<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Die Marodeure von Gor</book-title><annotation><p/></annotation><date>1976</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="9"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Marauders of Gor</book-title><date>1975</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><src-ocr>f451</src-ocr><id>CD579F85-583A-447D-A1E8-7DA06F047F23</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Die Marodeure von Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Ich sa� allein in der gro�en Halle auf dem Kapit�nsstuhl. Es war dunkel.</p><p>Die etwa f�nf Fu� dicken Mauern aus gewaltigen Steinbl�cken ragten ringsum auf. Jenseits des langen Tisches, an dem ich sa�, waren die riesigen Fliesen des Bodens zu sehen. Der Tisch war leer. Keine Spur mehr von den festlichen gelben und roten T�chern, die im fernen Tor gewoben worden waren; keine Spur mehr von den schweren Platten, deren Silber aus Tharna stammte, und von den h�bsch geformten Kelchen aus herrlichem Turia-Gold. Es war lange her, da� ich den kr�ftigen Paga der Sa-Tarna-Felder n�rdlich des Vosk gekostet hatte. In diesen Tagen kamen mir sogar die Weine aus den herrlichen Lagen Ars bitter vor.</p><p>Ich hob den Blick und betrachtete die schmalen �ffnungen in der Mauer zu meiner Rechten. Drau�en, am tarnschwarzen Himmel, sah ich einige Sterne. Die Halle war gro� und leer und still. Ich war allein. Selten lie� ich in diesen Tagen meinen Stuhl ins Freie tragen; die meiste Zeit brachte ich an diesem Ort zu.</p><p>Schritte n�herten sich. Es war Luma, die Erste Schreiberin meines Hauses. Sie war eine hagere, nicht besonders attraktive junge Frau, doch ihre Augen waren tiefblau, und sie war eine ausgezeichnete Verwalterin, eine ehemalige Pagasklavin.</p><p>�Kapit�n�, sagte Luma und blieb seitlich von meinem Stuhl stehen.</p><p>Ich hatte das M�dchen in ehrlichem Kampf gewonnen, in einem Schwertkampf gegen Kapit�n Surbus. Zu meiner Verbl�ffung waren nach den Gesetzen Port Kars durch meinen Sieg auch die Schiffe, Besitzt�mer und Titel Surbus' an mich gefallen. Seine M�nner standen pl�tzlich alle in meinen Diensten, seine Halle wurde mein Heim, seine Reicht�mer die meinen. So war ich Kapit�n in Port Kar geworden, dem Juwel am schimmernden Thassa.</p><p>�Ich m�chte dir die B�cher zur Inspektion vorlegen�, sagte Luma.</p><p>Luma trug ihren Sklavenkragen l�ngst nicht mehr. Ich hatte sie befreit, denn sie hatte meinen Reichtum vermehrt. Sie freute sich �ber das Vertrauen, das ich in sie setzte, ganz zu schweigen von den Freiheiten, die ich ihr einr�umte.</p><p>�Ich m�chte die B�cher nicht sehen�, sagte ich.</p><p>�Die Gesch�fte gehen ausgezeichnet�, meldete Luma. �Du wirst st�ndig reicher.�</p><p>�Geh�, sagte ich, �Schreiberin Luma, geh.�</p><p>Und wieder sa� ich allein in der Dunkelheit. Ich wollte nicht gest�rt werden. Ich sah mich in der gro�en Halle um. Ich war reich, Luma hatte recht. Ich l�chelte bitter. Zugleich gab es auf dieser Welt nur wenige M�nner, die so hilflos und so verarmt waren wie ich. Es traf zu, da� das Verm�gen des Hauses Bosk erheblich zugenommen hatte � im ganzen bekannten Gor gab es wohl keinen zweiten H�ndler, der so reich und m�chtig war wie ich. Zweifellos wurde ich von vielen beneidet, die mich nicht kannten, mich, Bosk, den Einsiedler, der als Kr�ppel aus den W�ldern des Nordens zur�ckgekehrt war.</p><p>Ich war reich. Und doch war ich arm, denn ich vermochte meine linke K�rperseite nicht mehr zu bewegen.</p><p>Die Wunden hatte ich mir zugezogen, als ich hoch im Norden, an der K�ste des Thassa, den Beschlu� fa�te, mir meine Ehre zur�ckzuholen � in einem Kampf gegen Feinde, die unter dem Kommando Sarus' aus Tyros standen.</p><p>Ich hatte einmal Tarl Cabot gehei�en. Mein fr�heres Ich hatte unter diesem Namen bei der gro�en Belagerung von Ar gek�mpft. Aber Tarl Cabot gab es nicht mehr. Noch waren die Lieder �ber die gro�e Belagerung Ars in aller Munde. Tarl war sp�ter in das Sardargebirge eingedrungen und geh�rte zu den wenigen Menschen, die die Wahrheit �ber die Priesterk�nige kannten � jene ungew�hnlichen Wesen, die die Welt Gor beherrschten. Er hatte im Nestkrieg eine wichtige Rolle gespielt und geno� die Freundschaft des Priesterk�nigs Misk. Und er war in das Land der Wagenv�lker gezogen, auf die Ebene von Turia, um das letzte Ei der Priesterk�nige zu retten, das er wohlbehalten ins Sardargebirge zur�ckbrachte. Tarl Cabot war ein junger, mutiger Mann gewesen, jeder Zoll ein Krieger. Er hatte den Priesterk�nigen gut gedient. Und dann hatte er sich in das Delta des Vosk gewagt. Er wollte sich mit Samos aus Port Kar in Verbindung setzen, einen Agenten der Priesterk�nige, um diesen Wesen weiter zu dienen. Doch im Voskdelta hatte er seine Ehre verloren. Er hatte seinen eigenen Kodex verraten. Nur um sein elendes Leben zu retten, hatte er die Sklaverei �ber die Freiheit eines ehrenvollen Todes gestellt. Er hatte das Schwert und die Ehre beschmutzt, die er Ko-ro-bas Heimstein verpf�ndet hatte. Durch diese Tat hatte er sich von seiner Vergangenheit losgeschnitten � und an seiner Stelle kniete ein Sklave mit dem unw�rdigen Namen Bosk � mit dem Namen eines gro�en zottigen, b�ffel�hnlichen Lebewesens der goreanischen Ebenen.</p><p>Dieser Bosk hatte sp�ter seine Geliebte, die sch�ne Telima, gezwungen, ihm die Freiheit zu gew�hren und war nach Port Kar gezogen, Telima als Sklavin mitnehmend; und nach vielen Abenteuern war er hier zu Reichtum und Ruhm gekommen und f�hrte zeitweise sogar den Titel eines Admirals von Port Kar. Er war es gewesen, der in einer gro�en Seeschlacht die Flotten aus Cos und Tyros besiegt hatte. Er hatte sich in Telima verliebt und ihr die Freiheit wiedergegeben, doch als sie erfuhr, da� er den Aufenthaltsort seiner ehemaligen Freien Gef�hrtin Talena wu�te und sie retten wollte, war Telima aus seinem Haus geflohen und wutentbrannt in die Rences�mpfe des gewaltigen Voskdeltas zur�ckgekehrt, die ihre Heimat waren.</p><p>Ein echter Goreaner w�re ihr gefolgt und h�tte sie in Sklavenketten zur�ckgebracht. Doch in seiner Schw�che hatte er nur getrauert und hatte sie ziehen lassen. Sicher verachtete sie ihn nun.</p><p>Bosk von Port Kar war in die n�rdlichen W�lder gezogen, um Talena zu befreien, seine ehemalige Freie Gef�hrtin. Dabei war er auf Marlenus von Ar gesto�en, den Ubar von Ar, Ubar aller Ubars. Obwohl er nur ein Kaufmann war, hatte er Marlenus aus Ar vor der Schande der Sklaverei bewahrt. Da� ein Mann von seinem niedrigen Stande dem hohen Herrscher geholfen hatte, kam fast einer Beleidigung gleich. Aber Marlenus war befreit worden. Zuvor hatte er sich von seiner Tochter Talena losgesagt, die um ihre Freiheit gefleht hatte, wie es nur eine Sklavin tut. Durch diese Tat war seine Ehre gerettet worden. Die Ehre Tarl Cabots lie� sich jedoch nicht zur�ckgewinnen.</p><p>Aber dann war ich allein in das Palisadenlager der M�nner aus Tyros eingedrungen, darauf gefa�t, den Tod zu finden. Nicht da� ich ein Freund Marlenus' oder etwa sein Verb�ndeter gewesen w�re. Nein, ich hatte mir als Krieger � als ehemaliger Angeh�riger dieser Kaste � die Aufgabe gestellt, ihn zu befreien.</p><p>Und dieses Ziel erreichte ich � ich gewann meine Ehre zur�ck.</p><p>Aber diese Tat hatte mir Wunden eingebracht und einen schmerzerf�llten K�rper, dessen linke Seite ich nicht bewegen konnte. Mein K�rper fesselte mich so stark an diesen Stuhl, wie es Ketten nicht vermocht h�tten. Der Stuhl mochte der kostbare Thron eines Kapit�ns sein, doch trug er nur kl�gliche �berreste eines Mannes.</p><p>Ich sa� in der Dunkelheit und machte mir so meine Gedanken �ber Ehre und Mut. Welche Bedeutung hatte diese Vorstellung im Leben der Menschen? Was unterschied uns von Urts und Sleen? Die F�higkeit zu multiplizieren und zu subtrahieren, zu l�gen oder Messer herzustellen? Nein, es ist in erster Linie das Ehrempfinden und der Wille, sich durchzusetzen.</p><p>Ich versuchte die linke Faust zu ballen. Aber die Hand bewegte sich nicht.</p><p>Im Ehrenkodex der Krieger hei�t es: �Sei stark und tue, was dir gef�llt. Das Schwert der anderen zeigt dir deine Grenzen.�</p><p>Ich war einer der besten Schwertk�mpfer auf Gor gewesen. Doch jetzt war die linke Seite meines K�rpers taub.</p><p>Allerdings herrschte ich immer noch �ber Stahlklingen, �ber die Waffen meiner M�nner, die mir aus unverst�ndlichen Gr�nden treu blieben, mir, einem Kr�ppel, der sich nicht aus seinem Kapit�nsstuhl erheben konnte. Ich war den M�nnern dankbar, ein Gef�hl, das ich ihnen nicht zeigen durfte, denn ich war Kapit�n.</p><p>Sie durften nicht erniedrigt werden.</p><p>�Im Wirkungskreis seines Schwertes�, so steht es im Kodex der Krieger, �ist jeder Mann ein Ubar.�</p><p>�Stahl ist die M�nze des Kriegers�, hei�t es dort weiter. �Damit erwirbt er, was ihm gef�llt.�</p><p>Als ich aus den W�ldern des Nordens zur�ckgekehrt war, hatte ich mir Talena, die fr�here Tochter des Marlenus, vorf�hren lassen. Samos hatte sie von zwei Pantherm�dchen erworben, nachdem ich mein Leben f�r sie riskiert hatte.</p><p>Und so standen wir uns gegen�ber.</p><p>Wieder sah ich die herrlichen gr�nen Augen, die vollkommen geschwungenen Lippen, die makellose olivenfarbene Haut.</p><p>�Es ist lange her�, sagte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte sie.</p><p>�Viele Jahre sind vergangen�, sagte ich und l�chelte. �Ich sah dich zum letztenmal an dem Abend, da wir unsere Gef�hrtenschaft begannen.�</p><p>�Als ich erwachte, warst du fort.�</p><p>�Ich habe dich nicht freiwillig verlassen.�</p><p>Samos forderte mich mit einem Seitenblick auf, nicht von den Priesterk�nigen zu sprechen. Sie hatten mich damals zur Erde zur�ckgebracht.</p><p>�Ich glaube dir nicht�, sagte sie.</p><p>�H�te deine Zunge, M�dchen!� sagte Samos, dem die Sklavin geh�rte.</p><p>�Ich bin die Tochter von Marlenus aus Ar!� sagte sie stolz.</p><p>�Im Wald hast du um deine Freiheit gejammert und darum gebeten, da� dein Vater dich kauft.�</p><p>�Ja�, sagte sie.</p><p>�Wei�t du, da� Marlenus auf sein Schwert und das Medaillon von Ar geschworen und dich als seine Tochter versto�en hat?�</p><p>�Das glaube ich nicht!�</p><p>�Du bist nicht mehr seine Tochter. Du bist ohne Kaste, ohne Heimstein und ohne Familie.�</p><p>�Du l�gst!� rief sie.</p><p>�Knie nieder!� grollte Samos und hob seine Peitsche.</p><p>�La� die Strafe�, schaltete ich mich ein.</p><p>Samos sah mich m�rrisch an.</p><p>�Was kostet sie?� fragte ich ihn.</p><p>�Ich habe zehn Goldst�cke f�r sie bezahlt.�</p><p>Sie schien verbl�fft zu sein, da� sie eine so geringe Summe erbracht hatte. Doch f�r die Jahreszeit und den Ort des Verkaufs war der Preis beachtlich.</p><p>�Ich gebe dir f�nfzehn�, sagte ich.</p><p>�Einverstanden.�</p><p>Mit der rechten Hand griff ich in den Beutel an meinem G�rtel, zog die M�nzen heraus und reichte sie Samos.</p><p>�Binde sie los.�</p><p>Samos gehorchte.</p><p>�Tausend Goldst�cke w�ren nicht zuviel f�r mich!� sagte sie. �Als Tochter Marlenus' h�tte ein Freier tausend Tarns und f�nfhundert Tharlarion aufbieten m�ssen.�</p><p>�Du bist nicht mehr die Tochter des Marlenus aus Ar�, sagte ich.</p><p>�Und du bist nicht mehr Tarl Cabot � du Sklave!�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst�, sagte ich.</p><p>�Ich hatte mir die Freiheit herausgenommen�, gestand Samos, �ihr von den Ereignissen im Voskdelta zu erz�hlen � obwohl ich damals das Ausma� deiner Verletzungen noch nicht kannte.�</p><p>Ich ballte w�tend die rechte Faust.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Samos.</p><p>�Die Geschichte ist kein Geheimnis. Viele wissen davon.�</p><p>�Ein Wunder, da� dir �berhaupt noch M�nner gehorchen!� rief Talena sp�ttisch. �Du hast deine Ehre verraten! Du bist ein Feigling und ein Tor! Du bist meiner nicht w�rdig!�</p><p>�Warum hast du ihr von den Ereignissen im Voskdelta erz�hlt?� wandte ich mich an Samos.</p><p>�Damit die Liebe, die es vielleicht zwischen euch gegeben hat, endg�ltig zerst�rt wird.�</p><p>�Du bist grausam.�</p><p>�Die Wahrheit ist grausam.�</p><p>�Ich m�chte zu meinem Vater zur�ck!� sagte Talena.</p><p>Ich zog f�nf Goldst�cke aus der Tasche. �Mit diesem Gold soll sie von Tarnw�chtern sicher nach Ar geleitet werden�, sagte ich zu Samos.</p><p>Talena befestigte einen Schleier vor ihrem Gesicht. �Ich lasse dir das Geld zur�ckschicken�, sagte sie hochm�tig.</p><p>�Nein, nimm es als Geschenk, als Zeichen f�r meine fr�here Zuneigung.�</p><p>�Sie ist ein b�sartiger Sleen�, sagte Samos.</p><p>�Mein Vater w�rde diese Beleidigung mit den Tarnkavallerien Ars r�chen.�</p><p>�Du bist versto�en!� erinnerte sie Samos und verlie� den Saal. Ich hielt die f�nf Goldst�cke in der Hand.</p><p>�Gib mir das Geld�, sagte Talena und entri� mir f�rmlich die M�nzen. �Schau dich an, du Schw�chling!� rief sie. �Du kannst ja keinen Finger mehr r�hren! Leb wohl!� Und sie verlie� den Raum.</p><p>Und jetzt sa� ich allein in der Dunkelheit meines gro�en Saals. Talena war l�ngst in Ar. Wie erstaunt und niedergeschlagen mu�te sie gewesen sein, als sie erfuhr, da� ihr Vater sie wirklich versto�en hatte! Sie hatte darum gefleht, als Sklavin gekauft zu werden, und um seine Ehre zu sch�tzen, mu�te sich Marlenus von ihr lossagen. Sie geh�rte keiner Kaste mehr an; das einfachste Bauernm�dchen hatte mehr Rechte als Talena. Marlenus hielt sie bestimmt in seinem Zentralzylinder von Ar gefangen, damit ihre Schande seinen Ruhm nicht befleckte. Ihr Wunsch hatte sich erf�llt: Sie war wieder in Ar � doch als Gefangene.</p><p>Ich hatte sie gehen lassen.</p><p>Und als Telima aus meinem Haus geflohen war, nachdem ich meinen Beschlu� verk�ndet hatte, in den W�ldern des Nordens nach Talena zu suchen, hatte ich sie ebenfalls ziehen lassen. Ein echter Goreaner w�re ihr gefolgt und h�tte sie gewaltsam zur�ckgeholt. Ich dachte �ber dieses Verhalten nach; auch �ber meine Krankheit. Ich hatte die besten Wund�rzte Gors zu mir rufen lassen. Aber sie wu�ten mir nicht viel zu sagen. Allerdings hatte ich erfahren, da� Sch�den am Gehirn und an der Wirbels�ule nicht vorl�gen. Die Mediziner waren ratlos. Die Wunden waren tief und schwer und w�rden mir von Zeit zu Zeit Schmerzen verursachen, doch meine L�hmung war ihnen angesichts der Art meiner Verletzungen r�tselhaft.</p><p>Eines Tages kam ein weiterer Arzt an meine T�r � ein Arzt, den ich nicht gerufen hatte.</p><p>�La�t ihn eintreten�, hatte ich gesagt.</p><p>�Er ist ein Fl�chtling aus Turia, ein Verbannter�, hatte Thurnock gesagt.</p><p>�La�t ihn vor.�</p><p>�Es ist Iskander.�</p><p>Der Name Iskander von Turia war mir bekannt. Obwohl der Mann die Mauern seiner Heimatstadt seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte, f�hrte er ihren Namen noch immer in seinem Titel. Man hatte ihn verbannt, nachdem er vor den Mauern Turias einen jungen Tuchukkrieger namens Kamchak verarztet hatte. Wie so viele andere war er nach Port Kar gekommen und hatte dort eine neue Karriere begonnen. Jahrelang war er Privatarzt Sullius Maximus' gewesen, einer der f�nf Ubars von Port Kar in der Zeit vor der Macht�bernahme durch den Kapit�nsrat. Als Sullius Maximus aus der Stadt fliehen mu�te, war Iskander zur�ckgeblieben.</p><p>Iskander aus Turia stellte genau dasselbe fest wie die anderen �rzte. Als er aber seine Instrumente wieder in dem Beutel verstaut hatte, den er �ber der Schulter trug, f�gte er hinzu: �Die Wunden sind dir durch Tyrosklingen zugef�gt worden.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Es befindet sich ein kaum feststellbares Giftmittel in den Wunden.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>�Ich habe es noch nicht konkret festgestellt � aber es d�rfte keine andere Erkl�rung geben.�</p><p>�Ein Giftmittel?� fragte ich.</p><p>�Vergifteter Stahl.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Sullius Maximus�, fuhr er fort, �ist in Tyros.�</p><p>�Ich h�tte nie f�r m�glich gehalten, da� Sarus aus Tyros vergiftete Klingen benutzen w�rde.� Ein solches Verhalten verstie� nicht nur gegen den Ehrenkodex des Kriegers, sondern galt grunds�tzlich als unw�rdig f�r einen Mann. Gift war die Waffe der Frau.</p><p>Iskander zuckte die Achseln. �Sullius Maximus hat ein solches Mittel gefunden. Er probierte es mit Nadelstichen an den Gliedern eines gefangenen Gegners aus und l�hmte ihn vom Hals abw�rts. Er lie� ihn �ber eine Woche lang zu seiner Rechten sitzen, als prunkvoll gekleideten Gast. Als er des Vergn�gens �berdr�ssig wurde, lie� er ihn enthaupten.�</p><p>�Gibt es ein Gegenmittel?�</p><p>�Nein.�</p><p>Ich lachte bitter auf, als ich an dieses Gespr�ch zur�ckdachte.</p><p>In diesem Augenblick gab es Unruhe am Eingang zur Halle. �Kapit�n!� rief eine Stimme. Es war mein alter Freund Thurnock. Hinter ihm wurden eilige Schritte laut. Offenbar liefen Mitglieder des Haushalts zusammen.</p><p>�Ich mu� sofort vorgelassen werden!� verlangte eine fremde Stimme. Ich fuhr hoch. Es war die Stimme Samos', des Ersten Sklavenh�ndlers von Port Kar.</p><p>Mit Fackeln in der Hand traten sie ein, Bedienstete steckten die flackernden Stangen in die Ringe an den W�nden. Angeh�rige meines Hauses traten vor. Samos erschien auf der anderen Seite des Tisches, begleitet von Thurnock. Auch Luma war anwesend.</p><p>�Was ist los?� fragte ich.</p><p>Daraufhin trat ein weiterer Mann vor. Es war Ho-Hak, ein Rencebauer aus den S�mpfen. Sein Gesicht war bleich. Wortlos hielt er mir ein goldenes Armband hin. Das Schmuckst�ck war blutverschmiert.</p><p>Ich kannte dieses Armband. Es hatte Telima geh�rt, die in die S�mpfe geflohen war, als ich mich auf die Suche nach Talena machte.</p><p>�Telima�, sagte Ho-Hak.</p><p>�Wann ist es geschehen?� fragte ich.</p><p>�Vor kaum vier Ahn�, erwiderte der Mann und wandte sich an einen anderen Rencer in seiner Begleitung. �Sprich!� befahl er.</p><p>�Ich habe nicht viel gesehen�, berichtete der Mann. �Ein Tarn und ein Ungeheuer. Ich h�rte den Schrei einer Frau. Ich stakte mein Renceboot darauf zu und hielt meinen Bogen schu�bereit. Dann ein neuer Schrei. Der Tarn flatterte tief �ber den Rencepflanzen dahin, das Ungeheuer auf dem R�cken, geduckt, zottig. Ich fand ihr Renceflo�, die Bootsstange schwamm in der N�he. Es war viel Blut daran. Und dort fand ich auch das Armband.�</p><p>�Und die Leiche?�</p><p>�Es waren Tharlarion in der N�he.�</p><p>Ich �berlegte, ob das Ungeheuer m�glicherweise aus Hunger angegriffen hatte. Im Haus des Cernus hatte es ein �hnliches Tier gegeben, das Menschenfleisch verzehrte. Vielleicht war es ganz gut, da� die Leiche nicht gefunden worden war. Sie w�re sicher in einem schrecklichen Zustand gewesen. Da war es schon besser, da� die �berreste den Tharlarion zum Opfer gefallen waren.</p><p>�Warum hast du das Biest nicht get�tet oder den Tarn angegriffen?� fragte ich.</p><p>�Ich hatte keine Gelegenheit dazu�, erwiderte der Rencebauer.</p><p>�In welche Richtung ist der Tarn geflogen?�</p><p>�Nach Nordwesten.�</p><p>�Das kann nur einer der Kurii gewesen sein�, schaltete sich Samos ein.</p><p>�Kurii?� fragte ich.</p><p>�Das Wort ist eine goreanische Verballhornung ihres eigenen Namens f�r ihre Rasse�, erkl�rte Samos.</p><p>�In Torvaldsland bedeutet das Wort �Ungeheuer��, sagte Tab, ein Kapit�n meiner Flotte.</p><p>�Interessant�, sagte ich. Wenn dieses Wort in Torvaldsland bekannt war, mochten die Ungeheuer dort ebenfalls bekannt sein.</p><p>Der Tarn war nach Nordwesten geflogen. Vermutlich folgte er der K�stenlinie, vielleicht drang er bis zu den �den L�ndereien des abweisenden Torvaldsland vor.</p><p>�Nimmst du an, da� das Ungeheuer angegriffen hat, weil es hungrig war?�</p><p>�Das Ungeheuer�, sagte der Rencebauer, �ist vorher schon zweimal auf verlassenen, halb verfaulten Renceinseln gesehen worden. Es schien auf etwas zu warten.�</p><p>�Hat es Nahrung zu sich genommen?�</p><p>�Soweit wir feststellen konnten, nicht.�</p><p>�Hatte es Gelegenheit dazu?�</p><p>�Vielleicht sogar noch mehr als in dem Augenblick, als es wirklich angriff.�</p><p>�Das Ungeheuer hat nur einmal angegriffen?�</p><p>�Ja�, sagte der Mann.</p><p>�Was meinst du, Samos?�</p><p>�Der Angriff scheint gezielt gewesen zu sein. Welches andere M�dchen in den S�mpfen tr�gt ein goldenes Armband?�</p><p>�Aber warum?� fragte ich. �Warum?�</p><p>Er sah mich an. �Die Probleme der Welt scheinen dich ja doch noch zu interessieren.�</p><p>�Er ist verletzt!� rief Luma. �Du redest seltsam. Er kann nichts unternehmen. Geht!�</p><p>Ich senkte den Kopf und sp�rte pl�tzlich, wie sich meine Faust auf dem Tisch ballte. Hei�e Freude durchstr�mte mich. Ich h�tte schreien k�nnen vor �berraschung und Erleichterung: Ich konnte meine Faust ballen. Das Gift war �berwunden!</p><p>�Bringt mir einen Kelch!�</p><p>Man gehorchte. Der Kelch bestand aus schwerem Gold. Ich nahm ihn in die linke Hand und dr�ckte ihn langsam zusammen. Dann schleuderte ich ihn von mir.</p><p>Die Angeh�rigen meines Hauses wichen �berrascht und erschrocken zur�ck.</p><p>�Ich ziehe los�, sagte Samos. �Es gibt Arbeit im Norden. Ich werde die Rache vollstrecken.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich reise selbst.�</p><p>Erstaunt sahen sich die anderen an.</p><p>�Telima war einmal meine Frau�, sagte ich. �Es liegt an mir, die Rache zu vollziehen.�</p><p>�Du bist ein Kr�ppel! Du kannst dich nicht bewegen!� rief Luma.</p><p>��ber meiner Couch h�ngen zwei Schwerter�, sagte ich zu Thurnock. �Das eine ist schlicht und hat einen abgewetzten Griff; das andere ist prunkvoll und besitzt einen juwelenbesetzten Griff. Bring mir die zweite Waffe, die Klinge aus Port Kar.�</p><p>Thurnock hastete aus dem Zimmer.</p><p>�Paga!� br�llte ich. �Und bringt mir hei�es Boskfleisch!�</p><p>Ich nahm den Kelch entgegen, der mit bei�endem Paga gef�llt war. Seit meiner R�ckkehr aus den W�ldern des Nordens hatte ich keinen Paga mehr getrunken.</p><p>�Ta-Sardar-Gor�, sagte ich und verspritzte einen Teil des Getr�nks als Gottesgabe auf den Tisch. Dann stand ich auf.</p><p>�Er steht!� rief Luma. �Er steht!�</p><p>Ich warf den Kopf in den Nacken und sch�ttete mir Paga in den Hals. Dampfendes Fleisch wurde gebracht, und ich bi� hei�hungrig hinein. �Sattle einen Tarn�, sagte ich zu Thurnock. �Ich fliege nach Norden.�</p><p>�Jawohl, Kapit�n�, fl�sterte er.</p><p>�Du darfst nicht gehen�, sagte Samos. �Vielleicht ist das ein Trick, der dich in die Falle locken soll.�</p><p>Ich l�chelte ihn an. �Nat�rlich ist es ein Trick�, sagte ich. �F�r jene, mit denen wir es hier zu tun haben, ist Telima gar nicht wichtig. Sie haben es auf mich abgesehen. Und sie sollen ihre Gelegenheit bekommen.�</p><p>Trotz weiterer Einw�nde machte ich kehrt und ging mit gro�en Schritten auf das Tor der Halle zu. Luma hatte die H�nde vor den Mund geschlagen.</p><p>Ich sah sie an. Ich hatte lange keine Frau mehr gehabt.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Der Weihrauch stieg mir bei�end in die Nase.</p><p>Es war sehr hei� in dem Tempel. Dichtgedr�ngt standen die Gl�ubigen. Man konnte kaum etwas erkennen, denn die Weihrauchwolken waren sehr dicht.</p><p>Der Erste Wissende von Kassau, einer Stadt am Nordrand des Waldgebiets, sa� reglos auf seinem Thron hinter dem wei�en Gel�nder, das den Bereich der Wissenden vom allgemeinen Tempel trennte. Er trug wei�e Roben und ein hohes Barett.</p><p>Kassau ist der Sitz des Ersten Wissenden des Nordens, der die geistliche Oberherrschaft �ber Torvaldsland beansprucht, das nach allgemeiner Auffassung dort beginnt, wo der Baumbestand nach Norden hin d�nner wird. Dieser Anspruch ist � wie viele Dinge, die die Wissenden anstreben � ziemlich umstritten und wird von den meisten ignoriert. Im gro�en und ganzen respektierten die M�nner aus Torvaldsland zwar die Priesterk�nige, doch sie begegneten ihnen nicht mit besonderer Ehrerbietung. Sie hielten sich an die alten Sitten und G�tter.</p><p>Die Religion der Priesterk�nige, die durch die Kaste der Priesterk�nige institutionalisiert und ritualisiert worden war, hatte bei den primitiven Menschen im Norden kaum Fortschritte gemacht. Dagegen hatte sie sich in vielen St�dten festsetzen k�nnen, so auch in Kassau. Wissende nutzten oft ihren Einflu� und ihr Gold aus, um ihren Glauben und ihre Rituale zu verbreiten. Manchmal zwang ein bekehrter H�uptling seinen Untertanen denselben Schritt auf. Es kam auch vor, da� der Religionswechsel eines H�uptlings zur freiwilligen Glaubensannehmung jener f�hrte, die sich ihm loyal verbunden f�hlten. Zuweilen wurde die Religion der Priesterk�nige von den Wissenden durch weltliche Herrscher mit Feuer und Schwert verbreitet. Oft wurden Menschen, die an den alten �berlieferungen festhalten wollten, zu Tode gefoltert. Bei einem Fall, von dem ich geh�rt hatte, war ein Mann in eine gro�e in den Boden eingelassene und mit Holz ausgekleidete Wanne geworfen worden, die normalerweise zur Essenszubereitung f�r die Sklaven dient. Dort war er zu Tode geschmort worden. Das Wasser wird erhitzt, indem man Steine, die frisch aus dem Feuer kommen, im Wasser deponiert. Wenn der Stein sich im Wasser abgek�hlt hat, wird er mit einem eisernen Rechen wieder herausgeholt und neu erhitzt. Ein anderes Opfer wurde auf einem Rost �ber dem Feuer bei lebendigem Leibe gebraten. Angeblich hatte er keinen einzigen Laut ausgesto�en. Ein anderer kam um, als sich eine Viper, die ihm in den Mund gesto�en worden war, einen Ausweg durch die Wange suchte.</p><p>Ich betrachtete das hochm�tige Gesicht des Ersten Wissenden auf seinem Thron. Er war von untergebenen Wissenden in wei�en Roben umgeben.</p><p>Wissende essen kein Fleisch und auch keine Bohnen. Sie werden in die Geheimnisse der Mathematik eingeweiht. Sie unterhalten sich auf Alt-Goreanisch, in einer Sprache also, die im Volk fast unbekannt ist. Auch die Gottesdienste werden in dieser Sprache abgehalten; allerdings sind bestimmte Teile in das moderne Goreanisch �bersetzt worden.</p><p>Ich hatte nicht viel �brig f�r Gottesdienste dieser Art � doch die Feier, die heute abgehalten wurde, interessierte mich.</p><p>Ivar Forkbeard war tot.</p><p>Ich kannte diesen Mann aus Torvaldsland nur vom H�rensagen. Er war Weltenbummler, Kapit�n, Pirat, H�ndler und Krieger gewesen. Er und seine M�nner hatten Chenbar aus Tyros, den See-Sleen, aus einem Verlies in Port Kar befreit, indem sie sich zu ihm durchk�mpften und seine Ketten mit den stumpfen, hammer�hnlichen R�ckseiten ihrer �xte von den W�nden schlugen. Der Mann hatte als furchtlos und gewaltt�tig gegolten, als wendig mit Schwert und Axt, als Freund von Sp��en, Alkohol und h�bschen M�dchen � und er wurde f�r verr�ckt gehalten. Aber er hatte sich Chenbars Freiheit teuer bezahlen lassen: Chenbars Gewicht in Saphiren aus Shendi. Allzu verr�ckt konnte er nicht sein.</p><p>Aber jetzt war Forkbeard tot.</p><p>Es hie�, er habe aus Scham �ber die Verruchtheit seines Lebens gew�nscht, nach dem Tod zum Tempel der Priesterk�nige in Kassau geschafft zu werden, damit der Erste Wissende dort an seinem Leichnam das heilige Zeichen der Priesterk�nige vollziehen konnte. Ein solcher �bertritt zum Glauben, auch wenn er erst nach dem Tod erfolgte, war ein gro�er Sieg f�r die Wissenden. Ich sp�rte den Triumph des Ersten Wissenden auf seinem Thron, obwohl er sich kaum etwas anmerken lie�.</p><p>Die Wissenden auf der linken Seite begannen nun die Litaneien der Priesterk�nige zu singen. In der Menge klang der Singsang der Antworten auf.</p><p>Kassau ist eine Stadt, die v�llig aus Holz besteht. Der Tempel ist das gr��te Geb�ude im Ort. Es erhebt sich hoch �ber die einfachen H�tten und die etwas stabileren H�user der Kaufleute, die sich um ihn dr�ngen. Die ganze Stadt ist von einer Mauer mit zwei Toren umgeben � ein gro�es Tor, dem Wasserlauf zugewandt, der zum Thassa f�hrt, das andere zum Wald f�hrend. Die Mauer besteht aus zugespitzten St�mmen und wird von einem Laufsteg aus verteidigt. Der Haupterwerb in Kassau ist der Handel, das Holzgesch�ft und die Fischerei. Der schmale gestreifte Parsitfisch findet n�rdlich von der Stadt riesige Planktonb�nke und wird dort besonders im Fr�hling und Herbst in gro�en Mengen gefangen. Der Geruch der Fischtrockenschuppen von Kassau zieht sich weit �ber das Meer. Der Handel dreht sich haupts�chlich um Pelze aus dem Norden, die gegen Waffen, Roheisen, Salz und Luxusg�ter eingetauscht werden, etwa Schmuck und Seide aus dem S�den � Waren, die gew�hnlich mit zehnrudrigen K�stenbooten von Lydius heraufgebracht werden. Holz ist nat�rlich ein wertvolles Gut. Im allgemeinen wird es hier verarbeitet und nach Norden geschafft. Torvaldsland ist zwar nicht ohne B�ume, doch das Land ist ziemlich kahl. Das eisenharte Ka-la-na-Holz und das biegsame, z�he Temholz gedeihen hier nicht, so da� diese beiden Holzsorten im Norden hohe Preise erzielen. Eine mit Ka-la-na-Holz get�felte Halle zum Beispiel ist ein Zeichen gro�en Reichtums.</p><p>In den S�den werden Felle und F�sser mit ger�uchertem Parsitfisch exportiert, w�hrend die Kassauer die Waren, die sie den Nordl�ndern zum Tausch anbieten, aus dem S�den beziehen. Kassau hat sicher nicht mehr als elfhundert Einwohner. Allerdings gibt es Orte in der N�he, denen es als Marktplatz und Treffpunkt dient. Z�hlen wir diese Menschen mit, kommen etwa zweitausenddreihundert Personen zusammen.</p><p>Die gr��te Bedeutung Kassaus lag jedoch in der Tatsache, da� hier der Erste Wissende des Nordens residierte. Dadurch war der Ort das geistliche Zentrum eines Bezirks, der sich �ber Hunderte von Pasang in alle Richtungen erstreckte. Der n�chste Erste Wissende befand sich im S�den, in Lydius.</p><p>Die Wissenden sind eine fast auf der ganzen Welt verbreitete, gut organisierte und flei�ige Kaste. Sie unterhalten zahlreiche Kl�ster, heilige Orte und Tempel. Ein Wissender kann oft Hunderte von Pasang zur�cklegen und sich jeden Abend in einem anderen Haus der Wissenden zu Bett legen. Sie halten sich selbst f�r die h�chste Kaste, was oft zu Spannungen zwischen ihnen und den Zivilbeh�rden f�hrt; denn beide glauben f�r Gesetz und Ordnung zust�ndig zu sein. Die Wissenden haben eigene Gesetze und Gerichtsh�fe und Fachleute f�r das Recht. Ihre Bildung � konzentriert auf die Religion, die Priesterk�nige und verwandte Gebiete � hat wenig praktischen Wert, und ihre strenge Schulung grenzt sie sehr von den Laien ab. Die Wissenden kommen sich wichtig und klug und besonders privilegiert vor. Wenn sie auch von den h�heren Kasten oder den intelligenteren Mitgliedern der Bev�lkerung oft nicht besonders wichtig genommen werden, reagiert doch ein gro�er Teil der unteren Kasten mit gro�em Ernst auf ihre Lehren und die vorgesch�tzte F�higkeit, sich mit den Priesterk�nigen zu verst�ndigen. Und viele, die die Wissenden f�r Betr�ger halten, vermeiden trotzdem den offenen Konflikt � besonders in F�llen von zivilen F�hrern, die es vermeiden m�chten, da� die Wissenden die unteren Kasten gegen sie aufhetzen. Die Goreaner wissen, da� es Priesterk�nige gibt, die den Flammentod schicken, wenn jemand unerlaubte Waffen baut oder eine gef�hrliche Erfindung macht. Und aus dem Geheimnis, das die Priesterk�nige umgibt, erw�chst die Macht der Wissenden. Eine gesellschaftlich und wirtschaftlich m�chtige Kaste bietet sich dem normalen Goreaner dar und erhebt den Anspruch, zwischen den Priesterk�nigen und dem einfachen Mann vermitteln zu k�nnen. M�glicherweise stimmen einige der Anspr�che der Wissenden, vielleicht haben sie wirklich Einflu� bei den Priesterk�nigen . . ., so dachte der gr��te Teil der Bev�lkerung.</p><p>Die Haltung der Priesterk�nige gegen�ber den Wissenden war im allgemeinen von Desinteresse bestimmt, soweit ich mich aus meiner Zeit im Sardargebirge daran erinnern konnte. Man h�lt die Wissenden f�r harmlos � und viele sehen darin einen Beweis f�r die Verirrung des Menschen.</p><p>Es hatte gro�e Aufregung in Kassau gegeben, als Ivar Forkbeards Schiff in der Hafeneinfahrt erschien. Aber es war zur Mittagszeit aufgetaucht, und am Mast befand sich der runde wei�e Holzschild. Forkbeards M�nner hatten langsam gerudert und dabei ein Klagelied gesungen. Sogar der Tarnkopf am Schiffsbug war zur�ckgeklappt � ein sicheres Zeichen, da� das Boot mit friedlichen Absichten kam.</p><p>Das Schiff war wundersch�n anzuschauen, schmal und mit schwungvollen Linien. Es war ein Schiff mit zwanzig B�nken auf jeder Seite mit jeweils zwei Ruderern. Die Ruder der Torvaldsl�nder waren im allgemeinen neunzehn Fu� lang und schmaler als die Ruder im S�den, und bei zwei Mann an jedem Holm und der Leichtigkeit des Schiffs war auf diese Weise eine hohe Geschwindigkeit zu erzielen. Forkbeards Schiff war ungef�hr achtzig goreanische Fu� lang und hatte einen etwa zehn Fu� langen Bugspriet. Wie die meisten Schiffe des Nordens war in den Rumpf kein Ruderrahmen eingelassen, sondern die M�nner sa�en innerhalb der eigentlichen Schiffsh�lle mit dem Gesicht nach achtern. Wie ich feststellte, hatten die Ruderpforten auf der Innenseite drehbare Luken, die geschlossen werden konnten, wenn das Schiff unter Segel fuhr. Das Segel unterschied sich sehr von der Takelung s�dlicher Schiffe � es war ann�hernd quadratisch, unten etwas breiter ausschwingend. Wie bei den Schiffen des S�dens konnte der Mast umgelegt werden. Das Segel war rotwei� gestreift. Die Schiffsh�lle war in Klinkerform gebaut, bestand also aus sich �berlappenden Planken. Zwischen den Brettern diente geteerter Hanf als Dichtung. �ber den Planken befand sich zus�tzlich eine H�lle aus angemaltem Teer, zum Schutz vor der See und den Angriffen von Schiffsw�rmern. Der Teer war ziemlich unregelm��ig rot und schwarz angestrichen. Wenn dieses Schiff mit gesenktem Mast nachts unterwegs war, mochte es schwer auszumachen sein. Es war das Schiff eines Piraten. Zwar zieht ein Klinkerschiff im Gegensatz zu kraweelgebauten Booten mit glatt aneinandersto�enden H�lzern mehr Wasser, ist aber viel besser geeignet f�r den unruhigen Ozean des Nordens. Der Bootsk�rper ist elastischer und kann sich der bewegten See besser anpassen. Das Schiff selbst ist praktisch offen und wird bei schlechtem Wetter durch Boskh�ute abgedeckt, die wie eine Zeltplane an Pf�hlen aufgespannt werden. Nachts schlafen die M�nner an Deck � in wasserdichten S�cken, aus den H�uten des See-Sleen gen�ht; in solchen Beuteln bringen sie auch ihre Ausr�stung unter, die gew�hnlich unter ihrer Ruderbank bereitliegt. Im Hafen werden die Schilde �berlappend an die �u�ere Bordwand geh�ngt; ein weiterer Hinweis auf die friedlichen Absichten. Die Schilde waren rund und bestanden aus Holz, da und dort trugen sie Eisenbeschlag oder waren durch Leder verst�rkt; einige wiesen sogar kleine Bronzeplatten auf.</p><p>Im Kampf h�ngen diese Schilde nat�rlich nicht an der Schiffswandung, wo sie teilweise die Ruderpforten verdecken; aber selbst wenn die Ruder nicht verwendet werden, beh�lt man sie griffbereit im Innern des Schiffs. Auch wenn das Boot unter Segel f�hrt, h�ngen die Schilde nicht an der Bordwand, denn dort w�rden sie von Wellen getroffen und wom�glich losgerissen. Doch jetzt hingen sie zur Beruhigung der Kassauer drau�en; die Torvaldsl�nder waren friedfertig.</p><p>Ich hatte mich von der Szene abgewandt und war zum Tempel gegangen, denn ich wollte noch einen Stehplatz ergattern.</p><p>Die Prozession mu�te inzwischen unterwegs sein. Innerhalb des Tempels erklangen die Litaneien. Einige Wissende begannen auf Alt-Goreanisch zu singen, wovon ich kaum ein Wort verstand.</p><p>Ich sah mich um. Die meisten Gottesdienstbesucher schienen arm zu sein � Fischer, Zimmerleute, Tr�ger, Bauern. Man sah vorwiegend einfache Wollkleidung oder sogar Reptuchdecken. Viele hatten ihre F��e mit Fellen umwickelt. Ihr Blick war leer; sie machten einen eingesch�chterten Eindruck.</p><p>Mein Blick fiel auf ein schlankes blondes M�dchen in der Menge. Sie sah mich an und wandte den Kopf ab. Sie war vornehm gekleidet, in ein Cape aus herrlichem wei�en Pelz, eine wei�e Bluse und eine rote Weste mit Rock. Auch die schwarzen Lederschuhe waren von h�chster Qualit�t. Ich hielt sie f�r die Tochter eines reichen H�ndlers. Es gab eine Menge gutaussehende M�dchen und zahlreiche besser gestellte B�rger, die sich f�r diesen Festtag herausstaffiert hatten. Im Tode pilgerte Ivar Forkbeard zum Tempel des Ersten Wissenden. Ivar Forkbeard, der R�cksichtslose, der Pirat, der Marodeur, kam ergeben zum Tempel der Priesterk�nige. In Kassau herrschte gro�e Freude.</p><p>Wieder schaute ich zum Ersten Wissenden hin�ber, einem hochm�tigen, m�rrischen Mann, der auf seinem Thron hinter dem wei�en Gel�nder sa�. Innerhalb des heiligen Bezirks waren herrliche Sch�tze zur Schau gestellt, kostbare Gef��e aus Gold und Silber. Funkelnde Schalen, mit denen das Blut von Opfertieren aufgefangen wurde, Kelche, mit denen man den Priesterg�ttern Opfergetr�nke darbrachte, Gef��e mit �len und anderen Fl�ssigkeiten, in denen sich die Vollzieher der Riten die H�nde reinigen konnten, auch kleine Schalen voller M�nzen von den Armen, die die Wissenden und die Priesterk�nige wohlwollend stimmen sollten.</p><p>Wie hart und grausam kam mir das Gesicht des Ersten Wissenden vor! Wie reich war diese Kaste, und wie wenig wirkte sie mit diesem Reichtum! Der Bauer pfl�gte seine Felder, der Fischer fuhr in seinem Boot hinaus, der H�ndler setzte sein Kapital ein. Aber die Wissenden taten nichts dergleichen. Sie lebten von der Ausnutzung des Aberglaubens und der �ngste einfacher Menschen, stahlen ihnen ihr sauer verdientes Geld, obwohl sie �ber unglaubliche Reicht�mer verf�gten.</p><p>Der Erste Wissende mu�te dies wissen, er war klug genug, um zu erkennen, was er tat. Ich war sicher, da� er nicht mehr �ber die Priesterk�nige wu�te als andere. Und doch sa� er dort auf seinem Thron.</p><p>In diesem Augenblick wurde vor dem Tempel die riesige Metallstange angeschlagen. Die Leute verdrehten die K�pfe, um die Prozession zu sehen, die nun gemessenen Schritts den Tempel betrat.</p><p>Zuerst kamen zwei Wissende mit Kerzen, hinter ihnen vier riesige M�nner aus Torvaldsland in langen M�nteln, die an den H�lsen geschlossen waren. Sie hatten die K�pfe gesenkt, ihre langen B�rte hingen herab, und sie trugen eine Plattform aus gekreuzten Speeren. Auf dieser Plattform lag unter einem wei�en Tuch ein riesiger K�rper � Ivar Forkbeard.</p><p>Das also war das Ende des gro�en Ivar Forkbeard.</p><p>Hinter der Plattform kam die Reihe seiner M�nner. Auch sie trugen lange Umh�nge; sie waren unbewaffnet und ohne Helm. Sie sahen aus wie getretene Hunde. Sie kamen mir ganz und gar nicht so vor, wie ich mir die M�nner aus Torvaldsland vorgestellt hatte.</p><p>Die vier Torvaldsl�nder trugen Ivar Forkbeard die Treppe zum Altar hinauf. Vorsichtig setzten sie ihre Last auf der obersten Stufe ab. Dann traten sie mit gesenkten K�pfen zur�ck, w�hrend die Priester unter der Leitung des Ersten Wissenden ein Gebet zu singen begannen.</p><p>Im vorderen Teil des Tempels, hinter dem Gel�nder und sogar an den beiden T�ren des Geb�udes standen die M�nner Forkbeards. Viele waren ungew�hnlich gro� � gew�hnt an K�lte, Kampf und anstrengende Ruderarbeit. Sie waren sicher auf einsamen H�fen in der N�he des Meeres aufgewachsen und hatten schon in fr�her Jugend hart arbeiten m�ssen. Solche M�nner verstanden sich auf harte Spiele � sie konnten laufen, springen, schwimmen, den Speer werfen, das Schwert und die Axt f�hren und sich im Kampf beweisen, auch wenn sie verwundet waren. Und Ivar Forkbeards M�nner mu�ten die St�rksten der Starken sein, denn nur die gr��ten, schnellsten und besten konnten hoffen, eine Bank auf dem Schiff dieses Kapit�ns zu gewinnen.</p><p>Doch nun war Ivar Forkbeard gekommen, um im Tode die �lung der Priesterk�nige zu empfangen. Damit verriet er seine alten G�tter. Nie wieder w�rde er mit geschlossener Faust �ber seinem Bier das Zeichen des Hammers machen.</p><p>Ein Torvaldsl�nder fiel mir besonders auf. Er war riesig, etwa acht Fu� gro� und breitschultrig wie ein Bosk. Sein Haar war verfilzt, seine Haut schien einen grauen Schimmer zu haben. Sein Mund war halb ge�ffnet, und er schien ins Leere zu starren.</p><p>Der Erste Wissende wandte sich jetzt der Gemeinde zu; zu seinen F��en lag Ivar Forkbeard. Ich sah, wie sich das blonde M�dchen auf die Zehenspitzen stellte und �ber die Schulter der Frau blickte, die ihre Begleiterin war. Auf ihren Plattformen verdrehten die Angeh�rigen der besseren Familien des Ortes die H�lse.</p><p>�Lobpreisung den Priesterk�nigen!� rief der Erste Wissende. Er lie� sich auf ein Knie nieder, den winzigen runden Goldbeh�lter mit der Salbe der Priesterk�nige in der linken Hand. Mit der rechten Hand schob er das lange wei�e Tuch zur�ck, das Ivar Forkbeard verdeckte.</p><p>Sicher erkannte der Erste Wissende von Kassau die schreckliche Wahrheit als erster. Er schien zu erstarren. Die Augen Forkbeards �ffneten sich, und der Torvaldsl�nder grinste den Priester an.</p><p>Mit br�llendem Lachen warf der Mann aus dem Norden das Tuch von sich, und sprang, fast sieben Fu� gro�, von der improvisierten Bahre. Seine rechte Hand umspannte eine gro�e, einseitig geschliffene Axt mit gekr�mmter Klinge.</p><p>�Lob sei Odin!� br�llte er.</p><p>Und im n�chsten Augenblick schlug er mit einem einzigen kraftvollen Hieb dem Ersten Wissenden den Kopf vom K�rper und sprang dann auf den Hohen Altar des Tempels.</p><p>Ich h�rte, wie die Riegel der beiden Tempelausg�nge vorgeschoben wurden. Die Gemeinde war eingeschlossen. Ich sah, wie die Torvaldsl�nder ihre Umh�nge abwarfen. In ihren H�nden kamen riesige �xte zum Vorschein. Der unglaublich gro�e Mann aus Torvaldsland, der eben noch ganz apathisch gewesen war, erwachte pl�tzlich zum Leben: mit wild rollenden Augen und vortretenden Adern schwenkte er br�llend seine Axt hin und her, als h�tte er den Verstand verloren.</p><p>Ivar Forkbeard stand auf dem Altar. �Die M�nner aus Torvaldsland greifen an!� br�llte er.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Ich wurde von entsetzt schreienden, fl�chtenden Menschen fast von den F��en gerissen. Verzweifelt versuchte ich mich im Dunst der Weihrauchwolken zu orientieren.</p><p>Die Tempelbesucher, arm oder reich, Fischer, Tr�ger oder Kaufleute, flohen zu den gro�en T�ren und wurden dort von den �xten begr��t. Sie hasteten in die Mitte des Tempels zur�ck und dr�ngten sich dort zusammen.</p><p>Ich h�rte wildes Gebr�ll � das laute Kriegsgeschrei der Torvaldsl�nder. Goldbeschl�ge wurden von den viereckigen S�ulen des Tempels gerissen. Kelche und andere Gef��e wurden eingesammelt.</p><p>Ivar Forkbeard stand inmitten toter Wissender auf dem Altar und dirigierte seine M�nner mit erhobener Axt. �Beeilt euch!� br�llte er. �Sammelt alles ein, was euch in die Finger kommt!�</p><p>�Kniet nieder vor der Axt!� rief einer der Kassau-B�rger, ein Mann in einem schwarzen Satinanzug. Er trug eine Kette um den Hals. Gehorsam kamen die Kassauer dieser Anweisung nach.</p><p>Ich sah, wie die Torvaldsl�nder Wertgegenst�nde aus dem Altarbereich in ihren Fellm�nteln einsammelten.</p><p>Dicht neben mir beugte ein Fischer die Knie vor einem der riesigen Angreifer. Der Torvaldsl�nder hob die Axt, um ihn zu t�ten. Ich fing die Waffe ab, als sie sich herabsenkte, und ri� sie zur Seite. Der Krieger aus dem Norden sah mich verbl�fft an � und ri� pl�tzlich entsetzt die Augen auf. An seiner Kehle lag die Spitze meines Schwerts aus Port Kar.</p><p>Waffen sind im Tempel der Priesterk�nige verboten, doch schon vor langer Zeit hatte mir Kamchak von den Tuchuks beigebracht, da� es ratsam ist, immer und �berall bewaffnet zu sein � und ganz besonders an einem Ort, an dem das Waffentragen verboten ist.</p><p>�Knie nieder vor der Axt�, sagte ich zu dem Fischer.</p><p>Er gehorchte.</p><p>Ich lie� die Axt des Torvaldsl�nders los und nahm mein Schwert zur�ck. �T�te ihn nicht�, sagte ich.</p><p>Verbl�fft trat er einen Schritt zur�ck und starrte mich an.</p><p>�Beute einsammeln!� br�llte Forkbeard. �Wartest du auf die Sa-Tarna-Ernte ?�</p><p>Der Mann wandte sich ab und begann Goldbleche von den W�nden zu rei�en.</p><p>Zwanzig Fu� von mir entfernt w�tete der riesige Torvaldsl�nder. Wie wild hieb er auf die knienden Menschen ein, die sich verzweifelt vor ihm in Sicherheit bringen wollten.</p><p>�Rollo!� befahl Forkbeard. �Der Kampf ist vorbei! H�r auf!�</p><p>Der gro�e Mann mit dem grauen Gesicht blieb pl�tzlich unnat�rlich still stehen. Langsam wandte er sich dem Altar zu. Zwei andere Torvaldsl�nder eilten herbei und f�hrten ihn vorsichtig zur Seite. Der gro�e K�mpfer warf noch einen Blick �ber die Schulter zur�ck, und die Knienden wichen erschrocken zur�ck. Aber der Mann schien sie nicht zu erkennen; es war, als h�tte er sie noch nie gesehen. Langsam ging er auf eine der Tempelt�ren zu.</p><p>�Wer leben will, soll sich auf den Bauch legen!� rief Forkbeard.</p><p>Die Anwesenden warfen sich schaudernd auf den Boden. Ich blieb stehen.</p><p>Die M�nner aus Torvaldsland starrten mich an. �Warum legst du dich nicht nieder vor der Axt, Fremder?� fragte Forkbeard.</p><p>�Ich bin noch nicht m�de.�</p><p>Forkbeard lachte. �Das ist ein guter Grund!� sagte er. �Bist du aus Torvaldsland?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Bist du ein Krieger?�</p><p>�Das war ich fr�her einmal, vielleicht.�</p><p>�Mal sehen�, sagte Forkbeard und wandte sich an einen seiner M�nner. �Gib mir einen Speer.� Einer der Speere, die seine Leichenbahre gebildet hatten, wurde ihm gereicht.</p><p>Pl�tzlich h�rte ich hinter mir den Kampfschrei Torvaldslands.</p><p>Ich wirbelte in Angriffsstellung herum, merkte mir die Entfernung des Mannes und fuhr erneut herum, um Ivar Forkbeards Speer abzuwehren. Dazu mu�te ich die Waffe unmittelbar hinter der Spitze treffen; mein Unterarm fand sein Ziel, und der Schaft wirbelte zur Seite. In derselben Sekunde zuckte ich wieder herum und erwartete geduckt den Mann mit der Axt. Der Krieger blieb mit einem Ruck stehen und blickte zu Ivar Forkbeard hin�ber.</p><p>Der Anf�hrer der Torvaldsl�nder grinste. �Ja�, sagte er. �Kann schon sein, da� du mal ein Krieger warst.�</p><p>Ich schaute langsam in die Runde. Die Torvaldsl�nder hoben langsam die �xte in der rechten Hand. Ihr Gru� galt mir.</p><p>�Er kann stehenbleiben�, sagte Ivar Forkbeard, und ich schob mein Schwert wieder in die Scheide.</p><p>�Beeilt euch!� trieb Forkbeard seine M�nner an. �Beeilt euch! Die Stadtbev�lkerung wird sich zusammenrotten!�</p><p>Hastig raubten die M�nner aus Torvaldsland den Tempel aus; sie nahmen alles, was sich losrei�en lie� und was sie tragen konnten. Ivar Forkbeard sprang vom Altar und begann mit �rgerlichen Bewegungen Gef��e voller heiliger �le gegen die Wand hinter dem Altar zu werfen. Dann nahm er ein Gestell mit Kerzen, das er ebenfalls als Wurfgescho� benutzte. Gleich darauf z�ngelte das Feuer an der Holzwand hinter dem Altar empor, die bald in hellen Flammen stand. Nun sprang Forkbeard zwischen den Liegenden hin und her und nahm den reicheren die Geldbeutel und Wertsachen ab. Dem Mann im Satinanzug raubte er die Silberkette � offenbar handelte es sich um den Administrator der Stadt.</p><p>Als er seine Runde beendet hatte, stellte er sich in die Mitte des Tempels und beschrieb mit der Axt einen gro�en Kreis auf den Boden � einen Leibeigenenkreis. �Ihr Frauen!� br�llte er und deutete mit der gro�en Axt auf die Wand gegen�ber den T�ren. �Stellt euch mit den R�cken an die Wand!�</p><p>Mein Blick fiel auf das blonde M�dchen mit dem roten Wams und Rock. Daneben stand eine gro�e, gut gewachsene junge Frau in schwarzem Samt mit silbernen Streifen �ber den Br�sten.</p><p>Forkbeard ging hastig an den M�dchen vorbei, entri� ihnen die Geldb�rsen und nahm Armb�nder und Ringe an sich. Dem gro�en blonden M�dchen raubte er den Geldbeutel und auch die Silberstreifen, die den schwarzen Samt ihres Kleides verzierten. Sie wich vor ihm zur�ck. Sie hatte schwere Br�ste, was den Torvaldsl�ndern sehr gef�llt. Die Beutest�cke wurden in eine goldene Opferschale geworfen, die einer der Torvaldsl�nder hinter Forkbeard hertrug, dann lie� der furchteinfl��ende Barbar mehrere Frauen in die Mitte des Raums zur�ckkehren.</p><p>Schlie�lich standen noch neunzehn M�dchen an der Mauer. Ich bewunderte Forkbeards Geschmack. Ich h�tte ebenso gew�hlt.</p><p>Zu den Erw�hlten geh�rten nat�rlich das schlanke blonde M�dchen in dem roten Rock und die gro�e junge Frau in dem Samtkleid. Die neunzehn jungen Gesch�pfe starrten den Piratenf�hrer entsetzt an. Ihre Gesichter wurden auf einer Seite von den flackernden Flammen r�tlich beleuchtet.</p><p>�Geht zum Sklavenkreis!� befahl Ivar Forkbeard und deutete auf die Mitte des Tempels.</p><p>Die Frauen schrien entsetzt auf. Das Betreten dieses Kreises ist nach den Gesetzen Torvaldslands der Schritt in die Leibeigenschaft. Nat�rlich braucht eine Frau den Kreis nicht freiwillig zu betreten. Sie kann auch gewaltsam hineingeworfen werden, nackt und gefesselt. Doch wie immer sie den Kreis betritt � nach den Gesetzen Torvaldslands verl��t sie ihn nur als Leibeigene.</p><p>Siebzehn M�dchen hasteten schluchzend in den Kreis und dr�ngten sich darin zusammen. Zwei blieben stehen � das schlanke blonde M�dchen und die junge Frau in dem schwarzen Samtkleid.</p><p>�Ich bin Aelgifu�, sagte die junge Frau. �Ich bin die Tochter Gurts von Kassau. Er ist Administrator dieser Stadt. Er wird ein L�segeld f�r mich bezahlen.�</p><p>�Richtig!� rief ein Mann, der B�rger im schwarzen Satingewand, dessen Amtskette Forkbeard an sich genommen hatte.</p><p>�Hundert Goldst�cke!� sagte Forkbeard zu ihm, ohne das M�dchen aus den Augen zu lassen.</p><p>Sie erstarrte.</p><p>�Heute in f�nf N�chten�, fuhr Ivar Forkbeard fort, �auf Einars Felsenriff beim Runenstein von Torvaldsmark.�</p><p>Ich hatte schon von diesem Stein geh�rt. Er gilt als Grenzmarkierung zwischen Torvaldsland und dem S�den. Viele Torvaldsl�nder jedoch meinen, da� die Grenze ihres Landes viel weiter im S�den liegt � ja da� sie immer dort zu Hause sind, wo ihre Schiffe Land ber�hren.</p><p>�Ja!� sagte der Mann. �Ich bringe das Geld an diesen Ort.�</p><p>�Geh zum Kreis�, sagte Ivar Forkbeard zu der Frau. �Aber bleib au�erhalb.�</p><p>�Ja�, erwiderte sie und gehorchte.</p><p>�Die Tempelwand h�lt sich nicht mehr lange�, meldete einer der Torvaldsl�nder. �Das Dach k�nnte einst�rzen.�</p><p>Forkbeard starrte das j�ngere M�dchen an. �Mein Vater ist zwar nicht so reich wie Aelgifus Vater�, sagte sie. �Aber auch f�r mich wird ein L�segeld gezahlt.�</p><p>Er blickte auf sie nieder und grinste. �Du bist zu h�bsch f�r ein L�segeld�, sagte er.</p><p>Sie sah ihn entsetzt an. Ivar Forkbeard packte sie lachend und zerrte sie mit gewaltigem Schwung in den gro�en Kreis.</p><p>�Gleich st�rzt die Wand ein�, sagte einer seiner K�mpfer.</p><p>Die H�nde der Sklavinnen wurden mit Handschellen auf dem R�cken gefesselt.</p><p>Das Feuer war inzwischen bis zum Dach vorgedrungen und fra� bereits an einer anderen Wand. Die Atemluft wurde knapp.</p><p>�Bindet die Sklavinnen zusammen!� befahl Forkbeard.</p><p>Mit einer langen Schnur wurden die M�dchen miteinander verbunden; die Fessel f�hrte von Hals zu Hals. Nur Aelgifu blieb frei; sie bildete die Spitze der Gruppe. Mit hastigen Bewegungen b�rdete man den M�dchen Lasten auf, die man ihnen um Hals und Schultern band � aus M�nteln improvisierte S�cke voller kostbarer Kelche und Goldgegenst�nde. Nach kurzer Zeit waren die M�dchen schwer beladen; einige drohten unter ihrer Last zusammenzubrechen.</p><p>�Im Norden werdet ihr andere Lasten tragen, meine H�bschen�, sagte Ivar. �Nicht Gold, sondern Holzstapel f�r die Feuerstellen und Wassereimer und K�rbe mit Dung f�r die Felder!�</p><p>Die M�dchen starrten ihn entsetzt an. Einige begannen laut zu weinen.</p><p>�Wir sind abmarschbereit�, meldete ein Torvaldsl�nder.</p><p>Von drau�en klang Stimmengewirr herein.</p><p>�Du bringst uns nie bis zum Schiff!� sagte das schlanke M�dchen, das nun eine Sklavin war.</p><p>�Ich brauche ein Schiff nach Torvaldsland�, sagte ich. �Ich will dort Ungeheuer jagen.�</p><p>�Kurii?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Du bist ja verr�ckt.�</p><p>�Vermutlich weniger verr�ckt als Ivar Forkbeard�, sagte ich.</p><p>�Meine Schlange ist kein Passagierschiff.�</p><p>�Ich spiele Kaissa.�</p><p>�Es wird eine lange Reise nach Norden.�</p><p>�Ich bin ein guter Spieler�, sagte ich. �Wenn du nicht ganz ausgezeichnet bist, werde ich dich besiegen.�</p><p>Drau�en wurden nun Schreie laut. Ich h�rte, wie einer der Deckenbalken sich knisternd zu senken begann. Das Br�llen der Flammen schien alle anderen Ger�usche zu �bert�nen. �Wenn wir nicht bald fliehen, sterben wir!� rief einer der Torvaldsl�nder. Von allen Anwesenden im Tempel zeigten wohl nur ich und Ivar Forkbeard und der riesige Torvaldsl�nder keine Anzeichen von Unruhe. Der H�ne schien die Flammen gar nicht wahrzunehmen. Er trug einen schweren Sack voller Gold auf dem R�cken.</p><p>�Auch ich bin ein guter Spieler�, sagte Ivar Forkbeard. �Beherrschst du das Spiel wirklich gut?�</p><p>�Ja. Ob ich allerdings so gut bin wie du, wissen wir erst, wenn ich gegen dich spiele.�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Ich komme zum Schiff.�</p><p>�Tu das�, sagte er und wandte sich an einen seiner M�nner. �Bleib in der N�he mit den M�nzen, die die Armen der Stadt im Tempel gespendet haben.� Diese M�nzen befanden sich in einer gro�en Schale.</p><p>Funken flogen durch die Luft und brannten mir auf dem Gesicht, ��ffnet das andere Tor!� rief Ivar Forkbeard. Zwei seiner M�nner stie�en die zweite T�r des Tempels auf. Hysterisch schluchzend sprangen die Kassauer, die entsetzt am Boden ausgeharrt hatten, ins Freie.</p><p>Ivar lie� sie ziehen.</p><p>�Sie kommen!� br�llte eine Stimme von drau�en. Doch als wir ins Freie traten, war ein gro�er Teil der Menge damit besch�ftigt, ihre Verwandten und Freunde zu umarmen, die aus dem anderen Tor geeilt waren. Mit schnellen Schritten bog Ivar Forkbeard mit seinen M�nnern und seiner Beute in die Stra�e zum Hafen ein. Viele von den Bauern und Fischern und anderen Armen, die im Tempel keinen Platz mehr gefunden hatten, drehten sich um. Ein Teil der Menschenmenge begann uns mit erhobenen Dreschflegeln und Sensen zu folgen. Einige trugen Ketten, andere hatten sich mit Hacken bewaffnet. Aber ihnen fehlte der Anf�hrer.</p><p>F�ustesch�ttelnd und br�llend liefen sie hinter uns her, doch keiner wagte es, n�her zu kommen. Pl�tzlich flog ein Felsbrocken durch die Luft � doch niemand mochte das Risiko eingehen, sich gegen die �xte der Torvaldsl�nder zu stellen.</p><p>�Rettet uns!� rief das blonde M�dchen. �Ihr seid doch M�nner! Rettet uns!�</p><p>Diese Rufe schienen den M�nnern Mut zu machen, und sie dr�ngten n�her heran, doch die gewaltig ausschwingenden �xte trieben sie wieder zur�ck.</p><p>�Versammelt euch!� rief Administrator Gurt, der in einen schwarzen Satinanzug gekleidet war. Der Menge hatte ein Anf�hrer gefehlt � jetzt hatte sie ihn.</p><p>Daraufhin packte Ivar Forkbeard Aelgifu am Haar und drehte sie herum, damit die Verfolger sie sehen konnten.</p><p>�Halt!� rief Gurt seinen Leuten zu.</p><p>Die scharfe Klinge der gro�en Axt lag an Aelgifus Hals. Ihr Kopf war zur�ckgelegt. Forkbeard grinste Gurt an.</p><p>�Halt!� rief der Vater des M�dchens entsetzt. �La�t sie ziehen!�</p><p>Ivar Forkbeard lie� das M�dchen los und stie� sie von sich. �Beeilt euch!� rief er seinen M�nnern zu.</p><p>In diesem Augenblick st�rzte hinter uns das Tempeldach ein. Dunkler Rauch stieg auf.</p><p>Hundert Meter vor der Anlegestelle sahen wir eine Gruppe aufgebrachter M�nner, die uns den Weg versperrten; es mochten zweihundert sein. In den H�nden hielten sie Fischhaken, Harpunen und angespitzte Stangen. Andere hatten sich mit Stauerhaken, Hebeisen und Brechstangen bewaffnet.</p><p>�Siehst du!� rief das blonde M�dchen triumphierend. �Meine Sklaverei dauerte nicht lange!�</p><p>�B�rger von Kassau!� rief Ivar Forkbeard fr�hlich. �Seid gegr��t von Ivar Forkbeard!�</p><p>Die M�nner starrten ihn an, zum Sprung geduckt, die Waffen kampfbereit erhoben.</p><p>Grinsend warf Forkbeard seine Axt �ber die linke Schulter und steckte sie in die breite Lederschlaufe, die die Waffe so festhielt, da� ihr Griff links hinter dem Kopf emporragte.</p><p>Dann griff er mit beiden H�nden zu und nahm einem seiner M�nner die Schale mit Opferm�nzen ab.</p><p>L�chelnd schleuderte er das Geld mit vollen H�nden links und rechts in die Menge.</p><p>Die M�nner beobachteten ihn starr. Die M�nzen waren zwar nicht von hohem Wert, doch stellte jede von ihnen im Hafen von Kassau immerhin einen Tagesverdienst dar.</p><p>�K�mpft!� schrie das blonde M�dchen sie an. �K�mpft!�</p><p>Einer der M�nner b�ckte sich pl�tzlich und las eine M�nze vom Boden auf, dann eine zweite und dritte. Gleich darauf machten es ihm einige andere M�nner nach, und schlie�lich konnten die �brigen der Versuchung nicht widerstehen. In unentwirrbarem Durcheinander krochen sie auf dem Boden herum, balgten sich und rafften zusammen, was sie erwischen konnten. Ihre Waffen waren vergessen.</p><p>�Feiglinge! Sleen!� schluchzte das blonde M�dchen.</p><p>Wir dr�ngten uns zwischen den besch�ftigten Dockarbeitern hindurch und sahen vor uns den Hafen und das schmale schnelle Schlangenschiff Ivar Forkbeards. Zehn M�nner waren an Bord geblieben. Acht bewachten das Schiff mit gespannten B�gen und aufgelegten Pfeilen. Niemand hatte sich dem Wasser gen�hert, denn der kurze, schu�starke Bogen der Torvaldsl�nder ist �berall gef�rchtet.</p><p>Die Torvaldsl�nder warfen ihre gef�llten M�ntel �ber die Bordwand.</p><p>Ivar Forkbeard blickte zur�ck.</p><p>In der Ferne ert�nte ein Krachen. Eine Au�enmauer des Tempels war eingest�rzt, gleich darauf folgte eine zweite. Dunkler Rauch wallte �ber Kassau auf.</p><p>�Ich hole meine Sachen�, bemerkte ich, �und bin gleich zur�ck.�</p><p>�Bleib nicht zu lange�, ermahnte mich Ivar Forkbeard.</p><p>Ich lief in den Hinterhof einer Taverne, die in der N�he des Hafens lag. Dort sattelte ich meinen Tarn ab, mit dem ich nach Norden geflogen war, und befreite ihn von den Z�geln. �Flieg!� befahl ich. Das gro�e Wesen schlug mit den Fl�geln und stieg in den raucherf�llten Himmel Kassaus auf. Es wandte sich nach S�dwesten.</p><p>Hastig warf ich eine goldene Tarnscheibe zu Boden, die als Entgelt f�r meine Unterkunft in Kassau und die Versorgung des Vogels gedacht war.</p><p>Der Sattel sollte zur�ckbleiben; doch zuvor nahm ich aus den Satteltaschen einige Besitzt�mer, etwas Gold und den Schlafsack aus Fell und Boskleder, ergriff den Langbogen und die vierzig Pfeile, die in einer wasserdichten H�lle steckten.</p><p>Ich blickte dem Tarn nach, der bereits am d�steren Himmel �ber Kassau verschwunden war. Ich bedauerte nicht, da� ich mich von dem Tier getrennt hatte. Ich hatte nun eine bessere M�glichkeit, nach Torvaldsland zu gelangen.</p><p>Ich machte kehrt und lief zum Hafen zur�ck.</p><p>Acht B�gen waren auf mich gerichtet; acht Pfeile lagen auf den angespannten Saiten.</p><p>�Nicht schie�en!� rief Ivar Forkbeard seinen Bogensch�tzen zu und grinste. �Er spielt Kaissa.�</p><p>Ich warf meine Sachen ins Schiff und sprang mit dem Bogen in der Hand an Bord.</p><p>�Ablegen!� befahl Ivar Forkbeard.</p><p>Die beiden Taue wurden losgeworfen, und die Bogensch�tzen setzten sich zu ihren Genossen auf die Ruderb�nke. Das Schlangenschiff glitt vom Pier fort und wendete im Hafenbecken. Das rotwei� gestreifte Segel wurde von der Spiere herabgelassen und �ffnete sich knallend.</p><p>Zwischen den B�nken und inmitten der Beutest�cke sa�en die gefesselten Sklavinnen, dicht daneben Aelgifu. Ivar Forkbeard stellte sich vor seine Leibeigenen hin und blickte auf das schlanke blonde M�dchen hinab. �Anscheinend ist deine Sklaverei doch nicht ganz so kurz, wie du angenommen hast, meine H�bsche�, sagte er.</p><p>Sie senkte den Blick.</p><p>Die M�nner aus Torvaldsland an den Rudern begannen zu singen.</p><p>Ivar Forkbeard kam zu mir ans Heck. Wir sahen M�nner am Kai. Einige versuchten ein K�stenschiff zur Abfahrt klarzumachen, mit dem sie die Schlange verfolgen wollten. Aber der Versuch war sinnlos.</p><p>Die Torvaldsl�nder sangen lautstark. Die Ruder, jedes von zwei M�nnern bewegt, hoben sich und fuhren gleichm��ig durchs Wasser. Der Steuermann lehnte sich an sein gro�es Steuerruder.</p><p>Hinter uns sahen wir den Rauch des brennenden Tempels. Offenbar hatte die Feuersbrunst auf andere Geb�ude Kassaus �bergegriffen; der Wind schien sein unheilvolles Werk zu tun.</p><p>Die M�nner am Hafen hatten inzwischen ihr Vorhaben aufgegeben und liefen in die Stadt zur�ck. Wir h�rten die Schl�ge der gro�en Metallstange, die vor dem Tempel hing. Die Stadt brannte. Die Kassauer eilten durch die schmutzigen Stra�en, um sich dieser neuen Gefahr zu stellen.</p><p>Hinter uns erklang das Schluchzen der gefesselten Frauen, die nach Norden gebracht wurden, um rauhen Kriegern zu dienen. Die M�nner sangen, die Ruder hoben und senkten sich � das Boot Ivar Forkbeards verlie� den Hafen von Kassau und stach in See.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Ivar Forkbeard beugte sich �ber die Bordwand seiner Schlange und betrachtete die Farbe des Wassers. Dann senkte er den Arm und sch�pfte etwas Fl�ssigkeit.</p><p>�Wir sind noch etwa eine Tagesreise von Einars Felsenriff und dem Runenstein von Torvaldsmark entfernt�, sagte er.</p><p>�Woher wei�t du das?� fragte ich.</p><p>Wir waren seit zwei Tagen auf offener See.</p><p>�Hier gibt es Plankton�, sagte Ivar, �das von den B�nken s�dlich von Einars Felsenriff kommen mu�, au�erdem verr�t mir die Temperatur, da� wir nun im Torvaldstrom sind, der nach Osten zur K�ste und dann nach Norden flie�t.�</p><p>Der Torvaldstrom ist eine pasangbreite Str�mung, deren Temperatur h�her ist als die des Wassers ringsum. Ohne diesen warmen Strom l�gen gro�e Teile Torvaldslands f�r immer unter Eis. Torvaldsland ist ein rauhes, felsiges Land voller Klippen, Fjorde und Berge. Ackerboden, soweit �berhaupt vorhanden, ist nur d�nn. Die Bauernh�fe sind im Durchschnitt sehr klein. Guter Boden ist selten und wird zu hohen Preisen gehandelt. Die Verbindung zwischen den H�fen wird zumeist mit kleinen Booten �ber das Meer aufrechterhalten. Ohne den Torvaldstrom w�re es unm�glich, Getreide in den Mengen anzubauen, die n�tig sind, um die kleine Bev�lkerung des Landes zu ern�hren. Auch so sind Nahrungsmittel oft knapp, besonders im n�rdlichen Torvaldsland, und Hungersn�te sind nicht gerade selten. Wenn es zum Schlimmsten kommt, ern�hren sich die Menschen von Baumrinde, Flechten und Tang. Angesichts dieser Verh�ltnisse ist es nicht ungew�hnlich, da� die jungen M�nner Torvaldslands ihr Gl�ck oft auf der See und in anderen L�ndern suchen. Der Torvaldstrom gilt bei den Torvaldsl�ndern als ein Geschenk Thors an Torvald, den legend�ren Gr�nder und Helden des Landes � zum Austausch gegen einen Goldring.</p><p>Die Torvaldsl�nder steuern ihre Schiffe manchmal nur nach der Art und Weise, wie sich die Wellen am Bug brechen, wobei sie ihre Berechnungen auf die vorherrschenden Winde abstellen. Manchmal ziehen sie zur Navigation auch die Schatten von der Bordwand heran, die �ber die Ruderb�nke fallen, und berechnen den Winkel. Nat�rlich dient auch die Sonne als Angelpunkt, und bei Nacht weisen die Sterne die Richtung.</p><p>Es ist eine Sache der Tradition, sich nicht auf den Nadelkompa� zu verlassen, wie es im S�den geschieht. Der goreanische Kompa� deutet immer auf das Sardargebirge, die Heimat der Priesterk�nige. Die Torvaldsl�nder verwenden diesen Kompa� nicht; sie brauchen ihn auch nicht. Der Sextant jedoch, abgestellt auf Sonne und Sterne, ist ihnen nicht unbekannt. Allerdings verwenden sie ihn nur in fremden Gew�ssern. Auch typische Nebelb�nke und die Tummel- und Paarungspl�tze der Wale werden in bekannten Gebieten zur Orientierung benutzt; die Torvaldsl�nder machen sich solche Dinge fast unbewu�t zunutze.</p><p>Die Schiffe der Torvaldsl�nder sind sehr schnell. An einem vollen goreanischen Tag von zwanzig Ahn k�nnen sie bei gutem Wind zwischen zweihundert und zweihundertundf�nfzig Pasang zur�cklegen.</p><p>Ich betrachtete das Brett vor mir. Es war ein Spielbrett zur Verwendung auf dem Meer, bei den Torvaldsl�ndern sehr verbreitet. In der Mitte jedes Felds befand sich ein winziger Pflock; die Spielsteine wiesen entsprechende L�cher auf. So kann bei Wellengang nichts verrutschen. Das Brett ist in rote und gelbe Quadrate unterteilt. Das Kaissa der Torvaldsl�nder hat eine gro�e �hnlichkeit mit dem Spiel des S�dens, wenn auch bestimmte Figuren anders sind. So gibt es keinen Ubar, sondern einen Jarl � der wichtigste Stein. Und es gibt keine Ubara, sondern daf�r die Frau des Jarls, die im Spiel eine gro�e Bedeutung gewinnt, mehr noch als die Ubara des S�dens. Anstelle von Tarnk�mpfern spielen zwei Figuren, die �xte genannt werden. Das Spiel kennt ferner keine Wissenden, sondern entsprechende Figuren mit dem Namen Runenpriester. Au�erdem fehlen die Schriftgelehrten, die hier S�nger hei�en. Die Speertr�ger entsprachen allerdings der s�dlichen Bezeichnung. Ich brauchte nicht lange, um mich an das Kaissa Torvaldslands zu gew�hnen dennoch verlor ich die beiden ersten Spiele gegen Forkbeard. Interessanterweise war er begierig, mich mit dem Spiel bekannt zu machen, und gab mir ausf�hrliche Erkl�rungen und Ratschl�ge. Offenbar wollte er, da� ich m�glichst bald mit voller Kraft und ohne Handicap gegen ihn antreten konnte. Beim dritten Spiel hatte ich ihn geschlagen, und entz�ckt hatte er seinen Unterricht eingestellt � und nun spielten wir wieder.</p><p>Das Spiel Forkbeards war viel nuancierter und taktisch ausgefeilter als etwa das Spiel Marlenus' aus Ar � zugleich auch viel hinterlistiger. Forkbeard baute zahlreiche Finten und Ablenkungen und Doppelstrategien ein, wobei viele seiner Angriffe auf zwei Seiten vorgetragen wurden � ein offener Angriff und ein heimlicher Vorsto�, wobei meistens ein Trick gelang. Zu Anfang hatte ich Forkbeard behutsam bek�mpft und mich mit seinen Strategien vertraut gemacht. Als ich ihn besser zu kennen glaubte, spielte ich offener. Seine raffiniertesten Tricks, das wu�te ich, w�rde er nur selten einsetzen; bestimmt hob er sie f�r wichtigere Spiele auf oder vielleicht f�r Gegner aus Torvaldsland, wo das Kaissa mehr noch als im S�den ein Volkssport ist. In den langen Winterperioden dieses Landes, wenn Schnee, Dunkelheit, Eis, Winterwinde und Frost die Au�enwelt beherrschen, wenn sich die Schlangenschiffe in ihren geschlossenen Schuppen verstecken, vergehen viele Stunden unter schwingenden Specksteinlampen voller See-Sleen-�l mit dem Kaissaspiel.</p><p>�Du bist dran�, sagte Forkbeard.</p><p>�Ich habe schon gezogen�, erwiderte ich. �Ich habe die Axt auf Jarl Sechs gesetzt.�</p><p>�Ah!� lachte Forkbeard. Dann setzte er sich und musterte das Spiel.</p><p>Die Sonne Torvaldslands brannte hei� auf uns herab. Nach dem Kalender Port Kars standen wir im Fr�hjahr des Jahres 3 der Herrschaft des Kapit�nsrats. Nach dem Kalender Ars, der allgemein auf Gor g�ltig ist, schrieben wir das Jahr 10121 C.�A. oder Contasta Ar, nach der Gr�ndung Ars. Die gro�e Seeschlacht vom 25. Se'Kara hatte 10120 C.�A. stattgefunden, und im gleichen Jahr, im Fr�hling, hatte in Port Kar der Kapit�nsrat die Macht �bernommen und die neue Kalenderz�hlung ausgel�st. In den meisten goreanischen St�dten gilt der Tag der Fr�hlings-Tag-und-Nachtgleiche als Neujahrstag � so auch in Torvaldsland, wo die Runenpriester �ber den Kalender wachen. Ihre Jahresz�hlung beginnt mit dem Augenblick, da Torvald den warmen Meeresstrom von Thor zum Geschenk erhielt. Nach den Berechnungen der Runenpriester befanden wir uns demnach im Jahr 1006.</p><p>Forkbeard und ich sa�en im Schatten unter einer zeltartigen Plane aus zusammengen�hten Boskh�uten, fast zehn Meter im Quadrat. Sie beginnt hinter dem Mast, der sich ziemlich weit vorn im Schiff erhebt, und wird von vier Stangen gehalten, die zwei weitere zusammengesteckte Stangen als �Dachfirst� tragen. Die Stangen k�nnen auch als Bootshaken verwendet werden. Die Unterkanten der gro�en Plane sind stramm gespannt und mit Klampen an der Reling festgemacht. Sie beginnt etwa einen Fu� �ber der Reling, so da� man gute Sicht nach allen Seiten hat.</p><p>Die M�nner Forkbeards, die jetzt nicht rudern mu�ten, vergn�gten sich nach Lust und Laune. Etliche hatten sich auf oder zwischen den B�nken schlafen gelegt, mehrere auch unter der Zeltbahn oder auf dem erhobenen Vorderdeck. Da und dort sa�en M�nner beisammen und unterhielten sich. Zwei folgten unserem Beispiel und spielten Kaissa. Zwei andere vergn�gtien sich mit dem Steinspiel, bei dem man raten mu�te. Der riesige Torvaldsl�nder, der fast acht Fu� gro� war, sa� auf einer Ruderbank, starrte ins Leere und sch�rfte mit gemessenen Bewegungen die Klinge seiner gro�en Axt. Dazu verwendete er einen runden flachen Wetzstein. Drei andere Torvaldsl�nder besch�ftigten sich mit Fischfang � zwei mit einem Netz, das sie an der Bordwand hinablie�en und im Wasser mitzogen, um Parsitfische zu fangen, der dritte in der N�he des Bugs mit einer Angelleine, wobei er Vuloleber als K�der verwendete. Er hatte es auf den wei�b�uchigen Grunt abgesehen, einen gro�en zahmen Fisch, der in den Planktonb�nken zu finden ist und sich von Parsitfischen ern�hrt. Nur zwei M�nner ruhten sich nicht aus � der Steuermann, der auf das Meer hinaus schaute, und der Mann oben im Mast, der Ausschau halten mu�te. Der Steuermann betrachtet den Himmel und das Wasser vor dem Schlangenschiff; unter Wolken gibt es gew�hnlich Wind, und er meidet Gebiete, in denen die Wellen zu ruhig sind, denn dort besteht die Gefahr einer Flaute. Der Ausguck stand auf einem breiten flachen Holzring, der in Leder eingefa�t und mit dem Fell des See-Sleen bezogen sich um den Mast zieht. Der Ring hat einen Durchmesser von etwa f�nfundsiebzig Zentimetern. Das Gebilde befindet sich fast an der Spitze des Masts, so da� der Mann �ber das Segel hinwegschauen kann. Auf dem Ring stehend, sichert er sich ab, indem er einen breiten G�rtel um den Mast windet und am eigenen G�rtel befestigt. Normalerweise h�lt er sich auch mit einer Hand am Mast fest. Der Holzring ist �ber ein Knotenseil zu erreichen. Der Mast ist nur etwa f�nfunddrei�ig goreanische Fu� hoch und erlaubt damit einen Blick von etwa zehn Pasang �ber das Meer.</p><p>Forkbeard zog seinen Ersten S�nger auf seine Axt Vier und bedrohte damit meine Axt. Ich deckte die Figur mit meinem Ersten S�nger, den ich auf meine Axt F�nf setzte. Er tauschte, schlug meine Axt auf Jarl Sechs, und ich seinen Ersten S�nger mit meinem Ersten S�nger. Ich hatte jetzt einen S�nger auf einem mittleren Quadrat, doch er hatte seine Axt Vier freigek�mpft, wo er nun seinen Jarl unterbringen und einen Angriff auf Axt F�nf der Frau des Jarl beginnen konnte.</p><p>Ich bestimmte im Augenblick den Spielzug. Er hatte die Situation �ffnen wollen, doch ich hatte meine Position aufgebaut. Die Axt ist nat�rlich eine wichtige Figur, doch vordringlich zu Beginn und in der Mitte des Spiels, wenn das Brett noch ziemlich dicht bestanden ist; im Schlu�kampf erscheint mir der S�nger oft wertvoller, weil er eine gr��ere Anzahl von Feldern beherrscht. Kenner beurteilen die beiden Figuren als gleichwertig, doch da bin ich, auf die verschiedenen Phasen des Spiels bezogen, anderer Ansicht.</p><p>�Du h�ttest deine Axt nicht opfern d�rfen�, sagte Forkbeard.</p><p>�H�tte ich sie gesch�tzt, w�re mir die Initiative verlorengegangen. Au�erdem ist die Axt im letzten Teil des Spiels nicht so wichtig.�</p><p>�Du setzt die Axt gut ein�, sagte Forkbeard. �Die Waffe, auf die man sich versteht, sollte man nicht aufgeben.�</p><p>Voller Unbehagen stellte ich fest, da� er seinen Jarl auf das freie Feld Axt Vier vorschob.</p><p>Die beiden M�nner an der Bordwand holten ihr Netz ein. Silbrig gestreifte Parsitfische zappelten darin. Die Torvaldsl�nder warfen das Netz auf die Planken und begannen den Tieren K�pfe und Schw�nze abzuschneiden und sie auszunehmen.</p><p>�Gorm�, sagte Forkbeard. �Binde die erste Sklavin los. Sie soll das Boot aussch�pfen!�</p><p>Gorm war bis zur H�fte nackt und ging ohne Schuhe. Er trug Hosen aus See-Sleen-Fell. Um seinen Hals lag eine goldene Kette mit einem Schmuckst�ck, das sicher fr�her einer freien Frau des S�dens geh�rt hatte.</p><p>Die erste Sklavin an der Fessel war das schlanke blonde M�dchen, das nun entsetzt vor dem Torvaldsl�nder zur�ckwich. Er zerrte sie am Arm hoch, band sie los und stie� sie nach hinten. Eine h�lzerne Sch�pfkelle wurde ihr in die Hand gedr�ckt.</p><p>Dann entfernte Gorm einige lose Decksplanken. Etwa einen Fu� unter dem Deck stand eine Spanne tief das schwarze Bilgewasser. Ich war �berrascht, wie gering der Wasserstand war. F�r ein Klinkerschiff war das Schlangenboot Ivar Forkbeards erstaunlich dicht. Bisher hatte man es �berhaupt nicht aussch�pfen m�ssen, was in einem Schiff aus Torvaldsland normalerweise einmal am Tag erforderlich ist. Ein Schiff, bei dem man sich wom�glich dreimal am Tag um das eingedrungene Wasser k�mmern mu�, gilt als seeunt�chtig.</p><p>Schluchzend kniete die blonde Sklavin neben der �ffnung nieder und begann zu sch�pfen. Forkbeard ging zu ihr und zeigte ihr, wie sie mit der linken Hand das ausgesch�pfte Wasser nach Schnecken absuchen mu�te, die nicht �ber Bord geworfen werden durften.</p><p>Als er zu mir zur�ckkehrte, hielt er eine Schnecke in der Hand. Er knackte das Schneckenhaus, schl�rfte den Inhalt heraus und schluckte ihn hinunter. Die Reste des Schneckenhauses warf er �ber Bord.</p><p>�Die Schnecken sind e�bar�, sagte er. �Und wir verwenden sie als K�der.�</p><p>Dann kehrten wir zu unserem Spiel zur�ck.</p><p>Einmal stie� das blonde M�dchen einen Schrei aus. �Seht doch!� rief sie und deutete nach Backbord.</p><p>Hundert Meter entfernt spielte eine Walfamilie � ein M�nnchen, zwei Weibchen und vier Jungtiere.</p><p>Dann wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu.</p><p>�Deine Halle ist erobert�, sagte Forkbeard. Sein Jarl hatte den entscheidenden Zug getan.</p><p>Die Eroberung der Halle entspricht im Kaissaspiel des Nordens der Eroberung des Herimsteins, dem Siegzug des S�dens.</p><p>�Du h�ttest deine Axt nicht opfern sollen�, sagte Forkbeard.</p><p>�Offenbar hast du recht�, sagte ich. Wir hatten noch nicht einmal die Endphase des Spiels erreicht; der Sieg war w�hrend der mittleren Z�ge gekommen. In Zukunft w�rde ich mir �berlegen m�ssen, ob ich die Axt opfern wollte.</p><p>�Ich bin nun fertig�, sagte die Sklavin.</p><p>�Gib Gorm die Sch�pfkelle zur�ck�, sagte Forkbeard. �Dann bringst du meinen M�nnern Wasser.�</p><p>Mit dem schweren Wasserbeutel �ber der Schulter zog die junge Sklavin los, um der Mannschaft zu trinken anzubieten.</p><p>Die M�nner mit dem Netz hatten ihren Fang ges�ubert und die entgr�teten Fische in kleine St�cke geschnitten.</p><p>Eine zweite Sklavin wurde befreit, um den Brei der Sklavinnen zuzubereiten � frisches Wasser mit Sa-Tarna-Mehl �, in den die Fischst�cke ger�hrt wurden.</p><p>�Spielen wir noch einmal�, sagte Forkbeard.</p><p>Ich stellte die Figuren auf.</p><p>Das M�dchen, das den Brei zubereitet hatte, wurde wieder zu den anderen Sklavinnen gebracht.</p><p>Dasjenige, welches den M�nnern Wasser gebracht hatte, mu�te den Brei in kleine Schalen verteilen. Dazu verwendete sie einen Bronzel�ffel, dessen Griff wie ein langer anmutiger Vogelhals gestaltet war.</p><p>�Bring ihr etwas zu essen!� sagte Forkbeard und deutete auf Aelgifu, die getrennt von den anderen an den Mast gefesselt war.</p><p>Das M�dchen erhob sich und brachte der Tochter des Administrators von Kassau eine Schale. Als sie n�her kam, rief ihr Aelgifu ver�chtlich entgegen: �Du benimmst dich schon wie eine Leibeigene, Thyri!�</p><p>Das schlanke blonde M�dchen reagierte nicht auf Aelgifus Spott. Thyri schien ihr Name zu sein, was jetzt allerdings keine Bedeutung mehr hatte; es lag an Ivar Forkbeard, ihr einen Namen zu geben.</p><p>�Das ist doch Brei f�r die Sklavinnen, nicht wahr?� fragte Aelgifu.</p><p>�Ja�, sagte das M�dchen.</p><p>�Warum bringst du mir eine Portion?�</p><p>Das M�dchen senkte den Kopf.</p><p>�Ich bin frei�, sagte Aelgifu. �Weg mit dem Zeug!�</p><p>Ivar Forkbeard hob den Kopf. Er nahm dem blonden M�dchen die Schale ab und ging zu Aelgifu hin�ber. �Du i�t�, sagte er, �oder du wirst an ein Ruder gekettet.�</p><p>Sie starrte ihn entsetzt an. Wenn ein M�dchen zur Strafe an ein Ruder gebunden wird, ist das nicht ungef�hrlich; sie liegt mit dem Kopf nach unten �ber einem Ruderblatt und kann nur Atem sch�pfen, wenn sich das Ruder �ber dem Wasser befindet. Manchmal versuchen See-Sleen oder wei�e Haie, sich dieser leichten Beute zu bem�chtigen.</p><p>�Mach den Mund auf!� sagte Forkbeard.</p><p>Aelgifu gehorchte mit weit aufgerissenen Augen. Er schob ihr den Inhalt der Holzschale in den Mund. Das stolze M�dchen w�rgte den dicken Brei hinunter.</p><p>�Morgen abend habe ich dein L�segeld�, sagte er.</p><p>�Morgen abend bin ich wieder frei!� rief sie.</p><p>Er warf die Schale auf das Deck und kehrte an unser Spielbrett zur�ck.</p><p>�Ich glaube�, sagte ich, �ich habe einen Plan, dem Spielzug mit der Jarls Axt zu begegnen.�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Zu Mittag des folgenden Tages meldete sich pl�tzlich der Ausguck: �Schlangenboot an Steuerbord!�</p><p>Forkbeard blickte von seinem Kaissabrett auf. In seine M�nner kam Leben. Sie eilten zur Steuerbordreling. Noch war nichts zu sehen. �Auf die B�nke!� br�llte Forkbeard, und seine Krieger gehorchten; ich h�rte, wie die Ruder hinausgeschoben wurden.</p><p>�Ver�ndere nichts an den Figuren�, sagte Ivar Forkbeard und verlie� das Spiel. Dann kletterte er halb das Knotenseil hinauf, das am Mast herabhing.</p><p>Ich stand auf. Der Himmel war bew�lkt, man hatte den Sonnenschutz nicht aufgespannt; die H�ute lagen zusammengerollt zwischen den B�nken. Ich konnte nichts erkennen.</p><p>Die Sklavinnen sahen sich erschrocken um, w�hrend sie von Gorm gefesselt wurden. Wenn es zu einem Kampf kam, waren sie v�llig hilflos und konnten sich nicht im geringsten einmischen.</p><p>�Das Schlangenschiff Thorgards von Scagnar!� rief Forkbeard erfreut.</p><p>�Ist das ein Freund?� fragte ich.</p><p>�Nein!� rief Forkbeard entz�ckt. �Ein Feind.�</p><p>Ich sah, wie sich die M�nner Forkbeards angrinsten. Als n�chstes kam der Befehl, die Segel zu reffen. �Haltet das Heck im Wind�, sagte er. Die Ruder glitten hinaus.</p><p>�Wir haben noch f�r ein paar Z�ge Zeit�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>�Ich versuche noch immer den Angriff mit der Jarls Axt zu durchbrechen�, sagte ich.</p><p>�S�nger auf Axt Zwei ist kein besonders starker Zug�, brummte Forkbeard.</p><p>In langen Spielen war ich am Tag zuvor zweimal gegen den Angriff mit der Jarls Axt gescheitert.</p><p>�Als n�chstes willst du nat�rlich deinen Jarl auf Axt Vier ziehen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Interessant�, meinte Forkbeard. �Spielen wir diese Variation mal durch.�</p><p>Im S�den war dieser Spielzug sehr beliebt, w�hrend er im Norden nicht so gel�ufig ist.</p><p>�Die Schlange Thorgards hat uns gesehen!� meldete der Ausguck frohlockend.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Ivar Forkbeard. �Jetzt m�ssen wir nicht erst ins Horn sto�en.�</p><p>Ich l�chelte. �Erz�hl mir mehr �ber Thorgard von Scagnar�, sagte ich.</p><p>�Er ist mein Feind�, sagte Ivar Forkbeard schlicht.</p><p>�Die Schiffe Thorgards haben die Schiffe Port Kars oft bel�stigt.�</p><p>�Die Schiffe Port Kars�, erwiderte Ivar Forkbeard l�chelnd, �sind nicht die einzigen, die auf diese Weise ausgezeichnet werden.�</p><p>�Er ist also auch mein Feind�, fuhr ich fort.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte Forkbeard.</p><p>�Nenn mich Tarl�, sagte ich.</p><p>�Das ist ein Name aus Torvaldsland�, erwiderte er. �Stammst du nicht aus diesem Land?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Tarl � und wie weiter?�</p><p>�Es gen�gt, wenn du mich Tarl nennst.�</p><p>�So sei es�, meinte er, �aber hier im Norden m�ssen wir dich von anderen Tarls unterscheiden k�nnen.�</p><p>�Und wie?�</p><p>Er betrachtete mein Haar und grinste. �Wir nennen dich Tarl Rothaar.�</p><p>�Also gut�, sagte ich.</p><p>�Wo liegt deine Heimatstadt?�</p><p>�Meine Heimat d�rfte in Port Kar liegen.�</p><p>�Gut�, sagte er, �aber ich glaube, das h�ngen wir lieber nicht an die gro�e Glocke, denn die Port Karer sind im Norden nicht sehr beliebt.�</p><p>�Und die Torvaldsl�nder sind im S�den nicht gerade beliebt.�</p><p>�Die M�nner aus Port Kar werden aber bei uns respektiert.�</p><p>�Und die Torvaldsl�nder bei uns.�</p><p>�Du verstehst dich auf das Kaissaspiel�, fuhr Forkbeard fort. �Wir wollen Freunde sein.�</p><p>Und wir reichten uns die H�nde.</p><p>�Die Schlange Thorgards dreht in unsere Richtung!� rief der Ausguck beschwingt.</p><p>�Soll ich meinen Langbogen holen?� fragte ich Ivar Forkbeard. Ich wu�te, da� die Reichweite dieser Waffe gr��er war als die der k�rzeren B�gen des Nordens.</p><p>�Nein�, erwiderte Forkbeard entr�stet.</p><p>�Entfernung acht Pasang!� rief der Ausguck. �Die Schlange jagt uns!�</p><p>Der Forkbeard und ich machten vier weitere Z�ge. �Faszinierend�, sagte er.</p><p>�Entfernung vier Pasang!� t�nte es von oben.</p><p>�Welcher Schild ist dr�ben am Mast!� rief Forkbeard.</p><p>�Der rote!� rief der Ausguck.</p><p>�Wir setzen noch keinen Schild�, befahl der Pirat aus dem Norden. Seine M�nner sahen ihn �berrascht an.</p><p>�Thorgard ist ziemlich stolz auf sein gro�es Langschiff�, sagte er, �eine Schlange mit dem Namen �Schwarzer Sleen�.�</p><p>Ich hatte schon von dem Schiff geh�rt.</p><p>�Es hat ein viel gr��eres Freibord als unser Schiff�, sagte ich zu Ivar Forkbeard. �Es ist ein Kriegsschiff, kein Piratenschiff. In einem Kampf w�ren wir hoffnungslos im Nachteil. Auch gilt es als das schnellste Schiff im Norden.�</p><p>�Das werden wir feststellen�, sagte Forkbeard. �Das Schiff hat vierzig B�nke�, fuhr der Mann aus dem Norden fort. �Achtzig Ruder, hundertundsechzig Ruderer. Aber es ist schwerf�llig.�</p><p>�Willst du k�mpfen?�</p><p>�Das w�re t�richt. Ich habe Beute aus dem Tempel in Kassau an Bord, au�erdem achtzehn Leibeigene und die h�bsche Aelgifu, die nochmal einen Sack Goldst�cke wert ist. Ich h�tte also viel zu verlieren und wenig zu gewinnen. Wenn ich mich mit Thorgard von Scagnar einlasse, dann zu meinen Bedingungen.�</p><p>�Noch ein Pasang!� meldete der Ausguck.</p><p>Ivar Forkbeard stand auf. Er wies Gorm an, die Sklavenm�dchen an die Bordwand zu f�hren, damit die Angreifer sehen konnten, was dieses Schiff zu bieten hatte.</p><p>�Ein halber Pasang! Kommt n�her!� t�nte es von oben. �Ann�herung von achtern.�</p><p>�Abfallen! Haltet den Burschen unsere Beute unter die Nase. Sie sollen sehen, da� sich der Sieg �ber uns lohnt!�</p><p>Die Ruderer auf der Backbordseite schwenkten wertvolle Tuche und goldene Kelche und br�llten sp�ttisch zu dem anderen Schiff hin�ber, das nur noch etwa hundert Meter entfernt war.</p><p>Ein Pfeil sirrte durch die Luft.</p><p>�Werft die Tuche �ber die Sklavinnen!� rief Forkbeard. Auf diese Weise wurden sie vor den Geschossen gesch�tzt. �Und dazu die Plane!� �ber die M�dchen und die kostbare Beute wurde die gro�e Plane aus H�uten gebreitet.</p><p>Weitere Pfeile schwirrten heran. Einer traf den Mast, an dem Aelgifu noch gefesselt hockte.</p><p>Das Schiff Thorgards, der Schwarze Sleen, war nur noch etwa f�nfzig Meter entfernt. Ich sah behelmte M�nner an der Reling, etwa f�nf Fu� �ber der Wasserlinie. Die Helme des Nordens sind im allgemeinen konisch geschnitten und haben einen Nasenschutz, den man hin und her schieben kann. Hinten herum zieht sich gew�hnlich ein Schutz aus Kettengewebe. Der Helm Thorgards sch�tzte auch den Nacken und die Seiten des Kopfes. Zwei gewaltige H�rner zierten den Helm. Fast alle M�nner waren mit langen, breiten Speeren bewaffnet, manche auch mit �xten.</p><p>�Auf die B�nke!� rief Ivar Forkbeard lachend. �Und Segel setzen!�</p><p>Ich bef�rchtete jedoch, da� er schon zu lange gewartet hatte.</p><p>Seine M�nner sprangen zu den B�nken und ergriffen ihre Ruder. Gleichzeitig fiel das gewaltige Segel herab und bl�hte sich knallend.</p><p>�Zieht durch!� br�llte Forkbeard, und die Schlange Ivar Forkbeards sprang f�rmlich auf den Horizont zu.</p><p>Verwirrung herrschte an Deck des Schwarzen Sleen. Ich sah Thorgard von Scagnar mit seinem geh�rnten Helm. Er gab hastig Befehle.</p><p>Beh�big drehte sich der Bug des Schwarzen Sleen in unserem Kielwasser. M�nner rannten zu ihren B�nken. Die langen Ruder wurden angehoben und senkten sich wieder.</p><p>Ein Wurfspie� und vier Pfeile trafen das Deck unseres Schiffs, aber sie richteten keinen Schaden mehr an. Die n�chste Salve fiel bereits harmlos hinter uns ins Meer, und die Bogensch�tzen kehrten auf ihre B�nke zur�ck.</p><p>Eine Viertel-Ahn lang stand Forkbeard pers�nlich am Steuerruder seiner Schlange. Aber dann lie� er grinsend seinen Steuermann weitermachen und kehrte in die Schiffsmitte zur�ck.</p><p>Wieder stellten wir das Brett zwischen uns auf eine Truhe. Die Stellung der Figuren hatte sich nat�rlich nicht ver�ndert; die Pfl�cke hatten sie festgehalten.</p><p>�Eine sehr interessante Variation�, sagte Forkbeard und konzentrierte sich wieder auf das Spiel.</p><p>�Vielleicht breche ich diesmal den Angriff der Jarls Axt.�</p><p>�Ich glaube nicht. Aber wir werden sehen.�</p><p>Nach einer weiteren Viertel-Ahn wies Forkbeard seine Ruderer an, sich auszuruhen.</p><p>Der Schwarze Sleen, angeblich das schnellste Schiff des Nordens, m�hte sich in der Ferne mit Rudern und Segeln, den Anschlu� nicht zu verlieren. Aber es gelang ihm nicht. Nur unter Segel fahrend, lief Ivar Forkbeards Schiff dem Schlangenboot Thorgards davon, fast m�helos. Nach kurzer Zeit war es nur noch ein Punkt am Horizont und konnte schlie�lich nur noch vom Ausguck gesehen werden. Die Plane wurde zur�ckgezogen und eingerollt. Die Sklavinnen schnappten erleichtert frische Luft, und nach kurzer Zeit normalisierte sich das Leben an Bord.</p><p>Es wurde Abend.</p><p>�Nimm Kurs auf Einars Felsenriff�, befahl Ivar Forkbeard seinem Steuermann.</p><p>�Jawohl, Kapit�n.�</p><p>Aelgifu lachte erfreut auf.</p><p>Am Felsenriff, am Runenstein von Torvaldsmark, sollte Ivar Forkbeard das L�segeld f�r sie in Empfang nehmen.</p><p>Eine Ahn sp�ter erfuhr ich, da� S�nger auf Axt Zwei, gefolgt von Jarl auf Axt Vier, als Konterschlag gegen den Angriff der Jarls Axt nicht gen�gt.</p><p>�Hatte ich mir doch gleich gedacht�, bemerkte Ivar Forkbeard.</p><p>�Das Schiff Thorgards von Scagnar ist der Schwarze Sleen. Wie hei�t dein Schiff, wenn ich fragen darf?�</p><p>�Mein Schiff�, erwiderte Ivar, �hei�t Hilda.�</p><p>�Ist es nicht ungew�hnlich, da� ein Schiff des Nordens den Namen einer Frau tr�gt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum hei�t es denn Hilda?�</p><p>�Das ist der Name der Tochter Thorgards von Scagnar�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>Ich musterte ihn erstaunt.</p><p>�Die Hilda ist mein Schiff�, sagte Ivar Forkbeard, �und die Tochter Thorgards von Scagnar wird meine Leibeigene sein.�</p><empty-line/><p>Einen Pasang vor Einars Felsenriff lagen wir beigedreht, ohne Lichter. Ivar und vier M�nner waren im Beiboot fortgerudert, das normalerweise kieloben auf dem Achterdeck festgezurrt ist. Sie hatten Aelgifu mitgenommen.</p><p>Im Nachtdunkel machte ich den schwarzen Umri� des Felsenriffs aus. Vor dem Sternenhimmel war die Silhouette des nadelgleichen Runensteins zu erkennen.</p><p>�Sie kommen zur�ck�, sagte Gorm leise.</p><p>Ich starrte in die Nacht hinaus. Einige hundert Meter entfernt machte ich das Boot aus. Ich h�rte das Pl�tschern der Ruder, die sich in einheitlichem Rhythmus bewegten. Die Schlagzahl war sehr langsam, so da� sie offenbar nicht verfolgt wurden.</p><p>Dann sah ich Ivar Forkbeard am Steuerruder. Das Boot scharrte leise an der Bordwand des Schlangenschiffs entlang.</p><p>�Hast du das L�segeld?� fragte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte er grinsend und hob einen schweren Beutel hoch.</p><p>�Es hat lange gedauert�, bemerkte ich.</p><p>�Es dauerte seine Zeit, bis wir das Gold gewogen hatten�, sagte Ivar. �Und es gab Auseinandersetzungen um die Genauigkeit unserer Waagen.�</p><p>�Oh?� fragte ich.</p><p>�Ja, die Waage Gurts aus Kassau hat nicht genau gestimmt � sie zeigte ein zu hohes Gewicht an.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Hier ist das Gold.� Ivar Forkbeard warf Gorm den Beutel zu. �Hundertundzwanzig Goldst�cke.� Dann schleuderte er weitere Geldb�rsen in das Schiff.</p><p>�Was ist das?�</p><p>�Die Geldbeutel der Leute, die Gurt von Kassau begleitet haben�, bemerkte er.</p><p>Ich h�rte ein St�hnen aus dem Boot und sah eine Bewegung unter einem See-Sleen-Fell. Forkbeard ri� das Fell fort und zeigte uns die stolze Aelgifu, die gefesselt im Boot lag. Sie starrte entsetzt zu uns empor. Forkbeard stemmte sie �ber die Bordwand. �Zu den anderen Sklavinnen mit ihr!� befahl er.</p><p>Ich half dem Piratenkapit�n und seinen M�nnern, das kleine Boot wieder an Deck zu hieven.</p><p>Pl�tzlich bohrte sich ein Pfeil in die Bordwand.</p><p>�Los! Ablegen!� br�llte Forkbeard. �Auf die B�nke!� Am Bug und am Heck holte man die beiden Anker auf. Die Ruderluken wurden aufgesto�en, die Ruder hinausgeschoben.</p><p>Von der K�ste n�herte sich ein gutes Dutzend kleiner Boote mit jeweils zehn bis f�nfzehn Mann.</p><p>Zwei weitere Pfeile trafen das Schiff. Andere zuckten in der Dunkelheit an uns vorbei, und nur das Fl�stern ihrer Schaftfedern war zu h�ren.</p><p>�Aufs Meer!� br�llte Forkbeard. �Zieht durch!�</p><p>Die Schlange wandte ihren Bug zum Meer, und die Ruder senkten sich, drangen in das Wasser ein, wurden durchgezogen. Das Schiff setzte sich in Bewegung.</p><p>W�tend stand Forkbeard an der Reling und starrte auf die Bootsarmada. Dann wandte er sich an seine M�nner. �Das soll euch eine Lehre sein!� rief er. �Den Kassauern ist nicht zu trauen!�</p><p>Die M�nner an den Rudern begannen zu singen.</p><p>�Und was hast du mit Gurt und seinen Begleitern gemacht?� fragte ich.</p><p>�Wir haben sie nackt liegenlassen.� Dann blickte er nach achtern, wo die kleinen Boote nun zur�ckblieben. �Anscheinend kann man sich auf keinen mehr verlassen.�</p><p>Dann ging er zu Aelgifu und lie� ihr den Knebel abnehmen.</p><p>�Offenbar ist diese Nacht doch nicht deine letzte in meinen Fesseln.�</p><p>�Du hast das L�segeld genommen!� rief sie. �Du hast das Geld genommen!�</p><p>�Ich habe mehr als L�segeld genommen.�</p><p>�Warum hast du mich dann nicht freigelassen?� fragte sie.</p><p>�Weil ich dich haben will. Ich habe zwar gesagt, da� ich das L�segeld nehme, aber davon, da� ich dich freilasse, war nie die Rede. Dazu bist du viel zu h�bsch. Und warum sollte ich die erkleckliche Mitgift verschm�hen? Willkommen in der Sklavenfessel!�</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Die M�nner Forkbeards stimmten ein lautes Jubelgeschrei an. Das Schlangenschiff wendete langsam zwischen den hohen Klippen und glitt in den schmalen Wasserweg hinein. Da und dort klammerten sich Flechten und B�sche und sogar kleine B�ume an das Felsgestein. Das Wasser unter uns war tief und kalt.</p><p>Die Ruder hoben sich in gleichm��igem Rhythmus, w�hrend sich das Segel in der leichten Landbrise kaum noch bewegte.</p><p>Vorsichtig bahnte sich das Schlangenschiff seinen Weg zwischen den hochaufragenden Klippen hindurch.</p><p>Ivar Forkbeard hob ein gro�es geschwungenes Bronzehorn an die Lippen und lie� einen hohen Ton erklingen, der zwischen den Fels w�nden widerhallte.</p><p>Kurz darauf ert�nte voraus ein �hnliches Signal. Bald hatten wir Forkbeards Heimstatt erreicht.</p><p>�Beh�ngt das Schiff mit Gold!� br�llte Ivar.</p><p>Kerzenhalter und Kelche wurden mit Schn�ren am Bugspriet befestigt. Die M�nner nagelten Goldbleche an den Mast und h�ngten golddurchwirkte Tuche wie Banner �ber die Reling.</p><p>Dann beschrieb das Schiff eine letzte Wende zwischen den Felsen, und pl�tzlich tauchte vor uns ein Pier aus groben St�mmen auf, mit axtbehauenen Brettern bedeckt, dahinter ansteigendes Land, zwischen Felsbrocken mit kurzem gr�nen Gras bestanden. Hundert Meter von der Anlegestelle entfernt erhob sich eine Holzpalisade. Hoch oben auf der Klippe entdeckte ich einen Wachtposten, der ein riesiges Horn in der Hand schwenkte. Zweifellos hatte er unser Signal erwidert. Von dort oben konnte er jeden Feind schon von weitem ausmachen.</p><p>Vier kleine Milchbosks grasten auf der gr�nen Weide. �ber der idyllischen Szene ragten in weiter Ferne schneebedeckte Berge auf. Eine Verrherde, die von einem M�dchen mit einem Stock geh�tet wurde, floh bl�kend den Hang hinauf. Sie legte die Hand �ber die Augen. Sie war blond und barfu� und trug einen kn�chellangen Rock aus wei�er Wolle. Um ihren Hals lag ein dunkler Ring.</p><p>M�nner eilten aus der Palisade und von den Feldern zur Anlegestelle. Sie waren barh�uptig und trugen zottige Jacken. Einige waren in Felljacken, andere in Tuniken aus gef�rbter Wolle gekleidet. Am Hang machte ich zahlreiche Felder aus, die von Mauern aus aufeinanderget�rmten Felsbrocken ges�umt waren. Darin wuchsen Sa-Tarna, zu dieser Jahreszeit noch sehr niedrigstehend, und sicherlich auch Erbsen und Bohnen, Kohlsorten und Zwiebeln, und Beete mit goldenen Suls, die in dieser Breite gediehen. Ich sah schm�chtige Obstb�ume und Bienenst�cke und da und dort kleine Schuppen mit schr�gen Holzd�chern; in einigen mochten Handwerker an der Arbeit sein, in anderen wurde vielleicht Fisch getrocknet oder gebuttert. An eine Felswand lehnte sich ein langer, niedriger Schuppen; hier fanden sicherlich die kleinen Bosks und die Verr im Winter Unterschlupf, zusammen mit ihrer Winternahrung. Ein anderer Schuppen, im Schatten der Klippen aus dicken Balken erbaut, diente gewi� zur Aufbewahrung von Eis, das im Winter von den Bergen geholt wurde.</p><p>Im Augenblick waren nur wenige Bosks zu sehen � Milchtiere. Die Schuppen boten aber einer viel gr��eren Herde Platz. Vermutlich war der gr��te Teil des Viehs oben in den Bergen, wo es im Sommer frei grasen durfte und erst vor Einbruch des Winters wieder in die Schuppen geholt wurde.</p><p>Die M�nner auf den Feldern trugen kurze wei�e Wolltuniken; einige arbeiteten mit Hacken. Ihr Haar war kurz, und um ihren Hals zogen sich schwarze Eisenb�nder. Sie verlie�en die Felder nicht, denn das h�tte ihren Tod bedeutet; es waren Thralls.</p><p>Eine Menge Leute liefen auf die Anlegestelle zu. Mehrere kamen aus der Palisade, darunter auch einige wei�gekleidete Sklavinnen. Sicher war heute ein Festtag in der Halle Ivar Forkbeards.</p><p>Aus einem Holzfa� schenkte Forkbeard Bier in einen gro�en Krug, der etwa zwanzig Liter fa�te. �ber dem Krug ballte er die Faust � das Zeichen des Hammers, das Zeichen Thors. Dann machte der Krug, der zwei gro�e Bronzegriffe hatte, bei den Ruderern die Runde. Die M�nner legten die K�pfe in den Nacken und tranken mit vollen Z�gen. Es war der Siegestrunk.</p><p>Forkbeard trank schlie�lich den Rest des Krugs, warf ihn auf das Deck und sprang dann zu meiner Verbl�ffung �ber die Bordwand auf die sich bewegenden Ruder. Die M�nner sangen lauthals. W�hrend sich das Schiff langsam der Anlegestelle n�herte, vollf�hrte der Piratenkapit�n mit Energie den Rudertanz der Krieger von Torvaldsland � zum gro�en Entz�cken der Leute am Ufer, die ihn bejubelten. Eigentlich handelte es sich nicht um einen Tanz, sondern um eine nicht zu untersch�tzende athletische �bung, die ein hervorragendes Auge, einen ausgezeichneten Gleichgewichtssinn und eine unglaubliche Abstimmung aller Bewegungen erforderte. Aufbr�llend sprang Forkbeard von einem sich bewegenden Ruder zum n�chsten � wobei er vom Bugruder auf der Backbordseite nach hinten, dann �ber das Heck auf die Ruder der Steuerbordseite sprang, wo er wieder nach vorn turnte und sich vom vordersten Ruder praktisch zur�ck an Bord heben lie�. Schlie�lich stand er schwitzend und fr�hlich grinsend neben mir am Bug. Ich sah, wie die M�nner am Ufer gr��end ihre Kr�ge hoben und ihm zutranken.</p><p>Sanft ber�hrte das Schlangenboot die Lederpolster des Piers. Eifrige H�nde griffen nach den Anlegetauen. Die Ruder wurden eingezogen. Die M�nner h�ngten ihre Schilde �ber die Reling.</p><p>�Ich habe neunzehn h�bsche M�dchen!� br�llte Ivar Forkbeard. Lachend schoben seine M�nner die Sklavinnen an die Reling, hoben sie auf die Ruderb�nke.</p><p>�Macht die Brandeisen hei�!� br�llte Forkbeard.</p><p>�Sie gl�hen schon!� lachte ein st�mmiger Mann mit einer Ledersch�rze.</p><p>Jetzt wurde eine Planke �ber die Bordwand gelegt, und die M�nner schoben die aneinandergefesselten M�dchen auf die Anlegestelle. Schlie�lich verlie� auch Forkbeard das Schiff, gefolgt von Gorm und mir und seinen M�nnern. Der Anf�hrer wurde freudig begr��t. Die M�nner umarmten ihn, und er dr�ckte seine Freunde an sich und sch�ttelte manchen zottigen Kopf zwischen seinen gro�en H�nden.</p><p>�War es eine gute Fahrt?� fragte ein Mann mit einem verschlungenen Silberring am Arm.</p><p>�Ziemlich gut�, sagte Forkbeard.</p><p>�Wer ist das?� wollte ein anderer Mann wissen und deutete auf mich. �Wie ich sehe, ist sein Haar nicht kurzgeschnitten, und er tr�gt nicht die Ketten eines Thrall.�</p><p>�Das ist Tarl Rothaar�, sagte Forkbeard.</p><p>�Wessen Mann ist er?� fragte der Mann.</p><p>�Mein eigener�, antwortete ich rasch.</p><p>�Hast du keinen Jarl?�</p><p>�Ich bin mein eigener Jarl.�</p><p>�Kannst du mit der Axt umgehen?�</p><p>�Lehre mich die Axt f�hren!�</p><p>�Dein Schwert ist zu klein. Willst du damit Suls sch�len?�</p><p>�Es bewegt sich schnell�, sagte ich. �Es st��t zu wie die Schlange.�</p><p>Der Mann griff pl�tzlich zu und umfa�te meine H�ften. Offenbar wollte er mich spa�eshalber ins Wasser werfen. Aber er brachte mich nicht von der Stelle; statt dessen stie� er ein �berraschtes Grunzen aus. Auch ich umfa�te seine H�ften. So schwankten wir auf den Planken hin und her. Die Torvaldsl�nder machten uns Platz.</p><p>�Ottar liebt den Sport�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>Mit einer abrupten Bewegung hebelte ich Ottar von den F��en und schleuderte ihn ins Wasser.</p><p>Durchn��t und prustend kletterte er wieder auf das Dock.</p><p>�Morgen�, sagte er lachend, �bringe ich dir den Umgang mit der Axt bei.� Wir gaben uns die H�nde. Wenn Forkbeard nicht zu Hause war, wachte Ottar �ber sein Vieh, seine Besitzt�mer, seinen Hof und sein Verm�gen.</p><p>�Er spielt vorz�glich Kaissa�, versicherte Forkbeard.</p><p>�Ich schlage ihn�, meinte Ottar.</p><p>�Das wollen wir erst mal sehen�, bemerkte ich.</p><p>Eine Sklavin dr�ngte sich durch die Menge. �Erinnert sich mein Jarl nicht mehr an Gunnhild?� fragte sie und dr�ckte sich an ihn. �Und was ist mit Schmollmund�, fragte ein anderes M�dchen, das ihren Kosenamen offenbar den breiten, sinnlichen Lippen verdankte. Forkbeard fuhr ihr mit den Fingern durchs Haar. �Und Olga?� fragte ein anderes M�dchen, schwarzhaarig und s�� anzuschauen.</p><p>�Fort mit euch, M�dchen!� lachte Ottar. �Forkbeard hat sich neue Sch�nheiten mitgebracht!�</p><p>W�tend warf sich Gunnhild in Forkbeards Arme, und er begrub ihre Lippen unter den seinen.</p><p>�Bereitet alles vor!� sagte er. �Wir wollen feiern!�</p><p>�Ja, mein Jarl!� Gunnhild sprang auf und eilte auf die Palisade zu. Die anderen M�dchen taten es ihr nach, begierig, mit den Vorbereitungen f�r das gro�e Fest zu beginnen.</p><p>Dann wandte sich Forkbeard wieder dem Schlangenschiff zu und �berwachte das Entladen der kostbaren Beute, die unter Freudenrufen in die Palisade getragen wurde.</p><p>Ivar Forkbeard warf den Kopf in den Nacken und lachte br�llend. Auf seinem Scho� sa� das M�dchen, das einmal Aelgifu gewesen war; sie hatte die Arme um seinen Hals gelegt, und ihre Lippen liebkosten ihn; der neue Name der Tochter Gurts, des Administrators von Kassau, war �Sch�tzchen�. Sie trug einen schwarzen Metallkragen und das Brandzeichen ihres Herrn. Auf der anderen Seite schmiegte sich Gunnhild an den gro�en Mann.</p><p>Ich hielt das riesige Trinkhorn des Nordens in der Hand. �Das Ding kann man ja gar nicht hinstellen�, sagte ich verwirrt.</p><p>Wieder lachte er.</p><p>�Wenn du es nicht leertrinken kannst�, sagte er, �gib es weiter!�</p><p>Ich legte den Kopf zur�ck und leerte das Horn.</p><p>�Gro�artig!� rief Forkbeard.</p><p>Dann reichte ich das Trinkgef�� an Thyri weiter, die vor mir kniete.</p><p>�Jawohl, mein Jarl�, sagte sie und lief davon, um das Horn in dem gro�en Bottich zu f�llen.</p><p>�Deine Halle�, sagte ich zu Forkbeard, �entspricht nicht ganz den Vorstellungen, die ich mir gemacht hatte.�</p><p>Ja, ich hatte erfahren m�ssen, da� meine Erwartungen hinsichtlich der �Hallen� des Nordens ganz und gar nicht der Wirklichkeit entsprachen. Die echten Hallen, weitr�umig und mit hohen St�tzpfeilern, aus edlen H�lzern erbaut, voller B�nke und hoher Pfeiler, voller T�felungen, Schnitzereien und kostbaren Wandteppichen und Geh�ngen, mit riesigen Feuern und h�ngenden Kesseln � diese Hallen waren wirklich sehr selten. Nur die reichsten aller Jarls konnten sich so etwas leisten. Die Halle des Ivar Forkbeard entsprach eher der �blichen schlichteren Bauweise. Aber wenn ich dar�ber nachdachte, kam mir das auch gar nicht so ungew�hnlich vor, immerhin befand ich mich in einem Land, in dem es wenig B�ume gibt. In Torvaldsland ist gutes Holz sehr teuer, und der gr��te Teil der Vorr�te geht an die Schiffsbauer, die im Grunde noch wichtiger sind. Wenn ein Torvaldsl�nder zwischen seiner Halle und seinem Schiff w�hlen mu�, f�llt seine Entscheidung unweigerlich zugunsten des Schiffes aus. Ganz abgesehen davon w�re er ohne die Reicht�mer, die ihm sein Schiff einbringt, gar nicht in der Lage, eine Halle zu errichten, in der seine M�nner wohnen.</p><p>�Hier, Jarl�, sagte Thyri und reichte mir das Horn. Es war mit dem torvaldsl�ndischen Met gef�llt, aus fermentiertem Honig gebraut, dick, s�� und sanft berauschend.</p><p>Die Halle Ivar Forkbeards war ein langes flaches Geb�ude, etwa hundertundzwanzig goreanische Fu� lang. Die etwa acht Fu� dicken W�nde sind aus Gras und Steinen erbaut. Die L�ngsachse des Geb�udes weist nach Norden, was die Angriffsfl�che f�r den eisigen Nordwind vermindert, der sich im torvaldsl�ndischen Winter besonders unangenehm bemerkbar macht. In der Mitte lodert in einer runden Grube ein gro�es Feuer. Das Haus besteht im wesentlichen aus einem einzigen langen Raum, der zum Wohnen, Schlafen und Essen dient. An einem Ende befindet sich die K�che, durch eine Holzwand vom �brigen Raum abgetrennt. Das Dach ist nur etwa sechs Fu� hoch, was zur Folge hat, da� die meisten M�nner den Kopf einziehen m�ssen. Der lange Raum ist nicht nur niedrig, sondern auch kaum erleuchtet und gew�hnlich von Rauch erf�llt, denn der Abzug erfolgt, wie in Torvaldsland �blich, nur durch kleine L�cher im Dach. In der Mitte der Halle liegt der Boden etwa einen Fu� niedriger als ringsum; in dieser Vertiefung, die sich durch das ganze Geb�ude zieht, befinden sich die Tische und B�nke. In der Mitte tragen das Dach zwei Reihen St�tzpfosten, jeweils sieben Fu� voneinander entfernt. An den Seiten der Halle sind entlang der W�nde auf dem festgestampften Lehmboden Felle ausgebreitet. Steine markieren die Schlafecken, in denen man auch seine Sachen unterbringen kann. Der Mittelteil der Halle, etwa zw�lf Fu� breit, dient als allgemeiner Aufenthaltsraum.</p><p>Zwei Sklavenm�dchen trugen nun einen am Spie� gebratenen Tarsk herein, eine Last, die sie auf den Schultern balancierten. Sie waren durch dicke Lederpolster vor der Hitze des gro�en Bratspie�es gesch�tzt. Das dampfende Fleisch wurde auf den Tisch abgesetzt. Ivar Forkbeard zog sein Messer, schob die beiden Sklavinnen zur Seite und machte sich daran, das Fleisch zu verteilen. Er warf die St�cke �ber den Tisch.</p><p>Ich h�rte Gel�chter. Aus der Dunkelheit hinter mir drang ein woll�stiges St�hnen, und gleich darauf h�rte man die Wonneschreie einer Sklavin. Es handelte sich um eins der neuen M�dchen, das vor ein paar Minuten an den Haaren hinauf geschleppt worden war. Einer der heimgekehrten Krieger konnte es offenbar nicht mehr erwarten und verschaffte sich ausgiebig Erleichterung.</p><p>�Du mu�t wissen�, sagte Ivar Forkbeard zu mir, �da� ich ein Ge�chteter bin.�</p><p>�Das wu�te ich nicht.�</p><p>�Das ist einer der Gr�nde, warum meine Halle nicht aus Holz besteht.�</p><p>�Ich verstehe�, meinte ich. �Aber du hast wenigstens eine Palisade.�</p><p>Er warf mir ein St�ck Heisch zu. �Die Palisade�, erwiderte er, �ist niedrig, und die Spalten sind mit Lehm verschmiert.�</p><p>Ich l�ste ein St�ck von dem Fleisch, das mir Ivar zugeworfen hatte, und hielt es Thyri hin. Sie l�chelte mich an. Sie versuchte zu lernen, einem Mann zu gefallen.</p><p>�Danke, mein Jarl�, sagte sie und nahm das Fleisch zwischen die Z�hne.</p><p>�Du bist reich�, sagte ich zu Ivar, �und hast viele M�nner. Du k�nntest dir bestimmt eine Halle aus Holz leisten, wenn du wolltest.�</p><p>�Warum bist du nach Torvaldsland gekommen?� fragte Ivar pl�tzlich.</p><p>�Um Rache zu nehmen�, sagte ich. �Ich mu� einen bestimmten Kur erwischen.�</p><p>�Das sind gef�hrliche Wesen�, sagte er. Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Einer hat uns hier angegriffen�, sagte Ottar pl�tzlich.</p><p>Ivar sah ihn an.</p><p>�Im letzten Monat wurde ein Verr gerissen�, berichtete Ottar.</p><p>Da wu�te ich, da� es sich nicht um den Kur handeln konnte, den ich suchte.</p><p>�Wir haben ihn gejagt, konnten ihn aber nicht finden�, fuhr Ottar fort.</p><p>�Sicher hat er die Gegend inzwischen wieder verlassen�, sagte Ivar.</p><p>�Habt ihr sehr unter diesen Ungeheuern zu leiden?� fragte ich.</p><p>�Nein�, sagte Ivar. �Sie jagen selten so weit im S�den.�</p><p>�Die Kurii sind intelligent�, sagte ich. �Sie k�nnen sprechen.�</p><p>�Das ist mir bekannt�, sagte Ivar.</p><p>Ich erz�hlte Ivar nicht, da� die Wesen, die er Kurii oder Ungeheuer nannte, in Wirklichkeit Angeh�rige einer au�erplanetarischen Rasse waren und da� sie � oder ihre Artgenossen in Raumschiffen � im Krieg mit den Priesterk�nigen lagen, denen sie die Herrschaft �ber zwei Welten, Gor und die Erde, abnehmen wollten. Als Folge dieser K�mpfe, von denen die Erdenmenschen wie auch die Goreaner nichts wu�ten, waren von Zeit zu Zeit Schiffe der Kurii vernichtet worden und abgest�rzt. Die Priesterk�nige hatten es sich zur Angewohnheit gemacht, die Wracks dieser Schiffe zu vernichten, doch normalerweise verzichteten sie auf den Versuch, �berlebende aufzusp�ren und zu t�ten. Wenn sich die verstreuten Kurii an die Waffen- und Technologiegesetze der Priesterk�nige hielten, durften sie wie die Menschen �berleben. Die Kurii, die ich kannte, waren von schrecklichen Instinkten getrieben, Ungeheuer, die in Menschen und Tieren nur Nahrung erblickten. Wie beim Hai reizte Blut die Kurii zu blinder Raserei. Sie waren ungew�hnlich kr�ftig und � wenn sie bei Sinnen waren � hochintelligent, obwohl sie intellektuell ebensowenig an die Priesterk�nige herankamen wie die Menschen. In ihrer Mordlust und mit ihrer hochstehenden Technologie waren sie allerdings auf ihre Art ein ebenb�rtiger Gegner der Priesterk�nige. Die meisten Kurii lebten in Schiffen, den Stahlw�lfen des Alls, und ihre Instinkte wurden bis zu einem gewissen Grad durch das unerbittliche Schiffsgesetz im Zaum gehalten. Man nahm an, da� die Heimatwelt der Kurii vernichtet worden war. Dies erschien logisch, wenn man ihr Ungest�m und ihre Gier bedachte � ihre eigene Heimat war vernichtet, jetzt suchten sie ein neues Zuhause.</p><p>Nat�rlich mochten die Kurii, mit denen die Torvaldsl�nder zu tun hatten, seit Generationen keine Verbindung mehr mit den Kurii der Schiffe haben. Es galt als eine der gro�en Gefahren bei der Auseinandersetzung, da� sich die Kurii aus den Schiffen eines Tages mit ihren Artgenossen auf Gor in Verbindung setzen k�nnten, um ihre Pl�ne voranzutreiben.</p><p>Menschen und Kurii hielten sich f�r Todfeinde. Die Kurii ern�hrten sich h�ufig von Menschenfleisch, so war es ganz nat�rlich, da� die Menschen diese Ungeheuer jagten, sobald sich eine Chance bot. Wegen der berserkerhaften Kampfkraft der Ungeheuer wurden die Kurii meistens aber nur bis an die jeweiligen Distriktsgrenzen gejagt, besonders dann, wenn nur der Verlust von Bosks oder Thralls zu beklagen war. Auch in Torvaldsland hielt man es gew�hnlich f�r ausreichend, die Ungeheuer aus dem eigenen Bezirk zu vertreiben.</p><p>�Wie erkennst du den Kurii, den du suchst?� fragte Ivar.</p><p>�Ich glaube, er wird mich erkennen�, antwortete ich.</p><p>�Du bist sehr mutig � oder sehr t�richt.�</p><p>Ich trank schweigend Met und a� von dem Tarskfleisch, w�hrend der unerm�dliche Krieger hinter uns auf den Schlafstellen seine Sklavin einem neuen H�hepunkt der Lust entgegenritt, wie ihre Schreie un�berh�rbar bezeugten.</p><p>�Du bist aus dem S�den�, sagte Ivar. �Ich m�chte dir einen Vorschlag machen. Ich bin ge�chtet. In einem Duell habe ich Finn Broadbelt get�tet.�</p><p>�Aber das war ein Duell!�</p><p>�Finn Broadbelt war der Cousin von Jarl Svein Blue Tooth.�</p><p>�Ah�, sagte ich. Svein Blue Tooth war der Erste Jarl von Torvaldsland � jedenfalls galt er allgemein als der m�chtigste des Landes. Es ging das Ger�cht, da� in seiner Halle tausend M�nner lebten und er den Kriegspfeil jederzeit auf zehntausend H�fe tragen konnte. In seinem Hafen lagen zehn Schiffe, und man behauptete, da� er m�helos hundert weitere unter sein Kommando rufen konnte. �Er ist dein Jarl?� fragte ich.</p><p>�Er war mein Jarl�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>�Das Wergeld ist sicher hoch�, sagte ich z�gernd.</p><p>Forkbeard musterte mich grinsend. �Gegen alle Sitten und Gesetze und gegen die Proteste der Runenpriester und H�flinge wurde das Wergeld so hoch angesetzt, da� es Sveins Auffassung nach unbezahlbar ist.�</p><p>�Dein Bann soll also aufrechterhalten bleiben, bis du gefangen oder get�tet wirst.�</p><p>�Er wollte mich aus Torvaldsland vertreiben.�</p><p>�Aber das ist ihm nicht gelungen.�</p><p>Ivar grinste noch breiter. �Er wei� nicht, wo ich stecke. Wenn er es w��te, w�rden sofort hundert Schiffe vor dem Fjord auffahren.�</p><p>�Wie hoch ist denn das Wergeld?�</p><p>�Hundert Stein in Gold�, sagte Ivar.</p><p>�Soviel hast du doch allein im Tempel von Kassau erobert�, sagte ich.</p><p>�Und das Gewicht eines erwachsenen Mannes in Saphiren aus Shendi�, fuhr Forkbeard fort.</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Bist du nicht �berrascht?�</p><p>�Eine unm�gliche Forderung�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Du wei�t aber, was ich im S�den getan habe.�</p><p>�Das ist allgemein bekannt. Du hast Chenbar den See-Sleen, Ubar von Tyros, aus einem Verlies in Port Kar befreit � und das f�r sein Gewicht in Saphiren aus Shendi.�</p><p>Ich �berging die Tatsache, da� ich als Bosk von Port Kar f�r die Einkerkerung Chenbars verantwortlich gewesen war.</p><p>Ich bewunderte die K�hnheit des Torvaldsl�nders, dessen Befreiungsaktion mich allerdings in den W�ldern des Nordens fast das Leben gekostet hatte. Chenbar hatte Sarus aus Tyros geschickt, um Marlenus aus Ar und mich zu fangen. Nur mit M�he hatte ich Marlenus und seine M�nner befreien k�nnen.</p><p>�Inzwischen�, sagte Ivar lachend, �d�rfte Svein Blue Tooth ziemlich unruhig sein.�</p><p>�Du hast hundert Stein in Gold und das Gewicht Chenbars aus Tyros in Saphiren.�</p><p>�Aber Blue Tooth verlangt noch ein drittes von mir.�</p><p>�Die Monde Gors?� fragte ich.</p><p>�Nein�, erwiderte er. �Die Monde Scagnars.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Die Tochter Thorgards von Scagnar, Hilda die Hochm�tige.�</p><p>Ich lachte. �Thorgard von Scagnar�, sagte ich, �ist etwa so m�chtig wie Blue Tooth.�</p><p>�Du kommst aus Port Kar � ist Thorgard von Scagnar nicht der Feind der Port Karer?�</p><p>�Wir aus Port Kar�, sagte ich, �haben im Grunde mit den Scagnarern wenig zu schaffen, doch es trifft zu, da� sich die Schiffe Thorgards oft an unseren Flotten vergriffen haben. Viele Port Karer sind durch ihn auf den Boden des Thassa geschickt worden.�</p><p>�W�rdest du sagen, da� er dein Feind ist?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Deine Jagd auf einen Kur mag schwierig sein.�</p><p>�M�glich.�</p><p>�Es k�nnte Spa� machen, eine solche Jagd anzugehen.�</p><p>�Du bist willkommen, mich zu begleiten.�</p><p>�Bist du daran interessiert, da� die Tochter Thorgards von Scagnar einen Sklavenkragen tr�gt?�</p><p>�Mir ist das im Grunde gleichg�ltig � aber der Versuch k�nnte schwierig und gef�hrlich sein.�</p><p>�M�glich.�</p><p>�Darf ich dich begleiten?� fragte ich.</p><p>Er grinste. �Gunnhild!� rief er. �Bring uns Met!�</p><p>Ich sagte mir, da� Forkbeards Hilfe in der �de Torvaldsland von unsch�tzbarem Wert sein konnte. Er kannte wom�glich die Schleichpfade der Kurii, ihm waren bestimmt die Dialekte des Nordens bekannt, die sich zum Teil sehr vom �blichen Goreanisch unterscheiden; die Sitten und Gebr�uche dieser entlegenen Landstriche mochten ihm vertraut sein. Ich hatte keine Lust, gefesselt vor die Hacken von Thralls geworfen zu werden, nur weil ich unabsichtlich einen freien K�mpfer beleidigt oder eine Regel �bertreten hatte � die vielleicht ein so einfaches Vergehen war wie der Griff zur Butter vor einem anderen Gast, der den Ehrenpl�tzen n�her sa� als ich. Und vor allen Dingen war Forkbeard ein gro�artiger K�mpfer und ein Schlaukopf; bei meinem Vorhaben im Norden konnte ich mir eigentlich keinen besseren Verb�ndeten w�nschen.</p><p>Der Tochter Thorgards von Scagnar einen Sklavenkragen anzulegen, schien mir ein angemessener Preis zu sein f�r einen so m�chtigen Kampfgef�hrten.</p><p>Thorgard von Scagnar, der b�sartige, grausame Herrscher, einer der m�chtigsten Jarls des Nordens, war mein Feind. Er war es, der uns mit seinem Schiff, dem Schwarzen Sleen, verfolgt hatte.</p><p>Ich l�chelte. Seine Tochter Hilda die Hochm�tige sollte sich in acht nehmen!</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Die n�chsten f�nf Tage waren sehr angenehm f�r mich.</p><p>Vormittags �bte ich mit Ottar den Axtkampf.</p><p>Die Klinge bohrte sich tief in den Pfosten.</p><p>�Mehr Schwung!� rief Ottar lachend. �Mehr Schwung!�</p><p>Die M�nner stie�en einen Freudenschrei aus, als die Axt beim n�chsten Schlag das Holz glatt durchschlug.</p><p>Wieder hieb ich mit der gro�en Axt zu. Der Pfosten erbebte im Boden, und ein weiteres St�ck wirbelte davon.</p><p>�Gut gemacht!� rief Ottar.</p><p>Im n�chsten Augenblick hieb er mit seiner Axt zu. Ich fing den Schlag mit meiner Waffe an seinem Axtgriff ab, hob die linke Faust und schleuderte ihn mit einer Bewegung zu Boden. Gleich darauf lag er im Gras, und ich beugte mich mit erhobener Waffe �ber ihn.</p><p>�Ausgezeichnet!� rief er lachend und sprang wieder auf.</p><p>Es gibt viele Tricks im Kampf mit der Axt; oft setzt man Finten ein und f�hrt kurze Hiebe mit dem Axtgriff, mit dem man ebenfalls zusto�en und auch schlagen kann. Ein voller Hieb f�hrt nat�rlich dazu, da� der Krieger einen Moment lang ungesch�tzt ist, sollte die Klinge ihr Ziel verfehlen; grunds�tzlich zieht man einen kr�ftigen Streich nicht bis zu Ende durch, um den Gegner aus der Reserve zu locken und dann mit einem R�ckhandschlag zu erwischen. Manchmal kann man auch das Schild des Gegners unterlaufen und vielleicht seinen Schildarm abtrennen. Ein niedriger Schlag kann auch auf das Bein gerichtet werden. Und in der Defensive kann man versuchen, einen vollen Hieb herauszufordern, der einem einen kurzen Vorteil bringt; vielleicht l��t sich der Gegner in dem Glauben wiegen, da� er es mit einem unerfahrenen Krieger zu tun hat, und dazu verleiten, das Gewicht seines K�rpers zur Unzeit in einen vollen Schlag zu legen. Die Axt der Torvaldsl�nder ist eine der schrecklichsten Waffen auf Gor, und es ist nicht leicht, einen Mann zu �berlisten, der sich auf diese Waffe versteht. Zum Sieg braucht er nur einen Streich, den er erst ansetzen wird, wenn er sich seines Ziels ganz sicher ist.</p><p>Eine Stunde sp�ter inspizierte Forkbeard seine Felder, begleitet von Ottar, dem H�ter seiner Farm, und Tarl Rothaar, Gast in Forkbeards Heimstatt.</p><p>Das gelbe Sa-Tarna des Nordens, in Reihen anges�t, stand etwa f�nfundzwanzig Zentimeter hoch. Die Reifezeit betrug an diesem Breitengrad, gem��igt durch den Torvaldstrom, ungef�hr hundertundzwanzig Tage. Die Aussaat hatte schon im letzten Herbst stattgefunden, einen Monat nach dem Erntefest. Die Saat kommt so fr�hzeitig in den Boden, da� sich vor dem tiefen Frost, der das Wachstum vor�bergehend bremst, ein ausreichendes Wurzelsystem entwickeln kann. In der W�rme des Fr�hlings setzen sich die unempfindlichen Pflanzen durch. Der Ernteertrag des im Herbst ausges�ten Sa-Tarnas ist h�her als der sp�ter ausges�ter Arten.</p><p>�Gut�, sagte Forkbeard, richtete sich auf und klopfte sich den Schmutz von den Knien seiner ledernen Hosen. �Gut�, sagte er noch einmal.</p><p>Sa-Tarna ist das Hauptgetreide auf Forkbeards Land, aber es werden auch viele G�rten unterhalten. Ottar grub f�r Forkbeard und mich zwei Rettiche aus, die wir reinigten und verzehrten. Die Tospits im Obstgarten waren noch zu gr�n zum Essen; ich mochte diese Frucht ohnehin nicht besonders, weil sie ziemlich bitter ist. Manche sch�tzen sie als Leckerbissen. Sie wird gew�hnlich in Honig oder Sirup eingelegt und bei einer Vielzahl von Speisen als Zutat verwendet. Sie dient vor allem zur Verhinderung von Mangelerscheinungen bei der Ern�hrung, weil sie wertvolle Vitamine enth�lt. Auf langen Seereisen werden Tospits in F�ssern an Bord genommen, in denen sie sich lange halten.</p><p>Als wir unsere Inspektion beendeten, gab es gro�e Aufregung. Mehrere M�nner waren bei der Halle zusammengelaufen. In ihrer Mitte stand ein hinkender Thrall; seine Augen waren vor Entsetzen aufgerissen.</p><p>�Zeig uns, was du gefunden hast�, verlangte Forkbeard.</p><p>Wir folgten dem Mann vier Pasang weit den Hang hinauf, zu den Sommerweiden. Wir erreichten schlie�lich eine H�he, von der aus wir den Hof und das Schiff tief unter uns sehen konnten; hier blieb der Thrall stehen und deutete auf seinen grausigen Fund.</p><p>�Gibt es hier Larls in den Bergen?� fragte ich verwundert.</p><p>Die M�nner sahen mich an, als h�tte ich den Verstand verloren.</p><p>�Ein Sleen war das jedenfalls nicht�, fuhr ich fort.</p><p>Vor uns lagen die �berreste eines ausgewachsenen Bosk, der f�rmlich zerrissen worden war. Sogar gro�e Knochen waren gebrochen, offenbar von m�chtigen Kiefern zermalmt, das Mark war ausgesaugt. Auch das Gehirn war aus dem aufgebrochenen Sch�del geholt worden.</p><p>�Wei�t du nicht, welches Tier hier am Werk war?� fragte Forkbeard.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Der Bosk ist von einem Kur get�tet worden.�</p><empty-line/><p>Vier Tage lang jagten wir das Ungeheuer, doch wir fanden es nicht. Obwohl der Bosk erst vor kurzem get�tet worden war, blieb der Kur spurlos verschwunden.</p><p>�Wir m�ssen ihn finden�, sagte Forkbeard. �Er mu� erkennen, da� er sich nicht ungestraft auf Forkbeards Land herumtreiben darf!�</p><p>Aber wir fanden nichts. Und je l�nger sich unsere Suche hinzog, desto unruhiger, m�rrischer und w�tender wurden die M�nner. Auch die Sklavinnen lachten und scherzten nicht mehr. Die Anwesenheit eines Kur auf Ivar Forkbeards Land bedr�ckte alle.</p><p>�Das Ungeheuer hat sicher die Gegend verlassen�, mutma�te Ottar am vierten Abend.</p><p>�Es hat jedenfalls bisher nicht wieder zugeschlagen�, sagte Gautrek der Schmied, der uns begleitet hatte.</p><p>�Glaubst du, es ist dasselbe Wesen, das im letzten Monat den Verr get�tet hat?� fragte ich Ottar.</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte der Torvaldsl�nder. �M�glich, denn Kurii tauchen hier im S�den nur selten auf.�</p><p>�Vielleicht ist er von seinen Artgenossen vertrieben worden�, meinte Forkbeard. �Vielleicht ist er sogar zu b�sartig, um in seinen eigenen H�hlen geduldet zu sein.�</p><p>�Vielleicht ist er auch verr�ckt oder dumm�, warf Ottar ein.</p><p>�Oder krank oder verletzt und hat bei den schnellen Tieren des Nordens keine Chance mehr.�</p><p>�Wie dem auch sei�, meinte ich, �der Kur scheint fort zu sein.�</p><p>�Wir sind sicher�, meinte Gautrek.</p><p>�Wollen wir heute abend feiern?� fragte Gorm. �Nein�, sagte Forkbeard. �Heute steht mir der Sinn nicht nach Feiern.�</p><empty-line/><p>Ich erwachte in der Dunkelheit. Thyri lag wie immer an mich geschmiegt; sie schlief.</p><p>Ich r�hrte mich nicht.</p><p>Aus irgendeinem Grund war ich unruhig.</p><p>Ich h�rte das schwere Atmen und leise Schnarchen der M�nner in der Halle.</p><p>Neben mir atmete Thyri tief und regelm��ig.</p><p>Ich glaubte einen frischen Luftzug zu sp�ren.</p><p>Und dann roch ich es.</p><p>Mit einem Wutschrei sprang ich hoch und schleuderte die Felle von mir. Im gleichen Augenblick packten mich riesige Pranken und hoben mich in die H�he. Ich vermochte meinen Angreifer nicht zu erkennen. Dann wurde ich gegen die Wand aus Gras und Steinen geschleudert.</p><p>�Was ist los?� br�llte jemand.</p><p>Thyri erwachte und begann zu schreien.</p><p>Ich lag halb bet�ubt von der Wucht des Aufpralls am Fu� der Wand.</p><p>�Fackeln!� br�llte Forkbeard. �Fackeln!�</p><p>M�nner br�llten; Sklavinnen kreischten.</p><p>Ich h�rte schmatzende Laute.</p><p>Und dann sahen wir im Licht der Fackel, die Forkbeard an der glimmenden Asche der Feuerstelle entz�ndet hatte, das unheimliche Wesen.</p><p>Es war nur zehn Fu� von mir entfernt. Es hob sein Gesicht von dem halb verzehrten K�rper eines Mannes. Die gro�en, runden Augen funkelten im Licht der Fackel.</p><p>�Waffen!� br�llte Forkbeard.</p><p>�Kur! Kur!� riefen andere M�nner. Das Wesen verharrte reglos, halb �ber den zerfetzten Leichnam gebeugt. Es wollte sich nicht von seiner Beute trennen. Sein Fell war tief schwarz und mit wei�en Flecken durchsetzt. Die gro�en spitzen Ohren lagen flach am Kopf an. Das Wesen war etwa sieben Fu� gro� und mochte vierhundert oder f�nfhundert Pfund wiegen. Die Schnauze war breit und ledrig. Es besa� zwei geschlitzte N�stern. Die Zunge war dunkel. Im Maul blitzten zwei Reihen scharfer Z�hne, von denen vier besonders hervorstachen. Die Arme waren l�nger und kr�ftiger ausgebildet als die Beine; das Wesen umklammerte den Toten, von dem es fra�, mit gewaltigen Klauenh�nden, die mit ihren sechs Kn�chelgliedern fast wie Tentakel wirkten.</p><p>Das Wesen zischte unruhig und bleckte die F�nge.</p><p>Anscheinend konnte sich niemand r�hren. Im n�chsten Augenblick sah ich hinter dem Kur eine Axt aufblitzen. Die Klinge fuhr herab und durchtrennte einen Fu� unterhalb des Halses das R�ckgrat des Ungeheuers. Es sackte nach vorn und begrub eine hysterisch schluchzende Sklavin fast v�llig unter sich. Hinter dem schwarzen Wesen erblickte ich Rollo, den riesigen Torvaldsl�nder. Er schien v�llig gelassen zu sein; sein Verhalten hatte nichts Menschliches mehr. Er hatte zugeschlagen, w�hrend andere Gautrek, Gorm, ich und sogar Forkbeard! � das Ungeheuer nur entsetzt anstarren konnten. Wieder hob Rollo die Axt. �Nein!� rief Ivar Forkbeard. �Der Kampf ist vorbei!�</p><p>Der Riese senkte seine Waffe und kehrte langsam zu seinem Lager zur�ck.</p><p>Einer der M�nner ber�hrte die Schnauze des Ungeheuers mit dem Speer und schob die Spitze schlie�lich in das breite Maul � der Speerschaft wurde zur Seite gerissen; die Sklavinnen schrien auf. �Es lebt noch!� br�llte Gorm.</p><p>�Schafft es raus!� befahl Ivar Forkbeard. �Nehmt euch vor den Z�hnen in acht.�</p><p>Mit Ketten und Stangen wurde der Kur aus der Halle geschleift. Wir schafften das Ungeheuer aus der Palisade und schoben es auf die Felsen. Es wurde langsam hell.</p><p>Ich kniete neben dem Wesen nieder.</p><p>Es lebte immer noch; nun �ffnete es die Augen.</p><p>�Kennst du mich?� fragte ich.</p><p>�Nein�, sagte es.</p><p>�Dies ist ein kleiner Kur�, sagte Forkbeard. �Die Ungeheuer sind im allgemeinen gr��er. Schau dir die wei�en Flecken an! Es ist krank�</p><p>�Ich hoffe, da� es nicht meinetwegen in die Halle gekommen ist�, sagte ich.</p><p>�Nein�, sagte Forkbeard. �Die Kurii k�nnen im Dunkeln ausgezeichnet sehen. Wenn es hinter dir her gewesen w�re, h�tte es dich erwischt.�</p><p>�Warum ist es dann in die Halle gekommen?�</p><p>�Kurii�, sagte Ivar Forkbeard, �lieben Menschenfleisch.� �Warum hat es sich nicht gewehrt?�</p><p>�Es war beim Fressen�, erwiderte der Torvaldsl�nder und beugte sich �ber das Ungeheuer. �Hast du schon vorher hier bei uns gejagt?� fragte er. �Hast du einen Verr und einen Bosk gerissen?�</p><p>�Und eben in der Halle einen Menschen�, sagte es stolz, dann verdrehte es r�chelnd den Kopf.</p><p>�T�tet es!� befahl Forkbeard.</p><p>Vier Speere wurden erhoben.</p><p>�Halt�, sagte Ivar Forkbeard. �Es ist tot!�</p></section><section><title><p>8</p></title><p>�Dies ist also das Parf�m, das die vornehmen Frauen Ars zu den Ges�ngen im En'Kara tragen?� fragte das blonde M�dchen am�siert.</p><p>�Jawohl, meine Dame�, versicherte ich und machte eine tiefe Verbeugung.</p><p>�Ein krasser Duft � nur f�r die Unw�rdigen.�</p><p>Mein Assistent, ein gro�er Bursche, der offensichtlich geistig nicht ganz auf der H�he war und wie ich nach Art der Parf�mh�ndler wei�gelbe Seide trug, eilte mit einem Koffer voller Flakons herbei.</p><p>�Ich h�tte nicht angenommen, hier im Norden einen so feinen Geschmack wie den deinen zu finden.�</p><p>Mein Akzent h�tte einen Arer nicht get�uscht, aber ich stellte mich auch nicht gerade ungeschickt an.</p><p>Die Augen Hildas der Hochm�tigen, der Tochter Thorgards von Scagnar, blitzten. �Daf�r k�nnte ich dich in Tarskfett r�sten lassen!� versicherte sie.</p><p>�Erbarme dich eines Unw�rdigen, der keine Ahnung hatte von der Vornehmheit des Nordens!�</p><p>�Hast du noch andere Parf�ms?�</p><p>Ich reichte ihr ein anderes Fl�schchen, das sie an die Nase hob.</p><p>�Das Zeug stinkt ja widerlich�, sagte sie.</p><p>Hastig verschlo� ich die Probe wieder und reichte sie meinem Assistenten, der sie wieder auf das Tablett stellte. Ich mimte Nervosit�t und reichte ihr mit zitternden H�nden das n�chste Fl�schchen. Sie gab es mir sofort zur�ck.</p><p>�Ich wu�te ja gar nicht�, sagte sie, �wie minderwertig die Waren aus Ar sind!�</p><p>Das reiche Ar, die gr��te Stadt im bekannten Gor, galt als Symbol f�r hohe Qualit�t. Der Stempel Ars, ein einziger Buchstabe, der auch auf dem Heimstein der Stadt zu finden ist, wurde von skrupellosen Kaufleuten oft gef�lscht und auf minderwertigen Waren angebracht. Obwohl der Buchstabe nicht schwer nachzumachen ist, war er nicht ver�ndert oder ausgeschm�ckt worden; das Zeichen Ars ist ein Teil seiner Tradition. Meiner Auffassung nach waren die Handelsg�ter aus Ko-ro-ba mindestens ebenso gut, wenn nicht sogar besser, doch diese Stadt hatte eben nicht den Ruf der gro�en Stadt im S�dosten, jenseits des Vosk. All jene, die sich f�r solche Dinge interessieren, sehen in Ar den Schrittmacher f�r Mode und Sitte.</p><p>�Du beleidigst mich�, sagte Hilda die Hochm�tige, �wenn du mir so minderwertige Duftstoffe vorsetzt. Ist das alles, was das gro�e Ar zu bieten hat?�</p><p>Als Arer h�tte ich mich vielleicht entr�stet; aber so gab ich mich nur etwas gereizt. Die Parf�ms, die ich ihr vorf�hrte, hatte Forkbeard vor etwa sechs Monaten an Bord eines Schiffs aus Cos erbeutet. Es handelte sich um echte Parf�ms von allerfeinster Qualit�t.</p><p>Ich verneigte mich vor der hochm�tigen jungen Dame. �Oh, gro�e Herrin!� jammerte ich. �Die feinsten Parf�ms aus Ar sind vielleicht zu d�nn und zu schwach f�r eine Person Eures vorz�glichen Geschmacks!�</p><p>�Zeige mir andere Muster�, befahl sie ver�chtlich. Immer wieder versuchten wir der Tochter Thorgards von Scagnar zu gefallen doch erfolglos. Sie verzog das Gesicht oder zuckte zur�ck oder deutete mit einer kleinen Handbewegung ihren Widerwillen an.</p><p>Wir hatten den kleinen flachen Lederkasten fast durchprobiert.</p><p>Ich entkorkte ein kleines Fl�schchen, das sie sich anmutig unter das N�schen hielt. �Gerade ausreichend�, sagte sie nach einem pr�fenden Schnuppern.</p><p>Ich z�gelte meine Wut. Den Duft kannte ich � die Destillation hundert verschiedener Blumen, wie ein kostbarer Wein gewonnen, ein besonderes Geheimnis der Parf�mhersteller Ars. Es enthielt das �l des Nadelbaums aus Thentis, einen Extrakt aus den Dr�sen der Urt des Cartiusflusses und ein Pr�parat aus einer Ablagerung, die aus dem Ged�rm des seltenen Hunjer-Langwals gekratzt worden war � Ergebnis der mangelhaften Verdauung von Blackfischen. Zum Gl�ck wird die Masse zuweilen auch freischwimmend im Meer gefunden, von den Ausscheidungen der Wale getrennt. Dieses Parf�m beanspruchte in der Herstellung fast ein ganzes Jahr.</p><p>�Gerade ausreichend�, sagte sie. Aber ich wu�te, da� ihr der Duft gefiel.</p><p>�Es kostet nur acht Stein Gold pro Flasche�, sagte ich beil�ufig.</p><p>�Ich akzeptiere das Fl�schchen als Geschenk�, sagte sie.</p><p>�Als Geschenk?� rief ich entsetzt.</p><p>�Ja�, sagte sie. �Du hast mich ver�rgert. Ich bin geduldig gewesen!�</p><p>�Habe Mitleid, Herrin!� schluchzte ich. �Ich w�re ruiniert.�</p><p>�Hebe dich hinweg, du Jauchenhausierer!�</p><p>Ich tat, als w�re ich erschrocken, und machte Anstalten, meinen Lederbeh�lter zu schlie�en. Dabei tat ich, als wollte ich eine Parf�mflasche besonders vor ihr verstecken.</p><p>�Was ist das?� fragte sie schneidend.</p><p>�Ach, nichts.�</p><p>�La� mich riechen!�</p><p>�Bitte nein, gro�e Herrin!�</p><p>�Du wolltest mir das Parf�m vorenthalten, was?� fragte sie lachend. �Nimm dich in acht, sonst lasse ich dich doch noch auspeitschen!�</p><p>Mein Assistent und ich knieten vor der jungen Frau. Noch nie hatte ich eine so hochm�tige, stolze und kalte Frau erlebt.</p><p>�Halte die Flasche hoch!� befahl sie und beugte sich vor. Dann schlo� sie die Augen und atmete erwartungsvoll ein.</p><p>Sie �ffnete die Augen und sch�ttelte den Kopf. �Was ist das?�</p><p>�Oh � nur ein Fangduft!�</p><p>Ich packte ihre Unterarme. Ivar Forkbeard zog ihr mit ge�bten Fingern Ringe und Armreifen ab und ri� ihr die schweren Ketten vom Hals. Ich zerrte sie hoch, w�hrend Ivar ihr die goldene Kette aus dem Haar wickelte, das ihr bis auf den R�cken herabfiel.</p><p>�Wer seid ihr?� fl�sterte sie benommen.</p><p>Ivar lie� schwere Metallfesseln um ihre Handgelenke zuschnappen.</p><p>�Ein Freund deines Vaters�, sagte er und befreite sich hastig von der Tunika des Parf�mh�ndlers. Ich tat es ihm nach.</p><p>Sie sah, da� wir die Felle und das Leder der Torvaldsl�nder trugen.</p><p>�Nein!� rief sie entsetzt.</p><p>�W�hrend Thorgard das Meer unsicher macht, machen wir Scagnar unsicher!�</p><p>�Soll ich sie noch mal daran riechen lassen?� fragte ich. Das Mittel hatte eine bet�ubende Wirkung, wenn man es lange genug einatmet. Die Fl�ssigkeit wird von Tarnk�mpfern und oft auch von Sklavenh�ndlern verwendet.</p><p>�Nein�, sagte Ivar. �Sie mu� munter bleiben.�</p><p>Ich sp�rte, wie sich der Mund Hildas unter meiner Hand bewegte. Die Dolchspitze des Forkbeards richtete sich auf ihren Hals. Sie zuckte zur�ck.</p><p>�Wenn du nicht fl�sterst�, sagte er, �stirbst du. Ist das klar?�</p><p>Sie nickte folgsam. Auf eine Handbewegung Forkbeards hin gab ich ihren Mund frei, ohne allerdings ihren Arm loszulassen.</p><p>�Ihr bekommt mich nie an den W�chtern vorbei�, sagte sie leise.</p><p>Forkbeard sah sich im Zimmer um. Aus einer kleinen Truhe nahm er ein orangefarbenes Tuch.</p><p>�Der Palast ist voller W�chter�, sagte das M�dchen. �Ihr seid Narren!�</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, dich an den W�chtern vorbeizuschmuggeln�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>Sie sah ihn verwirrt an. Er trat an das hohe Fenster ihres Zimmers, von dem aus man die tief unter der Klippe liegende Bucht �berschauen konnte. Wir h�rten, wie sich die Wellen an den Felsen brachen.</p><p>Ivar trat ans Fenster und blickte in die Tiefe. Dann kehrte er ins Zimmer zur�ck, ergriff eine Tonlampe, z�ndete sie an und kehrte an die Fenster�ffnung zur�ck. Er bewegte die Lampe einmal auf und nieder. Ich folgte ihm, das M�dchen mitzerrend. Gemeinsam blickten wir in die brausende Schw�rze hinab. Dann sahen wir eine Schiffslaterne, die kurz aufblitzte und dann wieder verdeckt wurde. Gorm und vier Ruderer warteten dort unten in Ivars Beiboot.</p><p>�Ihr habt kein Seil, um mich hinabzulassen�, sagte Hilda und hob die H�nde. �La�t mich sofort frei!�</p><p>Ivar Forkbeard huschte zur T�r ihres Zimmers und legte lautlos die beiden Riegelbalken vor.</p><p>Sie blickte zu Boden. Dort lagen ihre Armb�nder, Ringe und goldenen Ketten. Die Schmuckst�cke sollten zur�ckbleiben � als Schm�hung Thorgards. Welches deutlichere Zeichen konnten wir hinterlassen, da� wir das Gold dieses F�rsten nicht wollten, sondern da� wir es allein auf seine Tochter abgesehen hatten!</p><p>�Ich bringe hohes L�segeld�, sagte Hilda.</p><p>Wortlos hob Forkbeard das orangefarbene Tuch, um es ihr um den Kopf zu werfen.</p><p>�Ich habe nur eine Bitte�, sagte sie. �Wenn euer verr�ckter Plan gelingt, la�t mich bitte nicht in die H�nde Ivar Forkbeards fallen!�</p><p>�Oh. Ich bin Ivar Forkbeard�, sagte der Torvaldsl�nder l�chelnd.</p><p>Sie ri� entsetzt die Augen auf.</p><p>Er warf ihr das Tuch �ber den Kopf, wickelte ihr die Zipfel zweimal um den Hals und verknotete die Enden. Sie war bei Bewu�tsein, ihre F��e waren nicht gefesselt, damit sie schwimmen konnte, und sie sollte auch schreien k�nnen, wenn sie wollte, allerdings ged�mpft, damit die W�chter nichts h�rten.</p><p>Forkbeard ergriff das M�dchen und schleuderte sie aus dem Fenster. Sie st�rzte Hals �ber Kopf etwa f�nfzig Fu� tief in das schwarze Wasser.</p><p>Wir gaben Gorm Zeit, sie zu finden und aus dem Wasser zu fischen. Dann stellte sich Forkbeard auf das Fenstersims und tauchte in die Dunkelheit hinab; etwa eine Ehn sp�ter folgte ich seinem Beispiel.</p><p>Kurz darauf hatte ich mich na� und prustend �ber die Bordwand des Bootes gew�lzt. Forkbeard hatte sich bereits mit einem Fell trockengerieben, und ich tat es ihm nach. Rasch zogen wir trockene Kleidung an und versorgten unsere zitternde Gefangene.</p><p>�Psst!� sagte Forkbeard pl�tzlich.</p><p>Die M�nner h�rten auf zu rudern. Wir fuhren ohne Licht.</p><p>�berrascht beobachteten wir, wie sich ein gro�es Schiff dem Pier Thorgards von Scagnar n�herte � es war der Schwarze Sleen, der am Bug zwei Laternen f�hrte. Wir hatten angenommen, da� Thorgards Beutezug auf See noch l�nger dauern w�rde. Nun kamen M�nner mit Laternen zur Anlegestelle gelaufen. Rufe erschallten, weitere Lichter wurden entz�ndet. Ich hob den Kopf und erblickte das erleuchtete Fenster Hildas der Hochm�tigen, der Tochter Thorgards von Scagnar. Es sah aus, als wollte sie heute nacht erst sp�t zu Bett gehen. Vor ihrem Zimmer hielten au�er f�nf Sklavinnen vier gelangweilte Krieger Wache.</p><p>�N�her heran�, befahl Forkbeard fl�sternd. Fast lautlos tauchten die Ruder ins Wasser und dr�ckten uns n�her an die Schiffswand des Schwarzen Sleen. Die M�nner Thorgards befestigten gerade ihre Schilde an der Reling, nachdem sie die Ruder eingezogen hatten. Ein Brett wurde �ber die Reling gelegt. Im n�chsten Augenblick ging Thorgard von Scagnar mit wehendem Gewand an Land. Er trug seinen geh�rnten Helm. Eine Gruppe von M�nnern begr��te ihn, doch er eilte sofort weiter.</p><p>Die M�nner folgten ihm nicht, auch verlie� kein weiterer Mann das Schiff.</p><p>Ich hielt den Atem an.</p><p>Forkbeard und die M�nner an den Rudern reagierten �hnlich.</p><p>Eine weitere Gestalt tauchte aus der Dunkelheit des Schiffes auf. Sie bewegte sich sehr schnell und mit einer Wendigkeit, die bei einem so gro�en K�rper �berraschend war. Ich h�rte Klauen �ber das Laufbrett kratzen.</p><p>Das Wesen folgte Thorgard von Scagnar. Jetzt erst verlie�en die versch�chterten M�nner das Schiff.</p><p>Forkbeard sah mich ratlos an. �Ein Kur�, sagte er.</p><p>Er hatte recht. Aber dieses Wesen geh�rte nicht zu den isolierten, heruntergekommenen, kranken Tieren von der Art, die wir in Forkbeards Heimstatt zu sehen bekommen hatten. Dieses Wesen schien bei bester Gesundheit zu sein.</p><p>�Was hat ein solches Ungeheuer mit Thorgard von Scagnar zu schaffen?� fragte ich.</p><p>�Was hat Thorgard von Scagnar mit einem solchen Ungeheuer zu schaffen?� gab Forkbeard zur�ck.</p><p>�Ich verstehe das nicht�, bemerkte ich.</p><p>�Es geht uns nichts an�, sagte Forkbeard. �Wahrscheinlich steckt gar nichts dahinter.�</p><p>�Das will ich hoffen�, meinte ich.</p><p>�Ich habe eine Verabredung mit Svein Blue Tooth�, fuhr der Torvaldsl�nder fort. �Bald findet das Thing statt.�</p><p>�Als Ge�chteter wirst du doch nicht am Thing teilnehmen?�</p><p>�Wer wei�?� fragte Forkbeard. �Und wenn ich �berlebe, dann jagen wir Kurii.�</p><p>�Nur einen�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht befindet sich der eine jetzt gerade in der Halle Thorgards von Scagnar.�</p><p>�M�glich�, sagte ich. �Ich wei� es nicht.�</p><p>Ich wu�te, da� mich der Kur finden w�rde, wenn er ein Interesse daran hatte. Ich wollte meine Jagd ganz offen angehen. Sicher lag es in der Absicht des Kur, mich nach Norden zu locken. Ich l�chelte. Dieser Plan war bereits gelungen.</p><p>Ich blickte auf das Anwesen Thorgards von Scagnar. Wenn der Kur, den wir eben gesehen hatten, der gesuchte war, bezweifelte ich nicht, da� wir fr�her oder sp�ter wieder aufeinandersto�en w�rden. Aber ich wunderte mich doch, was ein solches Wesen bei Thorgard von Scagnar zu suchen hatte. Soweit ich wu�te, begegneten sich die Kurii und die Menschen nur im Kampf.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>An den H�ften zusammengefesselt, rangen wir im Gras des Thingplatzes miteinander.</p><p>Sein K�rper entglitt meinen H�nden. Ich sp�rte, wie mein rechtes Handgelenk an der Schl�fe vorbei zur�ckgebogen wurde. Er grunzte. Er war sehr kr�ftig. Er war Ketil von Blue Tooths gro�em Hof, ein Champion Torvaldslands.</p><p>Ich wurde noch weiter zur�ckgebogen; ich wehrte mich nach besten Kr�ften, das rechte Bein zur�ckgestemmt.</p><p>Ringsum br�llten die M�nner. Ich h�rte, wie sie Wetten abschlossen und Mutma�ungen �ber den Ausgang des Kampfes �u�erten.</p><p>Begleitet von anfeuernden Rufen begann sich mein rechtes Handgelenk zu heben und zu strecken; mein Arm war nun gerade vorgestreckt. Zentimeterweise senkte ich ihn dem Boden zu; wenn Ketil seinen Griff beibehielt, war er gezwungen, vor mir niederzuknien. Mit einem Wutschrei lie� er mein Handgelenk los. Das Seil zwischen uns, das einen Meter lang war, straffte sich. Erstaunt und wachsam starrte er mich an.</p><p>Ich h�rte, wie H�nde gegen die linke Schulter geschlagen wurden, wie Waffen auf Schilde klapperten.</p><p>Pl�tzlich zuckte die Faust des Champions unter dem Seil durch. Ich fing den Schlag mit der Seite meines linken Schenkels ab. Die Zuschauer stimmten ein Wutgebr�ll an.</p><p>Daraufhin packte ich den rechten Arm des Champions � das Handgelenk in der rechten Hand, meine linke Hand um seinen Oberarm gespannt � ich hob den Arm und drehte ihn, so da� die Handfl�che oben lag. Dann brach ich ihm den Arm �ber meinem rechten Knie. Ich hatte genug von dem Kerl.</p><p>Ich l�ste das Seil von meiner H�fte und warf es zu Boden. St�hnend kniete Ketil im Gras, und Tr�nen der Wut und des Schmerzes liefen ihm �bers Gesicht. Zuschauer klopften mir auf die Schultern.</p><p>Als ich kehrtmachte, fiel mein Blick auf Forkbeard. Sein Haar war feucht. Er trocknete sich gerade mit einem Umhang ab.</p><p>�Sei gegr��t, Thorgeir vom Axtgletscher�, sagte ich.</p><p>�Sei gegr��t, Rothaar�, erwiderte er.</p><p>Der Axtgletscher, der sich zwischen zwei riesigen Felsformationen hindurchschob und dabei die Form einer Axt angenommen hatte, lag im hohen Norden. Die M�nner aus der Gegend des Axt gletschers fangen Wale und jagen Schnee-Sleen. Landwirtschaft ist so hoch im Norden nicht mehr m�glich. Thorgeir war nat�rlich zuf�llig der einzige Teilnehmer bei den Thing-Wettbewerben, der aus diesem fernen Distrikt kam.</p><p>�Wie war das Schwimmen?� fragte ich.</p><p>�Der Talmit geh�rt mir!� rief er.</p><p>Ein Talmit ist ein Stirnband, das im hohen Norden getragen wird. Dabei haben die B�nder eine besondere Bedeutung � sie dienen zur Kennzeichnung von Offizieren oder Jarls oder Rechtsgelehrten. Die einzelnen Bezirke haben verschiedene Talmitstile, die sich in Muster und Material unterscheiden. Da� Thorgeir vom Axtgletscher den Schwimmwettbewerb gewonnen hatte, mu�te den anderen Teilnehmern seltsam vorgekommen sein, denn bei den Temperaturen im hohen Norden f�hrte ein Aufenthalt im Wasser in k�rzester Zeit zum Tod.</p><p>Manchmal glaubte ich, da� Forkbeard verr�ckt war. Sein Humor mochte uns alle noch das Leben kosten. Wahrscheinlich gab es keinen einzigen Torvaldsl�nder beim Thing, der ihn wirklich f�r einen Mann vom Axtgletscher hielt. Ihm fehlten die schr�gen Lider, die die Augen der Menschen im Norden vor der extremen K�lte sch�tzen; au�erdem war er viel zu gro�, und seine Hautfarbe entsprach nicht der des hohen Nordens. Nur ein Verr�ckter h�tte ernsthaft glauben k�nnen, da� er aus der Gegend des Axtgletschers kam. Es hatte viele Mutma�ungen �ber die wahre Identit�t des glattrasierten K�mpfers gegeben, der sich Thorgeir nannte.</p><p>Vor dem Schwimmwettbewerb hatte er schon das �Stangensteigen� gewonnen, bei dem man einen hohen Holzmast aufentern mu�te. Er hatte im �Schluchtsprung� gewonnen, in Wirklichkeit eine Art Weitsprung; er hatte das �Ruderschreiten� f�r sich entschieden, wobei er auf einem langen Stamm balancieren mu�te, und schlie�lich war er Sieger im Speerwurf f�r Weite und Zielgenauigkeit. So hatte er also mit seinem Sieg im Schwimmen sechs Talmits eingeheimst.</p><p>Beim Singen war er weniger erfolgreich gewesen, obwohl er sich viel auf seine Singstimme einbildete; er war der Meinung, die Preisrichter h�tten in diesem Fall gegen ihn entschieden; ebensowenig setzte er sich im Dichterwettstreit und bei den Reimspielen durch. �Ich bin eben kein Skalde�, hatte er mir sp�ter erkl�rt. Besser bew�hrte er sich beim R�tselraten, doch f�r einen der ersten Pl�tze reichte es nicht.</p><p>Trotz seiner verschiedenen Niederlagen hatte er � sogar nach seiner eigenen bescheidenen Meinung � bei den Wettbewerben ziemlich gut abgeschnitten, und war entsprechend guter Laune.</p><p>Den problematischsten Zwischenfall hatte es wahrscheinlich bei einem der Schlagballspiele gegeben; bei diesem Wettbewerb stehen sich auf jeder Seite zwei M�nner gegen�ber, und das Spiel geht darum, den Ball aus den H�nden des anderen Teams zu halten; kein Spieler darf den Ball l�nger als zwanzig Z�hleinheiten des Schiedsrichters halten; er darf ihn allerdings in die Luft werfen, wenn auch nur senkrecht, und ihn wieder auffangen; der Ball kann auch dem Partner zugeworfen oder ihm mit dem Schl�ger zugespielt werden. Dieser Schl�ger verleiht dem Ball nat�rlich eine ungeheure Geschwindigkeit; es handelt sich um einen schweren Holzkn�ppel, und der Ball, der etwa f�nf Zentimeter Durchmesser hat, besteht ebenfalls aus hartem Holz. Ich war froh, da� ich mit dieser Sportart nichts zu tun hatte. Kurz nach dem ersten Anschlag wurde Gorm, der als Ivars Partner spielte, von dem Ball so hart getroffen, da� er ohnm�chtig wurde, was wohl zu den �blen Tricks dieses Spiels geh�rt, da es sehr schwierig ist, sich vor einein Ball zu sch�tzen, der hart aus knapper Entfernung geschlagen wird. In diesem Augenblick sah es f�r Ivar sehr ung�nstig aus � bis sich einer seiner Gegner das Bein brach. Der Kampf wurde unentschieden abgebrochen. Anschlie�end bat mich Ivar, als sein Partner zu spielen, doch ich lehnte ab. �Schon gut�, sagte Ivar, �sogar der Mutigste darf ein Schlagballspiel ausschlagen.� Die Torvaldsl�nder kennen verschiedene Ballspiele, einige mit Schl�gern oder Paddeln; ein Spiel findet im Winter auf glattem Eis statt und hat eine entfernte Verwandtschaft zum irdischen Eishockey. Es hat in Torvaldsland Tradition, und nach den Legenden war Torvald selbst ein geschickter Spieler.</p><p>Ivar Forkbeard � oder Thorgeir vom Axtgletscher, wie er sich nannte- hatte insgesamt sechs Talmits gewonnen, wor�ber er sich sehr freute.</p><p>Am Morgen des folgenden Tages sollten die Talmits durch Svein Blue Tooth pers�nlich �berreicht werden.</p><p>�Heute nachmittag�, sagte Ivar Forkbeard, �wollen wir ein wenig herumschlendern.�</p><p>Das schien mir keine schlechte Idee zu sein � allerdings h�tte ich noch einen besseren Vorschlag gehabt: um unser Leben zu rennen.</p><p>Denn am Morgen des n�chsten Tages mochten wir uns in einem Kessel voller kochendem Tharlarion�l befinden.</p><p>Kurz darauf folgte ich Forkbeard zusammen mit einigen M�nnern durch die Menschenmassen der Thingwettbewerbe. An meiner Seite schwang das Kurzschwert, auch hatte ich den Langbogen und einen K�cher mit Pfeilen mitgenommen.</p><p>Forkbeard und seine Leute waren ebenfalls bewaffnet. Privatk�mpfe sind w�hrend des Thing nat�rlich verboten � aber wer will einem Torvaldsl�nder verbieten, seine Waffen mitzunehmen?</p><p>Der Mann des Nordens verl��t sein Haus niemals ohne Bewaffnung � und auch innerhalb seines Zuhauses sind die Waffen stets in Reichweite � gew�hnlich h�ngen sie an der Wand hinter seiner Lagerstatt.</p><p>Die meisten Besucher des Thing waren freie Bauern � blond, blau�ugig und stolz, M�nner mit kr�ftigen Armen und Beinen und schwieligen H�nden; viele trugen ihre Haare in Z�pfen und waren geschm�ckt mit den Talmits ihrer Bezirke; f�r das Thing hatten sie die beste Kleidung angelegt, dicke Wolljacken, die mit Wasser und Boskurin geschrubbt worden waren, dessen Ammoniak als Reinigungsstoff dient; alle waren bewaffnet, gew�hnlich mit Axt oder Schwert; einige trugen Helme; andere hatten sie mit ihren Schilden auf den R�cken gebunden. Am Thing mu� jeder freie Mann teilnehmen, es sei denn, er bestellt seinen Hof allein und kann das Land nicht verlassen. Beim Thing mu� jeder Bauer den Offizieren seines Jarls Helm, Schild und Schwert, Axt oder Speer in gutem Zustand vorweisen. Jeder Mann, wenn er nicht unmittelbar dem Jarl dient, ist f�r den Zustand seiner Ausr�stung und Waffen verantwortlich. Die S�ldner in den Diensten der Jarls werden nat�rlich aus den Best�nden des Jarls ausger�stet � soweit das bei Torvaldsl�ndern �berhaupt noch erforderlich ist; wird die Waffe eines S�ldners im Kampf aber besch�digt oder geht sie verloren � etwa im K�rper eines Feindes, der �ber Bord f�llt �, stellt der Jarl nat�rlich Ersatz; bei den freien Bauern ist er f�r solche Dinge dagegen nicht verantwortlich. Die Bauern, die am Thing nicht teilnehmen, weil sie auf ihren H�fen allein sind, m�ssen nat�rlich trotzdem die Vorschriften hinsichtlich der Bewaffnung beachten; einmal im Jahr m�ssen sie ihre Waffen einem Offizier des Jarls vorweisen, der zu diesem Zweck die Distrikte bereist. Wenn der Kriegspfeil herumgeschickt wird, m�ssen sofort alle freien M�nner zu den Waffen eilen; in einem solchen Fall kann der Hof darunter leiden, und seine Gef�hrtin und die Kinder sind in Gefahr, eine schwere Zeit durchzumachen; wenn er seine Familie verl��t, sagt der Bauer einfach: �Der Kriegspfeil ist in mein Haus getragen worden.�</p><p>Wir sahen auch viele H�uptlinge und Kapit�ne und untere Jarls in der Menge, jeder mit seiner Gefolgschaft. Diese hochstehenden M�nner waren kostbar gekleidet und bewaffnet und trugen prunkvolle Helme und goldverzierte �xte. Die Umh�nge waren gew�hnlich lang und ausgestellt und von roter Farbe, und sie waren so geschnitten, da� der rechte Arm, der Schwertarm, frei und unbehindert bewegt werden konnte.</p><p>Auch ihre Begleiter trugen zumeist auff�llige Umh�nge und Armb�nder aus Gold und Silber.</p><p>In der Menge befanden sich auch viele Sklavinnen, die zum Thing mitgebracht worden waren, im allgemeinen von Kapit�nen und Jarls. Es ist nicht ungew�hnlich, da� sich die M�nner von Sklavinnen begleiten lassen, zum eigenen Vergn�gen oder zum Beweis des eigenen Reichtums, vielfach aber auch, um sie zu verkaufen.</p><p>Auch Forkbeard hatte einige M�dchen mitgebracht, die uns mit blitzenden Augen folgten. Die Teilnahme am Thing gefiel ihnen ungemein, und sie waren sehr aufgeregt, besonders als Forkbeard ihnen an einem Stand Honigkuchen kaufte, den sie gierig verschlangen.</p><p>Forkbeard war in bester Stimmung. Nur eine der Sklavinnen schien keinen Spa� an unserem Ausflug zu haben. Sie hie� Dagmar. Um ihren Hals lag eine Fessel, die Thyri in der Hand hielt. Die H�nde waren ihr auf dem R�cken gefesselt. Sie war zum Thing gebracht worden, um verkauft zu werden.</p><p>�Beobachten wir die Duelle�, schlug Forkbeard vor. Durch Duelle werden in Torvaldsland viele rechtliche und pers�nliche Auseinandersetzungen beigelegt. Es gibt zwei Arten � das formelle und das freie Duell. Beim freien Duell sind alle Waffenarten zugelassen; es gibt auch keine Beschr�nkungen hinsichtlich der Taktik und Abwehr. Beim Thing waren einige Felder f�r solche Duelle abgeteilt. Im allgemeinen werden diese Duelle auf wellenumtosten Felsenriffen im Thassa abgehalten. Zwei M�nner werden dort alleingelassen; bei Anbrach der Dunkelheit f�hrt ein Boot hinaus, um den �berlebenden abzuholen. Das formelle Duell ist komplizierter, und ich werde nicht in allen Einzelheiten darauf eingehen. Zwei M�nner treten sich gegen�ber, doch jeder darf einen Schildtr�ger mitbringen; die K�mpfer hauen aufeinander ein, und die Schl�ge werden von Schildtr�gern nach bestem K�nnen abgewehrt. Drei Schilde darf jeder K�mpfer einsetzen; wenn die Schilde in St�cke gehackt oder sonstwie nutzlos geworden sind, zieht sich der Schildtr�ger zur�ck, und der Duellant mu� sich nun allein mit seinen Waffen verteidigen, wobei Schwerter mit einer bestimmten Maximall�nge vorgeschrieben sind. Das Duell findet auf einer gro�en viereckigen Ledermatte statt, zehn Fu� im Quadrat, die auf dem Rasen festgesteckt ist; diese Matte ist von einem gr��eren Quadrat aus Stoff eingefa�t, dessen Ecken durch Holzpfl�cke gekennzeichnet sind, zwischen denen allerdings keine Seile gespannt werden. Sobald das erste Blut den Stoff ber�hrt, kann der Kampf bei Zustimmung der K�mpfer oder auf Entscheidung eines der beiden Schiedsrichter beendet werden; der Verlierer zahlt dem Sieger sodann einen Preis von drei silbernen Tarnscheiben; der Sieger bringt daraufhin im allgemeinen ein Opfer dar. Wenn der Sieger reich und der Kampf sehr wichtig gewesen ist, t�tet er einen Bosk; wenn er arm ist oder der Kampf keinen gro�en Sieg darstellt, f�llt das Opfer entsprechend kleiner aus. Die Duelle, besonders die formellen Duelle, dienen skrupellosen Schwertk�mpfern zuweilen zur unehrenhaften Bereicherung. Unverst�ndlicherweise kann jeder Mann durch einen Schwertk�mpfer herausgefordert werden, wobei es um seinen Hof oder seine Gef�hrtin oder Tochter gehen kann; wird die Herausforderung nicht angenommen, ist der geforderte Preis f�llig; wird der Kampf angenommen, riskiert der Herausgeforderte sein Leben zwischen den Stangen; kommt er um, fallen Hof, Gef�hrtin oder Tochter an den Sieger. Das Motiv hinter dieser Sitte ist wohl der Wunsch, starken, m�chtigen M�nnern Gelegenheit zu geben, sich Land und attraktive Frauen anzueignen, und alle Besitzenden zu ermutigen, sich im Umgang mit den Waffen zu �ben. Alles in allem gefiel mir diese Sitte gar nicht. Im allgemeinen dient das formelle Duell vornehmeren Zwecken � etwa der Kl�rung von Auseinandersetzungen �ber Grenzverl�ufe oder zur Austragung von Ehrenh�ndeln.</p><p>Ein Fall interessierte uns besonders. Ein junger Mann, kaum sechzehn Jahre alt, bereitete sich darauf vor, gegen einen st�mmigen b�rtigen Burschen in den Ring zu steigen.</p><p>�Das ist ein ber�hmter Champion�, fl�sterte mir Ivar zu. �Bjarni aus dem Thorstein-Lager.� Das Thorstein-Lager, das sich im S�den von Torvaldsland befand, war ein Lager von K�mpfern, die etwa f�nfzig Pasang weit das Land beherrschten und Tribute von den H�fen einzogen. Thorstein aus Thorsteins Lager war der Jarl. Das Lager war aus Holz erbaut und von einer Palisade umgeben und befand sich auf einer kleinen Insel in einer Bucht, die f�r ihren Reichtum an Parsitfischen bekannt war.</p><p>Der Preis des Duells war die Schwester des jungen Mannes, ein h�bsches blondes M�dchen von vierzehn Jahren. Sie trug das Gewand einer freien Frau des Nordens. Ihre Kleidung war nicht prunkvoll, aber von schlichter Eleganz, dazu hatte sie zwei Broschen angesteckt. Sie stand aufrecht da, hatte aber den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen.</p><p>�Gib das M�dchen auf�, sagte Bjarni aus dem Thorstein-Lager zu dem Jungen. �Dann bringe ich dich nicht um.�</p><p>�Es gef�llt mir nicht, da� torvaldsl�nder Frauen in die Sklaverei gef�hrt werden sollen�, knurrte Ivar. �So etwas finde ich emp�rend.�</p><p>�Wo ist denn der Vater des Jungen?� wandte ich mich an einen Zuschauer neben mir.</p><p>�Er wurde von einer Lawine get�tet�, erwiderte der Mann.</p><p>Der Junge war offenbar der Eigent�mer des Hofes und damit automatisch der Herr des Hauses. So lag es an ihm, gegen eine solche Herausforderung nach besten Kr�ften anzutreten.</p><p>�Warum forderst du nicht gleich ein Kleinkind zum Kampf?� rief Ivar Forkbeard.</p><p>Bjarni musterte ihn m�rrisch. �Ich will das M�dchen f�r unser Lager�, sagte er. �Ich habe keinen Streit mit Kindern.�</p><p>�Wird sie dort gebrandet und bekommt einen Kragen?� fragte Ivar.</p><p>�Das Thorstein-Lager�, erwiderte Bjarni hitzig, �braucht keine freien Frauen.�</p><p>�Sie ist Torvaldsl�nderin�, sagte Ivar.</p><p>�Als Sklavin ist sie bestimmt so gut wie andere.�</p><p>Ivar sah mich an. �M�chtest du mein Schildtr�ger sein?�</p><p>Ich l�chelte und ging zu dem jungen Mann, der Anstalten machte, in den Ring zu treten. Er war sehr mutig.</p><p>Ein anderer junger Mann, der etwa im gleichen Alter war und sicher vom Nachbarhof kam, sollte das Schild f�r ihn tragen.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte ich den Jungen.</p><p>�Hrolf�, sagte er, �aus dem Gr�nklippen-Fjord.�</p><p>Daraufhin nahm ich beide Jungen am Kragen und schob sie aus dem Quadrat. Dann trat ich auf das Leder des Rings. �Ich bin der Champion von Hrolf aus dem Gr�nklippen-Fjord.� Ich zog mein Schwert.</p><p>�Er ist verr�ckt�, sagte Bjarni.</p><p>�Wer ist dein Schildtr�ger?� fragte mich einer der beiden wei�gekleideten Schiedsrichter.</p><p>�Ich!� rief Forkbeard und eilte herbei.</p><p>�Ich wei� den Wagemut meines guten Freundes Thorgeir vom Axtgletscher zu sch�tzen�, sagte ich, �aber die M�nner vom Axt gletscher sind, wie wir alle wissen, eher gastfreundlich und friedlich und verstehen sich nicht auf den Umgang mit Waffen.� Ich sah den verdatterten Forkbeard grinsend an. �Wir jagen hier keine Wale, Thorgeir!�</p><p>Forkbeard ri� den Mund auf.</p><p>Ich wandte mich an den Schiedsrichter. �Ich kann seine Hilfe nicht annehmen�, sagte ich. �Es w�re viel zu hinderlich f�r mich, wenn ich auch noch auf ihn und seine Ungeschicklichkeiten achten m��te.�</p><p>�Ungeschicklichkeiten!� br�llte Forkbeard erbost.</p><p>�Du kommst doch vom Axtgletscher oder nicht?� fragte ich unschuldig.</p><p>Er lachte, machte kehrt und setzte sich au�erhalb des Rings ins Gras.</p><p>�Wer soll dein Schild tragen?� fragte der Schiedsrichter.</p><p>�Meine Waffe ist mein Schild�, antwortete ich und hob das Schwert. �Der Bursche wird mich nicht treffen.�</p><p>�Was willst du denn mit diesem Messerchen?� fragte Bjarni aus dem Thorstein-Lager und sah mich ratlos an. Er mu�te mich f�r verr�ckt halten.</p><p>�Dein Langschwert ist sicher n�tzlich im Kampf zwischen zwei Schiffen, die mit Enterhaken aneinandergedr�ckt werden � und da w�re meine Klinge fehl am Platze. Aber wir stehen hier an Land!�</p><p>�Meine Reichweite ist gr��er�, sagte er.</p><p>�Aber meine Klinge wird mich sch�tzen�, erwiderte ich. �Au�erdem mu�t du weiter ausholen, und deine Klinge ist schwerer. Du wirst bald feststellen, da� ich dich m�helos unterlaufe.�</p><p>�L�gen-Sleen!� br�llte der Mann aus dem Thorstein-Lager.</p><p>Das M�dchen, um das der Kampf ging, sah mich neugierig und ein wenig �ngstlich an. Die beiden Jungen standen mit bleichen Gesichtern im Gras. Sie verstanden nicht mehr von den Vorg�ngen als die meisten Zuschauer.</p><p>Der Oberschiedsrichter sah mich unschl�ssig an. Zum Zeichen seines Amtes trug er einen Goldring um den Arm. Offenbar war der vorgesehene Kampf sowieso nicht in seinem Sinne gewesen.</p><p>�La� mich k�mpfen�, sagte ich zu ihm.</p><p>Er grinste. �Ich lasse dich als Champion f�r Hrolf aus dem Gr�nklippen-Fjord in den Ring. Da du der Champion des Herausgeforderten bist, hast du das Recht des ersten Hiebs.�</p><p>Ich tippte leicht gegen den Schild Bjarnis, der von einem anderen st�mmigen Krieger seines Lagers gehalten wurde.</p><p>�Der erste Hieb�, sagte ich.</p><p>Mit einem Wutschrei st�rzte sich der Schildtr�ger Bjarnis aus dem Thorstein-Lager auf mich, um mich aus dem Gleichgewicht zu bringen und zum leichten Ziel f�r einen Hieb seines Schwertk�mpfers zu machen.</p><p>Aber ich trat zur Seite. Der Schwung lie� den Schildtr�ger fast bis zu den Eckstangen laufen. Mit erhobenem Schwert war Bjarni seinem Kampfgef�hrten gefolgt. Ich stand jetzt neben Bjarni, und die Spitze meines kleinen Schwerts war an seinen Hals gelegt. Er wurde bleich. �Versuchen wir's noch mal�, sagte ich. Hastig wich er zur�ck, und sein Schildtr�ger gesellte sich wieder zu ihm. Beim zweiten Angriff verga� ich jeden Gedanken an Fairne� und Vornehmheit und stellte dem Schildtr�ger ein Bein. Nach den Regeln darf ein Schildtr�ger nicht get�tet werden � doch soweit ich wu�te, war Beinstellen erlaubt. Ich hatte so etwas jedenfalls schon bei einem anderen Kampf gesehen. Und wie erwartet, verwarnte mich keiner der Schiedsrichter; ihr Gesichtsausdruck deutete eher darauf hin, da� sie mein Man�ver sogar f�r gut gelungen hielten, obwohl sie eigentlich ganz objektiv sein sollten.</p><p>Der Mann st�rzte zu Boden. Bjarni hatte offenbar aus dem ersten Zusammensto� gelernt und war seinem Gef�hrten nicht ganz so dicht gefolgt. Zweimal kreuzten sich unsere Klingen, und dann hatte ich seinen Schutz unterlaufen, und meine Schwertspitze deutete auf sein Kinn. �Wollen wir es noch einmal versuchen?� fragte ich ihn l�chelnd.</p><p>Der Schildtr�ger sprang auf. �K�mpfen wir!� br�llte er.</p><p>Bjarni aus dem Thorstein-Lager sah mich an. �Nein�, sagte er. �Wir versuchen es nicht noch einmal.� Er hob die Schwertspitze, brachte sich einen Schnitt am Unterarm bei und hielt die Wunde �ber das Leder des Rings. Blutstropfen fielen auf den Stoff des �u�eren Quadrats. �Mein Blut�, sagte Bjarni aus dem Thorstein-Lager, �ist auf dem Ring.� Er schob sein Schwert in die Scheide.</p><p>Das M�dchen und ihr Bruder und andere Zuschauer stimmten ein Freudengeschrei an. Der junge Mann lief zu seiner Schwester und umarmte sie.</p><p>Bjarni aus dem Thorstein-Lager ging zu dem Jungen, den er zum Kampf herausgefordert hatte. Aus seiner Geldb�rse nahm er drei silberne Tarnscheiben und z�hlte sie dem Jungen in die Hand. �Es tut mir leid, Hrolf aus dem Gr�nklippen-Fjord�, sagte er, �dich bel�stigt zu haben.�</p><p>Dann kam Bjarni zu mir und reichte mir die Hand. �F�r dich ist jederzeit Platz im Thorstein-Lager�, sagte er, �wenn dir etwas daran liegt, Kessel und M�dchen mit uns zu teilen.�</p><p>�Sei bedankt�, sagte ich, �Bjarni aus dem Thorstein-Lager.� Und mit seinem Schildtr�ger verlie� er das Leder des Duellplatzes.</p><p>�Die M�nzen f�r dich, Champion�, sagte der Junge und wollte mir die drei silbernen Tarnscheiben �berreichen.</p><p>�Spar sie f�r die Aussteuer deiner Schwester.�</p><p>�Was soll dann aber dein Lohn sein?�</p><p>�Der Spa� ist mein Lohn.�</p><p>�Mein Dank, K�mpfer�, sagte das M�dchen.</p><p>�Auch mein Dank, Champion�, sagte der Junge, der ihr den Arm um die Schulter gelegt hatte.</p><p>Ich neigte den Kopf.</p><p>�Junge!� rief Forkbeard, und der junge Mann drehte sich zu ihm um. Forkbeard warf ihm eine goldene Tarnscheibe zu. �Kaufe einen Bosk und opfere ihn�, sagte Forkbeard. �Und auf den H�ngen am Gr�nklippen-Fjord soll t�chtig gefeiert werden!�</p><p>�Vielen Dank, Kapit�n!� rief der Junge.</p><p>Die Zuschauer jubelten, als Forkbeard, ich und seine M�nner und Sklavinnen den Duellplatz verlie�en.</p><p>Dabei kamen wir an einem jungen Mann vorbei, der eine rotgl�hende Metallstange in die H�nde nahm, etwa zwanzig Fu� weit lief und sie dann zu Boden warf.</p><p>�Was macht der denn?� fragte ich.</p><p>�Er beweist, da� er die Wahrheit gesagt hat�, erkl�rte mir Forkbeard.</p><p>�Oh�, sagte ich. Auch hier gab es also so eine bl�dsinnige Einrichtung wie das Gottesgericht.</p><p>In der Menge bewegten sich zahlreiche Thralls und Runenpriester mit blondem Haar, wei�en Roben und einem goldenen Spiralring am linken Arm. An der H�fte trugen sie einen Beutel mit Omenpl�ttchen � Holzst�cke, im Blut eines geweihten Bosk getr�nkt, der bei der Er�ffnung des Thing geopfert worden war. Diese Pl�ttchen werden wie W�rfel ausgeworfen und dann von den Priestern gedeutet. Im improvisierten Thing-Tempel in einem Hain hingen sechs tote Bosk, sechs Tarsk und sechs Verr; fr�her, so wird erz�hlt, wurden aus diesem Anla� Thralls geopfert, doch man war vor etwa einer Generation in der Ratsversammlung der Runenpriester davon abgekommen. Die Erkl�rung lag allerdings nicht etwa an einer fortschreitenden Humanit�t, sondern man war der Meinung, da� Thralls wie Urts und die winzigen sechszehigen Tharlarion eines Opfers nicht w�rdig waren. Damals hatte es eine Hungersnot gegeben, und obwohl Hunderte von Thralls geopfert worden waren, hatte es vier Jahre gedauert, bis der Notstand behoben war. In dieser Zeit war es zu zahlreichen Raubfahrten in den S�den gekommen, wobei sich oft ganze torvaldsl�ndische Flotten zusammengetan hatten.</p><p>Ich entdeckte auch einige wei�-gold gekleidete Kaufleute in der Menge, und auch vier parf�mierte Sklavenh�ndler in blaugelber Seide, die offenbar aus dem fernen Turia kamen. Forkbeards M�dchen machten einen gro�en Bogen um diese M�nner; sie hatten etwas gegen die parf�mierte Sklaverei des S�dens; dort ist das Joch der Sklaverei f�r ein M�dchen viel schlimmer, ihre Unterwerfung ist dort total, da die Sklavenherren des S�dens f�r ihre Lieblingssleen oft mehr Sympathien aufbringen als f�r ihre M�dchen. In der Menge fiel mir ferner ein Arzt aus Ar auf, der in eine gr�ne Robe geh�llt war, sowie ein Schriftgelehrter aus Cos. Diese St�dte stehen nicht gerade auf bestem Fu� miteinander, doch als zivilisierte Menschen kamen die beiden auf neutralem Boden gut miteinander aus.</p><p>Wir passierten eine Plattform, auf der Sklavenm�dchen zur Schau gestellt wurden. Unmittelbar davor trafen wir eine freie Frau des Nordens. Sie war sehr gro� und trug ein herrliches Cape aus wei�em See-Sleen-Pelz, das zur�ckgeschoben war und die Bl�sse ihrer Arme enth�llte. Ihr Rock war aus bester Ar-Wolle, rotgef�rbt und mit schwarzem Besatz. Sie trug zwei Broschen, beide aus dem Horn des Kailiauk geschnitzt und in Gold gefa�t. An ihrer H�fte hing eine juwelenbesetzte Dolchscheide, in der die verzierte gekr�mmte Klinge eines turianischen Messers steckte; freie Frauen in Torvaldsland sind gew�hnlich mit einem Dolch bewaffnet. An ihrem G�rtel hingen au�erdem eine Schere und ein Ring mit zahlreichen Schl�sseln � ein Hinweis darauf, da� ihre Halle viele Truhen oder T�ren enthielt. Das Haar war um einen Kamm gewickelt und hochgesteckt worden; der Kamm pa�te zu den Broschen. Die Tatsache, da� sie das Haar frisiert trug, deutete auf einen wichtigen Gef�hrten hin; die Anzahl der Schl�ssel lie� erkennen, da� sie die Herrin eines gro�en Hauses war. Sie hatte graue Augen, ihr Haar war dunkel, und ihr Gesicht eine starre, gef�hllose Maske.</p><p>�Ein schreckliches Schauspiel�, sagte sie zu Forkbeard, deutete auf die Plattform und blickte schlie�lich auf Forkbeards Sklavinnen, die vor ihr niedergekniet waren.</p><p>�Diese M�dchen lie�en sich auf deinem Hof zum J�ten oder Verrh�ten besser einsetzen.�</p><p>�Aber ich bin vom Axtgletscher�, wandte Forkbeard ein. So hoch im Norden gab es nat�rlich keine H�fe und keine Verr oder Bosk mehr.</p><p>Der freien Frau mi�fiel diese Antwort sichtlich.</p><p>�Thorgeir, nicht wahr?� fragte sie.</p><p>�Thorgeir vom Axtgletscher�, sagte Forkbeard und verbeugte sich.</p><p>�Und was will ein Mann vom Axtgletscher mit all diesen elenden Sklavinnen?� Sie deutete auf die knienden M�dchen.</p><p>�Im Land des Axtgletschers�, sagte Forkbeard ernst, �ist die Nacht sechs Monate lang.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte die Frau und l�chelte. �Du hast viele Talmits gewonnen, Thorgeir vom Axtgletscher?�</p><p>�Sechs�, sagte er, �Herrin.�</p><p>�Ehe du sie dir abholst�, sagte sie, �empfehle ich, da� du dich deines wahren Namens entsinnst.�</p><p>Er verbeugte sich.</p><p>Ihre Empfehlung gefiel mir absolut nicht.</p><p>Sie hob den Rocksaum � wobei schwarze Schuhe sichtbar wurden � und wandte sich ab. Dabei warf sie einen kurzen Blick �ber die Schulter.</p><p>�Wer war denn das?� fragte ich.</p><p>�Bera�, erwiderte er, �die Gef�hrtin von Svein Blue Tooth.�</p><p>Mir sank der Mut.</p><p>�Er m��te ihr eigentlich einen Kragen verpassen�, knurrte Forkbeard, und ich erschrak bei dem Gedanken. �Sie braucht die Peitsche�, fuhr er fort und sah seine M�dchen an. �Steht auf!� fuhr er sie an.</p><p>Lachend sprangen die Sklavinnen auf, und wir setzten unseren Weg fort. Die n�chste Station war der Sklavenschuppen.</p><p>Hier sa�en oder hockten zahlreiche M�dchen auf Strohlagern an der Wand. Das Geb�ude war etwa zweihundert Fu� lang und wurde durch Fenster unter dem Dach erhellt.</p><p>Ein Offizier von Svein Blue Tooth, den zwei Thralls unterst�tzten, taxierte Dagmar mit sicheren Bewegungen und schaute ihr schlie�lich in den Mund.</p><p>�Eine silberne Tarnscheibe�, sagte er.</p><p>Dagmar hatte vor zwei Monaten einer anderen Sklavin ein St�ck K�se gestohlen. Sie war danach ausgepeitscht worden und wurde nun verkauft.</p><p>�Einverstanden�, sagte Forkbeard � und das Gesch�ft war abgeschlossen.</p><p>Im Schuppen standen etwa einhundert Sklavinnen zum Verkauf. Sie alle trugen den Sklavenkragen des Nordens, der mit einem zus�tzlichen Eisenring versehen ist.</p><p>Forkbeard nahm die Tarnscheibe entgegen, die er in seinen Geldbeutel schob.</p><p>Der Offizier nahm Dagmar am Arm und kettete sie an, w�hrend sich Forkbeard den anderen M�dchen zuwandte.</p><p>Einige boten sich ihm zum Kauf an, denn er war offensichtlich ein interessanter Herr; andere nahmen dagegen keine Notiz von ihm oder wichen sogar ver�ngstigt oder feindselig vor ihm zur�ck.</p><p>Zu meiner �berraschung blieb Ivar vor einem unscheinbaren dunkelhaarigen M�dchen stehen, das mit gesenktem Kopf am Boden hockte. Sie warf ihm einen �ngstlichen Blick zu und legte den Kopf wieder auf die Knie. Sie machte einen sch�chternen, nach innen gekehrten Eindruck; vor ihrer Gefangenschaft war sie bestimmt viel allein gewesen.</p><p>�Was wei�t du �ber dieses M�dchen?� wandte sich Forkbeard an den Offizier von Svein Blue Tooth, der uns begleitete.</p><p>�Sie sagt nur wenig, und im Auslauf h�lt sie sich abseits.�</p><p>Forkbeard untersuchte sie fachm�nnisch. �Ich kann dich vielleicht gebrauchen, um Thralls heranzuziehen�, sagte er zu der Sklavin. �Du bist gesund und f�r das Leben auf einem Hof gut geeignet.�</p><p>Er richtete sich auf. �Was willst du f�r sie haben?� fragte er den Offizier, der die Verk�ufe durchf�hrte.</p><p>�Ich habe sie f�r eine halbe silberne Tarnm�nze bekommen. Also eine ganze Tarnscheibe.�</p><p>Forkbeard gab dem Mann die silberne Tarnscheibe zur�ck, die er f�r Dagmar bekommen hatte, und der Offizier kettete das M�dchen los.</p><p>�Warum hat mein Jarl mich gekauft?� fragte sie.</p><p>�Du bist bestimmt f�hig, Tarsks zu f�ttern�, sagte er.</p><p>�Ja, mein Jarl�, erwiderte sie.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte ich sie.</p><p>�Peggie Stevens.�</p><p>Ich mu�te l�cheln.</p><p>�Du kommst von der Erde, nicht wahr?� sagte ich leise.</p><p>�Ja.�</p><p>�Aus welchem Staat?�</p><p>�USA. Connecticut.�</p><p>Seit dem Nestkrieg waren die Vorst��e der Au�erirdischen viel k�hner geworden; sie hatten keine M�he, Sklavinnen auf der Erde zu finden; offenbar sch�tzte man dort das Gold besser als die eigenen Frauen. Vermutlich ahnten die Regierungen der Erde inzwischen etwas von diesen Vorg�ngen; vielleicht verd�chtigte man aber auch nur einige H�ndler in L�ndern des Mittleren Ostens, wobei allerdings das empfindliche Gleichgewicht des �ls zu ber�cksichtigen war; was waren schon ein paar Flittchen, die in den Haremen des Mittleren Ostens landeten, gegen den Strom des schwarzen �ls, der die R�der der Industrie in Gang hielt? Aber der minimale Sklavenhandel, der in Westeuropa oder im Osten der Vereinigten Staaten anzutreffen war, erkl�rte nicht l�nger die Zahl der Vermi�ten, zu denen vor allem au�ergew�hnlich h�bsche Frauen geh�rten. Nach meiner Sch�tzung tauchten j�hrlich Hunderte von Frauen auf den goreanischen Sklavenm�rkten auf.</p><p>�Wie bist du hier in den Norden gekommen?� fragte ich die Sklavin.</p><p>�Ich wurde in Ar verkauft�, erwiderte sie, �an einen H�ndler aus Cos. Doch unterwegs fiel unser Schiff vier Piratenschiffen aus Torvaldsland in die H�nde. Soweit ich wei�, bin ich jetzt seit acht Monaten im hohen Norden.�</p><p>�Wie nennen wir unsere h�bsche kleine Sklavin?� suchte Forkbeard bei Gunnhild Rat.</p><p>�Honigkuchen�, schlug das M�dchen vor.</p><p>�Gut. Du hei�t Honigkuchen�, sagte Forkbeard.</p><p>�Jawohl, mein Jarl�, erwiderte Mi� Stevens.</p><p>Dann verlie� Ivar Forkbeard den Sklavenschuppen, und wir folgten ihm. Er fesselte Honigkuchen nicht, sondern sie begleitete ihn frei in seinem Gefolge. Ein gewisser Stolz, da� sie vor den anderen M�dchen verkauft worden war, machte sich bei ihr bemerkbar.</p><p>Nur wenige ahnten, da� noch heute beim Thing etwas Unerh�rtes passieren w�rde.</p><p>Nachdem wir den Sklavenschuppen verlassen hatten, waren Forkbeard und seine Begleitung ohne mich zu ihrem Zelt zur�ckgekehrt; ich sah mich allein auf dem Gel�nde um.</p><p>Als die gro�e Neuigkeit bekannt wurde, befand ich mich gerade beim Bogenschie�en.</p><p>An diesem Wettbewerb hatte ich eigentlich nicht teilnehmen sollen. Es hatte vielmehr in meiner Absicht gelegen, ein kleines Geschenk f�r Forkbeard zu kaufen. Ich geno� seine Gastfreundschaft nun schon sehr lange, und er hatte mir vieles geschenkt. �brigens gedachte ich kein Geschenk auszusuchen, das im Wert den Dingen entsprach, die er mir in seiner Gastfreundschaft hatte zukommen lassen. In Torvaldsland ist es �blich, da� der Gastgeber die gr��eren Geschenke macht; schlie�lich ist es sein Haus oder seine Halle; wenn sein Gast ihm gr��ere Geschenke verehrt, als er selbst dem Gast zu geben vermag, kommt dies einer Beleidigung, einem Verrat an der Gastfreundschaft gleich. Immerhin ist der Gastgeber kein Hotelier und sucht keinen Gewinn; und der Gastgeber darf nicht bescheidener erscheinen als der Gast, der willkommen gehei�en und besch�tzt wird. In Torvaldsland steht also die Gro�z�gigkeit dem Gastgeber zu; w�re Forkbeard dagegen nach Port Kar gekommen, h�tte es an mir gelegen, ihm die gr��eren Geschenke zu machen. Dies scheint mir eine gute Sitte zu sein; der Gastgeber, der als erster gibt und der genau wei�, was er sich leisten kann, bestimmt den Umfang des Gebens; der Gast bemi�t dann seine Geschenke entsprechend; der Gastgeber gewinnt Ehre, der Gast ehrt seinen Gastgeber, indem er weniger schenkt.</p><p>So ging es mir darum, ein Geschenk f�r Forkbeard zu finden; es durfte nicht zu kostbar sein � aber nat�rlich sollte er Freude daran haben.</p><p>Ich war gerade unterwegs zu den Einkaufsst�nden am Hafen, wo die besten Waren feilgeboten werden, als ich einen Augenblick stehenblieb, um beim Bogenschie�en zuzusehen.</p><p>�Gewinne Leah! Gewinne Leah, Herr!� sagte eine Stimme.</p><p>Ich sah das M�dchen an, das meinen Blick erwiderte.</p><p>Sie stand auf dem breiten runden Block � dunkelhaarig, klein, wohlgerundet. �Gewinne Leah, Herr�, forderte sie mich auf. Sie war mit einer Kette an den Block befestigt. Zusammen mit dem Talmit der Bogensch�tzen war sie der gro�e Preis in diesem Wettbewerb.</p><p>Ich schaute mir ihr Brandzeichen an � ein Zeichen des S�dens, der erste Buchstabe des Wortes �Kajira�, des gebr�uchlichsten Wortes f�r eine goreanische Sklavin. Au�erdem fiel mir auf, da� sie mich �Herr� und nicht �Jarl� genannt hatte � was ebenfalls auf den S�den hindeutete.</p><p>�Willst du versuchen, Leah zu gewinnen, Herr?� fragte sie sp�ttisch.</p><p>�Bist du ausgebildet?� fragte ich.</p><p>�In Ar�, fl�sterte sie verwirrt. �Aber du willst diese Kenntnisse doch nicht etwa hier im Norden verwenden?�</p><p>Ich sah sie an. Sie schien die vollkommene L�sung f�r mein Problem zu sein. Eine Frau ist als Geschenk unbedeutend genug, da� die Ehre Forkbeards als mein Gastgeber gewahrt blieb; au�erdem war dies ein begehrenswertes M�dchen, das Forkbeard und seinen Leuten sehr gefallen w�rde. Als ausgebildete Vergn�gungssklavin mochte sie au�erdem bei den groben Torvaldsl�ndern eine besondere Rarit�t f�r ihre sexuellen Vergn�gen sein.</p><p>�Du bist mir recht�, sagte ich und wandte mich ab.</p><p>Das Ziel f�r die Bogensch�tzen war etwa f�nfzehn Zentimeter breit und hundert Meter entfernt. Mit dem Langbogen ist das kein Problem. Viele Krieger, Bauern und Rencebauern kamen mir im Schie�en gleich.</p><p>In Torvaldsland dagegen war die Waffe ziemlich ungew�hnlich. Ich verscho� zwanzig Federpfeile auf das Ziel, bis es f�rmlich damit gespickt war.</p><p>Als ich meine Geschosse unter dem Geschrei der M�nner und dem Schlagen ihrer Bogen und Speere gegen die Schilder wieder an mich brachte, war das M�dchen bereits von dem Block losgekettet worden.</p><p>Ich nannte dem Oberschiedsrichter des Wettbewerbs meinen Namen. Die Talmits wurden offiziell erst morgen vergeben. Ich nahm seinen Gl�ckwunsch entgegen.</p><p>Mein Preis kniete vor mir. Ich blickte auf sie hinab.</p><p>In diesem Augenblick erreichte mich die gro�e Neuigkeit. Sie verbreitete sich wie brennendes �l im gro�en Lager. Die M�nner sahen sich an. Viele packten ihre Waffen fester.</p><p>�Ein Kur!� wurde gemeldet. �Einer der Kurii will vor der Thingversammlung sprechen!�</p><p>Das M�dchen sah mich an. �La� sie beim Zelt von Thorgeir vom Axtgletscher abgeben�, sagte ich zu dem Schiedsrichter. �Sag ihm, sie ist ein Geschenk von Tarl Rothaar.�</p><p>�Das soll geschehen�, sagte der Mann und winkte zwei st�mmige Thralls herbei, die das M�dchen in die Mitte nahmen.</p><p>�Liefert sie am Zelt Thorgeirs vom Axtgletscher ab�, befahl er. �Sagt ihm, sie ist ein Geschenk von Tarl Rothaar!�</p><p>Das M�dchen wurde herumgedreht. Sie sah mich �ber die Schulter an. Grobe H�nde stie�en sie weiter � zum Zelt des Mannes, der hier als Thorgeir vom Axtgletscher bekannt war.</p><p>Mein Blick begegnete dem des Oberschiedsrichters f�r das Bogenschie�en.</p><p>�Eilen wir zum Versammlungsfeld�, sagte er.</p><p>Und gemeinsam verlie�en wir den Ort, wo ich den gro�en Preis des Pfeilschie�ens gewonnen hatte � und ein M�dchen.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Es hob den Kopf. Es stand auf dem kleinen H�gel, der sich vor dem Versammlungsfeld erhob. Dieser H�gel war terrassenf�rmig mit Steinen abgesetzt. Auf diesen Steinen, die halbkreisf�rmig angelegt waren, standen bedeutende M�nner und Jarls, Runenpriester und die Wache von Svein Blue Tooth. Unmittelbar unter dem Gipfel des kleinen H�gels befand sich eine in den Hang hineingeschnittene ebene, mit Steinen bepflasterte Plattform mit Seitenabmessungen von etwa zw�lf Fu�.</p><p>Hier stand Svein Blue Tooth mit zwei W�rdentr�gern � hohen Offizieren des Jarl.</p><p>Das Wesen schaute mit erhobenem Kopf �ber die Versammlung freier M�nner hinweg. Im Sonnenlicht wirkten die Pupillen seiner Augen ungew�hnlich klein und dunkel. Sie waren wie schwarze Punkte in der gr�ngelben Iris. Ich wu�te, da� diese Punkte bei Nacht wie Monde anschwellen und die ganze Augen�ffnung einnehmen konnten, die fast zehn Zentimeter gro� war. Die Evolution hatte diese Lebensform auf einer fernen, jetzt vielleicht vernichteten Welt f�r die Jagd bei Tag und bei Nacht ausgestattet. Zweifellos jagte ein Kur gleich der Katze nur, um sich zu ern�hren, und seine vorz�glichen Augen bedeuteten, da� es keine Tages- oder Nachtzeit gab, da man diese Wesen nicht f�rchten mu�te. Der Kopf entsprach in der Breite ungef�hr dem Brustkorb eines gro�en Mannes. Es hatte eine flache Schnauze mit breiten N�stern. Die Ohren waren gro� und spitz. Sie stellten sich lauschend an der Seite des Kopfes auf und wurden dann wieder angelegt. Die Kurii, so hatte man mir erz�hlt, legten bei Begegnungen mit den Menschen oft die Ohren an, schon um ihren Gespr�chspartnern �hnlicher zu sehen. Das Anlegen der Ohren ist auch als Zeichen der Wut und Feindseligkeit zu deuten. Offenbar ist es f�r einen Kur physiologisch unm�glich, ohne angehobene Schultern, vorgestreckte Klauen und angelegte Ohren anzugreifen. Die N�stern des Wesens bebten, w�hrend es �ber die Menge blickte. Das Riechverm�gen der Kurii ist nicht so hervorragend wie das der Sleen, doch angeblich konnten sie eine F�hrte so gut verfolgen wie ein Larl. Auch ihr Geh�r ist ausgezeichnet und wurde ebenfalls mit dem des Larl verglichen. Es bestand kein Zweifel daran, da� das Sehverm�gen der Kurii bei Tage dem des Menschen entsprach und vielleicht sogar besser war, ebenso das Geh�r. Au�erdem waren sie vernunftbegabt wie die Menschen. Wie wir hatten sie ein Gehirn und ein R�ckgrat. Die Priesterk�nige stellten sie in der Intelligenz dem Menschen gleich, und es war klar, da� sie in gewisser Hinsicht eine �hnliche Erbmasse besa�en. Was sie zu derma�en gef�rchteten Gegnern werden lie�, war nicht so sehr ihre Intelligenz oder � auf den Stahlwelten � ihre technischen und wissenschaftlichen F�higkeiten, sondern vielmehr ihre Aggressivit�t, die Beharrlichkeit und Tollheit in der Befriedigung ihrer emotionalen Bed�rfnisse, ihre wesenseigene, zuweilen fast blindw�tige Wildheit, die an blutr�nstige Raserei grenzte.</p><p>Das Ungeheuer war ann�hernd neun Fu� gro�, und ich sch�tzte sein Gewicht auf etwa neunhundert Pfund. Interessanterweise sehen die Priesterk�nige, die nicht sonderlich visuell begabt sind, kaum einen Unterschied zwischen den Kurii und den Menschen. Mir erschien dies schon immer eine unm�gliche Haltung f�r Wesen von der Intelligenz der Priesterk�nige, aber trotz der f�r mich offensichtlichen Unterschiede halten die Priesterk�nige Kurii und Menschen f�r ziemlich �hnliche, fast entsprechende Spezies. Einen Unterschied zwischen einem Menschen und einem Kur haben sie allerdings deutlich festgestellt � die Tatsache, da� der Mensch im allgemeinen ungern t�tet. Diese Zur�ckhaltung kennt der Kur allerdings nicht.</p><p>�M�nner von Torvaldsland!� rief der Kur. Ich konnte ihn zuerst kaum verstehen � ein be�ngstigendes Erlebnis. Stellen Sie sich vor, in einem Zoo schaut der Tiger im K�fig pl�tzlich die Besucher an, und man h�rt aus seinem Knurren und Fauchen ann�hernd stimmende Phoneme der menschlichen Sprache heraus � ich erschauderte.</p><p>�Intelligenzwesen!� rief der Kur.</p><p>Das Maul des Kurs ist so gro�, da� der Kopf eines erwachsenen Mannes hineinpa�t. Bei geschlossenem Maul ragen die vier langen Rei�z�hne und die beiden oberen Z�hne �ber Unterlippe und Kiefer hinaus. Die Zunge ist lang und dunkel, das Innere des Mauls schimmert r�tlich.</p><p>�M�nner von Torvaldsland!� br�llte das Wesen. �Ich spreche zu euch!� Seitlich hinter dem Kur standen zwei weitere Kurii. Auch sie waren schrecklich anzuschauen. Jeder trug einen gro�en runden Eisenschild von etwa vier Fu� Durchmesser und war mit einer gro�en, etwa sieben Fu� langen Axt bewaffnet, deren doppelte Klinge etwa zwei Fu� breit war. Der erste Kur war nicht bewaffnet. W�hrend des Sprechens waren seine Krallen eingezogen. Um seinen linken Arm zog sich ein goldenes Spiralenband � sein einziges Schmuckst�ck. Die beiden Kurii hinter ihm trugen goldene Ohrgeh�nge. Die �H�nde� der Kurii haben sechs Glieder und zahlreiche Gelenke. Die Beine sind dick und kurz; trotzdem kann sich ein Kur mit gro�er Geschwindigkeit bewegen � dazu setzt er wie ein Affe auch seine vorderen Gliedma�en ein. Im Laufen verwandelt er sich praktisch in ein vierbeiniges Tier. Doch verf�gt er �ber den aufrechten Gang, der die Gehirnentwicklung und die guten Augen eines Zweif��lers erm�glichte. Diese Haltung steigert nat�rlich auch die Reichweite der Augen. Zugleich erm�glicht die Anatomie diesen Wesen, ihre K�rper bei Flucht und Angriff wie den eines vierbeinigen Wesens einzusetzen. Der Kur soll au�erdem gro�e Ausdauer besitzen, aber davon bin ich gar nicht so �berzeugt. Nur wenige Tiere, die nicht trainiert sind, haben Ausdauer oder brauchen sie. Eine Ausnahme bilden Rudelj�ger wie die W�lfe der Erde.</p><p>�Wir kommen in Frieden�, sagte der Kur.</p><p>Die Torvaldsl�nder auf dem Versammlungsfeld sahen sich an.</p><p>�T�ten wir sie doch!� fl�sterte ein Mann dem anderen zu.</p><p>�Im Schnee des hohen Nordens findet eine Versammlung meiner Artgenossen statt�, fuhr der Kur fort.</p><p>Die M�nner traten unruhig von einem Bein aufs andere. Ich lauschte aufmerksam. Ich wu�te, da� die Kurii vor allem in Landstrichen zu finden waren, in denen keine Menschen wohnten.</p><p>Die Kurii, denen ich bisher begegnet war, waren br�unlich, braunrot oder schwarz gezeichnet gewesen wie diese drei Ungeheuer. Wenn die Kurii auf der Plattform im Schnee lebende Wesen waren, lie� ihr Fell jedenfalls nichts davon erkennen. Ich fragte mich, ob sie vielleicht aus den Stahlschiffen kamen und erst vor kurzem auf Gor gelandet waren.</p><p>�Wie viele kommen dort zusammen?� fragte Svein Blue Tooth, der neben den Kurii stand.</p><p>Blue Tooth war ein gro�er b�rtiger Mann mit einem breiten, schweren Gesicht. Er hatte blaue Augen, und sein blondes Haar war schulterlang. Unter seinem linken Auge zog sich eine Messernarbe hin. Er machte einen schlauen, intelligenten Eindruck, den Eindruck eines Mannes, der seinen Vorteil zu nutzen verstand. Wahrscheinlich war er ein guter Jarl. Er trug einen rotgef�rbten Fellkragen und einen langen roten Umhang aus See-Sleen-Fell �ber der linken Schulter. Unter dem Umhang trug er gelbe Wolle und einen schwarzschimmernden breiten G�rtel mit einer Goldschnalle, an dem eine Schwertscheide aus ge�ltem, schwarzem Leder hing. In dieser Scheide steckte ein torvaldsl�ndisches Schwert, ein Langschwert mit juwelenbesetztem Knauf und doppeltem Handschutz. Um seinen Hals hing an einer goldenen Kette der blaugef�rbte Zahn eines Hunjerwals.</p><p>�Wir kommen in Frieden�, wiederholte der Kur.</p><p>�Wie viele versammeln sich?� hakte Blue Tooth nach.</p><p>�So viele, wie sich Steine an der K�ste befinden�, sagte der Kur. �So viele, wie Nadeln an den Nadelb�umen h�ngen.�</p><p>�Was wollt ihr?� rief ein Mann aus dem Publikum.</p><p>�Wir kommen in Frieden�, wiederholte der Kur noch einmal.</p><p>�Sie haben kein wei�es Fell�, sagte ich zu Forkbeard, der jetzt neben mir stand. �Unwahrscheinlich, da� sie aus Schneegebieten kommen.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte Forkbeard.</p><p>�Sollten wir Svein Blue Tooth nicht dar�ber informieren?� fragte ich.</p><p>�Blue Tooth ist kein Dummkopf�, erwiderte Forkbeard l�chelnd. �Hier glaubt niemand daran, da� sich die Kurii im Lande des Schnees versammeln. Es gibt dort nicht genug Wild, um so viele Lebewesen zu ern�hren.�</p><p>�Wie weit sind sie also wirklich entfernt?� fragte ich.</p><p>�Das wei� niemand.�</p><p>�Leider kennt ihr uns nur durch unsere Ge�chteten, durch Pervertierte, die aus unseren H�hlen vertrieben worden sind, ungeeignet f�r die Feinheiten der Zivilisation. Ihr kennt bisher nur unsere Kranken und Ausgesto�enen und Wahnsinnigen, jene, die sich trotz unserer Bem�hungen nicht unserer friedlichen und harmonischen Lebensweise anpassen wollten.�</p><p>Die Torvaldsl�nder waren sichtlich verbl�fft. Ich schaute auf die gro�en �xte in den H�nden der beiden Kurii, die hinter dem Sprecher standen.</p><p>�Wir sind oft im Kampf aneinandergeraten�, sagte der Sprecher. �Aber an diesen Vorf�llen tragt ihr in gro�em Ma�e selbst die Schuld. Ihr habt uns grausam und r�cksichtslos gejagt, ihr habt uns umbringen wollen, w�hrend wir Kameradschaft suchten, als intelligente Mitbewohner dieser Welt.�</p><p>�Bringt sie um!� murmelte so mancher Mann. �Es sind Kurii.�</p><p>�Selbst jetzt noch�, sagte der Kur und bleckte die Z�hne, �gibt es M�nner in euren Kreisen, die unseren Tod w�nschen, die auf unsere Vernichtung dr�ngen.�</p><p>Die Torvaldsl�nder schwiegen. Der Kur hatte ihre Worte verstanden, obwohl er weit entfernt und hoch �ber uns stand. Was f�r ein Geh�r!</p><p>Wieder wurden die scharfen Z�hne entbl��t, und ich fragte mich, ob das Wesen vielleicht ein menschliches L�cheln nachzuahmen versuchte. �Wir kommen in Freundschaft�, sagte der Kur und sah sich um. �Wir sind einfache, friedliche Wesen, die sich f�r die Landwirtschaft interessieren.�</p><p>Svein Blue Tooth warf den Kopf in den Nacken und stimmte ein lautes Lachen an. Ein mutiger Mann, f�rwahr! Auch Ivar Forkbeard begann zu lachen, weitere fielen ein.</p><p>Ich fragte mich, ob der Magen � oder die M�gen � der Kurii Pflanzennahrung �berhaupt vertrugen. Die ganze Versammlung hatte nun zu lachen begonnen.</p><p>Der Kur schien sich �ber die Reaktion nicht zu �rgern. Ich fragte mich, ob er mit dem Lachen �berhaupt etwas anfangen konnte. F�r ihn mochte es nur ein seltsames Ger�usch sein, ebenso nichtssagend wie f�r uns die Schreie von Walen.</p><p>�Ihr seid am�siert�, sagte er.</p><p>Also doch � die Kurii wu�ten, was das Lachen bedeutete. Da� die Kurii Humor hatten, beruhigte mich nicht sonderlich. Ich fragte mich eher, in welchen Situationen sich dieser Humor wohl zeigen mochte. W�re eine Katze intelligent gewesen, h�tte sie sich vielleicht �ber das Zucken und Beben der Maus am�siert, die sie eben gefangen hatte. Wenn eine Spezies lacht, so zeugt dies von ihrer Intelligenz und ihrer F�higkeit, logisch zu denken � und nicht von ihrer G�te oder Harmlosigkeit. Der Verstand ist harmlos � wie ein Messer, dessen Anwendung eine Funktion der Hand ist, die es umfa�t, und der Energien und des Willens, die es bewegen.</p><p>�Wir waren nicht immer schlichte Bauern�, sagte der Kur. �Nein, fr�her waren wir J�ger, und unsere K�rper tragen noch immer die Spuren unserer grausamen Vergangenheit. Dies hier� � und er fuhr pl�tzlich seine Krallen aus � �erinnert uns daran, da� wir entschlossen sein m�ssen, eine zuweilen st�rrische Neigung zu �berwinden. Nicht das, was wir waren, ist wichtig, sondern das, was wir sind, was wir werden wollen. Wir w�nschen einfache Bauern zu sein, die den Boden bestellen und ein l�ndlich-friedliches Dasein f�hren.�</p><p>Die Torvaldsl�nder sahen sich an.</p><p>�Was wollt ihr?� fragte Svein Blue Tooth.</p><p>Der Kur wandte sich an die gro�e Versammlung.</p><p>�Wir m�chten auf einem Marsch nach S�den euer Gebiet durchqueren.�</p><p>�Es w�re Wahnsinn�, sagte Forkbeard zu mir, �gro�e Gruppen von Kurii ins Land zu lassen.�</p><p>�Wir suchen leere Gebiete im S�den, um dort Landwirtschaft zu treiben�, sagte der Kur. �Wir brauchen nur soviel von eurem Land, wie unsere Kolonne breit ist, und nur so lange, wie der Marsch dauert.�</p><p>�Deine Bitte erscheint mir vern�nftig�, sagte Svein Blue Tooth. �Wir werden dar�ber beraten.�</p><p>Der Kur trat zur�ck und stellte sich neben seine Artgenossen. Die drei unterhielten sich in einer Sprache der Kurii; soweit ich wei�, gibt es auf den Stahlwelten verschiedene Nationen dieser Wesen. Ich verstand nichts von dem Gesagten; die Sprache erinnerte mich jedoch sehr an das Schnauben und Knurren von Larls.</p><p>�Welches Getreide�, fragte Ivar Forkbeard, �wollen die Kurii eigentlich anbauen?�</p><p>Ich sah, wie sich die Ohren des Kurs anlegten. Die Z�hne wurden entbl��t. �Sa-Tarna�, sagte das Ungeheuer.</p><p>Die M�nner auf dem Feld nickten verst�ndnisvoll. Sa-Tarna war das Hauptgetreide in Torvaldsland; die Antwort war daher verst�ndlich.</p><p>Ivar fl�sterte mit einem seiner M�nner.</p><p>�Was werdet ihr uns f�r die Durchquerung unseres Landes zahlen?� fragte einer der freien Torvaldsl�nder.</p><p>�Solche Dinge wollen wir aushandeln�, sagte das Ungeheuer. �Wenn es geboten scheint, solche Dinge zu besprechen.�</p><p>Dann trat es zur�ck.</p><p>Verschiedene freie M�nner erhoben sich nacheinander und �u�erten sich vor der Versammlung. Einige sprachen sich daf�r aus, den Kurii ihren Durchzug zu erlauben, viele wandten sich dagegen.</p><p>Dann kam man zu dem Schlu�, da� man doch erst wissen m��te, was die Kurii als Gegenleistung zu bieten gedachten.</p><p>Inzwischen war mir klargeworden, da� Torvaldsland praktisch eine Mauer zwischen den Kurii und den s�dlichen Regionen Gors bildete. Der Kur ist ein Landwesen. Er kann nicht schwimmen und scheut das Wasser. Auf Schiffen f�hlt er sich sehr unwohl. Au�erdem hat seine Rasse keine Ahnung von der Kunst des Schiffsbaus. Da� pl�tzlich gro�e Kurii-Gruppen in Erscheinung traten und sich zu einem solchen Marsch in den S�den formierten, konnte in den Kriegen dieser Wesen mit den Priesterk�nigen kein Zufall sein. Hier waren in gro�em Ma�e goreanische Kurii im Spiel. Sie hatten primitive Waffen. Sie kannten nicht einmal �bersetzungsger�te. Nach den Gesetzen der Priesterk�nige oblag es solchen Spezies Kurii wie Menschen �, Auseinandersetzungen auf ihre Art zu regeln. Ich bezweifelte nicht, da� die Kurii � wahrscheinlich unter Anleitung der Kurii aus den Stahlwelten � einen Einmarsch in Torvaldsland planten, der sie innerhalb einer Generation bis zum S�dpol Gors f�hren sollte. Die Kurii machten Anstalten, ihre wahren Motive zu offenbaren. Endlich waren sie zum Vormarsch bereit. Wenn sie Erfolg hatten, lie� die Invasion aus dem Weltall sicher nicht lange auf sich warten. Aus Barmherzigkeit oder Desinteresse hatten die Priesterk�nige viele Kurii am Leben gelassen, die abgest�rzt oder abgeschossen worden waren. Diese Wesen hatten im Laufe der Jahrhunderte an Zahl und Kampfkraft zugenommen und mochten nun unter der Leitung der Kurii aus den Stahlwelten stehen; zweifellos hatte Kontakt bestanden. Vermutlich kam sogar der Sprecher aus den Stahlschiffen, ein Wesen, dem man das Goreanische beigebracht hatte. Die goreanischen Kurii, die Gruppe, die man hatte �berleben und siedeln lassen, kannte diese Sprache sicher nicht. Es gab kaum Ber�hrungspunkte mit den Menschen au�er wenn man sich gegenseitig umbringen wollte.</p><p>Offenbar hatten die Kurii keine Lust, sich den Weg zu fruchtbaren Landstrichen im S�den zu erk�mpfen. Sie w�nschten sich einen leichten Aufmarsch, ohne ihre Kampfkraft zu reduzieren. Zugleich wollten sie Torvaldsland vom S�den abriegeln. Es war nicht viel zu gewinnen, wenn man gegen Torvaldsland k�mpfte, und nicht viel zu verlieren, wenn man darauf verzichtete � das Vers�umnis konnte man sp�ter nachholen, wenn die Machtverh�ltnisse im S�den gefestigt worden waren. Ich hatte nat�rlich meine Zweifel an der Frage, ob eine Kur-Invasion in den S�den ohne Unterst�tzung durch die Stahlwelten m�glich war. Vielleicht stand hinter dem Versuch die Absicht, den Einflu�bereich der Kurii so weit wie m�glich in den S�den vorzuschieben und auch zum erstenmal die Kr�fte der Priesterk�nige herauszufordern. Dies erm�glichte eine Absch�tzung der Kampfst�rke der Priesterk�nige, ein Faktor, der den Kurii bis her weitgehend unbekannt war. Die Wesen im Sardargebirge sollten dazu verleitet werden, sich eine Bl��e zu geben, die wom�glich einen erfolgreichen Angriff aus dem Raum erm�glichte. Alles in allem war die Invasion in den S�den in diesem Augenblick noch ein Versuch. Wenn sie Erfolg hatte, mochten die Priesterk�nige zum Eingreifen gezwungen sein, um die Menschen auf diesem Planeten zu erhalten � und damit brachen sie ihre eigenen Gesetze. Wenn die Priesterk�nige aber nicht einschritten � vielleicht aus Stolz �, mochte Gor schnell zu einer Kur-Welt werden, auf der die Priesterk�nige schlie�lich isoliert und vernichtet wurden. Dies war meines Wissens bisher der k�hnste und gef�hrlichste Vorsto� der Kurii. Dabei wurden gro�e Streitkr�fte auf Gor eingesetzt, die weitgehend aus eingeborenen Kurii bestanden. Nat�rlich mochten sich Kurii aus den Schiffen als Organisatoren und Offiziere in dieser Armee befinden, auf jeden Fall gab es eine Verbindung zu den Schiffen. Der gro�e Marsch mochte nur der erste Schritt einer Invasion sein, die mit der Landung vieler tausend Stahlschiffe enden konnte, Angreifer von den Sternen, um sich der K�sten Gors zu bem�chtigen.</p><p>Nat�rlich war auch denkbar, da� die Kurii die Torvaldsl�nder angreifen wollten, sobald sie mitten im Land standen. Wenn es erst einmal soweit war, konnten sie sich abschnittsweise vorank�mpfen, ehe eine gro�e Armee gegen sie aufgeboten werden konnte.</p><p>Ebenso war vorstellbar, da� sich die Kurii gem��igt und notgedrungen tats�chlich eine Neigung zur Landwirtschaft entwickelt hatten, weil sie von den Schiffen unzureichend versorgt wurden. Oder sie wurden allm�hlich doch eine friedfertigere Lebensform. Vielleicht konnten wir doch gemeinsam mit dieser Rasse eine friedlichere Welt schaffen, eine Welt, in der Wagemut, Neugier, Abenteuerlust und die Freiheit des Menschen mehr waren als vernachl�ssigte, verkr�ppelte, halb vergessene Anachronismen, ererbt von unseren fernen Vorfahren, den Ur-Barbaren. Damit h�tten wir unser barbarisches Menschsein �berwunden und w�ren eins geworden mit allen Lebewesen, mit den Schnecken, den Kurii und den Blumen.</p><p>�Was wollt ihr f�r die Erlaubnis zahlen, unser Land zu durchqueren, sollten wir euch diese Erlaubnis gew�hren?� fragte Svein Blue Tooth.</p><p>�Wir nehmen wenig oder nichts�, sagte der Kur, �und erwarten daher, da� ihr auch nichts fordert.�</p><p>�rgerliches Murmeln wurde in der Versammlung laut.</p><p>�Aber�, fuhr der Kur fort. �Da unsere Zahl so gro� ist, brauchen wir Proviant, den wir von euch erwarten!�</p><p>�Von uns?� fragte Svein Blue Tooth. Ich sah, da� in der Menge drohend Speere geschwenkt wurden.</p><p>�F�r jeden Tag des Marsches�, sagte der Kur, �brauchen wir hundert Verr, hundert Tarsk, hundert Bosks und hundert gesunde Frauen von der Art, die ihr Sklavinnen nennt.�</p><p>�Als Proviant?� fragte Blue Tooth verbl�fft.</p><p>In den Sprachen der Kurii gab es verschiedene Worte, die sich auf e�bares Fleisch bezogen. Diese allgemeinen Begriffe schlossen auch den Menschen ein. Sie wurden zuweilen mit �Fleischtiere� oder mit �Vieh� �bersetzt, manchmal einfach auch mit �Nahrung�.</p><p>�Ja�, sagte der Kur.</p><p>Svein Blue Tooth lachte.</p><p>Diesmal schien der Kur die Reaktion nicht am�sant zu finden. �Wir verlangen ja keine eurer kostbaren freien Frauen�, sagte er.</p><p>Das weiche Fleisch der Menschenfrau galt bei den Kurii als Delikatesse.</p><p>�Wir haben eine bessere Verwendung f�r unsere Sklavinnen�, sagte Svein Blue Tooth. �Wir verf�ttern sie nicht an die Kurii!�</p><p>Gel�chter brandete durch die Menge.</p><p>Ich hatte auch nicht damit gerechnet, da� die Torvaldsl�nder ihre Sklavinnen hergeben w�rden. Dazu waren sie viel zu begehrenswert.</p><p>�Au�erdem brauchen wir tausend m�nnliche Sklaven als Tr�ger, die auch als Nahrung verwendet werden k�nnen.�</p><p>�Und wenn wir euch dies alles gew�hren�, fragte Svein Blue Tooth, �was erhalten wir daf�r?�</p><p>�Euer Leben�, sagte der Kur lapidar.</p><p>Wutgeschrei gellte auf. Die Torvaldsl�nder begannen zu toben. Sie waren frei, freie Goreaner. Sie fuchtelten erbost mit ihren Waffen.</p><p>�Bedenkt eure Antwort wohl, meine Freunde�, sagte der Kur. �Alles in allem sind unsere Forderungen sehr m��ig.�</p><p>Die Feindseligkeit der M�nner schien ihn zu verwirren. Er hielt seine Forderungen offenbar f�r gro�z�gig.</p><p>Und vermutlich waren sie wirklich gro�z�gig � wenn man die Ma�st�be der Kurii anlegte. H�tten wir einer Herde Vieh, die zwischen uns und einem ersehnten Ziel stand, soviel geboten?</p><p>Ich sah den Mann, mit dem Ivar Forkbeard gesprochen hatte, auf die Plattform steigen. Er trug einen Holzeimer und einen zweiten Gegenstand, der in Leder eingewickelt war. Er wandte sich an Svein Blue Tooth, und der gro�e Jarl l�chelte. �Ich habe hier�, rief Svein Blue Tooth, �einen Eimer voller Sa-Tarna-Korn. Zum Zeichen unserer Gastfreundschaft biete ich ihn unseren G�sten als Gabe.�</p><p>Der Kur betrachtete das gelbe Korn im Eimer. Ich sah, wie die Krallen der rechten Pfote kurz entbl��t wurden und schnell wieder in den weichen Polstern der Tatze verschwanden.</p><p>�Ich danke dem gro�en Jarl�, sagte das Ungeheuer. �Vorz�gliches Korn! Wir hoffen, da� wir im S�den mit unserer Ernte ebenso erfolgreich sind. Aber ich mu� darauf verzichten, euer Geschenk zu kosten. Wir ern�hren uns nicht wie die Menschen von Korn im Rohzustand.�</p><p>Nun nahm der Jarl aus der Hand von Ivar Forkbeards Helfer den in Leder gewickelten Gegenstand entgegen.</p><p>Es handelte sich um einen flachen Laib Sa-Tarna-Brot.</p><p>Der Kur besah sich das Brot. Seinen Gesichtsausdruck vermochte ich nicht zu deuten.</p><p>�I߫, sagte Svein Blue Tooth.</p><p>Der Kur ergriff das Brot. �Ich nehme die Gabe mit in mein Lager�, sagte er, �als Zeichen des guten Willens der Torvaldsl�nder.�</p><p>�I߫, wiederholte Svein Blue Tooth.</p><p>Die beiden Kurii hinter dem Sprecher begannen wie aufgebrachte Larls leise zu knurren. Der Ton lie� mir die Nackenhaare zu Berge stehen; ich wu�te, da� sich die drei soeben miteinander unterhalten hatten.</p><p>Der Kur betrachtete das Brot, wie wir Gras oder Holz oder einen Schildkr�tenpanzer betrachtet h�tten.</p><p>Dann steckte er es langsam in sein Maul. Kaum hatte er zu schlucken begonnen, als er angewidert w�rgte und das ganze Brot wieder von sich gab.</p><p>Da wu�te ich, da� dieser Kur � und vermutlich auch alle seine Artgenossen � ausschlie�lich Fleischfresser waren.</p><p>Das Wesen stand mit hochgezogenen Schultern auf der Plattform; die Krallen waren vorgestreckt, die Ohren lagen flach am Kopf, die Augen funkelten t�ckisch.</p><p>Ein Speer kam dem Wesen zu nahe. Es packte zu, entri� dem Mann die Waffe und bi� den Schaft mit einer kurzen Bewegung seiner Z�hne in zwei Teile, als handelte es sich um einen d�rren Zweig. Dann hob es den Kopf und stie� einen ungeheuren Wutschrei aus, wie ein geblendeter Larl. Sicher gab es in diesem Augenblick keinen Mann in der Versammlung, der nicht vor Entsetzen erstarrte. Das Gebr�ll des Ungeheuers mu�te sogar auf den Schiffen zu h�ren sein.</p><p>�Freie M�nner aus Torvaldsland!� rief Svein Blue Tooth. �Wollen wir den Kurii die Erlaubnis geben, durch unser Land zu wandern?�</p><p>�Nein!� br�llte ein Mann.</p><p>�Niemals!� riefen andere.</p><p>Dann hallten die aufgebrachten Rufe der M�nner �ber das ganze Feld.</p><p>�Tausend von euch k�nnen durch die Klauen eines einzigen Kur sterben!� rief der Kur drohend.</p><p>Neues Wutgeschrei, Waffen wurden gehoben. Der Kur mit dem goldenen Armband wandte sich �rgerlich ab. Seine Artgenossen folgten ihm.</p><p>�La�t sie ziehen!� rief Svein Blue Tooth. �Der Friede des Thing sch�tzt sie!�</p><p>Die M�nner wichen zur�ck, und durch ihre Mitte bewegten sich mit schnellen, trottenden Schritten die drei Kurii.</p><p>�Mit denen sind wir fertig�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>�Morgen!� rief Svein Blue Tooth, �werden die Talmits an die Sieger in den Wettbewerben vergeben!� Er lachte. �Und morgen abend gibt es ein gro�es Fest!�</p><p>Diese Ank�ndigung l�ste Jubelgeschrei aus.</p><p>�Ich habe sechs Talmits gewonnen�, erinnerte mich Ivar Forkbeard.</p><p>�Willst du es wirklich wagen, sie abzuholen?� fragte ich.</p><p>Er sah mich an, als h�tte ich den Verstand verloren! �Nat�rlich! Ich habe sie doch gewonnen!�</p><p>Als wir das Thingfeld verlie�en, erblickte ich in der Ferne einen hohen schneebedeckten Berg, der entfernt einer verbogenen Speerklinge �hnelte. Ich hatte diesen Berg schon mehrmals gesehen, doch hier vom Thingfeld aus hatte man einen besonders guten Blick auf ihn.</p><p>�Was ist das f�r ein Gipfel?� fragte ich.</p><p>�Das ist der Torvaldsberg�, erwiderte Ivar Forkbeard.</p><p>�Der Torvaldsberg?�</p><p>�In den Legenden steht, da� Torvald in diesem Berg schl�ft. Er wird erwachen, wenn er in Torvaldsland wieder gebraucht wird.�</p><p>Dann legte er mir den Arm um die Schulter. �Komm in mein Lager. Du wei�t noch immer nicht, wie man dem Angriff mit der Jarls Axt begegnet.�</p><p>Ich l�chelte. Nein, noch hatte ich diesen waghalsigen Spielzug des Nordens nicht gemeistert.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Um meine Stirn waren zwei Talmits gewunden � einen hatte ich beim Ringen gewonnen, den anderen beim Bogenschie�en.</p><p>Die M�nner Forkbeards und viele andere klopften mir auf die Schultern. Aber trotz allem war ich mir gar nicht so sicher, ob ich noch lange zu leben hatte. Bald kam der Augenblick, da die Talmits auch an Thorgeir vom Axtgletscher vergeben werden mu�ten.</p><p>Zwei M�nner aus Svein Blue Tooths Gefolge erhoben sich und bliesen auf gekr�mmten Bronzeh�rnern ein Signal, wie sie auch zur Verst�ndigung zwischen Schiffen verwendet werden.</p><p>Auf dem purpurn geschm�ckten Holzpodest sa�en Svein Blue Tooth und seine Gef�hrtin Bera in gro�en geschnitzten St�hlen. Beide hatten sich pr�chtig herausstaffiert. In seiner N�he, einige auf der Plattform, andere davor, standen seine f�hrenden Offiziere, seine Rechtsberater, Kapit�ne und die wichtigsten Leute von seinen weit verstreuten H�fen und Besitzt�mern; mindestens vierhundert seiner Bewaffneten tummelten sich auf diesem Fest. Die Runenpriester in ihren wei�en Roben hoben sich ab von der bunten Menge.</p><p>Svein Blue Tooth stand auf. Um seinen Hals hing der Zahn des Hunjerwals. �In der Geschichte des Thing�, rief Svein, �hat es noch keinen Sieger gegeben, wie wir ihn heute ehren wollen!�</p><p>Diese �u�erung �berraschte mich nicht.</p><p>Ivar Forkbeard hatte sechs Talmits gewonnen: Im Stangensteigen, Schluchtsprung, Ruderschreiten, Speerwerfen � Weite und Genauigkeit � und im Schwimmen.</p><p>�Dieser Mann�, rief Svein Blue Tooth, der sichtlich beeindruckt war, �hat in diesen Konkurrenzen sechs Talmits gewonnen.�</p><p>Svein Blue Tooth war ein echter Torvaldsl�nder. Er begriff die gro�e Leistung, die hinter diesen Siegen stand. Es war selten, da� ein Mann auch nur zwei Talmits gewann. Tausende nahmen an den Wettbewerben teil, und in jeder Disziplin konnte nur einer den Talmit des Siegers beanspruchen. �Ich bin selbst geehrt und gehe in die Geschichte meines Landes ein�, fuhr Blue Tooth aus, �weil ich der hohe Jarl bin, der diese Talmits vergibt. Und indem wir diesen Mann ehren, ehren wir zugleich uns selbst.� Diese Einstellung pa�te zu den Torvaldsl�ndern. Man f�hlte sich selbst geehrt, wenn man zu recht verdiente Ehren vergab. Und Svein Blue Tooth freute sich sichtlich, da� w�hrend seiner Jarlzeit ein K�mpfer sechs Talmits gewonnen hatte.</p><p>Die gro�e graugekleidete Gestalt Ivar Forkbeards stand neben mir. Seine Gesichtsz�ge waren nicht zu erkennen.</p><p>Aus einem geschm�ckten Lederetui, das ihm ein hoher Offizier reichte, hob Svein Blue Tooth eine Handvoll Talmits.</p><p>Die M�nner jubelten, hoben ihre Waffen. Speerklingen wurden gegen Holzschilde geknallt.</p><p>�Der Mann, der sich Thorgeir vom Axtgletscher nennt�, rief Svein Blue Tooth, �m�ge vortreten!�</p><p>Ivar Forkbeard stieg mit energischen Schritten die Stufen zur Plattform empor. Es gab in seiner Gruppe keinen, der in diesem Augenblick nicht den Atem anhielt und verstohlen zu seinen Waffen tastete, um sich zu vergewissern, da� sie griffbereit waren. Ich sah mich um und versuchte den g�nstigsten Fluchtweg auszumachen.</p><p>Wenn man in kochendes Tharlarion�l geworfen wird, stirbt man schnell. Wird die Fl�ssigkeit dagegen langsam �ber kleinem Feuer erhitzt, dauert der Tod viele Stunden. Ich betrachtete das Gesicht von Svein Blue Tooth und bezweifelte nicht, da� er ein geduldiger Mann war. Ich erschauderte.</p><p>Ivar Forkbeard, Thorgeir vom Axtgletscher, stand maskiert auf der obersten Stufe der Plattform, vor seinem Feind.</p><p>Ich hoffte, da� Svein Blue Tooth ihm die Talmits einfach �berreichen w�rde, damit er schnell wieder zu uns kommen und wir zu den Schiffen fliehen konnten.</p><p>Aber so sollte es nicht kommen. Offenbar hatte Svein Blue Tooth die Absicht, seinen Gegner zu ehren, indem er ihm die Talmits pers�nlich um die Stirn band.</p><p>Svein Blue Tooth lachte. �F�rchte dich nicht, Champion!� sagte er. �Hier ist niemand, der wirklich glaubt, da� du Thorgeir hei�t.�</p><p>Ivar Forkbeard zuckte die Achseln und breitete die H�nde aus, als habe man ihn bei einer L�ge ertappt. Ich h�tte am liebsten mit einem Axtgriff auf ihn eingeschlagen.</p><p>�Wie hei�t du, Champion?� fragte Bera, die Frau des Jarl Svein Blue Tooth.</p><p>Ivar schwieg.</p><p>�Da� du dich verh�llt hast, verr�t uns, da� du ein Ge�chteter bist�, sagte Blue-Tooth.</p><p>Ivar sah ihn an, als verbl�ffe ihn die Hellsichtigkeit des Anf�hrers.</p><p>�Aber der Frieden des Thing ist dir sicher�, sagte Svein Blue Tooth. �In unserem Kreis bist du ungef�hrdet. Sei unbesorgt, gro�er Champion. Wir sind hier versammelt, um dich zu ehren, nicht um dich zu bedrohen. Der Friede des Thing ist dir garantiert � wie allen M�nnern hier.�</p><p>�Gro�er Jarl�, sagte Ivar Forkbeard, �schw�rst du mir deinen Eid des Friedens f�r die Dauer dieses Thing, deinen pers�nlichen Eid auf den Ring des Tempels von Thor?�</p><p>�Das ist nicht erforderlich�, sagte Blue Tooth. �Aber wenn du willst, schw�re ich.� Er hob die Hand. �Beim Ring des Thor-Tempels garantiere ich dir den Frieden dieses Thing � und meinen eigenen Frieden.�</p><p>Ich atmete auf. Forkbeards M�nner entspannten sich sichtlich.</p><p>Forkbeard machte einen sehr nachdenklichen Eindruck. Vermutlich �berlegte er, ob der Schwur Blue Tooths gen�gte.</p><p>�Wie hei�t du, Champion?� fragte Svein Blue Tooth.</p><p>Ivar Forkbeard warf seine Kapuze zur�ck. �Ich hei�e Ivar Forkbeard�, sagte er.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Die Halle Svein Blue Tooths bestand aus Holz und bot einen herrlichen Anblick.</p><p>Das Innere der Halle war ohne die verschiedenen Nebenr�ume und die Empore, die innen herumf�hrte und Zugang zu anderen R�umen bot, etwa vierzig Fu� hoch, vierzig Fu� breit und nahezu zweihundert Fu� lang. An der Westwand stand ein gewaltiger Tisch, der die ganze Breite des Raums einnahm. Hinter diesem Tisch, mit dem R�cken zur Wand, damit von dort aus die ganze Halle �berblickt werden konnte, befand sich der hohe Sitz, der Platz des Hausherrn. Er war gro� genug f�r drei oder vier M�nner, und ehrenhalber durften manchmal andere M�nner mit dem Jarl auf dem hohen Sitz Platz nehmen. Zu beiden Seiten dieses Throns befanden sich zwei S�ulen, etwa zwanzig Zentimeter dick und rund acht Fu� hoch � die Throns�ulen. Die S�ulen waren w�hrend der Herrschaft von Svein Blue Tooths Gro�vater geschnitzt worden und trugen die Gl�ckszeichen seines Hauses. Zu beiden Seiten des hohen Sitzes standen lange B�nke, ebenso auf der anderen Seite des Tisches. Ein Ehrenplatz war die Position gegen�ber dem hohen Sitz, auf dem man sich am besten mit dem Gastgeber unterhalten konnte. Obwohl der Thron �hoher� Sitz genannt wurde, ragte er nicht �ber die anderen Sitzgelegenheiten auf. Der Jarl blickte nicht auf seine Gefolgsleute herab. Der Sitz ist �hoch� in dem Sinne, da� sich gro�e Ehre mit ihm verbindet.</p><p>Fast durch die gesamte Halle erstreckte sich eine Grube f�r ein �langes Feuer�, �ber dem f�r die Hausangeh�rigen Nahrung zubereitet werden konnte. An den L�ngsw�nden der Halle standen ebenfalls lange Tische mit B�nken. Auf den Tischen befindliche Schalen, mit Salz gef�llt, trennen gew�hnlich die M�nner nach ihrem Rang. Wer ��ber� dem Salz sitzt, verf�gt �ber ein gr��eres Prestige als jemand, der �unterhalb� Platz nehmen mu�. Zwischen dem Salz und dem hohen Sitz befand man sich ��ber� dem Salz; sa� man zwischen dem Salz und dem Halleneingang, befand man sich �unterhalb�. In der Halle Ivar Forkbeards aber galten solche Rangunterschiede nicht; in seiner Halle wohnten ausnahmslos Kampfgef�hrten, die ��ber dem Salz� standen. So w�re es nach Ansicht Blue Tooths und anderer nicht richtig gewesen, einen hohen Offizier an denselben Tisch zu setzen wie einen Mann, der sich damit besch�ftigte, die Verrs h�tenden Thralls zu beaufsichtigen.</p><p>Salz wird von den Torvaldsl�ndern �brigens im allgemeinen aus Meerwasser oder aus der Verbrennung von Tang gewonnen. Aber es ist l�ngst zum Handelsobjekt geworden und wird zuweilen bei �berf�llen erbeutet. Die gelben und roten Salzsorten des S�dens, von denen ich einige auf den Tischen sah, sind in Torvaldsland normalerweise nicht zu finden.</p><p>Die Anordnung der Tische ist zwar von Halle zu Halle verschieden, aber es ist �blich, da� der Eingang der Halle zur Morgensonne hin orientiert ist und da� der hohe Sitz diesem Eingang gegen�bersteht. Es ist �brigens niemandem gestattet, hinter dem hohen Sitz Platz zu nehmen. In einem rauhen Land wie diesem sind solche elementaren Vorsichtsma�nahmen sicher am Platze.</p><p>An den L�ngsw�nden der Halle hingen die Schilde der Krieger mit ihren Waffen. Auch Krieger, die gew�hnlich an den Mitteltischen sa�en, bewahrten ihre Schilde und Speere an der Wand auf. In der Nacht schlief jeder Mann in seinen Fellen hinter dem Tisch und unter seinen Waffen. Blue Tooth und die Mitglieder seiner Familie sowie hohe Offiziere zogen sich nat�rlich in Privatr�ume zur�ck.</p><p>Die Halle war mit prachtvollen Schnitzereien und oberhalb der Schilde mit kostbaren Wandteppichen und anderen Beh�ngen geschm�ckt. Sie stellten Szenen aus dem Krieg oder von der Jagd dar, dazwischen waren Schiffsbilder zu finden. Eine Darstellung zeigte eine Tabukjagd in einem Wald. Ein anderer Wandteppich mit zahlreichen Schiffen einer Kriegsflotte stammte aus der Zeit der gro�en Hungersnot in Torvaldsland � eine Generation war das jetzt her. In jener bitteren Zeit hatte es besonders viele Piratenz�ge in den S�den gegeben.</p><empty-line/><p>Als Ivar Forkbeard auf dem purpurn geschm�ckten Siegerpodest seinen Namen nannte, br�llte Svein Blue Tooth: �Ergreift ihn und macht das �l hei�!�</p><p>�Dein Eid! Dein Eid!� riefen die entsetzten Runenpriester.</p><p>�Ergreift ihn!� schrie Blue Tooth, doch seine M�nner waren ihm in den Arm gefallen, w�hrend sie Ivar Forkbeard mit schlecht verhehlter Mi�billigung ansahen.</p><p>�Du hast mich hereingelegt!� fauchte Blue Tooth.</p><p>�Ja�, sagte Forkbeard. �Das stimmt.�</p><p>Svein Blue Tooth, der von seinen M�nnern festgehalten wurde, bem�hte sich vergeblich, sein riesiges Schwert zu ziehen.</p><p>Der Hohe Runenpriester stellte sich h�chstpers�nlich zwischen den Jarl und Forkbeard, der unschuldig zu den Wolken hinaufblickte.</p><p>Der Runenpriester hob den schweren goldenen Ring Thors. �Du hast auf diesen Ring geschworen!� rief er.</p><p>Auf Svein Blue Tooths Gesicht traten die Adern hervor. Er war ein kr�ftiger Mann. Seine Offiziere hatten ihre liebe Not, ihn festzuhalten. Er knurrte wie ein gereizter Larl.</p><p>Endlich gab er den Kampf auf. �Wir beraten uns�, sagte er schweratmend. Er zog sich mit seinen Offizieren zum hinteren Rand der Plattform zur�ck, wo eine hitzige Diskussion anhob. Wiederholt wurden finstere Blicke auf Forkbeard geworfen, der nun fr�hlich verschiedenen Bekannten in der Menge zuwinkte.</p><p>�Lang lebe Forkbeard!� rief ein Mann aus dem Publikum. Die Gefolgsleute Blue Tooths traten unbehaglich von einem Fu� auf den anderen und dr�ngten sich n�her an die Plattform heran. Ich erklomm die Stufen und nahm hinter Forkbeard Aufstellung. Ich hatte die Hand auf den Schwertgriff gelegt und wollte meinen Freund notfalls verteidigen.</p><p>�Du bist wahnsinnig�, sagte ich zu ihm.</p><p>�Schau�, erwiderte er, �da ist Hafnir vom Fjord der eisernen W�nde. Ich habe ihn seit meiner �chtung nicht gesehen!�</p><p>�Gut�, sagte ich.</p><p>Er winkte dem Mann zu. �Hallo, Hafnir!� rief er. �Ja, ich bin es, Ivar Forkbeard!�</p><p>Die Bewaffneten Svein Blue Tooths waren uns jetzt unangenehm nahe. Ich schob mit der linken Hand einige Speerspitzen zur Seite.</p><p>Die Diskussion am hinteren Ende der Plattform nahm kein Ende. Die Positionen schienen einigerma�en klar zu sein, obwohl ich nur Wortfetzen verstand; es ging einerseits um das hei� ersehnte Vergn�gen, Forkbeard und sein Gefolge zu r�sten � dagegen �u�erten sich die Gem��igten, die schlimme Folgen bef�rchteten, wenn der Friede des Thing gebrochen wurde, und einen Gesichtsverlust f�r Svein Blue Tooth, wenn er einem �ffentlich und freiwillig ge�u�erten Eid zuwiderhandelte. Die Runenpriester wiesen darauf hin, da� die G�tter einen solchen Vertrauensbruch gewi� nicht hinnehmen und sich m�glicherweise mit Krankheiten, Seuchen, Hurrikanen oder Hungersn�ten r�chen w�rden. Gegen diese Argumente wurde vorgebracht, da� es nicht einmal die G�tter Svein Blue Tooth �belnehmen k�nnten, wenn er einen winzigen Eid verga�, der ihm unter Vorspiegelung falscher Tatsachen entlockt worden war; ein k�hner Bursche verstieg sich sogar zu der Behauptung, unter den gegebenen Umst�nden sei es geradezu Blue Tooths Pflicht, seinen Schwur zu widerrufen und Forkbeard und seine Gefolgschaft zu vernichten. Zum Gl�ck mu�te der junge Mann mitten in seinem Vortrag niesen, und dieser Fingerzeig der G�tter nahm seinen Argumenten alle Kraft.</p><p>Schlie�lich wandte sich Blue Tooth dem Forkbeard zu. Sein Gesicht war vor Wut ger�tet.</p><p>Der Hohe Runenpriester hob den heiligen Tempelring.</p><p>�Der Frieden des Thing�, knurrte Blue Tooth, �und der Friede meines Hauses ruht f�r die Zeit des Thing auf dir. Dies habe ich geschworen, und ich werde mich daran halten.�</p><p>Die Menge jubelte. Forkbeard strahlte. �Ich wu�te, da� es so kommen w�rde, mein Jarl�, sagte er. Der Hohe Runenpriester senkte den Tempelring.</p><p>Ich empfand Bewunderung f�r Svein Blue Tooth. Er stand zu seinem Wort, obwohl in diesem Fall jeder objektive Beobachter h�tte einr�umen m�ssen, da� die Versuchung, sich dar�ber hinwegzusetzen, sehr stark gewesen war. In Ehrendingen mu�te ein hoher Jarl seinen M�nnern ein Beispiel geben. Er hatte sich in vorbildlicher Weise, wenn auch z�hneknirschend, dazu bekannt.</p><p>�Morgen abend�, sagte er, �wenn das Thing vorbei ist, solltest du von hier verschwunden sein. Mein Eid gilt nur f�r die Zeit des Thing � und keinen Augenblick l�nger.�</p><p>�Ich glaube, du hast sechs Talmits f�r mich�, sagte Forkbeard.</p><p>Svein Blue Tooth starrte ihn aufgebracht an.</p><p>�Einer f�rs Schwimmen�, z�hlte Forkbeard auf, �einer f�r das Stangensteigen, einer f�r das Schluchtspringen, einer f�r das Ruderschreiten und zwei f�r meine Geschicklichkeit mit dem Speer.�</p><p>Blue Tooth war sprachlos.</p><p>�Das w�ren sechs�, sagte Forkbeard. �In der Geschichte des Thing hat noch kein Champion so gut abgeschnitten.�</p><p>Blue Tooth streckte Forkbeard die Talmits hin, doch der andere neigte bescheiden das Haupt.</p><p>Als hoher Jarl von Torvaldsland blieb Svein Blue Tooth gar nichts anderes �brig, als Ivar Forkbeard die sechs Talmits um die Stirn zu binden.</p><p>In der Menge klang gro�er Jubel auf, auch ich br�llte begeistert mit. Auf seine Art war Svein Blue Tooth gar kein so �bler Bursche.</p><p>�Morgen abend�, wiederholte der Jarl nachdr�cklich.</p><p>�Du z�rnst mir�, erwiderte Ivar Forkbeard, �und w�rdest mich unterhalb des Salzes setzen, nur weil ich ein Ge�chteter bin.�</p><p>�Ich z�rne dir und w�rde dich nicht einmal in meine Halle lassen�, erwiderte Svein Blue Tooth, �weil du der gr��te Erzgauner in ganz Torvaldsland bist!�</p><p>Ich sah, da� sich Forkbeard �ber dieses Kompliment ungemein freute; er war eben immer auf seinen Ruf bedacht.</p><p>�Aber ich habe die Mittel, mich von dem Bann zu befreien, den du �ber mich gesprochen hast�, fuhr Forkbeard fort.</p><p>�Unm�glich!� rief Blue Tooth. Einige seiner M�nner lachten. �Niemand k�nnte das Wergeld aufbringen, das ich festgesetzt habe.�</p><p>�Du hast von der Befreiung Chenbars aus den Verliesen von Port Kar geh�rt?� Forkbeard l�chelte. �Du wei�t von dem Angriff auf die Tempel in Kassau?�</p><p>�Du?� rief Blue Tooth.</p><p>Ich sah, wie es in den Augen Blue Tooths aufblitzte � und erkannte, da� er ein echter Torvaldsl�nder war. Alle M�nner des Nordens haben einen unstillbaren Hang zur R�uberei.</p><p>�Das Wergeld, das ich festgesetzt habe�, sagte er langsam, �ist so hoch bemessen, da� es nach meiner Rechnung kein Mensch aufbringen kann. Hundert Stein in Gold, das Gewicht eines erwachsenen Mannes in Saphiren aus Shendi, und die einzige Tochter meines Feindes Thorgard von Scagnar.�</p><p>�D�rfte ich dir heute abend in deiner Halle die Ehre erweisen?� fragte Forkbeard.</p><p>Svein Blue Tooth sah ihn verbl�fft an. Er betastete den schweren Zahn, der an einer Kette um seinen Hals hing.</p><p>In diesem Augenblick erhob sich Bera, seine Frau.</p><p>�Gib uns die Ehre und komm heute abend in unsere Halle, Champion�, sagte sie.</p><p>Blue Tooth widersprach ihr nicht. Die Frau eines Jarl hatte gesprochen.</p><p>Forkbeard musterte Svein Blue Tooth, der noch immer nerv�s an dem Zahn herumspielte.</p><p>�Ja�, sagte der Jarl. �Komm heute abend in meine Halle � Champion.�</p><p>Und wieder gab es laute Jubelrufe. Svein Blue Tooth, hoher Jarl von Torvaldsland, gefolgt von seiner Frau und seinen hohen Offizieren und Ratgebern, verlie� die Plattform.</p><p>Wir hatten in der Halle Svein Blue Tooths vorz�glich gespeist.</p><p>Zahlreiche Tarsk und Bosk waren �ber dem langen Feuer an eisernen Spie�en ger�stet worden. Das Bier an den Tischen Blue Tooths war ausgezeichnet. S�� und stark war der Met.</p><p>Der Rauch des Feuers verfl�chtigte sich zwischen den Dachstreben und stieg schlie�lich durch die L�cher des schr�gen Dachs. Das Licht kam von den Kochfeuern, doch auch von Fackeln, die in Ringen an den W�nden steckten; da und dort hingen an langen Ketten gro�e Tharlarion�llampen, die man von den Seiten her hochziehen und herablassen konnte.</p><p>Als Forkbeard, ich und Forkbeards Gefolgsleute, von denen einige schwere Lasten trugen, die Halle betraten, wies man uns Pl�tze in einem Nebenraum an, wo wir uns vor dem Fest waschen konnten. Das Zimmer hatte ein Fenster, was f�r torvaldsl�ndische Hallen sehr ungew�hnlich war. Ich hatte den Finger gegen das Fenster gelegt und es nach au�en gedr�ckt. Die �ffnung war nicht mit Glas verkleidet, sondern mit einer Art Membran, die fast so durchsichtig war wie Glas. �Was ist das?� hatte ich Forkbeard gefragt. �Das ist die getrocknete Nachgeburtsmembran eines Boskembryos�, erwiderte er. �So ein St�ck h�lt viele Monate lang, auch bei Regen.� Durch das Fenster blickend, konnte ich die Palisade erkennen, die sich um die Halle zog, und einige Nachbargeb�ude. Die Palisade umgab etwa zwei Morgen; in ihrem Innern lagen L�den und Lagerh�user und sogar ein Geb�ude zur Aufbewahrung von Eis; in der Mitte ragte die gro�e Halle auf, der riesige Palast des Nordens, das Haus Svein Blue Tooths. Durch die Membran sah ich kaum verzerrt die Palisade, den Laufsteg, der innen herumf�hrte, die W�chter und dar�ber die Monde Gors. In der Ferne schimmerte das Mondlicht auf einem schneebedeckten Gipfel � auf dem Gipfel des Torvaldsberges, in dem der legend�re Torvald schlafen sollte.</p><p>L�chelnd wandte ich mich zu Ivar Forkbeard um. Ich sah, da� seine M�nner ihre Lasten in einer Ecke des Nebenraums abgelegt hatten.</p><p>Forkbeard grinste mich an. Er war bei bester Laune und kam mir ganz und gar nicht wie ein Ge�chteter vor.</p><p>�Wenn ihr gewaschen seid und eure Vorbereitungen getroffen habt�, sagte ein junger Thrall, der in der T�r erschien, �w�re es gestattet, vor den hohen Sitz des Hauses zu treten, vor meinen Herrn, Svein Blue Tooth, Jarl von Torvaldsland.�</p><p>�Es ist uns eine Ehre�, hatte Forkbeard erwidert und vier seiner M�nner abgestellt, die unseren Schatz bewachen sollten.</p><p>Wir sahen uns an. �Ich habe das Gef�hl�, sagte ich, �da� wir einem Larl vor die F�nge laufen.�</p><p>�Keine Angst�, sagte Ivar. �Ich, Forkbeard, bin ja bei dir!�</p><p>�W�rst du nicht bei mir�, sagte ich, �w�rde ich mich wohl kaum so elend f�hlen.�</p><p>�Ich verstehe�, meinte Forkbeard.</p><p>�K�nnten wir nicht einfach in eine Grube voller giftiger Osts springen oder vielleicht w�hrend eines Gewitters �ber die Ebene der Wagenv�lker rennen, die Schwerter �ber die K�pfe erhoben?�</p><p>�Es geht nicht nur darum, einem Larl vor die F�nge zu laufen�, sagte Forkbeard. �Das kann jeder Dummkopf.�</p><p>�Das wei� ich auch.�</p><p>�Der Trick besteht darin, dem Larl heil wieder zu entkommen.� Und Forkbeard blinzelte mir zu, was mich aber nicht sonderlich beruhigte.</p><p>�Du hast also wirklich Hoffnung, diese Eskapade lebend zu �berstehen?�</p><p>�So etwas geh�rt zu meinem Plan�, best�tigte er. �Und dann, wenn das nicht klappt, sterben wir nat�rlich ehrenvoll, gegen einen �berm�chtigen Gegner. Mein Plan ist also narrensicher.�</p><p>�Du hast dir alles gut �berlegt�, r�umte ich ein. �Geh voran.�</p><p>Forkbeard hob k�hn den Kopf und trat l�chelnd aus dem Nebenraum. Am Eingang zur gro�en Halle blieb er stehen und hob die H�nde, um die Anwesenden zu gr��en. Die zahlreichen Krieger hie�en ihn begeistert willkommen. Immerhin hatte er sechs Talmits gewonnen. �Forkbeard gr��t euch!� br�llte Ivar. Ich blinzelte. Es war hell in der Halle. Ich hatte nicht geahnt, da� sie so gro� war. An den Tischen sa�en �ber tausend M�nner und hoben Forkbeard ihre Bierkr�ge und Messer entgegen. Gemessenen Schritts n�herte er sich zu der Bank gegen�ber dem hohen Sitz, wobei er ab und zu stehenblieb, um mit den M�nnern Svein Blue Tooths freundliche Worte zu wechseln. Ich folgte ihm mit seinen M�nnern. Dabei stellte ich fest, da� Blue Tooth Forkbeards Beliebtheit bei seinen Leuten ganz und gar nicht gefiel. Neben dem hohen Sitz hatte Bera Platz genommen. Wieder war ihr Haar hochgesteckt. Ihr Rock bestand aus gelber Wolle, und sie trug einen roten Umhang aus See-Sleen-Fell. Um ihren Hals lagen zahlreiche goldene Ketten.</p><p>Wir hatten in der Halle Svein Blue Tooths vorz�glich gespeist. Svein war ein reicher Mann, so da� wir w�hrend des Essens durch Akrobaten, Jongleure und S�nger unterhalten worden waren. Die M�nner hatten br�llend gelacht, als einer der Akrobaten in das lange Feuer gefallen war und sich gleich darauf kreischend im Lehm gerollt hatte. Zwei andere M�nner hatten einen Streit beigelegt, indem sie ein Tauziehen mit einem Boskfell veranstalteten. Dabei lag das lange Feuer zwischen ihnen. Als einer der beiden ins Feuer gezogen worden war, hatte der andere das Fell �ber ihn geworfen und war auf ihm herumgetrampelt. Ehe sich der Ungl�ckliche befreien konnte, hatte er schlimme Brandwunden erlitten. Auch diese Einlage sorgte f�r gro�e Heiterkeit an den Tischen. Die Jongleure hatten es ebenfalls nicht einfach, weil sie auf ihre wirbelnden Teller und Tassen achten mu�ten und �ber mehr als nur ausgestreckte Beine stolperten. Auch so mancher S�nger wurde von niederprasselnden Knochen und Tellern aus der Halle gescheucht.</p><p>Forkbeard regte sich einmal so sehr �ber das Unverm�gen der Musiker auf, da� er mir seine Absicht kundtat, selbst ein Lied zum Besten zu geben. Er war ungew�hnlich stolz auf seine Stimme, Ich flehte ihn an, auf dieses Vorhaben zu verzichten. �Du bist hier Gast�, sagte ich. �Es w�re unschicklich f�r einen Mann deiner Talente, die Unterhalter zu besch�men und damit vielleicht die Ehre deines Gastgebers anzukratzen, der zweifellos die besten K�nstler hat auftreten lassen, die er finden konnte.�</p><p>�Da hast du recht�, erwiderte Forkbeard, und ich atmete auf. H�tte Ivar Forkbeard zu singen begonnen, w�ren unsere �berlebenschancen wohl noch geringer geworden.</p><p>Thralls drehten die Braten �ber dem langen Feuer; Sklavinnen bedienten an den Tischen. Sie trugen lange wei�e Wollr�cke, die ziemlich fleckig waren; sie gingen barfu� und trugen das Haar im Nacken zusammengebunden, ihre Gesichter waren verschwitzt; sie mu�ten schwer arbeiten. Wie ich feststellte, achtete Bera sehr auf die Sklavinnen; ein M�dchen, das von einem Krieger gepackt und gek��t wurde und seine Z�rtlichkeiten zu erwidern begann, wurde auf Beras Befehl von zwei Thralls in die K�che gef�hrt, wo sie ausgepeitscht wurde. Ich vermutete, da� das Fest anders ausgesehen h�tte, wenn Bera nicht dabei gewesen w�re; ihre starre Gestalt wurde von den M�nnern zweifellos nicht gern gesehen. Aber sie war die Frau Svein Blue Tooths. Ich sagte mir, da� sie sich normalerweise sicher fr�h zur�ckzog und Svein Blue Tooth mitnahm. Erst dann konnten die M�nner die Tische zur�ckschieben und richtig zu feiern beginnen. Kein Jarl vermag die M�nner lange in seiner Halle zu halten, wenn er sie nicht ausreichend mit Frauen versorgt. Svein Blue Tooth tat mir leid. Heute abend jedoch sah es nicht danach aus, als wollte sich Bera fr�h zur�ckziehen. Ich nahm an, da� darin einer der Gr�nde zu suchen war, warum die M�nner so b�sartig auf die K�nstler reagiert hatten; allerdings waren die Torvaldsl�nder im allgemeinen kein leicht zufriedenzustellendes Publikum. Sie lassen sich nur durch das Kaissa und die Lieder der Skalden l�ngere Zeit fesseln � und durch die Geschichten, die an den Tischen erz�hlt werden.</p><p>Nachdem die K�nstler abgetreten waren und viel Fleisch verzehrt worden war, wandte sich Svein Blue Tooth, der sich sehr geduldig gegeben hatte, an Ivar Forkbeard. �Soweit ich mitbekommen habe, glaubst du die M�glichkeit zu haben, dein Wergeld zu bezahlen.�</p><p>�Kann sein�, sagte Forkbeard.</p><p>In Svein Blue Tooths Augen begann es zu blitzen. Er betastete den Zahn des Hunjerwals.</p><p>�Das Wergeld war sehr hoch�, sagte er.</p><p>Forkbeard stand auf. �Bringt das Gold und die Saphire�, befahl er. �Und eine Waage.�</p><p>Zur Verbl�ffung der Anwesenden brachten Forkbeards M�nner aus dem Nebenraum Kisten und S�cke mit Gold herein � und dazu einen gro�en schweren Ledersack.</p><p>Die M�nner von den hinteren Tischen dr�ngten heran; sogar die Thralls und die Sklavinnen verharrten in der staunenden Menge.</p><p>�Platz! Macht Platz!� rief Forkbeard.</p><p>�ber zwei Ahn lang wurde Gold auf zwei Waagen gewogen eine geh�rte Forkbeard, die andere dem Hause Svein Blue Tooth. Zu meiner Erleichterung stimmten die Gewichte fast v�llig �berein.</p><p>Das Gold h�ufte sich auf dem Boden.</p><p>Die Augen Svein Blue Tooths schimmerten gierig.</p><p>�Das hier sind vierzig Gewicht Gold�, sagte Svein Blue Tooths Helfer, als wollte er seinen Notizen nicht trauen. �Vierhundert Stein Gold!�</p><p>Der Mann auf dem Thron hielt den Atem an.</p><p>Ivar Forkbeard griff nun nach dem schwarzen Lederbeutel, �ffnete ihn und sch�ttete einen Strom schimmernder, funkelnder Edelsteine auf den festgestampften Lehmboden � die meisten waren tiefblau, einige aber auch purpurn und wei� und gelb, die geschnitzten Saphire Shendis, von denen jeder die Form eines winzigen Panthers hatte.</p><p>�Aii!� rief die Menge. Svein Blue Tooth beugte sich mit geballten F�usten vor. Bera starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den Schatz. Sie brachte kein Wort heraus.</p><p>Forkbeard sch�ttelte den Sack. Weitere Edelsteine fielen heraus, von denen einige zu den selteneren Saphirarten geh�rten � hellrosa, orangefarben, violett, braun und sogar gr�n.</p><p>�Ah!� rief die Menge.</p><p>�Wie sch�n!� staunte ein Sklavenm�dchen, der nicht einmal ihr eiserner Sklavenkragen geh�rte.</p><p>�Wiege sie!� sagte Forkbeard.</p><p>Ich hatte bis zu diesem Augenblick keine Ahnung gehabt, wie viele verschiedene Saphirarten es gibt � ich hatte nur die bl�ulichen Steine gekannt.</p><p>Doch ich zweifelte keinen Augenblick daran, da� diese Steine echt waren. Chenbar der See-Sleen h�tte darauf bestanden, da� die Geb�hr f�r seine Rettung in echten Steinen entrichtet wurde; das war f�r ihn eine Ehrensache. Ebenso h�tte es Forkbeard nicht gewagt, falsche Steine anzubieten � er stand �ber solchen Dingen, zumal er es hier mit einem Mann seines eigenen Landes zu tun hatte.</p><p>Nun wurden auch die Edelsteine gewogen.</p><p>Die Krieger stie�en manchen Schrei des Entz�ckens aus. Das Gewicht der Steine entsprach dem eines korpulenten erwachsenen Mannes.</p><p>Ivar Forkbeard stand hinter seinen Reicht�mern und breitete grinsend die H�nde aus. �Ich hatte nicht gedacht, da� es in Torvaldsland einen solchen Schatz gibt�, sagte Bera leise.</p><p>�Svein Blue Tooth war sehr beeindruckt. Er konnte kaum sprechen. Wenn er diesen Schatz besa�, gab es in ganz Torvaldsland keinen Jarl, der sich auch nur ann�hernd mit ihm messen konnte. Seine Macht w�rde der eines Ubar des S�dens entsprechen.</p><p>Aber die Torvaldsl�nder sind nicht leicht zufriedenzustellen. Blue Tooth lehnte sich zur�ck. �Das Wergeld umfa�t aber noch eine dritte Forderung.�</p><p>�Ach wirklich, Jarl?� fragte Ivar.</p><p>�Es will mir scheinen, da� ich diesen Schatz behalten und du ge�chtet bleiben mu�t. Aber nat�rlich gilt dies alles als Anzahlung. Ich widerrufe meinen Bann �ber dich, sobald du mir die Tochter meines Feindes Thorgard von Scagnar �berbringst.�</p><p>Blue Tooths M�nner raunten �rgerlich. �Forkbeard hat sein Wergeld doch mehr als bezahlt!� rief einer. �Welcher Mann hat je einen solchen Preis zudiktiert bekommen und hat ihn bezahlt?� fragte ein anderer.</p><p>�Ruhe!� br�llte Svein Blue Tooth und richtete sich hinter seinem Tisch auf. Stirnrunzelnd blickte er in die Runde.</p><p>�Niemand, keine Armee oder Flotte�, rief ein anderer Mann, �k�nnte die Tochter eines so m�chtigen Jarls wie Thorgard von Scagnar entf�hren!�</p><p>�Offenbar verlangst du das Unm�gliche, mein Jarl�, bemerkte Ivar Forkbeard.</p><p>�O ja, ich verlangte das Unm�gliche�, rief Svein Blue Tooth. �Von dir, mein Freund Ivar Forkbeard, verlange ich das Unm�gliche.�</p><p>Forkbeards M�nner murrten unwillig. H�nde tasteten sich zu den Waffen.</p><p>Auch die M�nner Svein Blue Tooths, etwa tausend Krieger, waren �rgerlich. Doch k�hn setzte ihr Jarl seinen Willen gegen den ihren. Wer wagte es, sich dem Willen des Jarl zu widersetzen?</p><p>Ich bewunderte Blue Tooth. Er war mutig. Ich bezweifelte nicht, da� sich die M�nner letztlich seinem Urteil beugen w�rden.</p><p>Svein setzte sich wieder auf den hohen Sitz. �Jawohl, Freund Forkbeard�, sagte er. �Von dir verlange ich, wie es mein gutes Recht ist, das Unm�gliche.�</p><p>Forkbeard wandte sich um und rief zum Eingang der Halle hin�ber: �Bringt das M�dchen!�</p><p>Au�er dem Knistern der Feuerstellen und Fackeln war in der riesigen Halle kein Laut zu h�ren.</p><p>Die M�nner und Thralls und Sklavinnen wichen auseinander. Vom Tor der Halle, das nun aufgesto�en war, n�herten sich vier Gestalten. Ottar, der Forkbeard zum Thing begleitet hatte, zwei von Forkbeards M�nnern mit Speeren und zwischen ihnen in einer kostbaren Robe der Verh�llung, wie sie im S�den �blich war, ein M�dchen.</p><p>Die vier blieben vor dem Tisch gegen�ber dem hohen Sitz Svein Blue Tooths stehen. Das M�dchen stand zwischen dem Gold und den aufgeh�uften Saphiren. Ihre Kleidung bestand aus herrlichen Stoffen, die seltsam schimmerten und fast etwas Juwelenhaftes hatten. Sie war zweifach verschleiert; einmal mit wei�er Seide und darunter mit purpurner Seide.</p><p>�Was f�r ein Scherz ist das?� fragte Blue Tooth streng.</p><p>�Dies ist kein Scherz, mein Jarl�, sagte Forkbeard. Er deutete auf das M�dchen. �Ich m�chte meinem Jarl Hilda, die Tochter Thorgards von Scagnar, vorstellen.�</p><p>Das M�dchen hob die H�nde und lie� ihre beiden Schleier fallen.</p><p>�Sie ist es�, fl�sterte ein Mann am Tisch von Svein Blue Tooth. �Ich war einmal in der Halle Thorgards. Sie ist es!�</p><p>�Bist du�, fragte Svein Blue Tooth, �die Tochter Thorgards von Scagnar?�</p><p>�Ja, mein Jarl�, erwiderte sie.</p><p>�Bevor Thorgard von Scagnar mit dem Schwarzen Sleen in See stach�, sagte Svein lauernd, �besa� er ein anderes Schiff. Wie hie� es?�</p><p>�Der Geh�rnte Tharlarion. Das Schiff ist noch immer in seinem Besitz, doch es dient nicht mehr als Flaggschiff.�</p><p>�Wie viele Ruder hat es?�</p><p>�Achtzig.�</p><p>�Wer unterh�lt die Fischgr�nde von Thorgard?� fragte ein Mann.</p><p>�Grim, aus Hunjer.�</p><p>�Im Kampf habe ich Thorgard von Scagnar einmal verwundet�, sagte Svein Blue Tooth.</p><p>�Die Narbe befindet sich an seinem linken Handgelenk und ist unter einem juwelenverzierten Armband versteckt.�</p><p>Svein lehnte sich zur�ck.</p><p>�Im gleichen Kampf�, fuhr sie fort, �hat er dich verwundet, und zwar ernsthafter. Du m��test die Narbe an deiner linken Schulter tragen.�</p><p>�Es stimmt�, sagte Svein Blue Tooth.</p><p>�Ich sag's euch doch!� rief der Mann am Tisch. �Das ist Hilda, die Tochter Thorgards von Scagnar! Ich bin in seiner Halle gewesen! Sie ist es!�</p><p>�Wie bist du in Forkbeards H�nde gefallen?� fragte Svein Blue Tooth.</p><p>�Durch einen Trick, mein Jarl�, sagte sie. �Ich wurde in meinen eigenen R�umen gefangengenommen.�</p><p>�Wie hat man eure W�chter �berlistet?�</p><p>�Der Weg f�hrte aus dem Fenster meines Zimmers, sp�t in der Nacht. Ich wurde ins Meer geschleudert, gut f�nfzig Fu� tief. Dort wartete ein Boot. Ich wurde wie ein Fisch an Bord geholt. Meine Herren folgten.�</p><p>Die M�nner in der Halle stimmten ein lautes Jubelgeschrei an und daran waren nicht nur Forkbeards M�nner beteiligt, sondern auch die Krieger Svein Blue Tooths.</p><p>�Armes M�dchen!� rief Bera.</p><p>�So etwas kann jeder Frau passieren�, sagte Hilda. �Sogar dir, Herrin.�</p><p>�Die M�nner sind Ungeheuer!� rief Bera und musterte Ivar und mich und seine M�nner. �Sch�mt euch, ihr Ungeheuer!� rief sie.</p><p>�Svein Blue Tooth, Jarl von Torvaldsland, ich m�chte dir Hilda, Tochter Thorgards von Scagnar, vorstellen�, sagte Ivar. �Und Hilda, Tochter Thorgards, dies ist Svein Blue Tooth, der Jarl von Torvaldsland.�</p><p>Hilda neigte ehrerbietig den Kopf.</p><p>�Armes M�dchen!� rief Bera. �Du mu�t schrecklich gelitten haben!�</p><p>Hilda senkte den Kopf und antwortete nicht.</p><p>�Ich h�tte es mir nicht tr�umen lassen, Hilda, die Tochter Thorgards von Scagnar, als Gefangene vor mir zu sehen!�</p><p>�Vor dir steht mehr als eine Gefangene, mein Jarl�, sagte sie.</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>Sie hob den Kopf und streifte das schimmernde Gewand zur Seite. �Ich trage den Kragen Ivar Forkbeards.�</p><p>Um die blasse empfindliche Haut ihres anmutig geschwungenen Halses zog sich der h��liche torvaldsl�ndische Sklavinnenkragen.</p><p>�Du hast es gewagt, der Tochter Thorgards von Scagnar den Sklavenkragen anzulegen!� rief Bera.</p><p>�Mein Herr tut, was ihm gef�llt, Herrin�, sagte Hilda.</p><p>�Sei still, Sklavin!� rief Bera. �Wenn ich mir vorstelle, da� ich vor einer Sklavin Mitleid gezeigt habe!�</p><p>W�tend raffte Bera ihre R�cke auf und zog sich in ihre Privatgem�cher zur�ck.</p><p>�Du hast ihr den Kragen umgelegt!� lachte Svein Blue Tooth.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Forkbeard.</p><p>�Gro�artig!� lachte Svein Blue Tooth und rieb sich die H�nde. �Offenbar ist die Forderung des Wergelds erf�llt.�</p><p>�Ja�, sagte Forkbeard. �So sieht es aus.�</p><p>�Morgen fr�h verk�nde ich die Aufhebung deines Banns�, sagte Blue Tooth.</p><p>Ich atmete auf. Offensichtlich kamen wir doch lebend aus der Halle Svein Blue Tooths heraus. Ich hatte bis zum letzten Augenblick einen Trick oder einen Verrat gef�rchtet. Doch er hatte sein Urteil vor allen M�nnern verk�ndet. Und ich wu�te inzwischen, da� man sich auf sein Wort verlassen konnte.</p><p>�Ich glaube, da besteht noch ein kleiner Irrtum�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>Ich st�hnte innerlich auf.</p><p>�Wie meinst du das ?� fragte Blue Tooth.</p><p>�Wie kann das Wergeld denn bezahlt sein?� fragte Ivar Forkbeard.</p><p>Blue Tooth sah ihn ratlos an. Dann deutete er auf die Juwelen, das Gold und das M�dchen. �Du hast doch alles hier, um das Wergeid zu bezahlen.�</p><p>�Das ist richtig�, sagte Forkbeard und richtete sich zu seiner nicht unbetr�chtlichen vollen Gr��e auf. �Aber wer hat dir gesagt, da� ich bereit bin, das Wergeld tats�chlich zu zahlen?�</p><p>Pl�tzlich begannen die M�nner in der Halle zu jubeln � die M�nner Forkbeards ebenso wie die des Jarls. Keiner von uns hatte diese Wendung erwartet � und doch h�tte man so etwas von einem Mann wie Forkbeard erwarten m�ssen. Noch kein Mann des Nordens hatte seine Ehre so gro�artig verteidigt! Obwohl dieser Schritt f�r uns alle den Tod bedeuten mochte, f�r uns, die wir Forkbeard folgten, und vielleicht f�r hundert K�mpfer Blue Tooths � trotzdem jubelten wir! Das Herz klopfte mir bis in den Hals, das Blut pulsierte mir durch die Adern. Immer wieder schlug ich mir mit der rechten Handfl�che gegen die linke Schulter. Ich h�rte, wie Schwerter gegen Teller klapperten und Speerklingen gegen Schultern prallten. Es war ein unbeschreiblicher L�rm.</p><p>Langsam erhob sich Svein Blue Tooth. Er war au�er sich vor Zorn.</p><p>Jeder Mann in der Halle wu�te, da� sein Verwandter, ein entfernter Cousin namens Finn Broadbelt, im fairen Kampf gefallen war und da� das Wergeld eigentlich zu unrecht gefordert worden war; ebenso wu�ten alle M�nner in dieser Halle, da� das festgesetzte Wergeld � auch wenn es berechtigt gewesen w�re � unvorstellbar hoch war, absichtlich so berechnet, da� die Erf�llung ausgeschlossen war, ein Wergeld, das voller Verachtung dazu f�hren sollte, da� Forkbeard f�r immer ge�chtet blieb. Und zur Verbl�ffung aller Torvaldsl�nder � an der Spitze Svein Blue Tooth � hatte Forkbeard nicht nur sechs Talmits gewonnen, sondern hatte in dieser Halle auch das Wergeld abgeliefert, das kein Mann f�r m�glich gehalten hatte � und hatte dann stolz vor dem hohen Sitz Blue Tooths sich geweigert, �berhaupt etwas zu bezahlen!</p><p>�In diesem Land�, sagte Ivar Forkbeard, �m�chte ich keine Gnade annehmen durch die Hand eines Jarl wie dich, Svein Blue Tooth, sondern treffe eine Entscheidung, wie sie einem freien Mann ansteht. Ich w�hle den Sleen, den Wald und das Meer!�</p><p>Svein Blue Tooth starrte ihn wortlos an.</p><p>�Ich zahle das Wergeld nicht�, sagte Forkbeard. �Ich m�chte ein Ge�chteter bleiben.�</p><p>Wieder jubelten die M�nner. Ich schlug Forkbeard auf die Schulter. Auch Gorm und Ottar stellten sich neben ihn, gefolgt von seinen anderen M�nnern.</p><p>Dann herrschte wieder Schweigen in der hohen Halle. Alle Augen waren auf Svein Blue Tooth gerichtet.</p><p>Er stand vor dem hohen Sitz seines Hauses, vor dem langen Tisch; links und rechts hinter ihm erhoben sich die Thronpfeiler seiner Macht.</p><p>"Er machte Anstalten zu sprechen, doch hob er pl�tzlich den Kopf. Auch ich und mehrere andere merkten es zur gleichen Zeit. Rauch! �Die Halle brennt!� rief ein Mann. Flammen nagten �ber und hinter uns an der s�d�stlichen Ecke des Dachs, rechts von der T�r. Rauch begann aus einem der Nebenr�ume hereinzudringen. Und im Halbdunkel bewegte sich etwas.</p><p>�Was ist los?� rief einer der M�nner an den Tischen.</p><p>Hinter uns wurden die m�chtigen geschnitzten T�ren aufgesto�en. Auf der Schwelle, lodernde Silhouetten vor den lodernden Flammen, standen riesige zottige Gestalten.</p><p>Einer der Angreifer sprang in die Halle. In einer Hand hielt er eine riesige Axt, deren Griff etwa acht Fu� lang war und deren Klinge von Spitze zu Spitze an die zwei Fu� ma�. Mit dem anderen Arm hielt das Wesen einen gro�en runden Eisenschild; Schild und Axt wurden gehoben, die Arme waren unglaublich lang, etwa sieben Fu�; um den linken Arm des Wesens zog sich ein goldenes Spiralband. Es war der Kur, der vor der Versammlung gesprochen hatte.</p><p>Das Ungeheuer warf den Kopf in den Nacken, �ffnete mit blitzenden Augen das Maul und stie� den Blutschrei des erregten Kur aus, dann duckte es sich mit hochgezogenen Schultern, schob die Krallen aus den weichen Ballen und legte die Ohren an.</p><p>Niemand r�hrte sich.</p><p>Umgeben von anderen Kurii, stie� das Wesen einen schrillen Schrei aus, einen f�rchterlichen Laut, den ich als Lustschrei empfand.</p><p>Ich sollte sp�ter erfahren, da� ein Kurii diesen Laut instinktiv ausst��t, bevor er Blut zu trinken bekommt.</p><p>Und dieser Schrei wirkte wie ein Anregungsmittel auf die anderen; der Laut wurde von anderen wiederholt, und mit wirbelnden �xten griffen die Kurii an.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Ich sah den abgetrennten Oberk�rper eines Mannes durch die Luft fliegen.</p><p>Kurii sprangen von den L�ngsseiten der Halle herab und streckten die M�nner nieder, die zu ihren Waffen eilen wollten. Die Holzschilde der Torvaldsl�nder vermochten die gewaltigen �xte der Angreifer nicht aufzuhalten. Immer wieder gruben sich die Klingen der Kurii-�xte in die Leiber von wehrlosen M�nnern, die vergeblich versuchten, ihre Waffen zu erreichen.</p><p>In dem dichten Rauch vermochte ich kaum zu atmen. Meine Augen brannten. Dicht neben mir schrie ein schwerverletzter Mann. Einen Augenblick lang sp�rte ich nur den Lehmboden unter mir, das Stroh, das darauf lag, den wirren Wald aus hastenden F��en. Meine linke Hand glitt in dem Durcheinander aus � Blut. Wieder mu�te ich einen Tritt einstecken, doch schlie�lich kam ich hoch. Die entsetzte Menge dr�ngte mich sinnlos ein Dutzend Meter in diese, dann in jene Richtung. Ich konnte nicht einmal meine Waffe ziehen.</p><p>Immer wieder hieben die Kurii-�xte zu. Durch die Halle gellte wildes Geschrei. Ich sah, wie ein Krieger, dessen R�ckgrat zerschmettert worden war, von einer pelzigen, krallenbewehrten Hand in die Luft gehoben und hundert Fu� weit gegen die r�ckw�rtige Wand der Halle geschleudert wurde. Ein anderer Torvaldsl�nder hing schlaff in den F�ngen eines Kur. Ich hoffte, da� er nicht mehr lebte; im n�chsten Augenblick schlossen sich die Kiefer des Ungeheuers um seinen Kopf.</p><p>Ich warf einen kurzen Blick auf Ivar Forkbeard, der Hilda am Arm f�hrte und mit ihr einen der Nebenr�ume zu erreichen versuchte. Er br�llte seinen M�nnern, die sich um ihn dr�ngten, Befehle zu. Svein Blue Tooth stand auf dem langen Tisch. Im L�rm des Kampfes vermochte ich ihn nicht zu verstehen.</p><p>Eine gewaltige Kurii-Axt sauste dicht an mir vorbei. Vier M�nner, die dem Hieb auszuweichen versuchten, wurden niedergestreckt. Die Menschen, die den Kurii am n�chsten waren, versuchten sich in der Menge zu verkriechen. Die Ungeheuer dr�ngten uns immer mehr zusammen, so da� nur wenige M�nner �berhaupt ihre Waffen einsetzen konnten.</p><p>Hinter den Kurii versuchten einige M�nner durch die gro�e offene Doppelt�r der Halle zu fliehen. Ich sah sie als dahinhuschende Gestalten vor der drau�en tobenden Feuersbrunst. Aber dort drau�en waren noch weitere Kurii zu sehen. Die M�nner flohen geradewegs vor die �xte dieser Ungeheuer, die keine Gnade kannten.</p><p>Ich bemerkte, da� es mehreren von Forkbeards M�nnern gelungen war, in einen Nebenraum zu entkommen. Gorm und Ottar geh�rten zu dieser Gruppe. Ich hoffte, da� sie fliehen konnten. Vielleicht gelang es ihnen, die Membran aus einem Fenster zu sto�en und in dem drau�en herrschenden Durcheinander zu fliehen.</p><p>Zu meiner �berraschung erschien kurz Forkbeard in der T�r des Nebenzimmers und sah sich um. Sein Gesicht war von den Br�nden rot angestrahlt. In der Hand schwenkte er sein Schwert.</p><p>Hilda sah ich nicht. Ich vermutete, da� sie mit den M�nnern den kleinen Raum erreicht hatte. Ich hoffte, da� sie mit den anderen fliehen konnte, vielleicht �ber den Laufsteg und �ber die Palisade.</p><p>Da fiel mein Blick auf Forkbeard, der eine Hand um den Oberarm Rollos gelegt hatte und ihn zur T�r des Nebenraums f�hrte. Obwohl ringsum ein unentwirrbares Durcheinander herrschte, wirkte der riesige Mann nicht im geringsten beunruhigt. Seine Augen starrten ins Leere. Er wurde wie ein Kind in den kleinen Raum gef�hrt. Ich sah, da� seine Axt blutverschmiert war. Das Blut der Kurii hat eine �hnliche chemische Zusammensetzung wie das der Menschen und ist ebenfalls rot. Der Hauptunterschied besteht darin, da� das Blut der Kurii salzhaltiger ist, was in Wasser besonders proteinaufl�send wirkt. Die Kurii k�nnen deshalb Fleischmengen verzehren und verdauen, an denen ein Mensch zugrundegehen w�rde.</p><p>Rollo verschwand in dem kleinen Zimmer.</p><p>Von rechts h�rte ich den Schrei einer Sklavin und sah, wie ein Kur sie fesselte. Er zerrte das M�dchen hinter sich her in eine Ecke, wo ein weiterer Kur wartete, der bereits mehrere gefesselte M�dchen bewachte. Die Sklavin kniete sich hastig zu ihren Leidensgenossinnen. Erschaudernd dachte ich daran, da� die Kurii Menschenfrauen als Delikatesse betrachteten.</p><p>Hinter mir h�rte ich Axtschl�ge und versuchte mich aus der Menge freizuk�mpfen.</p><p>Der L�rm wurde von Menschen verursacht. Als ich mich umdrehte, sah ich Svein Blue Tooth und vier andere, die sich bem�hten, ein Loch in die Au�enwand zu hacken. Allerdings kamen sie kaum voran, da sie in dem Gedr�nge sehr behindert waren.</p><p>In der N�he erblickte ich Forkbeard, der noch nicht geflohen war. Er hatte das Schwert gezogen, das ihm gegen die gewaltigen Metallschilde und die hin und herfahrenden �xte der Kurii kaum etwas n�tzen konnte. Die Ungeheuer vermochten einen Gegner niederzustrecken, ehe er �berhaupt an sie herankam, auch wenn er mit dem Langschwert des Nordens bewaffnet war.</p><p>Forkbeard sah sich um.</p><p>Es waren �ber tausend M�nner in der Halle gewesen. Etwa dreihundert lagen bereits in ihrem Blut, vorwiegend an den W�nden, unter den Waffen, die sie in den meisten F�llen nicht mehr erreicht hatten.</p><p>Ich sah den Kur, der das Sklavenm�dchen gejagt hatte. Wieder n�herte er sich der Ecke, in der die M�dchen bewacht wurden � er hatte neue Beute gefunden. Gleich darauf wandte er sich ab, um sich eine weitere Delikatesse aus der Menschenmenge in der Halle herauszufischen.</p><p>Zu beiden Seiten standen die Kurii nun zwischen uns und den Waffen. Auf diese Weise waren uns auch die Seitent�ren versperrt. Ebenso standen die Kurii mit kampfbereit erhobenen �xten vor dem Eingang zur gro�en Halle. Sechs- oder siebenhundert M�nner waren in der Mitte zusammengedr�ngt, praktisch umringt. In unserem R�cken befand sich die Westwand der Halle. �Macht Platz!� br�llte Svein Blue Tooth. �Wir m�ssen mit den �xten ausholen!�</p><p>Die M�nner versuchten vor den Kurii zur�ckzuweichen, die langsam mit erhobenen �xten n�her kamen.</p><p>Ich schaffte es, mich aus der Menge zu l�sen und zwischen mir und den M�nnern und den Kurii eine Position am Rande einzunehmen. Wenn ich niedergestreckt wurde, dann sollte das unter Umst�nden geschehen, die mir freie Bewegung erlaubten. Ich zog mein Schwert.</p><p>Ich sah, wie einer der Kurii die Z�hne fletschte.</p><p>�Deine Klinge ist nutzlos�, sagte Ivar Forkbeard, der pl�tzlich neben mir auftauchte.</p><p>Der Kur kam n�her.</p><p>In diesem Augenblick ert�nte ein Schrei von oben. Aufblickend sah ich, da� ein Mann von dem Balkon herabgeworfen wurde, der etwa drei�ig Fu� �ber dem Boden um die Halle f�hrte. Die Kurii hatten sich also dort oben auch durchgesetzt.</p><p>Ich glaubte nicht, da� der Kampf noch lange dauern w�rde. Dunkler Rauch wallte durch den Raum. M�nner husteten und w�rgten. Auch die N�stern der Kurii schlossen sich zu schmalen Schlitzen. Funken setzten sich in ihrem Fell fest.</p><p>Ich schob eins der h�ngenden Bronzegef��e zur Seite, eine Tharlarion�llampe, die an ihrer Kette von der Decke hing.</p><p>�Speere!� br�llte Ivar. �Wir brauchen Speere!�</p><p>Aber in der von panischem Entsetzen beherrschten Menge, die vor den Kurii zur�ckwich, hatten nur wenige Speere. Und die wenigen, die man gerettet hatte, lie�en sich in dem Gedr�nge nicht werfen.</p><p>Auf einer Seite erblickte ich den Kur mit dem goldenen Armband. Einer seiner Mundwinkel war blutverschmiert. Das Wesen sah mich an.</p><p>Da wu�te ich, da� ich meinen Feind gefunden hatte.</p><p>Eine Axt zuckte auf mich zu. Ich wich zur Seite aus, und die Waffe grub sich in den Lehmboden. Im Nu hatte ich mich dem Wesen gen�hert und vergrub meine Klinge bis zum Heft in der Brust des Ungeheuers. Es stie� einen �berraschten Schrei aus, den ich erst h�rte, als ich mitsamt meinem Schwert schon wieder zur�ckgesprungen war. Die anderen Kurii sahen ihren Artgenossen verwirrt an; dann st�rzte das Ungeheuer zu Boden.</p><p>Bis auf das Knistern der Flammen war in der Halle pl�tzlich kein Laut mehr zu h�ren. Im n�chsten Augenblick kam dem Anf�hrer der Kurii das Ausma� meiner Tat zu Bewu�tsein. Ein Kur war get�tet worden!</p><p>�Angriff!� br�llte Ivar Forkbeard. �Angriff! Seid ihr sch�chterne Tarsk, da� ihr keinen Angriff wagt? M�nner von Torvaldsland, greift an!�</p><p>Aber keiner bewegte sich. Sie wagten es nicht, gegen die Kurii vorzugehen � schlie�lich waren sie nur schwache Menschen. Lieber warteten sie hilflos und tatenlos auf ihren Tod. Der Schock sa� so tief, da� sie sich nicht zu bewegen vermochten.</p><p>Der tote Kur lag zusammengekr�mmt im Schmutz. Die blutige Axt lag am Boden. Der Schildarm hatte sich in einer der Halteschlaufen verdreht; die andere Schlaufe war gerissen.</p><p>Der Anf�hrer der Kurii, mein Feind, sah mich mit blitzenden Augen an. Sein Entsetzen beim Anblick des fallenden Gef�hrten war in Wut umgeschlagen.</p><p>Ich, einer aus der Herde, ein St�ck Vieh, hatte es gewagt, einen Angeh�rigen der Herrenrasse niederzustrecken, eine �berlegene Lebensform! Ein Kur war get�tet worden!</p><p>Ich machte mich zum Kampf bereit.</p><p>Wieder schrillte der Blutschrei der Kurii durch die Halle Svein Blue Tooths. Zu beiden Seiten des F�hrers dr�ngten sich Kurii vorbei und griffen an.</p><p>Auf die n�chsten Ereignisse m�chte ich nicht im einzelnen eingehen. Die Kurii zerstreuten mit sausenden �xten die dichtstehende Menge, teilten sie in Hunderte von kreischenden Fragmenten auf. Nur einen Meter von mir entfernt wurde ein Mann von einem Axthieb f�rmlich in zwei Teile gespalten. W�hrend der Kur noch versuchte, seine Klinge aus dem K�rper des Mannes zu ziehen, schaffte ich es, dem Wesen mein Schwert unter dem linken Ohr in den Hals zu sto�en. Ich sah, wie Ivar Forkbeard, dessen Schwert im K�rper eines Kur steckengeblieben war, mit einem Messer auf die Brust eines m�chtigen Kur einhackte; die andere Hand versuchte das gewaltige Maul des Ungeheuers abzuwehren. Man konnte sich in der Halle kaum noch auf den Beinen halten. Wir rutschten in dem Blut aus, das auch die Grube des langen Feuers zu f�llen begann. Unsere Hosen und Tuniken waren damit besudelt. In der N�he einer Wand entri� ich einem gefallenen Krieger einen Speer, den ich sofort von mir schleuderte. Die Waffe hat einen sieben Fu� langen Schaft und vermag auf kurze Entfernung einen Schild des S�dens zu durchsto�en. Die Spitze bohrte sich tief in den K�rper eines Kur. Die Axt des Wesens sank zu Boden. Mein Eingreifen hatte einem Menschen das Leben gerettet, doch er starb nur Sekunden sp�ter durch die Axt eines anderen Angreifers. Ich dr�ckte mich mit dem R�cken gegen die Wand. In der s�d�stlichen Ecke st�rzte brennend ein Dachbalken herab. Ich h�rte die Sklavinnen jammern. Die Kurii hoben die K�pfe; ihre N�stern waren jetzt fast v�llig geschlossen. Die Augen vieler Kurii, die sonst schwarze Pupillen hatten, wirkten ger�tet und angeschwollen. Ich sah Ivar Forkbeard, der sich mit einem Speer bereithielt, den Angriff eines unbewaffneten Kur abzuwehren. Er stemmte den Speerschaft gegen die Erde hinter sich. Der Speer zog eine f�nfzehn Zentimeter tiefe Furche in den Boden, ehe er zum Stillstand kam, und der aufgespie�te Kur schnappte ins Leere und st�rzte fauchend zur�ck. Ivar sprang zur Seite, um einer anderen Axt auszuweichen.</p><p>Auf der anderen Seite des Raums sah ich den Anf�hrer der Kurii, das Wesen mit dem goldenen Armband.</p><p>Ich erinnerte mich an seine Worte auf der Versammlungsplattform. In seiner Wut hatte er ausgerufen: �Tausend von euch k�nnen durch die Klauen eines einzigen Kur fallen!�</p><p>Im Augenblick waren etwa noch hundert oder hundertundf�nfzig Menschen in der Halle am Leben.</p><p>�Folgt mir!� rief Svein Blue Tooth. Er und seine M�nner hatten endlich ein Loch durch die hintere Wand der Halle gebrochen. Drei�ig oder vierzig M�nner, die vor Angst wie von Sinnen waren, st�rzten sich auf die �ffnung, versuchten sich gleichzeitig hindurchzuzw�ngen, rissen sich an den Holzsplittern Arme und Gesichter auf.</p><p>�Beeilt euch, beeilt euch!� rief Blue Tooth. Seine Kleidung war zerrissen, doch um seinen Hals hing noch immer der blaue Zahn des Hunjerwals. Svein stie� zwei seiner M�nner durch die �ffnung. Zwischen mir und der �ffnung befanden sich einige Kurii. Ivar Forkbeard und ein paar seiner M�nner waren �hnlich abgeschnitten. Ein weiterer Dachbalken st�rzte lodernd und qualmend herab, prallte hart auf und blieb schr�g gegen die Wand gelehnt liegen.</p><p>Die Wandteppiche waren l�ngst verbrannt, die W�nde dahinter angesengt. Das einzige Wandst�ck, das wirklich brannte und einzust�rzen drohte, befand sich in der s�d�stlichen Ecke des Geb�udes.</p><p>Zehn Kurii sprangen jetzt auf die r�ckw�rtige Wand zu, wo Svein Blue Tooth und seine M�nner einen Fluchtweg geschaffen hatten; sie wollten diesen Fluchtweg sperren. Mit erhobenen �xten standen sie vor der �ffnung. Ein Mann, der ihnen zu nahe kam, wurde mit einem einzigen Axthieb niedergestreckt.</p><p>�Die Lampen!� br�llte Forkbeard mir zu. �Rothaar! Die Lampen!�</p><p>Ein weiterer Dachbalken knallte dumpf auf den Boden.</p><p>Ich sah den Kur, der die Fesseln der gefangenen Sklavinnen hielt und der seine Sch�tzlinge nun aus der Halle zerrte. Insgesamt waren es �ber vierzig M�dchen.</p><p>Ich sah, wie die Kurii systematisch zwischen den Gefallenen nach �berlebenden suchten, damit ihnen kein Opfer entging. Die Kurii waren gr�ndlich; wie die Menschen waren sie vernunftbegabt.</p><p>Darauf umzingelten sie eine Gruppe in der N�he der Westwand. Ein paar schrien in ihrer Todesangst; einige sanken auf die Knie und flehten um Gnade, doch vergeblich.</p><p>Zwei Kurii wandten sich in meine Richtung.</p><p>Ich sah Ivar Forkbeard, der zwischen den zusammengedr�ngten M�nnern an der Westwand der Halle stand. Er war leicht zu erkennen, denn er war einer der wenigen, die noch auf den F��en standen. Im Widerschein der Flammen machte er einen furchteinfl��enden Eindruck; die Adern auf seiner Stirn wirkten wie Str�nge; seine Augen waren seltsam ger�tet. Sein Langschwert, das er wieder an sich gebracht hatte, wies frische Blutspuren auf, sein linker �rmel war zerrissen, und an seinem Hals zeigten sich Klauenspuren. �Auf mit euch!� br�llte er den M�nnern zu. �Auf die F��e, ihr Waschlappen! K�mpft!� Aber auch die Stehenden wirkten gel�hmt vor Entsetzen. �Ihr wollt Torvaldsl�nder sein?� fragte er. �K�mpft! K�mpft!� Aber keiner machte eine Bewegung. In der Gegenwart der Kurii schienen sie tats�chlich zum stumpfsinnigen Vieh zu werden, das man zur Schlachtbank f�hrt.</p><p>Ich sah, wie die Kurii die Z�hne bleckten. Ich sah sie die �xte heben, um mit ihrem grauenhaften Werk fortzufahren.</p><p>Und wieder t�nte die Stimme Forkbeards durch den Rauch zu mir her�ber. �Die Lampen!� rief er noch einmal. �Rothaar, die Lampen!�</p><p>Und da endlich verstand ich, was er meinte. Die Tharlarion�llampen, die an Ketten von der Decke hingen! Die �ffnungen in der Hallendecke, durch die der Rauch abzog! Er wollte, da� ich floh.</p><p>�Zuerst du, Forkbeard!� Ich wollte nicht ohne ihn fliehen. Wir hatten Kaissa miteinander gespielt.</p><p>�Du bist ein Narr!� br�llte er.</p><p>�Ich wei� noch nicht, wie man den Angriff mit der Jarls Axt abschl�gt!� rief ich.</p><p>Dann steckte ich mein Schwert ein und lehnte mich l�ssig an die Wand. Ich hatte die Arme verschr�nkt.</p><p>�Narr!� br�llte er noch einmal und sah sich um, musterte die M�nner, die nicht k�mpfen konnten, die sich nicht zu bewegen vermochten.</p><p>Dann rammte er sein Schwert in die Scheide, sprang in die H�he und klammerte sich an einer der Tharlarion�llampen fest.</p><p>Die beiden Kurii, die mich belauerten, hatten ihre �xte gehoben.</p><p>Ich wandte mich dem Tisch zu, neben dem ich stand. Die beiden �xte bissen sich gleichzeitig in die dicke Tischplatte. Riesige Splitter stoben in alle Richtungen davon. Ich sprang �ber den Tisch. Hinter mir erklang das verbl�ffte Knurren der Kurii.</p><p>Im n�chsten Augenblick hatte ich meine H�nde um eine der gro�en schwingenden Bronzelampen gelegt. Hei�es �l schwappte heraus. Ich pendelte hin und her. Mein linker �rmel fing an der Dochtflamme Feuer.</p><p>Ein Kur unter mir stie� einen Schmerzensschrei aus; ich blickte hinab und zog mich hastig hoch, um einem Axthieb auszuweichen; einer der Kurii torkelte herum; die �ldurchtr�nkte linke Seite seines Kopfes stand in Flammen. Das Wesen schrie durchdringend und betastete sein linkes Ohr. Mit kr�ftigen Bewegungen kletterte ich an der Kette hoch. Im n�chsten Augenblick geriet die Lampe unter mir in Bewegung. Ich klammerte mich verzweifelt fest. Das Feuer an meinem rechten �rmel z�ngelte, und ich kam au�er Atem. An der Kette war Blut. Die Kurii heulten unter mir. Ich zog mich weiter hoch. Im n�chsten Augenblick wirbelte eine Axt an mir vorbei und grub sich in eine der Querstreben des Daches. Ich kletterte weiter und erkannte pl�tzlich, warum die Kette so straff gespannt war. Der Balken �ber mir �chzte; die Kette war nun gespannt wie ein Kabel; die Kettenglieder mu�ten eine ungeheure Last tragen und begannen zu knirschen � unter mir hing ein gewaltiger Kur an der Kette, der sich an den Aufstieg machte. Der Ring �ber mir, durch den die Kette verlief, bog sich zum Teil auf. Hastig legte ich die letzten Fu� zur�ck und warf den Arm �ber einen Dachbalken. Ich sp�rte, wie Klauen nach meinem Bein griffen, sich darum schlossen. Ich lie� den Balken los und h�ngte mich mit dem Kriegsschrei Ko-ro-bas um den Hals des verbl�fften Kur und griff mit H�nden und Z�hnen an. Steife Finger bohrten sich wie Dolche in seine Augen. Meine Z�hne zerrten an den Adern seiner Handgelenke und an den Armen, die sich an der Kette festklammerten. Und in diesem Augenblick erkannte ich � und auch der Kur �, da� es auf Gor Tiere gab, die ebenso barbarisch waren wie die Kurii � kleinere, schw�chere Tiere, aber auf ihre Art nicht weniger b�sartig und nicht weniger schrecklich. Das Wesen wehrte mich schreiend ab, lie� mich los, doch ich klammerte mich an seinen Schultern fest und bi� ihm halb das Ohr durch. Dann zog ich mich wieder auf den Balken hinauf. Unter mir klaffte eine rote �ffnung voller Rei�z�hne wie wei�e N�gel; ich zog mein Schwert, und als das Ungeheuer mir mit blutenden Augen und zerrissenem Ohr nachkletterte, hieb ich ihm die Hand ab. Es st�rzte, wurde kleiner und prallte schlie�lich schwer auf den Lehmboden vierzig Fu� unter mir. Dabei brach es sich den Hals.</p><p>Ich ri� den glimmenden �rmel ab und stie� ihn mit der Schwertspitze in das Gesicht des zweiten Kur; die abgetrennte Hand des ersten hatte sich noch immer in die Kette verkrallt. Der zweite Kur zerrte das brennende Tuch von seinem zerstochenen Gesicht. Dann bi� er nach der Klinge und schnitt sich dabei in das Maul. Er griff nach dem Balken, doch ich schlug ihm die Finger ab, und auch dieses Wesen verlor das Gleichgewicht und st�rzte in die Tiefe.</p><p>�Komm!� rief eine Stimme.</p><p>Ich sah Forkbeard auf einem Balken in der N�he.</p><p>�Beeil dich!� rief er.</p><p>Hustend erwehrte ich mich des n�chsten Kur und trieb ihm die Schwertspitze durch das Ohr ins Gehirn. In diesem Augenblick st�rzte ein Teil des brennenden Daches ein, Funken stoben.</p><p>�Beeil dich!� rief eine Stimme wie aus weiter Ferne. Ich hieb auf den n�chsten Kur ein, der wutschnaubend nach mir greifen wollte. Der Ring, durch den die Kette verlief, vermochte das Gewicht der Kurii nicht l�nger zu tragen und l�ste sich knirschend aus dem Holz. Ich sah, wie Ring und Kette nach unten zuckten. Vier Kurii, die mir hatten folgen wollen, st�rzten in die Tiefe. Ein anderer Teil des Dachs, kaum zwanzig Fu� entfernt, senkte sich dem Boden entgegen. Unter mir, von Funken und Qualm verdeckt, sah ich zahlreiche Kurii, die zu uns emporblickten, voller Wut dar�ber, da� ihnen die Beute entkam. Knapp ein Dutzend Schritte von ihnen entfernt st�rzte ein weiterer Balken ab. Der Anf�hrer der Kurii schrie einen Befehl. Seine blitzenden Augen starrten zu mir herauf; um seinen linken Arm lag das goldene Spiralband. Im n�chsten Augenblick machte er mit den anderen kehrt und trottete aus der Halle. Ich steckte mein Schwert ein.</p><p>�Beeil dich!� rief Forkbeard wieder.</p><p>Ich sprang von Balken zu Balken und hockte mich neben ihm nieder. Ihm folgend, zw�ngte ich mich durch eins der Abzugsl�cher. Nun standen wir auf dem mit Holzschindeln gedeckten Dach der Brennenden Halle.</p><p>�Mir nach!� rief Forkbeard.</p><p>In der Ferne sah ich den Torvaldsberg. Mondlicht spiegelte sich auf dem Schnee. Forkbeard eilte zur Nordwestecke der Halle und verschwand unter der Dachkante. Ich schaute hinab und sah, wie er mit schnellen Bewegungen hinabkletterte, wobei er die Vertiefungen und Vorspr�nge der herrlichen Schnitzereien am Eckbalken ausnutzte. Mit angesengtem Arm, pochendem Herzen und keuchenden Lungen folgte ich ihm in die Tiefe.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Auf den Schneeh�ngen des Torvaldsberges war die Mittagsstunde angebrochen.</p><p>Ivar und ich sahen uns um. Wir konnten unsere Verfolger sehen, vier an der Zahl, vier schwarze Punkte.</p><p>�Wir wollen ausruhen�, sagte Ivar.</p><p>Ich kniff die Augen zusammen, um sie vor der grellen Sonne zu sch�tzen, die von den Schneefl�chen reflektiert wurde. Forkbeard setzte sich mit dem R�cken an einen Felsen. Auch ich nahm Platz, mit untergeschlagenen Beinen, wie ein Krieger.</p><p>Wir waren am Eckpfosten von Svein Blue Tooths Halle hinabgeklettert. Im Licht des brennenden Geb�udes sahen wir �berall verstreut Leichen liegen. Einige Kurii waren dabei, sich an ihnen g�tlich zu tun. In einer Ecke des Palisadenzauns dr�ngten sich die M�dchen zusammen, bewacht von mehreren Kurii. Wir sprangen ungesehen in den Hof und hielten uns im Schatten der Halle. In einem g�nstigen Augenblick erreichten wir ungesehen die Palisade und kletterten hin�ber.</p><p>Ich �ffnete die Augen und blickte ins Tal hinab. Die vier Punkte waren gr��er geworden.</p><p>Nach unserer Flucht aus der Halle Svein Blue Tooths hatte Forkbeard darauf bestanden, da� wir uns in seinem Lager umsahen. Das Unternehmen war gef�hrlich gewesen. Zu unserer Best�rzung wimmelte es in der Gegend von Kurii. Ihre Zahl war nicht zu sch�tzen � es mochten Hunderte, sogar Tausende sein. Sie schienen sich �berall zu befinden. Zweimal wurden wir verfolgt, doch im Gewirr der Spuren und abgelenkt von frischem Blut hatten unsere Verfolger die F�hrte verloren. Einmal sahen wir, wie sich zwei Kurii wegen eines Opfers stritten. Ein paarmal warfen wir uns zwischen Gefallenen zu Boden und stellten uns tot. Mehrfach kamen wir ganz dicht an fressenden Ungeheuern vorbei, die uns gar nicht bemerkten. Offenbar war der Angriff gleichzeitig gegen die Halle und das Thinglager gerichtet gewesen. Aber zutiefst entsetzt waren wir, als wir feststellten, da� sich Menschen zwischen den Kurii bewegten, Menschen, die nicht angegriffen wurden. Die M�nner trugen gelbe T�cher. Offenbar hatten die Kurii menschliche Verb�ndete gefunden.</p><p>�Schau mal�, sagte Forkbeard und deutete zum Strand hinab. Einige Meter vom Ufer entfernt entdeckten wir zwischen den anderen Schiffen eine neue Armada. Ihre dunklen Umrisse bewegten sich beh�big im Wasser.</p><p>Ein Schiff stach aus dieser Flotte hervor. Es war gro� und hatte achtzig Ruder. �Der Schwarze Sleen�, sagte Ivar, �das Schiff Thorgards von Scagnar!�</p><p>Hunderte von Kurii befanden sich zwischen uns und den Schiffen.</p><p>Ivar und ich sahen uns an. Wir verstanden nun, was der Kur bei Thorgard von Scagnar gewollt hatte.</p><p>Die Kurii sind Landwesen, die das Meer nicht lieben. Bei ihrem Marsch nach S�den sollte die Flotte Thorgards von Scagnar ihre Westflanke decken. Au�erdem konnten die Schiffe zu Kommunikationszwecken herangezogen werden und die vorr�ckenden Armeen versorgen. Auf diese Weise hatte der Marsch der Kurii Unterst�tzung von See. Die Strategie der Kurii war hervorragend � eine Strategie, deren volles Ausma� sicher nur auf den Stahlschiffen der Kurii bekannt war.</p><p>�K�nnten wir uns nicht auch frei bewegen, wenn wir gelbe T�cher h�tten?� fragte Forkbeard.</p><p>�M�glich�, sagte ich.</p><p>�Dann wollen wir uns welche borgen.�</p><p>Eine Kolonne von M�nnern n�herte sich; sie alle trugen gelbe T�cher. An der Spitze marschierte ein gro�er Mann in einem weiten Umhang � Thorgard von Scagnar. Auch er hatte sich ein gelbes Tuch an die Schulter gebunden.</p><p>Zwei Schatten st�rzten sich auf die letzten beiden M�nner in der Kolonne.</p><p>Kurz darauf stand Ivar Forkbeard mit geballten F�usten in seinem Lager. Das Zelt war niedergebrannt, die Zeltstangen lagen am Boden. Nichts r�hrte sich mehr.</p><p>�Schau�, sagte ich und zog ein St�ck der Zeltbahn zur Seite. Wir blickten auf die Leiche eines Kur hinab, der mit blicklosen Augen in den Himmel starrte.</p><p>�Einer meiner M�nner hat sich mit Erfolg gewehrt�, sagte Forkbeard.</p><p>�Man wird bald erkennen, da� wir nicht zu Thorgards Streitkr�ften geh�ren�, sagte ich. �Sie werden uns jagen.�</p><p>�Es ist m�glich, da� wir schon jetzt gejagt werden � von den Kurii aus der Halle.�</p><p>�Ja, man kennt unsere F�hrte. Wir m�ssen fliehen.�</p><p>�Nein�, sagte Ivar. �Wir m�ssen auf den Torvaldsberg.�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Es wird Zeit.� Er sah sich zwischen den Ruinen seines Lagers um. In der Ferne loderte die brennende Halle Svein Blue Tooths. �Es wird Zeit.�</p><p>Die schwarzen Punkte waren weiter gewachsen.</p><p>Ich blickte zu den H�ngen des Torvaldsbergs empor, �Es ist Wahnsinn, dort hinaufzuklettern�, sagte ich. �Wir haben keine Seile. Wir haben keine Erfahrung mit Bergen.�</p><p>Die Kurii waren noch etwa einen Pasang entfernt. Sie hatten sich die �xte und Schilde auf den R�cken gebunden und kletterten �ber einen Ger�llhang in unsere Richtung. Wenn sie Eisfl�chen erreichten, gingen sie nicht darum herum, sondern streckten ihre Krallen aus und �berquerten sicher das absch�ssige Gel�nde. Forkbeard und ich hatten mehrere Ehn verloren, weil wir solche Stellen umgehen mu�ten. Unsere Verfolger wurden mit diesen Hindernissen sichtlich viel besser fertig.</p><p>Wenn sie dann wieder Felsgestein erreichten, verhielten die Kurii einen Augenblick, senkten die Nasen und orientierten sich an Spuren, die f�r einen Menschen unauffindbar sein mu�ten.</p><p>Ivar Forkbeard stand auf. Es gab keine Deckung mehr zwischen unserer Position und dem Beginn der Steilh�nge.</p><p>Die Kurii, die ihn sahen, stimmten ein Freudengeheul an.</p><empty-line/><p>Ich glitt aus und hing nur noch an den H�nden an einem winzigen Felsvorsprung. Im n�chsten Augenblick fand mein Fu� neuen Halt. Meine Finger schmerzten. Meine F��e waren klamm und gef�hllos von dem Eis. Doch am Oberk�rper schwitzte ich.</p><p>�Du darfst immer nur einen Fu� und eine Hand bewegen�, sagte Ivar. �Weiter geht's!�</p><p>Ich wagte es nicht, hinabzublicken. Die Kurii unter uns waren deutlich zu h�ren.</p><p>Der Torvaldsberg ist ein schwierig begehbarer Berg, doch er ist nicht unbezwingbar, selbst wenn man keine Kletterausr�stung hat. Ich folgte Forkbeard so dicht wie m�glich, und es dauerte nicht lange, bis ich begriff, da� er genau wu�te, was er tat. Er schien ein unheimliches Gesp�r daf�r zu haben, Vorspr�nge und Risse im Stein ausfindig zu machen, die aus zwei oder drei Fu� Entfernung kaum zu sehen waren.</p><p>Aber auch die Kurii waren ausgezeichnete Bergsteiger, auch wenn sie nun nicht mehr aufzuholen vermochten.</p><p>Es mu�te etwa zur vierzehnten Ahn gewesen sein, vier Stunden nach der Mittagsstunde, als Forkbeard mich auf einen Felsvorsprung hob.</p><p>�Die Kurii�, sagte er, �k�nnen uns nicht auf demselben Weg erreichen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Die Griffm�glichkeiten sind zu flach, und das Gewicht der Kurii ist zu gro�. Du hast doch sicher bemerkt, da� die Vorspr�nge immer flacher geworden sind.�</p><p>�Ich habe gemerkt, da� der Weg immer schwieriger wurde�, sagte ich. �Du scheinst den Berg ziemlich gut zu kennen. Offenbar bist du schon einmal hier gewesen.�</p><p>Ivar l�chelte. �Ja, als Junge schon habe ich den Torvaldsberg erstiegen.�</p><p>�Du hast von Griffm�glichkeiten gesprochen.�</p><p>�Ich habe sie selbst geschaffen.�</p><p>Und pl�tzlich kam es mir gar nicht mehr verwunderlich vor, da� er sich so zuversichtlich bewegt hatte. Ich hatte schon geahnt, da� er den Berg kannte � und nun hatte ich auch eine Erkl�rung daf�r, warum die Kurii, die von Natur aus bessere Kletterer waren, an diesem Hang nicht aufholen konnten. Offenbar machte sich Forkbeard hier einen Weg zunutze, den er sich vor Jahren zumindest teilweise selbst geschaffen hatte.</p><p>�Dieser Sims hier�, sagte Forkbeard grinsend, �ist eine Kurfalle. In meiner Jugend wurde ich hier einmal von einem Kur gejagt. Er verfolgte mich zwei Tage lang. Ich bereitete einen Weg vor, auf dem er mir folgen konnte � bis auf die letzten zwanzig Fu�. Danach waren die Vorspr�nge f�r die Finger eines Kur zu schmal.�</p><p>Unter uns ert�nte ein w�tendes Schnaufen.</p><p>�Und so habe ich als Junge meinen ersten Kur get�tet.� Forkbeard stand auf und trat an den Rand des Felsvorsprungs, wo mehrere gro�e Steine zu sehen waren. �Ein Teil der Steine, die ich damals zusammentrug, ist noch immer da.�</p><p>Den Kur unter uns beneidete ich nicht.</p><p>Ich blickte �ber die Felskante. �Er klettert immer noch�, fl�sterte ich und zog mein Schwert. Es war sicher kein Problem, dem Ungeheuer den Zugang zu unserem Felsvorsprung zu verwehren.</p><p>Hinter dem ersten Kur, der einige Fu� unter uns hing, befand sich ein zweiter. Die beiden anderen waren weiter unten am Hang, wo es weniger steil war.</p><p>Der erste Kur war nur noch etwa zehn Fu� von uns entfernt, als er ausrutschte und mit lautem Schrei in die Tiefe st�rzte. F�nf Ihn sp�ter landete er auf einem Ger�llhang.</p><p>�Zu schmal, wie ich gesagt habe�, bemerkte Ivar.</p><p>Der zweite Kur, der sich f�nfundzwanzig Fu� unter uns befand, blickte knurrend zu uns herauf.</p><p>Der Felsbrocken, den Ivar geschleudert hatte, traf ihn voll im Gesicht.</p><p>Die Falle, die vor vielen Jahren von einem torvaldsl�ndischen Jungen aufgebaut worden war, funktionierte noch immer. Ich bewunderte Forkbeard.</p><p>Die beiden anderen Kurii hockten unter uns am Hang und blickten zu uns empor. Sie machten keine Anstalten mehr, uns nachzuklettern.</p><empty-line/><p>Kurz nach der zehnten Stunde des n�chsten Tages erreichten wir den Gipfel des Torvaldsbergs. Obwohl hier oben viel Schnee lag, ragte doch da und dort das Felsgestein hervor, freigeweht von dem Wind, der hier oben mit ziemlicher St�rke blies.</p><p>Ich richtete mich auf und warf einen Blick in die Runde. Die Sch�nheit dieses Ausblicks spottet jeder Beschreibung.</p><p>Durch Gefahren und Widrigkeiten hatten wir uns zu diesem Ziel vorgearbeitet � und ich hatte einen Sieg errungen, der nicht mein Sieg, sondern der Sieg einer Welt war, einer Welt und ihrer Sch�nheit. Ich hatte hier nicht einen Berg erobert, sondern der Berg schenkte mir einen Blickpunkt, der mich erkennen lie�, wie unbedeutend ich war und wie sch�n und kostbar die Wirklichkeit und das Leben und der Sonnenschein auf einer �den, kalten Landschaft waren. Ivar stand schweigend neben mir.</p><p>�Du bist schon einmal hier gewesen�, sagte ich, �als Junge.�</p><p>�Ja�, sagte Ivar. �Und ich habe es nie vergessen.�</p><p>�Bist du hierhergekommen, um zu sterben?�</p><p>�Nein. Aber ich habe sie nicht finden k�nnen.�</p><p>Ich sah ihn verwirrt an.</p><p>�Ich habe sie damals nicht finden k�nnen und finde sie auch jetzt nicht.�</p><p>�Was?� fragte ich.</p><p>�Unwichtig�, erwiderte er und wandte sich ab.</p><p>Von unten n�herten sich die beiden Kurii. Wir beobachteten sie. Die Wesen richteten sich auf und blickten ebenfalls in die Ferne.</p><p>Dann wandten sie sich in unsere Richtung. Wir zogen unsere Waffen, und die Kurii nahmen ihre �xte und Schilde zur Hand.</p><p>Ivar und ich sprangen von dem Felsen, auf dem wir gestanden hatten. Die beiden Kurii n�herten sich von links und rechts. Sie hatten die Ohren angelegt und bewegten sich sehr vorsichtig.</p><p>Die gro�e Axt fuhr auf mich zu. Ich rollte durch den Schnee ab und versuchte nach vorn zu hechten, um mit der Klinge zuzusto�en. Doch ich glitt aus. Die Axt bohrte sich dort in den Boden, wo ich eben noch gestanden hatte. Ein Granitbrocken traf mich schmerzhaft. Ich taumelte zur�ck. Der Kur lie� sich Zeit und lauerte mit erhobener Axt. Ich sah seine Augen �ber dem Schild. �Ha!� br�llte ich und tat, als wollte ich angreifen. Die Axt bewegte sich etwas, wurde aber nicht geschwungen. Dann schnaubte das Wesen und hob die Axt. Ich wu�te, da� die Klinge mich nicht rechtzeitig erwischen konnte, und griff an. Und genau das hatte sich der Kur erhofft. Er hatte mich hereingelegt! Mit gewaltiger Kraft traf mich der schwere Schild von der Seite, schleuderte mich vierzig Fu� durch die Luft. Halb geblendet vor Schmerz rollte ich durch den Schnee. Wieder dr�hnte die Axt auf Granit, und wieder traf mich der Schild wie ein Hammer. Ich richtete mich taumelnd auf. Mein linker Arm war gef�hllos, vermutlich gebrochen. Meine Schulter f�hlte sich wie Holz an. Und die Axt fuhr erneut hoch. Aufschreiend verlor ich das Gleichgewicht und st�rzte �ber einen Felsabhang. Zwanzig Fu� tiefer landete ich im Schnee. Zu meiner Rechten erblickte ich eine kleine dunkle �ffnung, die etwa einen Fu� breit und hoch war. Ich taumelte darauf zu. In der H�hle ging es in gleicher H�he weiter. �Ivar!� br�llte ich. �Ivar!� Ich h�rte den Blutschrei eines Kur, den ich nicht sehen konnte. Ivar machte kehrt und sprang zu mir herunter in den Schnee. Die beiden Kurii standen wutschnaubend �ber uns. Ich deutete auf die �ffnung. Mit blitzenden Augen untersuchte Forkbeard meinen Fund. Ich bewegte die Finger meiner linken Hand. Ich hatte Gef�hl im Arm, doch ich wu�te noch nicht, ob er gebrochen oder nur geprellt war. Ich steckte das Schwert wieder in die Scheide; Ivar nickte und zw�ngte sich r�cklings durch die schmale �ffnung. Ich folgte ihm. Forkbeard half mir, zerrte mich hinein. Im n�chsten Augenblick schob sich ein langer Kur-Arm durch die �ffnung zu uns herein. Forkbeard schlug mit dem Schwert danach, und der Kur zog sich mit einem Schmerzensschrei zur�ck. Die beiden Ungeheuer setzten sich einige Fu� von der H�hlen�ffnung entfernt in den Schnee. Kurii sind geduldige J�ger. Sie w�rden warten.</p><p>Ich rieb mir die Schulter und hob den linken Arm. Er war offenbar nicht gebrochen.</p><p>�Komm mit!� sagte Ivar aufgeregt.</p><p>Ich fragte mich, wie tief die enge H�hle sein mochte. Auf H�nden und F��en kroch ich hinter dem Torvaldsl�nder her.</p><p>�Hier!� sagte Ivar. �An der Wand!�</p><p>Er f�hrte meine Finger zu einer Stelle an der Felswand. Ich sp�rte vertikale Zeichen, die rechtwinklige Verl�ngerungen hatten.</p><p>�Du hast sie gefunden!� rief Forkbeard. �Du hast sie gefunden!�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>Auf allen vieren kroch ich hinter Forkbeard durch den engen Gang, wobei ich mich einmal auf die linke Seite drehen mu�te, um mich durch eine schmale �ffnung zu winden. Dahinter schien mehr Platz zu sein, und ich hob vorsichtig die H�nde und richtete mich auf. Ich h�rte Forkbeard in der Dunkelheit herumtasten. Dann ert�nte das Schlagen von zwei kleinen St�cken Eisenpyrit. Im n�chsten Augenblick spr�hten Funken, die in einen kleinen Haufen aus winzigen Mooszweigen fielen. Mehrere dieser Haufen, etwa f�nfzehn Zentimeter hoch, lagen auf einem Felsvorsprung, daneben verschiedene Feuersteine und Stahlst�cke. Ich erschauderte.</p><p>Forkbeard hatte eine Fackel gefunden, die er an das glimmende Moos hielt. Ich zog eine zweite Fackel aus einem Metallring an der Wand und stie� sie ebenfalls in die Glut.</p><p>Keiner von uns sagte etwas.</p><p>Der Gang verlor sich vor uns in der Dunkelheit. Er war etwa acht Fu� hoch und ebenso breit. Zu beiden Seiten erstreckte sich eine Reihe von Ringen mit dunklen Fackeln. Links und rechts befanden sich Buchstaben einer hohen, eckigen Schrift an den glattgemei�elten W�nden.</p><p>�Alte Runen�, sagte Ivar.</p><p>�Kannst du sie lesen?�</p><p>�Nein.�</p><p>Die Haare in meinem Nacken stellten sich auf. Ich betrachtete eine der Darstellungen. Sie zeigte einen Mann auf dem R�cken eines Vierbeiners.</p><p>�Schau mal�, sagte ich, und deutete darauf.</p><p>�Interessant. Ein Reiter auf einem Fabeltier � aber die Sage kenne ich nicht.�</p><p>Ich starrte auf das Bild. So etwas hatte ich auf Gor noch nie gesehen. Ich fragte mich, wer dieses Bild in den Fels gemei�elt hatte. Es war sehr alt. Offenbar hatte der K�nstler eine Welt gekannt, von der Ivar Forkbeard keine Ahnung hatte. Das vierbeinige Wesen war eindeutig ein Pferd.</p><p>Der Gang wurde jetzt so breit, da� wir uns darin verloren vorkamen. Die Reliefs und Ornamente nahmen an Vielfalt und Farbigkeit zu. Ringsum steckten dunkle Fackeln in ihren Ringen.</p><p>�Kannst du diese Runen nicht lesen?� fragte ich Ivar.</p><p>�Ich bin doch kein Runenpriester�, erwiderte er entr�stet.</p><p>Seine Reaktion war ziemlich m�rrisch. Ich wu�te, da� er einige Runen zu lesen vermochte. Die Zeichen hier waren vielleicht zu alt oder entsprachen einem Dialekt, den er nicht kannte.</p><p>�Aber hier ist ein Zeichen, das jeder Dummkopf kennt.�</p><p>Auch ich hatte den Buchstaben schon oft gesehen � aber niemand hatte ihn mir bisher erkl�rt.</p><p>�Was bedeutet er?� fragte ich.</p><p>�Wei�t du das wirklich nicht?�</p><p>Er wandte sich ab, und ich folgte ihm. Kurz darauf nahmen wir neue Fackeln von den Wandringen, entz�ndeten sie und l�schten die alten.</p><p>Nun kamen wir an verschiedenen offenen Truhen vorbei, in denen Sch�tze ruhten � M�nzen und Edelsteine, Ringe und Armb�nder. Danach erreichten wir einen gro�en Torbogen, den Eingang zu einem riesigen Raum, der sich au�erhalb des flackernden Lichtscheins unserer Fackeln im Dunkeln verlor.</p><p>Forkbeard deutete mit der Fackel auf das gro�e Zeichen �ber dem Tor, das Zeichen, das er mir eben nicht erkl�rt hatte.</p><p>�Ich glaube, ich wei�, was das Zeichen bedeutet�, sagte ich.</p><p>�Und?�</p><p>�Es ist das Namenszeichen Torvalds�, sagte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Torvald�, sagte ich erschaudernd, �ist doch nur eine Gestalt der Legenden. Jedes Land hat solche sagenhaften Helden und Gr�nder, seine mystischen Riesen.�</p><p>�Dies�, sagte Forkbeard, �ist die Kammer Torvalds. Wir haben die Ruhest�tte Torvalds gefunden! Torvald schl�ft im Torvaldsberg, und zwar seit tausend Jahren. Er wartet darauf, geweckt zu werden. Sobald sein Land ihn braucht, wird er erwachen. Und dann wird er uns in den Kampf f�hren. Er wird wieder Anf�hrer sein f�r die M�nner des Nordens.�</p><p>�Es gibt keinen Torvald�, sagte ich.</p><p>�Wir m�ssen ihn wecken.�</p><p>Bek�mmert blickte ich hinter Forkbeard her, der mit erhobener Fackel in die gro�e Kammer trat. Es wollte mir nicht unm�glich erscheinen, da� die Sagen um Torvald ein K�rnchen Wahrheit enthielten. Es mochte einmal einen Torvald gegeben haben, einen Mann, der vor �ber tausend Jahren in dieses Land gekommen war. Doch heute gab es diesen Mann nicht mehr. Es bedr�ckte mich, wenn ich daran dachte, welche Entt�uschung auf meinen leichtgl�ubigen Freund Forkbeard wartete.</p><p>Seine Hoffnung, einen sagenumwitterten Helden zu finden, der die M�nner des Nordens zu den Waffen rief, um sie gegen die Kurii zu f�hren, mu�te entt�uscht werden.</p><p>Dieser H�hlenraum, das wu�te ich, war von Menschen geschaffen worden. Vielleicht handelte es sich tats�chlich um die Grabkammer Torvalds, die seit vielen Jahrhunderten vergessen war, bis jetzt zwei fliehende M�nner zuf�llig wieder darauf stie�en. Vielleicht traf es zu, da� Torvald im Torvaldsberg begraben und da� seine Grabst�tte versteckt worden war, um sie vor Neugierigen und Grabr�ubern zu sch�tzen. Und wenn dem so war, konnten sich wirklich Legenden darum gerankt haben, Legenden, in denen das R�tsel des verlorenen Grabes eine gro�e Rolle spielte. Diese Geschichten waren in den langen Wintern�chten bestimmt immer wieder an den Feuern erz�hlt worden und hatten sich von Dorf zu Dorf ausgebreitet, von einem einsamen Hof zum �ndern. Und in einer dieser Sagen mochte tats�chlich zum Ausdruck kommen, da� der gro�e Torvald gar nicht tot war, sondern nur schlief und wieder erwachen w�rde, wenn sein Land ihn brauchte.</p><p>Forkbeard stand nun neben der gro�en Steinbank, die mit schwarzen staubigen Fellen bedeckt war.</p><p>Am Fu� der Bank befanden sich Waffen, am Kopfende hingen an der Felswand unter einem gro�en Schild zwei gekreuzte Speere und daneben ein gewaltiges Schwert in einer Scheide. Neben dem Kopfende ruhte auf einer Steinplattform ein gro�er Helm mit H�rnern.</p><p>Forkbeard sah mich an.</p><p>Die Bank war leer.</p><p>Er sagte nichts. Er setzte sich auf die Kante der Bank und st�tzte den Kopf in die H�nde. Seine Fackel, die auf dem Boden lag, flackerte und erlosch. Forkbeard r�hrte sich nicht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Goreanern weinten die Torvaldsl�nder selten. Nun stieg ein trockenes Schluchzen in seiner Kehle auf. Nat�rlich lie� ich mir nicht anmerken, da� ich diesen Laut geh�rt hatte.</p><p>�Wir haben verloren�, sagte er schlie�lich. �Rothaar, wir haben verloren.�</p><p>Ich hatte eine neue Fackel angez�ndet und sah mich in der Kammer um. Torvald hatte sich also doch nicht in seinem Grabmal begraben lassen. Die St�tte des Todes war leer.</p><p>�Wo ist Torvald?� rief Ivar Forkbeard.</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Es gibt keinen Torvald!� fuhr Forkbeard fort. �Torvald existiert gar nicht! Nicht einmal seine Gebeine sind hier.�</p><p>�Torvald war ein gro�er Kapit�n�, sagte ich. �Vielleicht ist er an Bord seines Schiffs verbrannt, das Schwarzer Hai hie� � das hast du mir selbst gesagt.� Ich sah mich um. �Aber wenn das so w�re, warum ist dann dieses Grabmal gebaut worden?�</p><p>�Dies ist kein Grab�, sagte Ivar Forkbeard. �Dies ist eine Schlafkammer. Es gibt hier keine Knochen von Tieren oder Thralls � die Reste von Opfern.� Er sah sich um. �Warum hat Torvald eine Schlafkammer in den Torvaldsberg mei�eln lassen?�</p><p>�Damit die Menschen seines Landes zum Torvaldsberg kommen, um ihn zu wecken�, sagte ich.</p><p>Forkbeard sah mich an.</p><p>Zwischen den Waffen am Fu�ende der Bank zog ich einen langen dunklen Pfeil hervor. Er war �ber einen Meter lang, der Schaft war mindestens zwei Zentimeter dick. Die Spitze bestand aus Eisen und hatte Widerhaken. Die Federn am anderen Ende waren gut f�nfzehn Zentimeter lang; Federn der K�stenm�we.</p><p>Ich hob den Pfeil. �Was ist das?�</p><p>�Ein Kriegspfeil.�</p><p>�Und was ist das hier f�r ein Zeichen an der Seite?�</p><p>�Das Zeichen Torvalds.�</p><p>�Warum befindet sich der Pfeil wohl hier?� fragte ich.</p><p>�Damit die K�mpfer ihn finden?�</p><p>�Das nehme ich auch an.�</p><p>Er hob die Hand und nahm mir den Pfeil ab.</p><p>�Sende den Kriegspfeil aus�, sagte ich.</p><p>Forkbeard betrachtete den Pfeil.</p><p>�Ich glaube, ich beginne einen Mann zu verstehen, der vor mehr als tausend Wintern gelebt hat�, sagte ich. �Dieser Mann, nennen wir ihn ruhig Torvald, schuf in einem Berggipfel eine Schlafkammer, in der er aber nicht schlafen wollte, sondern in die andere Menschen kommen sollten, um ihn zu wecken. Doch hier sollten sie nicht Torvald finden, sondern sich selbst, sich selbst, Ivar, allein und mit einem Kriegspfeil.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Ich glaube, Torvald war ein gro�er und weiser Mann�, sagte ich. �Als Torvald diese Kammer schuf, hatte er nicht die Absicht, sich selbst hier wecken zu lassen, sondern es sollten diejenigen erwachen, die zu ihm kommen wollten.�</p><p>�Die Kammer ist leer�, sagte Ivar. �Nein�, erwiderte ich. �Wir sind hier.�</p><p>Ich legte ihm die Hand auf die Schulter. �Nicht Torvald mu� in dieser Kammer erwachen, sondern wir. In der Hoffnung, da� andere die Arbeit f�r uns tun, finden wir hier nur uns selbst und einen Kriegspfeil. Ist dies nicht Torvalds Art, uns aus einer tausendj�hrigen Vergangenheit zu sagen, da� wir uns nur auf uns selbst verlassen k�nnen und nicht auf andere? Wenn das Land gerettet werden soll, dann von uns und anderen wie uns. Es gibt keine Zauberspr�che, keine G�tter, keine Helden, die uns retten werden. In dieser Kammer soll nicht Torvald zum Leben erweckt werden, sondern du und ich.� Ich sah Forkbeard an. �Hebe den Pfeil des Krieges�, sagte ich.</p><p>Und ich trat mit erhobener Fackel von der Bank zur�ck. Mit entschlossenem Gesicht hob Forkbeard den Arm, den Pfeil in der Faust.</p><p>Ich war nicht einmal ein Torvaldsl�nder, und doch war ich als einziger zugegen, als der Kriegspfeil gehoben wurde, tief unter den Felsen des Torvaldsberges.</p><p>Dann schob Forkbeard den Pfeil in seinen G�rtel, b�ckte sich und begann die Waffen durchzusehen. Er w�hlte zwei Speere aus und reichte mir einen. �Wir m�ssen noch zwei Kurii t�ten�, sagte er.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>Es war sehr still. Kein Mann sagte ein Wort.</p><p>Unter uns im Tal erstreckte sich zehn Pasang weit das Lager der Kurii.</p><p>Zu F��en Ivar Forkbeards kniete Hilda die Hochm�tige, Tochter Thorgards von Scagnar.</p><p>�Nun geh�, befahl Ivar.</p><p>Gehorsam sprang sie auf und eilte durch die Dunkelheit davon.</p><p>In meiner N�he wartete Svein Blue Tooth. Es war kalt. Ich sah die Umrisse seines Helms, den Rand seines Schildes, den Speer.</p><p>Hinter uns warteten Gorm Ottar und Rollo und weitere Kampfgef�hrten von Forkbeards Heimstatt. Bis zur goreanischen D�mmerung waren es noch einige Ehn. In unserer Reihe stand auch Gjarni aus dem Thorstein-Lager und der Mann, der bei dem formellen Duell seinen Schild getragen hatte. Hinter dem K�mpfer erblickte ich den jungen Mann, den er in dem Duell hatte besiegen wollen. In Begleitung des J�nglings war der Junge, der seinen Schild tragen wollte.</p><p>Der Kriegspfeil war durch das Land getragen worden.</p><p>Er war zum Gr�nklippen-Fjord getragen worden, zum Thorstein-Lager, zum Axtgletscher und zu Einars Felsenriff, er war zu den hohen H�fen, zu den Seen und zur K�ste gekommen, er war zu Fu� bef�rdert worden oder mit einem schnellen Schiff. Tausend Pfeile, jeder vom Pfeil des Torvald ber�hrt, waren �ber Land gebracht worden, und die M�nner hatten ihn ber�hrt und gesagt: �Ich komme.� Und sie waren gekommen. Kapit�ne und Piraten, Bauern, Fischer, J�ger, Netzweber, Schmiede, Holzschnitzer und Kaufleute; M�nner, die kaum mehr als ihre Lederkleidung und eine Axt besa�en, und reiche Jarls mit prunkvollen Waffen. Und in der Menge standen auch Thralls, die in Kriegszeiten mitk�mpfen durften.</p><p>Ich fragte mich, wie viele M�nner heute sterben w�rden. Und ich fragte mich, ob auch f�r mich heute fr�h in Torvaldsland, in der fr�hen Morgend�mmerung, das Ende heranr�ckte. Ich umfa�te meine Axt, ein beruhigendes Gewicht. Die Waffe war gut ausbalanciert.</p><p>Auf der anderen Seite des Tals warteten weitere M�nner. Das Signal sollte durch einen Schild gegeben werden, der die Morgensonne einfing und einen Blitz �ber das Tal schickte � dann der Angriff. Lautes Kriegsgeschrei w�rde ert�nen. Unter uns befanden sich auch M�nner aus Hunjer, Skjern, Helmutsport und Scagnar, �ber dessen Klippen Thorgard herrschte.</p><p>Soweit ich wu�te, hatten noch niemals Menschen einen Angriff auf Kurii gewagt.</p><p>Svein Blue Tooth betastete den Zahn des Hunjerwals. Er war ein guter Jarl. Er war nach Ivar Forkbeard und Tarl Cabot, einem Krieger aus Ko-ro-ba, der dritte gewesen, der den Pfeil Torvalds gehoben hatte.</p><p>Einige Reihen hinter ihm stand ein gro�er Mann, der so gro� war wie Rollo oder noch gr��er. Ich kannte ihn nicht n�her. Er hatte einen struppigen Bart und trug einen Speer. Er hatte gesagt, er hei�e Hrolf und k�me aus dem Osten. Niemand hatte ihm weitere Fragen gestellt.</p><p>Im Tal unter uns sahen wir die Asche von tausend Lagerfeuern glimmen. Die Kurii schliefen dort unten, zu mehreren in einem Lager zusammengerollt. Die Feldlager der Kurii bestehen aus H�uten und Fellen, die �ber gebogene �ste geworfen sind. Diese Gebilde sind nur etwa vier bis f�nf Fu� hoch und entsprechend breit, doch f�nfzig oder sechzig, manchmal sogar hundert Fu� lang. Diese Schutzbauten winden sich hierhin und dorthin, da und dort sto�en sie aneinander und haben gemeinsame Zug�nge. Sie �hneln H�hlen, die auf dem flachen Land errichtet worden sind. Die Kurii bewegen sich darin auf allen vieren. Sie schlafen nicht gern im Freien. Wenn sie keine andere M�glichkeit haben, graben sie sich sogar in den Boden ein und bedecken sich mit Gras und Zweigen. Ein Kur schl�ft immer mit dem Kopf zum Eingang.</p><p>Die Kurii-Herden waren ruhig; der Wind stand gegen uns. Ich sah die wei�e Verrherde, Hunderte von Tieren, die im nordwestlichen Eck des Lagers eingepfercht waren; in der Nordostecke befanden sich die Tarskgehege, die man bis hierher roch. Die Bosks befanden sich im S�den des Lagers. Sie bildeten einen wichtigen Teil unserer Strategie. Sie sollten verhindern, da� die Kurii nach S�den entkamen. Die Herde bestand aus mehreren tausend Tieren. Die Nordseite des Lagers sollte ungesch�tzt bleiben � ein scheinbarer Ausweg, der die Kurii � sollte sich das Kriegsgl�ck gegen sie wenden � hoffentlich zur Flucht in diese Richtung veranla�te.</p><p>Etwa in der Mitte des Lagers, s�d�stlich gelegen, befand sich eine Herde von Kurii-Beutest�cken; auch diese Wesen befanden sich in einem Gehege, das mehr als einen Viertel-Pasang breit war und aus zusammengebundenen Holzstangen bestand. Dieses Gehege wurde von gez�hmten Sleen bewacht.</p><p>Nordwestlich von der Mitte des Lagers sah ich die Zelte Thorgards von Scagnar und seiner M�nner.</p><p>Die Kurii hatten es mit ihrem Marsch in den S�den nicht eilig gehabt. Vor mehreren Tagen war es ihnen nicht gelungen, die Torvaldsl�nder dazu zu bringen, ihnen Vorr�te f�r ihren Marsch zur Verf�gung zu stellen. Nach ihrem �berw�ltigenden Sieg am Abend von Svein Blue Tooths Fest, bei dem die Halle niedergebrannt und das Thinglager vernichtet worden war, hatten sie ein eigenes Lager errichtet und sich methodisch daran gemacht, Proviant zusammenzutragen. Hunderte von Trupps hatten die Berge und T�ler durchk�mmt, hatten H�fe niedergebrannt und Vorr�te gepl�ndert, Werkzeuge und Waffen erbeutet, Menschen und Tiere zusammengetrieben und ins Lager geschafft. Zur gleichen Zeit hatte Svein Blue Tooth hundert Pasang weiter s�dlich seine Kampfgef�hrten um sich versammelt.</p><p>In diesen Tagen hatte ich mich viel mit den Kurii besch�ftigt. Die Trupps der Kurii, die normalerweise aus sechs Wesen bestanden, wurden zumeist von ausgebildeten Sleen begleitet. Bei meinen Kundschafterg�ngen mu�te ich mich zweimal dieser Tiere erwehren. Sie werden verschieden eingesetzt; einige dienen nur als Wachtiere, andere fungieren gewisserma�en als Kundschafter beim Vorr�cken von Kampfverb�nden, und wieder andere sind noch besser ausgebildet und werden eingesetzt, um Menschen zu jagen, insbesondere Sklavinnen, die sie ohne viel Umst�nde �ber Land in das Lager der Kurii treiben.</p><p>Ich blickte zum Torvaldsberg hin�ber. Der Gipfelschnee schimmerte in der Sonne.</p><p>Im Tal unter uns befand sich das Lager der Kurii noch im Dunkeln. Wir h�rten das leise Heulen eines Sleen. Ich fragte mich, ob Kurii tr�umen konnten. Es war anzunehmen.</p><p>�Bald ist es soweit�, sagte Ivar Forkbeard zu mir.</p><p>Ich nickte.</p><p>Von unten h�rten wir pl�tzlich den Jagdschrei eines Sleen, gefolgt von den Stimmen zweier anderer Tiere.</p><p>Ich beneidete Hilda nicht. Die Kurii w�rden sich nicht weiter um die Sleen k�mmern, die ihrer Aufgabe nachkamen, ein geflohenes Tier einzufangen und zur Herde zur�ckzubringen. Die D�mmerung strich �ber das Tal. Aus dem L�rm der Sleen schlossen wir, wo sich Hilda befand.</p><p>�Dort�, sagte Ivar und hob die Hand.</p><p>Die Sleen stellten das M�dchen n�rdlich von der Boskherde. Wir sahen ihren bleichen K�rper und die dunklen, geschmeidigen Silhouetten, die sich ihr n�herten. Dann war sie umringt und blieb stehen. Die Sleen wichen zur Seite und deuteten ihr damit an, in welche Richtung sie gehen sollte. Zwei Sleen trieben das M�dchen sodann vor sich her.</p><p>Im nordwestlichen Teil des Lagers befand sich die Verrherde, im Nordosten lagen die Tarskgehege, im S�den wurden die Bosk festgehalten, und etwas s�d�stlich von der Lagermitte wurde eine ganz anders geartete Herde bewacht � und zu diesem Gehege wurde die Tochter Thorgards von Scagnar getrieben. Alles ging nach Plan. Nachdem die Sleen ihre Beute abgeliefert hatten, nahmen sie ihre Patrouille wieder auf. Ein Tier war zur Herde gef�hrt worden, und sie interessierten sich nicht mehr daf�r, solange es nicht zu fliehen versuchte. Wir sahen Hilda zu den anderen eilen, die dort auf dem zertrampelten Rasen hockten.</p><p>�Ich w�nschte�, seufzte Ivar Forkbeard, �ich h�tte auch so eine Herde.�</p><p>Die Herde bestand aus schlanken zweibeinigen Tieren.</p><p>�Einige der M�dchen geh�ren dir�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Die werde ich mir auch zur�ckholen.�</p><p>In dieser Herde befanden sich vermutlich mehrere unserer Frauen: Thyri, Aelgifu, Gunnhild, Schmollmund, Honigkuchen, Leah � und jetzt Hilda, die inzwischen Forkbeards Lieblingssklavin geworden war.</p><p>Jetzt teilte Hilda den ver�ngstigten M�dchen unsere Anweisungen mit. Nun mu�te sich erweisen, ob sie Sleen und Kurii mehr f�rchteten als ihre Herren. Wenn sie nicht gehorchten, war ihr Leben verwirkt. Sie erhielten einen Befehl, und als Sklaven mu�ten sie gehorchen.</p><p>Die Sonne beleuchtete nun den Gipfel des Torvaldsbergs.</p><p>�Bindet die T�cher um�, sagte Svein Blue Tooth. Die Anordnung wurde von Mann zu Mann weitergegeben. Auf der anderen Seite des Tals mu�ten �hnliche Vorbereitungen im Gange sein. Jeder von uns band sich ein gelbes Tuch an die Schulter � das Zeichen, an dem die Kurii ihre Verb�ndeten, die M�nner Thorgards von Scagnar, erkannten. Auch wir wollten dieses Zeichen tragen � zur Rache an jenen, die ihre Artgenossen verraten hatten.</p><p>�Haltet die Waffen bereit�, sagte Svein Blue Tooth. Die M�nner kamen in Bewegung.</p><p>Es kam mir seltsam vor, da� sich Menschen, einfache Menschen, zum Kampf gegen die Kurii r�steten. Aber in diesem Augenblick hatte ich noch keine Ahnung von dem gro�en Zorn, der in ihnen loderte.</p><p>Svein Blue Tooth hatte den Kopf gesenkt.</p><p>Ich sp�rte die seltsame Erregung als erstes bei dem riesigen Rollo. Es war kein menschlicher Laut; es war ein Schnauben, ein Knurren, das aus seiner Kehle drang, wie der Laut eines Larl, der aus dem Schlaf geweckt wird. Meine Nackenhaare str�ubten sich. Der riesige Kopf wurde langsam gehoben. Rollo �ffnete die Augen, und ihr Blick war nicht mehr leer, sondern in ihrer Tiefe schien ein schreckliches Feuer zu leuchten. Seine F�uste �ffneten und schlossen sich, seine Schultern waren hochgezogen. Halb geduckt stand er da, w�hrend das Etwas, die Wut, der Wahnsinn, in ihm zu toben begann.</p><p>�Es beginnt�, sagte Ivar Forkbeard zu mir.</p><p>�Was meinst du?� fragte ich.</p><p>Ich sah, wie Svein Blue Tooth, der Jarl Torvaldslands, den Kopf hob, doch er schien nicht mehr bei Sinnen zu sein. Sein Gesicht kam mir pl�tzlich ver�ndert, ja v�llig fremd vor. Ruckartig fuhr seine Hand �ber die Speerklinge. Entsetzt bemerkte ich, da� er sich tief in die Hand geschnitten hatte und sein eigenes Blut ableckte.</p><p>Ein Mann k�mpfte gegen das Gef�hl, das ihn zu sprengen drohte. Dabei ri� er sich das Haar b�schelweise aus. Ein anderer lie� den Kopf hin und her rollen; sein K�rper bebte. Er murmelte unverst�ndliche Worte. Ein dritter K�mpfer warf seinen Schild zur Seite und ri� sich das Hemd auf. Andere st�hnten und begannen zu knurren wie erregte Tiere, die sich kaum noch beherrschen konnten. Jene, die von dieser Erscheinung noch nicht ber�hrt waren, verharrten entsetzt zwischen ihren Kampfgef�hrten. Sie befanden sich in einer Horde von Ungeheuern; doch die Erregung griff um sich.</p><p>�Das ist die Wut Odins�, sagte Forkbeard. �Die Wut Odins.�</p><p>Einer nach dem anderen wurden die M�nner davon angesteckt. Das Ph�nomen schien beinahe etwas Greifbares zu sein, etwas, das von einem Krieger zum n�chsten �bersprang. Man hatte fast das Gef�hl, diese Wut zu sehen � doch in Wirklichkeit waren nur die Auswirkungen zu bemerken, wie eine gespenstische Seuche, wie ein unsichtbares, verzehrendes Feuer, wie die Ber�hrung durch die G�tter, durch die harten, grausamen G�tter Torvaldslands. Und die Macht dieser G�tter war schrecklich.</p><p>Ivar Forkbeard warf pl�tzlich den Kopf in den Nacken und schrie lautlos zum Himmel empor. Das Etwas hatte ihn ber�hrt.</p><p>Ringsum atmeten die M�nner schwer, knirschten mit den Z�hnen, k�mpften mit dem Drang in ihrem Innern.</p><p>Ich mu�te den Blick von Ivar Forkbeard abwenden. Er war nicht mehr der Mann, den ich kannte. Seinen Platz hatte ein Ungeheuer eingenommen.</p><p>Ich blickte ins Tal hinab. Dort unten schliefen die Kurii. Noch zu gut erinnerte ich mich an die Mordgier dieser Bestien, an das grauenhafte Massaker, das sie in der Halle Svein Blue Tooths angerichtet hatten.</p><p>Pl�tzlich sp�rte ich in mir ein seltsames Gef�hl. �Wahnsinn!� sagte ich mir. In dem Lager unter uns schliefen die Kurii, die gemordet hatten, die ein n�chtliches Massaker angerichtet hatten. Unter uns schliefen ahnungslos unsere Feinde.</p><p>Ich bek�mpfte die Gef�hle, die mich durchstr�mten � doch ebensogut h�tte ich mich gegen die Gewalt eines Vulkans stellen k�nnen.</p><p>Ich �ffnete die Augen.</p><p>Das Tal unter uns schien ger�tet vor Wut, der Himmel war rot, ebenso die Gesichter der M�nner in meiner N�he. Eine Woge der Aggression staute sich in mir. Ich wollte zuschlagen, hacken, zerren, vernichten. Die Erscheinung hatte mich ber�hrt und mich in eine unheimliche rote Welt des Zorns gest�rzt.</p><p>Svein Blue Tooth hatte Schaum vor dem Mund. Seine Augen blitzten wie die eines Wahnsinnigen.</p><p>Ich hob meine Axt.</p><p>Die vielen tausend Torvaldsl�nder zu beiden Seiten des Tals machten sich bereit. Ich sp�rte ihren Erregungszustand, ihren unertr�glichen Drang, ihre unbez�hmbare Spannung.</p><p>Der Signalspeer in der Hand des bebenden Blue Tooth wurde angehoben. Die zahllosen Krieger hielten eine Sekunde lang den Atem an. Dann blitzte die Sonne auf dem Schild. Der Signalspeer deutete auf das Tal.</p><p>Mit einem wilden Schrei st�rmte die Streitmacht hangabw�rts. Die Torvaldsl�nder griffen an!</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Der Kur sank von der Klinge. Br�llend sprang ich auf einen zweiten zu und machte ihn nieder, ehe er sich erheben konnte, dann t�tete ich einen dritten.</p><p>Im Augenblick des Angriffs hatten die Sklavenm�dchen im Gehege die Befehle befolgt, die Hilda ihnen �bermittelt hatte. Zu Hunderten waren sie aus der Umz�unung ausgebrochen und eilten durch das Lager. Die Herdensleen h�pften zwischen ihnen herum, doch bei der Menge der Sklavinnen hatten sie M�he, sich einzelne M�dchen herauszusuchen, um sie ins Gehege zur�ckzutreiben. Kaum hatte sich ein Sleen eine Sklavin vorgenommen, eilten drei oder vier andere an ihm vorbei und brachten ihn von seiner Beute ab, die ihrerseits davoneilte und sp�ter dann half, andere Sleen abzulenken. Viele M�dchen lie�en sich allerdings zur�ckbringen, um gleich darauf an einer anderen Ecke des Geheges wieder auszubrechen.</p><p>Ein Kur hob seine gewaltige Axt. Ich griff an, und meine Klinge fand ihr Ziel, ehe er zuschlagen konnte.</p><p>Ich zerrte meine Waffe frei. �Tarl Rothaar!� rief in diesem Augenblick eine Stimme. Ich wandte mich um. Es war Thyri, die ich jedoch im ersten Augenblick nicht erkannte. Blut�berstr�mt stand ich da, die Axt erhoben. Der Kur lag zuckend zu meinen F��en. Entsetzt hob das M�dchen die Hand vor den Mund und huschte davon.</p><p>Ich sah, wie ein Kur einen Mann aus Thorgard von Scagnars Lager ergriff und ihm den Kopf vom K�rper ri�.</p><p>Die Angreifer trugen gelbe T�cher an der Schulter wie sie. Viele Kurii waren in der ersten Verwirrung dieser T�uschung zum Opfer gefallen. Inzwischen versuchten sie ohne Unterschied jeden bewaffneten Mann zu vernichten. So starben zahlreiche K�mpfer Thorgards unter den F�ngen und Klingen der Kurii, und mehrere Kurii wurden auch von Thorgards K�mpfern erledigt, die sich nat�rlich ihrer Haut zu wehren versuchten.</p><p>Einmal sah ich Thorgard von Scagnar. Ivar Forkbeard versuchte sich sofort zu dem Mann durchzuk�mpfen, wurde aber von Kurii und einigen Kriegern abgedr�ngt und st�rzte sich sofort wieder in den Kampf.</p><p>Ich h�rte zwei Sklavenm�dchen kreischen.</p><p>Ich sah zwei Kurii, die sich an Gorm heranschleichen wollten. Zweimal schwang ich meine Axt � einmal nach links, einmal nach rechts � und durchtrennte ihnen das R�ckgrat.</p><p>In seinem Wahn hieb Gorm wie von Sinnen auf die beiden toten Kurii ein.</p><p>Schulter an Schulter k�mpften Bjarni aus dem Thorstein-Lager und der junge Mann, dessen Champion ich bei dem Duell gewesen war.</p><p>Ich roch Feuer. Kurii heulten und br�llten durcheinander.</p><p>Ein Kur wich humpelnd vor Ottar zur�ck. Dieser verfolgte das Wesen mit wildem Blick und streckte es schlie�lich nieder.</p><p>Ich sah den riesigen Torvaldsl�nder Hrolf, den Mann aus dem Osten, der gro�artig k�mpfte. Mit lautem Schrei stie� er einem Kur den Speer durch die Brust.</p><p>Ein anderer Kur griff an. Ich trat zur Seite und versetzte ihm einen gewaltigen Axthieb in den Leib. Ein zweiter Kur hielt unentschlossen inne. Als ich etwas die Balance verlor, griff er an. Ich zog den Axtgriff nach vorn, erwischte ihn damit im Bauch und stie� ihn zur Seite. Ich sprang auf, lie� meine Axt kreisen und traf den Hals des Ungeheuers.</p><p>Dem n�chsten Kur trat ich ganz offen entgegen. Der Griff seiner Axt legte sich �ber den Griff meiner Waffe und zwang mich auf ein Knie nieder. Langsam richtete ich mich wieder auf und dr�ngte die Waffe, die von beiden Klauen des Kurs gehalten wurde, zur�ck. Das Wesen stemmte sich mit voller Kraft gegen mich, �berzeugt, da� es einen Menschen zu erdr�cken vermochte. Ich hielt lange genug stand, um zu erkennen, da� ich es schaffte, dann zog ich meinen Griff hastig zur�ck, drehte mich zur Seite und hob meine Waffe erneut. Der Kur stolperte vorw�rts, und ich trat auf den Griff seiner Axt. Das Wesen versuchte die Waffe wieder in seine Gewalt zu bringen. Vor meiner erhobenen Axt rollte es sich verzweifelt zur Seite. Mein Schlag traf das linke Schulterblatt. Heulend sprang der Kur auf und wich mit entbl��ten F�ngen vor mir zur�ck. Ich folgte ihm. Er wandte sich pl�tzlich zur Flucht, doch ich erwischte ihn vor dem Eingang eines Pavillonzelts, das Thorgard von Scagnar geh�rte. Der Kur hatte kehrtgemacht und wich langsam zur�ck. Dabei stie� er gegen eine Zeltleine und ri� den Haltepflock aus dem Boden. Ich sprang vor und schlug noch einmal zu. Der Kur verschwand blutend im Zelt, aus dem sofort das Geschrei zahlreicher Sklavinnen ert�nte.</p><p>Ich folgte dem Kur, der jetzt mit dem rechten Arm nach einer der Zeltstangen griff und sie aus dem Boden zog. Ein Teil des Zeltes st�rzte ein. Er stie� mit der Zeltstange nach mir. Ich wartete ab. Das Wesen war vom Blutverlust geschw�cht. Wieder machte es kehrt, floh zur gegen�berliegenden Zeltwand und versuchte die Seide zu zerrei�en. Dabei erwischte ich es. Ich zog meine Axt aus dem reglosen K�rper und drehte mich um. Die M�dchen hatten sich ver�ngstigt aneinandergeklammert und sahen mich zitternd an. Ich verlie� das Zelt.</p><p>�Wo steckt Thorgard von Scagnar?� fragte Ivar Forkbeard, dessen Hemd zerrissen war. Brust und Wange waren blutbesudelt.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich.</p><p>Hinter Ivar Forkbeard entdeckte ich Hilda, Thorgards Tochter.</p><p>�Die Kurii greifen bei den Verrgehegen an!� rief ein Mann.</p><p>Schleunigst eilten Ivar und ich in diese Richtung.</p><p>Der Angriff war schlecht geplant. Speere flogen in die Gruppe der Kurii. Mehrere rutschten im Schlamm der Verrgehege aus; die erschrocken bl�kenden Tiere sprangen zwischen den K�mpfenden hin und her und waren ihnen im Wege.</p><p>Auch Svein Blue Tooth war zu den Verrherden geeilt und leitete den Angriff, der den Ausfall der Kurii zersprengte. Der gro�e Torvaldsl�nder stieg �ber den Leichnam eines gefallenen Kur. �Die Kurii d�rfen nicht nach S�den entkommen�, schrie Svein Blue Tooth Ketil zu, dem Verwalter seiner gro�en Farm, der als gef�rchteter Ringer bekannt war.</p><p>�Die Boskherden verhindern dort die Flucht�, erwiderte Ketil. �Einige Kurii sind sogar zertrampelt worden.�</p><p>�Man hat uns hereingelegt!� rief ein Mann. �Auf der anderen Seite des Lagers hat der wirkliche Angriff begonnen! Hunderte von Kurii! Sie brechen durch! Dieser Vorsto� war eine List, er sollte die M�nner hierherziehen, damit sich die Kurii woanders neu formieren konnten!�</p><p>Ich bewunderte den Anf�hrer der Kurii. Er war ein echter General, ein gef�hrlicher Gegner, skrupellos und geschickt.</p><p>�Offenbar haben wir einen w�rdigen Gegner�, sagte Forkbeard grinsend.</p><p>�Die Schlacht wendet sich gegen uns!� br�llte ein Mann.</p><p>�Haltet sie auf!� sagte Ivar Forkbeard. Von der anderen Seite des Lagers, fast einen Pasang entfernt, drang Kuriigeschrei her�ber. �Komm, wir m�ssen mitk�mpfen, Tarl Rothaar�, sagte Forkbeard.</p><p>Fliehende M�nner eilten an uns vorbei. Forkbeard stellte sich einem der Krieger in den Weg.</p><p>�Zur�ck!� sagte er w�tend. Der Mann machte kehrt, hob seine Waffe und floh in den Kampf. �In die Schlacht!� br�llte Forkbeard.</p><p>�Wir k�nnen sie nicht aufhalten! Sie werden das Lager zur�ckerobern!�</p><p>Schon sahen wir den Signalspeer Svein Blue Tooths, von Kurii umgeben. Der Speer wirkte wie eine Flagge auf einer Insel. Dicht davor stand der m�chtige Rollo und hieb mit seiner Axt nach rechts und links. Wer sich von den Kurii dem Signalspeer n�herte, starb. Hunderte von M�nnern begleiteten uns. Die Kurii, deren Streitmacht nicht ausreichte, zogen sich br�llend zur�ck, um sich zu einem neuen Angriff zu formieren.</p><p>�Bildet Reihen!� schrie Svein Blue Tooth in das Get�mmel. Svein, der Jarl, k�mpfte mitten zwischen seinen M�nnern. Die Torvaldsl�nder dr�ngten sich danach, vor seinen Augen in der ersten Reihe Aufstellung zu nehmen.</p><p>Wir sahen die sich �berlappenden Schilde der Kurii-Linie. Ich sch�tzte die Zahl der Gegner auf �ber zweitausend.</p><p>Lauthals br�llend st�rmten die Kurii auf uns zu. Unsere Reihen gerieten ins Wanken, doch nach kurzem, schrecklichem Kampf wichen die Angreifer zur�ck.</p><p>Rechts von mir k�mpfte der m�chtige Rollo. Auf seinen Lippen stand Schaum, seine Augen rollten in ihren H�hlen. Links von mir lieferte Hrolf aus dem Osten einen gro�artigen Kampf. Aber die anderen hielten sich ebenso gut.</p><p>Zweimal noch wurde angegriffen � einmal von den Kurii, einmal von uns. Doch gegen die Schildmauer der Kurii kamen wir nicht an; nach erheblichen Verlusten zogen wir uns zur�ck. Ohne die Sicherheit Svein Blue Tooths, ohne die Kraft seiner Stimme h�tten die Kurii die Initiative in diesem Augenblick an sich rei�en k�nnen. �Bildet Reihen!� br�llte er wieder. �Formiert euch neu! Speere ins zweite Glied!� Eine Hecke aus Speeren, zwischen den K�mpfern der ersten Reihe hindurchgesteckt, erwartete die Kurii.</p><p>Hundert Meter trennten die gegnerischen Linien.</p><p>Aus dem Lager eilten weitere Kurii herbei, um ihren Kameraden beizustehen. Auch M�nner l�sten sich aus Einzelk�mpfen und fanden ihren Weg in unsere Linien.</p><p>Ich fand es erstaunlich, da� wir gegen die Kurii standgehalten hatten � doch es war tats�chlich geschehen.</p><p>Die Kurii machten keine Anstalten, hinter ihrer Schildmauer hervorzukommen. Diese Mauer besteht aus zwei Reihen sich �berlappender Schilde, die eine am Boden, die andere in Brusth�he. Diese beiden �u�eren Reihen der Kurii waren deutlich zu erkennen; die untere Reihe kniete, die obere stand. �hnliche Mauern wurden nun auf allen Seiten um die Formation errichtet � es bildete sich das Kriegsviereck der Kurii. Im Innern des Vierecks hielt sich eine gro�e Anzahl von Kurii auf, die zum Angriff bereit waren, sollte sich die Schildmauer �ffnen oder an einer Stelle geschw�cht werden. Ich sch�tzte, da� sich in dieser Formation etwa zweitausenddreihundert Kurii befanden.</p><p>�Wir wollen das Viereck noch einmal angreifen!� rief ein Mann.</p><p>�Nein�, bestimmte Svein Blue Tooth. �Das Viereck ist nicht zu schaffen.�</p><p>�Sie warten bestimmt auf die Nacht�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>Die M�nner erschauderten. Ein Kur kann in der Nacht ausgezeichnet sehen, w�hrend die Menschen im Vergleich dazu praktisch blind sind.</p><p>�Bei Dunkelheit bringen sie uns um!� sagte ein Mann.</p><p>Svein Blue Tooth hob den Kopf. �Es ist Mittag vorbei. Ich habe Hunger.� Er sah sich im Kreise seiner M�nner um. �Geht zu den Schuppen der Kurii. Schneidet Fleisch. R�stet es vor unseren Kampflinien.�</p><p>�Gut�, sagte Ivar Forkbeard. �Vielleicht �ffnen sie die Mauer f�r uns.�</p><p>Aber das Viereck hielt. Kein Kur r�hrte sich von seinem Platz.</p><p>Aufgebracht wandte sich Svein Blue Tooth ab.</p><p>�Dein Plan hat nicht geklappt�, sagte Ivar Forkbeard.</p><p>�Ja�, erwiderte Svein Blue Tooth grimmig. �Sie warten auf die Nacht.�</p><p>Ich sah den Kur-General in dem gro�en Viereck, den riesigen Kur mit dem goldenen Ring am linken Arm, der meines Wissens keine milit�rische Bedeutung hatte. Viele Kurii tragen solche Ringe an den Armen und um den Hals. �Manchmal�, sagte ich, �reagieren die Kurii ganz automatisch auf Blut.�</p><p>�Blut haben sie jetzt genug gehabt�, erwiderte Ivar Forkbeard. �Die Luft ist f�rmlich damit getr�nkt.�</p><p>Ich warf Ivar Forkbeard einen Blick zu, den er grinsend erwiderte.</p><p>�Wir brechen das Viereck�, sagte ich zu Svein Blue Tooth. �Und zwar in einer Stunde. Sucht inzwischen alles an Nahrung und Wasser zusammen, was ihr finden k�nnt. Gebt den M�nnern zu essen und zu trinken. Dann seid bereit.�</p><p>Svein Blue Tooth sah uns an, als h�tten wir den Verstand verloren. �Gut�, sagte er. Seine Finger drehten den blauen Zahn des Hunjerwals.</p><empty-line/><p>Die Kurii hoben gespannt die K�pfe. Sie hatten das Grollen geh�rt, ehe es f�r menschliche Ohren vernehmbar wurde. Die Erde begann zu zittern.</p><p>Staub wallte wie Rauch empor.</p><p>Die Ungeheuer sahen sich an.</p><p>Im n�chsten Augenblick erdr�hnte Hufgetrappel, das Bellen der Bosks wurde lauter.</p><p>Zu Hunderten rasten die Tiere heran � mit trommelnden Hufen und gesenkten K�pfen st�rmten sie gegen das Viereck der Kurii an. Obwohl Ivar und ich und hundert M�nner br�llend hinter der Herde herjagten, h�rten wir das verbl�ffte Kreischen der Kurii. Wir h�rten das Kratzen von H�rnern auf Metall, die Schreie der aufgespie�ten Ungeheuer, das Heulen der Kurii, die von Hufen zertrampelt wurden. Es gibt nichts auf Gor, das der Gewalt eines fliehenden Bosk widersteht. Sogar Larls r�cken vor einer solchen Attacke aus. Die Herde walzte das Viereck nieder und st�rmte langsamer werdend auf die H�nge des Tals zu. Bet�ubte, verwirrte Kurii taumelten hin und her und sahen sich der angreifenden Horde Svein Tooths gegen�ber. Die Attacke begann, w�hrend die letzten Bosks noch �ber die Stelle dahinrasten, an der sich das Viereck befunden hatte. Kreischende M�nner tauchten mit erhobenen �xten aus dem Staub auf und fielen �ber die demoralisierten Kurii her. Die Ungeheuer hatten keine Zeit, sich neu zu formieren. Heulend ergriffen sie die Flucht, und Gruppen von M�nnern nahmen die Verfolgung auf.</p><p>�La�t nicht nach! Verfolgt sie!� br�llte Blue Tooth. �Keine Gnade!�</p><p>Wieder wurde das Lager zu einem Gewirr von Einzelk�mpfen, doch nun waren die Kurii entschieden im Nachteil und ergriffen die Flucht, sobald sich ihnen die Gelegenheit dazu bot. Wandten sie sich nach Norden, lie�en wir sie ziehen, denn dort lauerten seit dem fr�hen Morgen vierhundert Bogensch�tzen im Hinterhalt. Ein Ausweg l��t den Gegner �berhaupt erst an Flucht denken; ein in die Ecke getriebener verzweifelter Gegner ist doppelt gef�hrlich; ein Gegner, der noch einen letzten Ausweg zu haben glaubt, denkt eher an den R�ckzug.</p><p>Ivar und ich schritten durch das brennende Lager. M�nner folgten uns. Wir bahnten uns einen Weg zwischen den verkohlten und ausgeraubten Zelten Thorgards von Scagnar hindurch. Im Tal brannten noch immer tausend Feuer. Da und dort waren K�pfe von Kurii auf Pf�hle gespie�t worden. Wir stiegen �ber zerbrochene �xte, zerschmetterte Zeltstangen und zerrissene Zelth�ute der Kurii-Unterk�nfte. Wir kamen an einem Dutzend M�nner vorbei, die Bierkr�ge leerten. Zweihundert Meter vor uns erklang ein Seemannslied. Wir sahen einige M�nner, die einen Kur gefangen hatten. Ein schweres Holzst�ck lag zwischen seinen F�ngen und war dort mit Lederschn�ren festgezurrt. Das Wesen blutete an der Schl�fe. Seine Klauen waren vor dem Bauch zusammengebunden. Die M�nner trieben das Wesen mit Speersch�ften zwischen sich hin und her. �Knie nieder! Roll dich herum!� befahl einer der K�mpfer. �berall lagen Tote im Gras, zumeist Kurii � denn die �berraschung und die Wut war auf unserer Seite gewesen. Wir beobachteten f�nf M�nner, die um ein Feuer sa�en und den Schenkel eines Kur r�steten. Der Geruch war schwer und s��lich. In der Ferne ragte der Gipfel des Torvaldsberges auf. Ich sah Hrolf aus dem Osten, den b�rtigen Riesen, der sich gelassen auf seinen Speer st�tzte und �ber das Schlachtfeld schaute.</p><p>�Ivar! Ivar!� rief eine Stimme.</p><p>Forkbeard hob den Kopf und sah Ottar am niedergebrannten Zelt Thorgards von Scagnar stehen. Er winkte uns heran.</p><p>�Hier gibt es Gefangene und reiche Beute!� rief Ottar und deutete auf elf M�nner Thorgards von Scagnar. Man hatte ihnen Helme, G�rtel und Waffen abgenommen und ihnen Ketten um den Hals gelegt.</p><p>�Verkauft sie als Sklaven in Lydius�, sagte Forkbeard und wandte sich ab.</p><p>Dann durchst�berte er die Kisten und Truhen und Beutel. Dicht daneben knieten Thorgards M�dchen. Es waren siebzehn. Sie sahen ziemlich zerzaust und niedergeschlagen aus.</p><p>�Thorgard von Scagnar!� rief eine Stimme. Wir drehten uns um. Thorgard von Scagnar, zerrissen, zerlumpt und blutbesudelt, war an einen abgebrochenen Speerschaft gefesselt worden; man hatte ihm die Arme zur�ckgewinkelt und die Stange zwischen Ellbogen gelenken und R�cken durchgeschoben. Seine Handgelenke waren seitlich am Brustkorb gefesselt. Ein einfaches Seil lag um seinen Hals, und Gorm zerrte ihn daran vor Ivar Forkbeard.</p><p>Mit entsetztem Blick musterte der Gefangene den Mann von Forkbeards Heimstatt. �Du geh�rst jetzt mir�, sagte Forkbeard und sah sich im Kreis um. �Bringt meine neuen Sklavinnen ins Gehege�, befahl er Olga, die die M�dchen f�r ihn bewacht hatte. W�hrend die Sklavinnen zusammengetrieben und abgef�hrt wurden, wandte sich der gro�e Torvaldsl�nder wieder an Thorgard von Scagnar.</p><p>�Einige seiner M�nner sind entkommen�, sagte Gorm. �Sollen wir ihn entkleiden?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Knie nieder�, sagte Gorm zu Thorgard von Scagnar und stie� ihn mit einem Speerschaft an.</p><p>�Nein�, sagte Forkbeard.</p><p>Die beiden M�nner sahen sich an. Dann sagte Forkbeard; �Schneide ihn los!�</p><p>Gorm gehorchte.</p><p>�Gib ihm ein Schwert�, befahl Forkbeard.</p><p>Auch das geschah, und die M�nner und Hilda traten zur�ck, machten den beiden M�nnern Platz. Thorgard packte den Schwertgriff. Der Himmel hatte sich bew�lkt. �Du warst schon immer ein Dummkopf!� sagte Thorgard zu Forkbeard.</p><p>�Jeder Mann hat seine Schw�chen�, erwiderte Ivar.</p><p>Pl�tzlich stie� Thorgard von Scagnar einen Wutschrei aus. Sein Bart wehte zur Seite, als er � jetzt wieder bewaffnet � auf seinen Gegner zust�rmte, der den Schlag m�helos abwehrte. Ich konnte die Wucht des Schlages an der Art und Weise beurteilen, wie Forkbeards Klinge darauf reagierte. Thorgard war ein ungeheuer kr�ftiger Mann. Ich war �berzeugt, da� er den Waffenarm manches Gegners durch schiere Gewalt erm�den konnte, und wenn der Gegner dann ersch�pft war und nicht mehr reagieren konnte, erzwang er mit gro�er Entschlossenheit und Kraft den Sieg. Ich kannte die Kampfesweise solcher M�nner.</p><p>Aber ich nahm nicht an, da� Forkbeard so schnell erm�den w�rde. Auf seinem Schiff sa� er nicht selten selbst an den Rudern. Er fing die gewaltigen Hiebe, die st�hlernen Donnerschl�gen glichen, mit seiner Klinge ab und lenkte sie zur Seite. Aber er selbst griff selten an.</p><p>Hilda hockte im Schlamm, die H�nde vor den Mund gehoben, und verfolgte den Kampf der beiden Riesen mit ver�ngstigten Blicken. Denn die m�chtigen Hiebe forderten ihren Tribut nat�rlich auch vom Arm des Angreifers.</p><p>Pl�tzlich trat Thorgard zur�ck. Forkbeard grinste ihn an. Er war nicht im geringsten geschw�cht. Thorgard aber war auf der Hut und machte einen weiteren Schritt r�ckw�rts. Forkbeard folgte ihm. Ich sah Ersch�pfung in den Augen Thorgards � und zum erstenmal auch Angst. Er hatte viel Kraft vergeudet.</p><p>�Ich bin hier der Dummkopf�, sagte Thorgard.</p><p>�Das konntest du nicht wissen�, erwiderte Forkbeard.</p><p>Und jetzt trieb Forkbeard seinen Gegner Schritt f�r Schritt zur�ck. Wir folgten den beiden K�mpfern hundert Meter weit. Er trieb seinen Gegner mit unerbittlichen Schwerthieben vor sich her.</p><p>Einmal hielten die beiden inne und sahen sich an. Der Ausgang des Kampfes schien bereits klar zu sein.</p><p>Und dann folgten wir den beiden den Talhang hinauf, bis zu einer hohen Klippe �ber dem Thassa.</p><p>Es verwirrte mich, da� Forkbeard den entscheidenden Schlag noch nicht getan hatte.</p><p>Jetzt konnte Thorgard von Scagnar nicht weiter zur�ckweichen. Er stand mit dem R�cken zum Meer. Er vermochte auch den Arm nicht mehr zu heben.</p><p>Hinter ihm erstreckte sich das herrliche gr�ne Thassa. Der Himmel war bew�lkt. Es wehte ein leichter Wind, der mit seinen Haaren und seinem Bart spielte.</p><p>�Schlag zu�, sagte Thorgard.</p><p>Einige hundert Meter vor der K�ste lagen Schiffe auf dem Thassa. Eins dieser Schiffe war der Schwarze Sleen, Thorgards Schiff. Gorm hatte uns berichtet, da� einige seiner M�nner entkommen waren. Sie hatten zu dem Schiff fliehen k�nnen.</p><p>Hinter mir bemerkte ich das angespannte Gesicht Hildas.</p><p>�Schlag zu�, sagte Thorgard noch einmal.</p><p>Der Hieb w�re ganz einfach gewesen. Die M�nner Ivar Forkbeards waren au�er sich.</p><p>Ivar drehte sich zu uns um. �Ich bin ausgerutscht�, sagte er.</p><p>Gorm und andere rannten zur Klippe. Thorgard hatte die Gelegenheit genutzt und war in die Tiefe gesprungen. Wir sahen, wie er durch die Brandung schwamm. Vom Schwarzen Sleen wurde ein Boot ins Wasser gelassen, das sofort auf ihn zuruderte.</p><p>�Wie unvorsichtig von mir�, sagte Forkbeard l�chelnd.</p><p>Hilda kniete vor ihm nieder, schmiegte den Kopf an sein Bein. Tr�nen standen ihr in den Augen, als sie zu ihm aufblickte.</p><p>Daraufhin kehrten Forkbeard und ich und die anderen zu den Zelten Thorgards aus Scagnar zur�ck, wo uns bereits Svein Blue Tooth erwartete. In einiger Entfernung wurde eine lange Kette aneinandergefesselter Kurii mit Speersch�ften durch das Lager getrieben.</p><p>�Unsere Falle hat vorz�glich funktioniert�, sagte Svein Blue Tooth zu Forkbeard. �Viele hundert fliehende Kurii wurden von unseren Bogensch�tzen niedergestreckt.�</p><p>�Hat es �berlebende gegeben?� erkundigte sich Ivar.</p><p>Blue Tooth zuckte die Achseln. �Mehrere, aber ich glaube, die Torvaldsl�nder haben eine R�ckkehr der Kur-Armee nicht zu bef�rchten.�</p><p>Und das konnte stimmen. Wie zuvor mochten sich vereinzelte Kurii in den S�den verirren, doch ich nahm nicht an, da� sie sich wieder in gro�er Zahl zusammenrotten w�rden. Sie und die Torvaldsl�nder hatten erfahren, da� sich die Menschen gegen die Ungeheuer durchsetzen konnten. Diese Tatsache war in einem einsamen Tal des Nordens mit dem Blut von Kurii und Menschen bewiesen worden. Diese Demonstration blieb sicher auch nicht ohne Wirkung auf die fortschrittlichen Kurii in den Stahlwelten. Ich, Tarl Cabot, der die Dienste der Priesterk�nige quittiert hatte, war ihnen dennoch an diesem entlegenen Ort n�tzlich gewesen. Forkbeard und ich hatten im Torvaldsberg den Kriegspfeil gefunden, und dieser Pfeil hatte seine Kraft an andere Pfeile weitergegeben, die in Hunderte von D�rfern und Lagern zu den freien M�nnern des Nordens getragen worden waren. Und gemeinsam mit diesen M�nnern am hatte ich gek�mpft. Dies k mir seltsam vor. Ich dachte an den goldh�utigen Misk, den Priesterk�nig, der einmal vor langer Zeit mit seinen F�hlern die Innenfl�che meiner hochgereckten Hand ber�hrt und mir das Nestvertrauen ausgesprochen hatte. Doch ich schlug mir den Gedanken aus dem Kopf.</p><p>�Was soll mit den gefangenen Kurii geschehen ?� fragte ich Svein Blue Tooth und deutete auf die gefangenen Ungeheuer, die an uns vor�bergetrieben wurden.</p><p>�Wir werden ihnen die Z�hne ausbrechen und die Krallen ausrei�en. Und dann sollen sie uns in Ketten als Lasttiere dienen.�</p><p>Der gro�e Plan der Anderen, der Kurii aus den Stahlwelten, war fehlgeschlagen. Eingeborene Kurii, auf primitive Waffen beschr�nkt, waren offenbar nicht in der Lage, Gor zu erobern und die Priesterk�nige im Sardargebirge zu isolieren, bis sie vernichtet oder dazu verleitet werden konnten, ihre eigenen Waffengesetze zu verraten, weil sie die Menschen bewaffnen mu�ten, oder ihre eigene Technologie einsetzen mu�ten, was f�r die Kurii in den Stahlwelten sehr interessant gewesen w�re. Der Plan war brillant gewesen, hatte aber wenig auf das Leben der Kurii R�cksicht genommen. Der Fehlschlag der Kurii-Invasion gab dem gro�en Krieg nat�rlich eine neue Dimension. Ich fragte mich, welche Ersatzpl�ne jetzt wohl in Angriff genommen w�rden. Vielleicht gab es solche Pl�ne schon seit Jahren oder Jahrhunderten. Ich betrachtete die Reihe der gefesselten Kurii. Sie hatten versagt. Doch sicher waren schon andere, frische Kurii in den Stahlwelten am Werk, in den Kommandozentralen und Kartenr�umen, um neue Befehle zu geben, noch ehe die Asche in diesem entlegenen Tal des Nordens abgek�hlt war. Ich sah mich auf dem Schlachtfeld um, unter dem wolkigen Himmel. Sicher waren schon neue verschl�sselte Anweisungen zwischen den fernen Stahlwelten ausgetauscht worden. Der Kur ist ein aggressives Wesen. Seine Evolution scheint ihn nur f�r ein Leben in Vorherrschaft zu pr�destinieren. Ivar Forkbeard und Svein Blue Tooth mochten sich zu ihrem Sieg gratulieren. Ich, der ich die Kurii und die Kriegsgeheimnisse der Priesterk�nige besser kannte, nahm an, da� dies nicht das letzte Wort der Ungeheuer war.</p><p>Doch diese Gedanken sollten sich andere machen, nicht Bosk aus Port Kar, nicht Tarl Rothaar. Sollten doch andere f�r die Priesterk�nige k�mpfen, sollten andere in den Krieg ziehen! Wenn ich in dieser Hinsicht einmal verpflichtet gewesen war, so hatte ich diese Schuld l�ngst abgetragen.</p><p>Zum erstenmal seit meiner Abreise aus Port Kar f�hlte sich die linke Seite meines K�rpers seltsam kalt und taub an. Eine Sekunde lang konnte ich den linken Arm und das linke Bein nicht bewegen und w�re fast gest�rzt. Dann war der Anfall vor�ber. Auf meiner Stirn stand Schwei�. Das Gift von den Klingen aus Tyros lauerte noch immer in meinem Blut.</p><p>Ich war nach Norden gekommen, um die Ermordung Telimas zu r�chen. Dieser Entschlu�, mein Ha�, hatte mich angetrieben. Doch schien ich meine Mission nicht erf�llt zu haben. In meinem Beutel ruhte das Armband, das mir Ho-Hak in Port Kar gegeben hatte, das Armband von der Stelle, an der Telima angegriffen worden war.</p><p>�Alles in Ordnung?� fragte Ivar.</p><p>�O ja�, sagte ich.</p><p>�Ich habe deinen Bogen und die Pfeile gefunden�, sagte Gorm. �Sie waren in der Beute.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich, pr�fte den Bogen und h�ngte mir die Waffe �ber die Schulter.</p><p>�In vier Tagen soll ein gro�es Fest stattfinden, wenn wir gen�gend Vorr�te zusammenbekommen�, sagte Svein Blue Tooth. �Es war ein gro�er Sieg!�</p><p>�Ja�, sagte ich, �la�t uns feiern, denn wir haben einen gro�en Sieg errungen.�</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Der Kur kam am gleichen Abend, am Abend nach der Schlacht, im Licht von Fackeln. Zahlreiche Speertr�ger umringten das Ungeheuer. Zum Zeichen des Friedens hielt es die beiden Teile einer zerbrochenen Axt �ber den Kopf.</p><p>Bewaffnete hielten sich in der N�he auf.</p><p>Der Kur blieb vor Svein Blue Tooth und Ivar Forkbeard stehen und legte vor ihnen die St�cke der Axt auf den Boden.</p><p>Dann blickte er sich in der Menge um.</p><p>Zur Verbl�ffung der Zuschauer wandte sich das Ungeheuer nicht an Svein oder Ivar, sondern kam auf mich zu.</p><p>Ich schob Leah zur Seite und stand auf.</p><p>Die Lippen des Ungeheuers entbl��ten die Z�hne. Es ragte riesig vor mir auf.</p><p>Der Kur sagte kein Wort, sondern griff in einen Beutel, der �ber seiner Schulter hing, und reichte mir ein zusammengerolltes St�ck Papier, das seltsamerweise mit einem B�ndchen zusammengebunden worden war.</p><p>Dann kehrte er zu Svein Blue Tooth und Ivar Forkbeard zur�ck und hob die Bruchst�cke der Axt wieder auf.</p><p>�rgerliches Murmeln wurde in der Menge laut. Speere wurden gesenkt.</p><p>Svein Blue Tooth richtete sich auf. �Der Friede des Lagers sch�tzt ihn�, rief er.</p><p>Von Bewaffneten geleitet, verlie� der Kur unser Lager.</p><p>Die Augen der anderen waren auf mich gerichtet. Ich �ffnete die Nachricht und entrollte sie.</p><p>�Wo liegt das Felsenriff von Vars?� fragte ich.</p><p>�F�nf Pasang im Norden�, erwiderte Ivar Forkbeard. �Und zwei Pasang vor der K�ste.�</p><p>�Bring mich dorthin.�</p><p>�Gut.�</p><p>Ich zerkn�llte das Papier und steckte es ein. In dem Bogen befand sich ein langes blondes Haar. Es war ein Haar Telimas.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Das M�dchen trat vor mich hin. Sie trug ein langes wei�es Kleid. Sie warf die Kapuze zur�ck und sch�ttelte ihr herrliches blondes Haar.</p><p>�Ich war dumm!� sagte ich. �Ich bin in den Norden gekommen, weil ich annahm, da� man dich get�tet hatte. Ich bin nach Norden gekommen � aufgrund eines Tricks!�</p><p>Die Morgend�mmerung war nicht mehr fern. �Es war n�tig�, sagte sie.</p><p>Das Felsenriff von Vars mi�t ungef�hr hundert goreanische Fu� im Quadrat. Ein eckiger, aber einigerma�en flacher Felsbrocken, der sich f�nfzehn bis zwanzig Fu� aus dem Wasser erhebt.</p><p>�Bist du unbewaffnet?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich habe dieses Treffen arrangiert. Aber nicht ich wollte dich sprechen.�</p><p>�Das hatte ich auch nicht angenommen. Handelst du aus eigenem Antrieb?�</p><p>�Ja�, erwiderte sie und richtete sich auf. �In den S�mpfen haben sich die Kurii mit mir in Verbindung gesetzt.� Sie sah mich an. �Sie wollen den Frieden.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Das ist wahr�, sagte sie �rgerlich. �Sicher f�llt es dir schwer, so etwas zu glauben. Aber die Kurii sind des K�mpfens �berdr�ssig. Sie brauchen einen Gesandten, einen Mann, den die Priesterk�nige kennen, der aber unabh�ngig von ihnen ist, einen Mann, den sie respektieren, der Urteilsverm�gen und Verhandlungsgeschick besitzt und der den Priesterk�nigen die Vorschl�ge der Kurii unterbreitet.�</p><p>�Ich dachte, du w��test nur wenig von solchen Dingen�, sagte ich.</p><p>�Das Wenige, das ich wei�, gen�gt v�llig. Ein m�chtiger Kur hat in den S�mpfen mit mir gesprochen, ein h�fliches, zur�ckhaltendes Wesen. Ein direkter Kontakt w�re problematisch gewesen, So etwas l��t sich schwer in Gang bringen, ohne da� die Priesterk�nige davon erfahren.�</p><p>�Also hast du so getan, als w�rst du in den S�mpfen umgebracht worden. Ein Kur wurde gesehen, dein Armband wurde im Rence gefunden.. .�</p><p>�Und jetzt bist du hier�, sagte sie l�chelnd. �Dies ist der erste Akt in dem Drama, durch das zwischen verfeindeten V�lkern Frieden geschaffen wird.�</p><p>�Dein Plan war brillant�, sagte ich. �Nur kommt er reichlich sp�t. Es ist auf beiden Seiten viel Blut geflossen. Viele Unschuldige mu�ten sterben.�</p><p>Ich blickte �ber Telimas Schulter. Am Felsrand tauchte zuerst der Kopf, dann die Schultern, dann der K�rper eines Kur auf, der den Hang der Klippe erklomm. Er war fast neun Fu� gro�, eine Gr��e, die selbst f�r einen Kur ungew�hnlich war. Sein Gewicht sch�tzte ich auf neunhundert Pfund. Seine Arme mochten sieben Fu� lang sein. Um den linken Arm trug er ein goldenes Spiralband. Auf der Schulter des Wesens ruhte ein langer flacher Gegenstand, der in ein purpurnes Tuch geschlungen war. Ich kannte den Kur. Dieses Wesen hatte zu den Torvaldsl�ndern gesprochen. Dieses Wesen war in der Nacht des Angriffs in der Halle Svein Blue Tooths gewesen. Dieses Wesen hatte die Kurii bei dem �berfall auf das Lager gef�hrt. Sicher war er ein Kur von den Stahlschiffen.</p><p>Ich neigte den Kopf. �Wir sind uns schon begegnet, nicht wahr?�</p><p>Zwanzig Fu� von mir entfernt hockte sich der Kur hin.</p><p>�Ich m�chte dir Rog vorstellen, den Friedensgesandten der Kurii�, sagte Telima.</p><p>�Bist du Tarl Cabot?� fragte das Ungeheuer.</p><p>�Ja.�</p><p>�Bist du unbewaffnet?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir haben dich schon einmal t�ten wollen, in Port Kar, durch Gift.�</p><p>�Ja, aber der Versuch ist fehlgeschlagen.�</p><p>Er wickelte den Gegenstand aus, der vor ihm lag.</p><p>�Leider kennst du die Lebensgewohnheiten der Kurii nicht, die Organisation unserer Dynastien und Klans � um Begriffe zu verwenden, die du verstehst: In meinem Volk bin ich ein Prinz, nicht dem Blute nach, sondern im Kampf � denn nur auf diese Art gewinnt man bei uns Anerkennung. Ich bin zum F�hren ausgebildet. Ich sage dies, damit du begreifst, welche Ehre dir zuteil wird. Die Kurii kennen dich, und obwohl du ein Mensch bist, erweisen sie dir diese Ehre.�</p><p>Mit diesen Worten nahm er den Gegenstand aus dem Tuch. Es war eine riesige Kurii-Axt.</p><p>�Du bist ein gro�artiger Gegner�, sagte ich. �Ich habe deine Schlauheit und T�chtigkeit bewundert. Dein T�uschungsangriff im Lager war ein Meisterwerk. Da� du unter Ungeheuern wie den Kurii f�hrend bist, sagt viel �ber deine Qualit�ten aus, �ber deine St�rke und deinen Intellekt. Obwohl ich nur ein Mensch bin, obwohl ich kein Kur und auch kein Priesterk�nig bin, gr��e ich dich.�</p><p>�Ich w�nschte, ich h�tte dich besser gekannt, Tarl Cabot.�</p><p>Und das Wesen stand auf, die Axt mit beiden H�nden haltend. Telima starrte mit aufgerissenen Augen auf die Waffe und stie� einen Schrei aus. Mit einer Klaue schob das Ungeheuer sie zur Seite.</p><p>Es hob die Axt.</p><p>�H�ttest du mich besser gekannt�, sagte ich, �w�rst du nicht auf dieses Felsenriff gekommen.�</p><p>Die Axt wurde weit nach hinten geschwungen, zum Endpunkt des Bogens, bereit zu dem blitzenden, flachen Hieb, der mich in zwei Teile hauen sollte. Doch pl�tzlich hielt das Ungeheuer inne. Es hatte den Tuchukstahl nicht aufblitzen sehen, das Sattelmesser mit der ausbalancierten Klinge, die ich aus meinem �rmel hatte gleiten lassen, ehe sie durch die Luft scho�. Mit blitzenden Augen begann das Wesen zu taumeln, es verstand nicht, was mit ihm vorging � da erst erblickte es den Griff, der aus der gewaltigen Brust ragte, w�hrend sich die Spitze in das m�chtige Herz gebohrt hatte. Der Kur machte zwei unsichere Schritte vorw�rts. Dann st�rzte er, und die Axt polterte auf die Felsen. Kamchak von den Tuchuks hatte es mir vor langer Zeit eingesch�rft: An einen Ort, den man unbewaffnet aufsuchen soll, mu� man erst recht eine Waffe mitnehmen.</p><p>�Ich dachte, die Menschen w�ren ehrenhaft�, murmelte der Kur.</p><p>�Darin irrst du�, erwiderte ich.</p><p>Die Lippen des Kur wurden zur�ckgezogen. Auf seine Art war es eine erschreckende Grimasse, doch ich sah dies anders: Es war das L�cheln eines Kur.</p><p>So starb das Wesen.</p><p>Ich richtete mich auf und sah Telima an. Sie stand etwa zehn Fu� von mir entfernt und hatte die H�nde vor die Lippen gehoben.</p><empty-line/><p>�Tarl! Tarl Rothaar!� rief eine Stimme. Es war Ivar Forkbeard. Ich sah das Boot, in dem vier Fackeln brannten, und die M�nner an den Rudern, die das Boot zum Felsenriff man�vrierten.</p><p>Ich stand oben auf dem Felsenriff. Vorsichtig tastete ich mich am Hang hinab, dem Boot entgegen.</p><p>Auf einem winzigen Felsvorsprung dicht �ber dem Wasser traf ich Ivar Forkbeard.</p><p>Die M�nner hielten den Atem an. Ich schwenkte mit der rechten Hand den abgeschlagenen Kopf des Kur. In meinem G�rtel steckte der goldene Spiralring, den ich vom Arm des Wesens gestreift hatte. An meinem G�rtel war auch das Seil festgemacht, das zu dem Ring an Telimas Sklavenkragen f�hrte. Sie kniete links von mir.</p><p>�Ich habe hier drei Dinge�, sagte ich, �die ich auf dem Felsenriff erworben habe. Der Kopf des Kur, der die Kur-Armee angef�hrt hat, ein goldener Spiralring, den ich ihm nach dem Tod abgenommen habe, und ein Sklavenm�dchen!�</p><p>Ich warf den Kopf ins Boot, lie� den Ring folgen, nahm das gefesselte M�dchen hoch und trug sie bis an die Bordwand.</p><p>Sie sah mich an. Ich hielt einen Moment lang inne, dann warf ich sie zwischen die Ruderer.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>�Ich m�chte etwas sagen!� br�llte Svein Blue Tooth, hob ein Met-Horn und stand auf. �Der Bann�, sagte er, �der von der Halle Blue Tooths gegen die Person Ivar Forkbeards aus Forkbeards Heimstatt verh�ngt wurde, wird hiermit in dieser Halle und im Namen Svein Blue Tooths, Jarl von Torvaldsland, aufgehoben!�</p><p>Gro�er Jubel brach los.</p><p>�Damit zusammenh�ngende Beschuldigungen und Forderungen�, fuhr Blue Tooth fort und versch�ttete etwas von seinem Met, �werden zur�ckgenommen!�</p><p>Und wieder brandeten Freudenschreie auf zwischen den verkohlten W�nden, in der schwarzen Asche, zwischen den geschw�rzten herabgefallenen Dachbalken von Blue Tooths Halle, in deren Ruinen die Tische und B�nke f�r das Fest aufgestellt worden waren. Zahlreiche Fackeln und Lampen � Schalen mit �l an Speeren befestigt � erhellten die Szene. Hell leuchtete auch das lange Feuer in der Halle, �ber dem Tarsk und Bosks hingen, die von Sklavinnen am Spie� gedreht wurden.</p><p>�Svein Blue Tooth und ich�, sagte Ivar Forkbeard und stand auf, wobei ihm Hilda vom Scho� rutschte, �haben gewisse Meinungsverschiedenheiten gehabt.�</p><p>Die M�nner lachten. Auf Forkbeards Kopf war ein Preis ausgesetzt gewesen. Blue Tooth hatte ihm nach dem Leben getrachtet.</p><p>�Und�, sagte er, �es ist denkbar, da� wir wieder Meinungsverschiedenheiten haben.�</p><p>Wieder br�llten die M�nner vor Lachen.</p><p>�Wenn ein Mann ein bedeutender Mann sein will, braucht er gro�e Feinde.� Forkbeard hob seinen Metkrug und prostete Svein Blue Tooth zu. �Du bist ein gro�er Mann, Svein Blue Tooth, und du bist ein gro�er Gegner gewesen.�</p><p>�Wenn es in meiner Macht steht�, sagte Blue Tooth, �will ich dir nun ein ebensoguter Freund sein.�</p><p>Mit diesen Worten sprang Blue Tooth auf den Tisch, und Forkbeard tat es ihm nach. Dann eilten die beiden M�nner aufeinander zu und umarmten sich weinend.</p><p>Kaum ein Auge blieb trocken in den Ruinen der gro�en Halle, im Licht der Fackeln, unter den Sternen. Im Hintergrund schimmerte der Gipfel des Torvaldsberges im Licht der drei Monde.</p><p>Svein Blue Tooth hatte den Arm um Forkbeard gelegt und rief heiser: �Von diesem Tag an soll Ivar Forkbeard zu den Jarls von Torvaldsland geh�ren!�</p><p>Wir standen auf und bejubelten die Ehre, die Blue Tooth meinem Freund erwies.</p><p>Aber w�hrend die M�nner sich noch freuten und mit den Waffen gegen ihre Schilde schlugen, blickte ich auf die Stelle in der Halle, wo auf einem gro�en Pfahl der riesige Kopf des Kur aufgespie�t war, den ich auf dem Felsenriff von Vars get�tet hatte. Wenn ein Mann wirklich bedeutend sein will, hatte Forkbeard gesagt, braucht er gro�e Gegner. Ich betrachtete den zottigen schwarzen Kopf des Kur. Ich fragte mich, ob diese Menschen ahnten, wie gro� ihr Gegner wirklich war. Und ich fragte mich, ob die Menschen, die in mancher Hinsicht so engherzig und schwach waren, solchen Gegnern �berhaupt gewachsen waren. Der Kur war durch seine Evolution f�r eine f�hrende Rolle bestens ausger�stet � er war wirklich ein gro�er Gegner. Ich war mir nicht sicher, ob auch der Mensch ein gro�er Gegner war, ob er es an Wildheit und Intelligenz mit einem solchen Ungeheuer aufnehmen konnte. Auf seiner Heimatwelt hat der Mensch keine nat�rlichen Feinde au�er vielleicht sich selbst. Hier hatte der Mensch nun einen Gegner, ein hochintelligentes Raubtier. Kam er gegen dieses Ungeheuer an? Ich fragte mich, welche Rolle dem Menschen in der Ordnung der Dinge zukam.</p><p>�Geschenke!� rief Ivar Forkbeard. Seine M�nner schleppten Kisten, Truhen und S�cke herbei. Sie sch�tteten den Inhalt vor dem Tisch aus. Es waren die Beutest�cke aus dem Tempel von Kassau und die Saphire von Shendi, die zu dem Wergeld hatten geh�ren sollen, das Svein Blue Tooth gefordert hatte. Knietief watete Ivar in den Sch�tzen und schleuderte die Kostbarkeiten durch die Halle. Seine M�nner verteilten die Reicht�mer. Ich sah Hrolf, den geheimnisvollen Torvaldsl�nder aus dem Osten, der einen Edelstein aus einem Kelch nahm. Er schob den Stein als Erinnerungsst�ck in seinen Beutel. Ivar Forkbeard kam pers�nlich zu mir und dr�ckte mir einen wertvollen Saphir aus Shendi in die Hand. �Vielen Dank, Ivar Forkbeard�, sagte ich und tat es Hrolf nach; ich steckte den Edelstein in meinen G�rtelbeutel.</p><p>�Ivar!� br�llte Svein Blue Tooth, als die Beute verteilt war, und deutete auf Hilda, die sich in ihrem Sklavenkragen an Forkbeard schmiegte. �Willst du das h�bsche kleine Ding nicht auch noch weggeben?�</p><p>�Nein!� rief Forkbeard lachend. �Dieses h�bsche St�ck behalte ich f�r mich!� Und er nahm Hilda in die Arme.</p><p>�G�ste!� rief ein Mann. �G�ste vor der Halle des Svein Blue Tooth!�</p><p>Wir blickten zu der Stelle hin�ber, wo sich die gewaltigen Portale befunden hatten.</p><p>�Hei�t sie willkommen�, sagte Blue Tooth und verlie� den Tisch, um seine G�ste mit einer Schale Wasser und einem Handtuch zu begr��en. �Erfrischt euch�, sagte er, �und tretet ein.�</p><p>Zwei M�nner und ihre Gefolgschaft erwiderten den Gru�. Sie wuschen sich H�nde und Gesicht und traten vor. Ich stand auf.</p><p>�Wir haben dich gesucht�, sagte Samos aus Port Kar. �Ich hatte schon Angst, da� wir zu sp�t kommen k�nnten.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>Er wandte sich um und betrachtete den zottigen Kopf des Kur.</p><p>�Was ist denn das?� fragte er.</p><p>�Ein Grendel�, erwiderte ich.</p><p>�Was hei�t das?�</p><p>�Ein Spa߫, sagte ich.</p><p>Doch neben mir hob Leah erschrocken eine Hand an den Mund.</p><p>Ich sah sie an. �Ja�, sagte ich.</p><p>Sie kam von der Erde, sie war dort ein freies M�dchen gewesen. Sie begriff, was ich meinte. Ja, die Kriege zwischen den Priesterk�nigen und ihren Gegnern, den Kurii, tobten schon sehr lange. Ich wu�te nicht, wann es zu den ersten Kontakten gekommen war, wann den Priesterk�nigen bewu�t geworden war, da� in ihrem System Besucher aufgetaucht waren, gef�hrliche Eindringlinge, die neuen Lebensraum erobern wollten. Ich hielt es f�r denkbar, da� der Grendel in den Sagen der Erde ein Kur gewesen war, vielleicht der �berlebende eines Raumschiffabsturzes oder ein Kundschafter.</p><p>�Warum habt ihr mich gesucht?� fragte ich.</p><p>�Das Gift�, erwiderte er, �von den Schwertern Sarus' aus Tyros flie�t noch immer in deinem K�rper.�</p><p>�Es gibt kein Gegenmittel�, sagte ich. �Iskander aus Turia hat mir das gesagt. Er kannte das Gift.�</p><p>�Herr�, sagte der Mann neben Samos. �Ich bringe dir das Gegenmittel.�</p><p>�Du bist Sarus aus Tyros�, sagte ich. �Du wolltest mich gefangennehmen und sogar t�ten. Wir sind uns in den W�ldern als Feinde begegnet.�</p><p>�Sprich, Kapit�n�, sagte Samos zu Sarus.</p><p>Sarus sah mich an. Er war ein hagerer, narbenbedeckter Mann mit hellen Augen. Er entstammte keiner hohen lyrischen Familie, hatte jedoch eine steile Karriere als Seefahrer hinter sich.</p><p>Seine Sprache war noch immer von der Hafengegend des Inselubarats Tyros gepr�gt, wo er jahrelang jugendliche Stra�enr�uberbanden angef�hrt hatte, bis er dem See-Sleen Chenbar vorgef�hrt worden war, der Gefallen an dem jungen Mann fand und ihm den Umgang mit dem Schwert beibrachte. Der junge K�mpfer war im Dienste des Ubars schnell aufgestiegen, und inzwischen galten die beiden als eng befreundet. Es gab niemanden in Tyros, so hie� es, der dem Ubar des Landes treuer ergeben war als Sarus. Und Sarus hatte nach der Befreiung Chenbars aus Port Kar den Auftrag erhalten, in die W�lder des Nordens zu reisen, um Marlenus, den Ubar von Ar, und Bosk, Admiral von Port Kar, gefangenzunehmen. Von beiden Ereignissen habe ich an anderer Stelle berichtet.</p><p>�Die Waffen meiner M�nner und auch meine Klinge wurden, ohne da� wir es wu�ten, vor unserer Abreise von Tyros mit Gift behandelt. Hierf�r ist Sullius Maximus, ein ehemaliger Ubar von Port Kar, verantwortlich.� Sullius Maximus hatte zu den f�nf Ubars geh�rt, deren Herrschaft mit der Macht�bernahme des Kapit�nsrats unter der F�hrung Samos', des Ersten Kapit�ns, zu Ende gegangen war.</p><p>Sullius Maximus, der kultivierteste der fr�heren Ubars, Chemiker, Dichter und Giftmischer, hatte in Tyros um Asyl gebeten, das ihm gew�hrt worden war.</p><p>�Ich schw�re, da� ich die Wahrheit sage�, fuhr Sarus fort. �Wir Tyrer sind Krieger und verabscheuen Gift. Bei meiner R�ckkehr nach Tyros erkundigte sich Sullius, ob unsere Gegner verwundet worden waren, und ich berichtete ihm, da� wir dich tats�chlich verletzt h�tten. Er stimmte ein wahnsinniges Gel�chter an, das mich besorgt machte. Ich pre�te ihm die Wahrheit ab � und bin seither nicht mehr zur Ruhe gekommen. Ich und der Rest meiner M�nner haben dir das Leben zu verdanken. Marlenus h�tte uns mit nach Ar genommen und dort zu Tode gefoltert, wenn du nicht eingegriffen und uns wie Krieger und Schwertbr�der behandelt h�ttest. Ich verlangte ein Gegenmittel. Als mich Sullius verlachte, zerrte ich ihn vor den Ubar und berichtete ihm, welche Schande dem Ubarat angetan worden war.</p><p>Der Ubar drohte Sullius an, er w�rde ihm in genau zehn Tagen mit dem Gift, das sich ja noch an unseren Klingen befindet, einige Wunden beibringen. Und er riet ihm, bis dahin ein Gegenmittel zu finden. Voller Angst hat sich Sullius Maximus sofort ans Werk gemacht.� L�chelnd hob Sarus ein Fl�schchen mit einer purpurnen Fl�ssigkeit.</p><p>�Hat man es ausprobiert?� fragte Samos.</p><p>�An Sullius Maximus�, sagte Sarus. �Man brachte ihm am zehnten Tag an den Armen und im Gesicht giftige Schnitte bei, die einige Tage sp�ter mit dem Gegenmittel behandelt wurden. Und das Mittel hat gewirkt. Sullius Maximus befindet sich wieder am Hof Chenbars, ziemlich ern�chtert, doch er dient noch immer als Gelehrter und Berater. �brigens mi�f�llt ihm die Entstellung seines Gesichts sehr. Er hat wenig f�r mich �brig, und auch nicht f�r dich. Bosk aus Port Kar.�</p><p>�Er hat dich �Bosk aus Port Kar� genannt?� sagte Ivar Forkbeard neben mir.</p><p>Ich l�chelte. �So werde ich manchmal genannt.�</p><p>Sarus reichte mir das Fl�schchen.</p><p>�Allerdings�, fuhr Sarus fort, �ist die Einnahme dieses Mittels von Delirium und Fieber begleitet, doch schlie�lich befreit sich der K�rper von dem Gift und dem Gegenmittel. Ich �berreiche dir das Mittel, Bosk aus Port Kar, mit der Entschuldigung meines Ubars Chenbar und meiner eigenen, eines Seemanns in seinen Diensten.�</p><p>�Ich bin �berrascht�, sagte ich, �da� der See-Sleen Chenbar so um mein Wohlergehen besorgt ist.�</p><p>Sarus lachte. �Ihm geht es nicht um dein Wohlergehen, Herr. Er sorgt sich einzig und allein um die Ehre Tyros'. Chenbar w�rde es gr��te Freude bereiten, dir im Kampfkreis von Tyros gegen�berzutreten. Du hast ihm viel angetan � eine Niederlage, Ketten und ein Verlies, und mein Ubar vergi�t so etwas nicht.�</p><p>�Und du, Sarus?� fragte ich.</p><p>�Ich�, erwiderte Sarus schlicht. �Ich sorge mich um dein Wohlergehen, Bosk aus Port Kar. Du hast mir an der K�ste des Thassa das Leben und die Freiheit geschenkt, mir und meinen M�nnern. Das werde ich niemals vergessen.�</p><p>�Du warst ein guter Anf�hrer�, erwiderte ich. �Du hast deine M�nner, von denen einige verwundet waren, aus dem hohen Norden nach Tyros zur�ckgebracht.�</p><p>Sarus senkte den Blick.</p><p>�In meinem Haus in Port Kar gibt es immer einen Platz f�r M�nner wie dich, wenn du mir dienen m�chtest.�</p><p>�Mein Platz ist in Tyros�, erwiderte er. �Aber ich danke Euch. Trink, Bosk aus Port Kar, und stelle die Ehre Chenbars und die Ehre Sarus' wieder her.�</p><p>Ich entfernte den Korken aus der Flasche.</p><p>�Das k�nnte auch Gift sein�, meinte Samos.</p><p>Ich roch an der Fl�ssigkeit. Sie roch s��lich wie ein turianischer Sirup. �Ja�, sagte ich. �Das mag sein.� Vielleicht enthielt dieses Fl�schchen kein Gegenmittel, sondern ein teuflisches Gift, das die urspr�nglichen Pl�ne Tyros', die an der K�ste des Thassa fehlgeschlagen waren, nun doch noch erfolgreich beenden sollte.</p><p>�Trink das Zeug nicht�, sagte Forkbeard finster.</p><p>Doch nach dem Kampf hatte ich schon wieder die seltsame L�hmung gesp�rt. Kein Zweifel, das Gift kreiste noch in meinem Blutstrom, ein Gift, das mich jederzeit wieder in die bedr�ckende Einsamkeit des Krankenlagers verbannen konnte. Wenn ich nichts dagegen tat, w�rde es �ber kurz oder lang die Oberhand behalten.</p><p>�Ich werde das Mittel trinken�, sagte ich zu Forkbeard.</p><p>Ivar Forkbeard wandte sich an Sarus von Tyros. �Wenn er stirbt�, grollte er, �wird dein Tod weder schnell noch angenehm sein.�</p><p>�Ich bin deine Geisel�, sagte Sarus.</p><p>�Du, Sarus, kannst ja als erster trinken�, schlug Ivar vor.</p><p>�Dazu reicht das Mittel nicht�, meinte Sarus.</p><p>�Dann kettet ihn an�, befahl Forkbeard.</p><p>�Aber Sarus aus Tyros ist Gast in der Halle Svein Blue Tooths�, wandte ich ein.</p><p>Sarus blieben die Ketten erspart.</p><p>Ich hob vor Sarus aus Tyros das Fl�schchen. �Ich trinke�, sagte ich, �auf die Ehre Tyros'.�</p><p>Dann leerte ich es auf einen Zug.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>�Willst du nicht mit Sarus und mir nach Port Kar zur�ckkehren?� fragte Samos.</p><p>�Nein, ich fahre mit Ivar Forkbeard�, erwiderte ich l�chelnd. �Ich wei� noch immer nicht, wie man dem Angriff mit der Jarls Axt begegnet.�</p><p>�Vielleicht k�nnen wir von wichtigen Dingen sprechen, wenn du in Port Kar eintriffst�, fuhr Samos fort.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Ich glaube eine neue Einstellung zum Leben in dir zu sp�ren. Vielleicht ist es dir hier im Norden gelungen, dich selbst zu finden.�</p><p>An meiner Stirn baumelte der Talmit eines Jarls. Heute fr�h hatte mir Svein Blue Tooth unter dem Jubel der M�nner den Talmit �berreicht. �Tarl Rothaar�, hatte er gesagt, �mit diesem Talmit mache ich dich zu einem Jarl von Torvaldsland!� Die M�nner hatten mich auf ihre Schilde gehoben. �Noch nie�, fuhr Svein Blue Tooth fort, �ist ein Mann, der nicht aus dem Norden kommt, bei uns zu einem Jarl gemacht worden.� Ich war mir der gro�en Ehre bewu�t, die mir hier zuteil wurde. Als Jarl von Torvaldsland konnte ich nun aus eigenem Antrieb den Kriegspfeil losschicken und Helfer herbeirufen. Ich konnte �ber Schiffe und M�nner befehlen, �ber die rauhen K�mpfer des Nordens. �Ich bin dir sehr dankbar�, sagte ich zu Svein Blue Tooth.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute, Bosk von Port Kar�, sagte Samos.</p><p>�Tarl Cabot�, sagte ich.</p><p>Er l�chelte. �Ich w�nsche dir alles Gute, Tarl Cabot.�</p><p>�Und ich dir.�</p><p>�Ich w�nsche dir alles gute, Herr�, sagte Sarus.</p><p>�Und ich dir, Sarus aus Tyros.�</p><p>Samos und Sarus machten kehrt und gingen zum Schiff des Samos, mit dem sie in den Norden gekommen waren.</p><p>Ich sah den Sklavinnen zu, die Forkbeards Schiff, die Hilda, beluden. Schwere S�cke, Beutel, Kisten und K�rbe mit Gem�se, Sleenhautbeutel voller Ger�te und gef�llte Wasserschl�uche kamen an Bord � Aelgifu, Gunnhild, Olga, Schmollmund, Hilda und Thyri bereiteten die Abfahrt vor.</p><p>Ich sah Rollo an Bord kommen. Er trug seine gro�e Axt und andere Waffen. Er war der erste Ruderer.</p><p>Ich blickte zum Himmel empor, der ungemein blau war. �ber einen Tag lang war ich im Delirium gewesen, w�hrend mein K�rper den Kampf zwischen Gift und Gegengift durchstand. Ich hatte geschwitzt und geschrien und getobt, doch schlie�lich hatte ich die Felle von mir geworfen. �Ich will Fleisch�, hatte ich gesagt, �und eine Frau!� Forkbeard, der die Stunden der Pein bei mir durchwacht hatte, umfa�te meine Schultern. Er hatte hei�es Boskfleisch und Milch kommen lassen, und dann Leah zu mir auf die Felle geschickt. Sie war ein ge�btes M�dchen. Sie hatte einen herrlichen K�rper und z�rtliche H�nde und Lippen.</p><p>Dann ging ich an Bord, stellte mich an die Reling und schaute auf das Thassa hinaus. Es ging ein angenehmer Wind.</p><p>Irgendwie hatte ich mich hier im Norden ver�ndert, das wu�te ich. Den Tarl Cabot fr�herer Tage gab es nicht mehr � ich war ein anderer Mensch geworden. Es hatte einmal einen Jungen dieses Namens gegeben, einen Menschen mit einfachen, naiven, eitlen Tr�umen, die am Verrat seiner Ehrvorstellungen zerbrochen waren, an der Entdeckung einer Schw�che, wo er nur St�rken vermutet hatte. Dieser unbek�mmerte Junge war im Voskdelta gestorben; an seiner Stelle war Bosk aus Port Kar erstanden, skrupellos, verwegen � und doch unsicher; doch nun war ein anderer da, den ich vielleicht wieder Tal Cabot nennen konnte. Hier in Gesellschaft Forkbeards auf diesem Meer, in diesem Wind, in diesem Kampf, war ich ein anderer geworden. Im Norden hatte mein Blut sich selbst gefunden, hatte sich selbst erfahren; im Norden hatte ich meine St�rke erkannt, hatte ich es gelernt, f�r mich allein zu stehen.</p><p>Leah kam an Bord. Sie war barfu�. In einem Sleenhautsack trug sie meine Sachen. Ich zeigte ihr, wo sie sie zwischen den B�nken ablegen sollte.</p><p>Kurz darauf kletterte Ivar Forkbeard �ber die Planke, die das Schiff mit dem Land verband. Lachend und kichernd folgten ihm seine Sklavinnen, schlie�lich auch Ottar und Gorm und die anderen M�nner seiner Gefolgschaft. In der N�he des Masts, mit dem Halsring daran festgekettet, kniete Telima.</p><p>Die Leinen wurden losgeworfen, und die Hilda wurde mit Stangen vom Pier fortgedr�ckt. Gorm hielt das Steuer. Die Seeleute nahmen ihre Schilde von der Bordwand und verstauten ihre Sachen unter den B�nken, dann griffen sie nach den Rudern. Langsam wandte sich der Tarnkopfbug des schmalen Schiffes dem Thassa zu. Endlich senkten sich die Ruder langsam ins Wasser. Das gewaltige rotwei�gestreifte Segel fiel herab und entfaltete sich knallend. Ich wandte mich dem Land zu.</p><p>Forkbeard und ich hoben die Hand, um die dort versammelten M�nner zu gr��en. Wir sahen Svein Blue Tooth, den blauen Hunjerwal-Zahn auf der Brust. Er hob die Hand. Neben ihm sahen wir Bera und Bjarni aus dem Thorstein-Lager, der uns mit dem Speer zuwinkte. In seiner Begleitung der junge Mann, sein Freund, sein ehemaliger Schildtr�ger im Duell. Es standen viele M�nner am Ufer, die uns verabschiedeten.</p><p>In meinem Beutel lagen der Saphir aus dem fernen Shendi, und der schwere Goldring vom Arm des Kur, den ich get�tet hatte. In der Ferne sah ich den wei�en Gipfel des Torvaldsberges.</p><p>Hrolf, der Mann aus dem Osten, hatte sich erboten, den Kriegspfeil zum Torvaldsberg zur�ckzubringen. Wir hatten ihm den kostbaren Gegenstand gegeben. Als er die Ruinen der Halle Svein Blue Tooths verlie�, war ich ihm nachgelaufen und hatte ihn einen Pasang vom Lager entfernt eingeholt. �Wie hei�t du wirklich?� hatte ich gefragt.</p><p>Er hatte mich angesehen und gel�chelt. Und seine Antwort hatte mich erstaunt. �Mein Name�, sagte er, �ist Torvald.� Und dann hatte er sich abgewandt. Ich hatte ihm nachgeschaut, wie er davoschritt, zur�ck zu dem Berg.</p><p>�Ho!� br�llte Forkbeard und versetzte mir einen Schlag auf die Schultern. �Wir haben guten Wind!� Dann wandte er sich ab, um seinen Pflichten an Bord nachzukommen.</p><p>Ich ging zwischen den B�nken hindurch zum Bug und blickte �ber das Meer. Ich dachte an Ar, an Marlenus, an Talena, die mich entt�uscht hatte. Als ich krank war, hatte sie mich verh�hnt, sie hatte sich f�r zu gut gehalten. Ich hatte sie nach Ar zur�ckgeschickt und fragte mich nun, ob wir uns eines Tages wiedersehen w�rden; wenn das geschah, mochte sie einen anderen Mann in mir sehen.</p><p>Aber Reichtum und Macht interessierten mich nicht mehr so, wie zu der Zeit, da ich in die W�lder des Nordens gezogen war, um sie zu suchen. Ich hatte unsere Gef�hrtenschaft wieder aufleben lassen wollen, um auf Gor ein gro�er Mann zu werden. Aber jetzt waren mir der Himmel und das Meer und das Schiff unter meinen F��en wichtiger. Ich tr�umte nicht mehr davon, ein Ubar zu werden. Im Norden hatte ich mich ver�ndert. Die Zivilisation hatte mich geblendet, ihre Lehren waren falsch gewesen. Ein erster Anflug dieser Ahnung war mir gekommen, als ich auf dem Gipfel des Torvaldsberges stand, auf einem windumtosten Felsen, und auf die Gebiete unter uns hinabblickte, auf die herrliche schwarzwei�e Landschaft. Sogar die Kurii hatten einen Augenblick innegehalten, um diesen Anblick zu genie�en.</p><p>Wieder blickte ich �ber das Meer und auf den Himmel, an dem jetzt wei�e Wolken dahinzogen. Irgendwo jenseits des Asteroideng�rtels kreisten die Stahlwelten. Diese Information hatte ich von Samos. Sie waren uns jetzt viel n�her ger�ckt. Irgendwo �ber diesem friedlichen Himmel mit den schnellen wei�en Wolken lauerten die Kurii. Ich dachte an den gro�en zottigen Kopf auf dem Pfahl.</p><p>Wenn ich nach Port Kar zur�ckkehrte, mu�te ich mit Samos reden.</p><p>Schweigend lauschte ich auf das Wasser, das gegen die Schiffswand pl�tscherte, und geno� die ungeheure Weite des Himmels und des Meeres.</p></section></body><binary id="cover" 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