<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Der Leibw�chter von Gor</book-title><annotation><p>Gnadenlos folgt Jason Marshall seinem Plan, die Vosk-Piraten an der Eroberung der Flu�st�dte zu hindern.</p><p>Durch List bem�chtigt er sich ihrer Losungsworte und erobert mit seinen M�nnern die Festung der Freibeuter. Als verb�ndete Piratenhorden die wehrlose Stadt Victoria belagern, entschlie�t sich Jason Marshall zu einem Handel auf Leben und Tod � und liefert sich dem Feind in die H�nde. Wenn seine Rechnung nicht aufgeht, ist sein Leben verwirkt �</p></annotation><date>1985</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Gor-Zyklus" number="16"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Norman</last-name></author><book-title>Guardsman of Gor</book-title><date>1981</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2014</date><id>5B232AC1-DADF-45B4-96A2-0C8658249A65</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>John Norman</p><p>Der Leibw�chter von Gor</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Die meisten goreanischen Schiffe besitzen einen konkav geformten Bug, der anmutig geschwungen im Wasser verschwindet. Eine solche Bauweise erleichtert das Anbringen der Rammhalterung mitsamt der Rammspitze.</p><p>Beinahe starr vor Angst sah ich zu, wie die erste der grauen Galeeren in schneller Fahrt aus dem Nebel herbeiglitt und wie ein Lebewesen gegen die Kette anrannte.</p><p>Ringsum ert�nten die Kriegsh�rner. Ihr Klang wurde weiter entfernt aufgegriffen, zuerst auf der <emphasis>Mira</emphasis>, dann auch auf der <emphasis>Talender</emphasis>.</p><p>Ein m�chtiger Laut war zu h�ren, der Aufprall des Schiffs auf die schwere Kette, gefolgt von einem durchdringenden Knirschen und Scharren, denn die Galeere hob die Kette nun aus dem Wasser. Fasziniert sah ich die tropfenden schwarzen Metallglieder, die am Bug entlangglitten, Holz splittern lie�en und Farbe abschabten. Und schon schwang die ganze Galeere, von der Kette zur�ckprallend, zur Seite. Ruder brachen.</p><p>�Die Kette h�lt!� rief Callimachus begeistert.</p><p>Irgend etwas zuckte an mir vorbei, so schnell, da� ich es kaum bemerkte.</p><p>�Z�ndet das Pech an!� rief Callimachus. �Spannt die Katapulte! Bindet die Wurfspie�e los! Alle Bogensch�tzen auf ihre Posten!�</p><p>Auf dem feindlichen Schiff bemerkte ich mittschiffs zwei Bogensch�tzen. Sie waren mit kr�ftigen kurzen Schiffsb�gen bewaffnet. Die Entfernung betrug etwa vierzig Meter.</p><p>Gebannt starrte ich sie an.</p><p>�Runter!� br�llte Callimachus. �Nimm Deckung!�</p><p>Ich duckte mich hinter die Bordwand. Zweimal h�rte ich das seltsame Sirren in der Luft, von dem ich jetzt wu�te, da� es von einem dahinrasenden langen schmalen Holzst�ck verursacht wurde. Der Pfeil bohrte sich links hinter mir in das Vorderkastell. Der andere prallte funkenspr�hend auf eine Klampe und schwirrte zur Seite fort.</p><p>Nun ert�nte auch auf meinem Schiff das Schnappen von Bogensehnen. �Noch nicht schie�en!� rief Callimachus.</p><p>Ich hob den Kopf und sah die feindliche Galeere auf der Backbordseite r�ckw�rtsrudern, bis sie wieder richtig lag, woraufhin sich das Schiff dann von der Kette zur�ckzog.</p><p>Etwa f�nfzig Meter prallte eine andere Galeere gegen die Kette; der Sto� war nur zu h�ren. Jubelgeschrei hallte �ber das Wasser. Offenbar hatte das metallene Flu�hindernis wieder gehalten.</p><p>Auf der anderen Seite der Kette gellten Signalh�rner.</p><p>Callimachus hatte das Vorderkastell erstiegen. �L�scht das Pech!� rief er.</p><p>Ich versuchte im Nebel etwas zu erkennen. Es sah nicht so aus, als bef�nden sich noch feindliche Schiffe an der Kette.</p><p>Callimachus, der zwanzig Fu� �ber mir die H�nde auf die Reling des Bughauses gestemmt hatte, starrte in den Nebel hinaus. �Kurs halten!� rief er den beiden Ruderg�ngern am Heck zu. Pl�tzlich kam Wind auf und begann am Nebel zu zerren. Die Steuerruder knirschten in ihren Halterungen. Der Rudermeister lie� die Ruder ausfahren.</p><p>�Seht!� rief Callimachus und deutete nach Steuerbord, wo der Wind eine gro�e L�cke in die Nebelschwaden gerissen hatte.</p><p>Hinter mir ert�nte Jubelgeschrei. Sich ins Wasser senkend, den konkaven Bug erhoben, das Heck �berflutet, lag eine Piratengaleere an der Kette. Schon waren M�nner ins Wasser gesprungen. Weiter hinten lag ein zweites besch�digtes Piratenschiff und zeigte Schlagseite.</p><p>�Sie werden es wieder versuchen!� rief Callimachus.</p><p>Ich vermutete allerdings, da� die Piraten keinen Direktangriff mehr wagen w�rden. Vermutlich w�rden sie die Kette durchschneiden wollen. Und daran mu�ten sie gehindert werden. Wir mu�ten ihnen an der Kette Widerstand bieten.</p><p>�Rationen f�r die M�nner!� rief Callimachus. �E�t t�chtig, Leute! Es wird heute noch lebendig!�</p><p>Ich steckte mein Schwert ein. Ragnar Voskjard hatte die Kette nicht durchbrechen k�nnen. Vielleicht gelang es uns tats�chlich, ihn westlich der Kette zu halten. Ich hatte Hunger.</p><empty-line/><p>�Leute, sie kommen!� rief Callimachus vom Bugkastell.</p><p>Ich ging nach vorn. Wir schrieben die achte Stunde, und der Nebel hatte sich weitgehend verfl�chtigt.</p><p>�Kampfbereitschaft!� ordnete Callimachus an.</p><p>Ich entdeckte zwei Galeeren, die zwei- bis dreihundert Meter entfernt lagen und sich der Kette n�herten. Ein Katapult, das neu eingestellt wurde, knirschte. Bogensch�tzen gingen hinter geflochtenen Schilden in Stellung. Hier und dort wurden Eimer mit Sand auf dem Deck bereitgestellt. Irgendwo sirrte ein Wetzstein �ber eine Axtklinge.</p><p>Ich sah Callimachus die Hand heben. Ein Offizier hinter ihm w�rde das Signal weitergeben. Der Rudermeister stand am Aufgang zum Heckkastell und schaute zum Bug her�ber. Die Ruder waren bereits ausgefahren. Sicher war keine der feindlichen Galeeren so t�richt, sich seitlich an die Kette heranzuwagen. Aber es geschah doch � konnte ich meinen Augen trauen?</p><p>Ich sah Callimachus� Hand herunterzucken. Gleich darauf setzte sich die <emphasis>Tina</emphasis> ruckhaft in Bewegung. Es dauerte keine Ehn, dann war die Kette erreicht. Knirschend glitt die eisenverkleidete Ramme �ber die Metallglieder und traf den Gegner mittschiffs. Die Schiffsh�lle knickte splitternd ein. M�nner schrien. Der Aufprall hatte mich von den F��en gerissen. Wieder brach Holz, als wir uns r�ckw�rtsrudernd von dem anderen Schiff l�sten. Wasser brauste in das Leck, ein tosendes, schweres Ger�usch. Der Gegner war t�dlich angeschlagen. Dicht neben mir durchschlug ein schwerer Stein, von einem Katapult geschleudert, das Deck. Ein flammenspr�hender Wurfspie� bohrte sich dumpf dr�hnend in die Heckaufbauten. Pfeile sirrten hin und her. Aber schon hatten wir uns f�nfundsiebzig Fu� von der Kette entfernt, an der sich einige M�nner festklammerten. Hinter mir st�hnte jemand. Ich ri� den Wurfspie� aus der Holzwand und schleuderte ihn, noch immer brennend, �ber Bord.</p><p>Hier und dort gingen andere Galeeren l�ngsseits zur Kette und setzten in kleinen Booten M�nner aus, die mit Werkzeugen an den starken Gliedern s�gten.</p><p>Und wieder gab Callimachus das Zeichen zum Angriff, und wieder bohrte sich die Ramme tief in die Flanke eines feindlichen Schiffes. Und wieder zogen wir uns zur�ck.</p><p>Eine Tonkugel mit brennendem Pech zerplatzte auf unserem Deck. Ein zweites Gescho� fiel an Steuerbord zischend ins Wasser. Unsere Katapulte erwiderten den Beschu� mit Pech und Steinen. Die aufflackernden Br�nde wurden mit Sand gel�scht.</p><p>�Ab jetzt werden sie auf Abstand achten�, sagte Callimachus zu dem Offizier neben sich. �Dann kommen wir mit der Ramme nicht mehr heran.�</p><p>Noch w�hrend er diese Worte �u�erte, begannen sich mehrere Piratenschiffe zur�ckzuziehen. Die kleinen Boote aber blieben wie Kletten an der Kette h�ngen.</p><p>Langsam r�ckten wir vor. Ein Pfeilhagel bestrich unser Deck, viele Geschosse blieben im Bugkastell stecken.</p><p>�Bogensch�tzen!� rief Callimachus.</p><p>Wir beschossen das n�chst erreichbare Beiboot, und zwei M�nner st�rzten ins Wasser. Andere sprangen freiwillig �ber Bord und suchten schwimmend die Deckung des n�chsten gr��eren Piratenschiffes.</p><p>�La�t sie nicht in die N�he der Kette!� rief Callimachus seinen Bogensch�tzen zu. Mit einem Fernglas der H�userbauer suchte er anschlie�end die Kette ab. �Seht doch, Jungs, wie wenig Respekt man vor euch hat!�</p><p>F�nf kleine Ruderboote kamen �ber die Kette. Die M�nner darin waren mit Schwertern und Enterhaken bewaffnet. Wollten sie tats�chlich gegen uns k�mpfen? Wie die meisten goreanischen Schiffe dieser Type war unsere Galeere flach gebaut; trotzdem mu�te ihre Reling hoch �ber der Bordwand der kleinen Boote liegen.</p><p>Die <emphasis>Tina</emphasis> raste auf die Kette zu. Wir �berfuhren das erste kleine Boot und zerschmetterten es; Bug und Heck ruckten empor, w�hrend die Insassen schreiend ins Wasser sprangen. Ein zweites Boot fiel unseren Steuerbordrudern zum Opfer und kenterte. Die anderen drei flohen zur Kette zur�ck.</p><p>Nun bemerkte ich, da� der Vorsto� zur Ablenkung gedient hatte. Man wollte uns besch�ftigen, w�hrend andere Ruderboote, mit dicken Flechtschilden gesch�tzt, zur Kette vorr�ckten. Hinter diesen Schilden waren die Umrisse von M�nnern auszumachen, die sich mit S�gen an der Kette zu schaffen machten.</p><p>Wir waren aber nicht lange genug abgelenkt worden.</p><p>Wieder n�herte sich die <emphasis>Tina</emphasis> der Kette und schwang breitseits herum. �Feuer!� schrie Callimachus.</p><p>Pfeile bohrten sich in das dichte Geflecht, richteten aber keinen gro�en Schaden an, obwohl manche Spitzen bis zu einem Fu� weit hindurchdrangen. Die Pfeile steckten in der starken Schutzwand fest. Au�erdem gab es von den Piratengaleeren heftiges Gegenfeuer zum Schutz der kleinen Boote. Die Flechtschilde unserer Bogensch�tzen waren im Nu gespickt mit Federn und Holz.</p><p>Ein schwerer Katapultstein lie� die Reling unserer Heckaufbauten zersplittern.</p><p>�Dichter heran! Dichter heran!� rief Callimachus.</p><p>Auf kurze Entfernung wurde brennendes Pech durch die Luft geschleudert. Pfeile suchten sich rasend ihr Ziel. Pl�tzlich erschien ein Arm �ber der Reling dann kletterte ein tropfnasser Mann an Bord. Ich begegnete ihm mit dem Schwert und zwang ihn ins Wasser zur�ck. Deutlich sah ich die schimmernden Augen von Piraten, nur wenige Fu� entfernt, durch ein wenig Wasser und die Kette voneinander getrennt.</p><p>Hinter der Reling des gegnerischen Schiffes tauchte ein Mann auf und hob seinen Bogen. Doch in der n�chsten Sekunde traf ihn ein Pfeil in die Brust und lie� ihn zur�cktorkeln.</p><p>Ich h�rte die Kette an der Au�enwandung der <emphasis>Tina</emphasis> entlangschaben, dann traf das Steuerbord-Scherblatt gegen das Holz eines Langbootes. Gleich darauf glitten wir an der Kette entlang, und unsere Steuerbord-Ruder schlugen die geflochtene Deckung eines anderen Ruderbootes locker, das sich der Kette zu sehr gen�hert hatte.</p><p>Auf der gegen�berliegenden Galeere wurden F�uste gesch�ttelt.</p><p>Die <emphasis>Tina</emphasis> wendete bereits wieder. Die �berreste zweier Langboote schwammen im Wasser.</p><p>�Ruder zur�ck!� rief Callimachus. Die <emphasis>Tina</emphasis> entfernte sich r�ckw�rts, den Bug auf die Kette gerichtet.</p><p>Die Piratenschiffe waren ebenfalls auf Abstand gegangen. Die zehnte Ahn, die goreanische Mittagsstunde, stand bevor.</p><p>Callimachus �bergab seinem Offizier das Kommando und verlie� das Vorderkastell.</p><p>�Glaubst du, Voskjard wird sich zur�ckziehen?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Wann wird er es wieder versuchen?� wollte ich wissen.</p><p>�Wann rechnest du damit?�</p><p>�Heute abend.�</p><p>�Nat�rlich.�</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Langsam fuhr die <emphasis>Tina</emphasis> in der Dunkelheit die Kette ab. Leise, beinahe unh�rbar senkten sich die Ruder ins Wasser und wurden wieder emporgehoben.</p><p>�Irgendwo dort drau�en lauern sie�, sagte Callimachus.</p><p>Zwei Schiffslaternen waren an Stangen links und rechts des Bugs �ber die Bordwand geschoben worden und verbreiteten ein gelbliches Licht. Im Schein der Steuerbordlaterne waren hier und dort die schwarzen Rundungen der Kette sichtbar, die sich vor allem in der N�he eines St�tzpfostens �ber das Wasser erhoben.</p><p>�Still!� sagte Callimachus. �Halt!� rief er dem Rudermeister leise zu, der unmittelbar hinter dem Bugkastell Aufstellung genommen hatte. Die Ruder der <emphasis>Tina</emphasis> wurden abgehoben und ein St�ck eingezogen. Vom eigenen Schwung getrieben, glitt das Schiff in s�dlicher Richtung an der Kette entlang. Gleich darauf knirschte die Kette unterhalb des Steuerbord-Scherblatts an der Schiffsh�lle entlang.</p><p>�Was hast du geh�rt?� fragte ich.</p><p>Wir blickten �ber die Bordwand auf die Kette, die hier etwa sechs Zoll �ber dem Wasser hing. �Sie waren hier�, sagte Callimachus. �Ich bin ganz sicher. Geh aus dem Licht!�</p><p>Ich zuckte zur�ck.</p><p>�Hoffnungslos�, sagte er betr�bt. �Sie kommen und gehen, wie es ihnen gef�llt � und ziehen sich zur�ck, wenn wir anr�cken.�</p><p>�Dagegen k�nnen wir kaum etwas tun�, bemerkte ich.</p><p>�L�scht die Laternen!� befahl Callimachus. �Nein, halt! Schilde und Schwerter! Schilde und Schwerter, Leute!�</p><p>Kaum war dieser Ruf ert�nt, da flogen auch schon Enterhaken �ber die Bordwand herauf und gruben ihre Spitzen in das Holz. Die Eisenhaken standen sichtlich unter Spannung: M�nner stiegen an den Tauen empor, die daran befestigt waren. Aber sie trafen auf Widerstand: Schreiende und fluchende Verteidiger trieben die dunklen Gestalten mit Schilden und spitzem Stahl zur�ck. Die Piraten waren mit Beibooten anger�ckt und mu�ten die steile Bordwand erklimmen; sie konnten nicht aus gleicher H�he von Deck eines gro�en Schiffes zu uns her�berspringen. So lag der Vorteil ganz bei uns, und nur ein Mann erreichte das Deck. Seinen starren K�rper, an einem Dutzend Stellen durchbohrt, warfen wir in den Vosk zur�ck, hinter seinen zur�ckweichenden Kameraden her.</p><p>Callimachus wischte sein Schwert an der Tunika ab. �Welch eine Kr�nkung!� sagte er grinsend. �Glauben die Kerle ernsthaft, wir sind ein wehrloses Handelsschiff, das sie ungestraft so tollk�hn angreifen k�nnen?�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�L�scht die Laternen!� sagte Callimachus zu einem seiner M�nner. �Vielleicht lauern die Piraten noch in der N�he.�</p><p>�Wir sollten das Beiboot aussetzen�, sagte ich zu ihm. �Mit umh�llten Rudern k�nnten wir unseren Abschnitt der Kette besser bewachen.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Unser Schiff, selbst wenn wir alle Lichter l�schen, kann sich der Kette niemals so leise n�hern wie ein kleines Boot. Die Piratenboote brauchen sich nur von der Kette zur�ckzuziehen.�</p><p>�Das Beiboot�, entwickelte Callimachus meinen Gedanken weiter, �m��te westlich der Kette unterwegs sein, um sich den Piratenbooten noch unauff�lliger n�hern zu k�nnen.�</p><p>�Richtig�, sagte ich.</p><empty-line/><p>�Wer da?� rief eine Stimme aus der Dunkelheit.</p><p>Wir legten die Ruder still.</p><p>�Fertig!� fl�sterte ich den M�nnern in meiner Begleitung zu. Wir n�herten uns der Kette aus westlicher Richtung. Unser Ruderboot war vor einer Viertel-Ahn �ber die Kette hinweg zu Wasser gelassen worden. Inzwischen waren wir in wenigen Metern Abstand an einigen im Flu� ankernden Piratenschiffen vorbeigekommen.</p><p>�Wer da?� rief die Stimme.</p><p>�Jetzt!� sagte ich. J�h richteten sich f�nf M�nner hinter der Bordwand auf. Aus unmittelbarer N�he wurden die Pfeile auf das andere Boot abgeschossen, das wir im gleichen Moment ber�hrten. Ich h�rte M�nner schreien und Werkzeuge ins Boot poltern. Mit gezogenen Schwertern st�rmten wir das andere Boot. Wir sagten kein Wort. Geschrien wurde nur von den Piraten. So mancher rettete sich durch einen schnellen Sprung ins Wasser.</p><p>�Was ist da los?� rief eine Stimme von einem der gr��eren Piratenschiffe, die weiter entfernt von der Kette beigedreht lagen.</p><p>Doch schon waren wir weitergeglitten.</p><empty-line/><p>�Zur�ck! Zur�ck!� rief eine Stimme angstvoll in der Nacht.</p><p>�R�ckw�rtsrudern�, sagte ich. �Und halten.�</p><p>Das Ruderboot verharrte d�mpelnd im Wasser.</p><p>�Wir wissen, da� ihr da seid!� rief ein Mann aus der N�he der Kette. �Wir sind bewaffnet! Es ist euer Risiko, wenn ihr euch heranwagt! Gebt euch zu erkennen!�</p><p>Die Angst des Mannes war deutlich zu sp�ren, und ich l�chelte. Befehle gab ich nicht.</p><p>�Gebt euch zu erkennen!� wiederholte die Stimme.</p><p>Wir schwiegen.</p><p>In einem Angriff sah ich keinen Sinn. Den �berraschungsmoment hatten wir verloren, denn wir hatten im Schutze der Nacht bereits drei Ruderboote erobert. Die Piraten wu�ten l�ngst, da� an der Kette eine Gefahr umging. Sie hatten k�hn vorgehen wollen, mu�ten nun aber feststellen, da� wir das nicht zulie�en.</p><p>Wir schwiegen.</p><p>�Zur�ck zum Schiff!� sagte die Stimme in der Nacht. �Zur�ck zum Schiff!�</p><p>Wir lie�en das Boot an uns vorbeigleiten; nach den Ger�uschen zu urteilen, war es einige Meter entfernt.</p><p>Anschlie�end lie� ich unser Boot zur Kette vordringen, wo ich die Eisenglieder abtastete. An einem der schweren Eisenst�cke machte ich eine konkave Unebenheit aus, die in eine kantige, geometrisch pr�zise Vertiefung �berging, zu schmal, um den Finger hineinzustecken. Ich tastete den Einschnitt in das Kettenglied nach beiden Seiten ab. Er war diagonal gef�hrt und reichte etwa einen Zoll tief.</p><p>�Was ist?� fragte einer meiner Begleiter.</p><p>�Sie m�ssen hier etwa eine Viertel-Ahn lang am Werk gewesen sein�, bemerkte ich.</p><p>�Wie schlimm steht es?� wollte er wissen.</p><p>�Die Kette ist geschw�cht.�</p><p>�Was tun wir?�</p><p>�Wir setzen unsere Patrouillenfahrt fort.� �Hast du das geh�rt?� fragte einer meiner M�nner.</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>�Ein Fisch?�</p><p>�Eher ein Taucher, w�rde ich sagen.�</p><p>�Was machst du?�</p><p>�Holt mich in f�nf Ehn hier wieder ab�, sagte ich.</p><p>Ich legte meine Waffe mitsamt der Scheide unten ins Boot. Dann zog ich Sandalen und Tunika aus.</p><p>�Gebt mir ein Messer!� forderte ich.</p><p>�Hier!� sagte jemand. Ich steckte mir die Klinge zwischen die Z�hne und rollte stumm �ber die Reling des Ruderboots, das sich beinahe lautlos entfernte.</p><p>Es war kalt und dunkel im Wasser des Vosk-Flusses.</p><p>Einige Ehn sp�ter kehrte das Boot zur�ck, und ich wurde an Bord gezerrt.</p><p>�Hier ist dein Messer�, sagte ich.</p><p>�War es ein Fisch?� fragte jemand.</p><p>�Nein.�</p><p>�Die Klinge ist ja klebrig�, sagte der Mann, der mir die Waffe geliehen hatte.</p><p>Ich spuckte in den Vosk. �Sp�l sie ab!� sagte ich.</p><p>�Wie viele waren es?� wollte jemand wissen.</p><p>�Zwei�, sagte ich. �Sie hatten keine Geduld. Sie wollten zu schnell weiterarbeiten.�</p><p>�Was tun wir jetzt?�</p><p>�Wir kehren zur <emphasis>Tina</emphasis> zur�ck�, sagte ich. �Wir brauchen unseren Schlaf, denn morgen wird es zu K�mpfen kommen.�</p><p>�Ist die Kette besch�digt?� fragte ein Mann.</p><p>�Ja, ziemlich�, gab ich zur�ck.</p><p>�Das h�tte auch an hundert anderen Stellen passieren k�nnen.�</p><p>�Das meine ich auch.�</p><p>�Morgen wird die Kette also nicht halten�, sagte ein Mann z�gernd.</p><p>�Ich gehe davon aus.�</p><p>�Vielleicht sollten wir fliehen, solange es noch m�glich ist�, meinte er.</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Dar�ber m�ssen die Besatzungen und ihre Kapit�ne bestimmen�, meinte ich.</p><p>�Die Taucher � hast du sie beide umgebracht?�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Dann wird Ragnar Voskjard also nicht erfahren, da� die Kette gerade an jener Stelle besonders schwach ist.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber es wird andere Stellen geben.�</p><p>�Nat�rlich�, best�tigte ich.</p><p>�Es ist unm�glich, die Kette zu besch�tzen�, sagte jemand.</p><p>�Fr�her oder sp�ter, wenn nicht schon diese Nacht, wird sie durchschnitten.�</p><p>�Voskjard ist bei seinen Pl�nen schon sehr behindert worden�, sagte einer der M�nner. �Es hei�t, er sei nicht sehr geduldig.�</p><p>�Wir sind keine Seeleute�, meinte ein anderer. �Bei einem offenen Kampf auf dem Flu� haben wir gegen Voskjards schnelle Schiffe keine Chance.�</p><p>�Mit uns k�mpfen die Schiffe aus Port Cos�, bemerkte jemand.</p><p>�Das sind zu wenige. Und ist die Kette erst einmal durchbrochen, ziehen sie sich m�glicherweise zur�ck, um Port Cos zu sch�tzen.�</p><p>�Wenn es Voskjard gelingt, sich mit Policrates zusammenzutun�, sagte ein Mann, �und wenn dann die Streitkr�fte von Port Cos und Ar-Station gespalten sind, kann sich keine Stadt am Flu� mehr in Sicherheit wiegen.�</p><p>�Dann w�rde den Piraten der ganze Vosk geh�ren.�</p><p>�Wir m�ssen fliehen!� rief jemand.</p><p>�Hier�ber kann morgen fr�h durch die Kommandeure und ihre Besatzungen entschieden werden�, sagte ich.</p><p>�Aber man kann auch einzeln fliehen.�</p><p>�Den ersten, der seinen Posten verl��t, bringe ich um!� rief ich.</p><p>�Gib uns deine Befehle!� rief jemand.</p><p>�Dreht bei!� sagte ich. �Wir wollen zur <emphasis>Tina</emphasis> zur�ckkehren.�</p><p>�Aber wir m�ssen an der Kette bleiben.�</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Langsam wendete das Ruderboot und bewegte sich in n�rdlicher Richtung an der Kette entlang. Ich war zu dem Schlu� gelangt, da� das Schicksal des Flusses nicht vom Schicksal der Kette abhing.</p><p>Auf dem R�ckweg wurden wir mehrmals von Piraten angerufen, antworteten aber nicht.</p><p>�Wir haben keine weiteren Hinweise auf Arbeiten an der Kette gefunden�, sagte ein Mann, als wir uns der <emphasis>Tina</emphasis> n�herten, die �stlich der Kette lag und an einer der Bugkastell-Leinen eine Laterne pr�sentierte.</p><p>�Vielleicht hat Voskjard aufgegeben�, meinte jemand.</p><p>�Vielleicht ist die Arbeit l�ngst zu seiner Zufriedenheit getan�, sagte ein anderer.</p><p>�Die Kette mu� halten!� rief einer unserer Ruderer.</p><p>�Was meinst du, Jason?� fragte jemand.</p><p>�Wollen wir inbr�nstig hoffen, da� sie h�lt�, sagte ich.</p><p>�Aber du glaubst nicht mehr daran?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wir m�ssen fliehen!� rief jemand.</p><p>�W�rdest du den Flu� M�nnern wie Policrates und Ragnar Voskjard �berlassen wollen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Bist du es, Jason?� rief Callimachus von Bord der <emphasis>Tina</emphasis>.</p><p>�Ja.�</p><p>Das gro�e Schiff tauchte vor uns auf, und wir warfen eine Leine hin�ber.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Die Galeere, etwa achtzig goreanische Fu� lang, raste auf die Kette zu. Ihr Bug ragte unnat�rlich hoch aus dem Wasser und ber�hrte nicht einmal die Wellenkronen.</p><p>�Hervorragend!� lobte Callimachus den Gegner.</p><p>�Was ist?� rief ich zum Bugkastell empor.</p><p>�Sie haben den Ballast verlagert!� rief Callimachus zur�ck. �Gro�artig!�</p><p>Das Schiff setzte die Anfahrt fort. Das Dr�hnen des Hammers t�nte bis zur <emphasis>Tina</emphasis> her�ber. Eine solche Geschwindigkeit lie� sich nur kurze Zeit durchhalten. Der m�chtige Schiffsleib hob sich vorn noch ein wenig mehr aus dem Wasser.</p><p>�Sind die verr�ckt geworden?� rief ich.</p><p>�Sie wollen �ber die Kette rutschen�, sagte Callimachus.</p><p>Ich umklammerte staunend die Reling. In den unteren Lader�umen mu�te jedes Sandkorn zum Heck verlagert worden sein, ebenso wie Ger�tschaften und Katapultsteine und sogar die Mannschaft � mit Ausnahme der Ruderer.</p><p>Und schon war der konkave Bug �ber die Kette gerutscht. Knirschend fuhr die Kette am Kiel entlang. Im n�chsten Moment sa� die Galeere halb auf der Kette fest und bewegte sich torkelnd wie ein Schiff auf einer Sandbank, von Wogen best�rmt, von gegens�tzlichen Str�mungen gepackt.</p><p>�Ruder aus!� rief Callimachus. �Fertig!�</p><p>Aus westlicher Richtung sahen wir eine zweite Galeere herbeirasen, den Bug hoch aus dem Wasser erhoben.</p><p>Die erste Galeere lie� die Ruder wirbeln und rutschte in Schr�glage weiter vorw�rts.</p><p>�Sie wird �ber die Kette kommen!� rief ich.</p><p>�Zwei Strich Backbord!� rief Callimachus. �Fahrt aufnehmen!� Mit Handsignalen gab sein Offizier diesen Befehl an die Steuerleute und den Rudermeister am Heck weiter.</p><p>Die <emphasis>Tina</emphasis> bewegte sich in schneller Fahrt auf den Eindringling zu. Ich warf mich an Deck. Wir trafen die Steuerbordseite des Bugs, als der Pirat eben knirschend und splitternd von der Kette glitt.</p><p>�Ruder r�ckw�rts!� befahl Callimachus.</p><p>Der Aufprall hatte mich fast drei Meter weit �ber das Deck gleiten lassen.</p><p>Bis zum Kiel erbebend, begleitet von lauten Splitterger�uschen, zog die <emphasis>Tina</emphasis> ihre Ramme wieder frei. Das Vorderdeck des Gegners lag bereits unter Wasser. M�nner standen dort bis zu den Knien im Wasser und klammerten sich verzweifelt fest. Das Katapult auf dem hohen Achterdeck des Gegners hatte sich von seinem m�chtigen Drehgestell gel�st. Die Spannseile wirbelten im Wind. Eine Gestalt st�rzte vom Heck ins Wasser.</p><p>�Seht!� rief ein Mann bedr�ckt und deutete nach Steuerbord. Die feindliche Galeere war �ber die Kette gerutscht.</p><p>�Das erste Schiff Ragnar Voskjards hat die Kette �berquert!� rief ein anderer K�mpfer.</p><p>Weitere Galeeren n�herten sich der Kette.</p><p>�Und noch eine ist her�ber!� rief ein Mann und deutete auf ein Schiff, das die Kette mit einem Ramman�ver zu durchbrechen versuchte. Unterdessen eilte die <emphasis>Mira</emphasis> herbei, um die Galeere anzugreifen, die �ber die Kette gerutscht war. Der Sto� fand sein Ziel, und unsere M�nner jubelten. Das Steuerbordruder der feindlichen Galeere war beim �berqueren der Kette abgerissen worden. Voskjards Galeeren verf�gten wie die meisten goreanischen Schiffe �ber zwei Steuerruder.</p><p>�Hart Steuerbord!� rief Callimachus. �Ruder einziehen!�</p><p>Die Ramme des Gegners ging ins Leere. Sein Steuerbord-Scherblatt schabte an unserer Au�enwandung entlang.</p><p>�Ruder ausfahren!� befahl Callimachus. �Wenden!�</p><p>�Zwei weitere Schiffe sind �ber die Kette!� rief Callimachus� Offizier und deutete nach Backbord.</p><p>�Schiffe aus Port Cos im Anmarsch!� meldete ein anderer Mann. Unsere Besatzung begann zu jubeln. Zehn solcher Schiffe waren zur Kette verlegt worden. Zwanzig weitere bewachten unter Callisthenes� Kommando die Gew�sser an der s�dlichen Kettenwachstation. Diese Schiffe, die Einheiten aus Port Cos, waren unsere gro�e Hoffnung. Nur sie, so bef�rchteten wir, mochten in der Lage sein, sich Voskjards Streitkr�ften im offenen Kampf zu stellen. Die Schiffe aus Ar-Station konnten das Bild zwar zahlenm��ig etwas verbessern, doch fanden wir sie nicht so kampfstark wie etwa die Schiffe Voskjards oder die Einheiten aus Port Cos. Cos verf�gt �ber eine langj�hrige Marinetradition, und viele Offiziere aus Port Cos waren geborene Cosianer, S�ldner oder Veteranen der cosianischen Marine, in die Kolonie abkommandiert, um die Interessen der Heimatinsel auf dem Flu� zu verteidigen.</p><p>�Dort � ein Schiff aus Ar-Station!� rief der Offizier vom Bugkastell.</p><p>Wir hatten gewendet, doch schon hatte die Galeere, die uns beinahe aufgespie�t h�tte, den Bug in unsere Richtung gedreht.</p><p>�Sie ist schnell�, sagte jemand.</p><p>�Warum hat sie noch nicht angegriffen?�</p><p>�Sie wartet auf Unterst�tzung�, mutma�te jemand.</p><p>�Nein�, sagte ein Mann. �Wenn wir zur Kette vorr�cken, kann sie uns mittschiffs rammen.�</p><p>�Sie verteidigt ihre Schwesterschiffe�, meinte jemand.</p><p>�Wir k�nnen die Kette nicht mehr verteidigen!� rief eine Stimme.</p><p>Aber dann sahen wir die Galeere nach Steuerbord schwingen. Ein anderes Schiff, das die Wimpel von Port Cos gehi�t hatte, hielt darauf zu.</p><p>�Zur�ck an die Kette!� rief Callimachus in das Jubeln unserer Seeleute.</p><p>�Wieder ein Schiff r�ber!� rief ein Mann zornig und deutete zur Seite. Die Galeere hatte die Kette bereits �berwunden und war f�r uns nicht mehr erreichbar. Sie glitt hinter uns vorbei auf die schlammige Weite des Vosk.</p><p>�Wie viele sind schon �ber die Kette?� fragte ein Mann bedr�ckt.</p><p>�Wer wei�?� gab ein anderer zur�ck.</p><p>Immer wieder rammten Galeeren die riesigen Kettenglieder, wichen zur�ck und erneuerten geduldig den Angriff.</p><p>�Sicher haben sie sich Stellen aufs Korn genommen, von denen sie wissen, da� sie w�hrend der Nacht schon geschw�cht worden sind�, sagte ein Mann in meiner N�he. Er war gestern in dem kleinen Boot mit mir auf Patrouille gewesen.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Schau, dort!�</p><p>Ich wies auf einen der Kettenpf�hle, die aus dem Wasser ragten. Er war mit gelber Farbe bespritzt worden.</p><p>�Katapult!� rief Callimachus.</p><p>Zwei Steine segelten in die Luft und n�herten sich in anmutigem Bogen einem Piratenschiff. Die Geschosse st�rzten in den Flu� und lie�en riesige Wassers�ulen emporsteigen.</p><p>�Bogensch�tzen!� befahl Callimachus.</p><p>Wir n�herten uns der ersten der Galeeren und schossen Pfeile auf sie ab. Der Gegner wich zur�ck.</p><p>�Es gibt andere Angreifer�, sagte ein Mann.</p><p>Wir bewegten uns an der Kette entlang und erreichten das verlassene Wrack eines Piratenschiffes. Bei dem Versuch, �ber die Kette zu fahren, war es in zwei Teile zerbrochen.</p><p>�Achteraus, etwa eine Pasang entfernt, liegt eine Piratengaleere und scheint in Schwierigkeiten zu sein.�</p><p>�Wir bleiben an der Kette�, sagte Callimachus.</p><p>�Aber sie hat Schlagseite!� rief der Mann. �Ich glaube, das Schiff ist angeschlagen!�</p><p>�Wir verlassen die Kette nicht.�</p><p>Ich l�chelte. Callimachus war ein guter Kapit�n. Er lie� sich aus seiner Stellung nicht weglocken. Durch Umverteilung des Ballasts �ber dem Kiel lie� sich m�helos eine Schr�glage vort�uschen. Au�erdem h�tte die Galeere nicht beidrehen m�ssen, wenn sie wirklich angeschlagen w�re. Geruderte Galeeren sind selten v�llig hilflos. Sollte der Gegner aber wirklich nichts unternehmen k�nnen, stellte er keine unmittelbare Gefahr dar. Und war er <emphasis>doch</emphasis> einsatzbereit, brauchte man ihn nur im Auge zu behalten.</p><p>�Seht!� rief der Offizier vom Bugkastell und deutete einen Strich backbord voraus.</p><p>Callimachus nahm dem Offizier das Glas der H�userbauer ab. �Die <emphasis>Sita</emphasis> aus Kap Alfred�, sagte er, �und die <emphasis>Tais</emphasis> aus Port Cos.�</p><p>�Beide haben am Bug Notsignale aufgezogen�, sagte der Offizier.</p><p>�Drehen!� befahl Callimachus.</p><p>H�rnerklang wehte �ber das Wasser herbei. Ich wu�te nicht, was die Signale bedeuten sollten.</p><p>�Was ist das?� rief ich zu Callimachus empor.</p><p>�Es mu�te ja geschehen�, sagte er.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Im Norden ist es passiert: Die Kette ist durchbrochen.�</p><p>Die <emphasis>Sita</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis> waren inzwischen deutlich auszumachen.</p><p>�Wo sind die <emphasis>Talia</emphasis>, die <emphasis>Thenta</emphasis>, die <emphasis>Midice</emphasis>, die <emphasis>Ina</emphasis> und die <emphasis>Tia</emphasis>?� fragte der Offizier.</p><p>�Ich habe sie nicht gesehen�, antwortete Callimachus und gab dem Offizier das Fernglas zur�ck. �Siehst du sie?�</p><p>�Nein�, antwortete der Mann.</p><p>�Es waren sieben Schiffe�, sagte ich. Wir bewegten uns langsam in s�dlicher Richtung an der Kette entlang, und ich stand auf dem Heckkastell neben Callimachus.</p><p>�Vielleicht haben einige den Kampf �berlebt�, meinte er.</p><p>�Ich sehe Schiffe�, sagte ich und deutete nach achtern. Am Horizont waren Punkte aufgetaucht, Punkte, die eine lange Reihe bildeten.</p><p>Callimachus reichte mir das Glas der Hausbauer. �Schiffe Voskjards�, sagte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Offenbar besitzt Ragnar Voskjard mehr als f�nfzig Einheiten�, stellte ich fest. Ich hatte bereits mindestens vierzig gez�hlt; au�erdem wu�te ich, da� hier und dort weitere an der Kette postiert waren.</p><p>�Callisthenes� Informationen waren offenbar unzutreffend�, bemerkte Callimachus. �Das ist eine schmerzliche und unwillkommene L�cke in unseren Planungen.�</p><p>�Wie viele m�gen es sein?� wollte ich wissen.</p><p>�Keine Ahnung � sechzig, hundert?�</p><p>�Gegen so viele Schiffe haben wir im offenen Kampf keine Chance.�</p><p>�Port Cos mu� k�mpfen, wie es nie zuvor gek�mpft hat�, sagte Callimachus.</p><p>�Unsere Feinde haben keine Eile�, sagte ich. Ich hatte die Ruderschl�ge pro Ehn gez�hlt.</p><p>�Man will die Ruderer nicht erm�den. Port Cos ist die einzige Hoffnung des Vosk. Wir aus Ar-Station und von den unabh�ngigen Schiffen m�ssen Port Cos bei seinem Kampf unterst�tzen.�</p><p>�Die Chancen stehen �berw�ltigend schlecht�, sagte ich. �Kann Port Cos �berhaupt gewinnen?�</p><p>�Es mu�!� rief er.</p><p>�Wenigstens besitzt Port Cos Kapit�ne wie Callisthenes.�</p><p>�Seine zwanzig Schiffe, von der s�dlichen Wachstation herbeigerufen, bringen die Entscheidung�, sagte Callimachus.</p><p>�Wir werden jedes davon brauchen, wenn wir uns bemerkbar machen wollen�, �u�erte ich. �Ohne sie w�r�s das reinste Schlachtfest.�</p><p>�Mit ihnen lie�e sich das Heft vielleicht in die Hand nehmen � obwohl die Aussichten nicht rosig sind�, bemerkte Callimachus.</p><p>�Du siehst beunruhigt aus.�</p><p>�Ich hoffe inbr�nstig, da� die Kette nicht auch s�dlich von uns ge�ffnet wurde.�</p><p>�Wir haben sie so gut und so lange besch�tzt wie irgend m�glich�, sagte ich.</p><p>�Wollen wir hoffen, da� die Zeit nutzbringend verwendet wurde, die uns diese Arbeit kostete.�</p><p>Ich erschauderte. �Hoffentlich�, sagte ich. Wenn sich unsere Flotte nicht formieren konnte oder unsere Flanken aufgerollt wurden, stand den Streitkr�ften am Vosk ein tragischer Tag bevor. Die Reste unserer Flotte mochten den Flu� bis Turmus �bers�en.</p><p>�Hast du Befehle f�r mich?� fragte ich.</p><p>�Sch�rfe dein Schwert�, sagte er, �und ruh dich aus, so gut du kannst.�</p><p>�Ja, Kapit�n�, sagte ich, wandte mich ab, stieg den Niedergang hinab und ging nach vorn zum Bug. Die Ruderer arbeiteten mit einem Viertel der normalen Schlagzahl. Ich setzte mich neben meinen Sachen nieder und sch�rfte eine Zeitlang die Klinge meiner Waffe mit einem Wetzstein. Als ich fertig war, bedeckte ich den Stahl mit einem d�nnen �lfilm, um das Metall vor Rost zu sch�tzen. Schlie�lich legte ich mich nahe der Steuerbordreling auf das glatte Deck und schlief schnell ein.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>�Wie viele sind es?� h�rte ich den Offizier Callimachus fragen; die beiden standen �ber mir auf dem Deck des Bugkastells.</p><p>�Zweiundvierzig�, lautete die Antwort.</p><p>Wir lagen reglos im Wasser, zweiundzwanzig Schiffe, die eine Doppelreihe bildeten. Die Ruder waren eingezogen.</p><p>�Die Kette hat gehalten�, sagte ein Mann in meiner N�he.</p><p>�Ja�, antwortete ich. Im Norden war sie durchbrochen worden, hier aber, nahe dem Vosk-S�dufer, hatte sie gehalten. Dies hatte uns die M�glichkeit er�ffnet, unsere Flotte zu formieren. Zugleich war die linke Flanke unserer Position noch immer durch die schweren Glieder der cosianischen Kette gesch�tzt, die zwischen ihren Pfeilern hing.</p><p>�Wo sind Callisthenes� Schiffe?� fragte ein Offizier.</p><p>�Sie werden in K�rze zu uns sto�en�, antwortete Callimachus. �Und bis dahin m�ssen wir die Stellung halten.�</p><p>Obwohl wir ziemlich weit s�dlich standen, war das S�dufer des Vosk nicht auszumachen, nicht einmal von der H�he der Bugaufbauten aus.</p><p>�Sie bilden den Angriffskeil�, sagte ein Offizier neben Callimachus.</p><p>Unsere rechte Flanke wurde durch sieben Schiffe aus Port Cos gedeckt, sieben von den zehn, die urspr�nglich auf dem Flu� unterwegs gewesen waren. Wir hatten bereits etliche Verluste zu beklagen, aber auch Ragnar Voskjard war nicht ungeschoren geblieben.</p><p>�Ja�, sagte Callimachus und reichte einem seiner Offiziere das Fernglas der Hausbauer zur�ck. �Es ist der Keil.�</p><p>�Und westlich der Kette stehen weitere Schiffe Voskjards�, sagte ein Mann niedergeschlagen.</p><p>Es waren die Schiffe, die seit gut einem Tag in unserem Sektor gegen die Kette anzurennen versuchten. Wir hatten noch keinen rechten Eindruck von der Zusammensetzung dieser Flotte gewinnen k�nnen, doch wurde angenommen, da� diese s�dliche Flotte gr��er war als die im Norden, die erfolgreich gegen die Kette vorgegangen war.</p><p>Auf der Grundlage von Callisthenes� Angaben hatten wir gesch�tzt, da� Ragnar Voskjard etwa f�nfzig Schiffe unter seinem Kommando hatte. Diese Zahl hatte sich inzwischen als grundlegend falsch herausgestellt und mu�te vermutlich beinahe doppelt so gro� angesetzt werden.</p><p>W�hrend die Kette im Norden vermutlich immer weiter ge�ffnet wurde, hatte sie im S�den lange genug zu halten, um uns daran entlang zur�ckzuziehen und zu formieren.</p><p>�Es gibt kaum Hoffnung f�r uns�, sagte jemand.</p><p>�Die Piraten bilden den Keil�, bemerkte ein Mann.</p><p>�Wo sind Callisthenes� Einheiten?� wollte ein anderer wissen.</p><p>�Sie werden bald eintreffen�, antwortete jemand.</p><p>�Kapit�n!� sagte ein Offizier.</p><p>�Ja?� antwortete Callimachus.</p><p>�Soll ich den Befehl geben, die Schiffe zusammenzuketten?�</p><p>Solche Kommandos lie�en sich mit Flaggen und Hornsignalen verbreiten.</p><p>�Nein.�</p><p>�Wie wollen wir dem Sto� eines solchen Keils anders widerstehen?�</p><p>�Wir werden unsere Beweglichkeit nicht einschr�nken�, befahl Callimachus. �Wir lassen uns die Wirksamkeit unserer Rammen und Scherbl�tter nicht beschneiden.�</p><p>�Wir m�ssen eine schwimmende Holzfestung bilden�, beharrte der Offizier. �Gegen eine solche Zitadelle rennt der Keil vergeblich an.�</p><p>�Die Schiffe in unserer inneren Verteidigungslinie k�nnten nicht zum Einsatz kommen�, erkl�rte Callimachus. �Wir w�ren nichts anderes als ein festgezurrtes, tr�ge daliegendes Angriffsziel, das unm�glich zu verfehlen w�re. Au�erdem k�nnten wir uns nicht wehren, sollte jemand uns seitlich umgehen. Uns bliebe nichts anderes �brig, als den Rammen des Feindes die ungesch�tzten Bordw�nde hinzuhalten. Nach knapp einer Ahn w�re deine schwimmende Festung ein einziges Gewirr aus hin und her schwappenden Wrackteilen.�</p><p>�Dann wollen wir uns zur�ckziehen�, sagte der Offizier.</p><p>�Dazu ist es zu sp�t�, widersprach Callimachus.</p><p>Mit bleichem Gesicht schaute der Offizier �ber das Wasser. �Die Flotte ist schon in Bewegung�, sagte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Was k�nnen wir tun?�</p><p>�Wir m�ssen die Stellung halten, bis Callisthenes eintrifft�, sagte Callimachus.</p><p>�Dem Sto� des Keils k�nnen wir niemals standhalten!� jammerte der Offizier.</p><p>�Hier meine Befehle�, sagte Callimachus.</p><empty-line/><p>Es war eine Galeere der schweren Klasse, geeignet f�r die Hochseefahrt. Sie bildete die Spitze des Keils. Nie zuvor hatte ich eine Galeere so schnell durchs Wasser pfl�gen sehen. An jedem Ruder sa�en zwei M�nner. Unser Bug war so ausgerichtet, da� der Eindruck entstand, wir wollten den Rammsto� mit unserem Rammschild auffangen. Der Aufprall, sollte es dazu kommen, konnte unseren Kiel zerbrechen lassen.</p><p>An unserer Backbordseite lag, beinahe auf Tuchf�hlung, die <emphasis>Mira</emphasis>, unser Schwesterschiff aus Victoria.</p><p>Auf dem Bugkastell des angreifenden Schiffes hob der Kapit�n den Arm. Beinahe sofort schwenkte die Galeere, die bei dieser Geschwindigkeit auf die geringste Regung des Ruders ansprach, einen Strich nach ihrem Steuerbord. Sie wollte nicht von der <emphasis>Tina</emphasis> abgebremst werden, sondern zwischen uns und der <emphasis>Mira</emphasis> durchbrechen und damit die Frontlinie aufrei�en. Links und rechts von ihrem Heck folgten zwei weitere Galeeren wie gehorsam mitlaufende Sleen und hatten offenbar die Absicht, die �ffnung auszunutzen, die die Spitze des Keils rei�en mu�te. Hinter diesen nachr�ckenden Galeeren erweiterte sich die Formation durch andere Schiffe; auch direkt hinter der ersten Galeere pfl�gten Angreifer durch das Wasser. Es war wohl unausweichlich, da� unsere Formation durchbrochen, da� unsere Kommunikation gest�rt werden w�rde. Die Feinde w�rden sich unter uns mischen, womit sich die zu verteidigenden Flanken vervielfachen mu�ten. Getrennt w�rden wir uns wehren m�ssen, behindert durch die Versuche, uns gegenseitig abzuschirmen und zu unterst�tzen. Einzeln verfolgt, w�rde man uns zusammentreiben und umringen, woraufhin dann die Piraten ihr b�ses Spiel mit uns treiben konnten. Ragnar Voskjard war an der Kette im S�den aufgehalten worden. Ich nahm nicht an, da� er daran gro�en Spa� gehabt hatte. Und ich rechnete nicht damit, da� er Gefangene machen w�rde.</p><p>�Jetzt!� br�llte Callimachus.</p><p>Normalerweise hat jedes goreanische Schiff drei Stangen an Bord, mit denen die Boote beim Ablegen vom Ufer weggesto�en werden. So nat�rlich auch die <emphasis>Tina</emphasis> und die <emphasis>Mira</emphasis>. Die Ruder waren eingezogen.</p><p>Als das feindliche Schiff schon Anstalten machte, sich wie ein Messer zwischen uns zu pressen, hoben M�nner auf der <emphasis>Mira</emphasis> und der <emphasis>Tina</emphasis> diese Stangen und stie�en auf ein Kommando hin die Schiffe auseinander. Es gab ein dr�hnendes Kratzen, doch schon stand die feindliche Galeere, die uns mit Gewalt hatte auseinanderdr�cken wollen, ohne allerdings auf gro�en Widerstand zu sto�en, ein gutes St�ck achteraus. Beinahe sofort traten andere M�nner in Aktion und zogen unsere Schiffe mit Hilfe von Enterhaken und Seilen wieder dichter zusammen. Die Schiffe hinter der ersten Galeere hatten dem Anf�hrer folgen und die �ffnung ausnutzen wollen, die er in unsere Formation ri�. Die Spitze des Keils lag bis auf einige Splitter und Farbkratzer unbesch�digt hinter uns. Die beiden nachfolgenden Schiffe schabten mit den Bordw�nden gegeneinander. Brennendes Pech und Pfeile regneten auf die Decksplanken nieder. Ich h�rte an Backbord und Steuerbord Rammen dr�hnen. Und schon wurde eines der Schiffe aus der zweiten Reihe von einem nachfolgenden Schiff, das nicht mehr aus dem Schwung genommen werden konnte, ins Heck getroffen. Die Piratengaleeren begannen r�ckw�rts zu rudern, in dem verzweifelten Bem�hen, sich zu l�sen, doch wehrlos daliegend, halb aus dem Kurs gedreht, mu�ten sie unseren Beschu� hinnehmen. Zwei weitere Schiffe, die nicht mehr rechtzeitig abbremsen konnten, bohrten sich von hinten in das Schiffsgewirr.</p><p>Ich drehte mich um. Die erste Galeere, die hinter unseren Linien isoliert war, versuchte nach S�dosten zu entkommen, wo sie nicht von der Kette behindert wurde. Darin aber wurde sie von der <emphasis>Tais</emphasis> gest�rt, die von unserer rechten Flanke aus das andere Schiff umrundete und voll auf der Backbordseite traf. Der Rammsto� landete hoch, dennoch str�mte Wasser in den Schiffsleib. M�nner sprangen vom Deck ins Wasser. Kurze Zeit sp�ter lag die Galeere mit Schlagseite im Wasser, unbemannt. Das Leck in der Wandung hob sich schlie�lich g�nzlich �ber die Wasserlinie. Ich sah, wie M�nner von der <emphasis>Tais</emphasis> �bersetzten und sich auf den schr�gen Decks bewegten. Kurze Zeit sp�ter kehrten sie auf ihr eigenes Schiff zur�ck.</p><p>Anschlie�end entfernte sich die <emphasis>Tais</emphasis> von dem angeschlagenen Schiff, dessen Heck pl�tzlich ruckhaft herumschwang.</p><p>�Die Galeere sitzt auf einer Sandbank fest!� rief jemand.</p><p>�Ja�, sagte ich. Die besch�digte Galeere schwamm nicht l�nger mit der Str�mung auf die Kette zu.</p><p>�Es ist die <emphasis>Tuka</emphasis>�, sagte ein Mann neben mir.</p><p>�Ist das ein bekanntes Schiff Ragnar Voskjards?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Und wieder der Keil!� rief eine M�nnerstimme.</p><p>Ich blickte nach Norden. Die feindliche Flotte hatte sich neu formiert.</p><p>�Sie fahren nur halbe Rudergeschwindigkeit�, sagte ein Mann.</p><p>�Sie werden ihren ersten Fehler nicht wiederholen�, meinte ein anderer.</p><p>Diesmal hatte man sich vorgenommen, unsere Linie mit best�ndigem Druck zu sprengen � nicht in einem pl�tzlichen Aufprall, sondern als heranstr�mende Flut, als Lawine aus Holz und Stahl, kontrolliert, geordnet, jeden Augenblick auf die taktische Situation eingestellt. Es sollte nicht wieder vorkommen, da� die Spitze des Keils hinter unseren Linien verlorenging, sich ins Leere richtend.</p><p>An den Signalleinen stiegen Flaggen empor, zerrissen, im Wind knallend. Signalfahnen, Wimpel und Streifen, in gemischten Farben und Mustern, liefen am Bug der <emphasis>Tais</emphasis> auf und best�tigten diese Befehle.</p><p>�Sie macht volle Rudergeschwindigkeit�, sagte ein Mann.</p><p>Die <emphasis>Tais</emphasis>, das Heck tief im Wasser h�ngend, die Ramme halb in die Luft gereckt, raste nach Nordosten davon.</p><p>�Voskjards Keil r�ckt n�her!� rief ein Offizier von unserem Bugkastell.</p><p>�Wir wollen die Schiffe zusammenketten, solange es noch m�glich ist�, bat ein anderer Offizier.</p><p>�Nein�, sagte Callimachus.</p><p>�Seht doch!� rief ein Mann, der sich an einen Vorsprung unserer Bugaufbauten geh�ngt hatte. �Seht, die <emphasis>Tais</emphasis> verl��t unseren Verband. Die Schiffe aus Port Cos folgen ihr.�</p><p>�Unsere Flanke ist ungesch�tzt!� ert�nte eine �ngstliche Stimme und l�ste auf unseren Ruderb�nken Verwirrung aus.</p><p>�Voskjard kann aus der Keilformation nicht mehr heraus�, sagte ich zu dem Mann neben mir.</p><p>�Unsere Flanke ist nicht unmittelbar gef�hrdet�, bemerkte er und legte einen Pfeil auf die Sehne seines kurzen Bogens.</p><p>�Nein!� rief ich lachend. �Nein! Schau doch! Pl�tzlich ist Voskjards Flanke nicht mehr gesch�tzt.�</p><p>Die <emphasis>Tais</emphasis> und ihre schnellen, schnittigen Schwesterschiffe waren hinten um unsere Formation herumgekommen, vollf�hrten eine unerwartete Umkreisungsbewegung und pfl�gten mit wirbelnden Rudern dahin, die Bugrammen halb erhoben, in der Sonne feucht schimmernd, von dr�hnendem Trommelrhythmus angepeitscht, einer abgeschossenen Waffe vergleichbar.</p><p>Jubelnd waren unsere Ruderer auf die B�nke gestiegen.</p><p>Das f�hrende Schiff des Angriffskeils versuchte den Kurs zu wechseln und fiel nach Steuerbord ab. Das unmittelbar nachfolgende Schiff, das f�nfzig Meter zur�cklag, vermochte nicht mehr innezuhalten. Seine Ramme traf den Anf�hrer ins Heck, ri� Holz auf und l�ste das Steuerbordruder. Beinahe gleichzeitig schw�rmten die sieben Schiffe aus Port Cos auseinander, nahmen sich eine wehrlose Schiffsflanke zum Ziel und kamen in den ersten Kontakt mit ihrem Gegner. Und widmeten sich auf das t�chtigste dem Kriegshandwerk.</p><p>Mir war unverst�ndlich, wie sich Ar bei seiner Auseinandersetzung mit Cos auf dem Vosk gegen solche Schiffe und K�mpfer auch nur die geringste Chance ausrechnen konnte. Die Schiffe, die Ar-Station zur Flotte entsandt hatte, schienen eher Rundschiffe zu sein als Kampfeinheiten. Manche besa�en �berhaupt keine Rammen und Scherbl�tter, geschweige denn umlegbare Masten. Nur wenige Einheiten verf�gten �ber mehr als zwanzig Ruder. Keines der Schiffe schien ausreichend bemannt zu sein. Ar, so wollte mir scheinen, mu�te seine Politik am Vosk behutsam angehen.</p><p>Die Schiffe aus Port Cos, die unter dem Kommando der <emphasis>Tais</emphasis> standen, zogen sich von den Schiffen zur�ck, die sie leckgeschlagen hatten. In Voskjards Flotte herrschte Verwirrung. Viele Schiffe kollidierten. Immer wieder gellten Signalh�rner auf. Kapit�ne bem�hten sich, aus der Enge der Keilformation freizukommen und zu wenden. Immer wieder suchten die <emphasis>Tais</emphasis> und ihre Schwesterschiffe wie lauernde Flu�raubtiere das �u�ere der verwirrten, beh�bigen Stadt aus Holz ab und w�hlten beinahe ungest�rt ihre Opfer.</p><p>Wie gedachte sich Ar, so fragte ich mich, auf dem breiten Vosk gegen solche M�nner und Schiffe zu behaupten?</p><p>Geradezu l�cherlich wirkten die beh�bigen, gedrungenen Schiffe aus Ar-Station im Vergleich zu den flotten R�ubern aus Port Cos und auch noch zu den Schiffen Ragnar Voskjards.</p><p>�Die <emphasis>Tais</emphasis> hat zum drittenmal zugeschlagen!� rief jemand. Die Besatzung der <emphasis>Tina</emphasis> jubelte.</p><p>Jedes Schiff aus Ar-Station verf�gte �ber lange schwere Plankenplatten, durch Querstreben zusammengehalten, jeweils etwa f�nfundzwanzig Fu� breit und sieben oder acht Fu� lang. Diese waren unweit der Masten auf hochgelegenen Plattformen angebracht, eine Platte an jedem Mast, und lie�en sich auf Rollen von den Masten fortziehen, an denen sie mit verstellbaren Ketten befestigt waren. Nach oben zu lehnten die Gebilde r�ckw�rts zu den Masten und waren oben mit Tauen gesichert. Von der Oberkante jedes Plattengebildes w�lbte sich ein riesiger geschmiedeter Dorn ausw�rts, der an einen krummgeschlagenen Nagel erinnerte.</p><p>�Die Flotte wendet!� rief eine M�nnerstimme.</p><p>Und tats�chlich: Trotz der Enge und der zahlreichen Wracks und obwohl manches Schiff gegen die Kette gedr�ckt wurde, hatte die Flotte Voskjards wenden k�nnen.</p><p>�Flieht!� rief ein Mann dicht neben mir, als k�nnte man ihn �ber das Wasser h�ren.</p><p>Die Rammen der Voskjardschen Flotte richteten sich auf die <emphasis>Tais</emphasis> und ihre Schwesterschiffe. Zwischen ihnen lagen mit Schlagseite oder bereits halb gesunken die �berreste von etwa achtzehn Schiffen. Einige weitere waren untergegangen.</p><p>�Die Flotte Voskjards ist wieder zum Angriff bereit�, sagte ein Seemann hinter mir.</p><p>�Schade um die mutigen K�mpfer aus Port Cos�, bemerkte jemand.</p><p>�Ruder durch!� rief Callimachus.</p><p>�Ruder durch!� rief sein Offizier.</p><p>�Ruder durch!� wiederholte der Rudermeister. Hinter uns dr�hnte die kupferbedeckte Trommel unter dem Aufprall der fellbedeckten Schlegel.</p><p>�Ja! Ja!� rief ich. �Ragnar Voskjard zeigte nur uns die ungesch�tzte Flanke!�</p><p>Die <emphasis>Tina</emphasis> und ihre Kampfformation begannen vorzur�cken.</p><empty-line/><p>�Zur�ckziehen! Neu formieren!� rief Callimachus.</p><p>Die Insel aus Holz in der Mitte des Vosk, die aneinanderschabenden, k�mpfenden Schiffe, drehten sich an der Kette. Rammen und konkave Bugpartien bedrohten uns.</p><p>Wir zogen uns vom Schauplatz der Vernichtung zur�ck.</p><p>Wir, unsere Formation, hatte Voskjards Flotte an der rechten Flanke erwischt, w�hrend sie noch wendete, um die <emphasis>Tais</emphasis> und ihre Schwesterschiffe aus Port Cos zu bestrafen. Unser k�hnes Man�ver hatte Voskjards Flotte v�llig �berrascht. Da� Schiffe wie die aus Ar-Station und den unabh�ngigen St�dten, zumeist umgebaute Handelsschiffe, die Sicherheit der eigenen Position verlassen w�rden, um einen Angriff zu beginnen, hatte man sich dr�ben nicht tr�umen lassen. Vermutlich wu�te man nicht, da� auf unserem Bugkastell ein Mann namens Callimachus regierte.</p><p>Wir zogen uns von den Wracks zur�ck, die zum Teil in Brand standen. Pechgeruch lag in der Luft.</p><p>Dutzende von Schiffen, die sich bei ihren verzweifelten Befreiungsversuchen immer wieder gegenseitig behinderten, sa�en an der Kette fest. Hunderte von M�nnern schwammen im Wasser. Hunderte von Rudern waren bei den zahlreichen Kollisionen zerbrochen worden, oft an der eigenen Schiffsh�lle. Dicht geflochtene Bogensch�tzenschilde schwammen im Wasser, durchbrochene St�tzbalken und Planken und abgebrochene Ruder. Inmitten des Chaos stie�en immer wieder Voskm�wen auf das Wasser hinab, um Fische zu jagen.</p><p>Dicht an der Kette sank eine Piratengaleere.</p><p>�Ruder r�ckw�rts!� befahl Callimachus. �Neu formieren!� Er war kein Dummkopf. Einen offenen Kampf wollte er nicht riskieren. Selbst wenn die Zahl der Einheiten identisch gewesen w�re, h�tte er gegen die Schiffe Voskjards keine Chance gehabt.</p><p>�Wir haben bisher nur Gl�ck gehabt�, sagte jemand.</p><p>�Ja. Voskjard wird w�tend sein.�</p><p>Die <emphasis>Tina</emphasis>, flankiert von der <emphasis>Mira</emphasis> an Steuerbord und der <emphasis>Talender</emphasis> an Backbord, lag schlie�lich wieder in Position. Die Schiffe aus Port Cos, die <emphasis>Tais</emphasis> und nur noch vier andere, kehrten an die urspr�ngliche Position rechts von uns zur�ck. Nicht auszudenken, wie es jetzt um uns st�nde, wenn sie nicht gewesen w�ren. Sie hatten den Gegner empfindlich getroffen, ehe er den Keil herumdrehte, um dann in totaler Verwirrung, von unserem Angriff �berrascht, wieder in die andere Richtung zu schwenken, woraufhin die <emphasis>Tais</emphasis> und ihre Schwesterschiffe den Angriff erneuert hatten. Ich hielt es f�r nicht unwahrscheinlich, da� Voskjard etwa drei�ig Schiffe verloren hatte. Dennoch standen uns immer noch etwa f�nfzig Schiffe gegen�ber � vermutlich erhielt er durch die im Norden gebrochene Kette laufend Verst�rkung. Wir dagegen waren nur noch siebzehn Schiffe, einschlie�lich der Einheiten aus Port Cos, von denen unser Wohl und Wehe abhing.</p><p>�Die feindliche Flotte formiert sich!� rief eine Stimme.</p><p>�Wieder der Keil?� erkundigte sich jemand.</p><p>�Nein, je zwei Schiffe zusammen, das zweite Steuerbord achteraus.�</p><p>�Sie werden vorsichtig anr�cken und uns paarweise jagen�, vermutete jemand.</p><p>�Ich w�rde empfehlen�, sagte ein Offizier �ber mir auf dem erhobenen Vorderdeck, �da� wir uns sofort zur�ckziehen.�</p><p>�Wir m�ssen die Stellung f�r Callisthenes halten�, widersprach Callimachus.</p><p>�Zieh dich zur s�dlichen Wachtstation zur�ck! Schlie� dich ihm sofort an!� beharrte der Offizier.</p><p>�Damit man uns umzingeln und zwischen Kette und S�dufer festnageln kann?� fragte Callimachus. �Au�erdem sind die Piratenschiffe schneller als unsere.�</p><p>�Nicht schneller als die <emphasis>Tina</emphasis>�, sagte der Offizier.</p><p>�Soll ich die Flotte im Stich lassen?� fragte Callimachus.</p><p>Der Offizier nickte ihn zornig an.</p><p>�Nein, wir warten auf Callisthenes�, fuhr Callimachus fort.</p><p>�Vergi� Callisthenes!� sagte der Offizier nachdr�cklich.</p><p>�Ich werde ihn ebensowenig vergessen, wie er mich vergessen w�rde. Wir sollten uns hier mit Callisthenes treffen, und hier werden wir ihn erwarten.�</p><p>�Aber wo ist Callisthenes?� fragte eine M�nnerstimme.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte ich.</p><p>Ich beobachtete die Ann�herung der feindlichen Flotte in der Paarformation, wobei zwischen den Partnern jeweils mehr als hundert Meter lagen. Nat�rlich ist es f�r ein einzelnes Schiff sehr schwer, sich vor einem solchen doppelten Angriff zu sch�tzen. Die beiden belauern sich gegenseitig, um im rechten Winkel angreifen zu k�nnen. Wird man erwischt, kann man sich nicht gegen beide wehren: Automatisch wird zumindest eine Schiffswand einer Ramme schutzlos dargeboten.</p><p>�Wir m�ssen die Stellung halten�, sagte ein Mann neben mir nerv�s.</p><p>�Befiehl den R�ckzug!� flehte der Offizier �ber uns auf dem Bugkastell.</p><p>�Sie h�tten uns erreicht, ehe wir wenden k�nnten.�</p><p>Ringsum wurden Schwerter aus den Scheiden gezogen.</p><p>�La�t das Signal zum Kampf ert�nen!� befahl Callimachus.</p><p>Auch ich zog blank.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Kreischend trat ich das Gesicht zur�ck, das sich �ber die Bordwand schob. Mit der Klinge durchtrennte ich das straff gespannte Tau, das von dem Enterhaken abw�rts f�hrte. Einer meiner F��e stand auf der <emphasis>Tina</emphasis>, der andere auf der Reling des Piratenschiffes. Auf �hnliche Weise schwebten auch andere Verteidiger zwischen den Schiffen und k�mpften, so wie auch auf den Decks beider Boote gestritten wurde. Die M�nner der <emphasis>Tina</emphasis> versuchten mit Hilfe der Ruder die beiden Schiffe auseinanderzuschieben. Das Metall von Scherbl�ttern knirschte unter dem Druck der gegeneinander reibenden Schiffsk�rper. Das Backbord-Scherblatt des Piraten war abgerissen; an seiner Stelle klaffte ein aufgesplittertes Loch in den Planken. Unser Steuerbord-Scherblatt, eine m�chtige Sichel aus Metall, etwa sieben Fu� lang und f�nf Fu� breit, war verbogen, als best�nde es aus Blech. Neben mir st�rzte ein Mann, von einem Pfeil getroffen, in den Abgrund zwischen die Schiffe.</p><p>Um mich hauend, sprang ich auf das Deck des Piratenschiffes. Ein von hinten gesto�ener Speer durchdrang seitlich meine Tunika. Das Schwert schwingend, wich ich aus und fuhr herum. Piraten dr�ngten vor, und ich sp�rte, wie sie mich umringten. Sie wogten zur Reling, und mir ging auf, da� sie in der Hitze des Kampfes gar nicht erkannten, da� ich nicht zu ihnen geh�rte. Aus Versehen h�tte ich beinahe einen Ruderer der <emphasis>Tina</emphasis> niedergestreckt, der sich ebenfalls zu den Piraten vorgewagt hatte. So schlugen wir von hinten auf sie ein. Ich sah, wie der Bursche, den ich beinahe niedergestreckt h�tte, mit den Piraten auf die <emphasis>Tina</emphasis> schw�rmte, nach au�en hin Pirat. Er wehrte den Pikensto� eines Verteidigers ab und hieb dann auf die Piraten links und rechts von sich ein. Gleich darauf stand er wieder auf dem Deck der <emphasis>Tina</emphasis>, machte kehrt und k�mpfte nun wieder offen gegen die Piraten. Ich h�rte Holz splittern. Piraten waren auf das Heckkastell der <emphasis>Tina</emphasis> vorgedrungen. Etwa zehn M�nner von uns k�mpften auf dem Piratenschiff, in der N�he des erh�hten Vorderdecks. Wieder durchschnitt ich Enterseile. �Schurke!� rief ein Mann, und ich stellte mich ihm zum Kampf. F�nfmal kreuzten wir die Schwerter, ehe sein Blut meine Klinge benetzte. Die Schiffe trieben wieder auseinander; nur am Heck wurden sie noch zusammengehalten. Ich roch Feuer. Auf der <emphasis>Tina</emphasis> hob ein Mann die Hand an die Stirn, aus der ein Pfeil ragte, und st�rzte ins Meer. Mit zwei Schritten hatte ich die Plattform des Bogensch�tzen erreicht und war hinter seine Deckung getaucht. Der Bursche machte mir keine M�he. Die Pfeile aus seinem K�cher prasselten an Deck. Ein Pirat sprang auf mich zu, und ich hieb ihn von der Plattform. Zwei Pfeile sirrten auf mich zu und verfingen sich im Schutzgeflecht. Weiter hinten ragte ein anderes Piratenschiff auf. Am Bugkastell setzten sich einige meiner Mitstreiter gegen die Piraten durch. Brennendes Pech loderte �ber das Deck.</p><p>�Hier entlang, Jungs!� rief ich und sprang von der Plattform des Bogensch�tzen. Dicht vor meinen F��en bohrte sich ein Pfeil ins Holz.</p><p>Wir liefen das Deck entlang. Das Schiff erschauderte, als das schwere Katapult ein Steingescho� abfeuerte, das die Backbord-Rudereinrichtung der <emphasis>Tina</emphasis> traf.</p><p>Gleich darauf gelang es uns � mir und sieben anderen M�nnern �, die Haltetaue zwischen den beiden Schiffen zu kappen, die sich voneinander l�sten. Wir sprangen auf das Heck der <emphasis>Tina</emphasis> hin�ber und r�ckten gegen einige Piraten vor, die um ihr Leben k�mpfen mu�ten. Wir zwangen sie �ber die Reling.</p><p>�Sind es nicht mehr?� fragte ich.</p><p>�Bist du entt�uscht?� fragte ein Mann.</p><p>�Wir haben unser Deck von den Sleen ges�ubert!� rief jemand.</p><p>�Gut gek�mpft haben sie!�</p><p>�Es sind ja auch Voskjards M�nner�, bemerkte ein Mann.</p><p>Unser Deck war besch�digt und blutverschmiert. Pfeile steckten tief im Holz. Wir waren bereits mit besch�digtem Heckkastell in diesen Kampf gegangen. Das Steuerbord-Scherblatt zeigte sich verbogen.</p><p>M�nnern unserer Seite, die noch im Wasser schwammen, warfen wir Taue zu. �Aii!� rief ich pl�tzlich.</p><p>�Was ist?� fragte jemand.</p><p>�Das Schiff da!� rief ich und deutete auf eine Galeere, die knapp hundert Meter entfernt in einen Kampf verwickelt war. �Das ist die <emphasis>Tamira</emphasis>!� Diesen Schriftzug hatte ich am Steuerbordbug ausgemacht.</p><p>�Na und?� fragte ein Mann.</p><p>�Sie geh�rt nicht zu uns�, bemerkte ein anderer.</p><p>�Sie hat Voskjards Fahne gesetzt�, sagte ein dritter.</p><p>�Die <emphasis>Tamira</emphasis> hat �stlich der Kette auf dem Vosk die <emphasis>Blume von Siba</emphasis> aufgebracht, und zwar zusammen mit der <emphasis>Telia</emphasis>, die unter dem Kommando Sirnaks stand, eines Vasallen von Policrates.� Davon hatte ich als Gefangener in der Festung des Policrates erfahren.</p><p>�Na und?�</p><p>�Die <emphasis>Tamira</emphasis> steht unter dem Kommando Reginalds, der von Ragnar Voskjard bezahlt wird!� rief ich. �Sie ist Ragnar Voskjards Kundschafterschiff!�</p><p>�Wieso ist das wichtig?� wollte jemand wissen.</p><p>�Sie kam, um Voskjard den Weg nach Osten zu bereiten�, erkl�rte ich. �Aber hat sie sich mit Voskjards Flotte im Hafen getroffen oder auf dem Flu�?�</p><p>�Was macht das f�r einen Unterschied?� wollte ein Mann wissen und warf einem unserer Genossen eine Rettungsleine zu.</p><p>�Vielleicht gar keinen�, sagte ich.</p><p>�W�rdest du gegen sie k�mpfen wollen?� fragte ein Mann lachend.</p><p>�Sie wird von schweren Galeeren begleitet�, sagte ein anderer.</p><p>�In der Tat!� rief ich lachend.</p><p>�Das freut dich?�</p><p>�Es scheint darauf hinzudeuten, da� das Zusammentreffen wirklich auf dem Flu� stattfand und nicht in Ragnars Festung.�</p><p>�Und w�re das gut?�</p><p>�Es k�nnte vorz�glich sein�, antwortete ich. �Aber vielleicht machte es auch keinen Unterschied!�</p><p>�Du bist ja verr�ckt!� rief der Mann lachend.</p><p>Und wieder gellten Signalh�rner. Eilig half ich dabei, zwei �berlebende der <emphasis>Claudia</emphasis> aus Kap Alfred aus dem Wasser zu ziehen.</p><p>F�nfzig Meter heckw�rts rammte die notd�rftig ausger�stete <emphasis>Sita</emphasis>, ein Handelsschiff aus Horts Furt, ein Piratenschiff ins Heck.</p><p>�Auf die B�nke!� rief ein Offizier. Ich folgte dem Kommando ebenfalls und bem�chtigte mich eines Ruders.</p><p>Hinter uns ert�nte ein lautes Knacken und Knirschen. Die <emphasis>Sita</emphasis> die sich eben vor ihrem Opfer l�ste, wurde ihrerseits auf beiden Seiten von Rammschiffen Voskjards getroffen.</p><p>�Wo sind die Schiffe von Callisthenes?� rief ein Mann.</p><p>�Durchziehen! Durchziehen!� br�llte der Rudermeister.</p><p>�Hart Steuerbord!� forderte ein Offizier.</p><p>Die Steuerleute stemmten sich gegen die Ruder.</p><p>�Ruder einziehen!� rief der Rudermeister. Scharrend wurden die schweren Holzst�mme eingeholt.</p><p>Ein Rammschiff Voskjards, dessen spitzer Bug uns an Backbord nur knapp verfehlte, glitt in schneller Fahrt vorbei. Die Ruder des Gegners zerbrachen an unserer Flanke, dann gab es am Heck ein lautes krachendes und rei�endes Ger�usch, und der Feind nahm unser Backbordruder mit.</p><p>�Ruder nach drau�en!� rief der Rudermeister, und wir lie�en das Holz durch die Ruderluken gleiten.</p><p>Die <emphasis>Daphne</emphasis> aus Port Cos stand in Flammen. Die <emphasis>Andromache</emphasis> und <emphasis>Aspasia</emphasis> waren untergegangen. Steuerbord voraus sahen wir ein Schiff auf uns zurasen und dann pl�tzlich abdrehen, obwohl es uns h�tte treffen k�nnen.</p><p>�Eines von Voskjards Schiffen!� rief jemand.</p><p>�Nein!� antwortete ein Mann. �Es zeigte die Wimpel von Ar-Station!�</p><p>�Ar-Station besitzt solche Schiffe nicht!� rief eine M�nnerstimme.</p><p>�Aber es hat uns nicht gerammt!� bemerkte jemand.</p><p>Als das Schiff an uns vorbeirauschte, sahen wir, da� die M�nner an Bord tats�chlich Helme aus Ar-Station trugen.</p><p>�Wie ist das m�glich?� fragte ein Mann.</p><p>�Verst�rkung!� rief jemand begeistert.</p><p>�Nein�, sagte ein anderer. �Das ist kein Schiff aus Ar-Station. Die besitzen solche Schiffe nicht. Es ist ein Schiff Voskjards, das als Prise genommen wurde!�</p><p>�Wie sollte das angehen?� fragte ein Mann. �Ar-Station kennt sich auf dem Flu� nicht aus. Die Bemannung der Schiffe reicht nicht aus!�</p><p>Und tats�chlich hatten wir schon die Wracks von mindestens vier Schiffen aus Ar-Station gesehen, darunter zwei schwerer Galeeren, der <emphasis>Tullia</emphasis> und der <emphasis>Publia</emphasis>. So schien es durchaus m�glich, da� andere Galeeren dieser Flotte ein �hnliches Schicksal erlitten hatten. Mir war nicht klar, warum Ar-Station ausgerechnet auf solche Schiffe zur�ckgriff. Sie waren viel zu gedrungen und unbeweglich; sie hatten zu gro�e Lader�ume, reagierten zu langsam auf die Steuerruder und schienen zum Kampf weniger geeignet als zum Transport schwerer Ladungen. Glaubte Ar-Station mit diesen breiten, unf�rmigen Frachtern gegen Voskjards schnittige, schnelle Schiffe eine Chance zu haben? Dar�ber hinaus schienen die Schiffe aus Ar-Station viel zu knapp bemannt zu sein. Wie verlockend mu�te es f�r den Gegner sein, nach solchen Fr�chten zu greifen!</p><p>Kaum zehn Fu� von meiner Bank entfernt st�rzte pl�tzlich ein riesiger Fels herab und durchschlug das Deck. Holz brach, wurde explosionsartig nach oben gedr�ckt und ergo� einen Schauer spitzer Splitter �ber uns. Wir wu�ten nicht einmal, woher das Gescho� kam.</p><p>�Durchziehen!� rief der Rudermeister.</p><p>Langsam fuhren wir durch das Gewirr brennender und zerst�rter Schiffe. Unsere Bank erbebte beim Abschu� des gro�en Katapults. Es roch intensiv nach brennendem Pech. Ich h�rte M�nner im Wasser schreien.</p><p>�Wir m�ssen unsere Schwersterschiffe suchen und mit ihnen k�mpfen!� rief der Rudermeister. �Das ist Callimachus� Befehl!�</p><p>�Steuerbord voraus liegt die <emphasis>Portia</emphasis>!� rief ein Offizier. �Sie ist in Bedr�ngnis!�</p><p>�Zwei Schiffe greifen sie an!� rief ein Mann. �Sie werden l�ngsseits gehen! Sie soll geentert und erobert werden!�</p><p>�Hilfe f�r die <emphasis>Portia</emphasis>!� rief der Offizier auf dem Bugkastell. �Zwei Strich Steuerbord! Durchziehen!�</p><p>�Durchziehen!� rief der Rudermeister, dann aber berichtigte er sich sofort: �Halt! Ruder r�ckw�rts!� Die Entfernung h�tte nicht ausgereicht, um rechtzeitig auf Angriffskurs herumzuschwenken. Au�erdem hatte sich bereits ein Piratenschiff zwischen uns und die <emphasis>Portia</emphasis> geschoben. Ramme gegen Ramme lagen wir voreinander, etwa f�nfzig Meter voneinander getrennt. Langsam ruderten wir r�ckw�rts. Die <emphasis>Tina</emphasis> reagierte nicht gut auf ihr verbliebenes Steuerruder, und so brauchten wir mehr Platz zum Man�vrieren. Voskjards Schiff verharrte auf der Stelle und griff nicht an. Vielleicht vermochte es aus der Richtung nicht zu erkennen, da� uns das Backbordruder fehlte. Vielleicht wartete es aber auch nur auf Unterst�tzung.</p><p>�Wollen wir nicht angreifen?� fragte ein Mann.</p><p>�Das w�rde der <emphasis>Portia</emphasis> kaum helfen�, meinte ein zweiter.</p><p>W�hrend die <emphasis>Tina</emphasis> auf der Stelle verhielt, stiegen einige von uns auf die B�nke, um das Schicksal der <emphasis>Portia</emphasis> zu verfolgen.</p><p>�K�nnen wir nicht durchbrechen, um ihr zu helfen?� fragte jemand.</p><p>�Wenn wir das tun�, wurde ihm geantwortet, �w�rde uns die andere Galeere m�helos auf die H�rner nehmen.�</p><p>�Dann ist die <emphasis>Portia</emphasis> verloren�, jammerte ein Mann.</p><p>Niedergeschlagen verfolgten wir die geschickte Ann�herung der Piratenschiffe: Eins kam von Backbord, das andere von Steuerbord auf die <emphasis>Portia</emphasis> zu. Auf dem Deck der <emphasis>Portia</emphasis> schienen sich keine f�nfzehn oder zwanzig Personen aufzuhalten.</p><p>�Was tun die da?� fragte jemand.</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich.</p><p>Gestalten waren in die Masten der <emphasis>Portia</emphasis> gestiegen und l�sten die Taue, die die Oberseiten der langen schweren Holzplankenkonstruktionen hochgeklappt hielten. Diese Gebilde ruhten auf Plattformen, die von den F��en der Masten ausw�rts gerollt wurden, ein Gebilde nach Steuerbord, das andere nach Backbord, um dort festgezurrt zu werden.</p><p>Piraten dr�ngten sich an der Reling ihrer Schiffe. Wurfanker an langen Leinen wurden zur <emphasis>Portia</emphasis> hin�ber geworfen. Doch beinahe im gleichen Moment klappten die seltsamen Plankengebilde, von Seilen gezogen, abw�rts. Diese beinahe f�nfundzwanzig Fu� langen und sieben Fu� breiten Fl�chen st�rzten herab und veranla�ten die Piraten, hastig auszuweichen. Die langen Spitzen bohrten sich krachend in das Deck der Piratengaleeren. Auf diese Weise wurden die Schiffe fest miteinander verbunden, allerdings in einem Abstand von etwa acht Fu�.</p><p>Im gleichen Moment ert�nte das Kampfsignal Ars auf der Galeere. Luken wurden ge�ffnet.</p><p>Verbl�fft starrten die Piraten �ber ihre Reling � sie kamen pl�tzlich nicht mehr an das andere Schiff heran.</p><p>�Infanteristen aus Ar!� rief ein Mann auf der <emphasis>Tina</emphasis>.</p><p>Aus den offenen Luken str�mten Ar-Krieger, die mit ihren Metallhelmen furchteinfl��end aussahen. Sie trugen gro�e runde Schilde und schwere Speere mit Bronzespitzen.</p><p>Piraten eilten zu der Plankenstra�e, die den Zugang zu ihrem Schiff bildete, doch sofort wurde ein Dutzend Speere geworfen und schlug den Widerstand nieder, und schon kamen die M�nner aus Ar im Laufschritt �ber die k�nstliche Br�cke, die Schwerter gezogen, mit den Schilden zahlreiche Pfeile abfangend, und dr�ngten und hieben die Gegner ins Wasser. Eine H�lfte wandte sich zum Bug des feindlichen Schiffes, die andere zum Heck. Die Kette der Piraten, die sich zum Entern �ber die ganze Schiffsseite verteilt hatte, wurde sofort durchbrochen. R�cksichtslos und schnell, sauber, genau � so traf der Stahl der Berufskrieger. Innerhalb weniger Sekunden waren die Decks beider Piratenschiffe ges�ubert. Und immer neue Soldaten kamen aus dem Lagerraum. Ich hatte den Eindruck, da� sie den Piraten zahlenm��ig um gut das Zehnfache �berlegen waren. Die weiten Lader�ume der <emphasis>Portia</emphasis> waren voller K�mpfer gewesen.</p><p>�Eine Infanterieschlacht�, sagte ein Mann neben mir ehrf�rchtig.</p><p>�Die aber zur See ausgefochten wurde�, bemerkte sein Nachbar.</p><p>Die breiten Plankengebilde wurden vorsichtig von den Decks der Piratenschiffe gel�st und wieder hochgezogen. An den Bugleinen beider Schiffe stieg die Flagge von Ar-Station auf.</p><p>�Ar wei� schon, worauf es sich am besten versteht�, sagte jemand.</p><p>�Ja�, wurde geantwortet.</p><p>Das Schiff Voskjards, das uns belauert und daran gehindert hatte, an dem Kampf teilzunehmen, zog sich nun langsam zur�ck.</p><p>Ich glaube wir alle, Freund oder Feind, sahen die Schiffe aus Ar-Station pl�tzlich mit ganz anderen Augen. Auf jeden Fall hatten sie unseren Respekt verdient.</p><p>�Kehren wir zu unseren Schwesterschiffen zur�ck!� rief Callimachus.</p><p>Langsam n�herten wir uns der <emphasis>Portia</emphasis> und ihren Prisen.</p><p>�Es wird bald dunkel sein�, sagte jemand.</p><p>�Im Schutze der Dunkelheit k�nnen wir uns davonschleichen�, meinte eine M�nnerstimme.</p><p>�Callimachus wird Callisthenes auf keinen Fall im Stich lassen�, sagte ich.</p><p>�Wo aber ist Callisthenes?� wurde ich gefragt.</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�Einen weiteren Tag halten wir auf keinen Fall durch.�</p><p>�Nicht ohne Unterst�tzung durch Callisthenes.�</p><p>�Es w�re der dritte Kampftag.�</p><p>�Callisthenes ist bestimmt vor dem Morgengrauen hier�, meinte jemand.</p><p>�Woher willst du das wissen?� fragte ihn sein Nachbar.</p><p>�Er mu� hier sein�, meinte der erste Mann achselzuckend.</p><p>�Wir m�ssen uns ein neues Backbordruder zurechtmachen�, sagte ich. �Die Wracks liefern uns daf�r das Material.�</p><p>�Ich helfe dabei!� rief ein Mann.</p><p>�Ich auch!� meldete sich ein zweiter.</p><p>Pl�tzlich mu�te ich an die <emphasis>Tamira</emphasis> denken. Ich war heute schon bis auf hundert Meter an sie heran gewesen.</p><p>�Ich hole die Erlaubnis ein, das Beiboot zu Wasser zu lassen�, sagte einer meiner Genossen.</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>Ich mu�te auch an die <emphasis>Tuka</emphasis> denken. Sie war das f�hrende Schiff in Voskjards erstem Angriffskeil gewesen. Jetzt lag sie besch�digt und verlassen auf einer Sandbank unweit der Kette, knapp einen Pasang entfernt. Angeblich war sie eine sehr bekannte Galeere Voskjards. Und sie besa� einen sehr gro�en Laderaum. �Woran denkst du?� fragte ein Mann. �An nichts�, antwortete ich. �An nichts.�</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Wir sahen, wie die <emphasis>Leda</emphasis> aus Port Cos voll in die Seite getroffen wurde.</p><p>�Ruder r�ckw�rts!� rief der Rudermeister.</p><p>Die <emphasis>Tina</emphasis> erbebte im Wasser und glitt seitlich ausweichend zur�ck. Eine mittelgro�e Galeere Voskjards schob sich dicht an uns vor�ber und dr�ngte uns mit ihrer Bugwelle weiter zur�ck. Unsere Ramme streifte knirschend an der Bordwand entlang.</p><p>�Ruder r�ckw�rts!� rief der Rudermeister. �Und halten!�</p><p>Bei uns waren viele B�nke leer. Auf vielen Holzsitzen schimmerte Blut.</p><p>Am Heck gab es ein Knirschen, und von einem der vielen Piratenschiffe, die uns bedr�ngten, sprangen M�nner zu uns her�ber.</p><p>�Angreifer abwehren!� vernahm ich einen Schrei.</p><p>�Bleibt auf den B�nken!� br�llte der Rudermeister.</p><p>M�nner eilten an uns vorbei, um die Eindringlinge vom Heck zu vertreiben. Ich blieb auf der Bank sitzen, die H�nde um das Ruder gelegt.</p><p>�Ruder r�ckw�rts!� befahl der Rudermeister.</p><p>�Die Decks sind wieder frei!� rief eine Stimme.</p><p>�Die <emphasis>Portia</emphasis> ist getroffen!� meldete ein Offizier. Im gleichen Moment st�rzt ein Bogensch�tze vom Achterkastell; ein Pfeil steckte in seiner Brust.</p><p>Durch die Ruderpforte sah ich, wie der Bug der <emphasis>Leda</emphasis> pl�tzlich in steilem Winkel aus dem Wasser gehoben wurde, Ramme und Schiffsk�rper wasserschimmernd, und dann j�h zu drei Vierteln unter der Wasseroberfl�che verschwand. Das Heck sa� im Schlamm des Flu�bettes fest. Von der Str�mung getrieben, wurde der Bug, an dem sich M�nner festklammerten, zur Kette herumgedreht.</p><p>�Ruder r�ckw�rts!� rief der Rudermeister.</p><p>Wir fielen nach Backbord ab, bis unsere Ramme das Schiff Voskjards bedrohte. Die Bogensch�tzen suchten hinter den Bordw�nden Schutz. Verwirrung breitete sich bei ihnen aus. Wie nerv�s zuckende Gliedma�en wurden Ruder angehoben oder ins Wasser gesenkt, uneinheitlich und ohne Verbindung zwischen Backbord und Steuerbord. Dennoch bewegte sich das Piratenschiff allm�hlich nach Backbord und verschwand schlie�lich hinter dem Bug der zerst�rten <emphasis>Leda</emphasis>. Wir hatten nicht angegriffen. Steuerbord voraus lag lauernd eine Galeere Voskjards: sie w�rde sofort in Aktion treten, wenn wir ihr die Flanke darboten. �H�te dich vor dem Sleen, der zu schlafen scheint�, lautet ein goreanisches Sprichwort.</p><p>�Ruder langsam r�ckw�rts!� sagte der Rudermeister.</p><p>Kurze Zeit sp�ter lagen wir l�ngsseits der <emphasis>Olivia</emphasis>, des unter Aemilianus� Kommando stehenden Flaggschiffs der Flotte aus Ar-Station, die zuletzt die <emphasis>Portia</emphasis> verloren hatte. Auf der Steuerbordseite der <emphasis>Olivia</emphasis> lag die <emphasis>Tais</emphasis> aus Port Cos, schnittig, zerkratzt, wehrhaft, und hielt die Mitte unserer Formation. Die Reihe setzte sich fort mit der <emphasis>Talender</emphasis> aus Fina und der <emphasis>Hermione</emphasis>, die in der Schlacht erbeutet und von Soldaten aus Ar-Station bemannt worden war.</p><p>�Einen weiteren Angriff �berstehen wir nicht�, sagte jemand.</p><p>Wir lauschten auf die Hornsignale, die von Ragnar Voskjards Flotte her�bert�nten.</p><p>�Sie ziehen sich zur�ck�, bemerkte ein Mann.</p><p>�Vielleicht fahren sie zur�ck�, sagte ein zweiter.</p><p>�Sie formieren sich neu�, wu�te ein dritter zu berichten.</p><p>�Es wird einen weiteren Angriff geben�, meinte jemand.</p><p>Den Tag hatten wir mit elf Schiffen begonnen. Aus Port Cos k�mpften f�r uns die <emphasis>Leda</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis>, aus Ar-Station die <emphasis>Olivia</emphasis> und die <emphasis>Portia</emphasis> und vier Beuteschiffe; aus Fina die <emphasis>Talender</emphasis>, aus Victoria die <emphasis>Mira</emphasis> und die <emphasis>Tina</emphasis>. Von diesen elf Schiffen waren noch f�nf im Einsatz, die <emphasis>Tais</emphasis>, die <emphasis>Olivia</emphasis>, die <emphasis>Talender</emphasis>, die <emphasis>Tina</emphasis> und die <emphasis>Hermione</emphasis>. Es war eine winzige Flotte, die sich da der Macht Ragnar Voskjards entgegenstellte. einer Macht, die bestimmt noch durch achtundzwanzig oder neunundzwanzig Schiffe dargestellt wurde.</p><p>�Die <emphasis>Tais</emphasis> sollte verschwinden, solange sie noch kann�, sagte ein Mann neben mir, ein B�rger Victorias, ein �berlebender der <emphasis>Mira</emphasis>.</p><p>�Sie bleibt in der Formation�, antwortete ein Mann.</p><p>�Wer h�tte den Sleen aus Cos so etwas zugetraut?� fragte ein Soldat aus Ar, den wir mit mehreren Leidensgenossen von der sinkenden <emphasis>Alcestis</emphasis> an Bord genommen hatten.</p><p>�Interessant�, sagte einer seiner Schicksalsgef�hrten.</p><p>�Vielleicht gibt es mutige M�nner nicht nur in Ar�, �berlegte ein anderer.</p><p>�Die Sleen aus Cos haben gut gek�mpft.�</p><p>�Wo ist Callisthenes?� fragte der Mann von der <emphasis>Mira</emphasis>.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte ich.</p><p>�Wir haben keine Steingeschosse und kein Pech mehr�, wurde gemeldet.</p><p>Wieder wurde bei den Piraten zum Angriff geblasen.</p><p>�Sie haben die Ruder ausgefahren�, sagte jemand.</p><p>�Auf die Posten!� rief ein Offizier. �Ruder aus!�</p><p>�Warum ist es bei uns so still?� rief Callimachus vom Bugkastell. �K�nnen wir auf die Kampfsignale nicht antworten?�</p><p>M�nner sahen sich an.</p><p>Aber dann regte es sich auf dem besch�digten, geschw�rzten Heck der <emphasis>Tina</emphasis>: Ein Trompetensto� ert�nte, der sogleich trotzig von den anderen Schiffen unserer kleinen Streitmacht aufgenommen wurde. Ein unbeschreibliches Gef�hl des Stolzes erf�llte mich, und ich umfa�te den Ruderbaum.</p><p>�Fertig!� rief der Rudermeister. �Durchziehen!�</p><p>Und die f�nf Schiffe unserer kleinen Flotte r�ckten gegen Ragnar Voskjards majest�tisch auffahrende Armada vor.</p><empty-line/><p>�Die <emphasis>Hermione</emphasis> ist verloren�, sagte jemand.</p><p>�Die <emphasis>Talender</emphasis> ist erobert�, meldete ein anderer.</p><p>Wir lie�en die Ruder ruhen.</p><p>�Ich h�tte nicht gedacht, da� wir diesen Angriff �berleben w�rden�, sagte jemand.</p><p>An Steuerbord lag die <emphasis>Olivia</emphasis> und auf deren Steuerbordseite die t�chtige <emphasis>Tais</emphasis>.</p><p>�Sie greifen schon wieder an!� rief eine M�nnerstimme.</p><p>�Das ist das Ende!� lamentierte ein Ruderer.</p><p>�Auf dem Heckkastell der <emphasis>Olivia</emphasis> gibt es Geschrei�, sagte ein Mann hinter mir und stellte sich auf die Ruderbank.</p><p>Ich folgte seinem Beispiel.</p><p>�Die Leute regen sich �ber irgend etwas auf.�</p><p>�Was ist?�</p><p>Im gleichen Augenblick t�nte auch von unserem Heck ein aufgeregter Schrei: �Schiffe! Schiffe achteraus!�</p><p>�Callisthenes!� rief jemand.</p><p>�Auf den B�nken bleiben!� br�llte der Rudermeister.</p><p>Am Horizont hinter uns waren zahlreiche Punkte aufgetaucht � eine gro�e Flotte, die auf uns zuraste.</p><p>�Callisthenes! Callisthenes!� schrien wir. H�te wurden in die Luft geworfen. Jubelnd umarmten wir uns. Freudentr�nen liefen �ber zerfurchte Gesichter.</p><p>�Nun wendet sich das Kampfgl�ck!� rief ein Offizier.</p><p>Callisthenes befehligte zwanzig Schiffe.</p><p>Callimachus, der allein auf dem Deck des Heckkastells stand, hatte ein Glas der H�userbauer vor das Auge gehoben und beobachtete die Flotte. Ich stieg freudig auf den oberen Rand des Ruderraums. Die aufr�ckende Flotte nahm den ganzen Horizont ein. Pl�tzlich wurde mir schwindlig. �Das kann nicht Callisthenes sein�, sagte ich. �Es sind zu viele Schiffe!�</p><p>Man bedachte mich mit ungl�ubigen Blicken.</p><p>�Es k�nnen nur weitere Schiffe Voskjards sein�, fuhr ich fort.</p><p>Dieser Ansicht war ich nicht allein. Beinahe gleichzeitig verstummte das Jubelgeschrei auf der <emphasis>Olivia</emphasis> und der <emphasis>Tais</emphasis>. Stumm d�mpelten unsere drei Schiffe im Wasser. Kampftrompeten t�nten jetzt nicht nur von vorn, sondern auch in unseren R�cken.</p><p>�Der Angriff�, sagte ein Mann.</p><p>�Wir sitzen in der Falle!�</p><p>�Auf die Posten, Jungs!� rief der Rudermeister.</p><p>Ich nahm meinen Platz am Ruder ein. Ich f�hlte mich wie vor den Kopf geschlagen. Die Schiffe, die aus S�den anr�ckten, geh�rten eindeutig zu Voskjards Verb�nden. Unsere Gegner konnten gar nicht in solchen Massen aus dem S�den her vorsto�en, denn dieser Bereich wurde von Callisthenes� Einheiten bewacht. Eine solche Flotte durch die zerbrochene Kette zu bringen, erschien mir unm�glich. Vermutlich war sie daher an der s�dlichen Wachstation �ber Land verholt worden. Hier hatten wir bei der Verteidigung des Flusses die Hauptgefahr gesehen und deshalb Callisthenes� zwanzig Schiffe an dieser Stelle postiert. Da� die neuen Schiffe Voskjards jetzt �berhaupt und in so gro�er Zahl gegen uns vorr�ckten, lie� vermuten, da� sie keine Gegenwehr gefunden hatten, da� sie entweder die Kette unbehindert hatten durchschneiden k�nnen oder � was eher anzunehmen war � ihre Flotte an der S�d-Wachstation �ber Land gerollt und die Kette damit umgangen hatten.</p><p>�Fertig!� br�llte unser Rudermeister.</p><p>Callisthenes mu�te seine Schiffe zur�ckgezogen haben. �berhaupt hatten seine Informationen �ber Voskjards St�rke vorn und hinten nicht gestimmt. Seine Schiffe waren f�r unsere Abwehr unverzichtbar gewesen, doch sie hatten uns bei dem Kampf nicht unterst�tzt. Es schien ihnen auch nicht gelungen zu sein, die dritte Flotte Voskjards daran zu hindern, uns zu umgehen. Callisthenes mu�te seinen Posten aufgegeben haben. Er mu�te seine Schiffe zur�ckgerufen haben. Vielleicht hatte er sich nach Port Cos zur�ckgezogen, als er erkannte, da� die Lage aussichtslos war.</p><p>Unsere H�rner bliesen zum Kampf. �hnliche Signale antworteten von den anr�ckenden Piraten.</p><p>�Durchziehen!� befahl der Rudermeister.</p><p>Die <emphasis>Tina</emphasis> erbebte im Wasser und bewegte sich dann von neuem trotzig und mutig vorw�rts, den Bug halb aus dem Wasser erhoben. Die <emphasis>Olivia</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis> machten es ihr nach.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>�Dort ist die <emphasis>Tamira</emphasis>�, sagte jemand und deutete nach Steuerbord in das Gewirr der Voskjardschen Schiffe.</p><p>Ich warf mein Schwert fort und schnappte mir ein Messer von den Decksplanken, das ich zwischen die Z�hne steckte. Dann machte ich von der Bugreling der <emphasis>Tina</emphasis> einen Kopfsprung ins Wasser.</p><p>Sofort befand ich mich zwischen hin und her w�hlenden Rudern und andern Schwimmern. Dicht neben mir stie� ein Pfeil ins Wasser und kam gleich wieder an die Oberfl�che. Hinter mir prallten zwei Schiffsr�mpfe zusammen.</p><p>Die <emphasis>Olivia</emphasis>, <emphasis>Tais</emphasis> und <emphasis>Tina</emphasis> waren dicht belagert von Piratenschiffen. Auf blutigen Decks widmeten sich M�nner dem grausamen Kriegshandwerk. Das Sirren von Bogensehnen lag in der Luft.</p><p>Ich klammerte mich an ein Wrackteil. Am anderen Ende hielt sich ein Mann fest. Ich wu�te nicht, ob er zu den Piraten geh�rte oder nicht.</p><p>Der Nachmittag war beinahe vor�ber.</p><p>Es war, als bef�nde ich mich in einem See blutigen Holzes in der Mitte des Vosk. Ragnar Voskjards Schiffe bedr�ngten unsere drei Schiffe derma�en, da� sie weder Rammen noch Scherbl�tter einsetzen konnten. So manches Piratenschiff war durch Pechgeschosse oder Katapultsch�sse der eigenen Seite in Brand gesteckt oder versenkt worden. Ganze Wurfspie�garben hagelten ebenso oft auf Piratenschiffe nieder wie auf unsere Decks, gar nicht zu reden von den Bogensch�tzen, die oft genug eigene Leute trafen, was die Piraten doch sehr verwirrte.</p><p>Im Wasser hinter mir gab es Bewegung, und ich warf mich zur Seite und vermochte im Umdrehen eben noch den Arm mit dem Messer abzuwehren, der auf mich zuzuckte. �F�r Voskjard!� fauchte der Mann. Wir k�mpften im Wasser. Ich zerrte ihn zu mir heran, nahm das Messer aus den Z�hnen und stie� zu.</p><p>Dann wandte ich mich dem Mann zu, der mit mir am selben Wrackst�ck gehangen hatte. �Ich war auf der <emphasis>Mira</emphasis> aus Victoria�, sagte er hastig.</p><p>�Nein!� sagte ich.</p><p>�Doch!�</p><p>�Nenn mir den Kapit�n der <emphasis>Mira</emphasis>!� forderte ich.</p><p>Daraufhin erbleichte der Bursche, lie� das Holzst�ck los und schwamm hastig davon. Ich verfolgte ihn nicht.</p><p>Etwa zwanzig Meter entfernt glitt ein Ruderboot vorbei. Bogensch�tzen standen darin. Sie jagten nach �berlebenden.</p><p>Ich sah einen Mann auf mich zuschwimmen, einen b�rtigen, furchteinfl��end aussehenden Burschen; er hielt ein Messer in der Faust. �F�r Ragnar Voskjard!� rief er.</p><p>Ich tauchte, kam hinter dem Burschen hoch und nahm den B�rtigen in den Schwitzkasten. Beinahe gleichzeitig schwenkte das Ruderboot in unsere Richtung. Zwischen den Sitzb�nken standen Bogensch�tzen und legten Pfeile auf die Sehnen.</p><p>Mit der rechten Hand hob ich das Messer und lie� den B�rtigen zur Seite forttreiben. �F�r Ragnar Voskjard!� rief ich grinsend und schwenkte das Messer.</p><p>Die Bogensch�tzen senkten die Waffen. �Gut gemacht, Bursche!� sagte der Mann am Steuer.</p><p>Ich trat Wasser und sah zu, wie das Beiboot sich entfernte. In diesem Moment ert�nte hinter mir ein lautes Brechen und Knacken; in der drangvollen Enge hatte sich ein Pirat ein verb�ndetes Schiff aufs Korn genommen.</p><p>Die <emphasis>Olivia</emphasis>, die <emphasis>Tais</emphasis> und die <emphasis>Tina</emphasis> schwammen noch. In der Enge waren sie vor Rammen und Scherbl�ttern sicher. Gleich einer h�lzernen Festung wurden die drei Schiffe zusammengedr�ckt und vermochten auf diese Weise, umringt, beschossen, belagert, einen Angriff nach dem anderen zur�ckzuwerfen. Die Infanteristen aus Ar, zahlenm��ig st�rker vertreten, als es auf Schiffen sonst �blich war, und kampfm��ig bestens ausgebildet, st�rkten den Widerstand unserer kleinen Flotte. In der bestehenden Situation kam niemand leicht an uns heran, und wer es aus unmittelbarer N�he wagte, machte die Bekanntschaft der Krieger aus Ar. Die m�chtigen Schilde, die langen Speere, die schnell zuschlagenden Schwerter dr�ngten die Angreifer Welle um Welle zur�ck. Und doch ist selbst der m�chtigste Larl vor den fauchenden Urts nicht gefeit, wird er, an der Kette liegend, nur lange genug bedr�ngt. Die winzigen Bisse, die kaum merklichen Wunden, das tr�pfelnde Blut � all dies tut, zusammen genommen, seine Wirkung und fordert den unvermeidlichen Preis.</p><p>Ich schaute zur Sonne auf. Ringsum f�rbte sich das Wasser blutig. Der Tag war beinahe zu Ende. Hundert Meter entfernt stand ein Piratenschiff in Flammen. Eine Voskm�we hatte sich auf das Wrackteil gesetzt, an dem ich mich vorher festgehalten hatte. Ich steckte mir das Messer wieder in den Mund und schwamm auf die <emphasis>Tamira</emphasis> zu.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Das Messer zwischen den Z�hnen haltend, klammerte ich mich am Steuerbordruder der <emphasis>Tamira</emphasis> fest und kletterte vorsichtig daran empor. Das Gebilde war etwa acht Fu� lang. Schlie�lich stand ich mit den F��en auf der breiten Ruderklinge und umfa�te den Schaft, der nach oben f�hrte. Die geteerten Kabel, die etwa vier Zoll Durchmesser hatten, bewegten sich. Das Ruder �chzte. Ich blickte zu den Fenstern der Heckkabine hin�ber. Sie waren schmal und hoch und bildeten ein Muster aus Scheiben und Holzstreben. Die <emphasis>Tamira</emphasis> war einmal ein reich verziertes Handelsschiff gewesen, eine Verkleidung, die ihr wohl auch jetzt noch bei ihrer Arbeit f�r Ragnar Voskjard n�tzte. Das respektheischende, vornehme �u�ere t�uschte �ber ihre finsteren Absichten hinweg. Ich stieg empor, sprang auf eine Schmuckleiste hin�ber und klammerte mich fest. Gleich darauf stand ich neben dem Sims des Backbordfensters, seitlich an die Bordwand gepre�t, um von drinnen nicht gesehen zu werden. Dahinter mu�te die Kabine von Kapit�n Reginald liegen. Ich war sicher, da� ich das Gesuchte � oder eine Kopie davon � in dieser Kabine finden w�rde. Die <emphasis>Tamira</emphasis> bewegte sich in der Str�mung. Ich legte den Kopf zur Seite und linste in die Kabine. In meinem Blickfeld stand ein Tisch, auf dem Seekarten lagen. Die Koje vermochte ich nicht auszumachen. Vermutlich war die Kabine leer. Sicher befand sich Reginald an Deck, vermutlich auf dem Vorderkastell, um den Fortgang der Schlacht zu �berwachen. F�r den Fall, da� er doch in der Kabine war oder sie sonstwie benutzt wurde, mu�te ich schnell und ohne Vorwarnung eindringen, um im Notfall sofort zuschlagen zu k�nnen. Ich wischte mir das Messer am Oberschenkel ab. F�r meine Pl�ne war es nicht unbedingt erforderlich, Reginald oder einen anderen m�glichen Kabineninsassen zu verschonen.</p><p>Klirrend zerbarst das Fenster unter meinen F��en, und ich landete in der Kabine.</p><p>Sie schrie und richtete sich im Bett in eine kniende Stellung auf. Geduckt stand ich zwischen ihr und der T�r.</p><p>�Wer bist du?� fragte sie.</p><p>Ich ging einige Schritte r�ckw�rts, drehte mich um und versuchte die T�r zu �ffnen. Wie erwartet, war das M�dchen eingeschlossen worden. Ohne den Blick von ihr zu wenden, legte ich von innen den schweren Riegelbalken vor, der links und rechts der T�r von metallenen Klammern gehalten wurde. Mit der Kette sicherte ich den Balken.</p><p>�Wer bist du?� fragte sie.</p><p>Sie war wohlgebaut, blond und blau�ugig. Und sie trug einen Sklavenkragen.</p><p>�Ich werde schreien�, drohte sie.</p><p>�Tu das! Dann wirst du das Messer an deiner h�bschen Kehle sp�ren.�</p><p>�Wer bist du?�</p><p>�Dein Herr!�</p><p>�Ich bin die Sklavin Reginalds, des Kapit�ns der <emphasis>Tamira</emphasis>.�</p><p>�Dies ist Ragnar Voskjards Kundschafterschiff�, stellte ich fest.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Warum bist du an Bord?�</p><p>�Es gefiel meinem Herrn, mich mitzunehmen.�</p><p>�Bist du auch f�r die Besatzung da?�</p><p>�Nur wenn ich meinem Herrn Reginald nicht gefalle.�</p><p>�Bem�hst du dich, ihm zu gefallen?� fragte ich.</p><p>�Ja�, antwortete sie erschaudernd.</p><p>�Dieses Schiff�, sagte ich, ��berfiel k�rzlich hier auf dem Flu� das Handelsschiff Die <emphasis>Blume von Siba</emphasis>, und zwar zusammen mit der <emphasis>Telia</emphasis>, die befehligt wurde von Sirnak aus der Festung des Policrates.� Ich hatte dies in der Festung des Policrates erfahren. Die Beute war aufgeteilt worden, und zu dieser Beute hatte Florence geh�rt, eine gutgebaute Sch�nheit mit kastanienbraunem Haar, zuvor die Sklavin eines gewissen Miles aus Vonda.</p><p>�Mag sein�, antwortete sie.</p><p>�Dann sind also noch immer Gefangene von der <emphasis>Blume von Siba</emphasis> an Bord�, stellte ich fest.</p><p>�M�glich�, sagte sie. Die Art und Weise, wie sie antwortete, verriet mir, da� meine Vermutung zutraf. Au�erdem offenbarten mir ihre Worte, was ich wirklich wissen wollte: da� n�mlich die <emphasis>Tamira</emphasis> auf dem westlichen Vosk mit Voskjard zusammengetroffen war und nicht in seiner Festung. H�tte die Begegnung in der Festung stattgefunden, w�ren die Gefangenen vermutlich nicht mehr an Bord.</p><p>�Der Kapit�n der <emphasis>Tamira</emphasis> ist ein wichtiger Mann�, fuhr ich fort, �und genie�t das Vertrauen Ragnar Voskjards.�</p><p>�Ja�, sagte sie stolz.</p><p>Mir fiel ein, da� die <emphasis>Tamira</emphasis> w�hrend der Schlacht von zwei schweren Galeeren gedeckt worden war, eine weitere Best�tigung f�r meinen Verdacht, da� sie eine �beraus wertvolle Ladung an Bord haben mu�te.</p><p>�Ist Reginald seit seiner R�ckkehr aus der Festung des Policrates schon bei Ragnar Voskjard an Bord gewesen?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete sie. �Allerdings wurden Signalzeichen gegeben. Wieso?�</p><p>�Dann mu� noch an Bord sein, was ich suche�, sagte ich.</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst.�</p><p>�Zweifellos befindet es sich in dieser Kabine. Als Reginald aus Policrates� Festung zur�ckkehrte, hast du ihn als kniende nackte Sklavin begr��t, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte sie erschaudernd.</p><p>�Dabei mu� er einen Gegenstand bei sich gehabt haben, so kostbar, da� er ihn gewi� fest in der Hand hielt.�</p><p>�Nein�, sagte sie.</p><p>�Dann mu� es sich um Papiere gehandelt haben, die in seiner Tunika steckten. In seiner Kabine hast du ihn sicher entkleidet, ihn gebadet und bedient. Da mu�t du gesehen haben, was er bei sich hatte.�</p><p>�Nein!�</p><p>�Du darfst nicht auf die Stelle schauen, an der er es versteckt hat�, sagte ich.</p><p>Ich bemerkte ihren hastigen Blick nach rechts, zur Seite der Kabine, und l�chelte.</p><p>Sie merkte sofort, da� sie sich verraten hatte, und glitt in geduckter Stellung aus der Koje.</p><p>�Solltest du nicht in der Koje bleiben, bis Reginald zu dir k�me?� fragte ich.</p><p>Angstvoll blickte sie mich an.</p><p>�Hast du nicht Angst, da� du wegen Ungehorsam get�tet wirst?�</p><p>Sie blickte an mir vorbei quer durch die Kabine. Ich trat zur Seite und gab ihr den Weg frei.</p><p>�Ich habe nichts dagegen�, sagte ich, �denn ich habe dir nicht befohlen, in der Koje zu bleiben. Du geh�rst jetzt mir.�</p><p>Ihr h�bscher K�rper erstarrte. Ich trat noch weiter zur�ck. Flink huschte sie an mir vorbei und kniete vor einer gro�en Seemannskiste nieder. Hastig �ffnete sie den Deckel und w�hlte mit beiden H�nden darin herum.</p><p>Unterdessen steckte ich das Messer in den G�rtel und nahm einen Gegenstand von der Kabinenwand.</p><p>Im n�chsten Moment war sie ruckartig aufgesprungen und hielt etwas �ber den Kopf, das auf den ersten Blick wie zwei flache rechteckige Bleiplatten aussah, die zusammengebunden worden waren. Sie lief zum Kabinenfenster, durch das ich gewaltsam eingedrungen war. Dort angekommen, nahm sie die Arme zur�ck, um die zusammengebundenen Bleiplatten in den Vosk zu werfen.</p><p>Die Peitsche knallte, vorzuckend, zuschnappend, sich um ihre Handgelenke wickelnd, sie festhaltend. Aufschreiend lie� sie die Bleiplatten fallen. Mit Hilfe der Peitschenschn�re, die um ihre Arme lagen, zerrte ich sie ruckhaft zur Seite und dr�ckte sie am Fu� der Koje nieder. Sie hatte zu wimmern begonnen.</p><p>Die Tatsache, da� die Seemannstruhe nicht verschlossen war, und da� sie so prompt gehandelt hatte, verriet mir, da� sie in der Angelegenheit, die mich interessierte, beauftragt worden war. Dieser Auftrag konnte nur die sofortige Vernichtung der Dokumente betreffen, sollte es jemals zu einem Notfall kommen. Vom Schiff aus konnte man die Dokumente durch einen Wurf ins Wasser sofort loswerden. Die Bleigewichte w�rden den Fund in den Schlamm am Grund des Flusses sinken lassen, und nach kurzer Zeit w�rde die Tinte verlaufen und das Papier zwischen den Bleiplatten sich aufl�sen. Meine Mutma�ungen hatten sich auch in diesem Fall als richtig erwiesen. Das M�dchen war uns n�tzlich gewesen.</p><p>Wimmernd hockte sie auf allen vieren. �Wer bist du?� fragte sie.</p><p>�Jason aus Victoria, dein Herr.�</p><p>Zornig blickte sie mich an. �Ich bin die Frau des Kapit�ns.�</p><p>�Du bist Sklavin, weiter nichts�, antwortete ich. �Du mu�t jeden gleich behandeln, in dessen Gewalt du bist.�</p><p>�Nein!�</p><p>�Neigst du etwa zu Hochmut? Hol �ltuch, eine Laterne, Siegelwachs, eine Kerze und solche Sachen!�</p><p>Meinem zornigen Blick gehorchend, eilte sie los, um die Sachen zusammenzutragen, und ich h�ngte die Peitsche wieder an die Wand. Ich nahm die Bleiplatten und schnitt mit dem Messer die Verschn�rung auf. Dann nahm ich den Umschlag heraus und �ffnete ihn. Die B�gen, die darin gewesen waren, untersuchte ich gr�ndlich. Dann l�chelte ich. Sie enthielten das Erwartete.</p><p>Aus einem Regal nahm das M�dchen eine gro�e Kerze, die in einer flachen Silberschale stand. Unter der Silberschale befand sich ein langer Stachel, der in einer �ffnung des Regals geruht hatte. Ein �hnliches Loch befand sich auch in der Tischplatte. Sie schob die Spitze in das Loch, und die Silberschale mit der Kerze stand sicher auf dem Tisch, der seinerseits am Boden befestigt war � wie �berhaupt der gr��te Teil des Schiffsmobiliars, das sich ansonsten bei rauhem Seegang auf das unangenehmste bewegt h�tte. Aus �hnlichen Gr�nden h�ngen Schiffslaternen meistens an Deckenhaken. So k�nnen sie zwar schwingen, versch�tten aber kein feuergef�hrliches brennendes �l. Die Sklavin entz�ndete die Kerze und legte gleich darauf Wachspapier auf den Tisch. Solches Papier ist an Bord nicht ungew�hnlich; man verwendet es, um Papiere zu sch�tzen, die mit Beibooten von einem gro�en Schiff zum n�chsten oder an Land bef�rdert werden. Neben das Papier legte sie �ltuch und einen rechteckigen Streifen Siegelwachs. Zuletzt kniete sie unterw�rfig neben dem Tisch nieder und wagte es nicht, meinem Blick zu begegnen.</p><p>Ich tat die Papiere zur�ck, die ich aus dem Umschlag genommen und untersucht hatte. Anschlie�end wickelte ich den Umschlag in mehrere Schichten Wachspapier ein. �ber der Kerze schmolz ich Siegelwachs, das ich auf das Papier tr�pfeln lie�, um damit eine wasserdichte Versiegelung zu erreichen.</p><p>Seitlich von mir kniete zitternd das M�dchen. Der Sklavenkragen war deutlich sichtbar an ihrem Hals, daran das kleine schwere Schlo�, das ihr kein Entkommen bot.</p><p>�Wie hei�t du?� fragte ich und arbeitete weiter.</p><p>�Luta.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Wie immer mein Herr befiehlt�, sagte sie hastig. �Bitte peitsche mich nicht aus, Herr!�</p><p>�Ich werde dich k�nftig Shirley nennen.�</p><p>�Aber das ist ein Erdenname!� rief sie schluchzend.</p><p>Ich schob den Umschlag der in mehrere Lagen versiegeltes Wachspapier gewickelt war, in die gr��ere H�lle aus �ltuch.</p><p>Erdenm�dchen gelten auf Gor als die niedrigsten und liebeshungrigsten Sklavinnen. Daf�r gibt es wohl mehrere Gr�nde. Nicht zuletzt sind es die M�nner der Erde, die ihre Frauen sexuell und gef�hlsm��ig aushungern. Wird ein M�dchen aber nach Gor gebracht, st��t sie zum erstenmal auf M�nner, f�r die Natur und Macht kein Fremdwort sind. Ein Ausdruck ihrer Kultur ist die weibliche Sklaverei, die eindeutig auf Vorgaben der Natur basiert und ihnen Ausdruck gibt. Die m�nnliche Vorherrschaft und die Unterwerfung der Frau sind auf Gor zu einer komplexen, historisch untermauerten Institution erhoben, mit Hunderten von Aspekten und Facetten im legalen, sozialen und �sthetischen Bereich. Kein Wunder, da� der Frau in ihrer Sensibilit�t und Verwundbarkeit, in ihrer psychophysischen Komplexit�t durch die Sklaverei die h�chste Erf�llung und vollkommene Aussch�pfung all ihrer Gef�hle erm�glicht wird.</p><p>Pl�tzlich wurde laut an die Kabinent�r geklopft.</p><p>Erschrocken hob das M�dchen den Kopf und blickte mich angstvoll an.</p><p>Mit einer knappen Geste bedeutete ich ihr, in die Koje des Kapit�ns zur�ckzukehren. Hastig kroch sie hinein. Ich begleitete sie und baute mich neben ihr auf. Ihre Stimme mu�te erkennbar aus der Richtung t�nen, in der die Koje lag.</p><p>Wieder wurde an die T�r geh�mmert. �Luta!� rief eine Stimme. �Luta!�</p><p>�Antworte auf diesen falschen Namen�, forderte ich sie leise auf.</p><p>�Ja, Herr!� rief sie.</p><p>�Bist du nackt, wartest du in der Koje auf deinen Herrn?�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>�Alles in Ordnung?�</p><p>Ich zog mein Messer und dr�ckte die Spitze vorsichtig gegen die h�bsch gerundete H�fte des M�dchens. Zusammenzuckend blickte sie auf die Klinge.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Dann halte dich bereit f�r deinen Herrn!�</p><p>�Ja, Herr. Ist der Kampf bald vorbei?�</p><p>�Neugier geziemt einer Kajira nicht!� rief er lachend.</p><p>�Ja, Herr. Verzeih mir, Herr!�</p><p>Wieder lachte der Mann, gleich darauf entfernten sich Schritte auf dem kurzen Niedergang zum Hauptdeck.</p><p>�Wer war das?� fragte ich.</p><p>�Artemidorus, der Erste Offizier.�</p><p>Zu gern h�tte ich gewu�t, wie der Kampf stand. Ich steckte das Messer wieder weg, und die Sklavin atmete sp�rbar auf. Ich befahl ihr, sich in die Koje zu legen. Sie hatte eine h�bsche Figur.</p><p>Dann n�herte ich mich dem zerst�rten Heckfenster und schaute unauff�llig hinaus.</p><p>�Darf ich fragen, wie die Lage steht, Herr?� fragte sie.</p><p>�Nein.�</p><p>Durch eine L�cke im Gewirr der Piratenflotte konnte ich ausmachen, da� die belagerten Schiffe sich noch immer mutig wehrten. Sicher vermochten sie bis zum Einbruch der Dunkelheit durchzuhalten, aber ein weiterer Tag voller konzentrierter Angriffe war auf keinen Fall zu �berstehen. Wie gro�artig hatten sie gek�mpft! Erbitterung durchstr�mte mich. Zwischen den gr��eren Schiffen fuhren kleine Boote herum, bemannt von Piraten. Wut erf�llte mich bei ihrem Anblick. Mit diesen Booten wurde nach �berlebenden gesucht, die auf einer solchen Jagd keine �berlebenschance hatten. Sie w�rden mir die R�ckkehr zur <emphasis>Tina</emphasis> erschweren. Mein Blick suchte schlie�lich das dick umwickelte, wasserdichte Paket auf dem Tisch. Es stellte einen ungeheuren Wert dar, wenn man seinen Inhalt nur richtig einsetzen konnte. Nach einem letzten Blick auf die Schiffe der Piratenflotte und die wehrhaften Verteidiger kehrte ich an den Tisch zur�ck und setzte mich nieder.</p><p>Da� unsere M�nner sich so lange hatten halten k�nnen, lag vorwiegend an zwei Faktoren: erstens am Gedr�nge der Piratenflotte, das den Einsatz von Rammen und Scherbl�ttern erschwerte, und zweitens an der ungew�hnlich gro�en Zahl und Kampfgeschicklichkeit der Ar-Soldaten, die in den Lader�umen der Schiffe aus Ar-Station auf ihren Einsatz gewartet hatten.</p><p>Die Taktik, die mir in einer solchen Situation auf der Hand zu liegen schien, hatte Voskjard noch nicht angewandt. Daraus begann ich zu schlie�en, da� er vielleicht gar nicht bei seiner Flotte war, da� sie wom�glich unter dem Kommando eines Untergebenen stand.</p><p>Mit Siegelwachs schlo� ich behutsam die �ltuchh�lle, die ich zu einem rechteckigen P�ckchen zusammenfaltete und mit Bindefaser sicherte. Das M�dchen beobachtete mich. Ich stand auf, ri� einen Streifen der Bettdecke ab und benutzte ihn als Augenbinde.</p><p>�Verzeih mir, Herr!� sagte sie wimmernd.</p><p>Nun brach ich ein Brett von der Wand, ein zwei Fu� langes Regal mit allerlei Steckl�chern, um darin Dochte wie den des silbernen Kerzenhalters unterzubringen. Mit Bindefaser befestigte ich das Paket an dem Brett, von dem ich eine Art Zugschlinge ausgehen lie�. Das Brett mitsamt seiner Fracht und der Zugleine legte ich am Fenster zurecht.</p><p>Etwa um diese Zeit h�rte ich die Signalh�rner der Piratenflotte, Befehle, die nach meiner Auffassung zu sp�t kamen. Ich schaute aus dem Fenster. Wie erwartet zog sich die Piratenflotte zur�ck. Die Sinnlosigkeit des Angriffs, stur und phantasielos vorgetragen, war dem Oberkommandierenden anscheinend endlich bewu�t geworden. Geschickt allein oder zu zweit losgeschickt, an der Flanke abgesichert, konnten die Piratenschiffe nun ihre Rammen und Scherbl�tter gegen die eingeschlossenen, hilflosen, unterlegenen Schiffe einsetzen. Aber es war schon ziemlich sp�t. Zweifellos w�rde man den Angriff auf den n�chsten Tag verschieben, damit sich im Schutz der Dunkelheit nicht etwa �berlebende davonmachen konnten.</p><p>Langsam kehrte ich zur Koje zur�ck und nahm dem M�dchen die Augenbinde ab.</p><p>Angstvoll blickte sie zu mir auf und kauerte sich tief in die Koje. Sie war die Frau Reginalds gewesen, eines Kapit�ns der Piratenflotte.</p><p>�Bitte, Herr!� flehte sie. �Tu mir nichts!�</p><p>Wie wundersch�n sie aussah in ihrem schimmernden, knappsitzenden Sklavenkragen, dessen eigentliche Sch�nheit in der Tiefe seiner Bedeutung lag, in dem Besitzverh�ltnis der Frau, die ihn trug.</p><p>�Ein h�bscher Happen bist du�, sagte ich nachdenklich. �Kein Wunder, da� Reginald dich in Bereitschaft hielt.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Warum ist Artemidorus, der Erste Offizier, nicht in die Kabine gekommen und hat sich direkt �berzeugt, da� du deinen Herrn angemessen erwartest?�</p><p>�Au�er meinem Herrn Reginald darf mich niemand ber�hren�, sagte sie stolz. �Oh!� rief sie dann. �Oh!�</p><p>�Hast du so schnell vergessen, wem du jetzt geh�rst?�</p><p>�Dir, Herr, dir! Oh!�</p><p>�Anscheinend bist du immer noch bereit, du kleine K�stlichkeit!�</p><p>Mit flackerndem Blick starrte sie mich an. �Deine Hand, was tut sie mir an!� Und hilflos hob sie mir ihren K�rper entgegen. �Sei gn�dig!� flehte sie.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><empty-line/><p>Die Kerze auf dem Tisch war niedergebrannt. Drau�en war es dunkel geworden.</p><p>�Bitte, Herr, noch einmal!� flehte sie.</p><p>�Du bist ein liebeshungriges, leidenschaftliches Ding�, sagte ich.</p><p>�Ich kann nicht anders�, antwortete sie. �Ich bin Sklavin.�</p><p>Ich l�chelte vor mich hin. Die Sklaverei erweckt in jeder Frau ihr ureigenstes Wesen.</p><p>Sanft beugte ich mich in der Koje zum wiederholten Mal �ber sie. Mein Messer steckte oberhalb des Bettes tief im Holz; im Notfall konnte ich schnell danach greifen.</p><empty-line/><p>�Bin ich nicht genauso begierig und leidenschaftlich wie die Sklavendirnen von der Erde?� fragte sie.</p><p>Ich hie� sie vor dem Bett aufstehen und band ihr die H�nde auf dem R�cken zusammen. �Es gibt noch Hoffnung f�r dich�, sagte ich.</p><p>�Bah!� rief sie. �Eine Goreanerin ist tausendmal leidenschaftlicher als eine Erdendirne.�</p><p>�M�glich�, sagte ich l�chelnd. �Geh zum Fenster. Es ist sp�t geworden.�</p><p>Durch die dunkle Kabine ging sie vorsichtig zwischen den Scherben hindurch zum Fenster. Ich band der Sklavin die Augenbinde wieder um den Kopf und hielt ein St�ck Seidenstoff als Knebel bereit.</p><p>�Willst du mich mitnehmen?� fragte sie.</p><p>�Ja�, antwortete ich. Ich sagte mir, da� ich einen Abnehmer f�r sie finden k�nnte. Vielleicht Aemilianus.</p><p>�Oh!� sagte ich pl�tzlich. Auf dem Niedergang vor der T�r waren Schritte zu h�ren.</p><p>�Das ist Reginald�, sagte sie und hob den Kopf. Ich zweifelte nicht an ihren Worten. Sklavinnen kennen oft den Schritt ihres Herrn.</p><p>�Reginald�, fl�sterte sie ver�ngstigt. Ihre Unterlippe zitterte. Der Mann war vor der Kabinent�r stehengeblieben. Schwungvoll wurde ein schwerer Schl�ssel ins T�rschlo� geschoben. Es war sp�t. Reginald war gekommen, um sich mit seiner Sklavin zu vergn�gen.</p><p>Ich h�rte, wie das Vorh�ngeschlo� an seiner Kette zur Seite fiel. �Flieh!� fl�sterte mir das M�dchen zu und drehte den Kopf herum. Ihre schmalen Handgelenke wanden sich nutzlos in den Fesseln.</p><p>Die T�r wurde nach innen geschoben, fand dann aber am Sperriegel ihren Halt. Stille trat ein.</p><p>Ich ergriff das Zugseil, das am Brett mit dem P�ckchen befestigt war, zog es durch den Sklavenkragen des M�dchens und verkn�pfte die Schnur.</p><p>�Was tust du?� wollte sie wissen.</p><p>�Ist diese T�r verschlossen?� fragte Reginald aufgebracht von der anderen Seite. Ich l�chelte. Nat�rlich war sie verriegelt.</p><p>�Mach die T�r auf!� br�llte Reginald und h�mmerte mit der Faust gegen das dicke Holz.</p><p>Das M�dchen �chzte. Als sie sich bewegte, prallte ihr das an der Zugleine h�ngende Brett gegen das Bein.</p><p>�T�r aufmachen!� wiederholte Reginald zornig.</p><p>�Kannst du schwimmen?� fragte ich.</p><p>�Nein�, antwortete sie. �Au�erdem bin ich gefesselt.�</p><p>�Mach die T�r auf!� befahl Reginald und br�llte. �Artemidorus! Surtus!�</p><p>Ich packte das M�dchen an einem Oberarm und schob sie auf das Fenster zu. Beim Hinausblicken machte ich in der N�he keine kleinen Boote aus.</p><p>�O nein!� st�hnte das M�dchen. �Bitte nein!�</p><p>Weitere M�nner gesellten sich vor der T�r zu Reginald.</p><p>Ich zog den Knebel aus meinem G�rtel und stopfte ihn ihr in den Mund. Dann warf ich das Holzbrett mitsamt dem Paket aus dem offenen Kabinenfenster; die Schnur straffte sich, bis die Last an ihrem Halskragen hing.</p><p>�Luta! Luta!� rief Reginald. �Bist du da?�</p><p>�Hier ist niemand, der Luta hei�t!� gab ich fr�hlich zur�ck. �Sie tr�gt jetzt einen Namen, den ich f�r sie ausgesucht habe: Shirley!�</p><p>�Wer bist du? Wer redet da?� wollte Reginald wissen.</p><p>�Ich nehme deine Sklavin mit, die recht ordentlich ist�, sagte ich. �Au�erdem noch etwas anderes, das ich ganz interessant fand.�</p><p>�Wer ist da? Wer ist da?� rief Reginald.</p><p>�Jason�, antwortete ich. �Jason aus Victoria.� Ich stieg auf das Sims des zerst�rten Fensters, zog das M�dchen zu mir heran und sprang ins Wasser. Im gleichen Moment h�rte ich, wie sich M�nner mit den Schultern gegen die verriegelte T�r zu werfen begannen.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>�Wer da?� rief eine M�nnerstimme vom Deck der <emphasis>Tina</emphasis>. �Sprich, oder es wird geschossen!�</p><p>�Jason!� rief ich aus dem kalten, dunklen Wasser. �Jason aus Victoria. Helft mir an Bord!�</p><p>�Es ist Jason�, sagte Callimachus� Stimme, die ich sofort erkannte. �Holt ihn an Bord!�</p><p>Ich zerrte das M�dchen am Haar hinter mir her; sie schwamm auf dem R�cken. An ihrem Kragen war der Balken mit dem Paket befestigt, der im Wasser mitgezogen wurde.</p><p>H�nde streckten sich mir entgegen. Zwei M�nner klammerten sich an die Ruderpforten und beugten sich weit hinaus. �Was haben wir denn da?� fragte einer.</p><p>�Eine Sklavin�, antwortete ich. �Und etwas anderes, das sehr wertvoll ist.�</p><p>Das M�dchen wurde an den gefesselten Armen an Bord gezerrt, wobei Brett und Paket an die Bordwand schlugen.</p><p>Ich stieg hinter ihr hinauf. Kurze Zeit sp�ter stand ich erschauernd auf dem Deck der <emphasis>Tina</emphasis>.</p><p>Callimachus umfa�te meine Arme. �Wir glaubten dich schon verloren�, sagte er.</p><p>�Wir m�ssen den R�ckzug vorbereiten�, sagte ich. �Den Angriff morgen fr�h �berstehen wir nicht mehr.�</p><p>�Wir haben auf dich gewartet�, sagte Callimachus.</p><p>Ich b�ckte mich neben dem M�dchen und l�ste Brett und Paket von ihrem Kragen. �Bring dies in die Kabine des Kapit�ns!� befahl ich einem der Umstehenden.</p><p>�Jawohl, Jason�, sagte er.</p><p>�Was ist das?� wollte Callimachus wissen.</p><p>�Das werde ich dir sp�ter erkl�ren.�</p><p>�An Deck der <emphasis>Tamira</emphasis> scheint Verwirrung zu herrschen; Lichter bewegen sich hin und her�, meldete ein Seemann, und wir schauten zu dem etwa dreihundert Meter entfernten Schiff hin�ber.</p><p>Ich l�chelte. Ich nahm nicht an, da� es Reginald eilig hatte, den Verlust seinem Flottenchef anzuzeigen.</p><p>�Was haben wir denn hier?� fragte ein Mann, hob die Laterne und deutete auf das M�dchen, das neben uns an Deck kniete.</p><p>Ich zog ihr die Augenbinde vom Kopf.</p><p>�Ein h�bsches Ding�, sagte der Mann.</p><p>�Ja�, antwortete ein zweiter.</p><p>Erschrocken sah sich das M�dchen um, den Feinden ihres fr�heren Herrn hilflos ausgeliefert.</p><p>�Die <emphasis>Tamira</emphasis> wendet�, meldete ein Mann. �Ich glaube, sie will angreifen.�</p><p>�Man scheint begierig zu sein, deine Beute zur�ckzuholen�, sagte Callimachus.</p><p>Erstaunt hob das M�dchen den Kopf.</p><p>�Nicht du, h�bsche Sklavin!� sagte ich zu ihr. �Er meint das P�ckchen, das allein von Wert ist.�</p><p>Zornig blickte sie mich an.</p><p>�Fesselt sie und bringt sie unter Deck�, befahl ich einem Mann.</p><p>�Ruderer auf die B�nke!� befahl Callimachus. �Alle Mann auf Posten!�</p><p>�Der Kapit�n der <emphasis>Tamira</emphasis> mu� den Verstand verloren habe, gegen drei Schiffe vorzur�cken�, bemerkte ein Offizier.</p><p>�Er ist verzweifelt�, antwortete ein Mann.</p><p>�Reginald ist vielleicht bereit, sein Schiff zu verlieren�, sagte ich. �Dann lie�e sich n�mlich der Verlust der Papiere verschleiern, auf diese Weise erscheint es unvermeidlich, als eine Folge des Kampfes.�</p><p>�Sicher hat er keinen Befehl erhalten, die Formation zu verlassen�, sagte Callimachus.</p><p>�Nein�, antwortete ich grinsend. Im gleichen Moment wurde mir ein Mantel um die Schultern gelegt, der die K�lte des Wassers vertreiben sollte.</p><p>�Kein Zweifel�, sagte ein Offizier. �Die <emphasis>Tamira</emphasis> will angreifen.�</p><p>�Meine Hoffnungen erf�llen sich�, sagte ich zu Callimachus. �Mit diesem Man�ver rei�t sie eine L�cke in die eigenen Reihen.� Ich hatte nicht erwartet, da� Reginald den Verlust so schnell bemerken w�rde. Ich hatte gehofft, mehr Zeit zu haben, mein Vorhaben mit Callimachus abzustimmen.</p><p>�Ich lasse Hornsignale geben�, sagte ein Offizier.</p><p>�Nein, nein!� widersprach ich.</p><p>�Keine Signale!� wandte sich Callimachus an den Offizier. �Es ist noch nicht angebracht, die Piraten zu alarmieren und in Verwirrung zu st�rzen.�</p><p>�Genau�, sagte ich. Da wir in unmittelbarer N�he der <emphasis>Olivia</emphasis> und der <emphasis>Tais</emphasis> lagen, lie�en sich Befehle auch auf kurzem Wege �bermitteln.</p><p>�Willst du die �ffnung in der gegnerischen Formation ausnutzen?� fragte Callimachus. �Sie wird nicht lange bestehen. Man wird sich schnell auf das Man�ver der <emphasis>Tamira</emphasis> einstellen.�</p><p>�Nicht direkt�, sagte ich. �Das w�re als Kaissa-Taktik zu durchsichtig, wie man sagt. Allerdings wird der Gegner erwarten, da� wir auf die L�cke zuhalten.�</p><p>�Dementsprechend wird er die Deckung verlagern, um diese Entwicklung abzusichern�, meinte Callimachus.</p><p>�Was zahlreiche Verlegungen von Schiffen zur Folge hat � und vielleicht Verwirrung stiftet�, erg�nzte ich.</p><p>�Wom�glich ger�t die ganze Armada durcheinander�, sagte Callimachus, �und �ffnet sich an einem Dutzend Stellen.�</p><p>�Man wird nicht begreifen, warum die <emphasis>Tamira</emphasis> ihre Position verlassen hat�, fuhr ich fort. �So m�gen viele Schiffe annehmen, da� der Angriff auf einem Befehl beruht.�</p><p>�Die <emphasis>Tamira</emphasis> n�hert sich�, meldete ein Offizier. �Gehen wir auf den Kampf ein?�</p><p>�Nein!� rief Callimachus. �Ruderg�nger, hart Steuerbord! Rudermeister! Volles Tempo!�</p><p>�Volles Tempo!� br�llte der Rudermeister sofort.</p><p>�Backbordruder einziehen!� befahl Callimachus.</p><p>�Backbordruder einziehen!� kam sofort das Echo.</p><p>Die <emphasis>Tamira</emphasis>, deren Backbord-Scherblatt wie eine st�hlerne Mondsichel an unserer Backbordseite entlangglitt, schwang an uns vorbei, zwischen uns und der <emphasis>Olivia</emphasis>.</p><p>�Auf anderen Piratenschiffen werden Lichter gesetzt!� rief ein Offizier. Hier und dort sahen wir Laternen �ber dem Wasser. H�rner bliesen zum Kampf.</p><p>�Geh l�ngsseits zur <emphasis>Olivia</emphasis>, Callimachus!� bat ich. �Es m�ssen schleunigst Befehle gegeben und ohne Z�gern ausgef�hrt werden.�</p><p>�Gedenkst du zu fliehen?� fragte Callimachus.</p><p>�Ich gedenke nicht zu fliehen, sondern zu siegen�, antwortete ich.</p><empty-line/><p>�ber das Wasser gellte Jubelgeschrei, als h�tten Piraten einen Sieg errungen.</p><p>Immer wieder glitt ich mit den F��en auf der Sandbank aus, doch unerm�dlich stemmte ich die Schulter gegen den Schiffsrumpf der <emphasis>Tuka</emphasis>, die bei dem ersten gro�en Angriff gegen uns vor drei Tagen den Formationskeil angef�hrt hatte. Das Schiff war gerammt und besch�digt in der N�he der Kette auf eine Sandbank gelaufen und von seiner Besatzung verlassen worden. Es war ein sehr bekanntes Schiff Ragnar Voskjards. Neben mir bem�hten sich andere M�nner mit den Schultern oder mit Rudern als Hebeln, den tief in den Sand gesunkenen Schiffsrumpf in Bewegung zu bringen. Zu beiden Seiten der Sandbank hatten die <emphasis>Tina</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis> den Havaristen mit dicken Trossen in Schlepp genommen und zerrten, was das Zeug hielt.</p><p>Das Gebr�ll war deutlich �ber das Wasser zu h�ren. Im Osten machte sich r�tlicher Feuerschein bemerkbar.</p><p>�Sie werden bald merken, da� wir sie hereingelegt haben�, sagte ein Mann in meiner N�he.</p><p>�Dann gib dir noch mehr M�he�, riet ich ihm.</p><p>In der allgemeinen n�chtlichen Verwirrung hatten wir die <emphasis>Olivia</emphasis> in Brand gesteckt und lie�en sie nun mit gesetzten Segeln und festgebundenen Rudern nach Osten gleiten, die wahrscheinliche Fluchtroute zu St�dten wie Port Cos, Tafa und Victoria. Wie meine majest�tische Fackel w�rde sie mitten unter die Feinde segeln. Im Schutze dieser Ablenkung hatten sich die <emphasis>Tina</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis>, die Aemilianus und die Besatzung der <emphasis>Olivia</emphasis> an Bord genommen hatten, mit Hilfe von eroberten Voskjard-Wimpeln und Fahnen getarnt und die anderen Schiffe wie Haie an sich vorbeigleiten lassen, hinter der leuchtenden <emphasis>Olivia</emphasis> her, deren Flammen sie f�r den Schauplatz des Kampfes hielten. Es konnte nat�rlich nicht lange dauern, wenn es nicht schon geschehen war, bis die Piraten entdeckten, da� sich niemand an Bord der <emphasis>Olivia</emphasis> befand.</p><p>�Strengt euch noch mehr an!� rief ich.</p><p>�chzend stemmten wir uns gegen die gestrandete <emphasis>Tuka</emphasis>. Die dicken Taue knackten. Dicht neben mir brach ein Ruder unter dem Gewicht von vier M�nnern, die es als Hebel benutzten. Andere M�nner schaufelten mit Speerspitzen den Sand unter dem Kiel fort.</p><p>�Ich f�rchte, wir haben nicht mehr viel Zeit!� rief Callimachus von der Reling der <emphasis>Tina</emphasis>.</p><p>�Hoffnungslos!� sagte ein Mann hinter mir.</p><p>Der m�chtige Rumpf der <emphasis>Tuka</emphasis>, so d�ster, so schwer, so widerspenstig, so offenbar an diesem Ort festliegend, bewegte sich pl�tzlich ein wenig, m�hselig, mit einem durchdringenden scharrenden Knirschen, wobei der Kiel wie die Kufe eines riesigen Schlittens wirkte und im Sand eine tiefe Furche hinterlie�. Das Schiff rutschte ganze sechs Zoll r�ckw�rts.</p><p>�Strengt euch an!� fl�sterte ich. �Schiebt!�</p><p>Nun glitt die <emphasis>Tuka</emphasis> einen Fu� weiter. Dann noch einen Fu�. Die M�nner begannen zu jubeln. �Still!� rief ich.</p><p>Ich verlie� meinen Platz und hastete, bis zu den Kn�cheln in Sand und Wasser, den Kopf unter den Trossen hinwegduckend, die zur <emphasis>Tina</emphasis> und <emphasis>Tuka</emphasis> f�hrten, an der Bordwand entlang, bis ich den Flu� erreichte. Dort lie� ich mich ins Wasser gleiten, schwamm um das Heck herum und schlo� mich den M�nnern auf der anderen Seite der Sandbank an, wo vor drei Tagen die Ramme der <emphasis>Tais</emphasis> ein riesiges Loch in die Plankenwand gerissen hatte. Das ungleichm��ige Loch war gut einen Meter breit und hoch. Die Besch�digung lag ein St�ck oberhalb der Wasserlinie, auch wenn das Schiff aufrecht fuhr. Beim Hin und Her des Kampfes jedoch hatte der Schiffsrumpf gen�gend Wasser aufgenommen, um ihm Schlagseite zu geben. Die <emphasis>Tuka</emphasis> war schlie�lich von ihren M�nnern und dem Kapit�n als kampfunf�hig aufgegeben worden, zweifellos mit der Absicht, sp�ter zur�ckzukehren und das Schiff zu reparieren. Ich schaute in das Leck in der Bordwand. Wieder glitt die <emphasis>Tuka</emphasis> einen Meter weiter. Bald w�rde sie von der Sandbank herunter sein. Ich machte mir Gedanken, was man an Zeit und Material ben�tigte, um das Schiff wieder seet�chtig zu machen. Solche Reparaturen mu�ten nat�rlich auf dem Flu� und w�hrend der Flucht gemacht werden. Da die <emphasis>Tuka</emphasis> f�r meine Pl�ne wichtig war, wollte ich sie nicht lassen, wie sie war. Wie gesagt, sie war als Schiff Ragnar Voskjards bestens bekannt.</p><p>�Ein Schiff n�hert sich!� ert�nte eine laute M�nnerstimme.</p><p>�Nein!� rief ich �rgerlich. �Nein!�</p><p>�Es ist ein Wrack�, sagte ein anderer Mann. �Kein Licht an Bord. Die Ruder h�ngen nur im Wasser!�</p><p>Es handelte sich also um ein unbemanntes Schiff, das von der Str�mung vom Kriegsschauplatz fortgetrieben wurde. Selbst wenn es sich um eine Finte handelte, hatten wir es hier nur mit einem Angreifer zu tun. Wir hatten zwar nur zwei Schiffe und die <emphasis>Tuka</emphasis> zur Verf�gung, doch mit den Soldaten aus Ar verf�gten wir �ber gen�gend Leute, um mindestens f�nf Schiffe zu bemannen.</p><p>Die <emphasis>Tuka</emphasis> gab dem Zug der Trossen um einen weiteren Meter nach. Mich mit beiden H�nden abst�tzend, schob ich mich durch das Leck ins Innere der <emphasis>Tuka</emphasis>. Dort zog ich sofort mein Schwert. Nach der Eroberung waren kurz die K�mpfer der <emphasis>Tais</emphasis> an Bord gewesen. Damals war schon keine Mannschaft mehr an Bord. Ich bezweifelte nicht, da� das Schiff leer war. Aber ich wu�te es nicht genau. Mein Schwert war blank gezogen. Die <emphasis>Tuka</emphasis> ist eine gro�e Galeere, und ich vermochte im ersten Laderaum aufrecht zu stehen. Ich sp�rte, wie sich der Schiffsk�rper, von Seilen und M�nnern gedr�ngt, erneut unter mir zum Flu� hin bewegte. Es war dunkel im Laderaum. Etwa sechs Zoll hoch umsp�lte mir das Wasser die F��e und lief durch das Leck ab. Ich sp�rte das nasse Holz unter den nackten F��en. Unter dem ersten Laderaum liegt der Kielraum, kaum mehr als ein feuchter Kriechgang, der das Bilgewasser und den auf goreanischen Schiffen normalerweise als Ballast dienenden Sand enthielt. Ich entfernte mich von dem Leck. Ich war unruhig.</p><p>Ich lauschte. Es war dunkel im Laderaum. Zu h�ren war nichts. Ich mu�te mich get�uscht haben.</p><p>Ich stand absolut still. Unruhe erf�llte mich.</p><p>Pl�tzlich st�rzte sich aus der Dunkelheit eine Gestalt auf mich. Ich trat zur Seite. Stahl zuckte herab. Ich h�rte die Klinge links vor mir ins Holz krachen, w�hrend ich noch herumfuhr und meinerseits nach dem Angreifer hieb. Dann kniete ich neben dem Mann nieder, dem ich eine t�dliche Nacken wunde beigebracht hatte.</p><p>Ich stand auf. Stumm verharrte ich in der Schw�rze, das Schwert kampfbereit erhoben.</p><p>Im n�chsten Moment sp�rte ich weiche Lippen an meinen F��en. �Bitte t�te mich nicht, Herr!� flehte eine Frau.</p><p>Ich senkte das Schwert, bis die Spitze auf ihren R�cken gerichtet war.</p><p>Mit den H�nden umfa�te ich ihre schlanken Handgelenke und zog sie in eine kniende Position hoch. So ertastete ich, da� sie nackt war und einen Sklavenkragen trug.</p><p>�Wer hat mich da eben angegriffen?� fragte ich.</p><p>�Alfred�, antwortete sie, �ein Gefolgsmann Alcibrons, des Kapit�ns der <emphasis>Tuka</emphasis>.�</p><p>�Was hatte er hier zu suchen?�</p><p>�Er wurde zur�ckgelassen, um alle Nichtpiraten zu t�ten, die hier im Schiff Unterschlupf suchen wollten�, sagte sie. �Er t�tete f�nf�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Und was machtest du hier?�</p><p>�Ich wurde bei ihm gelassen, um ihn zu erfreuen�, antwortete sie, �damit er an seinen Pflichten mehr Spa� hatte.�</p><p>�Bist du sch�n?� fragte ich.</p><p>�Es gibt M�nner, die mich nicht unangenehm gefunden haben�, sagte sie.</p><p>�Wer ist dein Herr?� wollte ich wissen.</p><p>�Alcibron, der Kapit�n der <emphasis>Tuka</emphasis>, war mein Herr�, sagte sie. �Aber jetzt bist du mein Herr.�</p><p>�Deine Stimme klingt vertraut. Kenne ich dich?�</p><p>�Ich komme urspr�nglich aus Port Cos�, sagte sie, �und war frei geboren. Aber schon fr�h erkannte ich in meinem Herzen, da� ich Sklavin bin. Ich floh aus Port Cos, um einer unerw�nschten Gef�hrtenschaft zu entgehen. Der Mann, der mich begehrte, respektierte mich zu sehr, und obwohl ich ihn auch sehr liebte, wu�te ich, da� er meine Sklavinnenbed�rfnisse nicht w�rde erf�llen k�nnen. Er wollte mich als seine Gef�hrtin, w�hrend ich nur seine Sklavin zu sein w�nschte. Er wollte mich in Schleier und Seidenstoffe h�llen und mir dienen. Ich wollte mehr.</p><p>Ich gestand ihm mein Verlangen, und er war schockiert, was mich meinerseits besch�mte und best�rzte. In gro�em Zorn gingen wir auseinander.</p><p>Ich fa�te daraufhin den Entschlu�, ohne M�nner auszukommen. Sie sollten leiden, weil sie mich als Frau ablehnten. Wenn sie mich nicht verstehen wollten oder konnten, wollte ich mich r�chen und ihnen das Leben schwermachen.</p><p>Wie gesagt, ich verlie� Port Cos und dachte damals, es ginge mir darum, mein Gl�ck zu machen. Doch die Wahrheit, das verstehe ich jetzt, w�nschte ich mir die Versklavung. Und dazu sollte es schnell kommen. Im Anfang versuchte ich meinem Vorsatz treu zu bleiben und die Rebellin zu spielen; mir wurde aber schnell klargemacht, da� das unpraktisch war, da� ich als Sklavin zu gehorchen hatte. Die Goreaner lassen ihren Frauen in dieser Beziehung wenig Spielraum. Es gefiel mir zutiefst, da� ich gar keine andere Wahl hatte, da� meine Sklaverei, wie Brandzeichen und Kragen, mir aufgezwungen wurde. Ich mu�te sein, was ich im tiefsten Herzen war. So habe ich nun schon viele Herren gehabt, gute und schlechte. Die l�ngste Zeit bei einem Herrn verbrachte ich in Vonda, im Haus des Sklavenh�ndlers Andronicus.�</p><p>�Dann wei� ich, wer du bist�, sagte ich.</p><p>�Herr?� fragte sie. �Oh! Deine H�nde pressen kr�ftig zu!�</p><p>�Unter welchem Namen warst du allgemein bekannt, Sklavin?� fragte ich.</p><p>�Lola, Herr!� antwortete sie erschrocken. �Lola!�</p><p>Ich lie� ihre H�nde los und steckte das Schwert ein. �Du kannst mir deinen Gehorsam erweisen, Lola�, sagte ich.</p><p>Sie gehorchte.</p><p>�Wei�t du, wer ich bin?�</p><p>�Mein Herr, mein Herr!� sagte sie.</p><p>�Steh auf, M�dchen! Ich bin Jason aus Victoria.�</p><p>�Herr!� rief sie, und Tr�nen liefen ihr �ber das Gesicht. Schluchzend umfa�te sie meine Arme und pre�te sich an mich. Ich legte ihr die Arme um die Schultern, erlaubte mir diese Geste der Z�rtlichkeit, obwohl sie nur eine gebrandmarkte Sklavin war. �Sie verkaufte mich!� schluchzte sie. �Sie verkaufte mich! Sie brachte mich zum Hafen, w�hrend du bei der Arbeit warst! Sie verkaufte mich!�</p><p>�Dazu hatte sie kein Recht�, stellte ich fest.</p><p>Schluchzend schmiegte sich das M�dchen an mich. Ich sp�rte ihre Tr�nen auf meiner Brust. �Ich wurde an einen Kaufmann aus Tetrapoli verkauft�, sagte sie. �In Tetrapoli verkaufte man mich an einen Zwischenh�ndler weiter, der im Auftrag Alcibrons unterwegs war, eines der Oberkapit�ne Ragnar Voskjards.�</p><p>�Und der holte dich zu seinem Vergn�gen an Bord der <emphasis>Tuka</emphasis>.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Ich ergriff ihren Arm und hielt sie von mir fort. �Ich habe im Moment wenig Zeit f�r dich�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie. �Oh!� rief sie, als ich sie r�cklings auf die Planken des Laderaums dr�ckte. Schnell ergriff ich von ihr Besitz, denn ich hatte es eilig. Erschaudernd klammerte sie sich an mich. Die <emphasis>Tuka</emphasis> war inzwischen von der Sandbank losgekommen. Auf dem Deck �ber unseren K�pfen h�rte ich Schritte. M�nner nahmen ihre Positionen auf den Ruderb�nken ein. Die Trossen, mit denen die <emphasis>Tina</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis> die <emphasis>Tuka</emphasis> geschleppt hatten, wurden losgeworfen. Aemilianus gab Befehle.</p><p>�Auf!� befahl ich. �Wir m�ssen zur <emphasis>Tina</emphasis> hin�berschwimmen.�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und erhob sich �chzend.</p><p>Ich trat an das Leck in der Bordwand. Von dort vermochte ich die <emphasis>Tais</emphasis> und die dahinterliegende Flu�kette zu sehen.</p><p>Die Leiche des Mannes, der mich in der Dunkelheit des Laderaums angegriffen hatte, warf ich ins Wasser.</p><p>�Kannst du schwimmen?� fragte ich das M�dchen, das mir gefolgt war.</p><p>�Nein.�</p><p>Ich ergriff sie, duckte mich und zog sie mit mir ins Wasser. �Dreh dich um�, sagte ich, �und entspann dich!�</p><p>�Ja, Herr!� sagte sie erschrocken.</p><p>Das M�dchen an den Haaren ziehend, schwamm ich langsam um den Bug der <emphasis>Tuka</emphasis> herum und n�herte mich der Bordwand der <emphasis>Tina</emphasis>. Gleich darauf zogen uns hilfreiche Seeleute an Bord.</p><p>�Willkommen, Jason!� sagte Callimachus grinsend. �W�hrend wir schwer geschuftet haben, scheinst du anderem Gl�ck gefolgt zu sein.�</p><p>�Ich habe meinen Teil der Arbeit getan�, erwiderte ich lachend. �Das M�dchen lief mir eher zuf�llig �ber den Weg.�</p><p>Wir betrachteten das nasse, zitternde M�dchen, das eine vorz�gliche Figur zur Schau stellte.</p><p>�Nett ist sie�, stellte Callimachus fest.</p><p>�Ja, ein h�bsches Ding�, r�umte ich ein. L�chelnd senkte das M�dchen den Kopf.</p><p>Ich lie� einen Mantel holen und das M�dchen unter Deck f�hren.</p><p>�Wir m�ssen bald aufbrechen�, sagte Callimachus.</p><p>�Ich suche mir einen Platz an den Rudern�, erwiderte ich.</p><p>�Herr�, meldete einer der Offiziere in diesem Augenblick, �auf dem Schiff an Steuerbord regt sich etwas.�</p><p>�Dann ist es also doch nicht verlassen�, sagte Callimachus. �Hatte ich�s mir doch gleich gedacht.�</p><p>Mir fiel das Schiff ein, von dem kurz vor meinem Betreten der <emphasis>Tuka</emphasis> die Rede gewesen war � angeblich verlassen flu�abw�rts treibend, fort von dem Durcheinander des Kampfes, erleuchtet von der <emphasis>Olivia</emphasis>, die wir zur Ablenkung in Brand gesteckt hatten.</p><p>Callimachus, der Offizier und ich gingen zur Steuerbordreling der <emphasis>Tina</emphasis>.</p><p>Dr�ben glitten Ruder au�enbords. Das Schiff war nicht verlassen.</p><p>�Sie will doch nicht etwa drei Schiffe angreifen?� rief der Offizier.</p><p>�Warum ist sie nicht schon viel fr�her zur Tat geschritten?� wollte jemand wissen.</p><p>�Sicher hat sie auf die Unterst�tzung anderer Schiffe gewartet�, sagte ich.</p><p>�Warum sollte sie dann ausgerechnet jetzt losschlagen wollen?� fragte jemand. �Es sind keine anderen Schiffe in der N�he.�</p><p>�Man hat dort dr�ben mitbekommen, da� die <emphasis>Tuka</emphasis> von der Sandbank herunter ist�, antwortete Callimachus. �Wenn man �berhaupt angreifen will, dann jetzt.�</p><p>�Aber wir sind zu dritt!� sagte jemand.</p><p>�Zu zweit, wenn man die <emphasis>Tuka</emphasis> nicht mitrechnet�, antwortete eine Stimme.</p><p>�Aber auch so sind wir eindeutig im Vorteil�, sagte der erste Mann. Bei einem Ruderkampf kann sich ein einzelnes Schiff kaum gegen zwei Angreifer verteidigen. Eine Bordwand w�re auf jeden Fall ungesch�tzt.</p><p>�Der Kapit�n dr�ben ist verzweifelt�, sagte ich.</p><p>�Du kennst das Schiff?� fragte Callimachus.</p><p>�Es war das erste Schiff, das die Formation verlie�, das erste Schiff, das gegen uns losschlug�, sagte ich. �Trotz des Durcheinanders, trotz der zahlreichen Man�ver und unserer Ablenkung, trotz der Voskjard-Wimpel, die wir aufgezogen haben, ist die Galeere bei uns geblieben. Sie ist uns unauff�llig gefolgt.�</p><p>�Ah�, seufzte Callimachus.</p><p>�Ja�, sagte ich, �es ist die <emphasis>Tamira</emphasis>.�</p><p>�Sie f�hrt an!� rief der Offizier.</p><p>�Ebenso aber die <emphasis>Tais</emphasis>!� gellte eine Stimme. Ich blickte zur Seite. Die <emphasis>Tais</emphasis>, dunkel angestrichen, tief im Wasser liegend, schnittig und vom Kampf gezeichnet, eines der gef�hrlichsten Kampfschiffe aus der Flotte von Port Cos, fuhr unter dem Kommando von Calliodorus um das Heck der <emphasis>Tuka</emphasis> herum und am Bug der <emphasis>Tina</emphasis> vorbei. Sie hatte die <emphasis>Tamira</emphasis> ebenfalls gesichtet.</p><p>�Sie darf nicht versenkt werden!� rief ich. �Gib ein Signal an Calliodorus!�</p><p>�Nein�, antwortete Callimachus ernst. �Die H�rner w�rden unsere Position verraten.�</p><p>Ich beobachtete das Vorr�cken der <emphasis>Tamira</emphasis>. Sie war ein bewaffnetes Handelsschiff.</p><p>�Der Kapit�n mu� den Verstand verloren haben�, sagte jemand.</p><p>�Er f�hrt sein Schiff in den Untergang�, antwortete ein Mann.</p><p>Ich wu�te nicht einmal, ob Reginald, der die <emphasis>Tamira</emphasis> f�hrte, die <emphasis>Tais</emphasis> �berhaupt bemerkt hatte.</p><p>�Sie darf nicht versenkt werden!� rief ich. �Allenfalls k�nnen wir sie entern.�</p><p>Holz splitterte, �chzte, dr�hnte. Geschrei t�nte auf.</p><p>�Zu sp�t�, sagte Callimachus.</p><p>�Blut f�r Port Cos�, sagte ein Mann.</p><p>�Auf die <emphasis>Tamira</emphasis>!� flehte ich Callimachus an. �Bitte, Callimachus!�</p><p>�Dazu ist keine Zeit�, antwortete er.</p><p>�Andere Schiffe werden nach uns suchen�, sagte ein Offizier.</p><p>�Wir m�ssen verschwinden!� empfahl Callimachus.</p><p>Ich warf G�rtel und Schwert ab und st�rzte mich von der Reling der <emphasis>Tina</emphasis> ins Wasser. �Komm zur�ck!� rief Callimachus.</p><p>Gleich darauf war ich an der Bordwand der <emphasis>Tamira</emphasis>. Der dunkle Schiffsrumpf rollte in meine Richtung und dr�ckte mich unter Wasser. Ich ertastete den Kiel mit beiden H�nden, stie� mich ab und kehrte an die Wasseroberfl�che zur�ck. Dabei geriet ich mit dem Arm gegen ein ins Wasser h�ngendes unbemanntes Ruder. Ringsum schwammen andere M�nner. In der Nacht machte ich eine dunkle Masse aus, die einige Meter entfernt war, die <emphasis>Tais</emphasis>. Ich schob einen Mann fort, der sich im Wasser an mich klammern wollte. Meine Hand stie� gegen ein Wrackteil.</p><p>�Sie kommt noch einmal!� h�rte ich einen Mann aufschreien.</p><p>Ich machte kehrt im Wasser. Der dunkle Umri� der <emphasis>Tais</emphasis> schien mich �berfahren zu wollen. Ich wich zur Seite aus. Unter Wasser f�hlte ich mich von der Bugwelle des Schiffes empor und zur Seite gehoben, und im gleichen Moment erklang das Dr�hnen des zweiten Aufpralls. Einen Augenblick lang konnte ich keinen zusammenh�ngenden Gedanken fassen. Die Welt bestand aus Dr�hnen, Bewegung und Schmerz. Und wieder kam mein Kopf �ber Wasser, und ich vermochte zu atmen. Ich befand mich an der Bordwand der <emphasis>Tais</emphasis>. �berall waren M�nner im Wasser und schrien durcheinander. Ich streckte die Hand aus. Ich sp�rte das Steuerbord-Scherblatt der <emphasis>Tais</emphasis>. Im gleichen Moment bewegte sich die Klinge zur�ck, und die <emphasis>Tais</emphasis> l�ste sich mit r�ckw�rts wirbelnden Rudern �chzend und knackend aus dem Rumpf der angeschlagenen <emphasis>Tamira</emphasis>. Durch Holzst�cke und M�nner schwamm ich zu dem anderen Schiff hin�ber. Das Loch in der Wandung war etwa zwei Fu� hoch. Je nachdem, wie sich das Schiff bewegte, w�rde Wasser an mir vorbei in das Innere rauschen. Ich stieg in den Laderaum hinein. Hier war es dunkel. Eine im schwappenden Wasser schwimmende Kiste stie� mir gegen die Beine. Die <emphasis>Tamira</emphasis> erbebte, und Wasser bewegte sich nach achtern, w�hrend sich das Deck unter meinen F��en neigte. Drau�en sah ich den dunklen Umri� der <emphasis>Tais</emphasis> nach Backbord abfallen und sich langsam entfernen. Die <emphasis>Tais</emphasis> hatte ihr Werk vollbracht.</p><p>Pl�tzlich neigte sich das Schiff zum Heck. Ich glitt aus und rutschte nach achtern, ehe ich mich im Wasser fangen konnte. Durch das Leck in der Au�enwand konnte ich Sterne sehen; es lag ein St�ck entfernt am Ende eines steilen Hangs aus Decksplanken. Mich an der Wand festhaltend, zog ich mich auf die �ffnung zu. Ich legte die H�nde um den Rand und zerrte mich hindurch. Dann glitt ich hastig ins Wasser hinaus.</p><p>Als ich mich umdrehte, verschwand die <emphasis>Tamira</emphasis> bereits unter Wasser, das Heck voran. Ich k�mpfte gegen den Sog des sinkenden Schiffes. Nach einiger Zeit beruhigte sich das Wasser wieder.</p><p>�Hilfe!� br�llte eine Stimme. �Hilfe!�</p><p>Mein Herz machte einen Sprung. Ich schwamm auf die Rufe zu und erreichte zwei M�nner, die im Wasser zappelten.</p><p>�Ich kann ihn nicht halten!� rief eine Stimme.</p><p>�Ich helfe dir�, sagte ich.</p><p>Ich hob die Hand und packte den Eisenkragen, der um den Hals des Mannes lag. �H�r auf zu zappeln!� befahl ich. Die H�nde, die mit Eisen gefesselt und durch eine Kette mit dem Sklavenkragen verbunden waren, wirbelten im Wasser herum.</p><p>�Strample nicht, Herr!� flehte der andere.</p><p>�K�nnt ihr schwimmen?� fragte ich die beiden.</p><p>�Unsere F��e sind ebenfalls angekettet!� sagte der Mann, der zuvor gesprochen hatte.</p><p>�Halt deinen Gef�hrten fest�, sagte ich. �Ich st�tze dich.�</p><p>Dann zog ich die beiden durch das Wasser zu einem schwimmenden Holzst�ck. Den ersten Mann hievte ich hinaus. Der zweite m�hte sich, behindert von den Ketten, allein auf das notd�rftige Flo�.</p><p>�Ich hatte mir nicht vorgestellt, euch so wiederzusehen�, sagte ich. �Seltsam sind die Wege des Krieges.�</p><p>�Wir sind allein im Flu߫, sagte der erste Mann, den der zweite mit �Herr� angeredet hatte. �Es ist Nacht. Wir sind unter Feinden.�</p><p>�Nicht jeder ist ein Feind�, beruhigte ich ihn.</p><p>�Welche Hoffnung gibt es denn noch?�</p><p>�Du darfst hoffen�, sagte ich zuversichtlich.</p><p>Ein Boot n�herte sich, im Bug eine Laterne.</p><p>�Wir sind verloren�, sagte der erste Mann.</p><p>�Jason, bist du es?� fragte eine Stimme aus dem Bug des Bootes.</p><p>�Ja.�</p><p>�Komm an Bord!� sage Callimachus. �Wir haben nicht mehr viel Zeit. Wir m�ssen aufbrechen.�</p><p>Ich half den beiden Angeketteten beim Aufstehen, damit sie an Bord der <emphasis>Tina</emphasis> gehoben werden konnten.</p><p>�Wer sind deine Freunde?� fragte Callimachus.</p><p>�Krondar, der Kampfsklave�, antwortete ich, �und Miles aus Vonda.�</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Zum Zeichen unseres Sieges hatten wir Lola und Shirley an den Bug der <emphasis>Tuka</emphasis> und der <emphasis>Tina</emphasis> geh�ngt, die sich, langsam hintereinander fahrend, durch den Kanal der Festung des Policrates n�herten. Die <emphasis>Tais</emphasis>, von der wir f�rchteten, da� sie erkannt werden k�nnte, bildete die Nachhut.</p><p>�An deiner Stelle w�rde ich mich im Hintergrund halten�, sagte Callimachus.</p><p>Ich befolgte seinen Rat. Es w�re nicht gut gewesen, wenn man mich erkannt h�tte. Unter meiner Tunika hielt ich eine Maske aus purpurnem Stoff verborgen. Ich hatte sie in Victoria angefertigt, ehe ich nach Westen fuhr, um mich der <emphasis>Tina</emphasis> vor der Kette anzuschlie�en. Sie glich dem Gesichtsschutz jenes maskierten Mannes, der mir in Victoria den Topas hatte abnehmen wollen. Ich war davon �berzeugt, da� er der echte Kurier Ragnar Voskjards war. So hatte ich mir die Maske vorsichtshalber angefertigt; sie mochte mir unter gewissen Umst�nden gute Dienste leisten. Allerdings hatte ich sie noch nicht angelegt, denn ich wu�te nicht, ob man damit rechnete, da� der Kurier Voskjards Flotte begleitete.</p><p>Die Ruderer der <emphasis>Tuka</emphasis> hatten ein fr�hliches Lied angestimmt. Ihre Kleidung war bunt zusammengew�rfelt. S�mtliche Insignien waren abgerissen worden, Ordenzeichen hatte man von Helmen entfernt, Erkennungsmerkmale von konkaven Schildfl�chen. Sie sangen nicht etwa ein Lied aus Ar, sondern eine Flu�ballade, in der Raufbolde und Piraten vorkamen.</p><p>Am Heck der <emphasis>Tuka</emphasis> sah ich Flaggen aufsteigen. Die Signale entstammten den Dokumenten, die ich Reginald abgenommen hatte.</p><p>�ber den Mauern des Policrates stiegen Antwortsignale auf.</p><p>�Bleib im Hintergrund!� dr�ngte Callimachus.</p><p>Ich trat weiter zur�ck und suchte mir eine Stelle, von der ich unbemerkt verfolgen konnte, wie sich die Dinge entwickelten.</p><p>Die <emphasis>Tuka</emphasis>, die unter Aemilianus� Kommando stand, verhielt vor dem m�chtigen eisernen Flu�tor. Die Ruderer schwiegen.</p><p>Auf dem Vorderkastell der <emphasis>Tuka</emphasis> stand Miles aus Vonda, ein Mann, der nicht aus einer Flu�stadt stammte und den Bewohnern der Festung daher unbekannt sein mu�te. Nach seiner Befreiung hatte er zun�chst den Wunsch ge�u�ert, an Land abgesetzt zu werden, um nach Turmus zur�ckzukehren. Als er aber erfuhr, da� eine gewisse Sklavin namens Florence in den hohen Mauern von Policrates� Festung festgehalten wurde, hatte er um ein Schwert und einen Platz auf unseren Ruderb�nken gebeten. Beides war ihm gew�hrt worden. Seither hatte er auf eine Rasur verzichtet und sich dar�ber hinaus mit einer Augenklappe unkenntlich gemacht. Anders standen die Dinge mit seinem Kampfsklaven Krondar. Wer diesen Mann einmal gesehen hatte, verga� die narbigen, entstellten Z�ge so schnell nicht wieder, die Spuren zahlreicher K�mpfe mit dem Nagelleder und den Klingenhandschuhen in Ar. So hockte nun Krondar, das Schwert in der Hand, mit zahlreichen K�mpfern aus Ar-Station in einem Laderaum der <emphasis>Tuka</emphasis>.</p><p>Mein Herz machte einen Sprung. Auf der Mauer erschien die Gestalt Kliomenes�.</p><p>In der Nacht unserer Flucht aus der Umzingelung auf dem Flu� hatten wir die <emphasis>Olivia</emphasis>, unser beh�bigstes, langsamstes Schiff, angesteckt und in �stlicher Richtung gegen die Formation unserer Gegner geschickt, die verwirrt waren, weil die <emphasis>Tamira</emphasis> ihren Posten verlassen hatte. Damit hatten wir die Piraten ablenken und bei ihnen den Eindruck erzeugen wollen, wir w�rden nach Osten fliehen, und die <emphasis>Olivia</emphasis> sei durch sie in Brand geschossen worden. Statt dessen hatten wir im Durcheinander der Schiffe beigedreht und Voskjard-Wimpel gesetzt, f�r den Fall, da� wir in den Lichtschein vorbeifahrender Schiffe geraten sollten. Anschlie�end hatten wir uns nach Westen zur Kette zur�ckgezogen und dort die <emphasis>Tuka</emphasis> wieder fahrt�chtig gemacht. Dabei hatte die <emphasis>Tamira</emphasis> angegriffen, die uns unauff�llig verfolgt hatte, und war unserer schnellen <emphasis>Tais</emphasis> zum Opfer gefallen. Zweimal getroffen, war sie schnell gesunken.</p><p>In dem entstehenden Durcheinander hatte ich Miles aus Vonda und seinen Sklaven Krondar retten k�nnen. Unserem weiteren Plan folgend, fuhr die <emphasis>Tina</emphasis> mit der <emphasis>Tuka</emphasis> und der <emphasis>Tais</emphasis> in s�dlicher Richtung an der Kette entlang, bis wir die L�cke fanden, die von der dritten Flotte Voskjards, die wir zuerst f�r Callisthenes� Entsatz gehalten hatten, in die Kette gerissen worden war. Hier erwies sich nun, da� die Piraten, die offenbar von Callisthenes nicht behindert wurden, den Weg durch die Kette gew�hlt hatten und nicht etwa mit ihren Schiffen m�hselig zwei- oder dreihundert Meter weit �ber Land gerollt waren.</p><p>Durch die L�cke fuhren wir auf die westliche Seite der Kette. Vor unserem Aufbruch nach dem Zusammensto� zwischen der <emphasis>Tais</emphasis> und der <emphasis>Tamira</emphasis> hatte ich noch laut gerufen: �Callimachus, wir haben�s geschafft! Fahren wir jetzt sofort nach Tetrapoli, wo wir sicher sind!� Und unsere Besatzung hatte gejubelt. Nat�rlich handelte es sich um eine List; die M�nner, die ringsum noch im Wasser schwammen oder sich an Wrackteilen festhielten, sollten dies h�ren und den Gegner weiter in die Irre f�hren. Dabei war Tetrapoli tats�chlich die erste gr��ere Stadt westlich der Kette.</p><p>Unsere eigentliche Absicht, davon waren wir �berzeugt, lie� sich aus dieser Situation nicht erraten. Aus Reginalds Sicht mu�te es uns darum gehen, eine gro�e Streitmacht zusammenzustellen, die in der Lage war, den Vorteil, der uns durch die von der <emphasis>Tamira</emphasis> gestohlenen Dokumente zufiel, auch richtig zu nutzen. Bis es soweit war, mu�te Voskjards Armada l�ngst vor der Festung des Policrates stehen, sie st�rken und bei der Entwicklung neuer Sicherheitslosungen mitgewirkt haben. Au�erdem konnte ich mir vorstellen, da� Reginald es nicht eilig hatte, den Diebstahl der Dokumente zu melden, der ja eingetreten war, ehe sein Schiff von der <emphasis>Tais</emphasis> versenkt wurde. Wenn er den Untergang �berlebt hatte, konnte er immer behaupten, die Papiere seien mit der <emphasis>Tamira</emphasis> verlorengegangen, mit der er unsere Flucht verhindern wollte. Vermutlich zog er es vor, wegen seines Mutes gelobt statt wegen einer Nachl�ssigkeit get�tet zu werden.</p><p>Nat�rlich waren wir nicht nach Tetrapoli oder in eine andere Flu�stadt gefahren. Statt uns nach Nordwesten zu wenden, waren wir mit Segel- und Ruderkraft nordw�rts an der Kette entlanggefahren. Im Morgengrauen hatten wir das n�rdliche Loch der Kette erreicht, das von Voskjards zweiter Flotte gerissen worden war. Durch diese �ffnung wandten wir uns nach Osts�dost. Wir waren sicher, da� man uns zun�chst vergeblich in nordwestlicher Richtung, nach Tetrapoli hin, suchen w�rde. W�hrend die Gegner unserem angeblichen Kurs folgten und der Rest der Piratenflotte sich neu formierte, Reparaturen vornahm und auf die R�ckkehr der anderen wartete, rasten wir in Wechselschicht, Tag und Nacht fahrend, zur Festung des Policrates. Mein urspr�nglicher Plan, davon war ich �berzeugt, h�tte uns in die Festung gebracht, w�re er nicht verraten worden.</p><p>Ich verstand die Worte nicht, die zwischen Kliomenes und Miles aus Vonda gewechselt wurden, doch ich hatte sie mehr als einmal gelesen.</p><p>�Was wird eine Einheit, wenn Steine sich zusammenfinden?�</p><p>�Das Schiff, welches das Topas-Meer bef�hrt.�</p><p>�Wo findet sich ein Topas-Meer?�</p><p>�Innerhalb von vier Felsmauern.�</p><p>�Und wo befinden sich diese Felsw�nde?�</p><p>�Rings um ein Topas-Meer.�</p><p>�Wem geh�rt der Vosk?�</p><p>�Jenen, denen das Schiff geh�rt, welches das Topas-Meer bef�hrt.�</p><p>Die Piraten auf den Mauern begannen zu jubeln. Kliomenes sagte etwas zu einem Mann neben sich. Dieser Mann gab ein Zeichen an eine Gestalt in der N�he des westlichen Torturms. Dieser gab den Befehl akustisch an einen W�chter weiter, der sich anscheinend im Innern des Turms befand. Meine Nackenhaare str�ubten sich. Ich h�rte das �chzen und Knirschen des schweren Torgitters. Die Ketten strafften sich und hoben widerstrebend das m�chtige Metallgeflecht, na� und funkelnd, aus dem Wasser.</p><p>Callimachus, der neben mir stand, griff nach seinem Schwert, hob es ein kurzes St�ck aus der Scheide und lie� es wieder zur�ckfallen. Es war die Geste eines Kriegers. Vielleicht wu�te er gar nicht, da� er seine Waffe bewegt hatte, so nat�rlich war diese Geste vor einem Kampf.</p><p>�La� das!� fl�sterte mir Callimachus zu.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Dein Schwert zu lockern�, sagte er. �Das l��t erkennen, da� du damit rechnest, es zu gebrauchen.�</p><p>�Ach, habe ich das getan?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>�Tut mir leid.� Ich mu�te l�cheln.</p><p>Gleich darauf fragte ich mich, wie viele Ruderer, die zumeist aus Ar-Station kamen, in diesem Moment wohl die Entfernung zu ihren Waffen berechneten, die unter den Sitzb�nken versteckt waren.</p><p>Das Flu�tor hob sich. Ich wu�te sehr gut, welche Kraft dazu erforderlich war.</p><p>Aus der Festung drang der Klang von Fl�ten, Trommeln und Kalikas; es war eine langsame, getragene Melodie.</p><p>Miles aus Vonda hatte uns nat�rlich als Vorausschiffe der Voskjardschen Flotte angek�ndigt.</p><p>Als wir langsam unter das m�chtige Tor glitten, blickte ich auf. Ein Gef�hl der Beklemmung lie� sich nicht vertreiben, mu�te ich doch daran denken, wie dieses Tor beim letzten Mal herabgesaust war. Es hatte das Schiff, auf dem ich mich befand, in zwei Teile zerschmettert.</p><p>Nach kurzer Zeit befanden sich die <emphasis>Tuka</emphasis>, die <emphasis>Tais</emphasis> und die <emphasis>Tina</emphasis> im inneren Hafenbecken der Festung. Kliomenes war von der Mauer heruntergestiegen und wartete auf dem breiten Steg unweit des eisernen Zugangs zur Festung auf Miles aus Vonda. Die <emphasis>Tuka</emphasis> warf Leinen �ber, die von hilfsbereiten H�nden aufgefangen wurden.</p><p>Gut f�nfzig Sklavinnen in knappen Gew�ndern erschienen und tanzten einen Bl�tentanz; sie trugen K�rbe voller Blumen. Beverly oder Florence entdeckte ich nicht in der Gruppe. Zweifellos waren sie, wie viele andere M�dchen, damit besch�ftigt, das Festmahl vorzubereiten.</p><p>Nicht ohne M�he l�ste ich den Blick von den aufregenden M�dchen. Die T�r, die in das Innere der Festung f�hrte, und die Au�enmauern mu�ten so schnell wie m�glich erobert werden.</p><p>Die <emphasis>Tuka</emphasis> glitt nun an den Innensteg. Die Leinen wurden festgemacht. Miles aus Vonda traf Anstalten, an Land zu gehen. Kliomenes erwartete ihn. Die M�dchen h�rten auf zu tanzen; sie griffen in ihre K�rbe und streuten Bl�ten vor Miles aus Vonda und den anderen M�nnern der <emphasis>Tuka</emphasis>, die nun auf die Reling traten und an Land sprangen.</p><p>�Ein Willkommensgru� den Herren!� sangen die M�dchen.</p><p>Kliomenes sch�ttelte Miles aus Vonda die Hand. Aemilianus und seine M�nner mu�ten zur T�r vorr�cken und die Festung besetzen.</p><p>Nun n�herte sich auch die <emphasis>Tina</emphasis> dem Steg. Wir warfen die Leinen �ber. Kaum lagen wir still, sprangen Callimachus, ich und viele andere �ber die Reling. Callimachus und seine M�nner waren f�r die Au�enmauern eingeteilt worden.</p><p>�Willkommen, ihr Herren!� sangen die M�dchen.</p><p>Aemilianus und seine Leute eilten an verbl�fften Piraten vorbei auf die Eisent�r zu.</p><p>�Halt, halt mal!� rief Kliomenes pl�tzlich. Er hatte Callimachus und mich entdeckt. �Ihr habt Verr�ter in euren Reihen!� rief er. Im n�chsten Moment lag schon Miles� Schwert an seiner Kehle.</p><p>�Befiehl deinen Leuten, die Waffen niederzulegen!� forderte Miles aus Vonda. Schon war auch mein Schwert auf Kliomenes gerichtet, w�hrend zwei von unseren M�nnern seine Arme festhielten. Sklavinnen schrien durcheinander. Bl�tenk�rbe fielen auf das Holz des Stegs. �Werft die Waffen fort!� rief Miles aus Vonda den Piraten auf dem Steg zu, �sonst seid ihr so gut wie tot!�</p><p>�Legt die Waffen nieder!� befahl Kliomenes heiser. Gefolgt von einer ganzen Horde, verschwand Aemilianus hinter der Eisent�r. Gleich darauf war Gebr�ll zu h�ren, das Klirren von Stahl, das Getrappel von Stiefeln. Callimachus eilte die Treppen zu den Mauern empor. Zwei Piraten st�rzten von einem Wehrgang ins Wasser des Innenbeckens. Ein Pirat sprang an mir vorbei und hastete den Steg entlang. Ich folgte ihm. Doch schon legte vor ihm ein weiteres Schiff am Rand des Steges an.</p><p>�Die <emphasis>Tais</emphasis>!� rief der Pirat. Vor ihm sprangen M�nner �ber die Reling, und er warf sein Schwert fort. Ich eilte an der Gruppe vorbei auf die Mauertreppe zu. Kein Pirat durfte entkommen. Ich hastete die Stufen empor. Oben auf der Mauer wurde heftig gek�mpft. Ich stie� einen Gegner in die Tiefe und erledigte einen zweiten, der eben durch eine Schie�scharte nach drau�en klettern wollte.</p><p>Besorgt entdeckte ich M�nner im Wasser, im Innenbecken. Sie schwammen auf das gro�e Tor zu. Ich k�mpfte mich zum westlichen Torturm vor, schlug dem dort wachestehenden Piraten das Schwert aus der Hand, nahm ihn in den Schwitzkasten und legte ihm die Klinge vor die Kehle. Dann schob ich ihn auf den Innenbalkon, der sich �ber dem gro�en Raum der Torwinde befand.</p><p>�Du befiehlst jetzt, da� das Tor geschlossen wird, und zwar im Schnellgang!�</p><p>�La�t das Tor herab!� schrie er. �Gebt es frei, gebt es frei!� Rufe der Best�rzung hallten unten im Wasser auf. Mit einem ohrenbet�ubenden Rasseln und Dr�hnen knallte das schwere Tor ins Wasser, und die dicken Gitterst�be bohrten sich in die unter dem Wasser liegenden �ffnungen.</p><p>�Wir ergeben uns!� riefen die Piraten auf der Mauer. Schwerter wurden zu Boden geworfen. Ich brachte meinen Gefangenen zu den anderen. Aus der H�he der Mauer erblickte ich das Gedr�nge unserer M�nner auf dem Steg, die aus den Lader�umen der <emphasis>Tuka</emphasis> und der <emphasis>Tina</emphasis> hervorquollen. Die Flotte des Policrates, etwa vierzig Schiffe, war im Osten unterwegs, um eine Verst�rkung der Ketten-Verteidiger durch St�dte aus dem Osten zu verhindern. Dementsprechend war nur eine kleine Streitmacht unter Kliomenes� Kommando in der Festung zur�ckgeblieben, zweihundert bis zweihundertf�nfzig Mann. Sie h�tten die Festung gegen einen frontalen Angriff halten k�nnen, doch war der Feind in solcher Zahl erst einmal im Innern, hatten die Verteidiger keine Chance mehr.</p><p>Von der Mauerkrone sahen Callimachus und ich Aemilianus aus der Festung kommen. Er blickte zu uns empor und hob das Schwert.</p><p>�Wir haben gewonnen�, sagte Callimachus.</p><p>�Diese Schlacht�, schr�nkte ich ein.</p><p>�Ja.�</p><p>Nat�rlich gedachten wir �ber der Festung nicht die Flaggen von Port Cos, Victoria oder Ar-Station wehen zu lassen.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>�M�chtest du dich mir anschlie�en, mein Freund Miles aus Vonda?� fragte ich.</p><p>�Ja�, sagte er.</p><p>Es war der Abend unseres Sieges, unserer Eroberung der Piratenfestung.</p><p>Ich steckte den schweren Schl�ssel in das T�rschlo�, �ffnete und f�hrte den anderen auf einen schmalen Balkon, der, verborgen hinter einem komplizierten Gittermuster, in etwa zwanzig Fu� H�he um das zentrale Sklavinnenquartier der Anlage herumf�hrte.</p><p>Lampen erhellten den weiten Raum.</p><p>Durch das Gewirr der Trennst�be beobachteten wir die M�dchen; der Balkon war so angelegt, da� Beobachter von unten nicht zu bemerken waren.</p><p>�Ja�, sagte ich leise, �sie ist wundersch�n.�</p><p>Mir war nat�rlich aufgefallen, da� Miles aus Vonda den Blick von einer bestimmten Sklavin nicht losrei�en konnte. Sie sa� an der gegen�berliegenden Wand und hatte die H�nde auf die Knie gelegt. Ihr kastanienbraunes Haar schimmerte. Sie trug ihren Kragen und einen knappen gelben Stoffetzen. Sie war die ehemalige Lady Florence aus Vonda, inzwischen einfache Sklavin.</p><p>Ich bemerkte, da� Miles die F�uste ballte.</p><p>�Wenn wir Erfolg haben�, sagte ich, �wird sie zweifellos mit den anderen an die M�nner verteilt. Da du bis jetzt bei unserer Aktion eine wichtige Rolle gespielt hast, darfst du vielleicht hoffen, da� sie dir als Beuteanteil zugedacht wird.�</p><p>�Wenn ich sie noch will�, sagte Miles aus Vonda leichthin. �Wie ich sehe, gibt es zahlreiche andere Sklavinnen, die nicht minder sch�n sind.�</p><p>Ich mu�te l�cheln. Gedachte Miles mir seine Zuneigung zu einer einfachen Sklavin zu verheimlichen? F�r mich lag auf der Hand, da� er sie anbetete. Ich bezweifelte nicht, da� er f�r sie sterben w�rde.</p><p>�Mir will scheinen�, sagte Miles aus Vonda nach einem Blick auf mich, �da� auch du eine dieser Sklavinnen von besonderem Reiz findest.�</p><p>�Es gibt da mehrere, die mir angenehm auffallen�, r�umte ich ein.</p><p>�Was ist mit der h�bschen kleinen Br�netten dort?�</p><p>�Welche meinst du?�</p><p>�Die dort�, sagte er und deutete auf ein M�dchen in einer ungemein kurzen roten Tunika nahe der anderen Wand.</p><p>�Sie?� fragte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>Ich zuckte die Achseln. Nicht unm�glich, da� mein Blick sich mehr als einmal auf sie gerichtet hatte.</p><p>Lola und Shirley befanden sich ebenfalls unter den Sklavinnen; sie standen unter Befehl, niemandem gegen�ber zu erw�hnen, da� sich ein gewisser Jason aus Victoria in der Festung befand.</p><p>So hatte ich von dieser Stelle schon vor einigen Stunden beobachten k�nnen, wie Lola sich zornig auf die Br�nette in der roten Tunika st�rzte. �Du hast mich verkauft!� rief sie. �Jetzt tr�gst du ebenfalls den Kragen!� Entsetzt hatte sich die Br�nette an die Wand gekauert, wo sie auch jetzt noch sa�. Lola hatte es mit ihrer Rache aber nicht zu weit getrieben; sie wu�te, da� sie sonst bestraft worden w�re. Jedenfalls hatte das br�nette M�dchen Angst vor der anderen, und das gefiel mir. Ich l�chelte. Es gab da einen anderen Menschen, den sie bald f�rchten w�rde, einen Mann, der ihr Herr sein w�rde.</p><p>�Wie sch�n doch Sklavinnen sind!� sagte Miles aus Vonda seufzend.</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich z�hle neunundachtzig�, fuhr mein Begleiter fort, �einschlie�lich der beiden, die wir am Bug der <emphasis>Tuka</emphasis> und <emphasis>Tina</emphasis> mitbrachten.�</p><p>�Richtig. Es sind alle hier � aus allen Zellen und Nischen der Festung.�</p><p>Miles aus Vonda und ich lie�en unsere Blicke durch den weiten Raum schweifen.</p><p>�Das Fest heute abend�, sagte Miles schlie�lich, �w�re sicher angenehmer, wenn die M�dchen da uns bedient h�tten.�</p><p>�Wir m�ssen ihrer zun�chst entsagen�, antwortete ich. �M�nnerarbeit erwartet uns.�</p><p>�Wann wird Ragnar Voskjards Flotte deiner Sch�tzung nach vor der Festung eintreffen?� fragte er.</p><p>�Morgen.�</p></section><section><title><p>12</p></title><p>�Es m�ssen mindestens f�nfzig Schiffe im Kanal stehen�, sagte Callimachus und lie� das Glas der H�userbauer zuschnappen.</p><p>�Bring Kliomenes auf die Mauer!� befahl ich. �Er soll sch�n angekleidet sein, damit er seine Freunde aus dem Westen begr��en kann. Gewi� gibt es in der Mannschaft Reginalds einige M�nner, die ihn kennen, gar nicht zu reden von Reginald selbst.�</p><p>�Jawohl, Jason�, sagte der Angesprochene und verlie� im Laufschritt die Mauer. Kliomenes hatte einen gro�en Teil des gestrigen Tages und die Nacht an der Torwinde verbracht, dabei hatten ihm etliche andere Piraten Gesellschaft geleistet. Sein Auftritt auf der Mauer, das hofften Callimachus und ich, w�rde bei der anr�ckenden Flotte Mi�trauen gar nicht erst aufkommen lassen.</p><p>�Wie viele Schiffe passen in das Innenbecken?� wollte ein Mann wissen.</p><p>�Bestimmt f�nfzig oder mehr�, antwortete Callimachus. �Aber ich glaube nicht, da� so viele in die Festung einfahren werden.�</p><p>Die <emphasis>Tuka</emphasis>, und <emphasis>Tina</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis> hatten das Becken bereits wieder verlassen.</p><p>�Sind das Tassa-Pulver und die Willkommenskelche bereit?� fragte Callimachus.</p><p>�Ja, Kapit�n�, antwortete ein Mann ernst, �aber es ist viel zu wenig f�r so viele.�</p><p>�Die Verliese der Festung sind vorbereitet?� wandte sich Callimachus an einen seiner Offiziere.</p><p>�Jawohl, Kapit�n�, antwortete der Mann.</p><p>�Die Flotte r�ckt vor�, meldete jemand. �Die Erkennungssignale werden aufgezogen.�</p><p>�Antwortet mit dem Willkommenszeichen!� befahl Callimachus.</p><p>�Jawohl, Kapit�n�, erwiderte ein Mann und gab einen Befehl.</p><p>�Sind die Feuerkr�ge bereit?� erkundigte sich Callimachus.</p><p>�Sowohl hier auf den Mauern als auch an der Zufahrt, Kapit�n�, erwiderte ein Mann.</p><p>Schmale gelbe Dreieckswimpel stiegen auf und begr��ten die Ankommenden.</p><p>Eine Brandbombe wurde von einem der vorderen Schiffe in die Luft katapultiert und zog einen braunen Rauchstreifen hinter sich her. In sch�nem Bogen stieg das Gescho� empor und st�rzte dann in die S�mpfe, die sich zu beiden Seiten des Kanals erstreckten.</p><p>�Signal erwidern!� befahl Callimachus.</p><p>Gleich darauf stieg zur Antwort eine Rauchbombe von der Festung empor, beschrieb einen anmutigen Bogen, verharrte einen Moment lang und st�rzte irgendwo ab.</p><p>Wir beobachteten die Ruder der n�herkommenden Schiffe. Sie lie�en keinerlei Z�gern erkennen.</p><p>�Sie n�hern sich zuversichtlich�, sagte jemand.</p><p>�Gut�, antwortete Callimachus.</p><p>Dicht neben uns rasselte eine Kette; Kliomenes, der um die F��e eine Metallfessel trug, wurde auf den Wehrgang geschoben. Er trug eine scharlachrote Robe. Auf dem Kopf sa� ein quastenverziertes gelbes Barett. �L�chle, Kliomenes!� sagte ich aufmunternd. Er verkniff das Gesicht. Die Spitze meines Dolches lag an seinem R�cken.</p><p>Schon befand sich die erste Galeere in unmittelbarer N�he des Flu�tors. Auf unser Betreiben erstieg Kliomenes eine Erh�hung hinter der Brustwehr, um von unten besser gesehen zu werden. Armbrustpfeile waren auf seinen R�cken gerichtet. Er l�chelte. Er hob die Hand und winkte. Ich nahm nicht an, da� wir ihn t�ten mu�ten, wenigstens nicht sofort. Von den Vorderkastellen und Decks der anfahrenden Galeeren waren seine Fu�fesseln nicht zu sehen.</p><p>Aus der Deckung der Brustwehr schaute ich mir das Vorderkastell der ersten Galeere an. Drei M�nner standen darauf. Nur von einem wu�te ich sicher, da� ich ihn kannte, und er trug interessanterweise eine Maske. Trotz seiner Verkleidung war er mir auf seine Weise nicht unbekannt. Ich war ihm sp�tnachts im Hafen von Victoria begegnet. Er hatte mich t�ten wollen. Dieser Mann war der echte Kurier Ragnar Voskjards. Die anderen beiden M�nner trugen Kapit�nskleidung. Keiner der beiden schien jene Aura der Macht oder zumindest jenes Selbstbewu�tsein zu besitzen, das ich von einem Ragnar Voskjard erwartet h�tte. Voskjard war also wohl gar nicht bei seiner Flotte. Schon vorher hatte ich vermutet, da� die Schiffe nicht unter Voskjards Kommando standen, sondern unter dem eines R�delsf�hrers; Voskjard selbst war in seiner Festung geblieben, um sich nicht mit einem so allt�glichen Kampf zu belasten, dessen Ausgang doch von vornherein feststand.</p><p>�Wer ist das da auf dem Deck des Vorderkastells?� wandte ich mich an Kliomenes.</p><p>�Reginald�, antwortete dieser, �ehemals Kapit�n der <emphasis>Tamira</emphasis>.�</p><p>�Wer noch?� Ich hatte Reginald noch nicht von Angesicht gesehen, wenn ich mich auch schon auf seinem Schiff befunden hatte. Er schien mir ein gro�er, beeindruckender Mann zu sein.</p><p>�Der Kurier Ragnar Voskjards�, fuhr Kliomenes fort. �Damit meine ich den Maskierten.�</p><p>�Und der andere?� wollte ich wissen.</p><p>�Den kenne ich nicht�, antwortete Kliomenes.</p><p>�Ist es Ragnar Voskjard?�</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>Reginald rief etwas zu Kliomenes empor. Die verabredeten Losungssignale konnten nicht ausgetauscht werden, da die versiegelten Dokumente, in denen alles stand, mit der <emphasis>Tamira</emphasis> untergegangen waren und jetzt auf dem Boden des Vosk ruhten. Nat�rlich fand sich Kliomenes, im Schu�feld der Armbr�ste, bem��igt, diese Erkl�rung zu akzeptieren. Au�erdem waren unter den gegebenen Umst�nden Losungsworte sicher nicht erforderlich. Reginald war pers�nlich anwesend. Er war selbst schon in der Festung gewesen, bei Policrates und Kliomenes.</p><p>Wir gaben Befehl, und das schwere Tor wurde angehoben. Diesmal aber m�hten sich Piraten an der Winde. Ich bedauerte, da� Kliomenes nicht mit ihnen schwitzen konnte. Der dritte Mann auf dem Vorderkastell der ersten Galeere, das erfuhren wir nun, war Alcibron, der ehemalige Kommandant der <emphasis>Tuka</emphasis>. Nur gut, da� wir dieses Schiff (wie auch die <emphasis>Tina</emphasis> und die <emphasis>Tais</emphasis>) aus dem Festungsbecken entfernt hatten. Alcibron � und vielleicht nicht nur er � h�tte sie bestimmt sofort erkannt und zum R�ckzug geblasen. Unsere Falle h�tte dann nutzlos zugeschnappt. Noch etwas anderes, das einmal Alcibron geh�rt hatte, befand sich in der N�he, ein M�dchen, das ich ihm fortgenommen und zu meiner Sklavin gemacht hatte. Sie, Lola, wurde mit Shirley, einer anderen Sklavin aus meinem Besitz, in der Festung gehalten. Diese M�dchen, ebenso wie die kastanienbraune Sch�nheit, f�r die sich Miles aus Vonda interessierte, und die kleine Br�nette, an der ich ein gewisses Interesse zeigte, wu�ten nicht, was aus ihnen werden w�rde. Und das war ganz richtig so, denn sie waren Sklavinnen.</p><p>Ich sah die f�hrende Galeere am Steg hinter der Festungsmauer anlegen, auf der anderen Seite des Innenbeckens. Leinen wurden vert�ut. Piraten kamen an Land.</p><p>�Es wird dir niemals gelingen!� fauchte Kliomenes.</p><p>�Tritt zur�ck�, befahl ich, �damit deine Fu�fesseln nicht zu sehen sind!�</p><p>Er gehorchte!</p><p>�Und jetzt l�chelst und winkst du�, forderte ich ihn auf. �Es sei denn, du m�chtest sterben.�</p><p>Er l�chelte und winkte.</p><p>Reginald und Alcibron erwiderten die Geste von dem breiten Holzsteg. Der Mann, der einmal der Kurier Ragnar Voskjards gewesen war, schaute sich mi�trauisch um und betrat dann zusammen mit dem anderen die Festung. Drinnen warteten in einem vorbereiteten Raum auf einem langen Tisch zweihundert Kelche voll Wein, mit Tassa-Pulver versetzt. Waren die Piraten erst ahnungslos in der Festung und widmeten sich dem Trinken, wollten wir die T�r verriegeln. Schon wurden andere Schiffe am Steg vert�ut, und nachfolgende Einheiten machten an der Bordwand der ersten Reihe fest. Es konnte nicht lange dauern, dann w�rde das Innenbecken, wenn alles gut ging, voller Schiffe sein. Dann mochte man das Becken �berqueren k�nnen, indem man von Deck zu Deck sprang. Mehr als zweihundert Piraten waren inzwischen begr��t und ins Innere der Festung gewiesen worden. Sp�ter sollten Schiffsbesatzungen in kleineren Gruppen in die Tiefe des Geb�udes gef�hrt werden, um dort von gr��eren Gruppen �berw�ltigt und in die Verliesgruben geworfen zu werden, die von den gefangenen Piraten Kliomenes� vorbereitet worden waren.</p><p>�Es m�ssen schon zwanzig Schiffe im Becken liegen�, sagte ich.</p><p>�Alles geht gut�, sagte Callimachus.</p><p>Pl�tzlich erschien ein Mann am inneren Eingang der Festung, in der Hand ein blutiges Schwert. Es war der ehemalige Kurier Ragnar Voskjards, dessen Kleidung zerfetzt herabhing.</p><p>�Zur�ck! Zur�ck!� schrie er. �Dies ist eine Falle!�</p><p>Piraten starrten ihn verst�ndnislos an.</p><p>�Zur�ck!� br�llte er. �Zur�ck!� Schon gab es ein Durcheinander bei den Ruderern. Eine Galeere versuchte zu wenden. Eine andere, die gerade durch das Tor hereinglitt, stie� knirschend mit ihr zusammen. Auf den Schiffsdecks begannen M�nner herumzulaufen. Niemand wu�te, was los war. Der Mann mit der Maske begann nun schwertschwingend und br�llend von Schiff zu Schiff zu springen und sich dabei dem Au�entor zu n�hern. Das Geschrei pflanzte sich schnell �ber das ganze Innenbecken fort, wenn es auch mehr verwirrt als alarmierend klang. Ein weiteres Schiff wollte durch das Tor herein.</p><p>�Der Mann darf mir nicht entwischen�, sagte Callimachus ernst. Er hob und senkte die Hand. Dieses Signal wurde unverz�glich an den westlichen Torturm weitergeleitet, und als der Maskierte unten gerade ins Wasser sprang, um zur Durchfahrt zu schwimmen, raste das Tor mit donnerndem Geprassel von Ketten und Gegengewichten, bebend und scharrend herab, krachte halb achtern auf eine Galeere, durchtrennte sie und bohrte sich in die L�cher tief unter Wasser. Der Kurier Ragnar Voskjards hatte keine Fluchtchance mehr.</p><p>�Feuerbomben!� rief Callimachus. �Gebt unseren Leuten in den S�mpfen Bescheid! Zieht die Angriffswimpel auf!� Jubelgeschrei t�nte von den Mauern. M�nner erhoben sich auf den Wehrg�ngen, entz�ndeten Lunten aus �lgetr�nkten Lumpen, die in �lgef�llten Tongef��en endeten; eine Signalbombe, die roten Rauch verstr�mte, wurde von einem Mauerkatapult hoch �ber das Sumpfgebiet geschossen. Rote Angriffsflaggen knatterten im Wind. Tonkugeln, die ganze Flammenseen verbreiteten, platzten auf den Decks der im Innenbecken festgekeilten Galeeren. Soldaten aus Ar-Station tauchten zu beiden Seiten aus den S�mpfen auf und schleuderten �hnliche Brandgeschosse gegen die Schiffe, die noch im Kanal standen. Unsere K�mpfer st�rmten durch die Metallt�r der Festung ins Freie, um die Innenstege zu besetzen, die das Schiffsbecken s�umten. Es kam zu Scharm�tzeln, sogar auf den brennenden Decks. Unsere M�nner str�mten von den Mauern herab, um ihren Gef�hrten zu helfen.</p><p>�Behalt diesen Kerl im Auge!� sagte ich zu einem Mann und deutete auf Kliomenes.</p><p>�Auf den Bauch, Urt!� befahl der Mann. �Und leg die H�nde auf dem R�cken zusammen, damit ich dich fesseln kann.�</p><p>Kliomenes gehorchte unverz�glich.</p><p>Ich hastete nach unten.</p><p>Schon knieten entwaffnete Piraten vor unseren M�nnern. Ich folgte dem Steg bis zum gro�en Tor. �Du da!� sagte ich und deutete mit meiner Klinge auf einen Mann. �Komm herauf zu mir und knie nieder!�</p><p>Durchn��t, ohne Waffe, allerdings noch immer maskiert, kam der Kurier Ragnar Voskjards diesem Befehl nach.</p><p>Callimachus, der die hohe Mauer ebenfalls verlassen hatte, erschien hinter mir. �In den S�mpfen l�uft alles nach Plan. Schiffe stehen in Flammen. Piraten versuchen zu fliehen.� Sein Blick fiel auf den Mann, der unter meiner Schwertspitze kniete. �Du bist also der Kurier Ragnar Voskjards�, sagte er grimmig. �Nun endlich tust du, was dir geziemt: Du kniest vor ehrlichen M�nnern am Boden.� Er war so zornig, da� ich ihn kaum verstehen konnte und mir Sorgen machte, er w�rde meinen Gefangenen mit dem Schwert durchbohren. �An ihn oder einen seiner Agenten hat Peggy uns verraten�, fuhr Callimachus fort, �jene verr�terische Dirne von der Erde, die Pagasklavin Tasdrons.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Wie sollte ich sie wohl bestrafen?� wandte sich Callimachus an mich.</p><p>�Wenn sie schuldig ist, steht dir die Wahl frei, denn sie ist Sklavin.�</p><p>�Wenn sie schuldig ist?� fragte Callimachus.</p><p>�Jenes h�bsche M�dchen von der Erde�, sagte ich, �hatten wir absichtlich so plaziert, da� sie von unseren Diskussionen kaum etwas mitbekommen konnte, wenn sie uns bediente. Sie mag zwar geahnt haben, was wir im Schilde f�hrten, doch meine ich, da� sie von den Einzelheiten unseres Planes wenig oder gar nichts wu�te.�</p><p>�Wer kann es dann gewesen sein?� wollte Callimachus wissen.</p><p>�Au�erdem glaube ich nicht, da� sie dich verraten w�rde�, fuhr ich fort, �denn ich meine, da� sie im Grunde ihres Herzens deine Sklavin ist.�</p><p>�Unm�glich!� sagte Callimachus.</p><p>�Kauf sie Tasdron ab�, sagte ich, �leg ihr deinen Kragen um, dann wirst du es sehen.�</p><p>�Wer kann es dann gewesen sein?�</p><p>�Ein anderer.�</p><p>�Aber wer?�</p><p>�Er�, sagte ich und zog dem Kurier Ragnar Voskjards die Maske vom Gesicht.</p><p>Zornig blickte der Mann auf. Sein Gesicht war erstmals entbl��t.</p><p>�Callisthenes!� rief Callimachus.</p><p>�Gewi߫, sagte ich.</p><p>�Wie lange wei�t du es schon?� wollte Callimachus wissen.</p><p>�Ich ahnte es seit einiger Zeit. Er �berfiel mich im Hafen von Victoria. Bei meiner Verteidigung verwundete ich ihn. Am gleichen Abend erschien Callisthenes zu unserem Treffen mit einer verletzten Schulter und behauptete, er sei gest�rzt. Trotz dieses Umstands und seiner �hnlichkeit mit dem Kurier Ragnar Voskjards hielt ich es nicht f�r m�glich, da� er der Schuldige sein k�nnte. Er war dir bestens bekannt, du hattest f�r ihn geb�rgt. Au�erdem geh�rte er zu uns und war ein hoher Offizier Port Cos�. Dann wieder wollte mir scheinen, er m�sse doch dahinterstecken, denn wir wurden verraten, und es gab nur eine kleine Zahl von Leuten, die von unseren Pl�nen wu�ten, und er �hnelte Ragnar Voskjards Kurier und war verwundet. Aber wieder wies ich diese M�glichkeit von mir � wegen seiner Position und des Vertrauens, das du in ihn setztest. Ich kam zu dem Schlu�, die Erdensklavin Peggy m�sse die Verr�terin sein. Sie kam als einzige noch in Frage. Als dann aber die im S�den der Kette postierte Flotte aus Port Cos uns nicht unterst�tzte, obwohl wir die Hilfe dringend ben�tigt h�tten, verh�rtete sich mein Verdacht. Und so mancher fehlende Teil des Puzzles fand pl�tzlich seinen Platz.�</p><p>�Warum hast du nicht mit mir gesprochen?� fragte Callimachus.</p><p>�Die Last deines Kommandos ruhte schwer auf dir�, antwortete ich. �Da w�re es wenig dienlich gewesen, dich mit qu�lenden und unbewiesenen Mutma�ungen zu belasten.�</p><p>�Das war klug gehandelt�, sagte Callimachus traurig, �denn zweifellos h�tte ich sie zur�ckgewiesen.�</p><p>�An deiner Stelle h�tte ich bestimmt nicht anders gehandelt�, beruhigte ich ihn. �Hier und jetzt aber kniet der Beweis vor dir.�</p><p>�Was geschah mit den Schiffen aus Port Cos, deiner Flotte?� wandte sich Callimachus an Callisthenes.</p><p>�Die sind in Sicherheit�, antwortete der Mann. �Ich f�hrte sie nach Port Cos zur�ck, unter dem Vorwand, ein Angriff auf die Stadt m�sse abgewehrt werden. Dann tat ich, als wollte ich eine Kundschafterfahrt unternehmen, und schlo� mich Voskjards Flotte an.�</p><p>�Wo ist Voskjard jetzt?� fragte Callimachus.</p><p>�Er reist in �stlicher Richtung auf dem Flu�, in seinem schwarzen Schiff <emphasis>Wendiger Tharlarion</emphasis>. Er gedenkt, mit Policrates hier in der Festung zusammenzutreffen und dann das Kommando der vereinten Streitkr�fte zu �bernehmen � und die Herrschaft �ber den Flu�.�</p><p>�Kapit�n�, sagte ein Offizier zu Callimachus, �der Kampf in den S�mpfen ist abgeschlossen. F�nfzehn Piratenschiffe sind vernichtet. Zahlreiche Piraten haben wir get�tet oder gefangengenommen. Zw�lf bis f�nfzehn Schiffe konnten fliehen. Einzelne Piraten sind uns �berdies in die S�mpfe entwischt.�</p><p>�Der Sieg ist unser�, sagte ich zu Callimachus.</p><p>�H�tten wir noch mehr K�mpfer zur Verf�gung�, antwortete dieser, �k�nnte unser Sieg noch vollkommener sein.�</p><p>�Nicht aufstehen!� sagte ich warnend zu Callisthenes.</p><p>Dieser blickte l�chelnd zu Callimachus auf. �Vergi� nicht, da� wir Freunde sind, Callimachus!� sagte er. �An der Zuneigung, die ich zu dir empfinde, �ndert sich nichts. Als Kinder spielten wir zusammen in Port Cos. Wir waren Offiziere derselben Streitkr�fte.�</p><p>�Du weinst ja�, sagte ich zu Callimachus.</p><p>�Das ist der Wind�, antwortete er und wandte sich an den neben ihm stehenden Offizier. �Callisthenes in Ketten!� befahl er.</p><p>Wir blickten Callisthenes nach, der unter Aufsicht des Offiziers von zwei Soldaten abgef�hrt wurde.</p><p>�W�re es dir lieber, wenn die Sklavin Peggy uns verraten h�tte?� fragte ich.</p><p>�Nein.�</p><p>Das hielt ich f�r eine interessante Antwort. Allerdings blieb mir wenig Zeit, mich damit zu besch�ftigen.</p><p>�Die Flotte des Policrates!� rief eine Stimme von der Mauerkrone. �Die Flotte des Policrates steht am Eingang des Kanals!�</p><p>�Ruft unsere K�mpfer mitsamt ihren Gefangenen in die Festung!� rief Callimachus.</p><p>�Policrates kann die Festung nicht zur�ckerobern�, sagte ich. �Gegen zehntausend Mann k�nnten wir sie halten!�</p><p>Ich folgte Callimachus die Treppe hinauf zum oberen Wehrgang. Nat�rlich konnten wir nicht hoffen, Policrates auf �hnliche Weise hereinzulegen wie Alcibron und Reginald und die anderen. Geflohene Piraten hatten ihn bestimmt l�ngst �ber die j�ngsten Ereignisse informiert. Au�erdem mu�ten ihn die im Kanal und in der Festung aufsteigenden Rauchs�ulen warnen: Dort brannten noch zahlreiche Schiffe.</p><p>Callimachus und ich beobachteten Policrates� Flotte von der H�he der Mauer aus. Er hatte seine Arbeit im Ostteil des Flusses beendet. Er war zur�ckgekehrt, um sich mit Voskjard zusammenzutun.</p><p>�Wir haben von Policrates nichts zu bef�rchten�, sagte ich.</p><p>�Du kennst Policrates nicht�, antwortete er.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Meine Arme wurden nach hinten gezerrt und zusammengebunden. Die Fesseln, die sich um meine Handgelenke zogen, schnitten tief ins Fleisch.</p><p>�Sichert ihn gut!� sagte Policrates.</p><p>Ich zuckte zusammen. Mein R�cken streckte sich vor dem Backbord-Scherblatt von Policrates� Flaggschiff. Unwillk�rlich schrie ich vor Schmerzen auf. Die Fesseln wurden noch fester zugezogen. Nun wurden auch meine Beine nach hinten gezerrt und an den Fu�gelenken mit Seilen gesichert. So hing ich da, vor die Klinge gebunden, und konnte, wenn ich nach rechts schaute, die Backbordreling von Policrates� Flaggschiff ausmachen. Den Kopf in den Nacken legend, sah ich blauen Himmel und Wolken. Nach vorn vermochte ich nicht zu schauen. Auf der anderen Seite des Schiffes wurde Callimachus vermutlich auf �hnliche Weise am dortigen Scherblatt festgebunden.</p><p>Policrates hatte ein klares Ultimatum ausgesprochen. Callimachus und ich mu�ten ihm ausgeliefert werden. Callisthenes, Reginald und Kliomenes waren freizulassen, sonst w�rde Victoria die Feuer und Schwerter zu sp�ren bekommen. Das wehrlose Victoria, das hatten wir uns geschworen, durfte unter unserem Tun nicht leiden. Gegen den Widerstand Miles� aus Vonda, den wir als Kommandant der Festung zur�cklie�en, hatten wir uns ergeben.</p><p>�Wenden!� h�rte ich Policrates seinen Steuerleuten zurufen. Ich sp�rte, wie sich mein K�rper mit der Klinge bewegte, als das Schiff im Kanal zu drehen begann.</p><p>�Du kannst zwar nicht nach vorn schauen, aber sicher h�ren�, sagte eine Stimme von der Backbordreling.</p><p>Ich blickte nach rechts oben. Dort stand Policrates.</p><p>�Ich hege die Hoffnung�, fuhr er fort, �da� es zu einem Kampf kommt.�</p><p>�Wo liegt dein Ziel, Kapit�n?� fragte ich.</p><p>�In Victoria�, antwortete er.</p><p>Von Zorn �berw�ltigt, begann ich mich aufzub�umen. Doch schon sp�rte ich Blut an der Klinge hinablaufen und stellte meine Bem�hungen st�hnend wieder ein.</p><p>Er lachte und wandte sich von der Reling ab.</p><p>Bedr�ckt, voller Zorn, reglos lag ich auf der Klinge. Ich sp�rte den schmalen harten Stahl im R�cken. Die Fesseln sa�en fest. Ich sp�rte die Bewegung des Schiffes. Ich sah den blauen Himmel und die Wolken. Ich war v�llig hilflos.</p></section><section><title><p>14</p></title><p>In meiner Position auf dem gro�en gekr�mmten Scherblatt vermochte ich au�er dem Himmel nicht viel zu sehen. Allerdings h�rte ich ein anderes Schiff in der N�he.</p><p>�Es ist der <emphasis>Wendige Tharlarion</emphasis>!� rief eine Stimme. Wir mu�ten uns bereits in der N�he Victorias befinden. Der <emphasis>Wendige Tharlarion</emphasis>, das wu�te ich, war Ragnar Voskjards ureigenstes Schiff. Er kam von Westen den Flu� herauf, um mit seiner Flotte und den Einheiten des Policrates zusammenzutreffen. Diese Zusammenkunft hatte urspr�nglich in Policrates� Festung stattfinden sollen. Nun waren an der Kanalm�ndung Kundschafterschiffe zur�ckgeblieben, um ihn nach Victoria umzuleiten.</p><p>�Du bist Policrates?� h�rte ich einen Ruf.</p><p>�Ja!� antwortete Policrates.</p><p>�Er ist es, es ist Policrates�, meldete sich eine andere Stimme rechts �ber mir. Es war die Stimme Reginalds, der beide M�nner kannte.</p><p>�Wo sind meine Schiffe?� fragte die erste Stimme, die links von mir ert�nte. Wut schwang in dieser Stimme. Erst vor kurzem � vermutlich erst in den letzten Ahn � hatte Voskjard von dem Schicksal so vieler Schiffe seiner Flotte erfahren. Dem m�chtigen Voskjard waren erheblich die Fl�gel gestutzt worden. Von seinen urspr�nglichen drei Flotten, die hundertundf�nfzig bis hundertundsechzig Schiffe umfassen mochten, blieben ihm nun weniger als zwanzig. Es w�rde Zeit kosten, die alte Macht am Flu� zur�ckzugewinnen.</p><p>�Frag den Vosk und deine Kapit�ne, diesen traurigen Haufen�, antwortete Policrates.</p><p>�Willst du mich herausfordern, Kapit�n?� fragte die Stimme von links.</p><p>�Das kannst du sehen, wie du willst�, antwortete Policrates.</p><p>�Wie kommt es, da� meine Schiffe nicht unterst�tzt wurden?� wollte die Stimme von links wissen.</p><p>�Ich habe meinen Teil getan�, antwortete Policrates. �Ich verteidigte den �stlichen Teil des Flusses und hielt damit die gemachten Zusagen.�</p><p>�Keines deiner Schiffe hat auch nur einen Kratzer abbekommen�, klagte die andere Stimme.</p><p>�Die Leute wu�ten eben, da� der Kampf gegen mich sinnlos sein w�rde�, entgegnete Policrates. �Allein meine Gegenwart sch�tzte deine Flanke.�</p><p>�In deiner Festung gerieten meine Leute in einen Hinterhalt!� rief die Stimme von links.</p><p>�Ich war nicht dabei�, wandte Policrates ein. �Hier war List im Spiel. Meine Leute wurden get�uscht.�</p><p>�Deine Leute sind t�richt!�</p><p>�Das gleiche gilt folglich f�r die deinen, die in die Festung einfuhren wie Verr, die sich freiwillig in ein Gehege treiben lassen.�</p><p>�Wie kommt es dann, da� die Losungsworte bekannt waren?� wollte die Stimme von links wissen.</p><p>�Das wei� ich nicht!� rief Reginald. �Von mir k�nnen sie nicht kommen. Die <emphasis>Tamira</emphasis> ist gesunken. Und zwar an der Kette. Ich hatte noch Gl�ck, da� ich mit dem Leben davonkam.�</p><p>�Zwei M�nner, die mit dieser schlimmen Angelegenheit zu tun haben�, sagte Policrates, �h�ngen jetzt nackt und hilflos auf unseren Scherbl�ttern.�</p><p>�Gut�, sagte die Stimme von links. �Ich werde daf�r sorgen, da� sie f�r ihre M�hen ausgiebig entsch�digt werden � ganz nach meinem Belieben.� Die Stimme klang schon etwas ruhiger, und ich sp�rte Blicke auf mir ruhen.</p><p>�Es sind meine Gefangenen�, stellte Policrates fest. �Mit ihnen tue ich, was mir gef�llt.�</p><p>�Wie du willst�, sagte die Stimme links von mir. Ich erkannte, da� Policrates seine Rache an Callimachus und mir pers�nlich vollziehen wollte. Wir waren ihm sehr wichtig. Er hatte nicht die Absicht, uns einem anderen zu �berlassen. Ich wagte mir nicht vorzustellen, was er uns antun wollte.</p><p>��bergib mir jetzt die Kommandoflaggen!� rief die Stimme von links.</p><p>�<emphasis>Ich</emphasis> bin der f�hrende Mann am Flu߫, sagte Policrates.</p><p>�Ich bin Ragnar Voskjard!� rief die Stimme von links.</p><p>�Und ich Policrates!�</p><p>�Ich bin der erste Mann am Flu�!�</p><p>�Du hast h�chstens noch zwanzig Schiffe. Ich verf�ge �ber vierzig!�</p><p>�Wir haben einen Vertrag!� rief Ragnar Voskjard. �Das Versprechen, das wir uns im Schatten des Topases gegeben haben.�</p><p>�Ich habe die Bedingungen dieses Vertrages ge�ndert, mein guter Kapit�n�, sagte Policrates.</p><p>�Mit welchem Recht?�</p><p>�Mit dem Recht meiner vierzig Schiffe.�</p><p>�Ich werde mich in meine Festung zur�ckziehen.�</p><p>�Tu das, wenn es dir gef�llt�, sagte Policrates.</p><p>�Ich bin nicht auf dem Flu� nach Osten gefahren, um mit leeren Schatztruhen zur�ckzukehren.�</p><p>�In Victoria gibt es f�r uns alle mehr als genug�, �u�erte Policrates.</p><p>�Dann werde ich mich dir anschlie�en.�</p><p>�Ich bin der f�hrende Mann am Flu߫, sagte Policrates. �Solltest du das bestreiten wollen, werden wir es ausk�mpfen, Schiff um Schiff.�</p><p>�Ich gedenke es nicht zu bestreiten�, sagte Ragnar Voskjard verbittert.</p><p>�Dann bin ich der f�hrende Mann am Flu߫, sagte Policrates.</p><p>�Ja�, erwiderte Ragnar Voskjard bitter, �du bist der erste Mann am Flu�.�</p></section><section><title><p>15</p></title><p>�Es ist ruhig�, sagte Kliomenes.</p><p>Er stand auf einer Pier in Victoria, links von der Klinge, auf der ich festgebunden war. Das Schiff wurde soeben vert�ut.</p><p>�Wie erwartet�, sagte Policrates, der neben ihm erschien. Piraten verlie�en das Flaggschiff und str�mten an den beiden vorbei. Ich h�rte witzige Bemerkungen �ber die Frauen von Victoria, die den Piraten in dieser Nacht erliegen w�rden.</p><p>�Kein Alarmschlag ist zu h�ren, nicht einmal das�, sagte Reginald, der ehemalige Kapit�n der <emphasis>Tamira</emphasis>.</p><p>Zahlreiche andere Schiffe n�herten sich den Kaianlagen der Stadt und wurden festgemacht.</p><p>�Eigentlich m��ten die Leute mit Geschenken und ihren bekr�nzten T�chtern singend zum Hafen kommen, um uns gn�dig zu stimmen�, sagte Callisthenes.</p><p>�Aber selbst davor haben sie Angst�, sagte Policrates.</p><p>Ich begann mich auf der Scherklinge zu winden und sp�rte gleich darauf wieder frisches Blut am R�cken. Im n�chsten Moment wurde mir eine Schwertspitze an die Flanke gehalten.</p><p>�Zappele nicht herum�, sagte Policrates. Ich hatte die F�uste geballt. Die engen Fesseln an meinen Hand- und Flu�gelenken f�hlten sich ausgesprochen hei� an. Am blauen Himmel �ber mir zog eine Voskm�we ihre Kreise. Ohnm�chtig ballte ich die F�uste.</p><p>�Das ist schon besser�, sagte Policrates und nahm die Klinge fort. �Leider sind wir nicht auf Widerstand gesto�en. Es w�re sicher h�bsch gewesen, dich bei einem Kampf gegen andere Schiffe auf deinem Scherblatt zu beobachten. Heute abend darfst du vielleicht unseren frisch eroberten Sklavinnen Wein kredenzen. Und wenn wir morgen einige Marineman�ver durchf�hren, ist es dir vielleicht gestattet, an deinen Posten auf dem Scherblatt zur�ckzukehren.� Ich h�rte, wie Policrates und einige andere sich abwandten.</p><p>�Es ist still�, sagte Kliomenes nerv�s.</p><p>�Ich hatte gehofft, da� es Widerstand gibt�, meinte Callisthenes.</p><p>�In Victoria sind wir noch nie auf Widerstand gesto�en�, sagte Kliomenes. �Allerdings ist es auch nie so still gewesen.�</p><p>�Und nie zuvor�, bemerkte Callisthenes, �hatten die Feiglinge Victorias soviel Grund f�r ihre Angst. Wenn die Stadt ausger�ubert ist, wird Policrates sie niederbrennen lassen.�</p><p>�Als heilsame Lektion f�r alle anderen St�dte am Flu߫, best�tigte Kliomenes.</p><p>�Ja.�</p><p>�Schlie�en wir uns Policrates an!� sagte Kliomenes.</p><p>Ich h�rte, wie die beiden die Reling des vert�uten Schiffes verlie�en und �ber die Pier zum Hafen gingen. Endlich war ich allein. Zornestr�nen stiegen mir in die Augen, und ich b�umte mich in den Fesseln auf. Blut lief mir �ber den R�cken. Ich vermochte einige Zoll weit an der Klinge abw�rts zu rutschen, kam aber nicht frei. Von meinen H�schern beobachtet, h�tte ich mich nie so heftig bewegen k�nnen, doch jetzt hoffte ich die Fesseln etwas lockern zu k�nnen. Sie bestanden nicht aus Bindefaser, vielmehr waren es einfache Seile, verknotet von M�nnern, die keine Erfahrung als Krieger oder W�chter hatten. �berdies war ich kr�ftig. Und das Metall hinten an der Klinge war zwar nicht messerscharf, aber schmal und rechteckig. Wenn ich genug Zeit hatte, konnte ich vielleicht freikommen. Aber nach kurzer Zeit mu�te ich mein Bem�hen verzweifelt aufgeben. Es war hoffnungslos. Ich war schwei�bedeckt. Aus der R�ckenwunde hatte ich schon viel Blut verloren und f�rchtete zu verbluten.</p><p>Allerdings hing ich nun ein St�ck tiefer an der Klinge. Wenn ich den Kopf hob und m�hsam verdrehte, konnte ich bis zur Hafenstra�e hin�berblicken. Dort, etwa hundert Meter vom B�ro des Pierverwalters entfernt, hatten sich die Piraten versammelt, um ihren Angriff auf die Stadt zu beginnen. Die breite Fl�che zwischen dem Hafenbecken und den ersten H�usern war leer. Der Hafen Victorias schien verlassen zu sein. Offenbar war die ganze Stadt verlassen worden, dem Zorn der rachedurstigen Flu�piraten ausgeliefert.</p></section><section><title><p>16</p></title><p>�Jungs, habt ihr Lust auf teure Weine und k�stliche Leckereien?� rief Policrates.</p><p>�Ja, Kapit�n!� br�llte ein Mann.</p><p>�Habt ihr Lust auf sch�n gegerbtes Leder und kostbar gewebte Stoffe?�</p><p>�Ja, Kapit�n!�</p><p>�Habt ihr Lust auf mehr Gold, Silber und Edelsteine, als ihr �berhaupt verwenden k�nnt?�</p><p>�Ja, Kapit�n!�</p><p>�Habt ihr Lust auf gutgebaute Sklavinnen, die ihr zu eurem Vergn�gen erziehen wollt?� fragte Policrates.</p><p>�Ja, ja, Kapit�n!� riefen Hunderte von M�nnern. Ich h�rte, wie Waffen gezogen und aneinandergeschlagen wurden.</p><p>�Dann nehmt euch Victoria!� rief Policrates. �Die Stadt geh�rt euch!�</p><p>In diesem Moment begann auf dem Dach des Fachwerkhauses, in dem sich das B�ro des Hafenmeisters befand, die Alarmstange zu erklingen. Ein einzelner Mann stand auf dem Dach und schlug mit einem riesigen Hammer dagegen. �berrascht und verwirrt fuhren die Piraten herum. Beinahe im gleichen Augenblick st�rmten aus den scheinbar verlassenen Geb�uden am Hafen die erz�rnten B�rger Victorias hervor, br�llend, hastend, eine unglaubliche Sammlung von Ketten, Werkzeugen und Waffen schwingend. Bogensch�tzen erschienen auf D�chern. Ganze Pfeilsalven sirrten wie dunkler, waagerechter Hagel �ber die K�pfe der angreifenden B�rger und bohrten sich in die verwirrte, urpl�tzlich ins Wanken geratende Masse der Piraten am Beginn der Pieranlagen. Im n�chsten Moment trafen die angreifenden B�rger wie galoppierende geh�rnte Kailiauk, wie unlenkbare, in Panik ausgebrochene Bosk, Piken und Speere waagerecht stellend, Ketten schwingend, Schwerter, Bootshaken, �xte und Schaufeln schwingend, auf die erstarrt dastehenden, verwirrten Reihen der Piraten.</p><p>�K�mpft!� h�rte ich Policrates br�llen. �K�mpft!�</p><p>Ein Pirat wurde mit einer Kette erw�rgt. Eine herumwirbelnde Kette erschlug einen zweiten stoppelb�rtigen Burschen von den Schiffen. Piken fanden ihr Ziel. Ein Pirat st�rzte �ber den K�rper eines anderen, der von einem Pfeil niedergestreckt worden war. Ein erz�rnter B�rger hieb mit einem scharfen Bootshaken um sich und streckte damit so manchen Gegner nieder. Andere gingen geschickt mit Schwertern vor. Die Bogensch�tzen hatten die D�cher verlassen, um sich in den Kampf zu st�rzen und sich ihre Ziele aus unmittelbarer N�he zu suchen. F�nf Piraten wurden vom Rand des Hafenbeckens ins Wasser gesto�en. Immer neue Victorianer erschienen aus Gassen und Bauwerken weiter unten am Hafen und griffen mit Speeren und Schwertern in den Kampf ein.</p><p>�K�mpft!� br�llte ich. �K�mpft f�r Victoria!�</p><p>�Wehrt euch!� kreischte Policrates.</p><p>Ein Dutzend Piraten machte kehrt und lief zu den Schiffen zur�ck.</p><p>Ich b�umte mich an der Scherklinge auf. Mit hektischen Bewegungen versuchte ich mich zu befreien. Aber ich war hilflos. Goreaner hatten mich gefesselt, zwar nicht sonderlich fachm�nnisch, aber mit gro�er Festigkeit.</p><p>�Bleibt, haltet die Stellung!� h�rte ich Policrates rufen. Ich sah, wie er einen Schwerthieb gegen den R�cken eines Piraten f�hrte, der vom Ort des Geschehens hatte fliehen wollen. �Bleibt hier! K�mpft!�</p><p>Ein weiteres Dutzend Piraten machte kehrt und lief auf die Schiffe zu. Und ein weiteres Dutzend!</p><p>�R�ckzug!� rief Policrates. �Zur�ck auf die Schiffe!�</p><p>�Zur�ck auf die Schiffe!� br�llte auch Ragnar Voskjard, ein Ruf, der von Kliomenes und Callisthenes aufgegriffen wurde.</p><p>M�nner eilten an mir vorbei. Einige waren verwundet. Schwerter durchtrennten Haltetaue. Ich sp�rte, wie sich Policrates� Flaggschiff im Wasser bewegte. Nun wurde bereits auf der Pier gek�mpft. Hinter mir sprangen M�nner an Bord. Ob auf diese Weise eine Besatzung zusammenkommen w�rde, war mir unklar. Policrates, gefolgt von Kliomenes und Callisthenes, hastete an mir vorbei, sprang gegen die Bordwand und kletterte �ber die Reling. �Absto�en mit Bootshaken!� befahl Policrates. �Ruder ausfahren!� Das Piratenschiff, das links von mir, auf der anderen Seite der Pier, festgemacht war, l�ste sich ebenfalls aus seiner Position. Wir glitten von der Pier fort. Ein Mann, der noch an Bord springen wollte, verfehlte die Reling und fiel ins Wasser. Sofort wurde er von Aalen angegriffen und hauchte zappelnd und schreiend sein Leben aus. Im Wasser unter mir wimmelte es von Aalen. Das Blut, das von meinem R�cken heruntertropfte, mu�te die Tiere angelockt haben.</p><p>Auf den Piers dr�ngten sich M�nner. Piraten st�rzten ins Wasser. Andere, die weit genug hinten standen, um zu fliehen, machten kehrt und eilten auf die Schiffe zu. Einige hasteten an mir vorbei und sprangen offenbar auf Ruder, in der Hoffnung, sich festhalten und daran hochklettern zu k�nnen. �Behindert die Ruder nicht!� rief Policrates. Ich h�rte, wie hinter mir ein K�rper ins Wasser glitt. Im gleichen Moment hatte sich das Schiff von der Pier gel�st. Ich sah Piraten, die die Waffen fortwarfen und am Kai niederknieten. In den Reihen der Victorianer wurde gejubelt.</p><p>�Gut gemacht, Leute!� rief ich. �Gut gemacht!�</p><p>�Wir kommen wieder!� br�llte Policrates zum Land hin�ber. �Von uns werdet ihr noch h�ren. Wir kommen wieder, ihr Sleen! Wir kommen wieder!�</p><p>Im n�chsten Moment prallte das Heck des Schiffes gegen eine andere Piratengaleere, die aus dem Gedr�nge freizukommen versuchte. �Schafft den Idioten aus dem Weg!� kreischte Policrates. Pfeile, die mit �ldurchtr�nkten, brennenden Lumpen umwickelt waren, trafen das Schiff. Unser Bug bewegte sich ruckhaft zur Seite. Unter mir ringelten sich Aale im Wasser.</p><p>�Ruder r�ckw�rts!� kreischte Policrates, und Kliomenes wiederholte das Kommando. �Feuer l�schen!� forderte Callisthenes. Wieder stie� unser Heck knirschend mit einem anderen Piratenschiff zusammen. Blut str�mte die Klinge hinab, vor der ich hing, doch merkte ich in meiner Begeisterung kaum etwas davon.</p><p>�Gut gemacht, Leute!� rief ich den M�nnern Victorias zu und sp�rte wenig von den Schmerzen im R�cken oder an den Bein- und Fu�gelenken. Dann pl�tzlich durchbrach ein etwa vier Fu� langer und zehn Pfund schwerer K�rper die Wasseroberfl�che und sprang empor. Ich sp�rte die Kiefer zuschnappen und an dem Scherblatt entlangscharren. Und ringelnd fiel das Gebilde wieder ins Wasser. Das Blut erregte die Aale. Erneut versuchte ich mich zu befreien und zerrte heftig an den Fesseln, versuchte sie an der R�ckseite der Klinge entlangzuschaben.</p><p>Urpl�tzlich war ich aufgeschreckt. Meine M�hen hatten nichts anderes bewirkt, als da� ich einige Zoll an der Klinge abw�rts gerutscht war. Nun f�rchtete ich, in die Reichweite der springenden Aale zu geraten. Ich versuchte mich an der Klinge wieder aufw�rts zu bewegen. Arme und Beine gegen das Klingenmetall dr�ckend, konnte ich in meine urspr�ngliche Position zur�ckkehren, aber nicht weiter, denn meine Fu�fesseln verfingen sich an der Unterkante der Klingenhalterung. So war es ungemein schmerzhaft und schwierig, sich oben an der Klinge zu halten.</p><p>Ich schwitzte vor Angst. Im n�chsten Moment ruckte Policrates� Flaggschiff, das erneut gegen ein anderes Schiff prallte, zur Seite, und ich rutschte an der Klinge wieder abw�rts. Meine F��e, die zu beiden Seiten des Metalls zur�ckgebunden worden waren, befanden sich kaum noch einen Fu� �ber dem Wasser. Entsetzt versuchte ich wieder hochzusteigen, doch die Fesseln hielten mich diesmal fest.</p><p>Wieder sp�rte ich einen spitzen Bi� am Bein: Einer der unangenehmen Aale versuchte seine Beute zu finden. Und wieder k�mpfte ich mich zollweise an der Klinge h�her. Drau�en auf den Flu� hinaus w�rden uns die Aale vermutlich nicht folgen.</p><p>Pl�tzlich ging mir auf, da� ich vielleicht nur noch wenige Augenblicke Zeit hatte, ehe das Schiff in die Flu�str�mung zur�ckkehrte. J�h lie� ich mich an der Klinge hinabrutschen. �Habt ihr Hunger, kleine Freunde?� fragte ich. �Riecht ihr Schwei� und Angst? Erregt euch das Blut? Springt zu, ihr kleinen Br�der! Tut mir einen Gefallen.� Ich betrachtete mehrere kleine, spitz zulaufende K�pfe, die aus dem Wasser ragten und deren Augen wie mattschwarz wirkten. �Kostet das Blut!� ermutigte ich sie, schob mich gegen die Klinge zur�ck und versuchte meine Kn�chel am Stahl zu schaben.</p><p>Ich wu�te, da� die Kiefer dieser Aale, wenn sie richtig zubissen, ein gro�es St�ck Fleisch aus einem Menschen herausrei�en konnten. Au�erdem war mir bekannt, da� der Aal seine Nahrung selten au�erhalb des Wassers sucht, da� solche zuschnappenden Bisse vermutlich schwer ihr Ziel finden w�rden. Mehr als ein Aal hatte bei seinen Attacken bereits die Klinge und nicht meinen K�rper getroffen; vielleicht bezogen sich die Angriffe ohnehin nur auf die Stelle, an der das Blut ins Wasser tr�pfelte.</p><p>Das Wasser unter mir sch�umte f�rmlich vor zuckenden, sich windenden Leibern. Das Schiff bewegte sich einen Meter r�ckw�rts. �Helft mir schnell, ihr kleinen Freunde!� flehte ich. �Die Zeit wird knapp!� Pl�tzlich fuhr peitschend ein gro�er Aal aus dem Wasser und zerrte an der Seite meines zerschundenen Beins. Ich f�hlte die Z�hne des zur Seite geneigten Kopfes an der Wade entlangschaben. Und schon fiel das Tier ins Wasser zur�ck. �Gut, gut!� rief ich. �Beinahe h�ttest du es geschafft! Versuch�s noch einmal, du gro�er Bursche!�</p><p>Ich beobachtete das Wasser, schaute zu, wie das Wesen im Wasser herumwirbelte und offenbar erneut das Ziel anpeilte. Mein linker Kn�chel, den ich mir an der Hinterkante der Klinge absichtlich zerschnitten hatte, blutete � und dieses Blut sickerte in die verknoteten Seile meiner Fesseln. Mit dem geringen Spiel, das die engen Fesseln mir lie�en, mu�te ich auskommen. Beinahe zu schnell, um es wahrzunehmen, sah ich den Aal wieder aus dem Wasser springen. So gut wie m�glich schob ich dem Tier meinen Kn�chel hin. Dann schrie ich vor Schmerzen auf. Das Gewicht des peitschenden, rei�enden Fisches mu�te etwa zwanzig Pfund betragen haben. Das Tier war ungef�hr sieben Fu� lang. Schreiend legte ich den Kopf in den Nacken. Mein linkes Fu�gelenk steckte zwischen den Kiefern des Gesch�pfes. Nadelscharfe Z�hne bissen zu. Ich f�rchtete schon den Fu� zu verlieren, doch die dicken Seile, die zum Teil doppelt verlegt und verknotet waren, sch�tzten mich wie ein Faserschild und verhinderten, da� sich die Z�hne zu tief in mein Fleisch gruben.</p><p>Wahrscheinlich von den hinderlichen Schn�ren verwirrt, verlagerte das kleine Monstrum seinen Bi�. Es begann an den Seilen zu ziehen. Es mu�te das Maul voll haben mit blutdurchtr�nkten, draht�hnlichen Fesselfasern. Zweifellos spornte das Blut den Aal an, seine Bem�hungen fortzusetzen. Der Schwanz peitschte das Wasser. An den Fesseln h�ngend, wand es sich hin und her. Dann fiel er mit fasergef�lltem Maul ins Wasser zur�ck. Und wieder zerrte ich an meiner Fesselung, und wieder hielt sie. Und erneut gab ich, was ich an Kraft noch zu geben hatte, und h�rte diesmal etwas rei�en. Pl�tzlich waren meine Fu�gelenke frei. Ich warf die Beine herum und schwang mich, an den Handfesseln h�ngend, auf und hinter die Klinge, wobei ich das rechte Bein �ber den oberen Teil der Klingenhalterung hob.</p><p>�Ho!� rief eine zornige Stimme rechts �ber mir. Ich sah, wie eine Speerspitze zum Wurf zur�ckgezogen wurde. Auf der flachen Halterung hockend, klammerte ich mich an der Klinge fest. Zwar waren meine H�nde durch Fesseln verbunden, doch hatten sie etwa einen Fu� Spiel, da sie zuvor um die Klinge herum gebunden worden waren. Den heranzuckenden Speer ergriff ich hinter der Klinge und zerrte ihn ruckhaft in meine Richtung. Der Angreifer, der so schnell seine Waffe nicht loslassen konnte, wurde �ber die Reling gezerrt. Er prallte gegen die Klinge und glitt schreiend und schwerverletzt ins Wasser. Der Speerschaft wurde meinen H�nden dabei entwunden. Unter der Klinge begann das Wasser zu brodeln. Luftblasen stiegen auf, die sich schnell rot f�rbten. �Fre�t nur, kleine Freunde!� sagte ich. �Fre�t und habt Dank!�</p><p>Policrates� Flaggschiff bewegte sich nun ungehindert r�ckw�rts auf den Flu� hinaus. Ich zog meine Handfessel vor die Schnittkante der Klinge und s�gte hin und her. Pl�tzlich bliesen H�rner zum Kampf, Signale, die ich nicht verstand. Auf den Piers und der Hafenstra�e machte ich Hunderte von Victorianern aus. Sie winkten und schwenkten Waffen. Vor ihnen lagen entkleidete, gefesselte Piraten.</p><p>Links von mir stand ein Schiff in Flammen � es war der <emphasis>Wendige Tharlarion</emphasis>, das Flaggschiff Voskjards. In der N�he bohrte sich knirschend eine Ramme in eine Schiffswand. Dies ergab f�r mich keinen Sinn, denn die dicht zusammen man�vrierenden Schiffe h�tten, selbst aus Versehen, niemals genug Fahrt f�r einen solchen Rammsto� aufnehmen k�nnen.</p><p>Bei�ender Rauch machte sich bemerkbar. Ich klammerte mich an der Klinge fest. Policrates� Flaggschiff wendete. Wieder ert�nten H�rner � von beiden Seiten, flu�aufw�rts und flu�abw�rts. Und wieder bohrte sich eine Ramme vernichtend in das Holz eines Schiffes. Auf Piratengaleeren gab es Geschrei.</p><p>Von der Scherblatt-Halterung sprang ich auf die Backbordreling und zog mich hoch. Gleich darauf hockte ich geduckt auf Deck. Ein Schwertschwinger st�rzte sich auf mich. Ich tauchte unter der Klinge hinweg, packte ihn an den Fu�gelenken und nutzte seine Eigenbewegung dazu, ihn �ber die Schultern zu heben. Kreischend verschwand er �ber die Bordwand. Ein anderer Mann versuchte nach mir zu schlagen, doch ich glitt zur Seite aus, fa�te ihn mit dem rechten Arm um die Brust und schleuderte ihn seitlich gegen die Wand des Vorderkastells. �chzend sank er zu Boden.</p><p>Auf dem Vorderdeck �ber mir schrie Policrates Befehle. Ich bohrte das erbeutete Schwert in das Holz �ber mir, wo ich es jederzeit erreichen konnte. Dann setzte ich F��e und H�nde in die kunstvollen Schnitzereien des Vorderkastells und stieg anderthalb Meter empor. Das Herz schlug mir bis in den Hals.</p><p>Auf dem Flu� wimmelte es von Schiffen! Ich sah die <emphasis>Tais</emphasis> unter dem Kommando des unerm�dlichen Calliodorus, ich sah andere Schiffe aus Port Cos. Es mu�te sich um Callisthenes� alte Flotte handeln, die er nach Port Cos zur�ckverlegt hatte, damit sie nicht an den K�mpfen um die Kette teilnehmen konnte. Sie wurde verst�rkt durch Schiffe aus Tafa, Ven, Tetrapoli und sogar aus dem fernen Turmus. Diese Schiffe waren aus dem Westen gekommen, gegen die Str�mung.</p><p>An Steuerbord, flu�aufw�rts, war das Wasser gef�llt mit bewaffneten Handelsschiffen. Auch dort gewahrte ich die Farben von �ber einem Dutzend St�dte. Die Banner und Wimpel von Victoria waren zur Stelle, von Fina und Hammerfest, von Sulport, Sais, Siba und Jasmine, von Jorts F�hre und Kap Alfred, von Iskander, von Tancreds Furt und Waldhafen. Neben anderen Fahnen sah ich Banner, die so weit aus dem Osten kamen wie Wei�wasser und Lara, das am Zusammenflu� von Vosk und Olni lag. Die Geduld der ehrlichen Flu�bewohner war endlich ersch�pft.</p><p>Ich zog mein Schwert aus dem Holz und sprang auf das Deck zur�ck. Policrates� Flaggschiff ruckte, von einem anderen Piratenschiff getroffen, zur Seite. Ich verlor das Gleichgewicht. Als ich mich wieder gefangen hatte, eilte ich unverz�glich auf die Backbordseite und sprang auf das andere Scherblatt hinab.</p><p>�Jason!� rief Callimachus, der dort angebunden hing.</p><p>Im Nu hatte ich die Fesseln durchgeschnitten, die seine F��e sicherten, und durchtrennte dann auch die Schn�re an seinen H�nden, wobei ich ihn mit einem Arm festhielt. Zitternd zerrte er sich zur Klingenhalterung empor. �Du bist frei!� rief er. �Was geht hier vor?�</p><p>�Die St�dte erheben sich�, antwortete ich. �Schiffe kommen aus Ost und West, von unten und oben am Flu�, kampfbereit. In den Herzen dieser Menschen lodert der Krieg. Policrates und Voskjard haben ausgespielt.�</p><p>�Gib mir ein Schwert!� forderte Callimachus.</p><p>�Bist du auch kr�ftig genug?� fragte ich. �Es gibt wirklich nicht mehr viel zu tun.�</p><p>�Ein Schwert!� forderte Callimachus. �Ich will ein Schwert!�</p><p>Ich grinste. �Sicher l��t sich an Bord eines finden.�</p><p>Kaum waren wir an Deck gestiegen, da glitt das an Backbord liegende Piratenschiff seitlich am Flaggschiff entlang. Die beiden Scherbl�tter verhakten sich, und wir h�rten Holz rei�en.</p><p>�Ruder r�ckw�rts!� kreischte Policrates vom Bugkastell. Das Piratenschiff, das an Steuerbord lag, wurde geentert. Callimachus begab sich zu einem der Ruderer, der nat�rlich mit dem Gesicht zum Heck sa�. Von hinten zugreifend, zog Callimachus dem Mann das Schwert aus der Scheide. Der Ruderer schaute zur�ck und warf sich sofort bleichen Gesichts �ber die Reling ins Wasser. Nun blickte Callimachus zur H�he des Vorderkastells empor, und im gleichen Moment wurde er von Policrates entdeckt. Hinter dem Piraten stand Callisthenes. Zwei M�nner hasteten den Niedergang herab auf Callimachus zu, w�hrend Callimachus und Callisthenes die Schwerter zogen. Beide Angreifer sanken zu Boden, und ich hatte kaum eine Bewegung des Schwertes wahrgenommen. Callimachus war im Umgang mit der Waffe nicht ungeschickt. Bleich starrten Policrates und Callisthenes auf das Hauptdeck herunter. �Ich stehe zu dir�, sagte ich. �Nein�, widersprach Callimachus. �Die beiden geh�ren mir.�</p><p>Ich sah ihn an. Er l�chelte. �Hol Ragnar Voskjard�, sagte er. Grinsend wandte ich mich von ihm ab, und gleich darauf klirrten hinter mir die Schwerter.</p><p>Ich blickte �ber die Backbordreling. Etwa vierzig Meter entfernt, schon von der Flu�str�mung ergriffen, lag Ragnar Voskjards Schiff, das von Flammen eingeh�llt zu werden drohte. Zwischen den Schiffen trieben so viele Wrackteile, da� man die Distanz beinahe zu Fu� h�tte �berwinden k�nnen. Wieder wurde zum Kampf geblasen. In der N�he gellte Kampfl�rm auf, der mir verriet, da� wieder einmal ein Piratenschiff geentert worden war. Im Hafen lagen mindestens ein Dutzend brennender Schiffe.</p><p>Ich bi� an der Lederumwicklung des Schwertgriffes herum, den ich in der Hand hielt, bekam eine Faser los und fertigte mir daraus eine primitive Handschlinge. Sollte ich im Wasser die H�nde benutzen m�ssen, wollte ich nicht gleichzeitig die Waffe verlieren. Dann legte ich mir die Schlinge um das Handgelenk, packte die Waffe und sprang mit den F��en voran ins Wasser. Ich schwamm zu einem Flo� aus zerschmetterten Planken. Gefahr drohte von den Aalen im allgemeinen nur in den Untiefen rings um die Hafenanlagen.</p><p>Kaum war ich auf das Flo� gestiegen, als ich eine mittelgro�e Galeere n�her kommen sah, die sich zwischen Policrates� Flaggschiff und Ragnar Voskjards <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis> schob. Am Heck flatterte das Banner von Tafa. Ich tauchte zur Backbordseite des Schiffes. Gleich darauf wurde ich von der Bugwelle ergriffen und auf den <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis> zu geschoben. Wasser spuckend, den Kopf hebend, sah ich einen weiteren Schiffsumri� n�her kommen. Ich schwamm auf den <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis> zu. Der alles �berdeckende Schatten schien in meine Richtung abzubiegen, und dann erkannte ich zu meinem Entsetzen, da� das Schiff die Absicht hatte, die Steuerbordruder des <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis> abzuscheren. Pl�tzlich befand ich mich zwischen zwei Schiffen. Es gab ein knirschendes, knackendes Ger�usch, das von brechenden Rudern herr�hrte. Ich streckte die Hand aus und ber�hrte die bebende Bordwand des <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis>. Das Scherblatt pfl�gte auf mich zu. Holz zerkratzend und zerrei�end, Ruder zerbrechend, k�mpfte sich die Klinge in meine Richtung. Ich tauchte unter das Schiff. F�r einen Schwimmer geht die gr��te Gefahr �brigens nicht von der Klinge aus, denn deren untere Kr�mmung liegt in der Regel mindestens einen Fu� �ber dem Wasser, so da� man m�helos ausweichen kann. Man kann sich sogar zwischen die Klinge und das Schiff retten, an dem es befestigt ist. Die gr��te Gefahr liegt f�r den Schwimmer vielmehr in dem knirschenden Zusammenprall der Schiffsr�mpfe hinter den Klingen. Nur wenige Kapit�ne sind so geschickt, da� sie beim Scherkampf einen geraden, parallelen Kurs beibehalten k�nnen. Beide Schiffe sind in Bewegung, und die Winkel zueinander ver�ndern sich st�ndig.</p><p>Aufblickend sah ich den langen schmalen Kiel des angreifenden Schiffes vorbeigleiten. Dann ert�nte ein rei�endes Brechen, als es die Steuerbordwand des <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis> einschnitt. Der Angriff war in zu steilem Winkel erfolgt, woraufhin beide Schiffe knirschend zusammenstie�en. Als ich das Licht freien Wassers zwischen ihnen ausmachte, kehrte ich an die Wasseroberfl�che zur�ck, umgeben von Splittern und allerlei Treibgut. Aus dem angreifenden Schiff wurden Ruder herausgeschoben, um die andere Galeere auf Abstand zu bringen. Ich packte ein Ruder des <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis>, das abgebrochen aus der Ruderpforte hing. An diesem Ruder kletterte ich empor, wobei mir das Schwert am Arm baumelte. Ich legte die Finger um den Rand der Ruderpforte und �berzeugte mich, da� die Ruderbank drinnen verlassen war. Offenbar hatte die Besatzung des <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis> das Schiff weitgehend verlassen.</p><p>Mit Hilfe des Ruders und der Pforte zerrte ich mich weiter hoch. Gleich darauf war ich �ber die Reling geglitten und stand auf dem Deck des <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis>. Das Vorderkastell war verlassen. Die wenigen M�nner, die sich noch an Deck aufhielten, griffen mich nicht an. Ich sah das attackierende Schiff r�ckw�rts fahren, um wieder in Position zu gehen. Offenbar versuchte es den Rammsporn einzusetzen, um anschlie�end zu entern. Auf dem Achterkastell entdeckte ich die Gestalt eines Mannes, der damit besch�ftigt war, Kapit�nsinsignien von seiner Tunika zu rei�en. Zwei Piraten retteten sich an Backbord ins Wasser. Ich eilte das Deck entlang und den Niedergang zum Achterkastell empor. Der Mann fuhr zu mir herum, die goldene Kapit�nsschnur in der rechten Hand. �Sei gegr��t, Ragnar Voskjard!� sagte ich zu ihm. �Ich bin gekommen, dich zu holen.�</p><p>Er griff nach seinem Schwert, doch schon war meine Waffe auf seinen Bauch gerichtet. Er nahm die Hand von seinem Schwertgriff.</p><p>�So ist�s besser�, sagte ich. �Nun auf den Bauch, hier vor mich!�</p><p>Zornig blickte er mich an. Ich grinste, l�ste die Schlinge meines Schwertes und bohrte es neben mich in die Decksplanken.</p><p>Sein Blick fiel auf die Klinge, die neben mir stand.</p><p>�Nun aber fix!� befahl ich.</p><p>Seine Augen funkelten.</p><p>Er versuchte, sein Schwert zu ziehen. Sofort eilte ich auf ihn zu und erwischte ihn mit einer geballten Faust in den Unterleib. Benommen starrte er mich an und klappte zusammen. Dies gab mir Gelegenheit, ihn mit einem wohlgezielten Kinnhaken niederzustrecken. An den F��en zog ich den Bewu�tlosen schlie�lich in die Mitte des hohen schmalen Achterkastells und drehte ihn auf den Bauch herum.</p><p>�Nat�rlich, von dir kann man nichts als �rger erwarten�, sagte ich zu ihm und kniete �ber ihm nieder. �Ich habe Erfahrung als Kampfsklave�, fuhr ich fort. Mit Streifen, die ich von seiner Kleidung abri�, band ich ihm die H�nde auf dem R�cken zusammen. �Vielleicht hast du selbst einmal, hier und dort, auf Burschen wie mich Wetten abgeschlossen.� Er st�hnte. �Am�sant, nicht wahr, da� der gro�e Ragnar Voskjard nichts anderes ist als der Gefangene eines ehemaligen Kampfsklaven?�</p><p>�La� mich frei!� bat er. Ich zog die Knoten nur noch fester. �Ich bezahle dir viel�, sagte er.</p><p>�Welches Geld k�nnte das Vergn�gen aufwiegen, Ragnar Voskjard gefangenzunehmen?� fragte ich.</p><p>�Sei gn�dig!� bat er.</p><p>�Nein.�</p><p>�Du h�ttest mich nicht so fest binden m�ssen.�</p><p>�Es macht mir aber Freude.� �ber diese Worte mu�te ich l�cheln. So sprach ein Goreaner.</p><p>Pl�tzlich erbebte das Schiff unter einem gewaltigen Aufprall.</p><p>�Wir sind gerammt worden!� rief Voskjard.</p><p>�Und zwar durch das Schiff, das deine Steuerbordruder abgeschert hat�, sagte ich. �Wie du siehst, zeigt es die Farben von Turmus.�</p><p>�Wir werden sinken!� rief Voskjard.</p><p>�Nicht sofort�, antwortete ich, stand auf und schnitt ihm zum Zeichen, da� er mein Gefangener war, die Kleidung vom Leib. Aus seinem Schwertgurt machte ich mir eine kurze F�hrungsleine f�r ihn.</p><p>�La� mich nicht in die H�nde der Victorianer fallen!� flehte er.</p><p>�Du wolltest Victoria vernichten. Du hast gesehen, wie die Victorianer k�mpfen. Und hier st�rmen M�nner aus Turmus an Bord.�</p><p>��berla� mich ihnen!� flehte er.</p><p>�Auf die F��e, Sleen!� befahl ich und zerrte ihn hoch.</p><p>�Wer bist du?� fragte er angstvoll.</p><p>�Jason�, antwortete ich. �Jason � aus Victoria!�</p><p>�Nein!� schrie er. Im gleichen Augenblick warf ich ihn vom hohen Achterkastell des <emphasis>Wendigen Tharlarion</emphasis> ins bewegte Fu�wasser. Anschlie�end schob ich die Hand durch die Schwertschlinge, zog die Waffe aus dem Holz, winkte den K�mpfern aus Turmus zu, die bereits �ber das geneigte Hauptdeck wimmelten, und sprang mit den F��en voran ins Wasser.</p><empty-line/><p>Der Kampf, so vermutete ich, war so gut wie vorbei.</p><p>Voskjard �chzte und w�rgte, als ich ihn, halb an der Halsschlinge, halb am Arm, �ber die Reling von Policrates� Flaggschiff hievte. Unsanft landete er auf dem halb �berschwemmten Deck. Policrates� Flaggschiff schien verlassen zu sein. Es war gerammt worden. Ich nahm nicht an, da� es sich noch lange �ber Wasser halten w�rde.</p><p>Im Hafen Victorias wimmelte es von Schiffen, doch standen viele davon in Flammen.</p><p>Die Alarmstange wurde erneut geschlagen, nun aber zum Zeichen des Sieges. Menschen dr�ngten sich am Hafen. Bekr�nzte wei�gekleidete M�dchen waren zu sehen.</p><p>Ragnar Voskjard versuchte aufzustehen, doch mit dem Fu� stie� ich ihn energisch wieder auf das Deck.</p><p>�La� mich frei!� flehte er.</p><p>�Still!� rief ich, denn ich glaubte ein Ger�usch geh�rt zu haben. Mit schnellen Bewegungen zerrte ich ihn das geneigte Deck zur Steuerbordreling empor, wo ich ihn an einer Strebe festband.</p><p>�Wenn das Schiff sinkt, bin ich hilflos�, sagte er heiser.</p><p>�Ja�, gab ich zur�ck und wandte mich ab.</p><p>Vierzig Fu� entfernt stand Kliomenes, geduckt, das Schwert in der Hand.</p><p>�Du mu�t dich im unteren Laderaum versteckt haben�, sagte ich zu ihm. �Als das Schiff dann gerammt wurde, wurdest du wie eine Urt nach oben getrieben.�</p><p>Langsam r�ckte er vor. Ich beobachtete seine Schwertspitze. Die Augen eines Mannes k�nnen l�gen, nicht aber die Spitze einer Klinge.</p><p>�Wo sind Policrates und Callisthenes?� fragte ich.</p><p>�Ich wei� es nicht.�</p><p>�Befreie mich!� rief Ragnar Voskjard.</p><p>�Jetzt mu� jeder f�r sich allein k�mpfen�, erwiderte Kliomenes und st�rzte sich auf mich. Ich verteidigte mich und wartete ab, bis er zur�ckwich.</p><p>�Wird dein Arm schon lahm?� fragte ich. �Vielleicht m�chtest du mir deine Tunika �berlassen. Mir ist kalt.�</p><p>Mit einem Wutschrei bedr�ngte er mich erneut � und wieder verteidigte ich mich lediglich. Manchmal standen wir bis zu den Kn�cheln im Wasser, manchmal auch bis zu den Knien. Zweimal rutschte er aus, doch ich benutzte den Vorteil nicht.</p><p>Nach Luft schnappend, stand er schlie�lich vor mir, bedroht von meiner Klinge. �Du bist mein Gefangener�, sagte ich. �Knie nieder.�</p><p>Er gehorchte.</p><p>�H�rst du den Hammerschlag an Land?� fragte ich lachend. �Dort werden Eisenkragen geschmiedet, mit Ketten daran, bestimmt f�r die H�lse deiner Piraten. Eine unbequeme Sache, ein solcher Kragen. Ich habe diese Last selbst schon getragen.� Mit Streifen, die ich von seiner Tunika abri�, fesselte ich ihm die H�nde auf dem R�cken.</p><p>Lachend richtete ich mich wieder auf. �Der <emphasis>Wendige Tharlarion</emphasis> ist gesunken�, sagte ich. Im gleichen Moment lief auch durch Policrates� Flaggschiff ein heftiger Ruck, und ich h�tte beinahe das Gleichgewicht verloren.</p><p>�Wir sinken!� rief Ragnar Voskjard und versuchte sich zu befreien, vergeblich.</p><p>�Seid gegr��t!� rief ich fr�hlich zu Callimachus und Tasdron hinunter, die, mit anderen M�nnern in einem Ruderboot sitzend, l�ngsseits gekommen waren. Ich hatte die Ann�herung seit einiger Zeit verfolgt.</p><p>�Was hast du denn da oben?�</p><p>�Zwei h�bsche verschn�rte Urts�, antwortete ich. �Ob sich wohl Eisenkragen f�r sie finden lassen?�</p><p>�An Land�, antwortete Callimachus. �Wir sperren sie zu den anderen.�</p><p>Ich blickte in das Boot hinab. �Wie ich sehe, hast du dir zwei Tuniken erobert�, sagte ich.</p><p>�Policrates war so nett, mir die seine zu �berlassen�, antwortete Callimachus und deutete in den Bug des Beibootes. Dort lagen Policrates und Callisthenes nackt und gefesselt nebeneinander.</p><p>�Ob sie ihre Wunden �berleben?� fragte ich.</p><p>�Ich habe sie nicht t�dlich verwundet�, antwortete Callimachus. �Sie werden also in den Genu� der Steinbr�che oder der Ruderbank kommen.�</p><p>Ich beneidete Policrates und Callisthenes, Kliomenes und Ragnar Voskjard nicht. In den Steinbr�chen und auf den Galeeren sind die Ketten schwer und die Peitschen schnell zur Hand.</p><p>�Komm an Bord!� sagte Callimachus und streckte mir die Hand entgegen.</p></section><section><title><p>17</p></title><p>Sie hei�t die Stra�e der zuckenden Sklavin. Sie ist dunkel und schmal und zieht sich in engen Windungen vom Hafen empor. Hier versuchen die meisten M�nz-M�dchen, von ihren Herren losgeschickt, ihr Geld zu verdienen.</p><p>Heute war es schon sp�t; die meisten dieser M�dchen waren schon wieder hinter die verschlossenen T�ren ihrer Herren zur�ckgekehrt.</p><p>In un�bersichtlichen Kurven zieht sich die Stra�e der zuckenden Sklavin durch einen Handelsdistrikt und n�hert sich einem h�geligen Wohnbezirk. Freie Frauen lassen sich selten hier sehen.</p><p>Wenn ich die H�nde ausstreckte, konnte ich beinahe die ganze Breite der Gasse �berbr�cken.</p><p>Ich glaubte ein L�uten zu h�ren und l�chelte. Es war sp�t f�r ein M�nz-M�dchen.</p><p>In der N�he einer winzigen Tharlarion�l-Lampe blieb ich stehen. Sie hing etwa einen Meter �ber meinem Kopf und befand sich in einer kleinen Nische. Lampen dieser Art erhellten die Stra�e. Die Anwohner wechseln sich beim Nachf�llen und Ausbessern dieser Lampen ab. Wie bei vielen solchen Dingen, etwa bei der Stra�enreinigung oder Ausbesserung, liegt die Verantwortung beim einzelnen und nicht bei der Gemeinschaft. So gesehen, werden die goreanischen Steuern auf die denkbar direkteste Weise erhoben, durch den B�rger selbst, f�r Dinge, die ihn selbst betreffen. Dritte sind gar nicht erst eingeschaltet, so da� jeder genau wei�, um wieviel Geld es geht und wie es ausgegeben wird.</p><p>Wieder h�rte ich das Gl�ckchen und mu�te l�cheln. Weiter erstieg ich die Stra�e. Durch die Sohlen meiner Sandalen sp�rte ich das rauhe Kopfsteinpflaster.</p><p>Ich kam um eine Ecke und erblickte sie; sie waren noch etwa f�nfzig Meter entfernt und kamen mir entgegen; dabei n�herten sie sich einer der kleinen Tharlarion�l-Lampen. Unter der Lampe wurde das M�dchen, das an der Leine lief, angehalten und blieb stocksteif stehen, um meine Ann�herung abzuwarten. Beide M�dchen trugen kurze Sklaventuniken und waren barfu�. Die Begegnung erfolgte gewi� rein zuf�llig.</p><p>�Oh!� murmelte ich und blieb pl�tzlich stehen, als sei mir im Vorbeigehen etwas eingefallen. Ich wirkte wie ein Mann, der, aus seinen Gedanken gerissen, die M�dchen eben erst gewahrt. Ich schien mir das angebundene M�dchen genau anzuschauen, als versuchte ich sie wiederzuerkennen.</p><p>Im gelbflackernden Licht der Lampe betrachtete ich sie � klein, schlank, gut gebaut, sch�n. Die an der H�fte von einem G�rtel zusammengehaltene Tunika war braun und bestand aus eng haftendem d�nnen Reptuch. Sie trug einen weiten Ausschnitt zur Schau. Um den Hals lag eine Kette, an der zwei Gegenst�nde befestigt waren: eine schmale bronzene Glocke und ein Metallk�stchen mit M�nzschlitz und Verschlu�. Ich hatte das K�stchen nicht klappern h�ren: Es schien leer zu sein. Die lange Lederleine, die von ihrem Metallkragen ausging, wurde von dem anderen M�dchen gehalten.</p><p>�Beverly!� fl�sterte ich. �Bist du das?�</p><p>Sie antwortete nicht. In ihren Augen standen Tr�nen. Ihre Unterlippe bebte.</p><p>Das andere M�dchen zog zweimal energisch an der Leine.</p><p>�Darf ich dir gefallen, Herr?� fragte das erste M�dchen.</p><p>�Sie ist ein M�nz-M�dchen�, sagte die Sklavin, die die Leine hielt.</p><p>�F�r eine Tarsk-M�nze geh�re ich dir�, f�gte das angebundene M�dchen hinzu.</p><p>��ffne die Tunika!� befahl das andere M�dchen.</p><p>Die Angesprochene �ffnete den G�rtel aus Bindefaser, hielt mit beiden H�nden das Gewand auseinander und bot sich meinen Blicken dar.</p><p>Sie war die sch�nste, anziehendste Frau, die ich je gesehen hatte.</p><p>�Ich hoffe, da� ich dem Herrn gefalle�, sagte sie.</p><p>�Beverly�, antwortete ich.</p><p>�Sie hat keinen Namen�, warf das M�dchen ein. �Ihr Herr hat ihr noch keinen gegeben. Fr�her einmal, das stimmt, war sie als Beverly bekannt.� Und energisch, nachdr�cklich versetzte sie dem M�dchen mit dem losen Ende der Lederleine einen Hieb auf die R�ckseite der Beine. �Ist dir eigentlich klar, da� du vor einem freien Mann stehst?� sagte sie.</p><p>Und das M�dchen, das einmal Mi� Beverly Henderson aus New York gewesen war, kniete vor mir auf den rauhen Steinen der schmalen Stra�e Victorias nieder. �Verzeih mir, Herr!� fl�sterte sie.</p><p>�Erdenm�dchen sind ja so dumm!� sagte das andere M�dchen ersch�pft.</p><p>�Viele sind nicht dumm�, widersprach ich, �sondern nur unwissend.�</p><p>�Jede Frau kann lernen�, meinte sie.</p><p>�In der Tat�, antwortete das M�dchen l�chelnd und zog an der Leine.</p><p>�Nimm mich f�r eine Tarsk-M�nze, Herr!� rief das kniende M�dchen und blickte zu mir auf.</p><p>�Nein�, erwiderte ich.</p><p>Best�rzt sah sie mich an.</p><p>�Glaubst du, ich respektiere dich so wenig?� fragte ich.</p><p>�Du hast sein Interesse nicht erweckt�, sagte das M�dchen, das die Leine hielt, und zerrte w�tend daran.</p><p>�Aber ich bin Sklavin!� rief das kniende M�dchen. �Wolltest du mich nicht die ganze Zeit besitzen?�</p><p>�Aber du glaubst doch nicht, da� ich mich dir aufdr�nge, da du in einer so bedr�ngten Lage bist�, sagte ich.</p><p>Entt�uscht begann sie zu schluchzen.</p><p>�Aufstehen, Sklavin!� sagte das andere M�dchen. �Du hast sein Interesse nicht erweckt.� Schluchzend folgte das andere M�dchen dem Befehl. Sie schien kaum stehen zu k�nnen, so sehr zitterte sie.</p><p>�Was ist los?� fragte ich.</p><p>�Sie ist eine absolut wertlose Sklavin�, sagte das M�dchen mit der Leine. �Schau!� Sie sch�ttelte den M�nzkasten, der am Kragen des M�dchens hing. �Leer! Wir sind jetzt schon viele Ahn unterwegs, doch keiner der M�nner wollte sie.�</p><p>�Warum weint sie dann?�</p><p>�Sie f�rchtet zu Recht den Zorn ihres Herrn.�</p><p>Ich nickte. �Aber vielleicht ist er ja nachsichtig�, sagte ich.</p><p>�Er ist ein gnadenloser Antreiber, der mehr M�dchen besitzt, als er braucht�, sagte das M�dchen. �Es ist sp�t, die neunzehnte Ahn ist vorbei. Da� du jetzt noch unterwegs bist, widerspricht allen Absprachen f�r M�nz-M�dchen.�</p><p>�Bitte, Herrin!� flehte das M�dchen.</p><p>�Steh auf!� befahl das M�dchen mit der Leine. �Du wirst jetzt zu deinem Herrn zur�ckgef�hrt, als Versagerin.�</p><p>�Halt!� sagte ich.</p><p>Das kniende M�dchen warf mir einen verzweifelten Blick zu.</p><p>�Ich habe hier eine Tarsk-M�nze�, sagte ich und �ffnete meinen G�rtelbeutel. �Sie braucht nicht mit leerem M�nzkasten heimzukommen.� Ich l�chelte die Kniende an. �Es ist das Mindeste, was ich f�r dich tun kann.�</p><p>Das andere M�dchen aber lie� es nicht zu, da� ich die M�nze in den Schlitz steckte. �Zahlung ohne Leistung, das gibt es nicht�, sagte sie. �Die Ehre meines Herrn darf nicht befleckt werden.�</p><p>Ich zog die Hand mit der M�nze zur�ck.</p><p>Das kniende M�dchen, einst Mi� Beverly Henderson und Student der englischen Literatur an einer gro�en Universit�t in New York, lie� die M�nze nicht aus den Augen. Sie hatte Angst, ich w�rde sie wieder einstecken.</p><p>�Ich will versuchen, mich der M�nze w�rdig zu erweisen, Herr�, fl�sterte sie.</p><p>Ich lie� das Geldst�ck in das schmale Metallk�stchen fallen und hatte den Eindruck, das M�dchen w�re vor Erleichterung und Freude beinahe ohnm�chtig geworden. Dann aber gewahrte ich in ihrem Blick ein anderes Gef�hl, das schon schwerer auszuloten war.</p><p>Das andere M�dchen befestigte die Leine an einem Sklavenring an einer Hausmauer. �Ich ziehe mich zur�ck und warte hinter der Ecke�, sagte sie vielsagend. �Aber du wei�t, da� du ihre Dienste voll in Anspruch nehmen mu�t, nicht wahr?�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>Das kniende M�dchen legte die Tunika ab und warf sie hinter sich auf die Steine. �Ich hoffe, da� ich dem Herrn gefalle.�</p><p>�O gewi߫, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Die ganze Zeit�, sagte sie, �hast du mich nie besessen.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber du h�ttest es gern getan.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und jetzt hocke ich als M�nz-M�dchen vor dir, und du hast eine Tarsk-M�nze f�r mich bezahlt.�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie beugte sich vor und k��te mich z�rtlich.</p><p>Ich legte ihr die H�nde um die Oberarme, und sie schrie vor Schmerzen auf und starrte mich ungl�ubig an.</p><p>�Das ist nicht der Griff eines Mannes von der Erde�, sagte sie, �eines Mannes, der Frauen respektvoll behandelt.� Sie wand sich unter meinen Fingern.</p><p>�Du bist Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Es ist der Griff eines goreanischen Mannes, eines Mannes, der eine Frau zu beherrschen versteht.�</p><p>�Ach, wirklich?�</p><p>�Ja. La� mich frei, bitte. Du bist ein Mann von der Erde. Du mu�t tun, worum eine Frau dich bittet.�</p><p>�Warum? Du willst wirklich, da� ich dich freilasse?�</p><p>�Ja, ja!�</p><p>�L�gnerin!�</p><p>�Bitte bestraf mich nicht, Herr!� wimmerte sie.</p><p>�Den goreanischen Grobianen dienst du fraglos�, sagte ich. �Da soll sich ein Mann von der Erde mit weniger zufriedengeben?�</p><p>�Du behandelst mich nicht wie ein Mann von der Erde.�</p><p>�Ich bin auch keiner�, antwortete ich. �Ich bin Goreaner.� Und ich dr�ckte sie r�cklings auf die Steine.</p><p>�Was tust du?� rief sie.</p><p>�Ich bin geduldig gewesen�, sagte ich. �Ich habe lange auf dich gewartet.� Sie wand sich unter mir. Sie vermochte sich meiner nicht zu erwehren. �Sei zart!� flehte sie.</p><p>�Nein!�</p><p>�Oh!� rief sie.</p><p>�Du scheinst sexuell erregt zu sein, Beverly�, sagte ich.</p><p>�Das bin ich, Herr�, sagte sie. �Bitte, bitte!�</p><p>�Sprich, Sklavin!� sagte ich.</p><p>�Beverly bittet, ihrem Herrn dienen zu d�rfen.�</p><p>Und ich nahm sie, und es dauerte nur wenige Sekunden, da zuckte sie in hilflosen Kr�mpfen unter mir und schrie sich die sklavische Unterwerfung heraus. �Ich bin eine goreanische Sklavin!� rief sie. �Und ich geh�re dir, Herr! Ich geh�re dir!�</p><empty-line/><p>Sie lag neben mir.</p><p>�Wir m�ssen dich langsam zu deinem Herrn zur�ckschicken�, sagte ich.</p><p>�O bitte, Herr, noch nicht!� flehte sie. �La� mich noch ein Weilchen bei dir bleiben.�</p><p>�Wer besitzt dich?� fragte ich.</p><p>�Das wei� ich nicht�, sagte sie. �Wahrscheinlich jemand, der M�nz-M�dchen vermietet. Ich wurde ihm bei der Verteilung der Beute aus Policrates� Festung �berlassen.�</p><p>�Wie sieht er aus?�</p><p>�Keine Ahnung. Ich habe ihn noch nie gesehen.�</p><p>�Was ist er f�r ein Mann?�</p><p>�Er ist streng und grausam, kompromi�los und gnadenlos�, sagte sie. �Er l��t mich sp�ren, da� ich Sklavin bin.�</p><p>�Gar nicht �bel. Aber er ist sicher nicht dein erster Herr. Ein anderer mu� dich zur wahren Sklavin gemacht haben.�</p><p>�Ja�, sagte sie und senkte den Blick.</p><p>�Und?� fragte ich.</p><p>�Einmal, in der Festung des Policrates, wurde ich einem Mann �berlassen, den wir damals f�r den Kurier Ragnar Voskjards hielten�, fl�sterte sie. �Er ��</p><p>�Schau mich an, Sklavin!� befahl ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Hast du dich ihm hingegeben?�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie, �ich gab mich ihm hin, als die unw�rdige Sklavin, die ich bin.�</p><p>�War deine Hingabe an ihn gr��er als an mich?�</p><p>�Nein�, sagte sie mit Tr�nen in den Augen. �Ihr beide seid die m�chtigsten Herren, denen ich zu Gefallen sein mu�te.�</p><p>�Aha�, sagte ich.</p><p>�Er war es, der mir zum erstenmal zeigte, was es bedeutet, Sklavin zu sein.�</p><p>�Bist du ihm dankbar?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Vielleicht kommst du eines Tages wieder in seinen Besitz�, sagte ich.</p><p>�Nein, Herr�, erwiderte sie. �Zweifellos verf�gt er �ber zahlreiche vornehme, wundersch�ne goreanische M�dchen, die ihm dienen. Ich bin nur eine elende Erdensklavin. Sicher hat er mich l�ngst vergessen.�</p><p>�Wie du mir vorhin sagtest, hast du deinen Herrn noch nicht gesehen�, bemerkte ich. �Vielleicht ist er derselbe Mann � ohne da� du es wei�t.�</p><p>�Nein, Herr�, sagte sie l�chelnd. �Einen solchen Mann kenne ich. Er w�re l�ngst zu mir gekommen und h�tte meine Dienste in Anspruch genommen.�</p><p>�Liebst du ihn?� fragte ich.</p><p>�Ja, Herr!� schluchzte sie. �Aber ich bin die elendste aller Sklavinnen.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Denn ich liebe zwei M�nner!�</p><p>�Wer ist der andere?� fragte ich.</p><p>Entsetzt blickte sie mich an. �Zwinge mich nicht zu sprechen, Herr!� flehte sie.</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Na, sch�n.�</p><p>Sie richtete sich auf und klammerte sich an mich. �Kauf mich!� flehte sie. �Behalte mich! Ich m�chte dich nie verlassen! Kauf mich, Herr. Ich werde dir eine gute Sklavin sein!�</p><p>Ich stand auf und zog meine Tunika an. �Es wird Zeit, da� du zu deinem Herrn zur�ckkehrst�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr�, fl�sterte sie.</p><p>Ich deutete die Stra�e entlang.</p><p>Weinend wandte sie sich ab.</p></section><section><title><p>18</p></title><p>Die dunkelhaarige kleine Sklavin kniete nackt vor dem gro�en Spiegel und versuchte mit zitternden H�nden den blauen Lidschatten anzubringen.</p><p>Ich stand hinter einem dunklen Vorhang, der auf beiden Seiten mit Goldstickerei abgesetzt war, und beobachtete die Szene.</p><p>�Ich habe Angst�, sagte das kniende M�dchen und senkte die kleine B�rste.</p><p>�Dazu hast du auch guten Grund�, antwortete das hinter ihr stehende M�dchen, �denn du sollst bald deinem Herrn vorgestellt werden.�</p><p>�Er hat mich sehr grausam behandelt.�</p><p>�Du bist einfach so behandelt worden, wie du es verdienst.�</p><p>�Ja, Herrin�, sagte das kniende M�dchen. Im Licht der drei an einem St�nder h�ngenden Tharlarion�l-Lampen war sie von gro�er Sch�nheit. �Aber ich habe Angst, vor meinem Herrn zu erscheinen.�</p><p>�Eine wohlbegr�ndete Angst f�r eine Sklavin�, sagte das andere M�dchen.</p><p>�Wie sieht er aus? Was f�r eine Art Mann ist er?�</p><p>�Das wirst du erfahren, Sklavin.�</p><p>�Aber was ist, wenn er mich nicht leiden kann?� fragte das kniende M�dchen.</p><p>�Du bist Sklavin�, antwortete die andere. �Es liegt an dir, daf�r zu sorgen, da� er dich reizvoll findet.�</p><p>�Was soll ich tun?�</p><p>�Sei h�bsch � und unterw�rfig.�</p><p>So wie das Licht eingerichtet war, konnte ich die beiden M�dchen durch den Vorhang sehr gut sehen, w�hrend ich selbst im Nebenzimmer im Dunkeln stand. Ein solches Arrangement ist in einem goreanischen Haus �brigens nicht ungew�hnlich, besonders in Zimmern, die dem Aufenthalt von Sklaven dienen.</p><p>�Soll ich meinem Herrn angekleidet vorgestellt werden?� fragte das kniende M�dchen.</p><p>�Wenigstens zu Anfang�, antwortete die Aufseherin.</p><p>�Aha.�</p><p>�Steh auf!�</p><p>Anmutig erhob sich die Sklavin.</p><p>Das andere M�dchen begab sich zu einer gro�en Truhe an einer Seitenwand und �ffnete den Deckel. �Wenn dein Herr dich sehen m�chte�, sagte sie, �wird ein Gongschlag dich rufen.�</p><p>�Ja, Herrin�, antwortete das M�dchen am Spiegel.</p><p>Das M�dchen, das als Aufseherin der kleinen Br�netten fungierte, zog ein knappes durchsichtig gelbes St�ck Vergn�gungsseide aus der Truhe, ein Gewand, wie es im allgemeinen nur von den aufreizendsten Tanzsklavinnen getragen wurde, die sich in den einfachsten Tavernen Gors vor kr�ftigen, einfachen M�nnern pr�sentieren.</p><p>Das M�dchen vor dem Spiegel erschauderte, als der Stoff ihr �bergestreift wurde, und l�chelte. �Dies ist also die Kleidung, in der ich meinem Herrn vorgestellt werden soll.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Darin ist man ja nackter als nackt.�</p><p>�In der Gegenwart deines Herrn wirst du sogar f�r diesen knappen Fetzen dankbar sein.�</p><p>�Ja, Herrin.�</p><p>Die Aufseherin kehrte zur Truhe zur�ck und nahm Gl�ckchen heraus, wie sie von Sklavinnen an Armen und Beinen getragen wurden.</p><p>�Nun bin ich bereit, meinem Herrn pr�sentiert zu werden�, sagte die h�bsche Br�nette.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wann wird das sein?�</p><p>�Wenn der Gong ert�nt.�</p><p>�Aber wann wird er ert�nen?� fragte die Br�nette bedr�ckt.</p><p>�Wenn der Herr es w�nscht. Und bis dahin wirst du warten, wie es sich f�r eine Sklavin geziemt.�</p><p>�Ja, Herrin�, fl�sterte die kleine Sklavin bek�mmert. Bei jeder Bewegung ert�nten das aufreizende Schellen der Gl�ckchen und das Rascheln der Vergn�gungsseide an ihrem K�rper. Ich widerstand dem beinahe �berw�ltigenden Drang, den Vorhang aufzurei�en, mich ihr zu erkl�ren und sie dort gleich auf die Kacheln zu werfen. Aber ich beherrschte mich. Ich bezwang meine Gel�ste � nicht auf die ungesunde, unabsehbare Weise, die auf der Erde �blich war, sondern auf goreanische Art, um sie sp�ter um so angenehmer und voller auszukosten. �Geh hungrig zum Bankett�, lautet ein goreanisches Sprichwort.</p><p>�Du wirst jetzt niederknien und den Ruf deines Herrn erwarten�, sagte die Aufseherin.</p><p>�Ja, Herrin.�</p><p>Lautlos verlie� ich meinen Posten hinter dem Vorhang. Ich gedachte das Haus zu verlassen und mir in einer Paga-Taverne ein Abendessen vorsetzen zu lassen. Nach dem Essen dann, am fr�hen Abend, w�rde ich zur�ckkehren.</p><empty-line/><p>Ich sa� auf einem Thronsessel auf einer breiten, mit drei Stufen abgesetzten und teppichbelegten Plattform in einem Haus, das mir f�r einige Tage ein Freund geliehen hatte, ein B�rger Victorias.</p><p>Ich trug eine Maske, die genauso aussah wie die, die ich bei meinem ersten Besuch in Policrates� Festung aufgehabt hatte, als ich vor langer Zeit den Kurier Ragnar Voskjards spielte, den �berbringer des Topases. Noch gut erinnerte ich mich an das Fest, mit dem man mich erfreut hatte. Zahlreiche h�bsche Sklavinnen hatten uns bedient, besonders aber war mir eine in Erinnerung, eine kleine Br�nette, die vor mir gekniet und die ich mir sp�ter f�r die Nacht ausgesucht hatte. Als sie, eine Augenbinde tragend, meine Schlafkammer betrat, war sie eine versklavte Frau gewesen, als sie am n�chsten Morgen ging, war sie eine Frau, die genau wu�te, was es bedeutete, Sklavin zu sein. Sie hatte mich angefleht, sie zu kaufen und mitzunehmen. Sp�ter, als Gefangene in der Festung, hatte ich erfahren, da� ihr Herz, ihre unterw�rfige, hilflose Sklavenliebe jenem brutalen, anonymen Herrn geh�rte, dem sie sich hingab.</p><p>Und gestern abend hatte ich ihr, die mit dem K�stchen eines M�nz-M�dchens unterwegs war, beigebracht, welchen Respekt sie einem Erdenmann zu zollen hatte, der sich dazu �berwunden hatte, seine naturgebundene Rolle zu �bernehmen. Als ich sie dann nach Hause schickte, stand sie in einem tiefen Konflikt. Offenbar liebte sie zwei M�nner � den Mann, dem sie in Policrates� Festung gedient hatte, und den anderen, dem sie auf dem Pflaster der Stra�e der zuckenden Sklavin zu Willen gewesen war.</p><p>Ich griff nach rechts und nahm den kurzen Gongschlegel zur Hand. Einmal schlug ich energisch gegen den Gong und lehnte mich zur�ck.</p><p>Noch ehe der Ton verklungen war, h�rte ich aus der Tiefe des Hauses das leise Klimpern von Sklavenglocken n�her kommen.</p><p>Ein Vorhang wurde zur Seite geschoben, dann stand sie vor mir. Sie schien verbl�fft zu sein. Wie wundersch�n sie in dem knappen gelben Gewand aussah!</p><p>Sch�chtern, als k�nnte sie ihren Augen nicht trauen, n�herte sie sich der Plattform. Offenbar konnte sie den Blick nicht von der Maske wenden, die ich trug. Zitternd blieb sie vor der untersten Stufe stehen.</p><p>�Deine Sklavin�, sagte das M�dchen, das die Br�nette hereingef�hrt hatte.</p><p>Ich gab ihr durch eine Handbewegung zu verstehen, da� sie gehen k�nne. Sie l�chelte und zog sich zur�ck. Auch ich mu�te l�cheln. Lola hatte gut mit der Br�netten gearbeitet. Lola war nat�rlich auch die Aufseherin gewesen, die das M�dchen begleitete, als ich sie � als Jason aus Victoria � scheinbar zuf�llig in der Stadt traf und mir als M�nz-M�dchen dienstbar machte. Ich war zufrieden mit Lola. Sie hatte ihre Aufgabe gut erf�llt. Vielleicht konnte ich sie belohnen, indem ich sie an einen passenden Herrn verschenkte.</p><p>�Bist du es wirklich, mein Herr?� fl�sterte die br�nette Sklavin vor mir.</p><p>Ich antwortete nicht.</p><p>�Wenn ich nicht sprechen darf�, fuhr sie fort, �gib es mir zu verstehen. Ich m�chte dich nicht erz�rnen.�</p><p>Ich blieb reglos sitzen.</p><p>�Du erobertest mein Herz in der Festung des Policrates�, fuhr sie fort. �Seit jener Zeit habe ich dir geh�rt. Nie h�tte ich mir das Gl�ck tr�umen lassen, von dir in dein Haus geholt zu werden. Ich danke dir, Herr!�</p><p>Ich blickte auf sie hinab.</p><p>�Ich hoffe inbr�nstig, da� du mich reizvoll findest�, sagte sie. �Ich will mich bem�hen, dir eine gute Sklavin zu sein. Denn ich liebe dich, Herr! Ich liebe dich seit jener Nacht in der Festung.�</p><p>Nat�rlich sagte ich kein Wort.</p><p>�Dein Gesicht ist mir v�llig unbekannt, Herr�, fuhr sie fort. �Entweder warst du maskiert, wie jetzt oder beim Fest des Policrates, oder du legtest mir eine Augenbinde um, wie damals nach dem gro�en Bankett. Du kennst mich gut, aber ich wei� nichts von dir, nicht einmal deinen Namen. Nie habe ich deine Stimme geh�rt. Du hast noch nicht mit deiner Sklavin gesprochen. Neugier steht einer Sklavin nicht an, das wei� ich. Verzeih mir also, Herr.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Verzeih mir, wenn ich dich erz�rnt habe, Herr!� fuhr sie fort. �Bitte la� mich wissen, wenn ich nicht weitersprechen soll.�</p><p>Ich zeigte keine Reaktion.</p><p>�Gestern�, sagte sie und senkte den Kopf, �wurde ich als M�nz-M�dchen losgeschickt und verdiente sechs Tarsk-M�nzen f�r dich, meinen Herrn. Ich hoffe, da� dich das freut.� Sie blickte mich an. �Vielleicht hast du mich deshalb heute abend zu dir gerufen.�</p><p>Ich bedeutete ihr weiterzusprechen. �Als ich als M�nz-M�dchen losging, hielt ich mich f�r wundersch�n und erwartete, bei den M�nnern gro�es Interesse zu wecken. Doch je mehr M�nner an mir vorbeigingen, desto deutlicher kam mir zu Bewu�tsein, da� ich wohl nur ein ganz gew�hnliches M�dchen war. Diese brutale Erkenntnis best�rzte mich.�</p><p>Ich l�chelte unmerklich. F�r mich war diese Sklavin nat�rlich die wundersch�nste Frau auf ganz Gor. Da� sie gestern als M�nz-M�dchen keinen Erfolg hatte, lag an der Vorarbeit, die ich auf dem Wege geleistet hatte, den die beiden M�dchen nehmen sollten. Heute wurde schon in der ganzen Stadt dar�ber gescherzt.</p><p>�Niemand wollte mich haben�, sagte sie. �Und meine Verzweiflung wuchs. Dann endlich, sp�tabends in der Stra�e der zuckenden Sklavin, begegnete mir ein Mann, den ich schon von der Erde kannte, ein gewisser Jason Marshall. Welche Ironie! Ich verachtete ihn. F�r mich war er ein Schw�chling von der Erde, so ganz anders als M�nner wie du, mein Herr, doch nun mu�te ich ihm gefallen. Ich rechnete damit, von einem Erden-Schw�chling genommen zu werden. Statt dessen fand ich mich in den Armen eines Mannes von Gor � er war Goreaner geworden. Obwohl er wu�te, da� ich von der Erde stammte, behandelte er mich nicht wie eine Frau von der Erde, mit Respekt f�r meine W�rde, sondern als das, was ich bin, eine goreanische Dirne, eine rechtlose Sklavin. Ich vermochte es kaum zu glauben.�</p><p>Ich dr�ngte sie nicht zur Eile. Zwei oder drei Ehn vergingen, ehe sie wieder den Kopf hob. Sie zitterte, und Tr�nen standen ihr in den Augen.</p><p>�Wei�t du, Herr�, sagte sie, �ich hatte ihn schon auf der Erde geliebt, doch zugleich hatte ich ihn verabscheut, war er doch zu schwach, um meine Bed�rfnisse zu stillen. Auf Gor hatte er mich nie besessen, obwohl wir eine Zeitlang die Wohnung teilten. Ich hatte es nie zugelassen.� Sie richtete sich auf. �Wie am�sant sich das f�r dich anh�ren mu�! Ich, eine geborene Sklavin, hatte den Mann nicht an mich herangelassen! Aber bedenke, Herr, da� ich damals noch nicht formell versklavt war. Welch verwirrtes, tragisches Dasein f�hrt eine geborene Sklavin, die noch nicht den Kragen am Hals sp�rt!�</p><p>Wieder hielt sie inne und setzte ihren Bericht nach einiger Zeit fort. �Sp�ter, auf der unbewu�ten Suche nach Sklaverei, betrat ich die Taverne des Hibron in Victoria, die Piratenkette, und geriet dort an einen gewissen Kliomenes, Leutnant des Piraten Policrates. Er machte mich betrunken, entkleidete und fesselte mich vor den lachenden M�nnern und verschleppte mich auf seine Galeere und anschlie�end in die Festung des Policrates. Dort wurde ich zur Sklavin gemacht. Dort endlich erhielt ich den Eisenkragen, der mir geziemte.</p><p>Als Policrates� Festung sp�ter fiel, wurde seine Habe unter den Siegern aufgeteilt. Und so kam ich in dein Haus. Und offenbar beziehst du einen Teil deines Einkommens aus den Verdiensten von M�nz-M�dchen. Jedenfalls wurde ich gestern mit einer Aufseherin losgeschickt und begegnete Jason aus Victoria. Stell dir meine Gef�hle vor, Herr! Er hatte mich nie besessen, und jetzt f�hrte kein Weg daran vorbei. Und dann behandelte er mich wie jede andere Sklavin!� Schluchzend barg sie das Gesicht in den H�nden.</p><p>�Sechsmal nahm er mich, r�cksichtslos, achtlos. Als er fertig war, schickte er mich einfach fort. Mit den M�nzen in dem K�stchen. Ich konnte es einfach nicht glauben. Ich hatte angenommen, ich bedeute ihm alles, er w�rde mich voller Z�rtlichkeit behandeln. Statt dessen mu�te ich feststellen, da� ich ihm nichts bedeutete, da� er meine Dienste als M�nz-M�dchen wie selbstverst�ndlich in Anspruch nahm und mich dann fortschickte, als w�re ich eine v�llig Fremde. Dabei hatte ich mich Jason aus Victoria voll hingegeben�, fuhr sie fort. �Die Wahrheit mu� heraus. Ich konnte nicht anders! Ich erlag ihm, so wie ich zuvor dir erlegen war.�</p><p>Ich stand auf, als w�re ich erz�rnt.</p><p>�Ja!� schluchzte sie. �Er eroberte mich. Verzeih mir, Herr. Ich bin nur eine Frau, eine schwache Sklavin!� Wie sch�n sie aussah! Wie gl�cklich kann sich dieser Jason aus Victoria sch�tzen, einen solchen Schatz erobert zu haben, dachte ich und l�chelte vor mich hin.</p><p>�Ich liebe dich, Herr�, sagte das M�dchen vor mir, die ehemalige Mi� Beverly Henderson von der Erde. �Ich liebe dich. T�te mich nicht!�</p><p>Die Dinge hatten sich nach Plan entwickelt. Dem Drang des Sprechenm�ssens erliegend, wobei ich ihr gen�gend Zeit lie�, hatte sie mir ihre Liebe f�r Jason aus Victoria gestanden.</p><p>Ich tat, als w�re ich aufgebracht, und lie� den Gong neben mir ert�nen. Sogleich kam Lola herein. Ich verlie� die Thronplattform, fesselte und knebelte die entsetzte Sklavin und warf sie mir �ber die Schulter. Dann verlie� ich das Haus meines Freundes. Das M�dchen auf meiner Schulter, das in Todes�ngsten schwebte, ahnte nicht, wohin ich sie brachte. Sie wu�te nur, da� sie dem Willen ihres Sklavenherrn unterlag.</p><p>Die ehemalige Mi� Henderson, die mir schon viel �rger gemacht hatte, die aber andererseits ungemein sch�n war, lag auf meiner Schulter, gefesselt, geknebelt, von einer Augenbinde geblendet. In einer Ahn w�rde mir Lola folgen. Ich war sehr zufrieden.</p></section><section><title><p>19</p></title><p>Auf den goreanischen Stra�en erweckte ich kaum Aufmerksamkeit. Es ist nicht ungew�hnlich, einen Mann zu sehen, der seine Sklavin �ber der Schulter tr�gt. Mein Ziel war das Haus, das ich mit Beverly vor einiger Zeit schon bewohnt hatte, als ich der Sklavin f�lschlicherweise den Status und die W�rde einer freien Frau verlieh. Mir gefiel das Haus, und da es meinen Bed�rfnissen entsprach, hatte ich es mit einigen Goldst�cken gekauft, einem winzigen Teil meiner Beute aus Policrates� Festung. Nat�rlich waren dort nicht nur Frauen zu verteilen gewesen, sondern auch Reicht�mer aller Art.</p><p>In der Tat, nach goreanischen Verh�ltnissen war ich ein reicher Mann. Ich h�tte mir hundert M�dchen von der Sorte leisten k�nnen, wie ich sie gerade auf der Schulter trug. Aber ich wollte nur diese eine. Nur diese w�rde meine Bed�rfnisse erf�llen k�nnen. Auf diese Sklavin, die ich vor langer Zeit schon auf der Erde gekannt hatte, war meine Wahl gefallen.</p><p>Das Haus, das seitlich von einem mauergesch�tzten Garten ges�umt ist, stand etwas zur�ckgesetzt an einem kleinen H�gel, in dessen Hang es hineingebaut war. Ich n�herte mich ihm von der Seite. Auf dem steinernen Treppenabsatz, vor dem schweren Portal, blieb ich stehen. Ich sp�rte, wie sich das M�dchen angstvoll auf meiner Schulter wand. Sie wu�te, wir hatten ein Ziel erreicht. Aber welches?</p><p>Ich lie� sie von der Schulter gleiten, packte sie an Schulter und Oberschenkel und hielt sie einen Augenblick hoch �ber den Kopf. Sie wimmerte. Sollte sie aus dieser H�he in eine Grube voller Sleen geworfen werden oder gar in das kalte Wasser des Vosk? Aber dann setzte ich sie auf den Knien neben der T�r ab und �ffnete das Schlo�. So trug ich sie, einem alten goreanischen Zeremoniell entsprechend, mit den F��en voran ins Haus � eine Sklavin, die zum erstenmal in das Heim ihres Herrn gebracht wird. Nicht zum erstenmal war dieses M�dchen hier, doch hatte sie zuvor als Mi� Henderson hier gelebt, nicht aber als vollkommen unterworfene Sklavin. Ich legte Wert auf den Unterschied.</p><p>Das M�dchen schien ein wenig von ihrer Angst verloren zu haben. Sie wirkte zwar noch angespannt, doch hatte sie mitbekommen, da� sie �ber eine Schwelle getragen worden war und jetzt in einem Zimmer kniete. Sie konnte sich ausrechnen, da� sie mit dem Leben davonkommen w�rde, wenn sie nur ihrem Herrn gefiel. Und ich hatte keinen Zweifel, da� sie sich darum bem�hen w�rde.</p><p>Ich lockerte die Sklavenhaube, ohne sie allerdings ganz abzunehmen, und zog ihr den Knebel aus dem Mund.</p><p>�Ich werde dir eine gute Sklavin sein, Herr�, sagte sie. �Du wirst mich nicht strafen m�ssen.� Sch�chtern streckte sie die kleinen H�nde aus und ber�hrte meine Waden und Fu�gelenke. Dann beugte sie sich vor und k��te mir die F��e. �Verzeih mir, wenn ich dir mi�fallen habe, Herr!� sagte sie. �Ich bin deine Sklavin und liebe dich, Herr, ich liebe dich.� Langsam richtete sie sich auf, und ich sah ihre Lippen zittern. �Ich bin voll und ganz die deine, mein goreanischer Herr. Ich unterwerfe mich dir in allen Dingen.�</p><p>Ich l�ste die H�nde von meinen Beinen und trat zur�ck.</p><p>Flehend streckte sie die H�nde aus. �Herr!� rief sie. �Habe ich dich gekr�nkt?� Sie wirkte sehr klein in dem gro�en Zimmer. �Ich will versuchen, den Rest meiner erdgeborenen Zur�ckhaltung abzuwerfen und dir eine richtige goreanische Sklavin zu sein. Sei gn�dig mit mir, Herr! T�te mich nicht!�</p><p>Ich wandte mich zur Wand und nahm einen offenen Sklavenkragen von einem Haken. Es war ein Standard-Eisenband, wie es auf Gor von vielen M�dchen getragen wird. Es w�rde sich gut machen am Hals des M�dchens.</p><p>�Bitte t�te mich nicht, Herr!� wimmerte das M�dchen und streckte die H�nde aus.</p><p>�Ein Kragen!� rief sie und ber�hrte das Metall. �Ein Sklavenkragen.� Ihre Finger tasteten sich weiter, umfa�ten meine Handgelenke. Inbr�nstig k��te sie mir die Finger. �Du willst mir deinen Kragen umlegen, Herr! Oh, vielen Dank, Herr! Vielen Dank! Ich ersehne deinen Kragen! O bitte, Herr, leg mir deinen Kragen um! Ich geh�re dir!�</p><p>Es gefiel mir, die fr�here Mi� Henderson, die auf der Erde so hochm�tig gewesen war, nackt vor mir knien zu sehen.</p><p>Grob schob ich ihren Kopf herum und legte ihr den Kragen um. An den Oberarmen zog ich sie hoch. Ihr Kopf hing nach hinten. Ich hatte ihr meinen Kragen gegeben. Sie trug meinen Sklavenkragen! In unbezwingbarer Freude sch�ttelte ich sie. Sie trug meinen Kragen!</p><p>�Herr?� japste sie erschrocken.</p><p>Am liebsten h�tte ich losgebr�llt vor Freude.</p><p>�Ich danke meinem Herrn f�r seinen Kragen�, fl�sterte sie. �Ich werde mich bem�hen, seiner w�rdig zu sein.�</p><p>Ich betrachtete die vor mir kniende Sklavin, ergriff ihre H�nde, hockte mich nieder und f�hrte ihre kleinen Finger an mein Gesicht.</p><p>�Mein Herr hat seine Maske abgenommen!� rief sie �berrascht. �Aber das hat ja nichts zu besagen, denn ich trage die Sklavenhaube.�</p><p>Ich gab ihre H�nde frei und stellte mich vor sie hin. Lange Zeit musterte ich die ehemalige Mi� Henderson, eine namenlose Sklavin zu meinen F��en. Schlie�lich legte ich ihr die Hand unter das Kinn und bedeutete ihr aufzustehen.</p><p>�Herr?� fragte sie und gehorchte.</p><p>Ich begann die Schn�re der Sklavenhaube zu l�sen.</p><p>�Willst du mir die Augenbinde abnehmen?� rief sie. �Aber mein Herr tr�gt keine Maske! Soll ich das Gesicht meines Herrn sehen d�rfen?� fl�sterte sie. Sie legte die Hand auf meine Finger, die sich um den Rand der gelockerten Sklavenhaube gelegt hatten.</p><p>Mit beiden H�nden ergriff ich die Haube und schob sie ein St�ck hoch. Noch konnte sie mich nicht sehen.</p><p>�Ich liebe dich, und ich bin deine Sklavin�, fl�sterte sie.</p><p>Ich zog die Sklavenhaube zur Seite, legte ihr eine Hand in den Nacken und die andere fest auf den Mund. In den Augen, �ber meiner Hand stand ein wirrer, ungl�ubiger Ausdruck. Ich hielt sie einige Zeit fest, damit sie sich fassen und auf die Situation einstellen konnte. Als sie dann wieder etwas ruhiger atmete, lie� ich sie los und trat einen Schritt zur�ck. Verwirrung und Unsicherheit malten sich in ihrem Blick. Sie sagte nichts. Sie wu�te nicht, was sie tun sollte. Sie konnte mit mir nichts anfangen.</p><p>�Du?� fragte sie schlie�lich. �Du bist mein goreanischer Herr? Du hast all diese Dinge mit mir getan?�</p><p>�Ja�, erwiderte ich.</p><p>�Es war deine Kraft, die mich z�hmte, die mir die sklavische Unterwerfung abforderte?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich bin unbekleidet�, sagte sie.</p><p>�Nat�rlich.� Am liebsten h�tte sie sich wohl abgewandt und ihre Bl��e bedeckt. Sie blieb aber dann doch stehen. Sie wu�te noch immer nicht, wie sie sich verhalten sollte.</p><p>�Dieser Kragen?� fragte sie.</p><p>�Geh�rt mir.�</p><p>�Gewi� wirst du ihn mir jetzt abnehmen.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Du wei�t doch, was ein solcher Kragen auf Gor bedeutet?� fragte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber du kannst mich nicht als Sklavin halten, denn ich bin eine Frau der Erde, und du bist ein Mann von der Erde.�</p><p>�Diese Realit�t hat sich l�ngst ver�ndert, au�erdem tr�gst du bereits das goreanische Brandzeichen der Sklavin.�</p><p>�Es ist also kein Scherz?�</p><p>�Bef�hl mal den Kragen � er ist doch nicht der erste, den du tr�gst!�</p><p>Sie gehorchte.</p><p>�Kannst du ihn l�sen?� fragte ich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Aber du hast uns in unser Haus gebracht.�</p><p>�Nicht unser Haus�, antwortete ich, �sondern mein Haus.�</p><p>�Du willst mich als Sklavin in einem Haus halten, in dem ich zuvor als freie Frau gelebt habe?�</p><p>�Gewi�, aber ich habe inzwischen gewisse Verbesserungen anbringen lassen � unter anderem ein Sklavengehege!�</p><p>�Jetzt ist es genug!� rief sie. �Wie ich sehe, mu�t du begreifen lernen, wie intelligent und m�chtig eine Frau von der Erde sein kann. Nimm mir sofort diesen Kragen ab, Bursche! Ich falle nicht auf deinen Bluff herein!�</p><p>Pl�tzlich schrie sie auf; ich hatte eine Sklavenpeitsche von der Wand gerissen und ihr damit mehrere Hiebe versetzt.</p><p>�In die Mitte des Zimmers! Auf die Knie!� befahl ich, und sie gehorchte.</p><p>�Nein, du kommst mit deinem Bluff nicht durch, kleine Sklavin!� rief ich zornig.</p><p>�Oh! Oh!�</p><p>�Bist du hei� in deinem Kragen, kleines Biest?� fragte ich zornig.</p><p>�Oh!� rief sie erschaudernd, und ich streichelte ihr mit den Peitschenschn�ren vorsichtig �ber R�cken und die Flanken.</p><p>Schluchzend ergab sie sich ihrem Gef�hl.</p><p>�Was bist du?� fragte ich.</p><p>�Eine Sklavin!� rief sie.</p><p>�Wessen Sklavin?�</p><p>�Die deine, Herr! Die deine!�</p><p>�Vielleicht hast du bereits ein wenig von dem begriffen, was es hei�t, Sklavin zu sein.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Und was ist jetzt dein Wunsch?�</p><p>�Meinem Herrn zu gefallen.�</p><p>�Die Antwort ist geziemend.�</p><p>Ich ging um sie herum. �Eine wertlose kleine Schlange bist du, aber h�bsch. Und deine Sklavenreflexe k�nnen sich sehen lassen.�</p><p>�Die du bisher aber noch nicht ausgenutzt hast, Herr�, fl�sterte sie.</p><p>�Ich frage mich, ob ich dich verkaufen soll.�</p><p>�Bitte verkauf mich nicht, Herr! Ich w�rde einen so niedrigen Preis erbringen, da� der Herr mich genausogut behalten k�nnte.�</p><p>�Nun gut, ich werde dich behalten, wenigstens zun�chst.�</p><p>�Ich werde mich bem�hen, Herr. Vielen, Dank, Herr.�</p><p>�Du brauchst ein Bad.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Ein Ger�usch lie� mich zur T�r herumfahren. �Wer ist da?�</p><p>�Lola, Herr!� ert�nte eine Stimme. �Ich habe deine Sachen mitgebracht.� Sie war mir gefolgt und hatte sich dabei weisungsgem�� Zeit gelassen, damit ich das neue M�dchen ins Haus bringen konnte.</p><p>Ich ging zur T�r und lie� Lola eintreten, die sofort vor mir niederkniete.</p><p>�Du darfst aufstehen�, sagte ich. �Bring meine Sachen herein und schlie� die T�r.�</p><p>Die Sklavin gehorchte und kam dann in den gro�en Raum. Dort betrachtete sie die am Boden kniende Sklavin.</p><p>�Ach, was haben wir denn da?� fragte sie. �Der Herr wei� wirklich, wie man Sklavinnen behandelt.�</p><p>�Ja, Herrin�, sagte das M�dchen.</p><p>�Wei�t du noch, wie du mich als freie Frau zum Hafen brachtest und verkauftest?�</p><p>�Ja, Herrin�, antwortete das M�dchen. �Inzwischen bin ich auch nichts anderes als eine Sklavin.�</p><p>�Wer ist hier das erste M�dchen?� fragte Lola.</p><p>�Lola ist das erste M�dchen�, sagte ich.</p><p>�Du bist das erste M�dchen im Haus!� rief die Sklavin.</p><p>�Ein h�bsches kleines Ding�, sagte Lola lachend.</p><p>�Ich glaube, sie wird sich zufriedenstellend machen�, sagte ich, �bei den Aufgaben, die sie erf�llen soll.�</p><p>�Was hast du f�r Befehle, Herr?� fragte Lola.</p><p>��bermorgen abend�, sagte ich, �werde ich hier ein kleines Abendessen geben, nichts Besonderes, nur einige Freunde kommen. Im wesentlichen wird Tasdrons Taverne die Ausstattung des Festes besorgen, dennoch bleibt auch f�r dich viel einzukaufen und zu kochen.�</p><p>�Ich verstehe, Herr�, sagte Lola.</p><p>�Das Haus mu� nat�rlich tadellos in Schu� sein�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Und ich verlasse mich darauf, da� du es h�bsch mit Girlanden und Blumen und so weiter ausschm�ckst. Und au�erdem sorgst du f�r ein wenig geschmackvolle Unterhaltung.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Wenn nicht alles bestens l�uft, werde ich mich unzufrieden zeigen.�</p><p>�Mein Herr wird zufrieden sein�, antwortete sie.</p><p>�Es ist sp�t geworden.�</p><p>�Was ist mir ihr?� fragte Lola und deutete mit einer Kopfbewegung auf die kniende Sklavin.</p><p>�Du w�schst sie gr�ndlich und steckst sie �ber Nacht in das Gehege.�</p><p>�Schau doch�, sagte Lola pl�tzlich, �sie ist ohnm�chtig geworden. Sie hat das Bewu�tsein verloren!� Lola begann zu lachen.</p><p>�Sie hat viel durchgemacht�, bemerkte ich. �Sie mu�te heute abend viel Neues lernen.�</p><p>�Wenn man den Kragen tr�gt, mu� man schnell lernen�, bemerkte Lola.</p><p>�Stimmt.� Ich wandte mich ab. Ich war m�de.</p><p>�Herr?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Wie soll sie behandelt werden?�</p><p>�Du bist das erste M�dchen im Haus�, antwortete ich. �Richte dich danach.�</p><p>�Du sprachst von einer kleinen Unterhaltung f�r deine G�ste.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Soll die h�bsche kleine Sklavin�, fragte Lola und deutete auf die bewu�tlose ehemalige Mi� Henderson, �daran mitwirken?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte ich.</p></section><section><title><p>20</p></title><p>�Noch ein St�ck Larma, Herr?� fragte die Sklavin, die links hinter mir kniete, w�hrend ich mit untergeschlagenen Beinen hinter dem niedrigen Tisch sa�. Ich drehte mich zur Seite und nahm eine kleine knusprige Scheibe gebratener Larmafrucht in br�unlicher Honigso�e von dem mir gereichten Silbertablett. Das M�dchen trug ein geschmackvolles Gewand aus blauer Gaze, die in drei Schichten um ihren K�rper wogte und dennoch den Blick kaum behinderte. Ihr Haar war ziemlich dunkel. Mein Kragen schimmerte an ihrem Hals.</p><p>Ich wandte mich den T�nzerinnen zu. Es waren drei. Sie trugen blaue Seide und goldene Kragen. Lola hatte es einem gl�cklichen Zufall zu verdanken, da� sie sie f�r heute abend mieten konnte. Sie geh�rten einem Mann, der auf dem Weg nach Port Cos und Turmus war, um von dort nach Cos weiterzureisen, wo er die M�dchen ausstellen und verkaufen wollte. Lola hatte sie in einem Wartek�fig unweit des Gew�rzkais entdeckt und war an den Besitzer verwiesen worden, der die M�dchen morgen mittag verschiffen wollte. Er hatte aber nichts dagegen, heute abend noch ein paar M�nzen mit ihnen zu verdienen.</p><p>�Sie sind wundersch�n�, sagte Glyco, der Kaufmann aus Port Cos, dem wir viel verdankten. Praktisch er allein hatte den Widerstand der Flu�st�dte gegen die Piraten organisiert und den ber�hmten Callimachus aus Port Cos als Feldkommandanten verpflichtet, ein Mann, ohne dessen milit�rische Kenntnisse und Ruf unser Vorhaben vielleicht gescheitert w�re.</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich.</p><p>Mein Blick wanderte am Tisch entlang. Sieben M�nner, mich eingeschlossen, sa�en daran. Glyco, bedeutender Kaufmann aus Port Cos; Tasdron, Administrator von Victoria; Aemilianus, Anf�hrer der Marinestreitkr�fte Ars auf dem Vosk; Calliodorus, Kapit�n der <emphasis>Tais</emphasis>; und meine Freunde Callimachus und Miles aus Vonda, der seine Sklavin Florence mitgebracht hatte. Zu Beginn des Abends hatte sie uns mit ihrem Lautenspiel unterhalten und Lieder gesungen. Daf�r hatte sie freundlichen Applaus erhalten, was sicher die Sklavin ebenso freute wie ihren Herrn. Miles aus Vonda hatte sie in Musik unterrichten lassen.</p><p>Ich beobachtete Shirley, die h�bsch gebaute Sklavin, die ich w�hrend der Schlacht auf dem Flu� von Reginalds <emphasis>Tamira</emphasis> entf�hrt hatte. Sie war eine der drei Frauen, mit denen ich mich nach unserem Sieg �ber die Piraten abgegeben hatte, die anderen waren Lola und die fr�here Mi� Henderson. Heute abend hatte Lola, die als erstes M�dchen fungierte, Shirley �hnlich gekleidet wie die andere Sklavin, nur da� sie in gelbe Gaze geh�llt war. Ich hatte Shirley in einem �ffentlichen Gehege untergebracht; heute abend aber war sie hier, weil sie beim Bedienen helfen sollte � und aus einem anderen Grund. Lola hielt sich in der K�che auf und �berwachte die Zubereitung der Speisen. Sie durfte sich erst sp�ter blicken lassen � und wartete auf meinen Befehl.</p><p>Wieder wandte ich meine Aufmerksamkeit den T�nzerinnen zu. Sie bewegten sich anmutig und reizvoll. Man merkte kaum, da� sie Sklavinnen waren. Ihre Bewegungen waren h�bsch anzuschauen und zur�ckhaltend, und dies entsprach meiner Absicht. Es sollte eine ruhige, gediegene Feier werden.</p><p>�Mehr, Herr?� fragte die Sklavin in dem blauen Gewand, die links hinter mir kniete.</p><p>�Ja.�</p><p>Mit einer Servierzange legte sie mir schmale Streifen gebratenes Boskfleisch und gebratene Sul auf den Teller.</p><p>�Genug, M�dchen�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>Sieben Musiker spielten f�r die T�nzerinnen auf, ein Czehar-Spieler, der erste Musiker, zwei Kalikaspieler, drei Fl�tisten und ein Kaskaspieler. Tasdron hatte mir die M�nner ausgeliehen; sie spielten normalerweise in seiner Taverne. In seiner Begleitung war au�erdem das fr�here Erdenm�dchen Peggy, die bei ihm als Sklavin diente. Sie trug den Kragen und eine kurze wei�e Tunika und hielt sich stets in seiner N�he auf, um ihn zu bedienen. Mir fiel allerdings auf, da� sie kaum den Blick von dem m�chtigen Callimachus zu wenden vermochte. Tasdron und ich hatten gemeinsam besprochen, da� sie bei der Feier anwesend sein sollte.</p><p>Die Musik endete mit einem lebhaften Wirbel, dann war der Tanz beendet. Wir klatschten Beifall. Die M�dchen waren gut gewesen. Mit gesenkten K�pfen standen sie vor uns. L�chelnd, von neu aufklingender Musik begleitet, eilten sie aus dem Saal in die K�che, wo ihr Herr auf sie wartete. Die Musiker spielten leise weiter.</p><p>�Ein h�bsches Ding�, sagte Glyco und deutete auf die blaugekleidete Sklavin, die uns unterw�rfig bediente. Err�tend senkte sie den Kopf. �Wie hei�t sie?�</p><p>�Ich habe ihr noch keinen Namen gegeben�, antwortete ich.</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Ich m�chte einen Trinkspruch ausbringen!� rief Aemilianus und erhob sich.</p><p>�Ein Trinkspruch!� riefen wir.</p><p>Shirley eilte herum und sorgte daf�r, da� alle Kelche mit Wein gef�llt waren. Callimachus trank nur Wasser, lie� aber f�r diese Gelegenheit einen Schu� Wein hinzugie�en. �brigens wird auf Gor der Wein oft mit Wasser versetzt, in erster Linie wegen der starken Wirkung vieler goreanischer Sorten. Was ich heute abend anbot, h�tte sich allerdings, in vern�nftigen Mengen, unverw�ssert genie�en lassen. Bei starken Weinen empfiehlt sich als Alternative zur Verw�sserung die Verwendung sehr kleiner Gl�ser.</p><p>Die Musiker h�rten auf zu spielen.</p><p>�Auf die Vosk-Liga!� rief Aemilianus, Kommandant der Schiffe aus Ar-Station.</p><p>�Auf die Vosk-Liga!� wiederholten wir inbr�nstig.</p><p>Zwei der am Tisch Sitzenden waren Mitunterzeichner des Gr�ndungsvertrages der Vosk-Liga, der gestern zur zehnten Ahn mit gro�em Pomp am Hafen von Victoria unter breiten Baldachinen geschlossen worden war. Glyco, der f�r Port Cos unterzeichnet hatte, und Tasdron, Administrator Victorias, der f�r die Stadt seine Unterschrift leistete. Alles in allem waren neunzehn St�dte Mitglieder der Liga geworden � Turmus, Ven, Tetrapoli, Port Cos, Tafa, Victoria, Fina, Ragnars Siedlung, Hammerfest, Sulport, Sais, Siba, Jasmine, Kap Alfred, Jorts F�hre, Waldhafen, Iskander, Tancreds Furt und Wei�wasser.</p><p>�Auf Ar-Station!� rief Callimachus und hielt seinen Kelch in Aemilianus� Richtung.</p><p>�Auf Ar-Station!� antworteten wir.</p><p>�Ich bin euch allen f�r eure Gro�z�gigkeit dankbar�, sagte Aemilianus. �Ich bedaure wirklich, da� mir nicht gestattet wurde, den Vertrag f�r Ar-Station mitzuunterzeichnen.� Seine Verbitterung in dieser Sache war uns bestens bekannt. Abgesandte aus Ar waren zwar bei der Vertragsunterzeichnung zugegen und begl�ckw�nschten die Liga zu ihrer Gr�ndung und Ausrichtung, doch hatten sie nicht zugelassen, da� Ar-Station an dem Verband teilnahm. Obwohl dies f�r Aemilianus und andere M�nner aus Ar-Station, die mit uns gek�mpft hatten, eine gro�e Entt�uschung war, stellte die Entscheidung f�r die Menschen am Flu� im Grunde keine �berraschung dar. Ar hatte schon genug Schwierigkeiten mit der Salerianischen Konf�deration im Osten, um am Vosk noch die Bildung einer neuen Liga willkommen zu hei�en. Eine solche Liga konnte sich in der Tat nachteilig auf Ars Pl�ne am Vosk und im Vosk-Becken auswirken. Port Cos dagegen hatte solche Probleme nicht. Sie war eine unabh�ngige Stadt und v�llig selbst�ndig und konnte daher der neuen Allianz beitreten. Interessanterweise nahmen weder aus Cos noch aus der Salerianischen Konf�deration Abgesandte an der Gr�ndungsfeier teil. Anscheinend wollten sie abwarten, ob sich die Liga zu einer effektiven politischen Realit�t am Vosk entwickelte. Wenn es so kam, war dann f�r sie sp�ter noch Zeit genug, sich mit der Vosk-Liga zu befassen.</p><p>�Auf Port Cos!� rief Tasdron und hob seinen Kelch.</p><p>�Auf Port Cos!� riefen wir alle und tranken tief.</p><p>�Auf Victoria!� Glyco gab die Ehre zur�ck, die Tasdron seiner Stadt erwiesen hatte.</p><p>�Auf Victoria!� antworteten wir und tranken wieder ausgiebig. Als ich meinen Kelch absetzte, stellte ich zu meiner Verbl�ffung fest, da� ich Tr�nen in den Augen hatte.</p><p>�Was ist los?� fragte Callimachus l�chelnd.</p><p>�Der Rauch von den Lampen�, sagte ich.</p><p>�Nein�, widersprach er l�chelnd. �Es liegt daran, da� Victoria deine Stadt ist.�</p><p>�Aemilianus!� sagte ich mit heiserer Stimme, um die seltsamen Gef�hle zu vertreiben, die mich beschlichen hatten.</p><p>�Ja?�</p><p>�Seit Tagen trage ich mich mit der Absicht, dir ein Geschenk zu machen, das ich eigens f�r dich aufgehoben habe.�</p><p>�Ach?�</p><p>Mein Blick fiel auf Shirley. �Zu ihm, Sklavin!� befahl ich.</p><p>Erstaunt stellte Shirley den Wein fort und kniete vor Aemilianus nieder.</p><p>�Ich habe sie Reginald fortgenommen, dem Kapit�n der <emphasis>Tamira</emphasis>�, sagte ich.</p><p>�Das ist mir bekannt.�</p><p>�Gef�llt sie dir?�</p><p>�Ja!� rief Aemilianus.</p><p>�Sie geh�rt dir!�</p><p>Sofort warf sich das M�dchen vor Aemilianus nieder. �Mein Herr!� sagte sie.</p><p>�Sei bedankt!� rief Aemilianus.</p><p>�Nichts Besonderes�, sagte ich. �Sie ist ja nur eine Sklavin.�</p><p>�Sie ist mindestens zehn Silber-Tarsk wert�, bemerkte Tasdron. Und das freute mich, denn Tasdron kannte sich mit den Preisen von Sklavinnen aus. Als Besitzer einer Paga-Taverne hatte er schon viele M�dchen gekauft und verkauft.</p><p>Am Tisch gab es Applaus f�r mich: Auf goreanische Art schlugen sich die M�nner mit der Faust gegen die linke Schulter. Nat�rlich ist eines der sch�nsten Geschenke, das man einem Mann machen kann, eine sch�ne Frau.</p><p>�Ach sei so nett�, sagte ich, �sie weiter bedienen zu lassen. Du kannst sie dann heute abend mit nach Hause nehmen.�</p><p>�Gern�, sagte er grinsend und schickte das M�dchen in die K�che. Ihr folgte die h�bsche kleine Sklavin in dem blauen Gazegewand. Zweifellos w�rden die beiden uns den n�chsten Gang der Mahlzeit auftragen, den Nachtisch, dem dann schwarzer Wein und Lik�re folgen w�rden.</p><p>�Setzen wir uns wieder�, sagte ich und gab den Musikern das Zeichen weiterzuspielen.</p><p>Ich wandte mich an Miles aus Vonda. �Was hast du f�r Pl�ne?� fragte ich.</p><p>�Ich werde nach Turmus reisen�, antwortete er, �wo ich noch Verbindungen habe. Ich werde dort einen Kredit vereinbaren und mit diesem Geld nach Vonda zur�ckkehren, um meinen niedergebrannten Hof wieder aufzubauen.�</p><p>Mein Blick fiel auf Florence, die dicht neben ihm kniete.</p><p>�Was ist mit dem M�dchen?� fragte ich.</p><p>�Ich werde sie auf meinen Besitzungen bei Vonda halten. Das wird keine Probleme machen. Sie ist ordentlich gebrandmarkt und tr�gt den Kragen.�</p><p>�Soll deine Sklavin in Victoria bleiben, w�hrend du in Turmus weilst?� fragte ich.</p><p>Florence verzog angstvoll das Gesicht.</p><p>�Nein�, erwiderte er. �Ich nehme sie mit.�</p><p>Das M�dchen begann befreit zu l�cheln.</p><p>�Hattest du dir von Anfang an vorgenommen, Shirley an Aemilianus zu verschenken?� fragte mich Callimachus.</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber eigentlich h�ttest du das gern etwas sp�ter getan?�</p><p>�Ja�, r�umte ich ein.</p><p>�Du brauchst dich deiner Gef�hle nicht zu sch�men�, ermahnte er mich. Er hatte genau bemerkt, da� ich von meinen Tr�nen hatte ablenken wollen, indem ich mein Geschenk ank�ndigte.</p><p>�Ich habe Waffen getragen�, sagte ich. �Ich habe gek�mpft.�</p><p>�Tr�nen sind nichts Ehrenr�hriges f�r einen Soldaten�, sagte Callimachus. �Der Soldat ist ein Mann tiefgreifender Leidenschaften und Gef�hle. Viele Menschen verstehen die Tiefe seiner Seele nicht. Du brauchst keine Angst zu haben vor den Str�mungen, die du in dir gewahrst. Im Soldaten bl�hen Blumen und toben St�rme. Beides geh�rt zu ihm, beides ist greifbar vorhanden. Beides mu�t du hinnehmen, keine Seite darfst du von dir weisen.�</p><p>�Ich danke dir, Callimachus�, sagte ich.</p><p>�Ah, Nachtisch!� rief dieser entz�ckt.</p><p>Zwei M�dchen kamen aus der K�che, das M�dchen in blauer Gaze, dem ich noch keinen Namen gegeben hatte, und das M�dchen im gelben Gewand, von mir Shirley genannt und an Aemilianus verschenkt. Es stand ihm frei, ihr einen ganz anderen Namen zu geben. Die M�dchen trugen Tabletts mit leckeren Nachspeisen. Sie knieten am Tisch nieder, zeigten vor, was sie zu bieten hatten, und bedienten dann die M�nner, ein M�dchen auf jeder Seite.</p><p>�Geb�ck, Herr?� fragte die blaugekleidete Sklavin.</p><p>Ich betrachtete sie. Ihre kleinen H�nde hielten das Tablett. Ich nahm ein kleines St�ck Geb�ck herunter, und sie wandte sich Miles aus Vonda zu.</p><p>Schr�g gegen�ber kniete Aemilianus� neue Sklavin zitternd vor ihrem Herrn und hielt ihm das Tablett hin. Aber sein Interesse galt wohl weniger dem leckeren Nachtisch als ihr.</p><p>Beim Servieren waren Peggy und Florence nat�rlich �bergangen worden, als g�be es sie gar nicht. Sie waren Sklavinnen. Aber ebenso nat�rlich hatten Miles aus Vonda und Tasdron aus Victoria, ihre Herren, die M�dchen von ihrem Teller mit versorgt. W�hrend Florence sichtlich hungrig gewesen war, hatte Peggy kaum etwas gegessen, denn sie vermochte den Blick nicht von Callimachus abzuwenden. Manchmal bewegte sich ihre Hand in seine Richtung, doch wagte sie ihn nicht zu ber�hren.</p><p>Das Geb�ck war recht gut.</p><p>Ich freute mich, wie gut Lola das Essen vorbereitet hatte � einfach und geschmackvoll.</p><p>�Ausgezeichnet!� sagte Tasdron und hob ein kleines Geb�ckst�ck in die H�he.</p><p>�Vielen Dank�, antwortete ich.</p><p>Ich blickte mich in dem gro�en Raum um. Die bunten B�nder verbreiteten festliche Stimmung, die Lampen waren h�bsch anzuschauen, ebenso die Blumen, haupts�chlich Larmabl�ten, Veminia und Teriotrope, die einen angenehmen Duft verstr�mten. Lola hatte gute Arbeit geleistet.</p><p>�Die T�nzerinnen waren nett�, sagte Glyco. �Vielleicht kann ich sie in Port Cos f�r ein Abendessen mieten, ehe sie nach Turmus weiterverschifft werden.�</p><p>�Es freut mich, da� du sie nicht unerfreulich fandest�, sagte ich und folgte mit den Blicken den beiden Sklavinnen, die noch einmal mit den Desserttabletts um den Tisch gingen.</p><p>Als ich mich wieder meinen G�sten zuwandte, war Glyco in ein Gespr�ch mit Callimachus vertieft.</p><p>�M�nner und Schiffe aus den St�dten der Liga m�ssen eingezogen werden�, sagte er. �Soldaten, die im Wechsel f�r die Liga eingesetzt werden. Vielleicht w�re auch f�r die Schiffe ein Rotationsprinzip angebracht. Patrouillen sind zu organisieren. Kommunikationswege und Signale w�ren von gr��ter Bedeutung.�</p><p>�Du bist jetzt Erster Kapit�n in Port Cos, nicht wahr?� wandte ich mich an Calliodorus. Er hatte die kampfstarke <emphasis>Tais</emphasis> befehligt. Ich ging davon aus, da� nach Callisthenes� Sturz der Mantel und Helm des Ersten Kapit�ns ihm zufallen w�rde.</p><p>�Ich bin diensthabender Erster Kapit�n�, antwortete Calliodorus. �Ich hoffe aber, da� Callimachus, der einst als Erster Kapit�n wirkte, sich �berreden l��t, auf diesen Posten zur�ckzukehren.�</p><p>Die beiden Sklavinnen hatten das Tablett mit dem restlichen Nachtisch stehengelassen und waren in die K�che zur�ckgekehrt. Ich erwartete sie in K�rze mit dem schwarzen Wein.</p><p>�Wie zu h�ren ist, wurden die Festungen von Policrates und Ragnar Voskjard niedergebrannt�, sagte ich.</p><p>�Ja�, antwortete Tasdron. Ragnar Voskjards Zitadelle war von den Piraten verlassen worden, sobald die Nachricht von der Schlacht bei Victoria eintraf; man wu�te genau, da� man die Festung gegen eine konzentrierte Belagerung auf keinen Fall verteidigen konnte.</p><p>�Vielleicht h�tten sie n�tzliche St�tzpunkte f�r die Vosk-Liga abgegeben�, sagte ich.</p><p>�Die Vosk-Liga�, sagte Tasdron l�chelnd, �ist ein ganz simpler Verbund, dem es lediglich darum geht, das Piratenunwesen auf dem Flu� zu beenden.�</p><p>�Soweit ich wei�, war das urspr�nglich auch das Ziel der Liga am Olni, die sich dann zur Salerianischen Konf�deration entwickelte.�</p><p>�Wir m�chten keinen �rger mit Cos und Ar�, sagte Tasdron.</p><p>�Nicht, solange wir noch schwach sind�, warf Glyco ein.</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Die Festungen sind nicht nur niedergebrannt worden�, fuhr Tasdron fort, �sondern werden auch noch abgetragen. Wir haben bereits Angebote von Baumaterialienh�ndlern vorliegen.�</p><p>�Und �ber die Asche soll Salz gestreut werden�, sagte Glyco.</p><p>�Salz kann ein Zeichen des Lebens sein � und ein Gl�ckssymbol�, sagte ich.</p><p>�Das stimmt�, best�tigte Tasdron l�chelnd.</p><p>�Man sagt, das Hauptquartier der Vosk-Liga soll in Victoria eingerichtet werden.�</p><p>�Ja�, sagte Tasdron l�chelnd. �Wie mir scheint, eine angemessene Wahl.�</p><p>�Victoria stand im Kern des Widerstands gegen die Piraten�, bemerkte Aemilianus.</p><p>�Und hier wurde der entscheidende Sieg errungen�, sagte Calliodorus.</p><p>�Gleichzeitig wird damit erreicht, da� sich das Hauptquartier der Liga nicht in Port Cos befindet.�</p><p>�Und auch nicht in Ar-Station�, sagte Calliodorus l�chelnd, und am Tisch wurde gelacht.</p><p>Die beiden Sklavinnen kehrten zur�ck und begannen schwarzen Wein auszuschenken. Die gutgebaute Sklavin Aemilianus� stellte die winzigen Silberbecher auf kleinen Podesten vor uns hin. Die h�bsche kleine Sklavin in blauer Gaze hielt das mit einem langen Gie�schnabel versehene silberne Gef�� in einem dicken Tuch, um die W�rme zu erhalten und ihre H�nde zu sch�tzen, und go� die dampfende schwarze Fl�ssigkeit in die winzigen Gef��e, jeweils nur soviel, wie von den Trinkern gew�nscht wurde, um noch Platz zu lassen f�r verschiedene Zuckerund Sahnesorten, die dann, soweit erbeten, durch Aemilianus� Sklavin zugegeben und einger�hrt wurden.</p><p>�Und hat man sich der Piraten auf passende Weise entledigt?� fragte ich Tasdron.</p><p>�Ja�, sagte Tasdron. �Wir teilten sie auf verschiedene Gro�h�ndler auf mit der Bedingung da� pro Markt und pro Ort nicht mehr als einer verkauft wird. Auf diese Weise kommen die Burschen weit im Land herum, �berall im bekannten Gor.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. Policrates, Kliomenes, Callisthenes und ihresgleichen w�rden bald Sklavenkragen tragen und f�r ihre Herren schuften. Auf Gor hat man gute Verwendung f�r solche M�nner. Man erwirbt sie f�r Arbeitskolonnen, die von ihren Herren vermietet werden. Sie werden auch in Bergwerken, Steinbr�chen und in gro�en landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt.</p><p>�Wo ist Krondar?� fragte ich Miles aus Vonda.</p><p>�Auf dem Weg nach Ar.�</p><p>�Nach Ar?� Ich war erstaunt.</p><p>�Er hat auf unserer Seite vorz�glich gek�mpft�, sagte Miles. �Ich gab ihm die Freiheit.�</p><p>�Ausgezeichnet!� rief ich. �Er ist ein guter Bursche.�</p><p>�Und ich �berlie� ihm einen Teil meiner Beute aus Policrates� Festung.�</p><p>�Ausgezeichnet!�</p><p>�Erinnerst du dich an Bikkie, die aufreizende kleine Br�nette aus der Festung?�</p><p>�Nat�rlich�, antwortete ich. �Sie und Florence wurden dir bei der Aufteilung der Beute zugesprochen.�</p><p>�Ich habe sie Krondar geschenkt�, sagte Miles.</p><p>�Sehr gut�, sagte ich. �Er wird sie gut zu nutzen wissen.�</p><p>�Soviel steht fest!� rief Miles lachend.</p><p>�Wie ihr M�nner �ber uns redet!� sagte Florence.</p><p>�Still, Sklavin!�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie und senkte scheu den Kopf.</p><p>Die beiden Sklavinnen kehrten gleich darauf in die K�che zur�ck.</p><p>�Warum reist Krondar nach Ar?� fragte ich.</p><p>�Er will Kampfsklaven kaufen�, sagte Miles. �Anschlie�end gedenkt er sie freizulassen und K�mpfe unter freien M�nnern zu organisieren. Hat man so etwas schon einmal geh�rt?�</p><p>�Es mag Orte geben, wo solche Dinge geschehen�, sagte ich.</p><p>�Freie M�nner k�mpfen mit Waffen�, sagte Miles. �Es sind doch keine Tiere.�</p><p>�Krieger werden im waffenlosen Kampf ausgebildet�, gab ich zu bedenken.</p><p>�Doch nur f�r den Fall, da� sie einmal in der Klemme stecken und nicht mehr anders k�nnen�, wandte Miles ein.</p><p>Ich zuckte die Achseln. Gewi� gab es M�nner am Tisch, die von solchen Dingen mehr verstanden als ich.</p><p>�Es ist schwierig, einen Mann mit blo�en H�nden zu t�ten�, sagte Miles.</p><p>�Es gibt aber mehrere gute Methoden�, widersprach Callimachus, und wir best�tigten diese Aussage nickend.</p><p>�Ach?� sagte Miles aus Vonda.</p><p>�Gef�llt dir das Essen?� fragte ich Calliodorus, der bisher ziemlich schweigsam gewesen war.</p><p>�Ja�, sagte er, �sehr sogar.�</p><p>�Wie ich sehe, hast du dir keine Sklavin mitgebracht�, stellte ich fest.</p><p>�Nein.�</p><p>Calliodorus, das wu�ten wir, hatte vor l�ngerer Zeit in Port Cos ein M�dchen umworben. Die Gef�hrtenschaft war jedoch nicht zustande gekommen. Anscheinend hatte das M�dchen vor der gro�en Feier die Stadt verlassen.</p><p>�Du solltest aber eine Sklavin haben�, sagte ich. �Es gibt nichts Besseres, um einen Mann zu beruhigen.�</p><p>�F�r mich gibt es nur eine Frau�, antwortete er, �um deren h�bschen Hals ich jemals einen Sklavenkragen legen wollte.�</p><p>Ich hob den winzigen Silberkelch an die Lippen und trank einen Schluck des schwarzen Weins. Das Getr�nk ist derma�en stark und schmeckt so bitter, da� es normalerweise nur so getrunken wird, in winzigen Schlucken. Dabei wird der Geschmack auch durch Sahne und Zucker ged�mpft. Ich verzichtete auf diese Zutaten, wohl weil ich es auf der Erde gew�hnt gewesen war, meinen Kaffe schwarz zu trinken, und der schwarze Wein Gors eindeutig ein vergleichbares Getr�nk ist.</p><p>Ich sah Aemilianus� Sklavin aus der K�che kommen und lauschte gleichzeitig den unaufdringlich spielenden Musikern, die einige Fu� schr�g vor meinem Tisch auf einem Teppich sa�en.</p><p>Die h�bsche Blondine begann damit, einige Lampen herunterzuschrauben.</p><p>�Was machst du?� fragte ich.</p><p>�Verzeih, Herr!� antwortete sie und huschte in die K�che. Die Beleuchtung war nun romantisch ged�mpft, und nur vor den Tischen war ein Bereich noch etwas heller bestrahlt. Als die Sklavin den Raum verlie�, h�rten die Musiker auf zu spielen. Es schien interessant zu werden.</p><p>�Was ist los?� wollte Miles aus Vonda wissen.</p><p>�Ich wei� nicht�, gab ich zur�ck.</p><p>�Eine kleine Vorstellung?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>In diesem Moment kehrte Aemilianus� blonde Sklavin zur�ck und legte ein gro�es St�ck schimmerndes Leinen �ber das untere Ende des Tisches. Dann entz�ndete sie eine niedrige dicke Kerze, die auf einem Teller stand, und hinterlie� sie auf dem Tisch.</p><p>Ich betrachtete das wei�e Tischtuch und die Kerze im Halbd�mmer. Ich war verbl�fft. Welche Erinnerungen sich da regten!</p><p>Leise begannen die Musiker wieder zu spielen. Das M�dchen erschien an der K�chent�r.</p><p>Freudige und �berraschte Ausrufe wurden laut.</p><p>�Sie ist wundersch�n�, sagte Tasdron.</p><p>�Was ist das f�r Kleidung?� wollte Glyco wissen.</p><p>Das h�bsche dunkelhaarige M�dchen stand im Licht auf den Kacheln vor den Tischen. Das Haar hatte sie streng zur�ckgek�mmt und festgebunden. Ihren K�rper umh�llte ein Gewand, das wie ein schulterfreies g�rtelloses Seidenkleid wirkte. Goldene Schn�re wanden sich um ihre F��e.</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte Miles aus Vonda. �Hat dies eine Bedeutung?�</p><p>Ich war beinahe �berw�ltigt. �Mir bedeutet es sehr viel�, sagte ich. �Ich m�chte euch das erkl�ren. Zun�chst einmal mu�t du wissen, Glyco, da� die Kleidung, die sie tr�gt, sehr an die Aufmachung einer freien Frau auf der Erde erinnert.�</p><p>Anmutig drehte sich das M�dchen vor uns hin und her.</p><p>�Die Sachen sollen mich hier und jetzt an die Kleidung erinnern, die dieses M�dchen vor langer Zeit als freie Frau trug, bei einer wichtigen Begegnung.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte Glyco.</p><p>�Und es war die Kleidung, in der sie meines Wissens zum erstenmal ihre Weiblichkeit eingestand.�</p><p>�Tun das die Frauen der Erde nicht?� fragte Glyco.</p><p>�Viele f�rchten sich davor.�</p><p>�Und die M�nner der Erde?�</p><p>�Viele ermutigen die Frauen, sich als Pseudo-M�nner zu geb�rden. Auch in ihrer strengen Aufmachung, die T�chtigkeit und M�nnlichkeit vorstellen soll.�</p><p>�Interessant�, sagte Glyco. �So etwas trifft auf diese Kleidung aber nicht zu, die mir ziemlich weiblich vorkommt.�</p><p>�Solche Ungereimtheiten�, antwortete ich, �sind f�r viele Erdenfrauen eben nicht untypisch. Sie deuten auf Unsicherheiten im Eigenbild der Frau hin, und vor allem auf eine gewisse Verwirrung in bezug auf ihre Sexualit�t. Es mag dar�ber hinaus noch viele andere Gr�nde geben. In manchen F�llen kann eine solche Aufmachung andeuten, da� tats�chlich der Weg zur wahren Weiblichkeit schon betreten wurde.�</p><p>�Das Tuch auf dem Tisch und die Kerze�, sagte Miles aus Vonda, �sollen wohl den Ort der Zusammenkunft darstellen, von der du sprachst.�</p><p>�Ja�, gab ich zur�ck. �Es war ein Ort, an dem Nahrung aufgetragen wurde und man sich angenehm unterhalten konnte.�</p><p>�Eine Taverne?�</p><p>�Eigentlich nicht.� Auf Gor gibt es kein Wort f�r Restaurant. �Es gab dort keine Pagasklavinnen und auch keine T�nzerinnen.�</p><p>�Wieso geht man dann dorthin?� fragte Miles aus Vonda.</p><p>�Sie suchte diesen Ort auf, um mit mir eine delikate, intime Angelegenheit zu besprechen�, antwortete ich.</p><p>�Sie wollte sich dir als Sklavin anbieten?�</p><p>�Wenn das der Fall war, so wurde das von keiner Seite so aufgefa�t.�</p><p>�So erscheint sie nun vor uns, wie sie damals ausgesehen hat?� fragte Glyco.</p><p>�Ja�, sagte ich, �obwohl es nat�rlich Unterschiede gibt. Zum Beispiel war ihr Hals damals nackt.� Heute trug das M�dchen ein d�nnes Halstuch, das sie um ihren Sklavenkragen gewickelt hatte.</p><p>Die h�bsche Erscheinung aus meiner Vergangenheit begann sich anmutig im Takt der Musik zu wiegen, drehte sich, streckte die H�nde aus und zeigte uns das Gewand, das sie trug. Dann kehrte sie auf die Tanzfl�che zur�ck.</p><p>Ich betrachtete sie. Wie sch�n sie war! Sie blickte mich an. Und begann entschlossen im Takt zur Musik ihr Haar zu �ffnen.</p><p>Am Tisch gab es Beifall daf�r, denn sie bewegte sich wohlgef�llig f�r das Auge.</p><p>�Ihr seht, wie sch�n eine Erdenfrau sein kann.�</p><p>Vorsichtig l�ste sie das Kleid unter dem Arm, an der H�fte, am Oberschenkel und am Knie und zog es aus. Dabei sah ich, da� hier lediglich ein rechteckiges wei�es Tuch genommen und geschickt umgeschlagen und vern�ht worden war, um einem schulterfreien Kleid zu �hneln.</p><p>Leiser Applaus klang auf; die M�nner an den Tischen schlugen sich mit den F�usten an die Schultern.</p><p>Die Sklavin stand in einem kurzen Unterrock vor uns.</p><p>�Das ist nun aber wirklich ein Sklavengewand�, bemerkte Glyco.</p><p>�Stimmt�, sagte ich. Doch ich mu�te l�cheln, wu�te ich doch, da� solche Gew�nder auf der Erde von freien Frauen getragen wurden, allerdings als Unterkleidung.</p><p>Das M�dchen setzte sich anmutig nieder und begann die goldenen Riemen von den F��en zu l�sen. Im Restaurant hatte sie vor langer Zeit goldene Pumps getragen, die �hnlich festgeschnallt gewesen waren. Sie sah mich an. Jeder der Anwesenden wu�te, was ihre Vorstellung bedeutete.</p><p>Unter Applaus richtete sie sich auf und l�ste den Unterrock.</p><p>�Ah!� murmelte mehr als ein Mann.</p><p>�Interessant�, bemerkte Glyco.</p><p>�Was ihr hier seht�, erkl�rte ich, �ist eine Nachbildung der typischen Unterkleidung f�r eine Erdenfrau.�</p><p>Der B�stenhalter war auf raffinierte Weise mit weicher wei�er Seide nachgebildet worden. Ihre Sch�nheit, weich und beinahe gegen die Einengung protestierend, war dennoch offensichtlich. Sie hob lasziv die H�nde, was ihre Br�ste auf das h�bscheste zur Geltung brachte, griff nach hinten und lie� den Stoffstreifen fallen.</p><p>Unsere Blicke begegneten sich.</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Glyco.</p><p>Das M�dchen bewegte die rechte Hand an die H�fte, �ffnete den Stoff des kurzen Lendenschurzes, den sie noch trug, wand ihn ab und lie� ihn zu Boden fallen.</p><p>Anschlie�end kroch sie auf H�nden und Knien zu mir.</p><p>�Ausgezeichnet!� rief Glyco. Es gab lebhaften Beifall.</p><p>Ich ergriff die kleine Sklavin an den Oberarmen und hielt sie fest. Tief blickte ich ihr in die Augen. Sie atmete schwer, von Gef�hlen �berw�ltigt. Flehend blickte sie zu mir auf.</p><p>Nie h�tte ich es f�r m�glich gehalten, da� sie uns eine solche Vorstellung geben k�nnte. Ich hatte Lola wohl gesagt, da� sie an der Unterhaltung unserer G�ste teilnehmen sollte, doch hatte ich so etwas �berraschendes und Sch�nes nicht erwartet. Offenbar hatte dieses M�dchen ihren Auftritt selbst vorgeschlagen und ausgearbeitet, denn von vielen der darin enthaltenen Einzelheiten konnte Lola nichts wissen. Mit ihrem Auftritt hatte also die kleine dunkelhaarige Sklavin zu mir gesprochen. Ein wundersch�nes Geschenk f�r mich.</p><p>Das Zimmer war nun wieder normal beleuchtet, und man hatte die Kerze und das Tischchen fortger�umt. Florence kniete mit leuchtenden Augen hinter Miles aus Vonda und streichelte seinen R�cken.</p><p>Ich blickte in die Augen der kleinen Sklavin, die mich flehend ansahen. �Herr�, fl�sterte sie.</p><p>�Es wird Zeit f�r Lik�r und Branntwein, Sklavin�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr�, fl�sterte sie. Dann richtete sie sich auf und eilte auf die K�che zu.</p><p>�Sklavin!� rief ich.</p><p>�Ja, Herr?� gab sie zur�ck.</p><p>�Du wirst bedienen, wie du bist.�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Ah!� rief Glyco. �Eine St�rkung!�</p><p>Als erste verlie� Aemilianus� gutgebaute Sklavin die K�che; sie trug ebenso ein Tablett wie die kleine br�nette Sklavin, die ihr dichtauf folgte. Die beiden boten Lik�re und Branntwein an.</p><p>�Eine freie Frau!� rief Glyco pl�tzlich erstaunt.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>In der K�chent�r war eine Frauengestalt erschienen, die eine Verh�llungsrobe trug.</p><p>Die M�nner erhoben sich, denn auf Gor ist diese Geste �blich, wenn eine freie Frau ins Zimmer kommt. Nur ich blieb sitzen.</p><p>Aemilianus� gutgewachsene Sklavin kniete hastig nieder und machte sich dabei so klein wie m�glich. Meine kleine dunkelhaarige Sklavin folgte ihrem Beispiel, ebenso Peggy und Florence. Sklavinnen f�rchten freie Frauen sehr.</p><p>Die Frau in der Verh�llungsrobe schien unsicher zu sein, sogar �ngstlich. Z�gernd n�herte sie sich dem Tisch. Sie wu�te nicht genau, was sie tun sollte.</p><p>�Eine freie Frau ist anwesend�, fl�sterte Glyco mir zu.</p><p>Doch ich stand nicht auf.</p><p>�Du!� sagte sie pl�tzlich hinter ihrem Schleier hervor und deutete auf Calliodorus aus Port Cos. �Du bist hier?�</p><p>Er schien erstaunt zu sein. Er beugte sich vor, wie um durch die Schleier zu schauen.</p><p>�Du bist Calliodorus aus Port Cos?� fragte sie. Ich hatte ihr nat�rlich nicht gesagt, da� Calliodorus als Gast zu unserem Abendessen erwartet wurde.</p><p>�Du!� rief er pl�tzlich. �Ist es wirklich m�glich? Nein! Du kannst es nicht sein! Nicht nach all den Jahren!�</p><p>�Ich bin es aber�, sagte sie zitternd.</p><p>�Meine Herren�, sagte Calliodorus mit heiserer Stimme, �dies ist die freie Frau Lola aus Port Cos.�</p><p>Pl�tzlich begann das M�dchen schluchzend an den Schleiern und ihrer Robe zu zerren und offenbarte auf diese Weise, da� sie eine Sklaventunika und einen Metallkragen trug.</p><p>�Ich bin keine freie Frau!� rief sie und warf sich Calliodorus zu F��en. �Ich bin Sklavin!�</p><p>�Und sie geh�rt dir!� rief ich.</p><p>Wie bet�ubt betrachtete Calliodorus die Sch�nheit vor sich.</p><p>Ich stand auf.</p><p>Mit wildem Blick schaute sie sich zu mir um. �Herr!� rief sie.</p><p>�Du geh�rst jetzt ihm�, sagte ich und deutete auf Calliodorus.</p><p>�Danke, Herr!� rief sie. �Danke, Herr!� Sie sprang auf, eilte zu mir und fiel schluchzend vor mir auf die Knie. Ihre Freude begl�ckte mich. Wenn man richtig mit ihr umging, war sie eine hervorragende Sklavin. Sie hatte mir gut gedient. Ich hielt es nicht f�r unangebracht, sie zu belohnen. Und so hatte ich sie Calliodorus geschenkt.</p><p>Das M�dchen erhob sich und kehrte im Laufschritt zu Calliodorus zur�ck. Tr�nen standen ihr in den Augen, als sie fragte: �Nimmst du mich, Herr?�</p><p>�In Port Cos�, sagte er, �vor langer Zeit, da umwarb ich dich in aller Form und Ehre, wie es einer freien Frau zustand. Sehr gut waren wir bekannt, und oft sprachen wir lange und eingehend miteinander.� Sein Blick war abweisend. �Und bei einem dieser Gespr�che machtest du mir ein unaussprechliches Gest�ndnis, du gestandest mir deine Sklavensehns�chte ein.�</p><p>�Ich sch�mte mich ja so!� antwortete sie und wandte den Blick ab.</p><p>�Wie konnte ich mein Bett auf ehrenvolle Weise mit einer Frau teilen, die mir ihre Sehnsucht nach der Sklaverei gestanden hatte? Solche M�dchen konnte ich mir auf dem Markt kaufen. So trennten wir uns nat�rlich. Unsere Familien aber bestanden auf einer Erkl�rung. Wir schwiegen aus Furcht von Entehrung.�</p><p>�Aber damit unsere Verlobung nicht nach au�en hin gescheitert aussah�, fuhr sie mit feuchten Augen fort, �und damit unsere Familien nicht ins Gerede kamen, erkl�rtest du dich bereit, die Gef�hrtenschaft dennoch weiter zu betreiben. Du sahst es als deine Pflicht als Offizier und Ehrenmann.�</p><p>Schweigend musterte er sie.</p><p>�Ich aber hatte keine Lust, verachtet und vernachl�ssigt in einem kalten Bett zu darben, w�hrend du dich mit M�dchen vom Markt vergn�gtest. So floh ich aus der Stadt.�</p><p>�In mindestens einem Punkt irrst du dich�, sagte er. �Ich hatte mich nicht wegen des Drucks der Familie dann doch f�r die Gef�hrtenschaft entschieden. So schwach bin ich nicht. Auch hatten meine Pflichten als Offizier und Ehrenmann nichts damit zu tun.�</p><p>�Was war es dann?� fragte sie.</p><p>�Ich wollte dich haben�, antwortete er.</p><p>�Aber ich hatte dir meine Sehns�chte gestanden�, sagte sie.</p><p>�Nach unserem Gespr�ch dachte ich gr�ndlich nach�, fuhr er fort. �Du hattest es gewagt, mir dieses Gest�ndnis zu machen, und im ersten Moment war ich besch�mt und schockiert. Sp�ter fragte ich mich nach dem Grund. W�re eine bewu�te T�uschung von deiner Seite nicht viel besch�mender gewesen als diese Wahrheit? Liegt denn wirklich gr��ere Ehre in Heuchelei als in Ehrlichkeit? Das konnte ich nicht bejahen. Da ging mir auf, wie mutig du mir gegen�ber gewesen warst. Meine Entr�stung wich Dankbarkeit und Bewunderung. Gleichzeitig fragte ich mich, weshalb ich mich eigentlich aufregte. Hatte das ganze Zerw�rfnis nicht auch mit ureigenen �ngsten auf meiner Seite zu tun, die darauf hinausliefen, da� ich in mir wom�glich entsprechende Sehns�chte entdecken k�nnte, das Bed�rfnis, dich zu beherrschen? Du hattest es gewagt, die Grenzen der Heuchelei zu �berschreiten. Hier schien ein Alltagsmythos ausger�umt zu sein, was ich zuweilen bedauerte. Doch solche Mythen sch�tzen uns eben nicht ewig. Irgendwann fallen sie den Flammen der Wahrheit zum Opfer.�</p><p>�Du h�ttest mich trotz meines Gest�ndnisses genommen?�</p><p>�Deine Sehns�chte machten dich tausendmal begehrenswerter�, antwortete er. �Welcher Mann w�nscht sich keine Sklavin?�</p><p>Verbl�fft blickte sie ihn an.</p><p>�Dann darf ich vermuten, da� du das Geschenk annimmst?� fragte ich.</p><p>�In der Tat!� sagte er. �Und ich danke dir.�</p><p>�Ich hatte sie Lola genannt�, sagte ich. �Du kannst dir nat�rlich einen neuen Namen f�r sie aussuchen.�</p><p>�Du bist Lola�, sagte er zu der Sklavin.</p><p>�Danke, Herr�, antwortete sie und neigte den Kopf.</p><p>Gel�chter brandete auf, und es gab goreanischen Applaus. Calliodorus wurde f�r seine Gabe begl�ckw�nscht, und mir gratulierte man zu der Gro�z�gigkeit und Umsicht meines Geschenks. Und wieder setzten wir uns. Das Geschenk hockte liebevoll neben seinem neuen Herrn.</p><p>�Es scheint an der Zeit�, sagte Tasdron lachend, �meinen Beitrag f�r diesen Abend zu leisten.� Verwirrt sah Peggy ihn an. �Steh auf, Sklavin!� sagte er zu ihr. �Und zieh dich aus!�</p><p>Sofort gehorchte das M�dchen. Einem Befehl ihres Herrn wagte sie nicht zu widersprechen. Gleichwohl err�tete sie, denn sie hatte sich vor dem Mann entkleiden m�ssen, den sie liebte.</p><p>�In der Taverne�, sagte Tasdron, �hast du doch schon verschiedene T�nze gesehen, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Herr�, sagte sie.</p><p>�Und dazu geh�rt doch sicher auch Sa-eela?�</p><p>�Ja, Herr.�</p><p>�Dann tanz ihn jetzt.�</p><p>�Aber ich bin keine T�nzerin!� rief sie.</p><p>�Mu� ich meinen Befehl wiederholen?� fragte er.</p><p>�Nein, Herr!� rief sie und hob die H�nde, die Handr�cken aneinandergelegt, �ber dem Kopf.</p><p>Wie sch�n Peggy in diesem Moment aussah, obwohl sie Todes�ngste ausstand!</p><p>Der Sa-eela ist einer der bewegendsten, rhythmischsten und erotischsten Sklavent�nze Gors und geh�rt zur Gruppe der Lockt�nze, mit denen ein vernachl�ssigtes Sklavenm�dchen die Aufmerksamkeit ihres Herrn zu erwecken versucht.</p><p>Tasdron gab den Musikern ein Zeichen.</p><p>Und dann begann Peggy zu tanzen.</p><p>Ich erinnerte mich an sie; vor langer Zeit hatte sie auf der Erde in dem Restaurant als Garderobenm�dchen gearbeitet. Welch weiter Weg bis zu dieser aufreizenden, h�bschen Erscheinung, die uns in ihren Bann zog! Niemand vermochte sich der erotischen Wirkung der Darbietung zu entziehen, so unerfahren Peggy als T�nzerin auch sein mochte. Die kleine Sklavin an meiner Seite reagierte ebenso wie die anderen Zuschauer. Mein Blick wanderte zu Lola, die in Calliodorus� Armen lag, zu Florence, die hinter Miles aus Vonda kniete, zu dem M�dchen, das zuvor Shirley gehei�en hatte und jetzt die Sklavin Aemilianus� war. Sie alle atmeten tief, und ihre Augen funkelten. Fasziniert, erregt, ver�ngstigt beobachteten sie die wundersch�ne Sklavin. Sie wu�ten, da� auch sie den Sklavenkragen trugen.</p><p>Der Tanz ging allm�hlich seinem H�hepunkt entgegen. Peggy begann zu schwitzen. Sie tanzte vorz�glich. Frauen sind unglaublich sch�n! Es ist ein Wunder, da� M�nner bei ihrem Anblick nicht losschreien m�ssen. Kein Wunder, da� die Goreaner ihnen Eisenkragen umlegen und sie besitzen wollen.</p><p>�Oh!� keuchte die kleine Sch�nheit, die neben mir kniete. Ich l�chelte, wu�te ich doch, da� sie bisher auf Gor noch nicht viele Sklavinnen hatte tanzen sehen.</p><p>Die Musik wurde schneller und endete j�h, und Peggy warf sich aus einer letzten Drehung heraus vor Callimachus aus Port Cos auf die Bodenfliesen. Sie streckte einen Arm in seine Richtung und blickte ihn offen an.</p><p>�berw�ltigt stand Callimachus auf. Er hatte die F�uste geballt. Wortlos starrte er die schwitzende Sklavin zu seinen F��en an.</p><p>�Sie geh�rt selbstverst�ndlich dir�, sagte Tasdron. �Jason und ich waren der Meinung, da� du sie interessant finden k�nntest.�</p><p>Callimachus l�ste den Blick nicht von dem M�dchen. �Von dem ersten Moment, als ich dich sah�, sagte er, �wollte ich dich als Sklavin besitzen.�</p><p>�Und von dem ersten Moment, als ich dich sah, Herr�, antwortete das M�dchen, �war ich deine Sklavin.�</p><p>Und er zog das M�dchen hoch, pre�te sie an sich und begann ihr Gesicht, ihren Mund, ihren Hals und ihre Br�ste mit K�ssen zu bedecken.</p><p>�O Herr!� flehte Florence. �Bitte bring mich nach Hause!�</p><p>�Es war ein sch�ner Abend�, sagte Miles aus Vonda grinsend und stand auf.</p><p>Wir machten es ihm nach.</p><p>�Ich werde dich Peggy nennen�, sagte Callimachus zu seiner neuen Sklavin. �Ein hervorragender Name f�r eine Sklavin von der Erde.�</p><p>�Ja, Herr!� rief sie. �Ich bin Peggy!�</p><p>Tasdron gab den Musikern das Zeichen zum Aufbruch. Dann schnippte er mit den Fingern und rief Peggy zu sich. Er nahm ihr den Kragen ab, und sie kehrte unterw�rfig zu ihrem neuen Herrn Callimachus zur�ck. Ich warf Aemilianus den Schl�ssel zu Shirleys Kragen zu, und er �ffnete ihn. Ich selbst nahm Lola den Stahl ihrer Sklaverei ab, damit ihr neuer Herr Calliodorus sein eigenes Besitzzeichen anbringen konnte.</p><p>�Ich habe eine Ansage zu machen�, sagte Tasdron in die Runde, �die ich mir bis jetzt aufgehoben habe.� Wir blickten ihn an. �Die Streitkr�fte der Vosk-Liga m�ssen in der n�chsten Zeit aufgestellt werden�, sagte Tasdron. �Es ist mir eine Ehre und ein Vergn�gen, euch mitzuteilen, da� einer aus unserer Runde sich einverstanden erkl�rt hat, als Kommandant dieser Streitmacht zu wirken. Nat�rlich meine ich Callimachus aus Port Cos!�</p><p>�Gl�ckwunsch!� rief ich und sch�ttelte Callimachus die Hand. Es gab goreanischen Applaus.</p><p>�Die Ernennung wurde heute nachmittag in einer Geheimsitzung des Hohen Rats der Vosk-Liga beschlossen�, fuhr Tasdron fort. �In diesem Rat sitzen Vertreter aller Mitgliedsst�dte. Hier und jetzt schien es mir geraten, diese Ernennung publik zu machen.�</p><p>�Vielen Dank, Tasdron�, sagte ich. Er hatte meinem Haus eine gro�e Ehre erwiesen. Mit leuchtenden Augen blickte Peggy zu Callimachus auf. Wie stolz sie auf ihren Herrn war!</p><p>�Aber was ist mit Port Cos?� fragte Calliodorus. �Willst du nicht nach Port Cos zur�ckkehren, um Callisthenes als Erster Kapit�n abzul�sen?�</p><p>�Dieser Posten geh�rt dir, mein Freund Calliodorus�, sagte Glyco.</p><p>�Mein Dank!� rief Calliodorus.</p><p>Wir applaudierten ihm, begl�ckw�nschten ihn und lie�en erkennen, wie klug wir die Entscheidung fanden. Auch Lola hatte Grund, auf ihren Herrn stolz zu sein.</p><p>Tasdron griff in seinen G�rtelbeutel. �Ich bin sicher, ihr alle erkennt das�, sagte er und hielt zwei Steinst�cke in den H�nden.</p><p>�Der Topas!� rief Aemilianus.</p><p>�Der Topas!� sagte Calliodorus.</p><p>�Was ihr nicht wi�t�, fuhr Tasdron fort, �ist, da� dieser Stein vor �ber einem Jahrhundert in seiner unzerbrochenen Form der Heimstein Victorias war.�</p><p>Wir waren erstaunt. Es wurde still in dem gro�en Raum.</p><p>�Vor �ber hundert Jahren�, sagte Tasdron, �wurde der Stein von Piraten entf�hrt und zerteilt. Seit dieser Zeit hat Victoria keinen Heimstein besessen. Der ehemalige Heimstein diente in dieser Zeit als Allianz-Symbol unter Flu�r�ubern. In wenigen Tagen werden die Mitglieder des Rats von Victoria zum Flu� hinabgehen und am Ufer des Vosk einen ganz gew�hnlichen Stein erw�hlen, der sich wohl kaum von anderen unterscheiden wird. Dieser Stein soll dann der neue Heimstein Victorias sein.�</p><p>Mir schossen die Tr�nen in die Augen.</p><p>�Und der Topas?� fragte Aemilianus.</p><p>�Der ist zerbrochen�, sagte Tasdron, �und kann nicht mehr als Heimstein dienen.�</p><p>�Warum hast du ihn mitgebracht?� wollte Calliodorus wissen.</p><p>�Ar-Station und Port Cos�, antwortete Tasdron, ��ben am Flu� gro�en Einflu� aus. Ich habe den Stein mitgebracht, um eine H�lfte dir zu geben, Aemilianus, und die andere dir, Calliodorus. Er soll euch daran erinnern, da� ihr, was immer sich sp�ter noch ergeben mag, hier einmal zusammen gek�mpft habt und Kameraden wart.�</p><p>Und Tasdron gab eine H�lfte Aemilianus und die andere Calliodorus.</p><p>�Vielen Dank�, sagte Aemilianus.</p><p>�Vielen Dank�, sagte auch Calliodorus.</p><p>Und Aemilianus schaute Calliodorus an. �Wir wollen den Topas niemals vergessen�, sagte er.</p><p>�Niemals�, sagte Calliodorus.</p><p>Dann gingen wir zur T�r, und nacheinander verabschiedeten sich die G�ste. Miles aus Vonda war der erste, gefolgt von der gutgebauten Sch�nheit Florence. Aemilianus empfahl sich, gefolgt von Shirley. Dann verabschiedeten sich Glyco und Calliodorus, beide aus Port Cos. Ihnen schlo� sich Lola an.</p><p>Tasdron und Callimachus blieben an der T�r stehen.</p><p>�Tasdron�, sagte ich, �wenn der Rat zum Vosk-Ufer hinabgeht, so hoffe ich dort zu sein.�</p><p>�Das hoffen wir auch�, erwiderte Tasdron. �Du und alle anderen Victorianer, ihr seid willkommen.�</p><p>Wir gaben uns die H�nde, und Tasdron ging.</p><p>�Noch einmal herzlichen Gl�ckwunsch�, sagte ich zu Callimachus.</p><p>�Vielen Dank�, antwortete er. �Nat�rlich brauche ich kr�ftige M�nner, M�nner aus allen St�dten, ehrliche, kampferfahrene Soldaten.�</p><p>�Du wirst sie sicher finden�, gab ich zur�ck. �Die besten Schwertk�mpfer des Flusses werden begierig sein, sich in deine Dienste zu begeben.�</p><p>Achtlos schob er Peggy vor sich durch die T�r. �Das vorl�ufige Hauptquartier der Streitkr�fte der Vosk-Liga befindet sich im privaten Hinterzimmer von Tasdrons Taverne. Du kennst den Ort.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich. Wir hatten uns dort oft getroffen.</p><p>�In f�nf Tagen�, fuhr Callimachus fort, �wirst du dich dort bei mir melden.�</p><p>�Melden?�</p><p>�Ich habe dich zu meinem Stellvertreter erw�hlt.�</p><p>�Callimachus!� rief ich.</p><p>�Oder f�rchtest du, nachdem du nun reich bist, die M�hen des Milit�rdienstes, die Verantwortung eines solchen W�chteramts?�</p><p>�Nein!� rief ich.</p><p>�Dann kennst du deinen Marschbefehl�, sagte er.</p><p>�Ja, Kapit�n!� sagte ich.</p><p>Er ging einige Stufen der Treppe hinab und drehte sich noch einmal um. �Wir k�nnten ausf�hrlich dar�ber sprechen, aber du verstehst sicher, da� ich es eilig habe, die h�bsche Peggy nach Hause zu schaffen.�</p><p>�Ja, Kapit�n!� sagte ich grinsend.</p><p>Er wandte sich ab, und ich schlo� die T�r und legte die Riegel vor. Dann wandte ich mich der kleinen Sklavin zu, die hinter mir wartete.</p></section><section><title><p>21</p></title><p>Wie klein und warm sie war, wie h�bsch anzuschauen, wie sie da auf den Fellen der Liebe in meinen Armen lag, im weichen Licht der Liebeslampe!</p><p>�Ich bin ja so gl�cklich, Herr�, sagte sie. �So gl�cklich!�</p><p>Zum erstenmal hatte ich sie am Fu� des Diwans genommen und dann wiederholte Male in der W�rme der Felle.</p><p>�Ich h�tte nie gehofft, jemals so gl�cklich zu sein�, fl�sterte sie.</p><p>Das Licht des Morgens sickerte bereits durch die Vorh�nge. Es versprach ein warmer Tag zu werden. Wir hatten lange geschlafen. V�gel sangen im Garten.</p><p>Ich war in der K�che gewesen und hatte etwas zu essen geholt. Wir kosteten von den Datteln und Larmascheiben und Geb�ckst�cken. Es war angenehm mit einer nackten jungen Dame zu fr�hst�cken.</p><p>Wir sprachen �ber viele Dinge, auch �ber unser fr�heres Leben auf der Erde und unsere Erlebnisse auf der Universit�t. Sie war sehr gespr�chig.</p><p>�Ich habe noch etwas�, sagte ich.</p><p>Aus der K�che holte ich ein Gef�� mit hei�em schwarzen Wein, dazu Zucker und Milch, Tassen und L�ffel. Sie bereitete die Portionen, und wir tranken vorsichtig. Sie kniete vor mir und hielt das kleine Gef�� an seinen beiden Griffen und nippte vorsichtig. Stumm schauten wir uns beim Trinken an.</p><p>Wie sch�n sie war � und sie geh�rte mir!</p><p>�Es gef�llt mir, deine Sklavin zu sein, Herr!� fl�sterte sie.</p><p>�Trink aus!� sagte ich.</p><p>�Ja, Herr.� Ich stellte den kleinen Kelch ab.</p><p>Ich musterte sie; mein Blick wanderte von den kleinen F��en �ber die h�bschen Schenkel zur aufreizenden Rundung ihrer H�ften, dann �ber die Br�ste, zu den Schultern, Armen und H�nden, �ber die lieblichen Lippen und empfindsamen, zarten Gesichtsz�ge und verwundbaren Augen, bis hin zu dem dunklen dichten Haar.</p><p>Sch�chtern stellte sie den Kelch ab. �Der Herr begehrt mich�, sagte sie.</p><p>Ich schob das Tablett zur Seite. Halb kniete, halb hockte sie vor dem gro�en Diwan. Ich erkannte, da� sie Angst hatte.</p><p>�Hast du manchmal Angst vor den W�nschen deines Herrn?� fragte ich.</p><p>�Manchmal vor deinen Augen�, sagte sie.</p><p>�Was siehst du in meinen Augen?�</p><p>�Goreanische Lust�, antwortete sie. �Und ich wei� mich hilflos gegen�ber diesem Dr�ngen.� Sie erschauderte.</p><p>Es war angenehm, diese versklavte Sch�nheit im Arm zu halten.</p><p>�Du hast recht�, sagte ich, �du bist nichts anderes als eine namenlose Sklavin.�</p><p>�Hat mein Herr sich �ber einen Namen f�r mich Gedanken gemacht?�</p><p>�Ich kann dich nennen, wie ich will�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr. Oh, oh, Herr!�</p><p>�Vielleicht �Prinzessin� oder �Trixie��, sagte ich und bewegte mich in ihr.</p><p>�Der Herr kann entscheiden, was ihm beliebt.�</p><p>�Zu dir pa�te auch ein ganz anderer h�bscher Name�, sagte ich. �Aber warum sollte ich �ffentlich machen, wie ansprechbar du f�r einen Herrn bist.�</p><p>Sie begann zu schluchzen und klammerte sich verzweifelt an mich. Ich sp�rte, da� sie dem Orgasmus nahe war.</p><p>�Sch�n�, sagte ich und setzte die vorsichtige Bewegung fort. Sofort begann sie zu st�hnen und zu zucken und blickte mich aus starren Augen an, ohne etwas zu sehen. Schlie�lich warf sie hilflos den Kopf in den Nacken. �Ich taufe dich �Beverly��, sagte ich.</p><p>�Ich bin Beverly!� schrie sie. �Ich bin Beverly!�</p><p>Und schluchzend drehte sie sich zur Seite und zog die Knie an. �Mein Herr hat mir einen Namen gegeben. Ich bin Beverly.�</p><empty-line/><p>�Es ist Abend, Herr�, fl�sterte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>Ich hatte die Liebeslampe nachgef�llt und wieder angez�ndet. In dem weichen Licht sah sie wundersch�n aus.</p><p>�Die ganze letzte Nacht und den ganzen heutigen Tag hast du mich bei dir behalten�, sagte sie.</p><p>�Ich habe lange darauf gewartet, dich zu besitzen�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr.� Sie rollte herum und blickte zur Decke empor. �Callimachus hat dich zu seinem Stellvertreter bei den Streitkr�ften der Vosk-Liga bestimmt�, sagte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann bin ich also die Sklavin eines wichtigen Mannes, nicht wahr?�</p><p>�Mag sein�, gab ich zur�ck. �Aber vergi� nicht, da� du nur seine Sklavin bist.�</p><p>�Ja, Herr. Wei�t du noch, wie ich vor langer Zeit in dem Restaurant die Tr�ume erw�hnte, die mir damals seltsam vorkamen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich hatte oft getr�umt, da� ich Sklavin w�re, da� mir ein Stahlkragen um den Hals l�ge und da� ich einem Mann dienen m��te.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�Diese Tr�ume hatten etwas Gemeinsames, lieber Herr�, fuhr sie fort, �das ich dir damals nicht zu sagen wagte.�</p><p>�Und das war?�</p><p>Sie hob den Blick. �Jener Mann, dem ich dienen mu�te, war immer derselbe.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Und zwar du, Herr.�</p><p>Behutsam nahm ich sie in die Arme.</p><p>�Du siehst also, Herr � f�r mich bist du ein wahrgewordener Traum.�</p><p>�Und du f�r mich, s��e Sklavin�, gab ich zur�ck.</p><p>�Herr?�</p><p>�Sehr oft stellte ich mir vor, dich nackt in den Armen zu halten, meinem Willen unterworfen.�</p><p>�Ich bin jetzt hier, Herr.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und nirgendwo anders m�chte ich sein�, fl�sterte sie.</p><p>Ich betrachtete Beverly im Licht der Liebeslampe.</p><p>�Verflogen sind die Schmerzen und Schamgef�hle der Erde�, sagte sie leise.</p><p>Ich k��te sie sanft.</p><p>�Wie befremdet w�re ich wohl vor langer Zeit auf der Erde gewesen�, sagte sie, �h�tte mir jemand prophezeit, ich w�rde meine Erf�llung auf einer fernen Welt finden � auf einem Sklavenlager.�</p><p>�Du bist eine Frau�, sagte ich.</p><p>�Ja, Herr�, antwortete sie.</p><p>Liebevoll brachte ich sie zur Ekstase.</p></section></body><binary id="cover" 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