rief Saphrar zu: �Wo ist denn das Monstrum?�</p><p>Hinter dem Holzschild lachte der Kaufmann. �Du stehst ihm schon gegen�ber!� sagte er.</p><p>�Was ist es denn?� rief ich.</p><p>�Der See!�</p><p>�Der See?�</p><p>�Ja�, sagte Saphrar triumphierend. �Er lebt!�</p></section><section><title><p>18</p></title><p>In diesem Augenblick stieg wieder Dampf auf � ein gewaltiger Schwall explodierte rings aus der Fl�ssigkeit, als wagte sich das Monstrum nun zu regen, nachdem das Opfer ihm sicher war. Ich sp�rte, wie sich die gelbe Fl�ssigkeit um meinen K�rper verdickte und zu quellen begann. Ich schrie erschreckt auf und versuchte wieder den Rand des Marmorbeckens zu erreichen, der der K�fig dieses Wesens zu sein schien, in dem ich festklebte. Die Fl�ssigkeit war jetzt wie dunkelgelber hei�er Schlamm, und als ich mich so weit zum Ufer vorgek�mpft hatte, da� ich nur noch bis zu den Oberschenkeln im See� stand, wirkte die Fl�ssigkeit wie nasser, gelber Zement, der mich festhielt. Meine Beine begannen zu kribbeln und zu schmerzen, und ich sp�rte, wie meine Haut von zersetzenden Elementen angegriffen wurde.</p><p>Ich h�rte Saphrar sagen: �Es dauert manchmal Stunden, bis ein Opfer v�llig verdaut ist.�</p><p>Wild begann ich mit meiner Quiva auf die dicke Masse ringsum einzustechen. Nutzlos sank die Klinge ein.</p><p>�Manche, die sich nicht wehrten, haben noch bis zu drei Stunden gelebt�, sagte Saphrar.</p><p>In meiner N�he erblickte ich eine der herabh�ngenden Ranken. Hoffnungsvoll griff ich danach, doch als ich eben meine Finger darum schlie�en wollte, zuckte die Ranke zur�ck. W�tend sah ich mich um und bemerkte den Sklaven, der die Bewegung der Ranke von seinem Schaltbrett aus steuerte.</p><p>�Ja, Tarl Cabot � in einer Stunde, wenn du schon wahnsinnig vor Schmerzen und Angst bist, wirst du immer wieder nach den Ranken greifen wollen, auch wenn sie f�nf Meter von dir entfernt sind!� Saphrars goldene Vorderz�hne blitzten, und seine dicken F�uste trommelten vergn�gt auf den Rand des Schildes.</p><p>Ich hob die Quiva, und blitzschnell verschwand der Kaufmann hinter dem Holzschild.</p><p>�Viele haben die Quiva benutzt�, sagte er, �aber nur, um sich selbst zu t�ten.�</p><p>�Tarl Cabot�, sagte ich, �bringt sich nicht um.�</p><p>�Das hatte ich auch nicht angenommen�, bemerkte der Kaufmann. �Sonst h�tte ich dir keine Waffe gegeben.�</p><p>�Du schmutzige kleine Urt!� schrie Harold und versuchte sich von seinen beiden W�chtern loszumachen.</p><p>�Wart�s nur ab�, kicherte Saphrar. �Wart�s nur ab, mein junger Freund. Du kommst auch noch an die Reihe!�</p><p>Ich versuchte, mich nicht zu bewegen. Meine F��e und Beine waren schon kalt und gef�hllos, als w�ren die S�fte des Sees bereits am Werk. Soweit ich feststellen konnte, hatte sich die Masse nur rings um mich verh�rtet; am Rand und weiter zur Mitte hin sah ich kleine Wellen zucken. Der See schien sich in meiner N�he aufzuw�lben, so da� er am Rand noch niedriger geworden war; so mochte die Masse in den n�chsten Stunden an mir emporkriechen und mich schlie�lich v�llig umschlie�en und vertilgen � der Gelbe See von Turia.</p><p>Mit voller Kraft arbeitete ich mich nun nicht zum Rand vor, sondern zur Mitte hin, wo der See am tiefsten war. Zu meiner Befriedigung stellte ich fest, da� ich noch von der Stelle kam � wahrscheinlich hatte der See gegen diese Richtung nichts einzuwenden.</p><p>�Was tut er da?� rief der Paravaci.</p><p>�Er ist verr�ckt�, bemerkte Saphrar.</p><p>Mit jedem Zentimeter hatte sich die verdickte, zementartige gelbe Masse von mir gel�st, und ich konnte zwei oder drei ungehinderte Schritte machen � daf�r stand mir der See jetzt bis zu den Achseln. Eine der schimmernden wei�en Kugeln schwamm in der N�he vorbei, wobei sie ihre Farbe ver�nderte, als sie n�her an die Oberfl�che kam � sie war eindeutig lichtempfindlich. Ich hieb mit der Quiva danach und durchschnitt sie. Das Gebilde zog sich hastig zur�ck, und der ganze See schien pl�tzlich von Licht und Dampf �berflutet. Dann beruhigte er sich wieder. Nun wu�te ich, da� der See wie jede Lebensform eine Reizschwelle hatte. Weitere schimmernde Kugeln umschwammen mich, ohne allerdings n�herzukommen.</p><p>Ich konnte jetzt fast frei schwimmen, �berquerte den Mittelpunkt des Sees, doch kaum n�herte ich mich dem gegen�berliegenden Ufer, als sich die Masse wieder zu verdicken begann. Zweimal machte ich den gleichen Versuch in verschiedene Richtungen, doch jedesmal mit demselben Ergebnis. Schlie�lich schwamm ich frei in der gelben Fl�ssigkeit in der Mitte des Beckens. Unter mir, vielleicht zwei Meter tief, machte ich einige Gebilde aus, eine Art Sammlung von F�den und K�rnern in einem durchsichtigen Beutel � sich windende Str�nge und Kugeln, die sich in einer durchsichtigen Membrane bewegten.</p><p>Ich steckte die Quiva zwischen die Z�hne und tauchte zum tiefsten Teil des Sees hinab.</p><p>Augenblicklich begann sich die Fl�ssigkeit unter mir zu verdicken, versuchte mich von der schimmernden Masse am Beckenboden fernzuhalten, doch ich zerrte daran, zog mich mit den H�nden immer tiefer hinein. Schlie�lich grub ich mich f�rmlich weiter unter die Oberfl�che, w�hrend meine Lungen nach Luft schrien. Ich war der Bewu�tlosigkeit nahe, als ich schlie�lich eine runde Membrane sp�rte, na� und schleimig, die unter meinen Fingern spasmisch zuckte. Ich nahm die Quiva aus dem Mund und dr�ckte die Klinge mit beiden H�nden gegen die zuckende Membrane. Die Masse versuchte sich zu entfernen, doch ich lie� nicht nach, zerschnitt die Membrane und hieb mit der Waffe hinein. Rings um mich schwebten nun Str�nge und Kugeln, die mich von meinem Werk abzubringen versuchten, doch ich stie� immer wieder zu und drang schlie�lich in die versteckte Welt unter der Membrane ein, stach nach links und rechts, und pl�tzlich begann sich die Fl�ssigkeit rings um mich zu lockern und sich zur�ckzuziehen, festigte sich um meinen K�rper und dr�ngte mich hinaus. Ich wehrte mich, so lange es ging, doch ich lie� mich schlie�lich nach oben dr�ngen. Unter mir begann sich die Fl�ssigkeit wie ein emporsteigender Fu�boden zu verdicken, zog sich auf allen Seiten zur�ck, und pl�tzlich brach mein Kopf durch die Oberfl�che, und ich konnte wieder atmen. Ich stand nun auf der verh�rteten Oberfl�che des Gelben Sees von Turia und sah, wie die Fl�ssigkeit von allen Seiten in die Masse unter mir str�mte; ich stand auf einer warmen, trockenen Insel, die mich abstie�.</p><p>�T�tet ihn!� befahl Saphrar mit schriller Stimme, und im n�chsten Augenblick zischte ein Armbrustpfeil an mir vorbei. M�helos erreichte ich nun eine herabh�ngende Ranke und kletterte mit schnellen Bewegungen der blauen Decke entgegen. Ein zweiter Pfeil verfehlte mich knapp, doch da hatte ich die Kuppel erreicht, zerbrach mit dem Ellenbogen das blaue Glas und verschwand in einem Zwischengescho�, in dem sich zahlreiche Energielampen befanden.</p><p>Aus der Ferne h�rte ich Saphrar nach weiteren W�chtern kreischen. Ich lief �ber das Tragger�st, bis ich nach der Kr�mmung der Kuppel eine Stelle erreicht hatte, die etwa �ber Harold liegen mu�te. Mit der Quiva in der Hand, den Kriegsschrei Ko-ro-bas aussto�end, sprang ich aus der Kuppel, platzte durch die blaue Decke und landete zwischen meinen verbl�fften Gegnern. Die Armbrustsch�tzen spannten eben wieder ihre Waffen. Meine Quiva hatte zwei M�nnern ein Ende bereitet, ehe sie mich �berhaupt sahen. Ein dritter und vierter sanken zu Boden. Harold, dem noch immer die H�nde gefesselt waren, st�rzte sich gegen zwei weitere M�nner, die kreischend in den Gelben Teich fielen, der sich inzwischen wieder verfl�ssigt hatte.</p><p>Die beiden letzten W�chter hatten keine Armbr�ste. Sie zogen ihre Schwerter. Hinter ihnen stand mit wurfbereit erhobener Quiva der maskierte Paravaci.</p><p>Ich ging sofort zum Angriff �ber; ich unterlief die Schwertattacke des linken Schwertk�mpfers und stie� ihm meine Quiva in die Brust. Hastig entri� ich dem Sterbenden sein Schwert, duckte die sirrende Quiva des Paravaci ab und erwiderte den Angriff des zweiten W�chters, indem ich mich auf den R�cken rollen lie� und das eroberte Schwert hob. Viermal schlug der Mann zu, und viermal parierte ich, dann war ich wieder auf den Beinen. Der Mann wich zur�ck und st�rzte in den schimmernden See.</p><p>Ich wirbelte herum, doch der Paravaci hatte bereits die Flucht ergriffen.</p><p>Nun nahm ich meine Quiva wieder an mich, wischte sie sauber und befreite Harold von seinen Fesseln.</p><p>�Nicht schlecht f�r einen Korobaner�, bemerkte er.</p><p>Wir h�rten schnelle Schritte � M�nner, die von Saphrar zur Eile angetrieben wurden.</p><p>�Schnell!� br�llte ich.</p><p>Wir liefen um den See, bis wir einige Ranken erreichten, die von der Decke hingen. Hastig kletterten wir hinauf, brachen durch die blaue Kuppel und sahen uns hastig nach einem Ausgang um. Es mu�te einen Zugang geben, denn irgendwie mu�ten die Energielampen gewartet werden. Wir fanden eine kleine �ffnung, durch die wir schlie�lich einen schmalen gel�nderlosen Balkon erreichten.</p><p>Ich hatte das Schwert des W�chters und meine Quiva, w�hrend Harold nur mit seiner Quiva bewaffnet war.</p><p>Der Tuchuk sah sich um. �Dort!� br�llte er.</p><p>�Was denn?� fragte ich. �Tarns? Kaiila?�</p><p>�Nein � Saphrars Vergn�gungsgarten!� Und mit diesen Worten verschwand er auf der anderen Seite der Kuppel.</p><p>�Komm zur�ck!� br�llte ich � aber er war verschwunden.</p><p>Etwa hundertundf�nfzig Meter entfernt entdeckte ich �ber mehreren kleinen D�chern und Kuppeln, die zu dem weitverzweigten Anwesen Saphrars geh�rten, die hohen Mauern eines Vergn�gungsgartens. Mehrere Blumenb�ume reckten ihre Wipfel �ber die Mauern. Ich sah auch Harold, der weit vor mir im Licht der drei goreanischen Monde �ber die D�cher eilte.</p><p>W�tend folgte ich ihm. H�tte ich jetzt Hand an ihn legen k�nnen, w�re er sicher nicht mit dem Leben davongekommen.</p><p>Er sprang auf die hohe Mauer und verschwand gleich darauf in dem schwankenden Wipfel eines Baumes, tauchte in der Dunkelheit des Gartens unter.</p><p>Nach kurzem Z�gern folgte ich ihm.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Ich hatte keine M�he, Harold zu finden � landete ich doch fast auf seinem Kopf, als ich am Baumstamm hinabglitt.</p><p>�Ich hab� einen Plan�, verk�ndete er.</p><p>�Das ist eine gute Nachricht�, sagte ich. �Sieht er auch eine Flucht vor?�</p><p>�Diesen Teil habe ich noch nicht bedacht.�</p><p>Ich lehnte mich schweratmend gegen den Stamm. �H�tten wir uns nicht sofort zur Stra�e durchschlagen sollen?�</p><p>�Die Stra�en werden bestimmt bald abgesucht � von allen Bewaffneten in der Stadt. Wer wird schon hier suchen? Nur ein Narr w�rde sich hier verstecken.�</p><p>Ich schlo� kurz die Augen. Er hatte recht.</p><p>�Also gut � aber ewig k�nnen wir uns hier auch nicht aufhalten.�</p><p>�Richtig � aber l�nger als eine Stunde wird es wohl nicht dauern.�</p><p>�Was denn?�</p><p>�Bis Tarnk�mpfer zu Hilfe gerufen werden�, sagte Harold. �Die Patrouillen werden zweifellos hier vom Hause Saphrars aus gesteuert � also werden wir immer einige Tarns und ihre Reiter zur Verf�gung haben.� Pl�tzlich kam mir Harolds Plan gar nicht mehr so unm�glich vor. Zweifellos w�rden Tarnk�mpfer in regelm��igen Abst�nden zu Saphrar kommen, um Meldung zu machen.</p><p>�Du bist schlau�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich � ich bin ja auch ein Tuchuk. Mir f�llt immer etwas ein.�</p><p>�Und was tun wir jetzt?�</p><p>�Jetzt ruhen wir uns aus.�</p><p>Und das taten wir. Wir lehnten uns an den Stamm des Blumenbaumes im Vergn�gungsgarten Saphrars des Kaufmanns. Ich sah mich in dem vorz�glich gepflegten Garten um mit seinen Blumenb�umen, Bl�tenbeeten und Ka-la-na-St�mmen, mit den Brunnen und lauschigen Nischen. In zwei Teichen schwammen lotus�hnliche Blumen.</p><p>Nach einer Stunde stie� mich Harold an.</p><p>�Ich bin ausgeruht � jetzt kommt das M�dchen an die Reihe.�</p><p>�Das M�dchen!� rief ich.</p><p>�Psst!� machte er.</p><p>�Haben wir nicht schon genug Sorgen am Hals?�</p><p>�Warum sind wir wohl hergekommen?� fragte er.</p><p>Er hatte keinerlei Schnur, keine Sklavenhaube, keinen Tarn � doch das brachte ihn nicht von seinem Ziel ab.</p><p>�Es mag eine Weile dauern, bis ich eine gefunden habe, die mir gef�llt.�</p><p>�Na gut�, sagte ich ergeben, �nimm dir Zeit.�</p><p>Dann folgte ich Harold durch den duftenden Garten Saphrars, �ber eine bl�uliche Rasenfl�che in das Hauptgeb�ude, eine d�stere, nur durch Lampen erhellte Halle, in der zahlreiche Teppiche und Kissen lagen und die hier und dort durch geschnitzte wei�e Wandschirme unterteilt war.</p><p>Sieben oder acht M�dchen schliefen hier. Harold betrachtete sie, schien jedoch nicht zufrieden zu sein.</p><p>Er wanderte weiter, f�hrte mich durch zahlreiche R�ume, die an einem langen Korridor lagen, verschwand immer wieder kurz in Nebenr�umen, kehrte kopfsch�ttelnd zur�ck. Wir machten schlie�lich kehrt und nahmen uns einen anderen Korridor vor. Ich z�hlte nicht mit, aber wir hatten schlie�lich bestimmt an die sieben- oder achthundert M�dchen gesehen, doch Harold suchte weiter. Mehrmals drehten sich M�dchen im Schlaf oder warfen einen Arm zur Seite, und jedesmal wollte mir das Herz stocken, doch keine erwachte, und wir marschierten weiter.</p><p>Endlich erreichten wir einen gr��eren Raum, in dem etwa zwanzig Sch�nheiten schliefen. Hier befand sich kein Brunnen in der Mitte, sondern einige flache Tische mit Getr�nken und Fr�chten darauf. Harold richtete sich auf, trat an den Tisch und schenke sich eine Karaffe Ka-la-na-Wein ein, wobei er ziemlich viel L�rm machte. Ich sah mich unruhig um.</p><p>�Die m�chte ich�, sagte er und deutete auf ein M�dchen in dem gelben Seidenkleid einer T�nzerin.</p><p>Es war nat�rlich Hereena, das M�dchen aus dem Ersten Wagen.</p><p>Harold bi� laut in eine Frucht und stie� das M�dchen mit dem Fu� an.</p><p>Hereena fuhr auf. �Was ist?�</p><p>�Du wirst entf�hrt, Sklavin!� sagte Harold.</p><p>Das M�dchen fuhr auf. Als sie den jungen Mann erkannte, ri� sie erstaunt die Augen auf.</p><p>�Ja, ich bin�s, Harold der Tuchuk.�</p><p>�Nein!� sagte sie. �Nicht du!�</p><p>�Doch�, sagte er. Er drehte sie herum und fesselte ihr mit geschickten Bewegungen die H�nde auf dem R�cken zusammen, wozu er ein Halstuch verwendete. Sie versuchte, sich zu befreien, doch vergeblich.</p><p>�Was tust du hier?� fragte sie resignierend.</p><p>�Ich bin zuf�llig in der Gegend � und da dachte ich mir � entf�hre dir ein Sklavenm�dchen!�</p><p>�Aber doch nicht mich!�</p><p>�Und warum nicht?�</p><p>�Aber ich bin Hereena vom Ersten Wagen!�</p><p>�Du bist nur eine kleine turianische Sklavin�, sagte Harold, �die ich gar nicht mal so unattraktiv finde.�</p><p>�Sleen!� zischte Hereena, und ich bef�rchtete schon, sie w�rde die anderen M�dchen wecken. Aber Harold legte ihr seine kr�ftige Hand auf den Mund, und sie wehrte sich in seinen Armen wie ein unvern�nftiges kleines Tier.</p><p>Wutschnaubend gab sie die Gegenwehr schlie�lich auf. �Ich komme nicht mit!� zischte sie. �Nie!�</p><p>�Und wie willst du das schaffen?�</p><p>�Ich habe einen Plan � einen ganz einfachen Plan.�</p><p>�Nat�rlich, einen Plan � du bist ja eine Tuchuk. Und die einfachsten Pl�ne sind manchmal die besten. Was f�r einen Plan hast du denn?�</p><p>�Ich werde schreien!�</p><p>Harold �berlegte einen Augenblick. �Das ist ein ausgezeichneter Plan�, sagte er dann.</p><p>�Also la� mich frei�, sagte Hereena, �und ich gebe euch zehn Ihn Vorsprung.�</p><p>Diese Zeitspanne schien mir nicht gerade gro�z�gig bemessen. Die goreanische Ihn ist nur etwas l�nger als die irdische Sekunde.</p><p>�Ich befreie dich nicht � du wirst deinen Plan also in die Tat umsetzen m�ssen�, sagte Harold.</p><p>�Ja.�</p><p>Hereena sah ihn einen Augenblick an und legte dann den Kopf in den Nacken und �ffnete den Mund.</p><p>Das Herz wollte mir stehenbleiben, doch ehe das M�dchen einen Laut herausbringen konnte, steckte er ihr einen der herumliegenden Schleier zwischen die Z�hne. So war ihr Schrei nur ein ersticktes Gurgeln.</p><p>�Ich hatte ebenfalls einen Plan�, informierte Harold das M�dchen, �einen Gegenplan.� Er nahm ein anderes Tuch und band es ihr um das Gesicht, wodurch der Knebel in ihrem Mund festgehalten wurde.</p><p>�Mein Plan, den ich in die Tat umgesetzt habe, war offensichtlich besser als der deine.�</p><p>Hereena stand wie erstarrt vor ihm.</p><p>Ich mu�te mir eingestehen, da� Harold die Situation recht geschickt gemeistert hatte.</p><p>Er hob das M�dchen hoch und warf sie sich �ber die Schulter.</p><p>Kurz darauf befanden wir uns wieder drau�en und kehrten zu dem Blumenbaum zur�ck, �ber den wir in den Vergn�gungsgarten Saphrars geklettert waren.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>�Inzwischen haben die W�chter die D�cher bestimmt abgesucht�, sagte Harold, �so da� wir uns wieder hinaufwagen k�nnen.�</p><p>�Und wohin wollen wir?�</p><p>�Dorthin, wo sich die Tarns befinden.�</p><p>�Wahrscheinlich auf dem h�chsten Dach des h�chsten Geb�udes hier.�</p><p>�Das w�re die Burg.�</p><p>Ich mu�te ihm recht geben. In den Privath�usern reicher Goreaner ist die Burg gew�hnlich ein hoher, meist runder Steinturm, der f�r eine Verteidigung eingerichtet ist und Wasser und Nahrungsmittelvorr�te enth�lt. Es ist fast unm�glich einen solchen Turm von au�en in Brand zu schie�en, und die runde Form lenkt oft die Katapultsch�sse der Belagerer ab.</p><p>Das Erklimmen des Baumes machte uns gro�e M�he, da sich Hereena wie ein Larl wehrte. Schlie�lich erreichten wir aber den Wipfel von dem aus ich mit einem Sprung die Mauerkrone erreichte. Ich glitt ab und mu�te mich anstrengen, vermochte mich aber schlie�lich hochzustemmen.</p><p>�Achtung!� rief Harold.</p><p>Ich wollte eben nach dem Grund seiner Warnung fragen, als ich einen unterdr�ckten Entsetzensschrei vernahm.</p><p>Im n�chsten Augenblick bemerkte ich, da� Harold das M�dchen in meine Richtung geworfen hatte. Ich vermochte sie eben noch aufzufangen. Sie war von Kopf bis Fu� in Angstschwei� gebadet und zitterte vor Entsetzen. Auf der Mauer hockend, das M�dchen mit der Hand haltend, damit sie nicht hinabst�rzte, so wartete ich bis auch Harold den Baum heraufkam und her�bersprang. Er glitt ebenfalls aus, aber unsere H�nde trafen sich und er wurde sicher in die H�he gezogen.</p><p>�Vorsicht�, sagte ich und versuchte meine Stimme nicht allzu triumphierend klingen zu lassen.</p><p>�Ganz richtig�, sagte Harold atemlos, �wie ich eben schon sagte.�</p><p>Ich �berlegte, ob ich ihn nicht von der Mauer sto�en sollte, aber ich dachte an die H�he und da� ich ihm damit den Hals oder das R�ckgrat brechen w�rde, und an die Komplikationen, die das f�r unseren Fluchtplan haben k�nnte.</p><p>�Komm!� sagte er, warf sich Hereena �ber die Schulter wie einen Boskschinken und wanderte auf der Mauer entlang. Gl�cklicherweise erreichten wir bald ein leicht zug�ngliches flaches Dach und stiegen hinauf. Harold legte Hereena ab und blieb mit untergeschlagenen Beinen eine Minute lang sitzen. Er atmete heftig. �ber uns in der Dunkelheit h�rten wir das Schlagen von Tarnfl�geln und sahen einen der gewaltigen V�gel am Himmel entlangziehen. Wenige Sekunden sp�ter war ein Flattern zu vernehmen, als das Tier ganz in der N�he zur Landung ansetzte. Daraufhin marschierten wir weiter, wobei Harold seine Beute diesmal unter dem Arm trug, und schlichen uns vorsichtig von Dach zu Dach, bis wir vor uns wie einen dunklen Zylinder die Burg aufragen sahen. Der Turm war etwa zwanzig Meter von anderen Geb�uden des Saphrarschen Anwesens entfernt, aber wir entdeckten sofort eine aus Seilen und Sprossen bestehende H�ngebr�cke, die von einer offenen T�r des Burgturms zu einer Veranda unter uns f�hrte. Die Br�cke, eher nur ein Steg, schwankte leicht im Wind und gew�hrte Zugang zum Turm von dem Geb�ude aus, auf dessen Dach wir uns befanden. Tats�chlich war dies der einzige Zugang, weil es im Erdgescho� einer goreanischen Burg keine T�r�ffnungen gibt. Die ersten zwanzig Meter des Turms bestanden wahrscheinlich aus solidem Gestein, um die Bastion gegen den Einsatz von Rammb�cken zu sch�tzen. Der Turm selbst war etwa f�nfzig Meter hoch und hatte einen Durchmesser von f�nfzehn Metern. Er wies zahlreiche Schie�scharten auf, die f�r Bogensch�tzen gedacht waren. Die Turmspitze, die sich mit Aufspie�pfeilern und Tarnnetzen bewehren lie�, lag nun frei und ungesch�tzt, um den Start und die Landung von Tarnk�mpfern zu erm�glichen.</p><p>Von dem Dach, auf dem wir lagen, h�rten wir zuweilen einen Mann �ber die H�ngebr�cke eilen. Dann br�llte jemand. Ab und zu landete oder startete auch ein Tarn vom Dach der Burg.</p><p>Als wir sicher waren, da� sich mindestens zwei Tarns auf der Turmspitze befinden mu�ten, sprang ich vom Dach und landete auf der schmalen Br�cke, wobei ich m�hsam das Gleichgewicht wahren mu�te, weil sie unter meinen F��en wild hin und her zu schwingen begann. Sofort h�rte ich einen Schrei aus dem Haus hinter mir. �Da ist einer!�</p><p>�Beeil dich!� rief ich Harold zu.</p><p>Er warf mir Hereena herab, ich fing sie auf. Dabei erhaschte ich einen kurzen Blick auf den wilden, entsetzten Ausdruck ihrer Augen und h�rte ihr ersticktes flehen. Da landete auch schon Harold neben mir auf der Br�cke und ergriff das Handseil, um nicht abzust�rzen.</p><p>Ein W�chter, mit einer Armbrust bewaffnet, erschien in der T�r des Geb�udes; er war deutlich als Silhouette zu erkennen. Er hatte einen Pfeil aufgelegt, die Sehne gespannt und hob die Waffe an die Schulter. Neben mir zuckte Harolds Arm zur�ck, und der Mann erstarrte pl�tzlich, dann gaben seine Knie langsam unter ihm nach, und er st�rzte auf die Veranda. Eine Quiva ragte aus seiner Brust. Klappernd fiel die Armbrust neben ihm zu Boden.</p><p>�Los!� sagte ich zu Harold.</p><p>Ich h�rte nun die eiligen Schritte weiterer M�nner.</p><p>Zwei weitere Armbrustsch�tzen erschienen auf einem nahegelegenen Dach und begannen wild zu gestikulieren.</p><p>�Ich sehe sie!� rief einer.</p><p>Harold eilte �ber die Br�cke, Hereena auf den Armen. Im n�chsten Augenblick verschwand er in der Burg.</p><p>Zwei Schwertk�mpfer hasteten nun aus dem Geb�ude, sprangen �ber den gefallenen Armbrustsch�tzen und eilten auf die Br�cke. Ich lie� mich in den Kampf verwickeln, t�tete einen und verwundete den zweiten schwer. Ein Pfeil von einem der Sch�tzen auf dem Dach bohrte sich durch das Holz der Br�cke zu meinen F��en � kaum f�nfzehn Zentimeter von mir entfernt.</p><p>Hastig zog ich mich auf der Br�cke zur�ck, und ein zweiter Pfeil zischte an mir vorbei, prallte funkenspr�hend gegen den Steinturm hinter mir.</p><p>Dann sah ich mehrere W�chter auf die Br�cke zueilen. Ich hatte vielleicht noch elf oder zw�lf Sekunden Zeit, ehe die Armbrustsch�tzen wieder geladen hatten. Also wandte ich mich um und begann wie wild auf die Seile einzuhacken, die die schwankende Br�cke am Turm festhielten.</p><p>Von drinnen h�rte ich die verbl�ffte Stimme eines W�chters, der wissen wollte, wer Harold war.</p><p>�Ist das denn nicht klar?� br�llte Harold ihn an. �Du siehst doch, ich habe das M�dchen!�</p><p>�Welches M�dchen?� fragte der W�chter.</p><p>�Ein M�dchen aus den Vergn�gungsg�rten Saphrars, du Idiot!� schrie Harold.</p><p>�Aber warum solltest du so ein M�dchen herbringen?� wollte der W�chter wissen.</p><p>�Du bist bl�d, nicht wahr?� sagte Harold aufgebracht. �Hier � nimm sie mal!�</p><p>�Also gut�, sagte der W�chter.</p><p>Dann h�rte ich den kurzen dumpfen Laut eines Faustschlags. Die Br�cke begann hin und her zu zucken, begann sich abzusenken; mehrere M�nner von der andere Seite liefen auf mich zu. Dann ert�nte ein lauter Entsetzensschrei, als ein Seil durchgeschnitten war und sich der Boden der Br�cke pl�tzlich drehte und mehrere W�chter in die Tiefe schleuderte.</p><p>Ein Pfeil prallte vom Boden vor meinen F��en ab und schwirrte weiter ins Geb�ude. Wieder hieb ich zu, und auch das zweite Seil ri�, die Br�cke sackte ab und schlug gegen die gegen�berliegende Hausmauer. Lautes Scheppern begleitete den Zusammenbruch, Schreie gellten, und gleich darauf schlugen tief unten zwischen H�userwand und Turm die W�chter auf den Steinboden. Ich sprang durch die �ffnung in die Burg und lie� die schwere Holzt�r hinter mir zufallen. Im gleichen Augenblick traf ein Armbrustpfeil die T�r, durchbohrte das Holz und ragte noch fast zehn Zentimeter auf der Innenseite heraus. Schlie�lich legte ich die beiden schweren Riegel vor, die die T�r uneinnehmbar machten, auch wenn sich die Belagerer von drau�en mit Leitern daran zu schaffen machen sollten.</p><p>Der Raum, in dem ich mich befand, enthielt einen bewu�tlosen W�chter � doch von Harold und Hereena war nichts mehr zu sehen. Ich stieg �ber eine Holzleiter in das n�chste Stockwerk, das ebenfalls leer war, und dann in die folgende Etage und weiter. Schlie�lich erreichte ich den Raum unter dem Dach des Burgturms und fand hier Harold, der schweratmend auf der untersten Sprosse der letzten Leiter sa�. Hereena lag zu seinen F��en.</p><p>�Ich habe auf dich gewartet�, keuchte Harold.</p><p>�Machen wir weiter�, sagte ich, �damit die Tarns nicht vom Dach verscheucht werden und wir hier isoliert sind.�</p><p>�Das ist genau mein Plan�, bemerkte Harold, �aber solltest du mir nicht lieber erst beibringen, wie man einen Tarn lenkt?�</p><p>Ich h�rte Hereena entsetzt aufst�hnen, und sie begann sich wild hin und her zu werfen, versuchte die T�cher abzustreifen, mit denen sie geknebelt und gefesselt war.</p><p>�Gew�hnlich dauert es Jahre�, sagte ich, �bis man ein richtiger Tarnreiter ist.�</p><p>�Das ist ja alles ganz sch�n und gut�, erwiderte Harold, �aber kannst du mir nicht ein paar Tips geben, die mir in k�rzerer Zeit ein Grundwissen vermitteln?�</p><p>�Komm aufs Dach!� rief ich.</p><p>Ich kletterte vor Harold die Leiter hinauf und stie� die Fallt�r auf, die ins Freie f�hrte. Auf dem Dach befanden sich f�nf Tarns.</p><p>Ein W�chter n�herte sich eben der Fallt�r. Der andere gab nacheinander die Tarns frei.</p><p>Noch halb auf der Leiter, wollte ich den W�chter schon angreifen, doch Harold hielt mich zur�ck und steckte den Kopf durch die �ffnung.</p><p>�La�t ihn in Ruhe!� rief er dem W�chter zu. �Das ist Tarl Cabot aus Ko-ro-ba, du Narr!�</p><p>�Wer ist denn Tarl Cabot aus Ko-ro-ba?� fragte der W�chter verbl�fft.</p><p>�Ich!� erwiderte ich, ohne zu wissen, was ich sonst h�tte sagen sollen.</p><p>�Hier ist das M�dchen�, sagte Harold. �Hier, nimm sie!�</p><p>Der W�chter stie� sein Schwert wieder in die Scheide zur�ck und fragte: �Was ist da unten eigentlich los? Wer seid ihr?�</p><p>�Stell jetzt keine Fragen!� sagte Harold heftig. �Hier ist das M�dchen � halt sie fest!�</p><p>Der W�chter zuckte die Achseln, und als er Hereena von Harold �bernahm, kniff ich die Augen zusammen, denn der Junge streckte den Mann mit einem Schlag ins Reich der Tr�ume, der auch einen Bosk gef�llt h�tte. Ehe sie mit dem Bewu�tlosen zu Boden sank, brachte Harold seine Hereena wieder an sich. Dann stie� er den Mann durch die Fallt�r ins n�chste Stockwerk hinab.</p><p>Der zweite W�chter war auf der anderen Seite des Dachs mit einer Tarnfessel besch�ftigt. Er hatte bereits zwei V�gel freigelassen, indem er sie mit einem Tarnstab vom Dach trieb.</p><p>�Du da!� br�llte Harold. �La� noch einen Tarn frei!�</p><p>�Gut�, sagte der Mann. Er lie� einen weiteren Vogel frei, der mit gewaltigen Fl�gelschl�gen vom Dach aufstieg.</p><p>�Komm her!� befahl ihm Harold.</p><p>Der W�chter kam �ber das Dach gelaufen. �Wo ist Kuruus?� fragte er.</p><p>�Unten�, informierte ihn Harold.</p><p>�Wer seid ihr?� wollte der W�chter wissen. �Was geht hier vor?�</p><p>�Ich bin Harold von den Tuchuks�, erwiderte Harold.</p><p>�Was tut ihr hier?� fragte der W�chter verbl�fft.</p><p>�Bist du nicht Ho-Bar?� wolle Harold wissen. Das war ein weitverbreiteter Name in Ar, von wo die Tarns�ldner kamen.</p><p>�Ich kenne keinen Ho-Bar�, sagte der Mann. �Ist das ein Turianer?�</p><p>Ich hatte gehofft, Ho-Bar hier zu finden�, sagte Harold, �aber vielleicht kannst du uns auch helfen.�</p><p>�Ich will�s versuchen.�</p><p>�Hier�, sagte Harold, �nimm mal das M�dchen.�</p><p>Hereena sch�ttelte heftig den Kopf, versuchte dem W�chter ein Zeichen zu geben, brachte aber nur ein gurgelndes St�hnen zustande.</p><p>�Was soll ich denn mit ihr?� fragte der W�chter.</p><p>�Sie halten�, erwiderte Harold.</p><p>�Na gut.�</p><p>Wieder schlo� ich die Augen, und nach einer Sekunde war es vorbei. Harold hatte das M�dchen wieder �ber die Schulter und n�herte sich furchtlos den Tarns.</p><p>Zwei der gro�en V�gel befanden sich noch auf dem Dach, gro�artige Exemplare, b�sartig, wachsam, nerv�s.</p><p>Harold lie� Hereena zu Boden sinken und trat vor den ersten Tarn hin.</p><p>Ich schlo� die Augen, als er dem Vogel gebieterisch auf den Schnabel schlug.</p><p>�Ich bin Harold von den Tuchuks�, sagte er. �Ich bin ein erfahrener Tarnreiter � ich habe schon �ber tausend Tarns geritten � ich habe mehr Zeit im Tarnsattel verbracht als die meisten M�nner auf den F��en � ich wurde auf dem Tarnr�cken gezeugt � ich wurde im Tarnsattel geboren � ich esse Tarns � du mu�t mich f�rchten! Ich bin Harold von den Tuchuks!�</p><p>Der Vogel, wenn er solcher Gef�hle �berhaupt f�hig war, schaute ihn mit geneigtem Kopf verbl�fft an. Ich rechnete jeden Augenblick damit, da� er Harold mit dem Schnabel zu Boden fegte, in zwei Teile zerbi� und die St�cke verzehrte. Aber der Vogel schien viel zu verwirrt zu sein, schien nicht zu wissen, wie er sich bei einem solchen Menschen verhalten sollte.</p><p>Harold wandte sich um und fragte mich: �Wie reitet man nun einen Tarn?�</p><p>�Steig in den Sattel�, befahl ich.</p><p>�Ja!� erwiderte er und stieg hinauf, wobei er eine der Seilsprossen am Sattel verpa�te und mit dem Bein durchrutschte. Schlie�lich hatte ich ihn im Sattel festgebunden und erkl�rte ihm hastig die Lenkung mittels Sattelring und den sechs Z�geln. Als ich Hereena zu ihm hinaufhob, st�hnte das arme M�dchen vor Entsetzen. Offensichtlich hatte sie Angst vor einem Tarn. Andererseits schien Harold mit sich ziemlich zufrieden zu sein und band das M�dchen mit breitem Grinsen vor sich fest. Ohne zu warten, stie� er einen lauten Schrei aus und zog am ersten Z�gel. Der Tarn bewegte sich nicht, sondern drehte sich nur um und musterte ihn mit skeptischem und tadelndem Blick.</p><p>�Was ist los?� fragte Harold.</p><p>�Der Tarn tr�gt noch seine Fu�fesseln�, sagte ich.</p><p>Ich beugte mich hinab und �ffnete die Fu�fessel. Sofort begannen die riesigen Fl�gel des Vogels zu schlagen, und er sprang in den Himmel �Aii!� h�rte ich Harold schreien und konnte mir gut vorstellen, was er gerade f�r ein Gef�hl im Magen haben mu�te.</p><p>Mit hastigen Bewegungen l�ste ich die Fu�fessel des anderen Tarn, sprang in den Sattel und legte den breiten Sicherheitsgurt um. Dann zog ich am ersten Z�gel und steuerte meinen Vogel neben Harolds Tarn, der etwas hilflos �ber dem Geb�ude kreiste.</p><p>�La� die Z�gel los!� br�llte ich hin�ber. �Dein Vogel folgt dann dem meinen!�</p><p>�Ausgezeichnet!� h�rte ich ihn fr�hlich rufen.</p><p>Und im n�chsten Augenblick rasten wir �ber Turia dahin. Ich beschrieb einen gro�en Bogen, betrachtete noch einmal die Fackeln und Lichter im Hause Saphrars unter uns und steuerte dann meinen Vogel auf die Pr�rie hinaus in die Richtung, in der die Wagen der Tuchuks standen.</p><p>Ich freute mich, da� uns die Flucht aus dem Hause Saphrars gelungen war, aber ich wu�te auch, da� ich in die Stadt zur�ckkehren mu�te � denn ich hatte mein Ziel nicht erreicht � die goldene Kugel. Sie lag noch immer in der Festung des m�chtigen Kaufmanns.</p><p>Ich mu�te das Ei an mich bringen, ehe der graue Mann, von dem Saphrar abhing, die goldene Kugel in seinen Besitz bringen und sie vernichten oder fortschaffen konnte.</p><p>Als wir so �ber die Pr�rie dahinflogen, fragte ich mich wieder einmal, wieso Kamchak die Wagen und Bosks von Turia abzog � wieso er die Belagerung so schnell aufgab.</p><p>In der Morgend�mmerung sahen wir dann die Wagen unter uns und in der Ferne eine riesige Boskherde. Schon brannten Feuer �berall, schon herrschte lebhaftes Treiben im Lager der Tuchuks, das Kochen, die Oberpr�fung der Wagen, das Anschirren der Zugbosks. Heute fr�h sollten die Wagen abfahren, sollten Turia zur�cklassen. Die Gefahr eines Beschusses mi�achtend, landete ich meinen Vogel mitten im Lager.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Ich hielt mich nun seit vier Tagen wieder in Turia auf. Ich war zu Fu� zur�ckgekehrt � in der Verkleidung eines kleinen Juwelenh�ndlers. Den Tarn hatte ich bei den Wagen zur�ckgelassen und mir von meiner letzten Tarnm�nze eine Sammlung von Steinen gekauft, die keinen gro�en Wert hatten; sie gaben mir aber einen Vorwand, mich in der Stadt umzusehen.</p><p>Ich hatte Kamchak im Wagen des Kutaituchik vorgefunden, der neben der Standarte der vier Boskh�rner aufgefahren und mit allerlei Holz und trockenem Gras angef�llt worden war. Der riesige Haufen war sodann mit duftigem �l �bergossen worden, und im Morgengrauen des Abmarschtages hatte Kamchak mit eigener Hand eine Fackel in das Gef�hrt geworfen. Irgendwo auf diesem Wagen, mit griffbereiten Waffen, sa� der tote Kutaituchik, der Kamchaks Freund gewesen war und den man den Ubar der Tuchuks genannt hatte. Der Rauch des Wagens mu�te auch von den Mauern des fernen Turias aus zu sehen sein.</p><p>Kamchak hatte kein Wort gesagt; er hatte mit versteinertem Gesicht auf dem R�cken seiner Kaiila gesessen. Er bot einen f�rchterlichen Anblick, und obwohl ich sein Freund war, wagte ich nicht, das Wort an ihn zu richten. Ich war nicht in den Wagen zur�ckgekehrt, in dem ich mit ihm gelebt hatte, sondern war sofort zum Wagen Kutaituchiks geritten, wohin man mich wies, als ich nach ihm fragte.</p><p>Rings um den H�gel hatten mehrere Hundertschaften der Tuchuks Aufstellung genommen, die Lanzen erhoben. Verbissen sahen die Krieger zu, wie der Wagen verbrannte.</p><p>Ich fragte mich, wie ein Mann wie Kamchak die Belagerung der Stadt so einfach beenden konnte.</p><p>Als der Wagen schlie�lich ausgebrannt war und der Wind in die geschw�rzten Planken fuhr und die Asche �ber die gr�ne Pr�rie verstreute, hob Kamchak die rechte Hand. �Die Standarte aufladen!� rief er.</p><p>Ich erblickte einen Spezialwagen, der von einem Dutzend Bosks den H�gel heraufgezogen wurde. Auf diesem Wagen wurde der riesige Pfosten mit der Standarte gestellt und weggefahren. Verkohltes Holz und schwarze Asche blieben zur�ck � dem Wind und dem Regen und dem Schnee und dem gr�nen Gras der Pr�rie �berlassen.</p><p>�Wendet die Wagen!� befahl Kamchak.</p><p>Wagen um Wagen formte sich der gewaltige Zug der Tuchuks � jeder Wagen an seinem vorbestimmten Platz, jede Wagenreihe nach einem ganz bestimmten Plan � und auf einem Gebiet von mehreren Pasang Ausdehnung begann der R�ckzug von der Stadt.</p><p>In der Ferne machte ich die Boskherden aus; der Staub, den ihre Hufe aufwirbelten, verdunkelte den Horizont.</p><p>Kamchak richtete sich in seinen Steigb�geln auf. �Die Tuchuks verlassen Turia!� rief er.</p><p>Stumm, grimmig wendeten die Tuchukkrieger ihre Kaiila und formierten sich zum Schutz der Wagen, w�hrend eine ganze Hundertschaft als Nachhut zur�ckblieb.</p><p>Kamchak ritt den H�gel hinauf und starrte lange auf die �berreste des Ubarwagens. Schlie�lich ri� er sein Tier herum und kam den H�gel herab.</p><p>Als er mich sah, z�gelte er sein Tier. �Es freut mich, da� du am Leben bist�, sagte er.</p><p>Ich neigte den Kopf, best�tigte die Bindung, die er mit seinen Worten ausdr�ckte. Ich war diesem ernsten Krieger dankbar, obwohl er mir in den letzten Tagen fremd geworden war in seinem Ha� auf Turia. Ich wu�te nicht, ob ich den alten Kamchak je wiedersehen w�rde. Ich bef�rchtete, da� ein Teil seines Ich � vielleicht der Teil, der mir am meisten am Herzen gelegen hatte � in der Nacht des �berfalls gestorben war, als er den Wagen Kutaituchiks betrat.</p><p>Ich blickte auf. �Wollt ihr einfach so abziehen?� fragte ich. �Gen�gt euch das?�</p><p>Er sah mich an, doch ich vermochte seinen Gesichtsausdruck nicht zu deuten. �Die Tuchuks verlassen Turia�, sagte er.</p><p>Und er ritt weiter, lie� mich auf dem H�gel zur�ck. Zu meiner �berraschung hatte ich am Morgen nach dem Abmarsch keine M�he, die Stadt zu betreten. Ich war den Wagen eine Zeitlang gefolgt und hatte meine H�ndlerverkleidung und den Beutel mit Juwelen erworben. Ich verlie� den Wagenzug und kehrte zu Fu� in die N�he der Stadt zur�ck. Die Nacht verbrachte ich im Freien und n�herte mich schlie�lich den Stadtmauern um die achte Stunde des zweiten Tages nach dem R�ckzug. Mein Haar war unter der Kapuze eines d�nnen kn�chellangen Umhangs verborgen, ein schmutzigwei�er Stoff, ein passendes Kleidungsst�ck f�r einen unbedeutenden H�ndler. Unter dem Umhang trug ich Schwert und Quiva.</p><p>Die W�chter an den Toren k�mmerten sich kaum um mich, denn die Stadt ist eine Handelsoase in der Ebene, und jedes Jahr treffen Hunderte von Karawanen ein, ganz zu schweigen von den vielen tausend Kleinh�ndlern, die die Stadt zu Fu� oder mit einem Tharlarionwagen erreichen. Zu meiner �berraschung standen die Tore Turias nach dem Abzug der Wagen wieder offen. Bauern str�mten hindurch, kehrten zu ihren Feldern zur�ck. Hunderte von Stadtbewohnern unternahmen Ausfl�ge und wagten sich dabei sogar bis zu den �berresten des Tuchuklagers vor, um Souvenirs zu sammeln. Als ich das Tor durchschritt, betrachtete ich die beiden schweren Doppelfl�gel und fragte mich, wie lange es dauern mochte, sie zu schlie�en.</p><p>Nun wanderte ich durch die Stra�en Turias, ein Auge halb geschlossen, den Kopf geneigt, als hoffte ich eine verlorene Tarnm�nze wiederzufinden, und n�herte mich dabei langsam dem Anwesen Saphrars. Die Menge stie� mich herum, und zweimal wurde ich von Offizieren der Wache des Administrators Phanius Turmus fast zu Boden geschlagen.</p><p>Immer wieder hatte ich das Gef�hl, verfolgt zu werden, doch wenn ich mich umsah, war nichts Verd�chtiges festzustellen. Die einzige Person, die ich dabei mehr als einmal zu Gesicht bekam, war ein schlankes M�dchen in einer Robe der Verh�llung, einen Marktkorb am Arm, die beim zweitenmal an mir vorbeiging, ohne Notiz von mir zu nehmen. Ich atmete erleichtert auf. Der Aufenthalt in einer feindlichen Stadt ist eine anstrengende Sache, das Bewu�tsein, da� eine Entdeckung Folter und Tod bedeuten kann, bestenfalls die Aufspie�ung auf den Stadtmauern bei Sonnenuntergang, ist nicht sehr angenehm.</p><p>Ich erreichte den etwa drei�ig Meter breiten Zwischenraum, der das von Mauern umschlossene Anwesen Saphrars von den �brigen H�usern trennt. Zu meinem �rger mu�te ich feststellen, da� man sich den hohen Mauern des Besitzes nur auf Lanzenl�nge n�hern konnte.</p><p>�Verschwinde, Wicht!� br�llte ein W�chter von der Mauer und hob seine Armbrust. �Hier ist Herumlungern nicht gestattet!�</p><p>�Aber Herr!� rief ich. �Ich habe Juwelen, die ich dem ehrenwerten Saphrar zeigen m�chte!�</p><p>�Dann komm ans Tor!� br�llte der Mann. �Gib dort an, was du willst!�</p><p>Ich trat vor ein kleines Tor in der Mauer, das schwer vergittert war, und bat darum, vorgelassen zu werden und Saphrar meine Waren zeigen zu d�rfen. Ich hoffte, da� ich vor ihn hintreten und ihm drohen k�nnte, ihn zu t�ten. So wollte ich die goldene Kugel an mich bringen.</p><p>Leider wurde ich nicht einmal auf das Grundst�ck gelassen. Ein Diener untersuchte meinen Vorrat fast wertloser Steine und taxierte das Angebot sofort richtig ein. Mit angewiderter Geste schleuderte er meine Sch�tze durch das Tor in den Staub, und die zwei Krieger, die neben ihm standen, bearbeiteten mich durch das Gitter mit den Sch�ften ihrer Waffen. �Verschwinde, du Narr!� br�llten sie. Ich tat, als w�re ich zu Tode erschreckt, humpelte hinter meiner Steinen her, kniete im Staub und st�hnte und jammerte meinen Kummer hinaus, w�hrend ich sie eilig aufsammelte.</p><p>Ich h�rte die W�chter lachen.</p><p>Ich hatte den letzten Stein an mich gebracht und wieder in den Beutel gesteckt und wollte mich eben erheben, als ich die schweren Sandalen eines Kriegers vor mir erblickte.</p><p>�Gnade, Herr!� wimmerte ich.</p><p>�Warum tr�gst du ein Schwert unter deinem Umhang?� fragte er.</p><p>Ich erkannte die Stimme sofort. Sie geh�rte Kamras aus Turia, dem Ersten K�mpfer der Stadt, den Kamchak bei den Spielen des Liebeskrieges besiegt hatte.</p><p>Ich st�rzte vor, packte seine Beine und ri� ihn zu mir herab. W�hrend er sich noch im Staub w�lzte, sprang ich auf und ergriff die Flucht.</p><p>Ich h�rte ihn br�llen: �Haltet den Mann! Haltet ihn! Ich kenne ihn! Es ist Tarl Cabot aus Ko-ro-ba! Haltet ihn!�</p><p>Ich stolperte �ber den Saum meines langen Gewandes, rappelte mich fluchend wieder auf und rannte weiter. Der Bolzen einer Armbrust knallte funkenstiebend rechts neben mir in eine Steinmauer und schlug Steinsplitter los. Ich bog in eine schmale Stra�e ein. Irgend jemand � wahrscheinlich Kamras und seine Helfer � rannten hinter mir her. Pl�tzlich h�rte ich den Aufschrei eines M�dchens, dann ein Fluchen von zwei M�nnern. Ich sah mich um und entdeckte das M�dchen mit dem Marktkorb, das den Krieger versehentlich in den Weg gelaufen war. Sie schrie die M�nner �rgerlich an und schwenkte ihren ruinierten Korb hin und her. Sie stie�en sie grob zur Seite und nahmen die Verfolgung wieder auf. Doch inzwischen war ich um eine Ecke gebogen, durch ein Fenster gesprungen, von dort zum n�chsten Fenster hinaufgeklettert und dann auf das flache Dach eines Ladens. Ich h�rte die schnellen Schritte der beiden Krieger, die von vier weiteren Soldaten gefolgt wurden � der ganze Trupp eilte vorbei. Kinder folgten aufgeregt kreischend den M�nnern. Unter mir in der Stra�e tauschten einige Passanten noch ihre Vermutungen �ber den Zwischenfall aus, dann wurde es wieder ruhig.</p><p>Ich lag auf dem Dach und wagte kaum zu atmen. Die Sonne schien sehr hei� hier oben. Ich z�hlte f�nf goreanische Ehn � oder Minuten � und �berlegte, ob ich mich nicht am besten in entgegengesetzter Richtung �ber die D�cher davonmachte, mir einen Unterschlupf suchte, dort bis zum Anbruch der Dunkelheit ausharrte, um dann die Stadt zu verlassen. Ich konnte die Wagen einholen, die sich sowieso langsam bewegten, konnte den Tarn an mich bringen, den ich dort zur�ckgelassen hatte, und dann auf dem R�cken des Tiers zu Saphrars Haus zur�ckkehren. Bestimmt war es in n�chster Zeit nicht ungef�hrlich, die Stadt zu verlassen, zweifellos hatten die Wachen an den Toren bereits Befehl, nach mir Ausschau zu halten. Turia zu betreten war kein Problem gewesen � doch das Verlassen der Stadt w�rde mir nicht so leicht gelingen. Aber wo konnte ich mich verstecken, bis die Wachsamkeit an den Toren wieder nachlie� � was in drei oder vier Tagen der Fall sein mochte? Jeder W�chter Turias w�rde nach Tarl Cabot suchen, der leider leicht zu erkennen war.</p><p>Pl�tzlich h�rte ich jemanden die Stra�e entlangkommen, der ein Lied pfiff � ich kannte die Melodie. Ich hatte sie schon oft bei den Wagenv�lkern geh�rt � es war ein Tuchuklied, ein Wagenlied, das von den Sklavenm�dchen gesungen wurde, wenn sie die Zugbosks antrieben.</p><p>Ich pfiff einige Takte mit, und der Unbekannte und ich beendeten gemeinsam das Lied. Vorsichtig steckte ich nun den Kopf �ber den Dachrand. Die Stra�e war leer bis auf ein M�dchen, das unten vor dem Haus stand und zu mir aufschaute. Sie trug die Robe der Verh�llung � ich hatte sie schon einmal gesehen und f�r eine Verfolgerin gehalten. Es war das gleiche M�dchen, das auch meine Verfolger aufgehalten hatte. Sie trug einen zerbrochenen Marktkorb �ber dem Arm.</p><p>�Du gibst keinen guten Spion ab, Tarl Cabot�, sagte sie.</p><p>�Dina� rief ich �berrascht.</p><p>Ich blieb vier Tage in der Wohnung �ber Dinas Laden. Hier f�rbte ich mein Haar schwarz und kleidete mich in die braune Tunika der B�cker, deren Kaste Dinas Vater und Br�der angeh�rt hatten.</p><p>Der Laden unten war verw�stet � der Tresen lag zersplittert am Boden, die �fen waren zerschlagen. Fr�her, so berichtete mir Dina, war der Laden ihres Vaters in der Stadt sehr bekannt gewesen; die meisten B�ckereien hatten jedoch S   aphrar geh�rt, dessen Angebote Dinas Vater immer wieder ausgeschlagen hatte. Schlie�lich waren acht Schl�ger �ber den Laden hergefallen, hatten ihn verw�stet und ihren Vater und ihre Br�der totgeschlagen. Kurz darauf war ihre Mutter an dem Schock gestorben. Dina hatte kurze Zeit von den Ersparnissen ihrer Familie gelebt und dann einen Platz in jener Karawane nach Ar erworben, die von den Kassars �berfallen worden war.</p><p>�M�chtest du den Laden nicht wieder er�ffnen?� fragte ich.</p><p>�Ich habe kein Geld�, sagte sie.</p><p>�Ich habe auch nur sehr wenig.� Ich �ffnete den Beutel und sch�ttelte meinen nicht sehr kostbaren Schatz auf den Tisch.</p><p>Sie lachte und betrachtete die Steine. �Die sind leider nicht viel wert.� Sie blickte mich an. �Das ist sehr freundlich, mein lieber Tarl Cabot � aber selbst wenn ich das Geld f�r den Laden h�tte, Saphrars M�nner w�rden doch bald wiederkommen.�</p><p>Wahrscheinlich hatte sie recht. �Reicht es, um eine Fahrt nach Ar zu bezahlen?� fragte ich.</p><p>�Nein�, erwiderte sie. �Aber ich w�rde sowieso lieber in Turia bleiben � ich bin hier geboren.�</p><p>�Wovon lebst du?�</p><p>�Ich t�tige Eink�ufe f�r reiche Frauen�, sagte sie. �Kuchen und Torten � Dinge, die sie ihren Sklavinnen nicht anvertrauen m�chten.�</p><p>Ich berichtete ihr von meinen Pl�nen, und sie lachte. Nat�rlich bef�rwortete sie meine Absicht, billigte sie doch alles, was ihrem Feind Saphrar Schaden zuf�gte. Vier Tage lang wohnte ich bei dem M�dchen, und jeden Tag unternahmen wir gegen Mittag und gegen Abend einen Spaziergang zu einem Tor der Stadt, um zu sehen, ob die Wachsamkeit der Soldaten etwas nachlie�. Zu meiner Entt�uschung wurde weiterhin jede Person, die die Stadt verlie�, sorgf�ltig �berpr�ft. Man verlangte einen Identit�tsbeweis. Bestand der geringste Zweifel �ber die Person, wurde sie zum Verh�r gebracht. Dina und ich fielen den W�chtern nicht weiter auf. Mein Haar war jetzt schwarz, und ich trug die Tracht der B�cker; au�erdem war ich in Begleitung einer Frau.</p><p>Einige W�chter kamen auch in den Laden und durchsuchten ihn � wie es wohl �berall in der Stadt geschah. W�hrend dieser Zeit lag ich auf dem flachen Dach des Ladens und wartete, bis die Beamten verschwunden waren.</p><p>Dina und ich verstanden uns sehr gut. Sie war ein intelligentes, warmherziges und mutiges M�dchen. Ich bewunderte sie und hatte zugleich Angst um sie. Sie riskierte nat�rlich ihr Leben, indem sie mich in ihrer Heimatstadt versteckte. Wahrscheinlich h�tte man mich schon an jenem ersten Tag gefangen, w�re mir Dina nicht gefolgt und zu Hilfe gekommen.</p><p>Wenn Dina ihren Gesch�ften nachging und f�r ihre Kundinnen einkaufte, was gew�hnlich am fr�hen Morgen und am sp�ten Nachmittag geschah, hielt ich mich in den Zimmern �ber dem Laden auf. Hier dachte ich lange �ber das Ei der Priesterk�nige und das Haus Saphrars nach. In K�rze w�rde ich die Stadt verlassen � wenn sich ein sicherer Ausweg bot �, w�rde zu den Wagen zur�ckkehren, den Tarn an mich nehmen und dann eine �berraschungsangriff gegen Saphrar durchf�hren, um das Ei an mich zu bringen. Ich r�umte diesem Plan keine gro�en Erfolgscchancen ein. Aber ich lebte in st�ndiger Angst, da� der graue Mann � der Mann mit den Augen wie Glas � nach Turia kommen und die goldene Kugel an sich nehmen konnte, ehe ich etwas erreicht hatte � jenes Ei, f�r das schon soviel riskiert worden war, f�r das schon mehr als ein Mensch sein Leben hatte lassen m�ssen.</p><p>Manchmal stiegen Dina und ich bei unseren Spazierg�ngen auf den hohen Mauern und schauten �ber die Ebene. Niemand hatte etwas dagegen, vorausgesetzt, niemand versuchte sich den Unterk�nften der W�chter zu n�hern. Bei Belagerungen oder im Kriegszustand hatten nat�rlich nur Soldaten und sonstige Offizielle auf den Mauern Zutritt.</p><p>�Du scheinst dir Sorgen zu machen, Tarl Cabot�, sagte Dina, die neben mir ging.</p><p>�Allerdings.�</p><p>�Du hast Angst, da� das Ei aus der Stadt gebracht wird?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Du m�chtest heute nacht die Stadt verlassen?�</p><p>�Vielleicht�, sagte ich.</p><p>Sie wu�te so gut wie ich, da� die W�chter noch immer an den Toren alle Reisenden befragten, aber jeder Tag, jede Stunde, die ich in Turia blieb, arbeitete gegen mich.</p><p>Ich hoffe, da� du es schaffst�, sagte Dina.</p><p>Ich legte den Arm um sie, und gemeinsam schauten wir �ber das weite Land.</p><p>�Sieh mal�, sagte ich, �da kommt ein einzelner H�ndler mit seinen Wagen. �Die Pr�rie scheint wieder sicher zu sein.�</p><p>�Die Tuchuks haben sich zur�ckgezogen�, sagte sie und f�gte hinzu: �Du wirst mir fehlen, Tarl Cabot.�</p><p>�Und du mir, Dina�, sagte ich.</p><p>Wir standen auf der Mauer nahe dem Haupttor Turias, durch das ich vor vier Tagen die Stadt betreten hatte � an dem Morgen nach dem Abmarsch der Tuchukwagen.</p><p>Ich beobachtete den Wagen des Kaufmanns, ein schweres und breites Gef�hrt, dessen Planken wei� und golden angemalt waren, von einer wei�goldenen Regenplane bedeckt. Der Wagen wurde nicht von Tharlarions gezogen, wie es sonst bei den H�ndlern �blich ist, sondern von vier braunen Bosks.</p><p>�Wie willst du die Stadt verlassen?� fragte Dina.</p><p>�Mit Hilfe eines Seils�, sagte ich. �Und zu Fu�.�</p><p>Sie beugte sich �ber die Br�stung und schaute skeptisch nach unten.</p><p>�Es ist tief�, sagte sie. �Au�erdem werden die Mauern nach Einbruch der Dunkelheit bewacht und sind von Fackeln erhellt. Und du bist zu Fu� � du wei�t sicher, da� wir in der Stadt auch Jagdsleen haben.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Schade, da� du keine schnelle Kaiila hast, mit der du am hellichten Tage an den W�chtern vorbeigaloppieren k�nntest.�</p><p>�Du darfst die Tarnreiter nicht vergessen ...�</p><p>�Richtig�, sagte sie. Nein, ein Tarnk�mpfer hatte keine M�he, einen einzelnen Mann, der zu Fu� unterwegs war, auf der Ebene aufzusp�ren � auch wenn es einig Zeit dauern mochte, die S�ldner aus den B�dern, den Pagatavernen oder den Spielh�llen der Stadt herbeizurufen, wo sie zur Freude der Turianer ihren Sold durchbrachten. Nachdem ihre Mission nun beendet war, w�rde Ha-Keel wahrscheinlich in einigen Tagen seine M�nner zusammenrufen und mit ihnen die Stadt verlassen.</p><p>Allerdings konnte ich nicht so lange warten.</p><p>Der schwere Wagen war nun in der N�he des Haupttors und wurde herangewinkt.</p><p>Ich blickte �ber die Pr�rie und dachte an Kamchak. Im Grunde hatte er weise gehandelt � er hatte sich vor einer Situation zur�ckgezogen, in der wenig zu gewinnen und viel zu verlieren war. Die Wagen und die Bosks waren nun einmal schlecht zu verteidigen. Aber wie sehr mu�te ihn der Abzug geschmerzt haben, die Tatsache, Kutaituchik nicht r�chen zu k�nnen und dem triumphierenden Turia den R�cken kehren zu m�ssen, der Stadt der hohen Mauern und der neun Tore, der unbesiegten Festung der Pr�rien.</p><p>Mein Gedankengang wurde durch L�rm unterbrochen, der jetzt unten am Tor aufklang. W�chter br�llten w�tend, der Fahrer des Handelswagens schrie protestierend. Am�siert stellte ich fest, da� das rechte Hinterrad des breiten, schweren Wagens von der Achse glitt und da� sich nun das ganze Gef�hrt, das offensichtlich schwer beladen war, zur Seite neigte. Im n�chsten Augenblick ber�hrte die Achse den Boden und grub sich tief ein.</p><p>Ich bedauerte den armen Fahrer, der vom Kutschbock gesprungen war und nun neben dem umgest�rzten Rad stand und heftig gestikulierte. Unsinnigerweise stemmte er dann die Schulter unter den Wagen und versuchte ihn anzuheben � was nat�rlich unm�glich war.</p><p>Mehrere W�chter sahen am�siert zu, und auch einige Passanten blieben stehen und genossen das Ungl�ck des Fahrers. Dann befahl der wachhabende Offizier, fast au�er sich vor Wut, seinen am�sierten M�nnern, dem Mann zu helfen. Aber auch das fruchtete nichts; der Wagen war zu schwer. Offenbar mu�te man nach Hebeb�cken schicken.</p><p>Ich wandte mich nachdenklich ab und schaute �ber die Pr�rie. Dina beobachtete weiter das Durcheinander unter uns und lachte, denn der Fahrer schien v�llig au�er sich zu sein. Pl�tzlich bemerkte ich drau�en am Horizont eine feine Staublinie, die vor wenigen Minuten noch nicht vorhanden gewesen war.</p><p>Selbst die W�chter auf den Mauern schienen ausschlie�lich den umgekippten Wagen am Tor zu beobachten.</p><p>Ich schaute wieder hinab. Der Fahrer war ein junger Mann. Er hatte blondes Haar und kam mir irgendwie bekannt vor.</p><p>Pl�tzlich fuhr ich herum und griff nach der Br�stung. Die Staubwolke war gr��er geworden. Sie n�herte sich dem Haupttor Turias.</p><p>Ich umfing Dina mit den Armen.</p><p>�Was ist los?� fragte sie erstaunt.</p><p>Ich fl�sterte ihr zu: �Du l�ufst jetzt sofort nach Hause und schlie�t dich ein. Geh nicht mehr auf die Stra�e!�</p><p>�Was meinst du . . .?�</p><p>�Stell keine Fragen! Du mu�t gehorchen!�</p><p>�Du tust mir weh!� sagte sie.</p><p>�Bitte gehorche!�</p><p>Pl�tzlich blickte sie in die Ferne und sah ebenfalls den Staub. Ihre Hand fuhr an den Mund. Ihre Augen weiteten sich vor Angst.</p><p>�Du kannst nichts mehr dagegen tun�, sagte ich. �Lauf!�</p><p>Ich k��te sie heftig, drehte sie herum und stie� sie von mir. Sie stolperte einige Schritte und wandte sich um. �Was ist mit dir?� rief sie.</p><p>�Lauf!� befahl ich.</p><p>Und Dina lief davon und brachte sich in Sicherheit.</p><p>Unter der offenen Tunika der B�cker trug ich mein Schwert und meine Quiva, die durch ein braunes Cape zus�tzlich verborgen waren. Vorsichtig legte ich nun die Waffen ab und rollte sie in mein Cape.</p><p>Dann blickte ich wieder �ber die Br�stung. Die Staubwolke war n�hergekommen. Jeden Augenblick mu�te ich die Kaiila erkennen, mu�te das Blitzen der Tuchuklanzen sehen k�nnen. Ich ahnte, da� die ersten Hundertschaften in schmaler Formation ritten, um den Staub m�glichst gering zu halten. Bald konnte ich die erste Hundertschaft ausmachen � dann den Zwischenraum der dazu diente, den Staub sich verteilen zu lassen, dahinter dann die zweite Hundertschaft.</p><p>Ohne mich zu beeilen, um keine unn�tige Aufmerksamkeit zu erregen, stieg ich von der Mauer und n�herte mich dem havarierten Wagen, dem offenen Tor und den W�chtern.</p><p>Jeden Augenblick konnte jemand auf den Mauern Alarm schlagen.</p><p>Am Tor schimpfte der Offizier der Wache noch immer mit dem Wagenf�hrer, der blond war und blaue Augen hatte. �Gnade, Herr!� wimmerte Harold von den Tuchuks. In diesem Augenblick ert�nte ein gellender Schrei von der Mauer �ber uns. �Tuchuks!� Die Soldaten sahen sich verbl�fft um. �Schlie�t die Tore!�</p><p>Der Offizier blickte entsetzt nach oben und wandte sich an seine M�nner an den Torwinden.</p><p>�Du wirst feststellen, da� mein Wagen im Weg ist�, sagte Harold.</p><p>Als der Offizier begriff, was los war, stie� er einen Wutschrei aus und ri� sein Schwert aus der Scheide, doch ehe er einen Streich f�hren konnte, hatte ihm Harold seine Quiva ins Herz gesto�en.</p><p>Weitere Rufe t�nten von den Mauern, Befehle wurden gebr�llt, W�chter eilten auf den Wagen zu. Die M�nner an der Winde lie�en das riesige Doppeltor langsam zuschwingen, aber v�llig schlie�en lie� es sich wegen des Wagens nicht. Harold hatte seine Quiva wieder an sich genommen. Zwei M�nner st�rzten sich mit gezogenen Schwertern auf ihn, aber ich sprang dazwischen, nahm den Kampf f�r ihn auf, t�tete einen und machte den anderen kampfunf�hig.</p><p>�Gut gemacht, B�cker!� rief Harold.</p><p>Ich knirschte mit den Z�hnen und nahm es mit einem weiteren Soldaten auf. Au�erhalb des Tors dr�hnten nun Kaiilahufe. Die Wagenbosks, durch die rennenden Menschen aufgescheucht, warfen die K�pfe auf und nieder und stampften im Sand.</p><p>Mein turianischer Gegner war meinem Angriff nicht gewachsen, doch schon verwickelten mich zwei Soldaten in einen neuen Kampf.</p><p>Ich h�rte Harolds Stimme hinter mir. �W�hrend das Brot im Ofen ist, hat man wohl Zeit, sich mit dem Schwert zu �ben.�</p><p>Ich h�tte ihm gern etwas Passendes gesagt, aber ich war ziemlich besch�ftigt.</p><p>�Ich hatte mal einen Freund�, sagte Harold, �der hie� Tarl Cabot. Der h�tte beide Gegner l�ngst erledigt.�</p><p>Ich vermochte einen Angriff knapp abzuwehren.</p><p>�L�ngst, l�ngst�, sagte Harold gelassen. Der Mann zu meiner Linken versuchte, mich zu umkreisen, um in meinen R�cken zu gelangen, w�hrend mich der andere weiter von vorn bedr�ngte. Ich wich zur�ck, bis ich mit dem R�cken gegen den Wagen stand und versuchte mich meiner Gegner zu erwehren.</p><p>�Es besteht �brigens eine gewisse �hnlichkeit zwischen dir und meinem Freund Tarl Cabot�, sagte Harold in aller Ruhe, �au�er da� dein Umgang mit dem Schwert entschieden zu w�nschen �brig l��t. Auch geh�rte er der Kriegerkaste an und h�tte sich nie in der Tracht der B�cker sehen lassen. Au�erdem war sein Haar rot � w�hrend deins ziemlich langweilig schwarz ist.�</p><p>Es gelang mir, einen meiner Gegner unsch�dlich zu machen und gleichzeitig dem zweiten auszuweichen � aber schon wurde der Gefallene durch einen neuen Gegner ersetzt.</p><p>�Es w�re ratsam, auch auf der rechten Seite aufzupassen�, bemerkte Harold.</p><p>Ich wirbelte gerade noch rechtzeitig herum, um einen dritten Mann abzuwehren.</p><p>�So etwas h�tte man Tarl Cabot nicht zu sagen brauchen�, kommentierte Harold.</p><p>In diesem Augenblick liefen einige Passanten schreiend vorbei. Die gro�en Alarmglocken der Stadt vollf�hrten einen unbeschreiblichen L�rm.</p><p>�Ich frage mich manchmal, wo der alte Tarl Cabot wohl stecken mag�, sagte Harold.</p><p>�Du Tuchuk-Idiot!� br�llte ich.</p><p>Pl�tzlich sah ich, wie sich meine Gegner angstvoll umsahen. Sie machten auf dem Absatz kehrt und ergriffen die Flucht.</p><p>�Jetzt w�re es wohl ratsam, unter dem Wagen Schutz zu suchen.� In der n�chsten Sekunde huschte Harold an mir vorbei und kroch unter den Wagen. Ich warf mich zu Boden und rollte hinterher. Schon ert�nte der wilde Schrei, das Kriegsgebr�ll der Tuchuks, und die ersten f�nf Kaiila sprangen auf den Wagen. Zu meiner �berraschung fanden die Hufe der Tiere festen Halt auf der Plane des Wagens, dessen Ladung offenbar aus Erde und Steinen bestand, was auch das unvorstellbare Gewicht des Gef�hrts erkl�rte. Die f�nf Reiter sprangen mit einem Satz vom Wagen � nach links und nach rechts und nach vorn � sofort gefolgt von den n�chsten f�nf, und so weiter. In wenigen Minuten waren die ersten beiden Hundertschaften in die Stadt eingedrungen. Die Tuchukkrieger schw�rmten aus, die schwarzen Lackschilde in der linken Hand, die Lanzen mit der Rechten umfa�t. Ringsum dr�hnten die Hufe der Kaiila, zum Teil schon ohne Reiter, die zu Fu� weiter vorstie�en, dazu das Br�llen von M�nnern, das Klirren von Waffen, und immer neue Tuchuks, die auf den Wagen sprangen und mit gellendem Kriegsgeschrei in die Stadt st�rmten. Jede der Hundertschaften nahm sofort ihr vorherbestimmtes Ziel in Angriff, verschwand in Stra�en und um Ecken; einige Abteilungen stiegen ab und kletterten auf die D�cher, sicherten mit ihren kleinen B�gen die Stra�en von oben. Schon roch ich das erste Feuer.</p><p>Unter dem Wagen leisteten uns drei entsetzte Turianer Gesellschaft, ein Weinverk�ufer, ein T�pfer und ein M�dchen. Der Weinverk�ufer und der T�pfer sp�hten angstvoll zwischen den Speichen der R�der hindurch, musterten die Reiter, die durch die Stra�en donnerten. Harold dagegen k�mmerte sich um das M�dchen, das ihn entsetzt anstarrte. �Ich bin Harold von den Tuchuks�, sagte er. �Ich habe leider schon ein M�dchen zu Hause.� Das M�dchen nickte wie bet�ubt. �Wenn du diesen Wagen verl��t und wirst von einem Tuchuk angehalten � das sind unangenehme Burschen �, dann sagst du nur, du geh�rst bereits Harold von den Tuchuks. Das ist nat�rlich gelogen, aber naja, wir haben schwere Zeiten.� Das M�dchen hatte Tr�nen in den Augen. Ich sa� mit untergeschlagenen Beinen unter dem Wagen, das Schwert �ber die Knie gelegt, und beobachtete die wirbelnden Beine der vorbeist�rmenden Kaiila. Ich h�rte das Zischen von Armbrustpfeilen, und schon st�rzte einer der Tuchukreiter neben dem Wagen von seinem Tier. Andere Krieger sprangen �ber ihn hinweg. Das schrille Sirren der Tuchukb�gen ert�nte, gleich darauf war das dumpfe Atmen eines Tharlarions und das Kreischen einer Kaiila zu h�ren, gefolgt vom dumpfen Aufprall von Lanzen auf Schilde. �berall bimmelten Alarmglocken, ein unbeschreiblicher L�rm. Das Dach eines nahegelegenen Geb�udes brannte bereits, Rauch und Funken stiegen zum Himmel auf und wurden vom Wind �ber die benachbarten Geb�ude getragen. Ein Dutzend Tuchuks hatte sich zur gro�en Winde �ber dem Tor vorgek�mpft und �ffnete nun langsam die Torfl�gel. Gleich darauf drangen die Tuchuks in Zwanzigerreihen vor, so da� eine Hundertschaft nur noch aus f�nf Reihen bestand. Auf der langen Stra�e, die vom Tor in die Stadt f�hrte, sah ich an verschiedenen Stellen Rauch aufsteigen. Schon hatten sich Tuchuks mit Beutest�cken geschm�ckt oder trieben Frauen zusammen. Und immer neue Tuchuks dr�ngten in die Stadt. Die Mauern eines Geb�udes an der Hauptstra�e st�rzten brennend ein und blockierten den Weg. Aus allen Richtungen ert�nte Waffengeklirr, das Zischen der Armbrustpfeile, das Sirren der blitzschnellen gefiederten Tuchukgeschosse. Wieder brach eine Mauer ein; zwei turianische Krieger sprangen aus den Ruinen und wurden sofort von Tuchuks niedergeritten.</p><p>Auf dem freien Platz hinter dem Tor erblickte ich nun Kamchak von den Tuchuks. Er sa� auf- seiner Kaiila, hatte die Lanze in der Hand, drehte sein Tier und br�llte Befehle � er gab seinen M�nnern Zeichen, in diese und in jene Stra�e vorzudringen und weitere D�cher zu besetzen. Seine Lanzenspitze war rot. Der schwarze Lack seines Schildes war zerkratzt und verbeult. Er hatte den Metallschutz seines Helmes hochgeklappt, und sein Gesicht bot einen f�rchterlichen Anblick. Die Offiziere der Tuchuks flankierten ihn, die Befehlshaber der Tausendschaften.</p><p>Er drehte seine Kaiila zur Stadt herum, lie� sie auf die Hinterhand steigen, hob Schild und Lanze hoch und br�llte: �Ich will das Blut Saphrars des Kaufmanns!�</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Nat�rlich war das alles ein abgekartetes Spiel der Tuchuks gewesen.</p><p>Man gibt vor, eine Stadt ernsthaft zu belagern, verbringt damit mehrere Tage oder sogar Wochen; dann gibt man anscheinend die Belagerung auf und zieht sich langsam zur�ck, entfernt sich in aller Ruhe mit Wagen und Bosks � in diesem Fall vier Tage lang. Schlie�lich, wenn Bosks und Wagen aus der unmittelbaren Gefahrenzone sind, kehrt man im Sch�tze der Dunkelheit in einem Gewaltmarsch zur Stadt zur�ck und unternimmt einen �berraschungsangriff.</p><p>Es hatte alles bestens geklappt. Ein Gro�teil Turias stand in Flammen. Bestimmte Hundertschaften, vorher schon mit genauen Befehlen versehen, hatten sich sofort in den Besitz der Brunnen, Kornspeicher und �ffentlicher Geb�ude gesetzt � einschlie�lich des Palasts von Administrator Phanius Turmus. Der Ubar und Kamras, sein h�chster Offizier, waren sofort gefangennommen worden � auch hier hatten f�r je eine Hundertschaft ausdr�ckliche Befehle bestanden. Die meisten Mitglieder des Hohen Rates von Turia lagen in Tuchukketten. Die Stadt war weitgehend ohne F�hrung, obwohl hier und dort noch mutige Turianer einzelne Stra�en abgeriegelt hatten und Widerstand leisteten. Das gro�e Anwesen Saphrars war jedoch nicht gefallen. Es war gut gesch�tzt durch seine hohen Mauern und die zahlreichen W�chter; ebensowenig war der hohe Turm genommen worden, der die Tarnk�fige und Unterk�nfte Ha-Keels des S�ldners beherbergte.</p><p>Kamchak hatte im Palast des Phanius Turmus Quartier bezogen, der einigerma�en unbesch�digt geblieben war.</p><p>Nachdem die Tuchuks in die Stadt eingefallen waren, bestand Harold darauf, das junge M�dchen, das er unter dem Wagen kennengelernt hatte, nach Hause zu begleiten. Ich ging mit, machte aber unterwegs an einem Brunnen halt, um mein B�ckergewand abzulegen und mir die schwarze Farbe aus dem Haar zu waschen, denn ich hatte keine Lust, als turianischer B�rger angesehen und etwa von einem Tuchuk versehentlich angegriffen zu werden. Zum erstenmal mochte mir mein rotes Haar n�tzlich sein, das vielen Tuchuks bekannt sein mu�te.</p><p>Als ich mich nach dem Bad aufrichtete, rief Harold verbl�fft: �Also, du bist es ja selbst � Tarl Cabot aus Ko-ro-ba!�</p><p>�Du wirst es nicht f�r m�glich halten�, erwiderte ich.</p><p>Nachdem wir das M�dchen zu Hause abgeliefert hatten, machten wir uns auf den Weg zum Hause Saphrars, wo ich mich pers�nlich davon �berzeugte, da� im Augenblick nichts weiter zu tun war. Das Anwesen wurde von mindestens f�nfzehn Hundertschaften belagert. Der Angriff hatte noch nicht begonnen. Zweifellos lagen bereits Felsbrocken und behauene Mauersteine innerhalb der Befestigungen bereit. Von den D�chern str�mte der Geruch von Tharlarion�l, das bereitgestellt wurde, um es brennend auf die Sturmtruppen zu gie�en, die die Mauern untergraben oder sie mit Leitern bezwingen wollten. Von Zeit zu Zeit kam es zu Schu�wechseln mit Armbr�sten und Kurzb�gen. Etwas machte mir Sorgen. Die Mauern des Anwesens dr�ngten unsere Bogensch�tzen so weit vom Burgturm Saphrars zur�ck, da� dort Tarns relativ gefahrlos landen und starten konnten. Wenn es Saphrar wollte, konnte er auf dem R�cken eines Tarns entfliehen. Bis jetzt wu�te er wahrscheinlich noch gar nicht, wie schlimm die Lage war. Zweifellos verf�gte er �ber ausreichend Wasser und Nahrungsmittel, um einer l�ngeren Belagerung standzuhalten, aber ich vermutete, da� er nicht ausharren, sondern fliehen w�rde, wenn er den Zeitpunkt f�r gekommen erachtete � aber im Augenblick schien er noch nichts zu bef�rchten.</p><p>Darauf wollte ich mich zum Palast des Phanius Turmus begeben, wo Kamchak sein Hauptquartier eingerichtet hatte, um ihm meine Dienste anzubieten. Harold aber bestand darauf, da� wir noch etwas in der Stadt herumgingen und uns �ber die verschiedenen turianischen Widerstandsnester informierten.</p><p>�Warum?� fragte ich.</p><p>�Wir sind das unserer Stellung schuldig�, sagte er.</p><p>�Oh�, bemerkte ich.</p><p>Endlich war es Abend, und wir dr�ngten uns durch die turianischen Stra�en, an denen hier und da noch H�user brannten.</p><p>Wir erreichten ein hohes, von Mauern umgebenes Geb�ude und wanderten daran entlang. Von drinnen war lautes Rufen und das Weinen von Frauen zu h�ren.</p><p>�Was ist das?� fragte ich.</p><p>�Der Palast des Phanius Turmus.�</p><p>�Da haben Frauen geweint.�</p><p>�Turianische Frauen�, sagte Harold achselzuckend. Dann f�gte er hinzu: �Die sch�nsten Sch�tze der Stadt liegen hinter diesen Mauern.�</p><p>Ich war verbl�fft, als die vier Tuchukw�chter am Eingang des Palastes dreimal mit den Lanzen gegen ihre Schilde schlugen � ein unerwarteter Gru�. Beim Kommandanten einer Zehnerschaft, wird die Lanze nur einmal geschlagen, beim Kommandanten einer Hundertschaft zweimal, nur beim Befehlshaber �ber eine Tausendschaft erfolgt der dreifache Gru�.</p><p>�Passiert, Kommandanten�, sagte der Offizier der Wache, und die M�nner gaben uns den Weg frei.</p><p>Nat�rlich wollte ich von Harold wissen, was das bedeutete. Ich hatte damit gerechnet, da� man uns verh�ren und uns allenfalls nach vielen Beteuerungen in den Palast lassen w�rde.</p><p>�Es bedeutet�, sagte Harold und sah sich im Hof um, �da� du den Rang des Kommandanten einer Tausendschaft bekleidest.�</p><p>�Das begreife ich nicht�, sagte ich. �Ein Geschenk Kamchaks�, sagte Harold. �Ich selbst habe das vorgeschlagen angesichts deines mutigen, wenn auch etwas ungegeschickten Eingreifens am Tor.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich habe ich f�r mich denselben Rang vorgeschlagen�, sagte Harold, �da immerhin ich es war, der das Ganze eingef�delt hat.�</p><p>�Nat�rlich�, versicherte ich.</p><p>�Du hast nat�rlich nicht wirklich eine Tausendschaft unter dir�, sagte Harold.</p><p>�Trotzdem ist der Rang nicht zu verachten�, sagte ich. �Warum hast du mir nicht eher davon berichtet?�</p><p>�Ich hielt es nicht f�r wichtig�, sagte der junge Mann, und ich �berlegte, ob ich ihm einen kr�ftigen Tritt in den Hintern versetzen sollte. �Korobaner m�gen so etwas nat�rlich wichtig nehmen�, bemerkte Harold.</p><p>Wir erreichten eine Ecke des Au�enhofs, in der ein riesiger Haufen Teller und Schalen aus kostbarem Metall lag; dazu K�sten voll Juwelen, Halsb�nder und Armreifen, Kisten mit M�nzen und zahlreiche Silber- und Goldbarren, die jeweils ihr Gewicht eingraviert trugen. Der Palast des Ubar ist zugleich die M�nzanstalt der Stadt, wo die M�nzen von Hand gepr�gt werden.</p><p>Weiter hinten entdeckte ich riesige Stoffballen � haupts�chlich Seide. Ein weiterer Haufen bestand aus Waffen, S�tteln und kostbaren Geschirren.</p><p>�Als Kommandant�, sagte Harold, �kannst du dir nehmen, was dir gef�llt.�</p><p>Ich nickte.</p><p>Wir betraten einen zweiten Hof, einen Innenhof zwischen Palast und Au�enmauer.</p><p>Hier entdeckten wir eine lange Kette turianischer Frauen, die aneinandergefesselt waren. Von hier mu�ten die Schreie gekommen sein, die ich auf der Stra�e geh�rt hatte. Einige Frauen klagten leise vor sich hin, andere waren wie erstarrt von den Schrecken, die sie durchgemacht hatten.</p><p>�Du bist Kommandant einer Tausendschaft�, sagte Harold. �Wenn dir eines der M�dchen gef�llt, sag dem W�chter Bescheid, und er reserviert es f�r dich.�</p><p>�Nein�, sagte ich, �gehen wir zu Kamchak.�</p><p>In diesem Augenblick gab es Aufregung am Tor, und zwei Tuchuks schleppten ein M�dchen herein, das sich verzweifelt wehrte.</p><p>Es war Dina!</p><p>Ein lachender Tuchuk zerrte das M�dchen vorbei.</p><p>�Eine Sch�nheit, Kommandant�, sagte er.</p><p>Pl�tzlich gab Dina ihre Gegenwehr auf, warf den Kopf in den Nacken und sah mich erstaunt an. Sie hatte nicht erwartet, mich hier zu sehen.</p><p>�Sie kommt nicht an die Kette�, befahl ich. �Sie ist als freie Frau und mit Respekt zu behandeln. Bringt sie nach Hause zur�ck und bewacht sie, solange wir in der Stadt sind.�</p><p>Die beiden M�nner waren verbl�fft, aber die Disziplin bei den Tuchuks ist vorz�glich.</p><p>�Jawohl, Kommandant�, erwiderten sie und lie�en das M�dchen frei.</p><p>Dina sah mich dankbar an.</p><p>�Du bist in Sicherheit�, sagte ich.</p><p>�Aber meine Stadt brennt�, sagte sie.</p><p>�Das tut mir leid�, erwiderte ich, wandte mich schnell ab und betrat den Palast des Phanius Turmus.</p><p>Ich wu�te, da� w�hrend der Besatzung der Tuchuks keine Frau in ihrem Heim sicherer sein w�rde als die sch�ne Dina, Angeh�rige der Kaste der B�cker.</p><p>Ich eilte die Stufen hinauf, gefolgt von Harold, und erreichte die marmorne Vorhalle des Palastes. Hier waren die Kaiila untergebracht.</p><p>Tuchuks wiesen uns den Weg und wir erreichten schlie�lich den Thronsaal Phanius Turmus�, wo zu meiner �berraschung ein Bankett im Gange war. An eine Ende des Saals sa� Kamchak auf dem Thron des turianischen Administrators. Er trug eine purpurne Robe �ber seinem schwarzen Lederwams, und Schild und Lanze lehnten in Reichweite neben ihm. Er starrte d�ster vor sich hin. An den niedrigen Tischen, wahrscheinlich aus den verschiedenen Stadtteilen zusammengeholt, sa�en zahlreiche Tuchukoffiziere und auch einige M�nner ohne Rang. Ihnen leisteten befreite Tuchuksklavinnen Gesellschaft. Alle lachten und tranken. Nur Kamchak wirkte bedr�ckt. In seiner N�he sa�en an den Ehrenpl�tzen W�rdentr�ger der Stadt in ihrer feinsten Kleidung. Unter ihnen entdeckte ich Kamras, den Ersten K�mpfer Turias, und neben ihm einen dicken Mann, bei dem es sich nur um Phanius Turmus pers�nlich handeln konnte. Hinter jedem Mann stand ein Tuchukw�chter mit gezogener Quiva.</p><p>Kamchak wandte sich an seine Opfer. �E�t�, befahl er.</p><p>Vor den Gefangenen standen Schalen mit herrlich zubereiteten Gerichten aus den K�chen des Ubar, sowie kostbare Kr�ge mit turianischem Wein, kleine Schalen mit Gew�rzen und Zuckersorten.</p><p>Nackte turianische Sklavenm�dchen bedienten bei Tisch. Musiker spielten hinter einem Vorhang.</p><p>Gehorsam begannen die Turianer zu essen, wobei sie ab und zu verstohlene Blicke �ber die Schulter warfen.</p><p>�Seid willkommen, Kommandanten�, sagte Kamchak und bedeutete uns, an seiner Tafel Platz zu nehmen.</p><p>�Ich habe nicht erwartet, dich in Turia zu sehen�, sagte ich.</p><p>�Das ging den Turianern ebenso�, bemerkte Harold und griff zu.</p><p>Aber Kamchak starrte nur niedergeschlagen auf den Teppich vor dem Thron, der mit Flecken �bers�t war. Er schien nicht wahrzunehmen, was um ihn herum vorging. Dieses Mahl h�tte ein Triumph f�r ihn sein m�ssen � aber er schien sich nicht zu freuen.</p><p>�Der Ubar der Tuchuks macht keinen gl�cklichen Eindruck�, sagte ich.</p><p>Kamchak hob den Kopf und musterte mich.</p><p>�Die Stadt brennt�, sagte ich.</p><p>�La� sie doch brennen�, sagte Kamchak. �Ich will sie nicht.�</p><p>�Was willst du dann?�</p><p>�Das Blut Saphrars�, erwiderte er.</p><p>�All dies dient nur der Rache f�r Kutaituchik?�</p><p>�Um Kutaituchik zu r�chen�, sagte Kamchak, �w�rde ich tausend St�dte anz�nden.�</p><p>�Wieso das?�</p><p>�Er war mein Vater�, sagte Kamchak und wandte sich ab.</p><p>W�hrend des Essens kamen von Zeit zu Zeit Boten aus den verschiedenen Stadtteilen und sogar von den fernen Wagen, die einen Siebenstundenritt entfernt warteten. Neue Gerichte wurden aufgetragen, und auch die W�rdentr�ger Turias mu�ten essen und trinken. Einige von ihnen begannen bald zu weinen und zu jammern. Drei turianische M�dchen f�hrten T�nze vor, die Gesellschaft wurde ausgelassen. Als das Fest seinem H�hepunkt entgegenstrebte, eilte ein weiterer Bote in den Saal.</p><p>Der Ubar der Tuchuks lauschte mit unbewegtem Gesicht und stand auf. Er deutete auf die turianischen Gefangenen. �Bringt sie fort�, sagte er. �Legt sie in Ketten und la�t sie arbeiten.� Phanius Turmus und Kamras und die anderen wurden von ihren Tuchukw�chtern fortgezerrt. Die Tuchuks sahen Kamchak an. Die Musiker hatten zu spielen aufgeh�rt.</p><p>�Das Fest ist vorbei�, sagte Kamchak.</p><p>Die G�ste zogen sich schweigend zur�ck.</p><p>Kamchak stand vor dem Thron Phanius Turmus�, die purpurne Robe des Ubar �ber der Schulter, und betrachtete die umgest�rzten Tische, das beschmutzte Geschirr, die �berreste des Banketts. Nur er, Harold und ich befanden uns noch in dem riesigen Saal.</p><p>�Was ist los?� fragte ich.</p><p>�Unsere Wagen und Herden werden angegriffen.�</p><p>�Von wem?� fragte Harold erregt.</p><p>�Von den Paravaci�, sagte Kamchak grimmig.</p></section><section><title><p>23</p></title><p>Kamchak hatte seiner Angriffsmacht etwa zwei Dutzend Wagen folgen lassen, die haupts�chlich Vorr�te geladen hatten. Auf einem dieser Wagen, dessen Kuppel entfernt worden war, sa�en die beiden Tarn, die Harold und ich aus Saphrars Burg entf�hrt hatten. Man hatte sie uns mitgebracht, in der Annahme, da� sie bei der Schlacht um die Stadt noch von Nutzen sein konnten � zumal ein Tarn auch f�r Transportzwecke sehr gut geeignet ist, vermag er doch sieben bis zehn M�nner an einem Knotenseil im Flug hinter sich herzuschleppen. Harold und ich galoppierten auf Kaiilas zu diesen Wagen. Hinter uns donnerten zwei Tausendschaften, die zum Hauptlager der Tuchuks weiterreiten sollten, das noch einige Ahn entfernt war. Harold und ich wollten unsere Tarn besteigen, um zu den Kassars und den Kataii zu fliegen und um Hilfe zu bitten, ich hatte allerdings wenig Hoffnung, da� wir von diesen Wagenv�lkern Unterst�tzung erwarten konnten. Anschlie�end sollten Harold und ich wieder zu unseren Tausendschaften sto�en, zum Hauptlager zur�ckkehren und die Wagen und Herden nach besten Kr�ften sch�tzen. Kamchak wollte inzwischen seine Position in Turia st�rken und notfalls auch vorzeitig die Stadt verlassen, um gegen die Paravaci zu reiten.</p><p>Ich hatte zu meiner �berraschung erfahren, da� die Ubar der Kassars, der Kataii und der Paravaci eben jene drei M�nner waren, die ich zusammen mit Kamchak bei meinem ersten Kontakt mit den Wagenv�lkern getroffen hatte � Conrad, Hakimba und Tolnus. Was ich f�r eine Gruppe von Vorhut-Reitern gehalten hatte, war in Wirklichkeit eine Versammlung von Ubar gewesen; aber auch bei den anderen V�lkern spielte ein anderer Mann den Stammesf�rsten, w�hrend sich der wahre Ubar im Hintergrund hielt.</p><p>Ich wurde fast das Opfer der Bogensch�tzen, als ich mit meinem Tarn im Lager der Kataii landete, doch mein schwarzes Lederwams mit dem Emblem der vier Boskh�rner ebnete mir schlie�lich den Weg, und ich wurde zur Plattform des Ubar der Kataii gef�hrt und durfte unmittelbar mit Hakimba sprechen.</p><p>Wie erwartet, zeigte Hakimba wenig Interesse an meiner Schilderung der Probleme und Sorgen, die die Tuchuks hatten.</p><p>Offensichtlich bedeutete es ihm nichts, da� die Paravaci die Herden und Wagen der Tuchuks �berfielen, w�hrend die meisten Krieger dieses Volkes in Turia gebunden waren. Andererseits mi�billigte er die Tatsache, da� dieser �berfall ausgerechnet w�hrend des Omenjahres stattfand, welches im allgemeinen eine Zeit des Friedens zwischen den Wagenv�lkern ist. Ich sp�rte auch seine Wut, als ich von der m�glichen Verbindung zwischen den Paravaci und den Turianern sprach und die Vermutung �u�erte, da� die Aktion der Paravaci nur dazu dienen k�nnte, die Tuchuks wieder aus der Stadt zu locken. Aber obwohl Hakimba einiges gegen das Verhalten der Paravaci einzuwenden hatte, hielt er ein Eingreifen seiner eigenen Leute nicht f�r ratsam.</p><p>�Wir haben unsere eigenen Wagen�, sagte er. �Es sind nicht die Wagen der Tuchuks. Wenn die Paravaci unsere Wagen angreifen, k�mpfen wir. Vorher nicht.�</p><p>Hakimba lie� sich nicht r�hren, und ich stieg schlie�lich schweren Herzens wieder in den Sattel meines Tarn.</p><p>Ich blickte auf den Ubar der Kataii hinab und sagte: �Ich habe geh�rt, da� die Paravaci unsere Bosks t�ten.�</p><p>Hakimba sah mich an. �Sie t�ten Bosks?� fragte er skeptisch.</p><p>�Ja�, sagte ich, �und schneiden ihnen die Nasenringe heraus, um sie in Turia zu verkaufen, wenn sich die Tuchuks von dort zur�ckgezogen haben.�</p><p>�Das ist schlimm�, sagte Hakimba.</p><p>�Wirst du uns helfen?�</p><p>�Wir haben unsere eigenen Wagen � wir werden sie bewachen.�</p><p>�Was wirst du machen, wenn sich im n�chsten Jahr die Paravaci und die Turianer gegen die Kataii wenden � und eure Bosks t�ten?�</p><p>�Die Paravaci�, sagte Hakimba langsam, �w�rden gern die F�hrung der Wagenv�lker �bernehmen � und alle Bosks. Wenn die Paravaci angreifen, k�mpfen wir.�</p><p>Ich zog am ersten Z�gel, lie� meinen Tarn aufsteigen und flog �ber die Pr�rie meiner Tausendschaft entgegen, die auf dem Weg zum Tuchuklager war.</p><p>Bei meinem Flug vermochte ich das Omental einzusehen, wo die Haruspexe noch immer am Werk waren. Ich lachte bitter.</p><p>Nach wenigen Ehn hatte ich meine Tausendschaft eingeholt und meinen Tarn f�nf M�nnern �bergeben, die das Tier bewachen w�rden, bis der Wagen nachkam.</p><p>Nach einer Ahn kehrte auch Harold von seiner Mission zur�ck und stieg auf den R�cken seiner Kaiila um. Ich bemerkte mit Freude, da� er mit dem Tarn schon recht gut umzugehen verstand. Offensichtlich hatte er sich in den Tagen seit unserer Flucht aus Saphrars Burg mit den Sattelz�geln und den Angewohnheiten und Reaktionen des Vogels vertraut gemacht.</p><p>Niedergeschlagen ritt er an meine Seite und sah mich an.</p><p>Harolds Mission bei den Kassars war ebenso fruchtlos gewesen. Conrad war ebenfalls nicht gewillt, seine Streitkr�fte f�r die Verteidigung der Tuchukherden einzusetzen. Wir fragten uns, warum uns Kamchak einen Auftrag gegeben hatte, der von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen war.</p><p>Unsere Kaiila waren ersch�pft, als wir das Wagenlager und die Herden der Tuchuks erreichten, und wir waren nur zweitausend. Hunderte von Wagen brannten, und �berall waren K�mpfe im Gange. Tausende von Bosks lagen tot im Gras, mit durchschnittenen Kehlen und herausgerissenen Nasenringen.</p><p>Die M�nner hinter uns stimmten ein Wutgebr�ll an. Harold f�hrte seine Tausendschaft zwischen die Wagen und suchte den Kampf, wo immer er einen Paravaci fand. Er wu�te, da� seine Streitmacht in f�nfzehn oder zwanzig Ehn aufgerieben sein w�rde, da� sich die M�nner zwischen den Wagen verlieren mu�ten. Aber seine Mission war wichtig. Ich hatte mir den Pr�riekampf vorgenommen. Ich f�hrte meine Tausendschaft am Rand der Herde entlang, bis wir auf hundert oder zweihundert Paravaci stie�en, die damit besch�ftigt waren, Tuchukbosks niederzumetzeln. Die M�nner, die mit ihren Quivas und �xten in der Hand erschreckt aufblickten, wurden in Sekundenschnelle niedergemacht. Da sahen wir, wie sich auf einem H�gel Tausende von Paravacikriegern formierten, die offensichtlich f�r eben diesen Augenblick im Hinterhalt gelauert hatten. Schon bestiegen die Krieger ihre frischen Kaiila. Wir h�rten Boskh�rner, die die Hundertschaften der Paravaci zusammenriefen, sahen ihre Waffen blitzen.</p><p>Ich hob den Arm, stie� einen Schrei aus und f�hrte meine Tausendschaft auf die Paravaci zu, in der Hoffnung, sie zu erwischen, ehe sie sich formieren und angreifen konnten. Unsere Boskh�rner ert�nten, und meine k�hne Tausendschaft, m�de, auf ersch�pften Kaiila, machte ohne Z�gern Front und folgte mir in unseren Angriff auf den Kern der paravacischen Streitkr�fte.</p><p>Sekunden sp�ter standen wir mitten im Kampf � wirbelten durch die halbformierten und verwirrten paravacischen Hundertschaften, hieben nach links und rechts, br�llten den Kriegsschrei der Tuchuks. Ich wollte nicht so lange auf dem H�gel bleiben, bis uns die linken und rechten Flanken der Paravaci einschlie�en konnten, und nach wenigen Ehn � als gerade die Mitte der Paravaci zur�ckwich � bliesen unsere Boskh�rner schon wieder zum R�ckzug � Sekunden, bevor die Flanken uns in die Zange nehmen konnten. Wir stie�en zur�ck und die beiden Paravacihorden standen sich pl�tzlich ohne einen Gegner gegen�ber, w�hrend wir uns langsam durch unsere Bosks zur�ckzogen, die wir als Schilde benutzten. Wir hielten uns allerdings so nahe, da� sich kleine Paravaciabteilungen den Tieren nicht mehr ungestraft n�hern konnten.</p><p>Wir waren zwischen den Bosks einigerma�en in Sicherheit, und ich ordnete eine Ruhepause an.</p><p>Doch die Paravaci schlossen sich zu einem gewaltigen Block zusammen, n�herten sich langsam der Herde und dr�ngten hinein. Offensichtlich wollten sie dabei links und rechts Tiere t�ten, um auf diese Weise mit uns aufzuschlie�en.</p><p>Wieder dr�hnten unsere Boskh�rner, und meine Tausendschaft trieb die Tiere mit Lanzen an, wendete sie in Richtung Feind. Tausende von Tieren galoppierten bereits auf die n�herr�ckenden Paravaci zu, die nun erst durchschauten, was geschah. Die Bosks bewegten sich immer schneller, begannen zu knurren und zu schnauben. Und w�hrend die Boskh�rner der Paravaci verzweifelt klagten, begannen unsere Bosks loszust�rmen, die m�chtigen K�pfe mit den gef�hrlichen H�rnern nickten auf und nieder, und die Erde begann zu zittern, und meine M�nner br�llten lauter und trieben die Tiere weiter an, ritten inmitten der unaufhaltsamen Flut, und die Paravaci schrien entsetzt auf und wollten ihre Kaiila wenden, doch die nachfolgenden Reihen dr�ngten nach, und die Krieger ritten verwirrt durcheinander und versuchten die Signale ihrer Boskh�rner auszumachen. Und im n�chsten Augenblick stie� die Herde mit gesenkten Boskh�rnern ins Ziel.</p><p>Es war die Rache der Bosks. Die erschreckten, orientierungslosen Tiere donnerten in die Linien der Paravaci und vernichteten wahllos Kaiila und ihre Reiter, und wer sein Tier noch wenden konnte, ritt um sein Leben.</p><p>Einige Augenblicke sp�ter, inmitten der dahinrasenden Bosks reitend, gab ich den Befehl, die Herde abzudr�ngen und sie zu den Wagen zur�ckzutreiben. Die fliehenden Paravaci hatten auf ihren schnellen Kaiila keine M�he, der Herde zu entkommen, und ich wollte die Tiere nicht auf der ganzen Pr�rie verstreuen, wo die Paravaci leichtes Spiel mit ihnen hatten, wenn sie den Kampf wieder aufnahmen.</p><p>Als die Paravaci sich neu gruppiert hatten, war die Herde von den Tuchuks herumgeschwenkt und im Kreis gef�hrt worden, wobei sich die Tiere allm�hlich beruhigten. Nun trieben wir die Bosks langam in die N�he des Lagers zur�ck.</p><p>Die Abendd�mmerung brach herein, und ich war sicher, da� die Paravaci, die uns zahlenm��ig etwa zwanzig zu eins �berlegen waren, mit ihrem n�chsten Angriff bis zum Morgen warten w�rden. Wenn die Vorteile dieses Kampfes auf lange Sicht so eindeutig bei ihnen lagen, hatte es wenig Sinn, das Risiko eines Kampfes in der Dunkelheit auf sich zu nehmen.</p><p>Am Morgen w�rden sie dann wahrscheinlich der Herde auszuweichen versuchen und eine klare Angriffsrichtung anstreben, um vielleicht durch unser Lager vorzusto�en und uns gegen unsere Herde zu treiben.</p><p>Ich hielt mit Harold Kriegsrat. Seine Tausendschaft hatte zwischen den Wagen gek�mpft und auch mehrere Gebiete von Paravaci ges�ubert � aber sie waren noch immer �berall. Zun�chst schickten wir einen Reiter nach Turia, um Kamchak �ber die verzweifelte Lage zu unterrichten.</p><p>�Das macht aber keinen Unterschied mehr�, sagte Harold. �Wenn er durchkommt, braucht er mindestens sieben Ahn bis Turia � und selbst wenn Kamchak mit voller Streitmacht sofort losreitet, braucht er acht Ahn f�r den R�ckweg � und dann ist es zu sp�t.�</p><p>Ich nickte m�de.</p><p>Wir sprachen dann noch mit unseren M�nnern, stellten Wachen auf und versuchten uns auszuruhen, wobei wir die Kaiila gesattelt bereithielten.</p><p>Vor dem Morgengrauen standen wir wieder auf. Kurz nach Hellwerden entdeckten wir die Paravaci, die in einiger Entfernung von der Herde ihre Tausendschaften Aufstellung nehmen lie�en. Offensichtlich beabsichtigten sie das Lager von Norden her anzugreifen. Ich war entschlossen, dem Angriff auf offener Pr�rie entgegenzutreten, um die Paravacis zumindest einen Augenblick aufzuhalten. Dann wollte ich meine Leute zwischen die Wagen zur�ckziehen, die dann sofort eine Barriere bilden sollten. So hoffte ich, den Feinden wenigstens schwere Verluste beizubringen, besonders durch unsere Bogensch�tzen. Es war nat�rlich nur eine Sache der Zeit, bis unsere Barrikade umgangen war und von hinten aufgerollt wurde.</p><p>Die Schlacht begann zur siebenten goreanischen Stunde und verlief planm��ig � kaum war die Mitte der Paravacis in den Kampf verwickelt, machte der Gro�teil unserer Streitkr�fte kehrt und zog sich zwischen die Wagen zur�ck. Die Nachhut schob eilig die Wagen zusammen. Kaum hatten unsere M�nner die Barriere hinter sich, sprangen sie mit schu�bereiten Bogen von den Kaiila und bezogen Stellung unter den Wagen und zwischen den R�dern und auch hinter den Schie�scharten der Fahrzeuge.</p><p>Die Spitze des Paravaci-Angriffs brach fast durch unsere Reihen, aber wir hatten die Wagen zusammengebunden, und die Schn�re hielten dem Aufprall stand. Eine Flut von Kaiila und Reitern st�rmte gegen unsere schwache Festung an. Die Gegner t�rmten sich f�rmlich vor uns auf, einige sprangen sogar �ber unsere Schutzwehr und wurden von Pfeilsch�tzen hinter uns erledigt.</p><p>Auf wenige Meter Abstand rasten Tausende von Pfeilen in die dichtgedr�ngten Reihen der Paravaci, die jedoch weiter vordr�ngten. Wir mu�ten uns schlie�lich mit Lanzen wehren.</p><p>Etwa einen Pasang entfernt formierten sich neue Paravacistreitkr�fte. Das Schrillen ihrer Boskh�rner kam uns sehr gelegen, k�ndete es doch vom Ende der ersten Angriffswelle.</p><p>Ich gab rasch neue Befehle, und meine ersch�pften M�nner eilten los und versuchten mit �u�erster Anstrengung die Brustwehr aus gefallenen Kaiila und M�nnern wegzur�umen, um den Feinden den Zugang auf unsere Wagen zu erschweren und um freies Schu�feld zu haben.</p><p>Kaum hatten wir die Leichen und Kadaver auseinandergezerrt, als eine neue Woge Kaiilareiter heranrollte, doch wir schlugen sie wieder zur�ck. Viermal bliesen die Paravaci zum Angriff, doch viermal wehrten wir uns erfolgreich. Meine und Harolds Tausendschaften waren inzwischen ziemlich dezimiert, und nur wenige M�nner hatten noch keine Verletzung erlitten.</p><p>�Seht!� rief ein Bogensch�tze.</p><p>Auf einem H�gel in der N�he erschienen neue Tausendschaften der Paravaci. Es war eine riesige Armee.</p><p>�Das ist die Hauptstreitmacht der Paravaci�, sagte Harold. �Es ist soweit.�</p><p>Ich blickte �ber die verw�stete Wagenbarrikade, auf die �berlebenden meiner M�nner, die verwundet und todm�de waren. Frauen und Sklavinnen eilten hin und her, brachten Wasser oder verbanden Wunden. Einige Tuchuks begannen das Lied vom blauen Himmel zu singen.</p><p>Ich stand neben Harold auf einer kleinen Plattform, die man zwischen zwei Wagen errichtet hatte. Wir blickten in die Ferne. Wir beobachteten das Durcheinander von Kaiila und Reitern auf dem H�gel und die Bewegungen der Standarten.</p><p>�Wir haben uns gut geschlagen�, sagte Harold.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>Ich wandte mich um und l�chelte ihn an. �Und ich w�nsche dir alles Gute.� Dann h�rten wir wieder die Boskh�rner, und wie eine gewaltige Flut der Vernichtung, wie eine Sichel des Todes r�ckte die gewaltige Front aus Tieren und Kriegern und Waffen auf uns zu � eine Linie, die viel breiter war als unsere schmale Wagenwehr. Immer schneller dr�ngte die Kavalkade in unsere Richtung.</p><p>Harold und ich standen bei den Wagen, beobachteten das Herannahen der Streitmacht und warteten auf den Augenblick, da der Gesichtsschutz der Helme heruntergeklappt w�rde, was das Zeichen zum Senken der Lanzen war. Wir h�rten nun auch das Trommeln der Kaiilahufe, das immer schneller und lauter wurde, das Kreischen der Tiere und das Klirren von Sattelzeug und Waffen.</p><p>�H�rt doch!� rief Harold pl�tzlich.</p><p>Ich lauschte, vernahm aber nur das unglaubliche Dr�hnen der paravacischen Armee � aber dann h�rte ich doch von links und rechts das schrille T�nen von Boskh�rnern.</p><p>�Boskh�rner!� rief Harold.</p><p>�Was bedeutet das?�</p><p>Ich fragte mich, wie viele Paravaci es geben mochte.</p><p>�Schau!� br�llte Harold pl�tzlich.</p><p>Ich wollte meinen Augen nicht trauen. Auf den H�gelk�mmen kamen pl�tzlich weitere Truppen in Sicht, unz�hlige Kaiilareiter, die von links und rechts herbeigaloppierten.</p><p>Ich zog mein Schwert.</p><p>�Sieh doch!� rief Harold und sprang auf und nieder.</p><p>Und ich schaute hin�ber, und pl�tzlich wollte mir das Herz stehenbleiben, und dann br�llte auch ich so laut ich konnte. Von links sah ich die Standarte des Gelben Bogens herbeikommen und von rechts die Fahne der dreigewichtigen Bola.</p><p>�Die Kataii!� br�llte Harold und umarmte mich. �Und die Kassars!�</p><p>Ich stand wie bet�ubt auf unserer Plattform und sah, wie die gewaltigen Streitkr�fte der Kataii und der Kassars die Paravaci in die Mitte nahmen und den Angriff auf uns bremsten. Der Himmel schien sich zu verdunkeln, als von links und rechts Tausende von Pfeilen auf die Paravaci niedergingen, die sich bereits zur Flucht wandten.</p><p>�Wir sollten eingreifen�, bemerkte Harold.</p><p>�Ja!� sagte ich.</p><p>Ich wandte mich an unsere M�nner, ��ffnet die Wagenburg! Auf die Tiere!� Sekunden sp�ter sa�en die wenigen hundert Krieger, die von unseren zwei Tausendschaften noch am Leben waren, auf ihren Tieren und st�rzten sich in den Kampf, als seien sie ausgeruht.</p><p>Erst am sp�ten Nachmittag traf ich mit Hakimba von den Kataii und mit Conrad von den Kassars zusammen. Wir gingen uns auf dem Schlachtfeld entgegen und umarmten uns wie Br�der.</p><p>�Wir haben unsere eigenen Wagen�, sagte Hakimba, �doch wir geh�ren alle zu den Wagenv�lkern.�</p><p>�Es ist nur schade�, sagte ich, �da� ich Kamchak Nachricht geben lie�. Er hat sich inzwischen bestimmt aus Turia zur�ckgezogen, um uns zu Hilfe zu eilen.�</p><p>�Nein�, sagte Hakimba. �Wir haben Reiter nach Turia geschickt, als wir ausr�ckten. Kamchak wei� l�ngst von unserem Eingreifen.�</p><p>�F�r einen Kataii und einen Kassar seid ihr gar nicht so �bel�, sagte Harold. �Wir m�ssen nur darauf achten, da� ihr uns nicht doch unsere Bosks und unsere Frauen wegnehmt.�</p><p>�Nicht n�tig. Die Paravaci hatten ihr Lager ziemlich unbewacht gelassen�, sagte Hakimba.</p><p>Ich lachte.</p><p>�Ja�, sagte Conrad, �der gr��te Teil der Paravaci-Bosks befindet sich jetzt bei den Herden der Kataii und der Kassars.�</p><p>�Wenn die letzten Paravaci in ihr Lager zur�ckkehren, werden sie eine �berraschung erleben�, bemerkte Conrad.</p><p>�Wir haben die meisten Wagen angesteckt � soweit das in der Eile m�glich war.�</p><p>�Und ihre Besitzt�mer und Frauen?� fragte Harold.</p><p>�Was uns gefiel � an G�tern und Frauen �, haben wir mitgenommen.�</p><p>�Das bedeutet Krieg�, sagte ich, �jahrelangen Krieg zwischen den Wagenv�lkern.�</p><p>�Nein�, sagte Conrad. �Die Paravaci wollen bestimmt ihre Bosks und ihre Frauen zur�ckhaben, und das l��t sich vielleicht einrichten � gegen einen gewissen Preis.�</p><p>�Du bist klug�, sagte Harold.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie sich je wieder mit Turia einlassen oder -die Boskherden anderer Wagenv�lker �berfallen.� Damit hatte er wahrscheinlich recht. Einige Stunden sp�ter waren die letzten Paravaci aus dem Tuchuklager vertrieben. Harold und ich schickten einen Reiter in die Stadt, die Kamchak von unserem Sieg berichten sollte. In langsamerem Tempo folgte ihm je eine Tausendschaft der Kataii und der Kassars nach, um bei den Vorhaben in der Stadt zu helfen.</p><p>Am Morgen sollten die restlichen Krieger unserer Tausendschaften zusammen mit den Resten der Lagerbesatzung die Wagen fortfahren und die Bosks weitertreiben. Schon wurden die Tiere unruhig durch den Geruch der Verwesung ringsum, und es wimmelte im Gras von den winzigen braunen Pr�rieurts, die sich an den Kadavern g�tlich tun wollten. Wir wollten in einigen Pasang Entfernung ein neues Lager aufschlagen. Ob die Wagen von dort nach Turia zur�ckkehren oder weiter in Richtung Ta-Thassa-Gebirge fahren sollten, war noch nicht entschieden. Harold und mir war klar, da� diese Enscheidung einzig und allein bei Kamchak lag. Die Hauptstreitkr�fte der Kataii und der Kassars lagerten getrennt auf der Pr�rie und sollten am n�chsten Morgen zu ihren V�lkern zur�ckkehren. Beide St�mme hatten Reiter ausgetauscht, die in bestimmten Zeitabst�nden in ihre eigenen Lager zur�ckkehrten. Beide Lager hatten auch Wachen aufgestellt � auch die Tuchuks. Man hatte vereinbart, da� sich die beiden V�lker nur gemeinsam und offen zur�ckziehen sollten, um jede M�glichkeit auszuschlie�en, da� einer dem anderen das antat, was die Paravaci den Tuchuks hatten antun wollen. Dieses Verhalten entsprang nicht einem begr�ndeten Mi�trauen, sondern der jahrhundertelangen Kriegstradition dieser Wagenv�lker.</p><p>Ich selbst wollte so schnell wie m�glich nach Turia zur�ck. Harold erkl�re sich einverstanden, im Lager zu bleiben, bis der Kommandant einer Tausendschaft als Abl�sung aus der Stadt geschickt werden konnte. Ich dankte ihm sehr daf�r � denn ich hatte in den Mauern der Stadt noch etwas Dringendes zu erledigen.</p><p>Ich wollte am Morgen losreiten.</p><p>In dieser Nacht suchte ich Kamchaks Wagen auf, der zwar ausgeraubt, aber nicht verbrannt worden war.</p><p>Von Aphris und Elizabeth war keine Spur zu entdecken; auch der umgest�rzte, offene Sleenk�fig war leer. Eine Tuchukfrau erz�hlte mir, da� die beiden beim Angriff der Paravacis nicht in ihrem K�fig gewesen waren; Aphris h�tte sich im Wagen aufgehalten, und die Barbarin � womit Mi� Cardwell gemeint war � w�re zu einem anderen Wagen geschickt worden, von dem sie nichts weiter wu�te. Nach Angaben der Frau war Aphris in die H�nde der Paravaci gefallen � �ber Elizabeths Schicksal wu�te sie nichts. Da� Kamchak Elizabeth zu einem anderen Wagen geschickt hatte, bedeutete wohl einen Verkauf. Ich fragte mich, wer ihr neuer Herr sein mochte, und hoffte um ihretwillen, da� sie gut mit ihm zurechtkam. Vielleicht war sie aber auch bei den Paravaci. Traurig sah ich mich im Inneren von Kamchaks Wagen um. Die Au�enhaut war an mehreren Stellen zerrissen; viele Teppiche wiesen L�cher auf, einige fehlten �berhaupt. Der Sattel in der Ecke war zerschnitten und die Quivascheiden waren leer. Das feine Holz des Wagens war an vielen Stellen zerkratzt. Gold und Juwelen und kostbare Bestecke und Tassen und Kr�ge waren gestohlen worden. Ein gro�er Teil des Weinvorrats fehlte; den Rest hatte man ausgegossen, wobei dunkle Flecke auf Planken und Stoffen zur�ckgeblieben waren. �berall lagen Scherben herum. Einige weniger wertvolle Gegenst�nde, an die sich aber allerlei Erinnerungen kn�pften, waren noch vorhanden � so eine Messingkelle und ein Kasten mit gelbem turianischen Zucker, den Aphris und Elizabeth benutzt hatten. Ich dachte an die beiden M�dchen und fragte mich, was wohl aus ihnen geworden war, und ersch�pft wie ich war, legte ich mich in Kamchaks verw�stetem Wagen zum Schlafen nieder.</p></section><section><title><p>24</p></title><p>Turia stand weitgehend unter der Kontrolle der Tuchuks.</p><p>Am Morgen nach der Schlacht bei den Wagen war ich auf eine ausgeruhte Kaiila gestiegen und nach Turia geritten. Einige Ahn sp�ter stie� ich auf den Wagen, der meinen und Harolds Tarn transportierte. Ich lie� die Kaiila bei den Tuchuks zur�ck und setzte meinen Weg auf dem R�cken des Vogels fort. Das Haus Saphrars war noch immer nicht gefallen, ebensowenig der Turm, in dem Ha-Keels Tarnk�mpfer hausten. Abgesehen davon gab es nur noch wenig organisierten Widerstand in den hohen wei�en Mauern Turias. Ich und Kamchak rechneten jeden Augenblick damit, da� Saphrar mit einem Tarn zu fliehen versuchte, denn jetzt mu�te er gemerkt haben, da� der Angriff der Paravaci auf das Tuchuklager nicht zum R�ckzug Kamchaks gef�hrt hatte; im Gegenteil � die Belagerer wurden nun noch durch Kataii und Kassars verst�rkt, eine Entwicklung, die den Kaufmann entsetzt haben mu�te. Der einzige Grund f�r Saphrars Z�gern konnte nur sein, da� er hier in Turia auf die Ankunft des grauen Mannes wartete, mit dem er die Beschauung der goldenen Kugel vereinbart hatte. Ich redete mir immer wieder ein, da� er ja auch dann noch fliehen konnte, wenn sein Haus von den Tuchuks bereits gest�rmt wurde; er konnte sich in die Burg retten und von dort mit einem Tarn aufsteigen und seine Diener und Sklaven der Rache der Tuchuks �berlassen.</p><p>Ich wu�te, da� Kamchak durch Reiterstaffeln in st�ndiger Verbindung mit den Tuchukwagen stand, und sagte also nichts von der Beraubung seines Wagens und vom m�glichen Schicksal Aphris�.</p><p>Ich fragte den Tuchuk, warum er angesichts der M�glichkeit, da� die Kataii und Kassars uns nicht helfen w�rden, Turia nicht schon eher verlassen und mit seiner Hauptstreitmacht ins Lager zur�ckgekehrt war. �Es war eine Wette mit mir selbst�, sagte er.</p><p>�Eine gef�hrliche Wette�, bemerkte ich.</p><p>�Vielleicht�, sagte er. �Aber ich glaube die Kataii und die Kassars zu kennen.�</p><p>�Der Gewinn war sehr hoch�, sagte ich.</p><p>�Sogar h�her, als du denkst�, sagte er.</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Die Wette ist noch nicht ganz ausgetragen�, sagte er, aber er wollte sich nicht weiter dar�ber auslassen.</p><p>Am Tag nach meiner Ankunft in Turia wurde Harold auf seine Bitte als Lagerkommandant abgel�st und kam auf seinem Tarn in den Palast des Phanius Turmus.</p><p>In den nun folgenden Tagen waren Harold und ich fast ununterbrochen unterwegs und schliefen nur ab und zu einmal ein paar Stunden. Kamchak schickte uns auf die verschiedensten Missionen � wir fungierten als Verbindungsoffiziere, griffen manchmal in K�mpfe ein, �berpr�ften Stellungen und erkundeten bestimmte Stadtteile. Kamchaks Streitkr�fte waren so formiert, da� f�r die Zivilbev�lkerung zwei Fluchtwege durch Tore offenblieben, die unbesetzt waren. Aus bestimmten Stellungen hoch in den Mauern war der Fl�chtlingsstrom zu sehen, der die brennende Stadt verlie�. Die Menschen trugen Nahrungsmittel und kleinere Besitzt�mer bei sich. Es war sp�ter Fr�hling, und das Wetter zeigte sich von seiner guten Seite, obwohl der Regen den Obdachlosen einigen Kummer machte. Auch lie� Kamchak den Turianern Verrherden und einige turianische Bosks nachschicken, damit sie bei ihrem Exodus nicht verhungerten.</p><p>Ich wunderte mich ein wenig �ber dieses Verhalten, das so gar nicht dem kriegerischen Geist der Wagenv�lker zu entsprechen schien. Als ich ihn danach befragte, antwortete er nur: �Die Wagenv�lker brauchen Turia.�</p><p>Ich war sprachlos. Und doch schien mir die Antwort logisch � denn Turia war das Verbindungsglied der Pr�riebewohner zu den anderen St�dten Gors, das Tor, durch das Waren in die Wildnis str�mten. Ohne Turia w�re es den Wagenv�lkern zweifellos schlechter gegangen.</p><p>�Und�, fuhr Kamchak fort, �die Wagenv�lker brauchen einen gemeinsamen Feind.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Ohne Feind werden sie nie zusammenfinden � und wenn sie nicht zusammenkommen, gehen sie eines Tages unter.�</p><p>�Hat das etwas mit der �Wette� zu tun, von der du mir erz�hlt hast?�</p><p>�Vielleicht�, sagte Kamchak.</p><p>Trotzdem war ich noch nicht v�llig zufriedengestellt, denn nach meiner Auffassung h�tte Turia auch �berlebt, wenn Kamchaks Streitkr�fte beispielsweise weniger Zerst�rung angerichtet und nicht so viele B�rger aus der Stadt gelassen h�tten. �Ist das wirklich der einzige Grund?� fragte ich.</p><p>Er schaute mich ausdruckslos an. �Gewi� hast du noch andere Pflichten, Kommandant�, sagte er knapp.</p><p>Ich nickte und verlie� den Raum. Ich mu�te es noch lernen, einen Tuchuk nicht zu bedr�ngen, wenn er nicht sprechen wollte. Doch mich verwunderte nun einmal seine Gro�mut. Er sch�tzte einen gewaltigen Ha� auf Turia und die Turianer vor, dabei behandelte er sie mit gro�er R�cksichtnahme, was einem Tuchuk so gar nicht �hnlich sah � die Gegner blieben am Leben und behielten ihre Freiheit, wenn sie auch als Fl�chtlinge au�erhalb der Mauern residieren mu�ten. Ich verbrachte meine freie Zeit in der N�he von Saphrars Anwesen. Die Geb�ude rings um Saphrars Mauern waren von den Tuchuks befestigt, Stein- und Holzbarrieren in den Stra�en errichtet worden, wodurch das ganze Besitztum eingeschlossen war. Ich hatte einige hundert Tuchuks im Gebrauch der Armbrust unterwiesen, von denen uns unz�hlige Exemplare in die H�nde gefallen waren. Jeder Krieger hatte f�nf Armbr�ste und vier turianische Sklaven zur Verf�gung, die ihm die Waffen wieder spannten und neu luden. Die Krieger postierte ich auf D�chern rings um Saphrars Grundst�ck. Die Feuergeschwindigkeit der Armbrust ist zwar viel geringer als die eines Bogens, aber ihre Reichweite ist erheblich gr��er. Da wir nun Armbr�ste hatten, fiel es unseren Gegnern nicht mehr so leicht, mit Tarns zu landen oder zu starten � und genau das lag in meiner Absicht. Tats�chlich erlegten meine Armbrustlehrlinge schon am ersten Tag vier Tarns, die sich auf der Burg hatten niederlassen wollen � mehrere Tiere entkamen allerdings. Wenn wir die Armbr�ste auf das Grundst�ck schaffen konnten � etwa auf die Umfassungsmauern �, lie� sich eine Flucht Saphrars durch die Luft wahrscheinlich verhindern. Ich bef�rchtete nat�rlich, da� unsere Aktivit�ten die Flucht des Kaufmanns nur beschleunigen w�rden, das war aber nicht der Fall � vielleicht weil er erst durch den Absturz eines sterbenden Tarns auf unsere Absichten aufmerksam wurde.</p><p>Harold und ich nahmen im Palast des Phanius Turmus unsere Mahlzeit ein.</p><p>�Die meisten Leute sind jetzt aus der Stadt�, sagte Harold.</p><p>�Das ist gut�, sagte ich.</p><p>�Kamchak schlie�t die Tore�, fuhr der junge Mann fort, �und dann konzentrieren wir uns auf Saphrars Haus und das Tarnnest Ha-Keels.�</p><p>Ich nickte. Nachdem die Stadt nun weitgehend von Verteidigern ges�ubert und von der Au�enwelt wieder abgeschlossen war, konnte Kamchak seine Streitkr�fte gegen Saphrars Haus anrennen lassen, gegen diese Festung innerhalb der Festung. Wie wir vermuteten, hatte Ha-Keel den gr��ten Teil seiner tausend Tarnk�mpfer noch bei sich, dazu viele turianische Krieger. Saphrar verf�gte hinter seinen Mauern wahrscheinlich �ber mehr als dreitausend K�mpfer, sowie �ber unz�hlige Diener und Sklaven, die ihm bei der Verteidigung helfen konnten.</p><p>Als ich mein Boskfleisch gegessen hatte, legte ich mich auf dem Marmorfu�boden zur�ck und starrte zur Decke auf.</p><p>�Willst du hier schlafen?� erkundigte sich Harold.</p><p>�Das habe ich vor.�</p><p>�Aber heute sind einige tausend Bosks von den Wagen gekommen.� Ich schaute ihn an. �Was hat das mit meiner Lagerst�tte zu tun?� fragte ich. �Willst du etwa auf dem R�cken eines Bosks schlafen � nur weil du ein Tuchuk bist?�</p><p>Aber Harold reagierte nicht auf den Stich. �Ein Tuchuk schl�ft sogar auf den H�rnern eines Bosks, wenn es darauf ankommt, aber nur ein Korobaner legte sich auf einen harten Marmorboden, w�hrend er sich auf den weichen Fellen im Wagen eines Kommandanten ausstrecken k�nnte.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst.�</p><p>�Das hatte ich auch nicht angenommen.� Harold stand auf, wischte seine Quiva ab und stie� sie wieder in den G�rtel.</p><p>�Wohin willst du?� fragte ich.</p><p>�Zu meinem Wagen�, sagte er. �Er ist heute mit den Bosks eingetroffen � und zusammen mit zweihundert anderen Wagen, einschlie�lich deinem.�</p><p>Ich st�tzte mich auf einen Ellbogen. �Ich habe keinen Wagen�, sagte ich.</p><p>�Aber nat�rlich hast du einen�, sagte er. �Ebenso wie ich.�</p><p>Ich schaute ihn schweigend an und fragte mich, ob Harold der Tuchuk wieder einen seiner Streiche ausheckte.</p><p>�Ich meine es ernst�, sagte er. �In der Nacht, als du und ich nach Turia ritten, lie� Kamchak f�r jeden von uns einen Wagen vorbereiten � als Belohnung.�</p><p>Ich erinnerte mich an diese Nacht � an die lange Reise im unterirdischen Strom, an den Brunnen, an unsere Gefangenschaft, den Gelben See Saphrars, die Vergn�gungsg�rten, die Tarns � an unsere Flucht.</p><p>�Damals wurden unsere Wagen nat�rlich noch nicht rot angemalt oder mit Beutest�cken gef�llt � denn da waren wir noch keine Kommandanten.�</p><p>�Wof�r aber die Belohnung?� fragte ich.</p><p>�F�r unseren Mut�, sagte er.</p><p>�Weiter nichts?�</p><p>�Wof�r sonst?�</p><p>�F�r den Erfolg�, sagte ich. �Du konntest deine Mission erf�llen. Du hast erreicht, was du wolltest. Ich habe mein Ziel nicht erreicht. Ich mu�te die goldene Kugel zur�cklassen.�</p><p>�Aber die goldene Kugel ist wertlos�, sagte Harold. �Das hat mir Kamchak gesagt.�</p><p>�Er kennt ihren Wert nicht.�</p><p>Harold zuckte die Achseln. �Vielleicht.�</p><p>�Du wei�t also, da� meine Mission fehlgeschlagen ist.�</p><p>�Aber sie ist nicht fehlgeschlagen�, sagte Harold.</p><p>�Inwiefern?�</p><p>�F�r einen Tuchuk ist der Mut das einzige Wichtige � der pers�nliche Mut � auch wenn alles andere mi�gl�ckt.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Du scheinst dir etwas nicht klar zu machen�, sagte Harold.</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Da� wir durch unser Eindringen in Turia, durch unsere Flucht mit den Tarns � da� wir beide damit die Mutnarbe errungen haben.�</p><p>Ich schwieg. Dann sah ich ihn an. �Aber du tr�gst die Narbe gar nicht.�</p><p>�Es w�re f�r einen Mann mit Narbe auch recht schwierig gewesen, in die N�he des turianischen Tors zu kommen, oder?�</p><p>�Allerdings�, sagte ich lachend.</p><p>�Wenn ich Zeit habe, lasse ich mir die Narbe anbringen � von dem besten Mann aus dem Klan der Narber. Dann sehe ich noch besser aus.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Vielleicht sollte ich den Mann f�r dich gleich mitbestellen?�</p><p>�Nein, danke.�</p><p>�Dann achten die Leute vielleicht nicht mehr so auf dein Haar.�</p><p>�Nein, vielen Dank.�</p><p>�Na gut�, sagte Harold. �Es wissen ja sowieso alle, da� du nur Korobaner und kein Tuchuk bist.� Und er f�gte ernst hinzu: �Aber du hast trotzdem eine Mutnarbe � nicht alle M�nner, die die Mutnarbe haben, tragen diese sichtbar mit sich herum.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Also�, fuhr Harold fort. �Ich bin jetzt m�de und reite zu meinem Wagen. Ich habe da eine kleine Sklavin, um die ich mich endlich einmal k�mmern mu�.�</p><p>�Ich hatte keine Ahnung, da� ich auch einen Wagen besitze�, sagte ich.</p><p>�Das ahnte ich schon, als du die Nacht nach der Schlacht unbequem in Kamchaks Wagen verbrachtest. Ich habe dich damals gesucht, aber ich fand dich nicht. Es wird dich freuen zu h�ren, da� dein Wagen von den Paravaci verschont wurde, ebenso wie der meine.�</p><p>Ich lachte. �Seltsam, da� ich gar nichts davon wu�te.�</p><p>�Du h�ttest es l�ngst wissen k�nnen�, sagte Harold, �wenn du nicht nach unserer R�ckkehr sofort wieder nach Turia geritten w�rst � als die Wagen von der Stadt fortzogen. Damals hast du ja nicht mal bei Kamchaks Wagen vorbeigeschaut. Aphris oder jemand anderes h�tte dich einweihen k�nnen.�</p><p>�Aus dem Sleenk�fig?� fragte ich.</p><p>�Als wir auf unseren Tarns ins Lager kamen, war sie nicht in ihrem K�fig�, sagte Harold.</p><p>�Oh�, bemerkte ich, �das freut mich zu h�ren.�</p><p>�Die kleine Barbarin ebenfalls nicht.�</p><p>�Was ist aus ihr geworden?�</p><p>�Kamchak hat sie einem Krieger gegeben.�</p><p>�Oh�, sagte ich. Mich betr�bte diese Nachricht. �Warum hast du mir nichts von meinem Wagen gesagt?�</p><p>�Ich hielt es nicht f�r wichtig.�</p><p>Ich runzelte die Stirn.</p><p>�Wahrscheinlich lassen sich Korobaner von solchen Dingen eher beeindrucken � ich meine vom Besitz von Wagen und so weiter.�</p><p>Ich l�chelte. �Harold von den Tuchuks�, sagte ich. �Ich bin jetzt m�de.�</p><p>�Gehst du denn heute wieder nicht zu deinem Wagen?�</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Wie du willst. Aber ich habe geh�rt, da� er recht gut eingerichtet ist � mit Paga und Ka-la-na-Weinen aus Ar und so weiter.�</p><p>Turia hatte uns zwar seine Reicht�mer und Sch�tze �berlassen m�ssen � aber viel Paga oder Ka-la-na-Wein war dabei nicht angefallen. Wie ich vielleicht schon erw�hnt habe, ziehen die Turianer im allgemeinen schwere s��e Weine vor, die ich nicht mag. Als Beuteanteil hatte ich hundertundzehn Flaschen Ka-la-na-Wein aus Tyros, Cos und Ar an mich genommen, die ich jedoch unter meine Armbrustsch�tzen verteilen lie� � bis auf eine Flasche, die Harold und ich vor zwei Tagen geleert hatten. Ich beschlo�, die Nacht doch in meinem Wagen zu verbringen. Vor zwei Tagen war es ein Pagaabend geworden, heute war die Zeit reif f�r ein wenig Ka-la-na, dachte ich mir und freute mich, da� ich einen angemessenen Vorrat im Wagen hatte.</p><p>Ich blickte zu Harold auf und grinste. �Vielen Dank�, sagte ich.</p><p>�Bitte�, bemerkte Harold, sprang in den Sattel seiner Kaiila, die er an eine S�ule gebunden hatte. �Ohne mich findest du aber deinen Wagen nie � und ich halte mich hier nicht l�nger auf.�</p><p>�Warte!� rief ich.</p><p>Aber schon galoppierte seine Kaiila aus dem Raum, rutschte �ber den Teppich des Nachbarzimmers und donnerte einen Korridor entlang � in Richtung Haupteingang.</p><p>Knurrend l�ste ich die Z�gel meiner Kaiila, stieg auf und setzte Harold nach. Ich hatte wenig Lust, allein in den Stra�en Turias herumzureiten oder zwischen den dunklen Wagen drau�en herumfragen zu m�ssen, um mein Gef�hrt zu finden. Ich lenkte meine Kaiila die Palaststufen hinab, trabte durch die inneren und �u�eren H�fe und galoppierte schlie�lich auf die Stra�e hinaus. Die �berraschten W�chter versuchten mir einen geziemenden Gru� nachzuschicken.</p><p>Wenige Meter weiter z�gelte ich meine Kaiila, die w�tend auf die Hinterhand stieg. Harold sa� in aller Gem�tsruhe im Sattel seiner Kaiila und blickte mich tadelnd an.</p><p>�Solche Hast ziemt sich nicht f�r den Kommandanten einer Tausendschaft.�</p><p>�Sch�n�, sagte ich, und wir schlugen in gem�tlicher Gangart den Weg zum Haupttor ein.</p><p>�Ich f�rchtete schon�, sagte ich, �da� ich meinen Wagen ohne dich nicht finden w�rde.�</p><p>�Aber es ist der Wagen eines Kommandanten�, sagte Harold und tat erstaunt. �Jeder h�tte dir den Weg weisen k�nnen.�</p><p>�Daran habe ich nicht gedacht.�</p><p>�Das �berrascht mich nicht. Du bist ja nur ein Korobaner.�</p><p>�Aber vor langer Zeit haben wir die Wagenv�lker zur�ckgeschlagen.�</p><p>�Damals war ich nicht dabei�, sagte Harold.</p><p>�Das stimmt wohl.�</p><p>Wir ritten eine Zeitlang schweigend nebeneinander her.</p><p>�Wenn es nicht unter unserer W�rde w�re�, sagte ich, �w�rde ich die Sache jetzt durch ein Rennen zum Haupttor beilegen.�</p><p>�Pa� auf!� br�llte Harold. �Hinter dir!�</p><p>Ich ri� meine Kaiila herum und zog das Schwert. Wild sah ich mich um, inspizierte Toreinfahrten, D�cher, Fenster.</p><p>�Was denn?� rief ich.</p><p>�Dort!� schrie Harold. �Weiter rechts!�</p><p>Ich sah nach rechts, konnte aber nur die Backsteinmauer eines Hauses ausmachen.</p><p>�Was ist denn da?� fragte ich.</p><p>�Eine Hausmauer!�</p><p>Ich starrte ihn verst�ndnislos an.</p><p>�Ich nehme deine Herausforderung an!� rief er und gab seiner Kaiila die Sporen.</p><p>Als ich mein Tier gewendet und die Verfolgung aufgenommen hatte, war er mir bereits ein Viertelpasang voraus, jagte sein Tier �ber Balken und Abfallhaufen und �ber noch qualmende Geb�udereste. Am Haupttor �berholte ich ihn, und zusammen rasten wir hindurch und z�gelten unsere Tiere.</p><p>Wir ritten gem�chlich ins Lager, und er hob die Hand. �Das dort ist dein Wagen�, sagte er. �Meiner steht ganz in der N�he.�</p><p>Es war ein gro�er Wagen, der von acht schwarzen Bosks gezogen wurde. Zwei Tuchukkrieger hielten Wache. Neben dem Fahrzeug stand ein Pfosten mit der Standarte der vier Boskh�rner. Die Fahnenstange war rot angemalt � die Farbe der Kommandanten. Aus dem Inneren des Wagens drang Licht.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte Harold.</p><p>�Und ich dir�, erwiderte ich.</p><p>Die W�chter gr��ten uns mit einem dreimaligen Schlag der Lanzen gegen die Schilde.</p><p>Wir erwiderten den Gru�, indem wir kurz eine Hand hoben.</p><p>�Du hast da eine wirklich schnelle Kaiila�, bemerkte Harold.</p><p>�Das Rennen�, sagte ich, �wird vom Reiter entschieden.�</p><p>�Naja, ich habe dich ja auch nur knapp geschlagen.�</p><p>�Ich dachte, ich h�tte gewonnen�, sagte ich.</p><p>�Ach, was du nicht sagst!�</p><p>�Ja � woher willst du wissen, da� ich dich nicht geschlagen habe?�</p><p>�Na ja�, sagte Harold. �Ich wei� es zwar nicht genau � aber es w�re doch unwahrscheinlich � oder nicht?�</p><p>�Ja�, sagte ich, �das meine ich auch.�</p><p>�Ich wei� tats�chlich nicht, wer gewonnen hat.�</p><p>�Ich auch nicht. Vielleicht ist das Rennen unentschieden ausgegangen.�</p><p>�Vielleicht � auch wenn mir das unvorstellbar ist. Wollen wir die Kerne einer Tospit raten? Ungerade oder gerade?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Na gut�, sagte er und hob seine rechte Hand. �Bis morgen dann.�</p><p>�Bis morgen.�</p><p>Ich sah, wie Harold auf seinen Wagen zuritt, in dem wahrscheinlich die kleine Hereena auf ihn wartete.</p><p>Am n�chsten Morgen w�rde der Angriff auf das Haus Saphrars und den Turm, in dem Ha-Keel sich verschanzt hatte, beginnen. Vielleicht war es unser letzter Tag.</p><p>Ich bemerkte, da� meine Bosks sehr gepflegt wirkten.</p><p>M�de gab ich meine Kaiila in die Obhut eines W�chters und stieg in den Wagen.</p></section><section><title><p>25</p></title><p>Ich lie� die Plane hinter mir zufallen und blieb verbl�fft stehen.</p><p>Auf der anderen Seite des Wagens stand jenseits der winzigen Feuerstelle ein M�dchen, das sich hastig nach mir umdrehte. Das Licht einer Tharlarionlampe fiel auf ihr Gesicht.</p><p>�Du!� rief sie.</p><p>Sie hielt die H�nde vor das Gesicht, um den goldenen Nasenring zu verbergen.</p><p>Ich sagte nichts, sondern starrte Elizabeth Cardwell nur sprachlos an.</p><p>�Du lebst!� sagte sie und begann zu zittern. �Aber du mu�t fliehen!�</p><p>�Wieso denn?�</p><p>�Er wird dich hier entdecken.�</p><p>�Wer denn?�</p><p>�Mein Herr! Der Besitzer dieses Wagens!� sagte sie weinend. �Ich kenne ihn noch nicht.�</p><p>Pl�tzlich wurden mir die Knie weich, aber ich r�hrte mich nicht von der Stelle und lie� mir nichts anmerken. Jetzt wu�te ich Bescheid.</p><p>�Wo ist denn dein Herr?� fragte ich schlie�lich.</p><p>�Irgendwo in der Stadt � er kann jeden Augenblick kommen.�</p><p>�Ich f�rchte ihn nicht�, sagte ich.</p><p>Sie wandte sich ab.</p><p>�Welchen Namen tr�gst du auf dem Kragen?�</p><p>�Man hat ihn mir gezeigt�, sagte sie, �aber ich kann die Zeichen nicht lesen.�</p><p>Das stimmte nat�rlich � sie vermochte die goreanische Sprache zwar zu sprechen, kannte aber das geschriebene Alphabet nicht.</p><p>Ich ging um die Feuerstelle herum und n�herte mich dem M�dchen.</p><p>�Du darfst mich nicht anschauen�, rief sie und wandte sich ab.</p><p>Ich griff zu und drehte ihren Kragen herum. Ich sah sofort das Zeichen der vier Boskh�rner und das Zeichen der Stadt Ko-ro-ba, gefolgt von der goreanischen Inschrift: �Ich bin Tarl Cabots M�dchen�. Ich r�ckte den Kragen wieder zurecht und trat einige Schritte zur�ck.</p><p>�Was steht darauf?� fragte sie.</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Wem geh�rt dieser Wagen?� wollte sie wissen.</p><p>Ihre Augen sahen mich furchtsam an. �Wessen Sklavin bin ich?� fragte sie leise.</p><p>�Der Wagen geh�rt mir�, sagte ich.</p><p>Sie starrte mich sprachlos an. Das ist nicht m�glich!� Der Wagen geh�rt einem Kommandanten.�</p><p>�Ich bin Kommandant einer Tausendschaft.�</p><p>Sie sch�ttelte wie bet�ubt den Kopf. �Und der Kragen?�</p><p>�Darauf steht: �Ich bin Tarl Cabots M�dchen�.�</p><p>�Dein M�dchen?�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>Tr�nen str�mten ihr �ber die Wangen, und sie sank weinend in die Knie.</p><p>�Es ist alles vorbei, liebe Elizabeth�, sagte ich. �Du brauchst keine Angst mehr zu haben. Du bist keine Sklavin mehr. Du bist frei, Elizabeth.�</p><p>Ich entfernte den Kragen und den Ring.</p><p>Sie sank mir in die Arme, und wir k��ten uns.</p><p>In der Feuchtigkeit und Dunkelheit der goreanischen Nacht warteten die Streitkr�fte Kamchaks den Zeitpunkt ab. Sie umlagerten Saphrars Anwesen; hier und dort blitzte eine Waffe im schwachen Licht der Monde, von Zeit zu Zeit war leises Fl�stern zu h�ren.</p><p>Kamchak, Harold und ich standen zusammen mit einigen M�nnern auf dem Dach eines Geb�udes, das den Au�enmauern am n�chsten lag.</p><p>Hinter den Mauern h�rten wir von Zeit zu Zeit die Postenrufe der Wachen.</p><p>Vor �ber einer Stunde hatte ich den Wagen des Kommandanten verlassen, von einem meiner W�chter geweckt. Ich hatte Elizabeth schlafen lassen.</p><p>Unterwegs war mir Harold begegnet, und wir hatten schnell etwas getrocknetes Boskfleisch gegessen und an einem der zahlreichen Versorgungswagen in der Stadt unseren Durst gestillt.</p><p>Die Tarns, die Harold und ich vor einigen Tagen aus Saphrars Burg gestohlen hatten, waren in die Stadt gebracht worden und standen in der N�he bereit, denn man hielt es f�r m�glich, da� sie gebraucht wurden � wenn auch nur f�r Nachrichtenzwecke. Auch hatte man Hunderte von Kaiila in die Mauern Turias gebracht.</p><p>Ich h�rte Kauger�usche neben mir und sah, da� sich Harold noch immer mit einem Streifen Boskfleisch besch�ftigte. �Es ist fast Morgen�, murmelte er mit vollem Mund.</p><p>Ich sah, wie sich Kamchak vorbeugte und die H�nde auf die Dachmauer st�tzte. Er wirkte seltsam gebeugt in der Dunkelheit. Er hatte sich seit einer Viertel-Ahn nicht mehr ger�hrt. Er wartete auf den Anbruch der Morgend�mmerung.</p><p>�Ich w�rde vorschlagen�, sagte Harold, �zuerst die Tarnkavallerie �ber die Mauern zu schicken, und ihr dabei mit Tausenden von Pfeilen Deckung zu geben. In einer zweiten Welle w�rde ich dann Dutzende von Kriegern mit Seilen auf den D�chern der wichtigsten Geb�ude absetzen.�</p><p>�Aber wir haben keine Tarnkavallerie�, wandte ich ein.</p><p>�Das ist der Nachteil meines Vorschlags.�</p><p>Ich schlo� kurz die Augen und starrte wieder zu den d�steren Befestigungsanlagen hin�ber. Schlie�lich wandte ich mich an den Kommandanten einer Hundertschaft neben mir, der meine Armbrustsch�tzen befehligte. �Sind irgendwelche Tarns dr�ben gestartet oder gelandet?�</p><p>�Nein�, sagte der Mann.</p><p>�Bist du sicher�?</p><p>�Es war Mondlicht. Wir haben nichts gesehen.� Er sah mich an. �Nach meiner Sch�tzung befinden sich drei oder vier Tarns innerhalb der Befestigungen.�</p><p>�Die d�rfen unter keinen Umst�nden entkommen.�</p><p>�Wir werden uns M�he geben�, sagte er.</p><p>Im Osten wurde es heller. Ich machte einen tiefen Atemzug.</p><p>Kamchak hatte sich noch immer nicht ger�hrt.</p><p>�Da � ein Tarn!� rief pl�tzlich einer der M�nner.</p><p>Ein winziger Fleck war am Himmel erschienen � ein Tarn, der mit voller Geschwindigkeit auf Saphrars Anwesen zuhielt. Er kam anscheinend aus der Richtung des Turms, den Ha-Keels M�nner besetzt hielten.</p><p>�Achtung � Armbr�ste fertigmachen!� rief ich.</p><p>�Nein�, befahl Kamchak.� La�t das Tier landen.�</p><p>Die M�nner schossen nicht, und der Tarn setzte mit pr�zisen Fl�gelschl�gen zur Landung an und ging auf die Spitze der Burg nieder.</p><p>�Nun kann Saphrar vielleicht entkommen�, sagte ich.</p><p>�Nein�, erwiderte Kamchak. �F�r Saphrar gibt es kein Entkommen. Sein Blut geh�rt mir.�</p><p>�Wer ist der Reiter?� fragte ich weiter.</p><p>Ha-Keel, der S�ldner�, sagte Kamchak. �Er will mit Saphrar verhandeln � aber welche Bedingungen der Kaufmann auch anbietet, ich kann ihn �berbieten, denn ich habe alles Gold und alle Frauen der Stadt zur Verf�gung, und bis Sonnenuntergang habe ich auch Saphrars Armee auf unsere Seite gezogen.�</p><p>�Aber die Tarnk�mpfer k�nnen uns entscheidend schlagen�, sagte ich warnend.</p><p>Harold lachte leise. �Die tausend Tarnreiter Ha-Keels haben heute morgen die Stadt verlassen und sind nach Port Kar geflogen. Der Turm ist verlassen.�</p><p>�Aber wieso ...?�</p><p>�Sie wurden gut bezahlt. Mit turianischem Gold, wovon wir wirklich ausreichend haben.�</p><p>�Dann ist Saphrar ja allein�, sagte ich.</p><p>�Seine Lage ist schlimmer als er ahnt. Du wirst sehen�, orakelte Harold.</p><p>Nun wurde es langsam heller, und ich konnte die Gesichter der K�mpfer unten auf der Stra�e erkennen. Einige trugen Strickleitern mit Metallhaken an den Enden, andere Sturmleitern. Der Angriff auf die Festung schien unmittelbar bevorzustehen. Das Haus Saphrars war von Tausenden von Soldaten umzingelt.</p><p>Wir waren den Verteidigern zahlenm��ig etwa zwanzig zu eins �berlegen. Der Kampf w�rde hart werden, aber am Ergebnis konnte kein Zweifel bestehen � besonders nachdem die Tarnk�mpfer Ha-Keels die Stadt verlassen hatten, die Satteltaschen ihrer Tarns schwer von turianischem Gold. Nun ergriff Kamchak wieder das Wort. �Ich habe lange auf das Blut Saphrars gewartet�, sagte er. Er hob die Hand, und ein Mann in seiner N�he stieg auf die Dachmauer und stie� in sein Boskhorn.</p><p>Ich hielt dies f�r das Signal, da� der Angriff beginnen m�ge. Aber niemand r�hrte sich.</p><p>Zu meiner Verbl�ffung �ffnete sich vielmehr ein Tor des Anwesens, und mehrere Soldaten, die Waffen gezogen, schwere Beutel schleppend, traten vorsichtig heraus. Sie bildeten unten auf der Stra�e eine Reihe, von den Tuchukkriegern mit ver�chtlichen Blicken gemustert. Nacheinander nahmen sie an einem langen Tisch Aufstellung, auf dem viele Waagen aufgebaut waren. Jedem Manne wurden zehn goreanische Kilo Gold abgewogen. Die M�nner lie�en ihren Schatz in den Beuteln verschwinden und eilten durch eine Gasse fort, die von Tuchukkriegern gebildet wurde. Von ihnen wurden sie bis vor die Stadt geleitet. Zehn goreanische Kilo entsprechen etwa f�nfzehn irdischen Kilo und in Gold stellt dieses Gewicht ein Verm�gen dar.</p><p>Ich war sprachlos, und begann zu zittern. Der Zug nahm kein Ende � viele hundert M�nner wanderten langsam unter uns vorbei.</p><p>�Ich ... ich verstehe das nicht�, wandte ich mich schlie�lich an Kamchak.</p><p>Er blickte geradeaus, starrte zur stillen Festung des Kaufmanns hin�ber. �Saphrar aus Turia soll am Golde sterben�, sagte er.</p><p>Erst jetzt begriff ich die Tiefe des Hasses, den Kamchak f�r Saphrar empfinden mu�te.</p><p>Mann um Mann, Kilo um Kilo Gold starb Saphrar. Seine Mauern und Befestigungen wurden ihm st�ckweise genommen, rannen ihm durch die Finger. Sein Gold vermochte nicht die Herzen der M�nner zu kaufen. Kamchak hielt sich mit der Grausamkeit des Tuchuks im Hintergrund und kaufte M�nze um M�nze, St�ck um St�ck seinen Gegner aus.</p><p>Ein- oder zweimal h�rte ich Schwertergeklirr hinter den Mauern; vielleicht wollten einige Saphrar ergebene M�nner den Auszug von Bestochenen verhindern, aber diese Scharm�tzel schienen keinen Einflu� zu haben, da der Exodus seinen Fortgang nahm. Ich sah sogar einige Sklaven das Grundst�ck verlassen � und sie erhielten die gleiche Menge Gold � wohl um die freien M�nner, die die Bestechungssumme nahmen, um so mehr zu erniedrigen. Saphrars Macht hatte stets auf der Verlockung des Goldes basiert � eine Politik, die ihn jetzt das Leben kostete.</p><p>Auf Kamchaks Gesicht zeigte sich keine Regung.</p><p>Endlich � vielleicht eine Ahn nach Sonnenaufgang � kamen keine M�nner mehr aus dem Tor, das weit offenstand.</p><p>Nun verlie� Kamchak das Dach und bestieg seine Kaiila. Langsam ritt er auf das Haupttor des Anwesens zu. Harold und ich begleiteten ihn zu Fu�, gefolgt von mehreren Kriegern. Rechts von Kamchak schritt ein Sleenmeister, der zwei der b�sartigen Raubtiere an Ketten mitf�hrte.</p><p>Um Kamchaks Sattelknopf waren mehrere Golds�cke gebunden, die jeweils zehn goreanische Kilo schwer waren. Dahinter folgten einige turianische Sklaven, zu denen auch Kamras, der Erste K�mpfer der Stadt, und der Administrator Phanius Turmus geh�rten; sie schleppten weitere Gelds�cke.</p><p>Das Grundst�ck jenseits der Mauern schien verlassen zu sein; auf den Mauern zeigte sich kein Mann. Die frei Fl�che zwischen den Mauern und den ersten Geb�uden war leer.</p><p>Kamchak z�gelte seine Kaiila und sah sich um; der Blick seiner dunklen, brennenden Augen wanderte langsam �ber D�cher und Fenster.</p><p>Dann spornte er sein Tier an und n�herte sich dem Haupteingang der Geb�ude. Zwei Krieger tauchten auf, die offenbar Widerstand leisten wollten. Hinter ihnen entdeckte ich zu meiner �berraschung eine in Wei� und Gold gekleidete Gestalt, die einen in ein purpurnes Tuch geschlagenen Gegenstand in den Armen hielt. Saphrar!</p><p>Die beiden W�chter zogen ihre Waffen.</p><p>Kamchak z�gelte seine Kaiila.</p><p>Hinter mir h�rte ich Hunderte von Leitern und Seilhaken gegen die Mauern schlagen, und als ich mich umwandte, sah ich, wie unz�hlige M�nner �ber die Schutzw�lle und durch die offenen Tore in die verlassene Festung str�mten.</p><p>Kamchak sagte: �Kamchak von den Tuchuks, dessen Vater Kutaituchik von Saphrar aus Turia get�tet wurde, m�chte Saphrar aus Turia sprechen!�</p><p>�Werft eure Speere!� kreischte Saphrar aus dem Hintergrund.</p><p>Die beiden M�nner z�gerten.</p><p>��bermittelt Saphrar aus Turia meine Gr��e�, sagte Kamchak ruhig.</p><p>Einer der W�chter wandte sich mit starren Bewegungen um.</p><p>�Kamchak von den Tuchuks�, sagte er, �entbietet Saphrar aus Turia seinen Gru�.�</p><p>�T�tet ihn!� forderte Saphrar. �T�tet ihn!�</p><p>Stumm nahm ein Dutzend Bogensch�tzen der Tuchuks Aufstellung und hob die Waffen. Kamchak l�ste wortlos zwei Beutel Gold von seinem Sattel und warf sie neben seinem Tier zu Boden.</p><p>�K�mpft!� kreischte Saphrar au�er sich.</p><p>Die beiden W�chter kamen z�gernd n�her, nahmen je einen Beutel auf und flohen zwischen den Tuchuks hindurch auf die Stra�e.</p><p>�Sleen!� zischte Saphrar, machte kehrt und verschwand wieder seinem Palast.</p><p>Ohne sich zu beeilen, lenkte Kamchak seine Kaiila die Vortreppe hinauf und in die Vorhalle des Haupthauses. Hier sah er sich um, ritt �ber die breite Marmortreppe und nahm in aller Ruhe die Verfolgung des entsetzten Saphrar auf.</p><p>Immer wieder stie�en wir auf W�chter � doch sobald Saphrar hinter ihnen Schutz suchte, lie� ihnen Kamchak Gold hinwerfen, das sie mit schnellem Griff an sich brachten, um damit zu verschwinden. Saphrar, schweratmend, den schweren Gegenstand im Arm, eilte weiter. Er verschlo� T�ren hinter sich, die jedoch eingeschlagen wurden. Er warf M�belst�cke die Treppen hinab, doch wir lie�en uns nicht aufhalten. Die Jagd f�hrte von Raum zu Raum, durch einen Saal nach dem anderen. Wir passierten den gro�en Bankettsaal, wo uns der Kaufmann vor langer Zeit bewirtet hatte, und kamen durch K�chen- und Vorratsr�ume schlie�lich in die Privatgem�cher Saphrars. Hier schien unsere Mission pl�tzlich zu Ende zu sein, denn Saphrar war verschwunden, aber Kamchak zeigte keinerlei Unruhe.</p><p>Er stieg ab, nahm ein Kleidungsst�ck von einem Hocker und hielt es den beiden Jagdsleen vor die Schnauzen. �Sucht!� sagte er.</p><p>Die beiden Sleen schienen den Duft des Stoffes einzusaugen und begannen zu zittern. Ihre K�pfe zuckten hin und her. Gleich darauf n�herten sie sich einer Wand, sprangen sie an und begannen zu wimmern und zu zischen.</p><p>�Brecht durch!� befahl Kamchak.</p><p>Wenige Sekunden sp�ter zeigte sich hinter der d�nnen Trennwand ein dunkler Tunnel. Kamchak gab seine Kaiila nun in die Obhut eines Untergebenen, lie� sich eine Fackel geben und stieg hinter den schnaubenden Sleen in den Tunnel, gefolgt von Harold und mir und den �brigen M�nnern. Die Sleen hatten keine M�he, Saphrars Spur durch die G�nge zu folgen, die sich oft verzweigten.</p><p>Einmal blieb Kamchak stehen und verlangte nach Planken. Auf etwa drei Metern Breite fehlte der Fu�boden, der zur�ckgeklappt zu sein schien. Harold warf einen Stein in die �ffnung, und es dauerte etwa zehn Ihn, ehe er auf Wasser aufschlug.</p><p>Kamchak schien die Verz�gerung nicht weiter zu st�ren. Mit untergeschlagenen Beinen sa� er reglos vor der �ffnung, bis die Planken gebracht wurden; dann gingen er und die Sleen als erste hin�ber. Dann wieder rief er uns eine Warnung zu und verlangte nach einer Lanze, mit der er einen Fallstrick in der Passage ausl�ste. Vier Speere zuckten aus den W�nden und verschwanden in kleinen �ffnungen an der gegen�berliegenden Tunnelwand. Kamchak trat mit dem Stiefel die Sperrsch�fte entzwei und machte den Weg wieder frei.</p><p>Schlie�lich erreichten wir einen gro�en Audienzsaal mit Dachkuppel. In diesem Raum waren Harold und ich verh�rt worden.</p><p>Vier Personen warteten auf uns.</p><p>Auf dem Ehrenplatz sa� der hagere, narbige Tarns�ldner des Kaufmanns Saphrar, Ha-Keel. Er war damit besch�ftigt, seine Schwertklinge einzu�len.</p><p>Vor der Plattform trippelte Saphrar auf und ab; er umklammerte das purpurne Objekt. Er wurde beobachtet von dem Paravaci, der noch immer die Maske des Klans der Folterer trug und in Saphrars Gesellschaft gewesen war, als ich in den Gelben See springen mu�te.</p><p>Ich h�rte Harolds erfreuten Ruf, als er den Mann erblickte und der Paravaci fuhr mit gez�ckter Quiva herum. Der vierte Mann war jung und hatte dunkles Haar, ein einfacher Soldat, knapp zwanzig Jahre alt. Er trug die rote Robe eines Kriegers. Er stellte sich zwischen uns und die anderen.</p><p>Kamchak musterte ihn. �St�r uns nicht, Junge. Hier haben M�nner miteinander zu reden.�</p><p>�Tritt zur�ck, Tuchuk!� forderte der J�ngling ihn auf und zog sein Schwert.</p><p>Kamchak gab ein Zeichen, da� dem Soldaten ein Sack Gold hingeworfen werden sollte. Doch der Krieger r�hrte sich nicht. Kamchak warf ihm einen zweiten Sack Gold vor die F��e und schlie�lich einen dritten.</p><p>�Ich bin Krieger�, sagte der junge Mann stolz. �Du kennst unseren Kodex.�</p><p>�Wie du willst�, sagte Kamchak und gab seinen Bogensch�tzen ein Zeichen.</p><p>Mit einem turianischen Kriegsschrei st�rzte sich der junge Mann auf den H�uptling der Tuchuks, wurde jedoch im n�chsten Augenblick von einem Dutzend Pfeilen durchbohrt.</p><p>Er sank wimmernd zu Boden. Zu meiner Verbl�ffung bemerkte ich, da� ihn die Pfeile nur an Armen und Beinen getroffen hatten � was bestimmt kein Zufall war.</p><p>Kamchak wandte sich an einen Krieger hinter sich. �La� seine Wunden verbinden, damit er �berlebt. Dann soll er ins Lager gebracht werden. Steckt ihn in das Lederwams eines Tuchuks und bildet ihn an unseren Waffen aus. Wir brauchen M�nner wie ihn bei den Wagen.�</p><p>Ich sah den verbl�fften Blick des jungen Mannes, als er hinausgetragen wurde.</p><p>Kamchak drehte sich um und musterte die anderen drei M�nner, den ruhigen Ha-Keel, den nerv�sen Saphrar und den gro�en Paravaci.</p><p>�Der Paravaci geh�rt mir!� rief Harold.</p><p>Der Mann wandte sich �rgerlich in seine Richtung, doch er blieb, wo er war, und hielt seine Quiva in der Hand.</p><p>Harold sprang vor. �K�mpfen wir!�</p><p>Auf ein Zeichen Kamchaks zog sich der junge Tuchuk wutschnaubend zur�ck.</p><p>�Kommt nicht n�her!� rief Saphrar nerv�s, �oder ich vernichte die goldene Kugel!� Er zerrte das purpurne Tuch auseinander und enth�llte die goldene Kugel, die er im Arm gehalten hatte. Er hob das Gebilde �ber den Kopf. Mein Herz stockte. Ich streckte den Arm aus und ber�hrte Kamchak am Arm.</p><p>�Das darf er nicht�, fl�sterte ich.</p><p>�Warum nicht?� fragte Kamchak. �Das Ding ist wertlos.�</p><p>�Bleibt stehen!� kreischte Saphrar.</p><p>�Verstehst du mich nicht?� br�llte ich Kamchak an.</p><p>In Saphrars Augen blitzte es auf. �H�rt auf den Korobaner!� sagte er. �Er wei� Bescheid! Er wei� Bescheid]�</p><p>�Macht das wirklich einen Unterschied�, wollt Kamchak wissen, �ob er die Kugel zerschmettert oder nicht?�</p><p>�Ja � auf Gor gibt es nichts Wertvolleres, sie ist vielleicht wertvoller als der ganze Planet!�</p><p>�H�rt auf ihn!� schrie Saphrar. �Wenn ihr auch nur einen Schritt n�herkommt, vernichte ich die Kugel!�</p><p>�Ihr darf nichts geschehen!� flehte ich.</p><p>�Warum?� fragte Kamchak.</p><p>Ich schwieg. Ich wu�te nicht, wie ich ihm die Umst�nde erkl�ren sollte.</p><p>Kamchak wandte sich an Saphrar. �Was hast du da �berhaupt?� fragte er.</p><p>�Die goldene Kugel!�</p><p>�Aber was ist das � die goldene Kugel?�</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Saphrar, �aber ich wei�, da� es M�nner gibt, die ein Verm�gen daf�r ausgeben, und ...�</p><p>�Ich�, sagte Kamchak, �w�rde dir nicht einmal eine kupferne Tarnm�nze daf�r zahlen.�</p><p>�H�rt auf den Korobaner!� beharrte Saphrar.</p><p>�Die Kugel darf nicht zu Schaden kommen�, sagte ich.</p><p>�Warum?� fragte Kamchak noch einmal.</p><p>�Weil ... sie ist der letzte Samenkern der Priesterk�nige, ein Ei, ein Kind ... die einzige Hoffnung der Priesterk�nige, f�r sie alle ... f�r diese Welt, f�r das Universum!�</p><p>Die M�nner ringsum murmelten �berrascht, Saphrars Augen schienen aus ihren H�hlen zu treten. Ha-Keel blickte pl�tzlich auf und hatte sein Schwert ganz vergessen. Der Paravaci musterte Saphrar.</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte Kamchak. �Ich halte das Ding f�r ziemlich wertlos.�</p><p>�Nein � bitte!� sagte ich.</p><p>�Du bist doch nur wegen der goldenen Kugel zu den Wagenv�lkern gekommen, nicht wahr?� fragte Kamchak.</p><p>�Ja�, sagte ich z�gernd.</p><p>Die M�nner ringsum sahen mich erstaunt und zum Teil feindselig an.</p><p>�Du h�ttest sie gestohlen � wie Saphrar?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Aber nicht wie Saphrar. Ich h�tte Kutaituchik nicht get�tet.�</p><p>�Warum h�ttest du das getan?�</p><p>�Um das Ei ins Sardargebirge zur�ckzubringen.�</p><p>�Nicht um es selbst zu behalten oder Reichtum damit zu erlangen?�</p><p>�Nein�, sagte ich,</p><p>�Ich glaube dir�, sagte Kamchak und sah mich offen an. �Wir wu�ten, da� eines Tages jemand aus dem Sardargebirge kommen w�rde. Wir wu�ten aber nicht, da� du dieser Mann sein w�rdest.�</p><p>�Ich wu�te es auch nicht�, sagte ich.</p><p>Kamchak musterte den Kaufmann. �Willst du dir mit der goldenen Kugel dein Leben erkaufen?� fragte er.</p><p>�Wenn n�tig � ja!� sagte Saphrar.</p><p>�Aber ich will die Kugel nicht�, erwiderte Kamchak grimmig. �Ich will dich!�</p><p>Saphrar erbleichte und hielt das Ei wieder �ber seinen Kopf.</p><p>Ich war froh, als Kamchak seinen Bogensch�tzen ein Zeichen gab, nicht zu schie�en. Er winkte sie und seine anderen M�nner einige Meter zur�ck � nur Harold und ich blieben neben ihm stehen.</p><p>Der Paravaci wandte sich an Ha-Keel, der nun sein Schwert in die Scheide gesteckt hatte und aufgestanden war. �Du hast einen Tarn�, sagte der Paravaci. �Nimm mich mit. Ich kann dir die H�lfte des Reichtums der Paravaci versprechen � Bosks und Gold, Frauen und Wagen!�</p><p>Ha-Keel sagte ruhig: �Was du mir bieten k�nntest, d�rfte nicht halb soviel wert sein wie die goldene Kugel. Und die geh�rt Saphrar!�</p><p>�Du kannst mich doch nicht hierlassen!� rief der Paravaci.</p><p>�Du bist �berboten�, sagte Ha-Keel gelangweilt.</p><p>Der Paravaci erstarrte und fuhr herum. Er st�rzte sich auf Saphrar. �Dann will ich die Kugel haben!� schrie er.</p><p>Saphrar versuchte verzweifelt das Gleichgewicht zu wahren.</p><p>Ich h�tte mich in den Kampf gest�rzt, wenn mich Kamchak nicht zur�ckgehalten h�tte.</p><p>�Der goldenen Kugel darf nichts geschehen!� br�llte ich.</p><p>Der Paravaci war nat�rlich viel st�rker als der kleine dicke Kaufmann und hatte die Kugel schnell an sich gebracht. Doch Saphrar begann wie wahnsinnig zu kreischen und bi� dem Krieger in den Unterarm; seine beiden Goldz�hne sanken tief in das Fleisch des Mannes. Der Paravaci schrie entsetzt auf, erschauderte, und die goldene Kugel fiel ihm, aus der Hand und wurde einige Meter weit fortgeschleudert.</p><p>Ein Entsetzensschrei kam �ber meine Lippen. Tr�nen schossen mir in die Augen, als ich mich �ber das zerschmetterte Ei beugte. Meine Mission war vergebens gewesen! Die Priesterk�nige w�rden sterben! Gor und wom�glich auch die Erde w�rden in die H�nde der Unbekannten fallen, wer immer sie sein mochten.</p><p>Ich merkte kaum, wie sich der Paravaci neben mir st�hnend auf dem Boden wand und langsam an dem Gift aus Saphrars Z�hnen starb.</p><p>Kamchak trat neben den Mann und ri� ihm die Maske vom Gesicht, das sich verf�rbt hatte und zu einer Fratze verzogen war.</p><p>Ich h�rte Harold verbl�fft sagen: �Das ist ja Tolnus!�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Kamchak. �Der Mann mu�te Ubar der Paravaci sein; wer sonst h�tte dieses Volk in den Krieg gegen uns schicken k�nnen, wer sonst h�tte einem Tarns�ldner die H�lfte der Besitzt�mer der Paravaci versprechen k�nnen?�</p><p>Ich h�rte diese Unterhaltung wie aus weiter Ferne mit. Ich erinnerte mich an Tolnus; er war einer der vier Ubar der Wagenv�lker gewesen, denen ich am ersten Tag auf der Ebene begegnet war.</p><p>Kamchak beugte sich zu dem Sterbenden hinab und ri� ihm die kostbare Juwelenkette vom Hals. Er warf sie einem seiner M�nner zu. �Gib dies den Paravaci�, sagte er, �Damit sie sich ihre Bosks und ihre Frauen von den Kataii und Kassars zur�ckkaufen k�nnen.�</p><p>Ich merkte von diesen Vorg�ngen kaum etwas, denn der Kummer hatte mich �berw�ltigt. Ich weinte, ohne mich zu sch�men.</p><p>Es ging mir nicht nur darum, da� ich versagt hatte, da� das, worum ich gek�mpft hatte, vergangen und vernichtet war. Es ging nicht um den Krieg der Priesterk�nige, in dem ich eine wichtige Rolle gespielt hatte, auch nicht um das Leben meines Freundes Misk und um das Schicksal der Erde und der Gegenerde, die jetzt den geheimnisvollen Unbekannten zufallen mochten � nein, mich betr�bte jenes Wesen, das mit diesem Ei vernichtet worden war, das unschuldige Opfer von Intrigen, die sich schon jahrhundertelang hinzogen und die nun ganze Welten miteinander in Konflikt brachten. Es hatte nichts getan, womit es ein solches Schicksal verdient h�tte, dieses Kind der Priesterk�nige � so konnte man sagen � dieses Wesen, das eine neue Nestmutter h�tte werden k�nnen.</p><p>Wie aus weiter Ferne h�rte ich jemand sagen: �Saphrar und Ha-Keel sind geflohen!�</p><p>�ber mir sagte Kamchak: �La�t die Sleen frei. Sie sollen jagen.�</p><p>Ich h�rte, wie die Tiere von den Ketten losgemacht wurden und wie sie mit blitzenden Augen davonrasten.</p><p>Jetzt h�tte ich nicht mit Saphrar aus Turia tauschen m�gen.</p><p>�Sei stark, Krieger aus Ko-ro-ba�, sagte Kamchak teilnahmsvoll.</p><p>�Du verstehst mich nicht, mein Freund�, sagte ich schluchzend.</p><p>Die Tuchuks standen reglos neben mir, der Sleenmeister etwas im Hintergrund, die Halteketten f�r die Tiere noch in der Hand. An der T�r warteten die Sklaven mit ihrer Goldlast.</p><p>Mir wehte pl�tzlich ein merkw�rdiger Gestank in die Nase, ein Verwesungsgeruch, der von den Bruchst�cken der goldenen Kugel ausging.</p><p>�Pfui Teufel, stinkt das Ding!� sagte Harold und kniete mit angewidertem Gesichtsausdruck nieder und betastete die lederartigen Bruchst�cke und einige der goldenen Schalenreste. Er rieb ein St�ck zwischen Daumen und Zeigefinger.</p><p>Ich hatte den Kopf gesenkt; mir war alles egal.</p><p>�Hast du dir das goldene Ei einmal genau angesehen?� fragte Kamchak.</p><p>�Dazu hatte ich nie Gelegenheit�, sagte ich.</p><p>�Dann tu�s jetzt.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Schau�, sagte Harold und hielt mir seine Hand unter die Nase. An seinen Fingern leuchtete Goldfarbe.</p><p>�Das ist Farbe�, sagte er.</p><p>�Farbe?� fragte ich verst�ndnislos.</p><p>Harold beugte sich vor und zog aus den Resten des Eis einen eingeschrumpften, halb verwesten Tharlarionembryo.</p><p>�Ich sagte dir doch�, bemerkte Kamchak freundlich, �da� das Ei wertlos ist.�</p><p>Ich rappelte mich auf und starrte auf die Reste des Eis hinab.</p><p>�Das ist nicht das Ei der Priesterk�nige�, fuhr Kamchak fort. �Glaubst du wirklich, wir w�rden unsre Gegner wissen lassen, wo sich solch ein wertvolles Ding befindet?�</p><p>Ich sah Kamchak an. Mir standen Tr�nen in den Augen.</p><p>Pl�tzlich h�rten wir aus weiter Ferne einen schrillen Schrei und das Fauchen der beiden Sleens.</p><p>�Es ist vorbei�, sagte Kamchak.</p><p>Er wandte sich in die Richtung, aus der die Schreie kamen. Er ging ohne Hast. Wir folgten ihm.</p><p>Schlie�lich erreichten wir das Ufer des Gelben Sees von Turia. Auf der Marmorkante tobten die beiden Jagdsleen hin und her; sie zischten und fauchten und warfen ab und zu verzweifelt die K�pfe hoch und heulten. Ihre blitzenden Augen waren auf die Gestalt Saphrars aus Turia gerichtet, der wimmernd in der Masse des Sees stand. Seine Finger fuhren durch die Luft, als versuchten sie im Nichts Halt zu finden, als wollte er nach den Ranken greifen, die f�nf Meter �ber ihm hingen.</p><p>Er versuchte sich in der schimmernden, funkelnden Substanz des Sees zu bewegen, kam jedoch nicht von der Stelle.</p><p>Sein dickes Gesicht war in Schwei� gebadet. Ihn umschwammen leuchtend wei�e Kugeln, die ihn vielleicht beobachteten, ihn einkreisten. Die goldenen Tropfen, die Saphrar anstelle der Augenbrauen trug, fielen unbemerkt in die Fl�ssigkeit, die langsam an ihm emporstieg. Unter der Oberfl�che lie� sich erkennen, da� seine Robe an verschiedenen Stellen bereits zerfressen war; wahrscheinlich drangen die S�fte des unheimlichen Seewesens bereits in seine Haut ein, n�hrten sich von seinem K�rper.</p><p>�Senkt die Ranken!� flehte Saphrar. Er warf den Kopf zur�ck und begann wie verr�ckt an seinen Schultern und Armen zu kratzen. Schlie�lich streckte er Kamchak die H�nde entgegen.</p><p>�Denk an Kutaituchik�, sagte dieser nur.</p><p>Saphrar schrie vor Schmerzen auf. Unter Wasser bemerkte ich eine Bewegung und entdeckte mehrere wei�e Str�nge, die seine Beine umschlossen und ihn unter die Oberfl�che ziehen wollten.</p><p>Saphrar begann die verh�rtete Masse ringsum mit den F�usten zu bearbeiten, um ein weiteres Einsinken zu verhindern. Die Augen quollen ihm aus dem Kopf.</p><p>�Das Ei�, sagte Kamchak laut, �war das Ei eines Tharlarion. Es war wertlos.�</p><p>Der Kaufmann schien zusammenzusacken und versank langsam in der gallertartigen Flut. Einige Blasen zerplatzten tr�ge an der Oberfl�che. Schlie�lich verschwand der Kopf, und nur noch die H�nde des Mannes waren zu sehen, hochgereckt, als wollte er nach den rettenden Ranken greifen.</p><p>Schlie�lich war es vorbei. Wir standen schweigend und starrten auf die ruhige Oberfl�che des �Sees�.</p><p>�Bringt eine Fackel�, befahl Kamchak schlie�lich.</p><p>Er starrte in die lebendige schimmernde Fl�ssigkeit des Gelben Sees.</p><p>�Es war Saphrar aus Turia, der meinen Vater mit den Kandaketten bekannt machte. Er hat meinen Vater also zweimal get�tet.�</p><p>Die Fackel wurde gebracht, und der See begann pl�tzlich seinen Dampf in schnellerem Rhythmus abzugeben. Seine Oberfl�che geriet in Bewegung, schien sich von unserer Seite zur�ckzuziehen. Die seltsamen Str�nge unter der Oberfl�che zuckten nerv�s hin und her.</p><p>Kamchak nahm die Fackel und warf sie in die Mitte des Sees.</p><p>Pl�tzlich explodierte der See in Flammen, und wir alle hoben sch�tzend die Arme vor die Gesichter und zogen uns einige Meter zur�ck. Im Becken begann es zu dr�hnen, zu zischen und zu blubbern, und die Flammen loderten hoch auf. Auch die Ranken fingen Feuer. Das lebendige Seewesen versuchte, alle Fl�ssigkeit abzusto�en und sich vor der Gewalt der Flammen durch Bildung einer harten Kapsel zu sch�tzen � aber die Flammen sprengten die Schutzhaut, und wieder war das ganze Becken voller z�ngelnder Flammen, immer wieder wurden Brocken in die H�he geschleudert.</p><p>�ber eine Stunde brannte das Feuer � und schlie�lich war das Becken leer und an vielen Stellen verkohlt, nur einige geschw�rzte Knochen und Tropfen geschmolzenes Gold blieben zur�ck.</p><p>�Kutaituchik ist ger�cht�, sagte Kamchak und wandte sich zum Gehen.</p><p>Vor dem Anwesen Saphrars, das nun in Flammen stand, bestiegen wir unsere Kaiila, um in das Wagenlager vor den Toren der Stadt zur�ckzukehren.</p><p>Ein Mann n�herte sich Kamchak. �Der Tarnk�mpfer�, berichtete er, �ist geflohen. Wir haben befehlsgem�� nicht auf ihn geschossen, da er Saphrar nicht bei sich hatte.�</p><p>Kamchak nickte. �Ich habe keinen Hader mit dem S�ldner Ha-Keel�, sagte er und wandte sich an mich. �Du aber wirst ihm vielleicht noch einmal begegnen, nachdem er nun wei�, worum es hier geht. Saphrar ist tot, und seine Hinterm�nner brauchen einen neuen Helfershelfer. Vielleicht siehst du diesen Mann schneller wieder, als du jetzt glaubst.� Kamchak grinste mich an � das erste L�cheln seit dem Tod seines Vaters. �Es hei�t, das Schwert Ha-Keels ist kaum weniger schnell als das von Pa-Kur, des F�hrers der Meuchelm�rder.�</p><p>�Pa-Kur ist tot�, erwiderte ich. �Er kam bei der Belagerung Ars ums Leben.�</p><p>�Hast du die Leiche gesehen?�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Kamchak l�chelte. Tarl Cabot, ich glaube, du g�bst nie einen richtigen Tuchuk ab.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Du bist zu vertrauensselig.�</p><p>�Pa-Kur wurde auf dem Justizzylinder Ars besiegt, und um der Gefangenschaft zu entgehen, st�rzte er sich �ber den Rand in die Tiefe. Ich glaube nicht, da� er fliegen konnte.�</p><p>�Hat man die Leiche gefunden?� fragte Kamchak noch einmal.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Aber was hei�t das schon?�</p><p>�Einem Tuchuk w�rde das etwas ausmachen�, sagte Kamchak.</p><p>�Ihr Tuchuks seid eben ein mi�trauischer Haufen�, antwortete ich �rgerlich. �Wahrscheinlich wurde der Tote von der aufgebrachten Menge in St�cke gerissen.�</p><p>�Dann sieht es also so aus, als sei er tot?�</p><p>�Sicher.�</p><p>�Hoffen wir, da� es stimmt�, sagte Kamchak. �Um deinetwillen.�</p><p>Wir wendeten unsere Kaiila und ritten aus der Stadt. Eine Unterhaltung kam nicht mehr auf, aber zum erstenmal seit vielen Wochen pfiff Kamchak leise vor sich hin. Einmal wandte er sich an Harold. �Ich glaube, wir sollten ein paar Tage auf Tumitjagd gehen�, bemerkte er.</p><p>�Das w�rde mir Spa� machen�, erwiderte Harold.</p><p>�Willst du mitkommen?� fragte mich Kamchak.</p><p>�Ich glaube, ich werde die Wagen bald verlassen, denn ich habe meine Mission f�r die Priesterk�nige nicht erf�llen k�nnen�, sagte ich.</p><p>�Was war das f�r eine Mission?� fragte Kamchak unschuldig.</p><p>�Ich sollte das letzte Ei der Priesterk�nige finden�, sagte ich etwas gereizt, �und es ins Sardargebirge zur�ckbringen.�</p><p>�Warum erledigen die Priesterk�nige solche Dinge nicht selbst?� fragte Harold.</p><p>�Sie vertragen die Sonne nicht�, sagte ich. �Sie unterscheiden sich sehr von den Menschen. Und wenn ein Mensch sie s�he� k�nnte er Angst vor ihnen bekommen und sie t�ten wollen. Dadurch k�me das Ei in gro�e Gefahr.�</p><p>�Eines Tages�, sagte Harold, �mu�t du mir von den Priesterk�nigen erz�hlen.�</p><p>�Sehr gern�, erwiderte ich.</p><p>�Ich dachte mir gleich, da� du der Mann bist�, warf Kamchak ein.</p><p>�Welcher Mann?�</p><p>�Der Mann, den mir die beiden Fremden ank�ndigten � die M�nner, die damals das Ei brachten.�</p><p>�Die beiden sind tot. Ihre St�dte haben einen Krieg gegeneinander gef�hrt, und sie sind auf dem Schlachtfeld umgekommen.�</p><p>�Das tut mir leid�, sagte Kamchak. �Es schienen mir ausgezeichnete Krieger zu sein.�</p><p>�Wann kamen sie zu den Wagen?�</p><p>�Es ist erst zwei Jahre her�, antwortete er.</p><p>�Sie gaben dir das Ei?�</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich sollte es f�r die Priesterk�nige aufbewahren. Das war nat�rlich klug von ihnen, denn die Wagenv�lker geh�ren zu den wildesten St�mmen Gors und leben viele hundert Pasang von den St�dten entfernt in Freiheit � mit Ausnahme von Turia nat�rlich.�</p><p>�Wei�t du, wo das Ei jetzt ist?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich�, sagte er.</p><p>Ich begann im Sattel meiner Kaiila zu zittern. Die Z�gel fielen mir aus der Hand, und das Tier wurde unruhig.</p><p>�Sag mir nicht, wo es ist�, sagte ich, �oder ich w�re in Versuchung, es zu stehlen und ins Sardargebirge zu schaffen.�</p><p>�Aber bist du nicht der Mann, der von den Priesterk�nigen kommt, um das Ei zu holen?�</p><p>�Doch.�</p><p>�Warum wolltest du das Ei dann stehlen und fortschleppen?�</p><p>�Ich habe keine M�glichkeit, zu beweisen, da� ich von den Priesterk�nigen komme�, sagte ich. �W�rdest du mir denn glauben?�</p><p>�Ja, weil ich dich kenne.�</p><p>Ich schwieg. �Ich habe dich eingehend beobachtet, Tarl Cabot aus Ko-ro-ba�, sagte Kamchak. �Einmal hast du mir das Leben geschenkt, und wir hielten Gras und Erde zusammen, und von diesem Augenblick an w�re ich f�r dich gestorben, selbst wenn du ein Ge�chteter gewesen w�rst. Aber da h�tte ich dir das Ei noch nicht geben k�nnen. Dann gingst du mit Harold in die Stadt, und da wu�te ich, da� du f�r das Ei dein Leben opfern wolltest, denn deine Chancen standen sehr schlecht. Niemand, der nur auf Gold aus war, h�tte ein derartiges Risiko auf sich genommen. Dadurch verdichtete sich meine Vermutung, da� du der von den Priesterk�nigen Auserw�hlte sein k�nntest.�</p><p>�Und deshalb lie�est du mich nach Turia ziehen�, sagte ich, �Obwohl du wu�test, da� die goldene Kugel wertlos war?�</p><p>�Ja�, sagte Kamchak.</p><p>�Und warum hast du mir das Ei hinterher nicht gegeben?�</p><p>Kamchak l�chelte. �Ich brauchte noch eine letzte Best�tigung.�</p><p>�Und die w�re?�</p><p>�Ich wu�te, da� du das Ei f�r die Priesterk�nige haben wolltest und nicht zu deinem pers�nlichen Vorteil. Deshalb wollte ich die goldene Kugel zerschmettern. Ich h�tte es selbst getan, wenn es nicht von allein soweit gekommen w�re � ich wollte sehen, ob dich der Verlust in Wut versetzte oder traurig stimmte, in Trauer um die Priesterk�nige.� Kamchak l�chelte. �Als du vorhin weintest, wu�te ich, da� dein Herz an dieser Mission h�ngt, da� du wirklich nur wegen des Eies gekommen warst.�</p><p>Ich starrte ihn sprachlos an.</p><p>�Verzeih mir � ich war grausam. Ich bin eben ein Tuchuk. Aber obwohl ich sehr viel f�r dich empfinde, mu�te ich mir in dieser Sache Gewi�heit verschaffen.�</p><p>�Da ist nichts zu verzeihen�, sagte ich. �An deiner Stelle h�tte ich wahrscheinlich nicht anders gehandelt.�</p><p>Kamchaks Hand schlo� sich um die meine.</p><p>�Wo ist das Ei?� fragte ich.</p><p>�Wo w�rdest du es denn suchen?�</p><p>�Ich h�tte es bei Kutaituchik gesucht � im Wagen des Ubar der Tuchuk.�</p><p>�Aber ich bin Ubar der Tuchuks�, sagte Kamchak.</p><p>�Du meinst. . .?�</p><p>�Ja�, sagte Kamchak leichthin, �das Ei ist seit zwei Jahren in meinem Wagen.�</p><p>�Aber ich habe monatelang in deinem Wagen gelebt!� rief ich.</p><p>�Hast du denn das Ei nicht gesehen?�</p><p>�Nein � es mu� gut versteckt sein.�</p><p>�Wie sieht das Ei aus?�</p><p>�Ich . . . ich wei� es nicht.�</p><p>�Du hast dir vielleicht vorgestellt, da� es oval ist und golden schimmert?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wei�t du eigentlich warum?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann pa� auf. Wir malten das Ei eines Tharlarion golden an und legten es in den Wagen Kutaituchiks. Und dann verstreuten wir Ger�chte, es sehe so und so aus. So einfach ist das.�</p><p>Ich wu�te nicht, was ich sagen sollte.</p><p>�Ich glaube, du hast das echte Ei der Priesterk�nige oft herumliegen sehen�, fuhr er fort. �Tats�chlich haben es die Paravaci, die meinen Wagen ausraubten, nicht f�r wertvoll genug gehalten, es mitzunehmen.�</p><p>�Wie sieht es denn aus?� rief ich verzweifelt.</p><p>�Erinnerst du dich an die Kuriosit�t � das graue, ledrige Ding?�</p><p>Ich sch�ttelte ungl�ubig den Kopf. �Aber�, sagte ich fassungslos und mit zitternder Stimme. �Du hast es durch den Wagen gerollt, hast es herumgesto�en � einmal hast du ihm sogar einen Fu�tritt versetzt, damit es zu mir her�ber rollte und ich es mir anschauen konnte! Du hast sogar darauf gesessen!�</p><p>�Ich hoffe, da� mir die Priesterk�nige das verzeihen � aber solche kleinen Szenen � die mir �brigens doch wohl ganz gut gelungen sind � geh�rten zur T�uschung.�</p><p>Ich l�chelte, als ich daran dachte, wie sehr sich Misk �ber das Ei freuen w�rde.</p><p>�Hab� keine Angst � das Ei ist bestimmt nicht besch�digt � dazu w�re mindestens eine Axt oder ein Schwert erforderlich.�</p><p>�Ich hoffe, da� das Ei nach dieser langen Zeit noch lebt�, sagte ich.</p><p>Kamchak zuckte die Achseln. �Wir haben es bewacht � mehr k�nnen wir nicht tun.�</p><p>�Und ich und die Priesterk�nige sind dir dankbar.�</p><p>Kamchak l�chelte. �Ich bin aber doch froh, da� ich es los bin � au�erdem kommt jetzt die Zeit f�r die Tumitjagd.�</p><p>��brigens, Ubar�, schaltete sich Harold ein und blinzelte mir zu. �Was hast du eigentlich f�r Aphris aus Turia bezahlt?�</p><p>Kamchak warf ihm einen b�sen Blick zu.</p><p>�Du hast Aphris gefunden!� rief ich.</p><p>�Albrecht von den Kassars�, sagte Harold gelassen, �hat sie bei dem �berfall auf das Paravacilager an sich gebracht.�</p><p>�Herrlich!� rief ich.</p><p>�Sie ist nur eine Sklavin und ganz unwichtig!� knurrte Kamchak.</p><p>�Was hast du f�r sie bezahlt?� fragte Harold unschuldig.</p><p>�Die Tumits lassen sich jetzt am besten jagen�, bemerkte Kamchak. �Wir sollten in die Gegend des Cartius ziehen.�</p><p>�Ich w�rde sagen, da� ein schlauer Tuchuk nicht mehr als ein paar kupferne Tarnm�nzen f�r das M�dchen zahlen w�rde�, sagte Harold.</p><p>Ich erinnerte mich noch daran, welchen Preis Kamchak gefordert hatte, als Albrecht seine Tenchika zur�ckkaufen wollte!</p><p>�Wichtig ist allein, da� Aphris wieder da ist�, sagte ich.</p><p>Wir ritten schweigend weiter. Schlie�lich fragte auch ich: �Also, was hast du denn nun f�r sie bezahlt?�</p><p>Kamchaks Gesicht war ger�tet vor Zorn. Er starrte Harold an, der ihn unschuldig fragend anl�chelte, und dann mich, der ich nur ehrlich neugierig war. Kamchaks H�nde verkrampften sich um die Z�gel.</p><p>�Zehntausend Goldbarren�, sagte er z�hneknirschend.</p><p>Ich z�gelte meine Kaiila und starrte ihn verbl�fft an. Harold schlug auf seinen Sattel ein und wieherte vor Lachen.</p><p>�Also wirklich!� sagte ich, und in meiner Stimme schien wohl etwas Spott zu schwingen, denn nun wurde auch ich mit einem vernichtenden Blick bedacht.</p><p>Pl�tzlich funkelten seine Augen am�siert, und er l�chelte mich etwas d�mmlich an. �Ja, Tarl Cabot, ich erinnere mich an unser Gespr�ch. Ich scheine wohl auch ein Narr zu sein � das habe ich jetzt erst gemerkt.�</p><p>�Meinst du nicht, Cabot�, sagte Harold, �da� er alles in allem � von einigen Dummheiten abgesehen � ein ausgezeichneter Ubar ist?�</p><p>�Im gro�en und ganzen schon�, sagte ich. �Abgesehen von solchen Dummheiten.�</p><p>Kamchak starrte Harold an, blickte zu Boden und kratzte sich am Ohr. Und dann brachen wir alle drei in Gel�chter aus, und Tr�nen rannen Kamchak �ber das Gesicht.</p><p>�Du h�ttest ihm sagen sollen�, sagte Harold, �da� das Gold aus Turia stammte.�</p><p>�Ja!� rief Kamchak. �Das stimmt. Es war Saphrars Gold.�</p><p>�Das ist doch wohl etwas anderes!� sagte Harold.</p><p>�Allerdings!� rief Kamchak.</p><p>Wieder lachten wir und trieben unsere Kaiila an.</p><p>Als wir das Lager erreichten, sprang ich vom R�cken meines Tiers und lief auf meinen Wagen zu. Das M�dchen, das dort auf mich wartete, stie� einen Freudenschrei aus und lief mir entgegen, und ich ri� sie hoch und schwenkte sie herum.</p><p>�Du bist am Leben!� rief sie. �Du bist in Sicherheit!�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ich bin am Leben, und du bist am Leben und in Sicherheit � die ganze Welt ist in Sicherheit.�</p><p>Damals glaubte ich noch fest daran.</p></section><section><title><p>26</p></title><p>Kamchak, Harold und die anderen schienen sich sehr auf die Tumitjagd zu freuen, die eine Spezalit�t der Wagenv�lker zu sein schien. Nachdem Kutaituchik nun ger�cht war, verlor Kamchak das Interesse an Turia, obwohl er nat�rlich w�nschte, da� die Stadt weiterlebte � als Handelstor f�r die Wagenv�lker, durch das sie mit der fernen Zivilisation Waren aller Art austauschen konnten.</p><p>Am Tag vor dem Abmarsch der Wagenv�lker von Turia hielt Kamchak Hof im Palast des Phanius Turmus. Der fr�here turianische Ubar war zusammen mit seinem Ersten K�mpfer am Tor des Saaleingangs angekettet, um den G�sten die F��e zu waschen.</p><p>Turia war eine reiche Stadt gewesen, und obwohl gro�e Betr�ge an Ha-Keel und seine Tarnk�mpfer und erhebliche Goldmengen auch an die Soldaten Saphrars gezahlt worden waren, waren diese Mengen im Vergleich zu den Best�nden nur winzig, ganz zu schweigen von den gewaltigen Schatzkammern Saphrars. Das Verm�gen h�tte ausgereicht, um jeden Tuchuk � und vielleicht auch jeden Kataii und jeden Kassar � zu einem reichen Mann zu machen. Ich mu�te unwillk�rlich daran denken, da� Turia noch nie erobert worden war.</p><p>Und doch befahl Kamchak, da� der gr��te Teil dieses Reichtums in der Stadt verbleiben sollte, da� die Stadt wieder aufgebaut werden und florieren konnte. Auf dem Thron des Phanius Turmus sa� Kamchak, die purpurne Ubarrobe um die Schultern. Er sa� nicht mehr d�ster br�tend vor seinen Leuten, sondern k�mmerte sich gutgelaunt um seine Amtsgesch�fte und lie� sich nur ab und zu durch seine Kaiila ablenken, die neben dem Thron an eine S�ule gebunden war und der er Fleischst�cke zuwarf. Kostbare Schmuckst�cke und Goldkr�ge und Seidenstoffe waren um den Thron aufgeh�uft.</p><p>Die Kommandanten Kamchaks umringten den Thron, dazu einige Anf�hrer von Hundertschaften, die zum Teil ihre Frauen mitgebracht hatten. Neben mir stand Elizabeth, einfach gekleidet; dahinter sah ich Harold von den Tuchuks mit der bildh�bschen Hereena.</p><p>In einer langen Reihe wurden Turianer vor den Thron geschleppt, M�nner, die in der Stadt etwas zu sagen gehabt hatten, hohe W�rdentr�ger und Beamte. Kamchak richtete das Wort an sie.</p><p>�Eure Besitzt�mer und Frauen geh�ren mir. Wer ist der Herr �ber Turia?�</p><p>�Kamchak von den Tuchuks�, lautete die Antwort.</p><p>Schlie�lich wurden auch Phanius Turmus und Kamras vorgef�hrt.</p><p>Kamchak deutete auf die Reicht�mer ringsum. �Wem geh�rt das Verm�gen Turias?�</p><p>�Kamchak von den Tuchuks.�</p><p>�Wer�, fragte Kamchak lachend, �ist Ubar von Turia?�</p><p>�Kamchak von den Tuchuks.�</p><p>�Bringt den Heimstein der Stadt�, befahl Kamchak. Der Stein, von ovaler Form, alt und verwittert, mit dem Anfangsbuchstaben des Stadtnamens versehen, wurde gebracht.</p><p>Er hob den Stein �ber den Kopf und las die Angst in den Augen der beiden M�nner vor seinem Thron.</p><p>Aber er zerschmetterte den Stein nicht. Er stand auf und legte den Stein in die gefesselten H�nde Phanius Turmus�. �Turia lebt�, sagte er, �Ubar.�</p><p>Tr�nen traten in die Augen des Administrators, und er dr�cke den Heimstein seiner Stadt ans Herz.</p><p>�Morgen fr�h�, rief Kamchak, �kehren wir zu den Wagen zur�ck.�</p><p>�Du willst Turia verschonen, Herr?� fragte Aphris die neben dem Thron kniete. Sie sah den Tuchuk verwundert an, wu�te sie doch, welcher Ha� noch vor Tagen an ihm genagt hatte.</p><p>�Ja�, sagte Kamchak. �Turia soll weiterleben.�</p><p>Auch ich war �berrascht, hielt mich aber zur�ck. Ich hatte angenommen, da� Kamchak den Stein vernichten und damit die Tradition der Stadt zerst�ren w�rde, so da� sie im Herzen der Menschen nur noch als Ruine weiterleben konnte. Erst jetzt wurde mir klar, da� er der Stadt ihre Freiheit wiedergeben wollte.</p><p>Das schien mir ein seltsames Verhalten f�r einen Eroberer, f�r einen Tuchuk.</p><p>Lag es daran, da� Kamchak � wie er mir einmal anvertraute � einen Feind f�r die Wagen V�lker brauchte? Oder spielte hier etwas anderes mit?</p><p>Pl�tzlich gab es Aufregung an der T�r, und drei M�nner eilten herein � Hakimba von den Kataii, Conrad von den Kassars und ein Paravaci, den ich nicht kannte. Dichtauf folgten einige andere M�nner, darunter auch Albrecht von den Kassars und die Sklavin Tenchika, die ein B�ndel in der Hand hielt.</p><p>Conrad, Hakimba und der Paravaci nahmen vor dem Thron Kamchaks Aufstellung.</p><p>�Die Omen sind befragt!� rief Conrad.</p><p>�Zum erstenmal seit hundert Jahren�, sagte Hakimba, �gibt es wieder einen Ubar San. Einen Ubar f�r alle Wagen V�lker!�</p><p>Kamchak stand auf und warf die purpurne Robe des turianischen Ubar von sich. Die drei Ubar hoben die Arme.</p><p>�Kamchak!� riefen sie. �Ubar San!�</p><p>Der Schrei wurde von den Anwesenden aufgenommen, und auch ich schrie lauthals mit: �Kamchak, Ubar San!�</p><p>Kamchak hob die H�nde, und es wurde still. �Jeder von euch�, sagte er, �die Kassars, die Kataii, die Paravaci, haben eigene Bosks und eigene Wagen � und so sollt ihr weiterleben. Aber in Kriegszeiten, wenn es Bestrebungen von Feinden gibt, uns zu trennen und unsere Wagen und Bosks und Frauen zu bedrohen, unsere Ebenen und unser Land � dann la�t uns zusammen k�mpfen. Dann kann nichts und niemand den Wagenv�lkern etwas anhaben. Wir leben allein, aber wir alle geh�ren zu den Wagen, und was uns trennt, wiegt weniger als alles, was uns eint. Wir alle wissen, da� es falsch ist, die Bosks unserer Br�der zu t�ten, und da� es recht ist, stolz und mutig zu sein und unsere Wagen zu verteidigen. Und so werden wir zusammen stark und freisein. Beschw�ren wir das!�</p><p>Die drei M�nner traten neben den Thron und legten die H�nde zusammen. �Dies sei beschworen!� sagten sie im Chor.</p><p>�Hoch Kamchak!� riefen sie dann. �Ubar San!�</p><p>�Hoch Kamchak!� hallte es durch den Saal.</p><p>Erst am sp�ten Nachmittag waren alle wichtigen Fragen gekl�rt, und der gro�e Saal hatte sich geleert. Nur wenige hielten sich noch vor dem Thron auf, einige Kommandanten und Anf�hrer von Hundertschaften und nat�rlich Kamchak und Aphris. Auch Harold und ich waren noch geblieben, ebenso Hereena und Elizabeth.</p><p>Kurz zuvor waren Albrecht und Tenchika gegangen, und das M�dchen hatte mir das P�ckchen gegeben, das f�r Dina aus Turia bestimmt war. Ich hatte daraufhin nach dem M�dchen aus der Kaste der B�cker schicken lassen, die nun mit ihren beiden W�chtern eintraf.</p><p>Verwundert �ffnete sie das P�ckchen und fand darin die Schalen und Ringe und Goldst�cke, die Albrecht ihr f�r ihre Siege als Bolal�uferin gegeben hatte.</p><p>�Wei� Albrecht davon?� fragte Dina und sah mich gro� an.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Er ist ein sehr gro�z�giger Mann�, sagte Dina und strahlte vor Freude. �Damit kann ich nun den Laden meines Vaters wiederer�ffnen.�</p><p>�Wenn du willst�, sagte ich, �gebe ich dir hundertmal soviel.�</p><p>�Nein�, sagte sie l�chelnd, �denn dies geh�rt mir.�</p><p>Sie hob ihren Schleier und k��te mich. �Leb wohl, Tarl Cabot�, sagte sie. �Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>�Und ich dir � Dina aus Turia.�</p><p>Dina lie� ihren Schleier wieder herabfallen, drehte sich um und eilte aus dem Saal. Elizabeth, die uns zugesehen hatte, sagte neidlos: �Sie ist sch�n.�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Aber auch du bist sch�n.�</p><p>Kamchak stand auf und sah mich an. �Na also�, sagte er. �Und meine Wette habe ich doch gewonnen.�</p><p>Ich erinnerte mich an seine fr�heren Worte. �Du hast darauf gesetzt, da� die Kassars und die Kataii deinem Lager zu Hilfe kommen w�rden � und deshalb bist du in der Stadt geblieben.� Ich sch�ttelte den Kopf. �Das war eine gef�hrliche Sache.�</p><p>�Vielleicht doch nicht so gef�hrlich�, erwiderte er, �denn ich kenne die Kataii und die Kassars � m�glicherweise sogar besser, als sie selbst sich kennen.�</p><p>�Du sagtest, die Wette w�re noch nicht zu Ende.�</p><p>�Aber jetzt ist sie abgeschlossen.�</p><p>�Warum hast du noch mit dir gewettet?� fragte ich.</p><p>�Da� die Kataii und die Kassars � und schlie�lich auch die Paravaci � eingehen m�gen, wie gro� die Gefahr einer Spaltung unter den Wagenv�lkern ist. Einzeln sind wir schwach, doch wenn wir zusammenstehen, vermag uns niemand zu besiegen. Ich hoffte, da� die anderen V�lker die Notwendigkeit einsehen w�rden, alle Tausendschaften unter einem Kommando zusammenzuf�hren . . .�</p><p>�Da� sie also die Notwendigkeit eines Ubar San einsehen w�rden?� fiel ich ein.</p><p>�Ja�, sagte Kamchak. �Das war der Rest meiner Wette � da� ich ihnen nahelegen k�nnte, einen Ubar San zu w�hlen.�</p><p>�Hoch Kamchak, Ubar San!� rief ich.</p><p>Kamchak l�chelte und sagte: �Es ist h�chste Zeit f�r die Tumitjagd.�</p><p>Als er sich umwandte, um den Thronsaal zu verlassen, stand Aphris ebenfalls auf, um ihn zu begleiten.</p><p>Aber Kamchak sah sie an. Sanft legte er die H�nde auf ihre Arme, zog sie an sich und k��te sie lange. Dann �ffneten seine Finger das Schlo� ihres Sklavenkragens und nahmen ihn ab.</p><p>Aphris starrte ihren Herrn sprachlos an.</p><p>�Du bist frei�, sagte der Tuchuk. �Hab� keine Angst, du wirst mit Reicht�mern �berh�uft. Du wirst wieder die reichste Frau Turias sein.�</p><p>Erstarrt beobachteten wir die Szene. Wir alle wu�ten, unter welchen Gefahren der Tuchuk dieses M�dchen gewonnen, mit welchem Betrag er Aphris zur�ckgekauft hatte.</p><p>Wir verstanden sein Handeln nicht.</p><p>Kamchak drehte sich um und trat zu seiner Kaiila. Mit schneller Bewegung stieg er auf und ritt auf den Ausgang zu. Wir folgten ihm; nur Aphris blieb wie bet�ubt vor dem Thron zur�ck � eine freie Frau.</p><p>Harold ging neben mir, Hereena und Elizabeth folgten in einigen Metern Abstand.</p><p>�Warum hat er Turia verschont?� fragte ich Harold.</p><p>�Seine Mutter war aus Turia�, sagte Harold. �Wu�test du das nicht?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>�Erst nach ihrem Tod griff Kutaituchik nach der Kandakette.� Harold sah mich an. �Ja � sie war ein turianisches M�dchen, das Kutaituchik als Sklavin zu sich nahm. Aber er liebte sie und gab ihr die Freiheit. Doch sie blieb freiwillig bei ihm im Wagen bis zu ihrem Tod � als Ubara der Tuchuks.�</p><p>Vor dem Haupttor des Administratorenpalastes wartete Kamchak auf uns. Wir holten unsere Kaiila, stiegen auf und folgten Kamchak auf die Stra�e.</p><p>Das Gesicht des Tuchuks war undurchdringlich.</p><p>�Wartet!� ert�nte hinter uns ein Schrei.</p><p>Wir drehten unsere Kaiila. Aphris kam aus dem Palast gerannt.</p><p>Sie blieb neben Kamchaks Steigb�gel stehen und senkte den Kopf.</p><p>�Was soll das?� fragte Kamchak streng.</p><p>Das M�dchen r�hrte sich nicht.</p><p>�Du bist frei.�</p><p>Sie blickte zu ihm auf und hatte Tr�nen in den Augen. �Ich habe mich schon viel zu sehr an den Boskgeruch gew�hnt�, sagte sie leise.</p><p>Kamchak l�chelte. Er streckte seine Hand aus. �Komm zu mir, Aphris aus Turia�, sagte er.</p><p>Sie nahm seine Hand, und er zog sie hoch und setzte sie vor sich in den Sattel. Sie lehnte sich an ihn.</p><p>�Diese Frau�, sagte Kamchak schroff zu uns, �hei�t Aphris � sie ist Ubara der Tuchuks, sie ist Ubara Sana meines Herzens!�</p><p>Wir lie�en die beiden vorausreiten und folgten erst in einigen hundert Metern Abstand. Langsam ritten wir durch das Tor Turias, verlie�en die Stadt, die ihren Heimstein und ihre Freiheit bewahrte, kehrten zu den Wagen und in das offene, windgepeitschte Land au�erhalb der hohen neuntorigen Mauern zur�ck.</p><p>Ich hob Elizabeth in den Sattel des Tarn und befahl ihr, sich am Sattelknopf festzuhalten. Wenn ich ebenfalls aufsa�, wollte ich sie noch mit einer Schnur festbinden, damit sie nicht herabfiel. F�r mich benutzte ich den breiten purpurnen Gurt, der zu jedem Tarnsattel geh�rt.</p><p>Elizabeth schien sich vor dem Tier nicht zu f�rchten.</p><p>Kamchak war mit Aphris gekommen, und auch Harold und Hereena waren da. �Wie geht es den Bosk?� wandte ich mich an Kamchak.</p><p>�Wie man erwarten kann�, erwiderte er.</p><p>Ich fragte Harold: �Und sind die Quivas scharf?�</p><p>�Man versucht, sie scharf zu halten�, erwiderte der junge Mann.</p><p>Und dann sagte ich zu Kamchak: �Es ist wichtig, die Achsen der Wagen gut zu schmieren.�</p><p>�Ja�, erwiderte er, �das ist wichtig.�</p><p>Ich sch�ttelte die H�nde der beiden M�nner.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute, Tarl Cabot�, sagte Kamchak.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute, Kamchak von den Tuchuks�, sagte ich.</p><p>�Du bist gar kein so schlechter Bursche�, sagte Harold, �f�r einen Korobaner!�</p><p>�Und du auch nicht � obwohl du ein Tuchuk bist.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte Harold.</p><p>�Und ich dir.�</p><p>Schnell stieg ich in den Sattel und zog die Strickleiter herauf und band sie fest. Dann nahm ich die Schnur, schlang sie mehrmals um Elizabeths H�ften und band sie am Sattelknopf fest.</p><p>Harold und Kamchak blickten zu mir auf. Auf Harolds Gesicht leuchtete rot die frische Mutnarbe.</p><p>�Du darfst nie vergessen�, sagte Kamchak, �da� du und ich Gras und Erde zusammen gehalten haben.�</p><p>�Das vergesse ich nie�, sagte ich.</p><p>�Und wenn du schon dabei bist, mu�t du auch immer daran denken, da� wir beide zusammen in Turia die Mutnarbe errungen haben�, f�gte Harold hinzu.</p><p>�Nein�, sagte ich, �auch das werde ich nie vergessen.�</p><p>�Dein Aufenthalt bei den Wagenv�lkern�, sagte Kamchak, �fiel in zwei Jahre.�</p><p>Ich sah ihn verst�ndnislos an.</p><p>�Es waren zwei Jahre�, erkl�rte Harold. �Das Jahr, in dem Tarl Cabot zu den Wagenv�lkern kam, und das Jahr, in dem Tarl Cabot eine Tausendschaft befehligte.�</p><p>Ich hielt den Atem an. Das waren Jahresnamen, die bei den Jahresbewahrern hinterlegt wurden, in deren Archiven die Namen von vielen tausend Jahren festgehalten sind.</p><p>�Aber in dieser Zeit sind doch viel wichtigere Dinge geschehen � die Belagerung Turias, der Sieg �ber die Stadt, die Wahl des Ubar San!�</p><p>�Wir m�chten uns damit an Tarl Cabot erinnern�, sagte Kamchak.</p><p>Ich schwieg ger�hrt.</p><p>�Wenn du die Tuchuks je brauchst, Tarl Cabot�, sagte Kamchak, �oder die Kataii oder die Kassars � oder die Paravaci �, brauchst du uns nur Bescheid zu geben � und wir reiten. Wir reiten an deiner Seite, und sei es zu den St�dten der Erde.�</p><p>�Ihr wi�t von der Erde?� fragte ich. Ich erinnerte mich daran, wie vor langer Zeit Kamchak und Kutaituchik Elizabeth und mich �ber diese Dinge befragten � ein Verh�r, das nach meinem Gef�hl sehr skeptisch gef�hrt worden war.</p><p>Kamchak l�chelte. �Wir Tuchuks wissen von vielen Dingen�, sagte er, �von mehr Dingen, als wir andere wissen lassen.� Er grinste. �M�ge das Gl�ck dir gewogen bleiben, Tarl Cabot, Kommandant von Tausend Tuchuks, Krieger aus Ko-ro-ba!�</p><p>Ich hob die Hand und zog am ersten Z�gel. Die Fl�gel des gro�en Tarn bewegten sich und peitschten die schwere Luft, und die Tuchuks ringsum fielen zur�ck, und der Wind fegte durch die m�chtigen Federn, und dann sahen wir die Wagen unter uns zur�ckbleiben, deren Umrisse sich pasangweit in alle Richtungen erstreckten, und wir sahen das winzige Rinnsal des Bachs, das Omental und schlie�lich die T�rme des fernen Turia.</p><p>Elizabeth Cardwell weinte, und ich legte meinen Arm um sie, um sie zu tr�sten und vor dem schneidenden Wind zu sch�tzen. �rgerlich stellte ich fest, da� die kalte Luft auch mir das Wasser in die Augen steigen lie�.</p></section></body><binary id="cover" 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