<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Die Erforscher von Gor</book-title><annotation><p>Tollk�hn und lebensgef�hrlich ist der Auftrag, den Tarl Cabot von den Priesterk�nigen entgegennimmt: Er soll den Zauberring der ber�chtigten Kurii zur�ckgewinnen, dieser intelligenten Bestien und Gegner der Priesterk�nige.</p><p>Tarl Cabots Suche f�hrt durch feuchthei�e Tropendschungel tief im Innern des Kontinents, wo es von Kopfj�gern und beutel�sternen Raubtieren wimmelt, in unwegsames Sumpfgel�nde, das noch nie eines Menschen Fu� betrat. An seiner Seite k�mpfen drei reizvolle Gef�hrtinnen, Sklavinnen, die ihm bis in die H�lle folgen.</p><p>Als sich die Abenteurer schlie�lich dem Ziel nahe glauben, tappen sie in eine Falle, der noch nie ein lebendes Wesen entrann � und alle Hoffnung scheint am Ende �</p></annotation><date>1984</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="13"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Explorers of Gor</book-title><date>1979</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><src-ocr>Waldschrat</src-ocr><id>75CBF2F3-2F34-4C49-B3E3-79966A6898DE</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Die Erforscher von Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Sie war wundersch�n.</p><p>Sie kniete an dem niedrigen kleinen Tisch, hinter dem ich sa�. Wir befanden uns im gro�en Saal des Samos, der uns, ebenfalls im Schneidersitz hockend, Gesellschaft leistete. Es war fr�her Abend in Port Kar, und ich hatte mit Samos gegessen, dem Ersten Kapit�n des Kapit�nsrates, jener hohen Vereinigung, die in Port Kar die Macht innehatte. Brennende Fackeln erleuchteten den gro�en Raum, der das riesige Landkartenmosaik enthielt.</p><p>Das Abendessen war uns von der Sklavin gebracht worden, die jetzt in unserer N�he kniete.</p><p>Ich betrachtete sie. Sie trug eine einteilige Reptuch-Tunika, an den Beinen hoch eingeschnitten, um sie besser zur Geltung zu bringen, um den Hals einen Schlie�kragen aus Stahl und am Bein das Brandzeichen, das �bliche Kajira-Zeichen Gors, der erste Buchstabe des Wortes Kajira, etwa anderthalb Zoll hoch und einen halben Zoll breit.</p><p>�Haben die Herren noch W�nsche an Linda?� fragte das M�dchen.</p><p>�Nein�, antwortete Samos.</p><p>Mit gesenktem Kopf zog sie sich zur�ck. Sie nahm das kleine Tablett von dem Gestell am Tisch. Es enthielt das Gef�� mit dem dicken s��en Lik�r aus dem fernen Turia, dem Ar des S�dens, und die beiden winzigen Gl�ser, aus denen wir getrunken hatten. Ebenfalls stand darauf das Metallgef��, in dem sich der dampfende, bitter schmeckende Wein des fernen Thentis befunden hatte, einer Stadt, die ber�hmt war wegen ihrer Tarn-Schw�rme. Au�erdem befanden sich darauf die dazugeh�rigen Trinkgef��e wie auch die weichen, feuchten T�cher, mit denen wir uns die H�nde abgewischt hatten.</p><p>Es war eine vorz�gliche Mahlzeit gewesen.</p><p>Sie stand auf, das Tablett in den H�nden. Der schimmernde Kragen schmiegte sich ihr an den Hals.</p><p>Ich erinnerte mich, da� sie vor etlichen Monaten noch einen einfachen Eisenkragen getragen hatte, von brutalen Hammerschl�gen festgemacht.</p><p>Sie blickte Samos an. Ihre Lippen bebten.</p><p>Sie war das M�dchen, welches die Botschaft der Scytale ins Haus des Samos gebracht hatte, ein speziell markiertes Haarband, das man um einen Speerschaft wickeln mu�te, um die Nachricht sichtbar werden zu lassen. Zarendargar, auch Halb-Ohr genannt, Kriegsherr der Kurii, hatte mir ausrichten lassen, da� er mich am �Ende der Welt� sehen wolle. Meine Vermutung, da� er damit den Pol der n�rdlichen Gor-Halbkugel gemeint hatte, erwies sich als richtig. An jenem Ort war ich Halb-Ohr in einem riesigen Komplex entgegengetreten, in einem ausgedehnten Versorgungsdepot, das Waffen, Treibstoff und andere Vorr�te enthielt, mit denen die geplante Invasion Gors, der Gegenerde, unterst�tzt werden sollte.</p><p>Das M�dchen, das uns heute abend bedient hatte, wu�te damals nicht, da� es eine Botschaft bef�rderte.</p><p>Wie anders erschien sie mir heute! Als sie in Samos� Haus gebracht wurde, trug sie noch die barbarische Kleidung der Erde, jene m�nnerimitierende Aufmachung, die so sehr von ihrer Weiblichkeit ablenkte. Samos hatte die Bedeutung des Halsbandes sofort erkannt und mich aufgefordert zu kommen. Ich hatte das M�dchen ebenfalls verh�rt, das damals nur Englisch verstand. Ich wu�te noch, wie arrogant sie gewesen war, bis sie erfuhr, da� sie sich nicht mehr unter M�nnern befand, wie sie sie von der Erde gewohnt war. Samos hatte sie in den Keller bringen und brandmarken lassen, und dann hatten sich die W�chter mit ihr vergn�gt. Ich hatte gedacht, er w�rde sie verkaufen, doch er hatte sie behalten. Sie war bei ihm im Haus geblieben und wu�te inzwischen, was es bedeutete, den Kragen zu tragen.</p><p>�Du kannst dich zur�ckziehen�, sagte Samos zu dem M�dchen.</p><p>�Herr!� flehte sie mit tr�nenerstickter Stimme.</p><p>Vor wenigen Monaten hatte sie das Goreanische noch nicht beherrscht, jetzt sprach sie es flie�end und in allen Nuancen. M�dchen stellen sich schnell auf die Sprache ein, die ihr Herr spricht.</p><p>Samos blickte zu ihr auf. �Bring die Sachen in die K�che und erwarte meine weiteren Befehle�, sagte er.</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie und wandte sich ab.</p><p>Samos war sicher einer der strengsten M�nner auf Gor. Das M�dchen hatte einen r�cksichtslosen, wenig kompromi�bereiten Herrn gefunden.</p><p>�Aber sprechen wir nicht mehr von Sklavinnen�, sagte ich, �die dem Vergn�gen der M�nner dienen, sondern von ernsteren Dingen!�</p><p>�Einverstanden�, meinte er. �Es gibt allerdings wenig Neues zu berichten.�</p><p>�Die Kurii sind sehr ruhig�, sagte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�H�te dich vor einem ruhigen Feind!� sagte ich l�chelnd.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Es ist ungew�hnlich, da� du mich in dein Haus einl�dst, um mir zu sagen, da� du mir nichts mitzuteilen hast.�</p><p>�Meinst du, du bist der einzige, der ab und zu im Interesse der Priesterk�nige t�tig ist?�</p><p>�Wohl nicht�, gab ich zur�ck. �Aber was soll die Frage?�</p><p>�Wie wenig wir doch von unserer Welt wissen!� seufzte Samos.</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst.�</p><p>�Erz�hl mir, was du �ber den Cartius wei�t.�</p><p>�Eine wichtige sub�quatoriale Wasserstra�e�, erkl�rte ich. �Er verl�uft in nordnordwestlicher Richtung, durchstr�mt die Regenw�lder und m�ndet in den Ushindi-See, von dem dann die Fl�sse Kamba und Nyoka abzweigen. Der Kamba m�ndet direkt ins Thassa. Der Nyoka m�ndet in den Hafen der Stadt Schendi und flie�t von dort weiter ins Thassa.� Schendi war ein Freihafen in der �quatorzone Gors und auf dem ganzen Planeten bekannt. Es war zugleich der Heimathafen der Liga der Schwarzen Sklavenh�ndler.</p><p>�Es wurden einmal Mutma�ungen angestellt, der eigentliche Cartius sei ein Zuflu� des Vosk�, bemerkte Samos.</p><p>�So hat man mir erz�hlt�, bemerkte ich.</p><p>�Wir wissen inzwischen aber, da� der Thassa-Cartius und der sub�quatoriale Cartius nicht ein und derselbe Flu� sind.�</p><p>�Man hatte angenommen und auf zahlreichen Landkarten festgehalten�, sagte ich, �da� der sub�quatoriale Cartius nicht nur in den Ushindi-See m�ndet, sondern im Norden wieder hervortritt und das geneigte Flachland im Westen durchquert, um bei Turmus in den Vosk zu m�nden. Turmus war der letzte gro�e Flu�hafen am Vosk, ehe die beinahe un�berwindlichen S�mpfe des M�ndungsdeltas begannen.</p><p>Der schwarze Geograph von der Insel Anango hatte berechnet, da� die beiden Fl�sse in Anbetracht der H�henunterschiede nicht identisch sein k�nnen. Sein Sch�ler Shaba war der erste, der den Ushindi-See umfuhr. Er stellte fest, da� der Cartius � wie bekannt � in den Ushindi-See m�ndet, da� aber nur zwei Fl�sse diesen See wieder verlassen, der Kamba und der Nyoka. Die Quelle des Vosk-Nebenflusses, jetzt Thassa-Cartius gehei�en, wurde f�nf Jahre sp�ter von dem Forscher Ramus von Tabor gefunden, der sich neun Monate lang mit seiner kleinen Expedition unter den Flu�st�mmen umtat und �ber die sechs Katarakte hinaus in das Ven-Hochland vordrang. Der Thassa-Cartius entw�ssert mit seinen Nebenfl�ssen dieses Hochgebiet und die davon abfallenden Ebenen.�</p><p>�Das wei� ich seit gut einem Jahr�, sagte ich. �Warum sprichst du jetzt davon?�</p><p>�Wir wissen ja so viele Dinge nicht�, sagte Samos nachdenklich.</p><p>Ich zuckte die Achseln. Es gab auf Gor noch viele Gebiete, die unerforscht waren. Nur wenige Menschen kannten sich beispielsweise in den Territorien �stlich der Voltai- und Thentisberge aus oder westlich der entlegeneren Inseln bei Cos und Tyros. Noch unbefriedigender war nat�rlich der Umstand, da� noch n�rdlich Schendis, im S�den des Vosk und westlich Ars weite, unerschlossene Gebiete lagen. �Es gab gute Gr�nde anzunehmen, da� der Cartius �ber den Ushindi-See zum Vosk f�hrt�, sagte ich.</p><p>�Ich wei߫, gab Samos zur�ck. �Die Tradition � und die Richtung, die die Fl�sse nahmen. Wer h�tte in den St�dten schon begreifen k�nnen, da� es nicht ein und derselbe Strom war?�</p><p>�Selbst die Bootsf�hrer auf dem sub�quatorialen Cartius und jene des weit im Norden liegenden Thassa-Cartius dachten, es w�re nur ein Flu�.�</p><p>�Ja�, sagte Samos. �Bis Ramani seine Berechnungen anstellte und Shaba und Ramus ihre Expeditionen durchf�hrten � wer h�tte da Grund gehabt, etwas anderes anzunehmen?�</p><p>�Die Regenw�lder haben den meisten zivilisierten Menschen den echten Cartius von S�den her verschlossen�, sagte ich, �und was an Handel getrieben wurde, beschr�nkte sich auf die Ubarate am S�dufer des Ushindi-Sees. Damals begn�gte sich der Handel damit, das Thassa �ber den Kamba oder den Nyoka zu erreichen.�</p><p>�Niemand fand eine Notwendigkeit, von Ushindi aus eine Nordwestpassage zu finden�, sagte Samos.</p><p>�Zumal man die Feindseligkeit der St�mme an jenem Flu� kannte, der jetzt Thassa-Cartius genannt wird.�</p><p>�Gewi߫, meinte Samos.</p><p>�Aber sicher hat man doch vor der Expedition Shabas nach dem Austritt des Cartius aus dem Ushindi-See gesucht�, meinte ich.</p><p>�Wom�glich sind solche Kundschafter von den St�mmen am Nordufer des Sees erschlagen worden�, bemerkte Samos.</p><p>�Wie kommt es dann, da� Shabas Expedition erfolgreich gewesen ist?�</p><p>�Hast du schon einmal von Bila Huruma geh�rt?� fragte Samos.</p><p>�Fl�chtig.�</p><p>�Er ist ein schwarzer Ubar�, erkl�rte Samos, �blutr�nstig und genial, ein m�chtiger, weitblickender Mann, der am S�dufer des Ushindi sechs Ubarate vereinigte � mit Hilfe von Messer und Speer. Sein Reich erstreckt sich inzwischen bis zum Nordufer, wo er der Konf�deration der hundert D�rfer Tribut, Kailiauk-Z�hne und Frauen abfordert. Shabas neun Boote trugen an ihren Masten solche haarigen Schilde, wie Bila Hurumas Abgesandte sie als Amtszeichen verwenden.�</p><p>�Damit war ihre Sicherheit garantiert�, sagte ich.</p><p>�Sie wurden mehrmals angegriffen�, fuhr Samos fort, �kamen aber mit dem Leben davon. Ich meine allerdings auch, da� sie ohne die Autorit�t Bila Hurumas ihre Mission nicht h�tten vollenden k�nnen.�</p><p>�Bila Hurumas Einflu� an der Nordk�ste ist also gro�, aber nicht allumfassend�, stellte ich fest.</p><p>�Und es gibt gro�en Widerstand dagegen�, stellte Samos fest, �und zwar zu schlie�en aus der Tatsache, da� auf Shabas Expedition �berf�lle ver�bt wurden.�</p><p>�Er mu� ein mutiger Mann sein�, meinte ich.</p><p>�Es gelang ihm, sechs Boote durchzubringen und den gr��ten Teil seiner Leute.�</p><p>�Ich finde es beeindruckend�, sagte ich, �da� ein Mann wie Bila Huruma daran interessiert war, eine geographische Expedition zu unterst�tzen.�</p><p>�Es ging ihm darum, die Nordwestpassage zu finden�, meinte Samos. �Das h�tte ihm etliche neue M�rkte erschlossen, es h�tte allgemein die Wirtschaft gef�rdert, weil sich n�mlich f�r die Waren des Nordens und die Produkte des S�dens ein wertvoller neuer Handelsweg ge�ffnet h�tte.�</p><p>�Damit lie�e sich nat�rlich auch die Gefahr einer Verschiffung auf dem Thassa vermeiden�, f�gte ich hinzu, �und � nun ja � das Tor aufsto�en f�r die Eroberung neuer Territorien!�</p><p>�Ja�, sagte Samos und erg�nzte: �Du denkst wie ein Krieger.�</p><p>�Shabas Arbeit aber�, fuhr ich fort, �ergab doch, da� eine solche Passage nicht existiert.�</p><p>�Ja�, entgegnete Samos. �Das ist ein Ergebnis seiner Expedition. Wenn du aber schon nichts �ber die Rolle Bila Hurumas in dieser Angelegenheit wei�t, so hast du doch sicher von den weiteren Entdeckungen Shabas geh�rt.�</p><p>�Im Westen des Ushindi-Sees gibt es Flutgebiete und S�mpfe, durch die erhebliche Wassermengen in den See abgegeben wurden. Unter erheblichen M�hen, unter Beschr�nkung auf vierzig M�nner und zeitweise nur zwei Boote, die in Richtung Osten durch die S�mpfe mehr gezerrt und geschoben werden mu�ten, erreichte Shaba nach zwei Monaten das Westufer eines Sees, den wir inzwischen als Ngao-See kennen.�</p><p>�Ja�, sagte Samos.</p><p>�Er ist so gro� wie der Ushindi-See, wenn nicht gar gr��er�, sagte ich, �der zweite der gro�en �quatorseen.�</p><p>Es mu�te ein gro�artiger Moment f�r Shaba und seine Leute gewesen sein, als sie nach langen M�hen ihre Schiffe zur Weite des Ngao-Sees transportiert hatten. Anschlie�end waren sie ersch�pft zu den restlichen Booten und Leuten zur�ckgekehrt, die am Ostufer des Ushindi-Sees auf sie gewartet hatten.</p><p>�Shaba setzte die Umfahrung des Ushindi-Sees sodann fort�, erkl�rte Samos. �Zum ersten Mal erfa�te er die M�ndung des eigentlichen Cartius, des sub�quatorialen Cartius, auf einer Karte. Anschlie�end fuhr er weiter nach Westen, bis er die sechs Ubarate und das Kernreich Bila Hurumas erreichte.�</p><p>�Zweifellos wurde er dort wie ein Held begr��t�, bemerkte ich.</p><p>�Ja�, gab Samos zur�ck, �und das ist kein Wunder.�</p><p>�Im n�chsten Jahr�, fuhr ich fort, �begab er sich mit elf Booten und tausend Leuten auf eine neue Expedition, die, so darf ich vermuten, von Bila Huruma finanziert wurde, mit dem Ziel, den Ngao-See auf �hnliche Weise zu erfassen.�</p><p>�Genau�, sagte Samos.</p><p>�Und dort stellte er fest, da� der Ngao-See unglaublicherweise lediglich durch einen gro�en Flu� an seinem Ostende gespeist wurde. Dieser Strom war so breit, da� er sogar dem Vosk den Rang streitig machen konnte � ein Flu�, den Shaba Ua nannte.�</p><p>�Ja�, best�tigte Samos.</p><p>�Wegen seiner zahlreichen Stromschnellen und Katarakte ist er allerdings unpassierbar.�</p><p>�Es ist unbekannt�, best�tigte Samos, �wie ausgedehnt diese Hindernisse sind oder ob Stra�en oder Nebenkan�le angelegt werden k�nnen.�</p><p>�Shaba vermochte dem Flu� mit seinen M�nnern und Booten nur ungef�hr hundert Pasang weit zu folgen�, sagte ich, �mu�te jedoch vor gro�en Katarakten umkehren.�</p><p>�Die Bila Huruma-F�lle, wie er sie taufte�, �u�erte Samos.</p><p>�Die Boote waren zu gro� zum Tragen.�</p><p>�Sie waren auch nicht darauf eingerichtet, auseinandergenommen zu werden�, berichtete Samos. �So zwangen die Steilheit des Gel�ndes, der Dschungel und die Feindseligkeit einiger Binnenst�mme zum R�ckzug.�</p><p>�Die Expedition des Shaba kehrte daraufhin zum Ngao-See zur�ck, beendete die Umschiffung und fuhr sp�ter durch die S�mpfe zum Ushindi-See und in die sechs Ubarate zur�ck.�</p><p>�Ja�, �u�erte Samos.</p><p>�Ein bemerkenswerter Mann�, stellte ich fest.</p><p>�Sicherlich einer der f�hrenden Geographen und Forscher Gors�, meinte Samos, �und ein Mann, dem h�chstes Vertrauen entgegengebracht wird.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Shaba ist Agent der Priesterk�nige.�</p><p>�Das wu�te ich nicht�, erwiderte ich.</p><p>�Du mu�t doch ab und zu vermutet haben, da� auch andere der Sache der Priesterk�nige dienen.�</p><p>�Davon ausgehen mu�te ich schon�, entgegnete ich. Allerdings hatte ich Samos in dieser Angelegenheit nie bedr�ngt. Es erschien mir besser, nicht von zu vielen Agenten der Priesterk�nige zu wissen. Im allgemeinen arbeiteten wir unabh�ngig voneinander � eine grunds�tzliche Sicherheitsma�nahme. Sollte einer von uns gefangen und gefoltert werden, konnte er im Notfall nicht verraten, was er nicht wu�te. Nat�rlich war mir bekannt, da� die meisten Agenten vordringlich Beobachtungen vornahmen und Informationen sammelten. Das Haus des Samos war ein Hauptquartier, zu dem die meisten dieser Agenten direkt oder indirekt Bezug hatten und dem sie Bericht erstatteten. Von hier wurde die T�tigkeit zahlreicher Agenten geleitet und koordiniert. Zugleich war es eine Sammelstelle f�r Informationen, die in bearbeiteter Form ins Sardargebirge weitergeleitet wurden.</p><p>�Warum erz�hlst du mir das alles?� fragte ich.</p><p>�Komm mit!� forderte Samos mich auf und verlie� seinen Platz.</p><p>Er f�hrte mich aus dem Zimmer. Ich folgte ihm. Wir kamen an den W�chtern vorbei, die an der T�r des gro�en Saals standen. Samos sagte nichts weiter. Ich folgte ihm mehrere Minuten lang. Er schritt durch etliche gro�e S�le und stieg dann �ber Rampen und Treppen in die Tiefe. An verschiedenen Punkten, meistens vor Portalen, wurden Zeichen und Gegenzeichen ausgetauscht. An den dicken W�nden begann sich Feuchtigkeit zu zeigen. Immer tiefer drangen wir in die Unterwelt des Bauwerks vor, wobei wir zuweilen G�nge beschritten, die �ber K�fige hinwegf�hrten. Die h�bschen Bewohnerinnen dieser K�fige blickten erschrocken zu uns empor. In einem Korridor kamen wir an zwei nackten M�dchen vorbei, die auf H�nden und Knien den Boden schrubbten, bewacht von einem Mann mit Peitsche. In immer tiefere Ebenen f�hrte unser Weg � dabei offenbarte sich uns die ganze Welt des Sklavenhandels.</p><p>Es dauerte nicht mehr lange, da hatten wir das unterste Kellergescho� erreicht, eine Ebene sch�rfster Sicherheit f�r die Gefangenen. An den Mauern rieselte Wasser herunter. Hier und dort blinkten Pf�tzen zwischen den Bodenplatten. Eine Urt verschwand in einer Mauer�ffnung.</p><p>Samos blieb vor einer dicken Eisent�r stehen; ein schmaler Fensterschlitz wurde ge�ffnet, und Samos �u�erte die Losung dieses Abends und erhielt die passende Antwort. Die T�r �ffnete sich. Zwei W�chter standen dahinter.</p><p>Vor der achten Zelle links blieben wir stehen. Samos gab den beiden M�nnern ein Zeichen. Sie traten vor. Neben der T�r lagen Seile und Haken und etliche Fleischst�cke.</p><p>�Du darfst drinnen nicht sprechen�, forderte Samos mich auf und reichte mir eine Haube mit Augenl�chern.</p><p>�Kennt die oder der Gefangene dieses Haus oder seine Angeh�rigen?�</p><p>�Nein�, entgegnete Samos.</p><p>Ich setzte die Kapuze auf, und auch Samos verh�llte sein Gesicht. Die beiden W�chter machten sich gleichfalls unkenntlich. Dann �ffneten sie den Beobachtungsschlitz in der T�r, warfen einen Blick hinein und lie�en die T�r aufschwingen. Die T�rf�llung bewegte sich nach innen. Ich wartete neben Samos. Die beiden W�chter griffen nun nach Ketten, die oberhalb der T�r befestigt waren, und senkten einen schweren Holzsteig auf das Wasser. Der ganze gro�e Raum schien eine einzige Wasserfl�che zu sein, die sich in Schwellenh�he erstreckte. Der Holzsteig schwamm, von den Ketten festgehalten, auf dem Wasser. An den Seiten war der Gang durch einen sechs Zoll hohen Rand abgesichert. Ich h�rte es leise gegen das Metall kratzen, ich glaubte unmerkliche Bewegungen am Metall festzustellen, als stie�en zahlreiche winzige K�rper dagegen.</p><p>Samos blieb in der N�he der T�r stehen und hob eine Fackel. Die beiden W�chter traten auf den Steig hinaus, der etwa zwanzig Fu� lang war. Die �berflutete Zelle war rund und besa� einen Durchmesser von ungef�hr f�nfundvierzig Fu�. In der Mitte der Zelle ragte ein metalleingefa�ter Mast etwa vier Fu� hoch aus dem Wasser. Dieser Pfeiler st�tzte eine kleine runde Plattform, die ebenfalls mit Metall bedeckt war, etwa zehn Zoll breit, ungef�hr acht Zoll �ber dem Wasser.</p><p>Einer der W�chter stie� einen langen Holzpfahl ins Wasser, das demnach etwa acht Fu� tief sein mu�te. Daraufhin befestigte der andere Mann ein schweres Fleischst�ck an einem der Haken, an dem ein Seil befestigt war, hielt das Fleisch ein St�ck von der Plattform weg und tauchte es ins Wasser. Beinahe sofort geriet das Wasser in der N�he des Fleisches ins Sch�umen. Ich sp�rte, wie mir Feuchtigkeit an die Beine spritzte, obwohl ich ein gutes St�ck entfernt stand. Schon zog der W�chter den Haken wieder aus dem Wasser. Das Fleisch war verschwunden. Winzige Tharlarion, �hnlich den Exemplaren, die in dem Sumpfw�ldern s�dlich Ars gefunden wurden, fielen zuschnappend von dem blanken Haken. Solche Tharlarion, zu Tausenden angreifend, verm�gen einem Ehn in k�rzester Zeit das Fleisch von den Knochen zu rei�en.</p><p>Das M�dchen auf der Plattform, das sich nackt an den Pfosten klammerte und einen Metallkragen um den Hals trug, warf den Kopf in den Nacken und schrie j�mmerlich auf.</p><p>Die beiden W�chter zogen sich zur�ck. Kapuzenbewehrt trat Samos nun auf den Holzsteig hinaus, der von den Ketten gest�tzt wurde. Ich folgte ihm. Er hob die Fackel.</p><p>Die Gefangene, wenige Zoll �ber den t�dlichen Tharlarion hockend, blickte uns bedr�ckt entgegen. Hilflos klammerte sie sich an dem Pfosten fest. �Bitte, bitte, bitte!� murmelte sie immer wieder.</p><p>Sie sprach Englisch.</p><p>Wie Samos� anderes Erdenm�dchen, Linda, hatte sie blaue Augen und blondes Haar. Sie war ein wenig schlanker als Linda. Sie hatte h�bsche Fesseln, an denen sich ein Beinring gut machen w�rde. Ich bemerkte, da� sie noch kein Brandzeichen trug.</p><p>Samos gab mir das Signal zum R�ckzug. Ich machte kehrt und verlie� den Holzsteig vor ihm. Hinter uns zogen die W�chter den Holzgang wieder hoch, sicherten ihn, knallten die T�r zu und schlossen den Beobachtungsschlitz. Das Schlo� rastete ein.</p><p>Drau�en steckte Samos die Fackel wieder in den Ring. Wir nahmen die Kapuzen ab. Ich folgte Samos schlie�lich aus den unteren Ebenen des Hauses zur�ck in seinen Saal.</p><p>�Ich verstehe nicht, was das alles soll, Samos!� sagte ich.</p><p>�Hier spielen sich tiefgreifende Dinge ab, die nicht nur dir gro�e Sorgen bereiten, sondern auch mir�, sagte Samos.</p><p>�Warum hast du mir das M�dchen in der Zelle gezeigt?� wollte ich wissen.</p><p>�Was h�ltst du von ihr?� fragte Samos.</p><p>�Ich w�rde sie auf einem viertklassigen Markt mit etwa f�nf Kupfertarsk einsch�tzen, vielleicht sogar als ein M�dchen, das nur f�r einen Gruppenverkauf in Frage kommt. Sie ist sch�n, aber nichts �berragendes. Offensichtlich ist sie ahnungslos und nicht ausgebildet. Sie hat allerdings h�bsche Fesseln.�</p><p>�Sie spricht die Erdensprache Englisch, nicht wahr?� fragte Samos.</p><p>�Offenkundig. Soll ich sie f�r dich verh�ren?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Versteht sie das Goreanische �berhaupt?� fragte ich.</p><p>�Nur wenige Worte.�</p><p>�Dann scheint mir die Sache ziemlich klar auf der Hand zu liegen�, meinte ich.</p><p>�Erkl�r mir deine Gedanken!� forderte Samos mich auf.</p><p>�Sie ist ein einfaches M�dchen, das von Sklavenh�ndlern der Kurii nach Gor gebracht wurde.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Ja, den Eindruck habe ich. Als Kur-Agenten ausgebildete Frauen verstehen normalerweise sehr gut Goreanisch.�</p><p>�Sie ist deiner Meinung nach aber nicht so h�bsch wie die Durchschnittssklavin, die von der Erde importiert wird?� erkundigte sich Samos.</p><p>�Das ist sicher subjektiv. Ich habe aber eine hohe Meinung von dem Geschmack der Kur-Sklavenh�ndler�, sagte ich. �Sie verm�gen in jeder Frau die Sklavin zu erkennen. Meines Wissens haben sie sich bisher noch nie geirrt.�</p><p>�Selbst die weiblichen Kur-Agenten scheinen gleich im Hinblick auf ihr Potential als Sklavinnen ausgew�hlt worden zu sein, denk nur an Pepita, Elicia und Arlene.�</p><p>�Zweifellos sollten sie irgendwann einmal m�nnlichen Kur-Agenten zum Geschenk gemacht werden�, meinte ich.</p><p>�Jetzt geh�ren sie uns�, sagte Samos. �Was ist mit der Sklavin Vella?� fragte er nach kurzem Z�gern.</p><p>�F�r mich war sie genaugenommen nie eine Agentin der Kurii�, antwortete ich.</p><p>�Sie hat die Priesterk�nige verraten�, meinte er, �und in der Tahari den Kurii gedient.�</p><p>�Richtig�, sagte ich.</p><p>�Gib sie mir!� sagte Samos.</p><p>�Sie geh�rt mir�, erwiderte ich. �Wenn sie gestraft werden mu�, werde ich das tun.�</p><p>�Wie du willst.�</p><p>��brigens meine ich�, fuhr ich fort, �da� das M�dchen unten in der Tharlarionzelle zu nichts anderem bestimmt war, als einem goreanischen Herrn als Sklavin zu dienen. Allerdings tr�gt sie noch kein Brandzeichen � also d�rfte sie von den Kurii noch gar nicht an einen Goreaner verkauft worden sein.�</p><p>�Das ist klug �berlegt�, sagte Samos.</p><p>�Wie ist sie in deine Gewalt geraten?�</p><p>�Rein zuf�llig�, antwortete Samos. �Kennst du Kapit�n Bejar?�</p><p>�Nat�rlich�, antwortete ich. �Er geh�rt dem Rat an. Am 25. Se�Kara war er bei uns.� Dies war das Datum einer gro�en Seeschlacht, die im ersten Jahr der Herrschaft des Kapit�nsrates von Port Kar stattfand. Nach anderer Rechnung hatte es sich um das Jahr 10 120 C.A. (Contasta Ar, also seit der Gr�ndung Ars) gehandelt. Im Augenblick schrieben wir das Jahr 7 der Herrschaft des Kapit�nsrates von Port Kar, nach Ar-Zeitrechnung also das Jahr 10 126 C.A. Bei jener historischen Seeschlacht waren die vereinigten Flotten von Cos und Tyros vor Port Kar zur�ckgeschlagen worden. Bejar, Samos, ich und viele andere hatten an den K�mpfen teilgenommen. �brigens hatte sich Port Kar in jenem Jahr zum erstenmal einen Heimstein zugelegt.</p><p>�Auf hoher See brachte Bejar ein Schiff auf Cos auf�, fuhr Samos fort.</p><p>Ich spitzte die Ohren. Cos und Tyros, zwei Insel-Ubarate in unsicherer Allianz � das eine unter der Herrschaft des gro��ugigen Chendar, des Meeres-Sleen, das andere von dem widerlichen Lurius aus Jad gelenkt �, standen offiziell mit Port Kar im Krieg. Seit mehreren Jahren jedoch hatte es keine gro�en Schlachten mehr gegeben. Seit l�ngerer Zeit hatte Cos mit Auseinandersetzungen am Vosk zu tun � dabei ging es um wirtschaftliche und politische Interessenkonflikte im Bereich des gro�en Flusses wie auch in den benachbarten T�lern der Nebenfl�sse. Die Produkte und M�rkte dieser Gegend sind ziemlich wichtig. Zwar sind die meisten St�dte am Flu� kleine Freistaaten, doch k�nnen sie es sich nicht leisten, Gro�m�chte wie Cos und dessen Hauptkonkurrenten Ar zu ignorieren. Cos und Ar stehen im Wettbewerb miteinander, die Flu�st�dte unter Vertrag zu nehmen, den Verkehr zu kontrollieren und den Handel und Wandel am Flu� zu ihrem Vorteil zu beeinflussen. Ar ist eine Binnenmacht und verf�gt �ber keine Marine. Es hat sich aber eine ganze Flotte von Flu�schiffen zugelegt, die sich oft mit den Cos-Schiffen anlegt, die auf Cos gebaut und �ber Land zum Flu� geschafft worden sind, der ein viele tausend Quadrat-Pasang umfassendes M�ndungsgebiet besitzt, das allerdings wegen der starken Versumpfung mit Schiffen nicht passierbar ist.</p><p>�Es war ein r�cksichtsloser Kampf�, fuhr Samos fort. �Aber schlie�lich fielen Schiff, Besatzung, Passagiere und Fracht doch an Bejar.�</p><p>�Ah, jetzt verstehe ich � das M�dchen geh�rte zur Sklavinnenfracht dieses Schiffes.�</p><p>Samos l�chelte. �Sie war als freie Frau gekleidet und befand sich unter den Passagieren�, erkl�rte er. �Entkleidet wurde sie erst, als sie auf Bejars Planken stand und zu den anderen gefangenen Frauen in Ketten gelegt wurde.�</p><p>�Sie war Passagier an Bord!� rief ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Und ihre Reisepapiere waren in Ordnung?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Interessant.�</p><p>�Das dachte ich mir.�</p><p>�Wie kommt es, da� ein Erdenm�dchen, das kaum Goreanisch spricht, in Freiheit und ohne Brandzeichen auf einem Cos-Schiff reist?�</p><p>�Ich meine�, �u�erte Samos, �da� das auf jeden Fall mit den anderen zu tun hat, den Kurii.�</p><p>�So darf man vermuten�, sagte ich.</p><p>�Bejar�, fuhr Samos fort, �kennt mich gut und wu�te nat�rlich, da� ich mich sehr f�r ein ungebrandetes Barbarenm�dchen interessieren w�rde. So machte er mich auf sie aufmerksam. Ich lie� sie in Maske aus seinen Gehegen zu mir bringen.�</p><p>�Ein interessantes kleines R�tsel�, sagte ich. �M�chtest du ganz bestimmt nicht, da� ich sie in ihrer Muttersprache verh�re?�</p><p>�Nein � jedenfalls nicht im Augenblick.�</p><p>�Wie du willst.�</p><p>�Setz dich!� forderte Samos mich auf und deutete auf einen Platz an dem kleinen Tisch, an dem wir zu Abend gegessen hatten.</p><p>Ich kam seiner Aufforderung nach, und er setzte sich mir gegen�ber.</p><p>�Wei�t du, was das ist?� fragte er, griff unter seine Tunika und zog ein kleines Lederpaket hervor, das er f�r mich auffaltete. Der Inhalt bestand aus einem gro�en Ring, nicht zu gro� f�r die Finger eines Menschen. Er legte das Schmuckst�ck auf den Tisch.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte ich. �Es ist der Ring, den ich in der Tahari an mich brachte, der Ring, der das Licht-Ablenkungsfeld steuert und seinen Tr�ger im sichtbaren Bereich des Spektrums unsichtbar macht.�</p><p>�Ach, wirklich?�</p><p>Ich betrachtete den Ring. Ich nahm ihn zur Hand. Er bestand aus Gold und war mit einem Silberpl�ttchen verziert. An der Au�enseite des Ringes, der Fassung gegen�ber, gab es einen eingelassenen kreisf�rmigen Schalter. Trug ein Kur den Ring an einem Glied seiner linken Pfote und drehte die Ringfassung nach unten, lag der Schalter griffbereit au�en. Er konnte ihn dann mit einem Teil seiner rechten Pfote dr�cken.</p><p>�Ich nehme es jedenfalls an�, sagte ich.</p><p>Ich betrachtete den Ring. Vor langer Zeit, kurz nach meiner R�ckkehr aus der Tahari, hatte ich Samos den Ring gegeben, damit er ihn zur Analyse ins Sardargebirge schickte. Ich war der Ansicht, da� ein solches Gebilde den Agenten der Priesterk�nige n�tzen konnte. Es verwirrte mich, da� der Ring von den Kurii nicht �fter eingesetzt wurde. Ich hatte seither nichts mehr von dem Ring geh�rt.</p><p>�Bist du ganz sicher�, fragte Samos, �da� dies der Ring ist, den du mir zur Weiterleitung ins Sardargebirge gegeben hast?�</p><p>�Er sieht jedenfalls ganz so aus.�</p><p>�Ist es derselbe Ring?�</p><p>�Nein�, sagte ich schlie�lich, nachdem ich mir das St�ck noch einmal genau angesehen hatte. �Der Ring aus der Tahari hatte an der Ecke der Silberplatte einen winzigen Kratzer.�</p><p>�Ich hatte es auch nicht angenommen�, meinte Samos.</p><p>�Wenn dies ein Unsichtbarkeitsring ist, so k�nnen wir von Gl�ck sagen, da� er uns zugefallen ist�, sagte ich.</p><p>�Meinst du wirklich, ein solcher Ring w�rde einem menschlichen Agenten anvertraut?�</p><p>�Wahrscheinlich nicht�, antwortete ich.</p><p>�Ich gehe davon aus, da� dieser Ring kein Unsichtbarkeitsfeld verbreitet.�</p><p>�Aha!�</p><p>�Bitte dr�ck den Knopf nicht!� forderte Samos mich auf.</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich will dir von f�nf Ringen erz�hlen�, sagte Samos. �Und zwar sind das Informationen, die ich erst in letzter Zeit aus dem Sardargebirge erhalten habe, die aber auf uralten Erkenntnissen basieren � zur�ckgehend auf die �u�erungen eines betrunkenen Kur-Kommandanten, best�tigt durch Dokumente, die in verschiedenen Wracks gefunden wurden. Die j�ngsten dieser Unterlagen sind etwa vierhundert Jahre alt. Vor langer Zeit, wom�glich vor vierzigtausend Jahren, verf�gten die Kurii �ber eine Technologie, die das bei weitem �bersteigt, was sie jetzt besitzen. Die Technologie, die sie heute so gef�hrlich macht, stellt nur den �berrest eines technischen Wissensstandes dar, der in den eigenen Stammesfehden weitgehend zum Opfer gefallen ist, � bei Auseinandersetzungen, die zur Vernichtung der Kur-Heimatwelt f�hrten. Die Unsichtbarkeitsringe waren das Produkt eines gro�en Kur-Wissenschaftlers, den wir zur eigenen Bequemlichkeit Prasdak von der Karrash-Klippe nennen wollen. Er war ein ziemlich verschlossener Bursche und vernichtete vor seinem Tod s�mtliche Pl�ne und Unterlagen. Allerdings hinterlie� er f�nf Ringe. Bei der Eroberung seiner Stadt � dies ereignete sich etwa zwei Jahre nach seinem Tod � wurden die Ringe gefunden.�</p><p>�Was wurde aus den Ringen?�</p><p>�Zwei wurden im weiteren Verlauf der Kur-Geschichte zerst�rt�, antwortete Samos. �Einer ging vor drei- bis viertausend Jahren auf dem Planeten Erde vor�bergehend verloren. Ein Hirte namens Gyges nahm ihn einem get�teten Kur-Kommandanten ab. Der Hirte benutzte die Kraft des Ringes, um den Thron eines Lydia genannten Landes an sich zu bringen, das damals auf der Erde existierte.�</p><p>Ich nickte. Lydia war dann an die Perser gefallen, und zwar im sechsten Jahrhundert vor Christi, um eine der auf der Erde gebr�uchlichen Zeitrechnungen zu erw�hnen. Nat�rlich war das lange nach Gyges� Herrschaft.</p><p>�Unwillk�rlich mu� man an den Flu�hafen an der Lauriusm�ndung denken�, sagte Samos.</p><p>�Ja�, �u�erte ich. Die Hafenstadt hie� Lydius.</p><p>�Vielleicht gibt es da eine Verbindung�, �berlegte Samos.</p><p>�Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.�</p><p>�Sp�ter holten sich die Kurii den Ring zur�ck�, fuhr Samos fort. �Gyges wurde ermordet. Der Ring selbst wurde kurze Zeit sp�ter bei einer Explosion vernichtet.�</p><p>�Interessant�, bemerkte ich.</p><p>�Somit waren noch zwei Ringe �brig�, stellte Samos fest.</p><p>�Einer dieser beiden war zweifellos der aus der Tahari.�</p><p>�Zweifellos.�</p><p>Ich betrachtete den Ring, der auf dem Tisch lag. �Meinst du, dies ist der f�nfte Ring?� fragte ich.</p><p>�Nein�, gab Samos zur�ck. �Ich glaube, der f�nfte Ring w�re zu wertvoll, um von der Stahlwelt fortgebracht zu werden, auf der er aufbewahrt wird. Ich nehme nicht an, da� man ihn hier unten aufs Spiel setzen w�rde.�</p><p>�Vielleicht vermag man die Ringe inzwischen nachzubauen�, mutma�te ich.</p><p>�Das erscheint mir aus zwei Gr�nden unwahrscheinlich�, erwiderte Samos. �Wenn es erstens m�glich gewesen w�re, den Ring nachzubauen, so w�re das im Lauf der Geschichte der Kurii garantiert geschehen, insbesondere vor dem erheblichen Technologie-Abstieg und dem R�ckzug auf die Stahlwelten. Zweitens mu� man die Geheimniskr�merei des Ring-Erbauers bedenken, jenes Prasdak von der Karrash-Klippe. Und so vermute ich, da� es einen zus�tzlichen Grund gibt, der die Zerlegung und den anschlie�enden Nachbau des Rings unm�glich macht.�</p><p>�Dieses Geheimnis k�nnte zweifellos von den Bewohnern des Sardargebirges gel�st werden�, sagte ich. �Welchen Fortschritt hat man fortan mit dem Ring aus der Tahari gemacht?�</p><p>�Der Tahari-Ring ist nie im Sardargebirge eingetroffen�, antwortete Samos. �Das erfuhr ich erst vor einem Monat.�</p><p>Ich bezwang meine Zunge. Wie bet�ubt sa� ich hinter dem Tisch.</p><p>�Wem hattest du den Ring anvertraut, um ihn ins Sardargebirge zu bringen?�</p><p>�Einem unserer zuverl�ssigsten Agenten�, erwiderte Samos.</p><p>�Wem?�</p><p>�Shaba, dem Geographen aus Anango, dem Erforscher des Ushindi-Sees, dem Entdecker des Ngao-Sees und Ua-Flusses.�</p><p>�Zweifellos ist ihm etwas �bles zugesto�en�, sagte ich.</p><p>�Ich nehme es nicht an.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst.�</p><p>�Dieser Ring�, antwortete Samos und deutete auf das Schmuckst�ck vor uns, �wurde in der Habe des M�dchens gefunden, das sich jetzt unten in der Tharlarionzelle befindet. Sie hatte den Ring in Besitz, als Bejar ihr Schiff kaperte.�</p><p>�Dann ist es bestimmt nicht der f�nfte Ring.�</p><p>�Aber was will man damit?� fragte Samos.</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Keine Ahnung!�</p><p>�Schau mal�, sagte Samos und legte die Hand auf einen flachen schwarzen Kasten von der Art, wie sie oft zur Aufbewahrung von Papieren verwendet werden. In den Kasten war ein Tintenfa� und eine Rinne f�r Schreibfedern eingebaut. Er �ffnete das Beh�ltnis und zog mehrere zusammengefaltete Papiere heraus, Briefe, deren Siegel erbrochen waren.</p><p>�Diese Papiere wurden ebenfalls bei unserer blonden Gefangenen gefunden�, sagte Samos.</p><p>�Was sind das f�r Dokumente?� fragte ich.</p><p>�Hier haben wir Reisepapiere�, antwortete er, �und eine Cos-B�rgerschaftsbescheinigung zweifellos gef�lscht. Am wichtigsten aber sind Empfehlungsbriefe und Kreditbriefe auf verschiedene Banken in Schendis Stra�e der M�nzen.�</p><p>�An wen sind die Empfehlungsschreiben gerichtet?� fragte ich. �Und auf wen lauten die Kreditbriefe?�</p><p>�Ein Brief ist an einen gewissen Msaliti gerichtet�, antwortete Samos, �und der andere an Shaba.�</p><p>�Und die Kreditbriefe?�</p><p>�Sie lauten auf Shaba.�</p><p>�Dann sieht es ganz so aus�, sagte ich, �als h�tte Shaba die Absicht, den Agenten der Kurii den Brief auszuh�ndigen, daf�r ein Honorar entgegenzunehmen und dann den Ring, den wir vor uns liegen haben, ins Sardargebirge weiterzubef�rdern.�</p><p>�Ja�, sagte Samos.</p><p>�Die Priesterk�nige w�rden aber beim Dr�cken des Schalters sofort merken, da� der Ring falsch ist�, sagte ich. �Ach so!� f�gte ich hinzu.</p><p>�Ja, das bef�rchte ich auch�, sagte Samos. �Ich nehme an, wenn der Schalter gedr�ckt wird, ereignet sich eine Explosion.�</p><p>�Der Ring d�rfte eine Bombe sein.�</p><p>Samos nickte. Infolge von Gespr�chen mit mir und seiner Arbeit f�r das Sardargebirge war er nat�rlich mit bestimmten technologischen M�glichkeiten vertraut. Wie die meisten Goreaner hatte er jedoch noch nie eine Detonation selbst erlebt.</p><p>�Es w�re wohl wie ein Blitz�, sagte er langsam.</p><p>�Es k�nnten Priesterk�nige ums Leben kommen�, sagte ich.</p><p>�Ein Keil des Mi�trauens k�nnte sich zwischen Menschen und Priesterk�nige schieben�, erkl�rte Samos.</p><p>�Und daf�r h�tten die Kurii den Ring zur�ck, und Shaba w�re ein reicher Mann.�</p><p>�Sieht so aus�, sagte Samos.</p><p>�Das Schiff hatte Schendi zum Ziel?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Glaubst du, das M�dchen da unten wei� von diesen Dingen?�</p><p>�Nein�, gab Samos zur�ck, �ich glaube, sie ist sorgf�ltig daf�r ausgesucht worden, den Ring und die Papiere zu �berbringen und sonst nichts. Wahrscheinlich warten in Schendi schon erfahrenere Kur-Agenten, um den Ring, sobald er ausgeh�ndigt worden ist, in Empfang zu nehmen.�</p><p>�Vielleicht sogar Kurii�, sagte ich.</p><p>�Das Klima w�rde einem Kur sehr zu schaffen machen�, meinte er, �aber unm�glich ist es nicht.�</p><p>�Bestimmt hat Shaba sich versteckt�, fuhr ich fort. �Ich halte es nicht f�r wahrscheinlich, da� ich ihn ausfindig machen kann, indem ich einfach nach Schendi reise.�</p><p>�Wahrscheinlich kann man ihn �ber Msaliti aufsp�ren�, sagte er.</p><p>�Das mag eine schwierige Sache werden�, vermutete ich.</p><p>Samos nickte. �Shaba ist ein sehr intelligenter Mann. Msaliti wei� vermutlich nicht, wo er steckt. Allerdings k�nnen wir davon ausgehen, da� Shaba sich mit Msaliti in Verbindung setzt und nicht umgekehrt � und wenn Shaba einen Verdacht sch�pft, l��t er sich vielleicht nicht mehr blicken.�</p><p>�Folglich ist das M�dchen der Schl�ssel zum Aufenthaltsort Shabas�, sagte ich. �Und das ist auch der Grund, warum ich sie nicht verh�ren durfte. Das ist der Grund, warum sie nicht einmal wissen darf, da� sie in deiner Gewalt gewesen ist.�</p><p>�Genau�, sagte Samos. �Sie darf keinerlei Informationen �ber ihre derzeitige Gefangenschaft haben.�</p><p>�Es ist bekannt oder wird sich bald herumsprechen, da� Bejar ihr Schiff aufgebracht hat�, fuhr ich fort. �Zweifellos liegt es l�ngst als Prise an seiner Pier. So kann man sie nicht einfach freilassen und wegschicken. Niemand w�rde das glauben. Man w�rde vielmehr gleich eine List vermuten, man w�rde sie als Lockvogel f�r Shaba ansehen.�</p><p>�Wir m�ssen versuchen, den Ring zur�ckzubekommen�, sagte Samos, �oder schlimmstenfalls verhindern, da� er in die H�nde der Kurii f�llt.�</p><p>�Shaba wird Wert auf die Kreditbriefe legen�, sagte ich, �w�hrend es den Kurii auf den Ring ankommt. Ich glaube, er oder sie oder beide werden sehr daran interessiert sein, mit unserer h�bschen Gefangenen in Kontakt zu kommen.�</p><p>�Genau das habe ich mir auch gesagt�, meinte Samos.</p><p>�Es d�rfte bald bekannt sein, da� sie von Bejar gefangengenommen wurde�, sagte ich. �Wenn seine anderen weiblichen Gefangenen zur Auktion kommen, sollte sie als eine unter vielen mit dabei sein.�</p><p>�Die Gefangenen werden als Sklavinnen verkauft�, sagte Samos. �Ich lasse das M�dchen in einen Sklavensack stecken und zu Bejar zur�ckschicken.�</p><p>�Richtig. Und ich nehme verkleidet an dem Verkauf teil�, sagte ich, �und beobachte, wer sie ersteht.�</p><p>�Das k�nnte irgend jemand sein�, sagte Samos. �Vielleicht wird sie von einem Urt-J�ger oder einem Rudermacher gekauft. Was dann?�</p><p>�Na, dann geh�rt sie eben einem Urt-J�ger oder einem Rudermacher�, sagte ich. �Wenn es dazu kommt, legen wir uns einen neuen Plan zurecht.�</p><p>�Gut�, sagte Samos und reichte mir den Ring und die Papiere.</p><p>�Die Sachen brauchst du vielleicht�, sagte er, �falls du Shaba begegnest. Vielleicht kannst du dich als Kur-Agent ausgeben � er kennt dich ja nicht � und die Kur-Kreditbriefe gegen den echten Ring eintauschen. Wir k�nnten dann das Sardargebirge warnen, damit man auf Shaba mit dem falschen Ring gefa�t ist und mit ihm nach Belieben verf�hrt.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte ich. �Diese Unterlagen verbreitern nat�rlich die Grundlage f�r unsere Strategie.� Ich brachte Ring und Papiere in meiner Robe unter.</p><p>�Ich bin optimistisch�, sagte Samos.</p><p>�Ich auch�, gab ich zur�ck.</p><p>�Aber h�te dich vor Shaba!� meinte er. �Er ist ein gewiefter Mann. Er l��t sich bestimmt nicht so ohne weiteres hinters Licht f�hren.�</p><p>Samos und ich standen auf.</p><p>�Seltsam�, sagte ich, �da� die Ringe nie nachgebaut wurden.�</p><p>�Daf�r gibt es sicher einen Grund�, meinte Samos.</p><p>An der T�r blieb Samos stehen.</p><p>�Du darfst nicht �ber Schendi hinaus ins Landesinnere vordringen�, sagte er. �Das ist Bila Hurumas Reich.�</p><p>�Soviel ich wei�, ist er ein gro�er Ubar.�</p><p>�Er ist aber auch ein sehr gef�hrlicher Mann�, gab Samos zur�ck, �und wir leben in schwierigen Zeiten.�</p><p>�Er ist ein Mann mit Weitblick�, sagte ich.</p><p>�Und l��t sich von einer Gier lenken, die kein Erbarmen kennt.�</p><p>�Aber sein Weitblick f�hrt immerhin dazu, da� er den Ushindi- und den Ngao-See mit einem Kanal durch die S�mpfe verbinden will, die dadurch trockengelegt werden, nicht wahr?�</p><p>�Die Arbeit an einem solchen Projekt ist bereits im Gange�, sagte Samos.</p><p>�Das nenne ich Weitblick und Ehrgeiz�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Samos. �Ein solcher Kanal w�re von unsch�tzbarem wirtschaftlichen und milit�rischen Wert. Der Ua, der die Geheimnisse des Landesinneren tr�gt, str�mt in den Ngao-See, der dann �ber einen Kanal mit dem Ushindi-See verbunden w�re. In den Ushindi m�ndet der sub�quatoriale Cartius. Aus dem Ushindi gehen die Fl�sse Kamba und Nyoka hervor, die zum Thassa str�men.�</p><p>�Ja, es w�re eine unglaubliche Leistung�, sagte ich.</p><p>�H�te dich vor Bila Huruma!� warnte Samos.</p><p>�Ich rechne damit, da� ich mit ihm zu tun bekomme�, sagte ich.</p><p>�Viel Gl�ck, Kapit�n!� sagte Samos.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Das M�dchen schrie und versuchte ihre Ketten abzustreifen. Sie war bem�ht, ihre Bl��en zu verdecken.</p><p>Die anwesenden M�nner betrachteten sie verwundert. War sie noch nie verkauft worden?</p><p>�Ein weiteres M�dchen, das von unserem hervorragenden Kapit�n Bejar an Bord der Bl�te von Telnus vorgefunden wurde, als er dieses Schiff kaperte!� rief der Auktionator, der das M�dchen grob an den Haaren festhielt. Er hie� Vart und war Sklavenh�ndler. Ar hatte ihn aus seinen Mauern verbannt, weil er Sklavenunterlagen gef�lscht hatte. Er hatte ein M�dchen als Vergn�gungssklavin angepriesen, bei dem sich sp�ter herausstellte, da� es nicht einmal die elf K�sse beherrschte.</p><p>�Eine blonde, blau�ugige Barbarin!� rief der Auktionator. �Noch unge�bt, ohne gro�e Sprachkenntnisse, zuvor frei, vom Eisen noch nicht gek��t. Was wird geboten?�</p><p>�Ein Kupfer-Tarsk!� rief ein Mann aus der Menge.</p><p>�Ich h�re ein Tarsk! Bietet jemand mehr?�</p><p>�Das n�chste M�dchen!� meldete sich eine Stimme aus dem Publikum.</p><p>Das M�dchen war zwar h�bsch, aber nicht ganz so attraktiv wie die meisten goreanischen Sklavinnen. Ich nahm nicht an, da� sie einen hohen Preis erbringen w�rde. So mochte sie irgendeinem zufallen, was f�r meine Pl�ne nicht gerade g�nstig war. Ich blickte in die Runde. Das Publikum war gemischt, wie es bei Sklavenh�ndlern vom Schlage Varts �blich war � etwa zweihundert Zuschauer und Kaufinteressenten.</p><p>�Bietet jemand zwei Tarsk?�</p><p>Gel�chter klang auf.</p><p>�Was f�r ein billiger Laden dies doch ist!� sagte ein Mann neben mir. �Schaut mal, er hat ihr noch nicht mal ein Brandzeichen gegeben!�</p><p>�Das kommt zu ihrem Preis noch dazu�, murrte ein anderer.</p><p>�Damit d�rftest du keine Sorgen haben�, sagte der erste Mann zu mir.</p><p>Ich trug das Wams des Metallarbeiters. Normalerweise ist dieser Berufsstand f�r das Brandmarken von Sklavinnen zust�ndig.</p><p>Ich w�nschte, Bejar oder Vart h�tten das M�dchen kennzeichnen lassen � dann w�re es mir leichter gefallen, ihr auf der Spur zu bleiben.</p><p>�Du scheinst mir beinahe wertlos zu sein�, sagte Vart jetzt auf Goreanisch zu ihr. Sie verstand ihn nicht, erkannte aber, da� er nicht zufrieden war.</p><p>�Zwei Tarsk!� meldete sich jemand aus dem Hintergrund.</p><p>�L�cherlich, aber wir m�ssen weiterkommen. Bietet jemand mehr?�</p><p>Stille herrschte in der Runde.</p><p>�Meine Hand ist offen!� rief Vart. �Soll ich sie schlie�en? Soll ich sie schlie�en, damit wir dich endlich los sind?�</p><p>�La� deine Hand offen!� ert�nte eine Stimme.</p><p>Ein gro�er Mann stand am hinteren Eingang, gro� und dunkelh�utig. �ber der Schulter trug er die enggewirkte Aba eines Seemanns, rot- und wei�gestreift, darunter eine kn�chellange wei�e Robe, goldbestickt, mit einem goldenen G�rtel abgesetzt. Im G�rtel steckte ein Krummdolch. Auf dem Kopf trug er eine M�tze mit den beiden goldenen Quasten Schendis.</p><p>�Wer ist das?� fragte der Mann neben mir.</p><p>�Keine Ahnung�, gab ich zur�ck.</p><p>�Ja, Herr?� fragte der Auktionator. �M�chtest du weiterbieten?�</p><p>�Ja�, sagte der Mann.</p><p>�Ich halte ihn f�r einen Handelskapit�n�, sagte ein Mann in meiner N�he.</p><p>Ich nickte. Es war eine logische Vermutung. Der Bursche trug das Wei� und Gold eines Kaufmanns unter der Aba eines Seemanns. Kaum anzunehmen, da� ein H�ndler sich so kleiden w�rde, ohne dazu berechtigt zu sein. Goreaner nehmen es mit diesen Dingen genau. Zweifellos geh�rte ihm das Schiff, das er kommandierte.</p><p>�Wie hei�t er, wie hei�t sein Schiff?� fragte ich.</p><p>�Das wei� ich nicht�, antwortete der Mann.</p><p>�Was bietet der Herr?� fragte der Auktionator.</p><p>Stille trat ein.</p><p>�Einen Tarsk�, sagte der Mann.</p><p>Wir blickten uns an. Gel�chter wurde laut.</p><p>�Verzeih mir, Herr�, sagte der Sklavenh�ndler, �aber wir hatten bereits ein h�heres Gebot.�</p><p>�Ich biete einen Silber-Tarsk�, lautete die Antwort.</p><p>�Aiii!� rief ein Mann.</p><p>�Einen Silber-Tarsk?� wiederholte der Verk�ufer ungl�ubig.</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Das M�dchen war verkauft.</p><p>Der Auktionator hob die rechte Hand. �Ich schlie�e jetzt die Hand�, sagte er und ballte die Faust. �Verkauft f�r einen Silber-Tarsk.�</p><p>Das M�dchen starrte entsetzt auf die Faust des Mannes.</p><p>Dieser wandte sich sodann an den K�ufer.</p><p>�Mit wem hat das Haus die Ehre, diesen Abschlu� zu t�tigen?� fragte er.</p><p>�Ich bin Ulafi�, antwortete der Mann, �Kapit�n der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>.�</p><p>�Es ist uns eine Ehre�, sagte der Auktionator.</p><p>Ich kannte Ulafi vom H�rensagen als klugen Kaufmann und Kapit�n. Begegnet waren wir uns noch nicht. Angeblich besa� er ein gutes Schiff.</p><p>�Liefere das M�dchen an mein Schiff�, sagte Ulafi, �ans Pier der roten Urt, im Morgengrauen! Wir brechen mit der Flut auf.�</p><p>Er warf dem Auktionator einen Silber-Tarsk zu, der die M�nze geschickt auffing und in seiner Tasche verschwinden lie�.</p><p>�Es soll geschehen, Herr�, versprach der Auktionator.</p><p>Daraufhin verlie� der gro�e Mann das Lagerhaus, in dem Vart seine Gesch�fte t�tigte.</p><p>Pl�tzlich warf das M�dchen den Kopf in den Nacken und schrie bedr�ckt auf. Offenbar wurde ihr erst jetzt richtig bewu�t, was mit ihr geschehen war.</p><p>Man hatte sie verkauft.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Es war um die f�nfte Stunde.</p><p>An den Kan�len war es noch dunkel. Zu dieser Stunde scheint es in Port Kar sehr ruhig zu sein. Den Seesack �ber die Schulter geworfen, folgte ich einem Kanalweg. Die Luft war feucht. In Nischen eingelassene Lampen und hohe Laternen erzeugten hier und dort undenkliche Lichth�fe an den Mauern und auf dem geneigten Pflaster, dem ich folgte. Ich roch das Thassa, die See.</p><p>Zwei W�chter, die an mir vorbeikamen, hoben ihre Laterne.</p><p>�Tal�, sagte ich zu ihnen und setzte meinen Weg fort.</p><p>Wie schon am Vorabend trug ich das Gewand eines Metallarbeiters.</p><p>Neben mir pl�tscherte leise eine Urt im Wasser. Ich kam an schmalen Eisent�ren vorbei, die in die Mauern eingelassen waren. Soweit es bei goreanischen Anwesen H�fe und G�rten gibt, sind sie meistens in den Bau einbezogen. In Port Kar jedoch, das im Delta des Vosk errichtet worden war, gab es nur wenige G�rten � der Platz war knapp.</p><p>Nachdem die blonde Sklavin verkauft worden war, hatte ich Varts Auktion nicht sofort verlassen, um nicht erkennen zu lassen, da� ich speziell an ihr interessiert gewesen war. Ich hatte mir noch die Verk�ufe etlicher anderer M�dchen angeschaut.</p><p>Pl�tzlich blieb ich stehen. Einige Meter vor mir lag ein dunkelhaariges M�dchen mit dem Bauch nach unten auf dem schmalen Gang und fischte mit der Hand im Kanalwasser herum. Offenbar suchte sie nach Abf�llen, die noch e�bar waren. Sie war barfu� und trug eine kurze braune Tunika. Ich hielt sie nicht f�r eine Sklavin. In den Hafenst�dten gibt es zahlreiche vagabundierende M�dchen, die sich mit Bettelei und Diebstahl �ber Wasser halten und nachts in Kisten und unter Br�cken und Hafenmauern schlafen. Man nennt sie die Urt-M�dchen des Hafens. Von Zeit zu Zeit wird ein Vorsto� unternommen, ihrem Treiben ein Ende zu machen, doch selten f�hren solche Ma�nahmen zum Ziel.</p><p>Das M�dchen h�rte mich kommen, zog hastig die Beine an, sprang auf und drehte sich zu mir um. Sie l�chelte strahlend. Ihr Gesicht war h�bsch.</p><p>�Tal�, sagte sie.</p><p>�Tal�, gab ich zur�ck.</p><p>�Du bist kr�ftig�, bemerkte sie.</p><p>Wir befanden uns in der N�he des Piers der Roten Urt � in keinem sehr einladenden Bezirk.</p><p>Ich stellte meinen Seesack ab. �Es ist gef�hrlich hier�, sagte ich. �Du m��test l�ngst zu Hause sein.�</p><p>�Ich habe kein Zuhause�, antwortete sie und fuhr mir mit der Fingerspitze spielerisch �ber die Schulter. �Wer w�rde schon einem kleinen Urt-M�dchen etwas tun?�</p><p>�Was willst du?� fragte ich. Das leise Ger�usch hinter mir hatte ich nicht �berh�rt.</p><p>�F�r einen Tarsk bin ich dir zu Gefallen�, sagte sie, �auch als Sklavin, wenn du m�chtest.�</p><p>�Wenn ich eine Sklavin will�, antwortete ich, �nehme ich mir eine echte Sklavin und keine freie Frau, die so tut, als w�re sie versklavt.�</p><p>Zornig richtete sie sich auf. �Ich bin willig und h�bsch�, sagte sie. �Versuch�s doch mal mit mir!�</p><p>Ich ber�hrte sie an der H�fte. Sie f�hlte sich gut an. Anschlie�end fa�te ich sie an den Oberarmen und blickte ihr in die Augen. Sie hob die Lippen meinem Mund entgegen.</p><p>�Nein!� schrie sie mit flackerndem Blick, als ich sie urpl�tzlich hochri� und mich dabei drehte � sie wu�te sofort, da� sie damit in die Bahn des Hiebes gebracht wurde. Ihren schlaffen K�rper lie� ich sofort zu Boden fallen.</p><p>�Du solltest den Atem anhalten�, sagte ich zu dem Mann, �wenn du dich anschleichst. Au�erdem solltest du schon fr�hzeitig den Arm heben, damit das Rascheln deines �rmels dich nicht verr�t. Schlie�lich m��te das M�dchen die Augen geschlossen halten, damit sie nicht als Spiegel dienen.� Es hatte mir keine M�he gemacht, seine Ann�herung zu ersp�ren. Die Sinne eines Kriegers sind nun mal ge�bt � schlie�lich mag das Leben davon abh�ngen.</p><p>Mit einem Wutschrei griff der Mann an. Ich umfa�te seine ungeschickte rechte Hand, die den Kn�ppel hielt, drehte sie herum und schleuderte ihn mit dem Gesicht nach unten zu Boden. Bewu�tlos blieb er liegen. Ich nahm ein St�ck Schnur aus meinem Seesack und fesselte ihn. Dann wandte ich mich dem M�dchen zu. Sie hielt ich einen Augenblick lang in das kalte Kanalwasser. Als ich sie wieder hochzerrte, schnappte sie nach Luft. Ihr Haar und ihre kurze Tunika waren tropfna�. �Bitte la� mich gehen!� flehte sie. �Man w�rde mich versklaven!�</p><p>�Wei�t du noch, was du zu mir sagtest, ehe ich dich umdrehte?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Komm, sag�s noch einmal!�</p><p>�Ich bin willig und h�bsch�, stammelte sie. �Probier�s mal mit mir ��</p><p>�Na sch�n�, sagte ich.</p><p>Ich zwang sie, mir zu dienen, soweit eine freie Frau dazu in der Lage ist.</p><p>Sie blickte zu mir auf. �Habe ich dir gut gedient?� fragte sie. Tr�nen funkelten in ihren Augen.</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann la� mich frei!�</p><p>Anstelle einer Antwort begann ich sie an den Mann zu fesseln, der noch bewu�tlos am Kanalufer lag. So w�rden die W�chter die beiden finden.</p><p>�Man wird ihn verbannen und mir den Sklavenkragen anlegen�, sagte sie.</p><p>�Ja�, gab ich zur�ck.</p><p>Ich kniete neben ihr nieder. Aus dem Beutel nahm ich eine Tarskm�nze und steckte sie ihr in den Mund. Da ich nicht die Absicht hatte, sie selbst zur Sklavin zu machen, erschien es mir angebracht, sie f�r ihre Dienste zu entlohnen. Ich zahlte ihr den Preis, den sie selbst genannt hatte.</p><p>Ich richtete mich auf, schulterte meinen Seesack und setzte pfeifend meinen Weg zur Pier der Roten Urt fort, wo Ulafis Schiff zu finden war, die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>.</p><p>Gleich darauf beschleunigte ich meine Schritte, denn ein Alarm wurde angeschlagen.</p><p>Hinter mir ert�nten eilige Schritte, und ich drehte mich um. Ein dunkelh�utiger Seemann eilte an mir vorbei in Richtung Hafen. Ich folgte ihm.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>�Wie lange wird sie schon vermi�t?� fragte ich.</p><p>�Gut eine Ahn�, antwortete ein Mann. �Der Alarm ist aber erst jetzt gel�utet worden.�</p><p>Wir standen in der N�he des hohen Pults, an dem der Pier-Praetor seines Amtes waltete.</p><p>�Es schien kein Grund zu bestehen, fr�her darauf aufmerksam zu machen�, sagte der Mann. �Man konnte davon ausgehen, da� W�chter oder die Besatzung der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> sie recht bald aufsp�ren w�rden.�</p><p>�Sie sollte an Bord dieses Schiffes gehen?� fragte ich.</p><p>�Ja�, entgegnete der Mann. �Jetzt mu� man ihr wohl die F��e abhacken.�</p><p>�Ist es ihr erster Fluchtversuch?� erkundigte sich jemand.</p><p>�Keine Ahnung�, lautete die Antwort.</p><p>�Was soll die ganze Aufregung um eine geflohene Sklavin?� rief ein Mann mit zerrissener Kleidung dem ein Ohr blutete. �Mich hat man ausgeraubt! Was tust du dagegen?�</p><p>�Geduld!� sagte der Pier-Praetor. �Wir kennen das P�rchen. Seit Wochen suchen wir nach den beiden.� Der Praetor reichte einem seiner W�chter ein St�ck Papier. Etliche M�nner standen in unserer Gruppe. Ein anderer W�chter h�rte auf, die Alarmstange zu schlagen, die auf einem benachbarten Lagerhaus an einem Mast hing.</p><p>�Haltet nach einer geflohenen Sklavin Ausschau!� rief der W�chter. �Sie ist blond und hat blaue Augen. Sie ist eine Barbarin. Als man sie zuletzt sah, war sie nackt.�</p><p>Ich nahm nicht an, da� es lange dauern w�rde, sie wieder einzufangen. Es war dumm von ihr, die Flucht zu wagen. F�r ein M�dchen wie sie gab es kein Entkommen. Andererseits trug sie noch kein Brandzeichen und keinen Sklavenkragen. Es mochte problematisch sein, sie sofort zu finden.</p><p>�Wie ist sie denn entkommen?� fragte ich einen Mann neben mir.</p><p>�Varts Helfer hat sie auf der Pier abgeliefert�, lautete die Antwort. �Er lie� sie inmitten der Fracht niederknien, die auf die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> verladen werden sollte. Man gab ihm eine Quittung f�r sie, und dann zog er wieder ab.�</p><p>�Er hat sie nicht an H�nden und F��en gefesselt?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete der Mann. �Aber wer h�tte das auch f�r n�tig gehalten?�</p><p>Ich nickte. Seine Worte waren logisch. Innerlich aber l�chelte ich. Sie hatte einfach die Ladezone verlassen, sobald niemand mehr auf sie achtete, sie hatte sich unbemerkt entfernt. W�ren ihre Kenntnisse �ber Gor ausgedehnter gewesen, h�tte sie es nicht ohne weiteres gewagt zu fliehen. Sie begriff noch nicht, da� sie jetzt eine Sklavin war. Sie hatte noch nicht erfa�t, da� die Flucht einem Wesen wie ihr f�r alle Zeit verboten war.</p><p>�Bringt das M�dchen zum Praetor dieser Pier zur�ck!� setzte der W�chter seine Ausrufung fort.</p><p>�Was ist mit den beiden, die mich ausgeraubt haben?� rief der Mann mit der zerrissenen Kleidung und dem blutigen Ohr.</p><p>�Du bist nicht der erste�, sagte der Praetor von der H�he seines Pultes herab. �Auf sie gibt es l�ngst einen Steckbrief.�</p><p>�Wer hat dich ausgeraubt?� fragte ich den Mann.</p><p>�Ich glaube, es waren zwei�, antwortete er. �Ein dunkelhaariges Urt-M�dchen in einer braunen Tunika. Ich wurde von hinten niedergeschlagen. Anscheinend hat sie einen m�nnlichen Komplizen.�</p><p>�Sie verwickelte dich in ein Gespr�ch?� fragte ich. �Und als du dann abgelenkt warst, wurdest du von hinten angegriffen?�</p><p>�Ja�, antwortete der Mann m�rrisch.</p><p>�Ich habe vorhin zwei Personen gesehen, auf die die Beschreibung pa�t�, sagte ich. �Und zwar auf dem Nordweg des Rand-Kanals, der ganz in der N�he dieser Pier m�ndet.�</p><p>�Wir schicken zwei W�chter los�, sagte der Praetor. �Vielen Dank f�r die Information, B�rger!�</p><p>�Sicher sind sie l�ngst fort�, meinte der �berfallene.</p><p>�Vielleicht noch nicht�, mutma�te ich.</p><p>Der Praetor schickte zwei Mann los, die sich schnellen Schrittes in Richtung Rand-Kanal entfernten.</p><p>�Haltet nach einer entflohenen Sklavin Ausschau!� rief der W�chter �ber die Menge hinweg. Ich h�rte, wie er weitere Informationen hinzuf�gte, die ihm offenbar soeben von einem Pier-L�ufer �bermittelt worden waren. Sie umfa�ten aber kaum mehr als die Ma�e des M�dchens, die Varts Verkaufsunterlagen entnommen werden konnten.</p><p>Ich schritt bis zum Ende der Pier, etwa hundert Meter entfernt, wo die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> vert�ut war. Hafenarbeiter, die schwere Ballen auf den Schultern trugen, gingen in langen Reihen an Bord und verschwanden unter Deck. Das Kommando f�hrte der Zweite Offizier des Schiffes. Das erste graue Licht f�llte den Himmel. Noch war der goldene Rand Tor-tu-Gors nicht auszumachen, des Lichts auf dem Heimstein, das sich im Osten der Stadt erhob.</p><p>�Fahrt ihr nach Schendi?� fragte ich den Offizier.</p><p>�Ja�, gab er zur�ck und hob den Blick von seiner Ladeliste.</p><p>�Ich w�rde gern bei euch eine Passage buchen�, sagte ich.</p><p>�Wir nehmen keine Passagiere mit�, sagte er.</p><p>�Ich k�nnte bis zu einem Silber-Tarsk zahlen�, sagte ich. Da� ich mir mehr leisten konnte, wollte ich lieber nicht verlauten lassen. Wenn es gar nicht anders ging, konnte ich mit irgendeinem anderen Schiff fahren. Ein eigenes Schiff zu mieten, war nicht ratsam � das h�tte bestimmt Verdacht erweckt. Es w�re auch nicht klug gewesen, eines meiner eigenen Schiffe, beispielsweise die Dorna oder die Tesephone, in den S�den zu holen. Man mochte sie identifizieren. Goreanische Seeleute erkennen Schiffe ebensoleicht wie Gesichter. Das gilt nat�rlich f�r Seeleute aller L�nder und aller Welten.</p><p>�Wir nehmen keine Passagiere mit�, wiederholte der Zweite Offizier.</p><p>Achselzuckend wandte ich mich ab. Nat�rlich h�tte ich es vorgezogen, mit diesem Schiff zu fahren, denn dort w�rde sich auch das M�dchen befinden, sollte man sie wieder einfangen. Ich durfte nicht riskieren, ihre Spur zu verlieren.</p><p>Ich blickte zum hohen Deck der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> empor. Dort entdeckte ich Kapit�n Ulafi im Gespr�ch mit einem Mann, den ich f�r den Ersten Offizier hielt. Die beiden beachteten mich nicht.</p><p>Ich verweilte einige Sekunden lang und betrachtete die anmutig geschwungene Wandung der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>. Sie war ein mittelgro�es Schiff, dessen Verh�ltnis von L�nge zu Breite etwa sechs zu eins betrug, w�hrend Langschiffe etwa im Verh�ltnis acht zu eins gebaut werden. Das Schiff wies an jeder Seite zehn Ruder auf, besa� zwei Steuerruder und zwei Festmasten mit Lateinersegeln. Die meisten goreanischen Schiffe wurden mit Doppelrudern gesteuert. An Bord von Rundschiffen sind die Masten gew�hnlich fest angebracht, w�hrend sich der eine Mast eines Langschiffes vor dem Kampf entfernen l��t. Die meisten goreanischen Schiffe besitzen Lateinersegel; damit lassen sie sich dichter vor den Wind steuern. Au�erdem bietet das lange dreieckige Segel ein sehr ansprechendes Bild.</p><p>Ich wandte dem Schiff den R�cken. Ich wollte nicht dabei auffallen, da� ich es mir zu gr�ndlich anschaute. Nach den Gezeitentabellen w�rde die Flut sechs Ehn nach der siebten Ahn ihren H�hepunkt erreichen.</p><p>Ich stellte mir die Frage, ob Ulafi auch ohne die blonde Barbarin ablegen w�rde. Ich nahm es nicht an. Ich hoffte, da� er den Silber-Tarsk f�r sie nicht nur deswegen bezahlt hatte, weil sie ihm irgendwie gefiel. Das w�re sehr �rgerlich. Ich war �berzeugt, er w�rde warten, bis man sie wieder eingefangen hatte. Wenn er dadurch jedoch die Flut verpa�te, w�rde ihn das bestimmt nicht freuen.</p><p>Am Pult des Pier-Praetors schien sich etwas ereignet zu haben, und ich kehrte dorthin zur�ck.</p><p>�Sie ist es!� sagte der �berfallene Mann und deutete auf das kleine dunkelhaarige M�dchen. Sie stand gefesselt vor dem hohen Tisch des Praetors. Neben ihr, ebenfalls gesichert, stand ihr Komplize. Beide waren durch eine Halsschlinge miteinander verbunden. Interessanterweise trug das M�dchen keine Tunika mehr; ich hatte ihr das Kleidungsst�ck lediglich �ber die H�fte hochgeschoben. Es erschien mir nicht wahrscheinlich, da� der W�chter sie entbl��t hatte, da ich sie nach wie vor f�r eine freie Frau hielt. Jetzt aber war sie nackt.</p><p>�Die beiden waren wie Vulos aneinandergebunden�, sagte ein W�chter lachend.</p><p>�Wer mag das nur gewesen sein?� fragte jemand.</p><p>�W�chter waren es nicht�, sagte einer der Uniformierten. �Wir h�tten die beiden sofort abgeliefert.�</p><p>�Sieht so aus, als h�tten sich die beiden das falsche Opfer ausgesucht�, meinte jemand.</p><p>�Sie ist es!� wiederholte der Mann mit dem blutigen Ohr. �Sie hat mich abgelenkt, w�hrend der andere, so vermute ich, mich niederschlug.� Er deutete auf den Mann.</p><p>Das M�dchen sch�ttelte den Kopf. Anscheinend wollte sie etwas sagen.</p><p>�Was hast du da im Mund, M�dchen?� fragte der Praetor.</p><p>Einer der W�chter �ffnete ihr unsanft die Lippen und holte die gro�e M�nze heraus. Zehn solcher M�nzen ergeben einen Kupfer-Tarsk. Hundert Kupfer-Tarsk sind ein Silber-Tarsk.</p><p>Der Praetor legte die M�nze auf seinen hohen Tisch, der zudem noch durch eine Sichtkante vor dem Antragsteller abgeschirmt wurde.</p><p>�Gib mir meine M�nze zur�ck!� forderte das M�dchen. �Still!� sagte der W�chter.</p><p>�Sie hat dich also mit dem Mann zusammen �berfallen?� fragte der Praetor und deutete auf das gefesselte M�dchen.</p><p>�Ja�, antwortete der Mann.</p><p>�Nein!� rief das M�dchen. �Ich habe ihn nie zuvor gesehen!�</p><p>�Ich verstehe�, sagte der Praetor, der das M�dchen zu kennen schien.</p><p>�Ha!� rief der Mann, der sie beschuldigte.</p><p>�Wie kommt es, da� du hilflos gefesselt am Kanal lagst?� fragte der Praetor.</p><p>Das M�dchen blickte sich nerv�s um. �R�uber haben uns �berfallen und gefesselt�, sagte sie.</p><p>Gel�chter wurde laut.</p><p>�Ihr m��t mir glauben! Ich bin eine freie Frau!�</p><p>�Untersucht den Beutel des Mannes�, ordnete der Praetor an.</p><p>Einer der W�chter �ffnete den Beutel und fuhr mit den Fingern durch die M�nzen, die sich darin befanden.</p><p>Verbl�fft starrte das M�dchen auf den Beutel. Anscheinend hatte sie nicht gewu�t, da� er soviel Geld enthielt. Zornig wanden sich ihre kleinen H�nde in den Fesseln.</p><p>�Es sieht so aus�, sagte der Praetor l�chelnd, �als h�tte der Mann, der euch �berfiel, euer Geld gar nicht mitgenommen.�</p><p>Der Gefesselte schwieg. M�rrisch blickte er zu Boden.</p><p>�Au�erdem hinterlie� er dir einen kleinen Tarsk�, wandte sich der Praetor an das M�dchen.</p><p>�Mehr habe ich nicht gespart�, sagte sie leise.</p><p>Wieder lachten die Umstehenden.</p><p>�Beraubt worden bin ich nicht�, sagte der Gefesselte. �Doch unerkl�rlicherweise schlug man mich von hinten nieder. Dann fesselte man mich an dieses kleine Urt-M�dchen. Anscheinend ist sie auf den Piers als Gaunerin bekannt. Feinde wollten mich offensichtlich mit ihrer Schuld in Verbindung bringen. Ich habe aber nichts mit ihr zu tun.�</p><p>�Turgus!� rief sie.</p><p>�Ich habe sie in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen�, fuhr er fort.</p><p>�Turgus!� rief sie. �Nein, Turgus!�</p><p>�Hast du gesehen, wie ich dich niederschlug?� wandte sich der Mann, der den Namen Turgus zu tragen schien, an den �berfallenen.</p><p>�Nein�, antwortete dieser. �Nein, das habe ich nicht gesehen.�</p><p>�Ich war es nicht�, sagte der Gefesselte daraufhin. �Bindet mich los, denn ich bin unschuldig. Es liegt auf der Hand, da� ich das Opfer einer Verschw�rung geworden bin.�</p><p>�Er hat mir gesagt, was ich tun soll!� rief das M�dchen. �Er hat mir alles aufgetragen!�</p><p>�Wer bist du schon, du kleine Herumtreiberin?� fragte der Gefesselte. �Es liegt doch auf der Hand�, wandte er sich an den Praetor, �da� dieses Urt-M�dchen mich in ihre Machenschaften verstricken will, um selbst besser davonzukommen.�</p><p>�Ich versichere dir�, sagte der Praetor l�chelnd, �da� sie keine R�cksicht erfahren soll.�</p><p>�Vielen Dank, Offizier!� sagte der Mann.</p><p>Das M�dchen stie� einen Wutschrei aus und versuchte nach dem Mann zu treten. Ein W�chter hielt sie fest.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte der Praetor.</p><p>�Sasi�, antwortete sie.</p><p>�Lady Sasi?� fragte er.</p><p>�Ja�, gab sie zur�ck. �Ich bin frei!�</p><p>Die M�nner lachten. Aufgebracht blickte sie sich um. Ich nahm nicht an, da� sie sich um ihre Freiheit noch gro� Gedanken machen mu�te.</p><p>�Normalerweise tr�gt eine freie Frau mehr als Fesseln�, sagte der Praetor l�chelnd.</p><p>�Als ich gefesselt dalag, wurde mir mein Gewand gestohlen�, antwortete sie. �Jemand ri� es mir ab.�</p><p>�Wer mag das gewesen sein?� fragte der Praetor. �Ein vorbeikommender Mann, der deinen K�rper sehen wollte?�</p><p>�Ein M�dchen raubte mir die Tunika!� rief sie zornig. �Ein blondes M�dchen. Sie war nackt. Sie stahl mir mein Gewand, woraufhin ich nackt war! Wenn es dir um das Gesetz geht, solltest du sie suchen lassen! Ich bin bestohlen worden! Du solltest die kleine Diebin verfolgen und nicht mich hier festhalten. Ich bin eine ehrliche B�rgerin!�</p><p>Wieder lachten die Umstehenden.</p><p>�W�rdest du mich jetzt freilassen, Offizier?� fragte der Gefesselte. �Hier hat es einen Irrtum gegeben.�</p><p>Der Praetor wandte sich an zwei W�chter. �Schaut euch in der Gegend um, wo diese beiden gefunden wurden�, sagte er. �Ich glaube, unsere vermi�te Sklavin wird sich im Gewand dieses Urt-M�dchens wieder anfinden.�</p><p>Zwei W�chter machten sich sofort auf den Weg. Die Vermutung des Praetors erschien mir begr�ndet. Andererseits w�rde sich das M�dchen nicht an dem Ort herumtreiben, an dem sie die elende kleine Tunika des Urt-M�dchens an sich gebracht hatte. Nun ja, vielleicht lie� sich ihre Spur aufnehmen.</p><p>�Ich verlange Gerechtigkeit!� rief das M�dchen.</p><p>�Die sollst du bekommen, Lady Sasi�, sagte der Praetor.</p><p>Sie erbleichte.</p><p>�Wenigstens mu� sie f�r das Brandeisen nicht erst noch entkleidet werden�, sagte ein Mann grinsend neben mir.</p><p>�Ist dies das M�dchen, das dich in ein Gespr�ch verwickelte, ehe du �berfallen wurdest?� wandte sich der Praetor an den Betroffenen.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich wollte ihn nur um einen Tarsk anbetteln�, sagte sie. �Ich wu�te nicht, da� der da dich niederschlagen wollte.�</p><p>�Warum hast du ihn nicht auf die Ann�herung des Mannes aufmerksam gemacht?� fragte der Praetor.</p><p>�Ich habe nicht gesehen, wie der Mann n�herkam.�</p><p>�Aber eben hast du doch gesagt, du wu�test nicht, da� er den Mann niederschlagen w�rde. Also mu�t du ihn doch gesehen haben.�</p><p>�La� mich bitte frei!� flehte sie.</p><p>�Niemand hat gesehen, wie ich den Mann niederschlug�, sagte der Mann, den das M�dchen als Turgus identifiziert hatte. �Ich bin unschuldig. Gegen mich gibt es keinen Beweis. Mit der kleinen Schlampe k�nnt ihr tun, was ihr wollt. Ich aber mu� freigelassen werden.�</p><p>Das M�dchen senkte den Kopf. �La� mich bitte frei!� sagte sie.</p><p>�Mir wurde ein Gold-Tarn gestohlen�, sagte der �berfallene.</p><p>�So eine M�nze befindet sich hier im Beutel�, stellte ein W�chter fest.</p><p>�Auf meiner Goldm�nze hatte ich meine Initialen eingekratzt � Ba-Ta Shu, Bem Shandar � und auf die andere Seite die Trommel des Tabor geritzt.�</p><p>Der W�chter hielt dem Praetor die M�nze hin. �Stimmt!� sagte dieser.</p><p>Pl�tzlich b�umte sich der Gefangene in seinen Fesseln auf. Zwei W�chter mu�ten ihn festhalten. �Er ist kr�ftig!� sagte einer.</p><p>�Die M�nze wurde mir in den Beutel geschmuggelt�, behauptete der Mann. �Man will mich hereinlegen.�</p><p>�Du bist eine Urt, Turgus!� rief das M�dchen.</p><p>�Nein, du bist hier das Urt-M�dchen!� fauchte er zur�ck.</p><p>�Man hat euch zusammen erwischt�, sagte der Praetor und begann einige Papiere auszuf�llen. �Wir suchen schon lange nach euch.�</p><p>�Ich bin unschuldig�, sagte der Mann.</p><p>�Wie nennst du dich selbst?� fragte der Praetor.</p><p>�Turgus.�</p><p>Der Beamte trug den Namen in die Unterlagen ein und unterzeichnete sie.</p><p>Dann blickte er auf Turgus hinab. �Wie kommt es, da� du gefesselt warst?� erkundigte er sich.</p><p>�Mehrere M�nner fielen �ber mich her�, antwortete der andere. �Ich wurde von hinten niedergeschlagen.�</p><p>�Dein Gesicht sieht mir aber nicht danach aus.�</p><p>Turgus� Z�ge boten keinen h�bschen Anblick. Ich hatte seinen Kopf seitlich gegen das Pflaster geschmettert.</p><p>�Turgus aus Port Kar�, sagte der Praetor, �in Anbetracht der hier ermittelten Tatsachen und des auf dich ausgesetzten Steckbriefs ergeht hiermit gegen dich das Urteil der Verbannung. Wirst du nach Sonnenuntergang noch in der Stadt angetroffen, f�llst du der Aufspie�ung anheim. Bindet ihn los!�</p><p>Die W�chter kamen der Aufforderung nach.</p><p>Turgus lie� sich keine Gef�hlsregung anmerken. Er drehte sich um und schritt durch die Menge. Dabei fiel sein Blick auf mich.</p><p>Er erbleichte, machte kehrt und floh.</p><p>Ich bemerkte den interessierten Blick eines in der N�he stehenden dunkelh�utigen Seemannes � es war der Mann, der mich vor einiger Zeit auf meinem Weg in den Hafen �berholt hatte.</p><p>Das M�dchen blickte zu dem Praetor empor.</p><p>�Die Lady Sasi�, sagte dieser, �wird in Anbetracht der hier ermittelten Tatsachen und des auf sie ausgestellten Steckbriefes zur Sklaverei verurteilt.�</p><p>�Nein, nein!� kreischte sie.</p><p>�Das M�dchen soll zur n�chsten Schmiede gebracht und gebrandmarkt werden. Anschlie�end ist sie vor der Werkstatt f�nf Ehn lang auszustellen und dem erstbesten Interessenten f�r die Kosten der Brandung zu ver�u�ern. Wird sie in dieser Zeit nicht verkauft, kommt sie auf den �ffentlichen Markt.�</p><p>Das M�dchen musterte den Praetor stumm.</p><p>�Diese Tarsk-M�nze�, fuhr der Beamte fort und deutete auf das Geldst�ck, das man ihr abgenommen hatte, �geht in den Besitz der Hafenbeh�rden �ber.�</p><p>Ich bemerkte, da� Ulafi, der Kapit�n der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>, mit seinem Ersten Offizier in der Menge stand. Ich schob mich neben die beiden.</p><p>�Ich w�rde gern an Bord der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> mitfahren�, sagte ich leise.</p><p>�Du bist kein Metallarbeiter�, bemerkte Ulafi zu mir.</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Ich m�chte eine Passage buchen�, wiederholte ich.</p><p>�Wir nehmen keine Passagiere mit�, sagte er. Er und der Erste Offizier wandten sich daraufhin ab. Ich blickte den beiden nach.</p><p>Der Praetor unterhielt sich nun mit Bem Shandar aus Tabor. Papiere wurden ausgef�llt, mit deren Hilfe der Mann sein gestohlenes Gut zur�ckerhalten w�rde.</p><p>�Kapit�n!� rief ich.</p><p>Ulafi drehte sich um. Die Menschenmenge lief bereits auseinander.</p><p>�Ich k�nnte f�r die Passage einen Silber-Tarsk zahlen�, sagte ich.</p><p>�Es scheint dir sehr daran zu liegen, aus Port Kar wegzukommen�, sagte er.</p><p>�Mag sein�, gab ich zur�ck.</p><p>�Wir bef�rdern keine Passagiere�, informierte er mich und wandte sich ab. Sein Erster Offizier folgte ihm.</p><p>Ich n�herte mich einem W�chter nahe der Praetor-Station. �Welche Anstrengungen werden unternommen, die geflohene Sklavin wiederzufinden?� fragte ich.</p><p>�Geh�rst du zur <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>?� fragte er.</p><p>�Ich hoffe, an Bord dieses Schiffes eine Passage zu finden�, erwiderte ich. �Ich f�rchte, der Kapit�n wird die Abreise so lange hinausz�gern, bis das M�dchen gefunden ist.�</p><p>�Wir suchen nach ihr�, sagte der W�chter.</p><p>�Vielleicht tr�gt sie das Gewand eines Urt-M�dchens�, sagte ich.</p><p>�Das wissen wir, B�rger!�</p><p>�Ich�, sagte ein W�chter, der unser Gespr�ch belauscht hatte, �habe ein M�dchen, auf das die Beschreibung pa�t, vor kurzem angehalten. Sie trug die Tunika eines Urt-M�dchens, doch als ich sie zwang, mir ihren Oberschenkel zu zeigen, war dort kein Brandmal zu sehen.�</p><p>�Wo hast du so ein M�dchen gefunden?� fragte ich.</p><p>�In der N�he der Gew�rz-Pier�, lautete die Antwort.</p><p>�Vielen Dank, W�chter!�</p><p>Instinktiv mochte das M�dchen das Richtige tun � sie w�rde sich m�glichst gut zu verstecken suchen, ohne den Bereich des Hafens zu verlassen; der Rest der Stadt war sicher zu fremd f�r sie. Es gab verschiedene M�glichkeiten. Sie konnte sich zwischen Kisten und Ballen auf den Piers verbergen, sie mochte in Kisten, unter Planen oder in gro�en Taurollen Schutz suchen. Nat�rlich waren den W�chtern solche M�glichkeiten bekannt, die systematisch jeden Winkel absuchen w�rden.</p><p>Ich hatte mich zur Gew�rz-Pier begeben.</p><p>Ich nahm nicht an, da� das M�dchen sich so wenig einfallsreich verstecken w�rde � sie w�rde daf�r sorgen, da� man sie nicht gleich als Verd�chtige ansehen mu�te, denn zweifellos war sie hochintelligent. Schlie�lich hatte man sie zur Kur-Agentin gemacht.</p><p>Ich packte ein dunkelhaariges Urt-M�dchen am Arm. �La� mich los!� kreischte sie. �Ich habe nichts getan!�</p><p>�Wo finden sich die Urt-M�dchen zusammen?� fragte ich.</p><p>�La� mich los!� forderte sie erneut, doch ich sch�ttelte sie kr�ftig durch. �Oh! Oh!� rief sie.</p><p>Ich hielt sie fest und blickte sie starr an. Sie senkte den Kopf.</p><p>�Einige M�dchen treffen sich hinter den Paga-Tavernen am Nordufer der Band-Gasse.�</p><p>Der Band-Kanal geh�rte zu den besseren Wasserstra�en Port Kars. Ein schmalerer Kanal, der s�dlich davon abgeht, wird Band-Gasse genannt. Die Nacht war angebrochen, und die Tavernen, die mit der R�ckfront an den schmalen Kanal stie�en, warfen jetzt bestimmt den Unrat der letzten Nacht hinaus. An solchen Orten kommen zuweilen die Urt-M�dchen zusammen, um sich an den �berresten zahlreicher Feste schadlos zu halten.</p><p>Bis zum H�hepunkt der Flut war es nur noch knapp eine Stunde. Hastig �berquerte ich zwei Br�cken, die Kan�le �berspannten. Dann ging ich in �stlicher Richtung, bog einmal links und einmal rechts ab und befand mich am Nordufer der Band-Gasse. Die meisten kleineren Kan�le � so auch die Band-Gasse � f�hrten nicht direkt ins Thassa, sondern waren nur Nebenarme. Die gr��eren Kan�le in Port Kar sind �brigens selten �berbr�ckt. Und wenn es doch Br�cken gibt, handelt es sich meistens um Drehbr�cken, die sich, von Schwimmelementen getragen, zur Seite ziehen lassen. Auf diese Weise k�nnen sich Handelsschiffe mit unbeweglichen Masten auch in der Stadt bewegen. Milit�risch gesehen, k�nnen Kan�le andererseits blockiert oder auch als Teile von Befestigungsanlagen f�r bestimmte Stadtteile verwendet werden.</p><p>Ich entdeckte sie in Gesellschaft mehrerer anderer M�dchen auf dem Hinterhof des Silbernen Kragens. Die M�dchen w�hlten Drahtbeh�lter durch, die offenbar Abfall enthielten. Es waren h�bsche M�dchen mit ansprechenden Beinen � allerdings waren sie zerlumpt und verdreckt. Das blonde M�dchen sah nicht anders aus � eins unterschied sie jedoch von ihren sechs Begleiterinnen: ihre offensichtliche Abscheu vor dem Unrat und die Feindseligkeit der anderen.</p><p>Die Blonde entdeckte mich. Im ersten Augenblick reagierte sie �ngstlich; dann schien sie sich einzureden, da� ich sie unm�glich kennen konnte. Schlie�lich war sie eines unter vielen Urt-M�dchen. Sie trug kein Brandzeichen.</p><p>Sie tat, als h�tte sie mich nicht bemerkt, und n�herte sich dem Abfallkorb. Dabei versuchte sie den typischen Schlenderschritt der Urt-M�dchen nachzuahmen. Dann �berwand sie sich dazu, die Hand in den frischen, feuchten Unrat zu schieben. Dabei blickte sie zu mir her�ber und bemerkte, da� ich sie noch immer beobachtete. Ihre Hand umfa�te eine halbe gelbe goreanische Birne, in der die �berreste eines halbmondf�rmigen Verrk�ses steckten. Ohne den Blick von mir zu wenden, hob sie ihren Fund an den Mund. Ich nahm nicht an, da� der Bissen schlecht schmeckte. Dabei sah sie so aus, als m��te sie sich jeden Moment �bergeben.</p><p>Urpl�tzlich wurde sie am Handgelenk gepackt. Ein gro�gewachsenes M�dchen in einer kurzen wei�en Tunika fuhr die Blonde an: �Was willst du? Du geh�rst nicht zu uns!� Sie nahm der Fremden ihren Fund ab. �Du hast dich nicht mit den Paga-Helfern eingelassen wie wir�, fuhr sie fort. �Verschwinde!� rief das M�dchen in Wei�. Die Urt-M�dchen waren bereit, f�r ihren Hunger alles zu tun.</p><p>Mit einer gewissen Erleichterung, ohne allerdings zu verstehen, was da eben gesagt worden war, zog sich die blonde Barbarin zur�ck. Gegen ihren Willen erschauderte sie, als das M�dchen in der wei�en Tunika achtlos in das St�ck Birne mit dem K�se bi�. Dann blickte sie zu mir her�ber.</p><p>Sie hatte keine Chance.
 Das M�dchen stand gefesselt vor dem Tribunal des Praetors.</p><p>�Ist dies deine Sklavin?� wandte sich der Hafenbeamte an Ulafi aus Schendi.</p><p>�Ja�, antwortete er.</p><p>�Woher soll ich wissen, da� sie Sklavin ist?� fragte der Praetor. �Ihr Bein ist nicht gebrandmarkt. Ihre abweisende Haltung deutet darauf hin, da� sie eine freie Frau ist.�</p><p>�Sie wurde als freie Frau von Bejar an Bord der Bl�te von Telnus gefangengenommen�, antwortete Ulafi. �Sie wei� noch nicht, was mit ihr geschehen ist.�</p><p>�Ist Bejar anwesend?� fragte der Praetor.</p><p>�Nein!� rief ein Mann. Bejar war gestern zu neuer Fahrt ausgelaufen, zu neuen Abenteuern auf dem schimmernden Thassa.</p><p>�Ihre Ma�e entsprechen der der Sklavin�, sagte Ulafi. �Ich habe hier ihre Sklavenpapiere, die mir heute fr�h von Varts Helfer ausgeh�ndigt wurden.� Er reichte dem Praetor die Unterlagen.</p><p>Der Beamte sah die Papiere durch. �Ist jemandem hier bekannt, da� diese Frau Ulafi geh�rt und Sklavin ist?� fragte er.</p><p>Ich wollte dazu nichts sagen, denn damit h�tte ich offenbaren m�ssen, da� ich beim Verkauf anwesend gewesen war. Es war mir lieber, wenn diese Tatsache nicht bekannt wurde.</p><p>�Man h�tte sie brandmarken sollen�, stellte der Praetor fest. �Sie h�tte gleich den Kragen bekommen m�ssen.�</p><p>�Ich habe einen Kragen hier�, sagte Ulafi und hob ein Stahlband, auf dem f�nf Palmen dargestellt waren wie auch das Symbol Schendis, Kette und Krumms�bel. �Ich m�chte mit der Flut auslaufen�, fuhr der Kapit�n fort. �In weniger als einer halben Ahn haben wir Hochwasser.�</p><p>�Tut mir leid�, sagte der Praetor.</p><p>�Hat man nicht nach Vart geschickt, der meine Behauptung best�tigen kann?�</p><p>�Ja�, entgegnete der Praetor. �Trotzdem mu� ich diese Frau wohl freilassen�, fuhr er fort und blickte auf das M�dchen hinab. �Schade, denn sie ist sehr h�bsch.�</p><p>�Nein!� sagte Ulafi.</p><p>�Moment!� rief ein Mann. �Da kommt Vart!�</p><p>Das M�dchen trat bedr�ckt einen Schritt zur�ck.</p><p>�Kennst du dieses M�dchen?� wandte sich der Praetor an den Sklavenh�ndler.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Vart. �Sie wurde gestern abend als Sklavin an diesen Kapit�n verkauft. Er hat einen Silber-Tarsk f�r sie bezahlt.�</p><p>Der W�chter neben der Blonden zwang die Sklavin in die Knie.</p><p>�Die Sklavin wird hiermit Ulafi aus Schendi zugesprochen�, verk�ndete der Praetor.</p><p>Die Anwesenden brachen in Jubelgeschrei aus und applaudierten auf goreanische Weise, indem sie sich mit der rechten Hand gegen die linke Schulter schlugen.</p><p>�Vielen Dank, Praetor!� sagte Ulafi und erhielt vom Magistraten die Sklavenpapiere.</p><p>�Kapit�n Ulafi�, sagte der Beamte. �Du solltest sie brandmarken lassen, ehe du den Hafen verl��t.�</p><p>�Ja, Praetor!� antwortete Ulafi und wandte sich an seinen Ersten Offizier. �Zum Auslaufen alles vorbereiten. Wir haben noch zwanzig Ahn.�</p><p>�Jawohl, Kapit�n!� antwortete der Mann. Dann wandte er sich an zwei Seeleute von seinem Schiff, die im Hintergrund gewartet hatten. �Peitscht sie aus, damit sie begreift, da� sie jetzt Sklavin ist und zu gehorchen hat! Anschlie�end bringt ihr sie zur Metallschmiede. Ich erwarte euch dort. Bringt au�erdem eine Stange und einen K�fig mit.�</p><p>�Jawohl, Kapit�n!� sagte einer der M�nner.</p><p>�Und du kannst mich gern begleiten, wenn du m�chtest�, sagte Ulafi zu mir.</p><p>Ich folgte ihm zur Metallschmiede. Vor der Werkstatt stand frisch gebrandmarkt und mit einem Halskragen verziert das M�dchen, das bis vor kurzem noch Sasi gehei�en hatte. Ein W�chter behielt sie im Auge. Sie war eine billige Sklavin, aber h�bsch. Als sie mich erblickte, versuchte sie ihre Bl��e zu verdecken und sich zusammenzuducken. Ich l�chelte. Begriff sie nicht, da� sie das Brandzeichen trug?</p><p>�Mach das Eisen hei�!� sagte Ulafi zu dem Metallarbeiter, einem muskul�sen Burschen mit einer Ledersch�rze.</p><p>�Wir haben stets mehrere Eisen im Feuer�, sagte der Mann, nachdem er uns geb�hrend begr��t hatte.</p><p>�Wir nehmen das ganz normale Kajira-Zeichen�, sagte Ulafi.</p><p>Minuten sp�ter wurde das M�dchen gebracht. Offenbar konnte sie nicht mehr gehen, denn einer der M�nner hatte sie sich �ber die Schulter geworfen. Sie stand unter Schockeinwirkung.</p><p>Sie hatte zu fliehen versucht. Sie hatte vor dem Praetor gelogen. Doch weder waren ihr die F��e abgehackt noch Ohren oder Nase abgeschnitten worden. Man hatte ihr die gro�e Gnade erwiesen, sie lediglich auszupeitschen. Nat�rlich hatte es sich um erstmalige Verfehlungen gehandelt, war sie doch eine ahnungslose Barbarin. Inzwischen jedoch wu�te sie bestimmt, da� goreanische M�nner nichts durchgehen lassen und da� wiederholte Verfehlungen nicht so r�cksichtsvoll geahndet werden w�rden.</p><p>Das M�dchen war in das Brandungsgestell eingeschlossen worden und konnte sich nicht mehr r�hren. Schluchzend starrte sie um sich.</p><p>�Das Eisen ist bereit�, meldete der Schmied.</p><p>Ulafi warf dem Mann einen Kupfer-Tarsk zu. �Mein Freund hier�, sagte er und deutete auf mich, �wird das Eisen f�hren.�</p><p>Ich blickte ihn an, und er l�chelte. �Du bist doch Metallarbeiter, oder nicht?� fragte er.</p><p>�Vielleicht�, gab ich zur�ck. Zuvor hatte er behauptet, ich geh�re dieser Kaste wohl nicht an.</p><p>�Wir sind zum Ablegen bereit!� meldete Ulafis Erster Offizier, der in diesem Augenblick die Werkstatt betrat.</p><p>�Gut�, antwortet Ulafi.</p><p>Ich zog Lederhandschuhe an, drehte das Eisen im Feuer und hielt es hoch.</p><p>�Nein!� flehte das M�dchen. �Bitte ber�hr mich damit nicht!�</p><p>Ich blickte sie an. Ich sah sie in diesem Augenblick nicht als Agentin der Kurii � sondern lediglich als sch�ne Frau, des Brandzeichens w�rdig.</p><p>Ich brandete sie.</p><p>�Ausgezeichnete Arbeit!� sagte Ulafi.</p><p>W�hrend das M�dchen noch schluchzte und schrie, befreite der Schmied sie aus dem Gestell. Ulafi lie� sie sofort als Sklavin fesseln und in den mitgebrachten K�fig stecken, der von zwei M�nnern an einer Stange getragen wurde.</p><p>Ich nahm nicht an, da� sie noch einmal fliehen w�rde. Ich war �berzeugt, sie w�rde mich ohne weiteres zu Shaba f�hren, dem Geographen aus Anango. In meinem Seesack ruhten auf ihn ausgestellte Kreditbriefe, die bei Schendi-Bankiers eingel�st werden konnten. Zwischen diesen Papieren lag auch der falsche Ring, den das M�dchen bei sich gehabt hatte.</p><p>�Ich bin dir dankbar, da� du meine Sklavin zur�ckgebracht hast�, sagte Ulafi.</p><p>�Ach, das war nichts�, gab ich zur�ck.</p><p>�Du hast sie au�erdem vorz�glich gebrandet�, fuhr er fort. �Es wird der Augenblick kommen, da sie stolz sein wird auf dieses Zeichen.�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Kapit�n�, sagte ich.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich m�chte noch immer eine Passage an Bord deines Schiffes buchen � nach Schendi.�</p><p>Er l�chelte. �Das sei dir gern gestattet.�</p><p>�Vielen Dank!�</p><p>�Es kostet dich einen Silber-Tarsk�, fuhr er fort.</p><p>�Oh!� machte ich.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ich bin Kaufmann�, erkl�rte er.</p><p>Ich gab ihm einen Silber-Tarsk, und er machte kehrt und ging auf das Schiff zu.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte ich zu dem Schmied.</p><p>�Ich dir ebenfalls�, antwortete er.</p><p>Ich fragte mich, wieviel Ulafi wu�te. Daraufhin verlie� ich ebenfalls die Schmiede.</p><p>Drau�en war der W�chter im Begriff, seinen Sch�tzling loszubinden, der fr�her den Namen Sasi getragen hatte.</p><p>�Du hast sie in der vorgeschriebenen Zeit nicht verkaufen k�nnen?� fragte ich.</p><p>�Wer will schon ein Urt-M�dchen?� gab er zur�ck. �Ich bringe sie jetzt auf den �ffentlichen Sklavenmarkt.�</p><p>Das M�dchen blickte mich an und erschauderte.</p><p>�Was willst du f�r sie haben?� fragte ich.</p><p>�Das Branden hat einen Kupfer-Tarsk gekostet�, antwortete er.</p><p>Ich blickte sie an. Sie erwiderte zitternd meinen Blick und sch�ttelte abwehrend den Kopf.</p><p>Ich warf dem Mann einen Kupfer-Tarsk zu.</p><p>�Sie geh�rt dir�, sagte er.</p><p>Er nahm ihr die Halsfessel ab.</p><p>�Unterwirf dich!� forderte ich.</p><p>Sie kniete vor mir nieder und senkte den Kopf. Ich hielt ihr einen ge�ffneten Sklavenkragen hin, den ich aus meinem Seesack genommen hatte.</p><p>�Kannst du lesen?� fragte ich sie.</p><p>�Nein, Herr�, antwortete sie.</p><p>�Hier steht: �Ich bin das M�dchen Tarls aus Teletus.��</p><p>�Ja, Herr!� gab sie zur�ck.</p><p>Dann schlo� ich den Kragen um ihren Hals. Ich hatte mir ausgerechnet, da� ein M�dchen � beispielsweise eine in Schendi gekaufte Sklavin � meine Rolle als Metallarbeiter von der Insel Teletus echter gestalten konnte. Diesem Zweck mochte dieses kleine Wesen ohne weiteres dienen. Es bestand kein besonderer Grund, mit dem Erwerb der Sklavin bis Schendi zu warten. Au�erdem mochte sie Ulafi, der einigerma�en mi�trauisch war, durch den Kragen �berzeugen lassen, da� ich ein ehrlicher Bursche war. Ich reiste mit einem M�dchen, das einen Namenkragen trug.</p><p>�Sind Papier auf sie ausgestellt?� fragte ich den W�chter.</p><p>�Nein�, antwortete dieser. Die meisten goreanischen Sklaven haben keine Papiere. Brandzeichen und Kragen werden als ausreichende Identifikation angesehen.</p><p>Ich zerrte die kleine Sklavin hoch und deutete auf die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>.</p><p>�Siehst du das Schiff?�</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie.</p><p>�Lauf dorthin, so schnell dich deine kleinen Beine tragen!� sagte ich. �Sag den M�nnern, sie sollen dich in einen K�fig stecken!�</p><p>Ich warf mir meinen Seesack �ber die Schulter und folgte ihr. Kaum war ich �ber die Planke an Bord getreten, da wurde die Br�cke zum Land eingezogen. M�nner schlossen und sicherten die Reling.</p><p>Die kleine dunkelhaarige Sklavin wurde in einen K�fig gesto�en. Nebenan war die blonde Barbarin untergebracht. �Du!� rief das dunkelhaarige M�dchen erstaunt. Die Blonde wich zur�ck. �Kajira!� fauchte das dunkelhaarige M�dchen aufgebracht. Die Blonde hatte ihr die Tunika gestohlen, w�hrend sie gefesselt am Kanal lag.</p><p>Die Leinen wurden losgeworfen.</p><p>An der Backbordreling stellten sich drei Seeleute auf und schoben die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> mit Stangen vom Kai fort. Von den langen, schr�gen Segelb�umen fiel die Leinwand herab.</p><p>Die beiden Steuerleute hatten ihre Position eingenommen.</p><p>Der Erste Offizier befehligte die Besatzung. Kapit�n Ulafi stand auf dem hohen Achterdeck.</p><p>�Fertig!� rief der Zweite Offizier.</p><p>Auf jeder Seite schoben zehn Seeleute ihre Ruder nach drau�en.</p><p>�Ziehen!� rief der Zweite Offizier.</p><p>Die langen Ruder wurden in das Thassa getaucht und hoben sich tropfend aus dem gr�nlichen Wasser. Langsam setzte sich das Schiff in Bewegung, l�ste sich vom Land. Eine Brise, die �ber Port Kar hinweg aus dem Osten herbeiwehte, f�llte die Segel.</p><p>�Ruder einziehen!� rief der Zweite Offizier.</p><p>Die Steuerleute lenkten das Schiff auf die rechte Seite der Kette roter und wei�er Bojen, die aus dem Hafen f�hrte.</p><p>Ich sah zu, wie Port Kar langsam hinter uns kleiner wurde. Der Himmel war sehr blau.</p><p>Die Segel knatterten im Wind �ber meinem Kopf. Masten und Planken knackten. Ich empfand den salzigen Geruch des schimmernden Thassa. Ein Seemann begann ein Schendi-Lied zu singen, und sehr bald fielen andere ein.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Die Reise nach Schendi das tief im S�den liegt, dauert mehrere Tage, auch wenn die Winde g�nstig sind, wie es jetzt der Fall war.</p><p>�Meinst du, sie wird eine gute Sklavin abgeben?� fragte Sasi die neben mir stand und eine Larma a�. Wir beobachteten, wie der Zweite Offizier der blonden Sklavin Unterricht in den Positionen einer Vergn�gungssklavin gab.</p><p>�Mit der Zeit kann etwas aus ihr werden�, erwiderte ich. �Wie kommt ihr im Goreanisch-Unterricht voran?�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Ich unterrichte sie, so gut ich kann�, entgegnete sie. �Barbarinnen sind ja so dumm!�</p><p>Auf Einladung Ulafis hatte ich Sasi angewiesen, dem blonden M�dchen mehrere Stunden t�glich Unterricht in der goreanischen Sprache zu geben. Sasi hatte gro�en Spa� daran und ahndete jeden Fehler recht handgreiflich. Sasi war das Erste M�dchen und geno� diese Position.</p><p>Ich schaute auf das blonde M�dchen, das in der angeordneten Position auf dem Deck kniete. Der Zweite Offizier war fortgegangen. Sie regte keinen Muskel. Sie wurde vorz�glich ausgebildet.</p><p>�Ich hasse sie!� sagte Sasi.</p><p>�Warum?� wollte ich wissen.</p><p>�Sie ist dumm!�</p><p>�Das glaube ich nicht�, sagte ich. �Vergi� nicht, da� sie eine schwere Zeit durchmacht. Au�erdem ist sie nur eine Barbarin.�</p><p>Ich hatte wirklich nicht den Eindruck, da� sie sich ungeschickt anstellte; sie schien ziemlich schnell zu lernen. Ich hatte das Gef�hl, da� sie sich hervorragend machen w�rde.</p><p>�Wirst du mich heute nacht wieder ein bi�chen unterrichten, Herr?� fragte Sasi.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Ich hatte sie bereits �ber jene Grenzen hinausgef�hrt, die eine freie Frau kennt. Gelegentlich holte ich sie nachts aus dem K�fig, dessen Schl�ssel ich besa�. Nach den ersten drei oder vier Tagen hatte sich ihre Einstellung zum Sklavenkragen bereits erheblich ge�ndert. Ein interessanter Wandel, den jede freie Frau durchmacht.</p><p>Sasi bi� in ihre Larmafrucht.</p><p>In den ersten beiden Tagen hatte das blonde M�dchen keinen Bissen herunterbekommen. Sie hatte die Breiund Fischspeisen, die ihr vorgesetzt wurden, mit Abscheu betrachtet. Doch schon am dritten Tag hatte sie den Napf leergeleckt, der ihr durch das Gitter zugeschoben wurde.</p><p>�Findest du sie h�bsch, Herr?� fragte Sasi.</p><p>�Ja�, antwortete ich. Und das stimmte. Sie schien an Attraktivit�t zugenommen zu haben. Vermutlich lag es an der Bewegung und an der frischen Luft. Und nat�rlich an den neuen Erkenntnissen, die sie gewann.</p><p>�Ist sie h�bscher als ich?� Sasi lie� nicht locker.</p><p>�Ihr seid auf unterschiedliche Weise h�bsch�, antwortete ich. �Ihr werdet beide hervorragende kleine Sklavinnen abgeben.�</p><p>�Oh�, sagte Sasi. �Gefalle ich dir, Herr?� erkundigte sie sich.</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Besonders, seit du gebadet hast.�</p><p>�O Herr!� rief sie.</p><p>Gleich am ersten Tag unserer Reise hatte ich sie von Kopf bis Fu� mit Seewasser abgeschrubbt.</p><p>�Wann hattest du dich das letzte Mal gewaschen?� fragte ich weiter.</p><p>�Ich glaube, vor etwa einem Jahr warf mich mal ein M�dchen in den S�d-Kanal�, antwortete sie.</p><p>�Aha.�</p><p>�Nimmt es der Herr denn so genau?� fragte sie.</p><p>�Im allgemeinen nicht � aber was die pers�nliche Sauberkeit angeht, da erwarte ich k�nftig von dir eine gewisse Gr�ndlichkeit. Du bist keine freie Frau mehr.�</p><p>�Nein, Herr.�</p><p>�Du machst dich gut in einem Kragen�, fuhr ich fort. �Du h�ttest als Sklavin geboren sein k�nnen.�</p><p>�Auf eine gewisse Weise war ich das auch�, gab Sasi zur�ck.</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Ich bin eine Frau�, sagte sie und steckte den letzten Bissen der Larma in den Mund.</p><p>Wei�e Wolken standen am stahlblauen Himmel. Wenn die Winde nicht nachlie�en, w�rden wir Schendi in vier Tagen erreichen.
 �Warum willst du nach Schendi reisen?� fragte mich Ulafi. Es war sp�ter Abend. Wieder stand ich an der Reling.</p><p>�Ich bin nie dort gewesen�, antwortete ich.</p><p>�Du bist kein Metallarbeiter�, sagte er.</p><p>�Ach?� fragte ich.</p><p>�Vielleicht kennst du Chungu�, sagte er.</p><p>�Du meinst den Wachhabenden�, sagte ich.</p><p>�Richtig.�</p><p>�Vom Sehen�, antwortete ich. Ich erinnerte mich ziemlich gut an ihn. Er war an mir vorbeigegangen, als ich auf dem Weg zur Pier der Roten Urt gewesen war. Sp�ter war er mir au�erdem in der N�he des Pier-Praetors aufgefallen.</p><p>�Bevor wir wegen der geflohenen Sklavin Generalalarm gaben�, erkl�rte mir Ulafi, �versuchten wir sie nat�rlich selbst wiederzufinden. Wei�t du, wir dachten wirklich, wir k�nnten sie innerhalb weniger Minuten aufgreifen.�</p><p>�Nat�rlich�, bemerkte ich.</p><p>�Sie war nackt, eine Barbarin. Wohin h�tte sie gehen sollen? Was konnte sie schon unternehmen? Aber sie war schlau. Sie versteckte sich bei den Urt-M�dchen.�</p><p>�Es w�re f�r einen Kapit�n aus Schendi sicher auch ein bi�chen peinlich gewesen�, sagte ich, �den Verlust eines M�dchens �ffentlich eingestehen zu m�ssen.�</p><p>�M�chtest du �ber Bord geworfen werden?� erkundigte sich Ulafi.</p><p>�Nein, bestimmt nicht.�</p><p>�W�re ein solches Eingest�ndnis nicht f�r jeden unangenehm gewesen?� fragte Ulafi nachdr�cklich.</p><p>�Nat�rlich�, entgegnete ich. �Verzeih mir, Kapit�n!�</p><p>�Als wir uns dann doch entschlossen, die Hilfe der W�chter in Anspruch zu nehmen�, fuhr Ulafi fort, �lie�en wir den Alarm auf das M�dchen ausrufen. Chungu, einer meiner Leute, versuchte die Sklavin in der N�he des Rand-Kanals aufzusp�ren. In jenem Gebiet wurde er Zeuge, wie zwei R�uber, ein Mann und seine Komplizin, von einem Mann besiegt wurden, der wie ein Metallarbeiter gekleidet war. Der Fremde erledigte die beiden mit einer Geschicklichkeit, wie sie von einem Angeh�rigen der Kaste der Metallarbeiter kaum erwartet werden kann. Und er nahm sich noch die Zeit, das M�dchen zu vergewaltigen, ehe er weiterwanderte.�</p><p>�Oh�, sagte ich.</p><p>�Du warst der Bursche im Gewand der Metallarbeiter�, fuhr Ulafi fort.</p><p>�Ja�, gestand ich.</p><p>�Als die R�uber vor den Tisch des Praetors gef�hrt wurden, fiel auf, da� sie mit Knoten gefesselt worden waren, wie sie ein Krieger kennt�, sagte Ulafi.</p><p>�Mag sein�, erwiderte ich.</p><p>�Warum reist du nach Schendi?� fragte Ulafi.</p><p>�Wenn du wu�test, da� ich nicht der Kaste der Metallarbeiter angeh�re�, fragte ich, �warum hast du mich dann das blonde M�dchen brandmarken lassen?�</p><p>�Ich wollte sehen, was du tust�, erwiderte er.</p><p>�Das barg die Gefahr, da� ich dir den Schenkel des M�dchens verdorben h�tte.�</p><p>�Das Zeichen ist perfekt herausgekommen�, sagte Ulafi.</p><p>�Was dir doch beweisen m��te, da� ich wirklich Metallarbeiter bin.�</p><p>�Nein�, gab er zur�ck, �da� du Krieger bist. Daf�r spricht auch die Art und Weise, wie du dich bewegst, wie du um dich blickst, wie du dich setzt.�</p><p>Ich schaute auf das Meer hinaus. Die drei Monde standen hoch am Himmel. Das Thassa funkelte.</p><p>�War es f�r dich wichtig, Port Kar genau in diesem Augenblick zu verlassen?�</p><p>�Ich glaube schon�, antwortete ich.</p><p>�Warum hast du dir gerade Schendi ausgesucht?� fragte er weiter.</p><p>�Kann man in Schendi denn nicht ein Verm�gen verdienen?�</p><p>�Man kann in Schendi wohl ein Verm�gen verdienen�, sagte er, �es gibt dort aber auch Gefahren.�</p><p>�Gefahren?�</p><p>�Ja�, antwortete Ulafi, �sogar aus dem Landesinneren, wo sich das Ubarat Bila Hurumas erstreckt.�</p><p>�Schendi ist ein Freihafen, der unter der Verwaltung von Kaufleuten steht�, sagte ich.</p><p>�Wir hoffen, da� es auch k�nftig so bleibt�, sagte er.</p><p>�Dein Verdacht war richtig�, sagte ich. �Ich geh�re der Kriegerkaste an.�</p><p>Ulafi l�chelte.</p><p>�Vielleicht gibt es in Schendi Leute, bei denen ich in Dienst treten k�nnte.�</p><p>�Der Stahl hat stets seinen Preis�, bemerkte Ulafi und schien sich abwenden zu wollen.</p><p>�Kapit�n!� sagte ich.</p><p>�Ja?�</p><p>Ich deutete auf das blonde M�dchen im K�fig. �Die Sklavin dort interessiert mich�, sagte ich und blickte Ulafi an. �Auf der Pier sagte Vart etwas davon, er habe einen Silber-Tarsk f�r sie erhalten. Mir will scheinen, da� ein solches M�dchen, nur durchschnittlich sch�n, ungeschickt und unausgebildet, des Goreanischen kaum m�chtig, bestenfalls zwei oder drei Kupfer-Tarsk wert ist.�</p><p>�Ich kann zwei Silber-Tarsk f�r sie bekommen�, sagte Ulafi.</p><p>�Ist denn ihre Haar- oder Hautfarbe in Schendi so selten?� fragte ich.</p><p>�Solche M�dchen, auch viel bessere, sind in Schendi billig zu haben�, sagte er. �Du darfst nicht vergessen, da� Schendi der Heimathafen der Schwarzen Sklavenh�ndler ist.�</p><p>�Warum bekommst du dann zwei Silber-Tarsk f�r sie?�</p><p>�Sie steht auf meiner bedingten Suchliste�, entgegnete Ulafi.</p><p>�Ich verstehe�, gab ich zur�ck. Das hatten sich die Kur-Agenten gut ausgedacht. Sie wu�ten, da� das M�dchen von Cos nach Schendi unterwegs war, auf einer Reise, die gef�hrlich ist, insbesondere wegen der Piratenattacken von Schiffen aus Port Kar. Es war also vern�nftig, Vorsorge zu treffen, sie wegzukaufen, sollte sie versklavt werden und in Port Kar zum Verkauf kommen. Zweifellos waren mit Schendi-Agenten in Tyros und wohl auch Lydius oder Scagnar �hnliche vorsorgliche Vereinbarungen getroffen worden.</p><p>�Warum l��t du sie als Sklavin ausbilden?� fragte ich.</p><p>�Sie ist nun mal Sklavin�, erwiderte der andere. �Warum also nicht?�</p><p>�Stimmt�, sagte ich l�chelnd. �Wer ist dein Kunde?�</p><p>�Ist dir die Auskunft einen Kupfer-Tarsk wert?� fragte Ulafi.</p><p>�Ja�, erwiderte ich.</p><p>�Ein Sklavenh�ndler in Schendi namens Uchafu�, sagte er.</p><p>Ich reichte ihm einen Kupfer-Tarsk.</p><p>�Ist Uchafu ein wichtiger Sklavenh�ndler?� fragte ich.</p><p>�Nein. Normalerweise hat er im offenen Verkauf niemals mehr als zwei- oder dreihundert Sklaven am Lager.�</p><p>�Kommt es dir nicht seltsam vor, da� Uchafu f�r ein solches M�dchen zwei Tarsk bietet?� fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete er. �Offensichtlich f�hrt er dieses Gesch�ft im Auftrag eines Dritten durch.�</p><p>�Und wer w�re das?�</p><p>�Das wei� ich nicht.�</p><p>�F�r die Information w�rde ich einen Silber-Tarsk bezahlen.�</p><p>�Ah�, sagte Ulafi, �wie ich sehe, hast du in Schendi ein Anliegen, das du mir bisher verschwiegen hast.�</p><p>�Ein Silber-Tarsk ist geboten.�</p><p>�Es bek�mmert mich zutiefst�, sagte Ulafi, �aber ich mu� gestehen, da� ich es nicht wei�. Es tut mir leid.�</p><p>Ich schaute das M�dchen an. Ruhig lag sie im K�fig.</p><p>�Ist dir nicht auch aufgefallen, da� sie sich seit Beginn der Reise an ihr Dasein als Sklavin angepa�t hat?� fragte Ulafi.</p><p>�O ja�, erwiderte ich. �Sie bewegt sich viel freier. Sie ist nicht mehr so verkrampft und ungeschickt wie am Anfang. Ihre Sch�nheit steigert sich.�</p><p>�Ich frage mich, wer den Auftrag auf sie herausgegeben hat�, sagte er nachdenklich.</p><p>�Das w��te ich auch gern�, sagte ich.</p><p>Ulafi wandte sich ab und ging in Richtung Heck davon.</p><p>Ich blickte �ber das Meer. Dann sp�rte ich die N�he meiner Sklavin Sasi die neben mir niederkniete.</p><p>�Darf ich sprechen?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>Sie blickte zu mir empor. �Ich erbitte deinen Unterricht, Herr�, sagte sie.</p><p>�Leg dich auf meine Felle neben dem Seesack�, antwortete ich. �Ich komme gleich.�</p><p>Sie war eine vorz�gliche kleine Sklavin, der ich die Wonne ihres Lebens beibringen w�rde. Ich war froh, da� ich sie gekauft hatte.</p><p>Mein Blick blieb am K�fig der blonden Sklavin h�ngen. Sie, das ahnte ich, war der Schl�ssel zu dem Geheimnis; �ber sie w�rde ich Shaba und den vierten Ring finden, einen der beiden noch existierenden Ringe, mit dem sich das Licht ablenken lie�. Das Geheimnis dieser Ringe war offenbar mit dem Kur-Erfinder von der Kharrash-Klippe untergegangen. Nach Samos� Angaben befand sich der f�nfte Ring noch irgendwo auf einer der Stahlwelten und w�rde vermutlich nicht auf Gor oder auf die Erde gebracht werden, um dort in Gefahr zu geraten. Vielleicht wurde mit seiner Hilfe auf der Stahlwelt die Ordnung aufrechterhalten. Gesch�tzt von seiner Unsichtbarkeit, konnte ein Henker nach Belieben kommen und gehen. Wenn es uns gelangt den Tahiri-Ring zur�ckzuerlangen, den vierten Ring, konnten wir ihn vermutlich im Sardargebirge nachbauen; dieser Ring war von einer Kur-Untergruppe, die den Planeten vor der Vernichtung bewahren wollte, nach Gor gebracht worden. Solche Ringe mochten � sofern die Priesterk�nige ihren Einsatz erlaubten � den Kurii das Leben auf Gor erschweren oder unm�glich machen. Mit ihrer Hilfe lie�en sich ihre Festungen unterwandern. Sie mochten dazu f�hren, da� ein einziger Mann eine ganze Armee vernichten konnte. Es freute mich, da� der Ring nach Gor gebracht und mir von einem sterbenden Kur-Krieger in der Tahari �bergeben worden war. Ohne ihn h�tte ich wohl vor einigen Jahren nicht die Explosion der Sprengstoffe im Stahlturm der Tahari verhindern k�nnen, eine Detonation, die Gor und die Priesterk�nige vernichten sollte, damit der Weg der Eroberer zur Erde frei w�re. Wir nahmen allerdings an, da� die Kur-Gruppe, die eine Welt opfern wollte, um eine andere zu erringen, auf den Stahlwelten im Augenblick nicht mehr die Oberhand hatte. Halb-Ohr, ein Kriegsgeneral der Kurii, dem ich im hohen Norden begegnet war, hatte dieser Gruppe nicht angeh�rt. Es lag einigerma�en auf der Hand, da� die Kurii wieder einmal mit der M�glichkeit einer Invasion lieb�ugelten. Sie sp�rten die Schw�che der Priesterk�nige. Warum sollten sie also die Vernichtung einer Welt betreiben, die ihnen wie eine reife Frucht in den Scho� zu fallen schien?</p><p>Ich wandte mich ab und ging zu Sasi.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>�Riechst du es?� fragte Ulafi.</p><p>�O ja�, erwiderte ich. �Zimt und Gew�rznelken, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte Ulafi. �Und viele andere Gew�rze.�</p><p>Die Sonne strahlte hell, und wir wurden von einem frischen achterlichen Wind angetrieben. Die Segel standen prall �ber unseren K�pfen, und das Wasser des Thassa str�mte zischend an den Schiffsflanken entlang.</p><p>�Wie weit noch bis Schendi?� fragte ich.</p><p>�F�nfzig Pasang�, lautete die Antwort.</p><p>Land war noch nicht in Sicht.</p><p>Die beiden M�dchen, mit einer gl�nzenden Halskette aneinandergefesselt, hockten am Boden. In der rechten Hand hielt jede einen glatten wei�en Deckstein, mit dem sie die Planken scheuerte. Auch die M�dchen hoben jetzt den Kopf und nahmen den Geruch der Gew�rze wahr.</p><p>�Das sind Schendi-M�wen�, sagte Ulafi und deutete auf einige V�gel, die hoch �ber dem Hauptmast kreisten. �Sie �bernachten an Land.�</p><p>�Das freut mich�, sagte ich. Es war eine lange Reise gewesen. Ich war begierig, in Schendi an Land zu gehen.</p><p>Ich blickte zu den M�dchen hin�ber. Sasi hob den Kopf und blickte mich l�chelnd an. Auch die blonde Barbarin hatte den Kopf gehoben. Sie wu�te, da� wir uns dem Land n�herten.</p><p>Ulafi betrachtete die blonde Barbarin. �Schendi ist nahe�, sagte er und deutete auf die M�wen.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und senkte zitternd den Kopf. Als Sklavin wu�te sie nicht, was sie in Schendi erwartete.</p><p>Shoka trieb die M�dchen zur Arbeit an.</p><p>Ich blieb an der Backbordreling stehen. Nach einiger Zeit bemerkte ich eine br�unliche Verf�rbung des Wassers, ein Fleck, der sich mit dem Gr�n des Thassa vermengte.</p><p>Ich atmete tief ein und geno� den Gew�rzgeruch, der st�rker geworden war.</p><p>�Ein halber Strich Backbord!� rief Ulafi seinen Steuerleuten zu. Langsam wendete sich die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> ein wenig aus dem Kurs, und die m�chtigen Segelb�ume wurden von geschickten Seeleuten mit quietschenden Flaschenz�gen verstellt, bis sie beinahe quer zum Deck standen. Der Wind, der uns eben noch von achtern angetrieben hatte, st�tzte jetzt unseren s�d�stlichen Kurs.</p><p>Wieder betrachtete ich die br�unliche Verf�rbung des Wassers. Noch immer war das Land nicht aufgetaucht. Es mu�te sich jedoch ganz in der N�he befinden, denn schon jetzt waren im Wasser Spuren von Ablagerungen zu bemerken, die vermutlich von den Fl�ssen Kamba und Nyoka stammten. Die br�unlichen Stellen erstreckten sich viele Pasang weit ins Meer hinaus.</p><p>�Segel ahoi!� rief der Ausguck. �Zwei Strich Backbord voraus!�</p><p>M�nner eilten an die Backbordreling, und Ulafi erstieg die Heckaufbauten. Ich kletterte ein St�ck an dem Knotenseil empor, das am Hauptmast hing. Die Segel waren noch nicht zu erkennen. Ulafi drehte nicht bei und �nderte auch sonst den Kurs nicht.</p><p>Ich dr�ckte die F��e zusammen und sicherte meine Position, indem ich den Arm um den Mast legte.</p><p>Ulafis M�nner eilten nicht an die Ruder. Es wurde kein Meerwasser an Bord gesch�pft. Man holte keine Eimer mit Ballast-Sand an Deck. Der Erste Offizier beaufsichtigte keine Waffenausgabe.</p><p>Es stimmte mich unbehaglich, da� die Masten nicht gesenkt werden konnten. Wie verwundbar erschien mir doch das Schiff mit den hohen Aufbauten und den schr�gen Riesensegeln! Am Bug befand sich ein leichtes Katapult, das jedoch noch nicht schu�klar gemacht worden war. Wenn Ulafi �ber Brandpfeile verf�gte, so traten sie nicht in Erscheinung.</p><p>Ich blickte am Bug entlang, beinahe genau auf Kurs. Dort waren die Segel jetzt zu erkennen. Ich z�hlte elf. Es waren Einmaster, Rammschiffe. Trotzdem atmete ich auf. Von meiner niedrigen Position aus konnte ich die Segel sehen; folglich vermochten die Ausgucke hoch in den Masten der anderen Schiffe die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> zu erkennen. Trotzdem refften die Schiffe keine Segel, sie lie�en nicht erkennen, da� sie den Kurs wechseln wollten. Es h�tte sich um einen stattlichen Konvoi von Handelsschiffen handeln k�nnen � dabei waren es Kriegseinheiten. Ulafi oder seine M�nner schienen sich wegen der Flotte keine Sorgen zu machen. Offenbar wu�ten sie, welche Schiffe vor Schendi unterwegs sein w�rden.</p><p>�Entbietet der Flotte unseren Gru�!� rief Ulafi vom Heck und senkte das Fernglas der Hausbauer. Bunte Flaggenreihen wurden am Backbordheck aufgezogen.</p><p>Hand �ber Hand lie� ich mich wieder auf das Deck hinab.</p><p>Auf der Steuerbordseite des Bugs suchte ich mir einen Aussichtsposten. Links und rechts von uns glitten die Schiffe der Flotte vorbei, sechs auf der einen, f�nf auf der anderen Seite � schmale, elegant geschnittene Umrisse mit geradem Kiel und niedrigem Tiefgang. Ich sah, wie sich die Ruder im Gleichgewicht hoben und senkten.</p><p>�Ihr scheint ja ganz unbesorgt zu sein�, sagte ich zu Shoka, Ulafis Zweitem Offizier, der sich in meiner N�he aufgestellt hatte.</p><p>�Wir kommen aus Schendi�, sagte er nur.</p><p>�Pl�tzlich habe ich das seltsame Gef�hl, geschwommen zu sein, um dann unversehens in die Gesellschaft von Haien zu geraten, die stumm an mir vorbeigleiten und mich dabei anstarren.�</p><p>�So etwas kann schon be�ngstigend sein�, sagte Shoka.</p><p>�Gehen sie denn nie gegen Schendi-Schiffe vor?� fragte ich.</p><p>�Ich nehme es nicht an�, antwortete er. �Wenn sie es tun, dann werden Schiff und Besatzung vermutlich auf hoher See vernichtet. Man erf�hrt nie davon.�</p><p>�Ich finde das nicht besonders beruhigend.�</p><p>�Wir befinden uns in den Gew�ssern Schendis�, fuhr Shoka fort. �Wenn sie �berhaupt gegen Schendi-Schiffe vorgehen, dann bestimmt nicht im Hoheitsgebiet dieses Freihafens.�</p><p>�Das klingt schon besser�, meinte ich.</p><p>Die dunklen Schiffe glitten an uns vorbei. Hier und dort gewahrte ich die schwarzen Gesichter von Besatzungsmitgliedern. Die Ruderer auf unserer Seite konnte ich nicht ausmachen, denn sie wurden durch das Schanzkleid verdeckt. Wenn die Schiffe sich in der D�nung neigten, zeigten sich kurz die Ruderer auf der gegen�berliegenden Seite. Dabei handelte es sich zweifellos um freie M�nner. Es ist unm�glich, Sklaven an die Ruder von Kriegsschiffen zu setzen.</p><p>Ich beobachtete die Schiffe, die einen pr�chtigen Anblick boten.</p><p>Shoka bedeutete den beiden M�dchen mit einer Handbewegung, an die Reling zu kommen und sich die Flotte anzuschauen.</p><p>�Ist das klug?� fragte ich. �Man sollte sie eher unter eine Plane legen, damit sie keine Aufmerksamkeit erregen. Warum zeigen, da� man zwei h�bsche Sklavinnen an Bord hat?�</p><p>�Egal�, sagte Shoka, �die Sklavinnen sollen sich das anschauen!�</p><p>�Aber sie werden ebenfalls gesehen!� rief ich.</p><p>�Macht nichts�, entgegnete Shoka. �In zwei Monaten werden diese Schiffe Hunderte von M�dchen in den Lader�umen haben.�</p><p>Die beiden Sklavinnen standen neben uns an der Reling.</p><p>Ich sah, wie Ulafi einen schwarzh�utigen Kapit�n mit erhobener Hand gr��te. Der andere erwiderte die Geste.</p><p>�Ihr scheint keinerlei Vorsichtsma�nahmen zu treffen�, sagte ich zu Shoka.</p><p>�Was h�tte das gen�tzt?� fragte er.</p><p>Ich zuckte die Achseln. Da hatte er recht � ein einzelnes Handelsschiff wie die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> h�tte gegen die schnellen Rammschiffe nichts ausgerichtet.</p><p>�Und was w�re gewesen, wenn sie ein solches Vorgehen als feindlich ausgelegt h�tten?� fragte Shoka.</p><p>�Da hast du recht.�</p><p>�Unsere Verteidigung besteht darin, da� wir aus Schendi stammen.�</p><p>�Aha!� sagte ich.</p><p>�Sie brauchen unseren Hafen�, fuhr Shoka fort. �Selbst der Larl ist zuweilen m�de, und auch der Tarn braucht gelegentlich ein Pl�tzchen, an dem er die Fl�gel einschlagen kann.�</p><p>Ich sah die Schiffe am Horizont verschwinden. Sie fuhren in den Norden. Wenn dort der Herbst anbrach, w�rden sie zur�ckkehren, um in Schendi ausgebessert und neu verproviantiert zu werden und anschlie�end nach S�den zu fahren, wo es dann Fr�hling war. Schendi, das in der N�he des �quators liegt, ist solchen Schiffen eine bequeme Basis f�r saisonale Vorst��e in beide Hemisph�ren. Es freute mich, da� ich die Schiffe gesehen hatte. Ich konnte mir keine angenehmere Art und Weise vorstellen, die Bekanntschaft dieser Flotte zu machen � denn es handelte sich um die Flotte der Schwarzen Sklavenh�ndler aus Schendi.
 Am Abend desselben Tages hatten wir beigedreht, nachdem wir Schendi schon ziemlich nahegekommen waren. Die Nacht hatten wir ohne Fahrt verbracht. Am Morgen war jetzt die K�ste auszumachen, ein Sandstrand, hinter dem sich dichte gr�ne Vegetation erstreckte, dschungel�hnlich, hier und dort durch Felder und D�rfer aufgebrochen. Das eigentliche Schendi lag noch ein wenig weiter im S�den und gruppierte sich um eine kleine Halbinsel, die Schendi-Spitze. Das Wasser war hier sattbraun gef�rbt, eine Ver�nderung, die vordringlich auf die M�ndung des Nyoka-Flusses zur�ckging.</p><p>Wir hatten die Nacht �ber gewartet, damit die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> am fr�hen Vormittag in den Hafen einlaufen konnte, wenn an den Piers gro�e Gesch�ftigkeit herrschte.</p><p>Ich blickte mich um. Die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> funkelte vor Sauberkeit. Das Deck war wei� gegl�ttet worden, die Taue lagen s�uberlich zusammengerollt an Deck, alle Ger�tschaften hatte man sorgf�ltig verstaut und au�erdem die Luken gesichert. S�mtliche Messingbeschl�ge waren geputzt worden. Die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>, deren Heimathafen Schendi war, w�rde stilvoll einlaufen. Ulafi verstand sein Handwerk.</p><p>Die leichten Anker wurden gelichtet. Man hi�te Segel, Ruder wurden durch die �ffnungen geschoben und bewegten sich auf Kommando Gudis, des Ersten Offiziers, im Takt durch das braune Wasser.</p><p>Die M�dchen knieten vor dem Heck. Man hatte sie auf besondere Weise gefesselt, denn ihnen sollte die gro�e Ehre zuteil werden, vor den Bug geh�ngt zu werden.</p><p>Ich betrachtete die blonde Barbarin, die noch immer einen weiten Weg vor sich hatte, ihr Sklaventum auch vor sich selbst einzugestehen, w�hrend meine wohlgerundete kleine Sasi von den Piers der Hafenstadt Port Kar ein wahres Vergn�gen war. Sie war auf Gor geboren und wu�te, was es bedeutete, das Brandzeichen zu tragen. Kaum hatte sich der Kragen um ihren Hals geschlossen, war sie f�rmlich aufgebl�ht, und das nicht nur auf den Fellen.</p><p>Die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> fuhr jetzt langsam um die Schendi-Spitze herum. Die Segel bewegten sich seitlich an den Masten und nutzten den Wind aus. Die Ruder hoben und senkten sich regelm��ig.</p><p>Wir waren noch etwa sieben Pasang von den ersten Bojenketten entfernt. Ich vermochte im Hafen Schiffe auszumachen.</p><p>Die uns leitenden Bojen w�rden an Backbord liegen, w�hrend sich Schiffe, die den Hafen verlie�en, nach Steuerbord orientieren mu�ten.</p><p>�Besitzt Ulafi ein eigenes Lagerhaus im Hafen?� fragte ich.</p><p>�Nein, er hat ein Geb�ude vom Rat der Kaufleute gemietet�, antwortete Shoka, der wieder in meiner N�he stand.</p><p>Im Hafen z�hlte ich vierzig bis f�nfzig Segel. Die Gesamtzahl der ruhenden Schiffe mu�te viel gr��er sein, denn nat�rlich nehmen die meisten Schiffe im Hafen die Leinwand herunter. Wer das Segel offen hatte, stand in der Regel im Begriff, in den Hafen einzulaufen oder ihn zu verlassen. Die meisten Einheiten waren nur klein, K�stenschiffe und leichte Galeeren. Au�erdem w�rden sich im Hafen Flu�schiffe befinden, mit denen der Verkehr auf dem Nyoka abgewickelt wurde.</p><p>Es war mir nicht bewu�t gewesen, wie gro� der Hafen Schendis war. Insgesamt mu� er etwa acht Pasang breit und zwei oder drei Pasang tief sein. Am Ostende ergie�t sich der Nyoka-Flu� hinein � von Steinmauern gelenkt, die etwa zweihundert Meter voneinander entfernt sind. Wegen dieser Eind�mmung str�mt der Nyoka an dieser Stelle viel schneller als anderswo; im allgemeinen ist er ein breiter, gem�chlich dahinflie�ender Strom. Etwa zwei Pasang vor Schendi r�cken die befestigten Ufer enger zusammen. Damit soll der Flu� gelenkt und der Hafen gesch�tzt werden. Da sich die Wassermenge nicht ver�ndert, f�hrt die Verengung des Flu�bettes nat�rlich zu einer erheblichen Beschleunigung. F�r den flu�aufw�rts laufenden Schiffsverkehr gibt es daher Nebenkan�le, die �ber Schleusen f�r einen ruhigen Weg sorgen, bis die Boote in den eigentlichen Nyoka geleitet werden. Diese Umgehung, auch �Haken� genannt, schlie�t sich dem Flu� nicht gegen die Str�mung an, sondern im weiten Bogen mit der Wasserbewegung. Hat man den Kanal verlassen, mu� man das Boot wenden und sich mit Windoder Ruderkraft flu�aufw�rts bewegen.</p><p>Der Gew�rzgeruch war inzwischen noch st�rker geworden � besonders taten sich Zimt und Gew�rznelken hervor. Von Fischen war dagegen recht wenig zu riechen. Viele Fischarten dieser tropischen Gew�sser sind eher ungenie�bar oder sogar giftig, eine Folge gewisser Algenformen, von denen sie sich ern�hren. Den Fischen schaden diese Pflanzen nicht, doch befinden sich darin bestimmte Stoffe, die f�r Menschen ungenie�bar sind. Soweit ich wei�, waren dagegen die Flu�fische f�r den Verzehr durchwegs geeignet. An den Fl�ssen Kamba und Nyoka sowie an den Ufern des Ushindi-Sees gab es sogar viele D�rfer, die sich im wesentlichen vom Fischfang ern�hrten. Allerdings werden die F�nge aus Schendi nicht exportiert. Meine Nase roch dagegen Gerbs�uren und Farben, wie sie in den Werkst�tten der Lederarbeiter verwendet wurden. In Schendi wird viel Kailiaukleder verarbeitet, ein Material, das nicht nur aus dem Binnenland nach Schendi gebracht wird, sondern auch aus dem Norden und S�den, von Sammelstellen, die sich hier und dort an der K�ste befinden. Am eindrucksvollsten machte sich f�r mich jedoch der Geruch des Dschungels bemerkbar, der hinter Schendi begann. Dieser Duft wurde merkw�rdigerweise nicht so weit auf das Meer hinausgetragen wie die sch�rferen Ger�che der Gew�rze. Es war ein Geruch nach feuchtem, dampfendem Gr�n, nach unvorstellbaren Blumen, nach endlosen Weiten s��lichfauliger Vegetation.</p><p>An Backbord glitt eine Dau vorbei, die ein rot-wei�gestreiftes Segel hatte.</p><p>Der Bug der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> glitt langsam herum, die Schendi-Spitze genannte Halbinsel blieb hinter uns zur�ck. Die aufgemalten Augen mit den wei�en und schwarzen Pupillen, die zu dem riesigen braunen Kailiauk-Kopf am Bug geh�rten, blickten jetzt gelassen in den Hafen Schendis, der noch etwa vier Pasang entfernt war.</p><p>Die blonde Sklavin wandte sich seitlich an Sasi, die ihr als Erstes M�dchen �bergeordnet war. �Herrin!� fl�sterte sie.</p><p>�Ja, Sklavin�, sagte Sasi.</p><p>Die Blonde hob die gefesselten Handgelenke, von denen ein Tau zu den Ohren des Kailiauk-Kopfes am Bug f�hrte. �Warum sind wir so gefesselt?� fragte sie.</p><p>�Wei�t du das nicht, du kleine N�rrin?� fragte Sasi. Ich mu�te l�cheln, denn in Wirklichkeit war Sasi ein St�ck kleiner als die Barbarin. �Du kannst dich freuen, denn man findet dich h�bsch genug, an den Bug geh�ngt zu werden!�</p><p>�Oh�, antwortete das blonde M�dchen unsicher.</p><p>Wir standen noch etwa drei Pasang vor Schendi.</p><p>Ein gutes St�ck von uns entfernt, an Backbord, verlie� eine zweimastige Galeere mit gelben Segeln den Hafen.</p><p>Um die Schendi-Spitze kommend, etwa zwei Pasang hinter uns, tauchte ein Rundschiff auf. Es hatte die Farben Asperiches gesetzt. An Steuerbord machte ich zwei weitere Schiffe aus, ein mittelgro�es Rundschiff und eine schwere Galeere, letztere mit roten Masten. Beide kamen aus Ianda.</p><p>�Was wird in Schendi mit uns geschehen?� wandte sich das blonde M�dchen an Sasi.</p><p>�Ich wei� nicht, was aus mir wird�, sagte Sasi. �Du kommst jedenfalls auf den Markt.�</p><p>�Ich werde verkauft?�</p><p>�Selbstverst�ndlich!�</p><p>Unbehaglich wand sich das M�dchen in ihren Fesseln.</p><p>�Keine Angst�, fuhr Sasi fort, �du wirst es lernen, den M�nnern zu gefallen. Daf�r werden sie schon sorgen.�</p><p>�Ja, Herrin!� antwortete die Blonde. Sie warf mir einen kurzen Blick zu und wandte sich sofort wieder ab. Ich betrachtete sie. Sie, ein M�dchen von der Erde, wu�te sich unter dem Blick eines goreanischen Mannes. Sie wagte es nicht, sich nicht gut zur Schau zu stellen. Soviel hatte sie schon begriffen.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>Schon war in Ans�tzen erkennbar, da� die Sklavin, die in jeder Frau ruht, angstvoll und aufgeregt zu begreifen begann, da� sie sich hier auf einer Welt befand, auf der sie endlich frei hervortreten konnte.</p><p>�H�ngt sie an den Bug!� rief Ulafi in diesem Augenblick.</p><p>Zwei Seeleute eilten herbei, um Shoka zu helfen.</p><p>Es waren noch etwa zwei Pasang bis Schendi. Der Verkehr wurde dichter.</p><p>Shoka hob das blonde M�dchen m�helos an und hievte es �ber Bord � sie baumelte an der Handfessel, die durch das Ohr des Bug-Kailiauk f�hrte �, das Seil wurde angezogen, bis sie mit nach oben gestreckten H�nden etwa einen Fu� unter dem goldenen Ring hing. Ein Seemann machte das Tau sodann an einem Deckshaken fest. Dasselbe wurde mit Sasi auf der anderen Seite wiederholt.</p><p>Eine schwere Galeere aus Tyros mit vierzig Rudern an jeder Flanke bewegte sich langsam an uns vorbei, die gelben Lateinersegel locker am Mast. M�nner unterbrachen ihre Arbeit, um sich die Sch�nheit der ausgestellten Sklavinnen anzuschauen. Der Kapit�n senkte sein Fernglas und hob mit geballter Faust gr��end die Hand, um Ulafi zu seinem Schiff und den am Bug h�ngenden M�dchen zu gratulieren. Ulafi erwiderte den Gru� mit erhobener offener Hand.</p><p>Schon erreichten wir die Hafeneinfahrt und hatten gleich darauf die Reihe der gelb-wei�-gestreiften Bojen nach Backbord genommen. Hinter uns reihten sich zwei Schiffe ein, w�hrend vor uns ein Boot in den Hafen einlief. Auf unserem Weg in das Hafenbecken kamen uns drei Schiffe entgegen, die Schendi verlassen wollten. Es gibt in diesem Hafen mehr als vierzig Kaufmannspiers, von denen jede an ihrer gesamten L�nge auf jeder Seite vier Schiffe unterbringt. Die inneren Piers haben niedrigere Nummern, angefangen auf der Steuerbordseite des Hafens, wenn man in das Becken einf�hrt.</p><p>Wir erblickten M�nner auf den Docks und den sich vorschiebenden Kaianlagen. Viele schienen die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> zu erkennen, der ein freudiger Empfang bereitet wurde. Wie gesagt, hatte ich nicht gewu�t, da� Schendi so gro� oder so belebt sein w�rde. Auf vielen Piers herrschte lebhaftes Treiben. Zahlreiche Schiffe wurden be- und entladen. An den Kais und in den Lagerh�usern, deren breite T�ren meist offenstanden, befanden sich gewaltige Warenlager. Am h�ufigsten beobachtete ich Gew�rztonnen und Fellballen, doch gab es auch viele andere Dinge, Frachten in den Lagern und am Kai einige im Zwischenlager, andere, die gerade bef�rdert wurden, entweder an Bord eines Schiffes oder nach der Entladung weiter in die Stadt oder ins Binnenland. Die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>, die inzwischen die Segel gerefft und die Segelb�ume parallel zum Deck ausgerichtet hatte, glitt an den Piers entlang � viele M�nner unterbrachen kurz ihre Arbeit, setzten ihre Lasten ab und winkten uns freundlich zu. Den Leuten gef�llt der Anblick eines sch�nen Schiffes. Die beiden M�dchen am Bug minderten diesen Eindruck nicht gerade, das mu� man sagen. Sie bildeten herrliche Schmuckst�cke. Wir kamen an den hohen Tischen von Pier-Praetoren vorbei. Hier und dort fiel mein Blick auch auf kurzberockte Sklavinnen; an einer Stelle entdeckte ich eine Gruppe Pagam�dchen, die f�r ihren Herrn, einen Schenkenwirt, G�ste einzufangen versuchten. Viele Waren werden in Schendi umgeschlagen, wie es in jedem gro�en Hafen der Fall ist � dazu geh�ren Edelmetalle, Juwelen, Stoffe, Teppiche, Seidentuch, Horn und Hornprodukte, Arzneien, Zucker und Salz, Schriftrollen, Papiere, Tinten, Holz, Steine, Stoffe, Salben, Parf�me, getrocknete Fr�chte, ein wenig Trockenfisch, viele Arten von Wurzelgem�se, Ketten, Werkzeuge f�r die verschiedensten Handwerksberufe, landwirtschaftliches Ger�t, etwa Hacken und metallene Pflugschare, dazu Weine und Pagasorten, bunte V�gel und Sklaven. Der wichtigste Exportartikel Schendis sind zweifellos die Gew�rze und Felle, w�hrend Horn und Hornprodukte ebenfalls eine gro�e Bedeutung haben. Zu den k�stlichsten Artikeln, die hier zu haben sind, geh�rt der Palmwein. Zu den ber�hmtesten G�tern, die hier umgeschlagen werden, z�hlen die kleinen geschnitzten Schendi-Saphire. Im allgemeinen sind die Steine dunkelblau, einige funkeln jedoch purpurn und manche interessanterweise sogar wei� oder gelb. Sie werden normalerweise in der Form winziger Panther angeboten, manchmal st��t man aber auch auf andere Tiere, gew�hnlich kleine Landtiere oder V�gel. Seltener gibt es die Steine in der Form winziger Kailiauks oder Kailiauk-Z�pfe. Interessanterweise z�hlen Sklaven nicht zu den wesentlichen Exportartikeln Schendis, trotz der Tatsache, da� der Hafen das Hauptquartier der Liga der Schwarzen Sklavenh�ndler bildet. Die Sklavenh�ndler bringen ihre Beute gew�hnlich gleich direkt auf die besten M�rkte im Norden und S�den. Am wichtigsten d�rften dabei die Jahrm�rkte am Sardargebirge sein, besonders der des Monats En�Kara, des wohl besten und ausgedehntesten Ereignisses dieser Art. Damit soll nicht gesagt sein, da� Schendi keine ausgezeichneten Sklavenm�rkte besitzt. Immerhin ist es einer der wichtigsten goreanischen H�fen. Die Bev�lkerung Schendis d�rfte etwa eine Million Menschen z�hlen, die Mehrzahl davon dunkelh�utig. Schendi ist jedoch ein kosmopolitischer Hafen, so da� hier alle Rassen anzutreffen sind. Zahlreiche wichtige Kaufmanns-Organisationen aus St�dten der ganzen Welt haben in Schendi ihre Niederlassungen oder Vertreter. Wegen des lebhaften Umschlags im Hafen befinden sich in der Stadt auch st�ndig zahlreiche Seeleute auf Landgang, von vielen hundert Schiffen aus allen m�glichen fernen St�dten. Die �quatorgew�sser rings um Schendi erm�glichen die Schiffahrt das ganze Jahr hindurch. Hier liegt einer der Gr�nde f�r die Bedeutung des Hafens, denn in Schendi gibt es keinen Winter. Da es ein St�ck s�dlich des �quators liegt, kennt es eine gewisse Trockenperiode, die zu der Zeit eintritt, wenn die s�dliche Hemisph�re des Planeten Winter hat. L�ge Schendi n�rdlich des �quators, w�rde diese Periode in die Zeit des n�rdlichen Winters fallen. Die Bauern rings um Schendi legen ihre Saat zu Beginn dieser �Trockenzeit� aus. F�r jemanden wie mich, der an die n�rdlichen L�ngengrade Gors gew�hnt ist, ist die geographische Definition einer Trockenzeit nicht gerade zufriedenstellend, denn es ist im Grund nicht trocken, vielmehr f�llt nur weniger Regen. W�hrend der eigentlichen Regenzeit kann es leicht passieren, da� das Saatgut aus dem Boden geschwemmt wird. �brigens verlegen die Bauern der �quatorzone ihre Felder ziemlich h�ufig, da der Boden durch die vielen Jahrhunderte schweren Regens vieler Mineralien und N�hrstoffe beraubt ist und daher durch den Anbau schnell geschw�cht wird. Entgegen der landl�ufigen Meinung ist der Boden in tropischen Gebieten im allgemeinen nicht sehr fruchtbar. Eine Dschungelvegetation, die sich an Fl�ssen oder im Umfeld von Flu�systemen entwickelt, vermag auf B�den zu gedeihen, die N�hrgetreide nicht hervorbringen k�nnten. Auf eine Weise sind die Bauern rings um Schendi eher G�rtner als Bauern. Ist ein Feld ersch�pft, rodet der Bauer ein neues Gebiet und beginnt von vorn. Ganze D�rfer ziehen weiter. Diese Unfruchtbarkeit des Bodens ist einer der Hauptgr�nde, warum sich in der �quatorzone Gors keine Bev�lkerungszentren gebildet haben. Das Land vermag ausgedehnte Dauersiedlungen nicht zu tragen.
 �Ruder einholen!� rief Gudi, der als Rudermeister fungierte.</p><p>Seeleute warfen M�nnern auf der Pier Taue zu, die um die schweren Poller gelegt wurden. Taurollen, die man �ber die Reling geh�ngt hatten, d�mpften den Anprall des Schiffes, damit seine Wandung nicht an der Kaimauer besch�digt wurde. M�nner suchten ihre Sachen zusammen. Durch eine �ffnung in der Steuerbordreling wurde der Steg geschoben. Die Pier trug die Nummer acht.</p><p>Zwei Sklavenh�ndler blieben an der Pier stehen und blickten zu den M�dchen empor, die an den Ringen hingen. �Wenn ihr die verkaufen wollt, bringt sie zum Markt des Kovu!� rief einer der beiden, ein h��licher Bursche, der auf der rechten Wange eine tiefe Narbe hatte.</p><p>Shoka hob die Hand zum Zeichen, da� er die Worte verstanden hatte.</p><p>Zwei M�nner vom Tisch des n�chsten Pier-Praetors, der f�r die Kais sechs bis zehn verantwortlich war, ein Schreiber und ein Arzt, betraten das Schiff. Der Schreiber trug eine Akte unter dem Arm. Er w�rde Ulafis Papiere �berpr�fen, die Registrierung des Schiffes, die Vereinbarungen hinsichtlich der Hafennutzung, die Unterlagen, die die Fracht betrafen. Der Arzt mu�te sich um die Gesundheit von Besatzung und Sklaven k�mmern. Vor einigen Jahren war weiter im Norden, in Bazi, die Pest ausgebrochen. Dieser Hafen war von den Kaufleuten daraufhin zwei Jahre lang geschlossen gewesen. In einem Zeitraum von etwa achtzehn Monaten hatte sich die schlimme Krankheit totgelaufen und war nach S�den und Osten ausgewandert. Von dem wirtschaftlichen R�ckschlag hatte sich Bazi jedoch bis heute noch nicht erholt. Man konnte es dem Rat der Kaufleute Schendis sicher nicht ver�beln, wenn er dieser Stadt ein �hnliches Schicksal ersparen wollte.</p><p>Der Schreiber und Ulafi begannen ihre Arbeit. Ich stellte mich zusammen mit den Besatzungsmitgliedern der Untersuchung des Arztes. Er beschr�nkte sich mehr oder weniger darauf, uns in die Augen und auf die Unterarme zu blicken. Doch unsere Augen waren nicht gelb, und unsere Haut zeigte keine Spuren jener geplatzten Pusteln, die von allen gef�rchtet werden.</p><p>Zwei wei�h�utige Sklavinnen, barfu�, in zerlumpter brauner Kleidung und mit goldenen Ringen in den Ohren, blieben in der N�he unseres Bugs auf dem Kai stehen. �Wie h��lich ihr seid!� rief eine der beiden zu den M�dchen am Bug empor.</p><p>�Bist du jemals am Bug ausgestellt worden?� rief Sasi ver�chtlich zur�ck.</p><p>Darauf erhielt sie keine Antwort.</p><p>Die blonde Barbarin, die an ihrem Ring baumelte, erbebte pl�tzlich. Sie schien etwas verstanden zu haben, etwas, das einen bisher unbekannten Stolz in ihr weckte.</p><p>�Kann sich euer Herr nicht mal anst�ndige Kleidung f�r euch leisten?� fragte Sasi die M�dchen am Kai ver�chtlich und blickte mich erfreut an. Ich mu�te zugeben, da� sie mit den beiden richtig umgesprungen war.</p><p>�Holt die Sklavinnen herein!� sagte der Arzt jetzt und �berpr�fte schlie�lich auch die M�dchen, die vor ihm auf dem Deck abgelegt wurden.</p><p>Schlie�lich richtete er sich auf. �Alles in Ordnung�, sagte er. �Das Schiff kann anlegen. Alle d�rfen an Land.�</p><p>�Ausgezeichnet!� sagte Ulafi.</p><p>Der Schreiber hielt die Feststellung des Arztes in seinen Unterlagen fest, eine Eintragung, die von diesem gegengezeichnet wurde.</p><p>�Ich w�nsche dir viel Gl�ck bei deinen Unternehmungen in Schendi�, sagte Ulafi daraufhin zu mir.</p><p>�Ja, vielen Dank, Kapit�n!� gab ich zur�ck. �An dich meinen Dank f�r eine gute Reise!�</p><p>Er nickte. �Vielen Dank auch, da� ich deine h�bsche Sklavin mit an den Bug h�ngen durfte.�</p><p>�Keine Ursache�, sagte ich.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>�Ich dir auch�, erwiderte ich.</p><p>Ich b�ckte mich �ber Sasi und nahm ihr die Fesseln ab.</p><p>�Die da�, sagte Ulafi zu einem Seemann und deutete auf die blonde Barbarin, �kommt mir in Sirik und Kette an einen Ring auf der Pier. Sie darf uns nicht noch einmal fortlaufen.�</p><p>�Jawohl, Kapit�n!� sagte der Mann.</p><p>Dichtauf gefolgt von Sasi, ging ich zu meinem Seesack und warf ihn mir �ber die Schulter.</p><p>Die blonde Sklavin wurde unterdessen an Land gebracht und angekettet. Nackt und gefesselt blickte sie zu mir auf, als ich das Schiff verlie�.</p><p>Einen Augenblick lang stand in ihren Augen wieder der seltsame Ausdruck der Erkenntnis. �Nein, nein!� fl�sterte sie dann auf Englisch vor sich hin. �Ich bin keine Sklavin.�</p><p>�Wirst du mich in Schendi verkaufen?� fragte mich Sasi.</p><p>�Vielleicht � wenn mir danach ist.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>Die blonde Barbarin h�rte die Worte, reagierte aber nicht darauf. Zitternd blickte sie mich an.</p><p>Ja, man w�rde sie zur Frau machen, im denkbar sch�nsten Sinn des Wortes, zur Liebessklavin f�r einen Mann.</p><p>Ich wandte mich zum Gehen.</p><p>�Herr!� rief sie.</p><p>Ich drehte mich noch einmal zu ihr um.</p><p>�Geh nicht!� flehte sie. �Geh noch nicht! Kauf mich!�</p><p>�Er hat doch schon ein M�dchen!� sagte Sasi �rgerlich.</p><p>�Sei still!� sagte ich zu Sasi.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Bittest du mich, dich zu kaufen?� fragte ich das blonde M�dchen.</p><p>�Ja, Herr�, gab sie zur�ck.</p><p>�Das tut aber nur eine echte Sklavin�, stellte ich fest. In diesen Worten wurde allgemein eine Best�tigung des Sklavendaseins gesehen.</p><p>�Ich bin Sklavin�, sagte sie.</p><p>�Ja, aber im Grunde deines Herzens verstehst du das noch nicht.�</p><p>Sie blickte mich nur an.</p><p>�Du hast deinen Kragen noch nicht richtig begriffen�, fuhr ich fort.</p><p>�Kauf mich!� sagte sie. �Bring mir bei, den Kragen zu tragen!�</p><p>�Du bringst mich in Versuchung, kleine Schlampe!�</p><p>Sie neigte sich vor mir.</p><p>�Ein anderer wird dich kaufen�, fuhr ich fort und wandte mich ab. �Wir m�ssen uns eine Unterkunft suchen�, sagte ich zu Sasi.</p><p>�Ja, Herr�, sagte das M�dchen.</p><p>Ich h�rte das andere M�dchen hinter uns bedr�ckt aufschreien. Und obwohl wir uns nicht umdrehten, rief sie auf Englisch: �Ich hasse dich, Herr! Und ich bin keine Sklavin! Ich bin keine Sklavin!�</p><p>Ich war durchaus der Meinung, da� das M�dchen ganz n�tzlich sein w�rde. Unabsichtlich w�rde sie mich zu dem Geographen Shaba f�hren, dem Entdecker des Ngao-Sees und des Ua-Flusses. Ohne es zu wissen, w�rde sie mich zum Tahari-Ring leiten.</p><p>Diesen Ring wollte ich � und vielleicht auch das Blut Shabas, der die Priesterk�nige verraten hatte.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Es gibt in Schendi zahlreiche vorz�gliche Sklavenh�user, insbesondere die des Ushanga, Mkufu, Utajiri, Dh�habu, Fedha, Marashi, Hariri, Kovu und Ngoma. Das Haus des Uchafu z�hlte allerdings nicht dazu.</p><p>Man kann es riskieren, dort ein Topfm�dchen und andere unbedeutende Dienstboten zu erstehen. Folglich war es wohl angemessen, da� die blonde Barbarin, ahnungslos und unausgebildet, wie sie war, des Goreanischen kaum m�chtig, dorthin verfrachtet wurde. Man konnte kaum damit rechnen, da� sie viel Aufmerksamkeit erwecken w�rde.</p><p>�Kann ich dem Herrn irgendwie behilflich sein?� fragte Uchafu und humpelte herbei auf einen knorrigen Stock gest�tzt.</p><p>�Vielleicht sp�ter�, sagte ich. �Ich schaue mich nur mal um.�</p><p>�Tu das nach Belieben, Herr!� sagte Uchafu. �Du wirst bald feststellen, da� wir hier die besten Sklaven von ganz Schendi anzubieten haben.� Ihm fehlten mehrere Z�hne, au�erdem war er auf einem Auge blind. Seine Robe war verdreckt und mit Blut und Speiseresten befleckt. In seinem Gurt steckte ein ungesch�tztes langes Messer.</p><p>Uchafus Markt lag abseits des Kaufmanns-Piers, nahe der Hafeneinfahrt. Ein Fischkanal genannter Wasserlauf f�hrt hier vorbei; im S�den schlie�t sich ein gro�er Markt an, auf dem Flu�fische f�r den Verzehr in Schendi verkauft werden. Die Waren werden mittels kleinerer Flu�boote aus den Fischerd�rfern des Nyoka herbeigebracht und �ber den Kanal zum Markt geschafft. In der n�heren Umgebung befinden sich au�erdem etliche kleinere L�den.</p><p>�Kauf mich!� sagte ein M�dchen, an dem ich vorbeikam. Es hatte braune Haut und h�bsche Beine.</p><p>Meiner Sch�tzung nach befanden sich hier nur etwa zweihundertundf�nfzig M�dchen im Angebot. Uchafu hatte kein volles Lager. Seine Gesch�fte erledigte er meistens selbst, wurde aber von vier j�ngeren M�nnern unterst�tzt, von denen einer sein Bruder war. Obwohl er kein volles Lager hatte, dr�ngte er seine M�dchen zusammen und lie� etliche der palmwedelgedeckten niedrigen Unterk�nfte leer, besonders die an der Au�enwand.</p><p>Die meisten M�dchen waren dunkelh�utig, wie man es in dieser Gegend erwarten mu�te; ich sah aber zehn bis f�nfzehn wei�e M�dchen und zwei, die offensichtlich orientalischer Herkunft oder sonstwie Mischlinge waren.</p><p>�Herr!� sagte ein rothaariges M�dchen und hob sch�chtern die Hand. Sie wagte es nicht, mich zu ber�hren.</p><p>Ich blickte sie an, und sie wich furchtsam zur�ck.</p><p>Ein St�ck weiter ging ich neben einem blonden M�dchen in die Hocke, das dicke Fu�gelenke hatte. Sie trug noch den Kragen ihres fr�heren Besitzers, auf den Uchafu mit grobem Werkzeug sein Zeichen hatte mei�eln lassen. Ich mu�te l�cheln. In diesem Sklavenmarkt wurden sogar Kragen aus zweiter Hand verwendet. Die Kurii waren sehr geschickt. In einem solchen Handelshaus w�rde niemand ein wertvolles M�dchen vermuten.</p><p>�Gef�llt sie dir?� fragte Uchafu, der mich eingeholt hatte. Er lie� mich nicht aus den Augen.</p><p>�Hast du noch mehr von dieser Sorte?� fragte ich. �Ich meine blonde Sklavinnen.�</p><p>�Ja�, entgegnete er, musterte mich jedoch mit einem Blick, der nicht mehr ganz so unbefangen war.</p><p>Ich schaute in die Runde. �Du hast hier viele leere Gehege�, stellte ich fest. �Warum bringst du die M�dchen so gedr�ngt unter? W�re es nicht besser, sie getrennt vorzustellen? Dann kommen sie doch bestimmt auch besser zur Wirkung.�</p><p>�So kann man sie aber besser f�ttern und s�ubern�, antwortete er. �Au�erdem erwarte ich noch in diesem Monat neue Ware und brauche den Platz dann.�</p><p>�Du scheinst gar keine m�nnlichen Sklaven zu haben�, bemerkte ich.</p><p>�Die sind in Schendi im Augenblick sehr selten�, sagte er. �Bila Huruma, Ubar des Ushindi-Sees, setzt sie f�r die Arbeit an seinem gro�en Kanal ein.�</p><p>�Man hat mir erz�hlt, er will den Ushindi-See mit dem Ngao-See verbinden�, sagte ich.</p><p>�Ein verr�cktes Projekt�, sagte Uchafu. �Aber was kann man von Barbaren aus dem Landesinnern anderes erwarten?�</p><p>�Ein solcher Kanal w�rde den Ua zum Meer hin �ffnen�, sagte ich.</p><p>�Wenn alles klappt�, meinte Uchafu. �Aber der Kanal wird nie fertiggestellt. Tausende von M�nnern haben bereits ihr Leben gelassen. Sie sterben an der Hitze, sie werden von feindlich gesonnenen Eingeborenenst�mmen get�tet oder von Insekten vernichtet. Tharlarion verschlingen sie. Ein verr�cktes, hoffnungsloses Unterfangen, sehr teuer � an Geld wie an sinnlos verschwendeten Menschenleben.�</p><p>�Es mu� schwer sein, so viele m�nnliche Sklaven zusammenzuholen�, sagte ich.</p><p>�Die meisten Arbeiter am Kanal sind keine Sklaven�, antwortete Uchafu. �Bei vielen handelt es sich um Verbrecher oder s�umige Schuldner, ganz einfache M�nner, zum Dienst gezwungen, die Opfer von Arbeitsauflagen, die den D�rfern aufgezwungen wurden. In diesem Jahr hat Bila Huruma seine Forderungen sogar gegen�ber Schendi erhoben. Die Stadt mu�te ihm eine bestimmte Anzahl M�nner stellen.�</p><p>�Man hat sich nat�rlich geweigert�, sagte ich.</p><p>�Wir haben unsere Abwehr gest�rkt�, sagte Uchafu, �insbesondere die Palisadenmauern, die Schendi gegen das Landesinnere hin sichern � andererseits d�rfen wir uns keinen Selbstt�uschungen hingeben. Jene Mauern wurden errichtet, um Tiere und R�uberbanden abzuhalten � nicht eine Armee aus vielen tausend M�nnern. Wir sind keine bewehrte Stadt, keine Festung, keine Landmacht. Wir haben nicht einmal eine Marine. Wir sind nichts anderes als ein Handelshafen.�</p><p>�Trotzdem habt ihr euch Bila Hurumas Forderungen nat�rlich widersetzt�, sagte ich.</p><p>�Wenn er wollte, k�nnte er in Schendi einfallen und es niederbrennen.�</p><p>�Barbaren aus dem Landesinnern?� fragte ich.</p><p>�Bila Huruma gebietet �ber eine Armee, die gut organisiert, gut ausgebildet und sehr t�chtig ist�, sagte Uchafu. �Er leitet ein Ubarat mit vielen Distrikten und Gouverneuren, mit Gerichtsh�fen, Spionen und Boten aller Art.�</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� es hier im S�den ein Reich von solcher Macht und Auspr�gung gibt�, sagte ich.</p><p>�Es ist ein gro�es Ubarat�, erwiderte Uchafu. �Allerdings wei� man nicht viel dar�ber, weil es eben im Landesinnern liegt.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Schendi�, fuhr er fort, �ist wie eine Blume zu F��en eines Kailiauk.�</p><p>�Man hat ihm also M�nner geschickt?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte Uchafu.</p><p>�Das tut mir leid�, bemerkte ich.</p><p>Uchafu zuckte die Achseln. �Belaste dich nicht mit unseren Sorgen!� sagte er. �Du bist nicht aus Schendi.� Er drehte sich um. �Hast du die Rothaarige gesehen?�</p><p>�Ja�, sagte ich und sah mich um. �Da dr�ben aber ist eine Blonde�, bemerkte ich und deutete auf das M�dchen, das eine Augenbinde trug. Sie kniete wie die anderen M�dchen im Schlamm. Sie war so gefesselt, da� sie die Kapuze, die ihr die Sicht versperrte, nicht anfassen konnte.</p><p>�Ich will dir die beiden hier zeigen�, sagte Uchafu und f�hrte mich von dem blonden M�dchen fort.</p><p>Nachdem ich die blonde Barbarin auf der Pier zur�ckgelassen hatte, waren wir losgezogen und hatten uns in der Schendi-H�hle eine Unterkunft gesucht, einer Taverne unweit von Pier zehn. Die Zimmer waren klein, doch ausreichend, die Einrichtung bestand aus einer Matratze auf dem Boden, einer Schiffstruhe an der Wand, einem niedrigen Tisch, einer Tharlarion�llampe, einer Schale und einem Wasserkrug. Am Fu� der Matratze war ein Sklavenring in den Boden eingelassen. Ich machte Sasi daran fest, verlie� das Zimmer, verschlo� die T�r, verstaute den Schl�ssel in meinem Beutel und kehrte unauff�llig in die N�he von Pier acht zur�ck, wo die <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> entladen wurde. Ich mu�te nicht lange warten. Nach kurzer Zeit war Uchafu aufgetaucht und mit Ulafi zusammengetroffen. Die Transaktion dauerte nicht lange � dann geh�rte das blonde M�dchen ihm. Shoka l�ste den Schiffskragen von ihrem Hals, woraufhin Uchafu ihr seinen Kragen und die Gesichtsmaske anlegte und sie anschlie�end hinter sich her zerrte. Ich war den beiden gefolgt. Es ergab sich, da� Uchafu nicht auf direktem Weg in seinen Markt zur�ckgekehrt war, aber selbst wenn das M�dchen die Stra�en Schendis gekannt h�tte, w�re es ihr in ihrer Verwirrung wohl nicht m�glich gewesen zu bestimmen, wo sie sich befand.</p><p>�H�bsch sind diese beiden�, sagte Uchafu und deutete auf zwei Blondinen. �Es handelt sich um Schwestern aus Asperiche. Du kannst sie zusammen oder getrennt kaufen, wie es dir beliebt.�</p><p>Die blonde Barbarin trug noch immer die Kapuze, die Uchafu ihr an Pier acht umgelegt hatte, und wu�te bestimmt nicht, wo sie sich befand. Wegen der Preise, um die es hier ging, ahnte Uchafu nat�rlich, da� ihr eine gewisse Bedeutung zukam. Andererseits nahm ich nicht an, da� er wu�te, worum es dabei im einzelnen ging. Auch Ulafi war in dieser Beziehung ahnungslos gewesen, davon war ich �berzeugt.</p><p>�Was h�ltst du von den beiden?� fragte Uchafu.</p><p>Aber ich hatte kehrtgemacht und schritt bereits wieder auf die blonde Barbarin zu. Uchafu eilte mir nach und fa�te mich am �rmel.</p><p>�Nein�, sagte er. �Sie nicht!�</p><p>�Warum nicht?� fragte ich und spielte den Verwirrten.</p><p>�Sie ist bereits verkauft.�</p><p>�Wieviel hast du f�r sie bekommen?� wollte ich wissen.</p><p>�F�nfzehn Kupfer-Tarsk�, antwortete er. Dieser Preis war f�r ein solches M�dchen und seine Art von Gesch�ft ein wenig hoch angesetzt. Vermutlich wollte er mich damit abschrecken. �Ich gebe dir sechzehn�, sagte ich.</p><p>Uchafu zog ein �rgerliches Gesicht. Ich bezwang mich, um nicht zu l�cheln. Ich wu�te, er hatte das M�dchen noch nicht verkauft, denn sie befand sich noch an seiner Kette. Er wartete auf seinen K�ufer. Au�erdem wu�te ich von Ulafi, da� er zwei Silber-Tarsk f�r sie bezahlt hatte. Zweifellos sollte er von dem erwarteten K�ufer drei oder vier Silber-Tarsk bekommen. Dann aber l�chelte er und zuckte die Achseln. �Ach, wie schade!� sagte er. �Ich h�tte sechzehn f�r sie bekommen k�nnen und habe sie f�r f�nfzehn verkauft. Schade! Aber ich kann mein Wort nicht einfach in den Wind schlagen, denn ich habe als Kaufmann einen guten Ruf zu verlieren. So gern ich dir das M�dchen f�r sechzehn Tarsk lassen w�rde, mu� ich sie doch f�r f�nfzehn an einen K�ufer geben, der schon mit mir abgeschlossen hat.�</p><p>�Ich hatte nicht angenommen, da� Ehrlichkeit im Gesch�ftsleben ein solches Hindernis sein kann�, bemerkte ich.</p><p>�Ach ja!� klagte er.</p><p>�Aber vielleicht ist dir dein guter Ruf ja auch einmal von Vorteil�, sagte ich.</p><p>�Das hoffe ich doch�, erwiderte er.</p><p>�Du bist einer der ehrlichsten Sklavenh�ndler, die mir je begegnet sind�, sagte ich. �Ich w�nsche dir alles Gute.�</p><p>�Ich dir auch.�</p><p>Ich verlie� seinen Markt. Erst da schien ihm aufzugehen, da� ich ja gar kein M�dchen gekauft hatte.</p><p>�Ende der Woche haben wir neue M�dchen!� rief er mir nach. �Dann solltest du doch noch einmal vorbeischauen!�</p><p>Ich winkte ihm zu.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>�Schneller! Schneller, du ungeschickte Sklavin!� rief der narbige, bucklige, kleine Mann, der das rechte Bein nachzog. Er trug eine schmutzige Tunika, dar�ber eine lange braune Aba, die ziemlich zerlumpt aussah. Ein braunes Tuch hatte er sich turbanartig um den Kopf gewunden. Er schien w�tend zu sein.</p><p>�Beeilung!� rief er.</p><p>�Oh!� klagte sie schluchzend unter ihrer Gesichtsmaske, die ihr keinen Ausblick lie�. �Bitte schlag mich nicht immer! Ich beeile mich ja.�</p><p>Ich folgte den beiden in unauff�lliger Entfernung. Mit Hilfe eines Fernglases der H�userbauer hatte ich ihren Verkauf beobachtet; dabei hatte ich auf einem Dach gestanden, das sich in der N�he von Uchafus Markt befand. Anschlie�end hatte ich das Glas zusammengeschoben und wieder in den Beutel gesteckt. Deutlich war zu sehen gewesen, wie Silberm�nzen den Besitzer wechselten. Allerdings wu�te ich nicht genau, wie viele St�cke �berreicht worden waren, da der Erwerber mir den R�cken zugewandt hatte.</p><p>�Schnell!� rief er.</p><p>Er war wie ein Bettler gekleidet; doch ich glaubte nicht, da� er diesem Berufsstand angeh�rte � ganz abgesehen davon, da� Bettler keine Sklavinnen kaufen, zumindest nicht offen.</p><p>Ich war �berzeugt, da� der Mann ein Agent der Kurii war.</p><p>Wieder schlug er zu, und wieder geriet sie ins Stolpern. Noch immer trug sie die Maske, die den oberen Teil ihres Kopfes ganz verh�llte. Von Uchafus Markt hatte sie nichts mitbekommen und wu�te auch nicht, wohin sie jetzt getrieben wurde. Von Schendi hatte sie bisher nur Hafen und Kaianlagen gesehen.</p><p>�Tempo!� forderte der Bucklige erneut.</p><p>�Wohin soll ich denn?� jammerte das M�dchen verwirrt. Grob griff er zu und zerrte sie am linken Arm die Stra�e entlang.</p><p>Von Zeit zu Zeit blickte ich mich um, sah aber nichts Ungew�hnliches. Au�er den �blichen Anwohnern solcher Stra�en und Passanten fiel mir nichts auf. Heute trug ich die Kleidung der Lederarbeiter.</p><p>�Hier hinein, wertlose Sklavin!� sagte der Mann, packte das M�dchen am Arm und schob sie durch den Eingang einer Paga-Taverne, die den Namen Goldener Kailiauk trug.</p><p>Er f�hrte sie an die Wand gegen�ber der Hauptt�r, unweit eines kleinen Nebeneingangs.</p><p>�Leg dich hierher!� befahl er.</p><p>Gehorsam lie� sie sich auf dem Holzboden nieder.</p><p>�Auf die Seite!� sagte er. �Zieh die Knie an!�</p><p>Zusammengekr�mmt lag sie vor ihm.</p><p>Er warf seine braune Aba �ber sie, die das M�dchen v�llig verdeckte, und humpelte anschlie�end durch die kleine Seitent�r davon.</p><p>�Hat der Herr W�nsche?� fragte ein schwarzes Pagam�dchen und kniete vor mir nieder.</p><p>�Paga�, sagte ich zu ihr. Sie richtete sich auf und ging zur gro�en Tonne hinter dem Tresen. Ich lie� mich im Schneidersitz hinter einem niedrigen Tisch nieder, von dem aus ich das verdeckt auf dem Boden liegende M�dchen sehen konnte.</p><p>Langsam trank ich von meinem Paga und schlug die Zeit tot.</p><p>Aber niemand schien das M�dchen abholen zu wollen.</p><p>In mir regte sich die Sorge, da� hier irgendwo ein Fehler vorlag. Was war, wenn sich Ulafi hinsichtlich des M�dchens geirrt hatte? Wenn nun der Bettler das M�dchen f�r den Tavernenwirt erstanden hatte? Was sollte werden, wenn sie lediglich hier abgeliefert wurde, um als Pagam�dchen ausgebildet zu werden? Ich schaute in die Runde. Im Lokal gab es nur noch ein anderes wei�h�utiges M�dchen, eine dunkelhaarige Sch�nheit, die gelbe Vergn�gungsseide trug. Vielleicht wollte sich der Wirt ein zweites wei�es M�dchen zulegen, um seinen G�sten eine gr��ere Abwechslung zu bieten.</p><p>Ich blickte auf das blonde M�dchen, das unter der Aba lag. Sie wagte es nicht, sich zu bewegen.</p><p>Aber nein � ich hatte doch selbst gesehen, da� mit Silberm�nzen f�r sie bezahlt worden war.</p><p>Ein Irrtum war ausgeschlossen.</p><p>Ich mu�te warten.</p><p>Ich bestellte einen zweiten Becher mit Paga. Um mir die Zeit zu vertreiben, spielte ich mit einem anderen Gast eine Runde Kaissa, die einige Zeit in Anspruch nahm und auch ein wenig Konzentration erforderte.</p><p>Wieder schaute ich auf das M�dchen unter der Aba. Ein- oder zweimal mu�te ich blinzeln. Meine Augen f�hlten sich irgendwie seltsam an, als sei Sand hineingeraten. An den Unterarmen und am Bauch versp�rte ich ein leichtes Jucken. Ich kratzte.</p><p>�Herr?� fragte eines der M�dchen, eine Schwarze mit hohen Wangenknochen.</p><p>�Noch mehr Paga!� bestellte ich.</p><p>Eine Ahn sp�ter trafen Musiker ein, die kurze Zeit darauf zu spielen begannen. Die Taverne hatte sich gef�llt. Mein Oberschenkel juckte. Ich kratzte darauf herum.</p><p>Unterdessen beobachtete ich das wei�e M�dchen mit den dunklen Haaren, die dr�ben auf der anderen Seite G�ste bediente. Sie hatte h�bsche Beine.</p><p>Ein Fl�tentusch, begleitet von einem Trommelwirbel, lenkte meine Aufmerksamkeit auf das Sandviereck neben den Musikern.</p><p>Ich beobachtete die T�nzerin, ein h�bsch gebautes dunkelh�utiges M�dchen, das gelbe Perlenschn�re wirbeln lie�.</p><p>Sie war sehr geschickt. Aus der Art und Weise, wie sie H�nde und Perlen bewegte, schlo� ich, da� die auf Ianda ausgebildet worden war, einer Handelsinsel n�rdlich von Anango.</p><p>Als sie abtrat, blickte ich mich um. Sofort fiel mir auf, da� das wei�e M�dchen nicht mehr im Raum war.</p><p>Meine Stimmung verschlechterte sich. Au�erdem begann der Alkohol seine Wirkung zu tun. Es wollte mir scheinen, da� man die blonde Barbarin l�ngst h�tte abholen m�ssen.</p><p>Wieder blickte ich zur Aba hin�ber, die vor der Wand lag. Deutlich waren die anmutigen Rundungen des M�dchens auszumachen.</p><p>Pl�tzlich br�llte ich aufgebracht los und st�rzte den kleinen Tisch um, hinter dem ich sa�. Mit zwei Schritten hatte ich die Aba erreicht und ri� sie hoch.</p><p>�Herr!� rief das M�dchen, das darunter lag, und blickte mich erschrocken an.</p><p>Es war nicht die blonde Barbarin. Es war das dunkelhaarige wei�e M�dchen, das zuvor Paga serviert hatte.</p><p>Am Haar zerrte ich sie hoch. �Wo ist das andere M�dchen?� fragte ich. �Wo?�</p><p>�Was geht hier vor?� fragte der Wirt, der vor einiger Zeit eingetroffen war und jetzt hinter der Theke stand und Paga ausschenkte.</p><p>Ein Pagahelfer eilte auf mich zu, blieb aber stehen, als er meinen Blick bemerkte. Mehrere M�nner waren aufgesprungen. Die Musiker hatten zu spielen aufgeh�rt.</p><p>�Wo ist das M�dchen, das sich unter dieser Aba befand?� fragte ich. �Wo?�</p><p>�Was f�r ein M�dchen war denn das?� erkundigte sich der Tavernenwirt. �Wem hat sie geh�rt?�</p><p>�Sie wurde von Kungumi gebracht, w�hrend du fort warst�, sagte eines der schwarzen M�dchen.</p><p>�Ich hatte doch angeordnet, da� er das Lokal nicht mehr betreten darf�, sagte der Mann.</p><p>�Du warst nicht hier!� jammerte das M�dchen. �Wir hatten Angst, einen freien Mann abzuweisen.�</p><p>�Wo warst du?� wandte sich der Wirt an seinen Helfer.</p><p>�In der K�che�, antwortete er. �Ich wu�te nicht, da� Kungumi sie gebracht hatte.�</p><p>Zornig stie� ich das M�dchen von mir fort.</p><p>�Wer hat sie gehen sehen � und in wessen Begleitung war sie?� fragte ich.</p><p>M�nner musterten sich.</p><p>�Wie bist du unter die Aba gekommen?� fragte ich das M�dchen, das ich zur Seite geschleudert hatte.</p><p>�Ein Mann hat mir befohlen, drunterzukriechen�, antwortete sie. �Ich habe ihn nicht gesehen! Er sagte, ich d�rfe mich nicht umschauen!�</p><p>�Du l�gst!� beschuldigte ich sie.</p><p>�Sei gn�dig, Herr!� bat sie. �Ich bin nur eine Sklavin.�</p><p>Der Helfer des Pagawirtes, der mir am n�chsten stand, musterte mich eindringlich. Ich wu�te nicht, was er an mir so interessant fand. Unsicher trat er einen Schritt zur�ck. Das verstand ich nicht, denn ich hatte ihn nicht bedroht.</p><p>�Einen Silber-Tarsk f�r den Mann, der das M�dchen f�r mich aufsp�rt�, sagte ich.</p><p>Die schwarzen M�dchen blickten sich an. �Sie war doch nur ein Topfm�dchen!� sagte eine der Sklavinnen.</p><p>�Einen Silber-Tarsk�, wiederholte ich mein Angebot, �erh�lt der, der die Sklavin f�r mich wiederfindet.�</p><p>�Seht euch seine Augen an!� sagte der Helfer des Wirtes und wich einen weiteren Schritt zur�ck.</p><p>Sie konnte noch nicht lange fort sein. Ich mu�te sie in den Stra�en suchen.</p><p>Pl�tzlich hob die T�nzerin die H�nde vor das Gesicht und schrie los. Sie deutete auf mich.</p><p>�Die Pest!� rief sie. �Die Pest!�</p><p>Der Pagahelfer machte unsicher kehrt und ergriff die Flucht. �Die Pest!� schrie er. Die ersten M�nner st�rzten aus dem Lokal. Allein blieb ich an der Wand zur�ck. Tische waren umgeworfen worden, Paga str�mte �ber den Boden.</p><p>Pl�tzlich war es sehr still in der Taverne. Sogar die Pagam�dchen waren geflohen.</p><p>Drau�en auf der Stra�e gellten Rufe und Geschrei auf.</p><p>�Ruft die Wachen!� h�rte ich jemanden fordern.</p><p>�T�tet ihn!� rief ein anderer. �T�tet ihn!�</p><p>Ich trat vor einen Spiegel. Mit der Zunge fuhr ich mir �ber die Lippen, die mir irgendwie trocken vorkamen. Das Wei�e meiner Augen war eindeutig gelb geworden. Ich rollte den �rmel meiner Tunika hoch und entdeckte am Unterarm etliche aufgeplatzte Furunkel.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>�Herr!� rief Sasi.</p><p>�Keine Angst!� sagte ich. �Ich bin nicht krank. Trotzdem m�ssen wir schleunigst fort von hier.�</p><p>�Dein Gesicht ist entstellt!� sagte sie.</p><p>�Das geht vor�ber�, sagte ich. Ich �ffnete ihre Armfesseln und schob sie in meinen Beutel.</p><p>�Ich habe Angst, da� man mich hierher verfolgt�, fuhr ich fort. �Wir m�ssen die Unterkunft wechseln.�</p><p>Ich hatte die Paga-Taverne durch einen Hinterausgang verlassen und mich sofort auf ein niedriges Dach geschwungen, von wo ich auf ein h�hergelegenes Dach kletterte. �ber mehrere H�user war ich gewandert, bis ich einen g�nstigen, abgelegenen Abstieg finden konnte. Anschlie�end war ich, in die Aba geh�llt, die zuvor Kungumi geh�rt hatte, durch die Stra�en zur Schendi-H�hle geeilt. �berall in der Stadt erklangen die Alarmstangen. �Pest!� br�llte man in den Stra�en.</p><p>�Bist du nicht krank, Herr?� fragte Sasi.</p><p>�Ich glaube es nicht�, antwortete ich.</p><p>Ich wu�te genau, da� ich mich in keinem Pestgebiet aufgehalten hatte. Die Bazi-Pest hatte sich vor vielen Jahren totgelaufen. Meines Wissens waren seit Monaten keine neue F�lle mehr gemeldet worden. Und was am wichtigsten war � ich f�hlte mich nicht krank. Ich war leicht betrunken und vom Paga erhitzt, doch ich nahm nicht an, da� ich Fieber hatte. Puls, Herzschlag und Atmung schienen normal zu sein. Ich hatte keine M�he, Luft zu holen. Mir war weder schwindlig noch �bel, meine Augen vermittelten mir ein klares Bild. Die gr��te Unannehmlichkeit waren eine gewisse Augenreizung und ein unangenehmes Jucken auf der Haut. Am liebsten h�tte ich sie mir mit den Fingern�geln abgerissen.</p><p>�Geh�rst du der Kaste der Metallarbeiter oder der der Lederarbeiter an?� fragte sie.</p><p>�Darum wollen wir uns im Augenblick nicht scheren�, sagte ich und schn�rte meinen Seesack. Dann sah ich mich im Zimmer um. Abgesehen von Sasi trug ich meine gesamte Habe am Leib oder in meinem Seesack.</p><p>�Ein M�dchen wei� eben gern die Kaste ihres Herrn�, sagte sie.</p><p>�Wir m�ssen los!� dr�ngte ich.</p><p>�Vielleicht bist du Kaufmann�, sagte sie.</p><p>�M�chtest du gern ausgepeitscht werden?� fragte ich sie. �Ganz und gar nicht�, erwiderte sie.</p><p>�Beeilen wir uns!�</p><p>�Du h�ttest doch jetzt auch gar keine Zeit, mich auszupeitschen, oder?�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Das dachte ich mir gleich. Bauer scheinst du mir aber auch nicht zu sein.�</p><p>�Ich k�nnte mir das Auspeitschen nat�rlich f�r sp�ter vornehmen�, sagte ich.</p><p>�Das stimmt. Vielleicht sollte ich den Mund halten.�</p><p>�Du bist sehr einsichtig�, sagte ich.</p><p>�Vielen Dank, Herr!� erwiderte sie.</p><p>�Wenn ich gefangen werde, und wenn man annimmt, da� ich die Pest habe�, sagte ich, �wird man dich zweifellos noch vor mir vernichten.�</p><p>�Dann wollen wir uns beeilen�, sagte sie.</p><p>Wir verlie�en das Zimmer.</p><p>�Du hast kr�ftige H�nde�, fuhr sie fort. �Geh�rst du der Kaste der T�pfer an?� �Nein�, sagte ich. �Jetzt aber still!� �Ja, Herr.�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Der blinde Mann richtete seine blicklosen wei�en Augen auf mich und streckte die d�nne schwarze Hand aus, die wie eine Klaue aussah.</p><p>Ich legte eine Kupferm�nze hinein.</p><p>�Du bist Kipofu?� fragte ich dabei.</p><p>Der ersten M�nze lie� ich eine zweite folgen. Die beiden winzigen Geldst�cke legte er in eine kleine Kupferschale, die vor ihm stand. Mit untergeschlagenen Beinen sa� er auf einem flachen rechteckigen Stein, der etwa einen Fu� hoch war und sich am Westende des gro�en Utukufu-Platzes befand, des Ruhm-Platzes. Er war der Ubar der Bettler in Schendi.</p><p>�Ich bin Kipofu�, antwortete er.</p><p>�Es hei�t�, sagte ich, �da� es in Schendi nur wenig gibt, was du nicht siehst, obwohl du blind bist.�</p><p>Er l�chelte. Mit dem Daumen rieb er sich �ber die Nase.</p><p>�Ich h�tte gern eine Information�, fuhr ich fort.</p><p>�Ich bin nur ein armer Blinder�, antwortete er und breitete entschuldigend die H�nde aus.</p><p>�In Schendi passiert nur wenig, das deiner Aufmerksamkeit entgeht�, sagte ich.</p><p>�Auskunft kann teuer sein�, meinte er.</p><p>�Ich kann bezahlen�, sagte ich. �Und zwar gut.�</p><p>�Was willst du wissen?� fragte er.</p><p>Er trug br�unliche Lumpen und hatte sich zum Schutz vor der Sonne ein braunes Tuch um den Kopf gebunden. Seine Arme und Beine waren schmutzverkrustet. Neben einem seiner Knie lag die Schale einer Larmafrucht. Er war blind, halb nackt, verdreckt � doch ich wu�te, er war der Ubar der Bettler von Schendi. Sie hatten ihn zum Herrscher erw�hlt. Es wurde behauptet, der Grund sei darin zu sehen, da� nur er blind sei und nicht sehen k�nne, wie widerlich seine Untergebenen waren. Vor ihm mochten die Entstellten und Kr�ppel sich als Menschen behaupten, als Untergebene vor ihrem Herrn; hier hatten sie die Chance, objektiv angeh�rt zu werden und eine leidenschaftslose, ehrliche Entscheidung zu h�ren, ohne die Verachtung oder die herablassende Gro�mut eines Mannes, der sich den anderen �berlegen sah. Doch wenn in diesem Ger�cht eine gewisse Wahrheit lag, so ging es hier doch um mehr. Kipofu war zwar in mancher Hinsicht ein gieriger und kleinkr�merisch denkender Mann, doch zugleich besa� er in der Tat etwas von einem Herrscher. Er war ein sehr intelligenter Mann, der nicht nur schlau, sondern gelegentlich auch weise zu entscheiden vermochte. Er war ein Mann des eisernen Willens, der entschlossen handelte. Er war es, der die Bettler Schendis zu einer wirksamen Organisation zusammengef�hrt hatte, der die Mitgliederzahl regulierte und die Territorien gegeneinander abgrenzte. Heute konnte niemand ohne seine Erlaubnis in Schendi betteln, und niemand durfte in das Gebiet eines anderen eindringen. Jeder zahlte w�chentlich seine Steuer an Kipofu, den unvermeidlichen Preis f�r eine ordentliche Regierung. Diese Steuern, von denen zweifellos viel in Kipofus Taschen wanderte (denn jeder Monarch l��t sich f�r die Lasten seines Amtes bezahlen), dienten aber auch dazu, den Regierten Vorteile und Absicherung zu verschaffen. Kein Bettler in Schendi war ohne Unterkunft, niemand brauchte zu hungern. Im System k�mmerte sich jeder um den anderen. Es hie�, da� gewisse Mitglieder des Kaufmannsrats Kipofu gelegentlich ins Vertrauen zogen. Eine Folge eines solcherart geregelten Bettlertums bestand in der Tatsache, da� es in Schendi gar nicht viele Bettler gab. Je weniger einer Stadt auf der Tasche lagen, desto mehr gab es f�r jeden zu finden � soviel war klar. Unerw�nschten Bettlern blieb die Wahl, sich die Fahrt in eine andere Stadt bezahlen zu lassen oder ihre schlichte Laufbahn im Hafenbecken zu beenden.</p><p>�Ich brauche Informationen �ber einen Mann, der wie ein Bettler aussah�, sagte ich. �Er nannte sich Kungumi.�</p><p>�Bezahle!� forderte Kipofu.</p><p>Ich legte ihm einen weiteren Tarsk in die Hand.</p><p>�Mehr!� sagte Kipofu.</p><p>Ich kam der Aufforderung nach.</p><p>�Es gibt in Schendi keinen Bettler, der sich Kungumi nennt�, antwortete er.</p><p>�Gestatte mir, dir den Mann zu beschreiben�, sagte ich. �Was soll ich damit anfangen?� fragte er.</p><p>Ich zog einen Silber-Tarsk aus der Tasche.</p><p>Kipofu war durch seine Organisation bestimmt der bestinformierte Mann in der Stadt. Er hockte wie eine schlaue Spinne im Netz, Mittelpunkt eines Informationsgewebes, um das ihn mancher Ubar beneidet h�tte. Es gab nur wenige Umw�lzungen in Schendi, die nicht fr�her oder sp�ter Kipofu gemeldet wurden.</p><p>�Dies ist ein Silber-Tarsk�, sagte ich und dr�ckte ihm die M�nze in die Hand.</p><p>�Ah�, sagte er, wog das Geldst�ck in der Hand und pr�fte seine Dicke. Mit dem Finger fuhr er am Rand entlang, um sich zu vergewissern, da� es nicht gegl�ttet worden war. Er klopfte damit auf seinen Sitzstein. Und obwohl es sich nicht um Gold handelte, steckte er die M�nze in den Mund, ber�hrte sie mit der Zunge und bi� sogar darauf, um die Festigkeit des Metalls zu pr�fen.</p><p>�Dieses Geld kommt aus Port Kar�, sagte er dann. Auf beiden Seiten war er mit dem Daumen �ber die M�nze gefahren und hatte nat�rlich die Initialen ersp�rt.</p><p>�Dieser Mann�, fuhr ich fort, �ist klein und hat einen Buckel. Seine linke Wange ist von einer Narbe entstellt. Er zieht das rechte Bein nach.�</p><p>Kipofu wurde pl�tzlich bleich und erstarrte. Er hob den Kopf und schien ins Leere zu lauschen.</p><p>Ich sah mich um. Niemand befand sich in unserer N�he.</p><p>�Es ist niemand hier�, sagte ich. Ich zweifelte nicht daran, da� Kipofu, der angeblich vorz�gliche Sinnesgaben besa�, im Umkreis von zwanzig Fu� einen Menschen atmen zu h�ren vermochte, obwohl wir uns hier auf dem belebten Platz befanden. Ich begann mir Gedanken �ber den Mann zu machen, dessen blo�e Erw�hnung bei Kipofu eine solche Reaktion hervorrief.</p><p>�Sein R�cken ist bucklig und dann auch wieder nicht�, sagte Kipofu. �Sein R�cken ist gekr�mmt und nicht. Sein Gesicht ist vernarbt und auch wieder nicht. Sein Bein ist verkr�ppelt und wieder nicht.�</p><p>�Wei�t du, wer der Mann ist?� fragte ich ihn.</p><p>�Forsch nicht nach ihm!� sagte Kipofu. �Vergi� ihn! Flieh!�</p><p>�Wer ist er?� fragte ich.</p><p>Kipofu hielt mir die M�nze wieder hin. �Nimm deinen Tarsk!� sagte er.</p><p>�Ich m�chte es wissen�, sagte ich entschlossen.</p><p>Pl�tzlich hob Kipofu die Hand. �H�r doch!� sagte er. �H�r genau hin!�</p><p>Ich lauschte.</p><p>�Es ist jemand hier�, sagte er.</p><p>Ich blickte mich um. �Nein�, sagte ich, �es ist niemand hier.�</p><p>�Dort!� sagte Kipofu und hob die Hand. �Dort!�</p><p>Aber an der Stelle, auf die er deutete, sah ich nichts. �Dort ist nichts zu sehen�, sagte ich.</p><p>Ich dachte mir, da� er vielleicht den Verstand verloren h�tte. Aber ich schritt in die Richtung, die er mir angezeigt hatte. Nichts lief mir �ber den Weg. Pl�tzlich ging mir auf, was er gemeint haben k�nnte, und meine Nackenhaare str�ubten sich.</p><p>�Es ist fort�, sagte Kipofu.</p><p>Ich kehrte zum Stein des Ubars der Bettler zur�ck. Er war sichtlich mitgenommen.</p><p>�Geh fort!� sagte er.</p><p>�Ich mu� wissen, wer der Mann ist�, erwiderte ich.</p><p>�Geh!� verlangte Kipofu. �Nimm deinen Tarsk zur�ck!� Er hielt mir die M�nze hin.</p><p>�Was wei�t du �ber den Goldenen Kailiauk?� Ich lie� nicht locker.</p><p>�Eine Paga-Taverne�, sagte er.</p><p>�Was wei�t du �ber ein wei�h�utiges Sklavenm�dchen, das dort arbeitet?� fragte ich.</p><p>�Pembe, dem das Lokal geh�rt, hat seit Monaten kein wei�es M�dchen mehr besch�ftigt.�</p><p>�Ah!� sagte ich.</p><p>�Nimm deinen Tarsk zur�ck!� forderte Kipofu.</p><p>�Behalt ihn!� sagte ich. �Du hast mir vieles erz�hlt, was ich wissen wollte.�</p><p>Dann machte ich kehrt und lie� Kipofu, den ungew�hnlichen Ubar der Bettler Schendis, allein zur�ck.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Das M�dchen stand vor der dicken Holzt�r in der dunklen Stra�e und klopfte energisch viermal, gefolgt von einer Pause, ehe sie noch zweimal anschlug. Neben der T�r brannte eine winzige Tharlarion�llampe. Ich vermochte ihr dunkles Haar und die hohen Wangenknochen auszumachen. Das flackernde gelbe Licht spiegelte sich auf dem Stahlkragen unter ihrem Haar. Sie trug eine �rmellose braune Sklaventunika, die f�r ein Tavernenm�dchen ziemlich zur�ckhaltend war.</p><p>Sie wiederholte das Klopfen im gleichen Rhythmus.</p><p>Sie ging barfu�. In der Hand hatte sie ein kleines St�ck gelbe Seide zusammengekn�llt � die Uniform, die sie in Pembes Taverne angehabt hatte.</p><p>Sie sah nicht �bel aus. Ihr dunkelbraunes Haar fiel schulterlang herab.</p><p>Schon gestern abend im Goldenen Kailiauk hatte ich festgestellt, da� sie mit einem barbarischen Akzent sprach. Irgendein Unterton hatte mich zu der Auffassung gebracht, da� sie die englische Sprache beherrschen mochte.</p><p>Ich bezweifelte nicht, da� sie mit dem Mann zusammenarbeitete, der sich Kungumi nannte. Sie hatte die Haltung des blonden M�dchens unter der Aba genau nachgeahmt. Sie hatte sich zwar als unschuldig ausgegeben, doch hatten Gesicht und K�rper sie L�gen gestraft. Kipofu hatte mir offenbart, da� sie nicht Pembe geh�rte, dem Besitzer des Goldenen Kailiauk. Zweifellos hatte sie gegen eine Geb�hr in seinem Lokal bedienen d�rfen � wenn sie Sklavin war, mochte dieser Betrag von ihrem Herrn aufgebracht worden sein. Manchmal treffen Herren solche Dispositionen f�r ihre M�dchen. Es ist billiger, als f�r sie Unterkunft in irgendeinem �ffentlichen Gehege zu mieten. Pembe w�rde an solchem Vorgehen nichts Ungew�hnliches finden.</p><p>Ich hielt mich im Schatten. In der T�r �ffnete sich ein kleines Fenster und wurde wieder geschlossen. Gleich darauf ging die T�r auf.</p><p>Im Licht machte ich kurz das vernarbte Gesicht und den krummen R�cken aus � es war der Mann, der sich Kungumi nannte. Er blickte links und rechts, sah mich aber nicht, da ich in der Deckung der Schatten verharrte. Das M�dchen schob sich an ihm vorbei, und er schlo� die T�r wieder.</p><p>Ich blickte mich um und �berquerte sodann die schmale Stra�e. Die verschlossenen Fenster unterzog ich einer genauen Pr�fung. Zwischen den Brettern schimmerten Lichtstreifen.</p><p>Drinnen, unweit der T�r, standen das M�dchen und der Mann. Der Vorraum war schlecht beleuchtet.</p><p>�Ist er schon da?� fragte das M�dchen.</p><p>�Ja�, antwortete der Mann, �er wartet drinnen.�</p><p>�Gut�, sagte sie.</p><p>�Wir wollen nur hoffen�, fuhr der Mann fort, �da� du heute abend erfolgreicher bist als gestern.�</p><p>�Wenn sie nichts wei�, kann ich aus ihr auch nichts herausholen�, fauchte das M�dchen.</p><p>�Das stimmt.�</p><p>Das M�dchen strich die Vergn�gungsseide glatt, die sie in der Hand hielt, und h�ngte sie in einem offenen Schrank an einen Haken. �Ein widerliches Gewand�, sagte sie. �Da kann man ja genausogut nackt herumlaufen.�</p><p>�Ein h�bsches Kleidungsst�ck�, widersprach der Mann, �mit dem �brigen aber bin ich deiner Meinung.�</p><p>Sie blickte ihn zornig an.</p><p>�Haben heute viele nach dir gefragt?� wollte er wissen.</p><p>�Niemand�, sagte sie aufgebracht.</p><p>�Das ist interessant.�</p><p>�Warum findest du das interessant?� fragte sie m�rrisch.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte er. �Es will mir nur scheinen, da� sich die M�nner f�r dein Gesicht und deinen K�rper interessieren sollten, es aber irgendwie nicht tun.�</p><p>�Ich kann sehr anziehend sein, wenn ich will�, sagte sie.</p><p>�Das bezweifle ich! Frauen wie du haben doch keine Ahnung, was den Mann wirklich anzieht. F�r dich ist das doch nur Schauspielerei, etwas �u�erliches. So etwas durchschaut ein richtiger Mann sofort. Du verwechselst Vorspiegelung mit der Wahrheit, das K�nstliche und Nachgeahmte mit der Realit�t. Du meinst, du k�nntest reizvoll sein, entscheidest dich aber, es nicht zu sein. So wie du die Dinge siehst, liegt darin ein Wahn. Du tr�stest dich mit L�gen und bist somit in der Lage, die wirklich reizvollen Frauen zu verachten und kleinzumachen, aus der Annahme heraus, da� sie nur schauspielern, so wie du es tun w�rdest. Der Quell der Reize einer Frau liegen in ihr selbst. Sie sind etwas Innerliches. Es kommt aus dem tiefsten Ich. Sie kann nicht anders.�</p><p>�Wie die Sleen da im anderen Zimmer?� fragte die Frau.</p><p>�Sie hat die Peitsche gesp�rt und wei�, was m�nnliche Vorherrschaft bedeutet�, sagte er. �Kannst du das von dir auch behaupten?�</p><p>�Nein�, sagte sie.</p><p>�Ich habe mir die Freiheit genommen, unsere h�bsche Gefangene vor deinem Eintreffen ein wenig zu streicheln�, sagte er. �Sie ist recht gef�gig.�</p><p>�Ich hasse diese Sorte von Frauen�, sagte das M�dchen. �Sie ist schwach, sie ist eine Sklavin, was ich nicht bin.�</p><p>Ich sah den Mann l�cheln.</p><p>�Wenn sie �berhaupt etwas wei߫, sagte das M�dchen, �bekomme ich es heute abend aus ihr heraus.�</p><p>�Zweifellos�, sagte er.</p><p>Zu meiner �berraschung zog das M�dchen daraufhin einen kleinen Schl�ssel aus ihrer Tunika.</p><p>�Kann ich dir helfen?� fragte er.</p><p>�Nein, danke�, sagte sie boshaft. Dann hob sie die Arme, steckte den Schl�ssel hinten am Nacken in ihren Sklavenkragen. Durch die Bewegung wurden die Rundungen ihrer lieblichen Br�ste angehoben, wie auch der untere Saum ihrer Tunika. Wie ich schon bemerkt hatte, waren ihre Beine h�bsch anzuschauen. �Du brauchst mich dabei nicht anzustarren�, sagte sie.</p><p>�Verzeih mir!� sagte der Mann und wandte sich ab. Dabei l�chelte er. Er begann unter seiner Tunika Schnallen zu �ffnen.</p><p>Sie nahm den Kragen ab und stellte ihn auf einem Brett im Wandschrank ab. �Ein Kragen!� sagte sie dabei. �Wie barbarisch ist es doch, Frauen in Metallkragen zu stecken!� Sie erschauderte.</p><p>Zu meiner �berraschung sah ich, wie der Mann, der Kungumi genannt wurde, unter seiner Tunika einen zusammengeballten Stoffballen hervorholte, an dem einige Schn�re baumelten. Er war nicht gro�, doch stand er jetzt schlank und aufrecht da. Mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand sch�lte er sich einen gezackten braunen Streifen Paste von der linken Wange und entfernte damit, was ich f�r seine Narbe gehalten hatte. Ich mu�te an Kipofus Worte denken: �Er ist bucklig und auch wieder nicht. Sein Gesicht ist vernarbt und dann auch wieder nicht. Sein Bein ist verkr�ppelt und dann auch wieder nicht.� Trotzdem wu�te ich nicht, wer dieser Mann sein mochte. �Gib die Suche nach ihm auf!� hatte Kipofu mich gewarnt. �Vergi� ihn! Flieh!�</p><p>�Wie lange soll die Farce meines vorget�uschten Dienstes im Goldenen Kailiauk noch weitergehen?� fragte das M�dchen.</p><p>�Heute abend hast du zum letzten Mal den Dienst dort vorget�uscht�, antwortete der Mann.</p><p>�Ausgezeichnet!� meinte sie.</p><p>Er l�chelte nur.</p><p>�Wenn du mich jetzt entschuldigst�, sagte sie abweisend, �m�chte ich mir etwas anziehen, das sich f�r eine Frau besser eignet als diese Tunika.�</p><p>�Sind auf deiner fr�heren Welt alle Frauen so wie du?� fragte der Mann.</p><p>�Nicht genug.�</p><p>�Wie ich die M�nner einer solchen Welt bemitleide!�</p><p>�Was meinst du damit � �meine fr�here Welt�?� wollte sie wissen. �Es ist noch immer meine Welt.�</p><p>Der Hauch eines L�chelns spielte um die Mundwinkel des Mannes, der Kungumi genannt worden war. Gleich darauf verlie� er den Vorraum, dessen T�r er hinter sich verschlo�, und die Frau griff in den Schrank, in dem diverse Kleidungsst�cke hingen.</p><p>Von meiner Position aus vermochte ich nicht in den anderen Raum zu schauen, der auf den ersten Blick auch keine Fenster hatte. Ich trat auf die dunkle Stra�e hinaus und erblickte aus einigen Fu� Entfernung ein niedriges, schr�ges Dach. Die meisten Geb�ude in Schendi besitzen auf den D�chern h�lzerne Entl�ftungssch�chte, die sich �ffnen und schlie�en lassen. Oft stehen die Sch�chte offen, damit die hei�e Luft aus den R�umen aufsteigen und entweichen kann. Zu schlie�en sind sie vom Boden aus durch eine Stange, falls es regnet oder die Insekten zu schw�rmen beginnen.</p><p>Innerhalb von Sekunden schwang ich mich auf das Dach des Hauses, in dem die Frau und der Mann sich unterhalten hatten. Wie erwartet befand sich �ber dem Hauptraum ein Entl�ftungsgrill. Ich vermochte etwa f�nfzehn Fu� tief in das Zimmer hinabzuschauen. Leider war nicht das ganze Zimmer zu �bersehen, so konnte ich vor allem die Gestalt nicht erkennen, die ich nach den Worten und Blicken des Mannes und der Frau am Ende des Raums hinter einem kleinen Tisch sitzend vermuten mu�te. Von Zeit zu Zeit bekam ich die Bewegung seiner H�nde mit, die lang und dunkelh�utig waren und zierliche Finger besa�en.</p><p>Sehen konnte ich jedoch den Mann, der sich Kungumi nannte, und die Frau, die die braune Sklaventunika getragen hatte. Au�erdem hatte ich freien Ausblick auf die blonde Barbarin, die nackt und gefesselt auf einer dunklen Decke kniete. Noch immer waren ihr die Augen verbunden.</p><p>�Tut mir leid, da� ich zu sp�t komme!� sagte das M�dchen, das sich umgezogen hatte. �Pembe hat mich l�nger dortbehalten, als mir recht war. Ich mu�te zuerst noch einen betrunkenen Ruderer zu Ende bedienen.�</p><p>�Welche Opfer wir doch bringen m�ssen, um unsere heilige Mission zu erf�llen!� sagte der Mann, der Kungumi genannt wurde.</p><p>Aufgebracht blickte das M�dchen ihn an. Interessanterweise trug sie jetzt enge schwarze Hosen und ein zugekn�pftes schwarzes Oberteil. Es war zu erkennen, da� ihre Unterkleidung von der Erde stammte. Diese Aufmachung, erg�nzt durch Holzschuhe, pa�te recht wenig zu der Umgebung.</p><p>Es hielten sich noch zwei weitere M�nner im Zimmer auf, und ich betrachtete sie mit Erstaunen. Es waren gro�gewachsene Burschen, kr�ftig und hager, geh�llt in Felle, geschm�ckt mit goldenen Armreifen und langen Federn. Bewaffnet waren sie mit hohen ovalen Schilden und langen Sto�speeren mit kurzen Klingen. Ich war davon �berzeugt, da� diese M�nner nicht aus Schendi stammten. Sie kamen bestimmt aus dem Landesinneren.</p><p>�Fangt an!� verlangte der unsichtbare Mann auf Goreanisch.</p><p>Das M�dchen in der Erdenkleidung wandte sich zu der gefesselten Sklavin um. Mit einer Sklavenpeitsche ber�hrte sie die Gefangene am Arm.</p><p>�Wei�t du, was das ist?� fragte sie auf Englisch.</p><p>�Eine Sklavenpeitsche, Herrin�, antwortete das M�dchen in derselben Sprache. Soweit ich mitbekam, waren die beiden die einzigen im Raum, die Englisch verstanden. Das M�dchen in der engen Hose �bersetzte allerdings hier und dort einen Satz von dem, was die Blonde sagte.</p><p>�Sprich!� forderte das M�dchen in der schwarzen Hose.</p><p>�Ich habe Ihnen alles gesagt, was ich wei߫, sagte die blonde Barbarin weinend. �Bitte schlagen Sie mich nicht mehr!�</p><p>�Sprich!� forderte das andere M�dchen.</p><p>�Ich hei�e Janice Prentiss�, sagte die Sklavin.</p><p>�Das war einmal dein Name!� berichtigte sie das M�dchen mit der Peitsche. �Aber sprich mir von wichtigeren Dingen, vom Ring und von den Papieren!�</p><p>�Ja, Herrin!� weinte das M�dchen.</p><p>�Den Ring und die Papiere, irgendwelche Dokumente�, sagte die Gefangene, �erhielt ich in Cos von einem Mann, der Belisarius hei�t. Ich buchte meine Fahrt an Bord der Telnus-Bl�te, eines Schiffes aus Cos. Auf hoher See gerieten wir an Piraten, die vermutlich aus Port Kar kamen. Man enterte uns. Es kam zu einem kurzen, aber heftigen Kampf. Unser Schiff wurde erobert. Ich wurde zusammen mit anderen Frauen in ein Netz gesteckt und an Bord eines Piratenschiffes gebracht. Dort wurden wir entkleidet und in Ketten gelegt. Anschlie�end brachte man uns nach unten und machte uns an Ringen fest. Sp�ter wurde ich in Port Kar verkauft, und zwar an den Kaufmann Ulafi aus Schendi. Er brachte mich als Sklavin in diesen Hafen.�</p><p>Das M�dchen in der schwarzen Hose schlug zweimal mit der Peitsche zu.</p><p>�Der Ring! Die Papiere!� fauchte sie die Schluchzende an.</p><p>�Ich wurde gefangen�, �chzte das M�dchen, �ich wurde auf ein anderes Schiff gebracht und in einen dunklen Laderaum gesteckt. Ich wei� nichts!�</p><p>�Wie hie� das Schiff, das die Telnus-Bl�te �berfiel?� fragte das M�dchen in Schwarz. �Wie hie� der Kapit�n?�</p><p>�Das wei� ich nicht!� klagte die Blonde. �Ich wei� nicht einmal, in welchem Markt ich verkauft wurde.�</p><p>�Es war die Sleen von Port Kar�, sagte Kungumi, �unter dem Kommando des Schurken Bejar aus demselben Hafen.�</p><p>Ich mu�te l�cheln. Meiner Ansicht nach war Bejar einer der anst�ndigsten und verantwortungsvollsten Kapit�ne von Port Kar.</p><p>�Wir wissen das von Uchafu, dem Sklavenh�ndler, der zuvor mit Ulafi gesprochen hatte�, fuhr der Mann fort.</p><p>�Ulafi h�tten wir anwerben sollen�, sagte das dunkelhaarige M�dchen. �F�r Gold tut der alles.�</p><p>�Au�er gegen seine Ehrvorstellungen als Kaufmann anzugehen�, sagte Kungumi.</p><p>Das zu h�ren, freute mich, denn ich mochte Ulafi sehr gern. Anscheinend hielt man ihn nicht f�r einen geeigneten Kandidaten, gestohlene Kreditbriefe auf Verdacht zu erwerben, um sie dann sp�ter an den rechtm��igen Eigent�mer weiterzuverkaufen. Sicher gab es viele Kaufleute, die nicht so kleinlich gewesen w�ren. Solche Umtriebe f�rderten nat�rlich das Interesse von Dieben, Kreditbriefe und andere Wertanweisungen zu stehlen. Aus diesem Grund stand der Ehrenkodex der Kaufleute dagegen. Es galt die Vorschrift, solche Dokumente bei Verlust f�r ung�ltig zu erkl�ren und neu auszustellen.</p><p>�Schicken wir doch ein Schiff nach Port Kar!� sagte das dunkelhaarige M�dchen. �Es soll Bejar den Ring und die Papiere abkaufen.�</p><p>�Sei keine N�rrin!� antwortete der Mann, der Kungumi genannt wurde. �Bejar hat sich des Rings bestimmt l�ngst entledigt, der keine Bedeutung f�r ihn haben d�rfte, und die Papiere sofort verkauft.�</p><p>�Vielleicht w�rde er alles einem Agenten �bergeben, der nach Schendi kommen und die Werte an Shaba verkaufen soll�, �u�erte das M�dchen.</p><p>�Er w�rde alles verkaufen�, sagte der Mann. �Bestimmt w�re er auf sicheren Gewinn aus. Ein Agent k�nnte ihn verraten. Au�erdem k�nnte ein solcher Abgesandter in Schendi nicht mit Gold, sondern mit Stahl abgefunden werden.�</p><p>�Dann sind wir verloren�, sagte das M�dchen.</p><p>�Den echten Ring aber haben wir noch immer�, sagte der Mann. �Belisarius aus Cos wird, wenn er von dem Geschick der Telnus-Bl�te erf�hrt, zweifellos seine Vorgesetzten verst�ndigen, die dann etwas unternehmen werden. Vielleicht wird ein neuer falscher Ring hergestellt, vielleicht werden neue Dokumente ausgestellt.�</p><p>�Wenn er davon erf�hrt�, sagte das M�dchen.</p><p>�Das k�nnte Monate dauern�, r�umte der Mann ein. Dann wandte er sich zu der Gestalt hinter dem niedrigen Tisch um, die ich nicht zu erkennen vermochte. �Du k�nntest den Ring zu Belisarius nach Cos bringen�, fuhr er fort.</p><p>�Ich bin doch kein Dummkopf!� sagte dieser. �Zuerst m�ssen die Kreditbriefe und Unterlagen nach Schendi kommen.�</p><p>�Wie du meinst�, sagte der Mann, der Kungumi genannt wurde, und fuhr erschaudernd fort: �Aber vielleicht kommen sie den Ring holen.�</p><p>�Sie?� fragte der Mann hinter dem Tisch.</p><p>�Ich habe sagen h�ren, da� sie den Menschen nicht gleichen�, meinte Kungumi.</p><p>�Ich habe keine Angst vor ihnen�, sagte der Mann hinter dem Tisch.</p><p>�Gib mir den Ring!� forderte der Mann, der Kungumi genannt wurde. �Ich bewahre ihn sicher auf.�</p><p>�Ich bin kein Dummkopf�, wiederholte der andere. �Bring mir die Dokumente!�</p><p>�Was ist mit ihr?� fragte das schwarzgekleidete M�dchen und deutete mit der Peitsche auf die blonde Sklavin.</p><p>�Ich glaube, sie hat uns alles gesagt, was sie wei߫, meinte Kungumi.</p><p>�Was fangen wir nun mit ihr an?� fragte das M�dchen mit der Peitsche.</p><p>Kungumi blickte auf die bedr�ckt dasitzende Sklavin nieder. �Sie ist h�bsch�, sagte er nachdenklich. �Lassen wir sie am Leben!�</p><p>Er gab den beiden M�nnern aus dem Binnenland ein Zeichen und sagte etwas zu ihnen. Die Sprache, die er verwendete, konnte ich nicht verstehen. Die beiden ergriffen die Blonde und fesselten sie f�r den Transport.</p><p>Ich hatte genug gesehen. Vorsichtig entfernte ich mich von dem Gitter, glitt �ber das Dach und lie� mich auf ein niedrigeres Dach hinab und von dort auf die Stra�e.</p><p>Ich fuhr herum.</p><p>Die beiden scharfen Speere der schwarzh�utigen M�nner waren auf mein Gesicht gerichtet. Sie waren durch die Vordert�r ins Freie geeilt, um mich in Empfang zu nehmen.</p><p>Wieder ging die T�r auf, und im Licht erblickte ich das Gesicht des Mannes, den man Kungumi nannte. �Tritt ein!� sagte er. �Wir haben dich erwartet.�</p><p>Ich richtete mich auf. �In meiner Tunika�, sagte ich, �trage ich zwei Briefe bei mir, die mein Anliegen klarstellen m��ten.�</p><p>�Beweg dich behutsam!� sagte Kungumi daraufhin.</p><p>Langsam und ohne die beiden Speerspitzen aus den Augen zu lassen, zog ich die beiden Briefe heraus. Nat�rlich hatte ich weder den Ring noch die Kreditbriefe bei mir.</p><p>Ich reichte dem Mann an der T�r die beiden Briefe. Er warf einen Blick darauf.</p><p>�Der eine�, sagte ich, �ist f�r einen Mann namens Msaliti.�</p><p>�Ich bin Msaliti�, sagte der Mann, den man Kungumi genannt hatte. �Tritt ein!� fuhr er fort.</p><p>Ich folgte ihm in das Geb�ude, durch den kleinen Vorraum in das gr��ere Zimmer, in das ich durch den Deckengrill geschaut hatte. Die beiden fellgekleideten Riesen traten hinter mir ein.</p><p>Drinnen bemerkte ich in einer Ecke die blonde Sklavin. R�ckhaltlos hatte sie offenbart, was sie wu�te. Das andere M�dchen, die dunkelhaarige Sch�nheit mit der Peitsche, zeigte sich von meinem Eintreten �berrascht. Sie hatte nicht mit mir gerechnet. Anscheinend hatten die M�nner sie nicht ins Vertrauen gezogen. Ich begr��te sie nicht.</p><p>Mein Blick richtete sich auf den Mann, der mit untergeschlagenen Beinen hinter dem Tisch sa�. Er war ein gro�er, hagerer Mann. Er hatte lange, d�nne H�nde mit schmalen Fingern. Sein Gesicht wirkte vornehm, sein Blick aber war hart und stechend. Ich nahm nicht an, da� er der Kriegerkaste angeh�rte, zweifelte aber nicht daran, da� er mit Stahl umgehen konnte. Selten hatte ich ein Gesicht gesehen, das solche Sensibilit�t, doch zugleich soviel Intelligenz und unbeugsame Willenskraft widerspiegelte. Der Linie der Wangenknochen folgte eine punktierte Stammest�towierung. Er trug eine gr�nbraune Robe, in die schwarze Flecke eingearbeitet worden waren � ein Muster, das im Dschungel nur schwer auszumachen gewesen w�re. Er trug eine runde flache M�tze aus �hnlichem Material. Am Zeigefinger der linken Hand funkelte ein Ring, der sicher ein Gift enthielt, wahrscheinlich das der t�dlichen Kandapflanze.</p><p>Der zweite Brief, den ich Msaliti ausgeh�ndigt hatte, lag jetzt vor dem Mann auf dem Tisch.</p><p>�Dieser Brief�, sagte ich, �ist f�r Shaba, den Geographen aus Anango.�</p><p>�Ich bin Shaba�, sagte er und griff nach dem Brief, �der Geograph aus Anango.�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>�Ich bin gekommen, um wegen des Ringes zu verhandeln�, sagte ich.</p><p>�Hast du den falschen Ring und die Kreditbriefe bei dir?� fragte Shaba.</p><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>�Sind sie in Schendi?� wollte Shaba wissen.</p><p>�Vielleicht�, erwiderte ich. �Hast du den Ring bei dir?�</p><p>�Vielleicht�, sagte Shaba l�chelnd.</p><p>Ich bezweifelte nicht, da� er den Ring bei sich trug. Das Schmuckst�ck war viel zu wertvoll, als da� man es ungesch�tzt herumliegen lie�. Da er den Ring bei sich hatte, war er nat�rlich auch �u�erst gef�hrlich.</p><p>�Kommst du zu uns als Agent Bejars, eines Kapit�ns aus Port Kar?� fragte Shaba weiter.</p><p>�Vielleicht�, sagte ich.</p><p>�Nein�, stellte Shaba fest, �das stimmt nicht, denn du kennst den Wert des Rings, der Bejar unbekannt sein m��te.� Er musterte mich. �Auf �hnliche Weise k�nnte man beweisen, da� du kein einfacher Spekulant bist, der sich f�r den Weiterverkauf der Kreditbriefe interessiert.�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �In dem Fall k�nnte man immer darauf warten, da� sie f�r ung�ltig erkl�rt und neu ausgestellt werden�, sagte ich.</p><p>�Ja�, sagte er, �vorausgesetzt, sie w�rden neu ausgestellt und wir h�tten viel Zeit zu verschenken.�</p><p>�Du hast ein Projekt im Sinn?� fragte ich.</p><p>�Vielleicht�, meinte Shaba.</p><p>�Und du m�chtest es schnellstens in Gang bringen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Was ist das f�r ein Projekt?� fragte ich.</p><p>Msaliti musterte den Mann neugierig.</p><p>�Eine pers�nliche Sache�, sagte Shaba.</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Da du weder von Bejar kommst noch ein einfacher Spekulant bist�, fuhr Shaba fort, �k�nnen wir wohl davon ausgehen, da� du einen von zwei Ausgangspunkten hast. Entweder wurdest du von den Kurii zu uns geschickt � oder von den Priesterk�nigen.�</p><p>Ich warf einen unbehaglichen Blick auf die beiden st�mmigen M�nner mit den Schilden und dem Federschmuck, die dicht bei uns standen.</p><p>�Sei unbesorgt!� sagte Msaliti. �Meine Askaris sprechen kein Goreanisch.� Das Wort �Askari� stammt aus dem Binnenland und l��t sich etwa mit �Soldat� und �W�chter� �bersetzen.</p><p>�Einmal abgesehen davon, aus welchem Lager ich komme�, sagte ich, �du hast auf jeden Fall, was wir wollen � den Ring.�</p><p>�Der Ring�, sagte Msaliti, �darf um keinen Preis den Priesterk�nigen zur�ckgegeben werden. Er mu� an die Kurii gehen.�</p><p>�Wenn ich zur�ckkehre�, sagte ich, �bringe ich nat�rlich den falschen Ring mit, damit er ins Sardargebirge geschafft wird.�</p><p>�Er geh�rt zu uns�, sagte Msaliti. �Kein Agent der Priesterk�nige w�rde wollen, da� der falsche Ring ins Sardargebirge kommt.�</p><p>Damit best�tigte er mir Samos� Verdacht, da� sich mit dem falschen Ring irgendeine Drohung oder Gefahr verband.</p><p>�Du wirst also als Agent der Priesterk�nige den Ring ins Sardargebirge bringen�, sagte ich zu Shaba.</p><p>�Meinst du nicht, da� es daf�r ein wenig zu sp�t ist?� fragte dieser.</p><p>�Wir m�ssen es versuchen�, sagte ich.</p><p>�Ja, so war es geplant�, �u�erte Msaliti ernsthaft.</p><p>�Du mu�t deinen Teil der Vereinbarungen einhalten�, sagte das dunkelhaarige M�dchen.</p><p>Shaba wandte sich zu ihr um.</p><p>�Halt den Mund!� sagte Msaliti zornig zu ihr.</p><p>Aufgebracht trat sie einen Schritt zur�ck.</p><p>�Du siehst nicht aus wie ein Mann, der den Kurii dienen w�rde�, sagte Shaba l�chelnd zu mir.</p><p>�Du siehst nicht aus wie jemand, der die Priesterk�nige verr�t�, gab ich zur�ck.</p><p>�Ah�, sagte er leise und lehnte sich zur�ck. �Wie schwierig und verwickelt ist doch die menschliche Natur!� meinte er nachdenklich.</p><p>�Wie hast du uns hier gefunden?� erkundigte sich das M�dchen.</p><p>�Nat�rlich ist er dir gefolgt, kleine N�rrin!� erwiderte Msaliti. �Warum mu�test du wohl noch einen weiteren Abend in Pembes Taverne arbeiten?�</p><p>�Ihr h�ttet es mir sagen k�nnen�, sagte sie.</p><p>Msaliti antwortete ihr nicht.</p><p>�Woher wu�tet ihr, da� ich auf dem Dach war?� fragte ich. Die Askaris hatten mir aufgelauert.</p><p>�Ein alter Schendi-Trick�, antwortete Shaba. �Schau dort hinauf. Siehst du die kleinen F�den herabh�ngen?�</p><p>�Ja�, sagte ich. Mehrere F�den, jeweils etwa einen Fu� lang, baumelten an der Decke des Zimmers. An jedem Ende war ein kleines rundes Gebilde befestigt.</p><p>�Es ist nicht ungew�hnlich, da� Einbrecher durch die L�ftungsroste eindringen�, erkl�rte Shaba. �Du siehst dort oben getrocknete Erbsen an F�den. Sie werden an der Decke unter bestimmten Brettern angebracht oder in bestimmte Risse gesteckt. Wenn dann jemand auf das Dach tritt, werden die Erbsen durch die Bewegung der Dachbalken freigegeben. Dann wei� man sofort, da� jemand auf dem Dach ist oder war.�</p><p>�Eine lautlose Warnung!� sagte ich.</p><p>�Ja�, fuhr er fort. �Der Hauseigent�mer kann sich dann �berlegen, ob er den Dieb abschrecken oder festnehmen will, sobald er in das Haus eindringt.�</p><p>�Was ist, wenn die Hausbewohner schlafen?� fragte ich.</p><p>�An einzelnen Streben der Roste werden Glocken befestigt, die dicht �ber dem Lager der Schlafenden h�ngen. Versucht jemand, die Schn�re zu durchtrennen oder die Glocken hochzuziehen, gen�gt meistens der L�rm, die Hausbewohner zu wecken.�</p><p>�Sehr raffiniert!� stellte ich fest.</p><p>�Du hast dich eigentlich recht gut geschlagen�, sagte Shaba. �Nur wenige Erbsen sind herabgefallen. Du hast einen leichten Schritt. Im Grunde wurden wir erst gewarnt, als du das Dach verlie�est.�</p><p>Ich nickte. Es stimmte, bei meinem R�ckzug hatte ich weniger Vorsicht walten lassen als zuvor. Ich war relativ unbesorgt gewesen, hatte ich doch mit keinen weiteren Gefahren gerechnet. Von dem einfachen Trick mit den F�den und den Erbsen hatte ich keine Ahnung gehabt.</p><p>�Warum hat man mir nicht gesagt, da� ich verfolgt werden sollte?� fragte das M�dchen.</p><p>�Sei still!� forderte Msaliti.</p><p>Zornig richtete sie sich auf.</p><p>�Du bist mir im Goldenen Kailiauk, in Pembes Taverne, auf raffinierte Weise entwischt�, sagte ich zu Msaliti. �Es war sehr geschickt, wie du die beiden M�dchen ausgetauscht hast.�</p><p>Er zuckte die Achseln und l�chelte. �Nat�rlich war dazu die Mithilfe Shabas und des Ringes erforderlich.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Ich habe meine Rolle ebenfalls gut gespielt�, sagte das M�dchen.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>Triumphierend schaute sie die M�nner an.</p><p>�Du brachtest das M�dchen in die Taverne und bedecktest sie mit deiner Aba, damit sie sich nicht bewegte. Gesch�tzt durch die Unsichtbarkeit des Ringes, gab Shaba das Mittel in meinen Paga. Als ich abgelenkt war, verschleppte er das blonde M�dchen, woraufhin dann diese Frau, wie vorher vereinbart, ihren Platz einnahm.�</p><p>�Ja�, sagte Shaba.</p><p>�Das Mittel, das mir in den Paga getan worden war, hatte Auswirkungen, die verhinderten, da� ich Shaba verfolgte.�</p><p>�Es handelte sich um eine einfache Mischung aus Sajel, einem Pustelerreger, und Gieron, einem ungew�hnlichen Allergen. Zusammen erzeugen sie die �u�erlichen Symptome der Bazi-Pest.�</p><p>�Der Mob h�tte mich umbringen k�nnen�, sagte ich.</p><p>�Ich nahm nicht an, da� man gern dicht an dich heranr�cken w�rde�, sagte Shaba.</p><p>�Du wolltest also nicht, da� ich ums Leben kam?� fragte ich.</p><p>�Auf keinen Fall�, erwiderte Shaba. �W�re das mein Ziel gewesen, h�tte ich deinem Getr�nk ohne weiteres auch Kanda beimengen k�nnen, anstatt nur Sajel und Gieron zu nehmen.�</p><p>�Da hast du recht�, sagte ich.</p><p>�Wir wollten nur sichergehen, da� du dich nicht mit uns in Verbindung setztest, ehe unsere Pl�ne im einzelnen feststanden. Wei�t du, wir hatten ja keine Ahnung, wer du warst! Wir wollten zun�chst das M�dchen verh�ren und m�glichst viel aus ihr herausholen. Vielleicht w�re es ja �berfl�ssig gewesen, mit dir in Kontakt zu treten.�</p><p>�Die dumme Sklavin aber wu�te gar nichts!� sagte das dunkelhaarige M�dchen.</p><p>�Wenn ich heute abend euer Hauptquartier nicht gefunden h�tte, w�rt ihr zu mir gekommen?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Shaba. �Morgen. Wir rechneten aber damit, da� du uns heute finden w�rdest. Wir sagten uns, du w�rdest die Rolle des M�dchens bei uns herausfinden oder dir zusammenreimen und sie als Spur benutzen, die zu uns f�hrte. Diese M�glichkeit wurde best�tigt, als du beim Bettler Kipofu auf dem Utukufu-Platz Erkundigungen einzogst.�</p><p>�Du warst dort!� sagte ich.</p><p>�Nat�rlich�, antwortete er. �In der Deckung des Ringes. Leider konnte ich nicht so dicht heran, wie ich mir gew�nscht h�tte, denn Kipofu besitzt ein unnat�rlich scharfes Geh�r. Als meine Gegenwart entdeckt war, zog ich mich zur�ck.�</p><p>�Warum hast du mich nicht direkt angesprochen?� fragte ich.</p><p>�Aus zwei Gr�nden�, erwiderte Shaba. �Wir wollten die blonde Sklavin noch ein zweites Mal verh�ren, ehe wir Kontakt aufnahmen, au�erdem waren wir neugierig festzustellen, ob du uns auch allein finden w�rdest. Das gelang dir. Unseren Gl�ckwunsch dazu! Offensichtlich bist du daf�r geeignet, im Namen der Kurii Gesch�fte durchzuf�hren.�</p><p>�Wie lange wu�test du schon, da� ich in Schendi bin?� fragte ich.</p><p>�Seit der Ankunft der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>�, erwiderte er. �Zuerst konnten wir nat�rlich nicht wissen, ob dein Eintreffen nicht etwa nur ein Zufall war. Sehr bald erwies es sich jedoch, da� unsere Sorge berechtigt war. Du erschienst im Markt des Uchafu. Du verfolgtest Msaliti von dort weiter. Du r�hrtest dich im Goldenen Kailiauk nicht von der Stelle.�</p><p>�Man hat mich beobachtet, seit ich in Schendi eintraf�, stellte ich fest.</p><p>�Ja�, entgegnete Shaba, �zumindest von Zeit zu Zeit.�</p><p>�Dann kennt ihr zweifellos auch meine neue Unterkunft�, sagte ich, �den Raum, den ich nach Verlassen der Schendi-H�hle bezogen habe.�</p><p>Ich hatte mir ein gro�es Erdgescho�zimmer gemietet, hinter der Werkstatt eines Tucharbeiters, dicht bei der Stra�e der Gewebe. In Msalitis Aba geh�llt, damit Gesicht und Augen nicht zu erkennen waren, Sasi in eine Decke gewickelt �ber die Schulter geworfen, hatte ich meiner neuen Wirtin einen Kupfer-Tarsk als Trinkgeld gegeben. �Vergn�g dich gut!� hatte sie gesagt und auf die zusammengerollte Decke geblickt.</p><p>�Wenn wir w��ten, wo du wohnst�, sagte Shaba, �w�ren meine M�nner in diesem Augenblick damit besch�ftigt, dein Zimmer nach den Kreditbriefen und dem Ring zu durchw�hlen.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Du hast schnell reagiert�, fuhr Shaba fort. �Als ich die blonde Sklavin hierhergebracht hatte und zur Schendi-H�hle zur�ckgekehrt war, hattest du dich bereits empfohlen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich und war froh, da� ich mich so beeilt hatte.</p><p>�Inzwischen sind wir ja Freunde�, fuhr Shaba fort. �Wir alle.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Wann lieferst du uns die Kreditbriefe aus?� fragte er.</p><p>�Und den falschen Ring�, hakte Msaliti nach.</p><p>�Morgen abend�, sagte ich.</p><p>�Du willst die Dunkelheit nutzen?� erkundigte sich Shaba.</p><p>�Ich halte das f�r ratsam�, sagte ich.</p><p>�Na sch�n�, meinte Shaba. �Dann also morgen abend, zur neunzehnten Ahn. Du kommst hierher. Bring die Kreditbriefe und den falschen Ring mit. Ich halte dann den echten Ring f�r den Austausch bereit.�</p><p>�Ich werde zur Stelle sein�, versprach ich.</p><p>�Dann ist unser Anliegen also endlich erledigt�, sagte das dunkelhaarige M�dchen, und ihr Gesicht r�tete sich vor Freude.</p><p>�Trinken wir etwas�, sagte Shaba, �um dieses langerwartete Zusammentreffen zu feiern!� Dann l�chelte er mich an. �Ich hoffe, du hast keine Angst, mit uns den Kelch zu heben.�</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte ich. �Hast du Paga aus Ar, aus der Brauerei des Temus?�</p><p>�Ich bin bek�mmert�, erwiderte Shaba l�chelnd. �Wir haben hier nur Schendi-Paga, der aber auch recht gut sein d�rfte. Nat�rlich ist das Geschmackssache.�</p><p>�Einverstanden�, sagte ich.</p><p>�Ohne Sajel und Gieron wird er dir auch besser schmecken�, sagte er.</p><p>�Das ist beruhigend�, �u�erte ich.</p><p>�Die Symptome, die sich im Goldenen Kailiauk bei dir �u�erten, h�tten am folgenden Morgen verschwunden sein m�ssen�, fuhr er fort.</p><p>�Stimmt�, sagte ich.</p><p>�Meine Liebe�, wandte sich Shaba an das dunkelhaarige M�dchen, �w�rdest du uns Paga bringen?�</p><p>Sie erstarrte.</p><p>�Hol Paga, Frau!� forderte Msaliti. �Du bist in unserem Kreis die Geringste.�</p><p>�Warum bin ich die Geringste?� fragte sie.</p><p>�Verzeih uns, meine Liebe!� sagte Shaba.</p><p>�Ich bringe den Paga�, sagte sie.</p><p>Nach wenigen Augenblicken kehrte sie mit einer Flasche Schendi-Paga und vier Kelchen zur�ck. Sie schenkte ein.</p><p>�Verzeih mir!� sagte ich zu Shaba und ergriff den Kelch, den sie vor ihm abgestellt hatte.</p><p>Er l�chelte und breitete die H�nde aus. �Nat�rlich�, sagte er.</p><p>Dann hoben wir die Kelche und f�hrten die R�nder zusammen.</p><p>�Auf den Sieg!� sagte Shaba.</p><p>�Auf den Sieg!� antworteten wir und tranken. Es machte mir nichts, auf diesen Trinkspruch einzugehen. Durchaus m�glich, da� nicht jeder von uns auch denselben Sieg meinte.</p><p>�Ich bin dieser lieblichen Agentin noch nicht vorgestellt worden�, sagte ich anschlie�end und blickte das dunkelhaarige M�dchen an.</p><p>�Verzeih mir � wie achtlos von mir!� sagte Shaba. �Ich wollte nicht unh�flich sein. Wenn meine Erkundigungen in Schendi zum richtigen Ergebnis gef�hrt haben, reist du unter dem Namen Tarl aus Teletus�, fuhr er fort.</p><p>�Stimmt�, sagte ich. �Dieser Name reicht durchaus, meine wahre Identit�t zu verbergen.�</p><p>�Viele Agenten benutzen Kodebezeichnungen�, sagte Shaba.</p><p>�Ja�, stimmte ich ihm zu.</p><p>�Tarl aus Teletus�, fuhr er fort, �d�rfte ich dir Lady E. Ellis vorstellen? Lady E. Ellis, dies ist Tarl aus Teletus.�</p><p>Wir neigten voreinander die K�pfe.</p><p>�Ist �E.� eine Initiale oder ein Name?� fragte ich.</p><p>�Eine Initiale�, antwortete sie, �die Abk�rzung f�r Evelyn. Dieser Name gef�llt mir aber nicht. Er ist zu weiblich. Nenn mich �E.�!�</p><p>�Ich werde dich Evelyn nennen�, sagte ich.</p><p>�Das steht dir nat�rlich frei�, erwiderte sie.</p><p>�Ich sehe, du wei�t, wie man eine Frau behandelt�, sagte Shaba. �Du zwingst ihr deinen Willen auf.�</p><p>�Ist Evelyn Ellis dein richtiger Name?� fragte ich l�chelnd.</p><p>�Ja�, antwortete sie. �Warum l�chelst du?�</p><p>�Ach, nichts!� sagte ich.</p><p>Msaliti und Shaba l�chelten ebenfalls. Es am�sierte mich zu sehen, da� sich das M�dchen einbildete, einen Namen zu haben.</p><p>�Ich bewundere die Klarsicht der Kur-Anwerber�, sagte ich. �Offensichtlich bist du hochintelligent und sehr sch�n.�</p><p>�Vielen Dank�, antwortete sie.</p><p>�Sie ist bestens ausgebildet worden�, sagte Msaliti.</p><p>�Ich bin nicht nur gut ausgebildet�, sagte sie, �sondern sogar sehr gr�ndlich. Nichts wurde dem Zufall �berlassen. Die unwichtigsten Einzelheiten wurden ber�cksichtigt. Damit ich meine Rolle noch wirksamer spielen kann, habe ich es sogar zugelassen, da� mein K�rper gebrandmarkt wurde.�</p><p>�Ja, ich erinnere mich�, sagte ich. Ich hatte sie im Goldenen Kailiauk in Vergn�gungsseide gesehen.</p><p>Sie warf mir einen aufgebrachten Blick zu.</p><p>�Meine Ehrfurcht vor der Klugheit und Gr�ndlichkeit der Kurii in der Organisation ihrer Spionagegruppen kennt keine Grenzen�, fuhr ich fort. �Ich mu� zugeben, da� meine Bewunderung f�r die Ergebnisse ihrer Schulung, so auch in diesem Fall, jedes Ma� �bersteigt.�</p><p>Geschmeichelt err�tete sie.</p><p>Ich leerte meinen Kelch.</p><p>�Ich h�tte gern noch weitere Beweise deines K�nnens gesehen�, fuhr ich fort. �Ich habe keinen Paga mehr.�</p><p>Sie griff nach der Flasche.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Hat man dich nicht gelehrt, Paga wie eine Paga-Sklavin zu servieren?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Dann zeig�s mir.�</p><p>�Sch�n�, sagte sie und wollte meinen Kelch ergreifen.</p><p>�F�r eine Paga-Sklavin bist du aber seltsam gekleidet�, sagte ich und deutete auf ihre Holzsandalen, die enge Hose und die zugekn�pfte Bluse.</p><p>�Soll ich Vergn�gungsseide anlegen?� fragte sie eisig.</p><p>�Nein�, erwiderte ich. �In vielen goreanischen Tavernen bedienen die Paga-Sklavinnen nackt.�</p><p>�Ja�, sagte sie gedehnt.</p><p>�Ich h�tte gern gesehen, wie gut man dich ausgebildet hat�, fuhr ich fort.</p><p>�Na sch�n�, sagte sie zornig, aber doch in ihrer Eitelkeit herausgefordert.</p><p>Sie zog die F��e aus den Holzpantoffeln. Sie streifte die schwarze Hose herunter und zog das schwarze Oberteil aus. Gleich darauf hatte sie auch H�schen und B�stenhalter abgelegt. Sie war w�tend, doch sp�rte man deutlich, da� die Szene sie erregte. Nackt stand sie vor bekleideten M�nnern. Dies kann f�r eine Frau sehr anregend sein. Unter solchen Umst�nden f�llt es ihr schwer, sie nicht als ihre Herren zu sehen und sich selbst als Sklavin. Ich betrachtete die Sklavin, die sich unbewu�t auf die Unterlippe bi�. Sie bot einen lieblichen Anblick.</p><p>�Moment noch�, sagte Msaliti, �es fehlt eine Kleinigkeit, um die Wirkung zu vervollst�ndigen!�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Shaba.</p><p>Er verlie� den Raum und kehrte gleich darauf mit dem Sklavenkragen zur�ck. �Oh!� seufzte sie, als er ihr das Metall von hinten um den Hals legte und zuschnappen lie�. Mir fiel auf, da� er den Schl�ssel in die Tasche steckte. Ich nahm nicht an, da� das M�dchen den Kragen so schnell wieder loswerden w�rde.</p><p>Msaliti kehrt zu uns an den Tisch zur�ck.</p><p>Das M�dchen stand mit hochm�tig erhobenem Kopf vor uns. �Gefalle ich meinen Herren?� fragte sie l�chelnd.</p><p>�Servier uns Paga, Sklavin!� befahl Msaliti.</p><p>Sie erstarrte und l�chelte verkrampft. �Ja, Herr!� sagte sie.</p><p>Ich l�chelte ebenfalls. Sie bildete sich sichtlich ein, eine Rolle zu spielen. Wu�te sie nicht, da� sie wirklich gebrandmarkt und dadurch wahrhaftig zur Sklavin gemacht worden war? Ich sp�rte, da� ihr Sklavendasein, das bis jetzt noch nicht wirksam gewesen war, bald wahrhaftig beginnen sollte. Es hatte sogar schon begonnen � nur wu�te sie das noch nicht. Sie hielt sich f�r eine freie Frau, die uns als Sklavin bediente. Sie wu�te nicht, da� sie l�ngst wirklich Sklavin war, die sich am�santerweise f�r frei hielt. Ein h�bscher Spa� auf Kosten des M�dchens!</p><p>�Paga, Herr?� fragte sie und kniete vor mir nieder, den Kelch hoch erhoben.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>Das M�dchen erbebte unter meinem Blick und nahm sich dann zusammen. Anschlie�end bediente sie Msaliti und Shaba. Ich beobachtete sie. Vermutlich w�rde sie in einer Paga-Taverne �berleben k�nnen, auch wenn der Vorwand des Rollenspiels wegfiel, der sie w�hrend ihrer Zeit in Pembes Taverne, im Goldenen Kailiauk, motiviert hatte. Anfangs w�rde sie zweifellos oft Pr�gel beziehen, weil sie sich so ungeschickt anstellte.</p><p>Als das M�dchen Shaba bedient hatte, richtete sie sich auf und kam um den Tisch, wo ihr Kelch stand.</p><p>Sie griff danach, doch Msaliti schob das Getr�nk au�er Reichweite. Sie blickte ihn verwirrt an.</p><p>�Trinkt eine Paga-Sklavin am Tisch ihrer Herren?� fragte er.</p><p>�Nat�rlich nicht�, antwortete sie und lachte.</p><p>�F�r so etwas k�nntest du die Peitsche zu sp�ren bekommen�, fuhr Msaliti fort.</p><p>�Trotzdem bin ich gut ausgebildet worden�, sagte sie.</p><p>�Niemand hat dir das Sprechen gestattet�, sagte Msaliti.</p><p>Sie musterte ihn ratlos.</p><p>�Es ist beinahe Zeit, da� du in Pembes Taverne zur�ckkehrst, meine Liebe!� fuhr Msaliti fort.</p><p>�Nein!� rief sie. �Du hast doch gesagt, heute abend h�tte ich zum letzten Mal dort meinen falschen Dienst versehen.�</p><p>�Stimmt!� gab er zur�ck. �Zugleich ist es der erste Abend, an dem du dort richtig bedienen wirst.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte sie.</p><p>Zornig stand sie auf und wollte den kleinen Vorraum aufsuchen. Aber die beiden Askaris stellten sich ihr in den Weg. Sie fuhr zu uns herum. �Ich m�chte gern den Schl�ssel haben�, sagte sie zornig, �damit ich diesen � Kragen abnehmen kann!�</p><p>�Ich habe den Schl�ssel hier�, sagte Msaliti und hob ihn in die H�he.</p><p>�Oh!� rief sie. Dann kam sie auf uns zu.</p><p>�Du darfst dich nicht ohne Erlaubnis n�hern�, sagte Msaliti.</p><p>Etwa f�nf Fu� vom Tisch entfernt blieb sie stehen.</p><p>�Knie nieder!�</p><p>�Ich verstehe nicht, was das soll!�</p><p>�Knie nieder!� Ich registrierte, da� er seinen Befehl wiederholt hatte � etwas, das ein Sklavenherr sehr selten tut.</p><p>Sie gehorchte. �Ich verstehe das nicht�, wiederholte sie.</p><p>Ich nahm nicht an, da� es ihr an Intelligenz fehlte. Ihr irdischer Verstand konnte lediglich nicht begreifen, da� k�nftig gewisse neue Beurteilungsma�st�be f�r sie gelten sollten.</p><p>�Gib mir den Schl�ssel!� forderte sie.</p><p>�Wessen Kragen tr�gst du?� fragte Msaliti.</p><p>�Nat�rlich den Pembes�, erwiderte sie.</p><p>�Und was willst du damit tun?�</p><p>�Na, ihn abnehmen!�</p><p>�Es ist aber Pembes Kragen � es l�ge also an ihm zu entscheiden, ob er abgenommen wird oder nicht.�</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Sind alle Frauen deiner fr�heren Heimat so begriffsstutzig wie du?� fragte er.</p><p>�Was meinst du damit � �meine fr�here Heimat�?�</p><p>�Genau das, was die Worte ausdr�cken�, antwortete Msaliti, �die Heimat, die dir fr�her einmal geh�rt hat. Du d�rftest inzwischen begriffen haben, da� Gor jetzt deine Heimat ist.�</p><p>�Nein!� schrie sie.</p><p>�Du bist eine goreanische Sklavin�, sagte er betont.</p><p>�Nein! Nein!� rief sie, sprang auf und eilte zur T�r. Die beiden Askaris packten sie jedoch und zwangen sie vor uns in die Knie.</p><p>�Ich bin keine Sklavin!� protestierte sie.</p><p>�O doch!� gab Msaliti zur�ck. �Du wurdest zur Sklavin, als das Brandzeichen deine Haut markierte, nur wu�test du es bisher nicht.�</p><p>�Nein! Nein!� wiederholte sie immer wieder. �Ich habe euch doch gut gedient!�</p><p>�Ja�, sagte Msaliti, �aber jetzt wirst du nicht mehr gebraucht.�</p><p>�Ich bin eure Kollegin!� sagte sie.</p><p>�Du warst nie etwas anderes als unsere Sklavin, kleine wei�h�utige N�rrin!� sagte Msaliti.</p><p>�Was ist, wenn deine Vorgesetzten davon erfahren?�</p><p>�Ich handle nach ihren Anweisungen�, sagte Msaliti lachend. �Du bildest dir doch nicht etwa ein, eine Frau wie du w�rde mit anderer Absicht nach Gor gebracht, als ihr letztlich den Kragen umzulegen?�</p><p>�Nein!� rief sie wieder. �Shaba, hilf mir doch!�</p><p>�Deine Dienste werden nicht mehr ben�tigt, meine Liebe�, sagte dieser.</p><p>�Nein!� rief sie erneut.</p><p>Msaliti wandte sich an seine Askaris und reichte einem von ihnen den Schl�ssel zum Kragen des M�dchens.</p><p>�Schon vor mehreren Tagen�, sagte er zu dem M�dchen, das vor ihm kniete, �wurde dein Verkauf an Pembe arrangiert. Heute abend wirst du an ihn ausgeliefert.�</p><p>Sie schaute ihn bedr�ckt an.</p><p>�Anscheinend hat er dich irgendwie in sein Herz geschlossen�, fuhr Msaliti fort. �Er scheint anzunehmen, da� du Talent zum Paga-M�dchen besitzt. Ich wei� nicht, ob das stimmt oder nicht. An deiner Stelle w�rde ich mir gr��te M�he geben, seine Erwartungen nicht zu entt�uschen. Pembe ist nicht sehr geduldig.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie. �Darf ich etwas sagen?�</p><p>�Bitte!�</p><p>�Herr�, sagte sie, �was hast du f�r mich bekommen?�</p><p>�Ah, die typische Eitelkeit der Sklavin!� rief er. �Ein gutes Zeichen! Vielleicht findest du dich in deinem neuen Leben sogar zurecht. Du hast mir vier Kupfer-Tarsk gebracht.�</p><p>�So wenig?� fragte sie bedr�ckt.</p><p>�Meiner Meinung nach ist das mehr, als du wert bist�, antwortete Msaliti und gab den Askaris ein Zeichen, sie fortzubringen.</p><p>Ich stand auf. �Dann sehe ich euch morgen abend�, sagte ich.</p><p>�Vergi� nicht, den falschen Ring und die Kreditbriefe mitzubringen!� sagte Shaba.</p><p>�Und du solltest den echten Ring bei dir haben�, erwiderte ich.</p><p>�Ich bringe ihn mit�, sagte er. Ich zweifelte nicht daran.</p><p>In einer Ecke hatte Msaliti damit begonnen, sich in den Bettler Kungumi zur�ckzuverwandeln. Schon hatte er sich das Buckelpolster unter die Tunika geschoben und die Schn�re geschlossen, die das Gebilde festhielten. Vor dem Spiegel war er jetzt damit besch�ftigt, die braune Paste der Narbe aufzutragen.</p><p>�Was ist mit dieser Sklavin?� fragte ich Msaliti und deutete auf die blonde Barbarin.</p><p>Msaliti zuckte die Achseln. �F�r uns ist sie wertlos�, sagte er.</p><p>�Was hast du Uchafu f�r sie bezahlt?�</p><p>�F�nf Silber-Tarsk�, sagte er.</p><p>�Ich gebe dir sechs�, sagte ich.</p><p>�Sie ist willig�, bemerkte Msaliti.</p><p>�Hast du sie schon dem Test unterzogen?�</p><p>�Nein. Aber ich nehme sechs Tarsk, wenn es dir ernst ist.�</p><p>Ich gab Msaliti sechs Silber-Tarsk f�r das M�dchen. Ab diesem Augenblick geh�rte sie mir.</p><p>Msaliti der seine Maske beendet hatte, b�ckte sich und nahm der blonden Barbarin die Fesseln ab. Er �ffnete den Kragen an ihrem Hals und zerrte sie hoch. Sie trug noch immer die Augenmaske, war ansonsten aber unbekleidet und ungefesselt, als er sie dann in meine Richtung schob. Erschrocken klammerte sie sich an mich, denn sie konnte nichts sehen.</p><p>�Du geh�rst jetzt mir�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie.</p><p>Sie hob die H�nde, um die Gesichtsmaske abzunehmen.</p><p>�Nicht!� sagte ich.</p><p>�Die Maske schenke ich dir�, sagte Msaliti l�chelnd. �Sie soll sie umbehalten, bis ihr ein gutes St�ck fort seid.�</p><p>�Sch�n�, sagte ich. Nat�rlich sollte sie den Weg zu diesem Haus nicht wiederfinden k�nnen.</p><p>�Bis morgen abend dann!� sagte Msaliti daraufhin und hob die Hand.</p><p>�Bis morgen abend!� erwiderte ich.</p><p>Er ging.</p><p>�Wir sind jetzt allein�, sagte ich zu Shaba. Das M�dchen z�hlte dabei nat�rlich nicht. Sie war Sklavin.</p><p>�Ja�, sagte Shaba und erhob sich hinter dem Tisch.</p><p>Ich ma� die Entfernung zu ihm mit den Augen.</p><p>�Wer bist du wirklich?� fragte er.</p><p>�Ich glaube, du hast den Ring jetzt schon bei dir. Du w�rdest es nicht wagen, ihn irgendwo zu hinterlegen.�</p><p>�Du bist ein kluger Mann�, sagte Shaba und hob die linke Hand, an deren Zeigefinger sich ein Zahnring befand. Er ballte die linke Hand zur Faust und bewegte mit dem Daumen einen winzigen Schalter am Ring. Der Zahn aus hohlem Stahl sprang empor und zeichnete sich deutlich ab.</p><p>�Darin befindet sich Kanda?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Es wird dir wenig n�tzen, wenn du damit nicht zuschlagen kannst�, sagte ich.</p><p>�Ein kleiner Kratzer gen�gt�, sagte er.</p><p>�Zuweilen mu� man Risiken eingehen�, sagte ich.</p><p>�Ich glaube, da� ich die Risiken m�helos vervielfachen kann�, erwiderte er. Mit der rechten Hand griff er unter seine Robe. Gleich darauf schien er zu verschwimmen. Als das Licht-Ablenkungsfeld voll aktiviert war, konnte ich ihn nicht mehr sehen: Er war verschwunden.</p><p>�Morgen werde ich den falschen Ring und die Kreditbriefe bringen�, k�ndigte ich an.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Shaba. �Ich glaube, wir verstehen einander recht gut.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Es ist mir ein Vergn�gen, mit einem so ehrlichen Burschen wie dir Gesch�fte zu machen.�</p><p>��hnliche Gef�hle bewegen mich, wenn ich dich anschaue�, erwiderte ich.</p><p>Dann machte ich kehrt, packte die Sklavin am Arm und verlie� den Raum.</p><p>Gleich darauf befand ich mich im Freien.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>�Keine Sorge!� sagte ich zu Pembe. �Es war nur eine kleine Unp��lichkeit, die ich l�ngst �berwunden habe.�</p><p>Seine H�nde zitterten.</p><p>�Schau doch!� fuhr ich fort. ��berzeug dich, da� ich nicht die Pest habe!�</p><p>�Deine Haut ist rein, ebenso deine Augen�, sagte er.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Es geht dir gut?� fragte er unsicher.</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Dann sei im Goldenen Kailiauk willkommen�, sagte er erleichtert.</p><p>�Ich bin gleich wieder da�, antwortete ich und ging zu der Wand, vor der die blonde Barbarin kniete.</p><p>�Beug dich nieder�, befahl ich, �neig den Kopf!�</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie.</p><p>�Und du bleibst in dieser Stellung, bis ich dir befehle aufzustehen.�</p><p>�Ja, Herr!� erwiderte sie. �Herr!� setzte sie nach.</p><p>�Ja?�</p><p>Sie sprach mit geneigtem Kopf.</p><p>�Wer bist du?� fragte sie. �Wer ist mein Herr?�</p><p>�Sei still!� forderte ich.</p><p>�Ja, Herr!�</p><p>Anschlie�end kehrte ich an den Tresen zur�ck. �Hast du hier eine wei�h�utige Paga-Sklavin, eine Barbarin?�</p><p>�Ja�, sagte er. �Erst heute abend habe ich eine solche Sklavin erstanden, f�r vier Tarsk. Ich habe sie noch nicht eingesetzt.�</p><p>Ich warf ihm einen Kupfer-Tarsk zu. �Paga�, forderte ich, �und das M�dchen!�</p><p>Der Wirt wandte sich an einen seiner Helfer. �Bring das neue M�dchen!� sagte er. �Ausgezeichnet�, murmelte er vor sich hin, �schon wird nach ihr verlangt.�</p><p>Der Paga-Helfer schob das M�dchen, das bis auf ihren Kragen nackt war, durch den Vorhang.</p><p>�Ah!� sagte ich. Sie hatte mich noch nicht gesehen. �Ich glaube, deine vier Tarsk wird sie dir sehr schnell verdienen.�</p><p>�Allerdings mu� ich auch die Kosten des Paga berechnen�, sagte er.</p><p>�Das stimmt�, meinte ich.</p><p>�Au�erdem ist sie ein neues M�dchen�, fuhr er fort. �Wenn sie dich nicht g�nzlich zufriedenstellt, gib mir Bescheid, dann lasse ich sie auspeitschen und gebe dir das Geld zur�ck.�</p><p>�Sch�n�, sagte ich. �Ich sitze an dem Tisch dort�, fuhr ich fort und deutete auf einen Tisch im hinteren Bereich der Taverne, unweit einer Nische, die mit einem roten Vorhang verschlossen war.</p><p>�Ja, Herr!� sagte Pembe.</p><p>Ich setzte mich mit untergeschlagenen Beinen hinter den Tisch. Ich hielt es f�r ratsam, nicht auf direktem Wege in meine Unterkunft zur�ckzukehren. Wenn mir jemand folgte, stand ihm eine ziemlich lange Wartezeit bevor. Mein Aufenthalt in der Paga-Taverne w�rde es mir erleichtern, einem solchen Verfolger zu entgehen. Nat�rlich hatte ich mir wegen Pembes neuer Paga-Sklavin diese Taverne ausgesucht. Als sie sich im Hauptquartier Shabas und Msalitis einbildete, uns den Dienst lediglich vorzuspielen, hatte sie mich erregt � ob sie es nun wollte oder nicht. Und jetzt wollte ich sie besitzen. Es mochte auch zum Vorteil des M�dchens sein, von mir in ihr Schicksal eingef�hrt zu werden, der ich die Grenzen, die irdischen M�dchen gesetzt waren, besser kannte als die meisten Goreaner. Normalerweise sind die ersten drei N�chte f�r ein M�dchen in einer Paga-Taverne die schlimmsten.</p><p>Den Paga-Kelch in den H�nden haltend, drehte sie sich um. Beinahe h�tte sie das Getr�nk versch�ttet. Nur gut f�r sie, da� nicht wirklich ein Tropfen zu Boden ging.</p><p>Langsam kam sie auf mich zu und kniete vor mir nieder.</p><p>�Paga, Herr?� fl�sterte sie schluchzend.</p><p>Mit geneigtem Kopf hielt sie mir das Getr�nk entgegen.</p><p>�Hat Pembe dir schon einen Namen gegeben?� fragte ich.</p><p>�Nein, Herr.�</p><p>�W�hrend unseres Zusammenseins�, sagte ich, �sollst du Evelyn hei�en.�</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie und lehnte sich zur�ck.</p><p>�Du bist eine h�bsche Sklavin, Evelyn�, sagte ich und kostete von meinem Getr�nk. �Tr�gst du wei�e Seide?� fuhr ich fort.</p><p>�Ich bin eine Jungfrau�, erwiderte sie.</p><p>�Dann tr�gst du wei�e Seide�, best�tigte ich ihr.</p><p>�Ja, Herr!�</p><p>�Hast du dich je gefragt, wie es sein w�rde, Sklavin zu sein?� fragte ich. �Bedenke, was du sagst!�</p><p>�Ja�, erwiderte sie, �ich habe mich damit besch�ftigt.�</p><p>�Du wirst es erfahren�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr!�</p><p>Anschlie�end widmete ich mich dem Paga und meinen Gedanken. Nach einiger Zeit lie� ich mir von ihr einen zweiten Kelch bringen. In Pembes Taverne kostete der zweite Kelch lediglich einen kleinen Tarsk. Ich bezahlte den Paga-Helfer, der an den Tisch kam. Wie in vielen anderen Lokalen durften die M�dchen bei Pembe kein Geld ber�hren. Evelyn, die mit dem h�heren Preis f�r den ersten Kelch bezahlt worden war, geh�rte mir, bis ich das Lokal verlie� oder sie sonstwie freigab.</p><p>�Darf ich etwas sagen?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Hat der Herr die Absicht, mich zu gebrauchen?� fragte sie.</p><p>�Vielleicht ja, vielleicht auch nicht. Ich werde tun, was mir beliebt.�</p><p>�Ja, Herr!�</p><p>Ich trank meinen zweiten Kelch Paga. Nach einiger Zeit stie� ich ihn von mir fort.</p><p>�Will der Herr jetzt gehen?� fragte sie.</p><p>�Geh zur Nische!� sagte ich.</p><p>Gequ�lt blickte sie mich an. Sie stand auf und ging schweren Schrittes zur Nische. Sie schien sich kaum noch auf den Beinen halten zu k�nnen. Sie brachte es nicht fertig, durch den Vorhang zu treten.</p><p>Ich umfa�te ihren linken Arm und stie� sie hinein, dr�ckte sie auf die Felle zu meinen F��en. Dann drehte ich mich um und schlo� den Vorhang hinter mir.
 �Einen Ku� noch, Herr!� flehte sie.</p><p>Den einen Fu� angekettet, kniete sie auf dem Fell. Ich kniete vor ihr und nahm sie in die Arme. Dann schob ich sie von mir und stand wieder auf.</p><p>Es war bereits der n�chste Morgen, und ich hatte mich wieder angezogen.</p><p>�Behalt mich, Herr!� flehte sie. �Behalt mich!�</p><p>Ich blickte auf sie nieder. Sie kniete vor mir. Sie war so weich und wundersch�n, die langen Wimpern feucht von Tr�nen, das dunkle Haar auf den Schultern wogend. Ihre Lippen bebten.</p><p>Sie war Agentin der Kurii gewesen.</p><p>�Denk dran � es wird dir am besten ergehen, wenn du dich den M�nnern unterwirfst, wie es sich einer Sklavin geziemt. Denk daran und da� du eine Sklavin bist!� mahnte ich.</p><p>�Darf ich dich noch ein einziges Mal k�ssen?� fragte sie.</p><p>Ich gestattete es ihr.</p><p>Ich sp�rte ihre Lippen.</p><p>Ich betrachtete die Sklavin, die Agentin der Kurii gewesen war.</p><p>Dann machte ich kehrt und verlie� die Nische.</p><p>Einmal blickte ich noch zur�ck. Sie lag auf dem Bauch, halb durch den Vorhang ragend, doch von der Sklavenkette festgehalten, die Arme nach mir ausstreckend. �Bitte kauf mich!� flehte sie. �Bitte la� mich nicht hier zur�ck!�</p><p>�Wie war sie?� fragte ein Paga-Helfer, der gerade Kelche abwusch.</p><p>�Ich werde mein Geld nicht zur�ckverlangen�, sagte ich.</p><p>�Ob sie sich wohl macht?� erkundigte er sich. �Pembe wollte es wissen.�</p><p>�Anzunehmen�, sagte ich. �Man wei� das nat�rlich nie so genau. Ich meine aber, da� sie sich als zufriedenstellend erweisen wird.�</p><p>�Liegt ihr Sklaventum dicht an der Oberfl�che?� fragte er weiter.</p><p>�Ja�, entgegnete ich. �Zweifellos wird es sich bald voll zeigen.�</p><p>�Hat sie das wahre Feuer einer Sklavin?�</p><p>Ich dachte daran, wie sie schluchzend in meinen Armen gelegen hatte, k�ssend und leckend, um Ber�hrung flehend.</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>�Das ist gut�, sagte er. �Vielleicht ist ja Hoffnung f�r das M�dchen.�</p><p>Ich ging zu der Wand, vor der ich die blonde Barbarin hatte knien lassen. Sie war eingeschlafen und zur Seite umgesunken.</p><p>Sanft ber�hrte ich sie. Leise st�hnend erwachte sie und fuhr auf.</p><p>�Nein!� sagte ich leise und nahm sie sanft in die Arme. Wie leicht und klein sie war! Wenn ich mich nicht sehr irrte, wog sie keine hundert Pfund.</p><p>�Ich gehe durch den Hinterausgang�, sagte ich zu dem Paga-Helfer.</p><p>�Wie du willst.�</p><p>Drau�en wartete ich einige Sekunden lang, um zu sehen, ob die T�r sich hinter mir vorsichtig wieder �ffnete. Ich hielt auch nach Spuren im Sand der Gasse Ausschau und be�ugte die umliegenden D�cher. Die T�r ging nicht auf, im Sand zeigte sich nichts, die D�cher schienen leer zu sein.</p><p>Ich betrachtete das M�dchen in meinen Armen. Sie war wieder eingeschlafen. Einen Augenblick empfand ich so etwas wie Z�rtlichkeit. Ihr Leben war in den letzten Wochen nicht einfach gewesen. Sie hatte als simple Schachfigur im grausamen Spiel ganzer Welten gedient. F�r eine stolze Erdenfrau kann es auch qualvoll sein festzustellen, da� sie pl�tzlich eine Sklavin geworden ist. Ich wollte das M�dchen schlafen lassen. Ich trug sie durch Schendis Stra�en. Ich begab mich nicht auf direktem Wege zu meiner Unterkunft.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>Sasi �ffnete die T�r.</p><p>�Bereite die Kette f�r ein neues M�dchen!� befahl ich.</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie.</p><p>Ich nahm nicht an, da� Sasi sonderlich erfreut war, als ich nun die blonde Sklavin �ber die Schwelle trug und auf das Stroh legte.</p><p>�Ist das das M�dchen von der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>?� fragte sie. Die Barbarin schlief noch immer.</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>�Wozu brauchst du sie?� fragte Sasi und reichte mir den ge�ffneten Kn�chelring der Sklavenkette, die am Boden festgemacht war.</p><p>�Sie interessiert mich, zumindest im Augenblick�, erwiderte ich, machte die blonde Sklavin fest und legte eine Decke �ber sie. Das arme Kind war ersch�pft.</p><p>�Mich hast du nicht �ber die Schwelle getragen�, beschwerte sich Sasi.</p><p>�O doch, in ein Tuch gewickelt � ich hatte dich auf die Schulter genommen.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und senkte den Kopf. �Es ist schwer, einem Mann die Gef�hle mitzuteilen, die eine Frau in einem solchen Augenblick bewegen�, fuhr sie fort.</p><p>�Es sind die Gef�hle einer Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Ach, das klingt so einfach!� rief sie. �Gewi�, es sind die Gef�hle einer Sklavin. Aber ich frage mich, ob ein Mann jemals begreifen kann, was der Kragen f�r eine Frau bedeutet. Ob er die Beschaffenheit und Tiefe der Gef�hle der Frau ausloten kann, die vor ihm kniet.�</p><p>�Freie Frauen haben gewi� auch Gef�hle.�</p><p>�Ich war frei�, sagte sie. �Ich wu�te nicht, was Gef�hl bedeutete, bis ich versklavt wurde. Ich war frei. Ich brauchte nicht zu f�hlen, brauchte nicht bewu�t zu empfinden. Dies aber hat sich ver�ndert. Jetzt mu� ich mich den Gef�hlen anderer �ffnen. Nie zuvor bin ich mir der anderen Menschen so bewu�t gewesen wie jetzt. Und ich kann meinen Willen nicht mehr obenanstellen. Ich mu� dem Manne gehorchen, ich mu� ihm gefallen. Darauf spricht tief in mir etwas an, Herr.�</p><p>�Nat�rlich. Das ist die Sklavin in dir.�</p><p>�Ja�, sagte sie, �die Frau und die Sklavin in mir.�</p><p>�Die sind identisch�, sagte ich.</p><p>�Ja�, gab sie zur�ck.</p><p>Ich blickte zu dem schlafenden M�dchen hin�ber. Ich ging zu ihr und hob mit einer Hand die Decke �ber ihrem K�rper. Sie begann sich zu regen, denn sie sp�rte den Temperaturunterschied, den k�hlen Lufthauch auf der Haut. �Nein�, wimmerte sie leise auf Englisch, �ich will nicht aufstehen!� Wie sch�n sie aussah, eine hilflose weiche Gestalt im Stroh. Sie zog die Knie an. �Nein, ich will nicht aufstehen!� wiederholte sie und tastete nach der Decke. Ich umfa�te ihre Oberarme. �Oh!� rief sie, pl�tzlich in den Alltag einer Sklavin zur�ckgerissen.</p><p>Ich legte mich zu ihr.
 �Ich dachte mir schon, da� du es bist, Herr�, sagte sie und l�ste sich aus der liebevollen Umarmung, in der sie mich gehalten hatte.</p><p>Ich hatte ihr die Gesichtsmaske abgenommen, und sie hatte zum ersten Mal mein Gesicht gesehen.</p><p>Wir schreiben die sechzehnte Ahn; es war mehrere Ahn her, da� ich meiner Sklavin die Jungfr�ulichkeit genommen hatte.</p><p>�Seit dem Augenblick, da ich dich zum ersten Mal sah, habe ich mir ertr�umt, deine Sklavin zu sein�, sagte sie. �Jetzt ist es Wirklichkeit geworden.�</p><p>�Hilf Sasi beim Abwaschen!� sagte ich.</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie.
 Sie hob die Finger, drehte den Kopf hin und her und betrachtete die Ringe in ihren Ohren.</p><p>�Sie sind wundersch�n�, sagte sie und bewunderte sich im Spiegel.</p><p>Sie bestanden aus Gold und ma�en etwa einen Zoll im Durchmesser. Ich hatte ihr die Ohrl�ppchen durchstochen und die Schmuckst�cke angesteckt.</p><p>�Wie sch�n es ist, wieder sehen zu k�nnen!� fuhr sie fort. Die Gesichtsmaske lag in einer Ecke. Ihr Bein steckte nicht mehr im Sklavenring.</p><p>Als sie meinen Blick bemerkte, kniete sie sofort nieder. �Bin ich sch�n, Herr?� fragte sie.</p><p>�Beinahe�, antwortete ich.</p><p>�Ich m�chte ja nicht eitel reden�, sagte sie und schaute in den Spiegel. �Ich meine aber, da� ich so sch�n bin wie die sch�nste Frau auf der Erde.�</p><p>�Das bist du sicher�, sagte ich. �Bist du aber auch als goreanische Sklavin sch�n?�</p><p>�Das w�rde sicher von der goreanischen Sklavin abh�ngen�, sagte sie.</p><p>�Findest du dich sch�n, soweit es den Durchschnitt der goreanischen Sklavinnen angeht?� erkundigte ich mich.</p><p>Sie senkte den Kopf. �Nein, Herr. Ich wu�te nicht, da� es solche Frauen gab, bis ich als freie Frau mehrere in Cos entdeckte, sp�ter dann einige andere im Hafen von Port Kar und Schendi als ich selbst schon versklavt worden war. Manchmal�, fuhr sie fort, �kommt es mir beinahe unrecht vor, da� eine Frau so sch�n und begehrenswert aussehen kann.�</p><p>�Warum?� fragte ich.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte sie l�chelnd. �Vielleicht weil ich nicht so sch�n und begehrenswert bin. Vielleicht weil die M�nner solche Frauen m�gen. Vielleicht bin ich eifers�chtig auf ihre Sch�nheit, auf die Anziehung, die sie auf M�nner aus�ben.�</p><p>�Es ist ganz nat�rlich, da� die H��lichen an der Sch�nheit etwas auszusetzen haben�, sagte ich.</p><p>�Aber ich bin doch nicht h��lich, oder?�</p><p>�Nein�, erwiderte ich, �das bist du nicht. Du bist sogar beinahe sch�n.�</p><p>�Ich frage mich, ob goreanische M�nner wie du begreifen, was f�r ein Gl�ck sie haben, da� es solche Frauen auf ihrer Welt gibt.�</p><p>�Gibt es nicht auch auf deiner Welt zahlreiche solche Frauen, die hilflos und liebevoll dienen und gefallen wollen?�</p><p>�Ihr goreanischen Ungeheuer seht doch all die herrliche Pracht, die euch zur Verf�gung steht, als zu selbstverst�ndlich an!�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>Sie blickte mich an. �Wie kommt es�, fragte sie, �da� auf deiner Welt die Dinge nicht so sind wie in meiner Heimat?�</p><p>�Die goreanischen M�nner sind eben keine Schw�chlinge und Dummk�pfe�, antwortete ich.</p><p>Sie blickte mich an.</p><p>�Sie haben die Vorherrschaft nicht aufgegeben, die Blut und R�ckgrat ihrer Natur ist�, fuhr ich fort.</p><p>Sie schluckte trocken.</p><p>�Sie r�cken nicht davon ab�, betonte ich.</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie.</p><p>�Und was ist mit mir?� fragte Sasi. �Bin ich nicht sch�n? Sind meine Ohrringe nicht auch reizvoll anzuschauen?�</p><p>�Ja�, sagte ich, �du bist sch�n, und die Ohrringe stehen dir vorz�glich, mein kleiner Sleen!� Sasis goldene Ohrringe waren identisch mit denen, die die blonde Barbarin trug.</p><p>�Vielen Dank, Herr!� Sasi war bei guter Stimmung. Nach meiner R�ckkehr aus Pembes Taverne hatte ich mich zur Blonden gelegt und anschlie�end einige Stunden geschlafen. Doch als ich dann erwachte, hatte ich auch ihre Sklavengel�ste gestillt. Anschlie�end hatten wir gegessen, Speisen, die sie w�hrend meiner Ruheperiode in Schendi erstanden hatte, mit Hilfe von M�nzen, die ich ihr gegeben hatte.</p><p>�Wenigstens bin ich beinahe sch�n�, sagte die blonde Sklavin l�chelnd.</p><p>�Vielleicht wirst du eines Tages wirklich sch�n sein.�</p><p>Sie blickte mich an.</p><p>�Frauen nehmen an Sch�nheit zu � in der Sklaverei�, sagte ich.</p><p>Sie blickte in den Spiegel.</p><p>�Durch die Unterwerfung unter den Mann wird als Reaktion in der Frau mehr von ihrer Weiblichkeit freigesetzt�, fuhr ich fort und stand auf.</p><p>Aus meinem Seesack nahm ich die auf Shaba ausgestellten Kreditbriefe, die auf verschiedene Banken in Schendi gezogen waren, und den falschen Ring, den er anstelle des echten Schmuckst�cks ins Sardargebirge bringen sollte. F�r diese Kreditbriefe sollte ich, angeblich ein Agent der Kurii den echten Ring in Empfang nehmen, den Tahari-Ring, den ich anschlie�end nach Port Kar schaffen wollte, von wo Samos den Transport ins Sardargebirge zu organisieren gedachte. Ich nahm nicht an, da� ich Shaba umbringen w�rde. Wenn er es wirklich wagen sollte, den falschen Ring im Sardargebirge abzuliefern, w�rde er dort zweifellos den Priesterk�nigen in die H�nde fallen, die mit ihm machen w�rden, was sie f�r richtig hielten. Brachte er den falschen Ring nicht ins Sardargebirge, konnte ich ihn sp�ter noch aufsp�ren und t�ten. F�r mich ging es in erster Linie darum, den Tahari-Ring so schnell und sicher wie m�glich zu Samos zur�ckzuschaffen.</p><p>Die achtzehnte Ahn r�ckte heran.</p><p>�Herr�, sagte Sasi, �ich f�rchte den Blick deiner Augen.�</p><p>�Ich mu� fort�, sagte ich.</p><p>�Ich f�rchte deinen Blick�, wiederholte sie. �Kehrst du zu uns zur�ck?�</p><p>�Ich werde es versuchen�, sagte ich.</p><p>�Deine Augen verraten mir, da� du meinst, du kehrst nicht zur�ck�, sagte sie.</p><p>�Ich habe eine schwierige Aufgabe vor mir�, sagte ich. �Im Seesack befinden sich verschiedene Dinge�, fuhr ich fort. �Zum Beispiel der Schl�ssel zu deinem Kragen. Au�erdem M�nzen. Falls ich nicht zur�ckkehre oder nicht bald zur�ckkehre, m��ten sie ausreichen, um dich und die Barbarin l�ngere Zeit am Leben zu erhalten.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie. Dann blickte sie mich staunend an. �Du willst es zulassen, da� ich den Schl�ssel zu meinem eigenen Kragen in die Hand bekomme?� fragte sie.</p><p>�Schendi mag f�r dein �berleben kein einfacher Ort sein�, erwiderte ich. �Es mag Umst�nde geben, da du es f�r angemessen h�ltst, den Kragen abzunehmen.�</p><p>�Befreist du mich?� fragte sie. Sasi kam gar nicht auf den Gedanken, ich k�nnte vorhaben, auch der blonden Barbarin die Freiheit zu schenken. Auf einer Welt wie Gor konnte ein M�dchen wie die Blonde, die eben erst zu ihrer Sch�nheit fand, nichts anderes sein als eine Sklavin.</p><p>Ich warf Sasi einen Blick zu. Hastig kniete sie nieder. �Verzeih mir, Herr!� sagte sie. �Bitte t�te mich nicht!�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Aber wie ich schon sagte, es m�gen Umst�nde eintreten, da es besser ist, wenn du nicht als M�dchen Tarls aus Teletus zu erkennen bist.�</p><p>�Wer bist du wirklich, Herr?� fragte sie.</p><p>�Du solltest dein Mundwerk z�geln, Sasi�, sagte ich. �Du bist wendig, schlau. Dein Geist ist so wach, wie dein K�rper sich wohlgerundet zeigt. Du hast dich im Hafen Port Kars als Urt-M�dchen durchs Leben geschlagen. Ich habe keine Angst um dich.� Ich blickte auf die blonde Barbarin.</p><p>�Sei unbesorgt, Herr!� sagte Sasi. �Ich bringe ihr bei, sich zu verstecken, Abfall zu essen und Paga-Helfern zu gefallen.�</p><p>�Ich mu� jetzt fort�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr!�</p><p>�Sollte bis zu meiner R�ckkehr zuviel Zeit vergehen�, fuhr ich fort, �wird man euch beide vermutlich einfangen und �ffentlich versteigern.�</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie.</p><p>Ich wandte mich zum Gehen.</p><p>�Mu�t du denn in diesem Augenblick fort?� fragte Sasi.</p><p>Ich drehte mich um und schaute sie an.</p><p>�Vielleicht sehe ich dich nie wieder�, sagte sie.</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Ich will nicht frei sein�, sagte sie.</p><p>�Sei unbesorgt!� antwortete ich. �Das wird dir nicht widerfahren.�</p><p>�Bitte, Herr�, sagte sie leise, �liebe mich, liebe mich sanft!�</p><p>Ich ging zu ihr, beugte mich �ber sie und nahm sie in die Arme.</p></section><section><title><p>15</p></title><p>�Du kommst sp�t�, sagte Msaliti.</p><p>�Ich habe die Kreditbriefe mitgebracht�, erwiderte ich.</p><p>�Die neunzehnte Ahn ist bereits vorbei�, sagte er.</p><p>�Ich wurde aufgehalten.�</p><p>�Hast du die Kreditbriefe mitgebracht?� wollte er wissen.</p><p>�Ja�, erwiderte ich. Offensichtlich war er nerv�s.</p><p>Er lie� mich von der Stra�e in den kleinen Vorraum eintreten. Von dort ging es in den gr��eren Raum, in dem wir am Vortag unsere Gesch�fte besprochen hatten.</p><p>�Ist Shaba hier?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Was ist dann so schlimm daran, da� ich zu sp�t komme?� fragte ich.</p><p>�Gib mir die Kreditbriefe!� forderte er. �Gib mir den Ring!�</p><p>�Nein�, sagte ich. Ich betrat den gr��eren Raum.</p><p>�Wo sind die Askaris?� fragte ich dann. Sie waren nicht zu sehen.</p><p>�Sie befinden sich an einem anderen Ort�, erwiderte er.</p><p>�Dieses Zimmer wirkte gestern behaglicher�, fuhr ich fort, �als es die beiden Sklavinnen enthielt.�</p><p>Msaliti und ich setzten uns mit untergeschlagenen Beinen an den niedrigen Tisch.</p><p>�Als wir uns gestern abend voneinander verabschiedet hatten�, sagte ich, �suchte ich Pembes Taverne auf. Dort besch�ftigte ich mich mit einer Sklavin, die fr�her einmal Evelyn Ellis hie�. Im Kragen ist sie nicht �bel.�</p><p>�Sie ist gef�hlskalt�, sagte Msaliti.</p><p>�Unsinn!� sagte ich. �Das arme M�dchen ist pagawillig.�</p><p>�Das finde ich �berraschend�, meinte er.</p><p>�Sie kann nicht mehr anders�, sagte ich.</p><p>�Armes kleines Ding!�</p><p>�Ich mu�te sie nur ein bi�chen an die Kandare nehmen�, sagte ich.</p><p>�Ausgezeichnet.�</p><p>�War nicht schwer.�</p><p>�Warum gibst du mir die Kreditbriefe und den Ring nicht?� fragte Msaliti.</p><p>�Ich habe Befehl, sie Shaba zu geben und daf�r den echten Abschirmring entgegenzunehmen.�</p><p>�Wem wirst du den Ring aush�ndigen?� fragte er.</p><p>�Belisarius in Cos�, antwortete ich.</p><p>�Kennst du sein Haus?� fragte Msaliti.</p><p>�O nein!� sagte ich. �Man wird sich mit mir in Verbindung setzen.�</p><p>�Wo soll diese Kontaktaufnahme stattfinden?� fragte Msaliti und musterte mich aus zusammengekniffenen Augen.</p><p>�Im Chatka und Curla in Cos�, antwortete ich.</p><p>�Wer ist Wirt im Chatka und Curla?� wollte er wissen.</p><p>�Aurelion aus Cos�, erwiderte ich.</p><p>�Ja�, sagte Msaliti.</p><p>�Sei unbesorgt!� sagte ich. �Ich werde mich nach besten Kr�ften darum k�mmern, da� der Ring in die richtigen H�nde gelangt.�</p><p>Msaliti nickte. Ich l�chelte.</p><p>�Warum willst du den Ring haben?� fragte ich.</p><p>�Um sicherzugehen, da� er die Ungeheuer erreicht�, sagte er. �Sie w�ren nicht gerade erfreut, wenn er erneut verlorenginge.�</p><p>�Deine Sorge um das Anliegen dieser Wesen ist l�blich�, sagte ich.</p><p>�Ich habe keine Lust, in St�cke gerissen zu werden�, sagte er.</p><p>�Das ist verst�ndlich�, meinte ich. �Auch ich w�rde einem solchen Schicksal nicht gerade frohgemut entgegensehen.�</p><p>�Du scheinst gutgelaunt zu sein�, stellte er fest.</p><p>�Auch deine Laune d�rfte nicht gerade schlecht sein�, erwiderte ich. �Ist eure Aufgabe nicht fast gel�st?�</p><p>�Das hoffe ich zumindest�, sagte Msaliti.</p><p>�Hast du wirklich so gro�e Angst vor den Ungeheuern?� fragte ich.</p><p>�Wir sind mit der Zeit sehr im Verzug�, sagte er. �Ich habe Angst, da� die Ungeheuer sich den Ring selbst holen.�</p><p>�Aber ich soll doch den Ring an mich nehmen�, sagte ich.</p><p>�Ich kenne dich nicht einmal�, stellte Msaliti fest.</p><p>�Ich kenne dich auch nicht�, erwiderte ich.</p><p>�Wir hatten nach dem blonden M�dchen Ausschau gehalten�, sagte er.</p><p>�Sie wurde aufgehalten�, sagte ich. �Sie wurde versklavt�, f�gte ich gutgelaunt hinzu.</p><p>�Wirklich schade�, sagte er.</p><p>�Unsinn � das Sklavinnendasein ist gut f�r eine Frau.�</p><p>�Ich traue Shaba nicht�, sagte er.</p><p>�Ich bin nicht sicher, da� er uns seinerseits vertraut�, meinte ich. �Wenigstens k�nnen wir beide Vertrauen ineinander haben.�</p><p>Msaliti trommelte mit den Fingern auf dem niedrigen Tisch herum.</p><p>�Bist du sicher, da� wir allein sind?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Msaliti. �Niemand hat das Haus betreten. Bis zu meinem Eintreten haben die Askaris den Eingang bewacht.�</p><p>�Wie ich sehe, haben sie es vers�umt, die Spuren meines gestrigen Auftritts auf dem Dach zu beseitigen � ich meine damit die Erbsen, die noch immer an ihren F�den h�ngen.�</p><p>�Nat�rlich haben wir sie wieder zur�ckgesteckt�, sagte Msaliti.</p><p>�Dann w�re ich an deiner Stelle nicht so sicher, da� wir allein sind�, sagte ich.</p><p>Hastig hob Msaliti den Kopf. Mehrere Erbsen baumelten an ihren langen F�den.</p><p>�Wie man au�erdem feststellen kann, ist der L�ftungsrost entfernt worden�, fuhr ich fort.</p><p>�Du bist sehr aufmerksam�, sagte Shaba.</p><p>Torkelnd erhob sich Msaliti und wich zur�ck.</p><p>Auf der anderen Seite des Tisches, an seinem gewohnten Platz, sa� Shaba. Auf dem Sitz war ein kurzes Verschwimmen zu bemerken gewesen, eine Art verdrehter Lichtwirbel, eine Art Lichtstrudel � im n�chsten Augenblick hatte er sich unserem Blick gelassen dargeboten.</p><p>�Ich hatte mir gleich gedacht, da� du nicht zu sp�t kommst�, sagte ich. �Du scheinst mir ein p�nktlicher Bursche zu sein.�</p><p>�Statt dessen bist du zu sp�t erschienen�, stellte er fest.</p><p>�Ja�, sagte ich, �und es tut mir leid. Ich wurde aufgehalten.�</p><p>�War sie h�bsch?�</p><p>Ich nickte. �Ja�, sagte ich.</p><p>�Es geht um Dinge von gro�er Bedeutung�, sagte Msaliti. �Wenn es euch beiden recht ist, w�rde ich mich jetzt gern darum k�mmern.�</p><p>�Soweit ich mitbekommen habe�, sagte Shaba zu mir, �hast du die Kreditbriefe und den falschen Ring mitgebracht.�</p><p>�Ja�, sagte ich und legte die Dokumente auf den Tisch.</p><p>�Wo ist der falsche Ring?� fragte Msaliti.</p><p>�Ich habe ihn�, antwortete ich.</p><p>Shaba sah sich die Kreditbriefe genau an. Er lie� sich Zeit dabei. �Diese Dokumente scheinen in Ordnung zu sein�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Darf ich sie auch sehen?� dr�ngte Msaliti.</p><p>Shaba reichte ihm die Kreditbriefe. �Du traust unserem breitschultrigen Kurier nicht?� fragte er.</p><p>�Ich traue m�glichst wenigen Leuten�, erwiderte Msaliti. Er sah die Unterlagen sorgf�ltig durch. Dann gab er sie an Shaba zur�ck. �Ich kenne die Siegel und Unterschriften. Diese Papiere lassen sich tats�chlich bei den angegebenen Banken einl�sen.�</p><p>�Das sind zwanzigtausend Gold-Tarn�, stellte ich fest.</p><p>�L�se sie ein, ehe du den falschen Ring ins Sardargebirge bringst�, sagte Msaliti. �Unter diesen Umst�nden ist es in unserem Interesse, guten Glaubens zu verhandeln.�</p><p>�Aber was ist, wenn ich den falschen Ring nicht ins Sardargebirge bringe?� fragte Shaba.</p><p>�An deiner Stelle w�rde ich es tun�, meinte Msaliti.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Shaba.</p><p>�Die Ungeheuer sind Verr�tern gegen�ber nicht sehr r�cksichtsvoll.�</p><p>�Das ist verst�ndlich�, sagte Shaba.</p><p>�Dieser Aspekt lie�e sich bei den fraglichen Banken morgen fr�h erledigen�, sagte ich. �Dabei k�nntest du dich von der Echtheit der Dokumente �berzeugen und das Gold abheben oder neu einzahlen, wie du willst.�</p><p>�Kungumi der Bettler�, sagte Msaliti, �kann sich nicht gut in der Stra�e der M�nzen blicken lassen.�</p><p>�Dann tritt als Msaliti auf�, riet ich ihm.</p><p>Der andere lachte. �Red keinen Unsinn!� sagte er.</p><p>Ich verstand seine Antwort nicht.</p><p>�Ich bin damit einverstanden, die Transaktion heute abend abzuwickeln�, sagte Shaba. �Wenn die Kreditbriefe nicht echt sind, w�rde ich den Ring eben einfach nicht ins Sardargebirge bringen.�</p><p>�Denk dran�, sagte Msaliti, �du darfst am falschen Ring auf keinen Fall den kleinen Hebel dr�cken. Er darf nur im Sardargebirge bedient werden.�</p><p>Meine Nackenhaare begannen sich zu str�uben. Ich machte mir klar, da� mein Verdacht zutreffen mu�te � in dem falschen Ring steckte irgendeine gro�e Gefahr.</p><p>Shaba steckte die Kreditbriefe unter seine Robe. Anschlie�end streifte er eine lange, d�nne Kette ab, die ihm um den Hals hing und bisher von seiner Kleidung verdeckt gewesen war. Er �ffnete die Kette.</p><p>Ich sah den Ring an der Kette.</p><p>Mein Herz begann heftig zu klopfen.</p><p>Er streckte die Hand aus. �D�rfte ich den falschen Ring haben?� fragte er.</p><p>�Ich glaube, es hat wenig Sinn, den falschen Ring ins Sardargebirge zu bringen�, sagte ich. �Die inzwischen eingetretene Verz�gerung d�rfte l�ngst Verdacht erweckt haben.� Und das stimmt durchaus. Aus pers�nlichen Gr�nden lag mir gar nicht so sehr daran, da� Shaba den Ring in das Gebirge der Priesterk�nige brachte. Ich hatte Respekt vor seinem Beitrag zur Erforschung Gors. Ich wu�te, er war ein Mann, der Mut und Intelligenz besa�. Gewi�, er war ein Verr�ter, doch umgab ihn etwas Unerkl�rliches, das mir irgendwie gefiel. Es ging mir nicht darum, ihn der Strafe ausgesetzt zu sehen, die sich die Priesterk�nige oder ihre menschlichen Verb�ndeten f�r einen Verr�ter ausdenken mochten. Wenn sie sich wirklich M�he gaben, waren sie darin bestimmt nicht weniger einfallsreich als die Kurii. Vielleicht w�re es das beste, wenn ich ihn umbr�chte. Dann fand er wenigstens einen schnellen, gn�digen Tod.</p><p>�Den Ring, bitte!� sagte Shaba.</p><p>�Gib ihm den Ring!� forderte Msaliti.</p><p>Ich reichte Shaba den falschen Ring, und er f�delte ihn an die Kette.</p><p>�Hingen da nicht elf Erbsen an den F�den?� fragte er.</p><p>Msaliti drehte sich hastig um und schaute empor. �Keine Ahnung�, sagte er. �Sind es jetzt mehr?�</p><p>Ich hatte den Blick nicht von Shaba genommen. �Es waren zw�lf�, sagte ich.</p><p>�Es sind auch jetzt noch zw�lf�, sagte Msaliti, der langsam die Erbsen gez�hlt hatte.</p><p>�Dann hat sich die Zahl also nicht ver�ndert�, stellte Shaba fest.</p><p>�Ja�, best�tigte ich und musterte ihn gelassen.</p><p>�Ich mu� dir mein Lob aussprechen�, sagte Shaba. �Du hast eine Beobachtungsgabe, die der eines Schriftgelehrten vergleichbar ist � oder der eines Kriegers.�</p><p>Er drehte die Kette, machte einen Ring davon los und reichte ihn mir.</p><p>Geographen und Kartographen geh�ren nat�rlich der Kaste der Schriftgelehrten an.</p><p>Ich hatte die Drehung der Kette genau beobachtet. Ich erhielt von Shaba den Ring, der urspr�nglich an der Kette gehangen hatte.</p><p>Shaba, der nun den falschen Ring an der Kette trug, schlo� die Kette im Nacken.</p><p>Er stand auf, und Msaliti und ich folgten seinem Beispiel. �Ich verlasse Schendi heute abend�, sagte Shaba.</p><p>�Ich ebenfalls�, �u�erte Msaliti. �Ich habe mich schon zu lange hier aufgehalten.�</p><p>�Es w�re f�r dich nicht gut, wenn man dich zu sehr vermissen w�rde�, sagte Shaba l�chelnd.</p><p>�Nein�, erwiderte Msaliti. Ich verstand dieses Gespr�ch nicht.</p><p>�Ich w�nsche euch alles Gute, Kollegen im Verrat!� sagte Shaba.</p><p>�Leb wohl!� sagten wir zu ihm. Er verbeugte sich und ging.</p><p>�Gib mir jetzt den Ring!� sagte Msaliti.</p><p>�Ich werde ihn behalten�, sagte ich.</p><p>�Gib ihn mir!� forderte Msaliti, und seine Stimme klang nicht freundlich.</p><p>�Nein�, sagte ich. Dann schaute ich mir den Ring an. Ich drehte ihn hin und her. Ich versuchte den winzigen Kratzer auszumachen, der den Tahari-Ring eindeutig f�r mich identifizierte. Mit immer hektischer werdenden Bewegungen drehte ich den Ring. Meine Hand begann zu zittern. �Halt Shaba auf!� rief ich. �Dies ist nicht der Ring!�</p><p>�Er ist fort�, sagte Msaliti. �Das ist der Ring von der Kette um seinen Hals, an der er den Abschirmring getragen hat.�</p><p>�Es ist aber nicht der echte Ring�, sagte ich bedr�ckt.</p><p>Ich hatte mich �berlisten lassen. Shaba war ein schlauer Mann. Gestern abend hatte er uns vorgef�hrt, da� der Ring, den er an einer Kette um den Hals trug, der echte Schutzring war. Heute aber hatte er einen anderen Ring an dieser Stelle getragen. Dies w�re mir vielleicht aufgefallen, h�tte er nicht den Eindruck erzeugt, uns ablenken zu wollen, indem er uns auf die baumelnden Erbsen hinwies � vermutlich um die Ringe auszutauschen, w�hrend wir abgelenkt waren. Ich hatte mich jedoch nicht davon abbringen lassen, Shaba zu beobachten. Als er die Kette drehte, hatte ich mich vergewissert, da� der Ring, den er mir reichte, der Ring war, der urspr�nglich an der Kette gehangen hatte. Der eigentliche Ringtausch hatte nat�rlich fr�her stattgefunden, als er noch allein war. Der Ring, den er so raffiniert gegen den echten Ring hatte austauschen wollen, war der falsche Ring aus meiner Hand, der mir als echt zur�ckgegeben werden sollte. In meiner eingebildeten Freude dar�ber, da� dieser Tausch von mir verhindert worden war, hatte ich v�llig die M�glichkeit �bersehen, da� der Ring an der Kette heute abend von vornherein gar nicht der echte gewesen war.</p><p>Msaliti schien �bel zu sein. Ich gab ihm den Ring.</p><p>Shaba hatte jetzt beides � den echten Ring, den Tahari-Ring, und das falsche Schmuckst�ck, das die Kurii anstelle des echten Ringes ins Sardargebirge hatten schaffen wollen.</p><p>�Woher wei�t du, da� dies nicht der echte Ring ist?� fragte Msaliti.</p><p>�Man hat dich doch bestimmt gelehrt, den echten Ring zu erkennen�, fragte ich.</p><p>Ich legte mir schnell etwas zurecht.</p><p>�Nein�, erwiderte Msaliti.</p><p>Die Kopie des echten Ringes war vorz�glich gestaltet. Am Rand der Silberplatte, die von der Fassung gehalten wurde, befand sich in der Tat ein winziger Kratzer. Er sah der echten Besch�digung �hnlich, war aber nicht mit dem Zeichen identisch, an das ich mich aus meiner Zeit in der Tahari erinnerte. Dem Juwelier, der Shaba den Ring nachgestaltet hatte, war in dieser Beziehung ein kleiner Fehler unterlaufen. Der Kratzer unterschied sich in Form und Tiefe ein wenig vom Original.</p><p>�Das St�ck �hnelt dem echten Ring sehr�, sagte ich zu Msaliti. �Es ist zu gro� und aus Gold und hat in der Fassung eine rechteckige Platte. An der R�ckseite, wenn man den Ring dreht, zeigt sich ein runder Hebel, den man niederdr�cken kann.�</p><p>�Ja, ja�, sagte Msaliti.</p><p>�Aber schau hier�, fuhr ich fort. �Siehst du diesen Kratzer?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Nach meinen Informationen besitzt der echte Ring keine solchen Identifikationsmerkmale�, erkl�rte ich. �Angeblich besitzt er ein makelloses �u�eres. W�re das St�ck auf diese Weise entstellt worden, h�tte man mich bestimmt verst�ndigt. Ein solcher Kratzer h�tte die Identifikation ja sehr vereinfacht.�</p><p>�Du bist ein Dummkopf�, sagte Msaliti. �Zweifellos hat Shaba den Ring angekratzt.�</p><p>�W�rdest du ein so kostbares St�ck derma�en r�cksichtslos behandeln?� fragte ich.</p><p>Msaliti drehte den Ring herum. Er sah mich an. Dann dr�ckte er auf den Hebel. Nichts tat sich. Wutentbrannt br�llte er los, den Ring in der geballten Faust.</p><p>�Du hast dich hereinlegen lassen!� rief er.</p><p>�Wir haben uns hereinlegen lassen�, berichtigte ich ihn.</p><p>�Folglich besitzt Shaba den unbesch�digten Ring�, sagte er.</p><p>�Stimmt�, sagte ich. Shaba besa� den makellosen Ring, der der falsche Ring war. Au�erdem besa� er den echten Tahari-Ring, der dem falschen Ring in Msalitis Hand so sehr �hnelte.</p><p>�Du mu�t M�nner in Schendis Stra�e der M�nzen schicken�, sagte ich. �Shaba darf auf keinen Fall die Kreditbriefe einl�sen, die er bei sich hat.�</p><p>�Er wei� sicher, da� wir etwas dagegen unternehmen k�nnen�, sagte Msaliti. �Er ist nicht verr�ckt. Wie gedenkt er an sein Gold zu kommen?�</p><p>�Er ist sehr intelligent, geradezu genial�, sagte ich nachdenklich. �Zweifellos hat er eine solche Ma�nahme vorausgesehen. Trotzdem m�ssen wir sie einleiten.�</p><p>�Einverstanden�, sagte Msaliti zornbebend.</p><p>�Aber wie gedenkt er an das Gold heranzukommen?� fragte ich.</p><p>Msaliti blickte mich zornig an.</p><p>�Er mu� einen Plan haben�, stellte ich fest.</p><p>�Ich gehe jetzt�, sagte Msaliti.</p><p>�Du willst doch bestimmt deine Verkleidung anlegen�, sagte ich.</p><p>�Die brauche ich nicht mehr�, erwiderte er.</p><p>�Was hast du vor?� fragte ich.</p><p>�Ich mu� schnell handeln�, entgegnete er. �Es sind viele Befehle zu erteilen. Shaba mu� festgenommen werden.�</p><p>�Wie kann ich dir helfen?� fragte ich.</p><p>�Ich nehme die Sache ab sofort allein in die Hand�, sagte er. �Du brauchst dir deswegen keine Gedanken mehr zu machen.�</p><p>Er warf sich eine bestickte Aba um die Schultern und verlie� zornigen Schrittes den Raum.</p><p>�Warte!� rief ich hinter ihm her.</p><p>Doch er war schon fort.</p><p>Zornig folgte ich ihm. Kaum hatte ich den Vorraum durchquert und trat �ber die Schwelle ins Freie, als ich meine Arme pl�tzlich festgehalten sp�rte. Ein Dutzend M�nner oder mehr warteten vor dem Haus, links und rechts von der T�r postiert. Sieben oder acht dieser M�nner waren Askaris, darunter auch die beiden gro�gewachsenen Burschen, die ich schon von gestern kannte, schwarzh�utige, in Felle gekleidete Riesen mit Federn und goldenen Armreifen. F�nf oder sechs waren amtliche Schendi-W�chter. Sie wurden von einem Offizier des Kaufmannsrates dieser Stadt kommandiert.</p><p>�Ist er das?� fragte der Offizier.</p><p>�Ja�, sagte Msaliti und drehte sich um. �Er behauptet, Tarl aus Teletus zu sein, d�rfte diese Behauptung aber nicht beweisen k�nnen.�</p><p>�Was geht hier vor?� br�llte ich. Ich wehrte mich in dem Bem�hen, von den vier M�nnern loszukommen, die mich gepackt hielten. Im n�chsten Augenblick sp�rte ich die nackten Spitzen zweier Dolche auf der Haut.</p><p>Ich stellte den Kampf ein. Beide Waffen lie�en sich schneller zusto�en, als ich meine Gegner h�tte von mir schleudern k�nnen.</p><p>Man fesselte mir die H�nde auf dem R�cken.</p><p>�Diese M�nner haben auf mich gewartet�, sagte ich zu Msaliti.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte er.</p><p>�Wie ich sehe, warst du entschlossen, auf jeden Fall derjenige zu sein, der den Ring unseren Vorgesetzten zur�ckgibt�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich�, entgegnete er. �Dadurch erh�he ich das Ansehen, das ich bei ihnen genie�e.�</p><p>�Aber was ist mit mir?� fragte ich.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Wer mag schon wissen, was aus dir wird?�</p><p>�Du bist Offizier der Stadt Schendi�, sagte ich zu dem Mann, der die W�chter kommandierte. �Ich verlange, freigelassen zu werden.�</p><p>�Hier ist das Papier�, sagte Msaliti zu dem Offizier.</p><p>Der Offizier ergriff das Blatt und schaute es sich an. Dann wandte er sich zu mir um. �Du bist der Mann, der sich Tarl aus Teletus nennt?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>Der Offizier steckte das Papier ein.</p><p>�Es gibt in Schendi einen guten Ort f�r kriminelle Vagabunden�, stellte er fest.</p><p>�Schau doch in meine Brieftasche!� sagte ich. �Dort wirst du feststellen, da� ich kein Herumtreiber bin.�</p><p>Der Beutel wurde mir vom G�rtel geschnitten. Der Beamte sch�ttelte sich einige Gold- und Silberm�nzen in die Hand.</p><p>�Siehst du?� fragte ich.</p><p>�Er traf in Schendi ein�, sagte Msaliti, �und trug das Gewand eines Metallarbeiters. Hier und jetzt steht er im Anzug eines Lederarbeiters vor dir.� Msaliti l�chelte. �Welcher Metallarbeiter oder Lederarbeiter tr�gt schon ein solches Verm�gen mit sich herum?�</p><p>�Offensichtlich ist er ein Dieb, zweifellos auf der Flucht�, sagte der Offizier.</p><p>�Das Arbeiterkontingent, das Schendi zur Verf�gung stellen mu�, verl��t morgen fr�h die Stadt�, sagte Msaliti. �Vielleicht kann dieser Bursche die Stelle eines braven B�rgers von Schendi einnehmen.�</p><p>�W�rdest du das annehmbar finden?� fragte der Offizier.</p><p>Msaliti musterte mich. �Ja�, sagte er.</p><p>�Ausgezeichnet!� sagte der Offizier. �Legt dem Sleen ein Seil um den Hals!�</p><p>Man brachte an meinem Hals eine Leine an.</p><p>�Das ist nicht gerecht�, sagte ich.</p><p>�Wir haben schlimme Zeiten�, sagte der Offizier. �Und Schendi k�mpft ums �berleben.�</p><p>Er hob vor Msaliti die Hand und zog sich zur�ck, seine W�chter nahm er mit.</p><p>�Wohin werde ich gebracht?� fragte ich Msaliti.</p><p>�Ins Landesinnere�, antwortete er.</p><p>�Du hattest die ganze Zeit den Rat von Schendi auf deiner Seite�, sagte ich. �Jemand in hoher Position mu� hier seine Befehle gegeben haben.�</p><p>�Ja�, sagte Msaliti.</p><p>�Wer?� fragte ich.</p><p>�Ich.�</p><p>Ich musterte ihn verwirrt.</p><p>�Du wei�t doch sicher, wer ich bin?� fragte er.</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich bin Msaliti�, antwortete er.</p><p>�Und wer ist das?� wollte ich wissen.</p><p>�Na, ich!�</p><p>�Und wer bist du?�</p><p>�Ich dachte, das w��ten alle�, sagte er. �Ich bin Bila Hurumas Gro�wesir.�</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Zur�ck!� br�llte ich und schlug mit der Schaufel zu. Die scharfe Kante des Werkzeugs prallte seitlich gegen die Schnauze. Das Wesen fauchte. Das Ger�usch ist unglaublich laut � oder h�rt sich zumindest so an, wenn man ganz in der N�he steht. Ich bemerkte die spitze Zunge, die aufgedehnten Kiefer, das Maul gut einen Meter hoch, gef�llt mit vielen Reihen nach hinten geneigter Rei�z�hne.</p><p>Es war mir gelungen, den Fu� auf den Unterkiefer zu stellen und mit der Schaufel das Maul aufzustemmen, wodurch das Wesen gezwungen war, Ayaris blutendes Bein loszulassen, der hastig zur�ckwich. Ich sp�rte den Zug seiner Halsfessel an der Kette.</p><p>Wieder lie� ich die Schaufel vorzucken, diesmal gegen den Oberkiefer, und versuchte das Gesch�pf br�llend zur�ckzudr�ngen.</p><p>Andere M�nner rechts von Ayari und links von mir br�llten ebenfalls los und schlugen mit Schaufeln auf den Angreifer ein.</p><p>Mit blitzenden Augen wich er zur�ck, und die krummen, kurzen Beine mit den stummeligen Klauenf��en schlugen ins Wasser. Der Riesenschwanz fuhr herum, traf einen Mann und schleuderte ihn ein Dutzend Fu� weit zur Seite. Das Wasser ging mir bis zu den Oberschenkeln. Erneut �bte ich mit der Schaufel Druck aus. Die durchsichtigen Augenlider des Ungeheuers �ffneten und schlossen sich unter den schuppigen Brauen. Wieder fauchte es, und die Zunge leckte Ayaris Blut auf, das im Maul verblieben war.</p><p>�Zur�ck!� rief der Askari in der Sprache der Binnenl�nder und stie� dem Ungeheuer seine Fackel ins Maul.</p><p>Das Tier br�llte vor Schmerzen auf. Dann wand es sich fauchend, zuckend, schwanzpeitschend durch das flache Wasser r�ckw�rts. Augen und Schnauze und die weit ge�ffneten N�stern befanden sich �ber der Wasseroberfl�che.</p><p>�Fort! Fort!� br�llte der Askari und schwenkte die Fackel. Neben ihm stand ein zweiter Askari, der seine Lanze mit beiden H�nden packte und sich br�llend bereithielt, seinem Kollegen zu helfen.</p><p>Interessanterweise st�rte der Zwischenfall die Arbeit kaum. Ich vermochte Hunderte von Arbeitern und Askaris zu sehen, wie auch zahlreiche Fl��e, die zum Teil mit Vorr�ten, mit Baumst�mmen und Werkzeugen beladen waren, zum Teil aber auch mit dem Schlamm, den wir aus dem Sumpfgebiet gegraben hatten, Schlamm und Erde, die dazu dienen sollten, die flankierenden Barrikaden aufzusch�tten, um dieses Gebiet zu entw�ssern. Ziel des Unternehmens war es, dann sp�ter hier den Kanal auszuheben.</p><p>�Alles in Ordnung?� fragte ich Ayari.</p><p>Er fegte sich die Fliegen vom Kopf. �Ich glaube, ich bin krank�, sagte er.</p><p>Das Wasser rings um sein Bein f�rbte sich blutigrot.</p><p>�Weitermachen!� sagte der Askari mit der Fackel und watete auf uns zu.</p><p>�Da bist du aber knapp mit dem Leben davongekommen�, sagte ich zu Ayari.</p><p>Er erbrach sich ins Wasser.</p><p>�Kannst du arbeiten?� fragte der Askari.</p><p>Ayaris Bein schien die Last nicht mehr tragen zu k�nnen. Er schwankte und w�re beinahe ins Wasser gefallen. �Ich kann nicht stehen�, sagte er.</p><p>Ich st�tzte ihn.</p><p>�Nur gut, da� ich an der Kette der Gauner h�nge�, sagte Ayari grinsend. �Nie zuvor war ich so gl�cklich �ber meinen Beruf. W�re ich nicht angekettet gewesen, h�tte mich das Biest bestimmt fortgezerrt.�</p><p>�Das ist durchaus m�glich�, sagte ich.</p><p>Ayari stammte aus Schendi und war dort als Dieb verhaftet worden. Man hatte ihn in die Gruppe der Arbeiter gesteckt, die f�r Bila Huruma am Kanal arbeiten mu�ten. Schendi nutzte die l�stige Verpflichtung, sich mit Arbeitskr�ften an dem Projekt zu beteiligen, um sich seiner weniger gern gesehenen B�rger zu entledigen. Vermutlich konnte man das dem Kaufmannsrat nicht ver�beln. Da er aus Schendi stammte, sprach Ayari nat�rlich Goreanisch. F�r mich war es ein Gl�ck, da� er zugleich die Sprache beherrschte, die am Hof Bila Hurumas gesprochen wurde. Sein Vater war vor vielen Jahren aus einem Dorf des Binnenlandes geflohen, am Nordufer des Ushindi-Sees gelegen. Das Dorf hie� Nyuki und war wegen seines Honigs ber�hmt. Es war dabei um den Diebstahl mehrerer Melonen vom Feld des H�uptlings gegangen. Sein Vater war etwa f�nf Jahre sp�ter zur�ckgekehrt, um seine Mutter zu kaufen. Anschlie�end hatte die Familie in Schendi gelebt. Zu Hause hatte man sich in der Sprache des Binnenlandes verst�ndigt. Es wird gesch�tzt, da� f�nf bis acht Prozent aller B�rger Schendis die Binnensprache kennen.</p><p>�Kannst du arbeiten?� fragte der Askari noch einmal.</p><p>Dank Ayaris Unterricht vermochte ich solche einfachen S�tze inzwischen zu verstehen.</p><p>Noch mehr beeindruckte mich allerdings Ayaris F�higkeit, die Botschaften der Trommeln zu entziffern, obwohl behauptet wird, da� dies f�r jemanden, der die Binnensprache flie�end beherrscht, kein gro�es Problem ist. �hnlichkeiten zu den wichtigsten Vokallauten der Binnensprache finden sich in bestimmten Trommelt�nen, die variiert werden k�nnen, indem der ausgeh�hlte Trommelstamm an verschiedenen Stellen bearbeitet wird. Nat�rlich ist der Rhythmus der Trommelbotschaft identisch mit dem Rhythmus der Sprache, da sich mit der Trommel gewisserma�en Vokale und Betonung von S�tzen der Binnensprache nachahmen lassen. F�gte man gewisse zus�tzliche Trommelsignale hinzu, die bestimmte andere Zeichen und Konsonantenlaute wiedergeben, so verf�gte man �ber eine raffinierte M�glichkeit, �ber weite Strecken Informationen zu vermitteln, denn nat�rlich wurden die Trommelbotschaften �ber zahlreiche Relaisstationen weitergegeben. So l��t sich mit Hilfe der Trommeln eine Nachricht in weniger als einer Ahn �ber viele hundert Pasang bef�rdern. Ich mu� nicht betonen, da� Bila Huruma dieses Signalger�t �bernommen und verbessert hatte, das f�r die Wirksamkeit seines Milit�rs und der Verwaltung seines Ubarats von gro�er Bedeutung war. Als Kommunikationsmittel war es den Rauchzeichen des Nordens eindeutig �berlegen. Soweit ich wu�te, lie� sich auf Gor nichts damit vergleichen, wenn man einmal von den fortschrittlichen technologischen Ger�ten absah, die den Priesterk�nigen und Kurii zur Verf�gung standen, Ger�tschaften, die den meisten Goreanern im Rahmen der Waffen- und Kommunikationsgesetze verboten waren. Ich fand es erstaunlich � und nehme an, da� dies f�r die meisten Goreaner galt, sogar f�r die Bewohner Schendis �, da� ein Ubarat von der Gr��e und Entwicklung des Huruma-Reiches im �quatorialen Landesinneren zu existieren vermochte. Eines der erstaunlichsten Anzeichen f�r den weitreichenden Ehrgeiz dieses Landes war das Projekt, an dem ich hier gegen meinen Willen teilnahm, der vision�re Versuch, die Ushindi- und Ngao-Seen, die gut vierhundert Pasang voneinander entfernt waren, durch einen gro�en Kanal miteinander zu verbinden, einen Kanal, der den geheimnisvollen Ua-Flu� �ber den Ngao-See, den Ushindi, dann den Nyoko- und Kamba-Flu� mit dem schimmernden Thassa verbinden w�rde � eine Verbindung, die der zivilisierten Welt die Reicht�mer des Landesinneren erschlie�en w�rden, Reicht�mer, die sodann durch das Ubarat Bila Hurumas geschafft werden mu�ten.</p><p>�Kannst du arbeiten?� fragte der Askari noch einmal.</p><p>�Nein�, antwortete Ayari.</p><p>�Dann mu� ich dich t�ten lassen�, stellte der Askari fest.</p><p>�Ich habe mich soeben erholt�, sagte Ayari.</p><p>�Gut�, meinte der Askari und watete weiter, wobei er seine Fackel hoch �ber das Wasser hielt. Der zweite Askari, der seine Tharlarionlanze geschultert hatte, begleitete ihn.</p><p>Minuten sp�ter wurde das Schlammflo� aus Baumst�mmen, die mit Lianen verkn�pft waren, wieder in unsere N�he geschoben. Es war beladen mit dem Schlamm, den wir m�hsam ausgehoben hatten.</p><p>�Kannst du graben?� fragte ich Ayari.</p><p>�Nein�, sagte er.</p><p>�Ich grabe f�r dich�, sagte ich.</p><p>�Das w�rdest du tun?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich grabe selbst.�</p><p>�Wie geht es deinem Bein?�</p><p>�Es ist noch vorhanden�, antwortete er.</p><p>Die meisten Kanalarbeiter waren nicht angekettet. Die meisten waren freie M�nner, die zum Dienst gepre�t worden waren.</p><p>Wasser, das aus dem Ngao-See abflo�, gelangte in den ausgedehnten Sumpf zwischen Ngao- und Ushindi-See und wanderte von dort �ber den Kamba- und den Nyoka-Flu� ins schimmernde Thassa, das Meer. Bila Hurumas Ingenieure hatten nun vor, zwei parallele W�lle zu errichten, zwischen f�nf und sechs Fu� hoch, etwa zweihundert Meter voneinander entfernt. Das Gebiet zwischen diesen W�llen, von dem das Sumpfwasser mittels der W�lle ferngehalten wurde, sollte dann entw�ssert und auf den Aushub des eigentlichen Kanals vorbereitet werden. F�r diese Arbeit sollten Zug-Tharlarion und riesige Bagger eingesetzt werden, die man aus dem Norden holte, ganz abgesehen von den Heerscharen der Arbeiter. Sollte, wie vermutet wurde, der Zentralkanal nach seiner Fertigstellung nicht ausreichen, den Abflu� aus dem Ngao-See aufzunehmen, plante man die Anlage von Nebenkan�len. Letztlich liefen Bila Hurumas Pl�ne darauf hinaus, nicht nur die Regenw�lder des Landesinneren kommerziell und milit�risch zu erschlie�en und damit das unbekannte System des Ua-Flusses und seiner Zul�ufe, sondern auch die S�mpfe zwischen den beiden gro�en Seen trockenzulegen, ein Territorium von vielen tausend Quadrat-Pasang, das sich irgendwann einmal landwirtschaftlich nutzen lie�. Bila Huruma wollte nicht nur sein Ubarat befestigen, sondern eine ganze Zivilisation gr�nden.</p><p>Ich schlug nach l�stigen Insekten.</p><p>�Arbeitet!� rief ein vorbeiwatender Askari.</p><p>Ich schaufelte eine neue Ladung Schlamm aus dem Sumpf und bef�rderte sie auf das Flo�.</p><p>�Arbeitet, arbeitet!� rief der Askari den anderen Gefangenen an unserer Kette zu.</p><p>Ich sah mich um, ich schaute auf die vielen hundert M�nner, die ich ausmachen konnte. �Ein eindrucksvolles Projekt�, sagte ich zu Ayari.</p><p>�Sicher k�nnen wir uns freuen, unser Scherflein zu einem so gewaltigen Unternehmen beizutragen�, sagte er nachdenklich.</p><p>�Da hast du wohl recht�, erwiderte ich.</p><p>�Andererseits w�re ich bereit, meine Rolle in diesem edlen Schauspiel anderen zu �berlassen, die w�rdiger sind als ich.�</p><p>�Ich auch�, pflichtete ich ihm bei.</p><p>�Grabt!� sagte ein Askari.</p><p>Wir schaufelten Schlamm auf das Flo�.</p><p>�Unsere einzige Hoffnung�, sagte ein Mann zu meiner Linken, der wie Ayari aus Schendi stammte, �sind die feindlichen Eingeborenenst�mme dieser Gegend.�</p><p>�Eine sch�ne Hoffnung!� stellte Ayari fest. �Wenn die Askaris nicht w�ren, w�rden sie mit ihren t�dlichen Messern �ber uns herfallen.�</p><p>�Es mu� doch Widerstand gegen den Kanal geben�, sagte ich.</p><p>�Zum Beispiel in den D�rfern der Ngao-Region, am Nordufer�, sagte Ayari. �Dort braut sich etwas zusammen.�</p><p>�Das ist der bestorganisierte Widerstand�, sagte der Mann links von mir.</p><p>�Der Kanal ist teuer. Ich bin sicher, da� er sich in den Ubaratskassen Bila Hurumas unangenehm bemerkbar macht. Daraus folgert, da� es auch am Hofe Unzufriedenheit geben m��te. Ferner d�rften die D�rfer etwas dagegen haben, Arbeitskolonnen abstellen zu m�ssen.�</p><p>�Die B�rger Schendis�, sagte Ayari, �sind auch nicht gerade gl�cklich �ber das Vorhaben.�</p><p>�Sie haben Angst vor Bila Huruma�, stellte ich fest.</p><p>�Ja�, sagte Ayari.</p><p>�Man sieht die Sache in Schendi mit gemischten Gef�hlen�, sagte der Mann zu meiner Linken. �Nat�rlich br�chte es der Stadt auch Vorteile, w�rde der Kanal vollendet.�</p><p>�Das stimmt�, sagte Ayari.</p><p>Weiter vorn gab es Geschrei.</p><p>Askaris liefen los.</p><p>�Heb mich hoch!� sagte Ayari. Er war nicht gro�.</p><p>Ich setzte ihn mir auf die Schultern.</p><p>�Was ist?� fragte der Mann links von mir.</p><p>�Nichts�, sagte Ayari. �Eine kleine Gruppe Eingeborene, drei oder vier Mann. Sie haben ihre Speere geworfen und sind geflohen. Die Askaris nehmen die Verfolgung auf.�</p><p>Ich setzte Ayari wieder im Wasser ab.</p><p>�Ist jemand ums Leben gekommen?� fragte der Mann von links.</p><p>�Nein�, antwortete Ayari. �Die Arbeiter haben die Angreifer rechtzeitig gesehen und zogen sich zur�ck.�</p><p>�Gestern nacht�, sagte der Mann, �sind zehn Mann get�tet worden.� Er blickte uns an. �Von diesen Opfern war keines angekettet.�</p><p>�Es stimmt�, erwiderte Ayari, �da� wir den Eingeborenen hilflos ausgeliefert w�ren.�</p><p>�Ich glaube aber nicht�, warf ich ein, �da� solche Aktionen eine andere Wirkung haben k�nnten, als die Fertigstellung des Kanals lediglich hinauszuz�gern.�</p><p>�Ja�, sagte Ayari.</p><p>�K�nnte man die Arbeitsmannschaften nicht befreien und mit Waffen versehen?� fragte der Mann zu meiner Linken.</p><p>�Die Arbeiter bei uns kommen nicht aus den St�mmen, die hier leben�, sagte Ayari. �Du denkst wie ein Mann aus Schendi nicht wie ein Binnenl�nder.� Ayari deutete auf die Reihen der M�nner hinter uns. �Au�erdem sind die meisten M�nner hier auf ihre Weise getreue Untertanen Bila Hurumas. Wenn ihre Arbeits-Periode beendet ist, kehren sie in ihre D�rfer zur�ck. Die meisten w�ren f�r die n�chsten zwei oder drei Jahre vor einer erneuten Arbeitsverpflichtung sicher.�</p><p>�Ah!� sagte der Mann links von mir angewidert.</p><p>�Es gibt zwei klare M�glichkeiten, Bila Huruma aufzuhalten�, sagte Ayari. �Man m��te ihn im Kampf besiegen. Oder ihn umbringen.�</p><p>�Die erste M�glichkeit�, sagte ich, �kommt mir ziemlich unwahrscheinlich vor, wenn ich mir seine Armee und ihren Ausbildungsstand ansehe. In diesem Terrain gibt es nichts, was im offenen Kampf gegen seine Streitmacht eine Chance h�tte.�</p><p>�Vergi� die Rebellen am Nordufer des Ngao-Sees nicht!� wandte der Mann ein.</p><p>�Wieso sind das Rebellen?� fragte ich.</p><p>�Bila Huruma beansprucht nach den Entdeckungen Shabas alle Gebiete im Bereich des Ngao-Sees. Wer sich ihm widersetzt, ist folglich ein Rebell.�</p><p>�Ah, jetzt verstehe ich!� sagte ich. �Die Feinheiten der Staatskunst sind mir manchmal nicht ganz begreiflich.�</p><p>�Im Grunde ist es ganz einfach�, sagte Ayari. �Man legt fest, was man beweisen will, und arrangiert dann die eigenen Prinzipien so, da� die gew�nschte Schlu�folgerung sich als demonstrierbare Folge ergibt.�</p><p>�Aha�, sagte ich.</p><p>�Die Logik ist so neutral wie ein Messer�, bemerkte er.</p><p>�Aber was ist mit der Wahrheit?� wollte ich wissen.</p><p>�Die Wahrheit macht schon mehr Kummer�, r�umte er ein.</p><p>�Ich glaube, du g�bst einen ausgezeichneten Diplomaten ab�, sagte ich.</p><p>�Ich bin mein ganzes Leben lang ein Betr�ger und Scharlatan gewesen�, sagte Ayari. �Da w�rde es also gar keine Ver�nderung geben.�</p><p>�Vor f�nf Tagen�, sagte der Mann links von mir, �sind Hunderte von Askaris in Kanus an uns vorbeigefahren, und zwar nach Osten. Das war, ehe du zu uns an die Kette kamst.�</p><p>�Und was hatten sie vor?�</p><p>�Sich den Rebellenstreitkr�ften Kisus zum Kampf zu stellen, des fr�heren Mfalme der Ukungu-D�rfer.�</p><p>�Wenn sie Erfolg haben�, sagte Ayari, �ist es mit dem organisierten Widerstand gegen Bila Huruma vorbei.�</p><p>�Sie werden siegen�, sagte der Mann.</p><p>�Warum hast du gesagt, �des fr�heren Mfalme�?� wollte ich wissen.</p><p>�Bila Huruma�, erkl�rte er, �das ist allgemein bekannt, hat die H�uptlinge der Ukunga-Region bestochen. Ihr Rat hat Kisu abgesetzt und den eigenen Anf�hrer, einen Mann namens Aibu, an die Macht gebracht. Daraufhin zog sich Kisu mit etwa zweihundert Kriegern, die ihm treu ergeben waren, in die S�mpfe zur�ck, um seinen Kampf gegen Bila Huruma fortzusetzen.�</p><p>�In der Kunst der Politik ist Gold heimt�ckischer als Stahl�, sagte Ayari selbstgef�llig.</p><p>�Er wollte in den W�ldern verschwinden und dort weiterk�mpfen�, sagte ich.</p><p>�Der Krieg im Wald�, sagte Ayari, �bringt nur etwas, wenn es gegen einen schwachen oder fairen Gegner geht. Dem schwachen Feind fehlt die Kraft, die Waldbev�lkerung auszul�schen. Der faire Feind wird so etwas nicht tun. Leider d�rfte Bila Huruma weder schwach noch fair sein.�</p><p>�Aber er mu� doch irgendwie aufgehalten werden�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht kann man ihn umbringen�, meinte Ayari �</p><p>�Sicher wird er gut bewacht�, meinte der Mann zu meiner Linken.</p><p>�Sicher�, sagte Ayari.</p><p>�Unsere einzige Hoffnung ist also ein Sieg von Kisus Armee�, sagte der Mann.</p><p>�Vor f�nf Tagen�, sagte Ayari, �sind die Askaris in den Osten gefahren, um sich ihm zum Kampf zu stellen.�</p><p>�Vielleicht hat die Schlacht inzwischen stattgefunden�, mutma�te der Mann.</p><p>�Nein�, sagte ich. �Dazu ist es bestimmt zu fr�h.�</p><p>�Warum?� wollte Ayari wissen.</p><p>�Kisus Streitmacht befindet sich zahlenm��ig erheblich im Nachteil�, sagte ich. �Er w�rde sich die bestm�gliche Position aussuchen m�ssen. Den Zeitpunkt der Auseinandersetzung m��te er sich sorgf�ltig �berlegen.�</p><p>�Es sei denn, der Kampf w�rde ihm aufgezwungen�, sagte Ayari.</p><p>�Wie sollte das geschehen?� fragte ich.</p><p>�Du darfst die T�chtigkeit der Askaris des Bila Huruma nicht untersch�tzen�, sagte Ayari.</p><p>�Du redest�, sagte ich, �als handelte es sich um Berufssoldaten unter ganz straffer Generalsf�hrung, erfahren im Kundschaften, im Umgehen, im Abschneiden des R�ckzugs.�</p><p>�H�rt doch!� sagte Ayari. Er hob die Hand.</p><p>�Ich h�re es�, sagte ich. �Wei�t du, was das ist?�</p><p>�Still!� forderte Ayari. �Ich horche!�</p><p>Die Laute waren noch etwa zwei Pasang entfernt und kamen n�her. Gleich darauf wurde die Botschaft jedoch hinter uns aufgegriffen, etwa vier Pasang weiter unten an der Baustelle, zum Ushindi-See hin. Von Station zu Station w�rde die Nachricht dann schnell in den Graspalast Bila Hurumas weiterwandern.</p><p>�Die Streitkr�fte Kisus sind im Kampf besiegt worden�, sagte Ayari. �So lautet die Trommelbotschaft.�</p><p>Ringsum hoben Askaris die Waffen �ber die K�pfe und schrien ihre Freude hinaus.</p><p>Weiter unten am Kanalaushub stimmten andere M�nner ein stolzes Geschrei an, und viele schwangen ihre Schaufeln.</p><p>�Seht doch!� sagte Ayari.</p><p>Schon war das Wasserfahrzeug auszumachen � eine flache entmastete Barke. Sie wurde von vielen Dutzend M�nnern geschleppt, die, in ihre Seile gestemmt, durch den Sumpf wateten. Sie trugen Sklavenkragen. In Gruppen zu acht oder zehn Mann waren sie am Hals zusammengekettet. Flankiert wurden sie von Askaris, einige zu Fu�, andere in Kanus fahrend. Die Askaris waren in Siegerlaune und boten in ihren Fellen und pr�chtigen Federn und Hals- und Armreifen einen gro�artigen Anblick. Sie schwangen die schmalen pelzges�umten Schilde und kurzen Sto�speere. Auf dem Vorderdeck der Barke hatte man eine Baumtrommel installiert. Darauf lie� ein Askari mit zwei langen Schlegeln immer wieder die Siegesnachricht erklingen. Zahlreiche weitere Askaris fuhren an Bord der Barke mit, vorwiegend Offiziere, wie man an der Anordnung ihres Gold und Federschmucks erkennen konnte � Rang-Symbole, die ich allerdings nicht im einzelnen zu deuten wu�te. Der Barke folgten, teils zu Fu�, teils in Kanus, gut tausend Askaris. Anstelle des Masts der Barke war eine Art T-Gebilde angebracht, daran hatte man einen Mann angekettet. Die Arme lagen �ber und hinter der Querstrebe des Gebildes, die H�nde von einer Kette gesichert, die vor seinem K�rper herumf�hrte und ihn festhielt. Seine F��e ruhten auf einer kleineren Querstrebe weiter unten. Die Beine hatte man ihm ebenfalls mit einer Kette umwickelt. Es war ein gro�er Mann, dessen Haut zahlreiche T�towierungen aufwies. Anscheinend war er verwundet und offensichtlich auch reichlich geschunden worden. Zuerst hielt ich ihn f�r tot, doch als die Barke n�herkam, sah ich, wie er � anscheinend durch das Geschrei aufmerksam gemacht � den Kopf hob. Sofort richtete er sich auf und gab sich stolz, so gut er es vermochte, den Kopf erhoben, den Blick offen auf uns gerichtet.</p><p>Die Askaris richteten ihre Speere auf ihn, drehten sich zu uns um und br�llten etwas.</p><p>Es gab keinen Zweifel, welchen Namen sie br�llten.</p><p>�Kisu!� riefen sie. �Kisu! Kisu!�</p><p>�Es ist Kisu�, sagte Ayari.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Die nackten wei�h�utigen Sklavinnen trockneten meinen K�rper.</p><p>�Fort!� sagte Msaliti energisch. Die beiden flohen, und ihre blo�en F��e patschten auf den gewobenen Matten meiner Unterkunft, die sich in der riesigen Anlage von Bila Hurumas Palast befand.</p><p>�Diese Roben�, sagte Msaliti und deutete auf Gew�nder, die auf der Liegestatt ausgebreitet worden waren, �d�rften einem Botschafter aus Teletus gut zu Gesicht stehen.� Dann wies er auf eine kleine Truhe vor der Couch. �Und das sind angemessene Geschenke f�r einen Mann, dem es darum geht, mit einem Mann von der Bedeutung Bila Hurumas einen Handelsvertrag abzuschlie�en.�</p><p>Ich zog eine Tunika �ber.</p><p>�Warum hast du Shaba nicht bei den Banken abfangen k�nnen?� fragte ich.</p><p>�Er hat die Kreditbriefe gar nicht kassiert�, erwiderte Msaliti.</p><p>Ich blickte ihn an.</p><p>�Er hatte Angst davor?� fragte ich.</p><p>�Wir sind hereingelegt worden�, entgegnete Msaliti. �Er �berschrieb die Kreditbriefe an Bila Huruma, die dann von pers�nlichen Agenten des Ubars eingel�st wurden.�</p><p>�Zwanzigtausend Gold-Tarn�, sagte ich.</p><p>�Das Geld�, sagte Msaliti zornig, �wird f�r den Bau einer neuen Flotte von hundert Schiffen verwendet, voll ausger�stet und verproviantiert, mit jeweils f�nfzig Mann Besatzung. Diese Schiffe sind so gebaut, da� man sie auseinandernehmen und leicht wieder zusammensetzen kann � und das hei�t, da� sie sich ohne weiteres auch durch schwieriges Gel�nde transportieren lassen. Unser Geld, das wir f�r den Ring bezahlt haben, wird zur Ausr�stung einer Expedition verwendet, die den Ua erkunden soll!�</p><p>�Ein Unternehmen�, stellte ich fest, �das zweifellos f�r einen Geographen wie Shaba von gleichem Interesse ist wie f�r einen Ubar von Bila Hurumas Bedeutung.�</p><p>�Ich hatte gedacht, er wollte das Geld f�r sich haben�, sagte Msaliti.</p><p>�Vielleicht findet er Gold weniger interessant als den Ruhm�, meinte ich.</p><p>�Er soll damit nicht durchkommen!� sagte Msaliti aufgebracht. �Wir holen uns den Ring.�</p><p>�Es wird Zeit kosten, solche Schiffe zu bauen�, sagte ich.</p><p>�Die Arbeit hat schon vor Monaten begonnen�, sagte Msaliti.</p><p>�Das kann dir doch nicht unbekannt geblieben sein!� meinte ich.</p><p>�Die Arbeiten wurden an die Werften von Ianda vergeben�, sagte er. �Ich hatte Ger�chte �ber ein solches Projekt geh�rt, wu�te aber nicht, um welche Art von Schiffen es sich handelt oder da� dieses Ubarat dahintersteckt. Jetzt aber werden die Schiffe bereits auf dem Nyoka flu�aufw�rts gef�hrt.�</p><p>�Anscheinend zieht dich Bila Huruma nicht voll ins Vertrauen�, stellte ich fest.</p><p>�Er ist ein verschlossener Mann�, antwortete Msaliti.</p><p>�Vielleicht ist es ein Gl�ck f�r ihn, da� er dir nicht voll vertraut.�</p><p>�Gewi� mu� man darin die Hand Shabas vermuten�, meinte Msaliti.</p><p>�Gewi߫, stimmte ich ihm zu.</p><p>�Von allen Menschen hier im Land wissen nur du und ich und Shaba �ber den Ring Bescheid.�</p><p>�Ich darf vermuten, da� du Shabas Aufenthaltsort kennst�, sagte ich.</p><p>�Er ist hier, der Schuft!� sagte Msaliti. �Er lebt ganz offen in diesem Palast unter dem Schutz Bila Hurumas.�</p><p>�Ein mutiger Bursche�, stellte ich fest.</p><p>�Er meint, er habe wenig zu f�rchten�, sagte Msaliti.</p><p>�Wie sieht dein Plan aus?�</p><p>�Heute fr�h h�lt Bila Huruma Hof�, sagte er. �In der Verkleidung eines Botschafters aus Teletus wirst du ihm Geschenke darbringen. Ich werde dabei das Reden �bernehmen. Du brauchst nichts oder nur wenig zu tun. Von den Anwesenden wird kaum einer das Goreanische verstehen. Ich werde erkl�ren, da� die Einzelheiten deines Vorschlags f�r einen Handelsvertrag mit dem zust�ndigen Wesir sp�ter besprochen und zur Genehmigung vorgelegt werden.�</p><p>�Mit anderen Worten�, sagte ich, �es wird zun�chst kaum etwas anderes geben als einen Austausch von Gr��en zwischen Regierungen � zumindest wird es den Anschein haben.�</p><p>�Das ist in diesem Stadium der Verhandlungen auch richtig�, meinte Msaliti.</p><p>�Sch�n�, sagte ich, �aber was f�hrst du sonst noch im Schilde?�</p><p>�Als Pers�nlichkeit, die Bila Huruma nahesteht, wird auch Shaba am Hofzeremoniell teilnehmen�, antwortete er. �Du wirst Shaba angreifen und t�ten. Ich lasse dich anschlie�end von den Askaris verhaften. Ich nehme dem toten Shaba den Ring ab und sorge sp�ter daf�r, da� du fliehen kannst. Ich zahle dir hundert Gold-Tarn und bringe dann anschlie�end den Ring pers�nlich zu den Ungeheuern zur�ck.�</p><p>�Wird Bila Huruma meinen Angriff auf Shaba nicht mit dir in Verbindung bringen?� fragte ich.</p><p>�Sicher nicht. Ich darf mir nichts zuschulden kommen lassen, das verstehst du sicher.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich. �Warum heuerst du f�r diese Tat nicht irgendeinen Angeh�rigen der M�rdergilde an?�</p><p>�Du bist ein Agentenkollege der Kurii�, sagte er. �Du scheinst mir f�r diese Aufgabe der ideale Mann zu sein.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Ich glaube, ich kann dir vertrauen�, �u�erte er.</p><p>�Warum das?� fragte ich.</p><p>�Na, du hast mitbekommen, wie es am Kanal zugeht.�</p><p>�Wenn ich nicht auf deine Vorstellungen eingehe, schickst du mich sicher wieder an die Gaunerkette am Kanal.�</p><p>�Die Macht dazu h�tte ich.�</p><p>�Dann gestatte mir, die Robe eines Botschafters aus Teletus anzulegen�, sagte ich.</p><p>�Gewi� doch�, sagte er.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>�Hast du den Dolch?� fl�sterte Msaliti mir zu.</p><p>�O ja�, antwortete ich, �in der �rmelscheide.�</p><p>Er lie� mich allein stehen. Mehr als zweihundert Personen standen im gro�en Hofsaal, M�nner und Frauen hohen Standes, wie auch etliche einfache Untertanen, die ein Anliegen hatten. Anwesend waren au�erdem W�chter, H�uptlinge und Gesandte. Die Roben bestanden vorwiegend aus Tierh�uten, von denen einige auf pr�chtige Weise verziert worden waren. Viel Gold- und Silberschmuck wurde getragen. Arm- und Beinreifen aus Federn waren weit verbreitet. Die Frisuren der M�nner und Frauen waren verschieden gestaltet. Es zeigte sich teilweise sehr aufwendiger Kopfschmuck, in der Regel aus Fell und Federn. In den Lippen einiger M�nner steckten Messingst�psel. In vielen D�rfern waren Gesichtst�towierungen �blich. Die Vielfalt und Pracht an Bila Hurumas Hof war beeindruckend. Ich war sicher, da� der Aufwand, der bei manchem Ubar des Nordens getrieben wurde, dagegen verbla�t w�re. Am Hofe zeigten sich Abgesandte verschiedener Rassen, doch sie waren �berwiegend schwarz. Ich war der einzige Wei�e im Saal. Allerdings machte ich einige braunh�utige Burschen aus Bazi aus, und einen Orientalen, bei dem es sich um einen Arzt handelte. Selbst bei ansonsten sehr �hnlichen schwarzen Rassentypen gab es gro�e Unterschiede in Kleidung, T�towierung und Frisur. Hierin sah ich Unterschiede in kulturellen und stammesbezogenen Entwicklungen. Zu den gro�en Problemen in Bila Hurumas Ubarat geh�rte eben diese Vielfalt der Rassen und St�mme. Zum Gl�ck sprachen die meisten dieser Menschen, die vorwiegend aus der Ushindi-Region stammten, Dialekte, die miteinander verwandt waren. Diese Vielfalt war gewi� eine Herausforderung f�r das Ubarat Bila Hurumas; und da� sein Regime so stabil war, wie behauptet wurde, ging vermutlich zu gleichen Teilen auf die Intelligenz seiner Entscheidungen wie auf die R�cksichtslosigkeit seiner Aktionen und die Unbeugsamkeit seines Willens zur�ck.</p><p>Als ich den gro�en Saal betrat, hatte sich Bila Huruma soeben den Bericht seiner Offiziere �ber die Schlacht gegen Kisus Mannen angeh�rt. Dieser Kampf hatte interessanterweise in den S�mpfen weit westlich des Ngao-Sees stattgefunden, nur wenige Pasang von der Baustelle des Kanals entfernt. Es erwies sich, da� Kisu mit seiner kleinen Truppe unglaublicherweise gegen Bila Huruma anmarschiert war. So mutig und pathetisch h�tte eine Ameise sich auf einen Riesen st�rzen k�nnen. Ich zweifelte nicht an Kisus Mut; weniger sicher war ich mir allerdings in der Frage, ob er den gesunden Menschenverstand und die Weisheit besa�, die von einem Mfalme erwartet wurden.</p><p>Einige Offiziere stellten dem Herrscher M�nner vor, die f�r ihre mutigen Taten w�hrend der Schlacht belobigt wurden.</p><p>Goldringe und neue Rangabzeichen, Federn und Halsb�nder wurden verteilt.</p><p>Einmal hob Bila Huruma die Hand und sagte: �Gut!� Der so angesprochene Soldat w�re daraufhin wohl lieber tausend Tode gestorben, als seinen Ubar nur einmal zu verraten. �ber solche Kleinigkeiten spotten wohl Menschen, die den Krieg und die Menschen nicht begreifen; sie m�gen darin eine l�cherliche Beeinflussung sehen, und doch ist es ein kleines Lob dieser Art, wenn es angebracht und ernst gemeint ist, einigen M�nnern mehr wert als die materiellen Sch�tze, von denen sich jene befl�geln lassen, die sich f�r �berlegen halten. Jeder Mann soll seine eigenen Sch�tze erstreben. Der zynische Kaufmannsverstand wird nie begreifen, was den Soldaten bewegt. Der Soldat hat mit seinen Kameraden in der Kampflinie gestanden und den Gegner zur�ckgeschlagen. Ich glaube nicht, da� er dieses Erlebnis gegen jene ver�chtlich vorget�uschte Weisheit jener eintauschen w�rde, die er besch�tzt und die ihn eher noch verlachen m�chten. Er ist auf seinem Posten geblieben. Vielleicht k�nnen aber doch einige verstehen, was ich meine � vielleicht sogar jemand, der nicht an einem klaren, windigen Morgen mit seinen Kameraden singend durch den Schlamm marschiert ist, einen Speer auf der Schulter. Warum keckert die nibbelnde Urt und lacht den Larl an? Weil sie selbst kein Larl ist � oder weil sie seine Klaue f�rchtet?</p><p>Ich blickte zu der hohen, konischen Decke aus miteinander verwobenen �sten und Grashalmen empor. Sie befand sich etwa siebzig Fu� �ber unseren K�pfen. Der gro�e runde Raum ma� hundert Fu� von Wand zu Wand.</p><p>Msaliti h�ngte sich bei mir unter. �Bist du bereit?� fragte er.</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>Bila Huruma sollte jetzt Recht sprechen, in F�llen, die f�r ihn ausgew�hlt worden waren.</p><p>Vielleicht w�rde eines Tages der Krieger im Menschen sterben � und somit der K�mpfer, der Wanderer, der Frager, der Forscher, der Abenteurer, der Herumstreuner, der, der etwas tut und erhofft. Die Tage der Einsamen, der Zupackenden, der Suchenden w�ren vorbei. Der Mensch w�rde dann, wie es sich manche w�nschten, dem Vieh und den Blumen �hneln, frei, seine Tage mit ruhigem Fressen zu verbringen, bis er im Schein der fernen, brennenden, unerreichbaren Sonnen starb.</p><p>Es war schwierig zu wissen, was der Dunst des Morgens bringen w�rde.</p><p>Ich gab mich mit dem Gedanken zufrieden, da� Dinge getan worden waren, die jetzt in ihrer G�nze und Wahrheit im Gewebe der Ewigkeit verankert waren � wie immer man sie auch sp�ter sah oder ob man sich ihrer �berhaupt erinnerte oder nicht. Sie hatten stattgefunden. Gleichg�ltig, was auch passierte, nichts konnte daran etwas �ndern. Die Bedeutung der Geschichte liegt nicht in der Zukunft, sondern im Augenblick. Sie befindet sich zu keiner Zeit an einem anderen Ort als in unseren eigenen H�nden. Und wenn sich die Geschichte des Menschen nach ihrem Abschlu� lediglich als kurzes Aufflackern inmitten eines achtlosen Nichts erweisen sollte, so m�ge sie wenigstens des kurzen Moments w�rdig gewesen sein, den sie loderte. Vielleicht aber erwies sie sich auch als Funken, der mit der Zeit ein ganzes Universum erleuchten konnte.</p><p>Man wei� eben nicht, was der Nebel des Morgens bringt.</p><p>Viel h�ngt davon ab, was der Mensch ist.</p><p>Viel h�ngt von dem Bild ab, das er sich von sich selbst macht.</p><p>�Bist du bereit?� fragte Msaliti dr�ngend.</p><p>�Ja, ja�, sagte ich. �Ich bin bereit f�r das, was ich plane.�</p><p>Daraufhin entfernte er sich erneut von mir. In der Gruppe von Leuten, die Bila Huruma umgab, erblickte ich Shaba.</p><p>Der erste Fall des Ubars betraf eine Witwe, die von einem Gl�ubiger betrogen worden war. Der Bursche wurde schreiend aus dem Saal gezerrt. Die H�nde sollten ihm abgehackt werden, wie es jedem gew�hnlichen Dieb widerfuhr. Sein Besitz sollte beschlagnahmt und zur H�lfte der Witwe und zur H�lfte, wie nicht anders zu erwarten, dem Staat zugesprochen werden.</p><p>Der n�chste Mann war ein richtiger Dieb, ein Junge, der Gem�se gestohlen hatte. Es stellte sich heraus, da� er hungrig gewesen war und im Garten des Bestohlenen sogar um Arbeit nachgesucht hatte. �Niemand, der in meinem Ubarat arbeiten will�, sagte Bila Huruma, �soll Hunger leiden.� Er befahl, dem Jungen sei, wenn er es wollte, in seinen ausgedehnten G�rten Arbeit zu geben. Wer nicht arbeiten wollte, so vermutete ich, mu�te Hunger leiden. Bila Huruma hatte f�r Faulenzer offensichtlich nichts �brig. Fairne� in der Behandlung seiner Untergebenen ist eine Zentralthese f�r jeden guten Regierungschef.</p><p>Nun wurden zwei M�rder vorgef�hrt. Der erste, ein einfacher Mann, hatte einen Bootsmann aus Schendi erschlagen. Der zweite, ein Askari, hatte einen anderen Askari umgebracht. Es wurde angeordnet, dem einfachen Mann die Finger abzuschneiden und ihn dann an einen Tharlarionmast in den Ushindi-See zu stellen. Da� er die Finger verlieren sollte, galt als Gnadenakt des Ubars, weil er sich auf diese Weise nicht so lange an dem Pfosten festhalten konnte und somit fr�her von seinem Leiden erl�st sein w�rde. Er hatte keinen B�rger des Ubarats get�tet, sondern einen Mann aus Schendi; sein Verbrechen galt daher als weniger scheu�lich. Der Askari wurde dazu verurteilt, durch einen Angeh�rigen seiner Familie aufgespie�t zu werden. Damit wurde seine Ehre gerettet, und es bestand keine Gefahr, da� sich zwischen beteiligten Familien eine Blutfehde entwickelte. Der Askari �u�erte jedoch die Bitte, im Kampf gegen die Feinde des Ubarats sterben zu d�rfen. Dieses Anliegen wurde mit der Begr�ndung abgelehnt, da� er seinem Mordopfer, einem Kampfgef�hrten, dieses Privileg auch nicht zugebilligt h�tte. Der Askari nahm dieses Urteil ohne weitere Widerworte an. �Aber bin ich nicht mit mir selbst verwandt, ein Ubar?� fragte er. �Ja�, antwortete Bila Huruma darauf. Der Mann wurde nach drau�en gebracht. Man w�rde ihm einen kurzen Sto�speer geben, damit er sich in die Klinge st�rzen konnte.</p><p>Der n�chste Angeklagte war hinsichtlich seiner Steuern unehrlich gewesen. Man w�rde ihm einen Haken durch die Zunge spie�en und ihn auf dem n�chsten Markt aufh�ngen. Sein Besitz sollte beschlagnahmt und verteilt werden � zur H�lfte an Bewohner seines Dorfes, zur H�lfte an den Staat. Man nahm an, da� er k�nftig mit seiner Buchf�hrung ehrlicher sein w�rde, wenn er vom Haken heruntergenommen wurde und dann noch lebte.</p><p>Von drau�en vernahm ich den Schrei des Askari. Er hatte die Gerechtigkeit des Bila Huruma an sich selbst vollstreckt.</p><p>Als n�chstes erschienen zwei Angeh�rige des Adelstandes vor dem Ubar, ein Mann und seine Gef�hrtin. Er beklagte sich, sie sei nicht bereit gewesen, ihm zu Gefallen zu sein. Mit einem Wort und einer senkrechten Handbewegung schied Bila Huruma die Gef�hrtenschaft. Anschlie�end ordnete er an, dem Mann Frauenkleidung anzulegen und ihn aus dem Palast zu pr�geln. Dies geschah. Dann gab er Befehl, die Frau zu entkleiden und ihr eine Weinranke um den Hals zu legen. Anschlie�end wurde sie dazu verurteilt, ein Jahr lang in einer Baracke der Askaris zu dienen, um zu lernen, M�nnern zu gefallen.</p><p>Nun wurde der Rebell Kisu in Ketten vor Bila Huruma gef�hrt. Man zwang ihn vor dem Herrscher in die Knie. Er wurde dazu verurteilt, an die Gaunerkette gelegt zu werden und am Kanal zu arbeiten. Auf diese Weise sollte er endlich seinem wahren Herrscher Bila Huruma dienen. Kisu, der sich nicht wieder aufrichten durfte, wurde seitlich aus dem Saal geschleppt. Nun trat Mwoga auf, Botschafter der Ukungu-D�rfer, Abgesandter des hohen H�uptlings Aibu, der die Ukungu-H�uptlinge gegen Kisu geeint und den Mann abgesetzt hatte. Er �berreichte Bila Huruma Geschenke, Federn, H�ute, Messingringe und Tharlarionz�hne, und schwor ihm die ewige Treue der Ukungu-D�rfer. Um diese politischen Abmachungen zu besiegeln, bot er dem Ubar in Aibus Namen die Tochter des hohen H�uptlings an, Aibus eigene Tochter, ein M�dchen namens Tende.</p><p>�Ist sie sch�n?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Ja�, antwortete Mwoga.</p><p>Bila Huruma zuckte die Achseln. �Egal�, sagte er. Vermutlich war es ihm wirklich gleichg�ltig. Zweifellos gab es in seinem Haus viele Frauenh�fe. Dem Vernehmen nach besa� er bereits mehr als zweihundert Gef�hrtinnen und dazu vielleicht noch die doppelte Anzahl von Sklavinnen, die gefangen oder gekauft oder ihm als Geschenke �bergeben worden waren. Wenn Tende ihm gefiel, konnte er Thronerben mit ihr zeugen. Wenn nicht, konnte er sie vergessen, dann w�rde sie als abgelegtes Staatsgeschenk irgendwo dahinvegetieren, ein M�dchen von vielen, das in den Harems des Palasts verschwand.</p><p>�Darf ich mit unserem Gefangenen sprechen?� fragte Mwoga.</p><p>�Ja�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Ist Tende nicht sch�n?� fragte Mwoga.</p><p>�Ja�, antwortete Kisu, �und sie ist nicht minder stolz und k�hl.�</p><p>�Schade, da� sie keine Sklavin ist�, sagte Bila Huruma. �Man k�nnte sie dann dazu bringen, herumzukriechen und vor Leidenschaft zu schreien.�</p><p>�Sie ist es wert, Sklavin zu sein�, sagte Kisu. �Sie ist die Tochter des Verr�ters Aibu!�</p><p>Bila Huruma hob die Hand. �Bringt ihn fort!� befahl er, und der Gefangene wurde gegen seinen Willen aus dem Saal gezerrt.</p><p>Kurze Zeit sp�ter empfahl sich Mwoga mit tiefen Verbeugungen und r�ckw�rts gehend.</p><p>Schon erschien Msaliti wieder neben mir. Sanft schob er mich durch die Menge nach vorn. �Halte dich bereit!� sagte er.</p><p>Bila Huruma und seine Begleiter, zu denen auch Shaba geh�rte, musterten mich. Shaba lie� sich nicht anmerken, da� er mich erkannte. Wenn er hier offenbarte, da� ich nicht der war, der ich zu sein vorgab, mochte es Fragen dar�ber geben, woher er sein Wissen hatte. Von dort war es dann noch ein kleiner Schritt zu der Offenbarung, da� er mit dem Ring zu tun hatte. Ein solches Schmuckst�ck w�rde den Ubar Bila Huruma zweifellos sehr interessieren. Es war weder in Shabas Interesse noch in dem meinen oder dem Msalitis, den Herrscher dieses ausgedehnten �quator-Ubarats auf die Eigenschaften des Ringes aufmerksam zu machen.</p><p>Sobald ich in Bila Hurumas N�he kam, sollte ich den Dolch ziehen, Shaba t�ten und dann sofort von Askari-W�chtern verhaftet werden. Unterdessen sollte sich Msaliti von Shabas Leiche den Ring beschaffen. F�r sp�ter waren mir dann hundert Gold-Tarn und meine Freiheit versprochen worden. Ich l�chelte.</p><p>�Bist du bewaffnet?� fragte Msaliti in der Binnensprache wie auch auf Goreanisch.</p><p>�Aber ja doch�, sagte ich freundlich, offenbarte die �rmelscheide und reichte ihm den Dolch.</p><p>Eine Sekunde lang blitzte in Msalitis Augen eine unglaubliche Wut auf. Dann nickte er, ergriff den Dolch und reichte ihn einem Askari weiter.</p><p>Ich zeigte Bila Huruma, der sich daf�r interessierte, die �rmelscheide. Solche Aufbewahrungsorte f�r Waffen gab es oft in der Tahari. Hier im Landesinneren, wo die meisten Leute mit blo�en Armen gehen, schien es sich um eine interessante Neuheit zu handeln.</p><p>Bila Huruma sagte etwas zu einem Helfer. Es ging wohl darum, da� ihm eine Robe gemacht werden sollte, die eine solche Scheide enthielt.</p><p>�Sei gegr��t, gro�er Ubar!� sagte ich. �Dieser Gru� gilt auch allen hier anwesenden ehrenwerten Herren.� Ich l�chelte Shaba an. �Ich �berbringe euch Gr��e des Kaufmannsrats von Teletus, des Rates, der �ber jene Insel gebietet. In dem Bewu�tsein des Reichtums und der gewaltigen Projekte des Ubarats ist es unser Bestreben, die Grundlage f�r gegenseitige Handelsbeziehungen zu legen. Sollte der gro�e Kanal vollendet werden, so wissen wir durchaus, da� dieses Ubarat zu einem entscheidenden Bindeglied werden wird zwischen dem �quatorialen Westen und Osten. Wie zweifellos auch viele andere Handelsstaaten, etwa unsere Schwestern Schendi und Bazi m�chten wir dir unsere besten W�nsche �berbringen und deine Gunst erbitten f�r unsere Kaufleute und Schiffe, damit sie dir bei deinen k�nftigen Unternehmungen zu Hilfe kommen d�rfen.�</p><p>Msaliti gab sich M�he, meine Worte zu �bersetzen, obwohl er keine gro�e Lust dazu hatte.</p><p>Ich verfolgte mit meinen �u�erungen verschiedene Ziele. Erstens hielt ich es f�r m�glich, da� au�er Shaba und Msaliti noch einige andere Schwarze hier im Saal Goreanisch verstanden. Es kam mir darauf an, wirklich wie ein Gesandter von Teletus aufzutreten. Zweitens mochte es am�sant sein, mich einmal an der Erprobung diplomatischer Schw�lstigkeit zu versuchen. Dazu hatte ich nur selten Gelegenheit, obwohl mich solches Gerede hin und wieder beeindruckt hatte. Den Blicken der Umstehenden entnahm ich, da� meine Worte den zumeist nichtssagenden �u�erungen entsprachen, die bei solchen Gelegenheiten getan wurden. Das gefiel mir. Drittens machte es mir Spa�, Msaliti auf den Nerven herumzutrampeln.</p><p>Msaliti gab einem Mann ein Zeichen, der die Geschenke f�r Bila Huruma nach vorn brachte und die kleine Truhe vor dem Thron abstellte.</p><p>Der Herrscher bedankte sich, dann wurden die Gaben zur Seite gestellt. Durch Msaliti erfuhr ich von dem Ubar, da� die Gr��e aus Teletus entgegengenommen wurden, da� sein Ubarat den Inselbewohnern �hnliches w�nschte, da� sein Ubarat unser Interesse an seiner Zukunft zu sch�tzen wisse und da� sein Handelswesir innerhalb der n�chsten zehn Tage mit mir sprechen w�rde. Daraufhin empfahl ich mich, wie ich es bei anderen gesehen hatte: L�chelnd verbeugte ich mich und trat zur�ck.</p><p>Der n�chste Gesandte kam von Bazi. Er pr�sentierte Bila Huruma vier Kisten Gold und zehn schwarzh�utige nackte Sklavinnen in goldenen Ketten.</p><p>Dies gefiel mir nicht sonderlich. Ich sagte mir, da� sich Msaliti f�r Teletus ein wenig mehr h�tte anstrengen k�nnen. Ich bekam mit, da� der Gesandte aus Bazi schon innerhalb von f�nf Tagen eine Audienz beim Handelswesir erhalten sollte.</p><p>Kurz nach der Verabschiedung des Bazi-Abgesandten ging die gro�e Audienz zu Ende. Ich glaubte, eine der Sklavinnen hatte ihm gefallen. Hoffentlich war sie gut ausgebildet. Er war Ubar. Ihm zu gefallen, konnte nicht einfach sein.</p><p>Msaliti und ich waren in dem gro�en runden Saal und schlie�lich allein.</p><p>Ich steckte den Dolch fort, den der Askari mir zur�ckgegeben hatte, sobald der Ubar den Saal verlassen hatte.</p><p>Er war au�er sich vor Wut. �Warum hast du Shaba nicht get�tet?� fragte er. �Das war doch der Plan!�</p><p>�Es war dein Plan, nicht der meine�, antwortete ich. �Ich habe einen anderen.�</p><p>�Ich lasse dich sofort an den Kanal zur�ckschicken�, sagte er aufgebracht.</p><p>�Das d�rfte dir schwerfallen�, erwiderte ich. �Du hast am Hofe selbst daf�r gesorgt, und daf�r bin ich dir dankbar, da� ich als Botschafter aus Teletus anerkannt werde.�</p><p>Er stie� einen Wutschrei aus.</p><p>�Du hast doch nicht im Ernst angenommen, ich w�rde tun, was du von mir verlangst�, sagte ich. �Sobald Shaba tot gewesen w�re, h�ttest du daf�r gesorgt, da� die Askaris mich im allgemeinen Gewirr umbr�chten. Damit h�ttest du mich aus dem Weg gehabt � denn schlie�lich wei� ich �ber den Ring Bescheid und dar�ber, wie an den Ring zu gelangen w�re.�</p><p>�Du hast ehrlich angenommen, ich w�rde dich verraten?� fragte Msaliti.</p><p>�Aber ja doch�, sagte ich. �Und du h�ttest mich verraten, oder nicht?�</p><p>�Ja�, sagte er.</p><p>�Ich dachte es mir�, gab ich zur�ck. �Wei�t du, in dir steckt irgendwo ein ehrlicher, wahrheitsliebender Bursche.�</p><p>Ich lockerte das Messer in der �rmelscheide.</p><p>�Es wird dir nichts n�tzen, wenn du mich t�test�, sagte er.</p><p>�Ich probiere nur mal die Scheide aus�, sagte ich und steckte die Klinge wieder zur�ck.</p><p>�Anscheinend m�ssen wir zusammenarbeiten�, meinte er.</p><p>�Wir m�ssen schnell handeln�, sagte ich. �Wir wissen nicht, wieviel Zeit wir haben. Bila Hurumas Handelswesir d�rfte bald merken, da� ich wenig wei� �ber die Kaufleute und Angelegenheiten Teletus�. Wir m�ssen schnell handeln.�</p><p>�Was hast du vor?� fragte er.</p><p>�Ganz einfach�, erwiderte ich. �Shaba hat den Ring. Zeig mir seine Unterkunft, dann hole ich das Schmuckst�ck noch heute nacht.�</p><p>�Shaba wei�, da� du im Palast bist�, meinte Msaliti. �Er wird sich bestimmt in acht nehmen.�</p><p>�Dann schick einen anderen!� sagte ich.</p><p>�Nur wir beide und Shaba wissen von dem Ring�, meinte er.</p><p>�Genau.�</p><p>�Ich zeige dir heute nacht seine Gem�cher�, sagte Msaliti.</p><p>�Gut.�</p><p>�Wie soll ich wissen, da� du mich anst�ndig behandeln wirst?� fragte er. �Woher wei� ich, da� du mit dem Ring nicht einfach verschwindest?�</p><p>�Das wei�t du eben nicht.�</p><p>�Oh, das ist ja wirklich ein sch�ner Aspekt unseres Plans!� rief er gereizt.</p><p>�Ich finde ihn ganz ordentlich�, r�umte ich ein. �Wenn du die Expedition in die Gem�cher Shabas gern selbst unternehmen m�chtest, sei dir das freigestellt.�</p><p>�Wenn es mir nicht gel�nge, w�re es mit meiner Position bei Hofe vorbei�, sagte er.</p><p>�Damit hast du sicher recht�, sagte ich. �Solltest du au�erdem an Shabas Zahnring gelangen, dann w�re es nicht nur mit deiner Position aus. Die Spitze enth�lt Kanda, wenn ich richtig informiert bin.�</p><p>�Offenbar gibt es nur wenige vern�nftige Alternativen zu deinem Plan�, stellte er fest.</p><p>�Wei�t du, schlie�lich bin ich derjenige, der den Ring zur�ckbringen sollte�, sagte ich.</p><p>�Ich wei�, ich wei�.�</p><p>�Du traust mir hoffentlich�, sagte ich und spielte den Gekr�nkten.</p><p>�Ich traue dir so sehr wie meinem eigenen Bruder.�</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� du einen Bruder hast�, sagte ich.</p><p>�Er hat mich betrogen�, erl�uterte Msaliti. �Ich sorgte daf�r, da� er in einem Fall von Staatsverrat als Schuldiger dastand, und lie� ihn wegen Verrats gegen das Ubarat hinrichten.�</p><p>�Es war ein Fehler, einem solchen Burschen zu vertrauen�, sagte ich.</p><p>�Genau�, meinte er.</p><p>�Bis heute abend!�</p><p>�Im Grunde ist es Bila Huruma, der die Zur�ckgewinnung des Ringes st�rt. Er ist Shabas M�zen, sein Besch�tzer. Wenn Bila Huruma nicht mehr w�re, m��te es ein leichtes sein, Shaba zu verhaften und den Ring an sich zu bringen.�</p><p>�Das mag so sein oder nicht�, erwiderte ich. �F�r mich ist aber Shaba der Mann mit dem Ring. Von ihm m�ssen wir das so wenig greifbare St�ck zu gewinnen trachten.�</p><p>�Shaba wird den Ring nicht herausr�cken wollen�, sagte Msaliti.</p><p>�Ich hoffe doch sehr, da� ich ihn dazu bringen kann�, sagte ich.</p><p>�W�rdest du bitte den Dolch wieder in die Scheide stecken?� fragte er. �Das Ding macht mich nerv�s.�</p><p>�Sch�n�, sagte ich und lie� den Stahl verschwinden.</p><p>�Was h�ltst du von unserem Ubar?� erkundigte sich Msaliti.</p><p>�Er ist ein gro�er Bursche�, antwortete ich, �doch im Grunde habe ich ihn kaum richtig wahrgenommen.� In der Tat, Bila Huruma war ein sehr gro�er Mann gewesen, der �ber lange Arme verf�gte. Er hatte auf einem Thron aus lackiertem schwarzen Holz gesessen, der auf �berkreuzt festgebundenen Kailiaukh�rnern angebracht war. Arme und Beine waren nackt gewesen, gl�nzend von �l. Er hatte Arm- und Beinreifen aus Gold getragen. Seine H�ften waren von einem Fell des gelben Panthers bedeckt gewesen, dessen Z�hne zugleich seinen Hals verzierten. Hinter und rings um ihn hatte ein riesiger Mantel aus gelben und roten Federn gelegen, die von bunten V�geln des Regenwaldes stammten. Bei der Herstellung dieses Mantels waren von jedem Vogel nur zwei Brustfedern genommen worden. So dauert es zuweilen hundert Jahre, bis ein solcher Mantel fertiggestellt ist. Nat�rlich ist er nur f�r den Gebrauch durch einen Ubar bestimmt. Bila Hurumas Kopf war von einem komplizierten Schmuck gekr�nt, vorwiegend aus den langen, krummen wei�en Federn des Ushindi-Fischers gekr�nt, eines langbeinigen Stelzvogels. Die Krone, wenn man sie so nennen wollte, glich gewisserma�en dem Kopfschmuck, den viele Askaris trugen. Bis auf die L�nge der Federn und die pr�chtige Verzierung des Leders und der Perlenreihen, mit denen die Federn befestigt waren, h�tte es auch ein Askari-Schmuck sein k�nnen. Dadurch wurde deutlich gemacht, da� er, der Ubar, Bila Huruma pers�nlich, einer von ihnen war, ein Askari wie seine Soldaten. Sein Gesicht war breit, die Augen standen weit auseinander. Auf den Wangen und an den Nasenwurzeln hatten sich in wirbelnden Kurven die Punkte der T�towierungen erstreckt, die Spuren seiner Mannbarwerdung vor vielen Jahren.</p><p>�Du mu�t ihn doch deutlich gesehen haben�, sagte Msaliti, �du bist ihm doch vorgestellt worden.�</p><p>�Mir sind nur �u�erlichkeiten aufgefallen�, sagte ich, �und ich erinnere mich an die sichtbaren Zeichen seines Amtes, von denen du sprachst, meine Aufmerksamkeit galt aber mehr Shaba und dir als dem Ubar. Ich sah ihn, nahm ihn aber nicht wirklich wahr.�</p><p>�Du warst abgelenkt�, sagte Msaliti.</p><p>�Ja.�</p><p>�Vielleicht ist es ganz gut, da� du ihm nicht zu tief in die Augen geschaut hast�, sagte Msaliti.</p><p>�Einen Ubar wirklich wahrzunehmen�, sagte ich, �ihm ins Herz zu schauen � das kann eine furchteinfl��ende Sache sein.�</p><p>�Nur einer kann auf dem Thron sitzen�, sagte er.</p><p>�Das ist ein Sprichwort aus dem Norden�, meinte ich.</p><p>�Ich wei߫, antwortete er. �Aber es ist auch �stlich von Schendi bekannt.�</p><p>�Selbst �stlich von Schendi ist der Thron ein einsamer Ort�, stellte ich l�chelnd fest.</p><p>�Wer auf dem Thron sitzt, so hei�t es, ist der einsamste aller Menschen�, sagte Msaliti.</p><p>Ich nickte. Vielleicht war es wirklich ganz gut, da� ich mir Bila Huruma nicht zu gr�ndlich angesehen hatte. Es ist nicht immer ratsam, einem Ubar zu tief in die Augen zu schauen.</p><p>�Bis heute abend dann!� sagte Msaliti und zog sich zur�ck.</p><p>�Bis heute abend!� sagte ich.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>�Warum steht hier kein W�chter?� fragte ich.</p><p>�Der ist erledigt�, antwortete Msaliti. �Sei unbesorgt!� Er deutete auf die T�r. �Tritt ein!�</p><p>�Sicher hat Shaba andere Angeh�rige seiner Kaste bei sich, Geographen oder Schriftgelehrte�, meinte ich.</p><p>�Tritt ein!� dr�ngte mich Msaliti.</p><p>�Leih mir deine Lampe!� forderte ich. Er trug eine kleine flache Lampenschale, in der Tharlarion�l brannte.</p><p>�Die Askaris k�nnten das Licht durch die W�nde ausmachen�, sagte er. �Es sind viele Soldaten unterwegs. Beeil dich!�</p><p>Ich lie� mich in den Raum gleiten. Drinnen war es pechschwarz. Ich stand mit dem R�cken zur Graswand links von der T�r.</p><p>Die Schlafplattform, so hatte man mir gesagt, befand sich ungef�hr in der Mitte. Shaba, so vermutete ich, trug den Ring um den Hals. Zoll um Zoll, alle Sinne auf das �u�erste angespannt, r�ckte ich zur Zimmermitte vor. Msaliti hatte mich pers�nlich vor dem Raum abgeliefert. Er war nicht in Begleitung von Askaris gewesen. Das fand ich etwas seltsam.</p><p>�Von deiner Tat d�rfen m�glichst wenige erfahren�, hatte er gesagt.</p><p>�Ja�, hatte ich erwidert.</p><p>Aber gewi� rechnete er doch nicht damit, da� ich ihm den Ring brachte. Ich hatte erwartet, da� er im Gefolge von Askaris erscheinen w�rde, die er auf mich hetzen konnte, mir den Garaus zu machen, sobald ich Shaba get�tet oder den Ring in meinen Besitz gebracht hatte. Doch es war niemand zu sehen. Nat�rlich war es meine Hoffnung gewesen � und ein Risiko, das Msaliti wohl eingehen mu�te �, da� ich mit dem Ring seinen Askaris entgehen konnte, selbst wenn das Zimmer umstellt worden war. H�tte ich den Ring besessen, w�re der Vorteil letztlich wohl doch auf meiner Seite gewesen. Es waren Chancen, die Msaliti einfach hatte annehmen m�ssen. Ich konnte nat�rlich jederzeit den Raum verlassen, indem ich mich irgendwo gewaltsam durch die Grasmauer arbeitete.</p><p>Als ich mich umblickte, bemerkte ich, wie sich Msalitis Lampe vor dem Zimmer zweimal hob und senkte.</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Ich sah darin ein Zeichen an seine Askaris, die sich jetzt bestimmt in der Dunkelheit drau�en anschlichen.</p><p>Dann h�rte ich hastige Schritte. Augenblicklich duckte ich mich nieder, den Dolch blank gezogen, die Klinge in die H�he gestreckt, die linke Hand abwehrbereit erhoben. Ich war erstaunt. Aber die Schritte n�herten sich nicht mir. Ich glaubte Ger�usche wahrzunehmen, die auf ein Klettern hindeuteten. Pl�tzlich gellte in der Dunkelheit vor mir ein schrecklicher Schmerzensschrei auf, gefolgt von einem wilden, j�mmerlichen Kreischen, das in krampfartigem Husten und Keuchen endete. Fingern�gel kratzten �ber eine h�lzerne Oberfl�che, ein K�rper zuckte hin und her.</p><p>Ich wandte mich zur Flucht, doch an der T�r wurde ich schon von den angriffsbereit erhobenen Lanzenspitzen mehrerer Askaris erwartet. Vom Msaliti keine Spur. Ich hob die H�nde und lie� das Messer dabei fallen. M�nner mit Lampen erschienen.</p><p>Und da sah ich, da� ich mich gar nicht im Schlafgemach Shabas befand.</p><p>In der Mitte des Raums, auf einer hohen Plattform, etwa neun Fu� �ber dem Boden, gest�tzt von acht Pfosten, erblickte ich nicht etwa Shaba, sondern Ubar Bila Huruma � mit untergeschlagenen Beinen dasitzend, nackt bis auf die Kette mit Pantherz�hnen um den Hals.</p><p>M�nner packten mich an den Armen, hielten sie fest. Ich sp�rte, wie mir die H�nde auf dem R�cken zusammengebunden wurden.</p><p>Mehrere Lampen erhellten das Zimmer inzwischen bis in die Ecken. Auf ein Zeichen des Ubars wurden noch weitere Lichtquellen entz�ndet.</p><p>Ich blickte in die flache, runde Grube in der Mitte des Raums. Sie war etwa einen Fu� tief. Die Pfosten der Schlafplattform nahmen hier ihren Anfang. In der Grube lag ein Askari � eine blutige Hand umklammerte noch einen Holzpfosten. Sein K�rper war auf entsetzliche Weise verdreht und entstellt. Das Fleisch hatte eine schw�rzlich-orangerote F�rbung angenommen und war stellenweise aufgeplatzt, wobei sich die Haut zur�ckw�lbte wie Papier. Dicht neben ihm war ein Messer in die Grube gefallen. Rings um seinen K�rper krochen kleine, nerv�se, wendige Schlangen � Osts. Seltsamerweise war jedes dieser Gesch�pfe an einen Faden gebunden. Ich z�hlte acht der winzigen Reptilien. Die Schn�re f�hrten von ihren K�pfen zu einem Pfahl am Kopfende der Schlafplattform, wo sie angebunden worden waren. Nahe dem Fu� der Schlafgelegenheit hing ein Flechtkorb. Die Ost ist gew�hnlich eine orangerote Schlange, hier jedoch handelte es sich um Ushindi-Osts, die eine rote Haut mit schwarzen Streifen besitzen. Anatomisch und im Hinblick auf ihr Gift sollen sie mit der gew�hnlichen Ost beinahe identisch sein.</p><p>�Was geht hier vor, mein Ubar?� rief Msaliti, der in diesem Augenblick �ber die Schwelle eilte. Seine Kleidung war durcheinander, als h�tte das Geschrei ihn geweckt. Die Lampe hatte er nicht bei sich. Beim hastigen Aufstehen hatte er nat�rlich nicht die Zeit, ein Licht anzuz�nden. Ich bewunderte ihn. Er war ein schlauer Bursche.</p><p>Pl�tzlich hielt Msaliti verbl�fft inne. Er schien erstaunt zu sein, aber nach kurzer Zeit fa�te er sich wieder. �Mein Ubar!� rief er. �Geht es dir gut?�</p><p>�Ja�, sagte Bila Huruma.</p><p>Beim Eintreten hatte Msaliti den Ubar angerufen, doch als er ihn dann tats�chlich erblickte, hatte er einen Sekundenbruchteil lang verbl�fft reagiert. Ich machte mir klar, da� er gerufen hatte, damit alle Anwesenden erkannten, er habe den Ubar bei seinem Eintreten bei bester Gesundheit erwartet. Als er dann aber sehen mu�te, da� der Ubar tats�chlich noch lebte, hatte er seine �berraschung einen Augenblick lang nicht verhehlen k�nnen. Er hatte sich schnell wieder gefa�t. Er konnte im Grunde nicht wirklich damit gerechnet haben, da� ich den Ubar t�tete. Mein Interesse galt dem Ring. H�tte ich ihn nicht bei Shaba gefunden, h�tte ich den Mann sicher nicht umgebracht und w�re damit das Risiko eingegangen, das kostbare St�ck f�r immer zu verlieren.</p><p>Msaliti blickte in die flache Grube unter der hohen Schlafplattform Bila Hurumas. Der Anblick schien ihn nicht gerade zu erfreuen.</p><p>�Was ist passiert?� fragte er. Eingehend betrachtete er die verzerrt daliegende Gestalt, deren verf�rbte H�nde noch immer den Pfosten umklammerten. �Das ist ja Jambia�, fuhr er fort, �dein W�chter.�</p><p>�Er hat versucht, mich umzubringen�, sagte Bila Huruma. �Zweifellos hat er einen guten Preis daf�r bekommen. Aber er wu�te nichts von den Osts. Dieser Mann ist bestimmt sein Komplize.�</p><p>In diesem Augenblick ging mir der raffinierte Plan Msalitis auf. Allerdings hatte er die Genialit�t seines Ubars untersch�tzt.</p><p>Er hatte mir gesagt, der W�chter sei beseitigt worden. In Wirklichkeit hatte er sich im Inneren des Raumes befunden, von Msaliti bestochen, und hatte auf das Lampensignal gewartet. Mir fiel ein, da� Msaliti mir am Morgen noch gesagt hatte, der Wiederbeschaffung des Ringes stehe eigentlich am meisten Bila Huruma im Wege und da� es leicht sein m��te, Shaba zu verhaften und an den Ring zu kommen, w�re der Herrscher erst einmal aus dem Weg. Davon ausgehend, hatte er einen simplen Plan geschmiedet. Jambia sollte Bila Huruma umbringen und sodann fliehen, vermutlich indem er sich durch eine Graswand entfernte. Ich sollte dann im Schlafraum des Ubars angetroffen werden. Vielleicht sollte Jambia selbst die Tat entdecken. Nat�rlich w�rde der Ri� in der Graswand gegen mich ausgelegt werden � als Spur meines Eindringens und nicht als �berbleibsel einer Flucht aus dem Zimmer. H�tte der Plan geklappt, w�re Bila Huruma tot gewesen, und Shaba, seines Besch�tzers ledig, h�tte gegen Msaliti nicht mehr viel ausrichten k�nnen, der als Gro�wesir nat�rlich die Z�gel der Regierungsgesch�fte sofort �bernehmen w�rde, wenn auch nur vor�bergehend. Meine falsche Identit�t als Abgesandter von Teletus, die Msaliti f�r mich gestrickt hatte, konnte mich unter solchen Umst�nden nicht l�nger sch�tzen. Wenn ich �berhaupt diplomatische Immunit�t besessen hatte, dann war es sp�testens jetzt damit vorbei. Msaliti h�tte mit mir machen k�nnen, was ihm einfiel. Der erfolgreich in die Tat umgesetzte Plan h�tte es ihm nicht nur erm�glicht, an den Ring heranzukommen, sondern mich gleichzeitig loszuwerden, mich, der ich das Geheimwissen um den Ring mit ihm teilte und der selbst daran interessiert sein mochte, den Ring zu Belisarius in Cos zur�ckzubringen, von wo er dann zu den Kurii zur�ckkehren sollte. Ich hatte Msaliti Schwierigkeiten bereitet. Und ich mochte ihm auch k�nftig Probleme machen. So hatte er eine n�tzliche Rolle f�r mich in seinen Pl�nen gefunden. Und wenn dann noch angenommen wurde, ich sei der M�rder, w�rde die Aufmerksamkeit der Ermittler noch zus�tzlich vom Hof fortgelenkt und befa�te sich nicht mit Dingen, die im Palast abliefen.</p><p>Msalitis Plan war aber nicht aufgegangen.</p><p>�T�tet ihn!� sagte Msaliti und deutete auf mich.</p><p>Zwei Askaris hoben ihre kurzen Speere, um sie mir in die Brust zu bohren.</p><p>�Nein�, sagte Bila Huruma.</p><p>Die Soldaten senkten ihre Speere.</p><p>�Sprichst du Ushindi?� fragte mich der Ubar.</p><p>�Nur ein wenig�, antwortete ich. Ayari, mit dem ich am Kanal an der Gaunerkette gehangen hatte, war mir beim Lernen sehr behilflich gewesen. Ich hatte mein Vokabular schnell erweitern k�nnen. Die Grammatik dagegen war viel schwieriger. Ich beherrschte die Sprache der Binnenl�nder sehr schlecht, doch immerhin bekam ich dank Ayari einiges von dem mit, was ringsum gesprochen wurde.</p><p>�Wer hat dich angeworben?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Niemand�, antwortete ich. �Ich wu�te nicht, da� dies dein Schlafgemach ist.�</p><p>Beinahe z�rtlich machte sich Bila Huruma daran, die winzigen Osts an ihren F�den aus der Vertiefung zu ziehen und im Korb am Fu�ende der Schlafplattform zu verstauen.</p><p>�Geh�rst du der Kaste der Attent�ter an?� fragte er.</p><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>Er hielt die letzte Ost empor, an der Schnur baumelnd, etwa f�nf Fu� �ber der Grube unter seinem Bett.</p><p>�F�hrt ihn n�her heran!� befahl er.</p><p>Ich wurde an den Rand der Grube gezerrt. Bila Huruma streckte den Arm aus. Ich sah die kleine Ost, rot, mit schwarzen Streifen, dicht vor meinem Gesicht. Die winzige gespaltene Zunge zuckte zwischen den schmalen Kiefern hin und her.</p><p>�Gef�llt dir mein kleiner Freund?� fragte er.</p><p>�Nein.�</p><p>Die Schlange wand sich an der Schnur.</p><p>�Wer hat dich f�r deine Dienste bezahlt?�</p><p>�Niemand�, antwortete ich. �Ich wu�te nicht, da� dies dein Schlafgemach ist.�</p><p>�Wahrscheinlich wei�t du wirklich nicht, wer letztlich f�r deine Dienste bezahlt�, sagte er. �Solche Leute treten doch nie offen in Erscheinung.�</p><p>�Er ist wei߫, sagte ein Mann hinter mir. �Nur die Leute in Schendi w�rden einen solchen M�rder beauftragen. Sie kennen die Sleen des Nordens.�</p><p>�Mag sein�, sagte Bila Huruma.</p><p>Die Schlange wurde angehoben, bis sie sich in H�he meiner Augen befand.</p><p>�Kennst du Jambia, der mein W�chter war?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum wolltest du mich t�ten?� fragte der Ubar.</p><p>�Ich wollte dich nicht umbringen�, erwiderte ich.</p><p>�Warum bist du dann hier?� fragte er weiter.</p><p>�Ich wollte etwas Wertvolles finden�, sagte ich.</p><p>�Ah!� sagte Bila Huruma. Dann wandte er sich mit einigen schnellen Worten an einen Askari. Ich konnte nicht verstehen, was er sagte.</p><p>Bila Huruma nahm die kleine Schlange und verstaute sie sorgf�ltig im h�ngenden Korb. Dann verschlo� er den Korb mit einem Deckel. Ich atmete auf.</p><p>Urpl�tzlich wurde mir eine schwere Goldkette um den Hals gelegt. Jemand hatte sie aus einer der Truhen genommen, die die W�nde des Raumes s�umten.</p><p>�Du warst Gast in meinem Haus�, sagte er. �Wenn dir der Sinn nach etwas Wertvollem stand, h�ttest du danach fragen sollen. Ich h�tte es dir ohne weiteres gegeben.�</p><p>�Vielen Dank, Ubar!�</p><p>�W�re ich andererseits der Meinung gewesen, du h�ttest nicht darum bitten sollen�, fuhr er fort, �h�tte ich dich umgebracht.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Aber ich mache dir gern dieses Geschenk�, fuhr er fort. �Die Kette geh�rt dir. Wenn du ein M�rder bist, nimm sie hin anstelle der Bezahlung, die dir ja nun entgeht. Wenn du, wie ich vermute, ein einfacher Dieb bist, soll die Kette das Zeichen meiner Bewunderung f�r deine K�hnheit sein. Es erfordert Mut, in das Schlafgemach eines Ubars einzudringen.�</p><p>�Ich wu�te ja nicht einmal, da� dies dein Gemach ist�, sagte ich.</p><p>�Dann behalte das St�ck zur Erinnerung an unsere Begegnung.�</p><p>�Sei bedankt, Ubar!� �u�erte ich.</p><p>�Trage es am Kanal!� fuhr er fort. �Bringt ihn fort!�</p><p>Zwei Askaris drehten mich herum und stie�en mich zur T�r. Vor der Schwelle blieb ich stehen, was die Askaris erstaunte. Meine beiden H�scher mit mir ziehend, drehte ich mich noch einmal zu Bila Huruma um.</p><p>Unsere Blicke begegneten sich.</p><p>Und zum ersten Mal schaute ich tief in die Augen Bila Hurumas.</p><p>Er sa� auf seiner hohen Plattform �ber den anderen, eine einsame, von dem Menschen isolierte Gestalt, das Halsband aus Tigerz�hnen auf der Brust, die Lampen unter sich.</p><p>Und einen Augenblick lang sp�rte ich, was es bedeuten mu�te, Ubar zu sein. In diesem Moment sah ich ihn als das, was er wirklich war, was er sein mu�te. Ich erschaute Einsamkeit, Entscheidungsfreude und Macht. In einem Ubar mu�ten dunkle Kr�fte schlummern. Er mu�te zu etwas f�hig sein, das viele Menschen nicht fertigbrachten � zu tun, was getan werden mu�te.</p><p>Nur einer kann auf dem Thron sitzen, so geht das Sprichwort. Und, so hei�t es ferner, wer auf dem Thron sitzt, ist der einsamste aller Menschen.</p><p>Er ist es, der allen anderen Menschen fremd erscheinen mu� und f�r den alle Menschen Fremde sein m�ssen.</p><p>Der Thron ist wahrlich ein einsames Reich.</p><p>Viele Menschen w�nschen sich, dort zu leben, doch nur wenige w�ren wohl in der Lage, seine Last zu ertragen.</p><p>Stellen wir uns unsere Ubars auch weiterhin als Menschen vor, die im Grunde wie wir sind � nur vielleicht ein wenig kl�ger und st�rker oder mehr vom Gl�ck beg�nstigt. Auf diese Weise schaffen wir es vielleicht, uns unter ihnen weiter wohl zu f�hlen, und uns ihnen vielleicht ein wenig �berlegen zu f�hlen. Aber wir d�rfen ihnen nicht zu tief in die Augen schauen, denn wir k�nnten dort Dinge entdecken, die sie uns entfremden.</p><p>Es ist nicht immer w�nschenswert, einem Ubar zu tief in die Augen zu schauen.</p><p>Die Askaris drehten mich wieder um. Mein Blick streifte �ber das Gesicht Msalitis.</p><p>Dann wurde ich aus der Schlafkammer Bila Hurumas geleitet. Sein Geschenk, eine goldene Halskette, wog mir schwer auf der Schulter. Ich erinnerte mich an ihn, wie ich ihn zuletzt gesehen hatte � auf der hohen Plattform sitzend, an der ein Korb voller Osts baumelte.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>�Das ist h�bsch�, sagte der Askari.</p><p>�Ja�, erwiderte ich.</p><p>Er griff danach, und ich stie� seine H�nde zur�ck.</p><p>�Ich will�s haben�, sagte er.</p><p>�Es ist ein Geschenk Bila Hurumas�, sagte ich.</p><p>Er wich vor mir zur�ck. Ich nahm nicht an, da� er mich weiter bel�stigen w�rde.</p><p>�H�bsch!� stellte Ayari fest.</p><p>�Wenigstens wird es im Regen nicht rosten�, sagte ich l�chelnd. Ich betrachtete die dicken goldenen Glieder der Kette, die ich �ber dem Halsband der Arbeitsfessel trug.</p><p>�Das ist ja nun wirklich h�bsch�, wiederholte Ayari.</p><p>Wir standen dicht neben dem Schlammflo�, auf dem wir die Schaufelladungen des Aushubs verstauten. An dieser Stelle des gro�en Sumpfgebiets reichte uns das Wasser nur bis an die Knie. Stellenweise ragten relativ trockene Erhebungen aus den feuchten Zonen. An anderen Orten reichte uns das Wasser bis an die Brust.</p><p>Ich schaute in die Richtung, in die Ayari mit einer Kopfbewegung gedeutet hatte.</p><p>Verbl�fft umklammerte ich meine Schaufel.</p><p>�Ich habe gestern von einem Askari erfahren�, erkl�rte er, �da� sie heute hier vorbeikommen w�rden. Es handelt sich um Geschenke Bila Hurumas an Tende, die Tochter des hohen H�uptlings Aibu, F�hrer der Ukungu-D�rfer, zwei pers�nliche Sklavinnen. Er hat die Absicht, Tende zu seiner Gef�hrtin zu erheben.�</p><p>�Diese Gef�hrtenschaft�, sagte einer der M�nner, �wird die Verbindung der Ukungu-D�rfer zum Ubarat festigen.�</p><p>�Ich h�tte nichts dagegen, solche h�bschen Geschenke zu erhalten�, meinte ein anderer.</p><p>�Schade, da� Tende eine Frau ist!� meinte jemand.</p><p>Die beiden Sklavinnen befanden sich auf einem Flo�, das von f�nf angeketteten Sklaven durch den Sumpf gezogen wurde. Vier Askaris wateten neben dem Flo� her. Die M�dchen standen; sie waren an einer Stange angekettet, die �ber ihren K�pfen verlief und an den Enden des Flo�es von �berkreuz verlaufenden Streben gehalten wurde. Beide waren barfu�.</p><p>�Ho!� rief ich und ging auf das Flo� zu, soweit es die Kette um meinen Hals zulie�.</p><p>�Herr!� rief die blonde Barbarin.</p><p>Beide M�dchen waren blond, blau�ugig, hellh�utig und bis zur H�fte unbekleidet. Es war ein passendes Sklavinnenpaar, dazu bestimmt, einen h�bschen Kontrast zur dunkelh�utigen Sch�nheit Tendes zu bilden, der Tochter Aibus, des hohen H�uptlings der Ukungu-D�rfer.</p><p>�Sasi und ich wurden schon nach kurzer Zeit gefangen!� rief die blonde Barbarin mir zu. �Wir wurden verkauft!�</p><p>�Wo ist Sasi?� fragte ich.</p><p>�Ruhe!� rief einer der Askaris in meiner N�he und richtete den kurzen Speer auf mich.</p><p>�Sie wurde in Schendi an einen Tavernenwirt verkauft!� rief das M�dchen. �Es hei�t Filimbi!�</p><p>Einer der Askaris, die das Flo� begleiteten, stieg �rgerlich auf die kleine Plattform. Sofort richtete sich das M�dchen erschrocken auf und blickte geradeaus. Trotzdem versetzte er ihr zwei heftige Ohrfeigen. Blut erschien an ihrem Mundwinkel. Sie hatte ohne Erlaubnis gesprochen. Der Askari in meiner N�he, der Aufseher �ber unsere Kette, schob mich mit seinem Schild zur�ck, und ich st�rzte ins Wasser. Viermal hieb er mit dem Griff seines Sto�speers zu, ehe ich zornig wieder auf die Beine kam. Er drohte mir mit dem scharfen Ende des Speers. Ich wandte zornig den Kopf hin und her. Andere Askaris hatten sich gen�hert. Ich bewegte mich nicht mehr.</p><p>Das Flo� wurde langsam weitergezogen. Die blonde Barbarin wagte es nicht mehr, sich umzusehen. Sie blickte starr geradeaus und r�hrte sich nicht. Die andere blonde Sklavin warf mir einen kurzen Blick zu. Vermutlich war sie verwirrt, an der Gaunerkette einen Mann auszumachen, der eine Goldkette trug. Vermutlich war sie ebenfalls eine Barbarin.</p><p>�Grab weiter!� befahl der Askari, der mich geschlagen hatte.</p><p>Eigentlich war ich davon ausgegangen, da� sich Sasi der Gefangenschaft l�nger entziehen konnte � aber da hatte ich mich geirrt. Anscheinend waren beide beinahe sofort wieder als Sklavinnen aufgegriffen worden. Offenbar hatte man sie schon kurze Zeit sp�ter aufgegriffen, und es sah so aus, als h�tte jemand gute Gesch�fte mit ihnen gemacht. Beide waren sofort wieder verkauft worden � Sasi an Filimbi, einen Paga-Wirt, von dem ich schon geh�rt hatte, und die blonde Barbarin direkt oder indirekt an einen Agenten Bila Hurumas.</p><p>�Nun mach schon!� sagte der Askari drohend.</p><p>Nat�rlich hatte sich auf dem Flo� au�er den M�dchen eine Truhe mit weiteren Sch�tzen f�r Tende befunden, Dinge, zu denen nach Angaben des Askaris, mit dem Ayari eine gute Beziehung pflegte, auch Stoffballen, Geschmeide, Kosmetika, M�nzen und Parfums geh�rten. So etwas war logisch und unterstrich die Gro�z�gigkeit des Ubars Bila Huruma. Er w�re sicher als geizig angesehen worden, h�tten sich seine Geschenke auf die �bersendung zweier wei�h�utiger Sklavinnen beschr�nkt.</p><p>Wieder traf mich der Griff des kurzen Speers schmerzhaft an der Schulter.</p><p>�Grab weiter!� forderte der Askari.</p><p>�Na sch�n�, erwiderte ich und stie� die Schaufel in den Schlamm zu meinen F��en.</p><p>�Du auch!� rief der Aufseher einem Mann weiter unten an der Kette zu. �Grab! Grab!�</p><p>Der Mann an der Kette, eine gro�e majest�tische Erscheinung, musterte ihn ver�chtlich. Dann wandte er sich noch einmal zu dem Flo� um, das die Geschenke f�r Tende bef�rderte. Der Askari h�mmerte mit dem Schaft seines Speers mehrmals auf ihn ein. Ohne den Aufseher eines Blickes zu w�rdigen, setzte der Mann schlie�lich die Arbeit fort.</p><p>Dieser Mann war Kisu, der ehemalige Anf�hrer der Ukungu-Rebellen.</p><p>Als sich die Askaris nach einiger Zeit weiter zur�ckgezogen hatten, sagte ich zu Ayari: �Bitte �bermittle Kisu meine Empfehlung.� Ich hatte gesehen, wie er hinter dem Flo� herschaute. Seine K�rperhaltung hatte mir verraten, welch kalte Wut ihn erf�llte.</p><p>Die Kette mitschleppend, wateten wir auf Kisu zu. Die M�nner hinter uns gingen auf unser Zeichen ein und bewegten sich mit uns.</p><p>Ayari wandte sich an Kisu, er hob den Kopf und musterte mich ver�chtlich.</p><p>�Ich habe Kisu deine Gr��e ausgerichtet�, sagte Ayari auf Goreanisch zu mir.</p><p>�Er hat aber gar nichts gesagt�, erwiderte ich.</p><p>�Nat�rlich nicht�, entgegnete Ayari. �Er ist der Mfalme von Ukungu. Er spricht nicht mit gew�hnlichen Leuten.�</p><p>�Sag ihm, er sei nicht mehr Mfalme von Ukungu!� sagte ich. �Sag ihm, er sei gest�rzt worden. Wenn es �berhaupt noch einen Mfalme von Ukungu gibt, dann ist es der edle Aibu.�</p><p>Genaugenommen mu�te Aibu als hoher H�uptling Ukungus Distriktsverwalter sein, der Oberherrschaft Bila Hurumas unterstellt.</p><p>�Halt deine Schaufel bereit!� sagte Ayari auf Goreanisch zu mir.</p><p>�Keine Sorge!�</p><p>Aber Kisu griff mich nicht an, als er meine Worte �bersetzt bekam. Sein K�rper erstarrte, und er musterte mich zornig, doch er machte keine Anstalten, mich mit seiner Schaufel zu schlagen. F�r einen stolzen Mann, der von sich selbst �berzeugt und sehr kr�ftig war, legte er eine bemerkenswerte Selbstbeherrschung an den Tag.</p><p>�Sag ihm, ich m�chte mit ihm reden�, sagte ich. �Wenn n�tig, kann er mich ja als Mfalme von Ukungu in den Adelsstand erheben.�</p><p>Frohgemut machte sich Ayari an die �bersetzung.</p><p>Wieder hielt Kisu sich zur�ck. Dann wandte er mir den R�cken zu und begann zu graben.</p><p>�Sag ihm�, forderte ich Ayari auf, �Bila Huruma, sein eigener Ubar, spreche ohne weiteres mit gew�hnlichen B�rgern. Sag ihm, ein echter Mfalme h�rt sich alle Menschen an und spricht mit ihnen.�</p><p>Kisu richtete sich auf und fuhr zu mir herum. Die Kn�chel seiner H�nde, die die Schaufel hielten, waren vor Anspannung wei� geworden.</p><p>�Ich habe ihm �bersetzt, was du gesagt hast�, meinte Ayari. Die Sprache, die Kisu benutzte, war mit der Binnensprache eng verwandt, so da� Ayari mit der Verst�ndigung keine Probleme hatte. Mir ging es nicht ganz so gut, denn ich kannte die Sprache der Binnenl�nder noch nicht gut genug.</p><p>�Sag ihm�, fuhr ich fort, �es t�te ihm sicher gut, sich von einem wahrlich gro�en Anf�hrer zeigen zu lassen, wie man ein Volk leitet � und damit meine ich Bila Huruma.�</p><p>Diese Worte wurden Kisu �bermittelt.</p><p>Mit einem Wutschrei sprang Kisu auf mich los, und die Schaufel schwang auf meinen Kopf zu. Ich wehrte den Hieb ab, lie� meinen Schaufelgriff herumschwingen und versetzte ihm einen heftigen Schlag gegen die Seite des Kopfes. Der Hieb h�tte einen Kailiauk f�llen k�nnen. Zu meinem Erstaunen ging er nicht zu Boden. Und schon hatte ich alle H�nde voll zu tun, seine Hiebe abzuwehren. Ein Schlag oder Schnitt seiner scharfen Schaufel h�tte meinem Leben ein Ende gesetzt. Zweimal vermochte ich ihn mit meinem Schaufelgriff abzuwehren � und bohrte ihm das Holz beim zweiten Mal tief in den Solarplexus. Unvermutet hielt er inne; der Schlag hatte ihn gel�hmt. Er konnte sich nicht mehr verteidigen. Ich atmete schwer. Nat�rlich schlug ich nicht weiter zu. Jener bestimmte K�rperpunkt geh�rt zu den wichtigen Zielen, die sich Krieger bei ihrer Ausbildung einpr�gen m�ssen, besonders f�r den Nahkampf.</p><p>Kein Zweifel, was die Kr�fte anging, war mir Kisu recht �hnlich. Doch er war kein ausgebildeter Krieger. Und so erstaunte es mich nicht, da� er und seine K�mpfer von den Askaris Bila Hurumas besiegt worden waren.</p><p>Er hob den Kopf und blickte mich erstaunt an. Er verstand nicht, wie ein Schlag von mir einen Mann von seiner Kraft hatte l�hmen k�nnen. Dann erbrach er sich ins Wasser.</p><p>Zornig rufend kamen die Askaris auf uns zu. Sie schlugen mit den Sch�ften ihrer Speere auf uns beide ein.</p><p>Wir wurden getrennt und wieder an unseren Platz an der Kette zur�ckgeschickt.</p><p>Nach einiger Zeit drehte sich Kisu um und rief Ayari etwas zu. Ayari wandte sich daraufhin an mich. �Er will wissen, warum du ihn nicht umgebracht hast�, sagte er.</p><p>�Ich wollte ihn nicht t�ten�, sagte ich. �Ich wollte nur mit ihm sprechen.�</p><p>Dies wurde Kisu �bermittelt, der eine Antwort gab.</p><p>�Er war Mfalme von Ukungu�, �bersetzte Ayari. �Er kann nicht mit einfachen Menschen sprechen.�</p><p>�Na sch�n�, sagte ich, und meine Zustimmung wurde Kisu �bermittelt.</p><p>�Grab weiter!� befahl der Askari neben mir.</p><p>Wir machten uns wieder an die Arbeit.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>�Aufwachen!� sagte Ayari und stie� mich an.</p><p>Ich lie� mich auf dem Flo� herumrollen, soweit es die Kette erlaubte.</p><p>�Es kommt etwas�, sagte er.</p><p>�Eingeborene?� fragte ich.</p><p>�Ich glaube es nicht�, erwiderte er.</p><p>Ich k�mpfte mich in eine hockende Stellung hoch. Der Eisenring mitsamt der Kette belastete meinen Nacken sehr. Das Flo�, auf dem wir an der Gaunerkette schliefen, war ein langes Gebilde mit einem gitterartigen K�fig, der sorgf�ltig verschlossen wurde.</p><p>Ich blickte mit zusammengekniffenen Augen in die Dunkelheit hinaus.</p><p>�Ich sehe nichts�, sagte ich.</p><p>�Eben habe ich den Schein einer Laterne gesehen, die einen Moment lang aufgedeckt wurde�, sagte Ayari.</p><p>�Wer immer da kommt, hat also etwas zu verbergen�, sagte ich. Und Eingeborene besa�en keine solchen Nachtlaternen.</p><p>�H�r doch�, sagte Ayari.</p><p>Pl�tzlich stie� die Schnauze eines Tharlarion, der sich halb auf den Rand unseres Flo�es st�tzte, gegen die Gitterst�be. Ich zuckte zur�ck. Das Wassertier grunzte und lie� seine Schnauze eine Zeitlang auf dem Holzrand liegen. Mit leisem Pl�tschern lie� es sich schlie�lich wieder in das flache dunkle Wasser gleiten.</p><p>�H�r mal!� wiederholte Ayari.</p><p>�Ich h�r�s�, erwiderte ich. �Umwickelte Ruder, sogar mehrere.�</p><p>�Wie viele Boote?� wollte er wissen.</p><p>�Mindestens zwei�, entgegnete ich, �und sie bewegen sich im Tandem.� Ein wenig aus dem Takt, war das leise Eintauchen einer zweiten Gruppe von Rudern auszumachen.</p><p>�Askaris k�nnen das nicht sein�, meinte Ayari.</p><p>�Nein�, stimmte ich ihm zu. Askaris benutzen keine Ruder, sondern Paddel, die auch besser zu ihren Kanus passen. Und wenn es zu einem Nachtmarsch kommt, halten die Paddel des Kanus genau den Rhythmus des F�hrungsbootes ein. Auf diese Weise ist es schwierig, die Zahl der n�herkommenden Boote zu sch�tzen. Nat�rlich ist es �blich, beim Nachtrudern im Tandem zu fahren, wobei das erste Boot den sicheren Fahrweg anzeigt � oder Hindernisse, wenn es nicht weiterkommt.</p><p>�Was f�r Fahrzeuge sind das?� fragte Askari.</p><p>�Leichte Boote�, entgegnete ich. �Sie m�ssen ziemlich flach sein, wenn sie in diesem Wasser gerudert werden.�</p><p>�Die Zahl der Ruder deutet auf eine ziemliche L�nge hin�, sagte Ayari. �Es mu� sich um leichte Galeeren handeln.�</p><p>�Nein�, entgegnete ich. �Ich kenne den Ruderzug einer leichten Galeere. Diese Boote sind sogar daf�r zu leicht. Au�erdem h�tte jede Form der Galeere, die ich kenne, f�r diesen Sumpf einen viel zu tiefen Kiel.�</p><p>�Was f�r Boote m�gen es dann sein?� fragte Ayari. �Und woher kommen sie?�</p><p>�Es gibt nur eine M�glichkeit�, sagte ich, �doch es ist Wahnsinn, das bei Nacht hier zu vermuten.�</p><p>Wir h�rten ein Pl�tschern im Wasser. Offenbar war ein Tharlarion in der Dunkelheit etwa zwanzig Meter von uns entfernt gegen etwas H�lzernes gesto�en � vielleicht handelte es sich sogar um dasselbe Tier, das uns zuvor mit seiner neugierigen Schnauze beehrt hatte.</p><p>Wir vernahmen einen Wutschrei � und eine Sekunde lang wurde eine Nachtlampe ge�ffnet. Im Bug eines mittelgro�en, aber ziemlich langen barken�hnlichen Wasserfahrzeugs machten wir zwei M�nner aus. Einer hieb mit dem Speer ins Wasser und versuchte einen Tharlarion abzuwehren.</p><p>Ich umklammerte die Stangen des K�figs, der mir die Freiheit raubte.</p><p>Schon wurde die Laterne wieder abgedeckt. Die Boote glitten an uns vorbei. Es waren drei. Die Ruder waren in den offenen, U-f�rmigen Dollen mit Fell umwickelt worden, damit sie bei der Bewegung keinen L�rm machten. Die Ruder selbst wurden kaum aus dem Wasser gehoben und bewegten sich daher nahezu ger�uschlos bei ihrer Arbeit.</p><p>�Was ist?� fragte Ayari.</p><p>�Nichts�, antwortete ich.</p><p>Im Licht der kurz ge�ffneten Nachtlaterne hatte ich die Gesichter von drei oder vier M�nnern erkannt � die Gesichter der beiden am Bug und zweier anderer, die ganz in der N�he gestanden hatte. Eines dieser Gesichter kannte ich. Es war das Gesicht des Geographen Shaba gewesen.</p><p>Ich umklammerte die Gitterst�be. Ich war hilflos. In einer Aufwallung sinnlosen Zorns r�ttelte ich daran, so fest ich konnte. Dann beruhigte ich mich wieder.</p><p>�Was ist los?� fragte Ayari.</p><p>�Nichts�, sagte ich.</p></section><section><title><p>22</p></title><p>Mit meiner Schaufel schleuderte ich Schlamm auf das dazu bestimmte Flo�.</p><p>Ich hatte aus dem Westen keine Trommeln schallen h�ren, nichts, was darauf hindeutete, da� Shaba verfolgt wurde.</p><p>Ich war �berzeugt, da� er es gewesen war, der heimlich in der Nacht an uns vorbeigefahren war. Es waren drei Boote von der Art gewesen, wie sie in Ianda gebaut und �ber Schendi und den Nyoka zum Ushindi-See gebracht worden waren, ein Teil der Flotte, die Bila Huruma f�r die Erkundungen Shabas bauen lie�, damit dieser �ber den Ua ins unerforschte Landesinnere vorsto�en sollte. Es waren allerdings nur drei Barken von etwa einhundert gewesen. Und Shaba ging es sichtlich darum, nicht bemerkt zu werden. Soweit ich bemerken konnte, hatte es keinen flankierenden Konvoi aus Askari-Kanus gegeben, auch keine Askaris an Bord der Barken, soweit ich sie ausmachen konnte. Die M�nner in Shabas Begleitung, so vermutete ich, waren vorwiegend Angeh�rige seiner Kaste, Geographen der Schriftgelehrten, auf jeden Fall M�nner, die ihn bei der Erforschung des Ushindi- und des Ngao-Sees begleitet hatten, M�nner, denen er vertraute und auf die er sich in Not verlassen konnte � Kastenbr�der.</p><p>Ich streifte mir Insekten aus dem Gesicht.</p><p>Es dr�ngte sich der Eindruck auf, da� Shaba auf der Flucht war, und ich bezweifelte nicht, da� er den Ring bei sich hatte, dessen R�ckgewinnung das Ziel meiner Reise nach Schendi gewesen war. Verstohlen war er in �stlicher Richtung an uns vorbeigefahren.</p><p>Wieder stie� ich die Schaufel heftig in den Schlamm zu meinen F��en.</p><p>Ich mu�te hier graben, und mit jeder Schaufelbewegung, jedem Insektenbi� und -stich entfernte sich der Mann, auf den ich es abgesehen hatte, weiter von mir.</p><p>Eine neue Schaufelladung Schlamm landete auf dem Flo�.</p><p>�Die Flucht ist unm�glich�, sagte Ayari. �Mach dir keine n�rrischen Hoffnungen!�</p><p>�Woher wei�t du, da� ich an Flucht denke?� fragte ich.</p><p>�Schau doch, wie wei� deine Kn�chel sind, wie kr�ftig du die Schaufel packst�, sagte er. �Wenn der Sumpf dein Feind w�re, h�ttest du ihn l�ngst in St�cke gehackt.� Er blickte zu mir empor. �Nimm dich in acht, mein Freund! Die Askaris sind bereits auf dich aufmerksam geworden.�</p><p>Ich schaute mich um. Er hatte recht � einer der Askaris blickte in meine Richtung.</p><p>�Sie h�tten dich schon l�ngst t�ten k�nnen�, sagte Ayari. �Aber du bist kr�ftig und kannst gut arbeiten.�</p><p>�Ich k�nnte ihn umbringen!� knurrte ich.</p><p>�Er hat keinen Schl�ssel bei sich�, ermahnte mich Ayari. �Das Metall, das du um den Hals tr�gst, ist angeschmiedet. Fang an zu graben, sonst werden wir wieder geschlagen.�</p><p>�Sag Kisu�, erwiderte ich, �da� ich mit ihm sprechen m�chte, da� ich fliehen will.�</p><p>�Sei kein Dummkopf!�</p><p>�Sag�s ihm!� forderte ich.</p><p>Wie gestern wurden meine Worte Kisu �bermittelt. Er sah sich um. Er antwortete.</p><p>�Er spricht nicht mit gew�hnlichen Menschen�, sagte Ayari zu mir.</p><p>Ich drosch mit der Schaufel auf den Sumpf ein, sch�lte einen Schlammbrocken heraus und schleuderte ihn auf das Flo�.</p><p>H�tte es sich um Kisu gehandelt, w�re er meinem Angriff zum Opfer gefallen.</p></section><section><title><p>23</p></title><p>�Ist sie nicht wundersch�n?� fl�sterte Ayari.</p><p>�O ja!� sagte ich.</p><p>�Ruhe!� befahl ein Askari.</p><p>�Steht stramm!� forderte ein anderer Aufseher. �Hebt die K�pfe! Achtet darauf, da� eure Reihe gerade ist!�</p><p>�Wer ist der Mann, der Kisu genannt wird?� fragte ein Askari, der durch das Wasser herbeiwatete.</p><p>�Keine Ahnung!� sagte ich.</p><p>�Der da!� sagte Ayari und deutete auf Kisu, der einige Kettenpl�tze von uns entfernt stand.</p><p>Langsam wurde die Staatsplattform n�hergezogen. Sie bestand aus Planken, die auf den Bordw�nden von vier langen Kanus befestigt waren. Von angeketteten Sklaven gezogen, kam das Gebilde langsam n�her. Auf der Plattform, beschattet von einem Seidenbaldachin, befand sich ein Podest, auf dem zahlreiche Seidenkissen lagen.</p><p>�Warum hast du ihm gesagt, wer Kisu ist?� fragte ich.</p><p>�Sie kennt ihn doch, oder?�</p><p>�Da hast du recht�, sagte ich.</p><p>Auf den Kissen lag zur�ckgeneigt und auf einen Ellbogen gest�tzt ein h�bsches, hochm�tig wirkendes M�dchen. Sie trug eine goldbestickte gelbe Robe und zahlreiche Schmuckreifen und Edelsteine.</p><p>�Das ist Tende�, fl�sterte einer der M�nner, �die Tochter Aibus, des hohen H�uptlings des Ukungu-Distrikts.�</p><p>Dies wu�ten wir l�ngst, denn die Botschaft der Trommeln war ihr aus dem Osten vorausgeeilt.</p><p>Links und rechts von Tende kniete je ein h�bsches wei�es Sklavenm�dchen, am Hals und am linken Fu�gelenk eine Kette aus wei�en Muscheln, am K�rper ein kurzes Wickeltuch aus rot und schwarz bedrucktem Reptuch. Beide Sklavinnen besa�en eine h�bsche Figur. Ich fand es schwer, den Blick von ihnen zu wenden. Sie geh�rten zu den Geschenken, die Tende von ihrem vorgesehenen Gef�hrten �bersandt worden waren. Ich l�chelte und fuhr mir mit der Zunge �ber die Lippen. Obwohl sie als pers�nliche Sklavinnen einer Frau dienen sollten, waren sie bestimmt von einem Mann ausgesucht worden. Jede der beiden Sklavinnen hielt an langem Griff einen F�cher aus bunten Federn. Mit sanften Bewegungen f�chelten sie ihrer Herrin K�hlung zu.</p><p>Ich betrachtete die blonde Barbarin, die fr�her einmal Janice Prentiss gehei�en hatte. Sie kniete links von Tende, also zu meiner Rechten. Sie begegnete meinem Blick nicht. Ihre Unterlippe zitterte. Sie wagte es nicht, sich anmerken zu lassen, da� sie mich kannte.</p><p>Tende hatte sich eine Peitsche um den linken Unterarm gebunden.</p><p>�Steht strammer!� befahl ein Askari.</p><p>Wir gehorchten.</p><p>In Tendes N�he standen vier Askaris in der Aufmachung, die ich von Bila Hurumas Hof kannte � es waren seine Abgesandten. Wie die meisten Askaris waren sie mit fransenversehenen langen Schilden und kurzen Sto�speeren bewaffnet. Die Tochter Aibus wurde gut bewacht. Weitere Askaris wateten unweit der Plattform durch das Wasser.</p><p>Neben den Askaris hielt sich ein weiterer Mann auf der Plattform auf. Es war Mwoga, der Wesir Aibus, der Tende zur Feier ihrer Gef�hrtenschaft geleitete. Ich erkannte ihn sofort, denn ich kannte ihn aus Bila Hurumas Palast. Wie so viele Menschen aus dem Landesinnern und den benachbarten Ebenen und Savannen im Norden und S�den der �quatorzone besa� er lange, gestreckte Glieder und war hochgewachsen � eine k�rperliche Besonderheit, die die Abstrahlung von K�rperhitze erleichterte. Sein Gesicht wies T�towierungen auf, wie sie hier im Landesinnern �blich waren. Nach den Mustern lassen sich nat�rlich einzelne St�mme erkennen, manchmal sogar D�rfer und Distrikte. Er trug eine lange schwarze Robe, die mit Goldf�den bestickt war, und eine weiche flache M�tze, �hnlich dem in Schendi gebr�uchlichen Kleidungsst�ck. Ich zweifelte nicht daran, da� ihm diese Gewandung am Hof Bila Hurumas zum Geschenk gemacht worden war. Trotz der Internationalit�t seines Hofes trug Bila Huruma selbst meistens die H�ute, Federn und das Gold der Askaris. Das ging nicht nur darauf zur�ck, da� sie die Grundlage seiner Macht bildeten und er ihnen schmeicheln wollte. Vielmehr war er selbst Askari und sah sich als Askari. Im Hinblick auf seine Kraft, Geschicklichkeit und Intelligenz gab es nichts dagegen zu sagen, da� er der erste unter ihnen war. Er war ein Askari unter Askaris.</p><p>�Sieh nur, meine Dame!� sagte Mwoga jetzt und deutete auf Kisu. �Hier steht der Feind deines Vaters und auch dein Feind, hilflos angekettet im Sumpf. Schau ihn dir an, untersuch ihn! Er widersetzte sich deinem Vater. Jetzt h�ngt er an einer Gaunerkette und gr�bt f�r deinen k�nftigen Gef�hrten, den gro�en Bila Huruma, im Schlamm herum.�</p><p>Der Ukungu-Dialekt ist mit der Ushindi-Sprache eng verwandt. Leise �bersetzte mir Ayari das Gespr�ch. Doch h�tte ich auch ohne ihn dem Dialog einigerma�en folgen k�nnen.</p><p>Kisu blickte der l�ssig dasitzenden Frau k�hn in die Augen.</p><p>�Du bist die Tochter des Verr�ters Aibu�, sagte er.</p><p>Tendes Gesichtsausdruck ver�nderte sich nicht.</p><p>�Wie mutig der Rebell hier spricht!� sagte Mwoga sp�ttisch.</p><p>�Wie ich sehe�, wandte sich Kisu an Mwoga, �du bist jetzt ein wichtiger Wesir. Du hast deine Position als unbedeutender H�uptlingslakai verlassen und bist aufgestiegen. Solche Gl�cksf�lle gibt es eben in der Politik immer wieder.�</p><p>�Manche haben dabei mehr Gl�ck als andere�, erwiderte Mwoga. �Du, Kisu, warst zu dumm, um die Politik zu verstehen. Du bist halsstarrig und t�richt, du verstandest dich nur auf den Speer und die Kriegstrommel. Du greifst an wie ein Kailiauk. Ich verhielt mich kl�ger; ich wartete die richtige Zeit ab � so wie es die Ost tut. Der Kailiauk l��t sich in der Palisade einsperren. Die Ost schl�pft zwischen den St�mmen des Zauns hindurch.�</p><p>�Du hast Ukungu an das Imperium verraten�, sagte Kisu.</p><p>�Ukungu ist ein Distrikt in diesem Reich�, erwiderte Mwoga. �Ein Aufstand war gegen das Gesetz.�</p><p>�Du verdrehst Worte!� fauchte Kisu.</p><p>�Wie stets bei solchen Fragen hat der Speer entschieden, wo in dieser Sache das Recht liegt�, sagte Mwoga l�chelnd.</p><p>�Wie wird sich das sp�ter in den Geschichten anh�ren?� wollte Kisu wissen.</p><p>�Wir werden die �berlebenden sein, die diese Geschichten erz�hlen�, sagte Mwoga.</p><p>Kisu trat einen Schritt vor, doch ein Askari neben ihm hielt ihn zur�ck.</p><p>�Es kann kein Volk verraten werden�, sagte Mwoga, �das nicht damit einverstanden ist.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte Kisu.</p><p>�Das Reich bedeutet Sicherheit und Zivilisation�, erkl�rte Mwoga. �Die Menschen sind der Stammesfehden �berdr�ssig. Die Menschen w�nschen sich Ruhe und Frieden, um ungest�rt ihre Ernte einfahren zu k�nnen. Wie k�nnen sich Menschen frei nennen, wenn sie jeden Tag das Einsetzen der D�mmerung f�rchten m�ssen?�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, wiederholte Kisu.</p><p>�Das liegt daran, da� du ein J�ger bist, ein Mann, der t�tet�, sagte Mwoga. �Du lebst nach dem Speer, du kennst �berf�lle, Gegenattacken, den Rachedurst, die Schatten des Waldes. Stahl ist dein Werkzeug, die Dunkelheit dein Verb�ndeter. Bei den meisten Menschen jedoch ist das anders. Die meisten w�nschen sich den Frieden.�</p><p>�Alle Menschen w�nschen sich den Frieden�, sagte Kisu.</p><p>�Wenn das so w�re, g�be es keinen Krieg�, sagte Mwoga.</p><p>Kisu musterte ihn aufgebracht. �Bila Huruma ist ein Tyrann�, sagte er.</p><p>�Nat�rlich�, entgegnete Mwoga.</p><p>�Man mu� sich ihm widersetzen.�</p><p>�Dann widersetz dich ihm doch!�</p><p>�Man mu� ihn st�rzen.�</p><p>�Dann st�rz ihn!�</p><p>�Du siehst dich als Held, der du mein Volk ins Licht der Zivilisation f�hren willst?� fragte Kisu.</p><p>�Nein�, sagte Mwoga. �Ich gehorche den Umst�nden. Ich diene mir selbst und meinen Vorgesetzten.�</p><p>�Jetzt endlich sprichst du ehrliche Worte!�</p><p>�Die Politik, die Bed�rfnisse, die Zeit � dies alles bringt M�nner wie mich in den Vordergrund�, fuhr Mwoga fort. �Ohne M�nner wie mich k�nnte es keine Ver�nderung geben.�</p><p>�Der Tharlarion und die Ost haben ihren Platz im Palast der Natur.�</p><p>�Und ich werde den meinen am Hof von Ubars finden�, erg�nzte Mwoga.</p><p>�Stell dich mit dem Speer zum Kampf!� forderte Kisu.</p><p>�Wie wenig du doch begreifst!� sagte Mwoga. �Wie naiv siehst du doch die Dinge! Wie sehr sich dein Herz nach solchen Vereinfachungen sehnt!�</p><p>�Ich m�chte dein Blut an meinem Speer sehen�, sagte Kisu.</p><p>�Das Reich w�rde trotzdem weiterbestehen�, sagte Mwoga.</p><p>�Das Reich ist etwas B�ses�, sagte Kisu.</p><p>�Wie schlicht du doch denkst!� rief Mwoga staunend. �Wie bet�ubt und verwirrt mu�t du sein, wenn du gelegentlich einmal auf die Wahrheit st��t.�</p><p>�Das Reich mu� vernichtet werden�, sagte Kisu.</p><p>�Dann vernichte es doch!� rief Mwoga.</p><p>�Geh und diene deinem Herrn Bila Huruma!� sagte Kisu. �Ich entlasse dich.�</p><p>�Deine Gro�z�gigkeit stimmt uns dankbar�, sagte Mwoga l�chelnd.</p><p>�Und nimm diese Sklavinnen mit, Geschenke f�r Seine Hoheit Bila Huruma�, fuhr Kisu fort und deutete auf Tende und ihre beiden Dienstboten.</p><p>�Lady Tende, Tochter Aibus, des hohen H�uptlings von Ukungu, wird ehrenvoll zur Feier der Gef�hrtenschaft geleitet, die sie mit Seiner Majest�t Bila Huruma eingeht.�</p><p>�Sie wird verkauft, um einen Kuhhandel zu besiegeln�, sagte Kisu. �Klarer k�nnte sie nicht als Sklavin dastehen.�</p><p>Tendes Gesicht blieb ausdruckslos.</p><p>�Aus eigener Willensentscheidung�, sagte Mwoga, �beeilt sich die Lady Tende, Bila Hurumas Ubara zu werden.�</p><p>�Eine von gut zweihundert Ubaras!� rief Kisu sp�ttisch.</p><p>�Sie handelt aus eigenem Entschlu߫, wandte Mwoga ein.</p><p>�Ausgezeichnet!� rief Kisu. �Dann verkauft sie sich also selbst. Gut gemacht, Sklavin!� rief er dem M�dchen zu.</p><p>�Sie wird in eine ehrenvolle Gef�hrtenschaft eintreten�, sagte Mwoga.</p><p>�Ich habe Bila Huruma gesehen�, bemerkte Kisu. �F�r ihn ist keine Frau etwas anderes als eine Sklavin. In seinem Palast habe ich viele reizvolle Sklavinnen gesehen, schwarz, wei� und orientalisch. M�dchen, die es wahrlich verstehen, einem Mann zu gefallen, und die das Bed�rfnis dazu in sich sp�ren. Bila Huruma kann zwischen zahlreichen hei�bl�tigen ausgebildeten Sklavensch�nheiten w�hlen. Wenn du an seinem pr�chtigen Hof nicht allein und unbeachtet dahinsiechen willst, wirst du es lernen m�ssen, mit ihnen zu wetteifern. Du wirst dich daran gew�hnen, vor ihm auf dem Boden herumzukriechen und ihm mit der uneingeschr�nkten, wohlig schaudernden Hingabe einer ausgebildeten Sklavin deine Dienste anzubieten.�</p><p>Noch immer zeigte sich auf Tendes Gesicht keine Regung.</p><p>�Und so wird es auch mit dir kommen, denn im Grunde deines Herzens bist du eine echte Sklavin � das sehe ich schon an deinen Augen.�</p><p>Tende hob die rechte Hand, um die die Peitsche gewickelt war, und bewegte sie l�ssig hin und her. Die beiden erschrockenen Sklavinnen h�rten auf zu f�cheln. Anmutig erhob sich Tende und stieg von ihrem Podest herab, um sich �ber Kisu am Rand der Plattform aufzustellen.</p><p>�Hast du nichts zu sagen, meine liebe Tende, du sch�ne Tochter des Verr�ters Aibu?� erkundigte sich Kisu.</p><p>Sie versetzte ihm mit der Peitsche einen Schlag ins Gesicht. Er hatte die Augen geschlossen, um nicht geblendet zu werden.</p><p>�Ich spreche nicht mit einfachen Untergebenen�, sagte sie. Dann kehrte sie an ihren Ausgangsort zur�ck, und ihr Gesicht war wieder eine Maske der Ausdruckslosigkeit. Auf ihr Zeichen hin bewegten die Sklavinnen wieder die F�cher.</p><p>Kisu �ffnete die Augen. �ber sein Gesicht zog sich ein blutiger Striemen. Er hatte die F�uste geballt.</p><p>�Weiter!� sagte Mwoga zu einem der Askaris auf der Plattform.</p><p>Der Mann �u�erte einen scharfen Befehl an die Sklaven, die die Plattform schleppten, und deutete mit dem Speer die Richtung an. Die M�nner setzten sich in Bewegung, die Kanus mit der Plattform durch das Wasser schleppend.</p><p>Wir blickten der Plattform und ihren Passagieren nach.</p><p>Ich bedachte Kisu mit einem Blick. Ich nahm nicht an, da� ich noch lange warten mu�te.</p><p>�Grabt weiter!� sagte ein Askari in unserer N�he.</p><p>Befriedigt und irgendwie auch erfreut stie� ich meine Schaufel tief in den Sand zu meinen F��en.
 Wir hockten in dem langen K�fig, der auf dem Flo� errichtet worden war. Ich fuhr mir mit den Fingern unter dem Kragen entlang, um meinen Hals etwas zu entlasten. Der Geruch des Sumpfes ringsum war allgegenw�rtig.</p><p>Unter leisem Kettengerassel kroch er durch die Dunkelheit zu mir. Mit dem Fingernagel kratzte ich ein wenig Rost von der Kette an meinem Kragen. Aus der Ferne gellte das Geschrei von Dschungelv�geln her�ber, das Heulen von winzigen Primaten mit langen Gliedma�en. Es war etwa eine Ahn nach dem sp�tabendlichen Regen, etwa die zwanzigste Ahn des Tages. Der Himmel war noch immer bedeckt und verbreitete eine Dunkelheit, die f�r das, was bald geschehen mu�te, wie geschaffen war.</p><p>�Ich mu� mit dir reden�, sagte er in schlechtem Goreanisch.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� du meine Sprache beherrschst�, sagte ich und blickte geradeaus in die Dunkelheit.</p><p>�Als Kind�, erwiderte er, �bin ich einmal fortgelaufen. Ich lebte zwei Jahre in Schendi und kehrte dann nach Ukungu zur�ck.�</p><p>�Ich hatte auch nicht angenommen, da� dich ein kleines Dorf zufriedenstellen k�nnte�, sagte ich. �F�r ein Kind war das aber eine lange und gef�hrliche Reise.�</p><p>�Ich bin nach Ukungu zur�ckgekehrt�, sagte er.</p><p>�Vielleicht bist du deswegen ein solcher Patriot deiner Gegend�, sagte ich, �weil du einmal von dort geflohen bist.�</p><p>�Ich mu� mit dir sprechen!� wiederholte er.</p><p>�Vielleicht spreche ich aber nicht mit Angeh�rigen des Adels�, gab ich zur�ck.</p><p>�Verzeih mir!� sagte er. �Ich war dumm.�</p><p>�Du hast also doch von Bila Huruma gelernt, der mit allen Menschen spricht.�</p><p>�Wie sonst kann man etwas h�ren?� fragte er. �Wie sonst kann man das andere verstehen?�</p><p>�Bettler sprechen mit Bettlern � und Ubars�, sagte ich.</p><p>�Das ist ein Schendi-Sprichwort.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sprichst du Ushindi?�</p><p>�Ein wenig�, sagte ich.</p><p>�Kannst du mich verstehen?� fragte er in dem Dialekt, der am Hof Bila Hurumas gebr�uchlich war.</p><p>�Ja�, sagte ich. Die goreanische Sprache fiel ihm nicht leicht. Das Ushindi war f�r mich nicht leichter. Ayari der rechts neben mir lag, kannte das Ushindi gut genug, um es m�helos in den verwandten Ngao-Dialekt umzusetzen, der im Ukungu-Distrikt gesprochen wurde � doch so weit gingen meine F�higkeiten nicht. Ich sagte: �Wenn ich dich nicht verstehe, sage ich es dir.� Ich bezweifelte nicht, da� wir uns auf diese Weise verst�ndigen konnten.</p><p>�Ich werde versuchen, Goreanisch zu sprechen�, sagte er. �Wenigstens ist das nicht die Sprache des Bila Huruma.�</p><p>�Es sprechen auch andere Dinge f�r das Goreanische�, sagte ich. �Es ist eine komplexe, ausdrucksstarke Sprache mit gro�em Vokabular.�</p><p>�Ukungu ist die sch�nste Sprache der Welt�, sagte er.</p><p>�Das mag schon sein�, erwiderte ich, �aber ich beherrsche es nicht.�</p><p>�Ich m�chte fliehen�, sagte Kisu auf Goreanisch. �Ich mu� fliehen.�</p><p>�Na sch�n � dann fliehen wir doch!� sagte ich.</p><p>�Aber wie?� wollte er wissen.</p><p>�Die Werkzeuge unserer Flucht befinden sich schon lange in unserer Hand�, sagte ich. �Nur hat mir bisher die Unterst�tzung gefehlt, die ich brauche, um sie zu n�tzen.�</p><p>Ich wandte mich an Ayari. �Gib die Nachricht an der Kette weiter!� sagte ich. �In beiden Richtungen, in den passenden Sprachen! Wir werden heute nacht fliehen.�</p><p>�Wie gedenkst du das anzustellen?� fragte Ayari.</p><p>�Erledige deine Aufgabe, mein lieber �bersetzer!� sagte ich. �Du wirst es bald erleben.�</p><p>�Was ist, wenn sich einige vor der Flucht f�rchten?�</p><p>�Dann werden wir sie bei lebendigem Leib von der Kette rei�en�, sagte ich.</p><p>�Ich wei� nicht, ob mir das gef�llt�, sagte Ayari.</p><p>�Willst du etwa der erste sein?� erkundigte ich mich.</p><p>�Ich doch nicht�, gab Ayari zur�ck. �Ich habe zu tun. Ich gebe die Nachricht an der Kette durch.�</p><p>�Wie k�nnen wir fliehen?� fragte Kisu.</p><p>Ich hob die Hand und ma� die Kette an seinem Kragen � ich lie� die Hand an den Kettengliedern entlanggleiten, bis ich etwa f�nf Fu� weiter den Halskragen des n�chsten Mannes erreichte. Ich f�hrte die beiden M�nner dicht zusammen, bis die Kette in einer Schlaufe auf dem aus Baumst�mmen bestehenden Boden des Schlafflo�es lag. Mit tastenden Fingern lie� ich die Schleife zwischen die Enden zweier St�mme gleiten und zog sie an � nun aber etwa zwei Fu� von dem Ende des Baumstammes entfernt, um den die Kette lag. Die Unterseite der Kettenschlaufe befand sich folglich unter Wasser und f�hrte um einen Stamm. Ich gab dem kr�ftigen Kisu ein Ende der Kette in die Hand und bem�chtigte mich des anderen Endes.</p><p>�Ich verstehe�, sagte Kisu. �Als Werkzeug ist das aber nicht sonderlich ergiebig.�</p><p>�Du k�nntest die Askaris um ein besseres bitten�, schlug ich vor.</p><p>Nun begannen wir in gleichm��igen, festen Z�gen die Kette druckvoll unter dem Stamm hin und her zu ziehen. In wenigen Sekunden hatten wir mit Hilfe dieser primitiven S�ge die Rinde des Baumstammes durchtrennt und gruben uns nun in rhythmischem Hin und Her in das splitternde Holz, das darunter lag. Die sich bewegenden Kettenglieder dienten in ihrer Versetzung recht gut als S�gez�hne. Ab und zu quietschte das Metall auf dem harten Holz, doch vermochten wir ziemlich leise zu arbeiten, denn die Ger�usche pflanzten sich lediglich unter Wasser fort. Es war ein Fehler der Askaris, uns in einem K�fig auf einem Holzflo� unterzubringen und uns au�erdem noch die Halsketten zu lassen. Einmal unterbrachen wir die Arbeit, als ein Kanu mit Askari-Aufpassern vorbeiglitt.</p><p>Meine H�nde, die die Kette umklammerten, begannen zu bluten. Sicher wiesen auch Kisus H�nde solche Spuren auf.</p><p>Ein Mann kroch herbei. �Das ist doch Wahnsinn!� sagte er. �Ich komme nicht mit.�</p><p>�Dann m�ssen wir dich umbringen�, erwiderte ich.</p><p>�Ich habe es mir anders �berlegt�, erwiderte er. �Ich mache mit � aus vollem Herzen.�</p><p>�Gut�, antwortete ich.</p><p>�Der L�rm wird sich unter Wasser fortpflanzen�, sagte ein anderer Mann. Ja, er hatte recht, unter Wasser breitete sich der Schall besser aus als dar�ber, etwa f�nfmal so gut. Diese Fortpflanzung findet aber eine nat�rliche Barriere in der Wasseroberfl�che, so da� wir in dieser Beziehung von den Askaris nichts zu f�rchten hatten.</p><p>�Bestimmt werden dadurch Tharlarion angelockt�, fuhr der Mann fort.</p><p>�Wir warten ab, bis sie das alles erkundet und sich dann wieder verzogen haben�, sagte ich.</p><p>Ayari beugte sich zu mir. �Es ist dunkel�, sagte er. �Eine gute Nacht f�r die wilden Eingeborenen.�</p><p>Zwischen meinen F��en splitterte ein St�ck Holz ab.</p><p>Ich lie� die Kettenschlaufe zum Ende des Stammes gleiten, dort wo er an den n�chsten stie�. In dieser Position mochte die Kette nun als Hebel dienen.</p><p>�Zieh!� forderte ich Kisu auf und zerrte heftig an der Kette. Splitternd bog sich das Holz nach oben und brach ab. Mit Fu� und H�nden brach ich einige st�rende Spitzen ab.</p><p>�Wir warten jetzt eine gewisse Zeit ab�, sagte ich.</p><p>Wir h�rten, wie der R�cken eines gro�en Tharlarion an der Unterseite des Flo�es entlangscharrte.</p><p>Ich raffte die Kette in meinen blutigen H�nden zusammen, um damit nach dem Tier zu schlagen, sollte es die Schnauze durch das Loch stecken.</p><p>�Deckt den Balken ab!� sagte ich. �Tut so, als ob ihr schlaft!�</p><p>Wir sa�en um das abgebrochene St�ck Baumstamm, die K�pfe gesenkt, w�hrend sich einige andere hingelegt hatten. Die kleine Bugfackel eines weiteren Askari-Kanus glitt an uns vorbei � an Bord befanden sich diesmal zehn bewaffnete Aufseher.</p><p>Sie achteten kaum auf uns.</p><p>�Sie haben Angst vor �berf�llen der Eingeborenen�, sagte Ayari.</p><p>Als einige Minuten sp�ter alles ruhig zu sein schien, sagte ich: �Der erste Mann an der Kette soll kommen.�</p><p>Dieser wurde herbeigeschubst. Er war sichtlich nerv�s. �Ich w�rde ja als erster gehen�, sagte ich, �aber das geht nicht, da ich mich in der Mitte der Kette befinde.�</p><p>�Was ist mit dem Burschen am anderen Ende der Kette?� fragte er.</p><p>�Eine ausgezeichnete Idee�, gab ich zur�ck. �Es k�nnte aber sein, da� er genauso unwillig ist wie du � und in diesem Augenblick ist dein Hals in meiner Reichweite, nicht seiner.�</p><p>�Was ist, wenn mich Tharlarion anfallen?� fragte er.</p><p>�Hast du Angst?� fauchte ich.</p><p>�Ja�, gestand er.</p><p>�Kein Wunder�, sagte ich. �Es k�nnten sich hier Tharlarion herumtreiben.�</p><p>�Ich steige nicht durch das Loch�, sagte er.</p><p>�Atme tief ein�, forderte ich ihn auf, �und bleib in Bewegung, denn andere kommen nach! Schwimm zum Schlammflo�! Dort finden wir Schaufeln.�</p><p>�Ich schwimme nicht�, wiederholte er.</p><p>Ich packte ihn und stie� ihn mit dem Kopf voran durch das Loch. Der n�chste lie� sich mit den F��en voran in die Tiefe gleiten. Der dritte, der ein wenig rundlich war, zw�ngte sich nicht ohne M�he durch die �ffnung zwischen den Baumst�mmen. Der vierte folgte. Prustend erschien der Kopf des ersten Mannes neben dem Flo� an der Wasseroberfl�che. Er begann auf das Schlammflo� zuzuschwimmen. Einer nach dem anderen schoben sich die sechsundvierzig Gefangenen der Kette durch das rettende Loch � Kisu und ich befanden uns etwa in der Mitte der Kette.</p><p>�Nehmt euch Schaufeln und bringt das Flo� her!� sagte ich.</p><p>�Wohin wollen wir?� fragte Ayari.</p><p>�Folgt mir!� sagte ich.</p><p>�Du willst nach Westen?� erkundigte sich Ayari.</p><p>�Wir m�ssen uns befreien�, sagte ich. �An der Kette k�men wir nicht weit. Wenn wir nach Westen ziehen, k�nnen wir neugierige Askaris t�uschen. Au�erdem liegt im Westen, kaum einen Pasang entfernt, die Insel der Schmiede, wo M�nner an die Kette gelegt werden.�</p><p>�Es wird dort auch Werkzeuge geben�, sagte Ayari.</p><p>�Genau�, sagte ich.</p><p>�Wir sollten nach Osten ziehen oder in die Dschungel des Nordens oder S�dens�, meinte ein anderer Mann.</p><p>Kisu versetzte ihm einen Hieb gegen die Schl�fe, so da� er zur Seite torkelte.</p><p>Ich musterte Kisu. �Erscheint es dir nicht ratsam, Mfalme, nach Westen zu ziehen?�</p><p>Er richtete sich auf. �Ja�, sagte er, �wir gehen nach Westen.�</p><p>Sein Einverst�ndnis freute mich. Ohne seine Zustimmung, ohne sein Prestige w�re es f�r mich schwierig, wenn nicht gar unm�glich gewesen, der Kette meinen Willen aufzuzwingen. Ohne seine Unterst�tzung, ohne seinen Einflu� w�ren wir vermutlich nicht aus dem K�fig herausgekommen. Da� er den Burschen niederschlug, war f�r mich der Hinweis, da� auch er es f�r angebracht hielt, nach Westen zu ziehen. Ihn mit seinem Titel Mfalme ansprechend, hatte ich ihn dazu gebracht, seine Haltung klar zu �u�ern. Seine Antwort beruhigte die M�nner. Zugleich hatte ich nat�rlich meinen Respekt vor seinen Ansichten zum Ausdruck gebracht, den ich in der Tat hatte, und mit der Erw�hnung seines Titels hatte ich best�tigt, da� ich seinen hohen Status f�r Ukungu anerkennen wollte. H�tte ich seine Zustimmung nicht vorausgesehen, wei� ich nicht, was ich h�tte tun sollen. Vermutlich h�tten wir dann gegeneinander k�mpfen und einer den anderen umbringen m�ssen.</p><p>Bald f�hrten Kisu und ich die Kette an, die wir � und einige M�nner zwischen uns � aus der Mitte vorzogen, w�hrend die Enden links und rechts hinter uns verliefen, dazwischen das Schlammflo�, das von einigen M�nnern geschoben wurde.</p><p>�Du bist ein schlauer Bursche�, sagte Kisu zu mir.</p><p>�Bist du nicht auch meiner Meinung, da� der Westen uns im Augenblick die besten Chancen bietet?� fragte ich.</p><p>�Doch.�</p><p>�Man wird nicht damit rechnen, da� wir diese Richtung einschlagen. Au�erdem finden wir dort Werkzeuge.�</p><p>�Und noch etwas anderes�, sagte er, �das ich dringend haben will.�</p><p>�Und das w�re?� erkundigte ich mich.</p><p>�Du wirst es sehen.�</p><p>�Askaris!� rief Ayari. �Vor uns!�</p><p>�Andere Askaris haben uns freigelassen und nach Westen geschickt, damit wir uns in Sicherheit bringen�, sagte ich. �Man hat uns sogar unser Werkzeug gelassen. Es hat einen �berfall gegeben.�</p><p>�Wer da? Halt!� rief ein Askari.</p><p>Gehorsam hielten wir inne. Nerv�s erkannte ich, da� sich mehrere Askaris n�herten, mehr als ich zun�chst gesehen hatte, eine Abteilung von etwa zwanzig Mann mit Schilden und Speeren. Die wei�en Federn des Kopfschmucks zeigten an, wo sie sich befanden. Im Kampf nehmen die Askaris ihre Kopfbedeckungen zuweilen ab, die ansonsten in der Dunkelheit dazu dienen k�nnen, Freund und Feind auseinanderzuhalten.</p><p>�Eingeborene!� rief ich, und Ayari deutete hinter uns. �Askaris haben uns freigelassen und angeordnet, da� wir in den Westen marschieren, um uns in Sicherheit zu bringen.�</p><p>�Eingeborene!� rief einer der Askaris.</p><p>�Es ist eine g�nstige Nacht�, meinte ein anderer.</p><p>�Ihr besch�tzt uns doch, oder?� fragte Ayari mit flehender Stimme.</p><p>�Wo sind die Askaris, die euch freigelassen haben?� fragte ein Askari.</p><p>�Sie k�mpfen!� sagte Ayari.</p><p>�La�t die Trommeln erschallen!� sagte der Mann. Ein Askari eilte davon. �Wir werden die angegriffene Sektion entsetzen.�</p><p>�In Zweierreihe aufstellen!� rief eine andere Stimme.</p><p>Die Askaris gingen in Formation.</p><p>�Wer wird uns besch�tzen?� fragte Ayari.</p><p>�Marschiert weiter!� sagte der Offizier. �Dort wird euch nichts geschehen.�</p><p>�Das ist nat�rlich eine gro�e Erleichterung!� sagte Ayari.</p><p>�Beeilung!� dr�ngte der Offizier.</p><p>Sofort setzten wir unseren Weg fort, w�hrend die Askaris ihren Eilmarsch nach Osten begannen. Gleich darauf h�rten wir eine Trommel, deren Klang weitere Askaris auf den Plan rufen w�rde.</p><p>�Schnell!� sagte Ayari.</p><p>Noch zweimal kamen Einheiten der Askaris an uns vorbei, ebenso zwei Kanus, die mit Bewaffneten gef�llt waren.</p><p>�Sie werden bald merken, da� wir gelogen haben�, sagte Kisu.</p><p>�Wir m�ssen uns beeilen�, sagte ich.</p><p>Kurze Zeit sp�ter erreichten wir die Insel der Schmiede. Askaris dr�ngten sich an uns vorbei.</p><p>�Was ist los?� fragte einer der Schmiede, der mit einer Fackel vor seinem Schlafquartier stand.</p><p>Er und seine Kollegen waren im n�chsten Augenblick von einer Horde verzweifelter Gefangener eingeschlossen.</p><p>�Nehmt uns die Kette ab!� forderte ich.</p><p>�Niemals!�</p><p>�Wir k�nnen das selbst tun�, sagte Ayari. Schaufeln wurden gehoben. Angstvoll eilten die Schmiede zu ihren Ambossen.</p><p>Mit sicheren Bewegungen wurden die Metallkragen ge�ffnet, und die schwere Kette fiel zu Boden. Wir dr�ngten die Schmiede wieder in ihren Schlafschuppen und fesselten und knebelten sie.</p><p>�Verlauft euch in alle Winde!� sagte ich schlie�lich zu den M�nnern. �Jetzt ist jeder auf sich allein gestellt.�</p><p>Die anderen verschwanden in der Dunkelheit.</p><p>Kisu, Ayari und ich blieben auf der Insel.</p><p>�Wohin willst du?� fragte Kisu.</p><p>�Ich mu� in den Osten�, sagte ich. �Ich folge einem Mann, der Shaba hei�t. Ich suche den Ua-Flu�.�</p><p>�Das pa�t mir gut�, sagte er ernst.</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte ich.</p><p>�Du wirst es noch verstehen.�</p><p>�Ist das eine Drohung?�</p><p>Er legte mir die H�nde auf die Schultern. �Bei der Ernte Ukungus � nein�, gab er zur�ck.</p><p>�Ich mu� los�, sagte ich. �Die Zeit ist knapp.�</p><p>�Aber du schaust ja gar nicht in den Osten�, sagte er.</p><p>�Ich habe zun�chst noch eine Zwischenstation im Sinn�, erwiderte ich.</p><p>�Auch ich mu� noch etwas erledigen�, sagte er.</p><p>�Und das pa�t zu Pl�nen, die du verfolgst?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Ich habe die Absicht, mir eine verlorengegangene Sklavin zur�ckzuholen�, sagte ich und dachte dabei an die h�bsche blonde Barbarin Janice Prentiss, die ich gern wieder zu meinen F��en gesehen h�tte.</p><p>�Ah, deshalb hast du also das Schlammflo� mitgenommen�, sagte Kisu l�chelnd.</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Ich glaube, ich werde mir ebenfalls eine Sklavin holen�, sagte er.</p><p>�Das hatte ich mir fast gedacht.�</p><p>�Ich begreife allerdings nicht, warum die Askaris noch nicht zur�ckgekehrt sind�, meinte Ayari. �Sie m��ten doch l�ngst begriffen haben, da� es falscher Alarm war.�</p><p>�Das h�tte ich auch gedacht�, pflichtete ich ihm bei.</p><p>�Beeilen wir uns!� sagte Kisu.</p><p>In westlicher Richtung marschierten wir durch die Dunkelheit, das Schlammflo�, auf dem die Schaufeln lagen, vor uns herschiebend.
 �Warum bist du nicht bei den anderen Askaris, die im Osten k�mpfen?� fragte Ayari.</p><p>�Ich bewache die Lady Tende. Wer bist du? Was ist das?�</p><p>�Wo ist die Gaunerkette?� fragte Ayari.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte er. �Wer seid ihr? Was ist das f�r ein Flo�?�</p><p>�Ich bin Ayari�, sagte Ayari. �Dies ist das Schlammflo�, das an der Gaunerkette benutzt wird.�</p><p>�Die Gaunerkette arbeitet im Osten�, sagte der Mann. �Wir sind heute daran vorbeigekommen.�</p><p>�Was geht hier vor?� fragte Mwoga und erschien am Rand der Plankenplattform, die auf den vier Kanus angebracht worden war.</p><p>�Hier ist ein Arbeiter, der die Gaunerkette sucht�, antwortete der Askari.</p><p>Mwoga starrte in die Dunkelheit. Er konnte Ayari nicht gut erkennen. Offensichtlich war der Mann ein Arbeiter, denn er trug keine Ketten. Wahrscheinlich hatte sich das Schlammflo� irgendwie gel�st, und der Arbeiter hatte die Absicht, es zur�ckzubringen, auch wenn das bei Dunkelheit ein unkluges Unterfangen war.</p><p>�Ein Askari gen�gt doch nicht, eine so bedeutsame Person wie die Lady Tende zu bewachen!� rief Ayari.</p><p>�Sei unbesorgt, Bursche�, sagte Mwoga, �wir haben hier noch einen zweiten Mann.�</p><p>�Das wollte ich nur wissen�, sagte Ayari.</p><p>Kisu und ich hatten jeder einen W�chter ausgemacht. Die anderen hatten sich anscheinend der Abwehrexpedition in den Osten angeschlossen.</p><p>�Was meinst du damit?� fragte Mwoga.</p><p>Mit unseren Schaufeln schlugen Kisu und ich die beiden W�chter bewu�tlos.</p><p>Mwoga hatte uns informiert, da� wir uns nur um zwei M�nner k�mmern mu�ten � eine Aufgabe, die wir sofort in Angriff nehmen konnten. Er hatte uns damit sehr geholfen.</p><p>Mwoga blickte nach links und nach rechts. Ohne noch etwas zu sagen, ohne �berhaupt den Versuch zu machen, seinen Dolch zu ziehen, sprang er von den Planken ins Wasser, eilig in der Dunkelheit verschwindend.</p><p>Die angeketteten Sklaven, die die Plattform hatten ziehen m�ssen und die zusammengekauert am Rand der Konstruktion sa�en, folgten Ayaris Zeichen und hielten Ruhe.</p><p>Die Dunkelheit war angef�llt mit dem Dr�hnen der Trommeln.</p><p>�Ich kann nicht schlafen�, sagte Lady Tende und trat aus dem kleinen Seidenunterstand, den man f�r sie und ihre Sklaven errichtet hatte. Ein zweiter war achtern f�r Mwoga bestimmt.</p><p>Dann erblickte sie Kisu.</p></section><section><title><p>24</p></title><p>Es begann hell zu werden.</p><p>Wir schoben das Schlammflo� vor uns her.</p><p>Ab und zu kamen Askaris an uns vorbei, von denen einige verwundet waren. Ein Kanu passierte uns in hundert Metern Entfernung, darin sa�en blutende Askaris, die kaum noch die Paddel zu f�hren vermochten.</p><p>Vor gut einer Ahn waren wir an der Stelle vorbeigekommen, an der das Gef�ngnisflo� geankert hatte, von dem wir geflohen waren.</p><p>�Es hat einen �berfall gegeben�, sagte Kisu.</p><p>�Es war f�r die Eingeborenen eine g�nstige Nacht�, sagte Ayari.</p><p>Geduldig schoben wir das Schlammflo� weiter. Vor uns lag die D�mmerung, ein schimmernder grauer Rand. Wie auf der Erde steigt auf Gor die Sonne im Osten auf.</p><p>M�hsam schleppte sich ein verwundeter Askari durch das beinahe h�fthohe Wasser. �Geht nicht weiter!� sagte er. �Im Osten wird gek�mpft.�</p><p>�Dank sei dir f�r deinen Rat, mein Freund!� rief Ayari. �Fertigmachen zum Umkehren!� wandte er sich an uns. Langsam drehten wir das schwere Flo� mit dem hohen Schlammhaufen. Als der Askari etwa f�nfundsiebzig Meter entfernt war, drehte er sich einmal um und wanderte weiter. Er merkte bestimmt nicht, da� wir ihm nicht folgten. Wenn es ihm auffiel, so war er nicht in der Verfassung, uns zu verfolgen.</p><p>Unter einer d�nnen Schlammschicht lagen zwei Schilde und zwei Sto�speere auf dem Flo�, Waffen, die Kisu und ich den beiden Askaris abgenommen hatten, die auf Tendes Plattform gewacht hatten. Ganz offen lagen unsere Schaufeln oben auf der Last.</p><p>Immer weiter �stlich kamen wir mit unserem Flo�.</p><p>Ayari blickte zum Himmel empor. �Es mu� etwa die achte Ahn sein�, sagte er.</p><p>�Wie weit noch bis zum Ngao?� fragte ich Kisu.</p><p>�Tage�, antwortete er.</p><p>�Es ist hoffnungslos�, meinte Ayari. �Wir sollten ans Ufer fahren.�</p><p>�Das erwartet man doch von uns�, sagte ich. �Und dann sind wir in doppelter Gefahr � durch die feindlichen Eingeborenen und durch die Askaris, die unsere Position mit Hilfe der Trommeln verraten.�</p><p>�H�rt doch!� rief Kisu pl�tzlich.</p><p>�Ich h�re es�, sagte ich.</p><p>�Was denn?� wollte Ayari wissen.</p><p>�Kriegsgeschrei, da vorn rechts. Dort wird gek�mpft.� Ich erstieg die Plattform. Kisu folgte mir.</p><p>�Was seht ihr?� fragte Ayari.</p><p>�Eine bewegte Schlacht�, sagte ich, �ausgetragen im Wasser und mit Kanus � etwa hundert Askaris und vierzig bis f�nfzig Eingeborene.�</p><p>�Es mag viele solche Scharm�tzel geben�, sagte Ayari. �Wir sollten einen gro�en Bogen darum machen.�</p><p>�Und ob!� rief ich.</p><p>Kisu und ich sprangen ins Wasser zur�ck und schoben das Flo� weiter.</p><p>Bis zur Mittagsstunde stie�en wir auf zwei �hnliche Kampfst�tten. Um die neunte Ahn hatte es heftig geregnet, doch wir hatten unseren Weg zum Westufer des Ngao-Sees weiterverfolgt, der irgendwo vor uns liegen mu�te.</p><p>�Runter!� rief Ayari.</p><p>Wir duckten uns ins Wasser, die K�pfe kaum noch �ber die Oberfl�che erhoben, das Flo� als Deckung benutzend. Auf der anderen Seite der Baumst�mme glitten zwei Kanus mit Askaris vorbei, die in die Sumpflager des Westens zur�ckkehrten. Die Soldaten hatten lediglich ein Schlammflo� bemerkt, das sich am Arbeitsgebiet losgerissen hatte und fortgetrieben worden war.</p><p>�Die Askaris kehren zur�ck�, sagte Ayari. �Die Eingeborenen sind zur�ckgeschlagen worden.�</p><p>Kisu hob den Kopfschmuck eines Askari aus dem Wasser und warf ihn zur Seite. �Aber nicht ohne Opfer�, sagte er.</p><p>�Wir sind in Sicherheit�, �u�erte Ayari.</p><p>�Haltet Ausschau nach Tharlarion!� ordnete Kisu an. Er griff unter Wasser und pfl�ckte sich einen dicken schimmernden Blutegel vom Bein. Das Gesch�pf war etwa zwei Zoll lang.</p><p>�T�te das Ding!� sagte Ayari.</p><p>Kisu lie� den Egel ins Wasser fallen. �Ich m�chte nicht, da� mein aus dem Tier gedr�cktes Blut ins Wasser kommt�, sagte er.</p><p>Ayari nickte erschaudernd. Das Blut mochte den Bint anlocken, einen zahnbewehrten, fleischfressenden Sumpfaal, oder die blaue Raub-Grunt, eine kleine S��wasser-Abart des gr��eren und mir vertrauten Thassa-Grunt. Der blaue Grunt ist ganz besonders gef�hrlich w�hrend der Tagesstunden vor seiner Paarungsperiode, wenn er sich zu ganzen Schw�rmen zusammenfindet. Diese Paarungszeiten fallen mit den Phasen des goreanischen Hauptmondes zusammen, der sich bei Vollmond auf dem Wasser spiegelt und auf irgendeine Weise den Paarungstrieb anregt. W�hrend der Tagesstunden vor dem Vollmond zerrei�en die unruhigen Grunt alles E�bare, das ihnen in den Weg kommt. W�hrend der eigentlichen Paarung jedoch kann man sich ungest�rt unter den Tieren bewegen. Die Gefahr durch Bint und blauen Grunt, die im Moment keine gef�hrliche Phase hatten, war nicht so unmittelbar auf diese Tiere zu beziehen, sondern auf die Tatsache, da� sie, angelockt durch vergossenes Blut, ihrerseits die Tharlarion auf den Plan rufen mochten.</p><p>Der schmale Speer, etwa sieben Fu� lang, bohrte sich dicht neben meiner Hand in den Schlamm.</p><p>�Eingeborene!� rief Ayari.</p><p>Wir h�rten Geschrei.</p><p>Kisu grub im Schlamm herum, suchte mit fliegenden Fingern nach einem der Schilde und Speere.</p><p>Ein Mann sprang auf den Schlammhaufen, der das Flo� kr�nte. Ich verschwand unter Wasser.</p><p>Vorsichtig schob ich mich durch das Sumpfgras, das unter Wasser wuchs. Ein Speer versuchte mich zu treffen. Es gelang mir, unter das Kanu zu gelangen. Ruckartig stand ich auf, schreiend, die M�nner darin ins Wasser kippend. Pl�tzlich dr�hnte das Kriegsgeschrei Ko-ro-bas �ber den Sumpf. Ein Mann sank mit aufgeschnittener Kehle leblos nieder. Ein anderer versuchte mich mit dem Speer zu treffen, w�hrend die �brigen erstaunt zur�ckwichen. Ich nahm dem Angreifer die Waffe ab, drehte sie um und spie�te ihn damit auf dem Sumpfgrund fest. Dann musterte ich die anderen vier M�nner, die mich erschrocken anschauten. Zum Angreifen schienen sie keine Lust mehr zu haben. Ich schob den Leichnam des Mannes mit dem Fu� von der Speerspitze und hob die Waffe wieder.</p><p>Ich trat zur Seite. Die M�nner vor mir r�hrten sich nicht.</p><p>Kisu stand wie ein schwarzh�utiger Gott auf dem Flo�, den Schild am Arm, einen blutbeschmierten Sto�speer in der rechten Hand. Links von ihm lagen zwei Gestalten leblos im Wasser.</p><p>Ich schwenkte die Hand. �Fort mit euch!� rief ich. �Fort!�</p><p>Ich nehme nicht an, da� sie meine Worte verstanden � sie begriffen aber, was ich wollte. Die vier M�nner wichen zur�ck und ergriffen die Flucht.</p><p>Ich richtete das Kanu wieder auf. Kisu verlie� das Flo� und fischte zwei verschlossene Kalebassen mit Wein, die im Sumpfwasser schwammen. Im Kanu selbst war ein langer zylindrischer Korb angebunden, der Streifen gesalzenen und getrockneten Fischfleisches enthielt.</p><p>Ayari watete zum Kanu. �Ob sie fort sind?� fragte er.</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>�Vielleicht kommen noch andere�, sagte er. Er fischte Paddel aus dem Wasser.</p><p>�Ich glaube, es ist ein wenig sp�t f�r die Eingeborenen�, sagte ich. �Vielleicht kehren sie in einigen Tagen zur�ck, um die Arbeiter am Kanal anzugreifen. Im Moment brauchen wir uns um sie wohl keine Sorgen zu machen.�</p><p>�Bila Huruma wird ihre D�rfer niederbrennen�, sagte Kisu.</p><p>�Er mu� sich vorsehen�, erwiderte ich. �Er darf es nicht riskieren, die ihm freundschaftlich verbundenen Ufergemeinden zu br�skieren, weder die im Sumpf noch die am Ngao-See.�</p><p>�Er wird tun, was er f�r richtig h�lt, um sein Ziel zu erreichen�, sagte Kisu.</p><p>�Da hast du sicher recht�, r�umte ich ein. Und ich zweifelte tats�chlich nicht daran, da� Bila Huruma einen n�chternen, wohl�berlegten Kurs steuern w�rde, wenn n�tig sanft, aber auch hart und r�cksichtslos, sollte er sonst nicht ans Ziel kommen k�nnen. Mit ihm, dem geborenen Ubar, war nicht leicht umzugehen, man w�rde ihn auch kaum von einem einmal eingeschlagenen Weg abbringen k�nnen.</p><p>Ayari legte die Paddel, die er gefunden hatte, ins Kanu. Es waren sechs. Nun besa�en wir insgesamt acht Paddel, denn zwei weitere waren f�r alle F�lle im Kanu festgebunden.</p><p>Ich schob das Kanu neben das Flo�. Aus dem Schlammhaufen, der das Flo� zierte, ragten drei hohe Grashalme. Kisu bohrte die H�nde tief in den Schlamm. Er griff darunter und packte das blonde Haar einer Sklavin, die Schn�re aus durchsto�enen Muscheln um den Hals trug. Er zerrte sie am Haar aus dem Schlamm. Der Grashalm, durch den sie geatmet hatte, fiel ihr aus dem Mund. Sie hatte angstvoll die Augen aufgerissen. Kisu dr�ckte sie mehrmals unter Wasser, um den Schmutz von ihr abzuwaschen. Dann gab er sie an mich weiter.</p><p>�Herr�, sagte die blonde Barbarin.</p><p>�Sei still, Sklavin!� erwiderte ich.</p><p>�Ja, Herr!�</p><p>Ich trug sie zum Kanu und hob sie hinein.</p><p>Kisu befreite anschlie�end die zweite blonde Sklavin, die fr�her einmal Janice Prentiss gehei�en hatte, aus dem Schlamm und s�uberte sie ebenfalls. Ich brachte sie im Bug des Kanus unter.</p><p>�Ungeheuer!� schrie Tende prustend und keuchend, als sie aus dem Wasser gezogen wurde. �La� mich sofort frei!�</p><p>�Ich denke, du sprichst nicht mit gew�hnlichen Menschen�, sagte Kisu. Ayari grinste und �bersetzte mir den Dialog. H�tte ich das Ushindi besser beherrscht, w�re ich auf einen Dolmetscher vermutlich nicht angewiesen gewesen, denn es ist mit dem Ukungu-Dialekt eng verwandt. Mein Ushindi aber war schlecht. In den n�chsten Tagen sollte ich es lernen, zwischen Ushindi und Ukungu zu unterscheiden. Wortschatz und Grammatik sind sich ziemlich �hnlich, nur legt die Aussprache unterschiedliche Akzente. Ich zweifle nicht, da� die schwarzh�utige �quatorbev�lkerung Gors sich von einer der gro�en linguistischen Familien der Erde herleitet, vielleicht von der Bantu-Gruppe � Abkommen von Individuen, die wom�glich vor vielen hundert Jahren auf den Eroberungsreisen von den Priesterk�nigen hierhergebracht wurden. Das eigentliche Goreanisch enth�lt zahlreiche Hinweise darauf, da� es sich im wesentlichen aus den indoeurop�ischen Sprachen ableitet.</p><p>Tende unterdr�ckte einen zornigen Ausruf.</p><p>Kisu warf sie in ihrer zerlumpten und beschmutzten Kleidung auf das Flo�. Er band ihr die H�nde vor dem K�rper zusammen, als w�re sie bereits eine Sklavin, und befestigte eine lange Schnur daran. Anschlie�end warf er sie ins Wasser, so da� sie schlie�lich einige Fu� hinter dem Boot stand.</p><p>�Die beiden Sklavinnen sollen mit rudern�, sagte Kisu.</p><p>�Wir m�ssen uns beeilen�, sagte Ayari und setzte sich vorn ins Boot.</p><p>Die beiden M�dchen knieten hinter ihm. Ich nahm hinter der zweiten Sklavin Platz, die fr�her einmal Janice Prentiss gehei�en hatte. Hinter mir hockte Kisu. Wir hatten unsere Waffen ins Boot gelegt, die Schilde und Sto�speere der Askaris und weitere Speere und einen dritten Schild von den Eingeborenen.</p><p>Tende schrie auf, und wir drehten uns um. Wir sahen, wie einer der toten Eingeborenen, von einem Tharlarion gepackt, unter Wasser gezogen wurde. Das Tier war vermutlich von dem Blutgeruch im Sumpf angelockt worden.</p><p>Kisu und ich � die M�dchen folgten schnell unserem Beispiel � tauchten die Paddel ins Wasser und setzten das Boot in Bewegung; wieder ging es nach Osten.</p><p>Tende, deren Leine Kisu am Heck festgemacht hatte, stolperte hinter uns her. Ich blickte mich um und entdeckte zwei weitere Tharlarion ganz in der N�he. Vierzig Meter entfernt geriet das Wasser in Bewegung. Wenn der Tharlarion gro�e Beute schl�gt, etwa einen Tabuk oder Tarsk oder auch einen Menschen, zerrt er sein Opfer unter Wasser, wo es ertrinkt. Dann zerrei�t er es Bissen f�r Bissen.</p><p>�Bitte!� flehte Tende. �La� mich ins Kanu!�</p><p>Aber Kisu reagierte nicht. Er schaute sie nicht einmal an.</p><p>�Ich kann in dieser Robe nicht im Wasser gehen!� rief sie weinend. �Bitte, Kisu!�</p><p>Er schaute sie nicht an. Wir paddelten weiter.</p><p>�Es ist nur eine Frage der Zeit�, sagte ich auf Goreanisch zu Kisu, �bis die Tharlarion alles aufgefressen haben. Dann k�nnten einige der Spur im Wasser folgen � der Spur von Schwei� und Angst.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Kisu und drehte sich nicht um.</p><p>Ich schaute zu Tende zur�ck, die angstvoll den Blick nach hinten richtete.</p><p>Wir paddelten nicht sonderlich schnell. Das M�dchen mu�te mithalten k�nnen. Und die Tharlarion durften die Spur nicht verlieren.</p><p>�Kisu!� rief das M�dchen. �La� mich ins Kanu!�</p><p>�Ich h�re nur die Stimme der stolzen freien Frau Tende, der Tochter meines verha�ten Feindes Aibu!� sagte Kisu.</p><p>Sie begann zu weinen. Sie versuchte n�her an das Kanu heranzukommen, was Kisu jedoch verhinderte, indem er mit kr�ftigem Paddelschlag die alte Entfernung wiederherstellte.</p><p>So paddelten wir eine Viertel-Ahn lang weiter.</p><p>�Schau doch!� sagte Ayari und deutete nach hinten.</p><p>�Sind sie da?� fragte Kisu.</p><p>�Ja�, antwortete Ayari. �Vier Tharlarion.�</p><p>Tende blickte zur�ck.</p><p>Zuerst vermochte ich sie nicht auszumachen � dann verriet mir die leichte Bewegung des Wassers ihre Position. Die K�rper waren bis auf Augen und N�stern und einigen Erhebungen am R�cken unter Wasser.</p><p>Die Entfernung betrug etwa achtzig Meter. Die Ungeheuer hatten keine Eile, sondern bewegten sich mit der flie�end-geschmeidigen L�ssigkeit ihrer Rasse, die so �beraus gef�hrlich wirkt.</p><p>Wir hielten das Kanu an.</p><p>�Nein!� schrie Tende. �Nein, bitte la� mich ins Boot!�</p><p>�Noch immer h�re ich die Stimme der stolzen freien Frau�, sagte Kisu.</p><p>�Nein! Nein!�</p><p>�Wessen Stimme h�re ich denn dann?� erkundigte sich Kisu.</p><p>�Die Stimme einer hilflosen Sklavin�, rief Tende, �die ihren Herrn anfleht, ihr Leben zu verschonen!�</p><p>�Du spielst mir etwas vor!�</p><p>�Nein, nein!� rief sie. �Ich bin eine echte Sklavin!�</p><p>�Bittest du mich darum, dein Herr zu sein?�</p><p>�Ja, ja, Herr!� rief sie.</p><p>�Vielleicht �berlege ich�s mir�, sagte Kisu.</p><p>�Bitte, Herr!� rief sie.</p><p>Mit kaum wahrzunehmender Schwanzbewegung r�ckten die vier Tharlarion n�her � auf diese Entfernung sahen sie aus wie harmlose schwimmende Baumst�mme. Gleich mu�te der pl�tzliche Vorsto� kommen, das Zuschnappen der riesigen Kiefer, der Kampf um die Beute.</p><p>Pl�tzlich griff Kisu zu und zog das M�dchen an den gefesselten H�nden aus dem Wasser. Er legte sie quer �ber die Bordw�nde.</p><p>Gleichzeitig sp�rten die vier Tharlarion die pl�tzliche Bewegung ihrer Beute, peitschten das Wasser mit ihren Schw�nzen und rasten auf sie zu. Zwei nahmen sich das Heck des Kanus zum Ziel. Ein anderer stie� einen explosiven Schrei aus, halb Grunzen, halb Gebell, das �ber den Sumpf hallte. Das vierte Ungeheuer ri� das gut einen Meter hohe Maul auf und attackierte die Seite des Kanus. Ich schlug es mit dem Paddel zur�ck.</p><p>Unser Kanu begann sich zu neigen, als ein weiterer Tharlarion auf das Heck zu steigen versuchte. Kisu stie� mit einem Paddel danach, aber das Wesen zerbi� das Holz. Die M�dchen, die sich an die Sitzb�nke klammerten, schrien auf. Ayari r�ckte zum Bug des Kanus vor, um ein Gegengewicht zu bilden. Mit einem zersplitterten Kanugriff stie� Kisu nach dem Tharlarion, der vom Heck glitt. Das Kanu prallte mit lautem Knall ins Wasser und w�re beinahe gekentert. Ein anderer Tharlarion stie� mit der Nasenspitze gegen das Kanu. Ich h�rte Holz knacken, aber die Bordwand hielt. Der Angreifer drehte sich um und wollte seinen Schwanz zum Einsatz bringen. Ein weiterer Tharlarion glitt unter das Kanu.</p><p>�Wir m�ssen das Kanu in Bewegung bringen!� rief Kisu. �Sie d�rfen nicht darunter!�</p><p>Ich schlug mit dem Paddel auf das Wasser und dr�ckte dann kr�ftig zu, als der Tharlarion unter dem schmalen Boot auftauchen wollte. Das Kanu glitt vom R�cken des Angreifers und richtete sich wieder auf. Ayari ergriff ein Paddel und schob das Boot an, wobei ich ihm half.</p><p>Die Tharlarion nahmen sofort bellend und mit schnappenden Schnauzen die Verfolgung auf. Kisu wehrte einen der h��lichen Burschen mit seinem defekten Paddel ab.</p><p>Im n�chsten Augenblick sah ich, wie dem n�chsten Ungeheuer eine Handvoll Trockenfisch ins Maul flog. Ayari hatte das Paddel aus der Hand gelegt und in den zylindrischen Korb mit Vorr�ten gegriffen. Einem anderen Tharlarion schleuderte er eine weitere salzige Ladung entgegen, die in dem zuschnappenden Maul verschwand. Auf �hnliche Weise versorgte er die anderen Tharlarion.</p><p>�Gib mir ein neues Paddel!� sagte ich zum ersten M�dchen im Kanu. Sie hockte zitternd und mit gesenktem Kopf unten im Boot.</p><p>�Mach schon, Sklavin!� forderte ich.</p><p>�Ja, Herr�, fl�sterte sie. Sie reichte das Paddel der blonden Barbarin, die es mir weitergab � sie stand sichtlich unter Schockeinwirkung. Sie warf mir einen erschrockenen Blick zu und wandte sich dann ab. Sie wu�te sicher, da� sie wieder mir geh�rte. Ich nahm ihr das Paddel ab und reichte es Kisu weiter, der gelassen danach griff. Kisu und ich brachten das Kanu wieder auf Ostkurs. Tende lag mit gefesselten H�nden zitternd zwischen Kisu und mir unten im Kanu. Ayari schleuderte weitere Fischbrocken ins Wasser, an Stellen, die die Tharlarion nur schwimmend erreichen konnten. Die nachfolgenden Bissen warf er immer weiter fort, im Bogen hinter das Kanu. Dann verstreute er mehrere Fischbrocken gleichzeitig, in weite Spur hinter dem Tharlarion. Kisu und ich paddelten energisch weiter und brachten das Kanu von der Stelle fort. Die Tharlarion lie�en sich ablenken und blieben fressend zur�ck.</p><p>Nach einer Viertel-Ahn legte Kisu das Paddel aus der Hand. Er nahm Tende die Fesseln ab.</p><p>�Es ist doch recht�, sagte er, �eine nat�rliche Sklavin zu versklaven, meinst du nicht auch?�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>Sanft zog er ihr die Sachen aus.</p><p>�Du bist h�bsch anzuschauen�, sagte er.</p><p>�Ich freue mich, wenn der Herr sich freut�, sagte sie.</p><p>�Wirklich schade, da� du nur eine Sklavin bist�, meinte er.</p><p>Ich streifte der blonden Sklavin die Schnur mit wei�en Muscheln �ber den Kopf und teilte die Schnur. Ein St�ck band ich ihr um den Hals und das linke Fu�gelenk. Die beiden verbleibenden St�cke gab ich mitsamt den Muscheln Kisu. Er schm�ckte sein M�dchen damit in entsprechender Weise.</p><p>�Du hast mich als Sklavin geschm�ckt, Herr�, sagte Tende.</p><p>�Das geh�rt sich auch so�, sagte er und schleuderte ihre Kleidung aus dem Boot. Nur ein Seidenstreifen, der aus ihrem Unterzeug gerissen worden war, blieb zur�ck. Kisu verstaute den Stoff sorgf�ltig zusammengefaltet in seinem G�rtel.</p><p>�Deine Sklavin liegt nackt vor dir, Herr�, sagte Tende.</p><p>�Ich habe dich immer begehrt, Tende�, erwiderte er.</p><p>Sie hob ihm die Arme entgegen.</p><p>�Seit ich ein kleines M�dchen war�, gab sie zur�ck, �wollte ich deine Sklavin sein. Aber ich hatte nicht geglaubt, da� du jemals so stark sein w�rdest, mich zu deiner Sklavin zu machen.�</p><p>�In Ukungu�, sagte er, �war das nicht m�glich.� Er legte ihr die H�nde um die Arme und blickte sie an. �Hier jedoch ist es m�glich.�</p><p>�Hier ist es Wirklichkeit�, sagte sie. Dann zuckte sie zusammen, denn sein Dr�ngen war zu heftig geworden, und sein Griff verst�rkte sich.</p></section><section><title><p>25</p></title><p>�Schaut!� sagte Ayari im Bug des langen Kanus und deutete nach vorn.</p><p>�Endlich!� sagte Kisu im Heck und senkte das Paddel.</p><p>Die beiden wei�en Sklavinnen, die vor mir knieten, nahmen die Paddel aus dem Wasser und legten sie quer �ber die Bordw�nde.</p><p>Hinter mir, zwischen mir und Kisu sitzend, h�rte auch Tende zu paddeln auf. Kisu behielt sie stets in Reichweite. So wu�te sie sich seinen Blicken stets ausgesetzt. So mu�te sie arbeiten wie die anderen Sklavinnen, schwer arbeiten. Mehr als einmal hatte Kisu ihr mit seinem breiten, h�bsch verzierten Paddel auf die Schultern geschlagen, wenn sie mit schmerzenden Armen ersch�pft aus dem Rhythmus gekommen war.</p><p>Wir hatten die �Schwelle� erreicht, jene Zone des �bergangs zwischen den Sumpf und dem Ngao-See.</p><p>Kisu und ich lie�en uns ins Wasser gleiten und dr�ckten watend, im Schlamm ausrutschend, das Boot weiter.</p><p>Im n�chsten Augenblick teilte sich das Schilf, und vor uns erstreckte sich das Wasser des Ngao-Sees � eine endlos scheinende Fl�che, die in der Sonne funkelte.</p><p>�Wie sch�n das ist!� hauchte die blonde Barbarin auf Englisch.</p><p>Wir hatten f�nfzehn Tage gebraucht, bis wir die Schwelle erreichten. Dabei hatten wir uns von Fischen ern�hrt, die wir mit dem Speer jagten, und von Wasser, das wir aus dem Sumpf sch�pften.</p><p>Die Sonne leuchtete �ber der ruhigen Wasserfl�che.</p><p>Shaba, daran mu�te ich jetzt denken, war der erste Angeh�rige der Zivilisation, der erste Ausl�nder gewesen, der dieses Panorama zu sehen bekam.</p><p>�Wundersch�n!� sagte ich mir. Leider war eben der erste, der diesen Anblick genie�en durfte, der verr�terische Shaba.</p><p>�Ukungu�, sagte Kisu, �liegt im Nordosten, am Ufer.� Ukungu war ein Land aus Uferd�rfern, das jetzt als Teil des immer gr��er werdenden Reiches von Bila Huruma gesehen wurde.</p><p>�Du bist dort nicht mehr willkommen�, sagte ich zu Kisu.</p><p>�Da hast du recht�, sagte er.</p><p>�Hast du die Absicht, dorthin zur�ckzukehren, um einen Aufstand anzuzetteln?� erkundigte ich mich.</p><p>�Das geh�rt nicht zu meinem aktuellen Plan�, sagte er.</p><p>�Wie sieht dieser Plan denn aus?� fragte ich.</p><p>�Davon erz�hle ich dir sp�ter.�</p><p>�Ich suche einen Mann, der Shaba hei�t�, sagte ich. �Einen Mann, mit dem ich etwas Wichtiges zu regeln habe. Diese Aufgabe f�hrt mich auf den Ua-Flu�.�</p><p>�Auch ich bin auf dem Weg zum Ua-Flu߫, sagte Kisu l�chelnd.</p><p>�Ach, das geh�rt zu deinem Plan?� fragte ich.</p><p>�Ja, das geh�rt zu meinem Plan.�</p><p>�Vielleicht halte ich es f�r erforderlich, den Ua sogar zu befahren.�</p><p>�Auch ich k�nnte das unerl��lich finden�, meinte er.</p><p>�Ich vermute, das Gebiet rings um den Ua ist sehr gef�hrlich�, sagte ich.</p><p>�Das ist mir bekannt�, sagte Kisu.</p><p>�Und das pa�t ebenfalls zu dem Plan, den du so heimlichtuerisch verfolgst?�</p><p>�Allerdings�, sagte Kisu grinsend.</p><p>�Kennst du den Ua?� wollte ich wissen.</p><p>�Nein�, erwiderte Kisu. �Ich habe den Flu� bisher noch nicht zu sehen bekommen.�</p><p>Ich hielt das Kanu im Gleichgewicht. Es bewegte sich frei im Uferbereich des Ngao-Sees.</p><p>�Dann wollen wir losfahren�, sagte ich.</p><p>Kisu, dem das Wasser bis an die Oberschenkel ging, langte in das Kanu. Er nahm einen schmalen Lederstreifen heraus und fesselte Tende damit die Hand- und Fu�gelenke.</p><p>�Warum bindet mich mein Herr fest?� fragte sie.</p><p>�Ich rechne nicht mit Kanus aus Ukungu�, erwiderte Kisu, �aber sollten wir doch welche sehen, kommst du gefesselt vielleicht nicht in Versuchung, ins Wasser zu springen und fortzuschwimmen.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und senkte den Kopf.</p><p>�Die anderen Sklavinnen sollten wir ebenfalls nicht in Versuchung f�hren�, empfahl Kisu.
 �Du da�, sagte ich, �komm zu mir!�</p><p>Ich lag auf dem Ellbogen im Kanu. �ber mir leuchteten die Monde Gors. Das Kanu glich einem winzigen Holzst�ck in der Weite des schimmernden Sees.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie.</p><p>Die blonde Barbarin, deren K�rper im Mondlicht bleich schimmerte, kroch vorsichtig auf mich zu. Ich h�rte die Muscheln ihrer Halskette leise klicken.</p><p>Wir hatten die M�dchen nur die beiden ersten Tage auf dem See gefesselt. Dann waren wir zu weit vom Ufer entfernt, als da� wir noch mit Kanus rechnen mu�ten.</p><p>�K�� mich!� forderte ich.</p><p>Sie gehorchte, dann lag sie still, den Kopf auf meine linke Schulter gelegt.</p><p>�Du hast Angst�, sagte ich.</p><p>�Ich lebe im Widerstreit mit mir selbst�, antwortete sie.</p><p>�Diesen Konflikt mu�t du l�sen�, sagte ich. �Du mu�t die Sklavin in dir befreien, dein wahres Ich, das im Grunde nur unterdr�ckt wird.�</p><p>�Nein, nein!� sagte sie. �Ich bin keine Goreanerin.�</p><p>�Die Frauen der Erde, an den Kragen und die Macht ihres Herrn gew�hnt, sind hervorragende Sklavinnen.�</p><p>�Oh!� sagte sie, als ich sie leicht ber�hrte. �Verzeih mir, Herr!�</p><p>�Du bist nicht auf der Erde�, sagte ich. �Niemand wird dich hier verachten, wenn du deinen Sinnen freien Lauf l��t. Hier brauchst du dich nicht schuldig f�hlen, wenn du begehrenswert und weiblich bist.�</p><p>�Ich bin keine goreanische Hure.�</p><p>�H�ltst du mich f�r geduldig?� fragte ich.</p><p>�Wenn der Herr mich nehmen will, so soll er es tun�, sagte sie, �dann kann ich wieder zur�ckkriechen.�</p><p>Ich nahm ihren Kopf zwischen die H�nde. �H�ltst du mich f�r geduldig?� wiederholte ich dr�ngend.</p><p>�Ich wei� es nicht, Herr�, fl�sterte sie.</p><p>�Es gibt eine Zeit, geduldig zu sein, und eine Zeit, sich ungeduldig zu geb�rden�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�H�te dich vor dem Augenblick, da es mit meiner Geduld vorbei ist.�</p></section><section><title><p>26</p></title><p>Die blonde Barbarin tauchte das Ruder ins Wasser und zog es durch.</p><p>�Ist der See endlos?� fragte sie.</p><p>�Nein�, antwortete ich.</p><p>Wir befanden uns nun schon zwanzig Tage auf dem See und ern�hrten uns wie zuvor vom Fischen.</p><p>Ich entdeckte br�unliche Verf�rbungen im Wasser und roch Blumen. Irgendwo vor uns mu�te die M�ndung des Ua liegen.</p><p>�Bringst du deine Sklavinnen in Gefahr?� fragte die blonde Barbarin.</p><p>�Ja�, erwiderte ich.</p><p>Sie zitterte, kam aber nicht aus dem Paddelrhythmus. In den letzten Tagen hatte sie �fter mit mir zu sprechen versucht, doch ich hatte nicht sehr aufgeschlossen reagiert und ihr gew�hnlich nur mit kurzen Worten geantwortet.</p><p>Betr�bt paddelte sie weiter; sie wu�te, da� sie bei ihrem Herrn in Ungnade stand.</p><p>�Wir m��ten l�ngst in der N�he des Ua sein�, sagte Ayari vom Bug des Kanus.</p><p>�Schau dir das Wasser an�, sagte Kisu. �Riechst du die Blumen und den Wald? Ich glaube, wir befinden uns bereits in der M�ndung.�</p><p>Ich war verbl�fft. Konnte die M�ndung so breit sein?</p><p>Kisu deutete zum Himmel. �Schaut euch den Mindar an!�</p><p>Wir hoben die K�pfe und erblickten einen Vogel mit bunten Federn, kurzen Fl�geln und einem spitzen Schnabel. Das Gefieder war vorherrschend gelb und rot gef�rbt.</p><p>�Das ist ein Waldvogel�, stellte Kisu fest.</p><p>Der Mindar ist f�r kurze, schnelle Fl�ge � beinahe Spurts � gebaut; die kurzen Fl�gel flirren und tragen das Tier von Ast zu Ast, damit es sich dort verbergen oder in der Runde nach Larven und W�rmern graben kann.</p><p>�Seht!� rief Kisu.</p><p>Wir entdeckten einen Tharlarion, der sich auf einer Sandbank sonnte. Als wir n�herkamen, glitt er ins Wasser und schwamm fort.</p><p>�Wir sind bereits im Flu߫, sagte Kisu. �Ich bin mir dessen sicher.�</p><p>�Der See teilt sich�, sagte Ayari.</p><p>�O nein�, erwiderte Kisu erfreut, �das ist eine Insel im Flu�. Es gibt bestimmt viele davon.�</p><p>�Wie fahren wir?� fragte ich.</p><p>�Nach rechts�, sagte Kisu.</p><p>�Warum?� wollte ich wissen. Ich bin Engl�nder von Geburt. Es wollte mir nat�rlich erscheinen, auf der linken Seite an der Insel vorbeizufahren. Auf diese Weise ist der eigene Schwertarm dem Entgegenkommenden zugewendet.</p><p>�Wenn man an der Ngao-K�ste ein Dorf betritt, tut man das stets von rechts.�</p><p>�Warum das?�</p><p>�Weil man auf diese Weise seine Flanke der Klinge des anderen darbietet.�</p><p>�Ist das denn klug gehandelt?�</p><p>�Wie kann man besser beweisen, da� man in friedlicher Absicht kommt?�</p><p>�Interessant�, stellte ich fest. Doch ich h�tte mich wohler gef�hlt, w�ren wir links geblieben. Was war, wenn der andere Bursche nicht friedlich war? Als Krieger kannte ich den Wert einer Achtel-Ahn, die durch eine richtige K�rperstellung gespart werden konnte.</p><p>�Wenn es also Menschen in dieser Gegend gibt�, fuhr Kisu fort, �und wenn ihre Gewohnheiten denen der Ngao- und Ukungu-Bewohner �hneln, dann machen wir ihnen damit klar, da� wir in friedlicher Absicht kommen. Damit sparen wir uns vielleicht viel �rger.�</p><p>�Das h�rt sich klug an�, bemerkte ich. �Wenn es hier Menschen gibt, kann man sie auf diese Weise vielleicht dazu bringen, uns in Ruhe zu lassen.�</p><p>�Genau�, sagte Kisu.</p><p>Daraufhin steuerten wir das Kanu nach rechts. Eine halbe Ahn sp�ter erstreckte sich die Insel links von uns. Sie war viele Pasang lang.</p><p>�Ich glaube gar nicht, da� es hier Menschen gibt�, sagte Ayari. �Dazu sind wir viel zu weit im Osten.�</p><p>�Wahrscheinlich hast du recht�, meinte Kisu.</p><p>Im n�chsten Augenblick h�rten wir die Trommeln.</p><p>�Verstehst du die Botschaft?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete Ayari.</p><p>�Kisu?�</p><p>�Nein�, erwiderte er, �aber zweifellos verk�nden sie unsere Ankunft.�</p></section><section><title><p>27</p></title><p>Sie kletterten an dem Ger�st herum, das sich bis weit in den Flu� erstreckte. Von ihrer Sprache verstanden wir kaum etwas. Das Ger�st bestand aus einer Doppelreihe entrindeter Baumst�mme, etwa zehn Fu� voneinander getrennt, verbunden durch zahlreiche Quer- und Zwischenstreben, mit Ranken zusammengebunden. Das ganze Gebilde war �ber hundert Meter lang und f�hrte bis tief in die kr�ftige Str�mung. An dem Gebilde hingen zahlreiche Lianenseile, an denen lange konische Flechtk�rbe hingen � Fischfallen.</p><p>�Fort! Fort!� kreischte einer der M�nner, zuerst auf Ushindi, dann auf Ukungu. Er und die anderen schwenkten abwehrend die Arme. Auf dem Ger�st waren nur M�nner und Jungen auszumachen. Weiter oben am Ufer, im Dschungel beinahe nicht zu erkennen, befanden sich die H�tten des Dorfes. Auf den palmwedelgedeckten H�ttend�chern lagen reihenweise Fische zum Trocknen in der Sonne. Am Ufer waren Frauen zu erkennen, einige trugen Schalen und waren ans Wasser gekommen, um zu sehen, was es da gab.</p><p>�Fort mit euch!� wiederholte der Mann in beiden Sprachen.</p><p>�Wir sind Freunde!� rief Ayari auf Ushindi.</p><p>�Fort!� rief der Mann erneut. Offenbar war er der Linguist des Dorfes. Acht oder neun M�nner, begleitet von einigen Jungen unterschiedlichen Alters, bewegten sich auf der Plattform weiter auf den Flu� heraus, wobei sie geschickt �ber dem dahinstr�menden Wasser balancierten.</p><p>�Ich m�chte erfahren, ob Shaba hier entlanggekommen ist�, sagte ich, �und wann das war.�</p><p>Einige der M�nner zogen Messer und machten damit drohende Geb�rden.</p><p>�Sie scheinen uns nicht sonderlich freundlich gesonnen zu sein�, bemerkte Ayari.</p><p>�Das ist nicht gut�, sagte Kisu. �Wir brauchen Vorr�te, Buschmesser und Tauschwaren.�</p><p>�Womit willst du solche Dinge erwerben?� fragte ich.</p><p>�Du hast die goldene Kette, die dir von Bila Huruma geschenkt wurde�, sagte er.</p><p>Ich ber�hrte die Kette. �Ja, da hast du recht.�</p><p>Dann nahm ich die Kette ab und hielt sie den M�nnern auf dem langen Ger�st hin.</p><p>Sie versuchten weiter, uns von einer Landung abzuhalten.</p><p>�Sinnlos�, sagte Ayari.</p><p>Sogar die Kinder schrien uns an, darin ahmten sie die �lteren nach. Ihnen war es vermutlich egal, ob wir an Land kamen oder nicht. Es war die erste Flu�siedlung, auf die wir stie�en. Sie lag nur eine Ahn hinter der ersten Insel, der ersten von mehreren, auf die wir sto�en sollten.</p><p>�Fahren wir weiter�, sagte Kisu.</p><p>Ich h�rte pl�tzlich einen Schrei. Als ich mich umsah, entdeckte ich einen etwa acht Jahre alten Jungen, der soeben vom Ger�st gefallen war. Beinahe sofort begann ihn die Str�mung abzutreiben. Ohne nachzudenken, sprang ich ins Wasser. Als ich an die Oberfl�che kam, h�rte ich Kisus Ruf, das Kanu zu wenden. Mit kraftvollen Z�gen schwamm ich hinter dem Jungen her. Dann erreichte ich die Stelle, an der er meiner Berechnung nach sein mu�te, von der ich ihn zumindest sehen mu�te. Er war nicht da. Gleich darauf erschien das Kanu neben mir.</p><p>�Siehst du ihn?� rief ich Ayari zu.</p><p>�Er ist in Sicherheit�, sagte Ayari. �Steig wieder ins Kanu.�</p><p>�Wo ist er?� fragte ich und kroch tropfna� �ber die Bordwand des leichten Fahrzeugs.</p><p>�Sieh selbst!� sagte Kisu.</p><p>Ich blickte zur�ck und sah den Burschen zu meiner �berraschung auf halber H�he eines St�tzpfeilers am Ger�st. Er klammerte sich mit Beinen und Armen fest und stieg wie ein Affe daran empor. Er grinste.</p><p>�Er schwimmt wie ein Fisch�, sagte Ayari. �Er war �berhaupt nicht in Gefahr.�</p><p>Mir fiel auf, da� keiner der M�nner von der Plattform gesprungen war. Dabei hatte der Junge geschrien, und es hatte so ausgesehen, als w�rde er vom Flu� davongetragen.</p><p>Einer der M�nner auf der Plattform bedeutete uns mit einer Geste n�herzukommen. Er hatte sein ungleichm��ig geschliffenes Messer, ein typisches Fischermesser, fortgesteckt. Wir paddelten n�her heran. Unterdessen half er dem achtj�hrigen Jungen wieder auf die Plattform. Ich bemerkte, da� sich die M�nner wie auch die Jungen mit sicheren Schritten darauf bewegten. Die Gefahr, da� einer von ihnen ins Wasser fiel, war nicht gr��er als f�r einen Bewohner der Erde das Risiko, von einem B�rgersteig zu st�rzen. Diese Menschen kannten sich gut damit aus, kletterten sie doch t�glich stundenlang darauf herum, um sich den Lebensunterhalt zusammenzufangen.</p><p>Der Junge grinste zu uns herab, andere l�chelten ebenfalls. Einer der M�nner, vielleicht sein Vater, t�tschelte ihm den Kopf, eine Geste der Gratulation. Er hatte seine Rolle gut gespielt.</p><p>�Kommt an Land!� sagte einer der M�nner auf Ushindi � es war der �bersetzer, der schon vorhin sein Sprachtalent an uns ausprobiert hatte. �Ihr h�ttet den Jungen gerettet�, fuhr er fort. �Somit ist klar, da� ihr unsere Freunde seid. Seid willkommen. Kommt an Land, unsere Freunde, besucht uns in unserem Dorf!�</p><p>�Das Ganze war ein Trick�, sagte Kisu.</p><p>�Ja�, gab ich zur�ck.</p><p>�Aber ein netter Trick�, meinte Ayari.</p><p>�Es gef�llt mir nicht, hereingelegt zu werden�, sagte Kisu.</p><p>�Vielleicht kann man am Flu� eben nicht vorsichtig genug sein�, warf ich ein.</p><p>�Vielleicht�, sagte Kisu.</p><p>Wir steuerten das Kanu um die Plattform und hielten auf das Ufer zu.
 Wir befanden uns mit unseren Sklavinnen in einer aus Reisig bestehenden H�tte mit Palmwedeln als Dach. Ein kleines Feuer in einer Tonschale beleuchtete das Innere kaum. Reisigregale standen an den W�nden, darauf lagen Gef��e und Masken.</p><p>Man hatte ausgiebig gesungen und getanzt. Es war sp�t am Abend. Kisu und ich sa�en uns an der Tonschale gegen�ber.</p><p>�Wo ist Ayari?� fragte ich Kisu.</p><p>�Noch immer beim H�uptling. Er ist noch immer nicht zufrieden�, sagte Kisu.</p><p>�Was will er denn noch wissen?� fragte ich.</p><p>�Das wei� ich nicht genau�, erwiderte Kisu.</p><p>Wir hatten erfahren, da� vor mehreren Tagen drei Boote am Dorf vorbeigekommen waren, ohne zu halten. Mehr als hundertundzwanzig M�nner hatten darin gesessen, davon einige in blauen Tuniken.</p><p>Shaba und seine M�nner hatten einen gro�en Vorsprung.</p><p>�Herr�, sagte Tende.</p><p>�Ja?�</p><p>�Wir sind nackt�, sagte sie.</p><p>�Ja�, stimmte ihr Kisu zu.</p><p>�Das St�ck Seide, das ich um die H�ften tragen durfte, hast du eingetauscht, ebenso die Muscheln an meinem Hals und an meinem Fu�gelenk.�</p><p>�Ja�, sagte Kisu. Interessanterweise hatten die Muscheln und der Seidenstoff bei den Fischern einen betr�chtlichen Wert. Die Muscheln stammten von Thassa-Inseln und waren im Landesinneren unbekannt. Auf �hnliche Weise kannte man hier keine Seide. Gegen die Seidenr�cke der M�dchen und ihre Muschelketten hatten wir Nahrungsmittel eingetauscht. Daf�r hatten wir die goldene Kette behalten, die mir von Bila Huruma geschenkt worden war. Wir sagten uns, da� sie uns sp�ter noch n�tzen konnte. In der Zivilisation besa� sie nat�rlich einen betr�chtlichen Wert. Hier wu�ten wir allerdings nicht, ob sie h�her bewertet werden w�rde als Metallmesser oder eine Rolle Kupferdraht. F�r die Tauschwaren hatten wir zwei K�rbe mit getrocknetem Fisch erhalten, einen Sack mit Mehl und Gem�se, ein St�ck rotgef�rbtes Rindentuch des Pod-Baums, gefaltet und gegerbt, au�erdem eine Handvoll bunter Perlen und, was am wichtigsten war, zwei Pangas, einen Fu� lange, schwere Buschmesser mit gekr�mmter Schneide. An diesen beiden Waffen hatte Kisu das gr��te Interesse gezeigt. Ich zweifelte nicht daran, da� sie uns noch sehr n�tzen w�rden.</p><p>�Ich bin nicht zufrieden, Kisu�, sagte Tende.</p><p>Mit einem Wutschrei sprang er �ber das Feuer auf sie zu und versetzte ihr einen heftigen Schlag.</p><p>�Hast du es gewagt, meinen Namen auszusprechen, Sklavin?� fragte er.</p><p>Erschrocken lag sie vor ihm. �Verzeih mir, Herr!� rief sie. �Verzeih mir, Herr!�</p><p>�Wie ich sehe, war es ein Fehler, dir Schmuck oder Kleidung zu �berlassen�, sagte er.</p><p>�Verzeih mir, Herr�, flehte sie.</p><p>�Ich h�tte nicht �bel Lust, dich heute ebenfalls einzutauschen�, fuhr er fort. �Ich w��te zu gern, was ich f�r dich bekommen w�rde.�</p><p>�Tausch mich nicht ein, Herr!� flehte sie.</p><p>�Als Sklavin taugst du nicht viel�, sagte er.</p><p>�Ich will versuchen, mich zu bessern�, sagte sie und m�hte sich auf die Knie hoch. �Ich will dir heute nacht gefallen. Ich werde dir Freuden bereiten, von denen du nicht einmal wu�test, da� es sie gab. Ich werde dir so gut dienen, da� du mich morgen fr�h nicht mehr eintauschen m�chtest.�</p><p>�Das wird schwer sein�, sagte er.
 Ich sa� nachdenklich neben der Tonschale mit dem kleinen Feuer. Morgen mu�ten wir weiter. Mit einem kleinen Stock stocherte ich in den Flammen herum. Shaba war uns weit voraus. Warum war er auf den Ua geflohen? Mit dem Ring h�tte er sich auf der Oberfl�che des weiten Gor tausend sichere Orte suchen k�nnen. Aber er hatte sich die gef�hrliche, unerforschte Route des Ua ausgesucht. Nahm er an, man w�rde davor zur�ckschrecken, ihn auf diesem einsamen Gew�sser zu verfolgen, das eine so furchtbare, gef�hrliche, geheimnisvolle Region durchschnitt? Er mu�te doch wissen, da� ich und andere ihm um des Ringes willen sogar in die dampfende, bl�ten�bers�te Wildnis des Ua folgen w�rden. Ich folgerte, da� er einen schlimmen Fehler gemacht, ein Fehlurteil gef�llt hatte, das mich bei einem so raffinierten Mann doch sehr �berraschte.</p><p>�Herr�, sagte eine leise Stimme.</p><p>Ich wandte mich um.</p><p>Es war das erste blonde M�dchen, nicht Janice Prentiss, die ich bisher stets die blonde Barbarin genannt habe.</p><p>�Ich knie hier vor dir�, sagte sie leise.</p><p>�Ja?�</p><p>Sie senkte den Kopf. �Ich erbitte deine Ber�hrung.�</p><p>In meiner N�he japste die blonde Barbarin entr�stet. Sie schien nicht glauben zu k�nnen, da� sich eine Frau offen zu ihren Bed�rfnissen bekannte. Wu�te diese Dirne nicht, da� keine Frau so etwas tat? War es nicht schrecklich genug, die Sehnsucht in sich zu sp�ren � ohne sie auch noch offen zuzugeben?</p><p>�Sklavin!� rief die blonde Barbarin sp�ttisch.</p><p>�Ja, Sklavin�, sagte die andere zu ihr und wandte sich dann wieder an mich. �Bitte, Herr!�</p><p>Ich trat vor sie hin. �Stammst du nicht von einer Welt, die Erde genannt wird?� fragte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Wie lange bist du schon auf Gor?�</p><p>�Mehr als f�nf Jahre.�</p><p>�Und wie bist du hierhergekommen?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte sie. �Eines Abends legte ich mich in meinem Zimmer auf meiner Heimatwelt schlafen. Als ich erwachte, mochten Tage vergangen sein, und ich war auf einem goreanischen Sklavenmarkt angekettet.�</p><p>Ich nickte. Goreanische Sklavenh�ndler sorgen in der Regel daf�r, da� ihre neuen M�dchen w�hrend des Fluges von einer Welt zur anderen besinnungslos sind.</p><p>�Wie lautete dein barbarischer Name?� fragte ich.</p><p>�Alice�, sagte sie. �Alice Barnes.�</p><p>�Interessant�, sagte ich l�chelnd. �Nun denn, ich nenne dich �Alice�.�</p><p>�O danke, Herr.�</p><p>�Du tr�gst diesen Namen jetzt als Sklavennamen�, erkl�rte ich ihr.</p><p>�Danke, Herr!�</p><p>�Es hei�t, die Frauen der Erde sind nat�rliche Sklavinnen.�</p><p>�Es stimmt, Herr�, fl�sterte sie und streckte die H�nde nach mir aus.</p><p>�Sklavin! Sklavin!� rief das andere blonde M�dchen ver�chtlich und wandte sich ab, als ich Alice in die Arme nahm.
 Es war sp�t, als Ayari in die H�tte zur�ckkehrte.</p><p>Die M�dchen schliefen bereits. Kisu hatte Tende, als er mit ihr fertig war, an den ihr geb�hrenden Platz zur�ckgeschickt.</p><p>�Hast du noch mehr erfahren?� fragte ich.</p><p>�Au�er deinem Shaba und seinen Gefolgsleuten sind noch andere Leute hier durchgekommen�, sagte Ayari. �Ich erfuhr dies schlie�lich von dem H�uptling und zweien seiner M�nner, mit denen ich mich unterhalten habe.�</p><p>�Sie wollten nur ungern reden?� fragte Kisu.</p><p>�Und ob�, erwiderte Ayari. �Sie hatten gro�e Angst, �berhaupt nur das zu schildern, was sie sahen.�</p><p>�Und das war?� fragte ich.</p><p>�Dinge�, antwortete er.</p><p>�Was f�r Dinge?�</p><p>�Das wollten sie mir nicht sagen. Sie hatten gro�e Angst.� Er blickte mich an. �Aber ich f�rchte, wir sind nicht die einzigen, die deinen Shaba suchen.�</p><p>�Andere verfolgen ihn ebenfalls?� fragte Kisu.</p><p>�Ich nehme es an�, meinte Ayari.</p><p>�Interessant�, bemerkte ich und legte mich ans Feuer. �Ruhen wir uns aus�, fuhr ich fort. �Wir m�ssen morgen sehr fr�h weiter.�</p></section><section><title><p>28</p></title><p>�Dort!� rief Ayari. �Steuere das Kanu nach rechts!�</p><p>Wir drehten das leichte Wasserfahrzeug einige Striche nach Steuerbord. �Ich sehe sie!� rief ich.</p><p>Das Fischerdorf lag vier Tagereisen hinter uns. In diesen vier Tagen waren wir an zwei anderen D�rfern vorbeigekommen. Dort wurde auf kleinen Lichtungen Landwirtschaft betrieben. Wir hatten jedoch nirgendwo Rast gemacht.</p><p>In dieser Gegend war der Flu� zwei- bis vierhundert Meter breit. Nachts zogen wir das Kanu an Land, tarnten es und schlugen etwa einen halben Pasang vom Ufer entfernt unser Lager auf, um die Gefahr, die uns von Tharlarions drohte, m�glichst zu verringern; diese Tiere entfernten sich ungern weit vom Wasser.</p><p>Der Kasten, etwa einen Fu� breit und tief, und zwei Fu� lang, war mit einem kunstvollen Ringschlo� versehen. Er schwamm fast v�llig untergetaucht im Flu� und stie� jetzt gegen die Au�enwandung des Kanus. An den Metallgriffen hievte ich unseren schweren Fund an Bord. Mit der ungesch�rften Seite einer schweren Panga schlug ich den Schlo�ring locker. Es gibt da verschiedene Arten von Ringschl�ssern. Die hier benutzte Verschlu�einrichtung war ein Kombinations-Vorh�ngeschlo�, bei dem auf rotierende Metallscheiben gravierte Zahlen pa�ten � sie mu�ten in der richtigen Reihenfolge zusammengebracht werden, sonst lie� sich der Riegel nicht herausziehen. Es war kein sehr sicherer Verschlu�, und so mu�te ich damit rechnen, da� der Inhalt der Truhe nicht sonderlich wertvoll sein w�rde. Die Zahlen am Schlo� waren goreanisch. Ich hob den Deckel an.</p><p>�Ah!� sagte Kisu.</p><p>In der Truhe entdeckte ich ein Durcheinander von Drahtrollen, Spiegeln, Nadeln und Messern, Perlenketten, Muscheln und bunten Glasst�cken.</p><p>�Tauschwaren�, sagte Kisu.</p><p>�Zweifellos von einem Schiff, das zu Shabas Verband geh�rt�, sagte Ayari.</p><p>�Zweifellos�, stimmte ich ihm zu.</p><p>Wir verstauten die Waren in einem der S�cke, die wir aus dem Fischerdorf mitgebracht hatten, und warfen das aufgebrochene Schlo� und die ge�ffnete Truhe wieder in den Flu�.</p><p>�Wir sollten uns ab sofort sehr in acht nehmen�, sagte Kisu.</p><p>�Das scheint mir ein sehr guter Rat zu sein�, sagte ich.</p></section><section><title><p>29</p></title><p>Wir sa�en etwa einen halben Pasang vom Flu�ufer entfernt um unser kleines Feuer.</p><p>Ein gro�er Ameisenb�r, der gut zwanzig Fu� lang geraten war, schn�ffelte am Rand unseres Lagers herum. Wir schauten zu, wie seine lange, d�nne Zunge aus dem Mund zuckte und wieder darin verschwand.</p><p>Die blonde Barbarin r�ckte ein wenig n�her zu mir.</p><p>�Das Tier ist harmlos�, sagte ich, �es sei denn, man l�uft ihm direkt in den Weg. Dann kann es ein zorniges Pfeifen aussto�en und mit seinen scharfen Krallenpfoten zuschlagen und sogar einen Larl niederstrecken.� Das Gesch�pf lebte von wei�en Ameisen oder Termiten. Zuerst brach es die hoch aufragenden Nester aus getrocknetem Lehm auseinander, dann lie� es die vier Fu� lange Zunge, die mit klebrigem Speichel benetzt war, in das Innere zucken und zog Tausende von verbl�fften Bewohnern in Sekundenschnelle in sein schmales r�hrenf�rmiges Maul.</p><p>Das M�dchen schauderte zusammen.</p><p>Wir hatten bestimmte G�ter aus dem Boot mitgebracht.</p><p>�Oh!� rief das M�dchen pl�tzlich schaudernd. Ein roter Grash�pfer von der Gr��e eines geh�rnten Gim, eines kleinen, eulen�hnlichen Vogels, war nahe dem Feuer emporgesprungen und im Unterholz verschwunden.</p><p>Verlegen senkte das M�dchen den Kopf.</p><p>Kisu war damit besch�ftigt, mit dem Messer ein St�ck des groben rotgef�rbten Tuches zu l�sen, das wir gegerbt und zusammengefaltet im Fischerdorf eingetauscht hatten. Es besitzt ein Gewebe aus Rindenstreifen und �hnelt dicht gewebtem Leinen � allerdings ist es viel weicher, was zum Teil wohl an der Tatsache liegt, da� die Farbe, in der es get�nt wird, Palm�l enth�lt. Tende beobachtete ihn genau.</p><p>Ich lachte leise vor mich hin.</p><p>�Am�siere ich den Herrn?� fragte die blonde Barbarin gereizt.</p><p>�Ich mu�te eben an heute nachmittag denken�, sagte ich.</p><p>�Oh!�</p><p>Am sp�ten Nachmittag war sie ein St�ck vom Flu� entfernt einer Felsspinne zum Opfer gefallen � Tiere, die mit untergefalteten Beinen, einem Felsbrocken gleich, in Ruhe abwarten, bis sich etwas in ihrem Netz verf�ngt. Die Barbarin war in so ein klebriges Netz gelaufen, und ich hatte sie m�hselig wieder befreien m�ssen.</p><p>�Du h�ttest mich nicht zu schlagen brauchen�, sagte sie in tadelndem Ton.</p><p>�Halt den Mund, Sklavin!�</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie.</p><p>Ein Herr brauchte keinen besonderen Grund, um seine Sklavin zu z�chtigen � in diesem Falle aber war es wichtig gewesen, ihr lautes Jammern und Schluchzen zu beenden. Ich wollte nicht, da� Unbekannte auf unseren Aufenthalt im Wald aufmerksam gemacht wurden. Wir hatten keine Ahnung, wer au�er uns noch in dem furchtbaren Dschungel unterwegs war.</p><p>Ich sa� mit untergeschlagenen Beinen da und beobachtete Kisu, der den Streifen Stoff, etwa einen Fu� breit und f�nf Fu� lang, in die H�he hielt, damit Tende ihn betrachten konnte.</p><p>Das M�dchen aus Ukungu kniete vor ihrem Herrn. �Ich erbitte Kleidung, Herr�, sagte sie.</p><p>�Verdiene sie dir!� forderte Kisu.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie eifrig und beugte sich zu ihm. Als sie fertig war, warf Kisu ihr den Streifen Stoff zu, den sie sich entz�ckt um die H�ften wand. Anschlie�end holte er ihr aus einem Sack, den wir im Kanu verstaut hatten, zwei bunte Ketten mit Holzperlen � Schmuck, den wir im Fischerdorf eingetauscht hatten.</p><p>�Danke, Herr�, sagte Tende atemlos und pr�sentierte sich ihm in neuer Sch�nheit.</p><p>Alice, die erste blonde Sklavin, betrachtete das M�dchen neidisch. Dann kroch sie mit gesenktem Kopf zu mir. �Ich erbitte Kleidung, Herr�, sagte sie leise.</p><p>Ich blickte sie an. �Bist du bereit, sie dir zu verdienen?� fragte ich.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie l�chelnd.</p><p>�Dirne!� rief die blonde Barbarin.</p><p>�Geh Holz holen f�r das Feuer!� sagte ich zu ihr.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie bedr�ckt.</p><p>Dann nahm ich Alice in die Arme und k��te sie. Sie schlo� die Augen und legte den Kopf zur�ck.
 Das Feuer war niedergebrannt.</p><p>Es war etwa zwei Ahn vor der ersten Morgend�mmerung.</p><p>Alice lag dicht neben Tende und schlief. Um ihre H�ften zog sich der Wickelrock aus dunkelrotem Tuch, den sie sich verdient hatte. Ich hatte ihr das St�ck pers�nlich zurechtgeschnitten. Ayari und Kisu schliefen ebenfalls.</p><p>Ich blickte zu der blonden Barbarin hin�ber, die am Feuer sa�.</p><p>�Herr?� fragte sie.</p><p>�Ja?�</p><p>�Soll ich keine Kleidung erhalten?� fragte sie.</p><p>�Bist du bereit, sie dir zu verdienen?� fragte ich.</p><p>�Wenn du es mir befiehlst, mu� ich gehorchen. Ich bin Sklavin.�</p><p>�Und wenn ich dir keinen Befehl gebe � w�rdest du dann die Gelegenheit erbitten, dir einen solchen Rock zu verdienen?�</p><p>�Niemals!� rief sie. �Niemals!�</p><p>�Es ist Zeit zum Schlafengehen�, sagte ich.</p><p>�Ich kann den Rock nicht so erbitten�, schluchzte sie. �Ich bin eine Frau von der Erde.�</p><p>�Das gilt f�r Alice ebenso.�</p><p>�Sie ist Sklavin�, sagte die blonde Barbarin.</p><p>�Und was bist du?�</p><p>�Ja�, schluchzte das M�dchen.</p><p>�Du hattest Gelegenheit, mich zu bitten, dir Kleidung zu verdienen�, sagte ich. �Du hast dich geweigert. Vielleicht erh�ltst du diese Chance nie wieder.�</p><p>Sie blickte mich angstvoll an.</p><p>�Und jetzt schlaf!� befahl ich.</p><p>�Ja Herr�, sagte sie.</p><p>Anschlie�end setzte ich mich an das kleine Feuer. Ich wollte eine Zeitlang Wache halten und dann Kisu wecken. Auf diese Weise w�rde auch ich vor dem Morgen noch etwas schlafen k�nnen.</p><p>Mich interessierte die Tierwelt des Flusses und des Regenwaldes. Ich erinnerte mich an einige winzige Fische, die sich auf hochstehenden Wurzeln dicht am Flu� gesonnt hatten. Sie besa�en rundliche Augen, winzige L�ngsflossen und waren etwa sechs Zoll lang. Sie verf�gten �ber Lungen und Kiemen. Die F�higkeit, vom Wasser auf das Land zu wechseln, erm�glicht es ihnen, sich in hei�en Sommern Fl�sse zu suchen, die nicht ausgetrocknet sind. Nat�rlich k�nnen sie sich damit auch vor Wasser-Raubtieren in Sicherheit bringen und vom Land ins Wasser zur�ckzukehren, sollte sich auch dort eine Gefahr zeigen. Normalerweise bleiben diese Wesen dicht beim Wasser. Manchmal sonnen sie sich sogar auf dem R�cken ruhender oder schlafender Tharlarion. Taucht so ein Gesch�pf unter, wandern die winzigen Fische oft mit und halten sich in seiner N�he, ohne sich jedoch an das Maul heranzuwagen. Die N�he zu den Tharlarion bietet interessanterweise einen wirksamen Schutz vor den meisten nat�rlichen Feinden, insbesondere vor dem schwarzen Aal, der sich den geschmeidigen Reptilien nicht n�hert. Und die winzigen Fische verm�gen gut zu leben von den �berresten der Mahlzeiten des Tharlarion. Sie verscheuchen sich sogar gegenseitig von �ihrem� Tharlarion und achten sehr darauf, da� territoriale Rechte auf dem R�cken des Ungeheuers nicht verletzt werden. Der Schildfisch und der Hai unterhalten in mancher Beziehung auf ihre Weise eine �hnliche Verbindung. Diese winzigen Fische, von denen hier die Rede ist, hei�en �brigens Gint.</p><p>Ich stocherte im Feuer.</p><p>�Kisu�, sagte ich dann leise. �Wach auf! �bernimm die Wache.�</p><p>W�hrend er sich zu regen begann, legte ich mich nieder. Ich dachte an den Flu� und war bald eingeschlafen.</p></section><section><title><p>30</p></title><p>�La�t das Kanu nicht fortschwimmen!� br�llte Kisu durch das Brausen des Wassers.</p><p>Nun waren wir schon zwei Wochen lang auf dem Ua unterwegs und hatten einen weiteren Wasserfall erreicht.</p><p>Es ist unm�glich, gegen die Str�mung anzupaddeln, wenn der steil abfallende Flu� inmitten eines Dschungels aus Felsen verl�uft.</p><p>Kisu und ich, die blonde Barbarin und Tende wateten neben dem Kanu durch das Wasser und schoben das Fahrzeug vor uns her. Am Ufer, jeder mit einem Seil versehen, das eine zum Bug, das andere zum Heck f�hrend, m�hten sich Ayari und Alice. Ayari f�hrte das Bugseil, Alice das Heckseil. So bekamen wir das Boot zwar voran, doch nur unter gr��ten M�hen. Es war ein achtsitziges Kanu der Eingeborenen.</p><p>�Rutsch nicht ab, nackte Sklavin!� rief Tende der blonden Barbarin zu.</p><p>�Ja, Herrin!� rief die andere und versuchte auf den Beinen zu bleiben.</p><p>Wir hatten Tende zum Ersten M�dchen gemacht. Immerhin war sie fr�her die Herrin der beiden wei�en Sklavinnen gewesen.</p><p>So w�rden ihr die beiden automatisch gehorchen. Wenn sie es nicht taten, mu�ten sie mit Strafen rechnen. Wenn Tende ihrerseits als Erstes M�dchen nicht gut abschnitt, sollte sie von Alice abgel�st werden, dar�ber hatte ich mich mit Kisu verst�ndigt. Aus Sorge, wom�glich einer fr�heren Sklavin unterstellt zu werden, w�rde Tende sich besondere M�he geben.</p><p>Tende und Alice hatten es sich angew�hnt, die blonde Barbarin �nackte Sklavin� zu nennen. Sie hatte bei uns keinen anderen Namen. Wir hatten ihr keinen gegeben � und das war ein Zeichen ihres niedrigen Status in unserem Kreis. Sie mu�te alle einfachen Arbeiten �bernehmen. Oft weinte die blonde Barbarin abends, doch wir k�mmerten uns nicht um sie; allenfalls forderten wir sie auf, still zu sein.</p><p>�Haltet die Leinen!� rief Kisu.</p><p>Ayari und Alice zogen die Taue straff.</p><p>�Schiebt!� rief Kisu.</p><p>Watend, vom Wasser halb geblendet, schoben wir das Kanu weiter.</p></section><section><title><p>31</p></title><p>�Tauschen! Tauschen! Freunde! Freunde!� riefen sie.</p><p>�F�hr mich nicht unbekleidet dort hinein, Herr!� flehte die blonde Sklavin.</p><p>Wir hatten das Kanu am Ufer hochgezogen, um dem Flu�dorf einen Besuch abzustatten. Ich f�hrte die blonde Sklavin an einer Fessel mit, als wir das Kanu verlie�en. Wir hatten beschlossen, sie wie eine frisch gefangene Sklavin mitzunehmen, um den Verdacht zu zerstreuen, da� sie bei uns nicht in Gunst stand, woraufhin sich die Dorfbewohner vielleicht besonders bem�ht h�tten, sie uns abzukaufen. So konnten wir argumentieren, wir h�tten sie gerade erst gefangen und wollten uns noch nicht von ihr trennen, weil noch keine Gelegenheit gewesen war festzustellen, ob sie als Sklavin zu gebrauchen sei.</p><p>�Wie ist es m�glich, da� ihr mit ihr von Westen �ber den Flu� kommt?� fragte ein Mann, der Grundkenntnisse der Ushindi-Sprache besa�.</p><p>Ich verstand seine Frage nicht.</p><p>Die blonde Sklavin erschauderte unter den offenen Blicken der M�nner.</p><p>�Ist sie eine Taluna?� fragte ein Mann.</p><p>Auch diese Frage blieb mir unverst�ndlich.</p><p>Ayari erwies sich als bemerkenswerter Begleiter.</p><p>Ich glaube nicht, da� es im Dorf jemanden gab, der mehr als nur einige Dutzend Worte Ushindi kannte. Ayari jedoch gelang es mit seinen Sprachkenntnissen, mit seinen Gesten, seiner schnellen Auffassungsgabe und seinem Stock, mit dem er in den Staub zeichnete, unsere Tauschgesch�fte zu erledigen und dar�ber hinaus auch wertvolle Informationen zu sammeln.</p><p>�Shaba war hier�, meldete Ayari.</p><p>�Wann?� fragte ich.</p><p>�Der H�uptling sagt lediglich: �vor langer Zeit��, gab Ayari zur�ck. �Einige von Shabas M�nnern waren krank. Er blieb eine Woche hier.�</p><p>�Das erkl�rt�, sagte ich, �warum hier einige M�nner Ushindi verstehen, wenn auch nur in den Ans�tzen.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte Ayari. �Und bestimmt haben sich Shaba und seine M�nner M�he gegeben, die Anfangsgr�nde der Dorfsprache zu lernen.�</p><p>Ich nickte.</p><p>Wir hatten gegen einige Messer und bunte Glasst�cke mehrere S�cke Mehl sowie Obst und Gem�se eingetauscht.</p><p>�Gibt es sonst noch etwas�, fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete Ayari grinsend. �Wir sollen umkehren.�</p><p>�Warum?� fragte ich.</p><p>�Der H�uptling sagt, der Flu� sei ab hier gef�hrlich. Er sagt, es gebe feindlich gesonnene St�mme, gef�hrliche Flu�abschnitte, riesige Tiere, Ungeheuer und Talunas, wei�h�utige Dschungelm�dchen.� Er deutete auf die blonde Barbarin, die neben mir im Sand kniete. �Er dachte, sie w�re ein solches M�dchen�, fuhr er fort. �Ich habe ihm gesagt, sie sei eine ganz gew�hnliche Sklavin.�</p><p>Ich musterte die blonde Barbarin. �Das stimmt�, sagte ich.</p><p>Sie senkte den Kopf.</p><p>�Shaba ist dann aber doch flu�aufw�rts weitergefahren, oder?� fragte ich.</p><p>�Ja�, entgegnete Ayari.</p><p>�Dann fahre ich auch den Flu� hinauf.�</p><p>�Das tun wir alle�, stellte Kisu fest.</p><p>Ich wandte mich an ihn.</p><p>�Das geh�rt zu meinem Plan�, sagte er.</p><p>�Zu deinem geheimnisvollen Plan?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte er l�chelnd.</p><p>Ich fragte Ayari: �Hat der H�uptling oder einer der anderen irgend etwas von den �Dingen� gesagt, was immer sie waren, von denen im Fischerdorf gesprochen wurde, ohne da� die Leute sich n�her dar�ber auslassen wollten?�</p><p>�Ich habe danach gefragt�, erwiderte Ayari. �Aber man hat nichts Ungew�hnliches bemerkt.�</p><p>�Dann haben wir sie verloren�, sagte Kisu.</p><p>�Mag sein�, entgegnete ich. �Fahren wir weiter?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, sagte Ayari. �Heute abend soll ein Fest stattfinden, es wird gesungen und getanzt.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p></section><section><title><p>32</p></title><p>�Nicht loslassen!� forderte Kisu mit gepre�ter Stimme. Er m�hte sich schwitzend.</p><p>Die M�dchen schrien gepeinigt auf, mit rutschenden F��en standen sie da, gegen das Boot gestemmt, und versuchten zu verhindern, da� es in die Tiefe st�rzte. Ayari f�hrte den Bug. Hinter ihm, mittschiffs, standen die drei M�dchen, und am Heck schoben Kisu und ich. Der Katarakt, der noch etwa zweihundert Meter entfernt war, rauschte ohrenbet�ubend. Das Kanu, das auf unseren Schultern lag, war im Winkel von zwanzig Grad nach oben geneigt. Unter unseren F��en glitten Felsbrocken ab und rollten den Hang hinab.</p><p>�Das ist unm�glich!� rief Ayari.</p><p>�Weitergehen!� forderte Kisu.</p><p>�Ich bin m�de�, �chzte Ayari.</p><p>�Nach oben, nach oben!� rief Kisu.</p><p>�Na sch�n�, steckte Ayari zur�ck, �ich streite mich nie mit gro�en Burschen.�</p><p>Die Landbef�rderung des Kanus war nicht leicht � und es war nicht unsere erste Etappe au�erhalb des Wassers. Wir schickten uns an, den elften Wasserfall des Ua zu passieren.</p><p>Manchmal benutzten wir runde H�lzer unter dem Kanu und zogen es mit Seilen.</p><p>Die Boote Shabas konnten auseinandergenommen werden, was solche Landstrecken erleichterte. Er verf�gte �ber zahlreiche kr�ftige M�nner, die die Lasten bef�rderten. Wir hatten nur uns selbst und drei schm�chtige Sklavinnen.</p><p>�Ich kann nicht mehr�, sagte Ayari. Es war die vierte Landstrecke des Tages.</p><p>�Dann wollen wir ausruhen�, sagte ich.</p><p>Vorsichtig setzten wir das Boot ab. W�hrend es von den anderen festgehalten wurde, steckte ich am unteren Ende einige Felsbrocken dagegen, damit es nicht hangabw�rts rutschte.</p><p>B�ume umstanden uns. �ber uns flogen bunte Dschungelv�gel. Wir h�rten das Gekecker frecher Affen.</p><p>�Bringt die Vorr�te!� befahl Kisu.</p><p>�Ja, Herr�, sagten die M�dchen, die ebenfalls ins Schwitzen gekommen waren. Sie kletterten einige hundert Meter die Schr�ge hinab und holten Paddel, S�cke und B�ndel, die unsere Habe enthielten. Wir bef�rderten diese Dinge getrennt, gew�hnlich �ber Strecken von einoder zweihundert Metern. Kisu und ich wechselten uns am Heck ab. Man mu� schon sehr kr�ftig sein, um das Kanu an dieser Position zu st�tzen und zu lenken.</p><p>�Shaba ist hier durchgekommen�, sagte Kisu, setzte sich und wischte sich den Schwei� wie Wasser von der Stirn.</p><p>�Die Tragstrecken w�ren noch viel anstrengender, wenn er uns nicht den Weg bereitet h�tte�, sagte ich.</p><p>�Das stimmt�, sagte Kisu grinsend. Wir folgten im allgemeinen den Landstrecken, die von Shaba und seinen Kundschaftern festgelegt worden waren. Sie hatten vern�nftige geod�sische Konturen aufgesp�rt und wegen der gr��eren Wasserfahrzeuge f�r ihren Marsch hier und dort sogar B�ume, Ranken und sonstige Hindernisse entfernt.</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Ich bezweifelte nicht, da� wir jetzt viel schneller vorankamen als Shaba. Au�erdem hatte er durch die Krankheit mehrerer M�nner eine ganze Woche verloren, wie wir im letzten Dorf erfahren konnten.</p><p>Die Situation freute mich. Nach dem Ausma� der Regeneration des Dschungels zu urteilen, war Shaba nicht mehr als f�nfzehn bis zwanzig Tage vor uns.</p><p>Ich blickte den Hang hinab. Im G�nsemarsch, angef�hrt von Tende, stiegen die Sklavinnen mit den Vorr�ten den Berg herauf. Als letzte kam die unbekleidete blonde Barbarin, die sich auf anmutige Weise aufrecht hielt und ein B�ndel auf dem Kopf balancierte, das sie allerdings mit den H�nden festhalten mu�te. Sie blickte mich an � es war der Blick einer Sklavin auf ihren Herrn. Das freute mich. Sie legte das B�ndel ab. Zusammen mit den anderen M�dchen schritt sie sodann wieder in die Tiefe, denn unsere Habseligkeiten konnten nicht in nur einer Etappe bef�rdert werden.</p><p>Ayari lag auf dem R�cken und blickte zum Himmel empor. Kisu hockte am Boden und starrte zwischen den B�umen hindurch auf das brodelnde Wasser des Flusses.</p><p>Wenige Minuten sp�ter erreichten uns die M�dchen ein zweites Mal, und wir schlugen unser Lager auf.
 Es war sp�t, und die anderen schliefen bereits.</p><p>Die blonde Barbarin hatte sich noch nicht hingelegt, sondern musterte mich. Als sie meinen Blick bemerkte, senkte sie hastig den Kopf und legte frisches Holz ins Feuer.</p><p>Es ist nicht immer einfach, im Wald ein Feuer zu entz�nden. Im Lauf eines Tages gibt es meistens zwei heftige Regenf�lle, einen am sp�ten Nachmittag, und den anderen in der Nacht, gew�hnlich etwa eine Ahn vor der Mitternacht, der zwanzigsten Stunde. Diese Schauer sind oft von energischen Windst��en begleitet, die meiner Sch�tzung nach Geschwindigkeiten zwischen hundertundzehn und hundertundzwanzig Pasang in der Ahn erreichen k�nnen. Der Wald wird total durchn��t. Man sucht sein Holz unter Felsvorspr�ngen oder unter umgest�rzten B�umen. Man kann auch mit Pangas das nasse Holz umgest�rzter B�ume abhacken, bis man das darunterliegende trockene Holz erreicht. Sogar w�hrend der Hitze des Tages ist es schwierig, geeignetes Brennmaterial zu finden. Der Dschungel dampft noch sehr lange nach dem letzten Niederschlag vor Feuchtigkeit � eine Folge der Hitze. Au�erdem neigen die saftiggr�nen Laubd�cher des Regenwaldes dazu, die Feuchtigkeit festzuhalten. Die starke Sauerstoffbildung der Vegetation, zusammen mit Feuchtigkeit und Hitze, mit dem Geruch der Pflanzen und des verwesenden Pflanzengewebes und Holzes � dies alles verleiht dem �quatorialen Dschungel eine ganz besondere, unverwechselbare Atmosph�re, eine umfassende, erstickende, gr�ne, warme Aura, die wundersch�n und einsch�chternd zugleich ist. Der n�chtliche Dschungel ist k�hler als am Tage, manchmal sogar kalt, auch die Luft ist anders, d�nner, weniger angereichert � weil die Sonnenenergie eben die komplexe Kettenreaktion der Photosynthese nicht anheizt. Trotzdem ist man sich des Nachts der N�he und Weite des Dschungels vielleicht noch mehr bewu�t als bei Helligkeit. Bei Tageslicht ist der Horizont durch das Gr�n beschr�nkt, das auf allen Seiten dicht heranr�ckt. Nachts, bei Dunkelheit, sp�rt man die beinahe grenzenlose Ausdehnung des Dschungels, die unz�hligen Pasang Breite und Tiefe.</p><p>Die blonde Barbarin stocherte mit einem Holzst�ck im Feuer herum.</p><p>Im Dschungel schl�gt man sein Lager niemals in der N�he hoher B�ume auf. Infolge der gro�en Feuchtigkeit schicken die B�ume keine tiefen Wurzeln aus, sondern entwickeln ihre Systeme mehr in horizontaler Richtung. Bei den kr�ftigen Winden, die oft durch den Dschungel fahren, geschieht es h�ufig, da� diese nicht sehr gut verankerten B�ume umst�rzen.</p><p>Ich hatte den Eindruck, als wollte das M�dchen etwas sagen � aber sie schwieg.</p><p>Im Regenwald gibt es eine unglaubliche Vielfalt von Baumarten � ihre genaue Zahl kann ich nicht mal vermuten. Allein die Palmen z�hlen �ber f�nfzehnhundert verschiedene Sorten. Einige dieser Palmen haben �ber zwanzig Fu� lange Bl�tter. Eine Gattung, die F�cherpalme, die gut zwanzig Fu� gro� ist und ihre Bl�tter wie einen ge�ffneten F�cher ausbreitet, ist eine ausgezeichnete Wasserquelle � an jeder Blattwurzel findet sich bis zu einem Liter reines Wasser, das dort wie in einer Tasse gesammelt ist. Eine andere n�tzliche Wasserquelle ist die Lianenranke. Zun�chst nimmt man �ber Kopfh�he einen Einschnitt vor, um zu verhindern, da� das Wasser durch Kontraktion und Oberfl�chenadh�sion nach oben in den Stengel abgezogen wird. Der zweite Schnitt, etwa einen Fu� �ber dem Boden, zapft einen hohlen Stengel an, der ungef�hr einen Liter Wasser ergibt. Im Regenwald existieren mehrere Baum-Arten, die das ganze Jahr �ber Bl�tter verlieren und neu wachsen lassen, die somit stets Laub tragen. Andere verlieren einige Wochen lang ihre Bl�tter � wenn auch nicht zur gleichen Zeit, was sogar f�r B�ume derselben Art gilt �, um dann neue Knospen hervorzubringen. Sie haben ihren Zyklus der Regeneration, der allerdings nichts mehr mit den Winter- und Fr�hlingsperioden zu tun hat, wie sie auf der Erde bestehen.</p><p>�Herr?� fragte das M�dchen.</p><p>�Ja?�</p><p>�Nichts�, sagte sie und wandte den Blick ab.</p><p>Im Regenwald lassen sich drei �kologische Zonen oder Lagen oder Ebenen unterscheiden. Jeder dieser Bereiche ist durch eigene Arten pflanzlichen und tierischen Lebens gekennzeichnet. Die Schichten unterscheiden sich nach Baumh�hen. Die h�chste Ebene ist die der �Herausrager�, jener B�ume, die sich �ber das dichte Laubwerk weiter unten hinausentwickelt haben. Diese Schicht erstreckt sich ungef�hr in einer H�he zwischen hundertundzwanzig und zweihundert goreanischen Fu�. Die zweite Schicht wird oft als Laubdach bezeichnet. Es handelt sich um die phantastische gr�ne Schicht, die das Hauptdach des Dschungels bildet. Sie bestimmt im wesentlichen das Bild, w�rde man auf dem R�cken eines Tarn oder von einem hohen Hang auf den Dschungel herabschauen. Das Laubdach, die Zone der Laubd�cher, erstreckt sich in einer H�he von sechzig bis hundertundzwanzig Fu�. Die erste Zone f�hrt vom Boden bis in eine H�he von sechzig Fu�. Diese erste Zone k�nnte man als �Boden� oder �Grundzone� des Regenwaldes bezeichnen. Auf der Ebene der Herausrager leben vorwiegend V�gel, in erster Linie Papageien, langschn�belige Flieger und Lits, die einen nadelspitzen Schwanz besitzen. Auch Affen und Baum-Urts, Schlangen und Insekten sind in der h�chsten Schicht zu finden. In der zweiten Zone lebt eine unglaubliche Vielfalt von V�geln � Singv�gel, Finken, Mindare, der Hauben-Lit und der gew�hnliche Lit, der Frucht-Tindel, der gelbe Gim, Tanager, einige Papageienarten und viele andere. Nat�rlich sind auch hier Affen und Schlangen anzutreffen, Gleit- und Blatt-Urts, Eichh�rnchen, langschw�nzige Kletterschweine, Echsen, Faultiere und die �bliche Vielzahl von Insekten, Ameisen, Tausendf��lern, Skorpionen, K�fern, Fliegen und so weiter. Auch im unteren Bereich der Dschungelschichten sind gr��ere V�gel anzutreffen, etwa der elfenbeinschn�belige Specht und der Schirmvogel. In dieser Ebene leben gew�hnlich auch die Guernon-Affen. In der Grundzone und auf dem Boden gibt es bestimmte V�gel, einige sogar mit brauchbaren Fl�geln, etwa die hakenschn�belige Gort, die sich in erster Linie von Nagetieren ern�hrt, beispielsweise von Boden-Urts, und den insektenfressenden Pfeif-Finken. Au�erdem gibt es einige stummelfl�gelige Vogelrassen, zum Beispiel den Insektenbohrer und den Gim. Am Flu�ufer finden sich nat�rlich noch viele andere Vogelrassen, etwa der Dschungelgant, der Federfischer und die ringh�lsigen und gelbbeinigen Stelzv�gel. Im Bodenbereich vegetieren weiterhin verschiedene Schlangenarten dahin, etwa die Ost und die Hith, und zahlreiche Insektenspezies. Von der Felsspinne war schon die Rede, aber die Termiten sollten ebenfalls Erw�hnung finden. Die Termiten sind �brigens von gro�er Bedeutung f�r die �kologie des Waldes. Sie fressen und verwerten �ste und St�mme umgest�rzter B�ume. Durch Bakterien wird der daraus entstehende Termiten-�Staub� zu Humus, der Humus zu Stickstoff und Mineralstoffen. In den tiefen �sten der Bodenzone sind au�erdem Kleintiere zu finden, etwa die Tarsiers, Nacht-Affen, schwarze Eichh�rnchen, vierzehige Blatt-Urts, Dschungel-Varts und die einsam herumstreifenden Giani, winzige, katzen�hnliche Panther, die dem Menschen nicht gef�hrlich werden. Der Boden beherbergt seinerseits mehrere Lebensformen, vor allen Dingen Beuteltiere wie die Panzer-Gatch und Nagetiere wie Slees und Boden-Urts. Mehrere Tarsk-Arten leben in dieser Zone, wie auch mehr als sechs Gattungen des Ameisenb�ren und mehr als zwanzig Spezies des kleinen, wendigen einh�rnigen Tabuk. Ferner finden sich hier unten Dschungel-Larls und Panther verschiedener Arten und zahlreiche kleinere katzen�hnliche Raubtiere. Diese gehen dem Menschen jedoch im gro�en und ganzen aus dem Weg. Sie sind im Regenwald weniger gef�hrlich als auf den n�rdlichen L�ngengraden. Ich wei� nicht, warum das so ist � vielleicht liegt es daran, da� sie im Regenwald meistens reichlich Nahrung finden und daher kaum Versuchung versp�ren, sich au�erhalb ihres normalen Beutebereichs umzutun. Gelegentlich greifen sie aber trotzdem an, besonders wenn man sie provoziert oder herausfordert. Auff�lligerweise fehlen im Regenwald des Ua s�mtliche Sleenarten. Das ist ganz gut so, denn der Sleen jagt gew�hnlich auf der ersten Spur, die er findet, nachdem er bei Dunkelwerden seinen Bau verlassen hat. Au�erdem jagt er zielstrebig und hartn�ckig und kann dem Menschen �u�erst gef�hrlich werden, meiner Meinung nach noch gef�hrlicher als der Voltai oder der Larl des Norden. Ich bin der Ansicht, da� der Sleen in den Dschungeln vor allem wegen der Regenf�lle und der sich daraus ergebenden Feuchtigkeit und Schw�le nicht anzutreffen ist. Vielleicht f�hlt sich ein Pelztier, das Schutz in einem unterirdischen Bau sucht, in einer solchen Umgebung nicht wohl. Es gibt allerdings ein sleen�hnliches Tier, das jedoch viel kleiner ist, nur etwa zwei Fu� lang und acht bis zehn Pfund schwer, Zeder genannt. Dieses Wesen ist am Ua und seinen Nebenfl�ssen anzutreffen. Bei Tag schie�t es durch das Wasser und kehrt abends zu seinem Nest zur�ck, das es in Wassern�he aus St�cken und Lehm in den �sten eines Baums errichtet hat.</p><p>Ich lauschte auf die n�chtlichen Dschungelger�usche, das Keckern und Heulen, das Klicken und Schreien der Nachttiere, der V�gel und Insekten.</p><p>Ich warf der blonden Barbarin einen Blick zu. Es war beinahe Zeit zum Schlafen.</p><p>Entgegen der allgemeinen Auffassung ist der Boden des Dschungels kein undurchdringlich zugewachsenes Gewirr, durch das man sich mit Macheten oder Pangas hindurchhauen mu�. Ganz im Gegenteil, das Terrain hier ist normalerweise ziemlich frei. Das ist das Ergebnis der dichten Laubd�cher, die den Boden in den Schatten werfen, der Faktor, der den Bodenwuchs behindert und beschr�nkt. Wenn man sich zwischen den verstreut stehenden Kolonnaden der B�ume umsah, die hoch oben zu den sattgr�nen Kapitellen des Laubdachs explodierten, hatte man oft einen Ausblick �ber Strecken von hundert oder zweihundert Fu� oder mehr. Unwillk�rlich denkt man an die S�ulen eines der gro�en, schattigen Tempel der Wissenden, beispielsweise in Turia oder Ar. Und doch wirkt die nat�rliche Architektur von Sonne, Schatten und Wachstum wie eine lebendige Feier des Lebens und seiner Pracht, nicht wie eine Folge von Verirrungen und des Wahns der Verleugnung, nicht wie eine Erfindung elender Menschen, die auf Frauen, sogar Sklaven, und bestimmte Gen�sse f�r immer verzichtet haben und wie Parasiten von der Ausnutzung des Aberglaubens untergeordneter Kasten leben. Nat�rlich gibt es im Dschungel undurchdringliche oder nahezu unzug�ngliche Bereiche, in der Regel Gebiete, wo Vegetation nachgewachsen ist und die man nur m�hsam �berwindet, indem man sich Streich um Streich mit der Machete oder Panga vorarbeitet. So etwas gibt es normalerweise nur in Bereichen, wo der Mensch eine Fl�che gerodet und sp�ter wieder aufgegeben hat � meistens an Fl�ssen gelegen, und somit reflektieren sie nicht die typische botanische Struktur des jungfr�ulichen Regenwaldes.</p><p>Die blonde Barbarin lie� einige Holzbrocken ins Feuer fallen.</p><p>�Warum entfachst du die Flammen jetzt noch?� fragte ich.</p><p>�Verzeih mir, Herr!� sagte sie.</p><p>Ich l�chelte. Sie wollte sich noch nicht so bald zur�ckziehen. Sie mu�te aber wissen, da� die Zeit zum Schlafengehen gekommen war.</p><p>�Geh zum Sklavinnenpfosten und knie dort nieder!� sagte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Ich lie� sie einige Minuten sitzen. Sie wagte es nicht, �ber die Schulter zu mir zu schauen.</p><p>�Komm her�, sagte ich dann, �und knie vor mir nieder!�</p><p>Sie gehorchte.</p><p>�Was geht dir heute im Kopf herum?� fragte ich.</p><p>�Nichts, Herr!� antwortete sie stammelnd und hielt den Kopf gesenkt.</p><p>�Du darfst sprechen�, sagte ich.</p><p>�Ich wage es nicht.�</p><p>�Sprich!�</p><p>�Tende und Alice tragen Kleidung.�</p><p>�Sie sind nicht nennenswert bekleidet�, erwiderte ich, �und das St�ck Stoff, das sie am Leib haben, kann ihnen von ihrem Herrn nach Lust und Laune wieder fortgenommen werden.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und warf mir einen tr�nenvollen Blick zu.</p><p>�H�re ich recht�, fragte ich, �da� du als Erdenfrau erneut die Gelegenheit erbittest, die dir schon einmal geboten wurde, die du aber ablehntest � die Gelegenheit, dir den Rock zu verdienen?�</p><p>�Ja Herr, ich bitte um diese M�glichkeit.�</p><p>�Obwohl du eine Frau von der Erde bist?�</p><p>�Ja, Herr, obwohl ich eine Frau von der Erde bin.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich m�chte dir zu Gefallen sein, Herr�, sagte sie. �Kannst du das verstehen, Herr?�</p><p>�Ich glaube�, erwiderte ich.</p><p>�Herr�, sagte sie.</p><p>�Warum willst du mich heute abend nicht, Herr?� fragte sie. �Gefalle ich dir nicht?�</p><p>�Vielleicht sp�ter�, sagte ich.</p><p>�Du erziehst mich, Herr, nicht wahr?� fragte sie.</p><p>�Ja�, entgegnete ich.</p></section><section><title><p>33</p></title><p>Kisu und ich m�hten uns am Heck des Kanus, das steil in die H�he zu wuchten war. Ayari und die M�dchen zerrten an Tauen, die wir vorn am Gef�hrt festgemacht hatten. Das Kanu neigte sich empor und kippte nach vorn, als wir es nun in beladenem Zustand auf ebenes Terrain schleppten.</p><p>Das Rauschen des Wasserfalls, der neben uns etwa vierhundert Fu� in die Tiefe st�rzte, war ohrenbet�ubend.</p><p>Es f�llt schwer, die Pracht der Ua-Landschaft jemandem zu beschreiben, der sie nicht aus eigener Anschauung kennt. Da ist zum einen die Breite des Flusses, der sich wie eine m�chtige Stra�e erstreckt, sich hin und her windend, gelegentlich von gr�nen Inseln unterbrochen, hier beh�big flie�end, dort beschleunigt durch Stromschnellen oder Katarakte, manchmal unterbrochen von str�menden Wasserkaskaden, hier nur wenige Fu� hoch, an anderen Stellen wieder viele hundert Fu�. Und ringsum der Dschungel in seiner immensen Ausdehnung, erf�llt von reichhaltigem Leben.</p><p>�Ich bin froh�, sagte Kisu zufrieden und wischte sich den Schwei� von der Stirn.</p><p>�Warum?� fragte ich.</p><p>�Komm mal her!� forderte er mich auf.</p><p>�Sei vorsichtig!� warnte ich. Er watete ins Wasser hinaus.</p><p>�Komm!� wiederholte er.</p><p>Ich watete vierzig bis f�nfzig Fu� weit in die Str�mung. Das Wasser ging uns hier nur bis zu den Knien.</p><p>�Schau doch!� sagte er und hob den Arm.</p><p>Von der H�he des Wasserfalls vermochten wir viele Pasang weit flu�abw�rts zu schauen. Es war nicht nur ein pr�chtiger Ausblick, sondern auch eine sehr vorteilhafte strategische Position.</p><p>�Ich wu�te, da� es so kommen w�rde!� rief er und klatschte sich vor Freude auf die Knie.</p><p>Ich folgte dem ausgestreckten Zeigefinger mit den Blicken und sp�rte, wie sich meine Nackenhaare aufrichteten.</p><p>�Tende! Tende!� rief Kisu. �Komm mal her!�</p><p>Das M�dchen watete mit vorsichtigen Bewegungen zu uns heraus. Kisu packte sie am Nacken und drehte sie flu�abw�rts. �Siehst du das, meine h�bsche Sklavin?� fragte er.</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie erschrocken.</p><p>�Er ist�s!� sagte Kisu. �Er kommt dich holen!�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>�Eilig jetzt ans Ufer!� befahl er. �Mach ein Feuer an, bereite das Essen, Sklavin!�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und hastete aus dem Wasser, um ihre Auftr�ge zu erledigen.</p><p>Ich blickte flu�abw�rts in die Ferne und kniff vor dem Glanz, der auf dem Wasser lag, die Augen zusammen.</p><p>Viele Pasang entfernt, klein, aber deutlich auszumachen, bewegte sich eine Flotte aus Kanus und Flu�booten in unsere Richtung. Es mu�ten ungef�hr hundert Einheiten sein, geruderte Flu�galeeren, der Rest der Flotte, der f�r Shabas urspr�nglich geplante Expedition auf dem Ua vorgesehen war, und vielleicht noch einmal genauso viele Kanus. Wenn die Galeeren eine Besatzung von jeweils f�nfzig Mann hatten und in jedem Kanu f�nf bis zehn Leute sa�en, dann z�hlte die Streitmacht hinter uns zwischen f�nf- und sechstausend.</p><p>�Bila Huruma!� rief Kisu triumphierend.</p><p>�Deshalb hast du mich also den Ua entlang begleitet�, sagte ich.</p><p>�Ich w�re sowieso mit dir gekommen, um dir zu helfen, denn du bist mein Freund�, sagte Kisu. �Gl�cklicherweise f�hrte uns das Schicksal aber dieselben Wege. Ist das nicht ein gro�artiger Zufall?�</p><p>�Ja, gro�artig�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Du begreifst jetzt, wie mein Plan aussah?�</p><p>�Dein geheimnisvoller Plan?� fragte ich grinsend.</p><p>�Ja�, sagte er zufrieden.</p><p>�Ich habe mir so etwas gedacht�, erwiderte ich. �Aber ich meine, da� du dich vielleicht verrechnet hast.�</p><p>�Im Kampf konnte ich Bila Huruma nicht schlagen�, sagte Kisu. �Seine Askaris waren meinen Dorfk�mpfern �berlegen. Jetzt aber habe ich seine vorgesehene Gef�hrtin Tende entf�hrt und ihn in den Dschungel gelockt. Ich brauche ihn nur immer weiter hinter mir herzuziehen, bis er im Dschungel umkommt oder sich, seiner M�nner und Vorr�te beraubt, zum Kampf Mann gegen Mann stellen mu�, Krieger gegen Krieger.�</p><p>Ich schaute ihn an.</p><p>�So werde ich, indem ich Bila Huruma vernichte, sein Reich zerst�ren�, sagte Kisu.</p><p>�Ein intelligenter und k�hner Plan�, sagte ich, �aber ich glaube, du hast dich vielleicht verrechnet.�</p><p>�Inwiefern?� fragte Kisu.</p><p>�Glaubst du wirklich�, fragte ich, �Bila Huruma, der etwa hundert Frauen besitzt oder in Gef�hrtenschaft zugesprochen erh�lt, w�rde dich unter gro�en Gefahren f�r sich und sein Reich in den Dschungel verfolgen, um sich ein M�dchen zur�ckzuholen, das � wie er selbst wei� � zweifellos inzwischen von dir versklavt worden ist und folglich keinen politischen Wert mehr f�r ihn hat, ein M�dchen, das au�erdem von Anfang an nicht mehr f�r ihn war als eine kleine politische Geste gegen�ber einem unwichtigen Winkel seines Reiches am Ngao-See?�</p><p>�Ja�, sagte Kisu. �Das ist f�r ihn eine Sache des Prinzips.�</p><p>�F�r dich mag es eine Sache des Prinzips sein�, sagte ich, �aber ich glaube nicht, da� es das f�r Bila Huruma im gleichen Ma�e ist. Es gibt Prinzipien und Prinzipien. F�r einen Mann wie Bila Huruma steht das Prinzip, sein Reich zu erhalten, sicher �ber solchen unbedeutenden pers�nlichen Belangen.�</p><p>�Aber Bila Huruma ist auf dem Flu߫, sagte Kisu.</p><p>�Anzunehmen�, sagte ich.</p><p>�Folglich irrst du dich.�</p><p>�Mag sein.�</p><p>�Meinst du etwa, er verfolgt dich?� fragte Kisu.</p><p>�Nein�, sagte ich, �ich bin f�r ihn ganz unwichtig.�</p><p>�Also hat er es auf mich abgesehen�, stellte Kisu fest.</p><p>�Mag sein�, antwortete ich. �Vielleicht hast du recht.�</p><p>Kisu machte kehrt und watete zufrieden ans Ufer zur�ck.
 �Zieh dein Gewand aus!� sagte Kisu zu Tende. �Dann folgst du mir.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Ihr anderen d�rft auch mitkommen�, sagte er.</p><p>Wir folgten Kisu und Tende in die Mitte des Flusses, wo sich oberhalb der F�lle ein flacher Felsen befand. Wir erstiegen die sichere Fl�che. Von hier konnten wir flu�abw�rts schauen und viele Pasang entfernt die Kanuund Galeerenflottille des Ubars Bila Huruma erkennen.</p><p>�Was hast du mit mir vor, Herr?� fragte Tende.</p><p>�Ich werde dich nackt tanzen lassen�, antwortete er und schob sie auf dem Felsen nach vorn, so da� sie in Str�mungsrichtung blickte.</p><p>Zitternd, nur in ihre Sklavenkette gekleidet, verharrte Tende auf dem Felsen.</p><p>�Bila Huruma!� rief Kisu. �Ich bin Kisu!� Er deutete auf das M�dchen. �Das ist Tende, die deine Gef�hrtin werden sollte! Ich habe sie dir genommen! Ich habe sie zu meiner Sklavin gemacht!�</p><p>Sollte Bila Huruma, wie Kisu vermutete, bei der Flotte sein, konnte er ihn nat�rlich nicht h�ren. Die Entfernung war zu gro�. Au�erdem h�tte man Kisus Stimme selbst aus f�nfzig Metern Distanz kaum h�ren k�nnen, so laut war das Brausen der Wasserf�lle. Ich hatte keinen Zweifel, da� wir von den Booten �berhaupt nicht gesehen werden konnten. Wir konnten die Flotte insbesondere wegen der Gr��e der Galeeren und ihrer Zahl an kleinen und gro�en Booten ausmachen, wobei die kleineren Einheiten im einzelnen kaum zu unterscheiden waren. H�tte uns nur ein einziges Kanu verfolgt, w�re es nicht zu sehen gewesen. Von der Flotte aus mu�ten wir auf �hnliche Weise nur Punkte vor einem unruhigen Hintergrund sein � und folglich so gut wie unsichtbar. Im Palast des Bila Huruma waren mir Ferngl�ser der Hausbauer nicht aufgefallen. Shaba dagegen w�rde ein solches Ger�t sein eigen nennen. Die Ann�herung an ihn w�rde nicht einfach sein.</p><p>�Das ist Tende!� rief Kisu seinem fernen Feind zu und versuchte das Br�llen der Katarakte zu �bert�nen. �Sie sollte deine Gef�hrtin werden. Ich habe sie dir genommen! Ich nahm sie in Besitz! Ich f�hre sie dir jetzt unbekleidet vor � als meine Sklavin!�</p><p>�Er kann dich nicht h�ren oder sehen!� rief Ayari.</p><p>�Macht nichts!� lachte Kisu. Er versetzte Tende einen fr�hlichen Schlag auf das Hinterteil.</p><p>�Oh!� rief sie.</p><p>�Tanz, Tende!� befahl er und begann zu singen und in die H�nde zu klatschen, wobei er flu�abw�rts schaute.</p><p>Anmutig streckte Tende die Arme aus und tanzte auf dem flachen Felsen im Ua-Flu�, begleitet von dem Gesang und H�ndeklatschen Kisus � so tanzte sie vor dem fernen Bila Huruma, dem Feind ihres Herrn, dem sie gestohlen worden war.</p><p>Sie tanzte gut.</p><p>Ich beobachtete die Augen der blonden Barbarin, die neben Alice auf dem Stein kniete. Diese Augen zeigten Erregung. Wie sch�n Tende aussah! Und wie aufregend war f�r die blonde Sklavin die Erkenntnis, da� ein Mann eine Frau zu so etwas bringen konnte.</p><p>Kisu klatschte in die H�nde und sang immer weiter.</p><p>T�nzerinnen bringen auf Gor gute Preise. Einige Sklavenh�ndler sind auf T�nzerinnen spezialisiert und kaufen und verkaufen sie nicht nur, sondern verleihen sie auch. In Ar fallen mir dazu die H�user von Kelsius und Aurelius ein. Es wird behauptet, die besten T�nzerinnen Gors w�ren in Ar zu finden; andere meinen, da� sie in Port Kar anzutreffen sind, wieder andere finden dieses Ideal in der Tahari oder in Turia verwirklicht. Solche Gegens�tze sind nach meinem Daf�rhalten sinnlos. Ich bin schon in vielen St�dten gewesen und habe �berall wunderbare T�nzerinnen angetroffen.</p><p>�Genug!� rief Kisu fr�hlich. Tende h�rte auf zu tanzen. Kisu f�hrte sie zum Ufer zur�ck. Wir folgten ihm, und ich warf einen letzten Blick auf die winzigen Gebilde, die noch weit entfernt waren und die zahlreiche M�nner enthielten.</p><p>Kisu und ich schoben das Kanu ins flache Wasser. Ich hielt es fest, w�hrend Kisu Tende darin niederknien lie� und fesselte.</p><p>�Warum fesselst du mich, Herr?� fragte sie.</p><p>�Bila Huruma ist hinter uns�, erwiderte er. �Du wirst auf keinen Fall zu ihm zur�cklaufen.�</p><p>Sie legte den Kopf in den Nacken und lachte. �O Herr!� rief sie.</p><p>�Was stimmt denn nicht?� fragte er.</p><p>�Ich m�chte gar nicht fortlaufen�, sagte sie.</p><p>�Oh?�</p><p>Sie blickte ihn an. �Wei�t du nicht l�ngst, mein Herr, da� Tende deine eroberte Sklavin ist?�</p><p>�Trotzdem gehe ich mit dir kein Risiko ein, Sklavin!� sagte er.</p><p>�Wie mein Herr es w�nscht�, sagte sie und senkte den Kopf.</p><p>Ich erkannte in diesem Augenblick, da� die stolze Tende, die einmal so herablassend-k�hl gewesen war, sich in eine Liebessklavin verwandelt hatte, die ihrem Schicksal ergeben war. Ich l�chelte. In der Tat � politisch hatte sie ihren Wert verloren.</p><p>�Was ist mit den Resten der Feuerstelle?� fragte Ayari. �Sollten wir nicht alle Spuren beseitigen?�</p><p>�Nein�, sagte Kisu. �La� alles so, wie es ist.�</p><p>�Aber das zeigt doch deutlich, welchen Weg wir genommen haben�, widersprach Ayari.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Kisu. �Das ist auch meine Absicht.�</p><p>Anschlie�end wateten wir neben dem Kanu in die Flu�mitte hinaus. Nur Tende befand sich in dem kleinen Boot.</p><p>Kisu, h�fttief im Wasser stehend, blickte noch einmal �ber die F�lle. Er hob die Faust und sch�ttelte sie. �Folge mir, Bila Huruma!� rief er. �Folge mir, Bila Huruma, wenn du es wagst!�</p><p>Seine Stimme war im Rauschen des Wassers kaum zu h�ren. Er senkte die Faust, stieg ins Kanu und nahm seine Position am Heck ein. Ayari und Alice folgten seinem Beispiel. Ich stieg als n�chster ein, fa�te die blonde Barbarin unter die Arme und zog sie hinter mir her. Ich lie� sie nicht sofort wieder los. Sie wandte den Kopf �ber die Schulter zur�ck.</p><p>�Hast du gesehen, wie sie nackt getanzt hat?� fragte sie.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte ich. �Sie ist ja nur eine Sklavin � wie du.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Ich schob sie nach vorn auf ihren Platz, und wir griffen nach den Paddeln.</p><p>Einmal blickte sie zu mir zur�ck. Ich sah, da� die Sklavin in ihr bereit war, freigelassen zu werden. Ich nahm an, da� sie noch diese Nacht zu mir kommen w�rde.</p></section><section><title><p>34</p></title><p>�Vorsicht!� rief ich.</p><p>Der Tarsk, ein kleines Tier, keine vierzig Pfund schwer, griff schnaubend an, die Hauer w�tend gesenkt, Bl�tter hinter sich aufstiebend.</p><p>Er schlug einen Haken und hieb mit den gekr�mmten Hauern zu. Im letzten Augenblick konnte ich das Tier mit der Spitze des Eingeborenenspeers zur Seite dr�cken, den wir zusammen mit dem Kanu erbeutet hatten. Mit unglaublicher Geschwindigkeit griff der Tarsk erneut an.</p><p>Die blonde Barbarin schrie auf.</p><p>Wieder stach ich zu. Und erneut wirbelte das Tier herum und st�rmte auf mich zu, und ich mu�te es zum wiederholten Male zur�cksto�en. An der Speerklinge schimmerte Blut, ebenso auf dem Fell des Tarsk. Solche Tiere jagt man am besten vom R�cken einer Kaiila in freiem Gel�nde. Sie sind schlau, halsstarrig und schnell. Der Riesen-Tarsk, der in der Schulter eine H�he bis zu zehn Hand erreicht, wird sogar von dem R�cken des Tarn aus gejagt � mit schweren Lanzen.</p><p>Das Gesch�pf schn�ffelte und schnaubte und attackierte erneut. Wieder lenkte ich die heranst�rmende Masse zur Seite ab. Einem solchen Tier folgt man nicht in den Busch. Nicht nur, weil man im Dickicht so schlecht sehen kann, sondern weil man Bewegungsfreiheit f�r seine Waffen braucht. Selbst im Freien wie jetzt, auf einer Lichtung zwischen B�umen, war der Einsatz des Speers nicht einfach, da das Tier sich nie weit entfernte und unglaublich schnell wieder vorst�rmte.</p><p>Pl�tzlich drehte der Tarsk den kurzen, breiten Kopf, von dem eine borstige M�hne aus �ber den R�cken bis zum Schwanz lief. �Hinter mich!� rief ich dem M�dchen zu. Das Tier senkte den Kopf auf dem kurzen, dicken Nacken und raste auf die blonde Barbarin los. Schreiend stolperte sie r�ckw�rts und st�rzte, als das Tier sie eben erreichte. Doch im gleichen Augenblick stie� ich das Tier von der Seite fort. Sofort griff es mich an. Wieder lenkte ich es aus der Bahn. Doch ehe es sich von neuem drehen konnte, stie� ich dem Tarsk den Speer hinter dem rechten Vorderbein durch den untersetzten K�rper.</p><p>Schweratmend hob ich den Kopf. Dann setzte ich dem Tier den Fu� in die Flanke und zog den Speer heraus.</p><p>Ich wandte mich an die blonde Barbarin. �Alles in Ordnung mit dir?� fragte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte sie. Ihr linkes Bein war an der Au�enseite blutverschmiert, etwa sechs Zoll �ber dem Kn�chel.</p><p>Ich ging neben ihr in die Hocke. �Gib mir dein Bein!� sagte ich.</p><p>Ich betrachtete das Bein. Sie setzte sich auf den Boden des Regenwaldes. Ihr Bein f�hlte sich in meiner Hand sehr gut an.</p><p>�Ist es etwas Schlimmes, Herr?� fragte sie.</p><p>�Nein, nur ein Kratzer�, erwiderte ich. Sie hatte Gl�ck gehabt.</p><p>�Es wird doch keine Narbe geben, oder?� fragte sie.</p><p>�Nein.�</p><p>�Das ist gut�, sagte sie und stemmte sich erleichtert auf die H�nde zur�ck. �Ich m�chte h�bsch sein�, sagte sie, �f�r mich selbst � und f�r meinen Herrn.�</p><p>�Du bist h�bsch�, sagte ich. �In den letzten Wochen bist du sogar noch h�bscher geworden.�</p><p>�Vielen Dank, Herr�, sagte sie und schaute mich an. �Ich geh�re dir, das wei�t du�, fuhr sie fort.</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Und doch hast du mich seit Schendi nicht mehr besessen�, sagte sie.</p><p>�Das stimmt�, erwiderte ich.</p><p>�Du zwangst mich dort, mich dir als Sklavin hinzugeben.�</p><p>Ich l�chelte. Sie schien noch immer nicht zu erkennen, da� ich in jenen kurzen Sekunden in Schendi die Sklavin in ihr befreit hatte, die so lange in ihr verborgen gewesen war, ein Element, das sie erschrocken in sich selbst entdeckt hatte.</p><p>Ich stand auf und ging einige Meter zu einer F�cherpalme. Aus dem Blattansatz eines der breiten Bl�tter sammelte ich eine doppelte Handvoll frisches Wasser. Ich kehrte zu dem M�dchen zur�ck und wusch sorgf�ltig die Wunde aus. Sie zuckte zusammen. Anschlie�end schnitt ich einige Bl�tter ab und wickelte sie ihr um das Bein. Den Verband sicherte ich mit einigen Str�hnen der Teppichpflanze.</p><p>�Danke, Herr!� sagte sie und legte mir die Arme um den Hals. Ich zog sie herunter und versetzte ihr einen energischen Schlag.</p><p>�Das n�chste Mal�, sagte ich streng, �bleibst du hinter mir, wenn ich es dir sage!�</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie.</p><p>Ich kehrte zu dem toten Tarsk zur�ck.</p><p>Nachdem Tende �ber den Wasserf�llen getanzt hatte, waren wir mehrere Stunden lang flu�aufw�rts gefahren. Am Sp�tnachmittag hatten wir das Kanu ans Ufer gesteuert und getarnt, um anschlie�end wie �blich unser Lager aufzuschlagen.</p><p>�Ich h�tte Lust auf Fleisch�, hatte Kisu gesagt. �Ich auch�, erwiderte ich. �Ich werde jagen.� Kisu und ich, die wir beide Krieger waren, wollten Fleisch zu essen. Au�erdem vermuteten wir, da� der vor uns liegende Flu� immer gef�hrlicher werden w�rde � so hatte man uns im letzten Dorf jedenfalls gesagt. Wir waren der Meinung, da� die Kraft der Fleischproteine uns langfristig bei unserem Vorhaben helfen konnte.</p><p>�Komm her!� sagte ich zu dem M�dchen.</p><p>Ich hob den Tarsk vom Boden hoch.</p><p>Wir waren gut zwei Ahn lang durch den Regenwald gelaufen, ehe wir auf das Tier stie�en.</p><p>�Beug dich vor!� sagte ich.</p><p>Ich legte ihr den Tarsk auf die Schultern. Sie taumelte unter dem Gewicht.</p><p>Dann wandte ich mich ab und verlie� die Lichtung. Meine H�nde waren frei f�r den Speer. Keuchend, stolpernd, folgte meine Sklavin mit der schweren Beute.
 Ich blickte zwischen den B�umen empor. �Es wird dunkel�, sagte ich. �Wir werden die anderen vor Einbruch der Nacht nicht mehr erreichen k�nnen. Wir schlagen im Wald ein kleines Lager auf und marschieren am Morgen weiter.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.
 �Der Tarsk ist fertig�, sagte sie.</p><p>Ich nahm ein Ende des Spie�es in beide H�nde und hob den Tarsk vom Feuer, um ihn auf einige Bl�tter zu legen. Anschlie�end hockte ich daneben nieder und begann das Tier bis zum Spie� aufzuschneiden. Ich hob den Blick. Das M�dchen, das am Feuer kniete, beobachtete mich. Ich schnitt mir Scheiben des Fleisches ab und a�. Nachdem ich meinen Appetit gestillt hatte, �berlie� ich auch dem M�dchen ihren Teil. Sie nahm das St�ck in beide H�nde und begann zu essen, ohne den Blick von mir zu nehmen.</p><p>Nach einer Weile wischte ich mir mit dem Unterarm �ber das Gesicht. Ich hatte meine Mahlzeit beendet. Wieder blickte ich zu dem M�dchen hin�ber. �M�chtest du mehr?� fragte ich.</p><p>�Nein, Herr.�</p><p>Dann legte ich mich seitlich nieder, den Kopf in die Hand gest�tzt, und betrachtete meine wundersch�ne Sklavin. Es ist sehr angenehm, Frauen zu besitzen.</p><p>Die blonde Barbarin betrachtete die Fesseln, die ich ihr angelegt hatte.</p><p>�Herr?� fragte sie. �M�ssen Sklavinnen gefesselt werden?� fragte sie.</p><p>�Nicht alle�, antwortete ich. �Denn nicht alle M�dchen wollen fliehen.�</p><p>�Ich h�tte Angst zu fliehen, Herr�, sagte sie.</p><p>�Du hast in Port Kar zu fliehen versucht�, sagte ich. Ich hatte sie eingefangen und gefesselt und zu Ulafi zur�ckgebracht, der zu der Zeit ihr Herr war. Es war mein Ziel gewesen, sie nach Schendi bringen zu lassen, damit ich ihren Verk�ufen folgen und die Spur zu Shaba finden k�nnte, dem Verr�ter an den Priesterk�nigen.</p><p>�Damals wu�te ich nicht im geringsten, was es bedeutet, Sklavin auf Gor zu sein�, entgegnete sie.</p><p>�Jetzt aber begreifst du davon ein wenig, wie?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte sie und neigte den Kopf. �Und es ist seltsam. Ich h�tte mir in meinem ganzen Leben nicht tr�umen lassen, da� ich jemals vor einem Mann knien und ihm sagen wollte, da� ich bereit sei, ihm zu Gefallen zu sein, wie es ihm beliebe. Aber er befiehlt es mir nicht.�</p><p>�Wenn du wolltest�, sagte ich, �k�nntest du mir sicher auf die eine oder andere Weise zu Gefallen sein.�</p><p>�Aber ich bin Sklavin�, sagte sie.</p><p>�Genau�, erwiderte ich.</p><p>�Du wei�t doch genau, nicht wahr�, fragte sie, �da� ich dich als Sklavin erfreuen m�chte?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Dann befiehl es mir!� flehte sie mich an.</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber ich bin eine Frau von der Erde!�</p><p>�Nicht mehr�, gab ich zur�ck. �Du bist jetzt eine goreanische Sklavin.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und stand auf. �Ich habe auch meine Bed�rfnisse�, sagte sie. �Und ich m�chte meinem Herrn dienen.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>Pl�tzlich barg sie den Kopf in den H�nden und schluchzte. �Ich wage es nicht!� rief sie. �Befiehl es mir! Befiehl es mir!�</p><p>�Nein�, sagte ich. Ich hatte keine Eile.</p><p>Nach einiger Zeit nahm sie die H�nde aus dem Gesicht und wischte sich die Tr�nen ab. �Binde mich f�r die Nacht an!� forderte sie.</p><p>�Na sch�n�, sagte ich.</p><p>�Nein!� rief sie erschrocken. �Nein!�</p><p>�Na sch�n�, wiederholte ich.</p><p>Sie richtete sich auf. Sie l�chelte. In ihren Augen standen Tr�nen. �Was ich nun tun will, tue ich aus eigener freier Entscheidung. Ich habe sexuelle Bed�rfnisse. Ich m�chte meinem Herrn die Dringlichkeit dieser Bed�rfnisse vor Augen f�hren und hoffe, er wird sich meiner erbarmen und sie befriedigen. Ich hoffe au�erdem, da� mein Herr mich nicht v�llig absto�end findet.�</p><p>Sie legte den Kopf in den Nacken und schluchzte freudvoll auf. Die Sklavin in ihr war endlich aus ihrem Verlies frei. Sie w�rde nie in die Enge des Gef�ngnisses zur�ckkehren.</p><p>�Ich bin frei�, fl�sterte die blonde Barbarin. �Endlich bin ich frei!�</p><p>��berleg dir, was du da sagst!� ermahnte ich sie.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Ich f�hle mich so frei�, sagte sie und betrachtete mich mit tr�nenvollen Augen.</p><p>�Auf eine Weise bist du frei, auf eine andere nicht. Emotionell hast du dich befreit, du bist pl�tzlich zufrieden mit dir selbst. In welcher Beziehung du nicht frei bist, liegt auf der Hand. Du bist Sklavin und deinem Herrn ausgeliefert.�</p><p>�Ja, Herr�, hauchte sie.</p><p>Und ich umfa�te ihre Oberarme und dr�ckte sie sanft, aber unaufhaltsam r�ckw�rts.</p><p>�Ja, Herr�, wiederholte sie.
 �Es ist hell, Herr�, sagte sie leise.</p><p>Ich erwachte, rollte herum und stemmte mich auf einen Ellbogen. Ich betrachtete sie in der feuchtschimmernden Morgend�mmerung. Sie lag neben mir.</p><p>�Wir m�ssen bald weiter�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr�, erwiderte sie. Sie war wundersch�n. �Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so gl�cklich�, fl�sterte sie.</p><p>�Du bist Janice�, sagte ich � und gab ihr damit ihren Namen.</p><p>�Danke, Herr�, sagte sie und legte den Kopf in den Nacken.</p><p>Ich hatte sie im Lauf der Nacht mehrere Male den hilflosen Sklavenorgasmus erleben lassen, der ihr bisher verschlossen gewesen war.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� es solche Empfindungen �berhaupt gibt�, sagte sie vertr�umt.</p><p>�Nur die Sklavin ist dazu f�hig�, sagte ich, �ber ihr stehend.</p><p>�Ich liebe dich, Herr�, sagte sie.</p><p>�Zweifellos wirst du oft gekauft und verkauft werden, Sklavin�, sagte ich, �und wirst viele Herren haben.�</p><p>�Ich werde versuchen, meine Herren zu lieben.�</p><p>�Das ist sicher klug.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie l�chelnd. Ich betrachtete sie. Vielleicht w�rde sie eines Tages ihren Liebesherrn finden � der Mann, f�r den sie die vollkommene Liebessklavin war.</p><p>Ich versetzte ihr einen Tritt in die Flanke. �Aufstehen!� befahl ich.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>Ich hockte mich nieder und a� etwas Tarskfleisch. Dann zog ich ein St�ck Rindentuch aus meinem G�rtel und warf es ihr hin. �Zieh dich an!�</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie l�chelnd. Sie wand sich das St�ck Stoff um die H�fte und steckte es fest. Anschlie�end r�ckte sie das Gewand noch ein wenig tiefer auf die H�ften, damit die h�bsche Rundung ihres Bauches gut zur Geltung kam.</p><p>�Gefalle ich meinem Herrn?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>L�chelnd drehte sie sich vor mir und fiel mir dann hingebungsvoll in die Arme.</p><p>�Wir m�ssen weiter�, sagte ich. Dann aber dr�ckte ich sie erneut zu Boden. Ich warf ihr den Rest des Tarsk �ber die Schultern. Sie taumelte ein wenig unter der Last. Dann richtete sie sich wieder auf.</p><p>�Ich wei�, warum die meisten Sklavinnen ihren Herren nicht ausrei�en wollen�, sagte sie.</p><p>�Warum denn?� fragte ich.</p><p>�Weil wir sie lieben und ihnen gefallen wollen�, sagte sie.</p><p>Ich drehte sie herum und stie� sie in die Richtung unseres Hauptlagers, in dem Kisu und die anderen auf uns warteten.</p><p>Dann folgte ich ihr.</p><p>�Har-ta, Kajira!� rief ich. �Schneller, Sklavin!� trieb ich sie an.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p></section><section><title><p>35</p></title><p>�Bitte fessele mich heute abend nicht, Herr!� flehte Tende.</p><p>�Sei still!� rief Kisu und band ihr die H�nde.</p><p>Es war eine Woche her, seit wir von der H�he des Wasserfalls aus die Flottille Bila Hurumas weit hinter uns ausgemacht hatten.</p><p>�Janice�, fl�sterte Tende.</p><p>Janice, die nicht angebunden war, kroch zu der anderen Sklavin, die sich in eine sitzende Position hochgem�ht hatte. �Herrin?� fragte Janice.</p><p>�Wie kann ich Kisu noch mehr gefallen?� fragte das Erste M�dchen in unserer Gruppe.</p><p>�F�hlst du tief in deinem Herzen, da� du Sklavin bist?� fragte Janice.</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann diene ihm auch als Sklavin, und zwar r�ckhaltlos�, sagte Janice.</p><p>�Das werde ich tun.�</p><p>Die beiden M�dchen unterhielten sich auf Goreanisch. Kisu hatte mich gebeten, Janice und Alice zu befehlen, Tende Unterricht zu geben. Ich war einverstanden. In den Wochen unserer Flu�fahrt hatte sie sich gute Kenntnisse angeeignet, so da� sie das Goreanische schon einigerma�en flie�end beherrschte. Tende war eine intelligente Frau. Nat�rlich profitierte auch Kisu von diesen Lektionen. Vielleicht hatte er sich den Unterricht zum Teil auch im eigenen Interesse erbeten. Auch ich fand es gut, da� sich Kisu und Tende in der Sprache besser auskannten � angesichts der Zusammensetzung unserer Gruppe war Goreanisch wirklich das beste Verst�ndigungsmittel.</p><p>Janice kehrte an meine Seite zur�ck.</p><p>�Mich hat er gefesselt, und dich nicht�, klagte Alice, die einige Fu� entfernt von mir niederkniete.</p><p>�Ach, halt den Mund!� sagte Janice.</p><p>�Binde mich los, ich will dir dienen�, flehte Alice.</p><p>�Nein, ich werde ihm dienen.�</p><p>�Herr!�</p><p>�Sei still, oder ich kratze dir die Augen aus!�</p><p>Einer der unsch�neren Aspekte der Sklavenhaltung ist zuweilen die Konkurrenz unter den M�dchen. Solche Rivalit�ten k�nnen einem auf die Nerven gehen, sind aber wohl nicht zu vermeiden.</p><p>�Geht schlafen, ihr beide!� befahl ich, ehe es zu weiteren Auseinandersetzungen kommen konnte.</p><p>�Ja, Herr�, sagte Alice.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete Janice.</p></section><section><title><p>36</p></title><p>�Dort�, sagte Ayari und deutete mit ausgestrecktem Arm. Wir setzten das Kanu ab, das wir an dem rauschenden Katarakt vorbeitrugen.</p><p>Inmitten der Felsen erblickten wir die �berreste des Hecks einer Flu�galeere. Gebrochene Planken, trocken und hei�, ragten ins Sonnenlicht, w�hrend das eigentliche Heck weiter unten feucht und schwarz zwischen den Steinen festgeklemmt war, umsch�umt von den tobenden Fluten. Das Steuerruder hing zerbrochen zur Seite herab.</p><p>Ich watete zu dem Wrack hinaus. Es gab dort aber nichts zu finden, was das Bergen lohnte.</p><p>�Das Ding kann viele Pasang weit den Flu� herabgesp�lt worden sein�, sagte Ayari.</p><p>Ich nickte. Vor langer Zeit hatten wir schon einmal ein St�ck aus dem Flu� gefischt, welches vielleicht Zeugnis von einem Ungl�ck auf dem Flu� ablegte � eine Truhe mit Tauschware, die wir anschlie�end zu unserem Vorteil hatten verwenden k�nnen. Wrackteile hatten wir jedoch nicht gesehen. Vielleicht war die Truhe also nur nicht richtig festgezurrt gewesen und �ber Bord gesp�lt worden. Andererseits mochte ein Boot gekentert sein. Allerdings hatten wir keine �berreste gefunden. Soweit wir wu�ten, war dies also das erste Boot, das Shaba verloren hatte.</p><p>Ich stemmte die Schulter gegen das Holz. Dann dr�ckte ich mit dem R�cken dagegen. Ich pre�te die St�cke los und sorgte daf�r, da� die Str�mung das Holz mitri�, wirbelnd, nach Westen.</p><p>Anschlie�end kehrte ich ans Ufer zur�ck. Shaba verf�gte nur noch �ber zwei Galeeren.</p><p>�Klug von dir, das Wrack loszumachen�, sagte Kisu und sah sich um. �Je weniger Hinweise es gibt auf Fremde am Flu�, desto sicherer werden wir alle sein.�</p><p>Ich schaute mich ebenfalls zum Dschungel um. Es schien alles ruhig zu sein. �Ja�, erwiderte ich. �Aber ich h�tte das St�ck sowieso freigemacht.�</p><p>�Warum?� erkundigte sich Kisu.</p><p>�Es sind die �berreste eines Schiffes. Sie sollten frei sein.� Wie konnte ich Kisu, einem Binnenl�nder, die Gef�hle von M�nnern nahebringen, die die Wogen des Thassa erlebt hatten?</p><p>�Mich wirst du nicht befreien, Herr, nicht wahr?� fragte Janice.</p><p>�Nein�, sagte ich, �denn du bist eine Frau.�</p><p>Und wir hoben das Kanu an und setzten unseren beschwerlichen Weg fort.</p></section><section><title><p>37</p></title><p>Der H�uptling, der auf seinem niedrigen Schemel sa�, deutete auf Tende. Kisu hielt ihm Perlenketten aus purpurnem Glas hin. Der H�uptling sch�ttelte energisch den Kopf und deutete erneut auf Tende.</p><p>Tende kniete neben Kisu. In den Wochen, die seit ihrer Unterhaltung mit Janice vergangen war, hatte sie sich zur hervorragenden Liebessklavin entwickelt. So etwas l��t sich schwerlich verbergen. Die Augen des H�uptlings, die das M�dchen musterten, funkelten.</p><p>Kisu sch�ttelte ablehnend den Kopf.</p><p>Obwohl Tende ihrem Herrn die gro�e Zuneigung mehr als einmal bewiesen hatte, achtete er strengstens auf Sicherheit, damit ihm seine Sklavin nicht entfloh.</p><p>�Wir sollten von hier verschwinden�, sagte Ayari nerv�s.</p><p>�Ja�, stimmte ich ihm zu.</p><p>Wir standen auf und schoben uns durch die Gruppe der Dorfbewohner. Der H�uptling rief etwas hinter uns her, doch wir gingen weiter. Ich stie� einen Mann zur Seite.</p><p>Wir hasteten zum Kanu und schoben es �berst�rzt auf den Flu� hinaus.</p></section><section><title><p>38</p></title><p>Ayari kehrte ans Lagerfeuer zur�ck.</p><p>Pl�tzlich fuhr er erstaunt zusammen. �Janice ist ja hier!� rief er.</p><p>�Ja�, sagte ich. Janice und Alice blickten zu ihm empor.</p><p>�Was ist?� wollte Kisu wissen.</p><p>�Ich dachte, ich h�tte sie eben noch im Wald gesehen�, sagte er. �Hat sie nicht Holz gesammelt?�</p><p>�Nein�, sagte ich und sprang auf. �F�hr mich an die Stelle, an der du sie gesehen haben willst.�</p><p>�Dort�, sagte Ayari kurze Zeit sp�ter und deutete auf eine Stelle zwischen einigen B�umen.</p><p>Wir untersuchten die Fl�che. Ich hockte mich nieder und betrachtete den Boden im Mondlicht. �Ich sehe keine Spuren�, bemerkte ich.</p><p>�Zweifellos eine T�uschung, die durch Licht und Schatten hervorgerufen wurde�, sagte Ayari.</p><p>�Zweifellos�, sagte ich.</p><p>�Kehren wir ins Lager zur�ck�, sagte er.</p></section><section><title><p>39</p></title><p>�Dort rechts liegt ein Dorf�, sagte Ayari.</p><p>In den letzten sechs Tagen waren wir an zwei D�rfern vorbeigefahren. Bei unserer Ann�herung waren M�nner mit Schilden und Speeren ans Ufer geeilt und hatten uns mit drohenden Bewegungen abgewehrt. Wir waren in der Mitte des Flusses geblieben und weitergefahren.</p><p>�Am Ufer sind Frauen und Kinder�, stellte Ayari fest. �Sie winken uns heran.�</p><p>�Wie angenehm, mal ein friedliches Dorf zu erleben�, sagte Alice.</p><p>�Gehen wir an Land�, sagte Ayari. �Vielleicht k�nnen wir Obst und Gem�se eintauschen und Informationen sammeln �ber den Mann, den du suchst, den Mann, der da Shaba genannt wird.�</p><p>�Es mu� sehr angenehm sein, mal wieder in einer H�tte zu schlafen�, sagte Janice. Nachts regnet es oft im Dschungel, meistens vor der zwanzigsten Ahn.</p><p>Wir steuerten das Kanu auf das Ufer zu.</p><p>�Wo sind die M�nner?� fragte ich.</p><p>�Ja�, griff Kisu meine Frage auf, �wo sind die M�nner?�</p><p>Unser Kanu war noch etwa vierzig Meter vom Ufer entfernt. �Paddel halt!� sagt Ayari.</p><p>�Sie lauern hinter den Frauen!� rief ich.</p><p>�Wendet das Kanu!� sagte Kisu heftig. �Beeilt euch! Paddelt!�</p><p>Als die Horde der Frauen und Kinder sah, da� wir kehrtmachten, lief sie auseinander. Dahinter wurden Dutzende von M�nnern sichtbar, die Speere und Schilde, Messer und Pangas schwingend zum Wasser herabst�rzten und dabei ein lautes Geschrei anstimmten.</p><p>Ringsum klatschten Speere ins Wasser. Die Waffen tauchten kurz unter und wirbelten dann mit der Str�mung davon.</p><p>Einer der M�nner, die uns nachschwammen, erreichte das Boot. Ich stie� ihn mit dem Paddel zur�ck.</p><p>�Paddelt! Schnell!� forderte Kisu.</p><p>Wir blickten uns um. Es wurden jedoch keine Kanus ins Wasser geschoben.</p><p>�Sie verfolgen uns nicht�, sagte Ayari.</p><p>�Vielleicht wollten sie uns nur vertreiben�, meinte Alice.</p><p>�Vielleicht�, sagte Ayari, �kennen sie den Flu� besser als wir und m�chten ihn in �stlicher Richtung nicht befahren.�</p><p>�M�glich�, sagte ich.</p><p>�Was sollen wir tun?� fragte Ayari.</p><p>�Weiterfahren�, sagte Kisu.</p></section><section><title><p>40</p></title><p>Ich blickte zu den Sternen empor.</p><p>Ich lauschte auf die Ger�usche des Dschungels und das leise Knacken des Holzes in unserem Lagerfeuer.</p><p>�Ha�t du mich, Herr?� fragte Tende, die neben Kisu kniete.</p><p>�Nein�, antwortete er.</p><p>�Gefalle ich dir nicht wenigstens ein wenig?�</p><p>�M�glich.�</p><p>�Ich liebe dich�, sagte sie.</p><p>�M�glich�, sagte er.</p><p>�Kannst du mir nicht vertrauen � nur ein wenig?� fragte sie.</p><p>�Ich will es aber nicht.�</p><p>�Es ist seltsam�, sagte sie. �Die anderen M�dchen schlafen unbehindert neben ihrem Herrn, w�hrend ich, die ich dir hilflos ergeben bin, stets meine Fesseln trage.�</p><p>Er sagte nichts.</p><p>�Wie kann ich dich von meiner Liebe �berzeugen?� fragte sie. �Wie kann ich dein Vertrauen verdienen?�</p><p>�Keine Sorge, kleine Sklavin, du bist weder mehr noch weniger als die beiden. In eurem Sklavendasein seid ihr euch alle gleich.�</p><p>�Ich bin aber die einzige gefesselte Sklavin�, sagte sie.</p><p>�In der Tat.�</p><p>�K�nntest du nicht wenigstens meine Fu�gelenke losmachen?�</p><p>�Ah, du bist eine raffinierte kleine Sklavin, Tende!� sagte er und beugte sich zu ihr.</p></section><section><title><p>41</p></title><p>�Aufpassen!� rief Ayari.</p><p>Das Gebilde schien aus dem Wasser zu zischen und sich �ber den ganzen Flu� zu erstrecken.</p><p>Na� und rechteckig erhob es sich vor uns, ein Netz, eine Barriere aus miteinander verkn�pften Lianen.</p><p>�Durchschneiden!� br�llte Kisu.</p><p>Im gleichen Augenblick h�rten wir Geschrei hinter uns. Von beiden Ufern, jeweils etwa zweihundert Meter zur�ck, wurden Dutzende von Kanus ins Wasser geschoben.</p><p>�Durchschneiden!� wiederholte Kisu.</p><p>Mit dem Messer hackte Ayari auf die Lianen ein.</p><p>Wir steuerten das Kanu quer vor das Netz, damit ich und Kisu mit unseren Pangas ebenfalls die Netzwand bearbeiten konnten, die, vom Ufer her ausgel�st, vor uns emporgeschossen war.</p><p>Das Geschrei hinter uns wurde lauter.</p><p>Die Falle, mit Gewichten dicht unter der Wasseroberfl�che festgehalten, wird von zwei Lianenseilen ausgel�st, die �ber Baum�ste f�hren und auf die von verborgenen Ger�sten zum Straffspannen ein schwerer Baumstamm gerollt oder geworfen wird. Zweifellos war ein Signal gegeben worden, das wir irgendwie �bersehen hatten.</p><p>Der scharfe Stahl unserer Pangas trennte die dicken Lianen. Die aus den Str�nken geschlagene Feuchtigkeit regnete auf uns nieder.</p><p>�Bringt das Kanu hindurch!� rief Kisu.</p><p>Wir drehten das kleine Boot. Dicht neben uns fauchte ein Speer ins Wasser. Ayari hob Lianen zur Seite. Das Kanu zw�ngte sich durch die Barriere.</p><p>�Paddelt!� rief Kisu. �Paddelt um euer Leben!�</p></section><section><title><p>42</p></title><p>�Tarl�, fl�sterte Ayari.</p><p>�Ja?�</p><p>�Wir m�ssen dieses Dorf verlassen�, sagte er.</p><p>Vier Monate waren vergangen, seit wir von der H�he der gewaltigen Wasserf�lle die zahlreichen Schiffe und Kanus Bila Hurumas weit hinter uns entdeckt hatten. Wir wu�ten gar nicht, ob sie uns noch immer verfolgten oder nicht. Auch hatten sich keine neuen Hinweise auf Shaba gezeigt, der den Flu� vor uns befuhr. Vor einem Monat waren wir dem Lianennetz entkommen und anschlie�end unseren Verfolgern, wobei uns die Dunkelheit zu Hilfe kam. Nachts war f�r diese Menschen der Flu� nicht der richtige Ort. Mit knappen Worten ist es leider nicht m�glich, die Pracht und L�nge des Flusses zu schildern und seine vielen hundert geographischen Besonderheiten, die Vielfalt des pflanzlichen und tierischen Lebens, die hier anzutreffen ist. Der Flu� selbst scheint eine ganz eigene Welt zu sein, gar nicht zu reden von den Wundern, die sich in den angrenzenden Territorien finden. Der Strom war wie eine Stra�e in das Staunen, ein leuchtender, gef�hrlicher, verzauberter Weg, der in den Kern reicher, bisher unbekannter L�nder f�hrte. In seiner Rauheit, Weite, Ruhe und Erregung war der Strom wie ein Schlo�, das wir �ffnen wollten, das Schlo� zu einer neuen, frischen Welt, gr�n, geheimnisvoll, grenzenlos. Da ich kein Geograph war, vermochte ich die Reicht�mer und M�glichkeiten, die mich umgaben, nicht recht zu beurteilen. Ich hatte an einigen Klippen Spuren von Kupfer und Gold ausgemacht. Im Flu� und in den W�ldern wimmelte es von Leben. Allein die Vorr�te an Holz, Heilpflanzen und Fasermaterialien waren unvorstellbar. Der Flu� erschlo� eine neue Welt, wundersch�n, unerforscht, gef�hrlich. Es war sicher unm�glich, seine Bedeutung richtig einzusch�tzen.</p><p>�Was ist los?� fragte ich.</p><p>�Ich habe mich bei Dunkelheit im Dorf umgesehen�, fl�sterte Ayari.</p><p>�Ja und?�</p><p>�Dabei habe ich die Abfallgrube gefunden�, sagte er.</p><p>�Innerhalb der Mauern?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Das ist seltsam�, stellte ich fest. Normalerweise brachte ein Dorf seine Abf�lle au�erhalb des Dorfbereichs unter.</p><p>�Ich hielt das auch f�r seltsam�, sagte Ayari, �bis ich mir die Freiheit herausnahm, die Abf�lle zu untersuchen.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Es befinden sich menschliche Knochen darunter.�</p><p>�Das ist zweifellos der Grund, warum sich die Grube innerhalb der Mauern befindet�, sagte ich.</p><p>�Ich nehme es auch an�, stimmte mir Ayari zu. �So k�nnen ahnungslose Fremde nicht gewarnt werden, ehe sie das Dorf betreten.�</p><p>�Die Leute schienen ganz nett zu sein�, sagte ich. Ich mu�te jedoch zugeben, da� sie nicht gerade die attraktivsten Menschen waren, die ich je gesehen hatte. Ihre Z�hne waren spitz zugefeilt.</p><p>�Ich traue niemandem, ehe ich wei�, was er i�t�, sagte Ayari.</p><p>�Wo sind die M�nner des Dorfes?� fragte ich.</p><p>�Sie schlafen nicht�, sagte Ayari. �Sie haben sich in einer der H�tten versammelt.�</p><p>�Ich wecke Janice und Alice�, sagte ich. �Sag du Kisu und Tende Bescheid.�</p><p>�Ja�, fl�sterte er.</p><p>Wenige Ahn sp�ter schlichen wir uns mitsamt unserer Habe aus dem Dorf. Als wir die Dorfbewohner zornig losschreien h�rten und am Ufer Fackeln ausmachten, waren wir bereits auf dem Flu� in Sicherheit.</p></section><section><title><p>43</p></title><p>�Seht doch, wie gro� es ist!� sagte Ayari.</p><p>�Ich glaube nicht, da� es ein Kanu angreift�, sagte Kisu.</p><p>Ayari schob das Wesen mit seinem Paddel fort. Mit einem Schwanzschlag verschwand es unter Wasser.</p><p>�Ich habe so etwas schon einmal gesehen�, sagte ich, �allerdings waren die Wesen da nur etwa sechs Zoll lang.�</p><p>Die Kreatur, die neben uns aufgetaucht war, war etwa zehn Fu� lang und tausend Pfund schwer und besa� Schuppen und gro�e, vorspringende Augen. Au�erdem verf�gte es �ber Kiemen, atmete aber h�rbar Luft, w�hrend es uns betrachtete. Es �hnelte den winzigen Lungenfischen, die ich zuvor am Flu� bemerkt hatte, den Gesch�pfen, die sich an den Wurzeln der Uferb�ume festklammerten und sich oft auch auf dem R�cken von Tharlarion sonnten � in der kleinen Form wurden sie Gint genannt.</p><p>�Ach, ihr M�nner!� rief eine Stimme. �Ihr M�nner! Bitte helft mir! Habt Mitleid mit mir! Helft mir!�</p><p>�Sieh doch, Herr!� rief Alice. �Dort, dicht am Ufer. Ein wei�es M�dchen!�</p><p>Sie besa� schlanke Beine und dunkle Haare. Sie trug ein kurzes Fell. Sie lief zum Wasser herab. Ihre H�nde waren nicht gefesselt, doch von jedem Arm hing ein festgeknotetes St�ck Seil herab. Es sah aus, als w�re sie gefesselt gewesen und h�tte sich irgendwie befreien k�nnen.</p><p>�Bitte rettet mich!� rief sie. �Helft mir!�</p><p>Ich schaute mir das Fellst�ck an, das sie trug. Ich bemerkte, da� an ihrem Arm ein goldener Reifen funkelte und um ihren Hals eine Kette aus Klauen lag. Um ihre H�fte f�hrte ein G�rtel mit einer Dolchscheide, die jetzt aber leer war.</p><p>�Rettet mich bitte, ihr edlen Herren!� rief sie. Sie watete einige Fu� ins Wasser heraus. In einer unterw�rfigen Geste streckte sie die Arme aus. Sie war sehr sch�n.</p><p>Ich betrachtete den Wald hinter ihr. Die B�ume bildeten eine dichte Mauer, das Unterholz am Flu� war undurchdringlich.</p><p>Kisu und ich tauchten die Paddel ein.</p><p>�Herr!� rief Janice. �Du kannst sie doch nicht hier zur�cklassen!�</p><p>�Still, Sklavin!� sagte ich zu ihr.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie und unterdr�ckte ein Schluchzen. Gehorsam paddelte sie weiter.</p><p>�Bitte, bitte, helft mir doch!� h�rten wir das M�dchen rufen.</p><p>Dann waren wir an ihr vorbei.</p><p>�Seht!� rief Alice. �Dort ist ein anderes M�dchen!�</p><p>Am Ufer stand ein zweites M�dchen an einem Pfosten. Schwere Ketten hielten sie fest. �Bitte helft mir!� rief auch sie und versuchte sich von den Ketten zu befreien. Wie das erste M�dchen trug sie ein knappes Fell und ein Arm- und Halsband.</p><p>Wir nahmen die Paddel aus dem Wasser.</p><p>�Ein h�bsches M�dchen�, stellte Kisu fest.</p><p>Ich stimmte ihm zu.</p><p>�Bitte helft mir!� rief das M�dchen. �Rettet mich! Habt Mitleid mit mir: Man hat mich hier ausgesetzt, damit ich sterbe. Habt Mitleid! Helft!�</p><p>�Bitte habt Mitleid mit ihr, ihr Herren!� flehte Janice. �Ihr k�nnt sie hier doch nicht einfach sterben lassen!�</p><p>�Ich glaube, wir haben uns hier schon lange genug aufgehalten�, sagte Kisu und sah sich um. �Dies ist ein gef�hrlicher Ort.�</p><p>�Ich bin ganz deiner Meinung�, sagte ich.</p><p>�Bitte fahrt nicht ohne sie weiter�, flehte Alice, und Janice tat es ihr nach. �Bitte, Herr!� bat auch Tende f�r das M�dchen am Ufer.</p><p>�Wie dumm ihr doch seid!� rief Kisu. �Merkt ihr nicht, da� das eine Falle ist?�</p><p>�Herr?� fragte Tende verst�ndnislos.</p><p>�Sie sprechen Goreanisch�, erkl�rte ich. �Folglich sind sie nicht hier im Dschungel geboren worden. Das m��test du allein an ihrer wei�en Hautfarbe sehen. Denkt an das erste M�dchen zur�ck. Allein die L�nge der Fesseln war ungew�hnlich. So wird eine Sklavin niemals gebunden. Au�erdem waren die Enden des Seils nicht abgerissen, sondern sauber geschnitten worden. Wie soll das wohl zugegangen sein?�</p><p>�Das wei� ich nicht, Herr�, sagte Janice.</p><p>�Au�erdem war auffallend, da� sie noch den G�rtel und die Dolchscheide hatte. Bei jeder richtigen Gefangennahme w�re sie so etwas auf der Stelle losgeworden, ganz zu schweigen von ihrer Kleidung. Wozu braucht eine gefangene Frau so etwas?�</p><p>�Au�erdem zeigte ihre Haut keine Spuren der Gefangennahme�, sagte Kisu.</p><p>�Es gibt weitere Hinweise, da� diese M�dchen nicht das sind, was sie zu sein vorgeben�, fuhr ich fort. �Zum Beispiel die Art der Fesselung des M�dchens am Pfosten. Woher haben Waldbewohner Ketten?�</p><p>�Helft mir!� rief das M�dchen.</p><p>�Wie lange stehst du schon am Pfosten?� rief ich ihr zu.</p><p>�Zwei Tage!� schluchzte sie. �Bitte hab Mitleid mit mir!�</p><p>�Zweifelst du noch?� fragte ich Janice. �Sie ist bei bester Verfassung. Sie kann unm�glich schon zwei Tage hier stehen.�</p><p>�Nein, Herr�, sagte Janice leise.</p><p>�Und wenn sie �ber Nacht hier gestanden h�tte, w�ren sicher die Tharlarion l�ngst �ber sie hergefallen. Mir bereitet die ganze Szene Unbehagen. Der Dschungel zu beiden Seiten ist so dicht, da� sich ohne weiteres gef�hrliche Horden darin verbergen k�nnen.�</p><p>�Vielleicht sollten wir uns beeilen�, sagte Tende und blickte sich um.</p><p>�Nimm deine Paddel�, sagte Kisu. �Paddele weiter.�</p><p>�Bitte haltet an!� rief das M�dchen am Pfosten.</p><p>Als wir langsam weiterglitten, schauten wir zur�ck. �Ihnen nach!� rief das M�dchen pl�tzlich. Ihre Ketten glitten zu Boden. Sie beugte sich ins Gras und ergriff einen leichten Speer. Im Unterholz ringsum erschienen zahlreiche �hnlich gekleidete und bewaffnete M�dchen. Kanus wurden ins Wasser geschoben.</p><p>�Vielleicht wirst du jetzt etwas lebhafter paddeln�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr!� rief Janice.</p><p>Acht Kanus nahmen die Verfolgung auf. In jedem Kanu sa�en f�nf bis sechs M�dchen. Im Bug des ersten Fahrzeugs hockte das blonde M�dchen, das die Angekettete gespielt hatte. Das zweite Boot wurde von der dunkelhaarigen Sch�nheit kommandiert, die wir zuerst gesehen hatten. Noch immer baumelten ihr die Seilenden an den Armen.</p><p>�K�nnen sie uns einholen?� rief Alice nerv�s.</p><p>�Vermutlich nicht�, sagte ich. �In keinem Kanu sitzen mehr als sechs Paddlerinnen. Wir sind ebenfalls zu sechst, und drei davon sind M�nner.�</p><p>In weniger als einer Viertel-Ahn hatten wir den Vorsprung vor unseren Verfolgerinnen erheblich ausgebaut.</p><p>�Erinnerst du dich, Janice?� fragte ich. �In einem der D�rfer, die wir vor langer Zeit besuchten, erkundigte sich ein Mann, ob du eine Taluna w�rst.�</p><p>�Ja�, sagte sie.</p><p>�Die M�dchen hinter uns�, erkl�rte ich, �sind Talunas.�</p><p>Nach einer halben Ahn waren die Kanus der Verfolgerinnen weit zur�ckgefallen. Nach wenigen weiteren Ehn gaben sie die Verfolgung auf.</p><p>�Ich habe keine Kraft mehr, Herr�, sagte Alice.</p><p>Janice und Tende konnten den Rhythmus ebenfalls nicht mehr durchhalten. Sie atmeten schwer und vermochten kaum noch die Arme zu heben. �Das Paddel f�hlt sich wie Eisen an�, seufzte Janice. Tende schluchzte. �Verzeih mir, Herr�, wandte sie sich an Kisu. Ihr Paddel prallte gegen die Bordwand und w�re ihr beinahe aus der Hand gefallen. Sie senkte den Kopf.</p><p>�Ruh dich aus�, sagte Kisu.</p><p>�Ruht euch aus�, sagte ich zu Janice und Alice.</p><p>Die M�dchen legten die Paddel ins Kanu. Alice und Janice mu�ten sich erbrechen. Zitternd und keuchend legten sie sich nieder.</p><p>Ayari, Kisu und ich paddelten weiter.</p></section><section><title><p>44</p></title><p>�Mach mit!� rief sie lachend und planschte im Wasser herum.</p><p>Wir befanden uns in einer Lagune, die vom Flu� abging und sich �ber eine Weite von etwa hundert Metern erstreckte. Ich stand am Ufer und hielt einen Eingeborenenspeer in der Hand. Es sah nicht so aus, als drohte Gefahr von Tharlarions oder sonstigen Dschungelbewohnern, trotzdem konnte es nicht schaden aufzupassen.</p><p>Sie bot einen lieblichen Anblick, wie sie da im Wasser badete.</p><p>Wir hatten uns von der Hauptgruppe getrennt, um zu jagen, wie wir es zuweilen taten. Au�erdem fand ich es recht angenehm, mit einer h�bschen Sklavin allein zu sein.</p><p>�Wasch dich gut, Sklavin!� rief ich ihr zu. Im gleichen Augenblick glaubte ich im Dschungel hinter mir ein Rascheln wahrzunehmen. Es h�rte sich nicht an, als sei dort ein Mann oder ein Tier gegangen. Es klang eher wie ein Wind, der sich zwischen Bl�ttern bewegt. Dabei war es windstill.</p><p>Ich machte kehrt und begab mich einige Schritte weit in den Wald. Das Ger�usch war nicht mehr zu h�ren. Vermutlich war es durch einen ungew�hnlichen Luftzug ausgel�st worden.</p><p>Pl�tzlich stie� das M�dchen in der Lagune einen Schrei aus. Sofort fuhr ich herum und rannte zum Waldrand zur�ck.</p><p>�Komm ans Ufer!� rief ich ihr zu.</p><p>Am anderen Ende der Lagune, wo ein kleiner Kanal zum Flu� f�hrt, erblickte ich die Erscheinung, die das M�dchen erschreckt hatte. Es war ein gro�er Fisch. Sein schimmernder R�cken ragte mitsamt einer hohen Flosse halb aus dem Wasser, denn er stand im Begriff, sich �ber die Erdbarriere zu w�lzen, die die Lagune vom Flu� trennte.</p><p>�Komm an Land!� wiederholte ich. �Schnell!�</p><p>Mit hektischen Bewegungen schwamm sie in meine Richtung. Einmal blickte sie zur�ck und schrie erneut. Jetzt war nur noch die vierteilige Flosse auszumachen, die deutlich werden lie�, da� der Fisch sich ihr schnell n�herte.</p><p>�Beeilung!� rief ich.</p><p>Schluchzend und keuchend m�hte sie sich durch das flache Wasser und erstieg das mit Gras bewachsene Ufer.</p><p>�Wie schrecklich das war!� rief sie.</p><p>Und schrie schrill auf. Der Fisch hatte sich auf seine kr�ftigen, fleischigen Seitenflossen gestemmt und folgte ihr an Land. Sie machte kehrt und floh schreiend in den Dschungel. Mit dem Speerschaft stie� ich dem Fischwesen gegen die Schnauze. Die vorspringenden Augen richteten sich auf mich. Das gro�e Maul schnappte nach Luft. Beh�big kletterte das Wesen ans Ufer. Ich trat einen Schritt zur�ck und sah zu, wie sich das Gesch�pf auf Seiten- und Schwanzflosse st�tzte und das Wasser verlie�, um sich mir zu n�hern. Wieder brachte ich den Speergriff zum Einsatz, und das Fischtier versuchte, nach dem Holz zu schnappen. Die vorstehenden Augen betrachteten mich. Ich trat zur�ck. Zuschnappend r�ckte das Gesch�pf vor, doch ich wehrte es ab. R�ckw�rtsgehend zog ich mich zwischen die B�ume zur�ck, woraufhin das Tier innehielt. Ich nahm nicht an, da� es sich zu weit vom Wasser entfernen wollte. Nach kurzer Zeit kehrte es zur Lagune zur�ck und lie� sich mit dem Schwanz zuerst wieder ins Wasser gleiten. Ich kehrte ans Ufer zur�ck und erblickte das Wesen unter Wasser. Deutlich �ffneten und schlossen sich die Kiemen. Es machte kehrt und entfernte sich mit langsamer Schwanzbewegung. Ayari und Kisu nannten solche Fische Gints. Ich war mit dieser Identifizierung einverstanden, denn eine Verwechslung mit ihren winzigen Artgenossen des Westens war auf keinen Fall m�glich.</p><p>�Hilfe!� gellte eine Stimme � es war Janice. Eiligen Schrittes folgte ich dem Laut. Etwa f�nfzig Meter vom Waldrand entfernt blieb ich stehen, denn ich hatte gut ein Dutzend kleiner M�nner entdeckt, die eine kleine Senke s�umten. Sie trugen Lendenschurze mit Lianeng�rteln, daran hingen in Schlingen Messer und kleine Werkzeuge. Bewaffnet waren sie mit Speeren und Netzen. Ich sch�tzte, da� von den Gestalten keine gr��er als f�nf Fu� war und mehr als achtzig Pfund wog. Die Gesichter hatten einen negroiden Einschlag, w�hrend die Haut eher kupferfarben als dunkelbraun oder schwarz war. Sie schienen nicht zu den �blichen schwarzen Rassen zu geh�ren, die gro�gewachsen und geschmeidig sind und lange Gliedma�en besitzen, trotzdem schienen sie dieser Rassengruppe n�her verwandt als jeder anderen, die ich kannte.</p><p>�Hilfe!� wiederholte sich Janices Flehen.</p><p>Ich betrachtete die kleinen M�nner. Sie machten keinen bedrohlichen Eindruck. �Tal�, sagte einer von ihnen.</p><p>�Tal�, erwiderte ich. �Ihr sprecht Goreanisch?�</p><p>�Herr!� rief Janice.</p><p>Ich trat an den Rand der Senke. Wenige Fu� unter mir hing Janice in einem riesigen Netz. Mit einem Arm und einem Bein war sie durch das Gewebe gebrochen. Sie wurde nicht nur durch die Klebrigkeit der Netzstr�hnen am Aufstehen gehindert, sondern auch von der Nachgiebigkeit des Materials � die Fasern dehnten sich elastisch, sobald das M�dchen daran Halt zu finden versuchte.</p><p>Ich wandte mich zu den kleinen M�nnern um. Sie wirkten durchaus friedlich. Aber keiner machte Anstalten, Janice zu helfen.</p><p>�Herr!� rief das M�dchen.</p><p>Ich sah mir die Sache genauer an. Das Netz geriet ins Zittern. Eine riesige Felsspinne n�herte sich mit schnellen Bewegungen �ber das Netz. Ihr K�rper war rundlich, haarig, braun und schwarz und hatte einen Durchmesser von etwa acht Fu�. Das Wesen hatte Knopfaugen und schwarze Kiefer, deren Gelenke sich au�erhalb des Kopfes befanden.</p><p>Janice legte den Kopf in den Nacken und schrie angstvoll auf. Ich lie� mich den kleinen Erdhang hinabgleiten und erreichte den Netzrand. Ich zog meinen Speer und schleuderte ihn der Spinne von vorn entgegen. Die Spitze durchdrang den K�rper und trat am anderen Ende beinahe wieder heraus. Das Gesch�pf hob die beiden Vorderbeine und streckte sie aus. Dann wandte es sich in meine Richtung. Kaum hatte es sich umgedreht, fort von dem M�dchen, begannen die kleinen M�nner zu br�llen und zu kreischen und bohrten dem Gesch�pf ihre Speere in den K�rper. Verwirrt verharrte es auf dem Netz. Ich bewegte mich mit unsicheren Schritten am Rand der Senke entlang, wobei ich einmal ausglitt, und brachte meinen Speer wieder an mich. Er war benetzt von den klebrigen K�rperfl�ssigkeiten des Arachniden. Ich drehte mich wieder um, hieb mit der Speerklinge zu und trennte ein St�ck eines Spinnenbeins ab. Die Spinne griff an, und ich stie� ihr die Speerschneide ins Gesicht. Einige kleine M�nner liefen um die Senke herum und schlugen zur Ablenkung mit Palmwedeln darauf ein. Die Spinne begann sich zu ereifern. Als sie sich den kleinen Gestalten zuwandte, schnitt ich ihr ein St�ck eines Hinterbeines ab, woraufhin sie sich unsicher wieder in meine Richtung drehte. Ich wich zur Seite aus und hieb nach der Verbindung zwischen Hauptk�rper und Unterleib. Die Fl�ssigkeit quoll hervor. Seitlich wich mir die Spinne aus. Ruckhaft wandte sie sich hierhin und dorthin. Die Kiefer �ffneten und schlossen sich. Unkontrolliert trat ein Spinnenfaden aus einer der Unterleibsdr�sen. Die Spinne zog sich �ber das Netz zur�ck, und ich nahm mir den Kopf vor. Die kleinen M�nner str�mten an mir vorbei, erstiegen das eigentliche Netz und �berfielen das Ungeheuer mit ihren Messern. Sie schnitten es in kleine St�cke. Ich kehrte zum oberen Rand der Senke zur�ck, den Speer in der Hand, der bereits zu trocknen begann. Janice lag nackt und zitternd im Netz. Das Rieseninsekt war auf den R�cken gerollt worden, und die kleinen M�nner krabbelten dar�ber hin. Einige standen bis zu den Knien in dem toten K�rper. Ich reinigte Griff und Klinge meines Speers. Als ich an den Schauplatz zur�ckkehrte, hatten die kleinen M�nner das tote Ungeheuer zur Seite gerollt und waren an den Rand der Vertiefung zur�ckgekehrt. �Tal�, sagte der Anf�hrer grinsend zu mir.</p><p>�Tal�, antwortete ich.</p><p>Ich blickte zu dem M�dchen hinab. Sie konnte keinen Halt finden.</p><p>Ich machte Anstalten, ihr den Speerschaft hinzuhalten, damit sie sich daran hochziehen konnte.</p><p>Sofort eilten die kleinen Leute auf mich zu und sch�ttelten die K�pfe. Sie versuchten mich zur�ckzuziehen. �Nein�, sagte der Anf�hrer. �Nein! Nein!�</p><p>Dieses Verhalten verwirrte mich. Ich erinnerte mich, da� die kleinen M�nner urspr�nglich um die Senke herumgestanden und sich Janices Not gelassen angeschaut hatten. Sie waren offensichtlich nicht gewillt gewesen, ihr zu helfen, auch als das achtbeinige Ungeheuer in Erscheinung trat, um sein Opfer zu verschlingen. Doch als ich dann gegen das Ungeheuer k�mpfte, hatten sie mich nach besten Kr�ften unterst�tzt. W�hrend sie mir also freundlich gesonnen waren, schienen sie nicht die Absicht zu haben, die Sklavin Janice zu befreien. Aus irgendeinem Grunde wollten sie, da� ich sie hilflos dort liegen lie�, gnadenlos dem Dschungel ausgeliefert, unf�hig, sich selbst zu befreien.</p><p>Ich schob die kleinen M�nner zur�ck. �Zur�ck!� forderte ich sie auf. Sie gehorchten. Sie waren nicht erfreut, aber ich hatte nicht den Eindruck, da� sie mich behindern wollten. Ich hielt Janice den Speerschaft hin, sie griff mit der freien Hand danach und wurde dann mit einer energischen Bewegung aus dem Netz in die Sicherheit des Dschungelbodens gehoben.</p><p>Als sie dann neben mir stand, begannen die kleinen M�nner zu meiner �berraschung zu zittern, umringten sie, knieten versch�chtert nieder und verbeugten sich bis zum Boden.</p><p>�Was soll das?� fragte sie.</p><p>�Sie erweisen dir ihren Respekt�, sagte ich.</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte sie erschrocken.</p><p>�Nat�rlich!� rief ich. �Jetzt wei� ich Bescheid!�</p><p>�Was ist denn?� fragte sie nerv�s.</p><p>�Richtet euch auf!� rief ich den kleinen Gestalten zu. �Los, macht schon!�</p><p>Z�gernd kamen die kleinen M�nner meiner Aufforderung nach.</p><p>Ich blickte Janice streng an. �Bist du nicht eine Sklavin in der Gegenwart freier M�nner?� fragte ich.</p><p>�Verzeih mir, Herr!� rief sie und kniete hastig nieder. Die kleinen Gestalten musterten sie verbl�fft und erschrocken.</p><p>�Neige den Kopf vor ihnen�, sagte ich.</p><p>Janice gehorchte. �Verzeiht mir, ihr Herren�, sagte sie.</p><p>Staunend starrten die kleinen M�nner das M�dchen an.</p><p>�Steh auf�, sagte ich zu dem M�dchen und wandte mich an mein kleinw�chsiges Publikum.</p><p>�Dies ist eine Sklavin�, erkl�rte ich.</p><p>Sie berieten sich leise untereinander. Dabei benutzten sie nicht die goreanische Sprache.</p><p>�Wir sind die Sklaven der Talunas�, sagte einer der M�nner, der Anf�hrer.</p><p>Ich nickte. So etwas hatte ich, nach ihrem Verhalten zu urteilen, schon vermutet. Zweifellos hatten sie von den Talunas auch Goreanisch gelernt.</p><p>�Wir fischen und jagen f�r sie, wir weben Stoff und dienen ihnen�, sagte einer der M�nner.</p><p>�M�nner sollten nicht Sklaven von Frauen sein�, sagte ich. �Umgekehrt ist es richtig!�</p><p>�Wir sind klein�, sagte ein Mann. �Die Talunas sind zu gro� und kr�ftig f�r uns.�</p><p>�Man kann sie einfangen und versklaven � wie jede Frau�, antwortete ich.</p><p>�Hilf uns, die Talunas loszuwerden�, sagte der Anf�hrer.</p><p>�Ich habe weiter oben am Flu� etwas Wichtiges zu erledigen.�</p><p>Der Anf�hrer nickte.</p><p>Dann machte ich kehrt und kehrte, gefolgt von meiner Sklavin, zur Lagune zur�ck. Zu meiner �berraschung folgten mir die kleinen M�nner im G�nsemarsch. Am Wasser nahm ich den Rindentuch-Rock des M�dchens und ihre Perlen auf, die sie zum Baden abgelegt hatte, und gab ihr die Sachen zur�ck. Dann blickte ich auf den Wald und zur Sonne empor. Ich sch�tzte, da� es heute zum Jagen schon zu sp�t war. Schlie�lich drehte ich mich um und machte mich mit Janice auf den R�ckweg zu unserem Lager. Und wieder folgten uns die kleinen M�nner.
 �Kisu!� rief ich besorgt. �Ayari! Tende! Alice!�</p><p>Das kleine Lager war verw�stet. Hier mu�te gek�mpft worden sein. Auf dem Boden schimmerte Blut.</p><p>�Sie sind fort�, sagte der Anf�hrer der kleinen Menschen. �Sie sind vom Mamba-Volk �berfallen worden, das sich die Z�hne spitz zufeilt.�</p><p>Das Wort �Mamba� bezeichnet in den Flu�dialekten keine Giftschlange, wie man annehmen k�nnte, wenn man das entsprechende irdische Wort kennt � es wird vielmehr interessanterweise sehr allgemein auf die meisten Arten der gef�hrlichen Flu�-Tharlarion verwendet. Das Mamba-Volk war somit das Tharlarion-Volk. Die Angeh�rigen des Mamba-Volkes a�en Menschenfleisch. Das trifft auch auf den Tharlarion zu � und daher bezieht dieses Volk zweifellos seinen Namen.</p><p>�Woher wei�t du, da� es das Mamba-Volk war?� fragte ich.</p><p>�Sie sind zu Fu� durch den Dschungel gekommen�, sagte der Anf�hrer der kleinen Menschen. �Zweifellos haben sie euch verfolgt. Bestimmt wollten sie euch �berraschen.�</p><p>�Woher wei�t du, da� sie es waren?�</p><p>�Wir haben sie gesehen.�</p><p>�Dies ist unser Land�, bemerkte ein anderer. �Wir wissen viel von dem, was sich hier abspielt.�</p><p>�Habt ihr den Angriff gesehen?� wollte ich wissen.</p><p>�Wir wagten uns nicht zu nahe heran�, sagte ein anderer.</p><p>�Wir sind nur klein�, sagte jemand. �Es waren viele, und sie sind gro�.�</p><p>�Wir sahen, wie die Angeh�rigen deiner Gruppe fortgef�hrt wurden�, sagte ein Mann.</p><p>�Sie lebten also noch�, stellte ich fest.</p><p>�Ja�, best�tigte jemand.</p><p>�Warum habt ihr mir nicht fr�her davon erz�hlt?�</p><p>�Wir dachten, du w��test von dem Angriff�, sagte einer der M�nner, �und w�rst geflohen, um dein Leben zu retten.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich war auf der Jagd.�</p><p>�Wir geben dir Fleisch, wenn du welches m�chtest�, sagte einer der kleinen M�nner. �Wir haben vorhin ebenfalls gejagt � und mit Erfolg.�</p><p>�Ich mu� versuchen, die anderen aus meiner Gruppe zu retten�, sagte ich.</p><p>�Das Mamba-Volk ist zahlreich�, sagte einer der Kleinw�chsigen. �Sie haben Speere und Messer.�</p><p>�Ich mu� es zumindest versuchen�, beharrte ich.</p><p>Die kleinen M�nner blickten sich an. Sie unterhielten sich kurz in einer Sprache, der ich nicht zu folgen vermochte. Nur wenige Worte waren ungef�hr zu verstehen. Es besteht eine linguistische Verwandtschaft zwischen den meisten See- und Flu�dialekten. Die Sprache, die hier erklang, wies jedoch kaum noch �hnlichkeit auf mit Ushindi oder Ukungu.</p><p>Gleich darauf wandten sich die kleinen Menschen wieder zu mir um. �Tauschen wir Geschenke aus�, schlug der H�uptling vor. �Befreie uns von den Talunas, dann helfen wir dir.�</p><p>�Ihr m��t sehr mutig sein�, sagte ich.</p><p>�Wir k�nnen mutig sein�, antwortete einer der M�nner.</p><p>�Ihr versteht euch auf die Jagd mit Speeren und Netzen�, sagte ich. �So sieht mein Plan aus.�</p></section><section><title><p>45</p></title><p>Leichtf��ig sprang ich in das Innere der Palisade der Talunas, in der mehrere kleine, strohgedeckte H�tten standen. Im Licht der drei Monde konnte man sich gut orientieren.</p><p>Leise, gelegentlich zum Lauschen innehaltend, kroch ich durch das Lager auf die mehr in der Mitte gelegenen H�tten zu. In einer h�rte ich pl�tzlich das Klappern einer Kette; diese H�tte besa� einen Eingang, der von au�erhalb verschn�rt worden war.</p><p>Ich suchte mir die gr��te und sch�nste H�tte in der Mitte der Anlage aus.</p><p>Auf dem Bauch kriechend drang ich ein. Mondschein schimmerte durch das Strohdach und zwischen den �sten hindurch, die die H�ttenw�nde bildeten. Sie lag am Boden und schlief in ihren kurzen Fellen. Die Waffen lagen an der Au�enwand. Das blonde Haar wallte lose um den Kopf. Es war das M�dchen, das sich, um uns zu t�uschen, in Ketten an den Pfahl gestellt hatte. Bestimmt war sie die Anf�hrerin der Talunas. Sie hatte w�hrend unserer Verfolgung die Kommandos gegeben. Au�erdem teilte sie die H�tte nicht mit anderen M�dchen. Unruhig warf sie den Arm �ber den Kopf. Ich sah, wie sich ihre H�ften bewegten. Ich l�chelte. Sie sehnte sich nach etwas! W�hrend des Tages sind solche Frauen oft angespannt und unruhig, vielfach auch gereizt und ungerecht und M�nnern feindlich gesonnen.</p><p>Sie war wundersch�n. Im Sklavenkragen w�rde sie sich bestimmt gut machen.</p><p>Ohne weitere Umst�nde kniete ich mich �ber sie und hielt ihre Arme fest. Erschrocken wachte sie auf und wollte losschreien � und darauf hatte ich gewartet: als sich ihr Mund �ffnete, stopfte ich ihr den vorbereiteten Knebel hinein und band ihn fest. Ich drehte sie herum und fesselte sie. Dann warf ich sie mir �ber die Schulter und trat ins Freie. Die Palisade verlie� ich ganz ungezwungen durch das Tor. Ich wollte eine deutliche Spur hinterlassen.</p></section><section><title><p>46</p></title><p>�Da sind sie! Jetzt haben wir sie!� rief das dunkelhaarige M�dchen mit den h�bschen schlanken Beinen.</p><p>Ich hastete durch das Unterholz und zerrte das gefesselte M�dchen, das sich kaum auf den Beinen halten konnte, hinter mir her.</p><p>Die Talunas, gut vierzig M�dchen, hasteten schreiend hinter uns her und schwenkten ihre Waffen.</p><p>Als ich das schrille �berraschungsgeschrei h�rte, gefolgt von zornigen und dann angstvollen Ausrufen, drehte ich mich um.</p><p>Ich band das blonde M�dchen an einer Palme fest und schlenderte zu den Netzen zur�ck.</p><p>Einige Talunas hatten sich in dem Gewebe verfangen und wurden von den kleinen M�nnern in Schach gehalten, die die Speere auf sie richteten. Etwa zwanzig k�mpften einen sinnlosen Kampf gegen ein langes Lianengeflecht, das sie v�llig einh�llte. Bei ihren Bem�hungen behinderten sie sich gegenseitig.</p><p>Das erste M�dchen, das ich aus dem Netz zog, war das dunkelhaarige M�dchen � und in schneller Folge kamen die anderen, so da� wir schlie�lich eine Reihe s�uberlich gefesselter Gefangener vor uns liegen hatten.</p><p>�La� uns frei!� forderte das dunkelhaarige M�dchen und wand sich in den Fesseln.</p><p>�Da h�tten wir also die m�chtigen Talunas�, sagte ich.</p><p>Einige kleine M�nner schwenkten ihre Speere und tanzten singend auf und ab.</p><p>�In der Palisade der Talunas�, sagte ich, �habe ich eine Gef�ngnish�tte bemerkt. Darin bewegten sich schwere Ketten. Vermutlich befindet sich ein m�nnlicher Gefangener dort. Ich w�rde ihn erst losbinden, wenn genau bekannt ist, wer er ist. Vielleicht ist er ein Brigant. An eurer Stelle w�rde ich die Palisadensiedlung anschlie�end nach weiteren Wertsachen absuchen und dann niederbrennen.�</p><p>�Das tun wir!� sagte der Anf�hrer der kleinen Menschen grinsend.</p><p>�Jetzt mu� ich mich aber darum k�mmern, meine Reisebegleiter zu befreien�, sagte ich.</p><p>�Ja, wir m�ssen uns beeilen�, sagte der Anf�hrer. �Es wird n�mlich am Flu� einen gro�en Kampf geben.�</p><p>�Einen Kampf?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte er, �eine gro�e Streitmacht kommt den Flu� herauf. Die Flu�v�lker schlie�en sich zusammen, um sie aufzuhalten.� Er blickte zu mir auf. �Es wird eine gro�e Schlacht geben � wie nie zuvor am Flu�.�</p><p>Ich nickte. Ich hatte mir schon gedacht, da� es nur eine Frage der Zeit war, bis sich die Anwohner des Flusses zusammentaten, um Bila Hurumas Vormarsch zu beenden. Anscheinend war es jetzt bald soweit.</p><p>�Wie viele M�nner bekomme ich mit?� fragte ich.</p><p>�Zwei oder drei w�rden ausreichen�, sagte der Anf�hrer der kleinen Menschen, �aber weil wir dich so sehr m�gen, werde ich dich mit neun K�mpfern begleiten.�</p><p>�Das mag gro�z�gig gedacht sein�, erwiderte ich, �aber wie wollen wir das Lager des Mamba-Volkes mit so wenigen M�nnern st�rmen?�</p><p>�Wir werden uns Verb�ndete suchen�, entgegnete er. �Sie sind bereits ganz in der N�he.�</p><p>�Wie viele werden das wohl sein?� fragte ich.</p><p>�So viele, da� ich sie nicht z�hlen kann�, antwortete er.</p><p>�Kannst du mir nicht einen Anhalt geben?� wollte ich wissen. Ich wu�te, da� diese Menschen, die keine geschriebenen Traditionen, keine komplexe Anh�ufung detaillierter Auflistungen und abstrakter Erfindungen kannten, sich nat�rlich nicht in mathematischen Begriffen ausdr�cken konnten.</p><p>�Es werden so viele sein wie die Bl�tter an den B�umen, wie die Sandst�cke am Ufer�, antwortete er.</p><p>�Viele?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Erlaubst du dir einen Scherz mit mir?� fragte ich.</p><p>�Nein�, gab er zur�ck. �Jetzt ist die Zeit der Wanderer.�</p><p>�Das verstehe ich nicht�, sagte ich.</p><p>�Komm mit.�</p></section><section><title><p>47</p></title><p>Das Innere der Palisadenmauern des Mamba-Volkes war hell erleuchtet. Ich h�rte Musik und das Dr�hnen von Trommeln wie auch den Gesang von Menschen und das Gegeneinanderschlagen von St�cken beim Tanz.</p><p>Ich kannte dieses Palisadendorf, denn von hier waren wir k�rzlich bei Nacht geflohen.</p><p>Vor zwei Tagen hatte mich der Anf�hrer der kleinen Menschen in den Dschungel gef�hrt, fort von der Lichtung, auf der wir die h�bschen Talunas bewachten.</p><p>Wir waren erst ein kurzes St�ck durch den Dschungel gezogen, als der Anf�hrer der Kleinw�chsigen stilleheischend die Hand hob. Daraufhin h�rte ich ein Ger�usch, das ich schon einmal wahrgenommen hatte � ein Seufzen wie von einem schwachen Wind, der sich zwischen Bl�ttern bewegt. Am Ufer der Lagune hatte ich diese Wahrnehmung gemacht, ohne sie zu verstehen.</p><p>Wir r�ckten weiter vor, und das Ger�usch wurde deutlicher. Es war nun unverwechselbar als Rascheln oder Knistern auszumachen. Allerdings bewegte sich die Luft nicht.</p><p>�Die Wanderer�, sagte der Anf�hrer der kleinen Menschen und streckte den Arm aus.</p><p>Meine Nackenhaare begannen sich zu str�uben.</p><p>Ich erkannte, da� das Ger�usch von unz�hligen Millionen winziger F��e ausging, die �ber das herabgefallene Laub und die sonstigen Ablagerungen des Dschungelbodens schritten. In dieses Rascheln mischte sich vermutlich auch das beinahe unh�rbare Knacken winziger Beingelenke und das Aneinanderreiben winziger schwarzer Exoskelette � Laute, die nur in der ungeheuren Anh�ufung von Lebewesen Bedeutung gewannen.</p><p>�Geh nicht zu dicht heran�, sagte der Anf�hrer.</p><p>Die Kolonne der Wanderer war etwa einen Meter breit. Wie lang sie war, wu�te ich nicht. Die Erscheinung erstreckte sich zu beiden Seiten durch den Dschungel, und zwar weiter, als ich von hier zu schauen vermochte. Solche Wandererkolonnen k�nnen viele Pasang lang sein. Die Anzahl der Einzelwesen, die eine solche Formation bilden, l��t sich schwer ermitteln. Vorsichtig gesch�tzt m�gen es Dutzende von Millionen sein. Die Formation erweitert sich nur dann, wenn etwas Fre�bares gefunden wird, dann kann sich eine Ausdehnung bis zu f�nfhundert Fu� ergeben. Niemand m�ge versuchen, eine solche Flut zu durchwaten. Die Str�mung der dahineilenden Fresser l��t kaum mehr als Knochen zur�ck.</p><p>�Suchen wir die Spitze der Kolonne�, sagte der kleine Mann.</p><p>Wir marschierten mehrere Stunden lang parallel zu den Gesch�pfen durch den Dschungel. Einmal �berquerten wir einen Bach. Die Wanderer, die aus sich selbst lebendige Br�cken bildeten und �bereinanderkletterten, hatten mit diesem Hindernis keine Probleme. Als schwarz-raschelnde Masse zogen sie �ber umgest�rzte B�ume und um Felsen und Palmen herum. Sie schienen nicht zu erm�den, sie wirkten unersch�pflich. Flankierende Wachen begleiteten die Kolonne. So bewegte sich die Masse wie eine gut gelenkte, endlose, fl�sternde schwarze Schlange durch den gr�nen Regenwald.</p><p>�Marschieren diese Wesen auch bei Nacht?� fragte ich.</p><p>�Oft�, antwortete der kleine Mann. �Man mu� sich vorsehen, wo man schl�ft.�</p><p>Inzwischen hatten wir die Spitzengruppe der Kolonne �berholt und waren etwa vierhundert Meter vorausgeeilt.</p><p>�Es wird gleich regnen�, sagte ich. �Lassen sie sich dadurch aufhalten?�</p><p>�Ein Weilchen schon�, erwiderte er. �Sie laufen auseinander und suchen Unterschlupf unter Bl�ttern und �sten, unter den �berresten des Waldes. Wenn die Anf�hrer aber rufen, kehren sie in die Formation zur�ck und marschieren weiter.�</p><p>Kaum hatte er zu Ende gesprochen, da �ffnete sich auch schon der Himmel und lie� aus d�steren, dahinwirbelnden Wolken den dunkelsilbernen tropischen Regen auf uns herniederprasseln, w�hrend Blitze durch den Himmel zuckten und �ste sich heftig im Wind bewegten.</p><p>�Gehen sie auf Jagd?� rief ich dem kleinen Mann zu.</p><p>�Eigentlich nicht�, antwortete er. �Sie suchen sich lediglich ihr Futter.�</p><p>�L��t sich die Kolonne lenken?� wollte ich wissen.</p><p>�Ja�, sagte er grinsend und rieb sich die Nasenwurzel. Anschlie�end legte er sich mit seinen Begleitern schlafen. Ich blickte zum Himmel auf, in den Regen. Selten hatte es mich so gefreut, einem solchen Unwetter ausgesetzt zu sein.
 Im Innern der Palisade des Mamba-Volkes herrschte lebhaftes Treiben.</p><p>Die Kolonne der Wanderer wird weniger gelenkt als angelockt.</p><p>Heute, am fr�hen Morgen, hatten die kleinen Menschen mit Netzen und Speeren einen Tarsk get�tet.</p><p>�Schau�, hatte der Anf�hrer der kleinen M�nner zu mir gesagt, �dort siehst du Kundschafter.�</p><p>Er hatte ein St�ck des get�teten Tarsk auf den Waldboden geworfen. Ich hatte verfolgt, wie f�nfzehn oder zwanzig Ameisen, die der Hauptarmee zweihundert Meter voraus waren, auf das Fleisch stie�en. Sie hatten die Antennen gehoben und wirkten angespannt, aufgeregt. Sie waren etwa zwei Zoll lang. Wenn sie zubei�en, ist das �u�erst schmerzhaft, aber nicht giftig. Wer der Kolonne nicht entkommt, hat keinen schnellen Tod zu erwarten. Mehrere Vorausameisen bildeten nun einen Kreis, steckten die K�pfe zusammen und f�hrten die bebenden Antennen gegeneinander. Wie auf ein geheimes Signal brach der Kreis sodann auseinander, und die Ameisen eilten zur Kolonne zur�ck.</p><p>�Jetzt pa� auf�, sagte der kleine Mann.</p><p>Entsetzt hatte ich anschlie�end verfolgen k�nnen, wie sich die Masse der Ameisen in Richtung auf das St�ck Tarskfleisch in Marsch setzten.</p><p>Im weiteren Verlauf des Tages hatten wir die Kolonne mit weiteren Blut- und Fleischgaben auf den richtigen Weg gelockt.</p><p>Ich blickte zur Palisadenmauer empor. Mit langsamen Bewegungen rieb ich Tarskblut auf das Holz der Barriere. Hinter mir war, nur noch wenige Meter entfernt, ein Rascheln zu h�ren.</p><p>�Wir erwarten dich im Dschungel�, sagte der Anf�hrer der kleinen Menschen.</p><p>�Gut�, erwiderte ich.</p><p>Das leise Rascheln war n�hergekommen. Die Menschen im Dorf h�rten dieses Ger�usch nat�rlich nicht, dazu sangen und tanzten sie zu laut. Ich trat zur�ck. Ich verfolgte, wie die Kolonne der Ameisen, die im Dunkeln wie ein schwarzer Vorhang wirkte, an der Palisadenmauer emporwogte.</p><p>Ich wartete ab.</p><p>Drinnen w�rde sich die Kolonne ausbreiten, w�rde mit unz�hligen Millionen von Einzelwesen schlie�lich jeden Quadratzoll abdecken, jeden Stock, jeden Strohhalm, auf der Suche nach dem kleinsten Fetttropfen, nach dem winzigsten Fleischbrocken, auch wenn es sich um die Flocken handelte, die am angeworfenen Fell einer H�tten-Urt kleben.</p><p>Als ich den ersten Schrei vernahm, schleuderte ich mein Seil zur Palisadenmauer empor und schaffte es, da� die Schlinge sich um das Ende eines Baumstamms legte.</p><p>Ein Mann schrie vor Schmerzen auf.</p><p>Ich w�lzte mich �ber die Palisadenbarriere. Eine Frau, die mich gar nicht zu sehen schien, so sehr war sie auf ihren Schmerz konzentriert, hastete an mir vorbei. Sie hielt ein Kind in den Armen.</p><p>Im Lager wurde entsetztes Geschrei laut. Fackeln wurden zu Boden geworfen. Unvern�nftigerweise hieben M�nner mit ihren Speeren auf den Boden ein. Andere rissen Palmbl�tter von H�ttend�chern und schlugen damit um sich.</p><p>Ich hoffte, da� es im Lager keine angebundenen Tiere gab. Zwischen zwei H�tten rollte ein Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden herum.</p><p>Irgend etwas bi� mich unangenehm am Fu�. Immer mehr Ameisen ergossen sich �ber die Palisadenmauer. Unweit der hinteren Mauer, zur Mitte des Dorfes vorr�ckend, schien ein immer l�nger und breiter werdender lebendiger Insektenteppich zu liegen. Ich schlug mir gegen den Arm und lief auf die H�tte zu, in der unsere Gruppe beim ersten Besuch untergebracht gewesen war. Mit dem Fu� stie� ich von hinten durch die Astwand.</p><p>�Tarl!� rief Kisu, der gefesselt am Boden lag. Ich durchschnitt die Seile. Ebenso befreite ich auch Ayari, Alice und Tende.</p><p>M�nner, Frauen und Kinder liefen an der T�r der H�tte vorbei. �berall wurde geschrien.</p><p>�Ameisen!� rief Ayari.</p><p>Alice stie� einen Schmerzensschrei aus.</p><p>Wir h�rten sie an der Unterseite des Strohdachs. Ein Tier fiel mir auf die Schulter, und ich streifte es ab.</p><p>Tende schrie auf. Sie war gebissen worden.</p><p>�Hier entlang!� rief ich. �Beeilt euch!�</p><p>Wir traten weitere �ste aus der R�ckwand der H�tte und hasteten in die raschelnde Dunkelheit hinaus.</p><p>Menschen flohen aus dem Dorf. Das Tor war weit ge�ffnet worden. Eine H�tte brannte.</p><p>�Warte, Kisu!� rief ich.</p><p>Wie ein Wahnsinniger lief Kisu auf das gro�e Lagerfeuer in der Mitte des Dorfes zu. Dort st�rmte er zwischen Leute, die ihn nicht einmal zu bemerken schienen, und st�rzte zwei Kessel mit kochendem Wasser um. Dorfbewohner schrien auf, von dem hei�en Wasser verbr�ht. Das Wasser versickerte in der Erde. Kisus Beine waren von Ameisen bedeckt. Er stie� einen Mann zur Seite und entri� ihm einen Speer.</p><p>�Kisu!� rief ich. �Komm zur�ck!� Und ich lief hinter ihm her. Quiekend galoppierte ein zahmer Tarsk an mir vorbei.</p><p>Kisu ergriff pl�tzlich einen Mann, zerrte ihn herum und spie�te ihn mit seinem Speer auf. Von oben bis unten von Ameisen zugedeckt, schreiend, au�er sich vor Wut, konnte er nicht von dem Toten lassen, der offenbar der H�uptling des Dorfes gewesen war. �Beeil dich, Kisu!� rief ich. Endlich schien er etwas zu sich zu kommen und folgte mir in die Dunkelheit. Wir blickten nicht zur�ck.</p></section><section><title><p>48</p></title><p>�Ich nehme die hier�, sagte ich.</p><p>Der Anf�hrer der kleinen Menschen zerrte daraufhin das blonde M�dchen hoch. �Steh auf!� befahl er.</p><p>Vor mir stand die Anf�hrerin der Talunas, einen Lianenkragen am Hals, die H�nde auf dem R�cken gefesselt.</p><p>Anschlie�end trat ich vor den wei�h�utigen Mann hin, der bei den Talunas gefangen gewesen und von den kleinen Menschen befreit worden war, ehe sie das Taluna-Dorf niederbrannten.</p><p>Noch immer trug er die Ketten der Talunas und kniete mitten auf der Lichtung.</p><p>�Du hast zu Shabas Expedition geh�rt�, stellte ich fest.</p><p>�Ja�, erwiderte er. �Als Ruderer.�</p><p>�Kenne ich dich?� fragte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte er. �Ich bin Turgus, und Port Kar war einmal meine Heimat. Deinetwegen wurde ich aus der Stadt verbannt.�</p><p>Ich l�chelte. �Die Schuld daf�r d�rfte eher bei dir liegen, denn soweit ich mich erinnere, wolltest du mich berauben.�</p><p>Er war der Mann, der mich mit seiner Komplizin Sasi am Hafenkanal in Port Kar hatte ausrauben wollen.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ich wu�te nicht, da� du Angeh�riger der Kriegerkaste bist.�</p><p>�Wie kommst du auf den Flu�?� fragte ich.</p><p>�Nachdem ich aus Port Kar verbannt worden war�, berichtete er, �mu�te ich die Stadt vor Sonnenuntergang verlassen. Ich verdingte mich als Ruderer an Bord eines Schiffes, das nach Bazi fuhr. Von Bazi reiste ich nach Schendi. Dort setzte sich ein Agent Shabas mit mir in Verbindung, der insgeheim Ruderer f�r eine Expedition ins Landesinnere anwarb. Die Bezahlung sah gut aus, also machte ich mit.�</p><p>�Wo ist Shaba jetzt?� wollte ich wissen.</p><p>�Zweifellos ist er inzwischen vernichtet worden�, sagte er. �Unsere Schiffe wurden laufend �berfallen und angegriffen. Es gab Unf�lle, ein Schiff ging verloren, und mehrmals kenterten wir. Wir verloren Vorr�te. Wir wurden aus dem Dschungel angegriffen. M�nner erkrankten.�</p><p>�Trotzdem ist Shaba nicht umgekehrt?�</p><p>�Er l��t sich nicht entmutigen�, antwortete der Mann. �Er ist ein gro�er F�hrer.�</p><p>Ich nickte. Diesem Urteil mu�te man beipflichten.</p><p>�Wie kommt es, da� du von ihm getrennt wurdest?� fragte ich dann.</p><p>�Shaba, der in einem Lager krank darniederlag, stellte s�mtlichen Begleitern frei, ihn zu verlassen oder zu bleiben.�</p><p>�Und du hast dich losgesagt?�</p><p>�Nat�rlich�, sagte er. �Es w�re Wahnsinn gewesen, den Flu� noch weiter zu befahren. Ich und einige andere bauten Fl��e und wollten zum Ngao-See zur�ckkehren.�</p><p>�Und?�</p><p>�Schon in der ersten Nacht wurden wir angegriffen�, fuhr er fort. �Die M�nner meiner Gruppe wurden umgebracht, nur ich kam mit dem Leben davon. Ich wanderte in Richtung Westen durch den Dschungel, parallel zum Flu�.� Er blickte auf die Talunas, die mit gesenkten K�pfen auf der Lichtung knieten. �Ich fiel diesen Frauen in die H�nde�, sagte er und hob die gefesselten H�nde. �Sie machten mich zu ihrem Arbeitssklaven.�</p><p>�Sicher haben sie dich auch gezwungen, ihrem Vergn�gen zu dienen�, sagte ich.</p><p>�Manchmal schlugen und bestiegen sie mich�, antwortete er.</p><p>�Bindet ihn los�, sagte ich.</p><p>Ayari hob einen Schl�ssel, den er in der H�tte der Taluna-F�hrerin gefunden hatte, und �ffnete die Ketten Turgus�, der in Port Kar geboren war.</p><p>�Du befreist mich?� fragte er.</p><p>�Ja, du kannst gehen, wohin du willst.�</p><p>�Ich m�chte aber lieber bei dir bleiben�, sagte er.</p><p>�K�mpfe!� forderte ich ihn auf.</p><p>�Was?� fragte er.</p><p>�Greif mich an�, sagte ich.</p><p>�Aber du hast mich eben befreit�, sagte er.</p><p>�Schlag zu!�</p><p>Er versuchte mich zu treffen, aber ich blockte den Hieb ab und traf ihn mit der Faust in den Magen und anschlie�end an der Schl�fe. �chzend ging er zu Boden.</p><p>Zornig sprang er wieder auf, und ich schlug ihn erneut nieder. Er war kr�ftig. Noch viermal stand er auf, um zu k�mpfen, aber dann schaffte er es nicht mehr. Er gab sich M�he, sank aber wieder zur�ck.</p><p>Anschlie�end zog ich ihn hoch. �Wir haben die Absicht, flu�aufw�rts zu fahren�, sagte ich.</p><p>�Das ist Wahnsinn!�</p><p>�Du kannst gehen, wohin du willst�, sagte ich.</p><p>�Ich bleibe.�</p><p>�Kisu und ich�, sagte ich und deutete auf den ehemaligen Mfalme von Ukungu, �stehen im Rang �ber dir. Du akzeptierst unsere Befehle. Du tust, was wir dir sagen, und zwar schnell und gr�ndlich.�</p><p>Kisu hob seinen Speer und sch�ttelte ihn.</p><p>Turgus rieb sich das Kinn und grinste. �Ihr steht im Rang �ber mir, ihr beide�, sagte er. �Seid unbesorgt. Ich gehorche schnell und gut.�</p><p>�Ungehorsam wird mit Tod bestraft�, sagte ich.</p><p>�Verstanden�, erwiderte Turgus.</p><p>�Wir sind keine sanften Herren wie Shaba�, f�gte ich hinzu.</p><p>Turgus l�chelte. �Auf dem Flu� ist Shaba auch kein sanfter Herr.� Auf dem Flu�, das wu�ten wir alle, mu�te eiserne Disziplin herrschen.</p><p>�Wir verstehen einander ganz gut, nicht wahr?� fragte ich.</p><p>�In der Tat�, sagte er, �� Kapit�n.�</p><p>�Schau dir diese Gefangenen an�, sagte ich und deutete auf die knienden Talunas. �Welches dieser M�dchen gef�llt dir am besten?�</p><p>�Die dort�, antwortete er und deutete auf das dunkelhaarige M�dchen mit den schlanken Beinen, die nach unseren Feststellungen die stellvertretende Anf�hrerin der Talunas gewesen war.</p><p>�Du erinnerst dich an sie aus der Zeit deiner Gefangenschaft?� fragte ich.</p><p>�Und ob�, antwortete er.</p><p>Das M�dchen erschauderte. �Nein!� flehte sie, �bitte gib mich nicht an ihn!�</p><p>�Du geh�rst ihm�, sagte ich.</p><p>�Er wird mich umbringen!� rief sie.</p><p>�Wenn er will�, sagte ich.</p><p>�Bitte t�te mich nicht!� wandte sie sich an Turgus. �Ich will dir auch dienen, wie du willst.�</p><p>Wortlos zerrte er sie zum Ufer, w�hrend ich mich an den Anf�hrer der kleinen Menschen wandte. �Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte ich.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, antwortete er.</p><p>Dann verlie�en Kisu und ich die Lichtung, gefolgt von Turgus und Janice, Alice und Tende. Ich f�hrte das blonde M�dchen mit, das bei den Talunas das Kommando gef�hrt hatte. Unser Ziel war das Kanu, das wir zusammen mit ausreichenden frischen Vorr�ten in Flu�n�he versteckt hatten.</p><p>�Was sollen wir mit denen tun?� rief der Anf�hrer der Kleinw�chsigen hinter uns her. Wir drehten uns um und betrachteten die gefesselten Talunas.</p><p>�Was ihr wollt!� rief ich.
 Ich zerrte das blonde M�dchen ins Kanu und hie� sie vor mir niederknien. Turgus folgte mit der dunkelhaarigen Taluna meinem Beispiel.</p><p>�Woher kommt ihr?� fragte ich die blonde Anf�hrerin.</p><p>�Ich und Fina�, sagte sie und deutete mit einer Kopfbewegung auf das dunkelhaarige M�dchen, �kommen aus Turia. Die anderen M�dchen stammen aus verschiedenen St�dten des S�dens.�</p><p>�Hast du uns weiter unten am Flu� einmal bespitzelt?� fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete sie. �Das war ich. Wir waren entschlossen, euch zu Sklaven zu machen.� Ayari hatte also, wie ich schon vermutet hatte, im Wald eine Taluna gesehen, die er f�r Janice hielt.</p><p>�Wie kommt ihr in die Regenw�lder?� fragte ich.</p><p>�Ich und Fina und die anderen sind vor unerw�nschten Gef�hrtenschaften geflohen�, antwortete sie.</p><p>�Jetzt aber werdet ihr als Sklavinnen euer Dasein fristen�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Und eure Bande wird sicher kein besseres Schicksal erleiden�, fuhr ich fort.</p><p>Das Kanu glitt in die Flu�mitte hinaus. �Ich wei� nicht, wie man eine gute Sklavin ist�, sagte sie bedr�ckt und senkte den Kopf.</p><p>�Du wirst es bald lernen�, sagte ich.</p><p>Sie nickte, und wir setzten unsere Flu�reise fort.</p></section><section><title><p>49</p></title><p>�Kannst du die Botschaft der Trommeln entziffern?� fragte ich. �Ayari? Kisu?�</p><p>�Nein�, antwortete Ayari.</p><p>�Nein�, sagte auch Kisu.</p><p>�Der Rhythmus der Trommeln weist weder auf die Ushindi- noch auf die Ukungu-Sprache hin�, sagte Ayari.</p><p>Vor zwei Tagen hatten wir das Land der kleinen Menschen verlassen, in dem wir Turgus wiedergefunden und zwei neue Sklavinnen in unserer Gruppe aufgenommen hatten.</p><p>Eine Ahn sp�ter waren die Trommeln noch immer zu h�ren, vor uns wie auch hinter dem Boot.</p><p>�Weiterpaddeln�, sagte ich zu Janice.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie.</p><p>Wir hatten neue Paddel geschnitzt, damit jedes Mitglied unserer Gruppe mit zupacken konnte. Sollte es erforderlich sein, schnell davonzuziehen, sollte jeder, der im Boot sa�, mit seinen K�rperkr�ften zur Arbeit beitragen k�nnen. Normalerweise jedoch paddelten jeweils nur vier oder f�nf von uns, zwei M�nner und zwei oder drei Sklavinnen. Auf diese Weise hatten wir nicht nur stets eine frische Mannschaft in der Hinterhand, sondern konnten auch eine l�ngere Zeit des Tages auf dem Flu� verbringen. Neben den neuen Paddeln f�r Turgus und die beiden neuen Sklavinnen hatte Kisu ein Ersatzpaddel geschnitzt, so da� wir insgesamt zwei Paddel in Reserve hatten � eine durchaus �bliche Vorsichtsma�nahme auf dem Flu�.</p><p>Ayari sah sich um und lauschte auf die Trommeln. �Der Dschungel lebt�, sagte er.</p><p>Pl�tzlich schrie Alice auf: �Seht doch!� rief sie und streckte den Arm aus. �ber dem Wasser baumelte, am Hals aufgeh�ngt, ein Mann. Er war mit blauen Fetzen bekleidet, die darauf hinwiesen, da� er einmal der Kaste der Schriftgelehrten angeh�rt hatte.</p><p>�Ist es Shaba?� fragte Kisu.</p><p>�Nein�, erwiderte ich.</p><p>�Es ist einer seiner M�nner�, sagte Turgus ernst.</p><p>�Dort ist noch einer!� rief Alice. Etwa hundert Meter hinter dem ersten Geh�ngten erblickten wir auf der gleichen Flu�seite einen zweiten Toten. Er baumelte ebenfalls an einem Ast. Er trug zerfetzte braungr�ne Kleidung.</p><p>�Der geh�rte ebenfalls zu Shabas Leuten�, stellte Turgus fest. �Ich halte es f�r ratsam umzukehren.�</p><p>Aus dem Dschungel dr�hnten die Trommeln. Ihr Klang schien aus allen Richtungen zu kommen.</p><p>�Weiter�, sagte ich.</p><p>Innerhalb weniger Ehn kamen wir an sechs weiteren Toten vorbei.</p><p>�Schaut, dort am Ufer!� rief Ayari.</p><p>Wir lenkten das Kanu zum Ufer und zogen es zwischen Wurzeln und Unterholz an Land.</p><p>�Das ist eine von Shabas Galeeren, oder?� wandte ich mich an Turgus.</p><p>�Ja�, antwortete er. Das Holz war zum Teil verbrannt. Die Schiffswandung wies Einkerbungen auf, die von Waffen stammen mu�ten. In den Kiel waren mit Pangas oder �xten gro�e L�cher geschlagen worden. �berall lagen zerbrochene Ruder.</p><p>�Ich glaube nicht, da� Shaba seine Expedition von hier aus noch fortgesetzt hat�, meinte Turgus.</p><p>Die beiden neuen Sklavinnen, das blonde und das dunkelhaarige M�dchen, blieben im Kanu. Sie hatten die Paddel quer �ber die Bordw�nde gelegt und beugten sich ersch�pft dar�ber.</p><p>�Es waren urspr�nglich drei Galeeren�, sagte ich.</p><p>�Der Klang der Trommeln gef�llt mir gar nicht�, warf Ayari ein.</p><p>�Ja, es waren drei Galeeren�, sagte Turgus nachdenklich.</p><p>�Wir haben weiter unten am Flu� Wrackteile der ersten Galeere gefunden, dies w�re also die zweite.�</p><p>�Ich kann mir aber nicht vorstellen, da� Shaba weiter flu�aufw�rts gezogen ist�, meinte Turgus. �H�r dir doch die Trommeln an.�</p><p>�Es gab eine dritte Galeere�, stellte ich fest.</p><p>�Ja�, sagte Turgus.</p><p>�Meinst du, Shaba w�rde umkehren?� fragte ich.</p><p>�Er war krank�, erwiderte Turgus. �Zweifellos hat er viele M�nner verloren. Welche Hoffnung w�re ihm noch geblieben?�</p><p>�Glaubst du, er w�rde umkehren?� wiederholte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann fahren wir weiter�, bestimmte ich.</p><p>Wir kehrten zum Kanu zur�ck und schoben es in das bewegte Wasser des breiten Ua-Flusses.</p><p>Im Laufe der n�chsten Ahn kamen wir an �ber sechzig Geh�ngten vorbei, die am Flu�ufer einen grausigen Anblick boten. Shaba aber war nicht darunter. Um einige Leichen kreisten Aasv�gel, manchen Toten hatten sich bereits die kleinen gelbfl�geligen Jards auf die Schultern gesetzt. Ein Mann wurde sogar von Zads angegriffen, die sich mit ihren langen gelben Schn�beln daran zu schaffen machten. Es waren Dschungel-Zads, die weniger gef�hrlich sind als die W�sten-Zads, da sie im allgemeinen weniger aggressiv auftreten.</p><p>�Vielleicht geht es in der Botschaft der Trommeln gar nicht um uns�, meinte ich.</p><p>�Warum sagst du das?� fragte Ayari.</p><p>�Als wir sie zuerst h�rten, kamen sie aus der Ferne, von oben am Flu�. Die Botschaft, worum es sich dabei auch handeln mochte, wurde dann flu�abw�rts weitergegeben.�</p><p>�Und wie s�he diese Botschaft aus?� fragte Ayari.</p><p>�Ich f�rchte�, warf Turgus ein, �sie betrifft die Vernichtung Shabas.�</p><p>�Was meinst du, Kisu?� fragte ich.</p><p>�Ich finde, du hast recht � der Ruf der Trommeln betrifft nicht uns�, antwortete Kisu, �und zwar aus den von dir genannten Gr�nden. Ich meine aber, wenn es dabei um die Vernichtung Shabas ginge, dann h�tten wir auch schon gestern und vorgestern Getrommel h�ren m�ssen, als vermutlich die zweite Galeere zerst�rt wurde. Warum sollten die Trommeln erst jetzt zu sprechen beginnen?�</p><p>�Dann lebt Shaba vielleicht noch�, sagte ich.</p><p>�Wer wei�?� fragte Kisu.</p><p>�Was bedeutet also das Getrommel?� lie� Ayari nicht locker.</p><p>�Ich glaube, ich wei� es�, sagte ich.</p><p>�Ich ahne es ebenfalls�, sagte Kisu mit ernstem Gesicht.</p><p>�H�rt doch!� rief Ayari. Wir h�rten auf zu paddeln.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Ja�, sagte auch Kisu.</p><p>Von vorn war leiser Gesang zu h�ren, der �ber das Wasser herangeweht wurde.</p><p>�Schnell!� sagte ich. �F�hren wir das Kanu nach links, die Flu�insel dort bietet uns Deckung!�</p><p>Wir lenkten das Kanu mit schnellen Paddelschl�gen zu einer l�nglichen Flu�insel, einem schmalen, bewaldeten Streifen, an dem zu beiden Seiten in ruhigem Tempo der breite Ua entlangstr�mte.</p><p>Kaum hatten wir das Kanu angelandet und ins Unterholz gezogen, als die ersten von vielen Kanus um die S�dspitze der Insel kamen.</p><p>�Unglaublich!� fl�sterte Ayari.</p><p>�Runter, ihr Sklavinnen�, befahl ich den beiden neuen M�dchen, die sich prompt im Boot niederkauerten. Wir �brigen lagen im Gras der Insel und betrachteten das Schauspiel.</p><p>�Wie viele sind das wohl?� fragte Ayari.</p><p>�Unz�hlige�, antwortete ich.</p><p>�Das hatte ich gehofft�, sagte Kisu.</p><p>Hunderte von Kanus kamen an der kleinen Insel vorbei. Es handelte sich um lange Kriegskanus, die f�nfzehn bis zwanzig Mann Platz boten. Sie paddelten im exakten Takt und sangen dabei. Die M�nner hatten sich mit bunten Federn geschm�ckt. Ihre K�rper waren mit wilden Zeichen in wei�er und gelber Farbe bedeckt.</p><p>�Der Anf�hrer der kleinen Menschen erz�hlte mir davon�, sagte ich. �Dies ist die Streitmacht der Flu�v�lker, die sich zum Kampf zusammengefunden hat.�</p><p>Noch immer glitten die Kanus an uns vorbei. Wir h�rten im Hintergrund die Trommeln, die weiter ihre Botschaft verbreiteten. Sie vermochten das Singen nicht mehr zu �bert�nen.</p><p>Nach etwa einer halben Ahn waren die letzten Kanus den Flu� hinab verschwunden.</p><p>Kisu und ich standen auf. Tende folgte unserem Beispiel.</p><p>�Nun also�, sagte ich zu Kisu, �es sieht so aus, als h�ttest du Bila Huruma in sein Verh�ngnis gelockt. Er ist dieser Armada mindestens zehn zu eins unterlegen. Diesen Zusammensto� kann er nicht �berleben. Dein Plan scheint sich zu erf�llen. In deiner Auseinandersetzung mit dem Ubar scheinst du nun doch den Sieg davonzutragen.�</p><p>Kisu blickte den Flu� hinab. Dann legte er Tende den Arm um die Schulter. �Heute nacht werde ich dich nicht mehr fesseln, Tende�, sagte er.</p></section><section><title><p>50</p></title><p>�Er ist so riesig�, sagte Ayari.</p><p>�Er mu� gr��er sein als der Ushindi- oder Ngao-See�, meinte Turgus.</p><p>Wir lenkten unser Kanu �ber die schimmernde Fl�che eines weiten Sees.</p><p>�Hier mu� der Quell des Ua liegen�, sagte ich.</p><p>�Tausend Str�me m�ssen sich in diesen See ergie�en�, sagte Kisu.</p><p>Vor zwei Wochen hatten wir einen weiteren Wasserfall erreicht, der sogar noch h�her war als der, von dem wir vor langer Zeit die nachfolgenden Streitkr�fte Bila Hurumas entdeckt hatten. Angesichts der L�nge des Flusses, der zahlreichen steilen Katarakte und der vielen Plateaus und Anh�hen, die wir erklommen hatten, mu�ten wir uns viele tausend goreanische Fu� �ber der Meeresoberfl�che befinden, oberhalb der M�ndungen des Kambas und des Nyoka in das gr�ne Wasser des Thassa. Von den Wasserf�llen am Rand dieses namenlosen Sees aus hatten wir weit ins Land hinter uns blicken k�nnen, ohne auf dem Flu� etwas auszumachen.</p><p>Hier und dort ragten riesige Steinfiguren aus dem See, die K�rper und K�pfe von M�nnern, die Schilde an den Armen trugen und Speere in den H�nden. Die Gestalten waren verwittert, bedeckt mit den roten und gr�nen Ablagerungen der Zeit. Flechten und Moose bildeten Kolonien auf dem Gestein; Lianen rankten sich darum. V�gel sa�en auf den K�pfen und Schultern der eindrucksvollen Gestalten. Auf Felserhebungen dicht am Wasser sonnten sich Schildkr�ten und Tharlarion.</p><p>�Wie alt sind diese Gebilde?� fragte Janice.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete ich.</p><p>Ich betrachtete die riesigen Statuen. Sie ragten drei�ig bis vierzig Fu� hoch aus dem Wasser. Im Vergleich dazu wirkte unser Kanu winzig. Ich schaute mir die Gesichter n�her an.</p><p>�Dies waren M�nner deiner Rasse � oder einer Rasse, die mit der deinen eng verwandt ist, Kisu�, sagte ich.</p><p>�M�glich�, sagte Kisu. �Es gibt sehr viele schwarze V�lker.�</p><p>�Wohin sind die Erbauer dieser Denkm�ler verschwunden?� fragte Ayari.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich.</p><p>�Fahren wir weiter�, sagte Kisu und tauchte sein Paddel in das stille Wasser.
 �Was f�r ein sch�ner Anblick!� rief Janice.</p><p>�Dort an der Pier ist eine Flu�galeere festgemacht�, sagte Ayari.</p><p>�Es ist die dritte Galeere�, stellte Turgus fest, �die letzte Galeere Shabas.�</p><p>Vor uns, am Ostufer des Sees, erstreckte sich eine gut vierhundert Meter breite und hundert Meter tiefe befestigte Kaimauer. Riesige Poller erhoben sich darauf, daran Eisenringe, an denen Schiffe festgemacht werden konnten. An den hinteren Teil der Kai-Fl�che schlossen sich auf voller Breite Treppenfluchten an, die in zahlreichen Etappen nach oben f�hrten. Am Ende dieser Treppen, ein gutes St�ck vom Seeufer entfernt, ragten die Ruinen eines m�chtigen Bauwerks empor, umgeben von Treppen und wei�en S�ulen. Dahinter erstreckte sich eine Ruinenstadt, angef�llt mit verwitterten Mauerresten. Von unserer Position aus vermochten wir die Ausdehnung dieser Anlage nicht abzusch�tzen. Ein Tharlarion lie� sich von der Kaimauer ins Wasser klatschen. Lianen und andere Gew�chse bedeckten das Pflaster.</p><p>Hier und dort, besonders links und rechts des gro�en Geb�udes oben an der Treppe, ragten weitere Kriegerstatuen mit Schilden und Speeren auf.</p><p>�Shaba mu� hier sein�, stellte Turgus fest.</p><p>�Er hat den Quell des Ua als erster erreicht�, sagte Kisu.</p><p>Ich wickelte den Schutz von einer Panga und lockerte einen der Speere, die wir vor langer Zeit den Eingeborenen abgenommen hatten.</p><p>�Lenken wir das Kanu n�her dorthin�, sagte ich. �Wir machen es nahe der Galeere fest.�</p><p>�Mein Freund Tarl�, sagte Kisu, �deine lange Reise ist nun endlich zu Ende.�</p><p>Ich trat auf den Kai hinaus. Ich steckte mir die Panga in den H�ftgurt. Den Speer hielt ich in der Hand.</p><p>�Warum suchst du Shaba?� fragte Turgus. �Deine Augen verraten, da� du das Anliegen eines Kriegers hast.�</p><p>�K�mmere dich nicht darum�, antwortete ich.</p><p>�Du willst doch Shaba nichts antun, oder?� fragte er weiter.</p><p>�Vermutlich wird es erforderlich sein, ihn zu t�ten.�</p><p>�Das kann ich nicht zulassen�, gab Turgus zur�ck. �Ich stand in Shabas Diensten.�</p><p>�Dein Dienst gilt jetzt Kisu und mir�, erwiderte ich.</p><p>�Shaba hat mich gut behandelt�, sagte er. �Mir und anderen stellte er frei, ihn zu verlassen.�</p><p>�Besitzt du eine Ehre, obwohl du ein Brigant bist?� fragte ich.</p><p>�Nenn es, wie du willst�, erwiderte er zornig.</p><p>Kisu versetzte Turgus mit dem Speerschaft einen Hieb zwischen die Schulterbl�tter. Anschlie�end zerrten wir den halb Bet�ubten auf den Kai. Dort warf Kisu ihn auf den Bauch und fesselte ihm die H�nde hinter dem R�cken. Anschlie�end steckte er ihm einen Knebel in den Mund.</p><p>Ich wandte mich zu den Sklavinnen um, die wir aneinanderfesselten. So begann schlie�lich unser Marsch. Kisu folgte mir, dicht hinter ihm Ayari, der Turgus an der Fessel mitf�hrte. Ihm schlossen sich die f�nf gefesselten Sklavinnen an.</p></section><section><title><p>51</p></title><p>Ich schaute mich in dem gro�en Raum um. Er ma� etwa zweihundert Fu� im Quadrat und war gest�tzt von hohen S�ulen. �berall lagen riesige Steinbl�cke herum, die wohl fr�her einmal das Dach gebildet hatten. Die Seitenmauern waren alles in allem intakt. Dort, wo man den Fu�boden ausmachen konnte, zeigte er sich als glatte Fl�che, abgesehen von �ffnungen, durch die man Ketten f�hren konnte. Hier und dort lagen noch die �berbleibsel von Ketten, zerbrechliche Rostreste, die bei der geringsten Ber�hrung zu Staub zerfielen. Man erreichte diesen Raum �ber eine breite Treppe. Im hinteren Bereich f�hrte eine weitere Treppe zu einem h�herliegenden Treppenabsatz und Gang. An den W�nden waren noch vage Mosaike auszumachen, die davon zeugten, da� hier fr�her M�dchen zu Sklavinnen gemacht wurden.</p><p>Wir hatten diesen Raum wegen der M�dchen gew�hlt, die sich von den Mosaiken beeindruckt zeigten, und hatten hier ausgiebig gerastet.</p><p>Ich sah Tende in Kisus Armen liegen. Seit wir die Streitmacht der Flu�v�lker hatten vorbeiziehen sehen, denen Bila Huruma zweifellos zum Opfer gefallen war, hatte er das M�dchen nicht mehr gefesselt.</p><p>Neben mir lag Janice auf den Fellen. Sie war eine ausgezeichnete Sklavin, die zweifellos noch viele liebevolle Herren finden w�rde, bis sie eines Tages in die Gewalt eines Mannes geriet, von dem sie sich nie ertr�umt hatte, da� er existierte, ein Mann, der f�r sie nach der sehr pers�nlichen und komplizierten Anziehung zwischen Menschen der ideale Liebespartner sein w�rde, stark und r�cksichtslos, doch zugleich liebevoll und z�rtlich � der vollkommene Liebesherr. Dann w�rde sie vermutlich nicht mehr verkauft werden.</p><p>�Die Stadt ist gro߫, sagte Kisu. �Durchaus m�glich, da� wir Shaba hier nie finden.�</p><p>�Wir m�ssen die Suche fortsetzen�, sagte ich. �Er mu� hier irgendwo sein, davon bin ich �berzeugt.�</p><p>Pl�tzlich schrie Janice auf, und wir sprangen hoch. Askaris waren in den Raum eingedrungen � etwa zweihundert Mann, die voll bewaffnet waren. Msaliti war bei ihnen. Und an ihrer Spitze stand eine bekannte riesige Gestalt in schwarzer Kleidung, bewaffnet mit Schild und Speer.</p><p>�Bila Huruma!� rief Kisu.</p></section><section><title><p>52</p></title><p>Tende verlie� Kisus Lager und eilte zu Bila Huruma. Weinend kniete sie vor ihm nieder. �Ich begleite dich!� rief sie. �Tut ihnen nichts! T�tet sie nicht! Ich komme ja freiwillig mit! Du hast mich gefunden. Ich flehe dich an, la� die anderen gehen. La� sie frei gro�er Ubar!�</p><p>�Wer ist diese Frau?� fragte Bila Huruma.</p><p>Kisu trat erstaunt zur�ck. Verbl�fft starrte Tende zu Bila Huruma empor.</p><p>�Hast du mich nicht gesucht, gro�er Ubar?� fragte sie. �Bist du nicht meinetwegen den gro�en Flu� emporgefahren?�</p><p>�Wo ist Shaba?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete ich.</p><p>�Gro�er Ubar!� rief Tende.</p><p>�Wer ist das?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Keine Ahnung�, erwiderte Msaliti. �Ich habe sie nie zuvor gesehen.�</p><p>Bila Huruma blickte auf die halbnackte Sklavin hinab, die ihm zu F��en lag. �Habe ich dich schon einmal gesehen?� fragte er.</p><p>�Nein, Herr�, erwiderte sie.</p><p>�Das dachte ich mir�, meinte er. �Zweifellos h�tte ich mich an die Konturen deines K�rpers erinnert.�</p><p>�Ich war einmal Tende aus Ukungu�, sagte sie.</p><p>�Wer ist Tende aus Ukungu?�</p><p>�Ah�, sagte Msaliti. �Sie sollte dir von Aibu, dem H�uptling von Ukungu, �berlassen werden, um die Allianz zwischen dem Reich und Ukungu zu festigen.�</p><p>�Ukungu ist Teil des Reiches�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Nein!� rief Kisu und ergriff einen Speer.</p><p>Bila Huruma beachtete Kisu nicht. Er blickte auf Tende hinab, die zu seinen F��en kniete und an ihm emporblickte.</p><p>�Eine h�bsche Sklavin�, stellte Bila Huruma fest, �ein h�bsches Symbol f�r Hochsch�tzung und guten Willen, doch kaum ausreichend, um etwas so Wichtiges zu untermauern wie eine politische Allianz.�</p><p>�Sie war die Tochter Aibus�, erkl�rte Msaliti. �Sie sollte deine Gef�hrtin werden.�</p><p>�Gef�hrtin?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Ja�, sagte Msaliti.</p><p>�Diese h�bsche Dirne war einmal eine freie Frau?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Stimmt das, meine Liebe?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie.</p><p>�Jetzt aber tr�gst du die Lumpen und Perlen einer Sklavin.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Sie stehen dir gut.�</p><p>�Danke, Herr.�</p><p>Es hielten sich etwa zweihundert Askaris im Zimmer auf. Msaliti und Bila Huruma waren einige Schritte vorgetreten. Kisu und ich standen ihm gegen�ber, Kisu hielt einen Speer in der Hand. Ayari befand sich links hinter uns. Unsere M�dchen waren nach wie vor gefesselt.</p><p>�K�mpfen wir!� rief Kisu Bila Huruma zu.</p><p>�Wir hatten nicht damit gerechnet, dich wiederzusehen�, sagte ich.</p><p>�Ich habe mich durchgek�mpft�, antwortete Bila Huruma. �Zweihundertundzehn M�nner, drei Galeeren und vier Kanus sind mir geblieben.�</p><p>�Meine Hochachtung � dein milit�risches K�nnen und dein unbeugsamer Wille haben un�berwindliche Hindernisse aus dem Weg ger�umt�, sagte ich.</p><p>�K�mpfen wir!� wiederholte Kisu und hob seinen Speer.</p><p>�Was ist das f�r ein Bursche?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Kisu, der Rebell aus Ukungu�, antwortete Msaliti. �Du hast ihn einmal an deinem Hofe vor dir knien sehen, in Ketten. Bei demselben Anla� lerntest du Mwoga, den Hochwesir Aibus, des H�uptlings von Ukungu, kennen. Damals sprach er mit dir, wenn du dich erinnern m�chtest, �ber das M�dchen Tende, die deine Gef�hrtin werden sollte und dir jetzt als Sklavin zu F��en liegt.�</p><p>�Ah ja, ich erinnere mich�, antwortete Bila Huruma und blickte Kisu an. �Der Mann, mit dem K�rperbau und Temperament eines Kailiauk�, sagte er.</p><p>�Ja�, antwortete Msaliti.</p><p>�Bereite dich auf den Kampf vor�, sagte Kisu zu Bila Huruma.</p><p>�Unsere Auseinandersetzung ist vorbei, und du hast verloren�, sagte Bila Huruma.</p><p>�F�r mich ist der Kampf aber noch nicht vorbei, solange ich noch einen Speer packen kann�, antwortete Kisu ernst.</p><p>�Hier stehen mehr als zweihundert Askaris, Kisu�, sagte ich mahnend.</p><p>�Stell dich mir zum Zweikampf, wenn du es wagst!� forderte Kisu den Ubar auf.</p><p>Ich schaltete mich ein. �Ubars�, sagte ich, �haben selten Veranlassung, sich gegen einfache Soldaten zum Duell zu stellen.�</p><p>�Ich bin aber der Mfalme von Ukungu!� sagte Kisu.</p><p>�Du wurdest abgesetzt�, sagte ich gelassen. �Bei allem Respekt, Kisu, du bist politisch nicht wichtig genug, um ein Duell mit einem Ubar wert zu sein.�</p><p>�Dann ernenn mich wieder zum Mfalme von Ukungu�, forderte Kisu, �wenn es nicht anders geht.�</p><p>�Ich bitte dich, Kisu!� sagte Ayari.</p><p>�Welche Spuren Shabas habt ihr gefunden?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Nur seine Galeere � soviel hast du sicher auch schon festgestellt. Auch wir suchen ihn.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� er weit ist�, meinte Bila Huruma.</p><p>�Das hoffe ich auch�, sagte ich.</p><p>�Wo ist die goldene Kette, die ich dir an meinem Hofe schenkte?� wollte Bila Huruma wissen.</p><p>�Bei unseren Vorr�ten im Boot�, antwortete ich.</p><p>�Das ist ein Irrtum�, sagte er und winkte einen Askari herbei, der mir die Kette zuwarf.</p><p>�Ich dachte mir, da� ich dich hier finden w�rde�, sagte Bila Huruma. �Ich erkannte die Kette wieder.�</p><p>�Vielen Dank, Ubar�, sagte ich und legte mir die Kette wieder um den Hals.</p><p>�K�mpfe!� rief Kisu.</p><p>�Ich suche Shaba�, sagte Bila Huruma. �Ich habe keine Lust, mich von diesem hei�spornigen Unzufriedenen ablenken zu lassen.�</p><p>�K�mpfe!� schrie Kisu und schwenkte seinen Speer.</p><p>�Ich k�nnte diese schwerf�llige Waffe im Nu unterlaufen�, sagte Bila Huruma zu Kisu. �Warum h�tte ich bei meinen Soldaten sonst den Sto�speer einf�hren sollen?�</p><p>�Wir haben solche Waffen ebenfalls!� rief Kisu, und das stimmte. Ayari hielt eine in der Hand, w�hrend die andere unten im Kanu lag.</p><p>�Kannst du sie aber auch bedienen?� fragte Bila Huruma. �Kennst du all die Tricks, die man im Kampf damit anwenden kann?�</p><p>�Nein�, antwortete Kisu. �Trotzdem werde ich gegen dich antreten.�</p><p>�Du bist ein kr�ftiger Mann, ein mutiger, guter Mann, Kisu�, sagte ich, �aber Bila Huruma und seine M�nner sind ausgebildete K�mpfer. Gib deine Verr�cktheit auf.�</p><p>�Wenn ich Bila Huruma t�te�, sagte Kisu, �t�te ich damit auch sein Reich.�</p><p>�Das ist sehr unwahrscheinlich�, sagte ich. �Das Reich ist wertvoll � wie Gold. Entglitte es dem Griff eines Mannes, w�rde sehr bald ein anderer danach greifen.�</p><p>�Ich gedenke nicht, mich dir im Kampf zu stellen�, sagte Bila Huruma. �Und wenn du mich angreifst, mu� ich dich entweder t�ten oder umbringen lassen.�</p><p>�Er ist ein ausgebildeter K�mpfer, Kisu�, sagte ich. �La� es nicht darauf ankommen.�</p><p>�Was soll ich tun?� fragte Kisu.</p><p>�Meine Empfehlung w�re es, ihn niederzustechen, wenn er gerade nicht hinschaut, oder seinen Palmenwein zu vergiften.�</p><p>�So etwas kann ich nicht tun�, rief Kisu. �Was soll ich machen?�</p><p>�Heb den Speer�, forderte ich ihn auf.</p><p>Mit einem Wutschrei h�mmerte er den Speerschaft gegen den Boden. Alle Anwesenden musterten Kisu.</p><p>Er stand starr, den Speer gegen den Boden gestemmt, die Klinge �ber dem Kopf. Seine H�nde umklammerten den Speer unterhalb der Schneide, �ber seinem Kopf, den er gesenkt hatte. Seine Schultern zuckten. Er weinte. Tende kroch zu ihm und schmiegte sich schluchzend an ihn.</p><p>�Warum suchst du Shaba?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Zweifellos aus demselben Grund wie du�, antwortete ich.</p><p>Nerv�s zuckend stand Msaliti neben dem Ubar. �Wir haben einen weiten Weg zur�ckgelegt, gro�er Ubar�, sagte er. �Wir konnten viele Hindernisse und Gefahren �berwinden. Diese wenigen M�nner bilden ein letztes Hemmnis f�r uns. Wir sind betr�chtlich in der �berzahl und sollten sie ausl�schen. Befiehl deinen Askaris, sie zu vernichten.�</p><p>Bila Huruma sah mich an. Er schien in Gedanken versunken zu sein.</p><p>�Bila Huruma�, ert�nte da eine Stimme von der H�he der Treppe schr�g hinter uns, einer Treppe, die zu einem h�hergelegenen Hof f�hrte.</p><p>Wir alle blickten zur obersten Stufe hinauf.</p><p>Dort stand in stolzer Pose ein Schriftgelehrter, der nur noch blaue Fetzen am Leibe trug.</p><p>�Ich bin Bila Huruma�, sagte der Ubar.</p><p>�Das ist mir bekannt�, erwiderte der Schriftgelehrte und schaute sich in unserem Kreise um. �Ist unter euch ein Mann, der Tarl Cabot hei�t?� fuhr er fort.</p><p>�Das bin ich�, meldete ich mich.</p><p>Msaliti fuhr zusammen. Anscheinend war das ein Name, der ihm nicht unbekannt war. Seine Hand zuckte zur H�fte an seinen Dolch, doch er zog die Waffe nicht.</p><p>�Ich bringe euch zu Shaba�, sagte der Schriftgelehrte.</p></section><section><title><p>53</p></title><p>�Ich hatte gehofft, da� du mir folgen w�rdest�, sagte Shaba. �Als du an die Gaunerkette gelegt wurdest, f�rchtete ich schon, es k�nne mit dir zu Ende sein. Ich kann dir nicht sagen, wie sehr ich mich freue, dich hier zu sehen.�</p><p>Shaba, der einen sehr mitgenommenen Eindruck machte, lag, von Kissen gest�tzt, auf einem Lager. Er schien den linken Arm nicht mehr benutzen zu k�nnen. Die Krankheit hatte ihn ausgezehrt.</p><p>�Dann nimm mir die Handfesseln ab, die mir angelegt wurden�, forderte ich. Der Schriftgelehrte hatte uns durch die alte Stadt gef�hrt, Stra�en hinauf und hinab, durch zahlreiche Geb�ude schreitend, verschiedenen uralten Gassen folgend, links und rechts Ruinen, die von untergegangener Pracht zeugten. Bila Huruma und ich waren dem Schriftgelehrten als erste gefolgt, dahinter erst waren die Angeh�rigen unserer Gruppe gekommen. Kisu hatte die M�dchen in ihren Fesseln gelassen. Schlie�lich hatten wir alle, die wir �ber zweihundert z�hlten, eine festungs�hnliche Umfriedung erreicht, die etwas h�her stand als der Rest der Stadt. Wir hatten im Bereich des alten Eingangs warten m�ssen. Shabas M�nner hatten die Ruine notd�rftig wieder befestigt, indem sie auf der Schwelle Felsbrocken stapelten, die den Zugang nur im G�nsemarsch m�glich machten. �ber der Eingangs�ffnung hatten sie ein Ger�st aus zusammengebundenen St�mmen angebracht, das jederzeit herabgelassen werden konnte. Shaba hatte noch etwa f�nfzig Mann bei sich. W�hrend der Rest unserer Gruppen am Eingang wartete � auch Bila Huruma mu�te zur�ckbleiben �, wurde ich �ber den breiten gepflasterten Hof in die Mitte gef�hrt, wo Shaba auf einer uralten Lagerstatt aus Stein ruhte. Ehe ich ihm n�hertreten durfte, hatten mich Shabas M�nner mit Speeren umringt und mir Handfesseln angelegt. So stand ich nun vor dem Geographen aus Anango.</p><p>�Shaba stirbt�, hatte der Schriftgelehrte gesagt, der uns hierherf�hrte. �Sprich nicht zu lange mit ihm.�</p><p>Ich betrachtete Shaba.</p><p>�Bitte, mein Freund�, sagte Shaba zu mir, �verzeih mir die Handschellen. Du verstehst aber sicher, da� sie aus meiner Sicht eine recht logische Vorsichtsma�nahme sind.�</p><p>Um Shabas Hals hing an einer d�nnen goldenen Kette ein Ring. Er schimmerte golden und schien schwer zu sein, viel zu gro� f�r den Finger eines Menschen. In den Ring war eine silberne Platte eingelassen. Gegen�ber der Fassung befand sich an der Au�enseite des Rings ein eingelassener runder Hebel.</p><p>�Du stellst das St�ck k�hn zur Schau�, sagte ich.</p><p>Shaba ber�hrte den Ring. An seiner rechten Hand trug er einen anderen Ring den Zahnring voller Kanda-Gift, den ich schon in Schendi gesehen hatte. Ein winziger Kratzer dieses Rings konnte innerhalb von Sekunden sogar einen Kailiauk t�ten. �Hast du eine schlechte Meinung von mir, Tarl Cabot?� fragte er.</p><p>�Du hast die Priesterk�nige verraten�, sagte ich. �Und den Tahari-Ring gestohlen.�</p><p>�Ich bin Schriftgelehrter, ein Mann der Wissenschaft, der weisen Schriften�, sagte Shaba. �Du kannst sicher verstehen, wie wichtig mir der Ring war.�</p><p>�Er vermag Reichtum und Macht zu bringen�, sagte ich.</p><p>�Solche Dinge interessieren mich nicht�, sagte Shaba. Die dunklen Stammest�towierungen auf seinem Gesicht verzogen sich zu einem L�cheln. �Aber das wirst du sicher nicht glauben�, fuhr er fort.</p><p>�Tue ich auch nicht�, sagte ich.</p><p>�Wie schwierig ist es doch f�r zwei Menschen, die nicht derselben Kaste angeh�ren, einander zu verstehen�, sagte er.</p><p>�M�glich�, sagte ich.</p><p>�Ich habe den Ring aus zwei Gr�nden behalten�, sagte er. �Erstens erm�glichte er mir die Befahrung des Ua-Flusses. Ohne den Ring w�ren wir nicht so weit gekommen. In vielen D�rfern und bei feindlich gesinnten Elementen erm�glichte uns die Demonstration der Eigenschaften des Ringes die Weiterfahrt � wie ich erhofft hatte. Am Flu� gelte ich wohl leider als eine Art Zauberer. Ohne den Ring w�ren ich und meine M�nner umgebracht worden.� Er l�chelte mich an. �Meine Erforschung des Ua w�re ohne den Ring nicht m�glich gewesen.�</p><p>�Du wei�t doch aber sicher, da� es gef�hrlich ist, den Ring zu besitzen�, sagte ich.</p><p>�Dessen bin ich mir bewu�t�, erwiderte er und machte mit der rechten Hand eine ausholende Bewegung. Er deutete auf die festungs�hnliche Umfriedung, in der er und seine M�nner Zuflucht gesucht hatten. Die Anlage war von einem breiten, flachen Schutzgraben umgeben, der aus dem See gespeist wurde. Mit einem Tarskschinken hatte man uns demonstriert, da� in dem Graben Tausende von blauen Grunt ihrer Laichzeit entgegengingen. Dieser Fisch ist normalerweise nicht sonderlich gef�hrlich. Doch vor dem Vollmond, wenn die Fische zu Schw�rmen zusammenkommen, wird er �u�erst aggressiv. Der Tarskschinken war in wenigen Ihn aufgefressen worden. Rings um das Fleisch hatte das Wasser gebrodelt, und schon konnte man das Seil, an dem der K�der gehangen hatte, abgebissen aus dem Wasser ziehen. Der Graben war mit Hilfe einer kleinen Holzbr�cke �berquert worden, die von Shabas M�nnern errichtet worden war. Der Graben w�rde an Wirksamkeit verlieren, sobald der Mond seine volle Phase erreicht hatte. Sobald sich der Fortpflanzungszyklus des Grunt mit dem Vollmond abgeschlossen hatte, kehrten die Fische in den See zur�ck. Sicher war dieser Graben ein �berlieferter Laichgrund f�r sie, denn die Gruntschw�rme pflegten an angestammte Orte zur�ckzukehren, wo immer sie sich befinden mochten. So bildeten die Grunt im Burggraben f�r eine gewisse Zeit eine wirksame Barriere � Shaba und seinen M�nnern mu�te aber klar sein, da� das nicht lange anhalten konnte. Pl�tzlich str�ubten sich mir die Nackenhaare. Ich hatte etwas von der Situation dieser M�nner begriffen.</p><p>�Ihr habt auf uns gewartet�, stellte ich fest.</p><p>�Nat�rlich�, antwortete Shaba. �Und w�rt ihr nicht heute gekommen, wei� ich nicht, was wir getan h�tten.�</p><p>�Die Gefr��igkeit der Grunt sch�tzt euch seit drei bis vier Tagen.�</p><p>�Sie erwies sich als ausreichend�, sagte Shaba. �Sie gab euch Zeit, diesen Ort zu erreichen.�</p><p>�Kurii haben dich verfolgt�, sagte ich.</p><p>�Ja�, best�tigte Shaba meine Vermutung. �Das nehmen wir jedenfalls an, denn bisher haben wir nur Spuren gesehen. Doch mu� ich bef�rchten, da� sie sich in diesem Augenblick bereits sammeln. Sie m�ssen sich irgendwo in der Stadt aufhalten.�</p><p>�Es war sehr mutig von deinem Manne, uns zu holen�, sagte ich.</p><p>�Er hei�t Ngumi�, sagte Shaba. �In der Tat, er ist ein mutiger Mann. Wir wu�ten nicht, ob er durchkommen w�rde.�</p><p>�Ich wu�te nicht, da� ein Schriftgelehrter so mutig sein kann�, �u�erte ich.</p><p>�Mutige M�nner gibt es in allen Kasten�, sagte Shaba.</p><p>�Es mu� uns jedoch gestattet worden sein, zu dir zu kommen�, meinte ich.</p><p>�Ist Msaliti ebenfalls in der Festung?� fragte Shaba.</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Dann magst du recht haben�, sagte er.</p><p>�Du sagtest eben, du h�ttest den Ring aus zwei Gr�nden behalten � aber bisher hast du erst einen genannt, n�mlich da� er deine Forschungen am Ua erleichtert.�</p><p>�Schau dort�, sagte Shaba und deutete auf einen seitlich stehenden Tisch, auf dem sich ein zylindrisches Lederbeh�ltnis und vier ledergebundene Notizb�cher befanden.</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Das ist ein Kartenbeh�ltnis�, sagte er, �und die Schriftst�cke enthalten meine Notizen. Im Verlauf meiner Reise habe ich den Ua vermessen und seinen Lauf verzeichnet und im �brigen meine Beobachtungen festgehalten. Diese Dinge sind von unsch�tzbarem Wert, auch wenn du dir das als Krieger vielleicht nicht vorstellen kannst.�</p><p>�Deine Unterlagen w�ren f�r einen Geographen sicher wertvoll�, sagte ich.</p><p>�Sie sind f�r alle zivilisierten Menschen von unsch�tzbarem Wert.�</p><p>�Mag sein�, sagte ich.</p><p>�Die Landkarten und meine Aufzeichnungen erschlie�en eine g�nzlich neue Welt�, sagte Shaba. �Das darfst du nicht nur in bezug auf den Profit sehen, den J�ger und Fallensteller, Kaufleute oder Siedler, Pflanzer und �rzte hier machen k�nnten � sondern in bezug auf alle Menschen, die gern etwas lernen, die gern Bescheid wissen, die verborgene Geheimnisse offenbart sehen und bisher unergr�ndeten R�tseln auf die Spur gehen wollen. In diesen Karten und Aufzeichnungen liegt f�r alle, die damit etwas anzufangen wissen, der Schl�ssel zu neuen und endlosen L�ndern, zu Sch�tzen und Wundern.� Er richtete seinen intensiven Blick auf mich. �Und das ist der zweite Grund, warum ich den Ring mitnahm.�</p><p>�Ich verstehe nicht, was du damit meinst�, sagte ich.</p><p>�Ich habe nicht damit gerechnet, da� ich diese Expedition �berleben w�rde, so da� ich in die anderen L�nder zur�ckkehren k�nnte�, sagte er. �Es freut mich, da� ich es bis hierher geschafft habe, da� ich die Quelle des Uas finden durfte.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich nahm den Ring nicht nur an mich�, erkl�rte er, �um mir damit die Reise zu erleichtern, sondern um zu erreichen, da� du oder ein anderer mir folgte � und da� es somit jemanden gab, der meine Landkarten und Aufzeichnungen in die Zivilisation zur�ckbringen konnte.�</p><p>�Du bist geflohen�, sagte ich, �aus Angst vor mir.�</p><p>Shaba l�chelte. �Der Ua will mir als seltsamer Fluchtweg erscheinen. Nein, mein Freund, ich bin nicht geflohen. Vielmehr begann ich meine Forschungsreise in das Landesinnere.�</p><p>�Was ist mit den gewaltigen Geldsummen, die den Kurii abgeluchst wurden, jenen Kreditbriefen, die in Schendi ausgezahlt wurden?�</p><p>�Die dienten dazu, die Kosten der Ausstattung der Expedition zu mindern�, antwortete er. �Du hast doch sicher nichts dagegen, da� ich Mittel der Kurii f�r diesen Zweck ausgegeben habe. Sie sollten froh sein, zu einem so guten Projekt beigetragen zu haben.�</p><p>�Du verteilst deine Verr�tereien immerhin gerecht�, sagte ich. �Das spricht zweifellos f�r dich.�</p><p>�Du darfst nicht zu schlecht von mir denken, Tarl�, sagte Shaba. �F�r mich war das eine Gelegenheit, wie sie sich im Leben nicht ein zweitesmal bietet. Wenn ich etwas falsch gemacht habe, dann im Bestreben, f�r meine Kaste etwas zu erreichen und, noch allgemeiner gesprochen, f�r die ganze Menschheit.� Er warf mir einen bedr�ckten Blick zu. �Was w�rden die Priesterk�nige deiner Meinung nach mit dem Ring anstellen?� fragte er. �Ihnen w�re er nicht wichtig. F�r mich, f�r die Menschen, hat er aber eine ungeheure Bedeutung. Ich bezweifle sogar, ob die Priesterk�nige dem Menschen die Benutzung des Rings gestatten w�rden. Es erscheint mir denkbar, da� sie darin einen Bruch ihrer Vorstellungen zur menschlichen Technologie sehen w�rden.�</p><p>�Vielleicht hast du recht�, erwiderte ich. �Ich wei� ehrlich nicht, wie sie die Sache sehen w�rden.�</p><p>�Also nahm ich den Ring�, fuhr Shaba fort. �Mit seiner Hilfe habe ich den Ua-Flu� erforscht, dessen Quelle ich fand. Mit Hilfe des Ringes habe ich dich au�erdem hinter mir hergelockt, so da� nun meine Landkarten und Aufzeichnungen in die Zivilisation zur�ckgebracht werden k�nnen.�</p><p>Ich betrachtete den Kartenhalter und die Notizb�cher.</p><p>�Ja�, sagte Shaba, �jene Dinge habe ich mit dem Diebstahl des Ringes und mit meinem Leben erreicht.� Pl�tzlich spannten sich seine Muskeln. Er schien Schmerzen zu leiden. �Bewache sie gut, mein Freund!�</p><p>�Warum bist du aus Bila Hurumas Palast geflohen?� fragte ich. Shaba war mit drei Galeeren abgefahren, w�hrend Bila Huruma ihm mit dem Rest der Schiffe und Vorr�te gefolgt war.</p><p>�Ihm habe ich wom�glich das gr��te Unrecht zugef�gt�, sagte Shaba niedergeschlagen, �und doch meine ich, da� ich ihm durch meine Flucht aus dem Palast das Leben gerettet habe.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Bila Huruma, mein G�nner und Besch�tzer�, sagte Shaba, �stand zwischen Msaliti und mir. Msaliti hatte bereits einen Anschlag auf sein Leben versucht, jener Anschlag, bei dem der M�rder Jambia durch die Osts ums Leben kam, der Anschlag, mit dem er dich zu belasten versuchte.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Solange ich im Palast war, befand sich Bila Huruma in Gefahr�, fuhr Shaba fort. �Wenn ich aber die Flucht ergriff, gab es keinen Grund mehr f�r Msaliti, seinen Tod zu planen. Und doch wu�te ich von Anfang an, da� Bila Huruma mir folgen w�rde.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich, �blieb Msaliti dann keine andere Wahl, als Bila Huruma von dem Ring zu erz�hlen und bei dem Versuch mitzumachen, den Ring zur�ckzuholen, in der Hoffnung, das kostbare St�ck dann anschlie�end in die H�nde zu bekommen.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� Bila Huruma mir wegen des Rings gefolgt ist�, sagte Shaba l�chelnd.</p><p>�Weshalb denn sonst?� fragte ich.</p><p>Shaba schwieg.</p><p>�Kein anderer Grund w�rde ihn an diesen Ort f�hren�, sagte ich, �als f�r den Ring morden zu wollen. Seine Eigenschaften w�rden Bila Hurumas Position unanfechtbar machen.�</p><p>�Mag sein�, sagte Shaba l�chelnd.</p><p>�Wie kommt es dann, da� du besorgt bist, Bila Huruma ein Unrecht zugef�gt zu haben?� fragte ich. Das schien mir so unwahrscheinlich wie die Sorge eines Mannes, dem sich ein Larl auf die Spur gesetzt hat.</p><p>�Indem ich ihn f�r meine Zwecke benutzt habe.�</p><p>�Welche Zwecke?�</p><p>Shaba verharrte einen Augenblick lang reglos auf seinen Decken. Von Schmerzen gepackt, schlo� er die Augen.</p><p>Ich blickte starr auf den Ring, der ihm um den Hals hing.</p><p>Ersch�pft �ffnete Shaba die Augen und sah mich an.</p><p>�Ich habe kein Interesse an deinen Landkarten und Notizen�, sagte ich. �Ich bin wegen des Ringes gekommen. Nimm mir die Handschellen ab. Gib mir den Ring.�</p><p>Von weiter oben gellte pl�tzlich ein Schrei herab. Ich fuhr herum und sah einen von Shabas M�nnern, der herumwirbelnd von der H�he der Mauer st�rzte und blut�berstr�mt auf dem Steinboden landete. Im n�chsten Augenblick entdeckte ich als dunkle Silhouette vor dem blauen Tropenhimmel die riesig-zottelige Gestalt eines Kur, der die Arme erhoben hatte und in der rechten Pfote eine blutrote Panga hielt. Auch von unten wurde Geschrei laut. Und schon br�llten wilde Kurii auf allen Seiten � sie schienen unsere Festung eingekreist zu haben. Pl�tzlich tauchte der Wipfel eines schmalen Baumes vor dem Himmel auf; er war von au�en gegen die Wehrmauer gelehnt worden. Ein Kur stieg am Stamm empor und sprang �ber die Mauerkrone. An anderen Stellen erschienen ebenfalls die breiten, rei�zahnbewehrten Kurii-K�pfe mit lodernden Augen.</p><p>Einer der Kurii schrie auf: ein Sto�speer ragte ihm aus der Brust. Mit knappen Befehlen schickte Bila Huruma seine Askaris in den Kampf. Ich sah Kisu, der mit beiden H�nden einen Eingeborenenspeer �ber den Kopf gehoben hatte und auf einen geduckten Kur zust�rmte, der eben in den Hof gesprungen war.</p><p>�Nimm mir die Handschellen ab!� rief ich Ngumi zu, dem Schriftgelehrten neben Shaba, der uns an diesen Ort gef�hrt hatte.</p><p>Acht oder neun weitere Kurii landeten innerhalb der Mauer und verweilten einen Moment in Kauerstellung, Pangas im Maul, die Kn�chel der Klauen auf den Boden gest�tzt. Trotz ihrer Gr��e bewegten sie sich leichtf��ig.</p><p>Ich bemerkte, wie Msaliti ein Messer zog und seitlich davonschlich.</p><p>Askaris eilten die Steintreppen zur Mauer empor, an Stellen, wo die Wehrg�nge noch nicht eingest�rzt waren. Einer stie� einen eben angelegten Baumstamm zur�ck. Im n�chsten Augenblick wurden vier K�mpfer von einem angreifenden Kur mit einer Riesenpanga von der Mauer gefegt. Andere Kurii schoben die Arme durch das Baumstammgeflecht am Eingang. Ayari, der kleine Ayari, gesellte sich zu den dort k�mpfenden Askaris.</p><p>�Mach mich los!� forderte ich dr�ngend. Ich b�umte mich in den Fesseln auf. Weitere Kurii kletterten �ber die Mauer.</p><p>Der Schriftgelehrte warf Shaba einen verzweifelten Blick zu. �Binde ihn los�, sagte Shaba.</p><p>Zwei Kurii, die noch auf allen vieren hockten, blickten in unsere Richtung.</p><p>Am Eingang war Geschrei zu h�ren. Pangas zerfetzten das sch�tzende Holzgitter.</p><p>Irgendwo kreischte eine Sklavin. Eine meiner Handfesseln sprang auf. Von den Kurii waren sicher viele goreanischer Abstammung, wilde degenerierte Kurii, Nachkommen gestrandeter Kurii oder �berlebende vernichteter Schiffe. Andere, so f�rchtete ich, waren Schiffs-Kurii. �Beeil dich!� herrschte ich den Schriftgelehrten an. Einer der beiden Kurii, die in unsere Richtung blickten, hob pl�tzlich den Arm und deutete auf uns. Auf allen vieren, mit einer Wendigkeit und Geschwindigkeit, die bei einem so gro�en Wesen erschreckend anmuteten, griffen die beiden Gesch�pfe an. Die andere Handfessel schnappte auf. Ich sah, wie sich eines der Ungeheuer, die Panga noch im Maul, auf Shaba st�rzen wollte und dabei nach dem Ring an der Kette griff. Ich schleuderte dem anderen Kur die ge�ffneten Handschellen ins Gesicht. Das Biest, das Shaba angreifen wollte, fuhr pl�tzlich verbl�fft zur�ck. Verwirrt starrte es auf seine Pfote, an der frisches Blut zu sehen war. Die Panga fiel ihm aus den Rei�z�hnen. Das Ungeheuer, das mir an den Kragen wollte, zerrte sich br�llend die Handschellen aus dem verwundeten Auge. Sein Maul blutete, denn es hatte zu fest auf die Panga gebissen. Halb kriechend, halb laufend versuchte ich die Stelle zu erreichen, wo Ngumi nach meiner Fesselung den Gurt mit Dolch und Scheide abgelegt hatte. Verzweifelt lie� ich mich zur Seite rollen. Die Panga des Ungeheuers, das es auf mich abgesehen hatte, schepperte funkenspr�hend gegen die Pflastersteine. Der Kur, der Shaba angegriffen hatte, verendete vor seinem Lager. Shaba hustete und spuckte Blut. Die vergiftete Klinge seines Zahnrings war ge�ffnet und wies Blutspuren auf. Wieder warf ich mich zur Seite, und erneut raste die Panga auf mich zu. Der Tisch, auf dem Shabas Kartenbeh�ltnis und Notizb�cher lagen, schien in zwei H�lften zu explodieren, Gegenst�nde und Splitter flogen in alle Richtungen.</p><p>Fauchend und br�llend sah sich der Kur um. Vor�bergehend hatte er mich aus dem Auge verloren. Ich hielt mich auf seiner blinden Seite. Dann stie� ich den Kriegsschrei von Ko-ro-ba aus, sprang ihm auf den R�cken, krallte ihm einen Arm um die Kehle und versenkte den Dolch in sein Herz. Ich sp�rte den m�chtigen K�rper unter mir erbeben und sprang zur Seite davon.</p><p>Ich fuhr herum. Ein zweiter Kur wollte sich auf Shaba st�rzen. Wieder brachte Shaba den Zahnring zum Einsatz. Ich sah, wie sich die sechs Glieder der Klaue um die Halskette schlossen, dann sah ich, wie sich die Krallen �ffneten und das Ungeheuer schlaff zur�ckglitt. Es verweilte einen Augenblick lang in sitzender Haltung und fiel dann haltlos zur Seite.</p><p>Ich schob mir den blutigen Dolch zwischen die Z�hne. Ich schmeckte das Blut eines Kur.</p><p>Mit der Hand ergriff ich die Panga, die der von mir get�tete Kur besessen hatte. Die Waffe war schwer. Ich konnte sie nur mit beiden H�nden f�hren.</p><p>Kurz blickte ich zu Shaba zur�ck, der sich mit gesenktem Kopf in die Decken verkrallt hatte. Sie waren blutdurchtr�nkt. Ngumi eilte zu ihm. Shaba hob den Kopf. �K�mpfe!� sagte er. �Rettet euch!�</p><p>�Ich werde dich nie verlassen!� rief Ngumi. Dann schrie er auf, denn ein m�chtiger Pangahieb hatte seinen K�rper f�rmlich in zwei Teile gespalten. Ich sprang los und stach von vorn auf den Kur ein, der Ngumi get�tet hatte. Der breite Kopf hielt meinem Streich nicht stand. Ich warf einen letzten Blick auf Ngumi und bemerkte, da� seine T�towierungen, die bei einem Schriftgelehrten, einem Mann der Zivilisation, so erstaunlich wirkten, identisch waren mit den Zeichnungen auf Shabas Gesicht.</p><p>�Hilfe!� gellte eine Stimme. �Sie brechen durch!�</p><p>Ich lief zum Eingang, sprang br�llend auf die Steine und hieb gegen Arme und Pfoten, die das primitive Holzgitter anzuheben versuchten. Hastig wurden die Arme zur�ckgezogen. Heulend wichen Kurii zur�ck.</p><p>�Andere kommen �ber die Mauern!� rief eine Stimme.</p><p>�Bindet mich los!� vernahm ich eine Stimme. Ich eilte zu Turgus und trennte seine Fesseln durch. Er ergriff den Sto�speer eines gefallenen Askari und st�rzte sich in den Kampf. Anschlie�end �ffnete ich mit schnellen Schritten die Fesseln der erschrocken dahockenden Sklavinnen. �Herr!� rief Janice. Vielleicht konnten die M�dchen fliehen. Allerdings waren sie innerhalb der Mauern eingeschlossen.</p><p>Ich fuhr herum und begegnete dem Angriff eines anderen Kur. Ich blockierte seinen Hieb mit der Panga und wurde von dem Aufprall ein Dutzend Fu� zur�ckgeschleudert. Die Hand tat mir weh. Wieder griff das Ungeheuer an, und Steinsplitter spr�hten aus der Wand rechts neben meinem Kopf. Ich wich zur Seite aus und erwischte ihn mit der Panga. �chzend trat er zur�ck und hielt sich den Unterleib.</p><p>�Kisu, pa� auf!� rief ich.</p><p>Kisu machte kehrt, doch schon warf sich eine Gestalt zwischen ihn und den Angreifer. Ein Sto�speer wurde dem Kur in den Leib gerammt, wieder herausgerissen und noch mehrmals zum Einsatz gebracht, bis das erz�rnte, erstaunte Ungeheuer zur�cktaumelte und sogleich von hinten durch einen Askari erlegt wurde.</p><p>Kisu blickte auf den Mann, der den Angreifer zur�ckgetrieben hatte. �Dank, mein Ubar�, sagte er. Und dann standen Kisu, der Rebell, und Bila Huruma, der Ubar des �quatorreiches, Seite an Seite und machten sich daran, die Angriffe weiterer Kurii abzuwehren. Ich hielt meine Panga mit beiden H�nden. Mir bluteten die Lippen, da ich mich an dem Dolch geschnitten hatte, den ich zwischen den Z�hnen hielt. Ich blickte mich um. Dann schob ich den Dolch in meine Tunika und wischte mir das Blut aus dem Gesicht, ehe ich mich wieder in den Kampf st�rzte. Von hinten attackierte ich einen Kur, der sich �ber einen gefallenen Askari beugte, und erlegte ihn mit einem Hieb. Einen anderen schaltete ich ebenfalls von hinten aus, indem ich seine Wirbels�ule traf. Immer neue Kurii kletterten �ber die Mauer. Der Druck auf das Torgitter hatte ebenfalls nicht nachgelassen, und ich lief hin�ber und trieb die Kurii mit heftigen Klingenstreichen zur�ck. Ein Anf�hrer fauchte und gestikulierte. Andere brachten zwei der schlanken Baumst�mme nach vorn, mit deren Hilfe die Kurii zuvor die Mauern erklommen hatten. Ich legte den Kopf in den Nacken und atmete durch. Ich griff nach dem Dolch in meiner Tunika und sicherte ihn noch etwas besser im Stoff.</p><p>�Wie war es m�glich, da� wir �berrascht wurden?� fragte ich Ayari, der am Eingang k�mpfte.</p><p>�Die W�chter an der kleinen Br�cke wurden �berfallen und get�tet�, antwortete er. �Die Ungeheuer nahmen die Br�cke ein und �berquerten den Graben.�</p><p>�Ein wahres Gemetzel�, stellte ich fest.</p><p>Ich sah mich um. Die ovalen Lederschilde und die Sto�speere der Askaris mochten bei Stammesfehden unbesiegbar sein, doch gegen die schweren und scharfen Pangas der Kurii konnten sie wenig ausrichten. Sie waren nicht mit den klobigen �xten und schweren Schilden aus Torvaldsland zu vergleichen.</p><p>Bila Huruma schrie seinen M�nnern etwas zu. Er hatte seinen Schild fortgeworfen � vielleicht war er ihm auch vom Arm geschlagen worden. �Nehmt sie euch einzeln vor!� br�llte er. �Greift zu f�nft an, einer lenkt ab, die vier anderen attackieren!�</p><p>�Er verbessert unsere Taktik�, sagte Ayari.</p><p>�Er ist ein Ubar�, stellte ich fest.</p><p>Ein Askari mochte sich heftiger Pangastreiche mit der Klinge seines Speers erwehren, w�hrend vier andere das Ungeheuer umschw�rmten und ihre Waffen zum Einsatz brachten. Wie schon angedeutet, mu�te es sich bei den Kurii im gro�en und ganzen um wilde Kurii handeln, die es gew�hnt waren, allein zu k�mpfen. Sie mochten einander nahe sein, doch sie k�mpften letztlich allein, wie sie es aus den W�ldern gew�hnt waren. Sie waren furchteinfl��end und �beraus stark � doch sie hatten keine Kampfausbildung.</p><p>�Es sind zu viele�, sagte ich.</p><p>�Es stimmt schon, da� wir verloren sind�, sagte Ayari, �aber wir werden einen gutem Kampf liefern.�</p><p>�Brav gesprochen, kleiner Bursche!� sagte ich.</p><p>Ich sah Bila Huruma auf ein Knie niedergehen. Ein riesiger Kur stand neben ihm, die Panga �ber den Kopf erhoben. Hinter Bila Huruma gellte pl�tzlich ein lauter Ukungu-Schrei auf, und ein Eingeborenenspeer wurde am Ubar vorbeigesto�en und bohrte sich dem Kur ins Herz.</p><p>�Danke, Rebell�, sagte Bila Huruma und stand wieder auf. Kisu zog die Waffe heraus und grinste. �Jetzt schulde ich dir nichts mehr�, sagte er.</p><p>�Stimmt�, antwortete Bila Huruma, und wieder k�mpften die beiden Seite an Seite, Rebell und Ubar.</p><p>Nun rief einer der Kur-Anf�hrer seine Streitkr�fte zur Ordnung und formierte sie zu losen Reihen, um zu verhindern, da� seine K�mpfer weiterhin einzeln angegriffen wurden. Ich bezweifelte nicht, da� er ein Schiffs-Kur war. Ich bewunderte sein Verm�gen, die degenerierten Kurii unter sein Kommando zu zwingen. Vielleicht hatte sich in ihnen noch ein Rest von Erinnerung an die Disziplin und W�rde ihrer Vergangenheit gehalten, sicher aber an die Zw�nge der Schiffs-Treue.</p><p>�Es ist aus mit uns�, sagte ich. �Jetzt k�mpfen sie zusammen.�</p><p>Bila Huruma sammelte seine M�nner um sich. Viele waren verwundet. Es waren wohl nicht mehr als hundert am Leben.</p><p>Weitere Kurii sprangen �ber die Mauern.</p><p>Pl�tzlich ert�nte hinter uns ein Knacken und Splittern. Immer wieder wurden die Baumst�mme gegen das schwache Holzgeflecht gerammt, das den Eingang versperrte.</p><p>�Wir m�ssen sie aufhalten!� rief Ayari.</p><p>�Unm�glich�, sagte ich. Pl�tzlich brach die Barriere, und Kurii schw�rmten herein, einige mit Pangas bewaffnet, andere mit Kn�ppeln und angespitzten St�cken. Wir wurden f�rmlich aus unserer Position im Innenhof geschwemmt.</p><p>Und schon wurde mir die Panga aus der Hand gerissen, tief vergraben im Leib des Kur, den ich damit angegriffen hatte.</p><p>�Formiert euch!� schrie ich. �Mit dem R�cken zur Mauer!�</p><p>M�nner str�mten an mir vorbei, um an der Mauer Position zu beziehen. Ich sprang einem Kur auf die Brust und krallte mich mit einer Hand in seinem langen Nackenfell fest. Mit der anderen trieb ich den Dolch, den ich aus meiner Tunika gerissen hatte, immer wieder in seine Brust. Der Kur trug Goldringe in den Ohren, und ich war sicher, da� es sich um einen Schiffs-Kur handelte. Ich sprang zu Boden, als das Ungeheuer aufschrie, herumwirbelte und dann zu Boden ging.</p><p>Turgus bohrte einen Speer in die Brust eines wie wahnsinnig angreifenden Kur.</p><p>Und schon hatte ich das Gef�hl, ringsum von Kurii umgeben zu sein, Wesen, die sich allerdings kaum um mich zu k�mmern schienen, weil sie es auf die M�nner vor der Mauer abgesehen hatte. Ich attackierte ein Ungeheuer, das sich an mir vorbeidr�ngte, und wurde f�rmlich mitgerissen, mich an Pelz und Dolch festhaltend. Ich bekam den Dolch frei als ich soeben von einem anderen Kur entdeckt wurde. Schon raste die Klinge empor. Es ist schwierig, mit einer so kleinen Waffe das Gehirn eines Kur zu erreichen. M�glich ist es jedoch, wenn man den richtigen Winkel trifft und durch die Augenh�hle zust��t. Auch durch das Ohr ist es denkbar, wo der Sch�del ein wenig d�nner ist. Der Kur stie� einen Schmerzensschrei aus, und ich verlor meinen Dolch, als sich das Wesen die Klauen vors Gesicht ri�. Br�llend zerrte es sich die Waffe heraus und versuchte dann mich zu packen. Ich wich zur�ck. Das Wesen starb, ehe es mich erreichte. Ich schob mich weiter zur�ck und befand mich dann inmitten von Menschen. Waffen prallten aufeinander. Die goldene Kette, die Bila Huruma mir geschenkt hatte, war blutig. Ich bemerkte, da� ein Kur hinter unseren M�nnern �ber die Mauer langte. Ich sprang die ausgetretene Treppe empor, die an dieser Stelle zur Mauerkrone f�hrte. Ich nahm die goldene Kette ab und hieb sie dem Ungeheuer ins Gesicht, das r�ckw�rts in die Tiefe st�rzte. Auf der Mauer entlanglaufend, stie� ich einen Baumstamm zur�ck, der dagegen gelehnt wurde. Zwei Kurii sprangen von dem st�rzenden Baum. Im n�chsten Augenblick entdeckte ich innerhalb der Mauern einen Kur. Er befand sich hinter unseren M�nnern. Er hob die Panga. Ich sprang dem Wesen von der Mauer aus auf die Schultern und legte ihm die goldene Kette um den Hals. Das Gesch�pf griff nach mir, konnte mich aber nicht absch�tteln. Ich behielt den Kopf unten und wich immer wieder der zusto�enden Panga aus. Dann zog ich die Kette an. Der Kur warf sich gegen die Mauer und zerdr�ckte mich beinahe. Mein R�cken f�hlte sich feucht an, und der rauhe Stein verursachte Schmerzen. Ich lie� nicht locker. Ich sp�rte die Klauen des Kur, die mich zu erreichen versuchten. Dann knackte etwas in seinem Hals. Die Panga fiel zu Boden. Der Kur begann zu schwanken. Zitternd hielten meine H�nde die goldene Kette, die sich tief in den Hals des Kur gegraben hatten. Und dann st�rzte das Ungeheuer. Ich sprang zu Boden, ri� die Kette los und legte sie mir wieder um den Hals. Dann griff ich nach der zu Boden gefallenen Panga. Zu meinem Entsetzen langte das Ungeheuer nach mir. Ich sah, wie sich seine m�chtigen Lungen f�llten und die Augen mich anstarrten. Es atmete Luft in den K�rper, Blut str�mte ihm aus dem Mund. Es ist nicht leicht, einen Kur zu t�ten. Ich hieb mit der Panga zu. �Verzeih mir, mein Freund�, sagte ich, denn ich griff nicht mit den Streichen eines Kriegers an, sondern mit denen eines Schl�chters. Ich torkelte und f�hlte mich schwach, und meine H�nde zitterten.</p><p>Ich h�rte, wie Bila Huruma seine M�nner an der Mauer zusammenrief. Dann br�llte er: �Attacke!�</p><p>Seine K�hnheit �berraschte die Kurii. Doch schon wenige Momente sp�ter waren Bila Huruma, Kisu, Turgus, Ayari und die Askaris wieder zur�ckgetrieben worden.</p><p>Die Lage war hoffnungslos, und doch meine ich, da� die Kurii vor den Menschen Respekt zu empfinden begannen.</p><p>Ein Anf�hrer der Kurii formierte entschlossen seine Ungeheuer neu. Ich war sicher, da� f�r den Sieg der anderen nur noch eine massierte Attacke der Ungeheuer erforderlich sein w�rde. Zu meiner �berraschung aber sah ich, wie der Kur-Anf�hrer, ein riesiger brauner Kur, der zweifellos aus den fernen Schiffen stammte, vor dem schwarzen Ubar gr��end die Pfote hob. Daraufhin hob Bila Huruma schweratmend seinen Sto�speer mit blutiger Faust. �Askari hodari!� rief er. Ich bebte vor Erregung. Gro�e Ehre hatte er dem Ungeheuer erwiesen, das nicht einmal ein Mensch war. Der Salut des Kur-Befehlshabers war best�tigt und erwidert worden. Die Worte, die Bila Huruma gesprochen hatte, entstammten der Ushindi-Sprache und lie�en sich etwa als �Mutiger Soldat� �bersetzen.</p><p>�Ich habe ihn!� vernahmen wir einen Schrei. Wir blickten zum aufgebrochenen Eingang. Dort stand Msaliti, einen blutigen Dolch in der Hand haltend, w�hrend er in der anderen eine Kette mit einem daran baumelnden Ring schwenkte.</p><p>�Er hat den Ring!� rief ich.</p><p>Ich blickte zum Lager des Shaba. Es war von toten Kurii und niedergestreckten Askaris umgeben. Hustend hielt sich Shaba die Brust. Der Zahnring, der vergiftete Ring, war geleert. Msaliti hatte seine Chance abgewartet und war dann �ber Shaba hergefallen. Nach den Wunden zu urteilen, war Shaba vier- oder f�nfmal getroffen worden. Anschlie�end hatte Msaliti Kette und Ring ergriffen und war zum Eingang geeilt. Die Kurii standen zwischen uns und Msaliti.</p><p>Der Befehlshaber der Kurii hob die Pfote und entbl��te die m�chtigen Rei�z�hne. Es war ein Zeichen seines Triumphs, ein Ausdruck seiner Freude. Eilig gab er seinen Ungeheuern neue Befehle. Msaliti sprang von der Steinschwelle und verlie� die festungs�hnliche Einfriedung. Die Kurii musterten uns fauchend und lie�en uns nicht aus den Augen, als sie sich nun Schritt f�r Schritt zur�ckzuziehen begannen � offensichtlich war es bei den Befehlen ihres Kommandanten darum gegangen. Er hatte gesiegt und wollte keines seiner Ungeheuer mehr riskieren. Au�erdem brauchte er sie, um den sicheren Transport des Ringes zum vorbereiteten Treffpunkt zu garantieren, von wo er sp�ter auf die Stahlwelten zur�ckgebracht oder auf dieser Welt vernichtend gegen die Menschen und Priesterk�nige eingesetzt werden w�rde.</p><p>Meine Panga mit beiden H�nden haltend, wollte ich die Ungeheuer verfolgen. Doch Kisu packte mich und hielt mich zur�ck. Bila Huruma stellte sich ebenfalls zwischen mich und unsere zottigen Feinde.</p><p>�Nein!� rief Kisu.</p><p>�Nein!� rief auch Bila Huruma. �Es w�re Wahnsinn, ihnen zu folgen.�</p><p>�Bleib bei uns, Tarl!� rief Ayari.</p><p>Auch Turgus fa�te nach meinem Arm. Ich kam nicht mehr frei.</p><p>�La�t mich los!� forderte ich.</p><p>�Du kannst nichts mehr �ndern�, sagte Kisu.</p><p>Im Griff meiner Freunde sah ich zu, wie die Kurii sich zur�ckzogen. Gehorsam verlie�en die zottigen Ungeheuer die Festungsanlage. Ich bewunderte den Befehlshaber der Kurii, der seinen wilden K�mpfern eine solche Disziplin aufzuerlegen vermochte.</p><p>Bila Huruma eilte zu Shaba.</p><p>Ich sch�ttelte Turgus und Kisu ab und rannte zum Eingang der Festung. Als ich die H�he der Steinschwelle erreichte, sah ich, da� die schwimmende Br�cke an unserem Ende losgeschnitten worden war und jetzt auf der anderen Seite an Land gezogen wurde. Zwischen mir und den Ungeheuern erstreckte sich der gef�hrliche Graben, etwa vierzig Fu� breit, in dem sich die t�dlichen Fische tummelten.</p><p>Ich stieg von den Steinen, die von Shabas Leuten im Eingang aufget�rmt worden waren.</p><p>Ich blickte �ber den Graben zu den Kurii hin�ber. Kisu, Turgus und Ayari standen hinter mir.</p><p>Auf der anderen Seite des Grabens hob Msaliti Kette und Ring �ber den Kopf. �Ich habe gesiegt!� rief er.</p><p>Der Befehlshaber der Kurii entri� ihm die Kette und legte sie sich um den Kopf.</p><p>�Ich habe gesiegt!� rief Msaliti.</p><p>Nun gab der Befehlshaber der Kurii einem seiner Ungeheuer einen Befehl. Msaliti schrie entsetzt auf, als das Monstrum ihn hoch �ber den Kopf hob und in den Graben schleuderte.</p><p>Augenblicklich sprang Msaliti auf und begann zu kreischen. Er st�rzte erneut, kam wieder hoch und sank wieder um. Ringsum brodelte das Wasser, das sich rot zu f�rben begann. Msaliti bewegte sich wie durch einen z�hen Morast und kam schreiend auf uns zu. Ich entri� Kisu den Eingeborenenspeer und hielt ihn Msaliti hin, der schreiend danach griff. Wir zogen ihn aus dem Wasser. F��e und Beine waren nicht wiederzuerkennen. Wir rissen die gierigen Fische aus seinem Fleisch. Dann lag er vor uns, und wir versuchten mit Stoffstreifen die Blutung zu stillen.</p><p>Auf der anderen Seite zogen die Kurii im G�nsemarsch ab.</p><p>Wir gaben uns gr��te M�he, Msalitis Leben zu retten. Schlie�lich gelang es uns, die Wunden wirksam abzubinden.</p><p>In diesem Augenblick tauchte Bila Huruma neben mir auf.</p><p>�Shaba ist tot�, sagte er.</p><p>Msaliti hob die Hand vor dem Ubar. �Mein Ubar�, sagte er.</p><p>Bila Huruma betrachtete Msaliti voller Trauer. Dann sagte er zu seinen Askaris: �Werft ihn den Fischen zum Fra�e vor!�</p><p>�Mein Ubar!� kreischte Msaliti, aber schon ging er im Graben unter, umschw�rmt von Fischen.</p></section><section><title><p>54</p></title><p>�Ich habe die Karten und Notizb�cher untersucht�, sagte ich zu Bila Huruma.</p><p>�Sind die Unterlagen vollst�ndig?� fragte er.</p><p>�Ja, es wurde alles gefunden.�</p><p>Wir standen auf einer weitl�ufigen Steinfl�che, zu der verschiedene breite Treppen herauff�hrten, ausgehend von dem eindrucksvollen Marmorkai am Westrand der uralten Stadt, dem Kai an dem wir vor Tagen gelandet waren, nachdem wir den See �berquert hatten. Hinter uns lag das riesige Geb�ude mit seinen m�chtigen S�ulen, von denen einige in die Ruinen gest�rzt waren. Links und rechts erhoben sich die �berlebensgro�en Gestalten der Steinkrieger, die strengen Blickes nach Westen starrten. Shabas Galeere und die drei Galeeren und Kanus Bila Hurumas, daneben unser kleines Kanu, das uns lange und treu gedient hatte, waren tief unter uns festgemacht.</p><p>Wir schauten auf den ruhig daliegenden See hinaus.</p><p>Links von uns befanden sich die �berreste eines gro�en Scheiterhaufens. Bila Huruma hatte eigenh�ndig die Asche Shabas in die Luft hinaufgeschleudert, damit der Wind sie packe und �ber die Stadt und den dahinterliegenden Dschungel wehe. So w�rde ein Teil von Shaba die Reisen fortsetzen, die er als Geograph begonnen hatte, Flocken wei�er Asche im Wind, zerbrechlich, aber best�ndig, schnell verweht, aber ewig, etwas, das mit den Realit�ten von Geschichte und auch Ewigkeit unwiderruflich verbunden war.</p><p>�Dieser See, der die Quelle des Ua-Flusses ist�, sagte ich, �hat den Namen Bila-Huruma-See erhalten.�</p><p>�Das streichst du wieder�, befahl Bila Huruma. �Statt dessen schreibst du Shaba-See hin.�</p><p>�Es soll geschehen�, sagte ich.</p><p>Eine Zeitlang verfolgten Bila Huruma und ich, wie die Galeeren und Kanus zur Abfahrt vorbereitet wurden. Man hatte gejagt und Vorr�te angelegt. Etwa neunzig Askaris waren Bila Huruma geblieben. Von Shabas Leuten hatten siebzehn �berlebt.</p><p>�Ich bin ein einsamer Mann�, sagte Bila Huruma. �Shaba war mein Freund.�</p><p>�Und doch hast du ihn verfolgt�, sagte ich, �um ihn einzuholen und zu t�ten, um ihn zu berauben.�</p><p>Bila Huruma musterte mich verwirrt. �Nein�, antwortete er, �ich bin ihm gefolgt, um ihn zu sch�tzen. Er war mein Freund. Nach unseren Pl�nen sollte er hundert Galeeren und f�nftausend Mann den Flu� hinauff�hren. Er jedoch floh mit drei Galeeren und nicht einmal zweihundert Gefolgsleuten, so m�chte ich sch�tzen. Ich wollte ihm mit der Zahl meiner Schiffe und M�nner Unterst�tzung gew�hren.�</p><p>�Auf der urspr�nglich vorgesehenen Expedition solltest du ihn nicht begleiten�, stellte ich fest.</p><p>�Nat�rlich nicht�, gab er zur�ck. �Ich bin ein Ubar.�</p><p>�Warum bist du ihm dann gefolgt?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich wollte, da� die Flotte durchkam�, sagte er. �Shaba h�tte sie ans Ziel bringen k�nnen, und dasselbe traute ich mir zu. Ob auch andere dazu in der Lage sein w�rden, wu�te ich nicht.�</p><p>�Du bist doch aber ein Ubar�, sagte ich.</p><p>�Gleichzeitig war ich sein Freund�, sagte Bila Huruma. �F�r einen Ubar ist jeder Freund kostbar. Wir haben so wenige.�</p><p>�Shaba sagte mir, er habe dir Unrecht getan�, sagte ich.</p><p>Bila Huruma l�chelte. �Er hat es bedauert, mich durch T�uschung auf den Flu� gelockt zu haben�, sagte er. �Doch vielleicht hat er mir sogar das Leben gerettet, indem er aus meinem Palast floh. Ein Anschlag war bereits auf mein Leben ver�bt worden. Er war der Ansicht, da� ich nach seiner Flucht nicht mehr unmittelbar in Gefahr sein w�rde.�</p><p>Ich nickte. Msaliti, der am Flu� den Schutz des Ubars und seiner M�nner brauchte, hatte seine Mordpl�ne daraufhin sicher aufgegeben, zumindest vor�bergehend. Eine solche Tat war nur sinnvoll, soweit sie dazu beitrug, Hindernisse auf dem Weg zur Erlangung des Tahari-Ringes zu beseitigen.</p><p>�Hat Msaliti dir nicht zugeraten, Shaba zu verfolgen?� fragte ich. �Hat er dir nicht mitgeteilt, da� Shaba im Besitz einer au�erordentlich wertvollen Sache sei?�</p><p>�Nein�, erwiderte Bila Huruma. �Ein solcher Vorsto� war seinerseits gar nicht erforderlich, denn ich hatte mich von allein zu der Expedition entschlossen. Er bat lediglich, mich begleiten zu d�rfen, was ich ihm nat�rlich gestattete.�</p><p>�Es will mir scheinen, als habe Shaba damit gerechnet, da� ich oder ein anderer ihm den Flu� herauf folgen w�rde�, sagte ich.</p><p>�Ja�, meinte Bila Huruma. �Aus irgendeinem Grund hat er nicht erwartet, den Vorsto� zu �berleben. Vielleicht solltest du oder ein anderer ihm folgen, um seine Karten und Notizb�cher sicher in die Zivilisation zur�ckzubringen.�</p><p>�Es sieht so aus�, sagte ich.</p><p>�Warum hat er nicht damit gerechnet zu �berleben?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Der Flu�, die Gefahren, die Krankheit�, mutma�te ich.</p><p>�Ganz bestimmt auch wegen der Ungeheuer�, meinte Bila Huruma.</p><p>�Ja, auch wegen der Ungeheuer.�</p><p>�Und wohl auch deinetwegen�, fuhr Bila Huruma fort. �Gewi� h�ttest du ihn umgebracht wegen der Sache, auf die es dir ankam.�</p><p>�Ja�, sagte ich. �W�re es n�tig gewesen, h�tte ich ihn deswegen get�tet.�</p><p>�Es mu� eine sehr kostbare Sache sein�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Das war sie�, erwiderte ich nickend.</p><p>�War?� fragte er.</p><p>�Die Kurii haben sie jetzt�, erwiderte ich, �die Ungeheuer, die uns angegriffen haben.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte er.</p><p>�Shaba�, fuhr ich fort, �sagte mir, er habe dich f�r seine Zwecke eingespannt. Ich glaube, seiner Meinung nach hat er dir in diesem Sinne ein Unrecht angetan und weniger dadurch, da� er dich den Flu� heraufgelockt hat.�</p><p>�Dar�ber sprach er zu mir vor seinem Tode�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Ich kann nicht verstehen, inwiefern du f�r seine Zwecke eingespannt worden bist.�</p><p>�Liegt das nicht auf der Hand?� fragte er l�chelnd.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>�Ich sollte dich bei deiner Fahrt flu�abw�rts besch�tzen�, sagte er. �Die Landkarten und Notizb�cher sollten heil in die Zivilisation zur�ckkehren.�</p><p>Wie bet�ubt stand ich auf der Plattform. Kisu erstieg die Treppe zu uns. �Die Galeeren, die Kanus sind bereit�, meldete er.</p><p>�Gut�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Wir kommen gleich�, sagte ich.</p><p>Kisu nickte und machte auf der Treppe kehrt, um zu den Schiffen zur�ckzukehren.</p><p>�Wir sind beide get�uscht worden�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Du scheinst deswegen nicht verbittert zu sein.�</p><p>�Bin ich auch nicht�, sagte er.</p><p>�Wir k�nnten die Landkarten und Notizb�cher verbrennen�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Aber ich bringe es nicht fertig.�</p><p>�Ich auch nicht�, stimmte mir der Ubar l�chelnd zu. �Wir werden sie nach Ushindi bringen, von dort kannst du sie mit angemessener Eskorte den Nyoka hinab nach Schendi bringen. Ramani aus Anango, der Shabas Lehrmeister war, wartet dort auf sie.�</p><p>�Shaba hat alles gr�ndlich durchgeplant�, sagte ich.</p><p>�Er wird mir sehr fehlen�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Er war ein Dieb und ein Verr�ter�, sagte ich.</p><p>�Er blieb seiner Kaste treu�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Ein Dieb und ein Verr�ter�, sagte ich aufgebracht.</p><p>Bila Huruma wandte sich ab und blickte auf die Ruinen des riesigen Geb�udes, auf die verwitterten Denkm�ler und die vergessene Stadt, die sich im Osten erstreckte.</p><p>�Hier gab es einmal ein gro�es Reich�, sagte er. �Jetzt ist es verschwunden, und wir wissen nicht einmal, wer diese Steine auft�rmte und ausrichtete, wer die Mauern und Tempel entstehen lie� und die G�rten und breiten Stra�en anlegte. Wir wissen nicht einmal den Namen dieses Reiches oder wie die Menschen hier sich nannten. Wir wissen nur, da� sie diese Dinge bauten und eine Zeitlang darin lebten. Reiche erbl�hen und scheinen dann wieder zu vergehen. Trotzdem m�ssen die Menschen sie erschaffen.�</p><p>�Oder vernichten�, sagte ich.</p><p>�Oder das�, sagte Bila Huruma und richtete den Blick auf die Galeeren und Kanus. Dort unten erwartete uns Kisu. �Ja, oder das�, fuhr er fort. �Einige M�nner erschaffen Reiche, andere m�chten sie vernichten.�</p><p>�Und was ist das edlere?� fragte ich.</p><p>�Ich finde�, sagte Bila Huruma, �es ist besser zu bauen als zu zerst�ren.�</p><p>�Obwohl auch die eigene Welt einmal zu Staub zerfallen wird?� fragte ich.</p><p>�Ja, trotzdem�, entgegnete Bila Huruma.</p><p>�Wei�t du, was ich und Msaliti bei Shaba gesucht haben?�</p><p>�Nat�rlich. Vor seinem Tode hat mir Shaba alles gesagt.�</p><p>�Es war nicht sein rechtm��iges Eigentum�, sagte ich. �Er war ein Dieb und ein Verr�ter.�</p><p>�Er blieb seiner Kaste treu�, stellte Bila Huruma fest.</p><p>Ich kehrte dem Ubar den R�cken zu und begann die Stufen hinabzugehen.</p><p>�Warte�, sagte Bila Huruma.</p><p>Ich wandte mich ihm zu, und er folgte mir, bis wir wieder auf gleicher H�he standen.</p><p>�Shaba hat mich gebeten, dir dies zu geben�, sagte er. �Er hatte es in seiner Kleidung versteckt.� Er dr�ckte mir einen gro�en Ring in die Hand, ein Schmuckst�ck, das f�r einen menschlichen Finger zu gro� war. Er bestand aus Gold und hatte eine eingefa�te silberne Platte. An der Au�enseite des Rings, gegen�ber der Fassung, befand sich ein eingelassener runder Schalter. Auf dem eigentlichen Ring entdeckte ich einen winzigen Kratzer, den ich sofort wiedererkannte.</p><p>Meine Hand begann zu zittern.</p><p>�Shaba�, fuhr Bila Huruma fort, �hat mich gebeten, dir seinen Dank auszurichten � und seine Entschuldigung. Er brauchte den Ring, wei�t du. Am Ua-Flu� hat er ihm gute Dienste geleistet, wie du dir vorstellen kannst.�</p><p>�Seinen Dank?� fragte ich. �Seine Entschuldigung?�</p><p>�Er hatte den Ring gewisserma�en geliehen�, fuhr Bila Huruma fort. �Er wollte ihn nicht f�r immer behalten. Er hoffte, da� es dir nichts ausmachen w�rde.�</p><p>Ich brachte kein Wort heraus.</p><p>�Er hatte die Absicht, dir den Ring pers�nlich zur�ckzugeben�, erkl�rte Bila Huruma, �aber der �berraschende Angriff der Ungeheuer kam ihm dazwischen.�</p><p>Ich schlo� die Hand um den Ring. �Wei�t du, was du mir da gibst?� fragte ich.</p><p>�Ein Ring von gro�er Macht�, sagte Bila Huruma, �ein Schmuckst�ck, das seinem Besitzer den Mantel der Unsichtbarkeit umlegen kann.�</p><p>�Mit einem solchen Ring k�nntest auch du selbst unsichtbar sein�, sagte ich.</p><p>�Mag sein�, sagte Bila Huruma l�chelnd.</p><p>�Warum gibst du ihn mir?�</p><p>�Es war Shabas Wunsch�, antwortete Bila Huruma.</p><p>�Ich hatte es kaum f�r m�glich gehalten, da� es solche Freundschaften gibt�, sagte ich.</p><p>�Ich bin ein Ubar�, sagte Bila Huruma. �In meinem ganzen Leben habe ich nur zwei Freunde gehabt. Jetzt sind beide tot.�</p><p>�Shaba war der eine�, sagte ich.</p><p>�Nat�rlich�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Wer war der andere?� wollte ich wissen.</p><p>�Den anderen habe ich t�ten lassen�, sagte er.</p><p>�Und wie hie� er?�</p><p>�Msaliti�, antwortete er.</p></section><section><title><p>55</p></title><p>�Fahren wir!� rief Kisu.</p><p>Der Ubar und ich stiegen gemeinsam die m�chtige Treppe hinab.</p><p>In diesem Augenblick gab es die Explosion. Sie ereignete sich in mehreren Pasang Entfernung. Ein greller Lichtblitz zuckte auf. Eine gewaltige Feuers�ule st�rmte vor dem tropischen Himmel empor. Eine riesige Staubund Bl�tterwolke breitete sich aus. Die Erde bebte, das Wasser des Shaba-Sees geriet in Bewegung. M�nner schrien auf, M�dchen kreischten. Wir sp�rten eine hei�e Luftwelle und sahen B�ume umst�rzen. Felsbrocken, �ste und andere Bruchst�cke regneten hernieder.</p><p>Dann war es wieder still, bis auf die Wellen, die gegen die Kaimauern und die h�lzernen Schiffsflanken klatschten. Im S�dwesten breitete sich am Himmel ein dunkler Fleck aus. Hier und dort brannten die Wipfel noch stehender B�ume. Dann verschwanden die Br�nde einer nach dem anderen, denn sie kamen gegen die lebendige Frische des Holzes nicht lange an.</p><p>�Was war das?� fragte Kisu.</p><p>�So etwas wird Explosion genannt�, erkl�rte ich.</p><p>�Und was hat das zu bedeuten?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Es bedeutet, glaube ich, da� wir nun wohl auf der Fahrt flu�abw�rts nichts mehr zu bef�rchten haben�, sagte ich.</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Der falsche Ring w�rde nicht mehr im Sardargebirge abgeliefert werden.</p><p>�Dann wollen wir ablegen�, sagte Bila Huruma.</p><p>�Leinen loswerfen!� rief ich den M�nnern zu.</p><p>Nach kurzer Zeit standen die vier Galeeren und die Kanus, zu denen auch unser Boot z�hlte, wieder auf dem See.</p><p>Ich band mir den Tahari-Ring um den Hals, wo er der goldenen Kette Bila Hurumas Gesellschaft leistete. Dicht neben mir, in wasserdichte �lfelle eingewickelt, an ein schwimmf�higes Flo� gebunden, ruhten das Kartenbeh�ltnis und die Notizen Shabas.</p><p>Ich blickte zur Stadt zur�ck und auch auf die dunkle Stelle am s�dwestlichen Himmel.</p><p>Dann tauchte ich das Paddel ins Wasser und trieb unser Kanu an.</p></section><section><title><p>56</p></title><p>�Wo ist Aibu?� rief Kisu.</p><p>Wir standen auf dem gro�en Platz Nyundus, des Hauptdorfes der Ukungu-Region.</p><p>Mwoga, einen Speer in der Hand, einen Schild am Arm, kam ins Freie, um uns zu begr��en. �Er ist tot�, sagte Mwoga.</p><p>Tende, die hinter Kisu stand, schrie bek�mmert auf.</p><p>�Wie ist er gestorben?� fragte Kisu.</p><p>�Durch Gift�, antwortete Mwoga. �Ich bin jetzt der H�uptling von Ukungu.�</p><p>�Mein Speer behauptet, da� das nicht stimmt�, sagte Kisu.</p><p>�Mein Speer behauptet, da� es die Wahrheit ist�, gab Mwoga zur�ck.</p><p>�Dann sollen die Waffen entscheiden�, sagte Kisu.</p><p>Normalerweise werden die Schneiden der Ukungu-Speere durch kleine Lederstreifen gesch�tzt. Mwoga und Kisu hatten diese Binden von den Waffen genommen. Die Schneiden der Lanzen schimmerten. Beide M�nner trugen Schilde. Der Ukungu-Schild ist gew�hnlich mit einem Federb�schel verziert.</p><p>�Ich w�rde einen besseren Mfalme abgeben als Aibu�, sagte Mwoga. �Deswegen habe ich ihn umbringen lassen.�</p><p>Der Kampf war kurz, und schon zog Kisu seine blutige Speerspitze aus Mwogas Brust, der vor ihm am Boden lag.</p><p>�Du k�mpfst gut�, sagte Bila Huruma. �Sorgst du nun daf�r, da� jene, die Mwoga unterst�tzt haben, umgebracht werden?�</p><p>�Nein�, antwortete Kisu. �Gegen sie habe ich nichts. Es sind meine Stammesgenossen. Sie d�rfen friedlich in den D�rfern von Ukungu weiterleben.�</p><p>�Es gab einmal eine Zeit�, sagte Bila Huruma zu Kisu, �da warst du kaum mehr als ein Kailiauk und �btest die Sturheit und Grobheit dieses Tiers, schnell zu erz�rnen, gedankenlos in deinen Attacken. Jetzt sehe ich, da� du etwas von der Weisheit gelernt hast, die einen Mfalme auszeichnet.�</p><p>Kisu zuckte die Achseln.</p><p>�Begleite uns weiter nach Ushindi�, sagte Bila Huruma. �Msaliti ist tot. Ich brauche einen Mann, der in meinem Reich die zweite Position �bernimmt.�</p><p>�Es ist besser, in Ukungu an erster Stelle zu stehen�, sagte Kisu, �als im Reich an zweiter.�</p><p>�Du stehst in Ukungu an erster Stelle�, sagte Bila Huruma und gab dem anderen damit seine Macht zur�ck.</p><p>�Ich werde dich von Ukungu aus bek�mpfen�, k�ndigte Kisu an.</p><p>�Warum?� fragte Bila Huruma.</p><p>�Ich will, da� Ukungu frei ist.�</p><p>Bila Huruma l�chelte. �Ukungu ist frei�, sagte er.</p><p>Ringsum wurden Rufe des Erstaunens laut.</p><p>�S�ubere jetzt die Klinge deines Speers�, sagte Bila Huruma. �Stecke sie wieder in die sch�tzenden Lederstreifen.�</p><p>�Das soll geschehen�, sagte Kisu.</p><p>Kisu reichte einem der Dorfbewohner seine Waffen. Dann umarmten sich er und Bila Huruma.</p><p>So kam Frieden nach Ukungu und in das Reich.</p></section><section><title><p>57</p></title><p>�Sei gegr��t�, sagte Kapit�n Ulafi zu mir.</p><p>�Sei gegr��t�, antwortete ich.</p><p>�Ist das die kleine Unruhestifterin?� fragte er und betrachtete Janice, die am Kai von Schendi kniete.</p><p>Janice senkte den Kopf. �Verzeih mir, Herr�, sagte sie, �wenn ich dir einmal mi�fallen habe.�</p><p>�Wie sch�n sie geworden ist�, sagte Ulafi. �Man kann sich kaum vorstellen, da� es dasselbe M�dchen ist.� Er betrachtete sie. �Sie ist ein sinnlicher Traum�, sagte er.</p><p>�Sie ist Sklavin�, antwortete ich achselzuckend.</p><p>�Wie dumm doch M�nner sind, die einer Frau die Freiheit schenken�, sagte er.</p><p>�Mag sein�, �u�erte ich.</p><p>�Du m�chtest wieder auf der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis> fahren?� fragte er. �Zur�ck nach Port Kar?�</p><p>�Mit deiner Erlaubnis, Kapit�n�, sagte ich.</p><p>�Es ist alles arrangiert�, sagte er, und ich dr�ckte ihm den vereinbarten Betrag in die Hand.</p><p>�Wir legen bald ab�, sagte er. �Mit der Flut.�</p><p>Als ich nach Schendi zur�ckkehrte, hatte ich Botschaften vom Hofe Bila Hurumas bei mir. Die Betr�ge, die ich bei meiner Verhaftung in Schendi verloren hatte, waren mir zur�ckerstattet worden. Au�erdem hatte ich meinen Seesack samt Inhalt zur�ckerhalten, und zwar von der Frau, die mir an der Stra�e der Gewerbe das Zimmer vermietet hatte. Der Seesack lag jetzt zu meinen F��en. Darin befand sich unter anderem eine Goldkette, die ich vor langer Zeit von Bila Huruma zum Geschenk erhalten hatte. Sie hatte mich auf meiner �quatorialen Odyssee ein gutes St�ck begleitet. Auf der Brust trug ich unter meiner Tunika den Tahari-Ring, an einer Lederschnur h�ngend, die um meinen Hals f�hrte.</p><p>Ich dachte an Bila Huruma und die Einsamkeit des Ubars. Ich dachte an Shaba und seine Forschungsreisen, an die Erkundung des Ushindi-Sees, die Entdeckung und Ausmessung des Ngao-Sees und die Entdeckung und Erforschung des Ua-Flusses bis hin zu seiner Quelle im stillen Wasser jenes gro�en Sees, den er Bila-Huruma-See getauft hatte. Dem Wunsche Bila Hurumas folgend, hatte ich diesen Namen in Shaba-See ge�ndert. Er war wahrhaftig einer der gr��ten, wenn nicht der gr��te Forscher Gors gewesen. Ich nahm nicht an, da� sein Name in Vergessenheit geraten w�rde.</p><p>�Ich bin dankbar�, hatte Ramani aus Anango gesagt, der Lehrmeister Shabas. Ich hatte ihm und zwei anderen seiner Kaste die Landkarten und Notizb�cher Shabas ausgeh�ndigt. Ramani und seine Kollegen hatten geweint. Ich hatte sie verlassen und war in meine Unterkunft zur�ckgekehrt. S�mtliche Unterlagen w�rden vielfach kopiert werden, um durch Kastenbr�der in den St�dten des zivilisierten Gor verbreitet zu werden. Die ersten Kopien waren jedoch bereits durch die Schriftgelehrten Bila Hurumas in Ushindi erstellt worden, eine Tatsache, von der Ramani nichts zu wissen brauchte.</p><p>�Wirst du die Arbeit am Kanal fortsetzen?� hatte ich Bila Huruma gefragt.</p><p>�Ja�, hatte er gesagt.</p><p>Wenn der Kanal sp�ter einmal den Ushindi- mit dem Ngao-See verband, gab es eine durchgehende Wasserstra�e zwischen dem Thassa und dem Ua-Flu� � von nicht zu untersch�tzender wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Die Bedeutung der Arbeit Bila Hurumas und Shabas, eines Ubar und eines Schriftgelehrten, war nach meinem Daf�rhalten nicht zu ermessen.</p><p>Ich dachte an den kleinen Ayari, mit dem ich die Gaunerkette und meine Abenteuer am Ua-Flu� geteilt hatte.</p><p>Heute trug er die Robe eines Wesirs Bila Hurumas. Es war eine kluge Entscheidung seitens des Ubars, davon war ich �berzeugt. Ayari hatte seine H�rte und seinen Wert auf den Reisen am Ua mehr als einmal unter Beweis gestellt. Er verstand sich auf Sprachen und hatte Verbindungen in den Nyuki-D�rfern am Nordufer des Ushindi-Sees, der Gegend, in der sein Vater geboren worden war. Au�erdem hatte er gute Beziehungen zu Kisu und dessen Ukungu-Region am Ngao-See. Dar�ber hinaus war er in Schendi geboren und aufgewachsen und beherrschte das Goreanische flie�end. Wenn man dann noch ber�cksichtigte, da� er intelligent, schlau und human war, schien er mir f�r seine Aufgabe ideal geeignet zu sein. Ein solcher Mann lie� sich sehr gut von einem Ubar einsetzen, der seine Beziehungen nicht nur zum Landesinneren verbessern wollte, sondern auch mit Schendi, einem der wichtigsten H�fen des zivilisierten Gor. Au�erdem war Ayari einer der wenigen M�nner, die den Ua hinaufgefahren waren und von diesem Abenteuer berichten konnten. Zweifellos w�rde er in den langfristigen Pl�nen Bila Hurumas eine wichtige Rolle spielen. Mit der Zeit w�rde sich Ayari zu einem der bedeutendsten M�nner in der �quatorzone Gors entwickeln. Ich l�chelte vor mich hin. Nur wenige h�tten sich vermutlich tr�umen lassen, da� der kleine Gauner aus Schendi, Sohn eines Jungen, der einmal wegen eines Melonendiebstahls aus seinem Dorf fliehen mu�te, eines Tages neben einem Thron stehen w�rde.</p><p>Noch bewegter jedoch dachte ich an Kisu, der nun wieder Mfalme von Ukungu war.</p><p>Bis heute ist auf jeder Landkarte klar auszumachen, da� sich das Land Ukungu im Bereich des Imperiums von Bila Huruma als selbst�ndiger Staat behauptet.</p><p>Ehe Bila Huruma das Dorf Nyundu, das Hauptdorf der Ukungu-Bezirke, verlie�, hatte er sich mit Kisu ausf�hrlich unterhalten. �Wenn du willst�, hatte er gesagt und deutete auf Tende, die neben den beiden M�nnern kniete, �nehme ich diese Sklavin mit und sorge f�r ihren Verkauf in Schendi. Ihren Ertrag lasse ich dir zukommen.�</p><p>�Vielen Dank, Ubar�, hatte Kisu erwidert, �aber ich werde die Frau in Ukungu behalten.�</p><p>�Hast du die Absicht, sie zu befreien?� hatte Bila Huruma gefragt.</p><p>�Nein.�</p><p>�Ausgezeichnet�, hatte Bila Huruma gesagt. �Dazu ist sie auch viel zu sch�n.�</p><p>Tende hatte zu Kisu aufgeblickt. �Ich werde versuchen, meinem Herrn zu gefallen�, sagte sie.</p><p>Jene Nacht hatten wir in Nyundu verbracht. Ich erinnerte mich gern an das gro�e Fest. Abgesehen von seiner politischen Bedeutung war es auch ein Abschiedsfest gewesen.</p><p>Ich blickte nach links � dort kniete Lana, das blonde Taluna-M�dchen, die ehemalige Anf�hrerin der Schar, die inzwischen nach Schendi in die Sklaverei verkauft worden war. Neben ihr wartete Alice auf die Verladung.</p><p>In diesem Augenblick kam Ngoma auf mich zu, der zur Mannschaft Ulafis geh�rte. Er war in Begleitung zweier M�nner.</p><p>�Wir legen bald ab�, meldete er. �Die K�fige sind bereit.�</p><p>Ich nickte, und er und die beiden Helfer f�hrten meine drei Sklavinnen an Bord der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>.</p><p>Vom Heck rief mir Ulafi zu: �Es ist bald Zeit, an Bord zu kommen!� Gudi und Schoka, sein Erster und Zweiter Offizier, standen neben ihm.</p><p>�Verstanden!� rief ich zur�ck.</p><p>Ich sah mich um.</p><p>Auf dem Deck des Schiffes warteten noch zwei leere Sklavenk�fige, die ich gebucht hatte.</p><p>�Ho, da!� rief ich einem Mann entgegen, der in meinem Auftrag in Pembes Taverne gewesen war.</p><p>Er erblickte mich und eilte auf mich zu. An einer Leine f�hrte er eine h�bsch gebaute Sklavin, die eine Augenbinde trug. Er hie� sie vor mir niederknien und nahm ihr die Binde ab.</p><p>�Oh!� rief das M�dchen, das einmal Evelyn Ellis gehei�en hatte. Blinzelnd blickte sie zu mir auf.</p><p>�Du geh�rst jetzt mir�, sagte ich. Sie hatte einmal den Kurii in dieser Stadt gedient.</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>Ngoma kam die Planke herab und blieb neben mir stehen.</p><p>Ich erinnerte mich gut an sie, die einmal Shaba, Msaliti und mir gedient hatte. Und ich dachte an die Nacht in Pembes Taverne, in der ich ihr ein wenig von dem beigebracht hatte, was der Sklavenkragen bedeutete. Ohne da� sie es wu�te, hatte ich sie gestern abend erstanden.</p><p>�Oh, Herr!� rief sie freudig, und ich lie� sie auf das Schiff bringen.</p><p>�Herr! Herr!� rief Sasi und eilte auf mich zu. Ich nahm sie in die Arme. �Du siehst gut aus, du h�bsche kleine Dirne�, sagte ich.</p><p>Der Mann aus Filimbis Taverne, in die sie nach meinem Aufbruch aus Schendi verkauft worden war, folgte einige Schritte hinter ihr. Sie trug noch die kurze Tunika mit dem Zeichen ihrer Taverne. Auch sie hatte ich gestern heimlich gekauft.</p><p>�Du hast mich nicht vergessen!� rief sie.</p><p>�Dazu bist du viel zu h�bsch�, sagte ich.</p><p>Der Mann aus der Taverne nahm ihr die Fesseln ab. Sie kniete vor mir nieder.</p><p>�Es ist Zeit, an Bord zu gehen!� rief Ulafi.</p><p>�Sei gegr��t, Turgus!� rief ich dem Mann entgegen, der auf die Pier kam. �Es ist nett, da� du mich verabschieden m�chtest.�</p><p>�Wer ist denn diese pr�chtige kleine Sklavin?� fragte er und betrachtete Sasi.</p><p>�Du erkennst doch sicher deine fr�here Komplizin aus Port Kar?� fragte ich.</p><p>�Ach?� fragte er. �Heb doch den Kopf, M�dchen�, befahl er.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Gro�artig�, sagte er.</p><p>Ich griff in meinen Seesack und reichte Turgus einen Brief. �In diesem Brief�, sagte ich, �habe ich eine Petition niedergelegt f�r deine Begnadigung wegen deiner Verfehlungen in Port Kar. Das Schreiben ist an den Kapit�nsrat gerichtet, die herrschende K�rperschaft in Port Kar, der ich mit angeh�re. Ich gehe davon aus, da� sich der Rat f�r die Begnadigung entscheiden wird. Sollte das nicht geschehen, hast du noch mindestens zehn Tage Zeit, die Stadt erneut zu verlassen.�</p><p>Er nahm den Brief. �Ich bin dir dankbar�, sagte er, �aber warum sollte sich der Rat f�r mich aussprechen?�</p><p>�Wir haben zusammen gek�mpft�, entgegnete ich.</p><p>�Das stimmt�, sagte er.</p><p>�Wirst du nach Port Kar zur�ckkehren?� fragte ich.</p><p>�Ich habe hier in Schendi Geld liegen�, antwortete er, �Kreditbriefe, die ich nach meiner R�ckkehr vom Ua anlegen konnte, Gelder, die aus meiner Teilnahme an Shabas Expedition herr�hren. Damit komme ich etliche Monate aus.�</p><p>�Der Aufenthalt in Schendi ist f�r einen Fremden weniger gef�hrlich, seit Ayari Wesir von Bila Huruma geworden ist�, sagte ich.</p><p>�Ja�, sagte er l�chelnd. Bila Huruma verlangte von Schendi keine �berlassung von Arbeitskr�ften mehr f�r den Kanal. Diese �nderung seiner Politik leitete allein schon eine neue �ra in den Beziehungen zwischen Schendi und dem Reich Bila Hurumas ein, sorgte sie doch f�r ein ganz anderes Klima. Ich bezweifelte nicht, da� Ayari Bila Huruma klargemacht hatte, wie wichtig die Freundschaft zu Schendi war.</p><p>�Mit diesem Schreiben�, sagte ich und deutete auf das Dokument, �kannst du zur�ckkehren, wann du willst. Ich w�rde dir jedoch raten, sollte die Entscheidung zu deinen Gunsten ausfallen, dir einen ehrlichen Beruf zuzulegen. Wenn die Magistrate dich in Port Kar nicht erwischen, k�nntest du der Diebeskaste in die Quere kommen. Die wacht eifers�chtig �ber ihre Pfr�nde.�</p><p>Er l�chelte. �Ich glaube, ich werde mir eine neue Stadt suchen, um einen Neuanfang zu machen. Vielleicht reise ich nach Turia oder Ar.�</p><p>�Das sind gro�e St�dte�, sagte ich. �Die bieten einem klugen und ehrgeizigen Mann viele M�glichkeiten.� Ich blickte ihn an. �Bedauerst du, was dir in den letzten Monaten widerfahren ist?�</p><p>�Nein�, sagte er. �Ich hatte die Ehre, Shaba und dir zu dienen. Ich habe den Ua bereist. Ich habe seine Quelle gesehen. Diese Dinge sind von bleibendem Wert. Und ich habe eine gro�artige Sklavin gefunden.� Damit meinte er das M�dchen, das neben ihm kniete, die dunkelhaarige Sch�nheit, die einmal die stellvertretende Anf�hrerin der Talunas gewesen war. �Ich bedaure nichts�, wiederholte er. �Ich bin zufrieden.�</p><p>Wir gaben uns die H�nde.</p><p>�Ich w�nsche dir alles Gute�, sagte ich.</p><p>�Ich dir auch�, gab er zur�ck.</p><p>�Alle Mann an Bord!� rief Ulafi.</p><p>Ich zog Sasi hoch und warf sie mir �ber die Schulter. Mit der freien Hand langte ich hinab und ergriff meinen Seesack. Dann schritt ich �ber die Planke an Bord der <emphasis>Schendi-Palme</emphasis>.</p></section></body><binary id="cover" 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