<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Die Piratenstadt von Gor</book-title><annotation><p>Port Kar, die gro�e Hafenstadt an der M�ndung des Vosk, von der aus die Piratenkapit�ne die Thassa heimsuchen, das Meer von Gor. Nach Port Kar f�hrt die Spur, der Tarl Cabot folgt, und er ist in seinem Binsenboot unterwegs durch die gef�hrlichen S�mpfe des Vosk-Deltas, wo die Sklavenh�ndler von Port Kar ihre grausamen Raubz�ge unternehmen. Tarl Cabot f�llt den aufgebrachten Schilfbauern in die H�nde und wird f�r einen Sklavenh�ndler gehalten. Er zieht die Sklaverei dem Tod vor, wird verlacht und bespuckt und hat ein Leben als Entehrter vor sich. Da werden die Sumpfbewohner ihrerseits in die Sklaverei gef�hrt. Tarl Cabot kann entkommen, und er beschlie�t, furchtbare Rache f�r seine Erniedrigung zu nehmen � an sich und seinen Gegnern.</p><p>Als Bosk wird er der gef�rchtetste Kaperkapit�n und schlie�lich der m�chtigste Mann in Port Kar, das er vor dem Untergang bewahrt und dem er einen Heimstein schenkt. Aber was ist Ber�hmtheit und Macht gegen Ehre und Selbstachtung? Bis Tarl Cabot erf�hrt, da� seine Erniedrigung eine abgekartete Sache war, die seinen Stolz brechen sollte und ihm seine Grenzen zeigen � nur ein weiterer Schritt seiner jahrelangen Ausbildung f�r die Mission, die er eines Tages im Dienst der Priesterk�nige erf�llen soll.</p></annotation><date>1975</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="6"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Raiders of Gor</book-title><date>1971</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><id>D5115F15-5BE8-4108-9DE0-79CB48C42267</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Die Piratenstadt von Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Ich roch das Meer, das schimmernde Thassa, das den Legenden zufolge endlos war.</p><p>Ich b�ckte mich auf meinem Binsenboot, sch�pfte eine Handvoll Wasser und kostete es. Das Thassa konnte nicht mehr weit sein.</p><p>Das dreieckige Temholz-Paddel steuerte mein kleines Fahrzeug, das kaum f�r einen Mann ausreichte. Es bestand aus biegsamen langen Vosk-Binsen, die mit Sumpfranken zusammengebunden waren. Rechts vor mir sah ich pl�tzlich unter Wasser den gelben Bauch eines Wassertharlarion aufblitzen, der hastig zuschlug und mit seiner Beute abzog � wahrscheinlich ein Vosk-Karpfen oder eine Marsch-Schildkr�te. Aus dem Schilf zu meiner Rechten flatterte ein buntgefiederter Vogel und stieg kreischend und fl�gelschlagend zum Himmel auf. Sekunden sp�ter verlor er sich wieder in dem endlosen Binsenwald, den schwankenden Sporenstengeln, den Samentr�gern der vielf�ltigen goreanischen Vegetation im Gezeitensumpf. Nur ein Wesen in der Marsch wagt sich am Himmel sehen zu lassen � das Raubtier Ul, der gefl�gelte Tharlarion.</p><p>Ich vermochte nur wenige Meter weit zu schauen; oft reichte mein Blick kaum �ber den Bug des kleinen Bootes hinaus, so eng standen die Binsen und die Rencepflanzen.</p><p>Es war der vierte Tag der sechsten Wartenden Hand, kurz vor der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche, die nach dem allgemeinen goreanischen Kalender den Monat Se�Kara einleitet. Nach dem Kalender Ko-ro-bas, das seine Jahre � wie die meisten goreanischen St�dte � nach den Listen ihrer Administratoren z�hlt, hatten wir das elfte Jahr der Administration meines Vaters Metthew Cabot. Nach dem Kalender Ars, das darf ich vielleicht auch erw�hnen, lebten wir im ersten Jahr der Wiedereinsetzung von Marlenus, des Ubar aller Ubars. Am klarsten ist vielleicht die Jahresangabe, die das Chaos goreanischer Zeitrechnung �berbr�ckt � danach hatten wir das Jahr 10.119 Contasta Ar, seit der Gr�ndung Ars.</p><p>In dem kleinen Boot lagen meine Waffen, daneben eine Wasserflasche und ein Beh�lter mit Brot und getrocknetem Boskfleisch. In einer Scheide trug ich ein goreanisches Kurzschwert, dazu besa� ich einen Helm und, in Leder gewickelt, einen goreanischen Langbogen aus biegsamem Ka-la-na-Holz, aus dem Holz der gelben Weinb�ume Gors, an jedem Ende von eingekerbten Boskhorn gekr�nt, au�erdem eine Anzahl von Feder- und Flugpfeilen. Ein Bogen dieser Art wird nicht von allen goreanischen Kriegern benutzt, genie�t jedoch Respekt. Er hat die Gr��e eines ausgewachsenen Mannes, ist in der Mitte etwa vier Zentimeter breit und drei Zentimeter dick, und das Spannen erfordert erhebliche K�rperkr�fte. Die Durchschlagskraft der mit ihm abgeschossenen Pfeile ist enorm. Auf kurze Entfernung durchdringen sie zehn Zentimeter dickes Holz, auf zweihundert Meter kann man einen Mann noch an einem Baumstamm festnageln, auf vierhundert Meter noch einen Bosk t�ten. Die Pfeile lassen sich �berdies blitzschnell abfeuern. Der Langbogen hat jedoch auch erhebliche Nachteile � er kann nur im Stehen bedient werden und ist vom Sattel aus oder im Nahkampf kaum zu gebrauchen, auch kann man ihn nicht st�ndig schu�bereit halten wie eine Armbrust.</p><p>In den H�nden eines Experten ist der Langbogen zwar die gef�hrlichere Waffe; doch es gab im gro�en und ganzen nur wenige, die die Kraft und das scharfe Auge hatten, gute Langbogensch�tzen zu sein. Ich war stolz auf meine Geschicklichkeit mit dieser Waffe.</p><p>In meinem kleinen Boot kniend, paddelte ich vorsichtig weiter.</p><p>Es ist die Waffe eines Bauern, klang eine wohlbekannte Stimme in meiner Erinnerung auf, und ich l�chelte. So hatte der �ltere Tarl gesprochen, mein fr�herer Waffenmeister in Ko-ro-ba, meiner Heimatstadt, die man auch �Die T�rme des Morgens� nannte. Ich betrachtete den langen, lederverh�llten Bogen aus weichem Holz, der zu meinen F��en lag.</p><p>Es stimmte, da� der Bogen eine Waffe der Bauern war. Schon allein diese Tatsache f�hrte dazu, da� viele Goreaner � besonders Menschen, die mit der Waffe nicht vertraut waren � ver�chtlich dar�ber dachten. Die goreanischen Krieger, im wesentlichen aus den St�dten stammend, sind Krieger von Geburt an, aus ihrer Kaste heraus; zudem geh�rt ihr Stand zu den Hohen Kasten, wozu die Bauern, die in ihren kleinen D�rfern isoliert leben, nicht z�hlen. Von den Stadtmenschen wird der Bauer bestenfalls f�r ein unwissendes und abergl�ubisches Tier gehalten, f�r jemand, der im Dreck w�hlt, f�r ein schwerarbeitendes, unberechenbares Wesen, das bauernschlau und gef�hrlich ist. Doch ich wu�te, da� in jeder Strohh�tte der Bauern ein Heimstein zu finden ist, und der Bauer selbst bezeichnet sich stolz als der Ochse, auf dem der Heimstein lastet.</p><p>Die Bauern werden �brigens nur in Notf�llen f�r den Dienst bei den Streitkr�ften der St�dte herangezogen; ein weiterer Grund, warum ihre Waffe, der Langbogen, in den St�dten und bei den Kriegern allgemein recht wenig bekannt ist.</p><p>Ich hielt den Langbogen f�r eine vorz�gliche Waffe und hatte mich von Anfang an damit vertraut gemacht, sehr zur Verwunderung meiner Freunde.</p><p>Vierzig oder f�nfzig Meter rechts von mir schrie ein Vogel; es h�rte sich nach einer Marschgans an, einem kleinen geh�rnten, schwimmf��igen Wasservogel mit breitem Schnabel und gro�en Fl�geln.</p><p>Der Ruf wurde aufgenommen und erwidert, aus gleicher Entfernung, diesmal jedoch aus der entgegengesetzten Richtung.</p><p>Es war sp�ter Nachmittag, meiner Sch�tzung nach die vierzehnte goreanische Stunde. Da und dort hingen Insektenschw�rme �ber dem Schilf, aber sie hatten mich bisher nicht sehr gest�rt; das Jahr ging seinem Ende zu, und die unangenehmeren Insekten dieses Planeten zogen ohnehin Gebiete vor, in denen es weite, stille Wasserfl�chen gab.</p><p>Ich war seit Wochen unterwegs. Auf Flu�booten hatte ich mich mit der Str�mung des Vosk treiben lassen, doch wo der m�chtige Flu� sich zu teilen begann und in unz�hlige sich st�ndig ver�ndernden Kan�le verzweigte, die sich in den gewaltigen Gezeitens�mpfen seines Deltas verloren, bevor sie in das Thassa, das Meer, m�ndeten, hatte ich die Barken verlassen und von Rencebauern an der Ostgrenze des Deltas Vorr�te und dieses kleine Riedboot erstanden.</p><p>In diesem Augenblick entdeckte ich an einer Rencepflanze unter den Staubgef��en und schmalen Bl�tenbl�ttern ein wei�es Reptuch, das dort angebunden war.</p><p>Ich paddelte n�her heran und betrachtete meinen Fund. Dann blickte ich mich um und verhielt einige Sekunden lautlos. Schlie�lich steuerte ich mein Boot an der Pflanze vorbei, dr�ckte das Rence zur Seite und setzte meinen Weg fort. Irgendwo hinter mir schrie erneut eine Marschgans.</p><p>Es hatte sich niemand gefunden, der mir als F�hrer durch das Voskdelta dienen wollte. Die Barkenschiffer des Vosk steuern ihre breiten, flachen K�hne nicht bis in das M�ndungsgebiet. Tats�chlich ver�ndern sich die Kan�le des Flusses von Jahr zu Jahr, und das ganze Delta ist oft nicht mehr als ein undurchdringlicher Sumpf, Hunderte von Quadrat-Pasangs aus �berfluteter Wildnis. Oft ist es sogar f�r die gro�en flachen Barken zu seicht; au�erdem m��te den Booten Meter um Meter ein Pfad durch das Schilfdickicht geschlagen werden. Der wichtigste Grund f�r den Mangel an F�hrern � auch bei den Rencebauern des Ostens � liegt jedoch in der Tatsache, da� das Delta von Port Kar beansprucht wird, das mitten darin liegt, etwa hundert Pasang von seinem nordwestlichen Rand entfernt, am Ufer des flachen Tambergolfs, der den Beginn des schimmernden Thassa kennzeichnet.</p><p>Port Kar, eine dicht bev�lkerte, schmutzige, herrschs�chtige Stadt, wird manchmal auch der Tarn des Meeres genannt. In der goreanischen Sprache steht ihr Name f�r Grausamkeit und Piraterie. Die Flotten der Tarnschiffe aus Port Kar sind die Plage des Thassa, sch�ne Galeeren mit Dreieckssegeln, die das Thassa durchstreifen auf der Suche nach Beute, die K�stenst�dte und Kauffahrer �berfallen, auspl�ndern und ihre Opfer in die Sklaverei verkaufen. Sie machen die Meere unsicher von den Ta-Thassa-Bergen der s�dlichen Hemisph�re bis zu den Seen des Nordens, und sogar im Westen bis zur Terrasseninsel Cos und zum felsigen Tyros mit seinen labyrinthhaften Varth�hlen.</p><p>Ich kannte einen Menschen in Port Kar, einen Sklavenh�ndler namens Samos, der ein Agent der Priesterk�nige sein sollte.</p><p>Ich war nun also im Delta des Vosk und n�herte mich der Stadt Port Kar, die als einzige goreanische Stadt Fremde willkommen hei�t, wenn auch zumeist nur Ausgesto�ene, M�rder, Ge�chtete, Diebe und sonstiges Gesindel den Schutz ihrer kanaldurchzogenen Schatten suchen. Ich erinnerte mich an Samos, der im Curuleum von Ar in seinem Sessel gelegen hatte, herausfordernd, doch von der Ruhe eines Raubtiers. �ber der linken Schulter hatte er nach Sitte seines Volkes die geknoteten Schn�re Port Kars getragen; seine Kleidung war einfach und dunkel gewesen; die zur�ckgeworfene Kapuze hatte seinen breiten Kopf und das dichte wei�e Haar enth�llt; das Gesicht war von Wind und vom Salz ger�tet gewesen, runzlig und faltig wie Leder. In den Ohren hatte er goldene Ringe getragen. Ich hatte seine Ausstrahlung von Macht, Erfahrung, Intelligenz und Grausamkeit gesp�rt. Ich freute mich nicht auf unser Wiedersehen; doch hatte ich aus zuverl�ssiger Quelle erfahren, da� er den Priesterk�nigen zu dienen verstand.</p><p>Es �berraschte mich nicht, hier im Delta ein Reptuch vorzufinden, denn die S�mpfe sind bewohnt. Der Mensch hat dieses Gebiet nicht v�llig dem Tharlarion, der Ul und dem Sumpfhai �berlassen. Fast unsichtbar sind Gemeinden von Rencebauern �ber das Delta verstreut, die vorwiegend unter der Oberherrschaft von Port Kar ein k�rgliches Dasein fristen. Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Tuch um eine Wegmarkierung der Sumpfbewohner.</p><p>Aus der Rencepflanze wird eine Art Papier gewonnen. Sie hat eine lange dicke Wurzel von etwa zehn Zentimetern Durchmesser, die sich horizontal unter der Wasseroberfl�che erstreckt; kleine Wurzeln erstrecken sich von ihr aus nach unten in den Schlamm, und mehrere �Stiele� � maximal ein Dutzend � steigen bis zu drei oder vier Metern in die H�he. Die Rencepflanze dient nicht nur als Rohstoff f�r die Papierherstellung; die Wurzel wird auch als Holz verwendet, in getrocknetem Zustand gibt sie au�erdem guten Brennstoff ab, und aus den Stengeln machen die Rencebauern Riedboote, Segel, Matten, Schn�re und auch eine Art Fibertuch; schlie�lich ist ihr Mark e�bar.</p><p>Hauptprodukt ist jedoch das Papier, das auf komplizierte Weise in Handarbeit gewonnen wird und in Rollenform auf den Markt kommt � am �stlichen oder am westlichen Rand des Deltas.</p><p>Rencepapier ist aber nicht das einzige Papier, das es auf Gor gibt. Ein Leinenpapier wird ebenfalls viel verwendet, das in Papierm�hlen bei Ar fast industriem��ig hergestellt wird.</p><p>Ich bemerkte nun an einem Rencestengel ein zweites St�ck Reptuch, gr��er als das erste Zeichen. Ich setzte meinen Weg fort. Die Schreie der Marschg�nse, eine Art schrilles Pfeifen, wurden h�ufiger und schienen auch n�her zu kommen. Ich blickte mich um, doch der dichte Bewuchs versperrte mir die Sicht, und ich sah keine V�gel.</p><p>Ich war nun etwa sechzehn Tage im Delta. Erneut probierte ich das Wasser, und der Salzgeschmack war wieder st�rker geworden. Der gewaltige, saubere Duft des Thassa begann sich bemerkbar zu machen. Frohgemut bewegte ich mein Paddel. Meine Wasserflasche war fast leer, die letzte von mehreren Flaschen. Das getrocknete Boskfleisch und das gelbe Sa-Tarna-Brot waren fast aufgegessen.</p><p>Pl�tzlich hielt ich mit Paddeln inne, denn an einer Rencepflanze vor mir leuchtete nun ein rotes Tuch, und ich begriff, da� die beiden wei�en Markierungen keine Wegzeichen, sondern Warnsignale gewesen war.</p><p>Trotz des Wertes ihrer Produkte und des Schutzes der Marsch, trotz der Rencepflanzen und der Fische, von denen sie leben, haben die Rencebauern kein leichtes Dasein. Sie haben nicht nur die Sumpfhaie und die fleischfressenden Aale zu f�rchten, die sich �berall im Wasser tummeln, ganz zu schweigen von den anderen Raubtieren des Meeres, sondern m�ssen sich vor allen Dingen vor den M�nnern Port Kars in acht nehmen.</p><p>Wie schon angedeutet, beansprucht diese Stadt die Oberherrschaft �ber das Delta. So dringen immer wieder Gruppen von Bewaffneten, Anh�nger dieses oder jenes Ubars der Stadt, in das Delta vor, um � wie sie sagen � Steuern einzutreiben. Und wird eine kleine Rencegemeinschaft erst einmal aufgetrieben, f�llt die Last schwer aus � gro�e Mengen Rencepapier werden mitgenommen, S�hne werden zum Ruderdienst auf den Galeeren gepre�t, und T�chter werden zu Vergn�gungssklavinnen f�r die Tavernen der Stadt bestimmt.</p><p>Ich starrte das rote Tuch an. Der Stoff hatte die Farbe von Blut � das lie� keine Zweifel aufkommen. Ich durfte nicht weiterpaddeln. Doch ich f�hrte mein kleines, leichtes Boot an dem Zeichen vorbei. Ich mu�te nach Port Kar.</p><p>Die Schreie der Marschg�nse folgten mir.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Durch eine L�cke in den Binsen sah ich das M�dchen, etwa f�nfzig Meter entfernt. Fast im gleichen Augenblick blickte sie auf und entdeckte mich.</p><p>Sie stand in einem kleinen Renceboot, kaum gr��er als mein Fahrzeug, das etwa zwei Meter lang und sechzig Zentimeter breit war. In ihrer Hand ruhte ein krummer Wurfstock, mit dem die Rencebauern V�gel jagen.</p><p>Ich steuerte mein kleines Boot auf sie zu und lie� es schlie�lich treiben. Sie hatte offenbar erfolgreich gejagt, denn vier tote V�gel lagen zu ihren F��en.</p><p>Sie sah mich ruhig an.</p><p>Ihr Blick war klar; sie hatte dunkelblondes Haar und blaue Augen; ihre Beine waren ein wenig kurz und ziemlich st�mmig, ihre Schultern vielleicht ein wenig zu breit, aber sie war ausgesprochen h�bsch. Sie trug ein kurzes, �rmelloses Kleidungsst�ck aus gelbbraunem Rencetuch. Das Haar wurde hinter dem Kopf von einem purpurnen Reptuch zusammengehalten � ein Zeichen, da� ihre Gruppe direkt oder indirekt Kontakt mit zivilisierten Goreanern hatten, denn Reptuch wurde in dieser Gegend nicht hergestellt, schon gar nicht hier im Delta. Das M�dchen war zweifellos die Tochter eines Rencebauern, und ihre Renceinsel war sicher ganz in der N�he; sicher stammten die Stoffzeichen von ihrer Gruppe.</p><p>Sie stand aufrecht in dem kleinen Boot, wobei sie sich unmerklich bewegte und unbewu�t das Gleichgewicht hielt � eine �bung, die mir noch immer schwerfiel. Sie machte keine Anstalten, mich anzugreifen oder zu fliehen, sondern sah mir ruhig entgegen.</p><p>�Hab keine Angst�, sagte ich.</p><p>�Hast du die Warnzeichen nicht gesehen?� fragte sie.</p><p>�Ich habe keine b�sen Absichten gegen�ber dir und deinem Volk.� Ich l�chelte. �Ich beanspruche den Sumpf nur bis zur Breite meines Bootes.� Dies war die Abwandlung eines auf Gor �blichen Gru�es, wenn man fremde Gebiete durchreist � nur die Spannbreite der Fl�gel meines Tarns, nur die Breite meines Tharlarion, je nach Bef�rderungsmittel.</p><p>�Bist du aus Port Kar?� fragte sie.</p><p>�Nein.�</p><p>�Welches ist deine Stadt?� wollte sie wissen.</p><p>Ich trug keine Insignien auf meiner Kleidung, auch nicht auf meinem Helm oder Schild. Meine rote Kriegertunika war ausgebleicht und fleckig.</p><p>�Du bist ein Ge�chteter�, sagte sie. �Wohin willst du?�</p><p>�Nach Port Kar�, erwiderte ich.</p><p>�Packt ihn!� rief sie.</p><p>Sofort ert�nte aus allen Richtungen lautes Gebr�ll, und Dutzende von Rencebooten tauchten aus dem Schilf, jeweils von einem Mann am Heck gestakt, w�hrend ein zweiter am Bug einen dreizackigen Sumpfspeer hob.</p><p>Es war sinnlos, mein Schwert zu ziehen oder eine andere Waffe zur Hand zu nehmen; man h�tte mich sofort niedergemacht.</p><p>Das M�dchen stemmte die H�nde in die H�ften, warf den Kopf zur�ck und lachte triumphierend.</p><p>Man nahm mir Waffen und Kleidung. Ich wurde mit dem Gesicht nach unten in das Boot geworfen, die Handgelenke wurden mir auf dem R�cken zusammengebunden, die Fu�gelenke ebenso gr�ndlich verschn�rt.</p><p>Mit leichtem Schritt trat das M�dchen in mein Boot und stellte sich �ber mich. Jemand reichte ihr die Stange, mit der sie ihr Boot vorangetrieben hatte, das nun an ein anderes gebunden wurde. Mit der Stange begann sie mein Binsenboot durch das Schilf zu staken, gefolgt von mehreren anderen Fahrzeugen. Einmal hielt das M�dchen inne, legte den Kopf zur�ck und stie� ein seltsames Pfeifen aus � den Ruf der Marschgans. Der Laut wurde sofort von mehreren Seiten erwidert, und kurz darauf schlossen sich weitere Renceboote unserer Gruppe an.</p><p>Die Rencebauern verst�ndigten sich also mit diesen Signalen, mit der Nachahmung des Schreis der Marschg�nse. Sie hatten mich also l�ngst entdeckt und beobachtet, denn die Schreie der Marschg�nse verfolgten mich schon seit Stunden.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Die Renceinseln der Marschgemeinden sind ziemlich klein, selten gr��er als siebzig Meter im Quadrat. Sie bestehen durch und durch aus den verwobenen St�mmen der Rencepflanze und schwimmen im Sumpf. Sie sind im allgemeinen etwa zwei Meter dick und ragten vielleicht einen Meter aus dem Wasser. In dem Ma�e, wie die Rencestengel unter der Insel abbrechen oder verfaulen, werden oben neue Schichten angef�gt.</p><p>Um eine unerw�nschte Fortbewegung der Insel zu verhindern, gibt es im allgemeinen mehrere lange Marschranken, die das Gebilde an starken Rencewurzeln festhalten. Es ist gef�hrlich, eine solche Leine festzumachen, weil die Sumpftiere so �beraus raubgierig sind.</p><p>Soll die Insel weiterschwimmen, kappt man die Ranken einfach, und die Gemeinschaft teilt sich auf in eine Gruppe, die die langen Staken bedient, und in eine zweite Gruppe, die in kleinen Rencebooten vorausf�hrt und den Weg freihaut. Die Insel wird entweder vom Ufer aus angetrieben oder von ihrer Mitte her, wo es vier von Korbgeflecht gesch�tzte quadratische L�cher gibt, durch die die langen Stangen ebenfalls in den Sumpfboden gestakt werden k�nnen. So l��t sich die Insel auch im Kriegsfall bewegen, ohne die stakenden M�nner und Frauen �u�eren Angriffen, etwa Pfeilattacken, auszusetzen. Bei K�mpfen versammeln sich die Bewohner hinter einer korb�hnlichen Brustwehr, die sich um die mittleren Inselbrunnen zieht; in einem solchen Fall werden auch die niedrigen Renceh�tten eingerissen, damit der Gegner keine Deckung findet, und alle Nahrungsmittel und Wasservorr�te werden bei den Brunnen gelagert, die sodann eine Art Festung bilden und besonders gegen die Speere der anderen Rencebauern Schutz bieten. Leider n�tzt dieses System wenig bei einem gut organisierten Angriff �berlegen bewaffneter Krieger, wie sie etwa aus Port Kar kommen, w�hrend jene, derer sie sich erwehren k�nnten � n�mlich die anderen Rencebauern � selten angreifen. Seit f�nfzig Jahren hatte es in den gro�en Deltas�mpfen keine Feindseligkeiten mehr zwischen den Bauern gegeben; die Gemeinschaften leben oft in gut geh�teter Isolation und haben gen�gend Sorgen mit den �Steuereintreibern� von Port Kar, um sich auch noch um ihre Nachbarn zu k�mmern.</p><p>�Du bist also auf dem Weg nach Port Kar?� fragte Ho-Hak und musterte mich von oben bis unten.</p><p>Er sa� auf dem Riesenpanzer einer Vosksorp, der eine Art Thron bildete.</p><p>Ich kniete vor ihm, nackt und gefesselt. Zwei Marschranken waren mir zus�tzlich um den Hals gebunden worden.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ich wollte nach Port Kar.�</p><p>�Wir m�gen die M�nner aus Port Kar nicht�, sagte Ho-Hak.</p><p>Um seinen Hals zog sich ein schwerer rostiger Eisenkragen, an dem noch ein St�ck Kette hing. Vermutlich hatten die Rencebauern keine Werkzeuge, um den Kragen zu entfernen. Ho-Hak mochte ihn schon seit Jahren tragen. Er war zweifellos ein Sklave, der wahrscheinlich von einer Galeere Port Kars in die Marsch geflohen war.</p><p>�Ich bin nicht aus Port Kar�, sagte ich.</p><p>�Welches ist deine Heimstadt?�</p><p>Ich schwieg. Meine Identit�t, die Tatsache, da� ich Tarl Cabot war und da� ich den Priesterk�nigen diente, ging diese Menschen nichts an. Ich kam aus dem Sardargebirge und wu�te nur, da� ich nach Port Kar reisen und mich dort mit Samos, dem ersten Sklavenh�ndler der Stadt, in Verbindung setzen mu�te.</p><p>�Du bist ein Ge�chteter�, sagte Ho-Hak.</p><p>Ich zuckte die Achseln; es stimmte, da� mein Schild und meine Kleidung keine Stadtzeichen trugen.</p><p>Ho-Haks rechtes Ohr zuckte. Seine Ohren waren ungew�hnlich gro� und hatten sehr lange L�ppchen, die von schweren Ringen noch mehr in die L�nge gezogen wurden. Kein Zweifel � er hatte als Ruderer auf einer Galeere gedient, wovon auch seine breiten muskul�sen Schultern zeugten, aber er war ein ungew�hnlicher Sklave, ein Exote, der von seinen Erzeugern sicher f�r h�here Aufgaben ausersehen gewesen war als f�r die Arbeit auf der Ruderbank.</p><p>�Du bist ein Exote�, stellte ich fest.</p><p>Ho-Haks Ohren neigten sich nach vorn, aber er schien nicht �rgerlich zu sein. Er hatte braunes Haar und braune Augen; das lange Haar war hinter seinem Kopf mit einer Renceschnur zusammengebunden. Er trug eine �rmellose Tunika aus Rencetuch.</p><p>�Ja�, sagte Ho-Hak. �Ich wurde f�r einen Sammler gez�chtet. Dem habe ich den Hals umgedreht und bin geflohen. Sp�ter fing man mich wieder ein und schickte mich auf die Galeeren.�</p><p>�Und von dort bist du wieder geflohen.�</p><p>�Und dabei�, sagte Ho-Hak und betrachtete stolz seine ungeheuren Pranken, �habe ich sechs M�nner get�tet.�</p><p>�Und dann kamst du in die S�mpfe?�</p><p>Er musterte mich. �Ja, und ich trage in mir die Erinnerung an ein Dutzend Jahre auf den Galeeren und meinen Ha� auf alle Dinge, die mit Port Kar zusammenh�ngen.� Mehrere Rencebauern waren zusammengekommen, M�nner mit Sumpfspeeren. Dicht neben mir stand das blonde M�dchen, das der Lockvogel in der Falle gewesen war. Hoch aufgerichtet, eine freie Frau neben einem niederen Sklaven, so stand sie neben mir. �ber der Schulter trug sie die vier V�gel, die sie im Sumpf erlegt hatte. Auch andere Frauen waren zu sehen und hie und da Kinder.</p><p>�Entweder ist er aus Port Kar�, sagte sie, �oder er wollte nach Port Kar gehen, um dort zu bleiben. Weshalb sonst sollte er dorthin wollen?�</p><p>Ho-Hak schwieg lange Zeit. Er hatte einen breiten Kopf und ein massiges, ruhiges und nicht unintelligentes Gesicht.</p><p>Ich h�rte den Schrei eines Haustarsks, der von einem Kind �ber die Insel gejagt wurde. Junge Marschg�nse piepsten im Schilf. Gez�hmte V�gel dieser Gattung wanderten auf der Insel herum und zupften an den Renceschichten herum.</p><p>In der Gruppe befanden sich mehrere bedeutend aussehende M�nner, bei denen es sich � wie ich erfuhr � um die Anf�hrer anderer Renceinseln aus der Umgebung handelte.</p><p>Jede Renceinsel bietet etwa f�nfzig bis sechzig Menschen Raum. Die M�nner mehrerer Inseln hatten bei meiner Verfolgung zusammengearbeitet. Gew�hnlich leben solche Gemeinschaften allein, doch der Tag der Herbst-Tag- und Nachtgleiche r�ckte heran, und mit ihm der erste Se�Kara, der gro�e Festtag des Jahres. Zu dieser Zeit ist der gr��te Teil der j�hrlichen Renceernte eingebracht, und gro�e Vorr�te Rencepapier liegen bereit.</p><p>Zwischen Se�Kara und der Wintersonnenwende, die am ersten Se�Var eintritt, wird das Rence verkauft, an H�ndler, die in das Delta vordringen, oder auf Handelspl�tzen am Rand des Sumpfgebiets. Auch am ersten Se�Var wird ein Fest gefeiert, dann jedoch auf den einzelnen Renceinseln. Ist die Jahresernte verkauft, streben die Inseln so schnell wie m�glich wieder auseinander, um den �Steuereintreibern� aus Port Kar kein einladendes Ziel zu bieten. Ohnehin war das Risiko im Se�Kara schon gro� genug. Die unverkauften Rencevorr�te auf den Inseln stellten einen erheblichen Wert dar, wenn dieser Schatz auch ziemlich unhandlich war.</p><p>Hier jedoch mu�te etwas Besonderes vorgehen, denn ich entdeckte f�nf oder sechs Inself�hrer in der Runde. Sogar im Se�Kara ist es selten, da� mehr als drei Inseln zum Feiern zusammenkommen. Dabei wird viel Rencebier getrunken, gekocht und fermentiert aus zerdr�ckten Rencesamen und dem wei�lichen Mark der Pflanze; dazu Gesang, Spiele, Wettbewerbe und das Freien um die M�dchen. Warum hatten sich so viele Renceinseln hier zusammengefunden? Sicher rechtfertigte die Gefangennahme eines Durchreisenden eine solche Massierung von Inseln nicht. Was also mochte der Grund sein?</p><p>�Er ist ein Spion�, sagte einer der M�nner neben Ho-Hak.</p><p>Ich fragte mich, was es auf den Renceinseln auszuspionieren gab.</p><p>Ho-Hak schwieg noch immer. Er sa� auf seiner Thronmuschel und betrachtete meine Waffen, die zu seinen F��en lagen.</p><p>Ich bewegte mich etwas in meinen Fesseln, die mich sehr beengten.</p><p>�Halt still, Sklave!� sagte das M�dchen neben mir heftig.</p><p>�Er kommt aus Port Kar�, sagte sie wieder, �oder er wollte ein Port Karer werden! Was macht es f�r einen Unterschied?�</p><p>Aber Ho-Hak sagte nichts, auch schien er kaum Notiz von dem M�dchen zu nehmen.</p><p>�rgerlich nahm sie die H�nde aus meinem Haar.</p><p>Ho-Hak schien sich ganz auf meinen ledergesch�tzten Langbogen zu konzentrieren. Schlie�lich beugte er sich vor und l�ste das Leder von dem gelben Bogen aus weichem Ka-la-na-Holz. Das Tuch mit den Feder- und Flugpfeilen fiel auf die geflochtene Oberfl�che der Insel.</p><p>Zwei oder drei M�nner hielten h�rbar den Atem an. Wahrscheinlich hatten sie noch nie einen Langbogen gesehen.</p><p>Ho-Hak stand auf. Der Bogen war gr��er als die meisten der Anwesenden.</p><p>Er reichte dem blonden M�dchen die Waffe.</p><p>�Spann ihn�, befahl er.</p><p>�rgerlich warf sie ihre Sumpfg�nse zu Boden und nahm den Bogen. Sie ergriff das Holz mit der linken Hand, stemmte das untere Ende gegen den Spann ihres linken Fu�es, nahm die mit Seide verflochtene Hanfsehne in die rechte Hand und begann sich abzum�hen. W�tend warf sie den Bogen schlie�lich zu Boden.</p><p>Ho-Hak musterte mich, und seine gro�en Ohren neigten sich leicht in meine Richtung. �Dies ist ein Bogen der Bauern, nicht wahr?� fragte er. �Gro�er Bogen genannt oder auch Langbogen?�</p><p>�Richtig�, sagte ich.</p><p>�Vor langer Zeit�, fuhr er fort, �h�rte ich einmal in einem Dorf in den Vorbergen des Thentisgebirges von einem solchen Bogen singen.�</p><p>Ich schwieg. Ho-Hak gab die Waffe an den Mann mit dem Perlenstirnband weiter. �Spann den Bogen�, sagte er.</p><p>Der Mann gab seinen Sumpfspeer an einen Begleiter weiter und wandte sich dem Bogen zu. Zuversichtlich nahm er ihn in die Hand. Doch der Ausdruck des Selbstvertrauens schwand schnell. Sein Gesicht r�tete sich, die Adern traten an seiner Stirn hervor, und schlie�lich stie� er einen Wutschrei aus und warf Ho-Hak den Bogen zu.</p><p>Dieser betrachtete die Waffe, stemmte sie gegen den Spann seines linken Fu�es, nahm den Bogen in die linke und die Schnur in die rechte Hand.</p><p>Ein anerkennendes Murmeln wurde laut, als er die Waffe spannte.</p><p>Ich sah ihn bewundernd an. Er war sehr stark; er hatte den Bogen glatt gespannt. Seine Kr�fte mochten zwar nur von dem Dienst auf den Galeeren herr�hren � aber enorm waren sie trotzdem.</p><p>�Gut gemacht�, sagte ich.</p><p>Ho-Hak nahm nun den Lederschurz zur Hand und befestigte ihn an seinem linken Unterarm, damit seine Haut vor der zur�ckschnellenden Sehne gesch�tzt wurde; dann bedeckte er auch seine Finger mit dem daf�r vorgesehenen Lederst�ck. Schlie�lich w�hlte er einen Flugpfeil, legte ihn auf die Sehne und zog ihn bis zur Spitze durch.</p><p>Er hielt den Pfeil in die H�he, richtete ihn in einem Winkel von etwa f�nfzig Grad in den Himmel. Dann kam das klare, schnelle, singende Aufblitzen in der Sehne, und der Pfeil sirrte davon.</p><p>Die M�nner und Frauen ringsum schrien bewundernd und verbl�fft auf, denn sie hatten so etwas nicht f�r m�glich gehalten.</p><p>Der Pfeil war im Himmel verschwunden, schien in die Wolken entstiegen zu sein. Die Gruppe schwieg ehrf�rchtig.</p><p>Ho-Hak l�ste die Bogensehne. �Hiermit�, sagte er, �verteidigen Bauern ihren Besitz.�</p><p>Er blickte in die Runde, legte den Bogen wieder zu Boden und rollte ihn in das Leder. Dann wandte er sich an mich. �Verstehst du mit dieser Waffe umzugehen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Pa�t auf, da� er nicht entkommt�, sagte Ho-Hak.</p><p>Ich sp�rte die Spitzen zweier Sumpfspeere im R�cken. �Er wird nicht fliehen�, sagte das M�dchen und zw�ngte ihre Finger in die Schlinge, die ohnehin eng genug meinen Hals umschlo�. Ich sp�rte ihre Kn�chel. Sie regte mich auf, weil sie tat, als h�tte sie mich ganz allein gefangen.</p><p>�Geh�rst du zu den Bauern?� fragte Ho-Hak.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich bin Krieger.�</p><p>�Mit einem solchen Bogen�, sagte Ho-Hak zu dem Mann mit dem Perlen-Stirnband, �k�nnten wir uns von den S�ldnern Port Kars befreien.�</p><p>�Das ist eine Waffe f�r Bauern�, sagte der Mann mit dem Stirnband, der den Bogen nicht hatte spannen k�nnen. �Und ich bin kein Bauer. Ich geh�re zum Rencevolk.�</p><p>�Ich auch!� rief das M�dchen, und die anderen fielen ein.</p><p>�Au�erdem�, wandte ein anderer Mann ein, �haben wir kein Metall f�r die Pfeilspitzen und auch kein Pfeilholz, und das Ka-la-na w�chst nicht im Sumpf. Wir haben auch keine Sehnen f�r solche Waffen.�</p><p>�Und wir haben kein Leder�, sagte ein dritter.</p><p>�Wir k�nnten Tharlarion t�ten�, bemerkte Ho-Hak, �und uns Leder beschaffen. Vielleicht lassen sich auch die Z�hne des Sumpfhais zu Pfeilspitzen sch�rfen.� �Fehlen uns immer noch Ka-la-na, Sehnen und das Pfeilholz.�</p><p>�Wir k�nnten solche Dinge eintauschen�, sagte Ho-Hak. �Es gibt Bauern, die am Rande des Deltas leben, besonders im Osten.�</p><p>Der Mann mit dem Stirnband lachte. �Du bist nicht hier im Rence geboren.�</p><p>�Nein�, erwiderte Ho-Hak. �Das stimmt.�</p><p>�Aber wir sind hier geboren. Wir sind das Rencevolk.�</p><p>Zustimmendes Gemurmel der Runde. Wieder sa� Ho-Hak reglos auf seinem Thron.</p><p>�Was soll aus mir werden?� fragte ich.</p><p>�Foltern wir ihn zum Fest�, schlug der Mann mit dem Stirnband aus Perlen vor.</p><p>Ho-Haks Ohren legten sich flach an. Er musterte den Sprecher gleichm�tig. �Wir sind nicht aus Port Kar�, sagte er.</p><p>Der Mann mit dem Stirnband zuckte die Achseln und merkte, da� sein Vorschlag auf keine gro�e Begeisterung stie�, was mir nat�rlich nicht mi�fiel.</p><p>�Also�, wiederholte ich, �was soll mein Schicksal sein?�</p><p>�Wir haben dich nicht hergebeten�, sagte Ho-Hak.</p><p>�Gebt mir meinen Besitz zur�ck�, sagte ich, �dann reise ich weiter und bel�stige euch nicht mehr.�</p><p>Ho-Hak l�chelte.</p><p>Das M�dchen neben mir lachte, ebenso der Mann mit dem Stirnband.</p><p>�Bei uns ist es Sitte�, sagte Ho-Hak, �unseren Gefangenen aus Port Kar die Wahl freizustellen.�</p><p>�Und was w�re das f�r eine Wahl?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich wirst du den Sumpftharlarion gefesselt zum Fra� vorgeworfen�, sagte Ho-Hak. Ich erbleichte.</p><p>�Die Entscheidung f�r dich ist einfach.� Er musterte mich. �Entweder wirst du lebendig ins Wasser geworfen � oder, wenn du m�chtest, t�ten wir dich vorher.�</p><p>Verzweifelt b�umte ich mich in meinen Fesseln auf. Unger�hrt beobachteten mich die Rencebauern. Vielleicht eine volle Ehn lang k�mpfte ich gegen die Ranken, doch sie waren zu fest.</p><p>�Von den K�rpern bleibt selten etwas �brig�, bemerkte Ho-Hak.</p><p>�Es ist schade, da� er so schnell sterben soll�, bemerkte das M�dchen.</p><p>�Stimmt�, sagte der Mann mit dem Stirnband. �Foltern wir ihn zum Fest.�</p><p>�Nein�, sagte das M�dchen und starrte mich w�tend an. �Behalten wir ihn lieber als Sklaven!�</p><p>Ho-Hak musterte mich.</p><p>�Ist das nicht eine sch�nere Rache?� zischte sie. �Da� er den Rencebauern als Lasttier dient? Er soll den ganzen Tag arbeiten, jede Stunde. Er soll unseren Ha� auf Port Kar zu sp�ren bekommen!�</p><p>�Wie kommt es�, fragte ich das M�dchen, �da� du die Einwohner dieser Stadt so ha�t?�</p><p>�Schweig, Sklave!� schrie sie, schob ihre Finger tiefer in die Schlinge um meinen Hals und drehte sie herum, bis ich nicht mehr schlucken oder atmen konnte. Die Gesichter ringsum verschwammen. Es wurde dunkel um mich.</p><p>Dann zog sie ihre Hand zur�ck, ich holte keuchend Atem.</p><p>�Ich w�rde sagen, wir werfen ihn den Sumpftharlarion zum Fra�e vor�, sagte der Mann mit dem Stirnband.</p><p>�Nein�, sagte ich tonlos. �Nein.�</p><p>Ho-Hak starrte mich an. Er schien �berrascht zu sein. �Nein, nein�, wiederholte ich, und mir war, als spr�che ein anderer. Ich begann zu schwitzen und hatte Angst. Ich wollte nicht sterben.</p><p>Ho-Hak blickte mich seltsam an. Seine gro�en Ohren neigten sich vor, beinahe fragend.</p><p>�Du bist Krieger?� fragte Ho-Hak.</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>Ich h�tte mir gew�nscht, den Respekt dieses ruhigen, starken Mannes zu gewinnen, vor allen Dingen seinen Respekt, der einmal ein Sklave gewesen war und der nun vor mir auf seinem Thron sa�.</p><p>�Die Z�hne der Tharlarion sind schnell, Krieger. Wenn du m�chtest, t�te ich dich vorher.�</p><p>�Aber ich will nicht sterben.�</p><p>Besch�mt senkte ich den Blick. Es wollte mir scheinen, als h�tte ich mich selbst aufgegeben, als h�tte ich mein bisheriges Leben verraten, meine Stadt Ko-ro-ba entehrt und die Klinge, die ich gef�hrt hatte, beschmutzt. In Ho-Haks Augen war ich ein Nichts, ein Sklave.</p><p>�Ich hatte dich anders eingesch�tzt�, sagte Ho-Hak. �Ich hatte angenommen, du geh�rtest der Kaste der Krieger an.�</p><p>Ich vermochte nicht zu antworten.</p><p>�Wie ich sehe, geh�rst du wirklich nach Port Kar.�</p><p>Ich wagte nicht, den Kopf zu heben, so besch�mt war ich.</p><p>�M�chtest du Sklave sein?� fragte Ho-Hak. Die Frage war grausam, aber fair.</p><p>Ich senkte den Kopf noch tiefer. �Ja�, sagte ich.</p><p>Die Umstehenden waren am�siert, ganz deutlich h�rte ich das Lachen des Mannes mit dem Stirnband und auch das ver�chtliche Lachen des M�dchens neben mir, ein Lachen, das mich besonders schmerzte. �Sklave�, sagte Ho-Hak.</p><p>�Ja�, sagte ich, �� Herr.� Das Wort kam mir stockend �ber die Lippen.</p><p>�Vielleicht werfe ich dich jetzt trotzdem in den Sumpf.�</p><p>Mir war in diesem Augenblick gleichg�ltig, was aus mir wurde. Ich hatte das Gef�hl, etwas verloren zu haben, das ich h�her einsch�tzte als mein Leben. Wie konnte ich jemals wieder eine gute Meinung von mir haben? Nach goreanischer Sitte ist ein Sklave kaum mehr als ein Tier. Etwas stimmte nicht mit mir � ich hatte das unw�rdige Sklavendasein dem ehrenhaften Tod vorgezogen.</p><p>�Ist hier jemand, der diesen Sklaven besitzen m�chte?� h�rte ich Ho-Hak fragen.</p><p>�Gib ihn mir�, vernahm ich. Es war die klare, durchdringende Stimme des M�dchens, das neben mir stand.</p><p>�Er geh�rt dir�, entschied Ho-Hak.</p><p>Die Scham brannte mir auf dem Gesicht.</p><p>�Bringt Rencebrei!� rief das M�dchen.</p><p>Eine Frau verlie� die Gruppe und holte eine Handvoll feuchten Brei. Auf einem flachen Stein gebacken, wird eine Art Kuchen daraus.</p><p>��ffne den Mund, Sklave�, sagte das M�dchen.</p><p>Ich gehorchte, und zum Vergn�gen der Zuschauer schmierte mir das M�dchen den Brei in den Mund.</p><p>�Du bist von deiner Herrin gef�ttert worden�, sagte sie, als ich gegessen hatte.</p><p>�Meine Herrin hat mich gef�ttert�, erwiderte ich.</p><p>�Wie hei�t du, Sklave?� fragte sie.</p><p>�Tarl.�</p><p>Sie versetzte mir einen heftigen Schlag �ber den Mund. �Ein Sklave hat keinen Namen�, sagte sie.</p><p>Dann wanderte sie einmal um mich herum. �Dein R�cken ist kr�ftig. Du bist kr�ftig, aber dumm.� Sie lachte. �Ich werde dich Bosk nennen.�</p><p>Der Bosk ist ein gro�es geh�rntes Tier der goreanischen Ebenen. Es wird s�dlich des �quators von den Wagenv�lkern in Herden gez�chtet.</p><p>�Ich bin Bosk�, sagte ich gehorsam. Die Menge lachte.</p><p>�Ich denke mir�, sagte der Mann mit dem Stirnband, �da� du einen Mann als Sklaven vorgezogen h�ttest, einen Mann, der stolz ist und den Tod nicht f�rchtet.�</p><p>Ich senkte den Kopf. Er hatte recht. Ich hatte den Tod gef�rchtet und mich f�r die Sklaverei entschieden. Ich war kein Mann. Ich war nicht mehr ich selbst.</p><p>�Du kannst nur der Sklave einer Frau sein�, stellte Ho-Hak fest.</p><p>�Wei�t du, was ich mit dir mache?� fragte das M�dchen.</p><p>�Nein�, erwiderte ich.</p><p>�In zwei Tagen, bei unserem Fest, setze ich dich als Preis f�r die M�dchen aus.�</p><p>Unter den Begeisterungsrufen der Umstehenden zerrte sie mich hoch. Ungeschickt stolperte ich hinter dem M�dchen her, meiner Herrin.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Ich kniete im Bug des Boots, das dem M�dchen geh�rte, und m�hte Rence. Mit abgezirkelter Bewegung schwang ich das kleine gebogene Messer schr�g durch den Stengel der Pflanze, der mit der linken Hand gehalten wird. Wir schleppten ein zweites Boot hinter uns her, das bereits schwer mit Rence beladen war.</p><p>Ich sp�rte, wie sich das Renceboot bewegte, als das M�dchen hinter mir ihre Balance hielt. Sie war barfu� und trug eine kurze Tunika aus gelbbraunem Rencetuch, und ihr Haar wurde von einem purpurfarbenen Reptuch zusammengehalten. Sie hatte ihren Rock hochgezogen, damit sie sich besser im Boot bewegen konnte. Meine Gedanken besch�ftigten sich immer wieder mit ihr. Ihre ziemlich st�mmigen Fu�gelenke kamen mir kr�ftig und h�bsch vor, ihre Beine eine Idee zu stark, aber wohlgeformt. Ihre H�ften waren s��, ihr K�rper biegsam und f�r die Ber�hrung durch einen Mann wie geschaffen, und ihre vollen Br�ste, die sich frei in dem knappen Oberteil des Kleids bewegten, lie�en mir keine Ruhe.</p><p>Ich war hungrig. Vor Sonnenaufgang hatte sie mir eine Handvoll Rencebrei gegeben, gegen Mittag eine zweite Handvoll.</p><p>Ich schnitt Rence. Meine H�nde schmerzten und waren wund, aber ich schnitt schweigend weiter.</p><p>�Wenn du mir nicht gehorchst�, hatte das M�dchen gesagt, �lasse ich dich fesseln und den Tharlarion zum Fra� vorwerfen. Und hier zu fliehen, hat keinen Sinn. Du wirst von unseren M�nnern gejagt und von Sumpfspeeren durchbohrt. Du bist mein Sklave!� Und sie hatte recht. Nackt, ohne Waffen, allein im Delta, war eine Flucht unm�glich.</p><p>Doch diese �u�eren Umst�nde waren nichts gegen den Zustand meines Herzens. Ich hatte ein Bild von mir gehabt, als Mann, als Krieger � und der Verlust dieses Bildes hatte mich zerbrechen lassen.</p><p>Es war hei�. Das M�dchen verschaffte sich Erleichterung, indem sie den G�rtel ihrer Tunika etwas lockerte. Ich konnte den Blick nicht abwenden. Unter dem losen Tuch erahnte ich die Vollkommenheit ihres K�rpers.</p><p>�Sieh mich nicht so an!� lachte sie. �K�mmere dich um deine Arbeit.�</p><p>Ich drehte mich um.</p><p>�Du siehst �brigens nett aus in deinem Kragen�, fuhr sie fort. �H�bscher Sklave.�</p><p>�Bitte�, sagte ich aufgebracht, �nenn mich nicht so.�</p><p>�Ich nenne dich wie ich will�, sagte sie. �H�bscher Sklave.�</p><p>Stengel um Stengel schnitt ich, die Zeit teilte sich in die Bewegungen meines Arms. Die Sonne stand schon tief, und Insekten begannen sich l�stig bemerkbar zu machen. Das Wasser schimmerte.</p><p>Wir schwiegen lange Zeit.</p><p>�Darf ich sprechen?� fragte ich schlie�lich.</p><p>�Ja�, sagte sie gro�z�gig.</p><p>�Wie kommt es, da� so viele Renceinseln in der N�he sind?� fragte ich.</p><p>�Das Se�Kara-Fest steht bevor�, sagte sie.</p><p>�Aber so viele? Das ist doch ungew�hnlich?�</p><p>�Du bist recht neugierig f�r einen Sklaven. Das ist nicht gut. Aber ich will dir sagen, da� Ho-Hak die Inseln aus der n�heren Umgebung zu einer Ratsversammlung gerufen hat.�</p><p>�Wie viele sind es denn?�</p><p>�F�nf�, erwiderte sie. �Es gibt nat�rlich noch viel mehr � aber sie liegen weiter entfernt, verstreut im Delta.�</p><p>�Was ist der Zweck der Versammlung?�</p><p>Sie hatte sicher nichts dagegen, mir Auskunft zu geben, war ich doch nur ein Sklave, der dem Sumpf nicht entkommen konnte.</p><p>�Er hofft, die Rencebauern zu einen�, sagte sie mit skeptischem Tonfall.</p><p>�Wegen des Handels?� fragte ich.</p><p>�Deswegen auch�, sagte sie. �Es w�re n�tzlich, wenn wir �hnliche Qualit�tsmerkmale f�r das Rencepapier h�tten, wenn wir es manchmal zusammen ernteten und wenn wir uns manchmal aushelfen k�nnten. Und nat�rlich lie�e sich gemeinsam ein besserer Preis erzielen.�</p><p>�Die M�nner aus Port Kar w�rden sich �ber eine solche Entwicklung kaum freuen�, sagte ich. �Ich meine die Beamten und die Sklavenh�ndler.�</p><p>�Beamten?� fragte sie. �Ach, die Steuereintreiber im Namen der verschiedenen Ubars der Stadt. Und die Sklavenh�ndler � zwischen denen und den Steuereintreibern ist manchmal kein Unterschied�, f�gte sie bitter hinzu.</p><p>�Du glaubst nicht, da� Ho-Haks Plan Erfolg hat?�</p><p>�Nein�, sagte sie. �Wir Rencebauern sind unabh�ngig. Jede unserer Gruppen hat ihre eigene Insel.�</p><p>Sie hatte das Boot gewendet und steuerte es nun auf unsere Renceinsel zu, die einen oder zwei Pasang entfernt lag.</p><p>�Darf ich sprechen?� fragte ich wieder.</p><p>�Ja.�</p><p>�Du tr�gst am linken Arm einen goldenen Armreif. Wie kommt es, da� ein Rencem�dchen ein solches Schmuckst�ck hat?�</p><p>�Du darfst nicht sprechen�, sagte sie gereizt. Ich schwieg.</p><p>�Hinein�, sagte sie und deutete auf den kleinen runden Eingang zu ihrer Renceh�tte.</p><p>Ich war �berrascht, hatte ich doch erwartet, da� ich wie die Nacht zuvor gefesselt au�erhalb im Freien schlafen mu�te.</p><p>Ich ging auf H�nde und Knie nieder, senkte den Kopf und kroch durch die �ffnung.</p><p>Sie folgte mir. Die H�tte war zweieinhalb Meter lang und etwa anderthalb Meter breit. Die W�nde waren gebogen und gingen ins Dach �ber, das sich etwa einen Meter �ber den Boden erhob � eine H�tte, die nur zum Schlafen diente. Das M�dchen entz�ndete eine winzige Lampe, ein Docht in einer kleinen Kupferschale voll Tharlarion�l. Ihre wenigen Besitzt�mer befanden sich in der H�tte.</p><p>�Morgen ist das Fest�, sagte sie und sah mich an.</p><p>Wir knieten nur Zentimeter voneinander entfernt.</p><p>�Wenn du mich ber�hrst, mu�t du sterben�, sagte sie und begann das Haar zu l�sen, das um ihre Schultern herabfiel.</p><p>�Dreh dich um, h�bscher Sklave�, sagte sie.</p><p>Ich ballte die F�uste und gehorchte. Sie lachte.</p><p>�Du bist wirklich ein h�bscher Sklave�, sagte sie. �Was f�r ein Gl�ck f�r das M�dchen, das dich morgen gewinnt.�</p><p>Sie griff in einen Beutel und brachte zwei H�ndevoll Rencebrei zum Vorschein, den sie mir in den Mund stopfte. Sie selbst knabberte an einem St�ck Rencekuchen, w�hrend sie mich am�siert beobachtete, und trank schlie�lich Wasser aus einer gelben Flasche. Sie stopfte mir den Flaschenhals in den Mund und lie� mich ebenfalls trinken, verschlo� die Flasche wieder und stellte sie zur Seite.</p><p>�Es ist Zeit zum Schlafen�, sagte sie. �Der h�bsche Sklave mu� schlafen, denn morgen gibt es viel zu tun.� Sie gab mir ein Zeichen, da� ich mich auf die linke Seite legen sollte, mit dem Gesicht zu ihr. Mit einer Sumpfranke band sie mir dann die H�nde auf den R�cken und entrollte ihre Schlafmatte.</p><p>Gefesselt mu�te ich zusehen, wie sie ihre Tunika l�ste und von den Schultern gleiten lie�. Sie zog sich vor mir ungeniert nackt aus, als w�re ich ein Tier. Meine Erregung war un�bersehbar, und sie hatte nur darauf gewartet.</p><p>�Wie ich sehe, mu�t du bestraft werden�, sagte sie und schlug heftig zu.</p><p>Ich st�hnte auf.</p><p>Sie verga� mich sofort wieder und machte sich daran, einen kleinen Rencebeutel zu stopfen, der in einer Ecke der H�tte hing.</p><p>Ich r�hrte mich w�hrenddessen nicht. Ich war ein Krieger Ko-ro-bas gewesen. Doch hier im Delta des Vosk hatte ich erfahren m�ssen, da� ich im tiefsten Innern unw�rdig und verdorben, wertlos und ver�ngstigt war � kurzum, ein Feigling. Ich war ein Krieger Ko-robas gewesen, doch jetzt war ich nur noch der Sklave eines M�dchens.</p><p>�Darf ich sprechen?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte sie, ohne aufzublicken.</p><p>�Meine Herrin hat mir nicht einmal ihren Namen genannt. Darf ich diesen Namen erfahren?�</p><p>�Telima�, sagte sie und beendete ihre N�harbeit. Sie h�ngte den Beutel an die Wand, kniete sich auf ihrer Matte nieder und blies die kleine Lampe aus. �Der Name deiner Herrin ist Telima.�</p><p>Wir lagen in der Dunkelheit nebeneinander. Ihr Haar ber�hrte mich.</p><p>�Schl�fst du, h�bscher Sklave?� fragte sie schlie�lich. Ihre Hand ber�hrte meinen Bauch, glitt tiefer und streichelte die Innenseite meiner Schenkel.</p><p>�Nein�, keuchte ich, au�er mir vor Erregung.</p><p>�Anscheinend findest du deine Herrin sch�n�, sagte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ah, du scheinst deine Lektion noch nicht gelernt zu haben.�</p><p>�Bitte schlag mich nicht noch einmal.�</p><p>�Ich bin eine freie Frau. Wagst du eine freie Frau zu begehren?�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Pl�tzlich umfingen ihre H�nde meinen Kopf, und ihre Lippen pre�ten sich auf die meinen. Zu meinem Entsetzen vermochte ich ihrem Ku� nicht zu widerstehen, und ihre Z�hne gruben sich in meine Lippen, und ich schmeckte Blut, mein Blut, dann stie� sie mir ihre Zunge in den Mund, k�hn und besitzergreifend � und pl�tzlich bi� sie mich schr�g �ber die Lippen, damit ich am Morgen, wenn ich im Fest als Preis ausgeschrieben war, die Zeichen der Eroberung meiner Herrin deutlich sichtbar zur Schau trug.</p><p>Ich war ersch�ttert. Das M�dchen hatte mir den Ku� der Herrin an einen Scho�-Sklaven gegeben.</p><p>�Du tust, was ich dir sage�, befahl sie.</p><p>Dann setzte sie sich rittlings auf mich und gebrauchte mich f�r ihr Vergn�gen.


                           36</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Telima hatte mich in der Morgend�mmerung geweckt und losgebunden, damit ich bei den Vorbereitungen f�r das Fest helfen konnte. Vier andere Renceinseln wurden am Vormittag herbeigestakt und mittels Rencefl��en, die als Br�cken dienten, aneinandergebunden, so da� eine gro�e zusammenh�ngende Insel entstand.</p><p>Ich wurde beim Festmachen der Inseln eingesetzt und beim Empfang von Rencebooten, in denen Rencebauern von anderen Inseln zum Fest eintrafen. Ich mu�te schwere Gef��e mit Rencebier transportieren, Wasserflaschen, Spie�e mit Fisch, gerupfte G�nse, abgeh�utete Tarsks und K�rbe mit Rencemark.</p><p>Um die achte goreanische Stunde band mich Telima an einem Pfahl fest; dort stand ich und wurde von den Vorbeikommenden neugierig angestarrt und beschimpft.</p><p>Um die zehnte goreanische Stunde, die der irdischen Mittagszeit entspricht, a�en die Rencebauern kleine Kuchen, tranken Wasser und verzehrten gebratenen Fisch. Das gro�e Fest sollte am Abend beginnen.</p><p>Etwa um diese Zeit kam ein kleiner Junge herbei und starrte mich an, einen halb aufgegessenen Rencekuchen in der Hand.</p><p>�Hast du Hunger?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>Daraufhin hielt er mir den Rencekuchen hin, und ich bi� ab.</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>Er antwortete nicht, sondern starrte mich nur an. Schlie�lich kam seine Mutter, gab ihm eine Ohrfeige und zerrte ihn schimpfend fort.</p><p>Die Rencebauern verbrachten den Morgen auf verschiedene Weise. Die M�nner hatten mit Ho-Hak Rat gehalten, und es hatte heftige und lautstarke Diskussionen gegeben. Die Frauen dagegen waren mit den Vorbereitungen f�r das Fest besch�ftigt.</p><p>Nachdem die Versammlung beendet war, kam einer der M�nner zu mir her�ber und musterte mich von Kopf bis Fu�. Es war der Mann mit dem Stirnband aus Perlen, der meinen Langbogen nicht hatte spannen k�nnen. Verwundert betrachtete ich das wei�e Seidentuch, das er �ber der Schulter trug. Wortlos starrte er mich an, dann lachte er und ging weiter. Nun war die zw�lfte goreanische Stunde angebrochen, und die Wettk�mpfe, bei denen es um mich als Preis ging, waren in vollem Gang.</p><p>Die Wettbewerbe fanden meistens im Sumpf statt. Soweit ich h�ren und erkennen konnte, wurde viel gelacht und gescherzt. Es fanden Bootsrennen statt, Wettk�mpfe mit Netzen und Speeren. Es war wirklich ein Fest.</p><p>Nach etwa einer Ahn kehrten die M�dchen und die Zuschauer in ihren Booten zur Insel zur�ck, legten an und n�herten sich dem Pfahl, an dem ich stand. Die M�dchen, etwa drei�ig bis vierzig an der Zahl, musterten mich kichernd und senkten dann den Blick.</p><p>�Die Entscheidung ist gefallen�, sagte Telima.</p><p>Die M�dchen lachten. Ein schlankes, dunkelhaariges Gesch�pf trat herausfordernd vor. �Vielleicht bist du jetzt mein Sklave�, fl�sterte sie.</p><p>�Vielleicht geh�rst du jetzt mir�, fl�sterte ein gro�es blondes M�dchen.</p><p>Andere Rencem�dchen dr�ngten sich heran, taten, als w�ren sie meine Herrin.</p><p>�Wer hat mich denn nun gewonnen?� fragte ich gepeinigt.</p><p>�Das wirst du schon noch merken�, sagte Telima. �Heute abend beim Fest.�</p><p>Das Fest hatte seinen H�hepunkt erreicht. Fackeln brannten in der Sumpfnacht � zusammengerollte, brennende Marschranken, die auf den Spitzen von Speeren steckten, M�nner sa�en mit untergeschlagenen Beinen im Au�enkreis, w�hrend innen nach goreanischer Sitte die Frauen knieten. Es war viel gesprochen und gesungen worden. Man geno� die Feier in vollen Z�gen.</p><p>Ich hatte meistens mit bedient, besonders im Kreis der M�dchen, die um mich gek�mpft hatten und von denen eine mich jetzt als Sklave besa�. Ich hatte Schalen mit gebratenem Fisch herumgetragen und Holztabletts mit ger�stetem Tarskfleisch und gebratene G�nse, auf Spie�en aufgereiht, Rencekuchen und Flaschen mit Rencebier, die immer wieder nachgef�llt werden mu�ten.</p><p>Dann, als die Rencebauern in die H�nde zu klatschen und zu singen begannen, kam Telima zu mir.</p><p>�An den Pfahl!� befahl sie.</p><p>Der Pfahl bildete die Mitte eines etwa zw�lf Meter durchmessenden leeren Kreises inmitten der Feiernden. Telima fesselte mir die H�nde hinter dem Stamm, befestigte auch meine Fu�gelenke an dem Pfahl und setzte mir eine Krone aus Renceblumen auf.</p><p>Dann trat sie lachend zur�ck.</p><p>Ich sah in der Menge Ho-Hak, der wie die anderen in die H�nde klatschte und sang, und auch den Mann mit dem Perlenband.</p><p>Pl�tzlich trat Schweigen ein, das von einem dr�hnenden Trommeln abgel�st wurde. Und zu meiner Verbl�ffung kam nun Bewegung in die Rencem�dchen, die lachend und kreischend, manche auch widerwillig, in den Kreis um meinen Pfahl gedr�ngt wurden. Die jungen M�nner lachten vergn�gt und klatschten in die H�nde.</p><p>Ich sah, da� nicht wenige Burschen den Blick kaum von Telima zu rei�en vermochten. Sie war das einzige M�dchen im Kreis, das einen goldenen Armreif trug. Allerdings achtete sie kaum auf die jungen M�nner.</p><p>Der Mann an der gro�en Trommel begann seinen Rhythmus zu beschleunigen, andere fielen mit Riedfl�ten ein und mit Metallst�cken, die aneinandergeschlagen wurden. Schlie�lich er�ffnete Telima den Tanz. Mit den F��en stampfend, bewegte sie sich im Kreise. Soviel ich wei�, sind die T�nze der Rencem�dchen einzigartig auf Gor. Sie sind voll wilder Sch�nheit, voll von symbolischen Gesten, die im Verlauf des Tanzes immer weiblicher und anmutiger werden. Es ist oft einsam auf den Renceinseln, und das Fest wird nur einmal im Jahr gefeiert. Bei den Rencebauern bedeutet es das Ende der Kindheit, wenn ein M�dchen zum erstenmal in den Kreis geschickt wird.</p><p>Pl�tzlich sah ich dicht vor mir das dunkelhaarige M�dchen mit den herrlichen schlanken Beinen.</p><p>�Sklave!� zischte sie, spuckte mir ins Gesicht und wirbelte davon.</p><p>Gleich darauf tauchte das gro�e blonde M�dchen in der Menge auf; sie bewegte sich herausfordernd langsam.</p><p>�Vielleicht bist du jetzt mein Sklave�, sagte sie und spuckte mich ebenfalls an.</p><p>Eine nach der anderen folgten die M�dchen diesem Beispiel, verh�hnten mich, verlachten mich und wandten sich wieder ab.</p><p>Die Rencebauern gr�lten vergn�gt und trieben die M�dchen an, die sich nicht lange um mich k�mmerten, sondern ihre Aufmerksamkeit wieder den jungen M�nnern au�erhalb des Kreises zuwandten, f�r die dieser Tanz bestimmt war.</p><p>Nach einer Weile sah ich, wie ein M�dchen mit hocherhobenem Kopf den Kreis verlie�, gefolgt von einem jungen Mann, der mit ihr in der Dunkelheit verschwand. Wenige Ehn sp�ter tat es ihr ein anderes M�dchen nach.</p><p>Der Tanz wurde wieder wilder, die Musik dr�hnte lauter, und die M�dchen drehten sich im Kreise.</p><p>Und pl�tzlich tanzte Telima vor mir.</p><p>Sie kam mir wie die sch�nste Frau vor, die ich je gesehen hatte, und mir, der ich nur ein Sklave war, zeigte sie tanzend ihre Verachtung. Sie hatte die H�nde �ber den Kopf erhoben und musterte mich sp�ttisch.</p><p>Und dann band sie mich los.</p><p>�In die H�tte!� befahl sie.</p><p>Ich r�hrte mich nicht.</p><p>�Ja, du geh�rst mir!� sagte sie und spuckte mir ins Gesicht. �In die H�tte!�</p><p>Ich stolperte durch den Reigen der tanzenden M�dchen, eilte durch die Dunkelheit zu Telimas H�tte. Langsam kroch ich hinein, setzte mich hin und st�tzte den Kopf in die H�nde.</p><p>So sa� ich lange Zeit in der Dunkelheit. Schlie�lich traf Telima ein. �Z�nde die Lampe an�, befahl sie.</p><p>Ich gehorchte. Beim Licht der kleinen Flamme sah ich, da� sie einen Rencekuchen a�. Sie sah mich an. �Ich werde dich heute nacht nicht fesseln�, sagte sie.</p><p>Mit langsamen Bewegungen entrollte sie ihre Schlafmatte und zog ihre Tunika aus. Sie warf das Kleidungsst�ck in eine Ecke, beendete ihre Mahlzeit und wischte sich mit dem Arm �ber den Mund. Schlie�lich l�ste sie ihr Haar.</p><p>Auf der Seite liegend, das linke Knie erhoben, sah sie mich an.</p><p>�Nimm mich!� befahl sie.</p><p>�Nein�, erwiderte ich.</p><p>Sie starrte mich verbl�fft an.</p><p>In diesem Augenblick ert�nte von drau�en der Entsetzensschrei eines M�dchens, und ganz pl�tzlich verstummte die Musik. Dann vernahm ich Gebr�ll, Befehle, Schreie der Angst, Verwirrung, Waffengeklirr.</p><p>�Sklavenh�ndler!� schrie jemand. �Sklavenh�ndler!�</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Ich schnellte sofort aus der H�tte � die instinktive Reaktion eines Kriegers. Das M�dchen folgte mir auf dem Fu�e.</p><p>Am Ufer der Insel sah ich Fackeln leuchten. Ein Kind lief an mir vorbei. Der Tanzkreis war leer; nackt ragte der Pfahl in die H�he. Eine Frau schrie. Befehle erschallten, Waffen klirrten. Ein Rencebauer taumelte auf uns zu, einen Armbrustpfeil in der Brust. Irgendwo weinte ein S�ugling.</p><p>Im Licht der Handfackeln sah ich die hohen gebogenen Bugspriete schmaler Sumpfbarken aufragen, die von Sklaven gerudert werden.</p><p>Telima hob die H�nde an die Wangen und sah sich mit aufgerissenen Augen um. Sie schrie. Ich packte sie am rechten Handgelenk und lie� sie nicht wieder los, zerrte sie auf das entgegengesetzte Ende der Insel zu, wo Dunkelheit herrschte. Aber auch von dort kamen uns Rencebauern entgegen, M�nner, Frauen und Kinder, stolpernd, fliehend. Wir h�rten die Rufe ihrer Verfolger, sahen Speerspitzen im ungewissen Licht aufblitzen.</p><p>Wir schlossen uns ihnen an und flohen in die andere Richtung, doch in der Dunkelheit vor uns klang eine Trompete auf. Verwirrt hielten wir inne. Ein Hagel Armbrustpfeile deckte uns ein. Menschen schrien. Ein Mann neben uns sank zu Boden.</p><p>Wieder machten wir kehrt und stolperten �ber die verwobene Rencematte, die die Oberfl�che der Insel bildete.</p><p>Hinter uns gellten Trompeten und das Ger�usch von Speeren, die gegen Schilde geschlagen wurden. Dann schrie vor uns eine Frau auf. �Sie haben Netze!� rief sie.</p><p>Wir wurden in die Netze getrieben.</p><p>�Halt!� rief ich und ri� Telima zur�ck. Doch die meisten, die mit uns flohen, rannten in panischem Entsetzen weiter, rasten blind auf die Netze zu, die vor ihnen aufgespannt waren, von Sklaven gehalten. Es handelte sich nicht um kleine Fangnetze, sondern um riesige gro�e Netzw�nde, die jeden Widerstand sinnlos machten.</p><p>Nun h�rte ich auch von der anderen Seite der Insel den entsetzten Schrei: �Netze, Netze!�</p><p>Als wir unentschlossen hin und her rannten, erschienen pl�tzlich Krieger aus Port Kar zwischen uns, mit Helmen und Schilden, mit Schwertern und Speeren bewaffnet, andere mit Kn�ppeln und Messern, wieder andere mit Peitschen, Schlingen oder Netzen. Sie waren in Begleitung von Sklaven, die Fackeln in die H�he hielten, damit sie sich orientieren konnten.</p><p>Ich erblickte den Rencebauern, der das Stirnband aus Perlen getragen hatte. Er hatte nun das wei�e Seidentuch �ber die Schulter ausgebreitet und bis zum G�rtel herabgezogen. Neben ihm stand ein gro�er behelmter Krieger aus Port Kar, den Goldstreifen eines Offiziers am Helm. Der Rencebauer zeigte hierhin und dorthin und gab den M�nnern aus Port Kar Befehle.</p><p>�Henrak!� rief Telima. �Das ist doch Henrak!�</p><p>So h�rte ich zum erstenmal den Namen des Mannes mit dem Stirnband.</p><p>In Henraks Hand baumelte ein Beutel, der Gold enthalten mochte.</p><p>Dicht neben uns st�rzte ein Mann zu Boden; aus seinem Hals ragte eine Speerspitze. Ich legte den Arm um Telimas Schulter und f�hrte sie weg.</p><p>Telima rannte weinend neben mir. Ich sah die Netze von den beiden Inselufern her vorr�cken. Die Soldaten trieben mit Speeren erschreckte Rencebauern auf die Mitte zu.</p><p>Auf allen Seiten br�llende M�nner, kreischende Frauen, weinende Kinder, �berall M�nner aus Port Kar und ihre Sklaven, die Fackeln und Netze hielten. Ein Junge rannte vorbei. Es war der Junge, der mir Rencekuchen gegeben hatte und deshalb von seiner Mutter gescholten worden war.</p><p>Im Licht der Sumpffackeln sah ich Ho-Hak mit dem Mut der Verzweiflung k�mpfen. Mehrere Krieger lagen vor ihm am Boden. Wild schwang er einen Ruderstamm im Kreise, von etwa f�nfzehn Kriegern umgeben. Die Fackeln glitzerten auf ihren Schwertern.</p><p>Ho-Hak bot einen furchteinfl��enden Anblick, schwitzend, schweratmend, die Ohren flach anliegend. Das Ende seiner verrosteten Sklavenkette wirbelte herum.</p><p>�Tharlarion!� br�llte er die M�nner aus Port Kar an, die jedoch nur lachten.</p><p>Schlie�lich senkten sich zwei Fangnetze �ber ihn. Die Krieger st�rzten vor und schlugen ihn mit Schwertgriffen und Lanzensch�ften bewu�tlos.</p><p>Telima schrie auf, und ich zerrte sie fort.</p><p>Wieder rannten wir durch das Chaos, das auf der Insel herrschte. Am Ufer brannten Renceboote im Wasser. Hier gab es keine Fluchtm�glichkeit mehr. Ein Rencebauer schrie im Wasser, von den Kiefern eines Sumpftharlarion gepackt.</p><p>�Da sind zwei!� rief jemand.</p><p>Wir fuhren herum und sahen vier Krieger auf uns zukommen. Wir machten kehrt und n�herten uns wieder dem Licht, den Fackeln in der Inselmitte, den kreischenden Frauen und M�nnern.</p><p>Nahe dem Pfahl, an den man mich gebunden hatte, lagen einige Rencebauern, M�nner und Frauen, gefesselt am Boden. Zwei W�chter wachten �ber die Beute, die sp�ter auf die Barken gebracht werden sollte. Ein Schriftgelehrter machte die Runde und notierte die Zahl der Gefangenen, die st�ndig wuchs.</p><p>�Da!� br�llte pl�tzlich Henrak, der Mann mit dem wei�en Tuch �ber der Schulter. Er zeigte auf uns. �Holt das M�dchen! Ich will sie haben!�</p><p>Telima starrte ihn entsetzt an und begann den Kopf zu sch�tteln.</p><p>Ein Krieger sprang auf uns zu.</p><p>In diesem Augenblick eilte eine Gruppe von f�nf oder sechs fliehenden Rencebauern vor�ber und trennte uns. Telima machte kehrt und verschwand in der Dunkelheit. Ich ging zu Boden, rappelte mich hastig wieder auf. Im n�chsten Augenblick traf mich ein Kn�ppel. Ich sch�ttelte den Kopf. Blut rann mir �bers Gesicht. In meiner N�he fesselte ein Krieger eine Sklavin. Es war nicht Telima. Ich rannte in die Richtung, die das M�dchen eingeschlagen hatte.</p><p>Pl�tzlich baute sich ein Mann vor mir auf. H�tte er geahnt, da� ich ein Krieger war, w�re er wahrscheinlich vorsichtiger mit seinem Schwert umgegangen. Ich umfa�te sein Handgelenk und kugelte mit einem Ruck den Arm aus. Er schrie auf, dann war die Klinge in meiner Hand. Ein zweiter Mann st�rzte mit einem Speer auf mich zu. Ich ergriff den Lanzenschaft mit der Linken, zerrte ihn heran und stie� gleichzeitig mit dem Schwert zu, das tief in seinen Hals drang.</p><p>Der Sklave, der seine Fackel trug, starrte mich an und wich zur�ck.</p><p>Pl�tzlich sp�rte ich ein Netz �ber mir. Ich duckte mich und vollf�hrte zugleich mit dem Schwert eine kreisende Bewegung �ber dem Kopf, erwischte das Netz, ehe es mich umschlie�en konnte. In der Dunkelheit fluchte ein Mann. Im n�chsten Augenblick st�rzte er mit erhobenem Messer auf mich zu. Meine Klinge hatte das Netz halb durchschnitten, war aber darin gefangen. Ich umfa�te mit der Linken sein Handgelenk und f�hrte mit dem rechten Arm mein Schwert samt Netz zum t�dlichen Hieb. Ein Speer zuckte auf mich zu, verfing sich jedoch ebenfalls in dem Netz, das um mein Schwert gewickelt war. Ehe der Werfer seine eigene Klinge gezogen hatte, sprang ich ihn an und brach ihm das Genick.</p><p>Vor mir schimmerte eine Fackel. Ich eilte darauf zu. Da sah ich Telima. Ein Mann hatte sie auf den Bauch geworfen und fesselte sie. Ich packte ihn, drehte ihn herum und versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht. Als er sein Schwert zu ziehen versuchte, hob ich ihn hoch und warf ihn ins Wasser, wo bereits mehrere Tharlarion auf der Lauer lagen. Sie hatten reiche Beute in dieser Nacht.</p><p>Telima drehte sich auf die Seite und starrte mich an. �Ich m�chte nicht Sklavin sein!� schluchzte sie.</p><p>Gleich mu�ten weitere Krieger hier sein.</p><p>Ich hob sie hoch.</p><p>�Still�, sagte ich und sah mich um. Im Augenblick waren keine Gegner in der N�he. Zu unserer Linken wurde es hell. Eine der Renceinseln, die mit unserer Insel verbunden war, begann zu brennen.</p><p>Hastig blickte ich mich um, suchte verzweifelt nach einem Ausweg.</p><p>Auf der einen Seite lag der Sumpf, in dem die Tharlarion lauerten. �berall trieben die lodernden oder rauchenden Reste von Rencebooten auf dem Wasser, die zu Beginn des �berfalls losgebunden und angesteckt worden waren, um eine Flucht der Rencebauern zu verhindern. Auf der anderen Seite das Licht der Fackeln, das Schreien der Menschen � und die Sklavenh�ndler von Port Kar.</p><p>�ber eine der Flo�br�cken zwischen den Inseln wurden jetzt gefangene Rencebauern auf unsere Insel getrieben.</p><p>Die Fl��e, die Br�cken, dachte ich, die Fl��e!</p><p>Telima im Arm, lief ich am Ufer der Renceinsel entlang, ohne einem Gegner zu begegnen. Dieses Gebiet war zuvor mit den gro�en Netzen ges�ubert worden, so da� sich hier keine Rencebauern mehr befanden. Allerdings begannen sich nun Fackeln der Stelle zu n�hern, wo wir eben noch gewesen waren; kurz darauf teilte sich die Gruppe, und eine H�lfte der Lichter schlug den Weg in unsere Richtung ein.</p><p>Irgendwo erschallte Henraks Stimme. �Beschafft mir das M�dchen. Ich mu� das M�dchen haben!�</p><p>Ich erreichte eine der Flo�br�cken, die ich am Vormittag noch mit befestigt hatte. Ich setzte Telima in der Mitte des Flo�es ab und begann, die Renceleinen durchzuschneiden.</p><p>Am Ufer n�herten sich die Fackeln.</p><p>Es waren acht Leinen, vier auf jeder Seite. Ich hatte sechs Verbindungen gel�st, als jemand �Halt!� br�llte.</p><p>Die Insel auf der anderen Seite der Flo�br�cke hatte nun zu brennen begonnen, und gleich mu�te diese Stelle taghell erleuchtet sein.</p><p>Nur ein Mann hatte gerufen, offenbar ein W�chter, der f�r diesen Abschnitt zust�ndig war. Sein Speer landete dicht neben mir, bohrte sich in das Flo�. Sein Schwert ziehend, rannte er auf mich zu. Ich hatte die Lanze aus dem Holz gerissen und hielt sie dem Anst�rmenden entgegen. Offenbar war er vom Feuer geblendet, denn er sah sie nicht. Sein K�rper wurde glatt durchbohrt.</p><p>Ich drehte mich hastig um. Offenbar hatte uns sonst niemand gesehen.</p><p>Da glitt ich ab, sofort schnappte ein winziger Tharlarion zu, bi� mir ein St�ck Fleisch aus dem Schenkel, hastig zog ich das Bein wieder aus dem Wasser.</p><p>Fackeln kamen n�her. Mit fliegenden Fingern ri� ich Rence vom Inselufer los, h�ufte es in der Mitte des Flo�es auf, bedeckte Telima damit, dann stie� ich das Flo� von der Insel ab und kroch neben das M�dchen unter die Renceb�schel. Sie starrte mich erschreckt an.</p><p>Die Fackeln entfernten sich wieder. Unbemerkt trieb das Flo� zwischen den Inseln hervor.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Zwischen Schilf und Rencepflanzen verborgen, einige hundert Meter von den Inseln entfernt, von denen zwei brannten, beobachteten Telima und ich die Bewegungen der Fackeln und h�rten die Schreie der Frauen und Kinder.</p><p>Die M�nner aus Port Kar hatten die beiden Inseln in Brand gesteckt, um Rencebauern, die sich vielleicht noch versteckt hielten, ins Freie zu treiben. Nach der S�uberungsaktion waren die brennenden Inseln losgemacht und fortgesto�en worden. Etwa eine Ahn vor Sonnenaufgang waren zwei weitere Inseln in Flammen aufgegangen. Als die D�mmerung hereinbrach, war die Arbeit der M�nner aus Port Kar getan.</p><p>Ihre Sklaven, die die Fackeln nun gel�scht hatten, beluden die gro�en Barken �ber schmale Planken mit schweren Rencepapier-Rollen und der lebenden Beute der Nacht. Die kostbare Papierlast fand im Bug der Schiffe Platz, w�hrend die Sklaven zwischen die Ruderb�nke geworfen wurden und vor dem Ruderdeck gar drei oder vier Schichten hoch lagen. Es waren insgesamt sechs Schiffe. Der Bug jeder Barke wurde mit einem h�bschen M�dchen geschm�ckt, zum Zeichen, da� der Ausflug erfolgreich gewesen war. Es �berraschte mich nicht, da� das dunkelhaarige, schlanke M�dchen und die grau�ugige Blondine zu diesen M�dchen am Bug geh�rten.</p><p>Telima sa� gefesselt neben mir; ich hatte einen Arm um ihre Schultern gelegt. Ihr Blick wirkte stumpf.</p><p>Auf der Insel, nahe dem Tanzpfahl, stand ein trostloses H�ufchen Gefangener, von den beiden gro�en Netzen umschlossen, von Speeren in Schach gehalten. Viele hatten die Finger durch die Netze gehakt und starrten ins Leere. Neben dem Netz erblickte ich Henrak, der noch immer sein wei�es Tuch trug. Er sprach mit dem b�rtigen Offizier.</p><p>Auf der Insel wurden nun die Spuren des �berfalls sichtbar, die �berreste vernichteter H�tten, zerbrochene K�sten, aufgerissene S�cke, abgebrochene Speere, Flaschenscherben und � Leichen. Auf der stillen Insel begann sich nun auch wieder das Tierleben zu regen; zwei Sumpfg�nse landeten und begannen zu st�bern, und von irgendwoher tauchte ein gez�hmter Tarsk auf und begann grunzend herumzuw�hlen.</p><p>Es dauerte noch eine Weile, bis auch die letzten Rencebauern an Bord der Barken waren. Die Sklaven aus Port Kar breiteten die Netze aus, rollten sie zusammen und schafften sie ebenfalls von der Insel. Dann zogen sie die Planken ein und setzten sich auf ihre Ruderb�nke, wo sie angekettet wurden. Als letzte gingen Henrak und der b�rtige Offizier an Bord des Flaggschiffs. Die Sklavenh�ndler von Port Kar, die auf ihre Art weise sind, versklaven selten M�nner wie Henrak, die ihnen gut gedient haben � so finden sie immer wieder Verr�ter, die ihnen zu einem guten Gesch�ft in den S�mpfen verhelfen.</p><p>Die gro�en Sumpfbarken waren sowohl am Bug als auch am Heck verankert; von je zwei M�nnern gezogen, kamen nun die Ankerhaken zum Vorschein, und der Offizier, der auf dem Ruderdeck des Flaggschiffs stand, hob den Arm. An Bord von Sumpfbarken wird den Ruderern der Rhythmus durch den Rudermeister angegeben � nicht mit einer Trommel, sondern durch Zuruf. Er sieht nach vorn, w�hrend die Ruderer nat�rlich mit dem R�cken in Fahrtrichtung sitzen.</p><p>Henrak stand neben dem Offizier, der nun den Arm senkte.</p><p>Ich h�rte den Ruf des Rudermeisters und sah, wie die Ruder aus den Dollenlaken geschoben wurden. Sie verhielten parallel �ber dem Wasser, und die niedrige Sonne spiegelte sich auf den Ruderbl�ttern. Ich bemerkte, da� sie nur wenige Zentimeter �ber dem Wasser hingen, so schwer waren die Barken beladen. Auf einen neuen Befehl des Rudermeisters tauchten die Ruder nun langsam ins Wasser, bewegten sich in vollkommener �bereinstimmung, hoben sich an, und Tropfen fielen wie Perlen vom Holz.</p><p>Die Barke begann sich von der Insel zu entfernen, wendete, nahm Richtung auf Port Kar, und die anderen Barken machten das Man�ver nach und folgten.</p><p>Ich richtete mich auf meinem Renceflo� auf und starrte den Schiffen nach. Ich hob die Hand und entfernte den Kranz aus Renceblumen, den ich bei dem Fest getragen hatte. Etwas Blut klebte daran, von dem Schlag, den ich erhalten hatte. Telima, die zu meinen F��en lag, wandte den Blick ab, als ich den Kranz in den Sumpf warf. Sie wu�te, da� sie mir nun auf Gedeih und Verderb ausgeliefert war.</p><p>Ich stand auf der Renceinsel und sah mich um. Vorsichtig stieg ich zur Mitte der Insel empor. Es war still.</p><p>Ich sah den Pfahl, an dem ich gestanden hatte, den Festplatz, die �berreste der H�tten und die Leichen.</p><p>Ich kehrte zu meinem Flo� zur�ck, hob Telima hoch und trug sie auf die Insel. Nahe dem Pfahl legte ich sie ab und l�ste ihre Fesseln.</p><p>�Befreie mich�, sagte ich.</p><p>Unsicher richtete sie sich auf und entfernte die Sumpfranke von meinem Hals.</p><p>�Du bist frei�, fl�sterte sie.</p><p>Ich wandte mich ab. Irgendwo auf der Insel mu�te noch etwas E�bares sein; ich hoffte auch, etwas Wasser zu finden. Ich machte mich auf die Suche; dabei behielt ich die Sonne im R�cken, um an Telimas langem Schatten beobachten zu k�nnen, was sie trieb. Mir entging nicht, da� sie sich b�ckte und einen zerbrochenen Sumpfspeer aufnahm, dessen Spitzen noch intakt waren.</p><p>Ich drehte mich um und blickte sie an.</p><p>Sie fuhr zusammen und bedrohte mich mit dem Speer. Ich trat einen Schritt vor und entwaffnete sie m�helos.</p><p>�Versuch das nicht noch einmal�, sagte ich, und sie sch�ttelte den Kopf. �Gestern nacht wollte mir scheinen, da� du dich sehr vor der Sklaverei f�rchtest.�</p><p>Als ich sie losband, hatte ich an ihrem linken Bein zum erstenmal das winzige Brandmal entdeckt, das sie als goreanische Sklavin auswies; bei Tage war es durch ihre Tunika verdeckt gewesen.</p><p>�Du warst fr�her schon Sklavin�, sagte ich.</p><p>Sie sank weinend auf die Knie.</p><p>Es hie�, da� noch keinem Sklaven die Flucht aus Port Kar gelungen war � was wohl wie so manch andere Redensart auch nicht stimmte. Trotzdem war ihre Flucht sicherlich ungew�hnlich, und w�re sie nicht ein Rencem�dchen gewesen, h�tte sie das gef�hrliche Unternehmen nicht �berstehen k�nnen. Auch Ho-Hak war aus Port Kar entkommen; wahrscheinlich gab es noch andere.</p><p>�Du mu�t sehr mutig sein�, sagte ich. �Und deinen Herrn hast du sicher sehr geha�t.�</p><p>In ihren Augen flackerte ein Funke wilden Feuers auf.</p><p>�Wie wurdest du als Sklavin genannt? � H�bsche Sklavin?�</p><p>Sie senkte den Kopf. �Ja�, schluchzte sie, �ja, ja!�</p><p>Ich lie� sie allein und setzte meine Suche fort. Bald stie� ich auf die Reste ihrer H�tte. Viel war vernichtet worden, doch einiges hatte den �berfall �berstanden. Zu meiner Freude war eine der Wasserflaschen noch halb gef�llt. Ich nahm auch den Beutel mit Nahrung an mich, ebenso einige Wurfst�cke und andere Dinge, zu denen auch die Rencetunika geh�rte, die sie unmittelbar vor dem Angriff ausgezogen hatte.</p><p>Telima starrte das Kleidungsst�ck ungl�ubig an. �Bin ich denn nicht deine Sklavin?� fragte sie.</p><p>�Nein�, entgegnete ich. �Zieh dich an.�</p><p>Hastig streifte sie die Tunika �ber. Ich reichte ihr die Wasserflasche, und sie trank. Wir hockten uns hin und a�en langsam.</p><p>�Bleibst du bei mir?� fragte sie schlie�lich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Du gehst nach Port Kar?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber warum?� wollte sie wissen. �Du bist doch nicht aus dieser Stadt.�</p><p>�Ich habe dort etwas zu erledigen.�</p><p>�Darf ich deinen Namen wissen?�</p><p>�Ich hei�e Bosk�, sagte ich.</p><p>Tr�nen standen ihr in den Augen.</p><p>Ich sah keinen Grund, ihr zu sagen, da� ich Tarl Cabot hie�. Es war ein Name, der in gewissen goreanischen St�dten nicht unbekannt war. Je weniger Menschen wu�ten, da� Tarl Cabot nach Port Kar wollte, desto besser.</p><p>Ich w�rde mir aus Rence ein Boot bauen. Mit den vorhandenen Staken kam ich m�helos nach Port Kar. Das M�dchen war hier im Sumpf zu Hause und fand bestimmt schnell in einer anderen Rencegemeinschaft Zuflucht.</p><p>W�hrend ich noch a�, war Telima aufgestanden und wanderte auf der Insel herum. Ich sah, wie sie einen der Toten am Arm packte und zum Ufer zerrte.</p><p>�Was tust du?� fragte ich.</p><p>�Wir geh�ren in den Sumpf�, sagte sie starr. �Die Rencebauern kommen aus dem Sumpf und m�ssen dorthin zur�ck.�</p><p>Ich nickte, und sie lie� den K�rper ins Wasser gleiten.</p><p>Ich half ihr. Wir mu�ten oft zum Ufer der Insel gehen.</p><p>Schlie�lich fand ich unter den Resten einer H�ttenwand einen weiteren K�rper, die Leiche eines Kindes. Ich kniete daneben nieder und begann zu weinen.</p><p>Telima erschien neben mir. �Das ist der letzte � Eechius�, sagte sie.</p><p>Ich nahm das tote Kind in die Arme, trug es zum Ufer und warf es ins Wasser.</p><p>�Hast du den Jungen gekannt?� fragte Telima.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Er war einmal freundlich zu mir.�</p><p>Es war der Junge, der mir sein St�ck Rencekuchen gereicht hatte, als ich am Pfahl festgebunden war.</p><p>Ich hob den Kopf. �Bring mir meine Waffen�, sagte ich.</p><p>Sie blickte mich wortlos an.</p><p>�Es dauert doch sicher lange, bis die schwer beladenen Barken Port Kar erreichen?�</p><p>�Es sind aber �ber hundert Krieger an Bord�, sagte sie pl�tzlich lebhaft.</p><p>�Und wenn du mir meine Waffen bringst, vergi� den Langbogen und die Pfeile nicht.�</p><p>Sie stie� einen Freudenschrei aus und eilte davon.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Ich hatte Rence gesammelt, und Telima hatte mit Sumpfried das Boot geflochten. W�hrend sie arbeitete, untersuchte ich meine Waffen.</p><p>Das M�dchen hatte sie im Rence versteckt gehabt, wo sie den Gegnern verborgen geblieben waren. Ich besa� nun wieder mein Schwert, die geh�rtete doppelschneidige Klinge aus vorz�glichem goreanischem Stahl, die mich bereits bei der Belagerung Ars begleitet hatte, dazu die Schneide und das runde Bosklederschild; ich verf�gte auch �ber den einfachen Helm ohne Insignien mit dem Y-f�rmigen Sehschlitz und meine alte, fleckige Kriegertunika und nat�rlich �ber den gro�en, weichen Langbogen mit Pfeilen.</p><p>Ich z�hlte die Geschosse � insgesamt siebzig. F�nfzig waren Federpfeile, zwanzig Flugpfeile. Der goreanische Federpfeil ist etwas �ber einen Meter lang, w�hrend der Flugpfeil nur achtzig Zentimeter mi�t. Beide haben Metallspitzen und sind mit drei Halbfedern aus den Fl�geln der Voskm�ven versehen.</p><p>Ich hatte Telima gebeten, das Boot stabiler und breiter zu machen als gew�hnlich. Ich war kein Rencebauer, und wenn ich den Bogen abfeuerte, mu�te ich stehen und durfte das Gleichgewicht nicht verlieren.</p><p>Als das Fahrzeug schlie�lich fertig war, war ich zufrieden, und kaum eine Ahn nach unserer R�ckkehr zur Insel stakte uns Telima vom Ufer los, steuerte uns hinter den gro�en Barken der Sklavenh�ndler her.</p><p>Die Pfeile lagen vor mir, lose aufgereiht in dem gro�en Ledertuch. In meiner Hand ruhte der riesige Bogen, dessen Sehne ich noch nicht eingeh�ngt hatte. Die Linie der sechs Barken hatte die Fahrt verlangsamt, hatte schlie�lich gestoppt, die Ruder halb eingezogen, wartend. Es ist sogar f�r ein kleines Renceboot manchmal schwierig, sich durch das dichte Schilf und den Rencebewuchs einen Weg zu bahnen.</p><p>Vom Flaggschiff war ein kleines Holzboot ausgesetzt und nach vorn geschickt worden. Zwei Sklaven standen am Heck des flachen Fahrzeugs und stakten es voran. Zwei weitere Sklaven hockten im Bug und hantierten mit langen Stangen, an deren Enden Klingen blitzten; sie schnitten den Weg f�r die nachfolgenden Barken frei � eine Passage, die f�r die Schiffe und ihre breit ausladenden Ruder ausreichen mu�te.</p><p>Die sechste Barke begann etwas nach Lee abzutreiben, bewegte sich im Halbkreis herum. Ihr Rudermeister br�llte w�tend auf und wandte sich an den Steuermann, der sich nicht r�hrte. Er hatte in der Mittagshitze des Deltas seinen Helm abgesetzt.</p><p>Der Rudermeister verlor die Beherrschung, sprang die Stufen zum Ruderdeck empor und packte w�tend den Arm des Steuermanns und sch�ttelte ihn. Abrupt lie� er los, und der Steuermann st�rzte leblos zu Boden.</p><p>Der Rudermeister schrie angstvoll auf und rief Krieger hervor, die auf dem Ruderdeck zusammenliefen.</p><p>Der Pfeil meines Langbogens hatte den Kopf des Mannes glatt durchbohrt und war hundert Meter weiter unsichtbar im Sumpf niedergegangen.</p><p>Die M�nner konnten sich nicht erkl�ren, was geschehen war. Unsicher sahen sie sich um. Der Sumpf war still. Nur in der Ferne war das Pfeifen einer Marschgans zu h�ren.</p><p>Geschickt steuerte Telima das Boot durch das Schilf, brachte uns ungesehen in die N�he der schweren, langsamen Barken, die durch ihren Tiefgang durch die Sumpfvegetation besonders behindert wurden. Es gab Augenblicke, da waren wir nur wenige Meter von den Booten entfernt, st�ndig in Bewegung, doch vorz�glich gedeckt durch das dichte Schilf.</p><p>Wir passierten die f�nfte Barke, dann die vierte und dritte. Ich h�rte die Rufe der Verwirrung, die von Boot zu Boot weitergegeben wurden.</p><p>Bald hatten wir den Bug der ersten Barke, des Flaggschiffs, erreicht. Die Krieger aus Port Kar dr�ngten sich mittschiffs und am Heck und blickten nach hinten, um zu sehen, was los war. Auch einige Rudersklaven standen auf und schauten zur�ck. Auf dem schmalen Vorderdeck standen unter dem hohen, gebogenen Bug der Offizier und Henrak und starrten ebenfalls nach hinten. Auf dem hohen Bug, an dem das dunkelhaarige M�dchen festgebunden war, stand ein Ausguck, den ich mir nun zum Ziel nahm.</p><p>Ich stand auf dem kleinen Boot, die Beine gespreizt, den Kopf nach links gewandt. Ich zog den Pfeil durch, bis seine Federn an meiner Wange lagen; ich hielt den Atem an und zielte. Dann lie� ich die Sehne los.</p><p>Auf die kurze Entfernung durchstie� der Pfeil m�helos den K�rper. W�hrend der Mann keinen Laut von sich gab, schrie das M�dchen am Bug laut auf. Wasser spritzte.</p><p>Die vier Sklaven in dem kleinen Boot stie�en ebenfalls erschreckte Rufe aus. Auf der anderen Seite der Barke wurde das Wasser aufgew�hlt, doch der Mann blieb stumm; wahrscheinlich war er schon tot, als er vom Schiff fiel. Auf der Barke lief der Offizier mit dem goldverzierten Helm an die Reling, w�hrend das M�dchen am Bug hysterisch kreischte. Lautlos setzte Telima unser Boot wieder in Bewegung, stakte zur�ck zur letzten Barke.</p><p>�Schneidet!� h�rte ich den Offizier den Sklaven in dem kleinen Boot zurufen, die sofort hektisch die Arbeit wieder aufnahmen.</p><p>Den ganzen Nachmittag hindurch umkreisten Telima und ich wie lauernde Sleen ohne Eile die Reihe der Barken und gaben ganz nach Belieben weitere Pfeilsch�sse ab. Zuerst nahm ich mir die Steuerm�nner vor, und bald fand sich niemand mehr, der auf das Ruderdeck steigen wollte.</p><p>Nach einiger Zeit sprangen Krieger in das kleine Boot, um den Sklaven beim Freimachen des Wegs zu helfen, doch diese M�nner waren eine leichte Beute f�r meine Pfeile.</p><p>Und war die Bahn einigerma�en frei und wagte es ein Rudermeister, seinen Sitz einzunehmen, um die Rudersklaven anzutreiben, so endete er prompt mit einer Pfeilspitze im Herzen. Nun wagte sich auch niemand mehr auf den Platz des Rudermeisters.</p><p>Bei Einbruch der Dunkelheit entz�ndeten die ver�ngstigten M�nner aus Port Kar zu ihrem Ungl�ck Fackeln auf den Barken; denn im Schein der Flammen fanden die Pfeile des Langbogens m�helos ihr Ziel.</p><p>Daraufhin wurden die Flammen wieder gel�scht, und angstvoll warteten die M�nner aus Port Kar in der Dunkelheit auf den Morgen.</p><p>Wir hatten von verschiedenen Seiten und zu verschiedenen Zeiten zugeschlagen, und Telima hatte oft das Pfeifen der Marschgans erklingen lassen. Die M�nner von Port Kar wu�ten im Gegensatz zu mir genau, da� sich die Rencebauern durch diese Laute verst�ndigen, so da� die Wirkung recht befriedigend war, zumal Telimas Rufe st�ndig durch echte G�nse beantwortet wurden. Die M�nner an Bord der Barken mu�ten annehmen, von Rencebauern v�llig eingekreist zu sein.</p><p>Von Zeit zu Zeit erwiderten sie mein Feuer, doch ihre Pfeile fielen harmlos in den Sumpf. Nur selten kam ein Gescho� in gef�hrliche N�he, weil Telima st�ndig unsere Position ver�nderte.</p><p>In der Dunkelheit a�en Telima und ich Rencekuchen, den wir von der Insel mitgebracht hatten, und tranken Wasser.</p><p>�Wie viele Pfeile hast du noch?� fragte sie.</p><p>�Zehn.�</p><p>�Das gen�gt nicht.�</p><p>�Stimmt�, sagte ich, �aber wir genie�en jetzt den Schutz der Dunkelheit.�</p><p>Ich hatte mir einige Sumpfranken zurechtgeschnitten und daraus eine Schlinge gemacht.</p><p>�Was willst du tun?� fragte sie.</p><p>�Bring mich zur vierten Barke�, erwiderte ich.</p><p>Wir hatten ausgerechnet, da� an Bord der Barken etwa hundert Krieger sein mu�ten. Davon mochten abz�glich der Ausf�lle noch f�nfzig M�nner �brig sein � auf die sechs Barken verteilt.</p><p>Lautlos steuerte Telima die vierte Barke an.</p><p>Wie wir festgestellt hatten, waren die Krieger haupts�chlich auf die letzte und die erste Barke konzentriert.</p><p>W�hrend des Nachmittags waren die gro�en Schiffe enger zusammenger�ckt und Bug an Heck vert�ut worden, so da� die Besatzungen sich gegenseitig zu Hilfe kommen konnten. Sollte etwa in der Mitte der Schiffskette ein Enterversuch gemacht werden, konnten die Eindringenden von den Flanken her aufgerollt werden. Dieses Arrangement lie� die Barken zu einem langen, schmalen Holzfort werden.</p><p>Diese Verteidigungsma�nahmen lie�en es logisch erscheinen, da� die Angreifer � wahrscheinlich die m�nnliche Bev�lkerung einer oder vielleicht zweier Renceinseln � entweder die erste oder die letzte Barke angriff, um nicht zwischen zwei Fronten zu geraten.</p><p>Wir hatten nun die Bordwand der vierten Barke erreicht. Da ich keine gro�e Streitmacht zur Verf�gung hatte, schien es mir das beste, die M�nner aus Port Kar f�r mich k�mpfen zu lassen.</p><p>Dicht an der Au�enwand des Schiffes stehend, von dem kleinen Boot sanft gewiegt, stie� ich ein klickendes Ger�usch aus, das bedeutungslos war, aber dennoch eine erschreckende Wirkung hatte.</p><p>Ich h�rte einen scharfen Atemzug, ein Laut, der mir den Standort eines Mannes verriet.</p><p>Mit meiner Schlinge zerrte ich ihn �ber die Reling, senkte ihn in den Sumpf und hielt ihn fest, bis ein Tharlarion mir die Last abnahm.</p><p>Die Sklaven, an ihren B�nken festgekettet, begannen Angstrufe auszusto�en.</p><p>Ich h�rte M�nner von beiden Seiten auf den L�rm zulaufen.</p><p>In der Dunkelheit stie�en sie aufeinander, br�llend, die Waffen schwingend. Ich h�rte, wie M�nner, die zwischen zwei Barken danebentraten, kreischend in den Sumpf st�rzten. Es wurde viel gebr�llt.</p><p>Jemand rief nach einer Fackel.</p><p>Telima steuerte uns zur�ck, von der Barke fort, w�hrend ich den Langbogen zur Hand nahm und einen Pfeil auflegte.</p><p>Als die Fackel aufflammte, schickte ich den Pfeil in das Herz des Mannes, der sie hielt, und er und die Fackel wirbelten herum, wie von einer Riesenfaust getroffen. In dem Durcheinander wurde ein zweiter Mann �ber die Bordwand gesto�en. Man forderte weitere Fackeln, doch niemand entz�ndete das Feuer.</p><p>Und dann ert�nte das Klirren von Schwertern. �Sie sind an Bord!� kreischte jemand. �Wir werden geentert! K�mpft!�</p><p>Telima hatte uns drei�ig Meter in den Sumpf hinausgestakt, und ich wartete mit schu�bereitem Bogen. Doch niemand brachte eine neue Fackel.</p><p>Ich h�rte M�nner �ber den Gang zwischen den Ruderb�nken laufen. Ich h�rte Schmerzensschreie, die Rufe entsetzter Sklaven und Aufklatschen von K�rpern im Wasser.</p><p>Aus der anderen Richtung vernahm ich eine Stimme, die weitere M�nner nach vorn befahl, die Befehl gab, den Angreifern in die Flanke zu fallen. Ich lie� Telima das Boot wieder zu den Barken steuern und beteiligte mich von au�en an dem Kampf, indem ich die Klinge in einen der herumwirbelnden K�rper stie� und mich wieder zur�ckzog.</p><p>Der L�rm war unbeschreiblich. Stahl klirrte. Immer wieder stie�en wir zu den Flanken der dritten und vierten Barke vor, kehrten dann in den Sumpf zur�ck und warteten ab.</p><p>Als mir scheinen wollte, da� das Geschrei und das Waffenklirren laut genug war, sagte ich zu Telima: �Jetzt ist Zeit zum Schlafen.�</p><p>Sie schien �berrascht, gehorchte jedoch sofort, w�hrend ich die Sehne des gro�en Bogens aushakte.</p><p>Als sich unser Renceboot gen�gend weit von den Barken entfernt hatte und im Ried und Schilf verloren war, lie� ich Telima die Stange in den Morast treiben und unser Fahrzeug daran sichern.</p><p>�Wie kannst du jetzt schlafen?� fragte sie.</p><p>�Es ist Zeit zum Schlafen�, wiederholte ich. �Komm her.�</p><p>Z�gernd gehorchte sie. Ich fesselte ihr die H�nde mit einem St�ck Sumpfranke auf den R�cken und sicherte auch ihre Fu�gelenke. Dann legte ich sie ins Boot. Sie war ein intelligentes M�dchen und begriff die Notwendigkeit einer solchen Vorsichtsma�nahme, sie sagte kein Wort.</p><p>Mich erf�llte Bitterkeit. Ich, Tarl Cabot, der ich mich selbst ha�te, hatte das Vertrauen in andere Menschen verloren. Den Kampf dieses Nachmittags hatte ich f�r ein Kind gefochten, das mir einmal mit Freundlichkeit begegnet war, nun aber nicht mehr lebte. Ich selbst war ein Feigling, jemand, der der Farbe seiner Kriegertunika nicht mehr w�rdig war, der sich selbst anwiderte.</p><p>Ehe ich in den erl�senden Schlaf sank, galt mein letzter Gedanke der Tatsache, da� ich die Freiheit des ehrenvollen Todes ausgeschlagen hatte und da� ich allein war.</p><p>Vor K�lte erstarrt, erwachte ich in der ersten Morgend�mmerung. Der Wind raschelte im Schilf, und �ber mir quiekten vier Uls, die gem�chlich am Himmel entlangzogen.</p><p>Telima war bereits wach. Ich l�ste ihre Fesseln, und sie reckte sich wortlos. Anschlie�end teilten wir die restlichen Nahrungsmittel und das Wasser und a�en stumm.</p><p>Als sie sich mit dem Handr�cken die letzten Kr�mel aus dem Gesicht wischte, sagte sie: �Du hast nur noch neun Pfeile.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� es noch darauf ankommt�, sagte ich. �Bring uns zu den Barken.�</p><p>Sie blickte mich verst�ndnislos an, l�ste das Renceboot vom Anker und zog den Pfahl aus dem Morast. Dann stakte sie uns zu den Barken, die im Morgenlicht verlassen und grau wirkten. Langsam umkreisten wir die sechs schwerf�lligen Schiffe. Als wir etwa eine Ahn gewartet hatten, befahl ich Telima, die sechste Barke anzusteuern.</p><p>Ich spannte den gro�en Bogen und steckte mir die neun Pfeile in den G�rtel. An meiner H�fte hing das Kurzschwert. Mehrere Ehn lang verhielten wir unter dem hohen Heck der letzten Barke. Dann bedeutete ich Telima, ihren Ruderstab an der Schiffswand entlangzuf�hren. Es gab ein hohles Ger�usch.</p><p>Keine Reaktion.</p><p>Nun nahm ich den Helm aus dem B�ndel zu meinen F��en und hob ihn �ber die Reling der Barke. Nichts geschah. Kein Laut war zu h�ren.</p><p>Ich f�hrte unser kleines Boot vorsichtig an der Barke entlang, zum Bug, wo mich das Sklavenm�dchen, das dort festgebunden war, nicht sehen konnte. Vorsichtig legte ich den Bogen ab und nahm auch die Pfeile aus dem G�rtel. Ich lie� auch den Schild liegen, der mich nur beim Klettern behindert h�tte.</p><p>Ich setzte den Helm auf und hob langsam den Kopf, bis ich �ber die Reling blicken konnte. Durch den Bug vom Heck der f�nften Barke gesch�tzt, kletterte ich schlie�lich an Bord. Ich war Herr �ber das Schiff.</p><p>�Schweig!� sagte ich zu der Sklavin am Bug.</p><p>Sie h�tte fast aufgeschrien und versuchte zu sehen, wer da hinter ihr gesprochen hatte. Doch ihre Fesseln waren zu eng.</p><p>Sklaven, an ihre Sitze gekettet, ausgemergelt, starrten mich an. �Still�, sagte ich. Die Gefangenen von den Renceinseln lagen dichtgepackt zwischen den Ruderb�nken, mit den K�pfen zum Heck.</p><p>�Wer ist da?� fl�sterte einer.</p><p>�Still�, zischte ich.</p><p>Ich blickte �ber die Reling zu Telima hinunter und gab ihr ein Zeichen, mir meinen Schild zu reichen, dann den Langbogen und die letzten neun Pfeile. Dann winkte ich das M�dchen an Bord und lie� sie das Boot an der gro�en Barke festbinden.</p><p>�Das Beiboot der Barken ist fort�, sagte sie.</p><p>Ich schwieg. Nat�rlich hatte ich das gesehen, sonst w�re ich nicht so schnell an Bord gegangen. �Folge mir�, sagte ich.</p><p>An Bord der sechsten Barke fanden sich keine M�nner aus Port Kar, doch als ich vom Vorderdeck des sechsten Schiffs auf das Heck des n�chsten hin�berstieg, sah ich tote Krieger. In einigen steckten Pfeile meines Langbogens. Die meisten jedoch waren offenbar an Speer- und Schwertwunden gestorben, w�hrend viele andere zweifellos in der Verwirrung �ber Bord gedr�ngt worden waren.</p><p>Ich deutete auf die Toten. �Hol mir die Pfeile�, sagte ich.</p><p>So marschierten wir die Kette der Barken ab � ich voraus, mit Schild und Schwert, gefolgt von Telima, einem Rencem�dchen, das meinen Langbogen und die Pfeile trug und diesem B�ndel weitere blutige Pfeile hinzuf�gte.</p><p>Nirgends fanden wir einen lebendigen Mann aus Port Kar. Die sich noch hatten retten k�nnen, waren offenbar mit dem kleinen Boot geflohen. Wahrscheinlich waren sie noch w�hrend des Kampfes oder kurz danach in der Stille, die der Vorl�ufer eines neuen f�rchterlichen Angriffes sein konnte, �ber die Bordwand geklettert und in verzweifelter Hast in die Dunkelheit geflohen.</p><p>Wir standen nun auf dem Vorderdeck der ersten Barke.</p><p>�Sie sind alle tot�, sagte Telima mit erstickter Stimme.</p><p>�Geh aufs Ruderdeck�, befahl ich ihr. Sie gehorchte.</p><p>�ber mir war das schlanke, dunkelhaarige M�dchen an den Bug gebunden.</p><p>�Bitte�, flehte sie und versuchte den Kopf zu wenden. �Wer ist da?�</p><p>Ich antwortete nicht, sondern wanderte den Gang zwischen den Ruderb�nken entlang, bis ich das Ruderdeck erreichte.</p><p>�Danke, Krieger�, fl�sterte mir Telima zu.</p><p>Ich deutete auf ein St�ck Schnur, das auf Deck lag. Sie legte den Langbogen und die Pfeile ab und reichte mir die Schnur, mit der ich sie fesselte, ehe ich mich im Schneidersitz auf das Ruderdeck setzte und meine Pfeile z�hlte. Ich hatte nun wieder f�nfundzwanzig Geschosse, achtzehn Federpfeile und sieben Flugpfeile. Ich legte den Bogen neben mich und breitete die Pfeile vor mir auf den Planken aus.</p><p>Dann stand ich auf und wanderte nach hinten, bis ich die sechste Barke erreichte. Die Sklaven auf ihren Ruderb�nken r�hrten sich kaum.</p><p>�Gib mir Wasser�, fl�sterte ein gefesselter Rencebauer, aber ich ging achtlos an ihm vor�ber.</p><p>Die M�dchen an den Bugsprieten waren so angebunden, da� sie nur den Himmel �ber dem Sumpf sehen konnten; aber sie h�tten mich auch so nicht erkannt, ebensowenig wie die gefesselten Rencebauern, die �bereinandergeworfen zwischen den Ruderern lagen. Ich trug meinen Helm, der keine Insignien hatte.</p><p>Niemand sprach. Ich h�rte nicht einmal das Rasseln einer Kette. Als ich das Ruderdeck der sechsten Barke erreichte, blickte ich zur�ck und �berschaute die Schiffe. Sie geh�rten nun mir.</p><p>Irgendwo weinte ein Kind.</p><p>Ich kehrte zum Vorderdeck der sechsten Barke zur�ck, l�ste dort das kleine Renceboot, stieg hinein und stakte es langsam zur ersten Barke vor. Dort machte ich an der Steuerbordseite des Bugs fest, stieg wieder an Bord, begab mich auf das Ruderdeck und nahm Platz auf dem Sessel des Rudermeisters.</p><p>Telima kniete gefesselt auf der Treppe, die zu mir herauff�hrte.</p><p>�Ich hasse die Rencebauern�, sagte ich.</p><p>�Hast du sie deshalb vor den M�nnern aus Port Kar gerettet?� fragte sie.</p><p>Ich starrte sie w�tend an. �Ein Kind war freundlich zu mir.�</p><p>�Du hast dies alles wegen des Kindes getan?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und doch bist du nun grausam gegen�ber einem Kind, das gefesselt und hungrig ist.�</p><p>Es stimmte. Ich h�rte ein Kind weinen � auf der zweiten Barke, wie ich nun erkannte.</p><p>W�tend stand ich auf. �Ich bin hier der Herr. Wenn ich will, bringe ich euch alle nach Port Kar und verkaufe euch!�</p><p>�Das Kind�, sagte sie, �hat Schmerzen. Es ist bestimmt hungrig und durstig.�</p><p>Ich machte kehrt und sprang zur zweiten Barke hin�ber. Dort fand ich das Kind, einen etwa f�nfj�hrigen Jungen, blond und blau�ugig, wie viele Rencebauern. Ich band ihn los und nahm ihn auf die Arme. Dann befreite ich auch seine Mutter und sagte ihr, sie solle dem Kind zu essen und zu trinken geben.</p><p>Nachdem das erledigt war, f�hrte ich beide auf das Ruderdeck der ersten Barke, um sie im Auge zu behalten, und nahm wieder den Platz des Rudermeisters ein.</p><p>�Danke�, sagte Telima, aber ich antwortete nicht.</p><p>In meinem Herzen war Ha� auf die Rencebauern, denn sie hatten mich zum Sklaven gemacht. Sie hatten mich gelehrt, mich selbst in einem Licht zu sehen, das mir neu war, sie hatten mir eine Illusion geraubt, die mir lieb und wert gewesen war. Sie hatten mir den Halt geraubt.</p><p>Ich zog meine goreanische Klinge und legte sie �ber die Knie.</p><p>�Ich bin hier der Ubar�, sagte ich.</p><p>�Ja�, sagte Telima, �hier bist du Ubar.�</p><p>Ich starrte auf den Sklaven, der auf der Steuerbordseite die erste Bank anf�hrte, und er erwiderte meinen Blick.</p><p>Seine F��e waren an einen Balken gekettet, der l�ngs im Schiff verlief und an Deck festgemacht war; an Backbord fand sich ein �hnlicher Balken. Er war barfu� und trug Lumpen. Sein Haar war verfilzt, und um seinen Hals zog sich ein Eisenkragen.</p><p>�Herr?� fragte er.</p><p>Ich starrte ihn eine Zeitlang an. Dann fragte ich: �Wie lange bist du schon Sklave?�</p><p>Verwirrt antwortete er: �Sechs Jahre.�</p><p>�Was warst du fr�her?�</p><p>�Aalfischer.�</p><p>�Welche Stadt?�</p><p>�Von der Insel Cos.�</p><p>Ich musterte einen anderen Mann. �Aus welcher Kaste stammst du?�</p><p>�Aus der Kaste der Bauern�, sagte er stolz. Er war ein gro�er, breitschultriger Mann mit gelbem, zottigem Haar; er trug ebenfalls einen Sklavenkragen.</p><p>�Hattest du einen Heimstein?� fragte ich.</p><p>�Sogar einen eigenen, in meiner H�tte�, sagte er.</p><p>�Bei welcher Stadt hast du gelebt?�</p><p>�Bei Ar�, sagte er.</p><p>�Ich war einmal in Ar�, sagte ich und blickte �ber den Sumpf. Dann wandte ich mich wieder an den Fischer. �Wo werden die Schl�ssel f�r die Ketten aufbewahrt?�</p><p>�Er h�ngt in der Armlehne deines Sessels.�</p><p>Ich untersuchte die breite Armst�tze und fand rechts eine kleine Schiebet�r, hinter der sich Lappen, Schnur und ein schwerer Metallschl�ssel befanden.</p><p>Ich nahm den Schl�ssel und l�ste die Ketten des Aalfischers und des Bauern.</p><p>�Ihr seid freie M�nner!� sagte ich.</p><p>Eine lange Zeit sa�en sie reglos auf ihrer Bank.</p><p>�Ihr seid freie M�nner!� wiederholte ich.</p><p>Mit lautem Lachen sprang der Bauer pl�tzlich auf und schlug sich gegen die Brust. �Ich bin Thurnock!� rief er. �Ein Bauer!�</p><p>�Du verstehst mit dem Langbogen umzugehen?� fragte ich.</p><p>�Thurnock wei� gut zu schie�en.�</p><p>Der andere Mann erhob sich nun ebenfalls. �Mein Name ist Clitus�, sagte er. �Ich bin Fischer. Ich kann ein Schiff nach den Sternen lenken und kenne mich mit Netz und Dreizack aus.�</p><p>�Ihr seid frei�, sagte ich noch einmal.</p><p>�Ich bin dein Mann!� rief der Bauer.</p><p>�Ich auch�, sagte der Fischer, �ich will dir folgen.�</p><p>�Sucht mir bei den gefesselten Rencebauern einen Mann, der Ho-Hak genannt wird, und bringt ihn her.�</p><p>�Ja�, sagten sie.</p><p>Ich wollte Hof halten.</p><p>Telima, die auf der Treppe unter mir kniete, blickte auf. �Welches Vergn�gen will sich mein Ubar mit seinen Gefangenen machen?� fragte sie.</p><p>�Ich verkaufe euch alle in Port Kar�, sagte ich.</p><p>Sie l�chelte. �Nat�rlich kannst du tun, was dir beliebt.�</p><p>Ich starrte sie w�tend an, nahm das Schwert und hob ihr Kinn mit der Klinge an.</p><p>Dann lie� ich die Waffe fallen, packte die Schultern des M�dchens und hob sie hoch. �Ich k�nnte dich umbringen�, sagte ich. �Ich hasse dich! Du hast mich vernichtet!� Und ich stie� sie so heftig von mir, da� sie die Treppe hinabstolperte.</p><p>Tr�nen standen ihr in den Augen, als sie mich ansah. �Du bist nicht vernichtet, Ubar�, sagte sie, w�hrend ich w�tend wieder Platz nahm. �Wenn hier jemand vernichtet wurde, dann ich.�</p><p>�Rede keinen Unsinn�, erwiderte ich aufgebracht.</p><p>Ich sch�mte mich, da� ich so grob gewesen war, aber das durfte ich nicht zeigen. Im Grunde meines Herzens wu�te ich, da� es ein Verrat an mir selbst gewesen war � ich allein war schuldig, nicht sie. Ich hatte meinen Heimstein entehrt und die Klinge, die ich trug.</p><p>In diesem Augenblick kehrten Thurnock und Clitus zur�ck. Zwischen sich f�hrten sie Ho-Hak, der an H�nden und F��en gefesselt war und noch immer seinen rostigen Sklavenkragen mit dem Kettenende trug.</p><p>Ich setzte meinen Helm ab.</p><p>�Ich wu�te, da� du es warst�, sagte er. �Es waren �ber hundert.�</p><p>�Du hast gut gek�mpft, Ho-Hak�, sagte ich. �Nur mit einem Ruderblatt.�</p><p>�Nicht gut genug�, sagte er und sah mich an. �Warst du allein?�</p><p>�Nein�, sagte ich und deutete mit einer Kopfbewegung auf Telima.</p><p>�Gut gemacht, Frau�, sagte Ho-Hak.</p><p>Sie hob den Kopf und l�chelte ihn an.</p><p>�Warum kniet die Frau, die dir geholfen hat, gefesselt zu deinen F��en?�</p><p>�Ich traue ihr nicht�, sagte ich, �ebensowenig wie euch.�</p><p>�Was hast du mit uns vor?� fragte Ho-Hak.</p><p>�Hast du keine Angst, da� ich dich gefesselt den Tharlarion vorwerfe?�</p><p>�Nein�, sagte Ho-Hak.</p><p>�Du bist ein mutiger Mann.�</p><p>�Es liegt nicht an meinem Mut�, erwiderte Ho-Hak. �Ich wei� nur, da� du mich nicht ins Wasser sto�en wirst.�</p><p>�Woher willst du das wissen?�</p><p>�Niemand, der nur mit einem M�dchen als Helferin gegen hundert M�nner k�mpft, kann so handeln.�</p><p>�Ich verkaufe euch alle in Port Kar!� rief ich.</p><p>�Vielleicht�, sagte Ho-Hak, �aber ich glaube es nicht.�</p><p>�Aber ich habe dich und all die anderen nur zu Sklaven gewonnen, damit ich mich an euch r�chen kann, weil ihr mich zum Sklaven gemacht habt. Reiche Beute f�r Port Kar!�</p><p>�Das glaube ich dir nicht�, sagte Ho-Hak.</p><p>�Er hat es allein f�r Eechius getan�, sagte Telima.</p><p>�Eechius ist auf der Insel umgekommen�, sagte Ho-Hak.</p><p>�Eechius hat ihm ein St�ck Rencekuchen gegeben, als er am Pfahl stand. Er hat nur f�r ihn gek�mpft.�</p><p>Ho-Hak starrte mich an, Tr�nen in den Augen. �Ich bin dir dankbar, Krieger�, sagte er.</p><p>Ich verstand seine Reaktion nicht. �Schafft ihn fort!� befahl ich.</p><p>Thurnock und Clitus schleiften Ho-Hak auf das zweite Schiff, zu den anderen Sklaven.</p><p>Ich war w�tend. Ho-Hak hatte nicht um Gnade gefleht. Er hatte sich nicht erniedrigt wie ich. Er war ein Dutzendmal mehr Mann als ich. Ich ha�te die Rencebauern! Ich war der Liebe der beiden Frauen meines Lebens nicht mehr w�rdig � Talena, die sich einmal bereitgefunden hatte, meine Freie Gef�hrtin zu sein, und Vella, Elizabeth Cardwell von der Erde, die ihre Liebe einem Mann geschenkt hatte, der Verachtung und Spott verdiente. Und ich war der Wertsch�tzung meines Vaters Matthew Cabot nicht mehr w�rdig, der Administrator von Ko-ro-ba war, und auch nicht der Freundschaft meines Waffenmeisters, des �lteren Tarl, oder meines kleinen Freundes Torm, des Schriftgelehrten. Ich konnte meinen Freunden nicht mehr unter die Augen treten, Kron aus Tharna, Andreas aus Tor, Kamchak von den Tuchuks, Relius und Ho-Sorl aus Ar � keinem mehr. Sie alle mu�ten mich nun verachten.</p><p>Ich hob den Kopf. �Ich reise nach Port Kar!� sagte ich.</p><p>Thurnock kreuzte die m�chtigen Arme auf der Brust und nickte, auch Clitus gab sein Einverst�ndnis. �Ich folge dir.�</p><p>�Baut ein Flo߫, sagte ich. �Es mu� gro� genug sein f�r Nahrungsmittel und Wasser und mehr als zwei M�nner. Und dann seht zu, was wir hier vielleicht mitnehmen wollen.�</p><p>Die M�nner machten sich an die Arbeit. Ich blieb allein auf dem Platz des Rudermeisters zur�ck und barg das Gesicht in den H�nden.</p><p>Hier war ich Ubar, doch meine Herrschaft fiel mir schwer. Ich h�tte sie gern wieder gegen den Mythos Tarl Cabot eingetauscht und den Traum, der zerronnen war.</p><p>Als ich den Kopf hob, war ich ein harter, verbitterter Mann. Ich war Ubar in diesem Reich aus sechs Schiffen. Wie nie zuvor erkannte ich die wahre Natur des Menschen. In meinem Elend hatte ich es herausgefunden. Und ich sah mich pl�tzlich als Narr, da� ich bestimmten Regeln gefolgt war, da� ich mir Ideale gesetzt hatte.</p><p>Was konnte �ber der Macht der Schwertklinge stehen? Waren Ehre, Loyalit�t und Tapferkeit nicht nur die Selbstt�uschung von Ignoranten, ein Traum f�r Narren? War nicht allein derjenige klug, der aufpa�te und dann nahm, was er bekommen konnte? Gold und Macht und Frauen?</p><p>Ich war ein kr�ftiger Mann � ein Mann, der sich in einer Stadt wie Port Kar durchaus behaupten konnte.</p><p>�Das Flo� ist fertig�, meldete Thurnock und wischte sich den Schwei� von der Stirn.</p><p>�Wir haben Nahrungsmittel und Wasser gefunden�, sagte Clitus, �und auch Waffen und Gold.�</p><p>�Gut�, sagte ich.</p><p>�Was ist mit Sklavinnen?� erkundigte sich Thurnock.</p><p>Ich blickte zum Bug der ersten Barke, an der das schlanke dunkelhaarige M�dchen hing. Ich wandte den Kopf und musterte den zweiten Bug und den dritten, an dem ebenfalls M�dchen hingen, die mich im Augenblick tiefster Erniedrigung verspottet hatten. Ich lachte. Sie hatten sich Ketten und Halsband der Sklavin wahrlich verdient.</p><p>�Bringt die M�dchen vom zweiten und dritten Bug�, befahl ich.</p><p>Thurnock grinste. �Die sind wirklich sch�n!� sagte er bewundernd und machte sich mit seinem Begleiter auf den Weg.</p><p>Ich drehte mich um, schritt langsam durch das Schiff und erstieg das Vordeck.</p><p>Das M�dchen, das dort am Bug hing, konnte mich nicht sehen; mein Kopf war etwa einen Fu� unter ihren Zehen.</p><p>�Wer ist da?� fragte sie.</p><p>�Sei still, Sklavin�, sagte ich.</p><p>Dann durchschnitt ich ihre Fu�fessel, stieg auf die Reling des Vordecks, st�tzte mich am Bugspriet ab und l�ste auch ihre Halsfessel und schlie�lich das Seil um ihre H�fte. Dann drehte ich sie, ihre Arme waren um den Bug gefesselt, langsam herum, bis sie schlie�lich auch auf der Reling stand.</p><p>Sie schrie auf, als sie mich erblickte.</p><p>�Ja, ich bin es!� sagte ich und lachte. Grob hob ich ihr Kinn hoch, wie sie es mit mir am Tanzkreis gemacht hatte. �Du bist ein h�bsches Ding, nicht wahr?� fragte ich.</p><p>Ihre Augen musterten mich entsetzt.</p><p>Mit heftiger Bewegung l�ste ich ihre Handfessel und zerrte sie von der Reling, so da� sie vor mir auf das Deck fiel. Dann stie� ich sie mit dem Fu� zur Seite und spuckte ihr ins Gesicht. Zum Zeichen ihrer Unterwerfung lie� ich sie die Arme �berkreuz heben und fesselte sie ihr zusammen.</p><p>Dann kehrte ich zum Heck zur�ck, gefolgt von meiner Sklavin. Auf dem Ruderdeck warteten bereits das blonde grau�ugige und das kleine dunkelhaarige M�dchen.</p><p>�Gefallen Sie euch?� wandte ich mich an Thurnock und Clitus.</p><p>�Sch�nheiten sind das!� sagte Thurnock. �Sch�nheiten!�</p><p>�Bitte!� sagte das blonde M�dchen.</p><p>�Sie geh�ren euch!� sagte ich.</p><p>�Ja!� rief Clitus und wandte sich dem kleineren M�dchen zu.</p><p>�Ist das Flo� fertig?� fragte ich.</p><p>�O ja!� dr�hnte Thurnock.</p><p>�Wir haben es zusammen mit dem Renceboot vorn am Steuerbordbug festgemacht.�</p><p>�Wie hei�t du?� wandte ich mich an das schlanke M�dchen, das meine Sklavin geworden war.</p><p>�Midice�, sagte sie, �wenn es meinem Herrn gef�llt.�</p><p>�Der Name mi�f�llt mir nicht�, sagte ich. �Ich werde dich so nennen.�</p><p>�Wie hei�t du?� bellte Thurnock die gro�e Sklavin an, die erschreckt zusammenfuhr.</p><p>�Thura�, antwortete sie.</p><p>�Ha!� rief er und schlug sich auf den Schenkel. �Thura! Ich hei�e Thurnock! Wenn wir nicht zusammenpassen!�</p><p>Dem M�dchen schien dieser Zufall nicht sehr zu gefallen.</p><p>�Ich geh�re zur Kaste der Bauern�, sagte er stolz.</p><p>Das M�dchen schwieg; die Rencebauern hielten wenig von dieser Kaste, die zur niedrigsten auf Gor z�hlte.</p><p>Clitus hatte seinem M�dchen inzwischen die Sklavenfessel angelegt und erkundigte sich ebenfalls nach ihrem Namen.</p><p>�Ula�, sagte sie, �wenn es meinem Herrn gef�llt.�</p><p>�Ist mir egal, wie du hei�t�, sagte er, und das M�dchen senkte den Kopf.</p><p>Ich musterte die Frau und das Kind, die ich schon befreit hatte. Da sagte Telima, die noch immer gefesselt am Fu� der Rudertreppe kniete: �Wolltest du uns nicht alle nach Port Kar schaffen, um uns als Sklaven zu verkaufen?�</p><p>�Sei still�, sagte ich barsch und wandte mich wieder an die Frau und das Kind. �Wenn wir fort sind, befreit ihr eure Leute. Sagt Ho-Hak, da� ich drei Frauen mitgenommen habe. Das ist nicht zuviel f�r das, was mir angetan wurde.�</p><p>�Ein Ubar�, sagte Telima, �braucht niemandem Rechenschaft abzulegen.�</p><p>Ich packte ihre Oberarme und hielt sie in die H�he.</p><p>Sie blieb v�llig unger�hrt.</p><p>�Diesmal wirfst du mich wohl die Treppe hinauf?� fragte sie trotzig.</p><p>�Der Mund dieses Rencem�dchen ist wahrhaftig so gro� wie das ganze Delta�, sagte Clitus.</p><p>�Stimmt�, bemerkte Telima.</p><p>Ich setzte sie wieder ab.</p><p>Dann sagte ich zu der Frau mit dem Kind: �Ich werde auch die Sklaven auf den B�nken befreien.�</p><p>�Die Sklaven sind gef�hrlich�, sagte sie und sah sich angstvoll um.</p><p>�Alle M�nner sind gef�hrlich�, erwiderte ich.</p><p>Ich nahm den Schl�ssel zu den Sklavenketten und warf ihn einem der M�nner zu. �Wenn wir fort sind, befreist du dich und die anderen � auf allen Barken.�</p><p>Ungl�ubig blickte er auf den Schl�ssel in seiner Hand. �Ja�, fl�sterte er.</p><p>Die anderen Sklaven starrten mich wortlos an.</p><p>�Die Rencebauern werden euch sicher helfen, im Sumpf zu leben�, fuhr ich fort, �wenn ihr das w�nscht. Wenn nicht, f�hren sie euch an den Rand des Deltas � fort von Port Kar.�</p><p>Die Sklaven schwiegen, und ich wandte mich zum Gehen. Da erklang eine Stimme.</p><p>�Mein Ubar�, sagte Telima.</p><p>Ich drehte mich um.</p><p>�Du reist doch nach Port Kar, nicht wahr?� fragte Telima.</p><p>�Ja.�</p><p>�Das ist interessant. Ich will auch dorthin.�</p><p>�Nein, kommt nicht in Frage.�</p><p>�Nimm mich mit�, sagte sie. �Als viertes Sklavenm�dchen.�</p><p>�Nein!�</p><p>Sie musterte mich irritiert. Dann trat sie vor mich hin, kniete nieder und hielt mir ihre �berkreuz gefesselten Handgelenke entgegen.</p><p>�Ich unterwerfe mich�, sagte sie.</p><p>�Du bist eine N�rrin!�</p><p>Sie hob l�chelnd den Kopf. �Du kannst mich ja einfach zur�cklassen.�</p><p>�So geht das aber nicht�, sagte ich.</p><p>�Ach�, sagte sie, �ich dachte, du h�ttest die alten Regeln aufgegeben.�</p><p>�Vielleicht sollte ich dich t�ten!�</p><p>�Ein Mann aus Port Kar w�rde das vielleicht tun�, sagte sie.</p><p>�Oder vielleicht sollte ich dich mitnehmen und dir die Bedeutung des Sklavenkragens zeigen.�</p><p>�Ja�, l�chelte sie, �oder das.�</p><p>Ich war angenehm ber�hrt. Ich hatte sie nicht gezwungen, da� sie meine Sklavin wurde, doch aus unerfindlichem Grunde hatte sie sich mir freiwillig unterworfen. Meine Ha�gef�hle begannen wieder zu erwachen, meine Erinnerung an das, was sie mir angetan hatte, die Erniedrigungen, die ich ihr zu verdanken hatte.</p><p>�Ich h�tte eigentlich erwartet, da� du nie wieder nach Port Kar wolltest�, sagte ich.</p><p>�Ich w�rde dir �berallhin folgen�, sagte sie, �� sogar nach Port Kar.�</p><p>Das verstand ich nicht recht.</p><p>�F�rchtest du mich nicht?� fragte ich.</p><p>Sie sah mich an, ohne Angst, und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich bin ein Mann, wie er nach Port Kar geh�rt�, sagte ich.</p><p>�Trifft das auf mich nicht ebenso zu?� fragte sie.</p><p>Ich erinnerte mich an die Grausamkeit, mit der sie mich behandelt hatte. �Ja�, sagte ich, �so k�nnte man sagen.�</p><p>�Dann, Herr, wollen wir unsere Stadt aufsuchen.�</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Ich sah zu, wie sich das Tanzm�dchen aus Port Kar in dem kleinen Sandquadrat zwischen den Tischen wand, dem Rhythmus der Peitschenschl�ge ihres Herrn folgend. Ich sa� in einer Pagataverne in Port Kar, nahe den Piers beim gewaltigen Arsenal.</p><p>�Dein Paga�, sagte ein nacktes Sklavenm�dchen, das mich mit zusammengeketteten Handgelenken bediente. Sie kniete neben dem niedrigen Tisch, an dem ich sa�.</p><p>Ich nahm den Krug und f�hrte ihn an die Lippen. Ich mochte meinen Paga warm am liebsten; die Wirkung trat dann um so schneller ein.</p><p>Unter Schiffslaternen, die an der Decke der Taverne hingen, wurde der Peitschentanz getanzt. Ich h�rte das Klatschen der Peitschenschn�re und die Schreie des M�dchens. Es war ein aufregender Tanz.</p><p>Ich trank mehr Paga.</p><p>Vor vier Tagen hatten wir die Kan�le der Stadt erreicht, nachdem wir zwei Tage durch die S�mpfe gefahren waren.</p><p>Wir waren in einen der Kan�le eingebogen, die Port Kar zu den S�mpfen hin abgrenzen. Dabei hatten wir festgestellt, da� der Wasserlauf durch schwere Gatter aus starken Eisenst�ben gesch�tzt war, die bis tief ins Wasser reichten.</p><p>Telima hatte entsetzt auf diese Tore geschaut. �Als ich aus Port Kar floh, gab es so etwas nicht.�</p><p>�H�ttest du fliehen k�nnen, wenn es die Tore gegeben h�tte?� fragte ich.</p><p>�Nein�, fl�sterte sie.</p><p>Die Tore hatten sich hinter uns geschlossen.</p><p>Auf unserer Fahrt durch die Kan�le hatten sich hier und da M�nner aus den Fenstern gebeugt und Geldbetr�ge f�r die M�dchen geboten. Unsere vier Sklavinnen � Midice, Thura, Ula und Telima � waren ja auch wirklich sch�n anzuschauen. Tags darauf wollten wir sie mit Brandzeichen versehen und Eisenkragen f�r sie erstehen.</p><p>W�hrend ich noch das Tanzm�dchen beobachtete, gab es pl�tzlich einen Aufruhr, als ein riesiger, wild aussehender Bursche mit eng beieinanderstehenden Augen und nur einem Ohr in die Taverne st�rmte, gefolgt von zwanzig bis drei�ig Seeleuten.</p><p>�Paga! Paga!� br�llten die M�nner, warfen Tische um und vertrieben die anderen G�ste.</p><p>M�dchen rannten herbei, um sie zu bedienen.</p><p>�Das ist Surbus�, sagte ein Mann neben mir zu seinem Begleiter.</p><p>Der h��liche Mann, der der Anf�hrer der Gruppe zu sein schien, packte eins der Pagam�dchen, verdrehte ihr den Arm und zerrte sie auf einen der Alkoven zu; es war das M�dchen, das mich bedient hatte. Einem anderen M�dchen entri� er einen Krug Paga, leerte ihn und verschwand mit seinem Opfer. Das Tanzm�dchen in der Sandarena hatte ihren Tanz unterbrochen und kauerte am Boden. Andere Seeleute machten es ihrem Anf�hrer nach.</p><p>Ich hatte den Namen Surbus schon geh�rt. Er war bekannt unter den Piratenkapit�nen Port Kars, der Gei�el des schimmernden Thassa. Er war Pirat, Sklaventreiber, M�rder und Dieb � wahrlich ein grausamer und unw�rdiger Mann. Ich empfand Ekel.</p><p>Und dann erinnerte ich mich an meine eigene Unw�rdigkeit, an meine Grausamkeit und Feigheit.</p><p>Ich hatte nur zu oft erfahren m�ssen, da� unter harmlosem �u�eren oft die Herzen von Sleen und Tharlarion schlagen und da� Moral und Biederkeit vielfach nur die Klauen und Rei�z�hne verh�llen. Zum erstenmal begann ich Gier und Egoismus zu verstehen. In dieser Stadt gab es mehr Ehrlichkeit als in allen anderen St�dten Gors. Hier verachten es die Menschen, die Grausamkeit ihrer Taten mit der Falschheit des Mundes zu tarnen. Hier galten allein die Realit�ten des menschlichen Lebens � da� letztlich nur Gold und Macht und der K�rper einer Frau z�hlten und der Stahl des Schwertes das Mittel war, sich diese Realit�ten zu verschaffen.</p><p>Ich trank aus meiner Pagaschale.</p><p>Ein Schrei ert�nte, und das M�dchen, das Surbus in den Alkoven gezerrt hatte, st�rzte blutend hervor.</p><p>�Sch�tzt mich!� rief sie verzweifelt in die Runde. Sie taumelte in meine Richtung und hielt mir die gefesselten Handgelenke hin. �Sch�tze mich!� flehte sie.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Im n�chsten Augenblick hatte sich Surbus auf sie gest�rzt, zerrte sie an den Haaren zur�ck. Stirnrunzelnd starrte er mich an.</p><p>Mehrere M�nner lachten. Ich blickte in meinen Paga. Die Sache ging mich nichts an.</p><p>�Du hast recht gehandelt�, sagte ein Mann am Nebentisch zu mir. �Das war Surbus.�</p><p>�Einer der besten Schwertk�mpfer in Port Kar�, bemerkte ein anderer.</p><p>�Oh�, sagte ich.</p><p>Port Kar, das schmutzige, ehrgeizige Port Kar, die Gei�el des schimmernden Thassa, der Tarn des Meeres, ist eine ausgedehnte Ansammlung von Geb�uden, fast jedes f�r sich eine Festung, aufeinandergeschichtet, verschachtelt � und durchzogen von Hunderten von Kan�len. Tats�chlich ist die Stadt befestigt, obwohl sie keine Stadtmauern im normalen Sinn besitzt. Die Geb�ude, die die Stadtgrenze bilden, am Delta oder am flachen Tambergolf, haben auf der Au�enseite keine Fenster, ihre Mauern sind dort meterdick, und Bastionen erheben sich auf ihren D�chern. Die Kan�le, die sich in das Tamberdelta ergie�en, waren in den letzten Jahren mit schweren Eisentoren versehen worden. In Port Kar gibt es �brigens keine Turmbauten, wie sie oft in den St�dten des Nordens anzutreffen sind. Sie ist die einzige mir bekannte Stadt, die nicht von freien Menschen, sondern von Sklaven erbaut wurde.</p><p>Politisch ist Port Kar ein Chaos; es wird von mehreren Ubars beherrscht, die miteinander in Zwietracht und mit ihren jeweiligen Gefolgschaften bestrebt sind, bis zur Grenze ihrer Macht zu herrschen und Steuern zu erpressen. Nominell steht unter diesen F�hrern eine Oligarchie von Kaufleuten � Kapit�ne, wie sie sich selbst nennen �, die mit ihrem Rat das gro�e Arsenal unterhalten, Schiffe und Ausr�stungen bauen und verchartern und die Flotten f�r Korn, �l und Sklaven kontrollieren.</p><p>Samos, erster Sklavenh�ndler Port Kars, angeblich ein Agent der Priesterk�nige, war Mitglied dieses Rates. Ich hatte mich mit ihm in Verbindung setzen sollen, was jetzt nat�rlich nicht mehr in Frage kam.</p><p>Man k�nnte sich vorstellen, da� Port Kar bei solchen anarchistischen Zust�nden leicht dem Machtstreben anderer St�dte zum Opfer fallen m��te � aber das trifft nicht zu. Bei Drohungen von au�erhalb haben es die Bewohner Port Kars stets verstanden, sich mit der Verzweiflung und B�sartigkeit einer in die Enge getriebenen Urt zu verteidigen. Au�erdem ist es nat�rlich fast unm�glich, gr��ere Einheiten von Bewaffneten durch das Voskdelta heranzuschaffen, und schon gar nicht durch den Sumpf � schon aus Versorgungsgr�nden.</p><p>Das Delta ist die st�rkste Waffe der Stadt gegen ihre Feinde.</p><p>Das n�chste Festland liegt im Norden, etwa hundert Pasang entfernt. Zwar lie�e sich dieser Rand des Sumpfes als Aufmarschgebiet denken, aber die milit�rischen Aussichten eines solchen Projekts w�ren trotzdem mehr als zweifelhaft. Das Land liegt frei und offen da, auf mehrere hundert Pasang ringsum gibt es keine andere Stadt � au�er Port Kar.</p><p>Es war noch sehr laut in der Taverne, aber der Aufruhr hatte sich einigerma�en gelegt. Die Musiker spielten wieder, und das M�dchen setzte ihren Tanz fort. Gel�chter klang an den Tischen auf.</p><p>War es etwa m�glich, da� Port Kar vom Meer aus angegriffen wurde?</p><p>Ich wurde betrunken, meine Gedanken wirbelten durcheinander. Die Musik begann mir ins Blut zu gehen. �Mehr Paga!� br�llte ich.</p><p>Aber nur Cos und Tyros hatten Flotten, die denen Port Kars gleichzusetzen waren.</p><p>Da gab es nat�rlich noch die Inseln des Nordens, die recht zahlreich waren, allerdings auch sehr klein, ein Archipel, der sich sichelf�rmig von Cos nach Nordosten erstreckte, etwa vierhundert Pasang westlich von Port Kar. Zudem standen diese Inseln nicht unter einheitlicher F�hrung; sie wurden gew�hnlich nur von einer Art Dorfrat regiert.</p><p>Das M�dchen im Sand f�hrte nun den G�rteltanz vor.</p><p>Nur Cos und Tyros hatten Flotten, die sich den Schiffen Port Kars entgegenstellen konnten. Und f�r diese beiden Inselreiche war es fast schon Tradition, sich nicht auf einen Seekampf mit Port Kar einzulassen. Zweifellos war f�r alle Beteiligten � einschlie�lich Port Kar � das Risiko zu gro�; man war mit der stabilen und oft gewinntr�chtigen Situation eines st�ndigen Kleinkriegs zufrieden, bei dem zwischendurch auch Handel getrieben und geschmuggelt wurde. Gegenseitige �berf�lle mit einigen Dutzend Schiffen kamen relativ h�ufig vor, doch gro�e Geschwadergefechte mit Hunderten von Galeeren hatte es seit �ber einem Jahrhundert nicht mehr gegeben � weder von Port Kar ausgehend, noch von den beiden Insel-Ubaraten.</p><p>Nein, sagte ich mir, Port Kar hat vom Meer aus nichts zu bef�rchten.</p><p>Und dann lachte ich, denn ich �berlegte, wie Port Kar besiegt werden konnte, dabei war es meine eigene Stadt, meine Heimat.</p><p>�Mehr Paga!� rief ich noch einmal.</p><p>Tarnk�mpfer mochten ihr mit Pfeilen oder Feuer zu schaffen machen, aber ich glaubte nicht, da� sie ihr ernsthaft schaden konnten, dazu hatten die anderen St�dte � einschlie�lich des gro�en Ar � zu wenige Tarnreiter. Und auch dann noch w�re Port Kar schwer zu besiegen, bestand sie doch aus einer Vielzahl von Festungen, die sich einzeln verteidigen lie�en, Zimmer um Zimmer; jedes Geb�ude war vom anderen durch Kan�le getrennt, die die Stadt zu Hunderten durchzogen.</p><p>Auf Gor, sagte ich mir, und vielleicht auf allen Welten, gibt es immer ein Port Kar.</p><p>Ich fand das M�dchen im Sand verf�hrerisch und sch�n. Die M�dchen in Port Kar, so sagte ich mir, sind die besten auf Gor.</p><p>Tarnk�mpfer, �berlegte ich, Tarnk�mpfer. Freudig dachte ich an meinen Tarn, das schwarze Ungeheuer, den Ubar des Himmels.</p><p>Und ich dachte voller Bitterkeit an das M�dchen Elizabeth Cardwell, Vella von Gor, die mir bei meiner Arbeit f�r die Priesterk�nige so sehr geholfen hatte. Als ich sie in das Sardargebirge zur�ckbrachte, hatte ich mir Gedanken �ber ihre Sicherheit gemacht. Ich durfte sie den Gefahren dieses Planeten nicht l�nger aussetzen. Bestimmt war sie l�ngst den Anderen bekannt, die den Priesterk�nigen die Macht �ber diese Welt und �ber die Erde streitig machen wollten. So war ihr Leben in Gefahr. Sie war meinetwegen gro�e Risiken eingegangen, was ich t�richterweise zugelassen hatte. So hatte ich schlie�lich daf�r gesorgt, da� der Priesterk�nig Misk sie zur Erde zur�ckbrachte.</p><p>Sie widersprach; es war sicher schwer f�r sie, diese sch�ne, helle gr�ne Welt zu verlassen und in die grauen St�dte der Erde zur�ckzukehren, deren Enge sie bedr�cken w�rde; aber es war besser so. Sie mu�te sich in der gleichg�ltigen Menge verlieren, im hektischen Leben der Erde.</p><p>Aber sie hatte meine Entscheidung nicht hingenommen.</p><p>Meine Gedanken kehrten zu dem gro�en Sattelvogel, meinem Kriegstarn, zur�ck. Er hatte viele M�nner get�tet, die sich in seinen Sattel setzen wollten. Und doch hatte er sich, an jenem Abend von Elizabeth Cardwell satteln lassen und war mit ihr aus dem Sardargebirge geflogen.</p><p>Vier Tage sp�ter war er allein zur�ckgekehrt.</p><p>In meiner Wut hatte ich den Vogel verscheucht. Ich hatte das M�dchen besch�tzen wollen und hatte sie verloren.</p><p>Und auch Talena, die einmal meine Freie Gef�hrtin gewesen war, hatte ich vor Jahren nicht mehr vorgefunden. Zwei Frauen hatte ich geliebt und beide verloren.</p><p>Ich, ein Betrunkener, beugte mich �ber den Tisch und weinte. Die Taverne begann um mich zu kreisen.</p><p>Port Kar war die m�chtigste Stadt auf dem Meer. Ihre Seeleute waren bestimmt allen anderen �berlegen, wahrscheinlich die besten auf Gor. Es stimmte mich pl�tzlich w�tend, da� die M�nner Port Kars, die in anderer Beziehung so unausstehlich und gemein waren, das Handwerk des Seemanns so �berragend verstanden. Aber dann lachte ich, denn das mu�te mich ja stolz machen. Geh�rte ich denn nicht in diese Stadt?</p><p>Zwei betrunkene Seeleute waren aneinandergeraten und hieben nun mit Peitschenmessern aufeinander ein. Ihre Auseinandersetzung fand in der kleinen Sandarena zwischen den Tischen statt.</p><p>Das Peitschenmesser ist eine riskante Waffe und l��t sich mit Eleganz und Geschicklichkeit einsetzen; und soviel ich wei�, wird es nur in Port Kar verwendet.</p><p>Im Licht der Schiffslaternen sah ich auf der Wange des einen Seemanns pl�tzlich eine breite Schramme erscheinen. Das Tanzm�dchen rief dem anderen K�mpfer ermutigend zu.</p><p>Aber die M�nner waren betrunken und taumelten, und ihre brutalen Hiebe waren f�r viele G�ste an den umliegenden Tischen gef�hrlicher als f�r den Gegner.</p><p>Da stolperte einer der M�nner und erbrach sich, auf H�nden und Knien hockend.</p><p>�T�te ihn!� kreischte das M�dchen. �T�te ihn!�</p><p>Doch der andere Mann, betrunken und selbst verwundet, taumelte r�ckw�rts, drehte sich um und sank bewu�tlos zu Boden. Die Zuschauer lachten br�llend.</p><p>�T�te ihn!� rief das M�dchen. Doch dann schrie sie vor Schmerz auf und warf den Kopf zur�ck. Die Sklavenpeitsche fuhr ihr �ber den R�cken.</p><p>�Tanz, Sklavin!� befahl der Wirt, ihr Herr, ruhig.</p><p>Entsetzt hastete sie wieder in die Arena.</p><p>Ich lachte. Die M�nner von Port Kar wu�ten mit Frauen umzugehen. Ich schwor mir, nie wieder eine Frau zu verlieren.</p><p>Ich war unglaublich betrunken und w�tend und traurig, als ich auf die Beine taumelte. Ich warf einen Silbertarsk, der aus unserer Beute im Sumpf stammte, auf den Tisch, nahm vom Wirt eine gro�e Pagaflasche entgegen und verlie� schwankend die Taverne. Vorsichtig tastete ich mich auf dem schmalen Laufsteg am Kanal entlang, auf das Quartier zu, das Thurnock, Clitus und ich zusammen mit unseren Sklavinnen genommen hatten.</p><p>Ich klopfte an die Holzt�r und br�llte: �Paga! Ich bringe Paga!�</p><p>Thurnock zog die Riegel zur�ck und �ffnete die T�r. �Paga!� grinste er, als er die gro�e Flasche sah.</p><p>Midice kniete in einer Ecke und polierte das Metall meines Schildes. Sie blickte �berrascht auf.</p><p>�Gut, mein Freund�, sagte Clitus, der an einem Netz arbeitete, dessen Knoten er verst�rkte. Er grinste, als er die Flasche sah. �Paga ist jetzt genau das Richtige�, sagte er. Er hatte das Netz am Morgen zusammen mit einem Dreizack erstanden, die traditionellen Waffen der Fischer des Westens. Dicht neben ihm kniete die kleine, dunkelhaarige Ula.</p><p>Thurnock hatte ein St�ck Ka-la-na-Holz aufgetrieben und war dabei, einen Langbogen zu schnitzen. Ich wu�te, da� er auch bereits einige St�cke Boskhorn und etwas Leder gefunden hatte, ebenso Hanf und Seide. In einigen Tagen hatte er seine Waffe bestimmt fertig. Pfeilspitzen waren bei einem Schmied bereits bestellt, und am Nachmittag hatte Thura auf seinen Befehl hin eine Voskm�we erlegt, deren Federn f�r die Pfeile verwendet werden sollten. Sie hatte ihm nun schon den ganzen Nachmittag bei seiner Arbeit zugesehen. Er fuhr ihr mit einer schnellen Bewegung durchs Haar, und sie l�chelte.</p><p>�Wo ist die K�chensklavin?� rief ich.</p><p>�Hier, Herr!� sagte Telima ernst und neigte den Kopf.</p><p>�Bereite uns ein Festmahl, K�chensklavin�, befahl ich.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>�Thurnock�, fuhr ich fort, �treib die Sklavinnen zusammen!�</p><p>�Ja, mein Kapit�n!� brummte er.</p><p>Midice stand sch�chtern auf. �Was hast du vor?�</p><p>�Wir f�hren euch aus! Ihr sollt einen anst�ndigen Kragen bekommen!�</p><p>Die drei M�dchen sahen sich angstvoll an.</p><p>Doch ehe wir aufbrachen, �ffneten wir noch die gro�e Pagaflasche, und Thurnock, Clitus und ich f�llten unsere Becher und leerten sie mit einem Zug. Dann brachten wir auch die M�dchen dazu, einen tiefen Schluck zu nehmen.</p><p>�Wenn wir zur�ckkommen!� br�llte ich, �gibt�s hier ein Fest!�</p><p>Meine Erinnerungen an diesen Abend sind etwas verschwommen. Aber wir fanden einen Schmied, der den M�dchen Sklavenkragen anpa�te, in denen wir unseren Besitzanspruch festhielten. Nach unserer R�ckkehr war Clitus noch einmal losgezogen und hatte vier Musiker aufgetrieben. M�de, unausgeschlafen, doch vom Klang unserer Silbertarsks angelockt, spielten sie auf, und je mehr sie mit uns tranken, desto weniger gefiel uns ihr Spiel. Daher begr��te ich es, da� sie schlie�lich mitfeierten und dem Fest noch mehr Schwung gaben. Auch hatte Clitus zwei weitere Flaschen Ka-la-na-Wein mitgebracht, dazu Aale, Verrk�se und einen Sack roter Oliven aus den Hainen von Tyros.</p><p>Wir begr��ten ihn mit gro�em Geschrei.</p><p>Telima trug ger�steten Tarsk auf, mit Suls und Pfefferschoten aus Tor gef�llt. Au�erdem gab es haufenweise gelbes Sa-Tarna-Brot in runden, sechsteiligen Laiben.</p><p>Telima bediente uns. Sie schenkte den M�nnern Paga ein und den Frauen Ka-la-na, sie brach uns Brot und K�se, enth�utete die Aale und schnitt das Tarskfleisch zurecht. Sie eilte hin und her. Sie war in unserer Gruppe die K�chensklavin und somit auch allen anderen Sklaven untertan.</p><p>Ich lie� Midice tanzen und trank dabei mehr denn je. Der Saal verschwamm langsam um mich und der Kopf fiel mir auf die Brust. Als ich erwachte, war ich allein; ich lag auf den Liebesfellen, und Midice schlummerte in meinem Arm.</p><p>M�de stand ich auf, zog meine Tunika �ber und schaute das M�dchen an, das mit angezogenen Beinen vor mir lag und mich l�chelnd ansah. Das Lampenlicht spiegelte sich auf ihrem Kragen.</p><p>Ich g�rtete mein goreanisches Schwert und ging in die K�che.</p><p>Dort sa� Telima an der Wand. Sie hob den Kopf. Ich vermochte sie im Licht des glimmenden Feuers kaum zu erkennen; die Kohlen bildeten ein schwachleuchtendes schwarzrotes Muster in der Dunkelheit.</p><p>Ich zog Telima den goldenen Armreif ab.</p><p>Tr�nen standen ihr in den Augen, aber sie protestierte nicht. Ich l�ste die Ranke, die sich um ihren Hals schlang, und zeigte ihr den Stahlkragen, den ich ihr vom Schmied mitgebracht hatte.</p><p>Im Halbd�mmer las sie die Gravierung. �Ich geh�re Bosk�, sagte sie.</p><p>�Ich wu�te nicht, da� du lesen kannst�, erwiderte ich. Midice, Thura und Ula waren Analphabetinnen, wie es bei den Rencem�dchen �blich ist.</p><p>Telima senkte den Kopf, und ich lie� den Kragen um ihren Hals zuschnappen.</p><p>�Es ist lange her, da� ich so einen Kragen getragen habe.�</p><p>Ich fragte mich, wie sie nach ihrer Flucht den ersten Kragen losgeworden war. Ich dachte daran, da� Ho-Hak noch immer den schweren Ring des Galeerensklaven trug.</p><p>Der Gedanke an Ho-Hak brachte mich auf einen Gedanken. �Telima�, fragte ich. �Warum war Ho-Hak so bewegt, als wir von dem kleinen Eechius sprachen?�</p><p>Sie schwieg.</p><p>�Nat�rlich hat er den Jungen gekannt�, sagte ich. �Er lebte ja auch auf der Insel.�</p><p>�Er war sein Vater�, sagte Telima.</p><p>Ich betrachtete den goldenen Armreif, den ich in der Hand hielt, legte ihn auf den Boden und kettete Telima am Sklavenring der K�che fest. Dann nahm ich das Schmuckst�ck wieder zur Hand und betrachtete es.</p><p>�Seltsam, da� ein Rencem�dchen so einen Armreif besitzt�, sagte ich.</p><p>Telima schwieg.</p><p>Im anderen Zimmer warf ich Midice den Armreif zu, die einen Freudenschrei ausstie� und das Band sofort anlegte. Ich kettete sie ebenfalls an, deckte sie mit Fellen zu und verlie� das Zimmer.</p><p>Vor dem Haus war ich allein. Nach meiner Sch�tzung war es noch etwa eine Ahn bis Sonnenaufgang. Ich wanderte �ber den schmalen Steg, der am Kanal entlangf�hrte. Pl�tzlich ging ich auf H�nde und Knie nieder und erbrach mich in das dunkle Wasser. Ich h�rte, wie sich eine der riesigen Kanalurts unter mir bewegte.</p><p>Ich roch das Meer, hatte es jedoch noch nicht gesehen.</p><p>Die Geb�ude zu beiden Seiten des Kanals waren dunkel, aber hier und da flackerte eine Fackel an den Hausmauern, dicht neben einem Fenster. Ich betrachtete die Mauersteine, beobachtete das Zucken der Schatten an den Hausw�nden Port Kars.</p><p>Irgendwo waren zwei Urts in einen Kampf verwickelt, und ihr Quieken und Platschen drang weit �ber das Wasser.</p><p>Mein Weg f�hrte mich wieder zu der Pagataverne zur�ck, in der ich diese Nacht begonnen hatte.</p><p>Ich war allein und in schlechter Stimmung. Mir war kalt. In Port Kar gab es nichts, das mir etwas bedeutete, weder hier noch in allen Welten des Universums.</p><p>Ich stie� die T�r der Taverne auf.</p><p>Die Musiker und die T�nzerin waren verschwunden � waren sicher schon vor Stunden gegangen. Es waren nicht mehr viele G�ste in der Taverne, und die verbleibenden Zecher wirkten schon ziemlich angeschlagen. Hier und dort lagen M�nner zwischen den Tischen, die Tuniken von Paga und Erbrochenem befleckt. Andere ruhten, in Seemannsumh�nge geh�llt, an den W�nden. Zwei oder drei hockten noch an den Tischen und starrten in halbgef�llte Pagaschalen. Die M�dchen, die sich nicht in den Alkoven aufhielten, waren sicher schon irgendwo f�r die Nacht angekettet, wahrscheinlich in einem Sklavenraum neben der K�che. Als ich eintrat, hob der Wirt den Kopf.</p><p>Ich warf eine kupferne Tarnm�nze auf den Tisch, und er neigte die gro�e Pagaflasche, die hinter der Theke hing.</p><p>Ich trug meine Pagaschale an einen Tisch und lie� mich mit untergeschlagenen Beinen dahinter nieder. Ich wollte nicht trinken. Ich wollte nur allein sein. Ich wollte nicht einmal nachdenken. Die Einsamkeit war mir in diesem Augenblick am liebsten.</p><p>In einem Alkoven begann ein M�dchen zu weinen.</p><p>Das Ger�usch irritierte mich. Ich w�nschte keine St�rung. Ich legte den Kopf in die H�nde und beugte mich vor, st�tzte die Ellbogen auf den Tisch.</p><p>Ich ha�te Port Kar und alles, was dazugeh�rte. Und ich ha�te mich selbst, denn ich war jetzt ein Teil dieser Stadt.</p><p>Der Vorhang vor einer der Nischen flog zur Seite. Auf der runden Schwelle erschien Surbus, der zu den Kapit�nen dieser Stadt geh�rte. Ich betrachtete ihn voller Abscheu. Wie h��lich er doch war mit seinem ungepflegt wuchernden Bart, den eng beieinanderstehenden Schweinsaugen, dem fehlenden Ohr!</p><p>In den Armen hielt er ein gefesseltes Sklavenm�dchen � das M�dchen, das mich gestern abend bedient hatte. Sie war mir kaum aufgefallen � blond und blau�ugig und sehr d�nn. Mir fiel ein, da� sie mich um Schutz gebeten hatte, den ich ihr verweigert hatte.</p><p>Surbus warf sich das M�dchen �ber die Schulter und ging zum Tresen.</p><p>�Sie gef�llt mir nicht�, sagte er zum Wirt.</p><p>�Das tut mir leid, Ehrenwerter Surbus�, sagte der Mann. �Ich lasse sie auspeitschen.�</p><p>�Aber sie gef�llt mir nicht!� rief Surbus.</p><p>�M�chtest du, da� sie vernichtet wird?� fragte der Wirt.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ihr Preis ist f�nf Silbertarsk.�</p><p>Aus dem Beutel nahm Surbus f�nf silberne M�nzen und z�hlte sie nacheinander auf die Holzplatte.</p><p>�Ich gebe dir sechs�, sagte ich zu dem Wirt.</p><p>Surbus drehte sich um und warf mir einen finsteren Blick zu.</p><p>�Ich habe sie f�r f�nf verkauft�, sagte der Wirt, �an diesen ehrenwerten Herrn. Misch dich nicht ein, Fremder, dieser Mann ist Surbus.�</p><p>Surbus warf den Kopf in den Nacken und lachte. �Ja�, sagte er. �Ich bin Surbus.�</p><p>�Und ich bin Bosk�, sagte ich, �aus den S�mpfen.�</p><p>Surbus musterte mich und lachte wieder. Er wandte dem Tresen den R�cken, nahm das M�dchen von der Schulter und hielt sie vor sich hin. Ich sah, da� sie bei Bewu�tsein war.</p><p>�Was hast du mit ihr vor?� fragte ich.</p><p>�Ich werfe sie den Urts zum Fra� vor�, sagte Surbus.</p><p>�Bitte�, fl�sterte sie. �Bitte, Surbus.�</p><p>�Zu den Urts!� sagte Surbus lachend.</p><p>Die Riesenurts, Tiere mit seidigem Fell und schimmernden Augen, ern�hren sich vom Abfall in den Kan�len und kennen sich mit Menschenk�rpern aus, die in die Kan�le geworfen werden � ob lebend oder tot.</p><p>Ich starrte ihn an. Surbus, Sklavenh�ndler, M�rder. Dieser Mann war durch und durch schlecht. Ich sp�rte nichts als Ha� und einen �berw�ltigenden Ekel vor ihm.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Er starrte mich verbl�fft an.</p><p>�Nein�, wiederholte ich und zog mein Schwert.</p><p>�Sie geh�rt mir�, sagte er.</p><p>Hastig schaltete sich der Wirt ein. �Surbus vernichtet oft ein M�dchen, das ihm nicht gefallen hat.�</p><p>Ich starrte beide wortlos an.</p><p>�Sie geh�rt mir�, sagte Surbus.</p><p>�Das stimmt�, sagte der Wirt hastig. �Du hast den Kauf selbst gesehen. Sie ist jetzt rechtm��ig seine Sklavin, und er kann mit ihr machen, was er will.�</p><p>�Welches Recht hast du, dich einzumischen?�</p><p>�Das Recht eines Mannes aus Port Kar, zu tun, was ihm gef�llt�, antwortete ich.</p><p>Surbus stie� das M�dchen zur Seite und entbl��te mit schneller, eleganter Bewegung seine Klinge.</p><p>�Du bist ein Narr, Fremder�, sagte der Wirt. �Du sprichst mit Surbus, einem der besten Schwertk�mpfer aus Port Kar.�</p><p>Unsere Auseinandersetzung mit den Klingen war kurz.</p><p>Mit einem Schrei des Hasses und der Freude fuhr meine Klinge, parallel zum Boden gehalten, damit sie nicht zwischen den Rippen meines Opfers h�ngenblieb, blitzschnell durch seinen K�rper. Ich setzte Surbus den Fu� auf den blutigen Bauch, schob ihn von meinem Schwert und schwenkte den blutnassen Stahl.</p><p>Der Wirt starrte mich mit aufgerissenen Augen an.</p><p>�Wer bist du?� fragte er.</p><p>�Bosk�, wiederholte ich. �Ich bin Bosk aus den S�mpfen.�</p><p>Mehrere andere G�ste, vom Klirren der Klingen aufgescheucht, waren nun hellwach. Sie starrten mich verbl�fft an.</p><p>Ich bewegte die Klinge im Halbkreis, erwiderte ihren Blick. Doch niemand machte eine Bewegung zur Waffe.</p><p>Ich ri� ein St�ck von Surbus� Tunika ab und s�uberte mein Schwert damit. Er lag auf dem R�cken, ins Leere starrend, und Blut sprudelte ihm aus dem Mund.</p><p>Ich trat neben das Sklavenm�dchen und l�ste ihre Fesseln. Dann sah ich um mich.</p><p>Der Wirt machte einen hastigen Schritt hinter seinem Tresen. Von den anderen M�nnern hatte sich niemand ger�hrt, obwohl viele zu Surbus� Mannschaften geh�rten.</p><p>Ich beugte mich �ber meinen Gegner.</p><p>Sein Blick war auf mich gerichtet, und er hob mit schwacher Geste die Hand. In seinen kleinen Augen war Schmerz. Er hustete Blut. Er schien sprechen zu wollen, brachte jedoch kein Wort heraus.</p><p>Ich steckte mein Schwert ein, ohne seinen Blick zu erwidern.</p><p>Das Sklavenm�dchen war unansehnlich � mager mit schmalem Gesicht, knochigen Schultern und str�hnigem Haar � ein armes Wesen.</p><p>Zu meiner �berraschung ging sie neben Surbus in die Knie und hielt seinen Kopf. Er starrte mich an und versuchte wieder zu sprechen.</p><p>�Bitte�, sagte das M�dchen zu mir.</p><p>Ich schaute sie verwirrt an. Sie schien den Verstand verloren zu haben. Begriff sie nicht, da� dieser Mann sie gefesselt den Urts zum Fra�e vorgeworfen h�tte?</p><p>Wieder hob er die Hand.</p><p>Das M�dchen blickte zu mir auf und sagte: �Bitte, ich bin zu schwach.�</p><p>�Was will er denn?� fragte ich unwirsch.</p><p>�Er m�chte das Meer sehen�, sagte sie.</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Bitte � ich schaffe es nicht allein.�</p><p>Ich b�ckte mich, legte mir den Arm des Sterbenden um die Schultern, hob ihn mit Hilfe des M�dchens hoch und schleppte ihn mit ihr durch die K�che der Taverne und Stufe um Stufe die schmale Treppe hinauf, die zum Dach f�hrte.</p><p>Wir erreichten das Dach und zerrten Surbus zu der niedrigen Br�stung, hielten ihn in die H�he und warteten. Der Morgen war kalt und feucht. Der Sonnenaufgang stand bevor.</p><p>Und dann kam die Morgend�mmerung, und �ber den Geb�uden Port Kars, hinter der Masse von D�chern, jenseits des flachen, schlammigen Tambergolfs, in den sich der Vosk ergie�t, sahen wir das schimmernde Thassa, das Meer. Ich erblickte es zum erstenmal.</p><p>Die rechte Hand Surbus� ber�hrte mich. Er nickte. Seine Augen hatten nichts Schmerzvolles oder Ungl�ckliches mehr. Seine Lippen bewegten sich, doch dann hustete er, und noch mehr Blut str�mte ihm �bers Kinn, lief die Brust hinab, und pl�tzlich, mit einem Ruck erstarrte er, und dann sank sein Kopf auf die Seite, und er war eine tote Last in unseren Armen.</p><p>Wir legten ihn auf das Dach.</p><p>�Was hat er gesagt?� fragte ich.</p><p>Das M�dchen l�chelte mich an. �Danke�, sagte sie. �Er hat dir gedankt.�</p><p>Ich stand m�de auf und blickte auf das Meer hinaus.</p><p>�Es ist sehr sch�n�, sagte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte das M�dchen.</p><p>�Lieben die Menschen in Port Kar das Meer?� wollte ich wissen.</p><p>�Ja, nat�rlich.�</p><p>Ich drehte mich zu ihr um. �Was wirst du nun tun?� fragte ich. �Wohin gehst du?�</p><p>�Ich wei� es nicht.� Sie senkte den Kopf. �Ich gehe fort.�</p><p>Ich streckte die Hand aus und ber�hrte ihre Wange. �Tu das nicht�, sagte ich. �Folge mir.�</p><p>�Danke�, sagte sie.</p><p>�Wie hei�t du?� erkundigte ich mich.</p><p>�Luma.�</p><p>Wir verlie�en das Dach und stiegen die lange, schmale Treppe hinab.</p><p>In der K�che kam uns der Wirt entgegen. �Surbus ist tot�, sagte ich zu ihm. Er nickte. Ich wu�te, da� die Leiche in einen Kanal geworfen wurde.</p><p>Ich deutete auf Lumas Kragen. �Schl�ssel�, sagte ich.</p><p>Der Mann brachte einen Schl�ssel und entfernte den Sklavenkragen von Lumas Hals.</p><p>Wir verlie�en die K�che.</p><p>Im gro�en G�stezimmer der Taverne blieben wir stehen, und ich schob das M�dchen hinter uns.</p><p>Siebzig oder achtzig Bewaffnete warteten auf uns. Es waren Seeleute aus Port Kar. Ich erkannte viele wieder. Sie waren gestern abend mit Surbus in die Taverne gekommen und geh�rten zu seinen Mannschaften.</p><p>Ich zog mein Schwert.</p><p>Einer der M�nner trat vor, eine gro�e, hagere, junge Gestalt, mit einem Gesicht, das die Spuren des Thassa trug. Er hatte graue Augen und gro�e, rauhe H�nde.</p><p>�Ich bin Tab�, sagte er. �Ich war Surbus� Stellvertreter.�</p><p>Ich schwieg, lie� meinen Blick �ber die Gesichter wandern.</p><p>�Hast du ihn das Meer sehen lassen?� fragte Tab.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Dann�, sagte Tab, �stehen wir jetzt in deinen Diensten.�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Ich nahm meinen Platz im Rat der Kapit�ne von Port Kar ein.</p><p>Das Ende der ersten Wartenden Hand war nahe, die Periode nach En�Kara, dem Monat der Fr�hling-Tagund-Nachtgleiche und des Jahreswechsels. In den Chroniken von Ar schrieben wir nun das Jahr 10.120. Ich lebte seit sieben goreanischen Monaten in Port Kar.</p><p>Niemand hatte mein Anrecht auf Surbus� Platz in Zweifel gezogen. Seine M�nner hatten sich meinem Kommando unterstellt.</p><p>So sa� nun ich, der ich einmal Tarl Cabot gewesen war, ein Krieger Ko-ro-bas, im Rate dieser Kapit�ne, der Handels- und Piratenf�hrer, der hohen Oligarchen des schmutzigen, b�sen Port Kar, der Gei�el des Thassa. Tats�chlich ruhte in diesem Rat die Stabilit�t und Autorit�t der Stadt.</p><p>Formell standen f�nf Ubars �ber uns, von denen jeder die Macht des anderen nicht anerkannte. Chung, Eteocles, Nigel, Sullius Maximus und Henrius Sevarius V.</p><p>Die Ubars waren im Rat vertreten, dem sie in ihrer Eigenschaft als Kapit�ne ohnehin angeh�rten, und zwar durch f�nf leere Thronsessel vor dem Halbkreis der Sitze, auf denen die Kapit�ne Platz nahmen. Neben jedem leeren Thron verfolgte ein Schriftgelehrter die Ratsversammlungen und ergriff f�r seinen jeweiligen Herrn das Wort. Die Ubars selbst blieben den Zusammenk�nften fern, wie sie sich aus Angst vor Attentaten �berhaupt selten in der �ffentlichkeit zeigten.</p><p>Ein Schreiber, der an einem gro�en Tisch vor den f�nf Thronsesseln sa�, verlas mit monotoner Stimme die Aufzeichnung der letzten Ratsversammlung.</p><p>Gew�hnlich besteht der Rat aus etwa einhundertundzwanzig Kapit�nen, manchmal mehr, manchmal weniger.</p><p>Ein Kapit�n geh�rt automatisch dem Rat an, wenn er mindestens f�nf Schiffe besitzt. Surbus war kein besonders wichtiger Kapit�n gewesen, doch er hatte einer Flotte von sieben, sp�ter neun Schiffen vorgestanden. Diese Schiffe d�rfen, um f�r die Ratsmitgliedschaft gez�hlt zu werden, entweder zu den Rundschiffen geh�ren, Einheiten mit gro�en Lader�umen, oder zu den Langschiffen, den Rammschiffen, die f�r die Kriegsf�hrung bestimmt sind. Beide Gattungen werden haupts�chlich gerudert, doch die Rundschiffe haben eine feste Takelung und gr��ere Segel, die im allgemeinen von zwei Masten getragen werden. Ein Rundschiff ist nat�rlich nicht rund, doch hat es im Verh�ltnis zur Kiell�nge eine gr��ere Breite, etwa im Verh�ltnis eins zu sechs, w�hrend diese Zahlen bei den Kriegsgaleeren eins zu acht betragen.</p><p>Die f�nf Schiffe, das mag noch gesagt sein, m�ssen nat�rlich mindestens der mittleren Gr��enklasse angeh�ren. Bei einem Rundschiff bedeutet das, da� es nach irdischen Verh�ltnissen eine Fracht von etwa hundert bis hundertundf�nfzig Tonnen bef�rdern m��te, und zwar unter Deck. Ich habe diese Zahl nach der Last, einer goreanischen Gewichtseinheit berechnet, die auf dem Stein beruht, etwa zwei irdischen Kilo. Eine Last wiegt zehn Stein. Ein Rundschiff der mittleren Gr��enklasse m��te also zwischen 5000 und 7000 goreanische Lasten tragen k�nnen. Die Last und der Stein sind einheitliche Gewichtsma�e f�r ganz Gor � nach den Handelsgesetzen, den einzigen Gesetzen, die �berall zwischen den St�dten angewandt werden. Der offizielle �Stein�, ein Metallzylinder, wird �brigens in der N�he des Sardargebirges aufbewahrt. Viermal im Jahr wird er anl��lich der gro�en Jahrm�rkte hervorgeholt, um H�ndlern aus allen Landstrichen Gelegenheit zu geben, ihre eigenen Eichgewichte am Standard-�Stein� zu pr�fen.</p><p>Aber nicht nur Surbus� Schiffe waren mein Eigentum geworden, nachdem seine M�nner sich mir unterworfen hatten, sondern auch seine sonstigen G�ter, seine Waren, Sch�tze, Grundst�cke, H�user � und seine Sklaven. Sein Anwesen war ein befestigter Palast. Er lag am Ostrand von Port Kar und grenzte mit der R�ckseite an den Sumpf. Ein gewaltiges beschlagenes Tor f�hrte in ein privates Hafenbecken, in dem seine sieben Schiffe lagen. Sie hatten �ber die Kan�le der Stadt direkten Zugang zum Meer.</p><p>Es war eine wehrhafte Anlage, auf einer Seite durch den Sumpf gesch�tzt, auf den anderen durch Mauern, das Tor und die Kan�le. Als Clitus, Thurnock und ich mit unseren Sklavinnen nach Port Kar kamen, hatte unser Quartier nicht weit von diesem Anwesen gelegen.</p><p>Die Stimme des Schreibers t�nte weiter, er verlas die Aufzeichnungen der letzten Zusammenkunft.</p><p>Ich sah mich um, betrachtete den Halbkreis von Holzsitzen und die f�nf Thronsessel. Obwohl der Rat aus etwa hundertundzwanzig Kapit�nen bestand, waren nur selten mehr als siebzig oder achtzig anwesend � und die meist durch Vertreter. Viele waren auf See, und manche hielten es f�r besser, ihre Zeit mit anderen Dingen zu verbringen.</p><p>Auf einem Sessel unter mir, etwa f�nfzehn Meter entfernt, sa� ein Offizier, den ich kannte. Er war der Mann, der die Renceinseln �berfallen hatte; ich erkannte ihn an seinem Helm mit den beiden Goldstreifen. Henrak, der die Rencebauern verraten hatte, war mir in Port Kar noch nicht �ber den Weg gelaufen. Ich wu�te nicht, ob er noch lebte.</p><p>Ich l�chelte vor mich hin, als ich das b�rtige, d�stere Gesicht des Offiziers betrachtete und die langen Haare, die er mit einer roten Schnur im Nacken zusammengebunden hatte. Er hie� Lysius.</p><p>Er war erst seit vier Monaten Kapit�n � seit er das f�nfte Schiff mittlerer Gr��enklasse erworben hatte.</p><p>Er war inzwischen in Port Kar ziemlich gut bekannt, hatte er doch sechs Barken mitsamt Sklaven und Ladung verloren und den gr��ten Teil seiner Mannschaft. Es wurde berichtet, er sei von mehr als tausend Rencebauern angegriffen worden, die sich der Hilfe von f�nfhundert S�ldnern versichert h�tten, ausgebildeten Kriegern, und man sei knapp mit dem Leben davongekommen. Den letzten Teil dieses Berichtes hielt ich durchaus f�r zutreffend. Trotz der L�gengeschichte gab es viele, die hinter Lysius� R�cken l�chelten und daran dachten, wie er siegessicher in die S�mpfe gezogen und mit einer Handvoll entsetzter M�nner und einem schmalen Holzboot zur�ckgekehrt war.</p><p>Obwohl an seinem Helm noch die beiden Goldstreifen blitzten, trug er nun auch ein B�schel Sleenhaar, wie es nur den Kapit�nen des Rates gestattet ist. Er hatte sein f�nftes Schiff als Geschenk des Ubar Henrius Sevarius erhalten. Henrius war angeblich noch ein kleiner Junge, und sein Ubarat wurde von seinem Regenten Claudius verwaltet, der aus Tyros stammte. Lysius war jahrelang Kunde des Hauses Sevarius gewesen, ein Zeitraum, der mit der Herrschaft Claudius� zusammenfiel, der nach der Ermordung Henrius Sevarius IV. an die Macht gekommen war. Viele Kapit�ne waren Kunden dieses oder jenes Ubar.</p><p>Ich selbst lehnte solche Beziehungen ab. Ich glaubte, ohne die Macht eines Ubar auszukommen; ich wollte ihnen nicht verpflichtet sein.</p><p>Ich bemerkte, da� Lysius mich anstarrte. Er schien verwirrt zu sein.</p><p>Vielleicht hatte er mich in jener Nacht bei den Rencebauern gesehen � doch er wu�te nicht, woher er mich kannte. Er wandte den Kopf.</p><p>Ich hatte mich in Port Kar inzwischen eingelebt.</p><p>Meinen Dienst f�r die Priesterk�nige hatte ich aufgegeben. Sollten sie doch andere finden, die ihre K�mpfe austrugen und das Leben f�r sie riskierten. Ich wollte jetzt nur noch f�r mich selbst k�mpfen. Zum erstenmal in meinem Leben war ich reich. Und Macht und Reichtum waren mir nicht zuwider, das hatte ich inzwischen festgestellt.</p><p>Wenn ich auch in diesen Tagen mich selbst nur wenig achtete, so fand ich doch etwas, das ich respektieren konnte, das ich sogar liebte � das Meer.</p><p>Als der junge Tab, der nach Surbus das Kommando gef�hrt hatte, meine Befehle erbat, hatte ich gesagt: �Ich m�chte das Meer kennenlernen.�</p><p>Ich hatte in Port Kar meine eigene Flagge aufgezogen, denn die Stadt selbst besitzt kein einheitliches Banner. Es gibt die Fahnenzeichen der Ubars und die vielen Flaggen der Kapit�ne. Mein Zeichen enthielt einen Boskkopf vor einem Hintergrund aus senkrechten gr�nen St�ben auf wei�em Grund. Die gr�nen St�be sollten dabei das Rence des Sumpfes darstellen � die Flagge des Kapit�ns Bosk, der aus den S�mpfen kam.</p><p>Zu meiner Freude hatte ich festgestellt, da� das M�dchen Luma, das ich vor der Wut Surbus� gerettet hatte, als Schriftgelehrte ausgebildet war. Sie stammte aus Tor.</p><p>�Kannst du B�cher f�hren?� hatte ich sie gefragt.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>So hatte ich sie zum Ersten Schriftgelehrten und Buchhalter meines Hauses ernannt.</p><p>Jeden Abend kniete sie in der gro�en Halle vor meinem Sessel und gab mir einen �berblick �ber die Gesch�fte des Tages, Berichte �ber die Entwicklung verschiedener Investitionen und Unternehmungen, und sie machte oft wertvolle Vorschl�ge.</p><p>Das schlichte, hagere M�dchen hatte eine vorz�gliche Begabung zur Leitung der komplizierten Gesch�fte eines gro�en Handelshauses.</p><p>Einigen freien M�nnern im Hause, besonders den Schriftgelehrten, gefiel es nat�rlich nicht, das M�dchen in einer solchen Machtposition zu sehen, so da� ich auf die �u�eren Zeichen ihres Sklaventums nicht verzichten konnte. Da� sie mir unterw�rfig kniend Bericht erstattete, beruhigte die anderen etwas. Aber sie blieben auf der Hut, denn Lumas scharfem Blick und schneller Auffassungsgabe blieb wenig verborgen.</p><p>W�hrend ich Midice mit kostbarer Kleidung und Schmuck verw�hnte, hielt ich Telima weiterhin als K�chensklavin. Auf meine Anweisung wurden ihr die anstrengendsten Arbeiten des Hauses �bertragen, und abends mu�te sie an unserem Tisch bedienen.</p><p>Ich wandte meine Aufmerksamkeit nun wieder der Versammlung der Kapit�ne zu.</p><p>Ein Seemann, der angeblich von Cos geflohen war, berichtete von Vorbereitungen, eine gro�e Flotte zusammenzustellen und gegen Port Kar zu f�hren � eine Flotte, die durch die Streitkr�fte von Tyros noch verst�rkt werden sollte.</p><p>Dieser Bericht stie� nur auf geringes Interesse. Cos und Tyros, wenn sie sich nicht gerade gegenseitig bekriegten, stie�en st�ndig Drohungen aus, sie w�rden Port Kar angreifen. Diese Drohung war im Laufe der Jahre immer wieder ge�u�ert worden � doch schon seit �ber hundert Jahren hatten die vereinten Flotten von Cos und Tyros die Stadt nicht mehr belagert, und damals waren sie von einem ungeheuren Sturm zerstreut worden.</p><p>Nun wandten wir uns wichtigeren Dingen zu � der Notwendigkeit weiterer �berdachter Docks im Arsenal, in denen zus�tzliche Galeeren f�r die Kornflotte kalfatert werden konnten � sonst war es unm�glich, vor der sechsten Wartenden Hand hundert Schiffe f�r die Reise in den Norden bereitzustellen.</p><p>Es ist vielleicht interessant festzuhalten, welche Flottenst�rke Port Kar erreicht � in Schiffen mittlerer Gr��enklasse oder gr��er:</p><p>Die f�nf Ubars Port Kars � Chung, Eteocles, Nigel, Sullius Maximus und Henrius Sevarius � verf�gen zusammen �ber etwa vierhundert Schiffe. Die hundertundzwanzig Kapit�ne des Rats besitzen zusammen an die tausend Schiffe und kontrollieren im �brigen weitere tausend Schiffe als Reeder, durch den Rat � zu diesen Schiffen geh�ren die Kornflotte, die �lflotte, die Sklavenflotte und andere, ebenso wie viele Patrouillen- und Begleitschiffe. Dar�ber hinaus gibt es in der Stadt etwa zweitausendf�nfhundert Schiffe, die rund sechzehnhundert kleinen Kapit�nen geh�ren; sie sind nicht reich genug, um dem Rat der Kapit�ne anzugeh�ren. Somit kommen wir � rund gerechnet � auf eine Gesamtflotte von f�nftausend Schiffen f�r Port Kar. Nur ann�hernd f�nfzehnhundert davon geh�ren zur Klasse der Langschiffe, die besonders als Kriegsschiffe geeignet sind. Die Rundschiffe sind nicht mit Rammen versehen und lassen sich auch viel schwerer man�vrieren, sind jedoch bei einer Seeschlacht nicht ohne Bedeutung, denn ihre Decksfl�chen und Aufbauten k�nnen Schleudern, Torsionsgesch�tze und Wurfapparate beherbergen, ganz zu schweigen von Truppen. Ein Kriegsschiff, das sich f�r den Kampf r�stet, legt �brigens seinen Mast um und bringt das Segel unter Deck, Reling und Deck werden mit nassen Fellen bedeckt.</p><p>Es wurde einstimmig beschlossen, ein weiteres Dutzend �berdachte Docks zu schaffen, damit die Kornflotte rechtzeitig fertig wurde.</p><p>Das n�chste Thema betraf einen Streit zwischen den Segelmachern und den Seilern, die bei der Meeresprozession den Vortritt haben wollten. Dieser Marsch findet j�hrlich am ersten En�Kara, am goreanischen Neujahrstag, statt. In diesem Jahr hatte es einen Aufstand gegeben, so da� beschlossen wurde, die beiden Gruppen sollten k�nftig nebeneinander schreiten. Ich nahm nicht an, da� das Problem damit gel�st war.</p><p>Mir wollte die Meldung des Seemanns nicht aus dem Kopf, da� Cos und Tyros eine Flotte gegen Port Kar ausr�steten � doch ich versuchte mich auf die Versammlung zu konzentrieren.</p><p>Als n�chstes ging es um die Forderung der Flaschenzugmacher nach mehr Lohn. Ich stimmte daf�r, doch der Antrag kam nicht durch.</p><p>Alle Handwerker im Arsenal sind freie M�nner. Die B�rger von Port Kar erlauben wohl, da� Sklaven H�user und Mauern bauen, doch an ihre Schiffe lassen sie sie nicht heran. Der Lohn eines Segelmachers betr�gt �brigens vier kupferne Tarnm�nzen am Tag, w�hrend ein guter Schiffsbauer, vom Rat der Kapit�ne angestellt, t�glich bis zu einer goldenen Tarnm�nze verdienen kann. Der durchschnittliche Arbeitstag betr�gt zehn Ahn, oder zw�lf irdische Stunden. Die tats�chliche Arbeitszeit ist aber weitaus geringer, da viele Pausen eingelegt werden und der freie Goreaner sich nicht zu ungeb�hrlicher Hast antreiben l��t. Es kommt nat�rlich manchmal auch zu Entlassungen, aber Arbeit ist gew�hnlich reichlich vorhanden. Die verschiedenen Handwerkergruppen, etwa die der Segelmacher, sind in Z�nften organisiert und erheben Mitgliedsbeitr�ge, die der Unterst�tzung von Verletzten und ihren Familien, f�r Kredite, Arbeitslosenzahlungen und Pensionen dienen. Zuweilen treten diese Organisationen auch als Verhandlungspartner gegen�ber dem Arsenal auf. Der Rat der Kapit�ne respektiert die M�nner, die ihre Schiffe bauen und ausstatten, andererseits sind die L�hne so gering, da� die Organisation selten die Mittel hat, einen langen Streik durchzuhalten; das Arsenal kann sich in Geduld fassen und den Bau eines Schiffes verz�gern, w�hrend die Arbeiter t�glich essen m�ssen. Au�erdem betrachten sich die M�nner des Arsenals als etwas Besonderes und w�rden sich ungern von ihrer Arbeit trennen � trotz ihrer gelegentlichen Drohungen, die Arbeit niederzulegen. Der Bau sch�ner und guter Schiffe macht ihnen Spa�.</p><p>Dar�ber hinaus sollte vermerkt werden, da� die goreanische Gesellschaft im allgemeinen der Tradition verhaftet ist und da� die Weisheit der Vorv�ter selten angezweifelt wird; in einer solchen Gemeinschaft haben die einzelnen gew�hnlich eine anspruchslose Einstellung, es ist ihnen wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie sich zu Hause f�hlen; sie erliegen weniger den sozialen Verwirrungen einer Gesellschaft, deren Mitglieder zu gr��erer Beweglichkeit und zum Prestigedenken angehalten werden. Eine Gesellschaft, in der von jedem Erfolg erwartet wird, mit Bedingungen, unter denen die meisten versagen m�ssen, w�re den Goreanern unverst�ndlich und unvorstellbar. Die Arbeiter des Arsenals sind � solange sie ausreichend bezahlt werden, so da� sie einigerma�en ihr Auskommen haben � mehr an ihrer Arbeit interessiert als an Versuchen, ihren wirtschaftlichen Status st�ndig zu verbessern. Dies soll nicht hei�en, da� sie etwas gegen das Reichsein h�tten; ich will nur andeuten, da� ihr vordringliches Motiv nicht das Erstreben von materiellen Dingen ist. Nat�rlich wird diese Grundhaltung vom Rat der Kapit�ne begr��t, denn sonst lie�e sich das Arsenal nicht so wirtschaftlich betreiben. Ich erlaube mir kein Urteil �ber diese Dinge, sondern berichte sie nur, wie sie sind.</p><p>Warum, so fragte ich mich zum wiederholten Male, dachten Cos und Tyros daran, ihre Flotten gegen Port Kar zu f�hren? Was hatte sich ver�ndert? Aber dann rief ich mir ins Ged�chtnis zur�ck, da� es sich nur um ein Ger�cht handelte.</p><p>Lautstark forderte jetzt ein Mann Geh�r vor dem Rat � es war der verr�ckte, halbblinde Schiffsbauer Tersites, der eine Rolle mit Zeichnungen in der Hand trug. Auf ein Wort des Schreibers am langen Tisch vor den Thronsesseln wurde der Mann aus dem Saal gezerrt.</p><p>Schon einmal hatte man ihm gestattet, dem Rat seine Pl�ne vorzutragen, doch sie waren zu fantastisch gewesen, um ernst genommen zu werden. Er hatte es gewagt, eine Neugestaltung des traditionellen Tarnschiffs vorzuschlagen. Er hatte den Kiel vertiefen und einen Vormast hinzuf�gen wollen, er gedachte den Antrieb auf Gro�ruder umzustellen, f�r die jeweils mehrere Ruderer zust�ndig waren, und er wollte den Rammsporn �ber die Wasserlinie heben.</p><p>Ich h�tte gern Tersites� Argumente f�r diese Ver�nderungen geh�rt, doch ehe es dazu kam, wurde er unter Pfiffen und Rufen aus dem Saal geschleift.</p><p>Man hatte Tersites vor dem Rat das Wort erteilt, weil er einmal ein f�higer Schiffsbauer gewesen war. Tats�chlich trugen die Galeeren der Stadt Scherklingen, die Tersites erfunden hatte. Dabei handelte es sich um riesige Halbmonde aus Stahl, die vor den Rudern in der Schiffswandung verankert waren. Zu den gel�ufigsten Seestrategien neben dem Rammen geh�rt das Abscheren von Rudern. Ein Schiff, dessen Ruder pl�tzlich eingeholt werden, gleitet an der Bordwand des Gegners entlang, der die Ruder noch drau�en hat, und bricht sie dabei ab. Die so besch�digte Galeere ist dadurch in ihrer Man�vrierf�higkeit schwer eingeschr�nkt und dem anderen Schiff zumeist hilflos ausgeliefert, das unter schrillem Fl�tenklang herumschwingt und seinen Rammsto� mittschiffs ansetzt. Auch die Galeeren von Cos und Tyros wurden neuerdings mit solchen Klingen ausger�stet. Tersites war bei anderer Gelegenheit auch f�r ein mittleres Heckruder eingetreten, anstatt der jetzt �blichen Seitenruder, auch hatte er ein viereckiges Segel vorgeschlagen, im Gegensatz zu den dreieckigen Segeln, die auf Thassa �blich sind.</p><p>Tersites war vor f�nf Jahren aus dem Arsenal verbannt worden. Daraufhin hatte er seine Ideen auch in Cos und Tyros vorgetragen, wo man ihm ebenfalls nur mit Verachtung begegnet war. Danach war er ohne Mittel nach Port Kar zur�ckgekehrt und lebte nun, wie es hie�, von den Abf�llen der Kan�le. Die kleine Zuwendung der Schiffsbauerzunft brachte er in den Pagatavernen der Stadt durch. Ich schlug mir Tersites aus dem Kopf.</p><p>In den Monaten, die ich nun in Port Kar lebte, hatte ich insgesamt f�nf Reisen gemacht, von denen vier kommerzieller Natur gewesen waren. Ich hatte keine Auseinandersetzungen mit anderen Kapit�nen. Wie der Bosk suchte ich keinen Streit, sondern beschr�nkte mich darauf, meinen Besitz zu sch�tzen. Meine vier Reisen hatten neutralen Inseln gegolten, die als Freih�fen f�r Kaufleute galten. Es gab davon mehrere, doch die bekanntesten waren Teletus, Tabot weiter s�dlich und im Norden Scagnar. Farnacium, Hulneth und Asperiche geh�rten ebenfalls zu den Oasen des Handels. Inseln dieser Art erm�glichen den Handel mit Cos und Tyros und dem Festland mit seinen St�dten wie Ko-ro-ba, Thentis, Tor, Ar, Thuria und vielen anderen.</p><p>Meine Fracht auf diesen Reisen war unterschiedlich. Wegen der Kosten w�hlte ich zu Anfang noch keine kostbaren Ladungen � keine Edelmetalle oder Juwelen, keine Teppiche oder Wandbeh�nge oder Arzneien, Seide, �le, Parfums oder Preissklaven, auch nicht Gew�rze oder Kanister mit farbigem Tafelsalz. Auf meinen ersten Reisen gab ich mich mit Werkzeugen und Steinladungen zufrieden, mit Trockenfr�chten, eingelagerten Fischen, Reptuch, Temholz, Turholz und Ka-la-na-Vorr�ten, dazu Horn und Felle. Einmal bef�rderte ich auch eine Ladung Sklaven und ein anderes Mal Felle des Meeressleen aus dem Norden � eine Fracht, die bis dahin meine kostbarste war. Ich vermochte meine Waren jeweils mit erheblichem Profit zu verkaufen. Zweimal wurden wir von Piraten aus Tyros aufgesp�rt, deren Schiffe gr�n angestrichen waren, damit sie wie das Meer aussahen � doch keiner der Piraten kam uns n�her. Wahrscheinlich sahen sie, wie tief wir im Wasser lagen, und schlossen daraus, da� wir eine wenig gewinntr�chtige Fracht f�hrten. Eine Ladung Holz oder Gestein ist kaum das Risiko eines �berfalls wert.</p><p>Meine M�nner waren haupts�chlich Piraten und Halsabschneider. Zweifellos legten nur wenige auf ehrliche Handelsfahrten wert und h�tten lieber auf dem Meer nach guter Beute gelauert. Aber die beiden Seeleute, die mich herausforderten, erledigte ich nach wenigen Schwerthieben, so da� die anderen ihre Anwandlungen von Unlust auf die Tavernen beschr�nkten. Wer seinen Dienst bei mir nicht fortsetzen wollte, durfte gehen und bekam sogar noch eine halbe Last Gold mit auf den Weg. �berraschenderweise w�hlten nur wenige diesen Weg � wahrscheinlich spielte dabei auch der Stolz mit, einem Mann zu dienen, der nach dem Kampf mit Surbus als einer der besten Schwertk�mpfer der Stadt galt.</p><p>Ich versuchte, meine Mannschaft fair zu behandeln. W�hrend sie sich an Land wild und ungez�gelt benahmen, herrschte an Bord eine gute Disziplin. Nat�rlich bezahlte ich sie gut und sorgte auch daf�r, da� ihre Landaufenthalte angenehm verliefen.</p><p>Die f�nfte Reise, die ich unternahm, sollte meine Neugier befriedigen; ich hatte sie in einer schnellen Galeere zur�ckgelegt � ich wollte Tyros und Cos sehen.</p><p>Beide liegen etwa vierhundert Pasang westlich von Port Kar, Tyros im S�den von Cos, etwa hundert Pasang entfernt. Tyros ist eine felsige, bergige Insel, w�hrend Cos westlich seiner Gebirge weite Ebenen besitzt, auf deren Terrassen der Ta-Wein w�chst.</p><p>W�hrend ich meine f�nf Reisen unternahm, waren meine anderen sechs Schiffe auf Handelsmissionen unterwegs. Ich kehrte selten nach Port Kar zur�ck, ohne da� mein Verm�gen in meiner Abwesenheit weiter zugenommen hatte. Ich hatte bisher nur die f�nf Reisen gemacht und mich in den vorausgegangenen beiden Monaten in meinem Anwesen mit gesch�ftlichen und organisatorischen Fragen besch�ftigt, mit der Planung und Vorbereitung anderer Reisen. Aber ich rechnete damit, da� ich bald auf das Thassa zur�ckkehren w�rde, das � wie es hei�t � jedem Menschen unverge�lich ist.</p><p>Ich hatte inzwischen auch einige Neuerungen eingef�hrt. Ich verwendete auf meinen vier Rundschiffen freie M�nner als Ruderer, nicht Sklaven, wie es sonst in Port Kar �blich ist. Das Kampfschiff, das Langschiff, wird meines Wissens in Port Kar, Tyros oder Cos ohnehin nicht von Sklaven gerudert; in ihm sitzen stets freie M�nner. Die Galeerensklaven, die mir der Freiheit wert erschienen, setzte ich frei und stellte dabei fest, da� viele freiwillig bei mir bleiben wollten und mich als ihren Kapit�n anerkannten. M�nner die ich aus diesem oder jenem Grunde nicht freilassen wollte, verkaufte ich an andere Kapit�ne oder tauschte sie gegen Sklaven ein, denen ich die Freiheit geben konnte. L�cken, die auf meinen B�nken entstanden, wurden auf diese Weise schnell gef�llt. Ich kaufte einen starken Mann auf dem Sklavenkai und lie� ihn wortlos frei. Unweigerlich folgte er mir zu meinem Haus und bat, in meine Dienste treten zu d�rfen. Freie M�nner leisteten nicht nur bessere Dienste am Ruder, viele ergriffen au�erdem die Gelegenheit, sich an den Waffen ausbilden zu lassen, und ich stellte t�chtige Waffenmeister f�r den Unterricht ein. So wurden die Rundschiffe von Bosk, dem Kapit�n aus den S�mpfen, zu gef�hrlichen, stets kampfbereiten Einheiten. Andere Kaufleute aus Port Kar wandten sich deshalb an mich und baten um den Transport ihrer Waren auf meinen Schiffen. Ich zog es jedoch vor, meine Frachten selbst zu kaufen und zu ver�u�ern. Darauf begannen auch andere Kapit�ne mit freien Mannschaften zu experimentieren.</p><p>Meine Aufmerksamkeit galt wieder der Ratsversammlung, die gerade einen Antrag auf eine neue Holzschonung behandelte. Zur Belieferung seines Arsenals unterhielt Port Kar mehrere solcher Schonungen in den n�rdlichen W�ldern. Sie sind von Gr�ben umgeben, um Vieh und unlizensierte Fuhrleute fernzuhalten. W�chter werden eingestellt, die die W�lder bewachen, sie vor illegalem Schlag sch�tzen, dazu Inspektoren, die jedes Jahr die B�ume sch�tzen und z�hlen. Die W�chter sind auch f�r die Baumpflege, f�r das notwendige Ausd�nnen und Umpflanzen zust�ndig, f�r das Trimmen der B�ume und f�r den Unterhalt der Schutzgr�ben. Sie sind ebenso verantwortlich f�r das Biegen und Befestigen von Jungb�umen, die in bestimmten Formen wachsen sollen, gew�hnlich f�r Bugspriet und Reling. Einzelne B�ume, die au�erhalb der Schonungen von Port Kar beansprucht werden, erhalten das Siegel des Arsenals. Die Lage dieser B�ume ist in einem Buch festgehalten. Die Schonungen liegen gew�hnlich in der N�he von Fl�ssen, damit gef�llte B�ume leichter zum Meer gebracht werden k�nnen. B�ume werden au�erdem von den Waldbewohnern erworben, die das F�llen im Winter besorgen und die St�mme auf Schlitten zum Meer schaffen. Hat es in einem Winter nur wenig Schnee gegeben, steigt der Holzpreis oft an. Port Kar ist �brigens v�llig abh�ngig von den Holzlieferungen aus dem Norden. Turholz findet bei Galeerenwandungen Verwendung und f�r Relingstangen und Pfosten, das Ka-la-na wird zur Gangspills und Mastk�rben verarbeitet; Temholz als Ruder und Steuerruder und die Nadelb�ume f�r Masten und Spieren, Kabinen und Deckplanken.</p><p>Der Antrag passierte den Rat.</p><p>Wieder kam der Gedanke an Tyros und Cos in mir auf, doch ich unterdr�ckte meine Besorgnis. Ich hatte jetzt die Mittel, zwei weitere Schiffe f�r meine Flotte zu erwerben, zwei gro�e Rundschiffe mit gro�en Lader�umen. Ich hatte bereits Mannschaften ausgew�hlt und einige Reisen vorbereitet. Jedes Schiff sollte von einer Galeere mittlerer Gr��e begleitet werden.</p><p>Ein Junge erschien pl�tzlich neben mir und reichte mir einen Zettel. Ich erkannte einen Pagen des Rates.</p><p>Die Nachricht war kurz. In Blockschrift stand darauf: ICH M�CHTE MIT DIR REDEN. Die Unterschrift, ebenfalls in Blockschrift, lautete: SAMOS.</p><p>Ich zerkn�llte das Papier in der Hand.</p><p>�Wer hat dir die Nachricht gegeben?� fragte ich den Jungen.</p><p>�Ein Mann�, sagte er. �Ich kenne ihn nicht.�</p><p>Ich sah Lysius, den Offizier mit den Goldstreifen am Helm, zu mir her�berstarren.</p><p>Ich wu�te nicht, ob die Nachricht wirklich von Samos kam oder nicht. Wenn ja, dann wu�te er irgendwoher, da� Tarl Cabot in Port Kar war. Aber wie hatte er das erfahren? Und wie hatte er die Verbindung zu Bosk gezogen? Zweifellos wollte er mich an den Dienst der Priesterk�nige erinnern. Doch ich diente den Priesterk�nigen nicht mehr � ich diente nur noch mir selbst.</p><p>Ich gedachte die Nachricht zu ignorieren.</p><p>In diesem Augenblick st�rzte ein Mann in die Ratshalle der Kapit�ne.</p><p>Es war Henrak, der die Rencebauern verraten hatte, der Mann mit dem wei�en Seidentuch �ber der Schulter. �Das Arsenal!� rief er. �Das Arsenal brennt!�</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Die Kapit�ne sprangen auf, St�hle fielen polternd um. Der Schreiber am gro�en Tisch wurde angerempelt, Papiere segelten zu Boden. Die M�nner eilten auf das gro�e Eingangsportal zu, vor dem sich der gro�e Platz erstreckte.</p><p>Dann sah ich Lysius, der sich nicht vom Fleck ger�hrt hatte. Und ich bemerkte, da� der Schriftgelehrte, der gew�hnlich neben dem leeren Thron des Henrius Sevarius V. sa�, verschwunden war.</p><p>Von drau�en klangen Schreie und das Klirren von Waffen herein.</p><p>Pl�tzlich erhob sich Lysius. Er setzte den Helm auf und zog die Waffe.</p><p>Auch ich ergriff mein Schwert und zog es aus der Scheide. Doch da wich Lysius zur�ck, die Waffe erhoben. Er machte kehrt und floh durch eine Seitent�r aus der Ratshalle.</p><p>Auf der einen Seite des Saals brannte ein kleines Feuer; eine Lampe war umgeworfen worden. Der Schreiber am Mitteltisch stand reglos �ber seinen Papieren. Andere Schreiber eilten zu ihm, sahen sich ratlos um. An der Wand standen mehrere Ratspagen.</p><p>Pl�tzlich taumelte einer der Kapit�ne in den Saal. Ein Armbrustpfeil ragte aus seiner Samtweste. Er st�rzte, hielt sich an der Armlehne eines Ratssessels fest. Weitere Kapit�ne, zu viert oder f�nft, wichen in den Saal zur�ck, die Waffen erhoben, blutend.</p><p>Ich trat vor die Thronsessel der Ubars und deutete auf das kleine Feuer. �Mach das aus�, sagte ich zu einem der entsetzten Pagen, der sofort losrannte.</p><p>Dann steckte ich mein Schwert in die Scheide zur�ck.</p><p>�Nimm das Ratsbuch und bewache es�, befahl ich dem Schreiber am gro�en Tisch.</p><p>�Ja, Kapit�n�, sagte er und nahm das Dokument an sich.</p><p>Ich beugte mich vor, wischte Papiere zu Boden, packte den gro�en Tisch und hob ihn �ber den Kopf. Erstaunte Ausrufe wurden laut.</p><p>Ich drehte mich um und schritt langsam auf die gro�e Doppelt�r des Saals zu.</p><p>Weitere Kapit�ne, den R�cken zum Saal, dr�ngten k�mpfend, stolpernd herein, eindeutig auf dem R�ckzug. Sie waren die letzten.</p><p>Ich schleuderte den m�chtigen Tisch �ber ihre K�pfe durch die T�r. Er landete mit gewaltigem Krachen auf den M�nnern, die mit Schwertern und Schilden die Ratsmitglieder bedr�ngten. Mehrere K�mpfer wurden zu Boden geworfen.</p><p>�Holt St�hle und mehr Tische!� br�llte ich.</p><p>Obwohl viele der M�nner verwundet waren, gehorchten sie sofort und h�uften St�hle und andere M�belst�cke im Durchgang auf. Armbrustpfeile sirrten zwischen den M�belst�cken hindurch, brachen splitternd durch das Holz. Doch unsere Barrikade wuchs.</p><p>Mehrere M�nner versuchten das Hindernis zu �bersteigen und durchzubrechen.</p><p>Doch dort stie�en sie auf Bosk, in der Hand die geschmiedete Klinge eines korobanischen Schwertes.</p><p>Vier M�nner taumelten zur�ck, rollten �ber St�hle und Tische herab.</p><p>Armbrustpfeile flogen mir um den Kopf.</p><p>Ich lachte und sprang zu Boden. Nun lie�en sich keine M�nner mehr auf der Barrikade sehen.</p><p>�K�nnt ihr die T�r halten?� fragte ich die Kapit�ne und Schreiber und Pagen.</p><p>�Ja�, riefen sie.</p><p>Ich deutete auf die Nebent�r, durch die Lysius und wohl auch der Schreiber Henrius Sevarius� verschwunden waren. �Pa�t auf diesen Durchgang auf�, sagte ich.</p><p>Ich nahm zwei Kapit�ne mit und lief in die hintere Ecke des Ratssaals, von wo aus man �ber eine Wendeltreppe auf das Dach des Geb�udes gelangen konnte.</p><p>Kurz darauf standen wir auf der Schr�ge des Rathausdaches, gesch�tzt von T�rmchen und dekorativen Bastionen.</p><p>In der Nachmittagssonne stieg Rauch �ber den Kais und dem Arsenal im Westen auf.</p><p>�Schiffe aus Cos oder Tyros sind nicht im Hafen�, sagte ein Kapit�n.</p><p>Ich nickte und deutete auf die Hafenanlagen. �Das sind Kais von Chung und Eteocles?�</p><p>�Ja�, sagte der Kapit�n.</p><p>�Und die Anlagen dort�, fuhr ich fort und deutete weiter nach S�den, �geh�ren Nigel und Sullius Maximus, nicht wahr?�</p><p>Wir sahen brennende Schiffe.</p><p>�Ja�, sagte der zweite Kapit�n. �Zweifellos wird dort gek�mpft.�</p><p>�Und �berall im Hafengebiet�, fiel der erste Kapit�n ein.</p><p>�Es hat den Anschein, als sei der Besitz Henrius Sevarius�, Herr des Kapit�ns Lysius, unber�hrt.�</p><p>�So sieht es aus�, sagte der erste Kapit�n gepre�t.</p><p>Unter uns klangen Trompeten auf. M�nner br�llten.</p><p>Wir erblickten Banner, die das Zeichen des Hauses Sevarius trugen. M�nner versuchten das Volk auf die Stra�e zu locken, das sich ihnen anschlie�en sollte.</p><p>�Henrius Sevarius�, riefen sie, �ist Ubar von Port Kar!�</p><p>�Sevarius l��t sich zum Ubar ausrufen�, sagte der erste Kapit�n.</p><p>�Oder Claudius, sein Regent�, f�gte der andere hinzu.</p><p>Ein weiterer Kapit�n stie� zu uns. �Unten ist jetzt alles ruhig�, meldete er.</p><p>�Seht!� sagte ich und deutete auf einige Kan�le zwischen den Geb�uden. Von mehreren Seiten n�herten sich Tarnschiffe mit langsamem Ruderschlag. Sie hielten auf das Geb�ude des Kapit�nsrates zu. Armbrustsch�tzen flohen vor ihnen auf den schmalen Kanalsteigen. Andere Bewaffnete schlossen sich an.</p><p>�Offenbar ist Henrius Sevarius doch noch nicht ganz Ubar dieser Stadt�, lachte ich.</p><p>Auf der anderen Seite des Platzes erschien in einem der angrenzenden Kan�le ein Rammschiff mittlerer Klasse und n�herte sich einer Anlegestelle zwischen zwei Kais. Es war kampfbereit � die Masten waren umgelegt, die Segel unter Deck. Im Wind flatterte die Fahne mit den gr�nen Streifen und dem schwarzen Kopf eines Bosk.</p><p>Auch auf diese Entfernung sah ich Thurnocks m�chtige Gestalt vom Schiff springen, gefolgt von Clitus und Tab, der meine M�nner ausschw�rmen lie�.</p><p>�Versucht den Schaden im Arsenal abzusch�tzen�, sagte ich.</p><p>�Offenbar brennen die Holzschuppen und die Trockendocks. Und die Pech- und Ruderlager�, sagte ein anderer.</p><p>�Es gibt wenig Wind�, bemerkte jemand.</p><p>Ich war nicht unzufrieden. Eigentlich war anzunehmen, da� die vielen hundert Arbeiter im Arsenal die Flammen in den Griff bekommen w�rden. Feuer ist dort immer als die gr��te Gefahr angesehen worden, so da� viele Lagerh�user, Werkst�tten und Schmieden aus Stein erbaut sind und Schiefer- oder Metalld�cher tragen. Die Holzgeb�ude � die zahlreichen Schuppen und �berdachten Lagerfl�chen � sind voneinander abgesetzt. Innerhalb des Arsenals gibt es zudem ausreichend offene Wasserstellen, und neben den vielen Becken stehen rote Holzkisten mit zusammengefalteten Ledereimern, die zur Feuerbek�mpfung gedacht sind. Einige andere Becken sind so gro�, da� sogar Galeeren darin ankern k�nnen, denn sie haben zwei Zug�nge zum Kanalsystem der Stadt und au�erdem zwei Tore zum Tambergolf. Jede dieser Ausfahrten ist durch gro�e Stahltore gesichert. Diese gro�en Becken erf�llen zwei Zwecke � die offenen Bassins werden f�r die Unterwasserlagerung und Reifung des Turholzes verwendet, die �berdachten Becken dienen zur Endmontage neuer Schiffe und zu Reparaturen, die einen Aufenthalt im Trockendock nicht erfordern.</p><p>Es wollte mir scheinen, da� Rauch und Flammen im Arsenal nachgelassen h�tten. Bei den Hafenanlagen von Chung, Eteocles, Nigel und Sullius Maximus stand es nicht so g�nstig.</p><p>Vielleicht waren die Br�nde im Arsenal auch nur als Ablenkung gedacht. Sie hatten jedenfalls dazu gedient, die Kapit�ne Port Kars in einen Hinterhalt vor dem Ratsgeb�ude zu locken. Wahrscheinlich hatte Henrius Sevarius das Arsenal nicht ernsthaft besch�digen wollen, das � wenn er erst einmal Ubar war � das Kernst�ck seines neuen Reichtums darstellen w�rde.</p><p>�Ich gehe zum Arsenal�, sagte ich und wandte mich an einen der Kapit�ne. �Schicke die Schreiber los und la� den Schaden sch�tzen. Auch sollen die Kapit�ne sofort die milit�rische Situation in die Hand nehmen. Die Schiffspatrouillen m�ssen verst�rkt werden und auf einen Radius von f�nfzig Pasang ausgedehnt werden.�</p><p>�Aber Cos und Tyros haben doch nicht ��</p><p>�Egal. Und heute abend mu� der Rat wieder zusammentreten.�</p><p>�Das geht doch nicht ��</p><p>�Zur zwanzigsten Stunde�, sagte ich.</p><p>�Ich schicke Pagen los�, erwiderte der Mann.</p><p>�Und ruft die vier Kapit�ne Chung, Eteocles, Nigel und Sullius Maximus in den Ratssaal.�</p><p>�Aber sie sind Ubars!� fl�sterte der Kapit�n.</p><p>Ich deutete auf die brennenden Dockanlagen.</p><p>�Wenn sie nicht kommen�, sagte ich, �la� ihnen ausrichten, da� sie nach Ansicht des Rates nicht l�nger Kapit�ne sind.�</p><p>Die M�nner starrten mich verdattert an.</p><p>�Der Rat ist jetzt die h�chste Macht in Port Kar.�</p><p>Die Kapit�ne nickten.</p><p>Die Macht der Kapit�ne war wenig geschm�lert. Der Coup, der sie blitzschnell hatte vernichten sollen, war fehlgeschlagen. Durch die Barrikade am Portal waren die meisten mit dem Leben davongekommen. Andere waren gar nicht erst in der Versammlung gewesen. �berdies lie�en die Kapit�ne ihre Schiffe vorwiegend in den Becken ihrer befestigten H�user anlegen. Und wer die offenen Docks benutzte, schien keinen Schaden davongetragen zu haben; nur die Kais der vier Ubars schienen zu brennen.</p><p>Ohnehin ist jeweils der gr��te Teil der Flotte Port Kars auf See. Ich hatte im Augenblick nur zwei Schiffe in der Stadt, w�hrend f�nf unterwegs waren. Die zur�ckkehrenden Einheiten der Kapit�ne w�rden ihre Macht in der Stadt weiter festigen, standen doch ihre Mannschaften dann auch an Land zur Verf�gung. Gewi� waren auch viele Schiffe der Ubars auf See, doch die M�nner, die sich die F�hrung Port Kars anma�ten, behielten gew�hnlich einen gr��eren Teil ihrer Streitkr�fte im Hafen. Ich rechnete damit, da� die Macht der vier Ubars durch den Aufruhr etwa halbiert worden war, so da� sie insgesamt vielleicht noch etwa hundertundf�nfzig Schiffe kontrollierten. Allerdings erwartete ich nicht, da� sie zusammenarbeiten w�rden. Au�erdem konnte der Rat der Kapit�ne ihre Schiffe abfangen und beschlagnahmen, wenn sie den Hafen anliefen. Ich hatte seit l�ngerem das Gef�hl, da� f�nf Ubars in Port Kar und die sich daraus ergebende Anarchie politisch untragbar waren � nicht zuletzt f�r meine eigenen Interessen. Ich wollte nicht gezwungen sein, mich einem Ubar anzuschlie�en, ich wollte allein arbeiten. Hieraus ergab sich mein Wunsch, da� der Rat seine Position in der Stadt konsolidieren m�ge. Nachdem der Staatsstreich des Henrius Sevarius fehlgeschlagen und die Macht der anderen Ubars geschm�lert worden war, mochte es nun soweit sein.</p><p>Ich gedachte die heutige Ratsversammlung zu leiten.</p><p>�Bis zur zwanzigsten Stunde dann, meine Herren Kapit�ne�, sagte ich.</p><p>Die M�nner verlie�en das Dach. Ich blieb allein zur�ck und beobachtete die Br�nde. Ein Mann wie ich konnte in einer solchen Stadt viel erreichen, �berlegte ich mir.</p><p>Die neunzehnte Stunde war heranger�ckt. Im Saal des Kapit�nsrats �ber uns h�rte ich Schritte. St�hle scharrten. Heute w�rden bestimmt alle Kapit�ne kommen, hie� es, sogar die vier Ubars � Chung, Eteocles, Nigel und Sullius Maximus � wurden erwartet.</p><p>Der Mann auf der Folterbank neben mir wimmerte vor Schmerzen. Er geh�rte zu den M�nnern, die wir gefangen hatten.</p><p>�Wir haben jetzt Berichte �ber den Schaden in den Hafenanlagen Chungs�, sagte ein Schreiber und dr�ckte mir einige Bogen Papier in die Hand. Ich wu�te, da� die Br�nde dort noch nicht gel�scht waren, w�hrend wir sie auf den Kais von Eteocles, Nigel und Sullius Maximus im wesentlichen unter Kontrolle hatten, obwohl bei Sullius noch eine Lagerhalle mit Tharlarion�l brannte, die die ganze Stadt mit Gestank und Rauch erf�llte. Soweit ich feststellen konnte, hatte Chung den gr��ten Schaden erlitten und etwa drei�ig Schiffe verloren. Die Macht der Ubars war zwar nicht halbiert, aber doch erheblich dezimiert worden. Der Schaden im Arsenal dagegen, den ich mit eigenen Augen gesehen hatte, war nicht �berm��ig schlimm.</p><p>Einige M�nner, die das Feuer gelegt hatten und erwischt worden waren, lagen jetzt hier unter dem Ratssaal der Kapit�ne auf den Streckb�nken.</p><p>Die beiden Sklaven neben mir beugten sich �ber die Winde. Holz knirschte, prompt gefolgt von einem durchdringenden Schrei.</p><p>�Sind die Patrouillen verdoppelt worden?� fragte ich einen Kapit�n.</p><p>�Ja�, sagte er, �und der Kontrollbereich ist auf f�nfzig Pasang ausgedehnt.�</p><p>�Wie sieht die milit�rische Lage aus?� fragte ich.</p><p>�Die M�nner Henrius Sevarius� haben sich auf seinen Besitz zur�ckgezogen. Seine Schiffe und Kaianlagen sind gut verteidigt. Unsere Leute halten Wache, andere bleiben in Reserve. Machen Sevarius� Leute einen Ausbruchsversuch, sind wir bereit.�</p><p>�Wie steht es mit der Stadt?� wollte ich wissen.</p><p>�Sie ist Henrius Sevarius nicht gefolgt�, erwiderte der Kapit�n. �In den Stra�en rufen die Menschen: �Der Rat mu� an die Macht!��</p><p>�Ausgezeichnet�, bemerkte ich.</p><p>Ein Schreiber eilte an meine Seite. �Ein Abgesandter des Hauses Sevarius verlangt vor dem Rat zu sprechen�, sagte er.</p><p>�Ist der Mann Kapit�n?�</p><p>�Ja � Lysius.�</p><p>Ich l�chelte. �Gut�, sagte ich, �schickt einen Pagen und einen Mann mit einer Fackel, der ihn abholen soll.�</p><p>Der Schreiber grinste. �Ja, Kapit�n.�</p><p>Ich gab den beiden Sklaven an der Streckbank ein Zeichen, ihre Winde noch st�rker anzuziehen. Der Mann auf der Bank warf den Kopf zur�ck und �ffnete den Mund � aber es war kein Laut zu h�ren.</p><p>�Was hast du erfahren?� fragte ich den Schriftgelehrten neben dem Folterinstrument.</p><p>�Nichts Neues. Er wurde wie die anderen von Leuten des Henrius Sevarius angeworben � einige, um Kapit�ne umzubringen, andere, um die Kaianlagen und das Arsenal in Brand zu stecken. Heute nacht sollte Sevarius Ubar in der Stadt sein � und jeder der M�nner h�tte einen Stein Gold erhalten.�</p><p>�Was ist mit Cos und Tyros?� fragte ich.</p><p>Der Schriftgelehrte starrte mich verwirrt an. �Davon war nicht die Rede.�</p><p>Das �rgerte mich, denn ich war sicher, da� hinter dem Staatsstreich mehr steckte als der Plan eines Ubar von Port Kar. Ich hatte sp�testens am Abend mit der Ankunft einer Flotte aus Cos und Tyros gerechnet. War es m�glich, da� die beiden Inselreiche tats�chlich nichts mit dem versuchten Staatsstreich zu tun hatten?</p><p>�Von dem ist doch kaum etwas zu erfahren�, sagte eine Stimme hinter mir � es h�tte ein Larl sein k�nnen, der da sprach.</p><p>Ich drehte mich um.</p><p>Mit ausdruckslosem Gesicht starrte er mich an � ein Mann, der in Port Kar wohlbekannt war.</p><p>�Du warst heute nachmittag nicht bei der Versammlung�, sagte ich.</p><p>�Nein�, erwiderte er.</p><p>Er war ein gro�er Mann. �ber der linken Schulter trug er die beiden Schn�re Port Kars, die gew�hnlich nur au�erhalb der Stadt getragen wurden. Er war warm gekleidet, seine Kapuze hatte er in den Nacken geschoben. Sein Gesicht war breit und vom Thassa gegerbt, der seine Spuren mit Wind und Salz in die Haut eingebrannt hatte. Der Mann hatte graue Augen, kurzgeschnittenes wei�es Haar, und in den Ohren schimmerten zwei kleine Goldringe.</p><p>Ein Larl in Menschengestalt, mit all den Instinkten und der Schl�ue des Raubtiers � Samos, der erste Sklavenh�ndler der Stadt.</p><p>�Sei gegr��t, hoher Samos�, sagte ich.</p><p>�Sei gegr��t�, erwiderte er.</p><p>In diesem Augenblick war es mir undenkbar, da� dieser Mann den Priesterk�nigen dienen k�nne. Es kam mir eher vor, als k�nne er nur auf der Seite der Anderen stehen, jener Wesen in ihren fernen Stahlwelten, die verstohlen um die Vorherrschaft auf Gor und der Erde k�mpften.</p><p>Samos blickte sich um. �Sind Tyros und Cos schon belastet worden?� fragte er.</p><p>�Die Gefangenen gestehen alles, was wir wollen�, sagte ich trocken.</p><p>�Ich glaube aber, da� Cos und Tyros damit zu tun haben�, meinte er.</p><p>�Ich auch�, sagte ich.</p><p>�Aber wer w�rde Leute wie die in solche Pl�ne einweihen?�</p><p>Er wandte sich zum Gehen, blieb stehen und sagte �ber die Schulter. �Du bist der Mann, der Bosk genannt wird, nicht wahr?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Man mu� dir gratulieren, da� du heute nachmittag die F�hrung �bernommen hast�, sagte er. �Du hast dem Rat einen gro�en Dienst erwiesen.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>Dann drehte er sich um. �Wei�t du, wer der Seniorkapit�n im Rate ist?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich�, sagte Samos und wandte sich an den Schriftgelehrten neben der Streckbank. �Nehmt die M�nner herunter�, sagte er, �und legt sie in Ketten. Vielleicht m�ssen wir sie morgen weiter befragen.�</p><p>�Was hast du mit ihnen vor?� fragte ich.</p><p>�Unsere Rundschiffe�, sagte Samos, �brauchen Ruderer.�</p><p>Ich nickte. Die M�nner sollten also Sklaven werden.</p><p>Ich erinnerte mich an den Zettel, den ich erhalten hatte, ehe Henrak in den Ratssaal st�rmte und das Feuer meldete. Ich hatte die Nachricht in den Beutel gesteckt, den ich am G�rtel trug.</p><p>�Ehrenwerter Samos�, sagte ich, �hast du mir heute fr�h eine Mitteilung zukommen lassen, da� du mich sprechen wolltest?�</p><p>Samos musterte mich pr�fend. �Nein�, sagte er.</p><p>Ich neigte den Kopf, und der Seniorkapit�n verlie� den Raum.</p><p>�Samos�, erkl�rte einer der Schreiber in der N�he, �ist erst heute abend in Port Kar eingelaufen, zur achtzehnten Stunde. Er kommt direkt von Scagnar.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>Wer sollte mir dann einen solchen Zettel schicken? Offenbar gab es andere, die mit mir Kontakt aufnehmen wollten.</p><p>Die zwanzigste Stunde war heranger�ckt.</p><p>In dieser Nacht war das Geb�ude des Kapit�nsrats von M�nnern umstellt, und in einem Pasang Umkreis waren alle D�cher und Kanalsteige mit Posten besetzt.</p><p>In der Halle selbst flackerten Fackeln und viele Dochtlampen. Lysius, Kapit�n und Klient des Henrius Sevarius, ging vor dem gro�en Tisch des Schreibers auf und ab und sprach. Sein Umhang wirbelte hinter ihm, und er trug seinen Helm in der Armbeuge.</p><p>�Und so�, sagte Lysius, �biete ich euch allen Amnestie im Namen des Ubar von Port Kar, Henrius Sevarius!�</p><p>�Henrius Sevarius, Kapit�n�, sagte Samos im Namen des Rats, �ist zu g�tig.�</p><p>Lysius neigte den Kopf.</p><p>�Henrius Sevarius, Kapit�n�, sagte Samos bed�chtig, �d�rfte jedoch feststellen, da� der Rat der Kapit�ne weniger gro�z�gig gestimmt ist als er.�</p><p>Lysius fuhr auf. �Seine Macht ist gr��er als die eure!� rief er und deutete auf die Ubars, die, jeder von einer Leibgarde umgeben, ihre Thronsessel eingenommen hatten. �Damit seid auch ihr gemeint!�</p><p>Ich musterte die M�nner, die den Anspruch stellten, Herrscher �ber Port Kar zu sein � der gedrungene, schlaue Chung, der schmalgesichtige Taktiker Eteocles, der langhaarige Nigel, der wie ein Kriegsherr von der Insel Torwaldsland aussah � und Sullius Maximus, der angeblich Gedichte schrieb und ein Kenner der Gifte war.</p><p>�Wie viele Schiffe hat er denn?� erkundigte sich Samos.</p><p>�Einhundertundzwei!� verk�ndete Lysius stolz.</p><p>�Die Kapit�ne des Rats�, sagte Samos trocken, �haben in ihren pers�nlichen Diensten etwa eintausend Schiffe. Au�erdem ist der Rat �ber weitere tausend Schiffe aus der Stadt verf�gungsberechtigt � also befehligt der Rat zweitausend Einheiten.�</p><p>�Es gibt auch noch viele andere Schiffe!� rief Lysius.</p><p>�Du meinst die Flotten von Chung, Eteocles, Nigel und Sullius Maximus?�</p><p>Gel�chter wurde laut.</p><p>�Nein!� rief Lysius. �Ich meine die Schiffe der kleineren Kapit�ne � rund zweitausendf�nfhundert.�</p><p>�In den Stra�en habe ich den Ruf �Der Rat an die Macht!� geh�rt�, bemerkte Samos.</p><p>�Wenn Henrius Sevarius zum alleinigen Ubar ausgerufen wird�, sagte Lysius leise, �d�rft ihr weiterleben, ihr werdet begnadigt.�</p><p>�Das ist ein Angebot?� fragte Samos.</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann h�re nun das Verlangen des Rats � da� n�mlich Henrius Sevarius und sein Regent Claudius die Waffen niederlegen, sich aller Schiffe und M�nner und Besitzt�mer entledigen und sich in Sklavenfesseln vor dem Rat zur Aburteilung einfinden sollen!�</p><p>Lysius, das Gesicht starr vor Wut, die Hand auf den Schwertgriff gelegt, stand stumm vor dem ersten Sklavenh�ndler der Stadt. �Ich beanspruche die Immunit�t des Heralds!� rief er.</p><p>�Sie sei dir gew�hrt�, winkte Samos geringsch�tzig ab.</p><p>Mit wehendem Umhang verlie� der Abgesandte den Saal.</p><p>Samos wandte sich den vier Thronsesseln der Ubars zu. �Meine werten Kapit�ne�, sagte er.</p><p>�Ubars!� rief Sullius Maximus.</p><p>�Ubars�, verbesserte sich Samos und neigte l�chelnd den Kopf. �So sei euch gesagt, Ubars, da� Samos, erster Sklavenh�ndler von Port Kar, nun dem Rat antr�gt, er solle die Leitung der Stadt Port Kar in eigene H�nde nehmen, mit voller Machtbefugnis, ob in Politik, Gesetzgebung, Ordnungsmacht, Besteuerung oder anderen Dingen.�</p><p>�Nein!� riefen die Ubars fast gleichzeitig und sprangen auf.</p><p>�Das bedeutete B�rgerkrieg!� br�llte Eteocles.</p><p>�Der Rat hat die Macht!� sagte Samos.</p><p>�Der Rat hat die Macht!� fielen die M�nner auf den R�ngen lautstark ein.</p><p>Ich sa� l�chelnd auf meinem Sitz.</p><p>�Au�erdem schlage ich dem Rat vor zu beschlie�en, da� alle Bindungen zwischen Klienten und Ubars zu l�sen sind, um auf freiwilliger Basis wiederhergestellt zu werden, anhand von Dokumenten, deren Kopien beim Rat zu hinterlegen sind.�</p><p>Sullius Maximus sch�ttelte die Faust. �Du nimmst uns unsere Macht nicht!� br�llte er.</p><p>Chung warf sich mit stolzer Geste den Umhang �ber die Schultern und verlie� mit seiner Gefolgschaft den Saal. Mit ver�chtlichem Schulterzucken strebte auch Nigel dem Ausgang zu.</p><p>�Ich bitte nun den Tischschreiber, die Liste der Kapit�ne zu verlesen�, sagte Samos.</p><p>�Antisthenes!� rief der Mann.</p><p>�Antisthenes stimmt den Antr�gen zu!� sagte ein Mann in der dritten Reihe.</p><p>Mit einem Wutschrei sprang Eteocles auf, zog sein Schwert und hieb die Klinge in den Tisch, nagelte die Papiere des Schreibers auf der Platte fest. �Hier ist die Macht in Port Kar!� rief er.</p><p>Langsam zog Samos seine Waffe und legte sie sich �ber die Knie. �Wenn das so ist. Auch hier ist Macht�, sagte er.</p><p>Die anderen Ratsmitglieder taten es ihm nach.</p><p>Eteocles blickte in die Runde, zog seine Klinge aus dem Tisch, rammte sie wieder in die Scheide und hastete aus dem Saal.</p><p>Mit reglosem Gesicht hatte sich Sullius Maximus erhoben. Ein Mann hinter ihm legte nach seinen W�nschen die Falten seines weiten Umhangs zurecht. Ein zweiter Mann hinter ihm hielt seinen Helm.</p><p>�Ich werde ein Gedicht schreiben�, sagte er, �ein Klagelied �ber den Niedergang der Ubars.� Und er l�chelte und ging.</p><p>Er, davon war ich �berzeugt, war der gef�hrlichste aller Ubars.</p><p>�Bejar!� rief der Schreiber.</p><p>�Bejar stimmt den Antr�gen zu!� sagte ein Kapit�n aus der zweiten Reihe unter mir.</p><p>�Bosk!� rief der Schreiber.</p><p>�Bosk�, sagte ich, �enth�lt sich der Stimme.�</p><p>Samos und viele andere warfen mir einen �berraschten Blick zu.</p><p>Ich sah in diesem Augenblick noch keinen Grund, mich dem Programm Samos� und des Rats zu verpflichten. Es war klar, da� seine Antr�ge angenommen w�rden. Au�erdem waren sie bestimmt in meinem Interesse. Aber indem ich mich der Stimme enthielt, blieben meine Einstellung und meine Ansichten auf n�tzliche Weise im Zwielicht � noch war nicht abzusehen, auf welchem Ratsstuhl sich die Tarns der Macht niederlassen w�rden.</p><p>Wie vermutet, wurden Samos� Antr�ge mit �berw�ltigender Mehrheit angenommen. Es gab Enthaltungen und auch einige Neinstimmen � wahrscheinlich von Kapit�nen, die die Macht des einen oder anderen Ubars f�rchteten.</p><p>Noch in dieser Nacht wurde die konkrete Arbeit aufgenommen, und schon vor Sonnenaufgang wurden Mauern um den Besitz Henrius Sevarius� errichtet und seine Hafenanlagen blockiert, w�hrend Wachmannschaften die anderen vier Ubars und ihre Festungen im Auge behielten. Mehrere Komitees wurden gebildet, die Studien verschiedener Arten anfertigen sollten, besonders in milit�rischer und kommerzieller Hinsicht � so �ber eine Schiffsz�hlung, deren Ergebnis nur dem Rat vorgetragen werden sollte. Es ging auch um die Kl�rung der Verteidigungsbereitschaft der Stadt, um die Bestimmung von Vorr�ten wie Holz, Korn, Salz und Tharlarion�l. Ohne konkrete Beschl�sse wurde gesprochen �ber die Besteuerung, die Vereinheitlichung und Revisionen der Gesetze, die Errichtung von Ratsgerichten in Abl�sung der Ubargerichte und �ber die Aufstellung einer Gruppe von Bewaffneten, die nur dem Rat unterstehen und eine kleine Ratsmiliz bilden sollten. Es sei hier erw�hnt, da� es eine solche Gruppe bereits innerhalb des Arsenals gab eine Art Polizei, die zu einer Abteilung der neuen Ratswache werden konnte, wenn diese Wirklichkeit werden sollte. Nat�rlich kontrollierte der Rat schon eine gro�e Anzahl von Schiffen und Mannschaften, doch darf nicht �bersehen werden, da� diese Macht im Grunde seem�nnischer Natur war, eine Art Marine; die Ereignisse des Nachmittags hatten gezeigt, da� der Rat auch eine kleine verl��liche Infanterie zur Verf�gung haben mu�te.</p><p>Es war kurz nach Sonnenaufgang, und das graue Licht der Morgend�mmerung fiel bereits durch die schmalen Fenster des Ratssaals. Ich hatte die Nachricht, die angeblich von Samos stammte, aus dem Beutel genommen und sie mit langsamen Bewegungen in der Flamme meiner Lampe verbrannt. Nun l�schte ich die kleine Flamme. Es war Tag.</p><p>�Ich vermute�, sagte Samos, �da� Cos und Tyros mit dem fehlgeschlagenen Staatsstreich des Hauses Sevarius zu tun haben.�</p><p>Ich w�re �berrascht gewesen, wenn diese Vermutung nicht richtig gewesen w�re. Zustimmende Rufe wurden laut.</p><p>�Ich selbst bin des ewigen Streits mit Cos und Tyros m�de�, fuhr Samos fort.</p><p>Die Kapit�ne sahen sich fragend an.</p><p>�Nachdem nun in Port Kar der Rat herrscht�, sagte Samos, �w�re da nicht der Friede denkbar?�</p><p>Diese Wendung der Dinge verbl�ffte mich.</p><p>�Zwischen Port Kar und Cos und Tyros hat es immer Krieg gegeben�, bemerkte ein Kapit�n hitzig.</p><p>�Wie ihr wi�t, geh�rt Port Kar nicht zu den beliebtesten oder angesehensten St�dten Gors�, sagte Samos beschwichtigend. �Beruht das nicht auf einem Mi�verst�ndnis unserer Motive?�</p><p>Diese Frage wurde mit Gel�chter beantwortet. Auch ich l�chelte. Port Kar wurde von den anderen goreanischen St�dten nur zu gut verstanden.</p><p>�Denken wir an unseren Handel�, sagte Samos. �Lie�en sich unsere Gesch�fte nicht verdreifachen, wenn wir bei den goreanischen St�dten als Stadt der Liebe und des Friedens g�lten?�</p><p>Lautes Gel�chter erschallte.</p><p>Als wieder Stille eintrat, klang pl�tzlich die Stimme des Kapit�ns Bejar auf, der unter mir sa�: �Ja, du hast recht.�</p><p>Alle schwiegen. Ich glaube, es gab niemanden, der jetzt nicht den Atem anhielt.</p><p>�Ich beantrage�, sagte Samos, �da� sich der Rat mit Cos und Tyros in Verbindung setzt und Friedensbedingungen anbietet.�</p><p>�Nein!� riefen die versammelten Kapit�ne wie ein Mann. �Nein!�</p><p>Als sich der Tumult gelegt hatte, sagte Samos leise: �Nat�rlich werden unsere Bedingungen abgelehnt werden.�</p><p>Die Kapit�ne sahen sich verwirrt an, begannen zu l�cheln, platzten laut lachend heraus.</p><p>Samos war wirklich ein kluger Mann. Die Fassade der Gro�z�gigkeit war wirklich ein wertvolles Gut f�r eine maritime Stadt. Man mochte Port Kar anderweitig mit gr��erem Vertrauen begegnen, nachdem die Machtergreifung des Rats nun die M�glichkeit er�ffnete, die Stadt zu reformieren. Welch bessere Geste war da vorstellbar als eine Friedensmission gegen�ber den Erzfeinden Cos und Tyros? Wenn die Fortsetzung des Kriegs eindeutig zu ihren Lasten ging, war es vielleicht m�glich, da� sich Verb�ndete von den beiden Insel-Ubaraten zur�ckzogen und sich Port Kar zuwandten. Und die Wirkung auf die neutralen H�fen und St�dte konnte nur vorteilhaft sein. Zumindest mochten Schiffe aus Port Kar pl�tzlich Zugang zu H�fen erhalten, die ihnen bisher verschlossen gewesen waren.</p><p>�Was ist aber, wenn das Friedensangebot angenommen wird?� fragte ich. Mehrere Kapit�ne lachten.</p><p>Samos runzelte die Stirn, und seine grauen Augen starrten mich an. �Dann ist es eben angenommen�, sagte er.</p><p>�Und�, fragte ich, �halten wir uns dann an die Annahme? W�re dann wirklich Frieden zwischen Port Kar einerseits und Cos und Tyros andererseits?�</p><p>�Das lie�e sich immer noch bei einer k�nftigen Ratsversammlung besprechen�, sagte Samos l�chelnd.</p><p>Br�llendes Gel�chter.</p><p>�Die Gelegenheit ist g�nstig�, fuhr Samos fort, �Cos und Tyros den Frieden anzubieten. Erstens ist der Rat dieser Stadt neu an die Macht gekommen. Zweitens habe ich von Spionen erfahren, da� in dieser Woche der Ubar von Tyros auf Cos erwartet wird.�</p><p>Die Kapit�ne murmelten �rgerlich. Es war kein gutes Zeichen f�r Port Kar, wenn der Ubar von Tyros einen Besuch in Cos machte. Vielleicht waren die beiden Insel-Ubarate wirklich in eine Verschw�rung gegen Port Kar verwickelt.</p><p>�Dann planen sie sicherlich, ihre Flotten gegen uns zu schicken�, sagte einer der Kapit�ne.</p><p>�Vielleicht k�nnten das die Mitglieder einer Friedensmission in Erfahrung bringen.�</p><p>�Was ist mit unseren Spionen�, fragte ich, �die so gut unterrichtet scheinen? Wenn sie die Reisepl�ne des Ubar von Tyros herausfinden k�nnen, d�rfte ihnen die Zusammenziehung einer gro�en Flotte doch erst recht nicht entgehen.�</p><p>Samos� Hand hatte sich unwillk�rlich dem Schwertgriff gen�hert. �Du sprichst etwas zu fix f�r einen, der im Rat der Kapit�ne neu ist.�</p><p>�Offenbar fixer als du zu antworten gewillt bist, nobler Kapit�n�, antwortete ich k�hl.</p><p>Ich fragte mich, welches Interesse Samos an Cos und Tyros haben mochte.</p><p>�Die Flotten von Cos und Tyros�, sagte er, �haben sich noch nicht versammelt.�</p><p>Ich nickte langsam. Wenn er das gewu�t hatte, warum hatte er es nicht schon fr�her ausgesprochen?</p><p>�Ich habe weniger Interesse an Beutez�gen als manche meiner Kollegen�, sagte ich. �Da meine Arbeit im wesentlichen den Handel betrifft, w�rde ich pers�nlich den Frieden mit Cos und Tyros �beraus willkommen hei�en. Es will auch mir nicht undenkbar erscheinen, da� diese beiden M�chte des Krieges �berdr�ssig sind, wie es Samos hier zum Ausdruck bringt. Wenn das stimmt, wird unser Friedensangebot vielleicht sogar tats�chlich angenommen. Ein solcher Frieden � glaube ich � w�rde uns die H�fen von Tyros und Cos �ffnen, ebenso wie die ihrer Verb�ndeten. Ein solcher Friede, meine Herren Kapit�ne, k�nnte sehr gewinntr�chtig sein.� Ich blickte Samos an. �Wenn ein Friedensangebot ausgesprochen wird, so w�rde ich hoffen, da� es ehrlich gemeint ist.�</p><p>Samos musterte mich starr. �Es ist ehrlich gemeint�, sagte er.</p><p>Die Kapit�ne murmelten. Ich war verbl�fft.</p><p>�Bosk�, sagte Samos laut, �wei� die Vorteile des Friedens darzustellen. Bedenken wir seine Worte wohl. Ich glaube, es gibt hier nur wenige, denen Gold nicht mehr bedeutet als Blut. Wenn Friede geschlossen w�rde, wer von euch hielte ihn nicht?�</p><p>Er blickte von Mann zu Mann. Zu meiner �berraschung waren alle bereit, den Frieden einzuhalten, sollte er vereinbart werden.</p><p>Zum erstenmal wollte mir scheinen, als g�be es wirklich eine Friedenschance f�r die wichtigsten Ubarate am schimmernden Thassa.</p><p>Pl�tzlich glaubte ich Samos. Ich sah zu ihm hin�ber, versuchte mir �ber ihn klar zu werden. Er war ein seltsamer Mann. Ich verstand ihn nicht.</p><p>�Nat�rlich wird unser Friedensangebot abgelehnt�, sagte Samos. Die Kapit�ne grinsten, und mir wurde bewu�t, da� ich mich in Port Kar befand.</p><p>�Wir brauchen einen Mann, der unser Angebot nach Cos �berbringt, wo er jetzt die Ubars von Cos und Tyros antrifft.�</p><p>Ich h�rte kaum noch zu.</p><p>�Es m��te sich um einen Mann handeln, der im Rang eines Ratsmitglieds steht, der bewiesen hat, da� er zu handeln versteht, und der dem Rat schon zu Diensten gewesen ist, kurz: ein Mann, der zu sprechen wei� und ein w�rdiger Vertreter Port Kars ist.�</p><p>Ich war m�de; der Tag war l�ngst angebrochen.</p><p>�Au�erdem sollte der Betreffende in Cos und Tyros nicht allzu gut bekannt sein, jemand, der die Machthaber dort noch nicht ver�rgert hat oder ihr Blutsfeind geworden ist.�</p><p>Pl�tzlich fuhr ich auf und l�chelte. Samos war kein Narr. Er war Seniorkapit�n des Rats. Er hatte mich aufs Korn genommen und w�rde mich nicht mehr loslassen.</p><p>�Und ein solcher Mann�, fuhr Samos fort, �ist Bosk � der aus den S�mpfen kam. Erw�hlen wir ihn zu dem Mann, der im Namen des Rats Cos und Tyros den Frieden anbietet!�</p><p>Ich freute mich �ber das Schweigen, das nun eintrat. Ich hatte mir bis dahin nicht klar gemacht, welche Wertsch�tzung ich im Kreise der anderen Kapit�ne geno�.</p><p>Antisthenes ergriff als erster das Wort. �Ich meine nicht, da� wir einen Kapit�n schicken sollten�, sagte er. �Das k�me einer Verurteilung auf die Galeerenb�nke von Cos gleich. Au�erdem bin ich der Meinung, wir sollten einen Mann entsenden, der nicht die Schn�re dieser Stadt tr�gt.�</p><p>Ich l�chelte. �Es ist nat�rlich eine gro�e Ehre f�r mich, da� der noble Samos mich f�r diese Aufgabe benennt, der ich doch wahrlich der geringste unter den anwesenden Kapit�nen bin.�</p><p>Die M�nner sahen sich grinsend an.</p><p>�Dann lehnst du also ab?� fragte Samos.</p><p>�Es will mir allerdings scheinen, da� eine so entscheidende Rolle einem W�rdigeren zufallen sollte, niemandem anders als dem h�chsten unter uns, der mit den Ubars von Cos und Tyros auf gleichem Fu�e verhandeln k�nnte � Samos!�</p><p>�Ich bin dankbar f�r deine Nominierung�, sagte Samos in das Gel�chter der anderen hinein, �aber ich glaube nicht, da� es dem Seniorkapit�n des Rats in diesen unruhigen Zeiten ansteht, die Stadt zu verlassen, auch wenn es um eine Friedensmission geht. Dazu ist die Lage zu Hause noch viel zu unsicher.�</p><p>�Stimmt�, sagte ein Kapit�n.</p><p>�Dann lehnst du also ab?� fragte ich Samos.</p><p>�Ja�, erwiderte Samos. �Ich lehne ab.�</p><p>Ich fuhr fort: �Ich meine trotzdem, da� ein Kapit�n unsere Interessen am besten vertreten und am ehesten von der Ernsthaftigkeit unserer Absichten �berzeugen k�nnte � wenn nicht Cos und Tyros, so doch wenigstens ihre Verb�ndeten und die neutralen H�fen und St�dte an der K�ste des schimmernden Thassa.�</p><p>�Aber wer von uns soll fahren?� fragte Bejar.</p><p>Als das Gel�chter erstorben war, sagte ich: �Ich, Bosk, k�nnte fahren.�</p><p>�Hast du den Antrag nicht abgelehnt?� fragte Samos.</p><p>�Nein�, erwiderte ich. �Ich habe nur vorgeschlagen, da� ein W�rdigerer als ich sich dieser schweren Aufgabe annimmt.�</p><p>�Was ist dein Preis?� fragte Samos.</p><p>�Eine Galeere�, sagte ich, �ein Rammschiff der gro�en Klasse.�</p><p>Ich besa� kein solches Schiff.</p><p>�Es soll dir geh�ren�, sagte Samos.</p><p>�� wenn du zur�ckkommst, um es zu beanspruchen�, murmelte ein Kapit�n.</p><p>�Fahre nicht, Bosk�, sagte Antisthenes.</p><p>Ich hatte bereits einen Plan � sonst h�tte ich mich nicht zur Verf�gung gestellt. Die Chance eines Friedens auf dem Meer war verlockend. Cos und Tyros sind wichtige M�rkte, ganz zu schweigen von ihren Verb�ndeten. Und selbst wenn meine Mission fehlschlug, gewann ich eine gro�e Galeere f�r meine Flotte. Nat�rlich war die Sache riskant, doch ich hatte die Gefahr kalkuliert. Ich w�rde nicht unvorbereitet nach Cos und Tyros reisen.</p><p>�Und�, fuhr ich fort, �als Eskorte verlange ich f�nf Rammschiffe aus dem Arsenal, mittlere oder schwere Klasse, deren Mannschaften und Kapit�ne von mir bestimmt werden sollen.�</p><p>�Diese Schiffe werden nach Beendigung deiner Mission dem Arsenal zur�ckgegeben?� fragte Samos.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Einverstanden�, sagte der erste Sklavenh�ndler der Stadt.</p><p>Wir sahen uns an. Ich fragte mich, ob Samos mich auf diese Weise leicht loszuwerden hoffte � einen Mann, der ihm seinen Posten als Seniorkapit�n im Rat von Port Kar streitig machen konnte. Ja, sagte ich mir, er glaubt, er wird mich so los.</p><p>�Fahre nicht, Bosk�, sagte Antisthenes noch einmal.</p><p>Ich stand auf. �Deine Sorge ehrt mich, Antisthenes�, sagte ich und sch�ttelte den Kopf. Dann reckte ich mich. �Macht ohne mich weiter. Ich gehe nach Hause. Die Nacht war lang, und ich bin m�de.�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Es war sp�tabends, zwei Tage nach dem gescheiterten Staatsstreich des Henrius Sevarius.</p><p>Ich wartete darauf, da� f�r meine Friedensmission nach Cos und Tyros Schiffe bereitgestellt wurden.</p><p>Inzwischen hatte ich als Kapit�n allerlei B�rgerpflichten zu erf�llen. Bis zur Bildung der Ratswache waren die Kapit�ne und ihre Leute f�r die Aufrechterhaltung der Kontrollen �ber die Ubars und die Sicherheit in der Stadt verantwortlich.</p><p>Eine Nacht stand ich auf einer hohen Wachmauer, einige hundert Meter von der kahlen Au�enwand eines Anwesens entfernt, das Sevarius geh�rte und angeblich seinen Palast beherbergte, und sah, wie eine winzige Seitenpforte ge�ffnet wurde. Am Fu� der Mauer erstreckte sich eine etwa zwanzig Meter breite Steinfl�che, die an einem Kanal endete. Wir hatten den Kanal blockiert, wo er eine Ausfahrt zur Stadt und zum Meer bot. Nun sahen wir im Licht der drei goreanischen Monde, wie f�nf M�nner durch das winzige Eisentor kamen. Sie schleppten einen gro�en, zusammengebundenen Sack.</p><p>�Halt, M�nner des Sevarius!� rief ich. �Halt, Verr�ter!�</p><p>�Beeilt euch!� rief ein Mann. Ich erkannte die Stimme. Es war Lysius, der Freund des Regenten Claudius. Ich sah auch einen anderen Mann, der erschreckt den Kopf hob � Henrak, der die Rencebauern verraten hatte.</p><p>Gefolgt von Thurnock, Clitus und anderen, sprang ich von der Mauer und lief auf den Kanal zu.</p><p>Die Gestalten begannen zu rennen, bestrebt, ihre Last ins Wasser zu werfen, ehe wir sie erreichten.</p><p>Thurnock blieb stehen, zog seinen Bogen durch. Einer der M�nner wirbelte getroffen herum. Die anderen schleuderten den Sack mit m�chtiger Bewegung in den Kanal. Dann traten sie im Laufschritt den R�ckweg an.</p><p>Doch ehe sie das Tor erreichten, hatte Thurnocks Langbogen noch zweimal zugeschlagen, so da� Lysius und Henrak als einzige entkamen.</p><p>�Messer!� sagte ich.</p><p>Man reichte mir eine Klinge.</p><p>�Nicht�, rief Thurnock.</p><p>Schon sah ich im Wasser die schmalen Schnauzen von Urts, die auf den Sack zuhielten. Ich steckte das Messer zwischen die Z�hne und sprang in den kalten Kanal.</p><p>Der Sack begann zu sinken und war bereits unter der Wasseroberfl�che, als ich ihn erreichte. Ich schnitt ihn auf und packte den gefesselten Arm des K�rpers, der sich darin befand.</p><p>Ein Pfeil sirrte neben mir ins Wasser, gefolgt von dem schrillen Schmerzensschrei einer schwimmflossigen Kanalurt, Bei�ger�uschen und Platschen � die anderen Urts st�rzten sich auf ihren verletzten Artgenossen.</p><p>Ich hob den Kopf der Gestalt �ber Wasser. Es war ein Junge, er starrte mich mit schreckgeweiteten Augen an.</p><p>Ich schleppte ihn zum Kanalrand, und einer meiner M�nner, der sich am Ufer hingelegt hatte, fa�te ihn unter dem Arm.</p><p>Im n�chsten Augenblick zuckte Clitus� Netz �ber mich, gefolgt vom protestierenden Quieken einer weiteren Urt, die den Dreizackhieben des Fischers nicht gewachsen war.</p><p>Da sp�rte ich, wie sich die Z�hne einer Urt um mein Bein schlossen, Nadelspitzen, die an meinem Fleisch zerrten. Ich stie� dem Tier die Finger in die Ohren und zerrte den Kopf von meinem Bein fort. Das Maul schnappte weiter nach mir, versuchte an meine Kehle zu kommen. Ich lie� das Tier los, schlug ihm den Kopf hoch und lie� mich auf seinen R�cken gleiten, als es wieder zubei�en wollte, den linken Arm um das nasse glitschige Fell des breiten Halses geschlossen. Ich nahm das Messer und hieb damit heftig auf das Ungeheuer ein.</p><p>�Es ist tot!� br�llte Clitus.</p><p>Ich lie� die Urt los, die sofort von ihren Artgenossen unter Wasser gezerrt wurde.</p><p>Ich sp�rte Clitus� Netz hinter mir, klammerte mich daran fest. Blutend und hustend und vor K�lte zitternd wurde ich aus dem Wasser gezogen, Sekunden sp�ter wurde ich von zwei Bewaffneten zur Belagerungsmauer gef�hrt. In der Hitze eines Wachfeuers entledigte ich mich meiner nassen Kleidung und wickelte mich in Thurnocks Umhang. Jemand reichte mir eine Lederflasche mit Paga.</p><p>Pl�tzlich lachte ich. �Ich freue mich, da� ich noch lebe�, sagte ich.</p><p>Die M�nner fielen in mein Lachen ein. Thurnock klopfte mir auf die Schulter.</p><p>�Was ist mit deinem Bein?� fragte einer der Bewaffneten.</p><p>�Schon gut�, sagte ich.</p><p>Ich konnte stehen; die Wunden waren nicht tief. Ich wollte sie zu Hause von einem Arzt versorgen lassen.</p><p>�Wo ist unser Fisch aus dem Kanal?� fragte ich.</p><p>�Folge mir�, sagte einer der Bewaffneten.</p><p>F�nfzig Meter entfernt hockte der Junge an der Mauer, nackt, in einen Umhang geh�llt. Er hatte sichtlich Angst.</p><p>�Wer bist du?� fragte Thurnock.</p><p>Der Junge schwieg.</p><p>�Man m��te ihn vertrimmen�, sagte Thurnock aufgebracht.</p><p>�Sind das deine M�nner?� fragte mich der Junge.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wer bist du?� wollte er wissen.</p><p>�Bosk.�</p><p>�Aus dem Rat der Kapit�ne?�</p><p>Als ich nickte, glaubte ich Angst in seinen Augen zu sehen.</p><p>�Wer bist du?� erkundigte ich mich.</p><p>�Nur ein Sklave.�</p><p>�Zeig mir deine H�nde.�</p><p>Widerstrebend gehorchte er. Sie waren glatt und makellos.</p><p>�Tr�gt er ein Brandzeichen?� fragte ich die Bewaffneten.</p><p>�Nein.�</p><p>�Da wir dich aus dem Kanal geholt haben, werden wir dich Fisch nennen. Und da du Sklave bist, erh�ltst du einen Kragen und wirst in meinem Haus dienen.�</p><p>Er starrte mich w�tend an.</p><p>Der Junge, �berlegte ich, konnte mir noch einmal n�tzlich sein. Fiel er dem Rat in die H�nde, wurde er zweifellos gefoltert und aufgespie�t oder zum Dienst auf einem Schiff gepre�t. Bei mir w�rde seine Identit�t geheimbleiben.</p><p>�Wer ist er denn?� fragte Thurnock und blickte hinter dem Jungen her, der von den M�nnern fortgetragen wurde.</p><p>�Nat�rlich Henrius Sevarius�, sagte ich.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>�Malt meine Schiffe gr�n an�, hatte ich gesagt.</p><p>Wir schrieben die F�nfte Wartende Hand, vier Monate nach dem mi�gl�ckten Staatsstreich des Henrius Sevarius in Port Kar. Inzwischen war die Flagge Bosks, des Piraten, auf dem Thassa weithin gef�rchtet.</p><p>Wie es dazu kam, m�chte ich berichten.</p><p>Vor etwa drei Monaten fuhr ich mit meinem schnellsten Rammschiff, begleitet von meinen anderen beiden Rammschiffen und von f�nf Kriegsschiffen des Arsenals, in den riesigen, befestigten Hafen von Telnus ein, der Hauptstadt des Ubarats Cos. Ich lie� mich an Land rudern und schickte das Boot zur�ck. Ich wollte allein vor die Ubars von Cos und Tyros treten � dies war mein Wunsch und geh�rte zu meinem Plan.</p><p>Ich erinnere mich, wie ich vor den Thronsesseln stand, im riesigen Thronsaal von Cos.</p><p>Ich trug den Ubars der beiden Inselreiche nach bestem Verm�gen die Vorschl�ge des Kapit�nsrats von Port Kar vor, die Vorstellung von Frieden und vermehrtem Handel zwischen den beiden Ubaraten und der b�sen Stadt im Voskdelta, Port Kar.</p><p>Der Ubar von Cos, Lurius aus Jad, und der Ubar von Tyros, Chenbar aus Kasra, der gerade einen Staatsbesuch in Cos absolvierte, h�rten mich schweigend an, ohne Fragen zu stellen. Neben ihnen sa� kostbar gekleidet und juwelengeschm�ckt Vivina, das M�ndel von Chenbar. Es war kein Zufall, da� sie sich auch in Cos aufhielt. Sie sollte Lurius vorgestellt werden, damit der entscheide, ob er sie zur Gef�hrtin nehme. Ihr K�rper sollte die beiden Insel-Ubarate verbinden. Ihr Schleier war durchsichtig, und ich sah, da� sie sehr sch�n war, wenn auch noch sehr jung. Mein Blick wanderte von ihr zu dem dicken Lurius aus Jad, Ubar von Cos, der wie ein Fleischberg auf seinem Thron ruhte. Chenbar aus Kasra dagegen, Ubar von Tyros, war ein hagerer Mann mit gro�en Augen und nerv�sen H�nden. Ich bezweifelte nicht, da� er ein intelligenter Mann war, der mit Waffen umzugehen verstand.</p><p>Als, ich meinen Vortrag beendet hatte, stand Chenbar auf und sagte mit einem Blick auf Lurius: �Beschlagnahmt seine Schiffe!�</p><p>�Du wirst feststellen�, sagte ich, �da� meine Einheiten den Hafen von Telnus bereits verlassen haben.�</p><p>Der dicke Lurius sprang mit wabbelndem Bauch auf und sch�ttelte drohend die Faust.</p><p>�Soll das hei�en, da� unser Friedensangebot abgelehnt ist.�</p><p>�Richtig�, sagte Chenbar, w�hrend Lurius noch um Worte rang.</p><p>�Dann gehe ich jetzt�, sagte ich.</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte Chenbar l�chelnd.</p><p>�Legt ihn in Ketten!� kreischte Lurius.</p><p>�Ich beanspruche die Immunit�t des Heralds.�</p><p>�Die wird dir verweigert!� schrie Lurius mit zornrotem Gesicht.</p><p>Ich streckte die Arme aus, und Stahlb�nder schnappten um meine Handgelenke zu. �Wir haben euch den Frieden angeboten�, sagte ich.</p><p>�Und wir haben ihn ausgeschlagen!�</p><p>Ich h�rte das Gel�chter Vivinas; andere stimmten in das Lachen ein.</p><p>�Legt ihn an die Marktkette�, sagte Lurius schweratmend, �und verkauft ihn am Sklavenkai. Wenn du erst auf der Ruderbank eines Rundschiffes sitzt, h�ltst du dich vielleicht nicht mehr f�r so mutig und schlau, mein lieber Kapit�n aus Port Kar.�</p><p>�Das werden wir sehen�, sagte ich, �Ubar.�</p><p>�Warte�, h�rte ich Chenbars Stimme. �Ich m�chte dir noch die noble Vivina vorstellen.� Und er deutete auf das verschleierte M�dchen.</p><p>�Ich m�chte nicht einem Tarsk aus Port Kar vorgestellt werden�, fauchte das M�dchen.</p><p>�Wir wollen doch unsere guten Manieren nicht vergessen�, sagte Chenbar l�chelnd.</p><p>Das M�dchen erhob sich und nickte kurz in meine Richtung.</p><p>�Welche Ehre f�r mich�, sagte ich.</p><p>�Tharlarion!� zischte sie.</p><p>�Eure ber�ckende Sch�nheit, hohe Dame, ist eines Ubars aus Cos in der Tat w�rdig ��</p><p>Lurius grinste, w�hrend das M�dchen kaum eine Miene verzog. �� oder einem Kragen in Port Kar�, f�gte ich hinzu.</p><p>Lurius sprang mit geballten F�usten auf.</p><p>�T�tet ihn!� kreischte Vivina.</p><p>�Still�, sagte Chenbar. �Die noble Vivina ist, wie du zweifellos wei�t, dem Ubar von Cos, Lurius, versprochen.�</p><p>�Das wu�te ich nicht�, sagte ich.</p><p>�Ja�, bemerkte Chenbar. �Ich habe heute morgen mein Wort gegeben.�</p><p>Das M�dchen starrte mich w�tend an, w�hrend Lurius grinste.</p><p>Chenbar l�chelte und hob einen Arm. �Diese Gef�hrtenschaft wird unsere beiden Ubarate verbinden. Nach der Zeremonie werden sich unsere Flotten zusammentun, damit wir Port Kar einen Staatsbesuch abstatten k�nnen. Unsere Schiffe werden bereits ausger�stet.�</p><p>�Und wann soll die Begegnung stattfinden?� fragte ich.</p><p>�Etwa um die sechste Wartende Hand�, erwiderte er.</p><p>�Du bist sehr freiz�gig mit deinen Informationen�, sagte ich.</p><p>�Naja�, sagte Chenbar, �wir sind ja hier unter Freunden.�</p><p>�Und unter Sklaven�, sagte das M�dchen mit vielsagendem Blick auf meine Fesseln.</p><p>�Ihr habt Gesch�fte mit Ubar Henrius Sevarius aus Port Kar?�</p><p>Chenbar l�chelte. �Wir haben mit seinem Regenten Claudius gesprochen.�</p><p>�Und was ist mit Henrius Sevarius selbst?�</p><p>�Der ist doch nur ein Kind ohne Macht.�</p><p>�Wem folgen seine M�nner?�</p><p>�Nat�rlich Claudius�, sagte Chenbar. �Merk dir diesen Namen. Claudius soll Ubar von Port Kar werden.�</p><p>�Als Agent von Tyros und Cos.�</p><p>�Aber nat�rlich�, lachte Chenbar.</p><p>�Du wei�t vielleicht nicht, da� Claudius� und Henrius Sevarius� Streitkr�fte nicht das Kommando �ber die Stadt haben.�</p><p>�Unsere Informationen sind besser als du glaubst�, erwiderte Chenbar l�chelnd. �Du kannst versichert sein, da� wir Claudius aus seiner jetzigen Lage befreien werden.�</p><p>�Du scheinst �ber die Ereignisse in Port Kar bestens informiert zu sein.�</p><p>�O ja�, sagte Chenbar. �Vielleicht m�chtest du unseren wichtigsten Kurier kennenlernen � den Mann, der zu gegebener Zeit unsere Flotten in den Hafen von Port Kar f�hren soll?�</p><p>�Ja, das m�chte ich gern.�</p><p>Aus einer Gruppe von W�rdentr�gern l�ste sich ein Mann. Er hatte langes schwarzes Haar, das mit einer roten Schnur im Nacken zusammengebunden war. Er trug in der Armbeuge einen Helm mit dem B�schel Sleenhaar, das ihn als Kapit�n Port Kars auswies. Der Helm wies auch zwei goldene Streifen auf.</p><p>Ich hatte Samos erwartet.</p><p>�Lysius ist mein Name�, sagte der Mann. �Du kennst mich, Bosk.�</p><p>Ich l�chelte. Er hatte mit einer Handvoll M�nner aus der Festung des Henrius Sevarius fliehen k�nnen, einen Tag nachdem wir den Jungen aus dem Kanal gefischt hatten. Darauf waren die Wachen verst�rkt worden.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ich erinnere mich vielleicht besser an dich, als du denkst.�</p><p>�Was soll das hei�en?� fragte er.</p><p>�Bist du nicht im Voskdelta von einem Haufen Rencebauern �berw�ltigt worden und mu�test deine Barken und eine wertvolle Ladung Rencepapier und Sklaven zur�cklassen?�</p><p>�Dieser Mann ist gef�hrlich�, sagte Lysius zu Chenbar. �Ich empfehle, da� er get�tet wird.�</p><p>�Nein, nein�, sagte Chenbar. �Wir verkaufen ihn und verwenden das Geld f�r die Ausstattung unserer Flotte. So dient er noch einem guten Zweck.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Ich meine auch�, fuhr Chenbar fort, �da� du nicht der letzte Kapit�n aus Port Kar bist, der auf den Rundschiffen von Cos oder Tyros rudern mu�.�</p><p>�Offensichtlich wartet Arbeit auf mich�, sagte ich. �Ich m�chte mich also jetzt zur�ckziehen.�</p><p>�Hast du nicht vergessen, dich von der noblen Vivina zu verabschieden?� fragte Chenbar. �Du wirst sie bestimmt nicht wiedersehen.�</p><p>�Ich besuche keine Ruderb�nke auf Rundschiffen�, sagte sie und l�ste damit allgemeines Gel�chter aus.</p><p>�Vielleicht hast du eines Tages dazu Gelegenheit, hohe Dame�, sagte ich.</p><p>�Was soll denn das hei�en?� fragte sie.</p><p>�Ein Witz�, sagte Chenbar.</p><p>�Wann soll denn der Wein der Freien Gef�hrtenschaft mit Lurius, dem w�rdigen Ubar von Cos getrunken werden?�</p><p>�Ich fahre erst nach Tyros zur�ck�, sagte sie, �wo ich mich vorbereite. Dann reisen wir mit Schatzschiffen und in prunkvoller Aufmachung in den Hafen von Telnus zur�ck, wo ich Lurius� Arm nehme und mit ihm den Wein der Gef�hrtenschaft trinke.�</p><p>�Dann m�chte ich dir eine sichere und angenehme Reise und f�r die Zukunft viel Gl�ck w�nschen�, sagte ich.</p><p>Sie nickte und l�chelte.</p><p>�Du hast von Schatzschiffen gesprochen�, fuhr ich fort. �Wie mir scheinen will, gen�gt dein K�rper allein dem noblen Lurius nicht.�</p><p>�Tarsk!� entfuhr es ihr.</p><p>Chenbar lachte nur.</p><p>�Schafft ihn fort!� kreischte Lurius.</p><p>�Lebe wohl, Vivina�, sagte ich.</p><p>Ich wurde herumgerissen und aus dem riesigen Thronsaal von Cos gezerrt.</p><p>Als ich fr�h am n�chsten Morgen angekettet aus dem Palast des Lurius gef�hrt wurde, waren die Stra�en verlassen. In der Nacht hatte es geregnet, und Pf�tzen standen hier und dort auf dem Pflaster. Die Verkaufsst�nde waren noch mit Holzl�den verschlossen, die feucht schimmerten. Nur wenige Lichter brannten in den Fenstern. Nahe dem Hinterausgang des Palastes sah ich eine verh�llte Gestalt an der Wand lehnen. Der Mann war t�richterweise viel zu fr�h in die Stadt gekommen, um sein Gem�se zu verkaufen. Er schien zu schlafen � ein gro�er Mann in der groben Tunika eines Bauern. Neben ihm stand ein ledernes B�ndel, in dem nur ein Langbogen versteckt sein konnte. Er hatte struppiges gelbes Haar. Ich l�chelte, als wir an ihm vorbeigingen.</p><p>Auf dem Sklavenkai wurde ich ohne Umst�nde an die Marktkette angeschlossen.</p><p>Um die achte Stunde trafen bereits verschiedene Kapit�ne von Rundschiffen ein und begannen mit dem Sklavenmeister um Preise zu feilschen. Der H�ndler verlangte meiner Meinung nach zuviel f�r seine Ware, zumal wir nur als Ruderer arbeiten sollten. Offenbar ging es darum, m�glichst viel f�r die Staatskasse zu erzielen, die durch die Ausr�stung der Flotten erheblich belastet war.</p><p>Etwas abseits von mir hockte ein Fischer. Er lehnte an einem schweren Pfosten, der den Sklavenkai st�tzte, und arbeitete mit langsamen Bewegungen an einem Netz, das �ber seinen Knien lag. Neben ihm lag ein Dreizack. Er hatte langes schwarzes Haar und graue Augen.</p><p>�Ich will sehen, wie stark du bist�, sagte einer der Kapit�ne. �Ich kann nur kr�ftige M�nner auf meinen Schiffen gebrauchen.�</p><p>Er streckte mir die Hand hin.</p><p>Sekunden sp�ter br�llte er schmerzerf�llt um Gnade.</p><p>�Halt, Sklave!� sagte der Sklavenmeister und schlug mich mit dem Peitschengriff.</p><p>Ich lie� die Hand des Mannes los, ohne sie gebrochen zu haben. Der Kapit�n richtete sich langsam auf und starrte mich ungl�ubig an, die schmerzende Hand in die linke Achselh�hle gepre�t.</p><p>�Verzeih mir, Herr�, sagte ich besorgt.</p><p>Unsicher ging er weiter, untersuchte andere Sklaven weiter unten am Kai.</p><p>�Machst du das noch einmal, schneide ich dir die Kehle durch�, zischte der Sklavenmeister.</p><p>�Aber das w�rde Chenbar und Lurius nicht gefallen�, erwiderte ich.</p><p>�Vielleicht nicht�, sagte der Mann grinsend.</p><p>�Was forderst du f�r den Sklaven?� fragte ein Kapit�n, ein gro�er Mann mit kleinem, sorgf�ltig gestutztem Backenbart.</p><p>�F�nfzig kupferne Tarnm�nzen.�</p><p>�Das ist zuviel.�</p><p>Ich stimmte ihm insgeheim zu, hielt es aber nicht f�r angebracht, mich in die Diskussion einzuschalten.</p><p>�Das ist nun mal der Preis�, sagte der Sklavenmeister.</p><p>�Also gut�, erwiderte der Kapit�n und deutete auf einen Schriftgelehrten neben sich, der einen Beutel mit M�nzen �ber der Schulter trug.</p><p>�Darf ich den Namen meines Herrn und den seines Schiffes erfragen?� sagte ich.</p><p>�Ich hei�e Tenrik�, erwiderte er. �Tenrik aus Temos. Dein Schiff ist die Rena aus Temos.�</p><p>�Und wann laufen wir aus?�</p><p>Er lachte. �Sklave, du redest ja wie ein Passagier!�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Mit der Abendflut�, sagte er.</p><p>Ich neigte den Kopf. �Vielen Dank, Herr.�</p><p>Tenrik, gefolgt von seinem Schriftgelehrten, wandte sich zum Gehen. Da sah ich, da� auch der Fischer mit seinem Netz fertig war. Er faltete es zusammen und warf es sich �ber die Schulter. Dann nahm er seinen Dreizack und wanderte davon.</p><p>Ich blickte den Sklavenmeister kopfsch�ttelnd an. �Zuviel�, sagte ich.</p><p>Er zuckte die Achseln und grinste. �Wie�s der Markt eben aufnimmt�, meinte er.</p><p>Ich war ganz zufrieden, als ich zur Rena aus Temos gef�hrt wurde, einem Rundschiff. Befriedigt registrierte ich Breite und Tiefgang. Ein solches Schiff war sehr langsam.</p><p>Die Brotkrumen und Zwiebeln und Erbsen, aus denen unser Essen bestand, gefielen mir schon weniger, aber ich glaubte nicht, da� ich lange darauf angewiesen war.</p><p>�Du wirst feststellen, da� dieses Schiff nicht leicht zu rudern ist�, sagte der Rudermeister, als er meine Fu�gelenke an der schweren Fu�stange festkettete.</p><p>�Das Schicksal eines Sklaven ist nicht leicht�, versicherte ich ihm.</p><p>�Au�erdem bin ich kein einfacher Herr�, sagte er lachend.</p><p>�Schwer ist das Schicksal eines Sklaven, in der Tat�, klagte ich.</p><p>Lachend kehrte er zum Heck zur�ck. Da es sich um ein gro�es Schiff handelte, sa� ein Keleustes vor ihm, ein starker Mann, der den Rhythmus angeben sollte � mit zwei lederbespannten H�mmern, mit denen er auf ein gro�es Kupferbecken schlug.</p><p>�Ruder aus!� rief der Rudermeister.</p><p>Im Gleichtakt mit den anderen Sklaven lie� ich mein Ruder nach drau�en gleiten.</p><p>Auf dem Oberdeck �ber uns h�rte ich die Rufe der Seeleute, die die Leinen losmachten und das Schiff mit langen Stangen vom Kai fortstie�en. Segel wurden erst gesetzt, wenn wir den Hafen verlassen hatten.</p><p>Ich vernahm das Knirschen des gro�en Seitenruders und sp�rte die schwerf�llige, s��e, lebendige Bewegung des Schiffsk�rpers.</p><p>Wir waren unterwegs.</p><p>Die Augen des Schiffs, die zu beiden Seiten des Bugs aufgemalt waren, hatten sich jetzt bestimmt schon der Hafenausfahrt von Telnus zugewandt. Goreanische Schiffe tragen stets ein Paar Augen, entweder in einem Kopf am Bugspriet � wie bei den Tarnschiffen � oder beidseits des Bugs der Rundschiffe. In den Augen spiegelt sich der goreanische Seemannsglaube wieder, jedes Schiff sei ein lebendiges Wesen.</p><p>�Ruder fertig!� rief der Rudermeister. �Zieht durch!�</p><p>Der Keleustes schlug auf das gro�e Kupferbecken.</p><p>Gleichm��ig tauchten die Ruderbl�tter ins Wasser, zogen durch. Ich stemmte die F��e gegen das St�tzbrett und machte die Bewegung mit.</p><p>Langsam wie ein schwerf�lliger Vogel begann sich das Schiff auf die �ffnung zwischen den beiden gro�en runden T�rmen zuzubewegen, die den Hafen von Telnus bewachten, den Hafen der Hauptstadt des Insel-Ubarats Cos.</p><p>Wir waren nun schon zwei Tage auf See.</p><p>Wir a�en eine unserer vier t�glichen Rationen aus Brot, Zwiebeln und Erbsen. Wasserh�ute wurden weitergereicht.</p><p>Die Ruder waren innenbords.</p><p>Wir hatten nicht soviel gerudert wie �blich, da uns in den ersten beiden Tagen ein lebhafter Wind begleitet hatte, der allerdings am Abend zuvor schw�cher geworden war.</p><p>Die Rena hatte im Gegensatz zu den beweglichen Masten der Kriegsschiffe zwei feste Masten. Der Hauptmast stand etwas vor der Mitte, w�hrend der Vormast etwa anderthalb Meter achtern vom Ruderjoch aufragte. Beide trugen dreieckige Segel, wobei der Baum des Vorsegels etwa halb so lang war wie der Baum des Hauptsegels.</p><p>Am Morgen jenes Tages hatten wir mehrere Ahn lang gerudert, und es war jetzt etwa eine Ahn nach Mittag.</p><p>�Wie ich geh�rt habe�, sagte der Rudermeister zu mir, �warst du Kapit�n in Port Kar.�</p><p>�Ja, ich bin Kapit�n�, sagte ich.</p><p>�Aber in Port Kar�, sagte er. �Und hier ist nicht Port Kar.�</p><p>Ich blickte ihn an. �Port Kar ist dort, wo seine Macht hinreicht.�</p><p>Er starrte mich wortlos an.</p><p>�Wie ich sehe, hat der Wind nachgelassen.�</p><p>Er wurde bleich.</p><p>In diesem Augenblick ert�nte die Stimme des Ausgucks vom Hauptmast. �Zwei Schiffe backbord!�</p><p>�Ruder aus!� br�llte der Rudermeister und lief zu seinem Sitz.</p><p>Ich stellte die Sch�ssel mit Essen unter meine Bank. Vielleicht brauchte ich sie noch. Dann schob ich das Ruder hinaus.</p><p>Von oben drang das Getrappel hastiger Schritte herab. �Hart steuerbord!� erklang die Stimme Kapit�n Tenriks.</p><p>Das gro�e Schiff schwang langsam herum.</p><p>Doch dann t�nte vom Hauptmast ein neuer Ruf. �Zwei weitere Schiffe! Steuerbord!�</p><p>�Ruder geradeaus!� br�llte Tenrik. �Volle Segel! H�chste Schlagzahl!�</p><p>Kaum hatte die Rena ihren urspr�nglichen Kurs wieder aufgenommen, als der Rudermeister den Ruderbefehl gab und der Keleustes sein Kupferbecken zu bearbeiten begann. Zwei Seeleute kamen von oben und nahmen Peitschen von Gestellen hinter dem Rudermeister.</p><p>Ich l�chelte. Ob die Ruderer nun geschlagen wurden oder nicht eine bestimmte Geschwindigkeit war nicht zu �berschreiten � und diese Geschwindigkeit w�rde nicht ausreichen.</p><p>Wieder erstattete der Ausguck Meldung: �Zwei weitere Schiffe achteraus!�</p><p>Die schweren lederbespannten H�mmer dr�hnten schneller auf dem Kupferbecken.</p><p>Etwa eine halbe Stunde sp�ter h�rte ich, wie Tenrik dem Ausguck zurief: �Kannst du die Flagge ausmachen?�</p><p>�Sie ist wei�!� rief der Mann. �Mit gr�nen Streifen. Darauf der Kopf eines Bosk!�</p><p>Einer der Sklaven, der vor mir angekettet war, fl�sterte �ber die Schulter: �Wie hei�t du, Kapit�n?�</p><p>�Bosk�, sagte ich und zog mein Ruder durch.</p><p>�Aii!� rief er.</p><p>�Rudert!� br�llte der Rudermeister.</p><p>Die Seeleute eilten mit ihren Peitschen zwischen den B�nken hin und her, doch die Sklaven gaben bereits ihr Bestes.</p><p>�Sie kommen n�her!� rief jemand oben.</p><p>�Schneller!� ert�nte der Befehl.</p><p>Aber der Keleustes h�mmerte l�ngst den schnellsten Rhythmus, eine Schlagzahl, die sich bestimmt nicht lange halten lie�.</p><p>Eine Viertel-Ahn sp�ter h�rte ich den Ruf, auf den ich gewartet hatte.</p><p>�Noch zwei Schiffe!� br�llte der Ausguck.</p><p>�Wo?� wollte Tenrik wissen.</p><p>�Voraus!�</p><p>�Halb Steuerbord!� rief der Kapit�n.</p><p>�Ruder auf!� br�llte der Rudermeister. �Backbordruder! Durchziehen!�</p><p>Wir hoben unsere Ruder aus dem Wasser, w�hrend die Sklaven auf der Backbordseite weiterruderten und das Schiff nach dem goreanischen Kompa� um acht Grad nach Steuerbord herumzogen.</p><p>�Alle Ruder!� rief der Rudermeister. �Durchziehen!�</p><p>�Was sollen wir tun?� fragte der Sklave vor mir.</p><p>�Rudern!� sagte ich.</p><p>�Ruhe!� br�llte einer der Seeleute und versetzte uns einen Peitschenhieb. T�richterweise begann er dann auf die R�cken anderer Sklaven einzuschlagen. Zwei M�nner lie�en darauf ihre Ruder los, was den Rhythmus der anderen durcheinanderbrachte.</p><p>Der Rudermeister hastete zwischen die B�nke, entri� den Seeleuten die Peitschen, schickte sie wieder nach oben. Er war ein guter Rudermeister.</p><p>�Auf die Ruder!� br�llte er. �Fertigmachen! Durchziehen!�</p><p>Wir fanden unseren Rhythmus wieder, und die Rena pfl�gte erneut durch das Wasser.</p><p>�Schneller!� rief ein Mann vom Oberdeck herab.</p><p>Der Rudermeister sah sich um. �Den Rhythmus zehn Schl�ge zur�cknehmen�, befahl er.</p><p>�Bist du verr�ckt geworden?� br�llte ein Offizier und kam die Treppe herabgepoltert. Er versetzte dem Rudermeister einen Faustschlag ins Gesicht. �H�chste Schlagzahl!� schrie er.</p><p>Wieder beschleunigte der Keleustes seinen Rhythmus.</p><p>Aber in weniger als einer Ehn kam ein Mann nicht mehr mit, und dann waren es zwei, und die Ruder kamen durcheinander. Unbarmherzig folgte der Keleustes seinem Befehl, unbarmherzig prasselten die Schl�ge auf die Trommel.</p><p>Doch dann stimmte der Rhythmus nicht mehr mit der Bewegung der Ruder �berein. Viele M�nner vermochten nicht mehr mitzuhalten und hatten keinen Anhaltspunkt mehr f�r ihre Bewegungen.</p><p>Der Rudermeister, dem Blut �bers Gesicht str�mte, rief: �Ruder auf!� Dann sagte er m�de zu dem Keleustes: �Zehn Schl�ge nachlassen.�</p><p>Die Rena wurde wieder angetrieben.</p><p>�Schneller!� br�llte der Offizier von oben. �Schneller!�</p><p>�Die Rena ist kein Tarnschiff!� rief der Rudermeister.</p><p>�Du wirst sterben!� kreischte der Offizier durch die Luke.</p><p>Mit zitternden Lippen und blutendem Mund schritt der Rudermeister zwischen den Sklaven hindurch. Er kam auf mich zu.</p><p>�Ich f�hre hier das Kommando�, sagte ich.</p><p>�Ich wei߫, sagte er.</p><p>In diesem Augenblick kam der Offizier wieder die Treppe herab. Seine Augen waren angstgeweitet. Er hielt ein Schwert in der Hand.</p><p>�Wer ist hier der Kapit�n aus Port Kar, der Bosk genannt wird?� fragte er.</p><p>�Ich�, sagte ich.</p><p>�Ich werde dich t�ten.�</p><p>�Das w�rde ich an deiner Stelle nicht tun.�</p><p>Er erstarrte.</p><p>�Sollte mir etwas passieren�, sagte ich, �lassen meine Leute dich �ber die Klinge springen.�</p><p>Er lie� sein Schwert sinken.</p><p>�Kette mich los�, sagte ich.</p><p>�Wo ist der Schl�ssel?� wandte sich der Mann an den Rudermeister.</p><p>Als ich losgekettet war, lie� ich mein Ruder fahren. Die anderen Sklaven waren verbl�fft, ruderten jedoch weiter.</p><p>�Wer f�r mich ist�, sagte ich, �wird freigelassen.�</p><p>Die Sklaven begannen zu jubeln.</p><p>�Ich f�hre hier das Kommando�, sagte ich. �Ihr tut, was ich sage.�</p><p>Ich streckte die Hand aus, und der Offizier �berreichte mir, den Griff voraus, sein Schwert.</p><p>Ich bedeutete ihm, er solle meinen Platz am Ruder einnehmen, was er mit w�tender Bewegung tat.</p><p>�Sie wollen unsere Ruder abscheren!� ert�nte ein Schrei von oben.</p><p>�Ruder einziehen!� br�llte der Rudermeister instinktiv.</p><p>�Ruder bleiben drau�en!� befahl ich, und die Sklaven gehorchten. Auf der Steuerbordseite begann es pl�tzlich zu knirschen, und die Ruderer br�llten auf. Holz knackte und splitterte, die Ger�usche wurden im Innern des Schiffs zu einem ohrenbet�ubenden Donnern verst�rkt. Einige Ruder wurden aus den Dollen gerissen, andere glatt durchtrennt, wobei die inneren Enden in einem zum Heck gerichteten Bogen zur�ckschnappten und die Sklaven von ihren B�nken fegten, ihnen Arme oder Rippen brachen. Ich h�rte M�nner schreien. Einen langen Moment neigte sich die Rena nach Steuerbord, nahm sogar Wasser durch die Ruderluken auf, doch dann war das andere Schiff vorbei, und wir richteten uns auf, hilflos, geschlagen.</p><p>Ich wandte mich an den Offizier. �Nimm den Schl�ssel und la� die anderen Sklaven frei.�</p><p>Dann sagte ich zu dem Rudermeister: �Du bist ein guter Rudermeister � aber du solltest dich jetzt um deine Verwundeten k�mmern.�</p><p>Ich griff unter meine Bank. Dort schwamm mein Teller, das Essen halb versch�ttet, im Wasser. Ich fischte ihn heraus und setzte meine Mahlzeit fort.</p><p>Von Zeit zu Zeit blickte ich aus der Dollenluke. Die Rena war nun von den acht Schiffen umringt. Zwei gro�e Galeeren aus dem Arsenal begannen aufzuschlie�en.</p><p>Ich h�rte, wie Kapit�n Tenrik oben den Befehl gab, keinen Widerstand zu leisten. Gleich darauf sprangen mehrere M�nner auf die Rena �ber.</p><p>Ich setzte meinen Teller ab, den ich leergegessen hatte, stand auf und stieg die Treppe hinauf, das Schwert des Offiziers in der Hand.</p><p>�Kapit�n!� rief Thurnock.</p><p>Dicht hinter ihm grinsten Clitus und Tab.</p><p>Jubel erklang auf den Schiffen aus Port Kar. Ich hob salutierend die Klinge. Dann wandte ich mich an Kapit�n Tenrik. �Meinen Dank, Kapit�n. Du hast mich als ausgezeichneter Seemann beeindruckt.�</p><p>Er starrte mich an.</p><p>�Du hast eine gute Mannschaft, und das Schiff ist in guter Verfassung.�</p><p>�Was hast du mit uns vor?�</p><p>�Die Rena mu� repariert werden. Zweifellos kannst du das in Cos oder Tyros erledigen lassen.�</p><p>�Wir sind frei?� fragte er ungl�ubig.</p><p>�Es hie�e die Gastfreundschaft eines Kapit�ns schlecht belohnen, wollte ein Passagier ihm grollend sein Schiff vorenthalten.�</p><p>�Meinen Dank an Bosk, Kapit�n aus Port Kar�, sagte er.</p><p>�Die Sklaven sind nat�rlich frei�, fuhr ich fort. �Sie begleiten uns. Deine Mannschaft d�rfte ausreichen, um die Segel zu bedienen oder das Schiff in den Hafen zu rudern. Bringt die Ruderer an Bord unserer Schiffe! In einer Ahn m�chte ich Kurs auf Port Kar nehmen!�</p><p>Clitus bellte seine Befehle.</p><p>�Kapit�n�, sagte da jemand hinter mir.</p><p>Ich drehte mich um und erblickte den Rudermeister.</p><p>�Du k�nntest gut auf einem Rammschiff dienen�, bemerkte ich.</p><p>�Ich war dein Feind�, gab er zu bedenken.</p><p>�Wenn du m�chtest, diene mir.�</p><p>�Ja, ich diene dir gern.�</p><p>Ich wandte mich an Thurnock und Tab.</p><p>�Ich habe den Frieden nach Cos und Tyros getragen�, sagte ich, �daf�r erhielt ich die Ketten eines Galeerensklaven.�</p><p>�Wann segeln wir gegen die Schiffe aus Cos und Tyros?�</p><p>Ich lachte. �Ja, der Bosk f�hlt sich angegriffen!�</p><p>�Dann sollen sich Cos und Tyros in acht nehmen!� dr�hnte Thurnock.</p><p>�Zur�ck nach Port Kar!� sagte ich. �Wenn ich mich recht erinnere, wartet dort eine schwere Galeere auf mich � als Lohn f�r meine Arbeit in Cos!�</p><p>�Richtig!� rief Thurnock. �Und was dann?�</p><p>Ich starrte ihn an. �Dann streiche ich meine Schiffe gr�n!�</p><p>Auf dem Thassa ist gr�n die Farbe der Piraten. Gr�ne Schiffswandungen, Segel, Ruder und sogar Seile. Im Licht der grellen Sonne ist gr�n die Farbe, die auf dem Meer am wenigsten auff�llt.</p><p>Die M�nner jubelten. Ich sprang auf das Deck der schweren Arsenalgaleere.</p><p>�Nach Port Kar!� rief ich.</p><p>�Nach Port Kar!� jubelten meine M�nner.</p><p>Und so kam es, da� die Schiffe Bosks aus Port Kar gr�n gestrichen wurden.</p><p>Innerhalb eines Monats machten Bosks Rammschiffe � eine leichte, zwei mittlere und eine schwere Galeere � ihre ersten Beutez�ge.</p><p>Gegen Ende des zweiten Monats war die Flagge Bosks von Ianda bis Torwaldsland, vom Delta des Vosk bis zu den Throns�len von Cos und Tyros bekannt und gef�rchtet.</p><p>Mein Verm�gen vermehrte sich schnell, und auch meine Flotte nahm durch die Prisen ungemein zu � sogar in einem Ma�e, da� ich die Schiffe nicht mehr in dem kleinen Becken innerhalb meines Anwesens unterbringen konnte, sondern zus�tzliche Lagerh�user und Kaianlagen am Westende der Stadt erwerben mu�te. Trotzdem war ich gezwungen, eine gro�e Anzahl von erbeuteten Rundschiffen und auch einige der weniger guten Langschiffe zu verkaufen. Meine Rundschiffe nutzte ich bis zur Grenze ihrer Belastung f�r meine Handelsgesch�fte aus, wobei ich den Ratschl�gen der Sklavin Luma folgte; die Rammschiffe setzte ich gegen Cos und Tyros ein, gew�hnlich zu zweit oder dritt; ich selbst befehligte eine Flotte aus f�nf Rammschiffen und verbrachte viel Zeit auf See.</p><p>Trotz allem hatte ich nicht die Schatzflotte vergessen, die von Tyros nach Cos segeln und die sch�ne Vivina zu ihrem zuk�nftigen Gemahl bringen sollte.</p><p>Ich schickte Spione nach Tyros und Cos, die mir allerlei n�tzliche Informationen brachten, so da� es schlie�lich kein Zufall war, da� ich, Bosk aus den S�mpfen, in der F�nften Wartenden Hand des Jahres 10.120 seit der Gr�ndung Ars, vier Monate nach dem erfolglosen Staatsstreich in Port Kar, als Admiral auf dem Ruderdeck meines Flaggschiffs stand, der Dorna aus Tharna, Kommandant �ber meine Flotte, achtzehn eigene Schiffe und zw�lf aus dem Arsenal, und an einer bestimmten Position wartete.</p><p>�Flotte Backbord!� ert�nte ein Ruf aus dem Ausguck.</p><p>Ich wandte mich an Tab.</p><p>�Mast umlegen und festzurren. Segel unter Deck. Wir rudern in den Kampf.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Ich m�chte vorausschicken, da� bei solchen K�mpfen das Schiff selbst die Waffe ist.</p><p>Die Dorna, ein Tarnschiff, ist typisch f�r ihre Klasse, obwohl es viele verschiedene Bauweisen gibt, unterschieden nach Gr��e, Takelung, Rudereinrichtungen und dergleichen. Der Hauptunterschied besteht zwischen den Eindeckern und den doppel- oder dreideckgeruderten Schiffen. Wie die meisten Tarnschiffe hat die Dorna nur ein Ruderdeck, ohne da� ihre Ruderkraft der eines Dreideckers unterlegen ist; wie das kommt, werde ich gleich erkl�ren.</p><p>Die Dorna ist ein langes schmales Schiff mit wenig Tiefgang. Sie ist kraweelgebaut, und ihre Planken sind mit Bronze- und Eisenn�geln befestigt; hie und da werden auch noch Holzpfl�cke verwendet. Ihre Plankendicke variiert je nach Lage zwischen f�nf und f�nfzehn Zentimetern, und um sie gegen Rammst��e abzusichern, verlaufen zehn Zentimeter dicke Dollborde um ihre Flanken. Sie hat einen umlegbaren Mast mit dreieckigem Segel. Mit ihrem Kiel, hundertundachtundzwanzig goreanische Fu� lang, und ihrer Breite von sechzehn goreanischen Fu� geh�rt sie in die schwere Klasse. Die H�he zwischen Wasserlinie und Deck betr�gt f�nf goreanische Fu�. Die Dorna ist lang, flach und schnell und hat einen ziemlich geraden Kiel.</p><p>Die Ramme der Dorna � ein m�chtiger eisenverst�rkter Vorsprung in der Form eines Tarnschnabels, befindet sich unmittelbar unter der Wasserlinie. Hinter der Ramme breitet sich in Form eines Tarn-Federkranzes der Schild aus, der verhindert, da� sich die Ramme zu tief in ein gegnerisches Schiff bohrt. Das ganze Schiff ist so gebaut, da� sich seine gesamte Bewegungsenergie auf diese Ramme konzentriert. W�hrend sich der Bug zur Ramme hinneigt, beschreibt das Heck einen fast vollkommenen Halbkreis. Zwei Seitenruder besorgen die Steuerung. Das Heckspriet ist hoch und den Schwanzfedern eines Tarn nachgebildet.</p><p>Au�er den erh�hten Ruder- und Vorderdecks tr�gt die Dorna mittschiffs zwei bewegliche Plattformen, die etwa sechs Meter �ber dem Deck liegen. Darauf sind gew�hnlich zwei leichte Katapulte und zwei schwere Wurfger�te oder Torsionsgesch�tze montiert. Nat�rlich geh�rten auch Scherklingen zu ihrer Ausr�stung.</p><p>Obwohl die Breite der Dorna sechzehn goreanische Fu� betr�gt, hat ihr Deck einen Auslauf von einundzwanzig Fu�, was auf den langen rechteckigen Ruderkasten zur�ckzuf�hren ist, der die Dollenluken enth�lt. Dieser Ruderkasten ist etwas h�her als das Deck und erstreckt sich auf jeder Seite zweieinhalb goreanische Fu� �ber die Au�enwandung, gest�tzt durch Verl�ngerungen der Spanten. Dieser Ruderkasten liegt dem Bug etwas n�her als dem Heck, und seine Ausdehnung sorgt nicht nur f�r ein breiteres Deck, sondern wegen der Gr��e der Ruder auch f�r bessere Bewegungsfreiheit und Hebelwirkung.</p><p>Die Gr��e und das Gewicht der Ruder mag �berraschend erscheinen, aber in der Praxis sind sie wirksam und haben eine vorz�gliche Hebelleistung. Die Ruder sind in Dreiergruppen angeordnet, f�r drei Mann pro Bank. Diese B�nke stehen nicht senkrecht zur Au�enwandung, sondern verlaufen etwas schr�g in Richtung Heckaufbauten. So liegen sie innenbords weiter achtern als an der Bordwand. Diese Schr�ge erm�glicht eine parallele F�hrung der drei Ruder jeder Gruppe. Diese Ruder sind nicht alle von gleicher L�nge; es besteht ein Unterschied zwischen einem und anderthalb goreanischen Fu� von Ruder zu Ruder, wobei der innen rudernde auch das l�ngste Ruder hat. Die Ruder selbst wiegen etwa einen Stein pro Fu�. Die L�nge der Ruder auf einem Tarnschiff liegt gew�hnlich zwischen siebenundzwanzig und drei�ig goreanischen Stein. So w�rde ein Drei�ig-Fu�-Ruder etwa drei�ig Stein oder sechzig Kilo wiegen. Ein solches Gewicht lie�e sich kaum heben, aber die Ruder sind innenbords mit Blei ausbalanciert, so da� sich der Ruderer ganz auf die Bewegung konzentrieren kann. Dieses Arrangement hat sich im goreanischen Schiffsbau vorz�glich bew�hrt und wird auf fast jedem Rammschiff angewendet. �ber dem Ruderdeck liegt au�erdem kein Dach, so da� die Ruderer, die zugleich K�mpfer und selbstverst�ndlich keine Sklaven sind, sofort in eine Auseinandersetzung eingreifen k�nnen; w�hrend des Ruderns werden sie �brigens durch eine Brustwehr gesch�tzt, die rings um den Ruderkasten verl�uft. Zwischen jedem Paar Ruderb�nke lauert ein Bogensch�tze hinter der Brustwehr. Die Dollenluken jeder Rudergruppe liegen etwa drei�ig Zentimeter auseinander, und die Gruppen selbst, von Mitte bis Mitte gerechnet, etwa einen Meter. Die Dorna hatte auf jeder Seite zwanzig Gruppen zu drei Ruderern, also insgesamt hundertundzwanzig Ruder.</p><p>Aus dieser Schilderung l��t sich schon ersehen, warum ein Eindeckruderer ebenso schnell ist wie ein Schiff mit doppeltem oder gar dreifachem Ruderdeck. Ein Schiff mit einhundertundzwanzig Ruderern auf drei Ruderdecks zu je zwanzig Mann pro Flanke ist weitaus schwerer als der Eindecker mit drei Mann pro Bank und logischerweise langsamer. Eindeckruderer sind deshalb bei den Kampfschiffen auf dem Thassa die �berw�ltigende Mehrheit. Andere Schiffstypen sind darunter selten anzutreffen. Was das Rammen angeht, so k�nnte ein massigeres Schiff freilich den st�rkeren Sto� f�hren � nur kann das leichtere mit gr��erer Geschwindigkeit angreifen und ist besser man�vrierbar.</p><p>Ich hatte drei�ig Rammschiffe zur Verf�gung, von denen achtzehn mein Eigentum waren und zw�lf eine Leihgabe des Arsenals. Die Schatzflotte samt Geleitschutz umfa�te siebzig Schiffe � vierzig Rammschiffe und drei�ig Rundschiffe. Von den vierzig Rammschiffen geh�rten f�nfundzwanzig der schweren Klasse an und f�nfzehn der mittleren Klasse. Ich hatte zwanzig Rammschiffe der schweren und zehn der mittleren Klasse. Keine der beiden Flotten verf�gte �ber leichte Galeeren.</p><p>Ich hatte es mir zur Gewohnheit gemacht, unter keinen Umst�nden Rundschiffe zu rammen und dies unter Sklaven bewu�t publik machen lassen. Sicherlich war inzwischen allgemein bekannt, da� Bosk nicht nur keine Rundschiffe versenkte, sondern, wenn er ein solches Schiff kaperte, die Rudersklaven freilie�. Ohne diese psychologische Waffe w�ren meine Aktionen gegen Rundschiffe in den letzten Monaten wohl nicht so erfolgreich gewesen. Au�erdem hatte ich verbreiten lassen, da� ich sehr w�tend w�rde, wenn die Sklaven an Bord von Rundschiffen mi�handelt oder gar erschlagen worden waren. Hierdurch gewann ich auf den Ruderb�nken der Rundschiffe manchen stillschweigenden Verb�ndeten. Die Sklaven, die nat�rlich ein Interesse daran hatten, da� ihr Schiff erobert wurde, ruderten nicht mehr mit voller Kraft, w�hrend ihre Rudermeister wiederum Angst hatten, die Angeketteten ernsthaft anzutreiben. Zwei M�glichkeiten blieben den Kapit�nen aus Cos und Tyros � sie konnten auch auf Rundschiffen freie Rudermannschaften besch�ftigen oder den Geleitschutz durch Rammschiffe verst�rken. Offenbar hatte man sich f�r die zweite, teurere Alternative entschieden, wenn auch eine Schatzflotte dieser Art ohnehin eine starke Begleitung erhalten h�tte.</p><p>Die Preise in Tyros und Cos waren in letzter Zeit enorm gestiegen, denn Geleitschutz kostete viel Geld. Die Waren der Kaufleute aus Cos, Tyros und den verb�ndeten St�dten schieden mehr und mehr aus dem Wettbewerb aus, zumal auch die Versicherungsraten f�r Schiffsladungen ungemein gestiegen waren.</p><p>Wegen meiner Gepflogenheiten im Zusammenhang mit Rundschiffen rechnete ich nicht damit, da� Cos oder Tyros solche Schiffe in eine Seeschlacht mit meiner Flotte verwickeln w�rden. Damit war das Kr�fteverh�ltnis nicht siebzig zu drei�ig, sondern h�chstens vierzig oder f�nfzig zu drei�ig. Trotzdem hatte ich nicht die Absicht, mich mit einem �berlegenen oder auch nur gleich starken Gegner auf eine Schlacht einzulassen. Wichtig war nicht so sehr die absolute Zahl der k�mpfenden Schiffe, als die Zahl der Schiffe, die zu bestimmter Zeit an bestimmter Stelle eingesetzt werden konnten.</p><p>So begann ich meinen Plan in die Wirklichkeit umzusetzen.</p><p>Zw�lf meiner Schiffe n�herten sich der Schatzflotte von S�dosten. Mit umgelegten Masten und zur Begleitung martialischer Fl�ten- und Trommelmusik verringerten wir den Abstand zur gro�en Flotte. Es konnte nur wenige Augenblicke dauern, bis wir entdeckt wurden.</p><p>Von den Heckaufbauten der Dorna aus beobachtete ich mit einem langen Fernglas wie sich in der Ferne die Masten der Rammschiffe senkten. Ich h�rte die Kriegstrompeten, die Meldungen zwischen den Schiffen verbreiteten. Signalflaggen, mit denen die Befehle wiederholt wurden, stiegen an den Heckmasten empor. Die Decks selbst waren noch nicht zu erkennen, doch ich bezweifelte nicht, da� dort nun hektische Betriebsamkeit herrschte. Bogensch�tzen machten ihre Pfeile fertig, Helme, Waffen und Schilde wurden an Deck gebracht, Feuer wurden entfacht, Steine, B�ndel mit geteertem Tuch stapelten sich neben den Katapulten. Sekunden sp�ter wurden angefeuchtete Felle �ber Reling und Decks geh�ngt, und Eimer mit Seewasser wurden zur Feuerbek�mpfung �berall an Bord bereitgestellt. In etwa zehn Ehn waren die Decks der Schatzflotte kampfbereit, die Luken gesichert.</p><p>�Mit Vierteltempo voraus�, rief ich dem Rudermeister zu, der ein paar Fu� unter mir sa�. Ich wollte mich dem Gegner nicht zu schnell n�hern.</p><p>Die Schatzflotte hatte keine Ahnung, da� ich ihre Gr��e und Zusammensetzung genau kannte. Man konnte nur vermuten, da� mich die Gr��e der Eskorte �berraschen w�rde.</p><p>Ich lauschte eine Zeitlang auf die k�mpferischen Melodien meiner Fl�tisten und Trommler und lachte leise vor mich hin.</p><p>Als ich dann die �u�eren Schiffe der Schatzflotte in unsere Richtung drehen sah, gab ich den Musikern ein Zeichen, ihre Instrumente abzusetzen.</p><p>Als sie still waren, h�rte ich die Fl�ten und Trommeln der Feindschiffe. Ich rief dem Rudermeister zu, die Ruder ruhen zu lassen. Ich wollte den Eindruck erwecken, als sei ich pl�tzlich unentschlossen, ob ich angreifen sollte oder nicht. Ich wollte verwirrt und �berrascht erscheinen, deshalb gab ich meinem Trompeter den Befehl das Signal �Ruder ruht!� zu blasen. Das gleiche Signal wurde mit Flaggen aufgezogen.</p><p>�ber der schwachen Musik von den fernen Schiffen, die nun n�herkamen, h�rte ich Kriegstrompeten schallen und vermochte durch das Glas die Flaggen zu beobachten. Zwar kannte ich den Code nicht, doch hatte ich keinen Zweifel, da� der Flotte unser Z�gern bekanntgegeben wurde. Schon sah ich die Rundschiffe auseinandergleiten, sah Tarnschiffe, die zwischen ihnen hindurch in unsere Richtung schw�rmten.</p><p>Ich schlo� das Fernglas und lachte. �Ausgezeichnet!� rief ich.</p><p>Thurnock neben mir grinste.</p><p>�Steuermann � wenden!� rief ich. �Rudermeister � halbes Tempo voraus.�</p><p>Entsprechend meinem Plan gab ich dieses Man�ver nicht einmal meinen anderen Schiffen bekannt. Ich wollte den Eindruck erwecken, als machten wir in pl�tzlicher Panik kehrt und ergriffen die Flucht, als sei unsere Flotte ohne einheitliche F�hrung. Meine Kapit�ne waren vorz�gliche Seeleute � ich konnte mich auf sie verlassen. Hinter uns zischte ein brennendes Schleudergescho� ins Wasser, etwa hundert Meter entfernt.</p><p>Wieder hob ich das Fernglas an die Augen.</p><p>Langsam z�hlte ich ab � zwanzig gegnerische Schiffe, zu einem Halbkreis auseinandergezogen, hatten unsere Verfolgung aufgenommen.</p><p>Die Dorna hatte ihre Kehrtwendung nun beendet und entfernte sich mit halber Schlagzahl nach S�den, fort von den Verfolgern. Die anderen elf Schiffe waren unserem Man�ver scheinbar ungeschickt gefolgt und ergriffen nun ebenfalls die Flucht.</p><p>Die zw�lf Schiffe, einschlie�lich der Dorna, waren �brigens meine schnellsten Einheiten, so da� wir den Vorsprung notfalls �ber gro�e Strecken halten konnten. Nat�rlich bewegten wir uns im Augenblick nur mit halber Schlagzahl.</p><p>Ich wollte den Gegner hinter uns herlocken, was uns auch gelang.</p><p>Wieder senkte sich ein brennendes Gescho� hinter uns ins Wasser � nur noch f�nfzig Meter entfernt.</p><p>In einer weiteren Viertel-Ahn war die Gruppe unserer Verfolger auf drei�ig Rammschiffe angewachsen. Falls es mehr gab, waren sie jedenfalls nicht zu sehen. Die eigentliche Schatzflotte hatte beigedreht.</p><p>Ich beobachtete ein brennendes Gescho�, das in anmutigem Bogen durch die Luft angerauscht kam und etwa f�nfzehn Meter zu meiner Rechten zischend ins Wasser fiel.</p><p>Ich l�chelte. �Dreiviertel-Geschwindigkeit�, sagte ich zu unserem Rudermeister.</p><p>Meine Schiffe, als seien sie vor Panik au�er sich, hielten keine Formation, sondern verstreuten sich nach S�dosten. Jedes hatte zwei oder drei Verfolger auf sich gezogen. Die Dorna, die vielleicht als Flaggschiff erkannt worden war, da sie die urspr�ngliche Formation angef�hrt hatte, wurde mit f�nf Verfolgern geehrt. Nach etwa zwei Ahn, in denen wir die Geschwindigkeit manchmal steigerten, manchmal wieder verminderten, hatten wir die Gegner hinter uns zu einer langen, unregelm��igen Linie auseinandergezogen, je nach Geschwindigkeit des einzelnen Schiffs. Inzwischen mu�te der Rest meiner Kampfeinheit, achtzehn Rammschiffe, die Schatzflotte von Nordwesten aus angegriffen haben, zu deren Schutz nur noch etwa zehn Rammschiffe zur�ckgeblieben waren. Ich war etwas verwundert dar�ber, da� der Gegner uns so hartn�ckig verfolgte. Zwar hatte ich von Anfang an die Flagge Bosks, des Kapit�ns aus den S�mpfen, aufgezogen, um die Verfolgung sicherzustellen, denn in Cos und Tyros war ein hoher Betrag auf meinen Kopf ausgesetzt. Es erstaunte mich nur, wie beharrlich uns die Einheiten auf den Fersen blieben. Offenbar war ich den M�nnern der beiden Insel-Ubarate wichtiger als ich angenommen hatte.</p><p>Die zw�lfte Ahn r�ckte heran, ehe der Kommandant des ersten Verfolgerschiffs begriff, da� er hereingelegt worden war und mich wahrscheinlich nicht einholen konnte.</p><p>�Ruht Ruder!� rief ich.</p><p>Ich sah, wie das Tarnschiff beidrehte.</p><p>�Wie geht es den M�nnern?� fragte ich den Rudermeister, unter dem ich auf der Rena aus Temos gerudert hatte.</p><p>�Sie sind noch kr�ftig�, sagte er. �Wir haben ja noch nicht einmal volle Geschwindigkeit gerudert.�</p><p>�Sie sollen sich jetzt ausruhen�, befahl ich.</p><p>Unsere Verfolger tauschten Trompetensignale aus und hi�ten Flaggen. Die zur�ckliegenden Einheiten begannen abzudrehen. Einige weiter entfernte Schiffe, die wahrscheinlich die Signale mit Ferngl�sern verfolgt hatten, vollzogen das Man�ver nach. Viele andere waren zu weit entfernt.</p><p>Kaum hatte unser Verfolger gewendet, als ich neue Befehle gab. �Kehrtwendung!� rief ich. �Und volle Geschwindigkeit!�</p><p>Die Ruderer begannen zu jubeln.</p><p>Ich bezweifelte nicht, da� unsere Dorna schneller war als ihr Gegner, dem wahrscheinlich keine Zeit mehr blieb, erneut kehrtzumachen und sich zum Kampf zu stellen.</p><p>Wir feuerten keine Geschosse ab, kamen lautlos n�her.</p><p>Wir waren nur noch f�nfzig Meter entfernt, als sich ein Seemann auf dem Ruderdeck umdrehte und einen Warnschrei ausstie�. Doch schon bohrte sich die eisengesch�tzte Ramme der Dorna einen Fu� unter der Wasserlinie splitternd in das Heck.</p><p>�Ruder zur�ck!� br�llte der Rudermeister, und die Dorna, die noch vom Anprall erbebte, ruckte zur�ck. �Ruderg�nger � Steuerbord passieren!� rief ich. �Zieht durch! H�chste Schlagzahl!�</p><p>Das Heck des gegnerischen Schiffes war bereits unter Wasser, als wir an ihm vor�berglitten.</p><p>Armbrustpfeile zischten gegen die Brustwehr, die meine Ruderer sch�tzte, doch das war alles. Dann waren nur noch vier Schiffe vor uns, das n�chste kaum hundert Meter entfernt. Der L�rm unseres Rammsto�es und die Schreie der M�nner waren weit �ber das Wasser zu h�ren.</p><p>Wir sahen, wie das Schiff zu wenden versuchte, doch noch ehe es vier Punkte des goreanischen Kompasses vom Kurs abgefallen war, stie� unsere Ramme schr�g gegen sein Heck, glitt hinein, machte sich frei, und die Schiffe knirschten aneinander vorbei, wobei die Dorna ihre Backbordruder nat�rlich eingezogen hatte. Schon hielten wir auf das Heck des n�chsten Rammschiffs zu.</p><p>Wir h�rten verzweifelte Trompetensignale hinter uns, die die Besatzungen vor uns warnen sollten.</p><p>Auch das n�chste Schiff versuchte zu wenden, doch wir rammten es mittschiffs. Unsere Rammspitze bohrte sich tief in die Seitenwandung und hinterlie� ein f�rchterliches Loch, als wir zur�ckruderten und am gegnerischen Heck vorbei auf die n�chsten beiden Schiffe zuhielten.</p><p>Die beiden Kapit�ne waren sich der Gefahr inzwischen wohl bewu�t und wagten es nicht, sich zum Kampf zu stellen. Sie hatten mit h�chster Schlagzahl die Flucht ergriffen.</p><p>�Halbes Tempo!� rief ich.</p><p>Der Rudermeister grinste, w�hrend ich mein Fernglas hob und den Horizont absuchte.</p><p>Es waren nur noch wenige Schiffe zu sehen, und die meisten waren gr�n, geh�rten also meiner Flotte an. Ich war zufrieden, wenn meine Schiffe ihre Verfolger nur weiter auf das Meer hinauslockten � um so besser standen unsere Chancen am Ort der eigentlichen Entscheidung.</p><p>Das Schiff, das vor uns floh, hatte seinen Vorsprung nun vergr��ert, da wir langsamer ruderten. Nach einigen Ehn hielt der Kapit�n seinen Vorsprung wohl f�r ausreichend, um beizudrehen und den Kampf zu wagen � dabei nahm er nat�rlich an, da� wir bei unserer Verfolgung die H�chstgeschwindigkeit gehabt hatten.</p><p>Als ich sah, da� das Tarnschiff vor uns zum Wendeman�ver ansetzte, rief ich nur: �Jetzt!�</p><p>Ohne einen Ruderschlag zu verlieren, steigerte mein Rudermeister die Schlagzahl auf h�chste Geschwindigkeit. Die Dorna, das Heck geneigt, den Rammbock fast aus dem Wasser gehoben, rauschte los. Wir nahmen unseren Gegner wieder mittschiffs.</p><p>�rgerlich sch�ttelte sich die Dorna los und nahm innerhalb einer Ehn die Verfolgung des letzten gegnerischen Schiffs auf, das keine Anstalten machte zu wenden. Es hatte inzwischen einen gro�en Vorsprung herausgefahren.</p><p>�H�chstgeschwindigkeit�, befahl der Rudermeister seinem Keleustes.</p><p>�K�nnen wir sie noch einholen?� fragte ich.</p><p>�Ich glaube ja�, sagte er und reduzierte die Geschwindigkeit auf Dreiviertel-Tempo. Ich schwieg, denn er war ein guter Rudermeister.</p><p>Von Zeit zu Zeit �berzeugte ich mich, da� das Schiff vor uns seinen Vorsprung weiter ausbaute.</p><p>Doch etwa anderthalb Ahn sp�ter war zu sehen, da� die Entfernung nicht mehr gr��er geworden war, w�hrend meine M�nner noch immer m�helos die Dreiviertel-Schlagzahl durchhielten.</p><p>�Der Gegner hat hundertundzweiunddrei�ig Ruder�, sagte der Rudermeister, �aber er ist schwerer und nicht so gut gebaut wie die Dorna.�</p><p>�Offensichtlich ist ihre Schlagzahl reduziert.�</p><p>�Sie werden jetzt auch auf Dreiviertel sein � die H�chstgeschwindigkeit l��t sich nicht so lange durchhalten. Und bei Dreiviertel k�nnen wir sie �berholen.�</p><p>Ich dankte ihm, und er kehrte zu seinem Sitz zur�ck.</p><p>Bald mu�te unserem Gegner klar werden, da� er uns nicht entkommen konnte. So w�rde er sich �ber kurz oder lang zum Kampf stellen.</p><p>Nach einer Viertel-Ahn sah ich, wie er zum Wendeman�ver ansetzte.</p><p>�Viertel-Schlag�, sagte ich, dann: �Ruder ruht!�</p><p>Die beiden Tarnschiffe, die Dorna und das andere, lagen sich in der ruhigen See gegen�ber. Die Entfernung zwischen uns betrug etwa vierhundert Meter.</p><p>Da die Hauptwaffen des Rammschiffs die Ramme und die Scherbl�tter sind, ist der Frontalangriff der gef�hrlichste. In einer solchen Situation, wenn sich zwei Schiffe Bug gegen Bug gegen�berstehen, wird im allgemeinen der Steuerbordkreis beschrieben, ein wachsames gegenseitiges Umkreisen, ein Lauern auf die g�nstigste Gelegenheit. Zweifellos ahnte der gegnerische Kommandant aber auch, da� die Dorna schneller und wendiger war als sein Schiff � ihm blieb also keine Wahl.</p><p>Er tat das Erwartete.</p><p>Seine Ruder schlugen das h�chste Tempo an, und das schwere Schiff st�rmte auf uns zu, wobei die Oberkante seiner Ramme durch das Wasser pfl�gte.</p><p>Ich lachte. Ich hatte den gegnerischen Kapit�n �berlistet.</p><p>�Ruderg�nger�, sagte ich, �Kurs f�nf Strich Steuerbord. Rudermeister, wir haben eine Verabredung mit der Schatzflotte aus Tyros.�</p><p>Er grinste. �Ja, Kapit�n�, sagte er und rief seinem Keleustes zu: �H�chste Schlagzahl!�</p><p>Die Ramme des angreifenden Schiffs fand ihr Ziel nicht. Schnell wie ein Sleen huschten wir ihr aus dem Weg, glitten an ihr vor�ber, lie�en sie zur�ck. Der Kapit�n lie� vor �berraschung nicht einmal das Feuer er�ffnen, sondern drehte langsam und offenbar auch erleichtert in Richtung Cos ab.</p><p>Ich lachte. Ich hatte ihn aus dem Kampf genommen.</p><p>Die Auseinandersetzung um die Schatzflotte hatte den erwarteten Ausgang genommen. Von den vierzig Tarnschiffen des Geleitschutzes waren drei�ig durch uns fortgelockt worden. Ich selbst hatte vier besch�digt oder vernichtet und ein f�nftes aus dem Kampf ausgeschaltet. Als meine anderen elf Schiffe nun nacheinander zur Schatzflotte zur�ckkehrten, vermochten sie �hnliches zu berichten. Einige Feindschiffe hatten sich auf ihrer R�ckkehr von der Jagd jedoch neu formieren k�nnen, so da� jetzt irgendwo auf dem Thassa eine Flotte von etwa zehn feindlichen Tarnschiffen unterwegs sein mochte, die immer noch eine Gefahr darstellten. Bisher hatten sie sich jedoch nicht sehen lassen. Die anderen Feindschiffe waren schwer besch�digt, versenkt oder vertrieben worden. W�hrend meine zw�lf Schiffe verfolgt wurden, hatten sich die �brigen achtzehn Schiffe meiner Flotte auf die Tarnschiffe gest�rzt, die bei der Schatzflotte geblieben waren. Unter Anwendung der elementaren Dreieckstaktik, bei der zwei Schiffe aus verschiedenen Richtungen gegen ein Schiff vorgehen, das sich nur einem der Angreifer wirkungsvoll zuwenden kann, hatten meine Schiffe in kurzer Zeit sieben der zehn verbleibenden Rammschiffe vernichtet. Zwei waren geflohen, und ein Schiff lag noch zwischen den anderen Einheiten. Einige der Rundschiffe hatten sich klugerweise verstreut und ihr Heil in der Flucht gesucht, doch von den drei�ig Schatzschiffen insgesamt waren zweiundzwanzig von unseren Fahrzeugen umringt. Ein weiteres wurde gerade von einem meiner Rammschiffe zur Flotte zur�ckgetrieben.</p><p>Ich hatte es nicht eilig, gegen die Rundschiffe vorzugehen. Sie waren mir sicher. Mir lag daran, die sieben fl�chtigen Schatzschiffe aufzutreiben. Deshalb machte ich mich daran, aus den zur Schatzflotte zur�ckkehrenden Rammschiffen Verfolgungsgruppen f�r die fehlenden Schiffe zusammenzustellen. Ich lie� zehn Tarnschiffe gezielte Suchaktionen vornehmen, in der Hoffnung, noch einige Einheiten aufzutreiben. F�nf davon sollten eine Netzformation in Richtung Cos bilden, die wahrscheinlichste, wenn auch nicht die kl�gste Fluchtrichtung unserer Gegner. Blieben die Bem�hungen dieser Schiffe fruchtlos, sollten sie nach Ablauf von zwei Tagen nach Port Kar zur�ckkehren. Nachdem meine anderen elf Schiffe ausnahmslos zur�ckgekehrt waren, blieben somit noch zwanzig Rammschiffe bei den Schatzfahrzeugen, mehr als genug, um etwa zur�ckkehrende Feindschiffe abzuwehren.</p><p>Ich lie� auf der Dorna den Hauptmast wieder aufrichten und stieg selbst in den Korb des Ausgucks. Von dort aus betrachtete ich meine dreiundzwanzig Rundschiffe � und war nicht unzufrieden.</p><p>Der Mastkorb schwankte heftig hin und her. Ich hob das Fernglas an die Augen. Von den dreiundzwanzig Rundschiffen eingeschlossen lag eine lange Galeere, ein purpurnes Schiff, das die purpurne Flagge von Cos zeigte. Es war ein sch�nes Schiff � und seine Flagge war mit Gold eingefa�t, die Admiralsflagge, das Zeichen, da� ich das Flaggschiff der Schatzflotte vor mir hatte.</p><p>Ich lie� das Fernglas zuschnappen und stieg auf der schmalen Strickleiter wieder nach unten.</p><p>�Thurnock�, sagte ich, �zieh die Flaggen auf � wir �bernehmen die Beute.�</p><p>�Ja, Kapit�n�, sagte er.</p><p>Ich rechnete nicht mit Widerstand beim Entern der Rundschiffe � und diese Vermutung bewahrheitete sich. Daf�r gab es mehrere Gr�nde. Die Rundschiffe waren zusammengetrieben worden und konnten nicht man�vrieren. Sie waren au�erdem langsamer als meine Rammschiffe, konnten sich also kaum zur Wehr setzen. Und ihre Rudersklaven wu�ten l�ngst, da� die siegreiche Flotte Bosk, dem Kapit�n aus den S�mpfen, geh�rte.</p><p>Meine M�nner erkletterten Schiff um Schiff und trafen nur selten auf Widerstand. Die freien Mannschaften dieser Schiffe befanden sich hoffnungslos in der Minderzahl. Ein Rundschiff, das bis zu zweihundert gefesselte Rudersklaven an Bord haben kann, f�hrt selten eine freie Mannschaft von mehr als zwanzig oder f�nfundzwanzig Mann, sofern nicht ein Kampf bevorsteht. �berdies sind diese f�nfundzwanzig Mann in erster Linie Seeleute und keine Soldaten.</p><p>Die Dorna dagegen hatte eine freie Mannschaft aus zweihundertundf�nfzehn Mann, die zudem alle im Umgang mit den Waffen trainiert waren.</p><p>Eine Ahn sp�ter trat ich �ber eine Planke an Deck des Flaggschiffs der Schatzflotte. Das Schiff befand sich ebenfalls l�ngst in unserer Hand.</p><p>Eine gro�e, b�rtige Gestalt in purpurnem Umhang kam mir entgegen. �Ich bin Rencius Ho-Bar aus Telnus. Admiral der Schatzflotte von Cos und Tyros.�</p><p>�Legt ihn in Ketten�, sagte ich zu meinen M�nnern.</p><p>Der Admiral starrte mich aufgebracht an.</p><p>Ich wandte mich an Clitus, der das Schiff des Admirals bereits durchsucht hatte. �Habt ihr die Ladeliste gefunden?� fragte ich.</p><p>Er �berreichte mir ein gro�es Buch, das mit goldener Schnur zusammengebunden und versiegelt war � das Siegel Chenbars, des Ubar von Tyros.</p><p>Ich erbrach das Siegel und �ffnete die Frachtliste. Meine Beute fiel �ber alle Ma�en reichlich aus.</p><p>W�hrend ich die Listen durchsah, erklangen hier und dort auf den Rundschiffen die Jubelschreie der befreiten Sklavenmannschaften, w�hrend die freien Mannschaftsmitglieder in Ketten gelegt wurden.</p><p>Ich warf einen Blick auf die goldgefa�te purpurne Flagge. �Holt die Fahne ein�, sagte ich zu Thurnock, �und zieht die Fahne von Bosk auf.�</p><p>�Ja, Kapit�n�, sagte Thurnock.</p><p>�Admiral!� protestierte der Admiral der Schatzflotte.</p><p>�Bringt ihn fort�, befahl ich, und der Gefesselte wurde fortgezerrt.</p><p>Ich lie� das Buch zuklappen. �Wenn diese Zahlen stimmen�, sagte ich zu Clitus, �verf�gen die Kapit�ne aus Port Kar ab heute �ber gro�e Reicht�mer.�</p><p>Er lachte.</p><p>�Der Anteil des Arsenals ist achtzehn von drei�ig Anteilen.� Achtzehn Schiffe in meiner Flotte hatten dem Arsenal geh�rt; ein entsprechender Anteil der Beute fiel den Kapit�nen der Stadt zu, w�hrend ich mir die restlichen zw�lf Anteile vorbehalten hatte, ebenso wie alle Sklaven.</p><p>�Kapit�n�, sagte jemand.</p><p>�Ja?�</p><p>Ein Seemann stand neben mir. �Die noble Vivina�, sagte er, �bittet euch vorgestellt zu werden.�</p><p>�Gut�, sagte ich. �Sage ihr, da� ihre Bitte gew�hrt ist.�</p><p>Wieder �ffnete ich das Frachtenbuch. Als ich den Kopf hob, sah ich Vivina vor mir stehen. Bei meinem Anblick zuckte sie sichtlich zusammen.</p><p>Ich grinste sie an.</p><p>Sie hatte die Hand vor den Schleier gepre�t und die Augen aufgerissen. Sie trug eine pr�chtige Robe der Verh�llung aus schimmerndem Brokatstoff. Der Schleier war purpurn und mit Gold besetzt.</p><p>�Ich bin Vivina�, sagte sie. �Aus der Stadt Kasra auf Tyros.�</p><p>Ich nickte. �Du magst mich Bosk nennen. Ich bin Kapit�n aus Port Kar.�</p><p>Hinter Vivina standen zwei M�dchen von vornehmer Abkunft.</p><p>�Ich nehme an�, sagte sie, �da� ich deine Gefangene bin.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Du wirst nat�rlich eine schwere Strafe f�r deine Tat erhalten.�</p><p>Ich grinste.</p><p>�Wie du wei�t, bin ich als Freie Gef�hrtin Lurius, Ubar von Cos, versprochen. Mein L�segeld wird also hoch ausfallen.�</p><p>Ich deutete auf die beiden M�dchen hinter Vivina. �Wie viele von der Sorte sind an Bord?� wandte ich mich an Clitus.</p><p>�Vierzig�, lautete die Antwort.</p><p>�Sie stehen aber nicht auf der Frachtliste.�</p><p>Clitus nickte, w�hrend sich die M�dchen unruhige Blicke zuwarfen.</p><p>�Meine M�dchen werden auch ausgel�st, obwohl die Betr�ge f�r sie nat�rlich nicht so hoch sein werden wie f�r mich.�</p><p>�Wie kommst du darauf, da� wir ein L�segeld f�r dich verlangen?�</p><p>Sie starrte mich sprachlos an.</p><p>�Nimm den Schleier ab!�</p><p>Als sie sich weigerte, halfen meine M�nner nach. Sie war atemberaubend sch�n, und ihre beiden Begleiterinnen standen ihr wenig nach.</p><p>�Die noble Vivina�, sagte ich zu Clitus, �wird unseren Bug versch�nen, das Flaggschiff der Schatzflotte.�</p><p>�Nein!� kreischte sie kreidebleich.</p><p>�Und die anderen M�dchen sollen auf die Bugspriete unserer Schiffe und der Rundschiffe verteilt werden � das sch�nste M�dchen nat�rlich f�r die Dorna.�</p><p>�Ja, Kapit�n�, sagte Clitus.</p><p>Ich wandte mich ab, nahm das Frachtbuch zur Hand und vertiefte mich wieder in die Liste der Sch�tze.</p><p>Innerhalb einer Ahn waren wir abfahrtbereit. Als es soweit war lie� ich den Admiral der Schatzflotte, Rencius Ho-Bar, in Ketten zu mir bringen.</p><p>�Ich schicke ein Rundschiff nach Cos�, sagte ich. �Du wirst mit einigen Seeleuten angekettet auf seinen Ruderb�nken sitzen. Au�erdem stelle ich dir von unseren Gefangenen zehn freie M�nner, sechs Seeleute, zwei Ruderg�nger, einen Rudermeister und einen Keleustes zur Verf�gung. Das Schiff wird ausreichend Vorr�te erhalten, und ihr werdet den R�ckweg in f�nf Tagen schaffen.�</p><p>�Du bist gro�z�gig�, sagte der Admiral niedergeschlagen.</p><p>�Solltest du dich entschlie�en, nach Telnus zur�ckzukehren, wirst du sicher einen einigerma�en umfassenden und wahrheitsgem��en Bericht �ber die Ereignisse hier abgeben.�</p><p>�Zweifellos wird man ein entsprechendes Ansinnen an mich stellen�, sagte der Admiral l�chelnd.</p><p>�Damit deine Information m�glichst komplett ist, teile ich dir jetzt mit, da� sich zumindest bis jetzt sieben von deinen Schatzschiffen meinem Zugriff entzogen haben. Ich rechne jedoch damit, da� ich einige noch aufgreife. Was die Tarnschiffe angeht, so habe ich eins gekapert, dein Flaggschiff, und nach den Berichten meiner Kapit�ne sind etwa achtzehn oder zwanzig ernsthaft besch�digt oder gar versenkt worden. Damit bleiben dir zehn oder auch zw�lf Schiffe, die sich noch auf dem Thassa herumtreiben.�</p><p>In diesem Augenblick ert�nte vom Vormast eines nahegelegenen Rundschiffs ein Ruf: �Zw�lf Segel! Zw�lf Segel backbord!�</p><p>�Ah!� sagte ich. �Also zw�lf Schiffe.�</p><p>�Sie werden k�mpfen!� rief der Admiral. �Du hast noch nicht gewonnen!�</p><p>�Zweifellos werden sie ihre Masten umlegen�, sagte ich, �aber ich glaube nicht, da� sie k�mpfen.�</p><p>Er starrte mich mit geballten F�usten an.</p><p>�Thurnock�, sagte ich. �Gib siebzehn von meinen zwanzig Schiffen Befehl, sie sollen sich unseren herannahenden Freunden entgegenstellen. Zwei sollen auf der entgegengesetzten Seite der Schatzflotte bleiben. Die Dorna bleibt zun�chst hier. Die siebzehn Schiffe ziehen nur mit der Dorna in den Kampf, und unter keinen Umst�nden d�rfen sie sich mehr als vier Pasang von der Flotte entfernen.�</p><p>�Ja, Kapit�n�, sagte Thurnock und machte kehrt.</p><p>Bald flatterten die Signalflaggen an den Masten. Vorbereitungen zum Gefecht liefen an. Siebzehn Einheiten setzten sich in Bewegung, glitten den herannahenden zw�lf Schiffen entgegen. Die Rudermannschaft der Dorna sa� einsatzbereit, gewappnet f�r den Augenblick, da ich an Bord kam.</p><p>�Sie legen die Masten um!� ert�nte der Ruf des Ausgucks.</p><p>Sollte der Gegner auf zwei Pasang herankommen, wollte ich auf die Dorna �bersteigen.</p><p>Ich wandte mich an den Admiral, der neben mir auf dem Achterdeck stand. �M�chtest du darauf wetten, da� sie noch weiter herankommen?�</p><p>�Sie werden k�mpfen!� sagte er.</p><p>Auch Vivina, die f�r den Bug fertiggemacht wurde, beobachtete die herannahende Flotte.</p><p>Dann stie� der Admiral einen Wutschrei aus.</p><p>Die zw�lf Schiffe drehten bei und nahmen Kurs auf Cos.</p><p>�Bringt den Admiral fort�, sagte ich zu Thurnock. �Und fesselt die Frau an den Bug!�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Unsere R�ckkehr nach Port Kar war triumphal.</p><p>Ich trug das Purpur eines Flottenadmirals, eine goldene Kappe mit Quaste und Goldstreifen an den �rmeln und an den S�umen meiner Robe.</p><p>Meine H�fte zierte ein juwelenbesetztes Schwert, nicht mehr die Klinge, die ich in den langen Jahren meines Dienstes f�r die Priesterk�nige getragen hatte. Dieses Schwert hatte ich kurz nach meiner Ankunft in Port Kar zur Seite gelegt und andere Waffen erworben. Irgendwie hatte ich das Gef�hl, da� ich dieses Schwert nicht l�nger tragen konnte. Es wurzelte zu sehr in meiner Vergangenheit, sein Stahl war mit zu vielen Erinnerungen befleckt. Es erinnerte mich an ein altes Leben, das Leben eines Toren, das ich, weise geworden, �berwunden hatte. Au�erdem � und das war noch wichtiger � war es mit seinem schlichten Griff und der ungeschm�ckten Klinge zu schlicht und anspruchslos f�r einen Mann meiner Stellung, f�r einen der wichtigsten M�nner einer der gr��ten Hafenst�dte auf Gor. Ich war Bosk, ein einfacher, aber kluger Mann, der aus den S�mpfen gekommen war, Port Kar im Sturm erobert hatte und der nun die anderen St�dte Gors mit seiner Klugheit und seiner Klinge verbl�ffte � und jetzt auch mit seiner Macht und seinem Reichtum.</p><p>Meinen zehn Suchschiffen war es gelungen, f�nf von den fehlenden sieben Schatzschiffen aufzubringen, von denen vier direkt auf Cos zugehalten hatten. Die Welt, dachte ich, ist doch voller Narren. Es gibt Narren und Weise, und vielleicht zum erstenmal in meinem Leben vermochte ich mich getrost zu den letzteren zu z�hlen.</p><p>Ich stand am Bug des langen purpurnen Schiffs, das einmal das Flaggschiff der Schatzflotte gewesen war. Auf den D�chern und in den Fenstern der Geb�ude an den Kais dr�ngten sich die Menschen, und ich hob die Hand und nahm ihren Beifall entgegen. Hinter mir bewegten sich die Schiffe in einer herrlichen Linie � zuerst die Dorna, dann die Tarnschiffe, dann die Rundschiffe; sie glitten durch die Stadt, folgten dem Triumphweg der Kan�le am Haus des Kapit�nsrats vorbei.</p><p>Blumen waren in den Kanal geworfen worden, Bl�ten wurden zu uns auf die Schiffe geschleudert.</p><p>Das Jubelgebr�ll war ohrenbet�ubend.</p><p>Ich hatte verf�gt, da� aus meinem Anteil der Beute jeder Arbeiter im Arsenal ein Goldst�ck erhalten sollte und jeder B�rger der Stadt einen Silbertarsk.</p><p>L�chelnd hob ich die Hand und winkte. Nur wenige M�nner, so dachte ich, durften je einen solchen Triumph genie�en!</p><p>Und so seltsam es auch erscheinen mochte, ich freute mich auf das Wiedersehen mit Midice, meiner Lieblingssklavin. Ich wollte mich mit meinen neuen Roben und Sch�tzen vor ihr br�sten. Ich konnte ihr nun Kleider und Juwelen schenken, die eine Ubara neidisch machen mu�ten. Ich konnte mir das Staunen ihrer Augen vorstellen, wenn sie die wahre Gr��e ihres Herrn begriff, ihre Freude, ihren Eifer.</p><p>Ich war zufrieden.</p><p>Wie einfach es doch ist, ein wirklicher Mann zu sein, m�chtig und r�cksichtslos, man braucht nur das Z�gern und die Bedenken beiseitezuschieben, mit denen sich die Schwachen und die Toren belasten und zu Gefangenen ihrer selbst und ihres Gl�cks machen. Mit meiner Heimkehr nach Port Kar schmeckte ich zum erstenmal wirkliche Freiheit.</p><p>Ich hob die Hand. Blumen fielen um mich auf Deck. Ich warf einen Blick auf das M�dchen, das vor mir an den Bug gefesselt worden war, Vivina, meine Beute.</p><p>Ich war Bosk, der tun konnte, was er wollte. Hatte es je einen gr��eren Triumph in Port Kar gegeben?</p><p>Ich f�hrte achtundf�nfzig Schiffe in den Hafen � das Flaggschiff der Schatzflotte, Vivina am Bug, die Dorna, die anderen neunundzwanzig Schiffe, die meine urspr�ngliche Flotte gebildet hatten, und als Prisen, gef�llt mit Sch�tzen, die ein L�segeld f�r eine ganze Stadt darstellen mochten, siebenundzwanzig von den drei�ig Rundschiffen der Schatzflotte von Cos und Tyros.</p><p>�Dies ist Port Kar�, sagte ich zu Vivina.</p><p>Sie schwieg.</p><p>Das Flaggschiff, dessen Ruder langsam das Wasser teilten, suchte sich majest�tisch seinen Weg zwischen den Geb�uden am gro�en Kanal.</p><p>In den f�nf Tagen unserer Reise vom Schauplatz des gro�en Gefechts mit der Schatzflotte hatte ich Vivina und die anderen M�dchen nat�rlich nicht st�ndig an den Bugsprieten h�ngen lassen; sie waren dort nur im Augenblick des Sieges und jetzt f�r den Einzug in Port Kar angebunden worden.</p><p>Ich erinnerte mich, wie ich Vivina am ersten Abend im Lichte der Fackeln zu mir bringen lie�. Ich empfing sie in der Admiralskabine, an Bord des Flaggschiffs.</p><p>�Wenn ich mich recht erinnere�, hatte ich gesagt, �hast du mir im Thronsaal von Cos mitgeteilt, du w��test nicht, wie es auf den Ruderb�nken eines Rundschiffs aussieht.�</p><p>Sie starrte mich an. Frauen hoher Abstammung reisten gew�hnlich in ger�umigen Kabinen, die sich in den Heckaufbauten der Rundschiffe oder Rammschiffe befanden. Sie hatte nat�rlich auch hier an Bord eine luxuri�se Kabine bewohnt.</p><p>�Wie ich mich erinnere, sagte ich dir bei der Gelegenheit auch, da� du vielleicht eines Tages Gelegenheit h�ttest, die Ruderb�nke eines Rundschiffs kennenzulernen.�</p><p>�Nein!� sagte sie. �Bitte nicht!�</p><p>Ich hatte mich an meine M�nner gewandt. �Bringt diese Dame in einem Beiboot zum gr��ten Rundschiff der Flotte, das von gefangenen Offizieren der Schatzflotte gerudert wird, und kettet sie dort im Ruderdeck fest.� Ich sah Vivina an. �Ich nehme an, die Unterkunft wird dir gefallen.�</p><p>Das M�dchen hatte sich aufgerichtet. Wie eine Ubara machte sie kehrt und folgte dem Seemann, der sie begleiten sollte.</p><p>Im Augenblick des Einzugs in Port Kar musterte ich sie nun von der Seite. Sie wandte den Kopf und sah mich gequ�lt an. �Was hast du mit mir vor?� fragte sie.</p><p>�Wenn die Sch�tze �berpr�ft, berechnet und aufgeteilt sind, was etwa vier oder f�nf Wochen in Anspruch nehmen d�rfte�, sagte ich, �wirst du mit deinen M�dchen in Sklavenketten vor den Rat der Kapit�ne gebracht, wo zugleich Muster aus dem Schatz gezeigt und Abrechnung �ber die Beute gehalten wird.�</p><p>�Wir sind also Kriegsbeute?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie es scheint, hast du nun einen vollen Monat des Triumphs vor dir�, sagte sie k�hl. �Was tust du, wenn wir vor dem Rat der Kapit�ne gestanden haben?�</p><p>�Das wirst du dann schon sehen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte sie und blickte wieder nach vorn.</p><p>Weitere Blumen regneten herab, und das Jubelgeschrei nahm kein Ende.</p><p>Bestimmt hatte es in der Geschichte dieser Stadt keinen gr��eren Triumphzug gegeben, dabei wu�te ich, da� dies nur der Anfang war. Der H�hepunkt war in vier oder f�nf Wochen zu erwarten, wenn die Kriegsbeute dem Rat vorgef�hrt wurde und ich die h�chste Auszeichnung der Stadt erhielt, den Titel �W�rdiger Kapit�n.�</p><p>�Heil Port Kar!� rief ich der Menge zu.</p><p>�Heil Port Kar!� erschallte die Antwort. �Und Heil Bosk, Admiral von Port Kar!�</p><p>�Heil Bosk!� riefen die M�nner meines Hauses. �Heil Bosk, Admiral von Port Kar!�</p><p>F�nf Wochen waren seit meinem triumphalen Einzug in die Stadt vergangen.</p><p>An diesem Nachmittag hatte die formelle Pr�sentation der Beute im Saal des Kapit�nsrats stattgefunden.</p><p>Ich stand auf und erwiderte die begeisterten Rufe meiner Leute, indem ich meinen Pagakelch hob.</p><p>Kelche stie�en klingend zusammen, und wir tranken.</p><p>F�nf Wochen der Vergn�gungen, Feiern, Bankette und Ehrenbezeigungen lagen hinter mir. Der Wert der erbeuteten Sch�tze �bertraf unsere h�chsten Erwartungen, lag �ber den optimistischsten Berechnungen unserer gierigsten Schreiber. Heute nachmittag nun hatte mein Ruhm im Saal des Kapit�nsrats seinen H�hepunkt erlebt � in der formellen Pr�sentation und Absch�tzung des Sieges und der Beute, und in der Anerkennung des Rats f�r meine Taten.</p><p>Noch jetzt, Stunden sp�ter, trug ich bei meiner privaten Feier um den Hals das breite scharlachrote Band mit dem Goldmedaillon, auf dem ein Tarnschiff mit Dreieckssegel abgebildet war und dazu die Initialen des Kapit�nsrats von Port Kar.</p><p>Ich st�rzte meinen Paga hinunter.</p><p>Ich war wahrlich ein verdienter Kapit�n der Stadt.</p><p>Ich l�chelte. W�hrend die Ladung der Rundschiffe gel�scht, taxiert und registriert wurde, hatten sich Hunderte von M�nnern, von denen mir die meisten unbekannt waren, um Gesch�ftsbeziehungen beworben. Ich hatte Dutzende von Partnerschaftsangeboten erhalten � an spekulativen und kommerziellen Unternehmungen. Unz�hlige M�nner hatten vorgesprochen, um ihre Pl�ne, Vorschl�ge und Ideen zu verkaufen. Meine Wachen hatten auch den verr�ckten halbblinden Schiffsbauer Tersites fortgeschickt, der seine fantastischen Vorschl�ge zur Verbesserung der Tarnschiffe auch bei mir loswerden wollte � als k�nnten so sch�ne, schnelle und kampfstarke Schiffe noch verbessert werden!</p><p>W�hrend ich auf dem Meer dem Beruf des Piraten nachgegangen war, hatte sich die Position des Rats in der Stadt in milit�rischer und politischer Hinsicht weiter gefestigt. Zum einen war die Aufstellung der Ratswache mit ihrer auff�lligen Uniform abgeschlossen worden, als Streitmacht des Rats und als Polizei der Stadt. Die Arsenalwache dagegen blieb eine separate Einheit, die sich um das Arsenal k�mmerte und innerhalb seiner Grenzen die Polizeigewalt aus�bte. Zum anderen hatten sich die vier Ubars Chung, Eteocles, Nigel und Sullius Maximus, deren Macht bei dem erfolglosen Staatsstreich des Henrius Sevarius sehr beschnitten worden war, in ihr Schicksal gef�gt und offenbar die Vormacht des Rats in der Stadt anerkannt. Jedenfalls gab es jetzt zum erstenmal seit vielen Jahren einen einzigen effektiven Herrscher in Port Kar � den Rat. Dementsprechend war sein Wort Gesetz. Eine �hnliche Konsolidierung und Vereinheitlichung hatte nat�rlich auch auf anderen Gebieten stattgefunden � bei der Besteuerung, in der Gerichtsbarkeit, in den Handelsregeln und dergleichen. Zum erstenmal seit Jahren konnte man sich darauf verlassen, da� das Gesetz auf beiden Seiten eines Kanals gleich ausgelegt wurde. Schlie�lich waren die Streitkr�fte des Henrius Sevarius unter der Regentschaft des Claudius aus ihren Stellungen getrieben worden � bis auf eine, eine riesige Festung, deren Mauern sich bis in den Tamber erstreckten und die etwa zwei Dutzend Schiffen Schutz bot. Die Anlage h�tte vielleicht im Sturm genommen werden k�nnen, aber das w�re ein teures Unternehmen gewesen. So hatte sich der Rat darauf beschr�nkt, das Anwesen auf der Landseite mit doppelten Belagerungsmauern einzuschlie�en und vom Thassa her mit Arsenalschiffen zu blockieren. Man wartete ab. Wie lange die Festung noch gehalten werden konnte, hing allein von der Gr��e ihrer Wasservorr�te ab, von der Menge der Fische, die durch die vergitterten Tore in ihre Becken schwammen, und von den Brotresten, die sich in ihren T�rmen noch befanden. Der Rat ignorierte die Festung weitgehend bei seinen Erw�gungen und Unternehmungen; sie war praktisch das Gef�ngnis der dort Eingeschlossenen, zu denen nach Meinung des Rats nat�rlich auch Henrius Sevarius, der junge Ubar, geh�rte.</p><p>Ich blickte auf. In diesem Augenblick war Fisch, der Sklavenjunge, aus der K�che gekommen und balancierte auf einer Platte �ber dem Kopf einen ganzen gebratenen Tarsk, knusprig und dampfend, im Fackellicht schimmernd, eine Larmafrucht im Maul, mit Suls und Turpah garniert.</p><p>Die M�nner br�llten auf, riefen ihn zu sich an die Tische.</p><p>Fisch stellte die Platte vor den M�nnern ab. Er schwitzte. Er trug eine einfache Reptuch-Tunika und einen Metallkragen am Hals. Ich hatte ihn br�nden lassen.</p><p>Die M�nner schickten ihn wieder fort, damit er einen zweiten gebratenen Tarsk vom Spie� holen konnte, den er den ganzen Nachmittag �ber dem Kohlenfeuer gedreht hatte. Er eilte aus dem Saal.</p><p>Es war nicht einfach gewesen, ihn an seine Pflichten als K�chensklave zu gew�hnen. Der K�chenmeister hatte ihn oft schlagen m�ssen.</p><p>Etwa drei Wochen nach seiner Aufnahme in meinem Haus war pl�tzlich die T�r meines Audienzsaals aufgesprungen, und er war hereingestolpert, dichtauf gefolgt von dem K�chenmeister.</p><p>�Verzeih mir, Herr!� rief der Mann.</p><p>�Was wollt ihr?� fragte ich.</p><p>�Ich m�chte dich sprechen, Kapit�n�, sagte der Junge.</p><p>�Normalerweise bringt ein K�chensklave seine W�nsche durch den K�chenmeister zum Ausdruck!�</p><p>�Ich wei߫, erwiderte der Junge.</p><p>�Warum hast du�s dann nicht getan?�</p><p>�Ich hab�s ja getan!� sagte der Junge trotzig. �Sogar sehr oft.�</p><p>�Und ich�, schaltete sich der K�chenmeister ein, �habe es ihm abgeschlagen.�</p><p>�Wie lautet die Bitte?� fragte ich.</p><p>�Er wollte es mir nicht sagen!�</p><p>�Wie hast du dann erwarten k�nnen�, fragte ich den Jungen, �da� der K�chenmeister entscheidet, ob du zu mir kommen darfst oder nicht?�</p><p>Der Junge senkte den Kopf. �Ich wollte nur mit dir sprechen.�</p><p>Dagegen hatte ich nichts einzuwenden, aber als Hausherr mu�te ich die Vorrechte des K�chenmeisters beachten. �Wenn du deine W�nsche �u�erst�, sagte ich, �dann vor Tellius.�</p><p>�rgerlich musterte der Junge den K�chenmeister, ballte die F�uste und sagte: �Ich m�chte gern den Gebrauch der Waffen lernen.�</p><p>Tellius, der K�chenmeister, starrte mich sprachlos an.</p><p>�Sklaven d�rfen nicht unterrichtet werden�, sagte ich.</p><p>�Thurnock, Clitus und andere haben gesagt, sie w�rden mich unterrichten, wenn du die Erlaubnis gibst.� Er senkte den Kopf.</p><p>Der K�chenmeister schnaubte ver�chtlich. �Es w�re besser, du w�rdest die K�chenarbeit lernen.�</p><p>�Leistet er denn keine gute Arbeit?�</p><p>�Nein�, sagte Tellius. �Er ist faul, saumselig und dumm. Ich mu� ihn oft schlagen.�</p><p>Der Junge blickte �rgerlich auf. �Ich bin nicht dumm�, sagte er.</p><p>Ich starrte ihn geistesabwesend an, als w��te ich nicht, wer er war. �Wie hei�t du?� fragte ich.</p><p>Er sah mich an und erwiderte: �� Fisch.�</p><p>Ich tat, als erinnerte ich mich jetzt. �Ja�, sagte ich, �� Fisch. Gef�llt dir der Name?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wie w�rdest du dich nennen, wenn du dir einen Namen aussuchen k�nntest?�</p><p>�Henrius�, sagte er.</p><p>Der K�chenmeister lachte.</p><p>�Das ist ein stolzer Name f�r einen K�chenjungen!� bemerkte ich. �K�nnte glatt der Name eines Ubar sein.�</p><p>Der Junge senkte rasch den Blick.</p><p>Ich wu�te, da� Thurnock, Clitus und andere den Jungen in ihr Herz geschlossen hatten. Wie ich geh�rt hatte, war er oft dem K�chendienst ferngeblieben, um die Schiffe im Hof und die Waffen�bungen der M�nner zu beobachten. Der K�chenmeister hatte wirklich seine M�he mit Fisch, daran bestand kein Zweifel.</p><p>Ich musterte den Jungen, betrachtete sein blondes Haar, die offenen, ernsten Augen, die mich flehend ansahen.</p><p>Au�er ihm wu�ten in meinem Haus nur drei M�nner, wer er wirklich war � ich, Thurnock und Clitus. Der Junge selbst ahnte nat�rlich nicht, da� wir seinen wahren Namen kannten. Da vom Rat ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt war, hatte er gute Gr�nde, seine wahre Identit�t geheimzuhalten. Auf eine Weise konnte er auch gar keinen anderen Namen haben � denn er war versklavt worden. Nach goreanischem Gesetz ist ein Sklave nicht viel mehr als ein Tier; vor dem Gesetz hat er keine Rechte und h�ngt von seinem Herrn nicht nur hinsichtlich seines Namens ab � der Herr kann auch �ber sein Leben und sein weiteres Schicksal frei entscheiden.</p><p>�Der Sklavenjunge Fisch�, sagte ich zu dem K�chenmeister, �ist ungebeten in meinen Audienzsaal gekommen und hat meiner Meinung nach dem K�chenmeister nicht den n�tigen Respekt erwiesen.�</p><p>Der Junge k�mpfte mit den Tr�nen.</p><p>�Also soll er kr�ftig gepr�gelt werden.�</p><p>Fisch ballte die F�uste.</p><p>�Und ab morgen�, fuhr ich fort, �wenn sich seine Arbeit in der K�che zu deiner Zufriedenheit entwickelt, aber nur dann, darf er eine Ahn am Tag in der Waffenkunde unterrichtet werden.�</p><p>�Kapit�n!� rief der Junge.</p><p>�Doch diese Ahn ist durch Extraarbeit in der K�che am Abend auszugleichen.�</p><p>�Ja, Kapit�n�, sagte der K�chenmeister.</p><p>�Ich werde f�r dich arbeiten, Tellius�, sagte der Junge. �Ich werde besser arbeiten als alle anderen!�</p><p>�Gut, Junge�, sagte Tellius, �das werden wir sehen.�</p><p>Fisch wandte sich an mich. �Vielen Dank, Kapit�n.�</p><p>�Herr�, berichtigte ihn Tellius.</p><p>�Wenn du dich mit den Waffen geschickt anstellst�, sagte ich, ��ndern wir vielleicht auch deinen Namen.�</p><p>�Danke, Kapit�n�, sagte er.</p><p>�Vielleicht nennen wir dich Publius � oder Tellius!�</p><p>�O nein!� rief Tellius.</p><p>�Oder eben Henrius. Aber f�r einen solchen Namen m��test du schon vorz�glich mit den Waffen umgehen k�nnen.�</p><p>�Das werde ich!� rief er, machte kehrt und eilte aus dem Saal.</p><p>Der K�chenmeister sah mich grinsend an. �Ich habe noch nie einen Sklaven schneller laufen sehen, wenn es um seine Pr�gelstrafe ging.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte ich.</p><p>Bei meiner Siegesfeier nun folgte ich dem Jungen, der einen zweiten gebratenen Tarsk hereintrug, mit den Blicken. Meine Entscheidung, ihm eine Waffenausbildung zu geben, war eine Schw�che gewesen, �berlegte ich � etwas, das nicht wieder vorkommen durfte.</p><p>Ich betastete das breite rote Band und das Medaillon, das auf meiner Brust hing. Ich war Bosk, Pirat, Admiral von Port Kar, jetzt vielleicht einer der reichsten und m�chtigsten M�nner auf Gor. Nein, eine solche Schw�che w�rde ich mir nicht noch einmal erlauben.</p><p>Ich hielt den silbernen Pagakelch in die H�he, und Telima, die neben meinem Sessel stand, f�llte ihn nach. Ich sah sie nicht an.</p><p>Ich blickte an meinem erh�hten Tisch entlang, an dem Thurnock mit seiner Sklavin Thura und Clitus mit seiner Ula sa�en und lachten. Die beiden waren gute M�nner, aber sie waren Narren. Sie waren schwach. Ich dachte daran, da� sie den Sklavenjungen mochten und ihm bei seinen Waffen�bungen geholfen hatten. Solche M�nner waren schwach. Sie hatten nicht das Zeug zum Kapit�n.</p><p>Ich lehnte mich in meinem Sessel zur�ck, den Pagakelch in der Hand, und lie� meinen Blick durch den Saal wandern.</p><p>Dichtgedr�ngt standen die Tische, an denen meine Leute sa�en und feierten. In einer Ecke spielten Musiker.</p><p>Vor meinem Tisch erstreckte sich eine freie Fl�che, auf der von Zeit zu Zeit Unterhaltungen geboten wurden � einfache Dinge, die manchmal sogar mir Spa� machten, Feuerschlucker und Jongleure, Akrobaten und Zauberer und Sklaven, die im Wettkampf herumtollten.</p><p>�Trinkt!� rief ich.</p><p>Und wieder klangen die Pagakelche gegeneinander.</p><p>Ich blickte am langen Tisch entlang und erblickte zu meiner Rechten, ganz allein am Ende der langen Tafel, meine Sklavin Luma, meine erste Buchhalterin. Arme, unscheinbare Luma in ihrem Sklavenkragen! Welch k�mmerliche Pagasklavin war sie gewesen! Doch was f�r eine vorz�gliche Gesch�ftsfrau war dieses M�dchen! Sie hatte sehr zu meinem Reichtum beigetragen. Ich stand derma�en in ihrer Schuld, da� ich ihr heute abend gestattet hatte, an einem Ende der gro�en Tafel zu sitzen. Nat�rlich w�rde sich kein freier Mann neben sie setzen. Um meine anderen Schreiber und Angestellten nicht zu ver�rgern, hatte ich ihr die Sklavenketten anlegen lassen. Auf diese Weise nahm Luma, die vielleicht wichtigste Person im Hause au�er ihrem Herrn, an meiner Siegesfeier teil.</p><p>�Wir haben hier einen S�nger�, rief einer der M�nner.</p><p>Das �rgerte mich, aber ich wollte den Ablauf der Dinge nicht st�ren, die heute abend dargebracht werden sollten.</p><p>�Er ist ein vorz�glicher S�nger�, sagte Telima hinter mir.</p><p>�Hol Ta-Wein aus der K�che�, sagte ich.</p><p>�Bitte, mein Ubar�, flehte sie, �ich m�chte hierbleiben!�</p><p>Es wurde still an den Tischen. Wie es hie�, war der Mann von Sullius Maximus geblendet worden, der daran glaubte, da� ein blinder Mann bessere Lieder hervorbringe. Sullius Maximus, der sich selbst mit Poesie und Giften besch�ftigte, war ein h�chst kultivierter Mann, dessen Meinung allgemein respektiert wurde. Wie dem auch sein mochte � der S�nger war jedenfalls in seiner Finsternis allein mit seinen Liedern. Er hatte nur sie in seiner Dunkelheit.</p><p>Ich musterte ihn. Er trug die Robe seiner Kaste, die nicht erkennen lie�, aus welcher Stadt er kam. Viele S�nger wandern von Ort zu Ort. Ich hatte vor langer Zeit einmal einen S�nger gekannt, Andreas aus Tor.</p><p>Der S�nger ber�hrte seine Lyra.</p><p>�Ich besinge Ar und seine Belagerung, das herrliche Ar, Ich besinge seine T�rme und Mauern, das schimmernde Ar, Ich besinge die Vergangenheit.</p><p>Ich besinge die dunkelhaarige Talena, aus dem herrlichen Ar, Ich singe von der Wut des Marlenus, Ubar von Ar, Ich besinge die Vergangenheit. Ich besinge den Mann mit dem Sonnenhaar, im herrlichen Ar. Den Mann, der einst zu den Mauern kam, des herrlichen Ar. Tarl aus Bristol besinge ich.�</p><p>Ich starrte Telima an, die neben mir stand. In ihren Augen standen Tr�nen. Es �rgerte mich, da� die anderen im Saal ebenso gebannt waren, da� sie dem S�nger und seinen Nichtigkeiten Aufmerksamkeit schenkten, den bedeutungslosen Lauten aus dem Mund eines Blinden.</p><p>Ich dachte daran, da� Telima nur ein Rencem�dchen war und wahrscheinlich noch nie einen S�nger geh�rt hatte. Ich �berlegte, ob ich sie in die K�che schicken sollte, sah dann aber davon ab.</p><p>Im flackernden Schein der Fackeln setzte der S�nger sein Lied fort. Er sang vom d�steren Pa-Kur, dem Anf�hrer der Attent�ter und der Horden, die nach dem Diebstahl des Heimsteins �ber Ar hereinbrachen, er sang auch von Fahnen und schwarzen Helmen, von Standarten und von der Sonne, die auf Speerspitzen blitzte, von riesigen Belagerungst�rmen, von Katapulten aus Ka-la-na und Tem-Holz, vom Donnern der Kriegstharlarion, von Rollen der Trommeln, vom Schallen der Trompeten, vom Klirren der Waffen und dem Geschrei der M�nner; und er sang von der Liebe der Menschen f�r ihre Stadt, und t�richterweise, wu�te er doch so wenig vom Menschen, besang er auch den Mut der M�nner und ihre Loyalit�t und ihre Anh�nglichkeit; er sang von Duellen, die auf den Mauern Ars und am gro�en Tor ausgefochten wurden, und von Tarnreitern, die bis zum Tode �ber den Zylindern der Stadt k�mpften � und von einem ganz bestimmten Zweikampf, der auf Ars Justizzylinder ausgetragen wurde, zwischen Pa-Kur und dem Mann, der in seinem Lied Tarl aus Bristol genannt wurde.</p><p>�Warum weint mein Ubar?� fragte Telima.</p><p>�Sei still, Sklavin!� fuhr ich sie an. �rgerlich schob ich ihre Hand von meiner Schulter.</p><p>Der S�nger hatte sein Lied beendet.</p><p>�S�nger!� rief ich ihm zu. �Gibt es diesen Tarl aus Bristol wirklich?�</p><p>Der S�nger wandte den Kopf in meine Richtung. �Ich wei� es nicht�, sagte er. �Vielleicht ist das alles nur ein Lied.�</p><p>Ich lachte, reichte Telima meinen Pagakelch, den sie f�llte. Dann stand ich auf und hob den Kelch.</p><p>�Es gibt Gold und Stahl!� sagte ich.</p><p>�Gold und Stahl!� riefen meine Leute im Chor. Wir tranken.</p><p>�Und Lieder�, sagte der blinde S�nger.</p><p>Es war still im Saal.</p><p>Ich sah den Mann an. �Ja�, antwortete ich und hob den Kelch in seine Richtung. �Und Lieder.�</p><p>Ein Freudenschrei klang auf, und wieder tranken wir.</p><p>Als ich mich setzte, sagte ich zu den Dienstsklaven: �Bewirtet den S�nger gut.� Dann wandte ich mich an Luma, die gefesselt am Ende des Tisches sa�. �Morgen soll der S�nger, ehe er weiterwandert, einen Beutel Gold erhalten.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte das M�dchen.</p><p>�Dank sei dir, Kapit�n!� rief der S�nger.</p><p>Die G�ste freuten sich �ber meine Gro�z�gigkeit, und viele schlugen sich applaudierend mit der rechten Hand gegen die linke Schulter.</p><p>Zwei Sklavenm�dchen f�hrten den S�nger an einen Tisch in einer Ecke des Saals, w�hrend ich mich wieder meinem Paga zuwandte.</p><p>Ich war w�tend. Dieser Tarl aus Bristol lebte nur in Liedern. Einen solchen Mann gab es nicht. Wenn es darauf ankam, hatten nur Gold und Macht und die K�rper sch�ner Frauen Bedeutung � und vielleicht doch auch Lieder, die aus den M�ndern von Blinden erklangen? Ich war Bosk, Kapit�n aus den S�mpfen, Admiral in Port Kar!</p><p>�Sandra!� rief ich. �Holt Sandra!�</p><p>Jubelgeschrei wurde laut.</p><p>Ich sah mich um. Es war wirklich eine Siegesfeier. Es betr�bte mich nur, da� Midice nicht bei mir war. Sie hatte sich nicht wohlgef�hlt und gebeten, in meinem Quartier bleiben zu d�rfen, was ich ihr gew�hrt hatte. Tab nahm ebenfalls nicht an dieser Siegesfeier teil.</p><p>Im n�chsten Augenblick ert�nten Sklavenglocken, und Sandra, das Tanzm�dchen aus Port Kar, das ich in einer Pagataverne entdeckt hatte, stand vor ihrem Herrn.</p><p>Sie war seit langem bem�ht, das erste Sklavenm�dchen des Hauses zu werden, doch ich hatte sie bisher meinen M�nnern �berlassen. Die sch�ne, dunkelhaarige, schlanke Midice war das M�dchen meines Herzens, meine Lieblingssklavin.</p><p>Trotzdem war Sandra interessant. Es konnte nicht schaden, wenn Midice ein wenig Konkurrenz bekam.</p><p>Sandra hatte hohe Wangenknochen, blitzende schwarze Augen und pechschwarzes Haar. Sie war in einen schimmernden Umhang gekleidet.</p><p>Bei dem nun folgenden Tanz lie� ich sie keinen Augenblick aus den Augen. Golden schimmernd im Licht der Flammen, aufschreiend, stampfend, sich anmutig wiegend, so tanzte sie vor uns, ehrf�rchtig bestaunt von, den M�nnern meines Hauses.</p><p>Sie drehte sich und wand sich, wie von eingebildeten Fesseln gehalten, fiel jedoch immer wieder in den Rhythmus der Musik ein. Sie war gro�artig.</p><p>Die Musik ging mit einem Crescendo zu Ende, und begeisterter Applaus klang auf. Auch ich war begeistert.</p><p>�Zu mir!� rief ich, und mit katzengleicher Gewandtheit eilte das M�dchen zu meinem Thronsessel und kniete mir zu F��en nieder. Sie blickte auf, schweratmend, schwitzend, mit schimmernden Augen.</p><p>�Dein Tanz war nicht uninteressant�, sagte ich.</p><p>Sie legte eine Wange gegen mein Knie.</p><p>�Ka-la-na!� rief ich.</p><p>Eine Schale Wein wurde gebracht. Ich packte sie am Haar, zog ihren Kopf zur�ck, fl��te ihr Wein ein.</p><p>�Habe ich dir gefallen?� fragte sie schlie�lich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann schicke mich nicht zu deinen M�nnern zur�ck�, sagte sie. �Behalte Sandra f�r dich.�</p><p>�Das werden wir sehen. Midice ist sehr gut.�</p><p>�Sandra ist besser�, sagte das M�dchen. �Du brauchst mich nur auszuprobieren.�</p><p>�Vielleicht�, sagte ich, fuhr ihr mit der Hand durchs Haar und lie� sie neben meinem Sessel niedersitzen. Wie eine zufriedene Katze hockte sie zu meinen F��en und geno� die neidischen und ha�erf�llten Blicke der anderen Sklavinnen, die ringsum im Saal bedienten.</p><p>�Das Gold, Kapit�n�, sagte einer meiner Schatzw�chter.</p><p>Ich hatte f�r die M�nner meines Hauses eine kleine �berraschung parat.</p><p>Auf die Plattform, auf der mein Sessel und mein Tisch standen, hievte er einen schweren Ledersack mit goldenen Tarnm�nzen doppelten Gewichts, M�nzen aus Cos und Tyros, aus Ar und Port Kar, selbst aus Thentis und Thuria, die fern im S�den lagen. Er stellte den Sack neben meinen Sessel.</p><p>Nur die M�nner, die ganz in der N�he feierten, sahen den Beutel dort stehen.</p><p>�Holt das Sklavenm�dchen aus Tyros!� befahl ich.</p><p>An den Tischen wurde gelacht.</p><p>Ich hob meinen Pagakelch, der jedoch nicht gef�llt wurde. �rgerlich sah ich mich um. Einem vorbeieilenden Sklavenm�dchen rief ich zu: �Wo ist Telima?�</p><p>�Sie war doch noch eben hier!�</p><p>�Sie ist in die K�che gegangen!� rief ein anderes Sklavenm�dchen.</p><p>Ich hatte ihr nicht erlaubt, sich zu entfernen.</p><p>�Ich schenke dir Paga ein�, sagte Sandra.</p><p>�Nein�, sagte ich und hielt den Pagakelch in die andere Richtung. Dann wandte ich mich an eine Sklavin. �Telima soll ausgepeitscht und wieder hierhergeschickt werden. Ich brauche Bedienung!�</p><p>�Ja, Herr�, sagte das M�dchen und eilte fort.</p><p>Ketten klirrten, und Vivina wurde zur Freude der G�ste vor meinen Tisch gef�hrt. Ich sp�rte eine Bewegung neben mir und sah, da� Telima ihren Platz wieder eingenommen hatte. Tr�nen standen ihr in den Augen. Ich bezweifelte nicht, da� sie nun die Striemen der Peitsche des K�chenmeisters auf dem R�cken trug. Ich hielt ihr meinen Pagakelch hin, und sie f�llte ihn.</p><p>Ich musterte Vivina, die von allen Seiten angestarrt wurde. Sogar einige Sklaven waren stehengeblieben und blickten her�ber; auch Fisch starrte sie an.</p><p>�Sei gegr��t, noble Vivina�, sagte ich zu ihr.</p><p>�Ist das der Name, mit dem du mich anreden willst?� fragte sie.</p><p>�L�st ihr das Haar!� sagte ich.</p><p>Der Mann, der sie zu mir gef�hrt hatte, gehorchte. Das lange Haar fiel ihr �ber die Schultern herab. Ein bewunderndes Murmeln wurde laut.</p><p>�Knie nieder!� befahl ich, und sie gehorchte.</p><p>�Du bist Vina�, sagte ich.</p><p>Sie neigte den Kopf in Best�tigung des Namens, den ich ihr gegeben hatte. Dann blickte sie auf. �Ich begl�ckw�nsche meinen Herrn�, sagte sie. �Es ist ein ausgezeichneter Name f�r ein Sklavenm�dchen.�</p><p>�Was sind deine Pflichten, Sklavin?� fragte ich.</p><p>�Der Herr hat sie mir noch nicht genannt�, erwiderte sie.</p><p>Ich musterte Vina, fr�her die noble Vivina, die einmal Ubara von Cos werden sollte � jetzt eine Sklavin im Hause Bosks aus Port Kar.</p><p>�Ja, welche Tunika soll ich f�r dich holen lassen?� fragte ich. �Die Tunika einer Haussklavin? Oder die Gl�ckchen und das Seidengewand einer Vergn�gungssklavin?�</p><p>Sie schwieg.</p><p>Aus dem Beutel neben mir, der viele Goldst�cke enthielt, zog ich ein kleines zusammengefaltetes Kleidungsst�ck und warf es dem M�dchen zu.</p><p>Sie fing es auf. �Nein!� rief sie.</p><p>Ich lachte. �Zieh es an!� befahl ich.</p><p>Gel�chter brandete auf, als sie die knappe Tunika einer K�chensklavin �berstreifte.</p><p>�In Cos w�rst du Ubara geworden�, sagte ich. �In meinem Hause wirst du in der K�che arbeiten.�</p><p>Mit zornrotem Gesicht und geballten F�usten starrte mich Vivina an.</p><p>�K�chenmeister!� rief ich.</p><p>�Hier, Kapit�n!� erwiderte Tellius aus dem Hintergrund.</p><p>�Tritt vor!�</p><p>Der Mann n�herte sich meinem Tisch.</p><p>�Hier�, sagte ich, �hast du ein neues M�dchen f�r die K�che.�</p><p>�Eine Sch�nheit�, sagte er lachend und ging um Vina herum.</p><p>�Fisch!� rief ich. �Wo ist der Sklave Fisch?�</p><p>�Hier!� rief er und trat vor.</p><p>Ich deutete auf das M�dchen. �Findest du die Sklavin h�bsch?� fragte ich.</p><p>Er starrte mich verwirrt an. �Ja�, erwiderte er.</p><p>�Dann soll sie dir unterstehen.�</p><p>�Nein! Nein!� rief das M�dchen.</p><p>�Ich glaube, die Arme des Sklaven Fisch werden dir willkommener sein als die Arme des beleibten Lurius auf seinem Liebeslager in Cos.�</p><p>Tr�nen standen ihr in den Augen, als sie mich ansah.</p><p>Ich wandte mich an den K�chenmeister. �In der Nacht kettest du sie zusammen.�</p><p>Das M�dchen sank weinend zu Boden. Fisch beugte sich vor, hob sie sanft hoch und f�hrte sie aus dem Saal.</p><p>Ich lachte, und die M�nner meines Hauses fielen in das Gel�chter ein. Was f�r ein Witz, das M�dchen zu versklaven, das Ubara von Cos hatte werden sollen, sie einem K�chensklaven zu �berlassen, einem Jungen! Diese Geschichte sprach sich bestimmt bald in allen H�fen des Thassa und in allen St�dten Gors herum. Wie besch�mt mu�ten Tyros und Cos sein, die Feinde meiner Stadt, Port Kar. Was f�r eine k�stliche Niederlage! Wie herrlich doch der Erfolg war, der Triumph!</p><p>Trunken griff ich in den Beutel neben meinem Sessel, schaufelte die M�nzen mit den H�nden heraus, schleuderte sie in den Saal.</p><p>�Paga!� rief ich dann und hielt Telima meinen Kelch hin.</p><p>Taumelnd richtete ich mich auf, vergo� Paga. Ich bedauerte nur da� Midice und Tab heute abend nicht bei mir waren. Ich lachte, als die M�nner hinter meinen Goldm�nzen herkrochen und wild darum rauften. Immer wieder streute ich Tarnm�nzen um mich.</p><p>�Heil Bosk!� vernahm ich. �Heil Bosk, Admiral von Port Kar!�</p><p>Ich trank und trank. �Ja!� rief ich. �Heil Bosk!�</p><p>Pl�tzlich h�rte ich einen Angstschrei, und als ich mich umdrehte und benommen zum Ende des Tisches starrte, sah ich Luma dort sitzen. Sie starrte mich an. Ihr Gesicht war eine Maske des Entsetzens.</p><p>�Dein Gesicht!!� rief sie. �Dein Gesicht!�</p><p>Ich starrte sie verbl�fft an. Es wurde pl�tzlich still im Saal.</p><p>�Nein�, sagte sie pl�tzlich und sch�ttelte den Kopf. �Jetzt ist es fort.�</p><p>�Was ist los?� fragte ich.</p><p>�Dein Gesicht!� sagte sie.</p><p>�Was ist damit?�</p><p>�Nichts! Einen Augenblick lang dachte ich � es w�re Surbus� Gesicht!�</p><p>Ich stie� einen Wutschrei aus, packte den gro�en Tisch, warf ihn um. Geschirr und Pagakelche fielen klirrend zu Boden. Thura und Ula kreischten, auch Sandra schrie auf und huschte davon. Luma, am Tisch angekettet, wurde von der Plattform gesto�en und st�rzte zu Boden. Sklavinnen flohen laut schreiend aus dem Saal.</p><p>Aufgebracht packte ich den Goldbeutel und schleuderte ihn in den Saal. Ein Regen goldener M�nzen ergo� sich �ber Tische und B�nke, ehe das Leder den Boden ber�hrte. W�tend machte ich kehrt und taumelte davon.</p><p>�Admiral!� rief jemand hinter mir. �Admiral!�</p><p>Ich umfa�te das Medaillon an meinem Hals. Stolpernd, vor Wut br�llend, taumelte ich auf mein Quartier zu. Ich prallte gegen W�nde, st�rzte zuweilen, rappelte mich jedoch immer wieder auf.</p><p>Dann ri� ich die T�r meines Quartiers auf.</p><p>Midice und Tab keuchend, eng umschlungen. Sie fuhren erschrocken auseinander.</p><p>Ich br�llte auf vor Wut, schlug mit den F�usten gegen die W�nde, warf meinen Umhang ab und zog das Schwert.</p><p>�Ich la� dich foltern und pf�hlen, Midice�, sagte ich heiser.</p><p>�Nein!� sagte Tab. �Ich habe Schuld. Ich habe mich ihr aufgedr�ngt.�</p><p>�Nein! Nein!� rief Midice. �Ich allein bin schuld! Ich allein!�</p><p>�Foltern und pf�hlen�, wiederholte ich. Dann wandte ich mich an Tab. �Du bist mir ein guter Helfer gewesen, Tab�, sagte ich. �Ich will dir die Folter ersparen.� Dann machte ich eine Bewegung mit dem Schwert. �Verteidige dich!�</p><p>Tab zuckte die Achseln, ohne die Waffe zu ziehen. �Ich wei�, da� du mich t�ten kannst�, bemerkte er.</p><p>�Verteidige dich!� br�llte ich.</p><p>�Also gut�, sagte Tab, und seine Waffe zuckte aus der Scheide.</p><p>Midice warf sich weinend zwischen uns. �Nein!� rief sie. �T�te mich! La� ihn frei!�</p><p>�Warum hast du mir das angetan?�</p><p>�Ich liebe ihn�, sagte sie schluchzend. �Ich liebe ihn.�</p><p>Ich lachte. �Du kannst nicht lieben. Du bist Midice. Du bist klein und egoistisch und eitel. Du kannst nicht lieben.�</p><p>�Ich liebe ihn�, fl�sterte sie. �Wirklich!�</p><p>�Und mich liebst du nicht?�</p><p>�Nein�, fl�sterte sie mit erstickter Stimme. �Nein! Nein!�</p><p>�Aber ich habe dir soviel gegeben�, klagte ich. �Und habe ich dir nicht gro�e Freude bereitet?�</p><p>�Ja�, sagte sie, �aber ich liebe dich nicht. Ich habe dich nie geliebt.�</p><p>Ich schluchzte und steckte meine Klinge in die Scheide zur�ck.</p><p>�Nimm sie�, sagte ich m�de zu Tab. �Sie geh�rt dir.�</p><p>�Ich liebe sie�, sagte er.</p><p>�Bring sie fort!� br�llte ich. �Verla�t meinen Dienst. Aus meinen Augen!�</p><p>Midice st�rzte sich ins Tabs Arme. Die beiden machten kehrt und verlie�en den Raum. Tab trug noch die Klinge in der Rechten.</p><p>Ich wanderte ruhelos im Zimmer auf und ab und setzte mich schlie�lich auf den Rand meiner Steincouch und st�tzte den Kopf in die H�nde.</p><p>Wie lange ich so dasa�, wei� ich nicht. Nach einiger Zeit h�rte ich jedenfalls ein leises Ger�usch und blickte auf.</p><p>Telima stand auf der Schwelle.</p><p>�Willst du hier den Boden putzen?� fragte ich streng.</p><p>Sie l�chelte. �Das habe ich vorhin schon getan�, sagte sie, �damit ich dich beim Fest bedienen konnte.�</p><p>�Wei� der K�chenmeister, da� du hier bist?�</p><p>�Nein.�</p><p>Ich sah an ihrem linken Arm den Ring, den ich ihr weggenommen und Midice gegeben hatte.</p><p>�Woher hast du den Armreif?�</p><p>�Von Midice.�</p><p>�Du hast ihn gestohlen�, sagte ich.</p><p>�Nein, Midice hat ihn mir zur�ckgegeben.�</p><p>�Wann?�</p><p>�Vor �ber einem Monat.�</p><p>�Ich habe nie bemerkt, da� du ihn getragen hast.�</p><p>�Ich hatte ihn im Stroh meiner Schlafmatte versteckt.�</p><p>Ich betrachtete Telima. Sie stand sch�chtern in der T�r. Sie war barfu� und trug die kurze, fleckige Tunika einer K�chensklavin. Um ihren Hals zog sich ein einfacher Stahlkragen � doch am linken Arm trug sie das goldene Band.</p><p>�Warum tr�gst du den Armreif?�</p><p>�Er ist alles, was ich besitze.�</p><p>�Warum bist du gekommen?�</p><p>�Midice�, sagte sie nur.</p><p>Ich senkte niedergeschlagen den Kopf.</p><p>Telima kam n�her.</p><p>�Sie hat dich gemocht�, sagte sie.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Sie kann nichts daf�r, wenn sie dich nicht geliebt hat.�</p><p>�Geh wieder in die K�che! Oder ich t�te dich!�</p><p>Telima kniete nieder, Tr�nen in den Augen. �Nein, das br�chtest du nicht fertig.�</p><p>�Ich bin Bosk!� rief ich und stand auf.</p><p>�Ja�, sagte sie l�chelnd. �Du bist Bosk. Und ich habe dir diesen Namen gegeben.�</p><p>�Du hast mich auch vernichtet!� sagte ich.</p><p>�Niemand hat dich vernichtet�, erwiderte sie.</p><p>Ich hatte mir einmal geschworen, nie wieder eine Frau zu verlieren � und nun war Midice gegangen. Ich war ber�hmt und m�chtig und reich � doch das alles war mir nicht mehr wichtig. Ich hatte eine Niederlage hinnehmen m�ssen. Mein Stolz war verletzt.</p><p>�Es ist nicht leicht�, sagte ich zu Telima, �zu lieben und nicht wiedergeliebt zu werden.�</p><p>�Ich wei߫, sagte sie.</p><p>Ich nahm Telimas Kopf in die H�nde. �Meine stolze Telima�, sagte ich, �meine fr�here Herrin �� Und die n�chsten Worte, die ich sprach, schienen nicht von mir selbst zu kommen, sondern von einem verborgenen Wesen in meinem Innern � Seit ich vor Ho-Hak auf der Renceinsel hockte, gefesselt, versklavt, waren solche verzweifelten Worte nicht �ber meine Lippen gekommen. �Ich bin ungl�cklich, ich bin einsam�, flehte ich.</p><p>�Ich bin auch einsam�, sagte Telima.</p><p>Wir streckten uns die Arme entgegen, und unsere H�nde ber�hrten sich, umfa�ten sich. Und dann standen wir eng umschlungen in der Mitte meines Quartiers.</p><p>�Ich liebe dich!� schluchzte ich.</p><p>�Und ich liebe dich, mein Ubar. Ich liebe dich seit dem Augenblick, da wir uns zum erstenmal begegneten.�</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Wir lagen Seite an Seite und starrten zur Decke hinauf.</p><p>�Vor Jahren�, sagte Telima, �als ich noch viel j�nger war, da habe ich viel von Tarl aus Bristol singen h�ren.�</p><p>�In den S�mpfen?� fragte ich.</p><p>�Ja. Manchmal verirrt sich ein S�nger bis zu den Renceinseln. Aber in Port Kar, im Hause meines Herrn, wurde ebenfalls von Tarl aus Bristol gesungen.�</p><p>Telima hatte mir nie von ihrer Sklavenzeit in Port Kar erz�hlt. Ich wu�te, da� sie ihren Herrn geha�t hatte und da� ihr die Flucht gelungen war. Und ich sp�rte, da� diese Zeit tiefe Wunden in ihr hinterlassen hatte. In den S�mpfen hatte ich leider etwas von ihrem Ha� und ihrer Frustration zu sp�ren bekommen. Die Wunden waren tief gewesen, so tief, da� sie sich auf grausame Weise hatte r�chen wollen, damit ihr eigenes Leiden ertr�glicher wurde. Telima war eine seltsame Frau. Ich fragte mich erneut, wie sie zu dem goldenen Armreif gekommen war. Und ich erinnerte mich, da� sie ja die Schrift auf ihrem Sklavenkragen hatte lesen k�nnen, obwohl sie aus den S�mpfen kam.</p><p>Aber ich erw�hnte diese Dinge nicht, denn der Ton ihrer Stimme war nun tr�umerisch, ihre Gedanken schweiften ab in die Vergangenheit.</p><p>�Als ich noch jung war, auf den Renceinseln�, sagte sie, �und sp�ter, als Sklavin � da lag ich oft nachts wach und dachte an die Lieder und an die Helden.�</p><p>Ich ber�hrte ihre Hand.</p><p>�Und manchmal dachte ich auch an Tarl aus Bristol.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Glaubst du, da� es einen solchen Mann gibt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�K�nnte jemand wie er nicht existieren?� fragte sie. Sie hatte sich auf den Bauch gerollt und sah mich an. Ich blieb auf dem R�cken liegen und starrte an die Decke.</p><p>�In Liedern�, sagte ich. �So einen Mann mag es in Liedern geben.�</p><p>Sie lachte. �Gibt es denn keine wirklichen Helden?�</p><p>�Nein, Helden gibt es nicht � nur Menschen.�</p><p>Sie schwieg.</p><p>�Menschen�, sagte ich, �sind schwach. Sie k�nnen grausam sein. Sie sind egoistisch und gierig, eitel und engstirnig. Sie k�nnen sich b�sartig verhalten, und in ihnen ist viel H��liches und Verachtenswertes.� Ich sah sie an. �Alle Menschen sind zu korrumpieren. Es gibt keine Helden, keine Tarls aus Bristol.�</p><p>Sie l�chelte. �Es gibt nur Gold und Macht�, sagte sie.</p><p>�Und die K�rper der Frauen�, sagte ich.</p><p>�Und die Lieder.�</p><p>�Ja, auch Lieder.�</p><p>Sie legte den Kopf an meine Schulter.</p><p>In der Ferne erklang eine gro�e Signalglocke. Obwohl es noch fr�h war, wurde es unruhig im Haus. Irgendwo br�llten M�nner. Ihre Rufe hallten durch die Korridore. Ich richtete mich auf und zog eine Robe an. Schritte hasteten durch den Gang, kamen n�her.</p><p>�Schwert�, sagte ich zu Telima.</p><p>Sie sprang auf, ergriff meine Klinge, die an der Wand lag.</p><p>Ich legte hastig den Gurt um. Die Schritte waren nun ganz nahe. Im n�chsten Augenblick dr�hnte eine Faust gegen die T�r.</p><p>�Kapit�n!� rief jemand.</p><p>Es war Thurnock.</p><p>�Tritt ein!� sagte ich.</p><p>Thurnock eilte in den Raum. Er trug eine Fackel in der Hand, und seine Augen waren unnat�rlich geweitet. �Patrouillenschiffe sind zur�ckgekehrt!� rief er. �Die vereinten Flotten von Cos und Tyros sind nur noch Stunden entfernt!�</p><p>�Macht meine Schiffe zum Auslaufen fertig!� sagte ich.</p><p>�Dazu ist keine Zeit mehr!� sagte er. �Und die Kapit�ne ergreifen die Flucht. Wer kann, verl��t die Stadt!�</p><p>Ich starrte ihn an.</p><p>�Flieh, mein Kapit�n! Flieh!�</p><p>�Du kannst gehen, Thurnock�, sagte ich.</p><p>Er starrte mich verwirrt an, machte kehrt und stolperte in den Korridor hinaus. In der Ferne erklang der Angstschrei eines M�dchens.</p><p>Ich kleidete mich an und h�ngte mir das Schwert �ber die linke Schulter.</p><p>�Nimm deine Schiffe und deine restlichen M�nner�, sagte Telima. �F�ll die Lader�ume mit Sch�tzen und flieh, mein Ubar!�</p><p>Ich betrachtete sie. Wie sch�n sie war!</p><p>�Port Kar soll sterben!� rief sie.</p><p>Ich ergriff das breite rote Band mit dem Medaillon, nahm es ab und steckte es in den Beutel an meinem G�rtel.</p><p>�Port Kar soll brennen!� sagte Telima.</p><p>�Du bist sehr sch�n, mein Schatz�, sagte ich. �Aber Port Kar ist meine Stadt � ich mu� sie verteidigen.�</p><p>Ich h�rte sie weinen, als ich mein Quartier verlie�.</p><p>Seltsamerweise erf�llte mich keine Unruhe, als ich in den gro�en Saal zur�ckkehrte, in dem das Siegesfest stattgefunden hatte. Ich schritt durch den Gang, als w�re ich nicht ich. Ich wu�te, was ich tun w�rde, und doch wu�te ich es nicht.</p><p>Zu meiner �berraschung fand ich in der gro�en Halle die Offiziere meiner M�nner versammelt � ich glaube, es fehlte keiner.</p><p>Ich lie� meinen Blick von Gesicht zu Gesicht wandern � von Thurnock zu Clitus, zum Rudermeister, zu den anderen. Viele M�nner waren Halsabschneider, M�rder, Piraten. Ich fragte mich, warum sie jetzt hier waren.</p><p>Eine Seitent�r wurde aufgesto�en, und Tab eilte herein, das Schwert �ber der linken Schulter. �Tut mir leid, Kapit�n�, sagte er, �ich war gerade auf meinem Schiff besch�ftigt.�</p><p>Wir starrten uns einen Augenblick lang an. Dann l�chelte ich. �Ich kann mich gl�cklich sch�tzen�, sagte ich, �einen so eifrigen Mann in meinen Diensten zu haben.�</p><p>�Kapit�n�, sagte er.</p><p>�Thurnock�, sagte ich, �ich habe doch Befehl gegeben, nicht wahr, da� meine Schiffe zum Auslaufen fertigzumachen sind.�</p><p>Thurnock grinste. �Schon eingeleitet.�</p><p>�Was sollen wir tun?� fragte einer meiner Kapit�ne.</p><p>Was sollte ich darauf antworten? Wenn die vereinten Flotten von Cos und Tyros schon fast vor unserer Hafeneinfahrt standen, blieb uns kaum eine andere M�glichkeit als die Flucht � oder der Kampf. Eigentlich waren wir zu keinem bereit. Auch wenn wir die erbeuteten Sch�tze sofort nach meiner R�ckkehr eingesetzt h�tten, w�re es nicht m�glich gewesen, eine Flotte auszur�sten, die einem solchen Gegner gewachsen war.</p><p>�Wie gro� sch�tzt du die Flotte von Cos und Tyros?� fragte ich Tab.</p><p>Er z�gerte nicht. �Viertausend Schiffe�, sagte er.</p><p>�Tarnschiffe?�</p><p>�Ausnahmslos.�</p><p>Seine Vermutung entsprach den Berichten meiner Spione. Nach meinen Informationen w�rde die Flotte aus viertausendzweihundert Einheiten bestehen, zweitausendf�nfhundert von Cos und siebzehnhundert aus Tyros. Die Gesamtflotte w�rde f�nfzehnhundert Galeeren schwerer Klasse, zweitausend Schiffe mittlerer Klasse und siebenhundert kleine Galeeren enthalten. Ein Netz, hundert Pasang breit, zog sich um Port Kar zusammen.</p><p>Anscheinend war meinen Spionen das Auslaufen der Flotteneinheiten entgangen. Ich konnte ihnen jedoch keine Schuld geben. Schiffe lassen sich schnell aus dem Hafen bringen und kampfbereit machen, wenn Material und Mannschaften zur Hand sind. Der Rat und ich hatten offenbar den Schaden zu hoch angesetzt, den die Eroberung der Schatzflotte den Kriegspl�nen Cos� und Tyros� zugef�gt hatte. Wir hatten mit dem Vorr�cken der Flotte erst im Fr�hling gerechnet. Wir schrieben den Monat Se�Kara, das Ende der guten Jahreszeit f�r die Tarnschiffe. Unabh�ngig von den Rundschiffen sind Rammschiffe meistens nur im Fr�hling und Sommer unterwegs. Im Monat Se�Kara, besonders gegen Ende, ist das Thassa st�rmisch. Wir waren v�llig unvorbereitet. Es war die beste Gelegenheit, uns anzugreifen. Hinter diesem k�hnen Schachzug sah ich nicht die Hand von Lurius, des Ubar von Cos, sondern die Schlauheit Chenbars aus Kasra, des Ubar von Tyros.</p><p>Ich bewunderte ihn. Er war ein guter Kapit�n.</p><p>�Was sollen wir tun, Kapit�n?� fragte der Offizier noch einmal.</p><p>�Was schl�gst du vor?� fragte ich l�chelnd.</p><p>Er starrte mich verbl�fft an. �Es gibt doch nur eine M�glichkeit � die Schiffe fertig machen zum Auslaufen, Sklaven und Sch�tze an Bord nehmen und fliehen. Wir sind stark und k�nnen vielleicht eine Insel erobern � eine der n�rdlichen Inseln. Dort kannst du Ubar sein und wir deine M�nner.�</p><p>�Viele Kapit�ne lichten bereits Anker, um in den Norden zu segeln�, sagte ein anderer Offizier.</p><p>�Und andere wollen in den S�den�, bemerkte eine Stimme.</p><p>�Das Thassa ist gro�. Es gibt viele Inseln, viele H�fen.�</p><p>�Und was ist mit Port Kar?� fragte ich.</p><p>�Es hat keinen Heimstein�, sagte einer der M�nner.</p><p>Ich l�chelte. Das stimmte. Von allen St�dten Gors war Port Kar die einzige, die keinen Heimstein besa�. Ich wu�te nicht, ob die M�nner sie nicht mochten, weil sie keinen Heimstein besa�, oder ob sie keinen Heimstein hatte, weil die B�rger Port Kar nicht liebten.</p><p>Der Offizier hatte gefordert, da� die Stadt den Flammen und den pl�ndernden Seeleuten aus Cos und Tyros �berlassen werden sollte.</p><p>Port Kar hatte keinen Heimstein.</p><p>�Wie viele von euch glauben, da� Port Kar keinen Heimstein hat?� fragte ich.</p><p>Die M�nner sahen sich verwirrt an. Alle wu�ten nat�rlich, da� die Stadt keinen Heimstein besa�.</p><p>Stille trat ein.</p><p>Nach einiger Zeit sagte Tab: �Ich glaube, sie hat einen!�</p><p>�Aber�, sagte ich, �noch hat sie keinen.�</p><p>�Nein�, sagte Tab.</p><p>Einer der M�nner sagte: �Ich frage mich, wie es w�re, in einer Stadt mit einem Heimstein zu leben.�</p><p>�Wie erwirbt eine Stadt einen solchen Stein?� fragte ich.</p><p>�Die Menschen entscheiden, da� sie einen bekommt�, meinte Tab.</p><p>�Ja�, sagte ich, und die M�nner sahen sich zweifelnd an.</p><p>�Holt den Sklaven Fisch!� rief ich.</p><p>Die Kapit�ne begriffen nicht, was ich wollte, doch einer ging, um den Jungen zu holen.</p><p>Ich wu�te, da� von den Sklaven keiner geflohen war � dazu hatten sie auch kaum Gelegenheit. Der Alarm war in der Nacht gekommen, und zu dieser Zeit ist es in einem goreanischen Haushalt �blich, da� die Sklaven eingesperrt oder angekettet sind. Auch ich sorgte daf�r, da� ich hier keine unangenehme �berraschung erlebte.</p><p>Fisch, bleich, nerv�s, wurde in den Saal gebracht.</p><p>�Geh nach drau�en�, sagte ich, �suche einen Stein und bringe ihn herein.�</p><p>Er starrte mich an.</p><p>�Beeil dich!� dr�ngte ich.</p><p>Er machte kehrt und hastete hinaus.</p><p>Wir warteten schweigend, bis er wieder kam. In der Hand hielt er einen ziemlich gro�en Stein, etwas gr��er als meine Faust. Es war ein ganz gew�hnlicher Felsbrocken, grau und schwer und ziemlich k�rnig.</p><p>Ich nahm den Stein zur Hand.</p><p>�Ein Messer�, sagte ich.</p><p>Man reichte mir eine Klinge.</p><p>In den Stein schnitt ich mit der Messerspitze die Initialen Port Kars.</p><p>Dann hielt ich den Stein in die H�he, so da� die M�nner ihn sehen konnten.</p><p>�Was habe ich hier?� fragte ich.</p><p>Tab sagte leise: �Den Heimstein Port Kars.�</p><p>�Und jetzt�, sagte ich und wandte mich an den Mann, der sich f�r die Flucht ausgesprochen hatte, �wollen wir jetzt noch fliehen?�</p><p>Er starrte verwundert auf den einfachen Stein. �Ich habe noch nie einen Heimstein gehabt�, sagte er.</p><p>�Wollen wir fliehen?�</p><p>�Nicht, wenn wir einen Heimstein haben.�</p><p>Ich hielt den Stein in die H�he. �Haben wir einen Heimstein?� fragte ich die M�nner.</p><p>�Ich akzeptiere den Stein als meinen Heimstein�, sagte der Sklavenjunge Fisch. Keiner der M�nner lachte. Der erste, der den Heimstein anerkannte, war nur ein Junge, ein Sklave. Aber er hatte wie ein Ubar gesprochen.</p><p>�Und ich auch!� rief Thurnock.</p><p>�Und ich!� fiel Clitus ein.</p><p>�Und ich!� br�llte Tab.</p><p>�Und ich!� riefen die M�nner durcheinander. Und pl�tzlich war der Saal von Jubelgeschrei erf�llt, und �ber hundert Waffen fuhren aus den Scheiden und gr��ten den Heimstein von Port Kar. Freude herrschte in diesem Augenblick, wie ich sie echter und reiner in Port Kar nie zuvor erlebt hatte. Ein Zusammengeh�rigkeitsgef�hl, ein Vertrauen in den Sieg, eine neue Bedeutung f�r das Leben � Rufe, Waffengeklirr, Tr�nen.</p><p>Ich wandte mich an Thurnock. �La� die Sklaven frei. Schicke sie durch die Stadt, zum Hafen, in die Tavernen, zum Arsenal, auf die Pl�tze und M�rkte, �berallhin. Sie sollen die Neuigkeit verk�nden! Sie sollen allen mitteilen, da� Port Kar einen Heimstein hat!�</p><p>M�nner hasteten aus dem Saal, um meine Befehle auszuf�hren.</p><p>�Offiziere!� rief ich. �Auf eure Schiffe. Bildet eure Linien vier Pasang westlich des Kais des Sevarius! Thurnock und Clitus bleiben hier.�</p><p>�Nein!� riefen die beiden und sahen mich niedergeschlagen an.</p><p>Ich brachte es nicht fertig, sie in den Tod zu schicken. Ich hatte keine Hoffnung, da� Port Kar gen�gend Schiffe zusammenbrachte, um die vereinte Flotte von Cos und Tyros abzuwehren. Ich kehrte ihnen den R�cken und verlie� mit dem Stein den Saal.</p><p>Drau�en an meinem Hafenbecken lie� ich ein schnelles Boot kommen. Ich h�rte �berall die Rufe, da� es einen Heimstein in Port Kar gebe, und sah Fackeln auf den schmalen Steigen, die fast �berall die Kan�le begleiten.</p><p>�Zum Rat der Kapit�ne!� rief ich den Ruderern zu und sprang ins Boot. Als ich mich setzte, bemerkte ich, da� Fisch auf einer der Ruderb�nke sa�.</p><p>�Dies ist Arbeit f�r M�nner, Junge�, sagte ich.</p><p>Er zog das Ruder durch. �Ich bin ein Mann, Kapit�n�, erwiderte er.</p><p>Hinter uns standen Telima und Vina auf dem Kai, doch Fisch blickte nicht zur�ck. Das Schiff glitt durch die Kan�le Port Kars auf den Ratsbau der Kapit�ne zu. �berall flackerten Lichter in den Fenstern.</p><p>Der Ruf pflanzte sich durch die Stadt fort, die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, rief �berall Aufregung und lebhafte Diskussionen hervor.</p><p>Ein Mann stand auf einem schmalen Steg, ein B�ndel auf dem R�cken, das er �ber seinen Speer geworfen hatte. �Ist es wahr, Admiral?� rief er. �Ist es wahr?�</p><p>�Wenn du es wahr machst�, sagte ich, �ist es wahr!�</p><p>Er starrte mich seltsam an, und als ich mich umsah, hatte er sein B�ndel abgeworfen und folgte uns zu Fu�. �Port Kar hat einen Heimstein!� rief er.</p><p>Andere blieben stehen und folgten ihm.</p><p>In den Kan�len herrschte lebhafter Bootsverkehr � unz�hlige Tharlarionboote, mit G�tern beladen, die hierhin und dorthin eilten. Offenbar wollten sie alle noch fliehen. Ich hatte geh�rt, da� Besitzer von gr��eren Schiffen bereits zu Hunderten in See gestochen waren und da� im Hafen astronomische Summen f�r eine Passage aus der Stadt gefordert wurden. Heute nacht w�rde mancher ein Verm�gen machen.</p><p>�Macht Platz f�r den Admiral!� rief mein Steuermann. �Macht Platz!�</p><p>Wir sahen erschreckte Gesichter in den Fenstern. M�nner hasteten auf den schmalen Kanalsteigen entlang.</p><p>Die Ruder unseres Boots verhakten sich mit denen eines anderen Fahrzeugs; wir glitten auseinander und setzten unseren Weg fort.</p><p>Kinder weinten. Ich h�rte eine Frau schreien. �berall sah ich dunkle Gestalten, die ihre Habe in Sicherheit zu bringen versuchten. In vielen Booten, an denen wir vorbeikamen, dr�ngten sich erschreckte Menschen.</p><p>�Wohin willst du?� fragte ein Mann, der aus einem Fenster lehnte.</p><p>�Ich denke, zum Rat der Kapit�ne�, sagte einer der Vorbeieilenden. �Es hei�t, wir haben jetzt einen Heimstein in Port Kar.�</p><p>Und M�nner hinter ihm riefen: �Ja, es gibt einen Heimstein in Port Kar!� Dieser Ruf wurde von Tausenden aufgenommen, und �berall hielten Menschen in ihrer Flucht inne, Boote kamen ins Stocken, Menschen st�rzten aus den Eing�ngen ihrer H�user. Ich sah, wie Waffen gezogen wurden und hinter uns, zu Tausenden jetzt, kamen die B�rger Port Kars, folgten uns zum gro�en Platz vor dem Ratsgeb�ude der Kapit�ne.</p><p>Noch ehe der Mann im Bug meines Boots das Seil ans Ufer geworfen hatte, war ich hin�bergesprungen und eilte mit fliegender Robe auf das gro�e Ratsportal zu.</p><p>Vier Mitglieder der Ratswache salutierten, indem sie ihre Lanzensch�fte gegen den Boden schlugen.</p><p>Ich hastete an ihnen vorbei in den Ratssaal.</p><p>Auf mehreren Tischen flackerten Kerzen. Papiere lagen herum. Nur wenige Schreiber oder Pagen waren zu sehen. Von den siebzig oder achtzig Kapit�nen, die sonst die Versammlungen besuchten, waren h�chstens vierzig anwesend. Als ich eintrat, verlie�en eben wieder zwei die Halle.</p><p>Der Schreiber, der mit ernstem Gesicht hinter dem gro�en Tisch sa�, blickte mich sorgenvoll an. Ich sah mich um.</p><p>Die Kapit�ne schwiegen. Samos sa� auf seinem Platz. Das kurze wei�e Haar schimmerte zwischen seinen Fingern hindurch; er hatte den Kopf in die H�nde gest�tzt. Zwei weitere Kapit�ne standen auf und verlie�en die Versammlung.</p><p>Einer blieb neben Samos stehen. �Mach deine Schiffe bereit�, dr�ngte er. �Wir haben nicht mehr viel Zeit.�</p><p>Samos sch�ttelte den Kopf.</p><p>Ich nahm meinen Sitz ein. �Ich bitte ums Wort�, sagte ich zu dem Schriftgelehrten, als handele es sich um eine ganz gew�hnliche Sitzung.</p><p>Die Kapit�ne blickten auf.</p><p>�Sprich�, sagte der Schreiber.</p><p>�Wie viele von euch�, wandte ich mich an die Kapit�ne, �sind bereit, die Stadt zu verteidigen?�</p><p>Bejar, der gro�e langhaarige Kapit�n, sa� auf seinem Platz. �Spotte nicht, Kapit�n�, sagte er aufgebracht. �Die meisten Schiffseigner sind bereits geflohen. Hunderte von kleinen Schiffen, Rundschiffe und Langschiffe, verlassen den Hafen. Das Volk flieht. Panik hat die Stadt gepackt. Wir finden keine Schiffe f�r den Kampf.�</p><p>�Das Volk flieht�, fiel Antisthenes ein. �Es wird nicht k�mpfen � wie es von den B�rgern Port Kars auch nicht anders zu erwarten ist.�</p><p>�Wer will wissen, wie das Volk von Port Kar wirklich ist?� fragte ich.</p><p>Samos hob den Kopf und sah mich an.</p><p>�H�rt doch!� rief ich. �H�rt das Volk! Es wartet drau�en!�</p><p>Die M�nner des Rats hoben lauschend die K�pfe. Durch die dicken W�nde, durch die schmalen Fenster des Ratssaals ert�nten laute, fordernde Rufe.</p><p>Bejar ri� sein Schwert aus der Scheide. �Sie wollen uns t�ten!� sagte er.</p><p>Samos hob die Hand. �Nein�, sagte er, �h�rt doch!�</p><p>�Was schreien sie?� fragte ein Mann.</p><p>Ein Page hastete in den Saal. �Das Volk!� rief er. �Es dr�ngt sich auf dem Platz! Fackeln! Tausende!�</p><p>�Was rufen sie?� fragte Bejar.</p><p>�Sie rufen�, sagte der Junge, �da� es in Port Kar einen Heimstein gibt.�</p><p>�Das stimmt nicht�, sagte Antisthenes.</p><p>�Doch�, sagte ich.</p><p>Die Kapit�ne starrten mich verst�ndnislos an.</p><p>Samos warf den Kopf in den Nacken und lachte dr�hnend, schlug mit den F�usten auf die Armlehnen seines Ratssessels. Nach und nach fielen die Kapit�ne ein.</p><p>�Es gibt keinen Heimstein in Port Kar!� lachte Samos atemlos.</p><p>�Ich habe ihn gesehen!� sagte da eine Stimme neben mir. Verbl�fft drehte ich mich um. Der Sklavenjunge Fisch war mir gefolgt. Sklaven d�rfen nicht in die Ratshalle der Kapit�ne.</p><p>�Fesselt den Sklaven und peitscht ihn aus!� rief der Schreiber.</p><p>�Aber ich habe den Heimstein von Port Kar gesehen.�</p><p>�Es gibt keinen solchen Stein�, sagte Samos.</p><p>Langsam zog ich den Stein aus meiner Robe. Niemand sagte ein Wort. Alle Blicke waren auf mich gerichtet.</p><p>�Das ist der Heimstein der Stadt�, sagte Fisch.</p><p>Die M�nner schwiegen.</p><p>�Kapit�ne�, sagte ich, �begleitet mich auf die Treppe vor dem Geb�ude.�</p><p>Als ich den Ratssaal verlie�, folgten sie mir, und Sekunden sp�ter stand ich oben auf der breiten Marmortreppe, die zum Ratsplatz hinabf�hrt.</p><p>�Bosk!� riefen die Leute. �Bosk kommt, unser Admiral!�</p><p>Ich schaute �ber die vieltausendk�pfige Menge, �ber der Hunderte von Fackeln flackerten. Ich sah Kan�le im Hintergrund, die voller Boote waren, gef�llt mit Menschen, die ebenfalls Fackeln hielten, deren Feuer sich an den W�nden und im Wasser spiegelte.</p><p>Ich schwieg eine Zeitlang, starrte die Menge an. Dann, abrupt, hob ich beide Arme und hielt den Stein hoch.</p><p>�Ich habe ihn gesehen!� rief ein Mann ergriffen. �Ich habe den Heimstein von Port Kar gesehen!�</p><p>�Der Heimstein von Port Kar!� riefen Tausende. �Der Stein!�</p><p>Jubelgeschrei brandete auf, Schreie, Pfiffe, Waffen und Fackeln wurden geschwenkt. Ich sah M�nner und Frauen weinen. Ich sah, wie V�ter ihre S�hne auf die Schultern hoben, damit sie den Stein sehen konnten.</p><p>�Ich verstehe dich jetzt�, sagte Samos, der neben mir stand und dessen Stimme bei dem L�rm kaum zu h�ren war. �Es gibt ja wirklich einen Heimstein in Port Kar.�</p><p>�Du bist nicht geflohen�, sagte ich, �ebensowenig wie die anderen Kapit�ne und diese Menschen.�</p><p>Er starrte mich an.</p><p>�Ich glaube�, fuhr ich fort, �es hat immer einen Heimstein in Port Kar gegeben. Er ist nur erst heute gefunden worden.�</p><p>Samos l�chelte. �Ich glaube, du hast recht�, sagte er und blickte �ber die tobende Menge. �Ich glaube, du hast recht.�</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Ich stand im schwankenden Korb am Mast der Dorna, das Fernglas in den H�nden.</p><p>Es war ein herrlicher Anblick, die gewaltigen Reihen der Schiffe in der Ferne, die den ganzen Horizont ausf�llten, ihre Segel viele tausend gelbe und purpurne Flaggen in der Sonne der neunten goreanischen Stunde, eine Ahn vor der Mittagswende. Tyros und Cos hatten ihr gesamtes Schiffspotential aufgeboten.</p><p>Bei der Eile, mit der wir unsere Formationen gebildet und Schlachtpl�ne geschmiedet hatten, war ich mir gar nicht einmal sicher, wie viele Schiffe auf unserer Seite zum Einsatz kamen. Meiner Sch�tzung nach f�hrten wir etwa zweitausendf�nfhundert Schiffe, freilich vierzehnhundert davon nur Rundschiffe, gegen die vereinte Flotte von Cos und Tyros in die Schlacht, die etwa viertausendzweihundert Einheiten z�hlte � und zwar ausschlie�lich Tarnschiffe. Wir hatten alle verf�gbaren Arsenalschiffe aufgebracht, etwa siebenhundert von tausend. Es waren so viele Schiffe im Arsenal gewesen, weil das Jahr bereits weit fortgeschritten war und in den Wintermonaten die Seefahrt mit Rammschiffen fast zum Erliegen kam. Von den rund siebenhundert Arsenalschiffen waren etwa dreihundertundvierzig Tarnschiffe und dreihundertundsechzig Rundschiffe. Unsere Flotte wurde weiterhin durch etwa vierzehnhundert Schiffe privater Eigner erg�nzt, zumeist Rundschiffe. Au�erdem verf�gten wir �ber dreihundertundf�nfzig Schiffe von den Kapit�nen des Rats, die noch nicht aus der Stadt geflohen waren. Von diesen dreihundertundf�nfzig Schiffen geh�rten zum Gl�ck etwa zweihundert der Tarnklasse an. Zu dieser Gruppe z�hlten auch meine Einheiten. Schlie�lich hatte ich zu meiner �berraschung und Freude auch f�nfunddrei�ig Schiffe von zwei Ubars aus Port Kar in Dienst nehmen k�nnen, zwanzig von Chung und f�nfzehn von Nigel. Mehr Schiffe besa�en diese beiden Ubars nach den Br�nden im En�Kara nicht. Einheiten von Eteocles oder Sullius Maximus waren der Flotte nicht �berschrieben worden, auch hatte sich Henrius Sevarius nicht an der Aktion beteiligt, dessen Regent Claudius nat�rlich andere Pl�ne hatte.</p><p>Ohne das �Auffinden� des Heimsteins w�re es uns wahrscheinlich nicht gelungen, mehr als vier- oder f�nfhundert Schiffe gegen Cos und Tyros ins Gefecht zu schicken.</p><p>Ich lie� das Fernglas zuschnappen und kletterte �ber die schmale Strickleiter zum Deck der Dorna hinab. Kaum hatte ich einen Fu� auf das Holz gesetzt, als ich in der N�he meinen Sklaven Fisch erblickte.</p><p>�Ich habe dir doch befohlen an Land zu bleiben!� rief ich aufgebracht.</p><p>�Du kannst mich sp�ter auspeitschen, Kapit�n�, sagte er.</p><p>Ich eilte auf das Ruderdeck der Dorna und begr��te dort meinen Rudermeister. Dann sah ich mich um.</p><p>Hinter uns lagen, in jeweils hundert Metern Abstand, vier Tarnschiffe aus Port Kar, dahinter drei weitere Viererreihen. Die Dorna f�hrte also eine ziemlich dichte Formation aus sechzehn Tarnschiffen an � eine von f�nfzig solcher Einsatzgruppen, die eine Kampfst�rke von insgesamt achthundert Tarnschiffen aufbrachten. Damit ihr Fangnetz auch jede Flucht aus Port Kar verhinderte, hatte sich die angreifende Flotte etwas zu weit auseinandergezogen Ihre Schiffe waren nur zu vier Reihen formiert und navigierten weit voneinander entfernt. Unsere Sechzehner-Gruppen, in denen die Schiffe so gestaffelt waren, da� sie ihre Begleiter nicht behinderten, konnten eine solche Angriffslinie leicht durchsto�en � und zwar an f�nfzig Stellen. Kaum war das geschehen, sollten sie paarweise auseinanderlaufen und wo immer m�glich von hinten angreifen, aber stets gemeinsam und gleichzeitig. Jedes Schiffspaar sollte sich durch Signale auf einen einzelnen Gegner einigen, und w�hrend sich das Opfer einem Schiff entgegenstellte, konnte das andere zupacken, seinen Angriff fahren. Die �brigen Schiffe des Feindes, die �berw�ltigende Mehrheit der Flotte, w�rde zun�chst noch unber�hrt bleiben. Einmal mehr ging es nicht so sehr um das absolute Kr�fteverh�ltnis wie um das �bergewicht an strategisch wichtigen Punkten. War die gegnerische Linie erst an mehreren Punkten durchsto�en, hoffte ich, da� viele Schiffe sich den Angreifern zuwenden w�rden, die in ihrem R�cken operierten. Jeder meiner f�nfzig angreifenden Schiffsgruppen folgte in einer halben Ahn Abstand jeweils ein weiteres Paar Tarnschiffe, die versuchen sollten, eine Anzahl dieser herumschwenkender Schiffe von hinten zu rammen. Ich erinnerte mich, da� die Dorna unter �hnlichen Umst�nden einmal sehr erfolgreich gewesen war. Die Schiffspaare aus den urspr�nglichen Angriffsgruppen sollten sich nach M�glichkeit nach ihren ersten K�mpfen neu formieren und erneut, diesmal von hinten, durch die gegnerischen Linien sto�en und somit ihre Taktik wiederholen. Ich hatte jedoch wenig Hoffnung, da� uns dieser zweite Durchsto� an mehr als nur ein paar Stellen gelingen w�rde. Inzwischen n�mlich mu�ten sich die Schiffe aus Cos und Tyros konzentriert haben. Nach dem ersten Vorsto� rechnete ich also eher mit einem freien Kampf � bis auf die Tatsache, da� die Paartaktik meiner Einheiten fortgesetzt werden sollte. Die vorherige Bestimmung der beiden Kampfpartner und der Befehl, auf keinen Fall einzeln zu k�mpfen, sondern konsequent gemeinsam anzugreifen, war angeblich neu f�r die goreanische Seekriegsf�hrung. Ich hatte auch Signale verabredet, mittels derer sich Schiffe, die ihren Partner verloren hatten, neu formieren und so das Prinzip aufrechterhalten konnten.</p><p>Die ersten beiden Wellen meines Angriffs bestanden also aus f�nfzig Sondergruppen zu je sechzehn Einheiten, gefolgt in einer halben Ahn Abstand von je zwei weiteren Tarnschiffen. Das hie�, da� die erste Angriffswelle aus achthundert Schiffen bestand, die zweite aus hundert Einheiten. Damit blieben mir noch etwa einhundertf�nfundachtzig Tarnschiffe und eine gro�e Zahl Rundschiffe als Reserve.</p><p>Ich gab Signal, da� die sechzehn Tarnschiffe meiner Begleitung starten sollten. Sie entfernten sich, best�tigten �ber Flaggen meinen Befehl. Die Dorna fiel zur�ck. Ich w�re am liebsten mitgesegelt, aber als Kommandant der Flotte war mir das nicht erlaubt.</p><p>Die dritte Welle, der zweiten im Abstand von einer Ahn folgend, bestand aus einer langgedehnten Linie Rundschiffe, s�mtliche vierzehnhundert Einheiten. Ich hegte die Hoffnung, da� die Flotte aus Cos und Tyros bis dahin enger zusammenger�ckt war, so da� es meinen vierzehnhundert Schiffen vielleicht gelang, ihre Formation zu umgehen, sie einzuschlie�en und mit ihrer nicht unerheblichen Feuerkraft an gl�henden Steinen, brennendem Pech, Feuerb�ndeln und Armbr�sten von der Flanke her aufzurollen. Sobald sich die Schiffe aus Cos und Tyros mit diesen Rundschiffen anlegten, mu�ten sie au�erdem feststellen, da� sie es nicht mit gew�hnlichen Besatzungen von Rundschiffen zu tun hatten. Jedes einzelne Schiff war mit B�rgern aus Port Kar bemannt oder Sklaven, die freiwillig ruderten, jeder von ihnen bewaffnet und nicht angekettet. Es war ihnen freigestellt worden, f�r ihre Freiheit um den Heimstein von Port Kar zu k�mpfen. Nur Sklaven, die aus Cos oder Tyros oder aus St�dten ihrer Verb�ndeten stammten, wurden nicht mit in die Schlacht geschickt; sie waren zur�ckgeblieben, angekettet in den Lagerh�usern der Stadt. Abgesehen von den kampfbereiten, bewaffneten Ruderern enthielten unsere Rundschiffe unter Deck, in den Aufbauten an Heck und Bug und in den T�rmen zahlreiche K�mpfer aus der Stadt, die sich an Bord begeben hatten, um zu k�mpfen. Diese Mannschaften waren mit Enterhaken bewaffnet, zudem waren jeweils mehrere Nagelplanken an Bord, die wie Gangways aussahen, etwa anderthalb Meter breit, am Heck oder Bug des Rundschiffes aufrechtstehend. Sie wurden mit ihrem genagelten anderen Ende auf das Deck des Feindschiffes herabgelassen. Ein Rundschiff hat gew�hnlich ein viel h�heres Deck als ein Rammschiff, so da� diese Planken einen gro�en Vorteil bilden. Gew�hnlich weicht nat�rlich gerade ein Rundschiff der kriegerischen Konfrontation oder der Gefahr des Enterns aus. Ich rechnete deshalb mit einem �berraschungseffekt gegen�ber den angreifenden Rammschiffen, die, ehe sie sich�s versahen, selbst geentert wurden, gest�rmt von kampfw�tigen, aufgebrachten freien M�nnern. Wir hatten auf jedes Rundschiff mehr M�nner bringen lassen, als sonst normalerweise an Bord eines schweren Tarnschiffs zu finden waren. Beim Angriff auf ein Rundschiff versucht ein Gegner gew�hnlich die Ruder zu scheren und dann zu entern. Diese Strategie hofften wir bei den gegebenen Verh�ltnissen zu unserem Vorteil zu nutzen. Und versuchten die Tarnschiffe aus Cos und Tyros zu rammen, so hofften wir im Augenblick des Aufpralls die Enterhaken und genagelten Planken ins Spiel zu bringen, damit der Gegner nicht mehr loskam. Inzwischen konnten sich auch die zahlreichen Bogensch�tzen und Katapultbediener in den Kampf einschalten, deren Waffen aus der N�he eine f�rchterliche Wirkung hatten. So hoffte ich, da� sich meine Rundschiffe selbst gegen Tarnschiffe schwerer Klasse durchsetzen konnten, indem sie einem Kampf auf offener See auswichen und die N�he des Feindes suchten.</p><p>Meine vierte Angriffswelle bestand aus f�nfzig Tarnschiffen, die Befehl hatten, ihre Masten nicht umzulegen. Sie sollten den Rundschiffen in etwa einer Ahn Entfernung folgen. Als Nachhut der Rundschiffe und mit den erhobenen Masten wurden sie vom Gegner vielleicht f�r weitere einfache Rundschiffe gehalten. Er w�rde dann ihre Geschwindigkeit falsch einsch�tzen oder sie voreilig angreifen und zu sp�t herausfinden, da� er sich auf einen Kampf mit schnellen, wendigen Rammschiffen eingelassen hatte. Diese Einheiten sollten also meine Rundschiffe nach besten Kr�ften in ihrem Kampf unterst�tzen.</p><p>Meine f�nfte Angriffswelle, eine halbe Ahn nach der vierten angesetzt, bestand aus zwei Flotten zu je vierzig Tarnschiffen, von denen eine aus dem Norden und die andere aus dem S�den angreifen sollte. Ich glaubte nicht, da� diese wenigen Schiffe ihren Flankenangriff mit wirklich durchgreifender Wirkung vortragen konnten, aber in dem Durcheinander der Schlacht, ohne reale Einsch�tzung der Position und der St�rke des Feindes, mochten solche Zangenangriffe eine gute psychologische Wirkung haben. Der Admiral von Cos und Tyros � vermutlich Chenbar � konnte nicht wissen, wie unsere Flotte zusammengesetzt war und welche St�rke sie hatte. Tats�chlich hatten auch wir bis zum fr�hen Morgen unsere Pl�ne noch nicht im Detail gekannt und auch nicht gewu�t, welche Einheiten uns zur Durchf�hrung unserer Aktionen zur Verf�gung standen. Ich hoffte auf Chenbars Vermutung, da� viele aus Port Kar geflohene Schiffe umgekehrt seien und sich nun noch am Kampf beteiligten, vielleicht meinte er auch, da� er unsere St�rke ernsthaft untersch�tzt hatte. Die Flankenangriffe hatte ich so sp�t angesetzt, weil vorher der Gegner seine Flotte bestimmt noch nicht eng genug zusammengezogen hatte. Das Erschrecken �ber die Attacke von der Flanke her f�hrte vielleicht auch dazu, da� viele Kapit�ne oder sogar Chenbar selbst die Schiffe wenden lie�en, und wenn das geschah, hatten wir zumindest die bessere Angriffsposition.</p><p>Wir sahen die Einheiten meiner zweiten Angriffswelle vorbeigleiten, die Schiffspaare, jedes Paar auf der Spur der zugeteilten Sechzehner-Gruppe.</p><p>Die Dorna blieb zur�ck, auf den Wellen schaukelnd, Ruder innenbords.</p><p>Hundertundf�nfzig Tarnschiffe hielt ich in Reserve, die zugleich mit der f�nften Welle, den Flankenattacken, in Signalweite der Dorna erscheinen w�rden.</p><p>�Soll ich den Mast senken, Kapit�n?� fragte einer meiner Offiziere.</p><p>�Nein�, sagte ich. Ich brauchte den Mastkorb, um die Schlacht zu verfolgen.</p><p>Es war Herbst, und der Wind peitschte in kalten B�en das Wasser. Wolkenfetzen jagten sich am Himmel. Im Norden lag die Dunkelheit wie eine Linie am Horizont. Am fr�hen Morgen hatte es noch gefroren.</p><p>�Holt das Segel ein!� befahl ich.</p><p>Der Offizier begann Befehle zu br�llen.</p><p>Gleich darauf kletterten Seeleute in die Wanten, bedienten Seile, holten das lange dreieckige Segel ein.</p><p>Ich musterte die Wasseroberfl�che.</p><p>�Was jetzt?� erkundigte sich der Offizier.</p><p>�Beidrehen�, sagte ich. �Ich leg mich aufs Ohr. Weck mich in einer halben Ahn.�</p><p>Als ich wieder an Deck kam, f�hlte ich mich erfrischt.</p><p>Der Wind war noch k�lter geworden, und die Dorna wurde t�chtig durchgesch�ttelt. Wir hatten den Bug- und den Heckanker unten.</p><p>Man reichte mir meinen Admiralsumhang, den ich mir um die Schulter warf. Dann steckte ich mir einige Streifen getrocknetes Tarskfleisch in den G�rtel, rief den Ausguck aus seinem Korb herab und kletterte selbst am Mast empor. Oben angekommen, wickelte ich mich in den warmen Umhang, kaute auf einem St�ck Tarskfleisch und hob mein Fernglas.</p><p>Sorgf�ltig erkundete ich den Stand des Gefechts.</p><p>Tarskfleisch ist salzig, aber der Ausguck hat gew�hnlich eine Wasserflasche in seinem Korb h�ngen. Ich �ffnete sie und trank.</p><p>W�hrend ich aufs Meer hinaus starrte, bewegte sich unten die endlose Linie unserer Rundschiffe vorbei gegen den Wind kreuzend, ohne Ruder, die kleinen, dreieckigen Sturmsegel im Nordwind flatternd. Eine Galeere mit Dreieckssegel kann ihr Segel zwar bergen, aber die Segelfl�che nicht vergr��ern oder verkleinern, deshalb f�hrt sie f�r verschiedene Wetterbedingungen unterschiedliche Segel mit. Der Segelbaum wird herabgehievt und das Tuch gewechselt; es gibt ein gro�es Segel f�r gutes Wetter, ein kleineres Segel f�r rauhere Winde, und ein Sturmsegel, wie es jetzt zum Einsatz kam.</p><p>Ich l�chelte, als sich die Schiffe entfernten. Ihre Decks wirkten verlassen. Aber ich wu�te, da� sie vor K�mpfern fast barsten.</p><p>Die Schiffe meiner ersten Angriffslinie waren inzwischen auf die Flotte aus Cos und Tyros gesto�en. Hinter ihnen, auf dem kalten Thassa verstreut, sah ich die Schiffspaare der zweiten Welle mit blitzenden Rudern in rauher See auf die lange Reihe der gelben und purpurnen Segel zugleiten � gelb f�r Tyros, purpur f�r Cos.</p><p>Ich fragte mich, wie viele M�nner jetzt sterben mu�ten.</p><p>Es war kalt, und ich zog meinen Umhang enger. Wer war ich? Ich wu�te es nicht. Mir war kalt, und ich war allein, das wu�te ich, auch, da� in der Ferne M�nner k�mpften und bald weitere in die Schlacht gehen w�rden, wie ich es befohlen hatte.</p><p>Ich fragte mich, ob mein Plan �berhaupt Sinn hatte, und die Antwort lautete ebenfalls: ich wu�te es nicht. Es gab so viele tausend Faktoren zu ber�cksichtigen, die unm�glich vorherzusehen waren, soviel konnte sich ver�ndern, konnte sich zu unseren Gunsten oder Ungunsten auswirken.</p><p>Ich wu�te, da� Chenbar ein brillanter Ubar und Kapit�n war � aber selbst er konnte unm�glich unsere Pl�ne wissen oder erraten, denn wir selbst hatten vor Stunden noch nicht gewu�t, was wir machen sollten, wie wir uns des Angriffs am besten erwehren konnten.</p><p>Ich rechnete nicht mit einem Sieg.</p><p>Es kam mir pl�tzlich n�rrisch vor, da� ich nicht aus der Stadt geflohen war, als ich dazu noch Gelegenheit hatte. Gewi� hatten viele andere Kapit�ne so gehandelt, hatten ihre Lader�ume mit angeketteten Sklaven und Sch�tzen angef�llt. Warum war ich nicht geflohen? Warum waren die anderen Kapit�ne da drau�en geblieben? Waren denn alle Menschen Narren? Jetzt mu�ten Menschen sterben. Gibt es �berhaupt ein Ziel, das ein Menschenleben wert ist? Mu� man nicht selbst die sch�ndlichste Unterwerfung dem Tod vorziehen? Ist es nicht besser, einem Herrn untert�nig zu dienen, als auch nur den Verlust eines Menschenlebens zu riskieren � und sei es des eigenen? Ich dachte daran, da� ich mich einmal in den fernen S�mpfen in mein Schicksal ergeben hatte, um zu �berleben, und nun sa� ich, derselbe Feigling, hier im Umhang eines Admirals und beobachtete die Formierung von Flotten, sah Menschen dem Weg ihrer Bestimmung � Vernichtung oder Sieg � folgen, auf den ich sie geschickt hatte, obwohl ich doch so wenig �ber das Leben oder den Krieg oder das Gl�ck wu�te.</p><p>Sicher gab es andere, die der Verantwortung solcher Worte besser gewachsen waren, solcher Befehle, mit denen M�nner in den Tod geschickt wurden. Was w�rden sie von mir halten, wenn sie im kalten Wasser des Thassa ertranken oder vom Schwert getroffen auf die Decksplanken sanken? W�rden sie mich dann auch noch bejubeln? Und welche Schuldenlast trug ich an jedem dieser Toten, denn es waren meine Worte, die Worte eines t�richten, unwissenden Narren, die sie ins Wasser und in die Klingen der Feinde geschickt hatten.</p><p>Ich h�tte ihnen zur Flucht raten sollen. Statt dessen hatte ich ihnen einen Heimstein geschenkt.</p><p>�Admiral!� rief eine Stimme unter mir. �Seht!� Der Ruf kam von einem Seemann, der mit einem Fernglas auf dem hohen Bug der Dorna stand. �Die Venna!� rief er. �Sie ist durchgebrochen!�</p><p>Ich hob das Glas und schaute nach Westen. In der Ferne sah ich mein Tarnschiff, die Venna. Sie war auf die Linien aus Cos und Tyros getroffen, war durchgebrochen und schwenkte nun herum, um erneut zuzuschlagen. Bei ihr war ihr Schwesterschiff, die Tela. Ich sah zwei Tarnschiffe aus Cos und Tyros angeschlagen im Wasser liegen; das eine sank schnell. Wrackteile schwappten gegen den Rumpf.</p><p>Die Venna stand unter Tabs Kommando.</p><p>Die M�nner unter mir jubelten. Gut gemacht, dachte ich. Gut gemacht.</p><p>Mehrere Schiffe an der Durchbruchstelle begannen nun zu wenden, um sich dem Gegner entgegenzustellen.</p><p>Aber hinter ihnen, ohne Masten und tief im Wasser liegend, nahte die zweite Angriffswelle.</p><p>Ich sah, wie sich die Formation der Schiffe aus Cos und Tyros zusammenzog, um an bestimmten Punkten mehr Schiffe ins Spiel zu bringen. Als die Flotte so zusammenr�ckte, konnte ich sie zum erstenmal in voller Ausdehnung �berschauen, was vorher nicht m�glich gewesen war.</p><p>Hinter den Schiffen meiner zweiten Welle sah ich in einem Bogen, der von Horizont zu Horizont reichte, meine Rundschiffe vorr�cken; ihre kleinen Sturmsegel flatterten im Wind.</p><p>Ich schaute nach hinten.</p><p>Achtern von der Dorna kamen in aller Ruhe und mit halber Schlagzahl f�nfzig Tarnschiffe mit aufgerichteten Masten, an deren Rahen kleine Sturmsegel gesetzt waren. Im Durcheinander des Kampfes konnten sie auf den ersten Blick f�r eine zweite Angriffswelle von Rundschiffen gehalten werden.</p><p>Nach dieser vierten Angriffswelle war die f�nfte Welle vorgesehen, die beiden Flotten, die von Norden und S�den angriffen; zugleich sollte meine Reserve, einhundertundf�nf Tarnschiffe, in Signalweite der Dorna auftauchen. Mit diesen Reserven kamen zus�tzliche zehn Rundschiffe, breite Holz-Transporter aus dem Arsenal. Ihre Ladung war sogar meinen h�chsten Offizieren nicht bekannt.</p><p>Alle Faktoren, die ich in meine Berechnungen aufgenommen hatte, waren nun in Bewegung. Aber es gab bestimmt auch noch andere.</p><p>Ich blickte nach Norden. Dann �ffnete ich das Glas und suchte das Thassa ab. Schlie�lich lie� ich das Glas wieder zuschnappen. Im Norden hing eine bedr�ckende Schw�rze �ber dem Thassa. �ber uns eilten wei�e Wolken dahin, wie springende Tabuk, die vor den Fangz�hnen des schwarzm�hnigen Larl fliehen. Es war Herbst.</p><p>Mit dem Thassa hatte ich nicht gerechnet, mit seiner Schnelligkeit, seinen Stimmungen.</p><p>Es war eisig kalt im Mastkorb, und ich begann ein zweites St�ck Trockenfleisch zu essen. In der Trinkflasche war das Wasser inzwischen gefroren.</p><p>�ber drei Stunden sa� ich nun schon im Mastkorb der Dorna, von Wind durchgesch�ttelt, die Finger frostkalt am Fernglas. Ich beobachtete die Schlacht.</p><p>Ich hatte gesehen, wie meine erste Angriffswelle an Dutzenden von Stellen die Schiffsketten aus Cos und Tyros durchbrach, hatte gesehen, wie die Schiffe der gro�en Flotte kehrtmachten, hatte erleben d�rfen, wie verletzlich sie dadurch f�r meine schwache zweite Angriffswelle waren, die einen unerwartet gro�en Erfolg erzielte. Als sich die Angriffslinien aus Cos und Tyros enger formierten, hatte die gewaltige Kette aus Rundschiffen ihr Netz um sie geschlossen. Hunderte von Schiffen hatten Anstalten gemacht, die plumpen Angreifer zu vernichten, und viele hatten dabei zu sp�t entdeckt, da� sie es nicht mit gew�hnlichen Rundschiffen, sondern mit schwimmenden Festungen voller entschlossener Krieger zu tun hatten. Schlie�lich hatte ich gesehen, wie sich etwa f�nfzig Feindschiffe meiner n�chsten Angriffswelle entgegenstellten, die scheinbar aus Rundschiffen bestand, nur um von den Rammen und Scherbl�ttern �berrascht zu werden. Ich war stolz auf meine M�nner und ihre Schiffe. Sie k�mpften vorz�glich. Und ich hatte nicht mehr das Gef�hl, da� meine Strategie schwach war. Allerdings ahnte ich, da� sich mit der Zeit die zahlenm��ige �berlegenheit des Gegners bemerkbar machen w�rde. Ich hatte eben nur etwa zweitausendf�nfhundert Schiffe, zumeist Rundschiffe, w�hrend der Gegner viertausendzweihundert Kampfeinheiten in die Schlacht schicken konnte, ausnahmslos mit Rammen und Scherbl�ttern ausger�stet.</p><p>Im dunklen, winddurchtosten Nachmittag brannten zahlreiche Schiffe. Funken und Flammen wurden durch den starken Wind von einem Schiff zum n�chsten getragen. Stellenweise lagen mehrere Einheiten zu dicht beieinander, in Gruppen zu zehn oder zw�lf, wie schwimmende Holzinseln im Meer.</p><p>Das Thassa wurde unruhiger, und die Dunkelheit aus dem Norden bedeckte nun schon den halben Himmel, beugte sich wie ein beutegieriges Ungeheuer �ber uns.</p><p>Die f�nfte Angriffswelle versp�tete sich.</p><p>Die Dorna ruckte an ihren Ankern. Wir hatten sie kurz gelichtet und das Schiff in den Wind schwingen lassen, um dann erneut zu ankern, aber trotzdem bockte die Dorna in der unruhigen See. Ihre Planken �chzten, und ich h�rte das Knirschen der Bolzen und Eisenhaken und das Klirren der Ketten, die hier und dort ihr Ger�st st�tzten.</p><p>Meine f�nfte Angriffswelle, die Flotten, die von den Flanken her vorgehen sollten, standen im Norden unter dem Kommando von Nigel und im S�den von Chung. Die Schiffe, die den ehemaligen Ubars der Stadt unterstanden, waren ausnahmslos Tarnschiffe.</p><p>Doch die f�nfte Angriffswelle war noch nicht zu sehen.</p><p>Dagegen sah ich aus dem S�dwesten die Reserveflotte aus hundertundf�nf Tarnschiffen n�herkommen, gefolgt von den zehn breiten Rundschiffen, deren Fracht geheimgehalten worden war.</p><p>Ich fragte mich, ob ich den Ubars Nigel und Chung h�tte vertrauen sollen.</p><p>Das Kommandoschiff der Reserve schlo� in Signaln�he zur Dorna auf. Durch das Fernglas sah ich dr�ben auf dem Ruderdeck Antisthenes stehen, dessen Namen stets als erster auf der Kapit�nsrolle des Rats gestanden hatte.</p><p>Die anderen Schiffe glitten hinter dem Kommandoschiff in eine vierfach gestaffelte Formation. Und zwischen ihnen, tief im Wasser liegend, die kleinen Sturmsegel eingeholt, warteten die zehn Rundschiffe, die Holzfrachter aus dem Arsenal. Trotz ihrer Breite lagen sie unruhig im aufgew�hlten Wasser.</p><p>Wieder richtete ich das Glas nach Westen, wo sich Rauch �ber den Horizont w�lzte.</p><p>Ich erkannte nun, da� die Tarnschiffe aus Cos und Tyros dem Kampf mit meinen Rundschiffen auswichen und sich in ihrer zahlenm��igen �berlegenheit auf meine Rammschiffe konzentrierten. Die langsamen Rundschiffe, weitgehend den Gewalten des Windes �berlassen, wurden als Gegner kaltgestellt.</p><p>Ich l�chelte. Chenbar war ein vorz�glicher Admiral. Er k�mpfte einen Kampf, den er kannte. Er wollte seine �berlegenheit gegen meine Tarnschiffe einsetzen und sich die Rundschiffe f�r sp�ter aufheben, wenn sie von vier oder f�nf Rammschiffen gleichzeitig attackiert werden konnten. Die Rundschiffe waren nat�rlich zu langsam, um meinen Tarnschiffen die schnelle, entschlossene Unterst�tzung zu gew�hren, die sie sicher bald brauchen w�rden.</p><p>Ich lie� das Glas zuschnappen und behauchte meine Finger. Es war sehr kalt, und es war mir, als sei das Ergebnis der Schlacht bereits an der gro�en Tafel des n�rdlichen Horizonts angeschlagen, d�ster, bedrohlich, davor die brennenden und qualmenden Schiffswracks.</p><p>Der Wind peitschte mir ins Gesicht.</p><p>Dann h�rte ich unter mir einen Schrei, gefolgt von lautem Jubel. Der Mann am Bug der Dorna, das Fernglas an den Augen, schwenkte seine Kappe durch die Luft. Die Ruderer unter mir br�llten und winkten ebenfalls.</p><p>Ich �ffnete mein Fernglas. Von Norden und S�den n�herten sich die Flotten meiner f�nften Angriffswelle. Wie Messer schnitten sie durch das Wasser.</p><p>Ich br�llte mit meinen Leuten.</p><p>Chung hatte nordw�rts gegen den Wind vorr�cken m�ssen. Nigel, der sich mit den Meeresverh�ltnissen auskannte, hatte seine Schiffe, die vor dem Wind segeln konnten, zur�ckgehalten, damit die beiden Angriffspunkte der Zange gleichzeitig zuschlugen, wie von einer einzigen Hand gelenkt.</p><p>Ich lie� das Fernglas fallen, das mir an einer Schnur um den Hals hing, steckte das letzte St�ck Tarskfleisch in den Mund und kletterte kauend die Strickleiter hinab. Unten angekommen sprang ich von der letzten Sprosse an Deck und winkte Antisthenes zu, der etwa hundert Meter entfernt auf dem Ruderdeck seines Schiffs stand, des Flaggschiffs meiner Reservestreitkr�fte. Er lie� sofort eine Signalflagge setzen.</p><p>Ich stieg auf das Ruderdeck der Dorna.</p><p>Erstaunte Rufe wurden laut � auf der Dorna wie auf anderen Schiffen �, als die Decksplanken der zehn Rundschiffe angehoben und entfernt wurden.</p><p>Der Tarn ist ein Landvogel, der aus dem Gebirge stammt, wenn es auch buntgefiederte Dschungeltarns gibt. Die Tarns, die dicht gedr�ngt in den Lader�umen der Rundschiffe sa�en, trugen Kopfhauben. Als sie nun pl�tzlich Wind und K�lte sp�rten, warfen sie die K�pfe hoch, schlugen mit den Fl�geln und zerrten an ihren Fu�fesseln.</p><p>Einem Tier wurde die Haube abgenommen, die Schn�re, die seinen Schnabel hielten, fielen. Der Tarn stie� seinen Kriegsschrei aus, einen Schrei, der sogar die heulenden Winde des Thassa �bert�nte.</p><p>Den M�nnern lief ein Schauder der Angst �ber den R�cken.</p><p>Es ist sehr schwierig, einen Tarn �ber das offene Meer zu lenken. Ich wu�te nicht, ob sie sich �ber dem Wasser kontrollieren lie�en. Im allgemeinen lassen sie sich nicht einmal unter Anwendung eines Tarnstabs vom Land fortbringen.</p><p>Ich nahm mein Fernglas von der Schulter und reichte es einem Seemann. Dann wandte ich mich an einen Offizier. �La� ein Boot zu Wasser.�</p><p>�Bei dieser See?�</p><p>�Mach schon!� rief ich.</p><p>Das Boot wurde ins Wasser gesetzt. An einem der Ruder, als geh�rte er dorthin, sa� der Sklavenjunge Fisch. Mein Rudermeister �bernahm die Steuerung.</p><p>Von Lee n�herten wir uns dem ersten der gro�en Rundschiffe, dessen Deck ich erkletterte.</p><p>�Du bist Terence, S�ldnerf�hrer aus Treve?�</p><p>Der Mann nickte.</p><p>Treve ist eine Banditenstadt in den unzug�nglichen Voltai-Bergen. Kaum jemand kennt ihre genaue Lage. Vor Jahren hatten die Tarnk�mpfer Treves sogar der Tarnkavallerie Ars Widerstand geleistet. In Treve kennt man keine Landwirtschaft, sondern lebt im Herbst von den �berf�llen auf die Ernte anderer. Man ern�hrt sich von Pl�nderung. Die B�rger Treves sollen zu den stolzesten und r�cksichtslosesten auf Gor geh�ren. Sie lieben die Gefahr. Ihre Stadt ist angeblich nur auf dem R�cken eines Tarn erreichbar. Ich hatte einmal ein M�dchen gekannt, das aus dieser Stadt kam � Vika aus Treve.</p><p>�Du hast in den zehn Rundschiffen hundert Tarns mit ihren Reitern?�</p><p>�Ja�, sagte er, �und wie verlangt, ist an jedem Tarn ein Knotenseil befestigt, an dem sich f�nf Seeleute aus Port Kar festhalten k�nnen.�</p><p>Ich blickte in den offenen Laderaum des Rundschiffes. Der gef�hrliche gebogene Schnabel des Tarn hob sich mir entgegen. Funkelnde Augen starrten mich an. Es schien ein guter Vogel zu sein; ich bedauerte trotzdem, da� ich meinen Ubar des Himmels nicht hier hatte.</p><p>�Und ich erhalte hundert Stein Gold f�r den Einsatz der V�gel und meiner M�nner?� fragte Terence aus Treve nochmals.</p><p>�Richtig�, versicherte ich ihm.</p><p>�Ich m�chte gleich bezahlt werden�, meinte der S�ldnerf�hrer aus Treve.</p><p>Ich zog blank und hielt ihm meine Klinge gegen die Kehle.</p><p>�Meine Sicherheit ist der Stahl�, sagte ich.</p><p>Terence l�chelte. �Wir aus Treve verstehen solche Sicherheit.�</p><p>Ich senkte das Schwert. �Von allen Tarnk�mpfern in Port Kar�, sagte ich, �und von allen S�ldnerf�hrern hast du allein das Risiko nicht gescheut � den Einsatz von Tarns �ber dem Meer.�</p><p>Es gab noch einen Mann, der diese Gefahr nicht gescheut h�tte � doch er war mit seinen tausend Leuten seit Wochen nicht in der Stadt. Der S�ldnerf�hrer Ha-Keel, der an goldener Kette eine abgegriffene, diamantenbesetzte Tarnm�nze um den Hals tr�gt, eine M�nze aus Ar. Wie ich erfahren hatte, waren seine Streitkr�fte im Augenblick in der N�he von Tor besch�ftigt, die �berf�lle gewisser W�stenst�mme zu unterbinden, die mit Tarns gro�es Unheil anrichteten. Die Dienste Ha-Keels und seiner M�nner standen dem Meistbietenden zur Verf�gung; ich wei�, da� er einmal durch Zwischenm�nner den Anderen gedient hatte, die mit den Priesterk�nigen um die Vorherrschaft auf dieser Welt k�mpfen. Ich kannte Ha-Keel aus dem Haus des Kaufmanns Saphrar in Thuria.</p><p>�Ich fordere die hundert Stein�, sagte Terence, �egal, wie das Unternehmen ausgeht.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich. �Hundert Stein sind kein hoher Preis bei dem Risiko. Dabei ist der Heimstein Port Kars nicht der deine.�</p><p>�Wir stammen aus Treve�, sagte Terence.</p><p>�Gib mir einen Tarnstab�, sagte ich.</p><p>Als ich das Instrument in der Hand hielt, warf ich meine Robe ab und legte einen Windschutz um. Es hatte zu schneien begonnen.</p><p>Die Tarns waren verh�llt aufs Meer gebracht worden. Da sie instinktiv das Meer mieden, wu�te ich nicht, was passieren w�rde, wenn sie nun �ber dem Wasser aufsteigen mu�ten. Vielleicht weigerten sie sich, das Schiff zu verlassen. Vielleicht geb�rdeten sie sich vor Wut oder Angst wie verr�ckt. Mancher Reiter war schon von seinem Vogel get�tet worden, der nicht aufs Meer hatte fliegen wollen. Aber ich hoffte, da� sich die Tarns au�er Sichtweite des Landes in ihr Schicksal ergeben w�rden.</p><p>Meine Ungewi�heit konnte nicht mehr lange dauern.</p><p>Ich sprang in den Sattel des Tarn. Er schrie auf, als ich mir den breiten purpurnen Sicherheitsgurt um die H�fte legte. Der Tarnstab hing an meinem rechten Handgelenk. Ich legte mir den Windschutz �ber das Gesicht.</p><p>�Wenn ich den Vogel lenken kann�, sagte ich, �folgt ihr mir und achtet auf meine Anweisungen.�</p><p>�La� mich als erster fliegen�, sagte Terence aus Treve.</p><p>Ich l�chelte. Wie konnte ein ehemaliger Tarnk�mpfer aus Ko-ro-ba einem Erzfeind, einem Mann aus Treve, die F�hrung �berlassen? Da ich ihm dies nicht sagen konnte, lautete meine Antwort einfach: �Nein.�</p><p>Um den Sattelknauf war ein Paar Sklavenfesseln und ein St�ck Schnur gewickelt. Beides stopfte ich mir in den G�rtel. Dann zog ich am ersten Z�gel.</p><p>Der Tarn sprang mit m�chtigem Fl�gelschlag aus dem Laderaum. Er verhielt auf dem Deck des Rundschiffs, hob und senkte unschl�ssig die Fl�gel, sah sich um und warf dann mit m�chtigem Kampfgeschrei den Kopf zur�ck. Die anderen Tarns unter ihm wurden unruhig und rasselten mit ihren Ketten.</p><p>Der peitschende Schneeregen brannte mir auf dem Gesicht.</p><p>Wieder zog ich den ersten Z�gel, und schon sa�en wir auf der langen, schr�gen Vormastrah. Der Tarn hatte den Kopf erhoben, und jeder Muskel seines K�rpers war angespannt. Er sah sich verwirrt um. Ich dr�ngte das Tier nicht.</p><p>Ich t�tschelte ihn am Hals und redete beruhigend auf ihn ein, dann zog ich am ersten Z�gel. Der Vogel bewegte sich nicht. Seine Klauen umfingen die Rah. Ich gebrauchte den Tarnstab nicht, sondern wartete einige Zeit, streichelte den Vogel und redete ihm gut zu.</p><p>Und pl�tzlich stie� ich einen Schrei aus, zog hart am ersten Z�gel. Der Tarn folgte seinen Reflexen und seinem Instinkt und schwang sich in die L�fte, stieg in die tobenden Elemente. Ich sa� wieder auf dem R�cken eines Tarn! Der Vogel gewann an H�he, bis ich den ersten Z�gel loslie�; dann kreiste der Tarn. Seine Bewegungen waren so sicher, als befinde er sich �ber den vertrauten Abgr�nden der Voltai-Berge.</p><p>Ich testete seine Reaktionen auf die Z�gel. Der Vogel war bestens ausgebildet und befolgte meine Befehle ohne Z�gern. Und pl�tzlich wurde mir klar, da� der Tarn vor Erregung und Freude zitterte, da� er das neue und fremde Element geno�, in dem er sich befand.</p><p>Schon sah ich, wie unter mir andere Tarns fertiggemacht wurden. Reiter stiegen in die S�ttel. Ich sah, wie Tarns auf die Decks der Rundschiffe h�pften, wie die geknoteten Seile an den S�tteln festgemacht wurden und wie kampferfahrene Seeleute ihre Pl�tze einnahmen, f�nf Mann je Seil. Jeder Tarnreiter trug am Sattel au�erdem eine brennende Schiffslaterne und Ledertaschen mit Tonflaschen, die mit Lappen verkorkt waren. Die Beh�lter enthielten Tharlarion�l, und die Lappen, die den Verschlu� bildeten, waren mit dem leicht brennbaren �l getr�nkt.</p><p>Kurz darauf waren hinter mir etwa hundert Tarns in der Luft, und unter jedem Vogel hingen an einem kr�ftigen Seil f�nf ausgew�hlte K�mpfer.</p><p>Ich sah, da� die Flotten meiner f�nften Angriffswelle unter Chungs und Nigels Kommando ihren Zangenangriff angesetzt hatten und in heftige K�mpfe verwickelt waren.</p><p>Nun folgte ich mit den Tarnk�mpfern nach � zu einem Zeitpunkt, da der Gegner die St�rke dieses Flankenangriffs noch gar nicht erfa�t haben konnte.</p><p>In dem Durcheinander der k�mpfenden Tarnschiffe unter uns, mit denen die Rundschiffe aufzuschlie�en versuchten, erblickte ich das Flaggschiff von Cos und Tyros, das durch einen Ring von vierzig Tarnschiffen gesch�tzt wurde. Es war ein gro�es Schiff, im Gelb von Tyros gehalten, mit �ber zweihundert Rudern � Chenbars Schiff.</p><p>Au�er seinen Ruderern, die ausnahmslos Freie waren, enthielt es etwa hundert Bogensch�tzen und weitere hundert Seeleute, Artilleristen, Hilfspersonal und Offiziere.</p><p>Ich zog den vierten Z�gel. Mein Tarn senkte sich herab und landete am Heck des Schiffs. Ich sprang sofort aus dem Sattel und zog mein Schwert. Verwirrt erwiderte Chenbar, Ubar von Tyros, meine Geste und zog ebenfalls seine Klinge.</p><p>Ich entfernte den Windschutz von meinem Gesicht.</p><p>�Du!� rief er.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Bosk aus Port Kar.�</p><p>Unsere Klingen trafen aufeinander.</p><p>Hinter uns h�rte ich lautes Geschrei, die Ger�usche von M�nnern, die sich von ihren Tarnseilen an Deck fallen lie�en, Waffengeklirr. Auch zischten Armbrustpfeile durch das Schneetreiben.</p><p>Eine Gruppe V�gel verharrte �ber dem Deck, und die M�nner lie�en sich von den Seilen fallen. Die Tarns wirbelten davon, und die n�chste Gruppe flog an. Nachdem s�mtliche Krieger abgesprungen waren, schwenkten die V�gel mit ihren Reitern am schwarzen drohenden Himmel ab. Nun wurden die �ldurchtr�nkten Lunten entz�ndet und aus dem Himmel auf die Decks der Schiffe aus Cos und Tyros geschleudert. Ich rechnete nicht damit, da� unsere Brandbomben allzu gro�en Schaden anrichteten, verlie� mich aber auf das Zusammentreffen dreier Faktoren: auf die psychologische Wirkung eines solchen Angriffs, auf die Angst vor den Flankenflotten, deren Gr��e man noch nicht hatte absch�tzen k�nnen, und auf die pl�tzliche Ausschaltung des Flaggschiffs mit dem Anf�hrer Chenbar.</p><p>Ich glitt auf dem eis�berzogenen Deck aus und wehrte Chenbars Klinge dicht vor meinem Hals ab. Dann sprang ich wieder auf und setzte den Kampf fort. Wir gingen in den Clinch, hielten unsere Schwertarme mit den freien H�nden gepackt.</p><p>Ich warf Chenbar gegen die Reling; er prallte mit R�cken und Kopf gegen das Heckspriet. Ich h�rte einen Krieger hinter mir, der jedoch von einem meiner Leute abgefangen wurde. Waffengeklirr ert�nte von allen Seiten. Ich f�rchtete schon, Chenbar das R�ckgrat gebrochen zu haben, lie� die Schwerthand des Admirals aus Tyros los und versetzte ihm einen Faustschlag in den Magen. Als er nach vorn zuckte, ri� ich meine Rechte los und hieb ihm mit der Faust ins Gesicht. Dann wirbelte ich herum. Meine M�nner hinderten die Soldaten des Gegners daran, auf das Ruderdeck des Schiffs zu klettern. Chenbar war bet�ubt in die Knie gegangen. Ich zog eine Sklavenfessel aus dem G�rtel und legte sie Chenbar an. Dann zerrte ich den Mann zu den Klauen meines Tarn. Mit dem Seil von meinem G�rtel machte ich die Sklavenfessel am rechten Fu� des Vogels fest.</p><p>Chenbar versuchte schwerf�llig sich aufzurichten, doch ich setzte ihm einen Fu� in den Nacken und dr�ckte ihn wieder zu Boden.</p><p>Dann sah ich mich um.</p><p>Meine M�nner dr�ngten die Schiffsbesatzung �ber die Reling ins kalte Wasser. Die gegnerischen Soldaten waren v�llig �berrumpelt worden und wehrten sich kaum noch. Au�erdem waren meine M�nner um etwa hundert Schwerter �berlegen.</p><p>Die feindlichen Soldaten schwammen zu ihren anderen Tarnschiffen hin�ber, die nun aufschlossen, um uns zu entern.</p><p>Armbrustpfeile begannen �ber das Deck des Flaggschiffs zu sirren.</p><p>�Haltet die Gefangenen �ber die Brustwehren!� rief ich.</p><p>Da dr�hnte eine Stimme �ber das Wasser: �Nicht schie�en!�</p><p>Nun kehrte der erste Tarn zum Flaggschiff zur�ck; er hatte seine Feuerbomben abgeworfen. F�nf M�nner ergriffen das Seil und wurden in Sekundenschnelle vom Schiff gehoben.</p><p>�Setzt das Schiff in Brand!� rief ich meinen M�nnern zu.</p><p>Sie eilten unter Deck.</p><p>Weitere Tarns kehrten zur�ck, und immer mehr M�nner, manchmal sieben an einem Seil, wurden vom Schiff getragen.</p><p>Schon begann sich Rauch durch die Decksritzen zu kr�useln.</p><p>Meine M�nner wehrten enternde K�mpfer ab, stie�en ein gegnerisches Schiff mit den Rudern zur�ck.</p><p>Ein weiteres Schiff n�herte sich unserer Flanke, wobei es die Ruder abscherte. Meine M�nner eilten hin�ber, um es fortzusto�en.</p><p>�Seht doch!� rief ein Krieger.</p><p>Ein gro�er Jubel setzte ein. Das Schiff trug die Flagge Bosks. �Tab!� br�llten sie. �Tab!�</p><p>Es war die Venna, die k�hn vorgesto�en war, um uns zu befreien. Ich sah Tab, der sogar bei dieser K�lte schwitzte, am Heck seines Schiffs.</p><p>Im n�chsten Augenblick tauchte auf der anderen Seite die Tela auf, das Schwesternschiff der Venna. Die schweren Dollborde, parallel verlaufende Balken, die ihre Au�enwandung sch�tzten, wiesen zahlreiche neue Schrammen auf und waren halb abgerissen.</p><p>Meine M�nner sprangen hastig hin�ber. Ich winkte Tarnk�mpfer fort, die jetzt erst das Flaggschiff anflogen, um unsere Soldaten abzuholen.</p><p>Ringsum brannten Schiffe. Im n�chsten Augenblick loderten auch bei uns die Flammen hoch auf.</p><p>M�nner aus Tyros, die sich bis jetzt an Bord gehalten hatten, sprangen nun auch in das kalte Wasser, um zu anderen Schiffen zu schwimmen. In einigen hundert Metern Entfernung sah ich Gestalten an Bord von Tarnschiffen klettern, einige sogar �ber die Ruder.</p><p>Chenbar und ich blieben allein an Bord des Flaggschiffs zur�ck. Ich stieg in den Tarnsattel.</p><p>Chenbar sch�ttelte verzweifelt den Kopf, sprang auf. �K�mpft!� br�llte er seinen fernen Schiffen zu. �K�mpft!�</p><p>Ich zog am ersten Z�gel, und der Tarn sprang in den Wind. Chenbar aus Kasra, Ubar von Tyros, baumelte gefesselt unter mir, der Wut des Winds und des peitschenden Schneesturms hilflos ausgeliefert, ein Gefangener Bosks, eines Kapit�ns aus Port Kar, Admiral der Flotte dieser Stadt.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Als wir das eisige Deck der Dorna erreichten, erhoben sich meine M�nner von ihren Ruderb�nken und br�llten begeistert herauf.</p><p>�F�hre den Gefangenen unter Deck�, sagte ich zu einem Offizier. �Er mu� angekettet werden. Der Rat wird entscheiden, was aus ihm wird.�</p><p>Wieder klang Jubelgeschrei auf.</p><p>Chenbar blieb einen Augenblick lang vor mir stehen, die F�uste geballt, das Gesicht vor Wut verzerrt, dann wurde er herumgerissen und von zwei Seeleuten unter Deck geschleift.</p><p>�Wahrscheinlich endet er in den Lumpen eines Sklaven auf irgendeiner Galeere�, bemerkte der Rudermeister.</p><p>�Admiral!� rief eine Stimme aus dem Mastkorb. �Die Flotte aus Cos und Tyros dreht ab! Sie flieht!�</p><p>Ich begann zu zittern und brachte kein Wort heraus. Die M�nner ringsum jubelten.</p><p>Dann sagte ich: �Ruft unsere Schiffe zur�ck!�</p><p>M�nner rannten los, um unseren Reserveschiffen zu signalisieren, sie sollten sich der k�mpfenden Flotte n�hern und den R�ckzug anordnen.</p><p>Die Dorna k�mpfte nun mit den Wellen wie ein gefangener Sleen. Ich blickte zu den Rundschiffen hin�ber, die ebenfalls wie wild auf den Wogen tanzten.</p><p>�Anker lichten!� befahl ich. �Und setzt das Sturmsegel.�</p><p>M�nner hasteten los, w�hrend ich signalisieren lie�, jedes Schiff sollte sich nach bestem Verm�gen sofort in Sicherheit bringen. Es war unm�glich, den Sieg �ber die Flotte aus Cos und Tyros auszukosten und den fliehenden Einheiten etwa nachzusetzen.</p><p>Ich stand auf dem schwankenden Deck der Dorna, mit dem R�cken zum Sturm. Der Admiralsumhang, den meine M�nner vom Rundschiff mitgebracht hatten, wurde mir gebracht, und ich wickelte mir zitternd vor K�lte den dicken Stoff um die Schulter. Man reichte mir eine Schale mit hei�em Paga.</p><p>�Der Siegestrank�, sagte der Rudermeister.</p><p>Ich grinste. Ich f�hlte mich gar nicht wie ein Sieger. Mir war kalt, aber ich lebte. Ich schl�rfte dankbar den hei�en Paga.</p><p>Die Rah war herabgelassen worden, damit das kleine dreieckige Sturmsegel gesetzt werden konnte. Die Anker wurden gelichtet, und die Rah, von Flaschenz�gen gehoben, begann am Mast emporzusteigen. Inzwischen zogen die Steuerbordruder auf Zuruf des Rudermeisters das Schiff herum, um das Heck in den Wind zu bringen. Der Sturm packte unsere Flanke, und die Dorna neigte sich nach Lee. Das Deck wurde von zwei Brechern �bersp�lt. Die beiden Steuerleute m�hten sich mit ihren Seitenrudern, drehten das Schiff herum. Dann hatten wir den Wind von achtern und der Rudermeister begann seinen Schlagrhythmus, trieb das Schiff an, bis das Sturmsegel der vollen Wucht des Windes ausgesetzt war. Die Dorna wurde wie von einer Riesenfaust gepackt, der Mast knirschte, und eine schreckliche Sekunde lang neigte sich der Bug unter Wasser, ehe er wieder in die H�he kam und den Himmel auszuf�llen schien.</p><p>�Zieht durch!� rief der Rudermeister, dessen Stimme im Toben des Winds fast unterging. �Zieht � durch! Zieht � durch!�</p><p>Die Trommel legte die h�chste Schlagzahl vor. Das winzige Sturmsegel, das sich im Wind bl�hte, zerrte an der Takelage. Die Dorna schnitt durch das Wasser, durchpfl�gte die Wellen, die sich zu beiden Seiten hoch auft�rmten. Sie w�rde es �berstehen.</p><p>Ich wu�te nicht, ob der errungene Sieg entscheidend f�r die Stellung Port Kars war oder nicht, aber eins war mir klar � der f�nfundzwanzigste Se�Kara, der heutige Tag, w�rde in Port Kar nicht so schnell vergessen werden, in der fr�her so verha�ten Stadt, die nun einen Heimstein gefunden hatte, in jener Stadt, die man die Gei�el des schimmernden Thassa nannte, die sich jetzt jedoch einen besseren Ruf erwerben konnte, vielleicht sogar als Juwel des Meeres. Ich fragte mich, wieviele M�nner �berall auf Gor erz�hlen w�rden, sie h�tten am f�nfundzwanzigsten Se�Kara vor Port Kar mitgek�mpft, im Schneesturm in tobender See und unter schwarzem Himmel. Ich l�chelte. Dieser Tag w�rde zweifellos ein Feiertag in Port Kar werden.</p><p>Ich ging zu dem Tarn, der mich zur Dorna getragen hatte, zog meinen Admiralsmantel aus und legte ihn dem zitternden Vogel �ber den R�cken.</p><p>In der N�he stand der Sklavenjunge Fisch.</p><p>Ich hob den Kopf und sah in seinen Augen Verst�ndnis f�r mein Tun. �Ich komme mit�, sagte er.</p><p>Ich wu�te, da� sich die Schiffe der Ubars Eteocles und Sullius Maximus unserer Flotte nicht angeschlossen hatten. Ich wu�te auch, da� die Blockade der letzten Festung des Sevarius aufgehoben worden war, damit die Wachschiffe an der entscheidenden Schlacht teilnehmen konnten. Es hatte einen Informationsaustausch zwischen Claudius, dem Regenten Henrius Sevarius�, und Cos und Tyros gegeben, das wu�te ich. Es w�re verblendet, anzunehmen, da� kein �hnlicher Kontakt zwischen Cos und Tyros und Eteocles Sullius Maximus bestanden hatte. So war nun mit einer gemeinsamen Aktion zu rechnen. Vielleicht stand die Ratshalle der Kapit�ne bereits in Flammen. Die beiden Ubars und der Regent Claudius mochten bereits ihre Herrschaft ausgerufen haben, ein Triumvirat f�r Port Kar. Sie konnten sich nat�rlich nicht lange halten, denn Port Kar hatte die Seeschlacht nicht verloren. Wenn der Sturm nachlie� � ob in Stunden oder erst in einem oder zwei Tagen �, w�rde die Flotte in Port Kar einlaufen. Aber inzwischen w�rden die beiden Ubars und Claudius in ihrer Ahnungslosigkeit �ber das Ergebnis der Schlacht die Stadt von denen zu befreien suchen, die gegen sie waren.</p><p>Ich fragte mich, ob mein Haus noch stand.</p><p>Ich lie� dem Tarn Fleisch bringen, gro�e Brocken Tarskfleisch, die ich ihm vorwarf. Das Tier zerrte gierig an den Brocken.</p><p>�Ich komme mit�, sagte der Junge noch einmal.</p><p>Im G�rtel seiner Tunika steckte das Schwert, das ich ihm vor Beginn des Kampfs von einem Offizier hatte geben lassen.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Du bist noch zu jung�, sagte ich.</p><p>�Nein, ich bin ein Mann.�</p><p>�Bedeutet dir Vina soviel?�</p><p>Er starrte mich an und wu�te nicht, was er sagen sollte.</p><p>�Ich w�rde dich auch so begleiten � du bist mein Kapit�n.�</p><p>�Du bleibst hier�, sagte ich entschieden.</p><p>Er zog das Schwert, das ich ihm gegeben hatte.</p><p>�Pr�fe mich!� verlangte er.</p><p>�Steck das Schwert wieder zur�ck�, sagte ich. �Es ist eine Waffe f�r M�nner.�</p><p>�Verteidige dich!� rief er.</p><p>Meine Klinge sprang aus der Scheide, und ich parierte seinen Schlag. Er war viel schneller zum Angriff �bergegangen, als ich erwartet hatte.</p><p>M�nner liefen zusammen. �Es ist nur Spa߫, sagte einer.</p><p>Ich lie� meine Klinge vorschnellen, doch der Junge parierte meinen Schlag. Ich war beeindruckt, denn ich hatte ihn nicht treffen wollen.</p><p>Auf dem schwankenden Deck begannen wir uns zu umkreisen, und unsere Schwerter klirrten gegeneinander. Nach etwa einer Ehn steckte ich meine Waffe in die Scheide zur�ck. �Ich h�tte dich jetzt viermal t�ten k�nnen�, sagte ich.</p><p>Fisch senkte sein Schwert und starrte mich gequ�lt an.</p><p>�Aber�, sagte ich, �du hast schon viel gelernt. Ich habe gegen Krieger gek�mpft, die weitaus weniger schnell waren als du.�</p><p>Da l�chelte er, und einige M�nner schlugen sich beif�llig mit der rechten Hand gegen die linke Schulter.</p><p>Fisch war �berall beliebt. Wie h�tte er auch sonst das erste Ruder in dem Boot �bernehmen k�nnen, das mich in den Ratssaal brachte? Wie w�re er in das Boot gelangt, das mich zum Rundschiff trug? Auch ich mochte den Jungen. Im Gegensatz zu den anderen sah ich in ihm einen Ubar.</p><p>�Du darfst nicht mitkommen�, sagte ich. �Du bist zum Sterben noch zu jung.�</p><p>�In welchem Alter ist ein Mann f�r den Tod alt genug?� fragte er.</p><p>�Wenn du jetzt mitgehst�, sagte ich, �bist du ein Narr.�</p><p>�Jeder Mann hat das Recht, sich auch einmal wie ein Narr zu benehmen, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte ich z�gernd.</p><p>�Dann sollten wir jetzt losfliegen. Der Vogel ist ausgeruht.�</p><p>�Bringt einen Umhang f�r den jungen Narren�, wandte ich mich an einen Seemann. �Und auch einen Waffengurt.�</p><p>�Ja, Kapit�n!� rief der Mann.</p><p>�Glaubst du, da� du dich stundenlang an einem Seil festhalten kannst?�</p><p>�Nat�rlich, Kapit�n�, erwiderte er.</p><p>Sekunden sp�ter breitete der Tarn seine Fl�gel in den Sturm und wurde vom Deck der Dorna gerissen. In schwindelerregenden Kreisen gewann er an H�he. Der Junge hatte seine F��e gegen einen Knoten des schwankenden Seils gestemmt, und seine H�nde krampften sich um das Hanf. Tief unten schaukelte Dorna in den m�chtigen Wellen, weiter hinten lagen die Schiffe unserer Flotte, die mit blitzenden Rudern vor dem Sturm dahinjagten.</p><p>Die Schiffe aus Cos und Tyros waren nicht mehr zu sehen.</p><p>Terence aus Treve, der S�ldnerf�hrer, hatte sich geweigert, mit seinen Tarns vor der Flotte nach Port Kar zu fliegen. Vielleicht hatten die aufst�ndischen Ubars andere Tarntruppen zu Hilfe geholt, mit denen sich Terence nicht auf einen Kampf einlassen wollte.</p><p>Der Vogel wurde vom Sturm herumgeworfen, aber er war stark. Wir konnten nicht direkten Kurs nach Port Kar einschlagen, sondern mu�ten uns seitlich vor der Sturmfront bewegen, in der Hoffnung, bald in ein ruhigeres Gebiet zu kommen. Fisch pendelte durchn��t am Ende des Seils.</p><p>Schlie�lich wurden Regen und Wind schw�cher, und pl�tzlich schimmerte das Thassa unter uns in k�hlem Sonnenlicht. Wir hatten das Unwetter hinter uns gelassen. In der Ferne sahen wir eine Felsk�ste und dahinter Grasland und Savanne, die in gro�e W�lder �berging.</p><p>Ich lie� den ersch�pften Tarn zwischen den B�umen landen. Fisch sprang rechtzeitig ab. Der Vogel sch�ttelte seine Fl�gel aus, ehe ich ihm den Admiralsmantel �berstreifte. Der Junge und ich z�ndeten ein Feuer an, an dem wir unsere Kleidung trocknen und uns w�rmen konnten.</p><p>�Wir fliegen nach Anbruch der Dunkelheit in die Stadt�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte er.</p><p>Fisch und ich standen nun im d�steren Saal meines Hauses, wo noch am Abend zuvor meine Siegesfeier stattgefunden hatte. Unsere Schritte hallten laut auf den Fliesen.</p><p>Wir hatten den Tarn drau�en auf dem Hof gelassen, der an mein Hafenbecken grenzte. Keine Tarnk�mpfer hatten uns aufgehalten, und die Stadt selbst lag im Dunkeln.</p><p>Wir hatten blank gezogen und sahen uns um. Niemand war uns in den Korridoren begegnet, auch in den vielen R�umen war keine Menschenseele.</p><p>Jetzt h�rten wir einen ged�mpften Laut aus der Ecke des dunklen Saals. Zwei M�dchen knieten dort am Boden. Sie waren geknebelt, und jemand hatte ihnen die H�nde auf dem R�cken zusammengebunden. Es waren Vina und Telima.</p><p>Fisch w�re am liebsten sofort losgest�rzt, doch ich hielt ihn zur�ck. Wortlos bedeutete ich ihm, sich seitlich vom Saaleingang zu postieren, wo er nicht gesehen werden konnte.</p><p>�rgerlich ging ich dann auf die beiden M�dchen zu. Ich lie� sie nicht frei. Sie hatten sich gefangennehmen und als K�der verwenden lassen. Vina war noch jung, aber Telima war erfahren genug und h�tte es besser wissen m�ssen.</p><p>Ich fuhr ihr mit den Fingern durch das Haar. �Dummes M�dchen!� sagte ich leise.</p><p>Sie versuchte mir zu sagen, da� M�nner in der N�he waren, um mich anzugreifen. Verzweifelt wand sie sich in den Fesseln und sah mich angstvoll an.</p><p>Laut sagte ich: �Na, dann wollen wir euch mal befreien.�</p><p>Im n�chsten Augenblick schrillte in einem Korridor ein Pfiff, gefolgt vom Trappeln zahlreicher F��e. Fackeln tauchten auf.</p><p>�Auf ihn!� rief Lysius, der seinen Helm mit dem Sleenhaar trug. Doch Lysius selbst ging nicht mit zum Angriff �ber. Mehrere M�nner st�rzten auf mich zu. Insgesamt waren etwa vierzig Gestalten aufgetaucht.</p><p>Mit schneller Bewegung trat ich ihnen entgegen, wobei ich st�ndig meine Position ver�nderte und die M�nner hinter mir herlockte, dann wieder zur�cktrieb. Nach M�glichkeit blieb ich dabei in der N�he der M�dchen, so da� die M�nner mit dem R�cken zum Saaleingang k�mpfen mu�ten.</p><p>So sah nur ich den Schatten hinter ihnen, der im Halbd�mmer und im flackernden Licht der Fackeln blitzschnell herumhuschte, eine Klinge in der Hand. Im n�chsten Augenblick hatte die Gestalt einen Helm aufgesetzt und war nun von den anderen nicht mehr zu unterscheiden. Schon sanken einige M�nner mit durchschnittener Kehle zu Boden.</p><p>Ich selbst besiegte neun Krieger, bis wir neues Geschrei h�rten und weitere Fackeln auftauchen sahen.</p><p>Im n�chsten Augenblick war der Saal von Licht erf�llt. Fisch schlug sich auf meine Seite, um R�cken an R�cken mit mir weiterzuk�mpfen.</p><p>�Du h�ttest doch bei der Flotte bleiben sollen, Sklave�, sagte ich.</p><p>Ich sah, wie der Junge mit blitzschnellem Sto� seine Klinge f�hrte und schon wieder kampfbereit war, ehe sein Opfer zu Boden gesunken war.</p><p>�Du hast vorz�glich zu k�mpfen gelernt, Sklave�, sagte ich.</p><p>M�nner kamen durch den Korridor, doch nun auch von der Seite, selbst durch die K�chent�ren dr�ngte eine Gruppe Krieger herein.</p><p>Jetzt sind wir verloren, dachte ich. Verloren.</p><p>W�tend registrierte ich, da� die Gruppe, die aus der K�che kam, von Samos aus Port Kar angef�hrt wurde.</p><p>�Du steckst also doch mit den Feinden Port Kars unter einer Decke!� rief ich. Doch zu meiner Verbl�ffung wandte er sich gegen unsere Angreifer, begann auf unserer Seite zu k�mpfen. Nun bemerkte ich auch, da� einige M�nner seiner Gefolgschaft in meinen Diensten standen, w�hrend ich andere nicht kannte.</p><p>�R�ckzug!� br�llte Lysius im Kampfget�mmel.</p><p>Seine M�nner wichen k�mpfend zur�ck. Wir trieben sie zum Saalausgang, wo wir die Doppelt�ren zuwarfen und sie mit schweren Eisenst�ben sicherten.</p><p>Samos schwitzte. Der �rmel seiner Tunika war zerrissen. Blut lief ihm �ber das Gesicht, befleckte sein wei�es Haar und den Goldring in seinem Ohr.</p><p>�Was ist mit der Flotte?� fragte er.</p><p>�Wir haben gesiegt.�</p><p>�Gut�, erwiderte er und steckte das Schwert fort. �Wir verteidigen deinen Wehrturm in der N�he der Deltamauer�, sagte er. �Komm mit.�</p><p>Bei den gefesselten M�dchen blieb er stehen und wandte sich um. �Sie haben sich fortgeschlichen, um dich zu suchen.�</p><p>�Das ist ihnen ja auch gelungen�, sagte ich und trennte Vinas Fesseln durch. Langsam richtete sie sich auf und eilte weinend zu Fisch und schmiegte sich an ihn. Er umarmte sie.</p><p>Dann befreite ich auch Telima von ihren Fesseln.</p><p>Am Nachmittag des folgenden Tages standen Samos und ich an der Brustwehr des Turms. �ber unseren K�pfen waren Tarnnetze angebracht. Schwere Holzdeckungen, auf Pfosten stehend, ragten in der N�he auf, die uns vor dem Armbrustfeuer von Tarnreitern sch�tzen sollten.</p><p>Mein gro�er Langbogen stand griffbereit neben mir. Er hatte geholfen, die Belagerer auf Distanz zu halten. Aber ich hatte nur noch wenige Pfeile.</p><p>Unsere M�nner waren weiter unten im Turm. Wir waren m�de. Zu lange schon hatten wir den Schlaf bek�mpft, so da� nur noch Samos und ich Wache hielten.</p><p>Vor meiner R�ckkehr nach Port Kar hatte Samos mit seinen und meinen M�nnern elf Angriffen auf den Turm standgehalten � dabei war man mit Infanterie und Tarnk�mpfern vorgegangen. Seit meiner R�ckkehr am Vorabend hatte es vier weitere Attacken gegeben. Wir hatten nun nur noch f�nfunddrei�ig Mann, achtzehn von Samos� Leuten und siebzehn, die in meinen Diensten standen.</p><p>�Warum bist du gekommen, um ausgerechnet meinen Turm zu verteidigen?� fragte ich Samos.</p><p>�Wei�t du das nicht?� erwiderte er.</p><p>�Nein.�</p><p>�Ist ja auch egal�, sagte er.</p><p>�Ohne dich und deine M�nner w�re meine Festung l�ngst gefallen.�</p><p>Samos zuckte die Achseln.</p><p>Wir schauten �ber die Bastion. Der Turm steht nahe der Deltamauer meines Anwesens. Von hier oben aus konnten wir die S�mpfe �berblicken, die sich bis zum Horizont erstreckten, und das weite, sch�ne Voskdelta, durch das ich vor so langer Zeit gekommen war.</p><p>Unsere ersch�pften K�mpfer lagen unter uns im Turm. Jede Ehn Schlaf war kostbar. Sie und wir waren am Ende unserer Kr�fte. Das Warten und K�mpfen, gefolgt von neuen Warteperioden, hatte uns zerm�rbt.</p><p>Im Turm hielten sich au�erdem vier M�dchen auf � Vina, Telima, Luma und die Tanzsklavin Sandra. Die meisten anderen, ob M�nner, ob Frauen, ob Sklaven oder Freie, waren geflohen. Sogar Thurnock und Thura und Clitus und Ula, von denen ich es nicht erwartet h�tte, waren nicht mehr in der Festung. Allerdings nahm ich es ihnen nicht �bel. Sie waren klug, und es w�re Wahnsinn gewesen, hierzubleiben. Letztlich war ich es, der hier als Narr dastand, nicht sie. Und doch w�re ich in diesem Augenblick an keinem anderen Ort lieber gewesen als hier oben, �ber dem Besitz, den ich mir in Port Kar zu eigen gemacht hatte.</p><p>Und so hielten Samos und ich Wache.</p><p>Ich sah ihn an. Ich verstand diesen Sklavenh�ndler nicht. Warum hatte er meine Festung verteidigt? War er so verr�ckt oder sch�tzte er sein Leben so gering ein?</p><p>Er geh�rte nicht hierher.</p><p>Dieser Besitz geh�rte mir, mir allein!</p><p>�Du bist m�de�, sagte Samos. �Geh nach unten. Ich passe schon auf.�</p><p>Ich nickte. Es war sinnlos, Samos noch zu mi�trauen. Sein Schwert hatte manchen K�mpfer f�r mich get�tet. Sein Leben war auf der Brustwehr meines Wehrturms mehr als einmal in Gefahr gewesen. Mir war egal, wem er diente � ob den Ubars, oder dem Regenten Claudius, oder den Ubaraten in Cos und Tyros, oder etwa den Anderen oder vielleicht doch den Priesterk�nigen � oder ob er allein seine eigenen Ziele verfolgte. Mir war alles gleichg�ltig geworden. Ich war zu Hause, und ich war m�de.</p><p>Ich stieg durch die Fallt�r; �ber eine Leiter erreichte ich die Etage unter dem Turmdach. Hier gab es Nahrung und Wasser, ausreichend Vorr�te f�r eine weitere Woche. Aber ich glaubte nicht, da� wir noch soviel brauchen w�rden. Vor Einbruch der Dunkelheit gab es bestimmt weitere Angriffe � denen wir kaum noch etwas entgegenzusetzen hatten. Die erste oder h�chstens zweite Angriffswelle w�rde uns �berrollen.</p><p>Ich sah mich um. Die M�nner schliefen. Sie waren unrasiert, verdreckt und zum Teil verwundet. Mehrere K�mpfer aus Samos� Mannschaft waren mir unbekannt, w�hrend mir andere viel bedeuteten. Einige waren sogar Sklaven von mir, die mit Pf�hlen und H�mmern gek�mpft hatten, andere waren fr�her Sklaven gewesen, hatten jedoch die Freiheit errungen und eine Waffenausbildung erhalten. Einige waren Seeleute, und zwei waren S�ldner, die meinen Dienst nicht hatten verlassen wollen. In einer Ecke schlief Fisch; Vina lag in seinen Armen. Er hatte sich wacker gehalten.</p><p>�Herr�, sagte jemand neben mir.</p><p>An der Wand sa� die Tanzsklavin Sandra. Zu meiner �berraschung hatte sie Vergn�gungsseide angelegt.</p><p>Ich ging zu ihr hin�ber. Sie kniete vor einem Bronzespiegel und bearbeitete eine Augenbraue mit einer kleinen B�rste.</p><p>Sie sah furchtsam zu mir auf. �Wenn sie kommen�, sagte sie, �werden sie doch Sandra nicht umbringen, oder?�</p><p>�Ich glaube nicht�, sagte ich. �Ich nehme an, die M�nner werden dich h�bsch finden und am Leben lassen.�</p><p>Sie sah mich erleichtert an, wandte sich wieder dem Spiegel zu und starrte pr�fend hinein.</p><p>Ich hob sie hoch und blickte ihr in die Augen.</p><p>�Bitte bring meine Schminke nicht durcheinander�, sagte sie.</p><p>Ich l�chelte. �Sie werden dich bezaubernd finden.�</p><p>Dann k��te ich ihren Hals und stieg in das n�chste Stockwerk hinab.</p><p>Hier lehnte mit angezogenen Beinen Luma an einer Wand.</p><p>Ich blieb vor ihr stehen.</p><p>Sie blickte auf und fuhr mit der Hand �ber meine Wange.</p><p>�Ich w�rde dich befreien�, sagte ich, �aber ich f�rchte, da� freie Frauen umgebracht werden.�</p><p>Ich ber�hrte ihren Sklavenkragen.</p><p>�Hiermit darfst du vielleicht weiterleben.�</p><p>Sie begann zu weinen und lehnte den Kopf an meine Schulter. Ich umarmte sie.</p><p>�Meine mutige Luma�, sagte ich. �Meine brave, mutige Luma.�</p><p>Ich k��te sie, schob sie sanft von mir und begab mich wieder zur Leiter.</p><p>Im n�chsten Stockwerk k�mmerte sich Telima um zwei Verwundete. M�de setzte ich mich auf eine Decke, die auf dem Boden lag, und st�tzte den Kopf in die H�nde.</p><p>Das M�dchen kniete neben mir nieder und sah mich an.</p><p>�Ich rechne damit�, sagte sie nach l�ngerem Schweigen, �da� in ein paar Stunden die Flotte zur�ckkehrt und wir alle gerettet sind.�</p><p>Dabei wu�te sie ebensogut wie ich, da� die Flotte im Sturm viele Pasang nach S�den abgetrieben worden war und erst in zwei oder drei Tagen hier sein konnte.</p><p>�Ja�, sagte ich, �in wenigen Stunden ist die Flotte da, und wir alle sind gerettet.�</p><p>Sie legte mir die Hand auf die Stirn und barg das Gesicht an meiner Schulter.</p><p>�Du darfst nicht weinen�, sagte ich und dr�ckte sie an mich.</p><p>�Ich habe dir so weh getan�, sagte sie.</p><p>�Nein.�</p><p>�Es ist alles so seltsam.�</p><p>�Was ist seltsam?�</p><p>�Da� Samos hier ist.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Weil er vor Jahren mein Herr war.�</p><p>Ich sah sie verbl�fft an.</p><p>�Ich wurde im Alter von sieben Jahren bei einem �berfall zur Sklavin gemacht�, sagte sie, �und Samos kaufte mich auf dem Markt. Jahrelang behandelte er mich mit gro�er F�rsorge. Ich wurde gut behandelt und lernte Dinge, die Sklaven sonst nicht beigebracht werden. Du wei�t ja, da� ich lesen kann.�</p><p>Ich wu�te noch, wie ich mich gewundert hatte, da� sie als einfaches Rencem�dchen so gebildet war.</p><p>�Und ich erfuhr auch viele andere Dinge�, sagte sie. �Als ich lesen konnte, wurde mir sogar das Zweite Wissen er�ffnet.�</p><p>Das sogenannte �Zweite Wissen� war auf Gor im allgemeinen nur den h�chsten Kasten vorbehalten.</p><p>�Obwohl ich nur eine Sklavin war�, fuhr sie fort, �wurde ich mit Liebe gro�gezogen, und Samos war fast wie ein Vater zu mir. Ich durfte mit Schriftgelehrten und S�ngern und Kaufleuten und Reisenden sprechen. Ich schlo� Freundschaften mit anderen M�dchen im Haus, die auch viel Bewegungsfreiheit hatten, wenn auch nicht soviel wie ich. Wir konnten uns in der Stadt frei bewegen, obwohl wir immer von W�chtern begleitet waren, die uns besch�tzen sollten.�</p><p>�Und was geschah dann?�</p><p>Gepre�t sagte sie: �Man hatte mir gesagt, an meinem siebzehnten Geburtstag w�rde eine gro�e Ver�nderung in meinem Leben eintreten.� Sie l�chelte. �Ich rechnete damit, da� ich freigelassen und als Samos� Tochter adoptiert werden w�rde.�</p><p>�Und was geschah?�</p><p>�Bei Tagesanbruch kam der Sklavenmeister zu mir. Ich wurde in den Keller gef�hrt, erhielt einen Sklavenkragen und wurde ausgepeitscht und zu anderen M�dchen in einen Saal gesperrt. Diese M�dchen mi�handelten mich weiter, denn sie wu�ten, welch bevorzugte Stellung ich im Hause gehabt hatte. Tagelang dachte ich, da w�re ein schrecklicher Irrtum passiert. Aber dann wurde ich Samos vorgef�hrt.�</p><p>�Und was sagte er?�</p><p>�Er sagte: �Aus den Augen mit dieser Sklavin!��</p><p>Sie erbebte in meinen Armen.</p><p>�Dann mu�te ich im Haus dienen und erhielt meistens die unw�rdigsten Arbeiten zugeteilt. Ich wurde oft geschlagen und mu�te nachts in einem winzigen K�fig schlafen, in dem ich mich kaum bewegen konnte.� W�tend hob sie den Kopf. �In mir wuchs ein gro�er Ha� auf Port Kar, auf Samos und die M�nner und auf die Sklaven, zu denen ich geh�rte. Schlie�lich lebte ich nur noch f�r meinen Ha� und den Traum, da� ich eines Tages fliehen und meine Rache genie�en w�rde.�</p><p>�Und du bist geflohen!�</p><p>�Ja, als ich das Quartier des Sklavenmeisters saubermachte, fand ich den Schl�ssel zu meinem Kragen.�</p><p>�Er mu� ein sehr unvorsichtiger Mann gewesen sein�, sagte ich.</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Und dicht neben dem Schl�ssel lag ein goldener Armreif. Ich nahm ihn an mich. Vielleicht brauchte ich das Gold, um einen W�chter zu bestechen.� Sie senkte den Kopf. �Aber es war kein Problem, das Haus zu verlassen. Ich sagte, ich h�tte einen Auftrag, und die W�chter lie�en mich durch. Nat�rlich war ich schon �fter in der Stadt unterwegs gewesen. In einem dunklen Winkel entfernte ich den Kragen, damit ich mich freier bewegen konnte und in der Stadt nicht angehalten wurde. Ich fand einige St�mme, Schnur und eine Stange, baute mir ein einfaches Flo� und entkam durch einen der Deltakan�le, die damals noch nicht versperrt waren. So gelang mir die Flucht. Ich war als Kind in den S�mpfen gro� geworden und hatte keine Angst vor einer R�ckkehr dorthin. Die M�nner Ho-Haks fanden mich und nahmen mich in ihre Gemeinschaft auf. Dabei durfte ich sogar den goldenen Armreif behalten.�</p><p>Ich betrachtete nachdenklich die gegen�berliegende Wand. �Ha�t du Samos noch immer?�</p><p>�Ich hatte damit gerechnet�, sagte sie. �Aber nachdem er nun hier ist und uns hilft, hasse ich ihn pl�tzlich nicht mehr. Es ist alles sehr seltsam.�</p><p>Ich war m�de. Ich wollte schlafen. Es freute mich, da� mir Telima einen Abschnitt ihres Lebens geschildert hatte, den ich bisher noch nicht kannte. Ich sp�rte, da� mehr hinter ihrem Bericht steckte, als mir im Augenblick klar wurde, mehr, als sie selbst begriff. Aber ich war zu m�de zum Nachdenken.</p><p>�Du wei�t nat�rlich, da� der Turm bald gest�rmt und wir alle niedergemacht werden? Zumindest die M�nner.�</p><p>�Die Flotte wird kommen�, sagte sie zuversichtlich.</p><p>�Ja � aber wenn sie nun nicht k�me?�</p><p>�Sie kommt.�</p><p>Ich streichelte z�rtlich ihre Wange, lehnte den Kopf an die Wand und schlief auf der Stelle ein.</p><p>�Sie kommen!� br�llte jemand.</p><p>Ich fuhr auf und sprang an die Leiter.</p><p>�Mein Ubar!� rief Telima hinter mir. �Ich habe dir dies mitgebracht.�</p><p>Zu meiner Verbl�ffung reichte sie mir mein altes Schwert, meinen langj�hrigen Kampfgef�hrten, den ich in den letzten Monaten nicht bei mir gehabt hatte.</p><p>Ich betrachtete die Klinge. Dann legte ich das Admiralsschwert ab.</p><p>�Danke�, sagte ich.</p><p>Unsere Lippen ber�hrten sich, dann stieg ich die Sprossen hinauf. Geschrei und hastiges Fu�getrappel waren von oben zu h�ren. An meiner H�fte hing nun das Schwert, das mich nach Port Kar begleitet hatte, das ich schon bei der Belagerung Ars gef�hrt hatte, in Tharna und im Nest der Priesterk�nige, auf den Ebenen der Wagenv�lker und in den Stra�en Ars, als ich dort Cernus, dem Besitzer des Hauses Cernus, diente. Es besa� keinen juwelengeschm�ckten Griff und auch keine ziselierte Klinge, doch als Waffe gen�gte es mir. Telima hatte sie bei meinen Besitzt�mern gefunden und mit in den Turm genommen. Es erschien mir seltsam, da� sie so fest mit meiner R�ckkehr nach Port Kar gerechnet hatte. Ich freute mich, da� ich die vertraute Klinge, die mich an fr�here, sch�nere Zeiten erinnerte, an mein Leben als Tarl Cabot, in diesem Augenblick bei mir hatte.</p><p>Wenn man schon sterben mu�, dann am liebsten mit einer vertrauten Klinge in der Hand, einem alten Kampfgef�hrten.</p><p>Wir verteidigten die Turmspitze.</p><p>Die letzten vier Pfeile meines Langbogens waren verschossen, und vier M�nner, die eine Gefahr f�r uns werden konnten, waren von der Deltamauer unterhalb des Turms gest�rzt. Von dort versuchten die Sch�tzen den Angriff der Belagerer zu decken.</p><p>Wir standen sogar auf den Holzunterst�nden, dicht unter den Tarnnetzen, und k�mpften mit Speeren und Schwertern gegen die Tarnk�mpfer, die von ihren V�geln sprangen und uns von oben angriffen, um uns niederzumachen.</p><p>Wir h�rten Seile mit Haken heransurren, h�rten, wie sich die Metallspitzen im Mauerwerk und in den Maschen des Tarnnetzes verhakten. Wir h�rten, wie Rammb�cke gegen die Mauern donnerten, gro�e Masten, an die kleine Sprossen gebunden waren, an die Au�enw�nde gelehnt wurden. Wir h�rten das Trompetenzeichen, das zum Angriff blies, die hastigen Schritte, das Klettern, das Geklirr der Waffen, das Schlachtgebr�ll der M�nner.</p><p>Kurz darauf erschienen behelmte K�pfe �ber den Bastionen. Augen blitzten in den Y-f�rmigen Schlitzen der Helme, behandschuhte H�nde und gestiefelte F��e kamen in Sicht � zahlreiche K�mpfer st�rmten auf unsere letzte Bastion.</p><p>Ich sprang von dem Unterstand, auf dem ich gestanden hatte, und st�rmte zur Mauer. Ich h�rte Samos� Schwert klirren und die Schreie von M�nnern hinter mir.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah ich Fisch, der an mir vorbeirannte, einen Speer mit beiden H�nden �ber den Kopf erhoben, und h�rte einen langgezogenen Entsetzensschrei, der mit dem h��lichen Aufklatschen eines K�rpers unten auf dem Pflaster des Hofs abri�.</p><p>�Hindert sie am �bersteigen der Bastion!� rief ich meinen Leuten zu.</p><p>Sie eilten zu den Mauern.</p><p>Wir k�mpften verzweifelt mit Gegnern, die die Au�enmauer bereits �berstiegen hatten. Einer der Eindringlinge kletterte sogar schon die Leiter in die unteren Geschosse des Turms hinab. Doch dann schrie er pl�tzlich auf und verschwand aus meinem Blickfeld.</p><p>Im n�chsten Augenblick erschien Telimas Kopf in der �ffnung. Zwischen den Z�hnen hielt sie einen Dolch und schwenkte mit der Rechten mein Admiralsschwert; die Klinge war blutig.</p><p>�Zur�ck!� rief ich ihr zu.</p><p>Da sah ich Luma und Vina hinter ihr auftauchen. Sie hoben Steine auf, liefen zur Au�enwand und schleuderten sie aus allern�chster N�he auf die K�pfe der Angreifer.</p><p>Mit heftiger Bewegung, das Schwert mit beiden H�nden f�hrend, schlug Telima einem Mann den Kopf ab. Doch im n�chsten Augenblick schlug ihr ein anderer Gegner die Klinge aus der Hand. Er hob seine Waffe, um sie zu erschlagen, doch ich war rechtzeitig zur Stelle und streckte ihn nieder, ehe er sein Vorhaben verwirklichen konnte.</p><p>Ich sah einen Mann kreischend r�ckw�rts st�rzen, von einem kopfgro�en Stein getroffen, den Luma geschleudert hatte. Vina hatte sich eines Schildes bem�chtigt, das sie kaum heben konnte, und versuchte damit Fisch zu decken, der in einen heftigen Zweikampf verwickelt war. Er entschied das Duell zu seinen Gunsten und sah sich hastig nach einem neuen Gegner um.</p><p>Ich warf den Mann, den ich get�tet hatte, �ber die Br�stung, der dabei gegen einen anderen K�mpfer prallte. Dieser, an den Belagerungspfahl geklammert, segelte in hohem Bogen mit dem vom Turm abrutschenden Mast in die Tiefe. Neben mir erwehrte sich einer meiner fr�heren Sklaven mit einem abgebrochenen Speerschaft seines Gegners.</p><p>Samos stie� seine Klinge in die Y-f�rmige �ffnung eines Helms, parierte einen Speerhieb und erwiderte den Schwertschlag eines dritten Gegners.</p><p>In diesem Augenblick wurde zum R�ckzug geblasen. Schweratmend, blut�berstr�mt � sahen wir uns um.</p><p>�Der n�chste Angriff�, sagte Samos keuchend, �ist der letzte.�</p><p>Samos war noch am Leben, Fisch und ich und die vier M�dchen und noch insgesamt f�nf M�nner.</p><p>Ich blickte �ber das Delta.</p><p>Von unten schallte L�rm herauf. Offenbar wurden die Krieger neu formiert. Waffen klirrten. Diesmal brauchten wir nicht lange auf den neuen Angriff zu warten.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte ich zu Samos.</p><p>�Auch ich w�nsche dir alles Gute, Krieger�, sagte er und wandte den Kopf. Er schien seltsam verlegen zu sein. Ich fragte mich, was er hatte und weshalb er mich Krieger genannt hatte.</p><p>Ich nahm Telima in die Arme. �Beim n�chsten Angriff bleibst du unten.�</p><p>�Und du ebenfalls�, wandte sich Fisch an Vina.</p><p>�Aber ich finde es unten zu stickig�, bemerkte Telima.</p><p>�Und ich auch�, sagte Luma unter Tr�nen.</p><p>�Also gut, dann werdet ihr eben unten an die Leitern gebunden!�</p><p>�Dazu hast du wohl nun keine Zeit mehr�, sagte Samos mit einem Blick �ber die Br�stung.</p><p>Die Trompeten bliesen wieder zum Angriff. L�rm schallte herauf.</p><p>Mit lautem Geschrei st�rmten Hunderte von M�nnern an den Fu� des Turms. Wieder h�rten wir, wie Belagerungspf�hle angelegt wurden, wieder knirschten Haken in die Mauern. Und auf der Mauer zum Delta hin standen nun ganz offen Armbrustsch�tzen, die wu�ten, da� wir unsere Pfeile verschossen hatten. Sie wollten den Kletternden Deckung geben.</p><p>Wir h�rten, wie die M�nner an der Turmwand h�herkamen, wie ihre Schwerter und Speerspitzen gegen die Mauer schlugen.</p><p>Dr�ben br�llte der Anf�hrer der Armbrustsch�tzen seine Befehle. Die Belagerer kamen unaufhaltsam n�her.</p><p>Pl�tzlich traute ich meinen Augen nicht. Ich sah eine Erscheinung hinter der Mauer, auf der die Armbrustsch�tzen standen � ein seltsames Aufblitzen. Der Anf�hrer der Sch�tzentruppe zuckte zusammen, griff sich an die Brust und st�rzte.</p><p>�Du tust mir weh!� schrie Telima. Ich hatte eine Hand um ihren Arm gekrampft.</p><p>�Bleib unten!� rief Samos.</p><p>Pl�tzlich waren auf der Krone der Mauer zum Delta �ber hundert Enterhaken zu sehen, deren Seile sich strafften, als seien sie belastet worden. Einer der Armbrustsch�tzen blickte in Richtung Sumpf und zuckte zur�ck. Ein Pfeil ragte ihm aus der Stirn, ein Gescho�, das nur von einem Langbogen stammen konnte.</p><p>Dann sahen wir die Armbrustsch�tzen von der Mauer fliehen.</p><p>Doch unsere Belagerer waren schon gef�hrlich nahe.</p><p>Im n�chsten Augenblick schw�rmten Hunderte von M�nnern �ber die Deltamauer.</p><p>�Rencebauern!� rief ich verbl�fft.</p><p>Doch jeder der M�nner trug einen Langbogen �ber der Schulter. Sie nahmen auf der Deltamauer Aufstellung, hoben wie ein Mann ihre Bogen, legten Pfeile auf, und im n�chsten Augenblick erblickte ich Ho-Hak, der mit lautem Aufschrei den Arm senkte, und wie ein Hagelschauer zuckten die federbesetzten Pfeile in Richtung Turm. Und ich sah neben Ho-Hak den Bauern Thurnock mit seinem Bogen und neben ihm, mit Netz und Dreizack, meinen Freund Clitus. Die M�nner auf den Belagerungsleitern schrien auf, Holz scharrte an der Turmwand entlang. K�rper regneten auf die unten wartenden Soldaten. Wieder und wieder bohrten sich Pfeilsalven in die dichtgedr�ngt stehenden Belagerer, die schlie�lich in wilder Panik die Flucht ergriffen. Doch jeder Bogensch�tze verfolgte sein Ziel, und es gab nur wenige, die sich auf der anderen Seite meines Anwesens in Sicherheit bringen konnten. Schon schw�rmten die Rencebauern von der Mauer und sprangen auf andere D�cher, um wirklich jeden Punkt des umschlossenen Gebiets bestreuen zu k�nnen. Meine M�nner und die M�dchen warfen Steine auf die Belagerer, die die Deckung des Turms suchten, bis auch diese Gruppe auseinanderlief. Einen Augenblick sah ich tief unten Lysius� angstverzerrtes Gesicht und neben ihm, ein Stirnband aus Perlen, um den Kopf, den Rencebauern Henrak, der vor langer Zeit seine Gef�hrten an Port Kar verraten hatte. Hinter ihnen, in eine kostbare Robe aus wei�em Fell gekleidet, erblickte ich einen anderen Mann, der sich verzweifelt umsah. Ich kannte ihn nicht.</p><p>�Das ist Claudius!� rief Fisch neben mir. �Claudius!�</p><p>Das also war Claudius, der Regent des Henrius Sevarius, der den Jungen hatte t�ten wollen.</p><p>Fisch ballte die F�uste auf der Brustwehr.</p><p>In Begleitung einiger anderer M�nner flohen die drei Gestalten in mein Haus.</p><p>Auf der gegen�berliegenden Mauer schwenkte Thurnock seinen Langbogen �ber dem Kopf, und Clitus tat es ihm nach. Ich hob die Hand und erwiderte ihren Gru�.</p><p>Auch gr��te ich Ho-Hak, den Rencebauern. Mir entging nicht, wie geschickt seine M�nner ihre Bogen einsetzten. Zweifellos kannten sie die Vorteile einer solchen Waffe von mir und hatten sie nun zu ihrer eigenen gemacht. Ich glaubte nicht, da� die Rencebauern weiterhin dem Willen der Sklavenh�ndler aus Port Kar unterworfen waren.</p><p>�Sieh doch!� rief Samos.</p><p>M�nner flohen von meinem Grundst�ck � ein St�ck weiter unten kamen mit blitzenden Rudern und gesenktem Mast zwei Tarnschiffe durch einen Kanal.</p><p>�Die Venna!� rief ich. �Und die Tela!�</p><p>Den Schild erhoben, einen Speer in der Hand, so stand Tab am Bug der Venna.</p><p>Er mu�te seine beiden Schiffe quer zum Sturm gerudert haben, ohne ein Sturmsegel zu setzen. Er hatte sein Leben riskiert, nur um nicht abgetrieben zu werden. Die �brige Flotte lag bestimmt noch hundert Pasang weiter s�dlich.</p><p>�Ein Seemann, der seiner Stadt wirklich w�rdig ist!� sagte Samos.</p><p>�Liebst du Port Kar so sehr?� fragte ich.</p><p>�Es beherbergt meinen Heimstein�, sagte er schlicht.</p><p>Die beiden Schiffe bogen in das Innenbecken ein, und meine Armbrustsch�tzen feuerten auf die Fliehenden im Hof. K�mpfer warfen ihre Waffen fort und knieten nieder. Der Widerstand war gebrochen.</p><p>Ich dr�ckte Telima an mich, die zugleich lachte und weinte.</p><p>Am Fu� des Turms traten uns kurz darauf Thurnock, Clitus und Ho-Hak entgegen. Wir umarmten uns stumm.</p><p>�Ihr habt euch den Langbogen zu eigen gemacht�, sagte ich zu Ho-Hak.</p><p>�Du hast uns gelehrt, was man damit machen kann, Krieger�, erwiderte Ho-Hak.</p><p>Thurnock und Clitus hatten sich mit ihren M�dchen Thura und Ula an die Rencebauern gewandt und um Hilfe gebeten, und die Rencebauern hatten tats�chlich ihr Leben f�r mich riskiert.</p><p>�Vielen Dank, Ho-Hak�, sagte ich.</p><p>�Du brauchst mir nicht zu danken�, sagte er, �Krieger.�</p><p>�Wir haben drei M�nner im Haus umzingelt�, meldete ein Seemann. Wir hasteten in den gro�en Festsaal, in dem drei M�nner von Armbrustsch�tzen in Schach gehalten wurden. Es waren Lysius, Claudius und Henrak.</p><p>�Sei gegr��t, Tab�, sagte ich und schlug meinem Kapit�n auf die Schulter.</p><p>�Sei gegr��t, Admiral.�</p><p>Als Lysius mich erblickte, st�rzte er vor. Ich erwiderte seinen Angriff sofort, und nach kurzem Schlagwechsel sank er blut�berstr�mt zu Boden.</p><p>�Ich bin reich�, sagte Claudius. �Ich kann f�r meine Freiheit bezahlen.�</p><p>�Der Rat der Kapit�ne von Port Kar�, sagte Samos, �hat mit dir zu sprechen.�</p><p>�Aber ich habe auch etwas mit ihm zu kl�ren�, sagte Fischs Stimme. Der Junge hatte sein Schwert gezogen.</p><p>�Du!� rief Claudius. �Du!�</p><p>Samos starrte den Jungen verwundert an und wandte sich an Claudius. �Der Anblick eines einfachen Sklaven scheint dich seltsam zu ber�hren!�</p><p>In seiner armseligen Sklaventunika stand der Junge vor uns, ein junger Ubar. Er lebte, und er hatte f�r sein Recht und seine Stadt gek�mpft. Er war kein Junge mehr.</p><p>Mit einem Wutschrei, das Schwert erhoben, st�rzte sich Claudius auf den Sklaven, der den Angriff jedoch geschickt parierte.</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich bin kein schlechter Fechter! Und jetzt wollen wir k�mpfen.�</p><p>Claudius warf seinen wei�en Umhang fort und n�herte sich vorsichtig.</p><p>Er war ein ausgezeichneter Schwertk�mpfer, doch Sekunden sp�ter war Fisch blitzschnell vorgesprungen, zur�ckgewichen � und wischte seine Klinge an der wei�en Tunika ab, die am Boden lag. Claudius stand schwankend in der Mitte des gro�en Saals. Er wollte schreien, doch nur ein Schwall Blut drang aus seinem Mund, und dann st�rzte er um und regte sich nicht mehr.</p><p>�Bemerkenswert�, sagte Samos. �Claudius ist tot. Von einem einfachen Sklaven erschlagen.�</p><p>Fisch l�chelte.</p><p>�Und der da�, sagte Ho-Hak und deutete auf Henrak, �ist ein Rencebauer, und mit dem habe ich eine Rechnung zu begleichen!�</p><p>Henrak starrte ihn an, aschgrau im Gesicht.</p><p>�Eechius ist bei dem �berfall auf die Renceinsel get�tet worden�, sagte Ho-Hak. �Er war mein Sohn.�</p><p>�Tu mir nichts!� flehte Henrak. Er wollte sich zur Flucht wenden, doch er kam nicht weit.</p><p>Ho-Hak packte sein Handgelenk, ergriff den Mann und stemmte ihn �ber seinen Kopf. Henrak zappelte und schrie, doch er wurde aus dem Saal getragen.</p><p>Wir folgten dem riesigen Mann aus den S�mpfen, sahen, wie er die schmale Treppe der Mauer zum Delta hinaufstieg und sich auf ihre Brustwehr stellte. Als Silhouette vor dem Himmel stehend, verharrte einen Augenblick, dann schleuderte er die schreiende Gestalt in den Sumpf hinaus.</p><p>Am Fu�e der Mauer warteten die Tharlarion.</p><p>Der Abend war weit fortgeschritten.</p><p>Wir hatten aus den Vorr�ten der Venna und Tela ein reichhaltiges Abendessen serviert bekommen. Dabei bedienten Telima und Vina in der Tunika von K�chensklavinnen. Fisch sa� bei uns am Tisch und wurde ebenfalls bedient.</p><p>Midice kniete neben Tab, ohne mich anzusehen. Der Kapit�n hatte ihr den Arm um die Schultern gelegt.</p><p>�Wie ich sehe�, sagte Ho-Hak zu Telima, �tr�gst du immer noch den goldenen Armreif.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Daran sollte ich dich erkennen�, sagte Ho-Hak, �als du vor vielen Jahren in die S�mpfe kamst.�</p><p>Telima starrte ihn verwirrt an.</p><p>Samos setzte seine Pagaschale ab. �Wie werden sich die Dinge wohl in der Stadt entwickeln?� fragte er Tab.</p><p>Tab senkte nachdenklich den Kopf. �Die Ubars Eteocles und Sullius Maximus sind mit ihren Schiffen und M�nnern geflohen. Die letzte Festung des Henrius Sevarius ist verlassen. Der Ratsbau, obwohl teilweise durch Feuer zerst�rt, steht noch. Die Stadt, so will mir scheinen, ist in Sicherheit. Ich glaube, da� die Flotte in vier oder f�nf Tagen eintrifft.�</p><p>�Dann scheint ja der Heimstein Port Kars nicht mehr gef�hrdet zu sein.� Samos hob seine Pagaschale.</p><p>Wir tranken mit.</p><p>�Wenn es mein Kapit�n gestattet�, sagte Tab. �Es ist sp�t, und ich m�chte mich zur�ckziehen.�</p><p>�Es sei dir gestattet�, sagte ich.</p><p>Er neigte den Kopf und ging. Midice richtete sich auf und begleitete ihn.</p><p>�Es w�re sicher nicht klug�, sagte Ho-Hak, �wenn die Rencebauern zu lange in Port Kar blieben. Wir werden im Schutze der Nacht abziehen.�</p><p>�Dank sei dir und deinem Volk�, sagte ich.</p><p>�Die Renceinseln, die nun vereint sind, stehen dir zur Verf�gung.�</p><p>�Daf�r sei dir gedankt, Ho-Hak�, erwiderte ich.</p><p>�Wir k�nnen nie gutmachen, was du f�r uns getan hast. Du hast viele von uns vor Port Kar gerettet und uns den Gebrauch des Langbogens gelehrt.�</p><p>�Daf�r habt ihr mich mehr als entsch�digt�, erwiderte ich.</p><p>�Dann stehen wir also nicht mehr in des anderen Schuld?�</p><p>�Nein.�</p><p>�So schlie�en wir Freundschaft.�</p><p>Wir reichten uns die H�nde.</p><p>�Du hast viele Freunde in den S�mpfen!�</p><p>�Das ehrt mich�, sagte ich.</p><p>Ho-Hak wandte sich zum Gehen, und ich blickte dem breitschultrigen ehemaligen Galeerensklaven nach. Ich h�rte, wie er drau�en seine M�nner zusammenrief. Sie w�rden zu ihren Rencebooten zur�ckkehren, die unten an der Deltamauer festgemacht waren.</p><p>�Wenn du gestattest, Kapit�n�, sagte Thurnock mit einem Blick auf Thura. �Es ist sp�t.�</p><p>Ich nickte und Thurnock und Clitus verlie�en mit ihren Sklavinnen den gro�en Saal.</p><p>Samos, Telima und ich blieben allein zur�ck.</p><p>�Bald mu� der Morgen grauen�, bemerkte der Sklavenh�ndler.</p><p>�Vielleicht noch eine Ahn bis Sonnenaufgang.�</p><p>�Nehmen wir unsere Umh�nge�, sagte Samos. �Wir wollen auf den Wehrturm steigen.�</p><p>Wir zogen uns warm an und folgten Samos �ber den gepflasterten Hof, um das Hauptgeb�ude herum und in den nun ge�ffneten Turm.</p><p>Von seiner Spitze aus waren Tabs M�nner von der Venna und der Tela zu erkennen, die hier und dort Wache standen. Das gro�e Tor, das zur Stadt f�hrte, war geschlossen. Nacheinander kletterten die Rencebauern �ber die Mauer und stiegen in ihre kleinen Boote, die wir nicht sehen konnten. Ho-Hak folgte als letzter, und wir winkten ihm zum Abschied zu.</p><p>Der endlose Sumpf glitzerte im Licht der drei Monde.</p><p>Telima wandte sich an Samos. �Dann war es also vorgesehen, da� ich aus deinem Haus floh?�</p><p>�Ja�, erwiderte Samos, �und du solltest auch den goldenen Armreif nehmen, so da� Ho-Hak und seine M�nner dich im Sumpf erkennen w�rden.�</p><p>�Sie fanden mich nach wenigen Stunden.�</p><p>�Sie warteten auf dich�, sagte Samos.</p><p>�Ich verstehe das nicht.�</p><p>�Ich kaufte dich, als du noch ein M�dchen warst�, sagte Samos. �Und ich hatte von Anfang an diesen Plan.�</p><p>�Du hast mich wie deine Tochter gro�gezogen�, sagte sie. �Aber als ich siebzehn wurde ��</p><p>�Ja � da wurdest du grausam behandelt und dann durftest du fliehen.�</p><p>�Aber warum?�</p><p>�Samos�, schaltete ich mich ein, �hast du die Nachricht geschickt, die ich vor einigen Monaten im Rat der Kapit�ne erhielt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber damals hast du das abgestritten�, sagte ich.</p><p>�Die Folterkammer schien mir nicht der rechte Ort zu sein, �ber die Belange der Priesterk�nige zu sprechen.�</p><p>�Priesterk�nige?� fragte Telima atemlos.</p><p>Ich l�chelte. �Nein, da hast du wohl recht. Aber als die Nachricht �bergeben wurde, warst du doch gar nicht in der Stadt.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Samos. �Ich hoffte dadurch eine Verbindung zwischen mir und dem Zettel abstreiten zu k�nnen, falls es erforderlich werden sollte.�</p><p>�Du hast nie den Versuch gemacht, dich mit mir in Verbindung zu setzen�, sagte ich.</p><p>�Du warst nicht bereit dazu�, sagte Samos. �Au�erdem brauchte dich Port Kar.�</p><p>�Du dienst also den Priesterk�nigen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und deswegen bist du in meine Festung gekommen � um einen Mann zu sch�tzen, der ihnen fr�her auch gedient hat, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte Samos, �aber auch, weil du viel f�r meine Stadt, f�r Port Kar, getan hast. Nur deiner Initiative ist es zu verdanken, da� sie jetzt einen Heimstein besitzt.�</p><p>�Bedeutet dir das soviel?� fragte ich. Samos war ein Larl von einem Mann, das rief ich mir ins Ged�chtnis. Er war grausam, ein Raubtier mit t�dlichen Jagdinstinkten.</p><p>�Nat�rlich�, sagte er.</p><p>Wir starrten in die Ferne. Zahlreiche kleine Boote verschwanden im Rence der S�mpfe.</p><p>Samos wandte sich wieder an mich. �Du mu�t in den Dienst der Priesterk�nige zur�ckkehren.�</p><p>�Das kann ich nicht�, sagte ich und senkte den Kopf. �Ich w�re ihnen ein unw�rdiger Diener.�</p><p>�Alle M�nner und Frauen, jeder von uns, hat irgendwo in seinem Innern verabscheuungsw�rdige Elemente, grausame und feige Z�ge, keiner ist gefeit gegen b�sartige, gierige und egoistische Anwandlungen, Dinge, die wir vor anderen und in erster Linie vor uns selbst verbergen.�</p><p>Telima und ich sahen ihn an.</p><p>Nicht ohne Z�rtlichkeit legte der Sklavenh�ndler eine Hand auf Telimas Schulter, die andere auf meine.</p><p>�Der Mensch ist ein Chaos aus Grausamkeit und Edelmut, aus Ha� und Liebe, aus Ablehnung und Zuneigung, aus Neid und Bewunderung. Das ist eine alte Wahrheit, die nur von wenigen wirklich begriffen wird.�</p><p>Ich starrte auf den glitzernden Sumpf hin�ber. �Es war also kein Zufall, da� ich in der Marsch abgefangen wurde�, sagte ich.</p><p>�Nein�, l�chelte Samos.</p><p>�Dient auch Ho-Hak den Priesterk�nigen?�</p><p>�Wissentlich nicht�, sagte Samos. �Aber vor vielen Jahren versteckte ich ihn auf seiner Flucht in meinem Hause und verhalf ihm sp�ter zur Freiheit. Er hat mir seither �fter geholfen.�</p><p>�Was hast du ihm gesagt?�</p><p>�Da� ich w��te, ein Mann aus Port Kar w�rde in K�rze die S�mpfe durchqueren.�</p><p>�Sonst nichts?�</p><p>�Nur, da� Telima als K�der benutzt werden sollte, um dich zu fangen.� Er warf dem M�dchen einen Blick zu.</p><p>�Die Rencebauern hassen die B�rger dieser Stadt. Sie h�tten mich t�ten k�nnen.�</p><p>�Das war ein Risiko, das ich eingehen mu�te.�</p><p>�Du bist sehr freigiebig mit dem Leben anderer.�</p><p>�Hier geht es um ganze Welten, Kapit�n.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Hat Priesterk�nig Misk von dem Plan gewu�t?�</p><p>�Nein�, erwiderte Samos, �er h�tte ihn bestimmt nicht gutgehei�en. Denn trotz ihres gro�en Wissens verstehen die Priesterk�nige den Menschen kaum. Ihnen geht es um den Kampf gegen die Anderen.�</p><p>�Wer sind die Anderen?� fragte Telima.</p><p>�Frage jetzt nicht�, sagte Samos abweisend, und das M�dchen erstarrte.</p><p>�Ich werde dir eines Tages davon erz�hlen�, sagte ich.</p><p>�Wir sahen voraus�, fuhr Samos fort, �da� sich deine menschliche Natur durchsetzen w�rde, da� du im Angesicht eines sinnlosen, absurden Todes in den S�mpfen lieber um dein Leben flehen w�rdest.�</p><p>Mir blutete das Herz. �Das habe ich getan.�</p><p>�Du hast der Freiheit des ehrenhaften Todes, wie sich die Krieger ausdr�cken, die unw�rdige Knechtschaft vorgezogen.�</p><p>Tr�nen standen mir in den Augen. Es war nicht nur der scharfe Wind. �Ich habe mein Schwert und meine Stadt entehrt. Ich verriet die Maximen, nach denen ich zuvor gelebt hatte.�</p><p>�Aber du fandest deine Menschlichkeit wieder�, sagte Samos. �Nur in solchen Augenblicken stellt man fest, da� in den eigenen Lebensmaximen nicht die ganze Wahrheit und die ganze Wirklichkeit enthalten ist. Das bricht den Hochmut und die Selbstt�uschung. Es ist ein heilsames Erlebnis.�</p><p>Ich starrte ihn an.</p><p>�Wenn du nicht umkamst, w�rdest du als Sklave weiterleben, das wu�ten wir. So hatten wir seit Jahren in diesem M�dchen Ha�gef�hle geweckt, da� sie sich deiner annehmen und dich das Joch der Sklaverei sp�ren lassen konnte.�</p><p>Telima neigte den Kopf. �Du hast mich gut vorbereitet, Samos�, sagte sie.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Trotzdem kann ich den Priesterk�nigen nicht mehr dienen. Du hast zu gute Arbeit geleistet. Als Mensch bin ich vernichtet. Ich achte mich selbst nicht mehr.�</p><p>Telima legte ihren Arm um meine Schultern.</p><p>�Glaubst du�, wandte sich Samos an Telima, �da� Bosk vernichtet wurde? Da� er sich selbst nicht mehr achten kann?�</p><p>�Nein�, sagte sie. �Mein Ubar wei�, wer er ist.�</p><p>�Ich habe grausame und abscheuliche Dinge getan�, wandte ich ein.</p><p>�Ich ebenso � dazu sind wir alle f�hig�, erwiderte Samos l�chelnd.</p><p>�Nein, eher habe ich den Boden unter den F��en verloren�, fl�sterte Telima. �Ich wurde vernichtet!�</p><p>Samos blickte sie freundlich an. �Du bist ihm sogar nach Port Kar gefolgt.�</p><p>�Ich liebe ihn.�</p><p>�Keiner von euch beiden ist vernichtet. Ihr seid beide ein gesundes Ganzes, und ihr seid � menschlich.�</p><p>�Sehr menschlich�, sagte ich sarkastisch. �Allzu menschlich.�</p><p>�Bei dem Kampf gegen die Anderen kann man nicht menschlich genug sein�, sagte Samos.</p><p>Verwirrt starrte ich ihn an.</p><p>�Ihr beide habt nun neue Seiten eures Selbst kennengelernt, und aus dieser Kenntnis heraus werdet ihr die St�rken und Schw�chen anderer besser verstehen k�nnen. Dabei gab es nur ein Problem�, fuhr Samos fort, �und ihr habt das nicht recht begriffen, auch jetzt noch nicht.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Euer Stolz�, sagte er und l�chelte. �Als ihr die Achtung vor euch selbst verlort und eure Menschlichkeit begreifen lerntet, gabt ihr eure Mythen und Lieder auf, als m��te ein hochstehendes Wesen wie ihr entweder ein Priesterk�nig oder ein Untier sein. Euer Hochmut verlangte nach der Vollkommenheit des Mythos oder nach der Vollkommenheit des denkbar tiefsten Abstiegs. Konntet ihr nicht die H�chsten sein, wolltet ihr prompt am allertiefsten sinken; konntet ihr nicht als die besten gelten, kam nichts anderes als die Position des Schlechtesten in Frage; gab es keinen Mythos, durfte es gar nichts mehr geben.� Samos fuhr leise fort: �Zwischen den Ideenwelten der Dichter und dem Zuschnappen und Schn�ffeln von Tieren existiert sehr viel.�</p><p>�Was?� fragte ich.</p><p>�Der Mensch.�</p><p>Ich blickte �ber die Stadt und sah die Venna und die Tela im Hafenbecken liegen und dahinter das Meerestor und die Kan�le und die zahlreichen D�cher. Es wurde hell. Ein neuer Tag begann.</p><p>�Warum wurde ich nach Port Kar geholt?� fragte ich.</p><p>�Zur Vorbereitung auf deine Aufgabe�, sagte Samos.</p><p>�Welche Aufgabe?�</p><p>�Da du nicht mehr in den Diensten der Priesterk�nige stehen willst�, sagte Samos, �ist es sinnlos, davon zu sprechen.�</p><p>�Welche Aufgabe?� verlangte ich zu wissen.</p><p>�Ein Schiff mu� gebaut werden, das sich von allen anderen unterscheidet.�</p><p>Ich starrte ihn an.</p><p>�Ein Schiff, das �ber das Ende der Welt hinaus segeln kann.�</p><p>Dies war ein Ausdruck aus dem Ersten Wissen von Gor, eine Bezeichnung f�r das Meer, einige hundert Pasang westlich von Cos und Tyros, wo es keinen Schiffsverkehr mehr gibt.</p><p>Samos wu�te nat�rlich ebensogut wie ich, wie beschr�nkt das Erste Wissen war. Ihm war die Kugelgestalt Gors bekannt. Ich wu�te nicht, warum die Menschen nicht in das Meer westlich von Cos und Tyros vorstie�en. Auch Telima, die im Hause Samos� vom Zweiten Wissen erfahren hatte, kannte den Ausdruck �Ende der Welt� als eine metaphorische Bezeichnung f�r unerforschte Gegenden. In gewisser Weise endete die goreanische Welt im Westen aber wirklich dort, so wie sie im Osten mit den Voltai-Bergen abschlo�. Dies waren die Grenzen des bekannten Gor im Osten und im Westen. Im tiefen S�den und Norden gab es nach goreanischer Auffassung nur den kalten Wind und Schnee, der �ber das endlose Eis getrieben wurde.</p><p>�Wer sollte so ein Schiff bauen?� fragte ich.</p><p>�Tersites.�</p><p>�Aber der ist verr�ckt.�</p><p>�Er ist ein Genie!�</p><p>�Ich diene den Priesterk�nigen nicht mehr�, sagte ich.</p><p>�Gut�, sagte Samos und wandte sich zum Gehen. �Dann war eben alles umsonst. Ich w�nsche euch alles Gute�, verabschiedete er sich �ber die Schulter.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, erwiderte ich.</p><p>Obwohl Telima einen eigenen Umhang trug, �ffnete ich meinen Admiralsmantel und umschlo� sie damit. So standen wir auf der Spitze des Wehrturms und schauten �ber die Stadt und sahen zu, wie die D�mmerung �ber die endlose schimmernde Weite des Thassa heraufkroch.</p></section></body><binary id="cover" 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