<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Sklavin auf Gor</book-title><annotation><p/></annotation><date>1975</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="7"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Captive of Gor</book-title><date>1972</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><src-ocr>Romuluz</src-ocr><id>65A86CFF-21CC-4E36-9DEA-0AD15C591F94</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Sklavin auf Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Der folgende Bericht wurde auf Befehl meines Herrn, Bosk aus Port Kar, niedergeschrieben. Mein Name ist Elinor Brinton. Meine Geschichte ist sicherlich nicht so einzigartig oder seltsam, wie sie sich anh�rt. Auf der Erde galt ich als sch�n. Auf dieser Welt bin ich nur ein M�dchen das f�nfzehn Goldst�cke wert ist. Ich wurde erworben, um in den K�chen im Hause des Bosk zu arbeiten. H�ndler beschicken die Handelsrouten zwischen dieser Welt und der Erde. So werden unter anderem auch Frauen auf die M�rkte dieses seltsamen Planeten gebracht. Ist man sch�n und begehrlich, mu� man um sein Schicksal f�rchten.</p><p>Offenbar d�rfen die Menschen hier tun was sie wollen.</p><p>Mein Herr hat mir aufgetragen diese Welt nicht zu detailliert zu beschreiben. Ich kenne den Grund hierf�r nicht, aber ich werde dem Befehl nachkommen. Er hat mir gesagt, ich solle mich haupts�chlich auf das konzentrieren, was mir widerfuhr, ich solle in ersten Linie meine Gedanken und Gef�hle niederlegen. Das gedenke ich zu tun. Selbst wenn es nicht mein Wunsch w�re, m��te ich ihm gehorchen.</p><p>So m�gen denn einige Anmerkungen �ber meine Herkunft und meine Verh�ltnisse gen�gen.</p><p>Ich habe eine teure und gute Erziehung genossen � in verschiedenen Internaten und schlie�lich in einem der vornehmsten Colleges im Nordosten der Vereinigten Staaten. Diese Jahre kommen mir nun seltsam leer vor. Mit dem Lehrstoff hatte ich keine Schwierigkeiten, und selbst wenn unsere Arbeiten einmal schw�cher ausfielen, wurden wir selten schlecht benotet. Immerhin waren unsere Eltern reich und stifteten gro�e Summen f�r die Schulen und Colleges. Auch fiel es mir selten schwer, einen Lehrer zu umgarnen, so da� schon von dieser Seite her die Schwierigkeiten nicht sehr gro� waren. In der Schule war ich sehr beliebt, wenn ich auch keine wirklichen Freundschaften schlo�. Die Ferien pflegte ich in Europa zu verbringen.</p><p>Ich konnte mir gute Kleidung leisten, trug mein Haar geschickt vernachl�ssigt, wu�te Lippenstift, Tuschen und Farben einzusetzen. Wenn ich um Terminverl�ngerung bei einer wichtigen Arbeit bat, gab ich mich unschuldig � mit einem kleinen B�ndchen im Haar, Jeans und Baumwollhemd, und etwas Farbbandfarbe im Gesicht. Einer der Lehrer, der mir noch am Nachmittag so einen Termin verl�ngert hatte, erkannte mich am gleichen Abend nicht wieder, als er bei einer Kammermusikveranstaltung im Lincoln Center zwei Reihen hinter mir sa�. Er blickte mich zwar fragend an und schien mich in der Pause auch ansprechen zu wollen, doch ich wehrte ihn mit einem k�hlen Blick ab. Ich trug Schwarz, das Haar hochgesteckt, Perlenkette und wei�e Handschuhe.</p><p>Ich wei� nicht, wann ich f�r mein Schicksal ausgesucht wurde � vielleicht auf einer Stra�e in New York, auf einem B�rgersteig in London oder in einem Pariser Caf�. Vielleicht geschah es auch, w�hrend ich an der Riviera am Strand lag � oder sogar auf dem Campus meines College. Ich merkte jedenfalls nicht, da� man auf mich aufmerksam wurde, da� man mich im Auge behielt.</p><p>Reich und sch�n, so geno� ich das Leben. Ich wu�te, ich war besser als die meisten Menschen und f�rchtete mich nicht, der Umwelt auf meine Weise zu zeigen, da� dies stimmte. Interessanterweise reagierten die meisten hierauf nicht mit Zorn, sondern schienen beeindruckt und ein wenig erschrocken. Sie nahmen mich so hin, wie ich mich gab, sie versuchten mir zu gefallen. Ich versuchte mich mit ihnen zu am�sieren, gab mich trotzig, unwillig, gelangweilt � und l�chelte dann wieder, um zu Zeigen, da� ich ihnen wieder vergeben hatte. Das wurde stets mit Dankbarkeit aufgenommen. Dabei verachtete ich sie, nutzte sie aus. Sie langweilten mich, ich war reich und sch�n. Sie waren nichts. Mein Vater erwarb sein Verm�gen mit Grundst�cksspekulationen in Chicago. Er lebte ganz f�r das Gesch�ft. Soweit ich mich erinnere, hat er mich nie gek��t. Auch habe ich nie gesehen, da� er f�r meine Mutter eine z�rtliche Geste �brig hatte. Sie entstammte einer reichen Chicagoer Familie mit allerlei Ufergrundbesitz. Ich glaube nicht, da� sich mein Vater sehr f�rs Geld interessierte, das er verdiente, au�er da� er mehr verdienen wollte als die meisten anderen. Er wollte vorankommen, aufsteigen � aber es gab immer Leute, die noch reicher waren als er. Im Grunde war er ein ungl�cklicher, besessener Mann. Ich erinnere mich, wie meine Mutter in unserem Hause Gesellschaften gab, was oft vorkam. Mein Vater erw�hnte mir gegen�ber einmal, sie sei sein wertvollster Besitz. Er meinte dies als Kompliment. Ich wei� noch, da� sie sch�n war. Sie vergiftete einmal einen Pudel, der mir geh�rte, weil er einen ihrer Hausschuhe zerrissen hatte. Ich war damals sieben Jahre alt, weinte dar�ber und ha�te sie daf�r.</p><p>Das Tier hatte mich sehr gemocht. Als ich von der Schule abging, kamen meine Eltern nicht zur Abschlu�feier. Soweit ich mich erinnere, weinte ich damals zum zweitenmal in meinem Leben. Vater hatte eine wichtige gesch�ftliche Verabredung, meine Mutter gab in New York ein Essen. Sie schickte mir allerdings eine Karte und eine teure Uhr, die ich an ein anderes M�dchen weiterverschenkte.</p><p>In jenem Sommer starb mein Vater, noch nicht f�nfzig, an einem Herzschlag. Meines Wissens lebt meine Mutter noch immer in New York, in der Park Avenue. Aus dem Nachla� flossen mir etwa siebenhundertundf�nfzigtausend Dollar zu, haupts�chlich in Aktien und festverzinslichen Wertpapieren, ein Verm�gen, das etwas von der B�rsenentwicklung abhing, jedoch sicher angelegt war. Ob mein Verm�gen an einem bestimmten Stichtag nun eine halbe oder eine dreiviertel Million betrug, interessierte mich nicht besonders. Nach meinem College-Abgang mietete ich mich in einem Penthouse an der Park Avenue ein. Ich brachte keine besonderen Interessen auf. Ich rauchte zuviel, trank auch etwas, doch mit Rauschgift lie� ich mich nicht ein, das hielt ich f�r gef�hrlich.</p><p>Mein Vater hatte zahlreiche Gesch�ftskontakte in New York und meine Mutter einflu�reiche Freunde. Einige Wochen nach meinem Abgang rief ich also meine Mutter an; vielleicht sah sie eine M�glichkeit, mich als Fotomodell unterzubringen. Der Beruf schien mir einen gewissen Pfiff zu haben und mir die Gelegenheit zu bieten, interessante und am�sante Menschen kennenzulernen. Einige Tage sp�ter forderten mich zwei Agenturen auf, mich vorzustellen � wobei es sich, wie erwartet, lediglich um eine Formalit�t handelte.</p><p>Meine Karriere als Fotomodell machte mir viel Spa�, obwohl das Ganze nur einige Wochen dauerte. Mir gefallen sch�ne Kleider, und mir stehen fast alle. Es macht mir Spa�, Posen einzunehmen, obwohl das manchmal auch schmerzhaft und erm�dend sein kann. Die Fotografen und K�nstler sind im allgemeinen intelligent und witzig, wenn auch manchmal etwas kurz angebunden. Sie waren sehr professionell. Mein lukrativster Auftrag sollte an einem Mittwoch beginnen. Ich erhielt am Montagnachmittag Weisung, mich zwei Tage sp�ter im Studio einzufinden, um neue Bademoden vorzuf�hren. Da ich Dienstag nicht arbeiten mu�te, hatte ich meinem Zimmerm�dchen freigegeben, um mal richtig zu faulenzen.</p><p>Am Dienstag schlief ich lange.</p><p>Mich weckte die Sonne, die hell durch die Vorh�nge schien, und ich reckte mich, schwang die Beine �ber die Bettkante und suchte meine Hausschuhe. Dann zog ich einen seidenen Morgenmantel an und ging unter die Dusche.</p><p>Ich geno� das warme Wasser. Es war ein sch�ner Tag, ein fauler Tag. Mit geschlossenen Augen streckte ich mich in der W�rme und begann mich abzuseifen.</p><p>Als meine Finger den linken Schenkel abrieben, fuhr ich pl�tzlich zusammen. Da war etwas Fremdes, etwas, das ich noch nicht ber�hrt hatte. Ich beugte mich vor.</p><p>Und ri� die Augen auf.</p><p>Das war gestern abend noch nicht dort gewesen!</p><p>Auf meinem Schenkel schimmerte ein Zeichen, etwa vier Zentimeter lang, ein anmutig geschwungenes Zeichen, das auf keinen Fall die Folge einer nat�rlichen Wunde sein konnte.</p><p>Ich rang um Atem und st�tzte mich an der Wand ab. Wie bet�ubt wusch ich die Seife fort, verlie� das Badezimmer und stellte mich vor den gro�en Spiegel im Schlafzimmer. Und da begann die Welt um mich zu kreisen, denn auf dem Spiegel, fast drei�ig Zentimeter hoch und mit meinem Lippenstift geschrieben, schimmerte mir das gleiche Zeichen entgegen.</p><p>Ungl�ubig starrte ich darauf und hielt den Atem an. Dann sank ich ohnm�chtig zu Boden.</p><p>Ich war gezeichnet.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Ich wei� nicht, wie lange ich dort vor dem Spiegel lag � nach der Stellung der Sonne zu urteilen, gut eine Stunde. Schlie�lich richtete ich mich auf H�nde und Knie auf und betrachtete mich im Spiegel.</p><p>Ich schrie auf.</p><p>Um meinen Hals zog sich ein schmales, schimmerndes Stahlband. Es war mir w�hrend meiner Bewu�tlosigkeit umgelegt worden.</p><p>Ich nahm mich zusammen und griff mir in den Nacken, um den Verschlu�mechanismus zu l�sen. Doch meine tastenden Finger fanden kein Schlo�. Ich drehte den Reif langsam herum; er lag ziemlich eng an. Im Spiegel untersuchte ich den Stahl. Ein kleines, kompaktes Schlo� mit einem winzigen Schl�sselloch bildete den Verschlu�. Das Band war mir um den Hals geschlossen worden. Buchstaben standen auf dem Stahl, die ich aber nicht entziffern konnte; die Schrift war mir unbekannt.</p><p>Jemand war hier im Zimmer gewesen, um mir das Halsband umzulegen. Ich nahm mich zusammen und sah mich um. Aber es war niemand da. Langsam kroch ich zum Telefon und hob den H�rer ab. Aber die Leitung war tot, die Schnur baumelte herab. Tr�nen stiegen mir in die Augen. Ich hatte einen Zweitapparat in der Wohnung, der sich jedoch auf der anderen Seite der T�r befand. Ich wagte sie nicht zu �ffnen. Auch das Badezimmer erschreckte mich.</p><p>Ich besa� einen kleinen Revolver, den ich noch nie abgefeuert hatte, an den ich nun aber denken mu�te. Ich st�rzte mich auf die Kommode und fuhr mit der Hand unter die BHs und Slips in der Schublade und zog die Waffe heraus. Ungl�ubig starrte ich die Pistole an, ohne zu begreifen, was da geschehen war. Die Waffe war zu einem formlosen Metallklumpen geworden und sah aus wie ein St�ck geschmolzene Schokolade. Ich lie� das Ding fallen, wehrlos, und begann zu sp�ren, da� hier mehr mit mir geschah, als sich nach den Begriffen meiner Welt erkl�ren lie�. Ich hatte entsetzliche Angst.</p><p>Hastig �ffnete ich die Vorh�nge meines gro�en Schlafzimmerfensters. Im Sonnenlicht schimmerte die Stadt mit ihren unz�hligen Fenstern und den gewaltigen W�nden aus Backsteinen, Stahl, Beton und Glas � meine Welt.</p><p>Doch ich trug hier ein Stahlband um den Hals, das ich mir nicht erkl�ren konnte, ein Zeichen am Bein, das mir ebenso r�tselhaft war. Mit einem vorsichtigen Blick ins Wohnzimmer �berzeugte ich mich, da� niemand zu sehen war, und eilte in die K�che. Dort zerrte ich ein spitzes Messer aus der Schublade und sah mich wild um. Aber au�er mir war niemand in der Wohnung. Das Messer gab mir ein gewisses Gef�hl der Sicherheit, und ich begann das Penthouse zu durchsuchen. Alle T�ren waren verschlossen, von Eindringlingen keine Spur, auch nicht auf der gro�en Terrasse.</p><p>Das Herz schlug mir bis zum Hals, aber ich war froh. Ich huschte zur Garderobe, um mich eilig anzuziehen und die Polizei zu holen, als es pl�tzlich an der T�r klopfte.</p><p>Ich fuhr herum, das Messer in der Hand.</p><p>�Aufmachen!� befahl eine Stimme. �Hier ist die Polizei.� Ich wurde fast ohnm�chtig vor Erleichterung, bis mir aufging, da� ich die Polizei ja gar nicht gerufen hatte. Auch hatte unm�glich jemand meinen Schrei h�ren k�nnen � die Stimme konnte also keinem Beamten geh�ren.</p><p>Meine Gedanken wirbelten durcheinander, als das Klopfen wiederholt wurde.</p><p>Ich nahm mich zusammen. �Moment�, rief ich. �Ich ziehe mich gerade an.�</p><p>Das Klopfen h�rte auf. �Gut, aber beeilen Sie sich.�</p><p>Ich rannte ins Schlafzimmer und sah mich gehetzt um. Hastig zerrte ich einige Laken aus dem W�scheschrank und knotete sie fieberhaft zusammen. Dann lief ich auf die Terrasse und blickte �ber die Balustrade. F�nf Meter unter mir war eine kleine Terrasse, eine von Hunderten, die aus der Geb�udefront herausragten; sie geh�rte zur Wohnung unter mir. Dort konnte ich mich bestimmt in Sicherheit bringen. W�re ich nicht so entsetzt gewesen, h�tte ich den Mut sicher nicht aufgebracht.</p><p>Das Klopfen hatte wieder begonnen, und ich sp�rte die Ungeduld, die darunterlag.</p><p>Ich eilte wieder ins Schlafzimmer, um mir schnell etwas �berzuziehen, doch da h�rte ich, wie die Schulter eines Mannes gegen die T�r prallte. Ich wu�te, da� ich das Messer nicht mit nach unten nehmen konnte, denn zum Klettern brauchte ich beide H�nde. Vielleicht h�tte ich es zwischen die Z�hne nehmen sollen. Ich war noch im Schlafzimmer, als die T�r zu splittern begann. Hastig schob ich das Messer unter mein Kopfkissen und lief wieder auf die Terrasse. Ohne nach unten zu blicken, packte ich das Seil aus Laken und schob mich, den Atem anhaltend, �ber die Balustrade. Im gleichen Moment h�rte ich, wie meine T�r nachgab und ein Wutschrei aus meiner Wohnung t�nte.</p><p>Im n�chsten Augenblick ber�hrten meine F��e die Kacheln der n�chsten Terrasse. Ich war in Sicherheit!</p><p>Etwas Weiches, Wei�es glitt �ber meinen Kopf, nahm mir die Sicht. Es wurde mir tief in den Mund geschoben, mir hinten im Nacken verknotet. Ich versuchte zu schreien, brachte aber keinen Laut heraus. �Wir haben sie�, h�rte ich eine Stimme nach oben rufen.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Ich bewegte mich unruhig, sch�ttelte den Kopf. Es war ein schlimmer Traum. Ich hatte den Eindruck, als k�nne ich mich nicht mehr bewegen. �Sie ist wach?� fragte eine Stimme.</p><p>Zwei maskierte M�nner standen am Fu�ende des Bettes. Ich h�rte zwei andere im Wohnzimmer sprechen.</p><p>Ich b�umte mich auf. Doch man hatte mir die Beine und Arme zusammengebunden und mich noch mit einer zus�tzlichen Halsfessel gesichert. Ich sah mich im Spiegel; �ber dem Knebel rollten meine Augen wild hin und her.</p><p>Durch die offene T�r erkannte ich zwei M�nner in Polizeiuniform; ihre Gesichter waren nicht zu erkennen. Die beiden Maskierten sahen mich an.</p><p>Ich versuchte sie anzuflehen, brachte jedoch keinen Laut �ber die Lippen. Einer der M�nner ber�hrte mich, doch der andere stie� einen kurzen Laut aus, und der kleine Mann wandte sich ab. Es hatte sich um ein Wort gehandelt, zweifellos ein verneinendes Wort, aber in einer Sprache, die ich nicht kannte.</p><p>Die M�nner hatten das Penthouse nicht durchsucht. Die teuren Gem�lde und Orientteppiche schienen sie nicht zu interessieren.</p><p>Der Mann, der sich abgewandt hatte und offenbar ein Untergebener war, zog nun eine Art F�llfederhalter aus der Tasche. Er schraubte ihn auf, und ich fuhr zusammen. Es handelte sich um eine Injektionsnadel. Heftig sch�ttelte ich den Kopf. NEIN!</p><p>Er injizierte mir ein Mittel in den R�cken, zwischen Taille und H�ftknochen. Es tat weh, doch ansonsten schien die Spritze keine Wirkung zu haben.</p><p>Der gr��ere der beiden M�nner blickte auf die Uhr. Diesmal wandte er sich in Englisch an seinen Partner, mit einem Akzent, den ich nicht zu lokalisieren vermochte.</p><p>�Wir kommen nach Mitternacht wieder�, sagte er. �Dann geht es einfacher. Wir k�nnen Punkt P bei geringem Verkehr in f�nf Stunden erreichen. Und ich habe heute abend noch anderes zu erledigen.� �Gut�, sagte der kleinere Mann. �Wir sind dann bereit.� Seine Summe wies nicht den geringsten Akzent auf, und ich bezweifele nicht, da� Englisch seine Muttersprache war. Vielleicht verstand er die Sprache des anderen nicht sehr gut. Als ihm dieser den knappen Befehl gab, hatte er allerdings prompt gehorcht. Ich vermutete, da� er vor dem Gro�en Angst hatte.</p><p>Es schien dunkler im Zimmer zu werden.</p><p>Der gro�e Mann trat neben mich und f�hlte mir den Puls.</p><p>Es schien dunkler und w�rmer im Raum zu werden. Ich versuchte die Augen offenzubehalten.</p><p>Der gro�e Mann verlie� das Zimmer. Sein Begleiter strich um mein Bett. Er trat an den Nachttisch, nahm eine meiner Zigaretten und z�ndete sie an. Dann senkte sich seine Hand herab und betastete mich zwischen den Beinen. Ich brachte keinen Laut heraus, denn ich war im Begriff, das Bewu�tsein zu verlieren. Er blies mir Rauch in die Augen, beugte sich �ber mich und starrte mich geil durch die Augenl�cher seiner Maske an. Ich wehrte mich schwach in meinen Fesseln.</p><p>Da h�rte ich die Stimme des gro�en Mannes, ganz leise. Hastig entfernte sich der kleine Mann. Ersch�pft drehte ich den Kopf. Ich sah, wie die beiden Uniformierten das Penthouse verlie�en, gefolgt von dem kleinen Mann, der, als er �ber die Schwelle trat, seine Maske abnahm. Aber ich sah sein Gesicht nicht.</p><p>Der gro�e Mann blickte mich an. �Wir kommen nach Mitternacht zur�ck�, sagte er und nickte, als wollte er mich beruhigen. Ich versuchte etwas zu sagen, versuchte mich gegen den Knebel und die Droge zu wehren.</p><p>�Du m�chtest sicher gern wissen, was mit dir passiert?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Neugier ist nichts f�r eine Kajira�, bemerkte er grinsend und verlie� das Zimmer.</p><p>Ich zerrte an meinen Fesseln und verlor das Bewu�tsein.</p><p>Als ich erwachte, war ich noch immer gefesselt.</p><p>Es war dunkel. Ich h�rte den L�rm des n�chtlichen Stadtverkehrs durch die offene Terrassent�r. Durch die Vorh�nge sah ich Zehntausende von erleuchteten Fensterrechtecken. Das Bett war klamm von Schwei�. Ich hatte keine Ahnung, wie sp�t es sein mochte. Ich wu�te nur, da� es Nacht war. Ich w�lzte mich herum, um auf meine Nachttischuhr zu schauen, doch das Zifferblatt war zur Seite gedreht worden. Ich k�mpfte gegen meine Fesseln. Ich mu�te mich befreien! Aber nach einigen Minuten hatte sich nichts ver�ndert. Es war sinnlos. Dann brach mir von neuem der Schwei� aus. Das Messer!</p><p>Ich hatte die Klinge unter dem Kopfkissen versteckt, ehe die M�nner in mein Penthouse eindrangen!</p><p>Ich rollte mich auf die Seite und wurde fast ohnm�chtig vor Erleichterung. Das Messer lag noch dort! Auf dem Laken bem�hte ich mich nun, das Messer auf meine gefesselten H�nde zuzuschieben. Es war eine schmerzhafte Aufgabe, zentimeterweise rutschte die Waffe abw�rts. Einmal fiel sie zu Boden, und ich stie� einen inneren Verzweiflungsschrei aus. Fast erstickt von der Schlinge um meinen Hals, lie� ich mich halb aus dem Bett gleiten und tastete mit den F��en nach dem Messer. Mit den gefesselten Kn�cheln war es keine leichte Aufgabe, das Messer anzuheben, das ich nach mehreren Anl�ufen schlie�lich m�hsam ans Fu�ende des Bettes praktizierte. Mit Fu�- und K�rperbewegungen schob ich die Klinge unter mir hoch, bis ich sie in den gefesselten H�nden hielt. Aber so vermochte ich die Fesseln nicht zu erreichen. Ich hielt das Messer zwar umfa�t, konnte es aber nicht einsetzen! Innerlich vor Freude aufschreiend, stemmte ich die Spitze schlie�lich ins Bett, st�tzte den Griff mit dem K�rper ab und begann die Fesseln an der Klinge entlangzuf�hren, hin und her. Viermal glitt das Messer ab, doch jedesmal stellte ich es wieder auf und machte mich erneut an die Arbeit. Dann waren meine Handgelenke frei. Ich packte das Messer und durchschnitt damit die Fesseln um die Fu�gelenke und die Schlinge, die sich um meinen Hals zog. Dann sprang ich vom Bett und lief zur Uhr. Es war bereits halb eins!</p><p>Hastig befreite ich mich von dem Knebel und eilte zum Schrank. Mit fliegenden Bewegungen zog ich eine braune Hose und eine schwarze Bluse an, die dicht unter dem Busen abschlo�. Sandalen vervollst�ndigten meine Garderobe. Es war siebenunddrei�ig Minuten nach Mitternacht, als ich fertig war.</p><p>In einen kleinen Koffer stopfte ich die wichtigsten Sachen, nahm eine Handtasche und brachte sie und den Koffer ins Wohnzimmer. Dort schwenkte ich ein kleines �lgem�lde von der Wand und machte mich an meinem Wandsafe zu schaffen, in dem ich normalerweise etwa f�nfzehntausend Dollar und einige Juwelen aufbewahrte. Hastig stopfte ich Geld und Schmuck in die Handtasche.</p><p>Auf der Wanduhr war es vierzig Minuten nach Mitternacht. Ich hatte Angst, durch die zersplitterte T�r zu gehen. Im letzten Augenblick dachte ich an das Messer, eilte ins Wohnzimmer, nahm die Waffe an mich und stopfte sie ebenfalls in die Handtasche. Dann schlug ich den Kragen meiner schwarzen Bluse hoch, um das Stahlband zu verdecken, und eilte mit meinem Gep�ck den Flur, von wo mich ein Privatfahrstuhl ins oberste Gescho�: des Wolkenkratzers brachte, wo sich vier regul�re Lifts befanden; Zwei waren bereits auf dem Weg nach oben, der eine im siebenten und der andere im neunten Stockwerk.</p><p>Ich machte kehrt und lief zum Treppenhaus. Doch hier stockt ich. Hohl hallten die Schritte von M�nnern aus der Tiefe herauf, und ich eilte zu den Fahrst�hlen zur�ck.</p><p>Einer stoppte in meinem Stockwerk, und ich pre�te mich mit dem R�cken an die Wand. Ein Mann und eine Frau stiegen aus.</p><p>Schweratmend st�rzte ich an den beiden vorbei.</p><p>Als sich die T�r meines Fahrstuhls hinter mir schlo�, h�rte ich wie sich der benachbarte Lift �ffnete, und ich sah die R�cken von zwei M�nnern in Polizeiuniformen.</p><p>Langsam, sehr langsam, sank der Fahrstuhl in die Tiefe. Viermal stoppten wir � drei Paare und ein einzelner Mann kamen in die Kabine. Als wir endlich das Erdgescho� erreichten, hastete ich in die Vorhalle. Mehrere Personen sa�en dort, lasen oder warteten. Einige musterten mich desinteressiert. Der Mann mit der Zeitung � geh�rte er zu ihnen ? Aber er senkte den Blick wieder. Ich mu�te in die Garage � aber ich wollte au�en herum gehen.</p><p>Der Portier hob die Hand an die M�tze, und ich l�chelte. Drau�en wurde mir zum erstenmal bewu�t, wie warm es wirklich war. Unbewu�t ber�hrte ich den Stahlkragen, der sich eng um meinen Hals legte. Sah man mir an, was mit mir geschah?</p><p>Ich betrat die Garage des Geb�udes, kramte die Schl�ssel hervor und reichte sie dem Garagenw�rter. �Stimmt etwas nicht, Mi� Brinton?� fragte er.</p><p>�Nein, nein�, sagte ich. �Und bitte beeilen Sie sich.�</p><p>Ich wartete � jahrelang, wie mir schien. Ich begann meine Herzschl�ge zu z�hlen.</p><p>Dann wurde der Wagen vorgefahren � perfekt surrend, ein Spezial-Maserati, und der Garagenw�rter stieg aus. Ich schob ihm einen Geldschein in die Hand.</p><p>Er bedankte sich und hielt mir die T�r auf. �Alles in Ordnung?� fragte er noch einmal.</p><p>Er kam mir zu nahe. �Ja, ja!� sagte ich, warf den Gang ein; und raste davon.</p><p>Der Fahrtwind erfrischte mich in der hei�en Nacht. Ich hatte es geschafft! Ich war geflohen!</p><p>Ich kam an einem Polizisten vorbei und h�tte fast angehalten, um ihn um Schutz zu bitten. Aber er h�tte mich vielleicht zu lange aufgehalten. Dabei mu�te ich fort aus der Stadt, in der sie waren. Sie warteten vielleicht auf mich. Ich kannte sie nicht. Ich wu�te nicht einmal, was sie wollten. Sie konnten �berall sein.</p><p>Aber die Luft belebte mich. Ich hatte bald die Stadt �ber die George-Washington-Br�cke verlassen und fuhr auf der schnellen Autobahn nach Norden. Minuten sp�ter war ich in Connecticut, inzwischen war es ein Uhr sechsundvierzig.</p><p>Ich begann zu singen. Endlich war ich wieder Elinor Brinton. Gleich darauf fiel mir ein, da� ich mich lieber abseits der belebten Schnellstra�en halten sollte. Ich verlie� die Autobahn um 2.07 Uhr; dabei folgte mir ein anderer Wagen. Ich dachte mir zun�chst nichts dabei, doch als das Fahrzeug vier Abzweigungen sp�ter immer noch hinter mir war, bekam ich es mit der Angst und drehte auf. Doch der Verfolger hielt Schritt.</p><p>Ich verlor fast die Nerven. Aber schlie�lich nahm ich mich zusammen. Nein, Elinor Brinton wollte sich nicht so leicht ergeben! Wenn man sie jagen wollte, bitte sehr! Wer immer es auf sie abgesehen hatte, sollte sich an der geschickten Elinor Brinton die Z�hne ausbei�en! �ber f�nfundvierzig Minuten lang raste ich dahin, vergr��erte ab und zu meinen Vorsprung, verlor ihn wieder. Auf einer kiesbestreuten Nebenstra�e holten meine Verfolger bis auf vierzig Meter auf, doch ich zog ihnen Meter um Meter wieder davon.</p><p>Die Jagd machte mir beinahe Spa� � ich w�rde ihnen entwischen. Als ich schlie�lich auf einer gewundenen Strecke �ber zweihundert Meter vor dem anderen Wagen war, schaltete ich die Beleuchtung aus und steuerte den Maserati von der Stra�e zwischen einige B�ume. Es gab hier viele Abzweigungen und Kurven; sie w�rden annehmen, ich w�re ihnen entwischt.</p><p>Mit klopfendem Herzen sa� ich in meinem Maserati. Wenige Sekunden sp�ter raste der Verfolger vorbei.</p><p>Ich wartete etwa drei�ig Sekunden lang und fuhr dann zur Stra�e zur�ck. Dort setzte ich meinen Weg mit abgeschalteten Lichtern fort. Als ich eine belebtere Schnellstra�e erreichte, schaltete ich die Scheinwerfer wieder ein.</p><p>Ich hatte sie �berlistet!</p><p>Ich behielt die n�rdliche Richtung bei. Wahrscheinlich nahmen sie an, ich h�tte mich zur�ckgeschlichen und f�hre nun nach S�den. Sie glaubten bestimmt nicht, da� ich meine Reise in der urspr�nglichen Richtung fortsetzen w�rde. Sie meinten bestimmt; f�r so etwas w�re ich zu intelligent. Aber ich war intelligenter als sie!</p><p>Es war kurz nach vier Uhr. Ich fuhr bei einem kleinen Motel vor, das ziemlich abseits von der Stra�e lag, wo es kaum zu sehen war. Niemand w�rde annehmen, da� ich um diese Zeit irgendwo anhielt. Ich a� in einem kleinen Schnellrestaurant nah der Stra�e, mietete mir einen Bungalow, verschlo� die T�r hinter mir und stellte mich unter die Dusche.</p><p>Dabei betrachtete ich noch einmal das Mal an meinem Bein. Es regte mich irgendwie auf, zeichnete es mich doch auf unerkl�rliche Weise. W�tend betastete ich das Stahlband, das meinen Hals umschlo�. Was war das f�r eine Schrift? Noch nie hatte ich derart fremde Buchstaben gesehen. Morgen w�rde ich das Ding entfernen lassen.</p><p>Ich trat unter die Dusche und begann zu singen.</p><p>Mit einem Handtuch um den Kopf, erfrischt, wenn auch m�de, kehrte ich schlie�lich ins Apartment zur�ck und schlug mein Bett auf. Ich war in Sicherheit.</p><p>Es war Viertel vor f�nf.</p><p>Da sah ich es. Am Spiegel an der Wand des Zimmers. Vor dem Spiegel lag mein ge�ffneter Lippenstift, und auf dem Glas schimmerte wieder das Zeichen, anmutig geschwungen, das auch mein Bein zierte. Ich griff nach dem Telefon. Die Leitung war tot.</p><p>Die T�r zum Bungalow war unverriegelt. Aber ich hatte sie verschlossen! Jemand mu�te das Schlo� ge�ffnet und den Riegel zur�ckgezogen haben. Ich eilte zur T�r, sicherte sie erneut, dr�ckte mich dagegen und begann zu schluchzen.</p><p>Hysterisch eilte ich zu meinen Sachen und begann mich anzuziehen. Vielleicht blieb mir genug Zeit. Vielleicht waren sie fort. Vielleicht warteten sie drau�en. Ich wu�te es nicht.</p><p>Ich fummelte in der Handtasche nach den Wagenschl�sseln und hastete zur T�r.</p><p>Im letzten Augenblick z�gerte ich. Vielleicht lagen sie vor dem Haus auf der Lauer.</p><p>Vorsichtig wich ich zur�ck, schaltete das Licht aus und zog die Gardine des r�ckw�rtigen Bungalowfensters auf. Niemand war zu sehen. Vielleicht waren sie tats�chlich fort und rechneten damit, da� ich das Zeichen auf dem Spiegel erst morgen fr�h entdeckte. Ich kroch aus dem Fenster. Den kleinen Koffer lie� ich zur�ck. Wichtiger war die Handtasche, die ich bei mir hatte. Sie enthielt f�nfzehntausend Dollar und meine Juwelen. Und vor allen Dingen � die Wagenschl�ssel. Leise stieg ich in das Fahrzeug. Ich mu�te die Z�ndung bet�tigen und den Gang einlegen und beschleunigen, ehe mich jemand aufhalten konnte. Die Maschine war noch warm.</p><p>Schnaubend sprang der Maserati an, schleuderte Steine und Staub unter den Hinterr�dern hervor, fegte um die Bungalow-Ecke. An der Einfahrt zur Schnellstra�e trat ich voll auf die Bremse, glitt seitlich auf den Asphalt und raste dann mit protestierenden Pneus los. Ich hatte nichts gesehen, niemand schien mich zu verfolgen. Ich vermochte nicht zu glauben, da� ich in Sicherheit war. Aber niemand war mir auf den Fersen.</p><p>Mit einer Hand schlo� ich die Kn�pfe meiner schwarzen Bluse, zog mir die Armbanduhr �ber. Es war vier Uhr einundf�nfzig. Es war noch immer dunkel, aber wir hatten August; der Tag konnte nicht mehr fern sein. Abrupt, einem Impuls folgend, bog ich in eine kleine Nebenstra�e ein � in einen von vielen Wegen, die hier von der Schnellstra�e abzweigten. Niemand konnte wissen, welchen Weg ich genommen hatte, und ich begann wieder freier zu atmen. Ich nahm meinen Fu� vom Gaspedal. Ich blickte in den R�ckspiegel und drehte mich auch um. Es schien sich nicht um einen Wagen zu handeln, aber da war etwas auf der Stra�e hinter mir � irgend etwas.</p><p>Im ersten Augenblick vermochte ich nicht zu schlucken. Mein Mund f�hlte sich zu trocken an.</p><p>Das Gebilde war mehrere hundert Meter hinter mir und bewegte sich ziemlich langsam. Es schien nur einen Scheinwerfer zu haben, der zudem noch die Stra�e unter dem Gef�hrt erleuchtete. Als es n�herkam, schrie ich auf. Das Ding r�ckte lautlos heran, kein Motorenger�usch war zu h�ren. Es war rund, schwarz und kreisf�rmig, vielleicht zwei Meter im Durchmesser, etwa anderthalb Meter hoch. Es schwebte �ber der Stra�e. Ich schaltete die Beleuchtung des Maserati aus und fuhr von der Stra�e, hielt auf eine Baumgruppe zu.</p><p>Das seltsame Objekt erreichte die Stelle, an der ich abgebogen war, und folgte mir in aller Ruhe. In seinem Schein sah ich meine Reifenspur im Gras.</p><p>In diesem Augenblick fuhr ich gegen einen gro�en Stein, und der Motor streikte. Verzweifelt versuchte ich ihn wieder zu starten, doch die Z�ndung wimmerte nur. Pl�tzlich war ich in gelbes Licht getaucht und schrie auf. Ich st�rzte aus dem Wagen und ergriff die Flucht. Das Licht bewegte sich hin und her, fing mich jedoch nicht wieder ein. Zwischen den B�umen angekommen, blickte ich zur�ck. Das Ding schwebte �ber dem Maserati, der pl�tzlich in bl�uliche Schein erbebte und � verschwand! Ich hob die Hand vor der Mund.</p><p>Nun bewegte sich das seltsame Objekt wieder in meine Richtung. Ich umklammerte meine Handtasche, nach der ich instinktiv gegriffen hatte. Sie enthielt mein Geld, meine Juwelen, das K�chenmesser. Wieder floh ich durch die Dunkelheit, wobei ich eine Sandalen verlor. Ich verletzte mir die F��e, �ste peitschten mir ins Gesicht, meine Bluse wurde zerfetzt. Ich floh vor dem Licht, das mich nicht einzuholen schien. Von Zeit zu Zeit schier es mir ganz nahe zu sein, doch dann glitt es vorbei, und ich schlug einen Haken und war ihm wieder entkommen. Meine Rechte umklammerte die Handtasche, w�hrend ich mir mit der Linken einen Weg durchs Unterholz bahnte. Schlie�lich konnte ich nicht mehr und brach schweratmend am Fu� eines Baumes zusammen. Jeder Muskel meines K�rpers protestierte. Meine Beine zitterten. Das Herz schlug mir bis zum Hals.</p><p>Das Licht drehte sich wieder in meine Richtung. Ich rappelte mich auf und st�rzte in wilder Flucht davon.</p><p>Dann sah ich Lichter zwischen den B�umen, auf einer Art Lichtung. Ich eilte darauf zu, brach mir blindlings zwischen den B�umen durchs Unterholz Bahn.</p><p>�Guten Morgen, Mi� Brinton�, sagte eine Stimme. Im gleicher Moment packten mich H�nde von hinten.</p><p>Ich versuchte mich zu wehren, doch die �bermacht war zu gro�. �Hier ist Punkt P�, sagte der Mann, dessen Stimme ich nur wiedererkannte. Es war die Stimme des gr��eren Mannes, der am Nachmittag bei mir im Penthouse gewesen war. Er trug seine Maske nicht mehr. Er war dunkelhaarig und gutaussehend. �Du hast uns viel �rger gemacht�, sagte er �rgerlich und wandte sie an einen anderen. �Bringt Mi� Brintons Fesseln.�</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Hinter mir sank das dunkle Scheibengebilde ins Gras. Zugleich �ffnete sich eine Luke oben, an dem Gef�hrt, und ein Mann stieg aus. Er trug Sandalen und eine schwarze Tunika. Die anderen M�nner, die ich auf der Lichtung ausmachte, waren konventionell bekleidet.</p><p>In der Mitte der Lichtung lag ein gro�es dunkles Gebilde, in seinen Umrissen der kleinen Maschine �hnlich, aber viel gr��er, etwa zwanzig Meter Durchmesser und vielleicht zweieinhalb Meter hoch. Es ruhte im Gras und bestand aus dunklem Metall. Es hatte mehrere Fenster und Luken. Eine gro�e Seitent�r stand offen und eine Rampe f�hrte zum Boden. �Wer sind Sie? Was soll das?� fl�sterte ich. Ich sah nun, da� auf der anderen Seite der Lichtung ein Lastwagen stand. Kisten verschiedener Gr��e wurden abgeladen und in das Schiff getragen. �Hat dir der Kragen gefallen?� fragte der Mann freundlich. Unwillk�rlich fuhr ich mit der Hand an den Hals. Er trat hinter mich, und ich sp�rte, wie ein kleiner Schl�ssel in das winzige Schlo� eingef�hrt wurde. Der Kragen sprang auf.</p><p>�Du wirst sicher bald einen anderen tragen�, sagte er und musterte mich absch�tzig.</p><p>�Lassen Sie mich frei�, fl�sterte ich. �Ich habe Geld und Schmuck.� Aber er reichte die Scheine und den Schmuck geringsch�tzig an einen anderen Mann weiter. Er wollte sie nicht.</p><p>Die M�nner luden nun gr��ere Kisten aus dem Lkw, die sie in der N�he der offenen Hauptluke des Schiffs abstellten.</p><p>Der gro�e Mann umfa�te mein linkes Handgelenk und zog mir die Armbanduhr ab. �Die brauchst du nicht mehr�, sagte er. Es war f�nf Uhr zweiundvierzig.</p><p>Entsetzt sah ich, da� die gro�en Kisten bewu�tlose M�dchen enthielten, die geknebelt und gefesselt waren. Die M�nner entfernten die Knebel und die Fesseln und trugen die M�dchen ins Schiff. Ich schrie auf und wandte mich zur Flucht. Ein Mann griff nach mir. Ich zerrte das Messer aus der Handtasche und hieb wild nach ihm. Er schrie vor Schmerz auf und hielt sich den Arm. Ich stolperte und lief los. Doch schon war ich von allen Seiten umringt. Ich hob drohend das Messer. Im n�chsten Augenblick schien meine ganze Hand taub zu werden. Die Klinge glitt mir aus den Fingern. Langsam sank mein Arm herab, pulsierend vor Schmerz. Ich vermochte die Hand nicht mehr zu bewegen und schrie vor Schmerz. Ein Mann hob das Messer auf. Ein anderer packte mich brutal am Arm und zerrte mich wieder vor den gro�en Mann.</p><p>Dieser steckte ein kleines Ger�t, das einer kleinen Lampe �hnelte, in seine Jackentasche. Ihr Strahl war allerdings unsichtbar gewesen. �Der Schmerz h�lt nicht lange an�, sagte er.</p><p>�Bitte!� flehte ich.</p><p>Der Kerl, den ich mit dem Messer verletzt hatte, stand grinsend hinter ihm und hielt sich den Arm.</p><p>�La� dir den Arm verbinden�, sagte der Gro�e zu ihm.</p><p>Einer der M�nner aus dem dunklen scheiben�hnlichen Gebilde n�herte sich: �Wir haben nicht mehr viel Zeit�, sagte er schweratmend. Der gro�e Mann nickte. Aber er schien nicht beunruhigt zu sein. �Steh auf!� sagte er zu mir.</p><p>Ich versuchte zu gehorchen. Mein Arm f�hlte sich wie gel�hmt an. Er ber�hrte eine blutende Stelle an meinem Bauch, wo mich ein Ast getroffen hatte.</p><p>�Du mu�t dich mehr in acht nehmen�, sagte er. �Du h�ttest dich entstellen k�nnen. Das w�re schade um dich.�</p><p>�La� mich frei!� flehte ich ihn an. �Bitte, bitte!�</p><p>�Interessiert es dich zu wissen, wie wir dir gefolgt sind?� fragte er und nahm meine Handtasche.</p><p>Ich nickte wortlos, und er zog meine Puderdose hervor. L�chelnd drehte er sie um und schraubte das Bodenst�ck ab. Darin befand sich ein winziger Zylinder. �Ein kleiner Sender, der auf eine Entfernung von �ber hundert Meilen zu empfangen ist. Eine zweite Vorrichtung befand sich in deinem Auto.�</p><p>Ich begann zu schluchzen.</p><p>�In sechs Ehn wird es hell�, sagte der dunkelh�utige Mann in der Tunika dr�ngend. �Wir m�ssen starten.�</p><p>Der gro�e Mann sah sich um und nickte. Eine Luke in der Flanke des gro�en Schiffs �ffnete sich, und die kleine Scheibe hob vom Boden ab und verschwand in der �ffnung. Ich sah M�nner in schwarzen Tuniken, die das kleine Schiff festzurrten. Inzwischen waren die leeren Kisten wieder auf den Lkw geladen worden.</p><p>Da und dort bewegten sich M�nner auf der Lichtung und lasen Gegenst�nde auf, die ebenfalls zum Lkw gebracht wurden.</p><p>Ich konnte jetzt wieder den Arm bewegen und auch die Finger meiner Hand.</p><p>�Aber das kleine Schiff hat mich doch gar nicht gefunden�, fragte ich. �Du meinst, es war ein Zufall, da� du auf unser Lager gesto�en bist?� fragte der gro�e Mann l�chelnd. �Nein, keineswegs. Du bist immer vor dem kleinen Schiff davongelaufen � es hat dich hierhergetrieben.� Ich begann zu schluchzen.</p><p>Er wandte sich an einen Untergebenen. �Bringt Mi� Brintons Fu�reif.� Der Mann reichte ihm einen Ring aus Stahl, der an einem Scharnier ge�ffnet war.</p><p>�Pa� auf�, sagte der gro�e Mann und deutete auf das gro�e Schiff, dessen Oberfl�che pl�tzlich zu flackern begann und eine graublaue, von wei�en Schlieren durchzogene Farbe annahm.</p><p>�Ein lichttechnisches Tarnverfahren�, sagte der Gro�e. �Primitiv, aber wirksam. Unsere Radarkontrolleinrichtung im Schiff ist komplizierter. Aber die Lichttarn-Technik hat dazu gef�hrt, da� unser Schiff kaum noch gesichtet wird. Abgesehen davon benutzen wir das gro�e Schiff sowieso nur zu An- und Abfl�gen. Das kleinere Vehikel wird auf der Erde �fter eingesetzt, aber gew�hnlich nur nachts und in bestimmten Gegenden. Aber es hat ebenfalls eine Lichttarn-Einrichtung.�</p><p>Ich verstand kaum etwas von seinen Worten. �Schlaft nicht ein!� dr�ngte der fremdl�ndisch aussehende Mann in der schwarzen Tunika. �Wer sind Sie? Was wollen Sie?� fragte ich. �Neugier�, sagte er herablassend, �steht einer Kajira nicht zu.� Ich starrte ihn verst�ndnislos an.</p><p>�Bitte�, sagte er barsch in seinem harten Akzent und deutete auf das Schiff.</p><p>Langsam drehte ich mich um und ging ihm voran auf die Luke zu. Ich schritt langsam die Rampe hinauf und drehte mich um. Er war unten im Gras stehengeblieben.</p><p>In diesem Augenblick stieg die Sonne �ber den Horizont meiner Welt. Im Osten begann der Tag. Es war � ob Sie�s glauben oder nicht � der erste Sonnenaufgang, den ich erlebte. �Leb wohl, Kajira�, sagte der Mann. Ich hob den Arm. Die Stahlrampe fuhr vor mir in die H�he, zwang mich zum Zur�ckweichen. Eine Schleusent�r glitt zu. Schluchzend h�mmerte ich mit den F�usten dagegen.</p><p>Starke H�nde packten mich von hinten. Einer der M�nner in schwarzer Tunika zerrte mich durch einen kahlen Metallgang, bis wir einen gekr�mmten Raum erreichten, in dem sich mehrere gro�e durchsichtige Zylinder befanden, die aus dickem Plastikmaterial sein mochten. In diesen Zylindern befanden sich die bewu�tlosen M�dchen, die ich drau�en gesehen hatte.</p><p>Eine R�hre war leer.</p><p>Ich wehrte mich heftig, doch zwei M�nner zwangen mich in das enge Gef�ngnis. Die R�hre wurde verschlossen. Ich pre�te mich an die Wand des Zylinders, schlug verzweifelt um mich. Das Atmen fiel mir schwer. Einer der M�nner befestigte einen Schlauch an einer winzigen �ffnung �ber meinem Kopf.</p><p>Sauerstoff str�mte in die R�hre. Am Fu�ende saugte ein zweiter Schlauch die verbrauchte Luft ab. Ich konnte atmen.</p><p>Dann schienen sich die beiden M�nner gegen etwas zu wappnen, indem sie sich an Griffen festhielten. Mir war pl�tzlich, als bef�nde ich mich in einem Fahrstuhl. Mein K�rper wurde gegen die R�hre gedr�ckt, und ich hatte das Gef�hl, als ob wir senkrecht in die H�he stiegen. Es gab keine unangenehmen Belastungen, keinen Schmerz. Kein Antriebsger�usch drang an meine Ohren.</p><p>Eine Minute sp�ter verlie�en die beiden M�nner den Raum. Das seltsame Gef�hl hielt eine Zeitlang an. Nach einer Weile wurde ich mehrere Minuten lang ziemlich heftig gegen die Wand des Zylinders gepre�t, woraufhin dann gar keine Kr�fte mehr auf mich einzuwirken schienen. Zu meinem Entsetzen trieb ich zur anderen Seite der R�hre. Kurz darauf erschien einer der M�nner in schwarzer Tunika, blickte mich pr�fend an, begab sich zu der Maschine, zu der die Schl�uche von den Zylindern f�hrten, und hantierte an einer Schalttafel.</p><p>Sekunden sp�ter schien meine Atemluft seltsam ver�ndert. Ich versuchte, den Mann auf mich aufmerksam zu machen, Aber er schien es nicht zu bemerken.</p><p>Und dann wurde ich bewu�tlos.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Ich kann mir kaum erkl�ren, was vorgefallen ist. Ich wei� nicht, wie lange ich bewu�tlos war. Ich wei� nur, da� ich m�de und verwirrt erwachte, im Gras auf dem Bauch liegend, den Kopf zur Seite gewendet. Ich h�tte am liebsten geweint. Aber ich bewegte mich nicht. Die Ereignisse jener Augustnacht gingen mir durch den Kopf, und ich schlo� die Augen. Aber es war kein Traum. Frisches Gras kitzelte mir die Wangen, ich lag nicht auf meinen Seidenlaken im Penthouse.</p><p>Ich stemmte mich auf H�nde und Knie hoch, blickte mit zusammengekniffenen Augen zur Sonne auf. Das Gestirn schien irgendwie ver�ndert zu sein.</p><p>Entsetzt �bergab ich mich.</p><p>Ich wu�te, da� ich nicht mehr auf meiner Welt war, auf der Welt, die ich kannte. Dies war ein anderer Planet!</p><p>Und doch war die Luft herrlich klar und rein. Solche Luft hatte ich noch nie geatmet. Das Gras war feucht vom Tau und dunkelgr�n. Ich lag in einer gro�en Wiese. In der Ferne ragten hohe B�ume auf. Eine kleine gelbe Blume wuchs ganz in meiner N�he, und ich starrte sie verwirrt an. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ein St�ck entfernt wucherte ein gelbes Dickicht. Neben mir murmelte ein Bach.</p><p>Ich hatte Angst.</p><p>Ich schrie auf, als ich hundert Meter hinter mir eine Masse zerbeulten Metalls entdeckte, ein verbogenes Gebilde aus schwarzem Stahl, halb im Gras vergraben.</p><p>Es war das Schiff.</p><p>Ich bemerkte, da� ich den Fu�reif nicht mehr trug. Jemand hatte ihn mir abgenommen. Dagegen hatte ich noch die Kleidung an, in der man mich gefangengenommen hatte, die braune Hose, die kurze schwarze Bluse. Am liebsten w�re ich vor dem Schiff geflohen, aber es wirkte so tot, so verlassen. Au�erdem hatte ich gro�en Hunger.</p><p>Ich kroch auf den Bach zu, legte mich auf den Bauch und schaufelte mir Wasser in den Mund. Was ich f�r eine Unterwasserblume gehalten hatte, zuckte pl�tzlich auseinander und wurde zu einer Gruppe kleiner gelber Fische.</p><p>Ich schrak zusammen.</p><p>Vielleicht gab es an Bord des Schiffs etwas zu essen.</p><p>Vorsichtig n�herte ich mich dem Gebilde. In zwanzig Meter Abstand umkreiste ich das Wrack. Die Schiffsh�lle war an mehreren Stellen aufgerissen, angeschw�rzt und zum Teil geschmolzen. Keine Spur von Leben war in dem Wrack zu bemerken.</p><p>Nun n�herte ich mich dem Schiff. Durch einen der gro�en Risse schaute ich hinein. Da und dort war Stahl geschmolzen und wieder erkaltet. Das Innere des Schiffs war ausgebrannt. Die Rohrleitungen waren an mehreren Stellen geborsten. Die W�nde wiesen Risse auf und enth�llten allerlei verkohlte Schaltkreise.</p><p>Barfu�, den Atem anhaltend, betrat ich das Schiff.</p><p>Niemand schien an Bord zu sein.</p><p>Das Gebilde war kompakt angelegt, mit nur geringem Platz zwischen Leitungen, Instrumenten und sonstigen Anlagen. Die ohnehin schmalen G�nge waren da und dort versperrt, doch ich schl�ngelte mich durch. So stie� ich auf eine Art Kontrollraum mit zwei Pilotensesseln und einem gro�en Panoramafenster. In diesem Raum gab es vier weitere Sitze an den Seiten, vor zahlreichen Anzeigetafeln und Kontrollkonsolen. Ein Maschinenraum war nicht zu finden. Die Antriebsquelle lag vielleicht unter dem Fu�boden.</p><p>Ich entdeckte schlie�lich auch die Plastikzylinder, in denen die M�dchen gesteckt hatten, die Zylinder waren offen und leer.</p><p>Hinter mir erklang ein Ger�usch, und ich stie� einen Schrei aus. Ein kleines Pelztier huschte an mir vorbei; seine Krallen kratzten �ber den Stahl.</p><p>Wo mochten all die Menschen stecken? Offenbar hatte es einen Absturz gegeben. Aber keine Leichen. Doch wenn es �berlebende gab, wohin waren sie verschwunden? Kamen sie bald zur�ck?</p><p>Ich wandte mich wieder dem Hauptteil des Schiffs zu und betrachtete noch einmal die breiten Risse, die nicht nur von der Absturzkatastrophe stammen konnten. Ich entdeckte insgesamt vier. Die eine �ffnung, ziemlich weit unten, ma� etwa anderthalb Meter im Quadrat. Zwei weitere Risse, links davon, waren kleiner. Der Ri�, durch den ich in das Fahrzeug eingedrungen war, schien der gr��te zu sein. Nat�rlich gab es zahlreiche andere Schadenstellen im und am Schiff, und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, da� das Schiff vielleicht angegriffen worden war.</p><p>Erschreckt eilte ich durch die G�nge, auf der Suche nach Nahrung oder Waffen. Ich fand schlie�lich die Mannschaftsquartiere, ebenfalls leer. Die Spinde waren aufgebrochen und ausger�umt worden. Auf einer Koje schimmerte frisches Blut.</p><p>Ich zog mich hastig zur�ck. In der winzigen Komb�se stie� ich schlie�lich auf etwas E�bares, das ich bis auf den letzten Bissen verschlang. Aber es reichte kaum, meinen Hei�hunger zu stillen, ich kratzte den Beh�lter aus, leckte mir sogar die Finger ab und war schlie�lich doch etwas gest�rkt.</p><p>Niedergeschlagen sah ich mich um. Auf meiner Nahrungssuche hatte ich verschiedene Gebrauchsgegenst�nde gefunden, aber kein Messer und keine Waffen.</p><p>Da fiel mir ein, da� ich vielleicht schon viel zu lange beim Schiff geblieben war. Wenn es �berlebende gegeben hatte, mochten sie zur�ckkehren. Ich bekam Angst. �ber meinem Hunger hatte ich alles andere vergessen.</p><p>Ich �ffnete die Komb�sent�r.</p><p>Ein Vogel zwitscherte. Er war klein, etwa so gro� wie ein Spatz, wirkte aber eher wie eine winzige Eule, mit Federb�schen �ber den Augen. Er hockte auf einem gebrochenen Rohr. Das Tier starrte mich einen Augenblick lang an und schwirrte dann aus dem Schiff.</p><p>Ich folgte ihm so schnell ich konnte.</p><p>Drau�en schien alles ruhig zu sein. Ich blieb stehen. Hinter dem Schiff begann in einiger Entfernung der dunkle Wald. Nach rechts erstreckten sich Felder. Und weiter links erhob sich das gelbe Dickicht, das ich schon bemerkt hatte. Die Schatten waren l�nger geworden. Ich nahm an, es m�sse auf dieser Welt nun Nachmittag sein. Es war nicht kalt. Vielleicht herrschte gerade Fr�hling, wenn es hier so etwas gab. Als ich mich drau�en etwas eingehender umsah, stie� ich auf zertrampeltes Gras, als seien hier schwere Gegenst�nde abgestellt worden. An einer Stelle fand ich einige Frauenlocken, an einer anderen Stelle r�tlichbraune Flecken im Gras.</p><p>Ich mu�te fort!</p><p>Ich wandte mich dem Wald zu, doch seine D�sternis erschreckte mich. Au�erdem t�nte in diesem Augenblick von dort das R�hren eines gro�en Tiers her�ber.</p><p>Also wandte ich mich vom Wald ab und begann �ber freies Gel�nde zu laufen, durch das Gras, blindlings eine Richtung w�hlend. Ich war noch nicht weit gekommen, als ich am Himmel eine winzige Scheibe aufblitzen sah. Sofort warf ich mich ins Gras.</p><p>Als nach einer Weile nichts geschehen war, hob ich den Kopf. Die silberne Scheibe war neben dem schwarzen Schiffswrack niedergegangen. Luken �ffneten sich, M�nner stiegen aus, die seltsame R�hren, vielleicht Waffen, trugen. Sie waren ebenfalls in Tuniken gekleidet, doch aus einem purpurnen Material. Ihr K�pfe waren kahlgeschoren. Einige M�nner verteilten sich um das Schiff, andere drangen in das Wrack ein.</p><p>Im n�chsten Augenblick stieg zu meinem Entsetzen ein gro�es bizarr aussehendes Wesen aus dem Schiff � es war golden und hatte sechs Beine, von denen es die vier langen Hinterbeine zur Fortbewegung benutzte. Es hatte gro�e Augen und, wie ich mir einbildete, auch Antennen. Es bewegte sich schnell und anmutig auf das Schiff zu, beugte sich hinein und verschwand darin. Einige M�nner folgten ihm. Nach kaum einer Minute kamen das Wesen und die M�nner wieder zum Vorschein und kehrten in das silbrige Schiff zur�ck. Die Luken glitten zu, und im n�chsten Moment stieg das Gebilde auf, lautlos, bis es drei�ig Meter �ber dem Gras und �ber dem schwarzen Wrack schwebte. Da zuckte pl�tzlich ein blaues Licht auf, gefolgt von einer unertr�glichen Hitzewelle. Ich senkte den Kopf. Als ich wieder aufblickte, war das Silberschiff verschwunden und das unansehnliche Wrack ebenfalls. Die Vertiefung, in der es gelegen hatte, und ein gewisser Umkreis waren verkohlt, doch das eigentliche Schiff war spurlos verschwunden. Ich machte kehrt und ergriff die Flucht.</p><p>Als ich den Bach erreichte, aus dem ich vorher getrunken hatte, watete ich hinein. Das Wasser ging mir bis zu den H�ften. Etwas ber�hrte meine Wade. Ich schrie auf, st�rzte ans andere Ufer und lief wieder los. Stundenlang bewegte ich mich so �ber Land.</p><p>Einmal legte ich eine Pause ein. Im Gras liegend h�rte ich j pl�tzlich ein Rascheln. Ich wandte den Kopf und ri� entsetzt die Augen auf. Das Wesen sah wie eine Schlange aus � ein augenloser, gespaltener, h�lsen�hnlicher Kopf bewegte sich in meine Richtung, wobei er sich etwas vom Boden anhob. Kreischend sprang ich auf. Im gleichen Augenblick zuckte das Ding vor, versuchte sich in meine Wade zu verbei�en. Wieder griff es an, wie durch meinen Geruch oder meine K�rperw�rme angezogen, doch es war im Boden verwurzelt und konnte mich nicht mehr erreichen. Verzweifelt sah ich mich um, entdeckte weitere dieser Pflanzen und eilte entsetzt davon, bis ich mich wieder im offenen grasbewachsenen Gel�nde befand.</p><p>Und ich marschierte weiter.</p><p>Schlie�lich wurde es k�hler. Die D�mmerung brach herein. Ich konnte nicht weiter und lie� mich ins Gras fallen.</p><p>Es war eine dunkle, sch�ne, windige Nacht. Wei�e Wolken segelten �ber den Himmel. Ich betrachtete die Sterne, die mir nie zuvor so strahlend vorgekommen waren. �Wie sch�n diese Welt Ist�, sagte ich leise. Ich lag auf dem R�cken und blickte zu den Sternen und den Monden empor.</p><p>Diese Welt hatte drei Monde.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Ich erwachte kurz vor der Morgend�mmerung. Es war sehr kalt und feucht. Ich hatte gro�en Hunger. Mein K�rper war erstarrt und schmerzte. Durstig leckte ich etwas Tau von den langen Grashalmen. Meine Kleidung war feucht. Ich war niedergeschlagen und ver�ngstigt. Vielleicht war ich der einzige Mensch auf dieser Welt. Das Schiff war abgest�rzt, aber dieser Planet mu�te ja nicht sein Ziel gewesen sein. Und ich hatte keine �berlebenden gesehen � und das andere Schiff war wieder fortgeflogen.</p><p>Ich richtete mich auf.</p><p>Vor mir erstreckte sich die grasbewachsene Ebene, leicht h�gelig, soweit das Auge reichte.</p><p>Ich mu�te bestimmt verhungern, denn hier gab es nichts zu Essen. Ich marschierte los.</p><p>Ich begriff nicht, was geschehen war. In so kurzer Zeit war soviel passiert. Ich wu�te noch, wie ich vorgestern fr�h in meinem Bett erwacht war. Ich erinnerte mich an meine Flucht im Wagen, an die Gefangennahme, an das Schiff. Und dann das neue Erwachen gestern fr�h. Und jetzt war ich allein.</p><p>Zwei Stunden nach Beginn der Morgend�mmerung erreichte ich einige Felsformationen. Hier fand ich eine winzige Pf�tze Regenwasser, mit dem ich meinen Durst stillte.</p><p>In der N�he stie� ich zu meinem Entz�cken auf einige e�bare Beeren. Sie schmeckten gut, was mich mit neuer Zuversicht erf�llte. Die Sonne begann am Himmel hochzusteigen und die Luft zu erw�rmen. Zweimal ging ein leichter Schauer nieder, was mich aber nicht sehr st�rte. Dann war die Luft wieder klar, das Gras leuchtend gr�n, der Himmel strahlend blau mit hellen, wei�e Wolken. Als die Sonne direkt �ber mir stand, fand ich wieder Beeren und schlug mir damit den Bauch voll. Eine weitere Pf�tze stillt meinen Durst. Dann wusch ich mir das Gesicht.</p><p>Vielleicht lie� sich doch auf dieser Welt leben. Sie war sch�n. Ich lief, da� mir das Haar �ber die Schultern flatterte, ich h�pfte und drehte mich in der Luft. Niemand konnte mich sehen. So etwas hatte ich seit meiner fr�hen Jugend nicht mehr getan.</p><p>Dann bewegte ich mich vorsichtiger, denn ich entdeckte eine Gruppe der dunklen, schlangen�hnlichen Pflanzen. Aus sichere Entfernung sah ich zu, wie sie zu rascheln begannen, als sie meine Gegenwart sp�rten. Mehrere bewehrte Pflanzenspitzen hoben sich, wandten sich wie K�pfe in meine Richtung, bewegten sie lauernd hin und her.</p><p>Aber ich f�rchtete mich nicht mehr vor ihnen; denn nun wu�te ich, da� sie zwar gef�hrlich waren, man ihnen aber leicht aus dem Weg gehen konnte.</p><p>Und ich ging weiter. Von Tieren entdeckte ich keine Spur. Hin und wieder fand ich Beeren und von Zeit zu Zeit Felsgruppen, wo es meist Wasser gab. Was mich schreckte, war die ungeheure Leere dieses Landes.</p><p>Etwa zur Mitte des Nachmittags lie� ich mich an einem flacher Hang zwischen zwei grasbewachsenen H�geln nieder. Und ich fragte mich, welche Rettungschancen ich wohl hatte.</p><p>Ich l�chelte. Diese Welt war nicht meine Heimat. Das Schiff, das mich hierhergebracht hatte, �bertraf bei weitem die technischen M�glichkeiten jeder irdischen Zivilisation � das wu�te ich, trotz meines beschr�nkten technischen Verst�ndnisses. Und doch geh�rten die M�nner, die mich gefangengenommen hatten, eindeutig der menschlichen Rasse an, so sah es jedenfalls aus. Sogar die Besatzung des silbrigen Schiffs hatte aus Menschen bestanden � bis auf das gro�e goldene Gesch�pf. Aber ich wollte gerettet werden.</p><p>Allerdings hatte ich keine gro�e Angst mehr � ich konnte auf dieser Welt �berleben. Es gab Nahrung und Wasser.</p><p>Verbl�fft hob ich pl�tzlich den Kopf. Aus der Ferne klangen, menschliche Stimmen zu mir her�ber.</p><p>Hastig sprang ich auf und stolperte den H�gel hinauf. Ich reichte die Anhebung, sah mich hastig um, schrie und winkte und begann auf der anderen Seite den Hang hinabzurennen. .�Halt!� rief ich. �Halt!� Es waren Menschen! Ich war gerettet! Es handelte sich um einen einzelnen Wagen, der von etwa acht M�nnern umringt war. Vor den Wagen waren keine Zugtiere gespannt; vielmehr scharten sich f�nfzehn oder zwanzig unbekleidete M�dchen an der Wagendeichsel; sie waren an den Wagen geschirrt! Zwei M�nner hielten sich in ihrer N�he auf. Der Wagen selbst schien besch�digt zu sein, er war teilweise verkohlt, seine Plane aus blaugelber Seide zerfetzt und geschw�rzt. In der n�he des Wagens entdeckte ich einen kleinen dicken Mann, der eine Robe aus blau und gelb gestreifter Seide trug. Verbl�fft wandte er sich in meine Richtung. �Ich bin Elinor Brinton�, sagte ich zu den M�nnern, die mir entgegenkamen. Zwei weitere M�nner hasteten an mir vorbei, auf den H�gel zu.</p><p>Die beiden Krieger nahmen mich in die Mitte, packten meine Handgelenke und zerrten mich grob auf den Wagen zu.</p><p>Der kleine dicke Mann beachtete mich kaum. Sein Blick war besorgt auf den H�gel gerichtet, wo seine beiden M�nner nun geduckt Ausschau hielten. Zwei andere W�chter waren auf den Wagen geklettert und sp�hten nerv�s in alle Richtungen. Die M�dchen im Geschirr schienen �ngstlich zu sein.</p><p>Der dicke Mann trug Saphirohrringe. Sein langes schwarzes Haar wirkte ungepflegt; er hatte es im Nacken mit einem blaugelben Band zusammengebunden. Er ging in purpurnen Sandalen, deren Riemen perlenbesetzt waren; einige Perlen fehlten allerdings. Seine kleinen, beringten H�nde waren schmutzig. Ich hatte eigentlich das Gef�hl, da� er sonst sehr auf seine �u�ere Erscheinung achtete, aber hier schien ein Notfall vorzuliegen. Er wurde von den anderen M�nnern Targo genannt. Targo blickte zum H�gel hin�ber, wo einer seiner Kundschafter eine beruhigende Armbewegung machte. Er hatte nichts gesehen. Targo atmete auf. Er war sichtlich erleichtert.</p><p>Ich setzte mein sch�nstes L�cheln auf. �Vielen Dank�, sagte ich. �Ich hei�e Elinor Brinton und wohne in New York, auf dem Planeten Erde. Ich m�chte sofort dorthin zur�ckkehren. Ich bin reich und kann ihnen jeden gew�nschten Betrag zahlen.�</p><p>Targo musterte mich verwirrt.</p><p>Nat�rlich! Wieso sollte er Englisch verstehen? Ich wiederholte etwas irritiert meine Worte. Ich w�nschte, meine beiden W�chter w�rden endlich meine Arme loslassen. Da unterbrach mich Targo mit einem kurzen Wort, das ich wiederum nicht verstand. Aber offenbar wollte er nicht, da� ich weitersprach.</p><p>Ich err�tete vor Zorn und versuchte, meine Arme freizubekommen, doch die beiden M�nner lie�en nicht los.</p><p>Dann sprach Targo mit mir, doch ich verstand ihn nicht. Sein Tonfall war barsch, als habe er eine Bedienstete vor sich. Das �rgerte mich nat�rlich.</p><p>�Ich verstehe Sie nicht�, erwiderte ich eisig.</p><p>Meine harte Erwiderung schien ihn zu verwirren. Er musterte mich eingehend, vielleicht kam ihm endlich der Gedanke, da� sich in mir geirrt hatte. Es am�sierte mich, da� mein Sieg so leicht gewesen war. Zwar verstand ich ihn nicht, und doch kam mir seine Sprache irgendwie vertraut vor. Er sprach nun langsam, artikulierte sorgf�ltig Wort um Wort, doch als er merkte, da� er nicht weiter kam, begann er sich wieder aufzuregen. Er schien zu erwarteten da� ich ihn verstehen m��te. Einmal wandte er sich an einen seiner M�nner und schien ihm eine Frage zu stellen. Die Antwort lie� mich zusammenfahren: Dieses Wort hatte ich schon einmal geh�rt. Der gro�e Fremde hatte es in meiner Wohnung zu den kleinen Mann gesagt, der sich f�r mich interessierte. Mir fiel nun auf, da� meine H�scher auf der Erde, auch wenn sie Englisch sprachen, einen Akzent offenbart hatten, der durchaus dieser Sprache entspringen konnte. Offenbar handelte es sie um eine eigenst�ndige und komplizierte Eingeborenensprache, die sich gar nicht unangenehm anh�rte. Ich bekam Angst, war jede auch in meiner Zuversicht best�rkt. Einerseits hatte ich Angst wegen des sprachlichen Zusammenhangs zwischen meinen H�scher und diesen Individuen. Andererseits war ich zuversichtlich, den wenn diese Menschen dieselbe Sprache benutzten, besa�en sie sicher auch die technologischen M�glichkeiten, mich in meine Heimat zur�ckzubringen.</p><p>Doch da fiel mir auf, da� die M�nner nicht einmal Pistolen trugen, sondern nur mit Schwertern und Armbr�sten bewaffnet waren. Vier M�nner hatten sogar Speere bei sich. Die Soldaten waren bis auf Targo in Tuniken gekleidet und trugen Helme, die ziemlich furchteinfl��end aussahen. Die �ffnungen dieser Helm erinnerten mich entfernt an ein �Y�. Die Schwerter waren auf die linke Schulter geschnallt. Die Fu�bekleidung der M�nner bestand aus schweren Sandalen, deren dicke Schn�re bis �ber die Waden reichten. Am G�rtel trugen die meisten ein Messer und kleine Beutel. Ich war erleichtert. Solche primitiven Krieger konnten unm�glich zur gleichen Gruppe geh�ren wie meine H�scher � aber dann hatten sie auch nicht die technischen M�glichkeiten, mich wieder zur Erde zu schaffen.</p><p>Ich war ihnen nun mal in die H�nde gefallen und mu�te das Beste aus der Situation machen, Mit meinem Verm�gen konnte mir die Passage zur Erde jederzeit leisten, und ich w�rde Mittel und Wege finden, mich mit Personen in Verbindung zu setzen, die mir die R�ckkehr erm�glichen konnten.</p><p>Da fiel mein Blick auf den Wagen. Er war ziemlich gro�, an mehreren Stellen angesengt und zersplittert, die Plane zerfetzt, die Farbe abgebl�ttert oder weggekratzt.</p><p>Dies, zusammen mit Targos l�dierter Erscheinung und der Besorgnis der M�nner, da� ich noch Begleiter haben k�nnte, brachte mich endlich auf die Wahrheit: Targo war auf der Flucht. Er war angegriffen worden. Auf dem Wagen entdeckte ich Gegenst�nde � einige Truhen und K�sten. Ich betrachtete auch die M�dchen vor dem Fahrzeug � es waren insgesamt neunzehn.</p><p>Unwillk�rlich ri� ich die Augen auf, als ich bemerkte, wie sch�n sie waren. Ich selbst hielt mich f�r ausgesprochen attraktiv und hatte auf der Erde selten eine Konkurrentin gefunden, die es in diesem Punkt mit mir aufnehmen konnte. In dieser kleinen Gruppe jedoch waren mindestens zehn M�dchen h�bscher als ich. das versetzte meinem Selbstbewu�tsein doch einen Schlag. Ich erholte mich etwas bei dem Gedanken, da� ich hinsichtlich meines Reichtums und meiner Bildung diesen Gesch�pfen bestimmt �berlegen war. Dabei sahen mich diese Frauen durchaus neugierig an. Ich w�rde mich gegen sie durchsetzen m�ssen. Wichtig war vor allem, da� ich gerettet war.</p><p>Bestimmt fand ich in der n�chsten Stadt jemanden, der Englisch verstand, der mir Kontakt zu Menschen verschaffen konnte, die mich zur Erde zur�ckbrachten.</p><p>Mir gefiel allerdings nicht, da� die beiden M�nner noch immer meine Handgelenke gepackt hielten. Ich begann mich w�tend zu wehren, kam jedoch nicht frei.</p><p>Targo hatte sich inzwischen wieder in eine Wut hineingesteigert, nachdem er geduldig versucht hatte, mit mir zu sprechen. Er war ein Narr! Keiner schien Englisch zu verstehen. Dabei mu�te es auf dieser Welt Menschen geben, die unsere Sprache kannten. Ich hatte einen der M�nner des schwarzen Schiffs mit dem gro�en Mann Englisch sprechen h�ren!</p><p>Ich war Targos �berdr�ssig.</p><p>�Ich verstehe dich nicht�, sagte ich zu ihm, wobei ich langsam und ver�chtlich sprach.</p><p>Dann wandte ich hochm�tig den Kopf ab.</p><p>Er sagte etwas zu einem Untergebenen, und augenblicklich wurden mir die Kleider vom Leib gerissen.</p><p>Ich begann zu schreien. Die M�dchen an der Wagendeichsel lachten. �Kajira!� lachte eine und deutete auf meinen Schenkel. Ich wurde �ber und �ber rot.</p><p>�Kajira!� lachte auch Targo, und die anderen fielen in sein Gel�chter ein. Tr�nen rannen dem dicken Mann �ber die Wangen bis er abrupt ernst wurde.</p><p>In scharfem Tonfall sagte er etwas zu den beiden M�nnern, die meine Handgelenke hielten. Sofort wurde ich nach vorn gezerrt bis ich mit dem Gesicht nach unten im Gras lag und mich kaum noch r�hren konnte. �Lana!� rief Targo.</p><p>Ein Mann ging nach vorn. Ich konnte nicht sehen, was er dort tat, aber ich h�rte das Lachen eines M�dchens. Gleich darauf hatte sie die Wagendeichsel verlassen und mu�te irgendwo hinter mir stehen. Ich war immer ein umh�tscheltes Kind gewesen, von Gouvernanten und Kinderschwestern gro�gezogen. Sie hatten mich st�ndig ausgeschimpft, mich aber nie geschlagen. In meinem ganzer Leben war ich noch nie gez�chtigt worden.</p><p>Und jetzt wurde ich ausgepeitscht.</p><p>Das M�dchen Lana beugte sich mit einer Gei�el aus einer Handvoll harter Lederstreifen �ber mich und hieb mir damit �ber den R�cken. Ich schrie und schluchzte und versuchte mich aufzurichten, was mir nat�rlich nicht gelang. Die Z�chtigung dauerte bestimmt nur einige Sekunden, h�chstens eine Minute, aber mir kam sie wie eine Ewigkeit vor. Targo rief Lana etwas zu, und die Schl�ge h�rten auf. Die beiden M�nner zerrten mich hoch, so da� ich im Grase kniete. Ich mu�te einen Schock erlitten haben, denn ich konnte pl�tzlich kaum noch etwas sehen. Ich h�rte die M�dchen lachen und erbrach mich ins Gras. Die M�nner zerrten mich zur Seite, bis ich wieder vor Targo kniete.</p><p>Ich sah, da� er nun meine Kleidung in einer Hand hielt, die ich kaum wiedererkannte. In der anderen Hand baumelten die Lederriemen, mit denen ich ausgepeitscht worden war. Lana wurde eben wieder zur Wagendeichsel gef�hrt. Mein R�cken, meine Beine und Arme schienen in Flammen zu stehen. Die beiden M�nner lie�en mich los. �Kajira�, sagte Targo und hob die Lederriemen. Ich schauderte zusammen und neigte den Kopf. Die M�dchen lachten. Er durfte mich nicht wieder schlagen!</p><p>Targo gab ein kurzes Kommando und wandte sich ab. Die beiden M�nner f�hrten mich an die Spitze des Wagens. Auf einer Seite der Deichsel standen neun, auf der anderen Seite zehn M�dchen. Ich sah Lana, die mich geschlagen hatte, einige Reihen vor mir. Dabei fiel mir auf, da� sie tats�chlich in einer Art Geschirr stand. Mit Metalln�geln beschlagene Lederriemen lagen um ihre Handgelenke und fesselten sie an die Deichsel. Und um ihren K�rper, vorn um die Brust und �ber eine Schulter, zog sich ein breiter Lederriemen, der an der Wagendeichsel befestigt war. Die anderen M�dchen waren �hnlich festgemacht, und ich wurde nun ebenso angesch�rt; meine H�nde wurden durch Schlaufen gef�hrt, so da� ich meinen Platz nicht verlassen konnte, und �ber meine Schulter hob man ein schweres Lederband. Ich schluchzte. Ich konnte kaum noch stehen. Meine Beine zitterten. Der Mann begann das Geschirr anzupassen. Auf der anderen Seite der Wagendeichsel l�chelte mich ein kleines dunkelhaariges M�dchen an. �Ute�, sagte sie und deutete auf sich. Dann richtete sich der Zeigefinger auf mich �La?� fragte sie.</p><p>Ich bemerkte, da� alle M�dchen am linken Bein das Zeichen trugen, das ich auf so r�tselhafte Weise erhalten hatte.</p><p>�Ute�, wiederholte das kleine M�dchen und deutete auf sich. �La?� �Elinor�, fl�sterte ich.</p><p>�El-in-or�, wiederholte sie l�chelnd. Dann wandte sie sich an die anderen M�dchen und deutete auf mich. �El-in-or�, sagte sie lebhaft. Sie schien sich zu freuen.</p><p>Aus irgendeinem Grunde war ich sehr dankbar, da� sich da nette M�dchen �ber meinen Namen freute.</p><p>Die meisten anderen drehten sich betont desinteressiert um und sahen mich an. Lana, die mich geschlagen hatte, starrte unbeirrbar nach vorn. Ein anderes M�dchen, gro� und blond, zwei Reihen vor mir stehend, l�chelte und sagte: �Inge�, wobei sie auf sich deutete.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>Targo gab jetzt hastige Befehle. Er sah sich nerv�s um.</p><p>Einer seiner M�nner rief uns etwas zu, und die M�dchen stemmten sich ins Geschirr. Zwei M�nner halfen bei den Hinterr�dern nach, und der Wagen setzte sich in Bewegung.</p><p>Ich lehnte mich in die Lederriemen und tat, als strenge ich mich an. Die M�dchen brauchten mich nicht. Sie hatten den Wagen auch ohne mich gezogen. Ich stemmte die F��e ins Gras, als g�be ich mir gr��te M�he, und st�hnte auch ein wenig, um meine Schau noch wirksamer zu gestalten.</p><p>Ute, die rechts von mir stand, warf mir einen finsteren Blick zu � das war mir egal, Ich schrie auf, als die Peitsche meinen K�rper traf. Schluchzend stemmte ich mich mit voller Kraft ins Leder. Ute begann zu lachen. Nach einer Weile sah ich, wie auch Lana von der Peitsche getroffen wurde. Sie schrie vor Scham und Schmerz auf, und die anderen M�dchen lachten. Ich merkte, da� Lana nicht sehr beliebt war und freute mich, da� sie ebenfalls gez�chtigt worden war Warum sollten wir f�r sie mitziehen?</p><p>�Har-ta!� rief Targo. �Har-ta!�</p><p>Wir gaben uns M�he, das Tempo des Wagens zu erh�hen. Von Zeit zu Zeit halfen die M�nner an den R�dern nach. Da Gef�hrt rumpelte schwerf�llig durchs Gras.</p><p>Targo schritt neben uns aus. Er h�tte nat�rlich im Wagen fahren k�nnen, aber offenbar lag ihm mehr daran, da� wir schnell vorankamen. Was war nur aus Elinor Brinton geworden, da� sie sich jetzt hier inmitten von Barbaren abm�hen mu�te, die nicht einmal ihre Sprache sprachen! Ich warf einen Blick auf Ute, die mich unfreundlich musterte. Sie hatte nicht vergessen, da� ich mich vor der Arbeit hatte dr�cken wollen. Bisher hatte ich immer durchgesetzt, was ich wollte, doch hier schien mir diese M�glichkeit verbaut. Hier sorgte die Peitsche daf�r, da� ich tat, was von mir verlangt wurde.</p><p>Schluchzend stemmte ich mich mit voller Kraft in den Lendengurt.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Targo, mein Herr, war ein Sklavenh�ndler, und ich hatte ihn nichts gekostet.</p><p>Einige Tage vor unserer Begegnung war er von Banditen-Tarnk�mpfern �berfallen worden, etwa vier Tagesreisen nord-nord-�stlich von der Stadt Ko-ro-ba, die in den n�rdlichen gem��igten Breiten des Planeten Gor liegt, auf dem wir uns befanden. Targos Ziel war die Stadt Laura an den Ufern des Laurius-Flusses, etwa zweihundert Pasang landeinw�rts von der K�ste des m�chtigen Thassa, des goreanischen Meers. Laura ist eine kleine Handelsstadt, ein Flu�hafen, dessen Holzgeb�ude im wesentlichen nur Lagerr�ume und Tavernen zu beherbergen scheinen. Laura ist Umschlagplatz f�r mancherlei Waren � H�lzer, Salzladungen, Fische, Steine, Pelze und � Sklaven. An der M�ndung des Laurius zum Thassa hin befindet sich der Freihafen Lydius, unter der Verwaltung der Kaufleute stehend, einer wichtigen goreanischen Kaste. Von Lydius lassen sich Waren zu den Inseln des Thassa verschiffen � zum Beispiel nach Teletus, Hulneth und Asperiche, sogar nach Cos und Tyros und zu K�stenst�dten wie Port Kar und Helmutsport und im S�den Schendi und Bazi. Und von Lydius werden allerlei G�ter nach Laura gebracht zur Weiterbef�rderung ins Binnenland; sie werden auf Barken von Tharlarion den Flu� heraufgeschleppt � in erster Linie sind es Gebrauchsg�ter, Werkzeuge, Rohmetalle und Stoffe. Der Laurius ist ein gewundener, langsamer Flu�. Er hat nicht die Breite und die Str�mungsgeschwindigkeit des riesigen Vosk weiter im S�den � s�dlich von Ko-ro-ba, doch n�rdlich von Ar gelegen, welches die gr��te Stadt des bekannten Gor sein soll. Wie der Vosk str�mt der Laurius in westlicher Richtung, wenn er auch mehr nach S�dwesten gerichtet ist. In Anbetracht des in Laura �blichen G�terumschlags h�tte man es seltsam finden k�nnen, da� Targo auf diese Stadt zuhielt. Doch es war Fr�hling, und diese Jahreszeit bringt die gro�en Sklaven�berf�lle. Im letzten Herbst hatte Targo auf dem Jahrmarkt von Se�Kara am Fu� des Sardargebirges mit dem R�uber Haakon aus Skjern einen Vertrag �ber hundert nordische Sch�nheiten abgeschlossen, die aus den D�rfern n�rdlich des Laurius und aus den K�stenst�dten bis hinauf nach Torvaldsland stammen sollten. Targo reiste nun nach Laura, um seine Ware entgegenzunehmen. Er hatte Haakon bereits beim Jahrmarkt eine Anzahlung auf diesen Kauf geleistet, einen Betrag von f�nfzig Goldst�cken. Der Rest von hundertundf�nfzig Goldst�cken war f�llig, sobald die Ware geliefert wurde. Zwei Goldst�cke ist ein hoher Preis f�r ein untrainiertes M�dchen, geliefert in Laura, aber wenn sich dieses M�dchen in eine gro�e Marktstadt bringe lie�, brachte sie dort wahrscheinlich f�nf oder mehr Goldst�cke sogar im untrainierten Zustand. Au�erdem sicherte sich Targo durch sein hohes Angebot die erste Auswahl unter Haakons M�dchen in Laura. Schlie�lich hatte sich Targo ausgerechnet, da� � da in letzter Zeit keine Stadt gefallen war und das gro�e Sklavenhaus des Cernus in Ar vernichtet worden war � die Marktpreise in diesem Fr�hling besonders in die H�he schie�en w�rden. Auch wollte er die M�dchen bis zu einem gewissen Grad ausbilden lassen, wahrscheinlich in den Gehegen Ko-ro-bas, ehe er sie nach Ar brachte. Leider geh�ren Dorfm�dchen keiner hohen Kaste an, andererseits sind sie auch leichter zu erwerben als eine freie Frau aus hoher Kaste. Als ich von Targo gefangengenommen wurde, hatte er nur ein M�dchen aus hoher Kaste an seiner Kette, Inge, die von Schriftgelehrten abstammte. Ute, die neben mir im Geschirr ging, entstammte der Kaste der Lederarbeiter. Nat�rlich verliert eine Sklavin bei der Versklavung ihre Kaste, wie auch den fr�heren Namen. Sie geh�rt ihrem Herrn, der mit ihr machen kann, was er will. Aber die Herkunft einer Sklavin bleibt doch bekannt. Als Targo mich vor seinen Wagen schirrte, war er aus de N�he Ars nach Ko-ro-ba gereist und von dort nach Laura unterwegs und hatte zwischendurch in verschiedenen St�dten zahlreiche M�dchen gekauft und verkauft. So waren Inge, Ute und Lana zu ihm gekommen. Lana war unsere Anf�hrerin. Wir alle f�rchteten sie, da sie die kr�ftigste und auch sch�nste war. Unterw�rfig und freundlich gegen�ber den M�nnern, sprang sie mit uns sehr herablassend um. Wir taten, was sie befahl, denn sonst h�tte sie uns geschlagen. Wir ha�ten sie und beneideten sie. Sie war nicht nur die sch�nste, sie war auch im Haus des Cernus ausgebildet worden, des gro�en Sklavenh�ndlers, ehe dieser vernichtet wurde. Und sie war einmal �ber den gro�en Block im Curuleum von Ar verkauft worden. Lana war immer das letzte M�dchen einer Vorf�hrkette, die attraktivste Ware, die bis zuletzt aufgehoben wurde. Wir hofften, da� sie verkauft w�rde, aber Targo erwartete sich einen sehr hohen Preis von ihr. Zweifellos h�tte sie ihn mehrfach eingebracht, wenn sie aus hoher Kaste gewesen w�re. Sie behandelte die anderen M�dchen wie ihre Sklavinnen. Targo und einige W�chter gaben ihr manchmal S��igkeiten. Ich erhielt in der Vorf�hrkette zun�chst den vierten Platz. Targo war mit vierzig M�dchen, f�nf Wagen, zehn Bosks und vielen anderen Waren von Ko-ro-ba abgefahren. Seine Begleitmannschaft z�hlte zu Anfang �ber zwanzig Mann. Zwei Tage sp�ter durchzog er die Steppe s�dlich von Laura, als sich pl�tzlich der Himmel verdunkelte und �ber hundert r�uberische Tarnk�mpfer einen Angriff flogen � unter dem Kommando des gef�rchteten Rask aus Treve stehend, einem der mutigsten Krieger von ganz Gor. Zum Gl�ck hatte es Targo geschafft, seine Karawane noch vor dem �berfall an den Rand eines ausgedehnten Ka-la-na-Dickichts zu bringen. Ich hatte bei meiner Wanderung mehrere solcher Dickichte bemerkt. Targo hatte seine M�nner fachm�nnisch in Gruppen aufgeteilt. Einige hielt er an, m�glichst viele Waren und m�glichst viel Gold mitzunehmen. Anderen befahl er, die M�dchen freizulassen und sie ins Dickicht zu treiben. Einer dritten Gruppe gab er Befehl, die gro�en Bosks loszuschneiden, die die Wagen zogen, und sie ebenfalls zwischen B�sche und B�ume zu bringen. Sekunden, bevor die Tarnk�mpfer herabstie�en, floh Targo mit seinen M�nnern, den M�dchen und den Bosks ins dichte Unterholz. Die Tarnk�mpfer landeten, pl�nderten die Wagen aus und steckten sie in Brand. Im Dickicht kam es zu wilden Gefechten. Dabei verlor Targo elf Leute, und etwa zwanzig M�dchen wurden von den Tarnk�mpfern geraubt, aber nach einer Weile zogen sich die Banditen zur�ck. Tarnk�mpfer, die Reiter der gro�en Tarns, Br�der der Winde genannt, sind Herren des freien Himmels, wilde Krieger, deren Schlachtfelder die Wolken sind; im Wald f�hlen sie sich nicht zu Hause, wo sie aus der Dunkelheit der B�ume, aus einem unerwarteten Hinterhalt der Armbrustpfeil eines unsichtbaren Angreifers treffen kann. Rask zog seine M�nner zur�ck, und wenige Minuten sp�ter erhoben sich die Tarnk�mpfer auf ihren Riesenv�geln in die L�fte, die M�dchen quer �ber die S�ttel geworfen, Targos Sch�tze in die Satteltaschen gestopft.</p><p>Anschlie�end suchte der Sklavenh�ndler seine Waren und M�nner zusammen. Neunzehn M�dchen, an verschiedenen Stellen im Dickicht an B�ume gefesselt, waren ihm geblieben. Die Bosks waren zu Targos Bedauern entweder losgeschnitten worden oder hatten sich befreit. Sie waren auf der weiten Steppe verstreut und nicht wieder einzufangen. Als die M�nner aus der Dickicht kamen, war nur noch ein Wagen einigerma�en zu verwenden. Die Nacht verbrachte die Karawane im Dickicht, und am Morgen wurde ein Geschirr f�r die M�dchen zurechtgeschneidert. Und einige Tage sp�ter war die Gruppe auf ein junges Barbarenm�dchen gesto�en, das zur Sklavin gemacht wurde, auf mich.</p><p>Es dauerte noch viele Tage, bis wir Laura erreichten.</p><p>Zum Gl�ck stie�en wir zwei Tage nach meiner Gefangennahme auf eine Boskwagen-Karawane, die von Laura nach Ko-ro-ba unterwegs war. Targo verkaufte zwei M�dchen und erstand mit etwas zus�tzlichem Gold zwei Wagen und zwei Boskgespanne sowie Wasser- und Nahrungsvorr�te. Er kaufte desweiteren verschiedene Ketten, Brandeisen und Peitschen, wie auch Seiden, Stoffe, Parf�mflaschen, K�mme, B�rsten und Kosmetikpackungen. Auch wechselte eine gro�e Menge grober Stoff den Besitzer. Ich sollte sp�ter erfahren, da� hieraus Kamisks geschneidert wurden die einfache, ponchoartige Kleidung der goreanischen Sklavin. Die Kamisks der M�dchen waren bei dem �berfall verbrannt und sie machten sich nun unter Targos Anleitung daran, neue knielange Kleidungsst�cke zu schneidern. Auch ich beteiligte mich an der Aktion, wenn ich mich zuerst auch sehr ungeschickt anstellte. Unser Leben wurde nach der Begegnung mit der Karawane erheblich leichter.</p><p>Bei den beiden neuen Wagen handelte es sich um H�ndlerwagen mit roter Regenplane. Die Hinterr�der waren gr��er als die vorderen. Jeder Wagen wurde von zwei Bosks gezogen, gro�en braunen Tieren mit breiten polierten H�rnern, an denen Perlen hingen. Die Hufe der Tiere waren ebenfalls poliert, und das lange, strubbelige Fell wurde t�glich so lange geb�rstet, bis es gl�nzte. Auf jedem Wagen wurden neun M�dchen untergebracht, nat�rlich angekettet. Aber das war mir egal. Sobald wir uns zum Schlafen hinlegen durften, war ich trotz des Knarrens und Ruckelns bald eingeschlafen. Der Qual des Geschirrs ledig zu sein war f�r sich schon eine k�stliche Erfahrung.</p><p>Als ich viele Stunden sp�ter erwachte, f�hlte sich jeder Muskel meines K�rpers steif an.</p><p>Wir wurden vom Wagen geholt, mu�ten niederknien und erhielten etwas zu essen. In den beiden ersten Tagen nach meiner Gefangennahme hatten wir nur Beeren und Wasser bekommen und Reste kleiner Pr�rietiere, die von den Wachen gebraten worden waren und uns vorgeworfen wurden. Jetzt knieten wir angekettet im Kreise und reichten eine Schale hei�e Suppe herum; dann erhielt jede von uns ein Sechstel eines runden Brotlaibs; schlie�lich reichte ein W�chter jeder von uns ein St�ck gekochtes Fleisch. Ich war au�er mir vor Hunger, griff danach, ohne mich um die Temperatur zu k�mmern, und steckte mir den k�stlichen Bissen in den Mund, zerrte daran mit Z�hnen und H�nden, wobei mir der Saft links und rechts �bers Kinn lief. Nur wenige meiner Freunde auf der Erde h�tten in diesem Augenblick Elinor Brinton wiedererkannt. Das Mahl war ein einfacher Boskbraten, noch halb roh, doch ich schlang das Fleisch mit Begeisterung hinunter. Kein noch so vorz�glich zubereitetes Filet Mignon aus einem Pariser Restaurant lie� sich mit diesem hei�en, dampfenden Fleischfetzen vergleichen, den ich im Gras der goreanischen Steppe neben dem Wagen eines Sklavenh�ndlers hockend in mich hineinschlang.</p><p>Nach dem Essen wurden wir zu einem nahegelegenen Flu� gef�hrt, wo wir uns wuschen. Z�gernd stieg ich in das kalte Wasser, an das ich mich jedoch nach einigen Sekunden gew�hnte, so ich ich es schlie�lich gar nicht wieder verlassen wollte. Ich folgte dem Beispiel der anderen M�dchen und wusch mir auch die Haare. Einige der Sklavinnen begannen zu spielen und bespritzten sich lachend. Niemand beachtete mich, au�er da� ich nat�rlich wie alle anderen von einem W�chter beobachtet wurde. Ich f�hlte mich einsam und ging auf Ute zu, die sich jedoch abwandte. Sie hatte mir nicht verziehen, da� ich mich auf ihre Kosten vor der Arbeit hatte dr�cken wollen.</p><p>Am Ufer sa� Targo und l�chelte. Es freute ihn, wenn seine M�dchen zufrieden waren. Vermutlich lie� sich ein gl�ckliches M�dchen besser verkaufen. Auch die W�chter schienen guter Laune zu sein. Sie riefen den M�dchen einige saftige Obsz�nit�ten zu, und wurden daf�r von ihnen angespritzt. Ein ein�ugiger �lterer W�chter st�rzte sich ebenfalls ins Wasser und tauchte ein besonders freches M�dchen unter � zum Vergn�gen aller.</p><p>Schlie�lich kamen alle ans Ufer, um ihre Haare zu trocknen. Fr�hlich plaudernd sa�en sie im Kreise, ohne mich zu beachten.</p><p>Als der ein�ugige W�chter in frischer Kleidung wieder auftauchte, wurde er in den Kreis der M�dchen gezogen, wo er mit rollendem Auge und weitausholenden Gesten eine Geschichte zu erz�hlen begann. Die M�dchen sch�tteten sich aus vor Lachen und auch ich fand die Vorstellung recht komisch, auch wenn ich kein Wort verstehen konnte. Schlie�lich schlugen sich die M�dchen mit der rechten Hand vor die linke Schulter. Der W�chte verbeugte sich ernst und verlie� den Kreis. Ich sah, wie Lana in meine Richtung blickte. Sie sprang auf, kniete vor Targo und sagte etwas zu einem seiner grinsenden M�nner. Zu meinem �rger wurde die Kleidung gebracht, die ich bei meiner Entf�hrung auf der Erde getragen hatte.</p><p>Nicht ohne M�he zog Lana sie an. Wie sch�n sie in meinen Sachen aussah!</p><p>Im n�chsten Augenblick wurde der protestierende Targo von zwei kreischenden M�dchen in die Mitte des Kreises gezerrt, wo sich Lana herrisch zu geb�rden begann. Ihre Vorstellung gefiel mir ganz und gar nicht; die M�dchen jedoch schienen gro�en Gefallen daran zu finden. Lana marschierte um Targo herum, wandte sich auch an die anderen M�dchen, als verspottete sie sie, als hielte sie sie f�r unw�rdig, mit ihr im gleichen Wagen zu schlafen. Die M�dchen kreischten vor Vergn�gen. Lana war eine ausgezeichnete Schauspielerin, und ich war w�tend. Dann sprangen die beiden M�dchen, die Targo in den Kreis gef�hrt hatten, auf Lana los, zerrten sie zu Boden und taten, als w�rde sie ausgepeitscht. Lana wand sich in gespieltem Schmerz br�llend auf dem Boden, dann warf sie sich vor Targo hin und schmiegte sich an ihn. Mehrere M�dchen blickten zu mir her�ber um meine Reaktion abzupassen, doch ich wandte trotzig den Kopf.</p><p>Targo klatschte zweimal in die H�nde, und die Ordnung war wiederhergestellt. Eine Schachtel mit K�mmen und B�rsten wurde gebracht, und die M�dchen setzten sich paarweise zusammen um sich gegenseitig die Haare zu b�rsten.</p><p>Ich erhielt ebenfalls einen Kamm und n�herte mich sch�chtern Ute. Ich verstand ihre Sprache nicht, und es tat mir leid, da� ich mich im Geschirr so dumm angestellt hatte. Ich konnte ihr nicht sagen, wie ungl�cklich und einsam ich war.</p><p>Ute blickte mir k�hl entgegen. Ich hielt unschl�ssig den Kamm hoch, und Tr�nen traten mir in die Augen.</p><p>�El-in-or�, sagte sie leise und umarmte mich.</p><p>Ich begann zu weinen und k��te sie. Dann begann ich ihr Haar zu k�mmen; als ich fertig war, drehten wir uns um, und sie nahm den Kamm.</p><p>Meine Favoritinnen unter den M�dchen waren Ute und Inge, und in den n�chsten Tagen unserer Reise zum Laurius freundeten wir uns etwas an. Ute wie auch Inge, die beide kein Wort Englisch verstanden, machten sich daran, mich in der goreanischen Sprache zu unterweisen. Unterwegs stie�en wir auf vier weitere Karawanen, und bei jeder Gelegenheit legte Targo seine Vorf�hrkette aus. Ich war die vierte an der Kette, doch ich dachte seltsamerweise nicht an die M�glichkeit, da� ich verkauft werden k�nnte. Einmal jedoch fuhr mir der Schreck in die Glieder, als ein potentieller K�ufer vor mir stehenblieb und mich mit Interesse musterte und pr�fend betastete. Ein seltsames Gef�hl der Leere durchzog mich. Ich wurde bleich. Am liebsten w�re ich aufgesprungen und h�tte die Flucht ergriffen. Zu meiner uns�glichen Erleichterung ging er jedoch weiter und kaufte schlie�lich das neunte und elfte M�dchen an der Kette. Ich sah aus der Ferne, wie Targo bezahlt wurde und die M�dchen ablieferte.</p><p>Zweimal machten wir bei Palisadend�rfern Station, in denen Boskz�chter wohnten. Diese Aufenthalte gefielen mir, denn dabei gab es frische, warme Boskmilch, und wir hatten eine Nacht lang ein Dach �ber dem Kopf, auch wenn es nur aus trockenem Gras bestand. Die Dorfbewohner streuten uns immer frisches Stroh in die H�tte, in der wir f�r die Nacht angekettet wurden. Es roch frisch und war trocken. Ich legte mich gern darauf schlafen, ein herrliches Gef�hl nach der harten klammen Plane, die auf die rohen Bohlen des Wagens gebreitet wurde. Ute und Inge � besonders Ute � waren geduldige Lehrmeister. Jeden Tag �bten sie stundenlang mit mir die goreanische Sprache, und nat�rlich h�rte ich nichts als diese Sprache. Ich stellte bald fest, da� ich Goreanisch sprach, ohne dar�ber nachzudenken. Ich lernte wie ein Kind, das keine vergleichende Sprache kennt. So lernte Ich das Goreanische auf direktem Weg, flie�end, nicht als Architektur grammatischer F�lle und Serie von Vokabellisten, in denen bekannte Begriffe den unbekannten Worten gegen�berstanden. Ute und Inge, die das Englische nicht kannten, h�tten mir keine abstrakten �bertragungen und Vergleiche klarmachen k�nnen, und so hatten sie keine andere Wahl, als mir ihre lebendige Sprache beizubringen, in der t�glichen Praxis, handgreiflich wie ein Werkzeug, ausdrucksvoll und sch�n wie Blumen und Wolken Es dauerte nicht lange, bis ich feststellte, da� ich streckenweise, schon goreanisch dachte. Und knapp zehn Tage nach dem Beginn meines Unterrichts hatte ich einen ersten Traum, in dem jemand mit mir verst�ndliches Goreanisch sprach und ich spontan, ohne nachzudenken, in derselben Sprache antwortete. Interessanterweise handelte es sich um einen Traum, in dem es mir gelang, eine S��igkeit zu stehlen und Lana die Schuld zuzuschieben, so da� sie daf�r geschlagen wurde. Mir machte der Traum Spa�, aber dann hatte es den Anschein, als wollte sich Targo mit der Peitsche auch um mich k�mmern. Ich erwachte im Wagen, sicher angekettet. Es regnete drau�en, und ich h�rte die Tropfen auf die rote Plane �ber unseren K�pfen prasseln und die ruhigen Atemz�ge der schlafenden M�dchen neben mir. Ich lauschte einen Augenblick lang und schlief bald wieder ein.</p><p>Zuerst war meine Grammatik nicht besonders gut, aber Inge half mir. Nach einiger Zeit vermochte ich sogar gewisse Unterschiede in den Dialekten der M�dchen und der W�chter festzustellen. Mein Vokabular weitete sich langsam aus, so da� ich nach wenigen intensiven Studientagen ein ganz passables Goreanisch sprach. Nat�rlich hatte ich einen besonderen Grund f�r meine Anstrengungen � ich wollte mich mit Menschen in Verbindung setzen k�nnen, die mich zur Erde zur�ckbringen konnten. Ich war, sicher, da� sich mit meinem irdischen Verm�gen so etwas arrangieren lie�.</p><p>Einmal bemerkte ich zu Inge, da� Ute offenbar regelm��ig gewisse grammatische Fehler mache.</p><p>�Ja�, sagte Inge n�chtern, �sie stammt eben von Lederarbeitern ab.� �Ich m�chte das Goreanisch einer hohen Kaste erlernen�, sagte ich. �Aber du bist eine Barbarin�, wandte Inge ein.</p><p>In diesem Augenblick h�rten wir drau�en einen W�chter rufen. �Ein Prunkzug!�</p><p>�Er begleitet eine freie Frau!� rief ein anderer Mann.</p><p>Ich h�rte Targo rufen: �Sklaven vor!� i Ich war aufgeregt. Ich hatte noch nie eine freie goreanische Frau gesehen. Hastig wurden wir bei den Wagen aufgestellt. Dabei verdrehten wir uns die H�lse und sahen einen gro�en flachen Wagen, von vier riesigen, herrlich gepflegten schwarzen Bosks gezogen. Auf dem Wagen sa� eine Frau � unter einem mit Fransen behangenen seidenen Sonnenschirm. Der Wagen wurde von etwa vierzig Kriegern flankiert, zwanzig auf jeder Seite.</p><p>Wir h�rten die Glocken am Geschirr der Bosks schon von weitem. Der Wagen w�rde ziemlich nahe vorbeikommen. Targo war ins Freie getreten und ging dem Gespann entgegen.</p><p>�Kniet nieder�, befahl ein W�chter.</p><p>Wir gehorchten, und ich sah zu, wie der niedrige Wagen n�herkam. Die Frau sa� hochaufgerichtet auf ihrem Stuhl, in kostbare farbige Stoffe geh�llt, f�r die man allein mehrere Sklavenm�dchen h�tte kaufen k�nnen. Sie war �berdies verschleiert.</p><p>Der Wagen hielt wenige Meter von uns entfernt. Befehlsgem�� senkten wir die K�pfe.</p><p>Ich begriff pl�tzlich, da� ich anders war als diese Frau. Zum erstenmal in meinem Leben begriff ich die �berw�ltigende Wirklichkeit sozialer Unterschiede. Hier im Gras der goreanischen Steppe kniend verstand ich, wie mein Reichtum eine besondere Aura um mich geschaffen hatte, die geringere Menschen dazu zwang, mich zu respektieren und zur Seite zu treten, wenn ich vorbeigehen wollte. Wie selbstverst�ndlich hatte ich mich zwischen ihnen bewegt, besser gestellt, �berlegen, arrogant. Ja, ich war ihnen �berlegen gewesen. Aber nun war ich nicht mehr auf meiner Welt.</p><p>�Heb den Kopf, Kind�, sagte eine Frauenstimme. Ich gehorchte. Sie war nicht �lter als ich, nannte mich aber Kind.</p><p>�Eine Barbarin�, l�chelte die Frau. �Wie am�sant!�</p><p>�Ich habe sie in der Steppe aufgelesen�, beeilte sich Targo zu versichern. Er schien damit sagen zu wollen, da� meine Gegenwart an seiner Kette nicht seinem Geschmack, sondern dem Zufall zuzuschreiben war.</p><p>Nach einer Weile begannen die Boskglocken wieder zu l�uten, R�der knarrten, Targo verbeugte sich tief und trat zur�ck, und der Wagen rollte weiter.</p><p>Als die Karawane vorbei war, richtete sich Targo auf. Er trug einen seltsam zufriedenen Gesichtsausdruck zur Schau; offenbar freute er sich �ber irgend etwas.</p><p>�In die Wagen�, befahl er.</p><p>�Wer war das?� fragte der ein�ugige W�chter interessiert. �Diese Dame war Rena aus Lydius�, bemerkte Targo, �von den Hausbauern.�</p><p>Wieder wurde ich mit den anderen M�dchen im Wagen festgekettet. An diesem Abend schlugen wir fr�hzeitig unser Lager an einem kleinen Flu� auf. Die M�dchen gingen unter Bewachung. verschiedenen Aufgaben nach. Sie versorgten die Bosks, reinigte die Wagen, holten Wasser und sammelten Holz f�r das Feuer Manchmal durften sie auch kochen. Ute und ich wurden zum Beerenpfl�cken losgeschickt. Das war keine leichte Aufgabe, und ich stahl Beeren aus Utes Eimer, so da� ich zuerst fertig war Au�erdem naschte ich von unserer Ernte, was verboten war; ich gab mir aber M�he, keine verr�terischen Zeichen auf Lippen oder Kinn zu hinterlassen.</p><p>Als wir ins Lager zur�ckkehrten, war es fast dunkel. Zu meiner �berraschung gl�hten zwei Eisen im Lagerfeuer, das besonders hoch aufloderte.</p><p>Nach dem Essen durften wir neben den Wagen im Gras sitzen. Es war ein ruhiger Abend, und aus irgendeinem Grund sprachen die M�dchen kaum.</p><p>Pl�tzlich sprangen die W�chter auf und griffen nach ihre Speeren. Zwei Krieger tauchten aus der Dunkelheit auf. Zwischen sich trugen sie eine Frau, die sie neben dem Feuer in die Knie zwangen. Sie sch�ttelte mit wildem Blick den Kopf, als Targo dem Anf�hrer der beiden Krieger f�nfundvierzig Goldst�cke hinz�hlte.</p><p>Die M�dchen schrien �berrascht auf. Ein phantastischer Preis! Dabei war sie noch gar nicht gesch�tzt worden � also mu�te es sich um ein vorher vereinbartes Gesch�ft handeln. Die beiden Krieger nahmen Targos Gold und verschwanden in der Dunkelheit.         , �Wie t�richt von dir, dich S�ldnern anzuvertrauen�, sagte Targo lachend.</p><p>�Bitte!� rief das fremde M�dchen.</p><p>Da erkannte ich die Frau. Es war Rena aus Lydius, die uns am Nachmittag mit ihrem Gespann begegnet war.</p><p>Das freute mich.</p><p>�Du hast einen Bewunderer�, sagte Targo zu der Frau, �einen Kapit�n aus Tyros, der dich letzten Herbst in Lydius gesehen hat Er hat einen Privatvertrag geschlossen, dich in Ar zu kaufen, damit du in seinen Vergn�gungsg�rten lebst. Er zahlt hundert Goldst�cke.� Einigen M�dchen stockte sichtlich der Atem.</p><p>�Wer ist es?� fragte die Gefangene mit rauher Stimme.</p><p>�Das erf�hrst du, wenn du ihm verkauft wirst�, sagte Targo. Neugier steht einer Kajira nicht zu.�</p><p>Die Frau sch�ttelte verzweifelt den Kopf.</p><p>�Denk nach!� rief Targo. �Warst du zu jemand grausam? Hast du jemanden unterdr�ckt? Hast du einen Menschen nicht so behandelt, wie er es verdient h�tte?�</p><p>Die Frau wurde splitternackt an das gro�e Hinterrad eines Wagens gefesselt und gebrandet. Mit lautem Aufschrei nahm sie den Schmerz des Brandeisens hin, kauerte dann schluchzend an dem Rad. Die M�dchen umringten sie.</p><p>�In die Wagen!� befahl Targo.</p><p>Die W�chter trieben uns zusammen und ketteten uns in den Wagen fest. Das neue M�dchen kam zu uns und wurde ziemlich weit vorn festgemacht und geknebelt, damit sie unseren Schlaf nicht st�rte. Kurz darauf schirrten die W�chter die Bosks an, und im Licht der drei Monde fuhren wir weiter �ber die Ebene.</p><p>Targo gedachte nicht zu verweilen.</p><p>�Morgen�, h�rte ich ihn sagen, �sind wir in Laura.�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Kurz nach Anbruch der D�mmerung erreichten wir das Ufer des Larius. Es war neblig und kalt, und die M�dchen waren zwischen die Planen gekrochen, die den Boden der Wagen bedeckten. Ich und einige andere M�dchen hoben die Seitenplane an und starrten in den Nebel des fr�hen Morgens hinaus. Wir rochen den Flu�.</p><p>Durch den Nebel sahen wir M�nnergestalten und da und dort niedrige Holzh�tten. Bei den M�nnern mu�te es sich um Fischer handeln, die bereits mit dem ersten Fang zur�ckkamen. Andere, mit Netzen bewaffnet, gingen zum Wasser. Wir sahen zahlreiche Pf�hle, an denen Fische hingen. Auch andere Wagen bewegten sich in die gleiche Richtung wie wir. Ich sah M�nner mit B�ndeln, S�cken und Holzlasten auf dem R�cken. In der T�r einer kleine Holzh�tte stand ein Sklavenm�dchen und sah uns nach.</p><p>Pl�tzlich fuhr ein Speerschaft �ber die Plane, worauf wir sie hastig fallen lie�en.</p><p>Ich sah mich um. Die anderen M�dchen waren wach. Sie schienen aufgeregt zu sein. Laura war die erste goreanische Stadt, die ich sah. Gab es hier jemand, der mir ein Zuhause bereitete? Wie unangenehm, da� ich hier im Wagen angekettet war � sogar die hintere Plane war nun festgezurrt worden. Der Stoff war feucht Ich h�tte am liebsten geweint und um Hilfe geschrien. Doch ich ballte die F�uste und beherrschte mich.</p><p>In diesem Augenblick neigte sich der Wagen nach vorn, und ich wu�te, da� wir zum Flu�ufer hinabfuhren. Ich merkte auch da� die R�der im Schlamm zu rutschen begannen, und h�rte das Knirschen der m�chtigen Bremse, die das vordere linke Rad blockierte. So glitt der Wagen, von der abwechselnd angezogenen und gel�sten Bremse im Zaum gehalten, ruckelnd hangabw�rts. Schlie�lich h�rte ich Kieselsteine unter den R�dern, und der Wagen stellte sich wieder waagerecht.</p><p>Nun blieben wir mehrere Minuten lang stehen, und nach einiger Zeit h�rten wir Targo mit einem F�hrmann um die Passage �ber den Flu� feilschen. Schlie�lich fuhren die Wagen auf einen Holzpier. Die Bosks bellten tief. Der Geruch des Flusses war st�rker geworden. Die Luft war kalt und feucht.</p><p>�Sklaven raus!� erklang der Befehl.</p><p>Die hintere Plane wurde aufgeschn�rt. Der ein�ugige W�chte l�ste unsere Ketten von den Ringen und f�hrte uns an die Flu�seite des Piers. Ich fror. Pl�tzlich sah ich eine Bewegung im Wasser; eine schwarze, dreieckige Flosse zuckte dahin. Ich schrie auf. Lana hob die Hand. �Ein Flu�hai!� rief sie aufgeregt. Mehre M�dchen blickten der Erscheinung nach, die im Nebel verschwand. Ich wich von der Pier zur�ck, dr�ngte mich zwischen Inge und Ute. Ute legte mir den Arm um die Schultern.</p><p>Eine breite, flache Barke n�herte sich dem Pier. Sie hatte zwei gro�e Steuerruder, die von Schiffern bedient wurden. Den Antrieb lieferten zwei riesige mit Schwimmflossen bewehrte Flu�-Tharlarion. Es waren die ersten Tharlarion, die ich �berhaupt zu Gesicht bekam, und sie machten mir Angst. Es waren riesige schuppige Tiere mit langen H�lsen, die sich trotz ihrer Gr��e anmutig im Wasser bewegten. Sie waren mit einer Art Geschirr vor die Barke gespannt und wurden von einem Schiffer mit einem langen Stock gesteuert. Der Mann stand in einem Lederkorb zwischen den beiden Tieren. Er rief ihnen mit lauter Stimme seine Kommandos zu, durchsetzt mit blumenreichen goreanischen Fl�chen. Die Barke bewegte sich knirschend am Pier entlang.</p><p>Der Preis f�r den Transport einer freien Person �ber den Laurius betrug einen Silbertarsk. F�r ein Tier brauchte man jedoch nur einen Kupfertarsk zu bezahlen, und ich bemerkte, da� der Tarif f�r einen Sklaven derselbe war. Targo mu�te f�r seine M�dchen und die Bosks insgesamt f�nfundzwanzig Kupfertarsk bezahlen. Die Tiere wurden ausgeschirrt und vorn auf der Barke angebunden. Dort befand sich auch ein Sklavenk�fig, in dem wir unterkamen.</p><p>Ich klammerte mich an die Gitterst�be und blickte �ber den Flu� nach Laura hin�ber. Hinter mir h�rte ich das Rollen der Wagen, die auf die Barke gebracht und mit Ketten auf Drehscheiben festgezurrt wurden, damit sie bei der Ankunft auch vorw�rts wieder an Land gezogen werden konnten. Der Nebel begann sich langsam zu lichten und gab die Oberfl�che des Flusses frei, der Tr�ge dahinstr�mte. Einige Meter entfernt sprang ein Fisch aus dem Wasser und verschwand wieder darin, eine Spur konzentrischer Wellen hinterlassend. �ber uns schrien m�wen�hnliche V�gel.</p><empty-line/><p>Der Schiffer in seinem Lederkorb stie� einen schrillen Pfiff aus und versetzte den beiden Tharlarion einen Schlag mit seinem Stab. Es waren noch andere Barken auf dem Flu� � einige, die mit der Str�mung trieben, andere, die wie wir den Flu� �berquerten. Die Barken, die gegen den Strom fuhren, wurden von riesigen Land-Tharlarion getreidelt, die auf Pfahlstra�en am Ufer entlangstapften. Auf den Barken, die flu�abw�rts geschleppt wurden, sah ich viele Kisten, die allerlei G�ter wie Metalle und Werkzeuge und Stoffe enthalten mochten. Die mit dem Strom nach Lydius schwimmenden Barken transportierten Waren wie Bretter, Tonnen mit Fisch und Salz, Steinladungen und Pelzballen. Auf einigen Barken sah ich leere Sklavenk�fige und in einem dieser K�fige vier nackte m�nnliche Sklaven, die niedergeschlagen in einer Ecke hockten. Eine breite Schneise war ihnen durchs Haar geschoren. Als Lana das sah, stimmte sie ein lautes Hohngel�chter an und verspottete die M�nner, doch diese r�hrten sich nicht.</p><p>Ich wandte mich fragend an Ute.</p><p>�Das Zeichen bedeutet, da� diese M�nner von Frauen gefangen wurden�, sagte Ute und deutete auf die H�gel und Walde n�rdlich von Laura. �Dort liegen die gro�en W�lder. Niemand wei� genau, wie weit sie sich nach Osten erstrecken, und im Norden reichen sie bis nach Torvaldsland. In diesen W�ldern leben die Landv�lker, aber auch viele R�uberbanden, darunter einige Frauenbanden.�</p><p>�Frauen?� fragte ich.</p><p>�Einige nennen sich Waldm�dchen�, sagte Ute. �Andere Pantherm�dchen, weil sei sich in die Felle von Waldpanthern kleiden, die sie mit Speeren und Pfeil und Bogen erlegen.�</p><p>�Was sind das f�r Frauen?� fragte ich. �Woher kommen sie?�| �Einige waren bestimmt fr�her Sklaven�, sagte Ute, �andere frei. Vielleicht gefielen ihnen die Ehepartner nicht, die die Eltern f�r sie aussuchten. Vielleicht gefiel ihnen das Verhalten der anderen B�rger gegen�ber Frauen nicht. Wer kann das wissen? In manchen St�dten darf eine freie Frau ohne Erlaubnis ihres Familienvorstands nicht einmal das Haus verlassen!� Ute l�chelte mich! an. �In manchen St�dten ist ein Sklavenm�dchen fast besser dran. Sei also nicht traurig, El-in-or. Wenn du erst einen Kragen tr�gst und einen Herrn hast, wirst du gl�cklicher sein.�</p><p>�Ich werde niemals einen Herrn haben!� zischte ich. �Niemand soll mich besitzen!�</p><p>�Aber du bist eine Frau�, sagte Ute. �Du wirst doch deine Tr�ume haben.�</p><p>Ich fuhr unwillig herum. �Ich habe keine Tr�ume.�</p><p>�Oh�, meinte Ute.</p><p>�El-in-or ist ein kalter Fisch�, schaltete sich Lana ein. Ich starrte sie an, Tr�nen in den Augen.</p><p>�El-in-or will einen Herrn�, rief Lana laut.</p><p>Die anderen M�dchen begannen zu lachen und mich zu verspotten. W�tend pre�te ich das Gesicht gegen die Gitterst�be.</p><p>�Schaut!� rief Inge in diesem Augenblick und hob den Arm. Am �stlichen Himmel �ber Laura zog eine Gruppe Tarnk�mpfer dahin, etwa vierzig Krieger, auf ihren gro�en, wilden, falkengleichen Sattelv�geln, den riesigen, wilden Tarns, Br�der des Windes genannt, Sie trugen Speere und Helme und hatten Schilde rechts an den S�tteln h�ngen.</p><p>Aufgeregt durcheinanderschreiend dr�ngten die M�dchen zu den Gitterst�ben.</p><p>Die Reiter waren zwar weit entfernt, doch auch so �berkam mich Angst. Was waren das f�r M�nner, die solche gefl�gelten Ungeheuer beherrschten! Ich wich entsetzt zur�ck.</p><p>In diesem Augenblick kam Targo herbei, schirmte seine Augen vor der Sonne des fr�hen Morgens ab und starrte zum Himmel hinauf. Er wandte sich an den ein�ugigen W�chter, der hinter ihm stand. �Es ist Haakon aus Skjern�, sagte er.</p><p>Der Ein�ugige nickte nur.</p><p>Targo schien sich zu freuen.</p><p>Die Tarnk�mpfer landeten irgendwo hinter Laura.</p><p>�Die Gehege des Haakon liegen au�erhalb Lauras, im Norden�, sagte Targo.</p><p>Dann wandte er sich mit seinem W�chter zum Heck der Barke, wo zwei Schiffer die gro�en Steuerruder bedienten. Die F�hre hatte insgesamt sechs Mann Besatzung � den Mann, der die beiden Tharlarion lenkte, die beiden Steuerleute, den Kapit�n und zwei Gehilfen, die sich um die Ladung und das Festmachen und Ablegen k�mmerten. Einer dieser M�nner hatte unseren Sklavenk�fig verschlossen.</p><p>Wir hatten nun mehr als zwei Drittel unseres Wegs �ber den breiten Flu� zur�ckgelegt.</p><p>Am Ufer sahen wir Steine, Nutzholz und F�sser mit Fisch und Salz aufgestapelt. Hinter den Docks f�hrten lange Rampen zu den Lagerh�usern, die aus gegl�tteten und gebeizten Brettern zu bestehen schienen. Die meisten hatten D�cher aus schwarz bemalten Holzschindeln. Viele waren verziert, besonders �ber den Toren. Im Innern der Lagerh�user sah ich gro�e Ladefl�chen und verschiedene Stockwerke, die durch Rampen verbunden waren. Zahlreiche G�ter lagerten hier; viele Menschen bewegten sich hin und her, kleine Barken wurden beladen oder gel�scht. Laura bildete das Zivilisationszentrum f�r diese Gegend; Lydius, der freie Hafen an der Lauriusm�ndung, war �ber zweihundert Pasang entfernt.</p><p>Die Tharlarion drehten sich jetzt langsam im breiten Flu� und schoben die Barke unter dem Geschrei der Schifferleute r�ckw�rtsgehend an den Pier. Es gab eine leichte Ersch�tterung, als die zusammengerollten nassen Felle au�enbords am Heck gegen den Pier stie�en. Die beiden Schiffer standen mit ihren Seilen bereit und machten die F�hre fest. Sofort wurde mit der Entladung der Wagen begonnen.</p><p>Ein Mann kam nach vorn, l�ste die Bosks von ihren Ringen und f�hrte sie zu den Wagen. Einige Passanten kamen auf den Pier und sahen zu. Sie trugen rauhes Arbeitszeug und wirkten sehr kr�ftig.</p><p>Ein durchdringender Geruch nach Salz und Fisch hing in der Luft. F�r die Luxusg�ter Gors besteht in Laura wenig Bedarf. Selten findet man hier torianischen Golddraht oder verzahnte Silberw�rfel aus Tharna, Rubine aus Schendi, zu kleinen brennenden Panthern geformt, selten auch Nu�speisen und Gew�rze und Pfeffer aus den L�ndern �stlich Bazis, oder blumengeschm�ckten Brokat oder die durchsichtige Seide des herrlichen Ar. Selbst f�r goreanische Verh�ltnisse ist das Leben in und um Laura primitiv besonders weiter n�rdlich in den gro�en W�ldern bis hinauf nach Torvaldsland. Doch ich bezweifelte nicht, da� die starken M�nner dieser Stadt den K�rper eines Sklavenm�dchens zu sch�tzen wu�ten.</p><p>�Tal, Kajirae!� rief einer her�ber.</p><p>Ute pre�te sich gegen die K�figst�be und winkte zur�ck.</p><p>In diesem Augenblick kam einer der Schiffer nach vorn und �ffnete mit seinem schweren Schl�ssel den K�fig, in dem wir uns befanden. Quietschend schwang die T�r auf.</p><p>Hinter ihm tauchten unsere W�chter auf. �Sklaven raus�, sagte einer. Wir sahen, da� die Bosks inzwischen angeschirrt waren.</p><p>Als wir aus dem K�fig kamen, wurden wir am Hals hinterereinandergefesselt, H�nde und F��e blieben frei. Barfu� verlie�en wir die Barke und wurden neben den Wagen auf den Pier f�hrt.</p><p>Ich sah, da� eine Holzrampe vom Pier zu einer aus Holz gezimmerten Stra�e f�hrte, die sich zwischen den zahlreichen Lagerh�usern hindurchwand. Dieser Stra�e folgten wir. Mir gefiel der Geruch Lauras, das frische Gr�n der Felder, die sich bis zu den W�ldern hinzogen, der Duft des Flusses und des Holzes. Wir kamen an Lederschlitten vorbei, auf denen Granitbl�cke aus den Steinbr�chen im Osten gestapelt waren, und an Ballen von Sleen und Pantherfellen aus den W�ldern. Ich streckte die Hand aus und ber�hrte einige Felle im Vorbeigehen; sie f�hlten sich sehr angenehm an.</p><p>Der Geruch nach gebratenem Tarsk wurde st�rker, und zu unserer Freude bogen die Wagen ab und verschwanden in einem der riesigen Lagerh�user. Hier war der Boden glatt. Als wir drin waren, wurden die T�ren geschlossen. Wir erhielten frische Milch und gebratenes Tarskfleisch und a�en.</p><p>Pl�tzlich merkte ich, da� Targo vor mir stand. �Du bist h�bscher geworden, seit du bei mir lebst�, sagte er.</p><p>�Ja�, sagte der ein�ugige W�chter hinter ihm, �und es gibt heuer einen guten Markt f�r M�dchen von wei�er Seide.�</p><p>�Tu sie an sechste Stelle.� Targo wandte sich zum Gehen. Ich senkte erfreut den Blick. Das bedeutete ein Aufr�cken um zwei Pl�tze an der Vorf�hrkette � zum Leidwesen der anderen M�dchen. Aber Targo stellte seine M�dchen nicht in Laura zum Verkauf, was mich sehr erleichterte; er wollte bessere Preise.</p><p>Nach dem Essen setzten wir unseren Weg fort und wanderten �ber die Holzstra�e, den Wagen folgend. Als wir an einer Pagataverne vorbeikamen, sah ich ein Sklavenm�dchen nackt zwischen den Tischen tanzen. Unwillk�rlich blieb ich stehen und starrte sie an � so etwas hatte ich noch nie gesehen. Doch ein Speerschaft trieb mich schnell weiter. Gegen Mittag erreichten wir ein Sklavengehege im Norden von Laura. Es gab dort mehrere �hnliche Anlagen. Unser Gehege hatte eine gemeinsame Gitterwand mit dem Gehege Haakons aus Skjern, den Targo hier aus gesch�ftlichen Gr�nden treffen wollte. Gehege dieser Art bestehen aus einem fensterlosen Geb�ude aus Balken mit einem Steinfu�boden, auf dem Stroh zum Schlafen ausgebreitet wird; eine T�r f�hrt aus diesem Geb�ude in einen von Gittern umschlossenen �bungshof, der auch zum Himmel hin mit Stangen abgesichert ist. Im Nachbargehege befanden sich etwa zweihundertf�nfzig bis dreihundert Dorfm�dchen, von denen manche ziemlich viel jammerten. Ich war froh, da� die W�chter wenigstens nachts f�r Ruhe sorgten. So konnten wir etwas schlafen.</p><p>Sie waren bereits versklavt, doch jeden Morgen setzten sie sich hin und flochten einander das lange blonde Haar. Dieser Vorgang schien ihnen wichtig zu sein, und man lie� sie auch gew�hren. Targos andere M�dchen, zu denen ich geh�rte, trugen ihr Haar lang und glatt ausgek�mmt. Ich hoffte, da� mein Haar schnell wachsen w�rde. Lana hatte das l�ngste Haar von uns allen; es reichte ihr bis zur H�fte. Die meisten Dorfm�dchen waren noch nicht mit Brandzeichen gekennzeichnet und trugen auch noch keinen Kragen. Sie waren zumeist blau�ugig, von den R�ubern Haakons in den D�rfern n�rdlich des Laurius gefangengenommen. Die meisten wirkten keineswegs bek�mmert angesichts ihre Schicksals � vermutlich war das Dorfleben f�r ein M�dchen ohnehin kein Zuckerschlecken. Targo durfte sich aus dieser Gruppe hundert M�dchen aussuchen. Ich hatte gesehen, wie er dem finsteren Haakon die restlichen hundertf�nfzig Goldst�cke zahlt und sich dann an die Arbeit machte. Die M�dchen, die zu uns ins Gehege kamen, hielten sich im Hintergrund.</p><p>Von da an hatte ich die Aufsicht �ber Rena aus Lydius zu f�hren, die abseits gehalten wurde, damit niemand sie erkannte. Ich behandelte sie nicht gut, da ich eine Abneigung gegen sie gefa�t hatte. Mehr als einmal a� ich ihre Ration auf.</p><p>Hinter Haakons Gehege machte ich den K�fig aus, in dem seine gewaltigen Tarns angekettet waren. Die gro�en V�gel sa�en unruhig auf den Stangen, warfen die K�pfe zur�ck und rissen gro�e Fetzen aus den Boskkadavern, die ihnen vorgeworfen wurden den. Manchmal zerrten sie an ihren Fu�fesseln und hieben mit, den gewaltigen gelben Krummschn�beln nach ihren W�chtern; Der Wind, den ihre wildschlagenden Fl�gel erzeugten, konnte einen Menschen von den F��en rei�en. Obwohl ich durch, drei Gitterw�nde von diesen Tieren getrennt war, hatte ich gro�e Angst vor ihnen. Auch die nordischen Sch�nheiten des Haakon duckten vor den V�geln die K�pfe oder fl�chteten �ngstlich auf die andere Seite des K�figs, wenn die Tarns ihr wildes Geschrei anstimmten. Ich wei� nicht, warum sich Frauen vor den Tarns so sehr f�rchten, aber bei den M�nnern ist das oft nicht anders, gibt nur wenige, die sich einem solchen Tier zu n�hern wagen. hei�t, ein Tarn wei� sofort, wer ein richtiger Tarnreiter ist und wer nicht � und wenn ein Unbefugter ihm nahe kommt, rei�t er ihn in St�cke. So ist die Kaste der Tarnkrieger nur klein. Diese M�nner verbrachten einen Gro�teil ihrer Zeit in den Tavernen Lauras und stritten, spielten und tranken im Oberflu�, w�hrend sie von aufgeregten Sklavenm�dchen bedient wurden. Kein Wunder, da� viele M�nner, sogar Krieger, die arroganten, �berlegenen Tarnreiter ha�ten, die an einem Abend reich, am n�chsten verarmt waren, stets am Rande des Abenteuers lebend. Haakon war ein solcher Tarnk�mpfer, und er erschreckte mich. Er war h��lich und machte einen verschlagenen Eindruck.</p><p>Auch Targo schien nerv�s zu sein, wenn er mit diesem Mann zu tun hatte.</p><p>Wir blieben sechs volle Tage in dem gemieteten Gehege vor Laura. An f�nf Tagen wurde ich morgens mit vier anderen M�dchen in die Stadt geschickt, um Vorr�te zu holen. Zwei W�chter begleiteten uns. Doch vor einem bestimmten Geb�ude trennte mich ein W�chter von den anderen M�dchen und f�hrte mich jeden Morgen in das Haus, w�hrend die anderen zum Markt weitergingen. Bei der R�ckkehr warteten sie auf der Stra�e, bis ich und mein W�chter wieder zu der Gruppe stie�en. Ich wurde wieder an die anderen gefesselt, die Lasten wurden neu verteilt, und es ging zur�ck zum Gehege.</p><p>Das Geb�ude, in das ich gef�hrt wurde, geh�rte einem Arzt. Ich wurde durch einen Korridor in einen besonderen Raum gebracht, in dem Sklaven behandelt wurden. Dort wurde mir der Kamisk abgenommen. Am ersten Tag untersuchte mich der Arzt, ein ruhiger Mann in der gr�nen Kleidung seiner Kaste. Seine Instrumente, die Versuche, die er machte � all dies �hnelte sehr den Untersuchungsmethoden auf der Erde. Besonders interessant fand ich die Tatsache, da� das Zimmer durch eine sogenannte Energiekugel erhellt wurde, eine Erfindung der Hausbauer. Diese Lampe schien keine Zuleitung und auch keine Batterien zu haben und erleuchtete doch den Raum bis in die letzten Winkel. Die Instrumente des Arztes waren ganz und gar nicht primitiv. Zum Beispiel verf�gte er �ber eine kleine Maschine mit Anzeigeger�ten und Kontrollampen. In dieses Ger�t f�hrte er Objekttr�ger mit Blutstropfen und Urin, Hautproben und Haarmustern ein. Mit einem Stift notierte er die Ergebnisse, die die Maschine anzeigte, die au�erdem eine Art Mikroskopbild erscheinen lie�. Der W�chter hatte mir streng verboten, mit dem Arzt zu sprechen, wenn ich nicht angesprochen wurde. Obwohl der Mann nicht unfreundlich zu mir war, schien er mich doch bestenfalls f�r ein Tier zu halten.</p><p>Als er mit der Untersuchung fertig war, mischte er mehrere Pulver in drei oder vier Beh�lter zusammen, tat Wasser hinzu und r�hrte sie um. Dieses Mittel mu�te ich trinken.</p><p>�Sie mu� das Stabilisationsserum erhalten�, sagte der Arzt. Der W�chter nickte.</p><p>�Das wird in vier Injektionen eingegeben�, sagte der Arzt, und der W�chter nickte und f�hrte mich zu einem Tisch, �ber den ich mich beugen mu�te. Die Injektion erfolgte oberhalb der linken H�fte und war schmerzhaft.</p><p>Nach der Behandlung durfte ich mich wieder anziehen. Ich wollte dringend mit dem Arzt sprechen � in seinem Haus, in diesem Raum. Ich hatte hier Instrumente gesehen, die auf eine fortschrittliche Technologie hindeuteten � sehr im Gegensatz zu an deren Lebensbereichen auf dieser primitiven Welt. Doch der W�chter dr�ngte mich aus dem Zimmer, und der Arzt blickte mir �berrascht nach, so flehend hatte ich ihn angesehen.</p><p>Drau�en hatte ich den Eindruck, als w�rden wir von einem kleinen schwarzgekleideten Mann beobachtet, aber ich war meiner Sache nicht sicher.</p><p>Die anderen M�dchen warteten bereits.</p><p>Wir kehrten in den n�chsten Tagen in das Haus des Arztes zur�ck. Am zweiten, dritten und vierten Tag erhielt ich die restlichen Stabilisierungsinjektionen. Am f�nften Tag untersuchte mich der Arzt noch einmal und best�tigte dem W�chter, da� das Serum angeschlagen habe.</p><p>Am zweiten Tag hatte ich versucht, mit dem Mediziner zu sprechen; daf�r wurde ich vom W�chter bestraft. Vor dem Haus sah er mich am�siert an. �Du willst wohl den Heimweg geknebelt zur�cklegen?� fragte er.</p><p>Ich sch�ttelte heftig den Kopf. Nein, es durfte nicht geschehen, da� Targo sich erkundigte, was ich ausgefressen hatte.</p><p>�Will die kleine Sklavin ihren W�chter um Verzeihung bitten?� fragte er sp�ttisch.</p><p>Ich nickte ergeben.</p><p>�Nur schade, da� du von wei�er Seide bist�, sagte der Mann; kopfsch�ttelnd und f�hrte mich zu den anderen M�dchen. Ich sp�rte, da� er mich haben wollte, und das erf�llte mich seltsamerweise mit Stolz. Ich hatte meine Macht �ber die M�nner also doch noch nicht verloren.</p><p>Als ich am f�nften Tag das Haus des Arztes verlie�, h�rte ich, ihn zu meinem W�chter sagen: �Ein ausgezeichnetes Exemplar!�; Es stimmte, da� ich mich in diesen Tagen gesund f�hlte wie nie zuvor, auch war mir die Luft noch nie so rein und klar, der Himmel so blau vorgekommen. Mir wurde pl�tzlich klar, da� ich trotz meiner Situation zufrieden war. Auch wenn ich barfu� laufen mu�te und herumkommandiert wurde, auch wenn ich als Sklavin der Gnade der M�nner ausgeliefert war, f�hlte ich mich paradoxerweise zum erstenmal richtig am Leben. Ich dachte �fter an M�nner, nachdem ich nun wu�te, da� sie mich attraktiv fanden. Und auch ich schien seltsamerweise ein neues Verh�ltnis zu ihnen zu finden, schien sie mit anderen Augen zu sehen. Der eine hielt den Kopf auf eine bestimmte Weise, ein anderer lachte frisch und aus vollem Herzen, ein dritter hatte st�mmige Beine, wieder ein anderer sch�ne Arme und starke H�nde, eine sch�ne Brust oder einen wohlgeformten Kopf. Ich stellte fest, da� ich mir die M�nner anzuschauen begann, da� ich ihre N�he suchte, da� es mir nichts mehr ausmachte, ihre Sandalen zu putzen oder im Flu� nahe dem Gehege ihre Kleidung zu waschen. Einmal ertappte mich Ute dabei, wie ich vertr�umt die Tunika des W�chters anstarrte, der mich zum Arzt begleitet hatte. Sie stie� einen Freudenschrei aus, sprang auf und deutete auf mich. Auch die anderen M�dchen blickten lachend her�ber. �El-in-or w�nscht sich einen Herrn!� kreischte Ute. Ich jagte sie durch das Wasser, und sie ergriff stolpernd die Flucht, eilte ans Ufer und blickte schweratmend auf mich herab. �El-in-or w�nscht sich einen Herrn!� rief sie lachend.</p><p>Ich stand im Wasser, w�tend, die F�uste geballt. �Ja, na und?� fragte ich.</p><p>Aufgebracht kehrte ich an meine Arbeit zur�ck, und auch die anderen M�dchen wuschen weiter. Aber die Atmosph�re hatte sich irgendwie ver�ndert. Ich lauschte, wie sie fr�hlich miteinander plauderten. Was war anders? Ich trug meinen Kamisk und arbeitete wie die anderen. Es gab hier kein Penthouse, keinen Maserati, kein Verm�gen, keine Hochh�user, keinen Autol�rm, kein Kreischen von Flugzeugen, keinen Smog. Nur das Lachen der M�dchen, das Rauschen des Wassers, die Arbeit, den blauen Himmel, die wei�en Wolken, den Wind des weiten Landes und das wogende Gras.</p><p>Ich unterbrach meine Arbeit und atmete tief ein. Ich war nicht mehr w�tend.</p><p>�Weitermachen�, sagte ein W�chter.</p><p>Ute, die ihre W�sche auf die flachen Felsen klatschte und im kalten Wasser aussp�lte, begann zu singen.</p><p>Ich war tats�chlich gl�cklich! Ich geh�rte zu diesen M�dchen. Ich hatte mich mit meinem Schicksal abgefunden. Wie hatten sie das geschafft? Allm�hlich begann ich mich auf den Moment zu freuen, da ich verkauft sein w�rde. Ich hatte nichts dagegen, in Laura ver�u�ert zu werden. Mir gefiel diese Stadt, dieser einfache, primitive Ort mit der herrlichen Luft, dem Wald im Norden und dem Flu� im S�den. Ich liebte die Rampen, die zum Flu� hinabf�hrten und sich zwischen den Lagerh�usern hindurchwanden, den geschnitzten, bunten Holzschmuck an den H�usern, die schwarzen Dach schindeln, den Geruch nach Bosks auf den Rampen und das Knarren der Wagen, den Duft nach Fisch und Salz und schimmernden Tharlarion, den Geruch nach Fellen und frisch ges�gtem Holz an den Docks. Und die M�nner dieser Stadt gefiele mir in ihren groben Tuniken, lebensstrotzende, kr�ftige M�nner mit fr�hlichem Lachen, M�nner, die fest zupackend in der klaren Luft und auf dem Flu� arbeiteten. Ich fragte mich, ob es mein Schicksal sein w�rde, mit einem von ihnen auf dem Wagen zu fahren oder in Gesellschaft eines Fischers nachts mit Fackeln auf den Flu� hinauszufahren. Ich fragte mich, ob ich geschickt auf dem Marktplatz w�rde schachern m�ssen, und ob mein zuk�nftig ger Herr wohl meine K�che mochte. Ich fragte mich, ob er mich auf Reisen mitnehmen w�rde. Ja, zum erstenmal im Leben hatte ich nichts dagegen, eine Frau zu sein und an der Seite eines einfachen Mannes ein entbehrungsreiches aber erf�lltes Leben zu f�hren. An diesem Nachmittag rief mich Targo zu sich. Erschreckt kniete ich vor ihm nieder.</p><p>�Heb den Kopf�, sagte er.</p><p>Ich gehorchte.</p><p>�Wenn die Vorf�hrkette ausgelegt wird�, sagte er, �bist du ab heute elftes M�dchen.�</p><p>Ich traute meinen Ohren kaum. �Danke, Herr�, sagte ich leise. Zur Kette des Targo geh�rten noch sechzehn M�dchen. Die hundert Dorfm�dchen z�hlten nicht; sie sollten nur in Ar verkauft werden.</p><p>�Du bist jetzt hoch oben an der Kette�, sagte Targo, �ich bin zufrieden mit dir.�</p><p>Ich freute mich sehr �ber seine Bemerkung. Hastig lief ich zum Gehege zur�ck, und der W�chter �ffnete mir den K�fig und lie� mich eintreten. Ich ging sofort zu Ute und erz�hlte ihr, da� ich nun elftes M�dchen war.</p><p>Wir umarmten uns vor Freude.</p><p>Lana war rangh�chstes M�dchen, die Nummer sechzehn. Dann kam Inge, weil sie einer hohen Kaste angeh�rt hatte. Ute war vierzehntes M�dchen.</p><p>Es bringt nicht nur Prestige, hoch an der Kette zu stehen, sondern in der Regel erzielt man dann auch einen besseren Preis und bekommt einen gut bestallten Herrn.      |</p><p>Stolz spazierte ich vor Ute und Inge auf und ab. �Ich h�tte nichts dagegen�, sagte ich hochm�tig, �wenn mein Herr mich in Seide kleidet.�</p><p>Wir lachten.</p><p>�Hoffen wir nur�, sagte Inge, �da� du nicht von einem Pagawirt gekauft wirst.�</p><p>Ich blickte sie ver�rgert an.</p><p>�Die k�nnen sich oft die besten M�dchen leisten�, sagte Inge, und ich schluckte. �Allerdings�, fuhr sie fort, �kommen nur sehr wenige M�dchen in Tavernen. Vielleicht wirst du Bedienungssklavin oder Haussklavin.�</p><p>Ich reckte mich wohlig. �Nein�, sagte ich. �Ich glaube, ich werde Vergn�gungssklavin.�</p><p>�Ohne Training?� fragte Inge lachend.</p><p>�Das kann ich alles lernen�, versicherte ich.</p><p>�Wie ich geh�rt habe�, schaltete sich Ute ein, �sollen wir alle in Ko-ro-ba ausgebildet werden.�</p><p>�Ich lerne bestimmt ausgezeichnet�, sagte ich.</p><p>�Wie sehr du dich ver�ndert hast!� rief Ute aus. �Sie haben dir Spritzen gegeben, nicht wahr?�</p><p>�Was hat das damit zu tun?� fragte ich geringsch�tzig.</p><p>�Oh, eine ganze Menge�, versicherte Inge, und wir lachten. Am Nachmittag dieses Tages gab es im Gehege eine kleine Abwechslung. Ein Jahrmarktsgaukler mit spitzem Hut und einer Feder daran, in eine schreiend bunte Robe gekleidet und clownisch bunt angemalt, f�hrte ein seltsames Tier bei sich. F�r eine kupferne Tarnm�nze wollte er uns eine kleine Vorstellung geben, Wir alle � sogar die Dorfm�dchen � flehten Targo an, die Erlaubnis zu geben. Zu unserer Freude willigte Targo ein, und der kleine Marktschreier mit dem seltsamen Tier schuf sich eine kleine B�hne auf der anderen Seite, abseits des Gitters, das die gemeinsame Trennwand zwischen unserem und Haakons Gehege bildete. Wir und die hundert Dorfm�dchen dr�ckten uns begeistert an das Gitter, um ihm zuzuschauen.</p><p>Der kleine Mann mit der weiten, lustigen Kleidung und dem angemalten Gesicht kam mir irgendwie bekannt vor, doch ich wu�te, da� das unm�glich war. Wie absurd! Er tanzte und schlug Saltos und sang lustige Lieder vor dem Gitter. Er war ein kleiner, agiler Mann. Er hatte scharfe Augen und schnelle H�nde. Und er erz�hlte lustige Geschichten und Witze. Er f�hrte auch Zauberkunstst�cke vor � mit Seident�chern und Halsb�ndern � und jonglierte mit farbigen Reifen herum, die er an seinem G�rtel trug. Schlie�lich griff er durch die Gitterst�be und tat, als finde er M�nzen im Haar der M�dchen. Zu meinem Entz�cken zog er aus meinem Haar einen Silbertarsk. Die anderen schrien neidisch auf � das war die kostbarste M�nze, die er fand. Ich err�tete vor Freude, und Lana war beleidigt.</p><p>W�hrend der ganzen Vorstellung hatte das Ungeheuer des Mannes geschlafen, im Gras zusammengerollt; seine Kette wurde von einem W�chter gehalten.</p><p>Schlie�lich wandte sich der Marktschreier mit einer Verbeugung an sein Tier, nahm dem W�chter die Kette ab und sagte im Befehlston: �Wach auf, du Faulpelz! Steh gerade!�</p><p>Das Tier machte uns angst. Wir freuten uns, da� es so zahm war und dem kleinen Mann offenbar aufs Wort gehorchte.</p><p>Langsam stemmte sich das Tier auf die Hinterbeine, hob die Pfoten und g�hnte.</p><p>Mehrere M�dchen schrien auf, und ich wich einige Zentimeter zur�ck. Es war ein unglaublich h��liches, gro��ugiges Pelzwesen. Es hatte lange, spitze Ohren, war etwa zweieinhalb Meter gro� und mochte an die siebenhundert Pfund schwer sein. Es hatte eine breite, ledrige Schnauze mit zwei N�stern. Das Maul war riesig, gro� genug, um einen Menschenkopf zu verschlingen, und mit zwei Reihen spitzer Z�hne ausger�stet. Vier gro�e Hauer vervollst�ndigten das Gebi�, von denen die beiden oberen Rei�z�hne auch bei geschlossenem Maul herausragten. Das Biest hatte eine lange, dunkle Zunge. Die Vorderbeine waren l�nger als die Hinterbeine. Ich hatte schon gesehen, wie es sich trottend auf den Hinterbeinen und Gelenken der Vorderpfoten bewegte, aber jetzt sah ich, da� die Vorderpfoten mehr wie Arme und H�nde wirkten. Ja, sie hatten sechs Gelenke und waren beweglich wie Tentakel, die in klauengleichen Fingern endeten. Auch an den Hinterbeinen hatte es Klauen, die sich einziehen lie�en, wie uns der Marktschreier mit scharfen Kommandos vorf�hrte. Die Klauen waren fast zehn Zentimeter lang, sichelf�rmig und sehr spitz. Ich vermochte mir nicht dar�ber klar zu werden, ob ich mir dieses Tier als Vierbeiner oder als menschen�hnliches Wesen mit zwei Beinen und zwei Armen vorstellen sollte. Einen Schwanz hatte es jedenfalls nicht. Am auff�lligsten waren vielleicht die Augen. Sie waren gro� und hatten schwarze Pupillen. Einen Moment lang bildete ich mir ein, sie w�ren auf mich gerichtet � nicht als die Augen eines Tiers, sondern als die eines Vernunftwesens, das mich erkannt hatte. Doch im n�chsten Moment war der Blick wieder leer und nichtssagend, der stumpfe Blick eines dressierten B�ren, der seine Nummern vorf�hrt. Ich verdr�ngte das Unbehagen, das ich empfand.</p><p>Wir klatschten Beifall, als das Tier seine Vorstellung fortsetzte. Es hockte sich auf den Hintern und machte mit den Vorderpfoten komische Bewegungen. Dann wieder purzelte es kopf�ber durch den Sand. Schlie�lich stimmte es ein durchdringendes Jammergeschrei an. Der Gaukler warf dem Tier st�ndig kleine St�cke Boskfleisch zu � als Belohnung f�r gelungene Kunstst�cke. Manchmal beschimpfte er es und z�gerte, das Fleisch aus der Hand zu geben. In solchen F�llen senkte das Tier den Kopf wie ein gescholtenes Kind, woraufhin es dann doch sein Fleisch bekam.</p><p>Den W�chtern gefiel die Vorstellung ebenso wie uns M�dchen. Ich sah, da� auch Targo lachte und sich den m�chtigen Bauch hielt. Manchmal gab der kleine Mann auch den M�dchen die Fleischst�cke, damit sie das Tier f�tterten. Lana durfte es wiederholt tun und sah mich triumphierend an. Ich hatte zuviel Angst vor dem Ungeheuer, um mich mehr als einmal zu melden. Das St�ck Fleisch verschwand in dem gewaltigen Maul, und die gro�en runden Augen blinzelten schl�frig und zufrieden. Die M�dchen lachten. Ich wich erschrocken zur�ck, als mich diese Augen wieder so merkw�rdig musterten.</p><p>Am Schlu� der Vorstellung verbeugte sich der Gaukler tief vor uns und setzte schwungvoll seine spitze Kappe auf. Wie sehr uns diese Demutsgeste freute! Wir schlugen uns mit der linken Hand gegen die rechte Schulter, streckten ihm durch die Gitterst�be die Arme entgegen. Doch die Vorstellung war aus.</p><p>Der Mann trat zur�ck.</p><p>Stille trat ein.</p><p>Das Ungeheuer stemmte sich schl�frig auf den Hinterpfoten hoch und betrachtete uns. Pl�tzlich stie� es ein schreckliches Br�llen aus und sprang auf das Gitter zu, die riesigen Klauen nach uns ausgestreckt, das gewaltige, zahnbewehrte Maul aufgerissen. Es prallte gegen die Gitterwand, langte hindurch; seine Z�hne scharrten am Metall entlang, seine Kette klirrte gegen die St�be. Wir stolperten erschrocken kreischend zur�ck, versuchten zu fliehen, behinderten uns jedoch gegenseitig.</p><p>Von allen Seiten bedr�ngten mich die anderen fliehenden Sklavinnen, dr�ckten gegen mich, warfen mich um. Und ich konnte mich nicht in Sicherheit bringen, denn die anderen, die weiter hinten gestanden hatten, begriffen nicht gleich, was los war. Ich schrie verzweifelt. Schlie�lich merkten wir, da� die W�chter und, Targo aus vollem Halse lachten. Sie hatten Bescheid gewu�t. Der Angriff des Tiers hatte noch zur Vorstellung geh�rt � etwas, das uns gar nicht schmeckte. Wie komisch mu�ten wir gewirkt haben, wie wir uns entsetzt vor dem Ungeheuer in Sicherheit bringen wollten: Wie belustigend f�r die Wachen und f�r Targo und den kleinen Gaukler, der ungeniert den wild strampelnden Haufen M�dchen betrachtete. Das Monstrum sa� ruhig neben ihm und fuhr sich schl�frig mit der Zunge �ber die Lefzen, blinzelte in die Runde.</p><p>Nach und nach entflochten wir den Wirrwarr. Wir waren besch�mt und verlegen, so sehr hatten wir uns t�uschen lassen, so elend war unsere Flucht mi�lungen. Aber schlie�lich hatten wir Angst gehabt. Einige standen in der N�he der winzigen T�r zu dem schweren Holzhaus, jeden Augenblick bereit, die Flucht zu ergreifen. Andere hatten sich an der gegen�berliegenden Gitterwand in Sicherheit gebracht. Die meisten standen einige Meter von dem Gitter entfernt, gl�tteten ihre Kamisks und starrten erbost auf die lachenden M�nner. F�r wie schlau sie sich hielten! Wahrscheinlich waren sie mutige K�mpfer, die sich des Ungeheuers erwehrt h�tten, w�hrend wir wie furchtsame Kinder zur�ckgescheut waren! Aber was hatten sie erwartet � so war es nun einmal! Sie waren das st�rkere Geschlecht, auf dieser Welt mehr als sonstwo!</p><p>Ute und mehrere M�dchen begannen zu lachen � �ber sich selbst, �ber uns M�dchen. Es war ein herrlicher Spa� auf unsere Kosten gewesen. Was f�r ein sch�ner Abschlu� der Vorstellung! Ich konnte nicht lachen, aber ich brachte wenigstens ein L�cheln zustande. Die M�dchen winkten nun dem Clown zu, der sich l�chelnd verbeugte, die Kette seines seltsamen Tiers nahm und sich zum Gehen wandte.</p><p>Einige M�dchen setzten sich zum Spielen zusammen, woran sich erstmals auch M�dchen aus dem Norden beteiligten. Wir hatten uns einen Tuchball zurechtgemacht und warfen ihn lachend herum. Andere hockten zusammen und erz�hlten sich, was sie alles erlebt hatten. Wieder andere sa�en sich kniend gegen�ber und spielten mit Bindfaden ein kompliziertes Musterspiel.</p><p>Einige spielten �Steine�, wobei ein Spieler die Anzahl der Steine erraten mu�, die der andere in der Hand h�lt. Ich versuchte mich am Bindfadenspiel, brachte es jedoch nicht weit. Ich kam immer durcheinander, wenn ich die komplizierten Muster nachzuahmen versuchte. Die anderen M�dchen bel�chelten meine Ungeschicklichkeit. Besonders die Sklavinnen aus dem Norden stellten sich sehr geschickt an.</p><p>�Das erfordert viel �bung�, bemerkte Ute.</p><p>�In den D�rfern hat man auch kaum anderes zu tun�, sagte Lana, die sich weigerte, an dem Spiel teilzunehmen.</p><p>Beim �Stein�-Spiel jedoch war ich sehr zufrieden mit mir. Zwei Spieler sind abwechselnd an der Reihe. Jeder Spieler hat die gleiche Anzahl �Steine�, gew�hnlich zwei bis f�nf pro Teilnehmer. Diese �Steine� sind Kiesel oder Glasperlen, doch in den St�dten kann man kleine polierte Kisten mit zehn �Steinen� kaufen, bei denen es sich um polierte Ovalsteine mit h�bschen Mustern bis zu kostbaren Juwelen handeln konnte. Der Zweck des Spiels ist es, die Anzahl der Steine zu erraten, die der andere in der Hand oder in den H�nden verbirgt. R�t man richtig, gibt es einen Punkt. Das Spiel wird zu Anfang auf eine bestimmte Anzahl von wechselseitigen Ratevorg�ngen festgelegt, gew�hnlich f�nfzig. In der Regel versucht man, einen der Gegner zu �berlisten, indem man die Anzahl der gehaltenen Steine wechselt. Ich war hierbei recht erfolgreich und besiegte die meisten M�dchen, sogar Inge. Ich forderte Lana heraus, die jedoch nicht mit mir spielen wollte. Nur Ute vermochte ich nicht zu schlagen. Das �rgerte mich, denn Ute war ein kleines Dummerchen. Sie sprach ja nicht mal ihre eigene Sprache richtig! Aber es fiel mir schwer, Ute etwas nachzutragen.</p><p>Der Nachmittag war ein voller Erfolg gewesen. Ich war elftes M�dchen geworden, hatte die Vorstellung des Gauklers gesehen und mich bei Spielen vergn�gt.</p><p>Kurz darauf sah ich einen Wagen voller Pagaf�sser im Gehege eintreffen. Die Fuhre wurde von den W�chtern freudig begr��t. Heute abend sollte gefeiert werden. Morgen sollten wir dann das Gehege verlassen und die �berlandreise in s�d�stlicher Richtung nach Ko-ro-ba antreten � und von dort ging es dann weiter nach Ar.</p><p>Targos Wagen, nun sechzehn Fahrzeuge, die in Laura samt Ihren Boskgespannen hinzugekauft worden waren, standen in verschiedenen Entfernungen vom Gehege zu zweit oder dritt beieinander und bildeten isolierte Lager f�r die W�chter. Au�er den neun M�nnern, die bei meiner Gefangennahme zu Targo geh�rt hatten, waren achtzehn neue W�chter zur Mannschaft gesto�en. Sie waren in Laura angeworben worden, ausgesuchte, zuverl�ssige M�nner, keine unbekannten S�ldner. Auf seine Weise verstand es Targo, seinen Besitz zu sichern.</p><p>Ute eilte fr�hlich herbei und nahm meinen Arm.</p><p>�Wenn heute abend das Essen ausgegeben wird�, sagte sie lachend, �sollen Lana, du und ich nicht hingehen.�</p><p>�Warum nicht?� fragte ich.</p><p>Ute deutete durch die Gitterst�be auf eine der Wagengruppen etwa hundert Meter vom Gehege entfernt. F�nf W�chter kampierten dort. �Sie haben Targo gebeten, da� wir sie bedienen d�rfen!�</p><p>Ich freute mich. Es gefiel mir, mich wieder einmal au�erhalb des Geheges bewegen zu d�rfen, und auch gegen die Gesellschaft der M�nner hatte ich nichts, die zu Targos alter Mannschaft geh�rten. Als es dunkel wurde, gingen Lana, Ute und ich nicht zum Essen. Ich brachte Rena aus Lydius ihre Ration und ihr Wasser Anschlie�end h�ngte ich den Wasserbeutel wieder an seinen Ort und gab die Schale an ein Nordm�dchen weiter, das mit einigen anderen K�chendienst hatte. Dann ging ich mit Ute und Lana zur Gittertor, um zu warten. Ich hatte Hunger.</p><p>�Wann k�nnen wir denn essen? fragte ich Ute.</p><p>�Wenn es den Herren gef�llt � und wenn wir den Herren gefallen haben.� Ich sah sie besorgt an. �Keine Sorge � du bist von wei�er Seide, dir passiert schon nichts.�</p><p>Wenige Minuten sp�ter wurden wir von drei W�chtern abgeholt. Das Tor wurde aufgeschlossen, und wir eilten hinaus. Ich war aufgeregt; dieser Abend mochte spannend werden.</p><p>Im Lager der W�chter bereiteten wir sorgf�ltig das Mahl. M�nner waren in bester Laune und belohnten uns, indem sie uns Fleischst�cke zukommen lie�en.</p><p>�Hol Paga!� befahl einer der M�nner, als sie ges�ttigt waren Ich ging zum Wagen, um eine der gro�en Pagah�ute zu holen, die dort hingen. Das Gras f�hlte sich angenehm an unter meinen blo�en F��en. Ich glaubte jeden Halm zu sp�ren. Ich sp�rte den groben Stoff meines Kamisk am K�rper.</p><p>Hinter dem Feuer sah ich in der Ferne den schwarzen Streifen der n�rdlichen W�lder. Aus der Ferne gellte der Schrei eines jagenden Sleen her�ber. Ich erschauderte.</p><p>Dann h�rte ich das Lachen der M�nner und wandte mich wieder dem Feuer zu.</p><p>Zum Gehege hin sah ich da und dort andere Feuer auf der Wiese, andere Wagengruppen.</p><p>Morgen also fuhren Targo und seine Wagen nach Laura zur�ck, �berquerten dort den Flu� und begannen die Landreise nach Ko-ro-ba, auch die T�rme des Morgens genannt, und von dort zum luxuri�sen Ar. Die Reise war nicht nur lang und beschwerlich, sondern auch gef�hrlich. �Paga�, rief der W�chter ungeduldig.</p><p>Ich eilte zu ihm.</p><p>Der W�chter reichte mir ein St�ck Fleisch, und ich steckte es mir in den Mund, bi� das rauchige verkohlte �u�ere durch, bis ich den saftigen Kern des Bissens erreichte. W�hrenddessen spritzte sich der Mann einen roten Pagastrahl in den Mund.</p><p>Ich schlo� die Augen und fuhr mit der Zunge �ber die Lippen und geno� den k�stlichen Geschmack des Fleisches.</p><p>Ich blickte in die Flammen. Die Schatten tanzten auf den Wagen hin und her.</p><p>Ute summte leise vor sich hin.</p><p>�Ich will tanzen�, sagte Lana. Sie lag neben einem der W�chter, den Kopf an seine H�fte geschmiegt.</p><p>Die M�nner hatten gro�en Gefallen an uns gefunden � und hatten offenbar schon damit gerechnet, denn zu unserer Freude hatten sie eine kleine Flasche Ka-la-na-Wein mitgebracht, den sie uns schluckweise einfl��ten. Nie zuvor hatte ich auf der Erde einen so vollmundigen Wein getrunken, der hier auf dieser Welt nur eine kupferne Tarnm�nze kostete und reichlich vorhanden war, da� man ihn sogar einer Sklavin geben konnte. Es war der erste goreanische Wein, den ich zu kosten bekam. Es hei�t, Ka-la-na habe eine ungew�hnliche Wirkung auf Frauen, und das mag stimmen.</p><p>Ich nahm die Hand des W�chters, neben dem ich kniete, und legte sie mir auf die H�fte. Wir schauten uns an.</p><p>�Was hast du mit mir vor, Herr?� fragte ich.</p><p>Er lachte. �Du kleiner Seidensleen�, sagte er, nahm seine Hand fort und reichte mir noch ein St�ck Fleisch. �Targo w�rde mir den R�cken blutig peitschen lassen�, knurrte er.</p><p>�Ja, Herr�, l�chelte ich.</p><p>�Sie ist nur von wei�er Seide�, sagte Lana. �Aber ich bin von roter Seide. Ich kann dir gefallen.�</p><p>�Lana�, sagte ich hochm�tig, �k�nnte nicht einmal einer Urt; gefallen!�</p><p>Lana schrie vor Wut auf, und als Ute und die M�nner lachten, warf sie sich auf mich. Doch einer der M�nner packte ihr Fu�gelenk und zerrte sie zur�ck.</p><p>�Wenn du soviel Energie hast�, sagte er, �kannst du ja f�r uns tanzen.� Lana blickte ihn l�chelnd an. �Ja, Lana will tanzen.� Und sie warf mir einen ha�erf�llten Blick zu. �Wir wollen mal sehen, wer den M�nnern Freude machen kann!� rief sie.</p><p>Der W�chter reichte ihr noch einmal die Ka-la-na-Flasche, schnallte ihr zwei Tanzgl�ckchen um und trat zur�ck.</p><p>Lana warf den Kopf in den Nacken, lie� ihre Haare fliegen; dann begann sie mit dem rechten Fu� zu stampfen. W�hrenddessen fingen Ute und die M�nner zu singen an und in die H�nde zu klatschen, und einer der W�chter schlug rhythmisch auf seinen Lederschild.</p><p>Ich glaubte in der Dunkelheit hinter den Wagen eine Bewegung wahrzunehmen, aber als ich genauer hinschaute, war nichts, zu erkennen.</p><p>Lana tanzte im Schein des Feuers. Sie war bildsch�n. Ich sp�rte pl�tzlich, da� sich die Hand des W�chters neben mir um meinen R�cken legte und mich herabzog. Hinter mir erklang das Rasseln von Lanas Glocken, doch ich achtete nicht darauf. Der Mann sah mich an. �K�� mich�, sagte er.</p><p>Ich beugte mich �ber ihn, eine goreanische Kajira, die ihrem Herrn gehorcht. Mein Haar fiel ihm �bers Gesicht. Meine Lippen n�herten sich gehorsam den seinen. Ich zitterte.</p><p>Nein! rief pl�tzlich eine Stimme in mir. Ich bin keine Sklavin! Ich versuchte zur�ckzuweichen, doch seine H�nde hielten mich fest. Erschrocken wehrte ich mich, versuchte mich loszurei�en. Doch ich entkam ihm nicht.</p><p>Mein pl�tzliches Entsetzen schien ihn zu verwirren. Aber ich kam mir wirklich hilflos vor, verzweifelt bei dem Gedanken, den letzten Rest meiner Freiheit zu verlieren.</p><p>�Fa� mich nicht an!� zischte ich.</p><p>Er drehte mich m�helos herum und dr�ckte mich ins Gras.</p><p>�Ich hasse dich!� klagte ich leise.</p><p>Zorn trat in seine Augen, gefolgt von Entschlossenheit. Ich sollte ihn nicht zum Narren halten! Sein Kopf n�herte sich meinem Hals. Lanas Gl�ckchen klirrten. Weinend wandte ich den Kopf, reglos im Griff der starken H�nde.</p><p>Pl�tzlich erschienen Gestalten ringsum. Schl�ge fielen. Lana begann zu schreien, doch der Laut wurde sofort ged�mpft. Auch Ute versuchte zu schreien, brach jedoch ebenfalls ab. Die M�nner versuchten sich aufzurichten, �rgerlich br�llend. Schl�ge fielen in der Dunkelheit, m�chtige Schl�ge. Der Mann, der mich umfangen hielt, sprang halb auf, als ihn etwas Gro�es und Schweres am Kopf traf. Er sank ohne einen Laut ins Gras. Ich versuchte mich aufzurappeln, doch zwei Gestalten, offensichtlich M�dchen, warfen sich auf mich. Ein drittes M�dchen warf mir eine W�rgeschlinge um den Hals und zog sie an, so da� mir fast die Luft abgedreht wurde. Als ich den Mund �ffnete, um nach Luft zu schnappen, steckte mir jemand einen Knebel hinein. Daraufhin lie� der Druck um meinen Hals nach, und ich konnte wieder atmen. Man warf mich brutal auf den Bauch und fesselte mir die Handgelenke hinter dem R�cken, ehe ich wieder hochgezerrt wurde.</p><p>�Facht das Feuer an!� sagte die Anf�hrerin der M�dchen, eine gro�e, blonde Gestalt. Sie bot einen faszinierenden Anblick. Sie trug einen leichten Speer und Fellkleidung. Goldene Schmuckst�cke zierten ihre Arme und ihren Hals.</p><p>Ein M�dchen warf Holz aufs Feuer. Ich blickte mich um.</p><p>M�dchen knieten neben den letzten beiden W�chtern und fesselten sie, standen schlie�lich auf.</p><p>Ich sah, da� Lana und Ute ebenfalls gefesselt und geknebelt waren. �Wollen wir die M�nner versklaven?� fragte ein M�dchen.</p><p>�Nein�, sagte die gro�e blonde Frau.</p><p>Daraufhin deutete die Fragende auf Ute und Lana: �Was machen wir mit denen, Verna?�</p><p>�Ihr habt�s ja gesehen�, erwiderte die Anf�hrerin. �La�t sie hier. Sie sind Kajirae.�</p><p>Es handelte sich offenbar um Pantherm�dchen, die ungebunden in den n�rdlichen W�ldern lebten und dort M�nner versklavten, wenn ihnen der Sinn danach stand.</p><p>Zweifellos hatten sie meinen Kampf gegen den W�chter bemerkt. Ich war keine Kajira! Bestimmt wollten sie mich in ihre Gruppe aufnehmen! Endlich war ich frei! Vielleicht konnten sie mir auch helfen, jemanden zu finden, der mir die R�ckkehr zur Erde erm�glichen konnte. Jedenfalls hatte mein Sklavinnendasein nun ein Ende.</p><p>Aber vorl�ufig lie� man mich geknebelt im Gras stehen, die H�nde auf dem R�cken gefesselt.</p><p>�Zerrt die M�nner ans Feuer und legt sie hin�, befahl Verna Zu zweit schoben die M�dchen die W�chter ans Feuer, die nur langsam wieder zu sich kamen. Die Angreiferinnen warfen ihr Kn�ppel fort, stemmten die H�nde in die H�ften und blickten triumphierend auf ihre Opfer nieder. Mich verlie� der Mut.</p><p>Das gro�e blonde M�dchen n�herte sich Lana, die hilflos im Gras lag. Mit dem Speer rollte sie die Liegende auf den R�cken Lana starrte entsetzt zu der wilden Gestalt empor. Verna setzt ihr die Speerspitze an die Kehle.</p><p>�Du hast gut getanzt�, sagte sie.</p><p>Lana begann zu zittern.</p><p>Verna starrte sie ver�chtlich an, nahm den Speer fort und trat Lana heftig in die Rippen. �Kajira!� sagte sie geringsch�tzig.</p><p>Dann ging sie zu Ute hin�ber und wiederholte die Behandlung �Bindet die M�nner so fest, da� sie am Feuer sitzen�, befahl Verna schlie�lich.</p><p>Die M�dchen � es mochten etwa f�nfzehn sein � gehorchten stumm. Aus der Ferne mu�te es so aussehen, als s��en die M�nner friedlich am Feuer.</p><p>Nun kam Verna auf mich zu. Sie machte mir angst. Sie war gro� und kr�ftig. Ihr Gang, ihre Bewegungen hatten etwas katzenhaft Arrogantes. Sie wirkte gro�artig und unbez�hmbar in ihrer kurzen Fellkleidung mit dem goldenen Schmuck. Sie legte mir die Speerspitze unter das Kinn und hob meinen Kopf an.</p><p>�Was machen wir mit den Sklavinnen?� fragte ein M�dchen. Verna drehte sich um und betrachtete Lana und Ute. �Binde sie zu F��en ihrer Herren fest.� Dann wandte sie sich wieder in meine Richtung und musterte mich lange Zeit. Schlie�lich sagt sie: �Kajira!� Ich sch�ttelte wild den Kopf.</p><p>Einige M�dchen durchsuchten die Wagen, suchten Nahrungsmittel, M�nzen, Flaschen, Messer und andere n�tzliche Dinge zusammen. Dann war die Gruppe zum Abmarsch bereit.</p><p>Die M�nner, die am Feuer sa�en, b�umten sich hilflos in ihren Fesseln auf, aber sie konnten nichts tun.</p><p>Aus der Ferne sah es so aus, als s��en sie feiernd um das Feuer, zwei Kajirae zu ihren F��en.</p><p>Ich blickte zu den anderen Feuern und Wagengruppen hin�ber. Niemand hatte den �berfall bemerkt. In einem der Lager wurde gesungen. �Ich bin Verna!� sagte das M�dchen zu den M�nnern, �ein Pantherm�dchen aus den N�rdlichen W�ldern. Ich versklave M�nner, wenn es mir gef�llt. Wir verachten euch! Wir haben euch �berlistet und euch gefangengenommen. Wenn wir wollten, w�rden wir euch mitnehmen und euch beibringen, wie es ist, Sklave zu sein!� Mit diesen Worten lie� sie ihren Speer vorzucken, der die Haut der W�chter ritzte. �M�nner!� lachte Verna ver�chtlich und wandte sich ab.</p><p>Ohne sich noch einmal umzusehen, marschierte sie auf den Fernen Wald zu.</p><p>Ihre M�dchen folgten ihr, das Feuer, die M�nner und Ute und Lana zur�cklassend. Die W�rgeschlinge schnitt mir in den Hals, und halb stolpernd, die H�nde auf dem R�cken gefesselt, wurde ich mitgeschleppt, einem Ungewissen Schicksal entgegen, das so dunkel vor mir lag wie der Wald, auf den wir zuhielten.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Die W�rgeschlinge ist ein �beraus praktisches Werkzeug, wenn man einen gefesselten Sklaven im Zaum halten will. Ich mu�te f�gsam jedem Schritt meiner H�scher folgen. Ich konnte keinen Widerstand leisten, ohne mich automatisch zu erw�rgen.</p><p>Die M�dchen bewegten sich mit schnellen Schritten im G�nsemarsch durch das Unterholz am Rande des Waldes. Ich sp�rte Bl�tter und �ste unter meinen F��en. An einer Stelle machten wir nur lange genug Rast, um einige �ste fortzur�umen und die leichten Speere und B�gen aufzunehmen, die dort versteckt Waren. Jedes M�dchen trug zus�tzlich an der H�fte ein Sleenmesser.</p><p>Die Anf�hrerin bildete die Spitze der Kette; sie hatte sich Bogen und Pfeilk�cher auf den R�cken geschnallt und den Speer in die Hand genommen. Manchmal blieb sie stehen und hob den Kopf als pr�fe sie die Luft mit der Nase, doch jedesmal nahm sie die Wanderung wieder auf. In meinem Zustand konnte ich wenig gegen die �ste tun, die gegen meinen K�rper peitschten; wenn ich stolperte oder vor Schmerz stehenblieb, zwang mich die erbarmungslose Schlinge sofort weiter. Nach etwa einer Stunde hob Verna die Hand, und die M�dchen blieben stehen.</p><p>�Wir machen Rast�, sagte sie.</p><p>Es war nicht leicht gewesen, uns durch das Unterholz einen Weg zu suchen. Wir waren immer noch im Vorgebiet des eigentlichen Waldes; bis wir die hohen B�ume erreichten, die riesigern Turs, mochte noch eine Stunde vergehen.</p><p>�Hinknien!� befahl das M�dchen, das meine Leine hielt.</p><p>Schweratmend gehorchte ich.</p><p>Ein M�dchen erkletterte einen Baum in der N�he. Sekunder sp�ter warf sie Wasserflaschen und eingewickelte B�ndel getrockneter Fleischstreifen durch das Mondlicht herab.</p><p>Mit untergeschlagenen Beinen im Laub sitzend, reichten die M�dchen die Flaschen herum und begannen auf dem Fleisch herumzukauen. Als sie getrunken und gegessen hatten, wandten sie sich mir zu. Ich hob den Kopf, und Verna stellte sich mit gezogenem Messer vor mir auf. �Verpa� ihr eine Narbe�, sagte das M�dchen, das mich an der Leine f�hrte.</p><p>Ich starrte Verna entsetzt an.</p><p>�Hast du Angst, da� du dann nicht mehr so h�bsch bist?� fragte Verna. �Da� du den M�nnern nicht mehr gef�llst?�</p><p>Ich schlo� die Augen und sp�rte, wie sich die Klinge zwischen meiner Wange und dem Knebel bewegte, der losgeschnitten wurde. Ich h�tte vor Schreck fast das Bewu�tsein verloren. Mit der Zunge dr�ckte ich den unangenehmen Klumpen aus meine Mund.</p><p>Verna hatte ihr Messer wieder in den G�rtel gesteckt.</p><p>Ich sagte so ruhig ich konnte: �Ich habe Hunger und Durst.� �Deine Herren haben dich doch gut gef�ttert�, sagte Verna. �O ja, sie ist gef�ttert worden!� rief ein M�dchen und schnaubte ver�chtlich durch die Nase. �Sie wurde mit der Hand gef�ttert wie ein Haustier!�</p><p>�Die M�nner haben sicher ihren Spa� mit dir�, sagte Verna. �Ich bin keine Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Aber du tr�gst das Zeichen eines Mannes�, sagte Verna.</p><p>Ich err�tete.</p><p>�Wir wissen, wie sich eine Sklavin bewegt. Ihr K�rper verr�t sie. Und dein K�rper verr�t dich. Gib es zu.</p><p>�Du willst einem Mann geh�ren! Du bist scharf drauf, bei einem Mann zu liegen. Das sieht man dir doch an.�</p><p>�Nein, nein!� beteuerte ich. �Ihr habt gesehen, wie ich mich gewehrt habe!�</p><p>�Oh, wie sch�n!� Verna musterte mich k�hl. �Wie viele z�hlst du hier in der Runde?� fragte sie.</p><p>�F�nfzehn�, antwortete ich.</p><p>�Meine Gruppe�, sagte Verna, �z�hlt genau f�nfzehn Leute. Das halte ich f�r eine passende Anzahl � zum Schutz, zur Nah-rungssuche, zum Verstecken im Wald.� Sie sah mich an. �Einige Gruppen sind kleiner, andere gr��er, aber wir sind f�nfzehn. M�chtest du eine von uns werden?�</p><p>�Ja!� rief ich.</p><p>�Dann bindet sie los.�</p><p>Die W�rgeschlinge wurde mir abgenommen. Ich stand auf und rieb mir die Handgelenke.</p><p>Die M�dchen legten ihre Speere weg. Das Licht der drei Monde drang durch die B�ume.</p><p>Verna zog ihr Sleenmesser und reichte es mir. Die anderen M�dchen stellten sich halb geduckt vor mir auf.</p><p>�Wessen Platz willst du einnehmen?� fragte Verna.</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst?� sagte ich.</p><p>�Du mu�t eine von uns t�ten�, sagte Verna.</p><p>Ich sch�ttelte entsetzt den Kopf und fl�sterte: �Nein.�</p><p>�K�mpfe gegen mich, Kajira�, zischte das M�dchen, das mich an der Leine gef�hrt hatte. Ein anderes M�dchen sprang mit gez�cktem Messer auf mich zu.</p><p>Ich schrie auf, warf die Klinge fort und sank schluchzend in die Knie. �Fesselt sie!� befahl Verna.</p><p>Das M�dchen, das mich gef�hrt hatte, schn�rte mir erbarmungslos die Handgelenke zusammen. Ich hatte Angst vor ihr.</p><p>Verna beobachtete mich, wischte Schmutz und Bl�tter von ihrem Sleenmesser, das ich zu Boden geworfen hatte, und steckte es wieder in den G�rtel. Dann nahm sie ihren Speer zur Hand, und die anderen M�dchen machten sich ebenfalls marschbereit.</p><p>Ich wu�te, da� ich anders war als diese Frauen.</p><p>�Warum habt ihr mich mitgenommen?� fragte ich leise.</p><p>Verna sah mich lange an und sagte schlie�lich: �Ein Mann in-teressiert sich f�r dich. Er hat dich gekauft.�</p><p>Und gef�hrt von Verna, setzte sich die Truppe wieder in Bewegung, wanderte lautlos durch den mondhellen Wald.</p><p>Wieder zog sich der W�rgekragen um meinen Hals zu, und mit gequ�lten Atemz�gen folgte ich meinen Peinigern, Etwa eine Stunde sp�ter hob Verna die Hand, und wir bliebe stehen. �Sleen�, sagte die Anf�hrerin leise.</p><p>Die M�dchen sahen sich um. Verna hatte das Tier irgendwie gerochen. Die meisten sahen sich nach ihrer Warnung pr�fend um. Offenbar konnten nur wenige das Tier wittern.</p><p>Nach einer Weile nickte Verna, und wir setzten unseren Marsch fort. Die M�dchen wirkten unruhig und gereizt. Mehr als einmal sah ich sie heimlich zu den Monden emporblicken.</p><p>�Verna�, sagte eine.</p><p>�Still�, erwiderte die Anf�hrerin.</p><p>�Wir hatten die M�nner in unserer Gewalt�, sagte ein M�dchen beharrlich. �Wir h�tten sie als Sklaven mitnehmen sollen.� �Nein�, sagte Verna.</p><p>�Der Kreis�, sagte jemand von weiter hinten. �Wir m�ssen zum Kreis gehen.�</p><p>Verna blieb stehen und drehte sich um.</p><p>�Er liegt auf unserem Weg. Bitte, Verna.�</p><p>Verna musterte ihre M�dchen. �Also gut�, sagte sie. �Wir rasten am Kreis.�</p><p>Die M�dchen entspannten sich sichtlich. Ich verstand nicht, was hier vorging.</p><p>Mir war elend zumute. Mit einem Schmerzensschrei quittierte ich den Hieb eines Astes, der mir �berraschend gegen den Bauch peitschte. Das M�dchen, das mich f�hrte, zog brutal die Schlinge zusammen. �Ruhe, Kajira!� zischte sie.</p><p>Bei diesen stolzen, freien Frauen galt eine Kajira nichts. Ich war anders als sie.</p><p>Verna hatte gesagt, ein Mann habe mich gekauft. Ich wurde ihm gebracht, ihm, meinem Herrn. Wer mochte es sein?</p><p>Nach einer weiteren Stunde erreichten wir die Turb�ume. Es war ein atemberaubender Anblick.</p><p>Die M�dchen blieben stehen.</p><p>Ich sah mich um. Die W�lder der n�rdlichen gem��igten Zonen Gors sind eigenst�ndige L�ndereien, bedecken sie doch Hunderttausende von Quadratpasang. Sie enthalten zahlreiche Baumarten und unterscheiden sich in den verschiedenen Gegenden sehr voneinander. Der bekannteste Baum dieser W�lder ist der r�tliche Turbaum, der in gewissen Abarten eine Gr��e von �ber sechzig Metern erreicht. Es ist unbekannt, wie weit sich die W�lder erstrecken, durchaus denkbar, da� sie die Landfl�chen des Planeten voneinander abgrenzen. Sie beginnen im Westen nahe der K�ste des Thassa, des Meeres. Wie weit sie nach Osten reichen, hat nie ein Mensch erforscht. Man wei� nur, da� sie sich �ber die n�rdlichsten Erhebungen der Thentisberge hinaus erstrecken.</p><p>Wir befanden uns nun zwischen gewaltigen Turb�umen. Hoch �ber mir sah ich die �ste, die ein dichtes Dach bildeten. Der Waldboden war fast kahl. Zwischen den nackten, weit voneinander entfernt stehenden B�umen lag nur ein d�nner Laubteppich. Ich sah, da� zwei M�dchen immer wieder zu den Monden emporblickten, die von Zeit zu Zeit durch das Laubdach zu sehen waren. Sie hatten den Mund ge�ffnet und die F�uste geballt. Ein seltsamer Schmerz schien in ihren Augen zu stehen. �Verna�, sagte eine mahnend.</p><p>�Also gut�, sagte die Anf�hrerin gereizt. �Zum Kreis mit euch.� Die M�dchen machten kehrt und eilten durch den Wald davon. Verna trat neben mich und musterte mich eine Weile im Mondlicht. Ich senkte den Blick.</p><p>�Ja�, sagte sie schlie�lich. �Du bist eine h�bsche kleine Kajira.� Zu meiner �berraschung l�ste sie die Schlinge um meinen Hals und sagte: �Du folgst den anderen und kommst dort zu einer Lichtung. Darauf steht ein Pfosten. Bei dem wartest du.� Verna sah mir nach, wie ich durch den Wald davonschritt. Nach hundert Metern erreichte ich eine Lichtung. Sie ma� etwa drei�ig Meter im Durchmesser und war von weichem Gras bewachsen. �ber der Lichtung standen bleich die drei goreanischen Monde.</p><p>Vernas M�dchen standen schweigend am Rand des Kreises. Sie schienen seltsam unruhig zu sein. Einige hatten die Augen geschlossen und die F�uste geballt. Ihre Waffen hatten sie abgelegt. Am Rand der Lichtung entdeckte ich den Pfahl. Er war etwa zwei Meter hoch. Verna, die mir gefolgt war, fesselte mich mit einer kurzen Schnur daran. Im n�chsten Augenblick sprang eines der M�dchen in die Mitte der Lichtung. Sie hatte blondes Haar und den Kopf gesenkt und bebte am ganzen Leibe. Dann warf sie st�hnend den Kopf zur�ck r�ck, hob die H�nde, als wollte sie nach den goreanischen Monden den greifen. Die anderen M�dchen reagierten wimmernd auf ihre Bewegungen, hoben die Arme, wankten auf die Lichtung hinaus Das erste M�dchen begann sich schreiend zu winden, tanzte stampfend �ber die Lichtung. Nacheinander fielen die M�dchen in das unheimliche Schauspiel ein. Stampfend, sich drehend, aufschreiend, st�hnend, nach den Monden greifend tanzten sie.</p><p>Schlie�lich stand nur noch Verna am Rande des Kreises, die Anf�hrerin der Gruppe, stolz und �berlegen.</p><p>Das erste M�dchen warf den Kopf in den Nacken, entledigte sich ihres Fells. Dann bemerkte ich zum erstenmal in der Mitte des Kreises vier kleine Pfosten, etwa drei�ig Zentimeter lang, dunkel im Gras. Sie bildeten ein kleines Viereck. Ich erschauderte. Sie waren eingekerbt, so da� Fesseln nicht davon abrutschen konnten. Das erste M�dchen begann vor dem Viereck zu tanzen Ich blickte zum Himmel auf. Die drei Monde wirkten riesig. Ein zweites M�dchen folgte dem Beispiel des ersten. Ich wandte den Blick ab, so entsetzt war ich von dem barbarischen Schauspiel. Pl�tzlich st�rzte sich auch Verna in den Kreis der Tanzenden, warf ihre Waffen fort und stimmte in die gequ�lten, wilden, Schreie ein. Die M�dchen warfen sich auf den R�cken und lagen da, sich windend, die Augen hilflos auf die grellen Monde gerichtet.</p><p>Unwillk�rlich begann auch ich an meinen Fesseln zu zerren, von einer unerkl�rlichen Sehnsucht gepackt. Ich begann mich zu, winden, ich wollte frei sein, ich wollte mit diesen M�dchen tanzen. Aber nein, ich war nicht wie sie! �Kajirae!� kreischte ich sie� an. �Sklaven! Sklaven!�</p><p>Es war keine Angst in meiner Stimme, sondern fast hysterischer Triumph. Immer wieder schrie ich sie an, denn ich kannte mich nun besser als sie! Ich war ihnen �berlegen!</p><p>Doch sie k�mmerten sich nicht um mich.</p><p>Endlich beruhigten sich die M�dchen und zogen sich eine nach der anderen wieder an. Von Verna gef�hrt, umstellten sie den Pfosten, an dem ich aufrecht wartete.</p><p>�Mir will scheinen�, sagte ich leise, �da� sich eure K�rper wie die von Sklavenm�dchen bewegten.�</p><p>Verna schlug mich mit aller Kraft ins Gesicht, meine Wange brannte wie Feuer. Sie sah mich an. �Wir sind Frauen�, sagte sie lakonisch. �Bringen wir sie um�, schlug eins der M�dchen vor.</p><p>�Nein�, erwiderte Verna und sah sich um. �Wir marschieren weiter.� Das M�dchen, das sich schon vorher um mich gek�mmert hatte, l�ste meine Fesseln und schob mich vor sich her. Ich l�chelte sie an. Sie schwieg, wandte sich aber w�tend ab. Vernas Gruppe setzte ihren Marsch fort.</p><p>Die Anf�hrerin hob pl�tzlich die Hand.</p><p>�Sleen�, fl�sterte sie.</p><p>Die M�dchen sahen sich um.</p><p>Ich fragte mich besorgt, ob es sich um dasselbe Tier handelte, das wir schon vorhin bemerkt hatten, ob es uns verfolgte. Auch die M�dchen schienen nerv�s zu werden. Sie schwiegen und atmeten kaum. �Ist er noch da?� fragte jemand.</p><p>�Ja�, sagte Verna und deutete auf eine Stelle rechts vor der Gruppe. �In dieser Richtung�, fuhr sie fort. Ich sah nur die Schw�rze der B�ume. Wir r�hrten uns nicht.</p><p>Nach einer Weile sagte Verna: �Der Sleen ist fort. Wir marschieren weiter.�</p><p>Ich wurde an der W�rgeschlinge in die Dunkelheit gezerrt. Nach etwa einer Stunde erreichten wir eine Lichtung, auf der eine kleine H�tte stand, mit einer T�r und einem einzelnen Fenster. Drinnen leuchtete eine Lampe.</p><p>Ich wurde zur T�r gef�hrt.</p><p>�Knie nieder�, befahl Verna, und ich gehorchte.</p><p>Ich war nerv�s. Dies mu�te das Haus des Mannes sein, der mich gekauft hatte.</p><p>Aber kein Laut drang aus der H�tte.</p><p>Verna nahm einen Lederbeutel von einem Haken an der H�ttenwand und hockte sich auf den Boden; die M�dchen umringten sie. Sie sch�ttete den Inhalt des Beutels auf den Boden. Er enthielt st�hlerne Pfeilspitzen. Verna z�hlte sie im Licht des Mondes. Es waren hundert Pfeilspitzen.</p><p>Verna gab jedem ihrer M�dchen sechs Spitzen. Zehn behielt sie f�r sich. Die M�dchen verstauten ihren Schatz in den G�rtelbeuteln. Ich starrte sie kopfsch�ttelnd an; ich traute meinen Augen nicht. War es m�glich, da� das mein Preis war, da� ich f�r hundert Pfeilspitzen einen neuen Besitzer gefunden hatte?</p><p>Verna machte eine herrische Kopfbewegung. �Hinter der T�r wartet dein Herr!�</p><p>Ich wandte mich um. �Hundert Pfeilspitzen ist nicht genug!� sagte ich, verbl�fft �ber mich selbst, da� ich den Mut zu diesen Worten aufbrachte. �Mehr bist du ihm nicht wert�, erwiderte Verna und musterte mich von oben herab. �Ich selbst h�tte nicht soviel f�r dich bezahlt.� Die M�dchen lachten.</p><p>Ich bebte vor Wut und Scham. Ich ha�te mich, weil ich mich nicht besser beherrschte.</p><p>Aber ich wu�te, wie ich weiterkommen w�rde. Ich w�rde es schlau anstellen. Ich war intelligent. Ich konnte Pl�ne schmieden und mich durchmogeln. Ich konnte h�bsch l�cheln und erreichen, was ich haben wollte. Als Sklavin standen mir allerlei Mittel zur Verf�gung, mir das Leben so angenehm wie m�glich zu machen.</p><p>Aber nur hundert Pfeilspitzen! Das tat weh.</p><p>Die T�r zur H�tte ging auf.</p><p>Von pl�tzlichem Entsetzen gepackt, fuhr ich herum und sp�rte Vernas Speerspitze im R�cken.</p><p>�Tritt ein�, sagte sie.</p><p>Ich gehorchte, und die T�r fiel hinter mir ins Schlo�, zwei Riegel wurden vorgeschoben, versperrten mir den R�ckweg.</p><p>Ich drehte mich um, warf den Kopf in den Nacken und � schrie von Entsetzen gepackt auf.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Das gro��ugige Pelzwesen blinzelte mich an.</p><p>�Hab keine Angst�, sagte eine Stimme.</p><p>Das Tier war mit einem kr�ftigen Lederband an einer starken Kette festgemacht.</p><p>Ich pre�te mich mit dem R�cken an die H�ttenwand. Ich sp�rte die rauhen Bretter an meinen Fingerspitzen. Ich konnte kaum atmen. Das Ungeheuer betrachtete mich und g�hnte. Ich sah, da� die Kette kurz war und da� das Wesen nicht bis in die Mitte des Raumes vordringen konnte.</p><p>�Hab keine Angst�, wiederholte die Stimme.</p><p>Auf der anderen Seite des Raums beugte sich ein kleiner Mann �ber eine Wanne, ein Handtuch um den Hals gelegt. Es war der Clown, der uns im Gehege unterhalten hatte, doch anstelle der bunten Roben trug er nun eine gew�hnliche Haustunika.</p><p>�Guten Abend�, sagte er.</p><p>Seine Stimme kam mir nun anders vor; anders, als bei der Vorstellung, die er uns gegeben hatte, sie war mir irgendwie vertraut, aber ich wu�te nicht, wo ich sie fr�her schon einmal geh�rt hatte. Ich wu�te nur, da� ich entsetzliche Angst hatte.</p><p>Er wandte sich der Wasserschale zu und begann sich die Farbe vom Gesicht zu waschen, w�hrend ich den Blick nicht von seinem Tier wenden konnte. Das Ungeheuer betrachtete mich schl�frig. Es wirkte in der kleinen H�tte unglaublich gro�, wie ein erdr�ckender schimmernder Fellberg.</p><p>�Guten Abend, Mi� Brinton�, sagte der Mann. Er hatte Englisch gesprochen!</p><p>�Sie!� rief ich.</p><p>�Hallo, Schatz�, sagte er.</p><p>Es war der kleine Mann, ein Angeh�riger der Gruppe, die mich in New York gefangengenommen und auf mein Bett gefesselt hatte. Er war der Mann, der sich von Anfang an f�r mich interessiert hatte und nur durch den gr��eren Fremden zur�ckgehalten worden war.</p><empty-line/><p>Seine wieselflinken Augen musterten mich von Kopf bis Fu�. �Du bist ein h�bsches kleines Ding�, sagte er.</p><p>Ich brachte kein Wort heraus.</p><p>Er schnipste mit den Fingern, und mir blieb nichts anderes �brig, als nach Art einer goreanischen Sklavin vor ihm niederzuknien. �Interessant�, sagte er nachdenklich, �wie vorteilhaft sich die goreanische Sklavenhaltung bei einer Frau bemerkbar macht.� �Ja, Herr�, fl�sterte ich.</p><p>Er ging in eine Ecke des Raums, wo ein Stapel Feuerholz lag. Er nahm ein Scheit und legte es aufs Feuer, das in einem flachen Steinherd flackerte. Funken stoben auf. Rauch kr�uselte sie empor, zog durch ein Loch in der H�ttenwand ab.</p><p>Ich war wie erstarrt vor Angst und r�hrte mich nicht. Er setzt sich vor mir auf eine Bank und sagte: �Steh auf und dreh dich um.�</p><p>Ich gehorchte.</p><p>Zu meiner �berraschung l�ste er mir die Fesseln. Meine H�nde waren gef�hllos. Ich konnte kaum die Finger bewegen. Langsam rieb ich mir die Handgelenke und versuchte den Kreislauf wieder in Gang zu bringen.</p><p>�Fa�!� rief er pl�tzlich dem goreanischen Ungeheuer zu.</p><p>Das Wesen heulte auf und sprang mit schnappenden Kiefer auf mich zu. Ich kreischte auf und floh in die gegen�berliegende Ecke des Raums, wo ich mich niederkauerte, den Kopf in den Winkel zwischen den W�nden gedr�ckt.</p><p>�Hab keine Angst�, sagte er. Seine Stimme war entschuldigend, besorgt, beinahe freundlich.</p><p>Verwirrt starrte ich ihn an. Er winkte mich zu sich, r�ckte einen kleinen Tisch und eine zweite Bank zurecht und forderte mich auf, Platz zu nehmen.</p><p>�Zigarette?� fragte er, als ich seinem Wunsch nachgekommen war. Ich sah ihn an und fl�sterte: �Ja.�</p><p>Er zog zwei Zigaretten aus einem flachen goldenen Etui. Es war die Marke, die ich immer geraucht hatte. Mit einem Streichholz z�ndete er mir die Zigarette an und inhalierte dann selbst.</p><p>Ich betastete die Zigarette. Meine Hand zitterte.</p><p>�Bist du nerv�s?� fragte er.</p><p>�Bringen Sie mich zur Erde zur�ck!� fl�sterte ich.</p><p>�Du fragst dich bestimmt, warum du auf diese Welt gebracht; wurdest, nicht wahr?�</p><p>�Bitte!� flehte ich. �Ich zahle Ihnen jeden Betrag.�</p><p>�Geld?�</p><p>�Ja!�</p><p>�Geld ist unwichtig. Rauch deine Zigarette.�</p><p>Ich gehorchte.</p><p>�Warst du verbl�fft, als du das Brandmal entdecktest?�</p><p>�Ja�, fl�sterte ich.</p><p>�Vielleicht m�chtest du wissen, wie es angebracht wurde?� �Ja.�</p><p>�Das Ger�t�, erkl�rte er, �ist nicht gr��er als das da.� Er deutete auf das flache Zigarettenetui. �Ein Griff, der das Heizelement enth�lt, wird an der R�ckseite des Brandstempels eingef�hrt. Er l��t sich wie eine Taschenlampe ein- und ausschalten und gibt in kurzer Zeit die n�tige Hitze ab.�</p><p>�Ich habe aber nichts gesp�rt�, sagte ich.</p><p>�Du warst nat�rlich voll bet�ubt. Dann kam Salbe auf die Wunde, die schnell verheilte. Als freie Frau bist du zu Bett gegangen, und als du erwachtest, warst du eine Kajira.� �Darf ich noch eine Zigarette haben?� �Nat�rlich�, sagte er und gab mir erneut Feuer. �Bringen Sie oft Frauen auf diese Welt als Sklavinnen?� �Ja�, sagte er. �Und manchmal auch M�nner, wenn es unseren Zwecken dient.�</p><p>Ich erinnerte mich an die beiden M�nner, die mich in die schmale durchsichtige R�hre steckten, ich erinnerte mich, wie ich in der goreanischen Steppe erwachte, hundert Meter von dem Wrack des Sklavenschiffs entfernt. Ich dachte auch an das Fu�band, das mir vor dem Abflug umgelegt wurde und das bei meinem Erwachen verschwunden gewesen war.</p><p>Ich blickte ihn an. �Warum bin ich hier auf dieser Welt?� fragte ich. �Wir bringen viele Frauen nach Gor�, bemerkte er. �Weil sie sch�n sind, und weil es uns Freude macht, sie zu versklaven. Au�erdem stellen sie einen gewissen Wert dar.� �Und ich . . .�</p><p>�Es d�rfte dich interessieren, da� deine Entf�hrung bereits geplant wurde, als du siebzehn Jahre alt warst. In den f�nf Jahren seither haben wir dich eingehend beobachtet und haben gesehen, wie du zu einer verdorbenen, reichen, intelligenten und arroganten jungen Frau wurdest � genau die Art Frau, die unter der Peitsche die beste Sklavin abgibt.� W�tend zog ich an meiner Zigarette.</p><p>�Ich bin also nur nach Gor gebracht worden, um hier als Sklavin zu leben?� fragte ich.</p><p>�Ja � aber leider hatten wir dich verloren�, sagte er, und seine Stirn umw�lkte sich. �Das Schiff st�rzte ab.� �Ich verstehe.�</p><p>�Nach dem Ungl�ck�, fuhr er fort, �orteten wir die Ann�herung eines feindlichen Schiffs. Wir verlie�en unser Fahrzeug und verstreuten uns � wir flohen mit unserer Fracht.�</p><p>�Ich geh�rte nicht zu Ihrer � Fracht?�</p><p>Seine Augen zogen sich zu Schlitzen zusammen. Ich merkte da� er seine Worte sorgf�ltig w�hlte.</p><p>�Wir haben Feinde�, sagte er. �Wir wollten nicht, da� du denen in die H�nde f�llst. Wir hatten Angst vor Verfolgung. Als nahmen wir dir den Identifikationsreifen ab und versteckte dich in einiger Entfernung vom Schiff im Gras. Mit den andere M�dchen ergriffen wir dann die Flucht, in der Absicht, uns sp�ter wieder zu treffen und dich abzuholen. Der Gegner gab sich offenbar damit zufrieden, das Schiff zu vernichten. Als wir zur�ckkamen, war nur noch der Krater zu sehen. Und du warst nat�rlich fort.�</p><p>�Wie haben Sie mich gefunden?� fragte ich.</p><p>�Als sch�ne, ungesch�tzte Frau auf Gor � da bestand kein Zweifel, da� dich der erste Mann, dem du �ber den Weg liefst zur Sklavin machen w�rde. Ich reiste also nach Laura, die gr��te Stadt in der N�he. Ich rechnete damit, da� du dort zum Verkauf angeboten w�rdest.� �Und Sie h�tten mich gekauft?�</p><p>�Ja�, sagte er. �Ganz einfach. Aber leider wurdest du von einem Sklavenh�ndler gefangengenommen, der dich in den S�den bringen wollte, um einen besseren Preis herauszuschlagen. Also setzten wir die Pantherm�dchen ein, Verna und ihre Gruppe.� Er l�chelte wieder. �So warst du f�r mich auch billiger.�</p><p>�Hundert Pfeilspitzen!� sagte ich w�tend.</p><p>�Das �rgert dich, was?�</p><p>�Woher wu�ten Sie, da� ich in Targos Gehege war?�</p><p>�Dort h�tte ich dich bestimmt noch gefunden, aber ich sah dich vorher in Laura � beim Einkaufen mit den anderen M�dchen und den W�chtern.� Ich senkte irritiert den Blick.</p><p>�Du verstehst es, einen Weinkrug zu tragen�, sagte er.</p><p>�Ich bin keine Sklavin�, sagte ich heftig.</p><p>�Aha.�</p><p>Ich erinnerte mich, da� ich in Laura einmal einen schwarzgekleideten Mann gesehen hatte, der uns beobachtete.</p><p>�Und so haben Sie mich gefunden?�</p><p>�Ich verschaffte mir Gewi�heit �ber deine Identit�t w�hrend meiner Vorstellung im Gehege, dabei sah ich mir nat�rlich die Gegend an und plante sozusagen den �berfall der Pantherm�dchen.�</p><p>�Ihr Gl�ck�, sagte ich hochm�tig, �da� ich an dem Abend nicht in den K�fig gesteckt wurde.�</p><p>Er l�chelte. �Ich hatte mit Targo und den W�chtern gesprochen�, sagte er, �und wu�te von dem Fest, das f�r den Abend geplant war. Auch hatte ich mit den W�chtern gescherzt und von ihnen erfahren, welche M�dchen sie zu sich bitten wollten.�</p><p>�Sie sind gr�ndlich.�</p><p>�Das mu� man auch sein.�</p><p>�Und jetzt bin ich also hier�, sagte ich. �Was haben Sie mit mir vor?� �In mancher Hinsicht hattest du Gl�ck, da� du einem Sklavenh�ndler in die H�nde gefallen bist.�</p><p>�Oh?�</p><p>�Ja, denn zweifellos hast du noch nicht voll als Sklavenm�dchen dienen m�ssen.�</p><p>Ich starrte ihn nerv�s an.</p><p>�Du wirst es zweifellos f�r eine interessante Erfahrung halten�, sagte er, �nicht als freie Frau, sondern als Sklavin zu dienen � einem Mann, der seinem Besitz alles abverlangt. Nur wenigen Erdenfrauen ist diese exquisite Freude verg�nnt.�</p><p>�Bitte reden Sie nicht so mit mir.�</p><p>�Wie es aussieht, wirst du eine phantastische Vergn�gungssklavin abgeben.�</p><p>�Nein!� rief ich. �Was wollen Sie von mir?�</p><p>Pl�tzlich stie� das Untier ein Knurren aus. Ich erstarrte und wandte mich um. Das Wesen hatte den Kopf gehoben und spitzte die langen Ohren. Es lauschte.</p><p>Der Mann und ich beobachteten das Biest, ich ver�ngstigt und besorgt, er wachsam und vorsichtig.</p><p>Sein Blick schien dem des Ungeheuers zu begegnen, das die Lefzen hob, den Kopf abwandte und erneut knurrte.</p><p>�Drau�en ist ein Sleen�, sagte der Mann.</p><p>�Als ich hierhergebracht wurde�, sagte ich, �haben die M�dchen zweimal die Witterung eines Sleen aufgenommen.�</p><p>�Das Tier hat euch beschlichen.�</p><p>�Vielleicht waren es verschiedene Sleen.�</p><p>Das Ungeheuer kauerte nun im Stroh, die N�stern gebl�ht, seine Augen glitzerten.</p><p>�Er ist ganz nahe�, sagte der Mann und sah mich an. �Manchmal folgt der Sleen seinen Opfern pasangweit, ehe er zuschl�gt und aus dem Hinterhalt angreift.�</p><p>Das Pelzwesen knurrte drohend.</p><p>Zu meinem Entsetzen h�rte ich ein Schn�ffeln an der T�r, dann ein seltsames Jaulen.</p><p>Der Mann l�chelte. �Der Sleen�, sagte er. �Hab keine Angst. Wir sind hier sicher.�</p><p>Ich vernahm ein Kratzen wie von schweren Klauen.</p><p>Meine Nackenhaare stellten sich auf.</p><p>�Die T�r ist solide. Hier kann uns nichts geschehen.�</p><p>Ich blickte auf die Bretter, die das Fenster sicherten. Es war ein kleines Fenster, nur etwa drei�ig Zentimeter breit.</p><p>�Der Sleen ist wahrscheinlich den M�dchen gefolgt�, sagte der Mann. �Und die Spur f�hrte hierher.�</p><p>�Aber warum beschleicht er die Pantherm�dchen nicht weiter?� fl�sterte ich.</p><p>�H�tte passieren k�nnen�, sagte der Mann. �Aber er ist nun mal hiergeblieben.� Er deutete mit einer Kopfbewegung auf das Pelzwesen. �Auch wittert er ihn. Sleen sind neugierig und m�ge es nicht, wenn fremde Tiere in ihr Gebiet eindringen.�</p><p>Ein w�tendes Heulen klang von drau�en herein, auf das ein tiefes Schnarren des angeketteten Ungeheuers antwortete.</p><p>�Warum verschwindet der Sleen nicht?� fragte ich.</p><p>�Vielleicht riecht er das Tier. Oder etwas anderes zu essen.� �Etwas zu essen?� fragte ich.</p><p>�Uns beide�, sagte er.</p><p>Meine Hand, die die Zigarette hielt, begann zu zittern. �Haben Sie keine Schu�waffen bei sich, mit denen Sie das Vieh t�ten! k�nnen?� fragte ich.</p><p>Der Mann l�chelte. �Es w�re sehr unklug, so etwas auf Gor bei sich zu tragen.�</p><p>Ich verstand seine Antwort nicht.</p><p>�Aber wir brauchen hier nichts zu bef�rchten. Du siehst h�bsch aus.� �Danke�, sagte ich und beugte mich vor. �Ich bin doch aber nicht nach Gor gebracht worden, um nur als Sklavin einem Herrn verkauft zu werden � nicht nach einer f�nfj�hrigen Beobachtungszeit. Diese M�he w�re verschwendet. Da gibt es doch noch etwas anderes, nicht wahr?� �Ja�, sagte er.</p><p>Ich lehnte mich zur�ck, pl�tzlich beruhigt. Man brauchte mich zu etwas Bestimmtem, man hatte Pl�ne mit mir. Jetzt hatte ich eine Verhandlungsposition. Vielleicht konnte ich meine R�ckkehr zur Erde dabei herausschlagen. Ich mu�te es nur geschickt genug anstellen.</p><p>�M�chten Sie jetzt das Gesch�ftliche mit mir besprechen?� fragte ich. �Willst du noch eine Zigarette?� fragte er zur�ck.</p><p>Er reichte mir die Zigarette und beugte sich vor, um mir Feuer zu geben. Die Flamme war noch einen Zentimeter von der Spitze entfernt. Er sah mich forschend an. �Du bist bereit zu verhandeln?� fragte er. Ich l�chelte ihn an. �Vielleicht.�</p><p>In pl�tzlicher Wut versetzte er mir einen Hieb ins Gesicht. Das Streichholz fiel zu Boden, die Zigarette wirbelte mir aus der Hand, ich st�rzte von der Bank.</p><p>Im n�chsten Augenblick warf er sich auf mich, begann mich zu schlagen und zu treten. Er ri� mich am Haar in die H�he, umfing mich mit seinem linken Arm und schob mich auf das Ungeheuer zu. Gleichzeitig fesselte er mir die H�nde auf dem R�cken.</p><p>�Fri�!� br�llte er.</p><p>Ich schrie auf und warf mich zur Seite, als die gewaltigen F�nge des Ungeheuers auf mich zukamen.</p><p>Er ri� mich grausam zur�ck, dr�ckte mich in die Knie, und ich sah, wie die Kiefer nach mir schnappten, die einmal auch meinen K�rper streiften, w�hrend ich gerade noch au�erhalb der Reichweite des Ungeheuers festgehalten wurde. Das Monstrum stemmte sich in seinen Kragen, versuchte mich zu erreichen.</p><p>W�tend schleuderte mich der Mann zur Seite. �Schlu�!� rief er dem Tier zu.</p><p>Von einem Haken an der Wand nahm er ein gro�es St�ck Boskfleisch und warf es dem Pelzwesen zu.</p><p>Es begann wild daran zu zerren. So h�tte es sich bestimmt auch �ber mich hergemacht.</p><p>Der Mann musterte mich zynisch. �So, nun will ich dir sagen, was wir vorhaben�, sagte er. �Es ist unsere Absicht, dich zur Vergn�gungssklavin ausbilden zu lassen. Und dann wirst du in ein ganz bestimmtes Haus geschleust.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte ich mit gesenktem Kopf.</p><p>�Und in diesem Haus wirst du deinen Herrn vergiften.�</p><p>Ich sah ihn entsetzt an.</p><p>Pl�tzlich ert�nte ein durchdringender Schrei. Holz splitterte. Ich begann zu kreischen.</p><p>Der Kopf eines Sleen erschien im zerbrochenen Fenster, mit blitzenden Augen, die langen Nadelz�hne entbl��t. Schnaufen begann er sich wie eine Katze mit den Schultern durch die �ffnung zu winden. Das Tier in der H�tte drehte durch.</p><p>Der Mann, der pl�tzlich die Beherrschung verlor, schrie angsterf�llt auf und wich zur�ck. Ich war aufgesprungen und dr�ckte mich mit dem R�cken gegen die Wand.</p><p>Der gro�e dreieckige Kopf des Sleen, dessen Nachtaugen in de Feuerglut blitzten, m�hte sich ab, sich durch die Fenster�ffnung zu zw�ngen, steckte nun die rechte Vorderpfote hindurch.</p><p>Das Pelzwesen bellte w�tend und sprang in die H�he.</p><p>Der Mann, den der wilde Schrei seines Tiers zur Vernunft zu bringen schien, nahm die Sklavenpeitsche und eilte zum Fenster wo er w�tend auf den Sleen einhieb. Dabei wurde schnell klar, da� der Sleen nicht mehr zur�ck konnte. Er hatte inzwischen zwei Beine und ein Drittel seines K�rpers durch die �ffnung gezw�ngt und kreischte und zischte vor Wut, packte pl�tzlich nach der Peitsche und entri� sie dem Mann. Der Goreaner versuchte nun mit einem St�ck Feuerholz auf den Eindringling einzudreschen, doch nach wenigen Schl�gen zerbrach das Scheit. Eine weitere Tatze wand sich durch das Fenster.</p><p>Der Sleen hat sechs Beine und ist lang und geschmeidig. Er �hnelt einer Eidechse, nur besitzt er ein Fell und ist ein S�ugetier. Er ist eins der gef�hrlichsten Tiere auf Gor, vor allem, wenn er gereizt wird. Verzweifelt beugte sich der Mann zum Feuer, n�hr, ein gl�hendes Scheit und stie� es dem Sleen ins Auge. Auf einem Auge geblendet, kreischte das Tier auf. Ein weiteres Bein kam durchs Fenster, und nun war der Sleen fast zur H�lfte durch. Der Mann eilte zur T�r und zog in aller Hast die Riegel zur�ck. Das angekettete Pelzwesen fauchte ihn an, und er drehte sich entsetzt um, was ich nicht verstand. Ich hatte fast den Eindruck, als habe ihm das Tier befohlen zu bleiben.</p><p>Der Sleen, fast wahnsinnig vor Wut und Schmerz, begann sich v�llig durch das Fenster zu schieben.</p><p>Entsetzt beobachtete ich das Pelzwesen. Es hob die gro�en Pfoten an den Hals. Die Klauen seiner �H�nde� hatten sechs Gelenke und wirkten fast wie pelzartige Tentakel, die in krallenartigen Spitzen endeten. Das Tier l�ste sich selbst den Kragen vom Hals und warf ihn fort. Dann st�rzte es sich mit einem Wutschrei auf den Sleen. Dieser rutschte zum Fenster herein und verbi� sich in seinen Gegner.</p><p>Das Pelzungeheuer packte den Sleen am Hals, die gro�en Kiefer bissen zu, schlossen sich um die Wirbels�ule. Die beiden Biester rollten in der kleinen H�tte herum und fauchten und kreischten wie toll. Tische und B�nke st�rzten um. Mit einem entsetzlichen Knirschen bi� das Pelzwesen dem Sleen den Hals durch. Reglos stand es da, den erschlafften Sleen in den Klauen, Fell und Blut um das Maul. Der Sleen zuckte konvulsivisch. Das Pelzwesen sah uns an.</p><p>�Er ist tot�, sagte der Mann. �Leg ihn hin.�</p><p>Das Tier blickte ihn verst�ndnislos an, und ich hatte pl�tzlich Angst. Auch der Mann schien entsetzt zu sein.</p><p>Dann warf das Untier den Kopf in den Nacken, stie� einen wilden Schrei aus und machte sich �ber den toten Sleen her und �ffnete ihm mit seinen Rei�z�hnen den Leib.</p><p>�Nein, nein!� rief der Mann entsetzt. �Nicht fressen! Nicht fressen!� Das Tier hob den Kopf, Ged�rme hingen ihm aus dem Maul.</p><p>�Nicht fressen!� flehte der Mann.</p><p>Ich hatte Angst. Das Tier war offenbar in einer Art Blutrausch. Wahrscheinlich lie� es sich in diesem Zustand nicht mehr lenken. Auf jeden Fall war der Mann, der dar�ber besser Bescheid wissen mu�te als ich, fast au�er sich vor Entsetzen.</p><p>�Halt!� rief er.</p><p>Das Tier starrte ihn mit blitzenden Augen an.</p><p>�Gehorche deinem Herrn�, rief ich. �Gehorche deinem Herrn!� Das Tier sah mich an. Das Entsetzen, das ich in diesem Augenblick empfand, werde ich nie vergessen. �Ich bin der Herr�, sagte es knurrend mit kehliger Stimme.</p><p>Der Mann schrie auf und floh aus der H�tte. Ich st�rzte ihm nach und rannte in die Nacht hinaus.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Ich kniete auf der langen, niedrigen Holzplattform, w�hrend sich ein Angeh�riger der Kaste der Lederarbeiter mit einer langen Nadel meinem Gesicht n�herte.</p><p>�Seht ihr�, sagte Targo zu den anderen M�dchen. �El-in-or ist mutig.� Ich schlo� die Augen. Ein Bet�ubungsmittel wurde nicht benutzt, denn ich war ja nur eine Sklavin, aber die Prozedur war nicht sonderlich schmerzhaft. Zwei Stiche, gefolgt von einem unangenehmen Brennen. Dann richtete sich der Lederarbeiter auf. Meine Ohren waren durchsto�en worden. Der Mann befestigte kleine Stahldr�hte darin, um die L�cher offenzuhalten. In vier Tagen sollten sie wieder entfernt werden.</p><p>Ich verlie� die Plattform.</p><p>�Stell dich an die Wand, El-in-or�, sagte Targo, und ich gehorchte. Als n�chste kam Ute auf die Plattform und lie� die Operation stoisch �ber sich ergehen. Rena aus Lydius warf sich nackt vor Targo hin. �Tu mir das nicht an! Du hast mich auf Kontrakt genommen. Mein Herr h�tte sicher etwas dagegen!�</p><p>�Keine Widerrede!� sagte Targo.</p><p>Auch Inge und Lana, die als n�chste an die Reihe kamen, begannen zu weinen und zu flehen � aber es half ihnen nichts.</p><p>Es war mir unverst�ndlich, warum die anderen M�dchen sich so sehr dagegen wehrten, mit durchstochenen Ohren durchs Leben zu gehen. Ich selbst hatte mir das auf der Erde nicht mach? lassen � aber es war doch nichts Besonderes! Wie dumm M�dchen sich anstellten! Auf Gor entstammte diese Sitte, die nur bei Sklavenm�dchen angewandt wurde, aus der Stadt Turia, die wegen ihres Reichtums und ihrer neun gro�en Tore bekannt war. Sie lag auf s�dlichen Ebenen G�rs, tief unterhalb des �quators, als Mittelpunkt eines komplizierten Netzes aus Handelsstra�en. Vor einigen Jahren war Turia den Barbaren in die H�nde gefallen, nomadischen Kriegern, und viele B�rger waren nach Norden geflohen Sie hatten bestimmte Artikel, Techniken und Br�uche mitgebracht. Man erkannte einen Turianer etwa daran, da� er da� Neue Jahr mit der Sommersonnenwende feierte. Auch tranken diese Leute sehr s��e, sirup�hnliche Weine, die es inzwischen in vielen St�dten gab. So hatte sich nun auch das Ohrendurchstechen, zum Anbringen von Ohrringen, verbreitet.</p><p>Wie ich geh�rt hatte, war Turia von den Barbaren nicht vernichtet worden. Es lag unzerst�rt in der Ebene, als beherrschend Stadt der s�dlichen Regionen, und ein gro�er Teil seiner Bewohner und seines Reichtums war inzwischen zur�ckgekehrt. Es war sicherlich f�r die goreanische Wirtschaft, besonders f�r die des S�dens, ein Gl�ck, da� die Stadt noch stand. Zahlreiche Felle und Horn- und Lederwaren, die in den Norden kamen, stammten aus Turia, dort erworben von den Wagenv�lkern der baumlosen s�dlichen Ebenen, und viele G�ter, die in den tiefen S�den kamen, wurden in Turia hergestellt oder dort umgeschlagen. Vielleicht hatten die Tuchuks, eines der wilden Wagenv�lker, die Stadt gerade aus diesem Grund geschont, damit sie einen Lieferanten und Abnehmer f�r ihre Waren hatten, doch nach wie vor war es gef�hrlich, Karawanen nach Turia zu f�hren. Ich blickte in die Runde. Die anderen M�dchen sa�en betr�bt in meiner N�he. Die Ehrlosigkeit durchstochener Ohren gefiel Ihnen nicht. Eben eilte das letzte M�dchen schluchzend von der Plattform. Ich hoffte, da� wir ein gutes Mittagessen bekamen. In den Privatgehegen Ko-ro-bas, in denen wir trainiert wurden, war das Essen besser als in den �ffentlichen Anlagen, die zur freien Vermietung an durchreisende Sklavenh�ndler bestimmt waren und in denen wir nachts schliefen. In den �ffentlichen Gehegen wurden Staatssklaven ebenso gehalten wie die Ware durchreisender Karawanen. Auch ein Mann aus der Stadt, der vor�bergehend verreisen wollte, konnte sich in den �ffentlichen Gehegen einmieten und seine Sklavinnen dort unterbringen. Die meisten Herren jedoch zogen die Privatgehege vor, wo das Essen und die zur Verf�gung stehenden Einrichtungen besser waren. Ein weiterer Grund ist, da� Sklavinnen dort von erfahrenen Meistern und ber�hmten Vergn�gungssklavinnen ausgebildet oder weiter trainiert werden k�nnen, um eine Wertsteigerung zu erfahren und ihre Herren mit neuen K�nsten zu begl�cken. Auch ohne den Anla� einer Reise schickten deshalb manche wohlhabenden Herren ihre M�dchen in die Privatgehege, um sie dort fortbilden zu lassen. Den M�dchen selbst gef�llt das Leben in den Gehegen weniger � dort wird ein ziemlich strenges Regiment gef�hrt.</p><p>Wir trainierten w�hrend des Tages gew�hnlich in Privatgehegen, unter der Anleitung von Vergn�gungssklavinnen, doch am Abend wurden wir in die langen K�figreihen der �ffentlichen Gehege gebracht. Diese K�fige sind gut abgesichert, und ihre Gitterst�be stehen ziemlich weit auseinander, doch ohne da� man sich zwischen ihnen hindurchquetschen kann. Die K�fige sind widerstandsf�hig genug, um auch f�r m�nnliche Sklaven verwendet zu werden. Auf den Metallb�den wurde Stroh ausgebreitet, und in jedem K�fig wohnten vier M�dchen. Ich teilte meine Behausung mit Ute, Inge und Lana. Wir waren angehalten, unseren K�fig selbst sauberzumachen, doch Lana und ich �berlie�en Inge und Ute diese Arbeit.</p><p>Den Brei und das Brot, das wir in den �ffentlichen Gehegen erhielten, mochte ich nicht besonders, doch ich a� mit Hei�hunger denn das Leben war anstrengend. In den Privatgehegen war Essen besser, mageres Fleisch und Gem�se und Fr�chte, und wenn wir uns gut f�hrten, erhielten wir nach der Abendmahlzeit S��igkeiten oder Kuchen und manchmal auch einen Schluck Ka-la-na-Wein. Einmal hatte Inge das Training weinend aufgegeben, und wir hatten auf unsere kleinen K�stlichkeiten verzichten m�ssen.</p><p>�El-in-or!� rief Targo, und es h�rte sich an, als riefe er bereits zum zweitenmal.</p><p>Ich eilte zu ihm.</p><p>�Auf die Plattform�, sagte er.</p><p>Verst�ndnislos gehorchte ich. Der Lederarbeiter griff in seinen Arbeitsbeutel. Wahrscheinlich wollte er meine durchstochenen Ohren �berpr�fen.</p><p>Ich kniete ungeduldig vor ihm nieder.</p><p>�Leg den Kopf zur�ck�, sagte er.</p><p>Ich sah ihn �ngstlich an. In der Hand hielt er ein Gebilde, da� entfernt wie eine Zange aussah und dessen Backen extrem lang und spitz waren.</p><p>�Was ist das?� fragte ich.</p><p>�Eine Stanze�, sagte Targo.</p><p>�Kopf zur�ck!� befahl der Lederarbeiter.</p><p>�Nein!� wimmerte ich. �Was hast du vor?�</p><p>�Eines Tages will dir ein Herr vielleicht einen Nasenring anlegen � dann bist du bereit�, erkl�rte Targo.</p><p>�Nein!� kreischte ich. �Nein! Nein!�</p><p>Die anderen M�dchen blickten erstaunt auf.</p><p>Aber alle Gegenwehr half nichts. Ein W�chter trat hinter mich und hielt mich fest, w�hrend der Lederarbeiter mir ein kleines Loch durch die Nasenscheidewand stanzte. Es schmerzte zuerst sehr. Mir traten Tr�nen in die Augen, ich wurde ohnm�chtig und w�re bestimmt gest�rzt, h�tte mich der W�chter nicht festgehalten.</p><p>Als ich geblendet vor Tr�nen die Augen wieder �ffnete, sah ich, da� sich der Lederarbeiter mit einem kleinen Ring n�herte, den er durch die Wunde zog. Ich begann vor Schmerz und Scham zu schluchzen. Der W�chter f�hrte mich zur Wand zur�ck und stie� mich zu Boden. Ich lie� mich fallen, und Tr�nen liefen mir �bers Gesicht.</p><p>Ute war als n�chste an der Reihe, und als sie zur�ckkehrte, trug sie ebenfalls einen kleinen Stahlring in der Nase. Tr�nen standen in ihren Augen. �Es tut schrecklich weh�, sagte sie zu Inge.</p><p>Ich blickte Ute niedergeschlagen an. Sie kam her�ber und legte die Arme um mich. �Nicht weinen, El-in-or�, sagte sie. Ich pre�te mich an sie.</p><p>�Ich verstehe das nicht, El-in-or�, sagte sie. �Die schrecklichsten Dinge nimmst du gelassen hin. Du bist sehr mutig. Und dann weinst du wegen eines kleinen Nasenrings. Das ist doch nichts im Vergleich dazu, sich die Ohren durchstechen zu lassen.� �El-in-or ist ein Feigling�, sagte Rena aus Lydius. �Das Ohrendurchstechen ist viel schlimmer�, fuhr Ute fort. �Die Nasenringe sind nichts � sie sind sogar h�bsch. Im S�den tragen selbst die freien Frauen der Wagenv�lker solche Ringe. Au�erdem kann man so einen Ring entfernen, und niemand wei�, da� du je einen getragen hast. Niemand kann das sehen. Aber nur Sklavenm�dchen haben durchstochene Ohren.� Sie begann zu weinen. �Wie kann ich jetzt je eine freie Gef�hrtin werden? Kein Mann wird eine Frau mit durchstochenen Ohren haben wollen!�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Eine nach der anderen gingen die M�dchen auf die Plattform, um sich der Nasenoperation zu unterziehen. Hinterher erhielten wir unsere Mahlzeit. Wir knieten im Kreise und a�en Brei aus Holzschalen; dabei dienten uns die Finger als Besteck. Die M�dchen plauderten miteinander und schienen die Pein schon vergessen zu haben. Und wenn nicht, konnten sie wenig dagegen tun. Sie wu�ten auch, da� sie mit durchstochenen Ohren einen etwas besseren Preis erzielten. In letzter Zeit war das Tragen von Ohrringen, von Marlenus aus Ar angeregt, gro� in Mode gekommen, und mancher Herr liebte es, seine Sklavinnen in dieser Weise zu schm�cken. Ich hatte nichts gegen Ohrringe. Wenn ich ein sch�nes Paar fand, vermochte ich sie durchaus vorteilhaft zu tragen, um meinem Herrn zu gefallen und vielleicht seinen Willen in meinem Sinne zu beeinflussen. Wenn es mir gelang, seine Zuneigung zu gewinnen, hatte ich ihn in der Hand. Ich war gewillt, meine Anstrengungen darauf zu richten, und wenn ich mein Ziel erreichte, wickelte ich ihn um den kleinen Finger, auch wenn ich den Sklavenkragen trug. Wie sonst konnte eine Frau auf Gor k�mpfen Sie ist nicht so stark wie ein Mann, und die ganze goreanische Kultur macht sie zum Untergebenen des anderen Geschlechts. Ich gab nicht auf. Ich w�rde mein Ziel erreichen und auf die Erde zur�ckkehren. Dazu war mir jedes Mittel recht, selbst die v�llige Unterwerfung unter meinen Herrn. �I߫, dr�ngte Ute.</p><p>Ich hatte mein Essen kaum anger�hrt.</p><p>�Wir tragen die Nasenringe nur solange, bis unser Training beendet ist. Wenn wir von Ko-ro-ba abreisen, werden sie abgemacht.�</p><p>�Woher wei�t du das?� fragte ich. Es schwirrten oft Ger�cht� durch die Gehege und K�fige.</p><p>�Targo hat es einem W�chter gesagt�, fl�sterte Ute und sah sich vorsichtig um.</p><p>�Gut�, erwiderte ich und griff in meine Schale. Niemand sollte erfahren, da� Elinor Brinton von der Erde einen Nasenring getragen hatte! Ich begann zu essen, und es war gut, da� ich mich doch noch dazu durchrang, denn das Training fiel an diesem Tag besonders anstrengend aus, wohl weil wir von den Ereignissen des Morgens abgelenkt werden sollten.</p><p>Ich fand, da� ich mich recht geschickt anstellte. Manchmal �rgerte mich unsere Lehrerin, eine Vergn�gungssklavin, wenn sie mich besonders herausstellte. �Seht�, sagte sie �fter zu den anderen M�dchen. �So wird es gemacht! So bewegt sich der K�rper einer wahren Sklavin!� Dabei lernte ich diese Dinge nur, um meine Lage auf Gor zu verbessern. Wie ein Krieger sich in den Waffenk�nsten �bt, so k�mmerte ich mich um die K�nste der Sklavin. Ich lernte Dinge, von denen ich mir nie h�tte tr�umen lassen. Da unser Training auf wenige Wochen beschr�nkt war, blieben allerdings viele Elemente eines vollen Trainings unber�cksichtigt. So lernte ich nicht zu kochen und zu waschen und erwarb keine Kenntnisse �ber goreanische Musikinstrumente. Auch von Dekorationen und Blumenarrangements hatte ich keine Ahnung � Dinge, die jede goreanische Sklavin und jede freie Frau wei�. Und ich merkte, da� das Training seine Auswirkung hatte � besonders an den begehrlichen Blicken der M�nner, was mir nicht wenig gefiel.</p><p>M�de legten wir uns an jenem Abend schlafen. Ich war froh, da� wir den verha�ten Nasenring loswurden, ehe wir Ko-ro-ba verlie�en. Ich rollte mich auf den R�cken und schlo� die Augen. Ko-ro-ba. Die Stadt wird manchmal auch die T�rme des Morgens genannt, ein Name, der vielleicht seine Berechtigung hat. Aber die Sklavengehege Ko-ro-bas waren nicht sehr angenehm.</p><p>Vier Tage nachdem uns die Ohren durchstochen worden waren, tauchte der Lederarbeiter wieder auf und entfernte die Drahtst�ckchen aus den Wunden. Zur�ck blieben die winzigen, fast unsichtbaren L�cher in den Ohrl�ppchen. Die Nasenringe sollten uns erst am Tag vor unserer Abreise abgenommen werden.</p><p>Unsere Lektionen wurden l�nger und komplizierter. Ich mu�te mich sehr auf die immer feineren und subtileren K�nste der Sklavin konzentrieren. Wenn wir versagten, erhielten wir Strafpunkte oder sogar Schl�ge. Aber ich bemerkte die Ver�nderung zum Positiven, die mit den anderen M�dchen vorging. Wir lernten. Sogar Inge machte Fortschritte. Ich beobachtete sie, wie sie im Sand der Arena tanzte. Und auch Ute pa�te sich vorz�glich an. Sie w�rde eines Tages einen hohen Preis erbringen. Ich war erstaunt, welche Wirkung das Training auf die vornehme Rena aus Lydius hatte. Sie wu�te, da� sie bereits verkauft worden war, kannte ihren Herrn aber noch nicht � sie gab sich daher besondere M�he, ihn nicht zu entt�uschen.</p><p>Lana und ich geh�rten nach Ansicht unserer Lehrmeister zu den vielversprechendsten Sklavinnen der Gruppe, wobei mir Lana immer einen Schritt voraus war. So sehr ich mich auch bem�hte, ich vermochte sie nicht zu �bertreffen.</p><p>Dabei dachte ich kaum noch dar�ber nach, was inzwischen aus mir geworden war. Eines Abends lag ich im Stroh und blickte zum Himmel auf und �berlegte, da� ich allen inneren Einw�nden zum Trotz doch eine Sklavin war. Zwar eine schlaue Sklavin, die ihren Vorteil zu wahren wu�te, aber eben doch eine Sklavin.</p><p>Ich rollte mich auf den Bauch, nahm einen Strohhalm zur Hand und stocherte damit herum.</p><p>Seltsam, was in so kurzer Zeit aus der arroganten Elinor Brinton geworden war. Ich hatte innerlich die Hoffnung verloren, jemals wieder zur Erde zur�ckzukehren. Die M�nner in dem silbernen Schiff stammten zweifellos von einer anderen Welt und nicht von diesem Planeten. Au�erdem mochten sie noch unangenehmer sein als die Besatzung des schwarzen Schiffs. Ich hatte nicht die Absicht, mich mit ihnen einzulassen. Zu sehr erschreckte mich auch die Erinnerung an das riesige goldene Wesen, das in ihrer Begleitung gewesen war. Solche M�nner und ein solches Gesch�pf w�rden mich bestimmt nicht zur Erde zur�ckbringen, das ahnte ich. Ich hatte ihre Macht gesehen, als sie das schwarze Schiff vernichteten. Und selbst wenn mich die M�nner aus dem schwarzen Rundschiff wiederfanden, w�rden sie mich nicht zur Erde bringen. Ich hatte gelernt, da� sich mit ihnen nicht schachern lie� In der H�tte hatte ich erfahren, was ich in ihren Augen war eine unbedeutende Sklavin, die herumkommandiert und geschlagen werden durfte. Und selbst wenn ich ihnen diente, wer gab mir die Gew�hr, da� ich anschlie�end nicht umgebracht wurde, um nicht dem Gegner in die H�nde zu fallen und ihre Pl�ne zu verraten? Und wenn ich ihnen diente und sie mir gro�z�gig das Leben lie�en, war ich f�r sie doch nur ein Sklavenm�dchen, das behandelt wurde wie viele tausend andere auch.</p><p>Ich freute mich, da� ich ihnen im Wald entwischt war. Sie w�rden mich bestimmt nicht so leicht wiederfinden. Die Annahme da� ich zu Targo zur�ckgekehrt war, mu�te ihnen unwahrscheinlich vorkommen. Eher war anzunehmen, da� ich allein und wehrlos im Wald an Hunger gestorben oder Panthern oder Sleen zum Opfer gefallen war.</p><p>Meine Gedanken kehrten zu jener schrecklichen Nacht zur�ck, da ich aus der H�tte in die Dunkelheit st�rzte und das entsetzliche Pelzwesen zur�cklie�, das sich an dem toten Sleen g�tlich tat Ich erschauderte.</p><p>Ich war einfach losgelaufen, zwischen die dunklen B�ume, stolpernd, st�rzend, Purzelb�ume schlagend. Manchmal lief ich zwischen den gro�en Turst�mmen dahin, auf einem Laubteppich manchmal dr�ngte ich mich zwischen dichter stehenden B�ume hindurch, durch Dickichte aus Lianen und verfilzten Zweigen. Schlie�lich stie� ich auf die Lichtung, auf der die Pantherm�dchen getanzt hatten. Niemand war zu sehen, und ich eilte weiter. Ab und zu blieb ich stehen und lauschte auf etwaige Verfolger, aber es war nichts zu h�ren. Der Mann, der das Ungeheuer in seine Blutrausch offenbar ebenso f�rchtete wie ich, war Hals �ber Kopf geflohen. Nun hatte ich vor allem Angst, da� mir das Pelzwesen gefolgt war, aber ich ahnte, da� es sich so schnell von seiner Beute nicht l�sen w�rde. Wahrscheinlich hatte es mein Verschwinden noch gar nicht bemerkt. Wahrscheinlich w�rde es fressen, bis es, nicht mehr konnte, und dann wom�glich schlafen. Einmal stie� ich auf einen Sleen, der sich �ber einen toten Tabuk beugte, ein schlankes, antilopenartiges Gesch�pf der Dickichte und W�lder. Der Sleen hob seinen langen; dreieckigen Kopf und begann drohend zu fauchen. Ich sah das Mondlicht auf den drei Reihen wei�er, nadelscharfer Z�hne blitzen.</p><p>Angstvoll schrie ich auf und ergriff die Flucht, und der Sleen wandte sich wieder seiner Beute zu. Im Laufen scheuchte ich zuweilen kleine Tiere auf oder h�rte eine Tabukherde im Wald. Ich versuchte beim Mondlicht die Richtung zu halten und einen Weg aus dem Wald zu finden. Ich hatte Angst davor, im Kreise zu laufen. Die vorherrschenden Nordwinde jedoch, die Regen und Feuchtigkeit brachten, hatten die Nordflanken der hohen B�ume mit senkrechten Moosstreifen versehen, die sich bis zu zehn Meter hoch an den St�mmen hochzogen. Ich achtete darauf und versuchte auf diese Weise eine s�dliche Richtung beizubehalten. Ich hoffte einen Flu� zu finden, dem ich zum Laurius folgen konnte. Pl�tzlich sah ich vor mir vier leuchtende Augenpaare � eine Gruppe Waldpanther. Ich tat, als h�tte ich nichts bemerkt, und wandte mich zur Seite, w�hrend mir das Herz bis zum Hals schlug. Um die Zeit waren diese Tiere bestimmt auf der Jagd. Der Waldpanther ist ein stolzes Tier und l��t sich ungern bei der Jagd st�ren. Da wir eine direkte Konfrontation vermieden hatten, blieb mir nur die Hoffnung, da� nicht ich die ausersehene Beute war. Die geschmeidigen Gestalten verschwanden, und ich verlor vor Erleichterung fast das Bewu�tsein, so hilflos kam ich mir vor. Zu meiner Freude merkte ich, da� es anfing zu regnen. Der Regen w�rde meine Spur verwischen. Vielleicht entkam ich dem haarigen Monstrum! Ich bezweifelte, da� selbst ein Sleen, der beste J�ger Gors, meiner Spur noch folgen konnte. Ich lachte und versteckte mich schlie�lich irgendwo im Unterholz, um Schutz vor dem Unwetter zu suchen.</p><p>Nach etwa zwei Stunden h�rte es so pl�tzlich zu regnen auf wie es begonnen hatte, und ich kroch aus dem Geb�sch und setzte meinen Weg nach S�den fort.</p><p>Nun hatte ich zwar keine Angst mehr vor einem Verfolger, war mir jedoch meiner Hilflosigkeit mehr bewu�t. Ich versuchte die Fessel durchzuscheuern, die meine Handgelenke umschlang, und schabte sie an einem umgest�rzten Baum hin und her, doch ich vermochte nichts auszurichten. Goreanische Fesseln sind nicht leicht zu durchtrennen. Kurz vor Mittag stie� ich auf einen kleinen Wasserlauf, der nur zum Laurius f�hren konnte. Ich warf mich am Ufer zu Boden und stillte meinen Durst mit dem frischen Wasser. Dann watete ich mit der Str�mung dahin. So vermied ich, eine weitere Spur zu hinterlassen. Schlie�lich m�ndete der Bach in ein Fl��chen, den ich weiter folgte. W�hrend ich so durch das Wasser stapfte, �berlegte ich, ob ich mich wirklich zum Laurius durchschlagen und von dort nach Laura wandern sollte. Dort w�rde ich zwar zu essen bekommen, aber auch wieder versklavt werden. War es nicht besser, so �berlegte ich, zun�chst irgendwo im Wald Schutz zu suchen? Und ich durfte die Pantherm�dchen nicht vergessen.</p><p>Ich wu�te nicht, was ich tun sollte. Aber die Entscheidung wurde mir Sekunden sp�ter abgenommen. In Gedanken versunken �bersah ich den Mann, der im Unterholz am Ufer stand. Pl�tzlich legte sich eine Lederschlaufe um meinen Hals und zog sich zu.</p><p>Ich wurde ans Ufer gezerrt. Ich wei� nicht, ob die Angst, der Hunger oder die Ersch�pfung daran schuld waren � jedenfalls wurde mir pl�tzlich schwarz vor Augen, und ich verlor das Bewu�tsein. Einige Zeit sp�ter erwachte ich. Ich lag in den Armen eines Mannes, der mich trug. Ich hatte sein Hemd an, das l�nger war als eine normale Sklaventunika. Meine Handgelenke waren nicht l�nger grausam zusammengeschn�rt, sondern steckten in Sklavenfesseln.</p><p>�Du bist wach, El-in-or?� fragte er.</p><p>Er geh�rte zu Targos W�chtern, der Mann, der mich zum Arzt gebracht hatte.</p><p>�Ja, Herr�, sagte ich.</p><p>�Wir dachten, wir h�tten dich verloren.�</p><p>�Ich wurde von den Pantherm�dchen gestohlen�, sagte ich. �Sie verkauften mich an den Mann mit dem Monstrum. Er floh und ich bin entwischt.�</p><p>Ich mochte den Griff seiner kr�ftigen Arme, und das erschreckte mich. �Ich bin noch immer von wei�er Seide�, sagte ich hastig. �Ich wei�.�</p><p>Ich err�tete.</p><p>�Dein Gl�ck�, fuhr er fort und senkte den Blick.</p><p>Pl�tzlich lie� er mich fallen.</p><p>�Du bist wach, du kannst laufen.�</p><p>Im Gras sitzend, starrte ich mi�mutig zu ihm empor. �Nein, ich kann nicht laufen�, sagte ich. �Ich kann nicht mal stehen.�</p><p>Wortlos drehte er sich um und begann einen Ast von einem Busch zu schneiden, mit dem er mich z�chtigen wollte.</p><p>Als er fertig war, stand ich l�ngst auf den F��en. �Gut�, sagte er nur und warf den Ast fort. Wir gingen weiter.</p><p>�W�rst du bei uns geblieben�, sagte er, �h�ttest du Marlenus aus Ar sehen k�nnen.�</p><p>Mir stockte der Atem. Ich hatte von dem gro�en Ubar geh�rt. �In Laura?� fragte ich ungl�ubig.</p><p>�Er kommt manchmal mit einigen hundert Tarnk�mpfern nach Norden, um in den W�ldern zu jagen.� �Was jagt er denn?�</p><p>�Sleen, Panther und Frauen�, sagte der W�chter. �Oh.�</p><p>�Er jagt etwa eine oder zwei Wochen lang und kehrt dann nach Ar zur�ck.� Er schob mich vor sich her, weil ich unwillk�rlich langsamer gegangen war. �Ein Ubar hat viele Pflichten�, fuhr er fort, �und Marlenus freut sich immer sehr auf seine Jagd. Ist er fertig, bringt er seine Beute mit einer Karawane zur�ck.� �Hat er es auf etwas Besonderes abgesehen?� fragte ich. �Ja�, sagte der Mann, �auf eine Gesetzesbrecherin, eine gewisse Verna.�</p><p>Ich blieb stehen. �Verna und ihre M�dchen haben mich gefangengenommen.�</p><p>�Es hei�t, sie soll sehr sch�n sein�, sagte der Mann. �Stimmt das?� �Frag doch die M�nner im Lager, die sie �berfallen hat.� Seine Hand grub sich in meine Haare, zog mir den Kopf zur�ck. �Ja�, sagte ich hastig. �Sie ist sch�n, sehr sch�n.�</p><p>�Marlenus wird sie fangen�, versicherte er, �und sie in einem K�fig nach Ar schicken.�</p><p>�Erst mu� er sie aufsp�ren�, warf ich sp�ttisch ein. �Und in seinen Vergn�gungsg�rten wird sie ihm aus der Hand fressen.�</p><p>�Du scheinst zu glauben, da� sich jede Frau z�hmen l��t.� �Ja.� Es freute mich, da� Marlenus Verna und ihre M�dchen jagte. Ich w�nschte ihm Erfolg, denn ich hatte nichts dagegen, auch Verna einmal als Sklavin zu sehen.</p><p>Am sp�ten Nachmittag rasteten wir, und mein W�chter gab mir aus seinem Beutel zu essen. Auf seinen Befehl hin erhob ich mich wieder, und wir setzten unseren Weg fort.</p><p>An diesem Abend war ich gl�cklich. Wir fuhren in einer Holzbarke �ber den Flu� und erreichten Targos Lager. Ute und Inge waren da und die anderen M�dchen, die ich kannte. Targo freute sich sehr �ber meine R�ckkehr. In dieser Nacht schlief ich zufrieden auf der Plane im Sklavenwagen.</p><p>Wir machten uns auf den Weg nach Ko-ro-ba, wo wir trainiert werden sollten und von wo aus unsere Reise in s�d�stlicher Richtung weitergehen sollte nach Ar.</p><p>�Woran denkst du, El-in-or?� fragte Ute.</p><p>Ich lag auf dem Bauch im Stroh, im K�fig des ko-ro-banischen Geheges, und stocherte mit einem Strohhalm herum.</p><p>�An nichts�, sagte ich. Aber ich dachte an den Mann in der H�tte. Er und sein sprechendes Monstrum hatten mir nach dem Regen nicht mehr folgen k�nnen. Wahrscheinlich nahmen sie an da� ich umgekommen war. Bei Targo w�rden sie mich zuletzt suchen. Au�erdem hatte dieser Laura bereits verlassen, ehe ich die Stadt erreichen konnte. Wenn der Mann und sein Pelzwesen �berhaupt nach mir suchten, dann bestimmt in der N�he Lauras oder weiter n�rdlich, im Wald.</p><p>Ich war in Sicherheit � als Sklavenm�dchen in den Gehegen Ko-ro-bas. Ich hatte keine Hoffnung mehr, zur Erde zur�ckzukehren, und begann mich damit abzufinden, ein Sklavinnendasein zu f�hren, Ich fa�te den Entschlu�, das Beste daraus zu machen.</p><p>In diesem Augenblick h�rte ich einen W�chter. Ich erkannte die einzelnen M�nner an ihrem Schritt, und vor diesem Mann hatte ich Angst. Ich neigte den Kopf und tat, als ob ich schliefe. Er ging vorbei. Er war bestimmt nicht der letzte Goreaner, den ich t�uschen w�rde. Einige Tage vor unserer Abreise nach Ar verbreitete sich eine Nachricht wie ein Lauffeuer in den Sklavengehegen Ko-ro-bas.</p><p>�Das Pantherm�dchen Verna!� rief jemand. �Sie ist von Marlenus gefangengenommen worden!�</p><p>Ich eilte an die Gitterwand meines K�figs. Wie sehr ich die stolze Frau und ihre M�dchen ha�te! Ja, sie sollten erfahren, wie es war, ein Sklavendasein zu f�hren! Sie sollten Angst haben vor der Peitsche! �Arme Verna�, sagte Ute.</p><p>�Soll sie doch eine Sklavin sein wie wir!� rief ich. Doch Ute und Inge sahen mich nur schweigend an. �Marlenus wird sie z�hmen. Sie wird ihm in seinen Vergn�gungsg�rten aus der Hand fressen m�ssen!� Zwei weitere Neuigkeiten drangen in diesen Tagen in die abgeschlossene Welt der Gehege. Zum einen befand sich Haakon aus Skjern in Ko-ro-ba, jener Mann, von dem Targo seine hundert nordischen Sch�nheiten erworben hatte, deren Training gerade zu Ende ging.</p><p>Aus unerfindlichen Gr�nden schien Targo diese Nachricht wenig zu gefallen.</p><p>Und die andere Neuigkeit hatte mit den k�hnen �berf�llen Rasks aus Treve zu tun.</p><p>Ganz Ko-ro-ba schien sich dar�ber aufzuregen. Vier Karawanen waren den k�hn angreifenden Tarnk�mpfern aus Treve zum Opfer gefallen. Und Rasks M�nner hatten Dutzende von Feldern angesteckt und die Sa-Tarna-Ernte vernichtet. Der Rauch von zwei Feldern war sogar von den hohen Br�cken Ko-ro-bas aus zu sehen gewesen.</p><p>Die ko-ro-banischen Tarnk�mpfer waren st�ndig unterwegs, sogar des Nachts, wenn die Signalfeuer auf den hohen Mauern brannten. Sie flogen Patrouillen und setzten auch manchen �berraschungsflug an � aber es gelang ihnen nicht, die heimt�ckische Bande des schrecklichen Rask aus Treve aufzusp�ren.</p><p>Ich kannte diesen Namen � Rask aus Treve �, und auch Targo hatte allen Grund, sich dieses Mannes mit Schrecken zu entsinnen. Er war es gewesen, der Targos Sklavenkarawane �berfiel, ehe ich versklavt wurde. Er war es gewesen, der Targo und seine Leute in das Dickicht getrieben hatte, wo sie mit M�he einen Wagen und neunzehn M�dchen hatten retten k�nnen.</p><p>Ansonsten war wenig bekannt �ber diesen Rask aus Treve, wie �berhaupt die Stadt Treve von vielen Ger�chten und Sagen umwoben war. Sie lag irgendwo in den unzug�nglichen Schluchten der schroffen Voltaiberge und war angeblich nur auf dem R�cken eines Tarn zu erreichen. Frauen konnten nur als Sklavinnen in die Stadt gebracht werden, quer auf dem Sattel eines Tarn. Sogar H�ndlern und Kaufleuten wurde eine Ann�herung an die Stadt nur in Begleitung Einheimischer gestattet � und mit verbundenen Augen. Offenbar durfte die Lage der Stadt nur ihren B�rgern bekannt sein. Und war man erst einmal in Treve, beschr�nkte sich der Ausblick von ihren steilen Mauern auf schroffe Abh�nge der Voltaiberge und auf tiefe Abgr�nde und den Befestigungen, die eine Flucht unm�glich machten.</p><p>Von Rask aus Treve wurde erz�hlt, da� er jung, k�hn und r�cksichtslos sei, da� er sich brutal und mutig gebe, da� er klug ausweichend und ein Meister der Verkleidung und der T�uschung sei. Es hie�, er sehe sich zuweilen in Verkleidung Frauen an, um festzustellen, ob er sie sp�ter besitzen wolle � er, ein gutaussehender, wilder, langhaariger Mann, ein Tarnreiter, ein Krieger reinsten Wassers, einer der gro�en goreanischen Meister mit dem Schwert. Die Krieger f�rchteten seine Waffe, und die Frauen f�rchteten den Stahl seiner Sklavenkragen.</p><p>Frauen, so ging das Ger�cht, hatten besonderen Grund, Rask aus Treve zu f�rchten. Angeblich verachtete er das schwache Geschlecht und gebrauchte jede Frau nur einmal, als habe er ihr M�glichkeiten mit dem einen Beisammensein ersch�pft, als hab, er ihr alles genommen, was sie ihm geben konnte. Kein Mann auf Gor, so hie� es, konnte eine Frau so erniedrigen wie Rask aus Treve. Und doch gab es nur wenige Frauen, die sich nicht f�r diesen Krieger interessierten.</p><p>Es hie�, da� Rask aus Treve noch niemals eine Frau gekauft habe. Er pflegte sie zu erobern, sie mit Gewalt zu nehmen. Rask aus Treve zog wie viele goreanische Krieger die freien Frauen vor, die er sich Untertan machte, aber auch gegen Sklavinnen hatte er nichts.</p><p>Ich jedenfalls hatte keine Angst vor ihm. Mein Training und meine Intelligenz machten mich zu einem Gegner, mit dem jeder Mann rechnen mu�te � auch die seltsam anziehenden m�chtiger M�nner dieses Planeten!</p><p>Unser Training nahm seinen Fortgang.</p><p>Einmal kam ein Besucher in die Gehege, ein gro�er Fremder der sein Gesicht unter einer Kapuze verbarg, in blau-gelbe Seidenhosen gekleidet, wie ein Sklavenh�ndler. �ber dem linken Auge trug er einen Lederstreifen, der sich um seinen Kopf zog, Targo f�hrte ihn durch unsere Sektion der Sklavengehege. �Dies ist Soron aus Ar�, sagte Targo und blieb vor unserem; K�fig stehen. Dann sagte er: �El-in-or.�</p><p>Ich war nerv�s. Ich wollte nicht verkauft werden, solange wir noch nicht in Ar waren. Ich wollte mich auf dem gro�en Block im Curuleum dieser Stadt pr�sentieren k�nnen, denn dort kamen die reichsten K�ufer Gors zusammen.</p><p>�El-in-or!� befahl Targo in scharfem Tonfall.</p><p>Ich ging zum Gitter und kniete nieder.</p><p>�Versteht sich das M�dchen nicht darzubieten?� fragte der Mann. Targo war w�tend und starrte mich funkelnd an.</p><p>Ich bekam Angst, neigte den Kopf und sagte die traditionelle Formel: �Kaufe mich, Herr.�</p><p>�Nein�, sagte der Fremde knapp und wandte sich ab.</p><p>W�tend sprang ich auf und wich zur�ck. Er h�tte sich nicht so brutal �u�ern sollen. Ich hatte mich gut dargeboten, doch er hatte nicht das geringste Interesse gezeigt.</p><p>�Kaufe mich, Herr�, sagte Inge, die nun auf ein Zeichen Targos ans Gitter getreten war.</p><p>Es gefiel mir nicht, wie Inge das �mich� betonte, als wollte sie sich von mir und meinem Versagen abheben. Hielt sie sich etwa f�r �berlegen? Hielt sie sich f�r attraktiver?</p><p>Der Mann betrachtete sie anerkennend von Kopf bis Fu�, wie ein Herr, der eine wirklich gute Ware taxiert.</p><p>�Hast du mal den Schriftgelehrten angeh�rt?� fragte er schlie�lich. �Ja�, sagte Inge verbl�fft.</p><p>�Ich hab�s an deinem Akzent gemerkt�, sagte er.</p><p>�Danke, Herr�, erwiderte Inge und senkte den Kopf.</p><p>�Ausgezeichnete Ware�, sagte der Fremde zu Targo. �Sie sollte an einen Schriftgelehrten verkauft werden.�</p><p>Targo breitete die H�nde aus und l�chelte. �Wer am meisten bezahlt.� �Du kannst an deinen Platz zur�ckkehren�, sagte der Fremde. Leichtf��ig wie eine Katze kehrte Inge auf das Strohlager zur�ck. In diesem Augenblick ha�te ich sie.</p><p>�Kaufe mich, Herr�, sagte Ute, die nun an der Reihe war, wurde jedoch zur�ckgeschickt; Lana erging es nicht anders.</p><p>Der Fremde und Targo machten Anstalten, zum n�chsten K�fig zu gehen.</p><p>Ich stand in der hinteren Ecke unseres K�figs auf dem Stroh und schaute durch die St�be hinaus. Der Mann hatte sich umgedreht und betrachtete mich. Ich warf den Kopf hoch und schaute �rgerlich in eine andere Richtung. Doch ich konnte nicht anders �</p><p>nach einigen Sekunden mu�te ich noch einmal hinschauen, um zu sehen, ob er mich noch anblickte.</p><p>Und sein Blick war noch immer auf mich gerichtet.</p><p>Mein Herz setzte einen Schlag lang aus. Ich bekam Angst Doch schon hatte er sich mit Targo abgewandt und stand vor dem n�chsten K�fig. Ich h�rte, wie sich dort ein M�dchen im Stroh bewegte und sich den St�ben n�herte. Ich sah mich um. Unser K�fig war so massiv � an eine Flucht war nicht zu denken, Ich kam mir hilflos vor.</p><p>An diesem Abend gelang es mir, Ute beim Essen einen Keks zu stehlen. Sie merkte nicht einmal, da� ihr jemand das St�ck aus der Schale nahm. Unser Training in den Gehegen Ko-ro-bas ging seinem Ende entgegen. Unsere K�rper, bis in die letzten Feinheiten mit den stilisierten Bewegungen des Sklaventums vertraut gemacht, waren nun unmi�verst�ndlich die K�rper von rechtlosen Frauen. Viele angedeutete Bewegungen geh�rten zum Ritual, zu der Verbindung zwischen Herr und Sklavin. Wir lernten diese Dinge, Kleinigkeiten, wie Hand-, Finger- oder H�ftbewegungen. Wir lernten aber auch die Bewegungen der M�nner zu verstehen, ihr Interesse und ihre W�nsche aus solchen Dingen abzulesen. Es ist im Grunde kein Geheimnis, da� die goreanische Sklavin die Stimmungen und W�nsche ihres Herrn vorauszuahnen scheint. Die M�nner zahlten h�here Preise f�r ausgebildete Sklavenm�dchen ohne selbst zuweilen genau zu wissen, was dieses Training ausmacht � die F�higkeit, W�nsche zu erkennen, ohne da� sie ausgesprochen werden m�ssen. Ich gedachte meine erworbenen F�higkeiten dazu zu benutzen, mir meinen Herrn Untertan zu machen und ich hatte kaum Zweifel, da� mir das gelingen w�rde, Und dann hatte ich ein leichtes Leben � auch wenn ich den Sklavenkragen trug, w�rde ich die Herrin sein!</p><p>Wenn ich nachts im Stroh des K�figs lag und nicht einschlafen konnte, dachte ich manchmal an Verna, die nun gefangen war und lachte leise vor mich hin. Ich w�nschte mir eine Gelegenheit; ihr zu zeigen, wie wenig ich sie f�rchtete, wie sehr ich diese Frau verachtete. In diesen letzten Tagen in Ko-ro-ba wurden Haakon aus Skjern und Rask aus Treve wieder etwas in den Hintergrund meiner Gedanken gedr�ngt. Es hie�, da� Rask endlich aus der N�he der Stadt Ko-ro-ba vertrieben worden sei. Gewisse Tarnk�mpfer der Stadt r�hmten sich, sie h�tten den gef�rchteten Piraten aus dem Gebiet Ko-ro-bas vertrieben, doch andere schwiegen dazu, wie ich von unseren W�chtern erfuhr. Jedenfalls schien Rask aus Treve mit seiner R�uberbande die L�ndereien der T�rme des Morgens, wie Ko-ro-ba auch genannt wurde, verlassen zu haben. Sa-Tarna-Felder reiften in gelber Sch�nheit heran, und Karawanen hatten wieder Sicherheit. Die Himmel waren frei vom Flattern und Kreischen der Tarns aus Treve und dem wilden Kriegsgebr�ll ihrer speerschleudernden Krieger. Offenbar suchte Rask aus Treve nun in anderen Gebieten nach Gold und Frauen. Haakon aus Skjern dagegen schien l�nger in Ko-ro-ba zu bleiben. Skjern ist eine Insel im Thassa, ziemlich weit von Ko-ro-ba entfernt. Sie liegt westlich des kahlen, felsigen Torvaldsland, sogar n�rdlicher als der gewaltige gr�ne G�rtel der W�lder. Die M�nner Skjerns lie�en sich selten so weit s�dlich oder so weit im Binnenland sehen. Haakon war offenbar mit seinen Tarnk�mpfern in friedlicher Absicht hier. Sie zahlten f�r ihren Eintritt in die Stadt und behaupteten, sie m��ten Vorr�te f�r ihre Handelsgesch�fte kaufen. Da es sich um eine ziemlich gro�e Gruppe fremder Krieger handelte, mu�ten sie ihre Waffen am gro�en Tor abgeben, wo sie sie bei ihrem Abflug wieder abholen konnten. In Ko-ro-ba waren die Waffenscheiden dieser M�nner leer. Was war also von einem Haakon aus Skjern zu bef�rchten, der keine Waffe am G�rtel trug? Ich verstand die Unruhe Targos und einiger seiner M�nner nicht. Haakon hatte mit ihm Gesch�fte gemacht und mochte daran interessiert sein, im n�chsten Fr�hjahr wieder einen Abschlu� zu t�tigen. Vielleicht wu�te er nicht einmal, da� wir ebenfalls in Ko-ro-ba waren. Au�erdem liefen Ger�chte um, da� er noch einige Tage l�nger in der Stadt bleiben wollte als wir, um dann wieder in den Norden nach Laura zu fliegen. Au�erdem hatte Targo in Ko-ro-ba zus�tzliche M�dchen gekauft und weitere W�chter eingestellt, und seine Karawane nach Ar w�rde so gro� ausfallen, da� sie bestimmt nicht von vierzig oder f�nfzig Tarnk�mpfern aufgebracht werden konnte. Auch schien die Art und Weise, wie Haakon seine Tage in Ko-ro-ba verbrachte, nichts Bedrohliches zu haben. Er kaufte offenbar wirklich Vorr�te ein, und seine M�nner spielten und tranken in den Tavernen der Stadt und verbrachten ihre Zeit damit, sich mit anderen M�nnern, anderen Tarnk�mpfern aus fremden St�dten anzufreunden, die sich zuf�llig ebenfalls in den Mauern der Stadt aufhielten. Von Haakon aus Skjern und seinen Leuten war also nichts zu bef�rchten.</p><p>�Sklaven raus�, sagte der W�chter und drehte den Schl�ssel unseres K�figs um.</p><p>Nach wenigen Minuten kniete ich auf der h�lzernen Plattform in den �ffentlichen Sklavengehegen Ko-ro-bas. Diesmal braucht mich niemand festzuhalten; ich legte freiwillig den Kopf in de Nacken. Der Lederarbeiter weitete den Ring, den ich in der Nase trug und entfernte ihn vorsichtig. Erleichtert sprang ich von der Plattform und eilte zur Wand. Ich betastete mein Gesicht und lachte. Endlich war ich den verha�ten Ring los!</p><p>�El-in-or�, sagte Targo. �Du bist sch�n, wenn du gl�cklich bist�, sagte er.</p><p>Ich err�tete und senkte den Kopf. �Danke, Herr�, sagte ich. In diesem Augenblick kam Ute, auch sie war ihren Nasenring los. Ich war so �berschwenglicher Stimmung, da� ich sie am liebsten umarmt h�tte. �Ute, ich bin so gl�cklich�, sagte ich.</p><p>�Gut�, erwiderte sie und wandte sich ab.</p><p>Ich war gekr�nkt und wandte mich Inge zu, die nun von der Plattform kam. Aber auch sie hatte unsere fr�heren Differenzen nicht vergessen. Ich kam mir pl�tzlich sehr einsam vor.</p><p>Als Lana zur Mauer kam, n�herte ich mich ihr sch�chtern. �Ich m�chte deine Freundin sein�, sagte ich leise.</p><p>�Stell mal fest, wann wir Ar verlassen�, sagte Lana. �Frag Targo, er mag dich.�</p><p>�Bitte, Lana!� flehte ich, doch sie wandte nur den Kopf. Zitternd n�herte ich mich Targo, kniete neben ihm nieder. �Darf ich sprechen?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wann�, fl�sterte ich, �wann reisen wir nach Ar, Herr?�</p><p>Nach kurzem Schweigen sagte er streng: �Neugier steht einer Sklavin nicht.�</p><p>Ich st�hnte auf und wandte mich ab.</p><p>�El-in-or�, sagte Targo hinter meinem R�cken.</p><p>Ich blickte auf.</p><p>�Morgen fr�h�, sagte Targo, �bekommen die Sklavinnen vor dem Morgengrauen zu essen. Und wenn es hell wird, verlassen wir Ko-ro-ba in Richtung Ar.�</p><p>�Danke, Herr�, sagte ich und eilte zu Lana zur�ck.</p><p>�Wir fahren morgen fr�h�, sagte ich aufgeregt zu Lana und umfa�te ihren Arm. �Ich m�chte deine Freundin sein.�</p><p>�Na gut�, sagte Lana.</p><p>�Du bist die einzige Freundin, die ich habe.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Lana k�hl. �Aber daran bist du selbst schuld mit deinem arroganten Gehabe. Wie du dich wegen jedes Vorteils anbiederst, ist widerlich.�</p><p>Am Abend vor unserer Abfahrt konnte ich nicht einschlafen. Ute, Inge und Lana waren l�ngst entschlummert, w�hrend ich noch im Stroh lag und zur K�figdecke emporstarrte.</p><p>Ich ha�te Ute, dieses selbstgef�llige kleine Scheusal. Und auch Inge und Lana. Ich hoffte, da� ich einen besseren Preis erzielte als die drei zusammen � das war dann die richtige Rache!</p><p>Ich erhob mich auf die Knie und beobachtete meinen Schatten an der r�ckw�rtigen K�figwand, vom Licht der Laterne scharf gezeichnet. Ich reckte mich und fragte mich zum tausendstenmal, wieviel ein Mann wohl f�r mich bezahlen w�rde.</p><p>Unwillk�rlich mu�te ich an das Pantherm�dchen Verna denken. Sie hatte mich gefangen und f�r hundert Pfeilspitzen verkauft! Vielleicht w�rde Marlenus sie auf den Auktionsblock bringen. Vielleicht bezahlte man f�r sie auch nur hundert Pfeilspitzen! Ich erinnerte mich, wie Verna und ihre M�dchen auf der Lichtung getanzt hatten, unf�hig, sich zu beherrschen � auch die stolze, arrogante Verna!</p><p>Sie waren ja alle so schwach, w�hrend ich stark und entschlossen war. Befriedigt legte ich mich zur�ck und versuchte zu schlafen. Doch nun wanderten meine Gedanken zu Soron aus Ar, der in Targos Begleitung durch das Gehege gewandert war.</p><p>�Kaufe mich, Herr�, hatte ich zu ihm gesagt, doch er hatte mit einem �Nein� reagiert.</p><p>Er hatte �berhaupt kein M�dchen gekauft, was mir seltsam erschien, doch nur mir hatte er mit einem klaren �Nein� geantwortet. Warum regte ich mich dar�ber so auf � mir war doch nur lieb, da� er mich nicht gekauft hatte! Aber er hatte mich sp�ter noch einmal absch�tzend angesehen, sein Blick hatte auf mir geruht, und ich war mir dabei seltsam hilflos vorgekommen. Und das lie� mich jetzt nicht einschlafen. Als ich schlie�lich doch in einen unruhigen Schlummer fiel, hatte ich einen seltsamen Traum. Ich tr�umte, mir w�re die Flucht gelungen, und ich liefe frei durch das hohe Gras der goreanischen Steppe. Wie sehr ich mich �ber meine Freiheit freute!</p><p>Und dann drehte ich mich pl�tzlich um und sah dicht hinter mir, das Gesicht halb hinter seiner gro�en Kapuze verborgen Soron aus Ar. Ich floh, aber pl�tzlich stand er wieder vor mir, und als ich eine andere Richtung einschlug, tauchte er erneut vor mir auf. Es kein Entkommen. Ich erwachte in Schwei� gebadet.</p><p>�Still!� rief Lana und sch�ttelte mich. �Sei endlich still!� Ich mu�te im Schlaf geschrien haben. Auch Ute und Inge hatten sich schl�frig aufgerichtet und starrten zu mir her�ber. Ich eilte zu Ute und schmiegte mich an sie.</p><p>�O Ute, ich habe solche Angst�, sagte ich schluchzend.</p><p>�Es ist doch nur ein Traum�, sagte sie. �Wir bleiben ein Weilchen wach, und dann schlafen wir weiter, ja?�</p><p>Ich hielt Utes Hand und schlief nach einer Weile wieder ein.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Wie sch�n es war, frei herumlaufen zu k�nnen! Im Gras stehend, im hellen Schein der Sonne, reckte ich mich und lachte. Ich trug einen neuen Kamisk und freute mich dar�ber.</p><p>Ich hatte ihn am ersten Tag der Reise im Wagen gen�ht. Mein altes Kleidungsst�ck war schon zu unansehnlich geworden.</p><p>Es war ein sch�ner Tag, im Fr�hsommer, am zweiten En�Var. Nach der Zeitrechnung Ars, der Stadt, die unser Ziel war, z�hlten wir das Jahr 10 121.</p><p>Ich sp�rte das Gras an den Beinen, die Sonne auf dem Gesicht; und an den Armen und Beinen und die frische, lockere Erde unter meinen blo�en F��en.</p><p>Ich war gl�cklich.</p><p>Ich hob mein Gesicht und schlo� die Augen und geno� die W�rme der Sonnenstrahlen.</p><p>Im n�chsten Augenblick sp�rte ich einen Zug an meinem Hals und �ffnete die Augen. Mit einer etwa drei Meter langen Lederschnur war Ute an mich gefesselt. Wir pfl�ckten Beeren.</p><p>Elinor Brinton, das goreanische Sklavenm�dchen, b�ckte sich emsig, zupfte Beeren von den Zweigen eines kleinen Busches und tat sie in ihren Ledereimer.</p><p>Ute hatte mir den R�cken zugewandt, ebenso der W�chter, der sich schl�frig auf seinen Speer st�tzte.</p><p>Wir waren etwa einen Pasang von der Karawane entfernt. Wenn ich mich auf die Zehenspitzen stellte, konnte ich von dem H�gel aus, auf dem wir Beeren pfl�ckten, die flachen D�cher der Wagen sehen, deren blau-gelbe Planen in der Sonne schimmerten.</p><p>Seit der Abfahrt aus Ko-ro-ba waren neun Tage vergangen. Es w�rde noch Wochen dauern, bis wir Ar erreichten, wo wir verkauft werden sollten.</p><p>Mich freute das sch�ne Wetter und der laue Wind. Wie sch�n es war, dem Gestank der Sklavengehege entronnen zu sein.</p><p>Ich b�ckte mich und rieb mir die Fu�gelenke. Sie taten mir von der langen Fahrt weh. Die Sklavenkette w�hrend der Fahrt war nur etwa drei�ig Zentimeter lang, und die Plane, die den harten Boden polsterte, war d�nn. Aber jetzt war ich im Freien und konnte mich nach Belieben bewegen � nur war ich eben an Ute gefesselt.</p><p>Ich erinnerte mich an den Morgen, an dem wir Ko-ro-ba verlie�en. Es war noch dunkel, als man uns aus den K�figen holte. Wir erhielten reichlich zu essen, weil wir erst gegen Abend wieder etwas bekommen sollten. Im Hof zwischen den K�figen mu�ten wir uns den Gestank der Gehege von den K�rpern waschen. Dann erst durften wir die Wagen betreten. Auf den Wagenfl�chen sa�en wir, die R�cken nach au�en, zu f�nft auf jeder Seite; so wurden wir festgemacht; anschlie�end zog man die Plane herunter.</p><p>�Ho!� br�llte unser Fahrer, und langsam setzte sich der Wagen in Bewegung.</p><p>Die Karawane hielt auf Ko-ro-bas Stra�e des Feldtors zu, das s�dlichste Tor der Stadt.</p><p>Wir kamen nur langsam voran. Trotz der fr�hen Stunde herrschte ein lebhaftes Treiben in der Stadt. Wir sp�rten, da� eine Art Feiertagsstimmung in der Luft lag.</p><p>�Was ist los?� hatte ich Inge gefragt.</p><p>�Ich wei� nicht�, lautete die Antwort.</p><p>Wir hatten die Fahrer fluchen und in die Menge br�llen h�ren, doch wir blieben immer wieder stecken.</p><p>Wir merkten bald, da� auch andere Wagen in den Stra�en feststeckten. Zentimeterweise fuhren wir weiter und erreichten schlie�lich die Stra�e des Feldtors.</p><p>In den Wagen lauschten wir auf das L�rmen der Menge, war inzwischen hell geworden, und Licht drang durch die Schutz plane des Wagens.</p><p>Die M�dchen waren aufgeregt, wu�ten aber nicht, was los war W�tend verfluchte ich die Planen.</p><p>Aus der Ferne ert�nte Musik � Trompeten, Trommeln, Zimbeln. Wir sahen uns an, vermochten uns kaum noch zu beherrschen.</p><p>�Auf die Seite fahren und anhalten!� befahl in diesem Augenblick eine tiefe Stimme.</p><p>Unser Wagen fuhr an den Rand der breiten Stra�e, und wir merkten, da� sich drau�en viele Menschen dr�ngten. Die Musik kam n�her. �Der Fang des Marlenus!� rief ein Mann.</p><p>Mein Herz machte einen Sprung.</p><p>Ich drehte mich um, kniete nieder, verdrehte meine Fu�kette und fuhr mit den Fingern unter den Rand der Regenplane.</p><p>Die Musik war nun schon ziemlich nahe. Ich hob die Plane an und blinzelte hindurch.</p><p>Ein Jagdmeister, auf einem riesigen Tharlarion sitzend, f�hrte mit einem Stab, an dem Pantherhaar flatterte, den Zug an. Eine Maske aus der Kopfhaut eines Waldpanthers bedeckte zur H�lfte sein Gesicht. Um den Hals trug er eine doppelte Halskette aus Pantherklauen. Auf seinem R�cken wippte ein K�cher mit Pfeilen, ein Bogen war an seinem Sattel befestigt. Er trug Felle, zumeist von Sleen und Waldpanthern.</p><p>Hinter ihm kamen die Musiker mit ihren Trompeten und Zimbeln und Trommeln. Auch sie waren jagdm��ig gekleidet.</p><p>Auf Fahrgestellen, von kleinen geh�rnten Tharlarion gezogen schl�ssen sich Holzk�fige und Pfosten mit allerlei Jagdtroph�en an. In einigen K�figen schnaubten und fauchten Waldsleen oder die sandfarbenen Panther der n�rdlichen W�lder. An den Masten hingen die Felle und K�pfe zahlreicher Tiere, zumeist Panther und Sleen. In einem K�fig ringelte sich G�rs gef�rchtete Riesenschlange, die nur in bestimmten Waldgegenden zu finden ist, Marlenus� Jagdgesellschaft mu�te gro�e Entfernungen zur�ckgelegt haben. Zwischen den Wagen schritten gefesselte m�nnliche Sklaven. Sie trugen kurze Wollkleidung und schwere Eisenringe um den Hals. Sie hatten langes, verfilztes schwarzes Haar. Einige trugen gro�e K�rbe mit Fr�chten oder N�ssen auf den R�cken, andere K�rbe mit Blumen oder buntgefiederte Waldv�gel am G�rtel. Die anderen M�dchen schauten nun ebenfalls aufgeregt hinaus; sie waren auf unsere Seite her�bergekommen, hatten sich zwischen uns geschoben und starrten in die Helligkeit. �Sind die Sklaven nicht aufregend?� fragte eine. �Schamlos!� tadelte ich.</p><p>�Pa� auf, da� du nicht mit einem zusammengetan wirst!� Ich schlug w�tend nach ihr. Mir war der Gedanke noch nicht gekommen � aber so konnte es kommen. Wenn es meinem Herrn gefiel, mu�te ich es mit jedem Sklaven treiben, den er f�r mich aussuchte, zu seinem Vergn�gen und um Nachkommen f�r die Sklavenm�rkte zu zeugen.</p><p>In diesem Augenblick bemerkte uns einer der vorbeireitenden J�ger, ein gro�er, dunkelh�utiger Bursche. Er grinste her�ber.</p><p>�Ich w�nschte, ein solcher Mann w�rde mich jagen!� sagte Lana. Weitere Wagen rollten vorbei, gefolgt von J�gern und Sklaven. Wie stolz und furchtlos diese M�nner wirkten! Sie trugen keine Lasten. Sie f�hrten andere, die sich f�r sie abschleppten. �Ute�, sagte Inge, �wie w�rde dir so ein Herr gefallen?� �Ich bin Sklavin�, sagte Ute, �ich w�rde ihm zu dienen versuchen.�</p><p>�Ach, Ute�, sagte ich, �ich verachte diese M�nner.� �Auch du bist nur eine Sklavin�, sagte Inge herausfordernd, �du m��test ihm auch gehorchen.�</p><p>Ich versuchte, nach ihr zu schlagen, doch sie griff mir ins Haar und zerrte meinen Kopf herab. Ich vermochte ihren Griff nicht zu l�sen und war hilflos. Gepeinigt wand ich mich hin und her.</p><p>�Wer ist die niedrigste Sklavin hier im Wagen?� fragte Inge herausfordernd.</p><p>Ich versuchte vergeblich, ihre Finger aus meinem Haar zu l�sen. Doch Inge wiederholte ihre Frage und zerrte noch heftiger. Mir traten vor Wut und Schmerz die Tr�nen in die Augen. �El-in-or�, fl�sterte ich z�hneknirschend.</p><p>Als Inge mich freilie�, wich ich zur�ck. Ich hatte keine Lust mehr, gegen sie zu k�mpfen. Triumph stand in ihren Augen. Ich erkannte, da� sie lange auf eine Gelegenheit gewartet hatte, sich mit mir anzulegen. Sie wu�te, da� sie kr�ftiger war als ich. Ich konnte sie nicht mehr �rgern. �Komm, k�mpfen wir�, sagte sie herausfordernd.</p><p>Doch ich sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>Ich hatte mir immer eingebildet, st�rker als Inge zu sein, das war ein Irrtum. Mit einer entschlossenen Handbewegung hatte sie mich ausgeschaltet. Ich senkte den Blick und hatte pl�tzlich Angst vor ihr. Ich hatte gedacht, da� ich sie im Notfall bezwingen konnte, doch das war nicht der Fall. Augenblicklich sp�rte ich die Machtverschiebung, die im Wagen vorgegangen war. Mein Ansehen bei den M�dchen war gesunken, und Inge geno� pl�tzlich neuen Respekt.</p><p>Das machte mich w�tend.</p><p>Wieder t�nte Musik von drau�en herein; eine zweite Kapelle die den Schlu� des Zuges bilden mochte, kam n�her.</p><p>Ein M�dchen von der anderen Seite des Wagens dr�ngte sich zwischen Ute und mich.</p><p>�Zur�ck!� befahl ich.</p><p>�Ach, halt doch den Mund�, sagte sie nur.</p><p>In diesem Augenblick schrie die Menge drau�en auf.</p><p>Ich dr�ngte mich dichter an die �ffnung.</p><p>Ein gro�er Wagen kam vorbei, von J�gern und Sklaven flankiert. Auf dem Wagen befand sich eine waagerechte Stange, von zwei �berkreuz festgezurrten Balken gehalten. Es handelte sich um einen Troph�enmast, aus geraden Holzst�mmen gezimmert, wie die anderen Stangen, an denen die H�ute erlegter Tiere gehangen hatten. Nur stand unter dieser Stange die nackte Gestalt eines Pantherm�dchens. Ihr langes Haar war um die Stange gewunden, die H�nde waren ihr auf dem R�cken gefesselt. Die Waffen lagen ihr zerbrochen zu F��en. Ich erkannte sie als eine der M�dchen aus Vernas Gruppe.</p><p>Ein Freudenschrei kam �ber meine Lippen.</p><p>Vier solcher Wagen folgten. Auf jedem stand ein Pantherm�dchen, verh�hnt und verspottet von der Menge.</p><p>Trompeten und Trommeln erschallten. Die M�nner schrien. Frauen kreischten ihren Ha� auf die Pantherm�dchen hinaus. Kinder warfen mit Kieselsteinen, Sklavenm�dchen eilten aus der Menge, umringten die Wagen und stachen mit St�cken nach den Gefangenen und schlugen mit Ruten zu oder spuckten aus. Die Pantherm�dchen waren verha�t. Auch ich w�re am liebsten vom Wagen gest�rzt und h�tte mich an der Aktion beteiligt. Von Zeit zu Zeit sprangen J�ger herbei und trieben zu eifrige Sklavinnen fort, damit der Zug vorankam, aber schnell dr�ngten sich die M�dchen wieder nach vorn und umringten den folgenden Wagen, bis sie auch dort wieder zur�ckgetrieben wurden.</p><p>�Sklaven sind ja so grausam�, sagte Ute.</p><p>Ein Wagen nach dem anderen fuhr vorbei.</p><p>�Seht!� rief Inge.</p><p>Nun kam ein J�ger die Stra�e entlang, f�nf Leinen in der Hand, an deren Enden er f�nf Pantherm�dchen hinter sich herzog. Die Handgelenke waren ihnen vor den K�rpern zusammengebunden, eine Fessel, die an ihrem Hals endete. Ihnen folgte ein weiterer J�ger, der die M�dchen mit einer Peitsche immer wieder antrieb. Ich sah, wie das Leder auf den R�cken des blonden M�dchens klatschte, das mich im Wald an der Leine gef�hrt hatte. Ich h�rte sie aufschreien und empfand Genugtuung �ber diese ausgleichende Gerechtigkeit.</p><p>Hinter der ersten Gruppe Pantherm�dchen folgte eine zweite � offenbar waren alle f�nfzehn M�dchen gefangen worden.</p><p>Nun wurde das L�rmen der Menge noch lauter, und ich r�ckte ein St�ck vor. Pl�tzlich verstummten die Gespr�che ringsum.</p><p>Ein letzter Wagen n�herte sich. Ich h�rte seine R�der quietschen. Es war Verna � die herrliche, barbarische Verna.</p><p>Man hatte sie nicht entkleidet wie die anderen. Sie trug noch ihr kurzes Fell und am Hals und an den Armen den goldenen Schmuck. Aber sie war in einen K�fig gesperrt.</p><p>Ihr Gef�ngnis bestand nicht aus Holz, wie bei den Sleen und Panthern, sondern aus Stahl. Es war kreisf�rmig, etwa zwei Meter hoch, mit flachem Boden und geschwungenem Dach. Sein Durchmesser betrug nur knapp einen Meter.</p><p>Und sie war angekettet.</p><p>Die Handgelenke hatte man ihr auf dem R�cken zusammengekettet wie bei einem Mann. Das stimmte mich �rgerlich. Eine Sklavenfessel w�re besser f�r sie gewesen!</p><p>Wie sehr ich dieses Weib ha�te! Die Menschenmenge beiderseits der Stra�e schien die gleichen Gef�hle f�r sie zu hegen, denn wieder wurden wild St�cke geschwungen.</p><p>�Schlagt sie!� kreischte ich.</p><p>�Ja, schlagt sie!� fiel Inge ein.</p><p>Die Sklavenm�dchen schw�rmten mit St�cken und �sten dem Wagen entgegen und begannen zwischen den Gitterst�ben hindurch auf die Gefangene einzustechen.</p><p>Ich sah, da� sich oberhalb des runden K�figdaches ein Ring befand, damit der K�fig an einem Baum oder Pfahl aufgeh�ngt werden konnte. Zweifellos hatte Marlenus Befehl gegeben, seine Gefangene in verschiedenen St�dten und D�rfern entlang des Weges aufzustellen, damit die bekannte Gesetzesbrecherin seinen Ruhm noch vermehre. Wahrscheinlich sollte sie erst in Ar versklavt werden, und dann vermutlich sogar von Marlenus� eigener Hand. Die Sklavenm�dchen umschw�rmten den K�fig und stachen mit ihren St�cken zu. Stoisch lie� Verna das Geschehen �ber sich ergehen. Sie schien ihre Umwelt gar nicht wahrzunehmen. Das erregte die Menge noch mehr, die ihre Anstrengungen verdoppelte Verna zuckte ab und zu vor Schmerz zusammen, und die Mi�handlungen begannen blutige Spuren zu hinterlassen, aber sie senkte nicht den Blick, k�mmerte sich nicht um das, was mit ihr geschah.</p><p>Die Menge stie� einen Wutschrei aus, als nun einige J�ger auf den Wagen sprangen und die erregten Sklavinnen mit Peitschen zur�ckdr�ngten. Schreiend blieben die M�dchen zur�ck, lie�en den Wagen weiterfahren. Verna stand hoch aufgerichtet in ihrem K�fig und schien zu tr�umen.</p><p>Ich ha�te sie und ihre St�rke!</p><p>In diesem Augenblick wurde ein Speerschaft gegen den Wagen gesto�en, und wir zuckten erschrocken zur�ck. Ein W�chter band die Plane wieder fest, und wir waren wieder allein.</p><p>Der Klang der Trompeten und Trommeln erstarb in der Ferne �Von jetzt an�, sagte Inge, �wird El-in-or uns mit Herrin anreden.� Ich starrte sie w�tend an.</p><p>�Nein�, sagte Ute. �Das ist zu grausam.�</p><p>�Wir behandeln El-in-or so, wie sie es verdient�, sagte Inge. Die anderen M�dchen au�er Ute und Lana, die vielleicht eine �hnliche Behandlung f�rchteten, stimmten zu.</p><p>�Und du bist nat�rlich einverstanden, nicht wahr?� wandte sich Inge an mich.</p><p>�Ja�, fl�sterte ich.</p><p>�Ja, was?� fragte Inge und ballte die H�nde zu F�usten, um auf mich einzuschlagen.</p><p>�Ja � Herrin�, sagte ich tonlos.</p><p>Die anderen M�dchen lachten.</p><p>Gleich darauf setzte sich unser Wagen wieder in Bewegung. Unsere Reise nahm ihren Fortgang.</p><p>Aber ich war w�tend �ber meine unverhoffte Niederlage � und �ber meine Schw�che.</p><p>Zwischen den B�schen, einen Pasang von den Wagen entfernt, las ich Beeren, zerrte sie von den Zweigen und warf sie in den Eimer. Die Sonne und das Gras waren bestimmt so angenehm wie zuvor, aber ich war nicht mehr in der Stimmung, meine Freude daran zu haben. Ich erinnerte mich mit Befriedigung an den Triumphzug Marlenus�, der das Pantherm�dchen Verna gefangen hatte. Weniger befriedigt dachte ich an die Ereignisse im Sklavenwagen, wo Inge mich durch ihren feigen Angriff m�helos besiegt und mein Ansehen bei den M�dchen zerst�rt hatte. So war ich nun gezwungen, die anderen � au�er Ute und Lana, die es ablehnten � mit �Herrin� anzureden, und immer mehr M�dchen von anderen Wagen verlangten dasselbe!</p><p>Ich wollte in Ar verkauft werden, ich wollte fort von meinen Peinigern. Ich wollte eine beneidete Sklavin werden, der ihr Herr aus der Hand fra�. Das hatte ich mir zum Ziel gesetzt.</p><p>Ich wandte mich an Ute. �Wann sind wir in Ar?� fragte ich. �Oh, das dauert noch viele Tage�, sagte sie. �Wir haben ja noch nicht einmal den Vosk erreicht.�</p><p>Der Vosk ist ein gro�er Flu�, der die n�rdliche Grenze der Gemarkungen Ars bildet.</p><p>Ute wandte sich wieder dem Beerenpfl�cken zu. Als weder sie noch der W�chter aufpa�ten, stibitzte ich ihr einige Beeren aus dem Eimer. Ich hob den Kopf. Der Himmel war klar und blau, und nur einige wei�e Wolken trieben im frischen Wind rasch dahin. So schlecht ging es mir eigentlich gar nicht. Au�erdem hatte ich doch noch eine M�glichkeit gefunden, mich an Verna zu r�chen, wie ich es mir gew�nscht hatte. Es geschah am f�nften Tag unserer Reise nach Ar.</p><p>Die Kaufleute haben in den letzten Jahren an bestimmten Handelsstra�en zwischen Ko-ro-ba und Ar und zwischen Tor und Ar befestigte, von Palisaden eingefa�te Lagerpl�tze errichtet. Sie liegen etwa einen Karawanen-Tagesmarsch auseinander und sind den Kaufleuten wie den Sklavenh�ndlern sehr willkommen. Auch einfache Reisende benutzen sie. Die St�dte stellen durch ihre Kaufmannskasten Land f�r solche Lagerpl�tze zur Verf�gung und versorgen diese gegen festgesetzte Geb�hren mit Vorr�ten.</p><p>Die Lager unterliegen den Kaufmannsgesetzen, wie sie auf den Sardar-Jahrm�rkten beschlossen und durchgesetzt werden. Die Palisadenw�nde sind doppelt verst�rkt, wobei die innere Mauer h�her ist, und der ganze Lagerplatz ist mit Tarnnetzen �berspannt. Diese Forts unterscheiden sich bis auf die Gr��e kaum von den gew�hnlichen Grenzforts, wie sie manchmal von den St�dten an den Grenzen ihrer Einflu�gebiete unterhalten werden. In solchen Grenzbefestigungen ist nat�rlich wenig Platz f�r die Waren der Kaufleute und Sklavenh�ndler, f�r ihre Wagen und dergleichen; hier reicht der Platz gew�hnlich nur f�r die Besatzungen und ihre Sklaven aus. Ich hoffte inst�ndig, nie in ein entlegenes Grenzfort verkauft zu werden. Ich wollte lieber in einer reichen Stadt leben und deren Vorteil genie�en.</p><p>Am f�nften Tag unserer Fahrt von Ko-ro-ba nach Ar rasteten wir in einer solchen Kaufmannsfestung.</p><p>Im Innenbereich d�rfen sich die Sklavenm�dchen frei bewegen, da sie ohnehin nicht fliehen k�nnen. So gew�hrte auch Targo den verschiedenen Wagengruppen eine gewisse Freizeit. Wir tobten uns t�chtig aus, bis ich pl�tzlich an einem Ende der Palisade Marlenus� Jagdgruppe entdeckte. Sie hatte Ko-ro-ba nach uns verlassen, war aber schneller vorangekommen.</p><p>Lana und ich und einige andere M�dchen liefen hin�ber, um uns die K�fige mit Sleen und die Troph�en anzusehen. Neugierig betrachteten wir die Sklaven, die Pantherfelle, die Lasten mit Fr�chten und N�ssen und Vernas f�nfzehn M�dchen.</p><p>Am interessantesten fand ich nat�rlich Vernas K�fig, der von einem J�ger bewacht wurde.</p><p>�Sei gegr��t, Verna!� sagte ich k�hn.</p><p>Sie blickte auf mich herab, ohne etwas zu sagen.</p><p>�Vielleicht erinnerst du dich an mich?� fragte ich.</p><p>Doch ihr Gesicht blieb ausdruckslos.</p><p>Ich ergriff einen Stock, warf in ihrem K�fig den Wasserbeh�lter um und begann mir eine Larmafrucht herauszuangeln, die man der Gefangenen hingelegt hatte. Lana und ich teilten uns die Frucht.</p><p>Verna beobachtete uns, ohne sich zu r�hren.</p><p>Pl�tzlich schlug ich mit dem Stock zu, und sie zuckte zusammen. Ich wurde w�tend und begann ihren K�fig, der an einem Pfahl hing, wild hin und her zu schaukeln. Doch so sehr wir uns auch bem�hten, Verna machte uns nicht die Freude, auf unsere Mi�handlungen zu reagieren. Sie lie� es sogar �ber sich ergehen da� wir sie anspuckten. Da h�rten wir, wie ein W�chter Targos nach uns rief. Es wurde Zeit, zu den Wagen zur�ckzukehren, damit eine andere Gruppe M�dchen freigelassen werden konnte.</p><p>Mit einem letzten giftigen Blick auf die stolze Gefangene wandten wir uns ab.</p><empty-line/><p>Ich warf wieder einige Beeren in meinen Eimer und wandte mich an Ute. �Bitte sprich doch mal mit Inge�, sagte ich. �Sie soll nicht mehr so grausam zu mir sein.�</p><p>�Warum sagst du ihr�s nicht selber?�</p><p>�Sie mag mich nicht und w�rde mich schlagen. Du kannst sie sicher �berreden. Ich will die anderen M�dchen nicht Herrin nennen. Es sind doch blo� Sklaven.�</p><p>�Wir sind alle Sklavinnen�, sagte Ute. �Aber na gut, ich werde mit ihr reden.�</p><p>Dann wandte sie sich ab und setzte ihre Arbeit fort. Es war inzwischen sp�ter Nachmittag geworden. Es war bald Zeit f�r die Abendmahlzeit. Ich sah mich um, um festzustellen, ob der W�chter auf uns achtete. Doch er hatte den Kopf abgewandt.</p><p>Ute hatte ihren Eimer stehen lassen und pfl�ckte etwa einen Meter entfernt; sie hatte mir den R�cken zugewandt. Sie war wirklich ein Dummerchen. Ich machte einige vorsichtige Schritte und schaufelte zwei H�ndevoll Beeren aus ihrem in meinen Eimer.</p><p>Da glaubte ich ein Ger�usch wahrzunehmen und hob den Kopf. Auch Ute und der W�chter hatten etwas geh�rt. Der Mann stie� einen w�tenden Schrei aus und begann zu den Wagen zu-r�ckzulaufen. Ute sah die Erscheinung, bevor sie mir auffiel. Ich hatte bisher nur ein vages Ger�usch in der Ferne geh�rt, ein vielfaches Schnappen und schrille Schreie, die der Wind zu uns her�bertrug.</p><p>�Schau!� rief Ute. �Tarns!�</p><p>Aus der Ferne n�herte sich in vierfacher V-Formation eine gewaltige Kavalkade Tarnk�mpfer. Das erste V flog am niedrigsten und vor den anderen drei, die gestaffelt heranrasten. Tarntrommeln waren nicht zu h�ren � es handelte sich also nicht um eine milit�rische Formation. �Ein �berfall!� rief Ute.</p><p>Ich war wie gel�hmt. Was mir am unverst�ndlichsten vorkam, war die Tatsache, da� uns der W�chter im Stich gelassen hatte. Er war zu den Wagen gerannt.</p><p>�Es m�ssen �ber hundert sein!� rief Ute. �Leg dich hin!� Und sie zerrte mich ins Geb�sch.</p><p>Aus der Ferne beobachteten wir den Angriff auf die Karawane, sahen, wie die Tarns in vier Wellen heranflogen, herumgezogen wurden und die Reiter ihre Pfeile absch�ssen.</p><p>Die Bosks wurden losgeschnitten und st�rmten in wilder Flucht davon. Niemand machte den Versuch, die Wagen zu einem Verteidigungsring zusammenzufahren � er n�tzt ohnehin nur wenig wenn der Angriff aus der Luft kommt. Die M�nner bem�hten sich aber, die Wagen eng zusammenzuschieben, damit sie sich unter den Fahrzeugen bewegen konnten.</p><p>In vielen Wagen sa�en noch angekettet die M�dchen, die zu schreien begannen. Ein paar M�nner zerrten die blau-gelben Planen zur Seite, damit die Sklavinnen von den Angreifern gesehen wurden. So dienten sie den Verteidigern als Schutz, denn die R�uber hatten es auf die M�dchen abgesehen. Wenn sie also ihre Beute nicht vernichten wollten, durften sie nicht blindlings drauflos schie�en.</p><p>Die letzte Formation der Tarnk�mpfer schlug zu und zog sich wieder zur�ck.</p><p>�Der Angriff ist vorbei�, sagte ich.</p><p>�Sie werden jetzt Feuer werfen�, sagte Ute.</p><p>Ich beobachtete entsetzt, wie sich der Himmel einige Sekunden sp�ter wieder mit Tarns f�llte und flammende Pfeile geflogen kamen. Die Wagen begannen zu brennen.</p><p>Ich sah, wie die Verteidiger �berst�rzt kreischende M�dchen losketteten. Einer Sklavin brannten die Haare. Grob wurde ihr der Kopf in den Sand gesto�en, damit die Flammen erl�schten Die ersten Tarnk�mpfer landeten, sprangen von ihren Tier und eilten zwischen den brennenden Wagen hindurch. Leise klang das Ger�usch klirrender Schwerter her�ber.</p><p>�Mach mich los!� rief Ute.</p><p>Wir waren mit einer breiten Lederschnur aneinandergefesselt deren Knoten nicht einfach zu l�sen war. Meine Finger hantierten daran herum. In meiner Aufregung machte ich kaum Fortschritte. Ungeduldig stie� mich Ute zur Seite und begann verzweifelt auf dem Lederband zu kauen. Nicht alle Tarnk�mpfer waren gelandet, einige wirbelten noch in engen Kreisen am Himmel. Ich sah Zweik�mpfe bei den Wagen, sah einige M�nner fallen.</p><p>Einer der Tarnk�mpfer, der noch auf seinem Tier sa�, nahm den Helm ab und wischte sich die Stirn. Er war der Anf�hrer, den ich sogar auf diese Entfernung erkannte.</p><p>�Es ist Haakon!� rief ich. �Haakon aus Skjern!�</p><p>�Nat�rlich ist das Haakon aus Skjern!� rief Ute und setzte ihre Bem�hungen fort.</p><p>Mehrere Wagen standen nun in Flammen. Ich sah M�nner herumlaufen. Zwei M�dchen eilten �ber die Steppe davon.</p><p>Haakon mu�te an die hundert Leute bei sich haben. Als er nach Ko-ro-ba kam, war seine Truppe nur vierzig Mann stark gewesen: er mu�te also weitere S�ldner angeworben haben!</p><p>Schwertgeklirr klang her�ber. Ich war au�er mir.</p><p>Unter den brennenden Wagen lief pl�tzlich ein Dutzend M�dchen hervor, verstreuten sich in alle Richtungen.</p><p>�Er treibt die M�dchen davon!� rief Ute w�tend und zerrte an dem Leder, das sie nicht durchbei�en konnte. Sie sah mich w�tend an. �Sie haben uns noch nicht gesehen. Wir m�ssen fliehen!�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Wohin sollten wir uns wenden?</p><p>�Du kommst mit, oder ich bringe dich um!� schrie Ute.</p><p>�Ich komme ja!� willigte ich ein.</p><p>Ich sah, da� die Tarnk�mpfer von den brennenden Wagen ablie�en und zu ihren Tarns zur�ckkehrten. An den Wagen und den Vorr�ten darin hatten sie kein Interesse, solange der eigentliche Schatz entkam. Targo hatte sich entschlossen, die M�dchen freizulassen, um sich damit die Angreifer vom Halse zu schaffen. Es war eine Verzweiflungsma�nahme, zu der er nur in h�chster Not gegriffen hatte � aber er und seine M�nner waren hoffnungslos in der Minderheit. �Komm, El-in-or!� rief Ute. �Komm!�</p><p>Sie zerrte mit beiden H�nden an der Leine, die uns miteinander verband, und �chzend setzte ich mich in Bewegung.</p><p>Als wir uns einmal umsahen, sahen wir fliegende Tarnk�mpfer, die einzelne M�dchen jagten. Sie lenkten ihre Tiere nur wenige Zentimeter �ber dem Boden dahin, und oft packte der Tarn sein Opfer mit den Krallen und ri� es in die Luft. Anschlie�end landete der Tarnk�mpfer und zog das M�dchen zu sich in den Sattel. Einige hatten bereits hysterisch schluchzende M�dchen vor sich liegen. Verschiedene Angreifer stie�en den rennenden M�dchen die Lanzensch�fte in den R�cken, so da� sie ins Gras st�rzten. Wieder andere fingen die fliehenden Sklavinnen mit de Lasso ein und mu�ten dazu nicht einmal absteigen.</p><p>Es war ein entsetzlicher Anblick, und ich geriet ins Stolpern. �Beeil dich!� rief Ute.</p><p>Ich rappelte mich wieder auf und folgte ihr ins Ungewisse.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Ich stand in dem rei�enden Flu�; das Wasser reichte mir bis �ber die Knie. Ich hatte meinen Kamisk hochgebunden, damit er nicht na� wurde. Mit erhobenen H�nden starrte ich auf die silbrige Gestalt, sich im klaren Wasser drehte.</p><p>Sie n�herte sich dem Zaun aus kleinen St�cken, die Ute in das Flu�bett gesteckt hatte, und scheute zur�ck, als sei sie verwirrt. Meine H�nde zuckten darauf zu, packten zu. Ich ber�hrte das Wesen. Wasser wurde aufgew�hlt. Mit einem Schrei des Ekels zog ich die H�nde zur�ck. Der glitzernde K�rper scho� durchs Wasser. Ich richtete mich wieder auf. So leicht entkam mir das Wesen nicht. Es befand sich in Utes Stockfalle, die aus zwei Teilen bestand. Der erste, einige Meter flu�abw�rts, hatte die Form eines flu�abw�rts zeigenden �V�. Hier konnte ein Fisch leicht eindringen, ohne aber so schnell den Ausgang wiederzufinden, der zweite Teil war eine gekurvte Stockwand, die die Falle v�llig schlo�.</p><p>Ute war beim Jagen. Sie hatte an verschiedenen Stellen Schlingen ausgelegt und dazu den Lederriemen benutzt, mit dem wir aneinandergefesselt gewesen waren.</p><p>Wieder n�herte ich mich dem silbrigen K�rper in der Falle. Ute und ich waren entkommen � was mich doch sehr �berrascht hatte. Wir waren ziemlich weit von den Wagen entfernt gewesen � und es war sicher dieser Tatsache und der allgemeine Verwirrung zuzuschreiben, da� uns niemand bemerkt hatte.</p><p>Wir waren etwa eine Ahn lang gerannt, bis wir den Rand eines gro�en Ka-la-na-Dickichts erreichten. Hier hatten wir uns ins Gras geworfen. �Ute, ich habe Angst!� hatte ich gefl�stert.</p><p>�Verstehst du nicht?� erwiderte sie mit blitzenden Augen. �Wir sind frei!�</p><p>Ute kroch zu mir und begann mit ihren kurzen starken Fingern an den Knoten zu arbeiten, die uns fesselten. �Wir brauchen das Leder�, sagte sie, als sie den Knoten gel�st hatte.</p><p>�Was k�nnen wir machen, Ute?� fragte ich nerv�s.</p><p>Sie rollte das breite Lederband zusammen, legte es sich �ber die Schulter und stand auf. �Komm�, sagte sie. �Wir m�ssen tiefer ins Dickicht.�</p><p>�Ich kann nicht laufen�, sagte ich. �Ich bin zu m�de.�</p><p>�Leb wohl, El-in-or�, sagte sie, machte kehrt und marschierte davon. Als ich ihr nachschrie, drehte sie sich nicht einmal um. Da war ich aufgesprungen und ihr nachgeeilt. �Ute, nimm mich mit!� flehte ich.</p><p>Meine H�nde lauerten �ber dem silbrigen Fischk�rper im Wasser. Und wieder packte ich zu. Diesmal erwischte ich das Wesen, das sich kraftvoll zwischen meinen Fingern wand. Ein schreckliches Gef�hl! Mit heftigem Schwanzschlag machte es sich frei und huschte flu�abw�rts davon, wo es jedoch auf die Stockwand stie� und reglos im Wasser verharrte.</p><p>Ich wich zur�ck, n�herte mich dem offenen Ende des �V�. Ich konnte zumindest daf�r sorgen, da� das Ding in der Falle blieb. Wir waren nun schon f�nf Tage unterwegs. Wir hatten uns tags�ber im Ka-la-na-Dickicht aufgehalten und waren nachts �ber die Steppe gewandert. Ute hatte die s�dwestliche Richtung eingeschlagen. Das winzige Dorf Rarir, in dem sie geboren war, lag s�dlich des Vosk nahe der Thassak�ste.</p><p>�Warum m�chtest du dorthin?� hatte ich gefragt.</p><p>Sie war als kleines M�dchen aus dem Dorf entf�hrt worden. Ihre Eltern waren ein Jahr vorher wilden Larls zum Opfer gefallen. Ute war ein Abk�mmling der Lederarbeiter; ihr Vater hatte dieser Kaste angeh�rt. �Ich will ja eigentlich gar nicht dorthin�, erwiderte Ute. �Aber wohin soll man sich sonst wenden? In meinem Dorf macht man mich wenigstens nicht zur Sklavin.�</p><p>Im Alter von zw�lf Jahren war Ute von einem Lederarbeiter erworben worden, der auf der Austauschinsel wohnte, die von den Kaufleuten von Teletus unterhalten wurde. Er und seine Gef�hrtin hatten Ute befreit und sie mit der Arbeit der Lederarbeiter vertraut gemacht.</p><p>An ihrem neunzehnten Geburtstag waren Mitglieder der Kaste der Wissenden ins Haus gekommen und hatten angeregt, da� sie nun die Reise in das Sardargebirge unternehmen m�sse, die nach den Lehren der Kaste der Wissenden jedem Goreaner unter f�nfundzwanzig obliegt � eine Pflicht, die er gegen�ber den Priesterk�nigen hat. Eine Stadt, die nicht daf�r sorgt, da� ihre Jugend diese Reise macht, wird nach den Worten der Wissenden von Unheil heimgesucht.</p><p>Ute war zu einer Reisegruppe gesto�en, die von den Wissenden zusammengestellt wurde. Und sie bekam das Sardargebirge zu sehen � doch nur als Sklavin.</p><p>Ihr Schiff wurde von den schwarzen Sklavenh�ndlern aus Schendi aufgebracht. Sie und andere wurden verkauft und in Sklavenwagen zum Sardargebirge geschafft, wo sie auf dem gro�en Fr�hlings-Jahrmarkt des En�Kara verkauft wurde. Als sie auf dem Block stand und angeboten wurde, sah sie �ber dem gewaltigen Palisadenzaun die Gipfel des Sardargebirges.</p><p>Vier Jahre lang wanderte Ute, als Sch�nheit gesch�tzt, von einem Herrn zum anderen, von Stadt zu Stadt.</p><p>Dann wurde sie wieder einmal am Sardargebirge verkauft, um Schulden ihres Herrn auszugleichen. Und hier wurde sie von Barus aus der Kaste der Lederarbeiter erworben. Sie hatte viele Herren gehabt, doch nur diesen Herrn geliebt. Dabei hatte sie den Fehler gemacht, ihn einmal ihrem Willen unterwerfen zu wollen.</p><p>Zu ihrem Entsetzen hatte er sie daraufhin verkauft.</p><p>Mir gegen�ber erw�hnte sie diesen Mann nie � doch ab und zu rief sie seinen Namen im Schlaf.</p><p>�Warum kehrst du nicht nach Teletus zur�ck?� fragte ich Ute. Der Gedanke, in einem Dorf zu leben, gefiel mir ganz und nicht. Und in Teletus war sie doch zur freien Frau gemacht und adoptiert worden. �Oh�, sagte Ute beil�ufig. �Ich kann nicht schwimmen und mir bestimmt auch keine �berfahrt kaufen � der Kapit�n w�rde mich sofort versklaven.�</p><p>Und damit hatte sie sicher nicht so unrecht.</p><p>�Au�erdem kann es sein, da� meine Adoptiveltern nicht mehr auf der Insel wohnen.�</p><p>�Aber vielleicht haben wir Gl�ck!� rief ich. Wenn ich schon bei Ute blieb, lebte ich doch lieber auf einer Austauschinsel, die wenigstens einigerma�en zivilisiert war, als in einem primitiven Kaff s�dlich des Vosk. Aber Ute hatte mich nur angesehen und geschrien: �Sieh mich doch an! Meine Ohren sind durchstochen!�</p><p>Ich wich zur�ck.</p><p>�Meine Eltern haben mich gut behandelt. Wie kann ich denn zur�ckkehren und sie besch�men? Sollte ich als ihre Tochter zur�ckkehren � mit durchstochenen Ohren?� Sie senkte den Kopf und begann zu weinen.</p><p>Also blieb es dabei, da� wir das Dorf Rarir suchen wollten. Jetzt begann das silbrige Wesen in seinem Gef�ngnis hin und her zu schwimmen. Es machte mir angst. Einmal ber�hrten seine kalten rauhen Schuppen meine Beine, und ich stie� einen Schrei aus. Und dann atmete ich erleichtert auf, denn das Tier war noch immer in der Falle. Ohne Ute h�tte ich bestimmt nicht �berlebt. Ich stellte mich entsetzlich dumm und ungeschickt an. Ute jedoch wu�te sich zu helfen. Sie verstand es, in der Wildnis zu leben.</p><p>Sie hatte mir gezeigt, welche Fr�chte wir essen konnten, und welche wir meiden mu�ten. Sie hatte die Flu�falle gebaut und mir gezeigt, wie man aus Lederfesseln Schlingen kn�pfte, die sogar f�r einen Tabuk stark genug waren � aber solche gro�en Schlingen legten wir nicht, um nicht die J�ger der Gegend auf uns aufmerksam zu machen. Die kleineren Fallen wurden leichter �bersehen. Au�erdem h�tten wir einen Tabuk ohne Messer nicht ausweiden k�nnen. Ute hatte mir au�erdem gezeigt, wie man sich einen Unterschlupf baut und wie man mit einem Ast V�gel und kleine Tiere erlegt. Ute lehrte mich, E�bares zu finden, wo ich nie gesucht h�tte. Besonders mochte ich eine bestimmte Sorte Wurzeln, nach denen ich graben mu�te. Weniger gefielen mir dagegen die kleinen Amphibienwesen, die sie mit den H�nden fing, oder die dicken gr�nen Insekten, die sie von der Unterseite von �sten und Steinen las. �Sie sind e�bar�, versicherte sie.</p><p>Ich erschauderte und beschr�nkte mich auf N�sse und Fr�chte und Wurzeln und Wasserwesen, die den mir vertrauten Fischen �hnelten. Utes verbl�ffendste Tat war f�r mich jedoch das Feueranz�nden, das sie mit einem flachen St�ck Holz, einigen St�cken und etwas Lederschnur schaffte. Ich war sehr aufgeregt, als das Blatt pl�tzlich rauchte und eine winzige Flamme zu z�ngeln begann, die wir mit Bl�ttern und �sten n�hrten, bis wir ein richtiges kleines Feuer hatten, �ber dem wir unsere Beute braten konnten.</p><p>Seit unserer Flucht hatten wir keinen anderen Menschen mehr zu Gesicht bekommen. Tags�ber schliefen wir in Ka-la-na-Dickichten und wanderten nachts in Richtung S�dwesten.</p><p>Ute hatte eigentlich kein Feuer anmachen wollen, doch ich hat darauf bestanden, denn ich mochte kein rohes Fleisch.</p><p>�Tal!� rief Ute in diesem Augenblick. �ber der Schulter trug sie zwei kleine Pelztiere, unansehnliche Waldurts, und am Gurt vier kleine gelbgr�n gefiederte V�gel. Heute abend stand ein Festmahl auf dem Programm.</p><p>�Ute!� rief ich. �Ich habe einen Fisch gefangen!�</p><p>�Gut!� erwiderte Ute. �Brigg ihn ins Lager.�</p><p>�Ute!� sagte ich gequ�lt.</p><p>Ute lachte und warf ihren Fang ans Ufer. Sie watete in die Falle, n�herte sich vorsichtig dem Fisch, um ihn nicht zu erschrecke: und griff pl�tzlich danach. Das Tier wich zur�ck, doch Ute hat die Bewegung vorausgesehen und schleppte den sich windende K�rper triumphierend ans Ufer.</p><p>�Vernichte die Falle�, sagte Ute.</p><p>Jedesmal wenn wir ein Dickicht verlie�en, beseitigten wir alle Spuren unserer Gegenwart � eine weise Vorsichtsma�nahme, wir wu�ten nicht, ob unsere Flucht nicht doch bemerkt worden war.</p><p>Ute wartete am Ufer, w�hrend ich die St�cke der Falle heraus zog und in die B�sche warf. Dann half ich ihr, unseren Fang in das kleine Lager zu tragen.</p><p>�Du machst die Tiere sauber�, sagte Ute dann.</p><p>Es gefiel mir nicht, da� sie mir Befehle gab.</p><p>�Ich kann nicht�, sagte ich.</p><p>�Dann mu�t du Feuer machen.�</p><p>�Du wei�t doch, da� ich das nicht kann�, erwiderte ich �rgerlich. �Dann machen wir also kein Feuer.�</p><p>�Aber nein! Ich esse doch kein rohes Fleisch!�</p><p>Schlie�lich mu�te ich doch die Tiere putzen und ausnehmen. Wer war dieses M�dchen, da� sie mir Befehle gab! Ich brauchte sie nicht mehr! Sie hatte mir wahrscheinlich alles beigebracht was sie wu�te. Ich kam nun auch ohne sie zurecht. Au�erdem tat sie so �berlegen. Schlie�lich war ich ein Erdenm�dchen, das goreanischen Sklavinnen schon durch seine Schulbildung jederzeit �berlegen war! Als ich eine Weile gearbeitet hatte, kam mir Ute zu Hilfe. Dabei begann sie zu summen.</p><p>�Warum summst du?� fragte ich aufgebracht.</p><p>�Weil ich gl�cklich bin. Weil ich frei bin!�</p><p>Als wir die Tiere geh�utet hatten, beugte sich Ute �ber das Feuerzeug. Ich trieb sie zur Eile an, denn ich hatte gro�en Hunger. Endlich erschien die winzige Flamme, die langsam gr��er wurde. Da wir mehr zu essen hatten als gew�hnlich, errichteten wir zwei kleine Grillstangen �ber der Flamme.</p><p>Als das Fleisch gar war, nahmen wir es von den Stangen und legten es auf Bl�tter. Ich war sehr hungrig. Es war dunkel geworden, und der Abend war k�hl. Es w�rde angenehm sein, am Feuer zu sitzen und das hei�e Fleisch zu essen.</p><p>�Was machst du, Ute!� rief ich und packte ihr Handgelenk. Sie sah mich verwirrt an. �Ich mache das Feuer aus � es ist zu gef�hrlich.� �Aber hier ist niemand.�</p><p>Ute sch�ttelte unentschlossen den Kopf.</p><p>�Bitte!� dr�ngte ich.</p><p>�Na gut.�</p><p>Aber es war kaum eine goreanische Ehn vergangen, als Ute pl�tzlich entsetzt Erde auf die Flammen zu scharren begann.</p><p>�Was soll das?� rief ich.</p><p>�Sei still!�</p><p>Dann h�rte ich �ber uns in der Dunkelheit den Schrei eines Tarn. �Ein wilder Tarn�, sagte ich.</p><p>Das Feuer war nun gel�scht.</p><p>�Wir m�ssen fort�, sagte Ute �ngstlich.</p><p>�Es ist nur ein wilder Tarn.�</p><p>�Ich hoffe, du hast recht.�</p><p>Ein Schauder lief mir �ber den R�cken. Ute begann in der Dunkelheit unser Lager abzubrechen. �Nimm alles, was du tragen kannst. Wir m�ssen fort.�</p><p>W�tend, aber ver�ngstigt nahm ich soviel Vorr�te, wie ich greifen konnte. Ute sammelte die Schuppen, Eingeweide und Knochen ein, die von unserem Fang �briggeblieben waren, und verscharrte sie im weichen Boden.</p><p>Als schlie�lich alle Spuren unseres Lagers beseitigt waren, eilten wir hastig durch die Dunkelheit davon.</p><p>Wir eilten in s�dwestlicher Richtung durch das Dickicht, dessen Rand wir schlie�lich erreichten. Ute blickte zum dunklen Himmel auf, doch es war nichts zu sehen. Sie lauschte, doch kein Ger�usch drang an unsere Ohren.</p><p>�Siehst du � es ist nichts mehr zu h�ren.�</p><p>�Vielleicht sind sie abgestiegen�, sagte Ute.</p><p>�Es war nur ein wilder Tarn.�</p><p>Wir hockten uns am Rand des Dickichts hin und beendeten unsere unterbrochene Mahlzeit. Dann wischten wir uns die H�nde am Gras ab und warfen die Knochen ins Unterholz.</p><p>�Sieh mal!� rief Ute pl�tzlich. �M�nner!�</p><p>Etwa zweihundert Meter entfernt schimmerten Fackeln durch die Zweige. Wir ergriffen die Flucht. Bei Anbruch der Morgend�mmerung erreichten wir ein weiteres Ka-la-na-Geb�sch, in da wir uns ersch�pft verkrochen. 
Vier Tage sp�ter hockten wir in einem anderen Dickicht weit im S�dwesten. Wir schienen unsere Verfolger abgesch�ttelt haben, denn wir hatten seit Tagen nichts mehr von ihnen bemerkt.</p><p>Ute wies mich an, unsere Schlingen auf einem Wildwechsel auszulegen, den wir gefunden hatten, und ich machte mich auf den Weg. Pl�tzlich blieb ich entsetzt stehen. M�nnerstimmen!</p><p>Hastig schl�pfte ich ins Unterholz, kroch auf H�nden und Knien vorw�rts, bis ich durch eine L�cke im Geb�sch sehe konnte.</p><p>Zwei Tarns waren auf einer kleinen Lichtung angebunden. M�nner, in Leder gekleidet und bewaffnet, hatten kein Feuer angez�ndet � ich erkannte sie. Sie geh�rten zu Haakon aus Skjern!</p><p>�Sie mu� hier irgendwo stecken�, sagte einer der beiden. �Mit Jagdsleen h�tten wir sie l�ngst gefunden.�</p><p>�Hoffentlich ist sie von roter Seide�, sagte der andere. �Wenn nicht, machen wir sie dazu � glaubst du wirklich, das Haakon damit rechnet, wir w�rden ihm ein Wei�e-Seide-M�dchen bringen?� �Nat�rlich nicht!� lachte der andere und schlug sich auf Schenkel. �Die Kleine hat uns wirklich h�bsch an der Nase herumgef�hrt � das soll sie uns bezahlen.�</p><p>�Wir fangen sie schon noch!�</p><p>�Sie scheint intelligent zu sein � trotzdem hat sie das Feuer angemacht, das war dumm.�</p><p>�Wie gehen wir vor?�</p><p>�Wir warten hier an diesem Wildwechsel. Wir wissen, da� die Kleine sich ihre Mahlzeiten mit der Schlinge f�ngt, da mu� sie �ber kurz oder lang hier auftauchen.�</p><p>�Sicher gibt es in der Gegend noch weitere Wildwechsel�, wandte der andere Mann ein.</p><p>�Wenn wir sie nicht heute fangen, dann bestimmt morgen oder �bermorgen.�</p><p>Vorsichtig schob ich mich r�ckw�rts. Als ich mich einige Meter entfernt hatte, richtete ich mich lautlos auf und huschte davon.</p><p>Ein Gedanke beherrschte mich � ich mu�te Ute warnen! Wir mu�ten fliehen! Aber dann verhielt ich mitten im Schritt und duckte mich erschreckt hinter einen Busch. Die beiden M�nner hatten nur von einer Sklavin gesprochen � offenbar nahmen sie an, sie m��ten nur ein M�dchen fangen.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Nein, so etwas durfte ich nicht denken! Aber die M�nner machten mir angst. Sie waren r�cksichtslos und grausam. Es durfte nicht geschehen, da� ich solchen S�ldnern in die H�nde fiel. Und Ute war schon oft Sklavin gewesen.</p><p>Ruhig kehrte ich in unser Lager zur�ck. Die M�nner wu�ten nur von einem M�dchen ...</p><p>Nein, das durfte ich nicht tun!</p><p>Die beiden hatten uns tagelang verfolgt. So schnell w�rden sie nicht aufgeben.</p><p>Und wenn sie nur eine von uns fingen?</p><p>Ute war dumm, sie war eine Goreanerin, ein einfaches M�dchen. Au�erdem hatte sie es gewagt, mich als ihre Untergebene zu behandeln. Ute war schon Sklavin vieler Herren gewesen � sie wu�te, wie das war. Ich warf die Lederschlingen ins Geb�sch und kehrte in unser Lager zur�ck.</p><p>�Hallo, Ute!� sagte ich l�chelnd.</p><p>�Tal, El-in-or�, erwiderte Ute, die damit besch�ftigt war, eine neue Feuerstelle zu bauen.</p><p>�Ich habe die Schlingen ausgelegt, und als ich fortging, hat sich schon ein Tier gefangen.�</p><p>�Gut�, sagte Ute. �Was ist es denn?�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich. �So etwas habe ich noch nie gesehen � eine Art Waldurt, pelzig und sehr h��lich. Ich wollte das Ding nicht anfassen.�</p><p>�Oh El-in-or!� lachte Ute. �Du bist ja so ungeschickt!�</p><p>�Bitte hol das Tier � ich traue mich nicht!�</p><p>�Na gut.� Und Ute richtete sich auf. �Zeig mir, wo du Schlinge angebracht hast.�</p><p>�Nein!� rief ich.</p><p>Sie wandte sich um und sah mich fragend an.</p><p>�Du kannst sie nicht verfehlen. Auf der linken Seite.�</p><p>�Na gut�, sagte Ute und verlie� das Lager. Das Herz schlug mir bis zum Hals, als ich ihr vorsichtig in einiger Entfernung folgte. Ein St�ck vom Lager entfernt kniete ich nieder und hob einen handlichen Stein auf. Dann versteckte ich mich im Geb�sch wobei ich den Stein umklammerte. Kaum hundert Meter entfernt h�rte ich pl�tzlich den Ruf eines Mannes. Mein Herz machte einen Sprung. Sie hatten Ute gefangen!</p><p>Aber dann h�rte ich den Schrei des anderen Mannes und Brechen von �sten. Zu meinem Entsetzen hastete Ute �ber den Wildpfad, die Augen weit aufgerissen, die Arme vorgestreckt.</p><p>�El-in-or!� rief sie. �Sklavenj�ger! Flieh!�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich und richtete mich auf.</p><p>Sie starrte mich verbl�fft an.</p><p>Mit dem Stein versetzte ich ihr einen Schlag gegen den Kopf Die M�nner mu�ten sie finden, nicht mich!</p><p>St�hnend brach Ute in die Knie und bewegte den Kopf und her. �Nein!� �chzte sie. �Nein! Nein!�</p><p>Ich warf den Stein ins Gras. Die M�nner w�rden annehme sie w�re geflohen und h�tte sich den Kopf aufgeschlagen.</p><p>Hastig versteckte ich mich im Geb�sch. Ich sah, wie die Tarnk�mpfer sie packten und davonschleppten.</p><p>Ich war froh � Ute war gefangen! Ich f�rchtete nur, da� den beiden von mir erz�hlen w�rde � aber wahrscheinlich verriet sie mich nicht. So entkam ich meinen Verfolgern. Ich wollte meinen Weg fortsetzen und das Dorf Rarir suchen, wo ich mich vielleicht als Freundin von Ute ausgeben konnte. Mit der Zeit konnte ich mich von dort wahrscheinlich zur Austauschinsel Teletus durchschlagen, wenn alles gut ging. Vielleicht kam ich bei Utes Adoptiveltern unter. Meine Aussichten standen also gar nicht so schlecht.</p><p>Wie zuvor wanderte ich nachts und schlief tags�ber in Ka-la-na-Dickichten.</p><p>Eines Nachts bewegte ich mich auf meinem weichen Grasbett, unruhig schlafend. Insekten umschwirrten mich. Ich hatte am Vorabend gut gegessen, denn es war mir gelungen, in einem Bauernhof ein St�ck Boskfleisch zu stehlen, das zum Trocknen aufgeh�ngt war. Das hatte vorz�glich geschmeckt.</p><p>Seit Utes Gefangennahme hatte ich mir nichts mehr gebraten. Ich wu�te nicht, ob ich ein Feuer zustandebekam. Au�erdem hatte ich erfahren m�ssen, da� die Flammen gef�hrlich sein konnten. Ich ern�hrte mich also haupts�chlich von Fr�chten, N�ssen und Wurzeln. Von Zeit zu Zeit erg�nzte ich diesen Speisezettel mit dem rohen Fleisch kleiner V�gel. Aus der Ferne h�rte ich pl�tzlich L�rm. Es klang wie das Br�llen von M�nnern, begleitet von lautem Scheppern, als w�rden Pfannen oder Topfdeckel gegeneinandergeschlagen.</p><p>Nach kurzer Zeit wurde klar, da� der Krach n�herkam.</p><p>Ich richtete mich auf und lauschte angestrengt.</p><p>Der L�rm kam aus der Richtung des Dorfes. Ich suchte hastig meine Besitzt�mer zusammen und entfernte mich in entgegengesetzter Richtung.</p><p>Schon nach kurzer Zeit erkannte ich, da� ich das sch�tzende Dickicht verlassen mu�te, wenn ich diese Richtung beibehielt. Also wandte ich mich nach links.</p><p>Doch auch von dort schallte mir gleich darauf der Krach entgegen. �ngstlich machte ich kehrt und begann in die andere Richtung zu laufen. Doch auch von dort war der Radau zu h�ren.</p><p>Aus fast allen Richtungen drang nun das Scheppern und Rufen auf mich ein � und mir wurde klar, da� ich gejagt wurde!</p><p>Es blieb nur ein Ausweg: Ich mu�te mich zwischen den Treibern durchschleichen.</p><p>Der L�rm wurde unertr�glich laut. Das Wissen, da� ich gejagt wurde, brachte mich pl�tzlich um meine Beherrschung. Ich rannte einfach blindlings drauflos.</p><p>Doch dann stockte ich. Es waren sehr viele Treiber � zweihundert oder mehr, Bauern, M�nner, Kinder und Frauen, die ununterbrochen br�llten und auf ihre T�pfe und Pfannen schlugen. Die Frauen und Kinder trugen St�cke, die M�nner Speere und Harken.</p><p>Sie standen zu dicht zusammen � es waren zu viele.</p><p>Ein Kind entdeckte mich, stie� einen Schrei aus und h�mmerte noch lauter auf seinen Topf ein.</p><p>Ich ergriff wieder die Flucht. Es blieb mir nichts anderes �brig als auf das offene Gel�nde zuzuhalten, der einzigen Richtung, aus der kein L�rm drang.</p><p>Im Sonnenlicht des Mittags verlie� ich das sch�tzende Dickicht und hetzte in das Gras der offenen Steppe hinaus. Ersch�pft blickte ich mich um. Die Bauern waren am Rand des Ka-la-na-Dickichts stehengeblieben.</p><p>Ich sp�hte in die Runde. Vor mir war nichts. Keine starke Bauernburschen, die mich gefangennehmen wollten. Keine Netz Die Landschaft schien unber�hrt. Ich stie� einen Freudenschrei aus und lief los. Sie hatten mich nur aus dem Dickicht treiben wollen. Ich war frei. Ich legte den Kopf in den Nacken, sp�rte die Sonnenstrahlen und den Wind.</p><p>Pl�tzlich fuhr ich mir mit der Hand an den Mund. Am strahlenden Himmel hatte ich einen winzigen Punkt entdeckt. Ich sch�ttelte den Kopf. Nein, das durfte nicht sein!</p><p>Ich blickte zur�ck. Die Bauern hatten sich nicht ger�hrt. Der Punkt �ber mir kreiste. Ich stie� einen Entsetzensschrei aus, wu�te ich doch, da� ich der Mittelpunkt des Kreises war den der Tarn beschrieb.</p><p>In wilder Verzweiflung hastete ich durch das Gras. Doch der Tarn folgte m�helos meiner Bewegung. Bei einem Blick nach oben sah ich den Helm des Reiters in der Sonne blitzen. Der Vogel st�rzte nun mit angelegten Fl�geln kreischend herab.</p><p>Ich schrie auf und hastete los. Im n�chsten Augenblick h�rte ich den Schrei des Vogels hinter mir, sp�rte den Schlag der gewaltigen Fl�gel. Das Kreischen bet�ubte mich. Ein Schatten verdunkelte den Himmel.</p><p>Die Lederschlinge legte sich um meinen K�rper.</p><p>In Sekundenbruchteilen hatte sie sich zusammengezogen und fesselte meine Arme, ri� mich von den F��en. Das Gras raste unter mir dahin, und meine F��e ber�hrten den Boden nicht mehr, der unter mir wegfiel, und im n�chsten Augenblick hatte ich das Gef�hl, die Welt stelle sich auf den Kopf. Es verschlug mir den Atem, als der Tarn aufzusteigen begann; ich keuchte, der Horizont kreiselte wild, und ich schrie, unf�hig, mich festzuhalten. Ich sp�rte, wie ich ein St�ck durch die Schlinge glitt, der Boden lag schon so tief unter mir, und ich hing nur an einem d�nnen Lederseil.</p><p>Ich schrie entsetzt, als das Lasso noch ein St�ck nachgab. Dann bewegte es sich nicht mehr, sondern schnitt mir nur tief ins Fleisch. Das Gewicht meines K�rpers hielt mich fest.</p><p>Der Tarn begann in Kreisen aufzusteigen, und ich baumelte unter dem Tier, fast hundertundf�nfzig Meter �ber dem Boden.</p><p>Ich sp�rte, wie ich Zentimeter um Zentimeter hochgezogen wurde. Das Seil grub sich noch tiefer in meine Haut. Ich konnte mich nicht r�hren, dabei h�tte ich mich am liebsten an dem Seil festgeklammert. Aufblickend sah ich die gewaltigen Krallen des Tarn, die sich �ber mir gegen den m�chtigen Vogelk�rper pre�ten, dar�ber das Leder eines Tarnsattels und das Bein eines Mannes.</p><p>Gleich darauf hielt er mich in den Armen. Ich sah seine Augen durch den Schlitz seines Helms. Er schien am�siert zu sein. Er lachte. Es war ein wildes, dr�hnendes Lachen, das Lachen eines Tarnk�mpfers. Er entfernte das Lasso. Auf dem Sattel vor ihm sitzend, die Arme um seinen Hals gelegt, klammerte ich mich fest, voller Angst, da� ich fallen k�nnte. Er rollte das Seil zusammen und befestigte es am Sattel. Dann l�ste er meine Arme von seinem Hals.</p><p>�Leg dich vor mich auf den Sattel�, befahl er.</p><p>Ich gehorchte z�gernd.</p><p>Er beugte sich �ber mich, fesselte mir mit ge�bten Bewegungen Arme und Fu�gelenke und machte die Fesseln an Ringen seines Sattels fest. So lag ich hilflos vor ihm.</p><p>Er versetzte mir einen Klaps und stie� wieder ein lautes Lachen aus. Ich verfluchte mein Mi�geschick, wandte den Kopf zur Seite und begann zu weinen. Alles war umsonst gewesen.</p><p>Nach einiger Zeit merkte ich, da� der Tarn wieder zur Landung ansetzte. Ich vermochte kaum zu atmen. Mit einem schmerzhaften Ruck setzte das Tier auf.</p><p>Ich sah, da� wir auf dem Marktplatz eines Dorfes niedergegangen waren. In der Ferne sah ich ein gewaltiges Ka-la-na-Dickicht. Bauern umringten uns. Als ich den Kopf drehte, sah M�nner mit Speeren und Keulen.</p><p>�Wie ich sehe, hast du sie, Krieger�, sagte ein gro�er b�rtiger Bauer in einer groben Reptunika.</p><p>�Ihr habt sie ge�bt ins Freie getrieben�, sagte der Krieg �Seid bedankt.� Ich st�hnte auf.</p><p>�Ein geringes Entgelt f�r die vielen Gefallen, die du uns erwiesen hast.� �Sie hat uns gestern nacht Fleisch gestohlen�, sagte ein anderer. �Gib sie uns, Herr, damit wir das Mistst�ck pr�geln!� eine Frau. Ich begann zu zittern.</p><p>�Was kostet das Fleisch?� fragte der Krieger und zog seine Geldb�rse. Die Dorfbewohner schwiegen.</p><p>Der Tarnk�mpfer nahm zwei M�nzen heraus und warf sie dem b�rtigen Dorfbewohner zu.</p><p>�Vielen Dank!� riefen die Umstehenden.</p><p>�Wenn sie verpr�gelt wird�, sagte der Krieger mit dr�hnender Stimme, �dann von mir!�</p><p>Gel�chter klang auf, und ich zerrte hilflos an meinen Fesseln �Ich w�nsche euch alles Gute!� rief der Tarnk�mpfer und zog am ersten Z�gel.</p><p>�Wir w�nschen euch alles Gute!� rief die Menge zur�ck. Der Vogel erhob sich mit gewaltigem Schrei in die Luft; der Sattel pre�te sich gegen mich, und ich sah, wie das Dorf unter uns zur�ckblieb. Mit majest�tischen Fl�gelschl�gen stieg der Tarn den Wolken entgegen. Wir rasten am Himmel dahin. Ich sp�rte den Wind am K�rper mein Haar flatterte im Luftzug. Noch nie war ich mir so hilflos vorgekommen. Ich wu�te nicht, wohin wir flogen, welche Richtung wir eingeschlagen hatten. Ich wu�te nur, da� mir die Sklaverei drohte. W�hrend des Fluges hatte mich der Mann kritisch gemustert h�tte mein Brandzeichen am Bein gesehen und kopfsch�ttelnd festgestellt, da� ich durchstochene Ohren hatte. Einmal sagte er �Wir �berqueren gerade den Vosk.�</p><p>Da wu�te ich, da� wir uns �ber dem Gebiet Ars befanden, �ber dem Streifen der Verw�stung, einem kahlen Gebiet, das vor Jahren im Norden Ars von aller Vegetation ges�ubert worden war, um eine nat�rliche Barriere zu bilden, eine Mauer des Hungers und des Dursts, die einen guten Schutz vor Invasionen aus dem Norden oder vor �bergriffen der Voskpiraten bot. Unter der Herrschaft Marlenus� war dieser Landstreifen absichtlich in Ruhe gelassen worden, damit er wieder zuwuchs. Zur Absicherung hatte Marlenus eine Flotte schneller Voskgaleeren ausgeschickt, um die an sein Ubarat grenzenden Wasserl�ufe von Piraten zu s�ubern. Andere St�dte im Norden beobachteten besorgt, wie der kahle Landstrich sich wieder belebte. Im Gegensatz zu Ar f�rchteten sie um ihre Grenzen. Marlenus dagegen, der als Ubar aller Ubars bezeichnet wurde, hatte einen gro�en Ehrgeiz. Es w�rde bald wieder m�glich sein, eine Landarmee m�helos nach S�den in Richtung Ar zu f�hren. Aber gleicherma�en war es Ar m�glich, eine Streitmacht in den Norden zu bringen, an das Ufer des Vosk. Traditionsgem�� wurde das Nordufer dieses Flusses von mehreren St�dten, so auch von Ar, beansprucht.</p><p>Eine Ahn nach der anderen zog der Tarn durch den Himmel. Mein H�scher f�tterte mich zwischendurch mit Sa-Tarna-Brot, ohne mich loszumachen. Auch schob er mir den gekr�mmten Schnabel einer Lederflasche zwischen die Z�hne. Ich h�tte mich fast an dem Wasser verschluckt.</p><p>Ich betrachtete verstohlen den Krieger, der mich gefangengenommen hatte. Er hatte einen gewaltigen Brustkasten und breite Schultern. Seine Arme waren muskul�s und kr�ftig. Er trug eine Kampfuniform aus rotem Leder. Sein Helm mit dem �Y�-Schlitz war grau. Nirgendwo waren die Insignien seiner Heimatstadt zu sehen, so da� ich zu vermuten begann, er sei ein S�ldner oder Gesetzloser.</p><p>Ich hatte keine Ahnung, was aus mir werden sollte. Er fl��te mir Angst ein; au�erdem hatte ich das unbestimmte Gef�hl, ihn schon einmal gesehen zu haben.</p><p>�Bist du ein S�ldner Haakons aus Skjern?� fragte ich leise. �Nein�, sagte er.</p><p>�Willst du ... mich behalten?�</p><p>�Eine dreckige kleine Kajira, die den Bauern Fleisch stiehlt? Und die durchstochene Ohren hat? Da� ich nicht lache!�</p><p>Ich schlo� die Augen. Wahrscheinlich hatte dieser Krieger schon viele Frauen nach Hause gebracht, neben denen ich mich mager ausnahm. Er hatte sicher kaum mehr Interesse an mir als an einem St�ck Fleisch, das er in seinen Besitz gebracht hatte. �Ich sollte dich an einen Hausierer verkaufen�, fuhr er �Oder ich h�tte dich den Dorfbewohnern �berlassen sollen.�</p><p>�Bitte verkauf mich in Ar!� flehte ich. �Ich bin von wei�er Seide.� �Du bist es nicht wert, in Ar versteigert zu werden�, sagteer. Ich sah, da� er dabei grinste.</p><p>�Ich bin von wei�er Seide!� sagte ich verzweifelt. �So bringe ich dir mehr Geld!�</p><p>�Du mi�verstehst mich�, sagte er, �wenn du glaubst, ich interessiere mich nur f�r Gold!�</p><p>Pl�tzlich fuhr er zusammen. Ein Armbrustpfeil zischte vorbei. Im n�chsten Augenblick hatte mein H�scher seinen Schild vom Sattelhaken gerissen und den Tarn herumgerissen. Mit wildem Kriegsgeschrei stellte er sich seinem Gegner.</p><p>Wenige Zentimeter entfernt raste pl�tzlich ein zweiter Tarn vorbei, und ich h�rte das gewaltige Knirschen eines breiten Bronzespeers, der in das Boskleder am Schild meines H�schers fuhr. Der andere Tarn raste davon, und sein Reiter, der sich in den Steigb�geln aufgestellt hatte, versuchte seine Armbrust zu spannen, einen Pfeil in den Z�hnen haltend.</p><p>Mein Krieger ging sofort zum Angriff �ber und gab dem anderen keine Gelegenheit, die Armbrust wieder schu�fertig zu machen.</p><p>Als uns noch wenige Meter von dem anderen Vogel trennte warf der Gegner seine Armbrust fort und packte seinen Schild. Mein Krieger richtete sich in den Steigb�geln auf und warf seinen gro�en Speer, der den Schild des anderen glatt durchbohrte. H�tte sich der andere nicht im Sattel festgebunden, w�re er von der Wucht des Aufpralls in die Tiefe gerissen worden.</p><p>Er fluchte. �F�r Skjern!� br�llte er.</p><p>Wieder umkreisten sich die beiden Tarns.</p><p>Und wieder stie� der andere mit seinem Speer zu, der wie zuvor vom Schild meines H�schers abgelenkt wurde. Noch zwei Angriffe flog der fremde Krieger, und jedesmal lenkte der Schild die Speerspitze ab, Zentimeter von meinem K�rper entfernt. Mein Tarnk�mpfer versuchte dem anderen so nahe zu kommen, damit er das Schwert einsetzen konnte.</p><p>Wieder zuckte der Speer vor, doch mein Tarnk�mpfer nahm die Spitze diesmal voll mit dem Schild auf. Pl�tzlich fuhr unmittelbar �ber mir die bronzene Spitze durch den Schild, und ich schrie auf. Mein H�scher lenkte seinen Vogel fort, w�hrend sein Gegner, der nun ebenfalls sein Schwert gezogen hatte, nachdr�ngte. Mein H�scher hatte seinem Gegner den Speer abnehmen wollen, der eine gr��ere Reichweite hatte � doch dabei war er in seiner Verteidigung behindert. Mit unglaublicher Kraft zerrte er den Speer aus dem Schild, doch zugleich raste der Tarn des anderen heran, die Klinge zuckte nach unten, traf auf den m�chtigen Speerschaft und lie� ihn zersplittern. Er schlug noch zweimal zu, und der Speer l�ste sich vom Schild. Mein H�scher hielt nun den Schild vor sich und �ber meinen K�rper, und ich h�rte die Klinge des anderen zweimal zuschlagen. Dann hatte mein Krieger sich wieder seines Schwerts bem�chtigt, doch der andere zog fluchend seinen Tarn hoch, und lange Krallen fuhren herab, griffen nach uns. Ich h�rte, wie die spitzen Greifer �ber den Schild scharrten, den mein H�scher in die H�he stemmte, um den Vogel abzuwehren. Die Krallen schlossen sich um den Schild und rissen ihn meinem H�scher aus der Hand. Der andere Tarn verschwand, lie� den Schild fallen. �Gib sie mir!� h�rte ich den anderen schreien.</p><p>�Ihr Preis ist Stahl!� lautete die Antwort.</p><p>Wieder rasten die beiden Tarns aufeinander zu, flogen Seite an Seite dahin, w�hrend �ber meinem Kopf die Schwerter blitzten und zu entscheiden versuchten, wem ich geh�ren sollte.</p><p>Die Tarns begannen nun ihrerseits mit den Schn�beln aufeinander einzuhacken, wutkreischend, mit m�chtig schlagenden Fl�geln. Ich wurde hilflos hin und her geworfen. Manchmal hatte ich den Eindruck, in der Luft stehenzubleiben, so heftig warfen sich die V�gel herum, in ihrem nat�rlichen Element.</p><p>Die M�nner k�mpften verzweifelt, doch keiner gewann die Oberhand. Mit einem lauten Schrei der Wut oder der Verzweiflung zuckte die Klinge des anderen pl�tzlich in meine Richtung. Doch das Schwert meines H�schers fuhr dazwischen. Einen Zentimeter vor meinem Gesicht entfernt vermochte er die Klinge des anderen aufzuhalten. Der Schlag h�tte mir den Kopf gespalten.</p><p>Blut str�mte mir �bers Gesicht � ich wu�te nicht, ob es mein eigenes Blut war.</p><p>�Sleen!� fauchte mein H�scher. �Jetzt habe ich genug mit dir gespielt!� Wieder blitzten �ber mir die Schwerter auf, und ich h�rte einen Schmerzensschrei, und pl�tzlich drehte der andere Tarn ab, und der Reiter, der sich die Schulter hielt, taumelte im Sattel. Sein Tarn flog unsicher hin und her und ergriff schlie�lich Flucht. Mein Krieger verfolgte ihn nicht.</p><p>Er sah mich an und begann zu lachen. Dann zog er seinen Tarn herum, und wir setzten unsere Reise fort. Ich sah, da� er am linken Arm �ber dem Ellbogen verletzt war; aus dieser Wund stammte das Blut, das mir �ber das Gesicht gelaufen war. Die Wunde war aber nicht tief. Er bemerkte meinen besorgten Blick und grinste. �Das war dein Freund�, sagt er. �Haakon aus Skjern.� Ich starrte ihn entsetzt an. �Wie kommt es, da� du ihn kennst?�, fragte er.</p><p>�Ich war seine Lieblingssklavin�, log ich.</p><p>�Aha�, bemerkte er. �Es kommt mir aber unwahrscheinlich vor, da� Haakons Lieblingssklavin von wei�er Seide sein soll Au�erdem weist dich dein Akzent als Barbarin aus.�</p><p>�Aber ich bin ausgebildet!� rief ich.</p><p>�Ich wei߫, sagte er, �in den Gehegen Ko-ro-bas.� Er lacht �Du bist El-in-or�, fuhr er fort, �ehemals Sklavin des Targo aus dem Dorf Clearus im Reiche Tor. In den Gehegen war allgemein bekannt, da� du deinen K�fig nicht saubergemacht hast und das du eine L�gnerin und Diebin warst.� Er klatschte mir auf de Hintern. �Ja�, sagte er, �ich habe mir da ein h�bsches Exemplar gefangen. Was kann man an dir nur f�r einen Gefallen haben?� �Du hast mich schon einmal gesehen?� fragte ich. �Und willst mich in deinen Vergn�gungsgarten f�hren?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Du hast mich gesucht?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte er grinsend. �Ich habe dich tagelang gejagt.� Ich wandte den Kopf, um meinen Kummer vor ihm zu verbergen. Die ganze Zeit war mir dieser brutale Kerl auf der Spur gewesen, dieses Ungeheuer mit seinem unversch�mten Lachen. Wie hatte ich nur hoffen k�nnen, die Freiheit zu gewinnen!</p><p>�Du hast mich im Gehege von Ko-ro-ba gesehen?� fragte ich. �Ja.�</p><p>�Wer bist du?�</p><p>�Kennst du mich nicht?�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Er hob beide H�nde und setzte seinen Helm ab.</p><p>�Ich kenne dich nicht�, fl�sterte ich.</p><p>Ich hatte Angst. Sein Gesicht verriet eiserne Entschlossenheit. Seine dunklen Augen waren wild, sein Haar eine m�chtige M�hne. Dieser Kerl w�rde kurzen Proze� mit mir machen und seinen Willen durchsetzen. Ich begann zu zittern.</p><p>Ich begriff pl�tzlich, wie t�richt meine Tr�ume in den Gehegen Ko-ro-bas gewesen waren. Wie hatte ich je hoffen k�nnen, meinen Herrn zu erobern, ihn durch die Verweigerung meiner Gunst bezwingen zu k�nnen und ihn zu einem Sklaven meiner W�nsche zu machen! Ein Mann dieses Kalibers wu�te, was er wollte, und lie� sich nicht beirren, geschweige denn um den Finger wickeln.</p><p>Ich erkannte, da� er mir �berlegen war. Das hatte nichts mit der Tatsache zu tun, da� ich gefesselt vor ihm im Sattel lag, als seine Gefangene. Nein, von der Pers�nlichkeit her war ich ihm nicht gewachsen.</p><p>�Du erkennst mich also nicht?� lachte er.</p><p>�Nein�, versicherte ich.</p><p>Er befestigte seinen Helm am Sattel und zog eine Lederrolle aus der Satteltasche. Er wand sich den Streifen um den Kopf, so da� sein linkes Auge bedeckt war.</p><p>Da erinnerte ich mich an die gro�e Gestalt in blau-gelber Seide. �Soron aus Ar!� rief ich.</p><p>Er l�chelte, entfernte das Leder und steckte es wieder in die Satteltasche.</p><p>�Du bist der Sklavenh�ndler Soron aus Ar!� sagte ich.</p><p>Ich erinnerte mich, wie ich vor ihm gekniet und ihm gesagt hatte: �Kaufe mich, Herr!�, was er mit einem knappen �Nein!� beantwortet hatte. Und hinterher hatte er mich angesehen, und ich hatte �rgerlich den Kopf abgewandt, von einem seltsamen Gef�hl der Schw�che �bermannt. Und ich erinnerte mich, da� ich am Abend vor unserer Abreise aus Ko-ro-ba von ihm getr�umt hatte.</p><p>Nun lag ich vor ihm, als seine Gefangene.</p><p>�Als ich dich zum erstenmal sah, habe ich beschlossen, dich an mich zu bringen. Und als du mich ansahst und dann �rgerlich den Kopf hochwarfst, wu�te ich, da� ich nicht ruhen w�rde, bis ich dich besa�.� Er l�chelte. �F�r deinen Hochmut wirst du mir bezahlen, meine Liebe.� �Was hast du mit mir vor?� fragte ich.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Wahrscheinlich behalte ich dich eine Zeitlang � und wenn ich deiner �berdr�ssig bin, verkaufe dich.� �Verkaufe mich in Ar!� sagte ich. �Ich bin Gold wert!�</p><p>�Ich mache mit dir, was ich will�, erwiderte er.</p><p>�Ja, Krieger.�</p><p>Wieder blickte ich zu ihm auf.</p><p>�Warum hast du mich nicht bei Targo gekauft?� fragte ich. Er senkte den Kopf. �Ich kaufe nie Frauen�, sagte er.</p><p>�Aber du bist doch Sklavenh�ndler!�</p><p>�Nein.�</p><p>�Doch! Du bist Soron aus Ar.�</p><p>�Soron aus Ar�, sagte er langsam, �gibt es nicht.�</p><p>Ich starrte ihn entsetzt an.</p><p>�Wer bist du?� fragte ich schlie�lich.</p><p>Ich werde nie seine Worte vergessen, die mir einen kalte Schauder �ber den R�cken schickten. �Lo Rask�, sagte er. �Rarius Civitatis Trevis.� �Ich bin Rask�, lauteten seine Worte, �aus der Kriegerkaste, aus der Stadt Treve.�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Mein zweiter Tag im geheimen Kriegerlager Rasks aus Treve hatte begonnen.</p><p>Als sein Tarn mit heftig schlagenden Fl�geln auf der Lichtung zwischen den Zelten landete, hatte es ein lebhaftes Willkommen gegeben. Rask aus Treve war beliebt bei seinen Leuten.</p><p>Ich erkannte zwischen den Kriegern zahlreiche Sklavenm�dchen, in kurzen Reptuch-Tuniken. Auch sie schienen sich zu freuen Ihre Augen leuchteten. Lachend, die H�nde erhoben, lie� Rask die Begr��ung �ber sich ergehen.</p><p>Ich roch gebratenes Boskfleisch. Es war sp�ter Nachmittag. Er l�ste meine Fu�gelenke vom Sattelring. Dann l�ste er die Schlinge, die meine H�nde am Sattel festhielt, nahm mich in die Arme und lie� mich vom R�cken des Tarn gleiten. Sanft stellte mich neben dem Tier auf die F��e.</p><p>Ich wagte nicht ihn anzuschauen.</p><p>�Ein h�bsches Exemplar�, sagte die Stimme einer Frau. Sie war unglaublich sch�n, trug einen Sklavenkragen und war wei� gekleidet in ein kn�chellanges, klassisch anmutendes Gewand. Sie trug nicht die kurze Arbeitstunika der anderen M�dchen. Wahrscheinlich war sie das Erste M�dchen im Lager und ich und die anderen Sklavinnen mu�ten ihr gehorchen. Es ist nicht ungew�hnlich, eine der Sklavinnen den anderen �berzuordnen. M�nner unterweisen uns nicht in den kleinen Aufgaben. Sie wollen nur, da� die Arbeit getan wird.</p><p>�Knie nieder�, sagte die Frau, und ich gehorchte.</p><p>Einige M�nner murmelten anerkennend.</p><p>�Ich sehe, da� sie trainiert ist.�</p><p>�Sie ist eine Vergn�gungssklavin�, sagte Rask aus Treve, �aber ein armseliges Exemplar. Und sie ist raffiniert und charakterlos, eine L�gnerin und Diebin.�</p><p>Ich war au�er mir.</p><p>Die Frau umfa�te meinen Kopf mit den H�nden. �Sie hat durchstochene Ohren�, sagte sie. �Soso, du bist also eine L�gnerin und eine Diebin?� Ich senkte den Kopf. Ich vermochte ihr nicht in die Augen zu schauen. �Sieh mich an!� befahl sie. �Hast du die Absicht, auch in diesem Lager zu l�gen und zu stehlen?� fragte sie.</p><p>Ich sch�ttelte heftig den Kopf.</p><p>Die M�nner lachten.</p><p>�Wenn du das n�mlich tust�, sagte sie, �wirst du bestraft, und die Strafe wird nicht angenehm ausfallen.�</p><p>�Du wirst ausgepeitscht�, sagte ein M�dchen, das in der N�he stand, �und kommst in den Sklavenkasten.�</p><p>Ich wu�te zwar nicht, was ein Sklavenkasten war, beeilte mich aber zu versichern, da� ich nicht l�gen und stehlen wollte.</p><p>�Gut�, erwiderte die wei�gekleidete Sklavin.</p><p>�Sie ist schmutzig und stinkt�, sagte Rask aus Treve. �S�ubert sie.� �Willst du sie selbst �bernehmen?� fragte die Frau.</p><p>Eine Pause trat ein. Ich senkte den Kopf. �Ja�, h�rte ich Rask aus Treve sagen, der sich dann mit den anderen abwandte.</p><p>�Komm mit ins Zelt der Frauen�, sagte die Sklavin, und ich folgte ihr. Der Morgen des zweiten Tages im Lager Rasks war angebrochen. Heute sollte ich meinen Sklavenkragen erhalten.</p><p>Sklavinnen knieten rings um mich und bereiteten mich auf die Zeremonie vor. Ich schaute durch die Zelt�ffnung nach drau�en Im Lager herrschte lebhaftes Treiben.</p><p>Ena, das Erste M�dchen im Lager, hatte mir erz�hlt, wie ich f�rmlich in Rasks Besitz �bergehen w�rde, Mangels einer anderen Heimatstadt sollte ich mich als Mi� Elinor Brinton aus New York vorstellen. Ich l�chelte vor mich hin. Ein seltsamer Name auf dieser barbarischen Welt. Am Abend zuvor hatten mich die Sklavinnen unter Enas Anleitung gewaschen und gek�mmt und mir dann zu essen gegeben. Die Mahlzeit war reichlich ausgefallen � Brot und gebratenes Boskfleisch, K�se und Larmafr�chte. Ausgehungert von den Entbehrungen der Wildnis hatte ich gut gegessen und anschlie�end sogar einen Schluck Ka-la-na-Wein bekommen.</p><p>Ich hatte Angst, aber man hatte mich gut behandelt.</p><p>Nach der Mahlzeit hatte Ena zu mir gesagt: �Du kannst dich frei im Lager bewegen, wenn du m�chtest.�</p><p>Das hatte mich �berrascht.</p><p>�Du wirst nicht entkommen k�nnen�, sagte Ena l�chelnd, als sie meinen Blick bemerkte. Sie reichte mir ein St�ck Reptuch, das ich mir um den Leib schlang, und schickte mich ins Lager hinauf Wir befanden uns in einem Kriegslager in einer entlegene waldreichen Gebirgsgegend. Wahrscheinlich lag dieses Lager irgendwo im Reiche Ar, vielleicht im n�rdlichsten Gebiet in den Vorbergen des Voltai-Gebirges. Es war ein typisch goreanische Kriegslager, wenn auch sehr klein. Es hatte ein Gehege, in dem die Tarns angebunden hockten, und Schuppen zum Kochen und Waschen. Viele Krieger waren zu sehen, etwa hundert, die M�nner Rasks aus Treve, und dazu etwa zwanzig M�dchen von ausgesuchter Sch�nheit, die sich um das Kochen, Putzen oder das Polieren der Geschirre und Ledersachen k�mmerten. Treve, das war mir bekannt, befand sich offiziell mit mehreren St�dten im Kriegszustand, von denen jede der anderen ohnehin mit Mi�trauen begegnete. Rask aus Treve trug auf seine Art den Krieg zum Feinde. Vor einigen Monaten hatte er die Felder und Karawanen Ko-ro-bas heimgesucht und hielt sich nun im Gebiet Ars auf. Er war wirklich ein tollk�hner Tarnk�mpfer. Wahrscheinlich h�tte Marlenus aus Ar viel darum gegeben, die Lage dieses kleinen von Palisaden umschlossenen Lagers zu kennen. Ich geno� die Ger�che und Ger�usche des Lagers. Ich sah zu, wie zwei Kriege mit ihren schnellen kurzen Klingen in einem Sandviereck �bten. Das Klirren der Schwerter erregte und erschreckte mich, vor allem die Schnelligkeit und Grausamkeit dieser Besch�ftigung. Wie mutig ein Mann sein mu�te, sich einem anderen so zu stellen, von Angesicht zu Angesicht. Ich h�tte so etwas nicht fertiggebracht � ich w�re geflohen. Einen Augenblick lang w�nschte ich mich zur Erde zur�ck, wo es kaum Dinge gab, die eine Frau nicht genauso gut oder besser tun konnte als ein Mann. Aber dann besann ich mich eines anderen � etwas tief in mir war eigentlich ganz zufrieden, da� ich hier war, auf Gor, wo es solche M�nner gab.</p><p>�Ho!� rief einer der Krieger, und der Kampf war vorbei.</p><p>Ich machte kehrt und n�herte mich dem Palisadenzaun, der das Lager umgab. Er war fast vier Meter hoch und bestand aus angespitzten Baumst�mmen.</p><p>Langsam ging ich innen daran entlang. Ich strich mit den Fingern �ber das Holz, das gegl�ttet worden war. Die St�mme standen dicht beieinander. Ich blickte zu den Spitzen auf. Eine solche Mauer war f�r mich un�berwindlich. Langsam ging ich daran entlang und bog nur ab, als ich das Tarngehege erreichte, das daran angrenzte.</p><p>Bald erreichte ich das Tor.</p><p>Auch das Tor bestand aus Baumst�mmen, die aber etwas Weiter voneinander entfernt waren. Es handelte sich um eine doppelte Barriere, die geschlossen war, zwei Balken als Riegel davor. Zwischen den St�mmen hindurchschauend, stellte ich fest, da� es weiter drau�en noch ein zweites Tor gab und das Lager tats�chlich von einer doppelten Palisadenmauer umgeben war. Die �u�ere Mauer war innen mit einem Rundgang versehen, der eine Verteidigung erm�glichte. Die innere Wand, hoch und glatt, diente zur Abschreckung der Sklaven. �M�dchen d�rfen sich nicht am Tor herumtreiben�, sagte ein W�chter. �Ja, Herr�, erwiderte ich und wandte mich ab.</p><p>Ich setzte meinen Rundgang fort. An einer Stelle fand ich eine winzige T�r, kaum f�nfzig Zentimeter hoch. Sie war gerade gro� genug, da� ein Mensch hindurchkriechen konnte. Zwei schwere Ketten und ein Schlo� sicherten sie � und ein W�chter stand in der N�he.</p><p>Ich sah, da� ich die Spitzen der Palisade auch nicht erreichte, wenn ich mich auf die Ketten stellte � meine Finger waren dann noch immer fast einen Meter vom Rand entfernt.</p><p>�Weitergehen, M�dchen�, sagte der W�chter.</p><p>Ich war verzweifelt. Morgen sollte ich, Elinor Brinton, einen Sklavenkragen bekommen!</p><p>Ich sah mir nun auch das Innere des Lagers an. Ich betrachte die Zelte und die Lagerfeuer und die M�nner, die sich unterhielten und die M�dchen, die ihrer Arbeit nachgingen.</p><p>An einer Stelle stie� ich auf eine grasbewachsene Erhebung. Hier befand sich ein schwerer Metallring im Gras. An einer anderen Stelle entdeckte ich eine waagerechte Stange, an der wohl Fleisch abgehangen wurde. Dicht daneben fand ich einen kleinen Eisenkasten, etwa einen Meter im Quadrat, der vorn von einer kleine Eisent�r mit zwei Schlitzen abgeschlossen wurde. Diese T�r war mit zwei schweren Riegeln und einem Vorh�ngeschlo� versehen. Ich fragte mich, was man in einem solchen Kasten aufbewahre mochte.</p><p>An einer anderen Stelle stie� ich auf einen langen, niedrige Schuppen aus schweren Balken. Das Geb�ude war fensterlos. Seine schwere Plankent�r hatte zwei Riegel und zwei Vorh�ngeschl�sser. Vermutlich handelte es sich um einen Vorratsraum.</p><p>Dann n�herte ich mich der Mitte des Lagers.</p><p>Hier entdeckte ich ein langes, flaches Zelt aus roter Leinwand mit acht Pfosten. Drinnen sah ich seidene Trennw�nde. Das Bauwerk war so niedrig, da� man nur zur Mitte hin aufrecht stehen konnte. In einem Beh�lter brannte ein kleines Kohlenfeuer, und �ber den Flammen ruhte eine metallene Weinflasche. Die Krieger aus Treve, so hatte ich erz�hlen h�ren, lieben warme Weine, Wahrscheinlich trank auch Rask aus Treve seinen Wein auf diese Art. Weiche Teppiche bedeckten den Boden, und an den Zeltpfosten hingen Tharlarion�ll�mpchen aus Messing. Ich fragte mich wie es sein mochte, in einem solchen Zelt den W�nschen seines Herrn unterworfen zu sein.</p><p>�Wessen Zelt ist das?� fragte ich ein vorbeigehendes Sklavenm�dchen. �Sei doch kein Dummerchen, Kajira�, sagte sie. �Das ist Rasks Zelt.�</p><p>Ich hatte die Antwort nat�rlich gewu�t.</p><p>Vor dem Zelt hockten zwei W�chter im Gras.</p><p>�Verschwinde�, sagte einer und stand auf.</p><p>Ich drehte mich um und eilte zum Zelt der Frauen zur�ck. Dort warf ich mich weinend auf einen weichen Teppich.</p><p>�Ich will keine Sklavin sein!� schluchzte ich.</p><p>Ena beugte sich �ber mich. �Es ist nicht leicht�, sagte sie. �Ich habe geh�rt, da� Rask aus Treve ein harter Herr sein soll�, schluchzte ich.</p><p>Sie l�chelte und sagte: �Das ist richtig.�</p><p>�Es hei�t auch, da� kein Mann auf Gor eine Frau so erniedrigen kann wie er.�</p><p>�Ich bin von ihm nicht erniedrigt worden�, sagte Ena. �Wenn er sich so etwas aber in den Kopf setzte, k�nnte ich mir vorstellen, da� er das recht gut fertigbr�chte.�</p><p>Ich musterte sie angstvoll. �Es hei�t, er gebraucht jede Frau nur einmal und anschlie�end verkauft er sie.�</p><p>�Ich bin viele Male mit ihm zusammengewesen�, sagte Ena. �Rask aus Treve ist kein Wahnsinniger.� Sie l�chelte. �Als Rask mich gefangennahm, war ich frei. Und in seinen Armen wurde ich zur Sklavin. In den Armen eines Mannes wie er wird sich jede Frau wie eine Sklavin f�hlen.�</p><p>�Ich aber nicht!� rief ich.</p><p>Sie l�chelte nur.</p><p>Ich wollte mehr �ber den Mann wissen, der mich gefangen hatte, der mich hilflos in seinen Sattel gezogen hatte und der mir morgen seinen Kragen umlegen wollte.</p><p>�Man erz�hlt, da� es Rask aus Treve sehr auf Frauen abgesehen hat, und sie verachtet.�</p><p>�Er mag uns�, l�chelte Ena, �das stimmt.�</p><p>�Aber er verachtet uns auch!� rief ich.</p><p>�Rask aus Treve ist ein Krieger�, sagte sie. �F�r solche M�nner steht eine Frau nicht auf gleicher Stufe.�</p><p>�Das werde ich nicht dulden!� rief ich.</p><p>�Hitzk�pfige kleine Kajira�, sagte Ena lachend.</p><p>Ich war w�tend und frustriert. Ich wollte nicht nur ein Sex-Objekt sein! �Ich hasse die M�nner!�</p><p>Ena musterte mich zweifelnd. �Ich frage mich, ob Rask aus Treve seine Freude an dir haben wird. Dabei ist er ein Mann, dem jede Frau zu Gefallen sein will. Du wirst das auch noch merken. Ob es dir gelingt, wei� ich nicht. Rask aus Treve ist ein erfahrener Liebhaber. Er kennt viele Frauen.�</p><p>�Wenn ich es wollte, k�nnte ich ihm bestimmt gefallen.� �Vielleicht�, sagte Ena. �Du bist ein sehr trotziges M�dchen. Aber nun mu�t du ruhen. Morgen ist ein anstrengender Tag.�</p><p>Ich kniete auf dem roten Teppich im Zelt der Frauen. Die M�dchen hatten mich gewaschen und k�mmten mich jetzt. In lange Strichen fuhr der breite Hornkamm durch mein Haar.</p><p>�Bist du nicht aufgeregt?� fragte das M�dchen, das den Kamm f�hrte. Ich brachte kein Wort heraus.</p><p>�Kennst du deine Rolle bei der Feier?� fragte Ena nicht zum erstenmal. Ich nickte wortlos. Ich hatte Angst.</p><p>Ich roch das Parf�m, mit dem man mich betupft hatte. Es duftete herrlich. So etwas h�tte ich auf der Erde niemals kaufen k�nnen. Eine Viertel-Ahn verging, ohne da� etwas passierte.</p><p>�Vielleicht hat er heute keine Zeit�, sagte eines der M�dchen. Eine Sklavin, die am Zelteingang Ausschau gehalten hatte fuhr pl�tzlich auf. �Macht sie fertig!� rief sie.</p><p>�Steh auf�, befahl Ena.</p><p>Die M�dchen brachten ein langes Kleid aus schimmernder Seide. Hinter mir drehte eine Sklavin mein Haar zu einem lange Zopf zusammen und steckte ihn mit einer Nadel fest. Der Umhang wurde mir �ber die Schulter gelegt.</p><p>�Du bist sehr h�bsch�, sagte Ena leise.</p><p>Ich starrte sie entsetzt an, doch im n�chsten Augenblick zog mir jemand die Kapuze des Seidengewands �ber den Kopf.</p><p>�Sie sind fertig�, sagte das M�dchen am Eingang.</p><p>�F�hrt sie hinaus�, befahl Ena.</p><p>Ich wurde durch das Lager geleitet, und da und dort schlossen sich M�nner und Sklavinnen dem kleinen Zug an. Ich erreichte die Lichtung vor Rasks Zelt. Er wartete bereits. Ich wurde vor ihn hingef�hrt und sah ihn furchtsam an.</p><p>An seinem G�rtel steckte eine Sklavenfessel; sie bestand aus flachem, biegsamem Leder, wie Tarnk�mpfer sie benutzen, um Gefangene zu sichern.</p><p>Rask und ich sahen uns an, dann trat er vor mich hin. Mit einer Hand schob er meine Kapuze zur�ck. Ich blickte ihn starr an.</p><p>�Unterwirf dich�, sagte er.</p><p>Und ich konnte ihm nicht widersprechen.</p><p>Ich fiel vor ihm auf die Knie, wobei ich mich auf die Hacke setzte, und streckte ihm mit �berkreuz gehaltenen Handgelenke die Arme entgegen � die klassische Geste der Unterwerfung auf Gor. �Ich, Mi� Elinor Brinton aus New York, unterwerfe mich dem Krieger Rask aus der Hohen Stadt Treve.�</p><p>Kaum hatte ich die Worte gesprochen, als meine Handgelenke zusammengebunden wurden. Als ich aufblickte, nahm er einem Krieger einen Gegenstand ab. Es war ein ge�ffneter Sklavenkragen. Er hielt mir das Gebilde hin.</p><p>�Lies mir den Text vor�, sagte Rask.</p><p>�Ich kann nicht lesen�, fl�sterte ich.</p><p>�Sie kennt unsere Schrift noch nicht�, sagte Ena.</p><p>�Unwissende Barbarin!� h�rte ich ein M�dchen lachen.</p><p>Ich war besch�mt und betrachtete die winzigen eingravierten Buchstaben, die ich nicht zu lesen vermochte.</p><p>�Lies es ihr vor�, wandte sich Rask an Ena.</p><p>�Hier steht�, sagte Ena, �&gt;Ich bin Eigentum von Rask aus Treve.�� Ich schwieg.</p><p>�Verstehst du das?� fragte Ena.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ja!�</p><p>Mit beiden H�nden streckte er jetzt den Kragen vor, hielt ihn mir um den Hals. Ich schaute zu ihm auf. Sein Blick war sp�ttisch, leicht am�siert, in meinen Augen stand die nackte Angst. Im n�chsten Augenblick schnappte der Kragen mit lautem Klicken zu, und die M�dchen und M�nner ringsum stimmten ein Freudengeschrei an. Sie schlugen sich mit der rechten Hand gegen die linke Schulter.</p><p>Ich �ffnete die Augen, ohne den Kopf zu heben. Im Schmutz vor mir sah ich Rasks Sandalen.</p><p>Er richtete mich auf, eine Hand um meine Arme gelegt. Jetzt trug ich seinen Kragen. Behutsam legte mir Rask die H�nde um den Kopf, neigte ihn hoch � unwillk�rlich �ffnete ich meine Lippen, als wollte ich seinen Ku� empfangen. Doch er beugte sich nicht vor. Vielmehr hielt er mich von sich ab.</p><p>�Steckt sie in eine Arbeitstunika und schickt sie in den Schuppen.�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>�Ute!� rief ich �berrascht.</p><p>Der W�chter stie� mich so heftig, da� ich vor ihr in den Sand fiel. Entsetzt blickte ich zu ihr auf. An der Schl�fe, dort wo ich sie mit dem Stein getroffen hatte, war die Haut noch verf�rbt.</p><p>�Ich dachte . . .�, fl�sterte ich.</p><p>Sie stand vor dem langen niedrigen Schuppen, dessen T�r offenstand. Ich hatte ihn f�r ein Vorratsgeb�ude gehalten, doch ich erkannte nun, da� es sich um einen Schlafraum f�r Sklavinnen handelte. Wahrscheinlich sollte ich hier unterkommen.</p><p>�Du tr�gst einen Kragen�, sagte Ute.</p><p>�Ja�, fl�sterte ich.</p><p>Ich kniete mit gesenktem Kopf vor ihr im Sand.</p><p>�Ich bin am ersten Tag meiner Gefangenschaft Rask in die H�nde gefallen�, sagte Ute. �Pl�tzlich stand er vor meinen beiden H�schern und sagte: �Ich bin Rask aus Treve. Ergebt ihr euch ? Die beiden w�hlten das Leben und lie�en ihre Waffen stecken. Rask vertrieb ihre Tarns und verschwand mit mir aus dem Lager. Die Wanderung zur�ck zu Haakon wird lang werden f�r die beiden. Rask aus Treve brachte mich in dieses Lager, wo er mich zu seiner Sklavin machte.� �Du tr�gst das Armband der Ersten Arbeitssklavin�, sagte ich �Die oberste Arbeitssklavin war kurz vor meiner Ankunft verkauft worden. Die anderen M�dchen waren zerstritten, und da ich neu war und keine Anh�ngerinnen hatte und da Rask mir aus irgendeinem Grund vertraute, machte er mich zum Ersten M�dchen hier.�</p><p>�Soll ich Arbeitssklavin sein?�</p><p>�Hast du erwartet, ins Zelt der Frauen zu kommen?� fragt Ute lachend. Ich senkte den Kopf.</p><p>�Wie ich h�re, wurdest du s�dwestlich von Rorus gefangengenommen. Du hast also weiter nach meinem Heimatdorf gesucht? �</p><p>�Nein!� rief ich.</p><p>�Und von dort wolltest du dich zur Insel Teletus durchschlagen, um meine Adoptiveltern aufzusuchen, ja?�</p><p>Ute packte mich an den Haaren und zerrte mir den Kopf zur�ck, damit ich sie ansehen mu�te. �Wer hat Ute verraten?� fragte sie. Ich brachte vor Entsetzen kein Wort heraus.</p><p>�Wer?� fragte sie und zerrte wild an meinen Haaren. �Ich!� rief ich. �Wertlose Sklavin�, sagte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und erblickte Rask aus Treve. Schluchzend schlo� ich die Augen. �Wie du gesagt hast�, fuhr Rask fort. �Sie ist wertlos. Eine Diebin und L�gnerin.�</p><p>�Und doch gibt es viele Arbeiten f�r eine solche Sklavin�, sagte Ute. �Sorge daf�r, da� sie immer genug zu tun hat.� Und mit diesen Worten schritt der Krieger davon.</p><p>Ich blickte Ute an und sch�ttelte den Kopf. �Du hast ihm alles erz�hlt�, fl�sterte ich.</p><p>�Er hat mir befohlen, zu sprechen�, erwiderte sie. �Und als Sklavin mu�te ich ihm antworten.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Bin ich wirklich eine Arbeitssklavin � unter deinem Kommando?� �Ja�, sagte sie.</p><p>�Ute!� rief ich. �Ich wollte dich nicht verraten! Ich hatte Angst. Verzeih mir!�</p><p>�Geh in den Schuppen�, sagte Ute barsch. �Heute abend gibt es Arbeit f�r dich. Morgen bekommst du zu essen � das ist fr�h genug.� Weinend stand ich auf und trat in den dunklen Schuppen. Ute verriegelte die T�r hinter mir. In der Dunkelheit alleingelassen, verlor ich pl�tzlich die Nerven. Ich warf mich zu Boden, h�mmerte mit den F�usten auf die festgetretene Erde. �Ute!� schluchzte ich. �Ute!�</p><p>Nach einiger Zeit kroch ich an eine Stelle neben der T�r, hockte mich mit hochgezogenen Knien hin und betastete den Stahlkragen, der sich nackt und glatt um meinen Hals zog. In der Dunkelheit roch ich das goreanische Parf�m, mit dem man mich betupft hatte.</p><empty-line/><p>Ute war nicht besonders grausam zu mir, wie ich bef�rchtet hatte. Sie behandelte mich gerecht, genau wie die anderen M�dchen. Sie schien vergessen zu haben, da� ich sie niedergeschlagen und schm�hlich an die Sklaventreiber Haakons aus Skjern verraten hatte.</p><p>Ich arbeitete viel, doch nicht mehr als die anderen M�dchen. Ute lie� es jedoch nicht zu, da� ich mich dr�ckte. Einige Sklavinnen, die sich bei ihr einschmeicheln wollten, wurden k�hl abgewiesen, was mich mit Befriedigung erf�llte. Ute hielt sich von uns zur�ck. Sie schlief nicht einmal bei uns, sondern im K�chenschuppen. Wir respektierten und f�rchteten sie. Wir f�hrten ihre Befehle aus. Und doch mochten wir sie nicht, denn sie war unsere Vorgesetzte.</p><p>Oft waren die Tarnreiter Rasks tagelang unterwegs. In solche Zeiten war es sehr ruhig im Lager. Sie gingen ihrem Beruf nach � sie griffen an, pl�nderten und fingen Sklaven.</p><p>Irgendwann rief dann ein M�dchen: �Sie kommen zur�ck� und wir eilten in die Mitte des Lagers und begr��ten die Zur�ckkehrenden. Ich selbst lie� mir meine Gef�hle nicht anmerken doch auch ich sp�rte eine gewisse Begeisterung beim Anblick der zur�ckkehrenden Tarns. Eine gro�artige Szene! Besonders ber�hrte mich der Anblick des Anf�hrers, des m�chtigen, lachenden Rask, dessen Lasso ich gesp�rt hatte, dessen Kragen ich trug Einmal blickte mich Rask an, als er aus dem Sattel stieg, sah mich inmitten der Arbeitssklavinnen stehen, und ein unbeschreibliche Gef�hl erf�llte mich. Ich hob die Hand an den Mund. Wenn die Tarnk�mpfer ihre Beute abgeladen hatten, gab es meistens ein gro�es Fest. Dabei mu�te ich oft bedienen, doch wenn es Zeit wurde f�r die T�nze der Sklavinnen, wurde ich in den Schuppen zur�ckgeschickt, wo man mich allein einschlo�.</p><p>�Warum darf ich nie tanzen?� fragte ich einmal. Im n�chsten Augenblick h�tte ich mir die Zunge abbei�en m�gen. Wie hatte Elinor Brinton eine solche Frage stellen k�nnen?</p><p>�Niemand hat nach dir gefragt�, sagte Ute und schlo� mich im Schuppen ein.</p><p>Ich lag in der Dunkelheit und h�rte von fern die Musik und das Lachen. Niemand hatte nach mir gefragt, niemand wollte mich.</p><p>Wie froh ich war, dem wilden Treiben zu entgehen! Ich freute mich, das rauhe Schicksal der anderen Sklavinnen nicht teilen zu m�ssen. Dennoch kochte ich vor Wut, kratzte Dreck und Steine vom Boden auf und warf damit gegen die Schuppenw�nde.</p><p>Zur vierten oder f�nften Stunde kehrten die M�dchen in den Schuppen zur�ck. Sie lachten und unterhielten sich aufgeregt miteinander. Ich war froh, da� mich niemand wollte, trotzdem weinte ich.</p><p>Manchmal kamen Besucher ins Lager, M�nner, die Rask in Freundschaft verbunden waren. Im allgemeinen handelte es sich um Kaufleute. Einige brachten Vorr�te und Wein. Andere kauften die Beute der Tarnk�mpfer auf. Mehrere Arbeitskolleginnen wurden verkauft, und neue Sklavinnen nahmen ihren Platz ein.</p><p>Wenn ich es einrichten konnte, ging ich an Rasks Zelt vorbei. Dabei sah ich manchmal ein wundersch�nes dunkelhaariges M�dchen in roter Seide, manchmal andere M�dchen in kurzer Seidenkleidung. Offenbar hatte Rask stets eine gro�e Anzahl von Frauen um sich. Er war es seinem Ruf schuldig.</p><p>Ich ha�te ihn!</p><p>Eines Nachmittags kehrten Rask und seine M�nner von einem Ausflug in den Norden zur�ck. Sie hatten das Lager ihres alten Feindes Haakon aus Skjern �berfallen.</p><p>Zu den erbeuteten Sklavenm�dchen geh�rten auch Inge und Rena aus Lydius. Ich freute mich sehr, da� ich endlich weitere Bekannte im Lager hatte.</p><p>Wie ich verbrachten sie die erste Nacht im Zelt der Frauen, erhielten dann ihren Sklavenkragen.</p><p>Wie sehr sich die beiden freuten, unter Utes Kommando gestellt zu werden! Aber Ute behandelte sie genauso hart wie alle anderen, was sie zuerst gar nicht verstanden. Ich f�hrte Rena und Inge und die anderen Neuen schlie�lich in den Schuppen, wo ich ihnen Arbeitstuniken aus braunem Reptuch aush�ndigte. Ich hatte diese Kleidungsst�cke erst vor einigen Tagen m�hsam gewaschen und geb�gelt. Dann f�hrte ich die neuen Sklavinnen zur�ck zu Ute, die die Anweisungen f�r die Tagesarbeit gab.</p><p>Vier Tage nach Ankunft Inges, Renas und der anderen M�dchen kehrten Rask und seine Truppe wieder einmal von einem Beutezug zur�ck. Wieder herrschte gro�e Aufregung im Lager.</p><p>�Mach zuerst deine Arbeit fertig�, sagte Ute.</p><p>�Ute!� rief ich.</p><p>�Weitermachen!� herrschte sie mich an.</p><p>Ich sa� hinter dem K�chenschuppen und b�gelte. Links von mir lag ein gro�er Haufen von Arbeitstuniken, die ich am fr�hen Morgen gewaschen hatte. Das B�gelbrett stand auf zwei Holzbl�cken vor mir. In Griffweite hatte ich eine Schale mit Wasser, und �ber einem Feuer standen auf einer Eisenplatte f�nf kleine, flache goreanische B�geleisen, mit denen ich den Stoff glattstrich.</p><p>Von hier aus hatte ich die Landung der Tarns nicht beobachten k�nnen. Ich h�rte jedoch die Freudenrufe der M�dchen und die lauten Antworten der M�nner.</p><p>Ein M�dchen rief: �Wie sch�n sie ist!�</p><p>Wahrscheinlich war eine neue Sklavin ins Lager gebracht worden. W�tend dr�ckte ich ein B�geleisen auf den Stoff. Ich mu�te hinter dem Schuppen arbeiten, w�hrend die anderen zusehe durften.</p><p>Nach und nach lie� der L�rm nach. Die M�nner waren abgestiegen und brachten nun bestimmt die Gefangenen in das Zelt der Frauen, w�hrend die M�dchen langsam an die Arbeit zur�ck kehrten.</p><p>Ich b�gelte weiter.</p><p>Etwa eine Viertel-Ahn sp�ter merkte ich, da� jemand vor stand. Ich bemerkte zwei schmale, gebr�unte Fu�gelenke und dar�ber den knappen Fellanzug eines Pantherm�dchens.</p><p>�Sie scheint dich zu kennen�, sagte Rask aus Treve, als ich die Augen aufri�.</p><p>�Wer ist sie?� fragte Verna.</p><p>�Eine meiner Sklavinnen�, erwiderte Rask achselzuckend.</p><p>�Du kennst mich doch, nicht wahr, M�dchen?�</p><p>Ich sch�ttelte heftig den Kopf.</p><p>Verna trug keinen Sklavenkragen. In ihrem G�rtel steckte ein Sleenmesser. Rask stand neben ihr. Sie war offensichtlich frei, war nicht einmal eine Gefangene, geschweige denn eine Sklavin. War sie Gast in Rasks Lager?</p><p>�Wir kennen uns, o ja�, sagte Verna. �Zuerst sahen wir vor Targos Lager, n�rdlich von Laura. Sie hat mich mi�handelt � als ich in Marlenus� Gewalt war.�</p><p>Ich senkte den Kopf.</p><p>�Sollen wir sie auspeitschen lassen?� fragte Rask.</p><p>�Nein�, sagte Verna. �Sie ist ja nur eine Sklavin.�</p><p>�Ich werde besonders auf dich achten, Sklavin�, sagte Rask. �Da� mir keine Klagen kommen! Und jetzt will ich dir den Rest des Lagers zeigen�, wandte er sich an Verna.</p><p>Verna sah mich an. �La� dich nicht st�ren bei der Arbeit�, sagte sie und ging mit Rask davon.</p><p>An diesem Abend schlich ich mich nach dem Essen fort und eilte zum Zelt der Frauen.</p><p>�Ena!� fl�sterte ich durch die Zeltplane.</p><p>Ena kam ins Freie und hockte sich neben mir ins Gras. �Was gibt es?� �Wir haben da eine neue Frau, eine freie Frau im Lager�, sagte ich. �Ja, Verna, ein Pantherm�dchen aus den N�rdlichen Bergen.� �Wie kommt es, da� sie hier ist?� fragte ich.</p><p>Ena l�chelte. �Komm mit.� Sie f�hrte mich durch das Lager, bis wir zu einem kleinen Zelt kamen. Davor sa�en zwei st�mmige J�ger an einem kleinen Feuer.</p><p>�Die beiden geh�rten zu Marlenus� Jagdgesellschaft!� fl�sterte sie. Ich erkannte die M�nner, hatte ich sie doch im Kaufmannsfort wie auch auf den Stra�en Ko-ro-bas gesehen.</p><p>Die beiden wurden von zwei Sklavenm�dchen bedient, von Inge und Rena, die an ihrer Aufgabe gro�en Spa� zu finden schienen. �Das sind Raf und Pron, J�ger aus Treve�, sagte Ena. �Auf Befehl Rasks haben sie sich in Ar eingeschlichen. Sie behaupteten, sie stammten aus Minus, einem Dorf, das Ar untersteht, und stellten sich beim Waidwerk so geschickt an, da� sie Karriere machten und schlie�lich in das Gefolge des gro�en Ubar aufgenommen wurden.� Sie l�chelte mich an. �Treve hat seine Spione �berall.�</p><p>�Und die beiden haben Verna befreit�, sagte ich.</p><p>�Ja, sie befreiten sie und flohen zu einem vorher vereinbarten Treffpunkt, wo Rask aus Treve und seine M�nner warteten, um sie hierherzubegleiten.�</p><p>�Aber warum wollten sie Verna befreien?� fragte ich.</p><p>�Verna ist als Gesetzlose auf Gor ber�hmt�, sagte Ena. �Sobald bekannt wurde, da� Marlenus Jagd auf sie machen wollte, gab Rask Befehl, da� Raf und Pron sich bei seinem Gefolge bewerben sollten.� �Aber warum?� fragte ich.</p><p>�Damit sie Marlenus seine Beute abnehmen konnten, falls er Erfolg hatte.�</p><p>�Den Grund verstehe ich immer noch nicht.�</p><p>�Weil die Gefangennahme einer solchen Frau viel Ruhm bringt�, sagte Ena, �und viel Spott, wenn sie dann wieder entkommt.�</p><p>�Du meinst, sie ist nur befreit worden, um Marlenus seine Beute vor der Nase wegzuschnappen?�</p><p>�Nat�rlich, denn Ar und Treve sind verfeindet�, sagte Ena. Ihre Augen blitzten, und ich hatte keinen Zweifel, auf welcher Seite ihre Sympathien lagen.</p><p>�Ist das nicht ein gewaltiger Schlag f�r Marlenus?� fragte sie �Ja�, sagte ich.</p><p>�Und wie k�hn es von meinem Herrn ist, sein Lager mitten im Reiche Ars aufzuschlagen!�</p><p>�Ja�, fl�sterte ich und sp�rte zum erstenmal etwas von der Ehre, die diesen m�chtigen Kriegern wichtig war.</p><p>�Was ist mit den anderen M�dchen aus Vernas Gruppe?� fragte ich. �Die sind bei Marlenus geblieben.�</p><p>�Oh�, sagte ich erleichtert.</p><p>�Rask aus Treve ha�t Marlenus aus Ar�, sagte Ena.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Hast du das dunkelhaarige M�dchen gesehen, das manchmal sein Zelt versorgt?�</p><p>�Ja�, erwiderte ich. Sie war eine unglaublich sch�ne Sklavin, sch�ner noch als Ena, ein M�dchen mit olivenfarbener Haut einer atemberaubenden Figur. Sie h�tte auf jedem Sklavenmark einen Spitzenpreis erzielt.</p><p>�Wei�t du, wer sie ist?� fragte Ena l�chelnd.</p><p>�Nein.�</p><p>�El-in-or!� rief Ute in diesem Augenblick. �In den Schuppen!� Erschrocken sprang ich auf und hastete durch das Lager, um im Schuppen eingeschlossen zu werden.</p><p>Ich sollte bald erfahren, wer das sch�ne dunkelhaarige M�dchen war. Verna erhielt ihr eigenes Zelt im Lager. Sie a� zumeist mit Rask zu Abend. Oft forderte das Pantherm�dchen mich an, um sie im Zelt zu bedienen und ihr das Essen zu bereiten. Aber sie war nicht grausam zu mir. Ich gab mir M�he, ihr unauff�llig zu dienen, doch sie ignorierte mich die meiste Zeit. Das war mir recht.</p><p>Eines Abends, als Rask mit neuen Gefangenen zur�ckgekehrte war, feierte Verna zusammen mit ihm in seinem Zelt, und ich erhielt den Auftrag, die beiden zu bedienen. Andere M�dchen hatten das Mahl zubereitet, das f�r ein Kriegslager bemerkenswert reichhaltig ausfiel und sogar einen Gang Austern enthielt. Ich trug das Essen auf, schenkte Wein nach und hielt die Kr�ge gef�llt, wobei ich mich nach M�glichkeit im Hintergrund hielt.</p><p>Die beiden unterhielten sich �ber die Jagd und den Krieg und die N�rdlichen W�lder, als gebe es mich nicht.</p><p>Verna sa� mit untergeschlagenen Beinen auf dem Sessel wie ein Mann. Pl�tzlich warf sie mir eine Auster zu. �I�, Sklavin!�</p><p>Ich gehorchte. Durch ihre Geste bedeutete sie mir, da� ich nun essen k�nnte.</p><p>�Danke, Herrin�, sagte ich.</p><p>Rask war gut gelaunt. Er warf mir ein St�ck Fleisch zu, das ich hastig hinunterschlang. Dann gab mir mein Herr ein Zeichen, n�herzukommen. Ich gehorchte, und er reichte mir seine Weinschale.</p><p>�Ich habe eine �berraschung f�r dich�, sagte Rask zu Verna. �Und das w�re?� fragte sie.</p><p>Rask klatschte in die H�nde, und vier Musiker traten ein, die drau�en gewartet hatten. Sie nahmen Platz. Zwei hatten kleine Trommeln, einer eine Fl�te, der vierte ein Zupfinstrument.</p><p>Nun klatschte Rask noch mal in die H�nde, und das dunkelhaarige Sklavenm�dchen stand vor ihm. Ihre olivenfarbene Haut schimmerte im Licht der Lampen. Gl�ckchen waren an ihren Armen und Fu�gelenken befestigt.</p><p>�Tanz uns was vor, Talena�, sagte Rask aus Treve.</p><p>Das M�dchen begann sich zu bewegen.</p><p>�Sie ist gar nicht schlecht�, sagte Verna.</p><p>�Kennst du sie?� fragte Rask aus Treve kauend.</p><p>�Nein�, erwiderte Verna.</p><p>�Sie ist Talena, Tochter des Marlenus aus Ar.�</p><p>Verna starrte ihn verbl�fft an, begann dann schallend zu lachen und klatschte sich mit den H�nden auf die Knie. �Gro�artig!� rief sie. Die Musik wurde schneller und brannte wie eine Flamme im K�rper des M�dchens.</p><p>�Schenk sie mir!� sagte Verna.</p><p>�Vielleicht�, sagte Rask aus Treve.</p><p>�Ich bin ein Feind des Marlenus!� rief Verna. ��berla� sie mir.� �Auch ich bin sein Feind�, sagte Rask.</p><p>�Ich will ihr beibringen, was es bedeutet, in den N�rdlichen W�ldern versklavt zu sein!� sagte Verna.</p><p>Ich sah die Angst in den Augen des tanzenden M�dchens. Aber sie ging mich nichts an. Sie war eine Sklavin wie ich.</p><p>�Ich habe sie bereits gelehrt, was Sklaverei bedeutet�, sagte Rask aus Treve l�chelnd.</p><p>�Woher hast du sie?� fragte Verna.</p><p>�Ich habe sie vor etwa einem Jahr gekauft�, erwiderte Rask �Von einem H�ndler aus Tyros, der nach Ar reiste, wo er sie gegen eine Belohnung an Marlenus zur�ckgeben wollte.�</p><p>�Was hat sie dich gekostet?�</p><p>�Der H�ndler wurde �berzeugt, sie mir kostenlos zu �berlassen � ich kaufe nie eine Frau.�</p><p>�Gro�artig!� rief Verna. �Dein Lager liegt mitten im Einflu�bereich Ars � und darin h�ltst du die Tochter deines gr��te Feindes gefangen, des Ubars von Ar! Gro�artig!�</p><p>Rask klatschte zweimal in die H�nde, und die Musik h�rte auf �Fort mit dir, Sklavin�, sagte er.</p><p>Talena machte kehrt und eilte aus dem Zelt. Rask und Verna blickten ihr lachend nach.</p><p>�Heute abend gibt es ein gro�es Fest�, sagte Rask zu mir. �Du gehst zu Ute und l��t dich von ihr im Schuppen einschlie�en.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte ich.</p><p>�Warum �berl��t du Talena nicht mir?� fragte Verna.</p><p>�Vielleicht tu ich�s�, sagte Rask. �Ich mu� dar�ber nachdenken.� Ich verlie� das Zelt.</p><p>Am n�chsten Tag durfte ich zum erstenmal das Lager verlassen. Ich war an ein anderes M�dchen gefesselt, eine Sklavin aus Cos die Techne hie�. Ein W�chter begleitete uns. Wir sollten unseren Ledereimer mit Rambeeren f�llen, einer kleinen roten Frucht mit e�barem Samen. Es freute mich, der Enge der Palisaden zu entkommen. Es war ein herrlich warmer Tag.</p><p>Ich hatte Ute oft gebeten, mich auf einen Ausflug au�erhalb des Lagers zu schicken, doch ich war nie ausgew�hlt worden. Heute endlich hatte sie mich benannt, und wir waren nun unterwegs. Ich war gl�cklich. Au�erdem waren zwei weitere Sklavinnen gefangen worden, und es sollte heute abend wieder ein Fest geben. Und zum erstenmal hatte ich Aussicht, daran teilzunehmen. Ich hatte mir nicht anmerken lassen, wie sehr ich mich dar�ber freute � eine Freude, die ich eigentlich nicht recht verstand! Ich war sicher, da� ich zu den sch�nsten M�dchen des Abends geh�ren w�rde.</p><p>Ehe mich Ute zu dem W�chter schickte, der Techne und mich ins Freie f�hren sollte, hatte sie gesagt: �Sieh dich vor, El-in-or.� Ich hatte nicht verstanden, was sie meinte.</p><p>Jetzt zerrte etwas an meiner Halsfessel. �Beeil dich, El-in-or�, sagte Techne. �Wir m�ssen bald zur�ck sein. Unsere Eimer sind noch nicht halb voll.�</p><p>Techne �rgerte mich. Sie war jung und h�bsch, wenn auch an den Kragen noch nicht gew�hnt. Die Sonne schien, und ihre W�rme durchdrang mich.</p><p>Wenn weder der W�chter noch Techne in meine Richtung blickten, stahl ich dem M�dchen Beeren und sch�ttete sie in meinen Eimer. Warum sollte ich so schwer arbeiten wie sie? Schlie�lich waren unsere Eimer voll, und wir kehrten ins Lager zur�ck. Der W�chter gab die Eimer an andere M�dchen weiter, die sie in die K�che schaffen sollten. �El-in-or, Techne�, sagte Ute. �Ihr folgt mir.� Wir gehorchten. Sie f�hrte uns zu den Pfosten, an denen Sklavinnen ausgepeitscht werden sollten. Hier mu�ten wir niederknien. Daneben war ein Feuer, in dem vier Brandeisen ruhten.</p><p>Einige W�chter und Sklavinnen lungerten in der N�he herum. Der Mann, der Techne und mich bewacht hatte, blieb in unserer N�he. Techne sah sich angstvoll um. Ich war beunruhigt, nahm mich aber zusammen. �Techne�, sagte Ute streng, �hast du Beeren aus El-in-ors Eimer gestohlen?� �Nein! rief sie.</p><p>�El-in-or�, wandte sich Ute an mich, �hast du aus Technes Eimer Beeren gestohlen?� �Nein�, sagte ich. Ute wandte sich an den W�chter. �Die erste Sklavin sagt die Wahrheit�, sagte er. �Die zweite l�gt.� �Nein!� schrie ich.</p><p>Ute sah mich an. �So etwas l��t sich leicht feststellen, El-in-or�, sagte sie. �Manchmal sieht dich der W�chter, manchmal deinen Schatten.� �Nein�, wimmerte ich.</p><p>�Du hast mich schon fr�her dauernd bestohlen�, sagte Ute. �Aber ich hatte den W�chter, der das auch bemerkte, immer Gebeten, dich nicht zu verraten. Doch diesmal hast du eines meiner M�dchen bestohlen, und das kann ich nicht zulassen. Du hast mich immer f�r so dumm gehalten, da� ich das nicht merke, bist ein widerliches St�ck Dreck!�</p><p>�Ich werde nie wieder stehlen�, schrie ich entsetzt.</p><p>�Ja�, sagte Ute, �das glaube ich dir gern. Hast du Beeren gegessen, El-in-or?�</p><p>�Nein!� rief ich.</p><p>��ffne deinen Mund und strecke die Zunge heraus!� befahl sie. �Bitte, Ute!� flehte ich.</p><p>�Los, gehorche!� Ich streckte die Zunge heraus.</p><p>Die Umstehenden begannen zu lachen.</p><p>Ute wiederholte die Prozedur bei Techne.</p><p>�Du kannst gehen�, sagte Ute zu Techne, die ver�ngstigt davoneilte. Ute wandte sich an mich. �Und jetzt wirst du gebrandet und ausgepeitscht!�</p><p>Wimmernd brach ich in die Knie.</p><p>��berla� das mir!� sagte eine Stimme hinter mir.</p><p>Entsetzt drehte ich mich um. Es war Rask aus Treve.</p><p>�Herr!� schluchzte ich und warf mich vor ihm ins Gras.</p><p>�Ich habe keine Geduld mehr mit dir�, sagte er, zog einen schweren Handschuh �ber und nahm ein Brandeisen aus de� Feuer. Der winzige Buchstabe war wei�gl�hend. �Dies ist ein Strafzeichen�, sagte er. �Es brandmarkt dich als L�gnerin.�</p><p>Vier M�nner hielten mich fest, als er mir das gl�hende Eisen gegen das Bein pre�te. Ich begann zu wimmern, dann zu kreischen �Und dieses Zeichen�, sagte Rask und nahm ein zweites Brandeisen aus dem Feuer, �kennzeichnet dich als Diebin.�</p><p>Ich schrie und h�rte nicht mehr auf zu schreien, so gro� war der Schmerz.</p><p>�Und dieses dritte Eisen weist dich als Verr�terin aus�, sagte Rask gef�hrlich leise. Als das gl�hende Zeichen mein Fleisch ber�hrte, sah ich Utes regloses Gesicht.</p><p>Noch immer lie�en mich die M�nner nicht los.</p><p>Rask nahm das letzte Eisen aus dem Feuer. Es enthielt einen gr��eren Buchstaben, den ich kannte. Es war das Zeichen der Stadt Treve. Wimmernd wandte ich den Kopf und lie� das Branden �ber mich ergehen.</p><p>Schlie�lich zerrten mir die vier W�chter die Arme �ber den Kopf und h�ngten mich an dem Pfosten auf. Meine F��e wurden in dem Ring festgemacht, der im Boden verankert war.</p><p>�Holt die Peitsche!� befahl Rask.</p><p>Ich h�rte die M�nner und Sklavinnen lachen. Wimmernd hing ich an meinen Handgelenken, die zu schmerzen begannen. Mein Schenkel schien in Flammen zu stehen. Tr�nen str�mten mir �ber die Wangen. Ich hustete und konnte kaum atmen.</p><p>Pl�tzlich schien mein R�cken zu explodieren. Ich schrie, aber nichts war zu h�ren. Ich schien keinen Atem mehr im Leibe zu haben und verlor fast das Bewu�tsein. Es war eine unbeschreibliche Qual. Zweimal verlor ich das Bewu�tsein, und zweimal wurde ich mit einem Schwall kalten Wassers wieder in die Wirklichkeit zur�ckgeholt.</p><p>Als schlie�lich die Schl�ge aufh�rten, hing ich hilflos in meinen Fesseln. Grobe H�nde banden mich los, zerrten mich zu dem kleinen eisernen Sklavenkasten und stie�en mich hinein. Die T�r knallte hinter mir zu, die beiden Riegel glitten vor, zwei Vorh�ngeschl�sser klickten zu. Ich war eingeschlossen. Ich konnte durch einen Schlitz in der T�r nach drau�en sehen. Eine etwas gr��ere �ffnung befand sich weiter unten. Es war dunkel und hei�.</p><p>Da fiel mir ein, da� mich eine Sklavin am ersten Tag meines Aufenthalts im Lager gewarnt hatte, ich w�rde geschlagen und in den Sklavenkasten gesteckt, wenn ich log oder stahl.</p><p>Ich st�hnte und lie� mich auf die Seite sinken und zog die Beine an. Elinor Brinton aus New York war erniedrigt worden. Ein k�hner Tarnk�mpfer, ihr Herr, hatte sie nach den rauhen Gesetzen eines anderen Planeten gez�chtigt.</p><p>Ich verlor das Bewu�tsein. Als ich erwachte, hatte der Schmerz am R�cken und am Bein noch nicht nachgelassen. Von drau�en drangen die frohen Kl�nge eines Festes herein.</p><p>Ich blieb tagelang in dem Sklavenkasten. Die T�r wurde nur ge�ffnet, um mir zu essen und zu trinken zu bringen. Am f�nften Tag wurden mir die Fesseln abgenommen, aber noch immer durfte ich meinen K�rper nicht ausstrecken.</p><p>In den ersten Tagen b�umte ich mich noch in meinen Fesseln auf, h�mmerte gegen die W�nde und schrie, streckte die Finger durch die T�rschlitze und flehte um Gnade. Ich f�rchtete schon wahnsinnig zu werden. Manchmal brachte mir Ute Wasser und Nahrung, doch sie sagte dabei kein Wort.</p><p>Erst am achtzehnten Tag kam Ute in Begleitung Inges und Renas zu meinem Gef�ngnis und �ffnete die T�r.</p><p>�L�st ihre Fesseln�, befahl Ute.</p><p>Als die T�r aufschwang, kroch ich m�hsam auf H�nden und Knien ins Freie. Dann brach ich vor Schw�che zusammen.</p><p>�Wascht die Sklavin�, sagte Ute angewidert zu Inge und Rena Ich schrie vor Schmerz auf, als mich Inge und Rena ausstreckten und mich wuschen. Sie verzogen angeekelt die Gesichter, denn ich stank nach Schwei� und Kot.</p><p>Als Inge und Rena fertig waren, trug mich ein W�chter in den Schuppen der Arbeitssklavinnen. Am n�chsten Tag blieb ich dort und erhielt Suppe eingefl��t, sp�ter leichte Nahrung und Wasser. Als ich wieder einigerma�en zu Kr�ften kam, war meine erste Aufgabe, den Sklavenkasten zu reinigen. Als ich das erledigt und mich wieder von Kopf bis Fu� gereinigt hatte, erhielt ich endlich wieder die Tunika einer Arbeitssklavin. Am sp�ten Nachmittag wurde ich mit Techne wieder hinausgeschickt, um Rambeeren zu pfl�cken. Diesmal stahl ich keine Fr�chte und a� auch nicht heimlich davon.</p><p>Man begegnete mir im Lager mit Verachtung und Belustigung. Nun hatte ich nicht nur durchstochene Ohren, sondern trug auch die Straf-Male, Zeichen der Schande.</p><p>Zwei Wochen nach meiner Freilassung kam Rask aus Treve in Begleitung Vernas in meiner N�he vorbei. Ich kniete nieder und neigte den Kopf. Doch sie beachteten mich nicht.</p><p>In dieser Zeit hatten die Tarnk�mpfer bei ihren Unternehmungen wenig Gl�ck. Sie hatten Verluste, und oft kehrten sie ohne Beute zur�ck. �hnlich betr�blich verliefen meine Tage. Ich mu�te fr�h aufstehen und hart arbeiten. Nach dem Abendessen wurde ich im Arbeitsschuppen eingeschlossen, nur um am n�chsten Morgen fr�h wieder herausgerufen zu werden.</p><p>Ich arbeitete stumm und konzentriert und unterhielt mich selten mit den anderen M�dchen, die sich auch nicht oft an mich wandten. Obwohl ich meistens in einer Gruppe arbeitete, war ich immer allein. Wenn die anderen bei der Arbeit sangen oder sich die Zeit mit Spiel und Spa� vertrieben, sa� ich abseits und machte nicht mit. Ich arbeitete gut, vermutlich z�hlte ich in Utes Augen zu den besten Sklavinnen. Manchmal, wenn ich fertig war, half ich anderen M�dchen bei ihren Aufgaben.</p><p>Ich hatte keine Lust mehr zu l�gen oder andere Sklavinnen zu hintergehen. Ich scheute auch nicht mehr vor der Arbeit zur�ck � dazu f�rchtete ich die Peitsche zu sehr und den Schmerz. Ich beugte mich der Gewalt. Au�erdem kamen mir meine fr�heren kleinen Betr�gereien heute dumm und kindisch vor, ob ich nun erwischt wurde oder nicht. Ich hatte die Bestrafung verdient, und irgendwie war ich mit mir ins reine gekommen.</p><p>Die Verachtung, mit der man mir im Lager begegnete, lie� etwas in mir verh�rten. Ich gab mich zur�ckgezogen und war zufrieden, abends in der Schw�rze des Schuppens zu sitzen, gesch�tzt durch die verschlossene T�r.</p><p>Nur eins war mir geblieben, ein Punkt, in dem ich Stolz empfand � und das war die Tatsache, da� ich anders war als andere Frauen. Welche Brandzeichen ich auch tragen mochte � ich kannte ihre Schw�chen nicht. Ich erinnerte mich an die Szene auf der Lichtung, auf der sich sogar die stolze Verna hilflos unter den hellen Monden Gors gewunden hatte, ihren fraulichen Sehns�chten hingegeben. Mit der Zeit bildete sich ein Ha� auf andere Menschen in mir heraus. Ich hielt mich f�r st�rker als andere M�dchen. Ich wurde arrogant in meiner Tugend, zum �rger der anderen Sklavinnen, doch das war mir egal. Ich war anders als sie. 
�Heute abend!� rief Ute fr�hlich, �werdet ihr alle bei Tisch bedienen!� Die M�dchen freuten sich.</p><p>Heute war ein �berfall Rasks aus Treve zum erstenmal seit Wochen wieder erfolgreich gewesen. Elf M�dchen waren gefangen worden, au�erdem gab es reiche Beute. Lachende, blut�berstr�mte Tarnk�mpfer waren aus ihren S�tteln geglitten, ihre Taschen hingen durch unter dem Gewicht des Goldes. Kaufleute brachten Boskh�lften und Tarskschenkel ins Lager, dazu Wein und Fr�chte, K�sesorten und frisches Brot, N�sse und Blumen, Kerzen und Honig. Gro�e Aufregung herrschte bei allen � ein gro�es Fest stand bevor.</p><p>Ich w�rde nicht bedienen m�ssen � wie immer. Ute w�rde mich einschlie�en.</p><p>Im Schuppen sah ich ver�chtlich zu, wie sich die anderen auf den Abend freuten. Auf Utes Ruf hin eilten sie ins Freie. Ich brauchte meine Ruhe, denn ich mu�te morgen wieder arbeiten.</p><p>�El-in-or, komm raus!� rief Ute.</p><p>Was wollten sie von mir?</p><p>Z�gernd stand ich auf und ging nach drau�en. Hier stand , Spiegel, davor lagen Kosmetika und Seidengew�nder und Tanzglocken. M�nner waren nicht zu sehen. Die M�dchen machten sich fertig.</p><p>�Zieh dich um!� befahl Ute.</p><p>�Nein!� rief ich.</p><p>�Los, mach schon!� sagte Ute und wandte sich ab.</p><p>Ich zog ein d�nnes Seidengewand �ber und schminkte mich nach Art der goreanischen Sklavin. Das bereitete mir keine M�he, denn ich war entsprechend trainiert worden.</p><p>Mi�mutig hielt ich mich im Hintergrund, w�hrend die anderen M�dchen ihre Vorbereitungen trafen.</p><p>�Du bist nicht unattraktiv�, sagte Ute zu mir.</p><p>Sie trat an eine Truhe, in der die Kleider aufbewahrt wurden und nahm einige Glocken heraus, die sie mir um den Hals band. �Etwas fehlt noch�, sagte sie schlie�lich und trat zur�ck.</p><p>Ich antwortete nicht.</p><p>Sie kehrte zur Truhe zur�ck. Die M�dchen hielten den Atem an. Zwei goldene Ohrringe wurden durch meine Ohrl�ppchen zogen und festgemacht.</p><p>�Und damit die Begeisterung der M�nner nicht zu gro� wird, das! � Die M�dchen lachten. Ute befestigte einen Streifen wei�er Seide an meinem Sklavenkragen.</p><p>Dann schickte sie uns in die Mitte des Lagers, wo wir von den M�nnern begeistert willkommen gehei�en wurden.</p><p>W�tend folgte ich den anderen zu der Stelle, wo nahe des gro�en Zelt Rasks die Feier beginnen sollte.</p><p>�Wein! Bring mir Wein!� rief der Krieger.</p><p>Ich eilte zu ihm und f�llte seine Schale.</p><p>Die Musik umschwebte mich schwer wie Wein. Es wurde viel gelacht und gebr�llt. M�dchen kicherten oder waren au�erhalb des Feuerscheins mit handfesten Vergn�gen besch�ftigt.</p><p>Im Sand vor den Kriegern tanzte Talena.</p><p>Am Kopfende der Tafel sa� Rask aus Treve und feierte seinen Sieg. An seiner Seite sa� Verna, das Pantherm�dchen, das von den Sklavinnen bedient wurde, als sei sie ein Krieger. Ich beneidete sie um ihre Freiheit, um ihren Stolz.</p><p>Der Mann, den ich bedient hatte, wollte nach mir greifen, doch ich entwischte ihm, eilte zu einem anderen, der nach Wein gebr�llt hatte. �Wein!� rief nun auch Verna, und ich schenkte ihr nach.</p><p>�Wein�, sagte Rask und hielt mir seinen Kelch hin.</p><p>Ich vermochte seinem Blick nicht zu begegnen.</p><p>�Sie ist wirklich h�bsch�, sagte Verna leise.</p><p>�Wein!� rief ein Mann auf der anderen Seite.</p><p>Ich sprang auf und eilte zu ihm. Bei ihm angekommen, neigte ich mein Gef��, doch es war leer. �Lauf M�dchen, hol neuen Wein!� Ich eilte aus dem Lichtschein des Feuers. Dabei stolperte ich �ber zwei Gestalten, die sich in der Dunkelheit im Gras w�lzten und innig mit sich besch�ftigt waren. Ich hastete auf den K�chenschuppen zu. Doch ehe ich ihn erreichte, taumelte die Gestalt eines Kriegers auf mich zu. �Ich bin von wei�er Seide!� kreischte ich und entwand mich seinem Griff. Er war w�tend und stolperte mir nach.</p><p>Lautes Geschrei vom Feuer deutete an, da� ein anderes M�dchen nun in den Tanzkreis getreten war. �Kleine Verr�terin�, sagte der Mann mit schwerer Zunge. �Ich m�chte dich gern tanzen sehen!�</p><p>�Ich mu� Wein holen�, rief ich und eilte weiter.</p><p>�Ute!� flehte ich, als ich mein Gef�� in die gro�e Weintonne tauchte, �schick mich nicht zur�ck!�</p><p>�Nimm den Wein und geh�, sagte sie barsch.</p><p>�El-in-or!� h�rte ich einen Ruf. �El-in-or, die Verr�terin!� �Sie rufen nach dir�, sagte Ute.</p><p>�In den Sand!� rief eine M�nnerstimme. �Tanz f�r uns!�</p><p>�Beeil dich, Sklavin!� dr�ngte Ute.</p><p>Mit einem Angstschrei eilte ich zum Feuer zur�ck. Dort nahm mir ein M�dchen den Weinkrug ab, und jemand stie� mich auf die Sandfl�che in der Mitte. Ich bedeckte das Gesicht mit den H�nden.</p><p>�Tanz f�r deine Herren, Sklavin!� h�rte ich Verna rufen. Die Zecher begannen zu lachen.</p><p>Ich streckte Rask flehend die Arme entgegen. Aber er hatte kein Einsehen mit mir.</p><p>Die Musik begann, und ich sprang auf und begann zu tanzen. Die T�ne waren rauh, melodisch, sinnlich. Ohne es zu begreifen sah ich pl�tzlich das Staunen in den Augen der Zuschauer. Sie blinzelten mich an und wurden still.</p><p>Ich tanzte. Ich war gut trainiert worden in den Gehegen Ko-ro-bas. Nicht umsonst hatten Lana und ich zu den besten Sklavinnen geh�rt. Meine F��e stampften zum Klang der Glocken im Sand, und mir wurde pl�tzlich klar, da� ich mit meiner Sch�nheit Macht besa�, die Macht, M�nner zu peinigen.</p><p>�Gro�artig!� h�rte ich jemanden fl�stern.</p><p>Auch die M�dchen schauten gebannt zu.</p><p>Ich warf den Kopf hoch. Etwas brach sich in mir Bahn, etwas das ich noch nie empfunden hatte. Ich wollte meine Zuschauer qu�len � und ich hatte die Macht dazu! Ich war von wei�er Seide und damit in Sicherheit � ich wollte meine Zuschauer leiden sehen.</p><p>Als die Musik sich ver�nderte, beschleunigte auch ich meine Bewegungen, wurde eins mit dem Rhythmus, ein erschrecktes Sklavenm�dchen, eine einsame Sklavin, die sich nach ihrem Herrn sehnt. Und ich tanzte erst vor diesem, dann vor jenem Krieger, als suchte ich seinen Schutz, als k�nnte ich nichts dagegen tun. Mehr als ein Krieger wollte nach mir greifen und schrie dann w�tend auf, als ich mich ihm lachend entzog.</p><p>Als die Musik ihrem H�hepunkt zustrebte, wandte ich mich k�hn meinem Herrn Rask aus Treve zu und tanzte vor ihm. Er schl�rfte seinen Wein, sein Gesicht blieb ausdruckslos. Ich tanzte meinen Ha� auf ihn, meine Verachtung. Ich tanzte, um ihn zu erregen, in ihm Sehnsucht nach mir zu wecken, und pl�tzlich merkte ich, da� mein K�rper ihm eine Botschaft schickte, die ich selbst kaum verstand, die ich f�rchtete. Es war seltsam � es war, als entwickelte mein K�rper ein eigenes Leben, als spr�che er zu ihm. Und dann war es wieder wie zuvor, und ich empfand nur noch Verachtung und Ha�. Er schien am�siert zu sein, und ich war w�tend 
Als ich fertig war, fiel ich frech in die Knie und neigte den Kopf. Es gab gro�en Beifall, und ich wurde fortgeschickt. Inge und Rena waren als n�chste an der Reihe, w�hrend ich in die Dunkelheit eilte.</p><p>Am K�chenschuppen befahl mir Ute, mich zu waschen und umzuziehen. Ich gehorchte und wollte mich schlafen legen.</p><p>Doch Ute lie� das nicht zu. Ich mu�te mich schminken und fertigmachen wie zuvor.</p><p>Dann warteten wir. �ber zwei Ahn lang sa�en wir im K�chenschuppen, bis der L�rm des Festes verstummte und die Krieger in ihre Zelte gingen. Schlie�lich stand Ute auf und tupfte mir etwas Parf�m hinter die Ohren. Ihr Blick war hart.</p><p>�Nein!� rief ich und sah sie entsetzt an. �Nein!�</p><p>�Du bist in Rasks Zelt befohlen�, sagte sie.</p><empty-line/><p>�Tritt ein�, sagte Rask aus Treve.</p><p>Ich war allein mit ihm, als seine Sklavin. �Binde das Zelt hinter dir zu.� Ich gehorchte zitternd. Ein kleines Feuer brannte in der Feuerschale. Ein Weinbeh�lter hing �ber den Flammen.</p><p>Das Innere des Zelts war mit roter Seide ausgekleidet. Da und dort hingen Tharlarion�llampen und spendeten ein weiches Licht. An den Seiten standen zahlreiche Truhen, F�sser und S�cke, mit der Beute vieler �berf�lle gef�llt. Manche Truhen waren ge�ffnet, und ich sah darin Gold und andere Edelmetalle und schimmernde Schmuckst�cke. �Komm n�her�, sagte er.</p><p>Ich sah ihm in die Augen. Ich trug seinen Kragen. �Gib mir Wein!� Ich wandte mich um, nahm eine kleine Flasche Ka-la-na-Wein an mich, sch�ttete ihn in eine kupferne Schale und stellte das Getr�nk auf einen Dreifu� �ber dem Feuer.</p><p>Nach einer Weile nahm ich den erw�rmten Wein und brachte ihn meinem Herrn. Ich wu�te nicht, wie er seinen Wein wollte � ob warm oder hei� � also w�hlte ich eine mittlere Temperatur. Er nahm den Kelch und schl�rfte. Dann l�chelte er.</p><p>Als er fast ausgetrunken hatte, bedeutete er mir, neben ihm niederzuknien. Er grub mir seine Finger ins Haar und neigte meinen Kopf zur�ck. Dann sch�ttete er mir Wein in den offenen Mund.</p><p>�Lauf, El-in-or�, sagte er dann, �und bring den Kelch fort.� Als ich wieder vor ihm kniete, begann das Zelt um mich zu kreisen. Ich sp�rte den hei�en Wein im ganzen K�rper. Er hatte mich laufen lassen, damit die Wirkung schneller einsetzte.</p><p>�Ich hasse dich!� rief ich pl�tzlich. Im n�chsten Augenblick h�tte ich mir am liebsten die Zunge abgebissen. Der Wein l�st meine Zunge!</p><p>Aber er schien nicht b�se zu sein.</p><p>�Du hast mich gefangen und zu deiner Sklavin gemacht!� fuhr ich fort. �Du verstehst mich nicht. Ich bin nicht einmal von dieser Welt. Ich bin keine unterw�rfige Goreanerin! Ich bin kein h�bsches Tier, das du nach Belieben kaufen und verkaufen kannst! Ich bin Elinor Brinton vom Planeten Erde. Auf meiner Welt bin ich eine wichtige Pers�nlichkeit! Du kannst mich nicht einfach als Sklavin behandeln!� Dann barg ich das Gesicht in den H�nden. Was wu�te er schon von solchen Dingen? �Ich wei�, da� du von der Erde kommst � als Krieger besitze ich das Zweite Wissen. Erdfrauen sind gute Sklavinnen f�r die Goreaner!� sagte er.</p><p>Ich hielt den Blick gesenkt.</p><p>�Und du bist eine L�gnerin und eine Diebin!�</p><p>Sein Gesicht war ganz dicht vor dem meinen. Seine H�nde hoben meinen Kopf.</p><p>Ich begann zu zittern, als seine Finger den Streifen wei�er Seide von meinem Hals knoteten.</p><p>�Nein!� flehte ich.</p><p>�Heb den Kopf, M�dchen!� befahl er. Ich starrte in seine Augen. Noch nie hatte ich einen solchen� Blick gesehen. Ich kniete vor ihm, allein mit ihm auf seinem Lager, seiner Gnade ausgeliefert.</p><p>Dann nahm er mich in seine Arme und lie� sich mit mir auf seine Felle sinken. Das Zelt begann �ber mir zu kreisen. Ich wollte schreien, doch er verschlo� mir den Mund und drang in mich ein.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Kettet sie unter den goreanischen Monden an�, hatte Verna gesagt sagt, und Rask hatte gelacht.</p><p>Ich zerrte an der Kette, die mein linkes Fu�gelenk umschlo�. Ich lag auf dem kleinen Grash�gel in einem entlegenen Teil des Lagers und war an den Ring gekettet, den ich bei meinem Rund-gang schon einmal gesehen hatte. Einige Meter entfernt sah ich die R�ckseiten von Zelten. Die Monde waren noch nicht aufgegangen. Nachdem ich meine Tagesarbeit verrichtet hatte, hatte ich atemlos gehofft, wieder ins Zelt Rasks gerufen zu werden.</p><p>Rask hatte jedoch den ganzen Tag kaum Notiz von mir genommen. Im Gegensatz zu gestern nacht.</p><p>Ich lag auf dem R�cken und erinnerte mich an jede Sekunde in seinem Zelt, als er bei mir gelegen hatte, eng an mich geschmiegt, wieder und immer wieder.</p><p>Erst im Morgengrauen hatte er mich zur�ck in den Sklavenschuppen geschickt.</p><p>Heute abend hatte Rask mit Verna gegessen und sich von mir bedienen lassen. Dabei hatte er mich nicht anders behandelt als zuvor. Es war, als h�tte es die letzte Nacht nicht gegeben. Hatte ich alles nur getr�umt? Dann hatte er einen W�chter gerufen.</p><p>�Heute abend�, sagte Rask zu ihm, �schickst du mir Talena ins Zelt.� �Ja, Herr�, hatte der W�chter gesagt und war gegangen.</p><p>Meine Finger hatten sich um den Teller verkrampft, den ich gerade trug, und mir wurde schwarz vor Augen.</p><p>�Deine Sklavin scheint nerv�s zu sein�, sagte Verna l�chelnd, und ich senkte den Kopf.</p><p>�Sklavin�, fuhr das Pantherm�dchen fort. �Es hei�t, du hast den M�dchen erz�hlt, du w�rst anders als andere Frauen, du h�ttest ihre Schw�chen nicht.�</p><p>Ich sah Verna an. Sie wu�te, da� ich sie einmal im Wald gesehen hatte, als sie hilflos ihren Sehns�chten ausgeliefert war. �Ich kann nichts daf�r, da� ich so bin�, sagte ich.</p><p>�Kette sie unter den goreanischen Monden an�, sagte Verna. Und nun lag ich hier. Ich ha�te ihn � und sie noch mehr! Ich war w�tend �ber das, was er mir angetan hatte. Aber ich hatte nicht anders reagieren k�nnen. Er hatte in mir Gef�hle geweckt, von denen ich nicht erwartet h�tte, da� mein K�rper sie empfinden k�nnte. Verzweifelt hatte ich mich an ihn geklammert, eine H�he des Gef�hls erreichend wie nie zuvor, w�hrend er meinen K�rper beherrschte, mich von einer Ekstase in die andere jagte.</p><p>Ich �ffnete die Augen. Die Monde stiegen nun �ber den Palisaden auf und erhellten den n�chtlichen Himmel.</p><p>Warum hatte er mich nicht zu sich rufen lassen? War er unzufrieden mit mir gewesen?</p><p>Ich blickte zu den Monden auf, Tr�nen in den Augen.</p><p>Die Lichter im Lager waren nun erloschen. Da und dort gl�ht es noch in der Asche der Kochfeuer. In manchen Zelten schimmerte es rot durch die Plane � das Licht der Feuerschalen im Innern. Es war hei�. Die Nachtinsekten zirpten. In der Ferne kreischte ein Tarn.</p><p>Ich ballte die F�uste und schlo� die Augen. Wild h�mmerte ich mit den F�usten ins Gras. Was konnte ich tun? Ich war ein M�dchen dessen Sehnsucht unerf�llt war. Ich begann dem Dr�nge meines Bed�rfnisses nachzugeben und mich unter den Monden Gors zu winden, versuchte sie zu ergreifen, drehte mich und begann zu weinen.</p><p>Und als ich ersch�pft im Gras lag, sah ich pl�tzlich einen Schatten �ber mir � Verna, das Pantherm�dchen, das mich beobachtete!</p><p>�Dein K�rper scheint sich doch wie der einer Kajira zu bewegen�, sagte sie. �Du bist also nicht wie andere Frauen, wie?�</p><p>�Hab Erbarmen mit mir, Herrin!� flehte ich. �Ich habe wohl doch alle Schw�chen meines Geschlechts . ..�</p><p>�Jetzt sprichst du die Wahrheit, El-in-or.� Ihre Stimme war nicht unfreundlich. �Manchmal mu� ein Mann wie Rask aus Treve kommen, um einer Frau ihre Schw�chen zu offenbaren. Ich verlasse, heute abend das Lager.�</p><p>Ich hob verbl�fft den Kopf.</p><p>Sie deutete auf eine Gestalt, die einige Meter entfernt kniete. �Ich nehme Talena mit. Rask aus Treve hat sie mir �berlasse Ich bringe sie als Sklavin in die N�rdlichen W�lder.�</p><p>�Aber sie ist Rasks Liebling�, fl�sterte ich.</p><p>�Nein�, erwiderte Verna und sah mich pr�fend an. �Ist es angenehm, sich einem Mann hinzugeben?�</p><p>Ich senkte den Blick, besch�mt von meiner Freude.</p><p>�Vor langer Zeit gab es einmal einen Mann, der mir das h�tte bedeuten k�nnen, was Rask dir bedeutet�, sagte Verna.</p><p>�Was war das f�r ein Mann?�</p><p>�Marlenus aus Ar�, gestand sie. �Und ich beschlo� sp�ter, ich w�rde eines Tages feststellen, wer der st�rkere von uns beide ist. � Leb wohl, Sklavin!�</p><p>Und sie wandte sich zum Gehen.</p><empty-line/><p>Rask aus Treve umfing meinen Kopf mit den H�nden. Es war fast Morgen.</p><p>Wir lagen auf der kleinen Erhebung, in seinen Mantel geh�llt. Wir schwiegen.</p><p>Tau glitzerte im Gras, und der Mantel, der sich um uns schmiegte, war auf der Au�enseite feucht. Das Licht der ersten D�mmerung legte einen Schimmer �ber den H�gel. Ich blickte in die Augen Rasks, der mich musterte.</p><p>�Wie kommt es, da� du mir so am Herzen liegst?� fragte er. �Ich liebe dich�, fl�sterte ich. �Ich liebe dich, Herr!� �Ich verachte dich�, sagte er l�chelnd, �und doch wu�te ich, da� ich dich besitzen mu�te, seitdem ich dich in Ko-ro-ba sah. Kann es sein, da� ich, Rask aus Treve, etwas f�r eine einfache Sklavin empfinde?� Er lie� es nicht zu,, da� ich ihn k��te, sondern sah l�chelnd auf mich herab. �Hast du dich nie gefragt, warum ich dich nie bedienen lie�, wenn die anderen M�dchen an den Festen teilnahmen?�</p><p>Ich l�chelte ihn an. �Nein, aber ich w�rde es gern wissen.� �Ich habe dich f�r mich selbst aufgehoben. Doch als du dann im Tanzring standest, wu�te ich, da� ich dich haben mu�te.� Seine H�nde umklammerten meine Arme. �Du hast unversch�mt getanzt, stolz, trotzig, herablassend, ver�chtlich.�</p><p>�Das alles bin ich aber nicht mehr, Herr�, erwiderte ich. �Ich bin jetzt nicht mehr stolz oder hochm�tig. Ich liebe dich!�</p><p>L�chelnd beugte er sich �ber mich.</p><p>Die Ger�usche des fr�hen Morgens schallten durch das Lager. Es war nun hell geworden. In der Ferne rief Ute ihre M�dchen zusammen. Ein Tarn schrie im Gehege. Ich h�rte das Rasseln von Pfannen. Feuer wurden angez�ndet.</p><p>Wir lagen noch immer im Gras. Ich klammerte mich an ihn, meine Wange an ihn geschmiegt. Sanft lag seine Hand �ber meinem Kopf. �Es ist Zeit, da� du an deine Arbeit gehst, Sklavin�, sagte Rask aus Treve.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Aus seinem Beutel nahm er einen Schl�ssel und �ffnete den schweren Ring, der die Kette an meinem linken Fu�gelenk festhielt. Er legte mir seinen Umhang um die Schultern. �Geh zum Schuppen und hol dir eine Tunika.�</p><p>Ich kniete vor ihm nieder. �Ich liebe dich!� rief ich. �Verkauf mich nicht! Behalte mich f�r dich � f�r immer!� Der Gedanke, da� ich wieder von ihm getrennt werden k�nnte, war mir unertr�glich. Ich blickte ihn gequ�lt an.</p><p>�An die Arbeit!� lachte er.</p><p>Ich sprang auf und reichte ihm den Umhang zur�ck, den ich nicht tragen wollte. Was sollten seine M�nner denken? Schlie�lich trug ich Straf-Brandzeichen!</p><p>Dann drehte ich mich um und eilte den H�gel hinab zum Schuppen der Arbeitssklavinnen. Ich hatte gro�en Hunger. Bestimmt hatte mir Ute etwas vom Fr�hst�ck zur�ckgelegt. Ich liebte sie. Wahrscheinlich hatte sie auch ein volles Arbeitspensum f�r mich � sie zog niemanden vor. Ich war eins ihrer M�dchen. Ich liebte sie � und ich liebte meinen Herrn. Ich drehte mich um. Er beobachtete mich von der Spitze de H�gels aus. Ich l�chelte und winkte ihm zu. Er hob die Hand und ich lief weiter und huschte um die Ecke des Schuppens.</p><p>�Ich habe dir etwas zu essen aufgehoben�, sagte Ute.</p><p>�Vielen Dank, Ute�, erwiderte ich atemlos.</p><p>�I� schnell, denn es gibt heute viel Arbeit f�r dich!�</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Die vergangenen Wochen waren die gl�cklichsten meines Lebens gewesen.</p><p>�H�nde auf den R�cken, Arme �berkreuz�, sagte der Mann. Ich gehorchte und sp�rte die Fesseln durch das dicke Geflecht. Meine Handgelenke wurden am Weidenkorb festgezurrt. Ich teilte den Tarnkorb mit f�nf anderen M�dchen.</p><p>�Wir werden am Abend in Ar sein�, sagte der Mann.</p><p>Ich lie� den Kopf sinken. Und doch bedauerte ich nichts, denn in den letzten Wochen war ich zum erstenmal gl�cklich gewesen. �Werden sie im Curuleum verkauft?� fragte ein Krieger, der in der N�he stand.</p><p>�Ja�, sagte unser W�chter.</p><p>Zu Anfang hatte mich Rask aus Treve jede Nacht in sein Zelt gerufen. Ich hatte ihm auf verschiedene Arten gedient, hatte mir gr��te M�he gegeben, ihn immer wieder neu zu erfreuen.</p><p>Manchmal hatte er zu meinem �rger versucht, sich von mir zu trennen, und hatte andere Frauen in sein Zelt gerufen, doch oft schickte er sie wieder fort und lie� mich, El-in-or, doch noch zu sich kommen.</p><p>Und dann kam eine Zeit, da er keine andere Frau mehr zu sich holte. Ich, El-in-or, war die erkl�rte Lieblingsfrau Rasks.</p><p>Inge und Rena waren nicht bei mir im Korb. Sie waren an die J�ger Raf und Pron verschenkt worden. Nach dem Brauch goreanischer J�ger waren beide M�dchen freigelassen worden und hatten einen Vorsprung von vier Ahn bekommen. Nach vier Ahn waren Raf und Pron aus dem Lager gelaufen und am n�chsten Morgen mit Inge und Rena zur�ckgekehrt. Neue Kragen gl�nzten an ihren H�lsen.</p><p>In der kurzen Tunika einer J�gersklavin waren sie dann ihren Herren durch das Doppeltor des Lagers gefolgt. Ihnen stand ein hartes Los bevor, aber sie machten einen zufriedenen Eindruck. Der J�ger f�hrt ein freies und wildes Leben, und seine Sklaven m�ssen sich mit dem Wald vertraut machen, mit den Eigenarten von Pflanzen und Tieren und Wetter. Ich wei� nicht, wo Raf und Pron jetzt sind, doch ich wei�, da� sie gut versorgt werden von Inge und Rena.</p><p>Jetzt wurde der schwere Korbdeckel aufgelegt und festgezurrt. Der Mann, der den Tarn fliegen sollte, ging zum K�chenschuppen, um sich vor dem Start zu st�rken.</p><p>Ich hatte Rask aus Treve auf viele Arten erfreuen wollen und hatte zu meiner Verbl�ffung festgestellt, da� mir das leichtfiel, da� ich gro�en Spa� daran hatte. Ein Mann ist ein seltsames Wesen �, er w�nscht sich sowohl eine einzige Frau als auch viele verschiedene Frauen, und vielleicht ersehnt er sich eine Frau, die ihm in vielen Gestalten begegnet. So trat ich Rask in vielen Rollen gegen�ber � als neues Sklavenm�dchen, als gebildetes M�dchen, als vornehme Dame, manchmal auch als hochm�tige El-in-or, zuweilen als trotziges, dann wieder als ergebenes M�dchen. Rask selbst klammerte sich manchmal an mich und k��te mich und lie� mich lange nicht wieder los. In diesen Stunden verstand ich ihn nicht recht; ich lag nur erf�llt und reglos in seinen Armen. Und eines Nachts bat er mich, ich solle ihm von mir erz�hlen.</p><p>So berichtete ich von meiner Kindheit und meinen Eltern und dem Haustier, das meine Mutter vergiftet hatte, und von New York und von meiner Welt und meiner Gefangennahme und von meinem Leben davor. In manchen N�chten erz�hlte er mir auch von sich und von dem Tod seiner Eltern und von seiner Ausbildung in Treve und von seinen ersten Versuchen mit den Tarns und im Umgang mit den Waffen. Er hatte Blumen gemocht, was er aber niemandem zu erz�hlen wagte. Ein seltsames Eingest�ndnis, ein Krieger wie er, der Blumen liebte! Ich k��te ihn. Aber ich hatte auch Angst, weil er mir davon erz�hlte. Ich nahm nicht an da� er diese tiefen Empfindungen je einem anderen Menschen enth�llt hatte.</p><p>Wir hatten uns angew�hnt, lange Spazierg�nge au�erhalb der Palisaden zu machen. Und je weniger er mich dabei als Sklavin behandelte, desto gr��er wurde meine Angst, da� er mich eines Tages verkaufen w�rde.</p><p>Aber meistens tollten wir herum und vergn�gten uns. Und eines Tages hatten wir nichts anderes getan als miteinander gesprochen, ausf�hrlich, z�rtlich und leise gesprochen, und in der Nacht, nachdem wir uns geliebt hatten, lagen wir noch lange plaudernd vor dem Feuer. Traurig hatte er mich umarmt, und war mir klar geworden, da� er mich verkaufen w�rde. Als ich am Morgen in den Schuppen zur�ckgekehrt war, rief er mich noch einmal zu sich. ��Ich bin deiner �berdr�ssig�, sagte er barsch. Ich neigte den Kopf. �Ich werde dich verkaufen.� �Ich wei�, Herr.� �Geh jetzt, Sklavin!�</p><p>Ich begann erst zu weinen, als ich wieder im Schuppen war. Einen Gefallen hatte ich noch erbeten, ehe ich an den Fremde verkauft wurde, der mich nun nach Ar bringen wollte. �Gib Ute frei�, hatte ich gesagt. Rask hatte mich seltsam angesehen und geantwortet: �Ja.� Als freie Frau w�rde Ute ein gutes Leben f�hren. Vielleicht kehrte sie nach Rarir oder nach Teletus zur�ck. Auf jeden Fall aber w�rde sie einen Mann suchen einen Angeh�rigen der Kaste der Lederarbeiter, der Barus hie�. Ich kannte nicht einmal seine Stadt.</p><p>Ich geh�rte nun diesem Tarnreiter, der in diesem Augenblick die Knoten am Tarnkorb �berpr�fte. F�r neun Goldst�cke war ich ihm verkauft worden.</p><p>Der Mann stieg in den Sattel des Tarn. Der Vogel schrie auf und begann seine m�chtigen Fl�gel zu entfalten. Dann ruckte der Korb an und glitt �ber die Lichtung und schwang schlie�lich unter dem Vogel hin und her.</p><p>Ich war auf dem Wege zum Markt.</p><p>Ich wurde auf dem gro�en Block des Curuleum in Ar verkauft � f�r zw�lf Goldst�cke, die ein Pagawirt f�r mich auf den Tisch legte. Er hielt es f�r am�sant, seinen G�sten ein M�dchen mit Straf-Brandzeichen zu pr�sentieren.</p><p>Vier Monate lang bediente ich in seiner Pagataverne. Zu den G�sten geh�rten auch W�chter, die fr�her in der Karawane Targos gedient hatten. Sie behandelten mich freundlich. Ich befragte sie nach Targo, der offenbar viele M�dchen wieder an sich gebracht hatte und nun gro�en Reichtum geno�. Er plante eine weitere Fahrt in den Norden, aber nicht um mit Haakon aus Skjern Gesch�fte zu machen. Doch so sehr mir mein neues Leben Spa� machte und mit wem ich auch schlief � keiner der M�nner war wie Rask aus Treve. Dieser Mann allein besa� das Herz der Sklavin Elinor Brinton. Sie vermochte ihn nicht zu vergessen. Dann h�rte ich eines Abends den Ausruf: �Ich kaufe sie!� und blieb starr vor Schreck stehen. Ich vermochte kaum den Pagakrug zu halten. Es war der kleine Jahrmarktsgaukler mit dem sprechenden Pelztier, der mich in der H�tte in den N�rdlichen W�ldern bedroht hatte, der vor dem Sleen geflohen war. Er hatte irgendeinen Mann vergiften wollen � ich kannte seinen Namen nicht.</p><p>Seine Hand umklammerte mein Handgelenk. Ich war ihm schlie�lich doch nicht entkommen. �Ich kaufe sie�, wiederholte er.</p><p>Der kleine Mann erwarb mich f�r vierzehn Goldst�cke. Ich wurde auf dem R�cken eines Tarn in die Stadt Port Kar gebracht, die an der M�ndung des m�chtigen Vosk liegt.</p><p>In einem Lagerhaus nahe den Docks kniete ich mit gesenktem Kopf vor einigen M�nnern.</p><p>�Ich werde euch nicht gehorchen�, sagte ich.</p><p>Der kleine Mann war da und sein Pelzwesen, das mich gelangweilt anstarrte, und zu meiner �berraschung auch Haakon aus Skjern. �Ich habe das Eisen zu schmecken bekommen und die Peitsche�, sagte ich. �Ich werde f�r euch nicht t�ten. Bringt mich um, aber ich werde f�r euch nicht zur M�rderin.�</p><p>Sie schlugen mich nicht, stie�en nicht einmal Drohungen aus. Sie rissen mich nur hoch und zerrten mich in einen Nebenraum.</p><p>Ich begann zu schreien bei dem Anblick. Mit den Handgelenken an die Wand gekettet, stand dort ein blut�berstr�mter Mann, den Kopf gesenkt. �Elf M�nner mu�ten sterben�, sagte Haakon aus Skjern hart �aber nun haben wir ihn.�</p><p>Der Mann hob den Kopf und sch�ttelte ihn langsam. �El-in-or?� fragte er.</p><p>�Herr!� schluchzte ich und dr�ckte mich an ihn.</p><p>Rask musterte die M�nner und sagte zu mir: �Ich bin aus Treve! Entehre mich nicht.�</p><p>An den Haaren wurde ich fortgezerrt. Die T�r schlo� sich hinter mir. �An einem bestimmten Tage�, sagte der kleine Mann, �wirst du ein P�ckchen Gift erhalten.�</p><p>Ich nickte wortlos. Rask aus Treve durfte nicht sterben! �Du wirst in das Haus Bosks geschleust, eines Kaufmanns aus Port Kar�, sagte er. �Du wirst in der K�che dieses Mannes arbeiten und wirst ihn bei Tisch bedienen.�</p><p>�Ich kann es nicht tun!� schluchzte ich. �Ich kann nicht t�ten. �Dann stirbt Rask aus Treve�, sagte der kleine Mann. Haakon aus Skjern lachte.</p><p>Der kleine Mann hielt ein kleines P�ckchen in die H�he. �Das ist das Gift, ein Pulver, das aus den Ausscheidungen der Ost bereitet wird.�</p><p>Ich erschauderte. Ich hatte von dem Gift geh�rt. Es bringt einen besonders qualvollen Tod.</p><p>Ich fragte mich, wieso diese M�nner Bosk aus Port Kar so ha�ten. �Wirst du uns gehorchen?� fragte der kleine Mann. Ich schlo� die Augen und nickte langsam.</p><empty-line/><p>�Wein, El-in-or!� rief Publius, der K�chenmeister Bosks aus Port Kar. �Bring Wein an den Tisch!�</p><p>Bebend nahm ich den Weinkrug. Ich ging zur K�chent�r, schritt durch den Flur und blieb vor dem r�ckw�rtigen Eingang zum gro�en E�saal stehen.</p><p>Es war gar nicht schwierig gewesen, im Hause des Bosk unterzukommen. Ich wurde f�r, f�nfzehn Goldst�cke an das Haus Samos�, eines Sklavenh�ndlers aus Port Kar, verkauft. Samos selbst war auf einer Piratenfahrt, und ein Untergebener f�hrte meinen Ankauf durch. Publius, K�chenherr des Bosk, hatte bei einem W�rfelspiel erfahren, da� es im Hause des Samos ein neues M�dchen gab, das in den Gehegen von Ko-ro-ba trainiert worden war. Publius, der von Zeit zu Zeit neue M�dchen f�r seine K�che suchte, war interessiert. Wahrscheinlich hatte er selten Gelegenheit, eine ausgebildete Vergn�gungssklavin in seine Dienste zu nehmen. Der Untergebene Samos� verkaufte mich f�r nur f�nfzehn Goldst�cke an Publius, um ihm einen Gefallen zu tun. So war ich zum Teil auch ein Geschenk des Hauses Samos� an das Haus Bosk. Die beiden H�user standen offenbar auf gutem Fu� miteinander. Wie ich sp�ter erfuhr, geh�rten sowohl Samos als auch Bosk dem Kapit�nsrat an, der h�chsten Regierungsinstanz Port Kars.</p><p>Es gefiel mir im Hause des Bosk, das sehr geschmackvoll eingerichtet, weitr�umig und sauber war. Ich wurde nicht schlecht behandelt, obwohl ich nat�rlich meine Arbeit tun mu�te. Mein Herr Bosk, ein gro�er, kr�ftiger Mann, bat mich nicht zu sich. Seine Frau war die bildsch�ne Telima aus den S�mpfen, eine goreanische Sch�nheit. Es gab noch weitere Sch�nheiten im Haus, die schlanke, dunkelhaarige Midice, die Frau des Kapit�ns Tab; dann die blonde Thura, die Frau des m�chtigen Riedbauern Thurnock, und die kleine dunkel�ugige Ula, die dem ruhigen Clitus geh�rte, einem ehemaligen Fischer von der Insel Cos. Das Haus und ein gro�er Teil der Gesch�fte wurden von einem ehemaligen Sklavenm�dchen gef�hrt, das Luma hie�. Sie geh�rte nun der Kaste der Schriftgelehrten an. Offensichtlich hatte Bosk ein Auge f�r weibliche Sch�nheit. Doch er n�herte sich mir nicht. Seine Zuneigung galt allein Telima. Wie �berragend sie sein mu�te, um ihn im Kreise solcher Frauen allein f�r sich zu gewinnen!</p><p>�Beeil dich mit dem Wein!� rief Publius mir nach.</p><p>Ich nahm das Paket Gift aus meiner Reptunika und sch�ttete das Pulver in den Wein. Man hatte mir gesagt, die Menge reiche aus, um hundert M�nner einen schmerzhaften Tod sterben zu lassen.</p><p>Das Getr�nk war bereit.</p><p>�Wo bleibt der Wein!� t�nte es aus dem Saal.</p><p>Ich eilte los und n�herte mich dem Tisch. Ich wollte nur Bosk, den Hausherrn bedienen, denn ich wollte nicht mehr Schuld auf mich laden. Auf halbem Weg blieb ich stehen. Die Zecher starrten mich verst�ndnislos an.</p><p>Rask aus Treve mu�te leben!</p><p>Ich erinnerte mich, wie Haakon aus Skjern �ber seinen Gefangenen gelacht hatte. Und ich �berlegte, ob er seinen Todfeind Rask freilassen w�rde, wenn ich meinen Teil des Handels einhielt. Ich f�rchtete, da� er Rask nicht freilassen w�rde � aber was konnte ich tun? Ich mu�te diesen Leuten vertrauen und von meiner Seite tun, was in meiner Macht stand. Ich hatte keine andere Wahl.</p><p>Ich wollte niemanden vergiften. Ich war zwar kein guter Mensch, aber eine M�rderin war ich bisher nicht gewesen. Und pl�tzlich fiel mir ein, wie meine Mutter den kleinen Hund vergiftete, der ihre Hausschuhe zerrissen hatte. Ich hatte das winzige Tier geliebt. Es war wimmernd im Keller hinter der Heizung gestorben. �Elinor�, sagte Bosk vom Kopfende der Tafel. �Ich m�chte Wein.� Er war einer der wenigen M�nner auf Gor, die meinen Namen nach englischer Art aussprachen.</p><p>Langsam n�herte ich mich Bosk aus Port Kar. Obwohl andere mir ihre Schalen hinhielten, wollte ich nur ihm Wein einschenken. Man w�rde mich sicher ergreifen und noch vor Sonnenuntergang aufspie�en. Er hielt mir seinen Kelch entgegen. Telimas Augen waren auf mich gerichtet � ich vermochte ihren Blick nicht zu erwidern. Ich schenkte ihm Wein ein.</p><p>�Ich bin aus Treve�, hatte Rask mir im Lagerhaus gesagt. �Entehre mich nicht.�</p><p>Ich begann zu weinen.</p><p>�Was ist los, Elinor?� fragte Bosk.</p><p>�Nichts, Herr�, schluchzte ich.</p><p>Bosk hob den Kelch an die Lippen.</p><p>Zitternd hob ich die Hand. �Trinke nicht, Herr!� schrie ich. �Der Wein ist vergiftet.�</p><p>Und ich barg das Gesicht in den H�nden. Wutgeschrei wurde am Tisch laut, Weinkr�ge wurden umgesto�en, und Frauen sprangen auf. Thurnock, der m�chtige Bauer, dr�ngte sich hinter mich und hielt meine Arme fest.</p><p>�Spie�t sie auf!�</p><p>Im n�chsten Augenblick sprang die T�r des Saals auf, und ein Mann mit kurzem wei�em Haar eilte herein. Seine Augen waren erschreckt aufgerissen.</p><p>�Samos!� rief jemand.</p><p>�Ich bin eben gelandet�, sagte er, �und erfuhr, da� ohne mein Wissen eine Frau in dieses Haus eingeschleust wurde. Nehmt euch in acht!�</p><p>Er sah mich in den Armen Thurnocks. Publius kam herbeigeeilt. Sein Gesicht war bleich. Er griff nach seinem Schwert.</p><p>Bosk sch�ttete langsam den Wein auf den Tisch. Der Weinkrug, den ich fallengelassen hatte, ergo� seinen Inhalt �ber die Fliesen. �Feiert weiter�, sagte Bosk zu seinen G�sten. �Tab, Thurnock, Clitus, Henrius, Samos � bitte kommt mit in meine R�ume.� Ich sah, da� Telima ein Messer in der Hand hielt, und bezweifelte nicht, da� sie mir die Kehle durchschneiden w�rde, um ihren Mann zu sch�tzen. �Thurnock, la� sie los�, sagte Bosk und wandte sich an mich. �Elinor, wir m�ssen miteinander sprechen.� Dann reichte er Telima den Arm, und ich folgte ihm mit gesenktem Kopf in seine Gem�cher. In dieser Nacht verlie�en zahlreiche M�nner das Haus des Bosk. Ich hatte ihnen alles gesagt und erwartete nun gefoltert und aufgespie�t oder enthauptet zu werden.</p><p>Als ich mit meinem Bericht fertig war, sagte Bosk nur zu mir: �Geh in die K�che, es gibt dort Arbeit f�r dich.�</p><p>Benommen war ich in die K�che zur�ckgekehrt, wo mir Publius erstaunt eine Arbeit zuwies. In der Nacht sicherte er mich mit einer doppelten Kette an der Wand.</p><p>�Wir haben Rask aus Treve nicht retten k�nnen�, sagte Bosk am n�chsten Tag zu mir.</p><p>Ich senkte den Kopf. Das hatte ich erwartet.</p><p>Mein Herr l�chelte. �Er war bereits geflohen�, sagte er. Ich starrte ihn mit aufgerissenen Augen an.</p><p>�Die M�nner aus Treve sind ernstzunehmende Gegner.� Ich blickte ihn mit bebenden Lippen an. �Und die anderen?� �Wir fanden drei Tote�, sagte Bosk. �Der eine, dessen Schwertscheide leer war, wurde als Haakon aus Skjern identifiziert. Ein zweiter, ein kleiner Mann, war uns nicht bekannt. Der dritte war seltsam, ein gro�es und unangenehm aussehendes Pelztier.�</p><p>Ich neigte den Kopf und begann hysterisch zu schluchzen. �Sie alle waren f�rmlich in St�cke gehackt worden, und ihre K�pfe steckten auf Pfosten am Kanal aufgespie�t. In jeden Pfosten war das Zeichen Treves geschnitzt.�</p><p>Schluchzend und lachend fiel ich auf die Knie.</p><p>�Die M�nner aus Treve sind wahrlich ernstzunehmende Gegner�, wiederholte Bosk.</p><p>�Was ist mit mir?� fragte ich.</p><p>�Ich lasse im Lager Terences aus Treve, eines S�ldners, verbreiten, da� in meinem Hause ein M�dchen namens Elinor arbeitet.�</p><p>�Rask aus Treve will mich nicht mehr sehen. Er hat mich verkauft.� Bosk zuckte die Achseln. �Samos sagt mir, da� Rask aus Treve freiwillig und allein nach Port Kar kam, wo er gefangengenommen wurde.� Er sah mich an. �Was h�tte er hier tun wollen?�</p><p>�Ich wei� nicht�, fl�sterte ich.</p><p>�Es hei�t, da� er eine Sklavin suchte, die Elinor hie�.� �Das kann nicht sein�, sagte ich, �denn als ich nach Port Kar gebracht wurde, war Rask aus Treve bereits gefangen.�</p><p>�Das ist nicht verwunderlich�, sagte er, �denn man brauchte nur ein Ger�cht im Lager Rasks zu verbreiten, da� du dich in dieser Stadt aufh�ltst. Und f�r die Pl�ne einiger Leute, meiner Feinde, war es sicher besser, da� du nicht in der Stadt warst, als Rask aus Treve eintraf, f�r den Fall, da� sie ihn nicht gefangennehmen konnten und er dich wom�glich aufgesp�rt und entf�hrt h�tte.� Er musterte mich. �Warst du an einem Ort, wo sie dich erwerben konnten, sobald sie es w�nschten, ohne sich dir vorher n�hern zu m�ssen?�</p><p>�Ich habe monatelang in einer Pagataverne gedient.�</p><p>�Vielleicht haben sie sogar gesehen, wie du verkauft wurdest. Du bist doch auf dem Block des Curuleums versteigert worden, nicht wahr?� �Ja�, fl�sterte ich.</p><p>�Ein sehr �ffentlicher Ort�, sagte er und sah mich ein wenig traurig an. �Ich habe einmal gesehen, wie eine sch�ne Frau dort verkauft wurde.� �Wie hie� sie?�</p><p>�Vella�, sagte er. �Sie hie� Vella.�</p><p>Ich senkte den Blick.</p><p>�Ich vermute�, fuhr Bosk fort, �da� du erst gekauft und nach Port Kar gebracht wurdest, als Rask aus Treve bereits gefangen war � damit man dich ihm gegen�berstellen konnte.�</p><p>�Rask aus Treve hat mich verkauft. Er will nichts mehr mit mir zu tun haben.�</p><p>Bosk zuckte die Achseln. �Geh in die K�che. Es gibt dort Arbeit f�r dich.�</p><p>Ich gehorchte und stellte mich Publius zur Verf�gung. Publius hatte das Haus Bosks verlassen wollen, so entsetzt war er, da� er mich ahnungslos erworben und damit fast das Schicksal seines Herrn besiegelt hatte. Aber Bosk wollte davon nichts wissen. �Wo finde ich einen zweiten K�chenmeister wie dich?� hatte er gefragt. Publius blieb also im Hause. Aber er verbot mir bei Tisch zu bedienen und beobachtete mich aufmerksam.</p><p>Ich sang bei meiner Arbeit, denn ich wu�te, da� Rask aus Treve noch lebte. Au�erdem waren jene M�nner, die mich in ihre schlimmen Pl�ne einspannen wollten, vernichtet. Ich wu�te, da� er mich nicht mehr haben wollte, denn er hatte mich verkauft, aber ich war zufrieden in dem Bewu�tsein, da� der Mann, den ich liebte, noch am Leben war. Ich nahm nicht an, da� die Vermutungen meines Herrn Bosk zutrafen � Rask sei nach Port Kar gekommen, um mich zu suchen. Seine Informanten mu�ten sich irren. Ich versuchte mir Rask von Zeit zu Zeit aus dem Kopf zu schlagen, was mir aber nicht gelang. Manchmal weckten mich die anderen M�dchen in der Nacht und schimpften mich aus, denn ich hatte sie gest�rt und im Schlaf seinen Namen gerufen. Rask aus Treve wollte mich nicht � doch ich sehnte mich nach ihm. Wenigstens lebte er. Wie konnte ich traurig sein, wenn er irgendwo am Leben war, ein K�mpfer, ein Freund von Festen, mit seinen Freunden und seinen bildsch�nen Sklavinnen!</p><p>�Verkaufe mich, Herr�, sagte ich einmal zu Bosk, denn ich wollte nicht in dem Haus bleiben, in dem ich fast ein Verbrechen begangen hatte. Ich wollte irgendwo leben, wo ich nicht bekannt war, wo ich nur eins von vielen Sklavenm�dchen war.</p><p>�Du hast Arbeit in der K�che�, hatte Bosk aus Port Kar erwidert. Und ich war zu Publius zur�ckgekehrt.</p><p>Es wird nun Zeit f�r mich, meinen Bericht abzuschlie�en. Ich habe ihn auf Befehl meines Herrn Bosk niedergeschrieben. Vieles von dem, was ich erlebt und geschildert habe, begreife ich nicht � in der Weise, da� ich gewisse Hintergr�nde nicht erkenne oder nicht wei� welche Erkenntnisse andere, besser Unterrichtete aus meinem Text gewinnen m�gen. Aber ich habe alles niedergeschrieben, was mir in den Sinn kam, und sicher offen und ehrlich. Mein Herr hat befohlen, da� ich mich so �u�ere. Als goreanisches Sklavenm�dchen wage ich diesen Befehl nicht zu mi�achten. Au�erdem hat er mir befohlen, auch meine Gef�hle offen darzulegen, weil er in seiner Freundlichkeit vielleicht annimmt, da� mir das guttut. Ich habe mich bem�ht, dem ebenfalls zu entsprechen.</p><p>Ich bin jetzt zufriedener als zuvor, obwohl ich Bosk noch von Zeit zu Zeit bitte, verkauft zu werden. Ich habe erfahren, da� Rask aus Treve tats�chlich nach Port Kar kam, um mich zu finden, und das hat mir gro�e Freude bereitet, obwohl sich dieses Gef�hl nun mit Bitterkeit und Traurigkeit vermischt, denn ich werde ihm nie wieder geh�ren. Auf dem Platz vor dem Saal des Kapit�nsrats stellte Rask aus Treve sich vor Bosk aus Port Kar hin und verlangte meine Auslieferung. Bosk, so erfuhr ich, setzte meinen Preis auf zwanzig Goldst�cke fest, damit er als Kaufmann auch seinen Profit von mir h�tte. Aber Rask aus Treve kaufte keine Frauen. Mein Preis h�tte eine Pfeilspitze oder eine kupferne Tarnm�nze sein k�nnen � seine Antwort w�re dieselbe gewesen. Er nimmt sich seine Frauen, er kauft sie nicht. Aber ich f�rchte, da� ich bei Bosk aus Port Kar vor Rask sicher bin. Bosk soll ein gef�rchteter Meister mit dem Schwert sein, und sein Haus ist befestigt, und es gibt darin einige hundert M�nner, die sich mit ihren Waffen und Ihrem Leben ihm verschworen haben. Dieses Haus hat vor zwei Jahren einer Belagerung von vielen tausend Soldaten widerstanden, zur Zeit des Streits zwischen den Ubars und dem Kapit�nsrat und zur Zeit der gro�en Schlacht zwischen der Flotte Port Kars und der aus Tyros und Cos, am 25. Se�Kara 10.120 Contasta Ar, seit der Gr�ndung Ars. Und gewi� wird Rask aus Treve seine Tarnkavallerie nicht in das ferne Port Kar bringen, nur um ein einfaches Sklavenm�dchen zu befreien, eine Handlungsweise, die einen langen und blutigen Kampf heraufbeschw�ren w�rde. Leider bin ich sicher in diesem Haus. Es ist mein Heim geworden � und mein Gef�ngnis. Als Rask aus Treve verlangte, ich solle ihm ausgeliefert werden, zog Bosk, mein Herr, seine Klinge und zeichnete auf das Pflaster des Platzes das Zeichen der Stadt Ko-ro-ba. Rask aus Treve drehte sich mit wirbelndem Umhang um und ging fort.</p><p>Auf Befehl Bosks darf ich nun wieder im gro�en Saal servieren. Doch nachts legt mir Publius noch immer die doppelte Kette an. Er ist ein vorz�glicher K�chenmeister und liebt seinen Kapit�n Bosk aus Port Kar. Ich habe nichts gegen seine Vorsicht.</p><p>Meine Erz�hlung ist nun zu Ende. Jede Nacht mu� ich zur neunzehnten Stunde in die K�che zur�ckkehren, um angekettet zu werden. Vorher gehe ich noch einmal �ber die Deltamauer des Hauses von Bosk. Ich schaue �ber die S�mpfe, die im Licht der drei goreanischen Monde zauberhaft aussehen.</p><p>Und ich denke an Rask aus Treve.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Hier schreibt nun Bosk aus Port Kar.</p><p>Ich m�chte diesem Manuskript ein kleines Postskriptum anf�gen, ehe ich es ins Sardargebirge bringen lasse.</p><p>Viel Zeit ist vergangen, seit ich den Priesterk�nigen zum letztenmal diente. Samos redete mir oft zu, doch ich bin in meinem Entschlu� nicht wankend geworden. Trotzdem ist Tersites, der halbblinde, verr�ckte Schiffbauer, im Arsenal damit besch�ftigt, ein seltsames Seefahrzeug zu bauen, mit dem man die Grenzen der Welt �berwinden kann. Ich m�chte frei sein und allein gelassen werden. Ich bin jetzt reich. Ich genie�e Respekt. Ich besitze vieles, was sich ein Mann nur w�nschen kann, die sch�ne Telima, Reichtum, ein gro�es Haus, erlesene Weine und treue Waffenkameraden, und vor mir liegt das schimmernde Thassa, das Meer. Ich m�chte von den Priesterk�nigen frei sein, ebenso wie von den anderen. Ich m�chte keinen Anteil mehr haben an ihren d�steren Spielen. Soll die Welt doch ohne mich gerettet werden, denn ich habe meine Arbeit getan und will nur Frieden. Aber noch immer haben die anderen mich nicht vergessen. Sie kennen mich und meinen Aufenthaltsort, sie stellen mir nach und haben versucht mich umzubringen. Ich gef�hrde alle, mit denen ich zusammen bin. Was soll ich tun? Was kann ich tun? Mein altes Schwert, die Klinge, die ich bereits bei der Belagerung Ars trug, h�ngt unbenutzt in meinen Gem�chern, in ihrer abgetragenen Scheide. Ich bin nicht begierig, sie wieder zur Hand zu nehmen.</p><p>Und aus dem Bericht Elinors habe ich erfahren, da� sich Talena, meine fr�here Gef�hrtin, in den n�rdlichen W�ldern aufh�lt. Ich habe auch erfahren, da� die Pantherm�dchen Vernas in Ar unauff�llig befreit wurden und angeblich wieder in den Norden geflohen sind. Das scheint mir die Handschrift Rasks aus Treve zu tragen, vielleicht hat aber auch Verna selbst damit zu tun, eine h�chst ungew�hnliche Frau. Ich habe mit Telima dar�ber gesprochen. Manchmal begleitet sie mich zu dem gro�en Wehrturm, den wir einmal gemeinsam verteidigen mu�ten, und wir blicken �ber das Thassa und zu den N�rdlichen W�ldern hin�ber. Marlenus aus Ar bereitet eine Expedition in die W�lder vor, um Verna wieder zu fangen und sie f�r ihre Unversch�mtheit zu strafen. Es ist ihm nicht unbekannt geblieben, da� sie in jenen W�ldern das M�dchen Talena, seine Tochter, gefangenh�lt. Wie es hei�t, ist er besch�mt, da� sie eine Sklavin geworden ist, und er will sie wohl befreien und in Ar in Isolation halten, um ihre Erniedrigung nicht �ffentlich werden zu lassen. Wie k�nnte sie, die Tochter eines Ubars, den Kopf hoch tragen, wenn sie einmal den Kragen eines Kriegers aus Treve getragen hat!</p><p>�Suche nach ihr�, hat Telima mir geraten. �Vielleicht liebst du sie noch immer.�</p><p>�Ich liebe dich�, erwiderte ich.</p><p>�Finde sie. Bringe sie hierher als Sklavin und w�hle zwischen uns. Wenn du willst, k�mpfen wir im Sumpf mit dem Messer um dich.� �Sie war einmal meine Gef�hrtin.�</p><p>�Die Gef�hrtenschaft ist l�ngst erloschen�, sagte Telima. �Es ist �ber ein Jahr vergangen, und du hast sie nicht erneuert.�</p><p>�Das ist wahr.� Nach den goreanischen Gesetzen mu� eine Gef�hrtenschaft j�hrlich neu besiegelt werden.</p><p>�Und ihr beide�, fuhr Telima fort, �wart zwischendurch versklavt � und das l�st eine Gef�hrtenschaft ebenfalls auf.�</p><p>Ich sah sie �rgerlich an.</p><p>�Du hast das Delta des Vosk nicht vergessen?� fragte sie. Telima in ihrer Eifersucht war keine angenehme Gesellschafterin.</p><p>�Nein�, sagte ich, �ich habe nichts vergessen.� Ich w�rde das Delta des Vosk nie vergessen. Dort habe ich einmal meine Prinzipien aufgegeben, hatte einmal vor der Wahl gestanden und die unw�rdige Sklaverei einem ehrenvollen Tod vorgezogen.</p><p>�Verzeih mir, mein Ubar�, sagte Telima.</p><p>Ich nickte und blickte nach Norden, wo die riesigen W�lder lagen. Es waren viele Jahre vergangen. Ich erinnerte mich an sie, an Talena. Sie war ein Traum meines Herzens gewesen, eine Erinnerung, das Ideal einer jugendlichen Liebe, nie vergessen, noch immer gl�hend, noch immer in meinen Gedanken. Ich erinnerte mich an sie, wie ich sie zuletzt gesehen hatte, im Sumpfwald s�dlich von Ar, mit Nar der Spinne und im Ka-la-na-Hain, wo ich sie von Sklavenketten befreit hatte, nur um ihr die meinen anzulegen; und dann in der Karawane Mintars des Kaufmanns, und mit Kazrak, meinem Schwertbruder; und dann ihr Tanz in meinem Zelt; und ihre Gegenwart auf dem hohen Justizzylinder Ars, von der Aufspie�ung bedroht, ehe ich verwirrt in den W�ldern New Hampshires wieder erwacht war. Ich hatte sie nicht vergessen � das konnte ich nicht!</p><p>�Ich begleite dich�, sagte Telima. �Ich wei�, wie man Sklaven behandelt.�</p><p>�Wenn ich sie suche, dann allein.�</p><p>�Wie mein Ubar befiehlt�, sagte Telima und wandte sich zum Gehen. Ich blieb allein auf der Spitze des Wehrturms zur�ck.</p><p>Ich blickte �ber das Thassa und die S�mpfe. Thurnock erstieg die Treppe des Turms. Er hatte Bogen und Pfeile bei sich. �Die Dorna�, sagte er, �und die Tela und Venna sind bei Morgengrauen zur Inspektion bereit.�</p><p>�Ich bin einsam�, sagte ich zu ihm.</p><p>�Alle M�nner sind von Zeit zu Zeit einsam. Au�er wenn sie von der Liebe ber�hrt werden, sind alle M�nner einsam.�</p><p>Ich schaute �ber die Deltamauer, die meinen Besitz zum Sumpf hin sicherte. Ich sah das M�dchen Elinor, das auf der Mauerkrone spazierenging, wie so oft um diese Stunde. Sie starrte �ber das Ried und die schimmernden Wasserl�ufe. Sie ist eine sch�ne Frau.</p><p>�Es wird Zeit, da� sie in der K�che angekettet wird�, sagte Thurnock.</p><p>�Erst zur neunzehnten Stunde�, erwiderte ich.</p><p>�M�chte mein Kapit�n einen Krug Paga mit mir trinken, ehe wir uns zur�ckziehen?�</p><p>�Vielleicht, Thurnock. Vielleicht.�</p><p>�Wir m�ssen fr�h aufstehen.�</p><p>Ich beobachtete Elinors einsame Gestalt.</p><p>�Am einsamsten�, sagte ich, �sind jene, die von der Liebe ber�hrt und dann alleingelassen wurden.�</p><empty-line/><p>Der Tarnangriff kam v�llig �berraschend, obwohl ich seit Tagen darauf gewartet hatte. Aus der zerrissenen Wolkendecke ert�nte pl�tzlich das Donnern von Tarnfl�geln. Wie ein schwarzer Pfeil stie� das Tier herab. Sofort begann die Alarmglocke zu l�uten. Rufe wurden laut. Die Krallen des Tarns ber�hrten die Deltamauer, und mit zuckenden Fl�geln hockte das Tier dort, legte den Kopf zur�ck und schrie. Ich sah einen Moment lang den Helm des Kriegers und seine Hand, die sich nach unten streckte. Ich h�rte das M�dchen aufschreien und sah sie zu dem Krieger laufen, dessen Hand sie ergriff.</p><p>�Nein!� sagte ich zu Thurnock, der seinen Bogen heben wollte. Er starrte mich verwirrt an.</p><p>�Nein!� sagte ich entschlossen.</p><p>Ich sah, wie sich die behelmte Gestalt im Sattel aufrichtete und mit herrischer Geste einen schweren Gegenstand auf den Mauergang warf. Ein Armbrustpfeil sirrte vom Hof aus durch die Nacht. M�nner rannten durcheinander. Ich h�rte lautes Gebr�ll und Waffengeklirr. Der Pfeil hatte nicht getroffen. Der Tarn schrie erneut auf und erhob sich mit heftig schlagenden Fl�geln in den dunklen, windigen Himmel, hielt auf die Monde G�rs zu. Weitere Pfeile zischten hinter ihm durch die Luft. �Ich h�tte ihn t�ten k�nnen!� rief Thurnock vorwurfsvoll. �Ein Angriff?� fragte jemand von unten.</p><p>�Nein!� rief ich hinab. �Zur�ck in die Betten!�</p><p>�Du hast das M�dchen verloren!� rief Thurnock. �Sie wurde dir geraubt!�</p><p>�Hol mir das Ding, das auf den Wehrgang geworfen wurde.� Thurnock gehorchte. Es war eine schwere Lederb�rse. Im Licht einer Fackel z�hlte ich den Inhalt. Es waren hundert M�nzen aus reinem Gold. Jede trug das Zeichen der Stadt Treve.</p><p>�Thurnock�, sagte ich, �jetzt wollen wir unseren Krug Paga trinken und dann schlafen gehen. Wir m�ssen fr�h aufstehen, denn die drei Schiffe m�ssen inspiziert werden.�</p><p>�Ja, mein Kapit�n�, sagte Thurnock mit blitzenden Augen. �Jawohl!�</p></section></body><binary id="cover" 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